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MITTHEILUNGEN 



AUS 



JUSTUS PERTHES' 6E06RAPHISCHER ANSTALT 



ÜBER 



WICHTIGE NEUE ERFORSCHUNGEN 



AUF 



DEM GESAMMTGEBIETE DER GEOGRAPHIE 



VON 



D^ A. PETERMANN. 

1864 




GOTHA: JUSTUS PERTHEa 



955410A , 

A'UT. ... 

•IL..... .> .,„.:., .. 






INHALTS-VERZEICHNISS 

NACH DEN EEDTHEIX-BN OEOSDNET. 



Saropa: — Der Btna und seme Umgebung, aufgenommen yon W. Sartorins t. Waltershansen, 1836—1843 4 

FhyaikaliMhe und statiBtiache Kartenakizsen Ton Öaterreich. Ton A. Petermaan. (1. Hydrographische Skiase. — 2. Orographiaehe Skiaie. — 

3. Geologische Skiase. — 4. EHmatographische Skizze. — 5. Hyetographiaohe Skiase. — 6. Yolksdiehtigkeit — 7. Sthnographie. — 

8. Beligion. — 9. Kultur und Industrie.) 5 

Skiaaen zu J. Fayer's Besteigung des Gross-Glockner, 1868 11 

Obersichtskarte der Schweiz mit den meteorologischen Stationen 18 

Stachelberg und Umgebung, Ton A. Petermann IS 

Exkursionskarte des Alpenolub für 1864. Nach der Eidgenössischen Yermeasung 13 

Die neue Qrepze awischen Schleswig und Dänemark nach dem Wiener Frieden Tom 30. Oktober 1864. Von A. Petermann .13 

Asien: — Ber Staat Bustar und umliegende Gebiete der Central-ProTinzen Indiens, nach ofiftziellen Karten yon A. Petermann ... 9 

Übersieht des Oberkommissariats der Central-ProTinzen, Ton H. Berghaus 9 

Central-Sibirien nach der auf die Ergebnisse der Sibirischen Expedition 1865 bis 1869 gestfitaten Karte Ton L. Schwarz, reducirt Ton 

A. Petermann 14 

Afrika: — Vier Märtyrer Deutscher Wissenschaft in Inner -Afrika. Überaioht der Eeisen Ton OTsrweg, Vogel, t. Beurmann und Steudner. 

Von A. Petermann 8 

Der Schneeberg Kiüma-ndjaro in Ost- Afrika, aufgenommen Ton Karl t. der Decken, 1861 4 

Karte des Nil-Delta und des Isthmus Ton Sues. Von A. Petermann - .... 8 

Karte des Sttsswasser-Kanals Tom DiTisionschef M. Caaauz 8 

Plan Ton IsmaiUa Ton Oh. Lecocq de la Fremondiire 8 

Gebiet der Schneeberge Kilima-ndjaro und Kenia in Ost- Afrika. Von B. Hassenstein 16 

AuBtralien: — Karte eines Theils Ton J. M*D. Stuart's dritter Reise in Australien, April bis Juli 1862. Nach dem Tagebuch geaeichnet Ton 

B. Hasaenstein 1 

Karte der Beiserouten Ton W. Landsborough, J. M*Kinlay und Anderen in Nord -Australien (sttdwestlich Tom Carpentaria-Golf). Von 

A. Petermann und B. Hassenstein 7 

Karte Ton H. M. Lefroy's Expedition im Inneren Ton West-Australien, Mai bis Juli 1863. Von B. Hassenstein 10 

Amerika: — Originalkarte der Laguna de ftnihue im südlichen Chile. Unter Mitwirkung des Don Enrique Lagr&ze aufgenommen Ton 
Wilhelm Frick, 1868. — Cartons: Die See'n Ton ValdiTia nach der bisherigen Vorstellung; die See'n Ton Valdiria nach den Beobachtungen 

und Erkundigungen Ton Frick 3 

Polar -Regionen: — Karte des nordöstlichen Theiles Ton Spitzbergen nach den Aufiiahmen der Schwedischen Expedition, 1861. Nach 

Prof. Nordenskjöld's Schwedischer Karte Ton A. Petermann 6 



I. IBTTRCXPJ^ 



L QrÖBsere Aufbätze. Beite 

Nene Karte Ton den Britischen Inseln und dem umliegend ^ocre, 
Ton A. Petermann. Die Spezial-Topographie des Scwoodens um 
Nordwest-Europa 15 

Der Bauemgraben oder Hungersee. Beitrag zur physikalischen 
Geograpiiie des Harzes. Von Prof. A. Streng in Clausthal 43 

Mittheilungen über die Katastral- Vermessung Trans-Kaukasiens nach 
ihren juridischen Prinzipien und technischen Ausführung dar- 
gestellt Tom wirkl. Staatsrath J. P. Staritzkij, Chef der Trans- 
Kaukasischen Messkammer 84 

Eine kurze Beschreibung der geodätischen und topographischen Ver- 
messungen , welche der Ausarbeitung der Karte des Etna Torauf- 
gegangen sind. Von W. Sartoriua t. Waltershansen 102 

Bemerkungen zu den physikalischen und statistischen Kartenakizsen 
TOB Österreich auf Tafel 5 107 



Seite 



Ein geographiacher Überblick der Wetter-Bewegung des Januars 1864 
in Europa. Mit einer Bemerkung zur Theorie der StUrme. Von 
A. Milhry 138 

Der Wisper- und der Bodenthal- Wind. Von Dr. Berger in Frank- 
furt a. M 201 

Über die neu zuaammengestellte 10- Werst-Karte des Kaukasus mit 
Berücksichtigung ahnlicher in- und auslandischer Arbeiten der 
neueren Zeit. Von H. J. Stebnitzky, Kapitän des Generalstabes 205 

Eine Besteigung des Ghross-Glockner Ton Kais aus, im Septbr. 1863. 
Von Julius Payer, K. K. Lieut. im 36. Infanterie-Begiment . 321 

Die Schweia : Notizen über ihre Bereisung, ihre wissenschaftlich-geo- 
graphische Erforschung und ihre Abbildung in Karte und Bild 361, 430 

Bemerkungen über die ersten Ergebnisse des Schweizer meteoroL 
Beobachtongs-Syatems im Winter-Trimester 1863/64. VonA.Mühry 380 



IT 



Inhalts-VerzeichniBS. 



8«lt« 
Die Ghreiue swisehen Deatschknd and Dänemark nach dem Wiener 

Frieden Tom 80. Oktober 1864 489 

Der kartographische Standpunkt Enropa's in den Jahren 1863 
und 1864, mit besonderer RUcksicht auf den Fortschritt der topo- 
graphischen Spesialarbeiten im Jahre 1863. Von Emil y. 8ydow 466 

2. Oeographisehe NotiseiL 
Asiatische Hithner im nordiv^stlichen Dentschland. Von Krause 38 

Bassische Fortschritte im Kaukasus 33 

Zur Meteorologie yon Coburg 67 

Die Sohneifel, ein Yegetationsbild. Von Dr. Ph. Wirtgen 108 

Die Nordwest-Deutsche Niederung als Qlied des Begengebiets über 

dem Nord- Atlantischen Ocean. Von Dr. M. A. F. Prestel . .111 
Stadte-BeTölkerung des Qrossflirstenthams Finnland, 1861 149 

Ein alter Geograph über wassergefÜllte Höhlen am Han. Yon 

Dr. Langkayel 191 

Prof. Peters' Beise nach der Türkei 883 

Badde's Forschungen im Kaukasus 883 

Die Presse im Osmanisohen Beiche 886 

Die Landesyermessung des Herzogthums Nassaa .... 304 

Areal yon Esthland 305 

Begenmenge in Mailand und am Corner See. Von B. Dürer . . 306 
Die Witterungs-Verhaltnisse Europa's ün Juli 1864. Von Dr. Fried- 
mann 306 

Der Heldrastein, die nordwestl. Giensmarke Thüringens. Von £. Debes 346 
Der Coirebhreacain an der Westküste yon Schottland . . 348 

Das Areal des Königreichs Italien 349 

Yolkszahl der eigentlichen Städte Italiens 349 

8. Geographische Iiiterator. 

Europa 38, 878, 314, 894, 447 

y. Bennigsen-Förder, Das Nord-Europaische Schwemmland 38 

Brandes, Duero und Nidda 447 

Wagner, Die GesetsmSssigkeit in den menschlichen Handlungen 447 

Deutschland, Preussen und Österreich* 38, 73, 878, 314, 368, 894, 447 

Böse, Das Grossheraogthum Oldenburg 38 

y. CaUot, Zur Höhenkunde des Königreichs Böhmen 38 

Hallier, Nordsee-Studien 39 

Koristka, Hypsometrie yon Mähren 39 

Lorenz, Der Quamerische Golf 39 

Mittheilungen des österreichischen Alpen- Yereins. 1. Heft 39 

Odemheüner, Das Berg- und Hüttenwesen in Nassaa . 89 

Wolf, Höhenbestimmungen der Geolog. Beichs-Anstalt . 40 

Notizblatt des Yereins far Erdkunde in Darmstadt, 1863 . 73 

y. Buthner, Berg- und Gletscher-Beisen .... 73 
Fils, Höhenmessungen yon dem Kreise Weissensee .878 

Herold, Statistik des Kreises Schleusingen .878 

Jahrbuch der K. K. Geolog. Beichs-Anstalt ' . 873, 368, 448 

Schwerdt und Ziegler, Beisehandbuch für Thüringen .873 

y. Hauer, Der Salinenbetrieb im Salzkammergut . 368 

Naumann, Das Kohlenbassin yon Flöha ... 368 

Übersicht der Witterung in Österreich, 1868 . . 368 

y. ZoUikofer und Gobanz, Hypsometr. Karte der Steiermark . ^ 369 



Seite 
y. Dechen, Geognostischer Führer zu dem Laacher See . 447 

Grube, Die Insel Lussin und ihre Meeres&una .447 

Lorenz, Brakwasser-Studien an der Elbe-Mündung . 448 

Mülmann, Statistik des Begierungs-Beairks Düsseldorf . 448 

Schweiz 74, 874, 314, 369 

Heer, Die Urwelt der Schweiz 74 

Jahresbericht der Naturf. Gesellschaft Graubündens, 8. Jahrg. 74 
Both und y. Fellenberg, Doldenhom und Weisse Frau 74 

Simler, Der Tödi-Busein 74 

Studer u. s. w., Berg- und Gletscher-Fahrten, 8. Sammlung 74 

Tschudi, SchweizerfUhrer, 6. Aufl. 74 

Danemark, Schweden und Norwegen -74, 876, 314, 369 

Edlund, Meteorologiska lakttagelser i Syerige, 3. Bd. . 74 

Schleswig, Holstein und Lauenburg 75, 876 

Graf Beyentlow, Marschbildung an der Westküste yon Schleswig 76 

Niederlande und Belgien 76, 876, 814, 369 

Staring, Yerslag yan den landbouw in Nederland .369 

Gross-Britannien und Irland 76, 876, 314, 369 

Coke, Census of the British Empire, 1861. Part I . .75 

Frankreich 76, 876, 314, 369 

Spanien und Portugal 76, 876, 314, 359 

Yega y Arguelles, Anales de la marina de Espana 76 

Postkarten yon Spanien . 369 

316, 360 

. 876 

876 

. 877 

. 877 

.^877 

877 

. 878 

878 

. 878 

878 

. 878 

878 

. 879 

879 



76, 876, 



ItaUen 

Angelucci, Le stazioni lacuali del lago di Yarese 
Annali di agricultura, industria e commercio d'Italia, II 
Annuario del Ministero di agricultura etc. d'Italia, 1863 
Correnti e Maestri, Annuario statistico Italiano, Anno II 
Dionisotti, Memorie storiche della Cittä di Yercelli . 
Duprat e Gicca, Annuario di economia sociale 
Jacini, Ferrovia dell' Alpi Elvetiche .... 
La nayigazione Italiana ed il commercio estero 
Moyünentd della narigozione nei porti del Begno 
Perforo delle Alpi tra Bardoneche e Modane 
Prospetto della dirisione territoriale del Begno d'Italia 

Sella, Una.salita al^onyiso 

Statistica del Begno d'Italia. Popolarione 1868 
Yegezzi-Buscalla, Le colonie Serbo-Dalmate di Molise 
Capellini, Descrizione geol. dei dintomi del golfo della Spezia . 360 
Tonini, Guida del forestiero nella cittli di Bimini . .360 

Griechenland, Türkisches Beich in Europa und Asien 76, 879, 316, 360 

Gaudry, Geologie de Tlle de Chypre 76 

Bey, 6tude historique et topogr. de la tribu de Juda .77 

Schläfli, Beisen im Orient 77 

Bussisches Beich in Europa und Asien . 77, 880, 316, 360 

Compte-rendu de la Soc. g^ogr. de Bussio, 1868 et 1863 78, 280 
Sapiski der Buss. Geogr. Gesellschaft, 1862, 3. n. 4. Bd., 1863, 

1. u. 2. Bd. . . , 78 

y. Sscmenow, Geogr.- statist. Wörterbuch des Bussischen Beichs 78 

St. Petersburger Kalender für 1864 280 

Batiuschkow und y. Bittich, Atlas der westl. Proyinzen Busslands 280 
Badde, Beisen im Süden yon Ost-Sibirien, Bd. II . 316 



II. -A.SIE3Sr. 



1. Qrössere Aufbätse. 

Produktion und Handel yon Chorassan 

Mittheilungen über die Katastral- Yermessung Trans-Kankasiens nach 
ihren jaridiachen Prinzipien and taohnischen AoaiÜhrang dar- 



gestellt yom wirkl. Staatsrath J. P. Staritskij, Chef der Trmns- 

Kaukasischen Messkammer 84 

Bin Zug nach dem Gebirge Bator auf der Insel Bali Yon H. Zol- 
lisger 146, 861, 308 



Inh alts- VerzeichniBB. 



Seite 
Beobaehtttogen über die Kirgisen. Von W. Badioff . .168 
Bustar, ein Tbeil der Central-Provinaen Indiens. Nach C. Glasfurd 247 
Q. Radde'e Ponchungen im Kaukaeiu 281 



28S 

342 



385 



401 



Der Lolau-Berg in China. Vom Missionar R. Krone 
Omithologische Skizzen aus Nord- Alien. Von G. Badde 
Gsoma, Jemey, Reguly, Duka und Vdmb^ry, fUnf Ungarische Rei- 
sende, welche die Ursitae der Ungarn aufzusuchen bemüht waren. 
Biographische Skizzen Ton K. M. Kertbeny . 
Die Tnrkomanen in ihren politisch -socialen Verhaltnissen. Von 

A. VAmWry 

Die Sibirische Expedition der Kaiserl. Russischen Geographischen 
Gesellschaft. Bericht über die Arbeiten der mathematisoh-geo- 
graphisehen Abtheilung von L. Schwarz. Nach dem Russischen 
bearbeitet Ton J. Spörer 408, 466 

2. (JeographiBche Notiaen. 

Dampfschifffahrt in West-Sibirien 33 

Kolonisation im Amur-Land 33 

Der Name des hdchsten Berges der Erde 38 

Literarisches über Kurdistan 67 

Notizen Über Siam und Birma 67 

Dsrnpfischifffahrt auf dem Jenissei 149 

Helmersen's Reise durch die nördliche Mongolei . .191 

Census ron Oudh, 1868 191 

Die BsTolkerung tou Britisch-Burmah 191 

Dr. A. Bastian bei den Ruinen von Ancor in Cambodia 223 

Der Winter 1863/64 in Klein-Asien 225 

Über die botanischen Ergebnisse der Ost-Sibirischen Expedition 226 
Das Goldland an der Küste der Mandschurei .227 



Seite 
Wissenschaftl. Reisen im Süden Ton Ost-Sibirien im Sommer 1864 808 
Erklärung des Flussnamens Obj. Von Br. Treu .... 808 
Die Expeditionen auf der Hinter-Indischen Halbinsel 808 

Die wilden Jenadis bei Madras 860 

Die Manna der Israeliten 890 

3. Oeo^aphisohe Iilteratur. 

ABien 114, 157, 315, 394 

Priedel, Beiträge zur Kenntniss des Klima's Ost- Asiens .116 

Handelsberichte der Ost- Asiatischen Expedition .115 

Heine, Eine Weltreise um die nördliche Hemisphäre .116 

Kreyher, Die Preussische Expedition nach Ost- Asien 115 

Maron, Japan und China 116 

Melguuow, Über die SÜdküste des Kaspischen Meeres .115 

Oudemans, Bepaling van de lengte van Menado, Kema etc. . .115 
Schlagint weit, Results of a Mission to India, Vol. in 116 

Spiess, Die Preussische Expedition nach Ost- Asien • .116 

Teijsmann, Verslag eener reis naar Siam 116 

Alcock, The capital of the Tycoon 167 

Brugsch, Reise nach Persien, 2. Bd. 168 

Selections from the records of Government of India .158 

Bijdragen tot de Taal-, Land- en Volkenkunde yan Nederlandsch 
Indiö, 6. Bd. 5. und 6. Lfg., 7. Bd. 1.— 4. Lfg. . .159 

Parliamentary Papers. East India 159 

Summers, The Chinese and Japaneso Repository of facta etc. . 160 
Walker, Tables of heights in Sind, the Punjab etc. .160 

Anamala Hills, üoimbatore District. 1 : 126.720 ... 160 

Bangkok Calendar for the year 1864 815 

Oldham, Report of the Geol. Survey of India for 1862—63 395 



m. AJFRTTTA., 

1. Grossere Aufsätze. 
Gerhard Rohlfs' Reise von Algier gegen Timbuktu hin. 1. Ab- 
schnitt: Von Algier über Laghuat bis Abiod Sidi Scheich, Au- 
gust bis Oktober 1863 1 

Moria t. Beurmann's Tod, nebst Übersicht seiner tteise (1861—1863) 
so wie derjenigen von Overweg (18Ö0 — 1852), Vogel (1853—1856) 

und Steudner (1861—1863) . 25 

Reise des Herzogs Ernst von Sachsen-Coburg-Gotha nach Ägypten 

und den Landern der Habab, Mensa und Bogos .59 

Die Österreichische projcktirte Expedition nach dem Kil- Quellgebiet 81 

Der Mareb. Nach' Munzinger 135 

Ein Deutseher Kaufmann am Oberen Nil 168 

Neue Karte Tom Mittelländischen Meer und Nord- Afrika von A. Peter- 
mann. (Quellen für Nord- Afrika, Grenzverhaltnisse und Areal der 
Nord -Afrikanischen Staaten, die Höhenverhaltnisse Nordwest- 

Afrika's.) 182, 268 

Der Süsswasser-Kanal vom Nil nach Sues 220 

Dr. G. Schweinfurth's Reise in die Gebirge der Ababde und Bischarin 

am Rothen Meer, März bis Juni 1864 . . 331 

Gerhard Rohlfs' Briefe aus Algerien und Marokko, Oktober 1863 

bis April 1864 336 

Bemerkungen zur Karte der .Region des Kilima-ndscharo und Kenia 
in Ost- Afrika. Von B. Hassenstein 449 



Dr. G. Schweinfurth's Afrikanische Reise 149 

Lieut. Mage's Reise yom Senegal zum Niger .160 

Die Niger-Mündungen Ton den Portugiesen entdeckt .161 

Das Verbreitungsgebiet des Gorilla 151 

Temperatur-Beobachtungen auf dem Unteren NiL Von B. Waits 

V. Eschen 192 

Erforschung des Ogowai mit einem DampflBchüF 228 

Die Völker des Senegal 227 

Barometrische NiTclIements in Algerien 228 

Dr. Liringstone's Reise nach dem Hochland der Marawi im Westen 

des Njassa-See's, 1863 288 

Nachrichten aus Chartum. Von Th. v. Heuglin 308, 860 

Die Eisenbahnen Ägyptens . ^ 850 

Die Betriebsamkeit auf den Dahalak-Inseln im Rothen Meere. Von 

W. Munzinger 352 

Graf Krockow's Reise nach den Nil-Landern .... 858 

Zustände in Abessinien 890 

Vorstudien zu Eisenbahnen im Ägyptischen Sudan . 390 

Höhenlage der Ost- Afrikanischen See'n 891 



2. Geographische Notiaen. 

Die Hohe von Gondokoro über dem Meere 

Die neuesten Vorginge in Timbuktu ... 

Inner- Afrika. Bemsrkungsn sum 2. Ergs.-Band der „Gsogr. Mitth." 



69 
111 



8. Geographische Literatur. 

Afrika 117, 198, 817, 896 

d'Abbadie, G^od6sie d'^tbiopie 117 

Brehm, Ergebnisse einer Reise nach Habeseh .118 

Maridal, Le S6n6gal 118 

Mimoires de l'Institut ^gyptien, T. I 118 

Reade, Sarage Africa 119 

Speke, Jonmal of the discoTery of the soues of ths Kils .119 



TI 



Inhalts-Verzeichniss. 



Seite 

Anniudre du S6n6gal ponr rannte 186i 19S 

Aatinori, Catalogo di una colleaione di (Jeeelli .198 

Aueapitaine, Lea Kabylea et la colonisation de TAlg^rie 193 

Miasion de Qhadamie. Rapports officiels 194 

Giiya, Kotice aar les lies de Bomba et Flate .194 
Hartmann, Keise des Freiherrn Adalbert yon^ Barnim .194 
Maurin, Les carayanes frsn^&ises aa Soudan .195 
Miani, Lingua degli Auidi 195 



Seite 
de 8t.-Martin, Le Kord de l'Afiriqne dana l'antiqnit^ 196 

Corretpondence relating to the SUts Trade, 186S - . .196 

de Veer, Pnns Heinrich der Seefahrer und seina Zeit 196 

Miani, Paragone delle scoperte fatte snl Kilo . • . 196 

Martins, Tablean physique du Sahara oriental .... 896 

Hnniinger, Ost- Afrikanische Stadien 896 

Petherick, Explorations in the region of the Upper Kile . 397 



IV. A-TJSTIt A T .TniT tjjstd FOXi^STSTESSIEIT. 



1. Qrössere Aufbätae. 
Die Besiedelung Ton Arnhem's Land in Kord- Australien 21, 94 

Die Flussgebiete des Albert, Nicholson und Leicbhardt in Kord- 
Australien. Kach den Untersuchungen Ton Stokes, Leicbhardt, 
Gregory, Landsborough und M'Kinlay . . 175, 241 

Whitcombe's Reise durch die Südlichen Alpen Ton Keu-Seeland 

und die näheren Umstände seines Todes 216 

H. M. Lefroy 's Reise in das Innere von West- Australien , 1863 293 
Gründung einer Kolonie in Nord- Australien . .334 

S. Qeographische Notizen. 
Kohlenproduktion tou Ken- Süd- Wales 34 



«Die Keu-Seeländische ProTinz Southland .... 
Eine Ansiedelung am Glenelg-Fluss in Kordwest-AustraUen 
Die Kosten der Süd-Australischen Expeditionen 
G. Krefft's neuere Arbeiten über Australische Reptilien 
Die erste Eisenbahn auf Keu-Seeland .... 
ITFarlane's Reise im westlichen Tbeil Ton Süd-Australien 



84 
151 
152 
152 
153 
229 



Kaehrichten über die Fiji-Inseln 229 

Entdeckung eines Kohlenlagers in der Bay of Islands, Keu-Seeland 358 

Ein neues Goldfeld auf Keu-Seeland 858 

Die Tuamotu-Inseln 391 

Die Rockingham-Bai an der Küste von Queensland .391 

Statistik yon Riyerina, dem westlichen Theil yon Keu-Süd- Wales 488 

8. Gtoographische Iiiteratur. 

Australien und Polynesien 78, 197, 318, 897 

Dayis, Tracks of M'Kinlay across Australia 78 

Earl, Handbook for colonists in tropical Australia ... 79 

y. Hocbstetter, Keu-Seeland 79 

Browning, Map of the proyince of Ganterbury .... 80 

County-Maps of Kew South Wales 80 

y. Hocbstetter und Petermann, Atlas yon Keu-Seeland 80 

Parliamentary Papers, Kew Zealand 197 

Hardman, The Journals of J. M*D. Stuart .818 



V. ATvmTt: 

1. QroBsere Aufoätse. 
Die Begenyerhiltnisse der Argentinischen Republik im Allgemeinen 
und der ungewöhnlich starke Regenfall in Tucuman tu Anfang 
des Jahres 1868 im Besonderen. Mitgetheilt yon Dr. Herrn. Bur- 
meister 9 

Der Rinihue-See in Chile und die tiefe Passsenknng der Andes bei 

demselben. Von Wilhelm Friok 47 

Der San Francisco-Pass Über die CordiUeren. Von Dr. H. Burmeister 86 
Geogn^hisches yon Texas. Von Dr. Ad. Douai . .121 

Der Stekin-Flusa im Britischen Kord- Amerika . . .171 

2. Gkogpraphische Notisen. 
Der Aconcagua und einige andere yermeintliche Vulkane der Andes 35 

Zur Geschichte der Entdeckung Amerika's 36 

Ein Seitenstück sum Kiagara-Fall 70 

Aufnahmen in der Galifomischen Sierra Keyada .70 

Wissenschaftliche Expedition nach Mexiko .154 



ISTOTUD" TxrsTD SXJID- 



Die Indianer-Stämme in den Vereinigten Staaten yon Kord-Amerik« 281 
Die Fremden in den Vereinigten Staaten yon Kord- Amerika . .281 
Welches sind die Kulminations-Punkte der Vereinigten Staaten und 

ganz Kord- Amerika's? 854 

Vorstudien sur Telegraphen-Linie durch Britisch-Kord- Amerika . 854 
y. Seebach's Reise nach Gentral-Amerika 488 

3. Qeographische Iiiteratur. 
Kord-Amerika 197, 818, 398 

Geological Sunrey of Canada 197 

Report of the Superintendent of the Coast Suryey, 1859, 

1860, 1861 198, 398 

Whittlesey, Ancient mining on the shores of Lake Superior . 398 
Mittel-Amerika 199, 318, 398 

Romero, Trabajos de la Sociedad Mexicana de Geografla en 1862 199 
Süd- Amerika 200, 318, 399 

Reyista do Instituto historico do Brasil, Bd. 24 und 25 . .319 



VI. I>Ori.AJR-I^EQH03SnE31Sr. 



L QrÖBsere Auftätse. 
Die Schwedische Expedition nach Spitsbergen, 1861 14, 127, 208 
Zur Vertheidigung der Oceanität am Kordpol, in meteorologischer 
Hinsicht. Von A. Mühry 424 



2. GtoographlBche Notisen. 
Die milde Winter-Temperatur in Grönland. Von A. Mtthry 



35 



Die GradmessuDg auf Spitzbergen 67 

C. F. Hsll's zweite PoUr-Fahrt 223 

Flora des Grinnell-Landes zwischen 78'' und 82"* Kdrdl. Br. . 487 

3. Oeographiache Literatur. 

Polar- Regionen 235, 819, 399 

M'Clintock, Meteorol. Obseryations in the Arotic Seas 399 



InhaltB-VerzeichDias. 



m 



VII. OOEAJSTB. 



Seite 
L Oröaaere Aufaätse. 

Neue Karte rom Mittelländischen Meer und Nord -Afrika ron 
A. Petermann. (Quellen, Nomenklatur, Topographie, Tiefen- 
Terhaltniue.) 188, 268 

2. Qeographisehe Notiaen. 

Bie Meeresströmungen an der Siidspitze Afrika's. Von A. Mtthry 34 
Die Müne-Bank im Nord-Atlantischen Ocean .... 231 
Ermittelung der Strömungen im Schwarzen Meer 805 



Sinwanderung Weisser Ameisen auf St. Helena .... 308 
Projekt einer Telegraphen-Linie «wischen Frankreich u.Neu-Fundland391 
Der Dampfschi£f-Y erkehr im nördlichen Atlantischen Ocean 488 

8. QeographlBohe Literatur. 

Oceane, Nautik 235, 318, 899 

Anuario de la Direecion de Hidrografta, 1863 .... 235 
y. Freeden, Handbuch der Nautik 319 



VUI. A T iT ia-ETVrF.TKrBS. 



1. QröBsere Aufkiatse. 

Über die Benutsung der Karten zu den „Geographischen Mitthei- 
lungen*'. Vom Oeometer H. Brügmann ^^ ! 

Flächeninhalt und Ktlstenlänge. Neue Bedenken von Dr. Keber und 
Vorschlage Ton Lieut. ▼. Prondzynski 91 

Glaisher's Luftballon-Fahrten, 1862 und 1863 .161 

Einige Bedenken über die mittlere Windrichtung naeh der Lambert'- 
»chen Formel. Von Karl Chop 298 

Csoma, Jemey, Beguly, Duka und Y&mb^ry, fttnf Ungarische Bei- 
•ende, welche die Ursitze der Ungarn au&usuchen bemüht waren. 
Biographische Skizzen Ton K. M. Kertbeny .... 885 

2. Qeognraphisohe Notizen. 

Geographische Nekrologie des Jahres 1868 30 

Die Humboldt-Stiftung 71 

Hermann t. Schlagintweit's SkalenrKdchen 71 

Aufforderung an Sprachforscher und Reisende .154 

Neue Karten in Stieler's Hand- Atlas 155 

Gold- und Süberproduktion der Erde 192 

Flieheninhalt und Grenzlänge. Eine Erwiderung auf erhobene Be- 
denken. Von Dr. F. Bothe 232 

Die Preisfrage der Leipziger Geographischen Gesellschaft .310 

Aufforderung an Alterthumsforscher und Geologen Ton Rudolph 

Wagner in Oöttingen 311 

Tafel der suTerlaasigsteb Breitengrad-Messungen. Von Prof. Bogg 
in Ehingen .......... 311 

Der gröBste Arabische Geograph 365 

Eme neue Weltkarte 356 



8. Qeographisohe Literatur. 

Vorberichte : Die Torjährige Literatur über Afrika ; berorstehende 
Publikation der Arbeiten der Deutschen Expedition Östlich Ton 
Gbsrtum. 8. 36. — Verzeichniss der Positionen und Höhen im 
Kurfürstenthum Hessen; y. Hahn's Reise Ton Skutari nach Sa- 
lonik; neue Ausgabe ron Kieperfs Karte der Türkei; Fortsetzung 
der Kaspischen Studien von K. E. ▼. Baer ; Exkursionen im Nie- 
deren Kartalanien Ton N. t. Seidlits ; Stebnitzky über die Halb- 
insel Taman; t. Chanikow's Ethnographie tou Persien; Geo- 
graphie Ton Chiwa und Buchara ; Memoiren der Sibirischen Sektion 
der Russ. Geogr. Gesellschaft; Reisen auf der Hinter-Indischen 
Halbinsel; neue Ausgabe yon Marco Polo's Reisen; StübeFs Unter- 
suchungen auf den Inseln des Grünen Vorgebirges; Rückkehr der 
Schweizerischen Gelehrten Desor und Bscher t. d. Linth aus 
Algerien; Papiere des yerstorbenen Malzac über die Nil-Lander; 
ein Buch der Frau Oberst Smythe über die Viti-Inseln; erste 
Ausgabe von Jacques Cartier*s Reise nach Canada; de Moussy's 



Arbeiten über die Argentinische Republik; Peruanische Expedi- 
tion nach dem Amazonenstrom; der statistisch -kommerzielle 
Theil des Noyara-Werkes. S. 72. — Literatur über die Preus- 
sische Expedition nach Ost- Asien. S. 113. — De Saulcy's Expe- 
dition nach Palästina; ▼. Tchihatchefs geologische Untersuchun- 
gen am Bosporus ; Radde's ,, Reisen im Süden ron Ost-Sibirien" ; 
Bildung einer Asiatischen Gesellschaft in Labore; Pläne Abessi- 
nischer Städte Ton Lejean ; Geologische Karte der Umgegend von 
Axum und Adoa yon Schimper; Proyinzbeschreibung yon Neu- 
seeland; Haast's Bericht über seine Reisen und Arbeiten; Auf- 
nahmen in Canterbury; Zeichnungen der Ruinen yon Palenqui 
yon de Waldeck; Brasseur de Bourbourg*s neuere Forschungen; 
Karten yon Mexiko ; das Hauptwerk Über die Schwedische Expe- 
dition nach Spitzbergen und Blomstrand's geognostische Beob- 
achtungen daselbst. S. 156. — Untersuchung über den Salinen- 
betrieb im österreichischen und Steyermärkischen Salzkammer- 
gute; Bericht der Kommission des Wiener Gemeinderathes über 
die Versorgung Wien's mit gutem Trinkwasser; Arbeiten der 
physischen Abtheilung der Ost- Sibirischen Expedition ; die Russi- 
schen Aufnahmen in Tarbagatai; die Tinne'sche Expedition und 
Th. y. Henglin; Mage und Perraud am Niger; fernere Arbeiten 
yon Moritz Wagner; Dayid Forbes' Forschungen in den Andes; 
Berthold Seemann in Venezuela ; E. G. Squier in Peru. S. 238. — 
Höhenschichtenkarte yon Portugal; eine Arbeit yon Ad. Berger 
über Mingrelien; yeränderte Redaktion des Kaukasischen Kalen- 
ders ; die Karten zum dritten Band yon Radde's Reisen in Sibi- 
rien; das ofiäzielle Werk über die Preussische Expedition nach 
Ost- Asien; Rückkehr der Italienischen Expedition aus Buehara; 
VAmb^ry's Reise in Central -Asien. S. 813. — Schomburgk's 
Rückkehr yon Siam ; Bulletin der Soci^t^ climatologique de l'Al- 
g^e; neues Werk yon Richard Burton; Dr. Schweinfurth's 
Karte des Djebel Elba; Beschreibung yon Neu-Seeland; Unter- 
suchungen in den Padfischen Küstenländern Nord-Amerika's yom ' 
F. y. Richthofen; Robert Kennicotfs Expedition durch die 
Hndsonbai- Länder 1859 — 1862; eiue Geschichte der Erdkunde 
yon Dr. 0. F. Peschel. S. 356. — Stand der Keil'schen Relief- 
karten; regelmässige Aufiiahme yon Jerusalem und Umgegend; 
Atlas zu G. Lejean's Reise in den Nil-Ländern yon 1860—61 
und ein grösseres Werk über Abessinien yon demselben; 
Dr. Schweinf^rth's beyorstehende Reise yon Suakin nach Kassala; 
W. Munainger's Reise yon Massaua Über Dunguaz, Kassala, Qe- 
daref und Doka nach Metamma; Emil Oolay's Wanderungen 
und Arbeiten in den Gegenden am Gasch, Barka und unteren 
Anseba. S. 393. — Beiträge zur Kenntniss des Adamello-Stockes 
in Tirol; neue Karte des Ladoga-See's ; de Bloqueyille's Karte 
yon Turkistan; Indische Tijdschrift onder redactie yan J. T. 
Grashuis; Dnyeyrier's Reisewerk; Papiere eines Kordofan-Rei- 



▼III 



Inhalts-Verzeichiiiss. 



Seite 
■enden Namens Lambert-Bey ; A^eyedo's Karte des Amazonen- « 
Stroms; Ponce nnd Paz , Qeneralkarte der Vereinigten Staa- 
ten Ton Columbia; Perez, Jeografia fisica e politica yon Co- 
lumbia; Hall's Life with the Esquimaux; angekündigte Afrika- 
nische Reise werke. S. 446. 

Geogr. Lehr- und Handbücher, Statistik . 236, 319, 399 

Eitter'B geogr.-statistisches Lexikon, 5. Aufl. yon A. Stark . 286 

Mathematische und Physikalische Geographie . 237, 319, 399 

Kluge, Über Synchronismus und Anachronismus yulkanisoher 

Erscheinungen 237 

Andriyeau-Qoujon, Courants de l'atmosph&re et de la mer . 238 



Seite 
Weltreisen, Sammelwerke, Verschiedenes . 238, 320, 400 

British Association, 1863 238 

Cannstatt's Jahresbericht über die Fortschritte der Medizin . 238 
Europäus, Urstamm der Indo-Europäischen Sprachfamilie . .238 

Parliamentary Papers 238 

Proceedings of the American geogr. society of New York . 239 

de Saint-Martin, L'Ann^e g^ographique, 1863 239 

Waltz, Anthropologie der Natunrölker 239 

Murchison, Address to the R. Geogr. Society, 1864 320 

Ritter. Ein Lebensbild nach seinem Nachlass yon Kramer . 400 

Atlanten, Weltkarten, Globen 240, 320, 400 

CasseU's Complete Atlas . .240 



EI^G^-A.3^TZTTI^^G^S - HEFTE. 

12. Die Hohe Tatra in den Central-Karpaten. Eine geographische Skizze yerfasst auf Grundlage einer Bereisung yon Carl Koristka, Professor am 
Polytechnischen Landesinstitut in Prag. Mit einer Terrain-Karte, yier Ansichten in Farbendruck und einem Holzschnitt. 

13. Die Deutsche Expedition in Ost- Afrika, 1861 und 1862. Zusammenstellung der astronomischen und meteorologischen Beobachtungen und der 
trigonometrischen und itinerarischen Aufnahmen yon y. Heuglin, Kinzelbach, Munzinger und Steudner im Ost- Ägyptischen Sudan und den Nord- 
Abessinisehen Grenzlanden. Nebst einem allgemeinen Bericht yon Werner Munzinger über den Verlauf und seine Betheiligung an der Deutschen 
Expedition yon Massua bis Kordofan, 1861 und 1862. Mit yier Originalkarten, einer Ansicht und einem Gebirgs-Panorama in Farbendruck. 

14. Die Metall -Produktion Califomiens und der angrenzenden Lander. MittheUungen yon den Paci£schen Küstenländern Nord - Amenka's yon 
F. Baron v. Richthofen. (Virginia City, Juli 1864.) 



DRUCKFEHLER UND BERICHTIGUNGEN. 



Seite 14, Sp. 1, Zeile 31 r. o. lies D. G. Lindbagen sUU O. G. Lindhagen. 

n 29, » 2, n 16 V. u. lies Dr. Hermann Steudner statt Dr. H. Steudner. 

n 61, » 1, n 18 V. u. lies Bllharz statt Bflhartz. 

n 74, n S, f» 6 ▼. a. nach iföfrer Syerige" sehalte ein : 4. I1il. (Schlnss.) 

I» 76, » S, » 40 y. 11. lies JanuarundFebraarl864, SS. 117— S08stattu.fr. 

n 77, » 8, » IS ▼. 0. lies Januar und Februar 1864, SS. 1—69 statt u. ff. 

if 117, » a, » 3 V. o. lies KafTa sUtt Kuffa. 

» 193, » 1, » 23 y. 0. lies 3 fr. statt 1 fr. 

If 199, 11 1, » 97 y. 0. lies 1869, 1860 et 1861 statt 1859—61 et 60. 

n 194, » 9, » 8 ▼. o. lies Aedonia statt Acedonia. 

» 880, i> 8, n 16 V. o. schalte vor »Leipzig" ein: 516 SS. mit 9 Karten. 

» 814, »1, » 8 V. u. schalte Tor »F&nö" ein : »Stockholm", Bl. 

» 316, » 1, » 36 V. o. lies Nr. 106, 107 und 108 statt Nr. 106. 

» 817, n 1, n 8 und 9 fallen weg. (Der Manen'sche Atlas besteht aus den 

naoh ihm aufgeführten Binzelkarten.) 

t, 317, »1, n 19 V. o. schalte vor »Arroyo" ein: Mi) Carton. 



SeiteSn, 


Sp. 


1, 


n 


817, 


» 


2, 


» 


870, 


» 


1, 


n 


375, 


» 


1, 


n 


878, 


n 


2, 


n 


4SI, 


n 


1, 



, Zeile 8 ▼. u. Hei Nr. 71, 72, 73 und 74 statt Nr. 71, 78 und 73. 

8 V. o. lies Nr. 109 nnd 110 statt Nr. 109. 
12 ▼. o. lies als statt die. 

9 y. u. lies auszudehnen statt zurückzukehren. 
15 y. o. lies Tödl statt Tödi-See. 

8 y. u. lies B. Studer sUtt H. Studer. 
Auf Tafel 1 unter »Felsiges zerklüftetes Tafelland" (an den Quellen de« Sontb 

Alligator R.) lies 800 F. statt 3000 F. 
Auf Tafel 6 ist der Name Tolox-Bai (westlich von der Sorge- oder Trenrenberg- 

Bai) zu streichen ; In der Branntwein-Bucht fehlt die Andeutung des sttdUchen 

astronomisch bestimmten Punktes, welcher auf die Berührung des Bootknrees 

mit der Küste fUlt 
Auf Tafel 7 links unten an Landsborongh's Route lies 83. bis 25. Dez. statt 23. 

und 24. Dez. und 26. Dez. statt 25. Dez. 
Auf Tafel 11 Ist In der Ansicht des Glockner vom MÖlitbale aus der Gipfel des 

Berges zu ausgezackt gezeichnet. 



Gerhard Rohlfs' Reise von Algier gegen Timbuktu hin. 

^ I. Abaohnitt: Von Algier über Laghuat bis Abiod Sidi Scheich, August bis Oktober 1868. 



Die sohweren Opfer, welche die Erforschung von Inner- 
Afirika im yergangenen Jahre abermals gefordert hat, der 
noch firisohe Schmerz über den Tod des tüchtigen Steudner, 
welcher dem tückischen Klima der wasserreichen Heiden- 
Lander weit südlich von Darfur erli^, und des kühnen, 
energisch vorwärts dringenden y. Beurmann, der an der 
Westgrenze des mohammedanischen Wadai hingemordet 
wurde, lassen nnr mit Bangen an das Schicksal der mu- 
tliigen Männer denken, die, von mächtigem Forscherdrange 
beseelt, trotz aller warnenden Beispiele in die gelichtete 
Beihe der Afrikanischen Beisenden eintreten , um an der 
grössten geographischen Aufgabe der Gegenwart mitzu- 
arbeiten. Immer nur Einzelnen unter Vielen ist es gelun- 
gen, efn bedeutenderes Stück des grossen Afrikanischen 
Kontinentes der Wissenschaft zu erobern, bei weitem die 
Meisten wurden nach kurzem Kampfe zurückgeschlagen oder 
büssten ihre edle Kühnheit mit dem Tode und selbst die 
wenigen Auserwählten konnten selten das zuerst erstrebte 
Ziel erreichen, fast immer wurden sie nach anderen Ge- 
genden yerschlagen. Handelt es sich nu^ yoUenda um 
eine Beise nach Timbuktu, so werden die Besorgnisse 
noch durch den ge&hrdrohenden Umstand erhöht, dass sich 
jene berühmte Stadt gegenwärtig in der Gewalt des fana- 
tischen Hadj Omar, des erbitterten Franzosen-Feindes, be- 
enden soll, yon welchem einem aus Algerien kommenden 
Europäer das Schlimmste beyorsteht. War es doch schon 
yordem ein waghalsiges üntembhmen, die Stadt zu betre- 
ten. Der ritterliche Major Laing, der einzige Europäer, 
der von Norden her nach Timbuktu gelangt ist, nachdem 
er unterwegs yon Tuareg angefallen und beinahe erschla- 
gen worden, musste, yon den Fulbe ausgewiesen, die Stadt 
schon nach kurzem Aufenthalt (18. August bis 22. Sep- 
tember 1826) wieder yerlassen und fiel wenige Tage darauf 
durch die Hand des ihn Geleitenden; welchen ernsten Ge- 
fahren yon Seite derselben Fulbe aber Dr. Barth ausgesetzt 
war, so lange er in Timbuktu weilte, ist aus seinem Werke 
hinlänglich bekannt. 

Wir können daher unseren wackeren Deutschen Lands- 
mann, Herrn Gerhard Bohlfs aus Vegesack, nur mit bangen 
Gefühlen auf seinem gefahryollen Wege nach Timbuktu 
begleiten; ob er einer der wenigen Auserwählten sein 
wird ? ob er zurückweichen muss oder gar die schon ohnehin 
so grosse Zahl der Opfer yermehren wird? Diess liegt in 

Petermaim's Geogr. Mlttheünngen. 1864, Heft I. 



der Hand der Vorsehung. Kühn und doch besonnen zu- 
gleich schreitet er yorwärts. Schon ein Mal war er dem 
Tode nahe, als er in der Marokkanischen Sahara yon sei- 
nem Führer meuchelmörderisch im Schlafe überfallen und 
mit Wunden bedeckt hülflos liegen blieb, bis nach mehre- 
ren Tagen barmherzige Marabuts ihn retteten, die gekom- 
men waren, den yermeintlich Todten zu beerdigen. Noch 
ist sein linker Oberarm, dessen Knochen damals durch 
einen Schuss zerschmettert wurde, nicht yollständig ge- 
heut, aber Muth und Selbstyertrauen sind geblieben und 
die überstandenen Gefahren werden seine Vorsicht erhöhen. 
Ein langer Aufenthalt in Marokko und Algerien, die Beise 
durch die Marokkanische Sahara im J. 1862 >) haben ihn 
mit dem Orientalischen Leben, mit Sprache und Sitte yer- 
traut gemacht, er ist kein Neuling, Erfahrungen aller Art, 
Gewöhnung an Strapazen, Ungemach und Entbehrungen 
sind seine wichtigen Bundesgenossen und die rühmliche 
Munificenz des Senats der Freien Stadt Bremen hat es ihm 
möglich gemacht, sich gut auszurüsten. Sein Unternehmen 
ist daher, so weit seine Persönlichkeit in Betracht kommt, 
nicht 'ohne Aussicht auf Erfolg: möchte es ihm gelingen, 
die schwierige Aufgabe durchzuführen, als erster Europäer 
yon Algerien über Timbuktu nach dem Senegal sich durch- 
zuschlagen und nicht nur den Preis, den die Geographi- 
sche Gesellschaft zu Paris auf diese That gesetzt, zu er- 
ringen, sondern yor Allem den daran geknüpften hohen 
Buhm zu erkämpfen! 

Gerhard Bohlfs hat im August 1863 yon Algier aus 
seine Reise nach Timbuktu angetreten, die letzten uns 
zugekommenen Nachrichten datiren yom 19. Oktober aus 
Abiod Sidi Scheich südlich yon Geryyille, wo er bei län- 
gerem Aufenthalt seine Ausrüstung yeryollständigte. Bis 
dahin hat er nicht Gelegenheit gehabt, neuen Boden zu 
betreten, aber sein Tagebuch enthält doch schon Manches 
yon Interesse, sowohl über Land und Leute im westlichen 
Theile der Algerischen Sahara als über seine eigenen Verhält- 
nisse und Aussichten in Bezug auf die beyorstehende grosse 
Beise. Wir drucken daher das Tagebuch, so weit es uns 
bis jetzt zugegangen ist, mit wenigen Kürzungen hier ab. 

Karavameraü Ain-Aüsera, den 29. August 1863, — 
So bin ich denn unterwegs und schon über 200 Kilometer 



<) Siehe „Geogr. Mitth." 1863, SS. 861—370. 



Gerhard Bohlft' Beise von Algier gegen Timbaktu hin, August bis Oktober 1863. 



Ton Algier entfernt. Ich fange mein eigentliches Tagebuch 
noch nicht an, da diese Gegend eben so wie die Beni- 
Mzaby die ich noch durchlaufen werde, hinläuglich durch 
Französische Reisende bekannt sind, sondern will nur Ein- 
zelnes erzählen. Den letzten Abend in Algier sprach ich 
noch mit Herrn Berbrugger, er meinte, es müsste mich Je- 
mand bei Martimprey angeschwärzt haben, sonst könne er 
es sich nicht erklären, dass mich derselbe ohne Staats- 
unterstützung ziehen lasse. Doch es ist mit so fast eben 
so lieb, mein Verdienst wird um so grösser sein, und wenn 
ich mit vielem Qepäck die Strasse gezogen wäre, auf der 
ja vorher Major Laing umgekommen ist, so stände mir 
vielleicht ein gleiches Schicks^ bevor; unscheinbar aber, 
wie ich reise, glaube ich Nichts zu befürchten zu haben. 
Der Weg bis Boghar über Blidah und Medeah ist sehr 
schön, immer bewaldetes Gebirge. Medeah, dem Umfang 
nach so gross wie Milianah, liegt sehr hoch und es war 
denn auch recht frisch, als ich am Morgen nach meiner 
Ankunft um 5 Uhr aufwachte, das Thermometer zeigte 13^ R. 
Ich stellte mich mit einem Empfehlungsbriefe dem General 
vor, der mich sehr zuvorkommend empfing und mir einen 
Empfehlungsbrief an den Commandant sup^rieur in Laghuat 
schrieb. Boghar, ein alter kleiner Arabischer Ksar (aus 
Steinen gebautes Städtchen oder Dorf), das hoch oben auf 
einer Bergkuppe liegt, hat sich recht durch die Franzosen 
gehoben, wegen seiner vortheilhaften Lage hat es bestän- 
dige militärische Besatzung und so sieht man jetzt über 
den alten grauen Arabischen Mauern schöne Europäische 
Häuser hervorragen. Die Gegend ist schrecklich öde, über 
Boghar hinaus gegen Süden fängt die Kleine Wüste an, 
die in jeder Beziehung einförmiger und unfruchtbarer als 
die Grosse ist, eben so ist sie, weü aus einem Hochplateau 
bestehend, bedeutend ärmer an Wasser. Die Grosse Wüste 
nimmt, wenn man von Algier aus südwärts geht, mit La- 
ghuat ihren Anfang. 

Die Leute wissen nicht, was sie aus mir machen sol- 
len. In Blidah war ich im Hotel P^rigord abgestiegen, 
und als ich mich Abends zu Tische setzte, kam die Wir- 
thin und fing folgendes Gespräch mit mir an: „Pardon, 
der Herr ist dem Aussehen nach doch kein wirklicher Ara- 
ber?*' — „In der That, nein." — „Warum haben Sie denn 
Ihre Haare abgeschoren und tragen Araber -Tracht?" — 
„Weil mir das wegen des Klima's besser gefällt." — „Der 
Herr sind der Aussprache nach Engländer." — »yUm Ver- 
zeihung, nein." — „Da weiss ich wirklich nicht, wenn Sie 
kein Franzose sind, wer Sie sind." — „Wünschen Sie 
meinen Pass zu sehen, Madame?" — „Mein Gott, nein, 
Sie sind aber jedenfalls ein Engländer." Damit ging sie 
hinweg. Unterwegs hielten mich die Franzosen oft für 
einen Spahi, die Araber für einen Türken, ich lasse sie 
bei ihrem Glauben. Die Wirthin einer kleinen Zwischen- 



station meinte, ich sei ein Missionär, der auszöge, die Mo- 
hammedaner und Heiden zu bekehren, und stellte sich 
deshalb sehr fromm. 

Hospital von Laghuat, den 4. September, — Von Medeah 
bis Laghuat sind es 18 Etapen und ausser den Dörfern 
Boghar und Djelfa hat man' ungefähr alle 40 Kilometer 
ein Karavanserail und zwischen den Earavanserails Posten, 
die von Spahis, welche den Gourierdienst versehen, besetzt 
sind. In dem Karavanserail, in welchem ich gestern lo- 
girte, feierte man die Hochzeit der Tochter. Der Mann 
aus Djelfia hatte zufallig erfahren, dass ich Afrika-Reisbnder 
sei, was mir denn die Ehre verschaffte, zum Abendessen 
eingeladen zu werden. Da gab es Wild, als Rebhühner, 
Hasen, Kaninchen u. s. w., in Menge-, aber ausser einem 
aus Djelfa beigeschafften Salat nichts Vegetabilisches. Es 
war also ein förmliches Fleischgerichtsmahl, denn ausser 
dem Wilde trug man natürlich auch Ochsenfleisch, Hammel- 
braten, Hühner und Enten auf; nur beim Nachtisch waren 
Früchte aus Laghuat reichlich vertreten. 

Heute Morgen endlich sah ich den Palmenwald von 
Laghuat vor mir, eine grosse herrliche Oase, obgleich die 
Palmen noch nicht das üppige Grün haben, wie in den 
südlicheren Oasen, die ich voriges Jahr durchreiste. Ich 
verirrte mich Anfangs in den Gartenstrassen, welche wie 
in allen Wüsten-Oasen von hohen Thonmauem eingefasst 
sind, gelangte aber doch endlich zur Stadt selbst. Der 
Kommandant empfing mich auf die zuvorkommendste Art^ 
und gab mir ^ie Versicherung, mich mit Empfehlungsbrie- 
fen, einem Führer und Maulthier versehen zu wollen, so 
weit die Französische Autorität reiche. * Ich sagte ihm, 
dass ich diess nur bis Abiod Sidi Scheich wünsche, wohin 
ich zunächst mich begeben wolle. Sodann bat ich ihn um 
Erlaubniss, auf einige Tage ins Hospital treten zu dürfen, 
und auch diese Bitte wurde sofort gewährt. Ich bin näm- 
lich von Djelfa an zu Fuss gegangen, da mir das Reiten 
zu theuer kam ; war es nun von der Anstrengung oder der 
Hitze, am zweiten Tag schwoll mein linker Oberarm be- 
deutend an. Ich wusste, was 'das zu bedeuten hatte, näm- 
lich dass eine der Wunden wieder aufbrechen würde ; diess 
wird mir wohl noch oft passiren, ich sehe aber, dass es 
nicht gefährlich ist. Gestern hatte sich Eiter an der un- 
teren Oberarm- Wunde angesammelt, ich machte einen Ein- 
stich und hatte diesen Morgen die Freude, den Arm in 
seinem natürlichen Zustand zu sehen, ausgenommen, dass 
die Wunde noch stark eitert. 

War ich schon in Geryville gut aufgenommen, so war 
ich es hier noch weit besser; dort musste ich mit allen 
Leuten in Einem Zimmer sein, weil keine Offizierzimmer 
vorhanden waren, hier dagegen habe ich mein eigenes 
Zimmer, eigene Bedienung und gute Kost. Ich denke in 
einigen Tagen wieder hergestellt zu sein. Das Hospital 



Gerhard Eohlfe' Beise von Algier gegen Timbuktu hin^ August bis Oktober 1868. 



3 



liegt auf einem Felsen und ich übersehe von meinem Zim- 
mer einen pressen Theil der Stadt so wie fiist die ganze 
Oase. Das Haus des Gouverneurs, am grossen Platze ge- 
legen, ist sehr sohön, das Empfangszimmer fürstlich; La- 
ghoat ist aber auch ein wichtiger Ort und wird, wenn erst 
weiter gegen Süden Garnisonen verlegt werden (unterworfen 
ist das Land bis UargUiy Metlili und Golea), Sitz eines 
Generals werden. 

Todjwm^ dm 13. S^iemb0r. — Gestern habe ich La- 
ghoat verlassen und bin nun auf dem Wege nach Abiod 
Sidi Scheich. Nach viertägigem Aufenthalt im Hospital 
blieb ich noch drei Tage in Laghuat, um eine Karawane 
absuwarten« Gestern bi^ ich denn auch in Begleitung 
einer solchen aufgebrochen, obgleich ich eben so gut allein 
hatte reisen können, weil man hier, wo die ganze Gegend 
den Pranzoaen unterworfen ist, noch Nichts zu befurchten 
hat Der Kommandant von Laghuat hat sich äusserst lie- 
benswürdig gegen mich benommen und mir einen Empfeh- 
longsbrief an den Marabut von Ain-Mahdy geschrieben, 
wohin ich morgen komme (heute halte ich Buhetag, da ich 
80 langsam wie möglich reise, theils um meine Kräfte zu 
schonen, theils um Bekanntschaften anzuknüpfen, die mir 
spater vielleicht von grossem Nutzen sein können). Dieser 
Marabat ist ein sehr einflussreicher Mann, der grosse Güter, 
anter Anderem Haus und Hof in Ain-Salah besitzt. Der 
Kommandant schrieb ihm, mir einen Empfehlungsbrief für 
Ain-Salah auszufertigen, was mir von grossem Nutzen sein 
würde, da die nach Timbuktu bestimmten Karawanen von 
TimiB, Tripoli, Tuggurt, Tuat, Tafilet u. s. w. dort zusam- 
mentreffen. Li Ain-Mahdy werde ich wohl einige Tage 
bleiben und dann über Tadjruna nach Abiod Sidi Scheich 
gehen. 

Obgleich ich jetzt sehr langsam reise, werde ich doch 
Tielleicht meine Beise schneller beendigen, als ich berech- 
net habe, /denn später werde ich mich freiwillig nirgends 
lange aufhalten, wenn nicht Gewalt oder Umstände mich 
zwingen, sondern sobald ich die nöthigen Renseignements 
genommen, weiter eilen, um möglichst bald in Bakel ein- 
zatrefifen. Ich werde diess schon deshalb thun, um wo 
möglich Konkurrenten zuvorzukommen, denn ich glaube 
stark, dass sich irgend ein Franzose aufinachen wird, um 
von Algerien über Land nach dem Senegal vorzudringen. 
Man sprach in Algier von einem Geometer, der die Ab- 
sicht babe, sich dem zu unterziehen. Es bot sich mir 
selbst noch am letzten Tage in Algier ein Architekt, der 
bei den Hafenbauten beschäftigt war, zur Begleitung an 
unter der Bedingung, dass er die Hälfte der ausgesetzten 
Prämie bekomme, der Mann sprach aber kein Wort Ara- 
bisch und hatte von solchen Reisen überhaupt die sonder- 
bärsten Begriffe. 

Der Weg von Laghuat bis Tadjmut ist entsetzlich öde 



und einförmig, immer kahle Berge und steinige Ebenen, 
wo nur Haifa (Stipa tenaoissima) und Schih (Artemisia 
odorata) fortkommen, um so lachender und erfreulicher 
erscheint Einem dann die Oase, wenn nmn von Weitem 
die hohen Palmwipfel und unter ihnen das üppige Grün 
der Feigen, Aprikosen, Mandeln, Pfirsiche u. s. w. wahr- 
nimmt. Tadjmut ist ein Dörfchen von 60 Häusern, am- 
phitheatralisch an einem Berge hinaufgebaut, während die 
Gärten sich am Fusse in einem Halbmond herumziehen. 
Ich &nd beim Kaid eine offene Aufiiahme und für den, 
der sich über Schmutz u. s. w. hinwegsetzen kann, war 
auch das Essen nicht übel. Ich hielt mich hauptsächlich 
an den grossen Obstkorb voll Trauben, Feigen und Pfir- 
siche, den mir der Kaid zwei Mal des Tags zuschickte. 
Auch mit Kaffee bewirthete er mich, die Freude an dem 
guten Geschmack desselben wurde aber einigermaassen ge- 
dämpft, wenn ich daran dachte, dass er den Zucker jedes 
Mal aus seinem nicht eben zu sauberen Taschentuche 
herauswickelte. Sein Sohn brachte gesottene Eier ab- 
geschält in der Hand und legte sie in Ermangelung eines 
Tisches vor uns auf den Teppich, auf dem vielleicht kurz 
vorher Einer mit seinen ungewaschenen Füssen umher- 
gelaufen war. Über dergleichen Kleinigkeiten muss man 
sich hinwegzusetzen wissen, so Etwas kommt alle Tage 
vor. Im Ganzen war der Kaid Aissa (Jesus auf Deutsch) 
ein sehr gastfreundlicher und, wie alle Kaids, die Franzo- 
sen liebender Mann. 

Am-Mahdy^ den 14. Sspibr, — Gegen 10 Uhr Morgens 
bin ich hier eingetroffen, Ain-Mahdy ist nicht weit von 
Tadjmut entfernt Es liegt ebenfalls auf einer kleinen 
Anhöhe, um welche sich die Oase herumzieht. Bas Haus 
der Schürfe >) und die Moschee sehen recht stattlich aus. 
Hier wohnen nämlich nicht Marabuts (Abkömmlinge der 
Jünger des Propheten oder eines hervorragenden Heiligen), 
sondern, wie ich gestern erfuhr, Sohürfa (Abkömmlinge 
des Propheten), zugleich ersehe ich auch, dass der Em- 
pfehlungsbrief nicht an den einfiussreichen Scherif gerich- 
tet ist, sondern an den Kadi. IHess Versehen ist wahr- 
scheinlich auf dem Bureau arabe geschehen, ob absichtlich, 
weiss ich nicht, doch schien sich der Chef des Bureau 
etwas piquirt zu fühlen, dass ich ausschliesslich die Dienste 
des Commandant sup^rieur in Anspruch nahm. Meine Auf- 
nahme beim Kaid lässt übrigens bis jetzt Nichts zu wün- 
schen übrig. 

Ain-Mahdy, den lö. S&ptbr. — So eben komme ich 
vom Scherif zurück, der im Sommer ein Landhaus ausser- 
halb der Stadt bewohnt; er ist Mulatte, noch jung und 
fängt an, sich zu civilisiren, er ist im Besitz eines Wa- 
gens. Seinem Vater hat er in einer Kobba (Dom) imKsar 



Plural von Scherif. 



Gerhard Bohl&' BeiBe von Algier gegen Timbüktu hin, August bis Oktober 1868. 



ein sehenswerthes Grabmal bauen lassen, zu dem jetit 
eifirig gewaU&hrtet wird. 

Ain-Mahdjy etwa so gross wie Tadjmnt, ist für eine 
Aiaber*Stadt gut befestigt, denn die krenelirte Eingmauer 
ist, wie auch die meisten Häuser, von Steinen aufgeführt. 
Es hatte seiner Zeit einen harten Angriff Abd-el-Kader's 
auszuhalten, der sich des dem Scherif gehörigen Landhau- 
ses bemächtigte und das Wasser, weiches von dort aus die 
Stadt yersorgt, abschnitt. Er beschoss die Stadt auch mit 
Kanonen, konnte derselben aber doch nicht Herr werden. 
Mit dem Falle Abd-el-Eader's und nach der Einnahme von 
Laghuat erkannten die Bewohner von Ain-Mahdy freiwillig 
die Französische Herrschaft an, das Beste, was sie thun 
konnten. Die Bewohner zeichnen sich durch Reinlichkeit 
aus und ihre Oesichtszüge sind schöner als bei den Be- 
wohnern der umliegenden Ksar. Morgen werde ich den 
Djebel Amur betreten, wo der erste Ksar, den ich an- 
treffe, Eeischach *) heisst 

R$UehaeK dm 18. Septbr. — In Ain-Mahdy habe ich 
dennoch zwei Empfehlungsbriefe erhalten, einen für Timi- 
mun und einen anderen an einen Tuareg - Häuptling. Der 
Weg hierher ist entsetzlich oder vielmehr es existirt gar 
kein Weg, man hat eine Kette des Djebel Amur zu über- 
steigen, wo die Maulthiere kaum fortkommen können. 
Beischach ist eine schöne Oase, wegen der bedeutenden 
Höhe hat sie zwar keine Datteln, aber Trauben, Pfirsiche 
und Feigen sind im Überfluss vorhanden und ich schwelge 
alle Tage in diesem herrlichen Obste. In Tadjmut und 
Ain-Mahdy fangt man an, Baumwolle zu ziehen, die, wie 
ich mich selbst überzeugt habe, ausgezeichnet geräth, hier 
gedeiht sie wegen des kalten Klima's nicht, dagegen zieht 
man hier ausgezeichnete Kartoffeln. Eeischach ist ferner 
berühmt wegen der Schönheit seiner Frauen und ihrer 
Leichtsinnigkeit, die woU daher rühren mag, dass früher 
ein Bureau arabe hier bestand. 

Tauielah, den 19, Septbr. — Ich muBS mich, nach der 
Kälte zu urtheilen, beinahe 1500 Meter über dem Meeres- 
spiegel befinden. Mein Thermometer erreicht nie mehr 
als 20'' des Nachmittags und die Nächte sind ordentlich 
kalt. Hier muss das Klima dem in Nord- Deutschland ähn- 
lich sein, nur dass die intensive Hitze der Juli- und August- 
sonne noch Feigen und Pfirsiche zur Beife bringt. Wein 
wird wenig mehr gezogen, die Kartoffeln und der Mais 
gedeihen als zweite Ernte ausgezeichnet. Die Oase hat ein 
blühendes Aussehen und wird durch zwei starke Quellen 
reichlich ernährt, der Ort selbst sieht aber armselig aus, 
die Häuser sind roh und schlecht gebaut. 

Der Kaid empfing mich wie gewöhnlich zuvorkommend, 
einige Bewohner aber, die meine Europäische Eeisetasche 



1) Bicha der FranzSsiaclien Karten. 



A. P. 



an£Gülend fianden, sohienräi ihm Zweifel an meiner Deutsch- 
Türkischen Herkunft einzuflössen und trotz meines Em- 
pfehlungsbriefes verlangte er meine „Karta** zu sehen, wie 
die Eingebomen eine Art Passkarte nennen, welche das 
Bureau arabe ihnen im Beisefall ausstellt. Ich glaubte 
Anfangs, er wolle scherzen, und erklärte ihm, ich besässe 
keinen Pass, da ich aber sah, dass er es ernstlich und 
amtlich meinte, präsentirte ich ihm mein gestempeltes 
Hospital-Billet von Laghuat Sobald er den blauen kaiser- 
lichen Adler sah, isnd er sich vollkommen beruhigt und 
die Grösse des Zettels und die vielen gedruckten Linien 
schienen ihm noch einmal so viel Respekt einzuflössen als 
eine gewöhnliche Passkarte. 

Rauul, den 25, Septbr, — Von ReisohlMh bis hierher 
bin ich mit einer Karawane der Uled-Sidi-Scheich gereist 
und habe die Dörfer Homeida und Boalam ') passirt, ohne 
jedoch einzukehren, weil die Karawane immer in den Duar 
anhielt, die hier sämmtlich von den Marabuts der Üled-Sidi- 
Scheich bewohnt sind. Ihre Zelte zeichnen sich dadurch 
aus, dass oben auf der 8pitze drei Straussenfederbüsche 
angebracht sind, etwa in der Art, wie man sie auf Wap- 
penhelmen sieht. Erblickt man von Weitem die drei 
Federbüsche, so kann man sicher sein, dass die Zelte den 
Üled-Sidi-Scheich angehören. Es ist diese der verbreitetste 
Stamm in diesem Theil der Wüste, ihre Duar erstrecken 
sich bis weit südlich von Golea hinaus. Ihr angestammter 
Herrscher ist Sidi Sliman-ben-Hamsa, dessen Vater sich 
den Franzosen freiwillig unterwarf und die Baschagha- 
Würde empfing. Sidi Sliman-ben-Hamsa residirt als echter 
Wüstensohn bald hier, bald da in seinem grossen Zelt, für 
den Augenblick ist er in Abiod Sidi Scheich, einer kleinen 
Stadt, wo seine Vorfahren begraben liegen und wo sie 
eine Sauija gegründet haben. Übermorgen werde ich bei 
ihm sein. 

Arba-tasehtam, den 2. Oktober, — Durch die Umstände 
gezwungen musste ich länger, als ich wollte, in Eassul 
bleiben. Auf dem Wege fand ich in Keragheda keinen 
Menschen, der mich bis hierher geleiten wollte, die ge- 
sammte männliche Bevölkerung, mit Ausnahme ein^s Grei- 
ses und eines eben erst gekauften, aus dem Sudan ge- 
kommenen Sklaven, war auf Beisen, ich sah mich also 
genöthigt, wieder nach Rassul zurückzukehren und daselbst 
eine Karawane abzuwarten. Ich logirte mich wieder beim 
Kaid ein, der mich gleich Anfangs gut aufgenommen hatte, 
obgleich ich nicht an ihn empfohlen war. Vorgestern fand 
ich endlich Gelegenheit, mit einer Karawane abzureisen, 
aber kaum aus den Thoren überfiel uns ein so gewaltiger 
Eegen, dass ich nochmals umgekehrt sein würde, wenn 



>) £1 H'amoui'da und Bou A'Iam in Danmas' „Le Sahara Alg^ 
rien". a. P. 



Oerhard Bohlfs' Beke von Algier gegen Timbükta hin, August bis Oktober 1868. 



ich allein gewesen wäre. Dabei war es so kalt, dass mein 
Thermometer anf 13** C. sank. Endlich erreichten wir 
liegen 2 ühr Nachmittags Keragheda. Um mich zu er- 
värmen, war ich abgestiegen, aber alle meine Kleider 
waren triefend nass, und als die Leate noch weiter ziehen 
wollten, widersetzte ich mich entschieden; da auch keine 
AiuBicbt war, dass der wolkenbruehähnliche Bogen nach- 
Hess, so gaben sie nadi und wir yertheilten uns in die 
renchiedenen Häuser und Zelte. Eeragheda ist ein zer- 
störtes Dorf, ans drei den Einfall drohenden Häusern und 
nenn zerrissenen Zelten bestehend. Ich wurde beim Kaid, 
der Bn-kabodja (Vater der Melonen) hiess, einlogirt Er 
hatte sein Zelt in der Mitte des Stromes aufgeschlagen, 
der fast das ganze Jahr hindurch ohne Wasser ist, gegen 
Abend jedoch schwoll er an, das Wasser trat in der Nacht 
bis an unser Zelt und ich fürchtete alle Augenblicke, dass 
es in3 Zelt selbst eindringen werde, doch verlief es sich 
bis zum Morgen wieder, da schon am Abend der Begen 
angehört hatte. Wir waren die ganze Nacht auf einer klei- 
nen Insel von 20 Fuss Durchmesser gewesen. 

Am Abend langten wir in Arba-taschtani an, das nur 
eine halbe Tagereise Ton Abiod Sidi Scheich entfernt ist, 
nnd ich würde schon heute dahin aufgebrochen sein, wenn 
mich nicht meine linke grosse Zehe an jeder Bewegung 
yerhinderte. Ob der Begen oder die Kälte die Schuld 
trägt, genug, sie ist angeschwollen und verursachte mir 
gestern einen solchen Schmerz, dass ich, der ich doch eine 
gnte Portion Schmerzen ertragen kann, mich kaum zu 
retten wuaste. Die Leute wollten Henna aufl^;en, die 
Zehe mit Feuer brennen oder sie in heisses Wasser ste- 
cken, ich Hess mich aber auf alles diees nicht ein, sondern 
bereitete mir etwas Eau sedative d'aprds Baspail und heute 
ist es bedeutend besser. Ich denke morgen in Abiod Sidi 
Scheich zu sein und werde von dort einen Boten mit die- 
sen Zeilen nach Geryyille schicken, das 2| Tagereisen 
nördlich yon hier liegt. 

Ahiod Sidi Scheich, den ö, Oktober. — So eben bin ich 
hier angekommen. Sidi Sliman ist nicht hier, er kehrt 
erst heute Abend zurück, daher weiss ich noch nicht, wann 
ich weiter reisen werde. Hier liegt die Grosse Wüste yor 
mir, der erste Schritt nach Timbuktu hin ist also gethan. 
Welche Freude, wenn ich als erster Europäer von Algerien' 
ans nach dem Senegal komme! So viele Schwierigkeiten 
mir bevorstehen, ich werde sie überwinden. Mein Fuss 
bessert sich auch bedeutend, doch wird mir das Gehen 
noch ein wenig schwer. 

In Arba ward ich recht gastfreundlich vom Kaid be- 
wirthet, jedoch habe ich auf seinem Teppich eine Legion 
Läuse aufgerafft, welche die schon vorhandenen verstärk- 
ten; ich habe ihnen jedoch einen argen Streich gespielt, 
indem ich die Taschen und Nähte mit Kampfer einrieb. 



Gestern Abend kam ein ungeheurer schwarzer Skorpion 
auf mich losgerückt, ich hatte fast Angst, als ich ihn mit 
meinem Stock durchbohrte und er seinen krummen Schwanz- 
stachel in denselben trieb. Da er so ungewöhnlich gross 
war, maass ich ihn und &nd seine Länge zu 8,4 Centimeter. 
Die Leute betrachteten es als eine glückliche Vorbedeutung, 
dass ich ihn getödtet hatte. 

Ich* habe mich hier noch nicht umgesehen, sondern 
warte die Bückkehr Sidi Sliman's ab,^so viel kann ich 
jedoch sagen, dass Abiod Sidi Scheich aus zwei grösseren 
und drei kleineren, auf Steinwurf- Weite von einander lie- 
genden Dörfern besteht. Von Gärten ist kaum eine Spur 
vorhanden, da das Wasser mangelt, nur einige hundert 
Palmen beleben die Scene etwas. Die ümgegeüd ist flach 
und steinicht Im Norden sieht man die Gebirgszüge von 
Arba, nach Süden zu eine endlose Ebene. 

Den 16, Oktober, — Ich bin vollkommen wohl und 
hinlänglich kräftig, um die Beise zu unternehmen, aber 
mein Aufbruch von hier hat sich verzögert. Sidi Sliman- 
ben-Hamsa, der heute Morgen über Geryville nach seinem 
Duar abgereist ist, hatte mir Empfehlungsbriefe selbst bis 
Timbuktu versprochen. Da ich nun schon J)ezweifelte, dass 
er Verbindung mit dieser Stadt habe, so fragte ich ihn denn, 
an wen er mich adressiren wolle. Er erwiderte: „An den 
Scheich", ohne jedoch den Namen desselben zu wissen. 
Als er am folgenden Tage den Namen Ahmed - el - Bakay 
von mir hörte, sagte er, dass er mir an diesen Mann, wel- 
cher Dr. Barth's Beschützer in Timbuktu war, einen Em- 
pfehlungsbrief geben wolle. Unglücklicher Weise lebt aber 
El-Bakay gar nicht mehr, sondern ist voriges Jahr von 
Hadj Omar, der sich Timbuktu's bemächtigt hat, getödtet 
worden; so berichteten wenigstens die Draui. Sidi Sliman 
ist Araber im echten Sinne des Wortes, lügenhaft, prah« 
lerisch und geldgierig. So stieg er denn auch heute Mor- 
gen zu Pferde, ohne mir nur einen einzigen von den vie- 
len versprochenen Empfehlungsbriefen gegeben zu haben, 
und als ich ihn danach fragte, schlug er sich vor die Stirn 
und erwiderte, es ganz vergessen zuhaben. Schon darauf 
vorbereitet, hatte ich indess einen Brief an den Komman- 
danten von Geryville geschrieben, um ihn durch diesen zu 
zwingen, mir wenigstens Empfehlungen für Tuat und Gu- 
rara zu schreiben, allwo er Besitzungen hat. Gestern war 
ich mit ihm auf der Jagd, wo mit Falken einige Hasen 
und kleine Wüstenrebhühner erlegt wurden, die Sache war 
aber langweilig und auch anstrengend für mich, denn mein 
Pferd — ich ritt das des Kaid, seines Oheims — ging 
zwei Mal mit mir durch. Später wollte Sidi Sliman mir 
zeigen, dass er auch ackern könne, und stellte sich an 
einen Pflug, ich sah aber bald, dass diese Arbeit ibm eben 
so ungewohnt war als mir; ein vornehmer Araber will 
aber AUes können und wissen. Ich bewohne jetzt seine 



6 



Gerhard Bohlfs' Reise von Algier gegen Timbuktu hin, August bis Oktober 1863. 



beiden Zimmer, die er im Hause des Eaid Djedid inne 
hatte. Der ganze Ort ist auf, ihn au begleiten, auch der 
Kaid, und ehe er deu Ort verliess, betete er in mehreren 
der kleinen Tempel seiner Vorfahren, namentlich in dem 
Sidi Soheich's, und sprengte dann mit seinen Gumm (un- 
regelmässige Reiterei) zwei Mal Tor dem Grabmal dieses 
Marabuts vorbei, im Laufen die Flinten abfeuernd. 

Mittlerweile ist die Karawane für Gurara aufgebrochen 
und ich werde nun wohl die grosse abwarten, die alljähr- 
lioh vom Teil nach Gurara sich begiebt, um gegen Korn, 
Wolle u. s. w. Datteln einzutauschen. 

Dm 16, Oidohir. — Heute Morgen um 5 Uhr stand 
das Thermometer unter 9° £. Des Morgens ist es jetzt 
meistens kühl, bei Tage aber herrscht noch bedeutende 
Hitze, welche durch den fast immer wehenden Samum 
erhöht wird. Auch die Abende sind kühl, doch noch zu 
warm, um Feuer im Kamin zu gestatten. Die frostigen 
Wüstenbewohner unterlassen es aber nicht, jeden Abend 
in meinem Zimmer, das eine Art von Kamin besitzt, ein 
Feuer anzuzünden. Da kauern sie sich denn so dicht wie 
möglich davor und erzählen sich unglaubliche Dinge. Das 
Kamin ist durch die Franzosen bis hierher eingeführt» 
während man in dem sonst viel luxuriöseren Fes eine 
solche Einrichtung vergebens suchen würde. 

Meine Bücher bringen mich in den Buf eines grossen 
Ctelehrten oder Thaleb und alle Augenblicke kommt Je- 
mand, um ein Amulet geschrieben zu haben oder über 
sein künftiges Loos Etwas zu erfahren u. s. w. Auch ei- 
nige medizinische Frasas habe ich, doch will ich meine 
Medikamente hier nicht verbrauchen, da sie mir später 
bessere Dienste leisten können. Die Aufregung, die mein 
Hiersein unter der Bevölkerung hervoi^rufen hat, föngt 
an sich zu legen. Man gewöhnt noh daran, mich als einen 
Muselmann zu betrachten, während man Anfangs daran 
zweifelte. Die Leute bringen mir Früchte, Melonen, Fa- 
stinaken und andere, gewissermaassen zur Belohnung dafür, 
dass ich zum Islam übergetreten seL Wie sie mich zer- 
reissen würden, wüssten sie den Grund meiner Beise! 

Dm 18, Okiober. — Bb zum 11. November werde ich 
wohl hier bleiben oder vielleicht noch einige Tage länger, 
da man um diese Zeit die Karawane für Gurara aus dem 
Teil hier erwartet. 

Bei dem Kaid Djedid -ben-Naimi, in dessen Haus ich 
jetzt logire und der, obgleich nicht viel älter als Sidi 81i- 
man, dessen Grossonkel ist, habe ich schon ein Mal eine 
Nacht zugebracht, als ich von Marokko zurückkam. Da- 
mals lebte er in seinem grossen Zeltlager, wo auch jetzt 
seine Heerden sich befinden, während er mit seiner Fa- 
milie den Winter in seinem Hause zubringt. Der älteste 
Sohn, der 20 Jahre alt sein mag, ist bereits verheirathet 
und Vater eines Töchterchens. Zwischen ihm und seinem 



Neffen Sidi Sliman-ben-Hamsa gab es neulich eine hübsche 
Scene. Er hatte diesen nämlich auf seiner Tour nach 
Schellala begleitet und auf dem Eückweg in irgend einem 
Duar einen Esel gestohlen oder erpresst. Am anderen 
Morgen, als wir gerade beim Kaffee sassen, fanden sich 
die Eigenthümer klagend ein und der Baschagha Sidi Sli- 
man-ben-Hamsa , sein Neffe, befahl ihm, den Esel heraus- 
zugeben oder zu schwören, dass er ihn bezahlt habe. Da 
sobwur er denn bei dem Haupte Abd-el-Kader-ben-Moham- 
med's, eines ihrer Vorfahren, dass er dem Eigenthümer 
85 Francs gegeben habe; bald darauf aber überwies ihn 
sein Neffe, dass er falsch geschworen, und liess den Esel 
zurückgeben. Dabei blieben sie aber ganz gute Freunde, 
denn ein Mscher Eid ist bei den Arabern so wenig, als 
wenn bei uns Jemand unterlässt, seinem Freunde guten 
Tag zu bieten. Im Hause selbst scheint eine unordent- 
liche Wirthschaft zu herrschen, denn bald erhalte ich mein 
Frühstück ganz früh Morgens, bald, wie heute, um 4 ühr 
Nachmittags. Die Kost ist mager, heisses auf Stein ge- 
backenes Brod, el-schabs genannt, und Morgens und Abends 
Kuskus, So lange der Baschagha hier war, gab es Kaffee 
und Fleisch, seitdem hat diess aber aufgehört 

Dm 19. Oktober, — Heute hat mir der Kommandant 
von Geryville wieder sehr freundlich und verbindlich ge- 
schrieben und mir sämmtliche Gegenstände, die mir noch 
fehlten, auf meinen blossen Wunsch hierher geschickt, wie 
einen recht warmen Burnus, ein Kilogramm Kaffee, Zucker, 
einige Kleidungsstücke, Tabak, Medikamente u. s. w. Er 
schreibt mir nicht einmal, wie viel es kostet Ich möchte 
ihn gern persönlich kennen lernen, aber obwohl ich Zeit 
genug hätte, nach dem nur 2 Tagereisen nördlich von hier 
gelegenen Geryvüle zu reiten, so verbietet meine Lage 
mir zurückzukehren. Der Kommandant schickte mir auch 
einen warmen Empfehlungsbrief für den Kaid Djedid und 
nun steht Alles im Hause zu meinen Diensten. Ich schwelge 
bei einer Tasse Kaffee und einer Cigarette, Dingen, die ich 
schon bis St-Louis aufgegeben hatte i). 



1) Herr J. Lehmann, Bedactenr des „Magaiin für die Literatur 
des Auslandee", hatte die Ofite, uns folgende Berichtigung in Bezug 
auf die von G. Bohlfe in „Geogr. Mitth." 1863 B. 862 mitgotheüte 
Inaohrift über dem Thore ron Agadir auinstellen: 

„Die Inschrift enthalt nicht , wie der Reisende meint , in erster 
Beihe einen Namen, sondern das Gänse ist eine hoUfindische Über- 
setsung des BibelTerses: 

Fürchtet Gott und 
Ehret den König. 

„Hatte sich Herr Bohlfs an einen der jüdischen Bewohner Aga- 
dir's mit seiner Frage um Auskunft gewandt, so würde ihm diese wohl 
geworden sein, da jener alttestamentliche Bibelspruch wahrscheinlich 
Ton einem Hollandisch-Spanischen Juden herrührt. Auch die Juden in 
Marokko sind nämlich von Spanischer Abkunft und standen im 17. und 
18. Jahrhundert mit ihren Glaubensgenossen in Holland in vielfacher 
socialer und geschäftlicher Verbindung. Namentlich gab es vor 1 50 Jah- 
ren Tiele jüdische Konsuln Hollands in der Berberei. In Tarudant be- 
sitzen die Juden Spanischer Abkunft ebenfalls eine alte Synagoge und 
Schule." 



Produktion und Handel von Chorassan*). 



Obgleich vor etwa 25 Jahren die westlichen Bistrikte 
Simnan, Damghan und Sohahrud-Bastam yon Ghorassan ab- 
getrexmt worden sind, bildet letzteres doch noch die 
grösste Provinz Persiens, seine Bewohnerzahl kann man 
auf etwa 1.500.000 anschlagen, und zugleich könnte sie 
zur prodnktiysten gemacht werden, wenn sie es nicht schon 
ist. Die prächtige Strasse von Mesohed nach Teheran, die 
ma in ihrem nördlichsten Theile zwischen Schahrad nnd 
Mesinan von den Turkomanen beunruhigt wird, erleichtert 
den Transport ausserordentlich und die unsichere Strecke 
konnte durch Errichtung einiger mit Beiterei besetzter 
Dörfer leicht geschützt werden. 

Mesched ist der grosse Markt für Europäische Waaren, 
welche von da nach Afghanistan, dem Turkomanen - Land 
und Buchara gehen; sie geben %^ in Münze oder Waare 
ab. BaumwollenstofPe werden in Mesched sehr schön ge- 
druckt, auoh ist daselbst eine gute Shawl-Fabrik, welche 
11 pence Steuern per Stück bezahlt. Der Boden der Um- 
gegend ist ausserordentlich fruchtbar, er trägt gutes Ge- 
treide und ausgezeichnetes Obst. Wein von bester Quali- 
tät konnte bereitet werden, da die Trauben an diesem Orte 
sich ganz besonders hierzu eignen. 

Bis vor 200 Jahren war Nischapur die Hauptstadt von 
Ghorassan und Stadt wie Umgegend muss einst dicht be- 
völkert gewesen sein, jetzt zählt sie nur noch 10.000 Ein- 
wohner. Auch dort ist der Boden sehr fruchtbar, es wird 
YortrefEliche Baumwolle producirt, und da es nicht an Was- 
ser fehlt, könnte ihr Anbau sehr ausgedehnt werden. 

Die Methode der Kultur, Ernte und Reinigung der 
Baumwolle ist in Ghorassan noch möglichst sohlecht und 
dennoch findet das Produkt einen günstigen Markt in Russ- 
land und anderen Nachbarländern. Man ist daher zu der 
Ansicht berechtigt, dass in Ghorassan Baumwolle gezogen 
werden kann, die jeder ausser der Sea Island gleich steht, 
nnd der Boden ist auf grosse, jetzt wüste Strecken so gut 
geeignet für diese Kultur, dass die gegenwärtig 3^ Millio- 
nen Pfund betragende Menge der zu exportirenden Baum- 
wolle leicht bis zu jedem beliebigen Betrage gesteigert 
werden könnte. Am besten ist die zu Nischapur und Kain 
gezogene, am geringsten die von Sebsewar. Der gewöhn- 
liche Preis gereinigter Baumwolle in Ghorassan ist l^ pence 
per Pfimd, die Abgaben betragen -|- pence per Pfund, der 



') Ans einem Bericht des Britischen Legations-Sekretärs zu, Tehe- 
ran, S. B. Eastwick, an £arl BnsseU Tom 2. Febmar 1863 in: „Re- 
ports by H. H.'s Secretaries of Embassy and Legation, on the manu- 
faetnres, commerce, etc., of the countries in which they reside. Nr. 6. 
London 1863". 



Transport von Nischapur zum Aschuradeh-Hafen am Kas« 
piechen Meer etwa 1 penny per Pfund, so dass der Ar- 
tikel an dem Platze, von dem er zu Wasser bis nach Eng- 
land gebracht werden kann, 2f pence per Pfund kostet. 
Das grösste Hinderniss für einen vermehrten Transport 
liegt darin, daas es in der G^egend von Nischapur und Seb- 
sewar nur eine beschränkte Anzahl von Kameelen und 
Maulthieren giebt, «welche die Baumwollenballen nach dem 
Kaspischen Meere tragen müssen; würden aber die Last- 
thiere bedeutend vermehrt, so müsste man eine viel gros« 
sere Menge Getreide zur Fütterung bauen. Das Zweok- 
mässigste wäre daher, eine Schienenbahn nach Amerika- 
nischem System von Gez am Kaspischen Meere bis Seb- 
sewar anzulegen, die mit Pferden betrieben werden könnte 
und nicht mehr als 240.000 Pfd. Sterling kosten würde. 

Ausser Baumwolle sind die Hauptexport -Artikel €9io- 
rassans Wolle, Häute, Metalle, Edelsteine, andere Minera- 
lien und getrocknete Früchte. 

Die Wolle aus Ghorassan steht auf den Indischen Märk- 
ten höher im Preis als die von Indien oder Sindh, sie 
verkauft sich in Mesched gewöhnlich zu 8 pence das Pfund 
und zahlt wie die Baumwolle % penny per Pfund Steuer. 
Bedeutende Quantitäten könnte man aus dem Tarkomanen- 
Lande beziehen, seit 12 Jahren ist jedoch der Weg nach 
Merw den Persischen Händlern verschlossen. 

Unter den Häuten sind die wichtigsten die berühmten 
Lammfelle von Buchara, welche seit einigen Jahren über 
Herat nach Mesched eingeführt werden, weil der Weg nach 
Merw verschlossen ist. Diese Lammfelle zahlen zu Me- 
sched 4 Shilling 7 pence Steuer auf jedes Packet von 
10 Stück. Sie finden leicht Absatz in Persien, da sie zu 
den nationalen Hüten und zur Einfiissung der Winterklei- 
der gebraucht werden, und verkaufen sich zu 5 bis 15 Shil- 
ling per Stück. Die theuersten sind die „karpak" ge- 
nannten, von denen 10 Stück 7 Pfd. St. kosten und die 
von vorzeitig geborenen Lämmern herkommen. Wie man 
sagt, werden die Mutterschafe einen Monat vor der Zeit 
der Geburt in kalter Nacht etwa 1 Stunde weit getrieben 
und dann plötzlich in einen sehr warmen Stall gebracht, 
wobei der Temperaturwechsel die Frühgeburt veranlasst. 
Ein Hut aus solchen Häuten kostet fast 10 Pfd. Sterl., 
da nur ausgesuchte Theile der besten Häute dazu verwen- 
det werden. Gewöhnliche Sorten sind die „abguli" und 
die ,Jan-i-farih'', wovon die ersteren wieder in eine ge- 
ringere, mittlere und bessere Klasse eingetheilt werden. 
Die Qualität der Häute, wechselt mit den Jahren, be- 
sonders gut gerathen sie, wenn der Winter in Buchara 



8 



Produktion und Handel von Chorassan. 



ungewöhnlich kalt ist. Ausser Lammfellen werden auch 
Pelzmäntel aus Kabul nach Mesched gebracht und zahlen 
dort 2 sh. 4 p. Steuer. Wenn die Strasse von Herat her 
offen ist, werden etwa 50.000 Fuchs- und 2- bis 4000 Mar- 
der*Felle jährlich von Chorassan nach Westen ausgeführt. 
Die ersteren kosten in Mesched 1^ bis 2 sh. das Stück,- 
die letzteren 4^ bis 6 sh. In Eussland verkauften sich 
dieses Jahr die Fuchsfelle aus Chorassan zu 4 sh., die 
Marderfelle ebendaher zu 12 sh. das Stück. 

Chorassan ist reich an Blei, Eisen, Kupfer, Antimon, 
Kohlen, Marmor, Alabaster, Schwefel und Steinsalz. Auch 
Silber kommt vor und etwa 20 Engl. Meilen westlich yon 
Mesched ist es seit den letzten 12 Jahren bergmännisch 
gewonnen worden. Goldkömer finden sich in einigen Flüs- 
sen. Yon allen Bergwerken liegen die auf Kupfer für den 
Handel am bequemsten, einige sind dicht an der grossen 
Strasse zwischen Teheran und Mesched. Gegenwärtig be- 
arbeitet ein intelligenter Kaufmann in Schahrud Kupfer- 
minen bei Zaidah, wenige Meilen von Meiamei, der erstq;n 
Station östlich von Schahrud. Das Erz ist dort sehr rein. 
Er zahlt den Bergleuten 5 pence täglich und verkauft das 
Kupfer 7 Pfund zu 8 sh. 3 p., so dass er an jedem Pfand 
1 sh. reinen Gewinn hat. Hier wie in allen anderen Me- 
tallminen Persiens wird der Gewinn durch den Mangel 
an gut gebauten Öfen bedeutend geschmälert. 

Kohlenminen giebt es ohne Zweifel in der ganzen 
800 Engl. Meilen langen Bergreihe von Beseht bis Me- 
sched. . Die für den Bedarf des Arsenals zu Mesched 
bearbeitete liegt ungefähr 24 Engl. Meilen von dieser Stadt. 

Ausgezeichneter Salpeter kommt überall in Chorassan 
an der Oberfläche in Menge vor. Der in der Pulverfabrik 
zu Mesched verwendete kommt von Tahat Chan, etwa 
28 Engl. Meilen nördlich von der Stadt. Er wird zwei 
Mal an Ort und Stelle gereinigt und verkauft sich dann 
auf dem Maijkt zu Mesched zu 10 sh. der Centner. Für 
die Pulver-Fabrikation ist er jedoch noch nicht rein genug, 
dazu muss er noch drei bis vier Mal gereinigt werden und 
giebt dann ungefähr 65 Prozent reinen Salpeter. Die in 
der Fabrik gebrauchte Holzkohle wird aus der Weissen 
Weide gebrannt. 

Schwefel findet sich in Menge in allen Bergen bei 
Mesched und innerhalb 5 Engl. Meilen von der Stadt. 
Ungereinigt kostet er 1 penny per Pfund, beim Beinigen 
giebt er nur 30 Prozent SchwefeL Das in Mesched fa- 
bricirte Pulver steht dem besten Englischen gleich oder 
übertrifft es noch. Die Fabrik liefert jetzt 700 Pfund in 
36 Stunden, soll aber nächstes Jahr bedeutend erweitert 
werden, so dass sie drei Mal so viel liefern kann. 

Bei Schandiz, 20 Engl. Meilen von Mesched, hat man 
begonnen, einen Steinbruch von gelblich-weissem Marmor 
auszubeuten, und der Prinz-Gouverneur wird 100 Kameel- 



ladungen davon nach Teheran schicken, um ihn bei seinem 
neu zu bauenden Hause zu verwenden. Er gleicht dem 
bei Jezd gewonnenen. 

Eine ausgezeichnete Bleigrube, deren Erz 60 Prozent 
reines Metall enthält, findet sich 16 Engl. Meilen von Ahu- 
wan zwischen Simnan und Damghan. 

Die hauptsächlichsten in Chorassan vorkommenden Edel- 
steine sind Karfunkeln und Türkisen, mit beiden wird leb- 
hafter Bbndel getrieben. Der Pächter sämmtlicher Edelstein- 
gruben Choiassans zahlte voriges Jahr gegen 7000 Pfd. St. 
Pacht und musste ausserdem Geschenke an einflussreiche 
Personen im Werth Von 3000 Pfd. St machen und doch hat 
er noch bedeutenden Profit. Aus den Türkis-Gruben allein 
wurden für fast 20.000 Pfd. SterL Sieine gewonnen, wenn 
auch nicht alle verkauft. Gegenwärtig ist ihre Bearbeitung 
theüweis sistirt, weil sich die Gruben mit Wasser gefüllt 
haben. Der Schah besitzt einen kegelförmigen Türkis von 
ungeföhr 1^ Zoll Durchmesser, dessen Werth auf mehr als 
20.000 Pfd. Sterl. veranschlagt wird, doch sind Türkisen 
selbst nur von 6O9 Pfd. Sterl. Werth schon sehr selten. 
Der Stein ist sehr geschätzt , besonders wenn sich die Farbe 
dem Indigo nähert, wogegen hellere Schattirungen nicht 
in Ansehen stehen. Ein gewinnreicher Handel Hesse sich 
mit Saphiren und Smaragden treiben. Diese Steine kauft 
man in Chorassan zu einem Preis, der voUe 50 Prozent 
Gewinn in Europa erlaubt Sehr hoch geschätzt sind in 
Persien die „lal" genannten Topase von dunkel-rosenrother 
Farbe und stehen so im Preise, dass der Europäische Im- 
porteur 200 Prozent gewinnen würde. 

