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Full text of "Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover"

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DIE KUNSTDENKMÄLER 
DER PROVINZ HANNOVER 



HERAUSGEGEBEN VOM OBERPRÄSIDENTEN 
(VERWALTUNG DES PROVINZIALVERBANDES) 



IL REGIERUNGSBEZIRK HILDESHEIM 
HEFT 7 

LANDKREIS GOSLAR 

BEARBEITET VON 
OSKAR KIECKER CARL BORCHERS 

MITARBEITER: 

HANS LÜTGENS 



MIT 166 TEXTABBILDUNGEN UND 100 TAFELN 



SELBSTVERLAG DER PROVINZI ALVERWALTUNG 
THEODOR SCHULZES BUCHHANDLUNG, HANNOVER 

1937 
HEFT 22 DES GESAMTWERKES 



Druck und Klischeeherstellung von 
GEBRÜDER JÄNECKE 
Druck- und Verlagshaus, Hannover 




Vorwort. 

Der vorliegende Band des Denkmalwerks der Provinz ist wie der gleichzeitig 
erscheinende Band ,, Stadt Celle" noch nicht nach den neuen Richtlinien gearbeitet, 
die sich aus der energischeren, gründlicheren und beschleunigten Bestandsaufnahme 
der Kunstdenkmale im Dritten Reich jüngst ergeben haben; doch konnte die 
Bearbeitung in wesentlichen Teilen den neuen Forderungen angeglichen werden. 

Der Bearbeitung liegt eine Bestandsaufnahme durch den ehemaligen Vorstand 
des Preußischen Staatshochbauamts in Goslar, den verstorbenen Kg). Raurat 
V. Behr, zugrunde, aus der etwa 50 Bauzeichnungen übernommen werden 
konnten — im Text mit [v. B.] gekennzeichnet — ■. Die notwendige Nachprüfung. 
Ergänzung und Neubearbeitung wurde von dem Bauassessor Oskar Kiecker 
durchgeführt; er stellte auch den größten Teil der übrigen Bauzeichnungen und 
Photographien her. Die geschichtliche Bearbeitung lag in den Händen des Sludien- 
rats, jetzigen Leiters der Sammlungen der Reichsbauernstadt Goslar. Dr. Carl 
Rorchers. Dr. phil. Hans Lütgens hat das Werk redigiert, die Tafeln und 
Verzeichnisse zusammengestellt, den Druck überwacht und darüber hinaus eine 
zusammenstimmende Nachprüfung der Aufzeichnungen vorgenommen. 

Denen, die mit Rat und Tat die Arbeit unterstützten, sei an dieser Stelle Dank 
gesagt, insbesondere dem Herrn Präsidenten der Klosterkammer und dem Kloster- 
bauamt in Hannover, dem Herrn Landrat des Landkreises Goslar, dem Staats- 
hochbauamt Goslar, dem Katasteramt Goslar. Auch den Gemeindeverwaltungen. 
Kirchenvorständen, Gutsherrschaften und Privatpersonen, die den Bearbeitern 
bereitwillig entgegenkamen, sei hier gedankt, insonderheit Herrn Pfarrer Scharia 
in Ringelheim und Herrn Lehrer Zobel in Salzgitter, die ihr reiches Wissen zur 
Verfügung stellten. 

Vor allem gebührt Dank der Klosterkammer in Hannover und dem Kreis- 
ausschuß des Landkreises Goslar, die durch namhafte Beihilfen die Druckleaunti 
in dieser Form ermöglichten. 

Ein reiches, altes Kulturgebiet erfaßt dieser Rand. Sein eigentliches Zentrum, 
die alte Kaiserstadt, jetzige Reichsbauernstadt Goslar, ist hier nicht behandelt; 
um so nachdrücklicher sei auf den bereits vor Jahren erschienenen Doppelband 
,, Stadt Goslar" verwiesen. Vieles ist zwar im Laufe der Zeiten zerstört, anderes 
— wie die Pfalz Werla — tritt erst jetzt wieder ans Licht, dennoch kündet eine 
stattliche Reihe bedeutender Kunstwerke und liebenswerter Denkmale heimischen 
Handwerks von der Schöpferkraft unserer .\hnen. Möge das vorliegende Werk, 
das in erster Linie wissenschaftliche Ziele verfolgt, darüber hinaus in weiteren 
Kreisen den Stolz auf das Erbe der Väter und die daraus erwachsende Verpllichtung 
zur Leistung kräftigen. 

l)r. Gessner. 
Landeshaupt man n . 



Inhalt. 

Vorwort. Soitp 

Einleitung 1 

Quellen und Literatur 19 

Die Denkmäler nach Orten 29 

Goldschmiedezeichen 286 

Weihekreuze 292 

Künstler und Handwerker 293 

Abbildungsnachweis 296 

Tafeln 1—100 mit 301 Abbildungen. 



Einleitung. 



Lage. Der Landkreis Goslar liegt in dem nördlichen Vorlande des Oberharzes 
und bildet einen Teil des sogenannten subherzynen Berg- und Hügellandes. Im 
Süden schließen die zum braunschweigischen Kreise Gandersheim gehörenden Ge- 
biete von Langeisheim und Astfeld, das Gebiet des Stadtkreises Goslar, dem seit 
1928 auch die nordwestlich und nördlich von Goslar liegenden Klostergüter Riechen- 
berg und Grauhof eingemeindet sind, und die zum braunschweigischen Kreise 
Wolfenbüttel gehörenden Gebiete von Oker, Harhngerode und Bad Harzburg- 
Bündheim das Herantreten des Kreises an die Oberharzer Berge aus. Im Osten 
bildet gegen den preußischen Kreis Halberstadt-Land die Oker, seit alter Zeit als 
Gau- und Diözesangrenze bekannt, im wesentlichen die Grenze. Im Westen ver- 
läuft die Grenze über den Höhenzug von Ostlutter gegen das im braunschweigischen 
Kreise Gandersheim liegende Gebiet von Lutter am Barenberge und über die Wall- 
modener Berge zur Innerste, wo der preußische Kreis Marienburg angrenzt; doch 
bleibt östlich des Höhenzuges von Ostlutter die braunschweigische Enklave Ost- 
haringen dem Landkreise Goslar eingelagert. Im Norden bildet der braunschweigische 
Kreis Wolfenbüttel die Grenze; an der Oker nördlich von Ohrum beginnend, durch- 
quert die Grenze den Oderwald, geht hinüber zum Tal der Fuhse nördlich Flach- 
stöckheim und dann im Bogen über den Salzgitterschen Höhenzug ins Tal der 
Innerste. 

Bodengestalt. Das so umgrenzte Gebiet bildet eine sanft gewellte, sich 
langsam nach Norden abdachende Platte, in welche die breiten Täler der Innerste, 
Oker und Radau eingesenkt sind; dazu treten noch die flachen Muldentäler der 
Wedde und Warne. Als Höhenzüge ragen aus dem Lande heraus 1. der Harzrand- 
höhenzug, der am Wolfstein bei Bad Harzburg beginnt, über die Höhen von Asl- 
feld zum Kahnstein bei Langeisheim führt und sich jenseits der Innerste in d('\u 
Höhenzuge von Ostlutter fortsetzt, 2. der Salzgittersche Höhenzug, der von den 
Höhen von Lichtenberg und Gebhardshagen von Norden her in den Kreis eindringt 
und bei Immenrode und Weddingen endet. Das Hauptquertal dieses Höhenzuges 
liegt bei Salzgitter, ein zweites, weniger gut ausgeprägtos, verläuft von Liebenburg 
in Richtung auf Heißum, doch ist durch den künstlichen Durchbruch am Flötlie- 
berg der Verkehr auf Othfresen abgelenkt. 3. Nordöstlich von Weddingen beginnt 
der Harliberg, der sich bis in den Bogen der Oker bei Vienenburg und Wiedelah 
erstreckt. 4. Im Nordosten des Kreises reicht der flache Sattel des Oderwaldes in 
den Landkreis Goslar hinein; er begleitet die Oker auf dem linken Ufer bis Burg- 
dorf, wo das Warnetal von Westen einbricht; südlich der Warne machen sich die 
Ausläufer des Oderwaldes über Werla noch bis Schiaden bemerkbar. 

Über die Be siedeln ng des Landkreises Goslar in urgeschichtlicher Zeit läßt 
sich ein abgerundetes Bild noch nicht gewinnen, da die urgeschichtlichen Funde 
1 



2 Einleitung 

meist einzeln und nur in kleinerer Zahl in Siedlungen liegen; eine systematische 
Durchforschung in dieser Beziehung erfolgt erst jetzt. Das Gebiet westlich des 
Ilarliberges und des Salzgitterschen Höhenzuges bis zur Innersie galt früher als 
Fundleer, doch bezeugen eine Reihe zum Teil schon älterer Funde, daß auch in 
diesem Gebiet eine jungsteinzeitliche bäuerliche Besiedelung anzunehmen ist. Das 
geschlossene Siedelungsgebiet der steinzeitlichen Bandkeramiker, die von Süd- 
osten über Thüringen um den Harz vordrangen, schneidet nach dem bislierigen 
Forschungsstande an der Oker ab, doch ist ein Ausstrahlen bis in den westlichen 
Teil des Landkreises Goslar erwiesen. Eine Überprüfung der jungsteinzeitlichen 
Funde hat eine bemerkenswerte Anzahl neolithischer Großgeräte ergeben, die zwar 
die Okerlalaue bevorzugen, aber sich über das ganze Kreisgebiet verteilen. Unter 
ihnen sind bäuerliche Werkstücke, die als Prachtexemplare die Auslagen größerer 
Museen zieren. Aufwärts den Flußläufen wanderten die Leute aus dem Norden 
in unser Gebiet ein, wie Funde bei Ringelheim, Flöthe usw. andeuten. 

Wenn das Fundbild für die Perioden der Bronze- und Eisenzeit wieder blasser 
wird, so liegt das zum Teil auch an der noch mangelhaften Durchforschung des 
Landkreises Goslar. Noch schlummern unter den mehr als 20 gut erhaltenen Hügel- 
gräbern im Sudholz bei Wehre die Helden der Bronzezeit, Flurnamen und Über- 
lieferungen hüten das Geheimnis weiterer, heute zerstörter Gräberfelder. Gerade 
der ausgesprochenen Tiefpflugkultur unseres Gebietes ist manches zum Opfer ge- 
fallen, was in anderen Gegenden unberührt blieb. Aus der cheruskischen Eisenzeit 
sind einige Siedelungsplätze bekannt geworden. Flurbegehungen haben Spuren 
von bereits vorneolithischen Kulturen aufgedeckt, so daß der Landkreis Goslar 
Siedelungszeugen aus allen Perioden mit Ausnahme der älteren Steinzeit aufweist. 
Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen der Ausgrabung der Pfalz Werla wider. 
Hier wurden mittel- bis jungsteinzeitliche Feuersteingeräte, mehrere Hockergräber, 
die an das Ende der jüngeren Steinzeit zu setzen sind, cheruskische Scherben und 
mittelalterliche Siedelungszeugen zutage gefördert. 

In alter Zeit erstreckte sich der Harzwald weit vom Gebirge nach Norden in 
die feuchte Niederung, doch müssen in den nördlicheren Teilen unseres Gebietes 
auch Waldsteppen vorhanden gewesen sein, die dann die ersten, längs der Fluß- 
läufe vordringenden Siedler zur Niederlassung bewogen. Bornstedt nimmt an, daß 
diese waldfreien Gebiete mit dem Auftreten von Lößboden zusammenhingen, der 
bei dem damals viel trockneren Klima hier Steppen entstehen ließ, während der 
Wald sich mehr auf den Höhenzügen und in den feuchten Niederungen der Fluß- 
täler ausdehnte. 

Als Bewohner unseres Gebietes kommen die Cherusker in Frage, die mit an- 
deren norddeutschen Stämmen in den Sachsen aufgegangen sind, als die Sachsen 
ihre Macht nach Süden ausbreiteten. Die Warnen, die aus dem Norden kamen, 
sind nach Edward Schröder bis zur Oker vorgedrungen. Dieser Fluß wird von 
ihnen den Namen ,,Ovacra" erhalten haben; er bildete die Westgrenze ihres 
Gebietes, das heute vor allem an den Orten mit der Endung -leben zu erkennen ist, 

Bornstedt hat versucht, den Gang der Besiedelung in unserem Gebiete an 
Hand der ältesten Formen der Ortsnamen festzustellen. Für die Frühzeit muß eine 
derartige Einteilung der Orte in mehrere Siedelungsperioden bei dem Mangel an 



Einleitung 3 

urkundlicher Überlieferung problematisch bleiben, denn erst nach 1100 gestattet 
das nun umfangreicher werdende Schrifttum sichere Angaben. Die Besiedelung 
erfolgte im wesentlichen zunächst im Norden des Kreises, wo für den Ackerbau 
geeignete Stellen vorhanden waren, dann aufwärts an den Flüssen und Bächen. 



Wolfenbüttel 




! ; Goslar ''S yy o I f e n b u t t e 1 i J 



0123; 



Abb. 1. Karte des Kreises Goslar vor der Eingemeinduiiti iler Guts- 
bezirke Riechenber}? und Grauhof in den Stadtkreis Goslar (1:200 000). 



Mit der Unterwerfung des Nordharzlandes unler die Ilensehall der Franken be- 
ginnen Anfang des 9. Jahrhunderts eine stärkere Kolonisation und die Ausbreitung 
des Christentums, denen die Errichtung von Herrenburgen und Klöstern folgte. 
Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts tauchen zahlreiche neue Siedelungen auf, ins- 



4 Einleitung 

besondere sind in dieser Zeil die Orle^ uul -rode als Rodungen im Waldgebiete 
entstanden. Ein Teil dieser neuen Ortschailen bestand aber nur kurze Zeit; aus 
wirlschaftlichen Gründen wurden die Gemarkungen verschiedener Siedelungen 
zusammengelegt, die Bewohner der kleinen Orte zogen in ein benachbartes größeres 
Dorf. Als Grundrißform der Siedelungen erscheint das Haufendorf. Die meisten 
Dörfer zeigen kreisförmigen Umriß; es sind, wie Bornstedt zeigt, fast immer die 
Orte, die auf einer ebenen Fläche liegen, während die Dörfer, die in tieferen Mulden 
angelegt sind, einen länglichen Umriß aufweisen. Upen war ursprünglich ein Reihen- 
dorf mit zwei Häuserreihen zu beiden Seiten eines Baches, eine ähnliche Anordnung 
ist in alter Zeit für Groß-Döhren anzunehmen. 

Gaue. Die älteste Einteilung unseres Gebietes ist die in Gaue. Da man sich 
den Gau nicht allzu streng als territorial geschlossenen Bezirk zu denken hat, ist 
es schwer, ihn räumlich fest zu umgrenzen; außerdem erweisen sich die Gaue an 
manchen Stellen als übereinander gelagert. Der Gau Astfala, von dem der ost- 
fälische Teil des sächsischen Landes seinen Ausgang nahm, erstreckte sich in der 
West-Ost-Ausdehnung fast von der Leine bis zur Oker. In der Urkunde Kaiser 
Heinrichs H. für das Kloster Heiningen im Jahre 1013 wird Heiningen als zu diesem 
Gau zugehörig bezeichnet. Ein Untergau des Astfalagaues war vermutlich der 
Leragau, zu dem 1053 in einer Urkunde Kaiser Heinrichs HI. für Hildesheim 
die Orte Döhren, Wehre, Weddingen und Dornten gezählt werden. Zum Leragau 
werden wahrscheinlich auch die Orte des späteren Archidiakonats Neuenkirchen 
zu rechnen sein, also außer obigen Orten noch Neuenkirchen, Groß- und Klein-Mahner, 
Lüderode, Immenrode, Gielde, Schiaden und Werla, Lengde, Burgdorf und Beuchte. 
Die Malstätte des Grafengerichtes des Leragaues lag nach einer Urkunde von 1147 
an der Stätte des früh wüst gewordenen Stöcken nördlich und nahe der später 
von den Weifen erbauten Burg Harlingeberg. Hier saßen die W^öltingeröder-Wohlden- 
berger Grafen zu Gericht. Das Goding dieses Bezirkes wurde zu Bocla (Buchladen) 
bei Schiaden gehalten. Der Salzgau (Salthga) erstreckte sich über den nordwest- 
lichen Teil des Kreises, seine sehr alte Malstatt war zu Ringelheim, später wurde 
sie unter die Linde vor dem Hause zur Liebenburg verlegt. Zu diesem Gau gehörten, 
wenn man aus der späteren Zugehörigkeit der Orte zu den Archidiakonaten Ringel- 
heim und Gitter schließen will, Wallmoden, Steiniah, Haverlah und Gitter, Salz- 
gitter, Kniestedt. Östlich grenzte der Ambergau an den Salzgau. Südlich des Salz- 
gaues lag der Densigau, der ursprünglich wohl ein Teil des Salzgaues war. 1047 
erscheint Jerstedt als ,,in pago Densiga" gelegen. Dem Densigau gehört im wesent- 
lichen das spätere Archidiakonat Haringen an mit Othfresen, Dornten, Hahndorf, 
Bredelem, Heißum, auch das Archidiakonat Goslar ist diesem Gau w^ohl zuzuteilen, 
doch bleibt es bei dem Mangel an urkundlicher Überlieferung unklar, wie Goslar 
in die Grafschaftsverfassung einbezogen war. Die Archidiakonate, deren Sprengel 
erst im späten 11. und im 12. Jahrhundert in den Quellen zu erkennen sind, also in 
einer Zeit, wo der Gaubegriff bereits seine Bedeutung verliert, sind nicht in unbe- 
dingter Anlehnung an die Gaue entstanden, so daß man von ihnen aus keinen 
sicheren Rückschluß auf den Umfang der Gaue ziehen kann. 

Die Grafschaftsverfassung schließt sich zwar an die Gaueinteilung an, 
doch deckt sie sich nicht damit; die Gaue werden im Laufe der Zeit immer mehr 



Einleitung 5 

rein geographische Begriffe. Im 11. Jahrhundert ist der Bischof von Hildesheim 
durch königliche Verleihungen zum Inhaber des Grafenamtes innerhalb der meisten 
Gaue seiner Diözese geworden, nur im Ambergau und Leragau blieben die Grafen 
von Wöltingerode-Wohldenberg zunächst noch im Besitz der Grafschaftsrechte, 
bis auch diese seit der Mitte des 13. Jahrhunderts in ihren verschiedenen Teilen 
dann an den Bischof übergingen. Die Untersuchungen von Lüders lassen es als 
sicher erscheinen, daß bald nach 1231 die Grafschaftsrechte im Leragau von den 
Wohldenbergern an den Bischof von Hildesheim gefallen sind, der sie dann um die 
Mitte des 13. Jahrhunderts an die Grafen von Schiaden verlehnte. Diese Grafen 
von Schiaden, die aus der Familie der Edelherren von Dorstadt hervorgegangen 
sind, waren lediglich Schloßgrafen, ohne eine landrechtliche Grafschaft besessen 
zu haben. 1256 gelang es dem weifischen Herzog Albrecht, der mit Hildesheim in 
Fehde lag, die Macht über das Gericht zu Bocla zu erringen; erst nach der Zer- 
störung der weifischen Burg Harlingeberg gewann der Bischof das Gericht zurück, 
(las im 13. Jahrhundert an die Stelle des alten Grafengerichtes in Stöcken ge- 
treten war. 

Kirchliche Einteilung (Banne). In kirchlicher Hinsicht gehörte der Land- 
kreis Goslar zum Bistum Hildesheim. Im Osten bildete die Oker die Grenze gegen 
das Bistum Halberstadt, die Orte Ohrum, Dorstadt, Heiningen, Burgdorf, Schiaden, 
Lengde, Wöltingerode waren Grenzorte des Bistums; Wiedelah, Vienenburg und 
Lochtum gehörten ursprünglich zum Bistum Halberstadt; 1341 bzw. 1367 kamen 
diese Burgen und Orte an Hildesheim. In Lochtum hatte Erzbischof Adalbert von 
Bremen, der Erzieher und Freund Kaiser Heinrichs lY., ein Gut, auf das er sich 
bei seiner Flucht 1066 zurückzog. 1283 kam dieses Gut durch Schenkung des Bremer 
Erzbischofs an das Kloster Abbenrode. 

Im Süden grenzte die Diözese Paderborn der Erzdiözese Mainz an das Hildes- 
heimer Gebiet, Goslar bildete hier den Grenzort. Als kirchliche Sprengel kommen 
im späten Mittelalter in Frage die Archidiakonate Barum (Groß- und Klein-Flöthe, 
Flachstöckheim, Ohlendorf), Groß- Stöckheim (Dorstadt, Ohrum), Ringel- 
heim (Wallmoden, Steiniah, Haverlah), Gitter (Salzgiller, Kniestedt), Ha- 
ringen (Othfresen, Dornten, Hahndorf, Jerstedl, Bredelem, Heißum), Neuen- 
kirchen (Lewe, Groß- und Klein-Mahner, Weddingen, Groß- und Klein-Döhron, 
Lüderode, Immenrode, Gielde, Schiaden, Lengde, Burgdorf, Beuchte, Wehre) uml 
zeitweise der Bann Goslar, der im 15. Jahrhundert einige Kirchen des Bannes 
Neuenkirchen in Besitz hat. 

Stifte und Klöster. Der Landkreis Goslar weist eine Reihe bedeutsamer 
ehemaliger Stifte und Klöster auf. Dem Orden der Benediktiner gehörte das 
vor 1021 gegründete Kloster Ringelheim an, das zunächst mit Nonnen, seit 1150 
aber mit Mönchen besetzt war. Auch die 1174 erfolgte Gründung der Wöltingerödcr- 
Wohldenberger Grafen, das Klostor Wöltingerode, war zunächst den Bonedikliner- 
mönchen überwiesen; bald nach der Gründung (1188) wurde es aber in ein Nonnen- 
kloster umgewandelt und den Zisterzienserinnen übergeben. Die Augustiner- 
Chorherren besaßen das auf königliche Stiftung und in die Zeil König Konrads 11. 
zurückgehende Stift St. Georgenberg vor Goslar, es wurde 1527 zerstört und erleblo 
eine neue Blüte, als es Mitte des 16. Jahrhunderts nach Grauhof verlegt wurde. 

2 



6 Einleitung 

Auch das 1117 gegründete Klosler Riechenberg gehörte den Augusliner-Churherren 
an; ein Vorwerk dieses Klosters war der Paterhof in Hahndorf. Den Augustine- 
rinnen gehörten im Kreise Goslar-Land zwei Nonnenklöster: das Kloster Hei- 
ningen, dessen Gründung in die Zeit Kaiser Ottos HI. zurückgeht, und Dorstadt, 
das 1189 gegründet wurde. Mit Heiningen war das Vorwerk Altenrode, niil Dorstadt 
das Vorwerk Nienrode verbunden. Der Deutsche Ritterorden besaß seit 1227 
in Goslar eine Stiftung mit reichem Besitz und verlegte seit dem Ende des 13. Jahr- 
hunderts den Schwerpunkt seines Wirkens nach seinem in Weddingen erworbenen 
Hofe, der dann sich zu einem wichtigen Komturhofe entwickelte, 

Burgen, Schlösser, Herrensitze. Die großen Kämpfe, die sich bei der 
geopolitischen Bedeutung des Nordliarzrandes und seines Vorlandes seit alter Zeit 
in dieser Landschaft abgespielt haben, brachten es mit sich, daß hier früh Befesti- 
gungen und Burgen angelegt wurden. Betrachten wir zunächst die frühgeschicht- 
lichen Befestigungsanlagen des Kreises. Die Grenzlerburg liegt im Salzgitterschen 
Höhenzuge nördlich und unterhalb des Bärenkopfes bei Othfresen. A. v. Oppermann 
hielt die Burg noch für eine vorgeschichtliche germanische Anlage, in die im Mittel- 
alter ein Turm gebaut sei, Schuchhardt dagegen sieht in der Grenzlerburg eine 
Anlage, die nach dem 10. Jahrhundert anzusetzen ist und zur Gattung der Turm- 
hügel gehört. Besitzer der Burg sind im 14. Jahrhundert die Herren von Grems- 
lewe, doch geben die Urkunden keine nähere Auskunft über die Burg; in der zweiten 
Hälfte des 14. Jahrhunderts befindet sich das zu der Burg gehörende Ackerland im 
hildesheimischen Besitz. In dieser Zeit wird die Burg bereits aufgegeben sein. 
Die Pagenburg (Abb. 2) lag auf dem 290 m hohen Pagenberge des Wallmodener 
Höhenzuges; sie ist mit Ausnahme des Steilhanges im Süden durch zwei Wälle ge- 
schützt. Die Pagenburg war eine mittelalterliche Fluchtburg, die zum Besitz der 
Herren von Wallmoden gehörte. Die Schalksburg nordöstlich von Groß-Flöthe im 
Oderwald auf dem 175 m hohen Kahlenberg besitzt einen Ringwall von etwa 
100 m Durchmesser und wird eine alte Fluchtburg gewesen sein; ihre Entstehungs- 
zeit gibt Schuchhardt nicht an, da bestimmende Kennzeichen fehlen. Die Kuke- 
riulenburg nördlich Gielde liegt auf einem 155 m hohen Ausläufer des Oderwaldes. 
Der oval angelegte Ringwall mit Graben hat nach Zobel 105 m Länge und 55 m 
Breite. Im Inneren des Walles befindet sich im Südosten ein rechteckiger Erdauf- 
wurf von 25 m Länge und 10 m Breite. Zobel nimmt an, daß diese Burg, die als 
,, Sachsenring" im Volksmunde bezeichnet wird, einst zum Besitz der Herren von 
Gielde gehörte, deren Stammsitz in der Nähe lag. Die Scharen bürg an einem 
Steilhang der Oker östlich Lengde bot eine ausgezeichnete Fernsicht auf das breite 
Tal der Oker. Die Burg ist Ende der achtziger Jahre des 14. Jahrhunderts von 
Hans von Schwicheldt, dem Feldhauptmann des Hildesheimer Bischofs, erbaut 
in der Absicht, den östlichen Grenzschutz der Diözese, dem bereits die festen 
Häuser Wiedelah, Vienenburg und Schiaden dienten, zu verstärken. In der zweiten 
Hälfte des 15. Jahrhunderts ist die Scharenburg aufgegeben. Als Kaiser Heinrich IV., 
beraten von dem Erzbischof Adalbert von Bremen, versuchte, durch einen Kranz 
neuer Burgen seine Königsherrschaft in den Harzlanden endgültig zu festigen, 
werden von Lampert von Hersfeld, dem Chronisten dieser Zeit, sieben Burgen als 
neu errichtet aufgeführt: Hartesburg (= Harzburg), Wigantestein, Moseburg, 



Einleitung 7 

Sassenstein (= Sachsenstein bei Saciisa), Spatenberg (bei Sondershausen), Heimen- 
burg (= Heimburg bei Blankenburg) und Asenberg. Nach dem Sachsenaufstand 
des Jahres 1073 wurden diese Burgen geschleift. Es ist durchaus möglich, daß sich 
die Moseburg an der Stelle und auf dem Berge bei Weddingen befand, der heute 
den Namen Meseburg trägt; eine Burg an dieser Stelle beherrschte den wichtigen 
Paß von Weddingen zwischen dem Ende des Salzgitterschen Höhenzuges und dem 
Harliberg*). Reste einer Burganlage sind bislang nicht aufgefunden, doch trägt 
noch ein Pfad an der Nordostseite des Berges den Namen Eselstieg, und es sind nach 




Abb. 2. Die Pagenburg bei Alt -Wallmoden 
(aus: Der Landkreis Goslar, Kiel 1932). 



Zobel auf der Meseburg auch eine Anzahl Pfeilspitzen gefunden, die auf wehrhafte 
Zeiten dieses Ortes hindeuten. Nachdem 1291 die Burg Harlingeberg zerstört 
war, erbauten die Gegner des Hildesheimer Bischofs, der weifische Herzog Heinrich 
der Wunderliche und sein Verbündeter, Graf Meinhard von Schwaben, in den 
Grenzen des Gerichtes Bocla, in dem die Meseburg liegt, eine Burg, die in der Hildes- 
heimer Chronik als ,,Mosborch" bezeichnet wird. Diese Burg, wahrscheinlicli nur 
eine Feldbefestigung, wurde bald vom Heere des Bischofs erobert und vormullich. 
ähnlich wie die Burg Harlingeberg, dann dem Erdboden gleichgemacht. Es ist sehr 
wahrscheinlich, daß diese Mosburg auf der Meseburg angelegt wurde und unter 
Umständen dabei die Reste der Moseburg Heinrichs IV. benutzt sind. 



*) Zwei Burgen ähnlichen Namens kommen sonst nur in weitem Aljstande vom 
Harze vor: eine Moseburg nordwestlich Eisenach und eine Moosburg bei Rotterode 
im Schmalkaldischeii. 



8 Einleitung 

Im .Jahre 924, in der Zeil des Ungarneinlalles, LriLL Werla, die Königsj)falz 
an einem SLeilhang der Okcr zwischen Schiaden und Burgdori', in das Licht der 
Geschichte. Die Besiedelung dieser Stätte reicht, wie bereits gesagt, in das Ende 
der jüngeren Steinzeit zurück. Rubel glaubt, daß die Pfalz Werla durch Kaiser 
Karl gegründet sei; ihre Anlage in fränkischer Zeit ist sehr wahrscheinlich. Im 
10. und 11. .lahrhunderl war Werla einer der politischen Hauptpunkte des Piciches, 
und von Heinrich I. an haben alle Sachsenkaiser in Werla gewohnt. Als unter 
Heinrich II. und Konrad IL die F>ze des Rammeisberges bei Goslar immer bedeu- 
tendere Ausbeute gaben, ließ die nun aufblühende Pfalz Goslar die alte Pfalz Werla 
in den Hintergrund treten und an Bedeutung verlieren. 1086 schenkte Kaiser Hein- 
rich IV. die Pfalz Werla mit allem Zubehör dem Bischof Udo von Hildesheim; 
dieser ließ den zur Pfalz gehörenden Hof in Schiaden ausbauen und befestigen. 
Das westlich und nahe der Pfalz gelegene Dorf Werla, das auch eine Kapelle besaß, 
ist Ende des Mittelalters >wüst geworden, seine Bewohner siedelten sich in dem nahe 
gelegenen Burgdorf an. Sieburg nimmt an, daß in der ältesten Zeit des Rammcls- 
berger Bergbaues im Schutze der Pfalz Werla eine Hüttenanlage bestanden hat und 
auch dort dann das Silber des Rammeisberges gemünzt ist, denn nahe Weria 
kommen Schlacken vor, und 1418 wird in Burgdorf ein Münzmeisterhof erwähnt. 
Im Jahre 1180 weilte Friedrich Barbarossa noch einmal in Werla, um von dort den 
Anhängern Heinrichs des Löwen den Verlust ihrer Lehen anzudrohen, wenn sie 
sich von dem Geächteten nicht lossagten. Werla gehörte nach dem Sachsenspiegel 
zu den wenigen Pfalzen, ,,dar de Koning echte hove hebben schall". Die Pfalz hatte 
also nicht nur eine große militärische Bedeutung, sondern war seit sächsischer Zeit 
auch als Versammlungs- und Gerichtsstätte wichtig. Nach 1200 muß Werla bald 
verfallen und als Wohnplatz aufgegeben sein. 

Die Sudburg lag am Ostfuße des nach ihr benannten Sudmerberges bei 
Goslar, in unmittelbarer Nähe eines sehr alten Überganges über die Oker. Die 
Sudburg war der Sitz des Forestarius der Werla, der den Harzwald zwischen Ecker 
und Innerste zu betreuen hatte. Die Ausgrabungen von Baurat Dr. Becker im 
.lahre 193.3 legten einen Kirchenbau des 9. Jahrhunderts frei, der im 11. Jahr- 
hundert durch einen Turmbau und durch einen Anbau mit halbrunder Apsis er- 
weitert war. Eine Befestigungsanlage südwestlich der Kirchstelle wurde bisher nur 
zum Teil aufgedeckt. 

Die Burg Harlingeberg bei Vienenburg wurde von Herbst 1203 bis zum 
Frühjahr 1204 von Kaiser Otto IV. auf dem nach Osten vorspringenden Teile 
des HarUberges erbaut. Die Reichsfeste sollte die Zufahrtsstraßen nach Goslar, 
das zu den Hohenstaufen hielt, bedrohen. Ende des 13. Jahrhunderts kam die 
Burg in den Besitz des weifischen Herzogs Heinrichs des Wunderlichen, die Be- 
satzung der Burg trieb den Straßenraub in schlimmster Art. Am 17. August 1291 
wurde die Harliburg von einem Heere der verbündeten Bischöfe, weltlichen Herren 
und Städte unter Führung Bischof Siegfrieds IL von Hildesheim belagert, erobert 
und dann dem Erdboden gleichgemacht. Riesige Gräben und Wälle zeugen noch 
von der alten Burg. Frühere Forscher (Lüntzel, Oppermann) nahmen an, daß diese 
Wälle und Gräben einer vorgeschichtlichen Anlage entstammen, in die dann die 



Einleitung g 

niitlelaUorliche Burg gebaut sei, Schuchhardt sieht dagegen in der ganzen Anlage 
ein einheitliches, mittelalterliches Werk. 

Lühmann, dem auch Lüders zustimmt, ist der Ansicht, daß allein der sog. 
Außenwall einer älteren Befestigung aus sächsischer Zeit angehört. Otto IV. habe 
durch einen Geländeabstich das Burgplateau verkleinert und ringsherum jenen 
25 m breiten und bis zu 8 m tiefen ,, Zwingergraben" angelegt, der den Hauptschutz 
der neuen Burg bildete. Die Befestigungen nordöstlich, nördlich und nordwestlich 
von der eigentlichen Burg seien die Reste jener Werke, die im Jahre 1291 die Be- 
lagerer der Burg errichtet hätten. Lüders hält es nicht für ausgeschlossen, daß der 
Harlingeberg seinen Namen einem kleinen, in der Nachbarschaft gelegenen Gau 
der Harlinge verdankt, der seine Fluchtburg vielleicht in früherer Zeit auf diesem 
Berge hatte. 

Von den Höhenburgen kann die Vienenburg in ihren Umfassungsmauern 
rekonstruiert werden, da die äußeren Wände der jetzigen Domänengebäude auf 
den alten Umfassungsmauern aufgebaut sind. An die alte Burg erinnern die Gräben 
und der noch aufrechte Bergfried. Nach der 1291 erfolgten Zerstörung der Burg 
Harlingeberg erbaute der Hildesheimer Bischof Siegfried IL, der Hauptgegner der 
Weifen, die Liebenburg, um im Osten seines Bistums einen Stützpunkt zu ge- 
winnen. Am Ende des 14. Jahrhunderts wurde die Burg verstärkt und erweitert. 
Von der mittelalterlichen Burg zeugen noch die Reste des dicken Hausmanns- 
turmes und die Fundamente von zwei anderen Türmen. In den Jahren 1750 — 60 
erbaute Fürstbischof Clemens August von Hildesheim an Stelle der abgetragenen 
Burg ein Schloß auf der Liebenburg. 

Alte Wasserburgen finden wir in den ebenen Teilen des Landkreises Goslar. 
Die mittelalterliche Wasserburg zu Alt- Wall moden ist bis auf einige Reste der 
Befestigungsanlagen verschwunden, doch sind von der ausgedehnten Anlage eines 
Ober- und Unterhofes späterer Zeit größere Baulichkeiten, wie Hei renhaus, Wirt- 
schaftsgebäude und Tor, erhalten. Eine regelmäßige Anlage ist die alte Wasserburg 
in Wiedelah. Das Schloß, ein Renaissancebau, besteht noch mit 3 Flügeln, die 
einen Binnenhof umschließen. Von der mittelalterlichen Wasserburg in Sc hl ad en 
sind keine Teile erhalten; die Gebäude der heutigen Domäne wurden meist im 
18. Jahrhundert erbaut. Zu den alten Herrensitzen des Kreises ist das von Schwicheldt- 
sche Gut Flachs töckheim zu zählen, dessen schlichte Bauten im 18. Jahrhundert 
von dem Baumeister Dinglinger in Hannover ausgeführt wurden. Das Gut Knie- 
stedt, das sich bis 1837 im Besitze der Freiherren von Kniestedt befand, war von 
1460 — 1809 in verschiedene Höfe geteilt, die von beiden Linien dieser Familie 
bewohnt waren. Der Sitz der Freiherrn von Kniestedt ist für die ältere Zeit zu 
den Wasserburgen zu zählen. 

Entwicklung der Ämter. Die Burgen sind nicht nur militärische Stütz- 
punkte, sondern auch Zentren zur Ausbildung von Hoheitsrechten und damit 
Stellen zum Ausbau der Landesherrschaft. In diesem Sinne haben die Bischöfe 
von Hildesheim die Burgen für ihre Politik benutzt und damit ihre Landesherrschaft 
gesichert. Im 14. Jahrhundert sind alle bedeutenderen Burgen in der Hand des 
Hildesheimer Bischofs. Wiedelah, Schiaden und Vienenburg sicherten die Oker- 
grenze, Liebenburg war gegen die Weifen gerichlel. Die Burgbezirke werden zu 



10 Einleitung 

Ämlcrn ausgebiklel, naciideni bereits 1235 Bischol' Konrad II. auf dem Mainzer 
Reichstage die Anerkennung erhalten halle, daß das Bistum ilildesheim allein 
der Hoheit des Bischofs unterstchen sollle. Die erblich gewordenen Vogteilehen 
wurden von den Bischöfen zurückgekauft oder beim Erlöschen des Mannesstammes 
der Lehnsinhaber eingezogen, die Burgen als Lehen an Ministeriale vergeben, die 
seit etwa 1330, wo die Einteilung in Ämter abgeschlossen ist, den Titel Amtmann 
Iragen. Dieser Amtmann übernimmt die militärische und wirtschaftliche Verwaltung 
und übt nunmehr auch die grundherrliche Gerichtsbarkeit in seinem Bezirk aus. 
Die häufige Verpfändung dieser neuen Verwaltungensmittelpunkte zeigt, wie diese 
Burgen mit ihrem Bezirk als ,, Vermögensobjekt, gleichsam als ein Wertpapier, das 
seine Zinsen trägt", von den Bischöfen angesehen werden (Klewitz, Territor. Ent- 
wicklung). Am Ende des Mittelalters finden wir im Landkreise Goslar folgende 
Ämter vor: Liebenburg, Schiaden, Wiedelah und Vienenburg. Zum Amte Lieben - 
bürg gehörten nach dem Erbregister von 1548 insgesamt 26 Dörfer und die Klöster 
Heiningen, Dorstadt, Riechenberg, Ringelheim und Wöltingerode. Das Goding zu 
Ringelheim, an der alten 'Malstätte des Salzgaues, wird 1313 noch erwähnt, aber 
1392 begegnet uns bereits die ,,dingstadt to der Levenborg" und der Gograf der 
Liebenburg. Man hatte den alten Salzgau geteilt, die südliche Hälfte war zur Lieben- 
burg, die nördliche zum Wohldenberg gelegt worden. Nach den Angaben des Erb- 
registers von 1621 gehörten zum Amt Schiaden 6 Dörfer, darunter Ohrum als 
Exklave. 

Das Amt "Wiedelah wies 5 Dörfer auf. Das kleinste Amt war das Amt Vie- 
nenburg, es hatte nur 2 Dörfer und das Vorwerk Wenerode. 

In der Hildesheimer Stiftsfehde (1519 — 23), dem Kampfe des Hildes- 
heimer Bischofs gegen die Weifen und ihre Verbündeten, gewann Herzog Heinrich 
der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel einen bedeutenden Teil des ,, Großen 
Stifts" Hildesheim, darunter auch den gesamten Landkreis Goslar mit den Ämtern 
Liebenburg, Schiaden, Wiedelah und Vienenburg. 

Reformation. Nach der Besetzung seines Herzogtumes durch den Schmal- 
kaldenerBund ordnete die schmalkaldische Bundesregierung eine allgemeine Kirchen- 
visitation an und gab den beauftragten Visitatoren, Dr. Johann Bugenhagen, M. 
Anton Corvinus und M. Martin Görlitz, Vollmacht zur Durchführung der Refor- 
mation. Im November 1542 wurden die Klöster und Dörfer der Ämter besucht, 
Inventare des Vermögens der Klöster und Kirchen aufgenommen und allgemein 
die Reformation durchgeführt; doch leisteten einige Klöster hartnäckigen Wider- 
stand gegen die Einführung der neuen Lehre. Nach der Niederlage bei Mühlberg 
kehrte Herzog Heinrich in sein Land zurück. Sein Versprechen, niemand der 
Religion halber zu bedrängen, hielt er zwar nicht völlig und ließ eine gewisse Gegen- 
reformation zu, doch konnte er die evangelische Lehre in seinem Lande nicht mehr 
unterdrücken. Das Jahr 1552 war für die Stadt Goslar und auch für das Land ver- 
hängnisvoll. Mit der Vollstreckung der Reichsacht gegen die Stadt Goslar beauf- 
tragt, rückte der Herzog vor die Stadt und schlug sein Quartier im Kloster Riechen- 
berg auf. Am 13. Juni 1552 mußte Goslar im Vertrage von Riechenberg sich dem 
Herzog unterwerfen und ihm das Vorkaufsrecht auf die Erze des Rammeisberges, 
fast alle Gruben und den größten Teil der stadteigenen Forst abtreten. Seit diesem 



Einleitung 1 1 

Riechenberger Vertrage beginnt der wirtschaftliche Niedergang Goslars. Bald dar- 
auf durchzog Graf Volrad von Mansfeld den Kreis; er war in der Fehde des Mark- 
grafen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach mit Kurfürst Moritz von 
Sachsen Parteigänger des Markgrafen und damit der Gegner Herzog Heinrichs, 
der mit dem Kurfürsten Moritz verbündet war. Mansfelds Scharen verwüsteten 
damals die Burgen Liebenburg und Schiaden und die Klöster Riechenberg und 
Ringelheim; im folgenden Jahre plünderten die Truppen des Markgrafen Albrecht 
Alcibiades die Klöster Heiningen und Dorstadt. 

Der Augsburger Religionsfriede 1555 brachte ein Ende der Religionsstreitig- 
keiten, und Herzog Heinrichs Sohn, Herzog Julius (1562 — 89), führte nun die 
Reformation in seinem Lande endgültig durch; als Aufsichtsbehörde setzte er 
1569 ein Konsistorium in Braunschweig ein, dem alle Geistlichen unterstellt wurden. 
Die Frauenklöster ließ der Herzog als evangelische Stifte bestehen. Der Herzog 
selbst und seine Gemahlin besuchten 1571 das Kloster Wöltingerode und suchten 
die Nonnen, die sich weigerten, die evangelische Lehre anzunehmen, zu beeinflussen, 
den katholischen Glauben aufzugeben und die Klostertracht abzulegen. Der Herzog 
ernannte in diesen Frauenstiften den Propst und die lutherische Domina, das Kloster- 
gut ließ er durch von ihm eingesetzte Administratoren verwalten. Herzog Julius 
ist auch bekannt als Förderer von Kunst und Wissenschaft, auch der Landwirt- 
schaft und dem Berg-, Hütten- und Salinenwesen ließ er seine besondere Fürsorge 
angedeihen. So baute er die Saline Liebenhall in Salzgitter aus und brachte den 
Betrieb so zur Blüte, daß die Saline einen guten Überschuß lieferte. 

In den Dreißigjährigen Krieg wurde unser Gebiet seit dem Beginn des Nieder- 
sächsisch-Dänischen Krieges hineingezogen. Nachdem Christian IV. mit seinem 
Heer bis in die Gegend des Eichsfeldes vorgedrungen w^ar, nötigte ihn die feindliche 
Übermacht, sich um den Harz in den Schutz der Festung Wolfenbüttel zurück- 
zuziehen. Auf dem Wege dorthin zwang ihn Tilly am 27. August 1626 bei Lulter 
am Barenberge zur Schlacht; sie w^urde für Christian zur vernichtenden Niederlage. 
Durch die Furt bei Hohenrode und über Salzgitter entkam König Christian mit 
einer kleinen Abteilung nach Wolfenbüttel und dann weiter nach Norden, er mußte 
1629 den Frieden zu Lübeck schließen und Niedersachsen dem Feinde überlassen. 
Seit 1625 erlebte der Landkreis Goslar dauernd die Durchzüge der Truppen Wallen- 
steins, Christians, Tillys; 1632 waren die Schweden im Land, dann spielten sich 
im Norden des Kreises 1641 Kämpfe ab um die Festung Wolfenbüttel, die von den 
Kaiserlichen besetzt war und von Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg be- 
lagert wurde. In diesen Zeiten sind fast alle Klöster und ein Teil der Dorfkirchen 
geplündert, einige Kirchen, wie die zu Groß Döhren und Ohrum, brannten nieder. 

Das Restitutionsedikt (1629) zwang den Herzog von Braunschweig-Wolfen- 
büttel, alle Klöster mit ihrem Grundbesitz herauszugeben und auch das ,, Große 
Stift Hildesheim" sollte kraft eines gleichfalls in diesem Jahre erfolgten Urteiles des 
Reichskammergerichtes an den Bischof zurückgegeben werden. Im Stift setzte nun die 
Gegenreformation ein, doch konnte sie durch das Eingreifen (.1er Schweden nicht durch- 
geführt werden. Im Jahre 1642 einigten sich die weifischen Fürsten in Goslar mit 
vom Kaiser ernannten Unterhändlern in einem Sonderfrieden, in dem sie in die Ab- 
tretung des Großen Stiftes außer Lauenst(Mu einwilligten; im folgenden .Tahre 



12 Einieiluiifi 

schloß Fürslbischol' Ferdinand von llildeslieini mit dem Kaiser und den welfischien 
Fürsten den Hauptrczeß in Braunschweig ab, durch den die Weifen nun das Große 
Stift endgültig an Hildesheim zurückgaben. Die Ämter wurden nun in die bischöf- 
lich-landesherrliche Verwaltung überführt, die Klöster Dorstadt, Grauhof, Hei- 
ningen, Riechenbcrg, Ringclheim und Wöllingerodc den zusländigen Orden zurück- 
gegeben, und in jedem der Ämter und in den Klöstern eine katholische Seelsorge 
eingerichtet. Auf diese Amtspfarreien und Kl()sl('i[)farrstellen sind fast alle heutigen 
katholischen Pfarren des Kreises zurückzuführen. 

Ämterkarten von 1643. Aus dem Jahre 1643 sind uns in einem Kartenband 
der Beverinschen Bibliothek in Hildesheim (Nr. 196) die Karten von 17 Ämtern 
erhalten, darunter auch die Ämterkarten der im Landkreise Goslar liegenden 
Ämter Liebenburg, Schiaden, Wiedelah und Vienenburg. Die Schlösser und Klöster 
sind in kleinen Ansichtsskizzen eingezeichnet. Wenn diese Ansichtsskizzen der 
Schlösser und Klöster auöh nach dem Gedächtnis und mehr oder weniger schematisch 
gezeichnet sind, so haben sie doch auch als Bildquelle einen gewissen Wert, denn 
sie stellen die ältesten Bilder dieser Bauten dar, die wir besitzen. Auf der Karte 
des Amtes Liebenburg z. B. finden wir die einzigste Zeichnung der alten Lieben- 
burg, die 1750 beim Neubau des Schlosses abgerissen wurde. Auf der Karte des 
Amtes Wiedelah zeigt der Amtssitz bereits einen Bau, der dem heutigen Schloß 
ähnlich ist, und auf der Karte des Amtes Schiaden finden wir an der Stelle der 
Königspfalz Werla noch die Kreuzkirche des am Ende des Mittelalters wüst ge- 
wordenen Dorfes Werla. Diese kleine Kirche hat sich noch bis zum Ende des 
18. Jahrhunderts erhalten; auf der 1798 unter Leitung des damaligen hannoverschen 
Oberstleutnants Scharnhorst aufgenommenen topographisch-militärischen Karte des 
Bistums Hildesheim ist die Kreuzkirche zu Werla noch als Kapelle eingezeichnet. 

Der Siebenjährige Krieg traf unseren Kreis nur vorübergehend mit Durch- 
zügen der Truppen, 1758 war Flachstöckheim eine Zeitlang das Hauptquartier des 
Prinzen Heinrich von Preußen. 

Nach dem Frieden zu Luneville 1802 besetzte Preußen das Bistum Hildesheim, 
1803 hob der Reichsdeputationshauptschluß die Landesherrschaft des Bischofs 
von Hildesheim und die Selbständigkeit des Hochstiftes auf. Durch die Säkulari- 
sation wurden "die Klöster Grauhof, Riechenberg und Ringelheim im Jahre 1803 
aufgehoben. Das Kloster Ringelheim schenkte der König von Preußen dem General 
von der Schulenburg-Kehnert, dessen Erbin es dann an die Familie von der Decken 
verkaufte. 1807 kam der Landkreis Goslar zu dem neugegründeten Königreich 
Westfalen, das nun 1809 das Nonnenkloster Wöltingerode und 1810 die Nonnen- 
klöster Dorstadt und Heiningen aufhob. Die Klostergüter Riechenberg und Grauhof 
wurden französischen Generälen als Dotation verliehen, die Klostergüter Dorstadt. 
Heiningen und Wöltingerode kamen durch Verkauf in Privatbesitz. Nach der Be- 
freiung unseres Vaterlandes von der Fremdherrschaft erwarb das Königreich Han- 
nover auf dem Wiener Kongreß das Stift Hildesheim und die ehemalige Reichs- 
stadt Goslar. Am 14. April 1815 wurden die Ämter von der hannoverschen Re- 
gierung neu eingerichtet: das Amt Liebenburg war das größte Amt des heutigen 
Kreises, dazu traten noch die Ämter Schiaden und Vienenburg; das letztere wurde 
am 22. April 1815 mit dem Amte Wiedelah vereinigt. Am 24. Mai 1831 sind dann 



Einleitung 1 3 

die beiden Ämter Schiaden und Vienenburg zu dem neuen Amte Wöltingerode 
verschmolzen. Nachdem das Königreich Hannover am 22. September 1866 in 
Preußen einverleibt war, fielen auch die Ämter Liebenburg und Wöltingerode und 
die Stadt Goslar an Preußen. Die preußische Regierung bildete aus den Ämtern 
Liebenburg und Wöltingerode und dem im Nordwesten angrenzenden Amte Bocke- 
nem und der Stadt Goslar den Kreis Liebenburg. Dann wurde aber durch die 
preußische Kreisordnung vom 6. Mai 1884 das Amt Bockenem aus dem 
Kreise wieder ausgeschieden und dem Kreise Marienburg zugewiesen. Nunmehr 
erhielt der Kreis die Bezeichnung „Kreis Goslar" mit dem Verwaltungssitz in 
Goslar. Der Kreis Goslar umfaßte am 1. April 1885: 1 Stadt (Goslar), 1 Flecken 
(Salzgitter), 42 Dörfer und 9 Gutsbezirke. Am 31. März 1922 schied die Stadt 
Goslar mit dem Gute Ohlhof aus dem Kreise aus und wurde selbständiger Stadt- 
kreis, seitdem führt der Kreis die Bezeichnung ,, Landkreis Goslar". Nachdem 1926 
Vorsalz in Salzgitter eingemeindet war, wurde Salzgitter 1929 Stadt. Im Jahre 
1928 sind die Gutsbezirke Liebenhalle mit Salzgitter, Altenrode mit Gielde, Alt- 
wallmoden mit Altwallmoden, Lüderode mit Neuenkirchen, Nienrode mit Ohlen- 
dorf, Ringelheim mit Ringelheim, Riechenberg und Grauhof aber mit der Stadt 
Goslar vereinigt. Da die beiden zuletztgenannten Klostergüter in dem 1901 er- 
schienenen Bande ,, Stadt Goslar" der ,, Kunstdenkmäler der Provinz Hannover" 
noch nicht berücksichtigt sind, wurden sie in diesem Band ,, Landkreis Goslar" 
mit behandelt. 

Die Volkszählung ergab 1933 für den Landkreis Goslar in 42 Gemeinden 
32923 Einwohner und 9020 Haushaltungen; bei der Volkszählung 1925 hatte der 
Landkreis 33884 Einwohner, die Zahl ist durch die Eingemeindung von Riechen- 
berg und Grauhcf in den Stadtkreis Goslar etwas zurückgegangen. Dem Religions- 
bekenntnis nach gehörten 1925 dem evangelischen Bekenntnis 28191 Einwohner 
an, 5228 waren Katholiken, 20 Juden. 

Wirtschaft. Der Landkreis Goslar ist ein überwiegend land- und forstwirt- 
schaftlich genutztes Gebiet, deshalb stellt das Bauerntum den stärksten Anteil an 
der Bevölkerung. Bei den landwirtschaftlichen Betrieben ist die Eigenwirtschaft 
vorherrschend, vier Fünftel aller Betriebe werden von ihren Besitzern bewirtschaftet. 
Der größte Grundbesitzer im Landkreise Goslar ist der Allgemeine Hannoversche 
Klosterfonds, der von der Klosterkammer in Hannover verwallet ward. Nach der 
Säkularisation der Klöster kam der Klosterbesitz 1803 zunächst an Preußen, 
1815 an das Königreich Hannover, das die Klostergüter Riechenberg, Grauhof, 
Wöltingerode und das Klostergut in Lochtum dem Hannoverschen Klosterfonds 
eingliederte. Der 1349 ha umfassende Forstbesitz der Kloslorkammer im Kreise ist 
ehemalige Forst der Klöster, er wird durch die Klosteroberförsterei Goslar verwaltet. 

Die Industrie des Landkreises gründel sich vorwiegend auf die wertvollen 
Bodenschätze. Die Eisenerzvorkommen des Salzgillerschen Höhenzuges bilden das 
größte Eisenerzvorkommen in Dculschland. nachdem wir die reichen und hoch- 
wertigen Eisenerze Elsaß -Lolhringens \erloren haben; leider wird durch die Zu- 
sammensetzung der Erze ihre Verarbeitung sehr erschwert. Nachdem bessere Auf- 
bereitungsverfahren für diese Erze gefunden sind, ist eine starke Vergrößerung 
des Gruben- und Hültenbetriebes zu erwarten. Zur Zeil werden die Eisenerzgruben 



■14 Einleitung 

hei Dornten aiisgehoulel und ilire li,izf iiiiL eiiar Grubenbahn zu den Ilseder Hütten 
geschafri. In früherer Zeit spielte die Salzindustrie im Landkreise eine bedeutende 
Rolle. Die Salinen anlagen in Salzgitter wurden in der zweiten Hälfte des Mittel- 
alters errichtet, nach der Hildesheimer Stiftsfehde kam die Saline in den Besitz 
der Weifen, seit 1920 befindet sie sich in Privatbesitz. Leider ist die Saline still- 
gelegt, aber die Sole wird im Bade Salzgitter zu Heilzwecken verwertet. Weit be- 
deutender als die Saline in Salzgitter war in neuerer Zeit die Kaliindustrie. Der 
Landkreis besaß drei Kaliwerke, von denen jetzt keines mehr in Betrieb ist. Das 
bedeutende Kaliwerk Vienenburg kam im Mai 1930 durch einbrechende W^asser 
zum Ersaufen; zwei andere Werke bei Salzgitter und Flachstöckheim erfüllten die 
auf sie gesetzten Hoffnungen nicht. 

Die Pulverfabrik Eisenhütte Kunigunde wurde bereits im 18. Jahrhundert 
angelegt und diente vorwiegend zur Versorgung der Harzer Grubenbetriebe mit 
Sprengstoff. Von Wichtigkeit sind für die Wirtschaft des Kreises noch die Tief- 
bohrungsgesellschaft in Salzgitter, mehrere größere Mühlenbetriebe und Werke 
der holzverarbeitenden Industrie mit Sägewerken und Holzschliffmühlen, drei 
Zuckerfabriken in Schiaden, Groß-Mahner und Othfresen, die mechanische Weberei 
in Salzgitter und die Sandsteinbruchbetriebe in Ostlutter. 

Alte Wege. Durch den Landkreis Goslar gingen seit alter Zeit wichtige Heer- 
und Handelsstraßen. Die Rhein-Elbe- Straße kam von der Weser (Höxter, Holz- 
minden) und kreuzte sich in Seesen mit den Straßen aus Thüringen (von Nordhausen) 
und aus dem Leinetal von Süddeutschland, diese süd- und mitteldeutsche Straße 
führte über Königsdahlum nach Hildesheim. Von Seesen aus zog sich die Rhein- 
Elbe-Straße in älterer Zeit durch den Paß von Neuwallmoden, über die Innerste 
bei Ringelheim nach Gitter und weiter zum Voßpaß, wo sie in die Ebene trat; 
eine spätere Linie dieser Straße, die in der Schlacht bei Lutter am Barenberge 
1626 eine Rolle spielt, führte über Lutter, durch die Innerstefurt bei Hohenrode 
nach Gitter und Gielde. Von Beinum an zweigten sich die Straßen nach Braun- 
schweig und ins Halberstädtische durch das Warnetal über Burgdorf mit dem 
Okerübergang bei Werla bzw. Schiaden nach Hornburg ab. Die nach Magdeburg 
strebende Straße w'ar durch den Großen Bruchgraben, der sich von der Oker gegen- 
über W^erla bis zur Bode bei Oschersleben hinzog, gezwungen, den Okerübergang 
nördlich dieses Hindernisses zu suchen. Dieser Übergang lag in ältester Zeit bei 
Ohrum, wo sich eine Furt bzw. späterer Überlieferung nach eine Fähre befand. 
Die Okerübergängc bei Wolfenbüttel und Braunschweig ließen in späterer Zeit den 
Okerübergang bei Ohrum mehr in den Hintergrund treten. Als Goslar durch die 
reichen Erze des Rammeisberges eine große Bedeutung erlangte, wurde ein Zweig 
der Rhein-Elbe- Straße bedeutend, der in der Gegend des heutigen Ortes Neuekrug 
abzweigte und am Harzrande über Goslar und die Sudburg zur Nordgrenze des 
Amtes Harzburg und weiter nach Halberstadt führte. Von Norden nach Süden 
zog die Hildesheimische Straße östlich des Salzgitterschen Höhenzuges über Lich- 
tenberg, Gebhardshagen, Beinum, Groß-Mahner, Lewe-Liebenburg und über 
Weddingen nach Goslar, daneben führte auch eine zweite, anscheinend aber nicht 
so stark benutzte Straße von Goslar aus über Riechenberg, Jerstedt im Innerstetale 
abv.'ärls nach Norden. 



Einleitung 15 

Übersicht über die Denlcmäler: Trotzdem der Kreis Goslar in mancherlei 
Kriegszügen und auch sonst im Lauf der Jahrhunderte viele Zeugen alter Kultur ein- 
gebüßt hat, ist doch die Zahl der noch vorhandenen Kunst denkmäler aus allen Zeiten 
groß. Goslar, Hildesheim und Braunschweig, jene Städte mit reichem Kunstschaffen, 
die im 11. und 12. Jahrhundert mit zu den führenden der deutschen bildenden Kunst 
überhaupt gehören, sind die Punkte, von denen die Ausstrahlungen der Kunst auf das 
in ihrer Mitte liegende Gebiet des heutigen Kreises Goslar ausgehen. 

Hier ist das hervorragendste Werk des 12. Jahrhunderts die durch ihren reichen 
Bauskulpturenschmuck ausgezeichnete wohlerhaltene Krypta der Stiftskirche in 
Riechenberg, die im übrigen als Ruine daliegt, während die Klosterkirchen von Hei- 
ningen und Wöltingerode im wesentlichen in der ersten Anlage aus dem Ende des 
12. Jahrhunderts erhalten sind. 

In Ringelheim hat die kath. Pfarrkirche (ehem. Klosterkirche) vielleicht noch einen 
romanischen Kern unter dem jetzigen Putz. Eine romanische Kapelle in Lochtum ist 
1932 abgebrochen. Kirchtürme aus dem Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts 
stehen noch in Dorstadt (ev. Kirche), Immenrode, Ohrum und Ringelheim (ev. Kirche). 
Mauerreste und Einzelteile finden sich in Hahndorf, Groß-Flöthe, Jerstedt, Lochtum 
und Ringelheim (ev. Kirche). Bauskulpturen, außer den berühmten in Riechenberg 
(12. Jahrh.) noch in Groß-Flöthe, Heiningen, Lochtum und Wöltingerode. 

Die erhaltenen gotischen Bauwerke sind meistens durch Um- und Anbauten ver- 
ändert worden, so in Burgdorf, Dornten (Turm), Dorstadt (Chorruine), Flachstöck- 
heim (Turm), Haverlah, Lewe (Turm), Klein- Mahner (Turm), Riechenberg (Bibliotheks- 
bau), Ringelheini (Chor der ehem. Klosterkirche), Salzgitter (Turm der ev. Kirche und 
Vepstedter Kirche), Steiniah (Turm), Wöltingerode (Nonnenempore). 

Kirchen aus dem Ende des 16. und dem 17. Jahrhundert sind nicht vorhanden, Ende 
des 17. Jahrhunderts setzte die Bautätigkeit stärker ein. Im 18. Jahrhundert entstand 
die großartige Kirche nebst Kloster in Grauhof. Die Klosterkirchen von Dorstadt 
und Ringelheim wurden barock umgestaltet. 

An Werken kirchlicher Ausstattung finden sich spätgotische Schnitzal t äre . 
zum Teil noch auf älteren Platten von Gruft altären stehend, in Burgdorf (Rest). 
Klein-Flöthe, Klein-Mahner, einige Altarfiguren in Salzgitter (kath. Kirche). In Alt- 
Wallmoden, Hahndorf, Jerstedt und Ringelheim (ev. Kirche) haben die Altäre Re- 
naissanceformen. Der Altar in Dornten ist 1681 entstanden. Im Anfang des 18. Jahr- 
hunderts wurde die Ausbildung der Altäre sowohl in den katholischen wie auch in den 
evangelischen Kirchen des Kreises üppiger und erreichte in den Hochaltären von Grauhof 
(1717), Ringelheim (um 1700) und Riechenberg (gegen 1700) die reichste Ausbildung: 
letzterer jetzt in der Jakobikirche in Goslar. Aber nicht diese Hochaltäre allein, sondern 
auch die Nebenaltäre, z. B. in Grauhof, sind vielfach hervorragend ausgeführt. 

Gotische Kanzeln sind nicht vorhanden; von den freistehenden späteren zeichnen 
sich die in Wöltingerode, Grauhof, Ringelheim (kath. und ev. Kirche) und Liebenburg 
aus. Die Kanzeln der evangelischen Kirchen sind oft mit den Altarrückwänden ver- 
bunden und durchweg mit diesen gleichzeitig hergestellt (18. und 19. Jahrh.). 

Unter den Taufst einen sind die gotischen in Wiedelah (Anfang des 14. Jahrh.), 
Bredelem, Groß-Flöthe, Ohrum, Othfresen und Salzgitter (Vepstedter Kirche) zu nen- 
nen, sämtlich außer Gebrauch. Eine kupferne Taufschüssel vom Jahre 1487 wird 



16 Einleitung 

in Ringelheim (cv. Kirche) anfhewahrt. Taufen gel hängen noch in Vienenbiirg (ev. 
Kirche) und Lengde (1706), anderwärts beschädigt und beiseite gestellt. Von den 
Orgeln fallen besonders die in Grauhof und Ringelheini (kath. Kirche) mit großen 
Prospekten auf. Eine der schönsten Orgeln der Provinz in Dorstadt ist 1919 durch Brand 
zerstört. Bemerkenswert sind ferner die Orgeln in Burgdorf und Lochtum. Unter den 
Abendmahlsgeräten sind als älteste Kelche die in Schiaden und Ohlendorf anzu- 
sprechen (14. Jahrb.). Wenig jünger ist der Kelch in Klein-Mahner. Der Kelch in Jer- 
stedt mit kupfervergoldeter Kuppa, silbervergoldetem Pomcllum nnd rundem Fuß 
ist nicht einheitlich (Zeitstellung unsicher). Geräte aus dem 16. Jahrhundert befinden 
sich in Flachstöckheim (erste Hälfte), Alt-Wallmoden (1589), Steiniah (1597). Die 
meisten Abendmahlsgeräte sind im 17. Jahrhundert hergestellt. 

Von den Meßgeräten sind die in Heiningen (1680) und Ringelheim (1730 — 32) 
sehr beachtlich. Unter den Altarleuchtern ragen die silbernen Standleuchter in 
Ringelheim wegen ihrer reichen Treibarbeit hervor. Von den Kronleuchtern nimmt 
der Marienleuchter aus dem 16. Jahrhundert (Geweihleuchter) in Lochtum eine be- 
vorzugte Stellung ein. Dort befindet sich auch eine gut gearbeitete Kristallkrone. Der 
Hängeleuchter in Schiaden ist gegen 1600 hergestellt. Mittelalterliche Glocken sind 
mehrfach vertreten. Leider ist die einzige Glocke der Provinz mit vertiefter Inschrift 
(Salzgitter) Mitte des 19. Jahrhunderts eingeschmolzen. Die um 1300 gegossene aus Loch- 
tum (ohne Inschriften) befindet sich jetzt im Kaiserhause in Goslar. Eine wohl ebenso 
alte in Salzgitter (ev. Kirche). Weitere gotische Glocken hängen in Ohrum (1480), 
Salzgitter (1481), Vienenburg (ev. Kirche) 1492. Epitaphe gibt es im Kreise nur 
in Dorstadt, Heiningen und Grauhof, hier besonders schön, Grabplatten kommen 
vereinzelt vor (Othfresen 1357). Der einzige Kreuzstein steht bei Burgdorf, anschei- 
nend noch an ursprünglicher Stelle. Unter den Wandtabernakeln sind die in Knie- 
stedt und Riechenberg zu erwähnen. Steinerne Stationsbilder in Heiningen. Sonnen- 
uhren an den Kirchen in Groß-Flöthe (1746), Klein-Flöthe (1745), Wehre (1746). 
Unter den Bildwerken ragt die Gruppe der Stifterinnen in Heiningen hervor (13. 
Jahrb.). Kruzifixe aus Holz, zum Teil ohne Kreuz, befinden sich in Ringelheim (ev. 
Kirche, 13. Jahrb.), Dorstadt, Grauhof, Heiningen (silbern!), Immenrode, Kniestedt, 
Schiaden, Steiniah, Vienenburg und Wiedelah. Von überragendem kunstgeschichtlichen 
Wert ist ein Reliquiar in Heiningen, das sog. Bernwardskreuz. Vesperbilder 
sind in Altenrode, Beuchte (um 1500), Dorstadt, Ringelheim, Salzgitter, Vienenburg, 
Wiedelah (St, Josephstift) vorhanden; Marienbilder in Dorstadt und Vienenburg, 
hier auch eine Anna selbdritt. Ein Osterleuchter (18. Jahrh.) in Heiningen. Außer 
den auf einzelnen Friedhöfen anzutreffenden Grabdenkmälern sind Standbilder 
in Schiaden und Wiedelah aufgestellt. Bemerkenswerte Stuckarbeiten in Wöltinge- 
rode (Kreuzgang) und Dorstadt (Kirchenruine). An dekorativer Malerei haben sich 
nur Reste in Heiningen erhalten. Von Fresken sind die Deckengemälde Wincks in 
Liebenburg (Schloßkapelle) und Dorstadt (Herrenhaus des Gutes) zu nennen; in der 
Vepstedter Kirche gotische Weihekreuze. In Jerstedt ist die hölzerne Bogendecke der 
Kirche handwerklich bemalt. Tafelgemälde kommen vielfach vor, das älteste wohl 
in Liebenburg von 1543. In Burgdorf ein Bild auf Pergament, Glasbilder mir in Jerstedt 
in Form kleiner rechteckiger Scheiben (1712). Unter den Paramenten sind hervor- 
ragende Arbeiten in Dorstadt, Heiningen und Grauhof, von hier zum Teil der Jakobi- 



Einleitung lY 

kirche in Goslar übereignet. Als ältestes Meßgewand verdient ein Pluviale in Vienen- 
burg (16. Jahrh.) besondere Beachtung. Ein Bildteppich von 1516 und ein Antependium 
(Ende 15. Jahrh.) aus Heiningen befinden sich jetzt im Viktoria- and Albert-Museum 
in London. Werke vortrefflicher Buchmalerei aus Heiningen, jetzt in Dresden und 
London, aus Wöltingerode, jetzt in der Herzog- August-Bibliothek in Wolfenbüttel. 

Von den sechs großen Klosteranlagen sind seit der Säkularisation im Anfang 
des 19. Jahrhunderts drei im Privatbesitz (die Rittergüter Dorstadt, Heiningen und 
Ringelheim), die übrigen im Besitz des „Allgemeinen Hannoverschen Klosterfonds" 
(Grauhof, Riecheriberg, Wöltingerode). Die einstigen in Verbindung mit den Kloster- 
kirchen errichteten Baulichkeiten sind durchweg nicht mehr im ursprünglichen Zu- 
stande. Geschlossene Binnenhöfe sind in Dorstadt und Wöltingerode erhalten. Die 
prächtigen im 18. Jahrhundert errichteten Priorenwohnhäuser dienen jetzt als Herren- 
häuser oder Pächterwohnungen. Gesonderte Torhäuser befinden sich in Wöltingerode 
(1672) und Riechenberg (1737). Hoftore sind in Dorstadt, Heiningen und Wöltinge- 
rode vorhanden. 

Die Burgen und festen Schlösser des Kreises sind in Domänen umgewandelt 
und den Wirtschaftszwecken entsprechend verändert. An erster Stelle ist hier das 
jetzt als Amtsgericht und kath. Pfarrkirche benutzte Bergschloß Liebenburg zu er- 
wähnen, das sich Fürstbischof Clemens August um die Mitte des 18. Jahrhunderts 
erbauen ließ; von den Befestigungen der älteren Liebenburg sind noch die Wehr- 
türme als Ruinen erkennbar. Auf der Domäne Schiaden ist durch Abbruch viel ver- 
lorengegangen. Die Vienenburg zeigt äußerlich besser den Burgcharakter, der besonders 
ausgeprägt in Wiedelah zu erkennen ist, wo der Binnenhof aber auch schon einseitig 
geöffnet ist. Die Domäne Weddingen als Komtureiliof erbaut, trägt das Gepräge eines 
Gutshofes. Sie ist wie das Rittergut Alt- Wallmoden von einem Graben umzogen. In 
Alt- Wallmoden steht noch ein Wehrturm (14. Jahrh.). 

Adelige Landsitze und Güter wurden vornehmlich im Laufe des 18. Jahr- 
hunderts durch Aus- oder Neubau in die jetzige Form gebracht. Als bedeutende An- 
lage ist hier außer dem schon erwähnten Alt- Wallmoden das v. Schwicheldtsche Gut 
in Flachstöckheim zu nennen. Gut Ohlhof ist als Vorwerk des Klosters Neuwerk in 
Goslar, Altenrode als solches von Heiningen entstanden. Nienrode, ehemals zu Dorstadt 
gehörig, hat sich aus Bauernhöfen entwickelt. Lüderode war als Adelssitz gegründet, 
ebenso der sog. Garßenhof in Gitter am Berge (16. Jahrh.). 

Bürgerhäuser, durchweg in Fachwerk errichtet, kommen nur in den Straßen 
Salzgitters vor; sie entstammen in der Mehrzahl aber erst dem Anfange des 18. Jahr- 
hunderts. Ein zum Ratskeller gehörender Fachwerkbau aus dem 16. Jahrhundert ist 
Anfang des 20. Jahrhunderts abgebrochen worden. 

Die Bauernhöfe des Kreises zeigen die sog. ,,fränkischc" Anlage. Das Wohnhaus 
ist jeweils so angelegt, daß von ihm aus der gesamte Wirtschaftsbetrieb überblickt 
werden kann. Die Gebäude umrahmen den — mehr oder weniger rechteckigen — 
Innenhof, der von der Straßenseite durch ein Tor (zuweilen Torhaus) zugänglich ist 
und an der Rückseite des Gehöftes einen Ausgang nach den Feldern hat. Typische Bei- 
spiele solcher Anlagen befinden sich vielerorts (Lengde und Gitter a. B., s. Denkmäler- 
verzeichnis). Die Wohnhäuser auf den Gehöften sind ausnahmslos in Fachwerk erbaut, 
zweigeschossig, quergeteilt. Die kleinen bäuerlichen Anwesen (Kothöfe) vereinigen 



"IS Einleitung 

Wohnung und Wirtschaftsräume unter einem Dach in der Weise, daß sich neben den 
Wohnteil die Stallungen legen, an die sich die Scheune anschließt. Beispiele in Lewe, 
Liebenburg. Liegen diese Höfe nahe beieinander, entsteht der Eindruck geschlossener 
Straßenzüge (Liebenburg, Ostlutter u. a.). Die auf den Gehöften stehenden größeren 
Scheunen sowie auch die selbständigen Zehntscheunen (Othfresen [1724] und Lcngde 
[1711 und 1735]) sind durchgängig mit einer Seitenlängstenne versehen. Quertennen 
kommen nur bei kleineren Anlagen vor. 

Wassermühlen sind im Kreise noch vereinzelt im Betriebe, z. B. in Flach- 
stöckheim (1745), Hohcnrode, Lüderode (1708, jetzt Försterei), Öhlendorf, Ringel- 
heim (Elektro- Werk). Windmühlen (Bockmühlen) stehen noch mehrfach, allerdings 
nicht immer an ursprünglicher Stelle, z. B. in Groß-FIöthe, Lengde, Lewe-Liebenburg, 
Groß-Mahner, Jerstedt u. a. O., bei Steinlah-Haverlah eine Holländermühle. 

Zierliche Gartenhäuser (Pavillons) scheinen früher häufiger ein Bestandteil 
der größeren Gchöftanlagen gewesen zu sein, z. B. in Liebenburg (Domäne), Schiaden 
(Domäne, abgebrochen), Riechenberg (jetzt Eiskeller). Kleine Turmanlagen (Tauben- 
türme) traten an deren Stelle in Heiningen (Rittergut) und Ringelheim (Rittergut). 



19 



Quellen und Literatur. 

Übersicht über die Quellen. 

I. Benutzte Archive mit handschriftlichen Quellen. 

Beverina = Beverinsche Bibliothek in Hildesheim, 
Staats-Arch. Hann.. Akt. = Staats-Archiv Hannover, Akten-Archiv. 
Staats- Arch. Hann., Urk. = Staats- Archiv Hannover, Urkunden- Archiv. 
Staats-Arch. Hann., Kart. = Staats- Archiv Hannover, Karten- Sammlung. 
Bibl. H.V. N. = Bibliothek des Hist. Vereins für Niedersachsen auf dem Staats- 

archiv Hannover. 
Arch. Wolf. = Landeshauptarchiv Wolfenbüttel. 

Bibl. Wolf. = Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel. 

Arch. Goslar == Stadtarchiv Goslar. 

Arch. Hild. = Stadtarchiv Hildesheim. 

Univ.-Bibl. Gott. = Universitätsbibliothek Göttingen, Diplomatischer Apparat. 
Reichsgräflich von Schwicheldtsches Archiv in Flachstöckheim, jetzt in Schloß Söder 

bei Groß-Düngen, Kreis Marienburg, 
von Wallmodensches Familienarchiv in Alt- Wallmoden. 

Archiv des ehem. Klosters Dorstadt, im Besitz des Herrn von Löbbecke in Dorstadt. 
Schloßarchiv in Ringelheim, im Besitz des Barons von der Decken in Ringelheim. 

II. Gedruckte Quellen. 

Mon. Germ. hist. Script. = Monumenta Germaniae historica, Scriptores — Deutsche 

Chroniken. 
Sudendorf = Sudendorf, H., Urkundenbuch der Herzöge von Braunschweig und Lüne- 
burg. 10 Bände. Hannover und Göttingen 1859 — 83. 
U. B. Hild. = Urkundenbuch des Hochstiftes Hildesheim und seiner Bischöfe 1895 

bis 1911. Bd. I, Leipzig 1895, bearbeitet von K. Jänicke; Bd. II, Hannover 

1901; Bd. III, 1903; Bd. IV, 1905; Bd. V, 1907; Bd. VI, 1911, bearbeitet 

von H. Hoogeweg. (Bd. 6, 11, 22, 24, 28 der Quellen und Darstellungen zur 

Geschichte Niedersachsens.) 
U.B.Goslar = Urkundenbuch der Stadt Goslar. Bd. I — IV, herausgegeben von Gr. 

Bode, Halle 1893—1905; Bd. V, herausgegeben von G. Bode und U. Hölscher, 

Berlin 1922. 
U. B. Stadt Hild. = Urkundenbuch der Stadt Hildesheini, 8 Bände, herausgegeben 

von R. Doebner. Hildesheim 1881—1901. 
U. B. Halberst. =- Urkundenbuch des Hochstiftes Halberstadt und seiner Bischöfe. 

Leipzig 1883—89. 
U. B. Ilsenburg = Urkundenbuch des Klosters Ilsenburg, herausgegeben von Ed. Ja- 

cobi. Halle 1875—77. 
U. B. von Saldern = Urkunden der Familie von Saldern, bearbeitet von Otto Grote- 

fend. Veröffentlichungen der Hist. Kommission für Hannover usw. Bd. XIII. 

1. Bd. (1102— 13GG). llildeshcim und Leipzig 1932. 
Annales Stederburgenses, auclore (ierhardo praeposito, herausgegeben von G. H. 

Pertz. Mon. Germ. hist. Script. Bd. Ki. 1859, S. 197—231. 



20 Quellen und Literatur 

Chronik von Stederburg. Nach der Ausgabe der Mon. Germ, übersetzt von E. Winkel- 
mann, 2. Aufl., überarbeitet von W. Wattenbach. Die Geschichtsschreiber der 
deutschen Vorzeit, II. Gesamtausgabe, 12. Jahrhundert, 14. Band. Leipzigl895. 

Braunschweiger Reimchronik, lierausgcgeben von L. Weiland. Mon. Germ. hist. Deut- 
sche Chroniken II., 1877, S. 430—574. 

Chronik des Stilles S. Simon und Judas zu Goslar, herausgegeben von L. Weiland. 
Mon. Germ. hist. Deutsche Chroniken II., S. 586 f. 

Chronicon Hildesheimense, herausgegeben von G. H. Pertz. Mon. Germ. hist. Script. 
VII., 1846, S. 845—73. 

Fundatio monasterii Heiningensis. Mon. Germ. hist. Script. XV., S. 1054 f. 

Literatur. 
Alphabetisches Verzeichnis der benutzten Literatur. 

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der Diözese Hilclesheim im Mittelalter. Freiburg 1928. 

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sachsens, herausgegeben vom Ingenieur- und Architekten- Verein für das 
Königreich Hannover. Bd. I. Hannover 1861. — S. 54 f. Prael, H., Die Krypta 
der ehem. Klosterkirche zu Riechenberg. — S. 62 f. Hase, C. W., Die Kirche des 
vormaligen Augustinerklosters Riechenberg bei Goslar. — S. 238 f. Lüer, W., 
Die Klosterkirche zu Heiningen. 

Bennigsen, von, C, Beitrag zur Feststellung der Diözesangrenzen des Mittelalters 
in Norddeutschland. I. Hildesheim. Z. H. V. N. 1867, S. 1—134. 

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Braunschweig, Lippe und Bremen bis 1866. Görlitz 1912. 

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Specialis. Hildesheim 1738. Originalgetreuer Nachdruck, herausgegeben von 
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verschen und Hildesheimischen Barock. Studien zur deutschen Kunstge- 
schichte, Heft 227. Straßburg 1924. 

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Literatur 21 

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4 



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Ringelheim S. 155 f., 164 f., 172 f., 180 f., 188 f., 194 f.; Kloster Heiningen 
S. 236f., 244 f., 251 f.; Kloster Riechenberg S. 306 L, 315 f.. 324 f., 333 L, 
343 f., 352 f., 3611, 369 f., 377 f., 386 f., 394 f., 402 L 

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^3 Literatur 

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des Harzes. Berlin und Leipzig 1928. 

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Wallmoden zu Celle. Z. Harz-V. 1887, S. 346. 

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im Herzogtum Braunschweig in den Jahren 1501 — 1900. Braunschw. Magazin 
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Zobel, Gesch. von Kniestedt: Zobel, Fr., Zur Geschichte der Freiherren von 
Kniestedt auf Kniestedt und Burgdorf. Salzgitter 1925. 

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1928. 

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Zobel, Landkreis: Zobel, Fr,, Der Landkreis Goslar, herausgegeben vom Kreis- 
ausschuß des Landkreises Goslar und Franz Zobel unter Mitwirkung von 
Mitarbeitern. Kiel 1932. 

Zobel, Marien- Jakobus-K irche: Zobel, Fr., Geschichte der Marien- Jakobus- 
Kirche zu Salzgitter. Salzgittersches Kreisblatt 1934, Nr. 29 (3. 2. 34). 

Zobel, Fr., Die Sagen des Landkreises Goslar. 1936. 

Nachtrag : 

Carl Borchers und Karl Theodor Weigel: Goslar, Alte Wohnbauten und Sinn- 
bilder. Goslar 1935. Seite 30/31 betr. Sinnbilder am Komturhof Weddingen. 



Ohne Verfasserangabe: 

Gravamina der evang. Stände 1703: Gravamina der evangelischen Stände gegen 
die gewaltsame Zerstörung der Kapelle in Heißum durch die Katholiken. 1703. 

Bericht, Niederreißung Kirche Heißum: Kurzer doch wahrhafter Bericht wie 
es um die von dem Kloster Grauhoff a. 1702 unternommene Demolirung 
der evangelischen Kirchezu Heissumbewandt. Hildesheim, Geißmarl705. 

Geschichtserzählung Riechenberg wider Regierung: Geschichtserzählung 
und Prüfung der Rechtsgründe in Sachen Klosters Riechenberg wider 
Regierung und Landstände des Hochstiftes Hildesheim (ca. 1700). 

Geschichtserzählung betr. de la Tour: Kurze Geschichtserzählung be- 
treffend Wilhelm de la Tour, Propst des Stiftes B. M. Virginis zum 
Riechenberg. 1772. 

Richtigere Geschichtserzählung betr. de la Tour: Richtigere Geschichts- 
erzählung desjenigen, was sich mit Wilhelm de la Tour, Propst des Stiftes 
B. M. Virginis zum Riechenberg den 9. Dezember 1772 zugetragen. 1773. 



29 



Altenrode. 

Katholische Kapelle. Gut. 

Quellen : 1. Staats-Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74 Amt Liebenburg, L, G. 1 a 
und 2 a und H. a und b. — 2. U. B. Hild. I., III— V. 

Literatur : Blume, Heimat, S. 319—20. — Görges-Spehr, Denkwürdigkeiten, IL, 
S. 348. — Hüttebräuker, Erbe Heinrichs d. L., S 63. — Zobel, Heimatbuch, S. 105 f. 

GESCHICHTE : Altenrode gehört zu einer Reihe von Rodungen, die im südlichen 
Teile des bewaldeten Höhenzuges ,,Der Oder" angelegt wurden. Als Bischof Adelog 
von Hildesheim im Jahre 1178 die Besitzungen des Klosters Heiningen bestätigt, 
finden sich unter dem Besitz des Klosters auch 4 Hufen in Aldenroth. Durch Kauf 
und Schenkung erweiterte sich der Besitz des Klosters Heiningen in Altenrode, so daß 
1321 das ganze Dorf mit seiner Gemarkung dem Kloster gehörte. Fortan war das 
Dorf ein Vorwerk des Klosters Heiningen. In den Reformationskriegen wurde Alten- 
rode im Jahre 1545 durch hessische Truppen geplündert. 1631 machten die Jesuiten 
einen Versuch, das Vorwerk Altenrode und das Kloster Heiningen für sich zu erwerben. 
Nach Aufhebung des Klosters Heiningen wurden Altenrode und Heiningen von der 
westfälischen Regierung an den Amtsrat Markwort verkauft, der dann das Vorwerk 
Altenrode für 65076 Franks an den bisherigen Pächter Bothe weiterverkaufte. 1871 
wurde das Gut an die Familie v. "Wätjen verkauft, deren Erben es heute noch in Be- 
sitz haben. Nähere Nachrichten über die Baugeschichte des alten Klostervorwerkes sind 
nicht erhalten. Die Kapelle, die unter einem Dache mit einem "Wohnhaus vereinigt 
ist, wurde beim Verkauf des Klostervorwerks reserviert und der katholischen Pfarre zu 
Heiningen eingepfarrt. 1817 wurde die Verlegung des Kirchhofes außerhalb der Ring- 
mauer des Gutes genehmigt, doch die beantragte Aufhebung der Kapelle von der 
Regierung in Hannover abgelehnt. 

0BrRGE5<:H03S 
BESCHREIBUNG: Kapelle, vr~~~~~-~~~-ir 
mit dem zweigeschossigen Wohn- 
hause außerhalb des Gutes unter 
einem Dach. Dachreiter mit Wetter- 
fahne, im Blatt: „IHS 1756". 
Fachwerk mit geputzten Backstein- 
ausmauerungen (Taf. la), Innen- 
raum 5,40 X 8,25 m (Abb, 3 und 4). 
Bretterdecke mit Fugendeckleisten. 
Fußboden : Backsteinplattcnbelag. 
.Je zwei kleine Fenster im Osten 
und Westen, ein halbrundes im 
Norden. Im Sturz des Westein- 
gangs: I • H • S ■ 




ERDGESCHOSS 



Abb. 3 und 4. Altenrode, Altes Schulliaus mit 

Kapelle, Grundrisse des Erd- u. Obergeschosses 

(1:250). 




30 Altcnrodc 

Auss la L L u ii g : 

Kleine Weslcmpore. Schlichte Bänke. Beic h 1 sl u liJ mit schwerem profi- 
lierten Gebälk. 

Altartisch aus Holz, mit handwerklich gemallem Antependium (Mitte 
18. Jahrh.), Im Altaraufsatz kleines Kruzifix mit gut geschnitztem Korpus. Altar- 
bild, 2,90x2,30 m, mit Darstellung der Heil. Familie, nebst Stifter und Sliftcriii, 
ferner der Johannesknabe mit Gotteslamm (Spruchband: ,,Ecce Agnus"), darüber 
Gottvater und Taube des Heil. Geistes. Neben dem Mittelbilde lose aufgestellt, 
unter Baldachinen: Maria mit dem Kinde (Taf. 4a) und Antonius von Padua mit 
Lilie, H. 0,60 m, bemalt. Seitliches Ranken werk des Aufsatzes um 1700. 

Zwei Altarleuchter, Zinn, H. 0,45 m. Reichprofilierte Dockenform auf 
3 Füßen. Inschrift: „IHS" und „MARIA" als Monogramme. „ANNO 1789", 
ferner das Wappen des Klosters Heiningen. 

Pieta, Eichenholz,' bemalt, H. 0,60 m. Ende 15. Jahrh. (Taf. le). 

Stehende Augustinerin, Holz, bemalt, H. 0,63 m. Vier über dem Rücken 
hängende lange Zöpfe. Unterarme und Hände ergänzt. Um 1500. Auf einer Konsole 
an der Nordwand. 

Schrank, niedrig, reichgeschnitzt. Um 1700. In der Nordwestecke. 

Von den in der Kapelle befindlichen Ölgemälden sind drei nach Heiningen 
(kath. Kirche) gekommen. Außer dem obenerwähnten Altarbild sind zur Zeit 
(1935) noch folgende in der Kapelle: 

1. Franziskus mit Kruzifix und Palmwedel, 0,96x0,70 m. 

2. Antonius von Padua mit Christkind und Lilie, 0,96x0,70 m. 

3. Maria auf der Mondsichel zwischen Wolken, links und rechts Engel unter Rosen 
in einer Gartenanlage. 

4. Weibliche Figur in modischer Tracht mit Kruzifix in der Linken, umschwebt 
von Engeln, etwa 1,43x1,20 m. 

5. Beschädigtes, größtenteils verdecktes Bild, 1,30x1,00 m, soweit zu erkennen. 
Beweinung Christi (?). 

6. Maria auf der Mondsichel (1,40x0,95 m). 

Sämtliche Gemälde auf Leinwand. Erhaltungszustand teilweise schlecht. 

Hochrelief der Maria (Holz?), in 0,77x0,55 m großem Kasten unter Glas, 
umgeben von Früchten aus Glas und Gußmasse, farbig, um 1720. 

Zwei hölzerne Blaker, H. 0,27 m, weiß, teilvergoldet. Etwa Mitte 18. Jahrh., 
jetzt nicht mehr als Beleuchtungskörper dienend. Im Mitteloval fehlt die Füllung 
(vielleicht Spiegel). 

Glocke, 0,45 m. Am langen Felde unter einem Zierband: ,,Soli deo gloria" 
„H. C. MICHAELIS GOS MICH IN BRAUNS. ANNO 1756." Wappen des 
Klosters Heiningen. 

Gut: Von alten Gutsgebäuden in Altenrode ist nur noch eine jetzt als Ter- 
rasse dienende gewölbte Kelleranlage vorhanden. Über den Eingängen: ,,M. J. 
SCHRÖDERS DOMINA J. L. FÖHRMAN. PROBST 1715" und „F. A. P. 
L • H •D1774." An einem Schlußstein :„H.BOHTE /M.BOHTE geb. BRANDT 
/ 1845." Im Schlußstein des verfallenen Mauertores das Heininger Klosterwappen 
(gekreuzte Schlüssel) und ,,1747". 



31 

Alt-Wallmoden. 

Quellen: 1. Beverina: Nr. 238. Der von Wallmoden Coplen-Bock, geschrieben 
durch Lüdeleff von Wallmoden 1549. Abschritt 1876. — Staats-Arch. Hann., Akt. 
Hann. des. 74 Amt Liebenburg II. 3 G. 1 bb, II. 1 G. 1 bb. — Bibl. H. V. N., Hand- 
schr. 317, Urk.-Abschriften Nr. 214. — Arch. Wolf., AbtI. von Wallmoden (7 Urk.). 

— Bibl. Wolf., zwei handschriftl. Stammbäume der Familie von Wallmoden (30 B 32). 

— Von Wallmodensches Familienarchiv in Alt- Wallmoden; Kopialbücher, Urkunden. 
Urk.-Abschriften, Akten. Nachrichten und Anmerkungen zur Geschlechtsgeschichte, 
verfaßt von Th. Fr. von Wallmoden 1773. — Von Wallmodensches Inventarienbuch, 
Folioband, 1697. — 2. U. B. Hild., I.— VI. — U. B. Goslar, I.— IV. — Sudendorf I. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 92 ff. — Bertram, Gesch. Bist. Hild., L, 
S. 299, 318, 323, 345, 347. — Blume, Heimat, S. 134 ff. — Dürre, Reg. Wallmoden 
vom 10. Jahrh. bis 1891. — Dürre, Ludolf von Wallmoden. — Kaufmann, Kaiser- 
pfalz Werla, S. 30. — Kayser, Visitationen, S. 154. — Koch, Fideikommisse. — 
Klewitz, Territ.-Entwicklung, S. 34. — Lüntzel, Alt. Diözese, S. 161, 167, 247. — 
Lüntzel, Gesch. Diözese, I. S. 95, II. 202, 322, 346. — Machens, Archidiakonate, 
S. 381. — Mithoff, Kunstdenkmale, S. 235—237. — Mithoff, Kirchen und Kap., S. 5, 
10, 13, 17, 28. — Oehr, Ländl. Verhältnisse, S. 90. — Schaer, Alt-Wahmoden. — 
Zimmermann, Georg Thyms 'Dichtung. — Zobel, Heimatbuch, S. 40 ff. — Zobel, Fr., 
Die Pagenburg. 

I. Evangelische Kirche. 

GESCHICHTE: Die älteste Nachricht über einen Gottesdienst in Alt- Wallmoden 
finden wir im Jahre 1517. Damals erlaubt Bischof Johann IV. von Hildesheim dem 
Thedel von Wallmoden und seiner Gattin Riekele (Riechilde) auf ihrem Gastrum und 
in ihrer Wohnung zu Wallmoden an einem sauberen und geeigneten Orte Älesse für 
sich lesen zu lassen, wenn kein kanonisches Hindernis dies verbiete. Man kann an- 
nehmen, daß damals die von Wallmoden die Erlaubnis zur Anlage einer Burgkapelle 
erbeten hatten und sie ihnen in dieser Form erteilt wurde. Eine Burgkapelle ist 
nicht mehr vorhanden. 

Auf die ältere Kapelle, die auf dem Ehrenfriedhof neben der Schule steht, 
bezieht sich wohl die Nachricht, daß 1531 Heinrich von Wallmoden von den weifischen 
Herzögen Erich und Heinrich d. J. mit dem Kirchlein zu Olden- Wallmoden und 
3^/2 Hufen, dem Zubehör der Pfarre, belehnt wurden. Bis zum Ende des 20. Jahr- 
hunderts war Alt- Wallmoden eine selbständige Pfarre, dann wurde Alt- Wallmoden 
der evangelischen Kirche zu Ringelheim eingepfarrt. 1598 schenkten die Vettern 
Thedel und Thedel Friedrich der Kirche einen silber-vergoldeten kunstvoll gearbeiteten 
Kelch und eine silberne Patene. Am Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die jetzige 
Kirche erbaut. Über ihre Baugeschichte ist wenig bekannt. Um 1540, als die von 
Wallmoden der lutherischen Lehre beitraten, ist die Reformation eingeführt, in den 
Kirchenvisitationen der weifischen Lande (1542 — 44) werden die Einkünfte ,,der von 
Wallmede pfarren" angegeben. 1774 ist das Pfarrhaus im Orte errichtet. Eine auf 
dem Wallmodener Schloßarchiv befindliche Akte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts 
teilt mit: ,,Es ist hier 1850 der Turm der Kirche sowie eine Orgclprieche erbaut, aber 
niemand, weder Pastor, noch Superintendent noch Konsistorium hat sich darum 
gekümmert. Wie gebaut werden sollte, hat der Patron bestimml, ebenso die Aus- 
führung." Eingeheftet ist dieser Akte ein Plan, der die Verteilung der Sitzplätze in 
der Kirche zu Alt- Wallmoden angibt. 1851 wurde die Vorhalle der Kirche erbaut, 
1883 ließ der Baron Thedel Cuno die Kirche auf seine Kosten nach dem Plane von 
C. W. Hase aus Hannover restaurieren. Die dabei vorgenommenen Veränderungen 
an Pfeilern und Decke wurden bei der Instandsetzung 1936 wieder beseitigt, und 



32 



Alt -Wallmoden 



namentlich die unter der viereckigen Ummantelung vorhandenen achteckigen Holz- 
pfeilcr Ircigelegt sowie die oben an ihnen auf Konsolen stehenden Figuren herunter- 
genommen und an den Wänden angebracht. Aul Tafel 2a und b ist der Zustand vor 
1936 dargestellt. Patrone der Kirche waren die von Wallmodcn, nach der Trennung 
in die beiden Linien Ober- und Unterhaus war das Patronat über Kirche und Schule 
beiden Häusern gemeinsam; unter der Kirche ist die Familiengruft des Geschlechts. 

BESCHREIBUNG: An die 20 m lange, niil dreiseiLigem Chlorschluß versehene, 
etwa dem Anfang des 17. Jahrhunderts entstammende Kirche ist im Jahre 1851 
von C. W. Hase eine 3,60 m breite Vorhalle im Westen angebaut. Breite des Schiffes 
und des Chores innen etwa 8,50 m (Abb. 5 und 6). Die 0,85 m dicken Umfassungs- 
wände vom alten Teile aus Bruchstein, die des Anbaues aus Werkstein. Je drei 




H 1 



Abb. 5u. 6. Alt -Wallmoden, Kirche. Grundriß und Querschnitt (1:250). Zustand vor 1936. 



Strebepfeiler an den Längswänden. Wandhöhe rund 5 m. Die Gewände der 1851 
gleichfalls erneuerten, rundbogig geschlossenen Fenster aus Werkstein. Zwei weitere 
Strebepfeiler in der Vorhalle. Der mit Goslarer Schiefer gedeckte achtseitige Dach- 
reiter (0 3,75 m) trägt auf geschweifter Haube Knauf und Wetterfahne mit den 
Buchstaben: „A. v. W." und „1851" (Taf. Ib). Westgiebel und Ostwalm be- 
schiefert, das Kirchendach neu gedeckt. Eine Inschrift an der (westlichen) Orgelbühne 
weist auf eine 1883 erfolgte Instandsetzung hin. 

Im Inneren war die Kirche 1851 völlig umgestaltet, doch hatte der Chorteil im 
großen und ganzen sein früheres Aussehen bewahrt; jedenfalls waren die der Mitte 
des 17. Jahrhunderts entstammenden Priechen und der Altar in alter Form er- 
halten geblieben (Taf. 2a u. b). Über die 1936 begonnene Instandsetzung s. Geschichte. 

Ausstattung: 

An der Altarwand die von zwei gewundenen Säulen beseitete Kanzel. 
Reiches Schnörkelwerk als seitlicher Abschluß. Ähnlich dem Unterbau ist das obere 
Halbgeschoß ausgebildet mit etwa 0,90 m im Quadrat großes Mittelbild (Geburt 
Christi, Öl). An der Kanzelbrüstung Christus und die vier Evangelisten als Voll- 



Alt -Wallmoden 33 

figuren. Seitliche Bekrönungen : Engel. Über der Kanzel Doppelwappen: ,,H. V. 
WALMODEN. C. V. ALTEN." An den Längswänden des Chores zweigeschossige 
Priechen mit bemalten Brüstungsfüllungen. An der Nordseite oben: Adam, Noah, 
Abraham, Isaac, Jacob, Joseph; unten Samuel, David, Jesaias, Jeremias, Ezechiel, 
Daniel; an der Südseite oben St. Petrus, St. Andreas, St. Johannes, St. Jacobus 
Maior, St. Simon, St. Mathaeus; unten St. Bartholomaeus, Jacobus Minor, St. 
Thomas, St. Thaddaeus, St. Philippus, St. Matthias. An den Stützen kleine Holz- 
figuren: Gottvater, Joh. d. Täufer, ein Engel, Michael, Moses und der Hohepriester. 
An den Pfeilern auf Konsolen vier etwa 0,50 m große Heiligenbilder mit den 
Attributen: Bienenkorb, Kirchenlicht, Bischofsstab und Bibel, Weihrauchfaß sowie 
nochmals die 4 Evangelisten. Holz, bemalt auf Kreidegrund. Ende 17. Jahrb. 
Unter den beiden Wendeltreppen, die zu den Gutspriechen führen, weitere 
biblische Bilder. An der Nordseite: Jacobsleiter, Löwe, Versuchung, Isaaks Opfer, 
Kain und Abel, Taufe Christi. An der Südseite: Elias Traum unter dem Wacholder, 
die große Sünderin, Christi Opfertod, der Zöllner im Tempel, letztere drei mit 
Spruchbändern. 

Tauf stein, sechsseitig, bemalt, H. 1 m, 0,55 m. Darin eine Zinn- 
schüssel, 27 cm, mit den Buchstaben: ,,A. S. U. G. V. S. Anno 1724". 

Kronleuchter, Bronze, sechsarmig, H. 0,60 m, B. 0,75 m, Kugel 15 cm. 
Ende 17. Jahrh. 

Zwei Altarleuchter, Bronze, H. 33 cm ohne Dorn. 3 Schaftringe. Etwa 
erste Hälfte 16. Jahrh. 

Zwei Leuchter, Silber, mit rundem Fuß, H. 34 cm. Inschrift: ,, Charlotte 
von Walmoden am 23ten März 1837" und ,,Cuno von Wallmoden am 23ten März 
1837". Goldschmiedezeichen 61. 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Silber, vergoldet, H. 17,5 cm hoch, Sechspaßfuß. 
Knauf mit gotisierenden Ornamenten. Am Fuße ein kleines Kruzifix mit Maria 
und Johannes, unten Schlange und Totenkopf. Auf dem Kreuze sitzend eine Taube 
mit ausgebreiteten Flügeln. Am Fuße in Bogenform die Inschrift: ,,THEL. VON 
WALM. THEL. FRIDERICH VON WALM 1589." 

Patene vom Jahre 1589 aus Silber mit Spuren einstiger Vergoldung, 
14,5 cm. Weihekreuz 4. 

Kelch, Silber, vergoldet, H. 17,5 cm, runder Knauf, Entstehungszeit um 
1700. Goldschmiedezeichen 17. 

Patene, Silber, vergoldet, 15 cm. Goldschmiedezeichen 57. 

Weinkanne, Silber, H. 42 cm, mit dem von Wallmodenschen Wappen und 
der bogenförmigen Unterschrift: ,, Hermann von Walmoden d. 23len März 1834." 
Goldschmiedezeichen 2. 

Oblatendose^ Silber, 8 cm, H. einschließlich Deckel 5,5 cm. Zweite 
Hälfte 17. Jahrb., ohne Inschriften. 

Madonna mit dem Kinde, sitzend; Holz, bemalt auf Kreidegrund, 0,50 m 
hoch. Ende 16. Jahrh. In der Vorhalle. 

5 



34 Alt-Wallmoden 

Gemälde: An der inneren Ostwand eine auf Leinwand gemalte Verkündi- 
gung, 1,90x1,50 m, 16. Jahrhundert? (Privatbesitz der von Wallmodenschen 
Familie.) 

Zwei Grabsteine des 1677 verstorbenen Land- und Schatzrates Heinrich 
von Wallmoden und seiner 1691 verstorbenen Witwe Gerdrudt, geb. von Alten, bei 
der Instandsetzung 1936 aufgedeckt, lagen mit der Rückseite nach oben im Kirchen- 
fußboden und sind deshalb verhältnismäßig gut erhalten. 

Sie sind beide langrechteckig, aus Schiefer, mit vertiefter und mit weißer 
Masse ausgelegter Schrift am Rande sowie in der Mitte in einem runden und unten 
in einem querovalen Felde, die von Blumen und Blaltkränzen eingerahmt sind. 
Diese Umrahmungen wie auch oben zwei Pulten, die das Ehewappen tragen, und 
in der unteren Hälfte angebrachte Ahnenwappen sind aus Alabaster gebildet und 
auf den Schiefer aufgelegt. 

Glocke, im Dachreiter, 0,75 m. Unterhalb der Haube ein Eichenlaub- 
ornament, am Rande die Inschrift: „GEGOSSEN VON J.H.WICKE IN 
BRAUN SCHWEIG' 1815." 

II. Kapelle. 

Auf dem alten Ortsfriedhofe befindet sich ein über einem Rechteck von 6,50 X 
7,50 m und einer 0,50 m breiten Vorlage an der Ostseite etwa im 16. Jahrhundert 



Abb. 7. All -Wallmoden, sog. Kapelle (Gruft). 



errichteter nicht zugänglicher Bau, der allgemein als Kapelk; bezeichnet wird 
(Abb. 7). Soweit sich feststellen ließ, liegen auf dem Fußboden einige Grabplatten. 
Vermutlich handelt es sieh hier um eine alte überdachte Begräbnisanlage der 
Familie von Wallmoden. Die in Bruchstein hergestellten Umfassungswände 



Alt-Wallmoden 35 

haben zwei kleine Fenster an der Ostseite und einen Eingang an der Nordseite. Das 
Innere gewölbt gewesen, jetzt ohne Decke, so daß der für das kleine Bauwerk 
auffallend hohe Dachstuhl im Innern frei liegt. Das Dach ist mit roten Pfannen 
gedeckt, die kleinen Dreiecke oberhalb der Walme sind beschiefert. 

III. Pfarrhaus. 

Das Pfarrhaus im Dorfe Alt-Wallmoden ist als Fachwerkbau im Jahre 1774 
errichtet. Bemerkenswert die noch gut erhaltene Umrahmung der Eingangstür aus 
Eichenholz mit dem von Wallmodenschen Wappen (3 Steinböcke) und der von 
einem Kranz umzogenen Inschrift: „D. D. GENERO S I S S IMORVM CVNO 
TH ED. FRIED. ET THE D.FRIED. DE WALLM OD AEDES PAROC HI- 
ALES PATRONORVM AVSPICE EXTRVCTAE MDCCLXXIV." Die 
Schriftplatte wird von einem weiteren Kranze umzogen. 

IV. Rittergut. 

GESCHICHTE: Urkundlich bezeugt ist das Bestehen einer Curtis Walmonthem im 
Jahre 1016. Der Hof war Erbgut des Bischofs Meinwerk von Paderborn, er schenkte 
ihn, wie Kaiser Heinrich H. bekundet, in jenem Jahre der bischöflichen Kirche zu 
Paderborn. Dadurch wurde Wallmoden bischöflich Paderbornsches Lehen und blieb 
es bis in die neuere Zeit. Grundbesitz in Wallmoden besaßen im 12, und 13. Jahr- 
hundert die Klöster Ringelheim, Riechenberg und Neuwerk in Goslar. 1154 wird das 
erste bekannte Mitglied des Geschlechts von Wallmoden genannt: Tidelinus von 
Wallmoden. Tidelinus war Ministerial Herzog Heinrichs des Löwen; als solcher 
ist er Zeuge in einer Urkunde, durch die der Herzog dem Kloster Riechenberg Grund- 
besitz in Kantingerode (einer Wüstung bei Wallmoden, heute Könneckenrode) schenkt. 
Tidelinus {= Thedel) von Wallmoden ist jener Ritter ,,Thedel Unvorferd", d. h. der 
Unerschrockene, an den sich eine Reihe von Sagen knüpfen. 1311 — 70 mußte das 
Geschlecht seinen Lehnsitz Wallmoden den Bischöfen von Hildesheim überlassen, 
diese traten es wiederum als Pfandgut an verschiedene Geschlechter ab. Um 1370 
kam der Stammsitz der Familie wieder in ihren Besitz zurück und ist seitdem bei 
dem Geschlecht geblieben. 

Die hauptsächlichsten Lehnsherren der von Wallmoden waren die Bischöfe von 
Hildesheim, von denen sie zahlreiche Hufen Landes und das Kirchenpatronat zu 
Lehen trugen; dem Bischöfe zu Paderborn, den Herzögen von Braunschweig, auch 
den Grafen von Wernigerode zeitweise, verdankten die von Wallnioden Lehen und 
Einnahmen. Als ursprünglich freie Grundherren besaß das Geschlecht auch ein be- 
deutendes Frei- und Erbgut, insbesondere in Orten auf beiden Seiten der Innerste. 

Auf der alten Curtis, dem Paderborner Besitz, ist frühzeitig die Burg Wallmoden 
erbaut. Am Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts erbaute ein von Wall- 
moden eine neue Burg südwestlich von Alt-Wallmoden in dem Tale, wo die Neile die 
Vorharzberge durchbricht und seit alter Zeit eine wichtige Heer- und Handelsstraße 
von Braunschweig in Richtung zum Nordwestharze und zum Leinetale hindurchführte, 
1307 wird diese neue Burg als ,, Neu- Wallmoden" erwähnt. In diesem Jahre kauft die 
Stadt Goslar gemeinsam mit dem Bischof Sigfrid von Hildesheim das Schloß zur Ab- 
wehr von Feindseligkeiten und zur Sicherung der Handelswege. 1368 wurde die Burg 
Neu- Wallmoden in einer Fehde zerstört (vgl. Kunstdenkmälcr des Herzogtums Braun- 
schweig V, 393 f). 

Obgleich die von Wallmoden an zahlreichen Fehden in der zweiten Hälfte des 
Mittelalters beteiligt waren, hat ihre Burg Alt-Wallmoden in dieser Zeit keinen Schaden 
erlitten. Verschiedene Mitglieder der Familie traten in den Dienst der Kirclie, andere 



36 



Alt- Wall moden 



in den Dienst der liraunschweiger Herzüge, 1487 war Tedel von Wallmoden Haupt- 
mann der Stadt Goslar. 1517 erhielt Tedel vom Bischof Johann IV. von Hildesheim 
die Erlaubnis, in seiner Burg Alt- Wallmoden eine Burgkapelle errichten zu dürfen. 
Um 1540 trat das Geschlecht der lutherischen Lehre bei. 

1559 fand die Teilung des von Wallmodenschen Güterbesitzes statt. Jasper von 
Wallmoden erhielt die sog. Obere Burg mit dem Oberen Yorwerkshof, ein anderes 
Mitglied der Familie, wiederum Tedel genannt, erhielt den sog. mittelsten Vorwerkshof, 
das neue Pforthaus mit Schäferei und Garten, Zur Erbauung eines neuen Wohnhauses 
mußte ihm Jasper 1000 Gulden zahlen, das Haus war 1560 fertig. Fortan gab es 
zwei Linien der von Wallmoden, die man als das Oberhaus und das Unterhaus von 
Walimoden bezeichnete. Dem Oberhaus gelang 1597 die Erwerbung des Gutes Hohen- 
rode. Die Güter in Heinde und die fürstlichen Lehen blieben gemeinsamer Besitz. 
1673 trennte sich noch eine weitere Linie ab, die sich nach dem Gut Heinde benannte, 
Sie löste die Ansprüche, die das Unterhaus an die Heinder Güter hatte, durch eine 




Abb. 8. Alt -Walimoden, W^ehiturra, 
Grundriß vom 2. Obergeschoß (1:250). 




Alt -Walimoden, Scheimentür (1:25). 



Zahlung von 8500 Talern ab, erwarb die Herrschaft Gimborn in Westfalen und wurde 
1783 in den Reichsgrafenstand erhoben. Eine Tochter des Grafen von Wallmoden- 
Gimborn war die Gemahlin des Freiherrn von Stein. 

Das Oberhaus erlosch 1825, seine Güter fielen an das Unterhaus, so daß seit 
dieser Zeit das Stammgut von Wallmoden wieder vereinigt ist. 1864 wurde der von 
Wallmodensche Besitz als Familienfideikommiß in der Größe von 855 ha gestiftet. 

Ein Plan des Ober- und Unterhauses Alt- Wallmoden aus dem Jahre 1808 
befindet sich im Gute Alt -Wallmoden im Besitz der Familie (Taf. 3 b). Über die 
Baugeschichte der Burg und des Gutes geben die Akten und Urkunden nur geringe 
Auskunft. Der nördliche Flügel des Herrenhauses wurde 1579, die verbindende 
Galerie 1738, der Ostflügel, der Inschrift am Kellerportal nach zu schließen, 1628 
erbaut. Das von Wallmodensche Inventarium aus dem Jahre 1697 gibt über Haus- 
rat, Waffen, Schmuck, Bücherei, ökonomische Verhältnisse, Begüterung und Einnahmen 
Auskunft und teilt auch mit, daß das ,,adliche Haus Wallmoden" damals aus zwei 
Flügeln, dem alten und dem neuen Hause, bestand. Das alte Haus \\ies auf: die 
Kemnate, den Saal, die große Stube, die Wohnstube, die schwarze Stube mit Neben- 
raum, die Schlaf kammer des Herrn und die Mägdestube; das neue Haus hatte außer 
Kammern die Hofstube, die Saalstube, die Vorderstube, die Schulstube und die 
düstere Stube zum Aufbewahren der Betten. An Nebengebäuden waren vorhanden: 
Brauhaus, Küche, Molkenhaus, Kohlkammer, Braukeller, zwei Scheuern. Im Vorwerk 
oder der Meierei waren die Ställe für Pferde, Kühe, Rinder, Schweine, Schafe und 
für das Federvieh. 



Alt -Wallmoden 



37 



Zur Sicherung des Ganzen diente ein Mauerzwinger am Walle und ein Steinturm 
auf dem Hofe, auch das Torhaus am Eingang von der Brücke her. 

Mit dem Tode des Rittmeisters Karl Heinrich Christoph von Wallmoden erlosch 
am 15. Januar 1825 das Oberhaus Wallmoden (Grabstein), 




Abb. 10. Alt -Wallmoden, Herrenhaus. Teilstück (1:100). 



Der erste Besitzer des 1825 wieder vereinigten Gutes, Tedel Friedrich Christoph 
von Wallmoden, erbaute 1833 den dritten Flügel des Herrenhauses, in dem 1855 unter 
seinem Sohne Tedel Albrecht der sog. Tedslsaal durch den Hildesheimer Maler Albrecht 
ausgeschmückt wurde. Tedel Albrecht begann auch die Anlage des Parkes von Alt- 
Wallmoden. 

6 



38 Alt-Wallmoden 

BESCHREIBUNG: All-Wallmodcii war eine befesLigle Anlage. Eine kräftige 
Quelle, der Spring, südlich der Gehöflanlage, versorgte die Gräben mit Wasser. 
Der Grabenzug nähert sich einer Ellipse von rund 180x70 m. Bei der Teilung des 
Gutes wurde quer durch die Ellipse ein neuer Graben gezogen, der nun den Haupt- 
abfluß des Springs bildete. Der das nördliche Stück umziehende Grabenteil wird 
auf der Karle von 1808 als Hausgraben bezeichnet. Das südliche Stück war der 
,, Oberhof". Im nördlichen war an den Wehrturm das jetzt nicht mehr vorhandene 
,, Unterhaus" angebaut. Nach Wiedervereinigung des ,,()ber]iofes" mit dem Unter- 
hause wurde der Quergraben zugeschüttet, so daß seitdem wieder der Hausgraben 
den Abfluß des Springs bildet. 

Wehrturm (Abb. 8), Bruchstein, 14. Jahrhundert, mit Schießscharten. Recht- 
eckige Fenster mit Kreuzpfosten aus Werkstein, etwa Mitte des 16. Jahrhunderts 
angelegt. Wanddickc rund 2 m. Höhe 9,60 m (Taf. Id). Ost- und Westseile mit 
späteren Giebelaufbauten aus Eichenfachwerk. Die einst offene Hofseite mit einer 
Fachwerkwand geschlossen. Zu wirtschaftlichen Zwecken wurde Mitte des 19. Jahr- 
hunderts das Erdgeschoß mit Backsteinkappen zwischen Gurten überdeckt. Die 
beiden oberen Geschosse behielten Holzbalkenlagen mit Kalk-Gipsestrich. 

Ältere Gebäude sind außer dem Wehrturm nur noch auf dem südlichen Teile 
der Gehöftanlage vorhanden. 

Rundbogige Hof einfahrt in Bruchstein erbaut. Oberhalb des Bogens zwischen 
den Wappen von Wallmoden und von Steinberg die Inschrift: ,,ASPICE / QUI 
TRANSIS / AEDES / ET CURA ET SUMTIBUS GENERO SI S SIM 1 
DOMINI / DOMINI DHEODULI OTTONIS DE WALMODEN / AEDI- 
FICATAS / AC POST EIUS OBITUM SEMPITERNAE MEMORIAE 
ERGO / APPOSITIS NOBILITATIS INSIGNIBUS / INSIGNITAS 
A / NOBILISSIMA DOMINA / ANNA SOPHIA DE WALMODEN / 
NATA DE STEINBERG / ANNO CHRISTI M. D. CCXXXL" 

Die Baugruppe des Herrenhauses stammt aus verschiedenen Zeiten (Taf. 3a). 
Nördlicher dreigeschossiger Fachwerkbau auf 1,80 m hohem Bruchsteinsockel. 
Achtseitiger Turmanbau mit Eichenholztreppe (Blockstufen). An der Holzumrah- 
mung oberhalb der Tür: ,,Soli deo gloria. Ao. Dni 1579". Links der Inschrift das 
von Wallmodensche Wappen, rechts ein steigender Löwe als Wappentier. 

Das Gebäude selbst zeigt den üppigen Reichtum der Bauweise jener Zeit. 
Vorderwände der beiden Obergeschosse vorgekragt, Balkenköpfe auf profilierten 
und gegliederten Konsolen (Abb. 11). Füllhölzer und Setzschwellen mit Perlschnur- 
ornamenten, Riegel und Setzschwellen mit Flechtbändern. Die Füllungen der 
Fensterbrüstungen und der in gleicher Höhe liegenden Gefache aus Bohlen mit ge- 
schnitzten Halbkreisornamenten (Abb. 10). Seitlich des Treppenturmes ist der Zu- 
gang zu den tonnengewölbten Kellerräumen angelegt, über dem sich die gleiche 
Jahreszahl (1579) befindet. Zwischen Treppenturm und dem an der Ostseite recht- 
winklig angebauten Flügel im Obergeschoß eine offene, überdeckte Galerie. An der 
Stirnseite des Tragebalkens die Jahreszahl 1738. Vier Achsen vom westlichen Teile 
des Nordflügcls scheinen gegen Ende des 17. Jahrhunderts unter Verw-endung alten 
Baumaterials neu aufgebaut zu sein. Die Brüstungsplatten fehlen hier; statt der- 



Alt -"Wallmoden 



39 



selben geschweifte Fußstreben, zwischen denen die Gefache mit Backsteinen in 
Musterungen ausgesetzt sind. Die Schwellen und Riegel hier ohne ornamentale 
Belebung, die Konsolen- und Füllhölzer sind gleich oder sehr ähnlich wie an der 
übrigen Wand ausgebildet und stammen vermutlich vom älteren Bau. 

Die vom Hofe abgekehrte (Nord-) Seite des Flügels zeigt auch die reiche 
Formensprache der Renaissance-Holzbauweise. 

Im Untergeschoß des Ostflügels ein mit reicher Steinmetzarbeit geschmücktes 
und von zwei gequaderten und kanneliierten Pfeilern eingefaßtes, rundbogig ge- 




Abb. 11. Alt -Wallmoden, Fachwerk vom Nordflügel (1579). 



schiossenes Kellerportal, mit zwei Löwenköpfen an den Sockeln. Im Sturz die In- 
schrift: „THEDEL BVRCHART VON WALMODEN. GERTRVD VON 
KRAM. 1628." (Taf. 4b). Seitlich dieses Einganges in Brüstungshöhe des Erd- 
geschos.ses einige mit Ornament gefüllte Steinplatten zwischen Vcrtikalgliederungen. 
Im übrigen sind die Wände des Ostflügels gleichfalls in Fachwerk errichtet. Auch 
liier sind zwei Bauzeiten deutlich am Ornament erkennbar: an der Schwelle des 
Zwischenbaues zwischen dem Westende des Nordflügels bis zu dem 1628 hergestellten 
Bauteil zwei übereinanderliegende Flechtbänder, an den Riegeln einfache Schnur- 
züge. Fußstreben stützen seitlich die Stiele. Über diese sowie über die Fußstreben 
zieht sich die typische Halbkreisfüllung (mit Fächermustern) hin. Konsolen spät- 
gotisch profiliert, Füllhölzer ohne Ornament. Die Erbauungszeit dieses Teilstückes 
wird kurz vor der Mitte des 16. Jahrhunderts liegen. Bei der 1628 erfolgten Ver- 



40 All -Wallmoden 

größeruiig des Herrenhauses wurden dann, den Neigungen der Zeil enlsprechend, 
bewußt und geschickt, die spätgotischen Elemente (Laubranke) mit denen der 
Renaissance (Kyma, Zahnschnitt) verbunden. Diese Zierglieder beleben Schwellen 
und Füllhölzer, während die Balkenköpfe schlicht geblieben sind. 

Quer vor dem Ostflügel ist Anfang des vorigen Jahrhunderts ein weiteres 
schlichtes Gebäude errichtet, das sich den vorhandenen Teilen ansprechend an- 
schließt. Die lelzlen Umbauten 20 bis 50 Jahre alt, weniger glücklich. Das 
Innere der Gebäude ist verhältnismäßig schlicht. Plastischer, der Architektur ein- 
gefügter Schmuck ist kaum vorhanden, doch beleben viele alte Ausstallungsslücke 
der Familie die Räume. 

Die bemerkenswerte Wanddicke einiger Kellerräume (bis 2,50 m) läßt auf 
einstige Bestimmung zu Wehrzwecken schließen. 

Die Wirtschaftsgebäude sind zum Teil noch in der Stilart der älteren 
einfachen Fachwerkbauten des 16. und 17. Jahrhunderts mit glatten Fußstreben 
erbaut, spätere Gebäude mit Wappen, Namensinschriften und Sprüchen. 

Die stattliche Scheune ist ein Fachwerkbau mil vollständig erhaltenen 
Backsteinmusterungen. Über dem Tor der Scheune: ,,Du krönest das Jahr mit 
deinem Gut und deine Fußtapfen triefen von Fett. Ps. 65. Laß mich Herr mein 
bescheiden Theil Speise dahin nehmen prov. 30." 

Über der Seitentür desselben Gebäudes im Sturz ein Doppelwappen und eine 
Inschrift aus: ,,112 Ps. v. 2". und ,,Thedel Aschen v. Walmoden. Margaretha Lu- 
cretia v. Estorff. Anno 1688. 2. Juni." (Abb. 9.) 

Am gegenüberliegenden Schafstall das Wappen von Wallmoden und von 
Steinberg mit der Jahreszahl „1728". 

Abend, mahlsgeräte, die sich im Besitze der Familie von Wallmoden be- 
finden: Kelch, Silber, vergoldet, H. 18 cm, mit glattem birnförmigen Knauf. 
Kuppa 9 cm 0. Am Fuß die Inschrift: (Lat. Schreibschrift; ,,A. G. von Wall- 
moden geb. von Steinberg 1764.". Goldschmiedezeichen 54. 

Patene, 11,8 cm 0, Silber, vergoldet. Inschrift (Schreibschrift): ,,A. S. von 
Wallmoden geb. von Steinberg 1764. Joh. Cap. 6. Vers 54. Wer mein Fleisch isset, 
und trincket mein Blut, der hat das ewige Leben." 

Weinkanne, Silber, 22 cm hoch. 2. Hälfte 18. Jahrh. Goldschmiede- 
zeichen 44. 

Im Herrenhause wird eine silberne längliche Taufschale aufbewahrt, angeb- 
lich die einstige Waschschale des Königs Jerome von Westfalen, auf der die Namen 
sämtlicher aus ihr getauften Mitglieder der Familie von Wallmoden eingraviert 
sind. Goldschmiedezeichen fehlen. 

Auf das in typisch mitteldeutscher Art gebaute Gehöft Nr. 38 sei hingewiesen. 
Ein Aquarell dieses Gehöftes von A. Heubach wird im Vaterländischen Museum 
in Hannover aufbewahrt. 

Ober die südwestlich von Alt-Wallmoden liegende Pagenburg vergleiche die 
Einleitung, S. 6. 



41 



Beinum. 

Evangelische Kirche. Weghaus. 