Getrocknete Früchte kann man aus Chorassan in jeder 
beliebigen Menge beziehen. Der Zoll beträgt nur 1 sh. 
4 p. für die Kameeiladung. Hauptsorten sind Feigen, 
Pflaumen, Rosinen, Aprikosen, Jujuben und Mandeln, alle 
ausserordentlich billig. So kann man vortreffliche Boainen 
in Turschis für weniger als 1 penny das Pfund haben. Grosse 
Massen werden nach Bussland exportirt. Die Askarija- 
Traube eignet sich vorzüglich zur Champagner-Fabrikation. 

Der Tabak ist in Chorassan von geringer Qualität, wahr- 
scheinlich wegen der Art seines Anbaues. Tebes allein 
producirt einen besseren, wegen seines Parfüms sehr be- 
liebten Tabak, der mit dem Schiras gemischt wird, um das 
Aroma zu erhöhen. 

Der Weizen von Chorassan ist gut und 700 Pfd. wer- 
den in Mesched mit 13| sh. bezahlt. Gerste kostet 8 sh 
die gleiche Quantität. Aus Mangel an Nachfrage wird kein 
Getreide ausgeführt, ausser in Chorassan selbst könnte 
man aber aus Seistan die grössten Quantitäten beziehen, 
denn dort wird so viel mehr gezogen als verbraucht, dass 
das Getreide kaum irgend einen Preis hat. Die Strasse 
von Mesched nach Seistan ist 476 Engl. Meilen lang und 
geht über folgende Orte: 



Die Begenverhältnisse der ArgentiniBchen Republik. 



I Entfer- 

nnng in 

lEngl. Min 



Stationen. 



Stationen. 

Seherifab&d, Dorf . . , 24 Birdjand, Dorf . 

Babat Sefid, unbewohnt I 20 Mnd, Dorf . . . 

Bebat i Mijandascht, Dorf i 16 , Sirbesehah, Dorf 

Turbct, Dorf . . . . ' 20 I Sahlahabad, Dorf 

Chimbad, Dorf . . . ! 24 Tark, Dorf . . 

Kajd, Dorf y 32 Nih, Dorf . . . 

Chaf, Dorf 20 Aliabad, Dorf 

Chidri, Dorf . . . . < 20 Bendan, Dorf . . 

Mnhammadabad, Dorf . , 28 Lab i ab, am See 

Tieliahak, Dorf . . . | 20 Daudi .... 

Die 436 Engl. Meilen lange Strasse ron Mesched Aber Menr naeh 
Buchara berfihrt folgende Stationen: 



Entfer- 

nnng in 

Engl. Min. 

24 
24 
24 
24 
32 
20 
24 
24 
40 
16 



Statloiian. 



Kuaknr . . 
Bebst i Main 
Masdoran 
Karah Kisti 
SsdakU . . 
Seraehs . . 



Palisak . . 
Tasch Bebat 



Entfer- 
nung in 
Engl. Min. 

16 
16 
28 
20 
20 
20 

24 

28 



Bemerkungen. 



Kleines Dorf. 



Wflste, unbewohnt 

»» f» 

Festung mit 2 Persischen Regi- 
mentern. 

Wflste, unbewohnt. 

Unbewohnt; kein Wasser ausser in 
Brunnen, die nur den Turko- 
manen bekannt aind. 



Stationen. 



Kutscha £nm 
Merw . . . 



Kaltschah 

Saritschah Awastschaluk 
Utsch fladji .... 

Bafahtah 

Ischak Bebat .... 
Karamal Chandh i Tscha- 

har Djug 

Tsohahar Djug . . . 

Labi Darja 

Alat 

Karakul 

Jakkalut 

Buchara 



nung in 
Engl. Min. 



28 
20 



20 
28 
28 
32 
20 

16 
8 
4 
16 
16 
16 
12 



Bemerkungen. 



Unbewohnt, Wasser nur in Brunnen. 

Schöner Fluss, Weidegrund. Seit 
der Zerstörung der Stadt vor 
70 Jahren durch den Emir yon 
Buchara ist das Fort wiederholt 
Ton den Persem hesetst gewe- 
sen. Dieser Ort war die Haupt- 
stadt des Kalifen Maimun und 
soll mehrere hundert tausend 
Einwohner gehabt haben. Jetit 
wohnen ungefähr 40.000 Teki- 
Turkomanen-Familien in und bei 
der Stadt. 

Unbewohnt. 



Dorf. 

Ufer des Ozus. 
Dorf. 



Grosse Stadt. 



Die Regenverhältnisse der Argentinischen Republik im Allgemeinen 

and der ungewöbnlich starke Begenfall in Tucuman zu Anfang des Jahres 1863 im Besonderen. 

Mitgeiheilt von Dr. Herrn. Burtneüter, 



Die BeobachtuDgen , welche ich über die Regenhöhe 
der verschiedenen Funkte der Argentinischen Bepublik, wo 
ich mich längere Zeit aufhielt, angestellt habe, sind im 
Auszüge in meinem Reisebericht und ausführlicher in einer 
Abhandlung niedergelegt, welche im VI. Bande der Schriften 
der Naturforschenden Gesellschaft zu Halle erschienen ist. 
Seitdem nach Buenos Aires zurückgekehrt fiind ich daselbst 
einen sehr sorgfältigen Beobachter, Herrn Manuel Eguia, 
mit Aufzeichnung aller meteorologischen Phänomene jedes 
Tages schon seit Jahren beschäftigt. Sehr bald mit diesem 
Tortrefflichen Manne befreundet stellte derselbe mir seine 
Beobachtungen für ähnliche Mittheilungen zur Verfügung 
und daraus wie aus älteren, eben so sorgfältigen, von 
Theod. MoBOtti leitete ich die Resultate ab, welche als 
ein Nachtrag zu jenem Aufsatze in den Schriften der Natur- 
forschenden Gesellschaft im VII. Bande veröffentlicht wur- 
den. Die Zusammenstellung dieser Beobachtungen geschah 
im Januar des Jahres 1862. Seitdem hat Herr M. Eguia 
hier in den öffentlichen Blättern seine Resultate für das 
Jahr 1862 bekannt gemacht, welche noch nicht der wis- 
senBchaftlichen Welt Europa's zugegangen sein dürften; 
diess und der ganz ungewöhnliche Regenfall, welcher sich 
im Februar des laufenden Jahres (1863) über die Provinz 

Petermaim*! Oeogr. Mittheilasgen. 1864, Heft I. 



Tucuman ergossen hat, veranlassen mich zu den folgenden 
Bemerkungen, in denen ich einleitungsweise die bereits 
gewonnenen Resultate zusammenstelle. 

Beginnen wir mit Buenos Aires, als der am besten 
bekannten Örtlichkeit, so ist das Resultat von sieben hier 
beobachteten Jahren mit den allgemeinen Erfahrunge n au f 
der Erdoberfläche ziemlich genau im Einklänge. A. Mühry 
setzt in seiner Allgemeinen Geographischen Meteorologie 
S. 163 die jährlich fallende mittlere Regenmenge für die 
Zone vom 25'' bis 40'' Br. zu 35 Zoll Wasserhöhe .an 
und die Beobachtungen in Buenos Aires ergeben 34,2 Zoll. 
Aber freilich ist der Ausfall in den sieben verschiedenen 
Jahren ein sehr verschiedener, er wechselt von 16,8 Zoll 
bis auf 51,5 Zoll, als den beiden Extremen, die hier in 
dieser Zeit wahrgenommen wurden. Unter den sieben 
Jahren sind nur 3 mit annäherungsweise normaler Regen- 
höhe, nämlich 1830 zu 35,3, 1832 zu 35,9 und 1834 
zu 32,5 ; die vier anderen Jahre zeigen sehr grosse Schwan- 
kungen, nämlich 1831 mit 16,8, 1833 mit 51,5, 1861 mit 
24,2 und 1862 mit 43,6. Hierbei fällt auf, dass das regen- 
reichste Jahr 1833 keineswegs auf das regenärmste 1831 
folgt, sondern erst ein normales Jahr zwischen beiden 
liegt, was die Nachtheile einer grossen Dürre, wie sie hier 

2 



10 



Die BegenverhältniBse der Argentinischen Bepublik. 



von Zeit zu Zeit sich einstellt, für den Landbau und die 
Yiehzacht erhöht. Freilich scheint diess nach den Erfah- 
rungen von 1861 und 1862 nicht immer der Fall zu sein, 
aber das laufende Jahr 1863 ist wieder ein trocknes, ob- 
gleich die Begenhöhe etwas grösser ausfallen wird als die 
vom Jahre 1831, aber wohl schwerlich grösser als die 
von 1861. Dieselben Erfahrungen sind in allen östlichen 
Provinzen der Argentinischen Eonföderation gemacht wor- 
den; dürre Jahre wechseln weit öfter mit normalen als 
mit übemassen und es ist überhaupt ein recht nasses Jahr 
nur ein sehr ausnahmsweises Vorkommen. 

In Bezug auf die Yertheilung des Regens über die 
verschiedenen Jahreszeiten gilt als Hegel, dass der Früh- 
ling die regenreichste Jahreszeit ist, der Winter die regen- 
ärmste und dass Sommer und Herbst einander ziemlich 
nahe kommen, in der Regel aber im Sommer noch etwas 
mehr Regen fällt als im Herbst. Als lijüittelzahlen der 
sieben Jahre ergeben sich nachstehende Resultate: 



Frühling 
Sommer 
Herbst . 
Winter. 



1830. 

16,68 
8,65 
5,46 
4,73 

35,86 



1831. 



1838. 



2,98 I 15,19 
4,40 I 2,43 



7,73 
16,88 




8,26 
10,06 I 
35,98 I 51,53 



1862. 


MitteL 


12,8 


12,0 


11,6 


7,0 


10,9 


9,2 


8,9 


ö.» 


43.6 


34,1 



In dieser Aufzählung erscheint zwar das Mittel des 
Herbstes höher als das des Sommers, aber nur weil der 
ungemein nasse Herbst des Jahres 1833 ein solches Über- 
gewicht hervorbringt, von den übrigen sechs Jahren haben 
vier einen regenreicheren Sommer als Herbst und darum 
darf man wohl diess Yerhältniss als das normale ansehen, 
zumal wenn man bedenkt, dass in dem Falle die Abnahme 
der Regenmenge vom Frühlinge bis zum Winter eine ziem- 
lich regelmässig fortlaufende ist, was sich auch nach der 
Beobachtung normaler Jahre als Mehrzahl und Norm 
ergiebt; darum habe ich mich für diese Auffassung ent- 
scheiden müssen. — Für die einzelnen Monate lässt sich 
übrigens durchaus kein sicheres Resultat aus den yorlie- 
genden Beobachtungen ableiten, indem bald der September, 
bald der Oktober der regenreichste Monat ist, mitunter 
aber auch der November. Der Januar ist gewöhnlich regen- 
ärmer als November und Februar und der regenärmste 
Monat in den meisten Fällen der Juli, in anderen der 
August oder gar der Mai (1861), selbst der April (1832). 
Die grösste Regenmenge während eines Monats beträgt 10,8 
für den September 1830, die geringste 0,09 für den Fe- 
bruar 1831, ein in jeder Hinsicht abnormes Yerhältniss, 
weil übrigens der Februar nicht regenarm zu sein pflegt 
Die trockensten Herbst- und Wintermonate (August 1831 
und April 1832) haben noch 0,2 Regenhöhe. Ein Monat 
ganz ohne allen Regenfall ist endlich in den sieben Jah- 
ren nicht vorgekommen. 



Mit den für Buenos Aires maassgebenden Verhältnissen 
stimmen die Resultate meiner Beobachtucgen in Paran^, 
der damaligen Hauptstadt der Eonföderation, ziemlich gut 
überein; ich fand während des Jahres 1858 bis 1859 eine 
auf 33 Zoll Wasserhöhe geschätzte Regenmenge, welche 
sich über 53 Regentage vertheilte. Von diesen 53 Tagen 
fielen 23 auf den Frühling, 17 auf den Sommer, 8 auf 
den Herbst und 5 auf den Winter. Nehmen wir an, .dass 
die Regengüsse im ganzen Jahre ziemlich gleichmässige 
gewesen wären, was der Wahrheit nahe kommt, so beträgt 
die Regenhöhe des Frühlings 12,5 Zoll, die des Sommers 
9 Zoll, des Herbstes 7,5 und die des Winters 4 Zoll, was 
ziemlich genau mit den Mittelwerthen, die wir für Buenos 
Aires aufgestellt haben, übereinstimmt. Wir können uns, 
glaube ich, mit diesem Ergebniss einstweilen, in Erman- 
gelung umfassender Beobachtungen, zufrieden geben und 
danach annehmen, dass die atmosphärischen Niederschläge 
in Entrerios noch eben so fallen wie bei Buenos Aires, 
was dann weiter zu dem Schlüsse einer allgemeinen Über- 
einstimmung der östlichen Seite des ganzen extratropi- 
schen Farand • Beckens einigermaassen berechtigt. Auch 
ist es hier im Lande sehr wohl bekannt, dass die jährli- 
chen Regengüsse in Gorientes, in Santa F^ und der Provinz 
Gordova bis an die Sierra nicht zahlreicher oder heftiger 
sind als etwa bei Buenos Aires oder Paran4; im Oegen- 
theil, man schreibt allgemein den letztgenannten örtlich- 
keiten zahlreichere und stärkere Regengüsse zu als den 
zuvor erwähnten. 

Anders stellen sich die Verhältnisse, wenn man weiter 
nach Norden und Westen in das auf dieselbe Weise sanft 
ansteigende Argentinische Tiefland hinaufgeht; dort begeg- 
nen wir völlig verschiedenen und zum Theil ganz eigen- 
thümliohen Erscheinungen. 

Zuvörderst habe ich eine gute Beobachtungsfolge aus 
dem Jahre 1857 bis 1858 für Mendoza, wo ich mich da- 
mals 13 Monate lang aufhielt Es gab während des gan- 
zen Jahres nur 39 Regentage, deren gesammte Regenhöhe 
ich auf 8^ Zoll Wasserstand anschlagen konnte. Von den 
39 Regentagen fielen 14 auf den Frühling, 18 auf den 
Sommer, 7 auf den Herbst, aber keiner in den Winter; 
diese Jahreszeit war ohne alle Regen, nur einige Male 
stellten sich starke Nebel ein, die einen sichtbaren Feuch- 
tigkeits-Niederschlag bewirkten, aber zur tropfbaren Kon- 
densation kam es nicht. Indessen ist das dort nicht ganz 
allgemeine Regel; ein anderer Beobachter, welcher mir 
seine Ergebnisse mittheilte, fand zwar nur 37 Regentage, 
aber davon fielen 5 auf den Winter, 4 in den Herbst, 
20 auf den Sommer und 8 auf den Frühling. Hiernach 
scheint der Sommer die regenreichste Jahreszeit zu sein und 
ihm in der Regel der Frühling an Höhe des Wasaer&Ues 



Die Begenverhältniase der Argentinischen Republik. 



11 



Qachznstehea. Auch war es nicht zu verkennen, dasB die 
Regen lange nicht die Stärke besassen, welche sie bei 
Farand und Buenos Aires erreichen können, denn hier 
habe ich, wenigstens bei Paran4, mitunter während der 
heftigsten Regengüsse etwas über 2 Linien Wasser in der 
Stande aufgefangen und bei Mendoza niemals mehr als 
1,8 Linie in der Stunde, denn die 63 Stunden, während 
welcher es an den 39 Tagen ger^net hatte, ergaben nur 
8^ Zoll Wasser, mithin nicht viel über 1,6 Linie als 
Dorchschnittsquantum für die Stunde. Ich schätzte die 
Begenhöhe des Frühlings auf 32 Linien, die des Sommers 
aaf 50, die des Herbstes auf 19 und die des Winters nur 
auf 1 Linie, während sie nach jenem anderen Beobachter, 
der Regen im Winter fallen sah, vielleicht 5 oder 6 Li- 
nien betragen möchte. Bemerkenswerth ist es endlich, 
dass die atmosphärischen Niederschläge bei Mendoza ge- 
wöhnlich ein Mal im Jahre, im Anfange des September, 
als Schnee auftreten, während bei Buenos Aires nie Schnee 
fallt und noch viel weniger bei Farand. Indessen habe 
ich auch in Gordora vereinzelten Schnee beobachtet, der 
freilich schon schmolz, so wie er fiel, während er bei Men- 
doza in der Regel, wenn er in der Nacht gefallen ist, bis 
zum nächsten Mittag liegen bleibt. 

Denselben allgemeinen Charakter eines sehr dürftigen 
atmosphärischen Niederschlags hat nun die ganze West- 
seite der Argentinischen Republik, und zwar in steigendem 
Grade, je weiter man nach Norden kommt. In San Juan 
regnet es schon viel seltener als in Mendoza und noch 
seltener in La Rioja, während in Gatamarca der Regen in 
manchen Jahren ganz ausbleibt. Überall ist es auch hier 
Regel, dass der Winter gar keinen Regen hat und die 
meisten Regen in den Sommer fallen, ganz wie bei Men- 
doza. Schnee giebt es schon in San Juan nicht mehr und 
noch viel weniger in La Rioja oder Gatamarca; an beiden 
Orten kennt man ihn nur auf den Gipfeln der benachbar- 
ten Qebirge, der Sierra Famatina und Sierra Aconquija, 
dagegen liegen die Thäler der benachbarten Gordilleren 
auch bei San Juan im Winter voll Schnee, wie noch weit 
mehr in der Höhe Mendoza's, wo der Schnee Monate lang 
li^en bleibt. Höher nach Norden, neben La Rioja und 
Gatamarca, kommen heftige Schneestürme auf dem Gordil- 
leren-Plateau im Winter vor, aber der Schnee liegt auch 
hier nur einige Tage oder höchstens eine Woche, obgleich 
er vom Winde gepeitscht in den Schluchten und Thälem 
zu bedeutender Höhe sich sammelt und viel länger liegen 
bleibt als auf der Hochfläche des Gebirges selbst. 

Verschieden von beiden Zonen, der östlichen und der 
▼estlichen, sind endlich die Regenverhältnisse der nörd- 
lichen Provinzen, wohin Tucuman, Salta und Jujuy gehö- 
ren. Ich kenne davon freilich nur Tucuman aus eigener 



Anschauung, aber es unterliegt keinem Zweifel, dass die 
anderen beiden in der Hauptsache sich eben so verhalten 
werden. Während des halben Jahres (vom Juli bis Fe- 
bruar) , welches ich mich daselbst aufhielt , habe ich die 
wichtigsten Jahreszeiten, den Schluss des Winters, den 
Frühling und die Hälfte des Sommers, genugsam kennen 
gelernt, um ein richtiges ürtheil über die Regenverhält- 
nisse der dortigen Gegend abgeben zu können; ich habe 
dabei erfahren, dass auch hier der Sommer der regen- 
reichste Zeitraum ist und der Winter gar keinen Regen 
hat In so fern stimmt also Tucuman mehr mit Mendoza 
als mit Buenos Aires überein, aber die Quantität des üatl- 
lenden Regens ist sehr viel grösser als die von Mendoza 
und wahrscheinlich auch grösser als die von Buenos Aires, 
wenn man die Mittelzahlen beider Orte betrachtet. Es 
gab in Tucuman im Jahre 1859 keinen Regentag im Juli, 
August und September, aber das hielt man dort selbst für 
abnorm , im September hätte es nach der allgemeinen Regel 
schon regnen müssen. Den ersten Regen beobachtete ich 
den 10. Oktober, wo er gegen Abend fiel, und ausserdem 
regnete es noch sechs Mal in demselben Monat; im No- 
vember regnete es acht Mal, im Dezember sieben Mal und 
im Januar ebenfalls sieben Mal. Der Quantität nach fiel 
der meiste Regen im November, nämlich 9,9 Zoll, der 
Oktober hatte nur 1,4 Zoll gegeben, der Dezember 6,4 und 
der Januar 6 Zoll. Da der Februar auch hier regenreicher 
ist als der Januar, so schätzte ich sein Quantum auf 8 Zoll, 
das des März auf 4 Zoll und das des April auf 3 Zoll, 
wonach die gesammte Regenhöhe des Jahres 38^ Zoll 
betragen würde. Diess ist für ein nach dem allgemeinen 
Urtheil der dortigen Bevölkerung trocknes Jahr eine ziem- 
lich beträchtliche Regenhöhe, welche uns zu der Annahme 
berechtigt, dass sie der Mittelzahl des jährlich bei Tucu- 
man fallenden Regens wohl ziemlich nahe kommen werde. 
Auf keinen Fall aber ist sie zu hoch gegriffen , eher zu 
niedrig. 

Diess sind also die normalen Regenverhältnisse der 
Argentinischen Provinzen; wir kommen nun zu den ab- 
normen, wie sie von Zeit zu Zeit in einzelnen Gegenden 
sich bemerkbar machen. 

Hier gilt als Regel für die östliche Zone, dass überaus 
heftige, lange anhaltende Regengüsse daselbst auch aus- 
nahmsweise gar nicht beobachtet sind, sondern dass viel- 
mehr sehr heftige Dürre in manchen Jahren sich einstellt, 
die dann in hohem Grade nachtheilig wird für die ge- 
sammte Agrikultur der Landschaft. Man rechnet unter 
5 Jahren hier zu Lande nur 2 gute und 3 schlechte und 
sieht in Zeiträumen von 12 bis 15 Jahren grosse Trock- 
niss sich wiederholen, die dem reichen Yiehstande des 
Landes mit Verderben droht und über die Hälfte bis zwei 



12 



Die Begenverhältnisse der Argentinischen Bepublik. 



Dritttheile der Häupter yeruichtet, aber nie habe ich von 
ganz abnormen Begenzeiten und Zerstörungen durch Was- 
sersnoth in der Provinz von Buenos Aires, Santa F^ und 
Entrerios reden hören, es sei denn ein ungewöhnlich hoher 
Stand des Rio Paranä, der indessen sein Wasser haupt- 
sächlich aus Brasilien bezieht, wo heftige und anhaltende 
Begenzeiten gewöhnlich sind. Auch bei Mendoza und im 
ganzen Westen der Konföderation sind Wolkenbrüche und 
anhaltende Regenzeiten unbekannt, wohl aber kennt man 
sie in den nördlichen Gegenden und in der Mitte des 
Argentiner Tieflandes, bei Cordova, wo die Sierra gleichen 
Namens aus dem Blachfelde mit mehreren Ketten sich er- 
hebt. Die Hauptstädte einiger dieser Provinzen liegen, 
wie Salta und Cordova, in engen Kesseln und kamen 
mehrmals in Gefahr, von den Wasserfluthen, die sich wäh- 
rend solcher Regenzeiten bildeten, buchstäblich fortgerissen 
zu werden; erst künstliche Vorrichtungen haben beide 
Städte vor der Wiederholung einer ähnlichen Katastrophe 
gesichert. — Die Stadt Tucuman liegt günstiger, auf 
einer weiten Ebene, 40 bis 50 Fuss höher als der Fluss 
Tala, welcher im Westen ^ Legua vom Orte fliesst, aber 
die weite Kiederung, welche sich von ihm bis zur Stadt 
hin erstreckt und die wegen ihrer Fruchtbarkeit am besten 
angebaut ist, kann leicht, wenn der Fluss auch nur ein 
Paar Fuss steigt, von ihm überfluthet und ihres schönsten 
Schmuckes, der blühenden Kultur, beraubt werden und so 
geschah es zu Anfang des Jahres 1863 durch eine Wasser- 
fluth, die an Grösse und Gewalt Alles übertroffen hat, was 
von ähnlichen Ereignissen bisher in diesem Lande bekannt 
geworden ist. Leider fehlen darüber gute und sichere 
Beobachtungen wissenschaftlich gebildeter Persönlichkeiten; 
es liegen nur Zeitungsberichte vor, die viele Lücken übrig 
lassen und aus denen ich das Nachfolgende geschöpft habe. 
In einem dieser Berichte, welcher vom 26. Februar 
datirt ist, heisst es, dass der Regen 22 Tage hinter einan- 
der mit solcher Stärke und Heftigkeit gefallen sei, wie 
man ihn nie zuvor bei Tucuman kennen gelernt habe. 
Der grösste Theil dieses heftigen Niederschlags fiel auf die 
nördliche Hälfte der Provinz, östlich von der Sierra Aoon- 
quija, wo der Rio Tala zwischen deren nördlichen Ausläu- 
fern noch auf dem Gebiet der Nachbarprovinz Salta ent- 
springt und von mehreren kleinen Bächen, die aus den 
benachbarten Sierren kommen, gespeist wird. Diese Bäche 
schwollen alsbald zu reissenden Strömen an und ergossen 
ihr Wasser mit solcher Gewalt in den Hauptfluss, dass 
derselbe über seine natürlichen, durchschnittlich 8 bis 
4 Fuss hohen Ufer trat und die umliegenden Gegenden 
Meilen weit unter Wasser setzte. Die Überfluthuog der 
dadurch in einen See verwandelten Niederung wuchs von 
Tage zu Tage und dehnte sich in Folge der beständigen 



Zunahme des Wassers immer welter nach Süden aus, so dass 
der Rio Hondo südlich von der Stadt eine Höhe erreichte, 
wie man bei ihm bisher noch nie gesehen hatte. Etwa 
1 Legua nördlich von Tucuman befindet sich neben dem | 
Fluss eine weite feuchte Niederung, welche von leichten i 
Höhen umgeben ist, in denen zahlreiche Yizcachas hausen, 
daher man diese Gegend, eine der am besten angebauten 
der Provinz, das Yizcacheral nennt. In diese Niederung 
drangen die aufgethürmten Fluthen und verwandelten die- 
selbe mit solcher Schnelligkeit in einen See, dass die Be- 
wohner kaum Zeit hatten zu flüchten, indem sie unmittel- 
bar in ihren Häusern selbst vom Wasser überrascht wur- 
den. Ungeheuere Sand- und Lehmmassen, welche die stür- 
mischen Wogen mit sich fortwälzten, drangen in die schön 
kultivirten Zucker-, Reis-, Tabaks- und Kleefelder, sie 
alsbald mit ihrem Schlamm so vollständig bedeckend, dass 
die Eigner nur aus den höheren Bäumen errathen konn- 
ten, wo ihre Besitzungen sich befanden. Weder Zäune 
noch Häuser, alle leicht aus Strauchwerk mit Lehmbewnrf 
gebaut, hielten Stand; im Nu waren sie fortgerissen und 
schwammen auf den schäumenden Wellen hinunter, ge- 
mischt mit allem möglichen Hausgeräth, das in ihnen sich 
befunden hatte. Manche der Einwohner, die sich auf das 
Dach ihres Rancho's gerettet hatten, weil ihnen keine an- 
dere Zuflucht übrig blieb, schwammen mit dem leichten 
Back davon und entkamen nur durch einen glücklichen 
Zufall, dass ein solcher Nachen hier oder da hängen blieb, 
dem drohenden Untergänge ; mehrere — man giebt ihre Zahl 
von dieser Gegend der Bevölkerung zu 10 an — ertranken, 
bevor sie gerettet werden konnten. Ausserdem wurde unter 
den nördlichen Distrikten besonders der von Buruyaco 
hart mitgenommen, wo die weite Niederung östlich vom 
Fluss dem Umsichgreifen der Überschwemmung nach allen 
Seiten hin kein Hinderniss in den Weg legt und die be- 
nachbarte Serrania vielfache Bäche zu seiner Vergrössernng 
entsendet, wie den Chorillo, der sich bei el Sauce eine 
Mündung in den Rio Sali (oder Tala) bildete. Der Bach 
von Cajon, welcher sein Wasser vom Westabhange der 
Serrania bezieht, schwoll so schnell an, dass er in kurzer 
Frist eine Fläche von 12 Leguas bedeckte und Sand und 
Felstrümmer über dieselbe ausschüttete. Viel Vieh, das 
auf den Niederungen weidete, gin^ dabei zu Grunde, denn I 
an einigen der tiefsten Stellen lag der Sand und Schlamm 
nach dem Rücktritt des Wassers 2 Yarne (über 5 Fuss) | 
hoch und unter ihm die begrabenen Leichen der ersäuften 
Häupter. Auch der Bach, welcher in den kleinen Fluss 
Calera, einen Ast des Sali, fällt, hat die seit Jahrhunder- 
ten an seinen Ufern wohnende BevölkeruDg verscheucht, 
trotzdem sie sich durch die hohe Lage ihrer Ansiedelun- 
gen Anfangs für sicher hielt; die Bewohner von Potrerillo 



Die Regenyerhältnlsse der ArgentiniBchen Republik. 



13 



und Jancal wurden eben so gut wie die der Ebene aus 
ihren Sitzen verjagt , als das Thal unter Wasser gerieth. 
Am Wege, der von Cedro-racu nach Chorillo fuhrt, haben 
ganxe Felsblöcke sich vom Gebirge abgelöst, weil das Was- 
ser mit solcher Gewalt in die Fugen des Gesteins drang, 
dass dasselbe seinen Halt verlor und herunterstürzte, wahr, 
icheinlich weil das Erdreich unter den Blöcken weggespült 
worden ist, auf dem sie ruhten. Jetzt liegen sie im Wege, 
den sie dadurch unpassirbar machen, gleichwie sie ein 
Haas zertrümmerten, das ihnen entgegen stand, nebst einer 
Schafheerde, die dabei gelagert war. Dieselbe Erscheinung 
ist noch an einigen anderen Stellen des Gebirges vor- 
gekommen. 

Die Stadt Tucuman selbst hat nicht gelitten, weil sie 
ziemlich hoch, 40 Fuss über dem Fluss, auf einer weiten 
Fläche liegt ; aber die ganze Niederung unter ihr ist über- 
fluthet und die darauf gegründete beste Hälfte ihrer Quin- 
ten and Plantagen vollständig vernichtet worden. Auch 
westlich von der Stadt, wo der kleine Bach des Manantial 
de Marloga fliesst, ist dieselbe Zerstörung erfolgt; die dort ^ 
liegenden zahlreichen Lohgerbereien haben nicht bloss ihre 
Grundanlagen, sondern auch den grössten Theil ihrer be- 
reits vollendeten Industrie verloren. Selbst das alte und 
feste Haus, in dem ich während meiner Anwesenheit da- 
selbst wohnte, ist bald nach der Katastrophe in Folgö der 
Durchweichung des Bodens zusammengestürzt. 

Aber am allerempfindlichsten ist die Ortschaft Leales, 
▼eiche «südöstlich von Tucuman am Bio Hondo liegt, 
Tom Wasser mitgenommen worden. Hier hatte sich die 
ganze in den nördlicher gelegenen Gegenden gefallene 
'Wassermasse mit solcher Gewalt zusammengehäuft, dass 
die sämmtlichen Häuser des Dorfes sammt der Kirche davon 
fortgespült wurden, nur drei etwas fester gebaute hielten 
den Stoss des anprallenden Stromes aus und blieben ste- 
hen. Das EreignisB erfolgte den 25. Februar Abends zwi- 
schen 7 und 8 ühr und überraschte die Bevölkerung so 
schnell, dass Yiele nicht Zeit hatten zu flüchten, sondern 
mit ihren Häusern fortgerissen wurden. Gegen 300 Per- 
sonen waren binnen \ Stunde obdachlos und irrten auf 
den erhabensten Punkten der Niederung umher, nach den 
Ihrigen suchend und auf Schutz gegen die steigenden Wasser 
hoffend, welche sie von allen Seiten umgaben. Das Ge- 
schrei und Wehklagen der Weiber und Kinder wurde 
überboten von dem Gebrüll des zahlreichen Viehs, das im 
Wasser stand oder watete und nirgends einen Bäckzug 
fand, nach dem es sehnsüchtig und laut brüllend aus- 
schaute. Yiele von diesen unglücklichen Thieren gingen 
tu Grunde und liegen mit Schlamm und Sand überschüttet 
auf dem Boden, der noch vor Kurzem reiche Saatfelder 
trag und mit den sorgfältigst gehaltenen Plantagen geziert 



war. Das ganze Dorf mit allen seinen Einwohnern ist 
buchstäblich zu Grunde gerichtet worden, obgleich während 
der Katastrophe selbst nur ein Paar Menschen ums Leben 
kamen. Aber der Schmerz, die Verzweiflung, der Hunger 
und die Entbehrungen, welche sich demnächst einstellten, 
haben Viele aufs Krankenlager geworfen, dem eine nicht 
unbedeutende Zahl endlich erlag. 

So lauten die Berichte über diese gewaltsame Kata- 
strophe, sie sind schrecklich genug, um auch die Theil- 
nahme fem wohnender lifitmenschen rege zu machen und 
zu verdienen. Aber für den wissenschaftlichen Forscher 
haben sie noch ein anderes Interesse, indem sie im Stande 
sind, ihm über Phänomene Aufschluss zu geben, welche 
vormals in entlegenen Zeiten auf ähnliche oder noch hef- 
tigere Weise eingetreten sein mögen. Mit Grund darf 
man annehmen, dass es solche von Zeit zu Zeit wieder- 
holte heftige Wasserfluthen gewesen sind, welche den 
gigantischen Thiergestalten ihren Untergang bereiteten, deren 
Beste wir gegenwärtig so häufig im La Plata-Becken be- 
graben finden und deren Gebeine von ähnlichen Fluthen 
mit fortgewälzt oder an Ort und Stelle, wo sie in ihnen 
starben, begraben worden sind. Es ist hier nicht der Ort, 
die verschiedenen Hypothesen zu prüfen, welche man über 
die Entstehung der grossen Pampas - Formation, derselben, 
in deren sandigen Mergel- oder Lehmschichten die ge- 
nannten Beste sich finden, bereits aufgestellt hat; nach dem 
Einen ist sie der Niederschlag in einem Meerbusen, nach 
dem Anderen eine Dünenbildung und nach der gewöhn- 
lichsten Annahme das Produkt eines grossen Flusses, der 
sich über das flache Vorland der Diluvial - Epoche ausbrei- 
tete. Aber alle drei Hypothesen erscheinen bei näherer 
Prüfung unhaltbar, schon die so enorme Ausdehnung über 
die ganze ebene Fläche des Argentinischen Tieflandes 
spricht dagegen. Darum habe ich mich immer zu der 
Ansicht, welche sich mir bei eigener Anschauung der ört- 
lichkeiten und Verhältnisse alsbald aufdrang, bekennen 
müssen, dass die Pampas-Formation ein Süsswasserprodnkt 
sei, an dem nur in der Nähe der Meeresküste oceanische 
Einflüsse sich geltend machen konnten. Ich glaube, dass 
die auf den älteren und ältesten Erhebungen des Argenti- 
nischen Beckens sich niederschlagenden atmosphärischen 
Gewässer es gewesen sind, welche das Material der Pam- 
pas-Formation herbeischafften und absetzten , und dass da- 
mals wie jetzt von Zeit zu Zeit wiederkehrende überaus ^ 
heftige Begengüsse es waren, die lokale, aber ziemlich weit 
ausgedehnte Überfluthungen des Tieflandes bewirkten, auf 
dem jene Biesenthiere der Vorzeit, das Mastodon, Mega- 
therium, Mylodon, Tozodon und Glyptodon, lebten. 

Sehr zu bedauern ist, dass man über die wirkliche 
Höhe des bei Tucuman gefallenen Begens gar keine pas- 



14 



Die Schwedische Expedition nach Spitzbeinen, 1861. 



senden Beobachtungen angestellt hat, ja nicht einmal Yer- 
muthungen darüber mit einiger Sicherheit sich aussprechen 
lassen. 22 Tage soll es hinter einander geregnet haben, 
aber das kann eben so gut an 22 Tagen heissen, wie volle 
22 Tage. Nach meinen Erfahrungen regnete es wäh- 
rend meiner Anwesenheit in Tucuman allerdings mitunter 
einen ganzen Tag, aber die meisten Regen dauerten nur 
1 bis 2 Stunden, daher kann ich nicht glauben, dass der 
Bogen unausgesetzt während der 22 Tage ge&llen sei ; aber 
gesetzt auch, es habe an jedem der 22 Tage nur ein Paar 
Stunden geregnet und zwar heftig, so giebt das schon 
eine ansehnliche Wasserhöhe, da nach meinen Erfahrungen 



durchschnittlich über 2 Linien Wassertiefe bei heftigen 
K^en daselbst zu fallen pflegt. Hätte es also auch nur 
4 oder an manchen Tagen 6 Stunden in jener Zeit gereg- 
net, so würde das schon eben so viele Zoll Begenhöhe er- 
geben, wie es Regentage gab, und damit allerdings eine 
enorme Quantität Wasser in der kurzen Zeit ge&llen sein. 
Indessen will ich das Urtheil über die fragliche Quantität 
Wasser kundigeren Beurtheilem überlassen und mich damit 
begnügen, ihnen das Phänomen so vollständig, wie es 
mir nach den vorhandenen Hülfsmitteln möglich war, zur 
eigenen Prüfung vorgetragen zu haben. 



Die Schwedische Expedition nach Spitzbergen, 1861. 

V. Astronomiaohe Ortsbestinunungen '). 



Herr 0. G. Lindhagen hat die von Herrn A. E. Nor- 
denskjöld angestellten astronomischen Observationen zu 
einer genauen geographischen Ortsbestimmung in dem nörd- 
lichsten Theile der Inselgruppe, Spitzbergens einer sorg- 
fältigen Berechnung unterworfen und dieselbe ausführlich 
bekannt gemacht in den Verhandlungen der Eönigl. Aka- 
demie der Wissenschaften 1863 (47 SS. gr. 4^), aus wel- 
cher Abhandlung hier im Auszüge die Besultate mit- 
getheilt werden. 

Die bei den Observationen angewendeten Instrumente 
waren folgende: 

1. ein sechszölliger Prismazirkel von Pistor; 

2. ein Box-Chronometer, bezeichnet Nr. 3194, und zwei 
Taschen-Chronometer, bezeichnet Nr. 8872 und Nr. 8873, 
alle drei von Frodsham; 

3. ein Quecksilber - Barometer , graduirt in Englische 
Zolle, und ein Aneroid-Barometer , graduirt in Millimeter; 

4. mehrere Quecksilber-Horizonte und Thermometer. 

Yen diesen Instrumenten verblieben das Box-Chrono- 
meter und das Quecksilber-Barometer während der ganzen 
Beise auf dem einen von den beiden Fahrzeugen der Ex- 
pedition und dienten dem zuvor gefassten Plane gemäss j 
nur als Normal-Instrumente, zu denen die Taschen-Chrono- 
meter und das Aneroid-Barometer bei passenden Gelegen- 
heiten durch Yergleichungen referirt werden soUten. Auf 
den Bootsreisen, bei denen Herr Nordenskjöld die Mehrzahl 
seiner Beobachtungen anstellte, wurden daher nur die 
letzterwähnten transportableren Instrumente unmittelbar 
angewendet; bisweilen, wenn astronomische Observationen 



>) Die früheren Abschnitte s. „Geogr, Mitth." 1863, SS. 24, 47, 
212, 401 f. 



in der Nähe des Ankerplatzes des grösseren Fahrzeuges 
angestellt wurden, wurde zur Berechnung der Refraktion 
das Quecksilber-Barometer abgelesen. 

Die Observationen wurden an den folgenden 29 Punk- 
ten angestellt. Die hier angewendeten Ortsnamen stimmen 
überein mit denen auf der von der Expedition entworfe- 
nen Karte, die dem nächstfolgenden Berichte beigegeben 
werden wird, doch ist den Schwedischen Benennungen 
stets eine Deutsche Übersetzung beigefügt. Die astrono- 
misch bestimmten 29 Punkte sind auf dieser Karte mit 
kleinen rothen Kreuzen bezeichnet. 

1. Aeoli kors (Äoli-Kreuz) an der Westseite der Treu- 
renberg-Bai. Der Observationsort war eine grosse ebene 
Felsplatte zwischen dem Kreuze und dem Strande, am 7., 
10., 13. (14.), 17., 21., 28. (29.) Juni — 6 Observationen. 

2. Parry's flaggstäng (P.-'s Flaggenstange) an der Ost- 
seite der Treurenberg-Bai, am 27. Juni. 

3. Fester udde (F. Spitze) auf New Friesland am 
Strande, am 29. Juni. 

4. Depot-ön (D.-Insel) in der Murchison Bucht, nörd- 
liche Spitze der Insel, am 5. Juli. 

5. Hvalön (Walfisch - Insel) in der Murchison Bucht, 
nördliches Ufer, am 6. und 6. Juli. 

6. Säludden (Seehundspitze) auf Stora Stenön (Ghrosse 
Stein-Insel) in der Murchison Bucht, südliche Spitze, am 
7. Juli (2 Observationen). 

7. Hvalross-udden (Walross - Spitze) in der Murchison 
Bucht, westliche Spitze, am 7. und 8. Juli (2 Observat.). 

8. Kalkredden (Kalkrhede) im Nordostlande, dicht am 
Ufer, am 10. und 11. Juli (2 Observationen). 

9. Hyperit-ön (H.-Insel), westliches Ufer, am 11. und 
12. Juli (2 Observationen). 

10. Fester ö (F. Insel), östlichste unter den Inseln 
am nördlichen Strande, am 12. und 13. Juli (2 Observ.). 

11. Strand am Schwarzen Berge (Svarta berget) im 
Nordostlande, am 13. Juli (2 Observationen). 



Die Schwedische Expedition nach Spitzbergen^ 1861. 



15 



12. Wahlberg ö (W. Insel), nördlicher Strand, am 
13. und 14. Juli (2 Observationen). 

13. LoY^n Berg, Strand in der Nähe des nördlichen 
Theiles des Berges, am 16. Juli (2 Observationen). 

14. Shoal Point, Strand an der westlichsten Spitze von 
Shoal Point, am '20. Juli (2 Observationen). 

15. Stelle am Strande zwischen der Bird- und Brandy- 
wine-Bay, am Pusse des Schneegipfels, am 22. und 23. Juli 
(2 Observationen). 

16. Low Island, Mitte der Bucht am nördlichen Strande, 
am 24. Juli (1 Observation). 

17. Nord-Kap auf dem Nordostlande, am Strande, etwa 
1000 Ellen südwestlich von der nördlichsten Spitze, am 
27. und 28. Juli (2 Observationen). 

18. Castrdn ö (G. Insel), nördlichste unter denselben, 
Mitte des westlichen Strandes, am 28. Juli (2 Observ.). 

19. Parry ö (P. Insel), Mitte der schmalen Landzunge 
an der SSdspitze der Insel, am 29. Juli (2 Observationen) 
und am 7. August (1 Observation). 

20. Martens ö (Märten Insel), Mitte des südlichen 
Strandes und etwas westlich von dem Punkte, wo das 
Tiefland beginnt, am 3. und 4. August (2 Observationen). 

21. Phipps ö (Ph. Insel), südliches TJfer, etwas östlich 
von der südwestlichen Spitze, am 6. August (2 Observ.). 

22. Extremhook, am Strande, etwa 1500 Ellen west- 
lich von der nordwestlichen Spitze, am 8. und 9. August 
(2 Observationen). 

23. Sabine ö (S. Insel), östlicher Strand der nörd- 
lichsten unter den Sabine's-Inseln, am 10. und 11. August 
(2 Observationen). 

24. Prinz Oskar Land, erster Ankerplatz am west- 
lichen Strande, am 12. und 13. August (2 Observationen). 

25. Ebendaselbst, Wendepunkt am östlichen Strande, 
am 14. und 15. August (2 Observationen). 

26. Scoresby ö (Sc. Insel), Gipfel der niedrigen Berg- 
höhe an der nördlichen Spitze der Insel, am 15. August 
(2 Observationen). 

27. Bränvinsbay (Brandjwine-Bay, Branntweins -Bai), 
Mitte des östlichen Strandes der Bucht, am 19. August 
(2 Observationen). 



28. Drifvedsredden (Treibeis-Rhede) in der Lomme-Bai, 
der schmale sandige Strand zwischen der Lagune und dem 
Meere, am 22. und 23. August (2 Observationen). 

29. Moffen, westlicher Strand der Insel, am 28. August 
(2 Observationen). 

Die Kesultate der Berechnungen des Herrn 0. G. Lind» 
hagen, geordnet nach der Länge, sind in der nachstehen- 
den Tabelle enthalten. Die Nummer vor jedem Ortsnamen 
verweist auf die obigen, nach der Zeitfolge geordneten Ob- 
servationen. 



Ortsnamen. 



29. Hoffen 

1. Äoli-Krens. 

2. Parry'B Flaggenstasge 

3. Foster Spitze 
14. Shoal Point 

28. Treibeis-Rhede . 

4. D^pdt-Insel 

5. Walfisch-Insel . 
Kalkrhede . 
Low Island 
Seehnnd-Spitie . 
Walross-Spitze . 
LoT^n Berg 
Hyperit-Insel 
Branntweins-Bai 
Foster Insel 

Stelle zwischen der 
nnd Branntweins-Bai 
12. Wahlberg Insel 

17. Nord-Kap . 
11. Schwarzer Berg 

18. Castr^n Insel 

22. Extremhook 

19. Parry Insel 
21. Phipps Insel 

20. Martens Insd 

23. Sabine Insel 
26. Scoresby Insel 

24. Prinz Oskar Land, I 

2Ö. 1» M 



8. 
16. 

6. 

7. 
13. 

9. 
27. 
10. 
15. 



Bird- 



U 



Breite. 


80« 


1' 


6- 


79 56 31 1 


79 


55 


20 


79 57 


50») 


80 


8 31 : 


79 


26 


22 


79 


59 


51 


80 


1 


9 


79 52 


34 


80 20 


11 


80 


1 


58 


80 


48 1 


79 


24 


57 


79 42 


35 


80 


17 


59 


79 


35 


3 


80 


24 


26 ; 


79 


23 


15 ' 


80 31 


48 1 



ÖstL L ▼. Gr. 



79 28 36 

80 29 47 
80 24 20 
80 36 50 
80 40 11 
80 89 18 
80 17 57 
80 22 22 
80 19 4 
80 25 52 



in Zeit. 


in Bogen. 


0''57""48' 


14027' 0* 


1 7 13 


16 48 15 


1 7 33 


16 53 15 


1 8 25 


17 6 15 


1 11 6 


17 46 SO 


1 12 19 


18 4 45 


1 12 25 


18 6 15 


1 13 5 


18 16 15 


1 13 24 


18 21 


— ') 





1 14 31 


18 37 45 


1 15 26 


18 51 30 


1 15 33 


18 53 15 


1 15 35 


18 53 45 


1 17 50 


19 27 30 


1 17 51 


19 27 46 


1 18 13 


19 33 15 


1 20 8 


20 2 


1 20 22 


20 5 30 


1 20 36 


20 9 


1 21 13 


20 18 15 


1 21 46 


20 26 80 


1 23 25 


20 51 15 


1 23 59 


20 59 45 


1 25 32 


21 23 


1 25 51 


21 27 45 


1 26 17 


21 34 15 


1 29 46 


22 26 30 


1 38 52 


23 28 



^) Die Breite von Foit«r Spitie angenommen nach Parry. 
*) Die Obserration der Lange Ton Low laltnd unsicher. 



^^,^\^^^'^^^\^t^\^^>^'^'^>^^'^i^>^^'>^'i^y^^>^<^'^'<^'^ 



Neue Karte von den Britischen Inseln und dem umliegenden Meere, von A. Petermann '). 

Bie Spezial- Topographie des Seebodens um Nordwest -Enrppa. 



Hanptkarte im Maasastabe von 1:3.700.000. 
Nebenkarten: 1. London und Umgebung, Mst. 1:150.000, 

2. Helgoland und die Dflne, Mst. 1 : 150.000, 

3. Helgoland, Mst. 1:50.000, 

4. Ansicht des Felsens Bockall. 

Der Plan und Entwurf der neuen Bearbeitungen für 
Stieler's Hand-Atlas geht unter Anderem von dem Bestre- 
ben aus, in der gebotenen Grösse nnd Ausdehnung des 



^ In der 27. Lieferung der neuen Ausgabe Ton Stieler'B Hand- 
Atlas, Gotha, Juatus Perthea, 1864. (Auch einsein lu haben, kolorirt 
5 8gr.) 



Werkes eine möglichst grosse Beichhaltigkeit kartographi- 
scher Information zu erzielen und von dem Baume eines 
jeden Eartenblattes einen bestmöglichen Gebrauch zu ma- 
chen, ohne gleichzeitig der Übersichtlichkeit und Deutlich- 
keit Abbruch zu thun. In Yerfolgung dieses Bestrebens 
ist daher nicht bloss Alles vermieden worden, was zu 
nutzlosen Wiederholungen in den dargestellten Länder- 
gebieten fuhren würde, sondern es sind auch die zu einer 
jeden Abtheilung derselben gehörigen Kartenblätter so ein- 
gerichtet, dass sie einander ergänzen und als streng zu- 



16 



A. Petermann's neue Karte von den Britischen Inseln und dem umliegenden Meere. 



sammengehörig betrachtet sein wollen. So enthalten z. B. 
die im vorigen Jahre publicirten neuen Bearbeitungen der 
3 Karten von England, Schottland und Irland in einem Sinne 
zwar eine vollständige Darlegung der Britischen Inseln, 
im anderen aber sind sie in mehr als einer Beziehung 
unvollständig und unabgeschlossen ohne das jetzt vorlie- 
gende Übersichtsblatt. Wir konnten auf jenen 3 Blättern 
in Cartons Spezialkarten der Umgegend von Edinburgh, 
Dublin und den Eillarney - See'n geben, der Baum gestat- 
tete uns aber nicht, London und Umgebung, obgleich wich- 
tiger als diese drei Funkte, in ähnlicher Weise darzustel- 
len. Die Metropolis des Gross - Britannischen Eeiches, die 
grösste Stadt der Erde (deren Bevölkerung etwa doppelt 
so gross ist als diejenige von ganz Australien und Poly- 
nesien), der Mittelpunkt des Welthandels, — musste auf 
das vorliegende Übersichtsblatt der Abtheilung Gross- 
Britannien verwiesen werden. 

Eben so konnten erst in diesem Blatt, bei völliger Aus- 
lassung des so dicht gedrängten Eisenbahn- und Wege- 
netzes, die natürlichen Grundzüge des Landes, Flussnetz 
und Terrain, in Wünschenswerther Klarheit und Promi- 
nenz und im Anschluss daran die Topographie des umlie- 
genden Meeres dargestellt werden. 

Die Ausdehnung des vorliegenden Blattes ist von den 
Shetland - Inseln und Christiania im Norden bis zu den 
Kanal-Inseln im Süden, vom Rookall-Felsen im Westen bis 
zur Kieler Bucht und Hamburg im Osten. Über die von 
ims für England, Schottland und Irland benutzten karto- 
graphischen Quellen haben wir uns bei Ausgabe der 3 frü- 
heren Blätter verbreitet '). Wie schon bemerkt, ist für die 
/ innere Geographie der Britischen Inseln die Darstellung 
hauptsächlich des hydrographischen Systems nebst den 
Haupt -Kanälen und des BodenreUefs mit den wichtigsten 
Höhenangaben daä Ziel der Zeichnung gewesen; von Ort- 
schaften sind meist nur die grösseren mit über 10.000 Ein- 
wohnern eingetragen und die Abgrenzung der Grafschaften 
ist selbstverständlich ganz weggelassen. 

Die Spezialpläne von London und Umgebung, von Hel- 
goland und der Düne sind im Mst. von 1 : 150.000, demsel- 
ben, der den Spezialplänen von Edinburgh und Umgegend 
(Bl. Id«" des Atlas), von Dublin und Dublin - Bai (Bl. 15^), 
Sydney und Port Jackson (Bl. 50^) so wie von Gibraltar 
(Bl. 10, der in Lieferung 28 zu publicirenden Karte vom 
Westlichen Mittelmeer) zu Grunde liegt. Der Plan von 
London erstreckt sich von Highgate im Norden bis Syden- 
ham und dem Krystall- Palast im Süden, von Fulham und 
Wandsworth im Westen bis Greenwich im Osten. Er ist 
nach umfangreichem Material und den neueston Aufnahmen 



1) 8. „Qeogr. Mitth." 1862, S3. 182, S07, 844. 



(unter Anderem den zahlreichen Spezialplänen im Dispatch 
Atlas) mit allem in diesem Maassstabe möglichen Detail 
ausgeführt und weist ausser einer reichen Nomenklatur 
durch eine Legende 39 der wichtigsten und orientirend- 
sten einzelnen Punkte dieser Riesenstadt nach. Die Ei- 
senbahnen , welche allmählich das ganze Häusermeer wie 
mit einem dichten Netze überspinnen, sind durch Kolorit 
besonders hervorgehoben und nach zwei Klassen — über- 
irdische und unterirdische — unterschieden. Die unterirdi- 
schen Eisenbahnen Londons gehören zu den grossartigsten 
und erfolgreichsten Unternehmungen der neuesten Zeit. 

Der Plan von Helgoland und der Düne ist nach der 
grossen Aufnahme von Commander F. A. Cudlip im J. 1855 
und zeigt das höchst interessante Belief des Seebodena 
rings herum in äquidistanten Tiefenlinien von«Faden zu 
Faden. Bei dem zweiten Plane von Helgoland in drei 
Mal grösserem Maassstabe (1:50.000) ist ausserdem die 
Aufnahme von T. Bodowicz' (Berlin, S. Schropp & Co.) 
benutzt. 

Rockall oder Rokol, nach Raper in d?"" 36' N. Br. 
(also etwa in der von* Invemess), 13** 41' W. L. v. Gr., 
50 Deutsche Meilen von den äussersten Hebriden entfernt, 
ist ein isoUrter, von den Seewegen abseits liegender, daher 
von Schiffen nur selten berührter einzelner Felsen, die 
nur wenige Fuss über die Oberfläche des Meeres ragende 
Spitze eines unterseeischen, mit den Hebriden parallel lau- 
fenden Gebirgskammes. Man hat in Deutschland darüber 
gefaselt, diesen Felsen, dessen Umgebung einen zeitweiligen 
Fischreichthum aufweist, zu einem Centrum Deutscher Fische- 
reien zu machen. Wenn wir aber bemerken, dass abgesehen 
von der Entlegenheit und dem gefährlichen, durch Klip- 
pen unterbrochenen Fahrwasser in seiner Nähe der Felsen 
nicht einmal von den Fischern der am nächsten gelegenen 
Küsten Schottlands und Irlands des Besuches und der 
Ausbeutung für werth erachtet wird, so liegt auf der Hand, 
dass er für die wenigstens fünf Mal entfernteren Küsten 
Deutschlands gar keinen Werth haben dürfte. Geographisch 
ist Rockall entschieden von Interesse und desshalb geben 
wir eine Abbildung nach einer neueren Englischen Zeich- 
nung. 

Die vorliegende Karte beansprucht jedoch hauptsächlich 
deshalb Beachtung, weil in ihr zum ersten Male der Ver- 
such gemacht worden ist, den Seeboden dieses Theiles des 
Meeres in spezieller und dabei übersichtlicher Weise zu 
veranschaulichen. Wenn der heutige Standpunkt der Kar- 
tographie zu verlangen berechtigt ist, dass in neuen At- 
lanten auch die Geographie des Meeres, der grossen Brücke 
des Vblkerverkehres und des Welthandels, mehr Berück* 
sichtigung finde als früher, so muss diess gerade auf den. 
in unserer Karto enthaltenen Theil die erste und meiste 



A. Petermann's neue Karte von den Britischen Inseln und dem umliegenden Meere. 



17 



Anwendung finden, da kein anderer Theil des Weltmeeres 
TOQ der Schififfahrt so frequentirt, kein anderer so genau 
untersucht worden ist. Die Seitens der Französischen, Bei- 
g;i8chen, Niederländischen, Deutschen, Dänischen, Norwegi- 
schen, ganz besonders aber der Englischen Marine Tor- 
genommenen Lothungen in der Nordsee und den die Bri- 
tischen Inseln umgebenden Theilen des Atlantischen Oceans 
bieten uns für die Konfiguration des Seebodens umfang- 
reichere Daten als vielleicht die Höhenmessungen irgend 
eines hypsometrisch genau erforschten Landes für dessen 
Oberfiächen-Gestaltung und Terrain- Verhältnisse. Die Öster- 
reichische Monarchie steht an der Spitze derjenigen grös- 
seren Länder, die für die Hypsometrie ihres Gebiets viel 
geleistet haben, und man rechnet die Total -Summe aller 
bisher in der Monarchie bestimmten Höhenmessungen auf 
etwa 18.000 <); wollte man die Zahl der Tiefenmessungen 
innerhalb unserer Karte berechnen, so würden gewiss Mil- 
lionen herauskommen. 

Das Ergebniss dieser Daten war bisher noch nicht zum 
Nutzen der allgemeinen Geographie zusammengefasst und 
veranschaulicht. Man hatte auf verschiedenen Karten An- 
deutungen der Tiefenverhältnisse gemacht, aber in unzu- 
reichender, dem Stande unserer Kenutniss nicht entspre- 
chender Weise. Dass die Britischen Inseln auf einer gros- 
sen Platte oder einem unterseeischen Hochlande stehen, 
welches nur wenige 100 Fuss unter der Oberfläche des 
Meeres liegt und welches dieselben mit dem Kontinent 
Yon dem westlichsten Vorgebirge Frankreichs bis zur nörd- 
lichsten Spitze Dänemarks verbindet, das wusste schon 
lange ein jeder Schulknabe, da dieses Factum in guten 
Schttl-Atlanten wie Stieler längst gezeigt wurde, aber man 
kannte wenig oder gar Nichts von den höchst mannigfal- 
tigen Terrain - Formen der Platte selbst. Zwar gab schon 
vor länger als 40 Jahren Robert Stevenson^) eine Über- 
sicht der Tiefenverhältnisse der Nordsee, dann Whewell 
nnd Lubhock derjenigen der Meerestheile innerhalb unserer 
Karte ^), eben so Scott Russell in Johnston's Physical Atlas 
(erste Ausgabe), J. M. Ziegler in seinem Hypsometrischen 
Atlas, wir selbst in unserem Physikalischen Atlas (Petermann 
& Milner, London 1850), in: Maps illustrative of the Bri- 
tish Empire (London, National Society, 1851), Inder alten 
Auflage des StieWschen Atlas- Blattes (seit 1855) u. s. w. 
Alle diese Darstellungen waren aber ent^idcr höchst man- 
gelhaft und nach veraltetem Material odur zu generell ge- 
halten und bloss den grossen Abfall im Atlantischen Ocean 

') „Geogr. Mitth." 1863, Heft XI, S. 434. 

^ Edinburgh Pbilosophical Jonrnal, vol. III, 1820. Auch in 
Deutschland bekannt geworden durch Berghaua' Kritischen Wegweiser, 
Bd. 5, 1833, S. 321 C nebst Karte. 

') Reproducirt in Berghaus' Physikalischem Atlas, Abtheilung Hy- 
drographie, Karte Nr. 2. 

Petermann's Oeogr. Mittheilungen. 1-864, Heft I. 



[ westlich von den Britischen Inseln zeigend, oder nicht 
I übersichtlich und kein Bild gewährend, wie es auch die 
i Seekarten selbst sind, die Quellen, die einer jeden solchen 
I Arbeit zu Grunde liegen müssen; auf ihnen sind die Tie-* 
fen entweder bloss durch dicht gedrängte Zahlen oder 
höchstens durch einzelne Tiefenlinien bezeichnet, aus wel- 
chen beiden sich nicht unmittelbar eine Gesammtübersicht 
oder ein Bild gewinnen lässt. Alle diese bisherigen Ver- 
suche bewiesen aber so viel, dass eine solche Karte schon 
lange ein wahres Bedürfniss in der kartographischen Lite- 
ratur sei. 

Indem wir in unserer Arbeit einen neuen Versuch in 
Darstellung der Tiefenverhältnisse in jenen Meeren mach- 
ten, wünschten wir einen Schritt weiter zu gehen, als es 
in den bisherigen geschehen war; unser Ziel war daher: 

1. das höchst umfangreiche Material aller bisherigen 
Tiefenmessungen in den betre£Penden Meerestheilen 
gewissenhaft zu verarbeiten, 

2. das Resultat in äquidistanten Tiefenlinien von 10 
zu 10 Faden bis zur Tiefe von 100 Faden und aus- 
serdem durch viele einzelne Zahlen darzustellen und 
auf diese Weise für alle allgemeinen Zwecke der Geo- 
graphie eine hinreichende Detail-An schauung zu er- 
zielen, 

3. endlich das so gewonnene Resultat von 12 verschie- 
denen Tiefenschichten durch eine zwölffache Schatti- 
rung übersichtlich zu machen, so dass sich das Bild 
in einem Augenblick übersehen lässt. 

Unsere Karte bildet daher vornehmlich eine unter- 
seeische Schichtenkarte in grösserem Detail als irgend eine 
bisherige Karte desselben Gebiets. Überseeüehe Schichten- 
karten sind in neuerer Zeit bekanntlich sehr in die Mode 
gekommen und zur grössten Wichtigkeit für die Kartogra- 
phie und Geographie erhoben worden. Diese Wichtigkeit 
lässt sich auch gar nicht leugnen, es sind aber so viel- 
fache Schwierigkeiten mit der Ausführung solcher Karten 
verknüpft, dass der Nutzen ihrer Anwendung bisher in 
den allermeisten Fällen ein sehr fraglicher war, ja dass 
eine gewisse geist- und gedankenlose und leichtfertige 
Anwendung von Isohypsen und Schichten geradezu ein 
entgegengesetztes Resultat herbeiführte, d. h. zum Nach- 
theil wurde und gar keinen Nutzen irgend einer Art stif- 
tete. Da, erstens, Isohypsen zusammenhängende, in sich 
zurücklaufende Linien sind und die Erhebungen des Bo- 
dens schärfer und bestimmter ausdrücken als irgend eine 
andere Manier der Bergzeichnung, so müssen ihnen vor 
Allem sehr viele und genaue Höhenmessungen zu Grunde 
liegen, wenn sie nicht blosse phantastische, nutzlose und 
irreführende Linien sein sollen. Da ,' zweitens , die auf 
dem Papiere so scharf, bestimmt und mathematisch genau 

s 



18 



A. Petermann'B neue Karte von den Britisclien Inseln und dem umliegenden Meere. 



aussehenden Isohypsen in der Natur gans unsichtbar und 
gar nicht vorhanden sind, gegenüber der gewöhnlichen Ter- 
rain-Zeichnung , die nur die dem Auge wahrnehmbaren, 

'deutlich ausgeprägten Formen der Erdoberfläche veranschau- 
licht, 80 müssen die Isohypsen schon dicht und in gerin- 

,gen Abständen gezeichnet werden, um eine einigermaassen 
ausreichende und deutliche Vorstellung der Natur zu geben. 
Beide Bedingungen genügen aber keineswegs, um ein hin- 
reichend brauchbares, sofort übersichtliches und plastisches 
Bild zu erzielen. Die einzelnen Höhenschichten müssen 

.vielmehr durch Farbentöne so abgestuft schattirt werden, 
dass man die Aufeinanderfolge der Höhenkurven sofort 
erkennen und übersehen kann. Bei der technischen Aus- 
führung dieses Erfordernisses beginnt aber eine der grössten 
Schwierigkeiten der Schichtenkarten: verschiedene Farben 
geben nicht das plastische und in der Abstufungs- Skala 
gleich richtige Bild als die verschiedenen Töne einer ein- 
zigen Farbe und ausserdem sind sie nur für lithographi- 
schen Druck anwendbar; schwarze Schraffirtöne aber bieten 
besondere technische Schwierigkeiten, schon deshalb, weil 
sie alles Andere auf der Karte undeutlich und unleserlich 
machen. 

Wir haben auf unserer Karte eine Funktirung aus 
freier Hand angewandt, als die einzige Manier, welche 
das Detail der Seeboden - Zeichnung in allen Abdachungs- 
stufen deutlich zur Anschauung bringt, dabei das Totalbild 
der grossen Plateau-Bildung unbeeinträchtigt und ungestört 
lässt und die Schrift einschliesslich der vielen Tiefenzah- 
len nicht unleserlich macht, wie es durch Schrafflrtöne 
der Fall sein würde; diese Punktir - Manier bot freilich 
für den Stecher eine höchst mühevolle und langwierige 
Arbeit, welche nebst der zeitraubenden Zeichnung und dem 
übrigen Stich zur Folge hatte, dass eine lange Zeit von 
gegen 3 Jahren über der Herstellung dieses einen Blattes 
verflossen ist. Es schien uns jedoch der Mühe werth, 
den Versuch zu machen, in dieser Karte einen Schritt 
weiter zu gehen, als bisher geschehen war. 

Die so gewonnene Anschauung lässt sich mit kurzen 
Worten folgendermaassen andeuten. Das Secboden-Flateau, 
auf dem die Britischen Inseln stehen und welches in der 
1 00-Fadenlinie eine gute Begrenzung findet, fällt in einer 
Eatfernung von durchschnittlich 20 bis 50 Meilen ^) von 
den Westküsten Irlands und Schottlands rasch ab und 
erreicht schon 80 Meilen westlich von Erris Head in etwa 
54 J" N. Br. die Tiefe von 1380 Faden oder 8280 Fuss, 
beinahe doppelt so viel als die Höhe der höchsten Berge 
Britanniens. Im Osten erstreckt es sich bis Dänemark, 
im Süden bis Frankreich und im Norden bis zu den 



*) £• lind hier immer ntntiacbe Meilen gemeint. 



Shetland- Inseln, im Nordosten aber wird es durch eine 
tiefe Einsenkung von Skandinavien getrennt, welche in 
einer Breite von 30 bis 60 Meilen die Skandinavische 
Küste bis zum Meridian von Christiania umgiebt und Tie 
fen bis zu 430 Faden oder 2580 Fuss aufzuweisen hat. 
Wenigstens ist diess die grösste bisher vorgenommene 
Lothung in dieser Skandinavischen Binne; es sind jedoch 
daselbst bis jetzt nur sehr wenige Lothungen angestellt, so 
dass man über die detaillirten Tiefenverhältnisse jener Rinne 
unterhalb der 1 00-Fadenlinie so gut wie Nichts weiss. 

Das so umschriebene Seeboden-Flateau hat eine grosse 
Mannigfaltigkeit von geringeren Unebenheiten in sich auf- 
zuweisen: in allen möglichen Formen und Ausdehnungen 
bilden sich hier verhältnissmässig tiefe lange Rinnen, dort 
rundliche Löcher, selbst hufeisenförmige Senkungen, an 
anderen Stellen erhöhte Platten, breite Terrassen und lang 
gestreckte Bänke. Die bedeutendsten Unebenheiten befin- 
den sich jedoch an der Westküste von Schottland, von 
ihrem südlichsten bis zu ihrem nördlichsten Vorgebirge; 
hier ist der Seeboden an vielen Stellen tiefer als 100 Fa- 
den und weist Lothungen bis zu 149 Faden auf. Nach 
allen bisherigen Karten musste man vermuthen, dass der 
Seeboden an der Westküste Schottlands sich eben so all- 
mählich abdache als an allen übrigen Gestaden der Briti- 
schen Inseln, allein gerade hier fällt derselbe aller Orten 
in analoger Weise eben so plötzlich ab, als die Ufer der 
reich gegliederten Küsten und der dazu gehörigen Inseln 
jäh über den Meeresspiegel aufsteigen. Es ist diess ein 
Resultat der neueren Englischen Admiralitäts - Aufnahmen 
seit 1838 *) ; bisherige Darstellungen stützten sich fast nur 
auf die Aufnahmen des Captain Yidal in den Jahren 1830 
und 1831 2), welche eben dieses Gebiet ganz unberührt 
Hessen. 

Der tiefe Seeboden, mit dem wir es hier zu thun ha- 
ben, erstreckt sich vom Mull of Galloway, dem südwest- 
lichsten Kap Schottlands, und dem Kap Wrath, seinem 
nordwestlichsten Vorgebirge, bis zur Nordostküste Irlands 
und der Ostküste der Hebriden und bietet auf den ersten 
Blick ein Labyrinth von Becken und Rinnen; denn so 
zahlreich die tief einschneidenden Buchten und Fjorde, so 
weit zerstreut die vorliegenden Eilande und Inselgruppen, 
eben so mannigfaltig ist auch die Topographie des See- 
bodens in und um ihnen. Doch bietet dieselbe gewisse 
Grundzüge, zufolge deren man alle diese Unebenheiten in 
zwei Gruppen, die inneren und die äusseren, zusammenfas- 
sen kann. Die äusseren oder westlich liegenden Vertiefungen 
treten in zwei tiefen Kinnen auf, von denen die eine sich 

«) 8. „Oeogr. Mitth." 18C2, SS. 344 ff. 

') The Banks of Soondings tu the Wettward of the British Is- 
lands, London 1833. 



A. Petermann'g neue Karte von den Britbchen Inseln und dem umliegenden Meere. 



19 



hart an der Ostküste der Hebriden entlang, die andere 
durch den Nord-Kanal hinzieht, denjenigen Meeresarm, der 
Irland von Schottland trennt. Die nördlichere dieser Rinnen 
beginnt in 56 J** N. Br. und 8' W. L. v. Gr. in gegabel- 
ter Form, zieht sich in einer Längenaasdehnung von etwa 
150 Meilen darch die Barra Fassage, die Little Minch und 
die North Minch und isolirt die Hebriden von Schottland 
liemlich vollständig. Mit Tiefen von 102 Faden im Süden 
beginnend erreicht die Rinne in der Barra Fassage nahe 
bei Barra Head 131 Faden, in der Little Minch 107 Fa- 
den und in der North Minch 102 Faden. Die Little 
Minch wird von der North Minch durch eine unterseeische 
Gebirgskette getrennt, welche Harris mit der Insel Skye 
Terbindet, jedoch nahe an der Küste von Harris eine 
schmale Vertiefung lässt, deren geringste Tiefe immer noch 
54 Faden beträgt. 

Zwischen dieser Rinne, die man die Hebriden - Rinne 
nennen könnte, und derjenigen im Nord-Kanal, für welche 
kurzweg der Name Irische passt, liegt ein dem Standpunkt 
der Kenntniss seines Seebodens nach mare ineognttum, die 
einzige Stelle in den Britischen Meeren, die bis jetzt noch 
nicht vollständig ausgelothet worden ist; die zahlreichen 
Englischen Ad miralitäts - Karten bilden in diesem Gebiete 
ein leeres Blatt, selbst auf den neuesten Seekarten ist 
zwischen dem westlichsten Kap der Insel Islay bis Barra 
Head nicht Eine Tiefenzahl zu bemerken. Die einzigen 
ans bekannt gewordenen Sondirungen in diesem Theile 
finden sich auf einer privatim erschienenen grossen See- 
karte von J. und A. Walker ^), nach welchen es uns als 
wahrscheinlich erscheint, dass dieser Raum etwa in der 
Breite von 56* N. von einer von West nach Ost laufen- 
den Rinne durchfurcht wird, welche sich gegen und zu 
beiden Seiten der Insel Mull nach der Hauptküste Schott- 
lands hinzieht. 

Die Irische Rinne beginnt nördlich vom Giant's Cause- 
way und zieht in einer Längenausdehnung von etwa 
100 Meilen durch den Nord-Kanal bis gegen die Insel Man 
bin. Ihre grössten Tiefen sind : im nördlichen Theile dicht 
bei der Rathlin-Insel 133, im südlichen zwischen Belfast 
und Fort Fatrick 149 Faden oder 894 Fuss, gleichzeitig 
die grösste Tiefe, die bis jetzt innerhalb des Seeboden- 
Plateau's der Britischen Inseln gefunden worden ist. 

Die Irische Rinne setzt sich in schwächeren Abdachun- 
gen und mit Maximum-Tiefen von 83 Faden südlich fort 
durch die Irische See, den St. Georg -Kanal und darüber 
hinaus, indem sie die östliche Hälfte jenes Centralbeckens 
so wie die Cardigan-Bai und den Bristol- Kanal abgeflacht 

*) Cbart of the West Coast of Scotland, the Levis or Western 
Islands, and the North Coast of Iroland. Drawn from the moat recent 
docamenta bj J. ft A. Walker, London, 1. Januar 1853. 



zur Seite lässt, so dass eine gerade Linie, von Land's End, 
der südwestlichen Spitze Englands, durch das südwestliche 
Kap der Insel Man bis zur Küste von Süd- Schottland ge- 
zogen, ziemlich genau ihre Ostgrenze und die Westgrenze 
der drei grossen flachen Buchten Englands bildet. 

Beide Rinnen bilden somit eine zusammenhängende 
Reihe von Vertiefungen, die in meridionaler Richtung vom 
50. Parallel westlich von Land's End und den Scilly-In- 
seln bis zum 59^ N. Br. das unterseeische Plateau in einer 
Ausdehnung von mehr als 600 Meilen durchschneiden und 
Irland und die Hebriden viel mehr von Gross - Britannien 
scheiden, als dieses von den kontinentalen Küsten geschie- 
den ist. Wäre das Meeresniveau nur 250 Fuss niedriger, 
so könnte man z. B. trockenen Fusses von Hamburg in 
gerader Linie über die ganze Nordsee bis Mewcastle, 420, 
oder bis zur Insel Man, 530 Meilen weit, spazieren, wah- 
rend in jenen longitudinalen Rinnen Tiefen bis zu 894 Fuss 
vorkommen. Diese Rinnen umfassen die äusseren Vertie- 
fungen an der Westküste Schottlands und es bleibt uns 
noch übrig, diejenigen zu bezeichnen, welche wir die tn- 
neren genannt haben. 

Es bilden diese letzteren ein besonders charakteristi- 
sches Merkmal des dortigen Seebodens, denn während sich 
dieser an allen anderen Gestaden der Britischen Inseln 
im Ganzen allmählich zur grösseren Tiefe und gegen den 
Plateau-Abfall absenkt, kommen in den innersten Recessen 
der West - Schottischen Meeres -Einschnitte von der west- 
licher liegenden Rinne isolirte Vertiefungen, verhältniss- 
mässig tiefe Löcher in fast allen Buchten vor. Wir geben 
die hauptsächlichsten mit ihren Maximal-Tiefen in der Rei- 
henfolge von Norden nach Süden: 



EddrachiUea-Bai 






85 


Paden, 


Loch Inver . 






83 


»t 


Loch Broom 






78 


»f 


Gruinard-Bai 






. 119 


tt 


Loch Torridon 






87 


ff 


Inner Sound 






. 138 


if 


Baaaay Sound 






83 


»» 


Loch Carron 






60 


ff 


Loch Duich 






61 


ft 


Loch Houm 


• 




. 100 


ft 


Sleat Sound 




99 


fi 


Loch Nevia . 






71 


ff 


Loch Eishart (I. 


Skye) 




. 139 


»» 


Sound of Mull 






. 108 


ff 


Loch Linnhe 






. 110 


ff 


Loch Eil 






84 


»» 


Firth of Lora 






. 124 


ff 


Sound of Jura 






. 110 


M 


Kilbrenuan Sound 






89 


»> 


Loch Fyne . 






. 104 


»t 


Firth of Clyde . 






92 


ff 



Ganz im Gegensatz zur Konfiguration des Seebodent 
an der Westküste von Schottland dacht sich derselbe west- 
lich der Hebriden' ganz langsam ab und erhebt sich sogar 
in einer Entfernung von 20 bis 40 Meilen zu einer Ter- 



20 



A. Petermann's neue Karte von den Britischen Inseln und dem umliegenden Meere. 



rassenplatte, deren höchste Funkte in den Inseln St. Kilda 
und Flannan bis 1220 Fuss über das Meeres-Niveau steigen, 
nm 20 Meilen noch weiter westlich endlich zu der grossen 
oceanischen Tiefe hinabzusinken, die bei der 100- Faden- 
linie beginnt, während sich diese an der östlichen Seite 
der Hebriden schon in einer Entfernung von 5 Meilen 
von der Küste befindet. 

Von der Hebriden-Rinne, die sich im 69® N. Br. zum 
Flateau- Abfall wendet, ziehen sich nordwärts wieder er- 
höhte Platten, die mit den Orkney - Inseln in Zusammen- 
hang stehen und an deren westlichstem Ende sich die 
Inseln Rona und Sulisker bis 360 Fuss über das Meeres- 
Niveau erheben. Der Seeboden rings um die Orkney- 
Inseln hat im Ganzen allmähliche Abdachungen, die grösste 
Tiefe im Pentland Firth ist nur 60 Faden; die Shetland- 
Inseln dagegen sind fast ganz umzingelt von tiefer ein- 
schneidenden Rinnen, besonders im Südosten der Qruppe, 
wo die Dänischen Seekarten schon 7 Meilen östlich von 
Sumburgh Head 103 Faden zeigen. 

Mit der Ostseite der Shetland- und Orkney-Inseln be- 
treten wir die Nordsee oder das Deutsche Meer, deren 
Seeboden zum grössten Theil aus der östlichen Hälfte un- 
seres unterseeischen Flateau's und aus einer Art Längen- 
thal , der schon erwähnten Norwegischen Rinne, besteht. 

Über die näheren Tiefenverhältnisse dieser grössten 
Unebenheit der Nordsee ist, wie schon im Vorhergehenden 
angedeutet, wenig zu sagen, die nachfolgenden Bemerkun- 
gen beziehen sich daher ausschliesslich auf ihren seich- 
ten Theil, die Platte. Die Hauptgrundzüge dieser sind: 
1) dass sie von Süden nach Norden, von ihrer Spitze 
bei der Strasse von Dover bis zu ihrer Absenkung in die 
Atlantische Tiefe bei den Shetland- Inseln, eine allmähliche 
Abdachung zeigt, eine sanft geneigte Ebene, die 2) in der 
Mitte ihrer meridionalen Ausdehnung höher ist als an 
ihren beiden Seiten im Osten und Westen. Die grössten 
Tiefen der Nordsee kommen also in der Nähe der Briti- 
schen, der Skandinavischen und Dänischen Ufer vor, wäh- 
rend der Seeboden in seiner Mitte und zwar hauptsäch- 
lich von 54® bis 61* N. Br. Änen breiten Buckel bildet, 
dessen Kulmination splatte die Dogger- Bank ist. Die Dog- 
ger-Bank und ihre nördlichen Fortsetzungen sind von den 
Bänken und Flatten des südlichsten Theiles der Nordsee 
durch die Äussere Silbergrube (Outer Silver Pit) getrennt, 
eine latitudinale Vertiefung, die sich hart auf der nördlichen 
Seite des 54. Farallels in einer Längenausdehnung von etwa 
25 Meilen von Westen nach Osten zieht und in ihrem westli- 
chen Theile die Tiefe von 44 Faden erreicht. Von der Äusse- 
ren Silbergrube steigt der Seeboden nach Norden zur Dogger- 
Bank auf, der jedoch, gleichsam als südlicher Vorberg, die 
mit der Silbergrube parallel laufende Outer Well Bank vor- 



gelagert ist, welche in ihrem niedrigsten Theile nur 9 Faden 
Wasser hat. Die Dogger-Bank wird durch die 20-Fadenlinie 
begrenzt und erstreckt sich in einer Richtung von SW. 
nach NO. von 54* 10' bis 55** 50' N. Br. und von 1* bis 
4* 40' Ö. L. V. Gr., liegt also so ziemlich in der Mitte dea 
Meeres; ihre durchschnittliche Tiefe ist von 10 bis 20» 
nur einige kleinere Stellen in ihrem westlichen breiteren 
Ende haben 8 und 9 Faden als geringste Tiefe. Die Dog- 
ger-Bank ist berühmt wegen ihrer ergiebigen Fischereien» 
besonders für Schellfisch, und wird hauptsächlich von Eng- 
lischen und Holländischen Fischern stark besucht und 
ausgebeutet. 

Als nördliche Abstufung der Dogger -Bank erstreckt 
sich die zwischen 56" und 58** und 3** N. Br. bis 6** Ö. L. 
V. Gr.belegene Grosse Fischer- Bank mit ihrer südwestlichen 
und nordwestlichen Abzweigung , Südwest - Fläche und 
Nordwest -Fläche (Syd Vest Flakket und Nord Vest Flak- 
ket der Dänen); ihre durchschnittliche Tiefe ist 30 bis 
40 Faden. 

Von der Grossen Fischer -Bank setzt sich der Central- 
Buckel der Nordsee in einer nordnord westlichen Richtung 
fort und hat im 60. Parallel N. Br., gerade in der Mitte 
zwischen den Shetland - Inseln und Norwegen, eine Tiefe 
von 62 Faden. Von diesem nördlichsten Theile der Gen- 
tralplatte der Nordsee dacht sich der Seeboden nach Osten 
in die Norwegische Rinne, nach Westen den Schottischen 
Küsten zu in eine unter dem Meridian von Greenwich 
gelegene breite Senkung ab, die eine durchschnittliche 
Tiefe von 80 Faden hat und als Maximum 96 Faden er- 
reicht. Wo diese auf der Karte als eine ausgedehnte 
Tiefebene erscheinende Senkung sich dem östlichsten Vor- 
gebirge Schottlands nähert, spaltet sie sich in zwei Ab- 
zweigungen, die wie die Küste selbst eine westliche und 
südsüdwestliche Richtung nehmen. Die westliche Abzwei- 
gung läuft in einer langen, schmalen Spalte dicht an der 
Küste von Banff und Elgin hin in den Moray Firth hinein 
und vertieft sich in ihrem mittleren Theile auf einer 
Strecke von 15 Meilen bis zu 100 Faden und darüber, 
an Einer Stelle bis 118 Faden. Die südsüdwestliche Ab- 
zweigung bildet die Buohan Deeps, Long Forties und die 
Outer Pit of Montrose, sämmtlich zwischen 56^ und 58^ 
N. Br., also zwischen der Grossen Fischer-Bank und der 
Schottischen Küste gelegen. 

Die Buchan Deeps erstrecken sich parallel mit der Schot- 
tischen Küste von Peterhead bis Aberdeen in einer Ent- 
fernung von 20 bis 40 Meilen östlich davon und haben 
eine Tiefe von 50 bis 78 Faden; die Long Forties liegen 
südöstlich davon mit einer durchschnittlichen Tiefe von 
40 bis 50 Faden, und die Outer Pit of Montrose wiederum 
südöstlich von diesen mit ähnlichen Tiefen und in der 



A. Petermann's neue Karte von den Britischen Inseln und dem umliegenden Meere. 



21 



Breite der Soliottisohen Stadt Montrose, 70 bis 100 Meilen 
östlich von ihr entfernt. 

Westlich der Dogger-Bank und zwischen ihr und der 
Englischen Küste ist der Seeboden durchachnittlich 30 bis 
50 Faden tief, östlich yon ihr auf der weit gegen die Dä- 
nische Küste sich hinziehenden sogenannten Weissen Fläche 
darchschnittlich 24 und 25 Faden mit einigen Stellen von 
31 und 33 Faden. 

Der südlichste Theil der Nordsee, südlich der Outer 
. Silver Fit und des 64. Parallels N. Br., besteht hauptsäch- 
lich aus zwei Stufen, derjenigen zwischen 10 und 20 
nnd der zwischen 20 und 30 Faden Tiefe. Jene nimmt 
den grössten Theil der ganzen Fläche, etwa drei Viertel, 
ein und umfiässt die Well Bank, Schwarze Bank und 
„Die breiten Vierzehn". Die Vertiefung zwischen der 20- 
nnd 30-Faden-Linie heisst die Tiefe Rinne und zieht sich 
in einem grossen Bogen von der Strasse von Dover nach 
Norden etwa 150 Meilen weit um Ost-England herum; ihre 
grödste Tiefe ist in der Breite von Ipswich und nur 32 Fa- 
den. Diese sind die allgemeinen Grundzüge des südlichen 
Theiles der Nordsee, die Details aber bilden eine so aus- 
serordentlich komplicirte Topographie, dass wir hier auf 
die Karte selbst verweisen müssen. Von Texel bis UuU 
und südwärts bis Dover ist ein so mannigfaltiges welliges 
Terrain, wie man es auf sehr genauen und speziellen Ge- 
neralstabskarten entsprechender Gegenden der Erdoberfläche 
zu sehen gewohnt, ist. So gering an sich die Höhenunter- 
schiede dieser Meerestheile besonders auch in Vergleich 
mit ähnlichen Höhenunterschieden auf dem Iiande sein 
mögen, so ausserordentlich wichtig sind dieselben für die 
praktischen Zwecke der Schififahrt, die sich gerade auf 
diesem verhältnissmässig engen Baume zusammendrängt, 
anf dem die Schifife aus allen Gegenden der Welt herbei- 
kommen, wie nirgends anderswo; deshalb sind auch gerade 
hier die ausgedehntesten und speziellsten, immer noch fort- 
gesetzten Aufnahmen des Seebodens ausgeführt, da schon 
der Unterschied von wenigen Fuss Tiefe für die Schifffahrt 



von der grössten Wichtigkeit ist Die charakteristische 
und vorherrschende Form der Seeboden-Unebenheiten be- 
steht hier in länglichen Furchen und Bänken und ein 
wahres Labyrinth derselben ist besonders den Mündungen 
der Themse, Scheide, Maas und des Rheins, aber auch der 
Küste von ganz Ost -England bis HuU gegen 50 Meilen 
weit in die hohe See vorgelagert. Topographisch hervor- 
ragend sind unter diesen Furchen die östlich von HuU 
und der Humber - Mündung liegende Silver Pit (Silber- 
grube) mit 52 Faden, die Sole Pit (Zungengrube) mit 43 
und die Goal Pit (Kohlengrube) mit 34 Faden. Ungleich 
wichtiger für die Schifffahrt wegen ihrer Gefährlichkeit 
sind die nur wenige Fuss oder Faden unter dem Meeres- 
Niveau liegenden zahllosen Bänke, die sich in dem ganzen 
Theile des Meeres befinden. 

Die wichtigsten Quellen für die Kunde des Seebodens 
der Nordsee sind ausser den vielen Englischen Seekarten 
für die. an den Englischen Küsten gelegenen Meerestheile 
die von der Dänischen Admiralität herausgegebenen Kar- 
ten, besonders eine der ganzen Nordsee in 2 Blättern vom 
Jahre 1860 und im Mst von 1:1.450.000 bis 1:050.000. 
Für den bei weitem grössten Theil der Zeichnung des 
Meeres ist diese schöne Karte für uns die maassgebende 
duelle gewesen. 

Die „Tiefe Binne'' Ost- Englands zieht sich wie ein 
breites, 20 Faden und darüber tiefes Band durch den Pas 
de Galais in den Englischen Kanal; die seichteste Stelle 
dieser Strasse fällt fast ganz mit einer geraden Linie von 
Galais nach Dover zusammen und hat an ihrer tiefsten Stelle 
28 Faden. Diess ist also die Sattelhöhe der Seebrücke 
zwischen Frankreich und England; westlich von ihr fällt 
der Seeboden allmählich ab und erreicht am westlichen 
Ende des Englischen Kanals, zwischen Land's End und 
Brest, die Linie von 60 Faden. Aber schon vorher hat 
er in einer schmalen, Hurd's Deep genannten Kinne nörd- 
lich der Kanal-Inseln die Tiefe von 72 Faden. 



Die Besiedelung von Arnhem's Land in Nord -Australien. 



(Mit Karte, s. Tafel 1.) 



Die ruhmwürdigen Unternehmungen , durch welche in 
den letzten Jahren ein grosser Theil des Innern von Au- 
stralien aufgeschlossen wurde, hatten neben dem Wunsche 
der Kolonisten, eine vollständigere Kenntniss von der Be- 
schaffenheit ihres Kontinentes zu erlangen, besonders zwei 
Triebfedern : das Bedürfniss, neues Weideland für die rasch 



anwachsenden Heerden aufzufinden, und das Streben nach 
einer leichteren und schnelleren Kommunikation mit Indien. 
Jenes Bedürfniss nach Weideland veranlasste die allmäh- 
liche Beeiedelung des Torrens -Beckens und die Expeditio- 
nen Hack's, Stuart's und Babbage's im Westen desselben, 
das Vorschieben der Stationen am Darling und die Yer- 



22 



Die Besiedelung von Arnhem's Land in Nord-Australien. 



suohe, diesen periodisch fliessenden Strom mit Dampf- 
schiiTen zu befahren, endlich die Ausbreitung der Heerden 
und Ansiedelungen im nordöstlichen Australien, woraus die 
Abtrennung der Kolonie Queensland von Neu - Süd - Wales 
hervorging. Der Wunsch eines schnelleren Verkehrs mit 
Indien sprach sich in den die Schifffahrt durch die Torres- 
Strasse erleichternden Aufnahmen dieser Strasse sowohl wie 
des Korallenmeeres, in den viel besprochenen und immer 
wieder aufgenommenen Projekten zur Herstellung einer 
telegraphischen Verbindung zwischen Australien und In- 
dien und in dem lebhaften Bestreben aus, an der Nord- 
küste sich festzusetzen. Dieses Bestreben theilen West- 
Australien, Süd -Australien und Queensland. Ersteres hat 
bereits in den von Frank Gregory 1861 untersuchten Stri- 
chen des nordwestlichen Gestadelandes, in der Nähe der 
Niokol-Bai, den Kern einer Ansiedelung gelegt, an der 
Torres-Strasse, auf der kleinen Albanj-Insel bei Kap York, 
gründet Queensland einen Ort „Somerset" und aus der- 
selben Kolonie sind zu Ende des Jahres 1862 unterneh- 
mende Buschleute mit beträchtlichen Heerden nach dem 
Südufer des Golfs von Carpentaria aufgebrochen, um sich 
dort niederzulassen; die wichtige Aufgabe aber, in der 
Mitte der Nordküste, in Arnhem's Land, eine neue Kolonie 
zu* gründen, hat Süd - Australien auf sich genommen und 
die mit aufopfernder, bewundernswürdiger Energie durch- 
geführten Reisen Stuart's mitten durch den Kontinent, 
welche die Hauptanregung auch für die Burke'sche Expe- 
dition und die aus ihr hervorgegangenen vielfachen Durch- 
kreuzungen der Osthälfte Australiens gegeben und die neue 
glorreiche Ära der Australischen Entdeckungen erÖ£fnet 
haben, wurden hauptsächlich zur Auffindung eines Ver- 
kehrsweges zwischen Adelaide und Arnhem's Land in Vor- 
aussicht einer baldigen Besiedelung dieses letzteren unter- 
nommen. In gerechter Würdigung der Verdienste, welche 
sich die Kolonie Süd -Australien durch die Stuart'schen 
Eeisen um die Erforschung der nördlichen Gebiete und 
die Erleichterung ihres Verkehrs mit den bestehenden Ko- 
lonien erworben hat, wurde ihr im Jahre 1863 von der 
Englischen Regierung die Verwaltung des ganzen weiten 
Gebiets nördlich von ihrer bisherigen Grenze bis zum 
Meere und zwischen den Meridianen von 129** und 138^ 
Östl. V. Gr.. anvertraut, und wie es scheint, wird die Ko- 
lonie nicht lange zögern, die ihr verliehene Machtvoll- 
kommenheit zur Besiedelung der Nordküste anzuwenden. 
Am 9. September 1863 wurde die EntschliessuDg des Engli- 
schen Ministeriums im Parlament zu Adelaide verlesen und 
bereits am 29. September legte die Kolonial-Regierung ihre 
Entwürfe in Bezug auf die Besiedelung und Überwachung 
des nördlichen Gebiets vor, auch sind schon zahlreiche 
Nachfragen nach Ländereien daselbst eingegangen und so- 



wohl in Adelaide als auch in Singapore haben sich Kom- 
pagnien zum Ankauf und zur Nutzbarmachung solcher 
Ländereien gebildet. 

Es ist diess nicht das erste Mal, dass Arnhem's Land 
ein junges Ansiedler-Leben an seinen Küsten sich entfal- 
ten sieht. Nachdem Gapt. King die Nordküste dieses Lan- 
des in den Jahren 1818 bis 1822 nebst den vorliegenden 
Inseln aufgenommen und namentlich auch die vortrefflichen 
Häfen an der Halbinsel Coburg untersucht und benannt 
hatte, schickte die Britische Regierung 1824 den Capt Gor- 
don Bremer ab, um Besitz von Arnhem's Land zu ergreifen 
und an dem zu einem Handels - D^pöt geeignetsten Punkte 
eine Niederlassung zu gründen. In England beschäftigte 
man sich damals gerade sehr viel mit den Angelegenheiten 
des Ost-Indischen Archipels. Java und seine Dependenzen 
waren an die Holländer zurückgegeben worden, die kom- 
merziellen Interessen Gross-Britanniens in Ost-Asien hatten 
dadurch einen bedeutenden Stoss erlitten, zugleich sah 
man aber auch an dem Erfolg der neu begründeten An- 
siedelung Singapore, auf welche Weise ein Ersatz zu schaf- 
fen sein würde. Capt. Bremer nahm von Sydney 45 De- 
portirte und eine Anzahl Soldaten mit, landete zunächst 
in Port Essington, da er aber dort kein hinlängliches Trink- 
wasser fand, begab er sich nach der Apsley- Strasse, welche 
die Melville- von der Bathurst- Insel trennt, und begann 
am 2. Oktober 1824 an der Westküste der Melville-Insel, 
gegenüber der kleinen Harris- Insel, die Errichtung des Forts 
Dundas. Die Besatzung gerieth jedoch, grossentheils durch 
eigene Schuld, sofort in blutige Konflikte mit den Ein- 
gebomen, zwei Schiffe, welche ihr Nahrungsmittel zuführen 
sollten, kamen niemals an, in Folge dessen nahmen Krank- 
heit und Noth überhand und bald befand sich die Nieder- 
lassung in einem kläglichen Zustand. Da man später auch 
erkannte, dass die Einfahrt in die Apsley-Strasse von bei- 
den Seiten mit Schwierigkeiten verbunden ist, gab man 
die Ansiedelung am 31. März 1829 auf, nachdem im Juni 
1827 Capt. Stirling an der Ostküste der Raffles-Bai auf 
der Halbinsel Coburg eine zweite. Fort Wellington, an- 
gelegt hatte. Hier ging Alles gut, die Eingebomen wur- 
den nach blutiger Lehre friedlich gesinnt, der Anfangs auf- 
tretende Skorbut wich bald dem Genüsse der in den Gär- 
ten gezogenen Gemüse, die Trepang-Fischer von Makassar, 
die seit jeher diese Küsten besuchen, traten in lebhaften 
Verkehr mit dem' Militärposten, denn ein solcher war es 
in der That nur, aber doch sollte auch diese Niederlassung 
nicht von langer Dauer sein. Auf Capt. Stirling*s Empfeh- 
lung verlegte die Regiemng schon Ende August 1829 die 
Garnison nach dem Swan River, wo nun die Kolonisation 
von West -Australien ihren Anfang nahm. Längere Zeit 
schlummerte hierauf das Interesse für die Besiedelung Nord- 



Die BesiedeluDg von Amhem's Land in Nord-Australien. 



23 



Australiens sowohl in Nea-Süd- Wales als in Indien und 
England, aber als die Australischen Kolonien immer glän- 
zendere Fortschritte machten, der Verkehr durch die Tor- 
res-Strasse zunahm und 1 837 eine Französische Expedition 
unter Damont d'Urville in Toulon ausgeVüstet wurde, um, 
wie es hiess, einen Hafen an der JN'ordwestküste Austra- 
liens in Besitz zu nehmen, da schickte die Englische Regie- 
rang im Februar 1838 zwei Kriegsschiffe unter Gapt. G. Bre- 
mer ab, welche Mannschaft und Einrichtungsen für eine 
Karine- und Militär - Station am 27. Oktober 1838 nach 
Port Essington brachten und dort die Niederlassung Victo- 
ria errichteten. Diese hat sich zwar länger gehalten als 
die früheren, aber auch sie blieb nur Militärposten und 
erreichte kaum die Blüthe von Fort Wellington. Als nach 
der aussergewöhnlich langen und feuchten Regenzeit Ton 
1842 bis 1843 Fieber überhand nahmen, die Sterblichkeit 
bedeutender wurde, die meisten Stimmen sich für die Un- 
haltbarkeit oder Nutzlosigkeit des Postens aussprachen und 
auch wirklich die Erwartungen von seinem Nutzen in Be- 
zug auf die Handelsverhältnisse zwischen Australien und 
Ost-Asien nicht in Erfüllung gingen, erhielt Capt. Keppel 
Befehl, die Garnison abzuholen und nach Sydney zu brin- 
gen. Demzufolge schiffte sich die ganze Besatzung am 
1. Dezember 1849 auf dem „Maeander" ein, nachdem die 
wenigen Gebäude zerstört worden waren. 

Das Soheitern des Versuchs in Port Essington wirkte 
eine Reihe von Jahren hindurch lähmend auf die Projekte 
einer Kolonisation Nord - Australiens , aber lange konnte 
diese wichtige Angelegenheit unmöglich unbeachtet bleiben, 
namentlich wendete die Geographische Gesellschaft zu Lon- 
don und an ihrer Spitze Sir Roderick I. Murchison ihren 
ganzen Einffuss an, um das Englische Kolonial-Ministerium 
zu neuen dahin zielenden Unternehmungen zu bewegen. 
Auf ihre Anregung wurde im Jahre 1865 die Gregory'sche 
Expedition ausgerüstet, um vom Victoria - Fluss aus das 
Innere von Nord- und Nordwest-Australien zu erforschen. 
£0 war dabei interessant zu sehen, welches Gewicht die 
Londoner Eaufleute auf das Unternehmen legten. Ein 
Mr. Matthew Uzielli erbot sich, zu der Gregor/schen Ex- 
pedition 10.000 Pfd. St beizusteuern, wenn die Regierung 
nicht die Kosten übernehmen würde, und äusserte darüber: 
„Obwohl ich die grossen Vortheile der geographischen Auf- 
nahme in einem wissenschaftlichen Sinne nicht beurth eilen 
kann, so fühle ich doch als Kaufmann hinlänglich die hoho 
Wichtigkeit dieses Unternehmens für England. Der kom- 
merzielle Nutzen der Expedition und der Wunsch, dass 
eich England ein für den Schutz seiner Ost-Indischen Ko- 
lonien so werthvoUes Land sichern und Andere an der 
Besitzergreifung desselben verhindern mochte, bewogen 
mich hauptsächlich zu dem Anerbieten." Die Expedition 



hatte zwar in geographischer Beziehung nicht den erwar- 
teten Erfolg, das Feld ihrer Untersuchungen blieb ein 
yerhältnissmässig beschränktes, aber sie wies kolonisations- 
fähiges Land in bedeutender Ausdehnung am Victoria-Fluss 
nach und regte dadurch von Neuem mächtig zur Okku- 
pation jenes Gebiets an. Murchison sprach 1857 in sei- 
nem Jahresbericht vor der Londoner Geographischen Ge- 
sellschaft auf das Eindringlichste für eine solche und be- 
zeichnete namentlich den Cambridge -Golf und die Lände- 
reien am Victoria-Fluss als günstiges Terrain für eine 
Nord-Australische Kolonie. Dort an den Ufern des schiff- 
baren Victoria seien Wickham und Stokes im Jahre 1839 
mit ihren Mannschaften vollkommen gesund geblieben und 
neuerdings hätte sich die Gregory'sche Expedition daselbst 
9 Monate aufgehalten, ohne einen Mann zu verlieren. Diess 
sei die beste Antwort auf die Behauptungen derjenigen, 
welche jene ganze Region einfach wegen ihrer niedrigen 
geographischen Breite als ungeeignet für Angelsächsische 
Besiedelung ausgeben. Er führt einen Brief des Botani- 
kers der Expedition, Dr. Ferd. Müller, an, worin das Klima 
dieses Landes ein trockenes Australisches und fieberloses 
im Gegensatz zu dem feuchten Indischen genannt und auf 
die Ausdehnung guten Bodens und die Zugänglichkeit des- 
selben durch den schiffbaren Victoria aufmerksam gemacht, 
zugleich aber bemerkt wird, dass eine neue Ansiedelung 
in einem so entlegenen und heissen Theil der Erde ohne 
Zwangsarbeit kaum herzustellen sei. Er befürwortet daher 
die Gründung einer Strafkolonie daselbst trotz des Wider- 
spruchs der Australier, die sich entschieden gegen jede 
fernere Transportation von Sträflingen auf ihren Kontinent 
erklären, indem er die Unwahrscheinlichkeit des Entkom- 
mens der Sträflinge nach den älteren Kolonien hervor- 
hebt, und kommt zu dem Schluss, dass Nord- Australien 
kolonisirt werden müsse, sei es nun durch freie oder 
Zwangs-Arbeit. „Darf man vergessen/' — fügt er hinzu — 
„dass Frankreich kürzlich Besitz ergriffen hat nicht nur 
von Neu - Caledonien , das unser Cook entdeckte und be- 
nannte, sondern auch von der Isle of Pines, wo unsere 
Kolonisten von Sydney einen Handel in Sandelholz trie- 
ben, und dass es so einen point d^appui an der Ostseite 
unserer Australischen Kolonien gewonnen hat ? Oder sollen 
wir unsere* Augen verschliessen vor der grossen Wichtig- 
keit, welche gute Zufluchtshäfen in Nord- Australien haben 
würden oder Marine - Stationen , so unschätzbar für die 
Dampf scbifffahrt, wo unsere Flotten im Fall'' eines Krieges 
sich sammeln und von da aus jedem Feinde in die Flanke 
fallen können, der gegen unseren Handel und unsere Be- 
sitzungen im Osten operiren würde? Kurz, es ist kaum 
möglich, eine Gegend der Erde zu bezeichnen, wo Briti- 
sche Okkupation gebotener erscheint, sei es als Vorsichts- 



24 



Die BesiedeluDg von Arnhem's Land in Nord-Australien. 



maassregel oder mit Rücksicht auf künftige Handelsinter« 
essen." Andere gewichtige Stimmen kamen hinzu, der 
bekannte Australische Forscher Graf Strzelecki bezeichnete 
die Okkupation und Besiedelung Nord- Australiens geradezu 
als eine gebieterische Noth wendigkeit und endlich gaben 
die Stuart'schen Eeisen und in Folge derselben die Agitation 
der Süd - Australier den Ausschlag. Die Englische Regie- 
rung nimmt aber die Sache diess Mal nicht selbst in die 
Hand, sondern hat, wie erwähnt, der Kolonial - Regierung 
von Süd - Australien das nördliche Gebiet unterstellt zu 
dem Zweck, für dessen Besiedelung die geeigneten Schritte 
zu thun, — eine Maassregel, die der Herstellung einer 
freien Kolonie jedenfalls am besten entgegenkommt. 

Um über den möglichen Erfolg zu einer begründeten 
Ansicht zu gelangen, muss man die Erfahrungen zu Rathe 
ziehen, die in Port Essington und Raffles-Bai gemacht 
worden sind. 

Am ungünstigsten urtheilt über Port Essington J. Beete 
Jukes, der als Naturforscher der Blackwood'schen Vermes- 
sungs - Expedition auf der „Flj" die damalige Ansiedelung 
yier Mal innerhalb der Jahre 1843 bis 1845 besuchte. 
„Man sprach davon," — so erzählt er ') — „Port Essing- 
ton als Kolonie zu eröffnen und Jedem, der will, Land 
zu dem gewöhnlichen Australischen Preis, 1 Pfd. St. per 
Acre, zu verkaufen. Ich kann durchaus nicht begreifen, 
was Jemand mit Ländereien hier anfangen sollte, selbst 
wenn man ihm die ganze Halbinsel gäbe. Bei den Scha- 
fen, wenn sie überhaupt am Leben blieben, würde sich 
bald die Wolle in Haar verwandeln. Für Rinder ist nur 
wenig Futter und kein Markt vorhanden. Reis könnte 
man wahrscheinlich in geringer Menge an den Ufern der 
Lagunen ziehen, aber Reis, Zucker, Kaffee, Baumwolle oder 
irgend ein anderes werthvolles tropisches Produkt für den 
Export zu bauen, erfordert weite Striche fruchtbaren Bo- 
dens und eine dichte Bevölkerung, zwei Dinge, die weder 
jetzt in Port Essington zu finden sind, noch, wie ich zu 
behaupten wage, jemals daselbst beschafft werden können. 
Allerdings könnten einige Malayen und Chinesen zur Ein- 
wanderung verlockt werden und würden sich ohne Zwei- 
fel an zerstreuten Stellen selbst erhalten, auch würde die 
Einführung so vieler solcher Arbeiter, als man brauchen 
könnte, eine grosse Hülfe und Bequemlichkeit für die we- 
nigen Europäer sein, welche verdammt sind, hier zu leben. 
In der That scheint es mir eine offenbare Grausamkeit zu 
sein, selbst eine Militär -Abtheilung zum Hierbleiben zu 
zwingen, wenn man nicht für solche Arbeiter sorgt, die 
den Soldaten die Gärten bebauen und die erforderliche 
Menge Gemüse und Früchte ziehen, die sie selbst nicht 



») Narratiye of the Surreying Voyage of H. M. S. Fly, I, p. 361. 



durch eigene Anstrengung ziehen können. Als Ort zur 
Produktion irgend eines Export-Artikels also ist Port Es- 
sington nach meiner Ansicht äusserst nutzlos, auch sehe 
ich nicht, wie es ein Handelsplatz werden könnte. Was 
könnte z. B. einen Europäischen oder Australischen Kauf- 
mann veranlassen, eine Waarenladung nach Port Essington 
zu schicken? Oder wenn ein Waarenvorrath dort wäre, 
was könnte Jemanden veranlassen, dahin zu kommen und 
sie zu kaufen? Käme ein Schiff von Sydney, um eine La- 
dung Waaren auf den Molukken oder den benachbarten 
Inseln zu verkaufen, warum sollte es sich seitwärts wen- 
den und bei Port Essington anhalten ? Alle Prahus, welche 
von Makassar nach der Nordküste von Australien kommen, 
segeln unter Holländischer Flagge und unter Holländischer 
Aufsicht; wenn^sie zurückkommen, müssten sie für jeden 
Artikel Englischer oder fremder Manufaktur schweren Zoll 
zahlen, aber was das Einkaufen Englischer Waaren von 
Seite ihrer Mannschaften anlangt, vorausgesetzt, dass solche 
Waaren in Port Essington zu haben wären, so bezeugt 
schon das Aussehen der Leute ihre äusserste Armuth und 
das Höchste, was die Bewohner von Port Essington jemals 
von den dahin kommenden Prahus kaufen konnten, war 
ein Sack Reis oder zwei und ein halbes oder ganzes Du- 
tzend Hühner. Mit einer grossen Wüste auf der einen 
Seite und meist von Wilden bewohnten Inseln auf der 
anderen bietet die Lage von Port Essington, so viel ich 
sehen kann, keine Yortheile. Sein Hafen ist sicherlich 
ein ausgezeichneter, aber er ist für einen Fremden schwer 
zu finden und gefahrlich anzulaufen. Der Besuch der An- 
siedelung Victoria, die 16 Engl. Meilen von der Mündung 
des Hafens liegt, würde Qinem dieses Weges segelnden 
Schiff einen Aufenthalt von wenigstens 2 Tagen kosten. 
Wenn sich ein Schiff dazu veranlasst sehen sollte, müsste 
es schon einen ganz besonderen wichtigen Zweck haben. 
Der einzige übrig bleibende Nutzen von Port Essington 
ist der eines Zufiuchtshafens für schiffbrüchige Seeleute, 
aber selbst für diesen Zweck liegt es sehr unzweckmässig, 
da es 600 Engl. Meilen entfernt ist von den Grenzen des 
Meeres, in welchem Schiffbrüche am häufigsten zu erwar- 
ten sind, nämlich des Korallenmeeres und der äusseren 
Seite der Torres - Strasse. Von der Besatzung sind alle 
ohne Ausnahme vom Fieber befallen worden, sie sahen 
blass und abgezehrt aus und von 50 waren bereits 4 todt. 
Obwohl jetzt die kühlste Jahreszeit war (Juni), fanden 
wir doch den Ort heisser und schwüler als irgend einen, 
an den wir seit unserem letzton Besuche gekommen wa- 
ren '). Ich brachte zuerst sehr günstige Vorurtheile mit 



') Die Blackwood'sehe Expedition hatte sieh in der Zwischenzeit 
hauptsächlich an der SUdostküste von Xen-Quinea, am &ap York uud 
in den benachbarten Meerestheilen aufgehalten. 



M. V. Bearmann's Tod nebst Übersicht seiner Reise so wie derjenigen von Overweg, Vogel u. Stendner. 25 



nach Port Essington und als mich sein Anblick gleich An- 
&ng8 enttäaschte, glaubte ich, wir hätten es unter beson- 
ders ungünstigen Umständen gesehen; drei spätere Besuche 
aber zu yerschiedenen Jahreszeiten, einschliesslich der gün- 
*fltig8ten, zwangen mich zu meinem Bedauern, alle vor- 
gefassten Meinungen über seine Wichtigkeit und seinen 
Werth als Britische Niederlassung aufzugeben. Ich halte 
CS für vollkommen werthlos als Kolonie oder als acker- 
bauende und handeltreibende Besitzung und glaube, dass 
der einzige Grund, es zu halten, ein politischer sein muss. 
Es bildet das nördliche Glied zwischen unseren Kolonien 



an den Ost- und Westküsten Australiens, sichert uns den 
Besitz der Nord- und Nordwestküste und schliesst so zu 
sagen die Bingmauer, mit der wir den fünften Welttheil 
umgürtet haben." 

So entmuthigend diese Bemerkungen klingen und so 
zutreffend sie gewiss an sich waren, so haben sie doch 
nicht die Kraft, die Hoffnungen der Australier auf das 
Gelingen eines neuen Versuches zu schwächen, weil sie 
sich genau auf das damals Bestehende beschränkten, die 
Absichten und Pläne gegenwärtig aber auf ganz Anderes 
gerichtet sind. (Pomeuang folgt) 



Moriz V. Beiirmann's Tod nebst Übersicht seiner Reise (1861—1863) so wie derjenigen 
von Overweg (1850—1852), Vogel (1853—1856) und Steudner (1861—1863). 



(Nebst Karte, s. Tafel 2.) 



Der Deutschen Expedition in Inner-Afrika ist — wie 
man nach den neuesten eingegangenen Nachrichten befürch- 
ten muss — bereits ein zweites Leben zum Opfer gefal- 
len, das des edeln, eben so wissenschaftlichen xind gedie- 
genen als aufopferungsfähigen und unerschrockenen Moriz 
T. Beumotann. 

Der ursprüngliche Plan des Unternehmens war darauf 
gerichtet gewesen, dass ein Beisender den Versuch machen 
lolle, Ton Norden her, also etwa von Bengasi aus, dem 
einzigen Punkte am Mittelmeere, mit dem Wadai zeitwei- 
lig in direkter Verbindung gestanden hat, nach diesem 
Lsnde vorzudringen. Allein es fand sich Niemand, der 
dieses Wagestück zu unternehmen bereit war. Brehm, einer 
unserer besten Afrikanischen Reisenden, erbot .sich zuerst, 
nach Chartum zu gehen, um von dort aus sichere Nach- 
richten über Vogel's Schicksal in Erkundigung zu bringen, 
aus Erfahrung wohl wissend, dass selbst ein Versuch, nur 
bis Darfur einzudringen und lebendig wieder herauszu- 
kommen, ein verzweifeltes, kaum ausführbares Unternehmen 
sei; allein das schien den Freunden der Sache nicht ge- 
nügend. Auch V. Heuglin war nicht zu einer Heise von 
Bengasi nach Wadai bereit, wohl aber zu einem Versuche, 
Ton Chartum aus auf dem Bahr el Ghasal vorzugehen. 

Als die Heuglin'sche Expedition bereits auf Afrikani- 
schem Boden thätig war, erbot sich Aloriz v. Beurmann 
zu dem Versuche, jenen ursprünglichen Plan auszuführen, 
also von Bengasi aus nach Wadai vorzudringen. Erfüllt 
von dem höchsten Muthe, Eifer, Vertrauen und Zuversicht 
Verliese er, der einzige Sohn, seinen heimathlichen Heerd 
am zweiten Weihnaohtsf eiertage 1861. Wie sich ihm von 
Anfang an die grüssten Schwierigkeiten entgegenstellten 

Petermaiin^s Oeogr. Mittheiluogen. 1S64, Heft I. 



und wie er dieselben mit einer eisernen Beharrlichkeit und 
Thatkraft zu überwinden wusste, so dass er schon binnen 
kurzer Zeit Tre£Pliches und Ausgezeichnetes leistete, ist 
bekannt. Bis zu seiner Abreise vonMursuk, Ende Juni 1862, 
gingen regelmässig und häufig Briefe, werthvoUe Berichte 
und Karten von ihm ein; seit jener Zeit waren nur spär- 
liche und unsichere Nachrichten von ihm nach Europa 
gelangt. Erst durch die letzten, an Dr. Barth adressirten 
Briefe erfahren wir Näheres über des Reisenden weitere 
Bewegungen und Schicksale. 

Er brach Ende Juni 1862 von Mursuk auf der grossen 
Bornu-Strasse auf, war am 7. Juli in Madrusa, am 10. in 
Tegerri, am 17. beim Bir el War (oder Temmi), am 19. 
und 20. beim Bir Mademma, bog aber dann von der Bilma- 
Strasse westlich ab, indem er die zuvor von keinem Eu- 
ropäer betretene Oase Djebado an der Westgrenze des 
Tebu-Gebiets besuchte. Auf dem Wege nach dieser Oase, 
in der er am 25. Juli den ersten Regen hatte, berührte 
er den Bir Kamodan (21. Juli) und den Djebel Afingtsche 
(22. Juli) und zwischen ihr und Bilma so wie südlich von 
Bilma bei Muskatenu traf er Brauneisenstein in solcher 
Mächtigkeit, dass er Felsmassen von 80 bis ] 00 Fuss Höhe, 
also wahre Eisenberge bildet. Von Bilma auf der gewöhn- 
lichen Strasse weiter ziehend begegnete er am 12. August 
beim Brunnen Agadem dem ehemaligen Diener VogePs, 
Mohammed ben Sliman, und einem landesflüchtigen Wadai- 
Frinzen, war am 16. beim Brunnen Belkaschi farri, am 
17. zu Nqurutin, am 18. zu Mul und kam am 20. über 
den Brunnen Kufe nach dem Henderi-n-Kibbu unfern des 
nördlichen Tsad- Ufers. Von hier wünschte er, ohne erst 
Bornu zu berühren, direkt durch Kanem nach Wadai zu 

4 



26 M. V. Beurmann'B Tod nebat überBicht seiner Reise so wie deijenigen von vorweg, Vogel u. Steudner. 



geben, kein einziger seiner Diener aber war zu bewegen 
gewesen, selbst gegen doppeltes Gebalt, ibn auf dieser, 
wie sie wohl wassten, höchst gefahrvollen Reise zu be- 
gleiten, so dass er nothgedningen gezwungen war, nach 
Euka, der Hauptstadt Bornu's, zu gehen, wo er gut em- 
pfangen wurde. 

Er fand hier, dass die politischen Verhältnisse zwi- 
schen Bomu und Wadai für seine Beisepläne augenblick- 
lich sehr günstig waren, da diese beiden Beiche gerade in 
den freundschaftlichsten Beziehungen standen, und er wollte 
schon am 12. September seine Beise nach Wadai fort- 
setzen, als ihm am Vorabend dieses Tages der Scheich 
von Bornu sagen Hess, er verbiete ihm zu reisen und er 
wolle, dass er noch hier bleibe. Der Grund dieses nie- 
derschlagenden Befehls waren ungünstige Nachrichten aus 
Eanem, in dessen Besitz sich ein Abenteurer gesetzt hatte. 
M. V. Beurmann erkundigte sich nun zunächst nach 3er 
Beschaffenheit der südlich um den Tsad-See führenden 
Wege, erfuhr aber zu seinem Leidwesen, dass sie der Über- 
schwemmungen wegen für die nächsten zwei Monate nicht 
zu passiren wären. 

So sah sich der Beisende genöthigt, geduldig auf einen 
günstigeren Zeitpunkt für die Abreise nach Wadai zu war- 
ten; um aber diese Zeit möglichst nützlich und zum Vor- 
theil für die Wissenschaft zu verwerthen, unternahm er 
sofort eine Heise nach Jakoba, der Hauptstadt der süd- 
westlich von Bornu im Sokoto - Reiche gelegenen Provinz 
Bautschi. Er nahm seinen Weg über Magomeri (27. Sep- 
tember), Ngurmai (2. Oktober) und Tinda (14. Oktober), 
hielt sich, wie es scheint, einige Zeit in Jakoba auf, denn 
er besuchte am 22. und 23. Oktober die nahe gelegenen 
Orte Ken und Songoro und war noch am 28. in Jakoba, 
und beabsichtigte, von da über Hamarrua und Jola zurück- 
zukehren; da sich jedoch der ganze Süden von Bautschi 
in den Händen aufrührerischer Heidenstämme befand, sah 
er sich genöthigt, diesen Plan aufzugeben und direkt nach 
Kuka zurückzugehen. Am ö. November war er in Yeloa, 
am 6. in Daraso, am 9. berührte er die Orte Marru, Gulun 
und Gode im nördlichen Boberu, kam am 17. über Fika, 
wo er am Bahr Ngedjim eine im Binnenland von Nord- 
Afrika bisher nicht aufgefundene Palme (wahrscheinlich 
die am Oware und Benin häufige Raphia vinifera) antraf, 
nach Dora, am 18. nach Magomeri, begleitete von da aus 
eine Rhazzia ins Marghi-Land nach Tschibbak, das eine 
Tagereise westlich von Isge liegt, und kam am 18. Dezbr. 
nach Kuka zurück, leider mit bereits zerrütteter Gesundheit. 
„Meine Gesundheit, fürchte ich," — so schrieb er von Euka 
den 24. Dezember 1862 an Dr. Barth — „verspricht nur 
wenig für die Folge, da es mir nicht einmal möglich ge- 
wesen ist, einen ordentlichen Bericht über diese meine 



fast dreimonatliche Thätigkeit zu Stande zu bringen. Auch 
in pekuniärer Beziehung hat mir diese Reise grosse Ver- 
luste eingebracht, denn ich verlor auf derselben ein Pferd 
und drei Karneole, so dass es mir nur mit Aufopferung 
eines Theils meiner eigenen Waffen möglich ist, sofort 
nach Wadai aufzubrechen. Freitag den 26. Dezember werde 
ich von hier nach Kanem abgehen, denn der südlichere 
Weg ist für Kameele noch immer ungangbar. Die Strasse 
durch Kanem ist wieder frei." 

In einem an den Englischen Konsul Beade adressirten 
Briefe vom 6. Januar 1863 schreibt er, dass er am 26. De- 
zember seine Beise nach Wadai wirklich angetreten habe, 
jedoch schon nach 2 Tagemärschen von zweien seiner drei 
Diener beraubt und verlassen worden sei; selbst seine Uhr 
hätten sie mitgenommen. In Folge dessen sei er in grösster 
Yerlegenheit nach Kuka zurückgekehrt, aus der ihm nur 
das 'Anerbieten des Arabischen Kaufmanns Mohammed Ti- 
tiwy geholfen, der ihn mit Leuten, Geld und PiDvision 
zu der Beise nach Wadai neu ausgerüstet habe, wofür er 
ihm einen Wechsel auf 450 Maria - Theresia - Thaler nach 
Tripoli gegeben. Seine Gesundheit, fügte er hinzu, sei 
noch immer nicht besser und theils deshalb, theils seiner 
beschränkten Mittel wegen habe er die Absicht, von Wadai 
auf dem nächsten Wege nach Bengasi zurückzukehren. 

Schon ein Brief vom Englischen General -Konsul in 
Tripoli vom 14. August machte jedoch die tief betrübende 
Mittheilung, dass mit der so eben aus Bornu angekomme- 
nen Karawane briefliche und mündliche Nachrichten da- 
selbst eingetroffen seien, welche den Tod des Herrn 
y. Beurinann melden, und ein weiterer Brief aus Tripoli 
vom 6. Oktober lässt jene Nachrichten leider fast zur völ- 
ligen Gewissheit werden. Sie beruhen auf speziellen und 
offiziellen Mittheilungen des Englischen Konsular-Agenten 
in Mursuk vom 20. September über die Aussagen des Ck>a- 
riers, welcher die letzten Briefe des Beisenden nach Mur- 
suk gebracht hat. Die Aussagen dieses Coariers lauten 
folgendermaassen : „Er sei gerade im Begriff gewesen, seine 
Beise von Bornu nach Mursuk anzutreten, als dort eine 
Karawane von Wadai eingetroffen sei, deren Mitglieder 
die Nachricht gebracht hätten, dass der Christ, der vor 
einiger Zeit dahin aufgebrochen, getödtet sei. Auf Grund 
dieser Nachricht habe ihn der Sultan von Bornu an der 
Abreise verhindert und ihn 40 Tage lang zurückgehalten, 
während er zwei Couriere nach Wadai abschickte, um zu 
erfahren, ob die Nachricht wahr sei. Als diese Boten dann 
nach Bornu zurückgekehrt seien, hätten sie gemeldet, die 
Nachricht sei wirklich begründet, indem der Reisende in 
der ersten Provinz oder an der Grenze von Wadai getödtet 
worden sei, und zwar sei er auf Befehl des Sultans von 
Wadai selbst getödtet worden." 



M. y. B^armann's Tod nebst Übersicht seiner Beise so wie derjenigen von Overweg; Vogel u. Steudner. 27 



Auch Briefe von fien ^Alaa in Kuka, demselben , mit 
dem \b Benrmann die Beise von Morsok nach Borna ge- 
oaeht hat, melden, er sei in der ersten Provinz von Wa- 
dai, 5 Tage von dem eigentliehen Lande Wadai, also viel- 
leicht in M&ö, getödtet worden, und neuerdings hat Dr. Barth 
wieder Briefe aas Tripoli erhalten, welche die Traaerbot* 
aehaft zaverlässig bestätigen. 

Der Tod Moriz v. Bearmann's, der nach diesen Nach- 
lichten kaum bezweifelt werden kann , . ist ein angemein 
sehmenliches Ereigniss für seine Verwandten und Frennde, 
für das Unternehmen, dem er znm Opfer fiel, and für die 
geogiaphisehe Wissensohaft im Allgemeinen. Sein Verlast 
wird mit derselben Theünahme in allen Kreisen betrauert 
werden, mit der man seinen Schritten auf seiner yerhäng- 
masYollen Beise folgte, und ganz besonders betrübend muss 
er für die Freunde und Förderer des Unternehmens selbst 
sein. Moriz v. Beurmann kannte keine Furcht und kein 
Terzsgen; mit der vollsten Zuversicht auf das Gelingen 
aeines Planes zog er aus und alle Widerwärtigkeiten und 
Hindemisse waren nicht im Stande, ihm diese Zuversicht 
SU rauben. Verrathen, verlassen, beraubt, immer wieder 
in seinen Planen gekreuzt, körperlich geschwächt, wankte 
seine Seelenstärke auch nicht um ein Haar breit, und von 
solcher Hoffnung ist er noch bis auf den letzten Augen* 
blick dermaassen beseelt gewesen, dass er in den drei kur- 
zen Briefen an Dr. Barth drei Mal ausdrücklich erwähnt, 
er werde fernere Sendungen, namentlich auch die schon 
in Kuka zum Abschluss gebrachten Briefe an A. Petermann, 
die wahrscheinlich die geographischen Besultate seiner 
Beise enthalten, erst von Wadai aus über Ohartum naxk 
Bnropa befördern und er wünsche Sendungen von Europa 
auf demselben Wege. Wahrhaft erhebend war dieser See« 
lenmuth für diejenigen, die den Beisenden personlich 
bumten und ihn seine Mission so antreten sahen; aufs 
TiefiBte traurig ist es nun für sie, diesen heldenmüthigen 
Mann in seiner schönsten Lebenszeit gefallen zu wissen >). 
Wir haben auf Tafel 2 die Beiserouten v.' Beurmann's, 
sowohl seine früheren in den Nil-Ländern und am Bothen 
Meer als die späteren von Bengasi nach Bornu, Bautschi 
und Kanem, eingetragen. Für die ersteren lagen uns aus- 
ser dem in den ,,Geogr. Mitth.'' publicirten Tagebuch 
Handzeichnungen des Beisenden vor ^), die letzteren waren, 

'} über M. r. Beurmann'i Leben und Beieen s. „Geogr. Mitth." laSl, 
8.369; 1862, SS. 51, 95, 125, 165, 212, 254, 16, 99, 239, S07 ; 
1863, SS. 225, 392; ErgSnsnngsband II (Petermann & Hassenstein, 
la&er-Afrika), SS. (1), (68), (84) nebst Karte; „Zeitschrift fftr AU- 
gemeine Erdkunde" Juni 1862, S. 404, Juli S. 44 mit Karte, Oktober 
ond Norember S. 347 mit Karte, Oktober 1868, S. 273; Jahresberichte 
des Vereint von Freunden der Erdkunde au Leipiig, I, SS. 45, 51, 
II, 8. 43. 

^ Die topographischen Details dieser Manuskript -Karten sind je- 
doch fllr Tafel 2 keineswegs ausgebeutet worden, wie denn diese Tafel 



so ^ weit sie in das Gebiet von Tripoli und Fessan fallen, 
bereits von M. v. Benrmann selbst kartographisch nieder- 
gelegt, von Mursok südwärts aber geben nur die oben 
zusammengestellten Daten, die zum Theil den Etiketten 
der von dem Reisenden eingeschickten Pflanzen- und Staub* 
Proben entnommen sind, Auskunft über den Verlauf sei* 
ner Expedition, so dass besonders die Heute von Kuka 
nach Jakoba und zurück nur nach den von ihr berührten 
Hauptpunkten angedeutet werden konnte. 

Auf derselben Tafel haben wir zur vergleichenden Über* 
sieht die Bouten von Overweg, Vogel und Steudner ein* 
getragen, deren Reisen unter sich und mit der v. Beur* 
mann's in innigem ursächlichen Zusammenhang standen, 
die an der gleichen Aufgabe arbeiteten und wie jener tief 
im Inneren des Afrikanischen Kontinents begraben liegen, 
Opfer des Klima's oder der Barbarei, Märtyrer Deutscher 
Wissenschaft. 

Dr. Adolph Overweg trat am 24. März 1S50 von Tri* 
poli aus gemeinschaftlich mit Richardson und Barth die 
grosse Reise ins Innere an, nachdem er mit Letzterem 
einen Ausflug durch den nördlichen Abfall des Wüsten- 
Plateau's vom Djebel im Westen bis zum Mesallata-Gebirge 
und Lebda im Osten (4. bis 26. Februar 1850) gemacht 
hatte. Die Expedition zog über Mursuk (6. bis 13. Juni), 
Rhat (18. bis 24. Juli) und Tintelinst in Air (3. Septbr. 
bis 5. November) nach Taghelel in Damerghu (7. Ja* 
nuar 1851), wo sich Richardson, Barth und Overweg trenn* 
ten, um auf drei verschiedenen Wegen Kuka zu erreichen. 
Während der Erstere die direkte Strasse über Sinder ein* 
schlug, aber zu Ngnrutua, 6 Tagereisen vor Kuka, in der 
Nacht vom 3. zum 4. März 1851 verschied, und Barth 
über Katsena nach Kano ging, besuchte Overweg zunächst 
die interessanten, von unabhängigen Heiden-Stämmen be- 
wohnten Landschaften Qober und Maradi, verlebte daselbst 
zwei Monate, verliess Maradi am 25. März, hielt sich vom 
1. bis 11. April in Sinder auf, wo ihm die Nachricht von 
Richardson's Tod zukam, und traf über Maschena am 7. Mai 
in Kuka ein, wo Barth inzwischen am 2. April angelangt 
und mit dem Ordnen der nach Richardson's Tod so schwie* 
rigen Verhältnisse der Expedition beschäftigt war. Wäh* 
rend nun Barth bereits am 29. Mai nach Jola aufbrach, 
setzte Overweg das von Tripoli mitgebrachte Boot in Be- 
reitschaft, schiffte sich am 28. Juni bei Maduari auf dem 
Tsad-See ein und besuchte die von den Budduma bewohn- 
ten Inseln desselben. Er erreichte als östlichsten Punkt 
die Insel Guria und kehrte auf einer etwas nördlicheren 



überhaupt ansaer der ttbersichtUchen Darstellong der fioiserouten kei- 
nen geographischen Werth beansprucht, rielmehr der Berichtigungen 
sehr bedarf und nur ihrer passenden Grösse und Ausdehnung wegen 
aur Binaeiehnung der Bouten benutat wurde. 

4« 



28 M. ▼• Benrmann'g Tod nebst Übersicht seiner Reise so wie derjenigen von Overweg, Vogel u. Steudner. 



Rente am 12. Juli nach dem Weetufer zurück. Am 8. An- 
gast in Euka angelangt begleitete er Barth am 15. Septbr. 
nach Eanem. Sie drangen mit einer Eriegsschaar der 
IJelad Sliman bis zum Wadi Amsallat im Distrikt der 
Worda vor, wurden aber hier am 18. Oktober zurück- 
getrieben, trafen am 14. November wieder in Euka ein 
und begleiteten von da aus schon am 25. desselben Mo- 
nats das Heer von Bomu auf einer Sklavenjagd nach 
Musgu, wo sie am 5. Januar 1852 den Serbewuel, den 
HauptnebenflusB des Schari, fast unter 10** N. Br. erreich- 
ten. Am 1. Februar waren sie von dieser interessanten 
Reise nach der Hauptstadt von , Bomu zurückgekommen 
und im folgenden Monat zogen Beide wieder auf neue 
Entdeckungen aus, Barth südöstlich nach Bagirmi, Overweg 
südwestlich gegen Jakoba hin in die Grenzprovinzen Bor- 
nu's. Er verliess Euka am 24. März, ging über Mago- 
meri und Oafata nach Gadscheba (1. bis 6. April), von da 
westlich über Schemgo nach Bora (9. his 13. April) und 
südlich nach Fika (14. April). Hier übel empfangen wen- 
dete er sich nordöstlich nach Schemgo zurück, von da 
südlich nach Gebheh> und durch einen Theil des Gebirgs- 
landes der heidnischen Baber nach Gudscheba (30. April). 
Von hier aus hesuchte er den westlichen Theil des Marghi- 
Landes, dessen östlichen Theil früher Barth durchzogen 
hatte und dessen mittlere Gegenden später v. Beurmann 
besuchte, kam südlich his zum Dorfe Eoddokschan und 
ging über Munneh, Jaijoa und die Udje etwas westlich 
Yon Barth's Beute nach Euka zurück (22. Mai). Durch 
die grossen Anstrengungen während der letzten Reisen 
sehr geschwächt machte er bis zu Barth's Rückkehr aus 
Bagirmi (21. August) nur kurze Exkursionen an den Tsad 
und nach anderen Richtungen; erst Ende August unter- 
nahm er wieder einen grösseren Ausflug, um den üblen 
Folgen eines verlängerten Aufenthaltes in Euka während 
der ungesunden Regenzeit zu entgehen, und erforschte den 
Eomadugu Waube zwischen Dutschi und Jo nebst dem 
anliegenden Land. Am 14. September traf er mit schein- 
bar wiederhergestellter Gesundheit in Euka ein, aber 5 Tage 
darauf befiel ihn heftiges Fieber und auf seinen Wunsch 
nach Madnari gebracht starb er daselbst am 27. Septem- 
ber 1852 um 4 Uhr Morgens im 31. Lebensjahre. 

Dr. Barth giebt seinem dahingeschiedenen Reisegefähr- 
ten das Zeugniss, „er würde, wenn es ihm beschieden ge- 
wesen wäre, glücklich zurückzukommen, gewiss einen in- 
teressanten, lebensvollen Reisebericht entworfen haben" 
und durch seinen frühzeitigen Tod habe die Eenntniss 
Afrika's einen grossen Verlust erlilten; doch ist bei wei- 
tem nicht Alles verloren, was er gearbeitet hat. Seinen 
Briefen, die ihrem Inhalt nach in A. Petermann's „Account 
of the Expedition to Central Africa" übergegangen sind, 



und den Aufzeichnungen in seinem Tagebuch, welche Barth 
für sein Reisewerk benutzt hat, verdanken wir viel Werth- 
voUes von allgemeinem geographischen wie von speziell 
natorhistorischen, namentlich geologischen Interesse; an 
der Erforschung der grossen, nie vorher von Europäern 
bereisten Route von Tripoli über Misda nach Mursuk und 
von da über Rhat und Air nach dem Sudan hat er den 
wesentlichsten Theil durch seine Breitenbestimmungen, 
Höhen messungen und Eartenskizzen , eben so an der Fest- 
stellung der später mit Barth bereisten Route nach dem 
Musgu -Lande. Am empfindlichsten ist der Verlust aus- 
führlicher Ausarbeitung bei den von Overweg allein unter- 
nommenen Reisen, doch gewähren seine kurzen Aufzeich- 
nungen wenigstens eine vorläufige allgemeine Einsicht in 
die Natur der Landschaften Gober und Maradi, des Archi- 
pels* im Tsad und der südwestlichen Provinzen Bomu's 
und manches wichtige Factum ist durch dieselben fest- 
gestellt, wie denn auch hier die astronomischen Beobach- 
tungen vorwog's, besonders seine Positions- Bestimmung 
der Insel Belarigo im Tsad, unseren Earten sehr zu Gute 
gekommen sind. 

Eduard Vogel wurde als Verstärkung für die beiden 
Deutschen Mitglieder der Expedition nachgesandt, denen 
nach Richardson's Tode eine für zweier Menschen Eraft 
übergrosse Arbeit zugefallen war; doch musste er in Wirk- 
lichkeit Overweg ersetzen, denn an demselben Tage, ala 
Vogel von Southampton abreiste, traf die Nachricht von 
Overweg's Tod in London ein. Nach längerem Aufenthalt 
in Tripoli, der durch einen Ausflug nach Lebda und Kus- 
sabat im Mesellata-Gebirge unterbrochen wurde, trat Vogel 
von dort am 28. Juni 1853 seine Reise nach Bornu an. 
Die gewöhnliche Strasse über Beniolid, Sokna, Mursuk 
und Bilma wählend erreichte er Mursuk am 5. August, 
besuchte von da aus im September die Natronsee'n bei 
Mandra und Bimbedja nordwestlich von Mursuk, verliess 
letztere Stadt am 13. Oktober und gelangte nach langer 
Wüstenreise am 13. Januar 1854 nach Euka. Dieses 
machte er, wie vor ihm Denham und Clapperton, Barth 
und Overweg, zum Ausgangspunkt seiner ferneren For- 
schungen. Nach einigen kleineren Exkursionen in die 
nächste Umgegend begleitete er am 24. März den Scheich 
von Bornu auf einer Sklavenjagd nach dem Musgu- und 
Tubori- Lande, wobei er etwa \ Breitengrad südlicher vor- 
dringen konnte (bis 9® 30' N. Br.) als Barth und Over- 
weg, und zwar zur Regenzeit, als sich die Suropffläche 
(Ngaldjam) von Wulia und Tubori in einen grossen 8co 
verwandelt hatte. Mitto Juni zurückgekehrt trat er am 
19. Juli eine Reise nach dem Gebirgsland Mandara an, in 
dessen Hauptstadt Mora er auf Anstiften des Scheichs von 
Bornu über einen Monat gefangen gehallen und mit dem 



M. V- Bcurmann 8 Tod nebst Übersicht seiner Reise so wie derjenigen von Overwreg, Vogel u. Steudner. 29 



Tode bedroht wurde. Er entkam nach der Landschaft { 
TJdje im südlichen Bomn und gleichzeitig nahm seine Lage 
dadurch eine günstige Wendung, dass der ihm feindlich 
gesinnte Scheich Abd e Bahman Ton Bornu, der sich ge-^ | 
waltsam der Regierung bemächtigt hatte, seinem Bruder | 
Omar, dem früheren Scheich, unterlag. Er ging nun in • 
der letzten Hälfte des November nach Sinder, um die etwa 
angekommenen neuen Hülfsmittel in Empfang zu nehmen, 
und bei dieser Gelegenheit war es, dass er am 1. Dezem- 
ber unfern Bundi mit Barth zusammentraf, den er seit 
lange todt geglaubt und der erst jetzt von seiner gefahr- 
ToUen Beise nach Timbaktu zurückkam. Am 8. Dezember 
irar Yogel in Sinder und am 29. bereits wieder in Kuka, 
wo er einige Wochen mit Barth zusammen verbrachte, 
bevor er am 20. Januar 1855 eine Heise nach Jakoba in 
Bautschi antrat. Über Oudscheba, Qebbeh und Qombe er- 
reichte er glücklich Jakoba, machte mit dem Sultan mili- 
tärische Streifzüge durch das Land und brach nach langer 
schwerer Krankheit, die ihn in der ersten Hälfte des März 
an den Band des Grabes brachte, nach dem Benue auf. 
Er überschritt diesen Fluss am 30. April in Hamarrua an 
der Stelle, wo Baikie's Dampfschi£Ps-Ezpedition umgekehrt 
war, imd wollte nach Jola, der Hauptstadt von Adamaua, 
vordringen, wurde aber durch einen Aufstand der Ba- 
tscfaama gegen den Beherrscher dieser Provinz genöthigt, 
nach Gombe zurückzukehren. Von da aus zog er aber- 
mals westwärts durch das Quellgebiet des Gongola nach 
Sana und Bebedschi, um auf diese Weise Lander's, Clap- 
perton's und Barth's Entdeckungen mit denen der Benue- 
Expedition zu verbinden, traf Anfang September wieder 
in Jakoba ein und wendete sich in südlicher Richtung 
zum zweiten Mal dem Benue zu. Es gelang ihm, die 
Hauptstadt von Kuana südlich vom Benue zu erreichen 
nnd in diesem Fluss den Ajuh (Manatus Yogelii), eine 
neue Art der Fischsäugethiere, zu entdecken. Zu Anfang 
November kehrte er nach Jakoba und am 1. Dezember 
nach Kuka zurück. So weit reichen die Nachrichten von 
ihm selbst, seine ferneren Schicksale sind erst in neuester 
Zeit aufgeklärt worden. Man weiss jetzt, dass er am 
1. Januar 1856 Kuka verliess, um ostwärts nach den Nil- 
Ländern zu gehen, dass er seinen Weg südlich um den 
Tsad nach Fittri, Jao, Birket Fatima, Bororit und Wara 
nahm, nach 26 Tagen, also um den 25. Januar, an letzte- 
rem Orte ankam und um den 8. Februar 1856 auf Befehl 
des Sultans daselbst ermordet wurde. 

Yogers Verdienste sind allgemein bekannt Zwei für 
eine solche Eeise besonders wichtige Fächer, die Astro- 
nomie und die Botanik, vertretend und mit dem lebbaf- 
teaten wissenschaflHchen Interesse die hingebcndste Auf- 
opferung verbindend musste er Ausserordentliches leisten. 



Die Strasse von Tripoli über Sokna, Mursuk und Bilma 
nach Kuka war schon] vor ihm mehrmals bereist worden, 
aber erst seine Positions-Bestimmungen haben sie in zu- 
verlässiger Weise niedergelegt, so dass sie jetzt eine der 
wichtigsten Grundlinien für die Karten von Afrika ab- 
giebt; eben so haben seine Längenbestimmungen von Kuka 
und anderen Punkten des mittleren Sudan die Lage des 
Tsad und seines Gebiets zuerst festgestellt. Nicht minder 
wichtig sind seine Höhenmessungen , welche zusammen 
mit den Overweg'schen eine vollständig unerwartete Ober- 
flächengestaltung Nord-Afrika's ergaben, seine magnetischen 
Beobachtungen, seine Pflanzensammlungen, und von grösster 
Bedeutung für die Geographie des Sudan wären seine Rei- 
sen zwischen dem Tsad, dem Benue und der Stadt Saria 
geworden, wenn es Vogel vergönnt gewesen wäre, Bericht 
darüber zu erstatten, denn nur eine Anzahl Positions- 
Bestimmungen und einige wenige anderweitige Facta hat 
er in seinen Briefen mitgetheilt. Die Hoffnung, eins der 
geistreichsten und zugleich für die Geographie und Natur- 
geschichte bedeutendsten Reisewerke aus seinen Händen 
hervorgehen zu sehen, ist mit ihm zu Grabe gegangen. 

Die Ungewissheit , welche über Vogers Schicksal so 
lange Jahre hindurch schwebte, die allgemeine Theilnahme 
für einen der talentvollsten Söhne Deutschlands, rief die 
verschiedenen Unternehmungen zu seiner Aufsuchung ins 
Leben, die zwar der Kunde Afrika's zum vielfachen Nutzen 
gereicht haben, aber mit allzu schweren Opfern verbunden 
waren, v. Neimans, Ouny, v. Beurmann und Steudner, alle 
vier verfolgten dieses Ziel und liegen nun in Afrika- 
nischem Boden begraben, v. Neimans starb bekanntlich 
schon in Kairo, Guny gelangte bis Darfur und hat ein 
lehrreiches Tagebuch hinterlassen, dem grössten, unter 
Th. V. Heuglin's Leitung stehenden Unternehmen dieser 
Art aber hatte sich Steudner angeschlossen. 

Dr. JJ. Steudner landete von Triest kommend am 
4. März 1861 in Alexandria, machte mit Hansal und Schubert 
von da einen Ausflug nach Rosette (10. bis 12. März) 
und siedelte mit der gesammten Expedition gegen Ende 
des Monats nach Kairo über. Der Aufenthalt daselbst 
währte, durch Exkursionen über Haoka nach Belbes, nach 
dem versteinerten Wald, den Pyramiden und nach Fayum 
unterbrochen, bis zum 25. Mai, an welchem Tage die Ex- 
pedition per Eisenbahn nach l^ues überfuhr. Nach einem 
Besuch der Moses - Quellen (27. bis 30. Mai) trat sie am 
8. Juni die Fahrt durch das Rothe üleer an, hielt sich 
vom 6. bis 11. in Djedda auf, legte am 15. bei der Insel 
Hermil, der nordöstlichsten der Dahluk- Gruppe, bei und 
landete am 17. in Massaua. Von da aus besuchte Steud- 
ner mit Th. V. Heuglin nochmals den Dahlak- Archipel 
(20. bis 28. Juni), am 30. Juni aber giDg dio ganze Ex- 



30 M. V. Beurmann's Tod nebst Übersicht seiner Reise so wie derjenigen von Overweg, Vogel u. Steudner. 



pedition nach M'Eullu und von da aus am 13. Juli nach 
Keren im Lande der Bogos, wo sie am 21. anlangte. Ihre 
dortigen A.rbeiten und die Ausflüge nach dem Debra Sina 
und Zad' Amba haben in Verein mit Munzinger's For- 
schungen die Grenzländer im Norden Abessiniens» die 
noch vor wenigen Jahren so gut wie ganz unbekannt wa- 
ren, wissenschaftlich erschlossen. Sie endeten am 28. Ok- 
tober mit der Abreise nach Adoa, wo Steudner, v. Heug- 
lin und Schubert am 14. November eintrafen, nachdem sie 
sich am 11. in Mai Sohecha von Hunzinger und Einzel- 
bach, die westlich durch die Basen nach Kassela gingen, 
getrennt hatten. Von Adoa unternahmen die drei Beisen- 
den am 20. November einen Ausflug nach Axum, blieben 
dann noch bis zum 26. Dezember in Adoa, erreichten am 
23. Januar 1862 die Abessinische Eaiserstadt Gondar nnd 
führten vom 15. Februar bis 4. April eine höchst inter- 
essante Reise über Djenda und die Halbinsel Gorgora, 
Gaffat bei Debra Tabor, . Tschetscheho , Sebit, Wadela, das 
Hochplateau von Talanta, die Thäler des Djidda und Be- 
schilo, Magdala und das Gebirgsland Djimba nach dem 
Kriegslager des Kaisers auf der Hochebene Edschebet im 
Galla-Lande aus, von der sie am 17. Mai nach Djenda 
zurückkamen. Nach kurzem Aufenthalt zogen sie von hier 
am 25. Mai weiter über Tsohelga, Metemme, Doka nach 
Abu Haras und längs tles Blauen Nil nach Ghartum, das 
sie am 6. Juli erreichten. Die unfreiwillige lange Verzö- 
gerung der Expedition in Ghartum wurde zu mannigfalti- 
gen Arbeiten und Erkundigungen, unter Anderem auch zu 



einem Ausflug nach dem am linken Ufer des Weissen 
Flusses emporsteigenden Djebel Araschkol (Oktober) be- 
nutzt. Erst am 25. Januar 1863 gelang es Steudner und 
V. Heuglin durch den Anschlüss an die Tinne'sche Ex- 
pedition, ihreBeise fortzusetzen, und zwar fuhren sie den 
Bahr el abiad und Bahr el Ghasal hinauf bis zum Rek-See. 
Von diesem See, in den sie am 25. Februar eingelaufen 
waren, brachen sie am 23. März nach Westen ins Innere 
des Landes auf, überschritten am 2. April den Fluss 
Djur und erreichten in derselben Nacht das Dorf Wau, wo 
Steudner am 10. April dem Elima erlag. 

Steudner hat über den ganzen Verlauf seiner B.eise 
ausführliche Berichte niedergeschrieben, die in vielseitiger 
Hinsicht eine reiche Fülle des WerthvoUen enthalten. Als 
Botaniker von Fach konnte er üher die Vegetation der 
weiten von ihm durchzogenen Strecken und darunter ganz 
neuer Gebiete, wie der Bogos-Länder , Südost- Abessiniens, 
des Bahr el Ghasal, wichtige Aufschlüsse geben, aber eine 
endgültige Bearbeitung des ganzen wissenschaftlichen Ma- 
terials war auch ihm nicht vergönnt Mit tüchtiger Aus- 
bildung in seinem Fache verband auch er ein glückliches 
Auffiissungs- und Darstellungs-Talent und es ist ein nicht 
genug zu beklagendes Missgeschick, dass die drei Deut- 
schen Naturforscher vorweg, Vogel und Steudner, welche 
am weitesten ins Innere von Nord -Afrika eingedrungen 
sind, in der Blüthe ihres Lebens daselbst erlagen, ohne 
dass der Wissenschaft der volle Nutzen aus ihren Arbeiten 
zu Theil ward. 



Geographische Notizen. 



Oeographiache Nekrologle des Jahres 1808. 

Feter Warren Dease von der Hudson - Bai - Kompagnie, 
durch seine weiten Reisen in Britisch - Nord - Amerika, 
namentlich durch die mit Thomas Simpson 1839 nach 
der Nordküste unternommene, berühmt, starb Mitte Ja- 
nuar zu Cote St. Catherine in Ganada. 

J. Mallat de Bassilan, Dr. med., geb. 1806 zu AngouUme, 
Verfasser einiger Werke üher die Philippinen („Les Ues 
Fhilippines consid^r^es au point de vue de Thydrographie 
et de la linguistique'' , Paris 1843; „Les Philippines, 
histoire, göographie, moeurs, agriculture, Industrie et 
commerce des colonies espagnoles dans TOc^anie", 2 Bde 
mit Atlas, Paris 1846), einer „Description de Tarchipel 
Solou" und mehrerer kleinerer auf Ost- Asien bezüglicher 
geographischen Arbeiten, ist am 25. Januar zu Paris ge- 
storben. (S. Bulletin de la Soc. de g^ogr. de Paris, 
März 1863.) 

Edward Robinson, der berühmte Palästina-Reisende, starb 
am 27. Januar zu New York. Am 10. April 1794 zu 
Southington in Connecticut geboren, liess er sich 1821 
in Andover nieder, besuchte von da aus Deutschland, 
siedelte 1833 nach Boston über und erhielt 1837 die 



Professur der Biblischen Literatur am Theologischen 
Seminar in New York, die er bis zu seinem Tode be- 
kleidete. Ehe er dieses Amt antrat, machte er seine 
erste Reise nach Palästina, deren Frucht die „Biblical 
Researches in Palestine" waren. Seine zweite Reise dahin 
unternahm er 1852 und das Resultat war eine verbes- 
serte Ausgabe der „Biblical Researches" und die 1856 
publicirten „Neueren Biblischen Forschungen in Palä- 
stina". In den letzten Jahren arbeitete er an einer un- 
vollendet gebliebenen Geographie des Heiligen Landes. 
Philippes de Eerhallet, Gapitaine de vaisseau, geb. za 
Rennes den 17. September 1809, seit 1825 in der Fran- 
zösischen Marine, bekannt durch eine Reihe von nau- 
tisch-geographischen Schriften, wie „Instructions pour 
remonter la cote du Brasil de San-Luiz de Maranhao 
iL Para", „Manuel de la navigation sur la cote occiden- 
tale d'Afrique", „Manuel de la naviption dans la mer 
des Antilles et le golf du Mexique", „Manuel de la na- 
vigation dans le d^troit de Gibraltar", „Description nau- 
tique de la cote du Maroc", „Gonsid^rations sur le Pad- 
fique, TAtlantique et Toc^an Indien'', starb den 16. Fe- 
bruar. (S. Revue maritime et coloniale, April 1863.) 



Notizen. 



81 



Oarl Moris t. Beurmaiui, geb. 1835 in Potsdam, auf der 
Königl. Ingenieur - Schale zu Berlin gebildet und einige 
Jahre (1857 bis 1859) PreuBsischer Offizier, unternahm 
1860 eine wissenschaftliche Beise durch Nubien, den 
Ägyptischen Sudan und die Bogos-Länder und trat 1861 
zurückgekehrt noch in demselben Jahre eine Beise von 
Bengasi über Mursuk nach dem Sudan an, um über das 
Schicksal Eduard Yogers Aufsohluss zu suchen. Ende 
Augast 1862 in Euka angekommen machte er in den 
Monaten September bis Dezember eine Reise tou dort 
nach Jakoba in Bautschi und brach im Januar 1863 
von Kuka nach Wadai auf, wurde aber im östlichen 
Eanem ermordet. (S. Seite 25 dieses Heftes.) 

Franz Xaver Zippe, Professor der Mineralogie an der TJni- 
Tcrsität zu Wien, geb. den 15. Januar 1791 zu Fal- 
kenau im Leitmeritzer Kreise Böhmens, starb am 22. Fe- 
bruar. Durch seine geologischen und topographischen 
Arbeiten über Böhmen, namentlich durch seinen Anteil 
an Sommer's „Topographie Böhmens", in welchem "Werke 
die reichlichen geognostischen Angaben und die Yoll- 
ständige topographische Beschreibung von 135 Dominien 
von ihm stammen, hat er sich auch um die Geographie 
Verdienste erworben. (S. österr. Wochenschrift für Wis- 
senschaft, Kunst und öffentliches Leben, 4. April 1863.) 

Br. H. Steudner aus Greiffenberg in Schlesien, Botaniker 
der Deutschen Expedition nach Inner - Afrika, starb 
31 Jahre alt am 10. April zu Wau im Gebiete des Bahr 
elGhasal. (S. „Geogr. Mitth." 1860, 8.444; 1868, 8. 317.) 

Bichard Thornton, der junge Englische Geolog, welcher 
die letzte Livingstone'sche Expedition als Topograph und 
Geolog begleitete, mit dem Baron v. der Decken nach 
dem Kilimandscharo ging und darauf zu Livingstone an 
den Zambesi zurückkehrte, erlag am 21. April in der 
Nähe der Murchison-Katarakte am Schire der Dysenterie 
und dem Fieber. 

John Ouchterlony, Öberstlieutenant der Kgl. Ingenieure 
in der Präsidentschaft Madras, um die Kenntniss und 
Kultur Süd-Indiens, zumal der Neilgherries vielfach ver- 
dient (s. u. A. seine werthvolle Abhandlung im 4. Bde 
der „B.eports from the select committee on colonization 
and settlement of India, ordered by The House of Gom- 
mons to be printed, 1858"), starb am 29. April zu Oota- 
camund. 

Whitcombe, Chef der Landesvermessung in der Neu -See- 
ländischen Provinz Canterbury, suchte im J. 1863 einen 
gangbaren Pass über die Alpen im nördlichen Theil der 
Provinz, gelangte auch Anfang Mai glücklich an die 
Westküste südlich von der Mündung des Brunner-Flus- 
ses, ertrank aber bald darauf beim Übersetzen über den 
Taramakau*Fluss. * 

Graf Albert Ferrero della Marmora, General - Lieutenant, 
Vice-Präsident der Turiner Akademie der Wissenschaf- 
ten, berühmt durch sein Werk über die Insel Sardinien, 
starb 76 Jahre alt am 18. Mai zu Turin. 

Peter Andreas Munch, geb. den 15. Dezember 1810 in 
Christiania, seit 1837 an der dortigen Universität thätig, 
berühmt als Historiker, aber nicht minder verdient um 
die Geographie seines Vaterlandes Norwegen , von dem 
er ausser einer historisch - geographischen Beschreibung 
des Königreichs im Mittelalter (1849) mehrere werth- 



volle Karten herausgegeben hat, starb am 25. Mai in 
Rom. 

Joseph V. Bussegger, geb. zu Salzburg am 18. Oktbr. 1802, 
K. K. Ministerial-Rath , Direktor der Berg- und Forst- 
Akademie zu Schemnitz in Ungarn, Mitglied der Kaiserl. 
Akademie der Wissenschaften, K. K. Kammergraf u. s. w., 
berühmt und hoch verdient durch seine „Reisen in Eu- 
ropa, Asien und Afrika, 1835 bis 1841'' (Stuttgart 
1841 bis 1848), eine der ersten Autoritäten für die 
Geographie und Naturgeschichte der Nil- Länder, starb 
am 20. Juni zu Schemnitz. (8. Österr. Zeitschrift für 
Berg- und Hüttenwesen, 13. Juli 1863.) 

Dr. Samuel Prescott Hildreth, geb. den 30. Septbr. 1783, 
einer der ersten Pioniere der Naturwissenschaften west^ 
lieh von den Allegbany- Bergen, bekannt durch geolo- 
gische Arbeiten in Ohio und langjährige meteorologische 
Beobachtungen zu Marietta (beide in Silliman's American 
Journal publicirt), starb daselbst am 24. Juli. 

Lieut. - Commander Dolbin und Lieut. Atkinson von der 
Englischen Niger- Expedition ertranken am 1. September 
bei Lagos an der Afrikanischen Westküste. 

J. Washington, Admiral, früher als Sekretär der Königlichen 
Geographischen Gesellschaft in London tmd Reisender 
in Marokko, die letzten sechs Jahre (seit dem Ableben 
des Admiral Sir F. Beaufort am 17. Dezember 1857) 
als Hydrograph der Britischen Admiralität durch uner- 
müdliche Thätigkeit um die Förderung der Geographie 
in allen Welttheilen und Meeren hoch verdient, erlag 
den Folgen allzu angestrengten Arbeitens am 16. Sep- 
tember. Admiral Washington war als Mensch und ijs 
Mann der Wissenschaft gleich ausgezeichnet und einer 
der wenigen bedeutenden Männer, deren gute Werke 
im Stillen ausgeübt werden, ohne mit Prunk an die 
Öffentlichkeit zu treten. Wir verehrten in ihm einen 
edlen Freund von grösster Herzensgüte, welcher zu jeder 
Zeit mit der uneigennützigsten Aufopferungsfähigkeit 
bereit war, der geographischen Wissenschaft zu nützen. 
Die Leser dieser Zeitschrift haben ihm manche Mitthei- 
lung, manche Karte zu danken, die nur durch seine Güte 
hier znr Öffentlichkeit gelangten. 

Adolf Schmidl, Professor der Geographie am Ofher Josephs- 
Polytechnicum , hauptsächlich durch seine bedeutenden 
Arbeiten über die Höhlen am Ötscher, im Karst und 
in anderen Gebirgen des österreichischen Kaiserstaates 
rühmlichst bekannt, aber auch sonst durch naturwissen- 
schaftlich-geographische Leistungen, so noch vor Kurzem 
durch sein Werk über das Bihar-Gebirge verdient, starb 
am 21. November zu Ofen. 



Aus dem Jahre 1862 sind nachzutragen: 
Isaac I. Stevens, Amerikanischer General, der als Gouver- 
neur des Washington - Territoriums durch Forschungen 
und Aufnahmen, besonders durch seine Rekognoscining 
einer Eisenbahnroute vom Mississippi nach dem Grossen 
Ooean nahe dem 47. und 49. Parallel (siehe die „Reports 
of ezplorations and surveys to ascertain the most practi- 
cable route for a railroad from the Mississippi to the 
Pacific Ocean, 1853 bis 1855"), die Geographie von 
Nord- Amerika wesentlich gefördert hat, fiel am 1. Sep- 



Notizen. 



tember 1862 in einem Gefecht bei Fairfax Court House 
in Virginien. 

Newton Spaulding Manross, Professor der Chemie zu Am- 
herst in I^ord- Amerika, fiel am 17. September 1862 in 
der Schlacht von Antietam. Er ist in der geographi- 
schen Literatur durch seine mit Rücksicht auf einen 
interoceanischen Kanal unternommenen Forschungen auf 
dem Isthmus von Panama, so wie durch seine Beschrei- 
bung des Asphaltsee's in Trinidad, den er 1855 besuchte 
(Silliman's American Journal, Vol. XX, p. 153), be- 
kannt. 

Joseph Hamel, der bekannte Russische Akademiker, dem 
auch die Erdkunde Manches verdankt, wie seine Arbei- 
ten „De r^tude du Caucase, faite par ordre du Tsar 
Michel F^odorovitch" (1829), „Über einige im Nord- 
ocean gelegenen Inseln Russlands*' (1848), „Über die 
l^ordost- Expedition von 1580*' (1852), über „Sebastian 
Cabot" (1853), starb and 22. September 1862 zu London 
im Alter von 74 Jahren. 

Lucas Barrett, ein um die naturwissenschaftliche Erfor- 
schung der Insel Jamaica verdienter Geolog, fand daselbst 
am 18. Dezember 1862 bei einer Taucherfahrt an der 
Küste bei Kingston seinen Tod. Im November 1837 in 
England geboren, kam er 1853 nach Sachsen, um eine 
Deutsche Erziehung zu geniessen, begleitete 1855 M° An- 
drew auf dessen erfolgreicher naturwissenschaftlichen 
Expedition nach Finnland und wurde bei seiner Rück- 
kunft zum Custos des Universitäts - Museum in Cam- 
bridge gewählt. Im J. 1856 bereiste er die Küsten von 
Grönland, im J. 1857 jene von Portugal, um die Fauna 
des Meeres zu studiren, und im J. 1859 wurde er zum 
Direktor der geologischen Aufnahme von West -Indien 
ernannt. 

Karl Ludwig Rümker, der bekannte Nautiker und Astro- 
nom, geb. 1788, starb am 21. Dezember 1862 zu Lis- 
sabon. Anfangs im Dienste der Ost-Indischen Kompagnie, 
später in der Englischen Kriegsmarine als Navigations- 
Lehrer angestellt, hatte er Gelegenheit, einen grossen 
Theil der Erde zu sehen. Von 1817 bis 1821 leitete 
er die Navigations - Schule zu Hamburg, 1822* folgte er 
Sir Thomas Brisbane nach Australien, wo er Direktor 
der Privat - Stern warte von Paramatta wurde, 1831 kam 
er aber nach Europa zurück, um die Direktion der Ham- 
burger Sternwarte zu übernehmen, die er bis 1857 behielt. 

Sueur-Merlin, Mitbegründer der Pariser Geographischen Ge- 
sellschaft, Verfasser vieler in deren Bulletin publicirter 
geographischen Aufsätze und Notizen. 

Albert Mont^mont, seit 1825 Mitglied der Geographischen 
Gesellschaft zu Paris, Verfasser zahlreicher Analysen 
geographischer Werke und sonstiger Aufsätze und No- 
tizen im Bulletin der genannten Gesellschaft. 

J. Khanikoff, im J. 1851 Sekretär der Kaiserl. Russischen 
Geogr. Gesellschaft, um die Erdkunde hauptsächlich ver- 
dient durch seine Beschreibung der Orenburgischen Län- 
der (publicirt in den Materialien zur Statistik von Russ- 
land, herausgegeben von der Statistischen Sektion 1839) 
und die zugleich mit Dahl eingezogenen Erkundigungen 
über die Strassen von Chiwa. 

E. Tschirikoff vom. Russischen Generalstab, namentlich 
durch seinen Antheil an der Vermessung der Grenze 



zwischen Persien und der Türkei in den Jahren 1848 
bis 1852 bekannt. 

V. Boriisoff, hauptsächlich durch seine historisch-statisti- 
schen Untersuchungen über den Distrikt von Schuja 
verdient. 

J. Volkoff, durch einige Arbeiten über Sibirien und seine 
Goldminen bekannt 

Miliutin, früherer Sekretär der Kaiserl. Rassischen Geo- 
graphischen Gesellschaft. 



Im J. 1862 oder zu Anfang des Jahres 1863 starb 
William John Burchell, um die Geographie und Natur- 
geschichte Süd-Afrika's durch seine in den Jahren 1810 
bis 1812 daselbst ausgeführten Reisen hoch verdient. 



ABlatische Hühner im nordwestllohen Deutschland. 
Von Konrektor Krause in Stade. 

Das massenhafte Auftreten des Fausthuhnes der Kir- 
gisen-Steppe in den Haiden und an den Küsten Hanno- 
vers im vorigen Frühling und Sommer ist gewiss nicht al- 
lein eine ornithologisch , sondern auch klimatisch - geogra- 
phisch aufiPällige Erscheinung, deren Grund vielleicht aas 
jenen Östlichen Gegenden noch zu erfahren stände. Die 
Fausthühner (Syrrhaptes paradoxus, Fall.) sind bei uns An- 
fangs Mai erschienen und hin und wieder als sehr matt 
geschildert, ob wegen langer Wanderung oder aus Mangel 
geeigneten Futters, ist nicht bekannt. An anderen Orten 
haben sie augenscheinlich gebrütet und sind auf der Insel 
Borkum in beträchtlichen Schaaren noch beim Herbstanfang 
gesehen. Ich habe mir aus den Hannoverischen Blättern 
die Angaben über das Vorkommen des Vogels gesammelt 
und stelle sie hier zusammen. Am 24. Mai wurden 10 Stück 
zu Wolterdingen bei Soltau in der Lüneburger Haide ge- 
sehen und 1 Weibchen geschossen. Vier, vielleicht des- 
selben Fluges, wurden etwas später zu Lünzmühlen bei 
Schneverdingen bemerkt und eine matte Henne gegriffen, 
die bald starb. Anfangs Mai wurde bei Polle an der Weser 
ein Weibchen mit fast reifem Ei geschossen, am 25. Mai 
zu Gleidingen (Fürstenthum Hildesheim) ein Huhn todt 
unter dem Telegraphendraht gefunden, fast gleichzeitig zu 
Lingen ein vom Telegraphendraht verwundeter Hahn le- 
bendig gefangen. Zu Oldendorf bei Stickhausen in Ost- 
Friesland sind 2 Weibchen, beide mit Brütflecken am 
Leibe, geschossen und Ende Juni sollen bei Einbeck 60 
bis 80 Stück beobachtet und von einem Ornithologen re- 
kognoscirt sein. Endlich sind die Hühner auf der Insel 
Borkum zuerst am 8. Juni gesehen, dort nachher in Schaa- 
ren beobachtet, so dass ein einziger Jäger den Sommer* 
über 20 Stück geschossen hat und noch Ende August in 
einem Fluge circa 60 gezählt seien. Die Kröpfe der ge- 
schossenen Exemplare waren mit den Samen uud Blatt- 
spitzen der Strandpflanzen gefüllt, an denen die Thiere 
eine gedeihliche Nahrung gefunden zu haben scheinen. 
Möglicher W^eise könnte das Huhn auch hier in der Näho 
gesehen sein, Bauern sprachen von einer eigenthümlichen 
Bekassine, aber ohne langen Schnabel. Gerüchten nach 
wären die Hühner auch auf Helgoland und in England 



-NotisBen. 



38 



bemerkt ') und in letzterem Lande seien sie schon ein Mal 
1852 erschienen. Neben den Hühnern sind einige östliche 
Beiher im Hannoverischen angetroffen, ein Silberreiher bei 
Emden geschossen, ein Männchen von Ardea ralloides am 
Dümmer See, 2 Ardea nycticoraz zn Oldendorf hei Stick- 
haosen, nnd eine ganze Kolonie der letzteren hat vergan- 
genen Sommer üher am Seeburger See hei Göttingen ge- 
haust, man hat dort 8 Nester gezählt nnd 7 alte und 
9 Junge geschossen. Vom Süd-Europäischen Weissen Löf- 
felreiher (Platalea leucorodia) zeigte sich 1857 im Juli ein 
Haufen von 8 Stück bei Brunshausen an der Elbe und 
1 wurde vom Bord des Zollkreuzers erl^. 



BusBische Fortschritte im Kaukasus. 

Am 16. Oktober 1863 hat sich der Stamm der oberen 
Abadsechen den Bussen unterworfen und am 18. Oktober 
einen Vertrag mit ihnen abgeschlossen, wonach sie bis 
zum 12. Februar 1864 ihr Gebiet, das zwischen der neuen 
Eussischen Strasse längs des Tschisch, den Quellen des 
Psekup, dem Berg Chotch und der Grenze des Gebiets der 
Schapsugen liegt, räumen und entweder nach der Türkei 
auswandern oder sich nach ihnen anzuweisenden Bussi- 
schen Ländereien begeben. Somit kann die Unterwerfung 
des nördlichen Kaukasus als vollendet angesehen werden 
und es bleibt den Bussischen Truppen noch der südwest- 
liche Abhang und die Eüstengegend am Schwarzen Meer 
zu erobern. 



BampftohifRfahrt In West-Sibirien. 

Im Jahre 1863 hat man begonnen, eine regelmässige 
Dampfschiffahrt zwischen Irbit an der Nitsa (Gouverne- 
ment Perm) und den West-Sibirischen Städten am Tobol, 
Irtisch, Ob und anderen schiffbaren Flüssen einzurichten. 



^) Sir William Jardine macht im „Edinburgh New Fhilosophical 
Journal" (Juli 1863, p. 167) bekannt, dasi bei Hnchala, 7 Engl. Mei- 
len südlich, von Aberdeen an der Ostküate Ton Schottland, 2 Exemplare 
Ton Srrrhaptea paradozue am 28. Mai geschossen und in das Museum 
XU Aberdeen abgeliefert vorden sind. Es soll ein Flug ron 15 Stück 
gevesen sein und wahrscheinlich demselben Flug gehörte ein Exemplar 
an, welches yon Perth su Anfang Juni nach Liverpool in das Derby- 
Mnaeum eingeschickt wurde. — Auf Helgoland sind die Fremdlinge 
Tom Maler Oaetke beobachtet und gejagt worden, wie Dr. Brehm in 
der „Gartenlaube" (Kr. 46) mittheüt; auch führt derselbe noch andere 
Orte an, wo die Hühner gesehen wurden: am 17. Mai bei Polkwita 
in Schlesien, am 18. Mai in der Tuchelhaide in West-Preussen, am 
20. Mai im Dessauischen, am 25. Mai swei Mal in der Prorins Sach- 
sen, am 28. Mai im westlichen HannoTor, am A. Juni in Harelland, 
am 6. Juni auf der Herrschaft Dobrisch in Böhmen , am 16. Juni im 
Kroise Ortelsburg in Ost-Preussen und am 4. August bei Rossbach in Böh- 
men. Auch in Siebenbürgen, Ungarn und auf Seeland sind sie beobachtet 
worden. „Der Weg", sag^ Dr. Brehm, „welchen diese Thiere genommen 
haben, llsst sich durch einen Blick auf die Karte leicht bestimmen. 
Sie flogen in der Bichtnng von Sttdost nach Nordwest durch die un« 
geheueren Steppen des inneren Asiens, welche ihre Heimath bildeten, 
über das Kaspische Meer hinweg, am Kaukasus Torüber, die nördliche 
Küste des Schwarzen Meeres entlang, durch die Donau - Tiefländer, 
Üngim und Schlesien hindurch und yeibreiteten sich strahlenförmig 
über das nordwestliehe Deutschland und die Dänischen Inseln." Noch 
am 16. Oktober wurden drei dieser Hühner bei Hamburg geschossen, 
sie haben also den ganzen Sommer in l^ord- Deutschland zugebracht 
und höchst wahrscheinlich dort gebrütet. A. P. 

Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1864, Heft I. 



Dieser Verkehr ist einer grossen Ausdehnung föhig. So 
iknd ein Dampfer des Kaufmanns Berens in Omsk, welcher 
im vorigen Sommer die Schiffbarkeit des Irtisch und des 
Nor Dsaisan untersuchte, dass der Irtisch seiner ganzen 
Länge nach von 3 Fuss tief gehenden Schiffen befahren 
werden kann, eine Thatsache von grosser Wichtigkeit für 
den Russischen Handel mit China. 



Kolonisation im Amur-Land. 

Eine Korrespondenz aus Nikolajewsk am Amur vom 
Juli 1863 meldet, dass die Ansiedelungen längs des Flus- 
ses Sui-fun, der in den Guerin- oder Amur-Golf mündet, 
nnd an den Ufern des Eenka-See's einen raschen Fortgang 
nehmen, so wie dass das Land zwischen dem See und 
jenem Fluss noch 300 Kolonisten -Familien aufzunehmen 
bestimmt ist. Die zwanzig den Verkehr auf dem Amur 
vermittelnden Dampfer genügen schon nicht mehr dem Be- 
dürfniss. Die Telegraphen-Linie von Nikolajewsk bis zur 
Gastries-Bai ist fast vollendet, die längs des Ussuri in 
Angriff genommen. 



Der Name des höchsten Berges der Srde. 

Bei den Zweifeln, die über den einheimischen Namen 
des von den Engländern Mount Everest getauften Kulmi- 
nations- Punktes (29.002 Engl. Fuss) obwalten <), ist eine 
Notiz von Interesse, welche die Gebrüder v. Schlagintweit 
im dritten Band ihres grossen Werkes (S. 193) der Er- 
klärung des Namens Qaurisiukar beifügen, eines Namens, 
den sie bekanntlich fiir den in Nepal für den Mount 
Everest gebräuchlichen halten. Hermann v. Schlagintweit 
sagt dort: 

„G4uri, „weiss" oder „hell" (fair), ist einer der Bei- 
namen von PSrviti, der Frau Sfva's; Sdnkar oder S&nkara 
= Sfva, hoch verehrt von den Pandits in Nepal. Dieser 
Name zeigt eine merkwürdige Identität mit Tschamalh&ri; 
Tschama = G&uri , Lha=Sfva,- aber dem Tibetanischen 
Namen ist ri, „Berg", angehängt, während die Hindus den 
Berg nicht als einen nach G&uri und Sfva benannten Berg, 
sondern als eine von diesen angenommene Gestalt betrach- 
ten. Den Namen Gaurisdnkar sieht man auf Indischen 
Alterthümern nicht selten für Inkorporationen von Maha- 
d^o und PSrvdti oder für Personifikationen von Lfnga und 
Toni gebraucht (vgl. Maisey, Journal Asiat. Soc. Beng. 1849, 
p. 190), seine Anwendung auf geographische Gegenstände 
war mir aber eben so neu als unerwartet; glücklicher 
Weise bestätigt der Name Tschamalhdri auf das Vollkom- 
menste und ganz unabhängig, dass diese Anwendung des 
Namens der Hindu-Mythologie angemessen ist. 

„Im Tibetanischen heisst der Gipfel Tschfngo-pa-ma-ri, 
ein Wort, für das ich keine Erklärung erhalten konnte. 
Die Indische Vermessung gab ihm, ausser der genauen 
Bestimmung der Länge und Breite, den Namen Mount 
Everest oder Nr. XV. (8. unser Vol. II, Hypsometry, 
p. 297.) 

„Mr. B. H. Hodgson, der mit seinem wohl bekannten 
wissenschaftlichen Eifer von Darjding aus viele Nachfor- 



1) Siehe „Geogr. Mitth." 1867, SS. 889 u. 438; 1858, S. 491. 



84 



Notisen. 



schungen aiiBtellte, am den eigentliohen einheinusohen Na- 
men des Berges zu erfahren, hatte die Güte, mir, ehe ich 
nach Kathmdndn kam, folgende Namen mitzutheilen : 

Nepalesische Namen: Deyadanga, Bhaixabthan, Bhairab- 
langur. 

Tibetanische Namen : Gnalham, Tangla, Gnalham thangla. 
„In seinen Schriften über das Himalaya - Gebirge und 
Nepal (Caloutta, Govt. Seiections, 1857, XXYII) hatte er 
gedruckt: Nyanam, Dhevadhunga und Bhairablaogur (p. 108) 
als die Namen, die ihm damals am wahrscheinlichsten waren. 
„Als jedoch im Frühjahr 1857 mein Besuch von Nepal 
mich in den Stand setzte, in Gegenwart von Jhang Bah&- 
dur und mehreren seiner wohl unterrichteten Pandits mein 
Femglas auf diesen Berg zu richten, der ein so hervorra- 
gender Gegenstand in den meisten Ansichten des Hima^ 
laja-Eammes von Sikkim und Nepal ist, nannten sie ihn 
auf das Bestimmteste nur Gaurisdnkar oder im Tibetani- 
schen Tschingo-pä-ma-ri , und wegen der anderen Namen 
befragt, die sie Mr. Hodgson angegeben hatten, behaupteten 
sie wiederholt, sie hätten nicht so klar verstanden, welcher 
besondere Berg bei den früheren Fragen gemeint gewesen 
sei, und deuteten auf die Schwierigkeit, einen Gipfel zu 
finden, nach dem ohne andere Bezeichnung als geogr. Breite 
und Länge gefragt werde." 



Kohlenproduktion von Neu-Süd-Wales. 

Anknüpfend an die Eröffnung der Bnlli-Eohlenmine im 
Distrikt WoUongong südlich von Sydney im Juni 1863 
giebt der „Sydney Empire** beachtenswerthe statistische No» 
tizen über den sehr bedeutenden Aufschwung, den die 
Kohlenproduktion und Kohlenausfnhr in jener Kolonie ge- 
nommen haben. 

Die verschiedenen Kompagnien forderten in den Jahren 

1858 aus 13 Hinen 96.809 Tonnen im Werth Ton 78.059 Pfd. St., 

1858 „ 19 „ 216.897 „ „ „ „ 162.162 „ „ 

1861 „ 18 „ 342.067 „ „ „ „ 218.820 „ „ 

1862 „ 33 „ 476.522 „ „ „ „ 805.234 „ „ 

Für das letztere Jahr enthält folgende Tabelle die 
spezielleren Daten: 

Kompagnien. Zabl der Minen. Tonnen Kohle. 

Im Gebiet des Hunter-Flusaes. 

Anstnlian Agricultnral ... 4 67.636 

NeweasÜe Goal tnd Copper 2 78.821 

WiUsend 2 125.319 

Wallsend Co-operatiTe ... 1 8.500 

Minmi 2 111.359 

Fonr Mile Creek .... 3 20.200 

Stony Creek 2 1.887 

Branxton 6 7.800 

Tomago 1 15.460 

Lake Macquarie .... 1 200 
WoUongong. 

Monnt Keira 1 17.456 

Bellambi 1 20.857 

Monnt Fleaaant .... 1 4.050 

Taylor and Walker ... 1 7.102 

Berrima. 

Fttsroy Mine 1 10 

ffarüey. 

CoTenreU Mine .... 1 365 

Bazn kommen in neuester Zeit die Minen zu. BuUi, 
Waratah im Honter-Distrikt und Woodford an der Eisen- 
bahn zwischen Newcastle und Maitland. 



Die Koklenansfaikr betrug im J. 1849 10.428 Tonnen, 

1859 173.935 „ 

1860 233.877 „ 

1861 207.780 „ 

1862 808.782 „ 

Im letzteren Jahre repräsentirte die ausgeführte Kohle 
einen Werth von 414.808 Pfd. Sterling, so dass dieses 
Produkt dem Werthe nach jetzt nur noch der Wolle nnd 
dem Oold in der Ausfuhr von Neu- Süd- Wales nachsteht 
Die grÖBste Quantität geht nach Victoria, dann folgen 
Queensland, Süd- Australien, Tasmania, Neu-Seeland, andere 
Britische Kolonien, China, Java, Manilla, Südsee -Inseln, 
Neu-Caledonia, Vereinigte Staaten von Nord- Amerika, an- 
dere fremde Staaten. 



Die Neu-8eelandiBohe Proviiui Bouthland. 

Die Goldfelder an der Grenze von Southland haben 
dieser jüngsten und südlichsten der Neu- Seeländischen Ko- 
lonien zu einem raschen Aufschwung des Verkehrs und 
Anwachsen der Bevölkerung verhelfen, obwohl sie ganz in 
der Provinz Otago gelegen sind. Nach einem zu Ende des 
Jahres 1862 abgehaltenen Census zählten die Orte Inver- 
cargill 1554, Campbelltown (the Bluff) 271, Riverton 270 
und die Landdistrikte 1360 Bewohner, so dass die Oesamnt- 
Bevölkerung 3599 Seelen betrug (gegen 1820 Seelen im 
Jahre 1861). Das angebaute Land hatte eine Ausdehnung 
von 1912 Acres (gegen 1092 Acres im J. 1861), von denen 
122 mit Weizen, 11 mit Gerste, 993 mit Hafer, 284 mit 
Kartoffeln, 35 mit anderen Nutzpflanzen bestellt waren 
und 241 auf angesäete Wiesen, 226 auf Gärten kamen. 
Der Viehstand betrug 1244 Pferde, 9 Maulthiere und 
Esel, 11.670 Stück Hornvieh, 110.231 Schafe, 86 Ziegen, 
1134 Schweine und 7606 Stück Geflügel (gegen 812 Pferde, 
9139 Stück Hornvieh, 73.907 Schafe und 4163 Stück Ge- 
flügel im J. 1861). Die Zahl der im J. 1862 angekom- 
menen Schiffe in Inveroargül und Campbelltown, der ab- 
gereisten fast gleich, war 235 (12.758 Tonnen) gegen 78 
(5778 Tonnen) im J. 1861. 



Die Meeresströmungen an der Südspitze Afirika's. 
Von A. Mühry, 

Die so sehr verwickelt scheinenden Verhältnisse der 
Meeresströmungen an der Südküste Afrika's erhalten ein 
klareres Verstand niss, wenn man das allgemeine geographi- 
sche System der Meeresströme darauf anwendet; dann er- 
giebt sich folgende Vorstellung (da die Thatsachen bekannt 
sind, bedarf es nur einer kurzen Angabe): An der östli- 
lichen Küste fliesst der sogenannte Mozambique- Strom 
hinauf, diess ist der abgelenkte Rotations- oder Aquatorial- 
Strom, daher wann, etwa 17** R.; die gewöhnliche An- 
nahme ist, er gehe um das Kap herum und an der west- 
lichen Küste wieder hinunter, obgleich die Motive dazu 
nicht wohl zu ersehen sind (die ihn vielmehr zur Kom- 
pensation theils nach Süden weiter aspiriren als Antipolar- 
Arm, theils nach Westen zurück als Antiäquator- Arm) 
und obgleich hier längs der westlichen Küste ein kon- 
trastirend kälterer Strom sich vorfindet, etwa nur von 1 1 * R. 
(nach J. Ross) Temperatur. Richtiger scheint es, in die- 
sem den Polar-Strom zu erkennen, der zur Kompensation 



Nofisen. 



85 



des Rotations - Stromes im Atlantischen Meere hierher ge- 
zogen yritd, wie analog ein noch grösserer anch an der 
westlichen Küste Süd - Amerika's, der ,, Antarktische" oder 
„Humboldt-Strom" genannt, nnd auch ein kleinerer an der 
westlichen Küste Australiens bestehen. 

Mit solcher Annahme erklären sich ziemlich befriedi- 
gend die auf der Agalhas-Bank vorkommenden Phänomene, 
nämlich an der Westseite des Kaps die kalte, von Süden 
kommende Strömung, an der Ostseite die warme, von Nor- 
den her kommende Strömung, zwischen beiden die Enhe 
des Meeres mit einigen Wirbelungen, femer auch unter 
den meteorologischen Erscheinungen die Nebel und die 
stürmischen Winde. — Vielleicht werden die Seefahrer die 
dargebotene Vorstellung auch für praktische Benutzung 
brauchbar finden. 



I>ie milde Winter-Temperatur in Grönland. 
Von A, Miihry, 

Wohl bekannt ist die auffallende, mit dem westlichen 
Kontinent von Amerika einen so starken geographischen 
Kontrast bildende milde Winter-Temperatur des bewohnten 
Theils von Grönland, d. i. der schmalen westlichen Küste 
von 60* bis 72* N. 6r. Ein Blick auf die Isothermen- Karte 
belehrt in der That, wie hier die Januar-Linien von We- 
sten her sehr steil aufsteigen, z. B. die Januar- Isotherm- 
Linie von — 12* R. liegt etwa um 18 Breitengrade nördli- 
cher in Grönland als im Inneren von Nord- Amerika und auf 
gleicher Parallele, 67* N. Br., verläuft auf dem Kontinente 
etwa die Januar- Linie von — 26* R. ; aber auch an^der West- 
küste des neuen Kontinentes findet sich keine ähnliche 
Wintermilde wie in Grönland, noch weniger aber wieder- 
holt sich 'diese an der analogen Ostseite Asiens, wo Kam- 
tschatka mit gleichen Januar - Linien um 10 Breitengrade 
südlicher gelegen ist als Grönland. 

Schon früher hat man diese thermo-geographische Ano- 
malie zu erklären gesucht durch die Annahme, dass Grön- 
land, obgleich von so grosser Ausdehnung, eine Inselwelt 
darstelle und daher ein oceanisches Klima besitzen müsse. 
In neuerer Zeit ist die Kenntniss dazu gekommen, dass 
das ganze Gebiet überlagert ist mit einer über 1000 Fuss 
mächtigen Gletschermasse, zumal nach Rink's Forschungen. 
Diess spricht einigermaassen gegen die Annahme einer In- 
selwelt, verlangt auch eine gewisse beträchtliche Erhebung 
des Bodens ; seitdem aber der eben genannte Forscher ganz 
vor Kurzem in ErfSahrung gebracht und nachgewiesen hat, 
dass auch hier an der ünterfläche der allgemeinen Eis- 
decke Ströme süssen Wassers vorhanden sind, die in das 
Meer sich ergiessen, darf und muss damit auch eine neue 
Deutung der erwähnten klimatischen Anomalität hervortre- 
ten, sobald man die in der Gletscherwelt der Alpen ge- 
wonnenen näheren Kenntnisse von deren physikalischen 
nnd besonders von deren Temperatur- Verhältnissen hierauf 
anwendet Die dann sich ergebende Vorstellung mag mit 
folgenden kurzen Worten ausgesprochen werden. 

Wenn das mächtige Gletscherlager von Grönland „Glet- 
scherbäche'' besitzt, was kaum noch zweifelhaft ist, so sind 
daraus mehrere wichtige Folgerungen zu ziehen, nämlich 
L im Sommer erfolgt auf der Oberfläche des Gletscher- 
lagers eine Schmelzung des Schnee's und der Eisschicht, 



als Wirkung der Insolation, bis zu einer gewissen Höhe, 
der Fimlinie; 2. ehe dieses Schmelzwasser an die ünter- 
fläche gelangt und längs derselben abfliesst, durchdringt 
und durchtränkt es das ganze poröse und lufterfüllte (denn 
die eigentliche Bildung des Gletschereises erfolgt mittelst 
des eigenen Gewichts der Sohneemassen direkt) Bislager; 
3. damit wird dem ganzen Inneren eine gleichmässige 
Temperatur mitgetheilt von nahe bei 0* R. ; 4. diese ver- 
hältnissmässig hohe Temperatur kann auch während der 
äusseren Winterkälte nicht verloren gehen in Folge der 
schwachen Wärmeleitung des Eises, ausser bis in gewisse 
geringe Tiefe der Oberfläche , welche Tiefe vielleicht nicht 
den 20. Theil der zu 1000 Fuss mächtig angenommenen 
Eismasse erreichen würde. Demnach befindet sich hier 
mit dem Gletscherlager gleichsam ein Ofen von 0* Tem- 
peratur über der Landstrecke ausgebreitet, überall da, wo 
die Oberfläche des in permanentem Vorrücken begriffenen 
Gletschers nicht zu hoch liegt, um im Sommer unftr der 
Sonnenstrahlung eine bedeutende Abschmelzung zu erfah- 
ren; die Firnlinie kann man aber hier sicher etwa bis 
2000 Fuss Höhe im Mittel annehmen. 

Ähnliches gilt von Island, Spitzbergen u. A., aber auch 
von den schwimmenden Eisbergen, diesen abgebrochenen 
Enden der Gletscher der Melville-Bai ; sie würden weit 
längerer Zeit zum Zerschmelzen bedürfen, wenn sie nicht 
durch und durch schon nahe bei 0* R. temperirt wären. 



Der Aconoa^ua und einige andere vermeintliche Vulkane 
der Andes. 

In einem Bericht von Sainte-Claire-Deville über meh- 
rere von Pissis in Santiago an die Pariser Akademie ein- 
gesendete Abhandlungen ') wird erwähnt, dass dieser Geo- 
log nicht nur die Höhe des Aconcagua durch eine voll- 
ständige geodätische Operation zu 6834 Meter (21.038 Par.F.) 
bestimmt habe^), sondern dass durch ihn auch erwiesen 
sei, jener gewöhnlich mit dem Namen Volcan d' Aconcagua 
bezeichnete Gipfelpunkt der Chilenischen Andes habe in 
Wirklichkeit nichts Vulkanisches an sich. „Er besteht", 
sagt Pissis, „vom Fuss bis zum Gipfel aus geschichteten 
Gesteinen: die untersten sind dieselben Porphyre, welchen 
man auf jedem Schritt in den Andes begegnet, und die 
obersten scheinen sich, nach einigen abgetrennten Blöcken 
zu schliessen, der Kreide - Formation anzuschliessen. Er 
nimmt die Mitte eines grossen Kreises ein, der etwas öst- 
lich von der Wasserscheide der Andes liegt und von der- 
selben durch das Thal getrennt wird, in welchem der Rio 
de Mendoza entspringt. Einige syenitische Gesteine sieht 
man in dem unteren Theil des Kreises, der zur Zeit mei- 
nes Besuches fast ganz mit Schnee angefüllt war, so dass 
ich mir nicht die Gewissheit verschaffen konnte, ob es dort 
Eruptivgesteine jüngeren Ursprungs giebt." 

In gleicher Weise belehrt uns der Englische Geolog 
David Forbes in seiner Abhandlung über die Geologie von 
Bolivia und dem südlichen Peru^), dass die sogenannten 
Vulkane von Sorata und Illimani so wie der Huayna Po- 



*) Comptes rendus hebdom. 6. Juli 1863, p. 32. 
3) S. „Oeogr. Mitth.'' 1858, 3. 44. 

>) Quarterly Joamal of the Geol. Society, 1. Febr. 1861, p. 53. 

5« 



86 



Noiisen. 



tosi, Coololo und viele andere der höehtten Gipfel der 
Bolivianischen Andes ans Silorischen SchiohtgeBteinen be- 
stehen; er selbst fand auf dem Gipfel des Sorata Fossilien. 
Forbes giebt auch die Liste der Bergriesen von Bolivia, 
welche sich auf Ondarza's Karte dieses Landes findet '), mit 
etwas veränderten und zwar durchweg um 100 bis 200 Fuss 
niedrigeren Höhenzahlen wieder: 

EagL Fofl«. Ftt. Fom. 

lUampu (SocaU) 24.812 23.281 

lUimani 24.155 22.665 

Sajama (Vulkan) 23.014 21.594 

Coololo (Apolobamba) .... 22.374 20.993 

Huayna Pototi 21.882 20.532 

Gachacomani (Vulkan) .... 21.583 20.251 

Quenuata / Gipfel des Ta- . . . 21.252 19.940 

Chipicani \ cora (Vulkan) . . . 22.687 21.287 

Mururata 20.418 19.158 

GaUinsani 20.530 19.263 

Potosi 15.724 14.754 

Tttnari de Cochabamba .... 15.608 14!645 

Hlrmoso de AuUagat .... 15.747 14.775 

Portugalete 14.720 13.812 

EspejoB 9.337 8.761 

Misti (Vulkan Ton Ariquipa)*) . . 20.150 18.907 

Diese Tabelle ist, wie er sagt, aus einigen derBesul- 
tate der neuen Aufnahme von Bolivia ^rechnet worden, 
doch giebt er keinen Aufschluss über die Differenzen mit 
den Angaben auf Ondarza's Karte. 



Zur Geschichte der Entdeckung Axnerika's. 