Quellen : 1. Staats- Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74, Amt Liebenburg, II., G. 1 b 
und H. c. — Bibl. H. V. N., Handschrift 317. — Pfarrarchiv Beinum: Kirchl., Bau- 
akten. — von Schwicheldtsches Archiv im Schloß Söder — 2. U. B. Hild., I.— VI. — 
U. B. Goslar, I., III. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 31. — Bertram, Gesch. Bist. Hild., I., S. 453; 
III. S. 249. — Bleibaum, Bildschnitzerfamilien. — Blume, Heimat, S. 210 ff. — Dürre, 
Reg. Wallmoden, Nr. 152. — Görges-Spehr, Denkwürdigkeiten, III., S. 131. — Kauf- 
mann, Kaiserpfalz Werla. — Kayser, Visitationen, S. 59, 133, 139, 148. — Lüntzel, 
Alt. Diözese, S. 250. — Lüntzel, Gesch. Diözese, IL, S. 363 f. — Mithoff, Kunstdenk- 
male, S. 19. — Mithoff, Kirchen und Kap., S. 3. — Oehr, Ländl. Verhältnisse, S. 11. — 
Vogell, Gesch. Schwicheldt, S. 57 ff., 62 ff., Urk. 81. — Zobel, Heimatbuch, S. 66 ff. 

GESCHICHTE: Der Name des Dorfes 
Beinum (Benem) taucht zum ersten Male 
in einer Papsturkunde 1209 auf, in der In- 
nocenz III. das Kloster Ringelheim in seinen 
Schutz nimmt und dessen Besitzungen be- 
stätigt. Vier Hufen besaß das Kloster Ringel- 
heim damals in Beinum. Ein Herrenge- 
schlecht von Beinum wird 1278 erwähnt. 
Außer dem Kloster Ringelheim hatten noch 
andere Klöster (Dorstadt, Georgenberg bei 
Goslar, später auch Wöltingerode) Besitz in 
dem Dorfe. Georgenberg verpfändete seinen 
Besitz 1342 an die Herren von Schwicheldt, 
die am Ende des Mittelalters einen bedeu- 
tenden Besitz in Beinum aufweisen konnten. 
In der Fehde, welche Curd von Steinberg und 
Hans von Schwicheldt als stifthildesheimische 
Adlige 1393 mit dem Herzoge Friedrich von 
Braunschweig begannen, fand bei Beinum 
die entscheidende Schlacht statt, in der die 
Braunschweiger siegten. Inschrift über diese 
Schlacht an der Südwand der Brüdern- 
kirche in Braunschweig: Anno 1393 ,,wune 
vor bene de vorsten van Brunsw. de strid." 

Über die Kirche in Beinum schweigen die Urkunden lange Zeit. Die alten Kirchen- 
bücher, Urkunden usw. sind bei einem großen Brande, iler am 3. Juli 1791 das halbe 
Dorf und auch das Pfarrhaus in Asche legte, vernichtet. Beinum lag an einem Kreu- 
zungspunkt zweier wichtiger Handelsstraßen, der alten Straße von Hamburg nach 
Frankfurt a. M. und der Straße von Halberstadt nach Minden. So war hier eine nicht 
unbedeutende Poststation, wo Pferde und Wagen gewechselt wurden, auch war B.nnum 
Grenzstation gegen Braunschweig und damit Zollstalion. Hieran erinnert das noch 
bestehende Wegehaus. 

Die alte Kirche, die 1890 abgerissen wurde, stammte aus vorreformatorischcr Zeit. 
Die Kirche bestand aus Turm und Schiff, 1605 wurde eine südliche Vorhalle angebaut, 
an der Ostseite hinter dem rechteckig geschlossenen Chor befand sich die Sakristti, 
zu welcher links und rechts vom Altar Türen führten. Die Mauern der Kirche waren 
aus Feldsteinen, die Einfassungen des Schiffes und der Sakristei aus Sandsteinen er- 




Abb. 12. Beinum, alte Kirche, ab<;ebroclien 1S!)(). 



42 Bein um 

baut (Abb. 12). Diese letzteren wiesen alte Schleilrillcu auf, wie sie an mittelalter- 
lichen Kirchen oft vorkommen, z, B. an d6r Jakobikirche in Goslar. 

Beim Abbruch des Kirchenchores zeigten sich unter der Tünche Überreste alter 
Malerei. 

Die neue Kirche enlslaiul 1890/91 an der Stelle der abgebrochenen Kirche nach 
einem Entwürfe des Regicrungsbaumeisters II. Fricke in Braunschweig. (Kosten ca. 
57000 Mark.) 

Das Patronatsrecht über die Kirche stand dem Propst des St. Blasiusstiftes in 
Braunschweig bis zur Aufhebung des Klosters zu. Zunächst gehörte Bcinum zum 
Stifte Hildesheim, 1523—1643 war der Ort braunschweigisch. 1058 wurden Beinum 
und Flachstöckheim kirchlich vereinigt, diese Vereinigung bestand 100 Jahre bis 1756. 

BESCHREIBUNCt: KIRCHE. 

Die Ausstattung der alten Kirche ist nicht mehr vorhanden. 

Abendmahlsgerätc : Kelch, Silber, vergoldet, H. 19 cm. Sechspaßfuß. 
Rhomben des Knaufes mit Blüten geschmückt, dazwischen Maßwerkzierate. Am 
Fuße kleiner Korpus auf eingraviertem mit Signum versehenem Kreuz. Daneben 
zwei gravierte Wappen (v. Schwicheldt und Rautenberg). Erstes Drittel 
16. Jahrh. — Kelchlöffel, ^Silber, 11, .5 cm lang. Goldschmiedezeichen 26. — 
Weitere Geräte (Oblatendose von 1730 und ein Leuchter), die 1900 noch vorhanden 
waren, konnten nicht mehr festgestellt werden. Vielleicht gehört ein unter Flach- 
st öckheim aufgeführter Kelch hierzu. 

Kreuz mit 22 cm hohem Korpus aus Blei, um 1800. 

Taufen gel, etwa 1 m groß, aus Holz, zur Zeit auf dem völlig dunklen Kirchen- 
boden hängend. 

Glocken aus Gußstahl, 1875 vom Bochumer Verein. 

WEGHAUS. 

Einige hundert Meter südwestlich der Ortschaft steht ein altes eingeschossiges 
Weghaus (früheres Zollhaus) aus Fachwerk (Taf. 4d). Dach an der Straßenseite 
weit vortretend, von Wandstreben getragen. Erbauungszeit: Ende 18. Jahrh. 



Beuchte. 

Evangelische Kirche. 

Quellen: Staats-Arch. Kann., Akt. Hann. des. 74, Amt Wöltingerode, III., X.. 
1, 4 e, Nr. 20. — Bibl. H. V. N., Handschrift 317. — Pfarrarchiv Beuchte, Einwohner 
Verzeichnis von 1651, Akten über Kirchenbau 1820—37. — 2. U. B. Hild., I., III.— VI. 
— U. B. Goslar, I.— IV. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 33, 38, 44, 55, 59, 73. — Bertram, Gesch. Bist. 
Hild., I., S. 192, 304. — Blume, Heimat, S. 380 ff. — Bornstedt, Siedlungen, S. 15. — 
Hüttebräuker, Erbe Heinrichs d. L., S. 65. — Kayser, Visitationen, S. 185. — Lüntzel. 
Alt. Diözese, S. 16, 322 ff. — Lüntzel, Gesch. Diözese, IL, S. 131. — Machens, Archi- 
diakonate, S. 79, 100. — Mithoff, Kunstdenkmale, S. 20. — Mithoff, Kirchen und Kap., 
S. 3. — Zobel, Heimatbuch, S. 185 ff. 



Beuchte 43 

GESCHICHTE: In der Bestätigungsurkunde des Klosters Riechenberg durch 
Bischof Bruno von Hildesheim taucht 1154 zuerst die Siedlung Klein-Beuchte („Lutti- 
kinbochthe") auf, außer Riechenberg hatte hier auch das Kloster Wöltingerode Besitz. 
Anfang des 14. Jahrhunderts oder noch früher ist Klein-Beuchte aufgegeben. 1336 
wird es als Wüstung Beuchte (Wostenboghede) bezeichnet. 

Der Hauptort Beuchte tritt uns 1174 urkundlich entgegen; in diesem Jahre über- 
eignet Bischof Adelog die Kirche in „Bokethe", eine Tochterkirche von Gielde, dem 
Kloster Heiningen. Im Jahre 1280 aber erscheinen sieben Patrone der Kirche in 
Beuchte, deren Namen in der Urkunde selbst zwar nicht genannt werden, aber aus 
den angehängten Siegeln bekannt sind. Als Patrone kommen in Frage: Herzog Hein- 
rich von Braunschweig, Graf Meiner von Schiaden, die Klöster Wöltingerode, Neuwerk 
in Goslar, Heiningen und Ringelheim, die Ritter Yolcmar von Goslar, Heinrich von 
Burgdorf und Konrad von Wehre. Diese Patrone verzichteten 1280 auf ihr bislang 
gemeinsam ausgeübtes Patronat zugunsten des Hauses des deutschen Ordens in Goslar 
(Goslar, U. B., IL, Nr. 272). Nachdem 1287 Heinrich von Birkenstein die Kirche mit 
dem Patronatrecht in Weddingen den Ordensrittern geschenkt hatte, siedelten bald 
die Ordensritter nach Weddingen über, die Kirche in Beuchte wird dann von dem 
Komturhof in Weddingen abhängig. 

Als Grundeigentümer treten in Beuchte das Domstift in Goslar, die Klöster Neu- 
werk in Goslar und Riechenberg auf, letzteres besaß auch bis 1365 den Zehnten; einige 
Ritterfamilien trugen Grund und Boden vom Bischof zu Hildesheim zu Lehen (von 
der Gowische, von Salder, von Rössing usw.), einige hatten Eigenbesitz am Orte (von 
Wehre, von Asseburg usw.). Beuchte gehörte seit Mitte des 14. Jahrhunderts zum 
Amte Wiedelah und kam 1523 nach der Stiftsfehde mit dem Amt an Herzog Heinrich 
d. J. von Braunsehweig- Wolfenbüttel. 1542 wurde die Reformation eingeführt. 

Im Dreißigjährigen Kriege hatte Beuchte, wie alle benachbarten Dörfer, sehr unter 
den durchziehenden Truppen zu leiden, der 1546 aufgesetzte Knopf des Kirchturmes 
wurde damals so durchschossen, daß er 1652 durch einen neuen ersetzt werden mußte. 
1643 kam Beuchte mit dem Amte Wiedelah an das Bistum Hildesheim zurück, nach 
der Säkularisation des Bistums und der kurzen preußischen und westfälischen Zeit 
gehörte Beuchte bis 1831 zum hannoverschen Amte Vienenburg, 1831 — 66 zum Amt 
Wöltingerode, dann zum preußischen Kreise Liebenburg, bis dieser 1884 zum Kreise 
Goslar umgewandelt wurde. 

1836 wurde die alte Kirche abgerissen und 1837 durch einen Neubau ersetzt, der 
3578 Reichstaler Kosten verursachte; der Bauplan stammte von Baumeister Hellner, 
Hannover. 1908 wurde eine gesprungene Glocke von 1678 eingeschmolzen. L-nter 
der Haube ein Palmettenfries wie an der Glocke von 1676. Am langen Felde: H. Jo- 
hann Warncken, P. B., Jürgen Busse, K. V., Curdt Brakmeier, K. V., Diedrich Koch, 
Christoffel Kleiment, Hans Hartwieg, Hans Bielstein, Joachim Aiburg, Anno 1678. — 
Am Schlagring: Heise Meier goss mich zu Wolfenbüttel. 

BESCHREIBUNG: Die in hammerrecht bearbeiteten Bruchsleinen Unit Inschrift 
über der Tür an der Ostseite der Sakristei 1837 erbaute Saalkirche hat an den 
Längsseiten je drei große mit horizontalem Sturz abgeschlossene Holzsprossen- 
fenster (Taf. 4e). Die Sakristei, deren profiliertes Traufgesims in gleicher Höhe 
mit dem der Kirche liegt, ist der Ostwand vorgelagert und mit zwei weiteren Fen- 
stern, die den Schiffsfenstern gleichen, ausgestattet. Das beschieferte Walmdach 
der Sakristei legt sich gegen den Ostgiebel des Schiffes; Haupteingang in der West- 
wand der Kirche auffallend breit und hoch mit Werksteingewänden umrahmt. 
Im Westen des Daches über quadratischem Grundriß ein an jeder Seite mit Schall- 
fenster versehener beschief erter Dachreiter mit kräftigem Gesims, Helm mit 



44 Beuchte 

scharfen Knicken vom Viereck ins Achteck übergeführt. An der Helmpyramide 
unter besonderem Schutzdach die Uhrschlagglocke. Das mit ebener Ilol/balken- 
decke geschlossene Innere einfach. 

Ausstattung: 

Auf der Empore im Weslen die Orgel aus der Erbauungszeit. An den Längs- 
wänden ist die Emjjore beiderseits bis etwa zu zwei Dritteln des Schiffi's cnllang- 
geführt. Über dem Altartisch die schlichte Kanzel. 

Zwei Altarleuchtcr mit angegossenem Dorn, Bronze, versilbert, H, 0,30 m. 
Dockenform, Ende 17. Jahrh. Am runden Fuß die Buchstaben: + I i G + 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Silber, vergoldet, H. 18,25 cm, gotische 
Form, Fuß und Schaft rund, Zapfenknauf mit den gotischen Kleinbuchstaben: 
,,i • h -e -s • u s". Über- und unterhalb des Knaufs nochmals diesell)e Umschrift. 
Um 1400. 

Patene, Silber, vergoldet, 13 cm. Weihekreuz ausgeschlagen, fehlt. 

Oblatendose, Silber, glatt, II. 6 cm, 8,5 cm. Inschrift: ,,1747". Gold- 
schmiedezeichen 25. 

Kelch, Silber, H. 30 cm. In reicher getriebener Arbeit. Darstellungen zwischen 
den Ornamenten: Abendmahl, Kreuzigung, Auferstehung. Feingehaltszeichen 12. 
Vom Jahre 1866. 

Patene dazu, 21,5 cm. 

Weinkanne, Zinn, H. 30 cm, von einfacher Form, um 1800. 

Die früher vorhanden gewesene Taufschüssel aus Messing mit Widmungs- 
inschrift aus dem Jahre 1782 war nicht mehr festzustellen. 

Pieta, Holz, H. 0,60 m, um 1500, in der Sakristei, Beschädigt. Bemalung 
abgängig (Taf. le). 

Zwei Glocken im Dachreiter, die größere 1908 von Radler in Hildesheim 
gegossen. Die kleinere, 0,67 m, mit Blattfries und Inschrift: ,,ANNO 1676 // 
GOSS MICH HEISO MEYER ZU WOLFFENBÜTTEL", auf der Gegen- 
seite: „H. JOHANWARNEKEN // PASTOR // F • A D • K • C K • C ■ B •" 
— Über die eingeschmolzene Glocke von 1678 vgl. Geschichte. 

Auf dem Kirchhof stehen noch einige Grabmäler an ursprünglicher Stelle: 

1. Grabmal des Superintendenten Gottlob Broeder * 2.2.1745, t 14.2. 
1819. Sandstein, Gesamth. 2,25 m; des Aufsatzes H. 1,10 m. Sockel 0,82x0,82 m. 
Zwischen Sockel und Aufsatz ein 14 cm hoher Luftraum, war vermutlich früher 
mit einem steinernen Zwischenstück ausgefüllt (Taf. 4c). 

2. Grabmal des Carl Friedr. Anton Wendebourg * 21. 12. 1799, 
t 3. 4. 1827. Sandstein, H. 2,20 m, Sockel 0,79x0,79 m. Über dem Sockel kanne- 
lierte Säule (0 0,37 m), darauf eine Urne. 

3. Grabmal des Lehrers Christopf. Fricke * 20.2.1791, t 2.8.1834. 
Sandstein, H. 2,10 m, Sockel 0,82x0,82 m, ähnlich dem Grabstein 1. 



45 

Bredelem. 

Evangelische Kirche. 

Quellen: 1. Staats- Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74, Amt Liebenburg, II., 
G. Ic und Hc; desgl. III., Akten IX., A 17, 14. — Bibl. H. V. N., Hand- 
schrift 317. — Pfanarchiv Bredelem : Baurechnung der Kirche 1846/47 — von Schwicheldt- 
sches Archiv im Schloß Söder. — 2. U. B. Hild., I.— III., V., VI. — U. B. Gos 
lar, I.— V. 

Literatur: Bertram, Gesch. Bist. Hild., L, S. 219. — Bornstedt, Siedlungen, 
S. 15. — Dürre, Reg. Wallmoden, Nr. 725, 727. — Kayser, Visitationen, S. 150, 187, 
212. — Machens, Archidiakonate, S. 108, 147, 168, 185, 337. — Mithoff, Kunstdenk- 
male, S. 24. — Mithoff, Kirchen und Kap., S. 3, 9. — Zobel, Heimatbuch, S. 278 ff. 
GESCHICHTE: Das Dorf „Brethenehim" wird zuerst 1147 in einer Urkunde 
Bischof Bernhards von Hildesheim erwähnt, über Bredenheim, Bredenhem, Bredenem 
hat sich der Ortsname zum heutigen Bredelem entwickelt. Ein Geschlecht von 
Bredenheim taucht gleichzeitig in einer Urkunde des Hildesheimer Bischofs für die 
Cäcilienkapelle in Goslar auf, Guntherus de Bredenheim ist unter den Zeugen dieser 
Urkunde. Das Geschlecht tritt wenig hervor und scheint am Ende des 13. Jahr- 
hunderts ausgestorben zu sein. Besitz im Dorfe hatte das Kloster Riechenberg 1548 
drei Höfe mit 17 Morgen, das Bartholomäi- oder Sültestift vor Hildesheim besaß 
hier den Zehnten und eine Hufe seit 1147, außerdem befand sich in Bredelem ein 
bischöfliches Meiergut mit dazugehörigen Hörigen, dessen Ländereien am Ende des 
Mittelalters durch Schenkungen in verschiedenen Besitz kamen. Am 15. Mai 1830 
vernichtete eine große Feuersbrunst das ganze Dorf. 

Die Kirche zu Bredelem gehörte zum'Archidiakonat Haringen. 1423 verletzten 
32 Bürger der Stadt Goslar die Immunität der Kirche zu Bredelem und das kirch- 
liche Asylrecht, indem sie einen Straßenräuber, der in diese Kirche geflüchtet war, 
gewaltsam vom Kirchhof rissen und dem weltlichen Gericht überantworteten. Diese 
Tat hatte einen großen Prozeß zur Folge. Die Strafe für die Verletzung der Kirchen- 
freiheit zu Bredelem betrug 40 Gulden, die der Rat zu Goslar zahlen mußte. 

1542 wurde in Bredelem die Reformation durchgeführt. Die alte Kirche war seit 
dem Anfang des 19. Jahrhunderts sehr baufällig geworden, deshalb wurde 1844 ihr 
Abbruch beschlossen und 1846/47 auf Kosten der Kirchengemeinde ein Neubau durch- 
geführt. Den Plan lieferte der Hauptmann a. D. und Baumeister G. F. C. Wiepking 
in Goslar. Die Baukosten betrugen 5507 Rtlr. 26 ggr. 13 Pf. Die Orgel wurde 1848 
angeschafft. 

Als Kirche des Bannes Ostharingen wurde Bredelem bis 1653 Ostharingen ein- 
gepfarrt, seitdem ist es der Pfarre Upen zugelegt. 

BESCHREIBUNG: Die Kirche ist auf der Stelle der mittelalterlichen als 
Saalkirche mit Westturm (1846/47) erbaut. Material: Sandsteinquader, gekrönelt, 
zum Teil scharriert. Innere Gesamtlänge 20,35 m. Breite 11,50 m (Taf. 6a). Wand- 
dicke des Turmes 1,00 m, des Schiffes 0,60 m. Der Turm (Untergeschoß 5,40 x 4,40 m) 
ist in voller Breite nach dem Schiff geöffnet. Chorteil, um 2 Stufen erhöht, 6,07 m 
lang. An den Längswänden des Schiffes je drei große Rundbogenfenster. Fuß- 
bodenbelag rote Sandsteinplatten, unter dem Gestühl Holz. Flache geputzte Holz- 
balkendecke mit aufgemaltem Lamm im Strahlenkranze. 
Ausstattung: 

Emporen, durch schlanke Achtecksäuleu gestützt, an den Längswänden 
und im Westen. Hier die Orgel. Kanzel oberhalb des Altars, zugänglich von 
einer schmalen Ostempore. 



46 Bredelem 

Taufbecken, Holz, auf Säulenfuß, H. 0,83 m, des Beckens 0,53 m. 2. Hälfte 
17. Jahrb., vielleicbt älter. Zinnscbüssel neu. 

Abendmablsgeräte: Kclcb, Silber, teilvergoldel, H. 21, .5 cm. Am Fuße 
und Schaft einfache Ornamente vom Anfang 19. Jahrb. Punktgravierung (Schreib- 
schrifl): „Johann Hennig Weddc, Eleonerc Weddc geb Sonnemann, Bredelen 
März 1825." Goldschmiedezeichen 68. 

Patene, Silber, vergoldet, mit Sechspaßboden in Treibarbeit, 14,5 cm. 
Um 1500. 

Kelch, Fuß Zinn, Oberteil Kupfer, vergoldet, H. 15 cm. 2. Hälfte 18. Jahrb. 

Patene, Zinn, 11,5 cm. 

Oblatenbehälter, Zinn, in Form eines niedrigen Ziboriums. Fuß achteckig. 
H. 8 cm, mit Deckel 14,5 cm. 

Zinnschale, 11,5 cm, Rand grob gezähnt. Inschrift unter dem Boden: 
„J. E. W. // H. S. // 1825." 

Zwei Glocken mit gleicher Inschrift: ,,Auf Kosten der Gemeinde Bredelem / 
umgegossen von J. H. Wicke in Braunschweig 1822 / waehrend der Dienstzeit / 
des Pastors G. H. Koenig / und des Ortsvorstehers Hans Heinrich Fricke /." Unter- 
halb der Haube ein Zierfries (Eichenlaub). Große Glocke 1,02 m, kleine Glocke 
0,91 m 



Burgdorf. 

Evangelische Kirche. 



Quellen: 1. Staats-Arch. Kann., Akt. Kann. des. 74, Amt Wöltingerode, III, 
X. 1, 4 k. — Bibl. H. V. N., Handschrift 317. — Pfarrarchiv Burgdorf, Akten. — 
2. U. B, Hild., I.— V. — U. B. Goslar, I.— V. — Braunschweigische Reimchronik, S. 480. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 110, 120.— Blume, Heimat, S. 347 ff. — 
Bode, Uradel, S. 96. — Bornstedt, Siedlungen, S. 15. — Dürre, Reg. Wallmoden. — 
Hoffmann, Kreuzsteine, S. 35. — Hüttebräuker, Erbe Heinrichs d. L., S. 68. — Kauf- 
mann, Kaiserpfalz Werla, S. 26, 31 ff. 35 ff. — Kayser, Visitationen, S. 182, 192. — 
Klewitz, Territ. Entwicklung, S. 25, — Lüntzel, Ält. Diözese, S. 323. — Machens, 
Archidiakonate, S. 39, 41, 62, 79, 102, 108, 112, 152, 193, 271, 340. — Mithoff, Kunst- 
denkmale, S. 25. — Mithoff, Kirchen und Kap., S. 3, 8, 18. — Zobel, Heimatbuch, 
S. 480. — Zobel, Geschichte v. Kniestedt, 

GESCHICHTE: Von der Königspfalz Werla bei Schiaden führte eine alte Straße 
in nördlicher Richtung auf der Höhe des Geländes nach Ohrum, wo die Oker mit 
einer Fähre oder in einer Furt überquert werden konnte. Da, wo diese Straße das 
Tal der Warne kreuzte, entstand der Ort Burgdorf, wahrscheinlich im Schutze eines 
befestigten Hofes, der hier als Vorwerk der Pfalz Werla angelegt war. Deshalb wird 
Burgdorf vermutlich ebenso alt wie die Pfalz Werla sein. 

Urkundlich kommt das Dorf Burchthorp erst 1174 vor, als Bischof Adelog von 
Hildesheim dem Kloster Heiningen den Bann in Burgdorf übereignet. Früher aber 
taucht die ursprünglich freie, dann reichs-dienstmännische und schließlich welfisch- 
dienstmännische Familie von Burgdorf auf; als ältester Vertreter dieser Familie 



Burgdorf . 47 

ei-scheint 1142 in einer Urkunde des Bischofs von Hildesheim „Arnold von Burch- 
dorp" unter den Zeugen. Blume nimmt an, daß die Familie von Burgdorf sich vor- 
her nach ihrem Besitz in Dornten „von Thorthunen'- nannte. Bis 1157 waren die 
Edelherren von Burgdorf Beichsministeriale und als solche mit Reichslehen aus- 
gestattet, dann wurden sie nach einem Übereinkommen Kaiser Friedrich Barbarossas 
und Herzog Heinrichs des Löwen weifische Ministeriale, doch behielten sie das Burg- 
dorfer Reichslehen, das 1357 zur Zeit Kaiser Karls IV. unter anderem noch umfaßte: 
14 Hufen Land zu Werla und das Kirchenlehen daselbst, 5 Hufen zu Burgdorf und 
das Kirchenlehen daselbst mit allem Nutzen und ,,Vogetie, den markt und das gericht 
in dem Dorf und wicbildis recht und holzgrafschaft daselbes und das gras". Zum 
Burgdorfer Reichslehen gehörte auch das Patronatsrecht über die Kirche zu Dornten, 
außerdem besaßen die von Burgdorf auch die Vogtei über die Güter des Stiftes 
St. Georgenberg bei Goslar. Im 15. Jahrhundert ist das Geschlecht ausgestorben. 
Das Burgdorfer Lehen kam dann an die Herren von Steinberg. Als auch diese aus- 
starben, erhielt um 1570 der braunschweigische Kanzler Joachim Minsinger von Fron- 
deck das Burgdorfer Lehen und 1629 wurde der Goslarer Bürgermeister Henning 
Gramer von Clausbruch mit dem Burgdorfer Lehen belehnt. Diese Familie ist noch 
heute im Besitz des Patronats über die Kirche zu Burgdorf, jedoch ohne jegliche 
Verpflichtung. Nach einer 1803 angefertigten Beschreibung der Hildesheimer Ämter 
stand der Zehnte je zur Hälfte den Klöstern Heiningen und Neuwerk- Goslar zu. 

Burgdorf muß in der zweiten Hälfte des Mittelalters einen größeren Aufschwung 
genommen haben, denn der Ort hatte, wie oben in der Urkunde Karls IV. erwähnt, 
das Weichbildsrecht, d. h. besondere Gerichtsbarkeit. Burgdorf war auch eine Zoll- 
stätte des Bischofs von Hildesheim bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts. Als Grund- 
eigentümer in Burgdorf finden wir außer dem Bischof von Hildesheim noch die Klöster 
Heiningen, Dorstadt, Wöltingerode, St. Georgenberg bei Goslar und Neuwerk in Goslar. 

Über die Kirche in Burgdorf fließen für die ältere Zeit die Nachrichten nur 
spärlich. 1174 erwarb das Kloster Heiningen Archidiakonatsrechte in Burgdorf; damit 
ist für dieses Jahr die Kirche urkundlich bezeugt. Nach der chronikalen Überlieferung 
soll angeblich im Jahre 1213 der in seinem unteren Teile noch jetzt bestehende Kirch- 
turm erbaut sein. Wie lange die Kirche in Burgdorf vom Kloster Heiningen abhängig 
war, ist nicht festzustellen. An Stelle des älteren romanischen Baues der Kirche trat 
in spätgotischer Zeit eine neue Kirche, aus welcher der heutige Altar stammt. 
Während der Hildesheimer Stiftsfehde wurde 1521 Burgdorf von Truppen Herzog 
Heinrichs d. J. geplündert; ob die Kirche dabei Schaden nahm, ist nicht bekannt. 
1523 — 1643 gehörte Schiaden zum Herzogtum Braunschweig- Wolfenbüttel. Nach 
Vertreibung des Herzogs wurde 1542 die Reformation eingeführt. 1544 bemerkten 
die Visitatoren des Schmalkaldischen Bundes über die Pfarre zu Burgdorf: ., Diese 
pfarr ist der bester pfar eine und hat sie der Propst zu Heiningen vor gelt an sich 
gebracht von den papenburgern zu Goslar, helt einen Mercenarium (Stellvertreter)." 
Erst unter Herzog Julius konnte 1568 die Reformation endgültig durchgeführt werden. 
1587 wurde die Westempore eingebaut und 1602 die Prieche an der Nordseite erbaut. 
Nach der Schlacht bei Lutter am Barenberge wurde Burgdorf geplündert, Wertsachen 
der Kirche und auch die Glocke schleppte man fort. 1634 konnte wieder eine kleine 
Glocke, die Heinrich Borstelmann in Braunschweig gegossen hatte, angeschafft 
werden. 1669 schenkte der Patron der Kirche, Henning Johann Gramer von Claus- 
bruch, zum Sckmuck der Kirche eine Tafel mit dem Bilde des Gekreuzigten. Am 
12. Januar 1686 suchte ein großer Brand das Dorf heim, doch wurde die Kirche 
verschont, denn über einen Brandschaden der Kirche wird nichts berichtet. 1720 
wurde ein Vorbau an der Nordseite aer Kirche errichtet, ,,um das Wasser fernzuhalten", 
und 1725 eine zweite Glocke beschafft, die von dem Glockengießer Christian Ludwig 
Meyer in Braunschweig gegossen ist, 1804 wurde nach einer Akte des Amtes Wöl- 
tingerode die Kanzel in den Altar verlegt. Ein Jahr später beschwerten sich die 
Geschworenen der Gemeinde Burgdorf, daß der Pastor Schroeder unnötige Ver- 



48 



Burgdorf 



äiiderungen in dem Kircheiigcbäude vornehmen lasse, so wolle er die Empore, worauf 
die Dienstboten gehen, abreißen lassen und eine andere an deren Stelle setzen. Der 
Superintendent in Salzgitter berichtet dann, es würde durch eine neue Prieche mehr 
Raum gewonnen, woran es mangele. 1825 wurde die Prieche an der Südseite erbaut. 
Beide Glocken sind 1828 durch Sigismund Lampe in Hildeshoim umgegossen. Als am 
9. September 1878 die große (ilockc einen Sprung erhielt, bekam 1879 Burgdorf ein 
neues Geläut mit 3 Glocken, die von dem Glockengießer Radler in Hildesheim 
gegossen waren. 

Eine umfangreiche Wiederherstellung des Kirchenschiffes fand 1880 statt, die 
kleinen Fenster sind damals durch größere ersetzt. 1929 erneuerte man das Innere 
der Kirche; die Kanzel, die bis dahin über dem Altar war, wurde an die Südseite der 
Kirche verlegt, wo sie auch früher stand, die Priechen gleichzeitig beseitigt. Kanzel 
und Altar sind von dem Kirchenmaler Gotta in Hannover ausgebessert. Außerdem 
erhielt die Kirche neues Gestühl. 




Abb. 13. Burgdorf, Kirche, Grundriß (1:250). 



BESCHREIBUNG: Die über einem Rechteck von etwa 23,25x9,60 m in 
Bruchstein erbaute Kirche stammt aus dem späten Mittelalter (Taf. 5c). Fast 
quadratischer Westturm mit rundbogig geschlossenen Schallöffnungen und be- 
schiefertem, mit Schrägflächen in das Achteck übergeleitetem Helm mit kräftigem 
Knauf und Wetterfahne. Spitzbogige Fenster der Längswände vermauert oder 
durch neue große Rundbogenfenster ersetzt (Abb. 13). Vom gotischen Bau ist das 
in den 1920er Jahren dunkelfarbig verglaste dreiteilige Ostfenster erhalten, dessen 
einzelne Teile mit Kleeblattbögen geschlossen sind. Auch der spitzbogige Eingang 
auf der Südseite ist noch in alter Form vorhanden mit anscheinend ursprüng- 
licher einfacher Tür nebst derbem Beschlag. Das Innere hat eine neue schlichte 
Holzbalkendecke (Taf. 5 b). 

Ausstattung : 

An der Nord-, West- und Südseite Emporen, teilweise alt. Die erste, wohl 
nur im Westen errichtete, zur Aufstellung der Orgel dienende Empore ist, wie aus 



Burgdorf 



49 



den Bruchteilen der Inschrift an einem Tragebalken hervorgeht, 1587 aufgestellt. 
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts ist sie unter Verwendung der Hölzer der ersten 
Anlage umgebaut und zum Teil mit geschnitzten 0,70x0,80 m großen Brüstungs- 
füllungen versehen (Blumen und Früchte). Orgelgehäuse mit reichem Ranken- 
schnitzwerk (Taf. 7 a). Wahrscheinlich stammt auch eine auf der Sakristei wand 
befindliche Schnitzerei von der Orgel (Taf. 5a). Emporen und Orgel sind 1835 
handwerklich bemalt. 

Altar mit der darüber befindlichen Kanzel aus älteren Stücken zusammen- 
gebaut. Seitlich der Kanzel war das 1929 wieder auf den Altartisch gestellte 1,40 x 
1,65 m große Mittelstück eines spätgotischen Schreinaltares angebracht mit 
geschnitzten, vergoldeten und bemalten etwa 73 cm hohen Figuren auf Sockeln. 
In der Mitte der Gekreuzigte, links Maria und Johannes der Täufer, rechts Jo- 
hannes der Evangelist und Katharina. Als oberer Abschluß des Schreins durch- 
brochenes Schnitzwerk, fünf Eselsrückenbögen mit zierlichem spätgotischen Maß- 
werk zwischen Fialen Ende 15. Jahrh. (Taf. 5d). 

Bild auf gepreßtem Pergament, Aquarell (?), im Rahmen, 0,95 xO,68 m groß: 
Kruzifix, darunter Wappen und die Unterschrift: ,, Henning : Johan : Gramer von 
Clausbruch, patronus dieser p. / zur Ehre Gottes 
undt gedechtniß verehrt. Anno 1669". An der 
Ostwand. 

Abendmahlsgeräte: neu. Vorhanden 
ist noch eine Weinkanne, Zinn, H. 28 cm, 
1805 von Joh. Conrad Flegel. 

Drei Glocken, 1,00; 0,85; 0,70, 1878 
von J. J. Radler in Hildesheim. 

Kreuzstein, H. 0,95 m, oberhalb des 
Erdbodens 0,50 m breit. Stark verwittert. 
Vorderseitig ein gotisches Kreuz (Abb. 14) und 
eine Hausmarke ( ?). Vor dem Friedhofseingang. 







Burgdorf, Kreuzstein (1:20). 



.\bb. 14 



Dornten. 

I. Evangelische Kirche. 

Quellen: 1. Staats-Arch. Hann., Akt. liann. des. 74, Amt IJebeuburg, II.. 

G. 1 f 11 und Hc; desgl. III., Akten IX. A. 17, 2. Bibl. H. V. X., Handschrift 317. 

— von Schwlcheldtsches Archiv im Schloß Söder, Urk. Akt. Pfarrarchiv Dornten: 

Corpus bonorum (Pfarrländerei usw.), kirchl. Bauakten 186G. - 2. U. B. Hild., I. -VI. 

U.B. Goslar, I. -V. U.B. von Saldern, I. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 43, 90. Bertram, Gesch. Bist. Hihi., I.. 

S. 101, 219, 325; III., S. 95. Blume, Heimat, S. 104, 166 ff. - Bornstedt, Siedlungen. 
S. 16. - Curs, Gaue, S. 2, 12. Dürre, Reg. Wallmoden, Xr. 76, 95, 208. Kayser, 
Visitationen, S. 147. Klewitz, Territ. Entwicklung, S. 13. Lüntzel, Alt. Diö- 

zese, S. 169 ff., 251 ff. Machens, Archidiakonate, S. 49, 56, 58, 63. - Mithoff, Kunst- 
denkmale, S. 29, 30. - Mithoff, Kirchen und Kap., S. 3. Oehr, Ländl. Verhältnisse, 
S. 11. - - Wemeburg, Gau und Grafschaft, S. 48/49. - Zobel, Heimatbuch. S. 284 ff. 

7 



50 Dornten 

G I:;S(Mll(;ilTE: Als „Donuuni" konmiL das Doil Dornten 1053 in einer Urlvunde 
Kaiser Heinrichs III. zum ersten Male xirkundlich vor; damals wird Dornten als „im 
(iau Lera und in der Grafschaft des Grafen Adelhard gelegen" bezeichnet. Die Urkunde 
ist ein Beispiel dafür, -wie an Stelle des alten Gaunaniens nun um die Mitte des 11. Jahr- 
hunderts die Bezeichnung der Grafschal't mit dem Namen des Grafen tritt. Il,'i3 taucht 
das (ieschlecht der Herren von Thornlune mit den Brüdern Arnold und Lüdeger auf, 
außerdem wird in dieser Urkunde auch zuerst die Kirche in Dornten erwähnt. Bald 
darauf müssen die ursprünglich Freien, dann Reichsministerialen von Dornten nach 
Burgdorf ül)ergesiedelt sein, mit dem sie vom Reiche belehnt wurden. 1142 nennt sich 
jener Arnold bereits von Burgdorf, seine Familie und seine Nachkommen folgen ihm 
darin und nennen sich auch nach dem neuen Besitz. Das Stammgut der p'amilie in 
Dornten kam im Laufe der Zeit in den Besitz des Bischofs von Hildesheim, der ihr 
einen Teil als Lehen zurückgab, und in den Besitz des Klosters Neuwerk in Goslar. 
Ein Zweig der Familie blieb in Dornten und nannte sich weiter nach dem Stamm- 
sitz, es kann sich aber auch um eine zweite Familie von Dornten handeln, deren Mit- 
glieder im 13. Jahrhundert als Hatsherren und Geistliche in Goslar tätig sind. 

Im 14. Jahrhundert (1329 — 92) wird in den Urkunden ein Klein-Dörnten erwähnt, 
doch muß diese Siedlung später aufgegeben sein, denn der Name verschwindet aus den 
Urkunden. Ein großer Teil der Dörntener Feldmark kam seit der 2. Hälfte des 12. Jahr- 
hunderts an benachbarte Klöster (Riechenberg, Wöltingerode und die Goslarer Klöster 
und Stifte St. Georgenberg, Domstift, Neues Hospital, Frankenberg und insbesondere 
Neuwerk). 

Das Patronat über die Kirche behielten die Herren von Burgdorf als Reichslehen 
bis 1322, in diesem Jahre übertrugen Willekin, Ludolf und Johann von Burgdorf das 
Patronatsrecht und 4 Hufen Land zu Dornten dem Stift St. Georgenberg bei Goslar, 
dessen Untervögte und spätere Obervögte sie seit der Mitte des 12. Jahrhunderts waren 
(U. B. Goslar, III., 595). Als Nachfolger des Stiftes St. Georgenberg nimmt dann in 
der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts das Kloster Grauhof das Patronatsrecht in 
Anspruch, nach den Akten der Pfarregistratur wurde es 1568 zum letzten Male damit 
belehnt. Nach einer 1803 angefertigten Beschreibung der Hildesheimer Ämter übte 
Grauhof damals das Patronat noch aus, der Zehnte in Dornten stand in dieser Zeit je 
zur Hälfte dem Kloster Neu werk- Goslar und dem Stift Gr. Heiliges Kreuz in Goslar zu. 

Über die Kirche zu Dornten fließen die Nachrichten nur spärlich. Als 1258 Bischof 
Johann von Hildesheim dem neuen Hospital in Goslar Grundbesitz in Groß- Wehre 
auf Veranlassung Heinrichs von Dornten verkauft, befindet sich unter den Zeugen 
der Priester Godeschalk von Dornten. Die Kirche in Dornten gehörte 1317 zum Banne 
Haringen (Ostharingen). Nach Beendigung der Hildesheimer Stiftsfehde kam Dornten 
an Herzog Heinrich den Jüngeren von Braunschweig- Wolfenbüttel. Als dieser 1542 
aus seinem Lande vertrieben war, führte man die Reformation durch. Als Pfarrer 
wurde nach dem Visitationsbericht Hermanus Picht von den Hauptleuten der Lieben- 
burg angestellt. Mit dem Regierungsantritt von Herzog Julius waren die Schwierig- 
keiten, die Herzog Heinrich der Jüngere dem Protestantismus nach der Rückkehr in 
sein Land machte, behoben. Nachdem 1568 das Kloster Grauhof (-Georgenberg) noch- 
mals mit dem Patronat belehnt war, erscheint Jost Brackmann, conventualis zum Ge- 
orgenberg, als Pfarrherr, er wurde später Propst zu Grauhof. Die Grabplatte des J. 
Brackmann befindet sich noch in der Kirche zu Dornten. Bald darauf, in der ersten 
Regierungszeit des Herzogs Julius, konnte die evangelische Lehre in der Kirche zu 
Dornten endgültig eingeführt werden. Mit dem ,, Großen Stift" kam Dornten 1643 an 
das Bistum Hildesheim zurück. Seit 1664 sind die Namen und Todestage der Geist- 
lichen, die in Dornten tätig waren, auf der Umschlagseite des ältesten Kirchenbuches 
eingetragen. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war die Kirche in Verfall ge- 
raten, 1681 wurde, wie aus den Kirchenrechnungen hervorgeht, das faule Balkenwerk 
der Kirche erneuert, die ,, Fensterlöcher" wurden vergrößert. Im gleichen Jahre wurde 
der Altar von dem Pastor Rosenberg geschenkt, und im Jahre 1684 die große Glocke, 



Dornten 51 

die geborsten war, von Heiso Meier in Woll'enbüttel umgegossen. 1712 fand eine größere 
Erneuerung der Kirche, mit Ausnalime des Turmes, statt. In den Jaliren 1743 und 1781 
suchten größere Feuersbrünste das Dorf heim. 

Mit dem „Großen Stift" liam 1802 Dornten an Preußen, 1807 an das Königreich 
Westfalen, 1813 an das Königreich Hannover, 1866 wieder an Preußen. 1833 bat die 
Gemeinde, eine Orgelprieche anlegen und eine Orgel bauen zu dürfen. Der Orgelbauer 
Lindrum in Goslar schlug ein Werk für 400 Rtlr. vor und der Zimmermeister Schnitze 
in Goslar verlangte für den Bau der Orgelprieche 33 Rtlr. 16 ggr. Bei der Revision der 
Orgel wurde beanstandet, daß die Orgel nicht den richtigen Kammerton habe. 

1865 — 68 ist der Turmhelm erneuert und mit Schiefer gedeckt, 1932 die Schiefer- 
deckung durch Kupfer ersetzt. 

BESCHREIBUNG: Eine Inschriftplatte (0,57x0,70 m), die in etwa 3,00 m 
Höhe an der südlichen Außenwand des Chorteiles der Kirche in Dornten angebracht 
ist, nennt die Namen: „FRID. HULD. RO//SENPERG • PASTOR // 
MATTHIAS- NIHOF // M. HANS SÜDEKUM // PROVISORES //" und 
das Baujahr 1712, in dem die Kirche an den gotischen Westturm (15. Jahrh.) 
angebaut wurde. Turm, über einem Rechteck von 7,05x6,40 m, in Bruchstein 
mit 1,50 m dicken Mauern. Im unteren Teile alte Lichtschlitze, an der West- 
wand eine gotische Nische. Die gekuppelten spitzbogigen Schallöffnungen unter 
der schlanken, ehedem mit Schiefer, jetzt mit Kupfer gedeckten, vom Viereck mit 
Pxkgraten in das Achteck übergeführten Helmpyramide sind neu. Im unteren 
Teile des Helmes an allen acht Seiten kleine Giebel. Wetterfahne von 1712 mit 
Buchstaben: H D W. Das gleichfalls in Bruchsteinen mit 0,80 m dicken Mauern 
hergestellte Schiff ist mit drei Seiten des Achtecks geschlossen. An den Lang- 
seiten je zwei, in der Ostwand des Chores ein Fenster, alle flachbogig geschlossen 
(Taf. 6b). Innenraum 22,00 m lang, 6,25 m breit. Die flache gewellerte und 
geputzte Decke mit gotisch profilierten Balken, die auf einem mittleren, ebenso 
profilierten Unterzug ruhen. Bemalung der Deckenfelder neu. An der Südseite 
des Schiffes, nahe dem Turm, eine Eingangsvorhalle mit Emporentreppe. 

Ausstattung: 

Auf der West-, Ost- und Nordseite Emporen. An deren Brüstung 37 Öl- 
bilder, teils auf Holz, teils auf Leinwand gemalt, die meisten von Blendarkaden, 
einige in achteckigen Feldern von Profilleisten umrahmt, und alle durch gemalte 
Fruchtgehänge voneinander getrennt, mit biblischen Darstellungen und Ganz- 
figurenbildern des Heilands und der Apostel. 

Altar. Der hölzerne Altaraufsatz vom Jahre 1681 mit gerader Rückwand 
auf steinernem Tisch (Taf. 7b) enthält im Mittelteile ein Schnitzbild der Kreuzigung, 
seitlich zwei gewundene Säulen ; über diesen zwei Wappen, lt. Beischrift des ,,FR I D. 
HULD. ROSENBERG" (links) und der ,, JULIANE LUC. OCHSEN" 
(rechts). Schriftband über dem Mittelteil: „HUNC ARN. ORNATUM PRO- 
PRIUM TIBI JOVA, DICAMUS // NEC QUI, SED QVA SIT, SUSCIPE 
MENTE DATUS. // NON QVÄ NOSTRA TIBI, SED QX N. TUA 
REDDIMUS IMI, // PROPENSO NOBIS NUMINE PARTA TUO. 
ANNO M-D-CLXXXI." Unterhalb der Kreuzigungsgruppe eine geschnitzte Dar- 
stellung des Abendmahles mit einer darauf Bezug nehmenden Übersclirilt im 



52 Döriileii 

Spruchbandc. Sockel und Gebälk durch FruchlornainenU' belobt. Sieben holz- 
geschnitzte Figuren, Christus, Moses und Apostel, seitlich je zwei übereinander 
und oben auf dem abschließenden Gebälk drei. 

Lesepult, Holz, geschnitzt, mit zwei Engelsgestalten auf dem Altartisch, 
wohl gleichzeitig mit der Rückwand. 

Zwei Altarleuchter, Bronze, H. 35 cm, glatt, in Dockenform. An beiden 
die gleiche Inschrift: „MATHE AS NIHOF. MAR GRETA HILLEN. EHE- 
LEUTE 1702." 

Zwei Henkel vasen, Zinn, beide gleich ausgebildet. Anfang 18. Jahrh. (Braun- 
schweiger Arbeit.) 

Kronleuchter, Messing, H. 0,58 m, B. 0,51 m, sechsarmig, auf jedem Arm 
2 Kerzenhalter. Inschrift an der Kugel: „HENNI FRICKEN CATHARINA 
DOROTHEA FRICKEN 1713." Doppeladler dick gearbeitet. Sechs Zierate 
in Form von Blumenkelchen. 

Kronleuchter, Messing, H. 0,50 m, B. 0,58 m. Form und Inschrift wie am 
vorgenannten, doch ohne Zierate. 

Kronleuchter, Messing, H. 0,45 m, B. 0,55 m. Dem vorigen sonst gleich. 

Abendmahlsgeräte: Kelch, H. 15 cm. Sechspaßfuß und Schaft Kupfer, 
Kuppa in gotischer Form, Silber, vergoldet, vermutlich gegen Ende 17. Jahrh. 

Kelch, Silber, vergoldet, H. 26 cm, Sechspaßfuß, 17 cm, Knauf glatt, 
birnförmig, Kuppa glockenförmig. Goldschmiedezeichen schwer erkennbar, an- 
scheinend wie am Kelchlöffel in Beinum (26). Um 1700. 

Patcne, Kupfer, vergoldet, 14 cm, in der Mitte des Bodens ein Vierpaß. 
Mitte 17. Jahrh. 

Oblatendose, Zinn, 13 cm, H. 7 cm. Inschrift: „ELEON SOPH • 
MAR ROSEN BERGIN " darunter das Jahr: 1712. 

Zwei Grabplatten an den Wänden im Chore mit lebensgroßen Flachreliefs 
der Verstorbenen: 

1. An der Nordwand: Sandstein? Stehende Mannesgestalt mit Buch in pelz- 
besetztem Mantel. Unten und oben links und rechts Wappen, und ein Kruzifix. 
Umschrift: „ANNO • DNI 1538 ■ IN • DIE // NICOLAI NATVS ■ EST ■ 
REVERENDVS DNS JODOCVS BRACKMAN // (PRAE) PO- 
SITV(S) MONASTERIORV(M) MO(N)TIS S GEORGII // ET • 
NOVI OPERIS NEC NON HVIVS ECCLESIAE PASTOR • 
OBIIT • ANNO // DIE MENSIS .... //" (Die Zahlen sind nicht aus- 
gefüllt) „C V IV S • ANIMA REQV IE S C AT IN PACE." 2. Hälfte 16. Jahrh. 
(Taf. 6 c). 

2. An der Südwand. Schwarzer Schiefer. Betender Jüngling neben einem 
kleinen Kruzifix. Oben links und rechts Wappen (Agnus dei und Weinstock mit 
2 Trauben). Überschrift: „IoannIs braCkMannI reCVbant hIC ossaVIgen 
tIs LyExVs In eXCeLso spIrItVs estqVe poLo." Chronogramm. In- 
schrift unter der Figur in lateinischen schräggestellten Kapitalen: ,,ANNO DNI 
1593 DECIMO DIE JVLY PLACIDE OBDORMIVIT IN DOMINO 
PIVS ET ERVDITVS ADOLESCENS JOHANNES BRACMAN ANNO 
ä:TATIS SVä: DECIMO NONO." (Taf. 6d). 



Dornten 53 

Vier Grabsteine, außen an der Westseite des Turmes, sämtlich oben mit 
geflügeltem Engelskopf, geschweiften Umrißlinien, von Kranz umrahmten In- 
schriften. H. 1,40 m, B. 0,90 m. 18. Jahrh. 

Zwei Ölgemälde auf Leinwand, 0,64x0,51 m, hinter dem Altar und im 
Sakristeiverschlag, Petrus mit dem Hahn, und Petrus mit dem Schlüssel, betend. 

Glocke: 1,00 m. Unterhalb der Haube zwei Zierstreifen. Am langen Felde: 
„ALIIS INSERVIENDO DISIECTA RESTAURATA SUM // ANNO 
1682 // PASTORE DN. FRIDERICO HULD. ROSENBERGIO // AL- 
TUARIO DN HINRICO STOLTZ IO//ALTARI S MINISTRIS ANDREA 
HEINEN HINRICO SÜDECHUM." Am Schlagring: „HEISO MEYER 
GOS MICH ZU WOLFENB." — Die zweite Glocke 1876 von J. Radler, 
Hildesheim. 

Taufengel, beschädigt. Mitte 18. Jahrh. Auf dem Dachboden. 

II. Ehemalige Eisenhütte Kunigunde. 

Literatur: Zobel, Heimatbuch, S. 290. 

Auf Grund einer Konzession vom 3. 12. 1682 erbauten die Freiherrn v. Brabeck 
im Innerstetal auf einem im Gemeindegebiet von Dornten liegenden Oedland ein Eisen- 
berg- und Hüttenwerk, das nach der Gemahlin des Freiherrn v. Brabeck auf Söder 
,,Cunigunde" genannt wurde. Das Werk ging wieder ein. Aber im 18. Jahrhundert 
wurden hier verschiedene Betriebe eingerichtet, von denen die noch heute als Spreng- 
stoffabrik bestehende, 1721 angelegte Pulvermühle die anderen Werke aufgesogen 
hat, so die 1880 stillgelegte Papiermühle, von der noch die Mühlenräder vorhanden 
sind. An einem Gebäude der früheren Mahlmühle — jetzt Beamtenwohnhaus — ist 
das V. Brabecksche Wappen (drei Wolfsangeln) angebracht, ferner am Verwaltungs- 
gebäude der Pulverfabrik eine gußeiserne Tafel von 1741 mit einer Darstellung der 
auf der Mondsichel stehenden Maria mit dem Jesuskinde und der Umschrift: ,,Sub 
tuum praesidium" und zwei Wappen: drei Wolfsangeln (v. Brabeck) und drei Rosen. 
Gleiche Stücke in der ehemaligen Saline in Heyersum (Kreis Alfeld) und an der kath. 
Kirche in Mehle (Kreis Alfeld). 



Dorstadt. 

I. Evangelische Kirche. 

Quellen: Staats-Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74, Amt Wöltingerode, III., 
X. 1, 4m. Bibl. H. V. N., Handschrift 317. Pfarrarchiv Ohrum, Akten. 

Literatur: Blume, Heimat, S. 320 ff. Kayser, Visitationen, S. 149. - Mit- 

hoff, Kunstdenkmale, S. 31. Mithoff, Kirehen und Kap.. S. 3. - Zobel, Heimat- 

buch, S. 134 ff. 

GESCHICHTE: Die Herren von Dorstadt bauten im 12. Jahrhundert auf ihrem 
Stammsitz eine der heiligen Caecilia geweihte Kirche. Es bestand also eine Pfarrkirche 
in Dorstadt bereits vor (iründung des Klosters 1189. Diese Kirche kam in den Besitz 
der Grafen von Schiaden, die aus dem Geschlecht derer von Dorstadt stammten, und 
nachdem sie 1110 die bischöfliche Burg in Schhiden erhallen iiatten, sieh nach iiireni 

8 



54 



Dorstadt 



neuen Sitz nannten. 1232 kamen ein Sattelhof zu Dorstadt, die Pfarrkirche mit ihrem 
Zubehör und das Patronatsrecht durch .Abtretung von den Grafen von Schiaden an 
(las Kloster Dorstadt. 1548 zählte das Dorf Dorstadt 10 „Hausgesessene"; sie gaben 
von ihren Höfen dem Kloster Zins. 1542 und endgültig 1568 wurde in der Dorfgemeinde 
Dorstadt die evangelische Lehre eingeführt. Die Pfarrkirche erscheint nun als dem 
St. Bartholoniaeus geweiht; es ist möglich, daß diese Kirclie mit der im 12. .lahrliundert 
genannten Caecilienkirche identisch ist, da die Säulen im Turm noch auf romanische 
Zeit hinweisen (Abb. 15 — 17). 

Im 30jährigen Kriege ist die Kirche zerstört, und erst am 1. Adventssonntage 
des Jahres 1G62 konnte der Pfarrer Bastian Jödicke in der wiederhergestellten Dorf- 
kirche die erste Predigt halten; wie berichtet wird, hatte der Pfarrer 30 .Jahre lang 




'<^ofi^iAfif^b^- 



Abb. 1.5. Dorstadt, evangelische Kirche von Nordosten, [v. B.] 



den Gottesdienst in seinem Hause gehalten. 1826 wurde die evangelische Kirche in 
Dorstadt erweitert, 1872 machte die Gemeinde ein Gesuch, zum Guß einer Glocke 
Geschützbronze zu gewähren. 

Das Patronat über die Kirche übte bis 1803 das Kloster Dorstadt aus, der Zehnte 
stand damals im Dorfe dem Kloster Heiningen zu. 



BESCHREIBUNG: Turm, romanisch; über rechteckigem Grundriß in Bruch- 
stein erbaut, auf der Nord-, Süd- und Ostseite im Glockengeschoß drei gekuppelte 
romanische Rundbogenöffnungen mit Teilungssäulen und Sattelsteinen (Abb. 1(3 u. 17), 
auf der Westseite eine einfache Rundbogenöffnung. Im unteren Teile Lichtschlitze. 
An der Nordseite ein spitzbogiges Portal mit der Jahreszahl 1662. Satteldach 
des Turmes mit First in Nord- Südrichtung. Giebeldreiecke verbreitert. Schiff, recht- 
eckig, in Bruch- und Werkstein, 13,50x6,28 m im Innern, gotisch, doch um die 
Mitte 17. Jahrh. umgestaltet, hat auf der Nordseite zw^ei, auf der Südseite vier 
rechteckige Fenster mit Sandsteineinfassungen. Auf der Nordseite außerdem ein 
hochgelegenes- Schlitzfenster. Im massiven Ostgiebel ein gekuppeltes Spitzbogen- 



Dorstadl 



55 



fenster (Abb lö). Der kleine viereckige Sakristeianbau aus Backstein an der Ost- 
wand stammt aus neuerer Zeit. Das Innere ist schlicht, Wände und Decke glatt 
verputzt und geweißt. Turmhalle durch eine Wand mit Spitzbogenöffnung vom 
Schiff getrennt. Grundriß Abb, 18. 





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■ j XI- ^^ 



Abb. 16 u. 17. Dorstadt, evangelische Kirche. Turm, 

Aufriß der Nordseite (1:250); Schallöffnung (1:40). 

[Beide v. B.] 



Ausstattung: 

Die aus Holz geschnitzte und mit Gemälden verzierte hohe Rückwand des 
gemauerten Altares ist mit der Orgel darüber verbunden (Taf. 18c). Im Mittel- 
felde des unteren Teiles ein 0,80x1,40 m großes Ölgemälde des Abendmahles, 




.\bb. 18. Dorstadt, evangelische Kirche, Grundriß (l:25(t). [v. B. 



daneben in architektonisch ausgebildeter Umrahmung Matthäus und Markus als 
Tafelbilder, darüber im Mittelfelde die Kreuzigung zwischen Lukas und Johannes 
ev. Auf den seitlich anschließenden Rrüslungen der Orgelempore Jakobsleiter 
und Auferstehung; diese Gemälde und die geschnitzten Wangen mit Knorpelwerk 
2. Hälfte 17. Jahrh. 



56 



Dorstndl 



Die kleine Orgel aus neuerer Zeit. 

Kanzel, deren Brüstung mit rundbogigen, von Dianiantquadern eingefaßten 
Nischen. Vielleicht unter der jetzigen Farbschicht des schlichten Anstriches figür- 
liche Darstellungen. Schnitzwerk an Kanzel und Schalldeckel ähnlich wie am 
Altar. 

Zwei Altarleuchl er, Bronze, versilbert, H. 25,5 cm, mit 3 gotisch profi- 
lierten Schaftringen. Dorn mit Öhr, H. 10 cm. Entstehungszeit Ende 17. Jahrh. 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Silber, vergoldet, H. 17 cm. Sechspaßfuß. 
Am sechsseitigen Schaft gotische Zierglieder. Am Zapfenknauf die Buchstaben: 
,,J. H. E. S. V. S." Inschrift an der trichterförmigen Kuppa: ,, Kelch der St. 
Bartholoma y-Kirche zu Dorstadt 1774." Diese Jahreszahl bezieht sich auf den 
Zeitpunkt, an dem der Kelch unter Verwendung eines älteren neu zusammen- 
gesetzt (oder geschenkt) ist. Goldschmiedezeichen fehlen. Patene dazu neu. 

Der größere jüngere Kelch trägt die gleiche Inschrift wie der genannte. Silber, 
vergoldet, H. 25 cm. 'Fuß achtseitig, davon vier Seiten leicht geschweift. Über- 
leitung zum Schaft mit Profilen. Am Fuße gut graviertes Rankenornament. Gold- 
schmiedezeichen 9. 

Patene, Silber, 15 cm, Goldschmiedezeichen 52. 

Oblatendose, Silber, 8 cm, H. 4 cm. Inschrift unter der Bodenplatte: 
,,Ortti Lisabet Witmers 1713." Goldschmiedezeichen 50. 

Tauf Wasserbehälter, Zinn, zylindrisch, H. 16 cm, ohne den 2 cm hohen 
Verschluß. 12 cm, Griff als Lorbeerkranz ausgebildet. Unterer Rand umgebördelt. 
Inschrift: „SANCT BARTOLOMEUS / KIRCHE ZV DORSTADT / 1745." 
Im Pfarrhause zu Ohrum. 

Zwei Glocken, 1,00 und 0,80 m, 1889 von Radler u. Söhne, Hildesheim. 

II. Katholische Kirche. Ehemaliges Kloster. Gut. 

Quellen: 1. Beverina, Nr. 545 Copionale des Klosters Dorstadt. Urk. vom 12. 
bis 16. Jahrh.; Nr. 545a Copialis Dorstadicus, Antiquitates. 1614; Nr. 545d Registruni 
receptorum et expositorum Monasterii in Dorstadt, 1507-15; Nr. 549 Verzeichnis 
des Grundbesitzes. 1805/06. Staats- Arch. Kann., Akt. Calenberg. — Er. Archiv des. 

10, 5c; Hann. des. 74, Amt Wöltingerode, III., X. 1, 4 m 1, I Nr. 6. - Arch. Wolf., VII., 
16. Abschriften der Urk. 1142-1732, von Rat Ehlers (2048); 17. Regesten der Urk. 
1142—1660, von Rat Ehlers (2049); 18. Abschriften aus dem Copialis. Nekrologium, 
und aus der Geschichte des Klosters Dorstadt von Justizamtmann Wippern 1806 
(2050); 19. Auszüge aus den Reformationsprotokollen 1542 — 1650 (2047). Archiv 

des ehem. Klosters Dorstadt auf dem Gute Dorstadt im Besitz des Herrn von Lübbecke, 
250 Urk., 12.— 17. Jahrh. — Kath. Pfarrarchiv Dorstadt, Handschriftliche Geschichte 
des Klosters Dorstadt von Amtmann Wippern (bis zur Säkularisation) — Liber anni- 
versariorum (Totenbuch) (nach dem SOjähr. Kriege bis Säkularisation). — 2. U.E. 
Hild., I.— VI. U.E. Goslar, I. -V. Sudendorf, I. - U.E. von Saldern, I. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 46 ff., 113, 137, 169. — Bertram, Gesch. Bist. 
Hild., L, S. 196, 206, 219, 224, 249, 261, 408, 453, 474; IL, S. 35, 95, 159, 187, 
267; III. , S. 29, 33, 46, 70, 78, 159, 203, 209. Bertram, Bischöfe, S. 60, 91, 125, 

163, 170, 263, Eiermann, Organographia, S. 24, 25, 32. Bleibaum, Bildschnitzer- 
familien, S. 308. Blume, Heimat. S. 320 fL Busch, de reformatione 1, IL, c. 37. 



Dorstadt 57 

- Crusius, Denkw. Dorstadt. - Dreyer, J. G. Winck. Dürre, Stammbaum von 

Dorstadt. - Dürre, Nekrologium Dorstadt. - Dürre, Reg. Wallmoden, Nr. 62, 82, 
84, 152. ' Görges-Spehr, Denkwürdigkeiten, IL, S. 340. - von Grote, Edelherren 
Dorstadt. Grube, Joh. Busch, S. 211 ff. Henkel, Handbuch, S. 151. -- Henkel, 

Kurze Gesch., S. 151. - Hoogeweg, Stifter und Klöster, S. 28, 29. — Hüttebräuker, 
Erbe Heinrichs d. L., S. 70. Kaufmann, Kaiserpfalz Werla, S. 28, 37. — Kayser, 

Visitationen, S. 11, 57 ff., 117, 131, 135, 142, 149. Klewitz, Territ. Entwicklung, 

S. 25. - Lauenstein, Historia, IL, S. 258, 259. Lax, Barockdekorationen, S. 15. — 
LüntzeI,ÄIt. Diözese, S. 15, 174, 184, 294, 296. Lüntzel, Gesch. Diözese, IL, S. 226 fL, 
452 fL — Machens, Archidiakonate, S. 79, 193. - Mithoff, Kunstdenkmale, S. 30, 31. 

— Mithoff, Kirchen und Kap., S. 37, 43, 44, 45, 50, 53, 57, 58, 60. Mooyer, Nekro- 
logium Dorstadt. — Oehr, Ländl. Verhältnisse, S. 12, 109. — Oldecop, Chronik, S. 351. 

— Zobel, Heimatbuch, S. 134 ff. 

GESCHICHTE: Die Herren von Dorstadt (Dorstide) erscheinen im Anfang des 12. 
Jahrhunderts in den Urkunden, Der Stammsitz des Geschlechtes lag auf dem linken 
Okerufer am Ostabhang des Oderwaldes. 1110 erhielt Eiko von Dorstadt vom Bischof 
von Hildesheim die Burg Schiaden, seitdem nannte sich dieser Zweig des Geschlechtes 
Grafen von Schiaden. Ein anderer Zweig der Familie, vielleicht auch ein zweites Ge- 
schlecht derer von Dorstadt, wird in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts genannt. 
Das Geschlecht erbaute eine der heiligen Jungfrau und Märtyrerin Caecilia geweihte 
Kirche, in der es 1174 das Recht des Erbbegräbnisses erhielt. Arnold von Dorstadt 
und seine Gemahlin Bige hinterließen Heinrich von Dorstadt, Arnolds Bruder, und 
Gisla von Dorstadt, Arnolds Schwester, das Gelübde einer Klostergründung. Im Jahre 
1189 wurde das Kloster dem heiligen Kreuz zu Ehren gegründet und im gleichen 
Jahre vom Bischof Adelog von Hildesheim bestätigt. Das Kloster wurde mit Augustine- 
rinnen besetzt, doch lebten zeitweise auch Augustinerbrüder darin, wie aus einer Urkunde 
des Jahres 1227 zu ersehen ist. 1447 starb das Gründergeschlecht aus, ein anderer 
Zweig der von Dorstadt erlosch 1661. 

Nachdem das Kloster im 13. Jahrhundert zu einem bedeutenden Grundbesitz 
gekommen war, trat in späterer Zeit ein Verfall und ein Sinken der Klosterzucht ein. 
1438 ging ein Teil der Klostergebäude in Flammen auf, Kirche und Schlafhaus wurden 
mit Unterstützung des Rates der Stadt Braunschweig, der eine Zeitlang das Kloster 
verwaltete, wiederhergestellt. Im 15. Jahrhundert zur Zeit des Bischofs Magnus von 
Hildesheim (1424- 52) führte der bekannte Propst Johannes Busch eine Reform der 
Augustinerklöster, so auch in Dorstadt, durch, allerdings setzten sich die Reformen 
nicht auf die Dauer durch. Nach der Hildesheimer Stiftsfehde (1519 — 23) gewann 
Herzog Heinrich der Jüngere den Teil des Hildesheimer Stiftes zwischen Viencnburg 
und Bockenem, So kam Dorstadt in die Gewalt des Braunschweiger Herzogs; nach 
dessen Vertreibung aus seinem Lande wurde 1542 vorübergehend und unter seinem 
Nachfolger Herzog Julius dann 1568 nochmals die Reformation durchgeführt. Das 
Restitutionsedikt zwang den Braunschweiger, alle Klöster mit ihrem Grundbesitz 
zurückzugeben. Die nun einsetzende Gegenreformation wurde durch die Schweden 
aufgehalten, dann 1643 durchgeführt. So begann ein neues Klosterleben in Dorstadt 
unter der Domina Rebekka Fleischhauer und dem Propst Georg Gockelius. 1646 ver- 
nichtete ein Brand das Kloster mit Ausnahme des Turmes. Propst Gockelius und dessen 
Nachfolger Wilhelm Wischmann aus Hamersleben nahmen in den nächsten Jahr- 
zehnten den Neubau des Klosters tatkräftig in Angriff. 1678 war die Kirche wiciler 
aufgebaut. Der stehengebliebene Turm erhielt einen neuen Helm. 1705 waren die 
Klostergebäude vollendet, doch verging über die Ausstattung der Kirche und der klöster- 
lichen Bauten noch längere Zeit. Ob der Bildhauer Joli. Wilh. Gröninger, der 1697 
in Dorstadt weilte, irgendwelche Arbeiten in der Kirche ausgeführt hat, kann nicht 
mehr festgestellt werden, da die Werke und Akten vernichtet sind durch den Brand 
1919. Der Hochaltar wurde 1741 vollendet. 



58 Dorstadt 

Das Propsteigehäudc (heutiges Herrenhaus cies Gutes) ist im Jahre 1759 von dem 
Maler Joseph Gregor Winck (1710 — 81) mit zwei Deckengemälden geschmückt. 

17(il 72 lebte in Dorstadt die Domina Wilhelmine de la Tour, die ebenso pracht- 
liebend war wie ihr Bruder Wilhelm de la Tour, der Propst im Kloster Riechenberg, 
und durch ihre großen Ausgaben das Kloster in eine starke Verschuldung brachte, die 
von den Nachfolgerinnen aber bis zum Ende des Jahrhunderts getilgt war. Am (3. März 
1810 hob die westfälische Regierung das Kloster auf und verkaufte es mit Ausnahme 
der Kirche, Pfarrwohnung und Schulhaus an die Familie von Löbbeckc, die noch jetzt 
im Besitz des ehemaligen Klosters ist. Von den beiden katholischen Kirchen zu Dorstadt 
und Heiningen wollte die westfälische Regierung eine schließen und die Ortschaften zu 
einer Pfarre zusammenlegen. Im April 1812 wurde bestimmt, daß die Kirche zu Dorstadt 
geschlossen werden solle, doch ist dieser Befehl dann im Oktober 1812 wieder zurück- 
genommen. In einem Bericht des Pastors Heße zu Dorstadt wird am 17. September 
1810 die Größe der Kirche angegeben mit 104 Fuß lang, 39 Fuß breit, 41 Fuß hoch. 
Der Eingang war 42 Fuß lang und 15 F"uß breit. Damals ist auch ein Inventar der Kirche 
aufgenommen. Im Jahre 1812 befand sich in der ehemaligen Klosterkirche zu Dorstadt für 
548 Tlr. Silbergerät, 250 Tlr. Kirchengewänder, die Orgel wurde nach einer Schätzung 
des Orgelbauers Huseman'n aus Wolfenbüttel auf 1200 Tlr. gewertet, die Glocken wogen 
7, 6 und 3 Zentner. Am 30. März 1919 brannte die Klosterkirche bis auf die Umfassungs- 
mauern nieder. Altar, Kanzel, Orgel und Gestühl, fast alle Bilder und Ausstattungs- 
gegenstände wurden ein Raub der Flammen, nur 4 Statuen vom Bildhauer Johann 
Friedrich Ziesenis in Hannover konnten vom Altar gerettet werden. Es handelt sich 
um lebensgroße Figuren zweier Nonnen und zweier Bischöfe (einer davon Augustin), 
die Ziesenis 1766 anfertigte; außerdem wurde einiges Gerät, Meßgewänder usw. gerettet. 
Die Disposition der zerstörten Orgel ist uns in Biermanns Organographia (1738) erhalten. 
Abbildungen der Kirche vor dem Brande Taf. 8 und 9, Grundrisse Abb. 19 und 20. 



EHEMALIGE KATHOLISCHE KIRCHE. 

Nach einer Beschreibung des Baurats v. Behr aus dem Anfang des 20. Jahr- 
hunderts war das Dach der Kirche beschiefert und mit Spitzgauben besetzt. Der 
Westturm hatte unterhalb des Hauptgesimses jederseitig eine rundbogige Schall- 
öffnung mit gequaderter Einfassung, eine achtseitige beschieferte Haube mit 
geschlossener Laterne, Kugel- und Wetterfahne von 1700. Das Innere war mit flach- 
gewölbter Holzdecke versehen, die reiche Stuckverzierungen trug und so geteilt 
war, daß zweimal 4 rechteckige Randbilder, ein großes Mittelbild, rechteckig, mit halb- 
rund ausgeweiteten Seiten und 2 kreisrunde Bilder östlich und westlich entstanden. 
Mittelbild: Krönung Maria oder die Dreieinigkeit. Rundbilder: Ein Heiliger mit 
2 Pfeilen und die Apotheose des heiligen Augustins; Randbilder (nördlich): Der junge 
Tobias^mit dem Engel, Begegnung Maria mit Elisabeth, der heilige Augustinus mit der 
Inschrift: tolle, lege, tolle lege und Christus als guter Hirte; (südlich): Maria mit dem 
Kinde, Bekehrung des Saulus, Verkündigung Maria und St. Michael mit dem Drachen. 
Sämtliche Bilder Fresken, verbunden durch schwere Stuckrahmen mit Fruchtgehängen 
und Rankenwerk (um 1690). Chordecke gleichartig behandelt. Im Mittelfelde das 
Abendmahl, die vier Eckbilder (rechteckig) mit den Evangelisten, die zwei kartuschen- 
förmigen (nördlich) Gethsemane, (südlich) Kreuztragung, in den Dreiecksbildern der 
Apsis der Gekreuzigte zwischen Maria und Johannes. 

Übergang von Decke zu den Wänden mittels eines Eierstabgesimses mit Fries und 
Architrav. In schweren Stuckrahmen an der nördlichen Schiffswand drei Felder mit 
Staffeleibildern. An der Südseite Stuckumrahmungen um die beiden spitzbogigen 
Fenster als Hintergrund für den Schalldeckel. Im Chor ein viereckiger und ein spitz- 
bogiger Stuckrahmen mit 3 Staffeleibildern. Im südlichen Felde ein Spitzbogenfenster. 
An der Nordwand vier Epitaphien aus Stuck. 1. Johannes Beutler, f 1717, der die 



Dor Stadt 



59 



Neuausschmückung der Kirche veranlaßt hat. 2. Pankratius Beutler, f 1721. 3. Alexan- 
der Schlifer, f 1732. 4. Franziscus Voigt, t 1754. Das erste, das beste, dem Stil der 
Kirche entsprechend. Auf jeder Grabtafel lange lateinische Lobinschriften, oben die 

Reliefbüste der Verstor- 
benen zwischen Toten- 
kopf und Stundenglas. 
Links von den 4 Epita- 
phien ein älterer Grabstein 
mit Vollbild des Verstor- 
benen im flachen Relief, 
in der Hand einen Kelch. 
Randumschrift mit dem 
Namen Wilhelm Wisch- 
mann 1676. An der Rück- 
wand nur das Epitaph 
Ignatius Alberti, t 1760, 
kieend vor dem Kruzifix. 
Drei Fünftel der Schiffs- 
länge im Westen werden 
von der auf sechs vierecki- 
gen Pfeilern ruhenden 
Orgelempore mit dahinter 
befindlichem Nonnenchor 
eingenommen. Die Decke 




I ' f r r 




Abb. 19 u. 20. Dorstadt, frühere Kloster-, nachmalige katholische Kirche. Grundrisse des Erdgeschosses und 

der Nonnenemporc (1:250). [Beide v.B.J 



unter der Empore als korbbogige Kreuzgewölbe mit Stuckrippen. Orgel außerordent- 
lich reich mit figürlichem und dekorativem Holzschnitzwerk, mattfarbig auf weißem 
Grunde bemalt, teilvergoldet. Emporenbrüstung aus schweren geschnitzten Docken 
mit kräftig profiliertem schweren Deckgesinis. An der Nordseite eine Wendel- 
treppe mit gleichartigem Geländer und Zweifüllungstür mit reichem Rankenschmuck. 



60 Dorstadl 

Auf dem Nonneiichor hinter der Orgel aul drei Seiten (Nord, Süd, West) das Chorgestühl, 
30 Sitze mit hoher getäfelter Rückwand, untergeteilt durch korinthische Wandpfeiler. 
Oberhalb der Rückwand ein schmaler, geschnitzter weiß und gold bemalter Rankenfries. 
Feldereinteilung der vorderen Hrüstungswand durch gewundene Säulchen mit ko- 
rinthischen Kiipilälen. Felder wie die Rückwand mit l'2inlegearbfil. ^/g-Kanzel mit 
Treppe und Schalldeckel. Ecksäulchen und Treppengeländersäulcheii in gleicher Arbeit 
wie an der Orgel. Auf dem Schalldeckel der gute Hirte, unterhalb die schwebende 
Taube. - Hauptaltar von 17B9. Regence. Seitlich des Mittelbildes, Auffindung des 
Kreuzes, zwei freie und zwei halbe, glatte Säulen. Rechts und links auf Sockeln Augu- 
stinus und Ambrosius. Im Aufsatz das Kreuz zwischen zwei l^igeln mit Kelch und 
Anker. Ganz frei neben dem Altar auf Sockeln zwei weibliche Figuren mit Kruzifix 
und Buch und einem Herz (St. Helena oder Klara und St. Monica oder Teresia?). 
Vor dem Nord- und Südpfeiler des Triumphbogens, einander zugekehrt, in hölzernen 
Nischenbauten mit Einlegearbeit: Joseph und Johannes ev. ; organisch mit den 
Nischen verbunden füllen zwei Seilenaltäre die Westseite aus. Diese mit hohen Rück- 
wänden, kannelierten korinthischen Säulen, vielfach verkröpften Flachbogengesimsen 
und Aufsätzen mit Hermenpfeilern und Strahlenglorie. Altarbilder Maria Immaculata 
und Christus in Gethsemane. - - Beichtstuhl an der Nordwand. Zwei gewundene, zwei 
mit Ranken umschlungene Säulen. Im Aufsatz zwischen zwei glatten korinthischen 
Säulen die Geißelung. Ein zweiter einfacherer kleiner Beichtstuhl an der Westwand 
unter dem Nonnenchor (vgl. Taf. 9). 

Von den beim Brande weiter vernichteten Ausstattungsstücken seien genannt: 
Steinernes Taufbecken, achtseitig, 16. Jahrhundert, mit 16 Marken oder Engels- 
köpfen, Beschlagornamente. Achtarmiger Bronzekronleuchter. Nach Hildesheim (Dom- 
schatz?) sind gekommen: Silbervergoldeter Kelch, reich mit Edelsteinen und Email- 
bildern geschmückt, 17. Jahrhundert?, ein weiterer Kelch von 1783, zwei silbervergol- 
dete Kännchen, 13 cm, von 1697, zwei weitere Kännchen von 1720. eine Monstranz 
auf Ovalfuß, mit reicher Treibarbeit, edelsteinbesetzt, von 1696. 

Die Kirche enthielt eine Anzahl Grabsteine und Epitaphien aus dem 17. und 18. 
Jahrhundert. Vor dem Chor befand sich ein Denkstein, der dem Wiederhersteller des 
Klosters, dem Propst Wischmann, gewidmet war (f 25. 1. 1676). Am Hochaltar war ein 
spanischer Graf beigesetzt, der während des Siebenjährigen Krieges am 8. Oktober 
1761 als Oberst mit einer französischen Heeresabteilung unter dem Prinzen Xaver an 
der Belagerung der Festung Wolfenbüttel teilnahm und dabei tödlich verwundet wurde. 
Ein großer flacher Grabstein deckte die Stelle, wo der spanische Oberst Graf Didacus 
von Silva und Sarmienso ruhte. Der mit dem Wappen geschmückte Grabstein trug 
eine lateinische Inschrift, von der uns die deutsche Übersetzung erhalten ist: 

Gott, dem Guten und Höchsten, gewidmet! 
Hier ruhen die sterblichen Überreste eines Jünglings von hervorragender Be- 
gabung, des spanischen Grafen Didacus de Silva et Sarmienso, Comturs des Ritter- 
ordens von Alcantara, offiziers im spanischen Heere, Freiwilliger in der fran- 
zösischen Rheinarmee, der durch einen Kanonenschuß aus der Festung Wolfen- 
büttel verwundet wurde und im blühenden Alter und kriegerischem Ruhme und 
doch schon für den Himmel reif in der Stadt mit den Sterbesakramenten versehen 
am 26. Dezember 1761 im Alter von 25 Jahren, einem Monat und drei Tagen starb. 

BESCHREIBUNG: Kurz nach dem Brande der Kirche im Jahre 1919 stürzte 
auch der Turmstumpf der Kirche (Taf. 10 a) zusammen, so daß z. Z. — dem Ver- 
fall preisgegeben - nur noch die Nordmauer (zugleich Trennwand nach dem ein- 
stigen Konventualengebäude) teilweise mit den Stuckrahmen (Taf. IIa), ferner 
der Chor mit einem Teil der Südwand bis zur Traufhöhe (Taf. 10b) aufrecht stehen. 
Die laut Giebelinschrift der Südseite 1678 erbaute Sakristei blieb, abgesehen von 



Dorstadt 



61 




der vernichteten Decke, einigermaßen verschont. Der dreiseitig geschlossene Chor, 
schmaler als das Schiff, mit zweimal abgesetzten Strebepfeilern. Spitzbogen- 
fenster teilweise vermauert (Abb. 21). Als Sockelgesims eine einfache Schräge. 
_ An der Südseite des Schiffes zwei einfache Spitz- 

bogenfenster (Taf. 10a). Strebepfeiler hier nur 
einmal abgesetzt. Einige Steinmetzzeichen an 
den Chorstreben und am Trennbogen zwischen 
Schiff und Chor, nebenstehend. 

Die Ausstattungsstücke, soweit sie mit dem Bau verbunden waren, Altar, 
Kanzel, Orgel, Empore, sind beim Brande mit vernichtet. Die geretteten Stücke 
befinden sich teilweise in der jetzigen Notkirche, teils in der Pfarrerwohnung 
(Elisabethstift). Sie sind in der nachfolgenden Liste ohne Rücksicht auf ihren 
jetzigen Aufbewahrungsort aufgeführt : 

Gestühl: Von den ehemals 16 Bän- 
ken konnte eine Anzahl gerettet werden. 
Reich mit Blumen- und Ranken werk 
verzierte Wangen, oben mit Muscheln 
abgeschlossen (Taf. IIb). 

Ölgemälde, die beim Brande ge- 
rettet wurden, sind sämtlich auf Lein- 
wand gemalt, z, Z. in der Notkirche 
aufgehängt oder gestapelt. Stark nach- 
gedunkelt, teilweise etwas beschädigt, 
im allgemeinen in einigermaßen zu 
friedenstellendem Zustand. In der Mehr- 
zahl im 18. Jahrhundert, einige Ende 
des 17. Jahrhunderts entstanden: 

1. Kreuzannagelung (um 1700), 
2,03x1,84 m. 

2. Antonius von Padua mit Lilie 
und mit bekleidetem Kind im Arm in 
ovalem Blumenkranz, 1,28x1,03 m. 

3. Gang nachEmmaus, 1,85x1,91 m. 

4. Ruhe auf der Flucht nach Ägyp- 
ten, 1,79x2,58 m. 

5. Christus bricht unter dem Kreuz 
zusammen, 1,80x2,50 m. 

6. Kniende Domina in rotem Mantel, neben einem Postament mit Blumen- 
vase (vielleicht Wilhelmina de la Tour), 1,83x1,53 m. 

7. Mann in römischer Kriegertracht mit einem Schild (Kreuz), neben sich links 
in Wolken die Dreieinigkeil, unten schwer lesbar ein Teil der Thesen des Thomas 
von Aquino, 2,27x1,64 m. 

8. Pieta, 1,46x1,15 m. 

9. Frau mit Rose (links). Mann mil Kreuz (rechts). Kind mit Kreuz. 1,04 x 1,40 ni. 




Abb. 21. Dorstadt. ehiiualige Klosterkirche; 
östliches Chorfonster, nach älterer Aiifmessunp;. 



62 Dorstadt 

10. Maria mit Kind und Kreuz, 1,20x0,96 in. 

11. Maria mit dt-ni Kinde (Raiimen alt), 0,80x0,64 ni. 

12. Madonna auf der Mondsichel zwischen Postamenten in ovalein Blumen- 
kranz von Spruchbändern mit Bibelstellcn umschlungen (Rosenkranzbild), 1,93 x 
1,26 m. 

13. Heilige Familie in geschweiftem Rahmen (AUarl)il(l ?), 1,77x1,06 m. 

14. Ecce Homo, 1,74x1,22 ni. 

1.5. Maria im Rosenhag. Oval aus Einzclkränzen mit Darstellungen aus dem 
Leben Christi, 1,75x1,64 m. 

16. Maria Himmelfahrt, 2,00x1,55 m. 

17. Krönung Maria in Säulenarchitektur, 2,05x1,50 m. 

18. Frau an der Orgel (Cäcilia ?) mit Engel, 1,50x1,20 m. 

19. Männerporträt, 1,79x1,37 m. 

Bildwerke: Kruzifix, Holz, H. Korpus 1,41 m, mit Dornenkrone aus Blei. 
Um 1500 (Taf. 11c un'd d). Die Krone fehlte zur Zeit der Aufnahme. 

Kruzifix, Holz, H. 0,68 m. 2. Hälfte 18. Jahrb. 

Thronende Maria, Eichenholz, H. 0,90 m. Auf dem linken Oberschenkel 
das stehende, bekleidete Jesuskind, dessen Gewand (im 18. Jahrb.?) mit Blumen 
bemalt ist. Rechte Hand der Madonna fehlt. Anlehnung an einen älteren Typus, 
lim 1460 (Taf. 12 b). 

Stehende Maria, Holz, H. 0,95 m. Auf dem linken Arm das Kind, rechte 
Hand fehlt. 1. Viertel 16. Jahrh. (Taf. 12a). 

Zwei Bischofsfiguren vom Hochaltar, heil. Augustinus und Ambro- 
sius (Taf. 12c), H. 1,95 m. Holz, rückseitig ausgehöhlt und verbrettert, bemalt. 
Nach Bleibaum, Bildschnitzerfamilien des Hannoverschen Barock, S. 308, Anm. 2 
im Augustinus eine Kapsel mit einem Zettel, darauf: ,,Anno 1766 sind diese vier 
Figuren von Johann Friedrich Ziesenis in Hannover verfertigt." Die beiden an- 
deren sind : 

Zwei Augustinerinnen, lebensgroß, Holz bemalt. Heil. Monika oder 
Teresia? und Helena oder Clara? (standen im Chor an den Wänden links und 
rechts vom Hochaltar). 

Zwei Standbilder, Holz, bemalt, H. 0,93 m, Heil. Joseph und Johannes 
Evangel. 18. Jahrh. 

Sechs Standleuchter, Messing, von verschiedener Größe, mit gewundenen 
Schäften. Um 1700 (?). 

Räucherfaß, Messing, H. 28 cm, an drei Ketten, sechseckig. Spätgotisch. 

(Sechs große Altarleuchter, Silber, sowie die meisten von den kostbaren 
xMeßgeräten sind nach dem Brande (1919) nach Hildesheim gekommen, wo sie 
z. Z. aufbewahrt werden. In Dorstadt selbst sind die nachstehenden geblieben): 

Meßgeräte: Kelch, Silber, vergoldet, H. 23,5 cm. Schaft mit birnenförmigem 
Knauf, Sechspaßfuß. Am Fuße unter einer eingravierten Sonne: ,, Kloster Dorstäd 
Aö 1720 d January." Gold schmiedezeichen 7. 

Monstranz, Messing, versilbert, teilvergcldet. H. 56,5 cm, reich mit Halb- 
edelsteinen und Glasflüssen besetzt, Strahlenkranz. Fuß oval. Etwa Mitte 18. Jahrh. 



Dorstadt 63 

Zwei Kann eben, Silber, einfacb, H. 2 cm. Um 1720. 

Ölgefäß, mit kleinem Kreuz, dreiteilig, Silber. Im Oval ein reichverschlun- 
genes Monogramm (des Klosters ?) mit einer Krone darüber sowie die Buchstaben : 
,,0. C. G." Das Crefäß ist vor einigen Jahren etwas niedriger gemacht. Anfang 
18. Jahrb. Goldschmiedezeichen 49. 

Antependien, seidengestickt, später zum Teil neu aufgesetzt, werden z. Z. 
in einem Nebenraum der Notkirche aufbewahrt. 

1. Ohne Jahreszahl. 1,02x2,96 m. Grund: weiße Seide. Darstellung: Krönung 
der Maria, in Gold-, Silber- und farbiger Seidenstickerei. Links und rechts kleine 
allegorische Darstellungen, reich von Blumen umgeben. In den vier Spruchbändern: 
„IN TE DOMINE SPERAVI NON CONFUNDAR IN .^TER- 
NUM" (Taf. 13b und 14b). 

2. 1688. 1,02x2,33 m. Grund: gemusterte weiße Seide mit Relief Stickerei. 
In der Mitte: Vermählung der Maria. Links und rechts symmetrisches Streublumen- 
muster. Schauplatz ist die Höhe eines Hügels, links ein Hirsch neben einem turm- 
artigen Hause, rechts ein Stifter mit einem Kirchen modell, im Harnisch, begleitet 
von einem Hunde. Bezeichnung: ,,C. D. 1688." 

3. 1691. 1,02x2,94 m. Ähnlich dem vorigen. Darstellung: in der Mitte das 
Kreuz, von vier Engeln getragen, unten Landschaft mit Hirschen, Vögeln und 
Lämmern. Bezeichnet: ,,C D 16 91 • " (Taf. 13c). 

4. 1696. 1,02x2,32 m. Grund: rote Seide. Darstellung: in der Mitte die Him- 
melskönigin zwischen zwei mit Schriftbändern und Laubranken umwundenen 
Säulen. Grundfüllung: Blumenmuster. Bezeichnet: ,,16 • 96" (Taf. 14a). 

5. 1697. 1,02 X 2,94 m. Grund dunkelrot. Streublumenmuster in Gold und Farbe. 
Bezeichnet: „I. H. S. 1697." 

6. 1733. 1,02x2,94 m. Grund: rote, gemusterte Seide. Darstellung: die fünf 
Wundmale Christi in Gold- und Silberstickerei. Bezeichnung: ,,C. D. 1733." 

7. 1750. 1,02x2,32 m. Grund: weiße gemusterte Seide. Darstellung: Maria in 
der Strahlenglorie, darüber die Taube, links und rechts symmetrisch angeordnete 
Blumen. Bezeichnung: ,,C. D. 17 • 50." 

8. Ohne Jahreszahl. 1,02 X 2,32 m. Grund : helle gemusterte Seide mit zierlichem 
Streublumenmuster. Darstellung: der gute Hirte inmitten seiner Herde, links und 
rechts je ein bandumwundener Baum. 

9 — 12. Vier weitere, weißwollene, ohne Jahreszahlen, mit farbigen Blumen in 
Wolle in reicher Ausführung bestickt. 

Von den in der Pfarrer wohnung (Elisabethstift) aufbewahrten Meßgewändern . 
zum Teil mit zugehörigen Kelchvela, sind sieben Kasein bemerkenswert. Die 
Kreuzeinfassungen in Gold sind durchweg neu. Der Stoffgrund besteht teilweise 
aus Seide. 

1. 1692. Darstellung der Wundmale Christi in reicher, farbiger Stickerei. Hol 
vorherrschend. Grund weiß. Bezeichnung: ,,1692". 

2. 1699. Christus, das Kreuz tragend. Im Rankenwerk zwischen schweren 
Laubranken Engel mit Marterwerkzeugen. Grund weiß mit ' Streublumen. Be- 
zeichnung: „1699" (Tnf. 15a). 



64 Dorstadt 

3. 1701. Maria mit der Tasche im Oval. Roiches Blumcnrankcnwerk. Be- 
zeichnung: „C D 1701." 

4. ,,1729". Rote Kasel mit einem Pelikan. 

5. Ohne Jahreszahl. Blaue Kasel mit reicher BIumensLickerei. Einfassung in 
Silberstickerei alt, Darstellung: Schweißluch der Veronika (Taf. lob). 

6. Weiße Silberbrokatkasel mit eingewirkten Blumen. 

7. Rote Kasel mit Kreuz im Blumenmuster. 

Weitere Paramente aus Kloster Dorstadt befinden sich in der Kirche in 
Adlum (Kreis Hildesheim-Land). 

Die zahlreichen Grabplatten der Kirche, die zum Teil als Fußbodenbelag 
gedient haben, sind, soweit sie an den Kirchen wänden aufgerichtet waren, stark 
durch den Brand (1919) in Mitleidenschaft gezogen. Nach Form, Darstellung und 
Inschrift gehören sie dem 17. und 18. Jahrhundert an (Taf. 13a). Der älteste 
Grabstein stellt einen Priester bei der Feier der Messe dar. Umschrift: ,,ANNO 
1676 DIE 25 JANUARY OBDORMIVIT IN DNO ADM RD NS • Di' • 
WILHELMUS WISCHMAN ANNO AETATIS SUAE 65. PROFES- 
SION IS 27. SACERD0TY41.PRAEP0SITURAE D OR STAD ANAE 32." 

Schrank, zweitürig, H. 2,35 m, B. 2,00 m. Dunkelrot gestrichen. Empire. 

Zwei Wandleuchter, Holz, vergoldet, 32 cm ausladend, gegen Mitte 
19. Jahrh. 

RITTERGUT (ehemaliges Kloster). 

Von der Bedeutung des ehemaligen Klosters in Dorstadt zeugt noch heute 
das Rittergut der Familie v. Löbbecke, in deren Besitz sich die gesamten aus der 
Klosterzeit stammenden Baulichkeiten befinden. Die Gesamtanordnung des Guts- 
hofes geht aus der Lageplanskizze (Abb. 22) hervor. Die Gebäude sind von dem 
Brande im Jahre 1919 verschont geblieben. Durchweg sind sie in Bruchstein unter 
Verwendung von Werkstein Mitte des 18. Jahrhunderts hergestellt und größten- 
teils verputzt, die Dächer beschiefert. 

Nördlich der Kirche schließt sich das zweigeschossige ehemalige Konven- 
tualenge bände an, in dessen Untergeschoß sich der jetzt Wirtschaftszwecken 
dienende Kreuzgang befindet. Das Haus ist teilweise unterkellert, Keller mit 
Halbtonnen massiv überdeckt, Kreuzgang mit rippenlosen barocken Kreuzge- 
wölben, Wände uneben geputzt, Fußboden mit rotem Sandsteinplattenbelag 
(Taf, 17a). Die Füllungstüren mit profilierten Rahmen haben noch die alten 
Beschläge und Schlösser (Taf, 17c). Am Klosterinnenhof sind die hohen zwei- 
teiligen Fenster mit profilierten Werksteinrahmen später bis zur halben Höhe 
vermauert. Treppe vom Kreuzgang zum Obergeschoß (ehemal, Pfarrerwohnung) 
mit reichgeschnitztem Treppenpfosten. 

Als eindrucksvoller Bau tritt das große freistehende Herrenhaus (ehemal. 
Propsteigebäude) mit hohem Mansardendach in Erscheinung, Beide Längsseiten 
mit 15 Fensterachsen in zwei Geschossen über dem hohen Kellergeschoß, die Schmal- 
seiten mit 5 Achsen. An der West- wie Ostseite ist der Mittelteil wenig vorgezogen. 



Dorstadt 



65 



Zur weiteren Betonung an der westlichen Hauptseite ein Segmentgiebel und eine 
Freitreppenanlage (Taf. 16 b). Zahnschnittartig fassen Werksteine die Gebäude- 
kanten ein; schlichte Bänder trennen beide Obergeschosse. Profilierte Fenster- 
gewände, im Mittelbau noch mit Gebälken, im Obergeschoß mit Segmentgiebelchen. 




KIRCHENRUIME 



Abb. 22. Dorstadt, Planskizze der ehemaligen Klostcranlnt^e (1:2000). 



Im Westgiebel ein großes ovales Fenster. Durch das ganze Gebäude führende 
Längskorridore machen jeden Raum leicht zugänglich. 

In zwei Gemächern der Gutsherrschaft im ersten Obergeschoß sind Decken- 
gemälde (al fresco) des Meisters J. G. Winckh vorhanden, die Taufe des heiligen 
Augustinus (Taf. 16a) und eine Szene aus dessen Weltleben; die Taufe bezeichnet: 
,,J. G. Winckh Pinxit", das andere Bild: ,, Joseph Gregorius Winckh pinx. et 

9 



65 Dorstadt 

inven. Ano 1750" (vgl. Liobcnburg, ehem. Schloßkapellc, Deckengemälde). Stuck- 
ornamente, ähnlich denen in der Kirchenruine, umrahmen die gemalten Felder. 

Haupltor zwischen Dorfstraße und Gutshof als große mit drei Rundbogen- 
öffnungen versehene Portalwand, deren größte, mittlere als Wagendurchfahrt 
benutzt wird (Taf. 18b). Über ihr in einer Nische ein Kreuz, an dessen Sockel 
die Inschrift: „SUB NBLI DOMINA ANNA ELISABETH MITTAG", und 
am Gesimse: „ANNO M DCC XXIII." 

Die Abschlußmauer zum inneren ehem. Kloster zwischen Wirtschafts- und 
Klosterhof hat drei gesonderte rundbogig geschlossene Zugänge, deren mittelster 
dem Wagenverkehr diente (Taf. 17b). Über ihm das Standbild eines stehenden 
Christus mit der Weltkugel; seitliche Durchgänge bekrönt mit den Figuren des 
heiligen Augustin (rechts) und einer weiblichen Heiligen. 

Zwei Ofen platten, Gußeisen, H. etwa 0,75 m, Br, 1,00 m. Im Oval das 
galoppierende Pferd und die Schrift im Spruchbande: „REMIGIO ALTISSIMI 
UNI" sowie eine Stadtansicht (Wolfenbüttel?). Fruchtwerk und Pflanzen dienen 
zur weiteren ornamentalen Verzierung (Taf. 18a). 

In der westlichen Abschlußmauer zwischen dem Wirtschaftsgarten und 
der hier mit hohen Pappeln besetzten Dorfstraße befindet sich eine rechteckig 
umrahmte Eingangstür mit der Jahreszahl 1728 im Sturz (Sandstein) zu einem 
um etwa 1800 erbauten Gartenhaus. 

Die meisten Stallungen und Scheunen aus der Klosterzeit tragen in den 
Schlußsteinen das Zeichen I • H • S • und die Jahreszahlen, größtenteils 18. Jahrh. 

Am alten Wehr der Oker sind im Zungenmauerwerk des Unterhauptes In- 
schriftplatten eingelassen mit Wappen und Daten. Soweit der Moosansatz ein 
Lesen ermöglichte, konnten die Jahreszahlen 1718, 1753 und 1796 festgestellt werden. 

Kunstwerke in Privatbesitz: 

Vesperbild, Holz, bemalt, H. 68 cm. Im Besitz einer in Dorstadt ansässigen 
Familie. Um 1700. (Taf. 17d). 

Vesperbild, ähnlich dem vorgenannten, aber von nicht so guter Ausführung 
und nur 38 cm hoch, etwa aus gleicher Zeit stammend, im Besitz des derzeitigen 
Ortsvorstehers. 



Flachstöckheim. 

Evangelische Kirche. Gut. 

Quellen: 1. Staats-Arch. Rann., Alct. Kann. des. 74, Amt Liebenburg, IL, G lg 
und He. — Bibl. H. V. N., Handschrift 317. — Reichsgräflich von Schwicheldtsches 
Familienarchiv im Schloß Söder, I. Urk. betr. die Familie, IL Urk. betr. Güter des 
Flachstöckheimer Distrikts, III. Urk. betr. Harz-Distrikt. — Feld- und Flurkarten 
von 1726. — Handschriftliche Geschichte der von Schwicheldt. — 2. U. B. Hild., 
L— HL, V., VI. — U.E. Goslar, I.— V. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 39. — Blume, Heimat, S. 204 ff. ^ Habicht 
(Hann. Geschichtsblätter 1916, S. 282). — Hüttebräuker, Erbe Heinrichs d. L., S. 55, 
93. — Kayser, Visitationen, S. 153. — Klewitz, Territ. Entwicklung, S. 25. — Lüntzel, 
Alt. Diözese, S. 171, 249, 311. — Mithoff, Kunstdenkmale, S. 36. — Mithoff, Kirchen 
und Kap., S. 4. — Vogell, Gesch. Schwicheldt. — Zobel, Heimatbuch, S.73ff. 



Flachstöckheim 67 

GESCHICHTE: In den älteren mittelalterlichen Urkunden wird der Ort Flachstöck- 
heim Stochem, Stockem oder Stocheim genannt. Um einer Verwechslung mit Orten 
gleichen Namens nördlich des Harzes vorzubeugen, kommt im 14. Jahrhundert die 
Bezeichnung „Stockem bei Flöthe" (1350) und „Stockhem bei Machtersum" (Lob- 
machtersen) auf. Da in den Urkunden nur der Name Stocheim vorkommt, ist nicht 
immer mit Sicherheit zu sagen, welches Stocheim gemeint ist. Anzunehmen ist, daß 
Flachstöckheim zum ersten Male in der Bestätigungsurkunde Kaiser Friedrichs I. 
für das Kloster Neuwerk in Goslar 1188 vorkommt; die Kirche zu Flachstöckheim 
wird 1339 dem Kloster Neuwerk, das im 13. Jahrhundert seinen Besitz in Flachstöck- 
heim vermehrt hatte, inkorporiert. 1427 findet sich zum ersten Male der Name Vlaß- 
stocken, daraus wurde 1492 Flaßstockhem, 1533 Flachsstocken. Um die Mitte des 
18. Jahrhunderts (1758) tritt die heutige Schreibweise Flachstöckheim auf. 

Ein Geschlecht von Stockem kommt seit Ende des 12. Jahrhunderts vor. Das Kreuz- 
stift zu Hildesheim hatte in Flachstöckheim großen Besitz, von dem 6 Hufen Dietrich 
von Wallmoden zu Lehen hatte, 1350 verzichtete er auf diese, und der Propst des 
Hildesheimer Kreuzstiftes übertrug das Gut dem Ritter Heinrich von Schwicheldt 
und seinem Bruder Hans. Dieses Lehnsgut, das sich im 14. Jahrhundert noch vermehrte, 
war die Grundlage des Besitzes des Geschlechtes von Schwicheldt in Flachstöckheim. 
In den folgenden Jahrhunderten wurde fast das ganze Dorf Eigentum der von Schwicheldt, 
die sich im 15. Jahrhundert in Flachstöckheim einen Wallhof erbauten. Dieses Gut 
wechselte zwischen verschiedenen Linien des Geschlechtes. 1542 führte man in Flach- 
stöckheim die Reformation ein, und im Schmalkaldischen Kriege schlössen die von 
Schwicheldt sich dem Schmalkaldischen Bunde an. Der Landesfürst Herzog Heinrich 
d. J. zog deshalb, als er 1547 in sein Land zurückkehrte, die von Schwicheldtschen 
Lehn- und Erbgüter ein und gab sie erst 1553 nach langen Verhandlungen zurück. 
1668 — 1718 war das Gut in verschiedenem Besitz, 1718 kam es an die Witwe Jobst 
Karl von Seh wich eldts, Charlotte Eleonore (f 1734), zurück. An sie erinnert die 1732 
von Joh. Peter Grete in Braunschweig gegossene Kirchenglocke. 

Im Anfang des 18. Jahrhunderts wurden auf dem Gute verschiedene Verbesse- 
rungen (Anlage eines Gartens) vorgenommen. 1722 ist, da es an Tagelöhner- und Hand- 
werkerwohnungen mangelte, die sogenannte Neueburg erbaut. Die Wassermühle wurde 
1745 von Ernst, Otto, August Eberhard und August Wilhelm von Schwicheldt er- 
richtet, 1754 folgte der Bau des Schafstalles, 1755 der von Kuhstall und Scheune, das 
Meiereigebäude wurde 1762 erbaut. Als Baumeister des Gutes wird der Festungsbaumeister 
Dinglinger genannt, der 1752 das Neustädter Rathaus in Hannover und das alte Palais 
dem Schloß gegenüber an der Leinstraße erbaute. Das Parktor lieferte 1765 Joh. Weiß 
aus Hannover. Während des Siebenjährigen Krieges war im Jahre 1758 in Flachstöck- 
heim das Hauptquartier des Prinzen Heinrich von Preußen. Unter Heinrich Ernst von 
Schwicheldt ist 1807 das Kavalierhaus erbaut. Ernst Boguslav Georg Otto von 
Schwicheldt kaufte 1859 von dem Grafen von Stolberg- Stolberg das Schloß Söder 
bei Großdüngen und verlegte nach hier den Wohnsitz des Geschlechtes. Mit seinem 
Großsohn erlosch 1907 der Mannesstamm der von Schwicheldt; das Gut Flachstöckheim 
ist heute im Besitz des Grafen von Hardenberg- Schwicheldt auf Schloß Söder. 

Die Kirche in Flachstöckheim wurde erbaut, nachdem 1718 das Gut nach 50jähriger 
Trennung wieder an die Familie von Schwicheldt zurückgekommen war. Kanzel und 
Altar, desgleichen die Glocken stammen aus dieser Zeit. Die Orgel schenkte 1895 Graf 
K. von Schwicheldt. 

Patron der Kirche war das Kioster Neuwerk in Goslar, seit 1817 sind es die Grafen 
von Schwicheldt; ihr Patronat über die Marien-Jakobus-Kirche in Salzgitter tauschten 
sie damals gegen das Patronat in Flachstöckheim ein. 

1615 — 58 war die Kirche zu Flachstöckheim mit Lobmachtersen verbunden, 
bis 1756 dann mit Beinum, seit 1757 ist Flachstöckheim selbständige Pfarre. 



68 



Flachstöckheim 



BESCHREIBUNG: KIRCHE. 

Anfang 18. Jahrh. erbaut aus Bruchstein und Werkstein, zum Teil vermut- 
lich auf allen Mauerzügen eines mittelalterlichen Baues, der 1339 schon bestanden 
haben muß. Innenmaße: 19,70x6,00 m. Dreiseitiger Chorschluß mit gewalmtem 
Schieferdach. Auf dem Anschnitt Kugel und Wetterfahne von 1771 (Taf. 19a). 
Am Westende ein beschieferter Dachreiter aus Fachwerk mit Glockenerker 
und Zifferblatt (Taf. 19b). Kugel und Wetterfahne von 1775, neu aufgesetzt 1906. 
Anbau (Leichenhaus) an der Südseite über einem Rechteck von .5,15x4,6.5 m. 
Fenster mit geraden Werksteingewänden. 

Das Innere der Kirche mit ebener, geputzter Decke und die ganze Ausstat- 
tung ist in schlichten Formen der Erbauungszeit gehalten. 

Zwei Altarleuchtcr, H. 46,5 cm, Messing, Dockenform mit reich profilierten 
Schäften, auf drei liegenden Löwen mit fein ziselierten Mähnen ruhend. Dorn als 
Öhr ausgebildet. Am Fuße beider Leuchter die gleiche Inschrift: „Der Schweicheld- 
sche Schreiber Stantze nebst Der Flachstöckheimschen Gemeine Anno 1719." 

Kronleuchter, Bronze, H. 0,90 m, Br. 0,70 m, unten 7, oben 5 S-förmige 
Arme mit Masken und Delphinköpfen. Adler mit dickem Rumpf und breiten Flü- 
geln. Milte 17. Jahrh. 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Silber, vergoldet, H. 20cm. Kupna geschweift, 
später aufgesetzt. Sechspaßfuß, Knauf mit den Buchstaben: ,,J. H. E. S.V. S." 
und maßwerkartigen Verzierungen. Am Schaft ober- und unterhalb des Knaufs 
gotische Quadratfüllungen. Am Fuß eine 2,5 cm große Kreuzigungsgruppe. 1. Hälfte 
16. Jahrh. 

Patene, Silber, vergoldet, 15 cm, zum Kelch gehörend. Im Tellergrunde 
ein Gotteslamm im Kreise, siehe Weihekreuz 15. 

Oblatendose, Silber, oval, 13x9 cm, H. 4 cm. Mit Wappenbild: Pferd im 
Schild, darüber Krone. Goldschmiedezeichen 13. 

Weinkanne, Silber, mit Holzgriff, H. 19,5 cm. Am Deckel reicher plastischer 
Schmuck. Rehe, Früchte, Laub. 18. Jahrh. Goldschmiedezeichen 45. 

Kelchlöffel, Silber, vergoldet, 16,5 cm lang. 

Kelch, Silber, vergoldet, H. 15,5 cm. Sechspaßfuß. Knauf birnförmig, 1. Hälfte 
18. Jahrh. Goldschmiedezeichen 37. Stammt vielleicht aus Beinum. 

Patene, 12,25 cm, zum Kelch gehörend, ohne Weihekreuz. 

Ölgemälde, auf Leinwand, 1,60x2,20 m. David tanzt vor der Bundeslade. 
Im Chore an der Südwand (Taf. 19 c). 

Grabstein, mit zwei Wappen geschmückt, von der Inschrift nur die Jahres- 
zahl 1695 erkennbar. Vor der Chorstufe. 

Einige Grabplatten, aus dem Anfang 19. Jahrh., auf dem Kirchhof verstreut. 

Glocke, 0,75 m. An den Bügeln Masken. Unter der Haube Rankenorna- 
ment. Am langen Felde: „CHARLOTTE ELEONORE VON SCHWIE- 
CHELDT GEBORNE VON GROTEN / ANNO 1732." Am Schlagring: 
„GOSS MICH J. P. GRETE IN BRAUNSCHWEIG." 

Glocke, 0,67 m, mit Münz- und Naturblattabdrücken. Am langen Felde: 
„HERR JOHANN CAROL STANZE. P. T. SCHWICHELTSCHER 



Flachstöckheim 69 

OB. VERWALTER /HENN IG E GELIN G / MICHEL HITFE (Heitefuß!) / 
ALT ARISTEN /ME FEC IT JOH: PET. GRETE IN BRAUNSCHWEI G 
/ 1750." 

Eingangstor zum Kirchhof aus rotem Sandstein. Pfosten mit urnenähnlichen 
Bekrönungen, daran die Symbole des Todes (gekreuzte Knochen) und der Ewigkeit 
(Schlange). 18. Jahrh. 

GUT. 

Das Gräflich v. Schwicheldtsche Gut hat im wesentlichen um die Mitte 
des 18. Jahrhunderts die heutige Gestalt erhalten (vgl. Geschichte!). Die Wohn- 
und Wirtschaftsgebäude gruppieren sich um einen geräumigen Hof, Hinter der 
Gehöftanlage befindet sich ein großer gut gepflegter Park, der durch Steinvasen, 
Sphinxfiguren und eine Sonnenuhr belebt ist. 

Der an der Dorfstraße liegende Fachwerkbau ist das sog. Meiereigebäude, 
welches im hohen massiven Kellergeschoß die der Milchwirtschaft dienenden Räume 
enthält. Das bislang im Obergeschoß, wo auch eine auseinandergenommene gotische 
Truhe vorhanden, befindlich gewesene Familienarchiv der Grafen v. Schwicheldt ist 
jetzt nach Schloß Söder gebracht worden. Inschriftplatte mit Wappen und dem 
Namen Aug. Guilh. A. Schwicheldt Anno MDCCLXII oberhalb des Einganges. 
Gegenüber dem Meiereigebäude erscheint das ehemalige Herrenhaus, ein ver- 
schalter zweigeschossiger Fachwerkbau mit seitlichen Remisen recht bescheiden 
(Taf. 20c). Das 1807 in fein abgewogenen Formen unter Verwendung von Terra- 
kotten erbaute sog. Kavalierhaus ist in der Anlage dem Herrenhaus ähnlich. 
Stein und Fachwerk. Vorderseite mit zweiarmiger Freitreppe, verputzt. Seitliche 
Remisen. Schieferdach (Taf. 20d). Torhaus, ein langgestreckter Fachwerkbau, 
Dachreiter mit Glocke oberhalb des Torweges. Wappensteine mit den Namen 
der Bauherren sind an den 1754 und 1764 erbauten Scheunen und dem 1755 
errichteten Kuhstall angebracht. Die Bauausführung der Wirtschaftsgebäude 
gleicht der des Meiereigebäudes: Fachwerk auf massivem Unterbau. In der Mauer 
an der Rückseite des Parkes ein Tor mit gut gegliederten, 1,04 m breiten Sand- 
steinpfosten von 3,40 m Höhe bis Oberkante des Hauptgesimses. Bekrönung mit 
Wappensteinen, die von Putten gehalten werden. Links das Schwicheldtsche 
Wappen, rechts ein Kranich mit einer Rose (v. Fabrice). Dieselben Wappen kommen 
am Hause Hoher Weg 8 in Goslar mit der Jahreszahl 1773 vor. Die zweiflügelige, 
3,30 m breite schmiedeeiserne Tür zeigt hervorragende Schmiedearbeit des 
hannoverschen Kunstschlossers Joh. Weiß vom Jahre 1765. Erhaltungszustand 
schlecht, verrostet (Taf. 20 b). 

Zum Gut gehört die am Ende der Ortschaft liegende Wassermühle (Fach- 
werk auf Massivsockel) mit einer 1,18 x0,95 m großen Inschriftplatte: ,,QVOD / 
ANNIS AB HING XXIIIl / VINCINI INVIDIA DIRVIT / OPVS / 
ADSERTO IVRE ACCEDENTE PRINCIPIS GRATIA / REDIN- 
TEGRARI FECIMVS / COMMVNES DOMINI FRATRES / ERNE STV S 
OTTO / AVGVSTVS EBERHARDVS / AVGVSTVS GVILELMVS / 
A. SCHWICHELDT / ANNO MDCCXXXXV." 

10 



70 

Gielde. 

Evangelische Kirche. 

Quellen: 1. Staats- Arch. liami., Akl. Mann. des. 74, Amt Wöltingerode, III., 
X. 1, 4n. — Bibl. H. V. N., Handschrift 317. — von Schwiclieldtsches Archiv im Schloß 
Söder, Urk. — Pfarrarchiv Gielde, Akten über Kirchbaii. 1844 — 46. — 2. U. B. Hild., 
I._VI. — U.E. Goslar, I.— IV. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 44, 69, 77, 94. — Bertram, Gesch. Bist. Hild., 
I., S. 162, 192. — Blume, Heimat, S. 358 ff. — Bornstedt, Siedlungen, S. 16. — Hen- 
necke, Archidiakonatsreg., S. 173. — HüLtebräuker, Erbe Heinrichs d. L., S. 74. — 
Kayser, Visitationen, S. 181, 182, 186. — Klewitz, Territ. Entwicklung, S. 25. — 
Lüntzel, Alt. Diözese, S. 164, 321 ff. — Machens, Archidiakonate, S. 6, 79, 91, 100, 
107, 193, 264. — Mithoff, Kunstdenkmale, S. 37. — Mithoff, Kirchen und Kap., S. 4, 18. 
— Zobel, Heimatbuch, S. 156 ff. 

GESCHICHTE: Im Jahre 1140 löste Bischof Bernhard von Hildesheim das Filial- 
verhältnis der Kirche zu lleiningen von der zu ,,Gelithe"; die Kirche zu Gielde wird als 
,,mater et baptismalis ecclesia ex antiqua institutione" bezeichnet, sie war also Mutter- 
und Taufkirche seit langem und zweifellos Archidiakonatskirche. 1174 wurde dann die 
Kirche zu Gielde in den Bannbezirk des Klosters Heiningen einbezogen und ging da- 
durch ihres Sendrechtes als Archidiakonatskirche verlustig. Das Archidiakonat kam 
an das 3 km entfernte Neuenkirchen und verblieb dort auch, nachdem vor 1260 Gielde 
dem alten Bann zurückgegeben war. Im 16. Jahrhundert heißt das Archidiakonat bald 
Neuenkirchen, bald Gielde; es ist möglich, daß Gielde am Ende des Mittelalters das 
Archidiakonat zurückerhalten hatte. 

Das Patronat über die Kirche in Gielde hatte zunächst das Kloster Heiningen, 
dann der Archidiakon zu Goslar als Lehen der Hildesheimer Kirche, im 18. Jahr- 
hundert besaß der Fürstbischof wieder das Patronatsrecht. 

Als Ministeriale des Hildesheimer Bischofs treten im 12. Jahrhundert die von 
Gielde auf, die einen Hof im Orte als Lehen des Bischofs besaßen. Gielde mit seiner 
Feldmark wird ursprünglich zu der benachbarten Königspfalz Werla gehört haben. 
Als diese 1086 mit ihrem ausgedehnten Grundbesitz durch Heinrich IV. der Hildes- 
heimer Kirche geschenkt wurde, kam Gielde an den Bischof von Hildesheim, der nun 
seinen Besitz zum Teil an Klöster und Adel verschenkte oder zu Lehen gab. Als Grund- 
eigentümer in Gielde kommen die Klöster Heiningen, Neuwerk in Goslar, St. Peters- 
berg bei Goslar, Wöltingerode und Dorstadt, sowie die Herren von Schwicheldt und von 
Rössing vor. Der Zehnte wurde vom Hildesheimer Bischof an die Grafen von Schiaden 
und die Herren von Biewende, später an die Klöster Neuwerk in Goslar und Dorstadt 
veräußert, Dorstadt trat dann im 18. Jahrhundert seine Hälfte des Zehnten an St. Michael 
in Hildesheim ab. Nach der Hildesheimer Stiftsfehde fiel Gielde 1523 an den Herzog 
Heinrich den Jüngeren von Braunschweig-Wolfenbüttel, 1542 wurde durch den Schmal- 
kaldischen Bund die lutherische Lehre eingeführt, doch erst 1568 mit dem Regierungs- 
antritt des Herzogs Julius war der Bestand der Reformation gesichert. Der Pfarrer zu 
Gielde verwaltete gleichzeitig die Pfarre in Neuenkirchen, 

Im 30jährigen Kriege hatte Gielde besonders im Jahre 1626 zu leiden, als die 
Scharen des Dänenkönigs und nach dessen Niederlage bei Lutter a. B. die Truppen 
Tillys den Ort plünderten. Damals schleppte man die Kirchenglocke als Beute fort. 
1639 wurde eine neue Kirchenglocke angeschafft, die Heinrich Borstelmann in Braun- 
schweig goß. Diese alte Glocke sprang 1910 und ist dann durch zwei von J. J. Radler 
in Hildesheim gegossene Glocken ersetzt. 

Durch den Hauptrezeß in Braunschweig kam Gielde mit dem ,, Großen Stift" 
wieder an das Hochstift Hildesheim zurück, nach dessen Säkularisation 1802 an Preußen. 
Als Patron der Gielder Kirche erscheint 1803 die Familie von König. Nachdem das 



Gielde 



71 



Königreich Westfalen zu bestehen aufhörte, wurde Gielde mit dem Bistum Hildesheim 
dem Königreich Hannover einverleibt. Am 4. April 1835 suchte ein großer Brand das 
Dorf heim und legte 17 Höfe mit Nebengebäuden und 9 Brinksitzerhäuser in Asche. 
Kirche, Pfarre und Schulhaus konnten gerettet werden. Seit 1866 ist Gielde wieder 
preußisch. 

Das alte Gotteshaus in Gielde erwies sich im Anfang des 19. Jahrhunderts als bau- 
fällig. Bereits 1819 faßte man den Plan, eine neue Kirche zu bauen, doch erst 25 Jahre 
später kam der Plan zur Ausführung. Der große Dorfbrand 1835 trug dazu bei, den 
Bau der Kirche noch hinauszuschieben. Im Jahre 1845 wurde die alte, aus Bruchsteinen 
erbaute und mit einem rechteckigen Chor versehene Kirche abgerissen; die alte Kirche 
enthielt nach den Bauakten 150 Mannesstände und 140 Frauenstühle. Die einst spitz- 
bogigen Fenster waren modernisiert. Der ehemalige Altar von Stein trug ein Triptychon, 
das die Kreuzigung und die beiden Schacher darstellte. Außerdem wies die alte Kirche 
zwei Gemälde des Himmels und der Hölle auf und einen aus der Barockzeit stam- 
menden Taufengel. Von diesen Ausstattungsstücken ist jetzt nichts mehr zu finden. 

Den Plan für die neue am 21. März 1847 geweihte Kirche entwarf Baumeister 
Hellner, er übernahm auch die Bauleitung. Der Kostenanschlag des Kirchenbaues betrug 
5300 Rtlr. ; die Summe wurde nach Hellners Bericht auch nicht überschritten. 1842 
lieferte der Goldarbeiter Peters in Goslar einen neuen Abendmahlskelch; der alte Kelch 
wurde mit 18 Rtlr. angerechnet, die gleiche Summe bezahlte die Gemeinde noch 
dazu. Vielleicht ist es der von Hunnius in Hildesheim angefertigte. 

BESCHREIBUNG: Die Kirche ist über rechteckigem Grundriß von 
19,70x13,10 m in gelbem Sand-(Werk-)stein mit Westturm unter achtseitigem 
Helm errichtet, Fenster rundbogig. Am Ostteil Vertikalgliederungen durch Lisenen. 
Profiliertes Abschlußgesimse. Bauzeit 1845 
bis 1847 laut Inschrift über der Eingangs- 
tür (Abb. 23). Das Innere ist in der für den 
Baumeister Hellner charakteristischen Art, 
saalartig, etwas nüchtern. 

Ausstattung: Aus der Erbauungszeit. 

Altarbild von H. Rotermund? 1879, 
Kreuzabnahme. 

Abend mahlsgeräle: Kelch, Silber, 
teilvergoldet, H. 25 cm. Am Knauf 3 be- 
flügelte Engelsköpfe. An der Unterseite des 
Fußes in zarter Gravierung: ,, Hunnius fecit 
Hildesheim." Goldschmiedezeichen 66. -«?^' 

Oblatendose, Zinn, H. 10cm, 0llcm. ? ' 
Auf drei Kugeln. Inschrift: ,,MAGDA- ;,: 
LENE WESCHEN ILSABET SIE- 
MENS 1711." Zinnzeichen von 1690 ^ 
(Goslar). 

Weinkanne, Zinn, ganz ähnlich wie 
die in Burgdorf (auch bezüglich der Maße). 
Guß von T. Flcegel, Ilildcsheim. 

Opferteller, Zinn, oval, 20x18 cm. 

Rand geschweift, sonst schlicht. .Vbli. 23. Cieldc, Kirclu> von Südosten. 



1 



qiELDE 53r.Z7 



\ 




•J2 Gielde 

Taufschüssei, Zinn, 28 cm. Am Rande: ,,W. RESE 1858." Zinnzeichen 

von 1790. 

Zwei Altarleuchter, Bronze, H. 26,5 cm, Dockenform. Inschriften: ,,M • 
KORT • TIHLE • KIHC — VADE • THO • GILE • VND SEINE FRVWE ANNO 
1650. ILSEHE FRIOTHAFES V. ERRET'% und „S ■ R • HINRICUS KOLWACiE ■ 
NACHGLASE WITWE TORTIA ERMP. VERET ANNO 1650." 

Glocke, von 1639, 92 cm, ist 1910 durch zwei Glocken von Radier & Söhne 
in Ilildesheim ersetzt worden. Die alte Glocke hatte Masken an den Kronenhügeln 
und Inschrift zwischen 7wei Zier- und zwei glatten Streifen: ..HEINRICH 
BORSTELMANN IN BRAVNSCHWEIG HAT MICH GEGOSSEN 
ANNO 1639 • SOLI DEO GLORIA." Ferner am langen Felde eine naiv 
mcdellJerte Darstellung der Dreieinigkeit. 

Die östlich vom Dorfe stehende Windmühle wurde 1870 vom Schladener 
Berg an die jetzige Stelle versetzt. Bockmühle mit alter Einrichtung. 

Über den nördlich Gielde liegenden Ringwall s. ,,Kukeriulenburg". 



Gitter a. Bg. 

Evangelische Kirche. Gehöfte. 