Alexander Ziegler ist gegenwärtig mit der Ausarbeitung 
einer Monographie über den genialen Mathematiker Johan- 
nes Müller beschäftigt, welcher im J. 1436 zu Königsberg *) 
in Franken geboren und unter dem Beinamen Regiomon- 
tanus, d. i. Königsberger, in der gelehrten Welt bekannt 
ist. Der Verfasser, der durch seine Schriften über „Mar- 
tin Behaim aus ^^ümberg'' (von Gon^alves Dias in das 
Portugiesische übertragen) und die „Beise des Pytheas von 
Massilia nach Ultima Thule** (Shetland-Inseln) auf dem 
Felde der alten Geographie und Entdeckungsgeschichte 
schon Einiges geleistet hat, sucht in dieser neuesten Schrift 
nicht nur zu zeigen, dass Begiomontanus der Vater der 
neueren Astronomie und Naturkunde für ganz Europa, der 
Begründer und Urheber des jetzigen Gebäudes der Trigo- 
nometrie (er hat bekanntlich dem Halbmesser 10 Millionen 
Theile gegeben und den Gebrauch der Tangente eingeführt), 
der Lehrmeister in der Algebra und der erste Deutsche 
Kalendermacher gewesen ist, sondern auch,- gestützt auf 
historische Forschungen und Dokumente, von einem neuen, 
so weit uns bekannt, bis jetzt noch nicht hervorgehobenen 
Gesichtspunkte aus nachzuweisen, dass Begiomontanus zu- 
erst durch die Herstellung eines verbesserten Astrolabiums 
(Meteoroskops), resp. Konstruktion eines für die Schifffahrt 



>) S. „Geogr. Mitth." 1860, S. 320. 

*) Nach Hauptmann Friesaoh's Messungen nur 19.876 Engl, oder 
18.650 Pariser Fuss. 

3) Königsberg bei Hassfurt in Franken mit seinen nicht einmal 
1000 Einwohnern ist gewiss die kleinste unter den zahlreichen Städten 
gleichen Namens in Preussen, Hessen, Böhmen, Ungarn u. s. w., liegt 
in dem Tom KÖnigl. Bayerischen Gebiet umschlossenen, nur 9 Ort- 
schaften umfassenden Amtsbesirk Königsberg, welcher, seit 1400 an 
das Haus Sachsen gefallen, durch Vertrag yom 12. NoTcmber 1826 
an das Hersogl. Haus Sachaen-Coburg-Gotha Übergegangen ist. 



brauchbaren Astrolabiums, den seefahrenden Nationen die 
Möglichkeit an die Hand gegeben hat, Termittelst dieses 
nautischen Instrumentes nach der Sonnenhöhe die Entfer- 
nungen (Breitengrade) sra bestimmen und sich so in die 
unbegrenzten Femen des Ooeans hinaus lu wagen. Da 
nur durch die Benutiung und Anwendung eines solchen 
Instrumentes, wozu überdiess die berühmten Ephemeriden 
des genannten Deutschen Mathematikers benutzt werden 
konnten, alle jene grossen Seefahrer der damaligen Zeit, 
wie Columbus, Yasco de Gama, Cabot, Magellan u. s. w., 
ihre grossen Entdeckungen zu Stande gebracht haben, so 
giebt uns schon dieses Factum allein ein Recht, unserem 
Landsmann Begiomontanus einen Antheil an der Entde- 
ckung Amerika's zu vindiciren und ihn der Reihe der 
Deutschen Vorläufer des Columbus, resp. der geistigen Ent- 
decker des neuen Welttheils, beizuzählen. Dass Regiomon- 
tanus der eigentliche Erfinder des nautischen Astrolabiums 
gewesen sein muss, geht unter Anderem aus Folgendem 
hervor: 

1) weil ein solches vor der Zeit Regiomontan's weder 
praktisch konstruirt noch von den Schiffern angewendet 
worden ist; 

2) weil Martin Behaim (dem Einige die Erfindung des 
nautischen Astrolabiums zuschreiben wollen) in dem Alter 
▼on 12 bis 16 Jahren, wo er ein Schüler des von 1471 
bis 1476 in Nürnberg sich aufhaltenden Begiomontanus 
war, offenbar zu jung gewesen ist, um selbstständig ein 
Astrolabium zu erfinden; 

3) weil Martin Behaim auch aus Mangel eigener Be- 
rühmtheit bei seiner Ankunft in Portugal und auch später 
sich stets einen Schüler des Begiomontanus genannt hat; 

4) weil Martin Behaim, der Schüler Begiomontan's, 
ein derartiges Instrument in Nürnberg kennen gelernt und 
später (1484) der Kommission der Mathematiker (Junta de 
Mathematicos) in Lissabon vorgezeigt hat; 

5) weil Begiomontanus nicht nur das in seinem Briefe 
an den Kardinal Bessarion erwähnte Meteoroskop kon- 
struirt, sondern auch schon früher, bevor er nach Nürn- 
berg gekommen, aus Metall bestehende, zum Aufhängen 
eingerichtete Astrolabien angefertigt haben muss, wie diess 
unter Anderem ein derartiges auf der Nürnberger Stadt- 
bibliothek gegenwärtig sich noch befindendes Instrument 
Begiomontan's beweist, welches die Jahreszahl 1468 trägt 
und welches Behaim ohne Zweifel der mathematischen Junta 
in Lissabon vorgelegt hat. 



Geographische Literatur. 

Vorbericht. 
Am 15. Dezember des vergangenen Jahres ist bei Black- 
wood in Edinburgh und London Captain Speke's „Journal 
of the discovery of the source of the Nile" in reicher Aus- 
stattung erschienen, das Werk, welches in Karte und 
Schrift die glänzendste geographische That unserer Zeit 
vorführt, ein ermuthigendes Zeugniss von dem kräftigen 
und glücklichen Streben der Gegenwart, auch die letzten 
Reste der mehr und mehr zusammenschrumpfenden terrae 
incognitae unseres Erdballes aus dem Dunkel hervorzuzie- 
hen. In diesem Werke gipfelt die ungewöhnlich grosse 



Literatur. 



37 



Masse wichtiger Arbeiten über Afrika, mit der uns das 
abg;elaufene Jahr beschenkt hat. Gleichseitig mit ihm hat 
das Bach Ton Speke's ehemaligem Beisegeföhrten, Captain 
Barton, die Presse verlassen, worin dieser seine neueren 
Forschongen an der Afrikanischen Westküste, in Joruba 
and aof dem zuerst von ihm erstiegenen vulkanischen Ca- 
merüDs-Gebirge, darlegt, so wie der Eeisebericht von Win- 
wood Reade, der zwischen den £ap-Verdischen Inseln im 
Korden und Kap Lagos im Süden viele Funkte der West- 
küste besuchte, darunter auch das Land am Gabun und 
Ogowai, über die uns kurz zuvor Lieut. Serval so wichtige 
Aufschlüsse gegeben. Von Dr. Baikie erhielt die Englische. 
Regierung als Frucht mehrjähriger Arbeiten eine sehr werth- 
Tolle Karte von einem grossen Theile der Beiche Gando 
and Sokoto am Niger und Benue nebst einer Beihe von 
geographischen 19otazen, um deren Verbreitung und Wür- 
digung sich Dr. Barth verdient gemacht hat. Letzterer 
gab ausserdem eine Fortsetzung seiner für die Ethnographie 
Ton Afrika so bedeutenden Vokabularien, auch verdanken 
wir ihm wiederum verschiedene auf die Geographie dieses 
Erdtheiles bezügliche Abhandlungen, wie namentlich über 
die Flussschwellen des Niger, des Tsad- und Nil-Beckens. 
Über den mittleren Sudan und die Wüstenstrasse von Fes- 
san dahin erhielt man durch den unglücklichen Moriz 
V. Beurmann einige weitere Nachrichten, im Westen setzten 
die Franzosen ihre Arbeiten in Senegambien und den be- 
nachbarten GFebieten fort und sie sind es auch hauptsäch- 
lich, welche unsere Kenntniss von den nördlicheren Thei- 
len der Sahara im vergangenen Jahre erweitert haben, vor 
Allen Duveyrier, dessen Karte des nördlichen Tuareg-Lan- 
des einen bedeutenden Fortschritt bezeichnet, neben ihm 
besonders Mircher und Foli^ac nebst ihren Begleitern 
durch den Bericht über ihre Expedition nach Ghadames. 
Mit dem Tagebuch von Gerhard Eohlfs veröffentlichten die 
„Geogr. Mitth." einen Beitrag zur Kunde der selten be- 
suchten Marokkanischen Sahara und machten dadurch zu- 
gleich auf einen Reisenden aufmerksam, der noch viel für 
die Geographie Afrika's zu thun verspricht. Der letzte 
Band des Journals der Londoner Geogr. Gesellschaft ent- 
hielt mehrere werthvolle Aufsätze über Süd -Afrika, wo 
auch Livingstone selbst nach seiner offiziellen Abberufung 
noch mit weiteren Forschungen beschäftigt war; von der 
Decken gab vorläufige Nachricht von seinem abermaligen 
Besuch des berühmten Kilimandscharo und reichlich war 
auch diess Mal der Zuwachs der Literatur über die Nil- 
Länder. A. V. Kremer stellte seine langjährigen Studien 
über Ägypten zusammen; die fleissigen Arbeiten Dr. Hart- 
mann's brachten neue AufkläruDgen über Sennar und um- 
liegende Gebiete; eben so erfahren wir durch Lejean, 
V. Harnier, Poncet, Baker Manches über die oberen Nil- 
Gebiete und unermüdlich trotz drückender Verhältnisse 
setzten v. Heuglin und der dem Klima zum Opfer gefallene 
Steudner im Anschluss an die Tinne'sche Expedition ihre 
wichtigen Arbeiten daselbst fort. Wie v. Hamier^s Tage- 
buch, so sind auch v. Heuglin's Reiseberichte und Erkun- 
digungen über den Weissen Nil, den Bahr el Ghasal und 
die westlich und südlich anstossenden , zum Theil vorher 
ganz anbekannten Ländertheile in dem Schlusshefte unse- 
res zweiten Ergänzungsbandes niedergelegt, der auf seiner 
lü-Blatt-Karte von Inner- Afrika und in dem dazu gehöri- 



gen Memoire ein Bild von dem heutigen Standpunkt der 
Wissenschaft in Betreff des grossen Gebiets zwischen dem 
Mittelmeer im Norden, dem Congo und Tanganjika im 
Süden, dem Tsad im Westen und dem Nil-Gebiet im Osten 
bietet und so manches neue Material zum ersten Mal und 
älteres in erschöpfenderer Weise verarbeitet enthält. 

Von den bisherigen Arbeiten der Deutschen Expedition 
westlich von Chartum bleiben jetzt nur noch die letzten 
von Dr. Steudner an die Berliner Geogr. Gesellschaft ein- 
geschickten Berichte und die Arbeiten von Munzinger und 
Kinzelbach in Kordofan zu veröffentlichen, abgesehen von 
den in nächster Zeit zu erwartenden Nachrichten von 
Th. V. Heuglin, der mit der Tinne'schen Expedition glück- 
lich nach Chartum zurückgekehrt ist. Dagegen ist von 
den Arbeiten der Expedition östlich von Chartum nur ein 
verhältnissmässig * kleiner Theil bis jetzt an das Tages- 
licht gekommen und es sind g^enwärtig zwei grössere 
Publikationen darüber in Vorbereitung begriffen. Die eine, 
Munzinger's grösseres Werk, ist im Manuskript vollständig 
abgeschlossen und schreitet im Druck vorwärts; über ihren 
Lähalt giebt das in den „Geogr. Mitth.'' (1863, S. 187) 
abgedruckte Programm Aufschluss. Die zweite ist der 
Hauptsache na«^ eine Verarbeitung des reichen kartogra- 
phischen Materials. 

Die ausgedehnten Aufnahmen der Expedition in den 
Ländern der Mensa, Bogos und Marea, ihre Routen durch 
das Küstenland bei Massaua, durch die nördlichsten Pro- 
vinzen von Abessinien, das Land der Basen und Barea 
und durch Taka bis zum Nil hin bedingen eine völlige 
Neugestaltung der Karte dieser Länder, mit der wir gegen- 
wärtig beschäftigt sind. Diese neue Karte wird in dem 
Maassstab von 1:1.000.000 das Gebiet zwischen dem 14. 
und 18. Breitengrad und zwischen Massaua und dem At- 
bara zur Anschauung bringen und zur festen Grundlage 
ausser den Kinzelbach'schen Positions- und Höhenbestim- 
mungen hauptsächlich die zahlreichen Winkelmessungen 
Munzinger^s und v. Heuglin's haben, welche von 53 Statio- 
nen aus genommen ein vollständiges Triangulationsnetz 
zwischen dem Marea -Lande im Norden, Adoa im Süden 
und Kassela im Westen bilden. Für die Details kommen 
die aufgenommenen Routenkarten, die Karte des Bogos- 
Landes von Th. v. Heuglin, die Itinerare Munzingefs und 
ganz besonders auch nach des Letzteren mündlichen Infor- 
mationen gezeichnete Skizzenkarten zur Benutzung, denn 
Munzinger selbst, der in jenen Ländern ganz zu Hause ist, 
hat, ehe er sich zur Fortsetzung seiner Forschungen von 
Neuem nach Afrika begab, einige Zeit mit uns den Vor- 
arbeiten zu der Karte eifrigst obgelegen. Selbstverständ- 
lich werden auch von Anderen dort ausgeführte Arbeiten 
in Berücksichtigung gezogen, so besonders im Südwesten 
die frühere Route v. Beurmann's zwischen Kedaref und 
Kassela und die wichtigen Aufnahmen Baker's am Setit, 
im Südosten aber die ausgedehnten Messungen A. d'Abba- 
die*s. Nicht weniger als 137 durch sehr zahlreiche Win- 
kelmessungen oder auf astronomischem W^ege bestimmte 
Punkte bilden hier, so weit unsere Karte reicht, die Grund- 
lage für eine Menge Itinerare, welche d'Abbadie in den 
Jahren 1838 bis 1848 mit Chronometer und Koropass 
aufgenommen und im 2. und 3. Theil seiner „Gdod^sie 
dTthiopie" (Paris 1863) publicirt hat. Da die betreffenden 



38 



Litemiar. 



Kartenblätter noch nicht erschienen sind, so waren wir 
genöthigt, alle Itinerare auszuziehen, zu konstruiren und 
an die ifesten Funkte anschliessend niederzulegen, ein 
mühsames Verfahren, das uns aber Gelegenheit gab, die 
ausserordentliche Sorgfalt zu prüfen, mit welcher d'Abbadie 
gearbeitet hat, so wie die Gewissenhaftigkeit und den Auf- 
wand an Mühe zu bewundern, welchen die Berechnungen 
und die Publikation dieser Messungen erforderten. Bedenkt 
man, dass dieselben einen breiten Streifen Landes von Mas- 
saua südwärts durch ganz Abessinien und bis nach Kaffii 
unter 7^ N. Br. bedecken und nicht weniger als 857 feste 
Punkte nebst einer grossen Menge von Itineraren liefern, 
so leuchtet ein, dass durch diese Arbeiten eine so feste 
Grundlage für die Topographie, dabei besonders auch für 
die Höhenverhältnisse Abessiniens geschaffen ist, wie sie 
kaum für einen anderen Theil Afrika's existirt. 

In doppelt so grossem Maassstabe ist auf einem zwei- 
ten Eartenblatt der von der Deutschen Expedition allseitiger 
erforschte Theil des auf der grösseren Karte dargestellten 
Gebiets, die Länder der Bogos, Marea und Mensa, das 
Barka, die Provinz Hamasen, das Küstenland bei Massaua 
mit dem Dahlak- Archipel, mit allem topographischem Detail 
eingezeichnet worden. Hierbei wurden auch die geogra- 
phischen Ergebnisse der Reise des regierenden Herzogs 
Ernst von Sachsen -Coburg -Gotha in jene Landschaften 
benutzt und die von dem hohen Reisenden eingeschlagenen 
Routen eingetragen. Auf das so eben erschienene Pracht- 
werk, welches diese interessante Expedition in Schrift und 
Bild vorführt, werden wir im nächsten Hefte ausführlich 
zurückkommen. 

Diese beiden Karten werden in einem Ergänzungsheft 
der „Geogr. Mittheilungen" publicirt werden, das ausserdem 
enthalten wird: 

1) Munzinger's Bericht an das Gomit^ der Deutschen 
Expedition über die ganze Reise von Massaua bis 
Kordofan. 

2) Die astronomischen Positions- Bestimmungen Kinzel- 
baeh's, berechnet von Direktor Dr. Bruhns. 

3) Die meteorologischen Beobachtungen und Höhenmes- 
sungen Kinzelbach's , bearbeitet von Direktor Kreil. 

4) Bemerkungen über die Konstruktion der Karten. 

5) Eine Ansicht von Keren und Umgegend in Farben- 
druck nach einer Zeichnung von Th. v. Heuglin. 

6) Eine Rundsicht vom Gipfel des Sewan bei Keren, 
ebenfalls nach einer Zeichnung von Th. v. Heuglin. 

Nach Abschluss dieses Erganzungsheftes hoffen wir bald 
die Routen- Aufnahmen v. Heuglin's während seiner wich- 
tigen Reise durch Abessinien nebst dem darauf bezüglichen 
Bericht zur Veröffentlichung bringen zu können. 



EUROPA. 



Bennfgsen-Förder, K. ▼.: Das Nord-Europäische, besonders das rater- 
länduche Schwemmland in tabellarischer Ordnung seiner Schichten 
und Bodenarten. Ein geognostisch-geographischer Versuch. 4^,. 60 SS. 
Berlin, Besser, 1863. 1| Thlr. 

Die vorliegende Sdirift beschäftigt sich mit einem blslier iehr TernachUMsig- 
ten Qebiet und sie fnilt daher eine selir empfindliche LUcke unsere« geogno- 
atlsehen Wlsnena. Auf dem Fundament der verpleichenden Erdkunde giebt 
hier ein treuer Sehttler Carl Ritter*« eine sorgfältige Untersuchung unserer 
Tertiär., Quatemär- und Quintär» (Alluvial-) Formation. Oans neu ist insbeson- 
dere eine gründliche Erforschung der 41 erkannten Sediment-Bildungen der 
recenten Epoche, des Jetzigen Alluviums, welche mit allen Mitteln der Wissen- 
Schaft genau charakteriilrt worden sind. Jeder Landwirth, welcher die Bena- 



tsung der Wiasensebsft bei seinem nUUHdien (bewerbe nloht von der Hand 
weist, wird daher in diesem Werke eine vortreffliche Anleitung cur Erlangung 
einer sicher begründeten Kunde des Werthes seines Acker-, Wiesen- and 
Waldbodens finden. Unseres Wissens giabt es in der ganzen geognostbehen 
Literatur kein ähnliches Werk, das nur entfernt in gleicher Weise den prak- 
tischen Landwirth bei der Benrtheilung der Bodenbesehaffenhelt und seines 
natürlichen Relchthums ziun Anhalt dienen könnte. Es ist xehr zu beklagen, 
dass selbst so hohe wissenschaftliche Autoritäten wie Jnstus Liebig und Andere 
ihre so hitebst werthvoilen chemischen Boden-Analysen nicht auf derartiger 
geognostlMcher Grundlage zu unternehmen vermochten. Erat wenn Geo^^osie 
und Chemie sich vereinigen, wird man dadurch zu praktisch brauchbaren Re- 
Bultsten für den Ackerbau gelangen. Ausser dieser geognostisch-agrikolen 
praktischen Tendenz des y^vaterlämditefien Schwemwfande»*' enthält dasselbe 
sber auch geologische Untersuchungen Über die Tertiäre, AU- und Jung-Quater- 
näre und Alt-AIInvIale Epoche von grösstem InteresNc and es Ist höchst rer- 
diensülcb vom Verfasser, das« er in vollständiger Trennung des Felslandes vom 
Schwemmlande das Auge des Beobachters fUr die nähere WUrdigting des letz- 
teren schärft Die Erkenntniaa eine« grossen zusammenhängenden tertiären 
Bassins vom Ural bi-i Holland und Norfolk, von dem die Becken um Brüssel 
und Paris nur Neben-Bucbten mit lokalen Ablagerungen bilden, Ist ho neu als 
treffend. Die geistreiche Erklärung der Eis- und Gletscberschmelz-Gebilde, der 
eigentlichen Diluvial- Erscheinungen, der erratischen Geschiebe und Aasar- 
Verbreitungen wird Jeden unbefangenen Forscher befriedigen, der sieh so wie 
der Verfasser längere Zeit mit diesen UegenstÄoden auf grösseren Gebietea 
beschäftigt hat. Der Raum dieser Blätter erlaubt kein tiefere» Eingehen in 
die gehaltvollen, konclsen Lehrsätse der auf langjährigen Terrain-Studien von 
Britannien und Schweden bis Über die Alpen und von Memel bis zum Kanal 
beruhenden Schrift. In derselben Ist endlich eine Grundlage geboten sur wis- 
senschaftlichen Erkenntniss der drei jüngsten Epochen der Erdbildung unaeres 
Vaterlandes ; möge auf dieser soliden Unterlage von gleich gründlichen For- 
schern nun der weitere Ausbsu mit Eifer und Erfolg unternommen werdeu. 

{V. /..) 

Dove, Prof. Dr.: über den Einfluss der Richtung der Gebirge auf die 
Kegenmenge. (Monatsberichte der &. Preuss. Akademie der Wissen- 
schaften JEU Berlin, April und Mai 1868, SS. 183—187.) 

Belege flir den Satz, dass in Europa bei der mittleren sUdwe^Mtlichen Windes- 
flchtung die von SUdost nach Nordwest verlaufcn«len Gebirge den erheblich- 
sten, die von Südwent nach Nordost gerichteten ltinge};en einen geringeren 
Einfluss auf den Niederschlag ausüben. 

Dove, Prof. Dr. H. W.: Über den Einfluss der Alpen auf die klimati- 
schen Verhältnisse Europa's und die Stürme des Winters 1862—63. 
Mit 1 Karte. (Zeitschrift für AUgem. Erdkunde, September 1863, 
SS. 241—261.) 

Es wird der Nachweis geliefert, dass die Alpen nicht eine Scheidelinie Eweler 
entgegengesetzter WItterunga-Systeme, sondern nur eine weiterhin sich wieder 
abgleichende Unterbrechung bilden und dass sie im Winter einen bedeutend 
abkühlenden ElnflusM nach Stiden hin auf die Lombardisclie Ebene äussern. 
Die Abhandlung enthält ein umrangrciches Beobachtungs-Material, besonders 
Über den Niederschlag Im Bereich des Mittelländischen Meeres, wichtiare Eror^ 
teruttgen über den Scirocco und da« System dor Winde überhaupt, über den 
Schneefall auf den Alpen u. s. w. Dem Aufsatz ist die Karte zu Dove*ü nDIe 
Stürme der gemässigten Zone mit besonderer Berücksichtigung der Stürme des 
Winters 1868—63** belge<;eben, welche eine interessante Darstellung des Stur- 
mes, resp. Gewitters, vom 80. Januar 1863 in MIttel-Enrops ist 

ICartttn. 



au IX* ai^le. Paris, 



Pays «lave«, Garte ethnographique des 
impr. lith. Lemercier, 1869. 

DeutschlancU PreuBsen und Österreich« 

B586, K. G. : Das Ghrossherzogthum Oldenburg. Topographisch-stati- 
stische Beschreibung desselben. 8°, 816 8S. Oldenburg, Stalling, 1863. 

24 Thlr. 

In der Hauptsache eine sehr spezielle , flsissig auagearbeltete Statistik des 

Herzogthums Oldenburg und der FQrstenthUmer Lübeck und Birkenfeld ist 

. dieses Werk ein nützliches Nschschlagebueh, das auch ausserhalb Oldenburgs 
Geographen und Statistikern gute Dienste leisten wird. Die bei einem der- 
artigen Buche unvermeidliche Trockenheit Ist besonders durch das Hereinzie- 
hen des geschichtlichen Momentes wesentlich gemildert. Beim Herzogthum 
Oldenburg wird d^m speziellen statistinchon Thelle eine allgemeine Bej»chrei- 
bnng des Lande» (Grenzen, Gliederung und Gestalt, Orographie, Hydrographie, 
Klima) vorauHge«cluckt , dagegen vermissen wir ziisjammenfauuende Xftchweise 
Ober Produktion, Industrie und Handel. Wir wünschen, dass dem H^rrn Ver- 
ftbsser bei einer zweiten Auflage Gelegenheit werde, sein tüchtiges Werk nach 
dieser Richtung zu vervollständigen, und zugleich, dass es ihm dann möglich 
aein möchte, die statistischen Angaben auf eine gemeinsame Jahreszahl zu- 
rückzuführen. 

Bradshaw'a illustrated handbook to the Tyrol. Kotes for travellers 
in Tyrol and Vorarlberg. 8^, 50 pp. mit Karten und lUnstrationen. 
London, Adams, 1863. 

CallOt, C. Baron: Beiträge zur Höhenkunde des Königreichs Böhmen. 
Die Seehöhen Böhmens nach eigenen trigonometrischen Messungen 
berechnet, mit den bisher bereits bekannten Angaben Y^rglichen und 
zusammengestellt als Grundlage zur Verfassung orografischer Karten. 
1. Heft. Terrain-Sektion 5. Bezirke: Aussig, Karbitz, Teplitz, Dux, 
Bilin und Lobositz u. s. w. 4", 144 SS. Prag, Ehrlich, 1863. 3J fl. 
Dieses Heft bezeugt von Neuem den rübmüphen Eifer zur Durchforschung 
der Heimath, der in Oesterreich neuerdings so vielfach hervorgetreten Ist. Um 
eine vollständige Höhenkunde des Königreichs Böhmen, besonders Höhen- 
schichtenkarten desselben zn Stande zn bringen, unternahm der Ingenieur Baron 
Callot theils auf eigene Kosten, theils mit subskriptionsweiser Unterstützung 
namentlich dea Böhmischen Adels die trigonometrischen Höhenmessnngen, deren 



Literatur. 



89 



träte Abtheilang nebst ausfBbrlicber Darlegung der Methode In dem yorliegendea 
Hefte enthalten ist Der Verfssier beabsichtigt, seine Messungen Aber ganz Böh- 
men ansBudehnen, und hofft, dass der Landtag die Mittel cur Ansftihrnng der 
Karten bewilligen werde. Er hat sieh eine grosse, aber auch sehr dankene- 
wertbe Anfk»be gestellt und wir wttnschen, dass es ihm gelingen möge, sie toU- 
ständig durchzuführen. 

Fuchs, F.: Die Central-Karpathen mit den nSchsten Voralpcn. Hand- 
buch für Gebirgsreisende. 8°. Pesth, Heckenast, 1863. 1^ Thlr. 

Hagke, F. B. v.: Historisch- statistisch- topographische Beschreibung 
des Weissensee'r Kreises. 4^ Weissensee, Qrossmanny 1863. 2 Thlr. 

13i Sgr. 

Hallier, £.: Nordsee - Studien. 8^, 336 SS. mit Holzschnitten und 
8 lithogr. Tafeln. Hamburg, Meissner, 1863. 

Seinem Ruche Aber die Vegetation auf Helgoland hat E. Haüler eine um- 
fassendere naturgesohichtliche Arbelt über diese Insel folgen lassen, welche na- 
mentlich den dortigen Badegästen empfohlen werden kann. Nach einer kuraen 
Schildemng des Badelebens und einigen populär gehaltenen Abschnitten über 
die wichtigsten Erscheinungen des Meeres. Strömungen, Wellenbewegung, Fluth, 
Sturmflnthen u. s. w., geht er nüher aul^ die geologische Beschaffenheit und die 
KSstenTer&ttderangen der Insel über , wobei er sieh mit Wiebel (»Die Insel 
Helgoland", Hamburg 1848} entschieden gegen die OUnbwürdigkeit der be- 
kannten Meier'schen Ksrte von 1240 In der Dankwerth'schen Lsndesbeschrei- 
bung von 1652 und fiberhsnpt gegen eine bedeutende Verkleinerung Helgolands 
in historischer Zeit anssprlcht. Darauf folgen Kapitel über Dünen- und Strand- 
bildnngen, Meerleuchten, die Dünen-Flors, die Strand- und Wattenpflansen 
der Insel und eine Kystematische Ueberslcht der Phanerogamen-Flora derselben 
mit Angabe der Standörter und alphabetischem Register. Mit einem längeren 
Abschnitt über die Alpen - Flora schltesst die botanische Abthellnng , welcher 
Einiges über die Thierwelt, besonders die Seethlere, und ein Kapitel über die 
Bewohner folgt. Zum Bchluss kommt der Verfasser noch ein Mal auf die geo- 
lofdfrchen Verhältnisse , besonders auf die Pflanzen- und Thierreste im TOek, 
d. h. in den von den Meereswellen an den Dünenstrand ausgeworfenen Qe- 
»t<>inen, su sprechen. Die Tafeln und die meisten Holzschnitte enthalten Ab- 
bildungen naturliistorischer Gegenstände. 

Hauer, Fr. t., und I)r. Guido Stäche: Geologie Siebenbürgens. Nach 
den Aufnahmen der K. K. Geologischen Reichs-Anstalt und literari- 
schen Hilfsmitteln zusammengestellt. Herausgegeben Ton dem Ver- 
eine f&T SiebenbÖrgische Landeskunde. 8®, 646 SS. Wien, BraumiU- 
1er, 1863. 4 fli, 

Kofittka, Prof. C. : Hypsometrie von Mahren und Österreichisoh-Sohlft- 
»ien. 4^ !«>() SS. mit 1 Xartc, Brunn 1863. 2 Thlr. 

deinem Buche Über die Msrkgrafschsft Mähren und das Herzogtbum Schle- 
sien, das unter Anderem so anschauliche Terrain-Beschreibungen enthält. läset 
Herr Prof. Koristka nun auch die Höhenschichtenkarte Jener Länder folgen, 
begleitet von dem hypsometrischen Material, auf welchem Ihre Zeichnung be- 
ruht. Im Maassstab von 1:432.000 entworfen xelgt sie tf farbig nnterschiedene 
Höhenzonen, welche zusammen ein so klares und instruktives Bild von der 
Bodenplastik geben wie wenig ähnliche Karten , so dn^s diese Karte bei IrefT- 
Heher technischer AnsfUhrung zu den besten ihrer Art gehört Einige kleine 
Auslassungen würden leicht zu verbessern sein , z. B. ist unter den Kulmina- 
tionspankten des Böhmiach- Mährischeu Plateau 's der Zakova hora genannt, der 
noch etwas höhere benachbarte Kalsersteiu aber nicht. Die Znverlässigkeit der 
Karte erreicht durch die bedeutende Zahl der gemessenen Punl;te einen hohen 
Grad. Dureh mehr als 5500 Messungen, zum bei weitem grössten Theil von 
Prof. Koristka selbst im Auftrag des Werner- Vereins zur geologischen Dnrdi- 
forschung von Mähren und Oesterr.-Schlesien ausgeführt, sind über 4500 Punkte 
Ihrer Höhenlage nach bestimmt. Diese Messungen wurden fast sammtllch schon 
früher pnblicirt (hsnptsäehUcb im Jahrbuch der K. K. Geolog. Reiohs-Anstalt, 
dann in den MittheUnngen der K. K. Qeogr. Gesellschaft , in den „Geogr. Mit- 
theilungen*'} , doch ist ihre vollständige Zusammenstellung in geographischer 
Ordnung eine verdienstliche mnd sehr nOtzUche Arbeit. (H. auch „Qeogr. Mit- 
theUungen" 1863, 8. 472.) 

Lorenz, Dr. J. R.: Physikalische Verhaltnisse und Yertheilung der 
Organiamen im Quamerischen Golfe. 8^, 390 SS. mit 1 Karte. Wien, 
Hof- und Btaatsdruckerei, 1863. 3J Thlr. 

8cbon seit einer Reihe von Jahren ist es den Lesern der „Geogr. Mllth." 
bekannt, dass Herr Dr. Lorenz sich die Aufgabe gestellt hatte, die Gewässsr 
des Qaarnerischen Golfs und seine Ufer naturhistorisch und physikalisch-geogra- 
phisch zu untersuchen, er bereicherte unsere Zeitschrift mit einigen höchst anzie- 
henden Spezial-8childerungeu und gab uns von Zeit zu Zeit Ober den Fortgang 
seiner umfassenden Arbeiten Nachricht (s. „Geogr. Mitth." 1859, S. 89, 610; IMG, 
8. l&l; 1861, 8. 830}. Durch 6 Jahre mit rühmenswerther Unterstützung von 
Seiten der Behörden und Privaten fortgesetzt, haben die Untersuchungen In 
dem vorliegenden, von der Kaiser!. Akademie der Wissenschaften heraus- 
gegebenen Werke ihren Abschluss gefunden, einem Werke, das unserer physi- 
kaUsch-geographisolien Literatur zur besonderen Ehre gereicht. Herr Dr. Lo- 
renz ist der erste Deutsche, welcher den bisher nur von Ansiändern (Audouln 
und Milne-Edwards, Oersted, Forbes, Mao Andrew, Sara, Asbjörnsen) und flber- 
hanpt von Wenigen bearbeiteten Zweig der Wissenschaft, der den Gesetzen der 
Lebensbedingungen und Verbreitaing der Organismen In den verschiedenen 
Tiefen der Meere nschforscht, nach unseren heimischen Gebieten verpflanzt 
und durch selbbtständige Studien weiter entwickelt hat. Indem er sowohl 
Pflanzen sls Thiere nach ihrem Verhalten in allen Tiefen bis zum Grunde 
antersuchte und zugleich die physikalischen Agentien , durch welche die ver* 
tiksle Yertheilung der Organismen nach l'iefenreglonen bedingt wird, in Ba- 
tracbt zog , bat er nur Forbes nnd Oersted zu Vorgängern , aber selbst Ober 
diese geht er hinaus sowohl In der Methode der Untersuchung und Verarbei- 
tnog sls in der grösseren Vollständigkeit der beriicksichtigten physikalischen 
Verhältnisse. Die Behandlung der letzteren (Topographie, Geologie, Sasswäs- 
scr, Wind nnd Wetter, Spezifisches Gewloht und Salzgehalt des Meeres in 
▼erscfaiedeneB Tiefen , Farbe und Durehslehtigkeit desselben , Meereslenchten, 
Wellenschlag nnd Brandung, Ebbe und Fluth, Strömungen, Temperatur des 
Wassers In den verschiedenen Tiefenschichten nnd den einzelnen Monaten 
dsB Jahres) In dem ersten Abschnitt des Buches, namentlich die Untersnehua- 



gen Über Ebbe nnd Fluth nnd über die Temneratnren des Meeres sind tob 
mindestens eben so grossem Belang fUr die physikalische Geographie als die 
Im sweiten Absebnitt verarbeiteten Ergebnisse blnsfchtlleh der verthellnng der 
untermeorisehen Organismen, während vielleicht die gröeste Bedeutung des 
Werkes in der Art Hegt , wie der Kausal • Zusammenhang dieser Verthellnng 
der Organismen mit jenen physikallsoben Agentien überall durehgefllhrt wird, 
und in dieser Beziehung ist die kurze, aber äusserst klare und Instruktive Ein- 
leitung „Uebersidit der physikalischen Lebensbedingungen nntermeerlseher 
Organismen" auch denen dringend an empfehlen, welche die in dem Buche 
enthaltenen Resultate nicht ins Detail verfolgen können. Die sehr hübsch 
anagefQhrte, reichhaltige physikalische Karte des Qnamero erleichtert das Ver- 
ständniss wesentlich. 

Mittheil ungen des Österreichischen Alpen- Vereines. Redigirt von Kdm. 
T. MojsisoTics und Paul Qrohmann. 1. Heft. 8^ 400 SS. mit Holz- 
schnitten und 3 Panoramen. Wien, Branmüller, 1863. 2| Thlr. 
Ungleich dem Journal des Londoner Alpen-Klubs treten in diesem ersten 
Hefte des rasch zur BlUthe gelsngten Oesterreichtschen Alpen-Vereins die 
waghalsigen Ersteigungen von Hochgipfeln und Jochttbergängen sehr zurflek, 
es enthält nur drei solcher Berichte, nämlich über Holsmay's kühnes Erklim- 
men des Terglou, Grohmann's misslungenen Versuch, die auch von Dr. v. Rnth- 
ner nicht erreichte, 11.056 Wiener Fuss hohe Spitze der VedretU Marmolata 
zu ersteigen, und über die Besteigung der Hochalmspitze und zwar Ihres 
höchsten Gipfels durch K v. Mojsisovics im August lbC2 , wobei er die Höhe 
Jenes Gipfels barometrisch zu 10.884 Wiener Fuss bestimmte (nach v. Sonklar's 
trigonometrischer Messung ist er 10.681 Wiener Fuss hoch). Ausserdem finden 
wir in dem Hefte nur ganz kurze Notizen über Besteigungen des Ankogel, 
des Hohen Narren von Uelllgenblut ans, des Grossglockner von Kais aus, des 
Vlschbacbbom, der Löflfelspitze , der Schaufelspitze , des Similaun, des Reiss- 
kofel und des Kollinkofel. Dagegen enthält es einige hübsche Spezial-Schllde- 
mngen, wie Relssacher's Mittheilungen ans dem Bergbaurevier Gastein und 
Bauris und v. Sommaruga's Beschreibung der Thäler Virgen und Defereflgen 
in Tirol, besonders aber viel Lehrreiches zur Kunde grösserer Pariien der 
Alpen, das auch strengeren wissenschsftllchen Anforderungen gerecht wird, 
obwohl eine allgemein verständliche, gefällige Darstellung als Regel zu gelten 
scheint. Hierher gehören Prof. SImony's Erläuterungen zu einem Panorama 
des Fender Grat und Kreuzbergksmmes in den Oetzthaler Alpen und zu einem 
anderen der nordöstlichen Kslkalpen vom Oetscher bis zum Staufen ; Bergrath 
Llpold's allgemeine Schilderung der Snlzbacber und Steiner Alpen an der 
Grenze Stelermarks, Krains und Kärntens; J. Hsnn's Abhandlung über die 
Ursache der Nachmittagsgewitter in den Alpen - Thälern ; E. v. Mojsisovics' 
Arbeit Aber die neueren Untersuchungen In Betreff der alten Gletscher der 
Stld-Alpen; Prof. Peter's Beschreibung der Karavsnken und der Hauptkette 
der Jullsohen Alpen , welcher eine von Prof. Simony gezeichnete Ansicht der 
Stou-Gruppe beigegeben ist; verschiedene kUrzere literarische Notizen, eine 
kritische Ueberslcht der Reisehsndbflcher und Reisekarten fBr die Oesterrei- 
chlschen und Bayerischen Alpen und ein Verzeichniss der von 1860 bis 1. April 
1863 erschienenen selbstständigen, anf die Kenntniss der Alpen bezflgllchen 
Werke. Diese Verzeichniss Ist nur der Vorläufer einer grösseren btbliographi- 
sohen Arbelt, welche die ganze Literatur der Alpen nach allen Zweigen des 
Wissens und der Kunst, nach Fächern geordnet, umfassen soll. Auch an Win- 
ken und Rathschlsgen für Touristen fehlt es nicht, z. B. finden wir ein Ver- 
zeichniss der Führer auf OesterreiohisclM Hocbgipfel ersten Ranges und fttr 
Gletscherwandemngen, Nachweise Über Gssthäuser« Kommunikations-Mittel und 
Fflhrer im Sslzkammergnt , so dass dieses Journal in praktischer sowohl als 
wissenschaftlicher Hinsieht einen viel versprechenden Anlauf nimmt 

Odernheimer, Oberhergrath F.: Das Berg- und Hfittenwesen im Her- 
aogthum Nassau. 1. Heft. 4<>, 163 SS. mit 4 Plänen. Wiesbaden, 
Kreidel, 1863. 1| Thlr. 

Der Bergbau des Herzogthums Nassau lieferte im Durchschnitt der fUnQäh- 
rigen Periode von 1856 bis 1860 alljährlich für 2.868.100 Gulden nuUbare Mi- 
neralien, nämlich für 409.fi69 fl. Blei- und Silbererze, für 110.254 fl. Zinkerze, 
für 42.944 fi. Kupfererze, fDr 19J05 fl. Niekelerze, für 4261 fl. Schwerspath, flir 
796.19S fl. Eisenstein, für 556.510 fl. Braunstein, fBr 177.870 fl. Braunkohlen, fUr 
28.301 fl. Thonerde, für 3123 fl. Walkererde und für 126.169 fl. Dachschiefer, 
wobei durchschnittlich 898 Bergwerke in Betrieb waren. Die Anzahl der Büt- 
ten-, Hammer- und Walzwerke betrug In demselben Zeltsbschnltt 87 und der 
Werth ihrer Produktion 8.084.817 Gulden, während die Zahl der bei dem Gru- 
ben- und Hfittenbetrieb beschäftigten Arbeiter durchschnittlich die Höhe von 
10^462 erreichte. Da das Herzogtbum auf seinen 86 Qu.-Meilen 464.000 Be- 
wohner hat, so leben alo mindestens 6 Prozent seiner Bevölkerung unmittelbar 
von Jenem Betrieb und auch fttr weitere Kreise Ist der Nssssuische Bergbau, 
für Handel, Industrie n. s. w., von nicht geringer Bedeutung. Ein Unterneh- 
men wie das vorliegende, eine Zeitschrift, welche das Nassauiscbe Berg- nnd 
Hüttenwesen nach allen Selten beleuchtet, neben genauen statistischen Dsten 
über die geognostisohen und mineralogischen Verhältnisse, die speziellen Vor* 
kommnisse in den einzelnen Bergwerken , die Methode nnd Ausführung des 
Gruben- und HUttenbetrlebs nach dem reichen, in den Akten der öfienülehen 
Behörden enthaltenen Material und unter Mitwirkung der betreffenden Beam- 
ten AufschluBS gicbt empflehlt sich daher von selbst, Ist sogar eine Nothwen- 
digkeit Das erste Heft enthält zunächst statistische Tsbellen über die Pro- 
duktion der Bergwerke und Hütten Nassau's in den Jahren 1828 bis 1860 mit 
Erläuterungen, sodann eine Skizze der geographischen und gcognostischen Ver- 
hältnisse des Landes mit einer Liste der wichtigsten Höhenpunkte, den Resul- 
taten der trigonometrischen Landesvermessung entnommen , und einer all- 
gemeinen Ueberslcht über das Vorkommen der nutzbaren Lagerstätten und 
die natürlichen Grundbedingungen des Bergbaues auf denselben, gleichsam als 
Einleitung zu den Spezial - Beschreibungen einzelner Berg- und Hüttenwerke 
nnd Mlnerslvorkommen , von denen sich in diesem Hefte xwei durch Gruben- 
pläne und Profile erläuterte finden : Beschreibung der im Herzogtbum Nassau 
an der unteren Lahn und dem Rhein auliietzenden Erzgänge von Fr. Weu- 
ckenbach, und Vorkommen des Rotheisensteins in Berührung mit Porphyr im 
Bergmeistereibezirk Diez von C. A. Stein. 

Reust, Prof. Dr. A. £.: Qeognostische Skizze der Umgebungen Ton 
Carlsbad, Marienbad und Franzensbad. 8^ mit 1 geognost. Karte 
nach den Aufiiahmen der K. K. Qeol. Reichs - Anstalt. Prag, Demi- 
nicus, 1863. | Thbr., die Karte aUein 16 Sgr. 



40 



Literatar. 



fliohter, A.: Wegweiaer durch Königsberg in Preussen und seine Um- 

* gebung. 16^. Königsberg, Richter, 1863. | Thlr. 

Roth, W. : Hessische Yaterlandskunde. Beschreibung der Landschaften, in 
welchen das Qrosshorzogthum Hessen liegt. 8^. Mainz, Janitsch, 1863. 

JThlr. 

flothe, G. : HöhenmesBungen in der Umgegend ron Oberschfitzen. (Kor- 
respondenzblatt des Vereins ftlr Naturkunde in Fresburg, September 
bis Dezember 1862, S. 33.) 

Ruthner, A. t.: Berg- und Gletscher -Reisen in den Österreichischen 
Hochalpen. 8^, 431 SS. mit 1 Karte und 6 Chromolithographien. 
Wien, Grcrold's Sohn, 1864. 4 Thlr. 

Siglsmund, B.: Landeskunde des Fttrstenthums Schwarzburg -Rudol- 
stadt. 2. Thl. Ortskunde der Oberherrschaft. 8^ Rudolstadt, Scheitz, 
1863. 1 Thlr. 

Sihler, L. y.: Ortschafts -Verzeichniss der Preussischen Monarchie. 8^. 
Brieg, Bänder, 1868. 3 Thlr. 

Velzen, IT. W. Thoden yan: Alpenreis, of körte beschrijying eener 
reis door Boheme, Oostenrijk, Stiermarken, Salzburg, Beijeren en 
Zwitserland, in den zomer yan 1861. 8®, 148 pp. Leeuwarden, 
Swarts, 1862. 1^ fl. 

Wernicke, J. E.: Die Insel Rügen. Ein FUhrer für Reisende. 8^ 
Berlin, Schropp, 1863. j Thlr. 

Wirtgen, P. : Die Eifel in Bildern und Darstellungen. Natur, Geschichte 
und Sage. 1. Thl. Das Nette- und Brohlthal und Laach. 8^ Bonn, 
Henry, 1864. } Thlr. 

Witwioki, S. : Rys historyczny o Huculach. (Geschichtlicher Abriss 
ftber die Hukulen oder Goralen.) 8<^, 134 SS. mit 1 Karte des ge- 
genwärtigen Wohnsitzes der Hukulen. Lemberg, Poremba, 1863. l^fl. 

Wolf, H.: Die barometrischen Höhenbestimmungen der K. K. Geolo- 
gischen Reichs- Anstalt in den Jahren 1858, 1859 und 1860. (Jahr- 
buch der K. K. Geolog. Reichs - Anstalt , 1863, Bd. XIII, Nr. 2, 
SS. 209—260.) 

Abermals «ine grosa« Reihe ron HöhenineMaiiicen aI« Forttetznng der frfther 
▼on H. Wolf bereohnetan und sasunmenitestellte» (siehe Jahrbach der K. K. 
Oeologischen Belebi- Anstalt VHI, 8. 234, IX, S. 29), sie oinfMSt alle yon den 
Mitgliedern der Anstalt in den Konennten Jshren aosgenibrten, mit Ausnahme 
der Memimgen des Bergrathet ▼. Haaer im nordöstlichen Ungarn vom J. 1858 
nnd der in Siebenbürgen 1859 ond 1860 von Bergrath v. Hauer, Dionys Stur 
and Dr. Staehe ausgeführten, treldie bereite in den „Mittheilungen der K. K. 
Ctoogr. Geaellsehafl" pobUeirt worden sind. Insbeaondere finden rieh hier fol- 
gende Höhenbeotimmungen : 1) In btrien nnd Kraln von Bergrath Lipoid 18&8^ 
67 Punkte; 8) In Krain und dem Kllstenlande von Dr. Stäche 1858, 145 Punkte; 
3) in Istrien von Dr. Staehe 1859, 39 Punkte ; 4) bei AnMtetten und Orein in 
Oesterreieh von H. Wolf 1858, 116 Punkte; 5) im nördlichen Böhmen (König- 
grfttser Kreis) von J. Jokdljr 1868| 85 Punkte; 6) im Bunzlauer und den an- 
grensenden Kreisen Böhmeni von J. Jok^ly 1859 , 59 Punkte ; 7) im Jldner 
Kreise In Böhmen von J. Jokdly 1860, 114 Punkte; 8) Im Berauner und Ra- 
konltzer Kreise in Böhmen von Bergrath Lipoid 1859, 1S7 Punkte ; 9) Im Buna- 
lauer Kreise In Böhmen von Bergrath Lipoid 1860, 100 Punkte ; 10) Im nörd- 
lichen Mähren von Bergrath Lipoid 185& 96 Punkte; 11) in Ost-Gallslen von 
D. Stur 1859, 30 Punkte; 12) In Ost-aalizien von H. Wolf 1859, 77 Punktet 
18) im Wassergebiet der Waag und Neutra von D. Stur 1858, 78 Punkte; 

14) im Wassergebiet der S^bes-Körös in Ungarn von H. Wolf 1860, 71 Punkte; 

15) im Wassergebiet des Marchflusses In Ungarn von H. Wolf 1860, 74 Punkte: 

16) Im Montan- Banste von H. Wolf 1860, 96 Punkte; 17) im Roman-Banater 
MIUtärgrenz-Distrlkt von H. Wolf 1860, 84 Punkte; 18) auf der südöstlichen 
Staats - Eisenbahn, meist in Ungarn, von H. Wolf 1860, 38 Punkte ; 19) bei 
Fttnfkirchen in Ungarn von Prof. Dr. Peters 1860, 81 Punkte. 

Württemberg, Bas Königreich - - . Eine Beschreibung yon Land, 
Volk und Staat. Herausgegeben von dem K. Statistisch-Topographi- 
schen Bureau. 8®. Stuttgart, Nitzschke, 1863. 3 Thlr. 16 Sgr. 

ICartaz»« 

A magyar szent korona orsz&gai: Magyarorszdg , Erdöly, Horv&t-, 
T6torsz&g-cs a katonai v^gridek uj t^rk^pe. Rdszben a szomsz^d 
orszigokkal. (Neue Karte von Ungarn und seinen Nebenländcm.) 
Fest, Nagel & Wisch&n, 1863. 3 fl., auf Leinwand 4 fl. 

Baden, Übersichtskarte von dem Grossherzogthnm in 6 BL 

Sektion Garlsruhe als Schichtenkarte. 1:200.000. Bearbeitet vom 
Grossherzogl. Baden'schen Oeneralstab. Karlsruhe 1863. 1 fl. 12 kr. 
Die Kurven lu Abstünden von 500 an 500 Fuss. 

Burgartz, F. : Höhenkarte Ton Vorarlberg nach den Bestimmungen des 
K. K. Quartiermeisterstabes und den Messungen des Herrn Schmidt 
zusammengestellt. Quer-Folio. Innsbruck, Wagner, 1864. 56 kr. 

Carlsbad, Geognostische Karte von , Franzensbad und Marien- 
bad. Fol. Chromolithogr. Prag, Dominicus, 1863. 16 Sgr. 

Clement, K. K. Oberlieut. 6. t.: Methodischer Schul- Atlas der österr. 
Monarchie in 37 BL, für den Schulgebrauch und zum Selbststudium. 
Hermannstadt, Filtsch, 1863. 1 fl. 

Cdln, Topographische Karte des Regierungsbezirks In 10 Bl. 



1 : 50.000. Herausgegeben von der KSnigl. Regierung zu Köln. Lith. 
Köhi, Boisser6e, 1863. k BL 24 Sgr. 

8. „Qeogr. Mittb." 1861, 8. 466; 1868. S. 475. 

V. Dachen: Oeognostische Karte der Rheinprorinz und Westphalens. 
1:80.000. Sekt. Trier. Berlin, Schropp, 1863. 1 Thlr. 

Dobfer, A. : Neueste Eisenbahn- und Postkarte von Deutschland und 
den angrenzenden Landern. Lith. Düsseldorf, Müller, 1863. | Thlr. 

Qrimm, J. L.: Karte Ton Deutschland. Mit Angabe sämmtlicher Ei- 
senbahnen. Imp.-FoL Kupferstich. Berlin, Schropp, 1863. ^ Thlr. 

HannöV. Generalstab : Strassen- und Wegekarte rom Königreich Han- 
nover, Herzogthum Braunschweig und Grossherzogl. Oldenburgischen 
Herzogthum Oldenburg. 4 BL 1:250.000. Hannover, Schmorl, 1863. 

kolor. 5 Thlr. 
8. „Geoffr. Hitth.** 1869, 8. 477. 

Klenner's, F. W. , General-, Handels-, Post-, Strassen- und Eisenbahn- 
karte der Österreichischen Monarchie, proj. und gez. von J. WobLach. 
Imp.-FoL Lith. Wien, Patemo, 1863. 1 Thlr., auf Leinw. 2 Thlr. 

IM itteirheinisoher Geolog. Verein: Geologische Spezialkarte des Gross- 

herzogthums Hessen und der angrenzenden Landesgebiete. 1 : 50.000. 

Sekt. Erbaoh und Sekt. Herbstein-Fulda. Chromolith. Mit Text in 8^'. 

Darmstadt, Jonghaus, 1863. In Mappe ä 2| Thlr. 

8. „Geogr. Mitth." 186S, S. 478. 

Oldenburg, Topogr. Karte des Herzogthums . 1 : 50.000. Sekt. 6 : 

Brake. Oldenburg, Stalling, 1863. 24 Thlr. 

8. „Qeogr. Mirth." 186.% 8. 47& 

PfeifTer, J. B.: Karte des Erzbisthums Mflnchen-Freising. Lith. Mün- 
chen, Lentner, 1863. 14 Sgr., auf Leinw. 1 Thlr. 

Preuss. Oeneralstab: Karte der ^HohenzoUem'schen Lande. 9 BL 
1:50.000. BerUn 1863. 4| Thlr. 

In vier versehiedenen Ansgsben als Ortskarte, Höhenschichtenkarte, Terrain- 
Karte, Terrain-Karte mit HOhenkurven. (8. „Oeogr. Mitth." \fm, S. 474.) 

Rappard, F. v. : Topographisch-statistische Karte des Kegierungs-Bezirks 
Magdeburg. 12 Bl. 1 : 100.000. Berlin, Verlag des Verfassers, 1863. 
8. „Oeogr. Mitth." 1863, 8. 475. 

Reymann'a Spezialkarte von Deutschland u. s. w. 1:200.000. Sekt. 8^ 
Ripen, 202: Bamberg, 285: Lindau. Glogau, Flemming, 1863. k 4 Thlr. 
8. „Geogr. Mittfa." 1863, S. 479. 

Roost, J. B.: Topisch - geographische Spezial- Karte des Regierungs- 
Bezirks Ober-Bayern nach den neuesten amtlichen Materialien. 4 BL 
Stahlst. 1:200.000. Imp.-FoL Nürnberg, Serz, 1864. 6 Thlr. 

Sachsen, Übersichtskarte der dem Erzgebirglschen Steinkohlen-Bassin 

angehörenden Theile des Königreichs . Bearbeitet im Topogr. 

Bureau des Königl. Generalstabs. 1 : 24.000. Sekt. 1 , 4 und 5. 
Dresden 1863. 4} Thlr. 

8. „Geogr. Mitth.» 1868, 8. 476. 

Sohlesien. Geologische Karte von dem Nieder-Schlesischen Gebirge und 
den angrenzenden Gegenden, mit Benutzung der Beobachtungen tou 
V. Camall bearbeitet von E. Beyrich, G. Böse, J. Both u. W. Bunge. 
BUtt 8. Chromolith. Berlin, Schropp, 1863. 1^ Thlr. 

Schulz, R. A.: Strassen- und Gebirgskarte zur Reise von Wien durch 
Österreich, Salzburg, Kärnten, Steiermark und Tirol bis München, 
mit Berücksichtigung der Österreichischen Alpen und des Bayerischen 
Hochgebirges. 1:576.000. Wien, Artaria, 1863. 3 fl. 

Schulz, R. A.: Das Kaiserthum Österreich nach den neuesten Quellen 
entworfen. (Wandkarte.) 6 BL Lith. 1:1.000.000. Wien, Artaria, 
1863. 4i fl. 

Schusser, V., und K. Wieg: Eisenbahnkarte der Strecke Wien-Trit>st 
in 4fachem Farbendruck mit Gebirgsdarstellung. 1:288.000. Wien 
1863. IJ fl. 

Skrzeszewski, Ad. v. : Karte von Ungarn, Siebenbürgen, Croatien, Sla- 
vonien und der Militär-Grenze, nach den neuesten Landesvermessungen 
des K. K. Militär-Geographischen Instituts und nach sonstigen besten 
Quellen. Ofen, Nagel & WischAn, 1863. 3 fl. 

Umgebungen Wiens, 6. Umgebungen des Berges „Wechsel". 1:43.200. 
Ausgeführt und herausgegeben durch das K. K. Militär-Geographische 
Institut in Wien, 1863. 14 fl. 

Früher sind erschienen die Sektionen Klostorneuburg, Wien, Baden, Gloctr- 
niU und Keuberg; das vorliegende 6. Blatt schUeüSt sich sttdlich an das von 
Gloggnitz an und seine Ausdehnong wird durch die Orte Spital, Feistritz, Taa- 
chen nnd Ratten bezeichnet. (S. „Geogr. Mitth." 1863, 8. 471.) 

Ungarn, Karte von , Siebenbürgen, Croatien und Slavonicn. der 

Militär - Grenze , GaUzien und der Bukowina. 1 Zoll = 8 Üeutscho 
Meilen. Wien, Artaria, 1863. J fl. 

Uebersicbtskarte. 

Wildbad, Karte der Umgegend von , aus dem topographischen 

Atlas des Königreichs Württemberg. 1:50.000. Stuttgart und Wild- 
bad, Weise, 1863. 12 St;r. 



(Geschlossen am 28. Januar 1884.) 



IVtgrmjmn'a GeofrfJnxAe IBtthdhw^ 



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über die Benutzung der Karten zu den „Geographischen Mittheilungen". 

Vom Geometer H, Brügmann. 



Bei den Karten za den „Geographischen Mittheilungen" 
bedauerte ich oft, dass sie nach kurzem Gebrauche beim 
Durchlesen eines Aufsatzes nun in einem der Bände dieser 
Zeitschrift begraben sein sollten. Freilich wird bei jeder 
gebotenen Gelegenheit auf frühere Blätter verwiesen, allein 
eine Nachsicht verbleibt leicht, wenn der betreffende Band 
erst herbeigeholt und darin das Eartenblatt aufgesucht 
werden muss. 

Durch längere Kränklichkeit von ernstlicher Beschäfti- 
gung abgehalten liess ich, um meine unfreiwillige Müsse 
auszufüllen, die Karten aufkleben, von den kleineren je 2 
zusammen, damit ein gleichförmigeres Format entstand, 
dann ordnete ich sie nach bestimmten Abtheilungen in 
einer den fortwährenden Gebrauch erleichternden Weise. 
Der Erfolg entsprach meinen Absichten, daher theile ich 
die Sache hier mit; vielleicht benutzen einige Leser den 
gegebenen Wink. 

I. Geologische Karten. 

Die Blätter dieser Abtheilung veranschaulichen die neue- 
ren geologischen Forschungen in den ausser-Europäischen 
Ländern, wo sie erst von jüngerem Datum sind; eine Auf- 
zählung der Blätter zeigt uns den Umfang derselben. 

Die Karte von Vorder - Indien und eines Theils von 
Trans-Baikalien nebst den geologischen Profilen von Ge- 
birgsketten des Russisch -Chinesischen Grenzgebiets am 
Issyk-kul und Balkasch-See ; die Karte der Vereinigten 
Staaten und Britischen Provinzen von Nord-Amerika; der 
Küste von Labrador; die geologische Übersichtskarte von 
Süd-Amerika; die Karte des Roto Mahana und der Provinz 
Nelson auf Neu-Seeland ; endlich die geologischen Haupt- 
momente des Kap-L&ndes auf der Karte von der Südspitze 
Afrika's gewähren eine Übersicht der neueren geologischen 
Forschungen in ausser-Europäischen Ländern. 

Dazu ist nun noch eine Karte von Österreich gekommen, 
zur Nachweisung des von der Geologischen Reichs-Anstalt 
in Wien Geleisteten. 

II. F1US8-, Küsten- und Meereskarten. 
Europa: — Die Häfen des Adriatischen Meeres; die 
Orkney- und Shetland-Inseln; die Westküste von Schott- 
Petennann*! Oeogr. Mittheiiungen. 1864, Heft II. 



land; die Kuma-Manitsch-Niederung; das Wolga-Delta auf 
der Karte vom Gouvernement Astrachan. 

Asien: — Der untere Lauf des Sir Darja, eine physi- 
kalische Karte des Amur-Stromes; die Aufnahmen an der 
Südküste der Mandschurei; die eröffneten Handelshäfen in 
China, Japan und den Philippinen ; der Jang-tse-kiang und 
Si-kiang; der Canton-Strom; das £uphrat-Thal ; das Kaspi- 
sohe Meer. 

Afrika: — Die Bai von Suez; das Rothe Meer und die 
wichtigsten Häfen seiner Westhälfte; der Golf von Aden 
und die Somali- Küste ; Burton's, Speke's und Graut's Ent- 
deckungen der inner - Afrikanischen See'n und der Nil- 
Quellen (3 Blätter); der Zambesi und der Schirwa-See 
nach Livingstone; der untere Senegal; der Kowara und 
Binue; die Flussgebiete des Binue, Alt-Calabar und Came- 
rün; der Gabun und seine Zuflüsse. 

Amerika: — Der arktische Archipel der Parry-Inseln ; 
die Entdeckungen des Dr. Kane ; der San Juan- oder Haro- 
Archipel; die Nordwestküste von der Behring-Strasse bis 
zum Maokenzie; der Grosse Salzsee; der Paraguay und 
Uruguay. 

Australien: — Die Central-Gruppe von Polynesien ; die 
Yiti- oder Fidji-Inseln ; das Amerikanische Polynesien; die 
See'n im Inneren von Australien (3 Blätter) und eine physi- 
kalische Karte vom Grossen Ocean. 

III. Gebirgskarten. 

Europa: — Das „Mer de Glace*' von Chamouni; Profil- 
Ansicht des Kaukasus; Profil des Thüringer Waldes und 
dessen Central-Gruppe mit Höhenkurven; physikalische 
Karte des Gross - Glockner , gleichfalls mit Höhenkurven 
und Profilen; die Passlinien in Graubünden mit Profilen; 
Höhenschichtenkarte von Finnland; desgleichen von Un- 
garn, Galizien und Siebenbürgen. 

Asien: — Das Bolor-Gebirge und die Gebirgsketten im 
Russisch-Chinesischen Grenzgebiet am Issyk-kul und Bal- 
kasch-See; die Gebirge Trans-Baikaliens; Karte von Sikkim 
mit Angabe der pflanzen -geographischen Höhenregionen; 
Ansicht und Grundriss des Vulkans Demavend; die hyp- 
sometrisch gemessenen Punkte Palästina's; desgleichen in 
Klein- Asien (nebst einer physikalischen Skizze); Gebirgs- 

6 



42 



über die Benutzung der Karten zu den ^^Geographischen Mittheilungen''. 



Profile auB dem Indischen Archipel, orographisch-physika; 
lische Karte yon Java. 

Afrika: — Höhen-Profile von Tripoli bis Rhat (auf 
der Map of part of Northern Africa); das Qebirgsland Air 
oder Asben; das Ghurian - Gebirge ; die Insel Tristan da 
Cunha nebst Ansicht; Ansicht und Grundriss der Insel 
St. Paul. 

Amerika: — Die Gordilleren zwischen dem 27® und 
28® S. Br. nebst Profil (auf der Karte zu Burmeister's 
Beiseroute); die Cordilleren auf der Karte von Yaldivia 
und der Karte zu J. J. v. Tschudi's Eeise, nebst physi- 
kalischer Skizze der Andes vom 22® bis 31® S. £r.; Karte 
des Nevado de Chillan nebst Ansichten; die Gebirgssysteme 
auf dem Isthmus von San Blas, in Chiriqui und im nörd- 
lichen Theil von Costa-Rica, die in Verbindung mit Wag- 
ner's Karte des Isthmus von Panama im Ergänzungs-Hefte 
Nr. ö auf interessante Weise darthun, wie hier das Reihen- 
gebirge durch jene gruppen- und kuppenförmigen Erhe- 
bungen unterbrochen wird, die, oft ringförmig gestaltet, 
auf unterirdische Kräfte hinweisen, die eine nach manchen 
Andeutungen früher hier gewesene Verbindung zwischen 
dem Atlantischen und dem Stillen Ocean ausfüllten; die 
Cordillere des Orizaba und Perote nebst Ansichten und 
Grundriss des Orizaba; endlich eine physikalische Karte 
des Aleghany- Systems. 

Australien: — Ein Theil der südlichen Alpen Neu- 
seelands nebst Ansicht; die erloschenen Vulkane des Isth- 
mus von Auckland; überhaupt die früher noch wenig be- 
kannten Gebirge auf der Karte von Neu-Seeland; im In- 
neren des Festlandes gewähren die Karten zu den aus- 
gedehnten neueren Entdeckungsreisen eine Auskunft über 
dessen Bodenformen. 

IV. Kulturkarten. 
Geographisch-statistische Darstellung der Niederlande; 
ethnographisch - statistische Karte von Italien; Dichtigkeit 
der Bevölkerung im Österreichischen Kaiserstaate, physi- 
kalische Karte von Siebenbürgen ; Dichtigkeit der Bevöl- 
kerung und Kultur von W est- Sibirien ; die statistischen 
Hauptmomente von Indien; Kultarkarte von Indien; Ver- 
breitung der hauptsächlichsten Kulturprodukte der Ver- 
einigten Staaten; einige statistische Hauptmomente dersel- 
ben, als Städte-Bevölkerung, intellektuelle Kultur, Volks- 
Dichtigkeit der Weissen, der Sklaven und Verbreitung 
der Indianer; die Völker Ost-Afrika's. 

V. Mathematische Geographie, Meteorologie u. s. w. 
Die Karten dieser Abtheilung gewähren theils eine 
Übersicht des Standes der Landes-Anfnahmen , theils, wie 
die Karten von Russland und Schweden, eine Einsicht in 
die Art und Weise solcher um&ngreichen Arbeiten. 



Babinet's homalographische Projektion und James' geo- 
metrische Horizontal - Projektion ; die Landes - Aufnahmen 
Central-Europa's im An&nge des Jahres 1857; Karte der 
topographischen Aufnahmen und der trigonometrischen und 
astronomischen Arbeiten im Europäischen Russland bis zum 
Jahre 1858 (2 Blätter); Karte der trigonometrischen, topo- 
graphischen und kartographischen Arbeiten im südlichen 
Schweden bis zum Jahre 1859; Übersicht der Russisch- 
Skandinavischen Gradmessung von der Donau bis zum Nord- 
kap; das Marc Crisium der Mondoberfläche; Darstellung 
der Englischen wissenschaftlichen LuftsohifiGfahrten im 
Jahre 1852; 4 kleine Sturmkarten des Atlantischen Oceans; 
die Ausdehnung des Erdbebens zu Visp am 25. Juli 1855. 

VI. Karten neu erforschter Länder. 
Alle bisher nicht genannten Karten gehören zu dieser 
Abtheilung und bedürfen daher keiner besondem Aufzäh- 
lung; es sei hier nur noch auf einen Theil der Afrikani- 
schen Karten hingewiesen. 

Insbesondere sind — auf Anregung der Expedition 
nach Inner -Afrika — die neueren Entdeckungen in der 
unbekanntesten Region dieses Erdtheils auf einer 10-Blatt- 
Karte zusammengestellt, die in Ergänzungs - Heften der 
„Geogr. Mitth." erschien. Diese Region wird im weiteren 
Sinne begrenzt: nördlich und östlich vom Meere; südlich 
und westlich durch Livingstone's und Barth's Forschungs- 
gebiet, auf letzterer Strecke auch durch den Meerbusen 
von Guinea. Indem nun ein • regelmässiges Stück für die 
Karte herausgeschnitten wurde, erschien es angemessen, 
die Darstellung durch besondere Blätter bis zu der an- 
gedeuteten natürlichen Umgrenzung fortzuführen. 

Die Benutzung jener Karte wird nun aber sehr er- 
leichtert, wenn man deren 10 Blätter nebst der im glei- 
chen Format erschienenen Karte der Gegend zwischen Cbar- 
tum und dem Rothen Meere aufkleben lässt und, am besten 
mit gebrochenen Karten, einen kleinen Atlas daraus bildet. 
Werden dann die zugehörigen natürlichen Ergänzungsblät- 
ter auf die Aussenseite der. betreflfenden Kartenblätter, wie 
folgt, aufgeklebt, so hat man Alles in bequemer Weise zur 
steten Nachsicht bei einander. 

A. Ergänzungen nach Westen. 
Blatt Nr. 1: Karte zu v. Beurmann's Reise; 

„ „ 5: Karte der Flussgebiete des Binue, Alt-Galabar 
und Camerün; 

„ „ 7: Karte der Gabun-Länder; 

„ „ 9: Karte von Kongo und Angola. 
B. Ergänzungen nach Osten. 
Karte der Gegend zwischen Chartum und dem Rothen Meere; 

dazu die Karte der Bogos- und Habab-Länder; 
Blatt Nr. 2: Karte des Isthmus von Suez; 



Der Bauerngraben oder Hungersee. 



43 



Blatt Nr. 4: Karte der Bajuda-Landschaft; 

„ ,, 6 : Karte zu t. Heuglin's Beise naoh Abessinien ; 

,y „ S: Karte des Nil-Quellgebiets; 

„ „10: Karte zu Burton's und Speke's Reise (2 Blät- 
ter) und Kartenskizze zu Livingstone's Ent- 
deckung des Sohirwa-See's. 



Durch eine solche Einrichtung gewinnt die bequeme 
Benutzung der Inner - Afrikanischen Karte sehr, wie ich 
mich durch die Ausführung überzeugte; hoffentlich wird 
Mancher diesen Wink benutzen und nicht bereuen, es ge- 
than zu haben. 



Der Bauerngraben oder Hungersee. 

Beitrag zur physikalischen Geographie des Harzes. Von Professor A. Streng in Clausthal. 



Es gehört zu den Eigenthümlichkeiten des Harzes, dass 
seine Hauptmasse lediglich aus den älteren Gebirgsbildun- 
gen besteht und dass die jüngeren Gesteinsschichten yom 
Botbliegenden und dem Zechstein nach aufwärts sich nur 
an seinen Rändern an ihn anlegen. Aus der ganzen Art 
des Auftretens dieser jüngeren Gebirgsglieder ergiebt sich, 
dass die letzte Hebung des Harzes in einer verhältniss- 
massig neuen Zeit Statt gefunden hat. Dadurch sind nun 
alle diese jüngeren Schichten am Rande des Gebirges je 
Dach der stärkeren oder schwächeren Hebung theils mehr, 
theils weniger steil aufgerichtet, so dass das Streichen 
derselben meist mit der Richtung des Gebirgsrandes zu- 
sammenfallt. Hierdurch erhält dieser letztere eine ganz 
eigentbümliche , zum Inneren des Gebirges in einem ge- 
wissen Gegensatze stehende Beschaffenheit. Während näm- 
lich die meisten Thäler des Harzes sich als Querthäler 
betrachten lassen, die strahlenartig von einem Mittelpunkt 
nach allen Rändern sich erstrecken, zieht sich fast um 
den ganzen Harz eine Anzahl von sehr deutlich aus- 
geprägten Längenthälem herum. Das Thal der Markau 
und der Söse, die sich bei Babenhausen vereinigen, die 
Thalsenkungen zwischen Osterode und Herzberg so wie 
mschen Scharzfeld und Nüxey, das Zarge-Thal zwischen 
Ellrich und Wolfleben, die Thalsenkungen zwischen Stem- 
peda, Rottleberode, üftrungen und Questenberg, das Helme- 
Thal, welches parallel mit dieser Thalsenkung als ein aus- 
gezeichnetes Längenthal von Stöckei bis in die Gegend 
von Sangerhausen sich hinzieht, sind Beispiele solcher 
Längenthäler am Südrande, während am Nordrande die- 
selbe Erscheinung, aber in kleinerem Maassstabe, sich wie- 
derholt. Als Beispiele mögen hier angeführt werden die 
UngentMler zwischen Altenrode und Wernigerode, zwi- 
schen Benzingerode und Michaelstein, zwischen Blanken- 
borg and Thale, zwischen Gernrode und Ballenstedt. 

Biese verschiedenen Längenthäler des Harzrandes sto- 
ben nun entweder in Verbindung mit den Querthälem des 
Oehirges, die dann beim Austritt aus diesem eine scharfe 
Wendung machen, oder es sind selbstständige Thäler, die 



aus dem Gebirge nur kleine Nebenthäler aufoehmen. In 
beiden Fällen muss aber die äussere Thalwand an irgend 
einer Stelle durchbrochen werden, wenn die Flüsse und 
Bäche das Gebirge verlassend sich der Ebene zuwenden. 
Es zeigen sich somit in den den ganzen Harz umgebenden 
Hügelwällen von Zeit zu Zeit tiefe, oft schluchtenartige 
Einschnitte, wobei natürlich das Längenthal wieder in ein 
Querthal übergeht. Es können hierfür mehrere ausgezeich- 
nete Beispiele angeführt werden. So mündet das aus dem 
Harze kommende Dreckthal zwischen Heimburg und Ben- 
zingerode in ein am Harzrande hinlaufendes, beide Orte 
verbindendes Längenthal, in welchem der Bach, nachdem 
er sich naoh links gewendet hat, bis nach Benzingerode 
fortfliesst; dort aber biegt er plötzlich rechts um und 
durchbricht die ziemlich steile Hügelkette, die, aus jünge- 
ren Gesteinen bestehend, vor dem Harzrande herläuft und 
das Längenthal im Norden begrenzt. Am häufigsten sind 
diese Beispiele am Südrande, wo die der Zechstein-Formar 
tion angehörenden Gypse und Anhydrite £ut überall vor 
dem Gebirge herziehen, und zwar so, dass sie die steilen 
Abstürze der Schichtenköpfe dem Gebiige zukehren, wäh- 
rend die Schichtenilächen meist flach nach Süden einfdlen. 
Zwischen diesen weissen G3rp8wänden und dem eigentli- 
chen Harzrande befindet sich nun eine Anzahl von Län- 
genthälem, deren Flüsse die Gypsmauer nach Süden hin 
mehrfach durchbrochen haben, um in das flache Land zu 
gelangen. Diess ist z. B. bei Badenhausen zwischen Git- 
telde und Osterode, es ist bei Wolfleben und Nieder- 
sachswerfen der Fall ; es wiederholt sich in sehr auffallen- 
der Weise bei Questenberg. Von dort zieht sich nämlich 
bis nach Üftrungen hin ein Längenthal, dessen nördliches 
Gehänge durch den Harzrand, dessen südliches durch die 
steilen Gypsabstürze der Verberge gebildet wird. Li die- 
ses Thal mündet eine Reihe von kleineren Gebirgsthälem, 
die im Westen ohne Hindemiss ihren Abfluss nach dem 
Thyra-Thale bei Üftrungen finden, während die östlicher 
gelegenen im Längenthaie auch naoh Osten fliessen. Die 
Wasserscheide zwischen den östlich und westlich fliessen- 

6» 



44 



Der Bauemgraben oder Hungersee. 



den Baoben ist in dem Längenthaie kanm bemerkbar , sie | 
liegt bei Agnesdorf. Bei Qnestenberg selbst treten die 
Oypeberge sehr nahe an den eigentlichen Oebirgsrand heran 
nnd hier vereinigen sich nun die aus dem Längenthaie 
nnd die aus dem Gebirge kommenden (Gewässer, doroh- 
brechen die Ojpsmauer nach Süden hin nnd bilden hier 
ein sehr enges, mit steilen Gehängen versehenes Qnerthal, 
welches bei Bennnngen in das grosse, breite, das Eyfihän- 
ser Gebirge vom Harze und seinen Yorbergen scheidende 
Längenthal der Helme einmündet. 

Das oben erwähnte Längenthal, welches sich von Qne- 
stenberg über üffcrungen bis hinter Bottleberode erstreckt, 
bietet aber noch ein ganz besonderes Interesse dar, denn 
«wischen dem Gebiete der östlich nnd demjenigen der 
westlich fliessenden Bäche liegt ein ganz vollkommen in 
sich abgeschlossenes Bachsystem, welches weder mit dem 
einen noch mit dem anderen in Verbindung steht; es ist diess 
der Banerngraben oder Hungersee mit seinen Zuflüssen. 

Wenn man von Bossla aus der nach Norden in das 
Gebirge fuhrenden Heerstrasse folgt, bis sie die Ebene der 
Helme, die Goldene Aue, verlässt und an den Yorbergen 
des Harzes sich rechts in die Höhe zieht, sich nun links 
von der Heerstrasse abwendet nach dem Rücken des die 
Goldene Aue im Norden begrenzenden, zum Theil mit 
Wald bedeckten Hügelzuges, dessen sanft geneigter südli- 
cher Abfall von buntem Sandstein bedeckt ist, während 
der nördliche, steilere, dem Agnesdorfer Längenthaie und 
dem Gebirge zugekehrte Abhang aus Zechsteingyps be- 
steht, und eine kurze Strecke nach Westen fortwandert, 
so gelangt man dicht bei einem mächtigen Laubholz- 
baum an den Ereuzungspunkt mehrerer Wege, von denen 
einer schief rechts nach abwärts führt in das Gebiet des 
oben erwähnten Längenthals von Agnesdorf. Der Weg 
senkt sich zuerst allmählich, bis man an einen schroffbn, 
^ mit Buschwerk und Wald bedeckten, schluchtenartigen 
Einschnitt kommt, in den man links hineinklettem muss. 
Yerfolgt man diese im Gyps eingerissene Thalschlucht, so 
senkt sich die Sohle derselben Anfangs sehr langsam, föUt 
aber dann plötzlich da, wo man aus dem Walde heraustritt, 
in steilem Abstürze in ein weites, ringsum geschlossenes 
Becken ab, dessen vorderster Theil einen tiefen Trichter 
bildet. Höchst wunderbar ist der Anblick, der sich hier 
darbietet. Man sieht da im Norden jenseit des Längen- 
thals die bewaldeten, steil aufgerichteten Ränder des Harzes, 
von Thälem mehrfach durchschnitten^ das breite Längen- 
thal selbst als eine hügelige, mit Feldfrüchten bepflanzte 
Fläche, ganz im Yordergrunde gerade unter sich den gleich 
näher zu beschreibenden Trichter in dem grösseren, scharf 
abgegrenzten Becken und rechts und links als die Fort- 
setzungen der Gehänge jener kleinen Schlucht, aus der 



man hervorgekommen ist, die schroff abfallenden Gyps- 
wände, die theils mit Wald bedeckt sind, theils nackt als 
weisse, vielfach zerrissene Felsen hervorragen. Ein Theil 
der rechter Hand sichtbaren Felsen scheint an der Hinter- 
wand gleichsam nur noch zu hängen; es sieht so aus, als 
wären dieselben eben im Begriff, in den tiefen Schlund 
zu ihren Füssen hiuabzustürzen , von unsichtbarer Hand 
im Fallen aufgehalten und an der Stelle festgebannt, an 
der sie jetzt sichtbar sind. Gerade diese vielfach zerrisse- 
nen Felsen drücken der ganzen Umgebung ein höchst wil- 
dea Gepräge auf und man erkennt sogleich, dass hier ganz 
besondere Naturkräfte thätig gewesen sein müssen. 

Das grössere Becken hat eine ovale Form und erstreckt 
sich ungeföhr von Südwest nach Nordost Im Südwesten 
und Süden grenzt es an den steilen Gypsabsturz, im Nor- 
den und Nordwesten greift es in die Sohle des Agnes- 
dorfer Längenthaies ein. Die Böschungen sind sehr steil, 
aber ohne Unebenheiten, und begrenzen scharf und bestimmt 
die beinahe völlig ebene Beckensohle, die ein Ackerfeld 
bildet. Im südwestlichsten Ende des Beckens findet sieb 
nun ein weiter Trichter, dessen Wände sehr schroff und 
dabei vielfach eingerissen und gefurcht sind. Hier treten 
wieder die nackten Gypswände zu Tag und der tie&te 
Theil dieses Trichters ist von vielen mehrere Zoll breiten 
Spalten durchzogen, die in das Innere der Gypsschichten 
hinabzuführen scheinen. Am nördlichsten Ende des Be- 
ckens sieht man nun einen Bach, der im Gebirge ent- 
springend von Norden nach Süden durch den Gebirgsrand 
und dann in derselben Richtung quer durch das Längen- 
thal hindurchfliesst, in das Becken eintreten und sich in 
dessen Sohle sein Bett einschneiden bis zu dem tiefen 
Trichter, in den er sich ergiesst und in dessen Spalten 
nnd Klüften das Wasser verschwindet. 

Bauerngraben oder Hungersee ist der Name des eben 
beschriebenen Beckens und man erzählt sich in dortiger 
Gegend Wunderdinge von ihm, denn nicht immer befindet 
sich dieses Becken in dem Zustande, in dem es heute 
sichtbar ist Oft schon wurden die Bewohner der umlie- 
genden Orte in Erstaunen versetzt durch die Nachricht, 
der Hungersee sei zum Theil oder völlig mit Wasser er- 
füllt, und die Zweifler konnten sich dann selbst überzeu- 
gen, dass nicht allein der Trichter und das Becken mit 
Wasser erfüllt, sondern dass auch wunderbarer Weise der 
so plötzlich entstandene See mit Fischen bevölkert sei. 
In diesem Zustande, mit Wasser erfüllt, blieb der See 
nun längere Zeit, oft Jahre lang, und während dessen ergoss 
sich in ihn der oben erwähnte Bach, ohne indessen ein 
Überfliessen des See's zu bewirken. Aber auf ein Mal, oft 
über Nacht, ist das Wasser sammt seinen Bewohnern wie- 
der völlig verschwunden und nur der feuchte Schlamni 



Der Banerngraben oder Hungersee. 



45 



der Beckensohle bekundet , dasB hier vorher Wasser ge- 
standen. So bleibt nun der Baaemgraben längere Zeit 
trocken, bis das Spiel Ton Neuem beginnt und das Becken 
sich wieder füllt, um sich später wieder 2u entleeren. 

So wurden mir die merkwürdigen Erscheinungen am 
Banemgraben von Bewohnern der Naohbarschaffc geschildert 
und sie wurden mir bestätigt und erweitert durch die 
Mittheilung eines Bergbeamten. Von diesem erfuhr ich 
nämlich, dass seit längerer Zeit ein Stollen vom Süd- 
abhange des Rückens, an dessen Nordabhang der See liegt, 
anter dem Bücken und dem See hin nach den am Bande 
des Harses selbst liegenden Eupferschiefergruben getrieben 
▼orden sei. Dabei muss bemerkt werden, dass die Sohle 
des Agnesdorfer Längenthals etwa 300 Fuss höher liegt 
als der Spiegel der Helme bei Bossla und dass in der 
Sohle des Helme-Thals das StoUenmundlooh sich befindet. 
Aber auch selbst nach Vollendung des Stollens, der in 
der Nähe des See's bedeutende Wasserzugänge hat, soll 
sich der Hungersee schon ein Mal wieder gefüllt und ent- 
leert haben; indessen konnte mir diese Mittheilung nicht 
mit TÖlliger Sicherheit verbürgt werden. 

Wenn man sich nun nach einer Erklärung dieser Er- 
scheinungen umsieht, so wird man sogleich, wenn man den 
Baaeragraben betritt, erkennen, dass hier Erdfälle vorlie- 
gen, wie sie am Südrande des Harzes im Gebiete des Gtyp- 
ses 80 häufig vorkommen. Diese Erdfälle sind entweder 
trocken, wie z. B. die trichterförmigen Vertiefungen, die 
man rechts und links der von Osterode nach Dorste und 
Northeim fuhrenden Heerstrasse wahrnimmt, oder sie sind 
mit Wasser erfüllt, wie die grosse Beihe von Teichen, die 
sich zwischen Osterode und Herzberg oder bei Walkenried 
Torfinden und die dort den Namen „Teufelslöcher*', hier den 
Namen „Zwerglöcher'' fuhren und denen man zum Theil in 
der Yolkflsage unergründliche Tiefe zuschreibt. Alle diese 
Erdfälle sind gewiss nur dadurch entstanden, dass die den 
Gyps durchdringenden Gewässer diesen zum Theil auf- 
gelöst und weggeführt hatten und grössere oder kleinere 
Hohlräume zurückliessen, die, sich immer mehr erweiternd, 
endlich ihren Halt verloren und in sich zusammenstürzten, 
wodurch dann von oben ein Nachstürzen erfolgte, was an 
der Oberfläche eine trichterförmige Einsenkung zur Folge 
hatte. 

Der Hungersee scheint nun aus einem doppelten Erd- 
&lle hervorgegangen zu sein. Durch einen älteren Erd- 
sturz entstand das weite Becken, welches sich wie die Teu- 
felslöcher mit Wasser füllte und in welches die Zuflüsse 
Üionige Schiammmassen einführten, die sich allmählich 
darin absetzten und den ursprünglichen Trichter immer 
mehr erfüllten. Dadurch entstand die ebene Beckensohle. 
Im Laufe der Zeit wurden aber die im Inneren befindli- 



chen Spalten und Höhlungen, die bei dem ersten Einstürze 
verschüttet und grossentheils versetzt worden waren, durch 
die beständig aus dem See nachdringenden und durch- 
sickernden Gewässer immer mehr und mehr erweitert und 
veigrössert, • so dass sie abermals dem auf ihnen lastenden 
Drucke nicht widerstehen konnten, in sich zusammenbra- 
chen und in dem südwestlichen Theile des Beckens eine 
neue Trichterbildung hervorbrachten, die noch heute vor- 
handen ist. 

Da das in den Trichter fliessende Wasser in diesem 
völlig verschwindet, so müssen die das Wasser aufiiehmen- 
den Spalten mit einer Beihe von Klüften und Höhlungen 
in Verbindung stehen, die endlich in das tiefer gelegene 
Helme-Thal ausmünden und dort irgend einer Quelle Nah- 
rung geben. Die unter dem Spiegel einer solchen Quelle 
liegenden Spaltungen mögen mit Wasser gefüllt sein, in 
welchem organisches Leben möglich ist; wenigstens sind 
von anderen Orten Beispiele bekannt, dass Fische in unter- 
irdischen Wasserbehältern leben, gedeihen und sich fort- 
pflanzen. — Innerhalb dieser Spalten und Höhlen mögen 
nun durch die in ihnen sich bewegenden Gewässer häufig 
kleinere Einstürze Statt finden und durch solche kann 
leicht für längere Zeit das freie Abfliessen des Wassers 
gehemmt sein ; dann werden sich die höher liegenden Spal- 
ten mit dem beständig zufliessenden Wasser allmählich fül- 
len, bis dieses endlich im Grunde des Trichters erscheint 
und diesen, beständig ansteigend, allmählich erfüllt. Dauert 
die Verstopfung der Spalten noch fort, so kann durch den 
beständigen Zuflass des Baches auch ein allmähliches Fül- 
len des ganzen Beckens Statt finden. Dieser Prozess des 
Füllens kann langsamer oder rascher erfolgen je nach den 
Witterungsverhältnissen. Bei starken Begengüssen wird 
sich der Trichter und das Becken rascher füllen als in 
der trockenen Jahreszeit; indessen soll, wie mir versichert 
wurde, das Kommen und das Verschwinden des Wassers 
von der Jahreszeit und der Witterung unabhängig sein, 
auch würde sich durch das Vorstehende ein ganz plötzli- 
ches Füllen des Beckens nicht erklären lassen. Letzteres 
scheint mir jedoch auch nicht ganz festgestellt zu sein, 
und wenn irgend Jemand den See, nachdem er längere 
Zeit trocken gelegen, zuerst wieder mit Wasser gefüllt sah, 
so konnte doch vielleicht schon einige Tage der Prozess 
des Füllens Statt gefunden haben, ohne dass diess wegen 
der etwas versteckten Lage des See's von Jemanden bemerkt 
wurde , der Beobachter konnte dann glauben, der See habe 
sich über Nacht gefüllt; oder es ist der Glaube, das Becken 
könne sich plötzlich füllen, erst im Munde des Volkes all- 
mählich entstanden. Sollte dieser Glaube wirklich begrün- 
det sein, so setzt diess entweder das Vorhandensein von 
höher gelegenen Wasserbehältern im Gypse voraus, die 



46 



Der Bauerngraben oder Hungersee. 



flieh allmähiioh füllen und duroh irgend einen Umstand ver- 
anlasst werden, ihr Wasser durch den Boden des Trichters 
in das Becken des Bauerngraben zu ergiessen, oder, was 
wahrscheinlicher» das Wasser, welches die tiefer liegenden 
Hohlräume erfüllt, wird durch den Einsturz dieser Hohlräume 
und durch das Nachstürzen der höher gelegenen trockenen 
Gypsmassen yerdrängt und emporgepresst, so dass es sich 
durch den Trichter in das Becken ergiesst und dieses mehr 
oder weniger erfüllt Man darf sich bei einem solchen 
Einstürze der Höhlungen nicht vorstellen, dass mit einem 
einzigen Falle die ganze in Bewegung gerathene Gypsmasse 
durch einen grösseren Hohlraum hindurchfiele, gleichzeitig 
die Sohle desselben berührte und dadurch eine erdbeben- 
artige Erschütterung verursachte, die man jedenfalls in der 
näheren Umgegend verspürt haben müsste. Solche grosse 
Hohlräume kommen gewiss nur selten im Oypse vor. Will 
man sich eine richtige Vorstellung von der Bescha£fenheit 
der Höhlungen und von der Art des Einstürzens machen, 
so muss man sich vergegenwärtigen, wie solche Höhlungen 
im Gjpse entstehen. In feinen Spalten und Ellüften dringt 
Wasser durch den Gyps und löst Theile desselben auf, 
dadurch vergrössern sich diese Klüfte immer mehr und 
werden durch die beständig lösende Wirkung der nach- 
dringenden Gewässer in immer grössere Hohlräume ver- 
wandelt. Denkt man sich nun den Gyps von sehr vielen 
solchen spaltenförmigen Hohlräumen netzartig durchzogen, 
so wird, wenn irgend einer dieser Hohlräume zum Einsturz 
kommt, von oben und von den Seiten ein Nachstürzen er- 
folgen, aber gewiss nicht mit Einem stossartigen Falle, 
sondern mehr allmählich, so dass jeder sich loslösende 
Gypsblook erst im Augenblicke des FaUens einem über 
ihm liegenden anderen Gypsblocke die Unterlage entzieht 
und dieser sich erst in Bewegung setzt, wenn jener schon 
gefallen ist Auch wird man hier kaum an einen freien 
Fall denken dürfen, sondern gewiss eher an ein Butschen 
der losgelösten Gypsmassen. Es setzt also ein plötzliches 
Gefulltwerden des See's, veranlasst duroh einen Einsturz, 
auch nicht eine Erderschütterung voraus, wovon man in der 
dortigen Gegend Nichts weiss. 

Werden nun die unterirdischen Wasseransammlungen 
in das Becken getrieben, so werden mit dem Wasser auch 
die in ihm lebenden Fische in die Höhe kommen und den 
See bevölkern können. Füllt sich der See aber allmählich 
nur durch das Ansammeln der Zuflüsse, wenn der Abfluss 
verstopft ist, dann tritt bei gefülltem See das Wasser des- 
selben in Verbindung mit den tiefer liegenden fischreichen 
Wasseransammlungen und es können daher auch in diesem 
Falle die Fische aus der Tiefe nach oben gelangen. 



Ist nun das Becken gefüllt, so wird ein durch den 
erhöhten Wasserdruck immer grösser werdender Theil des 
zufiiessenden Wassers durch den verstopften Theil des un- 
terirdischen Abflusses durchgepresst werden; auch mag, 
wenn das Becken gefüllt ist, der Überschuss des zuflies- 
senden Wassers durch seitliche, an den Böschungen des 
Seebeokens vorhandene Spalten entfernt werden können, 
so dass dieses niemals überfliesst. 

Wenn nun durch die lösende Wirkung des jedenfalls 
durchsickernden Wassers die Spalten in der Nähe der ver- 
stopften Stelle grösser geworden sind, so kann durch den 
erneuerten Einsturz eines vielleicht nur ganz kleinen Hohl- 
raumes die gestaute Wassermasse sich Bahn brechen und 
nun wird in kurzer Zeit der ganze See sich entleeren» 
wobei die Gewässer zunächst vielleicht nur von den unter 
dem Spiegel des See's und jenseit des Durchbruches be- 
findlichen Höhlungen und Spalten aufgenommen werden 
und aus diesen mehr allmählich durch die am Südhange 
der Gypsberge befindlichen Quellen abfliessen. 

Auf solche Weise lassen sich diese so merkwürdigen 
Erscheinungen in uugezwungener und den bekannten Thatr 
Sachen völlig sich anschliessender Weise erklären. 

Ich habe es im Vorstehenden versucht, eine Schilderung 
des Bauerngraben und der sich an ihn anknüpfenden Er- 
scheinungen zu geben, weil dieser Punkt für die physi- 
kalische Geographie des östlichen Harzes von grossem In- 
teresse ist und in den bekannteren Beschreibungen des 
Harzgebirges dieser See nirgends genannt und beschrieben 
ist Es wird aber auch für das grössere Publikum von 
grossem Interesse sein, einen Punkt kennen zu lernen, der 
von dem so kleinen Strome von Reisenden, die durch den 
Eyflhäuser nach dem südlichen Harzrande gelockt werden, 
bis jetzt durchaus nicht beachtet worden ist und der doch 
durch die wilde Scenerie der steilen G3rpswände, durch 
den schönen Blick auf das Agnesdorfer Längenthal und 
den Harzrand zu den anziehendsten Punkten jener Gegend 
gehört; es kommt noch hinzu, dass man von der Höhe des 
in der Nähe der oben genannten Heerstrasse unbewaldeten 
Gypsrückens aus nach Süden hin d.en Kyffhäuser und seine 
steil abfallenden Nebenberge in voller Majestät als Hinter- 
grund einer herrlichen, mit Städten und Dörfern übersäeten 
Landschaft erblickt, die mit Recht unter dem Namen der 
Goldenen Aue als eine Perle unseres Vaterlandes betrachtet 
wird. Möge die jetzt noch im Bau begriffene Eisenbahn 
von Halle nach Nordhausen, die sich im Helme-Thal hin- 
ziehen wird, nicht nur dem Kyffhäuser, sondern auch dem 
so schönen und interessanten Südrande des Harzes recht 
viele Gäste zuführen! 



47 



Der Rinihue-See in Chile und die tiefe Passsenkung der Andes bei demselben. 

Von Wilhelm Frick '). 
(Mit Karte, ■. Tafel 3.) 



Seit einigen Jahren waren nnbestimmte Naohriohten in 
Umlauf, dass der Yaldiyia- oder Cällecalle-FlnsB seinen ür- 



') Dieser Aufsats ist die Ton Herrn Frick selbst besorgte, Ton 
vst nar in einigen unwesentlichen Sätzen abgekfirzte nnd durch spätere 
Briefe Frick's ergansta Übersetzung seines offiziellen Berichtes an den 
Präsidenten von Chile. Der Bericht hatte den Zweck, eine Expedition 
iTir Untersuchung des Binihne-Passes zu yeranlassen, auch hat Frick 
durch Anknüpfung Ton Verbindungen mit den Kaaikan der dabei in 
Betracht kommenden Indianer- Stämme einer solchen Expedition be-- 
reits Vorschub geleistet, aber die Regierung scheint dem Projekt bis 
jetzt keine Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. 

£s konnte allerdings auf den ersten Blick unglaublich erscheinen, 
diss eine TolLst£ndige NVasserTerbindung zwischen dem Valdiria-Fluss 
md den Pampas quer durch die Andes existiren soll, allein auch frtt- 
kere Nachrichten deuten auf eine solche oder doch wenigstens auf eine 
sehr bedeutende Passsenkung der Cordilleren in jener Gegend hin. So 
liest man in des alten Thomas Falkner Beschreibung von Patagonien 
(Deutsche Ausgabe, Gotha 1775, S. 101): „Unter den Flüssen, welche 
sich auf der nördlichen Seite des Bio negro in denselben ergiessen, 
ist ein langer, breiter und tiefer, der aus einem grossen See entspringt, 
der beinahe 12 Meilen lang, fast rund ist und Huechum lavqnen oder 
Orenz-See genannt wird. Dieser See ist etwa 2 Tagereisen Ton Yal- 
diria entfernt und entsteht aus Bächen, Quellen und Flüssen, die Ton 
den CordiUeras herabkommen. Ausser dem Fluss, den dieser See nach 
Osten und Süden sendet und der einen Theil des Bio negro ausmacht, 
soll noch ein anderer aus ihm herTorkommen , der nach Westen gehen 
nnd bei ValdiTia eine Kommunikation mit der Südsee haben soll; weil 
ich aber dieses Vorgeben nicht genug untersucht habe, so kann ich 
such die Wahrheit desselben nicht bekräftigen." ViUarino, der 1783 
den Catapuliche genannten Quellarm des Rio negro bis 39° 33' S. Br. 
hinauffuhr, setzt die Mündung eines aus dem Huechum-See kommenden 
Sleiehnamigen Flusses in den Catapulchi in 39° 40' 8. Br. und erfuhr 
Toa Pehuenchen aus der Gegend des See*8, dass derselbe inmitten der 
dort sehr niedrigen Cordillere liege, Yaldiria davon nur 2 bis 3 Tage- 
reisen entfernt sei und daas sie mit den Bewohnern auf der Westsexte 
des Gebirges in Verbindung ständen. Den Zusammenhang des Huechum - 
See'a mit dem Fluss von Valdivia bestritten sie, aber jener beträcht- 
liche Fluss sei allerdings nur 1 Tagereise entfernt und ein ausgedehn- 
tes Thal scheine sich als ununterbrochene Ö&ung durch das Gebirge 
hinzuziehen bis an die Küsten des Stillen Oceans, obwohl nördlich und 
südlich schneebedeckte Berge es begrenzten. ViUarino selbst beabsich- 
tige, nach Valdiria hinüberzugehen, wurde aber durch sein unkluges 
Einmischen in die Streitigkeiten der Indianer daran yerhindert. Nicht 
weit südlich Ton dem Rinihne-See befinden sich andere bedeutende Ein- 
senkungen des Gebirges; so lesen wir bei Gilliss (U. S. Naval Astro- 
nomical expedition, I, p. 14): „Wenn man sich auf die Nachricht yer- 
Isasen kann, nähern sich einige Zuflüsse des Rio negro bis auf 1 oder 
2 £ngl. Meilen dem Ranco-See und der Bergsug, welcher die Wasser- 
seheide zwischen dem Atlantischen und Grossen Ocean bildet, ist kaum 
nehr als eine Hügelkette*', und bekannt ist die Senkung, welche den 
See Todos los Santos birgt. 

Müssen wir die Richtigkeit yon Frick's nur auf Aussagen Ton 
hidianera beruhenden Darstellung, besonders was den angeblichen Ur- 
sprung des Rio de Valdivia auf den Pampas im Osten der Cordilleren 
betrifft, Torläufig dahin gestellt sein lassen, so kann man doch an der 
Bxistenz eines tiefen, leicht zu passirenden Einschnittes quer durch 
die Andes östlich yom Rinihue-See kaum zweifeln und schon diese 
Entdeckung ist sowohl geographisch yon hohem Interesse als praktisch 
von möglicher Weise bedeutenden Folgen. Von dem Rinihue-Pass 
wasste man, wie auch noch Martin de Moussy in seinem neuen, fleissig 
gearbeiteten Werke über die Argentinische Konföderation bezeugt, bisher 
l&r Nichts. Die See*n yon Pirehueico und Lacar (Lajara) finden wir 



sprang in den Fampas yon Bnenos- Aires nimmt: ein Mal 
sprach man von einem Yersnch, den Herr Wilhelm Doli 
machen wollte, die Cordillere zvl durchschiffen; ein ander 
Mal wnrde eine kurze Nachricht mitgetheilt, die Herr Hie- 
ronymus Agüero über den See von Eifiihue — aus dem 
unser Fluss von Yaldiyia fliesst — und die Erzreichthümer' 
gegeben, die man dort yermuthet, und worin es in Bezug 
auf die Wasserverbindung mit der anderen Seite heisst, 
wie folgt: „Ausserdem ist der See noch nicht yon ciyilisirten 
Fersonen befahren worden, man weiss, dass man auf einem 
der beiden Flüsse, die in ihn einmünden, bis nach Fangui- 
puUi gelangen kann, aber es bleibt noch zu yersuchen, ob 
man den anderen bis zum Neltume-See befahren und von 
hier einen anderen Fluss yerfolgen kann, bis man ins Ar- 
gentinische Gebiet hinaus kommt, wie Eingebome jener 
Gegenden gethan haben sollen.*' — Obgleich es auf den 
ersten Blick sehr unwahrscheinlich aussieht, dass ein 
Fluss, die Cordillere durchschneidend, von den Fampas von 
Buenos -Aires nach dem Stillen Ocean fliessen könne, so 



■war durch Wasserliufe mit dem Rinihue-See yerbunden auf Claude Gay's 
Karte (1836) und nach dieaer auch auf der zu Gilliss' Werk gehörigen 
angedeutet, diese ganze Seo'nkette wird aber hier als zwischen den 
westlichen Vorbergen der Andes gelegen dargestellt und weit ostlich 
dayon der Übergang über das Gebirge als Boqnete de Rinihue ange« 
geben. Diese ganze Darstellung beruhte zudem auf so zweifelhaften 
Angaben, dass Major B. Philippi auf seiner Karte yon Valdiyia yom 
Jahre 1846 und Dr. R. A. Philippi auf der in den „Geogr. Mitth.** 
publicirten die beiden See'n Pirehueico und Lacar wieder fortliessen, 
obgleich sie über jene Gegend besser informirt waren als Gay, denn sie 
aeichnen den Fluss yon Valdiyia der Wahrheit gemäss als dem Rinihue- 
See entströmend, während ihn Gay aus dem Panguipulli-See heraus- 
kommen lässt. Eine nähere Untersuchung des Passes ist dringend zu 
wünschen. 

Über die Aufnahme des Rinihue-See's , der hier zum ersten Mal 
in richtigerer Gestalt erscheint, giebt Frick selbst in dem Berichte 
Aufschluss, die Übersichtsskizse soll dagegen nur eine ungefähre Vor- 
stellung yon der Lage jener See'n geben, wie sie sich Frick nach den 
Beschreibungen der Indianer gebüdet, und er bemerkt in dem die Skizze 
begleitenden Brief ausdrücklich, dass die Form der See'n mit Aus- 
nahme des yon Rinihue durchaus imaginär sei. 

Was die im Text angeführten Längenmaasse betrifft, so ist 1 Chi- 
lenische Legua = 36 ouadras, 1 ouadra = 150 yaras, 1 yara = 3 piea 
oder Fuss. Nach dem Gesetz yom 29. Januar 1848 wird die yara zu 
0,836 und die cuadra zu 125,89 Meter angenommen, genauer ist die 
cuadra = 125,866 und die legua = 4513,893 Meter. 

In Bezug auf die Orthographie ist lu bemerken, dasa anaau-* 
sprechen ist: 

s wie BS (in Chile) 

c yor e u. i eben so 

y wie w 

g yor e u. i wie ch, 
sonst wie im Deutschen 

gui wie gi 



n wie 


DJ 


U 


» 


Ij 


ch 


91 


tsch 


qu 


99 


k 


j 


» 


ch 


8 


» 


SS 



gue wie ge 
güe „ gue 
güi „ gui 
h wird nicht 
gesprochen. 



A. P. 



48 



Der Rinihue-See in Chile und die tiefe Passaenkung der Andes bei demselben. 



hielten wir es doch nicht für fabelhaft, denn ausserdem, 
dass bekanntlich das Niveau der Fampas am Fuss der Oor- 
dillere viel höher ist als das der Ebenen auf der Chileni- 
schen Seite, so wussten wir schon von einem anderen 
Flusse (dem von Huampoe, der in den Villarica-See fällt) 
mit einiger Gewissheit oder wenigstens Wahrscheinlichkeit, 
dass er in den Pampas entspringt und schiffbar ist, wenn 
auch nicht in seinem ganzen Laufe, doch wenigstens ei- 
nige Leguas ^). So geschah es, dass zur Zeit, als die Zei- 
tungen Chile's sich mit dem von Herrn Wheelwright vor- 
geschlagenen Projekt der Trans- Andinischen Eisenbahn be- 
schäftigten und ich selbst die Aufmerksamkeit auf den 
Pass der Cordillere von Yillarica lenkte (in einem Artikel, 
der, vom 18. Juni 1860 datirt, im „Ferrocarril" und„Mer- 
curio" veröffentlicht wurde), ich Herrn Agüero bat, er 
möchte so viel als möglich Nachrichten über die Wasser- 
verbindung mit der anderen Seite sammeln und bekannt 
machen. Bald nachher berichtete mir ein Herr aus dem 
Inneren, mit dem ich in Dienstangelegenheiten zu thun 
hatte, von einer Eeise, die von den Pampas her in einem 
Fahrzeuge gemacht worden, jedoch konnte er mir nicht 
die Personen nennen, noch die Zeit angeben, in der sie 
Statt fand, und eben so wenig andere Einzelnheiten, und 
als ich mit verschiedenen hiesigen Leuten Unterhaltung 
über dieses Ereigniss anspann, ward mir gesagt, ein Herr, 
der ein grosses Gut in der Nähe jener Cordilleren besitzt, 
habe herausgebracht, dass Alles falsch sei. Da andererseits 
auch Herr Agüero nicht die geringste Notiz mittheilte, so 
war es natürlich, dass ein Gegenstand, der eine reine Er- 
findung schien, gänzlich in Vergessenheit gerieth. So war 
lange Zeit verflossen, als unerwarteter Weise am 11. Fe- 
bruar 1862, da ich mich auf der Eeise nach Chance (etwa 
16 Leguas östlich von Valdivia) befand, einer meiner Be- 
gleiter, Don Bomualdo Patiflo, der wie viele der dortigen 
Einwohner die Cordillere durchkreuzt hatte, mir erzählte, 
dass vor wenigen Jahren der verstorbene Eazike Paulino 
Patiüo von Futron (oder Futronhue beim Ranco-See), der 
im Hause des Vaters des Erklärenden auferzogen worden 
und dessen Vor- und Zunamen angenommen hatte, die 
Reise durch die Cordillere von der anderen Seite her im 
Winter und zu Schiff (Fahrzeug) gemacht habe. Da Don 
Bomualdo sich der Einzelnheiten nicht erinnerte, auch 
nicht, mit dem Eaziken selbst gesprochen, sondern es nur 
von Anderen gehört hatte, so fragte ich die Übrigen 
der Begleitungi ob sie mir nicht Jemand nennen könnten, 
der es vom Kaziken selbst erfahren. Darauf erklärten sie 
nach einiger Überlegung, dass ein Bewohner von Quilguilto 



*) 8. den Bericht, den ich unterm 7. Kovemher 1854 die Ehre 
gehabt habe Sr. Excellenz dem Hm. Präeidenten Montt yorznlegen, 
über die öffiinng der Cordillere der Villarica gegenüber. 



(das auf der anderen Seite des Quinchilca- Flusses und 
etwa 3 Leguas vom Orte Quinchiloa liegt), Namens Manuel 
Ovalle, einige sichere Kenntniss haben könne, denn er 
habe dem Kaziken ein Pferd verschafft, um nach seiner 
Ortschaft zurückzukehren. Ich Hess mich zum genannten 
Ovalle führen, der denn in Gegenwart von Don Toribio 
Obando, nachdem er von diesem seinem Freunde den Zweck 
unseres Besuches erfahren, die folgende Erzählung abgab: 

„Yor fünf Jahren passirte der Eazike Paulino Patitlo 
von Futron mit dem Indier Canin Amoyao von Pangui- 
puUi den Pass von Ranco, da sie von den Indiern auf der 
anderen Seite zu einem Überfall in Patagonien aufgefor- 
dert waren. Es fiel auf seinen Theil eine Menge Vieh, 
allein auf der Eückkehr zerstreute es sich, und da er den 
' Pass von Banco durch den Schnee geschlossen fand — 
denn es war im August und die Cordillere von Ranco 
bleibt bis Oktober geschlossen — , so setzte er seinen Weg 
bis an den See von Nontüe fort, der in den Pampas liegt, 
traf dort den Indier Cancho von PauguipuUi, der mit 
Leanca, einem Indier von Einihue, zu Wasser dorthin ge- 
kommen war, und so kehrten alle vier in der Ganoa zurück, 
von Pirehueico an, welches an demselben See von Nontue 
liegt, bis nach dem See von Biilihue. Die Fahrt dauerte 
drei Tage auf einem ruhigen, tiefen Fluss, breit wie ein 
See, stellen weis so, dass man kaum das entgegengesetzte 
Ufer erkennen konnte, ohne alle Strömung oder Wasser- 
fälle, überall mit Strand (oder flachen Ufern), wo man 
landen kann und wo die Reisenden übernachteten.'' 

Diese Erzählung erfuhr Ovalle vom Kaziken selbst, der 
von Riüihue zu Fuss kam und darauf seine Reise bis Fu- 
tron auf dem Pferde fortsetzte, das Ovalle ihm verschaflPte. 
Von keinem der Begleiter des Kaziken konnte mir Ovalle 
den Aufenthaltsort angeben. !N^ach ihm verkehren die In- 
dier beständig in Ganoa mit der anderen Seite ; ihre Ganoa 
ist gross und sicher, etwa 9 Yaras lang, mit Bteuer und 
zwei Rudern, und er hatte sogar sagen hören, dass die 
Indier Pferde zu Boot mitzunehmen pflegen, indem sie ihnen 
die Füsse binden und sie bei l^acht an den Strand setzen. 
Der Wasserfall, von dem man redet, ist nach Ovalle der 
von Gicho (wird ausgesprochen beinahe wie Nicho oder 
Ngicho) zwischen dem See von Riüihue und San Pedro 
imd hat nach dem Ausdruck eines Bekannten von Ovalle 
(Juan Garrasco) zwei Lassos Höhe. 

Es wäre sehr interessant gewesen, die Bestätigung der 
Erzählung Ovalle's durch irgend eine andere Person zu er- 
halten, aber es gab in jener Gegend Niemand weiter als 
einen Indier von Rifiihue, Santos Quithulef, von dem man 
einige Nachricht erwarten durfte. Wir trafen ihn in dem 
Ort Puante und er ward von einem der Anwesenden' in 
seiner Sprache befragt, allein es war klar zu erkennen. 



Der Riöihue-See in Chile und die tiefe Passsenkung der Andes bei demselben. 



49 



dass er die Wahrheit zu verbergen trachtete, und das Ein- 
zige, was man aus ihm herausbrachte, war, dass wirklich 
der FliiBs Ton Yaldivia seinen Ursprung auf der anderen 
Seite nehme, dass aber der Fluss, der aus dem See von 
!9ontue komme, nicht in den See von RiJÜihue, sondern in 
den Ton Fanguipulli falle und wegen seiner starken Strö- 
mung nicht befiihren werden könne und dass aus dem 
Pangnipolli-See ein anderer Fluss in den Rifiihue-See gehe. 
Da ich sah, dass es mir nicht möglich war, mehr Angaben 
zu erhalten, so unternahm ich meine Rückreise nach Yal- 
dim, aber der Zufall wollte, dass ich unterwegs mit Don 
Manuel Valverde zusammenkam, der vor fünf Jahren Sub- 
delegado von Arique gewesen, und da ich voraus- 
setzte, dass er einige Kenntniss von der Reise des 
Katiken Patiüo haben müsse, so fragte ich ihn, ob er 
davon hätte reden hören, worauf er mir berichtete, dass 
er Befehl gehabt hätte, den Kaziken und seine Reise- 
gefährten der Intendencia zuzuschicken, um von denselben 
Nachricht zu erhalten über einen Malon (Überfall) der 
Pehaenchen, den man befürchtete, dass er aber weder von 
Cancho noch von den anderen beiden Indiem den Aufent- 
haltsort hätte erfahren können und nur mit dem Kaziken 
gesprochen lüitte, der ihm erzählte, dass sie die ganze 
Reise von den Pampas bis Riftihue zu Boote gemacht und 
nor an Einem Punkte einen kleinen Wasserfall oder eine 
Stromschnelle angetrofiPen hätten. Die Einzelnheiten der 
Reise konnte mir Herr Valverde nicht mittheilen. 

In Yaldivia angekommen brachte ich sogleich die er- 
haltenen Nachrichten zur Kenntniss des Herrn Intendenten. 
Dieser willigte ein, dass ich eine Expedition zur Unter- 
suchnng des See's von Riflihue unternähme, obgleich er 
mir mehrmals seine Besorgniss wegen der Indier bekun- 
dete, die am Ufer desselben See's vor wenigen Jahren bei- 
nahe dem Don Jeronimo Ag^ero und Don Antonio Yio das 
Leben nahmen. 

Einige Tage nachher befand ich mich unterwegs, be- 
gleitet von Herrn Heinrich Lagr^ze, einem der Ingenieure, 
die mir bei den Wegearbeiten gedient hatten. Wir ge- 
langten den ersten Tag, den 20. Februar, bis Quinchilca, 
etwa 12 Leguas von Valdivia bei der Vereinigung des was- 
seneichen Quinchilca-Flusses mit dem Callecalle (auch Fluss 
Ton San Pedro und weiter oberhalb Rio de los liruelos 
genannt). In der schönen Niederung des Quinchilca-Flus- 
ses ritten wir am folgenden Morgen weiter, um den Richter 
des Distriktes aufzusuchen, trafen denselben in Cochui, und 
während er versprach, den Indier Montoya, der mir als 
Raderer dringend empfohlen war, beizuschaffen , Hess ich 
nuch selbst nach Quilquilto zum Indier - Kapitän Julian 
Aiango führen, der uns nothwendig war, um mit den In- 
diem zu verhandeln. Als er die Ursache unseres uner- 

PiUmann*! Oeogr. MittheUnngen. 1864, Heft II. 



warteten Besuches erfuhr und ich ihm sagte, er möchte 
sich fertig machen, um f^üh am Morgen auszurücken, wir 
hätten vor, in der Ganoa der Indier von Riflihue den gan- 
' zen See zu befahren und wo möglich den in denselben 
einmündenden Fluss bis nach den Pampas zu verfolgen, 
da machte er ein langes Gesicht und bezeigte eben keine 
grosse Lust, uns zu begleiten. Erst als er vernommen, 
dass der Intendent es befohlen habe, entschloss er sich zur 
Mitreise. Mit Sonnenuntergang kehrte ich sehr zufrieden 
nach Cochui zurück. Es wehte Südwind, der Tag war 
wunderschön gewesen, der Himmel heiter ohne eine ein- 
zige Wolke, Alles war vorbereitet, um ganz früh die Reise 
fortzusetzen, und schon bildete ich mir ein, binnen vier 
Tagen in den Pampas zu sein. Allein es waren uns noch 
andere Geduldsproben vorbehalten. Am anderen Morgen 
hatte ein heftiger Nord- oder Nordwestwind dichte Wolken 
zusammengehäuft und einige Tropfen kündigten die Nähe 
des Regens an. Der Kapitän Arango kam erst spät an und 
nur mit Einem Pferde, so dass Don Enrique Lagr^ze sich 
genöthigt sah, das Pferd zu besteigen, auf dem er gekom- 
men. Glücklicher Weise jedoch konnte in Puante ein 
anderes gemiethet werden und eben so ein zweiter Rude- 
rer, Andres Solis, der auch die Indische Sprache verstand, 
und endlich konnten wir alle vereint, LagrSze, ich, Arango, 
Montoya und Solis, die Reise in Gesellschaft des Richters 
fortsetzen, der uns bis Huidif, dem letzten Potrero nach 
Riflihue hin, begleitete. Sobald wir die Niederung des 
Quinchilca - Flusses verliessen und auf die Höhe kamen, 
welche eine fast ununterbrochene Ebene bis zum See von 
Riflihue bildet, fanden wir den Weg so sehr verwachsen, 
dass wir fortwährend auf die Zweige und Quilas (Art 
Bambusrohr) anlassen und uns bücken oder den Körper 
auf die Seite biegen mussten. Wir waren indess schon 
auf schlechteren Wegen gereist und zu unserem Glück fing 
es erst zu regnen an, als wir schon die grossen Quemas 
(Waldbrände) erreicht hatten,' die inmitten jener Waldungen 
liegen und wo wir schneller reiten konnten. Bei unserer 
Annäherung an Huidif hörte der Regen sogar auf. Wir 
hatten uns nicht bloss mit kleinem Silber versehen, son- 
dern auch mit Tabak , Ajf (Spanischem Pfeffer), Glasperlen, 
Tüchern und anderen Artikeln, die uns besser als das Sil- 
ber dienen sollten, um von den Indiern die nöthigen Le- 
bensmittel zu kaufen, wie auch ihre Dienstleistungen zu 
bezahlen; auch hatten wir Kaffee und Zucker mit, Brod 
und geröstetes Mehl, ein wenig Ghokolade, Lichte u. s. w., 
ja sogar verschiedene Arzneimittel, aber das Nothwendigste 
hatten wir vergessen: das Salz. Dieses findet man nicht 
immer bei den Indiem vor, wir waren daher sehr froh» 
einen Stein Salz bei dem Yaquero (Kuhhirt) von Huidif, 
wo man mit der Käsebereitung beschäftigt war, zu erlan- 

7 



50 



Der Binihue-See in ChUe und die tiefe Passsenkung der Andes bei demselben. 



gen. Das Haus oder die Hütte liegt sehr malerisch auf 
einem kleinen Hügel, der sioh vereinzelt über den Wald 
und die kleinen Pampas (Grasfluren), die ihn umgeben, 
erhebt, so dass man von dort ans einen überraschenden 
Anblick geniesst: gegenüber (fast in NO.) und in etwa 
2' Legaas Entfernung erhebt sich der Berg Tralcan, der 
mehr durch seine Form als durch seine Höhe einen maje- 
stätischen Eindruck macht. Obgleich man sagt, dass auf 
seinem Gipfel der Schnee bis Dezember liegen zu bleiben 
pflegt, wird er doch meinem Dafürhalten nach nicht über 
5000 Fuss Höhe haben können, und es giebt Beige in der 
Provinz, die wie der Vulkan von Yillarica sicherlich 
15.000 Fuss erreichen. Rechts vom Tralcan (welcher Name 
„Donnerer'' zu bedeuten scheint) ziehen sich die Verzwei- 
gungen der Cordillere hin, welche den See von Rifühue 
einschliessen, mit ihren bizarren und ungewöhnlichen 
Formen und zur Linken (in N. oder fast NNW.) die 
Berge von San Pedro in vielleicht 3 oder 4 Leguas Ent- 
fernung, während sich nach Westen und Süden die wald- 
bedeckten Ebenen ausbreiten, durch die wir so eben ge- 
kommen. Augenblicklich war übrigens von dieser Aussicht 
&8t Nichts zu sehen, denn Alles war in Wolken und 
Nebel gehüllt, die nur den unteren Theil des Tralcan un- 
terscheiden Hessen. Am Fuss dieses Berges geht der Weg 
vorbei, der nach dem See führt, von dem uns noch bei- 
nahe 3 Leguas dicht geschlossenen und schwer zu passiren- 
den Waldes trennten. 

Wir erkannten endlich an einem sanften Niedergange, 
dass das ersehnte Ziel unserer Reise schon nahe war, und 
gleich darauf erblickten wir zwischen den Zweigen das 
Licht, das von den krystallhellen Gewässern des nie zuvor 
erforschten See's zurückgeworfen wurde. Alsbald traten 
wir an derselben Stelle auf den Strand hinaus, wo ihn 
der zierliche Bach von Comohue begrüsst. Die Zeit war 
schon sehr vorgerückt, ein heftiger Regen drohte, und da 
wir noch mehr als ^ Legua nach den Häusern von RifLihue, 
welche eine in den See vorspringende Bergspitze ver- 
deckte, zurückzulegen hatten, so hielten wir uns nicht da- 
mit auf, das neue Schauspiel zu bewundern, sondern ritten 
am Ufer entlang bis zu jener vorspringenden Spitze, wo 
der Weg zwischen dem Walde hinauf führt, um wieder 
auf einer Lichtung von einigen 8 oder mehr Quadern 
herauszukommen, die, mit etlichen Apfel-Bäumen bestan- 
den, am Abhänge der Berge und etwa 100 bis 400 Fuss 
über dem See sich hinzieht. Hier bemerkten wir 4 Indier- 
Wohnungen, die einzigen, die sich in den ausgedehnten 
Umgebungen des See's vorfinden. Im ersten Hause, dem 
wir uns näherten, war kein Platz für uns; wir ritten 
2 Cuadern höher hinauf, wo ein anderes mittelmässiges 
Blockhaus neben einem kleinen Häuschen von wenig 



mehr als 4 Yaras Länge und etwa 3 Varas Breite stand, 
beide Mariano Calfu gehörig, für den ich eine Empfehlung 
von seinem Freunde Toribio Obando mitbrachte. Unglück- 
licher Weise war er jedoch in Fanguipulli, ein wüthender 
Begenguss brach über uns herein, zwischen den Frauen 
vom Hause und Arango wurden lange Redensarten ge-, 
wechselt, wovon wir nicht ein Wort verstanden, und end- 
lich ward entschieden, dass man uns das Häuschen für die 
Zeit vermiethen wollte, die wir es nöthig hätten. Wenige 
Minuten später waren wir, Lagr^ze, Arango und ich, in 
unserem Palaste eingerichtet und trockneten unsere Kleider 
an einem tüchtigen Feuer. 

Der 23. Februar war heiter und heiss. Auf der Reise 
schon hatten wir erfahren, dass die Ganoa, die einzige, die 
es gab, in Gicho sich befand, d. h. an der Stelle, wo man 
überfährt, um nach Panguipulli zu gehen. Wir fanden 
keine Schwierigkeit, sie zu miethen, allein unser Unstern 
wollte, dass von den Indiern von RiHihue nur der zu 
Hause war, der uns am wenigsten nützen konnte, Domingo 
Colillanca, ein grosser, kräftiger Mann, aber ein arger Feig- 
ling, der aus Furcht vor den Indiern von Shos-huenco, 
durch deren Land wir, wie er sagte, passiren müssten, 
durchaus nicht zum Mitgehen zu bewegen war. Die In- 
dier von Shos-huenco, sagte er, wären die muthigsten und 
verwegensten von allen, der Kazike Patiüo hätte die Reise 
zu Fuss gemacht und so müssten wir sie auch machen, 
die Indier würden uns nicht hindurch lassen, sondern tod- 
ten, und er würde uns nicht begleiten. Bei alle dem wil- 
ligte er ein, mit uns zu Pferde nach Gicho zu gehen, um 
die Canoa zu holen, während Don Enrique zurückblieb, 
um unsere Lebensmittel und Handels- Artikel zu bewachen. 
Wir kamen in etwa 2 Stunden nach Gicho und glücklicher 
Weise zu derselben Zeit, als ein Indier übersetzte; wäre 
es nicht so gewesen, so hätte einer von uns auf einem äus- 
serst kleinen Flosse, das am Ufer lag, nach der anderen 
Seite überfahren müssen, um die Canoa zu holen, eine 
Verrichtung, die abgesehen von der Gefahr, mit der sie 
verknüpft gewesen wäre, uns lange angehalten hätte. 

Der See verengt sich mehr und mehr gegen die Über- 
fahrt hin, wo er bloss eine Cuadra breit ist, und sehr we- 
nig weiter westlich ist eine niedrige kleine Insel Ton 
wenigen Yaras Länge, welche den Punkt bezeichnet, wo 
er schon nicht mehr See, sondern Fluss ist, denn man 
bemerkt Strömung, welche auf der Südseite des nur wenig 
vom Ufer entfernten Inselchens ziemlich heftig ist und über 
eine von hartem Letten gebildete Bank hinweggeht Die 
Augenblicke, die wir warten müssten, bis die Ganoa frei 
wurde, benutzte ich, um den Fluss zu rekognosciren und 
eine Ansicht von dem Wenigen zu nehmen, was von den 
Umgebungen des See's zu sehen war, denn den ganzen 



Der ]EUnihae-See in Chile und die tiefe Passsenkung der Andes bei demselben. 



51 



Hintergrand hüllten Nebel and Regen ein» die bald auch 
meiner Arbeit ein Ziel Beteten. Die Gefährten erwarteten 
mich schon am Strande sitsend und mit ihnen ein Indier 
Ton Fangaipalli, Antonio, welcher so eben in der Ganoa 
äbeiigefahren war. Er hatte ein gutes Aussehen und sprach 
^fertig Spanisch. — Da sich Arango unwohl fühlte, wurde 
er in der Canoa zurückgebracht, während ich sehr wider 
meinen Willen auf meinem hufwnnden Pferde den langen 
und rauhen Weg am Strande wieder zurücklegen musste, 
Ton Antonio gefolgt, der die übrigen Pferde vor sich her 
trieB. Wir kamen endlich alle gegen Sonnenuntergang in 
BiÜlhue an. 

Jetzt, da wir ein Fahrzeug hatten, war das Wetter 
wieder schlecht geworden und blieb so. Unser kleines 
Boot kam mir prächtig Tor; obgleich es wenig mehr als 
6 Yaraa Bodenlänge hatte , so war es doch ziemlich breit 
und schwankte nicht so, wie Boote dieser Art zu ^thun 
pflegen, auch war seine Fahrt schneller, als ich erwartet 
hatte, aber da wir es genau untersuchten, machten wir 
eine Entdeckung, die uns mit Schrecken erfüllte und 
fast Ton der Schiffißihrt zurückstehen liess. Der Boden 
war 80 abgenutzt, dass er sich bei dem geringsten Schlage, 
den er am Strande durch die unbedeutende Bew^[;ung der 
Wellchen erhielt, sichtlich hob und durch eine Spalte 
Wasser eindringen liess. Ein starker Fusstritt oder ein 
Schlag auf einen Stein würde ihn durchlöchert haben. Es 
war Nichts weiter zu thun, als eine Art falschen Boden in 
Form eines Gitters von Stangen zu legen, welcher den 
eigentlichen Boden nicht bloss vor Tritten und Schlägen 
von innerhalb schützte, sondern auch erlaubte, unser Gepäck 
anfs Trockne zu legen. Mit Hülfe der Ruderer befestigte 
ich sodann Latten an den Seitenwänden des Fahrzeugs 
und auf denselben rerschiedene Bänke, setzte am Hinter- 
theil, das bis unten gespalten war, zwei Stücke ein, ver- 
fertigte ein Steuerruder und noch zwei neue Ruder und 
richtete unser „huampo" (Ganoa) für vier Ruder ein, für 
den Fall, dass wir in Noth kommen sollten. Zu diesen 
Arbeiten verwendeten wir die regenlosen Augenblicke an 
den drei folgenden Tagen. Arango hatte sich unterdessen 
Terschlimmert und bestand darauf, trotz des schlechten 
Wetters nach Hause geschafft zu werden, indem er sehr 
philosophisch sagte, dass seine Familie mehr Mühe haben 
würde, seinen Leichnam zu transportiren, nachdem er ge- 
storben wäre. Wir waren nicht bloss seinet-, sondern auch 
unsertwegen in Besorgniss, wenn er etwa sein tolles Vor- 
haben ausführen sollte, denn wir konnten gewiss sein, 
dass die Indier von Fanguipulli, dieselben, welche die Her- 
ren Agüero und Yio bei Gicho so übel zugerichtet hatten, 
Ton unserer Expedition schon wussten, und wenn ihr Ka- 
pitän, der für sie eine Respekts-Ferson und ibnen bekannt 



ist, nicht in Rifiihue blieb, leicht kommen konnten, um 
uns bei unserer Rückkehr aufzulauern und niederzuma- 
chen. Unser Hüttchen war zugleich Schlafzimmer, Waaren- 
Laden, Esszimmer und Hospital, und während wir auf 
einer Seite des Feuers unser Essen zu uns nahmen, wirk- 
ten auf der anderen Seite bei dem Kranken, der auf einer 
Haut kauerte, die Brechmittel, die ich ihm eingegeben 
hatte. Am dritten Tage endlich fühlte er sich etwas bes- 
ser und gab schon der Idee Raum, dass er mit dem Leben 
davon kommen könnte. 

In der Nacht fing der ersehnte Südwind zu wehen an 
und der Himmel ward heiter. Der 27. Februar brach an, 
wie er nicht schöner hätte sein können. Wir frühstückten 
und beluden sogleich unser Schiff. Lebensmittel hatten 
wir für einige Tage, wie man sie sich selten auf derglei- 
chen Expeditionen verschaffen kann: ein ausgeschlachtetes 
Schaf, ein gekochtes Huhn, Kartoffeln, Mais, geröstetes 
Mehl, Brod, Milch, Eier, Kaffee, Zucker u. s. w. Auch 
gab es schon Avellanas (Haselnüsse) im Walde, von denen 
wir auf der ersten Expedition, die ich mit Don Vicente 
Perez Rosales, damaligem Kolonisations-Agenten, nach dem 
See von Llanquihue unternommen, sehr gut gelebt hatten, 
als unsere Lebensmittel alle geworden waren. 

Während unseres Aufenthalts in Rifiihue hatte ein jeder 
von uns Antonio und Domingo in Betreff der Reise, die 
wir unternehmen wollten, befragt und die Verwirrung von 
erlogenen Nachrichten und Angaben, welche der Argwohn 
der Indier geschmiedet, war so gross, dass wir Nichts mehr 
hören wollten, entschlossen, zu Boote so weit vorzudringen, 
als wir könnten. Umsonst hatten wir die Ankunft von 
Pascual Amojao, einem jungen Indier von Rifiihue, erwar- 
tet, der uns in Puante versprochen hatte, zu uns zu stos- 
sen, wir bedeuteten daher Domingo, der vollkommen gut 
Spanisch redete, dass wir die Canoa nicht verlassen wür- 
den, und wenn es wirklich so wäre, wie er sagte, dass 
man den vom Panguipulli-See kommenden Fluss nicht 
hinauffahren könnte, uns mit der Beschiffung des See's 
begnügen wollten, und so beredeten wir ihn endlich, dass 
er sich mit uns einschiffte. Arango versprach, uns in Ri- 
iLihue zu erwarten. Um den beiliegenden Plan des See's 
aufzunehmen, hatte ich eine Fatentboussole und ein Log 
bei mir. 

Wir fuhren vor 10 Uhr ab, und indem wir dem Ufer 
von Spitze zu Spitze folgten, gelangten wir um 2 Uhr 
Nachmittags nach dem niedlichen Hafen von Rimehue, wo 
wir landeten. Von dort nahm ich eine Ansicht des öst- 
lichen Theils des See's auf, welcher der schönste und in- 
teressanteste ist wegen der beiden schneebedeckten Vul- 
kane, deren Gipfel nur etwas über 2 Leguas vom See 
entfernt sind und welche zwischen sich und dem hohen 

7» 



52 



Der Rinihue-See in Chile und die tiefe Passsenkung der Andes bei demselben« 



Gebirgszuge, der die Kordostseite des See's bildet und ihn 
von dem yon Panguipulli trennt, die Öffnung lassen, durch 
welche der beide See'n verbindende Shos - huenco - Fluss 
läuft Die Höbe dieser beiden Berge wird auf ungefähr 
9000 Fuss geschätzt werden können. Einer von ihnen 
führt unter den Indiern den Namen Quethopillan , was 
sagen will »»abgestumpfter Vulkan'', und ist derselbe, der 
gewöhnlich Vulkan von Rillihue genannt wird« Der Name 
„Quethopillan", der verschiedenen Vulkanen gegeben wird, 
könnte glauben machen, dass der Krater eingefallen sei, 
wie es nach Aussage eines Augenzeugen bei einem grossen 
Ausbruche des Vulkans von Calbuco im J, 1834 oder 1835 
in einer Nacht des Monats August geschah; allein das ist 
nicht der Fall, im Gegentheil ist der Krater vollkommen 
wohl gebildet, und da sein westlicher Band etwas niedri- 
ger ist, so kann man ein wenig hineinschauen und sieht, 
dass er ganz mit Schnee angefüllt ist. Wie sie uns ver- 
sicherten, haben ihn weder die ältesten Indier noch ihre 
Eltern brennen gesehen. Der andere „Vulkan", der in 
der That kein Vulkan zu sein scheint, wird nach meiner 
Schätzung nicht mehr als j Legua in fast nördlicher Rich- 
tung entfernt sein und hat keinen Krater, sondern eine 
Spitze. Von seinem Gipfel etwa 1000 Fuss abwärts zieht 
sich von seinem nördlichen Abfall schräg herunter nach 
Süden zu ein ungeheuerer Kamm schwarzer Felsen, welche 
an ihrem unteren Theile eine lichte Ziegelfarbe annehmen. 
Wundersam stechen von diesem Grunde verschiedene kleine 
Schneeflecken ab, von denen einer durch seine Herzform 
unsere Aufmerksamkeit auf sich zog, während zur rechten 
oder Südseite des Kammes eine tiefe, ganz mit Schnee 
angefüllte Schlucht sich herabzuziehen scheint. Wo der 
Kamm zu Ende geht, bemerkten wir eine horizontale und 
sehr gerade Linie quer über den ganzen Berg gezogen, 
der von der Linie aufwärts eine hellere Färbung zeigte. 
Ein gutes Fernrohr, das ich bei mir hatte, erklärte uns 
diese sonderbare Erscheinung; die Linie war nichts Ande- 
res als die Grenze der Waldungen; von ihr aufwärts lies- 
sen sich nur eine Menge Büsche oder einzelner Bäumchen 
erkennen, die, wie es schien, zwischen Steinen und Felsen 
verstreut waren. Wenn die Sonne im Norden stand und 
ihre Strahlen von der Seite her auf den Schnee des Que- 
thopillan fielen, bemerkte man auf demselben eine röth- 
liche Färbung, an zwei Stellen aber, an denen er bis 
zur Waldregion herunterreicht, erscheint er zerklüftet 
oder gefurcht und bei seitlicher Beleuchtung von hellgrün- 
licher Farbe. Unzweifelhaft werden es Gletscher sein. 
Nur einen von diesen sieht man vom Hafen vonRimehue 
aus, der andere ist durch einen Bergzug verdeckt, allein 
man sieht ihn von der vorspringenden Spitze aus, die 
sich zwischen Riüihue und Rimehue befindet. 



Das ebene Land, das der Shos-huenco-Fluss durchläofl; 
und das die Indier „huapi de las chauras" nennen, soheint 
von vulkanischen Gesteinen gebildet zu sein und wie fast 
kein Zweifel darüber bleiben kann, dass vor Alters der 
Esmeralda- oder Todos Santos-See ein Theil des See's von 
Llanquihue war, von dem er durch die Eruption des Vul- 
kans von Osorno und vielleicht auch des von Calbuco ge- 
trennt wurde, eben so muss auch der aufmerksame Beob« 
achter sich zu der Ansicht hinneigen, dass der See von 
Rülihue in früheren Zeiten einen Theil des PangoipaUi- 
See's ausmachte und von ihm durch die Ausbrüche des 
Vulkans von Riflihue getrennt wurde. Eine genaue Er- 
forschung jener so sehr interessanten Gegenden wird viel- 
leicht dartbun, dass der Begleiter des genannten Vulkans 
ein zerstörter Vulkan ist, wie es seine Gestalt zu sagen 
scheint, und dass seine Trümmer zum grossen Theil jene 
Strecke des ehemaligen See's ausgefüllt haben. Claude 
Gay sagt in seiner Geschichte Chile's, unser Callecalle- 
Fluss komme aus dem See von Huanehue, welcher identisch 
mit dem von Panguipulli ist, wie denn auch der Ausfluss 
des Calafquen in den See von Panguipulli den Namen 
„Fluss von Huanehue" führt. Dieser Umstand und die von 
den Indiern dem Don Jeronimo Agüero mitgetheilte Über- 
lieferung von einem volkreichen Orte, der durch einen 
vulkanischen Ausbruch zerstört wurde 0> haben mich auf 
den Gedanken gebracht, dass die Trennung beider See'n 
vielleicht erst nach der Eroberung geschehen, denn vor 
dieser Trennung würde der Rifiihue-See in der That See 
von Huanehue gewesen sein. 

Während ich mit Zeichnen und Winkelmessen beschäf- 
tigt war, hatte der Wind zugenommen und wehte sehr 
heftig dem See entlang, welcher unruhig wurde und an 
der nächsten Felsenspitze, die wir umfahren mussten, um 
ans Ende des See's zu gelangen, eine ungestüme Brandung 
bildete. Zudem protestirte Domingo dagegen, dass wir 
über jene Spitze hinausgingen, denn sie wäre die Grenze 
der Ländereien der Indier von Shos-huenco und hinter ihr 
hätten sie einen Potrerillo (kleinen Weideplatz) mit Pfer- 
den, den sie oft besuchten, und sogar vor einem Jahre 
erst wären sie nach demselben Orte Rimehue, wo wir uns 
jetzt befanden, gekommen, um ihm 8 Stück Vieh zu steh- 
len. Er bezeichnete mir als nächstes Ziel der Reise einen 
kleinen, von hier aus kaum zu unterscheidenden Strand 
am entgegengesetzten Seeufer, wo die Berge aufhörten, in- 
dem er sagte, dass jener Strand den Indiern von Pangui- 

*) Agflero sagt : „Es yerdient auch die Ebene Untennchung, welche 
sich am Fuss des Ynlkans befindet, wo früher ein yolkreicher Ort exi- 
Btirt haben mnas, der dnrch irgend einen Tulkanischen Ansbrnch ler- 
stört wurde, denn man erkennt noch einen Begräbnissplatz und die 
Lara bedeckt das Übrige. Es ist nicht mSglich zu glauben, dass es 
die Indier gewesen sind" u. ■. w. 



Der Binihue-See m Chile mid die tiefe PaHsenkang der Andes bei demselben. 



53 



poUi gehörte, daas wir da gat ans Land steigen könnten nnd 
daas die Indkr von Shos*haenoo wahracheinlioh nioht dort- 
hin kämen, da der Flosa daiwisohen wäre. Aber um nach 
jenem Strande an gelangen, mnssten wir quer über den 
See gehen und somit yorauseiehtlioh mehr als 1^ Standen 
oBBer gebrechlicfaes Fahraeug den Wellen preisgeben. Wir 
besohloBsen, ein wenig zu warten, denn wir wossten, dass 
am Nachmittage der Wind abaunehmen pflegt Um 4^ Uhr 
l^ahten wir wirklich eine Veningerang des Wellenganges 
2a bemerken, und da die Zeit schon drängte, fassten wir 
einen halb vmaweifelten Entschluss und wenige Minuten 
spater tanzte unsere kleine Oanoa wie toll. Unwillkürlich 
dachte ich an andere ähnliche Lagen, aus denen ich glück- 
lich mit dem Leben dayon gekommen war, wie an den 
Schiffbrach, den ich mit den Herren Don Yioente Ferez 
Bosales und Don Francisco Geisse bei Nacht im See Ton 
Llanqnihue erlitten, und an die seltsame Wanderung, die 
wir in der Dunkelheit durch die Wellen des wild gewor- 
denen See's unternahmen, bis an den Gürtel im Wasser 
und die Äste überkletternd, welche die Bäume über das- 
selbe ausstreckten. Auch konnte ich bei der offenbaren 
Gefahr nioht umhin, mir zu sagen, dass es eine Tollheit 
war, zu der uns die Begeisterung für eine grosse Ent- 
deckung hingerissen, und dass, wenn etwa nach Yaldiyia 
die Nachricht gelangen sollte, dass wir elendiglich um- 
gekommen, man uns nicht einmal bedauern würde. Doch 
allmählich, da wir sahen, dass die Canoa das Stampfen 
aashielt, ohne auseinanderzugehen oder mehr zu lecken, 
imd auoh der Wind sich legte, kehrte uns der Muth zu- 
rück und schon dachten wir nicht mehr an Gefahren, als 
bei Annäherung an den Strand, welcher den See gegen 
Osten begrenzt, eine Menge liegender und von der Zeit 
gebleichter Baumstämme, welche oberhalb des Strandes am 
Waldrande zu sehen waren, den Ruderern grossen Schreck 
Tenirsachten, da sie sich einbildeten, es sei einer von je- 
nen Fenzen (Einfriedigungen), die man hier Geroos de renti 
nennt, und sicherlich lägen in geringer Entfernung dahin- 
ter Indier- Wohnungen. Die Spitzen der Vulkane sahen 
wir 80 nahe, dass es schien, als könnte sie eine «Büchsen- 
kngel erreichen, doch bald wurden sie vom Walde ver- 
deckt, und als die Gegenstände am Ufer schon besser un- 
terschieden werden konnten, erkannten wir, dass der ver- 
meintliche Zaun nichts Anderes war als Bäume, welche 
die Winterstürme in beträchtlicher Höhe über dem gegen- 
wärtigen Niveau des See's angehäuft hatten. Wir konnten 
uns Anfangs nicht überreden, dass der Wellenschlag so 
boch hinaufzureichen vermöchte, allein auf der Rück- 
reise bemerkten wir an den Felsen der vorspringenden 
Spitzen horizontale Linien, die offenbar den Winterwasser- 
stand des See's bezeichneten und ^ bis f Yara über dem 



jetzigen Niveau sich befanden. Diese ist auch leicht zu 
begreifen, wenn man ervrägt, dass in diesem Behälter, der 
in Gicho nur einen engen Ausfluss hat, sich alle Gewässer 
vereinigen, welche in die See'n von Galafquen, Fangui- 
pulli, Neltume und Nont6e fallen, und ohne Zweifel wird 
durch die wüthenden Nordwestwinde, welche die ganze 
Länge des See's von mehr als 5 Leguas frei durchstreichen, 
das Niveau am äussersten Ende, wo aasserdem der Wellen- 
schlag ähnlich dem des Meeres sein muss, noch viel mehr 
erhöht. 

Unser Wegweiser Domingo zeigte mir ein Fleckchen 
am Strande, wo es wenige und kleine Steine gab. Dort 
wurde gelandet, als sich die Sonne schon hinter den Ber- 
gen verbarg, weshalb ich mich sehr beeilte, die Umrisse 
der Berge zu zeichnen und mit Hülfe von Don Enrique 
verschiedene Eompass-Peilungen zu nehmen, die mir für 
die Anfertigung des Plans wichtig waren; am nächsten 
Morgen würde ich des Nebels wegen, der bis spät alle 
Berge bedeckte, nicht haben beobachten können. Inzwi- 
schen hatten die Ruderer das Feuer im Walde etwa 50 Ya- 
ras vom Strande angemacht, um den Indiern von Shos-huenco 
unser Nachtquartier nicht zu verrathen; in geringem 
Abstände vom Feuer hatten LagrSze und ich uns ein 
prächtiges Bett auf einer Unterlage von Zweigen bereitet, 
und nachdem wir zu Abend gegessen, gedachten wir treff- 
lich zu schlafen. Die Besorgniss vor einem möglichen 
Überfall der Indier Hess jedoch keinen ruhigen Schlaf 
zu, denn unsere Buderer hatten eine mit Löchern verse- 
hene Ruderschaufel, wie sie die Indier zu machen pfle- 
gen, um sie an eine Stange zu binden, und einen frisch 
abgescbnittenen Knüppel gefanden, so dass sie sich ent- 
schlossen, auf dem nassen Strande dicht neben der Canoa 
sich niederzulegen, um diese zu hüten, und Domingo, noch 
furchtsamer gemacht, uns einzureden suchte, die Shos- 
huenco -Indier müssten schon Nachricht von unserer Reise 
haben und würden sicherlich den Versuch machen, uns 
den Rückweg abzuschneiden. Von den Indiern von Pan- 
guipulli hatten wir Nichts zu befürchten, eben so wohl 
wegen der Entfernung und der ungeheueren Berge, die 
uns von ihnen trennten, als auch weil Domingo Neffe des 
Kaziken Aillapan war; es waren einzig und allein die von 
Shos-huenco, die gefürchtet wurden. Da uns jedoch Do- 
mingo kurz zuvor erzählt hatte, dass die von Panguipulli 
schon daran gedacht hätten, alle Shos-huenco-Indier, die ei- 
nige 30 oder 40 zählen, todt zu schlagen, um sich von ihren 
fortwährenden Diebstählen zu befreien,' und dass sich diese 
letzthin sogar mehr nach dem Inneren der Cordillere zu- 
rückgezogen, so schien es mir durchaus unwahrscheinlich, 
dass ihnen Nachricht von unserer Expedition sollte zu- 
gekommen sein, und deswegen beunruhigten mich die Be- 



54 



Der Rinihue-See in Chile und die tiefe PassBenkiing der Andes bei demselben. 



aorgnisse von Domingo, Solls und Montoya wenig, dessen 
ungeachtet schien es ans gerathener, uns angekleidet und 
mit den Revolvern im Gürtel niederzulegen. Vielleicht 
waren auch die Gemüther durch ein Ereigniss, das kura 
vorher Statt gefunden hatte, empfänglicher für die Furcht 
gemacht worden. Es ertönte plötzlich ein schrecklicher 
Lärm, wie ihn etwa eine Legion Teufel hervorbringen 
könnte, die durch den dichten Wald brächen. Im ersten 
Augenblick verursachte er uns Schrecken, weil wir nicht 
begriffen, woher er kommen könnte, allein gleich darauf 
sahen wir ein, dass es einer von jenen Bergstürzen gewe- 
sen, die so häufig in diesen Gordilleren sind. Zweifelsohne 
verharrten wir unter dem Eindrucke, den diese- ungewöhn- 
liche Erscheinung hervorbrachte, und um denselben zu er- 
halten, tragen sicherlich die beiden grossen Wasserfälle 
bei, welche wir in etwa einer Seemeile Abstand erblickten 
und welche auf dem Plane angedeutet sind, denn das Ge- 
räusch, welches sie verursachten, hörte man während der 
Nacht so stark, dass wir schwerlich die Indier gemerkt 
hätten, wenn sie gekommen wären, um uns zu überfallen. 

Kaum war die Annäherung des Tages zu merken, als 
ein starker Pfiff, der nahe bei uns ertönte, uns vom Bett 
aufspringen machte. Einer der Buderer war aufgestanden 
und hatte sich dieses wirksamen Mittels bedient, uns zu 
wecken. Wie hätten sie die Sitten der wilden Indier je- 
ner Gegenden nicht kennen sollen! Diese pflegen sich 
Nachmittags schlafen zu legen, stehen um Mitternacht auf, 
die Frauen machen ihnen dann das Essen zurecht und vor 
Tagesanbruch rücken jene aus auf ihre Malones oder Über- 
fälle oder sie erwarten sie mit der Lanze in der Hand, 
denn nie können sie sicher sein, wenigstens wenn sie ei- 
nige Stück Yieb oder sonstige Gegenstände besitzen, welche 
die Habsucht der Nachbarn reizen können. 

Da die Nacht 'ohne einen Yor&ll vorübergegangen war, 
schien uns unsere Besoi^niss schon ungegründet, allein vne 
wir später in Ri&ihue erfahren, waren wir in Wirklichkeit 
sehr gefährdet gewesen. Während ich in Gicho mit mei- 
ner Zeichnung und den Winkelmessungen beschäftigt war, 
hatte ich nicht bemerkt, dass sich bei Antonio noch ein 
anderer Indier befand, der nach Panguipulli zurückkehrte. 
Dieser fragte den Domingo, warum er käme, die Ganoa 
abzuholen, und als ihm Domingo antwortete, die Spanier 
da (wir) wollten den „lafquen'' (See) beschiffen, sagte er: 
„Weisst Du nicht, dass der Eazike nicht will, dass auf 
dem See verkehrt wird, und dass der öffentliche Weg über 
Panguipulli führt? Zudem sind gegenwärtig drei Indier von 
Shos-huenco in Panguipulli und werden es sehr übel neh- 
men." Arango, der oft in Panguipulli gewesen, berichtete 
uns, dass die Indier von Shos-huenco des Morgens in ih- 
ren Canoas von dort abzufahren pflegten und dann am 



folgenden Tage früh nach Shos-huenco kämen. Es ist klar, 
dass der kleine Indier von Pftnguipolli gewiss keine Zeit 
verlor, den drei Shos-huencanem die grosse Neuigkeit 
mitzutheilen , und dass diese in den vier Tagen, die bis 
zu jener Nacht der Befürchtungen verstrichen, überflüssig 
Zeit hatten, ihre ganze Bevölkerung zu alarmiren und bis 
an die Grenze ihres Landes mit dem von Rillihue vor- 
zudringen. 

Ein au^ezeichneter Kaffee mit Milch und Eiern stärkte 
Körper und Geist und bald darauf spotteten wir in un- 
serer kleinen Canoa der Nachstellungen der Indier. In 
einer Viertelstunde gelangten wir an den Fluss von Shos- 
huenco, das Ende jenes Strandes, dem wir den Namen 
„playa del temor'' (Strand der Furcht) gaben. Wir streng- 
ten die Ruder an, um hinaufzukommen, indem wir eine 
kleine Eückströmung benutzten, aber als wir an die 
Strömung gelangten, sahen wir uns gezwungen, dieselbe 
schräg zu durchschneiden, wie es der Brauch ist, um eine 
grosse Steinbank zu erreichen, die sich auf der anderen 
Seite des Flusses befindet. Als wir in die Wirbel gerie- 
then, welche die Strömung bildet und die man eine gute 
Strecke in den See hinein verfolgen kann, stiessen die 
Buderer ein Geschrei aus, wir kamen jedoch ohne UnfaU 
hindurch. Montoya, der oftmals Reisen zu Boot von Quin- 
chiloa nachYaidivia gemacht hatte, kannte diese Strudel, die, 
wenn sie die Canoas oder Boote erfassen, dieselben oft so 
lange herumdrehen, dass die Mannschaft wie betrunken 
wird ; ein Mal sogar war Montoya ins Wasser ge&llen und 
der Strudel hatte ihn hinunter gezogen, da er aber ein 
guter Schwimmer ist, kam er an einer anderen Stelle wieder 
empor. Wir stiegen ans Land und durchwanderten die 
über 2 Ouadras lange und fast eben so breite Bank zwi- 
schen dem Fluss und dem See, dessen Wellen sie im 
Winter ganz bedecken müssen. Ausser der Strömung, die 
wir eben durchfahren hatten, gab es noch eine andere, gleich 
einer Stromschnelle, an der Biegung, die der Fluss 2 Cua- 
dras weiter oben macht. Der übrige Theil des Flusses, der 
im Mittel 50 Yaras breit sein mag und eine grosse Wasser- 
menge führt, fliesst ruhig und das wenige, das wir jen- 
seit der Stromschnelle sehen konnten, hatte sogar dieselbe 
grünliche Farbe wie der See und zeigte keine Strömung. 
Es ist leicht zu denken, mit welchem Bedauern wir un- 
serer Neugier Zügel anlegen mussten. Ein gutes Boot 
würde, glaube ich, mit Rudern durch die Rückströmnngen 
hinaufkommen, jedwedes Fahrzeug aber Hesse sich an ei- 
nem guten Tau mit Leichtigkeit hinaufziehen. Zu unse- 
rem Glücke jedoch hatten vrir nur eine sehr schwache 
Schnur, die uns Nichts nützte; ich sage: zu unserem 
Glücke, denn wenn die Ruderer nicht absichtlich alle Las- 
sos in Rifiihue zurückgelassen hätten, so würden wir, wit 



Der BinUme«See in Chile oud die tiefe Peessenkang der Andes bei demaelben. 



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ioh niofat beaweifle, auf den bedenklichen Zustand des fio- 
denB imserer Ganoa keine Rücksicht genommen haben, 
beim ersten Sohlage gegen einen Stein wäre er aber im* 
fbhlbar ausrissen und hätte uns den Indiem oder einem 
schlimmeren Tode überliefert, denn der Weg am Ufer des 
See's entlang war auf beiden Seiten von vielen fast senk- 
lecht ins Wasser abfallenden Felsspitzen unterbrochen, die 
nicht einmal für Katsen einen Durchgang gestatteten, und 
wie hätten wir jene ungeheueren Waldgebirge ohne Weg 
dnrchkreuzen sollen? Der lügenhaften Ersählungen der In* 
diar in Riftihue über die Unmöglichkeit, den Fluss von 
Shos-huenco hinauf zu fahren, seine Wasserfälle u. s. w. 
waren so viele gewesen, dass selbst Arango gemeint hatte, 
wir hätten die Expedition verfehlt und hätten sie von 
PangaipuUi aus unternehmen müssen, und als wir nun an 
der Mündung des Flusses schon zwei Stromschnellen an- 
trafen, die wir für das Vorspiel der Wasserfalle nahmen, 
blieb uns kein Zweifel übrig, dass wir uns unnützer Weise 
Gefahr aussetzen würden, wenn wir uns anstrengten, den 
Fluss hinauf zu fahren. 

Wie gross war nun unser Yerdruss, als wir, nach Yal- 
dim zurückgekehrt, nicht bloss von Don «Teronimo Agüero 
erführen, dass Canoho und Catrifül (oder Gathigil), der Sohn 
des Kaziken AiUapan, ihm versichert hätten, dass man den 
Flosa bis zum See von PanguipuUi hinauf fahren könnte, 
sondern auch Montoya, der einige Tage später ankam, uns 
berichtete, ihm habe Paseual Amoyao gesagt, dass, hätten 
wir den Fluss aufwärts verfolgt, wir nach dem anderen 
See gekommen wären, denn nur an Einer Stelle hätten wir 
aas der Canoa aussteigen und sie hinaufziehen müssen I 
Aber wohl erwogen, erscheint es mir doch besser, dass 
wir diess nicht wussten, denn die Wahrscheinlichkeit ist 
wie tausend gegen eins, dass wir nicht gut bei dem Ge- 
Bchafi; gefahren wären. 

Als wir auf der Steinbank umhergingen, sahen wir 
in geringem Abstände einen der Wasserfälle, die so viel 
laim machten. Weissen Bändern gleich durchkreuzten 
seine verschiedenen Verzweigungen einen Felsen von 80 
bis 40 Yaras Höhe. Die Versuchung war gross, diese 
und andere Wunder des See's mehr in der Nähe zu be- 
Bchaoen, allein da wir die Gewisaheit erhalten hatten, dass 
kein anderer Fluss in denselben einmündete als der, wel- 
cher von PanguipuUi kommt, und den hinauf zu fSahren 
wir nicht für möglich hielten, so bestand das grösste In- 
teresse, das uns übrig blieb, in der Aufnahme des Plans 
Tom See, und da die Messungen von Bimehue aus des 
Windes und Wellenschlages wegen untauglich ausgefallen 
waren, durften wir die Buhe nicht unbenutzt lassen, in 
der aich der See jetzt befand. Diese Ruhe des Wassers 
erlaubte es, die Messung der langen Linie von der Playa del 



temor zwischen dem Inselchen Copiuhaelpe und dem klei- 
nen Campana- (Glocken-) Berge hinduroh bis zu der zwi- 
schen Bifiihue und Bimehue hervorspringenden Spitze sehr 
zufrieden stellend auszuführen; vermittelst dieser Linie 
und der Winkelmessungen an beiden Enden derselben konnte 
ich den Plan berichtigen. Die Fahrt bis zur genannten 
vorspringenden Spitze war die köstlichste, die man sich den- 
ken kann. Der See war wie ein Spiegel, dessen Glätte nur 
dann und wann durch eine leichte kleine Brise unterbro- 
ohen wurde, welche von den Beiden herabkam. Die Wol- 
ken aertheilten sich nach und nach und enthüllten zuerst 
den niedlichen, kleinen, wie gedrechselt aussehenden Cam- 
pana-Berg (von 400 bis 500 Fuss Höhe), darauf die Beihe 
grosser zerrissener Felsen, welche den seltsamen Eamm 
des „Maltusado" bilden (welchen Namen Lagrize mit gros- 
sem BeifaU Aller jenem sonderbaren Berge gab), und die 
übrigen hohen Waldgebirge, welche den See einschliessen, 
wie auch den noch fernen Tralcan und zuletzt die pracht- 
vollen Vulkane, während sich der Himmel mit einem rei- 
nen Dunkelblau färbte, dessen Widerschein sich mit der 
eigenthümlichen Smaragdfarbe des See's vermischte. 

Wir kamen um Mittag nach dem Ende der langen Li- 
nie, dort hielten uns die Beobachtungen einige Stunden 
auf und unterdessen fing der Wind mit solcher Macht zu 
wehen an, dass wir mit einiger Mühe und unter entsetz- 
lichem Schaukeln nur bis zur Playa de Cofiico gelangen 
konnten. Nachdem wir noch einige Stunden gewartet hatten, 
beruhigte sich der See ein wenig und erlaubte uns, noch bei 
Sonnenschein den Ort Bifiihue zu erreichen, von dem wir 
ausgefahren waren. Da uns noch übrig blieb, die Bucht 
von Comohue aufsunehmen, beschlossen wir, am Strande 
zu übernachten, wo wir ohne die geringste Besorgniss aus- 
ruhen konnten. 

Arango fanden wir besser und im Stande zu reisen. 
Es war nicht bloss ein Verwandter von ihm gekommen, 
ihn abzuholen, sondern auch ein Moceton (Diener) vom 
Kaziken von PanguipuUi, der sich angeblich nach seiner 
Gesundheit erkundigen, in Wahrheit aber den Zweck un- 
serer Beise auskundschaften sollte. Wir fertigten ihn am 
folgenden Tage mit einer höflichen Entschuldigung an den 
Kaziken ab, dass wir die Beise ohne seine Erlaubniss ge- 
macht, da wir dieselbe wegen der Krankheit des Kapitän 
nicht hätten erbitten können, und begleiteten die Bestel- 
lung mit einer Stange Tabak, einem Buch Bauch- (oder 
Cigarren-) Papier, einem Feuerzeug, einem Säckchen Ajf 
und vielen Anerbietungen, auch gaben wir dem Moceton 
Tabak, Cigarren, eine Packnadel und ein gutes Frühstück 
mit Kaffee, so dass er sehr dankbar wegging und Arango 
uns versicherte, der KazUce würde sehr befriedigt und un- 
ser Freund sein. 



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Der Binihue-See in Chile and die tiefe PasMenkung der Andes bei demselben. 



Dieser Abschied &nd am Comohue Statt, von wo wir 
nach beendigter Messung etwa um Mittag abreisten, der 
Bote nach FanguipuUi, Domingo mit dem Jungen, der 
nnsere Pferde gebracht hatte, nach Biüihue in der Ganoa» 
wobei ihm sein Poncho als Segel diente, und wir nach 
GochuL Meine Absicht war gewesen, in der Canoa die 
Messung bis Gicho fortzusetzen und von dort am Nord- 
ufer, welcher Theil auf dem Plane nicht sehr genau ist, 
zurückzufahren, allein von ft'üh an blies der Südwind so 
heftig, dass daran nicht zu denken war. Mit Bedauern 
musste ich auch von der Idee, nach Panguipulli zu gehen 
und jenen See zu beschiffen, abstehen, denn es konnte 
mich Niemand begleiten. Arango war noch krank und* 
wünschte nach Hause zu kommen, Solls und Montoya 
wollten das gute Wetter zu ihren kleinen Ernten benutzen 
und Lagr^ze musste ebenfalls umkehren. 

Wir gelangten bei Sonnenschein nach Gochui, über- 
nachteten dort unter einem Birnbaum, um am folgenden 
Tage zeitiger aufbrechen zu können, und gelangten so am 
2. März nach Yaldivia. Was ich nachträglich noch über 
die Wasserverbindung des Eiüihue-See's mit den Pampas 
in Erfahrung bringen konnte, stelle ich hier zusammen. 
In einem Verhör, das der Richter von Quinchilca mit 
Pasoual Amoyao yeranstaltete, gestand dieser, dass sie in 
der That in Canoa von Eiflihue bis nach den Pampas 
gingen, dass es nur eine Enge zwischen Felsen gäbe, 
dass man aber hindurch könne, dass sie, die Indier, es 
verheimlicht hätten, weil, wenn ein Mal ein Spanier pas- 
sirt wäre, alle würden der grossen Bequemlichkeit wegen 
hindurch wollen. 

Julian* Arango hatte mir mitgetheüt, dass Ganfn Amo- 
yao, Indier von BiüLihue (nicht von Panguipulli) und 
Beisegefährte des Eaziken Patifio, bei seinem Bruder Se- 
bastian Arango in Yaldivia wäre. Ich hoffte von Canfn 
die Bestätigung der von Ovalle und Valverde gegebenen 
Nachrichten zu hören, aber er war nicht dazu aufgelegt, die 
Wahrheit zu sagen, und ausserdem verstand und sprach er 
das Spanische nicht gut oder stellte sich wenigstens, als 
verstehe er mich nicht. So geschah es, dass er bloss ge- 
stand, mit dem verstorbenen Paulino PatilLo in den Pam- 
pas ein halbes Jahr umhergestreift und bis an den Limai- 
Fluss, d. i. der Bio Negro, gekommen zu sein; auf der 
Bückkehr hätten sie den Pass von Eanco des Schnee's 
wegen nicht passireo können und hätten den Weg bis an 
den See von Nontue fortgesetzt, wo sie Gancho trafen. 
Unter dessen Führung wären sie zu Fuss, durch Quila- 
und Golihue-Qebüsche sich durchhauend, stets dem Ufer 
des Flusses entlang gegangen, der vom Nontüe-See in den 
von Neltume und aus diesem in den von Panguipulli 
fällt und der eben dieser Fluss von Valdivia ist, wobei 



sie viele Felsen (Steine) und Bäohei aber keinen Berg pas- 
sirten; nur den See von Neltume hätten sie in Canoa be- 
fahren, denn die Flüsse könnten ihrer starken Strömung 
wegen nicht befahren werden; Leanca sei nicht mit ihnen 
gekommen. 

Schon in Biflihue hatte uns Arango bemerklich ge- 
macht, wie offenbar die Lügen der Indier seien, wenn sie 
sagten, dass Patiilo und seine Gefährten an verschieden^! 
Punkten übergesetzt, übrigens aber zu Fuss gegangen wä- 
ren, denn nach der eigenen Angabe der Indier gäbe es 
keine Bewohner an jenen Orten : wie konnten sie also eine 
Canoa antreffen? Wie konnten sie eine solche in Neltnme 
antreffen, wo ebenfialls keine Bewohner sind? Kurze Zeit 
nach der Vernehmung Ganin's kam Luis Silva, ein Bmder 
des Richters von Quinchilca, um mir in dessen Auftrage 
zu sagen, dass, als Ganüi Amoyao dort angekommen sei, 
Don Manuel Silva ihn nach der Beise beft^gt, die er mit 
Patiilo gemacht, und ihm, als er leugnen wollte, gedroht 
habe, und alsdann habe Ganfn gestanden, dass er die ganze 
Reise von den Pampas bis RifLihue zu Wasser gemaeht 
und dass sie nur an Einer Stelle hätten ans Land steigen 
und die Canoa an einem Lasso hinunterlassen müssen. 
Femer habe ich mit ziemlicher Zuverlässigkeit Folgendes 
erkundet, was die früher angeführten Aussagen zum Theil 
berichtigt Unser Valdivia- oder Callecalle>Fluss entspringt 
bei Neltume aus dem See von Pirehueico und führt dort 
den Namen Caillitue, vereinigt sich mit dem Ausfluss des 
See's von Panguipulli und föllt, wie auf der Karte an- 
gegeben, ab Fluss von Shos-huenoo in den See von RilLi- 
hue, aus dem er dann als Fluss von Valdivia herauskommt. 
Der See von Pirehueico und der von Neltume sind ein 
und derselbe, an dem diesseitigen Ende heisst er Neltume, 
an dem jenseitigen Pirehueico und mit dem letzteren be- 
findet er sich schon in den Pampas. Er soll doppelt so 
lang sein als der See von RifLihue, d. h. 10 bis 12 Le- 
guas lang. Dagegen ist der See von Nont6e nicht, wie 
wir früher verstanden hatten, identisch mit dem von Pire- 
hueico, sondern er soll nur mittelst eines kurzen Flusses 
Huahuüm (spr. Ua-uüm), der vielleicht noch durch einen 
kleineren See geht, mit dem Pirehueico in Verbindung 
stehen. Der See von Nontüe heisst auch Lacar und soll 
etwa die auf der Karte angegebene Form haben. An der 
engen Stelle in der Mitte ist die Überfahrt, die im Indi- 
schen „Nontue" heisst Die Herren Muhm, welche vor 
mehreren Jahren eine Reise nach den Pampas ausgeführt 
haben, behaupteten der Aussage des Indiers Remigio Amoyao 
zuwider, der Huahuüm-Fluss gehe in den Lacar-See hinein, 
woraus natürlich gefolgert werden musste, dass der Pire- 
hueico zwei Abflüsse nach entgegengesetzten Seiten und 
der Lacar seinen Abfluss nach dem Rio Negro habe. Es 



Der Binihue-See in Chile und die liefe Passsenkang der Andes bei demselben. 



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hat sieh nun aber herausgestellt , dass Amojao ganz 
Becht hatte, dass der Huahnüm ans dem Lacar-See in den 
Ton Pirehaeico fiiesst nnd yon den Herren Muhm gar 
nicht gesehen werden konnte, weil sie auf der entgegen- 
gesetzten Seite des See's sich befanden. Der Fluss, den 
genannte Herren durchsetzten, geht allerdings in den See 
von Lacar, heissit jedoch Ghachüm und kommt aus dem 
kleinen See von Quege, der sein Wasser aus der Cordil- 
lere erhalt. Diese Berichtigung erhielt ich von einem der 
Spanischen Sprache vollkommen mächtigen Indier aus der 
Gegend des Ranco-See's, Namens Jos^ Antonio Panguilef, 
dem Vetter des Kaziken Checapan von Lacar, der oftmals 
dort gewesen und die Herren Muhm auf ihrer Reise be- 
gleitet hat. Nach seiner auf dem Erdboden gemachten 
Zeichnung, die in der Hauptsache mit der des Herrn Muhm 
übereinstimmt, ist meine Karte berichtigt worden. 

In neuerer Zeit ist es mir sehr wahrscheinlich gewor- 
den, dass man verschiedener Stromschnellen oder auch 
Wasserfälle wegen nicht zu Boot von Riftihue nach Pire- 
haeico hinaufkommen kann, zumal Canfn Amoyao, der 
Begleiter des Kaziken Paulino Patiflo, bei den wiederhol- 
ten Verhören, die der Missionär von Quinchilca und in 
Valdivia der Intendent D. Ignacio Agüero und ich mit ihm 
vorgenommen, fest und steif dabei beharrt, dass sie mit 
Oancho und noch einem Indier, den sie in Pirehueico tra- 
fen, Ton dort in einem Tage den ganzen See befuhren, 
der stellenweis nur 50 Varas breit ist (weshalb ihn die 
Indier auch „rio" nennen), in Neltume die Canoa zurück- 
liessen, weil sie der Strömung und Felsen wegen nicht 
▼eiter konnten, und dann zu Fuss immer am Flussufer 
entlang, ohne irgend einen Berg zu passiren, durch das 
Dickicht sich durchhauend bis an den See von Rifii- 
hne kamen, wo sie ein Floss bauten, um nach dem Hafen 
TonRimehue überzusetzen. Was mich am meisten geneigt 
macht, der Erzählung des Canfn Glauben zu schenken, ist, 
dass er sich sehr bereitwillig zeigt, uns auf der beabsich- 
tigten Expedition nach den Pampas als Wegweiser zu die- 
nen. Ich unterlasse es, verschiedene andere, weniger genaue 
Angaben mitzutheilen ; alle lassen nicht den geringsten 
Zweifel darüber zu, dass unser Yaldivia-Fluss wirklich sei- 
nen Ursprung auf der anderen Seite hat. Weder die 
Geschichte der Eroberung noch irgend eine neuere Nach- 
richt ausser den zu Anfang dieses Berichtes angezogenen 
erwähnt den kostbaren Pass der Cordillere, der durch die 
Gewässer des Yaldivia- Flusses bezeichnet ist oder aber 
dnrch die See'n von Nonttie, Neltume, Panguipulli und 
Kiflihue und die Flüsse, durch die sie abfliessen. Wenn 
ich sage, dass die Entdeckung dieses Passes sehr neu zu 
eein scheint, so berufe ich mich auf einen Bericht, der 
niir gemacht worden, obgleich ich mich nicht erinnern 

Petermum'i Geogr. Mittheümigeii. 1864, Heft II. 



kann, von wem. Es wurde mir nämlich erzählt, dass ei- 
nige Indier von dieser Provinz, die sich vor etwa 8 Jah- 
ren in den Pampas befanden und zurückzukehren wünsch- 
ten, da sie sahen, dass der See von Nontde sich so weit 
(nach Westen zu) in die Cordillere hineinzog, und sich 
vorstellten, dass er vielleicht hindurchginge, eine Canoa 
machten und die Beschiffung unternahmen, die denn als 
Resultat die Entdeckung der Wasserverbindung gab, die 
bis dahin selbst den 'indiern unbekannt gewesen. Da diese 
Entdeckung also so neu und von den Indiern so sorgfältig 
verheimlicht war, so ist nicht zu verwundem, dass die 
Silvas und viele andere Bewohner von Quinchilca und den 
übrigen in der Nähe von RifLihue gelegenen Orten bisher 
nicht die geringste Notiz davon gehabt haben. 

Ich haJbe verschiedene Personen meinen hören, dass 
vielleicht in einem Jahrhundert oder wenigstens in einer 
so entfernten Epoche, dass wir sie nicht erleben können, 
sich Nutzen aus dieser Entdeckung wird ziehen lassen, 
die unterdessen nichts Anderes als eine Merkwürdigkeit 
sein wird. Ich bin dieser Meinung nicht, im Gegentheil 
bin ich innigst überzeugt, dass eben so wohl Chile wie 
Buenos-Aires in sehr wenigen Jahren schon, und man kann 
sagen ohne das geringste Opfer zu bringen, unendliche 
Yortheile aus dieser Entdeckung werden ziehen können, 
selbst wenn eine von kompetenten Personen vorzunehmende 
Untersuchung ergeben sollte, dass die Abflüsse der ver- 
schiedenen See'n auch für die kleinsten Fahrzeuge nicht 
Bchiflfbar wären, denn sogar in diesem Falle würde nach 
den Aussagen der Indier, die im schlimmsten Wintermonate 
(August) ohne Weg und Steg hindurchgekommen, nicht zu 
bezweifeln sein, dass mit geringen Kosten am Ufer jener 
Flüsse sich ein guter, durchaus ebener Weg bauen Hesse, 
auf dem man bequem zu jeder Jahreszeit die Anden-Cor- 
dillere durchschneiden könnte, und zwar gerade an der 
einzigen Stelle, wo sich ganz in der Nähe nach beiden 
Oceanen führende schiffbare Flüsse finden. Ich will mir 
erlauben, in wenigen Umrissen die Schritte anzugeben, die 
nach meinem Dafürhalten geschehen müssten. 

Von unbedingter Nothwendigkeit wäre die Kolonisation 
des ganzen Landstrichs zu beiden Seiten der Cordillere, 
in Chile bis Yaldivia, in Buenos-Aires den Rio Limai oder 
Negro entlang bis zu seiner Mündung ins Meer. Dieser 
Landstrich ist in Chile, wie wir mit Bestimmtheit wissen, 
der passendste, den es für die Kolonisation geben kann, 
nämlich jene ausgedeUhten fruchtbaren und ebenen Ge- 
filde, welche sich nördlich vom Callecalle-Fluss zwischen 
dem Cruces-FluBs oder der Küsten-Cordillere auf der einen 
Seite und der Anden- Cordillere auf der anderen befinden 
und welche nur in grossen Abständen von einzelnen klei- 
nen Bergpartien unterbrochen werden, die Inseln gleich 



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Der Binihue-See in Chile und die tiefe PaMBenknng der Andea bei demselben. 



rioh mitten in ihnen erheben, die Landschaft wundersam 
verschönernd >). Diese Ländereien besitzen den unsohats- 
baren Yortheil, dass sie mit einem der besten Häfen der 
Welt, dem Corral, in bequemer Verbindung stehen, nicht 
nur durch den wasserreichen Callecalle-Fluss, der für klei- 
nere Fahrzeuge bis nahe der Cordillere oder vielleicht 
sogar bis zum See von BifLihue schijQfbar ist, sondern auch 
durch einen seiner Nebenflüsse, den Bio de Cruoes, und 
dessen zahlreiche Arme, die alle rulfig fliessen und Ebbe 
und Fluth haben. Der einzige Übelstand, den diese Län- 
dereien für die Kolonisation haben, ist, dass sie mit Aus- 
nahme eines kleinen Theils zwischen den Flüssen Calle- 
calle und Cayumapu nicht dein Fiscus gehören, aber da 
sie die Ghrenze gegen das Oebiet der wilden Indier bilden, 
von denen während der Zeit meines Aufenthalts in Yal- 
divia schon unzählige Mal mit mehr oder weniger Grund 
Einfälle befürchtet wurden, so ist ein starker Grund vor- 
handen, von den Kammern ein Expropriations - Gesetz 
Behufs der Kolonisation zu verlangen. Yor 2 Jahren 
wurde der Begiemng angezeigt, dass eine Kompagnie oder 
Gesellschaft 100.000 Cnadras Staatsländereien zum Preise 
von einem Peso die Cuadra zu kaufen verlangte, indem 
sie sich erbot, eine beträchtliche Anzahl von Familien bin- 
nen gewisser Zeit überzusiedeln. Obgleich diess Geschäft 
keinen Erfolg hatte, so hege ich doch nidit den geringsten 
Zweifel, dass die Begiemng in sehr kurzer Zeit nicht nur 
den Yerkauf der Staatsländereien, die ihr gegenwärtig 
Nichts einbringen, erzielen, sondern auch dem Lande eine 
bedeutende Anzahl arbeitsamer Einwohner verschaffen 
könnte, wenn ein Ezpropriations-Gesetz zu Stande käme. 
Ein solches Gesetz wäre ein Erfordemiss unbedingter Noth- 
wendigkeit, und wenn man den wenigen Bewohnern jener 
ausgedehnten Gefilde das zu ihrem Unterhalte nöthige Land 
liesse, so würde die Expropriation nichts Gewaltsames 
haben, sondern vielmehr eine Wohlthat sein, denn da die 
Ländereien hier einen so geringen Werth haben, so könnte 
die Abschätzung so hoch sein, dass die Eigenthümer sehr 
zufrieden wären, ohne dass deswegen irgend welchen Ka- 
pitalisten, die mit den Ländereien spekuliren und sie mit 
Ansiedlern besetzen wollten, die Preise unbequem erschie- 
nen. Die Expropriation würde also keinen Widerstand er- 
fahren, wenn die mit der Abschätzung beauftragte Kommis- 
sion, zu der einige hiesige achtbare Einwohner gehören 
müssten, mit Yorsicht und Klugheit zu Werke ginge. 



>) In einer NotU, die unter dem Titel „Bemerkungen Über die 
ProTins Valdiria mit Bezug auf die Chilenische Kolonisation in jenen 
Gegenden" im Marshefte der „Anales de la UniTersidad de Chile" 
Tom Jahre 1850 (pp. 96 — 108) nnd fast an derselben Zeit im „Arancano** 
▼eröffentlicht wnrde , habe ich Yon einigen dieser L2ndereien Nachricht 
gegeben nnd das Gesagte gilt in gleicher Weise Ton allen Übrigen. 



Die Abschätzung kann nicht ohne Messung geschehen, 
die auch in Betreff der Staatsländereien unumgänglich noth- 
wendig ist, und so wird es nöthig, den Plan, wenn nicht der 
ganzen Provinz, doch wenigstens von dem Theil derselben 
aufzunehmen, wo sich die fraglichen Ländereien befinden, 
d. i. von dem Departamento de Yaldivia und einem klei- 
nen Stück des Departamento de la Union. Um auch den 
Plan der See'n von PanguipuUi, Neltume und Nontüe mit 
ihren Abflüssen aufzunehmen, würde eine förmliche Expe- 
dition auszurüsten sein, die unter anderen intelligenten 
Personen auch einen oder einige Bergleute zählen und zur 
Bedeckung einige Truppen bei sich haben müsste, um den 
Indiem Bespekt einzuflössen. Gerade die Indier von Pan- 
gnipulli und besonders die Ton Shos*huenoo, deren Gebiet 
man passiren muss, werden mit für die wildesten und 
übermüthigsten gehalten; ihr Kazike hat schon bei einer 
anderen Gel^enheit erklärt, dass er als Abkömmling der 
Pehuenchen I9ichts mit dem Intendenten und Oberriohter 
der Provinz zu schaffen habe, und der Kauf des Landes 
von Champulli (im Norden von San Pedro) durch die Sil- 
vas von Quinchüca hat schon zwei Mal grossen Tumult 
veranlasst Zur Zeit, als wir den Rinihue-See befuhren, 
erschlugen die Indier in Panguipulli zwei ihrer Stammes- 
genossen wegen Hexerei und vor wenigen Tagen kam hier 
die Nachricht an, dass in Pucon jenseit Yülarica ein 
Spanier, d. h. einer, der nicht Indier ist, ermordet wor- 
den ist 

Aus allen diesen Ereignissen und vielen anderen frü- 
heren kann man entnehmen,' dass das Eeisen unter jenen 
wilden Indiem immer höchst geföhrlich ist und noch viel 
mehr, wenn sie wissen oder argwöhnen, dass es geschieht, 
um ihre Ländereien zu rekognosciren und aufzunehmen« 
Aber andererseits ist nicht der geringste Zweifel, dass, 
wenn während der Dauer der von einem Piket begleiteten 
Expedition ein Bataillon in Yaldivia oder an dieser Grenze 
verbliebe, ohne die geringste Belästigung oder Gefahr nicht 
bloss der jüngst entdeckte Pass, sondern auch die. Yilla- 
rica, ihre Minen und ihr vor Jahrhunderten schon gerühm- 
ter fahrbarer Pass untersucht werden könnten. Der daraus 
entstehende Gewinn für den Portschritt der Bepublik wie 
für die Wissenschaft würde dieses Opfer mit Wucher ver- 
gelten. 

Alle Berichte, die man hier über die Ländereien von 
der anderen Seite erhalten, lauten höchst günstig für das 
Geschäft der Kolonisation. Wenn sich also die Kegierung 
mit der von Buenos -Aires in Einverständniss setzt und 
beiderseits alle möglichen Yortheile für die Ansiedler so 
wie durch einige vorgeschobene Militär-Kolonien Schatz 
gegen die Indier geboten werden, so ist die Becforgniss dnrtsh- 
aus unzulässig, dass sich nicht sehr bald irgend eine Kom- 



Reise des Herzogs Ernst toq Sachsen-Coburg-Q-otha nach Afrika. 



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pagnie finden sollte , welche die Kolonisation des ganzen 
iwisehen Taldivia nnd dem Atlantischen Ooean begriffenen 
Landstriches und vielleicht später anch die Erbauung der 



Trans- Andinisohen Eisenbahn unternähme, denn es würde 
wenige so gewinnbringende und sichere Unternehmungen 
geben wie diese. 



Reise des Herzogs Ernst von Sachsen -Coburg -Gotha nach Ägypten 
und den Ländern der Habab« Mensa und Bogos, 1862. 



ils im Jahre 1860 Th. y. HeugUn ausgerüstet werden 
sollte, um durch eine Reise ins Innere von Nord- Afrika 
Aufklärung über Yogel's Sohicksal zu erstreben und dessen 
Fonchnngswerk fortsusetsen , war es Hersog Ernst, der 
die Organisation und das Präsidium des Comit^'s übernahm, 
in wirksamster und erfolgreichster Weise für Beschaffung 
der Mittel sorgte und der Expedition auch durch Erwirken 
des Englischen und Türkischen Schutzes die Wege bahnte. 
Nach 80 yielseitiger und lebhafter Thätigkeit für das Zu- 
standekommen des nationalen Unternehmens musste auch 
das Interesse des Herzogs an den Schritten und Erfolgen 
der Reisenden ein aussergewöhnlich intensives sein und 
80 lag es in der Natur der Sache, dass er den Berichten 
Heoglin's über die grossartigen Gebirgslandschaften der 
Bogoe und Mensa , das erste grössere Arbeitsfeld der Ex- 
pedition, besondere Aufmerksamkeit schenkte und endlich 
n dem Entschluss kam, selbst eine Heise dahin zu unter- 
nehmen. Dieser Entschluss wurde noch durch den Wunsch 
gefördert, über Manches genauere Nachrichten zu erhalten 
and von Ägypten und der Ostküste aus einiges die Expe- 
dition Fördernde zu vermitteln, auch kam dazu, dass jene 
Gebirgslandschaft als ganz ausserordentlich reich an man- 
nigfaltigem Wilde geschildert wurde, das Waidwerk aber 
ist ein altes Erbe des Sächsischen Fürstenhauses und die 
Herren des Thüringer Waldes haben von je auf das Loh 
gehalten, wackere Schützen zu sein. Als der Entschluss 
einmal gefasst war, wurden die Vorbereitungen rasch ge- 
troffen und die Reise Ende Februar 1862 angetreten. Sie 
warde eilig, ohne längeren Aufenthalt an einzelnen Orten, 
dorohgefuhrt y schon Anfang Juni kehrten die hohen Rei- 
Benden in die HeimatU zurück, aber eine überwältigende 
Menge von Erlebnissen und Bildern einer fremden Welt 
drängte sich in diesen kurzen Zeitraum zusammen und 
spiegelt sich in dem Prachtwerk wieder, in welchem die 
Reiae- Eindrücke durch Schrift und Farbe niedergelegt 
wurden. 

Dieses Werk, in Atlas-Format auf das Geschmackvollste 
gedruckt und gebunden, ist kürzlich in der Amoldischen 
Buchhandlung zu Leipzig erschienen. Beim Aufschlagen 
begegnet uns zunächst ein hübsch komponirtes Titelblatt 
in Farbendruck, den Aufbruch zu einem Jagdzug nach 



Mensa darstellend^; darauf folgt eine kurze Vorrede, das 
Yerzeiohniss der Reisegesellschaft, die Inhaltsangabe und 
ein 74 Seiten langer Text in zehn Abschnitten, grössten- 
theils aus der Feder des Herzogs, in den letzten Abschnit- 
ten auch der Frau Herzogin, während die ersten, Welche 
die Reise nach Ägypten, auf dem Nil und durch das Rothe 
Meer bis Massaua beschreiben, Aufzeichnungen Oerstäcker's 
zur Grundlage zu haben scheinen. An den Text schliessen 
sich an 19 grosse, vom Maler Kretschmer nach der Natur 
aufgenommene und in J. G. Bach's Of&zin zu Leipzig chromo- 
lithographirte Tafeln mit Erläuterungen, 4 auf einer Tafel 
yereinigte Photographien von Adulis, Assus, M'Kullu und 
Ailet nach Handzeichnungen und 2 Karten von Br. Hassen- 
stein, nämlich eine Übersichtskarte der ganzen Reise in 
1 : 9.000.000 und eine speziellere Karte der Gegenden 
zwischen Massaua und Keren in 1 : 900.000, welche einige 
Berichtigungen der früheren Karten,, namentlich in der 
Landschaft der Mensa, erkennen lässt. Das Ganze ist nach 
Inhalt und Ausstattung ein wahrhaft fürstliches Werk. 

Da die Reise in Betreff ihrer Veranlassung wie ihres 
Zieles mit der Deutschen Expedition in Zusammenhang 
steht und die Nachrichten ergänzt, welche wir durch die 
letztere von den nördlichen Grenzländem Abessiniens er- 
hielten, so sehen wir es als unsere Pflicht an, ein R^um^ 
des Werkes zu geben, selbstverständlich mit besonderer 
Rücksicht auf den geographischen Inhalt. 

Die Reisegesellschafb bestand aus dem Herzog, der Frau 
Herzogin, dem Fürsten Hermann Hohenlohe - Langenbui^, 
dem Prinzen Eduard Leiningen, dem Flügel-Adjutant Major 
V. Reuter und Frau, dem Leibarzt Dr. Hassenstein, Fräulein 
Marie Messmer, dem Dolmetscher Reza Effendi, Dr. A. E. 
Brehm, der die zoologischen Ergebnisse der Reise in einem 
besonderen Buche bearbeitet hat, dessen Frau, Friedrich 
Gerstäcker, dem Maler Robert Kretschmer und einer An- 
zahl Kammerdiener, Lakeien, Jäger u. s. w. 

Während Dr. Brehm vorauseilend schon am 6. März 
in Massaua landete, um dort alles Nöthige für den Jagdzug 
in das Gebirge vorzubereiten, verliessen die Herrschaften 
und ihr Gefolge am 28. Februar Triest mit dem Lloyd- 
Dampfer „Archiduchessa Carolina" und gelangten, sich bald 
an dem Anblick der malerischen Ufer des Adria und den 

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Heise des Herzogs Ernst von Sachsen-Coburg^Ootha nach Afrika. 



Blüthen des Frühlings auf Gorfii ergötzend, bald unter 
heftigen Südwinden und Seekrankheit leidend» am 6. März 
unter dem Salutiren Englischer Kriegsschiffe und den don- 
nernden QrÜBsen der Ägyptischen Citadelle in den Hafen 
von Alezandria. Nur ein Nachmittag wurde auf die Be- 
sichtigung dieser noch halb Europäischen Handelsstadt ver- 
wendet und schon am nächsten Abend logirten sich die 
Beisenden in einem Qartenpalast des Yioekönigs in Kairo 
ein, nachdem sie auf der Eisenbahn die reich bebaute Ebene 
des Nil-Delta's mit ihren verfallenen, unsauberen Städten 
und elenden Lehmdörfern durchschnitten. In Kairo boten 
die Moscheen und Basare, die Plätze und Gassen, die 
Citadelle mit ihrer berühmten Bundsicht, vor Allem das 
echt 'knorgenländische Leben und Treiben neue Eindrücke 
in Fülle, aber auch hier konnte der Aufenthalt nur kurz 
sein. Das Englische Kriegsschiff „Odin", welches die Bei- 
senden nach Massaua bringen sollte, wurde mit der Japa- 
nischen Gesandtschaft an Bord schon bald in Sues erwartet 
und die Zwischenzeit sollte auf den Vorschlag des Yioe- 
königs mit einer Nil-Fahrt aus|;efüllt werden. 

Am Vormittag des 9. März trug der prächtig ausgestat- 
tete kleine Dampfer „Krokodil" das Herzogliche Paar und < 
dessen Begleitung vom Kasr en Nil aus flussaufwärts, zum 
ersten Male spiegelte sich die weiss-grüue Flagge Sachsens 
in den Fluthen des alt berühmten Stromes. Die Fahrt 
ging rasch von Statten, Aufenthalt wurde ausser des Nachts 
nur an wenigen Punkten gemacht, so bei Siut, dem ein 
flüchtiger Besuch abgestattet wurde und wo ein heftiger, 
glühend heisser Chamsin das Schiff einen Tag lang auf- 
hielt, und bei Kenneh, wo die Besichtigung der gegenüber 
liegenden Jempelruinen von Denderah einen Vorschmack 
der Wunder gab, welche die Expedition auf dem Trümmer- 
felde von Theben erwarteten, und bereits am 16. März 
legte der Dampfer bei Luxer an, welches den südliehstien 
Endpunkt der Nil-Fahrt bilden sollte. An demselben Abend 
traf der Prinz von Wales, von Assuan zurückkommend, 
mit drei Dampfern daselbst ein, und so gross auch die Zahl 
der Beisenden ist, welche alljährlich hierher wallfahrten, 
BO hat doch wohl selten eine so stattliche Flottille von 
Dampfern und Barken sich bei der alten Stadt des Seso- 
stris versammelt als an jenem Abend. Eine Illumination, 
am hohen Nil-Ufer durch Feuerkörbe veranstaltet, in deren 
grellem Schein die braunen neugierigen Gruppen seltsam 
Ton dem tief blauen Nachthimmel abstachen, machte eine 
höchst malerische Wirkung. Die beiden folgenden Tage 
wurden den berühmten Buinen, Monumenten und Grab- 
stätten gewidmet. Das Album erinnert an diese kurze, 
aber genussreiche Zeit, indem es auf dem ersten, zugleich 
einem der gelungensten Bilder eine Halle des Pharaonen- 
Palastes Medinet Habu, auf dem zweiten das Nil -Ufer 



bei Luxor und auf dem dritten einen Besuch des Prinzen 
von Wales auf dem Herzoglichen Dampfer darstellt, was 
zugleich Gelegenheit gab, die Hauptpersonen der Beise- 
gesellschaft in grösseren Figuren und deutlich erkennbaren 
Fortraits zu gruppiren. Am 17. trat der Dampfer die 
Bückfahrt an und begünstigt von Strömung und gutem 
Wind erreichte er schon am 20. Kairo. 

War die Fahrt auch nur eine flüchtige gewesen, so 
hatte sie doch erlaubt, den allgemeinen Charakter und die 
wesentlichen Eigenthümlichkeiten des Nil -Thals innerhalb 
Ägyptens, den Kontrast und doch auch, wieder die Ähn- 
lichkeiten zwischen der alten und neuen Zeit daselbst ken- 
nen zu lernen. Ein Erlebniss in Benisuef gab Gelegen- 
heit, einen Blick in die primitiven Zustände der Ägypti- 
schen Beohtspflege zu werfen. Dort schafften 25 bis 
30 Kettensträflinge Kohlen an Bord, während die Reise- 
gesellschaft an luxuriöser Tafel in heiterster Stimmung 
versammelt war. Es bedurfte keiner Empfindsamkeit, um 
das Schneidende dieses Gegensatzes zu fühlen, Alle waren 
ernst geworden und namentlich die Frau Herzogin war 
tief ergriflen und sprach ihr inniges Mitleid mit den armen 
Menschen aus. Durch Yermittelung des Englischen Yice- 
konsuls, der sich an Bord befand, erklärte der GouTernenr 
des Ortes alsbald, da die Herrschaften Gäste seines Ge- 
bieters seien und zu wünschen schienen, dass die Gefan- 
genen die Freiheit erhielten,- so sollten sämmtliche Ketten- 
träger ohne Verzug frei sein, und in der That dankten am 
anderen Morgen die Freigelassenen mit lautem Jubel ihren 
Wohlthätern. 