Quellen: 1. Staats- Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74, Amt Liebenburg, IL, 
G. Ik; desgl. III., Akten IX., A. 17, 7. — Bibl. H. V. N., Handschrift 317. — von 
Schwicheldtsches Archiv im Schloß Söder, Urk. — 2. U.E. Hild., I.— VI. — U.E. 
Goslar, L— IV. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 67. — Bertram, Gesch. Eist. Hild., I., S. 29, 
126; III., S. 249. — Elume, Heimat, S. 116 ff. — Eornstedt, Siedlungen, S. 16. — 
Dürre, Reg. Wallmoden, Nr. 75, 319, 466, 490, 504 usw. — Havemann, Gesch. Eraun- 
schweig, L, S. 337. — Henkel, Handbuch, S. 8. — Hennecke, Archidiakonatsreg., S. 169. 
— Kayser, Visitationen, S. 101, 145. — Kleuker, Pfarrbezirk Salzgitter. — Lüntzel, 
Alt. Diözese, S. 164, 166, 174, 254, 336 fL — Machens, Archidiakonate, S. 92, 101, 
109, 116, 247. — Mithoff, Kunstdenkmale, S. 38. — Mithoff, Kirchen und Kap., 
S. 4. — Zobel, Heimatbuch, S. 25 iL 

GESCHICHTE: Unter dem Namen „lehthere" kommt Gitter zuerst im Jahre 1086 
in der Urkunde Kaiser Heinrichs IV. vor, durch die der Kaiser die Pfalz Werla und 
die dazugehörenden Dörfer Immenrode und Gitter der Hildesheimer Kirche schenkte, 
und zwar mit allem Zubehör an Leibeigenen, bebauten und unbebauten Ländereien, 
Grundstücken, Gebäuden usw. Zweifellos ist der Ort also älter und geht auf eine Grün- 
dung der Pfalz Werla, vielleicht noch in fränkische Zeit, zurück. Nachdem Gitter an 
den Bischof von Hildesheim gekommen war, wird dieser hier bald eine Pfarrkirche er- 
baut haben. 1108 stellte Bischof Udo in „ Jaitterem" eine Urkunde für die Kirche des 
heiligen Petrus in Goslar aus. Der Pfarrkirche zu Gitter wurden im Laufe der Zeit ver- 
schiedene andere Kirchen unterstellt, 1483 erscheint Gitter als Archidiakonatskirche. 
1523 kam Gitter an Herzog Heinrich d. J. von Eraunschweig- Wolfenbüttel, 1542 konnte 
die Reformation eingeführt werden; mit Salzgitter, Hohenrode und Kniestedt bildete 
Gitter fortan eine Parochie. 1643 fiel Gitter an das Hochstift Hildesheim zurück, 
1802 an Preußen und 1815 an das Königreich Hannover. In einer 1803 angefertigten 
Beschreibung der Hildesheimer Ämter erscheint noch der Archidiakon von Hildesheim 
als Patron, der Zehnte stand damals dem von Schack als Lehnsnachfolger der von 
Gaus zu. 



Gitter a. Bg. 73 

In den Jahren 1845/46 riß man die alte Kirche nieder und errichtete ein neues 
Gotteshaus nach einem bereits 1830 angefertigten Plane des Baumeisters Hellner. 
Die 1767 angeschaffte Glocke war 1815 gesprungen, 1845 wurde sie durch den Glocken- 
gießermeister Lange in Hildesheim umgegossen, im gleichen Jahre ist auch für 510 Rtlr, 
eine neue Orgel erbaut. 

Vom Anfang des 14. Jahrhunderts bis 1452 treten die Mitglieder einer Ritterfamilie 
von Gitter in den Urkunden auf. Dies Geschlecht besaß den heute noch bestehenden 
Ritterhof, der nach den letzten adeligen Besitzern jetzt von Garßenhof genannt wird. 
1857 wurden die an der östlichen Seite des Hofes gelegenen Wirtschaftsgebäude durch 
einen Brand, der auch den nordwestlichen Teil des Dorfes Gitter heimsuchte, zerstört. 
In der alten Kirche zu Gitter besaßen die Inhaber des Ritterhofes eine Gruft. 

BESCHREIBUNG: KIRCHE. 

In behauenem Sandstein erbaut, ähnlich der in Gielde. Saalkirche über recht- 
eckigem Grundriß. Außenmaß: 19,70x13,10 m. Dachreiterartiger Westturm 
(Taf. 21a). 
Ausstattung: 

Von den Ausstattungsstücken der früheren Kirche hat sich nichts erhalten. 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Silber, Kuppa innen vergoldet, H. 22 cm. 
Sechspaßfuß. Knauf gedrückt. Am Fuße 3 Nietlöcher, vielleicht von einem kleinen 
Kruzifix herrührend. Entstehungszeit gegen 1700. Goldschmiedezeichen 67. 

Patene, Silber, 15 cm. Weihekreuz 5, Goldschmiedezeichen 35. 

Oblatendose, Silber, 9 cm, H. 4 cm. Randumschrift: ,,Der Ehre gottes 
und dem gebrauch der oblaten haben diese silberne Schachtel widmen wollen. 
D. J. G. Garßen Wittwe und Kinder." Auf dem Deckel das Doppelwappen von 
Garßen und die Jahreszahl 1699. Goldschmiedezeichen 13. 

Glocke, 1,04 m. Unterhalb der Haube ein Eichenlaubfries. Am langen 
Felde die Inschrift: „GOTT ZU EHREN LASS ICH MICH HÖREN / 
UMGEGOSSEN IN JAHRE 1845 VON S.A. LANGE IN/ HILDESHEIM 
AUF KOSTEN DER KIRCHE UND GEMEINDE GITTER MIT 
EINSCHLUSS DER GEMEINDE HOHENRODE." 

Glocke, 0,86 m, von Jakob Radler in Hildesheim im Jahre 1871 gegossen. 
Daran Abdrücke von drei hannoverschen Münzen: Waterlooerinnerungstaler 
von 1865; Georg V., König von Hannover, 1 Taler von 1863; Luthermedaille mit 
Inschrift: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden. 

GEHÖFTE. 

Das Dorf Gitter hat sich entsprechend seiner hügeligen Lage am Nordost- 
abfall des Gitterberges als Haufendorf entwickelt (Abb. 24). Ein größerer Teil 
brannte 1857 ab. Die — in den letzten Jahrzehnten meistens veränderten — alten 
Gehöftanlagen gehören zum mitteldeutschen (fränkisch-thüringischen) Typ; d. h. 
Wohnhaus, Stallungen und Scheunen sind zu geschlossenen Anlagen zusammen- 
gefaßt, in Gitter allerdings heute nicht mehr in der völlig in sich abgeschlossenen 
Form wie z. B. in Lengde, sondern mehr in Hufeisenform. 

Von dem einst bedeutendsten Gehöft, dem sog. Garßenhof, steht heute 
nur noch das Wohnhaus, ein Nebengebäude, das Pförlnerhaus und das Portal. 



74 



Gitter a. Bg. 




Abb. 24. Gitter a. Bg. Dortplan, Ausschnitt 
(1 : 6400). 



Zweigeschossiges Wohnhaus (Taf. 21b u. e), Eichenfachwerk, 11. verwitterter 

Ricgelinschrift über der Hintertür 1557 erbaut, im Anfang des 18. Jahrhunderts 

erweitert und mit geräumiger, durch beide Geschosse geführter Diele ausgestattet, 

von der die Wohnräume zugänglich sind. 

Breite Treppe zum Obergeschoß. Der ältere 

Teil unterkellert, Obergeschoß vorgekragt. 

Balkenköpfe im Vicrtelkreis abgerundet. Auf 

der breiten Setzschwelle des Obergeschosses 

die Inschrift (gotische Buchstaben): ,,Wer 

Gott vertrawet hat woll gcbawet • Den wo 

der Herr nicht das haus bawet • So erbeiten 

umbsonst die daran bawen • BEATI OM- 

NES QU! CONFIDUNT IN EO." An 

der östlichen Schmalseite das Reststück einer 

flachen Holzschnitzerei: zwei unbekleidete 

Männer, die sich die Hand reichen (Taf. 21 d). 

Von der Beischrift nur erkennbar: ,,NON 

— VIDEM — ERGO EST — NOSCE 

• TE." An der Hintertür : „SI DEUS PRO 

NOBIS QUI CONTRA NOS." Fenster- 
brüstungen mit Fußstreben. An der Rück- 
seite einige Füllhölzer mit alten Profilen, 

ähnlich denen des vorderen Dachüberstandes. Erhalten sind noch einige Bleifenster 

(18. Jahrh.) und die in Rautenmuster aufgeteilte Eingangstür aus dem Anfang 

des 18. Jahrh. (ähnliche Türen am kath, Pfarrhause in Salzgitter und am Hause 

Pillmann in Lewe). 

Pförtnerhaus neben dem Tore, aus Fachwerk (vgl. Taf. 21c), zweigeschossig, 

Obergeschoß vorgekragt, Unterstützung durch Knaggen, glatte Fußstreben. Im 

Obergeschoß eine Luke mit 
geschweiftem Sturz (um 
1700). 

Das Tor, als Portal- 
bau aus Sandstein ge- 
baut (Taf. 21c. Abb. 25). 
Durchfahrtsöffnung mit 
dem Halbkreis genähertem 
Korbbogen geschlossen ; am 
Schlußstein ein Löwenkopf 
mit Maulring. Kämpfer als 
Platte mit Schrägfase aus- 
gebildet. Mauerwerk mit 
Dachpfannen abgedeckt. 
Gehöft Schrader, 
auf dem Luftbild (Taf. 24c) 
Abb. 25. Gitter a. Bg. Garßenhof, Tor (1: lou) [v. B.j. im Vordergründe erkenn- 





Gitter a. Bg. 



75 



bar, ist eine alte Anlage in Hufeisenform, nach dem Brande von 1857 brs auf das 
verschont gebliebene Wohnhaus neu gebaut. Wohnhaus aus dem Ende des 16. Jahr- 
hunderts, stark verändert (Taf. 24a). Torpfeiler um 1700 hergestellt. 




Abb. 26. Gitter a. Bg. Gehöft Nr. 3 (Essig). Lageplan (1:1000). 



li^OHBARGARTEN 



Gehöft Essig (Nr. 3) am Nordausgang des Dorfes. Abgewandelte, der Weg- 
führung angepaßte Hufeisenform (Abb. 26). Wohnhaus als Abschluß der Anlage, 
links Stallungen, rechts die Scheune, mit Seitenlängstenne, die aber von etwa 
der Mitte ab als offener überdeckter, durch Holzstiele unterstützter Gang (,, Schauer") 
fortgeführt ist (Taf. 24b). Am Türholm: lOHAN EDMUND DEICKE — 
lOHANNA MARIE DEICKEN GEB WERNERN — ANNO 1810. Die 
neben dem Gehöft liegende Scheune mit der Türholminschrift: ,,Hans Hennig 
Goes — Anna Elisabeth Brey haapen Anno 1769" wird ,, Ritterscheune" genannt; 
sie gehörte früher nicht zum Gehöft Nr. 3, aber auch nicht zu dem benachbarten 
Garßenhof. 

Gehöft Nr. 24. Der Kramersche 
Hof (Eigentümerin W^\. Koch) 1843 
teilweise neu gebaut (Taf. 22a u. Abb. 
27). Ein an der Rückseite gelegener 
Stall ist entfernt, wodurch die jetzige 
Hufeisenform entstand. An der Scheune 
gegenüber dem Wohnhause ist der Tür- 
holm der Seitenlängstenne bezeichnet 
mit: ,, Heinrich Christian Achilles — 
Henriette, geborne Achilles aus Gr. Elbe. 
Anno 1838." Am Pfosten des Hoftores: 
CA • Anno 1843. Das Wohnhaus älter, 
mit charakteristischem Fachwerk (über- 
kreuzte Streben I) im leicht vorgekrag- 
ten Obergeschoß. Erdgeschoß (1843?) 

erneuert. Abb. 27. Gitter a.Bg. Goliiift.Nr.2l. Lagoplan(l: 1000). 




öi: 



7ß Gitter a. B. 

Das Gehöft Nr, 20 (Bruer) am Ostrande des Dorfes bestand nach örtlicher 
Überlieferung schon 1548. 1848 war es im Besitz der \V\v. Illemann, geb. Deicke. 
Seit 1859 ist die Familie Bruer Besitzerin. Das der Hofanlage vorgelagerte Wohn- 
haus (Taf. 22b) ist 1860 von Karl und Maria Bruer erbaut, deren Namen nebst 
dem Zusatz „Reliqucnda" oberhalb der straßenseitigen Eingangstür angebracht 
sind. Das Gehöft zeigt den typisch mitteldeutschen Grundriß. Rechts des frei- 
stehenden Wohnhauses die Zufahrt. Linker Abschluß des Hofes durch Stallungen, 
rechts die Scheune mit dem durch Holzpfosten getragenen Schleppdach. Rückseite 
als offene Remise gebaut mit Ausfahrtstor nach der rückwärtigen Straße. 

Zum Bruerschen Hof gehört ein zweistöckiges Tagelöhnerhaus, das zeitlich 
noch ins 17. Jahrhundert zurückreicht (Taf. 22c). Länge 23,80x8,50 m. Höhe bis 
zur Dachbalkenlage 4,30 m. Gefache teilweise 2,00 m breit. Obergeschoß im west- 
lichen Teile vorgekragt. Hier auch die typischen Überkreuzungen der Streben. 
Dachbalkenlage durch profilierte Konsolen unterstützt. 

Der Ähren dsche Hof bestand schon in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, 
wie aus einer Mauerinschrift an der Nordostecke des Gehöftes hervorgeht: 
„E. WERNER • H. WERNER GEB. VORLOP- 1647". Die Häusergruppe 
umschließt den Hof hufeisenförmig. Das zw^eistöckige Wohnhaus ist um 1700 
erbaut, Gefachausmauerungen in Backstein, hofseitig verputzt. Anschließend an 
das Wohnhaus die Ställe, an der Rückseite Remisen, rechts die Scheune mit breiter, 
offener Unterfahrt statt der Längstenne, davor, gegenüber dem Wohnhause, ein 
weiteres Wirtschaftsgebäude, Anfang des 19. Jahrhunderts auf älteres Sandstein- 
erdgeschoß aufgesetzt. Zwei türlose Tore mit Sandsteinpfosten in der aus Sand- 
stein aufgebauten Umfassungsmauer (des 17. Jahrh. ?) vermitteln den Zugang 
(Taf. 22 d). 

Nahe dem Ahrendschen Hof befand sich ein größeres Gehöft, das aber infolge 
Abbruches der Wirtschaftsgebäude als solches aufgelöst ist; vorhanden ist 
das langgestreckte Tagelöhnerhaus Nr. 29, das im Obergeschoß noch das alte 
Fachwerk, etwa aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, zeigt. Erdgeschoß teihveise 
erneuert (Taf. 23a). Die Anlage gehört jetzt zum Schraderschen Hof. 

Das Gehöft Specht am Nordwestrande von Gitter ist zwar erst nach dem 
Brande 1859 erbaut, zeigt aber noch sehr klar die typische mitteldeutsche Anlage. 
Rechteckiger Hof, im Hintergrunde das zweigeschossige Wohnhaus, rechts die 
Stallungen, links die Scheune mit dem großen Einfahrtstor zur Seitenlängstenne. 
Tennenausfahrt am Hofe (Taf. 23 b). 

Haus Nr. 27, Eigentümer Heinrich Weide mann, möge als Beispiel eines 
Einzelhauses (Brinksitzer) gezeigt sein. An das zweistöckige Wohnhaus aus Fach- 
werk ist ein kleineres Wirtschaftsgebäude (Ställe und Werkstatt) angebaut. 
Firstrichtung parallel dem Wohnhause. Um 1700 (Taf. 23c). 

Das auf Taf. 23 d wiedergegebene Gehöft vom Jahre 1736 (oder 1756) ist als 
Winkelhof angelegt. Erdgeschoß massiv erneuert. An der Setzschwelle des Ober- 
geschosses der Haussegen. 



77 

Grauhof. 

Ehemaliges Kloster. Katholische Kirche. Gut. 

Quellen: 1. Beverina, Nr. 540: Copionale des Klosters Georgenberg- Grauhof. 
(1655 mit Nachträgen bis 18. Jahrhundert); Nr. 541: Dasselbe, Abschrift 1729; Nr. 542: 
Annalen, 1659 — 1714, 1744; Nr. 543: Mortuarium mit Nekrolog, 1659. Handschr. 
18. Jahrh.; Nr. 544: Inf ormatio juris Ducis Henrici in causa fractae pacis contra Goslar, 
16. Jahrh. — Staats-Arch. Hann., Akt. Hild.-Br. Arch. des. 3, Hild. Klöster, .\kten, L, 
Nr. 6. — Hann. des. 74, Amt Liebenburg, IL, G. 2a; desgl. IV., Klostersachen, XL 
J., M. — Calenberg-Br. Archiv des. 10, 5d 4. — Staats-Arch. Hann., Kart. -Register, 
C. III. b 5, Nr. 1—5: desgl. IX., Nr. 2 und 3. — Staats-Arch. Hann., Urk. Reichsstadt 
Goslar und Klöster. Grauhof: 271 Urkunden, 1108 — 1699. — Landesarchiv des Hoch- 
stiftes Hildesheim. — Arch. Wolf., Akten betr. Grauhof. Br. St.-A., Abt. YIL Bd. 26'27. 
— Arch. Goslar, Karten von 1542 und um 1600; desgl. 2 Karten des 17. Jahrh. — 

Literatur: Bertram, Gesch. Bist. Hild., L, S. 446; IL, S. 97; HL, S. 46, 70, 
78, 97, 122, 159, 203, 209, 317. — Bertram, Bischöfe, S. 123, 125, 169, 170, 211, 223, 
261. — Biermann, Organographia, S. 20 fL, 29, 30. — Bleibaum, Bildschnitzerfamilien, 
S. 26, 172, 179 ff., 198 fL, 220 fL, 254, 334 fL — Bleibaum, Schnitzaltäre GrauhoL — 
Borchers, Landwehren, S. 75 ff. — Bornstedt, Siedlungen, S. 16. — Calvör, Saxonia, 
S. 473. — Crusius, Denkw. Grauhof. — Gattone, Klosterkirche Grauhof. — Görges- 
Spehr, Denkwürdigkeiten, IL, S. 336, 340, 452 ff. — Grube, Joh. Busch, S. 50, 53, 
275. — Heineccius, S. 135, 503, 514. — Henkel, Klosterkirche Grauhof. — Henkel, 
Kurze Gesch., S. 156. — Henkel, Pfarrklerus, S. 156. — Hildesh. Klostergesch., 
S. 132 fL — Hölscher, Gesch. Georgenberg, S. 34 ff. — Hoogeweg, Stifter und Klöster, 
S. 44, 45. — Jacobs, Harzkarte, S. 94. — Kayser, Visitationen, S. 147, 153, 185. — 
Kopps, Grauhof. — Lauenstein, Historia, IL, S. 252 ff. — Lax, Barockdekorationen, 
S. 17, 33, 50. — Lüntzel, Alt. Diözese, S. 16, 169, 253. — Lüntzel, Gesch. Diözese, 
L, S. 251, 358; IL, S. 244 fL — Mithoff, Kunstdenkmale, S. 78, 79. — Mithoff, 
Kirchen und Kap., S. 37, 39, 41, 43, 44, 45, 47, 48, 57, 58, 60. — Oehr, Ländl. Ver- 
hältnisse, S. 109. — von Rohr, Merkwürdigkeiten, S. 491 fL — Sievers, Regel Augustinus 
bzw. ,, Chorstühle zu Grauhof". — Zobel, Heimatbuch, S. 245. 

GESCHICHTE: Das Kloster der Augustiner-Chorherren Grauhof war im Mittelalter 
ein Vorwerk des Stiftes St. Georgenberg bei Goslar. Dieses auf dem Georgenberge 
vor Goslar liegende Stift war eine königliche Stiftung mit reichem Besitz und reichte 
bis in die Zeit Konrads IL zurück. (Siehe Kunstdenkmäler Band Goslar-Stadt.) Im 
Kriege Herzog Heinrichs d. J. von Braunschweig- Wolfenbüttel gegen die Stadt Goslar 
wurde 1527 das Kloster zerstört. Nach Beendigung der Hildesheimer Stiftsfehde be- 
trachtete sich der Herzog als Landesherr des gesamten Gebietes bis an die Mauern 
der Stadt Goslar und so auch als Herr des ehemals stiftshildesheimischen Klosters 
St. Georgenberg. 

Auf Anraten ihres Schutzherrn, des Herzogs Heinrich, verlegten die nach der 
Zerstörung des Georgenbergklosters noch vorhandenen Chorherren ihren Klostcrsitz 
nach Grauhof. Die ersten Grauhöfer Pröpste waren Joachim Hoyer (f 1556), Erasmus 
Stapenbach und Jodokus Brackmann. Der letztere wandte sich der Reformation 
zu, als Herzog Julius in seinem Lande die Reformation durchführte. In Grauhof wurde 
eine protestantische Lateinschule errichtet, die einige Zeit einen guten Ruf genoß. 
Als 1643 das große Stift Hildesheim von Braunschweig wieder an den Hildesheimer 
Bischof Ferdinand, der zugleich Kurfürst von Köln war, zurückgegeben war, wurde die 
Lateinschule aufgehoben und das Kloster W'iedcr mit Augustiner-Chorherren der Win- 
desheimischen Kongregation besetzt. In Grauhof errichtete man, wie in den anderen 
hildesheimischen Feldklöstern, eine Klosterpfarrstelle. 



78 Grauhof 

Die Namen der ersten Pröpste naeh der Neubesetzung: Conrad Gülten (bis 1659), 
Liborius Hennepoel (bis 1690) und Bernard Goeken (bis 1726) deuten an, daß die ein- 
gezogenen Chorherren aus Brabant berufen waren. Die späteren Pröpste waren Heinrich 
Eikendorff (bis 1755), llerniann Klöpper (bis 1780) und Constantin Belling (bis 1803). 

Bereits der erste Propst Joachim Hoyer begann die Klosterbaulen in Grauhof. 
Die erste Kirche stand an der Stelle der jetzigen. Der dritte Propst Bernard Goeken war 
die bedeulcndste Persönlicjikeit, die der Graidiöfer Konvent hervorgebracht hat, er 
ist der Erbauer der Klosterkirche und der noch vorhandenen Klosterbauten. 1693 
wählten ihn die hildesheimischen Klöster zu ihrem Schatzrate für die fürstbischöfliche 
Kammer, 1715 wurde er zum Ordensgeneral der gesamten Windesheimischen Kongre- 
gation gewählt (vgl. die Inschrift am Grabdenkmal des Propstes Goeken). Goeken 
begann 1701 den Bau der jetzigen geräumigen Klostergebäude und nach deren Voll- 
endung 1711 den Bau der grofJen Klosterkirche (vgl. Inschrift über dem Hauptportal 
der Kirche). 

Die technische Leitung und Beaufsichtigung des Baues lag in den Händen von 
Franz Mitta, einem hervorragenden italienischen Baumeister, den Propst Goeken aus 
Mailand berufen hatte. Franz Mitta ließ sich in Grauhof nieder und vermählte sich 
mit einer Deutschen. Seine zweite Tochter heiratete 1729 den Baumeister Johann Daniel 
Koppel aus Hannover, dem wir später in der Baugeschichte des Klosters noch be- 
gegnen; Koppel war auch der Erbauer der Stephanikirche in Goslar (1734 geweiht). 
Der an der Südseite der Kirche gelegene Kreuzesaltar weist die Jahreszahl 1718 auf, 
am Kanzelrücken steht die Jahreszahl 1721, die von N. Treutmann aus Magdeburg 
erbaute Orgel ist nach Biermanns Organographia erst 1737 vollendet. Die Ein- 
weihung des Hochaltars erfolgte am 1. August 1717 durch den Weihbischof Max Hein- 
rich von Weichs, dann vergingen aber bis zur Vollendung der künstlerischen Aus- 
schmückung des Inneren der Kirche noch zwei Jahrzehnte. Propst Goeken erlebte die 
Vollendung des Baues nicht mehr, er starb 1726. Sein Grabdenkmal schuf Franz Lorenz 
Biggen, der sich am Schluß der Denkmalsinschrifl als Schöpfer des Grabdenkmals zu er- 
kennen gibt. Bleibaum nimmt an, daß Biggen an dem marmornen Marienaltar und 
Kreuzesaltar, links und rechts des Chores, die noch unter dem unmittelbaren Einflüsse 
Mittas entstanden seien, beteiligt war, daß er ferner Hochaltar und Kanzel unter Lei- 
tung des Architekten geschaffen hat, und daß aus seiner Werkstatt auch die Altäre der 
Heiligen Barbara und des heiligen Antonius hervorgegangen sind. Franz Lorenz Biggen 
ist in den Kirchenregistern der Jahre 1720—26 als „statuarius noster" nachweisbar, 
doch sind nähere Einzelheiten über Herkunft und Leben des Meisters nicht bekannt. 
Bleibaum weist dem Meister Biggen auch die Sandsteinfiguren über dem Portal der 
Kirche (Maria, Augustin, Georg) zu, ferner die in Holz geschnitzte Ornamentik des 
Gestühles, das Marmorepitaph der Familie Fischbeck in der Marktkirche zu Goslar 
und — nach der Ornamentik zu urteilen — auch die in Holz geschnitzte Kanzel der 
Kirche zu Wöltingerode. 

Auf Propst Goeken folgte 1726 Propst Heinrich Eikendorff. Dieser vollendete die 
innere Ausstattung der Kirche und ließ seinem Vorgänger das obenerwähnte Grab- 
denkmal errichten. 1741 erbaute er unter Leitung des Baumeisters Johann Daniel 
Koppel, des Schwiegersohnes Franz Mittas, die Sakristei nebst der dort belegenen 
Kapelle an der Ostseite der Grauhöfer Kirche. Der letzte Propst des Klosters Grauhof, 
Constantin Belling, wurde 1786 auf dem Konvent in Aachen zum General der Windes- 
heimischen Kongregation gewählt. Die Wahl Goekens wie die Bellings zum General 
der Windesheimer Augustiner-Kongregation ist ein Zeugnis für das hohe Ansehen, 
das Grauhof genoß. Belling ließ 1794 das große Altarbild des Hochaltares, Christus am 
Kreuz, von dem Maler Picart (Pickhardt?) aus Wolfenbüttel malen. 

Nach dem Lüneviller Frieden wurde das Bistum Hildesheim von der preußischen 
Regierung säkularisiert. Das Kloster Grauhof ist am 25. Januar 1803 aufgehoben, die 
frühere Klosterpfarre blieb erhalten, so daß die Klosterkirche fortan Pfarrkirche ist. 



Grauhof 79 

Bei der Aufhebung gehörten dem Kloster außer 450 Morgen Wald gegen 2500 
Morgen umliegender Grundfläche, dazu besaß das Kloster viele Meierhöfe, Zehnten 
und Zinsgefälle, so daß sein Einkommen jährlich ein ganz bedeutendes war, 1803 be- 
stand der Konvent aus 24 Klerikern. Nach der Aufhebung des Klosters fand im Juli 
1804 eine Auktion der Effekten des Klosters Grauhof statt, die 1135 Rtlr. ergab. Die 
Auktion dauerte 8 Tage. „Bei der Auktion", so schreibt der unbekannte Chronist des 
Klosters (im Kath. Sonntagsblatt 1868), „waren viele Juden, — Zinn gekauft ganze 
Säcke voll, die Judenweiber hüteten die Sachen." Ein Grundplan des Königlichen 
Domänenamtes, 1804 von C. F. Belwe aufgenommen, zeigt uns die damalige Kloster- 
anlage (Taf. 25). Dieser Plan wird ergänzt durch einen Situationsplan, den 1828 
E. Willig anfertigte. (Beide Pläne in der Kartensammlung des Staatsarchivs Hann.) 

In der westfälischen Zeit erhielt der französische General le Marrois Grauhof von 
Napoleon als Geschenk. Der General tat nichts für die Erhaltung der Gebäude; so 
stürzte 1815 zur Zeit der Schlacht bei Waterloo das Dach auf dem Westflügel des 
Klosters herunter, darauf wurde dann der ganze Flügel abgerissen. Die wertvolle 
Bibliothek des Klosters stand mehrere Jahre offen, und die Leute holten zu mancherlei 
Bedarf die Bücher heraus. Der letzte Rest (ein Einspänner-Fuder voll) wurde für 50 Rtlr. 
an Pastor Koppe in Döhren verkauft. 1815 kam Grauhof an Hannover, das nun das 
Klostergut dem Allgemeinen Hannoverschen Klosterfonds eingliederte. Das heute 
449 ha große Klostergut ist seitdem verpachtet. 

BESCHREIBUNG: Inmitten des mauerumzogenen Klosterbezirks ragt die den 
inneren Klosterhof an der Nordseite begrenzende Kirche mit dem im südlichen 
Winkel am Chor liegenden hohen Glockenturm stattlich empor (Taf. 26 a u. b). 
Der Klosterhof wird durch die zweigeschossigen ehemaligen Versammlungs- und 
Wohnräume der Konventualen und durch das Priorenwohnhaus begrenzt. Der 
Westflügel fehlt seit 1815. Der Ostflügel und ein Teil des Südflügels sind durch 
Scherwände abgetrennt, sie dienen zu Wirtschaftszwecken des Klostergutes. 
Im Südflügel die Pfarrwohnung (Abb. 28, vgl. Taf. 25). 

Die Kirche ist das Werk eines Italieners, des Franz Mitta aus Mailand; diese 
Tatsache erklärt die in Niedersachsen ungewöhnliche Weiträumigkeit. Der Bau- 
meister zeigt sich in der Gestaltung des bedeutenden Kirchenraumes als Architekt 
von Größe: in der Grundform stellt die Kirche eine geschickte Verbindung zwischen 
einer einschiffigen Kirche mit Seitenkapellen und einer dreischiffigen Hallenkirche 
dar. Der Mittelteil ist mit drei Kreuzgewölbeli zwischen Gurtbögen überdeckt. 
Die Seitenteile sind durch je zwei in voller Höhe entwickelte Zungenmauern (in der 
Art von nach innen gezogenen Strebepfeilern) in drei mit quergeslellten Tonnen 
überwölbten Rundbogennischen gegliedert. Der eingezogene Chor ist im westlichen 
Teile mit einem Kreuzgewölbe, im östlichen mit einer Tonne überdeckt. Hinter 
dem Chore ein schmaleres, als Sakristei dienendes Altarhaus über rechteckiger 
Grundfläche, überdeckt mit drei Kreuzgewölben in Höhe der Schiffsgewölbe (1741 
hinzugefügt). Unter dem Chor und Altarhaus eine kryptenarlige ehemalige Gruft, 
die, wie Treppenansätze zeigen, einst mit dem Schiff in Verbindung stand, jetzt 
aber, nur von außen zugänglich, zu Wirtschaftszwecken des Gutes dient (vgl. die 
ähnliche Anlage in Lamspringe, Kr. Alfeld). Infolge dieser Gruftanlage ist der 
Chor gegenüber dem Schiff erhöht. 

Aufgehendes Mauerwerk aus Bruchsteinen auf Werksteinsockel. In der Fläche 
der nördlichen Langseite (Taf. 26a) glatte, schlanke Wandpfeiler aus scharrierten 



80 Graiihof 

Sandsteinquadern. Sockel als aUische Basis profiliert. An den Ecken verkröpft. 
Dorische Kapitale. Darüber das kräflige, aus Rundstab, Platte und Sima be- 
stehende Hauptgesims. In den seliiiclilcn Wandflächen unlen je ein rundbogiges 
Fensler mit Werksleingewänden, darüber, noch unterhalb des Ilaupigesimses, je ein 
kreisförmiges Fenster. 

Die Westseite ist durch gleiche Wandpfeiler, wie die oben beschriebenen, 
in ein breites Mittelfeld und 2 schmale Seitenfelder gegliedert. Das Mittelfeld mit 
zwei flachbogigen und zwei darüber befindlichen rundbogigen Fenstern. In der 
Achse ein Porlal (1711), dessen rund bogige Öffnung von zwei dorischen Wand- 
pfeilern beseilel ist. Diese tragen eine an den Ecken verkröpfte flachbogige Be- 
krönung (Taf. 27c). Auf den Ecken zwei Putten, Wappen haltend. Links das 
Wappen des Propstes Goeken, unter dem die Bauausführung stattfand, rechts das 
des Mutter-Stifts auf dem Georgenberge bei Goslar. Im mittleren Felde des Frieses 
eine nur teilweise lesbare Inschrift, im Grunde der Segmentbekrönung: ,,AD 
MAIOREM DEI GLORI AM / EXSTRVGTVM A BERN ARD GOEKEN 
1711." Oberhalb des Portals drei Nischen, deren mittlere, größte, von jonischen 
Pfeilern mit f lachbogiger Bekrönung umrahmt und mit Muschelornament geschlossen 
ist. In der Mittclnische: Maria Immaculata auf der Mondsichel, links Augustin, 
rechts Georg mit dem Drachen, in Vollfiguren (beschädigt). Wahrscheinlich Werke 
von F. L. Biggen. Material vielleicht Holz? (Bleibaum, Bildschnitzerfamilien 
S. 229.) Doppeltür in Rautenmuster aufgeteilt. 

Oberhalb der Tür und der seitlichen Fenster unter dem Hauptgesims ein 
größeres mittleres und zwei seitliche, kreisförmige Fenster. Der hohe Dreieck- 
giebel aus Bruchstein ist von einem den Langseiten gleichen Hauptgesims um- 
zogen; er enthält nur ein eiförmiges (zugemauertes) Fenster. Gegen die Südwand 
legt sich der nördliche Flügel des Kreuzganges, dessen Dach die gleiche Neigung 
wie das Schiffdach besitzt, aber erst unterhalb des Hauptgesimses ansetzt; Fenster 
und Türen hier rechteckig umrahmt (Taf. 27a). 

Im Ostteil hat die Kirche infolge des nur in der Breite des Mittelraumes 
w^eitergeführten Chores und des Sakristeianbaues eine etwas andere Ausbildung 
erfahren. Die Umfassungswände sind hier, da der First des Schiffes in unver- 
änderter Höhe durchläuft, bis an die Giebelschrägen hochgeführt und haben noch 
an den drei freien Seiten je zwei halbkreisförmige Fenster erhalten. Das beschieferte, 
mit einigen kleinen Erkern versehene Dach ist nach Osten abgewalmt (Taf. 26a). 

Der nach außen zweigeschossige Sakristeianbau ist etwas niedriger als der 
Chor. Der First seines Walmdaches liegt unterhalb des waagerechten Hauptgesimses 
des Chores. Nord- und Südseite sind wie die Schiffswände ausgebildet, während 
die Ostseite die am reichsten behandelte Wand des ganzen Gebäudes ist. Außer 
den Ecklisenen ist noch eine Mittellisene angeordnet, auch haben die vier großen, 
rundbogig geschlossenen Fenster hier [geschwungene mit Engelsköpfen verzierte 
Verdachungen und gegliederte Sohlbänke auf Konsolen und Muschelwerk. 

Flachbogige, mit schweren auf kräftigen Konsolen ruhende Gesimse über- 
decken die zwei Portale der Ostseite, von denen das nördliche bis auf ein Ober- 
licht vermauert ist (Taf. 27 d). Auf der hier angebrachten 0,50x1,12 m großen 



Grauhof 



81 



I n sc hilf t platte die Inschrift: „georgIo patrono sVo / qVI / LapIDes 
IsTos sVo rVre / DonaVIt / reDonans CLIentes." (Chronogramm 1731.) 




m- 



ö. 



srAiz 



VIRTSCHAFTSRÄUM E 



ja,R7i:n,\nlage 



VORRÄTE 



t-ULCHSTUBE 
□ 



PFARRWOHNUNG 





VORRATSRÄUMT DES KLOSTERGUTZS 



Abb. 28. Grauhof, Grundriß der Kirche und des Klosters (l:ö()() fv. Rohr und Kiecker]. 



Südlich grenzt ein schmaler Malierstreifen an die Ostseite mit zwei flach- 
bogigen mit Sandsteingewänden umrahmten Fenstern, von denen das untere ver- 
mauert ist. Der Mauerstreifen stößt gegen eine parallel zur Längsachse der Kirche 
gerichtete, in Verzahnung abgebrochene Werksteinmauer. 

11 



32 Grauhof 

Der unten eingebaulr, oberhalb des Schiffsdaches frei entwickelte Glocken- 
turm über quadratischer Grundfläche schließt sich dem Baucharakter des Schiffes 
an. Quaderecken, Gurt- und Hau[)lgesims aus Sandstein. Geschweifter, beschie- 
ferter Helm mit Dachgauben, Knauf und Wetterfahne (von 1713). In den Wand- 
flächen kleine rechteckige Fenster, in Höhe der Glockenstul)c' an jeder Seite eine 
große rundbogige Schallöffnung (Taf. 26b und 27a) 

Das Innere (Taf. 28). Die das Langscliiff in bedeulcndcr Höhe über(h'ckenden 
Kreuzgewölbe sind durch schlichte Gurte und profilierte Diagonalrippen aus Stuck ( ?) 
gegliedert, die auf dem rings um den ganzen Raum geführten, aus Architrav, Fries 
und Abschlußprofil zusammengesetzten Kämpfergesims ruhen (Abb. 29). 

In der Mitte der Wandfelder ist das Kämpfergesims mit breiten, von Putten 
gehaltenen Kartuschen geschmückt, die vier verkröpften Gesimsstücke über den 
die Querwände abschließenden etwa 10 m hohen Pfeilern mit den Brustbildern 
der zwölf Apostel. Ähnliche Bildwerke über den Eckwand vorlagen an der Ost- 
und Westwand, neben der Orgel und dem Triumphbogen, ferner unterhalb des 
letzteren selbst und unter dem Quergurt des Chorgewölbes. 

An der Stirnfläche des Triumphbogens eine reiche Stuckarbeit, Putten tragen 
Stoffgehänge, wie einen gerafften Vorhang. Im Scheitel auf einer von zwei Putten 
gehaltenen Kartusche das Monogramm I • H • S. 

Außer den schon bei der Beschreibung des Äußeren erwähnten Fenstern sind 
im Inneren noch auf der Südseite des Langschiffes drei kreisförmige Fenster unter 
den drei Tonnen der Seitenkapellen, in der südlichen Chorwand eine flachbogige 
Tür und drei rechteckige Fenster angeordnet; sämtliche Fenster schmucklos, 
schlicht umrahmt. 

Eine breite zwölf stuf ige Treppe aus Sandstein führt in zwei durch ein Podest 
unterbrochenen Läufen zum Chor. Wangen aus eckigen Docken mit Deckplatten 
aus farbigem Marmor. Auf den mit Rankenwerk und Fruchtgehängen geschmückten 
sechs Pfosten (Taf. 29b) große polierte Marmorkugeln. Am Austritt kurze seitliche 
Balustraden mit kleinen Standbildern Heinrichs des Heiligen und des heil. Benno 
(H. 1 m), (Taf. 35 b). 

In der Südwestecke führt eine zwölf stuf ige Stein treppe mit schräg gezo- 
genem und mit Marmorkugeln auf den Pfosten versehenem Dockengeländer zum 
Kreuzgang. 
Ausstattung : 

Der im Jahre 1717 geweihte reichgeschnitzte Hochaltar (Taf. 30a) füllt 
die ganze Abschlußwand des Chores. Das die Kreuzigung darstellende Mittelbild 
(Ölgemälde) ist von zwei mittleren schräggestellten Säulenpaaren eingefaßt. Ober- 
halb des halbrunden Abschlusses im ovalen Schild das Goekensche Wappenbild 
(Baum), ferner die fünf türmige alte Kirche auf dem Georgen berge und der 
Goslarsche Adler. Als seitlicher Abschluß, Durchgänge freilassend, wiederum je 
eine mit einem übereckgestellten Wandpfeiler gekuppelte Säule auf Sockel und 
Unterbau. Zwei weitere seitliche Säulen an der Hinterwand tragen in Verein mit 
den vorderen das vielfach verkröpfte schwere Gebälk und die segmentbogigen 
Giebelanfänge mit sitzenden, die vier Kardinaltugenden versinnbildlichenden 



Grauhof 



83 



Gestalten. Der sehr bewegte Aufbau darüber, der den Raum bis unter das Tonnen- 
gewölbe einnimmt, enthält als Mittelpunkt die große vergoldete, von drei Engeln 
getragene Weltkugel. Auf ihr Gottvater und Christus, über denen die Taube 
schwebt. Als Bekrönung drei Monogramme in Strahlenkränzen. Putten und Akan- 
thus])lätter beleben außerdem den Aufbau. 




Abb. 29. (irauhof, Katholische Kirche, Querschnitt (1:250). 



Zwei große Vollfiguren, links Augustin, rechts Georg mit dem Drachen, 
stehen vor den seitlichen Säulen. 

Die glatten Schäfte der Säulen und die Sockel sind marmorartig, farbig be- 
malt, sonst ist das Hclzwerk vorherrschend in Gold und Weiß gestrichen, das Wappen 
stark farbig. In den hinteren, dem Beschauer abgewendeten Teilen sind die Orna- 
mente teilweise nur aufgemalt, nicht geschnitzt. Da hier die Jahreszahl 1779 an- 
gemalt ist, wird die farbige Behandlung des Altares erst in diesem Jahre erfolgt 
oder beendet sein. 



84 Grauhof 

Das große auf der Mitte des Allarlisehes stehende Tabernakel (Taf. 31b) 
mit zierlichem, durch Putten belebten Schnitzwerk enthält ein kleines Kruzifix, 
darüber eine Monstranz im Strahlenkranz und als Bekrönung den segnenden 
Christusknaben mit der Wellkugel. Füllungen der Pilaster und der Sockel mit 
Bandelwerk im Regenccstil. An der inneren Verkleidung der Expositionsnische 
(äußerlich nicht bemerkbar): ,,Ao 1775 XXII July Renovatum Sub. custode Leo- 
poldo Droge." ,,Ao 1797. 4te Octobri operibatur ex hac parte sub custode I. A. 
Krüger." ,,Anno 1862 26. Augusti operibatur ex hai parte sub custode pastore 
Engelkc in eodem tempore altare plave renovatum est a serini ario Eduardo Busch 
et a picture Voges enne socius." (Inschriften nach Mitteilung des Bildhauers Fr. 
Buhmann, Hannover.) 

Das holzgeschnitzte Antependium zeigt Rokokoornamente. 

Die Durchblicke nach der zweifensterigen Ostwand sind durch rote Vorhänge 
mit Zackengehänge im Regencecharakter geschlossen. 

Beiderseits des Choraufganges Seite naltäre mit hohen Rückwänden aus 
grauem und weißem Marmor (vgl. Taf. 28), die wahrscheinlich Werke Franz Lorenz 
Biggens sind. H. 8,30 m, B. 5,6.t m. 

Der (nördliche) Verkündigungsaltar (Tafel 32a) enthält über einem aus röt- 
lichem Marmor gearbeiteten Altartisch mit Sandsteinplatte im Mittelfelde die Dar- 
stellung der Verkündigung in Hochrelief, daneben zwischen je 2 glatten korinthischen 
Säulen die lebensgroßen Vollfiguren Johannis des Täufers und Johannis des Evange- 
listen. Die Säulen auf doppeltem Sockel tragen vielfach verkröpftes und geschwun- 
genes Gebälk mit ebenfalls geschwungener Bekrönung, deren flachbogiges Mittel- 
stück das frei davorgeheftete Wappen des Klosters Georgenberg enthält. Auf 
den Ecken des Aufbaues zwei sitzende Engel zwischen zwei freistehenden weib- 
lichen Heiligenfiguren (St. Sira links und St. Ursula rechts). Im ovalen Flachrelief 
die Geburt Christi. Als Bekrönung Maria Himmelfahrt. Figuren, Reliefs und alle 
Zierate aus weißem, die Architekturteile aus grauem Marmor. 

Der (südliche) Kreuzaltar ist in ganz ähnlicher Weise gebaut wie der nörd- 
liche. Hauptbild: Maria, Johannes und Magdalena am Fuße des Kreuzes, zwischen 
den Säulen: links Petrus (Taf. 31a), rechts Paulus. Wappen des Propstes B. Goeken 
mit den Buchstaben B. G. P. und der Jahreszahl 1718. Rundbild im Aufbau: 
Pieta. Seitenfiguren: Maria Magdalena und Veronika, ferner zwei trauernde Engel 
mit den Leidenswerkzeugen. Als Bekrönung der Auferstandene. 

Zwei ähnliche Altäre, der Barbara- und der Antoniusaltar, wahrscheinlich 

auch von F. L. Biggen, aus grauem und weißem Marmor, doch von geringerer 

Breite und nischenartig gebaut, befinden sich in den westlichen Seitenkapellen. 
Maße: H. 7,54 m, B. 3,70—3,90 m. 

Der (nördliche) Barbaraaltar enthält im Mittelfelde Barbara mit Schwert 
und Palme in modischer Tracht neben einem Turm. Über der Figur zwei schwe- 
bende, einen Kranz haltende Engel. Seitlich links Nikolaus mit drei Kindern in 
einer Wanne, rechts Martin mit einem Bettler; beide Figuren auf sehr knappen 
Sockeln. 



Grauhof 85 

Im Mitlelbild des Oberteils Barbara, von Flammen getragen, über ihr Engel 
mit Palme und Kranz. Auf den Konsolen und Gesimsen Putten und Vasen, als 
Bekrönung ein von zwei Engeln bekränztes Kreuz. 

Der (südliche) Antoniusaltar (Taf. 32b) zeigt im Mittelbild Antonius, vor 
dem in Wolken erscheinenden Christuskinde kniend, das von der Himmelskönigin 
und Engeln umgeben wird. Als Seitenfiguren links Agatha mit ihren abgeschnittenen 
Brüsten auf einem Teller, rechts Apollonia mit einer Zange. Die Figur der Agatha 
ist am Sockel mit dem Namen ,,I. GATTONE" bezeichnet*). Als oberes Mittel- 
bild die Himmelfahrt des heil. Antonius. Das übrige Beiwerk entspricht dem 
nördlichen Altar. 

In den mittleren Kapellen der Nord- und Südwand sind zwei ganz abweichend 
von den vorbeschriebenen gestaltete Altäre aufgestellt. Über den aus rötlichem 
Marmor gearbeiteten Tischen reichgeschnitzte unbemalte, gewachste hölzerne Rück- 
wände im Knorpelslil. Ganze H. etwa 4,55 m, Br. 2,35 m, Altartisch H. 1,20 m. 

Der nördliche dieser Altäre, der Marienaltar (Taf. 33a), mit einem von 
A. Klemme 1869 gemaltem Ölbild, Maria mit dem Kinde, daneben ein anbetender 
Knabe, in Frühbarockrahmen, dessen Gesims von zwei sehr bewegt modellierten 
weiblichen Tragefiguren (Verkündigung, links der Engel, rechts Maria) gestützt wird. 
Auf dem Gesims links die Anbetung der Hirten, rechts die der Könige. In der 
Mitte das frei geschnitzte Wappen von Horde mit der Inschrift im Spruchbande: 
„GEORG V. HORDE DROST ZU WIEDELAG V. STEINBRÜCK 
AO 1670." Als Bekrönung die Maria Immaculata mit sieben kleinen, in Wolken 
spielenden Engeln. 

Der (südliche) Passionsaltar (Taf. 33b), aus gleicher Zeit slammcnd, ist 
dem nördlichen sehr ähnlich, aber etwas ruhiger in den Formen. Neben dem von 
A. Klemme 1869 gemalten Hauptbilde (Beweinung Christi durch zwei Engel) 
links der leidende, gefesselte Christus, rechts Pilatus. Als kleinfigurige Gruppen 
auf dem Gesims die Kreuztragung, als Bekrönung die Kreuzabnahme. 

Die Kanzel, ein außerordentlich reiches Werk im Regencestil, wurde, wie der 
Hochaltar, unter Leitung Fr. Mittas, des Erbauers der Kirche, laut Inschrift am 
Kanzelrücken ,,Anno 1721" hergestellt (Taf. 28). Sie ist nicht direkt von der Kirche 
aus zu erreichen, sondern vom nördlichen Kreuzgange, von wo mittels einiger 
Stufen ein horizontaler Gang an der Ostwand der Kapellenmauer zur Kanzel 
führt. Die Brüstung des Ganges ist genau wie die der Kanzel selbst mit üppigem 
Schnitzwerk bedeckt und durch Pfeilervorlagen mit stark gekröpften Gesimsen 
gegliedert. Das Unterstück bildet die Fortsetzung des birnförmigen Konsolprofiles 
des Kanzeluntersatzes und ist wie dieser durch gut gezeichnete, dem Profil ent- 
sprechende Voluten geteilt (Taf. 29b). Am Wandübergang die öfter in der Kirche 
vorkommenden Wappen des Georgenbergklosters und des Propstes Goeken (Baum). 
In den mit Muschelnischen ausgestatteten abgerundeten Kantender Kanzelbrüstung 
(Taf. 34a) die vier Evangelisten in Vollfigurcn. Schnitzwerk füllt auch die Brüstungs- 



*) Es muß offen bleiben, ob sich hier der Künstler oder sonst irgend jemand ver- 
ewigt hat. Nach Mitteilung des Pastors trug der erste Lehrer in Grauhof diesen Namen, 
der übrigens auch im Literaturverzeichnis vorkommt. 

12 



86 



(irauhof 



füllungcn, Pilaster und Konsolen. Ähnlich reich ist die Vertäfelung der Stirnseile 
des Wandstücks /wischen der Brüstung und dem Schalldeckel. Besonders wir- 
kungsvoll der zweigeschossige Schalldeckelaufsatz, an dessen Unterseite eine Taube 
schwebt (Taf. 34b). Die Grundform isl die gleiche wie die der Kanzelbrüstung. 
Gesimse .stark gekröpft. Im Untergeschoß sechs sitzende männliche Heilige: ein 
Bischof, Ambrosius, Gregor d, Gr., Augustinus Hicronymus, ein Heiliger in Domini- 
kanertracht mit Bischofsstab, ohne Ilul (Thomas von Aquino?), deren Symbole von 
beigegebenen Engeln getragen werden. Zwischen zweiea von ihnen Christus. Im 
Obergeschoß Putten mit Symbolen aus der Lauretanischcn Litanei. Als Be- 
krönung Maria mit der Lilie. 

Die ganze Kanzel ist farbig sehr geschickt behandelt. Hauptgliederungen weiß, 
Füllwerkc gelblich marmoriert. Dadurch erscheint die Vergoldung ungleich reicher, 
als sie wirklich ist. Ornamente durchgehend vergoldet. 

Taufstein, aus rotgrauem Marmor, H. LL") m, schlicht, achtseitiges Becken 
auf Dockenfuß. Ende 18. Jahrh. 

Orgel, eine der bedeutendsten Niedersachsens, Werk von 42 Registern, 
1737 von Treutmann, Magdeburg, vollendet, im wesentlichen ursprünglich, 1932 
instand gesetzt*), mit klar gegliedertem durch Rankenschmuck reich verzierten 
Prospekt. Zwei Atlanten tragen das seitliche Pfeifenwerk. Fünf musizierende Engel 
beleben die Bekrönung, Bemalung in Weiß und Gold (Taf. 35a). Die Orgel steht 
auf der West empöre, die in geschwungener Grundrißform von acht Holzsäulen 
mit Kompositkapitäl getragen wird (Taf. 29a). An der Brüstung farbig behandeltes 
und vergoldetes Schnitz werk. Auf den Pfosten der Brüstung stehen die überlebens- 
großen, in Holz geschnitzten Figuren eines Triangelschlägers (Asaph?), des Königs 
David mit der Harfe, zu dessen Füßen Krone und Szepter auf einem Kissen, 
und zwei kleine Engel mit Taktstock und Notenblatt (Taf. 35a). 

Chorstühle, zweimal sechzehn an den Längswänden, ein bemerkenswertes 
und bezüghch der gemalten Füllungen inhaltlich bedeutsames Werk der Regence- 
zeit (Taf. 35b). Die vordere Brüstung ist durch frei vortretende Säulen, die Rück- 
wand oberhalb der Sitze durch flache Pfeilervorlagen mit zierlichen Kapitalen und 
verkröpften Gebälken gegliedert und mit einer reichen, geschnitzten, durchbrochenen 
Bekrönung versehen. Die zweimal 35 Füllungen der vorderen Brüstung und der 
Rückwand mit Ölgemälden biblischen und allegorischen Inhalts und lateinischen 
Inschriften, die sich auf die Ordensregel der Augustiner beziehen (vgl. Mithoff, 
Kunstdenkmale III, 78 f.). 

Bankwangen des Gestühls im Schiff reich geschnitzt; Flachpfeiler mit 
korinthischem Kapital, Gebälk und Gesims mit halbkreisförmiger Bekrönung, 
Schnitzwerk im Regencestil (vgl, Taf. 28). 

Beichtstühle beiderseits in den mittleren Kapellen des Schiffes, von denen 
der südliche ganz ähnliche Zierformen im Knorpelstil wie der benachbarte hölzerne 
Altar (s. oben) zeigt, seitlich von zwei gewundenen Säulen mit korinthischen Kapi- 
talen eingefaßt und von einem reichen, durchbrochenen Aufsatz bekrönt. Füllungen 



*) Ausführliches Gutachten über dieses Werk vom Orgelsachverständigen Landes- 
kirchenrat Dr. Mahrenholz bei den Akten des Provinzialkonservators. 



Grauhof 87 

(ier Rückwände, der Seitenwände und der Sprechgitter mit Blumen und Schnörkel- 
werk. Künstlerisch erreicht der etwa 1680 hergestellte Beichtstuhl nicht die Höhe 
der Holzaltärc. (Die Bekrönung abgebildet bei Bleibaum, „Die barocken Schnitz- 
altäre aus der Kirche des Klosters Gra wen hoff", Abb, 3, S. 28). 

Der an der Nordwand stehende Beichtstuhl ist schlicht gehalten und nur mit 
wenigen flachgeschnitzten unauffälligen Zieraten im Rokokostil versehen (19. Jahrb.). 

Vesperbild, aus Holz geschnitzt und bemalt, etwa Mitte 18. Jahrb., unter 
dem Fenster der nordöstlichen Seitenkapelle auf einer großen hölzernen Konsole. 

Zwei kleine Kruzifixe, Holz, barock. Das eine neben der Kanzel (vgl. Taf. 34a); 
das andere auf einem mit Schubladen versehenen Sockel, von dem es abgenommen 
werden kann zur gelegentlichen Befestigung am Hochaltar (vgl. (Taf. 30 a). 

Kruzifix, mit Korpus aus Elfenbein, um 1700, jetzt in der Jakobikirche in 
Goslar, stammt aus Grauhof (vgl. Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, II. 1 u. 2. 
Stadt Goslar, Fig. 142, Seite 150). 

Epitaph des Propstes Bernhard Goeken (gest. 1726), aus grauem und weißem 
Marmor, laut Bezeichnung im« Jahre 1731 vom Bildhauer L. F. Biggen angefertigt, 
in der südöstlichen Seitenkapelle (Taf. 30b). 

Auf doppeltem Sockel die kniende Figur des Propstes unter einem Baldaciiin 
zwischen zwei Engeln und zwei Urnen und vor einer nischenförmig nach oben 
verjüngten Rückwand, deren Krönungsgesims zwischen zwei trauernden Engeln 
das von einem Kreuz überragte Wappenbild mit dem Eichbaum trägt. Inschrift: 
,,Deo oplimo maximo ac aeternae memoriae Rev™' et Amplmi Domini D. Bernardi 
Göeken Paderborno : Corbecensis Canoniae huius per annos 36 Praepositi Con- 
gregat : Windesen : Annis 11 generalis et Aerarii Hilde : Annis 33 Consiliarii 
ubique Laudatissimi, qui praeter coetera aedificia oecononiica templum hoc et 
monasterium e Fundamentis coepit et consumavit atque hie ante Aram sanctae 
crucis Anno 1726 sepultus in Domino quiescit. Epitaphium hoc posuit H. E. P. 
Anno 1731. Sta viator, et utriusque ad aram memento: L. F. Biggen fecit." 

Vor dem Epitaph eine Bronzetafel mit folgender Inschrift: ,,HIG INFRA 
QUIESCIT RMUS ETAMPLÜS DOMINUS D.BERNARDUS GOEKEN 
CONGREGATIONIS W INDE SEME N S I S GENERALIS PRAEPOSI- 
TUS IN GRAWHOFF ET AERARII PUBLIC. HILDESIENSIS CON- 
SILIARIUS UBIQUE MERITISSIMUS • ORA PRO EO." 

Sechs Altarleuchter, aus Messing getrieben, den Ringelheimer Silberleuchtern 
ähnlich (Kandelaberform auf Dreieckssockel), H. 0,69—0,72 m, ferner zwei weitere 
ähnliche, al)er glatt gearbeitete. 

Ewige Lampe, Messing, mit Fruchtgehängen und drei geflügelten Engels- 
köpfen. 

Sechs Blaker in Ovalform, Messing (Ende 18. Jahrb.), im Schiff verteilt. 
Meßgeräte: Meßkelch, Silber, vergoldet, H. 18,3 cm, Kuppa trichterförmig. 
Sechspaßfuß, Knauf birnförmig, sechsseitig. Am Fußteil 12 Porzellanschildchen 
(0 12 mm) mit handgemaltcn Darstellungen von Heiligen, Maria mit dem Kinilo, 
Schweißtuch der Veronika, Barbara, Sebastian usw. Fußrand gebörtelt. Etwa 
Mitte 18. Jahrh. Goldschmiedezeichen 24. 

Die zugehörige Patene, 141/, cm. mit gleichen Zeichen. 



88 Grauhof 

Der zweite Kelch, Silber, vergoldet, H. 20 cm, Sechspaßfuß. Paßbögen 
flach. Kuppa leicht geschweift, Knauf birnförmig, sechsseitig. Unterschrift am 

Fuß: ,,Anno 1719 Sanctae Crucis Ilildesy Canoniae Georgy Montana in 

Grawhoff. D.D." Palenc zum Kelch, 14 cm. 

Monstranz, Silber, teilvergoldet, H. 0,52 m, auf ovalem Vierpaßfuß, 2U/^ x 
17 cm, mit reicher Treibarbeit. Silberzierate auf dem goldenen Strahlenkranz, 
links Auguslin, rechts Georg mit dem Drachen. Oben Gottvater auf der Welt- 
kugel, darüber Taube, Kruzifix mit Engel, Regence, Mitte 18. Jahrh. Goldschmiede- 
zeichen 53. 

Drei Läuteglocken im Turm. Die kleinste die älteste. 0,60 m, unter 
der Haube ein Zierband. Am langen Felde oberhalb einer von einem Oval um- 
schlossenen Kreuzigungsgruppe die Inschrift: ,, JESUS, MARIA, AUGUSTI- 
NUS, GEORGIUS" und die Jahreszahl 1663; ferner „CANONICORUM 
REGULARIUM IN GRAWHOFF", unten „HE I SE MEYER ME FECIT." 

Die große Glocke, 0,83 m, am langen Felde unterhalb einer Kreuzigungsgruppe 
wiederum die obengenannten vier Namen und ,,Josephus". Umschrift: ,,BER- 
NARDUS GOEKEN PRAEPOSITUS IN GRAWHOFF ME FIERI 
FECIT. ECHARDT CHRISTOPH BECKER HILDESIA AO 1713." 
Am Schlagring ein Rankenfries. 

Die dritte Glocke, 0,70 m, unter der Haube Blumenranken als Zierfriese, 
am langen Felde das Bild der Himmelskönigin. Inschrift: RMUS ET AMPLIS. 
DN9 BERNARDUS GOEKEN PRAEP0SIT9 ME ANNO 1714 IN 
HONOREM S. GEORGIUM ARTFIERI FECIT -^ 

Im Pfarrhause werden verschiedene gut gestickte Meßgewänder und Kelch- 
tücher aufbewahrt.. 

1. Kelchtuch, mit Jahreszahl 1716, 0,63x0,68 m groß, aus Seide, reich mit 
Blumen in farbiger Seide und Gold bestickt. Im ovalen Mittelfeld der Christusknabe. 
Rand 4 cm breit aus Gold geklöppelt auf rotem Seidengrund (Taf. 37a). 

2. Kapelle, Kasel vom Jahre 1733, mit reicher Silberstickerei unter spar- 
samer Verwendung von Gold und farbiger Seide auf rotem Grund (Taf. 36 a). Unten 
die Buchstaben H. E. (Heinrich Eichendorf; und P. G. (Praepositus [in] Grauhof). 
Das Kelchtuch (59x60 cm), mit vier Feldern in Applikationsarbeit (Taf. 37b), 
Herz- Jesu auf Krselform und Herz- .Jesu in Landschaften. Grund: rote Seide. 
Silberstickerei, Blumen- und Ranken werk. Ferner eingestickt: P. G., H. E. und 
Jahreszahl 1736. 

3. Kapelle, aus weißer Seide mit reicher Silberstickerei, eingefaßt mit Gold. 
Blumen und Ranken. Zweite Hälfte 18. Jahrh. 

4. Kapelle, 5teilig, rosa Seidengrund, mit Blumen und Blüten bestickt 
(Rose, Nelke), stark farbig. Ende 18. Jahrh. 

5. Kapelle, auf grünseidenem Grund mit zarten Blütenranken in sehr feiner 
Arbeit. Anfang 19. Jahrh.? 

Außer den vorgenannten Paramenten befinden sich noch eine Kasel und 
ein Pluviale in der Jakobikirche in Goslar. Kasel auf rotem damaszierten 
Seidengrund; Kreuz aus weißer Seide, stark farbig mit Regencemustern bestickt. 
In der Mitte Christus im Oval (Ecce homo). Die Kasel ist bezeichnet mit ,,B. G. 



Grauhof 39 

P. 1720" (Taf. 36c). Das Pluviale zeigt auf der Kappa den heil. Georg im Kampf 
mit dem Drachen, rechts die Königstochter, die er durch die Erlegung des Untiers 
befreit, links ein Baum (Taf. 36b). 

An der Mauer, nahe dem Westeingang zur Kirche, ein Kruzifix unter be- 
sonderem Schutzdach. Korpus etwa 1,70 m hoch. 18. Jahrh. 

Oberhalb des südlichen Beichtstuhles ein Ölgemälde (5,00x3,90 m), Taufe 
im Jordan. Mitte 18. Jahrh. Meister? Weitere Ölgemälde im Pfarrhause (St. Mo- 
nika und St. Ubaldus). Ein Gemälde mit Inschrift:. ,,Accurata copia antiquae 
imaginis in Ecclesia St. Stephani prothomartyris Goslariae Ao. 1728. 27 Aprilis 
per incendium consumpta Illaesae. Miraculose conservatae". 2 Bilder: Gang nach 
Golgatha, Ecce homo (1,50x1,44 m). 

In der Sakristei (Rückseite des Hochaltars) Ankleidetische mit Regence- 
aufsätzen. In der Umrahmung St. Johannes mit dem Lamm. 

Von dem einst einen fast quadratischen Hof umrahmenden Kreuzgang 
fehlt das westliche Verbindungsstück zwischen Kirche und Pfarrhaus (vgl. Abb. 28). 
Der östliche Teil ist durch Scherwände abgetrennt und dient jetzt den Wirtschafts- 
zwecken des Klostergutes. Das südliche Stück im Erdgeschoß des Pfarrhauses ist 
gut erhalten ; besser noch das an die Nordwand der Kirche stoßende Stück (Taf. 27b). 
Die mit Stuckrippen versehenen korbbogigen Kreuzgewölbe des Ganges entwickeln 
sich ohne Trenngurte aus der Wandfläche, hier durch reichprofilierte Konsolen 
betont. Im mittleren Joch des Nordflügels ein Stuckbild in Hochrelief, der heil. 
Georg, den Drachen tötend. 

Im Pfarrhause ist auch im Obergeschoß des zweistöckigen Gebäudes der 
Raum über dem Kreuzgang als großer Flur ausgebildet, hier aber mit Balkendecke 
geschlossen. Fenster rechteckig umrahmt. Die an den Flur stoßenden Zimmer 
schlicht, ohne besonderen Kunstwert, aber gut in den Raumverhältnissen. Breite 
Treppe mit Blockstufen aus Eichenholz. ■ 

Das ehemalige, den östlichen Abschluß des Klosterinnenhofes bildende 
Konventualenhaus wird jetzt zu Wohn- und Wirtschaftszwecken benutzt. 
An der Ostseite ein Eingangsportal mit Inschrift: ,,VIVIti-: • Confratres; LIget 
VnIo • MVtVa • patres: paX • In • ea • DVret; sl • stygIs • Ira • fVret • 
BERNARDus ■ GÖEKEN PRAEPosiTus." (Chronogramm 1703). Vor dem Portal eine 
Freitreppe. 

Das jetzige zweistöckige, in Fach werk auf Bruchsteinsockel erbaute Pächlcr- 
wohnhaus unter Schieferdach stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts. Dach- 
geschoß ausgebaut. Erker an der Nord- und Südseite (Taf. 26a und b). 



Grenzler Burg. 

GESCHICHTE: VkI. Einleitung Seite 0. 

BESCHREIBUNG: Die Lage der Burg in einer Senke des Salzgitterschen 
Höhenzuges nahe Othfresen gestattete eine starke Heranziehung des Oberflächen- 
wassers zur Verteidigung, das zu diesem Zwecke in Sanimelgalorien aufgefangen 



90 



Grenzler Burg 



und in einen Stauweiher südwestlich der Burg geleitet wurde. Von hier konnte es 
nach Bedarf zur Speisung des das Kernwerk umzieherden, etwa 15 m breiten 
Innengrabens benutzt werden. Der den Wohnturm in einem Quadrat von etwa 
.•30 m einfassende Wall mit seiner 10—15 m breiten Krone liegt heule 2 — 3 m über 
(irabensohle. Im Slauwoiher und Innengraben stand zur Zeit der Aufnahme das 
Wasser einige Dezimeier .hoch. Die Brücke scheint an der Nordoslseile gelegen zu 







Abb. ;{(). Grenzler Burg. Planskizze (1 : 1500). 



haben, da hier der Wall teilweise durch Bruchsteinmauerwerk verstärkt ist. Zwei 
niedrigere Dammschüttungen in Entfernungen von je 20 m nördlich der Burg 
gestatteten einst weitere Überflutungen an der Talseite. Nach H. Blume: „Engere 
Heimat" ist im Nordosten der Burg noch ein etwa 5600 qm großes fünfseitiges, 
durch Wall und Graben geschütztes Vorwerk erkennbar; die obengenannten 
Dammschüttungen gehören zu den Resten dieses Vorwerks. Das Kernwerk be- 
stand aus einem 10 x 16 m großen festen Hause, von dem jetzt nur noch die Bruch- 
steinreste der etwa 0,80 m dicken Umfassungsmauer rd. 0,75 m hoch über der 
Grabensohle emporragen. Etwa 10. Jahrhundert (Abb. 30). 



91 

Groß-Döhren. 

Evangelische Kirche. 

Quellen: 1. Staats-Arch. Hanii., Akt. Hann. des. 74, Amt Liebenburg, IL, 
G. Id und Hc; desgl., IIL, Akten LX. A 17, 11. — Bibl. H. V. N., Handschrift 317. — 
Plarrarchiv Döhren: Nachrichten über Kirche und Pfarre zu Groß- und Klein-Döhren. 
— 2. U.B. Hild., L, IL, IV., V. — U. B. Goslar, L— V. — U.B. von Saldern, I. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 77. — Blume, Heimat, S. 104, 144 fL — Born- 
stedt, Siedlungen, S. 16. — Gappe, Pfarre Groß- und Klein-Döhren, S. 301 ff. — Dürre, 
Reg. Wallmoden, Nr. 725, 727. — Kayser, Visitationen, S. 151. — Klewitz, Territ. 
Entwicklung, S. 13, 25. — Lüntzel, Alt. Diözese, S. 97; 167, 169, 311, 321. — Mithoff, 
Kunstdenkmale, S. 83. — Mithoff, Kirchen und Kap., S. 3. — Werneburg, Gau und 
Grafschaft, S. 48. — Zobel, Heimatbuch, S. 174 fL 

GESCHICHTE: Über die ältere Geschichte des Dorfes ist wenig bekannt. Im Jahre 
1000 schenkte Kaiser Otto III. seinem Truchseß Esiko drei Hufen in Döhren (,,in 
villa Durnede"), von anderer Hand ist dann noch hinzugefügt „in pago Leriga". Die 
Bezeichnung im Lerigau weist darauf hin, daß unser Döhren gemeint ist. In späteren 
Urkunden finden wir die Namen ,,Durnidi, Thornithe usw. für Döhren. 1278 wird 
der Ort zum erstenmal als ,,magnum Dornede" bezeichnet, vorher muß sich also, 
vielleicht im Anschluß an ein Vorwerk, das Dorf Klein-Döhren entwickelt haben. 

Grundbesitzer in Groß-Döhren war ein Geschlecht von Döhren, das im 14. Jahr- 
hundert als Lehnsmannen der von Asseburg erwähnt wird, ferner die von Burgdorf, 
die hier ein Reichslehen, das ,,zu dem dinghove" gehörte, besaßen (1357). Zobel nimmt 
an, daß im Zusammenhang mit diesem Besitz der von Burgdorf die ,,Burg" bei Groß- 
Döhren stand, die urkundlich nicht belegt ist, wohl aber durch einen Waffenfund, 
der 1917 auf der Höhe der Burg gemacht wurde, als wahrscheinlich angenommen 
werden kann. An der Gemarkung von Groß-Döhren waren beteiligt die Grafen von 
Wohldenberg, deren Besitz 1375 der Marktkirche in Goslar überlassen wurde, die Ritter 
von Wolfenbüttel, von der Gowische, das Domstift zu Goslar usw. Döhren gehörte 
zum Bistum Hildesheim, nach der Stiftsfehde kam es 1523 an Braunschweig- Wolfen- 
büttel, 1643 zusammen mit dem Amte Liebenburg an das Fürstbistum Hildesheim 
zurück, nach dessen Aufhebung 1802 an Preußen. 

Über die alte Kirche in Groß-Döhren fehlen Nachrichten. 1542, als im Schmal- 
kaldischen Kriege Herzog Heinrich d. J. aus seinem Lande vertrieben war, wurde in 
Klein- und Groß-Döhren die Reformation durchgeführt. 

Im 30jährigen Kriege wurde 1626/27 Groß-Döhren durch kaiserliche Truppen 
besetzt und arg mitgenommen. 1629 erschienen Wallensteinsche Reiter und steckten 
viele Bauernhöfe und auch die Kirche in Brand. 44 Jahre lag die Kirche in Schutt und 
Asche; während dieser Zeit wurden die Gottesdienste in Klein-Döhren abgehalten, 
dessen Kirche verschont geblieben war. Die 1629 vorhandene 7 Zentner schwere Glocke 
wurde durch das Sturmläuten beschädigt. Am 16. April 1629 schaffte man die beschä- 
digte Glocke nach Braunschweig und goß sie unter Hinzugabe von 100 Rtlr. in eine 
neue Glocke um. Als 1645 eine Brandschatzung Groß-Döhrens durch die Truppen des 
Colonel Vintus stattfand, wurde die Glocke an einen Juden in Goslar verpl'ünilet, dann 
für 85 Tlr. verkauft. 1653 kaufte man von den Chorherren zu Goslar (welchen ist nicht 
angegeben) eine 2 ]■'■> Zentner schwere Glocke für 60 Tlr. 

1670 endlich nahm man den Neubau der Kirche in Angriff, sie ist 1672 vollendet, 
am Sonntag Rogate wurde die Kirche eingeweiht. Die Mittel für den Bau wurden zum 
Teil durch eine allgemeine Sammlung im Fürstbistum Hildesheim aufgebracht, die 
etwa 100 Tlr. erbrachte. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die Kirclie um- 
gebaut, 1870 der Kirchturm neu errichtet. 



92 Groß-Dühren 

1865 war die einzige Glocke gesprungen, sie wurde im folgenden Jahre umgegossen 
und eine zweite Glocke angeschafft. Die Orgel Laute 1906 Furtwängler & Hammer. 

Das Patronatsrecht stand der Bauernschaft Groß-Döhren selbst zu. „Die Pfarr 
wirdt von den 4 elteslc Mennern, in bcden Dorffern verliehen, hat 4 Hove Landes in 
Groten Döhrn" (1566 im Liebenburgischen Erbregister). Am l-lnde des 17. .Jahrhunderts 
nahm der Fürstbischof von llildeslieim das Patronalsrecht für sich als Landesherr in 
Anspruch, aber die Gemeinde protestierte heftig und der Amtmann der Liebenburg 
bestätigte das Patronatsrecht der Gemeinde, doch wird in einer 1803 angefertigten 
Beschreibung der Hildesheimer Ämter die Familie von König als Patron bezeichnet, 
der Zehnte stand damals je zur Hälfte den von Rössing und von Uslar zu. 

Das Pfarrhaus wurde 1625 unter dem Pastor Georgius Vilterius erbaut. Die Ge- 
meinde hatte dieses Haus zum Preis von 403 Gulden 12 Mariengroschen von dem Amts- 
schreiber zu Liebenburg, Ambrosius Behem, auf Abbruch gekauft und ließ es in Groß- 
Döhren wieder aufbauen. 1626, nach der Schlacht bei Lutter am Barenberge, als die 
Kaiserlichen den besiegten, fliehenden Truppen König Christians folgten und Tilly 
auf der Liebenburg Quartier nahm, wurde auch Groß-Döhren von den Kaiserlichen 
besetzt und das Pfarrliaus ebenso wie die Bauernhöfe verwüstet. 1627 drangen Kroaten 
aus dem Heere Pappenheims, der damals Wolfenbüttel belagerte, in Groß-Döhren ein 
und verwüsteten das Pfarrhaus aufs neue. 1636 wurde es notdürftig wiederhergestellt, 
aber 1641 anläßlich der Einnahme der Liebenburg durch kaiserliche Truppen wiederum 
beschädigt. 1712 ist dann das Pfarrhaus für 200 Tlr. von Grund auf ausgebessert. 

BESCHREIBUNG: Eine Inschrift im Putz der Südseite der Kirche in Groß- 
Döhren besagt, daß die ,, Reparatur der Kirche im Jahre 1836" erfolgt und die 
,, Kirche verputzt" sei. Teile des älteren Baues von 1670 — 72 sind dabei wieder 
benutzt; so ist an der Südseite unter dem Putz eine Türumrahmung mit geradem 
Sturz vorhanden. Der Turm, dessen Wände im Erdgeschoß 1,20 m dick sind, 
erhielt 1870 eine neue Schale aus Werkstein um den älteren Kern. Turmabmessung 
7,56x6,08 m. 

Schiff (Maße: 9,48x19,60 m) mit gerader Ostwand. Umfassungswände aus 
Bruchstein. Fenster rundbogig (Taf. 38 a). Das Innere ist schlicht. 
Ausstattung : 

Kanzel, schmucklos, über dem Altar. 

Taufstein, H. 1,03 m, Pokalform. Becken achtseitig, Fuß vierseitig, mit 
vom Quadrat zum Achteck überleitender Blattverzierung an den Ecken. Am Fuß 
die Jahreszahl 1760. 

Kronleuchter, Messing. Zwei Ringe übereinander, oben mit 3, unten mit 
6 ausladenden Armen. Mitte 19. Jahrh. 

Kronleuchter, Messing, 1870er Jahre. 

Zwei Altarleuchter, Bronze, H. 27 cm, Dorn angegossen, 5 cm lang. Von 
spätgotischer Form. Inschriften am Fuße (Barockschrift): ,,M. Michael Ülener 
1672" und ,,Anna Elisabet Ülener 1672." 

Altarkreuz, Silber, mit 20 cm h. Korpus, etwa 1830er Jahre. 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Silber, vergoldet, H. 22 cm. Kuppa anscheinend 
jünger, Fuß rund, Knauf birnförmig gedrungen. Unter dem Fuße: ,,G. Haar- 
nagel". Ende 17. Jahrh. Goldschmiedezeichen 18. 

. Patene, Silber, 13,25 cm. Am Rande: ,, Georg — Hartmann" beiderseits 
eines Wappens (im Kreise) mit der Jahreszahl 1672. Wappenbild: Herz mit Pfeilen, 
darüber Rose. Als Helmzier ein Mann. Goldschmiedezeichen 27. Weihekreuz 7. 



Groß-Döhren 93 

Glocke, 0,90 m, mil Inschrift unter einem Zierband: „GEGOSSEN 
VON I.H.BARTELS IN HILDESHEIM 1866." Darunter: „ICH RUFE 
DIE LEBENDIGEN ZUR BUSSE / UND DIE TODTENZUR RUHE." 
Darunter ein Kruzifix. Auf der Rückseite: „KIRCHEN VORSTEHER IN 
GR. DÖHREN. FR. GESTERN PASTOR / HEIN. BIEWENT. FR. 
HARTMANN. KARL RÜHE. CHR. SOTT." Der Klöppel ist mit E.H. 
gestempelt. 

Glocke, 0,72 m, trägt unterhalb eines Rankenfrieses (Reben) die Inschrift 
am langen Felde nur einseitig: „GEGOSSEN VON LH. BARTELS IN 
HILDESHEIM 1866. WENN IHR HÖRET MEINEN SCHALL: / 
KOMMT ZUM HAUSE GOTTES / FOLGET ABER ÜBERALL AUCH 
DER STIMME GOTTES." 



Groß-Flöthe. 

Evangelische Kirche. Windmühle. 

Quellen: 1. Staats-Arch. Kann., Akt. Hann. des. 74, Amt Liebenburg, II,, 
G. Ih. — Bibl. H. V. N., Handschrift 317. — Arch. Gos]., Copiale Closter Neuwerk, 
XIV., pag. 5L — Pfarrarchiv Groß-Flöthe, Chronikbuch; Kirchl. Bauakten 1858, .59. 
— 2. U.E. Hild., I.— VI. -— U.E. Goslar, II. — Sudendorf, IV. — U.E. von Saldcrn. 
L, III., IV. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 39, 73. — Blume, Heimat, S. 102, 176 ff. - 
Bode, Uradel, S. 153. — Curs, Gaue, S. 2. — Dürre, Reg. Wallmoden, Nr. 128, 275. 
286, 569, 725, 727, 1040. — Hüttebräuker, Erbe Heinrichs d. L., S. 55, 73. — Kauf- 
mann, Kaiserpfalz Werla, S. 30. — Kayser, Visitationen, S. 137, 148. — Lüntzel, Alt. 
Diözese, S. 171, 249 ff. — Machens, Archidiakonate, S. 18, 32, 56, 219, 235, 284. — 
Mithoff, Kunstdenkmale, S. 83. — Mithoff, Kirchen und Kap., S. 4, 14, 17, 33. — 
Oehr, Ländl. Verhältnisse, S. 9. — Zobel, Heimatbuch, S. 119 ff. 

GESCHICHTE: Der Name ,,Flathi" kommt zum ersten Male vor in der Urkunde 
König Heinrichs II. im Jahre 1013, als er auf der Königspfalz Werla das Stift Heiningeu 
in seinen Schutz nimmt. Unter den Gütern, mit denen Heiningen ausgestattet wurde, 
wird auch Flöthe erwähnt. Ein Geschlecht der freien Herren von Flöthe erscheint 1142 
mit Albertus de Flatide, der als Zeuge einer Urkunde Bischof Bernhards für das Kloster 
Dorstadt mitwirkt. In der Stiftungsurkunde des Klosters Dorstadt 1189 finchMi wir, 
wie aus der Zeugenreihe zu entnehmen ist, die Familie noch als freie Herren, später 
ging sie in die Ministerialität der Hildesheimer Bischöfe über, im 15. Jahrhundert ver- 
schwindet die Familie aus den Urkunden. Ende des 12. Jahrhunderts (1178) wird zuerst 
,,Ostflotethe", d.i. Klein-Flöthe, unter den Eesitzungen des Klosters Heiningen angeführt. 
Die Kirche in Groß-Flöthe gehörte zum Archidiakonal Barum, ihr war auch die 
Gemeinde Ohlendorf eingepfarrt, bis diese sich 1147 eine eigene Pfarrkirche gründete. 
Der Grund und Boden in Groß-Flöthe gehörte größtenteils den benachbarten Klöstern 
oder einigen ritterlichen Familien. Grundeigentümer waren die Klöster Heiningen 
Bingelheim, Dorstadt, Sleterburg, Neuwerk in Goslar, Wöllingerode und neben den 
Herren von Flöthe, die nach 1200 als Lehnsleute der Hildesheimer Eischöfe erscheinen, 
die Familien von Salder, von Wallmotlcn, von Schwicheldt, von Weferlingeii, von 
Oberg, Von Bortfeld usw. 1803 stand der Zehnte je zur Hälfte dem Stift Heil. Kreu/ 
in Goslar und den von Broik in Braunscbweig zu. 



94 GrolJ-Flöllic 

Die Kirche in Groß-Flöthe wird 1147 zuerst erwähnt, als sich die Kirche zu Ohleii- 
dorf von ihr abzweigt. 1304 wurde die Kirche zu Groß-Flöthe dem Kloster Neuwerk 
in Goslar einverleibt, Bischof Siegfried von Hildesheim vertauschte das Patronat zu 
Groß-Flöthe an das Kloster Neuwerk gegen dessen Anrechte an das Patronat der Kirche 
in Groß-Mahncr, das bislang abwechselnd mit dem Bischof ausgeübt wurde. In einer 
nach 1800 angefertigten Beschreibung der Hildcsheimer Ämter wirfl die Familie von 
Cramer-Clausbruch als damaliger Patron bezeichnet. Nach der Hildcsheimer Stiftsfehde 
kam 1523 Groß-Flöthe an Herzog Heinrich den Jüngeren von Braunschweig-Wolfen- 
büttel; nachdem dieser 1542 aus seinem Lande vertrieben war, konnten die Visitatoren 
des Schmalkaldischcn Bundes die lutherische Lehre einführen. Nach dem Visitations- 
protokoll versorgte damals der Pfarrer zu Groß-Flöthe auch das Dorf Callbecht (nördlich 
der Grenze des Kreises Goslar-Land im Amte Wolfenbüttel). Die Visitatoren schlugen 
1544 vor, Groß- und Klein-Flöthe zusammenzulegen zu einer Pfarre, da beide Dörfer 
nahe beieinander lägen und ,,lutken flot ist ein klein Dorf". p:rst 1916 wurden Groß- 
ünd Klein-Flöthe zu einer Pfarre vereinigt. 

Mit dem Regierungsantritt des Herzogs .Julius 1568 hörten die Schwierigkeiten, 
die Herzog Heinrich d. J. der neuen Lehre, nachdem er zurückgekehrt war. bereitete, 
auf. 1643 kam Groß-Flöthe an das Bistum Hildesheim zurück. 

Am 8. Juni 1726 äscherte ein großer Brand fast das ganze Dorf, einige auswärts 
gelegene Gehöfte ausgenommen, ein, auch die Pfarre brannte nieder. Bei diesem Brande 
sind die älteren Kirchenbücher vernichtet. Von der Kirche blieb, der Überlieferung 
nach, der Turm erhalten. 1858/59 wurde die Kirche zu Groß-Flöthe gründlich er- 
neuerL 

BESCHREIBUNG: KIRCHE. 

Die Kirche in Groß-Flöthe war um die Mitte des vorigen Jahrhunderts durch 
Anlage großer rundbogiger mit Backstein umrahmter Fensteröffnungen, Putz 
der Wände und Umbau des Chores so umgestaltet worden, daß sie — mit Aus- 
nahme des mittelalterlichen Turmes — den Eindruck eines im vorigen Jahr- 
hundert entstandenen Bauwerks machte. Erst bei der Instandsetzung des Jahres 
1927 zeigte sich nach Entfernung des Putzes das romanische Gefüge des Mauer- 
werks, an einigen Stellen ,,opus spicatum" und verschiedentlich vermauerte 
rundbogige Fensteröffnungen (Taf. 39a). Besonders wertvoll war die Freilegung 
des ursprünglichen Eingangsportals an der Nordseite (Taf. 39b). Die Tür- 
breite betrug im Lichten 1,05 m, die Höhe 1,93 m. Die rechteckige Umrahmung 
ist durch gedrehten Stab gegliedert, der breite Sturz durch Ausgründung mit 
flächigen Figuren versehen; im Mittelfelde ein Stern, in den beiderseits an- 
schließenden je ein Kreuz über einem Halbkreisband am Fuß, weiter zur Rechten 
eine Arabeske mit blattartigen oder zu Voluten aufgedrehten Endigungen, während 
am linken Ende der Stein abgeschlagen zu sein scheint, so daß nicht ganz sicher 
ist, ob er nicht etwa hier schon zum wiederholten Male benutzt worden ist. Das 
Bogenfeld darüber mit späterer Ausmauerung wird ebenfalls nicht ohne Schmuck 
gewesen sein. Da eine Kirche in Groß-Flöthe bereits 1147 erwähnt wird, ist mit 
Sicherheit anzunehmen, daß die vorhandenen Reste der ursprünglichen Anlage 
angehören. Auch der romanische Turm von gleicher Breite wie das Schiff hat sich 
erhalten, wenngleich auch hier spätere Instandsetzungen einige Änderungen be- 
wirkt haben. Abmessungen: ganze Länge 26,65 m, davon entfallen auf Turm 
4,78 m; Breite 9,26 m. Im Erdgeschoß des Turmes befinden sich nach dem Schiffs- 
raum hin zwei jetzt wieder freigelegte rundbogige große Öffnungen. Zwei eben- 



Groß-Flöthe 95 

solche auch in Höhe der Orgelempore. Unterhalb des beschieferten quergelegten 
Satteldaches sind jetzt teils flachbogige, teils rundbogige und gekuppelte Schall- 
öffnungen angeordnet, in deren östlicher noch die alte romanische Teilungssäule 
mit Würfelkapitäl erhallen ist. An der Westseite unter der Traufe ein 30 cm hoher, 
35 cm breiter Stein mit der Jahreszahl 1506. Damals scheint wiederum ein Umbau 
erfolgt zu sein. An der Südseite kam unter dem Putz das Gewände eines 1,80 m 
hohen, 1,00 m breiten spitzbogigen Portals zum Vorschein, das dem Anfang 
des 16. Jahrhunderts angehören dürfte. Auch das Traufgesimse des Schiffes, als 
gotisches Hohlkchlprofil ausgebildet, ist vermutlich damals hergestellt. An der Süd- 
ostecke des Schiffes eine Sonnenuhr von 1746. Der korbbogige Eingang an der 
Südseite des Turmes ist laut Schlußstein im Jahre 1786 ,,z. Zt. des Pastors 1. F. 
W. Maetke" angelegt. Der jetzige Chorumgang (1,50x4,06 m) in Backstein stammt 
von 1859. Vielleicht ist damals erst die einstige romanische Apsis entfernt worden. 
Gleichzeitig erhielten die Fenster ihre heutige Gestalt. 1888 wurde die Kirche neu 
verputzt. 1927 wurde der Putz (s. obenl) abgenommen. 

Das Innere hat durch die mehrfachen Umbauten ein völlig verändertes Aus- 
sehen bekommen. Die glatt verputzte ebene Decke scheint 1859 erneuert zu sein. 

Au SS tat tun g. 

Die Ausstattung stammt von 1859. 

Zwei Altarleuchter, Bronze, H. 40 cm, Dockenform, auf Sockel mit drei 
Klauenfüßen. Anfang 18. Jahrh. 

Abendmahlsgeräte: Oblatendose, Silber, 9 cm, H. 4,5 cm. Mit Rand- 
ornamenten am Deckel. Deckelgravierung L. S. 1859. Goldschmiedezeichen 65. 

Krankenkelch, Zinn, H. 14,75 cm, Patene, Zinn, 9 cm, und Oblaten- 
dose, Zinn, stammen nach dem Zinnzeichen aus dem Jahre 1780. 

Ein Kelch und eine Taufwasserflasche gehören der Kirche in Klein- 
Flöthe (s. d.). 

Glocke, 1,05 m, unterhalb der Haube Palmettenfries, am langen Felde: 
„VIVOS VOCO MORTVOS PLANGO FVLGVRA FRANGO. / GE- 
GOSSEN AUS DES PABSTTHUMS ERZ — 1770 / ZERSCHLUG ZU 
DER BEDRÄNGTEN SCHMERZ / MICH UNVERSTAND NACH 40 
JAHREN — 1810/ IN ZE ITEN WO D URCH BON AP ART / D IE DEUT- 
SCHEN NACKT UND SCLAVEN WAREN / BLOSZ KLAPPERN 
KÖNNT ICH BIS DER FROST / UND MOSKAUS FLAMMEN HILFE 
WECKTEN — 1812 / BIS WELLINGTONS UND BLÜCHERS ARM / 
DIE FRANZEN IN PARIS SELBST SCHRECKTEN — 1814 1815 / 
HIER KEHRTE SICH DURCH NEUEN GUSS — 1816 / MEIN VOLL- 
TON ZU DES RETTERS GRUSS. / AUF KOSTEN DER GEMEINDE 
GR. FLOETE DURCH I.H.WICKE / IN BRAUN SCHWE 1 G. ALS 
I. F. R. WIEGREBE PASTOR IN G. F. WAR." 

Glocke, 0,91 m, hat die Inschrift: „MEIN LEIB IST OHNE SEEL. 
DIE REDE OHNE MUND / DOCH WIRD DURCH MICH NÄCHST 
GOTT DES HÖCHSTEN WILLE KUND. / HERR lOHANN FRIED- 
RICH WILHELM MA:TKE AUS GOSLAR PASTORY DER HIE- 



95 Groß-Flöthe 

SIGEN GEMEINDE / AUCH DIESE GLOKKE AUS DER ALTEN 
GLOKKE IM JAHRE 1770 /ZU BRAUN SC HWE I G GEGOSSEN 
VON lOH. CONRAD GRETEN." Ober- und unterhalb der Schrift ein Pal- 
rnettenfries. 

WINDMÜHLE. 
Etwa 300 m westlich von Groß-Flöthe steht noch die auf Taf. 40a abgebildete 
betriebsfähige Bockwind mühle auf massivem Sockel, angeblich dem Ende 
des 17. Jahrhunderts entslammeiid. Alle l^^inrichlung größlenleils vorhanden, 
abgängig gewordene Teile ersetzt. 



Groß-Mahner. 

> Evangelische Kirche. Windmühle. 

Quellen: 1. Staats-Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74, Amt Liebenburg, IL, 
G. Ir, — Bibl. H. V, N., Handschrift 317. — von Schwicheldtsches Archiv im Schloß 
Söder, Urk. — 2. U. B. Hild., L— VL — U. B. Goslar, L— IV. — Annales Steder- 
burgenses, S. 222. — ■ U. B. von Saldern, I. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 38, 78, 94, 171. — Bertram, Bischöfe, L, 
S. 206. — Blume, Heimat, S. 158 ff. — Bode, Uradel, S. 183. — Bornstedt, Siedlungen, 
S. 18. — Dürre, Reg. Wallmoden, Nr. 60, 1040. — Hüttebräuker, Erbe Heinrichs 
d. L., S. 55, 84. — Kayser, Visitationen, S. 139, 146 ff. — Klewitz, Territ. Entwicklung, 
S. 25. — Lüntzel, Alt. Diözese, S. 166, 320. — Mithoff, Kunstdenkmale, S. 85, 86. — 
Mithoff, Kirchen und Kap., S. 5. — Zobel, Heimatbuch, S. 90 ff. 

GESCHICHTE: Unter den Besitzungen des Stiftes St. Georgenberg bei Goslar 
findet sich 1131 eine Mühle in ,,Mandere", zu gleicher Zeit taucht in den Quellen auch 
die Familie der freien Herren von Mahner auf. Für dies Geschlecht bilden die Annales 
Stederburgenses eine besondere Fundgrube. In einer Urkunde des Abtes Tiemo von 
Homburg in Thüringen über eine Schenkung Herzogs Heinrich des Löwen kommt 1143 
Leuthardus, der Sohn Rudolfs von Mandere, als Zeuge und ältestes Mitglied der Familie 
vor. Ende des 12. Jahrhunderts sind die Herren von Mahner in die Ministerialität der 
Hildesheimer Bischöfe eingetreten. Ende des 15. Jahrhunderts erlosch das einst macht- 
volle und reiche Geschlecht, 

Mit dem Niedergang des Geschlechtes der Herren von Mahner findet nach 1200 
eine Aufteilung und Veräußerung des Stammgutes der Familie statt. 1240 schenkte 
Steppo von Mahner sein Land in Mahner (7 ^4 Hufe) und alles Becht an der Kirche in 
Mahner dem Bischof Konrad von Hildesheim unter der Bedingung, daß sein Sohn 
Dietrich und nach dessen Tode Steppos Töchter damit belehnt werden sollten. Es 
handelte sich hier um das Dorf Groß-Mahner, wie aus späteren Urkunden hervorgeht. 
Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts werden Groß- und Klein-Mahner in den Urkunden 
unterschieden. Auf dem Erbwege war die Hälfte des Kirchenpatronats in Groß-Mahner 
um 1300 an die Familie von der Gowische gekommen; 1302 verkaufte Albrecht von der 
Gowische diese Hälfte des Patronats und Güter zu Groß-Mahner an das Kloster Neu- 
werk in Goslar, Unter dem verkauften Besitz befand sich ein an die Kirche angrenzender 
Hof, in welchem der Turm lag; die andere Hälfte des Patronats war 1302 wieder beim 
Bischof von Hildestieim. Zwei Jahre später, 1304, verzichtete das Kloster Neuwerk 
auf seine Hälfte des Patronats zugunsten des Bischofs und erhielt dafür vom Bischof 
das Patronat über die Kirche in Groß-Flöthe. Seitdem war das Patronat über die 



Groß-Mahner 



97 



Kirche in Groß-Mahner in der Hand des Hildesheimer Bischofs, während der Zehnte 

dem Dompropst zustand. Der umfangreiche Besitz der Familie von Mahner kam im 

Laufe der Zeit teils an einige Rittergeschlechter, so an die Herren von Meinersen und 

wohl auch an die von Hagen, die sich aus dem Geschlecht von Mahner abgezweigt 

hatten, und an die Herren von 

Gowische und von Schwi- 

cheldt, teils an das Domkapitel 

in Hildesheim, das Domstift 

in Goslar und an die Klöster 

Neuwerk in Goslar und Wöl- 

tingerode. 

Nach der Stiftsfehde fiel 
Groß-Mahner 1523 an Herzog 
Heinrich d, J. von Braun- 
schweig -Wolfenbüttel, 1542 
wurde die Reformation ein- 
geführt; damals wurde Groß- 
Mahner kirchlich von Lewe 
aus versorgt, 1571 hatte es 
wieder eine eigene Pfarre, doch 
war die Pfarre so verkommen 
und aller Besitz derselben ver- 
äußert, daß sie nicht besetzt 
war. Bis 1822 war die Kirche 
in Groß-Mahner mit Lewe ver- 
bunden, dann wurde sie mit 
Klein-Mahner zu einer Pfarre 
vereinigt. 

Das alte Gotteshaus in 
Groß-Mahner stand bis 1893, 
es hatte einen rechteckigen 
Chor, der schmaler als das 
Kirchenschiff war und durch 
einen Triumphbogen mit dem 
Schiff in Verbindung stand. 

Der Turm hatte zwei rundbogige Durchgänge zum Schiff und wurde 1811/12 erneuert. 
1869 wurde für 150 Rtlr. eine neue Orgel angeschafft, die der Orgelbauer Furtwängler 
in Elze lieferte. 

Die von Mithoff erwähnte Glocke mit der Inschrift: „Anno dni M. Vc XXI her- 
bordus herderwick me fecit" ließ sich 1927 in Groß-Mahner nicht mehr feststellen. 




Abb. 31. Groß-]SIaIiner, Dorfplan (1 : 6400) nach einem um 1S70 unter 

Benutzung einer Karte von 1836 angefertigten Plan im Katasteramt 

Goslar. 



BESCHREIBUNG: KIRCHE. 

Das Schiff der Kirche ist neu (1893). Westturm, romanisch, über qua- 
dratischem Grundriß in Bruchstein erbaut. Im oberen Teil rundbogige schlichte 
Schallöffnungen, unten der Haupteingang. Einige Steine mit Inschriften vom 
Anfange des 18. Jahrhunderts hier zur Ausbesserung des Mauerwerks benutzt. Einer 
(Schlußstein) links vom Haupteingang mit: „SOLI DEO / GLO / RIA", auf 
einem anderen rechts vom Haupteingang (Grabstein) sind nur die Buchstaben: 
„. . . R / . H . . . M/I . W . H F A / lASMA" zu erkennen. Helm neu. Weiter- 
fahne von 18G9. 

Inneres: Ausstattung neu. 
i:i 



98 Groß-Maliner 

Abondnialilsgerälc: Zwei Kelche, Silber, H. 21,5 cm. Schlanke, schlichte 
Pokalform. Unter rlon Füßen die Inschrift: ...Johanna .Jordan geb. Olendorf 1851." 
Ohne Zeichen. 

Die Glocken 1882 von Gebr. Ulrich in Apolda. 

Dorf plan (Abb. 31). Groß-Mahner ist ein Haufendorf, dessen Gehöftanlagen 
sich auf dem beigegebenen Plane deutlich erkennen lassen. Die Ortschaft ist von 
einem Randvvege fast kreisförmig umzogen. 

WINDMÜHLE. 
Die auf dem Windmühlenberge zwischen Salzgitter und (iroß-Mahner stehende 
Bockwindmühle stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts (nach 
örtlicher Überlieferung vom Jahre 1668). Ihre alte Einrichtung ist noch größten- 
teils vorhanden (Taf. 38 d). 



Hahndorf. 

Evangelische Kirche. Paterhof. 

Quellen: 1. Staats-Arch. Hann., Akt. Kann, des, 74, Amt Liebenburg, II,, 
G, 11 und G. 2a. -- Bibl. H. V. N., Handschrift 317. — Pfarrarchiv Jerstedt, Akten. 
- 2. U.B. Hild., I., III., lY. — U.B, Goslar, I.— V. — U.E. von Saldern, I. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 37, 41, 94. — Bertram, Gesch. Bist. Hild., I., 
S. 162, 302. — Blume, Heimat, S. 92 ff. — Bornstedt, Siedlungen, S. 16. — Henkel, 
Kurze Gesch., S. 144 ff. — Kayser, Visitationen, S. 153. — Klewitz, Territ. Ent- 
wicklung, S. 16. — Lüntzel, Alt. Diözese, S. 251. — Lüntzel, Gesch. Diözese, IL, 
S, 168, 251. — Machens, Archidiakonate, S. 32, 252. — Mithoff, Kunstdenkmale, 
S. 86. — Mithoff, Kirchen und Kap., S. 4, 23. — Werneburg, Gau und Grafschaft, 
S. 49. — Zobel, Heimatbuch, S. 264 ff. 

GESCHICHTE: Nachdem das Kloster Riechenberg am Anfang des 12. Jahrhunderts 
gegründet war, taucht 1129 in einer Urkunde, in der das Domstift zu Goslar und das 
Kloster Riechenberg Güter austauschen, ,,Hanenthorp" zum ersten Male auf. Das 
Domstift tritt 2 Hufen in Hahndorf gegen Besitzungen des Riechenberger Klosters an 
anderen Orten ab. Die Bestätigungsurkunden, die angeblich König Lothar 1131 dem 
Kloster Riechenberg ausstellt und in denen Besitztum Riechenbergs in Hahndorf er- 
wähnt wird, sind unecht. Am 5. November 1133 bekundet Bischof Bernhard von 
Hildesheim die Erbauung einer Kirche zu Hahndorf durch das Kloster Riechenberg, 
er weiht die Kirche ein, spricht die Einwohner von Hahndorf von der Unterwürfigkeit 
unter die Kirche zu Dornten frei, löst die Kirche von dem Pfarrzwang nach Haringen 
und gibt ihr das Recht der Taufe und des Begräbnisses. 20 Jahre später übereignete 
der Hildesheimer Bischof dem Kloster Riechenberg den Zehnten zu Hahndorf. Im 
Laufe der Zeit wußte das Kloster Riechenberg seinen Besitz in Hahndorf beträchtlich 
zu vermehren. Am 13. Mai 1376 erteilte Bischof Bertram von Lübeck zugunsten der 
Kirche in Hahndorf einen Ablaß von 40 Tagen für alle, welche am Gedächtnistage 
des heiligen Kilian die Kirche besuchten, beim Herumgehen um den Friedhof ihre Ge- 
bete für die Verstorbenen verrichtet und zum Bau der Kirche eine Beihilfe gegeben 
hätten. 

Mittelpunkt der Riechenberger Besitzungen in Hahndorf war der alte ,, München- 
hof", außerdem wird im 16, Jahrhundert noch ein neuer Klosterhof erwähnt. Der 
Münchehof wird das Vorwerk des Klosters sein, das noch den Namen Paterhof trägt 



Hahndorf 



99 



und als Vorwerk zum jetzigen Klostergut Riechenberg gehört. Dem Kloster stand 
auch der Zehnte in Hahndorf zu. 

Eine selbständige Pfarre hat Hahndorf nicht gehabt. Es war in Dornten, Riechen- 
berg und nach der Einführung der Reformation, die wie in Jerstedt am 5. Januar 1545 
erfolgte, dieser letzteren evangelischen Pfarre eingepfarrt. Die jetzige Kirche wurde im 
Jahre 1844 in ihrer heutigen Gestalt umgebaut. 

BESCHREIBUNG: KIRCHE 

1133 geweiht; hat zwar durch mehrere Umbauten in früheren Jahrhunderten, 
besonders durch den 1844 erfolgten, ihr altes Aussehen verloren, aber der ursprüng- 
liche Grundriß ist anscheinend im wesentlichen beibehalten, und es befinden sich 



Abb. 32 u. 33. Hahndorf, Kirche, Grundriß und Quersclinitt (1 : 250). 




noch romanische Reste im Mauerwerk (Abb. 32 u. 33 und Taf. 41a). Sie ist über 
einem Rechteck von 18 85x7,80 Meter erbaut. Werkstoff: Bruchstein, Südwand 
Werkstein, der um die Westecke zahnschnitLartig herumgeführt ist. (Das Material 
der Westwand scheint bei dem Abbruch der Riechenberger Stiftskirche gewonnen 
zu sein.) Eingang 1860/61 von der Südwand in die Westwand verlegt; Inschrift- 
platte oberhalb des Sturzes. In der Ostwand der Sturz einer 1,17 m breiten — 
vermauerten — Tür. Die Nordwand unregelmäßig und uneben, teilweise noch 
ursprünglich, mit vermauertem romanischen Fenster nahe der Westecke und zwei 
Renaissancefenster mit Karniesprofilen an den Gewänden (Bleivcrglasung). Gicbel- 
dreiecke aus Fachwerk, das westliche mit Krempziegeln behängt, das östliche mit 
Backsteinmusterungen vom Anfang des 18. Jahrhunderts. Das Innere mit neuer 
Holzbalkendecke; Felder und Balken mit Rohrdeckenputz (Taf. 41b). 

Ausstattung: 

Westempore (hier kleine Orgel) und Nordempore auf 20x20 cm starken, 
in ganzer Höhe mit schrägliegenden Profilen verzierten Vierkantstützen. West- 
empore 1860/61 vergrößert, Nordempore verlängert und mit neuer Treppe ver- 
sehen; gleichzeitig das Gestühl vermehrt. 

Gemauerter Altartisch mit einfach gefaster Platte und Reliquiengruft an 
der Vorderseite. Hölzerne Altarrückwand in den Formen gegen 1600, einige 
Teile später erneuert. Die neben der Verdachung aufgestellten Holzfiguron (links 
Lukas, rechts Christus mit der Weltkugel) scheinen von einem früheren Altar 



100 



Hahndorf 



oder einer Kanzelbrüslung zu stammen; sie passen in Größe und Schnilztechnik 
zu drei weiteren Holzbildwerken an der jetzigen Kanzelbrüstung. Auf der Pre- 
della als Ölbild die Taufe Christi mit der Beischrift: ,,Diß ist mein lieber Sohn 
an welchen ich einen wolgefallen hab de soll ie höreo." Ende 16. Jahrh. 

Kanzel, auf verzierter, geschnitzter Mittelsäule, und der Schalldeckel gegen 
1700. An der Brüstung die drei Evangelisten Matthäus, Johannes und Markus 
vom Ende des 16. Jahrhunderts (Taf. 41c). 

Zwei Altarleuchter, Bronze, H. 35 cm, mit 6,5cm den Teller überragendem 
eisernen Dorn. Reiche Dockenform. Inschrift an beiden gleichlautend: ,, JOHAN- 
NES + STEINHAVSEN + ILSABE + VORLOPF+ NACH + GELASSEN 
WITWä: -i A -r- D + 1 • 6 • • 3" (Taf. 41 d). 

Kronleuchter, Bronze, H. 60 cm, B. 47 cm, sechsarmig, mit Maskenverzie- 
rung, darüber weitere sechs Arme, von denen zwei fehlen. Doppeladler, dick ge- 
gossen, Flügel fehlen. Zeit: gegen 1600. 

Aben dmahlsgeräte: Kelch, Kupfer, vergoldet, H.19 cm. Kuppa halbkugelig, 
vielleicht später erneuert, Schaft achteckig, Achtpaßfuß. Am Knauf Maßwerkver- 
zierungen. Am Fuße schwach eingeritzt: „CR I STOFR SANDER- -MR 1558." 
Patene, Kupfer, vergoldet, 13,6 cm. Weihekreuz 3. Mitte 16. Jahrh. 

Oblatendose, Zinn, 10 cm. In- 
schrift: „CATRINA MARIA BAR- 
TRAMS 1713." 

Taufschüssel, Kupfer, vergoldet, 
42,5 cm. Inschrift am breiten Rande: 
„(Hand) HANS :•: FRICKE :■: HOTT- 
VOGT VND PROBIRER AVF 
DERO FB V. LB • SMILT HVT 
AVF • DER • OCKER 1-6-7-7." 

Fahne, H. 0,87 m, B. 0,70 m, mit 
Monogramm G. R. III und Krone, in Sei- 
denband aufgenäht, ferner: ,, Friede unter- 
zeichnet in Paris, den 20te Novem 1815." 




lacii HAHNDORF— 



SRABXN 
ACKERLAND 



IhhH- 



Abb. 34. Hahndorf, Lageplan desVorwerks (1 : 2000). 



PATERHOF. 
Am Westrande der Ortschaft Hahn- 
dorf liegt ein Vorwerk, der sog. Paterhof, 
einst dem Kloster Riechenberg gehörend 
(Abb. 34). Von älteren Gebäuden ist nur 
das in Eichenfachwerk erbaute, zwölf 
Fach breite, sieben Fach tiefe Wohnhaus 
erhalten. In den Gefachen Backsteinmuster, Im Sturz der Eingangstür: ,,In 
emolumentum liberte huius curiae me fieri fecit Francisco Wilh. Busch prseposito 
Richenberg ao 1708." An einem Brettstück (H. 0,30 m, B. 1,56 m), das an einer 
Kornscheune wieder angebracht ist, steht die Inschrift (Chronostichon): „ANNO 
IVbIL.^1 hjeC strVCtVra CVri^ hVIVs LIbervE fabrICata sVb 
f;rnesto zVMbroCk pr/eposIto rIChexbergensI." (1750.) 



Heiningen lOg 

kam das Gut in den Besitz von Karl Ludwig Degener, des Schwiegersohnes des ersten 
Besitzers. Die Familie Degener stiftete im Jahre 1866 mit dem Gute Heiningen ein 
Fideikommiß. Die Klosterkirche wurde bei dem Verkauf des Klosters Heiningen für 
den katholischen Gottesdienst ausgenommen, sie ist Pfarrkirche und wird von der 
Klosterkammer unterhalten. 

BESCHREIBUNG: KATHOLISCHE KIRCHE. 

Das Gebiet des Klosters Heiningen, dessen Gesamtanlage wie im benachbarten 
Dorstadt noch gut zu erkennen ist, wurde infolge der Säkularisation zerlegt, so 
daß jetzt Kirche und Guisbezirk getrennt sind. 

Die ehemalige Klosterkirche, jetzige katholische Kirche (Abb. 39—43), 
ist eine große dreischiffige kreuzförmige gewölbte Basilika mit Westturm, drei- 
jochigem Schiff in gebundenem System mit Slützenwechsel, Querschiff, Chor- 
quadrat und halbrunder Apsis, in romanischen Formen teils nach den Gewohnheiten 
der Hirsauer Bauschule, vom Ende des 12. Jahrhunderts. Die in Bruchstein her- 
gestellten GeW'ölbe sind nach Art der im Braunschweiger Dom gratig und spitz- 
bogig, ohne Gurtbögen im Mittelschiff. Maße: Gesamtlänge einschließlich des 
über einem Rechteck von 8,00x11,15 m errichteten Westturmes rund 54,00 m. 
Das Querhaus mißt 29,21 m in der Nord-Süd-Richtung und 10,81 m in der Ost- 
West-Richtung. Die Mauerstärke beträgt etwa 1,00 m. Langhausbreite rund 
20,60 m, Höhe der Gewölbescheitel etwa 12,30 m über dem Kirchenfußboden. 
Die alte Anlage ist, von geringen Veränderungen in späterer Zeit abgesehen, im 
wesentlichen erhalten (Abb. 41). Abgetragen sind die westlichen vier Joche des 
nördlichen Seitenschiffes (die Arkadenöffnungen nach dem Mittelschiff sind glatt 
vermauert) und vom Chor der nördliche Nebenchor zwischen Querschiff und Chor- 
quadrat. Im südlichen Seitenschiff haben die beiden mittleren Joche gotische 
Rippengewölbe und Strebepfeiler erhalten. Der an dieses Seitenschiff vor dem 
Turm angefügte Anbau stammt von 1904. Die Obergeschosse des Turmes sind 
mit spitzbogigen Öffnungen versehen. 

Die Achse des Langhauses weicht von dem östlichen, aus Querhaus, Chor- 
quadrat und Chor bestehendem Teil erheblich nach Süden ab. 

Äußeres: Apsis aus Sandsteinquadern mit halbem beschieferten Kegeldach 
(Taf. 42 b, Abb. 43). Die Wandfläche zwischen den drei rundbogigen Fenstern 
gliedern dünne Halbsäulen mit Basis und Kapital, die einen Rundbogenfries tragen. 
Darüber das aus zwei flachen Hohlkehlen gebildete Hauptgesims. Während ^ch 
dies an der Ostwand des Chorquadrats totläuft, ist der reichgegliederte Sockel 
der Apsis (Platte, Wulst, Hohlkehle, Wulst) an dem Chorquadrat, dem südöst- 
lichen Sakristeianbau und an den Kreuzarmen in gleicher Höhe und Gliederung 
herumgeführt; er wird in der Nordostecke nur so weit unterbrochen, wie der jetzt 
nicht mehr vorhandene, der südöstlichen Sakristei entsprechende Anbau dort be- 
stand. An dieser Stelle sind jetzt noch die zwei zugemauerten Rundbogen erkenn- 
bar, die früher den Anbau mit dem Chor und dem nördlichen Kreuzarm verbanden. 
In dem Rundbogen der Querschiffswand eine vermauerte Rundbcgenlür, darüber 
ein rundbogiges vergittertes Fenster, daneben der später angelegte, rechteckig 
umrahmte Eingang. Die Ostwand des Chorquadrats ist mit Dreieckgiebel geschlossen : 
darin ein kreuzförmiges Fenster und als Bekrön ung ein neueres Steinkreuz. 



110 



Heiningen 




Heiningen 



111 




-j-ip lU'iningcn 

Der nördliche Kreuzanii hat im oberen Teil auf der OsL- und Nordseite je 
ein großes, auf der Westseite zwei kleinere rundhogigc Fenster, unten unmittelbar 
über dem Sockel der Nordseite zwei jetzt vermauerte Rundbogen, offenbar frühere 
Fenster des Raumes unter dem Nonnenchor, Das Mauerwerk des Chorquadrats 
und der Kreuzarme besteht aus hammerrecht bearbeitetem Bruchstein, das nörd- 
liche Seitenschiff, soweit noch erhalten, aus Bruchstein mit Quadereinfassung 
am Rundbogenfenster. Das Sockelprofil bildet hier eine flache Kehle, die als un- 
terstes Glied des die östlichen Bauteile umziehenden reich profilierten Sockels 
weitergeführt ist. An der durch Abbruch der westlichen Joche des nördlichen 
Seitenschiffes freigelegten Außenwand des Mittelschiffes sind die großen vermauerten 
Rundbögen zu erkennen. 

Das Hauptgesims setzt sich aus Platte und Hohlkehle zusammen, darunter 
ein flacher karniesartiger Ablauf. Die Kreuzarme sind mit Schiefer, das übrige 
Dach ist mU Pfannen eingedeckt. 

An der Südseite dßs Querschiffes ist das einzig erhaltene romanische Portal, 
umzogen von dem oberen hochgekröpften Hohlkehlenglied des Sockelgesimses, 
dessen Platte und Rundstab das Portal rundbogig einfassen. In der dadurch ge- 
bildeten 0,58 m tiefen Leibung beiderseits eine reichverzierte Säule mit Würfel- 
kapital und Kämpfer. Die innere Kante als glatt herumgeführter Rundstab mit 
Basen. Das neue, schmucklose Tympanon an Stelle des noch aufbewahrten ur- 
sprünglichen mit einem Marienbildc, H. 0,60 m. 

Die Südwand des Seitenschiffes ist zwecks Trockenlegung bis zur Sohle des 
Kirchenfußbodens freigelegt. An einem der dort befindlichen schlichten Strebe- 
pfeiler Baudatum ,,ANNO 1673". Sockelgesims aus zwei Kehlen. 

Ein vermauertes rundbogiges Türgewände neben dem jetzigen Eingang, 
1,70 m breit, mag ursprünglich etwa 2,00 m hoch gewesen sein. 

Der Turm ohne Sockel- und Gurtgesims, zweimal abgesetzt, mit einem gotisch 
profilierten Hauptgesims. An der Nordseite Grufteingang vom Anfang des 19. Jahrh. 
(Taf. 43 b). Das Geschoß in Höhe der Orgelempore hat in der Nord- und Westseite 
je ein großes rundbogiges Fenster. Kleeblattbogige Schallöffnungen in früh- 
gotischen Formen. Achtseitiger beschieferter Helm aus dem 18. Jahrhundert. 

Im Aufbau zeigt das Langhaus der Kirche die wirkungsvolle Gliederung 
der romanischen Kirchen mit Stützenwechsel im gebundenen System (Abb. 40). 
Auf rechteckigen Wandpfeilern mit Schrägsockel und einfachen aus Platte und 
Ablauf gebildeten Kämpfergesimsen ruhen die spitzbogigen gratigen, gurtlosen 
Kreuzgewölbe mit spitzbogigen Stirnbögen an den hochgeführten Mittelschiffs- 
wänden (Taf. 42a). Die Mittelsäulen, etwa 0,60 m im Durchmesser, mit attischen 
Eckblattbasen tragen derbe Würfelkapitäle, mit Ausnahme der Säule im west- 
lichen Joche der Südwand, die durch ein sehr reichgearbeitetes, dem letzten Viertel 
des 12. Jahrhunderts angehörendes Kapital (Taf. 43a, links) ausgezeichnet ist, mit 
Eckblattwülsten und in der Mitte zw-eier Seiten mit einem männlichen und einem 
weiblichen Kopf, ähnlich den Kapitalen der Michaeliskirche in Hildesheim, An 
jedem Säulenschaft unterhalb des Kapitals zw^ei angearbeitete Ansätze, 10 cm im 
Quadrat groß (zum Versetzen ?), Zwischen den Säulen und benachbarten Pfeilern 
Halbkreisbögen auf Karniesprofilen, gekuppelt durch große von Pfeiler zu Pfeiler 



Heiningen 



113 



reichende Rundbögen, die als 28 cm starke Nischen in Erscheinung treten. Dar- 
über in jedem Joch an der Nord- und Südwand je ein großes Rundbogenfenster, 
das bis unter das Gewölbe reicht. 

Nach den Seitenschiffen hin haben die Pfeiler rechteckige Vorlagen, denen 
ebensolche an der Außenwand entsprechen; zwischen ihnen spannen sich die Gurt- 
bögen. Die zwei östlichen und die beiden westlichen Joche des südlichen Seiten- 
schiffes sind als rippenloseKreuz-oder unregelmäßige Stichkappengewölbe ausgebildet, 
ebenso die allein noch vorhandenen östlichen Joche des nördlichen Seitenschiffes. 




Abb. 42. Heiningen, katholische Kirche. Querschnitt (1 : 300). 



Die beiden mittleren Joche des südlichen Seitenschiffes sind mit zwei gotischen 
Kreuzgewölben überdeckt, deren Rippen an Diagonal- und Gurtbögen mit derben 
Birnstabprofilen versehen sind (Taf. 43a). Auf dem östlichen der zwei glatten 
kreisförmigen Schlußsteine steht in flacher Rosette die Umschrift in gotischen 
Kleinbuchstaben: ,,anno dni mcccclxvi" (1466). Eine vierstufige Treppe und eine 
rundbogige Tür in der Westwand des südlichen Seitenschiffes führen in die 1904 
angebaute Eingangshalle. Das nördliche Seitenschiff hat in der Nordwand dicht 
am Querschiff eine im Grundriß halbkreisförmige Nische. 

Die Vierung (Abb, 42) wird von vier breiten Rundbögen umschlossen mit 
Kämpfergesimsen gleich denen der Mittelschiffspfeiler. Diese ruhen auf Vorkra- 
gungen, die mit einem Viertelkreis an die Pfeiler anschließen. Beide Kreuzarme 
sind wie die Vierung mit rippenlosen spitzbogigen Kreuzgewölben überdeckt, die 
in der Vierung auf kurzen Konsokn, in den Querschiffsflügeln auf kleinen recht- 
eckigen Eckpfeilern ruhen. In den Ost wänden der Kreuzarme sind große Rund- 
bogenblenden, in gleicher Weise an die Pfeiler anschließend, dicht an den Chor- 
pfeilern angelegt. Die südliche Blende ist glatt vermauert, daneben ist eine kleinere 
in der Mauerdicke liegende apsisartige Nische mit kleinem Fenster vorhanden, im 



•114 Heiningeii 

nördliclK'ii Krcuzarin au deivii Stelle eine AusgangsLür. Hier im nürdlichen Quer- 
schiffsflügel lial (las Mauerwerk bis zur Kämpferhöhe der erwähnten Nische 
(3,80 m) reichende 0,28 m starke Wandverstärkungen, in denen im Osten und 
Westen je eine, in der Nordwand zwei rundbügige Nischen ausgespart sind. Die 
Käm])l'er haben flaches Hohlkehlprolil und Sockelschräge. Die Verstärkung diente 
früher offenbar zur Unterstützung einer Balkenlage (vom Nonnenchor?). In der 
Südwand des südlichen Kreuzarmes eine eckige Tür mit Rundbogennischc darüber. 
Die mit einer Halbkuppel überwölbte Apsis besitzt drei rundbogige l<>nster 
mit glatten, schrägen Leibungen, auf denen noch Reste romanischer Wand- 
malerei erkennbar sind. Sie bestehen in weißen, rot umränderten Ranken auf ab- 
wechselnd rotem und grünem Grund, die unmittelbar auf den Stein gemalt sind. 
Am Mittelfenster ist Maria mit dem Kinde und der Engel der Verkündigung zu 
erkennen. Der Rundbogen zwischen C hor([ua(lra t und Apsis setzt einmal eckig 
ab, er stützt sich auf gleichförmig mit Ecksäulchen besetzte Pfeiler. Die Eck- 
säulchen mit attisch profilierten Eckblaltbasen und Würfelkapitälen mit flach- 
gearbeiteten einfachen Verzierungen: die Eckpfeiler selbst mit Kämpfergesims 
aus Platte, Ablauf und attisch profilierten Sockeln. Das Chorciuadrat mit rippen- 
losem spitzbogigen Kreuzgewölbe wie im Lang- und Querhaus, liegt diesem gegen- 
über um zwei Stufen höher. In der Nord- und Südwand je ein rundbogiges Fenster. 
Unter diesen, in der westlichen Hälfte der Wand, dicht an die Vierungspfeiler 
anschließend, große Rundbogenblenden, die zwei kleinere kuppeln. Die Bögen 
vermittels flacher Hohlkehlkämpfcr auf zwei Wandkonsolen und einer romanischen 
Mittelsäule aufgesetzt. Diese mit einfach verziertem Würfelkapitäl und attischer 
Eckblattbasis. Südlich der Chorvorlage ein mit ihr durch eine flachbogige Tür 
verbundener Sakristeiraum mit rippenlosem Kreuzgewölbe. Fenster und Wand- 
nische rundbogig, nach Mithoffs Annahme ehemals mit halbrunder Apsis. Eck- 
pfeiler mit flacher Hohlkehle. Unter einem rechteckigen Fenster mit glattem Mittel- 
pfosten in der Ostwand ein Ausgußstein (Piscina). 

Der Turm ist von der Orgelempore aus zugänglich, die vor der westlichen 
Innenwand der Kirche errichtet ist. Obergeschoß in Höhe der Gewölbe des Mittel- 
schiffs in gleicher Art mit rippenlosem spitzbogigen Kreuzgewölbe überdeckt. Im 
Erdgeschoß eine mit quergelegter Tonne überwölbte Gruft. 

Ausstatt ung : 

Altar neu. 

Kanzel, reich geschnitzt, an der Brüstung die vier Evangelisten zwischen 
leeren Nischen. Anfang 17. Jahrh. Schalldeckel, auf dessen Unterseite eine schwe- 
bende Taube angebfacht ist, mit durchbrochen geschnitzter Randverzierung, 
Knorpelwerk, letztes Drittel 17. Jahrh. 

Taufbecken, aus dunklem farbigen Marmor, achteckig, mit quadratischem 
dockenförmigen Fuß auf einem zweistufigen runden Unterbau. H. 1,03 m, 0,78 m. 
Im nördlichen Kreuzarm. 

Beichtstuhl, in einfachen Formen um 1700. Im nördlichen Seitenschiff. 

Gestühl: An den Brüstungen der ehemaligen Chorstühle achteckige Fül- 
lungen mit Ölbildern aus dem Leben heiliger Frauen (um 1700). Im Schiff. 



Heiningen -flS 

Gemälde: Verschiedene Ölgemälde auf Leinwand, zum Teil Kopien, meist 
1(S. Jahrh. üer Gekreuzigte, 2,50x1,55 m, 18. Jahrb., Gegenbild: Himmelskönigin, 
umrahmt von Engelsköpfen. Im Chor. - Pieta, 1,40x1,20 m*); Gegenbild: Heilige 
Familie*), 18. Jahrh. Am Vierungspfeiler. — Heilige Familie (Tischlerwerkstatt), 
1.50x2,00 m. Im nördlichen Seitenschiff; Gegenbild: Kreuzabnahme (nach Ru- 
bens, mit umgesetzten Seiten), 1,50x2,00 m. Schlafender Christusknabe, 1,40 x 
1,20 m. 17. Jahrb.? Im südlichen Kreuzarm. Geißelung Christi, 1,75x1,00 m 
(16. Jahrb.?), Maria auf der Mondsichel, 1,70x1,00 m. Mittelschiff Südwand. — 
Fußwaschung, etwa 1,75x2,50 m. Ecce homo, rd. 1,75x1,25 m, technisch gut. 
Mittelschiff Nordwand. ^- Christus am Kreuz, 1,27x0,85 m. Kreuztragung, l,54x 
1,62 m*). Im südlichen Seitenschiff. - Geburt Christi, 2,50x2,00 m (18. Jahrb.). 
Im Eingangsflur, Engel mit Knaben, 1,27x0,87 m. An der Westwand des Mittel- 
schiffes unterhalb der Empore. 