Eine in physikalisch - geographischer Beziehung inter- 
essante Beobachtung wurde in Girgeh gemacht : „Während 
Girgeh früher mindestens einen Flintensohuss vom Flusse 
entfernt lag, erhebt es sich jetzt unmittelbar über dem- 
selben und ein Theil der Häuser ist bereits mit fort- 
gespült. Eine hübsche Moschee hatte von dieser Aggres- 
sion des Stromes ebenfalls stark gelitten u. s. w. Auffallend 
ist, dass namentlich die Städte am linken Ufer von dieser 
Unterwühlung bedroht sind, und man könnte dabei wohl — 
das Wie bleibe Geographen von Fach zu erklären überlas- 
sen — an die Drehung der Erde . denken." Diese Beob- 
achtung widerspricht dem allgemeinen Gesetz, welches 
K. E. V. Baer aus seinen gründlichen Untersuchungen ab- 
geleitet hat.' Das fliessende Wasser, wenn es vom Aqua* 
tor gegen die Pole sich bewegt, bringt eine grössere Ro- 
tations -Geschwindigkeit mit, als den höheren Breiten zu- 
kommt, und drängt deshalb gegen die östlichen Ufer, weil 
die Rotations -Bewegung nach Osten gerichtet ist, also 
auch dieser kleine Überschuss, welchen das fliessende Was- 
ser aus niedrigeren Breiten in höhere mitbringt. Um- 
gekehrt wird ein fliessendes Wasser, das mehr oder weniger 



BeiBe dea Herzogs Ernst von Sachsen-Coburg-Gotha nach Afrika* 



61 



Ton den Polen naeh dem Äquator sich bewegt, mit gerin- 
gerer Botations-Oesohwindigkeit ankommen und also gegen 
das westliche Ufer drängen. In der nördlichen Erdhälfte 
ifit aber ftir die Müsse, die nach Norden fliessen, das öst- 
liche Ufer das rechte und für Flüsse, die nach Süden 
fliessen, das westliche ebenfalls das rechte. Auf der nörd- 
lichen Halbkugel muss also an Müssen, die mehr oder 
weniger in dec Eichtang des Meridians fliessen, das rechte 
Ufer das angegriffene, stellere und höhere, das linke das 
überschwemmte und deshalb verflachte sein. Umgekehrt 
mo88 auf der südlichen Halbkugel das linke Ufer das hohe 
und das rechte das flache, überschwemmte sein. Hiemach 
haben wir also beim Nil ein Drängen des Wassers nach 
der rechten oder östlichen Seite zu erwarten und in der 
Thal sagt y. Hoff in seiner „Geschichte der durch Über- 
liefenmgen nachgewiesenen natürlichen Veränderungen der 
Erdoberfläche" ausdrücklich: „Das Bett des Nil rückt in 
^ber-Ägjpten allmählich nach Osten vor", wie ja auch die 
Karten deutlich zeigen, dass das Bett des Flusses inner- 
halb Ägyptens am Ostrande des Thaies sich hält« Man 
hat es also bei Oirgeh und anderen Orten offenbar mit 
lokalen Ausnahme- Verhältnissen zu thun, und zwar kommt 
dort vielleicht die bekannte Begel zur Anwendung, dass 
hei den Krümmungen eines Flusses das Wasser an der 
konvexen Seite der Krümmung stärker fliesst und das ein- 
fichliessende Ufer angreift, während an der konkaven Seite 
die schwache Strömung das Absetzen der Sedimente, die 
das Wasser höher oben mitgenommen hatte, begünstigt. 

Fast gleichzeitig mit der Ankunft des „Krokodil" in 
Kairo erfolgte die des „Odin'' in Sues. Es blieb eben nur 
80 viel Zeit, die Pyramiden zu besuchen und noch einige 
Vorbereitungen für die Weiterreise zu machen, ehe die 
Expedition, verstärkt durch Dr. Bilhartz und den öster- 
zeichischen Konsul Gerhard, am 24. März mittelst Extra- 
zQges in 4 Stunden durch die Wüste nach Sues fuhr und 
dort am nämlichen Tage auf dem „Odin" sich einschiffte. 
Die Arbeiten am Sues -Kanal wurden somit nicht besich- 
tigt, aber Erkundigungen darüber eingezogen und das Ur- 
theil, welches sich hieraus ergab, ist von allgemeinerem 
Interesse. 

Die Ausführbarkeit des Kanals wird jetzt weniger be- 
stritten als früher, dagegen erklären die Urtheilsfähigen in 
ganz Ägypten, so weit sie nicht Franzosen sind, der Kanal 
könne auf keine Weise rentiren, und fast will es scheinen, 
als werde auch gar nicht so ernstlich an die Vollendung 
des Werkes gedacht. „Fast allgemein nimmt man an, 
dass aus dem grossartigen Projekt einer Durchstechung 
des Isthmus von Sues in einiger Zeit als des Pudels Kern 
der weniger glänzende, aber immerhin recht nützliche, für 
Ägypten vielleicht, für Herrn v. Lesseps und für den, der 



hinter ihm steht, jedenfalls nützliche Plan einer Bewässe*- 
rung und damit einer Kultivirung des jetzt grösstentheüs 
wüst liegenden Wadi Tumeilat, der Strecke zwischen Zaka- 
zik am Damiette-Axm des Nil und dem sogenannten Tim- 
sah-See, hervorgehen wird. Die Direktion der Isthmus- 
Kanal -Gesellschaft hat hier im Wadi Tumeilat sehr be- 
trächtlichen Grundbesitz erworben, indem sie gewisse, frü- 
her D)rahim Pascha gehörige Ländereien käuflich an sich 
gebracht hat. Massen von Frani^osen haben sich hier so 
wie in Port Said, Zakasik und Damiette niedergelassen 
und diese stehen sämmtlich statt unter Ägyptischem 'Ge- 
setz unter Jurisdiktion des Französischen General-Konsuls. 
Eben so entzieht sich die sehr beträchtliche Zahl der bei 
Ausgrabung des Kanals beschäftigten einheimischen Arbei- 
ter der Autorität der viceköniglichen Regierung. Auf dem 
von der Gesellschaft bewässerten und in Kultur gebrach- 
ten Lande, welches an Grösse manchem kleinen Fürsten- 
thum gleich kommt, schaltet dieselbe als unumschränkter 
Grundherr. Endlich hat auch die Koncessions - Urkunde 
eine höchst bedenkliche Unklarheit, indem sie Nichts über 
den Fall enthält, dass der Isthmus-Kanal nach Ablauf der 
für seine Vollendung festgesetzten sechs Jahre nicht oder 
nur theilweis fertig ist. Nach dem Wortlaut der Urkunde 
bleiben Herr v. Lesseps (bekanntlich ein Verwandter des 
Kaisers der Franzosen) und seine Aktionäre, unter denen 
allerdings Said Pascha mit 85 Millionen Franken mehr als 
die Hälfte der Aktien gezeichnet hat, auch dann im Ge- 
nuss der ihnen zugesicherten Privilegien, und da diese 
99 Jahre gelten und letztere erst von dem Tage der Eröff- 
nung des grossen Kanals an datirt werden sollen, so braucht 
die Französische Kolonie, als welche die Gesellschaft des 
Vetters Napoleon's des Dritten betrachtet werden muss, 
jenen Kanal nur unvollendet zu lassen, um, wenn die 
grosse Politik ihre Eechnung nicht stört, sich ihrer Bechte, 
die auf vollständige Unabhängigkeit von der vicekönig- 
lichen Begierung hinauslaufen, für alle Zeit zu erfreuen. 
Was das bedeutet, ist eben nicht schwer zu errathen. Die 
Aktionäre stehen erst in zweiter Linie, Frankreichs Politik 
am Mittelmeer hat ganz unvermerkt eine neue Position 
gewonnen, in Ägypten, auf dem nächsten Wege zwischen 
England und seinen wichtigsten Kolonien, festen Fuss ge- 
fasst und werthvoUe Bechte erworben. Wird der Kanal 
wirklich fertig, so wird er, der Schlüssel zu Indien, in 
hundert Jahren weniger eins faktisch ein Besitzthum der 
Franzosen sein. Bleibt er unvollendet, so hat Frankreich 
sich in jener Kolonie im Wadi Tumeilat rechtlich für 
immer ein schönes Stück von Ägypten gesichert und damit 
eine Fülle von Gelegenheiten zur Einmischung in die Ver- 
waltung des Ganzen." 

Nach einer nichts Ungewöhnliches bietenden Fahrt legte 



62 



Reise des Herzogs Ernst von Sttchsen-Coborg-Q-otha nach Afrika. 



sich, wie wir diess auf dem vierten Bilde dargestellt finden, 
der yyOdin** am 29. März bei Massaoa neben der Dampf- 
Fregatte „Vietoria" vor Anker, welche von der Britischen 
Admiralität dahin beordert war, um der Herzoglichen Ex- 
pedition während ihres Aufenthaltes an der abgelegenen 
Küste Schutz zu leisten und sie später nach Sues zurück* 
zuführen. 

In Massaua betrat die Expedition das eigentliche Feld 
ihrer Thätigkeit, diese wichtige Hafenstadt mnsste den 
Ausgangspunkt für die Reise in die Samhar und nach 
den Qebirgsländem der Mensa und Bogos abgeben. Als- 
bald machten sich neben der Freude an der neuen, ur- 
wüchsigen Tropenwelt jene vielfachen Bedenken, Unan- 
nehmlichkeiten und Hindernisse gdtend, mit denen das 
Beisen in uncivilisirten heissen Ländern unzertrennlich 
verbunden ist. Zwar war für Vieles gesorgt worden und 
es fand sich in M'KuUu, der bekannten Missions-Station 
unfern Massaua, ein erträgliches Unterkommen für die Frau 
Herzogin in dem neu erbauten, auf dem fünften Bude 
recht romantisch sich ausnehmenden Strohhaus des Eng- 
lischen Vioekonsuls Walker, beschützt von einer Matrosen- 
waohe des „Odin'\ aber es galt denn doch, allem gewohn- 
ten Gomfort zu entsagen, Hitze, Ungeziefer und sonstige 
Plagen der Tropen zu erdulden, und diess auf Wochen 
hinaus. Anziehend und ergötzlich sind die lebhaften Schil- 
derungen von dem wirren Burcheinander der ersten Tage, 
dem resignirten Sichfugen in das Unvermeidliche. 

Endlich war das Nothwendigste geordnet und der Zug 
nach dem Gebirge setzte sich am 1. April in Bewegung. 
An ihm nahmen der Herzog, Prinz Leiningen, Fürst Hohen- 
lohe, Dr. Brehm, Gerstäcker, Dr. Hassenstein, Maler Kretsch- 
mer, Beza EfPendi, einige Jäger und Diener Theil, auch 
schlössen sich noch an der Englische Konsul Oameron, 
Baron Yan Arkel d'Ablaing (derselbe, der später die Tinne'- 
sche Expedition auf dem Bahr el Ghasal mitgemacht hat), 
ein Deutsch -Ungar Namens Wagner, ehemaliger Diener 
Munzinger's und in Mensa ansässig, und zwei Deutsche 
Handwerksburschen, Schweizer und Schiller, die auf Irr- 
fahrten bis Abessinien verschlagen waren, nebst gegen 
40 Eingebomen, während die übrigen Glieder der ursprüng- 
lichen Reisegesellschaft mit der Frau Herzogin in M'Kullu 
zurückblieben. 

Mit der Literatur über die Landschaften, auf deren 
Besuch es vorzugsweise abgesehen war, hatten sich die 
hohen Reisenden schon vorher eingehender beschäftigt, wir 
finden daher gleichsam zur Orientirung einen historischen 
Exkurs über die Abessinien im Norden verlagernden Ge- 
biete und ihre Bewohner der Beschreibung des Ausflugs 
vorangestellt. Es fehlt uns der Raum, um diese lehrrei- 
chen Seiten, die zum Theü auf Munzinger'B, Sapeto's und 



V. Heuglin's Forschungen beruhen, zu reprodneiren, dagegen 
lassen wir zum Nutzen künftiger Afrika -Beisenden die 
Rathschläge folgen, welche der Herzog in demselben Ab- 
schnitt in Bezug auf die Ausrüstung zu Afrikanischen Ex- 
peditionen und das Regime während derselben giebt. 

„Dem Europäer treten in dem Lande, das wir betreten 
sollen, zwei Schwierigkeiten entgegen: der Einfluss des 
Elima's und die Erlangung auch nur der Jiothdürftigeten 
Nahrungsmittel. Klima und Kost haben einen nicht hoch 
genug anzuschlagenden Einfluss auf den Körper und die 
Stimmung des Europäischen Reisenden , um so mehr, wenn 
er nicht, wie es bei Vielen von uns der Fall war, an 
Mühseligkeiten und Strapazen, Abhärtungen und Entbeh- 
rungen gewöhnt ist und wenn von Beginn an in ihm 
nicht der feste Wille obwaltet, alle bevorstehenden Drang- 
sale auf das Gemüth nicht einwirken zu lassen. Die ver- 
sengenden Sonnenstrahlen des Tages, die bald trockenen 
heissen, bald feuchten warmen, bald nasskalten Nächte* 
müssen, wenn nicht kluge Vorkehrungen getroflen sind, 
schnelle Krankheiten, wenn nicht den sofortigen Tod, zur 
Folge haben. Der fast allgemeine Mangel an Wasser oder 
wenigstens an geniessbarem Trinkwasser, der Umstand, 
dass nirgend eine labende Frucht, ein das Blut kühlendes 
Gemüse zu finden ist, dass also ausschliessliche Fleisch- 
nahrung geboten wird, bringt eine vollkommene Erschüt- 
terung des ganzen Lebensorganismus hervor bei einem 
Körper, der, wie es bei den meisten Europäern der FaU 
ist, an Flüssigkeiten aller Art gewöhnt und eben so sehr 
auf vegetabilische als animalische Kost angewiesen war. 
Auch die kräftigste Konstitution wird unterliegen, wenn 
nicht Sorge getragen ist, jenen Einwirkungen wenigstens 
eioigermaassen zu begegnen. Ich verweise auf die Berichte 
aller jener grossen Reisenden in dem Kontinente Afrika's. 
Stets dieselben Klagen und der Verlust so manchen Men- 
schenlebens! Um dem Einfluss des Klimans zu begegnen, 
rathe ich, nie unbedeckten Hauptes sich den Sonnenstrah- 
len auszusetzen. Ein Gleiches gilt von den Nächten. Ich 
rathe dem Reisenden, sich eines jener doppelten Filz-Helme 
zu bedienen, die in England für Indien gemacht werden 
und in vielen Läden London's und jetzt auch in Kairo und 
Sues zu kaufen sind. Ist man nicht gezwungen, in der 
Mittagsstunde auf dem Marsch zu sein, so verlasse man 
nur in den ersten Stunden nach Sonnenaufgang und in 
den letzten vor Sonnenuntergang schattige Plätze. Die 
Tropen-Sonne um Mittag ist für das Blut des Europäers 
Gift, der Sonnenstich die grösste Gefahr des Reisenden. 

„Man vermeide so viel als, möglich, auf der blossen Erde 
zu liegen und im Freien ohne Zelt zu schlafen. Zu em- 
pfehlen sind die in England gemachten Jagdzelte, für eine» 
zwei oder drei Personen berechnet; als Surrogat für daa 



Bebe des Henogs EniBt von Saehsen-Cobarg-Gotha nach Afifika. 



6S 



Sett ein leiohtee» mm ZoBammenlegen eingeriohtetes Bohr- 
g!Bstell und eine Loftmatratie von Outta-pereha. 

„Was die Kost anbelangt , irenn eine Expedition von 
BOT einem oder swei Europfiem anagefuhrt Verden eoU, so 
verproTiantire man sich in Europa rollständigst auf ein 
Jahr mit nngefiUir denselben Gegenständen, die man auf 
einer Seereise bedarf, bei der man venig Aussicht hat, 
das Land an betreten, üan geniesse so venig als mög- 
lich, besonders sei man mit dem ¥leisohgennss yorsiohtig. 
Bouillon Yon frisch geschossenem Wild mit eingebrocktem 
Sehiffs-Zviebaok vürde ich für die anträglichste, am leich- 
testen SU verdauende I9ahrung empfehlen. Vor Allem aber 
•ohlittse man einen Yertrsg mit dem Durst, man gevöhne 
den Körper nach und nach an das geringste Maass von 
Hässigkeit, da gerade Yon dem, vas man trinkt, oft Oe- 
sondheit und Leben abhängt Das Trinkvasser unter den 
Tropen ist, venn es auch noch so hell erscheint, doch 
stets in einem Zustand der Zersetsung, ein kühler Trunk 
doch nur vährend veniger Wochen des Jahres au haben; 
man yermeide daher vo möglich gana, unversetstes und 
Qiiabgekoohtes Wasser an gemessen, und ertrage lieber 
stundenlang den brennendsten Durst, als von dieser Begel 
abzuweichen. 

„Trifft man eine gesunde Quelle, so vergesse man nicht, 
sich mit Wasser au versehen, bediene sich dabei aber 
nicht der Ägyptiachen Schläuche, denn diese sind mit dem 
Kern der Koloquinte gegerbt, sie machen das Wasser un- 
gßniessbar und geradesu für die Yerdauung schädlich. Man 
Teraehe sich so reichlich vie möglich mit Fransösischem 
Bothwein, echtem Gognac und Englischem Porterbier; alle 
drei Spirituosa verändern sich nicht im Klima der Tropen 
und sind, massig genossen, dem Körper zuträglich. 

„Da von Brod keine Bede sein kann, so ist der Rei- 
sende auf die Speise der Eingebomen, einen brodartigen 
Teig von Durha^Orütse, und auf den Schiffs-Zvieback, den 
er mit sich führt, angeviesen. Erstere Speise ist geradesu 
schädlich, letztere kann es Verden, venn der Zvieback 
allsu lange im trockenen Zustand genossen vird; der Magen 
Terdant ih« dann nicht mehr. 

„Der Genuas der Chokolade ist dem des Kaffee's und 
Thee'a vorznaiehen. 

„Aach frische Milch, velche oft ein unendliches Labsal 
ist und von den Eingebomen ab und zu gastfreundlich 
geieicht vird, ist unter Umständen sehr schädlich; möchte 
sie nie ohne eine Zuthat von Cognac genossen Verden. 

,iüm kurz zu sein, die höchste Enthaltsamkeit und 
Nüchternheit ist zu empfehlen. Der Unterleib muss stets 
^nrm gebalten Verden, der Kopf bedeckt. 

„Der Europäische Beisende hat Kichts mehr zu be- 
achten als eine an Heimveh grenzende Gemüthskrankheit, 



vekhe durch körperliche Leiden, die er sich meist aus 
Leichtsinn zugezogen, entsteht Solche Gemuthsbesohaffen- 
heit reibt ihn auf und liisst ihn entveder bald unterliegen 
oder stumpft ihn gänzlich ab und macht ihn zu körper- 
licher und geistiger Arbeit unfähig." 

Was Mangel an geniessbarem Wasser unter der sengen- 
den Sonne Afrika's bedeutet, mussten die Beisenden bei 
dem viertägigen Zug durch das vellenförmige Steppenland 
der Samhar gründlich erproben, ja durch unvorsichtiges 
Trinken verdorbenen Wassers legten vahrscheinlioh Viele 
den Grund zu bald darauf eintretender Krankheit Die 
eigenthümliche Vegetation der Samhar mit den ausgedehn- 
ten Silber veissen Kameelgrasfeldem, ^den dunkeln Schora- 
Büsohen, den Fächermimosen, Asolepias- und Euphorbia- 
Arten vird uns auf dem sechsten und siebenten Bilde des 
Albums vorgeführt, vährend die beiden folgenden einen 
stattlichen Aufeug des Beherrschers der Samhar, des Naib 
von Arkiko, und seinen Besuch bei dem Herzog darstellen. 
Die Jagdbeute var nicht eben gross, aber der aufregende 
Anblick grösserer reissender Thiere, der zierlichen Antilo- 
pen, vieUaoher neuer Formen der Vogelvelt belohnten die 
ausserordentliche Anstrengung, auch verlieh die Begeg- 
nung mit einem Stamm vandernder Schohos der Soenerie 
erhöhtes Literesse. 

Am 4. April erklomm der Jagdzug vom Brunnen Schaich- 
Muhammad aus mit grosser Mühe den Abfall der Berge 
und sah sich vie mit Zauberschlag aus der öden Steppe 
in ein reizendes Alpen-Land versetzt, das trotz der trocke- 
nen Jahreszeit im Lava-Thal einen fliessenden Bach, eine 
seltene Erscheinung in Afrika, darbot Hier am Bande 
des belebenden Elementes entfaltete die Temperatur ihre 
ganze Üppigkeit Das von dem Staub und der Hitze der 
Samhar schmerzhaft entzündete Auge veidete sich an dem 
saftigen (}rün, der nach Kühlung lechzende Körper er- 
ftisohte sich vunderbar in dem Schatten der majestätischen 
Bäume, velche in dichten Gruppen den plätschernden Bach 
überragten. Auf den Zveigen viegten sich Vögel aller 
Art, von dem kleinsten Afrikanischen Kolibri (Honigsauger) 
bis zu dem riesigen Ohrengeier, auch vurde in dem feucht 
ten Sande ab und zu ein Leopard gespürt, seltener eine 
Gazelle oder Antilope. Budel von Affen eilten mit lautem 
Geschrei die Abhänge hinauf und Klippdächae belebten 
die zerklüfteten Felsen, sogar Spuren eines Elephanten 
vurden entdeckt, zum Erstaunen der Beisenden, denn man 
konnte kaum glauben, dass virklich eyi so riesiges Thier in 
die steilen Berge sich ge vagt habe. Später freilich sahen sie 
Elephantentrupps selbst auf den stellen Abhängen und 
höchsten Gipfeln der Hochgebirge um Mensa herumklet- 
tem. 

Das herrliche Thal, dasselbe, velohes im Jahre 1857 



64 



Reise des Herzogs Ernst von Sachsen-Coburg-Gotha nach Afrika. 



A. de Gourval und Oraf Thürheim durchzogen haben '), 
erweiterte sich nach einiger Zeit, die Berge erschienen 
höher und erinnerten immer mehr durch ihre charakteri- 
stischen Formen an so manche der Tyroler Alpen. Es lag 
ein unendlicher Zauber in der Verbindung der Alpen- 
Landschaft mit der Tropen - Vegetation. Das Gestein, An- 
fangs Gnünit, änderte sich ab und zu, es fand sich Thon- 
und Glimmerschiefer, stark mit Quarz durchwachsen, und 
Oerstäcker meinte, dass es sich der Mühe lohnen würde, 
nach Waschgold zu suchen, da die Formation derjenigen in 
Kalifornien sehr ähnlich sei. Die Vegetation ward immer 
üppiger, Lianen und Schlingpflanzen aller Art überzogen 
die mächtigen Baumgattungen, die sonderbar gestaltete Kan- 
delaber -Euphorbien an den felsigen Abhängen in Menge 
vorhanden, nahm grössere Dimensionen an und in oft sehr 
empfindlicher Weise erschwerten dichte Büsche und Sträu- 
cher, auch hier wie anderwärts in Afrika meist mit Dor- 
nen besetzt, das Ansteigen in dem pfadlosen Gebirgsthal. 
Ganz oben verwandelte sich das Thal in eine enge Fels- 
schlucht und unter unsäglichen Strapazen wurde am 7. April 
die Hochebene erklommen, die, wiederum von riesigen 
Alpen umgeben, die Hüttengruppen des muthigen Stanmies 
der Mensa trägt. 

Nicht weniger als fünf Tafeln sind der Darstellung des 
Thaies in seinen charakteristischen Partien gewidmet, sie 
geben eine vortreffliche Vorstellung von den Vegetations- 
Formen und der ganzen Physiognomie jener Alpen-Land- 
schaften, auch ist namentlich das eine Bild, „das Felsen- 
thor'', als recht gelungen zu loben. Das 14. führt bereits 
die Höhen des Beit Abrehe und den Eingang zur Hoch- 
ebene von Mensa vor, die auf dem folgenden Bild mit dem 
Hütten- und Zeltlager der Expedition im Vordergrund er- 
scheint. 

Der stattliche Gebirgszug, in dessen Gipfel das Plateau 
von Mensa gleichsam eingekeilt liegt, mag sich in den 
Theilen, ^ welche von der Herzoglichen Expedition berührt 
wurden, zu einer Höhe von 9- bis 10.000 Fuss erheben. 
Die Berge sind bis an ihre Gipfel, wo nicht schroffe Gra- 
nitplatten und steile Felswände jede Vegetation ausachlies- 
sen, bewaldet, zumeist mit Mimosen, Gacteen, Euphorbien 
und wilden Oliven-Bäumen. Oft findet man eine niedere 
Palmenart und einzeln stehende Adansonien. Die Hoch- 
ebene selbst soll gegen 6000 Fuss über der Meeresfläche 
liegen und wird durch einen, von Granitblöcken überstreu- 
ten, niederen Hügelrüeken, der quer hindurchläuft, in zwei 
Theile geschieden. Der eine derselben bildet eine wilde, 
mit Büschen dick bewachsene, sandige Fläche, oft durch- 
schnitten und durchklüftet von gewaltigen Schluchten, eine 



>) 8. „Oeogr. Mitth." 1861, Tafel 11. 



Folge der häufigen Gewitterregen. Der andere zeigt bes- 
seren Boden und wird, unter Benutzung der vielfachen 
Niederschläge, von den Eingebornen mit Durha und Seifen- 
kraut bebaut. Das Gebirge wechselt mit Glimmerschiefer 
und Granit ; beide Gesteinsarten erscheinen an ihrer Ober- 
fläche ziemlich zertrümmert und verwittert, daher die 
merkwürdige Bildung einzelner umherliegender Felsblocke, 
nicht unähnlich dem Penha-Gebirge im südlichen PortugaL 
Von auffallenden Charakterpflanzen fand sich der wilde 
Oliven-Baum am meisten vertreten. Die Gegend ist durch- 
weg reizend in ihrer Abwechselung und erinnert auch hier 
oft an die Tyroler Alpen. 

Das Dorf Mensa bildet zwei Gruppen von Niederlas- 
sungen (etwa 100 Hütten), ungeföhr 500 Schritt von einander 
entfernt; sie lehnen sich an die beiden Bänder der Hoch- 
ebene. Dicht hinter ihnen steigen die bewaldeten Feleen- 
hänge noch kühn und urwaldähnlich empor, ein klarer 
Quell tritt zwischen riesigen Granitblocken zu Tage and 
ringsum entfaltet das Gebirge seine ganze Pracht. Die 
Stelle war gut gewählt, da sie wohl der reizendste Punkt 
in dem Bereiche der Mensa ist. Aber die Freude an die- 
ser tropischen Alpen- Welt musste ziemlich theuer erkauft 
werden. Li den elendesten Laubhütten ohne jeden Schatz 
gegen die kühlen nächtlichen Winde, die das Thermometer 
auf 13^ B. herabsinken Hessen, während am Tage bedeu- 
tende Hitze herrschte , namentlich ohne Schutz gegen die 
furchtbaren Gewitterregen, die sich jetzt einstellten and 
das ganze Lager überschwemmten, ohne jede Bequemlich- 
keit und unter harter Arbeit zur Herstellung eines besse- 
ren Obdaches wurden die ersten Tage und Nächte in 
Mensa hingebracht, ja ein grosser Theil der Beisegesell- 
schaft lag bereits am Fieber fest darnieder. Andererseits 
gewährten jedoch die Jagd-Exkursionen, zum Theil anter 
Anweisung des Lazaristen-Missionärs Philippini ausgeführt, 
unendlichen Beiz und nicht ohne Interesse war auch das 
Leben und Treiben der Eingebornen, deren Ebenmaass der 
Formen und leichte, elastische Bewegungen bei einem 
nächtlichen Tanze in vortheilhaftester Weise sich entfalteten. 
Diesen Tanz und zugleich das Äussere der elenden Laub- 
hütten der Dorfbewohner führt das 16. Bild vor, während 
das 17. das Linere einer solchen Hütte, das 19. die musi- 
kalische und deklamatorische Osterfeier vor dem Schech 
des Dorfes darstellt. 

Nach den Beobachtungen und Erkundigungen Dr. Has- 
senstein's kommt trotz der beträchtlichen Temperaturwech- 
sel und des mangelhaften Schutzes dagegen bei den Ein- 
gebornen von Mensa keine Tuberkulose vor, eben so wenig 
bemerkte er Skrophulose, Bhachitis, Gicht und Hautkrank- 
heiten, dagegen kamen öfter Amaurose, Conjunctivitis ohne 
Granulationsbildung, Ceratitis, Trübungen der Cornea 



Reise des Herzogs Ernst von Sachse&-Oobnrg*Gotha nach Afrika. 



65 



rheumatische Affektionen der Muskeln, Bronchitis, akuter 
Magenkatarrh nnd Dysenterie zur Behandlung. Gegen 
30 Prozent der Frauen sollen im Wochenbett erliegen, 
wohl zum Theil eine Folge der Tor gehöriger allgemeiner 
Entwickelung des Körpers eingegangenen Ehen; ausserdem 
soll die Sterblichkeit nur in den ersten Lebensjahren be- 
tnohtlieh sein. 

Als die Gewitterregen nachliessen und die Kranken auf 
dem Wege der Besserung waren, trat der Herzog am 
12. April mit den beiden Prinzen, dem Konsul Cameron, 
Beza Effendi und dem Naib die Weiterreise nach Keren 
im Lande der Bogos an, welches von vom herein als aus- 
serster Punkt bestimmt war. Der Weg ging Anfangs nord- 
westlich nach dem verlassenen Dorfe Belta, der Charakter 
der Hochebene verschwand allmählich, eine Hügellandschaft 
dehnte sich weithin aus und nach dem Überschreiten eines 
schwer zu pasairenden Höhenzuges lagerte man am Fluss« 
bett des Ababa, der durch den Mähbar mit dem Ainsaba 
in Verbindung steht. Ein zweiter Höhenzug wurde am- 
anderen Morgen überschritten, ehe man in das offene Hü- 
gelland kam, welches der Ainsaba durchschneidet. Die in 
den „Oeogr. Mittheilungen" publicirte, oben dtirte Sparte 
der Bogos- und Habab - Länder , welche hauptsächlich auf 
den Arbeiten von Munzinger, Bapeto und A. de Gourval 
beruhte, wurde für diese Strecke zwischen Mensa und dem 
Ainsaba mehrfach unrichtig befunden, leider fehlte es aber 
an Instrumenten und an Zeit, sie gründlich zu berichtigen. 

Die reiche Vegetation des Mensa-Thales war fast ganz 
verschwunden, die Bergrücken erschienen meist ganz kahl 
und nur an den Abhängen zeigten sich Mimosen und ver- 
krüppelte Oliven. In den tieferen Thaleinschnitten dagegen 
▼Qchsen so riesige Exemplare von Affenbrod-Bäumen und 
Euphorbien, wie sie bis dahin noch nicht gesehen worden. 
Auch einzelne schöne Tamarisken und Tamarinden wurden 
ab and zu angetroffen. Die Granit-Formation des Mensa- 
Oebirges veränderte sich hier ebenfalls zu Glimmerschiefer 
und einem mit Kiesel, Feldspath und Thonschiefer ver- 
mischten Gestein. Der Boden erschien, je mehr man von 
dem höheren Gebirgsland herabstieg, auch viel heisser und 
trotz des vielen Regens, der auch diese Gegend heim- 
gesucht, zeigte sich doch beinahe nirgends grünes Gras. 
Etwa 2 Stunden jenseit des nicht unbedeutenden Dorfes 
Gabei-Alabu zieht sich das Flussbett des Ainsaba als dun- 
kelgrünes Band malerisch zwischen das reiche braungelbe 
Gebirge hinein. Der Strom hielt noch etwa 2^ Fuss Was- # 
Ber und floss silberhell und reissend dahin. Seine Breite 
gleicht ungefähr der des Main bei Lichtenfels. In un- 
endlichen Windungen sendet er sein klares Wasser durch 
das Gebirgsland and erquickt mit seinen zwei Mal im Jahre 
austretenden Fluthen, auf beiden Seiten des Ufers, etwa in 

Petemuum's Geogr. Mittheilongen. 1864, Heft II. 



der Breite von 300 Schritt, die durstige Erde. So weit 
diess der Fall ist, zeigt auch der Boden die ganze Fülle 
der Tropen- Vegetation; wunderbar geformte Bäume, dicht 
mit Lianen überzogen, wechseln malerisch mit haushohem 
Schilf und dieses umgiebt wieder kleine grüne Flächen voll 
üppigen Blumenflors. Tausende von Vögeln aller Art be- 
YÖlkern diesen schmalen Streif Erde, der gleich einer Oase 
meilenlang den Strom begrenzt, alle Thiere der Gegend 
kommen früh oder Abends zu ihm gewandert, um sich an 
seinen klaren Fluthen zu erquicken. 

Am Ufer des Ainsaba wurde ein Lager bezogen und 
von da aus dem Hauptdorfe der Bogos, dem unseren Lesern 
aus Heuglin's Berichten wohl bekannten Keren, ein kurzer 
Besuch abgestattet. Der Pater Stella erwies sich auch 
diess« Mal als liebenswürdiger, über die Verhältnisse des 
Landes gern Auskunft gebender Mann und die christlichen 
Bingebomen kamen gleich den Mensa den Fremden mit 
aufrichtiger Freundlichkeit und Gastfreundschaft entgegen. 

In der Hoffnung, am Ainsaba grosses Wild anzutrefPen, 
sah man sich getäuscht, der Wasserstand war noch so hoch, 
dass die Thiere überall auf und ab im Flusse Wasser fan- 
den und sich deshalb aus der Nähe der Dörfer zurückgezo- 
gen hatten. Mit nur geringer Beute zogen daher die Jäger 
nach Mensa zarück, wo sie am 16. April von den zurück- 
gebliebenen, inzwischen gebesserten Patienten mit Freuden 
begrüsst wurden. 

Am Abend des folgenden Tages berichtete ein erfahre- 
ner Jäger aus Keren, er habe mehrere Trupps Elephanten 
einige Deutsche Meilen von Mensa an den Abhängen des 
hohen Gebirgsstockes Beit-Shakhan ruhig weiden sehen 
und vermuthe, die Terheerenden Gäste dürften die Gegend 
nicht so bald wieder verlassen. Die Aufregung über diese 
Nachricht war gross, nach wenigen Stunden Schlafs wurde 
in aller Frühe aufgebrochen und wirklich gelang es mit 
nicht geringer Gefahr und enormer Anstrengung, auf den 
8- bis 9000 Fuss hohen Felsenhöhen des Beit-Shakhan, 
wahrscheinlich am Merrara - Berge , einen alten und einen 
jungen Elephatiten zu erlegen. Diese interessante Jagd, 
welche den Elephanten als kühnen und gewandten Alpen- 
Slletterer kennen lehrte, ist in dem Beisewerk wie schon 
früher in der „Gartenlaube" in sehr lebendiger, anschaulicher 
Weise geschildert, auch auf Tafel 18 abgebildet; aber nicht 
nur die glückliche Jagd, auch die weite Aussicht, welche das 
Hochgebirge dort bot, gehört zu den Glanzpunkten in der 
Erinnerung an die Expedition. „Ein Panorama lag vor 
uns, wie ich es nur an wenigen Orten Tyrols und der 
Schweiz getroffen habe. Ein unabsehbares Meer grüner 
und brauner Berge, hier in den schönsten und weichsten 
Formen gelagert, dort wieder scharf gezeichnete Felsspitzen 
in pittoresken Gestalten vorstreckend, bot sich unseren 

9 



66 



Reise des Hersogs EniBt von SacliBeii-Coburg^Ootha nach Afrika. 



Blicken. In weiter Ferne nach Ostmi beieiohnete ein gol- 
dener Streif die Fluthen dcB Rothen Meeres, nach allen 
übrigen Himmelsriohtangen reihten sich Gebirge an Gebirge, 
meiat von gleiclier Höhe. Das schwierige Besteigen jener 
Alpen wäre schon hinreichend durch die unbeschreibliche 
Aassicht belohnt gewesen, deren wir uns hier sn erfrenen 
hatten. Die Sonne war glühend, dennoch erfrischte nns 
ein kühler Luftsug und ausgestreckt im hohen Gras schwelg- 
ten wir in den Genüssen der Natur." 

Umlagert von der halben Beyölkerung und unter Aus- 
drücken des wahrhaften Bedauerns schied die Expedition 
am 20. April von Mensa. Dasselbe Thal, durch welches 
sie heraufgekommen, führte sie auch wieder nach der Sam- 
har hinab, auch diess Mal nicht ohne Schwierigkeiten, zumal 
zahlreiche aus dem Flachland nach dem Gebirge zurück- 
kehrende Yiehheerden den schmalen Thalgrund noch mehr 
verengten. An Jagdabenteuem fehlte es nicht, mit den 
grossen MantelafPen hatte man sogar ein hitziges Gefecht 
zu bestehen, da sie sich tapfer durch Steinwürfe verthei- 
digten. In der Samhar stellten Sonnengluth imd Platz- 
regen bei 30" Wärme die geschwächten Kräfte der Rei- 
senden noch auf eine letzte harte Probe, auf kürzestem 
Wege erreichten sie aber schon am 23. April M'EuUu, wo 
die Zurückgebliebenen mit Muth und Ausdauer den Ein- 
flüssen des Klima's getrotzt und allen Unbequemlichkeiten 
unverzagt die Stirn geboten hatten. 

„Die Tage, welche wir hier verlebten,'* — so schrieb 
die Frau Herzogin in ihr Tagebuch — „waren keine 
Idylle in der Weise der lieben Heimath, es war für uns 
verwöhnte Kulturkinder Manches recht schwer zu über- 
winden; aber es war doch ein StiUleben voll von grossen 
Eindrücken und die Erinnerung daran möchte wohl Keiner 
von uns missen. Wer ein Mal im Schein der tropiscAien 
Sonne auf Himmel, Land und Meer geblickt hat, der wird 
die Farbenpracht der Natur und die gehobene Stimmung,' 
welche sie dem Menschen verleiht, nie mehr vergessen. 
Was Ucht heisst und glühende Farbenschönheit, das er- 
föhrt man erst im Süden. Und die Einwirkung dieser 
.Fülle von licht und Farbe, die grossen Kontraste, welche 
ohne Dämmerung, ohne das Nebelgrau der Heimath wie 
unvermittelt neben einander stehen und doch Bilder von 
wundervoller Schönheit geben, werden immer mächtiger, 
je länger man weilt, und umgeben das Leben des Tages 
mit einer Poesie, die mährchenhaft und fast bewältigend 
ist. Und in diesem Zauberlichte glänzt eine fremde Erden- 
welt, denn Menschen, Thiere, Pflanzenformen, jeder Gegen- 
stand, der an den Reisenden herantritt, trägt dazu bei, die 
Stimmung, welche die Landschaft hervorruft, zu erhöhen. 
Ungeachtet der Unsicherheit, welche der Europäer in dieser 



Wildniss empfindet, ist die Grundstimmung, welche dieses 
tropische Leben verleiht, doch eine erhebende Ruhe. Alles 
sieht groBsartiger und ein&cher aus und ohne Mühe kann 
man sich hier um Jahrtausende zurückdenken, in denen 
dasselbe Hirten- und Wanderleben war, dasselbe Geschrei 
der Thiere, dieselben Pflanzen an derselben Stelle, das- 
selbe Leuchten der Farben, eben so der Sand mit den 
Steintrümmem und dem weissen Gebein der gefallenen 
Thiere. Der Mensch vermag in der grossartigen Bestän- 
digkeit dieser Welt nur wenig." 

Diess Leben unter Sonnenstrahlen, in fremdartiger Land- 
schaft, war aber auch nicht ohne Abwechselung. Qbx bald 
waren die Eingebomen, besonders die Kinder, zutraulich 
geworden, die katholischen Missionäre erwiesen sich artig 
und gefällig, die Offiziere der Englischen Kriegsschiffe 
kamen, der Pascha von Massaua stattete Besuche ab und 
selbst Dr. Schimper, der seit so vielen Jahren in Abeasi- 
nien lebende Naturforscher aus Mannheim, reiste ans Adoa 
herbei, um die Tochter seines Fürstenhauses immer noch 
in echt Badischer Art und Sprechweise zu begrüssen. Aus- 
serdem aber unterbrachen einige grössere Ausflüge das ein- 
förmige Leben zu M'Kullu, zunächst am 11. und 12. April 
eine Fahrt auf dem „Odin'' nach der Insel Dessi und den 
Ruinen von Adulis, über welches letztere die Nachrichten 
bei den alten Schriftstellern in lichtvoller Weise zusam- 
mengestellt werden 9 sodann vom 17. bis 22. April nach 
den üppigen, heerdenreichen Thälem von Assus und Allel 
am Fusse des Gebirges, wo eine herrliche Landschaft, ein 
reiches Thierleben und der Verkehr mit Schohos und Habab 
manchen Genuas boten. 

Die letzten Tage in M'Kullu wurden dagegen durch 
glühende Hitze und furchtbare Gewitterregen, gegen die 
kein Schutz zu finden, noch sehr verbittert, und nachdem 
die „Victoria" am 26. April die Reisegesellschaft den Abes- 
sinischen Gestaden entführt hatte, stellte sich bei der Frau 
Herzogin und einem Theil der Begleitung, unter Anderen 
bei Dr. Bilharz, ein typhöses Fieber ein, welches zu län- 
gerem Aufenthalt in Kairo zwang und dem der viel ver- 
diente Bilharz am 6. Mai erlag '). Erst am 21. Mai konn- 
ten die Rekonvalescenten die Heimreise antreten. Einen 
Ruhetag in Alezandria benutzte die Frau Herzogin zu 
einem interessanten, ausführlich beschriebenen Besuch in 
dem Harem des Vice -Königs; ausserdem wurde nur auf 
dem reizenden Korfii ein kurzer Aufenthalt gemacht und 
enach glücklicher, angenehmer Fahrt langten die Reisenden 
am 80. Mai in Triest an. 



<) Siehe den Nekrolog in „Geogr. Mitth." 186S, 8. S75. 



67 



Geographische Notizen. 



Zur Meteorologie von Coburg« 

Dr. Alezander Ziegler schreibt uns: — ,,Mit dem Hy- 
losterik-Barometer sind jetzt vielfiache Versnobe und Mes- 
sungen hier angestellt worden, die im Gänsen befriedigend 
BüBgefallen sind und keine sehr bedeutende Diflbrenzen 
gegen die trigonometrischen Messungen ergeben haben. 
Vor Allem wünschte ich aber folgende Fragen yorsulegen : 

1) Nach welchem Längenmaasse die Theilung des Hylo- 
sterik-Barometers (Preis 17 Thlr.) ausgeführt sei (ob nach 
Pariser Linien u. s. w.)? 

2) Ob die Grade desselben mit den entsprechenden 
eines Quecksilber-Barometers verglichen seien? 

3) Ob sie mit diesen übereinstimmten oder ob sie Un- 
terschiede zeigten? 

4} Wenn Unterschiede vorhanden sind, ob diese immer 
dieselben blieben und wie gross sie seien? 

,,Sie werden mir erlauben, über dieses interessante und 
jedenfalls sehr bequeme und handliche Messinstrument sei- 
ner Zeit Ihnen nlOiere Nachricht geben zu dürfen. 

„Und nun lasse ich noch einige sehr interessante 
meteorologische Beobachtungen über Coburg (ausgeführt 
durch Dr. Eberhard) folgen, die in dem von H. Schwerdt 
und AI. Ziegler in einigen Monaten erscheinenden ,,Reise- 
handbuch über Thüringen" mitgetheilt werden. 

Meteorologische Vorhältnisse Coburgs. 

Mittel-Tempentar des Winters (Deiember, Januar, Febr.) — 0,900** B. 

„ des Frühlings (MSn, April, Mai) . + 6,148'' B. 

„ des Sommers (Juni, Juli, August) . +14,0»'' B. 

„ des Herbstes (Septbr., Oktbr., NoTbr.) -f 6,688° B. 





Jahr 6,««*» B. 


Xiederschlage: Winter . 


. 7,271 


Frühling . 


. 8,848 


Sommer . 


. 12,266 


Herbst 


. 9,702 


Jahr 


. 87,47» ZoU HSha. 



Winter . 20,ft helle Tage, 26,8 trübe, 48,4 regnerisehe, 0,2 Gewitter 
Frühjahr 31 „ »21 „ 89,9 „ 3,6 „ 

Sommer . 34,6 „ „ 15,6 „ 42,0 „ 11,1 „ 

Herbst . 26,8 „ „ 28,1 „ 40,4 „ 1,8 

Jahr . 112,8 „ „ 85,9 „ 167,7 „ 16,1 „ 

Die Windriehtong hauptsichlich SSW., dann NO. 
Barometer 27' 1,928'". 

Mittel-Temperatur Ton Erfurt 7,6° B. 

„ „ Berlin 7,2° B. 

„ „ Dresden 7,6° B. 

„ „ Würaburg . 8,8° B.** 



Die QradmeeBung auf Spitabeyrgen. 

Die Schwedische Expedition, welche 1861 unter Td- 
rell'8 Leitung Spitzbergen besuchte, hatte unter Anderem 
die Ausführbarkeit einer Oradmessung auf jener hochnor- 
dischen Inselgruppe zu untersuchen, und wie wir im vori- 
gen Jahrgang (SS. 24 — 27) ausführlich mitgetheilt haben,^ 
sprachen sich Ghydenius und Dun^r, welche mit den vor-^ 
bereitenden Kekognoscirungen beauftragt waren, für die 
Möglichkeit einer Oradmessung an den Gestaden des Stor- 
^ord und der Hinlopen-Strasse aus. Durch Dr. Toreil er- 
Üiren wir nun, dass der Schwedische Beichstag in allen 
^er Häusern die erforderliche Summe zur Beendigung 
der Aufnahmen für die Gradmessung auf Spitzbergen be- 



willigt hat und dass somit die Ausführbarkeit des Unter- 
nehmens im Laufe dieses Sommers entschieden werden wird. 



Literarlsohee über Kurdiatan. 

Die Strecker'sohe Kartenskizze des oberen Zab - ala 
(„Geogr. Mitth." 1868, Tafel 9) erfährt eine bedeutende 
Vervollständigung und Erweiterung durch die Karte eines 
Amerikanischen Missionärs, Rev. Goan („Map of Julamerg^, 
1862), Ton der uns Herr Dr. Blau Ton Trapezunt aus eine 
Kopie zu schicken die Güte hatte. Sie giebt den süd- 
lichen Theii der Streoker'sehen Skizze von Basohkale an 
in grosserem Maassstabe und mit reicherer Nomenklatur, 
führt den Zab-aia ^von Dschulamerk abwärts bis in die 
Breite von Amadiah und enthält für seine Ufer wie für 
die Gegend zwischen ihm und den Quellen des Kleinen 
Zab eine Menge Ortschaften. Diese, wie wir glauben, 
noch nnpublicirte Karte hält Dr. Blau „zur Vergleichung 
mit anderen Materialien zur Kartographie jener Gegenden 
für um so werthvoUer, als Coan mehrere Jahre in Gawar 
bei Diso stationirt war und daher als Augenzeuge eine 
höhere Glaubwürdigkeit beanspruchen dürfte als die ge- 
sammelten Notizen Strecker's^. Leider ist sie ohne An- 
deutung der Orographie, 

Zugleich schrieb uns Dr. Blau, es liege ihm von Stre- 
cker eine neue, ausserordentlich sorgföltige Karte des Di- 
striktes der Dersim - Kurden vor, die wahrscheinlich in 
England als Anlage zu des Britischen Konsuls Dalyell 
Werk über die Provinz Erzerum erscheinen werde. 

In Bezug auf die Karte zu Dr. Blan's Reise vom Uru- 
mia- nach dem Van-See („Geogr. Mitth." 1863, Tafel 7) 
sind einige Berichtigungen nachzutragen. Am nördlichen 
Bande des Van-See's muss es heissen: Gelendschik statt 
Gelendschou; Chores statt Ghorös; Stjepan statt Stjepen. 
Eben so ist im Nordwesten des Urumia-8ee*s zu lesen: 
Majandschik statt Mi^dschir; Koroch statt Karoch; Ak- 
tschai statt AktychaL 



Notiaen über Slam und Btnma. 

Einem Briefe des Herrn Dr. A. Bastian vom Novem- 
ber 1863 entnehmen wir einige Notizen, die namentlich 
für die Kartographie der Hinter-Indischen Halbinsel von 
grossem Interesse sind. 

„Ihr Schreiben traf mich in Bangkok, bis wohin ich 
meine Reise von Moulmain aus fortgesetzt hatte. Ich pas- 
sirte das wüste Grenzgebiet zwischen Birma und Siam auf 
Elephanten, mit denen wir acht Tage lang in dichten Berg- 
wäldem zu kampiren hatten, ohne bewohnte Plätze zu 
tre£Pen, und erreichte dann den Menam-Fluss bei Raheng 
oder Yahaing, von wo wir in Booten uns hierher nach 
Bangkok begaben. 

„Ihren Wunsch in Bezug auf Karten und geographi- 
sche Broschüren zu erfüllen, werde ich für den Augen- 
blick wenig thun können. Sie wissen, wie es in diesen 
Indischen Ländern ist. Die Bücher sind mit Fabeln und 
Wundergeschichten gefüllt, aber positive Data sucht man 
vergebens. In Britisch-Birma ist natürlich schon Mancher- 



68 



Notisen. 



lei gethan und die Karten über die Frovina Fegu von 
Hobday und Anderen werden in Europa bekannt sein, aber 
aus den Karten, die mir in Aya gezeigt wurden, war we- 
nig zu entnehmen und dann würde die eifersüchtige Ängst- 
lichkeit der Regierung auch keine genauere Besichtigung 
gestatten. In 8iam ist man wegen der häufigeren Ver- 
bindung mit Europäern, da die Hauptstadt ein Hafen für 
Seeschäfe ist, aufgeklärter. Beide Könige sind Freunde 
und Kenner Europäischer Literatur und Wissenschaft, und 
während die Neigung des Ersten sich mehr auf Fhiloso- 
phie und Fhiiologie gewendet hat, ist der Zweite wohl 
unterrichtet in Mathematik und Naturwissenschaften. Er 
besitzt verschiedene Chronometer und Sextanten und gilt 
selbst für einen guten Beobachter. In einer Audienz, die 
ich vor einigen Tagen bei ihm hatte, zeigte er mir sehr 
ausgedehnte Lokal -Karten über Korat und andere Theile 
des östlichen Siam, die er selbst entworfen hat. Sie sind 
noch nicht ganz vollendet, aber er hat mir für später eine 
Kopie versprochen. 

,,£inige Längen und Breiten, nach seinen eigenen Ob- 
servationen, haben mich in einer Ansicht bestätigt, die 
sich mir schon auf meinem Wege über die Grenze auf- 
drängte, dass nämlich die Europäischen Karten in Siam 
sehr in der Breite irren und die meisten Flätze des Inne- 
ren einige Grade zu weit nach Norden setzen. Sir Robert 
Schomburgk, der mir gütigst Mittheilungen aus seinem 
Tagebnehe machte, stimmt damit gleichfalls überein und 
wird es genauer bestätigen, wenn er seine Reise nach 
Xiengmai veröffentlicht. Nach den Beobachtungen des 
zweiten Königs liegt z. B. 

die Stadt NakhonMTan löOftd'ÖB* N. Br., lOQOlO' 0* Ö8U.L, 
die Stadt Korat . . U 69 10 „ 102 4 85 „ 

das Kloster Prabat . 14 42 43 „ 100 46 28 „ 

„Wenn Sie diese Längen und Breiten vergleichen mit 
der Lage, welche die genannten Flätze auf der Karte zu 
Bowring's „Kingdom and people of Siam'' einnehmen, so 
werden Sie den grossen Unterschied finden, denn dort liegt 

NakhonsaTan 17<»24' N. Br., 
Korat . . 16 83 „ 
Praliat . . 14 52 „ 

„Ein besonderes Augenmerk habe ich in Birma darauf 
gerichtet, Erkundigungen über den jetzt so vielfach be- 
sprochenen Weg nach West-China durch die Schan-Länder 
einzuziehen, und habe darüber manche Nachrichten ge- 
sammelt, werde aber wohl erst nach meiner Rückkehr Zeit 
zum Ordnen finden. Die Schan-Kaufleute, die ich zu be- 
tngen Gelegenheit hatte, kannten nicht den Namen Esmok, 
stimmten aber darin überein, dass alljährlich von Kiang- 
Hung als der Grenzstadt eine Karawane nach der Messe 
abgeht, die in Muangla, dem Kiachta der westlichen Pro- 
vinzen China's, abgehalten wird. Von dort haben mit dem 
Ende der Messe die Händler zurückzukehren und dürfen 
nicht weiter in das Innere vordringen. Von Kiang-Hung 
nach Ava führen drei Wege, ein direkter durch Theebo, 
ein nördlicher nach Bamo und ein südlicher nach Möwe. 
Das frühere, durch Richardson's und M^Leod's Reisen ver- 
anlasste Projekt, den Handel von Xiengmai durch ein ge- 
brochenes Gebirgflland , das nie für Gütertransporte fahrbar 
gemacht werden kann, nach Maulmein zu leiten, wird von 
selbst aufgegeben werden, seitdem die Engländer mit Ran- 



gon im Besitz der natürlichen Wasserstraase auf dem Ira- 
waddi-Flusse sind. Die Französische Besitznahme des süd- 
lichen Cochinchina wird auf den Handel vorläufig kaum 
einen Einfluss äussern, da der Me-khong, obwohl in Eiang- 
Hung und nördlich davon schiffbar, weiter unten von Strom- 
schnellen durchbrochen wird und somit nicht nach der 
Mündung hin befahren werden kann." 



Die Höhe von Oondokoro über dem Meere. 

Im vorigen Jahrgang (S. 317) meldeten wir die wich- 
tige Entscheidung über die geographische Lage von Oon- 
dokoro am Weissen Nil, welche durch Captain Speke's 
astronomische Beobachtungen herbeigeführt wurde, und 
gaben aus einer brieflichen Mittheilung des Reisenden das 
Resultat zu 4'* 54' 5' N. Br. und ST 45' 30' Östl. L. 
V. Ghr. an; sein Reisewerk giebt die Fosition etwas abwei- 
chend zu 4* 54' 2' N. Br. uüd 31* 46' 9' Östi. L., 
Zahlen, die wir unzweifelhaft als definitive, aus den Be- 
rechnungen der Greenwicher Astronomen hervorgegangene 
Ergebnisse annehmen müssen, deren Differenz mit den 
vorgenannten übrigens so gering ist, dass die Lage des 
Ortes auf den Karten dadurch eine kaum bemerkbare Ver- 
änderung erleidet. In der Hoffnung, auch für die Höhe 
von Gondokoro in Speke's Werk eine zuverlässige Angabe 
zu finden, haben wir uns dagegen getäuscht, er scheint 
dort gar keine Hölienmessung angestellt zu haben und eine 
Messung von Dr. Feney im Jahre 1861 mittelst des Koch- 
thermometers , die wir in dem von Malte- Brun heraus- 
gegebenen Nachlass des Reisenden finden (Bulletin de la 
Soc. de g^ogr. de Faris, Juli 1863), behält daher einen 
nicht unbedeutenden Werth. Bis jetzt stand die aus den 
Dovyak'schen Barometer - Beobachtungen vom Januar 1853 
bis Januar 1854 von Kreil berechnete Höhe, 1506 Far. F., 
ganz vereinzelt da und es war sehr wahrscheinlich, dass 
dieselbe um ein Beträchtliches zu niedrig sei, zumal Do- 
vyak's Höhe für Ghartum, 828 Far. Fuss, bedeutend ge- 
ringer ist als alle anderen Angaben für diesen letzteren Ort 
Lässt man Fene/s, v. Heuglin's und v. Fruyssenaer's Mes- 
sungen von Chartum, welche 1031, 1060 und 924 Far. Fuss 
ergaben, ausser Acht, weil ihre Elemente und die Art ihrer 
Berechnung nicht näher bekannt sind, und nimmt das 
Mittel aus den übrigen, nämlich 

Bussegger, barometr., berechnet Ton Kreil . . 1389 Far. F., 
Bassegger, thermohjpsometr., berechnet von KreU 1202 „ 

Feel, Aneroid-Barom 1207 „ 

Kinselbaeh, barometr., berechnet von KreU . . 1252 ,, 
SO bekommt man 1262^ Far. Fuss als wahrscheinliche 
Höhe von Chartnm, eine Zahl, die um 434^ die Dovjak'- 
sehe übertrifft Wenden wir diese Korrektion auf Do- 
vyak's Höhe für Gondokoro an oder, was dasselbe ist, 
rechnen wir den von Dovyak ermittelten Höhenunterschied 
zwischen Chartum und Gondokoro (678 Far. Fuss) zu 
1262^ Far. Fuss hinzu, so erhalten wir 1940} Far. Fuss 
^und damit stimmt in ganz aufiTälliger Weise die Feney'- 
sehe Messung, die 627,75 Meter = 1932} Far. Fuss 
ergab. Dr. Beke's neueste, an sich schon sehr unwahr- 
scheinliche und mit seiner früheren durchaus nicht harmo- 
nirende Ansicht, dass der Weisse Nil dem Tanganjika- 
-See entströme und nicht dem Ukerewe, wird hiernach ganz 
unhaltbar, denn der Tanganjika liegt nach Speke's Mes- 



Notisen. 



sang 1730 Far. Fuas über dem Meereaepiegel, mithin tiefer 
ab Qondokoro. 



Die neuesten Vorgänge in Timbuktu. 

Seitdem die Toareg in der Mitte des 17. Jahrhunderts 
das Nordofer des Niger zwischen Timbuktti und Garho 
vieder an sich gebracht und die Falbe zu An^wg unseres 
Jahrhunderts sich zu Herren von Massina gemacht haben, 
ist das auch in früheren Zeiten oft schwer geprüfte Tim- 
buktu in der üblen Lage, von zwei einander feindlich 
gegenüber stehenden Yölkerschaften abhängig zu sein. Zu 
Dr. Barth's Zeit war die Regierung der Stadt in den Hän- 
den eines oder zweier Sonrhay - Amtleute mit dem Titel 
Emir, welche aber sdir wenig Gewalt besassen, da sie zwi- 
schen den Tuareg und Falbe standen, welche letztere nach 
einem Übereinkommen von 1846 einen Tribut von etwa 
4000 Mithkal Gold (7000 Thlr.) aus der Stadt bezogen. 
Eine dritte, sich jedoch theilweise auf die Taareg stützende 
Macht in Timbuktu repräsentirte der Scheich £1-Bakay 
Tom Araber-Stamm der Kuntah, der edelmüthige Beschu- 
tser fiarth*s. Je nachdem nun augenblicklich der den 
Eoropäern wohlwollende Scheich El-Bakay und die Tuareg 
oder die allem Verkehr mit jenen entschieden abgeneigten 
Falbe die Oberhand in der Stadt behaupten, sind die Chan- 
cen für einen dort anlangenden Europäischen B^isenden 
sehr verschieden, im ersteren Fall wird er ziemlich sicher 
sein, im letzteren droht ihm das Schlimmste* Da nun die 
Franzosen das Projekt einer Kommunikation zwischen dem 
Senegal und Algerien über Timbuktu mit Eifer verfolgen 
nnd auch jetzt wieder Lieutenant Mage von Westen her 
und Rohlfs von Norden her die Stadt zu erreichen stre- 
ben, 80 ist es von grösstem Interesse zu wissen, welche 
Verhältnisse in Timbuktu gegenwärtig obwalten. 

Ein eingebomer mohammedanischer Offizier vom Sene- 
gal, Lieutenant Aliun-Sal, der 1860 nach Timbuktu auf- 
gebrochen war, kehrte 1863 nach Saint -Louis mit der 
Nachricht zurück, dass El-Hadj Omar, der erbitterte Feind 
der Europäer, der 1854 — 1859 mit den Franzosen am Se- 
negal in offenem Kriege lag und endlich vertrieben wurde, 
einen grossen Theil des Niger-Landes einschliesslich Tim- 
buktu erobert habe, er selbst sei von den Leuten Omar's 
zvischen Timbuktu und Walata gefangen worden und nur 
mit Hülfe nomadischer Araber jener Gegend entronnen. 
Zadem wissen wir durch Rohlfs, dass im Draa das Gerücht 
▼erbreitet war, El-Bakay sei im J. 1862 von Hadj Omar 
getödtet worden. Diesen entmuthigenden Nachrichten sind 
jedoch andere gefolgt, welche für ein Vordringen nach 
Timbuktu sehr günstig lauten 0« 

Omar, ein Marabut aus Aloar bei Podor am Senegal 
imd jetzt etwa 60 Jahre alt, machte 1826 die Pilgerreise 
quer durch den Afrikanischen Kontinent nach Mekka, kehrte 
nach 16jährigem Aufenthalt im Orient nach dem westlichen 
Sudan zurück, gewann um 1847 grossen Einfluss in Sene- 
gambien, liess sich 1848 mit einer grossen Zahl von Schü- 
lern zu Dinguiray an der Grenze von Futa-Dialon nieder 
ond proklamirte 1854 den Heiligen Krieg. Nachdem er 



*) Kerne maritime et coloniale , Juni 1868 ; Le Tour du Monde, 
Kr. 199 und 209. 



die heidnische Landschaft Kaarta erobert hatte, wandte er 
seine Waffen gegen die Französischen Niederlassungen, bis 
er nach beträchtlichen Verlusten 1859 Senegambien ver* 
liess, um das heidnische Beich Bambara oder Segu am obe- 
ren Niger zu erobern. Es gelang ihm 1861, die Haupt- 
stadt in seine Hand zu bekommen, doch entkam der König 
Aliun-Uitala mit ungefähr 3000 Mann und vereinigte sich 
in der Stadt Hamd-Allahi mit dem Scheich Ahmedu Lebbo, 
dem Sohn des Gründers des Fulbe-Beichs Massina. Ohne 
sofort Feindseligkeiten gegen dieses Eeich zu beginnen, 
begab sich El-Hadj Omar als Eeligionslehrer dahin und 
verschaffte sich in kurzer Zeit einen solchen Anhang, dass 
die Leute ihren Scheich verriethen, Omar ihn und seine 
Brüder 1862 todten liess und sich zum Herrn von Mas- 
sina erklärte. Als solcher hatte er nach dem Vertrag von 
1846 das Becht, Tribut von Timbuktu einzufordern, ohne 
jedoch die Stadt militärisch zu besetzen. Er schickte aber 
seinen Beamten unter einer Eskorte von 4000 Mann, wel- 
che trotz dem Proteste El-Bakay's in die Stadt eindrangen. 
El-Bakay verliess darauf Timbuktu, kam aber bald mit 
einer Armee von Tuareg zurück, schlug den B,eamten 
Omar's vor der Stadt, zwang die Fulbe, dieselbe zu ver- 
lassen, und stellte sich, von Tuareg und Arabern verstärkt, 
^ Tagereise südlich von Timbuktu auf, um die Stadt zu 
decken. Es währte auch nicht lange, bis Omar mit einer 
auf 30.000 Mann geschätzten Armee heranrückte. Bei sei- 
ner Annäherung verliessen die Tuareg und Araber ihr 
Lager, die feindliche Armee dringt hinein und überlässt 
sich der Plünderung; sie war vollständig in die Falle ge- 
gangen, denn die Tuareg und Araber erwarten nur diesen 
Augenblick, um über sie herzufallen, und schlagen sie um 
so leichter, als die Leute von Massina von Omar abfallen. 
Es entstand ein furchtbares Blutbad, nur einige Trümmer 
von Omar's Armee und dieser selbst retteten sich auf Bar- 
ken über den Niger und kamen nach Hamd-Allahi zurück. 

Diess ereignete sich zu Anfang des Jahres 1863. El- 
Hadj Omar, über seine Niederlage bestürzt, suchte El-Bakay 
zu besänftigen und schickte ihm ein Geschenk von 70 Ge- 
fangenen und 800 Gros Gold, der Scheich wies aber das 
Geschenk zurück und forderte Omar auf, Massina der Fa- 
milie des Ahmedu Lebbo, die viel besser sei als er, zurück- 
zugeben. Omar sammelte darauf neue Streitkräfte, um den 
Krieg fortzusetzen, verlor jedoch eine neue Schlacht bei 
Gundam südwestlich von Timbuktu und floh nach Kusch 
in der westlich an Massina grenzenden Landschaft Baghena, 
wo die Araber ihm untergeben sind. In dieser Schlacht 
bei Gundam fielen zwei Haubitzen, welche die Franzosen 
1857 in Bondu im Stiche gelassen hatten und die Omar 
seitdem in allen Kriegen mit sich nahm, in El-Baka/s 
Hände. Sie befinden sich jetzt in Timbuktu zugleich mit 
acht anderen Geschützen, die von der Marokkanischen Armee 
des Pascha Djodar herstammen und aus Garho nach Tim- 
buktu gebracht wurden. 

So weit reichen die Nachrichten, welche ein Verwand- 
ter des Scheich El-Bakay, Namens Sidi Mohammed ben 
Sein el Abidin ben el Scheich Sidi Mochtar, der am 
27. August 1863 nach Saint- Louis kam, dem Gouverneur 
Faidherbe geben konnte. Nach seiner Meinung war die 
Familie des Ahmedu Lebbo in Massina wieder zur Herr- 
schaft gelangt und zwar in einem gleichnamigen Enkel 



70 



Notisen. 



des Gründen. Axmber von Sohinghit in Aderer braehten 
aber im Norember neaere, etwa 8 Monate zarüok, also 
Tom Angast datirende Nadiriobten nach Saint-Lonis. Zu 
dieser Zeit war Omar wieder Herr von Hamd-Allahi, aber 
daselbst belagert und umringt von der Armee El-Bakay's; 
eine zum Ersata herbeikommende Armee seines Sohnes, 
des Beherrschers von Sega, war von den Leuten von Mas- 
sina verrathen und durch El-Bakay vernichtet worden. Er 
befiand sich also damals in sehr übler Lage, doch glaubte 
man in Saint-Louis, er werde sich auch diess Mal wie so 
oft herauszuziehen wissen, mit der Zeit die Unterjochung 
von Massina vollenden und dann von Neuem gegen Tim- 
buktu vorgehen. 

Der erwähnte Verwandte El-Bakay's erzählte auch, der 
Scheich habe in Befolgung der Bathschläge Dir. Barth's 
1861 Gesandte an die Königin von England geschickt, sie 
seien aber nicht über Tripoli hinaosgekommen , denn man 
habe ihnen dort die Briefe abgenommen und sie selbst mit 
Geschenken zurückgeschickt. Der Scheich war darüber sehr 
angehalten und schickte Ende Februar 1863 eine neue 
Gesandtschaft, darunter einen seiner Neffen, ab mit dem 
Befehl, bis nach England zu gehen. 

Vor seiner Rückkehr hat Sidi Mohammed ben Sein el 
Abidin ben el Scheich Sidi Mochtar einen Vertrag mit dem 
Französischen Gouvernement des Senegal abgeschlossen, 
worin er in seinem, des Scheichs El-Bakay und aller Eun- 
tah-Häuptlinge Namen verspricht, die freundlichsten Bezie- 
hungen zu den Franzosen zu unterhalten und jeden Euro- 
paischen Reisenden oder Kaufmann in Timbuktu, Aderer, 
Tiris, Tagant und El Hodh zu beschützen und ihm siche- 
res Geleit zu geben, wogegen den Kuntah in den Franzö- 
sischen Besitzungen voller Schutz zugesichert wird. 



Ein Seitenstück zum Kiagara-FalL 
Wie die Zeitungen berichten, ist im Snake River oder 
Lewis Fork des Columbia ein Katarakt entdeckt worden, 
der an Grösse den Nie^^ara-Fall noch übertreffen würde. 
Eine Abtheilung Soldaten, die auf eine Rekognoscirung in 
das Thal des Snake River ausgeschickt war, hörte seit 
zwei Tagen ein anhaltendes dumpfes Geräusch. Die Offi- 
ziere beschlossen, der Richtung dieses Geräusches nachzu- 
gehen, und ruhten nicht, bis sie ihre Neugier befriedigt 
hatten. Zu ihrem grossen Erstaunen sahen sie den ganzen 
Snake River über eine senkrechte Wand von 198 Fuss 
Höhe sich hinabstürzen. Diese Höhe übertrifft demnach 
die des Niagara-Falles um etwa 38 Fuss und das Volumen 
des Flusses soll dem des Niagara mindestens gleichkom- 
men. Die Wassermasse stürzt in einer kompakten Schicht 
wie gegossenes Glas ohne Unterbrechung bis auf den Grund 
der Tiefe, dort setzt dann der Fluss schäumend seinen Weg 
fort und fällt innerhalb der nächsten 7 Engl. Meilen noch 
um 700 Fuss über eine Reihe von Kaskaden und Strom- 
schnellen. Wir müssen natürlich die Bestätigung dieser 
Nachricht abwarten, ehe wir ihr vollen Glauben schenken, 
bemerken übrigens, dass der untere Lauf des Soake River 
von der Stelle an, wo ihn der Weg von Fort Hall nach 
dem Fort Walla-Walla verlässt, noch so gut wie unbekannt 
war und in so fern recht wohl ein dem Niagara -Fall 
würdiges Seitenetück bergen konnte. 



Aufhabmen in dar KalUömiaofaan Bierva Nevada. 

Die Berichte des Fr. Deutschen Hochstiftea in Frank- 
fürt a. M. vom 10. Januar 1864 enthalten folgende Mit- 
theilung: — „Ein Brief des Herrn EarlJ. Hoffmann, Mem- 
her of the Geological Survey of the State of California za 
San Francisco, an dessen Vater, Herrn Fabrikant Hoffmann 
hier, wird vorgelegt Derselbe enthält eine gedrängte Über» 
sieht der Ergebnisse einer von Herrn Hoffinann in Ver- 
bindung mit den Professoren Whitney und Brewer im 
Laufe des Sommers 1863 ausgeführten Forschungsreise in das 
Kalifornische Schneegebirge (Sierra Nevada) im Gebiete 
der Landschaften (Countp) Tnolnmne, Mariposa und Gala- 
veras. Die Reise ging von Stockton am San Joaquin- 
Flusse zunächst nach Knighfs Feny am Stanialaus-Fluaae, 
Chinese Camp, Monteznma, Jamestown, Shaws flat, Spring- 
üeld, Sonera und Columbia , Städtchen im hügeligen Vor- 
lande des Schneegebirges im Thale des Stanislaus-Flnases, 
von dort (nach einer, unterbrechenden Rückkehr bis nach 
San Francisco und zum Mount Diablo, um Vorräthe und 
Pferde zu holen) nach Big Oak flat im Tuolumne-Thale, 
welches schon 4000 Fuss über der Meeresfläche liegt Von 
hier aus wurden die Marmorquellen (Marble Springs) be- 
sucht und in deren Nähe eine grossartige Grotte, in wel* 
eher drei mächtige Ahorn-Bäume wachsen und ein tiefer 
See sich befindet. In einem 7000 Fuss hohen Gebirgs- 
thale wurde eine Gruppe der Kalifornischen Riesenbäume 
(Sequoia gigantea) besucht, der mächtigste Stamm zu 
23 Fuss im Durchmesser gemessen (also etwa 70 Fuss 
Umfang). Nun ging's in das To Semite -Thal (Thal des 
„Grauen Bären" — auf einer beigefügten Karte ist Yo 
hamite geschrieben), welches als die wunderbarste und 
grossartigste Gegend der Welt beschrieben wird. Gleich 
beim Eingange hat man zur Linken den 3517 Fuss hohen, 
äusserst steilen („senkrechten") Abhang des „El Capitan", 
während zur Rechten der Wasserfall Bridal Peil (undeut- 
lich geschrieben) sich 1100 Fuss hoch herabstürzt Weiter 
in der Mitte der Länge des Thaies ist der To Semite-Fall, 
welcher sich, ohne die Felsen zu berühren, 1550 Fuss 
hoch herabstürzt, hier auf eine Felsenplatte auftrifft, von 
welcher er wieder 1100 Fuss weiter ins Thal fällt. Es 
wird ausdrücklich bemerkt, dass diese Höhenangaben mit 
Messwerkzeugen genau ermittelt, die Höhen selbst von 
Herrn Hoffmann und Prof. Brewer erstiegen sind. Im Hinter- 
gründe des Thaies befinden sich noch zwei sehr wasser- 
reiche Wasserflille von 800 und 400 Fuss Höhe. Einer 
der Bären, nach welchen das Thal benannt ist, wurde er- 
legt und lieferte angenehmes Fleisch. Herr Hoffinann nahm 
die Karte des bisher nur sagenhaft bekannten Thaies auf 
und bestimmte genau die Lage. Nunmehr wurden meh- 
rere der höchsten Gipfel des Schneegebirges bestiegen, 
zunächst ein 11.000 Fuss hoher mit herrlicher Rundschau, 
welcher von den Professoren Whitney und Brewer unserem 
Landsmann zu Ehren Mount Hoffmann genannt wurde. 
Von hier wurde ein bisher unbekannter See, „Lake Tenaja" 
(letzteres Wort der Name der Indianer), entdeckt. Man 
stieg in das Quellthal des Tuolumne-Flusses hinab, wo- 
selbst man sich 10.000 Fuss über dem Meere befiand. Das 
Hochgebirge ringsum ist mit ewigem Schnee und Eise be- 
deckt. Die höchste Spitze wurde bestiegen, 13.500 Fusa 
hoch befunden, durch eine Steinpyramide und das auf- 



Notisen^ 



71 



gepflanste Sternenbanner des i^ord^Amerikattiachen fiondee 
beseichnet nnd Moont Dana genannt Aussicht auf den 
Mona-See. Ifnr 80 Fuss minder hoch ward ein benach- 
barter Gipfel gefunden^ den man Mount Lyell taufte. Yen 
ihm entspringen die Flüsse San Jcaquin, Tuolumne, Mer« 
oed und Owen's River. Die Berge Dana und Lyell sind 
die höchsten Spitsen des Sohneegebirges nächst dem im 
Jahie 1862 Ton Herrn Hoffinann zu 14.440 Fuss Höhe 
bestimmten Mount Sbasta. In diesem Hochgebirge ver- 
weilten die Reisenden 10 Tage, mit Forschungen beschäf* 
tigt Durch die auf schartigen steilen Schieferpfaden mit 
Biatspuren von den verwundeten Füssen der Lastthiere be- 
zeichnete Blutschlucht — „Bloody Ca&on-' — stieg man aum 
Mono-See hinab» lagerte unter den Indianern, besuchte die 
umliegenden Alten Feuerberge (Old craters of Yolcanos 
oach der Karte) und die Inseln im See, deren eine noch 
einen thätigen Feuerberg trägt. Das Wasser des See's ist 
antrinkbar, ohne Fische, überhaupt ohne Thiere mit Aus- 
nahme einer Unzahl kleiner Würmer, welche die Indianer 
trocknen und essen (vermuthlich sind es Maden einer 
Fiiegenart). Die ganze Gegend ostwärts ist eine vollstän- 
dige Wüste. Man besuchte die noch auf keiner Karte an- 
gegebenen Silbergruben im Esmeralda-Distrikt (wohl Mono 
Diggings auf der Karte) und die Stadt Aurora, welche aus 
niedrigen Häusern mit vier Wänden von losen Steinen 
and übergespannter Leinwand und aus Zelten besteht, gleich- 
wohl ein strömendes, rastloses Leben umschliesst, Spielhaus 
an Spielhaus, überall Musik, unmässige Preise. Die Silber- 
groben wurden untersucht und sehr reich befunden. Auf 
dem Bückwege wurde das Schneegebirge ungefähr 60 Eng- 
liache Meilen nördlicher überschritten, um die Stadt Mur- 
phys am nördlichsten Arme (North fork) des Stanislaus- 
Flasses zu erreichen. Hier schliesst der genauere Bericht 
Herr HofFmann hat eine Karte nach seinen Aufnahmen in 
Arbeit, dieselbe erscheint mit der vollständigen Bericht- 
erstattung im Auftrage des Staates im nächsten Frühling.^' 



Die Humboldt-Stiftung. 

Der „Königl. Preussische Staats-Anzeiger'' vom 30. Ja- 
nuar 1864 enthält einige Angaben über den Stand der Hum- 
boldt-Stiftung für Naturforschung und Beisen nach dem Be- 
richt, den Herr Trendelenburg in der Sitzung der Akademie 
d^ Wissenschaften vom 28. Januar darüber erstattete. 

Am 1. Januar betrug ihr Kapitalvermögen 48.800 Thlr. 
Zn Stiftungszwecken sind für 1864 2150 Thlr. verwendbar. 
Im vorigen Jahre hat die Humboldt-Stiftung nach der sta- 
tatenmässigen Bestimmung der Akademie der Wissenschaf- 
ten mit dem Ertrage zweier Jahre von zusammen 3569 Thlr. 
den Dr. Beinhold Hensel, der wissenschaftlichen Welt 
dnrch zoologische und paläontologische Arbeiten bekannt, 
ausgerüstet und nach &Uid- Amerika entsandt. Er über- 
nimmt eine Durchforschung des südlichen Brasiliens und 
der Pampas -Formation in den Argentinischen Staaten für 
den Zweck, fossile Überreste, insbesondere von Säugethier- 
Skeletten, aufzusuchen, und es knüpfen sich an seine 
Sammlungen und Beobachtungen Ho&ungen für wichtige 
wiBsensohaftliehe Fragen, namentlich über den Anschluss 
der jetzt lebenden Thierwelt an die untergegangene. Es 
wird dankbar die Förderung erkannt, welche Dr. Hensel 



fiir seine Beise sowohl bei Privaten, namentlich bei angese- 
henen Handelshäusern iu Hamburg und Bremen, als auch 
besonders bei den Preussisohen Behörden und durch diesel- 
ben bei der Brasilianischen Regierung gefunden. Für den £r^ 
folg der Stiftung bedarf es weiterer thätiger Theilnahme. 

Dr. Hensel, bisher Lehrer der Naturwissenschaften an 
der Berliner Handelsschule, hat seine Einschiffung nach 
Süd-Amerika bereits im September 1863 von.Havre ans 
bewerkstelligt. 



Herrn, v. Schlagintweit's Bkalenrädohen. 

Vielfache Veranlassung, die Länge krummer Linien, wie 
Flüsse, Beuten u. s. w., in Plänen und Karten zu messen 
oder Kurven durch den Ausdruck ihrer Länge in geraden 
Linien zu vergleichen, führte Herrn Herm. v. Schlagintweit 
auf die Konstruktion eines kleinen Instrumentes, das er 
unter dem Namen „Skalenrädchen" in DingWs Polytech- 
nischem Journal (erstes Oktoberheft 1868, Bd. CLXX, S. 1) 
beschreibt und abbildet Es ist in der Pariser Akademie 
von General Morin und in der British Association von 
Herrn Lockyer als neu und durch seine Form und geringen 
Dimensionen praktisch nützlich gerühmt worden und hat, 
wie der Herausgeber des Polytechnischen Journals hinzn- 
! fügt, wesentliche Vortheile vor Elliofs Perambulator oder 
Opisometer, bei welchem statt der Theilung des Bades die 
Fortbewegung desselben längs einer Schraube und das 
Wiederzurückdrehen auf einem Maassstabe angewendet wird. 

H. V. Schlagintweifs Instrument ist ein Bädchen, das 
sich um eine Achse dreht, zur Führung einen kleinen Stiel 
oder eine nach Art der Karabinerhaken gekrümmte Feder 
hat, wodurch es mit Bequemlichkeit an einer übrkette u. s. w 
angebracht werden kann, und dessen Umfang durch radien- 
förmig eingetriebene Stahlspitzen, die nur wenig vorzuste- 
hen nöthig haben, getheilt ist. Dimensionen und Eintheilung 
sind je nach dem Gebrauche verschieden. Für das Zollmaass 
beträgt der Umfang 2 Zoll, wobei die Zahlen 0, |, \, |, 
I» H» H> If ober den Spitzen im Bädchen eingravirt sind 
nnd überdiess der An&ng (0) und die Hälfte des Umfangs(l) 
durch doppelte, neben einander stehende Spitzen unterschie- 
den wird. Für das Französische Maass wählte v. Schlagint- 
weit 3 oder 5 Gentimeter mit 6 oder 10 Punkten, wobei die 
ganzen Gentimeter von den halben durch doppcdte Spitzen 
I unterschieden sind. Für die topographischen Maasse auf 
jenen Karten, welche nach Meilen zu messen, aber im Ver- 
hältniss von 1 : 100.000 oder in Theilen dieser Proportion 
konstruirt sind, ist als Einheit diä halbe Geographische Meile 
zu Grunde gelegt, wobei der Umfang des Bades 1,87 Par.Zoll, 
der Durchmesser 5,2S Par. Linien sind. Es ist dabei für 
die Deutsche Geogr. Meile nach Bessel der Werth von 
3807,S8 Toisen angenommen. Für jene Karten, denen das 
Verhältniss 1 : 144.000 oder Multipla davon zu Grunde lie- 
gen, ist der Umfang von 2 Zoll, in 12 Theile getheilt, die 
Grösse, welche zum Gebrauche am bequemsten ist. Der 
ganze Umfang entspricht dann einer Duodecimal-Meile oder 
24.000 Fuss, der einzelne Theil 2000 Fuss, nnd das Skalen- 
rädchen ist zugleich das absolute Maass eines ZoUes, von 
2 zu 2 Linien getheilt; der Anfang und die Mitte erhalten 
dabei Doppelspitzen. 

Dnrch Fortrollen des Bädchens über eine gerade oder 



72 



Literatur. 



krumme Linie kann . dasselbe sonach unmittelbar als Maass 
für sie gebraacht werden and überdiess ist die Linie doroh 
die Marken, welche das Instrument in der Form von feinen 
Funkten hinterlässt, ihrer ganzen Länge nach getheilt Auch 
zur raschen Herstellung grösserer Llüigenma^sse lässt sich 
das Skalenrädchen leicht anwenden, indem man es längs 
einem Lineale über einen Fapierstreifen fortführt. 



Geographisclie Literatur. 

Vorbericht. 

Einer gefälligen Mittheilung des Vorstandes der Topo- 
graphischen Landesvermessung in Kur -Hessen verdanken 
wir die erfreuliche Nachricht, dass ein aus der trigono- 
metrischen Vermessung des Kurfürstenthums während der 
Jahre 1840 bis 1855 hervorgegangenes Ver%e$chnü» der 
Oeographuchm Längen und Breiten sämmtlioher trigono- 
metrischen Funkte (2060) so wie deren absoluter Erhebung 
über dem Meeres - Sphäroid und der Höhen der interes- 
santesten geometrisch bestimmten Funkte des Landes ver- 
öffentlicht worden (81 Seiten gross Format) und für den 
Freis von % ^l^- durch das Topographische Bureau des 
Kurfürstl. Generalstabes in Kassel so wie durch alle Buch- 
handlungen zu beziehen ist. 

Der Österr. Konsul v. Hahn, der durch seine „Albane- 
sischen Stadien" und seine „Reise von Belgrad nach Salo- 
niki' bereits so viel für die Kenntniss der Türkei gethan 
hat, wird der Wiener Akademie der Wissenschaften einen 
Bericht über eine neue Reise erstatten, die er mit Unter- 
stützung dieser Körperschaft im vorigen Jahre von Skutari 
aus unternommen hat. Er verfolgte den Drin und seine 
Arme aufwärts bis Frisrend und Ochrida und fuhr dann 
den Wardar hinab nach Salonik. So viel aus seinen vor- 
läufigen Nachrichten hervorgeht« ist der Drin nicht schiff- 
bar, dagegen erüediren wir das geographisch interessante 
Factum, dass dieser Fluss seit vier Jahren wieder sein 
altes Bett eingenommen hat. Er sendet gegenwärtig vor 
seinem Eintritt in die Küstenebene etwa zwei Drittheile 
seines Wassergehaltes in nordwestlicher Richtung dem aus 
dem Gebiete von Fulati, vom Dorfe Kiri kommenden 
gleichnamigen Flusse zu, der hart bei der Stadt Skutari 
in die Bojanna fällt. Marine - Lieutenant v. Spaun und 
Dr. Szekely begleiteten v. Hahn, Ersterer führte zahlreiche 
Fositions-Bestimmungen aus, welche der Karte der Türkei 
sehr zu Statten kommen werden. Letzterer nahm viele 
photographische Ansichten auf. Der durch seine Reisen 
in Serbien verdiente F. Kanitz, welcher in der Wiener 
Geogr. Gesellschaft über v. Hahn's Reise berichtete, er- 
wähnt auch, dass Dr. Kiepert in diesem Jahre eine neue 
Ausgabe seiner vortrefflichen Karte der Türkei erscheinen 
lassen wolle, welche die vielen seit 1858 dort ausgeführten 
geographischen Arbeiten aufnehmen wird. 

Der berühmte Russische Akademiker K. E, v, Baer 
hat eine Fortsetzung seiner ausgezeichneten „E'aspüchen 
Studien" angekündigt. Er stellt noch drei Artikel in Aus- 
sicht, von denen der erste die Wolga, der zweite das Delta 
der Wolga und die allgemeine Frage der Delta-Bildungen, 
der dritte die Fischereien des Kaspisohen Meeres zum Ge- 



genstand haben soll. Der erste Artikel wird von zwei 
Karten begleitet sein, welche die bedeutenden seit einem 
Jahrhundert mit dem Laufe der Wolga bei Astrachan vor 
sich gegangenen Veränderungen vor Augen fähren sollen, 
und dem zweiten Artikel wird eine Karte von einem Theil 
des Wolga-Delta's beigegeben werden. 

Herr Nicolai v. Seidlitz schreibt uns aus Tiflis, dass er 
einige Exkursionen im Niederen Kartalinien gemacht habe 
und aus seinen Notizen eine Abhandlung für die „Oeogr. 
Mittheilungen" zusammenstellen wolle. 

Stabskapitän Stehnittky, im Sommer 1863 mit der Trian- 
gulation am Kuban und in Tschemomorien beschäftigt, hat 
gleichzeitig viele interessante statistische Daten von dort 
mitgebracht, auch die Topographie der Halbimel Taman, 
dieser geologisch ausserordentlich interessanten Gegend, 
studirt Er wird einen Aufsatz darüber schreiben, den 
uns Herr N. y. Seidlitz in Deutscher Übersetzung mitzu- 
theilen versprach. 

Nicclaus V. Chemikow hat sein Memoire über die Ethno- 
graphie von Pereien beendet, es wird in dem „Reoueil des me- 
moires" der Fariser Geogr. Gesellschaft veröffentlicht werden. 

Die Bearbeitung der Geographie von Chiwa und Buchara 
für die Russische Ausgabe von C. Ritter's Erdkunde ist 
von der Kaiserl. Russ. Geogr. Gesellschaft Herrn Grigoriew 
übertragen worden. 

Die Sibirische Sektion der Kaiserl. Russ. Geogr. Gesell- 
schaft hat im vorigen Jahre die 6. Lieferung ihrer M^ 
moiren herausgegeben, die unter der Redaktion von 
A. Sghibnew eine Reibe von Artikeln enthält, von denen 
in geographischer Beziehung besonders die neuen Unter- 
suchungen Kaschin's und Budogowsky's über die Quellen des 
Argun hervorzuheben sind. Die Fortsetzung dieser werth- 
voUen Memoiren der Irkutzker Gesellschaft, die seit 1858 
durch ungünstige Umstände unterbrochen waren, wird für die 
Geographie Nord-Asiens sicher von grossem Nutzen sein« 

Aus der Hinter - Indieehen Halbinsel werden wir bald 
mehrere Reiseberichte erhalten. Mr. Barker, der im J. 1856 
von Amarapura am Irawaddi südöstlich bis Moukmay 
(Mok-me) in den Schan-Staaten von Birma ging, will eine 
ausführliche Beschreibung dieser Reise herausgeben und 
ausserdem sind dort eine Anzahl neuer Expeditionen im 
Gange. So ist Dr. F. Marfels im September von Rangun 
den Irawaddi aufwärts nach Magive gegangen, um die 
Schan-Staaten zu besuchen und den Me-khong zu über- 
schreiten. Die Lieutenants Sconoe und Watson, welche 
den Salwin-Fluss zu skizziren haben, wollten den Irawaddi 
bis Mandalay hinaufgehen und von da auf einer der Kara- 
wanenstrassen den Salwin erreichen, um an diesem zunächst 
aufwärts vorzudringen und ihn dann abwärts bis zu den 
Stromschnellen zu verfolgen, welche nur 80 Engl. Meilen j 
oberhalb Maulmein die Schifffahrt sperren. Der Amerika- ' 
nische Geistliche Bizby wollte im Dezember von Tongbu 
nach Kiang-Hung am rechten Ufer des Me-khong (22^ N.Br.) 
aufbrechen. Endlich beabsichtigte der römisch-katholische 
Bischof Bigandet, nach Mandaleh zu gehen und sich von 
dort nach Bhamno zu begeben; sein Zweck ist, die von 
diesem Handelsplatz nach Fenang führende Strasse wieder 
zu erschliessen , wodurch den Französischen Friestero in 
Yünnan die Möglichkeit geboten würde, sich über Birma 
in regelmässigen Verkehr mit Europa zu setzen. 



Literatur. 



78 



Bei Didot in Paris wird eine neae Ausgabe von Mareo 
Polo' 9 Reuen gedruckt, welche der Sinolog Pauthier yer- 
amtaltet. Sie ist nach den Manuskripten revidirt, mit 
zahlreichen Erläuterungen versehen und besonders war 
der Herausgeber im Stande, mit Hülfe von Chinesischen 
Berichten die Lücken des Textes auszufüllen und den Sinn 
dunkler Stellen aufzuklären. 

Yen einem Deutsehen Geologen, Dr. Alpham Stühel, 
steht eine wichtige Arbeit über die Imeln de» Chiinen Vor- 
S$hirge» zu erwarten. Er besuchte dieselben in der ersten 
Hälfte des Jahres 1863 sämmtlich mit einziger Ausnahme 
der sehr kleinen flachen Insel Majo und hat gründliche 
Forschungen angestellt. 

Die Schweizerischen Gelehrten Desor und Eseher v. d, 
Linih, welche zu Ende vorigen Jahres von einer wissen- 
Bcbaftlichen Reise nach Algerien und der Algerischen Sa- 
hara zurückgekehrt sind, werden wohl unzweifelhaft ihre 
Beobachtungen niederschreiben. 

Lejean erwähnt in seinem Aufsatz über Galabat, der 
kürzlich in den „Nouvelles Annales des Yoyages" publicirt 
wurde, er habe im Mai 1862 auf dem Französischen Gene- 
ralkonsulat in Alexandria unter den Papieren des 1860 zu 
Chartum verstorbenen Maltae Skiuen und Notizen gefunden, 
die sich auf seine mit Vayssi^re ausgeführten Reisen be- 
zögen und weit werthvoUer seien, als was er darüber pu- 
blicirt habe. Eine sorgfältige Bearbeitung dieser Aufzeich- 
nungen würde eines Tages die Geographie der ganzen auf 
der Karte der Gebrüder Poncet dargestellten Region bedeu- 
tend aufklären, sicherlich habe Niemand jene Länder besser 
gekannt als Malzac. Das Konsulat versprach, für die Auf- 
bewahrung der Papiere zu sorgen, und so ist zu hoffen, 
dass sie Yerwerthung finden. 

Über die Smytho^sehe Mimon nach den Vitt- Inseln er- 
wartet man noch eine weitere Publikation, J. H. und 
J. Parker in Oxford und London kündigen ein Buch von 
der Frau des Oberst Smythe: „Ten months in the Fiji 
Islands", mit Karten und Illustrationen an. 

Die Buchhandlung von Tross in Paris hat einen Wie- 
derabdruck der ersten Ausgabe von Jtuques Cartter's Reue 
nach Canada, Hochelaga, Saguenay u. s. w. (1535 und 1536) 
veranstaltet. Diese Ausgabe von 1545 ist ausserordentlich 
selten, vielleicht nur in dem einzigen Exemplar des Bri- 
tischen Museum noch vorhanden, von welchem die neue 
Ausgabe ein Fac-simile ist. Der um die Geschichte der 
Geographie hoch verdiente D'Avezac hat eine historische 
Einleitung über die ältesten Reisen nach Ganada und über 
die von Jacques Cartier im Besonderen beigefügt. 

Martin de Moussy, der im vorigen Sommer nach Frank- 
reich zurückgekehrt ist, beabsichtigt ausser der Vollendung 
seines grossen Werkes über die Argentinische Republik 
die Herausgabe eines Spezial- Atlas über die einzelnen zu 
ihr gehörigen Staaten, und zwar soll der Atlas aus 30 Kar- 
ten bestehen. 

Eine aus 27 Personen bestehende Expedition, welche 
unter Leitung eines jungen Deutschen von der Peruanischen 
Regierung ausgeschickt wurde, um eine kommerzielle Ver- 
^ndungslinie zwischen Lima und dem Amazonen- Strom zu re- 
kognosciren, ist nach sieben Monaten nach Lima zurück- 
gekehrt Sie war mit den nöthigen Instrumenten und 
Mitteln hinreichend ausgerüstet und über die Karten, Pläne 

Petermann'a Geogr. Mittheilongen. 1864, Heft II. 



und Berichte, in denen ihre Resultate niedergelegt sind, 
hoffen wir in einiger Zeit Näheres berichten zu können. 

Der statistisch - kommerzielle Theil des Novara-Werkes» 
mit dessen Ausarbeitung Dr. K. v. Scherzer, der Verfasser 
auch des allgemeinen Reiseberichtes, beauftragt ist, soU bis 
Ende Mai d. J. im Buchhandel erscheinen. 



EUBOFA. 
Deutachland, Preuasen und Österreich. 

Battonn, J. 0.: örtUche Beschreibimg der Stadt Frankfurt a.M. Ans 
dessen Nachlass hrsg. von L. H. Euler. 2. Heft. 8^. Frankfurt a. M., 
Sauerlander, 1863. 1| Thlr. 