Bedeutenderen Kunstwert als diese besitzt ein kleines Ölbild in der Sakristei: 
Maria mit dem Kinde in einer Landschaft. Meister unbekannt. 17. Jahrb.? 

Bildwerke. Gruppe der beiden Stifterinnen Hildeswid undAlburgis, Stein?**), 
H. der Figuren 1,70 m (Taf. 47). Am südwestlichen Vierungspfeiler. Die linke 
Figur, deren aus Sandstein gearbeitete Krone abnehmbar ist, trägt das Modell 
einer zweitürmigen Kirche, die rechte, mit einem über den Rücken herabfallenden 
Schleier, ein Buch (13. Jahrb.). Die bemalten Figuren (Gewänder blau, Mäntel 
rot, Pupillen grün-schwarz) sind 1930 von dem deckenden Kalkanstrich befreit 
worden. Eine spätere Inscbrift auf dem Sockel lautet: ,,HILDESWID ET 
ALBURGIS / SAX0NI7E DUCISSä ALTFRIDI E STIRPE GER- 
MANORUM REGIS ITALI.^ / OTTO^E III I^PERANTE IN PRAE- 
LIO CONTRA S^ACENOS CÄISI / UXOR ISTA HN.C FILIA / 
P/RTHENONIS / CANONICA^UM REGULiRIUM • IN PEINIGEN- 
ANNO , MXII • FUNDAT. . / QU^RRUM STATUT: SEPULCFRAL 
T.^ / ANNO • MDCCL . . . (vielleicht 1766?). 

Bischofsfigur, heil. Bernward, Holz, spätgotisch. In der Konche des nörd- 
lichen Kreuzarmes. 

Kruzifix, Holz, Korpus H. 0,62 m. 14. Jahrh. (?). Auf der Kanzelbrüstung 
am Pfeiler. 

Kruzifix, Holz, Korpus H. 0,60 m, mit lauförmiger Dornenkrone und ein- 
gesetzten Nägeln, auf neuem Kreuz. 

Vesperbild, Holz, bemalt, Dornenkrone tauförmig, auf dem Beichtstuhl 
im nördlichen Seitenschiff. 

Osterleuchter, Holz, Engel, der mit erhobenen Händen eine Kerze trägl 
(um 1750). 

Zwei Stationsbiider, Sandstein, H. 0,70 m, Br. 0,80 ni. 1. Viertel 16. Jahrb., 
davon eins außen an der Kirche im Mauerwerk des südlielien Seilenseliiffes 
(Taf. 43c). Ein weiteres Stück dieser Reihe am Gutshause. 



*) Hing bis etwa 1930 in der Kapelle in Altenrode. 
**) Werkstoff der Übernialung wegen nicht mit SiehcilieH IcsIzunI eilen. Bis- 
herige Annahme: Stuck. 



11g Heiningen 

EpiLapJi, Bronze, paLinierL, niil Wapi)t'n und Inschritt, dit- dt-n Namen 
„Maria Anna Pecour" und die Jahreszahl ,,1707" enthält. An der Nordwand des 
nördlichen Kreuzarmes. 

Ej)! ta ph, des ,,Guilhelmus Franciscus Ludowicus I : K : S. Comesde Nesselrod". 
Holz, goid und blau bemalt, in Rokokoform mit Wappen und langer lateinischer 
Inschrift, nach 1757. In der oberen Turmhallc. 

Grabsteine mit Wappenbildern. Im Chor: 2,11x1,07x0,14 m. 1. Theodorus 
Molitoris (1697). 2. Gereon Molitoris 1697. 3. Joannes Leander Fuhrmann 
1728. — 4. Fridericus Arnoldi 1781. 5. Stephanus Spiel 1741. 6. Hans Oegener, 
Krüger des Klosters, mit Frau, 1691 (ähnlich dem Grabstein in Ohrum). 7. Do- 
mina Constanlia de Maitre (1753). An der Südseite: 1. Petrus Prosien 1714. - 
2. Petrus Theodorus Wichmann 1738. 3. Henricus Godefridus de Withekind 
1708. 4. Chat... Meil. 1707*). Im nördlichen Seitenschiff: Gertrudis Schlüter 1735. 
— Odilia Leopoldine Busch geb. Feigen 1776. 

Sechs Altarleuchter, Silber, H. 45 cm, von 1732, auf dreiseitigem Fuß 
mit rundem gegliederten Dockenschaft. Dorn aus Eisen. Goldschmiedezeichen 9. 

Sechs Paar Leuchter, Zinn. H. verschieden, zwischen 44 und 74 cm. An- 
fertigungsdaten: 1767, 1782, 1786. Auf dreiseitigen Füßen, reich profiliert und ge- 
gliedert, mit Engelsköpfen. 

Ewige Lampe, Silber. Als Ampel an drei Ketten hängend, reich mit Ranken- 
werk, getrieben. Im Innern auf dem Boden eine lange lateinische Inschrift mit 
den Namen der Konventualinnen und Angaben über Stiftung und Ausbesserung 
(1699). Goldschmiedezeichen 12 (mehrfach). 

Rauchfaß, Silber, H. 24 cm, 16 cm. Mit großen Blumen in getriebener 
Arbeit, ähnlich wie an der ewigen Lampe, etwa aus gleicher Zeit. Goldschmiede- 
zeichen 51. 

Schiffchen, Silber, H. 14 cm. L. 24 cm. Mit Blumen und Wappen (2 ge- 
kreuzte Schlüssel). Auf dem Deckel die Aufschrift: „C LOST ER HE IN IN GEN 
ANNO 1686." Goldschmiedezeichen 51 (wie am Rauchfaß). 

Monstranz, Silber, teilvergoldet, H. 84 cm (Taf. 44c). Ovaler Fuß (29 x 
23 cm) mit vier Medaillonreliefs aus der Leidensgeschichte. Hostienbehälter in 
Herzform, umgeben von reichem Rankenwerk mit 4 anbetenden Engeln und zweien 
mit Leidenswerkzeugen, unten Maria kniend mit Szepter. Über der Krone Gott- 
vater und die Taube. Ende 17. Jahrh. Goldschmiedezeichen 13. 

Meßkelch. Silber, vergoldet, H. 22 cm. In schlichter Rokokoform. Inschrift 
unter dem Fuß: „C LOST ER HEININGEN 1752", auf der Oberseite das 
Wappen des Klosters. Goldschmiedezeichen 55. 

Patene, 14,5 cm, Goldschmiedezeichen 38. 

Ziborium, Silber, vergoldet, mit Silberauflagen, H. 35 cm. Pokalform. 
Halbkugelboden mit Halbkugeldeckel und Kreuz. Inschrift: ,,I • H • P • AE • BO 
curarunt fieri 1669". Goldschmiedezeichen 22. 

Wasser- und Weinkännchen, Silber, H. 10 cm, auf ovalem Teller mit 
Verzierungen in Regencemuster. Auf dem Deckel verschnörkelte Monogramme 



*) Vgl. die Glocke von 1854. 



117 



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16 



113 Heiningen 

..l*F" (?) und ,,SG" (?). Weihekreuz 13- Goldschmiedezeichen an allen drei Stücken: 
Braunschweiger Beschau wie Nr. 3, .Jahresbuchstabe B wie Nr. 6 und L S. 

Wasserbehüller, Deckelkruß, Zinn, H. 10 cm, 12 cm. Auf dem Deckel 
die fJekreuzlen Schlüssel, das Wappen von Heiningen. Vorn eingraviert ,,I. H. S.". 

Wein- und Wasserkännchen , Zinn, zum alltäglichen Gebrauch. 

Bern wardskreuz (Taf. 44b). Holz, mil vergoldetem Silberfiligran mit 
Steinen auf goldplattiertem Grunde. H. (ohne Sockel) 38,5 cm. Lateinisches Kreuz 
mit kreisförmigem Mittelstück und den für die Form des ,,Bernwardskreuzes" 
typischen Verbreiterungen an den Enden. 

Im Reliquienbehäller des Mittelstückes (mit späterem Deckel) angeblich ein 
Teilchen vom Kreuze Christi. Vier Gemmen (,,Alsengemmen") mit Tierkreis- 
zeichen und vier ungeschliffene Edelsteine umgeben die Kapsel. In gleichmäßiger 
W'rleilung sind im ganzen 67 Edelsteine, Halbedelsteine und Glasflüsse (darunter 
\[) Amethyste, ein Achat, ein Smaragd) auf dem Kreuz angebracht, zwei Steine 
davon sind verlorengegangen. Angebliche Entstehungszeit: erste Hälfte 11. Jahrh. 
Wahrscheinliche (auf Grund der Stilkritik): um 1200. Rückseite: Holz, 

Kruzifix, Silber, 1,10 m hoch (Taf. 44a). Silberplattiertes Holzkreuz, auf 
dreiseitigem reichverzierten Fuß mit Wappenschildchen und Monogramm I H S. 
Regenceform. 

Zwei Siegelst empel, spitzoval, des Klosters Heiningen, mit Darstellung 
von Petrus und Paulus, Umschrift: „+ S'APOSTCRi) PETRI ET PAVLI 
IN HENIGGE", und des Propstes in Heiningen, mit Darstellung des Petrus 
und der kleinen knienden Figur des Propstes, Umschrift: ,, ^'S PREPO SITI ■ 
IN • HENIGE " (Abb. 44 u. 45)". 

Glocken: Zwei 1883 von J. J. Radler in Hildesheim gegossen. Die dritte, 
0,65 m, mit Ziergliedern unterhalb der Haube. Am langen Felde: ,,DNA CATH: 
MEILL ANNO 1692 ME FUNDI / GUBERNIUM ME REFUNDI CU- 
RAVIT. / SUB PASTORE G. SCHWACHHEIM 1854 GEGOSSEN VON 
J. C. J. WICKE IN BRAUNSCHWEIG." 

Einen besonderen Reichtum besitzt die Kirche an Antependien, die im 
Turm aufbewahrt werden (größtenteils datiert) : 

1. (Taf. 45c) 1699. Aus gemusterter weißer Seide, in Gold- und Silberstickerei 
Christus in der Kelter. Gottvater dreht die Kreuzkelter zu, zwei Engel knien da- 
neben, einer hält die Kleider, der andere fängt das Blut aus der Seitenwunde in 
einem Pokal auf, während das Blut aus Händen und Füßen in die Kelter strömt. 
Ein dritter Engel (links) sammelt Trauben. An der Gottvater entsprechenden 
Stelle links die Taube des Heiligen Geistes. Auf zwei Schriftbändern die Sprüche : 
,,SIC DEUS DILEXIT MUNDUM" und „PROPRIO FILIO SUO NON 
PEPERCIT DE", letzterer in Spiegelschrift. Außerdem die Buchstaben ,,T M 
P H" und die Jahreszahl ,,1699". Auf dem blumigen Grunde befinden sich noch 
eine Reihe allegorisch-mystischer Darstellungen. Rankenge winde als Kante zu 
beiden Seiten und oben. 

2. (Taf. 45b) 1698. In ähnlicher Weise wie Nr. 1. Krönung Maria mit vier 
Engeln als Beistand und vier musizierenden Engeln. Bezeichnung: ,,T M P H" 
und „1698". 



Heiningen 



119 



3. 1697. Darstellung der Prädikate der Mutter Gottes in allegorischer Form 
nach der Lauretanischen Litanei und dem alten Testament. 

4. 1687. Darstellung der Bildnisse der zwei königlichen Stifterinnen des Klo- 
sters Heiningen mit Szepter und dem Kirchenmodell auf rotem Seidengrund. 
Die Kirche als dreischiffiges Langhaus mit Turm. Seitlich Blumenranken und die 
Inschrift: ,,Ad majorem Dei gloriam C M D H." 

5. 1686. Darstellung der Heiligen Familie mit der Inschrift: ,.Ad majorem 
Dei gloriam" und Rosengerank, darin 2 kleine Hirsche. 





Abb. 44 II. 45. Siegel des Klosters Heiningen und des Propstes in Heiningen [v. 1?.]. 

6. 1680. Wollstickerei auf Gitterleinwand. Drei seidengeslickle Figuren in 
Aufnäharbeit, die Mutter Gottes auf dem Thron, Augustinus und Bernward. In- 
schrift: PH PH N.B DH ANO 1680. 

7. Ohne Jahreszahl. Blauseidenes Antependium mit Streumuster von ge- 
stickten Blumen. 18. Jahrh. 

Vier weitere gemalte Antependien sind weniger bedeutend. 

Gewänder: Unter den kirchlichen Gewändern ist eine Kasel vom .Ja lue 
1680 bemerkenswert. Aufnäharbeit auf neuerem Seidenripsgrund. Darstellung der 
Kreuzigung mit Maria und Johannes. Darunter drei kleinere Auferstehungshilder. 
Maria Magdalena, die drei Frauen am Grabe und die zwei .Jünger von Fnnnaus. 
— Ein Pluviale vom Jahre 1700 mit den Figuren von Petrus und Paulus. 



DAS HirTKRCirT (ehemaliges Klosteri. 

Von dem ehemaligen Klostergut lial sich der größte Teil der aus dem hS. Jahr- 
hundert stammenden Gebäude und somit der alte Charakter des Wirtschafts- 
betriebes des Klosters erhallen. Inmitten des «großen Hofes ein reizvoller arhl- 



-|20 llciniiif^en 

seiliger Tauben lurm mit geschweifter Haube (Tat. 481)); Wetterfahne von 1713 
mit dem Ileiriinger Wappenbild. Hauptzugang zum Hof im Westen. Triumph- 
bogenarliges Tor in Bruchstein mit Werksteinecken, im Schlußstein „Anno 1702". 
Von den drei rundbogigen Durchgängen bildet der mittlere das Wagentor. Be- 
schiefertes Walmdach mit Kupferkugeln auf den Anfallspunkten. .Mittelteil im 
Mauerwerk dicker und höher. Wandflächen rauh geputzt (Taf. l.'^d). 

Scheunen und Sialiungen in ähnlicher Bauart. Datumsteine geben die 
unterschiedlichen Bauzeiten an (Scheune 1705, Gutsmauer 1715; nördlicher Stall 
,,1721 J L F P MIS D"). (iut gegliedert ist die Ostseite des südlichen Stalles 
mit bekrönendem achtseitigen Dachreiter unter geschweifter Haube (Taf. 48c). 
Inschrifltafel mit von einem Lorbeerkranze umrahmten Schriftoval: „STE- 
PHANUS / PIEL. PRAEPOSITUS / CATHARINA PHILIPPINA / 
FEIGEN • DOMINA / ANNO 1738 / DIE 5 AUGUSTI." Massiver statt- 
licher Pferdestall. Innenmaße rund 32,50 x 10,00 m. Mauerstärke 1,00 m. Über- 
deckung durch sieben Joch rippenloser Kreuzgewölbe auf Mittelpfeilern. Bauzeit 
wahrscheinlich die gleiche wie die des anstoßenden östlichen Eck bau es. Dieser 
mit rundbogigem Eingangsportal und Schriftplatte: ,,D AMI ANUS BOR- 
SCHETT PROBST. PROT. IN GRAWHOFF CATHARINA PHILIP- 
PINA FEIGEN 1746." Der an der Südostseite des Hofes hinter dem Herrenhaus 
liegende Speicher bildet jetzt den Abschluß gegen den Kirchhof. 

Das Herrenhaus, einst Priorenwohnhaus, ist als Abschlull einer Parkanlage 
an das südlich gelegene ehemalige Konventualengebäude angebaut. Zweigeschossiger 
Putzbau unter abgewalmtem Satteldach. Fenster rechteckig mit Werkstein um- 
rahmt. Zahnschnittartige Werksteinecken. An der Westseite ein durch Portal 
mit Rundsäulen betonter Eingang vom Park. Haupteingang an der Ostseite 
mit kurzer Freitreppe. Stattliche Eingangshalle mit rückwärtiger Treppe. Bauzeit 
etwa Mitte 18. Jahrh. (Taf. 48 d). 

Das Konventualengebäude ist gleichzeitig mit dem Herrenhaus erbaut. 
Ähnlich wie in Grauhof wurde das Erdgeschoß zugleich als Kreuzgang benutzt, 
der - wahrscheinlich im Jahre 1820 -- in Zimmer aufgeteilt worden ist. Gerade 
Balkendecke. Ecken in Stuck abgerundet. Nach Überlieferung sollen sich unter 
den Räumen Gräber befinden. Im Obergeschoß des Gebäudes ein im Winkel an- 
gelegter Flur, offenbar das Obergeschoß des ehemaligen Kreuzganges. In diesem 
Flur ein 1,52x1,70 m großes, in 20 P'elder aufgeteiltes Ölgemälde (Leinwand), 
auf dem, nebst Beischriften, die Geschichte des Klosters von der Gründung an 
dargestellt ist. Das letzte Bild ist 1714 datiert. Außer diesem, vielleicht als Ent- 
wurfsskizze ausgeführtem Bilde hängen 20 Ölgemälde, etwa 1,50x1,70 m groß, 
an den Wänden, Vergrößerungen der Einzeldarstellungen des obigen Bildes. Porträts 
von Pröpsten und Priorinnen des ehemaligen Klosters im Treppenflur des 1. Stockes 
im Herrenhaus. 

Ein steinernes Stationsbild (Kreuztragung). Anfang lö. Jahrh., ähnlich 
dem an der Südwand der kath. Kirche (vgl. Taf. 43c), befindet sich an der Süd- 
niauer des Herrenhauses. 



Heiningen 121 

II. Evangelische Kirche. 

Quellen: Staats-Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74, Amt Wöltingerode, III.. 
X. 1, 4 1, 7, 12; Hann. des. 83, C, IV., 5 n. ~ Bibl. H. V. N., Handschrift 317. - 
Pfarrarchiv Burgdorf, Akten. 

Literatur : Blume, Heimat, S. 305 ff. — Kayser, Visitationen, S. 55 ff. - Mit- 
hoff, Kunstdenkmale, S. 91. - Mithoff, Kirchen und Kap., S. 4. - Zobel, Heimat- 
buch, S. 142 ff. 

GESCHICHTE: Während der Zeiten, wo im Kloster Heiningen die evangelische 
Lehre herrschte (1542—47, 1568—1629 bzw. 1643), konnten die Einwohner Heiningens 
die lutherischen Gottesdienste in der Klosterkirche besuchen, später mußten sie nach 
den benachbarten Kirchen gehen. Die evangelische Gemeinde in Heiningen war mit 
verschiedenen Pfarren verbunden, so im 17. Jahrhundert mit Dorstadt, 1733 wurde 
sie Burgdorf eingepfarrt. Die Gottesdienste fanden in der evangelischen Schule statt, 
da 1745 ein Raum, insbesondere für die kirchlichen Zwecke, angebaut wurde. 1825 
erhielt die Gemeinde für ihre kleine Kirche eine Glocke von dem Einwohner H. Nims 
geschenkt, doch war die Kirche im Schulhause sehr baufällig, so daß sie 1827 wegen 
Einsturzgefahr geschlossen wurde. 

1831 fing man den Bau einer evangelischen Kirche in Heiningen an, nach manchen 
Schwierigkeiten konnte das Gotteshaus am 28. Oktober 1832 eingeweiht werden. Der 
Plan der Kirche hatte bereits ein Jahrzehnt vorher der Wegebaumeister Siegener ent- 
worfen, er ist anscheinend mit gewissen Abänderungen dem Neubau zugrunde gelegt. 
Die Altarwand mit Altar und die Kanzel fertigte Tischlermeister Loose in Heiningen 
an, Steine kamen aus dem Steinbruch des Gutes Heiningen, die Sandsteinquadern 
aus den Brüchen von Lutter, der Dachschiefer aus Goslar. Die Durchführung des 
Kirchenneubaues lag in den Händen des Pastors Schmahlstieg in Burgdorf, zu dessen 
Pfarre die evangelische Gemeinde in Heiningen gehörte. 1845 ist die Orgel von dem 
Orgelbauer Lindrum in Goslar erbaut. 1853 wurde eine neue Glocke angeschafft, da 
die 1824 der Kirche geschenkte Glocke gesprungen war. Zum 100jährigen Jubiläum 
der Kirche 1932 ließ man das Kircheninnere neu ausmalen. 

Das Patronat über die evangelische Kirche in Heiningen hatte bis 1568 das 
Kloster Heiningen, seitdem übte es der Landesherr aus. 

BESCHREIBUNG: Die evangelische Kirche in Heiningen ist als Saalkirche 
über einem Rechteck von 13,25x10,25 m in berührtem und geputztem Facliwerk 
(Rauhputz) erbaut. Fensterumrahmungen aus Holz, Westseite mit Daclipfannen 
behängt. Walmdach. Auf dem Anfallspunkt der beschieferten Grate ein gleichfalls 
beschieferter Dachreiter für die Glocken über quadratischem Grundriß, oben mit 
schlichtem Gesimse und flacher Haube. Kugel und Wetterfahne von 1829. Jahres- 
zahl über der Eingangstür: ,,MDCCCXXXI". Es scheint danach die Kirche erst 
1831 ihre jetzige Türumrahmung erhalten zu haben (neuerdings durch einen ein- 
fachen Windfang geschützt). Der Sandsteinsockcl ist erst nachträglich unter- 
gemauert. Die Längsseiten mit je drei, die Ostseite mit zwei Fenslein. Niedriger 
Giebel in Höhe der Traufe an der Westseite, Traufgesims um das (Viebelt'eld luMum- 
geführt (Taf. 48a). 

Das Innere mit fhichgewölbter iiölzerner Bogendecke. Im Westen eine Em- 
pore zur Aufnahme der Orgel. 

Zwei Altarleuchter, H. 39 cm, Zinn. Säuienlorm. Am l^'uß die Buchstaben: 
„H. 0." und „1832". 



-122 Heiningen 

Abend mahl sgeräLe: Weinkaiiiu', Zinn, H. .'il cm. Aufschrift: ,,Frau 
Plumeyer gebohrcne A. Rese in Heiningen 1859. " 

Kelch, Messing, H. Ib cm, nichl mehr in Benutzung, in drei Teile (Kujj()a, 
Schaft, Fuß) zerlegbar, die durch eine lange eiserne Schraube zusammengehalten 
werden. Knauf schlicht. Unter dem Fuß: „CASPER NETTKN" und „HANS 
RH:HERS". Anfang 19. Jahrb.? 

Patcne, Messing, schmucklos. 

Bibel, 1768 in Nürnberg (Johann Andrea Endterris) gedruckt, H. 0,45 cm, 
B. 0,29 cm, Dicke 13 cm. Einband mit Lederintarsia und Goldpressung (Taf. 49a). 



Heißum. 

Evangelische Kapelle. 

Quellen: 1. Beverina: Diarium parochiae catholicae in Heissum. 18. Jahr- 
hundert bis 1803. Staats-Arch. Hann., Akt. Rann. des. 74, Amt Liebenburg, IL; 
G. 1 n und G. 2 b. - Bibl. H. V. N., Handschrift 317. — Schloßarchiv Ringelheim, 
Akten.-" Pfarrarchiv Othfresen, Akte über Kapellenbau in Heißum 1865/66.-- Gravamina 
der evangelischen Stände. 1703. -- Bericht, Niederreißung Kirche Heißum 1705. 
2. U. B. Hild., L- IV., VI. - U. B. Goslar, 1.— V. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 43, 81. - Bericht, Niederreißung Kirche 
Heißum. - Bertram, Gesch. Bist. Hild., HL, S. 93 ff., 99, 111, 113, 116, 159, 249. — 
Bertram, Bischöfe, S. 200. — Blume, Heimat, S. 106 ff. — Bornstedt, Siedlungen, 
S. 17. — Kayser, Visitationen, S. 152. - Lüntzel, Alt. Diözese, S. 254. -- Mithoff, 
Kunstdenkmale, S. 92. - Mithoff, Kirchen und Kap., S. 22, 25. — Zobel, Heimat- 
buch, S. 298 ff. 

GESCHICHTE: Heißum wird zuerst urkundlich erwähnt, als 1131 Bischof Bern- 
hard von Hildesheim die Besitzungen des Stiftes St. Georgenberg bei Goslar bestätigt; 
damals besaß das Stift in „Hoisem" 10% Hufen Land und 20 Hausstellen, den Zehnten, 
den es bis zum 19. Jahrhundert behielt, und die Mühle. Außerdem hatte das Kloster 
Ringelheim in Heißum 4 Hufen, ferner das Domstift in Goslar eine Hufe. 1254 besaß 
das Stift St. Georgenberg bereits 20 Hufen in Heißum, es ließ sich die Vogtei darüber 
von Hoier, dem Grafen von Harzburg, verpfänden. Im Jahre 1307 gestattete Bischof 
Sigfried von Hildesheim dem Stifte St. Georgenberg, in ,,Hoyssen" eine Kapelle zu 
bauen und diese mit einem Priester zu besetzen. 

Nachdem 1523 Heißum mit dem ,, Großen Stift" an Braunschweig- Wolfenbüttel 
gefallen war, wurde 1542 die Reformation eingeführt. Die Kirche wird damals als 
Tochterkirche von Othfresen bezeichnet. Als 1643 das „Große Stift" an das Bistum 
Hildesheim zurückgekommen war, entstand um die Kapelle in Heißum ein langwieriger 
Streit zwischen Protestanten und Katholiken. Das Kloster Grauhof bemühte sich, 
die Kapelle zurückzugewinnen, Ende des 17. Jahrhunderts ließ der Propst Göken zu 
Grauhof die verfallene Kapelle wiederherstellen und richtete den katholischen Gottes- 
dienst dort wieder ein. Die Protestanten dagegen wiesen darauf hin, daß in dem für 
die Regelung der geistlichen Güter und der Religionsübung festgesetzten Normaljahre 
1624 die Kapelle zu Heißum zur evangelischen Pfarre Othfresen gehört habe, 1692 
strengten die evangelischen Landstände einen Prozeß beim Heichskammergericht wegen 
der Kapelle zu Heißum an. Trotz zweimaliger Mandate des Reichskammergerichts 



Heißum 123 

zog sich die Entscheidung des Streitfalles noch 20 Jahre hinaus. Im November 1702 
ließ der Propst Göken zu Grauhof kurzerhand die lutherische Kirche in Heißum unter 
dem Vorwand, daß sie baufällig sei, abbrechen und am Südende des Dorfes*) ein neues 
Gotteshaus für die Katholiken aufbauen. Es gab nun neue Streitschriften und eine 
neue Klage der evangelischen Landstände, 1711 endlich versuchte man, im sogenannten 
Hildesheimer Religionsrezeß eine Regelung herbeizuführen. Danach sollte die katholische 
Kirche in Heißum bestehen bleiben, aber den Protestanten eine neue Kirche erbaut 
werden. Auf Anordnung des Domkapitels in Hildesheim wurde eine neue schlichte 
Kapelle für die augsburgischen Konfessions- Verwandten erbaut, in der seit 1723 jähr- 
lich viermal Gottesdienst abgehalten wird. 

Infolge der Säkularisation des Klosters Grauhof sind 1803 die katholische Pfarre 
und Schule in Heißum aufgehoben. 1833 wurden die katholische Kirche und Schule 
für 795 Tlr. verkauft, die Kirche wurde abgebrochen. Die Kirchenbücher der katho- 
lischen Kapelle in Heißum wurden der katholischen Pfane in Liebenburg übergeben. 
1805 lieferte Pastor Schlanstein zu Grauhof ein Ziborium, welches er aus der katho- 
lischen Kirche in Heißum erhalten hatte, an die Jakobikirche in Goslar ab. Der Altar 
der katholischen Kirche in Heißum ist nach örtlicher Überlieferung jetzt als südlicher 
Nebenaltar in der katholischen Schloßkirche in Liebenburg aufgestellt. 

Der von Mithoff erwähnte, nicht mehr im Gebrauch befindliche Taufstein vom 
Jahre 1579 ist hier nicht mehr vorhanden. Nach der örtlichen Überlieferung soll er 
nach Beinum gekommen sein. Jetzt ist er dort nicht mehr festzustellen. 

BESCHREIBUNG: Die Kapelle ist über einem Rechteck von 12,00x5,50 m 
mit 4,50 m breitem, 2,80 m tiefem Chor in Eichenfachwerk auf 0,80 m hohem, mil 
Backsteinrollschicht belegtem Sandsteinsockel erbaut. 11 Gefache an den Längs- 
wänden. Beiderseits spitzbogige Holzfenster, in der Ostwand ein zweiteiliges. 
Chordach abgewalmt. Die Westwand, in der sich der mit Schieferumrahmung ver- 
sehene Eingang befindet, ist mit Biberschwänzen behängt. Krempziegeldach. Im 
Westen achtseitiger mit geschweifter Haube geschlossener beschief erter Dachreiter 
mit Wetterfahne von 1902. Erbauungszeit unsicher (Taf. 50a). 

Das Innere ist schmucklos. Die Westempore wird von einem kräftigen 
Eichenholzstiel getragen, der zugleich den Dachreiter stützt. 

Zwei Altarleuchter, H. 40 cm, Messing-Treibarbeit, versilbert, jetzt außen 
goldbronziert und unansehnlich, mit sechsseitigem Fuß. Auffallend reicher figür- 
licher und ornamentaler Schmuck. Dargestellt sind die 12 Apostel mit ihren 
Attributen unter Beischrift ihres Namens in lateinischen und gotischen Buchstaben 
inmitten von Landschaften. Den Stilformen nach scheinen gotische Vorbilder 
als Modelle gedient zu haben. Als Anfertigungszeit kommt die Zeil um 1730 in 
Frage (Taf. 49 b). 

Zinnkelch: H. 20,5 cm. Inschrift: H. A. ZIEGENBEINN 178G.-- 

Tauf Schüssel: Zinn, H. 4 cm, 18,5 cm. Mil kleinem verzierton (Vriff. 
Daran Inschrift, undeutlich, vielleicht: „J. P P MW.// 1769." 

Glocken: zwei kleine. Am langen Felde die Namen der Kirchenvorsteher. 
Entstammen der Gießerei von „M. lOHAN. DI ED ER ICH LAMPEN IN 
HILDESHEIM. ANNO 1723." 



*) Nach örtlicher Überlieferung auf dem jetzigen Schulgrundstück. 



124 

Hohenrode. 

Gut. Wassermühle. 

Quellen : 1. IMarrarchiv, Oberpfarre Salzgitter, IJrk. von läSS über Kirchen- 
lasten zu Hohenrode. — 2. U. B. Hild., I., II. 

Literatur: Blume, Heimat, S. 92. Bornstedt, Siedlungen, S. 17. Dürre, 
Reg. Wallmoden, Nr. 489, 512, 534, 540, 545 usw. - Hüttebräuker, Erbe Heinrichs 
(I. L., S. 78. - Kayscr, Visitationen, S. 101, 146, 174. Zobel, lleiniatbuch, S. 31 ff. 

GESCHICHTE: Als im Jahre 1209 Papst Innocenz HI. das Kloster Ringelheim 
in seinen Schulz nahm, erscheinen als Besitz des Klosters auch 4 Hufen in ,,Honrodhe". 
Die Vogtei über das Dorf, das in der Nähe einer alten Furt der Innerste entstand, 
besaßen die Grafen von Wohldenberg, 1227 verpfändeten sie die Vogtei dem Kloster 
Ringelheim. In Hohenrode waren auch die Weifen begütert (L. Hüttebräuker, Erbe 
Heinrichs d. L., S. 78), ihr Besitz scheint einem Geschlecht verlehnt zu sein, das sich 
nach dem Orte nannte. Der 1298 in einer Verkaufsurkunde des Klosters Ringclheim 
auftauchende Geistliche ,,01ricus de Honrode" gehörte vermutlich diesem Geschlecht an. 

Im 16. Jahrhundert war das braunschweigische Lehnsgut Hohenrode im Besitz 
verschiedener Familien, die von den Braunschweiger Herzögen damit belehnt waren. 
1577 wurde Karsten von Wobersau mit dem adligen Gut zu Honrode von Herzog 
Julius belehnt, doch blieb die Rechtsprechung dem Amte Liebenburg vorbehalten. 
Von den von Wobersau kaufte Tedel von Wallmoden aus der Linie des Oberhauses 
Wallmoden 1597 das Lehnsgut Hohenrode. Nach dem Aussterben der Linie des Ober- 
hauses im Jahre 1827 erhielt das Unterhaus mit dem Oberhof auch Hohenrode zurück. 
Den von Wallmoden stand auch der Zehnte in Hohenrode zu. 

In Hohenrode befand sich eine ,,St. Margarethen-Kapelle", die aber 1571 bereits 
,, zerfallen" war. 

1831 wurde eine Mühle in Hohenrode durch Thedel Friedrich Christof von Wall- 
moden, der 1827 das gesamte Stammgut der Familie wieder vereinigte, und seine 
Gemahlin Augusta von Wallmoden, geb. von Münchhausen, erbaut. 

BESCHREIBUNG: Die Gebäude des kleinen am rechten Ufer der Innerste 
liegenden Ortes sind durchweg unbedeutend. Der Gutshof besitzt noch einige 
Baulichkeiten aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Wassermühle aus 
Fachwerk auf Sandsteinsockel mit Biberschwanzbehang auf der Südseite. Die 
Südwand aus Quadermauerwerk ist bis zur Sohle des Mühlengrabens am Unter- 
haupt des Stauwehres hinabgeführt (Taf. 50b). An derselben eine etwa 0,55 m 
hohe, 1,50 m breite Inschrifttafel aus Sandstein, die in einer Umrahmung die Namen 
enthält: „THEDEL . FRIEDRICH . CHRISTOPH • VON // WALL- 
MODEN CHARLOTTE //AUGUSTE VON . WALLMODEN. // GEB = 
VON MÜNCHHAUSEN • 1831." 



Immenrode. 

Evangelische Kirche. 

Quellen: 1. Staats-Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74, Amt Wöltingerode, HL, X. 
1, 4 h. - Bibl. H. V. N„ Handschrift 317. - Pfarrarchiv Immenrode: Bruchstücke 
über Kirche, Pfarre, Prediger. Abschrift einer Schrift, die 1756 in den Knopf des 
Kirchturms gelegt wurde, 1806 ergänzt. - Bauakten 1864/65, von Pastor Böhmer: Ma- 
terial zu einer Kirchenchronik. - 2. U. B. Hild., I.—VI. — U. B. Goslar, L— V. 



Immenrüde 125 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 56, 94, 107. — Bertram, Gesch. Bist. Hild., 
I., S. 340. Bertram, Bischöfe, I., S. 126, 340. - Blume, Heimat, S. 396 ff. - Boni- 
stedt, Siedlungen, S. 17. ~ Crusius, Denkwürd., Wöltingerode, Vat. Arch. 1843, S. 112. 
Kayser, Visitationen, S. 186. Klewitz, Territ. Entwicklung, S. 25. — Lüntzel, Alt. 
Diözese, S. 174, 321. Lüntzel, Gesch. Diözese, I., S. 87. ~ Mithoff, Kunstdenkmale, 
S. 188. — Mithoff, Kirchen und Kap., S. 5. — Zobel, Heimatbuch, S. 230 ff. 

GESCHICHTE: Immenrode wird zuerst in einer Kaiserurkunde Heinrichs IV. er- 
wähnt. Am 7. Januar 1086 schenkte der Kaiser in Worms der Hildesheimer Kirche 
die Kaiserpfalz Werla mit allem Zubehör, den Dörfern Immenrode und Gitter am 
Berge (Immenrothe et lehthere) und 200 Hufen Grundbesitz. Als 1108 Kaiser Hein- 
rich V. das Stift Georgenberg dem Hochstift Hildesheim schenkte, fügte er einen be- 
deutenden Grundbesitz hinzu, unter anderem den Wald AI, der zwischen den beiden 
öffentlichen Straßen lag, die nach Beningerothe (bei Riechenberg) und nach ,, Immen- 
rothe" führten. Wenn 1131 der Hildesheimer Bischof diese Straßen als ,,publicae et 
antiquae viae" bezeichnet, so läßt diese Benennung auch einen Rückschluß zu nicht 
nur auf die Bedeutung und das hohe Alter der Immenröder Straße, sondern auch auf 
ein frühzeitiges Entstehen des Ortes an diesem alten Verkehrswege, der von Immen- 
rode nach Weddingen weiterführte, wo er sich dann in die Richtungen nach Döhren, 
Lewe, Salzgitter und nach Wehre, Schiaden, Werla gabelte. 

Reichen Grundbesitz hatte das Kloster Neuwerk zu Goslar in Immenrode, 1246 
erwarb es auch den Zehnten von den Grafen Heinrich und Burchard von Wohldenberg. 
Außerdem hatte das Domstift zu Goslar hier Land erworben. Als Adelsfamilie finden 
wir die Grafen von Holstein in Immenrode begütert, von ihnen trugen die Herren 
von Harlungeberg 20 Hufen vor Immenrode zu Lehen, die 1303 — 05 von dem Kloster 
Neuwerk gekauft wurden. 

Über die älteste Kirche des Dorfes haben wir keine Nachrichten. ,, Hermanns ple- 
banus in Ymmenroth" erscheint 1261; 1288 erfahren wir, daß ein Priester in Immen- 
rode einen Streit mit einem Goslarer Geistlichen hatte. 

Patrone waren am Ende des 13. Jahrhunderts die Grafen von Holstein. 1280 kam 
das Patronat an die Brüder Jordan, Heinrich und Widekind von Harlingeberg, 1345 
an das Kloster Wöltingerode, bei dem es bis zur Aufhebung des Klosters (1809) ver- 
blieb, dann ging es an den Staat über. 

Die Kirche war den Schutzheiligen Cosmas und Damianus geweiht. Nachdem um 
die Mitte des 16. Jahrhunderts (nach einer im Turmknopf gefundenen Mitteilung im 
Jahre 1561) die Gemeinde evangelisch geworden war, fand 1580 eine Erneuerung der 
Kirche, 1581 eine solche des Turmes statt. Diese erneuerte Kirche, gegen die älteste 
etwas versetzt, hatte einen Anbau nach der Pfarre hin, der ,,die Schule" hieß und 
erst zur Zeit des Pastors Georg Christian Trumpf (1710 — 49) beseitigt wurde. Trumpf 
ließ 1715 den stark verfallenen Turm gründlich erneuern (Gedenktafel an der West- 
seite); auch das alte Kirchengebäude wurde damals ausgebessert (Jahreszahl an der 
Nordseite). Im Jahre 1739 wurde die Kirche nach Osten durch einen Fachwerkbau 
erweitert. Dabei ist die alte Apsis abgerissen und der neue Chor gerade geschlossen. 
Die Kanzel befand sich (nach dem Gutachten des Baurats C. W. Hase über die alte 
Kirche) oberhalb des Altars, hinter demselben war eine kleine Sakristei. Der 
Chorraum war (nach Hase) mit einer ungebührlich über das Maß hinausgehenden Zahl 
von Kinderbänken und an den Seiten mit etwa 50 chorstuhlmäßig geformten Sitzen 
ausgestattet. Vor Kirche und Turm war ein Vorbau aus Holz angebaut, in welchem 
der Haupteingang zur Kirche lag. Dieser Vorbau enthielt eine romanische Tür mit 
Beschlag, die offenbar ursprünglich den Eingang zur Kirche selbst bildete. Die Tür 
ist beim Umbau der Kirche 1800 dem Kunstgewerbemuseum in Hannover überwiesen. 
Ferner hatte die Kirche (nach Hase) Fenster, welche in viereckige Holzrahmen ein- 
gefügt waren. 



126 



Immenrode 



1835 ließ Pastoj- (^rusius Altar uiul Kanzel auf seine Kosten von dem Immen- 
röder Tischler Korete vermalen, dann beschloß die Gemeinde im folgenden Jahre die 
allgemeine Ausmalung der Kirche, ,, damit in dieser Hinsicht die Kirche den Wirts- 
liäusern nicht nachstehe". 1894 ist die Kirche durch Baurat C. W. Hase erneuert, 
umgebaut und erweitert. Der obenerwähnte Vorbau wurde beseitigt, auf der Süfl- 
seite des Turmes eine besondere Tür hergeslellt und die Kirche nach Osten durch eine 
in Fachwerk hergestellte fünlseitige Apsis erweitert. An der Nordseite dieser Apsis 
ist damals die Sakristei eingebaut. Die beiden 1864 umgebauten und erweiterten 
Priechen blieben bestehen. Die Orgel stammt aus den Jahren 1864/65, sie wurde von 
dem Orgelbauer Engelhardt aus Herzberg i. H. erbaut. Bei dem Umbau im Jahre 
1894 sind zwei steinerne Grabplatten aus dem Innern der Kirche in die Turmlialle 
versetzt. Im August 1928 schlug der Blitz in den Kirchturm und beschädigte ihn 
stark; der Schaden belief sich auf 4500 M. 

BP^ SCHREIB UN G: Von der romanischen Kirche ist nur noch der über fast 
quadratischer Grundform in Bruchstein errichtete West türm erhalten. An jeder 
Seite in Höhe der Glockenstube zwei gekuppelte Schallöffnungen 
mit Mittelsäule (Abb. 46), an der Nordseite vermauert. Helm 
achteckig, unten geschweift, beschiefert. Wetterfahne von 1750 
mit galoppierendem Pferd. An der Westseite des Turmes ein 
Inschriftstein von 1715 mit dem Namen Trumphs (nur teil- 
weise lesbar). Die gleiche Jahreszahl auch an der Nordseite des 
Schiffes. Dieses hat in seinem westlichen Teil im 16. Jahr- 
hundert erneuerte Umfassungswände in Bruchstein, die teilweise 
auf ursprünglichen Mauerzügen aufgeführt zu sein scheinen. Die 
Gewände der rundbogigen Fenster sind neu. Nach Osten schließt 
sich an das alte Langhaus eine Erweiterung von derselben Länge 
in Fachwerk mit Bruchsteinausmauerung der Gefache an. Etwa 
Mitte des 18. Jahrhunderts. (Damals wurde auch an der Süd- 
seite ein jetzt nicht mehr vorhandener Anbau Bahrenraum - 
angefügt.) Polygonaler Chor in Fachwerk mit Backsteinausmaue- 
rung, verputzt, von C. W. Hase 1894. (Wahrscheinlich ist damals 
auch der kleine Dachreiter auf dem östlichen Schiffsgiebel er- 
neuert) (Taf. 50 c). 
Die einstige Eingangstür, später (etwa seit 1715) als Zugangstür zum 
Bahrenraum an der Südseite verwendet, befindet sich seit 1896 im Leibnizhause 
in Hannover (Kunstgewerbemuseum). Tannenholz, Maße 2,00x1,20 m, 5 cm 
dick. Eiserne Beschläge von hervorragender Schmiedearbeit. 13. Jahrh. (Abb. 47 
und Taf. 52a). 

Inneres, mit flachgewölbter Bretterdecke und teilweise sichtbarer Holz- 
konstruktion überdeckt. 

Ausstattung: 

Altar, Kanzel, Orgel und die beiden übereinanderliegenden Westemporen sind neu. 

Tauf stein von etwa 1800, H. 0,90 m. Schlicht, Becken oval, mit Monogramm 
Christi. 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Silber, Kuppa innen vergoldet, H. 21,5 cm. 
Nachgeahmt gotische Form. Inschrift am Fuße: ,, Immen Rödische Kirche 1717." 




Abb. 46. Immen- 
rode, Kirche, 

Turm. Schallöff- 
nung (1:40). 



Tninu'tirode 



127 



Patene, 14,ö cm. Im Boden ein getriebener Vierpaß, 

Zinnkelch, H. 16,5 cm, vom Ende 18. Jahrh. Die zugehörige Patene, 1901 
noch vorhanden, konnte 1928 nicht mehr festgestellt werden. 

Zwei Altarleuchter, Zinn, H. 55 cm, Dockenform. Unterteil dreikantig, 
Regeneeornamente. Inschriften: 1. ,, CONRAD FREÜTEL 30", 2. „CONRAD 
FREUDEL 30." 

Kronleuchter, Messing, sechsarmig, mit Doppeladler, der Form nach vom 
Ende 17. Jahrh. 

Tauf Schüssel, Zinn, 27 cm. Randinschrift: ,, Johanna Dorothea Bossin 
geb. Rössig 1795, Johann Christoph Bosse." Zu- 
gehörige Kanne von 1879. 

Kruzifix, Holz. Korpus H. 0,65 m. Zweite 
Hälfte 15. Jahrh., Kreuz neu. Ah der Brüstung 
der unteren Westempore (Taf. 55c). 

Zwei Glocken: 1. von 1849, 0,90 m. 
Am langen Felde unterhalb eines Zierfrieses 
eine gereimte Inschrift, wonach die Glocke 1788 
in Halberstadt gegossen, 1817 umgegossen und 
nach Neuguß in Goslar 1849 durch C. H. Stützer 
aus Benneckenstein den Namen ,,Constantia" 
erhalten hat. 2. 1907 durch Radler in Hildesheim 
geliefert, 0,77 m, als Ersatz für eine kleinere 
von 1680. Diese trug eine zweizeilige Inschrift 
mit Namen am langen Felde und auf zwei Seiten 
die Naturabgüsse von je drei Weidenblättern. 

Grabstein des 1671 verstorbenen Pastors 
Paulus Salder in der Turnihalle mit zwei Wappen. 

Eine große gemalte Holztafel vom Jahre 
1726 trägt eine vom Pastor Georg Christian 
Trumpft verfaßte lange gereimte Inschrift, die 
Namen und Amtsdauer der in Immenrode seit 

Einführung der Reformation (1561) amtierenden Geistlichen angibt. In der Kirche 
an der Nordwand. 

Im Vorwerk der Domäne Weddingen, das wie ein Bauernhof angelegt 
ist (Taf. 52d), waren 1901 zwei alte eiserne Öfen mit einer Platte mit Darstellung 
des wilden Mannes in Regenceumrahmung 1738, und ein Unterofen von 1810, 
der Füße mit 2 Löwen hatte, vorhanden, die 1928 nicht mehr zu finden waren. 




Abb. 47. Kii'chentür aus Inimenrode im 
I.eibnizliaiis in Hannover (1:25). 



Jerstedt. 

Evangelische Kirche. Windmühle. 



Quellen: 1. Staats-Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74, Amt Liebenburg, IL. 
G. lo. — Bibl. H. V. N.. Handschrift 317. — Pfarrarchiv .lerstedt, Akten. 2. V. B. 
Hild., L, IV.— VI. - U. B. Goslar, I. -V. 



-|28 .lerstedt 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 41. Bornstedt, Siedlungen, S. 17. — 

Dürre, Reg. Wallnioden, Nr. 1. Hüttebräuker, Erbe Heinrichs d. L., S. 80. — Kayser, 
Visitationen, S. 153. Lüntzel, Alt. 'Diözese, S. 110, 167, 252. Lüntzel, Gesch. 

Diözese, I., S. 87, II., 250. Machens, Archidiakonate, S. 59. Mithoff, Kunstdenk- 
male, S. 188. Mitholl', Kirclien und Kap., S. 5. Worneburg, Gau und Grafschaft, 
S. 48. Zobel, Heimatbuch, S. 271 ff. 

(iE SC II IC UTE : Nach Kayser (Visitationen) soll ursprünglich das Klostei' liingel- 
heini in Jerstedt eine Kapelle unterhalten haben. Diese Angabe stützt sich wohl auf 
die unechte Stiftungsurkunde des Klosters Ringelheini, angeblich von Otto I. im 
Jahre 940 ausgestellt. In dieser Fälschung wird auch .IcrstedL unter den Besitztümern 
des Klosters genannt. 1047 schenkte Kaiser Heinrich III. die Güter, die er in „loco 
Gerstiti, situm in pago Densiga in comitatu Christiani comitis" besitzt, dem Dom- 
stift in Goslar, das er und seine Gattin Agnes gegründet hatten. Aus der Urkunde 
Heinrichs III. ist zu ersehen, daß in Jerstedt ein bedeutendes königliches Gut war, 
zu dem unfreie Bauern gehörten. Diese hörigen Bauern blieben fortan von dem Dom- 
stift in Goslar abhängig,. Im 12. Jahrhundert erwarb (his benachbarte Kloster Riechen- 
berg Besitz in Jerstedt. Zwar sind die Stiftungsurkunden des Klosters Riechenberg, 
die angeblich König Lothar 1131 ausgestellt hat, Fälschungen, doch ist die Bestätigungs- 
urkunde der Freiheiten und des Güterbesitzes echt, die um 1154 Bischof Bruno von 
Hildesheim ausstellt. In dieser Urkunde wird Besitz des Riechenberger Klosters in 
Jerstedt erwähnt, den es bereits einige Zeit hatte. 

Als Grundbesitzer tauchen im 13. Jahrhundert auf die Herren von dem Dike 
in einer Streitsache mit Kloster Riechenberg (1291), im 14. Jahrhundert die Ritter 
von Gowische. Letztere übertragen 1303 ihren Besitz an das Kloster Neuwerk in 
Goslar. Im 14. Jahrhundert (1363) kaufte das Stift Georgenberg ein allodium des 
Klosters Riechenberg mit verschiedenen Hufen in Jerstedt von dem Kloster Riechen- 
berg. Außerdem hatte auch das Goslarer Kloster Frankenberg in Jerstedt Landbesitz 
seit dem 13. Jahrhundert. 

Der sogenannte Gerichtshof in Jerstedt, der im 19. Jahrhundert abbrannte, war 
der Überlieferung nach der Meierhof des Domstiftes in Goslar, er ging vor 1703 an 
die Familie von Brabeck über, die damit auch das Ober- und Untergericht in Händen 
hatte. Das Patronat besaß das Kloster Riechenberg, dessen alter Hof im 19. Jahr- 
hundert der Gassebaumsche Hof war; der Zehnte stand dagegen nach einer 1803 
angefertigten Beschreibung der Hildesheimer Ämter dem Kloster Grauhof zu. 

Die Kirche in Jerstedt soll nach chronikaler Überlieferung von dem Kloster 
Riechenberg gegründet sein, das auch das Patronat über die Kirche bis 1803 inne- 
hatte. Über die Baugeschichte der alten Kirche ist nichts bekannt. An der Ostmauer 
der jetzigen Kirche deutet die Jahreszahl 1506 auf einen Neubau der Kirche hin. 
Am 7. Januar 1545 wurde in Jerstedt die Refoimation durchgeführt. Der Altar von 
1707 weist stilistische Zusammenhänge mit der Goslarer Bildschnitzerschule der Lessen 
auf. Seit diesem Jahre ist, abgesehen von Erneuerungsarbeiten des Jahres 1830 an 
Turm und Kirchenschiff, die Kirche nicht verändert. Bei Anlage einer Heizung 
wurde 1935 vor dem Chor der Kirche ein gemauertes Grab des 18. Jahrhunderts 
freigelegt. 

BESCHREIBUNG: KIRCHE. 

Als ältester noch romanischer Teil der Kirche ist das Schiffsmauerwerk 
zwischen dem Westturm und der 1506 erfolgten östlichen Erweiterung erhalten, 
in dem an der Südseite ein (vermauertes) Rundbogenfenster und sorgfältige 
Steinschichtung zu erkennen sind. Etwa gleichzeitig mit dem Erweiterungsbau 
ist der gotische Anbau an der Südseite entstanden. 



Jerstedt 129 

Am Turm neben dem obersten der zwei Lichtschlitze an der Westseite ein 
Inschriftstein von 1657. Anscheinend ist der Bau des schon früher begonnenen 
Turmes in diesem Jahr zu einem vorläufigen Abschluß gekommen. Bruchstein 
mit einbindenden Ecksteinen auf Schrägsockel, Massives Hauptgesims als Sima 
profiliert. Dieses sowie die an jeder Seite unterhalb des Gesimses befindlichen 
rundbogig geschlossenen, zu zweien gekuppelten Schallöffnungen mit abgekanteten 
Sandsteineinfassungen aus der zweiten Hälfte des 17. .Jahrhunderts. Neueres 
Rundbogenfenster im Erdgeschoß mit Backstein umrahmt. Helm mittels Eckgraten 
vom Viereck in das Achteck übergeleitet, an der Nord- und Südseite mit zwei- 
fenstrigen großen Dachgauben; in der südlichen das Uhrzifferblatt. 

Der östliche Teil des Schiffes hat noch das alte gotische Hauptgesims 
(Hohlkehle). Im massiven Ostgiebel ein aus einem Stein gearbeitetes Rundbogen- 
fenster und eine Vierpaßöffnung. Oberhalb des neueren, rechteckigen Osteinganges 
ein gekuppeltes Spitzbogenfenster mit Resten vom Nasenwerk. Am Sturz die 
Jahreszahl: ,,Ano dni MDVI" in rechteckiger, mit Schrägen zurückgesetzter Um- 
rahmung. Der westliche Teil des Schiffes ohne Traufgesims. In den Längs- 
wänden je zwei mit Sandstein umrahmte Fenster (Anfang 17. .Jahrb.). Zwei gleiche 
in der östlichen Chorwand (Taf. 50 d). Auf jeder Langseite des beschieferten Daches 
drei große Dachgauben, auf der Südseite auch zwei kleine, erstere mit bleiver- 
glasten Fenstern, die im Innern mittels Stichkappen in die Brettertonne ein- 
schneiden. 

Unter dem südlichen Anbau ein Gruftgewölbe mit Särgen der Familie 
von Brabeck. Das südliche Giebeldreieck oberhalb der Bruchstein wände aus Fach- 
werk, neuerdings verputzt. An der Südseite ein gotisches 
schlichtes Portal mit Schleifrillen und den nebenstehenden 
Stein metzzeichen am Gewände. An der Westseite ein 
Fenster, ein weiteres vermauert und überputzt. 

Das Innere der Kirche hat eine gebogene Bretterdecke 
mit handwerklicher Bemalung: Viele kleine auf Wolken 
schwebende Engel halten auf numerierten Spruchbändern 

die einzelnen Verse des ambrosianischen Lobgesanges in deulscher Form \on 
M. Luther. — Hann. Gesangbuch Nr. 437 (Taf. 53a). 

Ausstattung: 

Der Raum wird durch die ihn ganz umziehenden Emporen stark beengt, 
die zunächst dem Altar auf gewundenen mit Blattranken geschmückten korin- 
thischen Säulen ruhen (Taf. 53 a). Emporenbrüstungen des ersten Geschosses 
mit schlichten Füllungen, die des zweiten mit Bretterdocken (Anfang 18. Jahrb.). 
Im Westen auf der oberen Empore eine schlichte Orgel; diese wie Kanzelallar 
und Bänke sind nicht bemalt. Hinter dem Altar neben der neu angelegten Tür eine 
kleine spätgotische Nische (Wandtabernakel) mit verzierter Umralinumg und 
alter Tür. Darüber die Jahreszahl m. d . . in gotischen Kleinbuchstaben 

Gotischer Altartisch, gemauert. In der 23 cm hohen mit Doppelkehle 
profilierten Deckplatte vorn eine 7 8 cm große, 10 cm tiefe Reliquiengruft. 





-130 Jersledt 

NebensLchcndes SU'iu inctzzeic heii kominl dreimal am Allartisch vor. 
Entstehungszeil Anfang 16. Jahrh. An einen Stein angemalte rund 12 cm 
hohe Buchstaben S. I.. C. S., etwa Mitlc 17. Jahrb. 

Altarrückwand, Holz, reich geschnitzt, ohne Bemalung, im Stil vom Anfang 
17. .Tahrh. In der Mitte ^/g -Kanzel mit Christusfigur und den 4 Evangelisten als 
\'o]]figuren an der Brüstung; deren Kanten als Hermenkaryatiden ausgebildet 
(Taf. 53b). Neben der als Predella dienenden geschnitzten Abendmahlsdar- 
stellung zwei Wappen (v. Uslar und Andreas Fischer). Im übrigen ist die Rück- 
wand mit Säulen, freiem Schnitzwerk und zwei weiteren Heiligenfiguren ausgestattet. 
Auf dem Schalldeckel der Auferstandene, darunter nochmals das Wappen der Anna 
Clara von Uslar. 

Ein eingerahmtes Schnitzbild des Gekreuzigten mit Maria und .Johannes, 
ohne Anstrich, an der Brüstung der unteren Westempore. 

Zwei Altarleuchter, Holz, H. 41 cm, in Dockenform auf Sockeln und drei 
Füßen, etwa um 1730, werden in der neuen Friedhofskapelle aufbewahrt. 

Kronleuchter, achtarmig, 84 cm, H. 80 cm, Messing, mit Blechkugel 
an massiver Mittelstange, der Form nach Ende 18. Jahrb., in neuerer Zeit über- 
arbeitet. 

Tauf Schüssel, Kupfer, teilvergoldet, 34 cm. Randinschrift: ,,ANNA 
BVSCH 1659." 

Abendmahlsgeräte: Der ältere Kelch, H. 16,5 cm, Kupfer, vergoldet, 
mit Ausnahme des silbernen, vergoldeten Schaftes, ist aus mehreren Teilen zusam- 
mengesetzt. Kuppa in gotischer Form, achtteiliges Pomellum, Schaft oberhalb 
des Knaufes achteckig, unterhalb rund. Fuß rund, dessen Vergoldung abgängig. 
Entstehungszeit von Pomellum und Fuß 14. Jahrh. 

Der zweite Kelch, Silber, mit innen vergoldeter Kuppa, H. 24,5 cm. Fuß 
rund, 12,2 cm. Einige Gravierungen und Inschrift: Jerstedt J. L. M. Hafen- 
balg, Pastor 1801. Goldschmiedezeichen 60. 

Patene, Silber, 15,5 cm. 

Oblatendose von 1695, Silber, 10,2 cm, H. 6,5 cm. Widmung in Barock- 
schrift und Spruch aus Johannes, Kap. 6. Goldschmiedezeichen 19. 

Kleinformatige Glasbilder, Schwarzlotzeichnungen von 1712, früher auf 
die alten Fenster des Schiffes verteilt, jetzt im südlichen Chorfenster vereinigt. 
Einige mit Wappen, nämlich des Bodo Henrich Busch, hochfürstl. Braunschweigisch 
lüneb. Obrist-Lieutenant, der Jungfer Anna Hedewig Busch, des Pastors Christian 
Levin (Mertens? siehe dessen Grabplatte!) Jerstedt und der Elisabeth Margreth 
Mertens, geborene Busch (dessen Ehefrau). Die übrigen zwanzig Scheiben enthalten 
biblische (Taf. 52b) und allegorische Darstellungen (Brotbäcker, Lammschlachter, 
Säemann, Pflüger, Wettlauf u. a.) mit den Namen der Stifter und Bibelsprüchen. 

Grabplatte des Pastors Lavin Christian Mertens, seiner Ehefrau Elisabeth 
Margaretha. geb. Busch, und seines Sohnes Job. Aug., f 1794. Sandstein, etwa 
1,00x0,60 m, eingelassen in das Mauerwerk der Ostseite an der Nordecke. Im 
Ovalkranze Schrift und oben zwei Wappen. 



Jerstedt 131 

Grabstein von 1691, mit Grün, Rot und Schwarz leicht bemalt, mit zwei 
Wappen und langer, halb verdeckter Inschrift, von einem Kranz umgeben, in der 
Südwand des Chores eingelassen. 

Ein Luftbild von Jerstedt ist Taf. 51a abgebildet. 

WINDMÜHLE. 
Die Jerstedter Bock Windmühle stammt aus Schöppenstedt, ihre Ein- 
richtung ist noch alt. Erbauungszeit? 



Klein-Döhren. 

Evangelische Kirche. 

Quellen: 1. Staats-Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74, Amt Liebenburg. II.. 
G. le und Hc; desgl. III., Akten IX., A 17, 11. - Bibl. H. V. N., Handschrift 317. 
— von Schwicheldtsches Archiv im Schloß Söder, Urk. 2. U. B. Hild.. IV. — 

U.E. Goslar, III. 

Literatur: Blume, Heimat, S. 104, 144 ff. - Bornstedt, Siedlungen, S. 16. — 
Gappe, Pfarre Groß- und Klein-Döhren, S. 301 ff. - Dürre, Reg. Wallmoden, Nr. 725, 
727. - Kayser, Visitationen, S. 151, 152. - Klewitz, Territ. Entwicklung, S. 25. — 
Lüntzel, Alt. Diözese, S. 169. Machens, Archidiakonate, S. 56. Mithoff, Kunst- 

denkmale, S. 189. Mithoff, Kirchen und Kap., S. 3, 22, 30. - Werneburg, Gau und 
Grafschaft, S. 48. Zobel, Heimatbuch, S. 181 ff. 

GESCHICHTE: Klein-Döhren ist eine Tochtersiedlung von Groß-Döhren. Das Dorf 
ist vermutlich im Anschluß an ein Vorwerk entstanden, das zum alten Dinghof in 
Groß-Döhren, mit dem die von Burgdorf belehnt waren, gehörte. In der zweiten Hälfte 
des 13. Jahrhunderts ist die Entstehung von Klein-Döhren anzunehmen, da 1278 zum 
ersten Male der Name Groß-Döhren auftaucht. Die Geschichte beider Dörfer ist eng 
miteinander verknüpft. Im 30jährigen Kriege, als 1629 die Kirche in Groß-Döhren 
durch Wallensteinsche Reiter in Brand gesteckt war, blieb die Kirche in Klein-Döhren 
erhalten und diente bis zum Wiederaufbau der Kirche in Groß-Döhren beiden Ge- 
meinden als Gotteshaus. Klein-Döhren war immer eine Filialkirche von Groß-Döhren. 
Nach einer 1803 angefertigten Beschreibung der Hildesheimer Ämter stand der Zehnte 
je zur Hälfte den von Uslar und Papens Erben zu. 

Die alte Kirche zu Klein-Döhren war in den Zeiten VQr der Reformation erbaut. 
1542 wurde sie nach Einführung der Reformation für den evangelischen Gottesdienst 
eingerichtet. 1832 berichtete Pastor Cappe über die alte Kirche: „Die Kirche ist noch 
dieselbe wie vor der Reformation gewesen. Als Überbleibsel des römisch-katholischen 
Gottesdienstes sieht man noch das Sepulkral oben in der Mitte des Allars. und hinter 
demselben in der östlichen Mauer der Kirche das vergitterte Tabernakel. Oben hinter 
dem Altare und der Kanzel ist eine Prieche angebracht, deren vordere Brüstung eine 
Galerie von einigen hundert Heiligen in Gemälden zeigt, worunter, den Attributen 
nach, die 12 Apostel kenntlich sind, sämtlich in einem braunen Franziskaner-Habit 
gekleidet, und einer darunter mit dem Rosenkranze in der Hand. Es ist mir dies ein 
hinzeigender Wink, daß bei dieser Anlage damals ein F^ranziskaner-Mönch als Pfarrer 
mitgewirkt hat." 

1854 wurde die alte Kirche abgerissen. Nach dem Bericht des Pastors Lubrecht war 
die Kirche für die über 800 Seelen starke Gemeinde zu klein, sie hatte Mangel an Licht, 
der Turm war ausgewichen und überhaupt das ganze Gebäude mangelhaft. Die alte 
Kirche hatte 62^0 Fuß Länge, aber nur 21 ^ -^ Fuß Breite im Lichten. 1854 ließ sich 



132 Klein-Döhren 

die (ieineiiule den Hauplaii der neuerbaiiteii Kirilie /u Siliwiecheld senden, um „flar- 
nach ein Gebäude in acht kirchlichem Stil" erbauen zu lassen. 1857 wurde schlieülich 
der Hauplan des Bauinspektors Hase genehmigt, der dann von dem Hauptmann a. D. 
Wiej)king in Goslar mit mehreren Abänderungen ausgeführt wurde. 1858 begann man 
den Abbruch, der Turm blieb stehen. 1859 war die Kirche fertiggestellt. Der Turm 
wurde 1885 durch Blitzschlag beschädigt, dann wiederhergestellt. Die (ilocken stammen 
aus dem 19. Jahrhundert. 

In der alten Kirche befand sich ein Altar mit einem Dutzend IV4 l'uß hoher ge- 
schnitzter Figuren aus Holz, die vom Wurm stark angefressen waren. Der Altar wurde 
für () Rtlr., ebenso auch 2 alte Leuchter von geschlagenem Messing, an das Fenknersche 
IMivalmuseum in Goslar verkauft. Fenkner hat die Figuren des Altars restaurieren 
lassen, muß dann aber den Altar weiterverkauft haben, denn in dem 1898 gedruckten 
fvatalog des Fenknerschen Museums wird der Altar nicht mehr mit aufgeführt. 

BESCHREIBUNG: Die Kirche in Klein-Döhren ist laut Inschrift über der 
am Turm befindlichen Haupteingangstür im Jahre 1859 als Kreuzkirche neu er- 
bau! (Taf. 54a). Länge des Schiffes im Innern 15,60 m. Breite 11,50 m, zwischen 
den Kreuzarmen 16,25 m. Chornische 4,07 m tief, halbkreisförmig. An den 
Kreuzarmen beiderseits kleine Halbkreisapsiden. Überdeckung des Innenraumes 
durch hölzerne Kreuzgewölbe mit vorstehenden Rippen. Kreuzflügel ohne 
Emporen. Der zum Teil noch mittelalterliche Turm ist im Grundriß rechteckig, 
Innenmaße des Untergeschosses 3,25x5,60 m. Die 1,20 m dicken Mauern be- 
stehen aus Bruchstein mit Werksteinkanten. Die alten Schallöcher mit ge- 
drückten Bögen. Das aufgehende Mauerwerk ist etw^a 12,00 m hoch. Die 
schlanke beschieferte achtseitige Turmpyramide trägt Knauf und Kreuz. Ein 
Wappen stein, 0,30x0,39 m, verwittert, mit dem v. Schwicheldtschen Wappen, 
darüber die Jahreszahl 1509, ist jetzt in der kleinen südlichen Sakristei vermauert, 
früher im Ostgiebel der alten Kirche. 

Ausstattung : 

Aus der Zeit des Kirchenneubaues. Orgel schlicht. An der Kanzelbrüstung, 
in Öl gemalt, die vier Evangelisten. 

Kronleuchter, Messing, achtarmig, Kugel hohl, H. 0,80 m, B. 0,60 m. 
Erste Hälfte 19. Jahrh. 

Zwei Altarleuchter, Zinn, H. 0,47 m, Dockenform, ohne Inschriften. Erste 
Hälfte 1^. Jahrh. 

Taufschale, Zinn, 20 cm, schlicht. Auf Fuß, dessen 13,5 cm. 

Kruzifix, klein, Zinn oder Blei, Anfang 19. Jahrh. In der Sakristei. 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Silber, H. 21 cm, schlicht, Knauf mit ge- 
buckelten Lamellen, rosettenartig um den runden Schaft. Anfang 18. Jahrh. 
Goldschmiedezeichen 17. 

Glocke, 0,90 m. Unterhalb der Haube die Umschrift: „GEBORSTEN 
ANNO 1821, UMGEGOSSEN BEI DER WITTWE DAMM IN HILDES- 
HEIM 1824", darunter ein Akanthusfries. Am langen Felde zweizeilig: ,,BEI 
MEINEN SCHALL GEDENKE JEDER AN GOTT UND EWIGKEIT / 
PFARRER CARL BUDD, KUESTER ANDREAS LACHMUND / 
ALTARISTEN JACOB DETTE UND ANDREAS BLUMEIER." Klöp- 
pelstempel C. W, viermal vorkommend. 



Klein-Döhren igg 

Glocke, 0,71 m. Umschrift: „GEGOSSEN BEI DER WITTWE 
DAMM IN HILDESHEIM ANNO 1824." Zwischen Zierfriesen am langen 
Felde: „ZUR EHRE GOTTES UND BEFOERDERUNG DES CHRI- 
STENTHUMS ANGESCHAFFT VON DER GEMEINDE KLEIN 
DOEHREN". Rückseite: ,,ORTSVO R STEHER ANDREAS PLUMEIER 
SCHULMEISTER ERNST JUERRENS." Klöppelstempel wie an der 
großen Glocke. 



Klein-Flöthe. 

Evangelische Kirche. Schall<sburg. 

Quellen: L Staats-Arch. Kann., Akt. Hann. des. 74, Amt Liebenburg, IL. 
G. 11; desgl. IIL, Akten IX., A. 17, 5. — Bibl. H. V. N., Handschrift 317. - Pfarr- 
archiv Flöthe, Bauakten der Kirche. 1866-^69. - 2. U.B. Hild., I.--V. U. B. Goslar, 
L — IV. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 39. - Bertram, Gesch. Bist. Hild., I., 163, 
223, 224, 304. ^ Blume, Heimat, S. 102, 181 ff. - - Bode, Uradel, S. 153. - Dürre, 
Reg. Wallmoden, Nr. 128, 569. — Hüttebräuker, Erbe Heinrichs d. L., S. 55, 73. 
Kaufmann, Kaiserpfalz Werla, S. 30. - Kayser, Visitationen, S. 151. - Lüntzel, Alt. 
Diözese, S. 171, 249. Machens, Archidiakonate, S 219, 234, 374. - - Mithoff, Kunst- 

denkmale, S. 190. — Mithoff, Kirchen und Kap., S. 4, 18. — Zobel, Heimatbuch, 
S. 124 ff. 

GESCHICHTE: Klein-Flöthe wird zuerst als „Ostflotethe" 1178 erwähnt, als Bischof 
Adelog von Hildesheim die Besitzungen des Klosters Heiningen bestätigt. 1221 über- 
eignete Bischof Siegfried dem Kloster Dorstadt den Zehnten in ,,Vlothede minor", 
den das Kloster unter Zustimmung des Lehnslierrn, des Grafen Heinrich von Schiaden, 
von dem Ritter Dietricli von Flöthe gelvauft hatte. Wenn 1227 Bischof Konrad den 
Tausch von Grundstücken in Klein-Flöthe zwischen dem Kloster Dorstadt und der 
Kapelle in Flöthe beurlvundet, so haben wir hier zweifellos die Kapelle in Klein-Flöthe 
vor uns, die damit zum ersten Male urkundlich erwähnt wird. Um die Mitte des 13. Jahr- 
hunderts begann man eine größere Rodung des Waldes, und so konnte sich der Ort ver- 
größern. 1353 gab das Kloster Heiningen ,,deme godeshuse tho lutke Vlothe" fünf Hufen 
Land. Auch die Kirche in Klein-Flöthe gehörte wie die in Groß-FHithe zum Archi- 
diakonat Barum. 1355 belehnte Ludolf von Warberg, Archidiakon in Barum, den 
Priester Wasmod mit dem Altar in Klein-Flöthe. Im nächsten Jahre, 1356, bestätigte 
Bischof Heinrich die Gründung einer eigenen Kirche in Klein-Flöthe, die von der 
Mutterkirche in Groß-Flöthe selbständig sein soll; die Kirche wurde dem Kloster Xeu- 
werk in Goslar unterstellt. Rechte und Pflichten des Pfarrers waren näher bestimmt. 
Grundbesitz in Klein-Flöthe besaßen insbesondere die beiden Klöster Dorstadt 
und Heiningen und die Herren von Flöthe, der Zehnte stand nach einer 1803 ange- 
fertigten Beschreibung der Hildesheimer Ämter dem Kloster Dorstadt zu. 1463 ver- 
handelten die ,,01dermanni, provisores et parochiani" von Klein-Flöthe mit dem 
Kloster wegen einer Verpfändung von 5 Hufen, die Verhandlungen fanden statt ..in 
porticu claustri" und ,,in curia parochiali minoris Vlotcde". Nach der Hildesheimer 
Stiftsfehde kam 1523 Klein-Flöthe an Herzog Heinrich den Jüngeren von Braun- 
schweig- Wolfenbüttel, nach dessen Vertreibung aus seinem Lande konnte 1542 die 
lutherische Lehre eingeführt werden. Henningus Mack war damals Pastor in .,Lutken 
flöthe", das Patronat stand dem Kloster Neuwerk in Goslar zu. Zwei Jahre später war 
Bartoldus Schuleman Pfarrer. Von den Visitatoreu wurde damals die Zusammen- 
18 



134 Klein- Flöthe 

legiing der beiden IM'arren von (iroß- und Kieiii-Flöthe vorgeschlagen, die aber eisl 
1916 erfolgte. Nach der Rückkehr des Herzogs bestimmte dieser 1565 als „der Landes 
Fürste und Oberste Patron unserer Geistlichkeit", daß das Kloster Heiningen die früher 
verpfändeten 5 Hufen Landes für 37 Mark an die Kirche zu Klein-Flöthe abtreten sollte, 
weil sonst die Kirche zerstört werden müßte. Dafür erhielt das Kloster Ileiningen das 
Patronat über die Kirche in Klein-Möthe, das es bis nach ISOO behielt. lofiS, nach 
dem Regierungsantritt des Herzogs Julius, konnte die Hctortnalion endgültig eingeführt 
werden. 

1752 wurde der Turm der Kirche erbaut, in den Jahren 1866 — ^69 die Kirche durcli 
den Architekten Heinrich Lüer aus Hannover erneuert und umgebaut. 

BESCHREIBUNG: KIRCHE. 

Die in den 1860er Jahren umfassend instand gesetzte Kirche ist in 
mehreren Bauabschnitten hergestellt, deren erster dem späten Mittelalter angehört. 
Aus dieser Zeit stammen allerdings nur noch Teile des aufgehenden Mauer- 
werks in der östlichen Hälfte mit neuen Spitzbogenfenstern (Taf. 54 b). Der 
in Formen des Rcgencestils in Bruch- und Werkstein mit zahnschnitt artigen 
Kanten erbaute Westturm hat einen vom Quadrat ins Achteck übergelührten 
beschieferten Helm mit niedriger Laterne als Zwischensatz und profiliertem Ge- 
sims. Ein ähnliches, etwas größeres Traufgesims als Abschluß des Unterbaues. 
Wetterfahne mit Jahreszahl ,,1752". Die Längswände des Schiffes, vermutlich bei 
der Instandsetzung im 19. Jahrhundert, in ziemlich regelmäßigem Haustein- 
verband unter Mitbenutzung von alten Steinen neugebaut. Der östliche Stein- 
giebel wie auch der Zwischengiebel, die beide über die Dachfläche heraustreten, 
mit gut gezeichneten Stein kreuzen, vielleicht alt, sonst nach altem Vorbilde. 
Am Gewände des Südeinganges soll früher die Jahreszahl 1661 gestanden haben. 

Inneres: Im Chor neues Rippenkreuzgewölbe, im Schiff eine ebene Bretter- 
decke mit Fugendeckleisten. 

Ausstattung : 

Der gotische, mit Hohlkehldeckplatte versehene Steinaltar trägt einen aus 
dem Anfang des 16. Jahrhunderts stammenden Flügelaltar mit geschnitzten 
Figuren, H. 1,27 m, B. 2,84 m (Taf. 55a). Im 1,27x1,42 m großen Mittelfelde 
hinter einem spätgotischen, in reicher durchbrochener Arbeit geschnitzten Bal- 
dachin der Gekreuzigte zwischen Maria und Johannes einerseits und der heil. Anna 
selbdritt und der heil. Katharina mit Rad und Schwert andererseits. Johannes mit 
einem Buchbeutel. Auf den Flügeln in zwei Reihen übereinander sechs kleine Fi- 
guren, die elf Apostel und Johannes der Täufer. Vorhangartig sind auch hier 
durchbrochene Ranken Verzierungen angebracht. Das ganze Schnitzwerk farbig 
bemalt und vergoldet. Fassung neu. Bekrönung neu. Predella mit gemalter 
Abendmahlsdarstellung im Mittelfelde ebenfalls, wohl Mitte 19. Jahrh. 

Kronleuchter, Bronze, H. 1,00 m, B, 0,80 m. 16armig, in 2 Reihen über- 
einander die S-förmigen Arme mit einfachen Rankenzieraten. Doppeladler mit 
dickem Körper. Kugel- 0,25 m. Entstehungszeit um 1700, 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Silber, vergoldet, H. 18 cm. Kuppa mit ge- 
schweiftem Rand. Knauf birnförmig. Unter dem Fuß: „Andreas Koch Catharina 
Elisabets Klauenbergs Aö 1704." Goldschmiedezeichen 46. 



Klein- Flöthe 



135 



Patene, Silber, vergoldet, 0,13 m. Randinschrifl : „Hans Koch 1703." 
Weihekreuz 10. 

Kelch, Silber, Kuppa innen vergoldet, H. 13 cm. Am Fuße: „Dr K Z. K. Fl." 
und ,,A. D. • H • W. A.". Blumen Verzierungen am Fuß. Goldschmiedezeichen 5. 

Patene dazu, 8,5 cm. 

Oblatendose, Silber, ovale Form, 11 x8 cm, H. 3,5 cm. Auf dem Deckel 
Randgravierung einfacher Art, in der Mitte ein 
Kreuz. Randinschrift: „CHRISTOPH KOCH 
Aö 1714". Goldschmiedezeichen 4. 

Kelch, Silber, vergoldet, H. 17,5 cm. Sechs- 
paßfuß, 13 cm. Kuppa in gotischer Becherform. 
Am Sechseckschaft ein Pomellum. Im Fußinnern 

Hi^li^^zM ^"""^ ^^""^ "^'^ nebenstehend in 
' ^ / halber Größe wiedergegebene Ein- 
gravierung, die sich vermutlich auf das Gewicht 
bezieht, sonst ohne Goldschmiedezeichen. 14. Jahrh. 
Dieser der Kirche zu Klein-Flöthe gehörende Kelch 
wird in Groß-Flöthe aufbewahrt. 

Patene, Silber, vergoldet, 13 cm. Im Boden 
ein getriebener Vierpaß. 

Tauf Wasserflasche, Zinn, H. 14 cm, mit 
Schraubdeckel 17 cm, am letzteren ein Tragering. 
Inschrift: „ANDRIAS I(?)MLE I. B. D. 1644. 
RENOV. 1694." 

Becken eines achtseitigen gotischen Tauf- 
steines, H. 0,60 m, 0,87 m (Abb. 48), liegt 
neben der südlichen Vorhalle. 

Steinernes Zifferblatt einer Sonnenuhr, 0,53 
X 0,53 m groß, mit der Jahreszahl 1745; im Obergeschoß des Turmes aufbewahrt. 

Sieben alte Ölbilder auf Leinwand, in den Brüstungen der neuen Orgel- 
empore, mit Darstellungen aus der Leidensgeschichte Christi: 1. Fußwaschung. 
2. Gethsemane. 3. Verrat. 4. Einzug in Jerusalem. 5. Verhör. 6. Kreuzabnahme. 
7. Grablegung. Zeitstellung unsicher. 

GLOCKF^, 0,75 m. Unter der Haube Akanthusfries. Am langen Felde: 
„PASTOR JOHANNES JACOBUS OED IN G / KIRCHENVORSTEHER 
/ANDREAS KOCH /HANS HEINRICH VOSS /", am Schlagring: „CHRI- 
STIAN LUDEWIEG MEYER GOS MICH ZU BRAUN SCHWE I (i 
ANNO 1725." Vorn zwei, hinten ein Naturabguß eines Blattes. Die andere, große 
Glocke ist 1922 von Radler & Söhne in Hildesheim gegossen. 

Grabstein des Pastors Oeding (vgl. Glocke) von 1726 vor der Kirchentür als 

Trittstein. 

S C H A L K S B li R G. 

Auf dem 175 m hohen Kahlenberg östlich Klein-Flöthe befindet sich ein 
Ringwall, die sog. ,, Schalksburg", rund 100 m. Kronenbreite 0,5 1 m. 
Sohle 3—4 m, H. 1—3 m (vgl. auch S. 6). 




Vbi). 48. Klein-Flöthe, Taulsteiii 
(1:20) [v. B.[. 



136 

Klein-Mahner. 

Evangelische Kirche. Pfarrwitwenhaus. 

Quellen: 1. Slaals-Arch. Hann., Akt. Mann. des. 74, Amt Liebeiibiiif,', 11., 
G. Is; desgl. III., Akten IX. A. 17, 15. Bibl. H. V. N., Handschrift ."517. von 

Schwicheldtsches Archiv im Schloß Söder, Urk. 2. U. B. Hild., I. VI. U. H. 

Goslar, III. - U.B. von Saldern, I. 

Literatur: Ahlhaus, Patrouat, S. 77, 94. Blume, Heimat, S. 158, 1(33 ff. - 

Bode, Uradel, S. 183. - Bornstcdt, Siedlungen, S. 18. Dürre, Reg. Wallmodcn, 

Nr. 83. - Hüttebräuker, Erbe Heinrichs d. L., S. 55, 84. ■ Kaufmann, Kaiserpfalz 
Werla, S. 30. - Kayser, Visitationen, S. 147. Klewitz, Territ. Entwicklung, S. 25. 

- Lü'ntzel, Alt. Diözese, S. 166, 320. - Mithoff, Kunstdenkmale, S. 191. Mithoff, 
Kirchen und Kap., S. 5, 19. -- Zobel, Heimatbuch, S. 95 ff. 

GESCHICHTE: Im Jahre 1186 vertauschte das Kloster Ilscnburg mit dem Kloster 
Steterburg seine Güter. in Mahner gegen Land und eine Mühle in BadcrsJebcn. Wie aus 
Urkunden späterer Zeit hervorgeht, handelte es sich hier um das Dorf Klein-Mahner, 
in dem damals das Kloster Steterburg zuerst Fuß faßte. Das Kloster hat dann in der 
folgenden Zeit seinen Besitz in Klein-Mahner noch wesentlich vergrößert, teils durch 
Kauf von den Herren von Mahner, die auch in Klein-Mahner begütert waren, und von 
anderen Geschlechtern, wie den Herren von Meinersen, teils durch Schenkungen des 
Bischofs von Hildesheim. Außerdem erwarb auch das Kloster Wöltingerode Grund- 
besitz in Klein-Mahner. Urkundlich taucht „parvum Mandere" erst 1282 auf, doch kann 
man aus dem Urkundenbestande mit Sicherheit schließen, daß die beiden Siedelungen 
Groß- und Klein-Mahner bereits im 12. Jahrhundert unterschieden wurden. Als gegen 
Ende des 14. Jahrhunderts durch Hans von Schwicheldt, den Inhaber der Liebenburg, 
der Mahner Teich durch Stauung bedeutend vergrößert wurde, entschädigte Bischof 
Gerhard das Kloster Steterburg für die überschwemmten Güter durch Zuwendung 
neuen Besitzes in Klein-Mahner. Nach der 1803 aufgestellten Beschreibung Hildesheimer 
Ämter besaß das Kloster Steterburg den Zehnten in Klein-Mahner, das Patronat stand 
dem Landesherrn zu. 

Über die Kirche in Klein-Mahner fehlen aus älterer Zeit Nachrichten. Zweifellos 
hatte der Hildesheimer Bischof hier das Patronat, bis 1523 Klein-Mahner mit dem 
Bistum Hildesheim an Herzog Heinrich den Jüngeren von Braunschweig- Wolfenbüttel 
kam. In dieser Zeit beanspruchte der Herzog als landesherrlicher Nachfolger des Bischofs 
das Patronat über die Kirche. 1542 wurde die Reformation eingeführt, 1643 kam Klein- 
Mahner an das Bistum Hildesheim zurück. Am 30. Oktober 1746 entstand im Dorfe 
eine große Feuersbrunst, der auch das Pfarrhaus und die in ihm aufbewahrten Kirchen- 
bücher und Urkunden zum Opfer fielen. Die alte Kirche und der Turm waren am An- 
fang des 19. Jahrhunderts baufällig. 1812 wurde der Kirchturm, der einzustürzen 
drohte, für 385 Rtlr. wieder instand gesetzt. 1822 ist die Kirche zu Groß-Mahner mit 
der zu Klein-Mahner zu einer Pfarre vereinigt. 1865 riß man die alte Kirche bis auf 
den Turm nieder und erbaute ein neues Kirchenschiff. 1881 erhielt die Kirche in Klein- 
Mahner zwei neue Glocken. 

BESCHREIBUNG: KIRCHE. 

Das neue Schiff der Kirche ist ein Backsteinrohbau in neugotischen 
Formen. Inschriftstein an einem Strebepfeiler der Nordseite mit der Jahres- 
zahl 1866. Turm frühgotisch, über quadratischer Grundfläche in Bruchstein mit 
Werksteinkanten (Taf. 54 c). Schrägsockel. Im unteren Teil schmale Licht- 
schlitze. Neues Westportal in ,, romanischen" Formen. Oben, unterhalb des 



Klein-Mahner 1 37 

alten Hauptgesimses, je zwei flachbogige Schallöffnungen an jeder Seite. Der 
beschieferte Helm ist mittels Eckschrägen vom Quadrat ins Achteck übergeleitet. 
Kugel und Wetterfahne neu. An der Westseite des Turmes die Jahreszahl 1657? 
Am nördlichen Anschlußpfeiler (Turm- Schiff) ein Stein mit Schleif rillen. 

Inneres mit Ausstattung aus der 2. Hälfte 19. Jahrh. Doch sind folgende 
alte Stücke vorhanden : 

Geschnitzter Altarschrein (Taf. 55b) auf steinernem Altartisch. Im Mittel- 
felde, 1,26x1,16 m groß, hinter drei mit flachen Eselsrückenbogen zierlich durch- 
brochenem Maßwerk eine Kreuzigungsgruppe. Links unter dem Schächerkreuz 
die weinenden Frauen, rechts eine Gruppe von Männern. Drei nur in den Ober- 
körpern ausgebildete Engel mit Kelchen umschweben Christus. In den Seiten- 
flügeln die 12 Apostel mit ihren Attributen. In der schreinartigen Staffel (Predella) 
ein Geharnischter mit Schild und Lanze zwischen der heil. Anna selbdritt (links) 
und der heil. Magdalena (rechts). Auf der Rückseite der Altarflügel sind noch fi- 
gürliche Darstellungen unter der jetzigen Übermalung vorhanden. Ende 15. Jahrh. 

Zwei Altarleuchter, Messing, H. 29 cm, mit glattem runden Fuß und 
Schaft, ähnlich denen in Gielde, Dockenform. Erste Hälfte 17. Jahrh. 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Silber, vergoldet, H. 16 cm. Am runden Fuße 
die nebenstehend abgebildete Figur eines knienden Priesters mit /^i^av^^ 
einem Spruchband: ,,pro fidelibus de fontis". Am Zapfenknauf in .'^^^^'^'^^^ 
liegenden Rhomben die Buchstaben: ,,fll3fus." Zwischen den Zapfen ^^Q 
gotische Maß Werkverzierungen, darüber ein kleiner Rankenfries. Kuppa h^ 
in üblicher gotischer Trichterform. Gegen 1400. \3 

Patene, mit getriebenem Vierpaßboden, ähnlich der in Ohlendorf, 14,5 cm. 
Weihekreuz 2. 

Neue Glocken von J. J. Radler & Söhne in Hildesheim. 

PFARRWITWEN HAUS. 

Das Pfarrwitwenhaus (Haus Nr. 34) in der Nähe der Kirche. Einfaches 
Fachwerkhaus. Kurze profilierte und geschnitzte Konsolen unterstützen das 
vorgekragte Gebälk des Obergeschosses. Inschrift der Setzschwelle: „AEDES 
VIDVIS ECCLESIyE HVIVS PAROCH I ALIB VS CONSECRATAS 
CVM LEGITIMO SVPERIORVM MEORVM PRÄIVNTE PERMISSV 

PROPRIO ä:re degratä: posteritatis compensatione 

NIHIL DVRITANS FIERI CVRAVI CHRYSOGONVS TAPPIVS 
PASTOR IBIDEM ANNO CHRISTI MDCXVII ä:TATE MEALXIII... 
(unleserlich, es folgt wahrscheinlich das Amtsalter) .... R XXXXI'- (?). 

KOFFER. 
Im Besitze des Hofbesitzers Rob. Rühe befindet sich ein hölzerner Koffer 
mit gebogenem Deckel, laut aufgemalter Schrift aus dem Jahre 1791, mit gut ge- 
schmiedeten Eisenbeschlägen. Maße: 1,23 m lang, 0^,63 m breit, 0,75 m hoch. 



138 

Kniestedt. 

Evangelische Kirche. Windmühle. 

Quellen: 1. Staats-Arch. Hann., Akt. Haiin. des. 74, Amt Liebenburg, IL. 
G. 1 p und G. 2 b. Hibl. H. V. N., Handschrift 317. - von Schwicheldtsches Archiv 
im Sclijoß Söder, Urk. 2. U. B. Hild., T. VL U. B. Goslar, IL, III. — Suden- 
dorf, IL — IL B. von Saldern, I. 

Literatur: Ahlhaus, Patroiiat, S. 8L Bertram, Gesch. BisL llild., L, S. 248, 
261; III., S. 249. Bornstedt, Siedlungen, S. 17. Dürre, Reg. Wallmoden, Nr. 238, 
248, 394, 466 usw. Hültcbräuker, Erbe Heinrichs d. L., S. 81. Kayser, Visitationen, 
S. 101, 145 ff. Klewitz, Territ. Entwicklung. - Kleuker, Pfarrbezirk Salzgitter. - 
Lüntzel, Alt. Diözese, S. 166, 254. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 191. Mithofl, 

Kirchen und Kap., S. 5, 24, 29. Oehr, Land). Verhältnisse, S. 27. Zobel, Heimat- 
buch, S. 19 ff. Zobel, Gesch. von Kniestedt. 




fvt?rä5fttJt. ~" r 



Abb. 49. Kniestedt, Kirche. Schaubild ^•on Nordwesten [v. B.]. 



GESCHICHTE: ,,Kiuistede" wird zuerst 1209 in einer L'rkunde erwähnt, in der 
Papst Innocenz III. die Besitzungen des Klosters Ringelheim bestätigte; damals besaß 
das Kloster 5 Hufen an dem Orte. Kurze Zeit darauf (1221) tritt uns mit ,, Conrad 
de Cnistede" das Geschlecht der Herren von Kniestedt entgegen. Der erste Sitz muß 
zerstört oder aufgegeben sein, an neuer Stelle, im sog. Oberhof, bauten die 
Herren von Kniestedt sich dann an. 1460 wurde das Gut Kniestedt geteilt in die 
sog. württembergische Linie mit dem Oberhof am Nordausgange des Dorfes und die 
sog. braunschweigische Linie, die sich einen neuen Hof, später Apfelgarte oder 
Strubenhof genannt, am Südausgange baute (jetzt im Besitz der Familie Talleur). 
Da dieser Hof zu klein war, wurde ein neuer Hof, der Walhof neben der Kirche, der 
ehemaligen Burgkapelle, erbaut, der nun der L^nterhof hieß und der jetzige Gutshof 
ist. 1533 errichtete man auf dem Unterhof ein Herrenhaus aus Fach werk, das 1698 
durch ein neues steinernes Gebäude ersetzt wurde. Im 16. Jahrhundert teilte die 
württembergische Linie ihren Oberhof in den Ober- und Mittelhof, letzterer ist die 
heutige Försterei. Beide Höfe kamen 1721 bzw. 1809 durch Verkauf an die braun- 
schweigische Linie, die den Unterhof innehatte. 

Nach der Hildesheimer Stiftsfehde (1519—23) trat die Familie des Unterhofes in 
die Dienste der Braunschweiger Herzöge, von denen sie 1596 das Gut Burgdorf bei 



Kniestedt 



139 



Lichtenberg als fürstliches Lehen erhielt. 1837 erlosch der braunschweigische Zweig 
der Freiherrn von Kniestedt, das Gut ging in den Besitz des Fürsten Münster in 
Derneburg über. In einer 1803 an- 
gefertigten Beschreibung der Ämter 
des Bistums Hildesheim wird der 
Archidiakon von Hildesheim als 
Patron von Kniestedt bezeichnet, 
der Zehnte stand damals je zur 
Hälfte den Herren von Kniestedt 
und dem Heiligen Kreuzspital in 
Hildesheim zu. 

Über die Kirche zu Kniestedt 
sind Nachrichten aus älterer Zeit 
nicht vorhanden. Im Anfang des 
19. Jahrhunderts war die Kirche 
sehr verfallen und wurde deshalb 
1814/15 erneuert. Nach den Bau- 
aktenist damals die verfallene Adels- 
prieche entfernt, der Fußboden um 
2 Fuß erhöht und gepflastert, die 
Kanzel im Altar errichtet, die Prieche 
für die Schuljugend angelegt, die 
anderen Priechen, welche tief ge- 
sunken waren, wurden wieder auf- 
geschraubt und instand gesetzt, der 
Eingang zur Kirche wurde ver- 
ändert, zwei neue Fenster eingesetzt 
und das Gestühle wiederhergestellt. 
1817 besserte man den Turm der 

Kiroheundschafftel824eineOrgelan. Abb. 50. Kniestedt, Kirche, vermauertes Nordportal (1:4(0. 




BESCHREIBUNG: 

Turm und Schiff sind 




Abb. .'>1. Kniestedt, Kirclie, Türklopl'er. 



KIRCHE. 

Ende 15. Jahrh. erbaut, Anfang 17. Jahrh. um- 
gebaut und etwa Mitte 18. Jahrh. nach Vergröße- 
rung der Fenster in die heutige Form gebracht 
(Abb. 49). Schiff von rechteckiger Grundform, 
18,25x9,90 m. Bruchsteinmauern, Walmdach. 
Rundbogiges Portal an der Nordseite von 1609. 
mit Muscheln, Diamantquadern und Löwenkopf, 
vermauert (Abb. 50). Turm, 0,00x7,10 m, mit 
quergelegtem Satteldach, in Höhe der Glocken- 
stube kleine Schallöffnungen. Turmeingang an 
der Westseite, 18. Jahrh., mit gemusterter Holztür. 
cähnlich der am Pfarrhaus in Salzgitter. Schmiedo- 
'Mserner Beschlag (Abb. 51). Das Innere ist 
1928—26 schlicht ausgemalt. Glatte Decke. 

Ausstattung : 

Altar mit Rückwand (Holz), vom Ende 
17. Jahrh. Daran Kanzel zwischen zwei mit 



-140 Kniested l 

Wcinlaul) umwundenen geschnitzten 
Säulen und mit Pulten verziertem 
Rankenwerk. Darüber ein Kruzifix 
zwisclien kleinen gewundenen Säulen. 

W;i n d l a bi'rn akel, Stein, um- 
raliml von reicher gotischer Arclii- 
teklur (Fialen Kanten- und Kreuz- 
l)lumen), mit schmiedeeiserner Tür 
verschlossen, hinter dem Altar in der 
Ostwand. 15. Jahrh. (Abb. 52). 

Unter den Nu mmern taf el n 
/\' ^ '/ "'' ' fällt eine vom Jahre 1770 mit ge- 



^-iV:'- <^-» »;, ■''~*«^ 



— r 







Abb. 52. Kniestedt, Kirche. Wandtabernakel (1:12,.^). 



sehnitzter Bekrönung auf. 
f^*> ,, "1^'^' Zwei Altarleuchter, Bronze, 

I ♦ P» Pü , H. 26 cm, mit hohem Fuß, rundem 

mm» m,m ' Kuauf uud augegossencm Dorn. 

I Abendmahlsgeräte: Kelch, 

-J Silber, vergoldet, H. 21 cm. Kuppa 

— "^ mit geschweiftem Rand, sechseckiger 

i^ '"♦+"- — ! (_ birnformiger Knauf, Sechspaßfuß mit 

Inschrift: „F. H. V. K. S. J. V. K. 
1701." Goldschmiedezeichen 8. — Die 
zugehörige Paten e mit den gleichen Goldschmiedezeichen. 

Kelch, Silber, H. 20 cm, gotische Form, Sechspaßfuß. An der sechs Rauten 
des kugeligen Knaufes die Buchstaben: ,,J. E. H. S. V. S." Unter dem Fuß die 
Inschrift: „ANNA MAGDALENA VON WALMODEN. WITTIBE VON 
KNIESTED". Etwa Mitte 18. Jahrh. Goldschmiedezeichen unsicher, wahr- 
scheinlich wie 16. 

Patene, 11 cm, trägt auf der Unterseite den Namen: ,,ANNA SOFFIA 
VON KNISTIT"*). Goldschmiedezeichen 16. 

Oblaten dose, Silber, vergoldet, 8 cm, H. 4,1 cm. Auf dem Deckel ein 
Wappen und die Buchstaben: ,,SHVK. G • V • H.", eingefaßt von einem 
Kranze. Vermutliche Entstehungszeit: Anfang 18. Jahrh. Unter dem Boden in 
Schreibschrift (Anfang 19. Jahrh.) der Name: ,, David Lopse". Goldschmiede- 
zeichen 52. 

Weinkanne, Silber, H. 33 cm, ähnlich der in Salzgitter. Goldschmiedezeichen 
Nr. 62. 

Tauf Schüssel, Zinn, 18 cm, Schalenform. 18. Jahrh. 

Die jetzt vorhandenen Glocken sind 1907 gegossen. Vordem waren zwei 

Läuteglocken benutzt, von denen die ältere unterhalb der Haube eine zweireihige 

Inschrift zwischen zwei Zierbändern trug : „ A N N A S F F I A V N K N I E S T E D T 

HAT MICH ZU KNIESTEDT IN DIESE KIRCHEN GEGEBEN ANNO 



*) Anna Sofia v. Kniestedt ist auf der 1907 umgeschmolzenen Glocke von 1645 erwähnt. 



Kiiiestedt 



141 



1645. SOLI DEO GLORIA. HE INRICH BORSTELMANN INBRAUN- 
SCHWEIG HAT MICH GEGOSSEN." Die zweite hatte unterhalb der Haube 
einen doppelten Zierkranz und die Inschrift: „DIESE GLOCKE HAT IHREN 
UHRSPRUNG VON HANS LANDES HERRN VON VOR SALTZ UND 
IST GEMEINSCHAFTLICH UMGEGOSSEN KNIESDT 1799. GE- 
GOSSEN VON JOHANN CONRAD GRETE IN ER AUN SC HWE I G." 

Inschrifttafel, in der Kirche, dem Andenken des letzten v. Kniestedt, 
t 1825, Friedrich Julius und seiner Gemahlin Louise Charl. v. Kniestedt geb. 
von Bülow aus dem Hause Rhode, t 1854, gewidmet. 

Grabstein, H. 2,25 m, B. 1,45 m, an der inneren Südwand liegend, vermauert, 
durch Bänke verdeckt und schwer lesbar. Soweit am Rande zu erkennen, zum 
Gedächtnis eines v. Kniestedt gesetzt. Mit Figur eines Geharnischten, ähnlich 
dem V. Wrisberg an der Ostseite der Nikolaikirche in Alfeld. Mitte 16. Jahrh. 

Auf dem Friedhof an ursprünglicher Stelle: Grabplatte mit Bildnis eines 
Geharnischten, Sandstein, 2,05x1,04 m, abgetreten. 

Grabstein, mit Rokokoornamenten, 2,00x1,04x0,20 m. Inschrift ver- 
wittert. 2. Hälfte 18. Jahrh. 

BOCKWINDMÜHLE. 

Westlich der Ortschaft steht auf der Anhöhe die sog. Eikelsche Mühle, 
nicht mehr in Betrieb. Hausbaum 0,75x0,75 m dick. Flügel fehlen. An einem 
Balken im Obergeschoß: ,,An Gottes Segen ist mier gelegen. Georg Schreyhafe 
(oder Schreyhake) Anno 1811." Jetziger Eigentümer: Landgerichtsdirektor 
Dr. Haas, Hannover. 



Kukeriulenburg. 



GESCHICHTE: Vgl. Ein- 
leitung S. 6. 

BESCHREIBUNG: 
Einige auf der Kuppe des 
Burgberges nördlich Gielde 
verstreute Bruchsteine lassen 
auf eine einstige Bauanlage 
schließen, mit der ein nahe- 
gelegener, im Plane Abb. 53 
wiedergegebener Ring wall 
in gewissem Zusammenhang 
gestanden haben kann. 
Grundform elliptisch, etwa 
100x60 m. Kronenbreite 
des Walles durchschnittlich 
2,00 m. Sohlenbreite etw^a 
8,00 m. Höhe etwa 1,50 m 



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Abb. 5.3. Kukeriulenburg, Lageplan (1 : 1500). 



142 Kukeriulenburg 

bezüglich des Walliniiern, ij 3,50 m bezüglich des Äußern. Im Innern ein recht- 
eckiger, 20,00x5,00 m großer, etwa 1,50 m hoher Hügel mit ebener Oberfläche. 
Ein in den Hügel eingesenkter Trichter von etwa 3 m läßt auf eine frühere 
Nachgrabung schließen. 



Lengde. 

Evangelische Kirche. Gehöfte. Zehntscheunen. Windmühle. 

Quellen: 1. Staats- Arch. Hann., Akt. Manu. des. 74, Amt Wöltingerode, 111., 

X. 1, 4d; desgl. IV., III. 2f 4. - des. 74, Amt Wöltingerode, App. Schiaden, III., 2f 4. 

- Bibl. H. V. N., Handschrift 317. von Schwicheldtsches Archiv im Schloß Söder, 

Urk. - Pfarrarchiv Lengde, Kirchliche Bauakten 1828, 1829. 2. U. B. Hild., 

I.- VI. U.B. Goslar, I. V. U. B. von Saldern, I. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 44, 55, 85 ff. Blume, Heimat, S. 384 ff. 
Bode, Uradel, S. 175. Bornstedt, Siedlungen, S. 17. Dürre, Reg. Wallmoden, 

Nr. 59, 277. Hüttebräuker, Erbe Heinrichs d. L., S. 83. Kayser, Visitationen, 

S. 186. - Klewitz, Territ. Entwicklung, S. 25. Lüntzel, Alt. Diözese, S. 16, 322 ff. 

Machens, Archidiakonate, S. 107, 193. Mithoff, Kunstdenkmale. S. 194. Mit- 
hoff, Kirchen und Kap., S. 5. — Zobel, Heimatbuch, S. 191. 

GESCHICHTE: Im Jahre 1174 übereignete Bischof Adelog von Hildesheim die 
Kirche in „Lengithe" dem Kloster Heiningen. Das Vorhandensein einer Kirche und 
die alte Form des Ortsnamens deuten darauf hin, daß Lengde viel älter ist. Als 4 Jahre 
später, 1178, der Bischof die Besitzungen des Klosters Heiningen bestätigte und ihm 
den Bann über die Mutterkirche in Gielde nebst der ihr zugehörigen Kapellen und Kirchen 
gab, erscheint die ,, Kapelle" in ,,Leggethe" als eine Gründung der Mutterkirche in 
Gielde. Aus einer Prozeßurkunde des Jahres 1336 geht hervor, daß die Kirche in Lengde 
im alten Archidiakonat Neuenkirchen lag und damals an das Archidiakonat Goslar 
gekommen war. Das Patronat über die Kirche in Lengde hatte 1174 das Kloster Hei- 
ningen, am Ende des 13. Jahrhunderts, als die weifischen Herzöge die benachbarte 
Herlingsburg auf dem Harly besaßen, kam es an diese. Herzog Heinrich der W^underliche 
verzichtete 1311 auf das Patronatsrecht; es war dann umstritten zwischen dem Kloster 
Wöltingerode und dem St. Blasiusstift in Braunschweig, bis 1351 Bischof Heinrich 
dem Kloster Wöltingerode die Kirche zu Lengde zusprach. Nach dem Übergang des 
Patronats an das Kloster Wöltingerode machten die Einwohner von Lengde den Ver- 
such, das Patronatsrecht über ihre Kirche selbst auszuüben, doch mißlang dieser Ver- 
such. 

Als älteste Grundherren erscheinen in Lengde die Bischöfe von Hildesheim und 
von Halberstadt, der Erzbischof von Magdeburg sowie die Herzöge von Braunschweig, 
die Grafen von Schiaden und von Blankenburg und die Herren von Biewende. Ihr Be- 
sitz stammt vermutlich aus altem Königsgut der Pfalz Werla, mit dem sie einst vom 
Kaiser beschenkt oder belehnt waren. Im 13. Jahrhundert, als zwei Orte Lengede, 
nämlich Lengede maior und minor, auftauchen, treten auch mehrere Familien von 
Lengede auf. Die ursprünglich freien Familien von Lengede kommen zuerst 1147 vor, 
spätestens 1280 ist eine dieser Familien in die Ministerialität der weifischen Fürsten 
eingetreten, eine andere Familie aus Lengede minor gehörte der hildesheimischen 
Ministerialität an. Der Besitz dieser Familien kam im 13. und 14. Jahrhundert an ver- 
schiedene Klöster. 

Vor allem hatte das Kloster Wöltingerode großen Grundbesitz in Lengde, daneben 
waren das Domstift und das Kloster Neuwerk in Goslar sowie die Goslarer Ritter- 



Lengde 143. 

familie von der Gowische dort begütert. Die Siedelung Klein-Lengde ist um die Mitte 
des 14. Jahrhunderts wüst. 

Nach der Hildesheimer Stiftsfehde kam Lengde mit dem Amt Wiedelah an Herzog 
Heinricli den Jüngeren von Braunschweig- Wolfenbüttel, 1542 wurde die Reformation 
eingeführt, jedoch erst 1568 mit dem Regierungsantritt von Herzog Julius endgültig 
durchgeführt. 1643 kam Lengde wieder an das Hochstift Hildesheim zurück. Im Jahre 
1710/11 erhielt die Kirche einen neuen Turm, der bei dem Abbruch der Kirche erhalten 
blieb. 1802 berichtete der Amtmann Schuch in Wiedelah, daß die alte Kirche in Lengde 
außerordentlich baufällig sei, die Seitenmauern des Schiffes seien ausgewichen, die 
Balken verfault und der Einsturz des Gewölbes sei zu befürchten. Darauf riß man die 
alte Kirche mit Ausnahme des Turmes nieder und begann, wie die Bauakten angeben, 
ohne die höhere Genehmigung abzuwarten, den Bau der neuen Kirche, der von Maurer- 
meister Wagemann in Vienenburg für 2399 Rtlr. übernommen war; gegen Michaelis 
1803 war der Neubau vollendet. Als 1803 der preußische Landbaumeister Clemens eine 
Revision des Baues vornahm, stellte er fest, daß die Mauern der Kirche zur Tragung 
des Daches von zu geringer Stärke waren, das Dach sei zu flach, um seine eigene Last 
zu tragen und ohne die notwendig gewesene Verankerung aufgeführt. Bereits 1808 
waren die Seitenmauern ausgewichen und mußten durch hölzerne Streben abgesteift 
werden, 1829 waren die Mauern um 15 — -18 Zoll übergewichen; durch Baumeister 
Hellner, Hannover, wurden die Mauern wieder in senkrechte Stellung gebracht und das 
Dach verankert. Die Kosten dieser Wiederherstellung in den Jahren 1828 — 31 betrugen 
1564 Rtlr., d. h. etwa Vs der Kosten des Neubaues der Kirche. Damals wurden die 
Pfeiler im Inneren eingebaut. 

Für die neue Kirche ist 1805 eine Orgel für 550 Rtlr. angeschafft. Den barocken 
Altar (1736), das Abschlußgitter (um 1780), den Taufengel von 1705 und den Taufstein 
von 1584 übernahm man aus der alten Kirche in die neue. 1837 wurde die kleine Glocke 
von J. H. Wicke in Braunschweig gegossen und 1844 die große Glocke von S. Lange 
in Hildesheim. Den Kirchturm, der 1794 wiederhergestellt war, unterwarf man 1862/63 
nochmals einer gründlichen Ausbesserung. 

BESCHREIBUNG: KIRCHE. 

Das Schiff, 1802 an den 1711 errichteten Turm angebaut, hat rechteckige 
Grundform und ist im Osten mit drei Seiten des regelmäßigen Achtecks ge- 
schlossen. Außenmaße: Langseiten 21,80 m, Chorseiten 5,40 m, Schiffsbreite 
13,50 m. Mauerwerk aus roten Bruchsteinen (Rogenstein vom Harliberge), die 
verzahnten Eckquadern und schlichten Tür- und Fenstergewände aus grauem 
Werkstein. Die Außenwände scheinen früher geputzt gewesen zu sein, jetzt aus- 
gezwickt. Schrägsockel, niedrig; hölzernes profiliertes Traufgesims. An der Nord- 
seite vier, an den Chorseiten je ein und an der Südseite drei flachbogige Fenster. 
Hauptzugang durch den Turm, außerdem an der Südseite ein Portal, H 2,33 m, 
B. 1,53 m, mit zweiflügeliger Tür, dessen Gewände mit 5 Sonnenwirbeln und 
Rillenornament geschmückt ist. Oberhalb der Tür eine Schriftplatte: „Der Goltes- 
verehrung geweiht. Im Jahre 1803" (Taf. 57a). Darüber ein ovales Fenster. 

Westturm, 1711 in Bruchstein erbaut, sockellos, unten mit schmalen 
Lichtschlitzen, im Glockengeschoß größere Schallöffnungen. An der Westseite, 
oberhalb der rechteckig umrahmten Tür ein Inschriftslein mit unleserlicher 
Schrift. Helm mittels Eckschrägen vom Quadrat (8,00 m Seitenlange) ins Achteck 
übergeführt, Wetterfahne von 1794 (Taf. 54d). Eine zweite Wetterfahne auf dem 
Walmschnittpunkt des Chordaches von 1803. 



-144 Lengde 

Das Innc'r(> iiiachL wcgi-ii der zur Untcrslülzung der Decke dienenden Holz- 
stützen den Eindruck einer drcischiffigen Anlage, deren Mittelschiff mit einer 
Brettertonne unrl deren Seitenschiffe mit flachen verputzten Holzdecken ver- 
sehen sind. Holztonne und Wandflächen auch glatt geputzt. Am Wandanschluß 
ein Gesimsprofil. 

A u s s t a 1 1 u n g : 

Auf der oberen der beiden übereinanderliegenden Westemporen eine kleine 
Orgel aus der Erbnuungszeit der Kirche. Die seitlichen und die oberhalb der 
Pfeifen befindlichen Zierstücke zeigen krause Muster des ausklingenden Rokokos. 
Beiderseits als oberer Abschluß der Pfeifi'n musizierende Engel. 

Die Rückwand des Altares mit vorgekragter Kanzel ist zwar klein, 
aber reich geschnitzt und gut gegliedert (Taf. 56a). Die Kanzel mit Schnitz- 
werk zwischen gewundenen berankten Säulen, daneben die Figuren von Moses 
und Aaron. Als Seitenabschlüsse reiches Ranken werk, das verkröpfte Gesims 
des Gebälks nach vorn zum Schalldeckel erweitert. Im Aufsatz Petrus und Paulus, 
in der Mitte Christus mit der Fahne. An den geschnitzten Teilen des Altars machen 
sich Einflüsse von Jobst Heinrich Lessen, Bildschnitzer in Goslar, geltend. Zur 
Kanzel gehört ein zierliches Lesepult. Die Kanzeltür hat eine rundbogige, mit 
durchbrochener Schnitzerei in Form einer Blumenvase verzierte Füllung, H. 0,69 m, 
B. 0,58 m. Der Altar ist von Pöttinger in Weiß und Gold bemalt (s. Vienenburg, 
kath. Kirche, und Wöltingerode). 

Taufengel, Holz, weiß und gold bemalt, etwa 1,00 m groß, hängt neben 
dem Altar. In der Rechten eine Taufschale in Muschelform, in der Linken ein 
Spruchband mit der Aufschrift: ,, Lasset die Kindlein zu mir kommen" usw., vor 
der Brust ein Schild mit der Inschrift: ,,Hans Michael / Heinrich Bock / Claus 
Widelah / Anno 1706." 

Reste eines 1,10 m h. Taufsteines, Becken in Form eines 0,35 m h. schlichten 
Kegelstumpfs, 0,40 m, auf Rundsäule, 0,23 m, mit quadratischem, 0,41 m. 
breitem profilierten Sockel. Entstehungszeit unbestimmt, vielleicht um 1800. 

Außer dem einfachen Gestühl der Erbauungszeit sind noch chorstuhl- 
artige Bänke mit Klappsitzen und Scheidewänden in großer Zahl vorhanden. 
Herstellungszeit gegen 1700. 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Silber, teilvergoldet, H. 21 cm. An der Kuppa : 
„DIESEN KELCH VEREHRE ICH GOTT ZU EHREN IN DIESE 
KIRCHE WEIL MEIN SEHL. HE. VATER SIGISMUND DEMUTH 
HIER BEGRABEN LIEGT. DOROTHEIA DEMUTHS WITWE 
OSTERWALDS AO 1697." Goldschmiedezeichen 4 (aber ohne den Buch- 
staben D). 

Patene, Silber, vergoldet, 15,5 cm. Goldschmiedezeichen wie am Kelch. 
Weihekreuz 8. 

Oblatendose, Silber, rund 12,5 cm, H. 5,5 cm. Am Rande schlichte 
Ornamente. Inschrift auf dem Deckel: „Dise Ablaten-Schachtel / wird zu Gottes 
Ehre der / Kirchen zu Lengde verehret von ELISABETHA DEMUTHS / 
Sehl. HERREN FRIEDERICH T I ELEN : Nachgelassene witwe weilen 



Lengde 



145 



ihr / Sehl. vatter: HERR SIEGEMUNDUS / DEMUTH zu Lengde begraben 
lieget / weil das vernicählte Creütz in der Kirche / daselbst ausweiset Ohlendorff / 
am Tage Laurentz den 10 t. / August 1712." Goldschmiedezeichen 3. 

Zwei Läuteglockcn. Die größere 1,06 m. Unterhalb der Haube Eichen- 
laubfries und Inschrift: „GEGOSSEN VON S. LANGE IN HILDESHEIM 
1844 FÜR DIE GEMEINDE LENGEDE." Am langen Felde ein Spruch 
und die Namen der derzeitigen Kirchenvorsteher. Die zweite, 0,90 m, ähnlich 
ausgeführt Am Schlagring: „GEGOSSEN VON J. H. WICKE IN BRAUN- 
SCHWEIG 1837." 

Grabstein des 1845 verstorbenen Johann Diedrich Rißling, H, 2,25 m. 
Sockelhöhe 1,12 m. Auf dem Kirchhof (Tat. 57c). 

GEHÖFTE. 

Das Dorf Lengde ist ein Haufendorf. Die Gehöfte liegen zerstreut, dem 

hügeligen Gelände angepaßt (Abb. 54). Die älteste Siedlung scheint nahe der 

Kirche an der Einmündung der Straße von Beuchte in die Landstraße Vienenburg — 

Schiaden gelegen zu haben. Hier erweitert sich die Straße platzartig. Etwa in der 




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Abb. 54. Lengde. Dorfplan, Ausschnitt (1 : 6400). 



Mitte des Platzes steht der Dorfkrug. Abschluß des Platzes südlich der Kirche 
durch die Giebelseiten der Wohnhäuser der auf höhcrem Gelände liegenden Ge- 
höfte (Taf. 59e). Weiterentwicklung der Ortschaft in südlicher Richtung. Nach 
dem Brande von 1786, wobei 28 Wohnungen und 93 ,, Behältnisse" zerstört wurden, 
sofortiger Wiederaufbau in einheitlichem Charakter scheinbar nach Angaben von 
ein und derselben Leitung. Ortsübliche Bauweise, Fach werk, wurde beibehalten. 
Anlage der Gehöfte durchgehends nach mitteldeutschem (fränkisch-thüringischem) 
Muster; Wohn- und Wirtschaftsgebäude also so um einen inneren Hof gruppiert, 
daß das gesamte Gehöft in sich geschlossen war. Zugang von der Dorfstraße mittels 
einer hohen, überdeckten, durch eine große Tür abgeschlossenen Einfahrt. Ein 
zweites Tor, meistens nicht überdeckt, als Ausfahrt. Wohnhaus — in Lengde 
vielfach freistehend — so eingruppiert, daß von ihm aus der gesamte Wirtschafts- 
betrieb beaufsichtigt werden kann. Anschließend an das Wohnhaus die Stallungen, 

19 



146 



Lengde 



gegenüber oder entfernter die ReniLstn und Scheunen, unter deren weit vorge- 
zogenen Schleppdächern die Wagen und Geräte im Schutz gegen Witterung stehen 
konnten. Scheunen mit einer Seitenlängstenne, die bei genügender Schleppdach- 
ausladung auch oft fehlL. Üblicherweise die Dungslälle (Miste) mitten auf dem 
Hofe. Wohngebäude durchweg nach gleichem Oruudrißschema, je nach Größe 
der Anlage etwas abgewandelt. Im Erdgeschoß um fleii geräumigen Flur Wohn- 
und Wirtschaftsräume, im Übergeschoß um den oberen Flur Schlafräume und 





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KÄMMET^ 



Abb. 55—57. Lengde Nr. 28, Gehöft des Bauern und Schäfers 
Tillig. Grundriß des Erdgeschosses (1:500); Wohnhaus. Grund- 
riß des Obergeschosses und Schnitt (1:250). 



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Abstellgelasse (Rauchkammern). Der Massivbau mit Backsteinen bürgerte sich 
erst gegen Ausgang des 19. Jahrhunderts ein. Aus dem 18. Jahrhundert sind zwei 
Zehnt-Scheunen aus Bruchsteinen vorhanden. 

Gehöft Nr. 28 des Bauern und Schafmeisters Tillig (Abb. 55- 57 und Taf.58a). 
Wohnhaus, zweigeschossig, nicht unterkellert. Obergeschoß etwa 12 cm vorkragend. 
Setzschwelle, Füllhölzer und Balkenköpfe profiliert, letztere mit den Füllhölzern 
fluchtend. Geschoßhöhen i. L. 2,20 m. Breitpfannendach. Gefache mit Lehm- 
ausmauerung. Abschluß des Gehöftes durch den geräumigen Schaf stall und die 
überdeckte Ausfahrt. Scheunen nur als Bansenräume dienend; statt der Längs- 
tenne Schleppdächer, rund 2,50 m überstehend. 

Gehöft Nr. 18 des Erbbauern Niemeyer. Der Hof ist zuerst 1603 als in 
Niemeyerschen Besitz befindlich erwähnt (Landeshauptarchiv Wolfenbüttel, 
Akten über Wöltingerode Nr. 21). Neubau nach Brand 1786. Wohnhaus zwei- 
stöckig, zum Teil unterkellert. Konstruktive Ausbildung wie Wohnhaus Tillig 
(Taf. 58 b). Gefache mit Backsteinen ausgemauert. Mit dem Wohnhaus fluchtend 
eine Scheune, deren Schleppdach durch Kopfbänder unterstützt ist, anschließend 



Lf'iigde 147 

das Altenteilerhaus, jetzt Schwelnestall. Am Türholm: V. N. M • C. FB. A.D. ^ 
1786 (Valentin Niemeyer, Marie Catherine, geb. Fürstenberg). Der jetzt das 
Gehöft an der Hinterseite abschließende Rindviehstall stammt aus neuerer Zeit. 
Scheunen und Stallungen der hnken Schmalseite mit weit ausladenden vSchlepp- 
dächern auf Kopf streben. 

Gehöft Nr. 20, der frühere Waeterlingsche Hof. Eigentümer Schlüter. 
Das sehr stattliche Gehöft hat in den letzten Jahren durch Abbruch des an das 
"Wohnhaus stoßenden Pferdestalles und einer Scheune stark in seiner Geschlossen- 
heit gelitten. Es dürfte wie die Nachbargehöfte gegen Ende des 18. Jahrhunderts 
erbaut sein, wenngleich das auf Taf. 58 d wiedergegebene Torgebäude am Holm 
neben den Buchstaben H. W. die Jahreszahl 18.56 trägt. Bis vor wenigen Jahren 
wurde das Tor durch einen achtseitigen beschieferten, als Taubenschlag dienenden 
Dachreiter betont (Taf. 57e). Das zweistöckige Wohnhaus ist in Fachwerk, ähnlich 
dem Niemeyerschen, erbaut (Taf. 58c). An der linken Schmalseite wiederum die 
charakteristischen Schleppdächer an den Schweineställen. Als hinterer Abschluß 
des Gehöftes eine Gartenterrasse neben emem Werkstattgebäude. 

Gehöft Meyer (Ww.) zeigt gleichfalls den Charakter des fränkischen Ge- 
höfts vom Ende des 18. Jahrhunderts. Etwas stattlicher als beim Tilligschen 
Gehöft umziehen auch hier die Wirtschaftsgebäude den Hof (Taf. 59c und d). 
Ganz ähnlich der vorbeschriebenen Anlage ist auch hier das zweigeschossige Wohn- 
haus ausgebildet (Taf. 59a). 

Gehöft Schlüter gehörte ebenfalls zu den typischen Anlagen. Bemerkt 
sei hier, daß das Dach der großen Scheune durch eine besondere Holzständerreihe 
getragen wird, so daß gleichsam die Längstenne nach außen verlegt erscheint. 

ZEHNTSCHEUNEN. 

Zwei Zehntscheunen, ehemals im Besitz des Klosters Wöltingerode. 

Die eine am östlichen Randweg der Ortschaft, gemeinsames Eigentum von 
drei Bauern (Taf. 59b). Länge 35,20 m, Breite 13,20 m. Firsthöhe rund 12,00 m. 
Umfassungsmauern 0,85 m stark aus rotem Harli-Rogenstein. Seitenlängstenne mit 
3,55 m breiten, 4,30 m hohen rundbogigen Toren, deren verdoppelte Türen aus 
Tannenholz noch alt sind. Etwa in der Mitte der Längswand eine kleinere Tür. Zwei 
Inschriftplatten: „P. D. LVCIA / ROSA ABBA 1711" und „FR. lOANNES 
WAPENSTICKER PR/EPOSITVS , 1711.' 

Die andere, am Verbindungsweg von der Hauptstraße zum östlichen Rand- 
weg, aus rotem Rogenstein vom Harliberg, Eigentümer Otto Meyer Ww. (Taf. 52c). 
Länge 29,00 m, Breite 9,50 m, Firsthöhe rd. 7,50 m, S'.Mlen wände 3,80 m. Im Ost- 
giebel eine Inschriftplatte: „R. D. M\A. TPERESIA / SO^^EMAN 
ABBAA / R. D. lOES BERNARD9 ROTARIUS P. P0SIT9 1735." 
An den Langseiten je drei kleine Schlitzfenster, zwei Dachluken. Breit pfannen- 
deckung. Die Tore der Seitenlängstenne rundbogig. Osltor beschädigt, später 

vergrößert. 

WINDMÜHLE. 

Die nordwestlich vom Dorfe stehende Windmühle, eine Bockniühle, ist auf 
Taf. 57b wiedergegeben. 



148 



Lewe — Liebenburg. 