Jiger, A.: Über das Bhatbche Alpen-Volk derBreuni oderBreonen. 8^, 
90 SS. Wien, Qerold's Sohn, 1863. 70 kr. 

Leist, A.: Ungarische Heilquellen. (Das Ausland 1863, Nr. 51, 
SS. 1215 — 1218.) 

Knrze BwohreibunK der Sohwefelbitder Ton Ofen , des Kurortes Fflred mH 
seinen aisenhsItiRen Säaerlingen, des berühmten Mebadls mit den schvefelbal* 
tigen Herkaie« • Bädern, des Tlel besuchten Eisenbadea Bartfsld , der Gtfmdrer 
Bäder Nagy Röeze, AJnscskö and Joschvs, der siten Tfaermeo von TepUts bei 
Trentsebin, des Bchlammbsdes Pöstyen oder Pöateny, der Kurorte Skleno aod 
VihoTl unweit Sohemnlts , des bekannten Tatra-Bades Schmeks, des Schwefel- 
badea Stabna. dea Kurortea Parad mit seinen Säuerlingen, aalpeter- and eiaen- 
haltigen Quellen , der Thermen ron Baimoca und Bellcz , der Säaerlinge von 
Neu-Lablao, Szalatnya, Sallgull, Taratacha, Llpotz, Herbany, Bchomod, Unghrar. 
Szobrans. Beide letzte Orte besitzen auch Schwefelquellen, eben ao Wolfs bei 
Oedenburg. Auch Slawonien, Kroatien und Slebenbttrgen haben sahlrelcbe 
Schwefelquellen und Säuerlinge anfcnweiaen , doch kommt nur der Bonzeker 
Säuerling In Slebenbflrgen zur Yeraendung. Die Ungarischen Salpeterqnellen, 
welche zur Bereitung dea Salpeters dienen, sind berllhmt und eben ao faat 
einzig dastehend aind die Ungarischen kupferfUhrenden Cementquellen. 

Notizblatt des Vereins ffir Erdkunde su Darmstadt und des Mittel- 
rheinisehen Geologischen Vereins. Hrsg. Ton L. Ewald. 3. Folge, 
2. Heft, Nr. 13—24. 8^ 184 SS. Darmstadt, Jonghaus, 1863. 

In sehr rtthmenswerther Erkenntniss einer Hauptaufgabe Qeographiacher Ver- 
eine ist in diesem nNotlzblatt** das Grossherzogthum Hessen fast auaaehlieaslicli 
Gegenstand der Betrachtung, wozu der Umstand wesentlich beiträgt, daaa die 
Zeitachrlft zugleich Organ der Groaaherzoglichen Centralatelle fUr die Landes- 
Statistik and des Mlttelrhelnlschen Geologischen Vereins ist. Die genannte 
Centralstelle lieferte für das vorliegende Bändchen allein 37 Artikel, darunter 
die meteorologischen Beobachtungen an den Tersehledenen Stationen dea Gross- 
herzogthums mit graphischen Darstellungen , die Ergebnisse der Volkszählung 
Ton 1861, eine Uebersieht des Flächengehalts und der Areal- Verthellung nach 
Kulturen, Artikel über die Bewegung der BevtflkeruQg, Telegraphen- undEi* 
senbahnTerkehr, Produktion und Konsumtion, Gewerbe-Statistik, Handel, Post- 
Terkehr, Steuerwesen. Ausserdem enthält das Heft kurze geologische, eben- 
falls meist auf das Grossherzogthum bezügliche Korrespondenzen, Nachrichten 
aber die Angelegenheiten der beiden Vereine und der statistischen Gentrsl- 
stelle, bibliographische und literarische Notizen und einige anderen Publikatio- 
nen entnommene meist statistische Mittheilungen. • 

Ruthner, A. ▼.: Berg- und Gletscher -Reisen in den österreichbohen 
Hochalpen. 8^ 431 SS. mit 1 Karte und 6 Chromolithographien. 
Wien, Gerold's Sohn, 1864. 4 Thlr. 

Dieses erst ror wenigen Wochen der Oeifentllohkeit ttbergebene Werk ent- 
hCt, ohne Zweifel als 1. Band und Vorläufer noch anderer BICnde mit IKhn- 
lichen Schilderungen desselben Verfassers, nur Jene Bergfahrten, die derselbe 
in der Kette der Hohen Tauem unternommen hat Der grössere Theil der in 
das Buch aufgenommenen Abhandlungen ist im Laufe der letzten zwanzig 
Jahre thells in Wiener Zeitungen und thells In den Mlttheilungen der K. K. 
Geographischen Oeaellachaft bereite veröffentlicht worden. Hier erscheinen 
diese Aufsätze gesammelt, nach dem natürlichen Zusammenhange der behan- 
delten Stoffe geordnet und durch kleine einleitende Zusätze sehr glücklich un- 
ter einander verbunden. Hierdurch ao wie durch die Behandlung einea orogra- 
phisch abgegrenzten Alpen-Gebietes erhält daa Buch einen aelbatatändigen Cha- 
rakter, der ea zu touristischem Gebranch als Führer und Rathireber wie nicht 
minder für wissenschaftUcIie Zwecke verwendbar macht. Wa:» der Verfasser, 
der gegenwärtig unter den Berg- Touristen In den Ost -Alpen entschieden den 
ersten Rang einnimmt, bloss In diesem Theile der Alpen geleistet hat. das 
zeigt schon der Index des Buches. Ausser einer Anzahl hoher Joch-Uebergange, 
wie z. B. über die Pfandel-Scharte, die Kaiser und Krimmler Tauem, über daa 
Joch zwischen Virgen und Sankt Jakob in Defereggen am Lusenhom vorüber 
und andere mehr, hat er, wie gesagt, bloss in den Tauem den Hoohalpenspitz 
10.631, den Ankogel 10.291, den Brennkogel 9540, den Kloben 9365, die Bock- 
kaar-Scharte bei 9400, einen hohen Schneesattel zwiacben Kaprun und Paaterze 
beiläufig 9600, den Johanniaberg 11.166, die Oedenwinkel-Scharte laOSO, den 
Groaaglockner 18.011, daa Grosse Wiesbachhom 11.318 und den Grossvenediger 
11.628 W. F. hoch erklommen. Von der Mehrzahl dieser Höhenpunkte ist un- 
seres Wissens bis zum Erscheinen der Arbeiten Riithner's eine Ersteigung 
noch niemals publicirt worden. Wer selber dem Alpenkultus anhängt oder an- 
gehangen hat, der wird diese liSlstungen in ihrem vollen Umfange zu würdigen 
wissen. Aber der Verfasser hat diese Bergfahrten nicht bloss vollbracht , er 
hat sie auch in einer Weise beschrieben , die ihm sicher den Beifall des grös- 
seren Publikums wie auch den des Kenners der Hoehalpen gewinnen wird. 
Wenn Je aus einem Werke Liebe zur Sache, Hingebung an dieselbe, Treue 
und Wahrheit schon sns der Darstellung zu entnehmen sind, so ist dless hier 
der FalL Der Schreiber dieser Zellen hat mehr als ein Mal Gelegenheit ge- 
funden , die Richtigkeit der topographlsehen Bzpoe4s , die man m9ehte sagea 

10 



74 



Literatar. 



üi^ 



budgniflleli« VMntindllehksit d«r beBcbrfabenen Wege , die SeUr 
thdk in alpinen Dingen nnd die plaettBche Kraft der DarsteUong Im Allgemet- 
ID sa erkennen. Und Uerln llMt der Werth dea Baebea aoeh fllr den Oeo- 
aphen. Im Uebriffen bildet die Kfibnhelt mancher Unternehmungen dea Ver« 



aen sa erkennen. Und hierin liegt der Werth dea Bacbee aoeh fllr den Oeo- 

leiül 

bachho'ma nnd den Uebergang ana dem Kapmner Thale nach der Paeterse aof- 
merksam machen, einen wohltboenden Gegenaati zu der Rnbe nnd Mtaelgang 
in der Behllderang, die oirgenda eine Gefahr oder Mfibaal fibertreibt, am den 
Yerftwaer darch Ihre Bealegung In einen mit Recht verachmübten Nlmbua zu 
kleiden. Daaa ea Ihm dabei nicht an Jenem feineren Naturgeflihle gebricht, 
daa in letxter Inatana wohl der Grund der waghalsigen und beaohwerilohen 
liuat all' dieser Bergwandernngen ist. diese beweist ausser dem poetischen 
Hauche^ der, ohne Irgendwie die Objektlyltttt «der Anschauungen an beeintrSch» 
tigen, ttber allen Schilderungen liegt, inabeaondere auch der »Streifaug diee- 
nnd Jenseits der Tauem", In welchem der Leaer wohl manche AusfOhrungen an- 
treffen wird, die ihm, wenn er dem beeagten AIpen*KuItas obliegt, ein stülea 
Bergweh, eine Behnsnobt nach den Herrlichkelten der Alpen weit au erwecken 
geeignet sind. Den Behluss bildet eine In kaltorblstorlscher Bedehnng inter- 
eesante nnd unter Benntanng amtlleher Daten rerfaaate Abhandlung Aber die 
TauemhÜnaer. Die AusstattunR des Werkee ist schön und wttrdig, Druok und 
Papier tadeUoe nnd die artiatlschen Beilagen, 6 an der Zahl, so wie die beige- 
gebene Uebersichtskarte dee GIockner-QebletM in hohem Grade löblich. 

8. 9. /. 

Schwab, ErftsmiLB: Die Theist und das TheiBS-Land. (Das Ausland 
1863, Nr. 52, SS. 1225--1230.) 

Eine lesenswerthe hydrographische Abhandlung, sum Thell nach Baron 
Veceey's »Beltrfige sur Geschichte der FlUsse nnd Sümpfe Ungarns" (Peath 
1854} und £. ▼. Fasettrs Begleltschrlft aar Flusskarte der Thelss. 

Simon, E.*. Kouveau guide gön^ral du yoyageur en Allemagne et dana 
leslltats autricMens. 18°, 670 pp. mit einer Bouten - Karte, Stadte- 
plänen und Holzechnitten. Paris, Garnier, 1864. 

Streffleur, V. : Die Vermessungs- und anderen topographischen Arbei- 
ten in Österreich. IV. Über die geographischen Karten im Allgemei- 
nen und insbesondere die General- und Übersichtskarten zu milita- 
rischen Zwecken. Mit 2 Karten. (Österr. Militärische Zeitschrift, 

1863, 4. Bd. SS. 329—350.) 

Dieaer Aufsatz enthält In Verbindnng mit einer Kritik der Oeaterr. General- 
stabs • Karten sehr viel Belierzigenswf rthes Ober die beim Kartenaeichnen sa 
beachtenden Prinzipien und Zwecke überhaupt, besonders auch ttber die so 
hüuflge Beelntrfichtlgong der Wahrheit durch die Rttokalcht auf das gefiOlige 
Aenasere, die »Harmonie der Zelehnang'^ 

Sulz, Beschreibung des Oberamts -~, hrsg. von dem Königlich 

Statistisch-Topographischen Bureau. 8^ Stuttgart, Aue, 1863. I^Thlr. 

Vitiani, Prof. Rob. de: SuUa yegetazione e sul clima dell' isola diLa- 
croma in Dalmazia. 8*^, 18 pp. und 1 Karte. Triest, Coen, 1868. 

Das Ragus« gegentiber liegende Inselchen Lacroma erfreut sich eines für 
seine geographische Breite ausnehmend warmen und glelrhmässlgen Rllma's, so 
dass viele PiBanzen dort gezogen '•werden können , welche an anderen Orten 
unter gleicher Breite nicht im Freien aushalten. Hierüber berichtet ausfiihrllch 
das Scfariftchen des um die Flora von Dalmatlen hoch verdienten Profeaaor 
de YIsianL 

WQrttembergisohe Jahrbücher für Taterlandische Geschichte, Geogra- 
phie, Statistik und Topographie. Herausgegeben von dem Königlich 
Statistisch-Topographischen Bureau. Jahrgang 1862. 2 Hefte. 8^. 
Stuttgart, Aue, 1863. ä 24 Sgr. 

Karten« 

Preuaaen, Karte über die Produktion, Konsumtion und Girkulation der 
mineralischen Brennstoffe in während des Jahres 1862. Her- 
ausgegeben im Königl. Preuss. Handels - Ministerium. 2 Bl. Chromo- 
lith. mit 7 Bogen Text in 4^ Berlin, Geh. Ober-Hofbuchdruckerei, 

1864. If Thlr. 

SchwelB. 

Heer, Prof. 0.. Die Urwelt der Schweis. 1. Lfg. %% 48 SS. mit 8 

Tafeln. Zürich, Schulthess, 1864. } Thlr. 

Dieses auf 12 Lieferungen mit Beigabe von 1 geol. Karte, 10 lithogr. Tafeln 
und zahlreichen Holzschnitten berechnete Werk verspricht eine Zierde der natnr* 
wissenschaftlichen Literatur zu werden. Die Idealen Darstellungen vorweltlicher 
Landschaften wie überhaupt die Ausstattung sind ganz vorzttgllcb und die Bear- 
beitung konnte In kelnea Besseren Händen sein, denn Prof. Heer verbindet mit 
gründlichster Kenntniss eine sehr anziehende nnd klare Diktion. 
Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft GraubÜndens. Neue 
Folge, VUI. Jahrgang (1861—1862). 8» 804 SS. Chur, Hits, 1868. 

Fttr uns der wichtigste Aufsatz dieses Jahrganges Ist die geognostische und 
landschaftliche Beschreibung des vom Rambach darchflosaenen Münsterthaies 
an der Ostgrenze des BOndner Landes von Prof. G. Theobald. Sehr reich sind 
die naturhistorischen Beiträge. So finden wir zoologische Mittheilungen über 
den Bastard-Hasen und die einheimischen MÜuse von Hauptmann Tb. Conrado, 
eine systematisch geordnete Uebersicht der Vögel GraubÜndens von Oberrt H. 
T. Balis, Beitrüge zur Coleopteren • Fauna des Ober • Engadins von Lieutenant 
L. V. Heyden, eine Arbeit über die BUndner Algen von Dr. Ch. Brflgger. Dann 
giebt Ingenieur Fr. v. Balis Beiträge zur Geschichte des Bflndnerischen Berg« 
banwesens nnd auch die meteorologischen Beobscbtungen sind wieder ziJlilreidi 
vertreten. 
Roth, A., und £dm. t. Fellenberg: Doldenhom und Weisse Frau. 8^, 
86 SS. mit 1 Karte, 11 Farbendruckbildem und 4 Holzschnitten. 
Goblenz, Baedeker, 1863. 

Das Doldenhom (11.227 Par. F.) nnd die Weisse Frau oder die Centralepitze 
der Blttmlisalp (1U70 Par. F.) gehören zn dem weniger besuchten, an der 



Kaoder gelegenen Theil der Bemer Alpen und Ihre Gipfel waren Ua znm Früh« 
Sommer 188t noch von keines Menseben Fuss betreten worden, wfihrend daa 
11J98 Fnaa hohe BlfimUaalphom im Jahre 1860 von dem bekannten HanptUe». 
terer dea Londoner Alpenklubs, Lealle Stephen, erstlegen worden IsL Die leben- 
dige Schilderung der am SO. Juni nnd 2. Juli 1862 gelungenen Erateignng der 
beiden Gipfel und der vorauagegangenen roiaslongenen Versuche bildet den 
Inhalt der vorliegenden Schrift, die sich ganz besonders durch die Beigabe ron 
11 sehttnen, die Gruppen dea Doldenhom und der Blümlisalp In Ihren einseinen 
Theilen und von verschiedenen Seiten darstellenden Chromolithographien ans- 
zeiebnet. Diese Bilder geben vortreffliche Ansehauungen von der Natur jener 
Hochgipfel und tragen nebst dem Text und der Im Maassstab von 1 : 50.000 ge- 
aelchneten Karte zur Spezlalkenntnlas der beiden Gruppen sehr wesentlich beL 

Slmler, Dr. B. Th.: Der T5di- Russin und die Exkursion nach Ober- 
sandalp. Beschreibung der am 80. Juli 1861 Ton Stachelberg aua 
unternommenen Ersteigung. 8^, 67 SS. mit 1 Karte und 4Aii8iebten. 
Bern, Haller, 1863. 1 Thlr. 4 Sgr. 

Der Yerfaaser, Docent der Chemie und Mineralogie an der Universität in 
Bern nnd Aaalatent bei der Bemer Meteorologlachen Centralatation, ist una als 
Mineralog durch seine Abhandlung »Das Bunsen'sche Gesetz der syntaktiseben 
Qeatelnsblldnng, angewendet auf die metagenen Schiefer (Venrueane) dea Kan- 
tone Glaraa" (Bemer Mittheil., SItanng vom 28. Deabr. 1861), als eifriger För- 
derer der physikalischen Geographie durch seine zahlreichen Temperatar-Mes- 
snngen von Quellen, Buchen, Flüssen nnd stehenden Gewäasem in den Alpen 
(Bemer Mittheil., Sitzung vom 22.Novbr. 1862), als rüstiger Bergsteiger durch 
seine K£rpfstodt-Erstelgung und andere Fahrten In den Glaraer Alpen beksnn^ 
die er seit mehreren Sommern durchwandert, um sur LOsung der petrologiachen 
nnd geologischen RXthsel beizutragen. In dem neuen, hübsch ausgestatteten, 
mit farbigen Ansichten des Tödl und einer ansdracksvollen HöhenscUchteB- 
Karte der Tödl-Grappe im Mst. von 1:50.000 geschmückten Schrifteben erzählt 
er die bedeutendste seiner bisherigen Gebirgsrelsen , die Ende Juli 1861 mit 
Herrn Kaufmann Sand aus St Gallen und dem Führer H. Eimer aua EUm aus- 
geführte. Besteigung des Tödi- Gipfels, und seine vorausgegangene Kxknrsion 
nach Unter- und Ober - Sandalp. Die Schrift und die Karte sind Inabeeonders 
denen zu empfehlen , welche selbst ihre Schritte dem Imposanten Hauptstock 
der Glaraer Berge zuwenden wollen, aind aber überhaupt TerdlenatHehe Bei- 
träge zur nfiheren Kenntniss der Alpen. 

Studer, G., M. Ulrich, J. J. Weilenmann, H. Zeller: Berg- und Glet- 
scher-Fahrten in den Hochalpen der Schweiz. 2. Sammlung. 8^, 
3fi4 SS. mit 8 Abbildungen. Zttrich, Schulthess, 1863. 1| Thlr. 
Diese Fortsetzung der im Jahre 1859 erschienenen ersten, 10 Berebeateignn- 
gen des Kleinen nnd Grossen Windgellen, des Oberslpstockes, des Kreojzlisto- 
okes, des Mont Velan, des Grand Combln, der Gkmml nnd des Grossen Bin- 
derhoms, des Tödi, Monte Rosa und Monte Generoso schildernden Sammlung 
enthfilt wiederum 11 Reiseberichte: 1. Daa Wlldhom und der alte Qletacher- 
pass über den Gelten grat von G. Studer, 2. Die Besteigung der Dent du Midi 
von G. Studer, 3. Der Gang über das Lauteraarjoch von G. Studer, 4. Nach- 
trag zum Grand Combln Im Wallis von G. Studer, 5. Das Saasgrat im Wallis 
von M. Ulrich (der AllalinpsRS, der Gassen riedpass, der Adlerpass, der Weiss- 
thorpass, Ersteigung des Allalinhorns durch E. L. Arnes, Ersteigung des Domes 
durch J. L. 8. Davles), 6. Die Diablerets von M. Ulrich, 7. Dw Glärniseh von 
M. Ulrich , 8. Die Klariden von M. Ulrich, 9. Nachtrag zum Tödi von M. Ul- 
rich, 10. Streifereien In den Bemer und Walliser Alpen Ton J. J. Weilenmann 
(Nach der Steinbergalp, Ueberden Tschingeltritt nnd Lötschenthalgrat nach dem 
LÖtsobentbal, ImLötachenthal, Ueber den Lange- und Aletach • OleUcber nach 
Vieaoh, Nach dem Simplon-Hosplz, Ersteigung des Monte Leone, Hinab nach 
den Alpen und über den Simplon nach Tnrtman), 11. PIz Tschlerva im Ober* 
Bngadin von H. Zeller. Es Ist bei dem Niederschreiben dieaer MiUbeilangcB 
weniger auf Unterhaltung als auf Belehrang abgesehen gewesen nnd aie sind 
abermals sehr willkommene BeitrSge zur Detallkenntniaa der Alpen, die in ' 
neuester Zeit durch die wetteifernden Anstrengungen der Schweizer, Oeeterrei- 
ober und Engländer so rasch zunimmt 

Ttohudi, Iwan: Schweizerfahrer. Reisetaschenbuch. 5. Aufl. 8^ 
388 SS. mit 1 Karte, 4 Stadteplänen und 9 Gebirgs-Panonunen. 
St. Gallen, Scheitlin & Zollikofer, 1863. 

Dass Tschndrs »SchwelzerfUhrer** trotz der gefXhrllchen Konkurrenz eines 
Blideker nnd Berlepsoh binnen 8 Jahren 5 Auflagen erlebt hat, ganz besonders 
aber der Umstand, dass er bei den Schweizern selbst vorzugsweise in Gebrmnch 
ist, ist der sprechendste Beweis fttr seine Zuverlässigkeit nnd ZweekmIlssIgkeiC 
Wir entsprechen daher der Bitte der Verlagshandlung , die neue Auflage auch 
In unserer Zeitschrift anzuzeigen, um so lieber, als diese Auflage auf das Sorg- 
fUtigste umgearbeitet und bedeutend vermehrt worden iat, ancb durch die Bei- 
gabe von Stüdteplänen und orientlrenden Gebirga-Panoraroen den wachsenden 
Ansprüchen gerecht zu werden sich bemüht. Besonders die Dentaehen Ton- 
rieten machen wir darauf aufmerksam , dass hier auch die hauptaachlicheren 
Routen beigefügt sind, mittelst deren sich auch der ungeübtere Schweizer- 
Reisende augenblicklich znrecht finden kann ; wer sich aber für die Topogra- 
phie der Alpen spezieller interessirt, wird mit Freuden die wichtigen Bereiche- 
mngen erkennen, welche das Buch den bewährtesten Kennern des Schweizer- 
Landes und seiner Hochgebirge durch Mittheilung Ihrer neuesten Entdeckungen 
nnd Forschungen verdankt 

ICarten. 

Dufour, Topographische Karte der Schweix. 1:100.000. Nr. XTITI 
Domo d'Ossola, Nr. XXY. Höhenangaben. 
S. »Geogr. Mitth." 186S, S. 479. 

Dänemark , Schweden und Norwegen. 

Agardh, 0. A., och C. £. Ljnngberg: Försdk tiU en statsekonomisk 
Statistik öfver Sverige. 8°, ÖOO pp. Stockholm, Rüs, 1863. 

Edlund , £r. : Meteorologiska lakttagelser i Sverige , utgifna af Kongl. 
Srenska Yetcnskaps - Akademien. 3. Bd. 1861. 4<', 158 pp. Stock- 
holm, Norstedt, 1863. 5 rdr. 
Sind im Jahre 1861 auch keine neuen Beobachtunga-Stationen an den 25 be- 
stehenden (a. »Geogr. Mltth.» 1861, S. 182, Nr. 11, nnd 1868, S. 76) hlnzugekom- 



Idteratur. 



75 



ntD, 10 boMoft dodi dw TorUeg«ode, die BeobMhtungen des «»nxen Jthgm 
1881 «nthmltead« dritte Band ein erfrenllchM Forterbelten, du In eintr Reih« 
Ton Jahren hOehit MhSUentwertbe Reanltate ranprioht 

Laplaml, A spring and Bummer in . With notes on tbe famui 

of Lnlei Lapnuurk'. Bj an oldBnshman. 8®, 418 pp. London, Groom- 
bridge, 1863. 10| s. 

finthUt Tiel Zoologlachtik 

Statistik, Bidrag tili Syeriges offloiela . A. Befolknings - Stati- 
stik. Nj fSljd. 2. 1. Statistiska eentral-byrins nnderdäniga berfit- 
telM för ären 1856 med 1860. Afd. 1, innebäUande folkmangdens 
nunmariska belopp, ingängne och upplöste äktenskap, födde, aflidne, 
Tteeinerade, nt-ocb inflyttade. l^, 122 pp. Stockbolm, Korstedt, 1863. 

Sverlge, Historiskt-geografiskt ocb atatistiskt Lexikon dfver -, 

af G. Thom^, Y. 6. Granlund oeb ike 0. Wim Hammar. 42. — 50. 
Heft (bia „Lotb"). Stockbolm, Eide. 

Tabdvaerk, SUtiatisk. Tredie Raekke. Forste Bind, indeboldende 
Tabeller orer Folkemaengden i Kongeriget Danmark, Hertogdömmet 
SlesTig, Holsteen og Lauenborg den Iste Februar 1860. Udgiyet af 
det statiatiake Bureau. 4^ 512 pp. Kopenhagen, Gyldendal, 1863. 

8 Bdr. 48 aa. 



Erdmann, A.: Sreriges Geologiaka UndersÖkning, pä offentlig bekost- 
nad utford. 1 : 50.000. Stockholm, Bonnier. k Bl. 2 Rdr. 

Bis 1863 sind 10 Blatt pobllcirt vorden, Jede« mit einem Heft Erläuterungen 
TOD den Teraebledenen Geologen, welche die betreffende Sektion auiisenommen 
haben. Dieee ErjJEuterungen enthalten anter Anderem Profile und sahireiche 
HÖhenangaben. iJber die Karten b. »Oeogr. Hltth." 1863, B. 465. 

Generaistab, Kdnigl. Dinisoher: Topograpbiske Kaart over Danmark. 
1.80.000. BL 9: Roeskilde, 17: Kalumborg. Kopenhagen 1863. 

Kjerulf, Tb.: Übersichtskarte der Qlacial - Formation am Christiania- 
Fjord. 1863. Mit Erlinterungen, SS. 619 — 639. (Zeitschrift der 
Deutschen Geol Gesellschaft, Bd. XY, 1863, Heft 3, Tafel XVII.) 
Ein wichtiger Beitrag für die so interesaanten Untersuchungen Über die 



Mansa, J. H.: Körre-Jylland. 1:160.000. Bl. 6, 7 und 8. Kopen- 
hagen, Baerentzen, 1863. 2 Thlr. 
8. nGeogr. lOtth." 1863, 8. 46&. 
Sverige, Topogr. Corpaena Karta öfrer . 1:100.000. Bl. 15 
und 16. Stockhobn 1862. 2^ Thlr. 
8. »Qeogr. Ultth." 1863, 8. 466. 

Sohleswlg , Holstein und Iiauenburg. 

Durohttich der Holsteinischen Landenge xwischen Ostsee und Nordsee. 
8^ 72 SS. mit 1 Karte. Schleswig, Heiberg, 1863. 

Behandelt in gründlicher Weiie da« interessante Projekt eines Sehifbkanala 
doreh Holstein, das freilich hei den jeUigen poUtisohen Btttrmen gana in den 
I&Btei^grand gedrängt wird. Wir gedenken darauf sorttekankommen. 

ReVBiltlow, Arthur Graf zu : Über Marschbildung an der Westküste des 
Henogthums Schleswig und die Mittel aur Beförderung derselben. 
4^ 70 SS. mit 9 Karten. Kiel, Akademische Buchhandlung, 1863. 

Der Gegenstand dieser Sehrift ist sowohl Ton wissensehaftUohem als gana 
bssonders andi Ton hohem praktischen Interesse und wird hier in sehr spe- 
zieUer Weise erörtert Der Verfasser bekleidete von 1850 bis 1860 das Amt 
eines Oberdafchgrafen für den ersten Sohlesvig'schen Deichband, schon dadareh 
hatte er Gelegenheit, das Detohwesen grOndllch kennen zu lernen. Ausserdem 
«ar er Voraitaender der Kommission, welche seit 1859 die Verhftltnisse der 
Schleswig^ehen WestkOate nüt Rtteksicht anf die Befördemng der MaraebbU- 
dang an nntersnohen und darauf beatlgliche VorschUtge an machen hatte und 
veiehe an dem Zweck die ganae in Betracht kommende Kttstenstreoke nebst 
den daan gehörigen Inseln und Halligen bereist hat. Eine sehr dankenswerthe, 
das Yerstikidnlss wesentlich erleichternde Beigabe sind die in Farbendruck 
soigefflhrten Karten, deren Veraeichnlss wir hier geben: 1. Karte über die 
VerSndemngen des Friedrichenkooga - Vorlandes (Neuer Friedriehenkoog) in 
diesem Jahrhundert, 2. Karte über die Veränderungen des Vorlandes vor der 
Wiedingharde in diesem Jahrhundert, S. Karte Ober die Veränderungen der 
Voriindereien vor dem Blnmenkoog, dem Fahretofter Koog, dem Julianen- 
Marienkoog, dem Dagebüller Koog und dem südlichen Ende des Marienkoogi 
in diesem Jahrhundert , 4. Karte Über die Veränderungen der Vorländerelen 
Tor den Renssen-Koegen in diesem Jahrhundert, 6. Karte Über die Vorlände- 
reiea ror den Kirchspielen Uelyesbttll, TetenbüU und Osterhever mit dem vor 
den letatgenannten beiden Kirchspielen im Jahre 1861—68 angelegten Lahnungs- 
System, so wie Ober den neu eingedeichten Tomlauer Koog, 6. Karte Ober die 
Veränderungen des Nordstrander Vorlandes seit dem Jahre 1804, so wie Ober 
den neu eingedeichten Simonsberger Koog, 7. Karte und Nivellement vom 
Blomenkoog, 8. Ausschnitt aus der Tom Generalstab herausgegebenen Karte 
des Uersogthnms Sehleswig unter Hervorhebung des Maaabflller Deichs und 
des (Jotteskoogs-Deiches, 9. Carton aus einem im Jahre 1633 bei Henrious Hon- 
dloa an Amsterdam erschienenen Kartenwerk. 
Karten* 

Bromme, T.: Karte Yon Sohleswig-Holetein und Dänemark. Chromo- 
lith. Stuttgart, Kraia & Hoffmann, 1863. 18 kr. 

Engelhard, F. B. : Karte tou Schleswig, Holstein und Lauenhurg nehst 
den angrenzenden Landestheüen. Lith. Berlin, Sohropp, 1863. f Thlr. 

Handtke, F.: Karte yon Holstein, Lauenburg, Schleswig und den an- 
Kreaxenden Landestheilen. Lith. Glogau, Flemming, 1863. 

} Thlr., auf Leinw. 1^ Thlr. 



, mars 1863. Brüssel, 
. 1 feuille. Brüssel, 



Petermaniiy A.: Karte tou Süd- Schleswig, Holatein und Lauenburg 
und den umliegenden Gebieten. 1:750.000. Kebat Übersichtskarte 
der Dänischen Monarchie. 1:1.500.000. Ghromolith. Gotha, J.Per- 
thes, 1863. ^ Thlr. 

Petermann, A.: Spezialkarte von Süd -Schleswig im Haaasstab Ton 

1 : 150.000. Chromolithogr. Gotha, J. Perthes, 1864. 12 Sgr. 

Hit Plänen der Umgegend von Schleswig und Missunde in 1 : 75.000 und einer 

ethnographischen Skizae von Schleswig nach Deutschen und Dänischen Quellen 

in 1:1.500.000. 

Petermann, A. : Spezial- Karte von Nord-Schleswig im Maaasatab Ton 

1 : 150.000. Lith. Gotha, J. Perthes, 1864. \ Thlr. 

Mit einem Plan der Düppeler Htthen und Umgegend in 1 : 76.000. 

Sohiflsr, M. : Karte der Herzogthümer Schleswig und Holstein. 

1 : 900.000. Berlin, Abelsdorff; 1863. { Thlr. 

Wir haben hier nur einige der zahlreichen Qelegenheitskarten aufgeführt, 

die meist vorhandenen Kartenwerken entnommen kaum unter die Hterariachen 

Novitäten geaähh werden können. Die beste Karte der Herzogthümer ist die 

Geera'sche, die freilich aneh im Preise bedeutend höher au stehen kommt 

Niederlande und Belgien. 

Driesen, M.-F.: La position d'Atuatuca itablie par des preures topo- 
graphiques. Mit 1 Karte. (Bulletins de TAcad^mie royale de Bel- 
gique, 1863, T. XY, Nr. 3 und T. XVI, Nr. 8.) 

Der Verfasser vertheidlgt gegen Grandgagnage (s. »Qeogr. MlttheiL" 1868, 
8. 386) die Identität von Cäsar^ Atuatuca mit Tongres. 

Jaarboek, Statistisch, voor het koningrijk der Nederlanden. 10*enll* 

jaargang. Uitgegeven door het Departement yan Binnenlandache 

Zaken. 8^, 4, 173, 477 und 3 pp. 's Gravenhage, ran Weelden en 

ICingelen, 1863. 3^ fl. 

Karten. 

Belgique, Carte topographique de la , ler^e par ordre du gou- 

Temement. 1:40.000. 1. Lfg. Bl. 4: Blankenberghe, 11: Oost-Dun- 
kerke, 19: Furnes, 27: Proren, 36: Ploegsteert. Brüssel, 1863. 
S. »Geogr. Mitth." 1868, &467. 

Belgique, Carte des chemins de fer de - 
van der Maelen, 1863. 

Belgfque, Carte des voies narigables de la 
Tan der Maelen, 1863. 

Belgique, Nouvelle carte de la , contenant les noms de toutes 

les communes du royaume, arec Tindication des chemins de fer, 
routes, canaux etc. 1 feuille. 1:300.000. Brüssel, Tan der Maelen, 
1863. 

Fassbender: Nieuwe kaart Tan het koningr^k der Nederlanden. 
1:430.000. Amsterdam, Loman, 1863. 11 Thlr. 

8. »Geogr. Mitth." 1868, 8. 466. 

Fehse, C: Gemeente-Atlaa Tan de proTinoie Groningen, in 6S kaarten. 
8. u. (f. Lfg. k 6 Karten. Groningen, Oomkens, 1862 — 63. k 30 o. 

Friesiand, Allgemeene kaart Tan de proTincie , uit kadastrale 

en andere officiele bescheiden op een schaal Tan 60.000 op 1 aamen- 
gesteld tot op 1. JTanuarij 1860. üitgegeTcn op last der Staten Tan 
Friesland. 4 BL Kpfirst. Leeuwarden, Eckhoff, 1863. 6 fl., kolor. 8 fl. 

Hainaut, Carte des ooncessions houillöres de la proTince de et 

de la partie ouest de la proTince de Namur ; de la proTince de Li6ge 
et de la partie est de la proTince de Namur, 2 fenüles. 1 : 100.000. 
Brüssel, Tan der Maelen, 1863. 

Topographische en militaire kaart Tan het koningrijk der Nederlan- 
den. 1:50.000. Nr. 63: Sluis, 54: Neuaen, 55: Hülst, 56: Hcren- 
thals, 57 : Yalkenswaard. 's GraTcnhage 1863.; k 2| fl. 

OroBS-Britannien and Irland. 

Black's Guide to Scarborough, Whitby, and Harrogate. 9^, 62 pp. mit 
Karte und Planen. Edinburgh, Black, 1863. 1 a. 

Black's Handbook for Kent. 18^ mit Karte. Edinburgh, Black, 1863. 1 s. 

Black's Picturesque Guide to South Wales, Monmouth, and Hereford 
Schires. 8°, mit Karte. Edinburgh, Black, 1863. 2| a. 

Brackett's DescriptiTc illustrated Hand-Guide to Tunbridge Wells, and 
the neighbouring towns, seats, and riUages. 12'*, 142 pp. mit Karte. 
Tunbridge Wells, Brackett, 1863. 1 a. 

Bruce, Rot. J. Collingwood: A Handbook to Newcastle-on-Tyne. 8^, 
298 pp. mit Karten und Planen. London, 1863. 5 a. 

Chambers's Handy Guide to the Kent and Sussezcoaat 12<>, 178 pp' 
mit Karte. London, Chambers, 1863. 1 s. 

Coke, Ch. A.: Census of the British Empire, with its colonies and 
foreign possessions, 1861. Part L England and Walea. 8^ 115pp. 
London, Harrison, 1863. 1^ a. 

Coke hat es nntemommen, den Inhalt der dibken Folianten, welebe in unab- 
sehbaren Tabellen die Resultate der letzten Britischen Volksalhlnng Torftthren, 
dem PnbUknm rerständlicher, angängUeher und schmackhafter au machen, eine 
gana ▼erdienstliobe Arbeit, die wir anch Geographen und Statlatlkem anaser- 

10» 



76 



Literatur« 



balb Eoi^ds empf«ble& , fftllt sie nicht den Censoe mit eilen Detaila gebnn- 
ehen. Er giebt nicht nur einen Aassug der Zahlentabelleni eondern stellt Yer' 

Sleichungen mit früheren Jehren an, fttgt Raisonnements bei und bringt schon 
nrch die Art der Zosammenstellnng Leben in die Zahlenmasse. Dem ersten 
Bindohen Ober England nnd Wales sollen zwei andere fiber Schottland und 
Irland und ttber die Kolonien nnd sonstigen auswiütigen Besitzungen folgen. 

Croston, J.: Buxton and its resonrces; with exeorsions to Haddon, 
Chatsworth, Castleton, Matlock, and Boye Dale. 8^, 64 pp. mit Karte. 
Manchester, Slater, 1863. 1} s. 

Edmonds, B.: St. Michaers Mount and the Phoenicians. (Edinbnrgh 
New Phüosophical Journal, Oktober 1863, pp. 173—181.) 

Nach der Ansicht des Verfassers kann es keinem Zweifel unterliegen , dass 
die Mountsbajr in Comwall der Hafen war, wo die Plidniaier das Zinn holten; 
die von Diodorus erwähnte Insel »Iktin" (t4k" Ist dss Comische Wort fUr 
Hafen , »tln" nannten wahrscbeinlich die Phönizier das Metall) könne nur der 
Mount sein, welcher der Bai den Namen giebt Der Verfasser glaubt an der 
Mttndung des Flusses, eine halbe Engl. Melle nördlich vom Mount, den Fiats 
anfgefhnden zu haben , wo das Metall in die backtrog&hnliohen Formen gegos- 
sen wurde. Ein solcher hier abgebildeter Zinn-Block wurde vor längeren Jah- 
ren am Eingang des Falmouth-Uafens vom Meeresboden aofgeilscht Der Name 
Britannien, Engl. Britein, rUhrt wahrscheinlich von Jener Insel Iktin her: Bre- 
tinik, Brettanike bei Diodorns, Baratanak, d.i. Zinnland, im Phönizischen und 
HebriUschen. 

Le Lievre's Guide to Quemsey. 8^ 209 pp. mit Karte. Gnemsey, Le 
Lievre, 1863. 2| s. 

ICartexi. 

Sootland, North and East Coasts with the Orkneys and Shetland, from 

the snryeys of Commanders Slater, Otter, and Thomas, J 863. 3 BL 

London, Hydrogr. Office, 1863. (Nr. 2397.) 74 s. 

Grosse, schöne Uebersichtskarte im Maassstab von etwa 1 : 400.000, mit vielen 

Spezialplfinen. 

Frankreich. 

Ari^e (1*). Division administr., monuments histor., Etablissements in- 
dnstriels, stations thermales, mines, carriäres, sites, grottes, legen- 
des etc., avec le tablean des communes, indiqnant, par lettre alpha- 
b^tiqne, lenr population et leur distance da chef-Iieu de canton, 
d'arrondissement et du d^partement. 1*8°, 278 pp. Foix, Pomiöa, 
1863. 24 fir. 

Creuly, G^n^ral: Carte de la Gaule sous le proconsulat de cisar. 
Examen des obsenrations auxquelles cette carte a donnE lieu en Bel- 
gique et en AUemagne. 8°, 100 pp. Paris, Didier, 1863. 2} fir. 

Dumont, A., et L. Richard, ingönieurs: Paris port de mer; canal ma- 
ritime de Dieppe & Paris, proposS par £. SabatiE. Projet et memoire 
justificatif. 4% U7 pp. mit 1 Karte. Pans, Plön, 1863. 

Duval, £. : La France sous NapoUon lU, ou renseignements instructifs 
et curieux sur les d^veloppements commerciaux et industriels des 89 
d^partements de Tempire fran9ais et de ses colonies. 12*^, 336 pp. 
Paris, Rome, 1863. 

Qarrigou, Dr. F. : Memoire sur les caTemes de Lherm et de Bouich^ta, 
Ari^ge. (Bulletin de la Soc. g^ol. de France, 2* sErie, Tom. XX, 
pp. 305—320.) 

Weitere Details ttber die Höhle von THerm oder Lherm, im Departement 
Artige, die kürzlich von Pouech beichrieben wurde (s. wGeogr. Mitth." 1863, 
S. 115). Dr. Qarrigou glaubt sich überzeugt zu haben, dass auch die ddrtigen 
Knochenfunde die gleichzeitige Existenz des Menschen mit den Thleren der 
Tertiärzeit beweisen. 

Lowth, G. T.: The Wanderer in Western France, ülustrated by Bliot 
Torke. 8^, 360 pp. London, Hurst & Blackett, 1863. 6 Thhr. 

Piet, Fr.: Recherches topographiques , statistiques et historiques sur 
rtle de Noirmoutier (d6part. de la Yend6e), publikes et annot^es par 
Jules Piet, son fils. S^, 746 pp. mit 1 Karte. Nantes, impr. Y* 
Mellinet, 1863. 

Rousset, A. : Geographie du Doubs; topographie, statistique, admini- 
stration, histoire, etc. 18^, 160 pp. Paris, Dupont, 1863. 

Aridge, Atlas du däpartement de 1' 17 Bl. Paris, impr. lith. 

Lemercier, 1863. 

France itin^raire. Chemins de fer. Paris, Delalain, 1863. 

Vat, L. : Atlas d^partemental physique, politique, historique et com- 

merdal; avec le traee de toutes les lignes de chemins de fer, plus 

une carte speciale pour TAlg^rie. 4^, 100 pp. et 70 cartes. Paris, 

Alexandre, 1863. 12 fir. 

Spanien und FortugaL 

Anuario estadistico de Espana, publieado por la Junta general de Esta- 

dfstica. 1860—1861. 4<>, 930 pp. Madrid, imprenta Nacional, 

1862 — 63. 
Rico, D. Pio R.: Guias madrüenas de ferro - carriles. De Madrid i 

Bilbao, por Yalladolid, Burgos y Miranda. 16^, 20 pp. mit 1 Karte. 

Madrid, Moro, 1863. 1 r. 

Nach nnd nach soll eine voIlstiCndige Sammlung Ton RelsehandbQchem fBr 

alle Spanischen Elsenbahnen erscheinen. 



Sulllvail, W. K., and J. P. O'Reüly: Notes on the geology and mine- 
ralogy of the spanish proTinces of Santander and Madrid. 8*^ mit 
18 geologischen Karten und Profilen. London, Williams & N., 
1863. • 10 8. 

Vega y Arguelles, D. Juan Lasso de la: Anales de la marina militar 
de Espana. Guadro sinöptico di?idido en ocho ^pocas. 1. bis 6. Lig. 
FoL Madrid, Lopea y Duran, 1862. k Lfg. 3 reales. 

Jede dieser trotz der Jahreszahl lüßi erst £nde 186S aasgegebenen Liefe- 
mngen ist 16 Selten stark. Das ganze Werk, für die Entdeck ungs-Gksebichte 
beaohtenswerth, wird die Geschiohte der Spanischen Marine in acht Perioden 
▼orflihren: 1. Snanisch-Phönizlsetae, Spaniseb-Qrieehisohe nnd Spanlsch-Karta- 
ginensisehe Marue (löOO— 400 ▼. Chr.); t. Spanlsoh-Kartas[inensis«he und Spa- 
nisch • Römische Marine (399 Tor bis 400 nach Chr.) ; 3. Ghithische, Arablache, 
Castellanisehe und Aragonische MaMne (401 — 1322); 4. Gastellanisohe, Arago- 
nisehe und Arabische Marine (1888—1491); 5. Spanische Marine, Zeit der Ent- 
deckungen nnd Eroberungen (149S— 1598); 6. Zeit dee Verfalls (1589 — 1700); 
7. die neuere Marine (1701—1805); 8. die gegenwärtige Marine (1805— 186S). 
Ksirtezi. 

Ooello, D. Fr.: Atlas de Espana y sus posesiones de ultramar. 
1:200.000. 6. Lfg.: £spana y Portugal (Ühersichtskarte im Mst. 
von 1:2.000.000), Zamora, Barcelona, Santander. Madrid 1863. 

k Bl. 21 Thlr. 
8. »Geogr. Mitfh." 1868, 8. 468. 

ItaUezu 

Bouvier, Dr. L.: Le Mont Cenis, son histoire et sa T^6tation. 8^ 

32 pp. Annecy, impr. Th6eio, 1863. 
Brainne, Gh.: Monaco et ses environs. 8^, 300 pp. Reuen, impr. 

Lapierre, 1863. 
Pi$a, Statistica della provincia di - • ^^ 174 pp. Pisa 1863. 

3 Thlr. 
Ksurten. 

Badalamenti, Fr.: Carta generale della Sicilia. 4 Bl. 1:264.000. 
Lith. Palermo, Heusser. 6| Thlr. 

B. nOeogr. Mitth." 1868, S. 469. 

Italia, 1863. 4 Bl. Maüand, Ferd. Artaria, 1863. 4^ fl. Ö. W. 

Pozzi, Gius.: Nuova carta geografica, statistica e postale del regno 
d'Italia eseguita dietro quella del Geografo A. Brue. Mailand, Ar- 
taria, 1863. 3( Lire. 

Oriechenland, Türkisches Reich in Buropa und Asien. 

Barth, Dr. H.: Beschreibung einer Beise quer durch das Innere der 
Europäischen TfLrkei Ton Rustschuk über Philippopel, Kilo Monastir, 
Bitolia (Monastir) und den Thessalischen Olymp nach Selanik oder 
Thessalonike im Herbst 1862. Mit 1 Karte. (Zeitschr. fttr A%em. 
Erdkunde, Oktober 1863, SS. 301—368, De«. SS. 457—538, n. ff.) 
Mit dieser Reiae darch die Earopäfsohe Türkei fUgte Dr. Barth das letzte 
Glied in die Kette seiner Wandemngen durch die KOstenliinder des Mittel- 
meeree, die er 1845 begann und nach der Unterbrechung durch die ^osse 
Afrikanische Expedition 1858 In Klein- Asien fortsetste. Er giebt auch diese Mal 
in gewohnter sorgfältiger Weiae eine genaue Routen - nnd Orts - Beschreibung 
neben ylelfach interessanten Beobachtungen fiber staatliche und sociale Erschei- 
nungen und hat durch seine Routen- Aufnahme der Topographie der EuropU- 
sehen Türkei einen wichtigen Dienst erwiesen. 

Bourquelot, F.: Huit jours dans Tue de Candie, en 1861. Moeurs et 
paysages. (Nouv. Annales des Voyages, Sept. 1868, pp. 257 — 322.) 
Nach einigen historischen Notizen beschreibt der Verfasser Canea and eeine 
kleinen Ausflüge in die Umgebung dieser Stadt einschliesslich des berühmten 
Waldes von Platanla and des Klosters Aghia-Triada nnd sehllesst mit Anga- 
ben über Klima, Boden, Produktion, Bevölkerung, Ackerbau, Industrie, Handel, 
Regierung u. s. w. der Insel Gandia. 

Delarue: Voyage au Mont^n^gro. (Revue de TOrient, de l'Alg^rie et 
des colonies, Mai, Juni, September und Oktober 1862.) 

Engelhardt, £d.: Description sommaire du Delta danubien dans son 
6tat actuel. (Nout. Ann. des Voyages, August 1863, pp. 131 — 142.) 
Engelhardt war das von Frankreich ernannte Mitglied der internationalen 
Kommission zur Untersuchung der Donau - Mündungen und hat einen Bericht 
erstattet (»Etudes sur les embouchnres du Dan übe", 4*, 109 pp. Galatz, Thiele), 
der nur in einer kleinen Anzahl Exemplare gedruckt Ist Aus diesem Bericht 
werden hier die beiden ersten, die geographische Beschreibung des Delta's ent- 
haltenden Kapitel abgedruckt. 

Qaudry, Alb. : Geologie de nie d'e Cbypre. (M^moires de la Soc. g6oL 
de France. 2' s^rie, T. VII, Nr. 3, pp. 149 — 314.) Mit 1 Karte 
und 2 lith. Tafeln. Paris, Savy, 1862. 

Das Resultat der im Auftrag der Französischen Regierung in den Jahren 
1853 und 1854 angestellten Untersuchungen zerfällt diese Arbeit in eine Be- 
schreibung der geologischen Formationen der Insel mit kurzen Absdinittea 
ttber die betreffende Literatur, den orographischen Bau und die geologischen 
Vorgänge, in einen die nutzbaren Mineralien und Ihre Ausbeute von Alters 
her erörternden Thell und In ein Verzeichnisa der Fossilien. Sie ist fUr die 
geologische Kenntniss der Insel von hohem Werth , denn vorher war diese 
Kenntniss ausserordentlich gering, aber wir hätten ein reicheres Ergebniss fiir 
die spezielle Orographie und Höhenkunde erwartet. Topographisch ist In der 
That nur die Karte von Bedeutung, sie beruht auf der nnedirten von Mas La- 
trle , über deren Konstraktion Letzterer eine eigene Bchrift veröffentlicfat hat 



'\ 



Literatur. 



77 



(i. hQmct. Mltth.'* 1868, S. 119)» ond bat denaelben Maauitab von 1 :tAO.0OO, 
M aber nar elo Anasag Jonar Kart« , da s. B. nur die too Gaadry und Amd- 
d^ Damonr UXbat besachten Ort« benannt sind, und demlicb Kenerell gehalten. 
DlMdbe Karte dient aneh zur Qrnndlage der »carte agrieole", welche Gandry 
idnen 1865 pabUdrten »Reeherohea aetentiflqQes en Orient" beigefügt hat nnd 
Aber die tleb idioa Dr. Kotachy gttnatig atuspraeh (•. »Oeogr. Hitthdi.'* 186t, 
8.S04). 

Kiepert, Prof. H.: Beitrag zur machriftlichen Topographie Klein- 
Asieos. Hit 1 Karte. (Monatsbericht der Königl. Preuas. Akademie 
der WissennGhalten au Berlin, Juli 1868, SS. 307 -—322.) 

Der Weg, den die Geaaadtscbaft Karl*» V. Im Jahre 1S66 an den damale an 
Amtfia in Klein-Aclen reaidlrenden Sultan Snleiman II. unter Leitang dee Fla- 
miaden Auger Qialen Buabedc nahm and welcher durob eine an Alterthfimem 
reiche Gegend am mittleren Lauf des Sangarlue fUhrte, Ist eelnem gröasten 
Theil nach Ton apliteren Beisenden nicht wieder Terfolgt worden, und da Bua- 
beek's Beriebt in topogr^blsebei' Besiehung sehr mangelhaft ist, erscheint dl« 
«uafiihrliche Beschreibung der Beise von seinem Begleiter Domsehwamm nm 
10 verthTolIer , welche noob nicht TeröfTentlicht in jüemlich guter alter Ab- 
schrift in der Wolfenbattier Bibliothek aufbewahrt wird. Ans dieser Besohrel- 
bong bat Prof. Kiepert alles auf Topographie Bezügliche ausgesogen und kom- 
mentirt, sugleleb machte sie ihm eine Konstruktion der Route möglich, die im 
MusMUb Ton 1 : S.000.000 unter Berücksichtigung der In Jene GJegenden fU- 
lenden späteren Reiserouten beigefügt ist 

Lewin, Th. : The Siege of Jenualem by Titua. With the Journal of a 
recent Tiait to the Holy City, and a general sketch of the topogra- 
pby of Jerusalem, from the earliest times down to the siege. 8^, 
516 pp. mit 17 Plänen, Karten und Illustrationen. London, Long- 
man, 1863. 16 8. 

Für die Topographie des alten Jenualem be«ehtenswerth. 

Perrot, G.: Souyenirs d'un Toyage en Asie Mineure. 8®, 620 pp. 
Paris, Michel I^yy, 1863. 7^ fr. 

Nicht zu Terwecbseln mit dem grossen Werke Ton Perrot und Delbet : »Ex- 
ploration arcb^ologiqae de la Galatie et de la Bithynie etc. en 1861", welches 
in 24 Lieferungen a 2} Tbir. bei Finnin Didot erscheint nnd Ton dem bis Jetzt 
6 Lieferungen ausgegeben wurden. 

Pierotti, Br. Ermette: Jerusalem explored; being a description of the 

ancient and modern city. Translated by the Rer. T. O. Bonney. 

2 Tols. 4*^ mit über 100 Ansichten, Plänen und Profilen. London, 

Bell, 1803. 5 guineaa. 

FQr die Topographie von Jerusalem Ton Wertb. 

Rey, £. -Q.: £tude historique et topographique de la tribu de Juda. 
4S 168 pp. mit 2 Karten und 4 Tafeln. Paris, Bertrand, 1863. 16fr. 
Von einer in dei^ Jahren 1867 und 1858 ausgeführten Reise nach PalSstina 
nnd dem Hanran zurückgekehrt, wurde Rey 1859 von der Französischen R«» 
gierung mit einer archllologisohen Mission betraut, welche das 8tudiam der 
mittt&risehen DenkmiQer der Kreoazüge und die Topographie des Stammes Juda 
zur Aufgabe hatte. Er ging Ton Jerusalem nach Beit-DJIbrin (Elentheropolls) 
und von da nach Hebron, Slph, Karmel, Semoa, Keretein (Kerloth) und Arad, 
deren Umgegend er anftaahm, begab sich dann Ton Öemoa westlich nach Gaza, 
TOD hier südlich über Tell^DJemmah und Kan- Junes an die Küste und folgt« 
dieser nördlich bis Askalon. Nach einem Ausflug zum Tell-el-Faras ging er 
von Askalon östlich über Essauaflr (8chaphir) nach es-Saphieb (Hispab) und 
nördlich nach Ebneh und Ramleh. Diese Routen hat er in dem grossen Maass- 
stab von 1 : 100.000 aaf den beiden KartenbUttem niedergelegt und ihre B«- 
tefareibung findet sieb in dem mittleren UaapttheU des luxuriös ansgesUtteten 
Boches, neben der Topographie aber sind diesem Theil« auch die biblisehen, 
historischen und archftologlschen Forschungen eluTerleibt, die überall als Haupt- 
Bscbc hervortreten und bei mehreren Orten, wie Eleatheropolls, Qaza, Askalon, 
lo aasfübrlichen and umfangreichen Erörterungen Veranlassung nnd Stoif geben. 
Auch die beiden kleineren Abschnitte zu Anfang und am Schluss sind histo- 
riadten Inhalts, Indem der erstere die Einwanderungs-Oeschichte der Phönizier 
■kizdrt , der letztere die biblischen und Assyrischen Texte über Phöniziens 
Geschichte Terglelcbt 

Robledo, D. Alfaro: Diario de uft peregrino en Tierra Santa. 8<^, 
242 pp. mit 4 Chromolithogr. Madrid, Lopez, 1863. 10 rs. 

$chlafll, Dr. Alex.: Reisen in den Orient. Mittheflungen Schireize- 
rischer Reisender. 2. Heft. 8^, 167 SS. mit 1 Karte. Winterthur, 
WoTBter, 1864. 1 Thlr. 

Mit fast zu bescheidener Einführung legt Dr. Schlfifli in dieser Schrift seine 
Reis« Ton Konstantinopel nach Bagdad nnd Bassorah im Jahre 1861 dem Pu- 
blikom Tor. Er fahr im April mit dem Dampfboot nach Alexandrette , folgte 
TOD da der Strasse Über Aleppo nach Diarbekir und fahr den Tigris bis Bag- 
dad, sodann den Euphrat bis Samaaa hinab, kehrte nach mehrmonatllobem 
Aufenthalt In dieser Stadt Ende Februar 1862 nach Bagdad zurück und begab 
sich am 9. Oktober 1862 Ton da über Mascat nach Bombay, um seine projek- 
tirte Reise nach Madagaskar aasznfUhren , die Jedoch leider scheitern sollt«. 
Durch längeren Aufenthalt in der Türkei, durch Reisen an den südlichen und 
östlichen Gestaden des Schwarzen Meeres mit orientalischem Wesen Tertraut, 
var Dr. Schläfli befähigt. Zustände und Menschen rascher und richtiger zu be- 
ortheilen , als die meisten ^s Neulinge In das Land kommenden Reisenden, 
ttliie DÜchterne Anschauung, seine ZuTerlässigkeit, das Gewicht seines Urtheila 
kommen daher seiner Reisebeschreibung Tor Allem zu Gate. Dann aber auch 
idiie Vielseitigkeit A nsaer dem Detail der Reise -Route, das manche wertb- 
▼oUe Notiz zur Verbesserung unserer Karten enthält , schenkt er seine Auf- 
merksamkeit eben so wohl der Physiognomie der Landschaft, den Eigenthüm- 
liehkelten der Wobnstätten, den Naturprodukten und dem Klima, über das er 
fast ununterbrochene Beobachtungen angestellt hat, als dem Menschen, den Ter- 
scUedenen VÖlkereehaften, deren Charakter und Sitten, der BeTölkerungs-Sta- 
tistik, dem Handel nnd Verkehr, den socialen nnd politischen Zuständen, dem 
Hiisionswesen, dem Einfluss Europäischer Mächte im Orient, und zwischen all' 
diesem Material zur Darstellung der Gegenwart windet sich eine Reihe too 
Ustorbchen Nachrichten und Sagen hindurch, die nüehterne Wirklichkeit durch 
den poetiacbcn Btrahlanglana dar Vergangsnhdt ▼«rklärsnd. Einig« Abschnitt«, 



dl« Statistik der Konilschea Volkistämm« de« Dj«b«l T6r und zum Theil dt« 

" . , (18 . , , 

auch mehrere seiner anderen Arbeiten, in den »Qeogr. Mltth." publlcirt worden. 



Reise Ton Bagdad naeh Samaua , sind firühar 



S. 431; 1868, S. 6S), wl« 



auch ist aus an««ren früheren Bespreehungen Sehllfirseher Schriften (s. na- 
mentlich 1863, 8. 119} bekannt, welchen Werth wir denselben beilegen. Di« 
hier belgefligte Karte giebt nur eine Uebersicht seiner Reise-Routen im Orient 
im Maassstab Toa 1 : 12.000.000 ohne speziell auf dl« Reise nach Bagdad bazttg- 
liche Details. 

Schmidt, V.-. Reise i Graekenland, Aegypten og det heilige Land. 8^ 
Kopenhagen 1863. 2| Thlr. 

Sperling, £.: Bin Ausflug in die Isaurisehen Berge im Herbst 186S. 
Mit 1 Karte. (Zeitschrift für AUgem. Erdkunde, Norember 1863, 
SS. 418—438, tt. ff.). 

Der Verfasser, Dragoman d«r KÖnigl. Pr«us8. Gesandtschaft zu Konstanti- 
nopel, reist« Ton Brussa den Rhyndacns aufwärts über Aezanl. Afium Kara- 
biaBar, an den grossen Pisldiscben Soe'n Torhei nach Kenia und Ton da durch 
die Isaurisehen Berge nach AliOa und Adalia. Der Bericht enthält ausser 
einer ausführlichen Wegebeschreibung besonders Archäologisches, namentlich 
über die Ruinen Ton Aezanl , dessen Tempel im Grundrlss auf einem Garton 
der Ton Dr. Kiepert konstrulrten Routen • Karte (1 : 1.SO0.0OO) dargestellt Ist. 
Auf derselben Karte hat Dr. Kiepert das Routier tou A. Schönborn Ton dessen 
sweiter im Jahre 1861 gemachter Reiae durch Isaarien zum ersten Mal in allen 
Details niedergelegt, wie denn auch die Berührungen des Sperling'sohen Reis«- 
wegs mit den Routen anderer Reisender angegeben sind. 

Stfihelin, Prof.: LokaUtät der Kriege Barid's. (Zeitschrift der Deut- 
schen Morgenland. Gesellschaft, Bd. XVU, Heft 3 u. 4, SS. 569— 574.) 

Syrien, Die Sekten in . (Das Ausland 1863, Kr. 40, SS. 957 

bis 958.) 

Notizen über Abstammung, Religion nnd Wohnsitze der Araber, Kurden, 
Nowar, Metawill, Drusen, Nusarie, Maroni ten, Griechen, Jakobiten, Armenier 
nnd Juden in Syrien. 

Texier, Gh. : L' Asie Mineure. Mit 6 histor. Karten und vielen HLuatra- 
tionen. — UniTers Fittoresque; Asie. Tome XII. — Paris, Didot, 
1863. 

Wllton, Rev. Edw.: The Negeb, or „South Country" of Scripture. 8^ 
270 pp. mit 1 Karte. London, Macmillan, 1863. 7| a. 

Beitrag zur Geschichte und Topographie Ton Palästina, Syrien und Arabien 
mit lebensTolIen Beschreibungen. 

Zeiler, J. : Reise tou Nazareth in den Hauran. (Das Ausland 1868, 
Nr. 41, SS. 961—963.) 

Der Verfasser reiste mit 7 Engländern Ton Nazarath direkt östlieh Ober Um 
Keis , Mzerib (zwischen beiden traf er nur die zwei Dörfer Meru und Durra). * 
Derat nnd Museflre nach Bosra und Ton da auf der Westseite des Hauran und 
weiterhin auf der Ostseite der Ledscha nach Damaskus. Er gebrauchte zu dem 
Ritt Ton Nazareth bis Bosra nur 6 Tage. 
Kartell. 

Ile Petali, Qrice. Saumarea, Brock. (Nr. 2001.) Paris, D^pdt de la 
marine, 1863. 1 tt. 

lies Shehlr-Oghlan. Port de Gallipoli, golfe de Kos, Aaie mineure. 
Saumarez, Brock. (Nr. 2017.) Paris, D^pöt de la marine, 1863. |fr. 

Kalergia, £m.; Äthanes et ses enrirons. Paris 1863. 2f Thhr. 

S. »Oeogr. Mlttb." 1863, S. 471. 

iMediterranean Archipelago. Stampalia Island, ancient Astjpalaea. 
Port Maltezana, sutt. by Stokes 1860. 1 : 13.000. London, Hydrogr. 
Office, 1863. (Nr. 387.) 1) s. 

IMer de Marfnara, Ports et mouillage de la - -. Baies de Palatia 
et de Mermerdjck. — Partie sud-est de Tue de Marmara. — Bade 
de Rodosto, rade de SiUTri, rade de Piratos ou Boadas - Buyuk. — 
Chekmjeh. — Qolfe d'Ismid, rade de Qemlik. — lies Saint -Andr^, 
Saint-Qeorges et Mexa. — Isthme d'Artaki, rade de Pacha-Iaman et 
de Kutali. — Rade d'Artaki ou Erdaeck. — Rade de Kemeiis. — 
Gap Manganari. (Nr. 1999.) Paris, D^pdt de la marine, 1863. 1 fr. 

Oppert, J.: Carte des enrirons de Ninive, dress^e d'apris les trsTauz 
de Jones Botta et des obsenrations personnellea. Paris, impr. Char- 
don alnö, 1863. 

Phönicle, Cartes des pays explor^s par la mission de , dressfo 

au di6p6t de la guerre d'apr^s les trayaux de MM. GKlis Nau, de 
Champlouis et Beguin. Paris, impr. lith. Lemercier, 1863. 

Poulain de Bossay: Syrie et Ph^cie, d'apr^s Scylax. Paria, impr. 
Jansen, 1863. 

Poulain de Bossay: Plan de Tyr. Paris, impr. Janson, 1863. 

Stolpe, C: Plan der Stadt Konstantinopel nebst deren nächsten An- 
grenaungen. 1:10.000. ChromoUth. mit 26 SS. Text. Berlin, Neu- 
mann, 1863. 8 Thhr. 
S. »Geogr. Mitth." 1863, 8. 471. 

Yedi-Atala. Port Deremen, golfe de Kos, Asie mineure. Saumarei» 
Brock. (Nr. 2011.) Paris, D^t de la marine, 1883. } fr. 

BuBaiaches Beich in Suropa und Asien. 
Bilder von der Aaiatischen Gfrana« Busslands. (Daa Ausland 1863, 
Nr. 45, SS. 1065—1069.) 

Schlld«rungen Ton Land und L«aten am unteren Ural und im OrenbnrglscbeB 
Gebiet nach dem anonym erschienenen Buche : »L«b«nsbUd«r ans Russland tod 
«lB«m alten V«t«ran«n. Riga 1863." 



78 



literator. 



Bobrawtky: MAtemli^n lur Geographie und Statistik des GouTeme- 
mente Qrodno. St. Petersburg 1863. (In Bussischer Sprache.) 

Compte-rendu de la Soci^ti irap^r. g^ographique de Russie pour 
rannte 1862. RMigd par M. V. B^sobrasoff, seer^Uire de la SoeiitA. 
Tradnit du Busse. S% 153 pp. St. Petersburg 1863. 

Die Jahresberichte der KalserL Ruaa. Gteogr. Qesellsehaft alnd dsa Hanpt- 
organ, weichet das In- und Ausland fiber die grosaarUge Thütigkeit dieser ttber 
reiche Mittel verfugenden Gesellschaft belehrt, and mit Freuden sehen trlr des- 
halb mehr und mehr Flelss auf dieselben verwandt. Wie seit einigen Jahren 
Uebersiehten der von offlslellen Körpersehaften in Kossland , so von der topo- 
graphischen Abthellung des Genemlstabes , der Marine, dem Statlstisehen Bu- 
reau , den verschiedenen Ministerien, ausgeführten geographischen und statlsti- 
sehen Arbeiten dem Berichte aber die eigene Thätigkelt der Gesellschaft bei- 
gegeben werden, so erscheint diess Mal der letztere Berieht selbst In erweiterter 
nnd Ittr die Zukunft viel versprechender Welse, indem er die wissenschaftUehen 
Besaitete eingehender behandelt , reichlicheres Detail mittheilt und fernerhin 
diess in noch höherem Maasse zu thun nnd neben der ofttzlellen such die pri- 
vate ThKtigkelt Busslanda auf geographischem Oebiet mehr au berflekslehtigen 
verspricht Sehr interessant sind schon diess Mal die Andeutungen ans dem 
M^oire des Astronomen Schwartz zu seiner Karte von Ost • Sibirien , worin 
namentlieh ttber die Oeblrgesysteme nnd Wasserscheiden an der SUdgrenze 
Sibiriens ganz neue Aufsehlttsse gegeben werden ; femer die Mittheilungen ttber 
die Arbeiten K. Strnve's , welcher von der Gesellschaft der im Jahre 1861 znr 
Bestimmang der Rnssisch-Ohineslschen Grenze in der Dsungarel abgesehickten 
Kommission als Astronom nnd Meteorolog beigegeben ist, so wie ttber J. Wea- 
lokow's den nordwestlldien Kaukasus betreffende Arbeiten ; die ersten ansfUhr- 
licheren Nachrichten Qber Baer's und Radde's Untersuchungen am Asow*schea 
Meer, welche die Befürchtungen in Betreff einer raschen Abnahme des Wassers 
in diesem Meere mindestens sehr übertrieben erscheinen lassen ; die speziellen 
Nadiweiae ttber Entstehung nnd Inhalt des Geographisch • Statlstlsohen Lexi- 
kons des Russischen Reiches , von welchem bis Jetzt der 1. Band erschienen 
Ist; die Darlegung eines Projektes zur Anstellung ethnographischer und statl- 
■tlsoher Erhebungen im Europ&lsohen Rassland, abgesehen von vielen kttrseren 
Notizen , welche in ihrer Gksammtheit wiederum ein glänzendes Bild von den 
Lebtangen Rosslands fttr unsere Wissenschaft gewXhren. 

Krutenttern , Naufrage du Lieutenant dans les glaees de la 

Her de Kara. Mit 1 Karte. (Le Tour du Monde, 1863, T. YUI, 
Nr. 195, 196, pp. 203—218.) 

FranzMsohe Uebersetznng von Lieutenant Krusenstem's Berieht ttber setne 
Ternnglttekte Erforschungs -Expedition nach der Kordkttste von Sibirien, 1862, 
mit vielen AbbUdangen und einer Knrskarte, auf der aaeh die gemessenen 
Meereetlefen westliofa and östlich der Waigatz-Straase eingetragen sind. 

Maniagr, Der Tungusen- Stamm der — - — am oberen Amor. (Das 
Ausland 1863, SS. 1074—1076, 1108—1110.) 
AoB Mask's Rassischem Werk ttber die Amur-Gegenden. 

Orotsohonen, Die. (Das Ausland 1863, Nr. 40, SS. 946—948.) 
Ans Maak's Rassischem Werk ttber den Amur. 

Polen, Das Königreich . Topographische und statistische Skiz- 

sen. 8^ Leipsig, Fries, 1864. 18 Sgr. 

RadlofT, W.: Kurser Bericht ttber eine im Sommer 1862 unternommene 
BeiB<^in die östliche Kirgisen-Steppe. (Bulletin de TAcadimie imp4r. 
des Sciences de St.-P^tersbourg, T. YI, Nr. 4, pp. 416—420.) 

Im Verfolg seiner ethnogranhiaehen nnd apraehliehen Stadien (aiehe nOeogr. 
Mitth." 1863, SS. 193 und 236) reiate W. Radioff im Sommer 1862 von Bamaal 
durch die Daungarisehen Steppen bia sam laslk-kal, Wemoje nnd Kuldaeha, 
am aieh mit den dortigen Klrgiaen • Stlünmen bekannt zn machen , ttber deren 
Dialekt-Veraehiedenhelten and Stammabthellangen hier EInigea beigebracJht wird. 

Romanow, t. : Die Katarakten der Angara. (Morskoi Sbomik, Juli 1863.) 

Sapiiki (M6moiren) der Kaiserl. Buss. Geogr. Gesellschaft. 1862, 3. Bd. 

8°, 265 SS. u. 2 Karten; 1862, 4. Bd. 8», 316 SS.; 1863, 1. Bd. 

8°, 813 SS.; 1863, 2. Bd. S», 297 SS., 3 Karten und 1 ProfilUfeL 

St. Petersburg. (In Bussischer Sprache.) 

An diesen neueren, unter Redaktion von A. N. Beketow and von 186S an 
anter der von K. N. Bestnschew-RJumin erschienenen Heften ist die reichli- 
chere Beigabe von Karten nnd die voIlztSndIgere Chronik der Reisen zn rtth- 
men. Das 8. Heft des Jahrgangs 1862 wird zum grttssten Theil durch Barbot 
de Mamy's »fCkologlsch-orographlsche Skizze der Kalmücken - Steppe nnd der 
angrenzenden Lünder" aosgeftUlt, welcher eine leider ziemlich dürftige Karte 
mit einigen geologischen Andeutungen beigegeben ist. Ausserdem finden sich 
dsfin die anoh in den »Geogr. MittheUungen" publidrten Angaben R. Sdüaglnt- 
welt*s ttber die Entfernungen zwischen den wichtigsten Städten in den west- 
lichen Theilen des Hlmalaya, Tibets und Central-Aslens, eine Karte der L&nder 
am lasik-knl nnd Syr-Daija mit Benatznng der neueren Anftiahmen nnd der 
Anfang eines ntttzllohen bibliographischen Verzeichniaaes der aof Geographie , 
Ethnographie und Statistik besttgUehen Bttcher und Aufsätze, welche 1861 in 
Rassland erschienen sind. Dieses Verzeichniss setzt sich durch einige der fol- 
genden Hefte fort nnd weist im Ganzen 2144 Nummern auf. Auch das 4. Heft 
dee Jahrganges 1862 enthilt nur Einen grösseren Aufsatz, nämlich »Ueber den 
Kreis Jeniaaeisk nnd daa Leben daaelbat" von Krtwoaehapkin, eine bedeutende 
Arbeit, die im 1. Hefte dea Jahrganges 1868 ihren Abschluss findet, indess nur 
der Vorläufer eines selbstatändigen Werkes ist. welches unter Ssemenow's Re- 
daktion publldrt werden solL Ausserdem enthält dieses erste, ungewöhnlich 
starke Heft zwei Abbandlangen von Beer: nUeber die ersten Bewohner Earopa*s" 
nnd »Einige Worte ttber das Projekt der Kanalverbindung des Kaspischen mit 
dem Schwarzen Meer" (s. »Geogr. Mltth.** 1862, S. 446), so wie einen Bericht 
von Iwasehinsow ttber »die hydrographische Erforsehang des Kaspischen Mee- 
ree". Unter den MIscellen dieses Heftes ist besonders Golnbew's Brief ans 
Koral vom 15. November 1862 Aber seine Arbeiten in der Umgegend des Ala- 
kn\ hervoniaheben. Das 2. Heft des Jahrganges 186S enthält fttnf Abhand- 
lungen : »Skizze des Gebietes zwischen den FlUssen Kuban und Belala" Ton 
Wenjnkow mit einer werthvollen Karte Jenes Gebietes ; »Beiträge zur Beaohrel- 



bang des westliehen Ksoksaas" von WeiOokow mit einer ethnogmphisehen 
Karte deaselben and Erklärungen dasn; »Ueber die Beslehangen der Raszi- 
Boben Gesehiohte zn Geographie und Ethnographie*' von Kostomarow ; »Ueber 
die Tiefenmessungen im Kasplsehen Meere, 1861 — 1862", von Ulsky mit einer 
Karte und 4 Profilen ; »Btatistiaehe Bemerkungen Ober die Sifentliehen Erspar- 
nisse" von LamansU. Die lange Reihe der In den vier Heften abgedruckten 
Sitzungsberichte umft»st die Zeit vom Dezember 1861 bis April 1863. — Wie 
aus dem letzten Jahresberioht der Gesellschaft ersichtlich Ist, denkt der Vor- 
stand mit rtthmllehem Eifer auf die Erhöhung des schon Jetzt bedeutenden wia- 
senacbaftUchen Werthes dieser »Mdmolren** und hat deshalb beschlossen , ein 
Redaktions -Comitd ans den Präsidenten der einzelnen Sektionen und dem Se- 
kretär zu errichten , nm den Werth der eingehenden Arbeiten zn prttfen oad 
die ganze Publikation zu ttberwachen. 

Ssemenow, F. t.: Geographisch - statistisches Wörterbuch des Bussi- 
schen Beiches, zusammengestellt im Auftrage der Kais. Buss. Geogr. 
Gesollschaft, unter Mitwirkung Ton Sojerinski, Philippow und Maak. 
Thl. I. 8^ 724 SS. St. Petersburg, 1863. (In Bussischer Sprache.) 
Ueber Eutotehung und Inhalt dieses bedeutenden, auf 4 Bände bereehneten 
Werkes , von dem wir dringend wttnsohen , dass es bald In eine allgemeiner 
verständliche Sprache ttbersetzt werden möge, entnehmen wir dem letzten Jah- 
resbericht der KUSS. Geogr. Gesellschaft folgende Details. Der Gtodanke, ein 
aolehes Wörterbueh auazuarbelten , entatand in dar atatiatiaohen Sektion der 
genannten Gesellschaft bereits im Jahre 1860, erst 1856 schritt man zur Aus- 
ftlhmng durch BUdang eines Comltd*s, welches zunächst ein alphabetisches Ver^ 
■elehnlss aller In das WÖrteri>ach aufzunehmender Artikel aofttellen nn Inasen 
beeehloas und fttr diese Arbeit den berttbmten Statistiker P. von Koeppen ge- 
wann. Dieser fertigte denn auch, zum Theil mit A. Staokelberg, die gewünschte 
Liste von etwa 16.000 Artikeln grttsstenthells an und fttgte bibllographlacbe 
Nachweise In grosser Zahl so wie statistische Aussttge ans den Klrohenregl- 
Stern des Reiches hinzu. Krankheit unterbrach seine Arbeit nnd der Vontand 
der Gesellschaft ttbertrug dem ausgezeichneten Geographen nnd Reisenden 
P. V. Ssemenow die Portsetzang, welcher denn auch bis 1863 die Vorarbeiten, na- 
mentlich die mtthsame, aber auch äasserst werth volle Zusammenstellung der auf 
Jeden Artikel bezttglichen Literatur, beendete und im Jahre 1863 den ersten 
Band abschloaa. Dem oraprttnglichen Plan gemäaa berOoksiehtigt das Werk 
daa ganze Ruzslsohe Reich mit Ansnahme von Polen und FInland uod omfaaet 
eben so wohl alle irgend bemerkenswertben Daten der Oro- und Hydrographie 
ala die poUtleehen Abthellangen , die Ortskunde nnd die Volksstämme. Von 
den Inseln z. B. werden alle diejenigen aofgeftthrt , welehe mehr als 5 Werst 
Durchmesser haben oder bei geringerer Grösse sonst Bemerkenswerthes bieten ; 
von den Flttssen im Allgemeinen diejenigen , deren Länge mehr als 50 Wervt 
Im Europäischen Ruaeland und mehr als 100 Werst im Asiatischen Rasaland 
beträgt, die kleineren dann , wenn ihre Thäler, etwaige Goldwäschen, Katarak- 
ten n. s. w. Interesse bieten; von den Ortachaften diejenigen, deren Bevölke- 
rung die Zahl 1500 ttbersteigt, die kleineren dann, wenn sie durch Handel, In- 
dustrie oder historische Ereignisse Beachtung verdienen, ausserdem alle Klöster 
nnd Festungen, alle industriellen Etablissements, welehe Bevölkerungaoentrea 
bilden , die Ruinen alter Städte , historisch Interessante Punkte aller Art , die 
aar Grenzwache dienenden Posten. Fttr Ausart>eitnng der Artikel worde 
neben den bei Jedem derselben angeführten literarischen Quellen vielfach auch 
nnpablidrtes Material verwendet, welches die verachledenen Behörden mit Be- 
reitwUligkelt zur Verfflgung gestellt haben. 

Tatoniir: Skarbniczka dziej6w i reiczy polskich. (Schatskastlein der 
Geographie, Geschichte und Literatur Polens.) 1. Abth. 1. Bd. Phy- 
sische Geographie Polens. 8^ 239 SS. mit 1 Karte. Lemberg, Wild, 
1863. i| fl. 

Trautachold, H.: Das Urmeer Russlands. (Zeitschrift der Deutsehen 
Geologischen Gesellschaft, Bd. XV, Heft 2, 1863, SS. 411—419.) 

Wie der Verhsser kttrzlloh ein Kärtchen Qber die wahrscheinliche Verthel- 
lung von Wasser und Land zur Jurassischen Zeit im Europäischen Russland 
veröffentlicht hat (s. »Geogr. Mltth." 186$. 8. 400), so finden wir hier sehr in- 
teressante Betrachtungen ttber die ehemalige Meeresbede<&ung dee Landes and 
das allmähliche Trockenlegen desselben. 

Ksbrtaxi. 

Qenenilkarte des Europäischen Russland. 2 Bl. It 4.200.000. St. Pe- 
tersburg, Poltoratsky und lUin, 1863. (In Bussischer Sprache.) 

AUST&AliQBN und FOIiYNESCBN. 

Auatin, J. B. : The Mines of South Australia, including also an acconnt 
of the smelting works in that colony ; together with a brief descrip* 
tion of the country, and incidents of travel in the bush. 8^ mit 
Karte. London, Longman, 1863. 5 «. 

Benauaan , M. : The Fiji Islands. (Journal of the R. Geogr. Soc of 
London, 1862, pp. 42—50.) 
Enthält nichts Neues. 

Bourne, G. : Journal of Landsborough's expedition in search of Borke 
and Wills. 8<^. London, Street, 1863. i s. 

Central Auatraiia. (Oolbum's New Monthly Magazine, Sept. 1863.) 

Davis , John : Tracks of M'Kinlay and party across Australia. Edit^ 
firom Mr. Daris's manuscript Journal, with an introductory view of 
recent Australien explorations , by William Westgarth. 8®, 426 pp. 
mit 1 Karte und Chromolithographien. London, Low, 1863. 16 s. 
In den offlziellen Australischen Reiseberichten neuester Zelt herrsdit ftn 
ausnehmend trockener, monotoner Styl und nur geographische Enthusiasten 
nnd Geographen von Fach werden sich Oberwinden, ein solches Dokument ron 
Anlang bis au Ende durchzulesen. Da aber besonders die in den letzten Jth- 
ren ausgeführten Reisen durch das Innere von Australien in mehrifiuher Hia- 
sioht Ton grosser wissenschaftlicher und praktischer Bedentong sind , so ist es 
ein wahres Verdienst, wenn nicht. oflUleUe Berichte ttber jene Reisen sns 



Litcrrtttir. 



79 



Liebt stBOft» und in genießbarer Fora pabUdrt werden. Nun ist swer da« 
Tigaboeh ron D«t]i, anem Begleiter M*Kinky'B, aueh nicht gerade bitthend 
gCKbrieben, aber ea enthJQt dod viele Detailf, die geeignet sind, mehr Leben 
in die Dantellnng an bringen , nnd Weetgartb bat durch verstandige Qliede- 
ruDg, erllutemde ZnilUae und wehrtcbeinlich aach dnroh Auafeilnng viel ge- 
benert und aeine 70 Seiten lange Einleitung erweckt das Interesse durch «no 
GeBchiehte der neueren Australischen Explorationen und fasst deren Resultate 
karz zusammen. Gans In Ueberelnstlmmung mit den Schlössen, au denen 
ftoeh wir gekommen sind , beisst es dabei unter Anderem : »Das Innere tou 
Au«tralien ist daher ein Land, von dem wir Nutsen ziehen können, und man 
hst allen Qmnd an glauben, dass es eum grösseren Theil bald und mit wunder> 
barer SchneDigkeit von Vlehzttehtercien ttbersXet sein wird.** Obwohl die Hin- 
ftratlonen in Farbendruck unserem Jefzigen, etwas verwöhnten Geschmack nloht 
entsprechen und ausser den Portraits wenig Charakteristisches bieten, bisweOen 
auch sehr plump nach Effekt haschen , ist doch im Ganaen die Ausstattung 
das Boches eine redit elegante. Auf der Karte sind neben der Route M'Kin- 
lay'a auch die Ton Stuart, Burke, Landaborough und Walker angedeutet. 

Doane, Bey. S. T.: Remarks on the Atoll of £bon, in MicroneuA. 
Kit 1 Karte. (Nautieal Magazine, September 1863, pp. 454—460.) 
Beschreibung nnd Karte von der zur Ralick-Gruppe des Marsohall-Arehlpela 
gehörigen Koralleninsel Ebon. ^ ^ — — „^ 

Esri, G. W.: A Handbook for coloniate in tropical Anstralia. 8^, 198 pp. 
mit 3 Karten. London, Trttbner, 1863. 74 8. 

Der Verfasser ist binifoglich bekannt durch sein geschätztes, 1846 pnblidrtM 
Werkehen »Enterprise in Tropical Australia*', welches für Alles, was mit der 
ebemaligen Britischen Niederlassung in Port Esslngton und den dort gemachten 
£rfshrungen aoaammenhfingt, eine Hanptqnelle abgiebt Fast durch die ganze 
Zeit des Bestehens Jener Niederlassung, 18S8— 1849, hat er daselbst als Com- 
misaioner of the Crown Lands ausgehslten und seine Aufgabe war bauptsKah- 
lieh, Erfahrungen nnd Nachrichten zu sammeln, welche den Kolonisten ntttanch 
sein könnten, im Falle eine wirkliche Beaiedelung Stattfinden, d.h. Ländereien 
an Private abgelassen werden sollten. Dazu kam ea damals bekanntlich nicht 
nnd Earl hielt daher in der oben dtirten Schrift mit einem grossen Theil seiner 
Anfzeiehnungen , in so weit aie nur Ackerbau und Viehzucht treibenden An- 
•iedlem von Nutzen sein konnten , snriick. Gegenwärtig aber ist ihre Publi- 
kation höchst zeitgemäss , da so eben die ersten Anfinge mit der Besiedelnng 
Kord-Australiens gemacht werden, und dieses kleine, ziemlieh schlecht gedruckte 
Bach wird, wenn es die wfinschenswerthe Verbreitung findet, grossen Nutzen 
■tiften. Nebenbei ist es auch fQr die physikalische Geographie von Australien 
voo hohem Wertb, sowohl in aelner ersten, die klimatischen Verhältnisse aus- 
fQbrHcIi erörternden nnd von Karten erläuterten Abtheilung, als in den darauf 
folgenden Aber Akklimatisation von Nutzthieren und Nutzpflanzen. 

Qoudswaard, A.: Be Papoewa's van de Qeelyinksbaai. Hoofdzakelijk 
niar mondelinge mededeelingen yan ooggetuigen. 8% 110 pp. mit 
Tafeln. Schiedam, Roelants, 1863. } Tblr. 

Grad, Ch.-. L'Anstralie int^rienre. Ezplorations et royages k trarers 
le continent anstralien de 1860 k 1862. Mit 1 Karte. (Nony. An- 
nales des Yoyages, Jnli 1863, pp. 5—63, Oktober pp. 63 — 93, De- 
«ember pp. 257 — 336, Januar 1864, pp. ßÖ — 71.) 

Berichtet über Stuart's Reisen von 1861 und 186S, ttber die Burke*8che Expe- 
dition, fiber Pr. Gregory 's Reise in Nordwest - Australien , Dempster's , Lands- 
boroagh*s, M*Kinlay*s Reisen so wie Aber die Reisen und Forschungen im 
Torrens-^eken und fQgt einige allgemeinere Bemerkungen bei. Diese ziemlich 
ausgedehnte, auch zu einem selbstständigen Buch zuaammengeatellte Kompila- 
tion beruht grossentheils auf den in den »Qeogr. Mitth." puhlidrten Aufbätzen 
ozd es kann nns nur lieb sein, wenn auf soldie Weise unsere Arbeiten gros- 
lere Verbreitung finden, aber es scheint uns doch ein eigenthttmlichea Verfhh- 
ren des Herrn Grad, nicht nur das Thatsächliehe aus Jenen Aufsätzen zn ent> 
Qthmen, sondern auch die Reflexionen und Schlussfolgerungen ihres anonymen 
Yerfaaaers fOr seine eigenen auszugeben und als solche zu reprodudren. Wir 
^ben nicht , dass diese Art der literarischen Aneignung (Hemden Gutes en 
g;roa von dem gelehrten Redakteur der Nouvelles Annales, unserem verehrten 
Freunde V. A. Malte -Brun, gebilligt sein kann; diess beweist die von ihm den 
Orad'sehen Uebersetzungen beigegebene Karte, in der wiederholt ausdrücklich 
erfiihnt ist, was in ihr von den unarigen Karten entlehnt ist. 

Haait, Jnl.: Biscoyery of a favonrable pass to the Bea aboye Lake 
Wanaka. (The Lyttleton Times, 8. April 1863.) 
8. »Geogr. Mitth." 1863, 8. S7& 

Htrgraves, £. H. -. Beport on the geology of Western Avstralia. (An- 
atralian and New Zealand Gazette, 1. Anguat 1863, pp. 73—74.) 

0er Geolog Hargraves reiste im Auftrag der Kolonialregierung von Albany 
am King George Sound in nördlicher Richtung , aber mit manchen Abweichun- 
gen nach links und rechts, bis an den Murchlson River, hauptsächlich nach 
Gold auszuschauen. Er hatte am 8. Oktober 1868 Albany verlassen und b»> 
richtet von dort aus nach aeiner Rückkehr Anfang März 1868 an den Kolonial- 
Sekretär fiber seine Erfolge. Die Grundlage der Hochebenen des inneren Lan- 
des iit fiberall Granit , der in den Ufigeln au Tsge tritt , in der Ebene aber 
melit bededct ist von einem weissen, kreidig aussehenden Sedimentär-Gestein 
mit Quarz- und Agat-Fragmenten und Sala-Inkrustationen. Goldfelder existiren 
dort sicherlich nicht, auch ist das Gerücht, Sir Roderick L Murchison habe 
die geologischen Verhältnisse an dem nach ihm benannten Flusse fUr gOnstig 
in dieser Beziehung erklärt, durchaus unbegrfindet. Dagegen sind die Elsen-, 
Blei- und Kupferminen der Kolonie viel versprechend. Hsrgraves fand neue 
Kopferlager am oberen Arrowamith und Irwin und ein iiedeutender Reichthum 
Btcckt In den grossen NutzhoIzwiUdem südlich vom Blackwood River. Hargraves 
ist seitdem beauftragt worden, die Kolonie Süd -Australien in ähnlicher Weise 
XU bereisen. 

Heath, F.: C6te est de l'Anstralie. Renaeignementa snr la riyitoe 

Pioimeer. (Annales hydrogr. 1863, 2*' trimestre.) 
Hector'a Exploration of New Zealand. (Edinburgh New Phüosophical 

Journal, Joli 1863, pp. 168—172.) 



Dr. Heetor, durch seine 'Teilnahme an der Pa]ilaer*8ehen Expedition in Brf- 
tiach • Nord - Amerika beicsnnt , Ist gegenwärtig Beglerungigaolog der Provinz 
Otago in Neu-Seeland und bat daselbst schon vielfach Gelegenheit gehabt, für 
Geologie und Geographie thätig zn sein. Im Februar 1863 hat er seine For- 
schungen bis an die Westküste ausgedehnt und awar überaehritt er die Süd- 
lichen Alpen ungefähr auf der Grenze zwischen Otago nnd Ganterbury, also 
etwaa südlicher als Haaat , indem er Im Thal des Mstkitukl hinauf ging nnd 
bis Cast an die Jackson-Bai vordrang. Ein Korrespondent der »Otago Dailj 
Times" begleitete ihn auf dieser beachwerUehen Exkursion und lieferte für das 
mnannte Blatt den hier reproduoirten Bericht, der indess wenig mehr als den 
verlauf der Reise und die grossartige Gebirgsnatnr schildert; Dr. Hector's ei- 
gener Bericht wird gewiss viel wiasenschaftlioh Interessantea enthalten. 

Hochatetter, Dr. Ferd. y.: Neu -Seeland, gr. Lex.-8^ 576 SS. mit 2 
Karten, 6 Farbenstahlstichen, 9 grossen nnd 89 in den Text ge- 
druckten Holssohnitten. Stattgart, Gotta, 1868. 7 Thlr. 
Obgleich diesem Werke bereits in vielen Zeitaehriften das gebührende Lob 
gespendet worden, dürfen wir doch nicht unterlassen, auch an dieser Stelle auf 
seine hohe Bedeutung hinzuweisen. Wir sprachen es in unseren kurzen Be- 
gleltworten zu dem »Geolog. • topogr. Atlas von Neu*Seeland'* aus (siehe anoh 
»Geogr. Mltth.'* 1868, S. 851) , dass die Arbeiten P. v. Hochstetter's und seines 
Freundes und Schülers J. Haast eine neue Epoche in der geographlaehen und 
kartographischen Kenntnlss Neu -Seelands eröffnen, und wahrlich haben Beide 
für die Karte Jener reich gesegneten Inselgruppe in kurzer Zelt Erstaunliehes 
geleistet, nicht nur durch einzelne Detail-Aufnahmen, sondern namentlich durch 
V. Uochstetter's über einen grossen Theil des Inneren der Nordinsel ausgedehnte 
Messungen, welche eine genügend feste Grundlage für die Topographie dersel- 
ben zum ersten Male boten , und durch Haast*s noch gegenwärtig fortgesetzte 
Erforschung der Südlichen Alpen . deren wissenschaftlicher Entdecker er mit 
Recht genannt werden darf. Hand in Hand mit der Topographie geht bei Bei- 
den die fllr das richtige Verständniss der Bodenformen unentbehrliche Geolo- 
gie und der erwähnte n6eolog.-topogr. Atlas", aus 6 Karten bestehend, hat da- 
her einen um so höheren Werth, als man such über die geologischen Verhält- 
nisse der Inselgruppe vorher nur vereinzelte Notisen besass. Hat msn doeh 
so oft die Behauptung wiederholt, Neu-Seeland sei hauptsächlich vulkanischen 
Ursprungs und beaässe keine Bildungen der sekundären Periode, während es 
sieh nach den Hochstetter'schen Forschungen herausstellte, dass von den Ute- 
sten metamorphLncben Bildungen an durch die ganze Reihe der Versteinerun- 
gen führenden Formationen bis zu den jüngsten Sedimentbildungen und eben 
so von den ältesten plutonischen Gesteinen bis zn den Jüngsten vulkanischen 
Bildungen auf Neu-Seeland alle Hauptglieder vertreten sind. Auch die angeb- 
liche Jugend der Insel-Gruppe erweist sich ala irrthUmlich, denn schon zur Zeit, 
als das benachbarte Australien, einer der ältesten Kontinente der Erde, ans den 
Tiefen des Oceans emporstieg, ragten schon einzelne Theile Neu - Seelands als 
starre Landmassen über das Wasser; dagegen war es freilich , unähnlich dem 
seit dem Schluss der paläozoischen Periode wenig gestörten Boden Australiens, 
bis In die neuesten Zelten ein Schauplatz grossartiger Erdrevolutionen nnd ge- 
waltiger Erdkämpfe, welche ihm erst nach und nach seine heutige Gestalt gaben. 
Doch wir können hier nicht näher auf die geologischen Ergebnisae der glttdk- 
liehen Fügung eingehen, welche ein ausgezeichnetes Mitglied der Wiener Qeo- 
logisehen Reichsanstalt an die Gestade Neu-Seelands warf; einige der wnnder> 
baren vulkanischen Phänomene, die er dort studfarte, hat Dr. v. Hochstetter anch 
schon früher in den „Geogr. Mitth." (1862, SS. 81 und 263 ; siehe auoh SS. 867 
nnd 1863, 8. 13) gesohildert und aus diesen Proben kennen unsere Leser auch 
den edlen Styl, die seltene Vereinigung anziehender Darstellung, wissenschall- 
lichen Geistes und fleissigster Bearbeitung , welche die Lektüre auch dea ror- 
llegenden Werkes zu einer ausnehmend genussreichen macht Dieses Werk 
behandelt zudem keineswegs bloss die Topographie und Geologie der Insel- 
gruppe, es ist vielmehr weitaus das vielseitigste und vollständigste, das bis Jetzt 
darüber erschienen iat, das eigentliche Hauptwerk, das eben so wohl die allge- 
meinen geographischen Verhältnisse wie die Gescnichte, Politik, Ethnographie, 
Naturgeschichte, Statistik und Literatur in geordneten Abschnitten vorfllbrt 
Bntaprechend dem reichen , anmuthigen Inhalt iat das Aeussere ; sowohl was 
den Druck als was die zahlreichen, zum Theil ehromolithographlrten Illustra- 
tionen und sogar den Einband anlangt, darf man das Buch zu den geschmack- 
vollsten und besten rechnen. Die beiden unter A. Petermann's Leitung her- 
gestellten Karten sind die auch in den »Geogr. Mitth." publidrte Uebersichto- 
karte und eine Karte des südlichen Theila der Provinz Auckland im Maassstab 
von 1 :70a000; beide sind auoh dem Atlaa einverleibt, jedoch mit geologlaohem 
Kolorit 

Hood, T. H.: Notes of a cmise of H. M. S. „Fawn" in the Western 
Pacific, in the year 1862. 8^, 268 pp. Edinburgh, Edmonston ft Don- 
glas, 1863. 15 8. 
Das Schiff besuchte von Sydney ans Neu-Seeland, Savage-Island, die Samoa- 
Gruppe, Uvea, Neu-Caledonla und Norfolk -Island, die Aufzeichnungen Hood's 
sind aber sehr unbedeutend, geographisch ohne Werth oder anderen PubUka- 
tionen entlehnt; nur die Illustrationen nach Photographien haben Interesse. 