Evangelische Kirche. Wohnhäuser. 



Quellen: 1. Staats-Arcli. Ilann., Akt. Hann. des. 74, Amt Liebenburg, IL, 

G. Iq. Bibl. H. V. N., Handschrift 317. — von Schwicheldtsches Archiv im Schloß 

Söder, Urk. — Pfarrarchiv Le^\'c, Kirchenbauakten 1856 — 63. — 2. U. B. Hild., 
L— VL — U.E. Goslar, L — IV. — U. B. von Saldern, I. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 13, 38, 77, 94. — Blume, Heimat, S. 91 fL -- 
Bode, Uradel, S. 181. — Bornstedt, Siedlungen, S. 17. — Dürre, Reg. Wallmoden, 
Nr. 75, 430, 466, 991. — Kayser, Visitationen, S. 146. — Klewitz, Territ. Entwick- 
lung, S. 25. — Lüntzel, Alt. Diözese, S. 320. — Mithoff, Kunstdenkmale, S. 195. — 
Mithoff, Kirchen und Kap., S.S. — Zobel, Heimatbuch, S. 79 ff. 

GESCHICHTE: Der Name des Dorfes Lewe kommt als ,,Lievethe" zuerst 1131 in 
einer Urkunde vor, in der Bischof Bernhard die Besitzungen des Stiftes St. Georgen- 
berg bei Goslar bestätigt; damals hatte das Stift in Lewe eine Hufe und eine Haus- 
stätte. Ende des Jahrhunderts taucht die ursprünglich freie Familie der Herren von 
Lewe auf, die später in die braunschweigische Ministerialität übergetreten ist. Als äl- 

t estes Mitglied dieses Geschlechteserscheint 
Gerhardus de Levethe unter den Zeugen 
einer bischöflichen Urkunde des Jahres 
1175. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts 
werden ein malus Levede (das jetzige 
Lewe) und ein minus Levede (am Ende 
des Mittelalters wüst) unterschieden. Da 
im 14. Jahrhundert und später mehrere 
Familien von Lewe auftreten, so ist es 
möglich, daß sie aus den verschiedenen 
Orten des Namens Lewe stammen. 

Das Dorf Lewe hat sich im Anschluß 
an den Herrensitz entwickelt. Vermut- 
lich gehörte die Feldmark Lewe ursprüng- 
lich den Grafen von Wohldenberg, von 
ihnen hatten 1286 die Herren von Wall- 
moden 3 Hufen in Groß- und 7 Hufen in 
Klein-Lewe zu Lehen. Grundbesitz in 
Lewe besaßen das Stift Georgenberg und 
die Klöster Steterburg, Heiningen und 
St. Michaelis in Hildesheim. Nach dem 
Bau der Liebenburg erwarb der Bischof 
von Hildesheim in Lewe zahlreiche Hufen 
Land, das er für den Unterhalt der Burg- 
besatzung benötigte. Nach der Hildes- 
heimischen Ämterbeschreibung besaßen 
1803 die von König das Patronat in 
Lewe, der Zehnte war zwischen dem 
Domstift zu Goslar und den Herren von 
Brabeck geteilt. 
Die Kirche in Levede wird zuerst 1305 erwähnt, in diesem Jahre übereignete die 
Äbtissin Sophie von Gandersheim dem Bischof Siegfried mehrere Hufen in Groß- und 
Klein-Lewe sowie das Patronatsrecht der Kirche in Lewe, wofür der Bischof der Äbtissin 
das Patronatsrecht der Kirche in Wetteborn und ein Allod mit Zubehör übergab. Nach- 




Abb. 58. Lewe, evangelische Kirche, Portal im 
Turm (l:40)t 



Lewe 



149 



dem Lewe mit dem ..Großen Stift" 1523 an Herzog Heinrich den Jüngeren von Braun- 
schweig-Wolfenbüttel gekommen war, betrachtete dieser sich als Landesherr nun auch 
als Patron der Kirche. Deshalb weisen nach Einführung der evangelischen Lehre 1542 
die Visitationsprotokolle 
des Schmalkadischen Bun- 
des die Angabe auf: ,,Le- 
vede ist Braunschweigisch 
lehn". Zum Jahre 1571 wird 
bei Lewe vermerkt : „Ist 
auch ein Siechenhauß oder 
Spital gestift von Herzog 
Heinrich"; Näheres über 

dieses Spital in Lewe ist \ -^^ l ^ \ ^-'^^' 

nicht bekannt. 

Die alte Kirche in 
Lewe ist am 17. März 1862 
geschlossen und bis auf 
den unteren Teil des Tur- 
mes abgebrochen. Auf 
einem Steindruck von etw'a 
1860 ist der Turmhelm als 

abgewalmtes Satteldach zu Abb. 59. Lewe, Haus Nr. 24, Konsolenausbildunjä 




OBEPCESCH:;&ä 




ERDCESCHOSS 




erkennen mit einem Erkerausbau an der 
Xordseite. Der Neubau der Kirche erfolgte 
nach den Plänen des Baurats Hase, die 
Kosten betrugen 13028 Rtlr. 29 Gr. 2 Pf., 
am 8. November 1863 WHirde die neue 
Kirche eingeweiht. Der Kanzclaltar der 
Kirche stammt aus dem Jahre 1778/79. 
Das Pfarrhaus brannte 1718 ab, das 
wiedererrichtete Pfarrhaus wurde 1843 
nochmals von einem Brande heimgesucht. 




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H 1 1 1 . 1 1 



Abb. 60— 62. Lewe, Haus Nr. 32. Gruiuliisso iiiul Schnitt (1:230). 



20 



150 



Lewe 



BESCHREIBUNG: KIRCHE. 

Das Schit'l ,.in Backstein, neugolisch (1862/63). Der allf 'Jiirin gotisch, über 
einem Rechteck von der Breite des Schiffes hochgeführt, in Bruchstein mit 
Werksteinecken. Zwei schlanke hölzerne, beschieferle achlseitige Helmpyramiden 
(aus der Zeit des Schii'fsneubaues) mil flachen ÜbergangsgraLen an den Ecken 




Abb. 63. Lewe, Haus Nr. 32, Aufriß (1 : 125). 



des Unterbaues. Zwischen den Helmen ein kleiner Erker für das Zifferblatt der 
Uhr (Taf. 57d). An der Nordwestecke des Turmes unter einem Schutzgesims ein 
Wappenstein, beschädigt (v. Schwicheldt), mit der Jahreszahl: m. d. x viii (1518) 
in gotischen Minuskeln und ein Steinmetzzeichen (Kreuz auf nach unten 
offenem Winkel). Fenster mit neuen Gewänden. Im Turminnern ein reichverziertes, 
spätgotisches Portalgewände, in Aufteilung und Einzelbehandlung sehr ähnlich 
dem der südlichen Vorhalle der Jakobikirche in Goslar (1516); vermutlich vom 
gleichen Meister mit dem obengenannten Steinmetzzeichen. Im Scheitel des 
Portalbogens fast waagerecht liegend das v. Schwicheldtsche Wappen (Abb. 58). 



Lewe 



151 



Inneres: Die Ausstattung stammt aus der Erbauungszeit der Kirche, 
Von älteren Stücken sind zu nennen : 

Altartisch, gemauert, Rückwand aus einer Grabplatte von 1770 hergestellt. 
Zwei Altarleuchter, Zinn, H. 67 cm, derb, in Säulenform, Fuß quadratisch. 



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Abb. 64. Lewe, Haus Nr. 32, Haustür (1 : 25). 



Kronleuchter, Messing, H. 85 cm, 72 cm. Zwöli'armig, Arme in geknickter 
Volutenform mit kleinen Obelisken als Zierat. Untere Kugel glatt. Ende 18. Jahrh. 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Silber (anscheinend Legierung), H. 28 cm, 
von 1845. Weinkanne, H. 36 cm. Palene, 16 cm. 

Kelch, Zinn, Anfang 19. Jahrh. 



1 52 Lewc 

WOHNHÄUSER. 

Ältere Bauern liäuser sind in der Orlschaft Lewe nur in geringer Zalil vor- 
handen. Das älteste noch vorhandene Wohnhaus scheint der Teil des Hauses 
Nr. 24 zu sein, der etwa im Anfang des 17. Jahrhunderts als selbständiges kleines 
Anbauerhaus in Eichenfachwerk erbaut ist. Bemerkenswerte Konsolen, die die 
Ausladung der Balken des Obergeschosses tragen (Abb. .■)1>). 

Das in der Ausbildung reichste Haus des Ortes ist das Wohnhaus Nr. 32 
(Eigentümer Pillmann) (Taf. 60a). Zweigeschossig, in Eichenfachwerk, vom Jahre 
1729, freistehend, einst am Ende eines großen Gehöftes. .Jetzt von der Dorfstraße 
hinter dem Hause aus zugänglich, so daß der Hauseingang nun scheinbar an der 
Rückseite liegt. Grundriß rechteckig, ll,50x 15,50 m (Abb. 60 — 63). Reiche Back- 
steinmusterungen an allen Seilen. Die Grundschwellen liegen auf Sandsleinsockel. 
Zwei kleinere Räume des Erdgeschosses unterkellert und mit Holzbalken ab- 
gedeckt, von der Küche zugänglich. Trei)pe zum Obergeschoß mit Geländer aus 
massiven, gut profilierten kräftigen Eichenholzdocken. Von den Innentüren sind 
nur noch die des Obergeschosses alt. Profilierte Umrahmung. Füllungen mit stark 
verkröpften Profilleisten. Eichenholz. Das Gewände der Eingangstür sowie diese 
selbst reich geschnitzt, architektonisch aufgeteilt (Abb. 64). Besonders der Sturz. 
In einer Kartusche: „HERMAN MAXIMILIAN RAEDTS / ET MARIA 
ANNA LINDEN / FIERI FECERUNT 1729 / POST HOC ERIMUS / 
QUASI NON FUERIMUS." Das Chronogramm am Gebälk unterhalb des 
Gesimses ,,Deus mens tu es Conservator et protector in angustiis nostris" enthält 
die Jahreszahl 1729 (Abb. 64). 



Liebenburg. 

Katholische Kirche. Bergschloß. Ehemalige Burg. Domäne. Bauernhäuser. 

Quellen: 1. Beverina, Nr. 211: Extrakt aus dem Amt-Liebenburgischen Erb- 
register von 1566; Nr. 212: Erbregister des Hauses Liebenburg anno 1579; Nr. 191: 
Episcopatus Hild. in tabulis, 1758, III., Liebenburg; Kartenbände, Nr. 196, 196a. — 
Staats-Arch. Rann., Akt. Kann. des. 74, Amt Liebenburg, IL, G. 2c; desgl. X., S. 5. 

— Calenberg-Br. Arch. des. 10, 3d a. — Kann. des. 74, Amt Liebenburg, IV., X., S. 5. 

— Hann. des, 88, C, Nr. 1, Erbregister des Amtes Liebenburg von 1548. — - Staats- 
Arch. Kann., Kart. -Register C. III b 5, Nr. 6: Atlas von Generalkarten des Amtes 
Liebenburg 1740 — 43. — Staats-Arch. Hann., Urk. des Domstiftes Hild. — Arch. 
Wolf. Grenzregister Amt Liebenburg, Br. St. -Arch., Abt. VII, Bd. 26/27. — Arch. 
Hild., Sammelband 187, Top. Tableau des Amtes Liebenburg, Nr. 182, 193 und 194. — 
von Schwicheldtsches Archiv im Schloß Söder, Urk. — Bauinventar des Staatl. 
Hochbauamtes Goslar. — 2. U.B. Hild., III.— VI. — U.E. Goslar, IL — Sudendorf, 
L, HL, IV., X. — Chronicon Hildesheimense, S. 866. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 88. — Bertram, Gesch. Bist. Hild., L, S. 298, 
318, 321, 341, 352, 371, 392, 414, 425; IL, S. 8, 27, 35, 95, 183.; IIL, S 29, 31, 
43, 45, 132, 151, 164, 203. — Bertram, Bischöfe, S. 75, 110, 115, 137, 161, 169, 228 ff., 260. 

— Bleibaum, Bildschnitzerfamilien, S. 28. —Blume, Heimat, S. 70 ff., 91. — Bode, Uradel, 
S. 40. - Bornstedt, Siedlungen, S. 17. — Dreyer. J. G. Winck. Dürre. Reg. Wall- 



Liebenburg 153 

nioden, Nr. 408, 512, 549, 697, 740. — Görges-Spehr, Denkwürdigkeiten, IL, S. 336; 
IIL, 136. — Graßhof, Liebenburg. — Havemann, Gesch. Braunschw., L, S. 352, 438. 
— Henkel, Handbuch, S. 12, 159 fL — Kayser, Visitationen, S. 147, 229. — Klewitz, 
Territ. Entwicklung, S. 25, 35, 67 ff. — Lüntzel, Alt. Diözese, S. 166. — Machens. 
Archidiakonate, S. 61. — Mithoff, Kunstdenkmale, S. 195 ff. — Mithoff, Kirchen und 
Kap., S. 38, 46, 47, 57, 58. — Oehr, Ländl. Verhältnisse, S. 9, 11, 33, 90, 109. — Opel, 
Nieders.-dän. Krieg, S. 575. — Peters, Amtsverfassung, S. 257 fL — Vogell, Gesch. 
Schwicheldt, S. 37, 43, 52, 139, 145, 148, 164, 198, 207, 219. — ZobeL Heimatbuch. 
S. 87 fL 

I. Katholische Kirche. Bergschloß. , 

GESCHICHTE: Von 1750 an ließ Fürstbischof Clemens August, der Sohn des Kur- 
fürsten Maximilian Emanuel von Bayern, der gleichzeitig Kurfürst und Erzbischof von 
Köln und Bischof der Bistümer Münster, Paderborn und Osnabrück war, die alte Burg 
abtragen und begann 1754 den Bau des Schlosses Liebenburg. Baudirektor war der Drost 
Jobst Edmund von Brabeck in Liebenburg, die Leitung des Baues lag in den Händen des 
Bauinspektors Linden. Die Fertigstellung des Schloßbaues verzögerte sich durch den 
Siebenjährigen Krieg; Clemens August gehörte zu den Gegnern Friedrichs des Großen. 
Im Juni 1760 war das Schloß vollendet im Äußeren; der Ostteil des Schlosses blieb im 
Inneren größtenteils unausgebaut und ist erst in den Jahren 1815 — 18, nachdem das 
Bistum Hildesheim an das Königreich Hannover gekommen war, vollendet. Die Bau- 
kosten betrugen bis 1760 insgesamt 26070 Rtlr. 26 Groschen. Nach der Säkularisation 
des Bistums Hildesheim wurde der Ostflügel des Schlosses für Gerichtszwecke ein- 
gerichtet. 

Der Westteil des Schlosses Liebenburg wird von der Schloßkapelle eingenommen. 
Seitdem im Jahre 1766 die katholische Kirche auf der Liebenburg niedergerissen ist, 
dient die Schloßkirche als katholische Pfarrkirche. Die Kapelle ist der ,,annuntiatio 
B. Mariae V.", ,,St. Joseph et St. Clemens Romanus" geweiht. 

Die Ausmalung der Schloßkapelle erfolgte durch Joseph Gregor Wiiuk. Für die 
Fresken in der Schloßkirche zu Liebenburg, an denen er 3 Jahre arbeitete, erhielt der 
Meister 1105 Rtlr. 30 Groschen; für Zeichnungen, die er für Tabernakel, Altarstein, 
Kanzel und Nebenaltäre anfertigte, 35 Rtlr. ausbezahlt. Die Bildhauerarbeiten in der 
Schloßkapelle hat der Bildhauer Mohr hergestellt, er erhielt dafür 280 Rtlr., verschie- 
dene Maler- und Vergoldungsarbeiten wurden dem Maler Gentemann mit 246 Rtlr. 
33 Groschen bezahlt. 1843 wurde ein neuer Taufstein nach der Pelizaeusschen Zeichnung 
für 25 Rtlr. angefertigt und aufgestellt. Der jetzige südliche Nebenaltar stammt aus 
der 1833 abgerissenen katholischen Kirche in Heißum. 

Patrone der Kirche waren die Bischöfe von Hildesheim. 

BESCHREIBUNG: Das Bergschloß Liebenburg, als lürstbischöflichor Wohn- 
sitz mit zugehöriger Kapelle auf dem Burgberge aus Bruchsloinen und Quadern 
in den Jahren 1750 — 60 errichtet (Taf. 51b, Abb. 65 — 68), ist ein großes zweige- 
schossiges Gebäude mit beschiefertem abgewalmlen Mansardendach. Es wendet 
die mit dreigeschossigem Mittelrisalil ausgeslallele nördliclie Hauplseite dem Hol'o 
zu, hier eine breite geschwungene steinerne Freitreppe vorgelagert (Tat". 60c). 
Der Risalit ist im Grundriß leicht nach innen geschwungen und durch vier breite 
Wandpfeiler gegliedert. Abschluß des Vorbaues mit flachem Steingiebel, daran das 
große, von zwei liegenden Löwen beseitete Wappen des Fürstbischofs Clemens 
August. Jeder Seitenflügel sechsachsig. Untere Fensler rechteckig, die oberen 
flachbogig. Im unteren Teile des Mansardendaches enisjirecliend den Fenster- 
achsen Dachfenster, im flachen Oberdach auf jeder Seile drei kleinere. Im Westen 



"154 Liebenburg 

ein sechsseitiger Dachreiter mit rundbogigen Schallöffnungen unter geschweifter 
Haube mit Kugel und Kreuz. In ihm hängen die kleinen Läuteglocken (s, unten). 
Der unterkellerte Ostflügel des Bergschlosses enthält die Geschäftsräume des 
Amtsgerichts und die Wohnung des Amtsrichters; der Keller hat Kreuzgewölbe. 
Im Westflügel, durch Erd-, Ober- und Mansardengeschoß durchgehend, nur die 
katholische Kirche. Vor der Westseite eine Vorhalle mit reich profilierter Tür- 
umrahmung, darüber in einer Nische ein Kreuz. In der Mitte der schlichteren, dem 
Garten zugewandten Südseite ein dreiseitiger, nach Art einer ^/h gebrochenen Apsis 
errichteter Vorbau mit Eingangstür zum achteckigen Flur, über dem im ersten 
Stock der ovale Festsaal liegt (Abb. 66). 

Inneres: Architektonisch und künstlerisch bedeutend ist vor allem die über 
einem Rechteck von etwa 21 zu 16 m erbaute saalartige Schloß kapelle (Abb. 68), 
die jedoch im Innern wegen der hochliegenden, von massiven Pfeilern unterstützten 
Emporen an drei Wanden den Eindruck einer dreischiffigen Anlage macht, der 
noch dadurch verstärkt wird, daß der mittlere mit großem Deckengemälde ver- 
sehene Teil der flachen Decke durch ein kräftiges, auf den Doppelsäulen der Empore 
ruhendes Gesims abgegrenzt wird und die östlichen Teile der Seitenschiffe durch 
eine Trennungswand vom Schiff geschieden sind (Taf. 61). Vor dieser Scheide- 
wand an jeder Seite ein Nebenaltar, von denen besonders der südliche Beachtung 
verdient. 

Künstlerisches Hauptstück der Kapelle ist das Deckengemälde, bezeichnet: 
„Joseph Gregori Winck ex Bavaria inv. et fecit Ao. 1758" (Taf. 62). Rings um 
den Rand der Decke laufende, ohne besondere Scheidung aneinandergereihte 
Darstellungen bewegter Vorgänge aus dem Leben des heil, Clemens Romanus, 
die sich teils in der freien Natur (in der Wüste, im Gebirge, auf der See), teils inner- 
halb großer Architekturen abspielen. Die Gruppierung der figurenreichen Bilder, 
die schwierige Perspektive der Baulichkeiten sind ebenso gut gelungen wie die 
harmonische Farbengebung. In der Mitte Apotheose des Heiligen zwischen Wolken. 
Italienische Einflüsse sind unverkennbar. Erhaltungszustand gut (abgesehen von 
einigen Rissen). 

Ausstattung : 

Der Hauptaltar vor einer flachen Nische in der Ostwand auf dem um drei 
Stufen erhöhten Chor mit sarkophagartigem Tisch und zierlich geschnitztem, 
von freistehenden Säulchen eingefaßtem Drehtabernakel zwischen zwei knienden 
betenden Engelfiguren auf flott modellierten Sockeln von Bildhauer Mohr, Hildes- 
heim, nach Wincks Entwurf (vgl. die Geschichte S. 153). Das vom Altar ganz ge- 
trennte große, in gut erfundenem Regencerahmen gefaßte Altarbild mit einer 
Darstellung der von Heiligen verehrten Immaculata, ist al fresco auf die Rückwand 
der Chornische gemalt und von einer perspektivisch gezeichneten Architektur 
umgeben, die eine hohe Altarrückwand nachahmt. Im oberen Teile als plastische 
Gruppe (in Grisaille) die Dreieinigkeit. Das Ganze ein Werk des J. G. Winck. 

Von den Nebenaltären (vgl. Taf. 61) ist der nördliche vielleicht auch 
von Mohr; der südliche (um 1700), angeblich aus der Kapelle in Heißum stam- 
mend (Taf. 56b), enthält im Mittelbild (Öl auf Leinwand) eine Darstellung des 



Liebenburg 



155 







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Abb. 65. Liebenburg. Bergschloß, Aufriß der Südseite (1:500) [v. B.]. 




Abb. 66. Liebenburg, Bergschloß, Grundriß des ersten Obergeschosses (1 : 500). 




Abb. 67. Liebenburg, BeigschloB. (iriin.lriß des Erdgeschosses (1:500). 



156 



Liebciiburg 



Gekreuzigten. Seitlicli aut Sockeln holzgeschnitzte Figuren, rechts Maria mit dem 
Kinde, links Johannes (?), daneben beiderseits eine gewundene Säule, außen 
wiederum zwei Heilige, links Barbara, rechts ein Mann ohne Attribut. Über dem 
verkröpften flachbogigen Gesims ein reiches Rankenschnitzwerk mit Engelfiguren 




Abb. 68. Liebenburg, Bergschloß, Querschnitt durch den Kapcllenflügel (1:25U). 



als Bekrönung, links auf dem Postament: St. Matthäus (Apost.), rechts Figur mit 
einem Koffer unter dem Arm. Der Altar ist farbig behandelt (Ölfarbe). 

Kanzel und Schalldeckel am nördlichen Pfeiler neben der Sakristei in 
zierlichen frühen Rokokoformen (vgl. Taf. 61). An der Brüstung zwei Wappen 
im Oval (3 Wolfsangeln und 3 Rosen auf Schrägbalken). 

Taufstein aus grauem geflammten polierten Marmor, H. 1,10 m. Becken 
achteckig, 0,60 m. Von 1843 (vgl. Geschichte). 



Liebenburg 157 

Eine weitere Taufe aus Holz, aus der Kirche in Liebenburg, befindet sich im 
Museum in Goslar, Auf gewundenem, mit Weinlaub und Trauben verziertem oberen 
Teil eines Säulenschaftes nebst kor. Kapitell mit unten angelegten seitlichen 
Stützen auf rechteckigem Sockel, der Aufsatz mit Deckel, sechseckig, H. 1,07 m. 

Stattliche Orgel, 2. Hälfte 18. Jahrh. Reiches Schnitzwerk in weichlichen 
Rokokoformen. Bemalung alt. Pfostenwerk grün marmoriert, das Schnitzwerk 
vergoldet mit farbiger Lasur. 

Sechs Altarleuchter (3 Paare), Messing, H. der größten 34 cm, der kleinsten 
23 cm. Dockenform. Ende 18. Jahrh. 

Ewige Lampe, Messing? Mitte 19. Jahrh. 

Rauchfaß in gotischen Formen, Mitte 19. Jahrh. 

Zwei Handleuchter aus sehr dünnem Silberblech, H. 22 cm. Fuß quadratisch. 
Inschrift: „Zum 40jähr. Jubiläum für treue Dienste von Therese Pfafferitt." 
Anfang 19. Jahrh. In der nördlichen Sakristei. 

Meßgeräte: Meßkelch, Silber, vergoldet, H. 20,5 cm. Sechspaßfuß mit 
Inschrift: „HERM KOGELL. VIC. DD. ALTARI S. SYLVESTRI Aö 
1672." Eingraviertes Wappen: Kopf im Schilde. Goldschmiedezeichen 34 (ohne 
den Buchstaben A). 

Paten e, Silber, vergoldet, 14,5 cm, ohne Goldschmiedezeichen. 

Kelch, Silber, vergoldet, H. 22 cm. Fußplatte geschweift. Am Fuß ein Wappen 
(zwei gekreuzte Schlüssel). Mitte 18. Jahrh. Ohne Goldschmiedezeichen. 

Patene, Silber, vergoldet, 14,5 cm. Goldschmiedezeichen 14. 

Kelchlöffel, Silber, vergoldet. Goldschmiedezeichen 57. 

Monstranz, Kupfer, getrieben, H. 64 cm. Fuß oval, Gehäuse 23x19,5 cm. 
Aufgehefteter Kranz aus ziseliertem Silber. Knauf birnförmig. Zweite Hälfte 
17. Jahrh. 

Waschbecken, Zinn, schlicht, um 1700 (Zinnzeichen von 1690). In der 
südlichen Sakristei. 

Kruzifix, in der südlichen Sakristei. Renaissanceform. 

Ölgemälde, auf Holz, H. 0,97 m, B. 0,62 m. Darstellung des Abendmahls, 
Judas vor dem Tische sitzend. Datierung 1543. Am Orgelgehäuse hängend. Es ist 
das bedeutendste der drei Ölbilder in der Kirche. Die beiden anderen größeren 
stellen Joseph mit dem Kinde und St. Augustin dar. 

Glocken: Zwei, von 0,60 und 0,75 m unterem 0, 1875 von H.Bartels in 
Hildesheim gegossen. Im Dachreiter. 

II. Reste der ehemaligen Burg. 

GESCHICHTE: Im Jahre 1203 erbaute Kaiser Otto IV. die Heichsburg Harlungen- 
berg auf dem Ostteile des Harlibcrges bei Vienenburg. Da am l-jule des 18. Jahrhunderts 
die Insassen der weifischen Burg die Warenzüge der niedcrsäehsischen Städte bcnuibten. 
kam 1291 ein Bund von Fürsten, Grafen und Städten zustande, dessen Heer die Herzog 
Heinrich dem Wunderlichen gehörende Burg eroberte und dann dem Erdboden gleich- 
machte. Um im Osten das Hildesheimer Stift gegen die Weifen zu sichern, erbaute 
Bischof Siegfried II. nach der Niederzwingung der Harliburg am Osthange des Salz- 
gitterschen Höhenzuges die Liebenburg. Ein Versuch des Herzogs, den Bau der Lieben- 
burg mit Waffengewalt zu hindern, scheiterte: vor dem überlegenen bischöflichen 



158 Liebenburg 

Heere mußte der Herzog sich zurückziehen. Um 1302 spätestens war der mit großen 
Kosten durchgeführte Bau der „Levenborch" vollendet. Zum Unterhalt der Besatzung 
der Liebenburg erwarb der Hildesheimer Bischof Ländereien in der Feldmark von 
Lewe und einigen benachbarten Dörfern. 

Bis zur Hildesheimer Stiftsfehde wurde die Liebenburg verschiedenen Ritter- 
geschlechtern, 1366 auch dem Rate der Stadt Braunschweig, pfandweise überlassen, 
besonders die Herren von Schwicheldt waren längere Zeit Pfandinhaber der Burg im 

14. und 15. Jahrhundert. 1381 verpfändete Bischof Gerhard die Liebenburg an Hans 
von Schwicheldt, Ludolf von Sellenstedt, Rabodo Wale und Rabodo Wierthe; bei dieser 
Gelegenheit wird der beabsichtigte Bau einer Windmühle auf der Burg erwähnt. 1393 
einigte sich Bischof Gerhard mit Hans von Schwicheldt wegen der an der Liebenburg 
verwendeten Baukosten. Hans von Schwicheldt, des Stiftes Marschall, hatte nach 
dieser Urkunde auf der Liebenburg erbaut ein neues Haus über dem Tore auf dem 
obersten Hause, die Ringmauern zwischen den beiden Moshäusern (Zeughäusern) 
erhöht von der Windmühle bis an das große Moshaus und den „Großen Teich" zwischen 
Ohlendorf und Klein-Mahner angelegt, der Bischof übernahm hierfür eine Schuld von 
,,twey hundert lodiche mark sulvers". 1448 war Curd von Schwicheldt gemeinschaft- 
lich mit den Brüdern Heinrich und Bode von Gramm im Pfandbesitz der Liebenburg. 
Eine Urkunde dieses Jahres, welche die Teilung der Burg betrifft, gibt über die Gebäude 
und verschiedenen Einrichtungen der Liebenburg ausführliche Auskunft. Neben den 
bereits erwähnten Bauten Hans von Schwicheldts wird ergänzend mitgeteilt, daß sich 
in dem großen Moshause auch eine Küche, die Hofstube und eine große, bemalte Keme- 
nate befand, eine andere Kemenate lag über Aschwin von Gramms ,,eytelhuß" (Vorrats- 
haus). Da auch eine Wohnung des Kapellans erwähnt wird, muß auch um die Mitte des 

15. Jahrhunderts eine Burgkapelle vorhanden gewesen sein. Außerdem werden der 
Marstall, Scheunen, das lange Haus, das Brauhaus, das Backhaus, die Windmühle, 
der Brunnen sowie die ,,Holtenborch" und „Steltheneborch" erwähnt. Mithoff nimmt 
au, daß unter letzteren Befestigungswerke aus Holz, bzw. auf Holzpfeilern ruhend, 
zu verstehen sind. 

Nach Beendigung der Hildesheimer Stiftsfehde kam 1523 die Liebenburg an 
Herzog Heinrich den Jüngeren von Braunschweig- Wolfenbüttel. 1542 wurde die Burg 
von dem Heere des Schmalkaldischen Bundes besetzt, doch 1547 an den Herzog zurück- 
gegeben. 1552 eroberten die Truppen des Grafen Volrad von Mansfeld, der von dem Geg- 
ner des Herzogs, dem Markgrafen Albrecht von Brandenburg-Gulmbach, entsandt war, 
die Burg und besetzten sie kurze Zeit. 

Im 30jährigen Kriege nahm gegen Ende des Jahres 1625 Wallenstein auf der 
Liebenburg sein Hauptquartier, er empfing hier eine Abordnung der Stadt Goslar, die 
dem Feldherrn die Treue der Reichsstadt gegen den Kaiser versicherte. Im Sommer 
1641 beschossen kaiserliche Truppen die Burg und eroberten sie. 1643 kam die Lieben- 
burg wieder in den Besitz der Bischöfe von Hildesheim zurück. Es wurde eine ka- 
tholische Amtspfarrei auf der Liebenburg eingerichtet, zu der auch die Katholiken von 
Salzgitter gehörten. Wahrscheinlich gleich nach 1643 wurde mit dem Bau einer Kirche 
neben der Liebenburg begonnen, die spätestens 1664 fertig war, da die kupferne Wind- 
fahne der im Jahre 1766 abgebrochenen Kirche die Jahreszahl 1664 trug. 

Die einzigste Abbildung der alten Liebenburg vor ihrem Abbruch findet sich auf 
der Karte des Amtes Liebenburg, die in einem Kartenband des Jahres 1643 in der 
Beverinschen Bibliothek in Hildesheim erhalten ist. Wir blicken auf die Burg von Osten, 
links (im Süden) steht ein größerer Baukomplex mit vorgebauten Türmen, rechts (im 
Norden) sehen wir abseits stehend den Wachtmeisterturm. Zwischen Klein-Mahner 
und Ohlendorf ist der große Mahner Teich eingezeichnet, der 1393 im Osten der Lieben- 
burg zu ihrem Schutze von dem Pfandinhaber der Burg, Hans von Schwicheldt, durch 
Stauung der Warne angelegt war. 1798 auf der Scharnhorstschen Karte des Bistums 
Hildesheim hat der Mahner Teich nur noch ein Drittel der alten Größe, 1820 wurde er 
völlig trockengelegt. 



Liebenburg 



159 







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"160 Licbi'iiljiirf^ 

BE SCniHE I J3 UN G: Von der Burganlage sind nur wenige Reste erhalten. 
Auf der nördlichen Höhe oberhalb des jetzigen Bergschlosses steht noch in 12 m 
Höhe ein in Sandbruchstein erbauter Wehrturni, der sogenannte Wacht meister- 
turm. Grundriß kreisrund, außen 15,00 m, innen 7,00 m (Abb. G9 — 73). Er 
enthält in drei Geschossen je vier große Schießnisehen, von denen drei in zum 
Teil geknickt verlaufende Schießschlilze ausgehen. Nischen flachbogig überwölbl, 
im Scheitel mit Abzugsrohren für den Pulverdampf versehen, die vermutlich mit 
dem einzigen großen Kaminschlot in Verbindung standen. Mauerwerk ohne 
Gliederungen und Kunstformen. Dicht unter dem oberen Rande kragen einige 
verwitterte Steine vor, die früher vielleicht weitere Bauglieder getragen haben 
(vgl. den großen Zwingerturm des Breiten Tores und den ,, Dicken" Zwinger in 
Goslar). Der Wachtmeislerlurm ist in neuerer Zeit besteigbar gemacht (Aus- 
sichtsturm). 

Ein zweiter Turmrest aus Bruchstein, der noch das sehr starke Tonnen- 
gewölbe über dem Untergeschoß besitzt, befindet sich im Amtsrichtergarten 
(Abb. 74). Höhe etwa 7,00 m, im Innern bis zum Gewölbescheitel 6,50 m. Eine 
fast quadratische ehemalige Durchsteigeöffnung im Gewölbe ist vermauert. Grund- 
riß in Form eines überhöhten Halbkreises mit etwa 2,35 m starker äußerer Mauer, 
dessen 13,00 m lange Grundlinie im Zuge der alten Burgmauer verläuft, an einem 
Rest erkennbar. Eine spitzbogige Eingangstür vermittelte den einstigen Zugang 
vom Burginnern aus. 

Der Turmrest, jetzt Abstellraum, diente noch Anfang des 19. Jahrhunderts 
als Unterbau der Pfarrwohnung (Aquarell von 1820 im Besitze des kath. Geist- 
lichen in Liebenburg [1927]). Nach diesem Bilde war damals auf dem Turmstumpf 
ein in Fachwerk hergestelltes Obergeschoß mit einem gleich hohen Fachwerkhause 
an der Talseite verbunden. 

Am südwestlichen Abhänge des Burgberges noch ein ganz geringer Rest eines 
weiteren Befestigungsturmes, jetzt Aussichtspunkt. Von ihm Teile der viel- 
eckigen Umfassungsmauer erkennbar mit Anschlußstücken der Burgmauer. Nahe 
diesem Rest die Mündung eines schmalen mannshohen, unterirdischen, über- 
wölbten Ganges, der mit dem Keller des Bergschlosses in Verbindung steht, wahr- 
scheinlich ein alter Abzugskanal. 



III. Domäne. 

GESCHICHTE: Über die Entwicklung des bischöflichen Amtshofes unterhalb 
der Liebenburg ist wenig bekannt. Vermutlich wird der Amtshof als "Wirtschaftshof 
der Burg im 14. Jahrhundert angelegt und nach dem 30jährigen Kriege erweitert sein, 
als die Liebenburg 1643 wieder an das Bistum Hildesheim zurückgegeben war. 1686 
wurde das alte Brauhaus erbaut. 

Bischof Jobst Edmund von Brabeck (1688 — 1702) residierte zeitweilig auf der 
Liebenburg; es wird berichtet, daß er auf dem Amtshofe wohnte, da die Burg in kei- 
nem wohnlichen Zustande war. Damals legte der Bischof auch ein kleines Gestüt auf 
dem Amtshofe an, für das die Grundbesitzer des Amtes Hafer liefern mußten. 1771 
wurde der Kuh- und Pferdestall erbaut. Nach der Säkularisation des Bistums Hildes- 
heim wurde das bischöfliche Amtsgut in eine königliche Domäne umgewandelt. 



Liebenburg 



161 



BESCHREIBUNG: Die Domäne Liebenburg war ursprünglich der Wirt- 
schaftshof der Burg. Mit dem Aufbau des fürstbischöflichen Schlosses erfuhr 
auch das Gehöft eine umfassende Neu- und Ausgestaltung (Abb. 75). Von den 
Gebäuden fällt in erster Linie das an der Dorfstraße liegende, zweigeschossig auf 
hohem Bruchsteinsockel errichtete Fachwerkhaus der ehemaligen Brauerei auf 
(Taf. 60c), An der Nordseite 
im Sturz zweier Türen die 
Jahreszahlen 1686 und 1706. 
Östlicher Teil danach rund 
20 Jahre jünger. Im Sockel- 
geschoß tonnengewölbte Kel- 
lerräumc, im Erdgeschoß Ge- 
lasse für Vorräte und Geräte. 
Im Obergeschoß neben Korn- 
böden einige Wohnräume. An 
der Westseite die Wohnung 
des Schmieds unter teilweiser 
Benutzung der Räume einer 
alten Wassermühle, deren Rad 
(unter besonderem Anbau) 
erst kürzlich entfernt worden 
ist (Abb. 78 und 79). Im hohen 
pfannengedeckten Dach zahl- 
reiche Dachgauben ; beiderseits 
Aufzugserker (Abb. 80 u. 81). 
Das jetzige Pächterwohn- 
haus mit dem in gleicher 
Flucht liegenden Verwalte r- 
wohnhaus bilden den- west- 
lichen Abschluß des großen 
Domänenhofes. Das erstere 
ist um die Mitte des 18. Jahr- 
hunderts erbaut, das Ver- 
walterhaus älter. Beides sind 

Fachwerkbauten, doch ruht das Fach werk des Verwalterhauses auf hohem Massiv- 
sockel. Im Kellergeschoß außer Wirtschaftsräumen Büros, im Erd- oder Zwischen- 
geschoß Wohnräume (Abb. 76 u. 77). 

Die Stallungen, Scheunen und sonstigen Gebäude entstammen dem 19. Jahr- 
hundert. 

Mitten auf dem Hofe steht ein achteckiger Pavillon, 5,90 m, unler Mansar- 
dendach, Fachwerk aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, längere Zeil als Schmiede 
benutzt. Seit 1935 von der Regierung zum Abbruch freigegeben (.\bb. 82 u. 83). 

Brücke über dem Mühlengraben mit Datumplalte an der östlichen Wange 
von 1829. Werkstein. 

21 




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Abb. 75. Liebenburg, Domäne. La^oplan 1:2500). 



162 



Liebenburg 




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OBCFinnry.cc^ 




I:BDGE55CH0S^ 



ZWfSQENGESQÜöe 



Abb. 76 11. 77. [-iebonburg, Domäne. Pächterwohnhaus (links) und Verwalterwohnhaus (rechts). 
Grundrisse des Erd- und Obergeschosses (1:.500). 




MJHLENRäD 



^rrRA5gEN^ITE 



GENUEFL ' 
MÜHLEN". 




FAITG 

iruNDÄMorr; 
I 1 

NICHT UNTERKELLERT 



Abb. 78 u. 79. Liebenburg, Domäne. Altes Brauhaus, Grundrisse des Keller- und des Erdgeschosses 

(1:500). 



Liebenburg 



163 








164 



Liebenburg 



Auf dem sog. Sauberge (im domänenfiskalischen Besitz; stand bis etwa 1914 
eine Windmühle (Abb. 81). Ein Balken soll die Jahreszahl 1665 gelragen haben. 





Abb. 82 u. 83. Liebenburg, Domäne. 
Pavillon auf dem Hofe (1 : 250). Grund- 
riß und Schnitt. 




iVitidr/jAAk in -Q'eSeTiCu/w 



Abb. 84. Liebenbiirg, Domäne. Ehemalige Wind- 
mühle [Siebern]. 



IV. Bauernhäuser. 

Bauernhäuser. Zu den ältesten der Ortschaft Liebenburg gehört das Haus 
Klapperhagen 28. An der Setzschwelle des vorgekragten Obergeschosses ein Haus- 
segen: „Mein Gott Las deine Engelein: alle Zeit bei mir sein, wenn ich gehe avs 
und ein. Andreas Friedach Anno 1689." Auch die anschließenden Häuser der 
Dorf Straße sind um 1700 erbaut. 

V. Grabstein und alte Steine. 

Auf dem kath. Friedhof ein Grabstein von 1718. Sieben profilierte Stein- 
stücke, vielleicht von der alten Burg stammend, wurden hier 1911 gefunden. 1927 
nicht mehr festgestellt. Zeichnung im Denkmalarchiv. 



Lochtum. 

Ehemalige Kapelle. Evangelische Kirche. 

Quellen: 1. Staats- Arch. Hann., Akten Kann. des. 74, Amt Wöltingerode, III., 
X. 1, 4b. — Bibl. H. V. N., Handschrift 317. — 2. U. B. Hild., I.— VI. — U.E. Goslar, 
I.— V. — U.E. von Saldern, I. 



Lochtum 165 

Literatur: Blume, Heimat, S. 404 ff. — ■ Dürre, Reg. Wallmoden, Nr. 67. — 
Grosse, Die sterbende Kapelle. — Hüttebräuker, Erbe Heinrichs d. L., S. 45. — Kayser, 
Visitationen, S. 183. — Lüntzel, Alt. Diözese, S. 14, 173. — Mithoff, Kunstdenkmale, 
S. 197, 198. — Mithoff, Kirchen und Kap., S. 5, 13. — Tenner, Vor- und frühgeschicht- 
liche Funde. — Zeitschr. d. hist. Ver. f. Niedersachsen, Jahrg. 1864, S. 239. — Zobel, 
Heimatbuch, S. 235 ff. 

GESCHICHTE: Im Mittelalter bestand Lochtum aus zwei Ortschaften, die als Groß- 
und Klein-Lochtum unterschieden wurden. Die nördliche Siedelung, Klein-Lochtum, 
ist jetzt Wüstung, seine Bewohner haben sich in Vien^nburg angesiedelt. Groß-Lochtum 
ist das heutige Dorf Lochtum. 

Als ,,Loctuna" kommt der Ort zuerst bei Lambert von Hersfeld (Annalen) vor, 
und zwar in Verbindung mit Erzbischof Adalbert von Bremen, dem Erzieher und Be- 
rater König Heinrichs IV. Als Adalbert infolge der Mißstimmung des Fürsten gegen 
ihn sich 1066 vom Hofe zurückziehen mußte, ging er von Goslar auf sein Gut in Lochtum. 
Dieses Gut muß nach Adalberts Tode an die Bremer Kirche gekommen sein. 1283 über- 
gab Erzbischof Giselbert von Bremen das Patronat der Kirche zu Lochtum dem Kloster 
Abbenrode. Adalbert stammte aus dem Geschlecht der sächsischen Pfalzgrafen von 
Goseck und Putelendorf, das am Nordharzrande, so auch in Lochtum, reich begütert 
war. Als Lehnsleute dieses Geschlechtes, das im 13. Jahrhundert ausstarb, werden die 
Herren von Lochtum erwähnt. Seit 1482 sind die Herren von König auf dem ,, festen 
Hause" in Lochtum nachgewiesen. Dieses Geschlecht, dessen Mitglieder hauptsächlich 
in braunschweigischen Diensten tätig waren, verkaufte 1866 das Erbgut Lochtum an 
die Klosterkammer. 

Dem Geschlecht der sächsischen Pfalzgrafen, das um die Mitte des 12. Jahrhunderts 
verschwindet, wird der Bau der alten Kapelle zuzuschreiben sein, deren Reste 1932 
abgerissen wurden, nachdem ihr Turm bereits 1810 niedergelegt war. Die nach dem 
Baubefund um 1100 erbaute kleine romanische Kirche war der Jungfrau Maria geweiht. 
Der Marienleuchter der jetzigen Dorfkirche stammt wahrscheinlich ebenso aus der alten 
Kapelle wie die in einem Räume des Nordflügels des Kaiserhauses in Goslar aufgestellte 
Lochtumer alte Glocke aus dem 13. Jahrhundert, die zuletzt als Stundenglocke der Dorf- 
kirche verwendet wurde. 

Die auf oder neben dem Besitztum Erzbischof Adalberts bzw. der Pfalzgrafen von 
Goseck und Putelendorf erbaute Kapelle ist im Mittelalter wohl dann die Pfarrkirche 
des Dorfes geworden. Zwischen 1275 und 1281 verkaufte das Kloster Georgenberg in 
Goslar an den Grafen von Wohldenberg Grundstücke in Lochtum, die darauf durch das 
Kloster Wöltingerode erworben wurden. Pfarrer Ludolphus von Lochtenum hatte diese 
Grundstücke dem Kloster geschenkt. Damit ist am Ende des 13. Jahrhunderts Lochtum 
als Pfarrkirche erwiesen. 

Über den Bau der jetzigen evangelischen Kirche sind keine Nachrichten erhalten, 
ihre Entstehung geht in die Zeit vor der Reformation, in das 15. Jahrhundert zurück. 
Der älteste Teil der Kirche, der Turm, soll auf den INIauern eines Turmes der ehcnuüigcn 
Burg des Rittergeschlechtes von Lochlum aufgebaut sein. 1744 wurde die alte Dorf- 
kirche vollkommen erneuert, als Heinrich Stephanus Trautmann Prediger zu Vienen- 
burg und Lochtum war. Die Aufsicht und Leitung des Baues hatte der damalige Pächter 
des von Königschen Gutes, Eberhard Rißling (Erinnerungstafel an den LTmbau 
auf der sog. Edelhofsprieche).'Die Orgel wurde 1746 angeschafft und 1930 durch die 
Orgelbauanstalt Gebr. Dutkowski, Braunschweig, wieder instand gesetzt. Der heutige 
Altar ist 1818 aus der Klosterkirche zu Wöltingerode nach Lochtum geschafft und der 
Gemeinde von der Klosterkammer geschenkt. Das Gemälde des Altars kopierte der 
Maler Zimmer in Hildesheim nach einem Gemälde im dortigen Dome, er erhielt dafür 
25 Rtlr. von der Gemeinde. Den Taufstein arbeitete Tischler Heine in Hildesheim. 
1819 kaufte die Gemeinde für 30 Rtlr. den gläsernen Kronleuchter, der jetzt über dem 
Taufstein hängt. Die Glocken, deren Umguß und Einrichtung der Gemeinde und der 

22 



166 



Lochtum 



Kirche 550 Rllr. koslclen, sind 1817 angescJiafl't. 18()() wurde auf Anraten von iiaurat 
Hase der Turm neu verpulzl. 

Ursprünglich gehörte das ösLlich der Oker liegende Lochtum zum Bistum Halber- 
stadt. Als 1367 die Vienenburg von dem Hildesheimer Bischof Gerhard erworben wurde, 
schied Lochtum aus dem Bislum Ilalberstadt aus und kam zu Hildesheim. 1545 wurde 
die Reformation in Lochtum durchgeführt. Seit der Reformationszeit war die Kirche 
zu Lochtum mit Vienenburg verbunden, seil 1812 ist Loclitum wieder selbständige 
Pfarre. 

Die Kirche in Klein-Loch tu m wird 1402 erwähnt, sie erhielt sich bis in den 
Anfang des 10. .Jahrhunderts, wo sie dem Abbruch verfiel. Das Patronat über die Kirche 
in Klein-Lochtum stand den Herren von Schwicheldt zu. Eine Außenansicht der ver- 
schwundenen Kirclie von Klein-Lochtum gibt C. Leonhard 18()0 in einer auf Anordnung 
des Konsistoriums erfolgten Beschreibung der Kirchen (Handschrift ',M7 in der Bibl. 
des Hist. Ver. Nieders.), hier findet sich auch die Ab])il<iung eines (iefäßes, das man 
beim Abbruch der Kirche im Altare fand. 




Abb. 85 u. 86. Lochtum, ehemalige Kapelle. Grundriß 

und Schnitt (1:250) nach Zeichnung des Reg. -Baurats 

Dr. Becker, Goslar. 




BESCHREIBUNG: EHEMALIGE KAPELLE. 

Die ehemalige romanische Kapelle, zuletzt als Armenhaus benutzt, ist abge- 
brochen (Taf. 64c). Sie war über einem Rechteck von 7,00 x9,00 m mit rund 0,90 m 
starken, etwa 5,00 m hohen Bruchsteinmauern erbaut. An der Ostseite ein 
quadratischer Raum von 3,70 m Breite mit halbrunder Apsis, rundbogige Tür 
und zwei ebensolche Fenster. An der Südseite kragte das Mauerwerk unterhalb 
des Daches etwa 10 cm weit vor, hier durch einen Wanddienst mit romanisch 
ornamentiertem Pfeilerkapitäl (Trapezstein) und sechs kleine Konsolen unterstützt 
(Taf. 64c). An der Nordseite war die alte Mauer teilweise später durch Fach- 
werk ersetzt und die Apsis in etwa 2,50 m Höhe durch einen Fach werkauf bau 
ergänzt. Das Innere, durch Scherwände und Balkenlagen völlig umgestaltet, bot 
nichts Bemerkensw^ertes (Abb. 85 und 86). 

KIRCHE. 
Das schlichte Schiff, über rechteckigem Grundriß an den von einem älteren 
Gotteshause stehengebliebenen Westturm 1746 — 49 angebaut, ist in Bruchstein- 
mauerwerk errichtet, verputzt. Die Gebäudekanten und die flachbogigen Tür- 
und Fenstergewände aus Werkstein (Sandstein). Hauptgesims aus Holz, reich 
profiliert. Satteldach mit halb abgewalmtem Ostgiebel, beiderseits mit drei 



Lochtum 167 

Erkern versehen. Im Halbwalm ein kleiner Erker; am Anfallspunkt der Grate 
Wetterfahne von 1855. An der Nordseite des Schiffes eine mittelalterliche Vor- 
halle mit rippenlosen Kreuzgewölben. Romanisches Kämpferstück mit Schach- 
brettmuster an einer Ecke dieser Vorhalle, jetzt durch den Putz verdeckt. 

Der romanische (?) Turm, aus Bruchstein, verputzt. Rundbogige Schall- 
öffnungen an jeder Seite, Lichtschlitze im unteren Teil. Helm mit Schrägflächen 
vom Quadrat ins Achteck übergeleitet. Schieferdeckung. Kleine Erker an jeder 
Seite des Helmes. Unterhalb der Spitze an der Nordseite ein Uhrglockenerker. 
Wetterfahne von 1798 (?). Innen im Erdgeschoß des Turmes zwei nebeneinander- 
liegende, durch Halbtonnen überdeckte Räume. Trennung durch Rundbögen mit 
Mittelpfeiler. Lichtschlitze. 

Im Innern des Schiffes eine Brettertonne, kreuzgewölbeartig mit Profilleisten 
benagelt, Lichteinfall durch Stichkappen von den Dacherkern (Taf. 64a). Ober- 
halb eines der hohen Deckenfenster die Inschrift: „HERR HEINRICUS 
STEPHANUS TRAUTMANN PASTOR ZU VIENENBURG ET 
LOCHTUM." 

Ausstattung : 

An der West-, Ost- und Nordwand Emporen, deren Brüstungen zum Teil 
Gitterwerk tragen. Auf dem 2. Emporengeschoß im Westen die Orgel. In zwei 
Füllungen der Nordempore unterhalb des Gitterwerks sechs Wappen der v. König- 
schen Familie, am südlichen Ende der Ostempore zwei weitere Füllungen mit 
dem V. Königschen Wappen. 

Altar. Sarkophagartiger Altartisch, Holz. Hohe hölzerne Rückwand mit 
Mittelbild (Öl), Kreuzigung zwischen zwei korinthischen Säulen auf Sockeln. 
1. Viertel 18. Jahrh. Als Bekrönung ein Kruzifix mit altem Korpus (Arme waage- 
recht, Leib eingezogen, schmales Lendentuch). 15. Jahrb., vielleicht von ehemaligem 
Flügelaltar — auf neuem Kreuz. 

Kanzel, Holz, zierlich geschnitzt, besitzt noch die alte mehrfarbige kräftige 
Bemalung. An der Treppenbrüstung zwei schräggezogene Füllungen und reiches 
Rankenschnitzwerk. Brüstung von fünf Seiten des Achtecks umschlossen, auf einer 
Säule mit kelchförmigem, aus durchbrochener Schnitzerei hergestelltem Übergang 
in das Achteck. Brüstungsfüllungen mit geschnitzten Blumenvasen in reich profi- 
liertem Rahmen mit Eckverkröpfungen (Taf. 63a). Auf dem Schalldeckelrand 
gebuckelte Eckobelisken, als Bekrönung ein Engel mit Posaune und Spruchband. 
Unterhalb des Deckels eine schwebende Taube im Strahlenkranz. Entstehungs- 
zeit: Mitte 18. Jahrb., zum Teil unter Verwendung älterer Schnitzereien (s. In- 
schrifttafel). 

Orgel mit reichem Schnitzwerk, ähnlich dem an der Kanzel (Taf. 61b). Auch 
hier noch die ursprüngliche Bemalung. Oberhalb des Gesimses und daran zwei 
posaunenblasende Engel und drei Engelsköpi'e. Mitte 18. Jahrh. 

Inschrifttafel, mit dekorativer Malerei, Wappen und Inschrill auf Lein- 
wand, gibt Aufschluß über die Heistellung der Kanzel und der Orgel: ,,Auff Befehl 
Eines Hochwürdigen Hochstiffts hildesheimischen consistorii ist diese Kirche 
Cantzel und Orgel zu Gottes alleiniger Ehre im .Jahr 1746 unter direction Herrn 



168 



Locht um 



Johann Eberhard Rißling zu der zeit Administrateur der hochadelichen Könj(g)- 
schen Güter allhie zu Lochtum ohne Entgeltlich für seine dabei gehabte viele Mühe 
ncugebauet und den 14t September 1749 zum Lobe und Preise des großen Gottes 
eingewcihct." Putten tragen links den Namen: „Johann Eberhard Risling", rechts: 
„Elisabeth Juliane Johanne Rislingen geb. Pepermüller." Hinter dem Altar auf- 
gehängt. 

Rest eines alten Tauf schlings, als 1,05 m hohe Treppenbrüstung, laut 
Inschrift vom Jahre 1G66. Bretterdocken mit alter Bemalung. Von der Inschrift 
ist noch zu erkennen: „KOMMEN VNDT WEHRET — IHNEN NICHT, 
DEN SOLGER — HABEN DIESES TAVFSCHLINK — SELIGE 
FRAV MAGDALENA SVTORF -r~ ANNO 1666 — ." Im Turm vor dem 
Eingang zur Orgelempore. 

Sakristeiverschlag, aus Holz, am Fuße der Kanzeltreppe, soll aus einem 
Beichtstuhl des Klosters Wöltingerode hergestellt sein. 

Gestühl: In der Kirche sind noch viele chorstuhlartige Bänke vorhanden, 
verschiedentlich mit den Namen der Sitzinhaber, unter anderen der Name mit 
Datum: „ANDREAS BRANDES ANO 1676." 

Gewcihkronleuchter, H. 1,50 m (Taf. 63b). Innerhalb eines starken un- 
geraden Achtzehnendergeweihs eine geschnitzte und bemalte Holzfigur der Maria 
mit Szepter, Krone und Christkind in der Mandorla auf der Mondsichel. Am eiser- 
nen Tragbügel oberhalb der Mandorla zwei 
Kelche tragende geschnitzte Engel; die den 
unteren Abschluß bildende hölzerne Konsole 
in Form eines Hirschkopfes. Endel5. Jahrh. 
Im Schiff. 

Kristallkronleuchter mit acht Licht- 
armen, Anf. 19. Jahrh. (vgl. Taf. 64a). 

Ein weiterer Kronleuchter, aus der 
Kirche in Lochtum stammend, hängt in der 
Gruft der Familie v. König auf dem Fried- 
hof in Vienenburg. 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Silber, 
H. 23,5 cm. Getrieben, mit Blütenverzierungen. 
Fußrand geschweift, Schaft und Kuppa ge- 
buckelt. An der Kuppa: ,,F.W. v. K. A. v. K. 
uA. V. E. V.v. K. M:K. P.v. K. R. v. K. 
H.v. K. G. V. K. A. K. g. v. K.", ferner 
„F. W. V. K. P. V. K." „18 (Wappen) 53 
16. Sept."; am Fuß (innen): , »erneuert die 
Gabe 1684." (?) Goldschmiedezeichen von 
1853: 63. 
Oblaten dose, Silber, H. 5,5 cm, 8,5 cm, mit graviertem Deckel. An der 

Unterseite: „HENR. STEPH: TRAUTMANN: PAST. ANNA SOPH. 

HERBST ANNO 1721." Goldschmiedezeichen 28. 




Abb. 87. Glocke (Uhrschlagglocke) aus der 

Kirche in Lochtum, jetzt im Kaiserhause zu 

Goslar (1:10) [Siebern]. 



Lochtum "169 

Patene, Silber, 15,5 cm, ohne Weihekreuz. Inschrift: „DOROTHEA 
HEDEWIG VON (Wappen) KÖNIG. BRAUNS WITTWE." Goldschmiede- 
zeichen (wie an der Oblatendose) 28, außerdem das Meisterzeichen von 19. 

Taufwasserflasche, Zinn, H. einschließlich des Deckels 22 cm, 11 cm, 
mit schlichten, leicht eingravierten Bandgliederungen. 

Vesperbild, vielleicht aus der Kirche in Lochtum stammend, befindet sich 
jetzt in Wiedelah in Privatbesitz. 

Glocke, 0,53 m (Abb. 87). Uhrschlagglocke. Zwei Riemchen am Schlag- 
ring bilden den einzigen Schmuck. 13. Jahrh. Jetzt im Kaiserhaus in Goslar. 

Glocke, 1,18 m. Unterhalb der Haube Zierfriese in Rokokomuster. Am 
langen Felde: „IM JAHRE 1817 BIN ICH UND MEINE NEBEN MIR 
HÄNGENDE SCHWESTER DURCH VERANLASSUNG DES PA- 
STORS C. HAARMANN AUF KOSTEN DER KIRCHE UND GEMEINE 
LOCHTUM VON DEN GLOCKEN GIESSERN C. A. BECKER UND 
H. L. DAMM ZU HILDESHEIM AUS UNSERER MUTTER UMGE- 
SCHAFFEN WORDEN." Läuteglocke im Turm. 

Glocke, 0,99 m, ähnlich, mit der Inschrift: „WERDET IHR AUF 
xMEINEN UND MEINER SCHWESTER RUF IM LEBEN HÖREN, 
SO WERDEN WIR EUREN TRHIUMPF IM TODE HERLICH VER- 
KUNDEN, GEGOSSEN VON C. A. BECKER UND H. L. DAMM IN 
HILDESHEIM." Läuteglocke im Turm. 

Grabstein des Hauptmanns Ruhe (1770 — 1845), in Form eines Obelisken, 
H. 2,00 m, auf 1,40 m hohem Vierecksockel. Am Sockel eine Inschrift, Selbst- 
biographie des Verstorbenen. Auf dem Friedhof bei der Kirche. 



Lüderode. 

Gut. 

Quellen: 1. von Schwicheldtsches Archiv im Schloß Söder. Urk. — 2. U. B. 
Goslar, III. 

Literatur: Bertram, Gesch. Bist. Hild. — ■ Blume, Heimat, S. 338 ff. — Born- 
stedt, Siedlungen, S. 17. — Lüntzel, Gesch. Diözese, S. 324. — Zobel, Heimatbuch, 
S. 112 ff. 

GESCHICHTE: Das Gut Lüderode war im Mittelalter ein Adelshof, über dessen 
Geschichte und Besitzer die Urkunden keine Auskunft geben. Es ist möglich, daß 
,,Sigfrid de Lutherode", dessen Güter 1305 in einer Urkunde des Goslarer Domstiftcs 
bezeugt werden, dieser in Lüderode begüterten Adelsfaniilie angehörte. 1453 wird eine 
Kapelle in Lüderode erwähnt. Am Anfang des 16. Jahrhunderts war Lüderode im Be- 
sitz der Familie von Schwicheldt. Nachdem 1523 ein großer Teil des sog. Großen Stiftes 
Hildesheim an Herzog Heinrich den Jüngeren von Braunschweig- Wolfenbüttel gefallen 
war, zwang dieser 1538 die von Schwicheldt, die seine Gegnerin der Stiftsfehde gewesen 
waren, Lüderode an ihn zu verkaufen, doch zahlte er die Kaufsumme in den nächsten 
Jahren nicht aus. Als der Herzog aus seinem Lande vertrieben war, erhielten die von 
Schwicheldt das Gut vom Schmalkaldischen Bunde zurück; sie führten dann nach der 
Rückkehr des Herzogs einen Prozeß, der 1553 das Gut wieder in die Hand des Herzogs 



"jyQ Lüderode 

brachte. 1643 kam Lüderode an den Bischot von lliJdesheini zurück, der vermutlich 
1690 die Freiherren von Brabeck auf Söder damit belehnte. Von dieser Familie kam 
das Gut 1817 durch Erbschaft an den Grafen Andreas von Stolberg, der das Gut um 
die Mitte des 19. Jahrhunrierts an die Familie von dem Busche verkaufte, die es später 
weiter veräußerte. Besitzer von Lüderode ist jetzt Robert Wätjen, Halchter bei Wolfen- 
bütlel. 

BESCHREIBUNG: Herrenhaus, aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, in 
guter baulicher Verfassung. Zweistöckig, Fachwerk auf Massivsockel. Kleiner 
Dachreiter nahe dem westlichen Anfallspunkte des Halbwalmdachcs. Dacherker 
mit Uhrzifferblatt an der Hofseite (Taf. 65c). 

Glocke, 0,58 m, mit Zierfries. Inschrift: ,,Anno 1766 goss mich Christoph 
August Becker in Hildesheim." Im Dachreiter. 

Auf dem Gutshofe sind ältere Wirtschaftsbauten nicht mehr vorhanden. 
Doch die etwa 600 m südlich davon liegende, zum Gut gehörende ehemalige 
Wassermühle (jetzt Försterei und Post) ist ein bemerkenswerter Fachwerkbau 
von 1704. Zweistöckig; Obergeschoß etwa 10 cm vorgekragt. Füllhölzer und Balken- 
köpfe mit Viertelkrcisprofil (Taf. 65a). 



Siehe Einleitung Seite 7. 



Meseburg. 
Neuenkirchen. 

Evangelische Kirche. 

Quellen: 1. Staats-Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74, Amt Liebenburg, IL, 
G. It; desgl. III., Akten IX. A. 17, 6. — Hann. des. 74, Amt Wöltingerode, III., X. 
1, 4p. — Bibl. H. V. N., Handschrift 317. — von Schwicheldtsches Archiv im Schloß 
Söder, Urk. — 2. U.E. Hild., I. unter „Eilenrode"; IL— VI. — U.E. Goslar, L, IV. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 69, 73, 94. — Bertram, Gesch. Eist. Hild., 
L, S. 29. — Blume, Heimat, S. 333 ff. — Bornstedt, Siedlungen, S. 18. — Görges- 
Spehr, Denkwürdigkeiten, IIL, S. 158. — • Henkel, Handbuch, S. 8, — Hennecke, 
Archidiakonatsreg., S. 169. — Kayser, Visitationen, S. 182. — ■ Klewitz, Territ. Ent- 
wicklung, S. 25. — Lüntzel, Alt. Diözese, S. 82, 320, 333, 337. — Machens, Archidia- 
konate, S. 56, 58, 63, 79, 100, 102, 107, 116. — Mithoff, Kunstdenkmale, S. 206. — 
Mithoff, Kirchen und Kap., S. 5, 34. — Zobel, Heimatbuch, S. 115 fL 

GESCHICHTE: Das Dorf Neuenkirchen ist wahrscheinlich aus der Siedlung Eilen- 
rode hervorgegangen; an diesem Ort besaß das Stift St. Georgenberg bei Goslar im 
Jahre 1131 drei Hausstätten und 2^/2 Hufen Land. Dieser Besitz wurde auf 4 Hufen 
erweitert. Als am 21. April 1360 Kaiser Karl IV. den Güterbesitz des Stiftes St. Georgen- 
berg bestätigte, finden sich diese 4 Hufen in ,,Nyenkirken" wieder. Der Name der ersten 
Siedelung Eilenrode blieb bis in die Neuzeit im sog. „Eilenrodschen Zehnten" erhalten. 
Wann der Name Neuenkirchen für das Dorf eingeführt wurde, ist mit Sicherheit 
nicht festzustellen. Als 1174 die Kirche in Gielde ihre Stellung als Archidiakonatskirche 
einbüßte und in den Bann des Klosters Heiningen einbezogen wurde, wird bald darauf 



Neuenkirchen 



171 



die Kirche in Eilenrode-Neuenkirchen erbaut sein, auf die dann die restlichen Archi- 
diakonatsrechte von Gielde übergingen. In einer Urkunde Bischof Bernhards kommt 
1150 als Zeuge der Ritter Adolfus von Nienkerken vor. Da es mehrere Orte mit dem 
Namen Neuenkirchen gibt und die Gründung der Kirche in Neuenkirchen vermutlich 
mit dem Verlust des Bannrechtes der Gielder Kirche zusammenhängt, scheint der 
genannte Ritter nicht mit unserem Orte zusammenzuhängen, zumal nur einmal noch, 
1238, ein Vertreter dieses sonst nicht hervortretenden Geschlechtes auftaucht. Die erste 
urkundliche Erwähnung von „Nienkerke" geschieht um die Mitte des 13. Jahrhunderts 




^-^^X"^ 



Abb. 88. Neuenkirclien, Kirclu- von Südwesten, nach dem .Anbau des Chores. 



(1249 — ^52) mit der Angabe des Zehnten in diesem Orte. 1288 nennt sich der Hildes- 
heimer Domherr Heinrich ,,Archidiakon des Bannes Neuenkirchen". Im 14. Jahrhundert 
scheint das Archidiakonat Neuenkirchen mit dem Archidiakonat Goslar vereinigt zu 
sein, denn Lengde und Immenrode, die früher zum Bann Neuenkirchen gehörten, werden 
nun als zum Bann Goslar gehörend bezeichnet. 1523 kam Neuenkirchen an Braunschweig- 
Wolfenbüttel, 1542 wurde die Reformation eingeführt. Damals verwaltete der Pfarrer 
von Gielde die Kirche in Neuenkirchen mit, das Patronat hatte tler Arcliidiakon von 
Goslar als Hildesheimer Lehen. Doch finden wir 18Ü? in der Beschreibung Hildosheimer 
Ämter dann die von König als Inhaber des Patronats, der Zehnte stand damals der 
Familie Ruber in Goslar zu. 

Von 1568 an wurde die Kirche in Neuenkirchen von Mahner verwaltet, später war 
sie mit Lewe vereinigt, zeitweilig auch wieder mit GrolJ-Mahner, seit lOlÜ ist dei- 
Kirchenverband Wehre-Neuenkirchen gebildet. 

Als Grundbesitzer in Neuenkirchen treten das Stift St. Georgeiiberg bei Goslar 
und das Kloster Dorstadt auf, die Grafen von Schiaden trugen Lehen in Neuenkirchen 
vom Hildesheimer Bischof. 

Die Kirche in Neuenkirchen erwies sich am Anfange des 19. Jahrhunderts als bau- 
fällig, deshalb erhielt 1826 der Zimmcrmeister Ernst Sleckhan in Schiaden den Auftrag, 
die Kirche umzubauen und zu erweitern. 1827 war die Erneuerung der Kirche beendet. 



172 



Neuenkirchen 



Die Kosten von 650 Htlr. 29 ggr. bestritt das Konsistorium. Altar und Kanzel lieferte 
Tischlermeister Seggelke in Groß-Flöthe. Der alte Altar wurde abgebrochen und ging 
verloren. 

Die Prieche arbeitete Zimmermeister Steckhan. Unter Maurerarbeiten ist in den 
Bauaklen aufgeführt: Alte Tür an der Nordseite zugemauert, eine Tür an der Westseite 
durchgebrochen, der Chor mit Platten belegt, 2 Fensteröffnungen an der Nordseite 
durchgebrochen, das alte Fenster an der Nordseite zugemauert. 1845 wurden die Glocken 
der Kirche umgegossen; in dieser Zeit erhielt die Kirche einen Dachreiter auf die Mitte 
des Kirchendaches. 

Im Jalire 1913 ist vom Architekten Wendebourg aus Hannover der jetzige Chor 
angebaut. 





Abb. 89 u. 90. Neuenkirchen, Kirche vor 

dem Umbau, 1909. Schnitt und Grundriß 

(1:250) [nach Aufnalimezeiclinung des Arch. 

Wendebourg, Hannover]. 



BESCHREIBUNG: Laut Jahreszahl im Sturz der Eingangstür ist die Kirche 
1827 erbaut, doch weisen einige Unregelmäßigkeiten der nördlichen und westlichen 
Außen mauer auf einen älteren, im späten Mittelalter erfolgten Bauvorgang an diesen 
Teilen hin. Die Kirche ist 15,10 m lang, 11,50 m breit (Abb. 88). Bruchsteinmauer- 
werk mit Kalkmörtelverputz. An den Längsseiten je zwei rechteckige Fenster mit 
Werksteingewänden. Eingangstür ebenso ausgebildet. Westgiebel ^aus verschaltem 
und beschiefertem Fachwerk. Ostgiebel aus Fachw-erk mit Lehmausmauerung. 
Kleiner beschief erter Dachreiter zur Aufnahme der Uhrglocke und der Ziffer- 
blätter. Etwa Mitte des 19. Jahrhunderts. Der 1913 hergestellte Chor aus 
hammerrecht bearbeitetem Bruchstein. 

Inneres, völlig erneuert, bietet nichts Bemerkenswertes. Kleine Orgel- 
empore an der Westseite. Die beigegebene Grundriß- und Schnittzeichnung stellt 
die Kirche vor dem Umbau dar (Abb. 89 und 90). 



Neuenkircheii 



173 



Ausstattung: 

Holzkreuz auf dem schlichten Altar, Korpus 37 cm hoch, Ende 17. Jahrh. 

Tauf stein, Sandstein, H, 0,95 m, gedrungene Pokalform, Becken achteckig, 
0,73 m, gotisch. Ende 15. Jahrh. 

Taufschüssel, Messing, 28 cm. Anfang 19. Jahrh. 

Zwei Altarleuchter, Zinn, H. 30 cm, Dockenform, Dorn aus Eisen. Fuß-0 
18,5 cm. Inschrift an beiden gleichlautend am Fuße: 
„GE SCHENKET HENNIGBOLTE MIT SEINER 
FRAV 1720." 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Silber, H. 18,5 cm. 
Kuppa wahrscheinlich Anfang 19. Jahrh. erneuert. Am 
Sechspaßfuß ein Perlenkranz. Schaft sechskantig. Knauf 
sechseckig, abgeplattet mit gotischen Maßwerkmustern 
Eckblumen 16. Jahrh, Weihekreuz am Fuße (Abb. 91). 

Patene, Silber, 13 cm. Rand leicht umgebördelt. 
Goldschmiedezeichen 20. 

AR 







Abb. 91. Neuenkirchen, 
Kelch, Knauf, Grundriß. 
(Vz natürlicher Größe). 



Weinkanne, Zinn, H. 21,5 cm. Inschrift 



1859' 



Oblatendose, Zinn, 9,5 cm, H. 4,5 cm. Aufschrift: „J. C. BAUMAN 
1765." 

Glocke, gegossen 1873 von C. A. Jauck in Leipzig. 



Nienrode. 



Gut 

Quellen: U. B. Hild., I.— VI. — U.E. Goslar, L, III. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 47. — Bertram, Gesch. Bist. Hild., I., S. 206. 
— Blume, Heimat. S. 332 ff. — Dürre, Reg. Wallmoden, Nr. 152. — Hüttebräuker, 
Erbe Heinrichs d. L., S. 55. — Machens, Archidiakonate, S. 79. — Zobel, Heimatbuch, 
S. 109 ff. 

GESCHICHTE: An den südwestlichen Ausläufern des Oderwaldes entstand Nienrode 
als kleines Bauerndorf, es erhielt seineu Namen zum Unterschied von der älteren Siede- 
lung Altenrode, die an den südöstlichen Ausläufern des Odcrwaldes liegt. Bereits einige 
Jahre nach seiner Gründung, Anfang der neunziger Jahre des 12. Jahrhunderts, be- 
ginnt das Kloster Dorstadt, in ,,Nigenroth" Besitz zu erwerben; dieser Besitz vergrö- 
ßerte sich im Laufe der nächsten Zeit durch Kauf, Tausch und Schenkung bedeutend. 
Die Herren von Mahner, das Domkapitel in Halberstadt, die Herren von Burgdorf, 
von Bortfeld usw. veräußerten ihren Besitz an das Kloster, so daß im 14. Jahrhundert 
die Flur von Nienrode dem Kloster gehörte und es die alten Bauernhöfe zu einem 
Vorwerk des Klosters vereinigen konnte. 1325 löste Bischof Otto von Hildesheim die 
Kapelle in Nienrode von der Pfarrkirche in Gielde los und übertrug sie dem Kloster 
Dorstadt. 

Nach der Stiftsfehde kam Nienrode unter die Herrschaft Herzog Heinrichs des 
Jüngeren von Braunschweig- Wolfenbüttel; sein Nachfolger, Herzog Julius, ließ das 
Vorwerk verpachten. Durch den Hauptrezeß in Braunschweig 1043 fiel das ,, Große 



174 Nieniüdc- 

Stil'L" und duiiiiL auch das Klüsler DörstadL iiiiL seinem Vorwerk Nienrode an das 
Bistum Hildesheim zurück. Das nunmehr dem Augustinerinnenorden zurückgegebene 
Ivlostcr bewirtschaftete fortan das Vorwerk wieder selbst, bis 1810 die Auflösung des 
Klosters erfolgte. 1770 erbaute Propst Alexius Schübelar die heutigen (iutsgebäude. 
Nach der Säkularisalion wurde Nienrode von der Hildcslicimcr I''aniilio laitilzel er- 
worben, die das (iut lieute noch in Besitz hat. 

BESCHREIBUNG: Von den GuLsbauLcn ist nur das Ende des 18. Jahrh. 
erbaute Herrenhaus bemerkenswert. Fachwerk, zweigeschossig, 11 Fenster- 
achsen an der Breitseite. Mansardendach. Zweiarmige Freitreppe zum geräumigen 
Flur (klassizistisch). Dacherker aus jüngerer Zeit. Kleiner nachreiler. Srliiefer- 
deckung (Tat". 65 e). 

Lange Scheune mit Holminschrift: ,,feliciler erectum Anno 1793." Andere 
Scheunen von 180,3 und 1863, an letzterer: „FINIS CORONAT OPUS." 



Ohlendorf. 

Evangelische Kirche. Wassermühle. 

Quellen: 1. Staats-Arch. Hann., Akt. Haan. des. 74, Amt Liebenburg, IL, 
G. lu. — Bibl. H. V. N., Handschrift 317. — Pfarrarchiv Ohlendorf, Bauakten über 
den Neubau der Kirche. — 2. U. B. Hild., L— VI. — U. B. Goslar, L, IT., IV. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 18, 20, 21, 91. - Bertram, Gesch. Bist. Hild., 
]., S. 163. — Blume, Heimat, S. 106, 188 ff. — Bornstedt, Siedlungen, S. 18. — 
Müttebräuker, Erbe Heinrichs d. L., S. 55, 87. — Kayser, Visitationen, S. 182. — 
Klewitz, Territ. Entwicklung, S. 25. — Lüntzel, Alt. Diözese, S. 177, 248 fL — 
Machens, Archidiakonate, S. 18, 32. — Mithoff, Kunstdenkmale, S. 208. — MithofL 
Kirchen und Kap., S. 5. — Zobel, Heimatbuch, S. 100. 

GESCHICHTE: In den vierziger Jahren des 12. Jahrhunderts bauten die Einwohner 
von ,,Aldendorp" eine Kirche. 1147 bestätigte Bischof Bernhard von Hildesheim die 
Errichtung der Pfarrkirche in Ohlendorf. Der Bischof löste die Kirche in Ohlendorf 
von der Kirche in Flöthe ab, zu deren Pfarre Ohlendorf bislang gehört hatte; im übrigen 
verblieb Ohlendorf dem Archidiakonat Barum unterstellt, zu dem auch Flöthe gehörte. 
Als 1186 Bischof Adelog die Gründung des Klosters Neuwerk in Goslar bestätigte, 
waren unter dem Besitz des Klosters 8 Hufen in OhlendorL Grundbesitz in Ohlendorf 
besaßen außer dem Kloster Neuwerk noch das Kloster Dorstadt, die Dompropstei 
Hildesheim, zeitweilig das Kloster Frankenberg in Goslar, die Herren von Mahner, 
von Lehndorf, von Dorstadt, die Grafen von Schiaden, die ihren Besitz an die von 
Schwicheldt und von Mahner verlehnt hatten. Im 13. Jahrhundert tritt eine anscheinend 
zuerst ritterliche, später hildesheimische Ministerialenfamilie von Ohlendorf auf, die 
vermutlich ein Zweig der Herren von Werle war und mit einem dem Stifte Gandersheim 
gehörenden und in Ohlendorf gelegenen Meierhofe belehnt wurde. 

Im 14. Jahrhundert kam die Kirche in Ohlendorf an das Stift Gandersheim. 1382 
gab die Äbtissin die Kirche in Ohlendorf, einen Sattelhof, vermutlich den Hof, mit dem 
bislang die Familie von Ohlendorf belehnt war, und 7 Hufen Land mit dazugehörenden 
Höfen dem Ritter Sievert von Rössing zu Lehen. Seitdem sind die Herren von Rössing 
Patrone der Kirche. Der Zehnte kam dem Domvikar in Hildesheim zu. Nach der Hildes- 
heimer Stiftsfehde kam Ohlendorf an Braunschweig- Wolfenbüttel, 1542 wurde die 
Reformation eingeführt, die jedoch erst unter Herzog Julius 1568 zur endgültigen 



Ohlendorf 



175 



Durchführung kommen konnte. In der Zeit, da Ohlendorf zum Herzogtum Braunschweig 
gehörte, war der Ort dem Amte Schiaden zugeteilt. 1643 kam Ohlendorf an das 
Hochstift Hildesheim zurück, nach der Säkularisation des Bistums an Preußen, und 
nach der westfälischen Zeit 1815 an das Königreich Hannover, das den Ort zum Amte 
IJebenburg legte. 

Die alte Kirche in Ohlendorf wurde 1869 abgerissen, sie war 19,28 m lang, 7 m 
im Schiff und 6,13 m im Chor breit, hatte zwei Rundbogentüren, vor deren einer das 
sog. Leichenhaus stand, rund- und spitzbogige, auch rechteckige Fenster, eine Bretter- 
wölbung und im Westen einen Turm mit Rundbogenfenstern, Der alte Steinaltar war 
ohne Aufsatz. Die Kanzel war ein Geschenk des Kirchenpatrons Hermann von 
Rössing vom Jahre 1687. 1869 — -71 ist die neue Dorfkirche nach dem Plane des Bau- 
rats C. W. Hase erbaut. 




h+ 



Abb. 92. Ohlendorf, Kirche, Grundriß (1:250). Nach einer Zeichnung des Maurermeisters 
Robert Keune aus Flachstöckheim 1935. 



BESCHREIBUNG: KIRCHE. 

Backsteinbau, gewölbt, Turmhelm massiv mit Musterungen. Grundriß Abb. 92. 
Bauliche Reste der alten Kirche sind nicht mehr vorhanden ; es werden im 
Pfarrhause aber einige Bruchstücke der ehemaligen Ausstattung aufbewahrt. 

1. Ein 1,15 m hohes, 0,55 m breites geschnitztes Stück der Kanzel brüst ung. 
Im Mittelfeld in architektonischer Umrahmung das v. Rössingscho Wappen 
und die Jahreszahl 1687. Unterschrift: „DER WOLGEBOHRNE HEHR 
HERR / HERMAN FRIDERICH VON RÖSSING, OBRIST / WACHT- 
MEISTER ZU ROSS, VND ERBMAR / SCHALL DES FÜRSTEN- 
THUMBS HALBER / SAD- E- BERSEL[?], VND SUDERRODE 
ERBHERR /VND PATRONVS DIESER KIRCHEN, VER / EHRET •• 
SB CANNZEL GOTTE ZV- ". 

2. Bruchstück eines Schildes, vielleicht vom Altar mit dem Agnus dei und 
der Inschrift: „HENRICUS - ERNESTH(US TIELENIUS) PASTOR. 
OHLEND(ORF. DOR) STADT. ET HEIN(INGEN). Es ist nur noch die 
linke Hälfte vorhanden, die rechte hatte wahrscheinlich die in Klammern an- 
gegebene Fassung, (Tielen, Pastor zu Ohlendorf, Dorstadt und Heiningen, wirkte 
von 1683—1733.) 



176 



Ohlendorf 



Zwei Altarleuchler, Bronze, H. 39 cm, Dockenform auf Sockel, die drei 
p-üße auf Kugeln, mit Engelsköpfen. Dorn angegossen. (Um 1700.) 

AbendmahlsgeräLe: Kelch, vergoldet, II. 13 cm, Kuppa trichterförmig, 
10,3 cn), Fuß rund, 11,3 cm. Am Walzenschaft ober- und unterhalb des 
Knaufs gotische Rankenornamente zwischen Schnurzügen, an den rautenförmigen 
Zapfen des flachen mit Maßwerkmustern verzierten Knaufs die gotischen Groß- 
buchstaben: ,,IHESVS". Am Fuß ein Kruzifix mit stark gekreuzten Beinen; 
beseitet von zwei mit Email ausgelegten Wappenschildchen (Dreiecksschilde). 
Mitte 14. Jahrh. (Abb. 93.) 




Abb. 93 u. 94. Ohlendorf, Kirche, Kelch und Patene (Vi natürlicher Größe). 



Patene, 13,5 cm, vergoldet, mit getriebenem Vierpaßboden. Weihekreuz 
Nr. 1. (Abb. 94.) 

Kelch, Silber, vergoldet, mit geschw'eifter Kuppa, H. 20 cm. Am runden 
Fuß unterseits: ,, Heinrich Riechers Schaffmeister in Ohlendorff und Anna Marin 
Blumeiers Haben diesen Kelch mit der Pateine zur Ehre Gottes verehret 1716". 
außerdem ein Monogramm der Schenkgeber. Goldschmiedezeichen 11. 

Patene, 14 cm. Mit dem gleichen Goldschmiedezeichen. 

Oblaten dose, Silber, oval, 10,5 und 8,5 cm, etwa gleichaltrig mit dem 
zweiten Kelch, Regeneeornamente auf dem Deckel in Treibarbeit. Unter dem 
Boden die Buchstaben: ,,D. R. H R" und ,,C L" und ,,J R". Goldschmiedezeichen 6. 

Weinkanne, Neusilber, H. 36 cm, ähnelt der in Salzgitter (Mitte 19. Jahrb.). 

Löffel, zum zweiten Kelch gehörend, 10,5 cm lang. Inschrift: H. E. Tie- 
lenius. P. Q. 

Taufschüssel, Zinn, 24 cm, mit Randinschrift: „OLENDORF 1775 " 



Ohlendorf 1 77 

Läuteglocke, 0,95 m, im Jahre 1840 von J. C. J. Wicke in Braunschweig 
gegossen. 

Eine zweite Glocke, 0,65 m, ist 1919 an die Marktkirche in Goslar ver- 
kauft, wo sie als Viertelstundenschlagglocke dient. Inschriften: ,,PSALM 95. 
— KOMMT LASST UNS ANBETEN" usw. „DIESE GLOCKE IST 
GEGOSSEN IN BRAUNSCHWEIG IN GEGENWART H. HENRIEN, 
ERNESTI TIELENIE P. T. ZU OHLENDORF DORSTADT UND 
HEININGEN. DURCH M. ARFND— GRETEN". „MICHEL SAUST- 
MANN HEINRICH RIECHERS ALTAR-LEUTE. HANS STUVEN 
HENNI BLUMHOFF MAUERMEISTERE. IM JAHRE 1708." 

WASSERMÜHLE. 

Die Warnemühle (sog. Pumpmühle) vom Jahre 1723, laut Inschrift errichtet 
von Conr. Heinr. Klahe und Anna Catrina Kochs, ist ein gut erhaltener zweige- 
schossiger Fachwerkbau außerhalb des Ortes. Wirtschaftsgebäude jünger. 

In Ohlendorf sind noch einige ältere Gehöftanlagen erhalten, die nach dem 
mitteldeutschen (fränkisch-thüringischen) Typ erbaut sind. 



Ohlhof. 

Gut des Klosters Neuwerk in Goslar. 

Quellen: 1. Staats-Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74, Amt Wöltingerode, App. 
Wiedelah, IL, 5. — Arch. Goslar, Abt. Kloster Neuwerk, Urk., Akten. Karten von 
1542, um 1600 und 1682; desgl. 2 Karten des 17. Jahrh. — 2. U. B. Goslar, I.— V. 

Literatur: Bertram, Gesch. Bist. Hild., L, S. 218. — Blume, Heimat, S. 106, 
399 fL — Borchers, Landwehren, S. 76 fL -- Borchers, Geschichte Ohlhof. -- Brökel- 
schen-Borchers, 750 Jahre Kloster Neuwerk. — Jacobs, Harzkarte, S. 102. Lüntzel. 
Alt. Diözese, S. 16. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 208. Siemens, Leo und U. Höl- 

scher, Familiengeschichte der Siemens. 

GESCHICHTE: Ohlhof, in alten Urkunden und Akten auch Mohlhof (= Im Ohlhof) 
genannt, war ein Wirtschaftshof des Benediktinerinnenklosters Neuwerk in Goslar. 
Der Wald AI oder Ol, der sich von dem Sudmerberge bis in die Gegend von Riechenberg 
erstreckte, war altes Königsgut; der Teil westlich der Immenröder Straße kam 1108 
durch Schenkung König Heinrichs V. an das Stift Georgenberg, der Teil östlich der 
Straße ist offenbar vom Kaiser der Familie von Wildenstein übereignet worden. Als am 
Ende des 12. Jahrhunderts der Reichsvogt Volkmar von Wildenstein und seine Gattin 
Helene das Kloster Neuwerk gegründet hatten, erscheinen 1186 in der Bestätigungs- 
urkunde Bischof Adelogs von Hildesheim als Schenkung der Gründer „fcre octo mansos 
in Ole". Bald nach der Stiftung erbaute das Kloster inmitten dieses Besitzes das Vor- 
werk Ohlhof. Der Wald wurde weiter gerodet, so daß im (rüterverzeichnis des Klosters 
1355 das Land bereits auf 12 Hufen angewachsen war. In der Hildesheimer Sliftsfehde 
kam der Ohlhof an Braunschweig- Wolfenbüttel, doch blieb die Bewirtschaftung des 
Ohlhofes in der Hand des Klosterpropster. bis 1572. In diesem Jahre ließ Herzog Julius 
den Ohlhof besetzen in der Absicht, den Konvent des Klosters zu zwingen, nach dem 
Ohlhof überzusiedeln. Das Reichskammergericht sprach zwar im Jahre 1604 den Ohlhof 
dem Kloster zu, doch behielten die Braunschweiger den Hof noch bis 1660 besetzt. 

23 



178 Ohlhof 

Ende des 16. .Jahrhunderts wurde lur den Teil der Klosterinsassen, die auf den Ohlhof 
übergesiedelt waren, eine kleine Kirche erbaut, flie in der ersten Hälfte des 19. .Jahr- 
hunderts abgebrochen wurde. 1661 nahm der Bischof von Hildesheim wieder Besitz 
vom Ohlhof und verpfändete bzw. verpachtete den Hof bis 1693. Von dieser Zeit an 
wurde der Ohlhof wieder von dem nunmehr als protestantisches Stift eingerichteten 
Kloster Neuwerk verpachtet. Von 171.5 — 182.5 warder Ohlhof an Mitglieder der bekannten 
Goslarcr Familie Siemens verpachtet; die (iräber einiger Siemens befinden sich noch 
auf dem kleinen Friedhofe in Ohlhof. 

BESCHREIBUNG: Das Gut Ohlhof hat wie fast alle größeren Gutsanlagen 
im Kreise seinen jetzigen baulichen Charakter im 18. Jahrhundert erhalten. Das 
Pächterwohnhaus ist ein zweistöckiger, teilweise unterkellerter Fachwerkbau, 
an den Wetterseiten beschiefert, unter Walmdach mit kleinen Dacherkern an den 
Schmal- und an der Hofseite (Taf. 65d). Haupteingang an der Hofseite mittels 
Freitreppe. Im Innern ist die schöne Eingangshalle erhalten, sonst in den letzten 
Jahrzehnten unifasseqd umgebaut. Unter den Wirtschaftsgebäuden ist ein Speicher 
(um 1800) mit Dachreiter für die Glocke bemerkenswert. Erdgeschoß Bruchstein, 
darüber Fachwerk. 

Auf dem Gutsfriedhof einige Grabdenkmäler: 

Grabmal des Georg Andreas Siemens (* 1700, t 1789) und seiner Frau 
Aug. Marg. ; Sandstein, in Form eines ,3,20 m h. Obelisken auf Sockel. Außer 
Namen und Daten befindet sich darauf folgende Inschrift: ,,Unvergesslich bist 
Du den Deinen, edler Greis, Gradheit und Biedersinn gaben Dir einen heitern 
Abend, Freunde und Achtung." 

Gedächtnismal des Ferdinand August Siemens, geb. 1797, gefallen 
bei Waterloo als Kgl. Hann. Leutnant. 1,88 m h., 0,66 m breite, aufrechtstehende 
gußeiserne Tafel, die am .5. Dezember 1818 gesetzt worden ist. 

Drei weitere Obelisken und eine niedrige Säule (Urne fehlt) vom Anfang 
19. Jahrb., gleichfalls dem Andenken an Mitglieder der Familie Siemens gesetzt. 



Ohrum. 

Evangelische Kirche. Pfarrhaus. 

Quellen: 1. Staats-Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74, Amt Wöltingerode, III.. 
X. 1, 4o. Bibl. H. V. N., Handschrift ,317. Pfarrarchiv Ohrum, Akten. 2. U.B. 
Hild., I.- VI. U.B. Goslar, I. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 34, 73, 81. Blume, Heimat, S. 340 ff. 

Görges-Spehr, Denkwürdigkeiten, I., S. 261. - Kaufmann, Kaiserpfalz Werla, S. 6. 
-- Kayser, Visitationen, S. 149, 183. Lüntzel, Ält. Diözese, S. 4, 5, 15, 173 ff., 298. 
Lüntzel, Gesch. Diözese, I., S. 190. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 208. — Mithoff, 
Kirchen und Kap., S. 5. Schröder, Sachsen und Cherusker. S. 11. - Voges, Ohrum. 
— Zobel, Heimatbuch, S. 129 ff. 

GESCHICHTE: Bereits in frühgeschichtlicher Zeit befand sich bei Ohrum eine 
Okerfurt für die alte Völkerstraße vom Rhein zur Elbe. Zwischen dem Dorfe Ohrum, 
das an den Ausläufern des Oder auf dem linken Ufer der Oker liegt, und der heutigen 
Fährmühle auf der anderen Seite ist diese Furt und später eine Fähre zu suchen. Die 



Ohrum 



179 



Sagen über den Untergang des Thüringerreiches 531 teilen mit, daß die Sachsen 
den Franken in einer zweiten Schlacht geholfen hatten. Edward Schröder lehnt den 
Anteil der Sachsen an der Niederwerfung des thüringischen Reiches als Legende ab, 
und so erscheint es kaum wahrscheinlich, daß, wie bislang von einigen Geschichts- 
schreibern vermutet wurde, die entscheidende Niederlage der Thüringer bei Ohrum 




Abb. 9.5. Ohrum, Kirche von Südwesten, [v. B.J 



an der Oker erfolgte. Zum erstenmal wird Ohrum erwähnt in den Fränkischen Heichs- 
annalen zum Jahre 747. Damals lagerte König Pipin mit seinem Heere auf dem linken 
Okerufer, das Sachsenheer gegenüber auf dem rechten Ufer. In den Sachsenkriegen 
Kaiser Karls lagerte das fränkische Heer im Jahre 780 bei Ohrum, und es soll damals 
hier die Taufe vieler Sachsen stattgefunden haben. Urkundlich wird Ohrum zuerst 




— \ — I — I — t— ( — 1 — I — ■ — I 1 — 

.\l)b. 'Ki. Ohrum, evangelische Kirche, (".ruudrill (1:250). [v. H.] 



1022 in der Gründungsurkunde des Michaelisklosters zu Hildesheim erwähnt. Zu den 
13 Kirchen, mit denen Bischof Bernward das von ihm gegründete Kloster ausstattete, 
gehörten auch die Kirche zu „Horem" und 2 Hufen Land. Außer dem Michacliskloster 
zu Hildesheim, das seinen Besitz in Ohrum später noch vergrößerte, hatten die Klöster 
Heiningen und Dorsladt Grundbesitz am Orte, außerdem aucli die Grälen von Schladeii 
und das Kloster Ritldagshausen. 



180 



Ohrum 



Nach der hildesheiinischeii Sliftslehde kam Ohiuiii lö2;} an Braunschweig- Wolfen- 
büttel zum Amte Schiaden. Als Herzog Heinrich der Jüngere aus seinem Lande ver- 
trieben war, wurde 1542 die Reformation eingeführt. Nach den wechselvollen Jahren 
der späteren Regierungszeit Heinrichs des Jüngeren konnte 1568 die lutherische Lehre 
unter Herzog Julius endgüllig in Ohrum eingeführt und eine Pfarre eingerichtet werden. 
Im 30.jährigen Kriege hatte Ohrum schwer zu leiden. 1()41 zog Herzog (leorg von Braun- 
schweig-Lüneburg gegen Wolfenbüttcl, das von den Kaiserlichen besetzt war, und be- 
lagerte die Festung. In Ohrum schlug der Herzog sein Lager auf, der Pastor Johann 
Losse und die Einwohner des Dorfes flüchteten nach Dorstadt und Heiningen. Der 
ganze Ort brannte ab. 1667 wurde das Pfarrhaus neu erbaut. 1643 kam Ohrum an das 
Bistum Hildesheim zurück, 1802 an Preu(3en. Nach der 1803 aufgestellten Beschreibung 
Hildesheimer Ämter hatte das Kloster St. Michaelis zu Hildesheim das Palronat in 
Ohrum, den Zehnten besaß damals das Kloster Wienhausen. 

Die Kirche in Ohrum wird urkundlich zuerst 1022 bei 
der obengenannten Gründung des Michaelisklosters zu Hildes- 
heim erwähnt. Dieses Kloster besaß auch das Patronat über 
die Kirche, vermutlich bis 1803, wo das Hochstift Hildesheini 
an Preußen kam. 1217 wird Conradus, sacerdos de Orem, er- 
wähnt. Erweiterungen der Kirche fanden statt 1504 (nach der 
Inschrift) und 1830; eine Erneuerung des Turmes war 1575. 
Die größere der beiden Glocken stammt aus dem Jahre 1480, 
1652 wurde sie unter Pastor Losse, dessen Name am Holm 
steht, neu aufgehängt. Der Altar ist im Jahre 1700 beschafft 
und nach einer Inschrift 1749 renoviert. Die Orgel stammte 
aus dem Jahre 1840. 

BESCHREIBUNG: 

KIRCHE. 
Die Kirche (Abb. 95) hat ein schlichtes, aus Bruch- 
stein mit einbindenden Werksteinecken Anfang des 16. 
Jahrhunderts an den älteren Westturm angebautes Schiff 
von rechteckigem Grundriß (Abb. 96). Drei rechteckige, 
mit Sandstein umrahmte Fenster an den Langseiten, im Ostgiebel in Emporenhöhe 
ein gekuppeltes spätgotisches Maßwerkfenster (Abb, 97), darunter eine kleine recht- 
eckige, mit gotischem Gesims überdeckte Nische. Inschriftstein: ,,Anno dni 
1504", 4,20 m über Erdgleiche an der Südostecke des Schiffes eingesetzt. Im Sturz 
zweier vermauerter, mit Kielbogen überdeckter Fenster, H. 1,40 m, B. 0,45 m, 
die Jahreszahl ,,1590", ferner am Gewände einer vermauerten gotisch profilierten 
Türumrahmung (B. 1,20 m) in der Südseite neben den Buchstaben: ,, • H • C ■ A " 
die Zahl „1696". 

Turm, romanisch, ebenfalls aus Bruchsteinen mit Werksteinecken, im 
unteren Teile einige Lichtschlitze und in jeder Wand der Glockenstube eine rund- 
bogige Schallöffnung. Satteldach beschiefert, auf beiden Giebeln Kugel und Wetter- 
fahne. Ein Eckstein (Kalkstein) mit der Zahl ,,1575" in 2,70 m H. an der West- 
seite des Turmes. Im Sturz der Eingangstür die verwitterte Inschrift: ,,RENO- 
VATUM 1830". 

Inneres, mit gerader Decke. Rings herum Emporen. 

Altar, Altartisch, Stein, gotisch, mit Sepulcrum und Weihekreuzen in der 
Abdeckplatte. Rückwand mit eingebauter Kanzel auf dünnem Fuß, Holz, reich 




Abb. 97. Ohrum, Kirche. 
Maßwerkfenster im Ost- 
giebel (1:40). [v. B.] 



Ohruni 



181 



geschnitzt, um 1700 (Taf. 67). An der Kanzelbrüstung üppiges Ranken werk, vorder- 
seitig ein Kruzifix (Taf. 66b). Rechts und links von der Kanzel je eine gewundene 
Säule mit frei gearbeiteten Weinlaubranken in den Windungen. Als seitlicher 
Abschluß links Moses und rechts Johannes der Täufer (H. 1,00 m). Auf dem ver- 
kröpften Gesims zwei weitere männliche Figuren, zwei Engel und als mittlere 
Bekrön ung der Auferstandene, umgeben 
von reichem Schnitzwerk. H. des Altares 
5,00 m, B. 2.60 m. 

Lesepult ,,ANNO 1 693" von guter 
Drechslerarbeit. Steht auf dem Altar. 

Tauf stein, der im Gebrauch be- 
findliche (Taf. 66 c), Sandstein, H. 1,00 m, 
des Beckens 0,54 m, mit Muschelver- 
zierung und anderen Ornamenten im Stile 
der Entstehungszeit (Mitte 18. Jahrb.). 

Taufst ein, außer Gebrauch (Ab- 
bildung 98), Becken 1,00 m, kreisrund, 
H. 1,00 m mit äußerem Profilband. Sockel 
35 cm. 15. Jahrb. 

Zwei Altarleuchter, Bronze, Höhe 
26 cm. Walzenschaft mit Schaftringen, 
eiserner Dorn. Inschrift: ,,('. VRREL 
MVLLERS". Mitte 17. Jahrb. 

Zwei Leuchter, Zinn, mit eisernem 
Dorn, Walzenschaft H. 34,5 cm, Fuß 
20 cm, „A : M : C : Kurs : 1809", 
Zinnzeichen vom Jahre 1780, Gießer Job. 
Ch. Kretschmann in Wolfenbüttel. (Im 
Pfarrhaus aufbewahrt.) 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Sil- 
ber, vergoldet, H. 24 cm. Knauf und Fuß 
reich profiliert und ornamentiert (Muschel 
und Köpfe). Inschrift in Schreibschrift : 
,,Sumptibus parochiatium Ohrum confici curavil, 
schmiedezeichen 47. 

Paten e, Silber, 18 cm, Goldschmiedezeichen 10. 

Oblatendose, Silber, 8 cm, H. 4 cm. Inschrift auf dem Deckel im Kreise 
(Schreibschrift): ,, David Burchard Bote • Margaretha Epsen 1717 '. Gohl- 
schmiedezeichen (wie am Kelch) 47. 

Weinkanne, Silber, von schlichter Form, \\. .Hfi cm. Ciühlschmiedezeichen 29. 
Erste Hälfte 18. Jahrh. 

Tauf Schüssel, Messing, 34 cm, H. 10 cm, Beckenrand 2 cm, mit dem 
Namen: ,,HANS BLOME KATHARINA BLOMEN." Entstehungszeit 
unsicher. 

24 




Abb. 98. Ohniin. raiifstcin (1:2(1). [v. B.] 



H. J. Kern. P. 172.'^.- Gold- 



182 



Ohrum 



Glocke, von 1480, 1,00 in.- Unterhalb der Haube Flechtband mit ange- 
hängten Blättern, Inschrift in gotischen Kleinbuchstaben: ,,anno • dni m^ cccc^ 
Ixxx*^ ■ maria • bin • ik • ghenant • allen • kristen • seien to trosle • ghe • sant 
(Abb. 99). Am langen Felde einerseits Maria mit dem Kinde, darüber im Spruch- 
band im Dreiviertelkreis: ,, maria" und vier Brakteatenabdrücke, andrerseits eine 
Kreuzigungsgruppe mit den Buchstaben ,,inri" und vier weitere Brakteaten- 
abdrücke. Am Schlagring eine zweite Inschrift: ,,her • hermen migen olrik 
hane • ludeke • haue • hinrk blombarch • hans cordes ■ hinrk • cordes • eghelm 
hane •" Die Kronenbügel sind inil Zopfmuster verziert. Am Holm eingeschnitten: 
,,IOHAN LOS" und ,,16 52". (Dieser Pastor ließ die Glocke umhängen.) 





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0h 







Ur}] 



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Abb. 99. Ohrum, Glockeninschrift von 1480 (1:4). 

Glocke, von 1858, 0,89 m. Laut Inschrift ein Geschenk von dem ,,HALB- 
SPAENNER HEINRICH AHRENS. HOF NR. 9 IN OHRUM", 1858 
von J. H. Bartels in Hildesheim gegossen. 

Grabstein des Clostermeiers David Hotop und seiner Frau vom Jahre 1725, 
Sandstein, H. 2,23 m, B. 1,37 m. Lange Grabschrift im Ovalkranz, oben ein von 
Engeln zwischen Wolken getragenes Herz. An der Westwand des Turmes auf- 
gerichtet. 



PFARRHAUS. 

Pfarrhaus, in Eichenfachwerk, zweigeschossig, mit 17 Gefachen in der 
Längs wand, die teilweise durch Doppelstiele geteilt werden. Die Setzschwelle des 
Obergeschosses ist durch eine die ganze Länge einnehmende Inschrift verziert: 
„DAFVR HALTE VNS lEDERMAN NEMLICHT FVR CHRISTVS 
DIENER VND HAVSHALTER VBER GOTTES GEHEIMNIS (I. CO- 
RINTH: IV.) EGRESSVM REDITVM(QVE) TVVM CVSTODIAT AL- 
PIVS PASTOR IN ISRAEL SECLA FVTVRA SAT EST: JOHAN 
LOSSE: JOHAN BENEDICT KOCH P. ANNO 1667." 



183 

Ostlutter. 

Ehemalige Kapelle. Bauernhäuser. 

Quellen: 1. Staats-Arch. Haan., Akt. Haan. des. 74, Amt Liebenburg, II., 
(i. Iv. — von Schwicheldtsches Archiv im Schloß Söder, Urk. — 2. U. B. Goslar, IV. 

Literatur: Bertram, Gesch. Bist. Hild., III., S. 195. - Heimatbuch der Pfarr- 
gemeinde Lutter am Barenberge, S. 37 ff. Kaufmann, Kaiserpfalz Werla, S. 30. — 
Zobel, Heimatbuch, S. 316 ff. 

GESCHICHTE: Das Dorf Ostlutter, östlich von Lutter am Barenberge, in einem 
Tal des Höhenzuges an der Westgrenze des Landkreises Goslar, wurde Ende des 14. Jahr- 
hunderts von den Herren von Schwicheldt angelegt; in dieser Zeit teilte sich das Ge- 
schlecht mit den Herren von Lutter in den Besitz der Burg Lutter und hatte nach dem 
Aussterben derer von Lutter zeitweise die Burg im Alleinbesitz. 1403 bei einer Neu- 
belehnung der von Schwicheldt tritt der Name Ostlutter zum ersten Male urkundlich 
auf. 1493 wurde die Hälfte des Dorfes Alleineigentum des Grafen Dietrich von Schwicheldt. 
der eine Kapelle am Teich erbauen ließ. An Stelle des zur Ruine gewordenen Gottes- 
hauses wurde 1717 eine neue Kapelle gebaut, die am 17. Juni desselben Jahres einge- 
weiht wurde. Im 15. Jahrhundert wird als Wirtschaftshof der Herren von Schwicheldt, 
der sog. Johannishof, erwähnt; im 18. Jahrhundert verfiel dieser Hof, die letzten Reste 
des von Schwicheldtschen Hofes wurden 1869 beseitigt. Auch die Kapelle mußte am 
Anfang des 19. Jahrhunderts (1823) wegen Baufälligkeit geschlossen werden und wurde 
dann 1830 zum größten Teil abgebrochen, da der Patron der Kapelle, der Drost Graf 
von Schwicheldt in Celle, wegen der bedeutenden Kosten einen Wiederaufbau der 
Kapelle ablehnte und auch die Gemeinde die auf 2000 Rtlr. veranschlagten Kosten 
eines Neubaues nicht aufbringen konnte. Die Überbleibsel der Kapelle sind 1891 be- 
seitigt. 

Ostlutter ist heute der evangelischen Pfarre in Lutter am Barenberge eingemeindet. 

BESCHREIBUNG: Ostlutter bietet an Kunstdenkmälern nichts Bemerkens- 
wertes. Die kleinen zweistöckigen Bauernhäuser, wie sie im Landkreise Goslar 
üblich sind, wirken hier wegen der hügeligen Lage der Ortschaft besonders reizvoll. 
In der Abbildung (Taf. 65b) ist die charakteristische Hauptstraße wiedergegeben. 



Othfresen. 

Evangelische Kirche. Zehntscheune. Ehemaliger Posthof. 

Quellen: 1. Staats- Arch. Hann., AkL Hann. des. 74, .\ml Liebenburg, IL, 
(i. Iw; desgl. III., Akten IX., A. 17, 16. Bibl. H. V. N., Handschrift 317. von 
Schwicheldtsches Archiv im Schloß Söder, Urk. 2. U. B. Hild.. 1.. IL, IV. VI. 
U.B. Goslar, L- V. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 75, 94. Bertram, Gesch. BisL Mihi., 1.. 

S. 153, 169, 216; III., S. 95. Blume, Heimat, S. 100, 213 ff. Bornstedt. Sied- 

lungen, S. 18. - Dürre, Reg. Wallmoden, Nr. 1, 62, 606, 725, 727. Hüttcbräuker, 
Erbe Heinrichs d. L., S. 88. Kayser, Visitationen, S. 152, 219. Lüntzel, Alt. 

Diözese, S. 164, 166, 251, 253, 311. - Lüntzel, Gesch. Diözese. L, S. 91. Mithoff. 
Kunstdenkmale, S. 209. Mithoff, Kirchen und Kap., S. 5. Oehr. Liindl. Verhält- 
nisse, S. 9. Zobel, Heimatbuch, S. 306 ff. 



f84 Othfresen 

GESCHICHTE: Uas Dorf „Ollridtsheim" ist zwH'ifellos älter als 1142, -wo zum 

ersten Malein einer Urkunde Bischof Bernhards von Hildesheim der Ortsname auftaucht. 

Die Annales Stadenses, um 1240 auf Veranlassung von Albert, Prior und Abt im Marien- 
kloster in Stade, geschrieben und auf verlorene Annalen (llsenburger Annalen) zurück- 
gehend, berichten zum Jahre 1058 von einem Hof in ,,Olfrcdhessen", der später an die 

Weifen kam. Der Bischof von Hildesheim besaß in Othfresen einen Wirtschaftshof mit 
zugehörigen Ländereien und abhängigen Bauernhöfen, der im Laufe der Zeit mehrfach 
verpfändet und 1317 der bischöflichen Liebenburg zugeteilt wurde. 1142 wird als Ver- 
walter dieses Hofes der villicus Wezelo genannt. Der bischöfliche Haupthof Othfresen 
hatte ein besonderes Gericht, das Meierding, dessen Einkünfte zeitweise an die Grafen 
von Blankenburg und an die Hildesheimer Kirche verpfändet waren. Seit alter Zeit 
besaß das Stift St. Georgenberg bei Goslar in Othfresen ein Eigengut, das neben der 
Kirche lag und zu dem das Kloster 2 Hufen von Herzog Heinrich dem Löwen erwarb. 
Als Grundbesitzer kommen außerdem die Klöster Neuwerk in Goslar und St. Michael 
in Hildesheim vor, auch das Domkapitel in Hildesheim hatte ein Gut in Othfresen. 
Von den Rittergeschlechtern waren die Herren von Dornten, die sich dann später von 
Burgdorf nannten, di^ von der Gowische, von Wallmoden und von Schwicheldt in 
Othfresen begütert, die letzteren besaßen ein Hildesheimer Lehen, das dem Bischof 
aus dem Besitz der Wohldenberger Grafen zugefallen war. Eine Familie von Oth- 
fresen, anscheinend bischöfliche Ministeriale, tritt im 13. Jahrhundert auf, vermutlich 
war sie mit dem bischöflichen Meierhof belehnt. 

Über die Kirche zu Othfresen liegen aus dem Mittelalter keine Nachrichten vor; 
Patron war der Bischof von Hildesheim. Als nach der Hildesheimer Stiftsfehde Oth- 
fresen an Herzog Heinrich den Jüngeren von Braunschweig- Wolfenbüttel gefallen 
war, nahm dieser als Landesherr das Patronat in Anspruch. Nach der Vertreibung 
des Herzogs wurde 1542 die Reformation eingeführt, 1643 kam Othfresen an das Hoch- 
stift Hildesheim zurück. Im 30jährigen Kriege hatte das Dorf mehrmals unter den 
durchziehenden Truppen zu leiden, durch kaiserliche Truppen wurden 1626 die evan- 
gelischen Pfarrer vertrieben. 1676 und 1789 war der Ort von größeren Bränden heim- 
gesucht. 1699 stahlen Diebe die beiden Kelche der Kirche, darauf schaffte man einen 
neuen Kelch an. 1802 kam Othfresen an Preußen, nach den Freiheitskriegen an das 
Königreich Hannover. 1860 berichtete der Pfarrer W^olters, die alte Kirche sei so bau- 
fällig, daß mit ihrem baldigen Abbruch gerechnet werden müsse. Die alte Kirche hatte 
einen rechteckigen Chor, der von zwei Kreuzgewölben überspannt war, der Turm hatte 
rechteckigen Grundriß und fast die gleiche Breite wie das Kirchenschiff. 1892 wurde 
die alte auf Tafel 66a abgebildete Kirche abgerissen und 1893 durch einen Neubau 
in gotischen Formen nach dem Entwurf des Architekten Wendebourg ersetzt. Ein damals 
noch vorhandener Messing- Kronleu cht er ist an einen Grafen von Arnim in Berlin ver- 
kauft worden. 

Der Zehnte in Othfresen stand dem Kloster Wöltingerode zu, das ihn von den 
Grafen von Wohldenberg erhalten hatte, während die von dem ehem. bischöflichen 
Meierhofe abhängigen Bauern die Hand- und Spanndienste auf der Liebenburg zu 
leisten hatten. 1724 erbaute das Kloster die große Zehntscheune in Othfresen; seitlich 
vom nördlichen Tor waren die Stallungen des Scheunevogtes, darüber seine Wohnung 
eingerichtet. 1895 wurde dieses Gebäude des Scheunevogtes oder ,.Tehntmalers" ab- 
gebrochen. Nach 1840 sind die Naturalleistungen wie auch die Hand- und Spanndienste 
der Bauern abgelöst. 1841 ist die alte Zehntscheune an den Besitzer des Hofes Nr. 1 
von der Klosterkammer verkauft. 

BESCHREIBUNG: KIRCHE. 

Die Ausstattung der alten Kirche ist nicht mehr vorhanden. Nur ein alter 
Tauf stein befindet sich im Pfarrgarten. Becken, achtseitig, 0,83 m, auf einem 
Schaft, 0,32 m, und achtseitigem Sockel, 0,40 m breit. Am Becken acht wulst- 



Othfresen 



185 






-^ 



artige Profilstreifen. Beckenrand von einem ähn- 
lichen Wulstprofil umzogen. Ende 14. Jahrh. 

Abend mahlsgeräte: Kelch, Silber, ver- 
goldet, H. 20 cm, Sechspaßfuß. Daran ein Kruzifix 
(Signum graviert). Schaft sechsseitig. Knauf ohne 
Zapfen, mit Blüten, Profilleistchen und einfachen 
Maßwerkmustern. Inschrift an der Kuppa (schräge 
Barockschrift): „DIESER KELCH GEHÖRET 
DER GEMEINE ZU OHTFRESEN ANNO 
1699." Goldschmiedezeichen 19. 

Paten e, Silber, 014,5cm, Rand schmal (17mm), 
Weihe kreuz 9. Inschrift: „GEORG JOACHIM 
BURDORFF PAST. Z. OHTFREISEN • 
HENNY FRICKEN KIRCHVÄTER CLAUS 
SANDER 169 9." Keine Goldschmiedezeichen. 

Wei n ka n n e , Zinn, H. einschließlich Deckel 29cm. 
LeichtverjüngteZylinderform, schlicht. Mitte 18. Jahrh. 

Grabplatte, von 1358, Sandstein, 0,62x0,42 m. Im Mittelfelde ein gotisches 
Kreuz in Flacharbeit. Umschrift: „+ ANNO DNI • MCCCLVIII • OBIIT :^' 
NIGELANDES" (Abb. 100). Verwittert. In der Nordwand der Turm- 
vorhalle eingelassen. 

ZEHNTSCHEUNE. 

Ehemalige Zehntscheune im westlichen Teile der Ortschaft. Langgestreckter, 
in Bruchstein errichteter Bau. Seitenlängstenne. Außenwände verputzt. Fenster 
mit Blockzargenumrahmungen. Als Giebelzier ein schmiedeeisernes Kreuz. In- 
schriftplatte über dem Einfahrtstore: „D M / RDA DNA LUCIA / ABBA- 
TISSA IN / WÖLTINGERODA / ET / RDNS PF lOANES / BERNAR- 
DUS ROTARIUS / PRAEPOSITUS PROFESSUS / VETERIS xMON- 
TIS / ANNO 1724." 



') 



^1 



Abb. IUI!. Utlifrc.sLii, Kirch* 
platte (1:10). 



4 
i iialj- 



ANHANG: EHEMALIGER POSTHOF. 

Literatur: Zobel, Heimatbuch, S. 307. — Fritz Kreipe, Chronik zum öüjährigon 
Geschäftsjubiläum der Zuckerfabrik Othfresen. 1933. 

Von dem ehemaligen Posthof Othfresen, an der Stelle der Stral3e Hildesheini — 
Goslar gelegen, wo eine dritte Straße in östlicher Richtung nach Schiaden al)/.weigt, 
steht noch das 1827 errichtete Hauptgebäude, jetzt Verwaltungshaus der Zucker- 
fabrik. Es ist aber nicht mehr im ursprünglichen Zustand erhalten, sondern bereits 
1869 zur Aufnahme von Kontorräumen für ein Hüttenwerk umgebaut, das damals dort 
gegründet und mit Fabrikbauten durch den Architekten Ferd. Wallbrecht aus Han- 
nover versehen wurde. Die Hütte wurde nach ganz kurzer Blütezeil stillgelegt: die 
Grundstücke erwarb 1883 die neugegründete Aktiengesellschaft .»ZuekerfahriU Oth- 
fresen", die sie noch jetzt besitzt. 

Dem Posthof gegenüber liegt an dem Mühlengrabcii. der mit Wasser iler Innerste 
gespeist wird, die ehedem landesherrliche ,,Neue Mühle". An dem Neubau, der an 
Stelle des 1775 abgebrannten Gebäudes errichtet wurde, ließ der damalige Landes- 
lierr, der Bischof Friedrich Wilhelm von Hildesheim, sein Wappen anlningen, das 
sich noch jetzt über der Haustür betindet. Seit 1802 ist die Mühle in Privatbesitz. 



186 

Pagenburg. 

Vgl. Einleitung, Seite fi. 



Riechenberg. 

Ehemaliges Kloster. Kirchenruine. Gut. 

Quellen: 1. Beverina, Nr. 539: Diplomalarium coenobii in Hiech. (Ijrk., 12. 
bis 16. Jahrb.). - Staats-Arch. Hann., Akt. Hild.-Br. Arch. des, 3, Hildesh. Klöster, 
Akten I, Nr. 4. - Hann. des. 74, Amt Liebenburg, IV., Kloster-Sachen, XL, J. M. - 
Calenberg-Br. Archiv des. 10, 51. — Hann. des. 83, C. IV., 5z. - Staats-Arch. Hann., 
Urk. Reichsstadt Goslar und Klöster, Riechenberg, 8 Urk., 1131- 1385, - Landes- 
archiv des Hochstiftes Hildesheim. ^ Arch. Wolf., Br. St. -Arch., VH Bd. 26/27. - 
Arch. Goslar, Karten von 1542 und um 1600; desgl. 2 Karten des 17. Jahrh. - Univ.- 
Bibl. Gott., 195 Urkunden des Klosters Riechenberg, - 2. U. B. Hild., L- VL 
U.B. Goslar, L- V. - U. B. von Saldern, I. - Braunschw. Reimchronik, IL, S. 430 
bis 574. - Chronik des Stiftes S. Simon und .Judas, IL, S. 586 ff. - Annales Steder- 
burgenses, S. 197 ff. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 41. - - Baudenkmäler Nieders., Bd. I, S. 54; 
Prael, Krypta, S. 62; Hase, Kirche Riechenberg. -- Bertram, Gesch. Bist. Hild., L, 
S. 141, 162, 168, 192, 219, 286, 349, 406; IL, S. 35, 82, 96, 159, 183; III., S. 33, 46, 
70, 78. 205, 273. - Bertram, Bischöfe, S. 50, 91, 125, 137, 163, 169, 261. -- Biermann. 
Organographia, S. 12 ff., 32. - Bleibaum, Bildschnitzerfamilien, S. 207 ff., 217 ff.,. 
335 fL — Borchers, Landwehren, S. 78 fL Bornstedt, Siedlungen, S. 18. — Busch, 
de reformatione, I. c 30. -- Dürre, Reg, Wallmoden, Nr. 5, 6, 7, 9, 28, 39, 51, 352, 
356. — Fischer, Harzb. -Riechenberg, — Görges-Spehr, Denkwürdigkeiten, II,, S. 305, 
340, 375, 408 fL, 429, 434 fL - Grube, Joh, Busch, S. 62, 63. - Guth, Stiftskirche 
Hamersleben, S. 76 fL ~ - Heineccius, S. 185, 296 fL, 304, 322, 337, 342, 356, 370, 381, 
383, 389, 396, 398, 401, 402, 406, 423, 570. - Heinemann, Beiträge, S. 26, 83. Hil- 
desh. Klostergesch., S. 306 fL Hoogeweg, Stifter und Klöster, S. 113. — Hüttebräuker, 
Erbe Heinrichs d. L., S. 86. - Jacobs, Harzkarte, S. 101, 104. - - Kayser, Visitationen, 
S. 52 fL - Kern, Krypta Riechenberg. - Klinkenborg, Privilegien Riechenberg. — 
Lauenstein, Historia. IL, S. 155, 191, 255. - Lüntzel, Alt. Diözese, S. 252 ff. Lüntzel, 
Gesch. Diözese, L, S. 280. 359; IL, S. 250, 338. 433. - Melsheimer, Stederburger 
Chronik. Meyer, Handschriften, Bibl. Gott., III., S. 501-07. Mithoff, Kunst- 

denkmale, S. 217 fL — Mithoff, Kirchen und Kap., S. 38, 39, 41, 42, 43, 44, 45. — 
Oehr, Ländl. Verhältnisse, S. 11 ff., 109. — Oldecop, Chronik, S. 325. — Stich, Kloster- 
kirche Riechenberg. - Vogell, Gesch. Schwicheldt, S. 148. Zeller, Frührom. Kirchen- 
bauten, S. 21 fL, Tafel 23 ff. - Zobel, Heimatbuch, S. 254 ff. - Drei Streitschriften: 
Geschichtserzählung Riechenberg wider Regierung. Geschichtserzählung betr. de la 
Tour. Richtigere Geschichtserzählung betr. de la Tour. 

GESCHICHTE: Das Augustiner-Chorherrenstift Riechenberg ist 1117 durch den 
Subdiakon des Goslarer Domstiftes Petrus, der einer Goslarer Familie entstammte, 
gestiftet. Nach den Annales Stederburgenses (auch Chronicon Stederburgense genannt), 
die wahrscheinlich von dem Propst Gerhard geschrieben sind, wurde der Bau der Kirche 
1117 begonnen und 1122 fand ihre Weihe statt. Die Leitung des Klosters wurde 1128 
dem tüchtigen Propste Gerhard übertragen, der zeitweise gleichzeitig Propst im Stifte 
St. Georgenberg bei Goslar, dann auch Propst zu Stederburg wurde und dem König 
Lothar, später Heinrich dem Löwen sehr nahe stand. 1131 bestätigte Bischof Bernhard 
von Hildesheim die Stiftung, die Kirche wurde der Mutter Gottes geweiht und das 



Riechenberg 187 

Kloster der Regel Augustins unterworfen. Bereits vorher hatte Papst Honorius II. 
die Stiftung des Klosters nach der Regel Augustins bestätigt (Gosl. U. B. I, Nr. 169). 
Die im gleichen Jahre, sogar in dreifacher Ausfertigung, ausgestellte Urkunde König 
Lothars für Riechenberg ist als Fälschung erwiesen; sie sollte in dem späteren Streite 
mit dem Stift St. Georgenberg die Besitzansprüche Riechenbergs rechtfertigen. Die 
1122 geweihte Kirche scheint entweder ein Notbau gewesen zu sein oder es handelte 
sich um eine Teilweihe. Im Jahre 1154 bestätigt Bischof Bruno von Hildesheim dem 
Kloster Riechenberg den Besitz einer Hufe in Hahndorf, die vom Bischof Bernhard 
als Geschenk bei der Einweihung der neuen Krypta verliehen wurde (Gosl. U. B. I, 
Nr. 225). Bernhard war 1130 — 53 Bischof von Hildesheim, in seiner Zeit muß also die 
,,neue" Krypta eingeweiht sein, nachdem schon früher, also 1122 oder 1131, eine ältere 
Krypta vorhanden war. Nun wird 1173 nochmals von einer Weihe der Kirche durch 
den Bischof Adelog von Hildesheim berichtet (Gosl. U. B. I, Nr. 280). In diesem Jahre 
dürfte der Bau der Kirche vollendet sein. Stich nimmt mit Recht an, daß die Krypta 
vor 1153 (dem Todesjahr Bischef Bernhards) so weit fertig war, daß sie geweiht werden 
konnte, daß dann die Kirche von Osten nach Westen fortschreitend ausgebaut wurde. 
Die Kapitelle der Krypta haben vermutlich in der zweiten 
Hälfte des 12. Jahrhunderts ihren plastischen Schmuck durch 
Bearbeitung an Ort und Stelle erhalten, vielleicht bis zum 
Jahre 1173, dem Jahr, wo die Gesamtkirche geweiht wurde. 
Im Jahre 1139 bestätigte Papst Innocenz II. das Kloster 
und dessen Besitzungen, die damals bereits sehr umfangreich 
waren. Die kaiserliche Bestätigung erhielt das Kloster dann 
am 25. Juni 1157 durch Kaiser Friedrich I. In dieser Kaiser- 
urkunde wird eine Andreaskapelle erwähnt. Zwei Jahre vor- 
her hatte das Kloster vom Hildesheimer Bischof Bruno das 
Recht einer Pfarrkirche und die Berechtigung erhalten, daß 
in der Stadt Goslar verstorbene Personen bei der Kloster- 
kirche beigesetzt werden konnten. Seitdem tritt das Kloster Abb. loi. Siegel -les Kon- 
in vielfache Beziehungen zur Stadt Goslar und erhält von ventes des Stifts Riechenberg, 
deren Bürgerschaft zahlreiche Schenkungen. Ein besonderer ab 1266 vorkommend (Stadt- 

"^ ° . archiv doslar). 

Gönner Riechenbergs war Herzog Heinrich der Löwe: ihm 
verdankt das Kloster eine größere Vermehrung seines Be- 
sitzes. 1278 schlug der Blitz in die Klostergebäude ein und zündete; fast alle Kloster- 
gebäude und Wirtschaftsbauten brannten nieder, nur die Kirche scheint verschont ge- 
blieben zu sein. Zum Wiederaufbau des Klosters wußte der Konvent verschiedene 
Bischöfe zu veranlassen, Ablässe auszuschreiben. 

Die von 1347 mit Unterbrechungen bis in die 70er Jahre des 14. Jahrhunderts 
herrschende Pest verschonte auch das Kloster Riechenberg nicht. Da man in dieser 
Notzeit kein Geld für die Erhaltung der Klostergebäude hatte, gestattete 1368 Bischof 
Gerhard von Hildesheim dem Kloster, zum Zwecke des Rückkaufes von verpfändeten 
Gütern das Blei des Klosterdachcs zu verkaufen. Der Bischof machte dabei die Be- 
dingung, daß die Hälfte der Einkünfte zurückbehalten werden solle, um davon später 
wieder die Dächer mit Blei decken zu lassen. Doch ist dieser Fall nicht eingetreten, 
die Kirche behielt ihr Schieferdach bis zu ihrer Zerstörung. 

Durch die Einführung der Windesheiniischen Ordensregel 1417, nach der später 
auch die anderen Augustinerklöster des Stiftes Hildesheini reformiert wurden, erlebte 
Riechenberg einen starken Aufschwung. Eine strenge Verwaltung durch 3 holländische 
Brüder ermöglichte es, daß das Kloster statt 7 Brüder vorher im Jahre 1425 73 Brüder 
unterhalten konnte. In den Ja'hren 1450/51 bereiste der bekannte Kardinal, Philosoph, 
Geograph, Historiker und Astronom Nicolaus von Cusa als päpstlicher Legat Deutsch- 
land, nach Reinhard (Hild. Klostergesch.) besuchte er auch Riechenberg, berichtete 
mit Worten hoher Anerkennung über das Kloster und erwirkte Riechenberg das Recht, 
die Augustinerklöster zu Schöningen und Stederburg nacli der Windesheimischen 




188 Riechenberg 

Kegel zu reformieren. Als 1472 eine F-ehde zwischen den Herren von Gramme und der 
Stadt Goslar gegen die Herren von Schwicheldt ausbrach, wurde das Kloster von den 
Goslarern überfallen und geplündert, weil Hiechenberg die von Schwicheldt durch 
Lieferung von Getreide unterstützt hatte. Seitdem waren die Bürger Goslars dem Kloster 
feindlich gesinnt. So begab sich Riechenberg in der Hildesheimischen Stiftsfehde 
(1519 — 23) in den Schulz Herzog Heinrichs des Jüngeren von Braunschweig-Wolfen- 
büttel. Der Herzog machte das Kloster in dem nun folgenden Kriege gegen Goslar zu 
seinem Standquartier und ließ es befestigen. Als er 1542 durch den Sclimalkaldischen 
Bund aus seinem Lande vertrieben war, wurde vorübergehend die Reformation ein- 
geführt, bis nach wenigen Jahren der Herzog zurückkehrte. Im Mai 1552 rückte 
Heinrich der Jüngere mit einem Heer zum Angriff auf Goslar heran und nahm sein 
Hauptquartier im Kloster Riechenberg. Hier mußte die Stadt, die von keiner Seite 
auf Hilfe rechnen konnte, am 13. Juni den ihr diktierten und aufgezwungenen 
Riechenberger Vertrag unterzeichnen, in dem sie auf wichtige Rechte, auf einen 
großen Teil der Forsten und auf die Gruben des Rammeisberges verzichten mußte. 
Im Herbst des gleichen Jahres erschien Graf Volrad von Mansfeld, von dem Gegner 
Herzog Heinrichs defi Jüngeren, dem Markgrafen Albrecht von Brandenburg-Gulm- 
bach, entsandt, in Riechenberg und nahm mit seinen Soldaten hier 12 Tage Quartier. 
Bei seinem Abzüge ließ er das Kloster in Flammen aufgehen. Zehn Jahre vor dieser 
Zerstörung des Klosters ist die älteste Harzkarte gezeichnet (Stadtarchiv Goslar). Die 
bildliche Darstellung Riechenbergs, auf der Karte ,,Reiffenberg" genannt, zeigt uns eine 
primitive Ansicht von Südsüdosten. Zwei hohe, viereckige Kirchtürme ragen empor, 
verbunden durch das typische Satteldach des Glockenhauses. 

Unter dem Nachfolger Heinrichs des Jüngeren, Herzog Julius, wurde wie im 
übrigen Großen Stift Hildesheim so auch in Riechenberg die Reformation eingeführt. 
Nachdem der 30jährige Krieg Besatzungen der Kaiserlichen und der Schweden gebracht 
hatte, kam 1643 das Große Stift und damit Riechenberg an den Bischof von Hildes- 
heim, Kurfürst Ferdinand, der zugleich Erzbischof von Köln war, zurück. Damals 
wurden Karten von 17 hildesheimischen Ämtern aufgenommen, die sich in einem 
Kartenbande in der Beverina in Hildesheim befinden. Auf der Karte des Amtes Lieben- 
burg ist auch die Klosterkirche Riechenberg dargestellt, wie sie nach dem Brande 
von 1552 wieder aufgebaut war. Zur Neueinrichtung des Klosters 1643 kamen Augustiner 
aus Windesheim nach Riechenberg. Die Verwüstungen des 30jährigen Krieges beseitigte 
der Propst Franz Wilhelm Busch (1694 — ^1712), indem er die Klostergebäude wieder 
ausbaute. Sein Nachfolger, Propst Joseph Windrack (etwa 1712 — 40), baute den ganzen 
vorderen Teil der klösterlichen Wirtschaftsgebäude massiv auf: die Einfahrt, das Brau- 
haus, die Brennerei, die Meierei, die Pferdeställe und eine Scheune. Sein Nachfolger 
Ernst Zumbroik (1740 — 62) verbesserte den Paterhof in Hahndorf und baute einen 
beträchtlichen Teil der Klostermauer neu. 

1762 beginnt die Amtszeit des Propstes Wilhelm de la Tour. Er entstammte einer 
französischen Offiziersfamilie, die im 30jährigen Kriege in Deutschland geblieben war, 
seine Schwester trat in das Kloster Dorstadt ein. Wilhelm de la Tour war ein reich- 
begabter Mensch, aber prunksüchtig, übertrieben gastfreundlich und leichtsinnig in 
seinen Ausgaben bis zur Verschwendung. Wilhelm de la Tour begann eine Reihe groß- 
artiger Bauten in Riechenberg, ohne vorher eine Berechnung der Kosten und der Mittel, 
mit denen sie bezahlt werden sollten, vorzunehmen. Zunächst wurde in der Kirche 
„statt der Dielendecke ein leichteres Gewölbe mit Stuckaturarbeit" eingebaut. Doch 
muß diese Arbeit wieder entfernt oder überhaupt nicht ganz ausgeführt sein, denn später 
wird uns berichtet, daß die Kirche wieder eine Dielendecke hatte. Nachdem er ein weit- 
läufiges massives Stallgebäude erbaut hatte, schritt er zum Neubau der Propstei, die 
schloßartig mit 4 Stockwerken aufgebaut wurde (1765). Um die wachsende Verschul- 
dung zu decken, vergrößerte er die Wirtschaft des Klosters (Einrichtung einer großen 
Branntweinbrennerei) und vermehrte dadurch die Schulden weiter, statt sie herab- 
zudrücken. Als 1770 der Ordensgeneral das Kloster visitierte, war die Propstei im 



Riechenberg 1 89 

Hauptbau vollendet. Es war ein Fachwerkbau mit Lehmwänden, der /weite Stock war 
1770 bereits in prunkvoller Weise als Wohnjng des Propstes eingerichtet. Wegen der 
großen Verschuldung befahl der Ordensgeneral, einstweilen den weiteren Ausbau der 
Propstei einzustellen und keine neuen Schulden zu machen. Durch Verschleierung des 
Sachverhalts gelang es dem Propste aber, trotzdem noch weitere Summen aufzunehmen. 
Schließlich wurde 1772 ein Verzeichnis der Schulden auf Anordnung des Kaisers und 
des Bischofs von Hildesheim aufgestellt und Wilhelm de la Tour verhaftet, doch gelang 
es ihm, zu entfliehen. 1773/74 kam der Konkurs des Klosters, dessen Schulden sich auf 
125000 Rtlr. beliefen. Um die schwere Schuldenlast allmählich abtragen zu können, 
wurde der Konvent aufgehoben. Die Mönche fanden in anderen Klöstern Unterkommen, 
nur ein Geistlicher blieb für die Gottesdienste in der Kirche zurück. Das Kloster Grau- 
hof übernahm die Verwaltung Riechenbergs, dessen Länderei mit den Wirtschaftsge- 
bäuden des Klosters verpachtet wurde. Nach 20 Jahren war ein großer Teil der Schulden 
abgetragen, 1795 zogen wieder 5 Mönche ein, 1802 waren die letzten Schulden getilgt. 
Als das Stift Hildesheim von Preußen besetzt war, wurde am 26. Januar 1803 das 
Kloster Riechenberg aufgehoben, alle überflüssigen Sachen wurden versteigert, einige 
Kostbarkeiten in die Schatzkammer nach Berlin gesandt. Nach Berlin sind Meßgew'änder, 
die von den Augustinerinnen in Dorstadt und Heiningen hergestellt w^aren, Gemälde 
(darunter ein altes Gemälde des Klosterstifters Peter) und Silbergeräte geschickt. Die 
große Orgel wurde in Kisten gepackt und auf 28 Wagen nach Halle transportiert, um 
dort in der Universitätskirche aufgestellt zu werden. Sie war aber zu groß für diese 
Kirche, blieb zum großen Teil verpackt stehen, bis 1806 nach der Schlacht bei Jena- 
Auerstädt die Franzosen Halle besetzten und aus dem Metall Kugeln gössen. Die Orgel 
war Anfang des 18. Jahrhunderts gebaut, ihre Disposition ist in Biermanns Organo- 
graphia (1738) erhalten. 

Die Pfarre in Riechenberg ist 1803 aufgehoben und ihr Bezirk der Pfarre in Grauhof 
einverleibt. In westfälischer Zeit wurden die säkularisierten Klöster als Gnadengeschenke 
französischen Generälen zugewiesen. Riechenberg erhielt der General Aumeil. Dieser 
ließ den größten Teil der Klosterbibliothek nach Paris schaffen. Die Bibliothek war 
um 1800 von Godehard Ontrup, 1804 zweiter Pastor zu St. Michael, seit 1805 Pastor 
zu St. Jakobi in Goslar, geordnet und katalogisiert. Über das weitere Schicksal der wert- 
vollen Klosterbibliothek in Paris ist nichts bekannt. Nur ein Teil des Klosterarchivs 
wurde gerettet, es ist 1812 von Thomas Christian Tychsen, dem Göttinger Archäologen 
und Theologen, für die Universität Göttingen aufgekauft. 195 Urkunden von Sl. Marien 
zu Riechenberg befinden sich heute im Diplom. Apparat der Universitätsbibliothek 
in Göttingen. 

Nach dem Ende der westfälischen Zeit fiel 1815 der Klosterbesitz an das König- 
reich Hannover, das nun das Klostergut Riechenberg dem Allgemeinen Hannoverschen 
Klosterfonds eingliederte. Seitdem ist das 592 ha große Klostcrgut verpachtet. Die von 
dem Klostergutspächter als Wohnung benutzte Propstei brannte im Herbst 1816 
nieder. An der Stelle der alten Propstei und teilweise auf ihren Grundmauern wurde 
eine Pächterwohnung erbaut und dazu 1818 als Steinbruch die Kirche abgebrochen, 
trotzdem für den Bau die Ruinen der Propstei und 2 abgebrochene Klosterflügel reich- 
liches Baumaterial geliefert hätten. Nachdem die Kirche zum größten Teil abgebrochen 
war, kam endlich ein Befehl der hannoverschen Regierung, der den Abbruch der Kirche 
einzustellen befahl und damit wenigstens die Krypta rettete. 

Die Riechenberger Konkurs- Akten 1773/74 geben über die Bauten und die ILin- 
richtung des Klosters wertvolle Aufschlüsse. Die Maße der Kirche werden hier an- 
gegeben mit 214 Fuß lang und 87 Fuß breit. Nach einer anderen Mitteilung (Kath. 
Sonntagsblatt 1868, S. 395) hatte die Kirche eine äußere Länge von 218, eine Breite 
von 60 Fuß, im Liebten betrug die Länge des Langhauses 145, der Turmhalle 18, des 
Chores fast 44 Fuß. Die Höhe der Wölbung ist im Chore, am Hochaltare abgemessen, 
an 50, unten im Mittelschiffe an 58 Fuß. Nach derselben Quelle war die Kirche eine 
reine Säulen-Basilika, die Gewölberippen aus Sandsteinquadern, das Mauerwerk aus 



190 Riec.henberg 

Kalkbruclisleincn erbaul. Aul deiu langgestreckten SchielerUuche über der Vierung 
ragte, über massigem Aulbau auf Pfeilern ruhend, der liohe zweikupplige Chorturm 
empor. Die beiden westlichen Haupltürme sind früher abgetragen und mit einem 
Dache belegt. Der Chor, das Quersc^hiff und die beiden Seitenschiffe sind durch ein 
Steingewölbe mit Spitzbogen gedeckt, tias Mittelschiff trägt eine übertünchte Holzdecke. 

Auf königlichen Befehl an die Kriegs- und Domänenkamnier in Halberstadt wurden 
aus dem Ricchenberger Klostergute folgende Ausstattungsstücke abgegeben, um in 
der für die Katholiken in Goslar eingeräumten St. Jakobikirche aufgestellt zu werden: 
Im .Jahre 1804 die beiden Nebenaltäre, ein Beichtstuhl, die ,, künstlich ausgelegten 
Chorstühle", die geschnitzten Bänke des Langhauses, ja sogar die F'lurplatten sind nach 
Goslar geschafft. Der Hochaltar wurde erst auf wiederholtes Bitten des Pastors Ontrup 
von St. Jakobi in Goslar im Jahre 1807 überwiesen (Taf. 75a — d. Vgl. ferner Kunst- 
denkmäler der Provinz Hannover H, 1 und 2, Stadt Goslar, S. 142, 149 ff., Fig. 134, 
Taf. XI). Ferner stammt ein Teil der Kultgeräte von St. Jakobi in Goslar aus Riechen- 
berg. Bleibaum schreibt die NebenaUäre dem Goslarer Bildschnitzer Heinrich Lessen, 
dem älteren Mitglied der Bildschnitzerfamilie zu, während er für den Hochaltar und 
großen Beichtstuhl der Jakobikirche (ob letzterer auch aus Riechenberg stammt, ist 
nicht festzustellen, aber anzunehmen) ein Nacheinanderarbeiten beider Lessen an- 
nimmt, da das Figürliche und Ornamentale dem jüngeren Lessen sehr nahesteht. Die 
Brüstung der Orgelempore war 1804 gleichfalls abgerissen und auf Bitten des Kirchen- 
vorstandes der Stephanikirche in Goslar in diese Kirche geschafft. Bleibaum kannte 
diese Umstände nicht und glaubte, da die Stephanikirche 1729 — 34 erbaut ist, daß 
in dieser Zeit die Orgelbrüstung von dem ,, hochbetagten" Meister Lessen mit einem 
Gehilfen ausgeführt ist (vgl. Kunstdenkmäler der Provinz Hannover II, 1 und 2, 
Stadt Goslar, Fig. 156, S. 161). Nachdem wir wissen, daß die Orgelbrüstung für die 
Riechenberger Kirche geschaffen wurde, kann das Werk zeitlich weiter vorverlegt 
werden. Als die Ausstattungsstücke aus der Riechenberger Kirche 1804 entfernt 
wurden, ist vielleicht auch jene künstlerisch sehr bedeutende große holzgeschnitzte 
Gruppe der Schmerzensmutter mit dem Leichnam Christi, die Pieta, aus der 
Riechenberger Kirche in die Jakobikirche nach Goslar gebracht. 

Nach den Konkurs- Akten 1773/74 waren unter dem Propste Wilhelm de la Tour 
in der Kirche viele Arbeiten ausgeführt und noch zu bezahlen. So sind angesetzt ,,für 
Steinhauer- Arbeit in der Kirche 6070 Rtlr., für Kalkschneider und Stukkatur-Arbeit 
1009 Rtlr., für die Orgel 1500, für Altäre, Predigt-Stuhl und Bänke 3000 Rtlr., für 
Vermahlung und Verguldung der Altäre, Kanzel, Stühle und Orgel waren 800 Rtlr. 
bezahlt, dazu für Essen der Gesellen, Frauen und Kinder für 207 Tage noch 138 Rtlr., 
für Bildhauer- Arbeit auf dem Forerius- Altar 120 Rtlr., für Gewölbe-Bogen in der Kirche 
zu machen 130 Rtlr., den Stukkateur-Meister laut Kontrakt, dazu Essen für ihn und 
seine Gesellen für 442 Tage 147 Rtlr., dem Orgelmacher Müller 300 Rtlr., für die Gloria 
über dem Chor dem Bildhauer 15 Rtlr." 

BESCHREIBUNG: DAS EHEMALIGE KLOSTER. 

Das Klostergut Riechenberg liegt auf einem Hügel etwa 2,5 km nord- 
westlich von Goslar. Nach dem Brande im Jahre 1816 verfielen die alten Kloster- 
gebäude und wurden größtenteils niedergelegt, ihr Baumaterial anderweitig be- 
nutzt, so daß nur noch vereinzelte Reste an die Glanzzeit des Klosters erinnern. 
Auch die großartige Kirche, die am Anfang des 19. Jahrhunderts noch fast un- 
berührt war, ist bis auf die weitbekannte, gut erhaltene Krypta zerstört. Im 
beigegebenen Lageplan ist zu erkennen, was zur Z^it an Bauten vorhanden ist 
(Abb. 102). Eine vor wenigen Jahren im Archiv der Klosterkammer in Hannover 
wiederaufgefundene Grundrißzeichnung des Klostergutsbezirks aus dem Jahre 180(ö 



Riechenberg 



191 




BAUMGARTFN 



"^A 



H ROMANISCH (KIRCHE 
M SOnSCH (BlßUOTHIK) 
M 18 JAHRHL'NDERl 
^ 19 OAHRHUNDERT 
^ 20 JAHRHUNrrPT 




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\ ^ RADMAiKERtl 
-191« ^ ^ 



MAtHJERSrEDT 



Abi). 102. HiocIicnlHT^. lvlostort;ut. Lajicplan (1:2500). 



192 



Riechenberg 




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« ^ 



setzt uns in den Stand, die Beziehung der jetzt ohne Verbindung noch stehenden 
Gebäude und Ruinen zueinander klarzustellen (Abb. 103). 

Auf Tafel 68 ist das einzige Bild der Kirche vor dem Abbruch, ein Aquarell, 
in natürlicher Größe wiedergegeben, das sich in Goslar in Privatbesitz befindet 
und die Bezeichnung: ,,Amt Richenberg. E. Giesecke pinx 1820" trägt. Nach der 
Faniilienüberlieferung ist es nach 
einem im sog. ,, Zehnten" in Gos- 
lar befindlich gewesenen Bilde 
von Riechenberg kopiert. Es stellt 
Riechenberg vor dem Brande der 
Propstei (1816) und dem 1818 
begonnenen Abbruch der Kirche 
dar. Links (im Westen) das Dorf 
Astfeld, weiter nach rechts die 
heute noch stehende Mauer, die 
Kirche, die Propstei, Wirtschafts- 
gebäude, der Riechenberger Krug, 
ein Tor, das jetzt im oberenTeile 
abgebrochen ist, ganz rechts (im 
Osten) ein Teich, der etwa 1910 
trockengelegt wurde. 

Von der Stiftskirche steht 
heute noch das Untergeschoß der 
westlichen Doppelturmanlage, in 
rund 12 m Höhe (Taf. 69a), ein 
Rest des hohen Chores mit der 
darunterliegenden Krypta (Taf. 
68b und 69 b), ein bedeutendes 
Stück des nördlichen Querschiff- 
armes, die nördliche Seitenschiffs- 
mauer in ungefähr 4 m Höhe, 
von den Klosterbauten der an das 
nördliche Querschiff stoßende sog. 
Bibliotheksflügel, ferner das ehe- 
malige Remtergebäude und einige 
Keller. 



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DIE KIRCHENRUINE. 

Die Kirche (Abb. 103 und 104) war eine flachgedeckte, teilweise gewölbte 
basilikale Kreuzkirche romanischen Stils mit quadratischer Chorvorlage, einer 
Hauptapsis und zwei Nebenapsiden. Baumaterial: Bruch- und Werkstein. Die 
Hauptmaße der Kirche sind: Ganze Länge: etwa 63,50 m; Langhausbreite: rund 
19,00 m; Mittelschiffsbreite: rund 8,00 m; Seitenschiffsbreite: rund 4,00 m; 
Querhausbreite: 28,50 m. Im Winkel zwischen den Seitenschiffen und den Quer- 










1 ' 


n ; 



194 



Rit'chOTiberg 



schiirsarnuii waren Türme angelegt. Ol) diese hvuW in voller Höhe ausgeführt waren, 
ist bislang nicht erwiesen. Auf dem Aquarell (Taf. 68a) ist wahrscheinlich der 
nördliche Turm mit in 2 Geschossen übereinander geöffneter Laterne und Kreuz 
dargestellt. Mithoff (III, 218) gibt freilich an: „Letzlgedachte Türme sind aber 
im oberen Teile bei dem Abbruche nicht nuhr vorhanden gewesen, dagegen soll 
ein hölzerner Turm über der Vierung sich erhoben haben." Feststeht, daß der nörd- 
liche Turm am Querhaus in Höhe des Dachbodens der danebcnliegenden „alten 
Propstei" massiv hochgeführt war (Plan von 1806). Zur Unterstützung dieser Türme 
waren die letzten Stützen der Mittelschiffswände als (Kreuz-) Pfeiler ausgebildet. 
Im übrigen zeigte das Langhaus Stützenwechsel, es folgten nach Westen zweimal 
Säule — Säule — Pfeiler, dann noch eine Säule vor den Kreuzpfeilern der Mittel- 
halle des Westturmes. Mit Kreuzgewölben überdeckt waren die Chorvorlage, die 




Abb. 105. Ricchenberg, Kirchenruino, westlicher Teil mit Gartnerwohnhaiis. 



Vierung, das Mittelschiff zwischen den östlichen Winkeltürmen, diese selbst, ebenso 
die Westtürme und die zwischen ihnen liegende Mittelhalle, letztere aber mit einem 
hochliegenden Tonnengewölbe. Die noch vorhandenen rippenlosen Kreuzgewölbe 
der Westtürme und die Tonne des Mittelteils dazwischen sind in Bruchstein her- 
gestellt, teilweise später ausgebessert. 

Mit den einstigen Seitenschiffen und dem Mittelschiff war der West türm 
durch große Rundbogenöffnungen verbunden (Taf. 69 a). Kärapfergesimse aus Platte 
und steiler Hohlkehle zusammengesetzt. Ebenfalls rundbogig sind auch die Öff- 
nungen, die dicTurmräumeuntersich — noch jetzt — verbinden (Abb. 105 u. Taf. 73b). 
Die seitlichen Turmhallen besaßen in der West wand (Taf. 72 c) je ein jetzt vermauertes 
Rundbogenfenster, die Mittelhalle deren zwei. Zwischen diesen gleichfalls vermauer- 
ten Fenstern eine weitere verschlossene, etwas tiefer liegende Öffnung, vielleicht 
eine ehemalige Tür, darüber ein großes offenes Fenster. In den seitlichen Turm- 
hallen (Nord- und Südwand) je eine noch erhaltene Fensteröffnung. In der West- 
wand der südlichen schließlich eine vermauerte unterhalb der schon erwähnten. 

Sieben Balkenkopflöcher in der inneren Westwand der Mittelhalle, 2,50 m 
über dem Boden, deuten auf die frühere Balkenlage der Orgelempore hin: 



Riechenberg 



195 




Abb. lüü. lliechcnberg, Huine. 
Profile (1 : 25). [Siebern.] 



Von den Mittelschiffswänden sind nur die Wandpfeiler an der -Oslwand des 
Turmes mit Bogenansätzen (Taf. 73 d) auf dem schon oben bezeichneten Kämpfer- 
gesims vorhanden. 

Die noch rund 4,00 m hochstehende Wand des nördlichen Seitenschiffes ist 
nicht ganz ursprünglich. Um 1500 sind größere Ausbesserungen vorgenommen, 
Brandspuren lassen sich feststellen. Etwa Mitte 
des 19. Jahrhunderts scheint sie in der jetzigen 
Höhe abgeglichen zusein (Taf. 69a, 72a). Ursprüng- 
lich ist das noch stehende untere Stück des nörd- 
lichen Winkelturmes, dessen halbrundes Kanten- 
profil erkennbar ist (Taf. 73c). Einige aus dem 
Mauerwerk vorstehende Steine sind die Reste der 
einstigen inneren Gewände des Turmes (Taf. 69a).' 
Vom nördlichen Querschiff ist noch verhältnis- 
mäßig viel erhalten, da dessen Nordmauer gleich- 
zeitig die Südwand des sog. Bibliotheksanbaues 
bildet. Die nördliche Seitenapside ist voll erhalten 
(Taf. 69b). Eckprofil: Zwei Rundstäbe mit da- 
zwischenliegenden Plättchen und einer Kehle 
(Abb. 106, Profil a). Kämpfergesims mit Schach- 
brettmuster, Bogenprofil der Halbkuppel recht- 
eckig abgesetzt. 

Die Hauptapsis (Taf. 68 b) wie die (nördliche) Nebenapsis zeigen im Äußeren 
die strenge Gliederung der hochromanischen Zeit, wie sie auch an verschiedenen 

Kirchen in Goslar (Marktkirche!) vorkommt. Sockel- 
profil in Abbildung 107 wiedergegeben. In geringem 
Abstände darüber auf steiler Schräge die mit Doppel- 
kehle profilierten Lisenen, oben durch einen horizon- 
talen Bogenfries verbunden. Oberhalb des Bogenbandes 
setzen sich die Lisenen mit Ecksäulen bis zur Ab- 
bruchsstelle der Mauer fort. Zwischen den Lisenen die 
kleinen Fenster der Krypta (Taf. 69b). 

Diese Krypta, unter der Chorvorlagc und der 
großen Apsis liegend, mit kleiner rechteckiger Allarnische 
und zwei Seitennischen, sämtlich rundbogig, Über- 
deckung durch gurt- und rippenlose romanische Bruch- 
steingewölbe, untcrseits verputzt (Abb. 108). Groß.' 
der Krypta 10,95 x7,62 m. Die Gewölbe ruhen auf sechs 
freistehenden Säulen, acht halbrunden und vier Viertel- 
säulen CAbb. 109). Alle Säulen mit attischen Basen, Eck- 
übergängen und ungewöhnlich reichen Sandsteinkapi- 
tälen, die teils Blattwerk, teils Menschen- undTierfiguren 
' zeigen. Auch die Schäfte sind bis auf wenige glatte teils 

^bb. 107. vertikal kanneliert, teils in Windungen oder auch mit 

Riechenberg, Kirclienruint-, t^i i 4 i i üi 4 1 1 \ t t , 

sockeiprofii(i:2.5). [Siebcrn.i reichcui Hechtwcrk uud Buu l musl erungcn bedeckt. 




-195 Riechenberg 

Schäfte wie Kapitale entwickeln, je näher sie dem Altar stehen, größeren Reich- 
tum (Tat". 71). Die Wandsäulen setzen sich auf einen 40 cm hohen, rings um die 
Wände laufenden Banksockel. Sieben kleine, rundbogige Fenster, drei davon in 
der Rundung der Apsis, erhellen notdürftig den stimmungsvollen Raum (Taf. 70). 
Neben der westlichen Abschlußmauer zwei Türen in der Nord- unrl Südwand mit 
geraden Stürzen nach windfangartigen Vorräumen, die von außen zugänglich waren, 
aber auch gleichzeitig die Antrittsstufen zu den einstigen Treppenanlagen ent- 
hielten, die früher die Krypta mit der Oberkirche verbunden haben. Diese Stufen 
sind zum Teil noch erhalten (Taf. 73a). 

Oberhalb der Krypta in der Nordmauer des Chorquadrats eine vermauerte 
Tür mit geradem Sturz und Ecksäulchengewände (vgl. Taf. 69a, rechts). Balken- 
löcher an den Gewändesteinen der nördlichen Seitenapside geben Anhalt über 
die einstige Balkenlage einer Nebenkapelle (Taf. 73a; vgl. Abb. 103). 

An das nördliche Querschiff der Kirche schließt sich der spätgotische zwei- 
geschossige Saalbau der Klosterbibliothek an (Taf. 69b und 76c). Größe: 
15,40 X 7,75 m außen, 13,40 x 5,20 m innen. Das Gebäude ist in großformatigem Werk- 
stein auf kräftig profiliertem Sockel (Abb. 106, Profil c) mit derbem Birnstab an 
den Ecken (Abb. 106, Profil d) errichtet. Oberhalb des Kaffsims an jeder Kante 
eine Fiale mit zierlichem Riesen. 

An zwei Seiten ist noch das kräftige Hauptgesims (Kehle, Rundstab, Platte) 
und an der Ostwand der Ansatz des den Giebel begleitenden Hohlkehlgesimses 
mit Ansatzspuren der Eckfialen erhalten. Als Unterstützung des Giebelansatzes 
an der Nordostecke eine monströse Affenfigur, an der Südostecke eine Konsole. 

Auf der Nordseite in Erdgeschoßhöhe eine spätgotische Wandnische auf 
fünf kleinen Konsolen mit hohem Baldachin und Riesen, beseitet von dreiteiligen 
Fialen. Oberhalb der Nische ein Stein mit der Jahreszahl: ,,Ano dn. mcccclxxxv" (?) 
(Taf. 73 e). 

Die zwei Fenster des Erdgeschosses sind erneuert (Taf. 69b). Das dreiteilige 
Ostfenster mit Flachbogen, das zweiteilige Südfenster stumpfspitzbogig. Im Ober- 
geschoß drei Fensteröffnungen. Das Ostfenster rund bogig, die seitlichen spitz- 
bogig, alle drei mit inneren flachen Entlastungsbögen. Im Südfenster ist noch das 
Maßwerk erhalten (Taf. 73b). 

Das Erdgeschoß diente (1806) als Sakristei (Taf. 74b). Überdeckung mit 
einem fünfjochigen Netzgewölbe. In den vier Schlußsteinen Sonne, Mond und zwei 
Rosetten; die kräftigen Rippen mit spätgotischem Hohlkehlprofil (Abb. 106, Profile). 
In der Fenstersohlbank des Südfensters ein flaches steinernes Ausgußbecken (Pis- 
cina). In der Westwand eine große, mit Kielbogen und Kreuzblume geschlossene 
Nische (Tabernakel). Umrahmung reich profiliert und mit Kantenblumen belebt. 
Seitlich Fialen mit reichen Riesen. Links neben der großen Nische eine kleinere, 
mit Profilleisten umzogen und von einer dreieckigen Maßwerkfüllung bekrönt. 

Oberhalb der Nischen ein zierlich gearbeitetes Fenster nach dem ehemaligen 
Kreuzgang in Form eines liegenden Rechtecks mit Maßwerk in den oberen qua- 
dratisch aufgeteilten und den unteren rundbogig geschlossenen Öffnungen. In der 
Südwand eine rechteckig umrahmte Tür zum Querschiff, über dessen Schutt eine 
Treppe zum hohen Chor angelegt ist. Eine zweite Tür in der Nordwand vermauert. 



Ricchenberg 



197 





Abb. 108 u. 1(11). TUi'chenber^, elK'inali^se Klosterkircho, Krypta, 
GnindrilJ und Schnitt (1 : 125). [Siebcrn.] 



2f) 



-193 Riechenberg 

]in Obergeschoß befand sich der eigentliche Bi blioLheksrau m (Taf. 74a). 
Von der einstigen Überdeckung, Kreuzgewölbe mit Rippen, sind jetzt nur noch 
die aus den Wcänden herauswachsenden Gewölbeanfänge erhalten. (In der Abbildung 
ist rechts die Eckliscne des Querschiffes erkennbar.) Zugänglich war der Raum 
ehedem vom Gang' im OlKTgrschoß des Ostarmes des Kreuzganges. Ehemalige 
Türöffnung, mil Kielbogiii geschlossen, etwa 2,20 m hoch, in der West wand des 
Bibliolheksflügcls noch erhallen. 

Wahrscheinlich gehört der jetzt im Museum in Goslar aufbewahrte aus Riechen- 
berg stammende spätgotische Gewölbeschlußstein zu dem einstigen Gewölbe 
des Bibliothekssaales. 0,50 m. Rand mit Kantenblumen. Im Mittelfelde ein 
springender Hirsch zwischen Blattwerk. Über die ehemalige Ausstattung s. gesch. 
Teil. 

SONSTIGE KLOSTERBAUTEN. 

Nördlich des Bibliotheksflügels lag das alte Propsteigebäude, das im Erd- 
geschoß auch den mit neunjochigem Kreuzgewölbe überdeckten Kapitelsaal enthielt . 
Reste davon sind nicht mehr vorhanden. 

Vom südlichen Abschluß des inneren Klosterhofes, der 1806 als Reitbahn 
diente, hat sich noch teilweise das Remtergebäude erhalten, das jetzt zum 
Holzschuppen umgewandelt ist. Bemerkenswert ist der gewaltige Keller dieses 
Gebäudes, der 20,25 m lang, 6,20 m breit und mit einem im Scheitel 3,25 m 
hohen, rundbogigen Tonnengewölbe aus großen Werksteinen überdeckt ist (Taf. 72 d). 

Das südlich an der Gutsstraße liegende Deputatistenwohnhaus (Taf. 72b) 
ist zwar erst im 18. Jahrhundert erbaut, enthält aber noch ältere tonnengewölbte 
Keller, die mit denen des alten, 1806 noch vorhandenen Dormitoriums, das den 
Innenhof westlich abschloß, in Verbindung standen. Über die Einrichtung beider 
Gebäude sind wir dank dem Plane von 1806 unterrichtet. Damals waren auch 
die Kreuzgänge und ,,Corridore" noch zum größten Teil erhalten. 

Ein neues Propsteigebäude auf hohem massiven Sockel wurde laut Schluß- 
stein im Korbbogen der Eingangstür 1771 erbaut. Es brannte 1815 teilweise nieder 
und wurde als Pächterwohnhaus in der noch heute bestehenden Form unter Ver- 
wendung älterer Baustoffe massiv auf den alten Grundmauern wiederaufgebaut 
(Taf. 76 b). 

Den sehr großen, nach Osten sanft abfallenden Klostergutshof umrahmen 
Scheunen und Stallungen sowie Wohnbauten, die hauptsächlich in der Zeit zwischen 
1737 und 1850 entstanden sind: das bedeutendste dieser Gebäude ist das lang- 
gestreckte, in Bruch- und Werkstein hergestellte, die gesamte Ostseite abschließende 
zweigeschossige Wirtschaftsgebäude, das einst die Gutsbrauerei enthielt, jetzt 
zu Stallungen und Wohnungen ausgebaut ist. 

In der Mitte der Torweg, überdeckt von einem zweijochigen unverputzten, 
rippenlosen Kreuzgewölbe aus Bruchstein. An der Hofseite ein profiliertes, weniger 
reiches Portal. Darüber ein Stein mit einem Monogramm in einer Kartusche. An 
der Außenseite ein bis über die Dachtraufe hochgeführter architektonisch ge- 
gliederter zweigeschossiger Portalbau (Taf. 76a). Unten breite mit Korbbogen 



Riechenberg -199 

geschlossene, profilierte Öffnung zwischen Pfeilervorlagen, die ein kräftiges Gebälk 
tragen mit weit ausladendem Gesims. Dessen obere Profile legen sich bogenförmig 
wie Giebelanfänge gegen den schmaleren Aufsatz in der Mitte ; Wandpfeiler mit 
jonischen Kapitalen halten hier das vom Giebeldreieck bekrönte Gebälk mit der 
Jahreszahl 1737. Auf dem unteren Sims drei Sandsteinfiguren in etwa Lebens- 
größe. In der Mitte auf Sockel Maria, rechts Augustin, links ein anderer Heiliger. 

BILDWERKE. 
Zwei Figuren, H. 59 und 60 cm, Holz, geschnitzt, allegorische Frauenge- 
stalten, ehemals schwarz glänzend, braun überstrichen, angeblich aus dem Riechen- 
berger Kloster, im Goslarer Museum. Um 1700 (?). 



Ringelheim. 

I. Evangelische Kirche. 

Quellen: 1. Staats-Arch. Kann., Akt. Hann. des. 74, Amt Liebenburg, IL, 
G. Ix. — Bibl. H. V. N., Handschrift 317. — Evang. Pfarrarchiv Ringelheim, Akten. 
— 2. U.E. Hild., IV., VI. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 33. — Blume, Heimat, S. 125 ff. — Kayser, 
Visitationen, S. 148. — Mithoff, Kunstdenkmale, S. 220. — Mithoff, Kirchen und 
Kap., S. 5. — Zobel, Heiniatbuch, S. 49 ff. 

GESCHICHTE: Der Salzgau, westlich des Ambergaues, erstreckte sich über das 
Archidiakonat Ringelheim (mit Wallmoden, Sehlde, Heere, Baddeckenstedt, Groß- 
und Klein-Elbe, Steiniah, Gustedt, Haverlah) und das Archidiakonat Gitter am Berge 
(mit Salzgitter, Kniestedt, Engerode). Seine uralte Malstatt war zu Ringelheini, eine 
spätere war unter der Linde vor dem Hause zur Liebenburg. Als 1057 König Heinrich IV. 
dem Bischof Hezilo von Hildesheim die Grafschaft in sechs ostsächsischen Gauen 
üud verschiedenen Kirchspielen schenkte, wird ,,Ringilmo" unter den ,,publicis acccle- 
siarium parrochiis" mit aufgezählt. * 

Das Dorf Ringelheim hat zweifellos ein sehr hohes Alter und verdankt seine Ent- 
stehung wohl den Heer- und Handelsstraßen, die sich hier kreuzten. Ringelheim, als 
die Malstätte des Salzgaues, war noch im Anfang des 14. Jahrhunderts Godingssitz 
(1313), dann wurde die alte Malstätte aufgehoben, denn schon 1392 begegnet uns die 
,,dingstadt to der Levenborg" und der Gogrcf zur Liebenbiirg. Hingelheiin als Haupt- 
ort des Salzgaues wurde auch frühzeitig x\rchi(liak()nalssitz, da die Hildcsheinier 
Bischöfe bei Gründung der ersten Kirchen auf die Mittelpunkte weltlichen Lebens 
Rücksicht nahmen. Das Dorf kommt seit 1154 in den Urkunden vor; 1240 und 1245 
erfahren wir, daß die Pfarre von Johannes de Ringeleni und Engelbert us besetzt ist. 
l^^rst 1331 wird St. Johannis mit dem Kirchhofe im Bovie Ringelheini erwähnt. 

Über die Geschichte der Johanniskirche ist wenig bekannt. Der Kirchenbau selbst 
muß für die ältere Zeit als Urkunde gelten, die über die Baugcschiclite Auskunft gibt. 
Als Herzog Heinrich d. J. durch die Truppen des Schnialkaldischen Bundes aus seinem 
Lande vertrieben war, führte man am 8. November 1542 wie im Kloster so auch im 
Dorfe Ringelheim die Reformation ein. Nach der Rückkehr des Herzogs kam wieder 
der Katholizismus, bis 1568 nach dem Tode Heinrichs d. .J. unter seinem Sohne Julius 
die Kirche wieder lutherisch wurde. Trotzdem bliel) das 1G43 wieder den Katholiken 




200 Ringellu'iiii 

übereignete Kloster Ringelheim Patroii der Pfarre bis zur Aufhebung des Klosters im 
Jahre 1803. 

Aus dem Jahre 1826 (Akten des Schulenburgischen Gerichts, Amt Liebenburg) 
ist ein Inventarium der Kirche St. Johannis erhalten, darin werden unter anderem 
aufgeführt: eine Dose aus Zinn 1724 zum Aufbewahren der Hostie, ein silberner, ver- 
goldeter Kelch von 1656, beides noch vorhanden (vgl. Beschreibung). 

BESCHREIBUNG: Bei der Erneuerung des Putzes der alten Dorfkiche St. 
Johannis (Taf. 81a) trat das romanische Mauerwerk des über rechteckiger Grund- 
form in Bruchstein errichteten Schiffes mit den zugemauerten Rundbogen- 
fenstern zutage. Im Osten ist die Kirche mit drei Achteckseiten geschlossen. 

Ihre heutige Gestalt erhielt sie im 18. Jahrhundert. 
0er Westturm (11,10 X 7,30 m) aus Bruchstein und 
Werkstein ist breiter als das Schiff, H. 20,44 m. 
Grundriß in Höhe der Glockenstube (Abb. 110). An 
der Nord- und Südseite je ein, an der Ost- und West- 
seite je zwei mit Kleeblattbögen geschlossene Schall- 
öffnungen. Teilungssäulen mit spätromanischen Ba- 
sen, Eckblättern, Kelchkapitälcn (Abb. 111 und 112). 
-^ — I — 1^ — ' — I — P Unterhalb der Glockenstube schmale Licht- 

Abb. 110. schlitze. Das untere Turmgeschoß mit rippenlosem 

Ringelhcim, evangelische Kirche, j^ --lu- r/-j-j uci. -j- 

Giockemtube. Grundriß (1 : 250). Kreuzgewolbe, m neuerer Zeit durch Scherwande in 
[V. B.] drei Räume zerlegt, deren mittelster jetzt den Zu- 

gang zur Kirche bildet. 

Das gewalmte, beschieferte Dach mit achtseitiger offener Laterne und ge- 
schweifter Haube. Kugel und Wetterfahne von 1819. Der rundbogige Eingang 
an der Westseite des Turmes vom Ende des 18. Jahrhunderts. An der Ostseite 
ein kleines Rundbogenfenster, im übrigen auf den Längswänden im Süden sieben 
und im Norden sechs flachbogige Fenster. 

Im mehrfach erneuerten Innern eine Südempore, die von 4 Vierkantsäulen, 
einer gewundenen und einer eigenartig geformten, mit Schnitzwerk überzogenen 
Säule aus Holz getragen wird. Die in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts durch 
den Baron von der Decken mit Kalk- und Oelfarben maierei geschmückt gewesene 
Bretterdecke ist in das Dach hineingezogen; 19.34 ist das Innere schlicht hell 
gestrichen. 

Der um zwei Stufen gegen das Schiff erhöhte Chor ist in der farbigen Be- 
handlung etwas reicher. 

Ausstattung : 

Der aus Bruchstein gemauerte Altartisch hat noch die alte Deckplatte 
mit vier Weihekreuzen und dem Sepulcrum. Altarrückwand im Knorpelstil, 
reich und zierlich geschnitzt. Zweite Hälfte 17. Jahrh. (Taf. 81b). 

In der Predella ein Ölgemälde auf Leinwand (0,32x1,20 m), Moses, Wasser 
aus dem Felsen schlagend. Als Hauptbild zwischen zwei jonischen Säulen und 
reichem geschnitzten Schnörkelwerk das Abendmahl (1,40x1,20 m). Hinter 
den Säulen Nischen mit Umrahmungen aus Diamantquadern und ovalen Knöpfen. 



Ringelheim 



201 



Als Bekrönung der Säulen oberhalb des verkröpften Gesimses kleine Figuren. 
Im Aufsatz wiederum ein Ölbild (Christus in Gethsemane). Die architektonische 
Umrahmung dieses Bildes ist ähnlich der unteren. Früher befand sich auf dem 
Mittelteil noch eine jetzt verlorengegangene Figur. 

Altarkreuz, Holz, von 1813. 

Kanzel vom Jahre 1698, zu der ein Portal mit reicher Bekrönung und eine 
mit geschnitztem Geländer versehene Treppe hinaufführt. Brüstung auf 4 Seiten 
mit Figuren geschmückt. Eine gewellte Säule mit jonischem Kapital als 
Kanzelträger. Die auf Holzkonsolen zwischen Engelsköpfen stehenden Figuren an 





m i^iT^w 



y^ /- 



.\bb. 111. Ringelheim, evangelisclie Kirche, 
Schallöffnung (1 : -40). [v. B.) 



Abi). 112. Ringelheim, evangelische Kirche, 
Schallöffnung, [v. B.] 



der Brüstung stellen St. Matthäus, Christus, St. Lukas, St. Markus dar. Ober- 
halb der Figuren Zierschilde mit Inschriften: „HANS PHILIP, JOHANNES 
HENRICUS RUNGIUS. PASTOR 1698, HENNI STROVEN, AL- 
TAR ISTEN 1698 ..". Ecken der Brüstung mit gewundenen Säulchon, darunter 
und darüber Engelsköpfchen. 

Schall deckel, sechseckig, mit zweigeschossigem, reich mit Figuren ge- 
schmücktem Aufbau, gewundenen Säulchen und Rankenschnitzwerk. Als Bekrö- 
nung Johannes der Täufer mit Hammer und Zange in den Händen (als Bauherr 
der Kirche). 

Taufbecken, Sandstein, Becken rund, 0,53 m, auf Achteckssäule. H. 
1,10 m. Am Becken in 28 cm breiter Herzform Inschrift: .,Von J. C. D. J: L. T^. 1814" 
und eine Hausmarke. 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Silber, teilvergoldet. H. 21,8 cm, Sechspaß- 
fuß mit kleinem Kruzifix. Knauf birnförmig. glatt. Unter dem Fuße Inschrift: 
„EXPIORUM HOMINUM EXISTENTIUM IN RINGEL. COLLECTIS 



202 Ringelheim 

FACTUS SUM / PETRU CLTESIO UIU ABBAS IN RINGELHEIMB / 
JOANNES WILLEKEN PASTOR / ANPFAC PHILIP- PROVISOR / 
ECCLESIäS IOANNES BAPTIST.^ / AÖ 105(3 / MENSE MARX." 
Goldschmiedezeichen 31. 

Patenc, Silber, vergoldet, 15,2 cm. 

Zinnkelch. Ein der Kirche ehemals gehörender Zinnkclch befindet sich im 
Museiiiu in Goslar. Fuß rund. An der Kuppa die Iiisrhrifl : ,,A. R. W. A. v. L. 

KM 3." 

Zwei Weinkannen, eine davon aus neuer Zeit. Die ältere Silber, H. 20 cm. 
Inschriri eingraviert (Schreibschrill): ,,ln memoriam conjugio Sophiae Schnee- 
mann naL Hannoverae III. Aug. anno MDCGLXXVIII mort. Ringelhemiae 
XV. SepL anni MDCGCXXXVIII ecclefiae Ringelhemienfi calicem hunc dono 
dedit atque ufui lacro dedicavit conjux relictus Christopherus Schneemann. Gold- 
schmiedezeichen 30. ^ 

Oblatendose, Zinn, oval, 11x9 cm. Auf dem Deckel die Buchstaben ,,H. 
D. B. 1724". 

Tauf Schüssel, Kupfer, ziseliert, rund, 0,39 m (Taf. 80c). Auf dem von einem 
spätgotischen Rankenstab umgebenen Boden die Darstellung des Sündenfalles. 
NebendemKopfdesAdam auf einem Schriftband die Jahreszahl „ano IQSf" (1487)". 
Die um den Lebensbaum sich windende Schlange hat einen gekrönten mensch- 
lichen Kopf. Die Blumen (Lilien, Nelken u. a.) im mauerumzogenen Paradies- 
garten sind sehr zierlich ausgearbeitet. Um den mit dem erwähnten Rankenstab 
geschmückten Rand steht die — spätere — Widmungsinschrift: „ENGEL • 
GRONIMUS WEGENERS WITW. DISES BECKEN VEREHRT 
ANNO 1657." 

Kronleuchter, Bronze, H. 0,65 m, B. 0,56 m, 12 S-förmige Arme in zwei 
Reihen. Lichtschalen muschelförmig. Auf der unteren dicken Kugel die Inschrift: 
„Joh: Heinrich Dannenbaum. Maria Elisabetha Dannenb. anno 1768 d. 22^"^ 
Novb. Dessen Sohn Johann Christian. Dannenb. gebohren d. 1*- Sept. 1759." Auf 
vier von den unteren Armen steht eine kleine nackte Figur mit einem Geldbeutel 
in der rechten Hand. Als Krönung ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen, geritten 
von einem mit Lendenschurz bekleideten Manne. 

Zweiter Kronleuchter, Bronze, H. 0,90 m, B. 0,95 m. Zwölfarmig in zwei 
Reihen mit Delphinkopfverzierungen. Lichtteller flach. Arme in Köpfen endigend. 
Als Zwischenzierate geflügelte Seepferdchen. Als Bekrönung ein bärtiger gepan- 
zerter Mann mit Turban und erhobenem Schwerte. Gegen 1600. 

Sechs Handleuchter, Bronze, H. 21 cm, in Dockenform, um 1800. 

Kruzifix, Holz, Korpus H. 1,10 m. Arme ergänzt. Um 1300, Kreuz jünger 
(Taf. 80b und 81c). 

Ölgemälde, auf Leinw^and, 1,95x1,15 m, Kreuzigung (Kopie.?). 19. Jahrh. 
Zwei Ölgemälde auf Leinwand, 1,71x1,10 m, beide die Himmelfahrt darstellend, 
gemalt vom Baron v. d. Decken. Mitte 19. Jahrh. 

Zwei Glocken, 1908 von J. J. Radler & Söhne in Hildesheim aus älteren 
von 1661 und 1793 iieugegossen. 



Ringelheim 203 

Grabstein, an der äußeren Nordwand der Kirche, vom Jahre 1621, H. 
1,85 m, B. 0,86 m, D. 0,09 m, auf dem die lebensgroße Figur des Pastors Andreas 
Kirchhof, in den oberen Ecken ein Kruzifix und ein Engel mit Stundenglas und 

Fackel dargestellt sind (Taf. 81 d). Umschrift: „AO MDCXXI DIE 

ET DOCTISS • DN • ANDREAS KIRCHOVIVS HVIVS_ECCLä: FA- 
ST MI VIT TETATLIII MIN I ST • XXI I C VI VS AIÄ REQVIES- 

CAT IN PAGE:" und „MEMENTO • MORI • ". 

IL Katholische Kirche. Ehemaliges Kloster. Gut. 

Quellen: 1, Staats-Arch. Hann., Akt. Hild.-Br. Arch. des. 3, Hild. Klöster, Ak- 
ten, L, Nr. 13. — • Hann. des, 74, Amt Liebenburg, IL, G. 2d. — - Calenberg-Br. Arch. 
des. 10, 5k. — Des. 94, G. I. E. VI., Nr. 6, Blatt 2—9. — Bibl. H. V. N., Handschrift 
Nr. 162, Abschriften von Urk. und Originaldokumente des 17. und 18. Jahrh. — • Arch. 
Wolf., Handschriften, III., 4; Br. St. -Arch., VII. — Schloßarchiv Ringelheim, Copial- 
bücher: Copialbuch des Abtes Wirschius von 1573, Copialbuch begonnen unter Abt 
Bernward Peumann 1714. — Erbenzinsregister, Kommissionsakten betr. Aufhebung 
des Klosters, Bauakten usw. — Kath. Pfarrarchiv Ringelheim, Handschrift!. Ge- 
schichte des Klosters von Scharia. — Abriß der Klostergesch. bis Abt Nicolaus (Ende 
des 15. Jahrb.). — 2. U. B. Hild., villa und monasterium, I. — VI. — U. B. Goslar, 
L— V. — Sudendorf, X. — U.B. von Saldern, I. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 33, 69, 73. — Bertram, Gesch. Bist. Hild., 
L, S. 29, 51, 101, 153, 219, 224, 284, 303, 415, 445; IL, S. 35, 96, 159, 183, 268; III., 
S. 33, 46, 70, 78, 159, 203, 317. — Bertram, Bischöfe, S. 54, 98, 125, 137, 169 ff., 261. 

— Biermann, Organographia, S. 9, 10, 30. — Bleibaum, Bildschnitzerfamilien, S. 231. 

— Blume, Heimat, S. 125 ff. — Bode, Uradel, S. 39. — von der Decken, Privilegium. 

— Dürre, Reg. Wallmoden, Nr. 1, 12, 18, 24, 106, 394, 399 usw. — Görges-Spchr, 
Denkwürdigkeiten, IL, S. 340. — Henkel, Handbuch, S. 8, 107. — Hennecke, Archi- 
diakonatsreg., S. 169. — Hildesh. Klostergesch., S. 155 ff. — Hoogeweg, Stifter und 
Klöster, S. 113, 114. — Hüttebräuker, Erbe Heinrichs d. L., S. 90. — Kayser, Visi- 
tationen, S. 58 ff., 101, 148. — Klewitz, Territ. Entwicklung, S. 13. — Koch, Fidei- 
kommisse. — Konschak, Klöster. — Lauenstein, Historia, IL, S. 241, 260. — Lax, 
Barockdekorationen, S. 9, 25 — 27, 51, 62, 70. — Leuckfeld, Antiquitates Ringelheimen- 
ses. — Lüntzel, Alt. Diözese, S. 125 ff., 164 ff., 182, 246, 248, 333, 336 ff. — Lüntzel, 
Gesch. Diözese, L, S. 41, 68, 321, 448, 513; IL, S. 163 ff., 547 ff. — Machens, Archi- 
diakonate, S. 29, 56, 61, 97, 101, 116, 136, 141, 184, 285, 375. —Mithoff, Kunstdcnkmale, 
S. 218 ff. — Mithoff, Kirchen und Kap., S. 38, 39, 41, 42. — Oehr, Ländl, Verhält- 
nisse, S. 12, 109. — Oldecop, Chronik, S. 217, 263, 325, 327. — Scharia, Ringelheim, 
I. und IL — Vogel], Gesch. Schwicheldt, S. 56. — Volger, Stiftungsurkundc Ringcl- 
heim. — Zobel, Heimatbuch, S. 49 ff. 

GESCHICHTE: Die Urkunde König Ottos I. vom Jahre 940, nach welcher Graf Yinmal 
das Kloster zu Ehren der Heiligen Abdon und Sennen*) gegründet hat, ist unecht. Zweifel- 
los erfolgte die Gründung des Klosters aber bereits vor dem Jahre 1021, in dem König 
Heinrich IL dem Kloster Ringelheim das ihm von der Edlen Frau Eddila übergebene Gut 
Hahausen schenkte. Am 30. Juli 1150 übertrug König Konrad III. die bis dahin exemte 
Reichsabtei dem Bischof Bernhard -^on Hildesheim mit dem Befehl, das Kloster zur Ein- 
führung einer besseren Zucht zu reformieren. Der Ilildesheimer Bischof entfernte die 
Nonnen und führte Benediktinermönche in Ringelheim ein; ihr erster .\bt war Rüiliger, 
Prior zu St, Michael in Hildesheim. Seit dieser Zeit bestanden stets enge Bezieluingeii 



*) Märtyrer, zwei vornehme Perser, die unter Dezius zu Honi im .laiire 2'>(> nach vielen Martern ent- 
hauptet wurden. 



204 Ringelheim 

zwischen St. Michael und Ringelheini. 1209 erhielt das Kloster vom Papste Innocenz III. 
einen großen Schulzbrief, in dem seine Besitzungen und Privilegien bestätigt wurden. 
Das Kloster weist ausgedehnte Besitzungen auf, die in Gl zum Teil weit entfernten 
Dörfern lagen. Trotzdem kam das Kloster zu keiner rechten Blüte. 1332 verpfändete 
der Konvent dem Kloster St. Godehard in Hildesheim ein Kreuz für 14 Mark reinen 
Silbers, angeblich war es ein goldenes Kreuz mit edlen Steinen und Reliquien. In den 
Fehden der Braunsclnveiger Herzöge und Hildesheimer Bischöfe im 15. Jahrhundert 
erlitt das Kloster mehrfach Schaden (1420 und 1473), doch konnten die zerstörten 
Gebäude bald wieder ausgebessert bzw. aufgebaut werden. Ende des Jahrhunderts 
verarmte das Kloster mehr und mehr. Die Bursfelder Kongregation, der das Kloster 
1472 beigetreten war, ordnete deshalb eine Visitation und Reformierung des Ringel- 
heimer Klosters an. Abt Nikolaus (1485—1501) verlängerte den Chor der Kirche um 
den gotischen Teil. Zu seiner Zeit ist auch die Rede von der Krypta, in welcher die 
Mönche, die von St. Michael gekommen waren, das Grab Judiths (1000 t), <Jer Schwester 
des heiligen Bernward und Äbtissin der damaligen Reichsabtei Ringelheim, suchten. 
Sie fanden ein Grab, das die Stätte der Gesuchten sein konnte. Da an einem Strebe- 
pfeiler die Jahreszahl 1504 und der Name des Abtes Heinrich steht, kann man an- 
nehmen, daß der Chor in diesem Jahre geweiht ist. 

Nach der Hildesheimer Stiftsfehde nahm Herzog Heinrich der Jüngere 1521 das 
Kloster in seinen Besitz; es blieb in braunschweigischem Besitz bis 1629. 1552 erschien 
Graf Volrad von Mansfeld, von dem Gegner Herzog Heinrichs des Jüngeren, dem 
Markgrafen Albrecht von Brandenburg-Culmbach entsandt, in Ringelheim und ließ 
das Kloster plündern, doch ging es nicht in Flammen auf. 1570 reformierte Herzog 
Julius das Kloster und setzte als protestantischen Abt Heinrich Wirsche ein, der vorher 
Mönch im Kloster gewesen war, aber 1568 die Pfarre im Dorfe Ringelheim angenommen 
hatte. Dieser Abt ließ das an Stelle des jetzigen Pfarrhauses bis 1819 gelegene „Abt- 
haus" erbauen, außerdem riß er die Wand zwischen Chor und Kirchenschiff (Lettner) 
ein, brach den daran gelegenen Kreuzesaltar ab und ließ den Turm nebst den dazuge- 
hörigen Kapellen und der Krypta niederreißen. 1596 brannte ein Teil der Klostergebäude 
infolge Blitzschlag nieder, angeblich waren es die Mühle, Stallungen nach dem Kirch- 
hofe, Vorwerk, Schäferhaus und Jägerhaus. 1592 setzte man den Taufstein der Kirche. 
Da Herzog Julius bei der Reformation der Klöster ihre Bücherschätze nach der Uni- 
versitätsbibliothek in Helmstedt abführen ließ, werden damals auch die Schätze der 
Ringelheimer Bibliothek nach Helmstedt gekommen sein. 1628 richtete Herzog Anton 
Ulrich an das Kloster den Befehl, alle Dokumente, Siegel usw. nach Wolfenbüttel 
abzugeben, ein Teil wurde jedoch 1630 wieder zurückgegeben. Infolge des Rezesses von 
1643 konnten die Benediktiner wieder in Ringelheim einziehen, die ersten Patres kamen 
aus Hildesheim und Paderborn. In dieser Zeit schenkten der Amtmann der Lieben- 
burg und seine Gattin, Bernard Breithorst und Elisabeth, geb. Presuhn, ,,dem eucha- 
ristischen Gotte zum Gebrauch des Klosters Ringelheim und zu ihrem Gedächtnis" 
einen Kelch. In der Zeit des Wiederaufstiegs des Klosters sind angeschafft: 1685 ein 
Ziborium, 1696 ein silbernes Rauchfaß, 1701 die Monstranz. 

Abt Henricus Timon (1658 — 92) baute 1675 (laut einem Pergament, das man 
1865 in einer blechernen Kapsel fand) die 1865 in Stallungen umgebaute Scheune auf 
dem Klosterhofe. Eine rege Bautätigkeit entwickelte sein Nachfolger, Abt Abdon 
König (1692 — 1703). Zunächst stellte er die verfallene Kirche wieder her. 1694 wurden 
die Mauern sowohl des Mittelschiffes wie die der Seitenschiffe von der Sohle der Fenster 
aus in die Höhe geführt, wobei Mittelschiff und Chor um mehrere Meter höher wmrden 
als früher. 1695 gab er der Kirche einen neuen Dachstuhl und Turm, Damals werden 
auch die Decken der drei Kirchenschiffe mit der Grisaillemalerei, die dekorativ nur in 
grauen Farben ausgeführt ist, ausgeschmückt sein; Reste davon sind noch über der 
Orgel und im nördlichen Seitenschiff zu sehen (s. Beschreibung). Im folgenden Jahre 
(1696) erbaute der Abt den .Schweinestall (1864 abgebrannt), 1697 den Pferdestall, 
an dem sein Name steht, 1699 die Mühle, in deren Inschrift gleichfalls der Name Abdon 



Ringelheim 205 

Königs verzeichnet ist. Ferner wurden die beiden später abgebrochenen Toreingänge 
vor dem Kloster- und dem Abthofe erbaut. 1702 folgten Schafstall und Schäferhaus. 
1703 ein Haus auf dem Abthofe. Von dem Eingange zum Klosterhof sind noch Bild- 
werke auf dem sog. Heiligenhäuschen im Westen des Dorfes vorhanden. 

Die Orgel wird von Biermann a. a. O. als „anmutig und wohlklingendes Werk" 
bezeichnet. Da die Kirche 1696 wieder vorläufig fertig war und 1697 in den Kirchen- 
büchern ein Organist genannt wird, kann man die Anschaffung der Orgel auf dieses 
Jahr ansetzen. Anfangs bestand das Werk aus 11 Registern im Hauptwerk, 9 im Rück- 
positiv und 8 im Pedal; dazu der Zymbelstern. Meister unbekannt. 

Königs Nachfolger war Joachim Oelrich, der aber nach einem Jahr starb. Scharia 
nimmt an, daß er aus einer Familie stammte, die statuarios und pictores hervorgebracht 
hat. Obgleich die Bildwerke des Klosters aus jener Zeit keinen Namen tragen, seien 
sie sicherlich in der eigenen W^erkstatt unter Leitung des Oelrich entstanden. Mit Jahres- 
zahl versehen ist ein Ölgemälde von 1692, der heilige Maurus mit Landschaft, Kloster- 
gebäude und Kirche sowie 5 Gemälde in der Sakristei. (Heil. Thomas von Aquin. 
13. IV. 1706, Heil. Benedikt, 2. Mai 1707, Heil. Dreifaltigkeit, 27. V. 1709, desgl. mit 
abgetrennter Jahreszahl, Aufnahme Mariae in den Himmel, gleichfalls ohne Jahreszahl.) 
Diese Bilder sind nacla Scharia zugleich ein Beweis für das rege wissenschaftliche 
Streben, das unter Oelrichs Nachfolger, dem Abt Franz Schlichting (1704 — 13) herrschte. 
Abt Franz Schlichting baute eine Wasserleitung durch Brauhaus, Küche, Meierei usw. 
und begann den weiteren Ausbau des Klosters: Meierei, das Wagenschauer, die Kirch- 
hofsmauer am heutigen Pfarrgarten, den Taubenturm mitten auf dem Hofe sowie das 
Haus neben der Schäferei. Am Hauptportal (Nordportal) des Klosters wird in einer 
Inschrift auf die Tätigkeit dieses Abtes hingewiesen (1710). Unter dem Nachfolger 
Schlichtings, dem Abte Bernward Peumann (1713 — 46), wurde der weitere Ausbau des 
Klosters, das Abtei- und Konventsgebäude 1718 vollendet. Als 1715 die Wirtschafts- 
gebäude auf dem Vorwerk Söderhof eingestürzt waren, baute Peumann diese wieder 
auf (Eingangstor 1721, Scheune 1724). In Ringelheim erweiterte er die große Scheune, 
überwölbte den Pferdestall, baute daneben ein Haus für den Kornschreiber und Pfört- 
ner (1738) und 1743 eine Sägemühle. Außerdem errichtete Peumann die Westfront 
der Kirche mit ihrem eindrucksvollen Giebel (um 1730 vollendet) und schmückte das 
Kircheninnere aus. Hochaltar, Kanzel imd der mit fast lebensgroßen Figuren reich ver- 
zierte Orgelprospekt werden zu seiner Zeit fertig geworden sein. Bleibaum weist darauf 
hin, daß der Orgelprospekt den Einfluß Biggenscher Grauhöfer Ornamentformen 
zeigt, und daß dieser ebenso wie Kanzel und Hochaltar aus der Werkstatt von Laien- 
brüdern hervorgegangen ist. Joachim Oelrich wurde bereits als statuarius erwähnt 
(1698/99), von Quirinus Oelrich hören wir 1705 und 1714, 1723 ist letzterer für die 
Clemenskirche in Hannover tätig, ferner wird als Künstler noch Martin Buerschaper 
genannt. Peumann schaffte 1730 — 32 zwei große silberne Altarleuchter für 1500 Rtlr. 
an, ließ 1740 die Orgel mit neuen Bälgen versehen, die später nochmals ersetzt wurden, 
außerdem beschaffte er für den Kirchturm 4 neue Glocken, von denen drei 1768, 1789 
und 1738 umgegossen wurden. Peumann starb 1746 im 63. Lebensjahre und wurde 
in der Klosterkirche vor dem Muttergottesaltare beigesetzt. Peumann machte sich 
auch um die Geschichte des Klosters Ringelheim verdient, er legte ein Copialbuch an, 
in dem die wichtigsten Urkunden des Klosters Ringelheim in beglaubigter .\bschrift 
eingetragen sind (jetzt im Schloßarchiv in Ringelheim). 

Peumanns Nachfolger Franziskus Freihoff (1746 — ^62) baute an den obengenannten 
Taubenturm 1748 ein Gebäude an, das früher als Schule benutzt ist; dessen übernächster 
Nachfolger Blasius Brandt (1780 — 94) ließ eine Erneuerung des Kirchturmes vornehmen 
und erbaute 1792 eine Scheune aus Fachwerk am Schäferhofe; er ließ auch sechs ge- 
schnitzte, früher vergoldete Altarleuchter 1788 anfertigen. 

Die Reihe der Äbte schließt Godehardus Arnoldi (1794 — 1803). Ergab dem Inneren 
der Kirche die heutige Gestalt. Der Fußboden der Kirche wurde erhöht. Wände, Decke 
und Pfeiler wurden durch Italiener mit Stuck überklcidet. die Nebenaltäre des Chors 



206 





207 



208 Ringelheim 

mit neuen AufsiUzen versehen und die Orgel um 3 Pedalregister und das Untermanual 
vergrößert. Leider ist bei dieser Umänderung des Kircheninnern der alte Bestand nicht 
geschont. Die Grabsteine, die wahrscheinlich an den Pl'eilern standen, wurden ent- 
fernt, selbst die Platte mit Inschrift über die Äbtissin .Judith, die um 1500 an der Nord- 
wand des Mittelschiffes in der Nähe des Orgelaulganges angebracht war, ist verschwunden ; 
nach mündlicher Überlieferung soll sie noch unter dem Stuck vorhanden sein. Nach 
Kratz trug diese Platte die folgende Inschrift: 

,,Ao. Dni. Reparationis nostrae millesimo, lertio Fdus Martias declinavit hujus 
saeculi terras religiosissima Dna. Judith, Marchionissa ex Sommereschenburg, Bern- 
wardi venerabilis Hildesimensis episcopi soror, Abbatissa hujus loci. Ita (^opion. 
Monasterii in Ringelen et Annales Monasterii S. Michaelis." 

Das Altarbild ist 1802 von dem Maler Pöttinger in Hildesheim gemalt. Sowohl 
bei dem Hauptbild (Geburt Christi) wie bei den beiden oberen Bildern (Anbetung 
durch die Könige) hat sich der Maler an Vorbilder in der Seminarkirche zu Hildesheim 
angelehnt. Noch war Pöttinger mit der Vergoldung der Orgel nicht fertig, als die Auf- 
hebung des Klosters 1803 erfolgte. Die Kirche wurde mit ihrem Inventar der katholischen 
Gemeinde als Pfarrkircjie gelassen und mit einem Einkommen von 1030 Tlr. aus dem 
früheren Klosterbesitz ausgestattet. 

Das Klostergut wur|le vom König von Preußen durch Schenkungsurkunde vom 
5. Mai 1803 dem Grafen von der Schulenburg-Kehnert überlassen als Belohnung dafür, 
daß er die Säkularisation im Fürstentum Hildesheim durchgeführt hatte. Von seinen 
Erben kam es 1817 durch Kauf an die Familie von der Decken. Dem neuen Besitzer 
wurde das Patronat des früheren Abtes über die Stelle der katholischen Geistlichen 
und über die lutherischen Predigerstellen in Ringelheim und Haverlah zugesprochen. 
Der neue Besitzer des Gutes ließ den östlichen Bibliotheksflügel mit Kreuzgang 1818 
abreißen. 1818 — 20 ist das Pfarrhaus erbaut. 1834 wurde das Familienfideikommiß 
des Grafen von der Decken in Ringelheim in Größe von 786 ha gestiftet. 

Die Baugeschichte der Klosterkirche weist für das 19. Jahrhundert folgende Daten 
auf: 1890 Bemalung der aus der Zeit um 1500 stammenden Pieta, die vorher grau 
überstrichen war. 1897 Renovierung des romanischen Kruzifixus an der Südwand 
(einige Finger ersetzt, die Kreuzbalken neu), 1914 farbig bemalt. Neue Altarbilder 
kamen 1897 in den Muttergottesaltar, 1900 in den Dreifaltigkeitsaltar (die alten Bilder 
in der Sakristei). 1906 umfassende Reparatur der Decke des Mittelschiffs. 1913 Neu- 
bemalung und Vergoldung von Hochaltar und beiden Nebenaltären. 

Der Eigenbetrieb des Klosters Ringelheim umfaßte im 16. Jahrhundert nach den 
Akten des Schmalkaldischen Bundes 946 Morgen Acker; zum heutigen Gute Ringel- 
heim gehören 610 ha landwirtschaftlich genutzte Fläche. 

BESCHREIBUNG: KATHOLISCHE KIRCHE. 

Die katholische Pfarrkirche, einst Klosterkirche, eine etwa 55 m lange 
und etwa 21 m breite dreischiff ige Basilika, birgt in sich einen älteren Kern (Abb. 113 
und 114). Ihr heutiges Aussehen des Innern und zum Teil auch des Äußern verdankt 
sie dem mit bedeutendem Aufwände ausgeführten Umbau des Jahres 1796; auf 
die umfassende frühere Wiederherstellung des Gotteshauses unter dem Abt Abdon 
König, etwa 100 Jahre vorher, als das Kloster im Dreißigjährigen Kriege und 
später stark gelitten hatte, deutet dessen Wappenbild nebst Unterschrift: 
„RM DN ABDON ABS" mit Jahreszahl 1694 hin, das über dem nördlichen Ein- 
gang im Mauerwerk eingelassen ist. Der sehr tiefe Chor ist spätgotisch und wird 
Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet sein (vgl. Geschichte S. 204 und Beschreibung 
S. 210). Vermutlich stecken in Wänden und Pfeilern weitere gotische, vielleicht sogar 



Ringelheim 



209 



noch romanische Reste unter dem Putz. So scheint im Westen ein Stück des alten 
Turmes noch vorhanden zu sein. 

Äußeres: Die ältesten Teile sind in Sandbruchstein, die späteren in Bruchstein 
unter Verwendung von Werkstein für die Gliederungen und Putz für die Flächen 




Abb. 115. Hiiii^olbeim. knUiolischc Kin-h,-. Oii<-isi-linil I (t::>.")ii). (SchafiM-. 



erbaut. An der Nordseite sieben große Rundbogenfonslor im Millolschifl' und neun 
im Seitenschiff, davon eins vermauert. Die rundbogige, obenerwähnlo liingangs- 
tür hat Werksteinumrahmung und barocken Schlußstein. Das beschieferte Haupt- 
dach ist durch 2 Reihen Spitzgauben belebt. Auf demselben, etwa über der Mitte 
des Chores, ein großer, schon an der Dachtraufe haubenförmig beginnender Dach- 



210 



Ringelheini 





^ 



Abb. ll(i. Ringelheim, katholische Kirche, 
Steinmetzzeichen (1 : 4). 



reiter, der in Firsthöhe eine achtseitige, als Glockenstube dienende Laterne mit 
rundbogigen Schallöflnungen trägt. Darüber entwickelt sich eine zweite Laterne 
niii Haube, Kugel und Kreuz (Taf. 78a und Abb. 115). 

Der wahrscheinlich gewölbt gewesene Chor ist mit drei Rechteckseiten zwischen 
Eckstrebcpfeilern geschlossen. Am nordöstlichen Strebepfeiler befinden sich unter- 
halb des Gesimses vom unteren Vorsprung zwei Wappen, links mit 2 Balken 
(v. Reden ?), rechts das der Familie v. Bortfeld. Darunter die dreizeilige Inschrift 
in gotischen Kleinbuchstaben: ,,Anno • domini • m''/ viiij" urbani epi •^ / hinr^ • 
abb' • 2' • i • rfo'm." Das Datum 1504 am Tage des Bischofs Urbanus (25. Mai 
1504, Sonnabend vor Pfingsten) dürfte sich auf die Weihe des damals neu erbauten 

Chores beziehen. Hinricus abbas secundus 
^ in reformatione bedeutet, daß Heinrich 

r^ y^ 1 der zweite Abt nach der Reformierung 

^ des Klosters (Eintritt in die Bursfelder 

Kongregation) gewesen ist. Verschiedene 
Steinmetzzeichen am Chor der Kirche, 
von denen die Abb. 116 acht Stück 
wiedergibt. 

Westwand des Schiffes geputzt, mit 
barocker Gliederung. (Abb. 117). Eine 
breite, llstufige steinerne Freitreppe 
führt hier zum Hauptportal (Abb. 118). 
Tür rundbogig, von zwei glatten Wandpfeilern mit korinthischen Kapitalen ein- 
gefaßt, schweres Gebälk mit Verkröpf ungen über den Pfeilern. Auf letzterem 
2 Figuren (Benedictus als Abt und Scholastica als Äbtissin), in der Mitte, auf 
höherem Sockel Maria mit dem Kinde. In Traufhöhe des anschließenden Schloß- 
gebäudes trennt ein Quaderband das Untergeschoß vom 1. Stock. In diesem drei 
rechteckige Fenster. Oben wird das erste Geschoß durch ein gleiches Band gegen 
den Dachgiebel abgeschlossen. Letzterer hat seitlich zwei große Voluten, in der 
Mitte einen Aufsatz mit geschwungenem Abschlußgesims, unter dem eine Uhr 
in architektonischer Umrahmung angebracht ist. Auf den Kanten des Giebels 
2 Obelisken, 2 große Vasen mit Flammen und ein kleines Kreuz. Mauerflächen 
glatt geputzt. Gelegentlich einer in neuerer Zeit erfolgten Erneuerung des Putzes 
wurden fünf weitere vermauerte Fenster freigelegt; jetzt von neuem verputzt. 
Die Südwand entspricht im großen und ganzen der Nordwand, doch liegen im 
östlichen Teile neben dem Chor noch 2 Sakristeiräume und ein mittlerer Vor- 
raum, sämtlich mit rippenlosen Kreuzgewölben überdeckt. Unterhalb des Dach- 
anschlusses des Herrenhauses an den nordwestlichen Teil der Kirche sind die dort 
sichtbaren Füllhölzer der Dachbalkenlage an der Nordseite noch mit der wohl 
1694 hergestellten Bemalung versehen als einziger Rest der ehemaligen Dach- 
traufenverzierung. 

Das Innere ist reich mit Stuck und Vergoldung auf weißen Wandflächen 
ausgestattet. Die Mittelschiffs wände werden beiderseits von je 6 Stück 1,04 x0,93 m 
starken Pfeilern mit 0,58 m breiten Vorlagen getragen. Dazwischen Rundbögen. 



Ringelheim 



211 



Mittelschiff wie Seitenschiffe mit Stuckdecken, deren Spiegel von Profilleisten 
eingefaßt sind und in deren Vouten den rundbogigen Fensteröffnungen entsprechende 
Stichkappen einschneiden. Über den korinthischen Kapitalen der Pfeiler ein 
reichgegliedertes Gesims mit glattem Fries und Zahnschnitt (Taf. 78 d). Das 
Schiff ist durch einen Korbbogen vom gleich hohen Chor getrennt. An ihm die 
Buchstaben GA und F.F. sowie die Jahreszahl ANNO 1796 (Taf. 77). Zwei Reihen 
von Fenstern, die oberen rundbogig, die unteren spitzbogig, umziehen die Chor- 
wände, sonst ist der Chor seit 1794 in der Architektur ganz ähnlich wie das Schiff 




Abb. 117. Ringelheim, katholische Kirche, Westfront (l:25o). [Schäfer. 



ausgebildet. Das Mittelschiff ist rund 9,00 m, das nördliche Seitenschiff 4.30 in. 
das südliche 3,60 m breit. 

Reste einstiger Deckenmalerei, die der Zeit der ersleii Wiodorherslellung 
der Klosterkirche angehören (1694), finden sich noch an einzelnen Slollen in l>e- 
deutenderem Umfange, so in einem Räume hinter der östlichen Abschlußwand 
des nördlichen Seitenschiffes und im Obergeschoß des nordwestlichen Teiles der 
Kirche. Die von gewandter Hand direkt auf die Deckenbretter gemalten, in grauem 
Lokalton gehaltenen Ornamente stellen Stuckfüllungen, Gesimse und Rosetten 
dar und rufen, da sie mit Schatten versehen sind, den Eindruck reicher Stuckierung 
hervor. 



212 Ringelheim 

Auss l a l l Uli j4: 

Hochaltar, Holz (lal. 77). Über dem 2,r)<) m brciU'ii sarkophagi'örmigen 
Tisch eine bogenförmig nach vorn vorgezogene, last bis zur Chordecke reichende 
zweigeschossige Rückwand mit zwei Gemälden von Pöttinger (1802) übereinander 
und sechs großen Holzfiguren (unten Benedicl und Scholastica, oben Bernward 
und Blasius, seitlich 2 Kaiser?). Die Gemälde stellen dar: unten die Geburt Christi, 
oben die Anbetung der Hirten. Der ganze Aufbau wird gekrönt vom Lamm mit 
der Fahne im Strahlenkranze, zwischen zwei betenden Engeln. Kräftige, ge- 
wundene Säulen mit Blumenranken in den Windungen trennen die Gemälde von 
den Figuren. Als Wangen der Altarwand ein reichgeschnilztes, bewegtes Ranken- 
werk. Die Säulen mit gut profilierten verkröpflen Gebälken. Obere Verdachungen 
segmentförmig. (Um 1700.) Direkt auf dem Altartisch schiebt sich das niedrige 
Sakramenthäuschen aus der Rückwand vor. 

Im vorderen Teile des Chores, etwas schräggestelU, zwei kleinere Neben- 
altäre, H. 5,50 m, B. 2,55 m, welche sich im Charakter dem Hauptaltare an- 
schließen, jedoch jünger sind (1795). Die Gemälde darin, der Gekreuzigte und die 
betende Maria, sind neu (Taf. 77). An den östlichen Abschlußwänden der Seiten- 
schiffe zwei weitere Seitenaltäre mit Gemälden und Heiligenfiguren in ähnlichen 
Stilformen, H. 4,80 m, B. 1,54 m. Im nördlichen, dem Marienaltar, ein kleines 
hölzernes bemaltes Vesperbild (Pieta), Anfang 16. Jahrb., als Mittelgruppe. 

Kanzel, an fünf Seiten freiliegend, mit maßvollem Reichtum an plastischem 
Schmuck (Taf. 77). Brüstung durch Akanthusarkaden in einzelne Felder zerlegl, 
darin die Figuren der Evangelisten. Horizontale mit Laubwerk versehene Gliede- 
rungen und Profile. Auch der mit Putten und Laubgewinden in durchbrochener 
Arbeit geschmückte Aufsatz des Schalldeckels ist von ähnlicher Ausführung wie 
die Kanzelbrüstung. 

Tauf stein, Sandstein. H. ohne den Holzdeckel 1,20 m. Inschrift am acht- 
seitigen Becken: „WER DA GLEUBET" usw. „MAR. 16" und Jahreszahl 
„1592". 

Kommunionbank mit vier reichgeschnitzten Füllungen (Taf. 80a) als west- 
licher Chorabschluß. Anfang 18. Jahrh. 

Zwei Beichtstühle, einfach, in ähnlichen Stilformen wie die Seitenaltäre. 
In den Seitenschiffen. 

Chorgestühl, klassizistisch (Taf. 78c). 

Orgel, enthält zur Zeit 10 Register im Hauptwerk, 11 im Pedal und 10 im 
Rückpositiv. Prächtiger Prospekt mit reichem Schnitzwerk, Mitte 18. Jahrh. 
(Taf. 78b). In gleicherweise auch das Rückpositiv, das die Balustrade der West- 
empore unterbricht. Zwei kräftige gewundene Säulen mit Laubwerk tragen 
die Brüstung. Als Bekrönung der Orgel ein Harfenspieler, umgeben von musi- 
zierenden Engeln und Putten. Eingangs tür zur Orgelbühne mit Holzschnitzerei 
in durchbrochener Arbeit (Abb. 119). 

Drei Paar Altarleuchter, Silber, H. 83,5 — 91,5 cm, in reicher Treibarbeit, 
Dockenform, Dreiecksfuß auf Kugeln. Rankenwerk, Engelsköpfe mit Flügeln in 
feiner Ziselierung. Laut Inschrift mit Wappenbild des damaligen Abtes an den Füßen 
1730, 1731 und 1732 hergestellt (Taf. 79a). Goldschmiedezeichen 39. 



Ringelheim 



213 




Abb. IIS. Ringelhcim, katholische Kirche, Portal (1:50). (Schäfer.) 



Sechs Altaiieuchtcr, Holz, versilbert, teilweise vergoldet, in der Form den 
Silberleuchtern ähnlich, auf dreiteiligem Fuß. Datiert 1788. Auf dein Hochaltar. 

Zwei Altarleuchter, Messing, von ähnliclier Gestalt, im Regenceslil. Khen- 
falls auf dem Hochaltar. 

Zwei Altarleuchter, Bronze, H. 23 cm. Dockenform, Schalt zylindrisch 
mit zwei Ringen. Dorn angegossen. Der Form nach erste Hälfte 16. Jahrh. Auf 
dem rechten Seitenaltar. 



28 



214 



Ringelheim 




Zwei Altarleuchter, Bronze, H. 28 cm. Dorn Eisen. Ähnlich den vorigen, 
doch etwas älter. Auf dem linken .Seitenaltar (Marienaltar). 

Zwei Altarleuchter, Zinn, 11. 23 cm. Walzenschafl auf quadratischem FufJ. 
Anfang 19. Jahrh. Auch auf dem Marienallar. 

Meßgeräte: Meßkelch, Silber, vergoldet, II. 21,5 cm, Sechspaßfuß, Knauf 
birnförmig, sechsseitig. Goldschmiedezeichen 42. 

Patene, Silber, vergoldel in (selten vorkommender) Schalenform, 15 cm. 

Goldschmiedezeichen unkenntlich. 

Meßkelch, ähnlich dem ersten, H. 27 cm. 
Sechspaßfuß. Goldschmiedezeichen 42. 
Kelchlöffel, mit gleichem Zeichen. 
Patene, Anfang 18. Jahrh. Goldschmiede- 
zeichen 41. 

Meßkelch, Silber, vergoldet, H. 19,5 cm, 
Sechspaßfuß, Knauf mit flachen Rauten. Am 
Fuße zwei Doppelwappen im Schildchen auf 
Kreisformen. Überschrift: ,,CONIüGES". 
Umschriften, links :„BERNARDUSBREIT- 
HORST AMPTMANN9 LIEBENBURG", 
rechts: „ELISABETHA BRASUHN". Am 
Rande des Fußes: „DEO EVCHARISTICO 
IN VSVM GCENOBIJ RINGELHEI- 
MENSIS ET MEMORIAM SWI H OC 
MUNUS OBTULERUNT. ANÖ MDC40^'. 
Die Zahl 40 ist vielleicht später durch irgend- 
eine Verletzung der Ziffern entstanden. Eine 
Verquickung von römischen und arabischen 
Ziffern wäre auch an sich merkwürdig. Da das 
Beschauzeichen die Zahl 1649 zeigt, kann der 
Kelch erst frühestens 1649 in Benutzung ge- 
nommen, sicher auch nicht viel früher hergestellt 
sein. Goldschmiedezeichen 34. 

Patene, in Tellerform, mit gleichem Gold- 
schmiedezeichen. 
Monstranz, Silber, vergoldet, H, 63 cm, B. 33 cm, Fuß leicht geschweiftes 
Oval, 24x20 cm (Taf. 79a). Sehr reiche Treibarbeit. Rankenwerk, Frucht- 
gehänge, Blattwerk, Engel (Wein und Brot symbolisierend). Oben Krone mit 
Halbedelsteinen und Glasflüssen. Auf der Rückseite Punktgravierungen ent- 
sprechend den Darstellungen der Schauseite. Behälter: Glas im Strahlenkranze. 
Inschrift unter dem Fuße: (Schreibschrift) ,,Rfsm9 et Ampfsm9 D. Dmis ABDON. 
Abbas me fieri fecit ao regim 8. Dni 1701." Goldschmiedezeichen: Hildesheimer 
Beschau wie im Zeichen 34. Meisterzeichen undeutlich, nur Buchstabe S erkennbar. 
Ziborium, Silber oder Kupfer, teilvergoldet, H. 22,7 cm (bis Kuppenrand, 
35,5 cm bis zum bekrönenden Kreuz auf dem Deckel). Kuppa erneuert. Reiche 
Treibarbeit, gepunzt. Engelsköpfe und Rankenwerk. Am Fuß vier silberne Me- 




Abb. 119. Ringelheim, katholische Kirche, 
Tür zur Orgelbiihne (1 : 20). 



I 



Ringelheini 



215 



daillons mit Szenen aus dem Leiden Christi. Am Fußrande: „Servio Ecclesiae 
Monastery Ringelheimensis Anno 1685. - Memento mei in conspectu Dei." Gold- 
schmiedezeichen ? (Taf. 79b). 

Zwei Kännchen (Wein und Wasser), Silber, schlicht. 

Rauchfaß, Silber, getrieben, H. 27 cm, 15 cm. Deckel in durchbrochener 
Arbeit, an drei Ketten hängend. Am Deckel: „ROSM. DNVS. ABDON. AR- 
EAS RING: ME FIERI FECIT ANNO 1696." Goldschmiedezeichen 32. 

Schiffchen, Silber?, H. 14 cm, Länge 12 cm. Am Griff das Abtswappen 
von Abdon König. Am hölzernen Löffel das Monogramm Marias und die Jahres- 
zahl 1696. 



4^' 



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T ' .V- V 







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i 



f 



Abb. 120. Rinji;elheini, katholische Kirche, Holzleuchter ('^ natürlicher Größe). [Sieberii.J 



Meßgewänder: Rotseidene Kapelle mit Silberstickerei. Hierzu gehören: 
Zwei Levitengewänder und ein Chormantel. Kreuzeinfassung auf der Kasel 
erneuert (Taf. 79c). Erste Hälfte 18. Jahrb.? Chormanlei aus dem 18. Jahrh. 

Prozessionsfigur (im Pfarrhause), Madonna mit dem Kinde. Blauseidenes 
Gewand, reich mit Silber bestickt (Plattstich). Ende 18. Jahrh. Silberne, zum Teil 
vergoldete Weihgeschenke (kleine Kreuze), die vornehmlich das Goldschmiede- 
zeichen 39 tragen. An der teilvergoldeten Krone Halbedelsteine und geschliffene 
Glasperlen. Goldschmiedezeichen r)9. 

Kruzifix, Holz, H. etwa 1,70 m, 1. Hälfte l.;. .Jahrb., durch weitgehende 
I'berarbeitung und Neubemalung des allcMi Charakters enl kleidet. Kreuz neu. 
Im südlichen Seitenschiff. 

Vesperbild siehe Nebenaltäre. 

Ölgemälde: Von den in der Kirche vorhandenen ()lgemälden sind fünf in 
der Sakristei aufgehängte besonders zu erwähnen, die zum Teil datiert und dem- 
gemäß in der Zeit von 1706 — 09 angefertigt sind (vgl. Geschichte S. 208). 



215 Ringelheim 

WandlfuchU-r, Holz, Wandplatte H. 24 cm, Armlänge 32 cm. Späte Ba- 
rockform. Im Schilf und auf der Orgelbühne (Abb. 120). 

Zwei Uhrschlagglocken, zur Zeit im Pfarrhause, 0,46 m. An den Bügeln 
Scilornamente. Unter der Haube ,,(Engelskopl) Hans Üleman von MAGBURG 
me fecit A. 1584", darunter ein 3 cm hohes spätgotisches Bogenband. 

Die zweite, 0,37 m. Unter der Haube ein 2 cm hohes Ornamentband. 
Am langen Felde: ,,Anno 1728". Werkstatt Becker, Hildesheim. (?) 

Tisch: Ein kastenartiger kleiner Tisch verdient Beachtung wegen seiner 
eigenartigen Bemalung mit Rankenwerk in roten, schwarzen und gelben Farben, 
an den Schmalseiten in kreisrunden Medaillons einerseits der Teufel als Drache, 
andererseits ein Herz, aus dem Lilien wachsen. Um 1730. Im Raum hinter dem 
nördlichen Seitenschiff. 

RITTERGUT (ehemaliges Kloster). 

Das ehemalige Kloster hat sich aus frühen Anfängen langsam zu der noch 
jetzt erkennbaren stattlichen Gesamtanlage namentlich im späteren Mittelalter 
entwickelt, erhielt aber erst im Laufe des 18. Jahrhunderts den bedeutendsten 
Um- und Ausbau. 

Als Herrenhaus des jetzigen Rittergutes wird der im Jahre 1718 vollendete 
Abteiflügel des alten Klosters benutzt, der im Westen und Süden den inneren 
Klosterhof abschloß. Kurz nach 1818 wurde der sog. Bibliotheksflügel, der die 
östliche Verbindung des Abteigebäudes mit der katholischen Kirche herstellte, 
abgerissen, so daß seitdem der Innenhof nach Osten freiliegt und jetzt nur Reste 
des Kreuzganges im Herrenhause vorhanden sind. Am deutlichsten prägt sich 
dieser Kreuzgang im Korridor des westlichen Verbindungsbaues aus, wo die 
zwischen Kreuzrippen elliptischer Form eingespannten Gewölbe auf konsolartigen 
Gesimsstücken ruhen. Im Vorraum (Eingangshalle) ist die Umrahmung eines 
spätgotischen Kamines eingemauert mit zwei unkenntlich gewordenen Wappen 
und der Jahreszahl (got. Kleinbuchstaben): ,,aho mcccccxxllll" (Taf. 82b). 
Darüber das Wappen der v. d. Decken. 

Neben dem Kamin ein 0,98x0,93 m großer Wappenstein (Wappenhalter 
wilde Männer, Wappen geviertelt, Adler und Stier mit Fahne, im rechteckigen 
Mittelfelde drei Greifenklauen). 

Das Herrenhaus, allgemein Schloß genannt, entwickelt über dem nament- 
lich an der Südseite recht hohen Kellergeschoß zwei stattliche Obergeschosse aus 
verputztem Bruchstein mit werksteinumrahmten Fenstern (Taf. 82c und d). Da 
der Südflügel nach Westen vorgezogen ist, bildet sich ein offener Ehrenhof, der 
östlich durch die Stirnseite der katholischen Kirche und den mit dieser fluchtenden 
Verbindungsbau, im Süden durch das Herrenhaus und im Norden durch einen 
Wirtschaft sbau und eine Mauer mit Tor eingefaßt wird. 

Zwei architektonisch umrahmte Eingangsportale mit Freitreppen- 
anlagen vermitteln die Hauptzugänge vom Hofe aus. Über dem Portal der 
Westseite die Inschrift (Chronostichon): ,,atrIa ConstrVXIt i-ranCIsCVs 
teCta reDVXIt / ConsILIoqVe poLI, sVbsIDIoqVe soLI. / abDon 
ET SENNES VIgILes estote perennes / hIC regItote Mares pro- 



Ringelheim 



217 



tecItote Lakes. / Contra orCI rICtVs tVeatVr DUX beneDIC- 
tVs / sInt CVnCtas horas, noXIa pVLsa foras. /" Die Jahreszahl 
1710 ist dreimal in der Inschrift enthalten. Über dem Portal das Wappenbild der 




I I 



-t- h- 



Abb. 121. Ringelheim, Klostergut, alte Mühle. Aufriß (1 : 125). 



von der Decken (Kesselhaken). Über dem zweiten Portal das Abtswappen und die 
Inschrift : 

^'oi^Is saCr bernwarDe bLasIqVe pen 

atI -VT es 

BERNWAR Do ARB DeBENT PENETRaLIa C, l\ 

hIC stygIVs CrVX bernwarDIna hi:t 

A e S T V S \' N D A r 

hVC. rLasIVs CornV 1':XLoCVpLkte prok 

Das Chronostichon ergibt in seinen beiden oberen wie unteren Versen die 
Jahreszahl 1714. 

An der äußeren Nordwand des ehemaligen südlieiien Kreuzgangslüekes (Binnen- 
hof) befindet sich eine 0,51 xl, 21 m große Inschrifttafel: „RMUS AC AMPL. 
D. BERNWARDl^S PEUMAN ABBAS HUIUS MNRI INCIPIT ANNO 
1717" und „RMUS AC AMPL. D. FRANCISCUS SCIILICHTING ABB 
HUIUS MNRII DE SIN IT ANNO 1713. 



218 Ringelheim 

Die Korridoranlage im ()i)ergeschoß des Südteiles des Herrenhauses nimmt 
zur- Zeit einen Teil der großen Gemäldesammlung der (iulsherrschaft auf. 
Unter diesen Gemälden befindet sieh noch eine Darstellung des Klosters vor 
dem Abbruch des östlichen Verbindungsstückes zwischen Kirche und Herrenhaus. 

Bemerkenswert wegen ihrer sehr guten Arbeit ist eine Eingangstür im 
Obergeschoß zwischen Korridor und den Räumen des Eigentümers. P»eiehe, 
durchbrochene Schnitzarbeit aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. 

Die Dächer sind mit Schiefer, teils auch mit grauen glasierten Falzziegeln 
eingedeckt. Dachgauben beleben die großen Dachflächen. 

Die an der Parkseite dem Herrenhause vorgelagerte, im französischen Muster 
hergestellte Terrasse entstammt der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts setzte eine eifrige Bautätigkeit im Bezirke 
des Klosters ein. Neben der Instandsetzung, Erweiterung und baulichen Besserung 
der Kirche erstreckte ' sich diese auch auf die Wirtschaftsgebäude des Kloster- 
gutes. 

So wurde im Jahre 1675 die 65,00 m lange, 17,00 m breite Scheune mit etwa 
6,00 m hohen Längswänden und sehr hohem Dach in Bruchstein unter Verwendung 
von Werksteinumrahmungen für die Fenster erbaut. An den Stirnseiten hohe Tore 
zur einstigen Seitenlängstenne. Die Zerlegung des Scheunenraumes durch Her- 
stellung einer Decke (flache Backsteinkappen zwischen den Holzbalken) erfolgte 
erst in jüngerer Zeit. Ein Teil dient jetzt als Stallung. 

Ende des 17. Jahrhunderts wurde der links des Einganges zum vorderen Teil 
des Wirtschaftshofes gelegene Speicher, unten in Bruchstein, oben in Fachwerk 
mit Backsteinausmauerung gebaut, wie aus der Inschrift: ,,RM. DN. ABDON- 
ABBAS. F.F. 1697" über dem Eingange hervorgeht. 

Etwa gegen 1740 ist der jetzige Kuhstall als Westabschluß des Wirtschafts- 
hofes errichtet. Bruchstein mit Werksteintür- und -fenstergewänden, Obergeschoß 
(Speicher) aus Fachwerk mit Backsteinmusterungen ähnlich denen an der Mühle 
(von 1699). Im Norden des Stallgebäudes sind Wohnräume eingebaut. Eingangstür 
zweiflügelig mit Rautenaufteilung in stark erhabener Arbeit. 

Der achteckige Taubenturm (Seitenlänge 3,20 m) mit beschieferter, acht- 
seitiger geschweifter Haube erhielt laut Inschriftplatten über den Türen der 
Südseite ,,F. F. A FF" und ,,A 1 748" (Taf. 82a) den jetzt noch vorhandenen An- 
bau mit kleineren Wirtschaftsräumen, die zeitweilig im Anfange des 19. Jahrh. 
auch als Gefängnis benutzt sein sollen. 

Die im vorderen Teil des Gutshofes erbaute Fachwerkscheune mit Seiten- 
längstenne trägt im Torsturz die Inschrift: ,,exstructum sub Regt m ine 

Rmi AC AmPLISSIMI DOMINI D. BLASII ABBATIS A O. 1792." 

Im Innenhof hinter dem katholischen Pfarrhause befindet sich ein Pferde- 
stall, dessen Erdgeschoß in Bruchstein unter Werksteinverwendung erbaut, im 
Obergeschoß Jn^ Fachwerk ausgeführt ist (Taf. 82e). An der Setzschwelle: „SUB 
RSMO AMPSMOQUE DOMINO ABDONE KONICH ABBATE (?) 
EXSTRUCTUM ÄO 1697." 



Ringelheim 219 

Die ehemalige Wassermühle, jetzt als Elektrizitätswerk mit Wohn-, Ma- 
schinen- und W^erksräumen umgebaut, hat ihr Äußeres ziemlich gut bewahrt 
(Abb. 121). Fachwerk mit reichen Backsteinmustern in den Gefachen. An der Setz- 
schwelle des Obergeschosses der Ostseite die Inschrift: ,,HANC MOL AM EX- 
STRUI CURABAT REVEREND I S SMU S & AMPLISSIMUS DOMI- 
NUS DNUS ABDON KÖNICH ABBAS BIN GELHEMEN S I S ANNO 
DOMINI 1699. REGIMIS SUI ANNO SEPTIMO." Im Sturz dereinstigen, 
jetzt vermauerten Tür (Chronostichon): ,,qV/e LIbet ereCtIs proCYL hIs 
sInt xoXIateCtIs pestIs VVCLanVs / per nICIosa MaxVs. 
(1699)." 

ANHANG: WOHNHAUS. 

Da die Ortschaft größtenteils durch Brände vernichtet worden ist, sind 
Bauernhäuser fast gar nicht vorhanden. Haus Nr. 7, im Innern völlig umgebaut, 
1909 durch Anbau vergrößert, stammt von 1703. Zweigeschossiger Fachwerkbau. 
An der Setzschwelle des Giebels Inschrift: „Ps. 7 V. 1 „OHERR, MEIN GOTT 
usw.", an der Setzschwelle des Obergeschosses: ,,MENOLPHUS ANDREAS 
SCHRADER & HELENA CHRISTINA VERONIKA KESTNERS 
FIERI FECERVNT ANNO 1708. 19 SEPT" (Taf. 85a). 



Salzgitter. 



Quellen: 1. Staats-Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74, Amt Liebenburg. IL, 
G. ly; desgl. IV., Hauptabt. A. 15 (Kämmereirechnungen und Akten betr. Saline). - - 
Bibl. H. V. N., Handschrift 317 und 263. — von Schwicheldtsches Archiv im Schloß 
Söder, Urk. — Pfarrarchiv, Oberpfarre Salzgitter, Bauakten betr. Kirchenbauten. 
2. U.E. Hild., I.^VI. - U.R. Goslar, I. U.E. von Saldern. I. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 94. - Bertram, Gesch. Bist. Hild., I., S. 445. 
495; IL, S. 35, 96; III., S. 249, 356, 363. — Bertram, Bischöfe. S. 329. - Blume, 
Heimat, S. 43 fL, 226 fL — Eornstedt, Siedlungen, S. 18. Dürre, Reg. Wallmoden. 
Nr. 145, 319, 391, 430, 466, 495 usw. Henkel, Handbuch, S. 161. - Henkel. Kurze 
Gesch., S. 161. Kayser, Visitationen, S. 101, 145. Kleuker, Pfarrbezirk Salzgitter. 
-- Lüntzel, Alt. Diözese, S. 165, 254, 333. Machens, Archidiakonate, S. 109, 247. 

271. - Mithoff, Kunstdenkmale, S. 223, 234. Mithoff, Kirchen und Kap., S. 5, 15. 
— Oehr, Ländl. Verhältnisse, S. 9. - Zobel, Heiniatbuch. S. 1 ff. Zobel, Geschichte 
der Marien-, Takobus- Kirche. 

I. Ortsplan (Saline). 

GESCHICHTE: Die Solquellen in Salzgitter müssen bereits in sehr früher Zeit ent- 
deckt sein und Bedeutung gehabt haben, da sie dem sie umgebenden Gebiet den Namen 
Salzgau gaben. Trotzdem nannte das in nächster Nähe der Solquellen liegende Dorf 
sich nicht nach diesen Solquellen, sondern es hieß .,\'epst edt". Der Name ..Vepstide" 
taucht zuerst 1174 in der Bestätigungsurkunde des Klosters Wöltingerodc auf, das 
damals in dem Orte eine Hufe und eine Hausstätte besaß. 1209 erscheint das Kloster 
Ringelheim im Besitz von 5 Hufen in Vepstedt. Erst am Ende des 13. und im Anfange 



220 Salzgitter * 

des 14. Jahihuiulerts erfahren wir aus verschiedenen Urkunden, daß die Sole von Vep- 
stedt ausgebeutet wird, der Salzzehnte und Zehnte in „Wepstede" ging damals an das 
Stift St. Georgenberg über. 1313 wird in einer Urkunde Bischof Heinrichs der Ort 
Vepstedt zum letzten Male erwähnt. 

In dieser Zeit sind die Arbeiten zur Trockenlegung der (k'gend um die Salzquellen 
beendet, durch große Aufschüttungen war es möglich geworden, den Sumpf der Salz- 
quellen einzudämmen und so eine bessere Ausbeutung der Sole vorzunehmen. ,,Dat 
solt to Gytere", d. h. ,,das Solt bei Gitter" wurde nunmehr die Bezeichnung des Ortes 
der Saline; so entstand der Name Salzgitter. Es ist möglich, daß der Ort Salzgitter 
bereits 1131 in den Iirkunden auftaucht, man muß dann annehmen, daß mit ,,Gethere". 
wo der Hildesheimer Bischof eine Siederei (unum panstel) an das Kloster Backenrode 
(Marienrode) als Schenkung bestätigt, nicht das benachbarte Gitter, sondern bereits 
Salzgitter gemeint ist. Nach dem Ausbau der Saline vergrößerte sich der Ort schnell, 
insbesondere auch dadurch, daß die Einwohner von Vepstedt mehr und mehr hier ihre 
Wohnsitze aufgaben und nach Salzgitter zogen. Die letzten Einwohner haben Vepstedt 
spätestens im 30.) ährigen Kriege verlassen, so daß seitdem der Ort wüst ist. An dem 
Ausbau der Saline wareai vor allem der Bischof von Hildesheim als Landesherr sowie 
benachbarte Rittergeschlechter und Klöster, die als Teilhaber der Saline erscheinen, 
beteiligt. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kann man Salzgitter als Stadt 
ansprechen, ein Rat steht an der Spitze des Ortes. Im 15. Jahrhundert wurde Salz- 
gitter befestigt. In dem Kampfe des Hildesheimer Bischofs gegen einige niedersächsische 
Städte (sog. Bierfehde) erlebte Salzgitter 1481 ein'e Belagerung durch Goslarsche und 
braunschweigische Truppen. Nach der Hildesheimer Stiftsfehde kam Salzgitter an 
Herzog Heinrich den Jüngeren von Braunschweig- Wolfenbüttel; er nahm die Saline 
in seinen Besitz und ließ sie fortan durch die fürstliche Kammer verwalten. Bis zu dieser 
Zeit wurde die Saline von einer Pfännerschaft ausgebeutet, zu der dazu berechtigte 
Einwohner von Salzgitter, der Bischof von Hildesheim, Klöster und Adel des Stiftes 
Hildesheim gehörten. Eine Entschädigung der Pfännerschaft fand durch den Braun- 
schweiger Herzog nicht statt; er leitete das Recht, die Saline zu besetzen, aus dem 
landesherrlichen Salzregale ab, das er als jetziger Inhaber des Amtes Liebenburg für 
sich beanspruchte, wie es vorher dem Hildesheimer Bischof zustand. 

Die Saline wurde im 16. Jahrhundert von der Stadt Salzgitter getrennt und ihr 
der Name ,,SalzliebenhaH" gegeben. Herzog Julius, der Nachfolger Heinrichs d. J., 
baute die Saline in großzügiger Weise aus, so daß sie einen guten Überschuß lieferte. 
Als 1643 das Große Stift Hildesheim den Bischöfen zurückgegeben wurde, kam die 
Stadt Salzgitter wieder an das Hochstift Hildesheim, dagegen wurde über die Saline 
entschieden, sie solle zunächst bei den Herzögen von Braunschweig bleiben, bis der 
Bischof nachgewiesen habe, daß die Saline rechtlich seit alter Zeit als Zubehör des 
Amtes Liebenburg gegolten hatte. Bis zur Säkularisation des Bistums Hildesheim 
(1802) wurde die Besitzfrage der Saline nicht entschieden, die Bischöfe blieben Landes- 
herren, aber die Weifen betrachteten seit 1643 die Saline als ihr Privateigentum. Wäh- 
rend der Zeit des Königreiches Westfalen wurde die Saline von der westfälischen Re- 
gierung in Besitz genommen, kam dann aber nach dem Wiener Kongreß an das Haus 
Braunschweig-Lüneburg zurück. Am 3. November 1913 brannten die aus Fachwerk 
erbauten Gebäude der Saline bis auf die Grundmauern nieder, 1914/15 wurde ein 
Neubau der Saline errichtet. 

Nach diesem Überblick über die Geschichte der Saline, die eng mit der Entwicklung 
der Stadt Salzgitter verbunden ist, sind noch einige Daten zur Geschichte des Ortes 
nachzutragen. 

Im 30jährigen Kriege hatte Salzgitter mehrfach unter durchziehenden Truppen 
zu leiden. Nach der Schlacht bei Lutter a. B. nahm Tilly am 29. August 1626 in Salz- 
gitter Quartier, am nächsten Tage setzte er seinen Marsch nordwärts fort. 1802 wurde 
Salzgitter nach der Aufhebung des Hochstiftes Hildesheim von den Preußen besetzt, 
nach der westfälischen Zeit kam die Stadt 1815 an das Königreich Hannover, 1866 



Salzgitter 



221 



wieder an Prcuüeii. 1709, 1726 und 1731 wurde Salzgitter von großen Feuersbrünsten 
heimgesucht, denen der größte Teil der alten Bürgerhäuser zum Opfer fiel. 1926 ist 
Vorsalz der Stadt Salzgitter eingemeindet, 1928 folgte die Eingemeindung der Saline 
Liebenhall. Seit dem 25. Oktober 1929 ist Salzgitter Stadtgemeinde. 

BESCHREIBUNG: Im Stadtplan von Salzgitter (Abb. 122) ist der Kern des 
Ortes innerhalb des Walles, etwa 300 x 350 m umfassend, durch Schraffur gekenn- 
zeichnet. Die Führung des Walles ist noch erkennbar, freilich ist er jetzt ein- 



..^v.«»^"" 



SAL"ZGITTER 
ZUSTAND ImTaHRI^OO 




Abb. 122. Salzgittcr, Stadtplan (1:5000). 



geebnet, und die Gräben, zu deren Speisung das Wasser des au Salzgiller vori)ei- 
fließenden, jetzt zum größten Teil kanalisierten Warnebaches diente, sind meist 
aufgefüllt; am üstwalle ist das Grabenprofil noch zu erkennen. Der Turm der 
evangelischen Kirche vom Ende des 15 Jahrh. zeugt mit seinen heule noch vor- 
handenen Schießscharten von seiner einstmaligen Henulzuug gleiciizeitig als Wehr- 
turm. Sonst ist von Befestigungen nichts erhallen. Audi dii- Tore sind verseliwun- 
den, Reste des Vejjstedter Tores wurden vor einigen Jahren freigelegl und wieder 
zugedeckt (Photographien im Besitz des Lehrers Zobel, Salzgiller). 



222 Salzgitter 

In der OrlsmiLlc liegt die Saline (Guisbezirk), /A'ilweise Salziiebenhalle 
genannt (vgl. die Geschichte S. 220 wie auch die Beschreibung der großen Glocke 
S. 226). 

Drei Plätze: Kirchplatz, Marienplatz, Marktplatz. An diesem das irühere 
Ralhaus, jetzt Ratskeller (s. S. 228), und die alte Pfannenschmiede, ein Fachwerk bau 
vom Ende des 17. Jahrh. 

Von den Straßen verdient der ßohlweg besonderer Erwähnung (Taf. 86a). 
Hier wurden bei Slraßenbauarbeiten mehrere alte Bohlwege übereinander, zuweilen 
mit noch zu erkennenden Dichtungen aus Flachs, gefunden sowie viele Hufeisen, 
Geschützkugeln, Scherben usw. zutage gefördert (Sammlungen des Lehrers Zobel, 
Salzgitter). 

II. Vepstedter Kirchenruine. 

GESCHICHTE: Über die dem heil. Jakobus geweihte Kirche in Vepstedt liegen 
Nachrichten aus älterer Zeit nicht vor. Nach der allgemeinen Annahme verließen die 
Einwohner Vepstedts zum größten Teil den Ort im 14. Jahrhundert, um sich in der nun 
entstehenden Stadt Salzgitter anzusiedeln. In der Fehde des Bischofs Berthold von 
Hildesheim 1481, der von den Herren von Schwicheldt unterstützt wurde, gegen die 
Stadt Hiklesheim und die mit ihr verbundenen Städte wurden Turm und Dach der 
Vepstedter Kirche von Salzgitter aus zerschossen, um den Feinden keine Möglichkeit zu 
geben, die Kirche als Bollwerk gegen die Stadt zu benutzen. Möglich ist es aber auch, 
daß die Vepstedter Kirche erst in der Hildesheimer Stiftsfehde eine Ruine wurde. Ende 
des 16. Jahrhunderts ist dann die Kirchenruine wieder ausgebaut, damit die Leichen- 
feiern in der Kirche abgehalten werden konnten. Das schmale Nordportal wurde zu- 
gemauert und ein neues, breiteres Portal in der Südwand der Kirche eingebrochen, 
auch der Friedhof wurde nach dem Windmühlenweg durch eine neue Mauer abgegrenzt. 
Nach dem Verfall der Kirche im 30jährigen Kriege erhielt 1659 die Vepstedter Kirche 
ein neues Dach, der Apsisbogen wurde vermauert, um dem Verfall Einhalt zu tun: 
1683 war die Erneuerung der Kirche abgeschlossen. Als Totenkirche diente dieVepstedter 
Kirche bis 1806, dann richtete man sie in der Zeit der französischen Besetzung als 
Futtermagazin ein. Ihrer alten Bestimmung ist die Kirche nicht wieder zurückgegeben; 
in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts stürzte das Turmdach ein, 1924 mußte das 
Kirchendach abgenommen werden, weil es die Apsiswand einzudrücken drohte. 

BESCHREIBUNG: Auf dem alten bis Anfang des 20. Jahrh. benutzten Friedhof 
Salzgitters am Südostausgang des Ortes liegt die Ruine einer gotischen Kirche, 
die früher zu dem jetzt in Salzgitter aufgegangenen Orte Vepstedt gehörte (Abb. 123). 
Von dem 12,00 m zu 8,50 m großen rechteckigen Schiff stehen zur Zeit nur noch die 
in Bruchstein ausgeführten Umfassungsmauern. Auch der der Westseite vorgelagerte 
5,65 m breite, 4,70 m tiefe Turm ist seines quergestellten Satteldaches beraubt, 
doch sind die beiden Giebel an der Nord- und Südseite noch vorhanden. Unregel- 
mäßig angelegte schmale Fenster, darunter auf der Südseite ein spitzbogiges, 
aus einem einzigen Stein hergestellt. Der Turm ist nur vom Schiff aus durch eine 
1,00 m breite Tür im 0,80 m starken Mauerwerk zugänglich. 

Der Haupteingang zum Schiff liegt jetzt an der Südseite. Gewände: Werk- 
stein; rechteckige Umrahmung etwa Mitte 17. Jahrh. Eine kleine spitzbogige Tür 
an der Nordseite ist vermauert. 



Salzgitter 



223 




Abb. 123. Salzgitter, Vepstedter Kirchenruine, 
Grundriß (1 : 250). [v.B.] 



An der Südseite (Taf. 83a) zwei 
größere rechteckig umrahmte Schlitz- 
fenster und ein kleineres; an der Nord- 
seite nur zwei größere Schlitzfenster, 
die nach dem Innern mit gedrückten 
Bögen geschlossen sind. In der Ost- 
wand eine große schwach spitzbogige 
Nische als Rest des einstigen Chor- 
anbaues mit Bogenansätzen in 1,75 m 
Höhe (Höhe bis zum Kämpfer 3,43 m). 
Die Schiffshöhe bis zur Giebelspitze 
an der Ostseite beträgt etwa 10,00 m. 

Das ehemalige Satteldach erreichte einst die Höhe der Turmtraufe, ist aber ge- 
legentlich einer späteren Neuausführung 
um etwa 2,00 m tiefergelegt worden. 

An der Ostwand sind noch die Kalk- 
spuren des einstigen Satteldaches des 
Chores vorhanden. Im Mauerwerk finden 
sich Teile von Grabsteinen aus den 
.Jahren 1602 und 1609 als Füll werk. 

Das Innere ist noch jetzt mit einer 
dicken schadhaften Lehmputzschicht be- 
legt. Unter dem Lehm tritt an manchen 
Stellen der ursprüngliche Muschelkalk- 
putz hervor. Oberhalb und seitlich der 
Eingangstür sowie zwischen zwei Fenstern 
sind Reste alter in roter Farbe angemalter 
Weihekreuze erkennbar (Abb. 124). 
Der Fußboden des Schiffes war mit Back- 
steinen belegt, der Altarraum mit rolen 
Sandsteinplatten. An den Wänden sind 
am Putz die Spuren von einstigen Emporen der Nord- und Westwand zu erkennen. 
Die Emporen bestanden aus Holz und hatten ihre Balkenlagen etwa 2,iri m ober- 
halb des Schiffsfußbodens. 

Im Turm werden schmiedeeiserne Gitter von 
hochwertiger Arbeit aufbewahrt. 

Daß die Glocken der Vepstedter Kirche in 
den Turm der evangelischen Kirche gekommen 
sind, ließ sich nicht feslstellen. bleibt aber wahr- 
scheinlich. 

Tauf stein, vielleicht aus der Vepstedter 

Kirche stammend, jetzt als Blumenschale auf ,,, ^^. 

' J .\bb. 12o. 

der Kriegergedenkställe (Alib. 12.")). sai/nittor. Taiifi>eckcn(i:20). 




Al)b. 124. Salzgitter, Vepstedter Kirchenruine, 
Weihekreuz (1 : 10). 




224 Salzgitter 

III. Evangelische Kirche. 

OESCHIC^HTK: Im 14. Jahrhundert wurde in Salzgillcr auf dem heutigen Marienplatz 
eine der Jungfrau Maria geweihte hölzerne Kirche erbaut. In der Fehde Bischof 
Hertholds von Hildesheim mit der Sladl Hildesheim und den mit ihr verbündeten Städten 
ist im Jahre 1481 die Marienkirche zerstört. Konrad von Schwicheldt, der die Stadt Salz- 
gitter gegen die verbündeten niedersächsischen Städte verteidigt hatte, ließ 1488 hart 
am Sladtwalle, nach Kniestedt zu, eine neue Marienkirche erbauen, in der er zwei 
Altäre ,, Unserer lieben Frauen" (vor dem Chor) und St. Jakobs (im nördlichen Schiff) 
stiftete. Der Jakobsallar wurde gestiftet, da in dieser Fehde auch die Vepstedter St. 
Jakobskirche vor Salzgitter zerstört war. Die neue Kirche erhielt in der Südwand go- 
tische Fenster, dagegen in der Nordwand, nach dem Wall zu, statt der Fenster Schieß- 
scharten, ebenso erhielt der Turm Schießscharten, außerdem war diese ,, Festungs- 
kirche" in einer Entfernung von etwa 10 Meiern mit einer mächtigen Mauer umgeben, 
so daß sie als Bollwerk die nordöstliche Biegung des Stadtwalles beiierrschte. 

Zobel erklärt die Wahl des neuen Kirchplatzes dicht am Wall damit, dal! Lim 
1486 bereits die Neustadt vor dem Kniestedter Tor, Petershagen, später Vorsalz 
genannt, erbaut wurde; die Kirche mit einem benachbarten Turme der Befestigung, 
dem Abzuchtturm, bildete den östlichen Flankenschutz der ersten Außenstraße, des 
Dammes. Im Jahre 1488 tritt Dietrich vom Berge, der um dieselbe Zeit als Archi- 
diakon von Goslar bezeugt ist, als Archidiakon und Lehnherr der Kirche zu Salz- 
gitter auf. 

Patrone der Marien- Jakobus-Kirche waren die Herren von Schwicheldt bis zum 
Jahre 1818. 1523 kam Salzgitter an Herzog Heinrich d. J. von Braunschweig-Lüne- 
burg, durch den Schmalkaldischen Bund wurde 1542 die Reformation eingeführt. 
1591 ließ der Superintendent Salzmann das Gotteshaus erneuern, 1707 ersetzte man das 
Dachgestühl aus gotischer Zeit durch die heute noch bestehende niedrige gewölbte 
Bretterdecke, ein Zimmermeister aus Osterwieck erhielt 185 Rtlr. für diese Arbeit, 
und zu gleicher Zeit wurden einem Bildhauer aus Hornburg für einen Taufengel 35 Rtlr. 
bezahlt. 1830/31 fand eine abermalige Erneuerung der Kirche statt, die sehr stark mit 
dem alten Bestand aufräumte. Die alte reichgeschnitzte Altarwand wurde entfernt 
und im Chorraum eine neue Altarwand mit Kanzelaltar aufgestellt, an den beiden 
Längsseiten der Kirche baute man Priechen ein und entfernte den Taufengel von 1707. 
Die Kirche erhielt ein niedriges Ziegeldach, die kleinen gotischen Fenster der Südwand 
und die Schießscharten der Nordwand wurden vermauert und große rundbogige Fenster 
eingesetzt. Außerdem sind damals die Außenwände verputzt. Auch eine neue Orgel 
wurde angeschafft. 1873 sind die 1830 eingesetzten Fenster nochmals vergrößert, und 
im Osten wurde eine Sakristei angebaut. Der Fußboden der Kirche erhielt einen Stein- 
plattenbelag. 1883 wurde der 1830 angebrachte Putz von den Außenwänden der Kirche 
wieder entfernt. Bei Bauarbeiten im Jahre 1934 entdeckte man beim Ausschachten 
des Heizungskellers neben dem Altar unter der nördlichen Prieche unmittelbar über 
dem alten Fußboden, der etwa 2 m unter dem heutigen liegt, Überreste eines Kinder- 
grabes, das vermutlich nach 1542 angelegt ist, außerdem fand man bei der ersten Säule 
der 1831 gebauten Nordprieche unter dem alten Fußboden ein 1 m breites, 1,10 m hohes 
und 2 m langes backsteingemauertes Grabgewölbe, das ganz mit Wasser angefüllt 
war. In dem Wasser stand ein Sarg mit einer männlichen Leiche. 

BESCHREIBUNG: Die Marien- Jakobus-Kirche (Taf. 83b) ist über einem 
Rechteck mit dreiseitigem Chorschluß erbaut. Zwei vermauerte 
spitzbogige Fenster am Chor; dort auch an einem Eckquader 
ein Steinmetzzeichen (H. 7 cm, B. 10 cm) von neben- 
stehender Form. Die Umfassungswände alt, aber neue rundbogige 
Fenster mit Werksteinumrahmungen, lO.Jahrh. Spuren und Kalk- 




Salzgitter 



225 




Abb. 126. 
Salzgitter, evangelische Kirche, 
Schießscharte im Turm [v. B.] 



leisten der Giebelschrägen des früher höheren und steileren Kirchendaches an 
der Ostseite des Turmes. 

Dieser, von rechteckigem Grundriß dem Schiff in gleicher Breite im Westen 
vorgelagert, Ende 15. Jahrh. Baumaterial: Bruch- und Werkstein. Teilung in 
drei Geschosse durch zwei gotische Hohikehlgesimse. Unregelmäßig angeordnete 
schießschartenartige Lichtschlitze von rechteckiger spitzbogiger und rundbogiger 
Form. Oberhalb eines Steingesimses das hölzerne Hauptgesims. Beschiefertes 
Walmdach, an jeder Seite ein zweifensteriger Dach- 
erker mit Jalousieverschluß. Als Bekrönung ein 
achtseitiger Dachreiter mit acht Öffnungen unter 
geschweifter Haube mit Knauf und Wetterfahne. 
Im Mauerwerk der Südseite (Untergeschoß) das 
Zifferblatt einer Sonnenuhr. Im Westen ver- 
mittelt eine kleine rundbogige Tür den Zugang 
zum Turm; im Innern sind in den breiten Vor- 
kammern der Schießscharten noch die etwa 30 cm 
über der Brüstung angeordneten Querhölzer vor- 
handen, die bei der Verteidigung zum Auflegen 
der Schießrohre dienten (Abb. 126). 

Inneres der Kirche: An dem Messing- 
schlüsselschild der Eingangstüren die Jahreszahl 
1831. Hölzerne Segmentdecke und Ausstattung 
von 1831. Emporen an den Längsseiten und an der westlichen Querwand. 

.Altarwand mit der über dem Tisch vorgekragten Kanzel von 1831. Altar- 
bild neu. 

Orgel, auf der Westempore, ebenfalls aus der Zeit der Instandsetzung. 

Kronleuchter, Messing, H. 1,50 m, B. 1,20. Aufhänger als Engel ausgebildet. 
Ende 18. Jahrh. Zw^ei weitere Kronleuchter neu. 

Wandleuchter als Kanzelleuchter, Bronze, Länge 0,56 m, S-förmig mit 
doppeltem Delphinkopf. Volute am Ansatz als Schlangenkopf auslaufend. Wantl- 
teller 22 cm. Inschrift: ,, IVR GEN-TIMMEN". 17. Jahrh. 

Zwei Altarleuchter, Bronze, H. 26 cm, Walzenschaft inil drei 
Ringen, Dorn aus Eisen. Um 1600. An beiden die gleiche Signierung: Ju I 

Abendmahlsgerä.te: Kelch, Silber, vergoldet, H. 17 cm. Fuß und Scliat'l 
rund, Trichterkuppa. Am Zapfenknauf: ,,DEVS", eine Roselle und ein Kreuz. 
Am Schaft: Weinranken zwischen Perlschnüren. Weihekreuz am Fuße. Der Kelch 
ist unter Verwendung von Teilen eines gegen 1400 gefertigten zusammengesetzt. 

Kelch, H. 24,5 cm, Silber, Vergoldung in Spuren. Sechspaßfuß. Knauf rund, 
Kuppa geschweift. Am Fuße Kreuzigungsgruppe, l'uler dem Fuße : . , .\ X X O 1 6 9 7. 
D. 18 SEBTEMBER". Goldschmiedezeichen U-. 

Patene, Silber, 17 cm, mit den Goldschmiedezeichen wie am Kelch von 1697. 

Oblatendose, Silber, 10,5cm, H. 5,5cm (niil Deckel). Inschrift: .,1. CO- 
RINTH • 11. CAP. DEN DER HERR JESUS usw.". Unter dem Boden: 
, , J • C • B / AM H • / 1 7 1 2". Goldschmiedezeichen 17. 

29 



226 



Salzgitler 



Weinkannc, Silber, H. 30 cm. Unter dem Fuße: „ZUM ANDKNKEN 
VON AUGUST MARTIN 1865." Goldschmiedezeichcn iirKleiillich, vermut- 
lich 43. 

Weinkanne, Neusilber, H. 40 cm. 10. .Jaluii. 

Taufkanne, Silber, vom 17. Januar 1886. 

Drei Läule- Glocken im Turm. Die älteste Glocke: 0,46 m. An der Haube 
vier Riemchen. Das lange Feld glatt ohne Zierate. Kronenbügel leicht geknickt 
(14. Jahrb.). Die Glocke soll aus der Vepstedter Kirche stammen. Die mittlere 
Glocke: 0,99 m (Taf. 84b). Unterhalb der Haube zwischen zwei glatten, schmalen 
Schnüren in gotischen 4^4 cm hohen Kleinbuchstaben die Inschrift: „+ sevit • 
hostis innocentes -perimens • atrocit sca ■ barbara +ananisapta + dei • miserere ■ mei • 
MCCCCLXXXI" (bara von barbara steht unter der Zeile). Fünf Brakteaten- 
abdrücke. Unter dem Schriftband, als Abschluß, ein doppeltes gotisches 
Rundbogen band mit Nasenwerk, untere Endigung in Lilien auslaufend. Bügel 
der Krone geknickt mit Seilornamenten. Am Mittelbogen sechs Gußzapfen. 




Abb. 127. Inschrlftteil stück der eingeschmolzenen Glocke aus Salzgitter. 



Die größte Glocke, 1,62 m. An den sechs 26 cm hohen, 7 cm breiten 
Kronenbügeln Löwenköpfe, oberer Zierfries, 9 cm hoch CRegencemuster). 
Darunter d reizeilige Inschrift: ,,ICH RUFE JEDERMANN ZU /SEI- 
NEM HEIL ZU HÖREN DAS EVANGELIUM, SO EURE HIRTEN 
LEHREN / MEIN ANGENEHMER THON BEKLAGET DEN DER 
TODT. UND HÜLFE SUCHE ICH BEY DER ENSTANDENEN 
NOTH (Kopf). HAEC CAMPANA, SANDERO ET FEYERABEN- 
DIO PASTORIB(US) V. L. R. GERKIO AC HENGSTMANNO 
CONSULIB(US) / BRANDESIO AUTEM CAMERARIO HILDE- 
SIAE AC / CHRIS. AUG. BECKERO EST REFUSA MDCCLII." Unter 
der Schrift ein Zierband Josua und Kaleb wie an der Glocke in Eimsen (Kreis Alfeld). 
Am langen Felde ein Kruzifix. Oberhalb des mittleren Zierbandes: „DIESE 
GLOCKE: IST AUF KOSTEN DER BURGERSCHAFFT UMGE- 
GOSSEN WORDEN 1752." An der Gegenseite das Wappen Salzgitters als 
geteilter ovaler Schild, 27 cm. Oben Kopf im Kreise, unten zwei gekreuzte 
Laffrunen (Salzhaken). Umschrift: „SIGILLUM DES RATS SALZ- 
LIEBENHALLE." 

Bis etwa Mitte des 19. Jahrh. befand sich eine weitere Glocke im Turme, die 
als einzige unter den Glocken der Provinz vertiefte Inschrift zeigte. Im Manu- 



Salzgitter 227 

Skript von Kratz (Beverinsche Bibliothek in Hildesheim) sind über dies seltene 
Stück Angaben gemacht worden, die ein anschauliches Bild ergeben: 20^4" 
= 49,8 cm, H. = 18 14" = 44,9 cm. Höhe der Krone 6 1/2" = 15.8 cm, Schlagring- 
dicke 273" = 5,7 cm. Oberer Umfang 85,4 cm, entsprechend einem Durchmesser 
von 27,2 cm. Gewicht 3 Zentner. Inschrift zwischen Schnurzügen und der 
Haube: ..-^ OeT DANT HOTcS DeVOTI • SANCTE • lOHANNES 
-:- CZGICO COLLEgIt PLACeAT TIBI XPe QVOD GGIT FSVA 
GOD" (Coeteri dant homines devoti sancte Johannes / Czgico collegit placeat 
tibi Christe quod egit feria secunda Godehardi). Abb. 127 gibt ein Teilstück der 
Inschrift wieder. 

IV. Katholische Kirche. Katholisches Pfarrhaus. 

Quellen: Kath. Pfarrarchiv, Salzgitter, Akten. 

Literatur: Bertram, Gesch. Bist. Hild., III., S. 249, 356 f. — Blume, Heimat, 
S. 48 ff. — Henkel, Handbuch, S. 161. — Kayser, Visitationen, S. 101 ff. — Zobel, 
Heimatbuch, S. 1 ff. 

GESCHICHTE: Nachdem Salzgitter im Jahre 1643 von Braunschweig- Wolfenbüttel 
wieder an das Hochstift Hildesheim zurückgekommen war, wurden die Katholiken 
Salzgitters der Amtspfarrei Liebenburg eingepfarrt. Im Jahre 1855 wurde eine selb- 
ständige Seelsorgestelle in Salzgitter eingerichtet durch Verlegung der Kaplanei Lieben- 
burg nach Salzgitter und das jetzige 1709 erbaute Pfarrhaus erworben, das die Kapelle 
und Wohnung des Geistlichen enthielt. 1888 begann man den Bau der katholischen 
Kirche nach dem Plane von Baurat Herzig. 

BESCHREIBUNG: In die neue katholische Kirche wurden aus anderen Kirchen 
einige bemerkenswerte Stücke übernommen: 

Vier Heiligenfiguren, Holz, H. 0,57 bis 0,60 m: Bernward, Johannes Apost., 
Laurentius (?) und Crispinus (mit dem Stiefel). Taf. 84a. Die damaszierte Ver- 
goldung der Gewänder ist alt, die farbigen Untergewänder und Gewandfutter später 
nachgemalt. Die Figuren, jetzt auf dem südlichen Seitenaltar aufgestellt, onl- 
stammen anscheinend einem Flügelaltar aus dem Anfang des 16. Jahrh. 

Vesperbild, Holz, H. 0,91 m. Bemalt auf Kreidegrund. Kopf der Maria 
vielleicht später ergänzt. Anfang 16. Jahrh. 

Zwei Kruzifixe in der Sakristei ohne besonderen Kunstwert. Entstehungszeit 
unsicher 18. /19. Jahrb. 

Vier Altarleuchter, Messing, H. .3.3,5 cm. Dorn .') cm die Schale überragend. 
Dockenform um 1800. 

Meßkelch, Silber, vergoldet, H. 23 cm. Sechspaßfuß mit den Symbolen des 
Leidens Christi. Laut Inschrift am 29. September 1861 von Theodora Krone und 
Georgius Kniep geschenkt. 

Monstranz, Silber (?), zum Teil vergoldel. mit Glasflüssen. 11. (i2 cm. 
Mit Strahlenkranz. 

Das nahe dem Marktplatz gegenüber der Südseite der evangelischen Kirche 
liegende katholische Pfarrhaus ist als bürgerliches Wohnhaus erbaut worden. 
Vor Errichtung der katholischen Kirche wurde in einem kapellenartigen Raum 



228 



Salzgitter 



des Erdgeschosses Gottesdienst abgehalten. Das in Bruchstein hergestellte zwei- 
geschossige Gebäude hat rechteckige, schwachprolilierte Werksteinfenster- 
umrahmungen. Ähnlich die Einfassung des Eingangsportals, über dessen Sturz 
die Inschrift: QUA! FACIS IN NOMINE JESU REGTE FACIS / 
ANNO 1709." Oberhalb der Tür ein ovales Fenster in Lorbeerkranzumrahmung, 
daneben zwei Füllhörner mit Früchten. Als Bekrönung ein bärtiger Manneskopf 
unter einem profilierten Gesimsstück (Taf. 83 c). Zweiflügelige Eichenholztür mit 
kräftiger Rautenaufteilung, ein mehrfach im Kreise auftretendes Motiv. 

Im Pfarrhause eine 0,48 m hohe in P^ichenholz geschnitzte Madonna. Kopf 
des Christuskindes ergänzt. War durch Beseitigung der alten Fassung entstellt, 
hat 1930 durch Neubemalung den alten Charakter völlig verloren. Um 1300 (?). 
soweit jetzt überhaupt noch festzustellen. 



V. Bürgerbauten. 

Der am Marktplatz liegende Ratskeller, jetzt vollkommen umgebaut und 
modernisiert, enthält noch Mauerwerk aus dem Mittelalter. Der Hinterflügel, 
ein stattlicher Fachwerkbau von elf Gefachen und drei Geschossen, vielleicht 

identisch mit dem Schwicheldtschen Stadt- 
schloß oder einem Teil desselben, ist 1911 
abgebrochen, das Holzwerk vernichtet. Die 
Untergeschosse waren in gleicher Flucht 
hochgeführt, das dritte kragte auf zum 
Teil verzierten Wulstkonsolen vor. Füll- 
hölzer und Setzschwellen hatten Schiffs- 
kehlen, die an den Setzschwellen mit 
gedrehtem Band geschmückt waren. Der 
Dachvorsprung ruhte auf geschnitzten 
Konsolen mit reich ausgebildeten Füll- 





Abb. 128 und 129. Salzgitter, 
abgebroclicner Hinterflügel des 
Ratskellers, Ausbildung des 
Fachwerks und Einzelheit (Fach- 
werksfüllung). [Beide v. B.] 



hölzern. Brüstungen und Gefache waren ausgemauert. Auf der Südseite im 
dritten Geschoß waren zehn Brüstungen mit eichenen Füllungsbohlen ausgesetzt, 
von denen zwei geschnitzt waren. Löwen mit einer Hausmarke dazwischen 
(Abb. 128); auf der zweiten Beil, Schaber und Löwenkopf (Abb. 129). Das Ziegel- 
dach war durch Dachgauben belebt. 



Salzgitter 



229 



Da der jetzige Ort in der Hauptsache im Anfange des 18. Jahrh. nacli einer 
Brandkatastrophe wiederaufgebaut ist, entstammen die älteren Bauten vornehmlich 
dieser Zeit. Die Häuser wurden durchweg in Fachwerk hergestellt, doch finden 
sich auch vereinzelte Massivbauten. In neuester Zeit hüllte man die Straßen- 
seiten der meistens als Traufenhäuser ausgeführten Wohnbauten mit einer Putz- 
schicht ein. Hierdurch wurden leider die In- 
schriften und Sprüche an den Setzschwellen 
verdeckt. Die alten, zum Teil recht gut aus- 
geführten Haustüren sind verschiedentlich er- 
halten. Die Aufteilung der Türen mit Rauten- 
mustern war Anfang des 18. Jahrh. beliebt; 
am Hause Nr. 108 eine Rokokotür (Abb. 130), 
eine ähnliche am Haus Nr. 138 vom Jahre 1779. 

Ehemaliges Verwaltungshaus, auch 
Tillyhaus genannt, im Salinengebiet liegend. 
Zweigeschossiger Fachwerkbau mit vorge- 
kragtem Obergeschoß. Ende des 16. Jahrh. 
Elf Gefache lang. Fußstreben unter den 
Fenstern mit maßwerkartigem Nasenwerk. In 
der Mitte die Eingangstür zum geräumigen 
Flur. Im Obergeschoß ein Saal mit noch vor- 
handener Kaminummauerung. Satteldach ab- 
gewalmt. 

Hinter dem neuen Badehause liegen au 
der Warnestraße einige Fachwerkbauten 
vom Anfang des 18. Jahrh. Beachtenswert 
das dreigeschossige Haus Nr. 75 (Taf. 85b) 
und daneben Nr. 76 (Taf. 85c), zweigeschossig, 
hier mit Inschrift: ,,Ist Gott vor mich, so trete 
gleich alles wieder mich. So offte ich Ruffe 

und Bete weicht alles hinter mich, habe ich das Haubt zum Freunde und bin 
belibt. Bei Gott waß kan mir thun der Feinde und wieder Sacher Rott." ,,Wer 
Gott vertrauet u. w." — Anfang des 18. Jahrh. 

Zweigeschossiges Fachwerkhaus, Haus Nr. 78 (Taf. 85d), ähnlich dem vorigen. 
In der Setzschwelle: B B. 119 v. 97. ,,Und wen der liebe Goll nicht wehre mein 
trost geweßen ßo war ich gangen in mein Elende. Hebr. 13 v. 5. l^hr hat geßagel. 
Ich wil Dich nicht verlassen noch verßäumen. Anno 1731." 

Gildelade: Die Lade der Leinewebergilde Salzgiller, jelzl im GildesaaU^ des 
Knochenhaueramtshauses in Hildesheim, ist auf Taf. 91 a abgebildet. 




Abb. 130. 
Salzgitter, Haus Nr. 108, Eingangstür (1 : 25). 



Schalksburg. 

Vgl. Einleitung S. 6 und Klein-Flölhe S. 135. 

30 



230 

Scharenburg. 

Vgl. Kinleiluiig S. 0. 



Schiaden. 

1. Evangelische Kirche 

Quellen: Staats-Arch. Hann., Akt. Hanii. des. 74, Amt Wöltingerode, III., 
X., 1, 4i. — Bibl. H. V. N., Handschrift 317. ^ Pfarrarchiv Schiaden, Akten. 

Literatur: Blume, Heimat, S. 261 ff. — Kayser, Visitationen, S. 181. — Mil- 
hoff, Kunstdenkmale, S. 226. — Mithoff, Kirchen imd Kap., S. 5. — Zobel, Heimat- 
buch, S. 161 ff. 

GESCHICHTE: Schon im Jahre lllO, als Bischof Udo von Hildesheim den Edlen 
Eiko von Dorstadt mit der Burg Schiaden belehnt, wird eine Kirche erwähnt. Die Kirche 
gehörte dem Domkapitel in Hildesheim, das in Schiaden begütert war. Über das dem Stift 
Georgenberg bei Goslar zustehende Gut Thietwardingerode (bei Ohlhof) hatte die Kirche 
in Schiaden das Zehntrecht; im Jahre 1172 wurde der Zehnte in Thietwardingerode 
gegen eine jährliche Rente durch einen Vergleich des Stiftes St. Georgenberg mit dem 
Magister Gocelin als Inhaber des Kirchlehens zu Schiaden abgelöst. In einer Walken- 
rieder Urkunde des Jahres 1382 TWalkenr. U. B. 978) wird das Gotteshaus in Schiaden 
als ,, Kapelle des hl. Gangulf" bezeichnet. Kaufmann nimmt an, daß die Gebeine des 
Heiligen ursprünglich in der Pfalzkapelle von Werla ruhten und im 11. Jahrhundert 
nach Schiaden überführt wurden, und zwar zunächst in die Dorfkirche, dann in die 
Kapelle der Burg. Nachdem Schiaden in der Stiftsfehde an Braunschweig-Wolfen- 
büttel gekommen war, konnte 1542 die Reformation eingeführt werden. Das Patronat 
in Schiaden besaßen 1803 die Herren von König, der Zehnte des Dorfes stand dem 
Amte zu. 

Über die ältere Kirche sind keine weiteren Nachrichten vorhanden. Im Jahre 
1710 wurde die jetzige Kirche erbaut. Dem Brande von 1699 fielen auch die älteren 
Kirchenbücher zum Opfer. 1819 berichtete der Hausvogt Pflugmacher in Schiaden, 
der alte Turm, neben der Kirche stehend, sei von unten auf in Holz aufgeführt, er 
schaukele bei jedem Glockenzug wie eine kleine Wiege; deshalb habe er verfügt, sofort 
das Läuten einzustellen. 1820 wurde der Turm abgerissen. Der Neubau des Turmes 
ist 1823 nach dem Plan des Baumeisters Steckhan in Schiaden durchgeführt; die Ge- 
samtkosten betrugen ohne Berechnung der Pflichtleistungen der Gemeinde 1265 Rtlr.; 
die schadhafte Glocke wurde umgegossen. 

BESCHREIBUNG: Die evangelische Kirche von rechteckigem GrundriiB 
mit fünfseitig geschlossenem Chor in Fachwerk auf Bruchsteinsockel ist innen 
26,00 m lang und 6,40 m breit (Abb. 131 und 132). Schiff unter Satteldach. 
Drei steinerne Inschriftplatten aus dem Jahre 1710 an den Kirchenwänden 
geben das Baujahr an. Die Platten an der Südseite tragen in Zierrahmen die 
deutsche Barockschrift: „GOTT ALLEINE / DIE EHRE / JOBST 
GROME / KIRCHVATER / ANNO 1710" und „DEO TRINUNO 
SAC RUN. /ANNO MDCCX / MELCHIOR BVSSALADEY/ PASTOR./ 
ANDREAS CASPAR / KÜSTER .EDIFICIIS." An der Nordseite eine 
ähnliche von 1710 mit dem Namen: „KIRCH VATER HENNI KAM." 
Hier eine Sakristei und ein Treppenhausanbau. 



Schiaden 



231 



Westturm, über 4,00x4,10 m Grundfläche, ist im Erdgeschoß aus Bruch- 
steinen, in den oberen zwei Geschossen aus beschiefertem Fachwerk hergestellt, 
Wanddicke an drei Seiten 1,40 m, am Schiff 2,00 m. Der achtseitige Helm mit 
Wetterfahne von 1823 ist im Jahre 1930/31 mit Kupfer gedeckt, war vorher be- 
schiefert. An der Ostseite zwei freihängende Schlagglocken unter einem Schutz- 
dach. Im obersten Geschoß an jeder Seite zwei mit Läden verschlossene Schall- 
öffnungen. 



Abb. 131 u. 132. Schiaden, evangelische 
Kirche, Grundriß und Querschnitt (1:250). 




Das Innere der Kirche mit flachbogiger Bretlerdecke durch den Archiloklen 
Wendebourg aus Hannover Anfang des 20. Jahrh. erneuert. Auch Altar, Kanzel, 
Bänke u. a. sind neu. Chorteil um eine Stufe erhöht. Die neue Westempore seil- 
lich etwas vorgezogen. 

Altarschmuck: Zwei Altarleuchter, Gußeisen, 11. 70 cm. mit vier- 
eckigem Fuß. Vergoldete Verzierungen im Empirestil. Kruzifix, Gußeisen. 1841. 
Auf dem Altar. 

Kronleuchter, Bronze, 0,74 m, mit zwei Reihen von je sechs volulen- 
förmigen Armen, die breite Lichtteller tragen. Miltelschaft gedreht und reich 
profiliert, ohne Kugel. Der aus zwei Delphinen gebildete untere Ring wird von 
einem Doppelkopf gehalten. Der obere, im Verhältnis zur Leuchterhöhe recht große, 



232 Schiaden 

plastische Doppeladler trägt seine mit Kronen besetzten Köfjl'i' auf langen Hälsen 
(Taf. 88b). Enlslehungszeit Anfang 17. Jahrh. 

AbendmahlsgeräLe : Kelch, Silber, vergoldet (Taf. 8(Sd). II. 10 cm. Kuppa 
gotisch, 914 cm. Am runden Fuß (0 11 14 cm) ein kleines Kruzifix mit ver- 
breiterten Balkenenden. Breiles Lendenluch mit Knoten rechts, Heiligenschein. 
Auf dem (rechts beschädigten) Schriftband nur noch die gotischen Kleinbuchslaben: 
,,i n r." Am linsenförmigen Zapfenknauf maßwerkartige Verzierungen und die 
gotischen Kleinbuchstaben: ,,i h e s u s". Unterhalb am runden Schaft das Wort: 
,,maria", oberhalb: ,,help uns", gleichfalls in gotischen Minuskeln. Ende 14. .Jahrh. 

Patene, Kupfer, vergoldet, 13^4 t^"^» aus etwas späterer Zeit. 

Kruzifix, Holz, mit edlem Gesichtsausdruck, Uornenkrone nur aus glatten 
Ringen beslehend, die durch vier Querbänder zusammengehalten sind. Das lange 
Lendentuch hängt auf beiden Seiten bis an die Knie herab. Arme horizontal. 
Korpus H. 0,50 m. . 14. Jahrh. In der Turmhalle. 

Zwei Läuteglocken, laut Inschrift 1824 bei der Wittwe Damm in Hildesheim 
gegossen. Beide tragen unterhalb der Haube Zierfriese. Die größere 1,14 m, 
die kleinere 0,95 m. 

Grabstein, H. 1,90 m, B. 1,05 m, des ersten evangelischen Pastors ,,BERN- 
HARDVS ISBRVCK" (t 1591), mit dessen Relieffigur vor einer rundbogigen 
Flachnische (Taf. 88 c). In den Zwickeln zwei Wappen, ferner rechts ein Kruzifix, 
links Joh. der Täufer und die vier Evangelistenzeichen auf Rundmedaillons. An 
der Nordwand der Kirche. 

Grabstein der Frau „ELISABETH V. PRASUHN" vom Jahre 1845 
(oder 1843). H. 2,05 m, B. 0,98 m, in der Turmvorhalle. Darstellung: Doppel- 
wappen H(N)C • VC : EP, ferner Kreuz und. Totenkopf auf Knochen. 

Auf dem. Friedhof neben der Kirche ein Grabstein aus dem Jahre 1827. 
Obelisk mit Kugel auf Vierkantsockel. H. 2,45 m. 

II. Katholische Kirche. 

Quellen: Kath. Pfarrarchiv in Schiaden, Akten. 

Literatur: Bertram, Gesch. Bist. Hild., III., S. 299, 402. — Blume, Heimat, 
S. 261 ff. — Henkel, Handbuch, S. 162, 163. — Mithoff, Kunstdenkmale, S. 226. — 
Mithoff, Kirchen und Kap., S. 38, 50, 53, 56, 62, 65, 66. — Zobel, Heimatbuch, S. 161 ff. 

GESCHICHTE: Nachdem das Amt Schiaden 1643 an das Hochstift Hildesheim zurück- 
gekommen war, wurde 1667 durch Bischof Maximilian Heinrich auf dem Amtshofe neben 
dem früheren Ökonomiegebäude eine katholische Amtspfarrei eingerichtet. Als nach der 
Säkularisation der Amtshof in eine Domäne umgewandelt war, gab die Lage der Kirche 
zu manchen Unzuträglichkeiten Anlaß; auch ließ die bauliche Beschaffenheit der Kirche 
viel zu wünschen übrig. Im Jahre 1864 erbaute die Regierung als Rechtsnachfolgerin 
des fürstbischöflichen Amtes auf dem sogenannten Weinberge neben dem schon 1858 
hier aufgeführten Pfarr- und Schulhause eine neue Kirche in romanischen Formen, 
deren Bau wegen des Krieges 1866 erst im Jahre 1867 beendet wurde. Die Orgel lieferte 
H. Furtwängler in Elze für 1000 Tlr., die beiden Glocken (9 und 5 Zentner schwer) 
goß Glockengießer Bartels in Hildesheim. Im September 1869 wurde das Standbild 
des Johann von Nepomuk vom Kirchhof nach dem Weinberg vor der Kirche gebracht. 
1905 traf ein Blitz die Kirche und zündete. Das Gotteshaus brannte aus, wurde dann 
in den alten Formen wiederhergestellt. Kunstdenkmäler sind dort nicht vorhanden. 



Schiaden 233 

III. Domäne, ehemalige Burg und Amtshof. 

Quellen: 1. Beverina, Nr. 214: Landbeschreibung des Amtes Schiaden, 1769; 
Nr. 191: Episcopatus Hild. in tabulis 1758, III., Schiaden; Kartenbände, Nr. 196, 
196a. — Staats-Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74, Amt Wöltingerode, IV., App., Amt 
Schiaden. — Calenberg-Br. Arch. des. 10, 3i. — Hann., Hild. des. 1, 39, 6, Nr. 17, 
Erbregister von 1621. — Hann., Hild. des. 1, 39, 6, Nr. 15, 16, 18, Erbregister von 
1582.— Hann., des. 74, Wöltingerode, IX., Cameralia, II., Fach 5, Nr. la, Erbregister 
von 1621. — Staats-Arch. Hann., Kart.-Register C. IX., Nr. 7, Grundriß der Domäne 
Schiaden von 1795. — Staats-Arch. Hann., Urk., Urkunden des Domstiftes Hildesheim. 

— Arch. Wolf., Er. St. -Arch., VII., Grenzregister Amt Schiaden. — Arch. Hild., 
Sammelband 182 und 187, — von Schwicheldtsches Archiv im Schloß Söder, Urk. ~ 
Chronicon Hildesh., S. 866. — • Bauinventar des Staatl. Hochbauamtes Goslar. — 
2. U.B. Hild., I.— VI. — U.B. Goslar, I.— V. — Sudendorf, III., IX. — U.B. von 
Saldern, I. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 71, 94. — Bertram, Gesch. Bist. Hild., L, 
S. 126, 128, 135, 333, 341, 352, 371, 392, 414, 426, 436; IL, S. 8, 27, 35, 183; III., 
S. 29, 31, 43 ff., 159, 195, 203, 290. — Bertram, Bischöfe, S. 110, 115, 137, 161, 169 ff. 

— Blume, Heimat, S. 261 ff., S. 270. — Bode, Uradel, S. 39, 40, 45. — Bornstedt, 
Siedlungen, S. 18. — Dürre, Reg. von Schiaden. — Görges-Spehr, Denkwürdigkeiten. 

— Havemann, Gesch. Braunschw., L, S. 384; IL, S. 11, 50, 670. — Henkel, Hand- 
buch, S. 12, 162. — Henkel, Kurze Gesch., S. 162. — Hüttebräuker, Erbe Heinrichs 
d. L., S. 55. — Kaufmann, Kaiserpfalz Werla, S. 12, 17 fL, 23. — Kaufmann, Die 
Kirche zu Schiaden und Werla. — Kayser, Visitationen, S. 181. — Klewitz, Territ. 
Entwicklung, S. 25, 39, 70 ff. — Lüders, Bocla. — Lüders, Übergang Harlingeburg. — • 
Lüders, Harlingsberg. — Lüntzel, Alt. Diözese, S. 15, 174, 322. — Lüntzel, Gesch. 
Diözese, L, S. 273; IL, S. 276, 316, 366. — Machens, Archidiakonate, S. 63, 118. — 
Mithoff, Kunstdenkmale, S. 225, 226. — Oehr, Ländl. Verhältnisse, S. 12, 33, 90. — 
Werneburg, Gau und Grafschaft, S. 60. — Zobel, Heimatbuch, S. 161 ff. 

GESCHICHTE: Zur Königspfalz Werla gehörte ein Wirtschaftshof, die curtis Werla. 
Im .Jahre 1086 schenkte Kaiser Heinrich IV. das Königsgut Werla dem Bischof Udo 
von Hildesheim. Ausgenommen von dieser Schenkung blieben seine Vasallen sowie 
der Harzwald mit dem Forstrechte und Goslar mit den Gütern der Stiftsherren des 
Domstifts. Im Jahre 1110 belehnte Bischof Udo den Edlen Eiko von Dorstadt mit 
dem bischöflichen Hof in ,,Scladheim", mit der dort errichteten Burg und allem Zu- 
behör außer der Kirche. Diese hier zuerst auftauchende Burg Schiaden ist nichts an- 
deres als der von Bischof Udo ausgebaute und befestigte Wirtschaftshof Werla. Das 
,,castrum Scladheim" sollte die Hildesheimer Diözese an ihrer Ostgrenze sichern. Höfer 
weist darauf hin, daß die Belehnung Eikos mit der curtis Werla unter dem neuen Namen 
Scladheim offenbar in Zusammenhang steht mit der Forderung Kaiser Heinrichs V., 
die dieser am 5. Februar 1111 an den Papst stellt, daß die Bischöfe alle regaiia dem 
regnum, vor allem die curtes, welche dem Reiche von alters her gehört hätten, frei- 
geben sollten. Die Forderung des Kaisers, die bekannt war, wird der Hauptgrund ge- 
wesen sein, daß Udo seinen neu erworbenen Besitz, und zwar unter Namensänderung, 
weitergab, um etwaigen Reklamationen vorzubeugen. Wenn es in der Urkunde Bischof 
Udos von 1110 heißt ,, Unser einstiger Hof in Schladon mit der dort errichteten Burg", 
so schließt Kaufmann daraus, da'^ nach der Besitznahme der curtis Scldaden durch 
Bischof Udo die bisherigen Wirtschaftsgebäude zu Marställen, Zeughäusern und Woh- 
nungen für die Burgbesatzung umgewandelt wurden, und ein neuer Wirtschaftshof, 
der Seilhof, der jetzigen Domäne gegenüberliegend, errichtet wurde. 

Die mit der Burg Schiaden belehnten Edelherren von Dorstadt nannten sich von 
1175 ab Grafen von Schiaden. Nach Bode waren sie lediglicli ScliloOgrafen, ohne eine 
landrechtliche Grafschaft in Besitz gehabt zu haben: liiusicliilich ihres Schloßlehens 



234 Schiaden 

nebst Zubehör besaßen sie InnnunitüL von der Grafschaft. In der Umgebung Schiadens 
lag keine Grafschaft, das Gebiet gehörte zum alten Leragau (ein Untergau des großen 
Gaues Astfala), dessen Grafschaft bis zum 13. Jahrhundert in der Hand der Grafen 
von Wöltingerode-Wohldenberg lag; ihre Malstätte war zunächst in Stochcim, nördlich 
dicht bei der Harliburg, diese Stätte ist aber bereits 1227 nach dem Wöltingeröder 
Copialbuch wüst. Für denselben Grafschaftsbezirk des Lerigaues wird 1251 Bocla. 
das ist Buchladen bei Schiaden, zuerst als Goding urkundlich erwähnt. Nach Lüders' 
Untersuchungen sind bald nach 1231 die Grafschaftsrechte im alten Leragau an die 
Hildesheimer Kirche gekommen, die sie dann an die Grafen von Schiaden verlehnte, 
wie man aus der Urkunde von 1254 schließen kann. Dann ist es dem Herzog Albrecht, 
der mit dem Bischof in Fehde lag, gelungen, die Rechte zu erwerben, und zwar im 
Jahre 1256. Erst die Zerstörung der Harlingsburg im .Jahre 1291 gab dem Bischof 
die Macht über das Goding zu Bocla zurück, doch wahrscheinlich nicht sofort in vollem 
Maße, da 1295 noch Aschwin von Saldcr als des Herzogs „advocatus in Bocla" erwähnt 
wird. Nach der Erbauung der Liebenburg können die Hildesheimer Bischöfe dann 
im 14. Jahrhundert den größten Teil des alten Leragaues mit dem Salzgau zu dem neuen 
Amts- und Vogteibezir.k der Liebenburg vereinigen. 

Die Grafen von Schiaden, früheren Edelherren von Dorstadt, müssen bereits 
vor ihrer Belehnung mit Schiaden Reichsgut in größerem Maße besessen haben; dieses 
Reichslehen ist im Laufe der Zeit erblich geworden. Vermutlich strebten sie auch sehr 
danach, den Lehnscharakter der Burg Schiaden verschwinden zu lassen. Deshalb 
standen sie im Kampfe Bischof Siegfrieds H. (1279—1322) mit Herzog Heinrich dem 
Wunderlichen auf selten des Braunschweiger Herzogs; ihre Burg mußte vom Bischof 
belagert werden. Nach Eroberung der Herlingsburg führte Graf Meinhard von Schiaden 
im Bunde mit den Edelherren von Werder und Herzog Heinrich dem Wunderlichen 
den Kampf gegen den Hildesheimer Bischof weiter; im Gerichtsbezirke von Bocla 
erbaute er mit dem Herzog die Mosburg, wahrscheinlich auf der heutigen Meseburg 
bei Weddingen. Doch Bischof Siegfried eroberte und zerstörte diese Burg. Endlich machte 
ein Vergleich der Parteien dieser Fehde ein Ende. 

Graf Albrecht von Schiaden, der letzte seines Stammes, verkaufte im Jahre 1353 
dem Bischof Heinrich und dem Domkapitel das ,,Haus zu Schiaden mit allem Recht, 
Nutz und Zubehör und alle dem, das die Grafen hatten in dem Gericht „to deme Bocla". 
Ausgenommen blieben einige Besitzungen, die von den Grafen anderweitig verlehnt 
waren; die Kaufsumme betrug 1900 Mark löth. Silbers (Hild. U.B., V., Nr. 511). Am 
30. Januar 1362 bestätigte Kaiser Karl IV. dem Bischof Heinrich den Ankauf und die 
Einverleibung des Schlosses Schiaden in das Stift Hildesheim. 

In der folgenden Zeit wurde die bischöfliche Burg Schiaden häufig von den Bischöfen 
verpfändet. Als Pfandinhaber der Burg finden wir die Herren von Salder, von Wanz- 
leben, von der Asseburg, von Spiegelberg, von Schwicheldt, von Bortfeld, von Veit- 
heim, von Wunstorf und von Schenk. In der Fehde des Bischofs Barthold von Hildes- 
heim mit der Stadt Hildesheim und den ihr verbündeten Städten verwüsteten im 
November 1485 Goslarer und Braunschweiger Truppen das Amt Schiaden. 

In der Hildesheimer Stiftsfehde fiel das feste Schloß zu Schiaden 1521 ohne Wider- 
stand in die Hand Herzog Heinrichs des Jüngeren von Braunschweig- Wolfenbüttel: 
Amt und Schloß blieben auch nach dem Quedlinburger Frieden 1523 bei Braunschweig- 
Wolfenbüttel. Als 1542 der Herzog aus seinem Lande vertrieben war, nahmen Truppen 
des Schmalkaldischen Bundes Schiaden in Besitz. Im Jahre 1552 besetzte Graf Volrad 
von Mansfeld auf seinem Zuge gegen Herzog Heinrich d. J. die Burg; im Kampfe mit 
Besatzungstruppen aus Wolfenbüttel steckten die Mansfelder die Gebäude der Burg 
an, „dat Slot, Vorwark und alle Gebuwede" brannten nieder. Die Burg muß bald 
wieder aufgebaut sein, denn im Jahre 1563 wohnte Herzog Julius, der Sohn Heinrichs 
des Jüngeren, einige Zeit in Schiaden. 

Im Dreißigjährigen Kriege wurde die von den Braunschweigern besetzte Burg 
Schiaden von Wallenstcins Truppen belagert; am 8. Januar 1626 fiel das feste Schloß 



Schiaden 



235 



in Wallensteins Hand, der dann auf der Burg sein Quartier nahm. Hier hatte er am 
11. Januar 1626 eine Besprechung mit Tillj'. Im Juli 1626 fiel die Burg den Dänen 
in die Hände, am 27. Juli zog König Christian IV. in die Feste ein. Nach seiner Nieder- 
lage bei Lutter nahmen die Kaiserlichen wieder von Schiaden Besitz, sie niußten 1631 
den Schweden weichen. 1643 wurden Amt und Burg Schiaden durch den Hauptrezeß 
in Braunschweig an das Stift Hildesheim zurückerstattet; es ist damals eine katholische 
Amtspfarrei in Schiaden eingerichtet. Der Bischof setzte für die Verwaltung des Amtes 
einen Drosten ein, für die Bewirtschaftung des Amtshofes einen Amtmann. Die bischöf- 
liche Verwaltung führte im 18. Jahrhundert verschiedene Bauten aus, doch sind darüber 




-!■"«- 



Abb. 133. Schiaden, Domäne, l^enster der sof^enannten ehemaligen Kapelle (1: 2'->). 



nur wenige Nachrichten erhalten. Die Schmiede wird in dieser Zeil erbaut soin. da 
der Blasebalg die Jahreszahl 1718 trägt. Der ältere Flügel des Pächterhauses wurde 
1728 unter der Regierung des Fürstbischofs Clemens August durch den Drost Hermann 
"Werner von Schorlemer erbaut, 1750 errichtete man einen Pavillon im Domänenhof. 
das Portal der ehemaligen Kirche, die im früheren ökonomiegebäude hiLj, bekundet, 
daß 1770 eine Renovierung stattfand. 

Im Jahre 1802 nahm Preußen das Stift Hildesheini in Besitz, der Amishof wurde 
in eine fiskalische Domäne umgewandelt. Nach der westfälischen Zeit kam 1813 Schiaden 
an das Königreich Hannover, 1815 wurden Heiningen und Dorstadt dem Amte Schiaden 
zugelegt. 1837 war eine größere Feuersbrunst auf der Domäne, die Akte darüber ist 



236 



Schläuen 



nicht mehr vorhanden, so daß nicht festzustellen ist, welche Gebäude dem Feuer zum 
Opfer gefallen sind. 

Das Dorf Schiaden entwickelte sich im Schutze der Burg, es wird 1154 zuerst erwähnt, 
als Bischof Bruno das Kloster Riechcnberg in seinen Schutz nimmt. Besitzungen dieses 
Klosters lagen damals auch in der villa Sledem, darunter eine Mühle neben dem Ufer der 
Oker. Auch das Kloster Ileiningen besaß in Schiaden eine Hausstätte sowie 7 Hufen. 
In der Nähe von Schiaden wird auch 1237 ein Klein- Schiaden erwähnt, in dem 
das Kloster Neuwerk in Goslar den Zehnten erworben hatte. Hier hatten die Deutsch- 
ordensritter Grundbesitz, der aber abgegeben 
wurde, als sie den Komturhof in Weddingen 
ausbauten. Das Kloster Heiningen hatte 
wie in Schiaden so auch in Klein- Schiaden 
Besitz. Da 1340 ein Pfarrer zu Klein- 
Schladen erwähnt wird, scheint auch kurze 
Zeit eine Kirche dort bestanden zu haben. 
Im 15. Jahrhundert wird Klein-Schladen 
bereits nicht mehr erwähnt, es war danials 
wüst geworden. Das eigentliche Bauerndorf 
Schiaden lag westlich der Wedde, die den 
heutigen Ort mitten durchzieht, auf der öst- 
lichen Seite standen die Häuslingshäuser 
auf dem Damme vor dem Wildenhofe und 
einige Häuser im sogenannten Kleinen 
Steinfelde. 1699 äscherte ein Brand das ganze 
Dorf ein. 




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BESCHREIBUNG: Die Domäne 
Schiaden ist als Wasserburg erbaut, doch 
liegen die Gräben jetzt zum Teil trocken. 
Der Rest eines runden Turmes ist im 
Jahre 1848 entfernt. Von dem einstigen 
Binnenhof haben sich noch zwei ältere 
Flügel erhalten, von denen der bedeu- 
tendere das ehemalige Pächterwohn- 
haus ist, in dem auch eine alte Kapelle 
eingebaut war. Es hat im Erdgeschoß 
2,05 m starke Mauern. Zur Zeit wird ein 
Teil als Waschhaus und Molkereistube 
benutzt. Das obere in Fachwerk aufgeführte 
Geschoß dient W^ohnzwecken (Taf. 86c). Eine Inschriftplatte trägt unterhalb 
eines Kurhutes die sechzehnzeilige Schrift: ,,UNTER DER GLÜCKLICHEN 
REGIERUNG CLEMENS AUGUST CHURFÜRSTEN ZU CÖLN 
BISCHOFFEN ZU HILDESH. PADERBORN, MÜNSTER UND OS- 
NABRÜCK HAT MICH AUF GNÄDIGSTE BEFEHL BAUEN 
LASSEN HER^AN W^ERNER VON SCHORLEMER ERBHERR 
ZU OVERHAGE UND HERTZEFORT DROST ZU SCHLADN 1728." 
Das Gebäude, in dem bis 1867 Gottesdienst abgehalten wurde, ist durch ein 
Portal in späten Renaissanceformen zugänglich (Taf. 87 d). Auch zwei daneben- 
liegende gekuppelte Fenster zeigen den gleichen Stilcharakter (Abb. 133V 



Abb. 134 u. 135. Schiaden, Domäne, 
Gartenhäuschen, Grundriß und Aufriß (1:125). 



Schiaden 



237 



Außer dem obengenannten Inschriftstein ist ein fürstbischöflicher Wappen- 
schild auf Schwert und Krummstab im Mauerwerk eingelassen. 

Im Flur des Erdgeschosses ist der Mäkler der zum einstigen Kirchenraum 
führenden Treppe als 1,92 m hohe gewundene, mit Laub- und Blumenranken ver- 
zierte und mit korinthischem Kapital endigende Holzsäule ausgebildet, ver- 
mutlich ein Reststück des einstigen Altars (Taf. 88a). Anfang 18. Jahrh. Diesem 
Altare scheint auch eine jetzt 
im Pächterwohnhaus aufgestellte 
1,10 m hohe Holzfigur des Erz- 
engels Michael angehört zu haben, 
auf einen Teufel tretend, in der 
Linken einen Schild mit Kreuz, 
in der Rechten ein Schwert. 

Im Domänengarten ein 6,00 m 
hoher, schlanker Obelisk auf 
quadratischem Sockel (Seite 
= 1,44 m) mit weitausladenden 
Gesimsen. Der 1,85 m hohe Sockel 
ist mit schweren Laubgehängen 
an allen vier Seiten geschmückt. 
Am Obelisken zwei Köpfe, einer 
bärtig, der andere mit Lorbeer- 
kranz (Unkultur und Kultur), 
ferner ein Wappen (drei Löwen- 
köpfe von vorn) wie am Asyl in 
Schiaden (Bocholtz, siehe unten) 
(Taf. 87b). 

Unter den sonstigen Bauten 
auf der Domäne fällt das gewaltige 
zweigeschossige aus Bruchstein er- 
richtete Moikereige bände auf, 
mit schlichten Fenster- und Tür- 
umrahmungen. Das sehr hohe 
Dach mit drei sich über die ganze 
Länge erstreckenden Schlepp-Er- 
kern, deren oberste beiden aber durch einen Fachwcrkgiebel unierbrochen werden 
(Taf. 86b). Auf dem First nahe dem Nordgiebel ein gut ausgebihloler achlseiliger 
Dachreiter mit doppelt geschweifter Haube, an dem unter besonderem Schutz- 
dach eine Glocke hängt. 0,60 m, gegossen 1657 von Johan Palhof. 

Im Gemüsegarten der Domäne lag ein in Fachwerk laul Inschrifl an einer 
zugemauerten Tür ,,A. 0. l 727" erbautes, nicht mehr benutztes Garlenhä useho ii , 
das sog. Orangcriege])äiule. Grundriß achteckig. 5,40 m, H. bis zur Traufe rund 
3,10 m. Mansarddach beschieferl. Wegen Baut'älligkeil Anfang der 1930er Jahn- 
abgerissen (Abi). 134—136 und Tal". 87c). 




Abb 136. Schiaden, Domam-. Ciartenhäuschen, Tür (1:25). 



238 Schiaden 

Ein Denkmal mit der etwa lebensgroßen Figur des heil. Nepomuk aus 
Sandslein stand früher auf der über den alten Burggraben führenden steinernen 
Brücke. Jetzt wird es auf dem Kirchplatze der neuen katholischen Kirche auf- 
bewahrt. Sockel neu. 

IV. Asyl. 

In der Nähe der katholischen Pfarrkirche ist über rechteckigem Grund- 
riß von rund 10x19 m ein zweigeschossiges Fachwerkgebäude auf Sandstein- 
sockel erbaut, dessen sämtliche Gefache mit Backsteinen in Musterungen aus- 
gemauert sind. Siebenstufige Treppe in der Mitte der dreizehn Achsen An den 
Giebeln Halbwalme. Straßenseitig ein fast die ganze Länge des Satteldaches ein- 
nehmender Schlepp-Erker, in der Mitte von einem etwa 4,50 m breiten quergelegten 
Erker unterbrochen. 

Die oberhalb def Tür eingesetzte reich mit Ornament der zweiten Hälfte des 
18. Jahrh. umrahmte Inschriftplatte gibt die ursprüngliche Zweckbestimmung des 
Hauses an: „ANNO (Wappen) MDCCLXXIII", „ EX^LEMENT I S SIM A 
CONCESSIONE FRIDERICI WILHELM! CSSMI EPISCOPI ET 
PRINCIPIS HILDESIENSIS COADIVTORIS PADERBORNENS IS 
HOC HOSPITALE EXSTRVXIT ET DONAVIT FERDINANDVS 
WILHELMVS L. B. DE BOCHOLTZ ECC. CATHEDRALIS HILDE- 
SIENSIS ET MONASTERIENSIS SCHOLASTICVS ET CANO- 
NICVS CAPITVLARIS PRAEPOSITVS IN MESCHEDE ET DECA- 
NVS AD ST ANDREAM ALTEFATI CELSISSIMI PRINCIPIS 
CONSILIARIVS INTIMVS PRAESES CAMERAE ET IVDICII 
AVLICI. SATRAPA PEINENSIS PRAEFECTVRAE SCHLADEN- 
SIS CONDVCTOR.' 

Die schmucklosen Räumlichkeiten des als Asyl bezeichneten Gebäudes bieten 
nichts Bemerkenswertes. 

Über die auf dem Breustedtschen Hof in Schiaden aufgestellte Brunnen- 
schale s. Werla. 



Söderhof. 

Gut. 

Literatur und Quellen s. Ringelheim. 

GESCHICHTE: Söderhof wird im „Großen Privileg" von 1209 als Tserede erwähnt. 
1227 übertragen die Grafen Hermann und Heinrich von Wohldenberg dem Kloster 
Ringelheim u. a. die Advokatie über ,,Serede". Weitere Nachrichten über die Ad- 
vokatie in „Zeerde" 1251, 1322, 1331. Aschen von Cram verkauft 1532 Land zu „Zeerde" 
erblich dem Kloster, ,, solange es ein Kloster ist und bleibt". 1520 war Söderhof, da es 
zum Kloster gehörte, im Besitz der Herzöge von Braunschweig. Ein Bericht des Cordt 
Dalewiges von 1546 besagt über das Gut: ,,Der Hof zu Zerde" ist den von Schwicheldt 
versetzt usw." 1552 wird das Gut gelegentlich der Plünderung Ringelheims mitgelitten 



Söderhof 



239 



haben (Oldekop). Am 10. September 1632 wurde ein Administrator für die Verwaltung 
des verwahrlosten Gutes — Aushof Seerhof — bestellt. 1643 sind die Benediktiner 
wieder Besitzer des Klosters Ringelheim — also auch Söderhofs. Am 12. Februar 1715 
stürzte ein Teil der Wirtschaftsgebäude auf Söderhof ein. 1721 wurde das Herrenhaus von 
Peumann neugebaut (vgl. Umschrift am Haupteingang). 1803 (5. Juli) ist das Gut seitens 
des Grafen von der Schulenburg, dem es geschenkt war, an Rudolf Heinrich Jaeger ver- 
pachtet worden. Später kam es in den Besitz der Familie von der Decken (Ringelheim), 
von der es 1932 weiter veräußert wurde (vergl. ,, Ringelheim" S. 205). 




Abb. 137. Söderhof, Gut. Zustand um 1860. Lageplan (1 : 6400). 



BESCHREIBUNG: Das Gut Söderhof zeigt auf einem älteren Plane (etwa 
Mitte des 19. Jahrh.) einen von Wirtschaftsgebäuden umschlossenen Hof (Abb. 137). 
Das Hauptgebäude mit der von drei rippenlosen Kreuzgewölben überdeckten 
Einfahrt ist das Herrenhaus. Am Rundbogen: ,,AÖ TAUSENT SEBEN 
HUNDERT ZW'ANZIG EIN LEGT BERN WARD U S - DER ERSTE 
DEN ERSTEN STEIN." Darüber ein Wappenstein. Wappen geviertelt. 
1. Adler. 2. Ochse mit drei Lanzen. Im Mittelfelde drei Greifenklauen. Helmzier 
entsprechend. Wappenhalter: zwei Männer mit Greifenklauen (vgl. Wappenslein 
in Gut Ringelheim). Über dem Wappen eine Rundbogennische (Sandslein) mit 
einem etwa 60 cm hohen Marienbild mit Kind (Holz). Rechte Hand rdill 
(Taf. 87 a). 

Das zweigeschossige Wohnhaus mit rechteckigen Fenslern (Sandsleingewände) 
ist 1934 umfassend instand gesetzt (Taf. 86d). An der Hofseile des Torweges unler 
leerer Rundbogennische ein Wappenstein (Sandslein) in lioeliovalem Wulsl- 
rahmen. Inschrift: „CONVENT RIN GELHE IMEN S l S." Oben zwei Kopie. 
Wappenbild: geflügelter Vogel mit Krallen, springender Löwe, geflügeltes Fabel- 
wesen mit Ringelschwanz. 

Von den Wirtschaftsgebäuden ist die südliche Scheune aus dem 18. .lahrh. er- 
halten. Baustoff Bruchslein. Wände verputzt. Am Oslgiebel eine Rundbogen- 
nische mit der Halbfigur eines bärtigen Mannes (Heiligen) mil Traube in der 
Rechten. Am Sockeleine Karlusche mil Inschrift: ,. ST. DONATE BIT FÜR 



240 Söderhof 

UNS DAS WIR VOR UNGEWITTER UND BLITZ BEWARET 
WERDEN." Nel)cn der Nische (oben) zwei eingcmauerle Kugeln. Oberhalb der 
Nische ein Rundfenster mit Werksteinumrahmung. 

Außerhalb des Gutshofes an der Straße Hildesheim — Goslar die zum Gute 
gehörende Iläuslingssiedl ung. Hier ein zweistöckiges Wohnhaus in der für 
Kreis Goslar typisclien Bauart. Fachwerk. Um 1700. Obergeschoß etwa 10 cm 
vorkragend (Taf. \)\c). 



Steiniah. 

Evangelische Kirche. 

Quellen: 1. Beverina, Nr. 2.37: Freihcrrlich von Weichssches LehnshucJi für die 
Aflervasallen des Gutes Steiniah, 1785. — Staats- Arch. Hann., Akt. Kann, des, 74, Amt 
Liebenburg, IL, G. Iz. — Bibl. H. V. N., Handschrift 317. -- Pfarrarchiv Steiniah, 
Bauakten der Kirche 1863—70. — 2. U.B. Hild., IL, IV., V. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 91. — Dürre, Reg. Wallmoden, Nr. 158, 159, 
279, 363, 430, 466 usw. — Hüttebräuker, Erbe Heinrichs d. L., S. 93. — Kaufmann, 
Kaiserpfalz Werla, S. 30. — Kayser, Visitati,onen, S. 150. — Lüntzel, Alt. Diözese, 
S. 248. ^ Machens, Archidiakonate, S. 387. — Mithoff, Kunstdenkmale, S. 231, 232. 
— Mithoff, Kirchen und Kap., S. 5. — Zobel, Heimatbuch, S. 59 ff. 

GESCHICHTE: Über die Geschichte des Dorfes Steiniah geben die Urkunden nur 
wenig Auskunft. 1239 erscheint als Zeuge einer Urkunde des Klosters Ringelheim 
,,Fridericus de Steinlo sacerdos"; er gehörte vermutlich demselben Geschlechte an, 
das 1311 noch einmal mit ,, Johannes de Stenla" hervortritt. Diesem Geschlecht wird 
ein Edelhof in Steiniah gehört haben, der sich 1548 nach dem Liebenburger Erbregister 
im Besitze der Herren von Hauß befindet. Über das Dorf Steiniah geben erst Urkunden 
des 14. Jahrhunderts einige Nachrichten. Da 1351 der Pfarrer Engelbrecht ,,tho Steinla" 
erwähnt wird, muß damals bereits eine größere Pfarrgemeinde vorhanden gewesen 
sein. Zwischen Steiniah und Gustedt lag ,,Gronstede", 1146 zuerst urkundlich erwähnt. 
Die Gronstedter Bauern haben ihr Dorf aufgegeben, sind nach Steiniah, anscheinend 
seit dem Anfang des 14. Jahrhunderts, übergesiedelt und haben ihre Feldmark mit 
der von Steiniah vereinigt. Nach Zobel unterschied sich bis in die Neuzeit noch ein Teil 
der Bauern zu Steiniah von den anderen durch die Benennung ,, Grünster Bauern". 
Der Zehnte im Gronstedter Felde stand bis zu seiner Ablösung dem Kloster Neuwerk 
zu. Als Grundbesitzer treten auf in der Gronstedter Flur die Klöster St. Godehardi in 
Hildesheim, Ringelheim, Neuwerk in Goslar und Brunshausen bei Gandersheim sowie 
die Herren von Cramme, von Wallmoden, von Gustedt, von Schwicheldt und von 
Gadenstedt; in der Steinlaher Flur treten St. Petersberg bei Goslar und Wöltingerode 
hinzu. 

Im Jahre 1542 wurde in Steiniah die Reformation eingeführt. Das Herrendorf 
mit dem Adelssitz der von Hauß kam an die Familie von Weichs. Als Patrone der Kirche 
zu Steiniah werden im 16. Jahrhundert bereits die Herren von Gadenstedt genannt, 
sie haben das Patronat unverändert beibehalten, zuletzt stand es der Familie von 
Gadenstedt- Volkersheim zu. 

Über die Kirche in Steiniah fehlen Nachrichten aus älterer Zeit. Der Kirchturm 
trägt die Jahreszahl 1447, vielleicht war in diesem Jahre die Umsiedelung der Gron- 
stedter Bauern nach Steiniah beendet und wurde damals die Kirche erbaut, deren 
Turm noch jetzt besteht. Die alte Kirche (Abb. 138) bestand aus einem mit dem Turm 



steiniah 



241 



gleich breiten 8,91 m langen Schiff und einem 5,84 m breiten, 7,45 m langen, halbrund 
geschlossenen Chor. Die Decken waren in beiden Räumen aus Balken hergestellt, an den 
Emporen befanden sich die Wappen der Familien von Hauß und von Reden. 1867/68 
wurde die alte Kirche bis auf den Turm niedergerissen und ein Neubau nach dem Plan 
von Baurat Hase errichtet. 




Abb. 138. steiniah, Grundriß der alten Kirche (1:250). Nachzeichnung 
des Maurermeisters Chr. Lange vom .Jahre 1867. Turm falsch gezeichnet. 



BESCHREIBUNG: Von der ursprünglichen Kirche ist bei dem Neubau des 
Schiffes nur der Turm (6,50x6,80 m) erhalten geblieben (Abb. 139). Bruchstein 
mit Werksteinkanten. Gotisch profilierter, verwitterter Sockel und Hohlkehl- 
hauptgesims. Kleine flachbogige Schallöffnungen in Höhe der Glockenstube. 
Einige Lichtschlitze. Achtseitige Helmpyramide beschiefert. Knauf, Hahn und 
Kreuz. An der nördlichen Ecke der Westseite in gotischen Kleinbuchstaben die 
dreizeilige Inschrift: ,,ano • dni m/ ccccxivii /in die pet • et pau." Westlür 
und zwei spitzbogige Fenster in der Südwand neu. 




Abb. 1.S9. Sleinlah. Kirche, Grundriß (1:2.50). Nach Zeichnung von C. \V. Hase, 



Schiff (Neul)au von C. W. Hase), dreijochig, Hacksteingewolhe, ßruehsleine. 
lagerhaft bearbeitet, für die Außenwände. Dreiteilige golische Fenster iu jedem 
Joch. An der südlichen Chorwand eine kleine Sakristei (.\bb. 139). 

Kronleuchter, dreiarmig (ehemals sechsarmig), H. 0,40 m, B. 0, 40 m. Stall 
der unteren Kugel ein profilierter birnenförmiger Körjjer. Zierale mit glocken- 
förmigen Blütenkelchen. Im Chor. Zweite Hälfte IS. .lalirli. 
:n 



242 



Steiniah 



Kronleuchter, sechsarmig, H. 0,80 m, B. 0,75 m, im Schiff. Wahr- 
scheinlich unter Benutzung alter Teile neu hergestellt. 

Vier AI tarlc uch Ler, Bronze, davon zwei alt. Einer trägt am FuUc die un- 
lu'hoUV'ii eingeschlagene Inschrift: ,, GOSSE BOLMES." H. 27 cni ohne Dorn. 
P>im(ler Fuß. 14,5 cm. Ende Ki. .Jahrh. 

Kelch, Silber, vergoldet, H. 19 cm, Sechspaßfuß. Am sechseckigen Schaft 
gotisierender Knauf (Fischblasenmuster). An den Ecken sechs Blüten. Ober- und 
unterhalb des Knaufs: „J • H ■ E S V • S" und „MARIA O ". Am Fuß Kreuzi- 
gungsgruppe. Unter dem Fuß: ,, Dieser • Kelck • ist • gemacht • zur • zeidt • Her ■ 
CVNRADS ■ ROSEMAN • Pfarher • zu STHENDEL Anno domini 1579" 
(Abb. 140). 







Abb. 140. Stelnlah, Kirche, Kelch, 
Knauf, Grundriß (Va natürliche Größe). 




Abb. 141. Steiniah, Taufstein (1:20.) 



Patene, Silber, vergoldet, 15,5 cm. Goldschmiedezeichen 15. 

Glocke, 1,06 m. Unter der Haube zwischen Palmetten- und Ranken- 
fries: „PSALM XC • V 78 ■ HEUTE SO IHR SEINE STIMME HÖRET 
SO VER STOCKET EURE HERTZE NICHT." Am langen Felde, fünf- 
zeilig: „JOHANN GOTTFRIED GERKE / HANS BOLM / HENNICH 
STRI / HEINRICH SONNEMAN / CHRISTIAN HAWERLA." Am 
Schlagring: „S H C HELMHOLTZ GOSS MICH IN BRAUN SC HWE IG 
M • DCCXXXIV."*) 

Zweite Glocke von 1896 (Radler Sc Söhne). 

Tauf stein im Pfarrgarten, Becken achtseitig, 0,79 m, H. 0,41 m. Am Rande 
Blattwerkfries. Fuß im Erdboden steckend (Anfang 15. Jahrh.?) (Abb. 141). Nach 
Mithoff angeblich aus der Kirche von Haverlah ( ?). 



*) Eine von Mithoff erwähnte kleine Glocke mit der Umschrift : „ihes + maria + kate- 
rina — min name . . . m. ceccc . ii." konnte nicht mehr festgestellt werden. 



243 

Sudburg. 

Ehemaliger Forsthof der Königspfalz Werla (wüst). 

Quellen: U.B. Goslar, I.^V. 

Literatur: Becker, Die Ausgrabungen am Sudmerberg, ,, Harzer Heimatland" 
1934, Nr. 6. - - Frölich, Nieders. Jahrb., VI., S. 229 ff.; VH., S. 287 ff.; IX., S. 23 ff. — 
Lüders, Die Sudburg, Braunschw. Magazin 1923, Nr. 1. — Lüders, Alte Sudburger 
Flurnamen. Z. Harz-V. 1934, Heft 1, S. 1 ff. 



Sudburg- kircme 

GRABUNG- SEPT/OKT 
•^933- 




/ivUFGEN. UND. GEZ. 



Abb. 142. Sudburg. Ergebnisse der Grabung 1933. f Aufgeiiominen und gezeichnet 
von Reg.-Baurat Dr. Becker.] (Aus Lüders, ,\lte Sudburger I'-hu-nanien). 



GP: SCHICHTE: Die Sudburg lag am Fuße ties Nordosthanges des Sudmerberges 
vor Goslar in der Nähe des Übergangs der alten Straßen über die Oker beim späteren 
Okerturm der Goslarer Landwehr. Die Burg war der Sitz des königlichen ,,forestarius", 
der zur Verwaltung der Pfalz Werla gehörte und den Wald zwischen Ecker und Innerste 
bis weit in den Oberharz hinein betreute. Die Kirche zu Sudburg wird zuerst 1004 in 
einer Urkunde Heinrichs IV. erwähnt, doch geht sie auf wesentlich ältere Zeit zurück. 
Neben der Sudburg befand sich die kleine Siedlung ,,Heindert ingerode", die in der 
Sudburg aufging und mit ihr im 14. Jahrhundert wüst wurde. 

Ausgrabung. Die Grundmauern der Sudburger Kirche wurden 1933 unter Leitung 
von Reg.-Baurat Dr. Becker freigelegt. Innerhalb eines Kirche und Kirclihof umgeben- 
den Mauerringes, der ein Oval von 40:50 m Größe bildete, fand man als Kernbau 
der alten Kirche einen rechteckigen, einschiffigen 7 m breiten Raum mit rechteckigem 
Chorschluß im Osten. Dieser Kernbau erhielt in der Mitte des 11. Jalirhunderts eine 



244 Sil db 11 lg 

halbrunde Chorerweiterung und einen Westturin. Aus späterer Zeit stainineii die nörd- 
liche Sakristei und eine südliche Vorhalle (Abb. 142). 

Ein ausgedehntes Gräberfeld umgab die Kirche, freigelegt wurden eine Anzahl 
Gräber, die noch zu dem älteren Kernbau der Kirche gehören. Nach Untersuchungen 
von Prof. Dr. Hans Weinert, Berlin, gehörten die Skelette dieser Clräber einer klein- 
wüchsigen, langschädeligen, anscheinend weslischen Rasse an, so daU ciiu- fränkische 
Besiedelung der Sudburg anzunehmen ist. 

Westlich der Kirche lag die Burg. Die bisherigen Probegrabungeii förderten die 
Grundmauern eines größeren Massivl)aues zutage. 



Upen. 

Evangelische Kirche. 

Quellen: 1. Staats-Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74, Amt Liebenburg, 11.. 
(r. laa und Hc. Bibl. H. V. N., Handschrift 317. von Schwicheldtsches Archiv 
im Schloß Söder, Urk. 2. U.B. Hild., I. IH. U. B. Goslar, I., IV. 

Literatur: Bertram, Gesch. Bist. Hild., L, S. 192, 216, 284; H., S. 318. Blume, 
Heimat, S. 97 ff. ^ - Bornstedt, Siedlungen, S. 18. Dürre, Reg. Wallmoden, Nr. 346, 
399, 453, 727, 1040. - - Kayser, Visitationen, S. 150, 187. Lüntzel, Alt. Diözese, 

S. 164 ff. -^ Mithoff, Kunstdenkmale, S. 234. Mithoff, Kirchen und Kap., S. 5. 
Oehr, Ländl. Verhältnisse, S. 9. Zobel, Heimatbuch, S. 34 ff. 

GESCHICHTE: Das Dorf Upen kommt urkundlich zuerst 1176 als ,,Uppen" vor in 
einer Urkunde, in der Bischof Adelog von Hildesheim dem Kloster Heiningen Güter 
in Upen schenkt. 1188 erwähnt der Hildesheimer Bischof die Villikation Upen, an die 
zwei Hufen Astfelds grenzen. Die Erwähnung einer Villikation Upen läßt darauf schlie- 
ßen, daß Upen seit alter Zeit Mittelpunkt einer größeren Grundherrschaft war. Ein 
zweites Dorf Upen (Uppen) liegt südöstlich von Hildesheim, es ist aus den älteren 
Urkunden nicht immer zu ersehen, welches Dorf gemeint ist. 1269 taucht unter den 
Zeugen einer Urkunde für das Neue Hospital in Goslar ein Heinricus de Upin auf, 
1279 finden wir ihn als einen der Provisoren dieses Hospitals wieder. 1352 übereignete 
Bischof Heinrich von Hildesheim dem neuen Hospital in Goslar den Zehnten in L^pen, 
den die Brüder von der Gowische ehemals und dann die Bürger in Goslar Johann von 
Dornten der Ältere und Johann Meyse besessen hatten. 

Upen gehörte zum Archidiakonat Haringen. Im Jahre 1542 wurde die Reformation 
eingeführt. Das Patronat stand nach der 1803 aufgestellten Beschreibung der Hildes- 
heimer Ämter den von König zu. 

Die heutige Kirche in Upen ist um 1715 auf Kosten der Kirchengemeinde erbaut; 
aus der älteren Kirche übernahm man die 1590 gegossene Glocke. 1846/47 fand ein 
Umbau der Kirche unter Leitung des Hauptmanns a. D. und Baumeisters G. F. C. 
Wiepking, -Goslar, statt. Nach den Bauakten wurde die Eingangstür aus der Süd- 
front in den Westgiebel verlegt und ein neues Fenster in der Nähe der alten Tür ge- 
schaffen. 1847 berichtet Wiepking, daß die beiden Priechen zuwenig Licht hätten 
und bei ihrer jetzigen Bauart die Aufstellung einer Orgel, welche die Gemeinde an- 
zuschaffen wünsche, nicht möglich sei, deshalb seien die Priechen abzubrechen. Die 
alte Eingangstür habe einen Spitzbogen nach gotischem Baustil, während die Fenster 
der Kirche Rundbogen hätten. 1849 ist die Orgel angeschafft. 

BESCHREIBUNG: Die Kirche in Upen (Taf. 89a) hat ihre jetzige recht- 
eckige Grundrißform mit 16,10x7,87 m großem Innenraum erst nach dem Um- 
bau gegen Mitte des 18. Jahrb. erhalten. Damals wurde an den älteren öst- 



Upen 245 

liehen Teil, der in der Giebelwand zwei kleine nasenbesetzte Spitzbogenfenster 
aus gotischer Zeit bewahrt hat, der Westteil in Bruchstein angebaut und die Wände 
glatt verputzt. Im Bogen mauerw^rk und in den Sohlbänken zweier Fenster der 
Südwand die Inschriften: „HENR. ARENS HENNI BOSSE lAC 
BRENDEKE 1729" und (gemischte, gotische und lateinische Buchstaben): 
„CuCÖt 6(cßchcn KASPCC VNVeCHAVen 1729." Der Westeingang, zwei West- 
fenster im Emporengeschoß und die je vier großen Fenster der Längswände vom 
Schiff sind rundbogig geschlossen und mit Werksteingewänden umrahmt. 

Am Westende des Daches ein großer beschieferter Dachreiter von guten 
Verhältnissen mit doppelter Haube und Laterne. In der Wetterfahne die Jahres- 
zahl 1868, letztere wohl auf Neudeckung hinweisend. Die acht paarig angeordneten 
Schallöffnungen rundbogig. Uhrzifferblatt an der Laterne des Dachreiters. 

Inneres mit geputzter und geweißter Segment-Holztonne (Taf. 89b). Das 
Gestühl einfach. Auf der großen Westempore die schlichte Orgel vom Jahre 1849, 
eine schmale Empore hinter der Kanzelwand. 

Über dem gemauerten Altartisch, mit 18 cm dicker, schräg gefaster Stein- 
platte, kragt aus der hölzernen Rückwand die Kanzel vor, in deren Brüstung 
zwei Bilder (Christus und Petrus) eingesetzt sind. Die Altarrückwand ist im 
19. Jahrh. unter Benutzung älterer Teile zusammengesetzt (Taf. 89 b). 

Zwei Altarleuchter, H. 0,38 m, Messing, mit Dockenschaft. I.Hälfte 17. Jahrh. 

Zwei Kronleuchter, Bronze, Der kleinere, H. 0,58 m, B. 0,52 m, sechs- 
armig, Arme in Köpfen auslaufend. Zierstücke in Form posaunenblasender ge- 
schwänzter Engel. Bekrönung: Doppeladler. An der Kugel: Anno Christi 1753." 
Der zweite, H. 0,70 m, B. 0,57 m, mit zehn in zwei Reihen von je fünf S-förmigen 
Armen angeordneten Lichthaltern. Schlußkugel etwas flachgedrückt: Doppel- 
adler. 2. Hälfte 18. Jahrh. 

Abend mahlsgeräte aus Zinn: Kelch, H. 21 cm, Kupj)enrand geschweill. 

Ein weiterer Kelch, H. 15,5 cm, ähnlich dem vorigen. 

Oblatendose, 14,5 cm, auf drei kurzen, 1 cm hohen Füßen ruhend. 

Patene, 12 cm. 

Tauf Schüssel, 12,5 cm, H. 4 cm, schlicht, 

Sämtliche Zinngeräte ohne Inschriften. Entstehungszeit Endo 18. Jahrh. 

Zwei Glocken von J. J. Radler, 1886. 

Unter den Gehöften von Upen ist der Heilefussche Hol (Nr. 1) mit 
typisch mitteldeutscher Grundform bemerkenswert. Auf einem im N'alorländischon 
Museum in Hannover befindlichen Aquarell ist dieses Gehöt'l (hirgosh>llt. gomall von 
A. Heubach, Hannover. 



Vienenburg. 

I. Evangelische Kirche. 

Quellen: Staats-Arch. Hann., Akt. Hann. dos. 74, .\inl Wöitingerode, 111., 
X. 1, 4a; desgl. .58. Bibl. H. V. N., Handsolirift :i\l. l'fnrrnrohiv Vienenburg. 

Akten. 

■■i2 



246 VioMcnburg 

Literatur:Blunie,Heimat,S.274ff. — Kayser, Visitationen, S.183. — Mithofl, Kunst- 
denkmale, S. 235. Mithoff, Kirchen und Kap., S. 5, 2ß. Zobel, Heimatbuch, S. 204 ff. 

GESCHICHTE: Das Dorf Vienenburg entstand im 11. .Jalirhundert im Schutze 
der Burg. Die 1402 von den Herren von Dorstadt, den damaligen Pfandbesitzern 
der Vienenburg, in der Vorburg errichtete Kapelle wird das älteste Gotteshaus des 
Dorfes gewesen sein. In dem Dorfe Vienenburg gingen im Laufe der Zeit die Siedclungen 
Stochcm, nördlich des Harlibergcs gelegen unrl schon 1322 wüst, Dudingerode, im 
Steinfelde, und Klein-Lochtum, siullich der Vienenburg, auf. Nach dem 3()jährigen 
Kriege sind diese Siedlungen endgültig verlassen und wüst. Die Visitatoren des Schmal- 
kaldischen Bundes bezeichnen 1542 Heinrich Polsterus als Pastor in Vienenburg, die 
Kirche war damals ein Lehn der Herren von Schwicheldt. 1568 wurde die Reformation 
imter Herzog Julius von Braunschweig endgültig eingeführt. 

Die jetzige evangelische Kirche in Vienenburg ist 1740 erbaut, 1750 stiftete der 
damalige Pastor Stephan Trautmann den Altar, der 1860 neu vermalt und vergoldet 
wurde. Da das Pfarrhaus in Vienenburg 1783 abbrannte und dabei die älteren Kirchen- 
bücher vernichtet wurflen, sind nähere Nachrichten über den Bau der Kirche nicht 
bekannt. 1857 wurde die Orgel durch den Orgelbauer Breust eingebaut und man ver- 
besserte die Priechenanlage, 1912 ist die Kirche erweitert. 

BESCHREIBUNG: Die evangelische Kirche, in der Mitte des 18. .Jahrb. über 
rechteckigem Grundriß mit 1,15 m dicken Wänden errichtet, hat seit dem 
Umbau 1912 Kreuzform. Schiff und Turm sind aus Bruchsteinen (Rogenstein 
vom Harliberge) mit zahnschnittartigen Eckquadern (Sandstein) aufgeführt, auch 
Fenster- und Türgewände aus Werkstein. Eine Inschrift auf der Westseite des 
Turmes gibt an, daß ,,das Kloster Wöltingerode 1750 aus Gutheit die Mauersteine 
der Kirche geschenket hat." Fenster korbbogig, Haupteingangstür an der Südseite 
flachbogig; darüber ein Gesims und ein ovales Fenster, daneben eine Sonnenuhr. 
Krempziegeldach. Westturm im Norden und Süden durch flachbogige Eingangs- 
türen zugänglich (Wanddicke 1,40 m!. Im ersten Stock drei Rundfenster, im zweiten, 
in Höhe des Firstes des Kirchendaches, drei flachbogige Schallöffnungen (Taf.89c). 
Hölzernes Hauptgesims. Das Turmdach ist vom Quadrat mittels geschweifter 
Schrägflächen in das Achteck übergeführt. Über der offenen Laterne eine ge- 
schweifte Haube mit Traufprofil. Wetterfahne in Form einer Sonne von 1757. 

Inneres: Decke der Kirche als Brettergewölbe mit Stuckrippen ausgebildet, 
wirkt kreuzgewölbeartig (ähnlich in Lochtum). Hölzernes profiliertes Wand- 
anschlußgesims. Chor um eine Stufe erhöht. 

Altarriickwand (1745), in zwei Geschossen, Holz, reich geschnitzt, mit 
vorkragender Kanzel (Taf.93a). Neben dieser auf Sockeln schlanke gewundene mit 
Laubwerk bekränzte Säulen, Vollfiguren der Evangelisten, H. 1,50 m. Matthäus 
(links, ohne Attribut) und Markus (rechts); stark verschnörkeltes Rankenwerk 
im Regencestil als Seitenabschluß. Oberhalb der Säulen am Gebälk Wappen, 
rechts: „HEINR. ST. TRAUTMAN FAST 1745" (kniender Mann mit Kelch), 
links: „ANNA SOPH. GEB. HERBST 1745" (Weintraube). Der etwas 
schmalere Aufsatz ähnlich gebaut. Auf den geschwungenen Gesimsanfängen 
Palmwedel tragende Engel. Oberhalb des Schalldeckels der Gekreuzigte, daneben 
die Evangelisten Lukas (rechts) und Johannes (links). Als Bekrönung des Ganzen 
der Auferstandene. Die von der Architektur freigelassenen Flächen wie auch die 
Kanzeltür sind mit reichem Schnitzwerk gefüllt. 



Vieneiiburg 



247 



Rechts und links neben dem Altar Durchgangstüren mit durchbrochenen 
Füllungen, ähnlich wie an der Kanzeltür. 

Taufengel, 1,15 m groß, Holz, geschnitzt und bemall, in der Linken ein 
Spruchband mit dem Tauftext, in der Rechten eine Muschel (darin die schlichte 
neue Taufschüssel). Hängt von der Decke herab. Mitte 18. Jahrh. (Taf. 90b). 

Gutsprieche, nördlich des Altares. Umfassung ähnlich den Altarumgangs- 
türen (Taf. 92 b). In den Füllungen zwei Allianzwappen (zwei Kronen, davon eine 
mit Zepter, das zweite Krone und Hufeisen mit bekrönendem Kreuz (v. König?). 

Orgel von 1857. Zehn Register. 

Zwei Altarleuchter, Messing, H. 41 cm. Schaft glatt, auf Dreiecksfu[3. 
Dorn aus Eisen. Inschriften: „AGN. JOH. TRAUTMAXS 1747" und „FR. 
ERN. RERENS 1747", ferner am Fuß ein Gießerzeichen, das den Reschau- 
zeichen an Edelmetallgeräten ähnelt (galoppierendes Pferd im Schildchen). 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Silber, vergoldet, H. 21,5 cm, Kuppa leicht 
geschweift, mit einfachem Palmettenfries. Schaft dockenförmig, Knauf birn- 
förmig. Anfang 18. Jahrh. Goldschmiedezeichen 21. 

Kelchlöffel, mit ornamentaler Durchlochung, bezeichnet in Schreibschrift: 
,,S. W. 1858." Goldschmiedezeichen 64. 

Patene, 14,7 cm. Randinschrift: ,,Anna Eleonora von König. (^,lara 
Dorothea von König Anno 1712." Weihekreuz Nr. 11. Goldschmiedezeichen 36. 

Gedenktafel, Rronze, vom Jahre 1754 als Epi- 
taph für den Pastor Heinr. Stephan Trautmann. An 
der Nord wand der Kirche, innen. Oberhalb der Tafel 
ein Ölgemälde vom Jahre 1754. Lebensgroße Dar- 
stellung des Verstorbenen. 

Drei Läuteglocken, die kleinste, 40 cm, 
während der Kriegszeit eingeschmolzen. Diese trug 
unterhalb der Haube eine Inschrift, welche gelesen 
worden ist: ,,+ Osponpu + lopngs ■ philipi gspaoli +" 
(Abb. 143). 

Die zweite Glocke, 0,85 m (Taf. 90a). Unter- 
halb der Haube über einem mit Rlättern und Wein- 
trauben geschmückten Zierstreifen in gotischen Klein- 
buchstaben die Inschrift: ,,ave maria gracia plena dms 
tecv anno dni • m cccc xcii (1492). Am langen Felde St. Georg mit dein Drachen. 

Die dritte Glocke, 1,00 m. Am langen Felde unterhalb eines Ziertrieses: 
„UNTER GLORREICHER REGIERUNG IHRO HOCH 1-i^RST- 
LICHEN GNADEN FRIEDERICH WILHELM BISCHOFF ZU 
HILDESHEIM UND COADJUTORIS ZU PADERBORN UNSERN 
GNÄDIGSTEN FÜRSTEN UND LANDE SH ERRN IST DER IrE- 
MEINDE ZU VIENENBURG DIESE GLÜCK)-: IM .lAllin-: 1 77(i 
ZU HALBER STADT GEGOSSEN WORDEN VON C. H. KNOB- 
LAUCH." Darunter ein Kruzifix und vier geflügelU' l-.ngelsköpfe. Au der 
Gegenseite ein Bibelspruch aus Sirarli Kaj). H». V. 23. 24 und der Naiuc: ..1. C. 
VOLGER, PASTOR." 




Abb. 1 lU. 
Nicnonbiirti. ovantielischc Kirchi'. 
l-",inf;oschnu)l/.iMU' (ilockc. |v. B.] 



248 Vieiienburg 

II. Katholische Kirche. St. Maria und Joseph. 

(iE sc. H I CHTE: Als 164.'i Burg und Amt V'ieneiilnirg an Hildcsheini zurückkamen, 
benutzte die nun eingerichtete katholische Amtspfarrei die Hurgkapelle für ihre Gottes- 
dienste. Nach der Säkularisation des Hochstiftes Hildesheim (1802/03) wurde 1824 der 
Gottesdienst der katholischen Gemeinde Vienenburg-Lochtum in die Klosterkirche 
Wöltingerode verlegt, da die Burgkapelle in Vienenburg baufällig war. 1829 errichtete 
man auf dem Kattenberge die jetzige katholische Kirche als einfachen Fachwerkbau, die 
Regierung zahlte (iOOO Mark Ablösungskapital dazu und stellte alles Material. 1840 ist die 
Gruppe des Gekreuzigten mit Maria und Johannes aus der Wöllingeröder Kloster- 
kirche in die katholische Kirche in Vienenburg überführt; die Pfarre in Wöltingerode 
wurde mit der katholischen Pfarre in Vienenburg vereinigt. Im Staatsarchiv in Han- 
nover sind zwei Verträge des Goslarer Bildschnitzers Heinrich Lessen mit dem Kloster 
Wöltingerode erhalten, die im Jahre 1677 abgeschlossen wurden. In den Verträgen 
bestellt das Kloster Wöltingerode einen Altar und eine Kreuzigungsgruppe mit Figuren 
in Lebensgröße, die im Triumphbogen der Klosterkirche aufgestellt werden sollten. 
Diese Kreuzigungsgruppe, die wir nunmehr Meister Lessen dem Älteren zuweisen 
können, ist jetzt an der nördlichen Wand des Kirchenschiffes der katholischen Kirche 
in Vienenburg aufgestellt. Leider hat die hervorragende Gruppe vor einigen Jahrzehnten 
eine rohe, handwerksmäßige Bemalung erfahren, durch welche die künstlerische Wir- 
kung des Werkes beeinträchtigt wird (vgl. C. Borchers in Nieders. Jahrbuch, Bd. 8, 
1931, S. 194 ff.). Vermutlich stammt auch der Altar aus der Klosterkirche Wöltingerode. 

BESCHREIBUNG: Die hochgelegene, auf hohem Bruchsteinsockel in Fachwerk 
erbaute katholische Kirche mit fünfseitigem Chor und großem Dachreiter am 
Westende ist laut Inschrift über der westlichen Eingangstür 1829 erbaut. Auf 
der Süd- und Westseite mit Ziegeln behängt. 

Inneres einfach, mit ebener, geputzter und bemalter Decke. 

Ausstattung : 

Im W^esten eine Empore, an deren Brüstung 13 hölzerne, kreisrunde 
Scheiben, 0,45 m, mit den Apostelbildern in Ölmalerei hängen. 

Altarrückwand, Holz, zweigeschossig, mit größerem Mittelbild (Kreuz- 
abnahme, Öl auf Leinwand). Seitlich korinthische Säulen, daneben die Figuren 
Johannes des Täufers (rechts) und Johannes des Evangelisten (links). Im Ober- 
teil des Altars das Monogramm IHS im Strahlenkranze. Als Bekrönung eine 
Urne im Empirestil. Am Sockel der rechten Figur befindet sich die Inschrift: 
,,Hoc altare illuminavit J. A. Pöttinger Ao. 1791." 

Seitenaltar, mit hölzernem Aufsatz (Taf. 92 c), Schnitz werk, wahrscheinlich 
von Jobst Heinrich Lessen, Bildschnitzer aus Goslar, oder aus seiner W^erkstatt. 
Anfang 18. Jahrh. Gewundene, berankte Säulen auf Sockeln, flachbogige Be- 
krönung. In der Predella Akanthusranke und Konsole. Im rundbogigen Mittel- 
feld ein Relief, Maria als Kind zwischen ihren Eltern Joachim und Anna, darüber 
eine Taube in Wolken. Vielleicht war der Aufsatz ehemals der Oberteil eines 
größeren Altares. 

Orgel, klein, aber zierlich geschnitzt. Regence. 

Zwei Altarleuchter, Messing, H. 29,5 cm, Dockenform, von etwa 1750. 
Dreiecksfuß mit Löwenklauen, als Zierate geflügelte Engelsköpfe. 

Sechs Leuchter, Holz, ausdem Anfang des 18. Jahrb., nicht mehr in Benutzung. 



Vienenburg 249 

Große Ampel vor dem Altar an drei Ketten hängend, aus Messing mit drei 
geflügelten Engelsköpfen als Kettenhalter, aus dem Kloster Wöltingerode. Ende 
17. Jahrh.? 

Weihrauchgefäß, in Schiffchenform. Am Deckel zwei Engelsköpfe mit je 
vier Flügeln. 17 Jahrh.? 

Bildwerke: Kreuzigungsgruppe, mit Maria und Johannes, lebensgroß. 
Von Heinrich Lessen auf Grund eines Vertrages von 1677 als Triumphkreuz für 
Wöltingerode geschaffen (vgl. Geschichte S. 248). Neu bemalt. An der Nordwand 
(Taf. 92 d). 

Drei Heiligenfiguren, Holz. 1) ohne Attribut, H. 1,20 m. 2) Hl. Nepo- 
muk, H. 1,10 m. 3) Mater dolorosa, etwa von gleicher Höhe, sämtlich farbig 
behandelt, in der Kirche. 

Hl. Anna selbdritt, Holz, H. 0,48 m. Ende 17. Jahrh. In der Kirche. 

Pieta, beschädigt, 2. Hälfte 16. Jahrh. Auf dem Kirchenboden. 

Kleines Kruzifix, Korpus Bronze, H. 0,34 m. Ende 18. Jahrb., auf neuerem 
Holzkreuz. Christus ohne Dornenkrone, Brustkorb voll heraustretend, Leib stark 
eingezogen, von schmalem Lendentuch umwunden. In besonderer Verwahrung. 

HI. Anna selbdritt, Holz, H. 0,80 m. Um 1500. Im katholischen Pfarrhaus, 
Privatbesitz des Geistlichen. Taf. 92a. 

Meßgeräte: Meßkelch, Silber, vergoldet, H. 22 cm, Sechspaßfuß, Knauf 
birnförmig. 18. Jahrh. Goldschmiedezeichen 33. 

Patene, 14^4 cm, zum Kelch gehörend. 

Meßkelch, H. 19 cm, mit gotisierender Kuppa, Rand gebördelt. Zeitstellung 
unbestimmt. Goldschmiedezeichen 56. Beschauzeichen unkenntlich. 

Patene, in Schalenform, neu. 

Ziborium, Silber, vergoldet, H. ohne Deckel 20,5cm, mit Deckel 30 cm. Am 
Deckel ein kleines Kruzifix. Inschrift: „FRANS EDM UNDT FRE IH ERR 
VON REÜSHENBERG • DROSTE ZUR VINENBURG MARIA 
CLARA FREY FRAW VON REUSCHENBERG GEBOHRNE VON 
VIRMONDT ANNO 1702." Außerdem das Ehewappen. Goldschmiede- 
zeichen 35. 

Monstranz aus unedlem Metall, H. 60 cm, etwa Mitte 19. Jalirh. 

Tablett mit Meßkanne hen, Silber, H. 9 cm. Tablett, oval, 30x21,5 cm, 
mit zwei Wappen auf Krummstäben. 

Antependium mit alter Seidcnflachslickerei (große Blumen). .\m Seiten- 
altar. 

Unter den im Pfarrhause aufbewahrten Meßgewändern ist ein auf rotem 
Seidenplüsch mit Gold besticktes Pluviale aus dem 16. Jahrh. besonders wert- 
voll (Taf. 90 d). Granatapfelmusler. Die übrigen Kasein, Manipeln. Stolen und 
Kelchdecken zeigen Blumenstickerei auf weißer oder farbiger Seide. 

Zwei Reliquienkästen mit reichem Rokokorahmen und ;iUer Hemalung, 
jetzt außer Gebrauch. 



250 Vieneiibur^» 

III. Domäne (ehemalige Burg). 

Quellen: 1. iieveriiia, Nr. 231r: Laiidbescliieibimg des Amtes Vieiienburg, 
1769. Nr. 191: Episcopatus Hild. in tabulis, 1758, III., Vienenburg, Kartenbände 

Nr. 196, 196a. Staats-Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74, Ami Wöltingerode, IX., 

VI. und IV.; desgl. IX., Cameralia II., Fach 5, Nr. 3., App. Amt Vienenburg. Ca- 
lenberg-Br. Arch. des. 10, 3m. - Hann. II. C. A. Vienenburg, A. la. Hann. des. 74, 
IX., IL, Fach 5, Nr. 20, Beschreibung des Amtes, 1772. Staats-Arch. Hann., Kart.- 
Registcr A. I. A. f, Nr. 44. Staats-Arch. Hann., Urk., Urkunden des Domstiftes 

Hildesheim. Arch. Wolf., Grenzregister Amt Vienenburg. Arch. Hild., Sammel- 
band 182 und 187, Top. Tableau des Amtes Vienenburg. Bauinventar des Staatl. 
Hochbauamtes Goslar. 2. U. B. Hild., IV. VI. U. B. Goslar, III. V. Suden- 
dorf, HI, X. U.B. von Saldern, I. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 88. Bertram, Gesch. Bist. Hild., L, S. 350, 
353, 371, 414, 426, 435; IL, S. 8, 35; III. S. 29, 31, 45, .54, 203, 249 ff., 317. Bertram. 
Bischöfe, S. 82, 115, 161, 169 ff., 260 ff., 280. Blume, Heimat, S. 274 ff. Borchers, 
Bildschnitzer Lessen, 'S. 194. Bornstedt, Siedlungen, S. 19. Görges-Spehr, Denk- 
würdigkeiten, IL, S. 299. Havemann, Gesch. Braunschw., HL, S. 50, 670. Hen- 
kel, Handbuch, S. 11, 12. - Henkel, Kurze Gesch., S. 163. Henkel, Pfarrklerus, 
S. 163 ff. Kayser, Visitationen, S. 183. Klewitz, Territ. Entwicklung, S. 39, 72. - 
Lüntzel, Gesch. Diözese, IL, S. 398. Machens, Archidiakonate, S. 92. Mithoff, 
Kunstdenkmale, S. 234, 235. Oehr, Ländl. Verhältnisse, S. 33, 90. Opel, Nieders.- 
dän. Krieg, IL, S. 575. Schaar, Übergang der Vienenburg an Hild. Vogell, Gesch. 
Schwicheldt, S. 77, 143, 146, 170, 175, 235. Zobel, Heimatbuch, S. 204 fL 

GESCHICHTE: Aus den Steinen der 1291 zerstörten Harliburg sollen die benach- 
barte Vienenburg und die Wasserburg Wiedelah aufgebaut sein. Wer die Vienenburg 
erbaut hat, ist urkundlich nicht festzustellen. 1306 stellt Graf Burchard VII. eine 
Urkunde in der ,,Vineburch" aus, es ist die erste urkundliche Erwähnung der Burg. 
Es ist zu vermuten, daß Graf Burchard VII. nach der Zerstörung der Harliburg mit 
Zustimmung seines Vetters, des Bischofs Siegfried von Hildesheim, die Vienenburg 
aus den Trümmern der Harliburg erbaut hat. Die Vienenburg war zweifellos erbaut, 
um den Wiederaufbau der Harliburg oder den Neubau einer anderen Burg in der 
Nähe der Harliburg mit Waffengewalt zu verhindern. Aus einer Urkunde des Jahres 
1319 (Hoogeweg, IV., S. 481) geht diese Absicht deutlich hervor. Im Anfang des 14. Jahr- 
hunderts erscheinen die Grafen von Wernigerode im Besitz der Vienenburg. 1323 ver- 
kaufte König Ludwig der Bayer den Zoll an der Radau bei Vienenburg unter Vorbehalt 
des Wiederkaufsrechtes an die Grafen von Wernigerode. Aber bereits 1341 verpfändete 
Graf Konrad von Wernigerode die Vienenburg an die Stadt Goslar, später an den Ritter 
Bodo von Salder, bis sie 1367 an den Bischof von Hildesheim überging. 

Das Gebiet, auf dem die Vienenburg erbaut wurde, war rechtlich Lehnsgut der 
Grafen von Wohldenberg, ihr Besitz sollte nach einem Übereinkommen der Bischöfe 
von Hildesheim mit den Grafen von Wohldenberg nach dem Aussterben der Familie 
an das Bistum Hildesheim fallen. 1383 starb das Geschlecht der Wohldenberger mit 
Graf Gerhard aus. Zehn Jahre später verpfändete der Bischof von Hildesheim die 
Vienenburg an die Edlen von Dorstadt. Diese errichteten 1402 in der Vorburg der 
Vienenburg eine Kapelle, die der Pfarrkirche zu Klein-Lochtum als Tochterkirche 
unterstellt war. 1423 wurde die Vienenburg an die Herren von Rössing verpfändet; 
im 15. Jahrhundert hat der Pfandbesitz der Burg mehrmals gewechselt; Inhaber der 
Vienenburg waren nacheinander die von Langein, von Schwicheldt, von Cramm und 
von Hoym. Bei Ausbruch der Hildesheimer Stiftsfehde 1519 war die Vienenburg in 
der Hand Friedrich von Weverlings. Herzog Heinrich d. J. nahm 1521 die Burg ohne 
Kampf ein. Nach Beendigung der Stiftsfehde mußte 1523 Bischof Johann IV. von 



J 



Vienenburg 



251 



Hildesheini Burg und Amt Vienenburg an Braunschweig abtreten. Zum Amte Vienen- 
burg gehörten das Vorwerk Wennerode, die Dörfer Vienenburg und Lochtum. 

Im 30jährigen Kriege besetzten am 4. Januar 1626 kaiserliche Truppen des Obersten 
Graf Schlick die Burg; am 9. Januar war Wallenstein auf der Vienenburg und leitete 
von hier aus seine Truppen gegen die Burgen Wiedelah und Schiaden, die bald darauf 
in seine Hand fielen. Durch den Vertrag zwischen Braunschweig und Hildesheim kam 
1643 die Vienenburg mit dem Amt an das Fürstbistum Hildesheim zurück. In Vienen- 
burg wurde eine katholische Amtspfarrei errichtet, als Gottesdienststätte diente die 
Burgkapelle. Bischof Maximilian Heinrich gab um 1650 Burg und Amt Vienenburg 




Abb. IM. Vienenburg, Domäne, C.riindiiß der ehenialipien Hurt» um IDÖit (1 : 1000). (v. H.J 



tür 400000 Rtlr. an den kaiserlichen Kriegsral und Marschall Baron von Rauschen- 
])erg, dessen Familie gab 1746 Burg und Amt an llildcshoim zurück. Das Amt Vienen- 
burg wurde nunmehr durch einen bischöflichen Drost, das (iut durch einen Amtmann 
verwaltet. Im August 1802 kam Vienenburg unter preuLiische Herrschari, im folgcmlcii 
Jahre ist dann der Amtshof in eine Domäne verwandelt. 

Nach dem Inventarium des Amtes Vienenburg befanden siiii ISlS in der Ökonomie 
Vienenburg folgende Gebäude: Ökonomi^^haus (138 Fuß Länge, 33 'o Fuß Breite). 
Meierei (98 V^ Fuß Länge, 27 ^., Fuß Breite), Brauhaus (9(5 Fuß Länge, 26 ^., Fuß Breite), 
das alte Burggebäude (70% Fuß Länge, 29 Fuß Breite) und andere Gebäude. 1853/54 
wurde der Turm der Vienenburg für (^07 l^tlr. auf Kosteti der Kgl. Hnnn. Doniänen- 
Kammer wiederhergestellt. 



252 Viencnburg 

BESCHREIBUNG: Die Domäne Vicnen bürg isl aus der allen F^urf^anlage hervor- 
gegangen. Die Burg liegt auf einem ins Okerlal nach Norden, Süden und Westen 
steil ablallenden Hügelvorsprung (Tai. 91 b). Sie isl in ihrer alten Ringform, umgeben 
von den Wirtschaftsgebäuden noch gut erkennbar (Abb. 144). Nach den genannten 
Himmelsrichtungen sind die Gebäude auI3en mit einer 1,00 m starken hohen Mauer 
aus Bruchstein geschützt, während an der Ostseite ein liefer und breiter, jetzt 
trockener Graben den Schulz l)ildet Einzelne (rebäude haben oberhalb der Bruch- 
steinmauern noch ein Fachwerkgeschoß. Die I'"-infahrl liegt auf der Ostseite in 
einem besonderen Pf ort hause, das durch eine neuere massive dreijoehige Bogen- 
brücke mit der jenseits des Grabens vorüberführenden StratJe verbunden ist. l^twa 
in der Mitte des nach Westen leicht abfallenden Burghofes steht der runde aus 
Bruchsteinen errichtete Bergfried von fast 24 m Höhe (Taf. 94a) 7,90 m. 
Zur Zeit ist allein das untere überwölbte Erdgeschoß durch eine rundbogige Tür 
zugänglich. Mauerstärke hier 2,63 m. Baumaterial Bruchstein, zum Teil hammer- 
recht bearbeitet. Ein früher neben dem Turm liegendes, festes Haus isl nur noch 
in den Fundamenten erhalten. Der abgebildete Plan der ganzen Burg (Abb. 144) 
gibt ein Bild der Anlage um 1900. Die den Burgring bildenden, jetzt Wirtschafts- 
zwecken dienenden Gebäude, Viehställe, Scheunen, Molkerei und Brauhaus sind 
zu verschiedenen Zeiten aus Fach werk errichtet. Das Pächterwohnhaus liegt 
auf der Westseite des Burgringes, in neuerer Zeil mit Anbauten versehen, innen 
völlig umgebaut. 

Am Pforthause bildet ein Wappenslein oberhalb der Tür zum Kornboden 
die Fachwerksfüllung. Fürstbischöfliches Wappen von 1725. 

Unter sonstigen Einzelheiten ist noch ein Kamin mit Stuckarbeit in der 
Molkerei erwähnenswert. 

Das Brauhaus stammt nach der Form der Wulstkonsolen unter dem Dach- 
vorsprung aus dem 17. Jahrh. 



IV. V. Königsches Mausoleum. 

Neben der Burg befindet sich in Vienenburg ein Gut (Edelhof) der Freiherren 
von König, das sich wohl aus einem freien Sattelhofe entwickelt hat. Werner König, 
der von 1603 — 16 Kanzler des Herzogs Friedrich Ulrich von Braunschweig war, erwarb 
1606 das Gut als „freien Burglehnhof und Rittersitz neben dem fürstlichen Schlosse 
belegen" von Statins von Münchhausen. 

Im unzugänglichen Mausoleum der Familie v. König auf dem Friedhofe 
hängt ein etwa 1 qm großes Altarbild (Himmelfahrt Christi), das 1624 von 
einem Familienmitgliede der nicht mehr bestehenden Kirche von Klein-Lochtum 
(über diese vgl. unter Lochtum S. 166) gestiftet worden ist. Entweder nach 
italienischem Original oder Original von einem Italiener. Das Stück ist Familien- 
besitz. Kronleuchter etwa aus derselben Zeit stammend. Profiliertes hölzernes 
Mittelstück mit sechs S-förmigen eisernen Armen. 



253 

Weddingen. 

Evangelische Kirche. Domäne (ehemaliger Komturhof). 

Quellen: 1. Staats- Arch. Hann., Akt. Hild.-Br. Arch. des. 3, Hild. Klöster, Akten, 
I., Nr. 19. - - Hann. des. 74, Amt Wöltingerode, III., X. 1, 4g; desgl. IX., IL, Fach 5, 
Nr. 3. - Staats-Arch. Hann., Urk. Fürstentum Calenberg, Dtsch. Ord. Kommende 
Weddingen, 23 Urkunden, etwa 1280—1685. — Bibl. H. V. N., Handschrift 317. — 
Pfarrarchiv Beuchte, Akten über Kirchenbauten in Weddingen, 1711 — 14. — Bau- 
inventar des Staat!. Hochbauamtes Goslar. 2. U. B. Hild., I., III. — VI. — U.B. 
Goslar, II. V. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 59 ff., 94, 168. Bertram, Gesch. Bist. Hild., 
L, S. 104, 304. - Blume, Heimat, S. 389 fL — Bornstedt, Siedlungen, S. 19. Hooge- 
weg, Stifter und Klöster, S. 129, 130. - Kayser, Visitationen, S. 186. — Klewitz, 
Territ. Entwicklung, S. 13, 25, 35. — Lüntzel, Alt. Diözese, S. 167, 170, 321, 324. - 
Lüntzel, Gesch. Diözese, L, S. 95, 245. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 237, 238. 

Mithoff, Kirchen und Kap., S. 5. — Werneburg, Gau und Grafschaft, S. 48. — Zobel, 
Heimatbuch, S. 222 fL 

GESCHICHTE: Das Dorf Weddingen wird zuerst in einer Urkunde Kaiser Heinrichs HL 
im Jahre 1053 erwähnt. Damals schenkte der Kaiser dem Marienaltar der Hildes- 
heimer Kirche das dem Tiemo abgesprochene Gut im Leragau, dazu gehörte auch Be- 
sitz im Dorfe ,,Witungen". Als 1174 Bischof Adelog von Hildesheim die Gründung 
des Klosters Wöltingerode bestätigte, besaß das Kloster in ,, Wedinge" als Schenkung 
der Gründer, der Grafen von Wöltingerode (-Wohldenberg), eine halbe Hufe Land 
und eine Hofstätte. Danach gehörten die Grafen von Wöltingerode zu den ältesten 
Grundherren in Weddingen, von ihnen war ein Geschlecht von Weddingen belehnt, 
das 1206-1310 in zwei Urkunden auftritt; Näheres ist über dies Geschlecht nicht 
bekannt. 

Im Jahre 1227 begründete der Ritter und Bürger Ciiselbertus von Goslar, der frühere 
Reichsvogt, ein Hospital an der Königsbrücke in Goslar und überwies die Stiftung 
dem Deutschen Ritterorden zu freiem Besitz, nachdem er das Hospital noch mit Land, 
Mühlen, Wald und Zehnten ausgestattet hatte. Der bischöfliche Minist erial Heinrich 
von Birkenstein schenkte 1287 dem Haus des Deutschen Ordens die Kirche zu Wed- 
dingen mit dem Patronatsrechte; aus Urkunden des gleichen Jahres geht hervor, daß 
auch anderer Besitz des Heinrich von Birkenstein in Weddingen durch Kauf in den 
Besitz des Ordens übergegangen war, so der Zehnte, 2 Hufen Land, 6 Höfe, eine Wiese 
und eine Weidenpflanzung. 1280 hatte der Orden bereits das Patronatsrecht im bonach- 
barten Beuchte erworben. Da die von Birkensteinschen Güter Lehen des Hildesheimer 
Bischofs waren, so erwarben die Domherren Heinrich und Otto von Wohldenberg 1295 
im Tauschwege das Eigentumsrecht an dem von Birkensteinschen Gut und schenkten 
dies dann dem Deutschen Orden. Nachdem 1296 der Bischof die Schenkung des Pa- 
tronats an den Orden genehmigt halte, erwarb der Orden in den nächsten .laiiren von 
den Rittern Konrad von Sauingen, Konratl von dem Dike und Burchard von Wilden- 
stein weiteren Grundbesitz in Weddingen, so daß nach 1300 bereits ein sehr erhebliches 
Gut in Weddingen im Besitz des Deutschen Ordens war. In dieser Zeit verlegte der 
Orden den Schwerpunkt seines Wirkens nach Weddingen, die Goslarer Besitzungen 
wurden veräußert, und dann wurde die Niederlassung in Goslar aufgegeben. 1335 ge- 
stattete Bischof Heinrich dem Komtur des Deutschen Ordens in Sachsen, (ieistliche 
des eigenen Ordens für die Pfarre zu WL>d(lingen vorzust-hlageii. (iic der Archidinkon 
zulassen sollte. 

Außer dem Deutschen Orden hatten (rruudbesilz in W'eddingi-ii auch das St. 
Michaeliskloster in Hildesheim, dessen Besitz 1320 an den Orden überging, das Kloster 



254 



"Weddingt'ii 



Neuwerk in Goslar und das Kloster WolLiii^^erode. 1542 wurde die Kirciie in Weddingen 
der Reiormation zugeführt. Der Visilalionsbericht des Sehnialkaldisehen Bundes 
schreibt über Weddingen: „Ist ein Capell, der Cumpthur zu I.ulkelem (die übergeordnete 
Landkomturei Lucklum) lest sie vorsehen von dem hole daselbst (dem Komturhofe 
Weddingen)." Im 30jährigen Kriege wurde 1625 der Komlurhof von Wallensteinschen 
Truppen geplündert, darüber führte der Hochmeister des Meisterlums Mergentheim, 
.Johann Eustach von Westernach, Klage bei Wallenstein. Nach dem groljen Kriege 
war der Komturhof in der zweiten Hälfte des 17. .Jahiiiunderls zeilweise verpachtet. 

Nach dem Lüneviller Frieden kam 1802 das Bistum Hildesheim mit allem geist- 
lichen Gut an Preußen. Zur Zeit des Königreiches Westfalen war der Komturhof in 
Weddingen zugleich mit dem Klostergut Wöltingerode im Besitz des Juden Israel 

Jacobsohn, der diese Güter von der west- 
fälischen Regierung gekauft hatte. Da nach 
hannoverschem Gesetz kein Israelit Grund- 
eigentümer sein durfte, mußte 1815, als das 
Bistum Hildesheim an das Königreich Han- 
nover kam, Jacobsohn den Komturhof an 
die Regierung abtreten. Seit dieser Zeit ist 
der Komturhof eine staatliche Domäne, die 
zusammen mit dem Vorwerk in Immenrode 
verpachtet wird. 

Der Ostflügel des Wohnhauses ist 1590 
unter dem Komtur Gebhard von Hohnrode 
erbaut, ein kleiner, dem Hinterhofe zuge- 
wandter Vorsprung im Jahre 1617; 1925/26 
wurde dieser Ostflügel unter Schonung 
des alten Bestandes um- bzw. neugebaut. 
Der Südflügel stammt aus dem Anfang 
des 17. Jahrhunderts. Eine 1727 von dem 
Komtur Wilhelm von Reden erbaute Scheune 
brannte 1908 ab. Der westliche Teil des 
Stallgebäudes ist 1707 errichtet, der östliche 
Teil 1731 unter dem Komtur Friedrich von 
Holle. Das sog. Pforthaus mit der Wohnung 
für den Hof- und Schafmeister stammt aus 
dem Anfang des 18. Jahrhunderts. 

Über die Kirche zu Weddingen sind 
aus älterer Zeit nur wenige Nachrichten er- 
halten. Nach den Kirchenakten wurde 1711 — 14 an der Kirche gebaut, die Bausumme 
belief sich auf 393 Rtlr. 34 Mgr. 5 Pf.; 50 Tlr. schenkte der Landkomtur von Bülow 
der Landkomturei Lucklum zu dem Bau. 1781 wird berichtet, daß der Kirchturm 
sehr baufällig ist; überhaupt müsse die ganze Kirche neugebaut werden, da das Mauer- 
werk des Kirchenschiffes stark ausgewichen sei. 1784 wurde die alte Kirche abgerissen. 
Zimmermeister G. C. Wunderlich, Braunschweig, entwarf den Plan für den Neubau: 
1786 war die Kirche mit der Ausstattung des Inneren vollendet, die Baukosten beliefen 
sich auf 1832 Rtlr. 17 ggr. 11 Pf. Aus der alten Kirche wurde der Taufstein übernommen. 
Die Glocke ,,Michaely" goß 1640 der Glockengießer Jürgen Schrader in Goslar. 1867 
erhielt die Kirche eine neue Orgel. Am 11. Juni 1886 fuhr ein Blitzstrahl in den Kirch- 
turm, ohne zu zünden, und zerstörte den Turmknopf, Teile des Glockenstuhles und 
des Werkes der Turmuhr. 

Das Patronat über die Kirche zu Weddingen übte bis 1803 der Landeskomtur 
der Landeskomturei Luklum aus, nach dem Reichsdeputationsschluß wurde das Pa- 
tronat an die Gemeinde abgetreten. 




<?-^" 



Abb. 145. Weddingen, Domäne, Lageplan (1:2000). 



"Weddingen 



255 



OBERGESCHOSS 




ERDGESCHOSS 



BESCHREIBUNG: KIRCHE. 

In Bruchstein erbaut, von rechteckiger Grundform, mit fünf Seiten des Zehn- 
eckes geschlossen (Taf. 94b). Wände verputzt. Auf jeder Langseite fünf mit 
Sandsteingewänden umrahmte korbbogige Fenster. Achtseitiger beschieferter Dach- 
reiter im Westen; oberhalb der mit acht rundbogigen Schallöffnungen versehenen 
Laterne eine geschweifte Haube, Wetter- 
fahne von 1886. Haupteingang an der 
Westseite, ein Nebeneingang an der 
Nordostseite des Chores. Das Innere 
ist schlicht. 

Ausstattung: 

Taufstein, H. 0,87 m, mit sechs- 
seitigem Becken, 0,65 m, auf ver- 
jüngtem Fuß, an vier Seiten mit Engels- 
köpfen geschmückt, die fünfte mit Wap- 
pen und den Buchstaben: ,,A. H. v. L.", 
die sechste mit einer im Knorpelstil 
umrahmten Spruchtafel. Tauftext: Mar- 
kus 16. Auf dem Beckenrande die Um- 
schrift: ,,Gott zu Ehren u. zum gedecht- 
nif H. Arnold Herm. v. Landzberg L. 
L. C. gebohrn Aö 1638 II Mart 1664 
gestorben, hir im Cohr begraben diesse 
Taufstei gesetzet seinef alters 27 Jahr" 
(Taf. 90c). 

Taufschale, Kupfer, 0,54 m. 
Am 11 cm breiten Rande und im Boden 
die sauber zieselierte Inschrift: ,,AUS 
DES EVANGELIS : JOHAN : 
3CAPT.VERS5. WARLICH WAR- 
LICH, ICH SAGE DIER ES SEY 
DAN DAS lEMAND GEBOHREN 
WERDE AUS DEM WASER UND 
GEIST SO KAN ER NICHT IN 
DAS REICH GOTTES KOMEN. 
FR. ANNA ELISABETHA DO- 
MES. HER JOHANN ERICH 

SCHÄFERS HAUSFRAU HAT DIESES ZUR EHRE GOTTES HIE- 
HER VEREHRET DEN 3 MARTY ANNO Hl.Sl.- lu der Mille .les 
Bodens ein Tatzenkrouz. 

Zwei Läuteglocken, die größere, 0,84 m. Unterhalb der Haube ein Zier- 
band. Darunter die dreizeilige Inschrift: „SOLI DEO GLORIA. GEORGIUS 
MVLLERVS PASTOR ZU BEVCHTE * CH 1 STOPHERU S DOMES 
* AVTOR HARTWICH * / HANS NORDTMl-.YKR DURCHS FEVPx 




Abb. 146 und 147. 
Wcddintjcn, Domäne, altes Wohnliaus (ohemalifies 
Komturliaus), GinndriU des Krd- und dos Ober- 

jieschosses (1 : 500). 



256 



Wcddingei) 



BIN ICH GEFLOSSEN * JVRGEN SCHRADER HAT MICH GE- 
GOSSEN. GOSLAR MICHHÄILY BIN ICH GENANT. / * HANS 
* ALBORCx IIEINERK * BEHKER 4= ANNO * DOMINI HUO * 
AVK GOTT HOl^'Fl^ ICH *." riilcr der Sdirili (Ins ^»leichc ZiiThaii«! wie 
oben, aber koplsleheiid. 

Die kleine Glocke, 0, !•) iii. iiisclirill: .JII^RMAN WlLKl'.N GOSS 
MICH ZV WVLFENBVTTEL FLOSS ICH ANNO M DC XII*" 
zwischen zwei gotischen Friesen unterhalb der Haube Am langen Feld ein 1 cm 
hohes Relief bildchen der Maria auf der Mondsichel. 

Altardecke aus geblümtem Stoff, mit roter Seide auigenähl die Buchslaben: 



MG 
IMK 



LNB 

MSF 



1800. 
Altarclecke, aus schwarzer Wolle, herzförmig umrahmt, die Inschrift mil 
Silberfäden aufgenäht: ,,Gott zu ehren und der gemeine zu dinen ist Alltar und 
Taufstein bekleidet worden von 10 Jungfrauen in Weddingen 1830." 




Abb. 148 und 149. Weddingen, Domäne, altes Wohnhaus, Querschnitte des 
Ost- und des SüdfUigels (1:250). 



DOMÄNE. 
Die Domäne Weddingen, als Komturhof erbaut (Abb. 145), war von einem 
jetzt größtenteils zugeschütteten Graben umzogen. Der einstige kleine Innenhof 
hat infolge Niederlegung der westlichen und südlichen Baulichkeiten seinen ursprüng- 
lichen Charakter eingebüßt, doch ist der nordöstliche Hofwinkel, der von dem ehe- 
maligen Pächterwohnhaus gebildet wird, in alter Form erhalten (Taf. 89). 
Dies freistehende, zweigeschossige, im Jahre 1590 in Eichenfachwerk auf Bruchstein- 
sockel erbaute Haus (Abb. 146 — 149) enthält gleichzeitig das breite, von Osten her 
mittels steinerner Brücke zugängliche Einfahrtstor. Obergeschoß um etwa 20cm 



Weddingen 257 

vorgekragt, die einfachen Balkenköpfe durch profilierte Knaggen unterstützt. 
Füllhülzer reicher geschnitzt. An der Setzschwelle ein doppeltes Bogenband. 
Brüstungsgefache mit Andreaskreuzen verstrebt, Gefache mit Bruch-, Back- und 
Lehmsteinen ausgemauert, mit Kalk geputzt und geweißt. 

Besonders reizvoll ist die Brüstung des kleinen Erkers (Taf. 91 d). An der 
Setzschwelle zwischen zwei Wappen (links ein schwarzes lateinisches Kreuz auf 
weißem Grund, rechts ein Drachen, gleichfalls schwarz auf weißem Grund). Inschrift : 
,,Anno Doni 1590 hat der erwirdige edle und ermidlicher / gebhart v. honrode 
commenthur zu wedin hat diß havs von grundt aus midgebawt." In den Füllungen 
unter Bögen je ein Lebensbaum, links mit einer Raute, in der Mitte mit einem 
Vogel als Bekrönung, rechts mit einem Kreuz, beseitet von Vögeln auf den Bogen- 
kämpfern. In den Zwickeln Sterne und Vögel. 

Oberhalb der Eingangstür zum 1926 erbauten Pächterwohnhaus eine Sand- 
steintafel mit Kartusche und Krone und Zierrahmen. Inschrift: ,,HAC TUTUS 
IN ARGE." 1692. 

Am 1913 — 15 erbauten Rindvieh- und Pferdestall eine Inschriftplatte mit 
der Bezeichnung: ,, Friedrich von Holle der Teutschen Ordensritter und Comenthur 
zu Weddingen Anno M • D • CCXXXI." 



Wehre. 

Evangelische Kirche. 

Quellen: 1. Staats- Arch. Hann., Akt. Hann. des. 74, Amt Wöltingerode, III., 
X. 1, 4f. — Bibl. H. V. N., Handschrift 317. — 2. U. B. Hild., L— VI. — U.E. Goslar, 
IL— IV. — U.E. von Saldern, I. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 25. — Ecrtram, Gesch. Bist. Ilild., L, S. 101. 
— Blume, Heimat, S. 374 ff. — Bode, Uradel, S. 219. — Bornstedt, Siedlungen, S. 19.— 
Kayser, Visitationen, S. 185. — Klewitz, Territ. Entwicklung, S. 13, 25. — ■ Lüntzel, 
Alt. Diözese, S. 169, 324. — Mithoff, Kunstdenkmale, S. 238. — Mithoff, Kirchen und 
Kap., S. 5. — Werneburg, Gau und Grafschaft, S. 48. — Zobel, Heinuitbuch, S. 169 ff. 

GESCHICHTE: In einer Kaiserurkunde Heinrichs IIL wird 1053 das Dorf „Ost- 
werri" im Gau Lera erwähnt; hier hatte Tiemo Güter, die ihm abgesprochen waren 
und nun vom Kaiser der Hildeshcimer Kirche geschenkt wurden; über das Dorf West- 
wehre erfahren wir nichts. Dagegen taucht 1146 in der Stiftungsurkunde des Klosters 
St. Godehard in Hildesheim der Ort ,,Werre" ohne weitere zusätzliche Bezeichnung 
auf. 1158 erhielt das St. Petersstift bei Goslar vom Bischof Bruno eine Hufe Landes 
in Werre, auch das Kloster Ringelheim ist 1209 im Besitz einer Hufe ,,in Werro". Im 
13. Jahrhundert und später werden die beiden Dörfer als Groß- und Klein-Wchre 
unterschieden. 1258 verkauft der Bischof dem Neuen Hospital in Goslar 5 Hufen in 
magno Werre. Mit Klein- Wehre wurde das alte Ost wehre (nach Schiaden zu), mit 
Groß-Wehre das heutige Wehre bezeichnet. Kloin-Wohre scheint Ende des 16. Jahr- 
hunderts, spätestens aber im 30jährigen Kriege, wüst geworden zu sein. 

Im 12. Jahrhundert tritt die Familie der freien Herren von Wehre auf, aiißeriiem 

gab es zu gleicher Zeit noch eine zweite Familie dieses Namens, die aber nur als liildes- 

heimische Ministerialenfaniilie erscheint. Vermutlich stammt jede der Familien aus 

einem der beiden Dörfer Wehre; das Staninihaiis der freien Herren von Wehre lag, 

33 



258 Wehre 

ebenso wie ihr beträchtliches Eigengut/in Groß- Wehre, auch hatte diese Familie Güter 
in der Umgebung Wehres von geistlichen und weltlichen Herren und Fürsten zu Lehen. 
Das Eigengut der Familie kam in seinen wesentlichen Stücken nach und nach an das 
Domslil't in Goslar. 1268 traten die Herren von Wehre die Kirche zu Wehre, die ur- 
sprünglich in ihrem Besitz war, an das Domstift in Goslar als Entschädigung für rück- 
ständige Zinsen ab, desgleichen verzichteten sie 12G0 auf die Vogtei über die Güter 
des Donistifles. Außer dem Domslift zu Goslar und den obenerwähnten Klöstern hatten 
auch die Klöster Frankenberg in Goslar, Heiningen und Dorstadt Grundeigentum 
in Wehre; die Herren von Burgdorf besaßen ein Reichslehn in Wehre, die Ritterfamilie 
von der Gowische dort Güter des Domstiftes, mit denen später die Herren von Schwicheldt 
belehnt wurden. In Klein-Wehre wurden die von Schwicheldt gleichfalls vom Bischof 
mit Land belehnt, das später durch Verpfändung in der Hand verschiedener Adels- 
familien war. 

Nach Errichtung des Amtes Wiedelah, deren Burg 1341 von den Hildesheimer 
Bischöfen erworben war, gehörte Wehre zu] diesem Amt. Um 1370 starb die freie 
Familie von Wehre und bald darauf auch die Ministcrialenfamilie von Wehre aus; ein 
Teil des von WehrescJien Eigengutes und ihrer Lehen wurde von den Rittern von 
Dornten erworben. 

Mit dem Amte Wiedelah kam 1523 Wehre an Herzog Heinrich d. J. von Braun- 
schweig- Wolfenbüttel, 1643 an das Hochstift Hildesheim. 

Über die 1268 zuerst genannte Kirche in Groß- Wehre sind aus alter Zeit nur wenige 
Nachrichten erhalten. Das Patronat übte bis zur Reformation das Domstift in Goslar 
aus. 1542 wurde die Reformation eingeführt, seit 1568 die Pfarre in Wehre von Schiaden 
mit verwaltet. Im 30jährigen Kriege brannten 1626 die Kirche, des Opfermanns (Küsters) 
Hüttlein und andere Häuser nieder. 1670 wurde der Kirchturm in Wehre neu erbaut, 
bereits vorher muß das Kirchenschiff instand gesetzt sein, 1712 wurde das Kirchen- 
dach wiederhergestellt und ein neuer Knopf auf den Turm gesetzt, der bei einer noch- 
maligen Erneuerung der Kirche im Jahre 1785 wiederum durch einen neuen Knopf 
mit Fahne ersetzt wurde. Als Patron der Kirche erscheint damals das Domkapitel in 
Hildesheim. 1824 erhielt das Gotteshaus eine Orgel, die von dem Orgelbauer Lindrum 
in Goslar geliefert wurde. Die Kosten einschließlich der Errichtung einer Orgelprieche 
betrugen 226 Rtlr. 18 ggr. 8 Pf. 1832 wurden durch einen Brand, der das Pfarrhaus 
und die Schule heimsuchte, auch der Glockenboden und das Turmdach der Kirche 
beschädigt. 

BESCHREIBUNG: Die Kirche ist — wahrscheinlich auf alten Mauerzügen — ■ 
über einem Rechteck von 20,60x7,20 m in Bruchstein erbaut. Mauern 0,80 m 
stark, außen mit Zementspritzputz. In der Nordwand außer einem schmalen 
Lichtschlitz mit altem bleiverglasten Fenster in Holzrahmen nur ein großes Fenster 
nahe der Ostecke. In der Ostwand ein kleines Rundbogenfenster, in der Südwand 
vier große Rechtecksfenster. Der — einzige — Eingang liegt an der Südseite. 
Dieser wie auch sämtliche Fenster mit Werksteingewänden (Taf. 94c). 

Achtseitiger Dachreiter, im Westen mit kleinem Erker für Zifferblatt und 
Uhrschlagglocke. Zeltdach. Giebeldreiecke des Schiffes aus Fachwerk, verputzt. 
Wetterfahne von 1785. 

Inneres mit hölzerner Halbkreistonne. 
Ausstattung : 

Emporen an der West- und Nordwand. 

Schlichte Kanzel an der Südwand. 

Kronleuchter, Messing, zweimal neun geknickte S-förmige Arme, Kugel 
hohl. Um 1810. 



Wehre 259 

Altarleuchter, Gußeisen, H. 36 cm. Anfang 19. Jahrh. 

Abendmahlsgeräte: Kelch, Silber, H. 17 cm. Trichterkuppa leicht ge- 
schweift. Linsenförmiger Knauf mit Strichornamenten, diese auch am Fuß. In- 
schrift: „HINRICH DICKMEIR CARNET ELISABETH KNOPS." 
Mitte 17. Jahrh. Ohne Goldschmiedezeichen. Weihekreuz Nr. 6. 

Kelch, Silber (?), vergoldet, H. 19,5 cm. Sechspaßfuß. Knauf linsenförmig. 
Schaft sechseckig. Kruzifix am Fuße, Ornamentstreifen am Kuppenrande. Um 1750. 

Patene, Silber, vergoldet, zum vorgenannten Kelch gehörend. 14 cm, 
mit Weihekreuz Nr. 12. 

Kruzifix, Holz mit Kreideüberzug, H. 0,60 m. Auf dem Altar. Ende 18. Jahrh. 

Ölgemälde, 0,67x1,00 m. Abendmahl von Valentin Curdt Vorlob. 1748. 

Glocke, 0,63 m. Zwischen Zierleisten: „HILDESIAE SUM FACTA 
ET RENOVATA TEMPORE, QUO I. G. CH. REICHE / 9 PASTOR 
ECCLESIAE WEHRESIENSIS ERAT ANNO DOMINI ETREDEMP- 
TORIS / M M D CCCX GEGOSSEN VON CA. BECKER IX HILDES- 
HEIM." 

Zweite Glocke von 1923 (Radler, Hildesheim). 

Eine Glocke, gegossen 1810 von J. C. F. Wicke in Braunschweig, H. 0,79 m, 
wurde nicht mehr festgestelU. 

Sonnenuhr, von 1746, Sandstein, 0,50x0,50 m. An der Südostecke in 
2,80 m Höhe. 



Werla. 

Ehemalige Königspfalz (wüst). 

Quellen: Die für Werla in Frage kommenden Quellen sind zusanunengestellt 
von Carl Borchers in „Werla Regesten", Zeitschr. Harz- Verein für Gesch. und Alter- 
tumskunde, 68. Jahrg., 1935, S. 15—27. 

Literatur: Das Schrifttum zur Geschichte von Werla utul der Okerlandschaft 
ist zusammengestellt von W. Grosse fn der Zeitschrift des Harz- Vereins für Gesch. und 
Altertumskunde, 68. Jahrg., 1935, S. 86—92. Daselbst weitere Beiträge zur Geschichte 
Werlas von W. Grosse, Werla und Geschichte der Nordharzlandschaft; P. Grimm, 
Bedeutung der Oker in der Vorgesch.; Edw. Schroeder, Name Werla; K. Brandi, 
Altsächs. Landtage; W. Lüders, Fuldaer Mission nördlich des Harzes; Fr. Kaufmann. 
Kirche zu Schiaden; K. Sieburg, Otto- Adelheid-Pfennige. — über die Ausgrabung 
der Pfalz Werla durch Reg.-Baurat Dr. K. Becker berichtet K. Brandi in den Nach- 
richten der Ges. d. Wissenschaften zu Göttingen, Philo). -Hisl., Klasse H, iniltlere und 
neuere Gesch., neue Folge, Bd. I, Nr. 2, Berlin 1935. -- Über „Ein steinzeitlichos Hocker- 
grab von der Werlaburg" siehe H. Schroller und C. Redlich in „Die Kunde", Jahrg. 3, 
Nr. 4, S. 57— 65. — H. Schroller, Grabungsberichl 1937. Xioders. Tagoszoilg. 13. /14. 
XL 37 (Nr. 266). 
GESCHICHTE: Siehe Einleitung S. 8. 

An der Stätte der alten Pfalz Werla, etwa 2 km nördlich von Schiaden am 
linken Okerufer, waren 1875 und 1926 Nachgrabungen ausgeführt. 1875 wurde ein 
, »schalenartiges Becken" ausgepflügL Offenbar handelt es sicli um das jetzt als 
Blumenvase benutzte Becken im Garten des Breustedlschen (nites in Schladep. 



260 



Werla 




|llll|llll| 1 1 1- H 1 H 




Abb. 150. J3ruiinenschale aus Wcrla in Schiaden 
(1:20). 



das aus Werla stammen soll. Vermutlich 
eine Brunnenschale, 1,10 m, H. 
0,28 m, Granit, schmucklos (Abb. 150). 

Eine systematische Ausgrabung der 
Pfalz durch den Regierungs- Baurat 
Dr. K. Becker aus Goslar im Jahre 1934 
legte Teile der Ringmauer, des Palast- 
gebäudes mit Saalbau und der Kapelle 
frei. Außerdem wurde ein Hockergrab 
aus der jüngeren Steinzeit aufgedeckt. 
Die Ausgrabung wurde fortgesetzt und ist 
zur Zeit (1937) noch im Gange. Über die 
überraschenden Ergebnisse sind Sonder- 
veröffentlichungen beabsichtigt. 



Wiedelah. 

I. Katholische Kirche. 

Quellen: Staats-Arch. Hann., Akt. Hanii. des. 74, Amt Wöltingerode, III., 
X. 1, 4a; desgl. IV., IX. Vl.a 135; desgl. IV., App. Amt Wiedelah, Abt. IX, VI., 
Nr. 4. — Kath. Pfarrarchiv Wiedelah, Handschriftl. Chronik der Kirche in Wiedelah. 

Literatur: Bleibauni, Bildschnitzerfaniilien, S. 231. — Blume, Heimat, S. 286 ff. 
— Bornstedt, Siedlungen. — Dürre, Reg. Walhiioden. — • Görges-Spehr, Denkwürdig- 
keiten. — Henkel, Handbuch. — Henkel, Kurze Gesch. — Henkel, Pfarrklerus. — 
Hennecke, Archidiakonatsreg. — Hoogeweg, Stifter und Klöster. — Hüttebräuker, 
Erbe Heinrichs d. L. — Kayser, Visitationen, S. 185, 186. — Mithoff, Kunstdenkmale, 
S. 241. — Mithoff, Kirchen und Kap., S. 38, 46, 56. — Zobel, Heimatbuch, S. 196 ff. 

GESCHICHTE: Ein ,,frater Rederus, magister curiae" in Wöltingerode wird 1329 
in einer Schenkungsurkunde der Edlen von Meinersen für das Kloster Wöltingerode 
als Zeuge genannt. Vielleicht ist dieser identisch mit dem als Donator am Taufstein 
genannten. 

Die Kirche, die beim Entstehen des Dorfes Wiedelah gebaut wurde, lag im 17. Jahr- 
hundert in Trümmern. Kirchlich gehörte Wiedelah, wie alles rechts der Oker gelegene 
Gebiet, zunächst zur Diözese Halberstadt. Nach der Stiftsfehde finden wir Wiedelah 
in braunschweigischem Besitz, unter Herzog Julius wurde die Reformation durch- 
geführt. 1643 fällt Wiedelah an das Bistum Hildesheim zurück. Für Schloß und Amt 
Wiedelah wurde nun eine katholische Amtspfarrei eingerichtet. 1649 trat Bischof 
Ferdinand Burg, Amt, Gericht und Dorf Wiedelah an das Domkapitel ab, in dessen 
Besitz es bis 1803 verblieb. Zuerst richtete man im Schloß eine Kapelle ein, gegen 
Ende des 17. Jahrhunderts ist dann die verfallene Dorfkirche wiederhergestellt. Der 
Turm war völlig zerstört, 1687 wurde durch den Zimmermeister Niclas Schneider das 
Holz des Kirchturms wieder aufgerichtet, seine endgültige Gestalt erhielt der Kirch- 
turm Im Jahre 1750, nachdem 2 Jahre vorher ein Chor an die Kirche gebaut war. In 
dieser Zeit wurde ein Altar, der auf dem Nonnenchor der Klosterkirche in Heiningen 
stand und zwischen 1660 — 70 vom Droste Georg von Hoerde zu Wiedelah der Kloster- 
kirche Heiningen geschenkt war, abgebrochen und in der Kirche in Wiedelah wieder 



Wiedelah 261 

aufgebaut. Das Tabernakel ist später hinzugekommen. 1787 schloß die Kirche zu 
Wiedelah mit dem Glockengießer Friedrich Brackenhoff in Halberstadt einen Kontrakt 
ab, nach dem die alte Glocke im Gewicht von 2 Zentner 21 Pfund abgeliefert wurde 
und der Meister gegen einen Gießerlohn von 30 Rtlr. eine neue im gleichen Gewicht 
zu liefern hatte. Im gleichen Jahre erhielt A. Beyer den Auftrag, die Kirche länger zu 
bauen. Ob und in welcher Art dieser Bau ausgeführt ist, konnte aus den Akten nicht 
ersehen werden. 1858 lieferte der Orgelbauer Altendorf, Hannover, eine neue Orgel 
für 932 Rtlr. Courant und nahm die alte Orgel zum Werte von 4 Rtlr. Courant au. 

1911/12 wurde die Kirche durch Anlage eines Querschiffes und Hinausschieben 
des Chores vergrößert. (Architekt: Baurat Klemm). 

Das auf dem Marktplatz in Wiedelah stehende Denkmal des heiligen Nepomuk 
stammt aus der Zeit der domkapitularischen Herrschaft, es wurde 1740 durch den 
damaligen Pfarrer von Wiedelah, Franz Vincenz Bruns, errichtet. 

BESCHREIBUNG: Die katholische Kirche in Wiedelah ist über rechteckigem 
Grundriß mit dreiseitigem Chor in Bruchslein mit regelmäßigen Quaderecken au! 
abgeschrägtem Sockel erbaut (Taf. 94 d). Oberhalb der kleinen Tür der südösllichen 
Chorseite ein 0,85 m hoher, 0,65 m breiter Wappenstein, der statt Helmzier das 
Brustbild der Maria mit dem Kind nebst Zepter trägt, daneben die Jahreszahl 1748. 
Diese Jahreszahl bezieht sich auf einen Neubau der Kirche, wobei nicht ausge- 
schlossen ist, daß ältere Bauteile mitbenutzt und in den verputzten Mauern noch 
erhalten sind. Trennung von Schiff und Chor durch einen gedrückten Rundbogen. 
Das jetzige Querschiff ist erst im Jahre 1911 angebaut. Fenster flachbogig, mit 
Werksteinen umrahmt. Profiliertes Hauptgesims aus Holz. Auf dem Westende 
ein achtseitiger, mit geschweifter Haube bekrönter Dachreiter mit acht Schall- 
öffnungen; in der Wetterfahne die Jahreszahl 1750. 

Das Innere ist schlicht, die ebene Vouten decke geputzt. Am Wandanschluß 
ein Übergangsprofil. Bemalung neu. Windfang an der Westseite neu. 

Altar, Holz. Sarkophagähnlicher Tisch. Rückwand H. rund 7 m, B. 4,50 m. 
Zweigeschossiger Aufbau (Taf. 93b). Unten vier gedrehte mit Ranken umwundene 
Säulen, die das reichverkröpfte und profilierte Gesims tragen, darüber seitliche 
Giebelanfänge, in der Mitte in rundbogigem Feld von Rankenwerk umgebener 
Rahmen mit Ölbild (Schweißtuch der Veronika), darunter (an Stelle eines hier 
vorher befindlichen Ölbildes: Beweinung Christi) neues Tabernakel. Oben zu Seiten 
der mittleren Darstellung (Ölbild: Verkündigung) Figuren in mit Muschel abge- 
schlossenen Nischen, links Antonius Erem., rechts Antonius von Padua. Seitliche 
Abschlüsse oben und unten Rankenwerk. Von den beiden früher zum Altar ge- 
hörenden Figuren (Joseph und Madonna), die später im Schilf aufgoslelll waren, 
befindet sich die Madonna jetzt im Josephstift (s. S. 263). Anfang 18. Jahrh.*). 



*) Eine örtliche Überlieferung besagt, daß er um 16G0 — 70 vom Drosten Georg 
V. Horde zu Wiedelah ursprünglich der Klosterkirche in lleiningcn geschenkt und dort auf 
der Nonnenempore in der ersten Hälfte 18. Jahrh. abgebrochen wurde, um in Wiedelah 
aufgestellt zu werden; diese Überlieferung hat vielleicht docli recht. Freilich nötigt sie zu 
der Annahme, daß der Altar bei der Wiedererrichtung in Wiedelah verändert wurde. Denn 
während die Säulen etwa 1670 entstanden sein könnten, ist anderes Ornament und der 
Aufbau im wesentlichen etwa um 1710 zu setzen. Und 1710 soll nach einer anderen 
örtlichen Überlieferung der frühere ,, Altarstein" mit Reliquiengruft aus Wiedelah 
nach Hildesheim gekommen sein. Dieser enthielt auf einem llolzbrelt eine zum Teil 

34 



262 



Wiedelah 



Kruzifix, Holz, lebensgroß auf neuem Kreuze. Nach Mitte 15. Jahrh. Be- 
nialung neu (Taf. 95a). Im Windfang an der Westseite der Kirche. 

Taufsleinrest, auf neuem Sockel, Sandstein, H. ohne Sockel 0,71 m. Fast 
halbkugeliges Becken, 0,68 m, H. 0,37 m. Am Becken in gotischen Großbuch- 
staben die Inschrift: „REDERVS MEDE[D IT]." Nur noch zum Teil erhalten. 
Anfang des 14. Jahrh. (Abb. 151). 

Sechs Altarleuchter, Bronze, II. 31, 36 und 42 cm, in Dockenlorm, zweite 
Hälfte 17. Jahrh. An den vier kleineren der Name (Schreibschrift): ,,Laurentius 
Kahman". Die Leuchter sind bei einem Diebstahl beschädigt und vor etwa 100 
Jahren neu zusammengesetzt worden. 

Ampel, vor dem Altar hängend, Messing, getrieben. Anfang 18. Jahrh. 

Meßgeräte: Meßkelch mit gotischer Kuppa, H. 18 cm. Anfang 18. Jahrh. 
mit neuem Sechspaßfuß versehen. Am Fuß ein Korpus (ohne Kreuz). Schaft 
sechskantig. Zapfenl,<cnauf mit sechs Blüten, graviertem Maßwerk und FTsch- 
blasen in der Form vom Anfang 16. Jahrh. Goldschmiedezeichen 40. 

Patene, in Schalcnform, neu. 




Abb. 151. Wiedelah, katholische Kirche, Taufsteininschrift (1:4). 



Monstranz, Silber, vergoldet, H. 54 cm, Strahlenkranz 24 cm. Ornamente 
im Regencemuster, Darstellung der Dreifaltigkeit, links ein Engel mit dem Schweiß- 
tuch der Veronika, rechts der Apostel Petrus (symbolisch). Fuß besonders reich 
ornamentiert. Rückseite glatt. Behälter herzförmig. Entstehungszeit Anfang 
18. Jahrh. Goldschmiedezeichen 1. 

Die zweite Monstranz, Neusilber, teilvergoldet und versilbert, ist etwa 1870 
hergestellt. Links ein Engel mit Kreuz, rechts mit Anker, unten Lamm mit Fahne. 
Am Fuß die vier Evangelisten in Medaillons. Behälter oval, Rückseite glatt. Be- 
krönung Kruzifix auf Krone. 

Provisionsgefäß, Silber. Auf dem mit schmalem Klappdeckel versehenen 
Behälter sind Oberseite und Ränder mit Regeneeornamenten verziert. Größe 



unleserliche Inschrift : In usum Eccl. in Wiedelage datus mihi .... Weisen 

a Schönebeck Cath. Hild. . . Ad 1 Oliter 1591. — Übrigens hat der Drost Georg v. Horde 
zu Wiedelah (f 1673) außer dem Heiningcr Altar noch weitere Altäre gestiftet, nämlich 
für Wöltingerode, Grauhof und Lamspringe. Während über den Wöltingeröder nichts 
bekannt ist, trägt der in der Grauhöfer Kirche noch vorhandene eine Widmungsinschrift 
und die Jahreszahl von 1670 (vgl. S. 185 u. Taf. 33a). Dieser vermittelt eine Vorstellung 
von dem Aussehen eines Altars, der zu gleicher Zeit, als die Altarstiftung für Heiningen 
erfolgte, in einer Werkstatt hierzulande entstanden ist. Freilich gibt das Beispiel des 
Hochaltars für Lamspringe, der 1673 gestiftet, aber erst 1695 in Auftrag gegeben wurde 
(vgl. Bleibaum, Bildschnitzerfamilien, S. 220), den Hinweis, auch für den Heininger Altar 
die Möglichkeit einer längeren Zeitspanne zwischen Stiftung und Herstellung anzunehmen. 



Wiedelah 263 

8,5x6,5x2,4 cm. Inschrift unter dem Boden: „PRO ECCLESIA WIDELA- 
GENSI SUB. R. VINCENTIO BRUNS PASTORE." (Bruns starb 1757 
im 63. Lebensjahre.) Entstehungszeit: gegen Mitte 18. Jahrh. Goldschmiede 
zeichen 23. 

Ziborium, Messing, versilbert, H. 30 cm. Etwa 1840. 

Kelch, Messing?, versilbert, H. 20 cm. Kuppa geschweift. Auf dem runden 
Fuß Empireornamente. 

Ziborium, Zinn, H. 27 cm einschließlich Deckel. 

Antependium, 1,00x2,32 m, in Tempera? gemalt, Darstellung der Maria 
mit dem Kinde in Medaillon, die Seelen im Fegefeuer tröstend, in der Rechten 
ein Skapulier. Links und rechts Blumen und Früchte in Vasen. Anfang 
18. Jahrh. 

Zwei Lau Leglocken im Dachreiter. Die größere, 0,84 m, am langen Felde 
ein beflügelter Engelskopf und ein Kruzifix unterhalb von zwei Zierfriesen. Am 
Schlagring: „GEGOSSEN VON C. A. BECKER IN HILDESHEIM 
1799." Die zweite, 0,59 m, ist wie die große verziert und beschriftet, aber 
1800 gegossen. Uhrschlagglocke unzugänglich. 

Im Pfarrhause werden außer dem Antependium zwei Ölgemälde auf Lein- 
wand aufbewahrt. 1,88x0,80 m groß. ,,Vir dolorum", ,,mater dolorum". Auf 
beiden ein Wappen mit den Buchstaben: ICNP im Balken. Zeitstellung unsicher. 
18. Jahrh.? 

Vesperbild (Tempera), 0,80x1,50 m groß. Christus im Grabe mit zwei 
Engeln. 

Im Gebäude (neu) des Josephstiftes in Wiedelah werden noch ein Meß- 
kelch, Kupfer oder Silber, vergoldet, und eine Monstranz, Kupfer, vergoldet, 
benutzt. 

Kelch, H. 16 cm, auf Sechspaßfuß, mit kantigem Schalt. Material? Am 
Knauf zarte maßwerkartige Gravierungen. Form gotisch. 17. Jahrh. 

Monstranz, H. 51 cm, auf rundem sechspaßähnlichen Fuß. Material? An dem 
den ovalen Behälter umgebenden Strahlenkranz oben Maria mit dem Kinde und 
einem kleinen Engel; am Fuß Georg, links Laurentius, rechts Raphael, (]cn kleinen 
Tobias an der Hand, sowie die Inschrift: „JODOCVS CAPPIVS ■ P. DD. 1662." 

Maria als Himmelskönigin auf der Mondsichel, mit dem Jesusknaben, Holz, 
H. 1,20 m, angeblich einst zum Altar der Kirche gehörend. Bemalung (auf Kreide- 
grund) neu. Im Joseplislift. 

Nepomukdenkmal im Ort, auf dem großen Dorfanger, nahe dem Joseph- 
stift, Sandstein. Doppelter Sockel in Regenceformen mit seitlichen konsol- 
förmigen Stützen (Taf. 95 b). Die jetzt fast gänzlich verwillerte Inschrill 
am oberen Sockelteil lautete: „DILIGO TE PLENE, SI TRANSEO 
NEPUMUCENE VOX TIBI PORTAT: AVE! GRATUS EO, ERGO 
FAVE." Auf der Zwischenplatte: „ERECTA EST HAEC IMAGO SUB 
FRANCISCO VINCENTIO BRUNS PASTORE C.VNONICO REGU- 
LARl IN GRAUHOF." Am unteren Sockelteil: „L. J. C. (LAUDETUR 
JESUS CHRISTUS!) TU POPULI CUSTOS CAROLO MORIENTE 
LOCARIS / QUO REGNANTE TUUS CL .\ U l !• IC .VTU S HONOP» 



264 



Wiedclah 



RESPICE SUBJECTOS TIBI NEPUMUCENE GL I ENTE S / AT QUE 
TUO POPULO BELLA NECESQUE FUGAI/HOS TIBI DEVOTOS 
CAPE NEPUMUCENE FAVORES / QUOS PARITER PONUNT 
PASTOR OVESQUE (?) TIBI LE BIGGEN FECIT." Das in der Schrift 
enthaltene Chronogramm gibt das Entstchungsjahr 1740 an. ,,Le" Biggen ist 
wahrscheinlich „Lo" (Lorenz Biggen) zu lesen (s. Grauhof, S. 78). 

Ein Vesperbild (Pieta), H. 0,67 m, aus der zweiten Hälfte 15. Jahrh., das 
(1928) Eigentum des Invaliden Heinr. Mühlencordt war, stammt vielleicht aus 
der Kirche in Lochtum, jedenfalls war es früher im Besitze eines Lochtumer 
Einwohners. Linke Hand vom Christus neu. 

Auf dem Friedhof in Wiedelah ist das Grabdenkmal des Amtmanns Jacobus 
Linke, f 1828, bemerkenswert. Sandsteinsockel 1,10 m hoch, Zwischenstück 
0,45 m. Urne 0,85 m. Am Sockel Widmungsinschriften und Lorbeergewinde. 




4 »-^itVfunum 






Abb. 152. Ansicht von Wiedelah 1813. 
(Nach einer Karte aus dem Besitz der Regierung in Hildesheim, jetzt im Stadtarchiv Goslar.) 



IL Domäne (ehemalige Burg). 



Quellen: 1. Beverina, Nr. 231 f: Landbeschreibung des Amtes Wiedelah, 1769; 
Nr. 191: Episcopatus Hild. in tabulis, 1758, III., Wiedelah; Kartenbände, Nr. 196, 
196a. — Staats-Arch. Kann., Akt. Kann. des. 74, Amt Wöltlngerode, IV; Appendix, 
Amt Wiedelah, Abt. IX, VI., 1 und 2. — Calenberg-Br. Arch. des. 10, 3dm 1. — 



Wiedelah 



265 



Hann., Hild. des, 1, 39, 5. Nr. 56. — Staats- Arch. Hann., Urk. Fürstentum Calenberg, 
Amt Wiedelah, 39 Urkunden, 1341 bis 1801. — Arch. Hild., Sammelband 182 und 187. — 
Bauinventar des Staatl. Hochbauamtes Goslar. — 2. U. B. Hild., IV. — VI. — U. B. Goslar, 
III.— V. — Sudendorf, IX. — U.B. von Saldern, I. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 88. — Blume, Heimat, S. 286. — Bornstedt, 
Siedlungen, S. 19. — Dürre, Reg. Wallmoden, Nr. 175, 179. — Görges-Spehr, Denk- 
würdigkeiten, I., S. 373. — Henkel, Handbuch, S. 11, 12, 165, 166. — Kaufmann, 
Kaiserpfalz Werla, S. 30. — Kaufmann, Erbregister Wiedelah. — Kayser, Visitationen, 
S. 185, 186. — Klewitz, Territ. Entwicklung, S. 39, 72. — Mithoff, Kunstdenkmale, 
S. 240, 241. — Oehr, Ländl. Verhältnisse, S. 33, 90. — Werneburg, Gau und Grafschaft. 
— Zobel, Heimatbuch, S. 196 ff. 

GESCHICHTE: „Curia et castrum Widela" wurden 1312 von dem Domstift zu 
Goslar gegen Entschädigung an den Bischof von Halberstadt abgetreten. Aus der 
Urkunde erfahren wir weiter, daß vorher Burg und Hof Wiedelah im Besitz der Ritter 




Abb. 153. 
Wiedelah, Domäne, ehemalige Wasserburg, Lageplaii um 1900 (1:2000). [v. R.J 



von Go wische waren, daß der tatkräftige Ritter Hermann von Go wische sein Be- 
sitztum dem Domstift durch Schenkung übertragen hatte. Die von Gowische blieben 
im Pfandbesitz von Wiedelah. Eine chronikalc Überlieferung aus späterer Zeit gibt 
an, daß die Burg Wiedelah 1292—97 aus den Steinen der 1291 zerstörten Harliburg 
erbaut sei, und zwar auf dem Untergrund von Pfahlwerk. 1341 verkauften die Brüder 
Hermann, Sigfrid und Albrecht von der Gowische das „hus to dem Widenla" an den 



266 



\Vie<leIah 



Bischof Heinrich III. von Hildesheim für 1800 Mark lötigen Silbers mit 28 dabei ge- 
legenen Hufen Landes, mit Mühlen, Teichen, Holz und Gras und dem Dorf Detlingerode, 
das etwa 10 Minuten entfernt lag unter dem sogenannten Hautberge. In der zweiten 
Hälfte des 14. Jahrhunderts siedelten sich die I-linwohner von Detlingerode, nachdem 
das Dorf verwüstet war, rings um die Burg Wiedelah an. Die Bischöfe gaben später 




Abb. 154. Wiedelah, Domäne, ehemalige Wasserburg, PäcMerwohnhaus, Grundriß des Erdgeschosses (1:250). 

[V. B.] 

die Burg häufig in Pfand, so an die Grafen von Schiaden, die von Wallmoden, von 
Bortfeld, von Bock, von Dorstadt, von Rössing, von Linde, von Salder und von Gramme. 
1426 begann die Schwicheldtsche Fehde. 1427 wurden die von Schwicheldt in Wiedelah 
von den Städten Goslar, Braunschweig, Hildesheim und den mit ihnen verbündeten 
Fürsten, darunter Herzog Otto von Braunschweig, belagert und dann gefangen ge- 
nommen. Nach einer Aussöhnung 1430 ist Wiedelah dann aufs neue an die von 



?! 



Wiedelah 



267 



Schwicheldt verpfändet. Nach der Hildesheimer Stiftsfehde (1519 — 23) kam "Wiedelah 
in den Besitz des braunschweigischen Herzogs Heinrich d. J. Kurze Zeit, in den 30er 
Jahren des 16. Jahrhunderts, waren die von Yeltheim auf Wiedelah, dann traten diese 
es wieder gegen Zahlung von 7747 Gulden im Jahre 1541 an die von Schwicheldt ab. 
Da die von Schwicheldt im Schmalkaldischen Kriege auf Seite der Gegner des Herzogs 











-' I ' 






,iint7 









.\Jjb. 155. Wiedelah, Domäne, eliemali}ie Wasserbuif^, Pächterwohnhaus, Nordseite (1:250). [v. B.] 

waren, wurden sie durch Herzog Heinrich d. J. nach seiner Rückkehr ohne Entschädi- 
gung aus Wiedelah vertrieben (1547). Nun kam Wiedelah 1509 an das Geschlecht 
der von Quitzows, die es bis 1648 behielten. Am 9. Januar 1626 fiel die Burg nach zwei- 
tägiger Belagerung durch die Truppen Wallensteins in kaiserliche Hand, aber bereits 
am 29. Juli wurde Wiedelah von dänischen Truppen besetzt, nach der Schlacht bei 
Lutter a. B. zogen die kaiserlichen Truppen wieder in die Burg ein. 1643 kam Wiedelah 



258 Wiedelah 

an das Bistum riiklesheim zurück. Die Quitzows ließen die Burg ausbauen (siehe die 
Inschriften 1595 und 1602) und vcrgrölJcrten den Grundbesitz durch Ankauf von 
Ländereien. Deshalb sprach ihnen der Bischof von Hildesheim 1648 eine Entschädigungs- 
summe von 10000 Rtlr. zu, die in jährlichen Raten von 2000 Tlr. abbezahlt werden 
sollte. Im folgenden Jahre überwies Fürstbischof Ferdinand von Mildesheim Amt 
und Gericht "Wiedelah mit allem Zubehör dem Hildesheimer Domkapitel, nur die Landes- 
hoheit behielt der Fürstbischof für sich. Burg, Amt, Gericht und Dorf blieben dom- 
kapitularisch bis zur Säkularisation; die Verwaltung besorgte seit 1655 der domkapi- 
tularische Drost. Unter der Verwaltung des Drosten wurden erbaut: 1684 das Brau- 
meisterhaus, die heutige Schmiede, 1701 das Torhäuschen, 1705 das Schafmeisterhaus, 
1728 der grof3e Schafstall, 1733 die Gel- und Mahlmühle, 1780 die Scheune, 1786 das 
Brauhaus, das jetzt als Speicher dient. 1765 beabsichtigte man, das von dem Drost 
Herrn von Horde in dem Amtsgarten erbaute Orangeriehaus zu verkaufen und ab- 
zubrechen, doch wurden Verkauf und Abbruch des Orangeriehauses vom Domkapitel 
verboten. In den Jahren 1802 — 06 war "Wiedelah preußisch, bis 1813 gehörte es unter 
der Herrschaft des Königs Jerome von Westfalen zum Okerdepartement und wurde 
Eigentum des westfälisehen Ministers Freihern von Fürstenstein. Eine Ansicht Wicde- 
lahs aus dem Jahre 1813 ist in Abb. 152 wiedergegeben. Bei der Neuordnung 1815 
wurde "Wiedelah als Staatsdomäne dem Besitz des Königreichs Hannover einverleibt 
und das Amt "Wiedelah zum Amte Vienenburg gelegt. Seit 1866 ist "Wiedelah preußische 
Staatsdomäne. 

BESCHREIBUNG: Die Domäne Wiedelah (Abb. 153), ursprünglich eine Wasser- 
burg, mit verhällnisinäßig gut erhaltenem, jüngerem Schloßgebäude, darin ein 
älterer Teil. Die Wirtschaftsgebäude dagegen, innerhalb und außerhalb der noch 
gut zu verfolgenden alten Grabenanlagcn, verschwunden, durch Neubauten er- 
setzt oder stark verändert; der 1723 erbaute sog. Schweinestall, ein zwei- 
geschossiges Fachw'erkgebäude, das gegenüber der 1684 erbauten Schmiede lag, ist 
erst 1924 abgebrochen (Taf. 96 a). 

Am Haupteingang (Torhäuschen) zum Burgbezirk neben der mit Zeitangabe 
,,ANNO 1701" versehenen Tür ein Inschriftstein mit den Buchstaben: ,,H. V. 
Q. : D. S. S." und der Zahl ,,1595", offenbar aber nicht an ursprünglicher Stelle. 

Das alte, große dreiflügelige Schloßgebäude, jetzt Pächterwohnhaus (Abb. 154 
bis 156 undTaf.96b), als Massivbau in drei Geschossen hochgeführt, bestand ursprüng- 
lich nur aus einem sehr starken Bergfried mit daran anschließendem niedrigen 
Wohnhaus, dem jetzigen Südflügel (14. Jahrh.). Der Bergfried ist nur noch bis 
zur heutigen Hausdachhöhe erhalten und im unteren Teil als fensterlose mit Werk- 
stein eingefaßte Bruchsteinmauer in der Nord- und Südwand des Südflügels er- 
kennbar. Um 1600 ist dann der West- und der Nordflügel hinzugefügt und unter 
gleichzeitiger Erhöhung des alten Wohnhauses (Südflügel) um ein Geschoß zu einer 
einheitlichen Gebäudegruppe mit gleich hohen Dachfirsten zusammengefaßt, die 
sich in Hufeisenform um den nach Osten offenen Binnenhof legt (Abb. 154). 

Die Bauausführung dieses Teiles ist an den ganz gleichartigen gekuppelten 
rechteckigen Fenstern kenntlich, welche über der Sohlbank auf ein Drittel Höhe 
glatte Sandsteingewände haben und darüber wie auch im Sturz profiliert sind 
(Abb. 155). Um 1600 scheint der hohe, schlanke viereckige Turm aufgeführt zu sein, 
der die mit altem Efeu umrankte, 13,50 m bis zur Dachtraufe hohe Nordseite noch um 
17,00 m im Mauerwerk überragt und mit einem beziegelten, kugelbekrönten Zelt- 



Wiedelah 



269 



dach versehen ist (Abb. 156). Dicht neben dem Fuß dieses in der Flucht der Nord- 
Nvand liegenden Turmes befindet sich die rundbogige Einfahrt, die von zwei seitlich 
von Schnürkelwerk begleiteten glatten Wandpfeilern und einem waagerechten 
Gesims mit Zierfries eingefaßt ist (Taf. 95 d). Der Torweg selbst ist mit einem 





Abb. 156. Wiedelah, Domäne, ehemalige Wasserbur-i, Pächterwohnhaus, Schnitt durch den Süd- und Nordflüsel 
und Aufriß des West[lü{i;els vom Hof (1: 250). [\. n.] 



dreijochigen flachen, rippenlosen Kreuzgewölbe üherdeckl. In der benachbarten 
Achse tritt im I. Stock ein zierlicher Erker aus der Wandfläche hervor, der auf 
einem nach unten spilz zulaufenden konsolenarligcn Fuß ruht. In den zwei flach- 
bogigen Brüstungsfüllungen befanden sich früher wahrscheinlich Wappen. Als 
Fensterpfeiler drei aufrechtstehende schmale, langgezerrle und in Schnörkelwerk 



270 



Wicdclah 



eingeklemmte Löwenliguren. Das über den Stützen verkröpfte Gesims ist dem ober- 
halb der Einfahrt ähnlieh. Abdeckung des Hrkers millels metallenen, seitlich 
abgewalmten Pultdaches. 

Im Erdgeschoß liegen östlich der DurclilahrL einige hohe, mit rechteckigen 
Pfeilern und rippenlosen Kreuzgewölben versehene vom Hofe zugängliche Räume, 
die ehemals /lach Überlieferung als Pferdeställe benutzt sind. Ein Teil von 
ihnen ist vor einigen Jahren als evangelisch-lutherische Kapelle eingerichtet. An 
den Gewänden des Einganges und der Fenster dieser Kapelle befinden sich die in 
der Abb. 157 wiedergegebenen, teilweise mehrfach vorkommenden Steinmclz- 
/eichen, außerdem zwei weitere ähnliche, aber verwitterte. 




Abb. 157. Domäne Wiedelah, Fenstergewände 
im Hof, Nordflügel, Steinmetzzeichen (1:4). 



Aus der Nordwestecke des Hofes tritt ein Treppen Lurm vor, dessen rund- 
bogiger Eingang architektonisch umrahmt ist (Taf. 95c). Im Rundbogen Halb- 
kugeln und Diamantquader. Als Schlußstein ein Löwenkopf. Gebälk, seitlich auf 
Konsolen ruhend, mit Renaissancefries. Im dreieckigen Giebelfeld das vorge- 
streckte Brustbild eines Geharnischten, Fußprofil und Schenkelstücke des Giebels 
wie am Rundbogen verziert. Die Wendeltreppe selbst besteht ähnlich wie in Alt- 
Wallmoden aus 1,75 m langen, 0,18 m hohen eichenen Blockstufen mit Spindel 
von 0,33 m Durchmesser. Lichtöffnungen der Steigung entsprechend schräg 
liegend. 

An einem Fenstersturz des Südflügels in Renaissanceinschrift: ,, Henning von 
Quitzau Anno 1602 / Catharina Engel von Alvenschleven" und die Buchstaben: 
„J. S. E. (?)" 

Da die beschriebenen verzierten Bauteile, die Umrahmung der Einfahrt, des 
Erkers und die Treppenturmtür im Hofe der genannten Zeitangabe entsprechen, 
können die erwähnten Personen als Erbauer der neuen Flügel und Bauherrn der 
großen Erweiterung der Burg betrachtet werden. Auch die Steinmetzzeichen 
schließen sich in ihrem Charakter dieser Zeit an. 

Bezüglich der inneren Einrichtung der Burg ist nicht viel zu bemerken, 
da die eigentlichen Wohnräume den neuzeitlichen Bedürfnissen entsprechend 
vollständig verändert sind. Der beigegebene Grundriß (Abb. 154) stellt das noch am 
wenigsten geänderte Erdgeschoß dar. Im ersten Stock des Westflügels ist nur eine 
Anzahl guter alter Türen erwähnenswert. 

Kruzifixus, Bronze, H. 19,5cm. Anfang 13. Jahrh. Aus Wiedelah an der Oker 
im Germanischen Museum in Nürnberg. (Abb.: Taf. 156, Seite 162 in „Neu- 
erwerbungen des Germanischen Museums 1925 — 29", herausgegeben von der 
Direktion. Im Selbstverlag.) 



271 

Wöltingerode, 

Ehemaliges Kloster. Katholische Kirche. Gut. 

Quellen: 1. Beverina, Nr. 548: Archivale Woltingerodense, Urkunden bis 1700; 
Nr. 548a: Registrum oder Nahmen-Buch, 1714; Nr. 548b: Verzeichnis der Nahmen 
der Gutthäter des Klosters nach geschehener Feuersbrunst anno 1676; Nr. 549: Ver- 
zeichnis des Grundbesitzes 1805/06. — Staats-Arch. Hann., Akt. Hild.-Br. Arch. des. 3, 
Hild. Klöster, Akten I., Nr. 18. — Hann. des. 74, Amt Wöltingerode; über das Kirch- 
spiel Wölt., III., X. 1, 4q. — Calenberg-Br. Arch. des. 10, 5m. — Hild. des. 3, 18, 
I., Nr. 5, Einnahmeregister mit anschließender Chronik. — Staats-Arch. Hann., Kart.- 
Register A. I. Af, Nr. 40, 41, 44. — Staats-Arch. Hann., Urk. Bistum Hild., Klost. 
Wölt., 299 Urkunden, 1174—1824. — Bibl. H. V. N., Nr. 370, Abschriften der Urk. 
des Klosters Wöltingerode, 1174—1654. — Arch. Wolf., Br. St.-Arch., VII., C. 10. — 
Bibl. Wolf., Handschriften Helmstedt 425, 498, 515, 521, 522. — 2. U.B. Hild., co- 
mites und monasterium, I. — VI. — U.B. Goslar, I. — -V. — U.B. von Saldern, I. 

Literatur: Ahlhaus, Patronat, S. 44, 55, 172. — Bertram, Gesch. Bist. Hild., 
I., S. 156, 193, 219, 223, 234, 298, 332, 340, 404, 408, 446; IL, S. 35, 96, 159, 266; 
III., S. 33, 46, 70, 78, 122, 159, 209, 250, 273. — Bertram, Bischöfe, S. 169 ff., 211, 
232, 263. — Biermann, Organographia, S. 23, 32. — Bleibaum, Bildschnitzerfamilien, 
S. 229. — Blume, Heimat, S. 293 ff. — Bode, Uradel, S. 30 ff. — Bode, Stammtafel 
Wöltingerode. — Borchers, Bildschnitzer Lessen, S. 194. — Bornstedt, Siedlungen, 
S. 19. — Cornell, Biblia pauperum. — Crusius, Denkwürdigkeiten Wöltingerode. — 
Dürre, Reg. Wallmoden, Nr. 218, 240, 241, 243, 245 usw. — Görges-Spehr, Denk- 
würdigkeiten, L, S. 429; IL, S. 340. — Günther, Stammtafel von Wohldenberg. — 
Haseloff, Malerschule, S. 16, 21, 25, 131, 328, 335. — Heinemann, Handschriften WolL, 
L, S. 331, 378; IL, S. 8, 10—12, 13. — Henkel, Handbuch, S. 165. — Henkel, Kurze 
Gesch., S. 165. — Henrici, Nonnengelübde. — Hoogeweg, Stifter und Klöster, S. 134, 
135. — Kayser, Visitationen, S. 50 fL, 135, 141, 147, 152. — Klewitz, Territ. Ent- 
wicklung, S. 20. — • Lax, Barockdekorationen, S. 17. — Lüntzel, Alt. Diözese, S. 16, 
161, 171, 175, 324. — Lüntzel, Gesch. Diözese, IL, S. 227 ff., 309. — Machens, Archi- 
diakonate, S. 67, 79, 107. — Mithoff, Kunstdenkmale, S. 244 fL — Mithoff, Kirchen 
und Kap., S. 39, 41, 42, 46, 57. — Mooyer, Nekrologium Wöltingerode. — Ochr, Läiidl. 
Verhältnisse, S. 25, 109. — Oldecop, Chronik, S. 633. — Schönemann, 100 Merkwürdig- 
keiten, Nr. 47, 48. — Vogell, Gesch. Schwicheldt, S. 77, 146, 170, 175, 235. — Werne- 
burg, Gau und Grafschaft, S. 57. — Zobel, Heimatbuch, S. 213 fL 

GESCHICHTE: Wöltingerode ist der Stammsitz eines Grafengeschlechtes, das sich 
später von Wohldenberg nannte. Als Stammherr dieses Geschlechtes erscheint in der 
ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts Liudolf de Waletingerod. Von seinen 4 Söhnen fiel 
der zweite. Lüdiger, 1153 auf Seite der Weifen im Kampfe Heinrichs des Löwen gegen 
die sächsischen Fürsten in der Schlacht bei Osterode. Nach dem Sturze Heinrichs des 
Löwen gingen die Wöltingeröder Grafen zu den Hohenstaufen über und Kaiser Friedrich 
Barbarossa übertrug ihnen 1180 die Harzburg als Reichslehen, die damals von ihm 
wieder aufgebaut wurde. 1174 waren die Grafen bereits nach dem Wohldenberg im 
Ambergau, dessen Grafschaft sie auch innehalten, übergesiedelt. Im gleichen Jahre 
gründeten die 3 Söhne Ludolfs L, die Grafen Liudolfus IL, Hogerus und Burchardus. 
zu ihrem und ihrer Eltern Seelenheil ein Kloster in ihrem Haus und Geburtsort Wöl- 
tingerode und statteten das Kloster mit 1500 Morgen Land, Wald, Teich, Zehnten 
und Mühlen reich aus. Am 19./21. Oktober bestätigte Bischof Adelog von Hildesheim 
die Gründung des Klosters nach der Regel des heiligen Benedikt und verlieh demselben 
die Immunität und freie Abtswahl. Die Grafen von Wohldenberg erhielten die Vogtei- 
und Schirmrechte und konnten sich im Kloster ihre letzte Ruhestätte wählen. Bald 
nach der Gründung wurde das Mönchskloster in ein Nonnenkloster umgewandelt; 



272 Wöltingerodc 

nach der Bestätigungsurkundc Kaiser Friedrich Barbarossas, die am 22. November 1188 
in Gernrode ausgestellt ist, war das Kloster von Nonnen des Zisterzienserordens (grisei 
ordinis) besetzt. Am 6. Oktober 1216 nahm Papst Honorius III. das Kloster St. Mariae 
in Wöltingerode in seinen Schutz, bestätigte den Güterbesitz und die Rechte des Klosters. 

In Wöltingerode besaß ursprünglich nach einer Urkunde Bischof Adelog vom 
2. Juni 1174 das Kloster lleiningen den Bann. Nach Gründung des Klosters Wöltinge- 
rode muß er auf dieses übergegangen sein. Die Kirche beatae virginis in W'öltingerode 
wird 1208 zuerst urkundlich erwähnt. Im Anfange des 13. Jahrhunderts müssen Kirche 
und Klostcrgcbäudc in Wöltingerode erweitert und umgebaut sein, denn 1244 bekundet 
Bischof Konrad von Hildesheim, daß gelegentlich der Weihe des Klosters (monasterium) 
Graf Hermann der Ältere die früher von Bischof Adelog getroffenen Bestimmungen 
über die Vogtei usw. anerkannt habe. In dieser Zeit hatte das Kloster Wöltingerode 
großes Ansehen, mehrere andere Klostergründungen entnahmen den ersten Stamm 
ihrer Konventsmitglieder aus W'öltingerode, so daß es als ihr Mutterkloster erscheint. 
Als 1228 Erzbischof Albrecht II. von Magdeburg die Zisterzienserinnenabtei Alt-Hal- 
densleben stiftete, wird dieses als aus W^öltingerode hervorgegangen bezeichnet. 

In dieser ersten Blütezeit des Klosters Wöltingerode im 13. Jahrhundert (vgl. das 
Siegel Taf. 98a) fand die Buchmalerei im Kloster eine hervorragende Pflege. In der 
Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel werden mehrere illuminierte Handschriften 
des W^öltingeröder Klosters aufbewahrt. Diese wertvollen Handschriften mußten 1572 
auf Befehl des Herzogs Julius in Wolfenbüttel abgegeben werden, sie kamen dann an die 
1576 gegründete Universität Helmstedt und nach deren Aufhebung 1810 in die braun- 
schweigische Landesbibliothek. 

Die wichtigsten Wöltingeröder Handschriften sind folgende: 

1. Hs. Helmstedt 425, Quatuor Evangelista manuscripti Latine, 127 Blatt, 
mit Miniaturen auf Goldgrund und kunstvollen Initialen, 13. Jahrhundert. Der 
Holzdeckel mit altem, gewirktem Seidenzeug überzogen, welcher Christus, Maria 
mit dem Jesusknaben und die Sinnbilder der 4 Evangelisten zeigt. Die Herkunft 
dieser Hs. aus Wöltingerode ist urkundlich nicht belegt, doch anzunehmen. (Siehe 
Heinemann, Die Heimst, Hs., I., S. 331.) 

2. Hs. Helmstedt 498. Nekrologium des Klosters Wöltingerode, 78 Blatt, 
mit roten Überschriften und zahlreichen Initialen, 13. Jahrhundert. (Siehe Heine- 
mann, I., S. 378.) 

3. Hs. Helmstedt 515. Psalterium premisso calendario usw., 147 Blatt, überaus 
prächtig mit Malereien auf Goldgrund (w^ohl nach dem Muster der etwas älteren 
Hs. Helmstedt 521), 13. Jahrhundert. (Siehe Heinemann, II., S. 8; desgl. Schöne- 
mann, Merkwürdigkeiten der Herz, Bibl,, Nr. 47, und Haseloff, Thür.-sächs. Maler- 
schule, S. 21.) Darin fol. 8 v. Vertreibung aus dem Paradiese (Taf. 100 a). 

4. Hs. Helmstedt 521. Aus dem Buche der Psalmen, mit voraufgehendem Ka- 
lender, 154 Blatt, ein Prachtwerk mit vielen Bildern und Initialen auf Goldgrund. 
Nach Heinemann, IL, S. 10 — ^12 hat die Schreiberin vielleicht dem Geschlecht der 
Grafen von Wohldenberg angehört, I. Hälfte des 13. Jahrhunderts. (Siehe Schöne- 
mann, Merkwürdigkeiten, Nr. 48, und Haseloff, Malerschule, S. 15, Henrik Cornell, 
Biblia pauperum, Stockholm 1925, S. 148.) Darin fol. 7 r. unten Geburt Jesu, oben 
Verkündigung an die Hirten (Taf. 100 b), fol. 9r. oben Christus als Richter des 
Jüngsten Gerichts mit Maria und Johannes, unten der arme Lazarus in Abrahams 
Schoß (Taf. 100 c), fol. 80 v. Einzug Christi in Jerusalem (Taf. 100 d). 

5. Hs. Helmstedt 522. Missale premisso calendario, 297 Blatt, rote Überschriften, 
rote und blaue Initialen usw., 14. Jahrhundert. Auf der Innenseite der Deckel je 
eine aus dem 13. Jahrhundert stammende Darstellung auf Goldgrund. (Siehe 
Heinemann, IL, S. 13.) 

Im 13. Jahrhundert wurde das Kloster weiter ausgebaut. 1279 würd das Siechen- 
haus (infirmaria), 1293 das neue Schlafhaus und 1305 der ,, Altar im nördlichen 
Teile des Klosters, unter dem Bilde der Maria erbaut", erwähnt. Es handelt sich hier 



Wöltingerode 273 

um das im Mittelalter weit bekannte und hochverehrte Marienbild, zu dem man gerne 
wallfahrte. Im Jahre 1351 erteilte Bruder Conradus allen Besuchern des Klosters, die 
das durch ihn geweihte wundertätige Bild der Maria mit Gebeten, Opfern, Kleinodien 
und anderen Wohltaten ehrten, einen Ablaß von 40 Tagen. 

Ende des 13. und im 14. Jahrhundert verarmte das Geschlecht der Wohldenberger 
Grafen, die das Kloster gestiftet und es auch in späterer Zeit mit Schenkungen weiter 
reich bedacht hatten. Infolgedessen kamen auch für das Kloster schlechte Zeiten. 
Schon 1290 nmßten Güter veräußert werden und 1337 mußte Bischof Heinrich von 
Hildesheim eingreifen und zur allgemeinen Unterstützung auffordern, da die Nonnen 
an den nötigsten Lebensmitteln Mangel litten. Als die Wallfahrten zu dem wunder- 
tätigen Marienbild des Klosters begannen und das ,, heilige Blut", das im Chore der 
Klosterkirche aufgestellt war, noch größere Scharen von Wallfahrern heranzog, denen 
1388 der Hildesheimer Bischof einen Ablaß von 40 Tagen gewährte, besserte sich die 
Lage des Klosters. Die Grafen von Wohldenberg, die 1383 im Mannesstamm erloschen, 
machten dem Kloster im 14. Jahrhundert noch verschiedene Schenkungen, auch andere 
Geschlechter, wie die von Bortfeld, von Burgdorf, von Wallmoden, von Schwicheldt 
usw., übergaben dem Kloster Höfe, Zehnten und Ländereien. Mehrere Mitglieder der 
Familie von Schwicheldt wurden im Kloster Wöltingerode beigesetzt, so 1449 der 
Domherr Johann von Schwicheldt, 1465 Konrad I. von Schwicheldt, 1511 Konrad II. 
und 1516 Jobst von Schwicheldt. 1478 bekundeten Äbtissin und Konvent des Klosters, 
das Cord von Schwicheldt, Cords des Älteren Sohn, und Johann Kerckhof (der Priester 
derer von Schwicheldt) eine neue Kapelle an der Klosterkirche gebaut haben, die mit 
Grundstücken in Kniestedt ausgestattet wurde, 1482 erscheint Jordan Kerkhove als 
Vikar der neuen Kapelle in Wöltingerode in einer Urkunde. 1484 wird Berthold Russe, 
Priester und Commissarius des Altars Unserer Lieben Frauen und der 10000 Ritter in der 
Klosterkirche zu Wöltingerode urkundlich erwähnt. Außerdem werden als weitere Altäre 
in den Urkunden noch aufgeführt : Altare, quod est ante ianuani (Tür, Eingang) claustri 
(1336), Altar des Apostels Johannes und Bartholomäi (1449), Altar Corpor. Christi (1473). 

Im 15. Jahrhundert erlebte das Kloster seine zweite Blütezeit, und die Visitatoren, 
die damals das Kloster besuchten, brauchten nicht mit Lob zu sparen. 1443 erhielt die 
Äbtissin Mathilde den Auftrag, das Kloster Derneburg, das vorher Augustinerinnen 
innehatten, mit Nonnen aus Wöltingerode zu besetzen. 

Nach der Hildesheimer Stiftsfehde kam das Kloster Wöltingerode unter die Landes- 
hoheit Herzog Heinrichs des Jüngeren von Braunschweig- Wolfenbüttel. Als der Herzog 
durch die Truppen des Schmalkaklischen Bundes aus seinem Lande vertrieben war, 
sollten die Nonnen die lutherische Lehre annehmen oder das Kloster verlassen. Zwei 
Jahre später ergab die zweite Visitation, daß die Nonnen ,, keine papistischen Mißbräuche" 
abgetan hatten und keine Änderung annehmen wollten, es sei denn, daß solche im Reichs- 
tag beschlossen sei. Nach Rückkehr des Herzogs herrschte der katholische Kultus 
wieder bis 1568, wo auf Befehl seines Nachfolgers und Sohnes Herzog .hilius die lu- 
therische Lehre wieder eingeführt wurde. Auch jetzt zeigten sich Äbtissin und Nonnen 
der neuen Lehre sehr abgeneigt, und erst als der Herzog die lutherische Anna von Haus 
zur Äbtissin wählen ließ, konnte Wöltingerode ein lutherisches Frauenstift werden. 

Nach dem Restitutionsedikt wurden 1630 wieder Zisterzienserinnen aus Bayern 
in Wöltingerode eingeführt unter dem Propst Heinrich Götze. Nachdem sich die Je- 
suiten in der Kaiserpfalz in Goslar niedergelassen hatten, versuchten sie auf Grund 
eines kaiserlichen Reskriptes, sich in den Besitz von Wöltingerode zu setzen. Fürst- 
bischof Ferdinand von Hildesheim gab hierzu seine Einwilligung. Die Nonnen konnten 
nur mit Gewalt aus dem Kloster entfernt werden, sie wurden nach Goslar in das Kloster 
Frankenberg gefahren und von hier mit Reisegeld in ihre Heimat entlassen. Als im 
Januar 1632 die Schweden in Goslar einrückten, mußten die Jesuiten aus Wöltingerode 
weichen, und bis 1643 wurde das Kloster wieder lutherisch. 

1643 kam das Kloster Wöltingerode mit dem ,, Großen Stift Hiidesheim • an das 
Bistum Hildesheim zurück. Eine Wiederbesetzung mit Nonnen scheint nicht sofort 

.15 



274 \Völtinf^orod(' 

erfolgt zu sein, denn 1667 — 75 nahm die damalige Äbtissin Anna Geffers noch das 
heilige Abendmahl, das der Pastor aus Immenrode reichte. Nach einer im Turmknopf 
der Immenröder Kirche 1928 aufgefundenen Aufzeichnung waren einige Insassen des 
Klosters Wöltingerode bis zum Jahre 1704 evangelisch. ICnlsprechend dem Haupt- 
rezesse 1643 erhiellen die hildesheimischen l-eldklöster und fürstlichen Amishäuser 
einen katholischen Seelsorger, so wurde auch in Wöll ingerode eine Klosterpfarrstelle 
eingerichtet. 

Am 25. Mai 1676 suchte eine große Feuersbrunsl das Kloster heim. Am Schlul.} 
des Einnahmeregislers des Klosters (1697 1740, Staatsarch. Hann.) sind Nachrichten 
über das Kloster zusammengestellt, darin heißt es zu obigem Datum ,,das Kloster W. 
abgebrannt und alle Mobilien in teuer aufgegangen. Das Schlafhaus gebaudt, auch 
die Kirche sind reparirdt". Bald schritt man zur Wiederherstellung der abgebrannten 
Gebäude und ihrer Einrichtung. Am 7. .luli 1677 machte die Äbtissin Anna Cordula 
Hedtwig mit dem Goslarer Bildhauer Meister Heinricli Lessen zwei Verträge, in denen 
der Meister sich verpflichtete, einen Altar und eine Kreuzigungsgruppe für den Tri- 
umphbogen der Kirche zu liefern. Diese Kreuzigungsgruppe befindet sich jetzt in der 
katholischen Kirche z\i Vienenburg (vgl C. Borchers, Bildschnitzer Lessen). Einen wei- 
teren Altar stiftete der Drost zu Wiedelah, Georg von Horde. Die in Holz geschnitzte 
prächtige Kanzel der Klosterkirche glaubt Friedr. Bleibaum (Bildschnitzerfamilien, 
S. 229) dem Meister Franz Lorenz Biggen zuschreiben zu können, der im Anfange des 
18. Jahrhunderts in der Klosterkirche Grauhof tälig war. 

Biermann teilt in seiner 1738 erschienenen Organographia (S. 23) auch die alte 
Disposition der Orgel in der Klosterkirche zu Wöltingerode mit. Nach Biermanns 
Angaben wurde die Orgel im Anfange des 18. Jahrhunderts von dem Orgelbauer Andres 
Schwelm aus Einbeck erbaut. Am Ende des 17. und im 18. Jahrhundert setzt eine rege 
Bautätigkeit des Klosters ein, die sich auf Umbauten der Kirche, des vierflügeligen 
Klostergebäudes und der Wirtschaftsgebäude erstreckte, wie die Inschriften an den 
Bauten verkünden. 1708 übertrug der Propst Johannes Wapensticker dem Andreas 
Ulrich den Bau der Klostermühle. Nach den Bauakten wurde das neue Brauhaus 1738 
durch „Meister Daniel Köppell", den Baumeister der Stephanikirche zu Goslar, erbaut. 

1802 kam das Kloster Wöltingerode mit dem Bistum Hildesheim an Preußen. 
1807 an das Königreich Westfalen, das durch Dekret vom 13. Mai 1809 die Nonnen- 
klöster Wöltingerode, Dorstadt und Heiningen aufhob, am 31. Mai wurde dem Kon- 
vent die Auflösung verkündet. Das Kloster kaufte der von Jerome zum Geheimen 
Finanzrat ernannte Jude Israel Jacobson für 2 200000 Franks. Wo die Kostbarkeiten 
des Klosters, die in Beschlag genommen waren, geblieben sind, ist unbekannt. Als nach 
Jeromes Sturz das Bistum Hildesheim an Hannover kam, mußte Jacobson Wöltinge- 
rode an die hannoversche Regierung abtreten, da nach hannoverschem Gesetz kein 
Israelit Grundeigentum besitzen durfte. Das Klostergut Wöltingerode wurde mit dem 
Allgemeinen Hannoverschen Klosterfonds vereinigt. Das Klostergut hat heute 567 ha 
Ländereien, die 477 ha gi"oße Wöltingeröder Forst wii'd von der Klosteroberförsterei 
Goslar verwaltet. 

Mit der Aufhebung des Klosters 1809 wurde auch die Klosterpfarrei aufgehoben, 
die Katholiken in Wöltingerode wies man zunächst der Pfarrei Wiedelah zu. 1824 
ist dann der Gottesdienst der katholischen Gemeinde Vienenburg-Lochtum in die 
Wöltingeröder Klosterkirche verlegt, da die katholische Burgkapelle in Vienenburg 
baufällig war. Nach Erbauung der katholischen Kirche in Vienenburg (1829) wurde 
Wöltingerode der katholischen Pfarrei Vienenburg angegliedert, der die Klosterkirche 
noch jetzt untersteht. 

Am 24. Mai 1831 errichtete die Königlich Hannoversche Regierung das Amt Wöl- 
tingerode; es umfaßte die 1815 vereinigten Ämter Wiedelah und Vienenburg und das 
Amt Schiaden, nach 1866 kam das Amt Wöltingerode zu dem neu geschaffenen Kreise 
Liebenburg, der dann 1884 durch den Kreis Goslar ersetzt wurde. 1929 ist Wöltingerode 
dann Vienenburg einverleibt. 



Wöltingerode 



275 




|kii|ii i i| I — I — I — I — i — t — \ — t — I — ^ — I — 1 — \ — I — t — • — • — t-^^ 



Abb. 158. Wöltingerode. Laseplan (l:2ö(l(l). 



BESCHREIBUNG: Auf dem Gutshof (Abb. 158) isl die allo Klosloraiihigo im 
ganzen noch gut zu erkennen, wenngleich viele Baulichkeilen aus neuerer Zeil 
stammen. An die große, in den älleslen Teilen noch romanisciie Kloslcrkirclu' 
schließl sich südlich der Kreuzgang an mit (k-m geräumigen BinneniuM', der 
östlich, südlich und wesllicii von hohen in versclüeckMicn Zeilen erriclüelen Nul/.- 
und Wohnbauten des ehemaligen Klosters umgeben isl (Abb. 159). Der cislliche 



276 Wöltinf^erode 

Flügel c'iilhii'lt (nach Milholl) die Wohnung der Al)lissin. im Obcrgcschül.' des 
südlirht'ii sind nocli Zellen der Nonnen erhallen. 

KATHOLISCHE KIRCHE. 

Die ehemalige Klosterkirche (Abb. 160) hal ersl durch meiirlache Um- und 
Anbauten in verschiedenen Bauzeilen ihr heutiges Aussehen bekommen und be- 
steht aus zwei Teilen, von denen der östliche die alte romanische kreuzförmige 
Basilika im gebundenen System vom Ende 12. Jahrh. (mit zweitem Chorquadrat aus 
dem 18. Jahrh.) heute als katholische Kirche dient, während der west liehe Teil aus 
einer romanischen kryptenartigen Unterkirche (ursprünglich (iruft der (Vrafen von 
Wohldenberg?) und gotischen Oberkirche (Nonnenempore) besteht und vom Gut 
als Speicher benutzt wird. Der anschließende Westturm ist barock (Tat. 97a). 

In den mittelalterlichen Teilen besteht das aufgehende Mauerwerk aus Bruch- 
stein, ohne Verwendung von Werkstein. Das Kegeldach der nördlichen Neben- 
apsis ist beschieferl; die Satteldächer und die flachen Pultdächer der Seitenschiffe 
sind mit Ziegeln gedeckt. Das nördliche Seitenschiff hat drei größere Rundbogen- 
fenster und am westlichen Ende ein Portal von 1760 mit Sandsteinumrahmung 
und Inschrift im Sturz: „HAEC PORTA DOMINI JUSTI INTRABUNT 
IN EAM NOVITER/ EXSTRUCTA SUB REGIMINEC :A :D : S :A : 
ET F. M. S. P. AO 1760." Das Mittelschiff hat auf der Nordseite vier kleine zu 
zweien gruppierte Rundbogenfenster. 

Der Westturm ist über einem Quadrat von etwa 8,50 m Seitenlänge, vielleicht 
unter Benutzung älterer Reste, in Bruchstein mit verzahnten Werksteinecken 
erbaut. Die rundbogigen Fenster und das Nordportal sind mit Werkstein um- 
rahmt. Neben dem Portal zwei kleine Nischen, oberhalb eine Inschrifttafel: 
„D. 0. M. / R. D. LUCIA ROSA / WEVELO ABBATISSA / ET / R. D. I. 
WAPENSTICKER / PRAEPOSITUS / AO 1718." Über dem Portal ein 
großes rundbogiges Fenster und über diesem zwei kleine. Dieselbe Ausbildung 
an der Westseite, hier nur statt des Portals ein rechteckiges Fenster über dem 
profilierten Sockel. Das Obergeschoß ist vom unteren durch ein Gurtgesims ge- 
trennt. Auf jeder Seite eine rundbogige Schallöffnung mit darüberliegendem Kreis- 
fenster. Steinernes Traufgesims. Schlanker achtseitiger, im unteren Teil geschweifter 
beschieferter Helm mit Kugel und Wetterfahne. 

Inneres: Wände u^d Gewölbe sind geweißt. Trotz der Stuckarbeiten des 
18. Jahrh. erkennt man die romanische Anlage noch deutlich (Taf. 97b). Das Lang- 
haus der alten Basilika (Abb. 160) besteht aus zwei quadratischen Jochen in ge- 
bundenem System mit spätromanischen rippenlosen Kreuzgewölben (1,30 m Stich- 
höhe), deren Grate mit barocken Stuckprofilen versehen sind. 

Die spitzbogigen, rechteckig profilierten Gurtbogen des Mittelschiffes ruhen auf 
Pfeilern mit Vorlagen, in den Seitenschiffen, wo die Gurte teils rund-, teils spitzbogig 
sind, entsprechende Vorlagen nebst solchen an den Außenwänden. Die Rundbogen 
der Arkaden der beiden Seitenschiffe werden westlich von quadratischen Neben- 
pfeilern, östlich von romanischen Säulen getragen. Diese haben attische Eckblatt- 
basen und die südliche ein mit romanischen Ranken verziertes Kelchkapitäl (vgl. 



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277 



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Abb. 159. Wöltingerode, ehemaliges Kloster, 
Grundriß des Erdgeschosses (1:500). 



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278 Wöltingerode 

Tal'. 98 c), die nördliche ein einfaches, mit Halbkreisen versehenes Würfelkapitäl. 
Je zwei Rundbogen der Arkaden im Mittelschiff (an den Vorlagen der westlichen 
Vierungspfeiler noch die romanischen Rundslabkämpfer) werden durch eine große 
von Hauptpfeiler zu Hauptpfeiler reichende Rundbogenblende gekuppelt. In den 
oberen spitzbogigen Wandbogen des Mittelschiffes (Schildbogen) sitzen je zwei 
Rundbogcnfensler 

Das Gesims in der Kämpferhöhe der Vierungspfeiler im Mittelschiff, die Ffeiler- 
kapitäle im Mittel- und in den Seitenschiffen sowie die Gewölbegrate sind mit 
barocken Stuckprofilen überzogen. Über dem Scheitel des Rundbogens vor der 
Vierung eine von zwei Engeln gehaltene Kartusche von Stuck mit den Buchstaben: 
I. H. S. unter einer Krone. 

Die Vierung, deren Gurte rechteckig profiliert und rundbogig sind, die Quer- 
schiffsflügel und der um drei Stufen erhöhte Chor sind durch Kreuzgewölbe mit 
Stuckprofilen auf den Graten überdeck!. Die spitzbogigen Schildbogen überschneiden 
die Rundbogenfenster, von denen je zwei nördlich, südlich und in der Ostwand 
des nördlichen Querarmes, je eins in den Westwänden der Querarme sitzen. Die 
nördliche Querschiffsapsis ist glatt geschlossen, ohne Fenster, in der südlichen noch 
eine niedrigere Nische. Gesimse in Kämpferhöhe aus Stuck sind nur an W>st- und 
Nordwand des nördlichen und an der Westwand des südlichen Querarmes. In dieser 
ist auch der (vermauerte) Z igang zum Kreuzgang erkennbar. In der Nord wand des 
westlichen Chorquadrates ein sehr großes Rundbogenfenster. Hier sind auf den 
vier Kappen des Kreuzgewölbes vier barocke Stuckfiguren, Engel mit Leidens- 
werkzeugen, angebracht (Taf. 98b). Auch das rechteckig geschlossene östliche 
Chorquadrat ist mit einem Kreuzgewölbe überdeckt. In den Wandbogen je ein 
Rundfenster, in der Ostwand unterhalb desselben zwei, in der Nordwand ein flach- 
bogiges, außen rundbogiges Fenster. 

Zwischen der Basilika und dem Turm liegt der jetzt nicht mehr kirchlichen 
Zwecken dienende, sondern vom Gut genutzte Bauteil der ehemaligen Klosterkirche, 
der die Unterkirche und die ehemalige Nonnenempore enthält. Von besonderem Reiz, 
leider durch spätere Einbauten in der Wirkung völlig verändert, ist die dreischiffige 
romanische kryptenartige Unterkirche. Acht Stützen und zwölf diesen ent- 
sprechende Wandpfeiler tragen die 15 gurt- und rippenlosen Kreuzgewölbe, an denen 
noch teilweise die Abdrücke der Schalbretter erkennbar sind. Die sowohl in der 
Grundform wie im Aufbau und den plastischen, von Westen nach Osten auffällig 
reicher werdenden Stützen sind durch den Einbau von vier kräftigen, die Oberkirche 
tragenden Pfeilern, einer zwei Säulen einschließenden Scherwand und einer 
weiteren Trennwand im westlichen Teile ungünstig beeinflußt. Die westlichen 
Stützen sind als quadratische Pfeiler mit Ecksäulchen und Kelchkapitäl ausge- 
bildet. Dann folgen Achteckssäulen, ferner die (eingemauerten) Rundsäulen und 
schließlich Rundsäulen, 36 cm, die, soweit sie frei stehen, ungewöhnlich reiche 
Kapitale mit Blattwerk und Perlschnüren, teilweise in durchbrochener Arbeit 
tragen. Kapitälplatte 0,74 m, H. 0,30 m, Abakus 1,5 cm, Ringwulst 6 cm hoch. 
Basis attisch (Taf. 96c). Vier kleine hochliegende Fenster erhellen die beiden 
getrennten Kryptenräume notdürftig. Der östliche Teil ist durch eine Treppen- 
anlage an der Nordseite zugänglich, der westliche vom Untergeschoß des Turmes. 



Wöltingerodc 



279 



Über der Unterkirche eine drei- 
scliiffige gotische Hallenkirche mit 
niedrigeren Seitenschiffen, die ehe- 
malige Nonnenempore. Die Ge- 
wölberippen der drei Joche sind 
erst nachträglich in Stuck angesetzt. 
Die Gurtbogen des Mittelschiffes 
ruhen auf Wandkonsolen, die aus 
den kräftigen rechteckigen Pfeilern 
vortreten (Taf. 99 a). Die Spitzbogen 
sind nicht gegliedert. In den Seiten- 
schiffen werden die Gurte durch 
Wandpfeiler unterstützt. Die alten 
Fenster sind durch halbrund ge- 
schlossene große Lichtöffnungen er- 
setzt. Die spitzbogige Verbindung 
zwischen der Nonnenempore und der 
jetzigen Kirche ist durch eine Fach- 
w^erkwand geschlossen. Zu bemerken 
wäre noch, daß auch der Westturm 
zum Kirchenraum hinzugezogen ist. 
Als Erbauungszeit der Nonnen- 
empore kann die erste Hälfte des 
14. Jahrh. in Frage kommen, doch 
ist die Zeitbestimmung mangels jeg- 
licher Einzelformen unsicher. 

Ausstattung: 

Zwei Altartische, Stein, ro- 
manisch, vor den westlichen Vie- 
rungspfeilern im Langhaus. Nicht 
mehr dem kirchlichen Gebrauch 
dienend. 

Der Hochaltar hat eine sarko- 
phagförmige Mensa mit Taber- 
nakelaufbau, der in das flach- 
bogige große in Öl gemalte Mittelbild 
der hohen Rückwand ragt (Taf. 97 b). 
Dieses stellt die Krönung der Maria 
dar, eingefaßt von glatten Säulen 
und breiteren Seitenteilen, vor denen 
in flachen Nischen auf Konsolen 
zwei Vollfiguren von Heiligen, dar- 
unter St. Georg, stehen. Im Aufbau 
ähnlich dem Unterteil, Maria als 




280 Wölt ingerode 

Kind (Ölbild), lini-cs und leclUs zwei Mönciie niil Ki iininisläbcn, liueh und Leidi'ns- 
werkzeug (Antonius Krem, und Antonius von Piidua?). Als Bekrönung das Agnus 
mit der Fahne im Sirahlenkranze zwischen zierlichen (xiebelanl'ängen. Der Aufbau 
trägt als seitliche Einfassung zwei Voluten. Herstellungszeil gegen Mitte 18. .Jahrh. 

Die in den beiden Konchen aufgeslilllcn holzi-rnen Alliirt' aus dem Kndc 
18. Jahrh. haben keinen bedeutenden Kunstwert. 

Die Kanzel ist (nach Bleibaum) ein Werk l^'ranz Lorenz Biggens. Ihre 
Brüstung und Treppen wange ist klar durch reichornamentierte Vorlagen ge- 
gliedert (Taf. 08b). In den Brüstungsnischen Christus und die vier Evangelisten 
in gut bewegten VolH'iguren. Vielfach verkrcipfte Gesimse umziehen oben wie unten die 
auf einer geschwungenen Konsole ruhende Brüstung. Ähnlich ist auch die Kanzel- 
tür ausgebildet. Der kürzlich instand gesetzte und deshalb zur Zeit der Aufnahme 
abgenommen gewesene Schallcleckel ist mit schweren verkröpften Gesimsen und 
sechs lebhaft geschwungenen Konsclarmen ausgestattet, die ein Mittelstück halten, 
auf dem St. Michael mit der Kette steht, den überwundenen Satan zu Füßen. Die 
Bemalung ist in Weiß und poliertem Gold gehalten. Ähnlich wie am Altar in Vienen- 
burg steht auch hier auf kleinem Pergamentschildchen die Bezeichnung: ,,ILI.V- 
MINAVIT lA. POTTINGER A£ 1792." 

Zwei Chor Stühle, viersitzig, mit verkröpften Profilen um die rechteckigen 
Füllungen, im Chor. 

Zwei Bänke im Westen des Mittelschiffes, etwa aus den Jahren um 1730 
stammend, mit üppigem Rankenschnitzwerk auf den Bankwangen. 

Die übrigen in der Kirche frei aufgestellten Bänke haben einfache, zum Teil 
geschnitzte Wangen im Regencestil. 

An der Westwand des Schiffes eine zweigeschossige Empore im Empirestil, 
zu der im südlichen Seitenschiff eine breite Treppe mit geschnitzter Brüstung 
hinaufführt. 

Die Wände des Schiffes sind innen mit gefeldertem Paneel werk bekleidet, 
das an der Süd- und Westwand oben mit einem hohen geschnitzten Rankenfries 
abgeschlossen ist. 

Auch der Chor ist mit einer 3,30 m hohen Holzvertäfelung an den Wänden 
oberhalb der Chorstühle versehen. Hier gleichfalls Profilleisten um die rechteckigen, 
abgestumpften Füllungen. Als oberer Abschluß der Chorvertäfelung profilierte flache 
Gesimse. 

Der Beichtstuhl im nördlichen Chorarm gleicht dem in Vienenburg (kathol. 
Kirche). 

Prunktür, reich geschnitzt, teilweise mit Gold belegt, vom südlichen Quer- 
arm zum Ostflügel des Kreuzganges. Auf dem Gesims Figur der gekrönten Maria, 
Holz, mit einem Pfeil zwischen zwei weiblichen, Kreuz und Anker haltenden Figuren 
(Glaube, Liebe, Hoffnung). 

Zwei Altarleuchter, Messing, H. 30,5 cm, barocke Dockenform auf drei 
Kugeln haltenden Krallenfüßen, drei Engelsköpfe als weiterer Schmuck. Am 
Wachsteller die Buchstaben: C.W. 



Wöltingerode 281 

Drei große (Öl?) Gemälde mit sechs Darstellungen aus dem Marienleben 
hängen an der Südwand des Querschiffes. Ebendort drei weitere Ölbilder, zum 
Teil beschädigt, mit biblischen Darstellungen. 

Bildwerk: Christus im Grabe. Holz, 15. Jahrh. 

Zwei Läuteglocken, die größere, 0,78 m, unterhalb der Haube zwischen 
zwei Zierfriesen die zweizeilige Inschrift: „In HONOREM SANGT ISSIMi^ 
TRINITATIS BEATISSIMä: VIRGINIS MARIAE ET, S. S. 

benedicti bernardi sub ,; regimine r : d : luciae rosj£ 
abatissä: prä:posito f. joanne wapensticker anno 

1718." Am langen Felde ein Kruzifix mit zwei Naturblattabgüssen und die 
Inschrift: „GOS MICH ECHARDT CHRISTOPH BECKER IN HIL- 
DE SHE IM." Dann nochmals zwei Blätter (Weiden?), am Schlag zwei weitere 
Friese. An der Gegenseite Maria als Himmelskönigin, zwei Blattabgüsse und 
zwei Münzabdrücke. 

Die zweite (Schwester-) Glocke, 0,66 m, von ähnlicher Form. Inschrift: 
„VOX EGO SUM WITN. VOS ORATE, VENITE IN HONOREM 
S : S. ABBATIS ET ANTONII DE PADUA / ABBATISSAE ME 
DEDIT FR. ANTONIUS ECK PRiEPO SITU S WÖL / TIN GERODÄ 
PROFESSUS VETERIS MONTIS GOS MICH ECH: CHRISTOPH 
BECKER A HILDESH. AÖ 1718." Am langen Felde zwischen Naturblatt- 
abdrücken zwei gegenüberliegende Reliefs mit den Unterschriften: ,,ST ANTO- 
NIUS DE PADUA" und „ST. ANTONIUS EREMITi^ '. 

DIE ÜBRIGEN BAUTEN DES EHEMALIGEN KLOSTERS. 

Der sich mit einer Seite südlich gegen die Kirche legende ehemalige Kreuz- 
gang umschließt samt den angrenzenden Räumen einen großen rechteckigen 
Binnenhof. Die Gebäude sind im Erdgeschoß massiv, mit rundbogigen Fenstern, 
im Obergeschoß aus Fachwerk hergestellt. Dieses kragt nur wenig vor und ist 
zwischen den mit Rundstab profilierten Balkenköpfen mit Füllhölzern versehen, 
die im Nordflügel geschnitzt, im Westen und Süden als glatte Schiffskehlen aus- 
gebildet sind. An den Schwellen durchlaufende lange lateinische Inschriften 
mit schönen Kapitalbuchstaben. Am Südflügel: „IN OMNIBUS EXHI- 
BEAMUS NOSMETIPSOS SICUT DEI MINISTROS IN MULTA 
PATIENTIA IN VIGILIJS IN LABORIBUS IN CASTITATE 
IN LONGANIMITATE IN SUAVITATE IN SPIRITU SANCTO 
IN CHARITATE NONFICTA IN VERBO VERIT\T1S IX 
VIRTUTE DEI PER ARMA JUST IT lÄ! A DEXTHIS ET A SIM- 
STRIS AD CORINTHIOS 2. CAP. /EDIFICATUM SUH LUCIA 
ROSA ABBATISSA ET FRE. ANTONIO ECK PR.^.P()S1T0 WOL- 
TING: PROF. VET : MONT : AO 16U4." Am WCslIliiool: ..XOCTl^M 
QUIETAM ET EINEM PERFECTUM? CONCl-.DAT XOHIS DOMI- 
NUS OMNIPOTENS, VIGILATE ET ORATE : QUIA ADUERSA- 
RIUS VESTER D I ABOLU S T AN Q U AM LEO RUGIENS CIRCUIT 
QUä:RENS quem DEVORET : CUI RESISTITI«: FORTES IN 



282 Wöltiiif^oroclo 

FIDK • ]. VET : CAF. SIC NOS CUM PKOIJ-: IM A BENEDICKT 
VIRGO MARIA : REÄ-D IF IC AT UM SUB A : C : H : A ET A • E P 
DIE 12 AUGUSTI ANNO DOM INI 1G79." 

Am Nordflügol: „I M S. SERVITE DOMINO IN TIMORE ET 
EXVLTATE EI CVM TREMORE. APPREHENDITE DISCIPLINAM 
NE QVANDO IRASCATVR DOMINVS. NE PEREATIS DE VIA 
IVSTA. PSLMO 2. SIC CVRRITE VT APPREH EN 1) AT I S. REG- 
NVM ENIM Cä:LORVM VIM PATITVR ET VIOLENTI RAPIVNT 
ILLVD : ET PER MVLTAS TR I B VL AT lONE S OPORTET NOS 
INTRARE IN REGNVM DEI : PRVDENTES ITAQVE VIRGINES 
APTATE LAMPADES VESTRAS VT EATIS ET FRVCTVM AFFE- 
RATIS ET FRVCTVS VES... M PLEBITIS LEGEM CHRIST4 
GALAT • 6 • CAP. ANNO DOMINI MILLESIMO SEXCENTESIMO 

SEPTU ä:tera OMNIA ADJICENT." 

Die Fensterbrüstungen unter den profilierten breiten Fensterbrettern sind mit 
einfachen Kreuzstreben ausgestattet. Das Hauplgesims zeigt am Süd- und West- 
l'lügel glattes Profil, auf der Nordseite Wulslkonsolen und verzierte Füllhölzer. 
Auf dem alten rundbogigen Unterbau des Ostflügels ist um 1800 ein Fachwerkbau 
errichtet, der eine großräumige Wohnung enthält, die zum Teil mit Leisten, Ge- 
hängen und Medaillons aus Stuck verziert ist. Von diesem späteren Umbau ist 
jedcch der Teil des alten Kreuzganges unberührt geblieben. 

Auf dem großen Rundbogen des Treppenflures (Taf. 96 d) ist noch eine reiche 
Rankenverzierung in Stuck mit verschiedenen Tierfiguren (Storch, Taube, Lamm 
mit Fahne, Hahn) erhalten, die ebenso wie die hier vorkommenden zwei nackten 
menschlichen Figuren symbolische Bedeutung gehabt haben. Auch in den anderen 
Kreuzgangflügeln sind noch einige sehr große in Stuck modellierte Tierfiguren an 
den Ecken der massiven Erdgeschoßmauern vorhanden; einmal ein Hirsch, zweimal 
Löwen, die ebenfalls symbolische Bedeutung haben. 

Das Obergeschoß der alten Teile des Kreuzganges, zu dem eine breite Treppe 
vom Ende 18. Jahrh. hinaufführt, ist im West- und Nordflügel zu wirtschaftlichen 
Zwecken benutzt (landwirtschaftliche Frauenschule); der Südflügel enthält noch 
die alten Nonnenzellen, von denen die westliche Eckzelle fast unverändert im An- 
strich und der Fensterverglasung erhalten ist. Die Türen haben kleine Be- 
obachtungslöcher. 

Ein Kachelofen vom Anfang des 16. Jahrh., aus dem ehemaligen Nonnen- 
gefängnis, befindet sich jetzt im Kunstgewerbemuseum (Leibnizhaus) in Hannover. 
H. 2,10 m einschl. des 1,08 m hohen Aufsatzes, B. 1,02 m, des Aufsalzes 0,71 m 
(Taf. 99 d). Löwen des Sockels und ein Teil der grünglasierlen Hohlkacheln ergänzt. 
Kacheln aus schwarzer Masse, einst bräunlichgelb glasiert. Die Rahmenkacheln 
des Aufsatzes farbig. In der oberen Zone (von rechts nach links): Apollonia, Dorothea, 
Heilige mit Attribut?, Madonna mit Kind, Heilige mit Tier, Barbara, Heilige 
ohne Attribut. Mittlere Zone: Barbara, Albinus, Anna selbdrill, Heilige mit Buch, 
darunter ein Wappenschild mit schreitendem Löwen (Taf. 99c), Katharina, 
Kreuzigung, Christus mit Weltkugel, Dorothea. Untere Zone: Georg, Maria mit 



Wölt ingerode 



283 




Abb. 161 u. 162. Wöltingerode, Pächterwohnhaus, 
vorm. Propsteigebäude. Zustand 1840 (1:500). 




Abb. 16.S— KJ;). Wöltingerode, Klostcrgut, Pforthaus. Grundrisse des Keller- und 
des Obergeschosses, und Schnitt (1:250). 



284 



"Wöltingerode 



Kind auf Mondsichel, unbestinimlc Heilige (ergänzt), Ursula, Maria Verkündigung, 
Anna, Heiliger mil Speer. N'ielleicht sind die Kaelichi hei Xeiiaidstcllung des 
Ofens in andere Reihenfolge gehrachl worden*). 

Die an den Kreuzgang anschließenden Gebäude, dii' Irüher die Uienslräuuie 
und die Wohnung des Landrats sowie eine Anzahl Arbeiterwohnungen ent- 
hielten, bieten nichts Bemerkenswertes. An der Ostseite im Giebel steht die In- 
schrift: „RDMA. DOMINA MARIA / BKRNARDA RAEDTS ABATISSA 
P:T R. D. URBANUS siegen / PRi£IH)STTUS P. V. M. 1788." 




|iiii|iiii| 



Abb. 166. Wöltingerode, Hoftor (1:100). Zustand 1897 (vor dem Umbau). 



Am Nordflügel eine Inschriftplatte bezeichnet mit: ,,AC -HA/ FA • 
E • P • W. / AÖ 1676." 

Das sich im Winkel gegen den Südflügel legende, zur Zeit die Diensträume der 
Landjägerei enthaltende Wohngebäude trägt eine Inschriftplatte, auf der im von 
Ornamenten umgebenen Oval das die Jahreszahl 1742 enthaltende Chronostichon 
steht: „RMA. D.NA / MARIA THERESIA ; SONNEMAN ABA- 
TIS SA / R. D. ADAMUS ESSER / PRä:P0 SITUS P. v.M. / hanC aLaM 
aVXILIante / Deo Vno strVXerVnt." 

Stattliches zweistöckiges Pacht er wohn haus, ehemals Propstei (Abb. 161 u. 
162), unter abgewalmtem Satteldach. An der Hofseite in der Mitte ein Dreiecksgiebel. 



*) Vgl. Konrad Strauß, Eine spätgotische Kachelgruppe aus Halberstadt in Zs. 
,,Belvedere", Band 13, Wien 1928, Seite 63f. Der dort auf Abb. 3 wiedergegebene 
heilige Bischof kommt auch an dem Wöltingeröder Ofen vor. 



Wöltingerode 285 

Tm Schlußstein der Tür die Inschrift: „Anno 1698", daneben: „R. D. LUCIA 
ROSA WEVELO ABBATISSA / F. JOANNES WAPENSTICKER 
PRä:PO SITUS P. V. M." 

Der in Bruchstein vom Harli erbaute alte Schafstall (Scheune) enthält im 
Schlußstein der östlichen Türumrahmung' die Zeitangabe: „ANNO 1714" und 
an der Nordseite zwei Inschriftplatten: 1. „r'^DA D OM INA / LUCIA ROSA 
WEVELO / ABBATISSA P ADERBORNEN S I S." 2. „P. F. lOANNES / 
WAPENSTICKER PRä:POSITVS PROF : VET MON ' COLO- 
NIENSIS. ' 

An der nördlichen Hof grenze das zweigeschossige freistehende Pf ort haus, 
durch dessen in Bruchstein hergestelltes Erdgeschoß der breite Torweg mit rund- 
bogig geschlossenen Öffnungen führt (Taf. 99b und Abb. 163—165). Das in Fachwerk 
gebaute Obergeschoß und die Giebel kragen wenig vor. Sämtliche, zum Teil mit 
Kreuzstreben verstärkte Gefache sind mit abwechslungsreichen Backstein musle- 
rungen geschlossen. In der Setzschwelle des Obergeschosses (Hofseite) ist die 
Inschrift: „0 • L • H • A • IN ■ W • ANNO 1672" eingeschnitten. 

Das Haupttor des alten Klosterhofes liegt an der Ostseite. Es ist in Form 
eines Triumphbogens mit einem großen Mitteltor und zwei kleineren Seilenpforten 
aus Bruchsteinen mit Zahnschnittquadern erbaut (Abb. 166). Die nördliche Pforte 
ist vermauert, das Baujahr 1728 im Schlußstein des Mittelbogens eingehauen. 
Die Schlußsteine der Seitenpforten enthalten die Angaben: ,,R]\IA. DNA. ' L. 
ROSA / WEVELO / ABB"AÄ" und „AR. P. F / JOES B. D. S. ROTARI9 
PPT 9 ■ P. V. M." Straßenseitig ist oberhalb jeder Öffnung eine Konchennische 
angeordnet. Architrav, Friese und Gesimse schließen das im Mittelteil hoch- 
gezogene, mit Schiefer eingedeckte und seitlich mit Steinkugeln bekrönte Tor 
ab. Etwa im Jahre 1898 ist die Mittelöffnung um etwa 1,00 m auf 5,10 m erhöht, 
wodurch die Verhältnisse gelitten haben. 

Über der Tür der ehemaligen Brauerei ist die kleine Figur des hl. Lukas mit 
seinem Attribut aufgestellt. Material wahrscheinlich Holz. 



Bemerkung : 

Die auf den Seiten 286—291 abgedruckten GohlsclimiedcyA'ichen sind im MaUstabe 
2:1, die auf Seite 292 abgedruckten Weiliekreuze im Maßslabe 1:2 wiedergegeben. 



286 



Goldschmiedezeichen. 



B e s (• h a u - I Meister- 
Z ei eh en 



Meister 



Seite 



Ort 



Gegenstand 



AUGSBURG 



CD© 



BRAUNSCHWEIG 

& lEEaai 







9 
® 



Sb 






<9 




Jacobi 
(iers. 



ohne D 



Zacliarias Boden 



Ludwig Spitta 

(1716) 

mit Buchstaben B 



Ludwig Spitta 

(1716) 

Gottfried Johann 
Boden 



ders. 



ders. 



ders. 



262 

33 
137 

145 

135 
144 

135 

176 

62 
118 

140 

56 
116 

181 

176 
116 



Wi edel ah, 
kath. Klrc^hc 



Alt- Wall moden, 

Kirche 
Klein- Mahner 



Lengde 

Klein-Flöthe 
Lengde 

Klein-Flöthe 

Ohiendorf 

Dorstadt. 

kath. Kirthi- 
Heiningen 

Kniestedt 



Dorstadt, 
ev. Kirclie 

Heiningen, 
kath. Kirche 

Ohrum 



Ohiendorf 



Heiningen, 
kath. Kirche 



Monstranz, 
Anf. 18. Jahrh. 



Weinkanne, 1834 

Patene, 
Anf. 18. Jahrh. 

Oblatendosc, 1712 



Oblatendose, 1714 
Kelch, 1697. 
Patene 

Kelch, um 1700 



Oblatendose, 
Anf. 18. Jahrh. 

Kelch. 1720 

Kännchen, 
um 1730 

Kelch, 1701, 
Patene 

Kelch, 

Anf. 18. Jahrh. 
Altarleuchter, 1732 



Patene, 1723? 



Kelch u. Patene, 
1716 

Ewige Lampe, 
1699 



Goldschmiedezeichen 



287 



Nr. 


Beschau- Meister- 
Zeichen 


Meister 


Seite 


Ort 


Gegenstand 




BRACNSCHWEIG 










13 


® 


(Q 


Johann Wegener 
1678—1693 


73 
116 


Gitter 
Heiningen, 
kath. Kirche 


Oblatendose. 169 
Monstranz, 
Ende 17. Jahrh 








ders. 


225 


Salzgitter 


Kelch, 1697. un 
Patene 








ders. 


68 


Flachstöckheim 


Oblatendose 


U 


@ 


qW 


— 


157 


Liebenburg, 
kath. Kirche 


Patene. Zeit? 


15 


@ 


(D 


Andreas Ropenack 
1722 erwähnt 


242 


Steiniah 


Patene. 18. .Jahrh 


16 


(lOSLAR 


H ^1»? 


" 


140 


Kniestedt 


Patene (Kelch?) 




Ä7J 


SSI 


kann auch LAH 


33 


Alt- Wall moden. 


Kelch, um 1700 


17 


QP 


gelesen werden 




Kirche 






^^ 




— 


132 


Kl ein- Bohren 


Kelch, 
Auf. 18. Jahrh. 








— 


225 


Salzgitter, 
ev. Kirche 


Oblatendose. 171 


18 


J5 


■"f 


- 


92 


Groß-Döhren 


Kelch. 
Ende 17. Jahrl 






^ 





13Ü 


Jerstedt und 


()l)latendose. 161 


19 


?» 


cB 


— 


185 


Othfresen 


Kelch, 1699 






xjr 


— 


169 


Lochtuni 


Patene, 
Anl. IS. .loiirli 


20 


>» 






173 
247 


Neuenkirchen 
Vienenburg. 


Patene, 
Auf. 18. .Tahrli 

Kelch, 


21 


JJ 


,^ 






ov. Kirche 


Auf. 18. Jahrh 


22 


" 


d!> 




116 


Heiningen, 
kath. Kirclio 


Ziborium. 1669 


23 


" 


<* 


— 


2()3 


Wiedelah, 

kntli. Kirche 


ProvisionsgefäÜ. 
Mitte 18. Jnhrl 



288 



Goldsclimicdezeichen 



Beschau- I Meister- 
Zeichen 



M e i s t. e r 



Seite 



Ort 



G e g e n s t a n fl 




<;! 



D. F. M. 

iMi 

fasna 



HANNOVER 



HILDESHEIM 



m 






A 



33 



Jürn 



Kühne 



Andreas Seitz 



ohne A 



87 

44 
42 
52 
92 

168 
181 

202 

202 

215 

249 

214 
157 



73 
249 



Grauhof, 
kath. Kirclic 



Beuchte 
Beinuni 
Dornten 
Gro 13- D Öhren 

Lochtuni 
Ohr um 



Ringelheim, 
ev. Kirche 



Ringelheim, 
ev. Kirche 



Ringelheim, 
kath. Kirche 



Vienenburg, 
kath. Kirche 



Ringelheim, 
kath. Kirche 

Liebenburg, 
kath. Kirche 



Gitter 

Vienenburg, 
kath. Kirche 



Meßkelch, 

Mitte 18. .Jahrh. 



Oblatcndose. 1747 

Kelchlölfel, 
um 1700 

Kelch, um 1700 
Patene, 1672 



Oblatendose. 1721 ' 



Weinkanne, etwa . 
Mitte 18. Jahrh. jj 



Weinkanne, 1838 



Kelch, 1656 



Rauchfaß, 1696 



Meßkelch, 
18. Jahrh. 



Meßkelch und 

Patene, 

Monstranz 
Meßkelch von 1672 



Patene 
Ziborium, 1702 



Goldschmiedezeichen 



289 



Nr. 



B e s c li a u - I Meister 
Z e i c li e n 



Meister 



Seite 



36 



37 



38 



39 



40 



41 



42 



43 



44 



45 



46 



47 



HILDESHEIM 








m 

MMEä 




KASSEL 



>;;' 



62 
A 



OB 



WOLFENBÜTTEL 






1730. 1731, 1732 



P. I. Syring (1726) 



Brahn 



Isalc Beaudaire 
oder Baudair 



1774 



37 



247 



68 



116 



212 



262 



214 



214 



226 



40 



68 



134 



181 



Ort 



Gegenstand 



Vienenburg, 
ev. Kirche 



Flachstöckheim 
kath. Kirche 



Heiningen, 
kath. Kirche 

Ringelheim, 
kath. Kirche 



Wiedelah, 
kath. Kirche 



Ringelheim, 
kath. Kirche 



Ringelheim, 
kath. Kirche 



Salzgittcr, 
ev. Kirche 



Alt-Wallmoden 
Gut 



Fl ach Stöckheim 



Klciu-Flöthe 



Ohrum 



Patene, 1712 



Kelch, 

1. H. 18. Jahrh. 



Patene, 
Mitte 18. Jahrh. 

Silberleuchter, 
Weihegeschenke 
der Prozessions- 
figur 

Meßkelch, 
Anf. 18. Jalirh. 



Patene, 
AnL 18. Ja lull. 



Meßkelche. 
Anf. 18. Jahrh. 
Kelchlöffel 



Weinkanne, 1865 



Weinkanne, 
2. H. 18. Jahrh. 



Woinkannc 



Kelch, 1704 



Oblatendose, 1717, 
Kelch, 1723 



290 



Goldschmiedezeichen 



Mr. 



Beschau- I Meister- 
Zeichen 



Meister 



Seite 



Ort 



Gegenstand 



WOLFENBÜTTEL 



48 



49 



50 



51 



52 



53 






^ 






UNBESTIMMT 



IQQ9 



p 



(0@^ 



103 
63 
56 

116 

140 
56 



AS QESD m 



Eine Goldsclimiede- 

familie Gernreicli 

lebt inGandersheim 

Kirsch 



40 
116 
249 

33 
157 

103 

215 

130 



Haverlah 



Bürstadt, 
kath. Kirche 

Dorstadt, 
ev. Kirche 



Heiningen, 
kath. Kirche 

Kniestedt 

Dorstadt, 
ev. Kirche 

Grauhof, 
kath. Kirche 



Alt- Wallmoden 
Gut 

Heiningen, 
kath. Kirche 

Vienenburg, 
kath. Kirche 

Alt-Wallmoden 

Kirche 
Lieben bürg, 

kath. Kirche 

Haverlah 



Hin gel heim, 
kath. Kirche 



Jerstedt 



Kelch, 1784, und 
Oblatcndose 

Ölgefäß, 

An f. 18. Jahrh. 

Oblatendose, 1713 



Rauchfaß, 1686 
Schiffchen, 1686 

Oblatendose, 

18. Jahrh. 
Patene 



Monstranz, 
Mitte 18. Jahih. 



Kelch. 1764 
Meßkelch, 1752 
Meßkelch, Zeit? 

Patene. um 1800 

Kelchlöffel, 
um 1800 

Kelchlöffel, 
um 1800 

Krone der Pro- 
zessionsfigur 

Kelch, 1801 



Goldschmiedezeichen 



291 



Nr. 



Beschau- I Meister- 
Zeichen 



Meister 



61 
62 
63 
64 
65 
66 

67 



UNBESTIMMT 



Hemeyer 
J. Francke 



E) m 
(09 m 






Jüreens 



Inschrift : 

„Hunnius fecit 

Hildesheim' 



vielleicht 
Baseler aus Goslar ? 



Seite 



Ort 



Gegenstand 



33 Alt-Wallmoden, 
Kirche 

140 Kniestedt 
168 Lochtum 



247 Vienenburg, 
ev. Kirche 

95 Groß-Flöthe 



71 Gielde 



73 Gitter 



46 Bredelem, 
Kirche 



Leuchter, 1837 

Weinkanne, 
19. Jahrh. 

Kelch, 1853. Her- 
stelig. 18. Jahrh 

Kelchlöffel, 1858 
Oblatendose, 1858 
Kelch, 1842 

Kelch, gegen 1700 
Kelch, 1825 



292 



Weihekreuze. 



Nr. 



WoilK'kreuze 







Ort 
und Gegenstand 



Ohlendorf, 
Patcne, gegen 
1400 

Klein-Mahner, 

Patene, 
> 15. Jahrh. 



Hahndorf, 
Patene, 1558 



Alt -Wallmoden, 
Patene, 1589 



Gitter, 
Patene, 1649 



Wehre, 
Kelch, 
Mitte 17. Jahrh. 



Groß-Döhren, 
Patene, 1672 



Lengde, 

Patene, 1697 



Nr. 



Woilu'ktc'uzc 



10 



11 



12 



13 



14 



15 









Ort 
und Gegenstand 



(Jthlresen, 
Patene, 1699 



Klein-Flöthe, 
Patene, 1703 



Vienenburg, 
ev. Kirche, 
Patene, 1712 



Wehre, 
Patene, 
Mitteis. Jahrh. 



Hein in gen, 
kath. Kirche, 
Kännchen, 
um 1730 



Dorstadt, 
ev. Kirche, 
Kelch, erstes 
Drittel 
18. Jahrh. 

Flachstöckheini, 
Patene 



293 



Künstler und Handwerker. 

(Die in Klammern beigefügten Jahreszahlen geben die Entstehungszeit der Werke an.) 

Seite 

Albrecht, Maler in Hildesheim (1855) 37 

Altendorf, Orgelbauer in Hannover (1858) 261 

Bartels, J. H., Glockengießer in Hildesheim (1858—75) 93, 157, 182, 232 

Baseler, Goldschmied in Goslar (I. Hälfte 19. Jahrh.) 46 

Beaudaire (Beaudair), Isak, Goldschmied in Kassel (H. Hälfte 18. Jahrh.) . . 40 

Becker, Christoph Aug., Glockengießer in Hildesheim (1752—1810) 170, 226, 259, 263 

Becker, Ch.-A., und H.L.Damm, Glockengießer in Hildesheim (1817) 169 

Becker, Echardt Christoph, Glockengießer in Hildesheim (1713—18) ... 88, 281 

Becker (Beckersche Werkstatt), Hildesheim (1728) 216 

Beyer, A-, Architekt (1787) 261 

Biggen, Franz Lorenz, Bildhauer (Statuarius) in Grauhof (1720 — 40) 78, 80, 

84, 87, 264, 274, 280 

Bochumer Verein (Glockengießerei) (1875) 42 

Boden, Gottfried Johann, Goldschmied in Braunschweig (1699—1732) 56, 116, 

176. 181 

Boden, Zacharias, Goldschmied in Braunschweig (Anf. 18. Jahrh.) 176 

Borstelmann, Heinrich, Glockengießer in Braunschweig (1634 — 45) 47, 70, 72, 141 

Brackenhoff, Friedrich, Glockengießer in Halberstadt (1787) 261 

Brahn, Goldschmied in Hildesheim (Anf. 18. Jahrh.) 214 

Breust, Orgelbauer, arbeitet für Vienenburg (1857) 246 

Buerschaper, Martin, Bildhauer? (Anf. 18. Jahrh.) 205 

Clemens, preußischer Landbaumeister (1803) 143 

C. W., Klöppelschmied für Klein-Döhren (1824) 132, 133 

Damm, Ww., Glockengießerei in Hildesheim (1824) 132, 133 

Decken, Graf, Rittergutsbesitzer in Ringelheim, Kunstmaler (Miltc 19. Jahrh.) 202 

Dinglinger, G. F., Festungsbaumeistcr und Hofarchitekl in Hannover (1752) 9, 67 

Dutkowski, Gebrüder, Orgelbauanstalt in Braunschweig (1746) 165 

Engelhardt, Orgelbauanstalt in Herzberg a. H. (1864/65) 12t) 

E. H., Klöppelschmied, arbeitet für J. H. Bartels in Hildesheim (1866) .... 93 

Fleegel, Joh. Conrad, Zinngießer in Hildesheini (1S05) 49, 71 

Francke, J., Goldschmied (19. Jahrh.) 140 

Fricke, H., Regierungsbaumeister in Braunschweig (1890/91) 42 

Furtwängler, Orgelbauer in Elze (1867—69) 97, 232 

Furtwängler & Hammer, Orgelbauanstalt in HaiiiiovcT (1906) 92 

Friedemi, Orgelbauer in Hildesheiin (1829) 108 

Gattone (Bildhauer?), in Grauhof (Auf. 18. Jahrh.) 85 

Gernrech (Gernreich?), Goldschmied in GandorsluMui (.Viil. 19. Jiilnh.) .... 215 

Gentemann, Maler und Vergolder (1754) 153 



294 Künstler iiiul Handwerker 

Seite 

Gotla, Kirchenma,ler in Hannover (1929) 48 

Orele, Johann Peter, (Glockengießer in Braunschweig (1732 — 50) . . . 67, ()8, 69 

Grelen, Arend, Glockengießermeister in Braunschweig (1708) 177 

Grele(n), Johann Conrad, Glockengießer in Braunschweig (1770 — 99) ... 96, 141 

Gröningcr, Joh. Wilh., Bildhauer (1697) 57 

Hase, Conrad Wilh., Konsislorialbaunieister, Geh. Baurat, Professor in Hannover 

:n, 32, 125, 126, 132, 149, 175, 241 

Heine, Tischler in Hildesheim (Aul. 19. JalirJi.?) 165 

Hemeyer, Goldschmied (1837) 33 

Heubach, A., Kunstmaler in Hannover (Anf. 20. Jahrh.) 40, 245 

Hellner, Konsislorialbaunieister in Hannover (1828 — 47) 43, 71. 73, 143 

Helmholtz, S. H. C, Glockengießer in Braunscluveig (1734) 242 

Herzig, Baurat in Hildesheim (1888) 227 

Hunnius, Goldschmied in Hildesheim (1842) 71 

Husemann, Orgelbauer in "Wolfenbüttel (1812) 58 

Jacobi, Goldschmied in Braunschweig (1834) 33, 137 

Jauck, C. A., Glockengießer in Leipzig (1873) 173 

Jürgens, Goldschmied (1859) 93 

Jürn, Goldschmied in Goslar (18. Jahrh.) 181 

Kirsch, Goldschmied (1801) 130 

Klemm, Baurat (Wiedelah) (1912) 261 

Klemme, A., Kunstmaler (1869) 85 

Knoblauch, C. H., Glockengießer in Halberstadt (1776) 247 

Koppel, Joh. Daniel, Baumeister (Goslar) (1729 — 41) 78, 274 

Korete, Tischler in Immenrode (1835) 126 

Kretschmann, Johann Christian, Zinngießer in Wolfenbüttel (1780) 181 

Kühne, Goldschmied in Hannover (1838) 202 

Lampen, Johann Diederich, Glockengießer in Hildesheim (1723) 123 

Lampe, Sigismund, Glockengießer in Hildesheim (1828) 48 

Lange, S. A., Glockengießer in Hildesheim (1844/45) . 73, 143, 145 

Lessen, Heinrich, Bildschnitzer in Goslar (1677) 190, 248, 249, 274 

Lessen, Jobst Heinrich, Bildschnitzer in Goslar (Ende 17. Jahrh.) . .128, 144, 248 

Linden, Bauinspektor (1754) 153 

Lindrum, Orgelbauer in Goslar (1824—33) 51, 121, 258 

Loose, Tischlermeister in Heiningen (1832) 121 

Lüer, Heinrich, Architekt in Hannover (1866 — 69) 134 

Mertens, Hans, Glockengießer in Goslar (1592) 108 

Meyer, Christian Ludwig, Glockengießer in Braunschweig (1725) 47, 135 

Meyer, Heiso (Heise), Glockengießer in Wolfenbüttel (1663—84) 43, 44, 51, 53, 88 

Michaelis, Hans Conrad, Glockengießer in Braunschweig (1756) 30 

Mitta, Franz, Baumeister aus Mailand (Grauhof) (1711) 78, 79, 85 

Möller, J. C., Orgelbauer in Hildesheini (1763) 108 

Mohr, Bildhauer in Hildesheini (1754) '. . . 153 

Müller, Orgelmacher (Riechenberg) (1773—74) 190 

Oelrich, Joachim, Abt in Ringelheim, „Statuarius" (1698/99) • • • 205 

Oelrich, Quirinus, Bildhauer (Ringelheini) (1705) 205 

Olemann, Hans, Glockengießer in Magdeburg (1584) 216 



Künstler und Handwerker 295 

Seite 

Pathof, Johan, Glockengießer (Schiaden) (1657) 237 

Pelizaeus (Liebenburg) (1843) 153 

Peters, Goldarbeiter in Goslar (1842) 71 

Peumann, Bernward, Abt in Ringelheim (Architekt) (1715 — 46) 205, 239 

Pickart (Pickhardt ?), Maler in Wolfenbüttel (1794) 78 

Pöttinger, J. A., Maler in Hildesheim (1791—1802) 144,208,248, 280 

Radler, Jacob, Glockengießer in Hildesheim (1871) 73 

Radler, J. J., Glockengießer in Hildesheim (1883—1907) 56,118,127, 245 

Radler & Söhne, Glockengießerei in Hildesheim (1910—22) 44, 48, 49, 53, 70, 

72,102,135,137,202, 259 

Ropenack, Andreas, Goldschmied in Braunschweig (Anf. 18. Jahrh.) 242 

Schneider, Niclas, Zimmermeister (Wiedelah) (1687) 260 

Schrader, Jürgen, Glockengießer in Goslar (1640) 254, 256 

Schulze, Zimmermeister in Goslar (1833) 51 

Schwelm (Schwelm), Andreas, Orgelbauer in Einbeck (1698) 108, 274 

Seggelke, Tischlermeister in Groß-FIöthe (1827) 172 

Seitz, Andreas, Goldschmied in Hildesheim (1672) 157, 214 

Siegener, Wegebaumeister (Heiningen) (1831) 121 

Spitta, Ludwig, Goldschmied in Braunschweig (1716) 62, 140 

Steckhahn, Ernst, Zimmer- und Baumeister in Schiaden (1823 — 26). . 171,172, 230 

Syring, P. I., Goldschmied in Hildesheim (1. Hälfte 18. Jahrh.) 262 

Stützer, C. H. C, Glockengießer in Benneckenstein (1849 — 53) 104. 127 

Treutmann, N., Orgelbauer in Magdeburg (1737) 78, 86 

Ulrich, Andreas, Mühleubauer (Wöltingerode) (1708) . . .... 274 

Ulrich, Gebr., Glockengießer in Apolda (1882) 98 

Yieth, Orgelbauer in Gelle (1863) 108 

Wagemann, Maurermeister in Vienenburg (1803) 143 

Wallbrecht, Ferd., Baurat in Hannover (1869) 185 

Weiß, Johann, Kunstschlosser in Hannover (1765) 67. 69 

Wegener, Johann, Goldschmied in Braunschweig (1678 — 93) . . . 68, 73,116, 225 

Wendebourg, Eduard, Dipl.-Ing., Architekt in Hannover (1893— 1913) . 172.184, 231 

Wicke, J. C. J., Glockengießer in Braunschweig (1840) 177 

Wicke, J. H., Glockengießer in Braunschweig (1810—37) . 34, 46. 95, 143. 145, 259 

Wilken, Hermann, Glockengießer in Wolfenbütlel (1612) 256 

Winck (Winckh), -Joseph Gregor, Maler aus Bayern (1743 — 59) 16. 58. (\'), 153. 154 

Wunderlich, Zimmermeister in Braunschweig (1784) 254 

Ziesenis, Joh. Friedr., Bildschnitzer in Hannover (1766) 58, 62 

Zimmer, Maler in Hildesheim (Anf. 19. Jahrh.) 165 



296 



Abbildungsnachweis. 



Textabbildungen 



Landrat des Landkreises Goslar, aus 
,,Der Landkreis Goslar": 2, 35. 

Becker, Reg.-Baurat, Goslar: 142. 

V. Behr, Königl, Baurat, Goslar: 15—20, 
25, 28, 40, 41, 43—45, 48, 49, 65, 69—73, 
95—98, 110—112, 123, 126, 128, 129, 
143, 144, 153—156, 160. 



Schäfer, Alexander, Reg.-Baural: 113, 
114, 115, 117, 118. 

Siebern, H., Provinzialkonservator a. D., 
Landesoberbaurat, Professor: 84, 87, 
95, 98, 106—109, 120, 127. 

Stadtarchiv, Goslar: 101, 152. 



Taf el ab bil düngen. 



Bödeker, Hildesheim: 45a, 46. 

Borchers, Carl, Goslar (aus Privatbesitz): 
68a, 92 d. 

Herzog- August-Bibliothek, Wolf enbüttel : 
100 a— d. 

Landrat des Landkreises Goslar, aus 
,,Der Landkreis Goslar": 21c, 22c, 
40a, 40c, 43 d, 51a, b, 52c, 60b, 91a. 

V. Löbbecke, Dorstadt: 17 c. 

Lühr, Burgdorf 5 b, c. 

Pfarramt (kath.), Dorstadt: 9. 



Provinzial-Denkmalarchiv: Ib, 2b, 26a, b, 
28, 29b, 30b, 32a, 33a, 35b, 61, 66a, 
69a, b, 70, 71a, 78b, c, d, 98a. 

Scharia, Ringelheim: 3a. 4b, 10a, 13a, 
77, 78a, 79 b. 

Staatsarchiv, Hannover: 25. 

Staatliche Bildstelle, Berlin: 62 (ergänzt). 

Stüber, Dorstadt (aus Privatbesitz): 8a, b. 

Alle weiteren Abbildungen sind nach 
Photos hergestellt, die während der 
Bestandsaufnahme gemacht wurden, 
darunter 50 Aufnahmen von Gehöften 
durch Dipl.-Ing. Heiner Jürgens, 
Hannover. 







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Ml Allciirodc, K;i|)i'll('. 

b) Alt-Wallmo(l('iK Kirche. 

c) Altenrt)de, Ivapelle, Vesperbild. 



ill .\ll-\V:ilhii<>(leii. Welllliiilii. 
,1 Kciiclile. Kii.he. \Csp..|l)il<l. 





Alt-Wallmoden, Kirche (Zustand vor 1930): a) Inneres (Hlick aiil den Altiir); U) Kmpore 

im Chorraiim. 




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Alt-\\:illiiii.(li'n: a I Sclilol.l. 1 lol'imsiclil ; 1)) Karif von IS^IS, Aiissolinitt. 




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a) Bredelem, Kirche von Südwesten, 
c) Dornten, Kirche, Grabstein 
Jod. Brackman, * 1538. 



b) Dornten, Kirche von Südosten, 
d) Dornten, Kirche, Grabstein 
.Joannes Brackman, t 1593. 




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Doistadl, kath. Kirche (ehemals Klosterkirche) vor dem IJiande: 
a) Äußeres; h) Inneres, Blick in den Chor (nach Photographien im Besitze des Maurermeisters 

Stüber in Dorstadt). 




Dorsladt, kalliolisclic Kirclu- vor diMii liniiulc, liincro, 
lilick aiil ilic Orgrl (nacli einor I*li<)t()t>;raphie in der katli, Pl'airc in Duisladl i. 



10 





I )<)rsiiull, KirclK'ntuinc : 

a) Äußeres, etwa 4 Monate nach dem Riaiule lülü; 

b) Inneres, Blick in den Chor, 1928. 



11 







Vorstadt: :i) KircliciiiuiiK', Slui-k an der NoidwiiiK 
c) kalh. Kiii'hc, Kni/ilix; 



hl kalli. Kiirhc, Üankwanj. 
(I) Kiipl lies i'.ikivu/i-tcn. 



12 






13 





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Doishidl, kiilli. Kirclu': ;i) ( .i;il>|)l:il(cii in ilcr Uiiiiu': 
b) Aiilopcndiiiiu Nr. 1, iiiuliilicit ; c) Anliptiidiuin Nr. :!, U>!il. 



14 




Dorstadt, kath. Kirche: a) Antepeiidiuni Xr. 4, Teilstiick (109(1); 
b) Antependium Nr. 1, Teilslück. 



15 





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Dorstadt, Rittergut: a) 1 ).cken;j,.nu.l,lc (Tniilc Au-UNtins) im Herrenhaus, 
Fresko, von .). G. Winck (175i)). — b) Herrenhaus von Westen. 



17 







Dm-slndl, r.ilUr^iil : ;i) Kreii/.niinn des i'lu'in. IvlosliTs; 1)1 'l'or /wisi'lu'll KIonIci imuI C.iiKhol: 
i) 'l'iir im clieni. KonviMit}>;obäiulo; il) W'sixTbild im l'riviitl)osit/. in l)()istadl. 



18 






19 






Flarlistöcklieim. Kiirlu-: a) von Siidosti-n; b) von N(>nl\vi'>ti'n : 
(•) (iljicmiildc in der Kirclic. 



20 




21 








C.iUcr nm llcr-c; a) Kiirlic von Nnrdoslcn; l.-ci ( .ai l.iinhol : li) Wohnhatis (irN>7); 
(•)l'(ir; (II ICin/clhcil i|rr Si-|i\vrllc; vi Wolmiiaii- niil |-;r\vri Icrun-sliau des is. .lalirll, 



22 



t.-, 71. 'i>i* 




23 






24 





(jitter am Berge: a) Gehöft Schrarler, abgebrannt ISö? l)is miiI iI:is \\oiinhaus. l\n<le des lii. .lahili. — 
1)) (leliölt Nr. 3, Kssig (rechts Scheune 1810).— c) Gehöft Sclirader. I.iiflhild. freigegeben durch HLM. 

Nr. 928/30 a. 



25 



>j>e<^ru.^ni.^/ y'^'^Jt^ 




(Iraiilior, (•h('mali^;('s Kloster. Aiissclinill aus dem l'lau von ISdl. iiu Staaloaiihiv Hannover. 



26 





(iraiihof : a) Blick von Nordosten, b) von Südoston auf Kirche (1711 begonnen) und Pächterwohnhans. 



27 



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Graiihüf, kath. KiiTlio: 
a) Blick auf den Turm vom Kicii/.^ian^ 
c) Westportal (1711); 




b) Kreu/.naii;;; 

<1) l'".in}jaiV4 /UV (.mit lOstscite). 



28 




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31 




32 





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35 




(■liiiilinr, kiilli. KilTlic: :i) Oliicl, 1>) Clior-c-l iilil 



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a) Groß-Flöthe, Bockwindiiuilile, schiäji, seillich, b) llavcilah, Kirclic. 
c) Ilaverlah, Luftbild. FrciKCgebon durch R L :\l, Nr. 928/30 h. 



41 







l:ilm(l<>ir, Kiiilu': ;u WcsliiiiNicliI , hl Iniicivs luu-li Osl.'ii, c) Kan/cl. <li AlliiiliiiililiT (1603). 



42 




43 








1 Iciiün-cn: :i) kalli. Kiii-Iic --iKlIiilics ScilciiM-liin 
h) (inilli'in-Miii;, c ( S(;il ioiishil.l. di Tur (l(•^ (iiil 



imu'ii. 

<llM|cs. 



44 






45 






a) Aiiti'pciKliiim aus I liiniiiii<ii im \ictoiia- and Allni l-Mii-cum. London, 
b) und 1-) Ilciiiinjion. Ualli. Kirclii-, Anlcpcndiiii \ "n lü'JS und UW. 



46 




Teppich (1510 ciatii-rl) aus Ileiningenjm Victoria- and Albiit-Muscum, London. 



47 




I l('inin;^('ii, ii;it! . Kirche. Slirtcrinnciil i^iiinn. 



48 




Heiningon: a) Evang. Kirche (1831/32). r.itteigul: b) Taiibtnturin, 
c) südlicher Stall, d) Herrenhaus, Gartenseite. 



49 




^^i^'iP§ßd^&i"MimßM 





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.1) I liil.liini, Kapfllc. 

(■) Imincnrodc, Kirclic \ oii Siidoslcn. 



h) lli>lu-nr(.(lc. Muhlc. 

tl) Jerstotit, Kirclie \<)ii Siulostfii. 



51 





l.urthihlcr: :n .Icrslcdt . lu l.ii'l)ciil)iii^. I'ici^;c-fl)cii diiirli i '. I. \'. Nr. '.ijs/a; i- uiul d. 



52 




53 





54 







1) Klein- Döhrcn, Kirche von Norden. 
■) Kl<'in-Mahner, Kir-clie von Süden. 



1)) Klein-1-iollie, Kirclie von Nordosten 
<l) Lcn^df. Kiirhc von Westen. 



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55 






:il Klrin-I'li.thc, \ll:ii:uir>.ii(/. I)) KIriii-Malin.i . IciUliifk iU- AHmiiuiImiI /<s. i' t lium.iiiod... lCni/ifi\. 



56 




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:i) l.eiiKtlo, Kirc-lio, I'orlnl (ISO;!), b) Wiiultmihlc hei l.ciij;(lc, i- 1 l.cii-dc. Kiivliliol. ( iialtsl.in i|<-. .1. 1). lliU- 
lirifi: (1" ls4r)), fl) Lowe, Kirclio von Wesloii, <■) l.ciindi'. clii'nuilinci-. Jcl/I iiljucliroi-hciitT nailiii'itiT :iul lifiii 
'l'iir-fliiiii.lc lies riiih.'i Waftciliii-M-lifii llolcs. 
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66 




!il Olhlii ■^(■n.:lll(• Kiiclic lahf^cbroihcn l. li) Dlitiiin. Kirclu', Teilst iick der Kanzel; c) olniini. Kin In. r:iul>teiii. 



67 




()li|-iini Kiri-lic. I\Mii/fl;ill;ir. 



68 





a) Ricchenber^ vor 1816. Aquarell, bez. ]•:. (lieseke pinx. 182U, angeblich nach 
älterem Bild kopiert; b) Riechenherg, Kirchenriiine, östlicher Teil von Südosten. 



69 





HicchciibtTti, l'.iiiiic dci (luiiiali^icn Slillskiirlic: ;i) Iniicrcs i):uli NDnIwislon ; 1)1 AiiiJcics. 
C.lun- iiikI soLiciiMiuilc ..liihlidllicU" \oii Ninilnslcn (iiiu-li ;iltcr-.n Auliiiihnii'n, um l'.Osi. 



70 




71 







•liciilicru. Kiyplii (Ici- iliciu;ilincn Sl ilNUirrlic. K:ii>il<'ll'' (iini'li ;illiTiii AiiriiMlimcn um I'.KIS). 



72 






73 






UieelienlRT-, lUiiiic: :i) \..r.lvsMn(l des Hohen (.h...vs und nur.llK-lu> N.-l.riiapMv. b. IVnsl.T 
der nördlichen NoluMiapsi. und Siuhvnnd der 1 ül.liniheU. et r.MM.ieU der Nonhvand de> 
Schiffes, d) Nord). IVil der Tunminlase. innen. ,.i Niseh.' an d.i Nnrdwini.l dei Hililinthek |14S,^). 

1(1 



74 





Piiechonberg, sor. Ribliothok: a) Ober-, 1)) l'ntergpschoß. 



75 






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(ioslar, .Jnk<>l)iUiiilic: :i i I l;iii|>tall;ii-. In Mitlliihcr Nobi-iiHltar. il Hi'iclil>lnlil. <n nörd- 
licher Ncbcnallai. Alle Aiilnahnun l'.fJS, vor iUt Instaiidsotzim;« dor Kirolu- (l!i31). 

;i, 1) iitiil (I hi'slimml. i- waiirM-hriiilicIi au- lUffhfill)t'r;i. 



76 




77 




78 




Inneies m,t Orgel; c) Chorgestühl; ,1, l>ilast,.rl<npi.,.ll, 







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79 









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80 






a) P.inticllu'iin, kutli. Kiitho, Einzelheil von der Koinimniionhank. b) Ringellieini, evanji 
Kirche, Kopf des (iekrenzijiten (vgl. Taf. 81c). c) Ebenda. Taiifschüssel. Kupfer, US7 



81 







l',iii;icllicim. t\;iii|4. Kiiclic: :0 Aiil.l«"ii:msitlit. 1>) Altiir. 
i-( Kiii/ili\.(h (iiiil)slcin des l':i>.ti>i>; .\ii(lri':\s Kinlilinl ( t li'-'l 1- 



11 



82 




83 






Salziiilli'i-: ;n l'.iiinc dci- \ Cpsliillcr- Kiiclic; Ix <'\:m^;. Kitclic Viillcio ; c l U:illi. I'l:iiil\iui>. I'.int;;inj; (I7ii;>). 



84 






Salzgitter: a) kath. Kirche, Ileilit^enliguren; h) evan^i. Kirche, (Uocke (14sl); c) kalli. Kirche, Vesperbild. 



85 







86 







87 







*%;*itei^H^t. 



a) Södcrhof. Gut, iMnl'alirl (1721). 
c) Schiaden, Domäntsi'hcinalitios Gar- 
tenhaus (in/wischen abticrisseii i. 



hl Sehladfii, OhclUk. 

d) Schhidcii. l>i>nianr. I'.iii- 

tian;; /nr ehenialinen lva|)ille. 



88 




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Schladcn: a) Domäne, Süiilf vom Altar der eliemaligen Kapelle als Treppenpfosten, b) — fl) 
Kvansi. Kirche: h) Kronleuchter, c) Cirahstein des Pastors Bernliardus Isbriick (t l'i'-'l ). d) Kelch. 



89 





a) I'pcii, Kiiclic \<iii Siidwcslcn, 1)) Inneres inil Kan/ehilliir: c I Niciicn- 
bur^. eviinti. Kirelie \ i)il Siiilnsleil ; <l( Weddinneii, |)iini:ii)e, iiiiieier llnl. 



12 



90 
















VieiaiibiUK, fvaiiK. Kirclii': a) (Hocke (1492), b) Taufengel. c) Wcddinsen, Kirche, 
Taufstein (nach 1664). d) Vienenburg, kath. Kirche, Teilstück des Pliiviales. 



91 










92 




Vienenburg: a) S.Anna Selbdritt, im kath. PlanliaiiN. 1)) Evang. Kiiclio, l'riechen- 
lülhing. c) Kath. Kirche, Seitenaltar, d) Ivath. Ivirche, Kreu/.igungsgnippe. 



93 





94 







s\) Vienenburg, Turm im Hof der Domäne, b) Weddinsen, Kirche von Osten, 
c) Welire, Kirciie von Südosten, d) Wiedelali, kath. Kirciie von Südwesten. 



95 






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Wicdelah: a) Katli. Kirclu', Kruzifix, 
c) Domäne, l-'-iiifümi^ /.iiin 'ricppcnturin. 



1)) Xi'P""'nilv(lciil\mnl (VOM I,. Hingen. 1740). 
il) noiuänc. Torwcfi. Nordsi-ite. 



96 




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97 





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98 






a) Siegel des K(>ii\entes des Klosters zu Wöltingerode (an Urkunde von 12'J'J im Stadtarchiv Goslar). 

b) Wöltingerode, kath. Kirche, Chorgewölbe mit Stuckfiguren, c) Wöltingerode, kath. Kirche, Kanzel. 



99 







a) Wöltingfiode, ehemalige NDiiiu-iu'mpore über der Iviypta. b) Wdlliiimiodi', Klo>l(it;id. iiördliclu-!. 
Torhaiis (1072). c) Kachel von d) Kaclulofen aus dem Kloster Wollinnerode im Leibni/Iiaus in Hannover. 



100 







^liniaturen in Wöltingcrodcr Handschriften (Bibl. Wolfenbüttel), 
a) cod. 515 Heimst, fol. 8 v. b) cod. 521 Heimst, fol. 7 r. 

c) cod. 521 Heimst, fol. 9 r. d) cod. 521 Heimst, fol. 80 v. 







JUN 2 2 mji 



N 

6874. 
H34i(8 
Bd. 2 
Heft 7 



Die Kunstdenkmäler der 
Provinz Hannover 



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