Maodonnell, Sir Richard 0.: Anstralia; what it is and what it may 
be, a leoture. 8°, 68 pp. mit 1 Karte. London, Simpkin, 1863. f s. 
Eine lesenswerthe, hauptsächlleh mit Rücksicht auf praktische Zwecke ent- 
worfene Skizze von Australien nnd seinem ans Fabelhafte grenzenden Auf- 
blühen mit einer Menge nützlicher Notizen nnd statistischer Daten. Der Yer- 
fhaser war bekanntlich Gouverneur von Süd - Australien nnd ist Jetat Gouver- 
neur von Madras. 

Maunoir, 0.: La Nonyelle- Zulande, colonie anglaise. (Bnlletin de U 
Soc. de g^ogr., August 1863, pp. 97—124.) 

KompIIstion kurzer Noüzen über Entdeckungsgeschiehte, Topographie, Fanna, 
Flora, Klima, Bewohner, Statistik, ohne Neues zn bieten. ' 

Meinicke, Direktor: J. MacDouall Stuart's dritte Beiae durch Central- 
Australien, im Jahr 1862. (Zeitschrift ffir Allgem. Erdkunde, Mai 
1863, SS. 344—347.) 

Noch Tor Veröffentlichung des Tagebnehs gesehriebene, daher sieh auf die 
vorläufigen Zeitungsberichte stfiUende Notis. 



80 



literatar. 



Meinioke, Dir. : Die Gilbert- and Marshall-Inseln. (Zeitschrift fllr Alldem. 
Erdkunde, November 1863, SS. 369—417.) 

Dankensirerthe Dentsebe Bearbeitung der neaeren toti den Amerlkanfioben 
MlMlonSren, namentlich Ton Qollck gelieferten Beriobte, über deren boben 
Werth wir am schon frBber ausgesprochen haben (a. „Qeogr. Mitth." 1861, 
SS. 899 und 435). 

Neu-SQd-Wales. Jahresbericht des Preussischen Konsulats zu Sydney 
fUr 1868. (Preuss. HandclB-Archiv, 11. Desbr. 1863, SS. 551—^59.) 
Durch Rückblicke auf eine Reibe ron Jahren lehrreiche statistische Zusam- 
menstellungen über Bevölkerung, Produktion, Industrie; Finanzen. 

Old New Zealand : being incident« of native customs and character in 
the old times. By a Pakeha Maori London, Smith, 1863. 

Otago, DeacriptiTe aketch of the proTince of , New Zealand, aa 

a fleld for British emigration; compiled from official documents. 8^, 
80 pp. mit Illustrationen. Edinburgh, Bell & Bradfute, 1863. 1 a. 

Rochfort, J.: Journal of two expeditions to the West Coast of the 
Middle Island of New Zealand in the year 1859. Mit 1 Karte. (Jour- 
nal of the R. Geogr. Soc. of London, 1862, pp. 294—303.) 

Roobfort nahm 1859 als Reglerungs-Gteometer der Prorlna Nelson die West- 
küste und die SUdgrenze der Provlna nebst dem unteren BuUer-RlTer auf 
(s. „Qeogr. Mlttb." 1863, Tafel 1). 

Sonerzer, Dr. K. : Siebenxehn Jahre unter den Wilden Australiena. 
Nach den Mittheilungen eines Schiffbrüchigen. (Das Ausland 1868, 
Nr. 26, SS. 617—619.) 

Vor einiger Zelt erschien bei einer fernen Ansiedelung In Queensland ein 
EngIKnder Namens James Morill, der Im Jahre 1846 an der Kttste dieses Landes 
als Matrose der Barke ,^eruvlan" Scbiifbrucfa gelitten und seitdem unter den 
Eingebomen am Burdekln gelebt hatte, wo seine UnglUcksgeflOirten nach und 
nach dem Tode erlegen waren. Seine vor dem Gerichtshöfe so Rodchampton 
Im Februar 1863 gemachten Aussagen, die sich unter Anderem auf Charakter 
und Sitten der Elngebornen bezieben , sind hier thellwels dem „Sydney Mor- 
ning Herald" vom 13. Mftrz 1863 entnommen. 

Seemann, Dr. B. : Remarks on a govemment mission to the Fiji Is- 
lands. (Journal of the R. Qeogr. Soc. of London, 1862, pp. 51—62.) 
Seit der Publikation des Blne-book Über die Mission des Colonel Smythe 
und Dr. Seemann nach den VltMnseln und des besonderen Buchs darttber 
▼on Dr. Seemann ist dieser kurze Aufsatz entbehrlich geworden. 

Wekey, S.-. Otago as it is. 8^. Melbourne, Baüli^re, 1863. 



Australia, General map of 



-, showing the routes of the sereral 



explorations by Burke, Wills, Stuart, and others. Melbourne 1863 
(London, Algar). 2^ a. 

Au8tralia, Bast coast. Queensland, Sandy Cape to Keppel Isles, by 
Capt** Flinders, King, Blackwood, Stanley, Denham 1803 — 61. Lon- 
don, Hydrogr. Office, 1863. (Nr. 346.) 2^ a. 

Australia, East coast. Queensland, Keppel Islea to Percy Isles inolu- 
ding Gapricom Channel, by Gapt*' Flinders, King, Blackwood, Stan- 
ley, Denham 1803—61. London, Hydrogr. Office, 1863. (Nr. 346.) 3 a. 

Australia, East ooast. Queensland, Percy Isles to Whitsunday Islea. 

by Gapf" Flinders, King, Blackwood, Stanley, Denham 1803 — 61. 

London, Hydrogr. Office, 1863. (Nr. 347.) 2^ s. 

Die neue Ausgabe der vorstehenden drei BUtter enthJnt unter anderen Nach- 

trigen einen Theil der Denham'schen Aufnahme des Korallenmeeree. 

Blaok's New Map of Australia, Tasmania, and New Zealand, containing 
the latest discoyeries, the gold fields etc. London, Black, 1863. 14 8. 

Browning, J. S.: Map of the proyince of Canterbury, New Zealand, 
shewing the pasturage runs, compiled from official surreys, under 
authority of the provincial govemmcnt, and from recent explorations 
by Dr. Haast and Dr. Hector. 1 : 630.000. Christchurch (New Zea* 
land), Survey Office, 1863. 

Obwohl durch den mangelhaften lithographischen Druck von unscheinbarem 
Aeusseren, steht diese Karte an geographischem Interesse und Werth in erster 
Reihe, denn die Abgrenzung und Bezifferung der Weidebezirke wird zwar ^s 
Hauptsache auf dem Titel bezeichnet, aber ausserdem sind alle die grossartigen 
Aufnahmen und Rekognosdrungen , welche die Provinz In den letzten Jahren 
mit betrfichtlicben Kosten bat ausführen lassen, In hinlXngllcb grosisem Maass- 
stabe auf der Karte vereinigt , ganz besonders die Forschungen Hnast's von 
1861 bis 1863, welche zuerst Auftehluss über den Bau der Südlichen Alpen 
gegeben haben, so dass wir hier zum ersten Mal die ganze Ostseite dieser Al- 
pen in ihrer mannigfaltigen Gliederung Überschauen, — eine neue glänzende 
Eroberung fQr die Geographie. Dau wir nicht lange auf die Erforschung der 
Westseite und somit auf das vollstSndlge Bild der Südlichen Alpen werden 
warten müssen, deuten bereits die drei Reiserouten Haast's, Hector's und Whit- 
oombe's an, welche alle drei im Jahre 1863 den Kamm des Gebirges über- 
schritten und ihre Forschungen nach der Westküste ausgedehnt haben. Es 
sind bis Jetzt allerdings nur drei einzelne Linien, aber bei dem bewunderungs- 
würdigen Eifer, den die Herren in Christchurch, Dr. Haast an der Spitze, für 
die Untersuchung ihres Landes bethätif;en, werden sich diese Linien schnell zn 
einem eben so reichen Routennetze erweitern , wie ein solches durch Haast's 
Reisen auf der Ostseite geflochten worden ist. Neben der Hauptkarte finden 
wir auf 6 Gartens: eine kleine Uebersichtskarte von Neu-Secland, einen Plan 
des Port Lyttelton und StXdteplCne von Lyttdton, Christchurch, Timarn und 
KalapoL 



County-Mapt of New South Wales. 1:1S6.720. Lith. Sydney, Sur- 
Teyor General's Offlee. 

In einer Notiz über den kartographischen Standpunkt Südost-Australiens im 
Jahre 1861 (,.Geogr. Mltth." 186S, 8. IIS) erwShnten wir bereits, dass Jede An- 
strallsche Kolonie eine Surveyor-GeneralVOfBoe besitze, welche die Land«»' 
Vermessung zu besorgen habe, und dass auf den daraus hervorgegangenen gros- 
sen Bpezlalkarten Arrowsmith's ^Man of the Eastem Provincas of Anstr&Iia" 
beruhe. Ferner zeigten wir eine Uebersichtskarte von Neu-Sfid-Wales Ton 
Pearson Im Mst von 1 : 1.000.000 an (»Geogr. Mlttb." 186», S. 819), welche direkt 
aus der Sarveyor-Gknerars-OfBce zu Sydney hervorgegangen ist und vergHchea 
mit der 8. Auflage von Arrowsmith'H Karte (1865) ein reicheres Detail so wie 
viele Berichtigungen und ZusKtze enthJEIL Jetzt liegt uns eine grosse Reih« 
der Bpezlalkarten, welche die Surveyor-Qeneral'M-Offlce von Neu-Sttd- Wales bs- 
arbeltet hat, selbst vor: die Counties oder Gra&chaften Buckland 1862, Bligb 1861, 
Brisbane 1857, Durham 1857, Phillip 1859, WeUington 1868, Roxburgh 186S, 
Nortbumberland 1857, Bathnrst 1859, Argyle 1868, Wlnyard 1861, Bucclcugh 1861, 
Goulbum 1860, Waliace 1860, Beresford 1860, Wellesiey 1860, Auckland 186a 
Diese sXmmttlchen Gkmfschaften sind Je anf 1 bis 4 Blatt in dem grossen Hssss- 
Stab von 8 Engl. Meilen auf 1 Zoll oder 1: 186.780 dargestellt, wenigstens so 
weit die Vermessungen In denselben vorgeschritten sind, und übertreffen na- 
türlich an Reichhaltigkeit des DsUils die oben erwShnten Oeneralkarten bei 
weitem; schon aus ihren Jahreszahlen gebt aber auch hervor, dass sie gegen' 
über der Arrowsmith'sehen Karte nnd seihet der im J. 1861 publicirten von 
Pearson sehr viel Neues enthalten. Sie werden je oaeh dem Fortgang d^ 
Anfkiahmen berichtigt nnd neu aufgelegt und bilden die eigentUche kartosra- 
phisohe Quelle für die Kolonie Neu-SUd-Wales. 

Hoohstetter, Ferd. t., und A. Petermann: Geologisch-topographiacher 
Atlas Ton Nen-Seeland. 4^, 20 SS. Text und 6 Karten. Gotha, J. Per- 
thea, 1863. 2) Thlr. 

Der Atlas besteht aus folgenden 6 In Farbendruck ausgeführten, haupta&ch- 
Ilch auf den topographischen und geologischen Anfbahmen v. Hocbstetter's be- 
ruhenden und unter A. Petermann's Leitung mit Belziehung anderen Materials 
gezeichneten Karten : 1) Nen-Seeland im Maassstabe von 1 : 5.000.000 zur Ueber- 
sidit der Mineral-Befunde. Durch Farben angedeutet ist das Vorkommen von 
Gold, Kupfer, Chromeisen, titanhaltigem Magnetelsensand, Graphit, Kohle, Ne- 
phrit, ferner die thütigen Vulkane und die heissen Quellen. Als Garton ist ein 
Kürtchen des Isthmus von Auckland In 1:!)00.000 belge^ietzt. — 8) Der eüdlicbe 
Theil der 'Provinz Auckland zur Uebersicht der Routen und Aufnahmen von 
Dr. F. V. Hochstetter 1859. Mst 1:700 000. Mit 18 farbig unterschiedenen For- 
mationen und Bezeichnung der Eruptlons-Kegel, thfittgen Kratere nnd heissen 
Quellen , nebst zwei Cartons : Der Taupo-See nnd der See-Distrikt (Roto-ma, 
Roto-iti, Terawera n. s. w.}, beide im doppelten Maassstab der Hauptkarte. — 
3) Der Isthmus von Auckland mit seinen erloschenen Vulkankegeln. 1 : l^KOOO. 
Mit 5 fkrbig unterschiedenen Formationen. — 4) Die H&fen nnd Buchten Aotea 
nnd Kawhia, topographisch und geologlsdi untersucht von Dr. F. v. Hochstet- 
ter 1859. 1 : 180.000. Mit 5 farbig unterschiedenen Formationen. — 5) Roto- 
mahana oder der Warme See mit seinen helnsen Quellen. 1 : 18.000. Mit 4 far- 
bigen Unterscheidungen. — 6) Geologische Uebersichtskarte der Provinz Nel- 
son nach den Aufnahmen von Dr. F. v. Hochstetter 1859 nnd Julius Haast 1860. 
1 : 1.S00.000. Mit 18 farbig unterschiedenen Formationen. Die beiden letzten 
Karten sind auch In den „Geogr. Mitth." (1868, Tafel 10, und 1868, Taf«l 1) 
publldrt worden , die erste und dritte wenigstens ohne geologisches Kolorit 
(1868, Tafel 6 und 14). Auch der zn den einzelnen Karten gehörige Text ist 
unseren Lesern grösRtentheils bekannt, nur die Erläuterungen zn der zweiten 
nnd vierten Karte sind nicht vorher In den „Geogr. Mlttb." erschienen. 

Huohet, de Cintre, Berger, Bouillon, Thurmet, Queanel: Plan du port 
de Teavama, lle Katatea, archipel de la Soci^t*. (Nr. 1978.) Paria, 
D6pdt de la marine, 1863. i fr. 

New Caledonia, South coaat. Port de France, aurr. hj Bouqnet de la 
Grye 1867. 1 : 20.000. London, Hydr. Office, 1863. (Nr. 480.) 2^ a, 

New Caledonia, South Coast, üen Island to Port St. Vincent. From 
the French Imperial surveys of 1854 — 56. 1:136.000. London, 
Hydrogr. Office, 1863. (Nr. 2907.) SJ a. 

Nouvelles Hebrides. Baie de Yila, ile Vate. Duhouzet. (Xr. 2009.) 
Paris, B^pdt de la marine, 1863. j fr. 

Queensland, Australia. Engraved and printed for Pugh's Book Alma- 
nac. Brisbane, Tb. Ham & Co., 1863. 

Wegen Angabe der neuen Distriktsgrenzen, West- nnd Ost-Maranoa, Mit- 
chell-, Kennedy-Distrikt u. h. w., beachtena werth. 

Robiquet: Carte de l'Australie ou Nouvelle Hollande, dress^e d'apre« 

les demiers documents anglais. Paris, Robiquet, 1863. 5 fr. 

Eine hübsche Ueberaichtiikarte in Merkator'n Projektion nnd im mittleren 

MaaaasUb von 1:5.600.000, sie Ist aber durchaus nicht auf dem Laufenden, 

alles seit 1860 Hinzugekomnen« vermisst man günHIcb. 

Society Islands. T^avarua. Port, Raiatea IsUnd, from the French sur- 
vey 1859. 1:8000. London, Hydrogr. Office, 1863. (Nr. 526.) 11 s. 
Kopie der Französischen Seekarte Nr. 1978. 

South Australia, Spencer's Gulf. Port Augusta, surr, by Hutchinson 
1862. 1:73.000. London, Hydrogr. Office, 1863. (Nr. 401.) 2^ s. 

South Australia, Spencer's Oulf, East coast. Tickera Point to C. EU- 

aabeth including Wallayoo and Tipara Bays (mining district), surr, by 

Com' J. Hutchinson 1862. London, Hydr. Office, 1863. (Nr. 402.) ijg. 

Spezinlkarte der wegen der benachbarten Kupferminen wichtigen Wallaroo- 

nnd Tipara-Bal Im 8ppncer-Golf. 

Wyld, J.: The North Island of New Zealand. London, Wyld, 1863. 2 «. 

Das Verdienst dieser Karte liegt In der Angabe der rebellischen Gebiete, im 

Uebrigen ist sie der swelblitterigen Karte Wyld's von gans Neu-Beeland ent- 



(Gesehloesen am tt. Febmar 1864.) 



IHmBums G^o^mfbkd»lßuibaha4m. . 



Jahrgang »«ITafd 3 . 



ORIGINALKARTE 
LAGTJNA BE BI^JOHIJE 

IM SÜDLICHEN CHILE. 

Um«* Mitwirkung dmn Uon Bitriq[ue Lagr^e 










pBIE SEBiN^ VOJ^ TALDIVIA (S. CHILE) 

den biiherigen Vorstellung. 



Ü 



W«fttl LiLn4« 



4toji Fan» 



T= 



Ifaasfktab 1: 2000 000 



DIB SEE'X von TALDIVIA (S.CHILE) 

den Beobachtungaiimd Erkimdigiingen fim Frtck,l862 . 



«Dptej itl 



ni 



lith Aast -v C IrUhLTrhjn 0<jül 



Die österreichische projektirte Expedition nach dem Nil -Quellgebiet. 



Aus Wien ist uns vom 5. Februar folgendes Schreiben 
jugegangen: 

„Es ist in Direr Zeitschrift so vielfach von dieser be- 
absichtigten Expedition die Rede gewesen und Sie selbst 
haben dieselbe in so wohlwollender Weise zu befürworten 
und zu unterstützen gesucht, dass es mir eine wahre Pflicht 
erscheint» Ihnen von dem dermaiigen Stand des Unter- 
nehmens genauen Bericht zu erstatten. 

..Nachdem IGani auf seiner ersten Nil-Reise manche 
schätzbare Resultate erzielt, eine Anzahl werthyoUer ethno- 
graphischer Objekte ans den bereisten Ländern mitgebracht 
Qnd seiner Vaterstadt Venedig zum Geschenk gemacht 
hatte, glaubte der Staats-Minister y. Schmerling eine Sub- 
vention für eine zweite Reise Miani's bei Sr. Maj. dem 
Kaiser befürworten zu sollen. Der Kaiser gab seine Zu- 
stimmung. Miani sollte, sobald das Unternehmen durch 
anderweitige Beiträge, namentlich von Seite der Regieruog 
des Vice-Königs von Ägypten, gesichert war und wirklich 
hegann, vom Kaiserl. Staats-lfinisterium eine Beisteuer von 
6000 Gulden so wie eine bestimmte Anzahl von Waffen, 
Munition und Fussbekleidung für die Eskorte ausgefolgt 
erhalten; zugleich sollten ihn zwei tüchtige, reisebewan- 
derte, wissenschaftlich gebildete OfiBziere, der Fregatten- 
Kapitän Millossich und der Hauptmann Boleslawski vom 
Ingenieur -Geographen -Corps, begleiten, um hauptsächlich 
die Leitung sämmtlicher mathematischen und geodätischen 
Arbeiten zu übernehmen. Vorerst musste aber noch die 
Genehmigung der Geldmittel vom Reichsrath eingeholt 
▼erden. Zur grossen Überraschung aller an der Sache 
direkt oder indirekt Betheiligten verweigerte das Abgeord- 
netenhaus die vom Staats - Minister für Miani verlangte 
Geld -Subvention, und zwar motivirte der Berichterstatter 
diese Ablehnung unter anderen Gründen auch damit, „dass 
eine in hoher Achtung stehende und speziell dem Zwecke 
geographischen Wissens sich widmende Korporation, näm- 
lich die in Wien bestehende Geographische Gesellschaft, 
▼eiche in dieser Frage als Autorität angesehen werden 
kann, sich mit aller Entschiedenheit gegen jede Begünsti- 
gung dieses Gelehrten ausgesprochen habe". 

„Da in keiner öffentlichen Sitzung der Geographischen 
Gesellschaft der Miani - Expedition auch nur mit Einem 
Worte Erwähnung geschah, so brachte Dr. Scherzer in der 

Pet«rmaim*B Oeogr. Mittheilangen. 1864, Heft III. 



ersten diessjährigen öffentlichen Sitzung der Gesellschaft 
diese Angelegenheit zur Sprache, indem er sein Erstaunen 
darüber äusserte, dass in den stenographischen Sitzungs- 
Protokollen des Abgeordnetenhauses von einem Beschluss 
der Geographischen Gesellschaft die Rede ist, von welchem 
wohl die meisten Mitglieder heute zum ersten Male hören, 
indem, wenigstens in einer allgemeinen Sitzang, niemals 
darüber verhandelt wurde. Die Mehrzahl der Anwesenden 
glaubte auch, das Gktnze beruhe nur auf einem Irrthum der 
Deputirten, und meinte, man sollte hierüber in einem öf- 
fentlichen Blatte eine Berichtigung veröffentlichen in dem 
Sinne, dass ein solcher Beschluss von der Gesellschaft als 
Korporation in öffentlicher Sitzung niemals gefasst worden 
sei. Dr. Scherzer entwickelte nun die hohe Wichtigkeit, 
welche speziell für Österreich eine Durchforschung des 
Nil-Quellen-Gbbiets besitze, wie eine mit Kaiserlicher Un- 
terstützung entsendete Expedition nicht nur in wissen- 
schaftlicher, sondern auch in politischer und kommerzieller 
Beziehung von namhaften Vortheilen für den Kaiserstaat 
begleitet sein müsste und wie eine Vereinigung von drei 
Österreichern wie Miani, Millossich und Boleslawski zu 
den schönsten Erwartungen und Erfolgen berechtige. Nach- 
dem Dr. Scherzer mehrere Bedenken, die man Von gewis- 
ser Seite gegen die Miani-Expedition geltend machte, durch 
Anfuhrung von Thatsachen zu widerlegen versucht und 
der Versammlung empfohlen hatte, das bekannte Franzö- 
sische Sprüchwort „lee absents ont tort^ wenigstens in 
Deutschland zu Schanden zu machen, stellte er schliesslich 
den Antrag, „Miani und seine beiden Gefährten in der 
Durchführung ihrer Unternehmung auf das Kräftigste zu 
unterstützen und zu diesem Zwecke an den Staats-Minister 
im Namen der Geographischen Gesellschaft eine Denk- 
schrift zu richten, in welcher die Entdeckung der Nil- 
Quellen noch immer für ein ungelöstes Räthsel erklärt 
und die Betheiligung Österreichs an einer Expedition zur 
Untersuchung und gründlichen Durchforschung des Nil- 
Quellen-Gebiets in wissenschaftlicher, politischer und kom- 
merzieller Hinsicht als überaus wünschenswerth bezeichnet 
wird". 

„Nach den Statuten der Gesellschaft musste dieser An- 
trag vorerst in einer Ausschuss - Sitzung zur Berathung 
kommen. In der nächsten öffentlichen Sitzung berichtete 

11 



82 



Die Österreichische projektirte Expedition nach dem Nil-Quellgebiet. 



der Sekretär, dass der Ausschuss Dr. Scherzer's Antrag 
abgelehnt habe und zwar aus dem Grunde, „weil, zum 
grossen Erstaunen der ganzen Versammlung, der Aussohuss 
in der That in einer seiner Sitzungen das erwähnte Votum 
gegen Miani im Namen der ganzen Gesellschaft abgegeben 
habe, sich jedoch nicht für yerpflichtet glaubte, den Ge- 
genstand in der öffentlichen Sitzung weiter zur Sprache 
zu bringen"!! 

„Dadurch ist die Miani-Expedition für dieses Jahr we- 
nigstens zu Grabe getragen, es wäre denn, wie gerüchtweise 
verlautete, dass Se. Maj. der Kaiser in seiner Eigenschaft 
als oberster Sohutzherr nicht bloss der Land- und See-, 
sondern auch der geistigen Macht sich bewogen fühlen 
würde, eine Subvention aus seiner Privatkasse zu bewilli- 
gen. Jedoch könnte die Expedition aus physischen Ur- 
sachen keinesfalls vor nächstem Herbst die Reise nach dem 
oberen Nil-Gebiet antreten und bis dahin wäre es wohl 
möglich, dass auch von Seite des Abgeordnetenhauses die 
verlangte Unterstützung bewilligt würde. Aus diesem Grunde 
haben wir hauptsächlich die ganze Angelegenheit hier 
nochmals und ausführlich zur Sprache gebracht. Die Nil- 
Quellen sind noch nicht entdeckt ; was dem kräftigen, küh- 
nen , polyglotten , gegen die klimatischen Einflüsse durch 
vieljährigen Aufenthalt im Sudan gestählten Miani viel- 
leicht an streng wissenschaftlicher Bildung abgeht, das er- 
setzen seine beiden bewährten Reisegenossen; die Sub- 
vention von 6000 Gulden, welche die Regierung leistet, 
ist eben nur ein Beitrag, welcher erst ausbezahlt wird, 
wenn die ausserdem benöthigten Summen anderweitig ge- 
deckt sind — welchen berechtigten Einwand kann nach die- 
ser Auseinandersetzung der Ausschuss der Geographischen 
Gesellschaft noch gegen die Miani-Expedition erheben?" 

So weit das Schreiben aus Wien, das von zuverlässig- 
ster Seite kommt. Wir stehen den Wiener Verhältnissen 
zu fern, um eine klare Einsicht in diese Angelegenheit zu 
haben, können aber in der That nicht begreifen, warum 
Miani's Projekt und der Wunsch des Eaiserl. Ministeriums, 
dasselbe zu fordern, gerade in geographischen Kreisen sol- 
chen Widerstand findet. Es ist zu bedauern, dass der Aus- 
schuss der Geogr. Gesellschaft, weiche in dieser Frage vor- 
zugsweise zu entscheidendem Urtheil berufen war, dem 
Unternehmen hemmend und feindlich entgegentrat, anstatt 
für dasselbe zu wirken. 

Wir sind über Miani's Persönlichkeit ziemlich genau 
unterrichtet und haben Gelegenheit gehabt, die Urtheile 
vieler Nil-Reisenden über ihn zu hören; er ist sicherlich 
kein wissenschaftlich gebildeter Mann im strengeren Sinne, 
aber einstimmig werden ihm unbeugsamer Muth und grosse 
Energie zugeschrieben. Er hat sich ausserdem vollständig 
in den Nil-Ländern eingelebt, hat bedeutende Erfahrung, 



ist von Norden her weiter als irgend ein Anderer am 
Weissen Nil vorgedrungen (vielleicht den Sklavenhändler 
Debono ausgenommen) und könnte demnach als Führer 
einer Expedition, welche den Zweck hat, diesen Fluss auf- 
wärts bis zum Nyansa zu verfolgen, unschätzbare Dienste 
leisten, während seine Begleiter, Hauptmann Boleslawski, 
der sich schon der D^Escayrao'schen Expedition angeschlos- 
sen hatte und seither beim Wiener Militär-Geographischen 
Institut beschäftigt war, so wie Fregatten- Kapitän Millos- 
sich von der Österreichischen Kriegsmarine, beides Männer 
von umfassenden Kenntnissen und grosser Entschlossen- 
heit, die Fositions- Bestimmungen, Routenaufnahmen und 
sonstigen wissenschaftlichen Beobachtungen übernehmen 
würden. Unserer Ansicht nach könnte man die Sache kei- 
nen besseren Händen anvertrauen, zumal es sehr an ge- 
bildeten Männern mangelt, welche den Weissen Nil ken- 
nen, ohne Sklavenhändler zu sein, und aus geographischem 
Interesse zu einer solchen Reise bereit wären. Dr. Beke 
meinte jüngst, als er von seiner Absicht sprach, über Zan- 
zibar, also von Süden her nach dem Nysmsa zu gehen, die 
Forschungen von Norden her könne man getrost der Tinne'- 
schen Expedition mit Th. v. Heuglin, so wie Baker und 
Miani überlassen, die erstere ist aber bekanntlich im Ge- 
biete des Bahr el Ghasal gewesen und soll, nach indirekten, 
zur Zeit noch ungewissen Nachrichten, vor einigen Monaten 
nach Ghartum zurückgekehrt sein und Baker hat seinen 
Plan, von Gondokoro südlich zu gehen, wegen der Meuterei 
seiner Leute aufgeben müssen und sich östlich nach dem 
Sobat gewendet. Es bleibt also immer wieder nur Miani 
übrig. Ob er glücklicher sein würde als seine Vorgänger 
Peney, Hamier, Baker u. s. w., lässt sich natürlich nicht 
voraussagen, aber dass er ganz der Mann dazu ist, scheint 
uns unzweifelhaft. Noch kürzlich schrieb uns der Botaniker 
Dr. Schweinfurth, der eine grosse Reise in die Nil-Länder 
angetreten hat, aus Kairo: „Ich habe hier Miani kennen 
gelernt. Er ist hier eine allgemein bekannte und beliebte 
Persönlichkeit und würde, wenn die Initiative von Europa 
ergriffen würde, bei der hiesigen Regierung alle mögliche 
Unterstützung finden. Einen geeigneteren Mann zur Füh- 
rung der Expedition kann man sich nicht denken. Nie- 
mand vereinigt, wie er, Erfahrung und Tüchtigkeit des 
Charakters xfiit Muth, Entschlossenheit und körperlicher 
Befähigung. Ich habe Einsicht in seine Karten gehabt, 
die er gegenwärtig publicirt, und muss gestehen, dass bei 
seiner Auffassung der Nil -Quellen die Richtigkeit in so 
schlagender Weise auf seiner Seite ist, dass diese Bro- 
schüre gewiss nicht verfehlen wird, einen gewaltigen Ein- 
druck in Europa hervorzurufen und alle Welt für sein 
Unternehmen zu interessiren. Man hat Miani wissenschaft- 
liche Befähigung abgestritten, aber ist Livingstone durch 



Die Öaterreichische projektirte Expedition nach dem Nil-Quellgebiet. 



seine groRsen Erfolge etwa zu dem Rufe hoher Oelehrsam- 
keit gelangt? Falls das Unternehmen Miani's bis znm näch- 
sten Sommer in Gang gesetzt werden könnte, würde ich 
mich gern an demselben betheiligen nnd den vierten Theil 
der von Miani veranschlagten Kosten tragen, da das zu 
bereisende Gebiet für meine Zwecke von grossem Interesse 
ist tmd ich volles Vertrauen in die Befähigung dieses 
Mannes zur technischen Leitung der Reise hege." 

Es handelte sich in Wien nur um die verhältnissmässig 
geringe Summe von 6000 fl., 100 Gewehre und entspre- 
ehende Munition, die Hauptsache war, dass überhaupt eine 
Unterstützung von Seite der Österreichischen Regierung er- 
folgte und die Initiative von dort ausging, denn für diesen 
Fall war liiani bereits die grossmüthigste Unterstützung der 
Ägyptischen Regierung durch das österreichische General- 
Konsulat in Kairo zugesichert worden. Die Verantwort- 
lichkeit, welche der Ausschuss der Wiener Geogr. Gesell- 
schaft durch Befürwortung der Sache übernommen hätte, 
wäre demnach keine sehr grosse gewesen. 

Was Miani's bisherige Angriffe gegen Speke anlangt, 
so halten wir sie zum grossen Theil für unbegründet und 
hauptsächlich aus dem Irrthum hervorgegangen, dass der 
südliche Endpunkt seiner Reise von 1860 unter 2^ N. Br. 
liege, während er unter 3*^ 34^' N. Br. liegt, wie diess 
durch Speke's Itinerar und Fositious - Bestimmungen ganz 
klar bewiesen ist, mag nun Speke den mit Miani's Namens- 
einschnitt gezeichneten Baum wirklich gefunden oder einen 
anderen dafür angesehen haben. Die Hypothese, welche 
Miani in seinem offenen Briefe an den Herausgeber dieser 
Zeitschrift (in dem zu Alexandria erscheinenden Journal 
„H Commercio" vom 8. November 1863) wiederholt, dass 
nämlich der Weisse Fluss östlich vom Nyansa vom Kili- 
mandscharo und Kenia komme und der dem Nyansa ent- 
strömende Fluss der zum Systeme des Bahr el Ghasal ge- 
hörige Jeji sei, bleibt so lange unhaltbar, als nicht nach- 
gewiesen ist, dass Speke den Weissen Fluss zwischen den 
Earuma-Fällen und Gondokoro überschritten hat. Eben so 
beweist der Umstand, dass sich auf Speke's Karte die von 
]nani erkundeten Namen nicht finden, gar Nichts, da be- 
kanntlich jeder kleine Yolksstamm seinen eigenen Namen 
fdr die Flüsse und Länder seiner Umgebung hat. Wir 
halten an Speke's Darstellung von dem Ursprung des Flus- 
Bes von Gondokoro aus dem Nyansa oder Ukerewe-See, ' 
also an dem Hauptresultat der Speke'schen Reise um so | 
mehr fest, als wir nicht im Stande waren, unter den zahl- | 
reichen, von so vielen Seiten dagegen erhobenen Einwän- | 
den einen wirklich stichhaltigen zu finden. Dagegen ist * 
eine Fortsetzung des von Speke Begonnenen unbedingt ! 
nothwendig, wenn wir über das caput Nili ganz ins Klare * 



kommen sollen, denn abgesehen davon, dass der Nyansa 
selbst erst sehr mangelhaft bekannt, dass der Theil des 
Weissen Flusses zwischen den Karuma-Fällen und der Ein« 
mündung des Asua- Flusses erst noch zu erforschen ist, 
dass die Zuflüsse des Nyansa und dessen hydrographische 
Beziehungen zu den Schneebergen noch im Dunkeln lie- 
gen, so sind durch Speke's Erkundigungen wieder eine 
Reihe von Problemen hinzugekommen, wie der abenteuer- 
lich aussehende Luta Nzige-See und sein Zusammenhang 
mit dem Weissen Fluss, der Baringo-See und seine Bezie- 
hungen zum Asua, zum Nyansa und Kenia, die mehr- 
fachen Ausflüsse des Nyansa, auch die von Speke keines- 
wegs genügend aufgeklärten ethnographischen und histori- 
schen Verhältnisse der Länder am Nyansa u. s. w. Es 
bietet sich also dort noch ein weites Feld der Forschung 
und man darf nicht erwarten, dass eine einzige Expedition 
das Alles bewältigen wird, vielmehr wird es noch mancher 
Anstrengung, manchen Opfers bedürfen. Man sollte also 
das Anerbieten eines geeigneten Mannes wie Miani, sein 
Leben an die Aufgabe zu setzen, freudig begrüssen und 
nach Kräften unterstützen, wenn man das wahre, innige 
Interesse für den Fortschritt unserer Wissenschaft hat. 

Naehsehrift. — Das Vorgehende war bereits abgedruckt, 
als wir das Vergnügen hatten, den Fregatten-Kapitän Millos- 
sich, der seine Dienste bei der projektirten Expedition offe- 
rirt, persönlich kennen zu lernen. Die günstige Ansicht, 
die wir bisher über das Projekt hatten, ist dadurch noch 
erhöht worden; denn Kapitän Millossich vereinigt in seiner 
Person allein alle Bedingungen, die zur Erreichung eines so 
hohen Zieles erforderlich sein dürften. Ein achtjähriger 
Aufenthalt in den verschiedensten Theüen des Orients, eine 
gestählte Natur, ein geübtes, allen Vorkommnissen entspre- 
chendes Auge und ein resoluter praktischer Wille, wie 
solche Eigenschaften eben hauptsächlich erfahrenen und 
kenntnissreichen See-Offizieren eigen sind, befiUiigen ihn 
im hohen Grade zur Theilnahme an dieser Expedition und 
zur Lösung der gesteckten Aufgabe. Er erscheint uns in 
der That aus demselben Stoff gemacht wie ein Kapitän Speke 
und andere erfolgreiche Entdeckungs-Reisende. Man braucht 
durchaus nicht mit jMiani's Persönlichkeit und ganz mit sei- 
nen Ansichten einverstanden zu sein, um sein Projekt den- 
noch gutzuheissen und fördern zu helfen, und wir können 
uns nicht denken, dass in diesem so wichtigen und viel- 
versprechenden Unternehmen, welches in Österreich schon 
so viel thatkräftige Theilnahme erweckt hat, einem paar 
vereinzelten Stimmen zu Liebe, die dasselbe wohl nur aus 
persönlichen die Sache nichts angehenden Gründen und 
aus Mangel an Interesse für den Gegenstand selbst — 
nicht günstig ansahen, das Ganze vereitelt werden sollte. 



11* 



84 



Mittheilungen über die Katastral- Vermessung Trans -Kaukasiens 

nach ihren juridischen Prinzipien und technischen Ausführung dargestellt vom wirkl. Staatsrath «/. P. Staritzkij, 
Chef der Trans -Kankasischen Mesakammer und Mitglied des Käthes des OrossfUrsten - Statthalters Ton Kaukasien ^). 



Wenn gleich in Frankreich Napoleon I. — im Gegen- 
sätze zu allen anderen Ländern Europa's, wo der spater 
eingeführte Kataster nur fiskalischen Zwecken zu mög- 
lichst genaller. Abschätzung der Steuerfähigkeit des Grun- 
des und Bodens diente — vom angeordneten Kataster sei- 
nes Beiches verlangte, „qu'il peut et doit meme n^essai- 
rement servir de titre en justice pour prouver la propri^te, 
et qu'il seit le grand-livre terrier de la France'' ^), so spra- 
chen die Französischen Gerichtshöfe den vom Kataster auf- 
gestellten Bestimmungen bei vorkommenden Streitfällen die 
Beehtskraft ab. Dieser Mangel der Französischen Katastral- 
Ordnungy die bei Fixirung des Eigentbums den Aussprü- 
chen eigener Kommunal-Beamten » indicateurs, folgte, exi- 
stirt in der Bussischen Gesetzgebung nicht. Hier sind es 
die Eigenthümer selbst, die im festgesetzten Termine ihre 
Grenzen kontradiktorisch vor der Katastral-Behörde aufzu- 
weisen verpflichtet sind. „Suum onique" oder, in Bussi- 
scher Fassung des goldenen Spruches, „ein Jeder bleibe 
bei Seinem immerdar" war der Grundsatz, den die Kaiserin 
Katharina II. als Bichtschnur bei dem schon 1765 an- 
geordneten Kataster des Bussischen Beiches hinstellte. So- 
mit ging Bussland, wo der Grund und Boden wenig be- 
steuert ist, schon früh bei seinem Kataster vom juridi- 
schen statt vom allgemein gebräuchlichen finanziellen Stand- 
punkte aus. 

Da der Trans-Kaukasische Kataster wegen der örtlichen 
Besonderheiten dieses Landes, in welchem ein grosser Man- 
gel an rechtskräftigen Dokumenten herrscht, in neuester 
Zeit auf einer vielfach vom allgemeinen Kataster des Bus- 
sischen Beiches abweichenden Basis mit Berücksichtigung 
der in verschiedenen Ländern Europa's bewährten Metho- 
den aufgebaut wurde, so wollen wir in Kürze seiner juri- 
dischen Prinzipien erwähnen, ehe wir zur Schilderung sei- 
nes technischen Theiles wie der in den zwei Jahren seines 
Bestandes gewonnenen Besultate übergehen. 

Der unbewegliche Besitz befand sich bisher — und 
das von der jüngsten Vergangenheit Gesagte gilt fast überall 
noch von der Gegenwart — in Trans - Kaukasien in den 
ungünstigsten Verhältnissen. Gemeinsamer und parcellirter 
Grund und Boden mit völliger Unbestimmtheit der Grenzen 
und immer neu auftauchenden Grenzstreitigkeiten bildete 



1} Deutsche Redaktion unter den Augen des Verfassers besorgt 
Ton N. T. Seidlitz. • 

*) Recueil m^thodique des lois et ordonnances concemant le ca- 
dastre, 1811, art. lliS et 1144. 



die fast alleinige Art und Weise des Grundbesitzes. Ganzen 
Geschlechtem angehörige Güter blieben ungetheilt und de- 
ren Theilung erwies sich als unausführbar wegen der Un- 
möglichkeit, die Ausdehnung und Grenzen des der Thei- 
lung unterliegenden Landes gesetzlich zu fixiren. Aus- 
gedehnte Landstrecken lagen unbearbeitet und hatten keinen 
bestimmten Besitzer. Kaum aber erwies sich die unbe- 
deutendste Parcelle als für den Feldbau oder irgend ein 
industrielles Unternehiiien nothwendig, so wurden von al- 
len Seiten Ansprüche auf deren Besitz erhoben. Eine 
solche Unsicherheit des Grundbesitzes konnte nicht anders 
als den Ackerbau, die Industrie und den landwirthschaft- 
lichen Kredit völlig lähmend wirken. Die Ländereien der 
Krone, der Kirche und der freien Kronbauern litten wie die 
in Trans-Kaukasien so wichtigen Wälder unter diesen un- 
seligen Zuständen in gleichem Maasse. Die Absicht der 
Begierung, diesen Übelständen eine radikale und schnelle 
Abhülfe zu schaffen, veranlasste 1862 die Gründung der 
Trans - Kaukasischen Messkammer in Tiflis. Eine gewisse 
Anzahl ihr untergebener Messkommissionen, die einen ju- 
ristischen, einen Vermessungs-Beamten und einen Deputir- 
ten der örtlichen Grundbesitzer zu ihren Mitgliedern zäh- 
len, durchziehen während acht Monate des Jahres das 
Land und fixiren nach den kontradiktorischen Angaben 
der Grundbesitzer die Grenzen eines jeden Landstückes, 
das mit gesetzlich bestimmten Grenzmarken versehen und 
auf das Genaueste mappirt wird. Alle vorkommenden Strei- 
tigkeiten suchen diese Kommissionen theils durch vermit- 
telnde Thätigkeit ihrer Glieder, theils auch auf schieds- 
richterlichem Wege auszugleichen. Im Falle des Nicht- 
gelingens fällen sie einen Urtheilsspruch erster Instanz und 
überlassen den Parteien das Becht der Appellation an die 
in letzter Instanz in Sitzung von 5 bis 7 Oberbeamten 
endgültig, ohne weiter zulässige Appellation, entschei- 
dende Messkammer in Tiflis, wobei öffentliches und münd- 
liches Verfahren auf den breitesten liberalen Basen der 
Neuzeit angenommen wurde und die Interessen der Pri- 
vaten von ihnen selbst, die der Krone von einem General- 
Bevollmächtigten vertreten werden. 

Die Vermessung Trans - Kaukasiens geschieht mittelst 
des Messtisches und der Kippregel auf Grundlage des all- 
gemeinen trigonometrischen Netzes, welches von den Mess- 
beamten in solcher Weise getheilt wird, dass auf jede 
Planohette nicht weniger als drei trigonometrische Punkte 
kommen, was beim Maassstabe von 100 Faden auf den 



Mittheilungen über die Eatastral-Vermessung Trans-KaukasienB. 



85 



Zoll (1 : 8.400) annäherungsweise je einen trigonometri- 
schen Pankt auf 500 Dessiatinen ') ergiebt 

Die Erfahrung sweier Jahre hat die entschiedene Vor- 
trefflichkeit dieser Methode in ihrer Anwendung auf das 
gebirgige und coupirte Terrain Trans-Kaukasiens vollstän- 
dig bewährt, da letzteres eine direkte Messung mit der 
Kette über seine abgerissenen Bergketten und Thäler, 
welche grösstentheils die Grenze des Grundbesitzes im 
Lande aasmachen, nicht zulässt. Ungeachtet aller Vorzüge 
in Bezug auf Genauigkeit, Schnelligkeit und richtigen Aus- 
druck des Terrains, wie sie aus dieser Vermessung mit 
der Flanchette, die dabei auf dem trigonometrischen Netze 
fnsst, reeultiren, hatte diese Aufiiiahme in ihrer Anwendung 
auf den Kataster einen sehr wichtigen Mangel, da sie in sich 
selbst keine Zahlenwerthe bot, welche auf mathematisdiem 
Wege die Grenzen der Landgüter zu bestimmen im Stande 
gewesen wären. Natürlich wäre es auch nach einem mit- 
telst des Messtisches hergestellten Plane mit Hülfe des 
Maassstabes und Transporteurs ein Leichtes, die Entfernung 
Ton einem Grenzzeichen zum anderen und die zwischen 
denselben gebildeten Winkel zu bestimmen und auf solche 
Weise die umliegende Grenze so anzugeben, wie sie nach 
allgemein in Russland angenommener Methode auf astro- 
labischen Plänen angemerkt wird. Diese Methode nume- 
rischer Bestimmung der umgebenden Mark würde aber dem 
Wesen der Aufnahme mittelst des Messtisches nicht ent- 
sprechen, da letztere sich nicht auf polygonale Messung 
der Winkel und Linien längs der Umgrenzung, sondern 
aof Konstruktion eines Netzes und graphische Punkt- 
bestimmung gründet, und gleichzeitig würde sie dem Haupt- 
ziele eines Vermessungsplanes, der Möglichkeit, nach ihm 
die Grenzen der Landgüter wieder herzustellen, nicht ent- 
sprechen, da bei dem gebirgigen und coupirten Terrain die 
Wiederherstellung der Grenzen durch eine Umgehung mit 
der Kette längs der einfassenden Grenze entweder unrichtig 
ausfallen oder ganz unmöglich sein müsste. Und so war 
es denn unumgänglich nöthig, eine andere Methode nume- 
rischer Fixirung der Grenzen aufzusuchen, die mehr dem 
Wesen der graphischen Aufnahme vermittelst des Mess- 
tisches entspräche und mehr dem unmittelbaren Zwecke 
der die Grenzen fixirenden Katastral-Pläne in einer Gebirgs- 
gegend Genüge leistete. Auf solche Weise bot sich fol- 
gende dar. Die zur Aufnahme vorbereiteten Planchetten 
werden, ähnlich den geographischen Karten, mit sich kreu- 
zenden Linien durchzogen, welche die Gradtheilung von 
20 zu 20 Sekunden der Länge und Breite nach darstellen ^). 



1) 1 Desiiatiiie = 4,3789 PreuM. Morgen. 

') Die Linien der Gradeintheilung werden anf Gmnd der Berechnung 
der Gröiee eines Grades unter einer gewissen Länge und Breite ausgeso- 
gen. In der Umgegend von Tiflis kommt die Sekunde des Bogens der 
Breite nach gleich 14,5 Faden, der Länge nach 10,8 Faden. 



Hierauf werden auf die Planchetten ihren Längen und 
Breiten nach die entsprechenden trigonometrischen Punkte 
aufgetragen und auf Grundlage letzterer schreiten die 
Landmesser mit der Kippregel zur Anfertigung des geo- 
metrischen (graphischen) Netzes und weiterer Bestimmung 
des Details, wobei sie ihr Hauptaugenmerk auf genaue 
Fixirung der Grenzzeichen und einiger Objekte richten, 
die ihrem Wesen nach auf längere Jahre hin unangetastet 
bleiben und als Fundamental-Punkte zum Wiederaufftnden 
der Marken dienen müssen, als da sind spitze Berggipfel, 
Felsen, einzeln stehende Hügel, das Zusammentreffen von 
Schluchten, Kirchen, Gebäude u. a. m. Nach Maassgabe, wie 
auf dem Messtische die Grenzmarken und andere besonders 
wichtige Objekte graphisch verzeichnet werden, sucht der 
Feldmesser durch einfache Anwendung eines besonderen 
Maassstabes ihre Entfernung von den nächsten Linien auf, 
welche die bekannte Gradtheilung bezeichnen. Auf solche 
Weise erhält er ihre Länge und Breite in Sekunden und 
deren Theilen, welche er auch über jedem fixirten Punkte 
aufschreibt. Durch solche einfache Methode finden alle 
Grenzzeichen und andere Punkte von grosser Wichtigkeit, 
unabhängig von ihrer graphischen Bestimmung, bei der Ver- 
messung selbst ihren numerischen, mathematischen Aus- 
druck und in Folge dessen erlangt man die Möglichkeit, 
einerseits zu jeder Zeit den Katastral-Plan in seiner ur- 
sprünglichen Vollkommenheit zu erneuem, wenn auch das 
Original-Blatt im Laufe. der Zeit verdorben wurde und die 
graphische Wechselbeziehung zwischen den Punkten sich 
bedeutend veränderte, andererseits auch zu jeder Zeit die 
Grenzzeiohen auf die einfachste und bestimmteste Weise 
wieder herzustellen, selbst in dem Falle, wenn alle Grenz- 
marken ausgeglichen worden, da, wie oben erwähnt wurde, 
ausser den Grenzzeichen alle fixirten, natürlichen, unver- 
änderten Objekte sowohl innerhalb des Landstückes wie 
ausserhalb desselben als Grundlage zur Wiederherstellung 
der Grenzen dienen können. 

Die vorbeschriebene Methode numerischer Bestimmung 
der Grenzen von Grundstücken ist, so viel der Messkam- 
mer bekannt wurde, zum ersten Male bei der Trans-Kau- 
kasischen Katastral - Vermessung angewandt worden. In 
den wichtigen Werken Bobernier's (De la preuve du droit 
de propri^t^ en fait d'immeubles etc. Paris 1844. 8^, 2 voll. 
Examen critique du grand-livre terrier de la propri^t^ 
fonci^re. Paris 1856, 1 vol. Esquisse d'un cadastre pro- 
bant automoteur et perp^tuel ou id^ d'un grand-livre de 
la propri^t^ fonci^re. Paris 1855. 8^, 1 vol.) schlägt der 
Verfasser vor, die Grenzzeichen durch Koordinaten zu be- 
stimmen, die trigonometrisch in Besiehung zu irgend einem 
in der Mitte des Grundstückes gewählten Punkte, etwa 
dem Kirchthurme des Dorfes, berechnet wurden. Diese 



86 



Der San Franciftco-Paas über die Cordilleren. 



Methode wird aber von der Mehrzahl der Fachmänner so- 
wohl wegen der Weitschweifigkeit der trigonometrischen 
Bestimmung aller Orenzzeichen als auch wegen der Unza- 
läDgliohkeit der bloss mathematischen Bestimmung der 
Grenze, ohne graphische Darstellung derselben auf dem 
Plane» yerworfen')« 

Die bei der Trans-Eaukasischen Vermessung angenom- 
mene Methode beseitigt diese Mängel und bestimmt aus- 
serdem noch die Lage eines jeden Grenzzeichens nicht 
bloss nach seinem Verhältnisse zu irgend einem willkür- 
lieh gewählten Objekte im Inneren des Grundstückes, son- 
dern in seiner Beziehung zu allen fixirten Punkten sowohl 
in dem Grundstücke selbst als auch in allen dasselbe um- 
gebenden Besitzungen und auf gleiche Weise im ganzen 



') Journal des göomitres, 1855, 1er JaoTier; Porro, Tachiomitrie ; 
Cadaatre de Genftre par Delapalnd. 



Lande selbst, welches durch ein allgemeines trigonometri- 
sches Netz yerknüpft ist. 

Schliesslich muss hinzugefugt werden, dass im Laufe des 
gegenwärtigen Jahres (1863) von den Messbeamten (durch 
mittlere Theodolite ErteFs) 432 Punkte trigonometrisch 
bestimmt wurden, aus deren Zahl 287 den Vermessungen 
des gegenwärtigen Jahres zur Grundlage dienten und 145 
für die Arbeiten des Jahres 1864 yorbereitet wurden. 
Femer sind 128.258 Desslatinen im Maassstabe Ton 
100 Faden auf den Zoll aufgenommen. Auf solche Weise 
kommen auf jeden der 40 Messbeamten, die an den Ar- 
beiten des Jahres 1863 betheiligt waren, 3259 Dessiatinen 
der Eatastral- Aufnahme mit einer entsprechenden Anzahl 
trigonometrischer Punkte. 

Eine annähernd gleiche Strecke ist im J. 1862, dem 
ersten seit der Gründung der Trans - Kaukasischen Mess- 
kammer, aufgenommen worden. 



Der San Francisco -Pass über die Cordilleren. 

Von Dr. H, Burmeiater, 



Das Projekt, zwischen Gatamarca und Copiapo eine 
Eisenbahn über die Cordilleren zu legen, hat zu einer 
genauen Untersuchung der dortigen Pässe Veranlassung 
gegeben und somit unsere Kenntnisse über den Bau des 
Gebirges in jener Gegend wesentlich erweitert. Das Ver- 
dienst, sich dieser mühevollen Arbeit unterzogen zu haben, 
gebührt Herrn William Wheelwright, dem Entrepreneur 
der Rosario-Cordova-Bahn, einem der liebenswürdigsten und 
honnettesten Männer, welche mir jemals in meinem Leben 
begegnet sind. Derselbe hat mir während seiner Anwe* 
senheit in Buenos Aires alle seine erhaltenen Besultate 
zur Verfügung gestellt und danach habe ich die folgende 
Schilderung des Weges über den San Francisco-Pass ent- 
worfen. Dieser ist unter allen in jener Gegend vorhan- 
denen derjenige, welcher die meisten Vortheile für die 
Bahn darzubieten scheint, und da er zugleich einer der 
am wenigsten bekannten ist» so hielt ich es für angemes- 
sen, ihn in derselben Art in diesen Blättern zu beschrei- 
ben, wie ich früher den von mir selbst bereisten Pass 
durch die Quebrada de la Troya und über die Barranca 
blanca darin beschrieben habe {,S^eogc. Mittheil.'' 1860, 
S. 369 und Tafel 16). Über die anderen, mehr südlich 
gelegenen Pässe derselben Strecke der Cordilleren finden 
sich kurze Angaben im zweiten Bande meiner „Heise 
durch die La Plata-Staaten", SS. 243 ff. i) 

*) Wie 68 Bcheint, war es Herrn Prof. Burmeiater nicht bekannt, 
dsas eine Kartenskisie der ron Wheelwriglit proponirten Eiaenbahn- 



Der Anfang dieses Weges über den San Francisco-FaM 
ist von der Argentinischen Seite her derselbe mit dem ' 
früher beschriebenen durch die Quebrada de la Troya; 
man geht im Thal des Rio de Copacavana aufwärts bis 
AnUlaco, auf welcher Strecke einer Eisenbahnanlage gar 
keine Schwierigkeiten sich darbieten. Oberhalb Anillaco 
wendet man sich nicht westlich am Bio de Troya auf- 
wärts, sondern bleibt in der geraden Richtung nach Kor- 
den am Rio Anillaco (vgl. „Geogr. Mitth." 1863, Heftlll, 
8. 112) und verfolgt denselben aufwärts bis Fiambald, das 
10 Leguas von Anillaco am Fusse der östlichen Bergkette 
liegt, welche das ziemlich breite Thal des Rio de Anillaco 
einschliesst. Seine Höhe über dem Spiegel des Stülen 

linie über die Cordilleren nebst einem Profil und dem Bericht des In- 
genienr Flint ttber seine Rekognoscining der Linie im Jonroal der 
Londoner Geogr. Gesellschift für 1861 (SS. 155 n. ff.) publicirt ist: 
doch nehmen wir nm so weniger Anstand, seinen Aufsatz eu Teröffent- 
lichen, als in dem bis jetst Publicirten fast ausschliesslich auf den 
projektirten Eisenbahnban Rücksicht genommen wird, während Prof. 
Burmeister näher auf die natürliche Beschaffenheit und die Topographie 
jenes Theiles derAndes eingeht und, was hauptsächlich herrorzuhebeD, 
die Route ttber den San Francisco-Pass in Verbindung mit der tod 
ihm bereisten südlicheren bringt, wodurch sich die Andes an beides 
Übergängen als von gani analogem Bau erweisen. Für die meist ge- 
ringen Differensen der in dem Aufsats angeführten Höhen gegen die 
des publicirten Profils haben wir keine Erklärung. Zur OrientiruDg 
müssen wir auf Prof. Burmeister*s oben citirte Karte und auf die er- 
wähnte Skizie im Londoner Journal yerweisen und bemerken, dasa der 
Cerro de San Francisco (südlich ron dem gleichnamigen Pass) etwa 
20 Leguas nordlich yom Cerro Bonete liegt. Er bildet mit dem dritteo 
südlicheren Centrum des Cerro de Potro die erhabensten Punkte des 
östlichen Cordilleren - Plateau^s , während der Volcan de Copiapö die 
höchste Erhebung des westlichen Plateau*s dieser Gegend ist. A. F. 



Der San Francisco-Pass über die Cordilleren. 



87 



0eean8 betragt 4880 Far. Fuss (nacb Herrn £d. Flint's Mes- 
flong, des Ingenieurs, den Herr Wbeelwrigbt den Weg zur 
Besichtigung machen Hess, während ein anderer Ingenieur, 
der denselben Weg in gleicher Absicht für Herrn Wbeel- 
wrigbt bereiste, Herr N. Naranjo, 4865 Fuss angiebt). Da- 
neben finden sich die warmen Quellen, über welche ich 
in meiner Reise (II. Bd. S. 251) berichtet habe; sie ge- 
hören aber nicht der westlichen oder Famatina-Eette an, 
sondern dem östlichen metamorphischen Gebirge, welches 
hier parallel den Cordilleren von Nord nach Süd streicht 
and als Cerro Hegco südlich von Gopacayana endet Ober- 
halb Fiambaia wendet sich der Fluss, der jetzt Rio de 
Fiambal4 heisst, schnell nach Westen und dieselbe Rieb- 
tang schlägt der Weg an ihm aufwärts ein, denn der Fluss 
tritt hier, ganz wie der Rio de la Troya, aus einer engen 
Schlacht des Gebirges hervor 0, welche das paläozoische 



') Eine solche sweite Sehlncbt existirt also wirklich, im Gegensats 
zQ meiner Angabe auf S. 111 des Jahrgangs 1863 der „Geogr. Hitth." 
Die dort gegebenen Berichtigungen ffir meine Karte werden zugleich 
durch die Beschreibung des Bio Anillaco und seiner Quellarme erginst, 
velche der Torliegende Aufsats nach den Wheelwright'schen Untersu- 
ehnngen enthalt, pher ich will hier zugleich einige weitere Yerbesse- 
nngen der Karte nachtragen. Beisende, welche ihre Mittheilungen, in 
Ermangelung eigener Anschauung und Untersuchung, sehr oft auf die 
Aiu«agen der einheimischen Bevölkerung stützen müssen, setzen sich 
bei Angabe ihrer Besultate TielfSltigen Irrthfimem aus, sei es, dass sie 
die in der Begel sehr dürftigen Angaben der Leute missTcrstehen oder 
selbst Ton ihnen beim Kachfragen über die Konfigurations-Yerhältnisse 
des Landes missrerstanden werden. Alle diese Leute besitzen awar 
häufig ganz richtige Kenntnisse rom Lauf der Gebirge und Flüsse, aber 
sie sind nicht im Stande, sie klar anzugeben und namentlich Karten- 
ikizsen zu Terstehen, welche ihnen der Beisende yorlegt. So ist es 
gekommen , dass ich mehrfache Lrrthümer in Bezug auf den Lauf der 
Flüsse begangen habe, welche in diesem Theile der Cordilleren auftreten. 
Seitdem mit sachkundigeren Persönlichkeiten in Berührung gekommen, 
habe ich mich bemüht, weitere Nachrichten einzusiehen, welche meine 
früheren Angaben berichtigen. 

Der Bio Jagu6 entspringt, wie schon in den früheren Berichtigun- 
gen erwähnt wurde, am Fusse des östlichen Cordilleren-Plateau's in der 
Gegend des Cerro Bonete und fliesst Anfangs in einem sehr engen Thale 
mit steilen Winden nach Süden. Nach einiger Zeit Terbindet er sich 
mit dem Bio de Loro, welcher neben ihm in Westen dieselbe Bioh- 
tnng yerfolgt, und beide vereinten Flüsse laufen als Bio Jagu4 in dem 
Thal zwischen den Cordilleren und dem Alto del Machaco, der auf 
meiner Karte als Cuesta de la Troya angegeben ist, nach Süden bis 
zum Dorf Jagu6, wo die Ebene zwischen den Cordilleren und der 
Sierra Famatina ihren Anfang nimmt. Etwas weiter südlich erhält der 
Fluss einen Zuwachs durch den Bio Vinchina, der ostwärts neben ihm 
fliesst und in dem engen Thale zwischen dem Alto del Machaco und 
der Sierra Famatina ebenfalls aus Norden herabkommt. Diesen Fluss 
habe ich auf meiner Beise nicht kennen gelernt, daher auch auf der 
larte nicht angegeben ; später hat mich Herr Martin de Moussy bei 
seiner letzten Anwesenheit hier in Buenos Aires ron seiner Existena 
nad seinem Laufe unterrichtet. Br entspringt in gleicher Weise mit 
dem Bio de la Troya Tom Ostabhange des Alto del Machaco, etwas 
lädlich Ton dessen Quelle, und Terbindet sich mit dem Bio Jagu6 ober- 
halb der Ortschaft Vinchina, die nach ihm benannt ist. Aus beiden 
Flüssen entsteht der Bio Yermejo, welcher die Ebene zwischen den 
CoTdüleren und der Sierra Famatina bewässert und bis in die Gegend 
Ton San Juan reicht. — Der Bio Salado, welcher mit dem Bio blanco 
in dem Thale zwischen dem östlichen und westlichen Cordilleren-Plateau 
Ton Korden nach Süden strömt, tritt nicht, wie ich auf meiner Karte 
ngegeben habe, dort oben in die erwähnte Ebene zwischen den Coi^ 
dilleren und der Sierra Famatina ein, sondern bleibt gegen 50 Leguas ^ 
Itng in seinem Längsthal zwischen den Cordilleren-Plateaux, ohne neuan 



Bohiefergebirge, eine Fortsetzung der Sierra Famatina, töI- 
lig auf dieselbe Weise durchbricht. Die Mündung der 
Schlucht ist ziemlich weit, weil ein anderer kleiner Fluss, 
der auch aus Norden, aber im Gebirge selbst yon der 
Piedra parada herabkommt, hier in den Rio de Fiambal& 
mündet, aber bald oberhalb dieser Mündungsstelle wird sie 
sehr eng und theilt sich in zwei Schenkel, von welchen 
der eine nach Nordwest, der andere nach Südwest ins Ge- 
birge einschneidet. Durch beide fiiessen Gewässer und an 
beiden führen Wege ins Innere des Gebirges. Der nord- 
westliche ist der kürzere, aber der beschwerlichere; er 
führt neben dem Fluss hin durch ein ziemlich weites Thal, 
das aber eine starke Steigung hat und im Nordwesten an 
einer hohen isolirten Granitgruppe endet, welche den Na- 
men der Piedra parada führt. Am Fuss derselben ent- 
springt das gleichnamige Flüsschen und endet das Thal; 
eine steile Cuesta ist zu übersteigen, um Ton hier nach 
dem San Francisco-Pass zu kommen, und diese Cuesta führt 
vorerst in das Thal des Bio Casadero, welcher die obere 
Fortsetzung des Rio de Fiambaia oder Anillaco ist. 

Die nach Südwest ziehende Schlucht heisst die Que- 
brada de Couchuil; sie ist Anfangs eben so eng wie die 
Quebrada de la Troya und hat eine rapide Steigung; ihr 
Boden liegt voll grosser und kleiner Felsblöcke, durch die 
der Fluss sich rauschend Bahn bricht, und steile Wände 
eines röthlich- grauen, sandig - thonigen Sedimentgesteines 
Bchliessen sie zu beiden Seiten ein. Diese enge Strecke 
dauert 2 Leguas aufwärts, alsdann erweitert sich die Schlucht 
mehr und wendet sich in einem Bogen durch Westen nach 
Nordwesten, allmählich ganz in Nord übergehend. In der 
Gegend der Hauptbiegung des Thaies und Flusses befinden 
sieh Sumpfige Niederungen, mit Algaroba- Gebüsch umgeben, 



Wassersufluss su empfangen; er nimmt später den Namen Rio Jaehal 
an und Terlässt als solcher die Cordilleren in der Kähe des Donna 
Anna-Passes, etwa unter 29° 35' 8. Br. Die yon mir angegebene Pas- 
sage durch das östliche Cordilleren-Plateau, welche lum Fass der Pens 
negra führt und durch die ich den Bio Salado gehen liess, ist in die- 
ser Weise nicht vorhanden, sondern beruht auf einem MissTerständniss 
meinerseits über Angaben, welche ich später in Chile erhielt, während 
mir mein ortskundiger Begleiter auf der Beise richtig gesagt hatte, 
dass der Bio Salado, nachdem er sich mit dem Bio blanco yereinigt 
habe, in den Bio Jaehal falle, d. h., richtiger gesagt, derselbe Fluss sei. 
Wo der Bio Salado sich mit dem Bio blanco verbindet, weiss ich 
ebenfalls nicht genau, aber jedenfalls nördlich vom Come Cayallo-Pass, 
denn ich finde keine Angabe, dass man auf dieser Tour mehr als Binen 
Fluss, den Bio Salado, überschreite., Der Bio Salado bleibt nun in 
demselben engen Thale viele Leguas weit ohne wesentliche Zuflüsse 
und erhält den Kamen Bio Jaehal, wenn er aus dem Gebirge tritt, wo 
eine Ortschaft gleichen Namens an ihm liegt. Yon da wendet er sieh 
nach Südost und trifft später mit dem Bio Yermejo nördlich von 
San Juan ausammen. Für den oberen Lauf habe ich Nichts hinsum- 
fügen , er ist wie ich ihn in meiner Beise angegeben habe. Wahr- 
scheinlich bezieht der westliche Bio Salado sein Wasser vom Yulcaa 
de Copiap6 und der östliche Bio blanco mit dem Arroyo desselben Na- 
mens das seinige vom Westabhange des Cerro Bonete, doch stehen mir 
darüber keine direkten Angaben oder Beobachtungen au Gebote. 

Burmeister. 



88 



Der San Francisco-PasB über die Cordilleren. 



ganz wie weiter südlich bei der Cienega redonda am Bio 
de la Troya, welcher auch diese Örtlichkeit ihrer Bezie- 
hung zum Gebirge nach analog ist, denn sie ist nichts 
Andres als die Fortsetzung desselben Thaies zwischen den 
beiden Ketten des Famatina-Systemes, dem diese Weide- 
plätze oder Alojiamentos angehören. Es führt sogar von 
diesem Alojiamento de Ck)uchuil genannten Platze ein Weg 
in dem Thale südwärts weiter nach der Gien^^ redonda» 
um von ihr aus die Quebrada de la Troya zu passiren. 
Freilich würde auf diesem Wege die Ausführung eines 
Schienenweges auf dieselben Schwierigkeiten stossen wie 
in der Quebrada de Couchuil; die Strasse würde ohne be- 
deutende künstliche Nachhülfe weder hier noch dort sich 
ausführen lassen. Von Fiambald nach dem Alojiamento de 
Couchuil sind 12 Leguas und letzteres liegt nach Ed. Flint 
9778 Par. Fuss über dem Meere. 

Yon Couchuil geht das Thal, welches südwärts zur 
Cienega redonda streicht, in gerader Linie nordwärts wei- 
ter und trennt hier wie dort die beiden Ketten der Fort- 
setzung der Sierra Famatina. Es ist bequem zur Reise 
aufwärts, hat eine ziemlich gute Vegetation von niedrigem 
Gfebüsch, das neben Rasenflächen, die den Fluss begleiten, 
sich ausbreitet, und ist nirgends von steilen Stürzen un- 
terbrochen. So kommt man an eine Stelle, wo an der 
östlichen Seite die hohe Granitmasse der Piedra parada 
steht, welche auch hier ins Thal hinüberstreicht und das- 
selbe wieder sehr einengt. Der Fluss bildet daselbst ge- 
waltige Stürze, die mit Unterbrechungen eine geraume 
Strecke anhalten und ihn selbst an einer Stelle in zwei 
Schenkel theilen, indem er sich um zwei kleine Hügel 
mitten im Thal herumwinden muss. — Die Gegend der 
Piedra parada wird el Casadero genannt und eben so fortan 
der Fluss; sie ist 13 Leguas von Couchuil entfernt und 
liegt nach Hrn. Flinfs Messung 11.000 Fuss über dem 
Meere. Yon da bis zur Unterbrechung des Flusses durch 
jene Hügel sind 7 Leguas und seine Erhebung über dem 
Meere beträgt hier nach Hm. Naranjo's Messung schon 
12.000 Fuss. Auf diese kurze Strecke ändert das Thal 
ein wenig seine Richtung, es wendet sich aus Nord wie- 
der nach Nordwest und geht oberhalb der Hügel aufs Neue 
in nördlicher Richtung weiter, wahrscheinlich weil diese 
Richtung die Fortsetzung des Thaies zu sein scheint, worin 
weiter südlich der Rio Jagu^ fliesst, dessen Thal, wie wir 
wissen, die Grenze der eigentlichen Cordilleren und des 
Famatina-Systemes angiebi Offenbar hat das weiter süd- 
lich nicht bemerkbare Zutagegehen des Granits als des 
Fundamentes des Famatina-Systemes diese Ablenkung oder 
vielmehr Unterbrechung in dem Lauf des Thaies hervor- 
gebracht und dadurch den Fluss, der nach der Richtung 
seiues Thaies dem Rio Jagu^ zufallen müsste, in diese 



selbstständige Bahn durch das Famatina -System bis zur 
Ebene bei Fiambald getrieben. 

Bemerkenswerth ist es übrigens, dass, wie Herr Na- 
ranjo bestimmt angiebt, die gewöhnlichen Reisenden über 
den San Francisoo-Pass nie diesen längeren Weg durch die 
Gegend des Casadero und durch Couchuil wählen, sondern 
stets den kürzeren über den Kamm neben der Piedra pa- 
rada durch das Thal des gleichnamigen Flusses, obwohl 
er wegen der rapiden Steigung der Kieimmstrecke hier höchst 
beschwerlich sein soll. 

Vom Casadero aufwärts ändert das Thal des nunmehr 
denselben Namen führenden Flusses seinen Charakter nur 
wenig; es hat stellen weis eine beträchtliche Breite, die zu 
2 Leguas angegeben wird, und von Zeit zu Zeit Wiesen- 
gründe mit Gebüschen daneben, aber es kommen dazwi- 
schen auch wieder enge und steilere Strecken vor, die mit 
Rollsteinen und Blöcken überschüttet sind, während an 
den Gehängen und im Grunde mächtige Sandmassen eben 
so vorwiegen wie im Thal des Rio Jagu^. Im AUgemei- i 
nen lautet Hm. Naranjo's Bericht weniger günstig für den 
Bahnbau als der des Hrn. Flint, denn Efsterer sagt, dass 
die ganze 20 Leguas lange Strecke vom Casadero bis zum 
San Francisco-Pass etwa nur 6 bis 7 Leguas leicht prakti- | 
kahlen Weges darbiete, alles Übrige mit Geröll überschüttet I 
und so uneben sei, dass die* künstliche Nachhülfe bedeu- 
tend werden müsste. So kommt man, immer bergan ge- i 
hend, an eine Stelle, wo zwei kleine Flüsse sich zum 
Hauptfluss verbinden ; der eine, aus Norden kommend, führt 
den Namen des Rio San Francisco , der andere aus Westen 
heisst Rio Losas; an beiden führen Wege zum Kamm des 
Gebirges hinauf. 

Das Thal des Rio Losas ist kürzer, aber beschwer- 
licher wegen der schnelleren Steigung seines Bodens und 
der höheren Lage des Übergangspunktes über das Gebirge; es 
führt zwischen hohen Bergen zum Kamm hinauf und über 
ihn durch eine breite Schlucht bergab auf eine weite und 
flache Mulde oben auf dem Gebirgsplateau, an deren nörd- 
lichstem, tiefsten Rande sich ein ziemlich grosses Wasser- 
becken, die Laguna verde, befindet. 

Das Thal des Rio San Francisco ist die geradlinige 
nördliche Fortsetzung des Thaies vom Rio Casadero und 
behält ganz dessen Charakter; es geht mit sanfterer Stei- 
gung und breiterem Bette aufVärts bis zu einer Stelle, wo 
der östliche Rand des Cordilleren-Plateau's erstiegen wer- 
den muss. Die Gegend umher zeigt viele Salzkrusten, hat 
aber noch immer stellenweis Wiesengründe und Strauch- 
werk; sie fuhrt den Namen des Punto de San Francisco 
und liegt nach Hm. Flinfs Messung 12.446 Fuss über 
dem Meere. Das passt ziemlich gut zu meiner Messung 
an der Laguna brava des Weges über die Barranca blanca, 



Der San Francisco-Pass über die Cordilleren. 



89 



vo ich auf halber Höhe der swei^en Stufe des Gordilleren- 
Platean's mich 13.081 Fasa über dem Meere befand. 

Naehdem man den Band über dem Pnnto de San Fran- 
cisco erstiegen hat, kommt man auf eine Hochfläche, die 
mit grobem Gesteinsachatt überschüttet ist und sanft nach 
Westen bis zum Übergangspunkte ansteigt: Es ist diess 
die Fortsetsong des Plateau's im Süden, auf dem der Cerro 
'fionete steht; es trägt auch hier einen mächtigen Schnee- 
^pfel, den Cerro de San Francisco, der sich im Süden 
Tom Wege, zwischen diesem Pass und dem des Bio Loses 
befindet Der Boden ist sehr ungleich und die Anlegung 
der Bahn in dieser Höhe ohne Zweifel beschwerlich der 
starken Steigung wegen, denn nach einem Bitt von 4| Le- 
gaas ist man am Eammrande, welcher nach Hrn. Flinfs 
Messung 15.021 Fuss hoch liegt, nach der Hm. Naranjo's 
14.991 F., — Angaben, die durch ihre grosse Annäherung 
beweisen, dass die Höhe des Passes keineswegs zu hoch 
angegeben sein dürfte. 

Offenbar befindet sich der Pass schon in der Begion 
des beständig gefromen Dunstniederschlags und seine Be- 
freiang Tom Schnee kann lediglich der Armuth dieser 
Atmosphäre an Wasserdunst und der Strahlung des täglich 
Ton der Sonne erwärmten Bodens zugeschrieben werden. 
Im Winter, vom Mai bis September, kommen hier heftige 
Schneestürme tou Zeit zu Zeit vor, wie auf dem ganzen 
Cordilleren-Plateau, aber schon nach einigen Tagen ist der 
Schnee wieder geschmolzen, daher das ganze Jahr hindurch 
der Fahrbarkeit der Bahn von dieser Seile kein ematliohes 
Hinderniss zu drohen scheint. Nur in den Schluchten und 
am Fuss steiler Gehänge trifft man in dieser Gegend der 
Cordilleren den ganzen Winter durch Schnee, der stellen- 
weis 15 Fuss tief liegen soll und sich noch bis in den 
Sommer hinein halten kann; aber ein förmlicher Schluss 
der Gordilleren-Pässe durch Schneefall, wie weiter südlich 
neben San Juan und Mendoza, ist in dieser Breite des 
Gebirges nicht zu fürchten. 

In der Nähe des Passes liegen südwärts vom Wege, in 
einer breiten Mulde zwischen dem Cerro San Francisco 
and der Passhöhe, eine Anzahl kleiner Salzlachen, welche 
der ebenfslls salzhaltigen Laguna brava am Wege zwischen 
dem Cerro Eatanzuelo und Cerro Bonete analog zu sein 
icheinen und mir den Beweis liefern, dass diese ganze 
Strecke der Cordilleren geognostisch wie physikalisch einer- 
lei Charakter besitzt und ganz genau in ihrer Beschaffen- 
heit übereinstimmt. Auch Herr Naranjo gedenkt der Salz- 
anawitterungen in dieser Gegend des Gebirges. 

Unmittelbar unter dem Pass tritt man in eine enge 
Sehlncht, den Portezuelo de San Francisco, offenbar eine 
leere Wasserbahn, ein, die Anfangs nur 500 Schritt breit 
ist nnd mit abnehmender Steigung und zunehmender Breite 

Petermaim's Oeogr. Mittheiluogen. 1864, Heft lU. 



gegen 5 Leguas weit bis zu der Mulde hinab fuhrt, an 
deren nördlichem Bande die Laguna verde sich befindet. 
Sie ist mit Wiesengründen umgeben, welche die Beisenden 
zur Fütterung ihrer Thiere benutzen, aber Strauchholz 
fehlt gänzlich; nur die Wurzeln der in jener früheren 
Mittheilung von mir besprochenen, Cuemo de Cabra genann- 
ten Pflanze können als Feuerungsmaterial, da wo sie wächst, 
benutzt werden. In der Nähe der Laguna verde trifft der 
Weg über den Bio Losas-Pass wieder mit diesem über den 
San Francidbo-Pass zusammen und beide gehen hier über 
ein völlig ebenes Plateau gegen 15 Leguas weit ununter- 
brochen nach Südwesten. Die Hochfläche, genannt el 
campo de las Tres Cruzes, liegt nach Hrn. Naranjo's Mea- 
snng 14.002 Par. Fuss hoch; sie führt an den Band eines 
Absturzes, der gleich dem vorigen von einer engen Schlucht 
eingeschnitten wird, die als Portezuelo de las Tres Cruzes 
bekannt ist. Hier fand Herr Flint noch 13.593 Fuss Er- 
hebung; nuin steigt durch die Quebrada de las Tres Cruzes 
hinunter und trifft in derselben wieder viele Hindernisse 
wegen der Unebenheit des Bodens und der Gesteinstrüm- 
mer, die ihn bedecken. Auf halber Höhe entspringt ein 
kleiner Fluss, der Bio Llamas, der in der Bichtung der 
Schlucht nach Süden fliesst und, obgleich er Zuwachs von 
mehreren kleinen Bächen erhält, doch nach einem Lauf 
von 2 Leguas am Ende der Quebrada sich im Boden ver- 
liert. Diese Gegend nennt man Tres Cruzes, sie erhebt 
sich am Ufer des Bio Llamas 11.930 Fuss über dem Meere 
(nach Hm. Flint's Messung) und hat Wiesengrund nebst 
Gebüsch in seiner Nähe. 

Am Ausgange der Quebrada de las Tres Cruzes ist man 
wieder auf einer 7 Leguas breiten Hochfläche, wo einer 
Wegeanlage gar kein Hinderniss in den Weg tritt. Es 
entspricht dieselbe in ihrem Yerhältniss zum übrigen Ge- 
birge dem westlichen Cordilleren -Plateau, gleichwie die 
Quebrada mit dem Bio Llamas dem Thal des Bio Salado; 
letzteres bezeichnet die Grenze zwischen den beiden Hoch- 
flächen, der östlichen, die vom Ponte de San Francisco 
bis zur Quebrada de las Tres Cruzes reicht, und der west- 
lichen, die bei Tres Cruzes ihren Anfang nimmt. Be- 
sagte Hochfläche steigt von da sanft nach Westen an, 
welche Steigung besonders der zweiten westlichen Hälfte 
zufällt, und bildet an ihrem Anfange eine schwache Sen- 
kung, in welcher sich dermalen kein Wasserbecken, wohl 
aber ein ausgetrocknetes, die Laguna salada, befindet, deren 
dicker Kochsalzniederschlag hier gewonnen und auf dem 
Bücken von Eseln in 5 Tagen nach Copiapo geschafft 
wird. Hinter der Laguna nach Westen wird der Boden 
unebener und ist namentlich die zwei letzten Leguas sehr 
rauh und felsig, daher ohne Nachhülfe nicht sehr zur An- 
lage der Bahn geeignet. So gelangt man an den Band 

IS 



90 



Der San Franciaco-PasB über die Cordilleren. 



des westlichen Plateaa's, das hier nach Flint's Messung 
wieder 13.022 Fuss über dem Meere hoch ist; man steigt 
einen steilen Abhang, la Gaesta de los Ghilenos, dessen 
lineare Aasdehnung keine halbe Legua beträgt, hinunter 
und ist, unten angekommen, in einer engen Thalschlucht, 
deren Boden 11.724 Fuss hoch liegt; der Unterschied be- 
trägt also 1300 Fuss. — Diese Stelle gewährt nach Hm. 
Flint's Meinung das grösste Hinderniss für die Bahn; alle 
anderen Schwierigkeiten, wie die in der Quebrada de las 
Tres Cruzes, am Casadero und selbst die der Quebrada 
von Gouchuil, lassen sich nach ihm eher überwinden, weil 
nirgends die Steigung so schnell und stark sein müsste 
wie eben hier. Alle solche Schwierigkeiten würden beim 
Bau dieser Bahn nicht grösser ausfallen als ähnliche auf 
anderen Bahnen, die bereits mit Erfolg überwunden wor- 
den sind. 

Das enge Thal, welches vom Fuss der Gordilleren aus- 
geht und das gebirgige Vorland Ghile's durchschneidet, ist 
^ seinem ganzen Verlaufe von hohen steilen Felsgehängen 
eingeschlossen, hat einen mehr oder weniger unebenen, von 
Trümmern und Felsjochen unterbrochenen Boden und kei- 
nen kontinuirlichen Wasserfaden in seiner Tiefe, sondern 
nur hie und da eine kleine Quelle (Manantiales) oder etwas 
Wiesengrund. Es streicht in südwestlicher Bichtnng mit 
mehreren starken Wellenbiegungen bis zu dem Wege und 
dem Thale, das von Tres Funtas nach Gopiapo führt, und 
trifft bei Puquios m;t denselben zusammen, von hier an eine 
mehr südsüdwestliche Richtung einschlagend. In seinem 
allgemeinen Gharakter gleicht es ganz dem Thale des Bio 
Gopiapo, d. h. der Boden und die unteren Gehänge sind 
sandig, die Höhen kahles und nacktes thonig-sandiges Sedi- 
mentgestein, hie und da von Eruptivmassen unterbrochen, 
welche die Sedimente streckenweis in sogenannte geschich- 
tete Porphyre verwandelt haben. Diese Partie gehört der 
mittleren Strecke in der Gegend von Puquios an. Seine 
ganze Länge von der Guesta bis nach Gopiapo wird zu 
36 Leguas angegeben, wovon 15 auf die untere Partie von 
Puquios bis Gopiapo kommen. 

Die Schlucht, durch welche man den steilen Abhang 
der Gordilleren hinunter reitet, führt den Namen des Porte- 
zuelo de los Ghilenos; am Ende derselben hat die erste 
1 Legua lange Strecke des Thaies noch einen sehr starken 
Fall, der Boden ist hier sehr uneben und die Bahnanlage 
hat daselbst grosse Grundarbeiten nöthig. Später wird die 
Steigung geringer, aber es tritt eine andere Schwierigkeit 
auf, d. h. ein niedriger Höhenzug in der Mitte des Tha- 
ies, welcher dasselbe in zwei neben einander hinlaufende 
Schluchten spaltet; doch trifft man daselbst an mehreren 
Stellen kleine Quellen und Gebüsch. Eine Legua unter- 
halb des Punktes, wo die beiden Schluchten sich wieder 



zum einfachen Thal verbinden, liegt die Station Maricuoga, 
9475 Fuss über dem Meere, es ist ein gewöhnliches Alo- 
jiamento der Reisenden, wo Wasser, Weide und Strauch- 
holz sich findet; künstliche Steinbauten (Pircas) haben hier 
einige Bequemlichkeiten der einfSachsten Art bereitet. Von 
da geht das Thal ziemlich geradlinig 4 Leguas weiter nach 
einer ähnlichen Stelle, die Tapiacitos heisst und 7850 Fuss 
hoch liegt; dann macht das Thal mehrere Krümmungen, 
bis man nach 5 Leguas in die Gegend des Minenwerkes 
(Molinas) von Paipote kommt. Eine Legua vor demselben 
liegt die erste Hütte mit Bewohnern, genannt £1 Bolo; es 
ist die einzige Ansiedelung auf der ganzen Strecke von 
Fiambald bis hierher. Das Thal hat hier eine ziemlich 
günstige Beschaffenheit für den Bahnbau. Paipote ist ge- 
genwärtig (1854) verlassen und liegt 5867 Fuss über dem 
Meere. Von hier bis Puquios sind 8^ Leguas. Das Thal 
macht in dieser Gegend bis zur Quebrada de San Andres 
eine starke Krümmung nach Norden, bietet aber sonst 
keine erheblichen Schwierigkeiten dar. Eine Meile von 
Paipote ist ein Raneho mit Bewohnern, wo man Unter- 
kommen findet. Diese erste Strecke ist die schlechteste 
für den Wegebau. In Puquios, wo die Quebrada de Pai- 
pote in das Thal von Tres Puntas einmündet, war früher 
eine Art Wirthshaus, das jetzt (1854) in Trümmern liegt, 
daher fehlt es an Futter für die Thiere, aber Wasser und 
Strauchholz sind vorhanden. Die Höhe der Stelle über dem 
Meere beträgt noch 3915 Fuss. Ton da führt ein breites, 
aber sehr ödes Thal bis nach Gopiapo (1138 Fuss) and 
darin begegnet man keinen Schwierigkeiten mehr; die 
Bahn würde sich hier sehr leicht herstellen lassen. 

Was endlich die geognostische Beschaffenheit dieser 
Strecke der Cordilleren betrifft, so hat darüber Herr Ed. Flint 
einige Andeutungen gegeben, welche beweisen, dass das 
Gebirge sich völlig eben so verhält, wie ich es weiter 
südlich am Wege durch die Barranca blanca kennen ge- 
lernt habe. Die Hauptmasse sind röthliche oder bräunlich- 
graue thonig - sandige Sedimente, welche durch Verwitte- 
rung sich in hellfarbigen Sand auflösen, der den Boden 
aller Thäler und den Grund aller Gehänge, wo der Abfidl 
nicht zu steil ist, bedeckt. Aber auf dem Plateau liegt 
Gesteinsschntt , der hauptsächlich von den Porphyr- und 
Trachyt-Kegelgruppen herrührt, die sich in Zügen über 
dasselbe ausbreiten und die oberen Ränder der Thalschlach- 
ten begleiten. Granit findet sich mächtig entwickelt im 
Thal des Bio Casadero neben der Piedra parada und west- 
lich am Pik der Cuesta de los Chilenos. Über den £ri- 
gehalt des Chilenischen Vorlandes sind genügende Nach- 
richten vorhanden, welche lehren, dass zahlreiche Gänge 
von Kupfer-, Silber- und Blei-Erzen diese westlichen Ab- 
hänge der Cordilleren durchsetzen, aber von der östlichen 



Flächeninhalt und Eüstenlänge. 



91 



oder Argentinischen Seite weise man darüber noch Nichts. 
Herr Flint traf am San Francisco-Pass einen Silbersucher, 
der dort wie so viele seiner Art im Gebirge herumstreifte, 
um Erzadern zu erspähen. Er wollte mehrere Kupfer- 
gange gefunden haben und versicherte mit Bestimmtheit, 
in der Nähe eine 5 Fuss mächtige Steinkohlenschicht 
2a kennen. Das wäre ein interessanter und wichtiger 
Fond für die projektirte Bahn. Möglich ist es wohl, denn 
das Gebirge östlich vom San Francisco-Pass gehört allem 
Anschein nach zur Silurischen Formation und das west- 
lieh davon bis zur Quebrada de las Tres Cruzes wohl zur 
Devonischen; dann müsste auf der Grenze dieser Forma- 
tion und des s<^nannten Perm'schen Systems, dem das 
▼eatliche Cordilleren - Plateau anzugehören scheint, die 
Steinkohlen-Formation gelagert sein. Wenn, wie ich Grund 
habe anzunehmen, die Quebrada de las Tres Cruzes der 



Barranca blanca analog ist und die dortigen hellfarbigen 
Sandsteine zum Perm'schen System gehören, wie ihre Ana- 
logie mit denselben Schichten Boliviens nach D. Forbes' 
Beschreibung (Quart. Journ. Geol. See. Vol. XVII) zu be- 
weisen scheint, so wäre das Auftreten der Steinkohlen-» 
Formation zwischen der Quebrada de las Tres Cruzes und 
dem San Francisco-Pass eine völlig natnrgemässe Erschei- 
nung, die sowohl wissenschaftlich als auch ökonomisch 
alle Beachtung und genauere Nachforschung verdient. Das 
ganze Chilenische Vorland gehört geologisch, wie D. Forbes 
und ich aus den Versteinerungen erwiesen haben (Abhandl. 
der Naturforschenden Gesellschaft; zu Halle, Bd. VT) zur 
Jura-Formation und die östlich vor den Cordilleren gele- 
gene Fortsetzung der Sierra Famatina zur Paläozoischen 
Gruppe, d. h. wahrscheinlich zur unteren Silurischen, wenn 
nicht gar Cambrischen Abtheilung. 



Flächeninhalt und Köstenlänge. 

Neue Bedenken und Vorschläge. 



Mit Bezog auf die von Dr. Eeber in den „Geogr. Mitth.'' 
(1863, S. 309) angeregte Frage, ob sich die Kiistenent- 
wickelung durch Zahlen ausdrücken lasse, ist uns abermals 
(vergl. „Geogr. Mitth." 1868, S. 406) eine Reihe von Zu- 
schriften zugegangen, ein Beweis, dass der Gegenstand in 
▼eiteren Kreisen Anklang gefunden hat. Zum Theil ent- 
halten sie Wiederholungen der bereits publicirten Vor- 
schläge, Dr. Keber selbst bringt aber gegründete Bedenken 
gegen diese Vorschläge vor und der Königl. Preuss. Lieut. 
T. Prondzynski erörtert die verschiedenen Seiten der Frage 
and empfiehlt ein anderes, wie es scheint, annehmbares 
Verfahren. Wir lassen beide Aufsätze hier folgen. 

L Dr. Keber's Einwand gegen Dr« Bothe's Voraohlag. 

Es gereicht mir zur Genugthuung, dass die in meinem 
Aufsätze angeregte Aufgabe mehreren Männern wichtig 
genug erschienen ist, um sich damit zu beschäftigen. Das 
Heureka ist aber noch nicht da. Halten wir uns, da das 
Verfahren Bothe's, Schumann's und Steinhauser's schliess- 
lich auf dasselbe hinausläuft, an dem Bothe*schen Vor- 
schlage, so ist es allerdings unbestreitbar, dass der Ausdruck 
^p, worin L den Umfang, F die Oberfläche darstellt , für 
ähnliche Figfuren eine von der absoluten Grösse der ge- 
wählten Maasseinheit unabhängige Eonstante ist (z. B. für 
jedes Quadrat und bei jedem Maassstab = 4, beim Kreise 
etwas über Sj), aber damit wird weiter Nichts gewonnen, 
als dass der im zweiten Theile meines Aufsatzes nach- 



gewiesene Übelstand wegfällt, wonach z. B. die Verhält- 
nisse eines Quadrats, in Zahlen ausgedrückt, gänzlich ver- 
schieden lauten, je nachdem es gross oder klein ist, denn 
man kann jenen Satz nicht umdrehen und sagen, dass 
gleiche Verhältnisszahlen (nennen wir jenen Bothe'schen 
Quotienten so) auch ähnliche Figuren bedingen. So ist 
z. B. 4 auch die Verhältnisszahl für eine Ellipse, deren 
grosse Achse nur um wenig länger ist als die kleine. 
Noch schlagender beweisen diess nachstehende Figuren, 




welche sämmtlich gleichen Inhalt und gleichen Umfang 
haben, denn durch Abschneiden von Dreiecken und An- 
setzen derselben in anderer Lage oder an anderer Stelle 
ist die zweite aus der ersten und die dritte aus der zwei- 
ten entstanden. Es ist A ebf in A kongruent A ebf in B, 
eben so sind es die A dgh. Ferner ist A dlm in B kon- 

12* 



92 



Flächeninhalt und Kttstenlänge. 



gruent A dl'in' in C und A bik in B kongruent A bi'k' 
in G. Alle drei Figuren würden somit, apwohl nach der 
alten als nach der neuen Methode in Besug auf Inhalt und 
Entwickelung der Umfangslinie berechnet, ein ganz glei- 
xhes, also ungereimtes Facit ergeben. 

Hiermit schlage ich mich übrigens zugleich selbst, in- 
dem ich nun auch noch das Einzige, was ich im dritten 
Theile jenes Aufsatzes als haltbar aufgestellt habe („Länder 
gleicher Grösse, aber verschiedener Gestalt"), umstossen 
muss. Die Operation gelang bei den zwar nicht ähnli- 
chen, aber wenigstens gleichartigen Figuren, den sich immer 
länger streckenden Bechtecken; obige Figuren aber zeigen 
dieselbe in ihrer ganzen Nichtigkeit. Es bleibt also mehr 
als je eine offene Frage. 

2. Lieut. y. Frondaynski's Erörterung u. Vorschlag. 

Herr Oberlehrer Dr. Keber hat S. 309 des Jahrg. 1863 
dieser Zeitschrift Bedenken geäussert über die übliche An- 
gabe der EüstenentwickeluDg eines Landes durch Berech- 
nung der Anzahl von Quadrat-Meilen seines Rauminhalts, der 
1 Meile seiner Küstenlänge entspricht. Seite 406 desselben 
Jahrganges ist darauf eine Zuschrift des Herrn Dr. Bothe, 



') Herr Dr. C. Schnltse in Aschersleben schickte uns folgende No- 
tix in Being auf den Schnmann'schen Vorschlag: „Mein yerehrter Fach- 
genosse, der Oberlehrer Schumann in Königsberg, der sich, beilSnfig 
bemerkt, um die naturwissenschaftliche und zum Theil geographische 
Erforschung seiner heimathlichen ProTins nicht geringe Verdienste er* 
worbeti hat, steUte den richtigen Grundsats auf, dass man, um den 
Begriff „Küstenentwickelung" festxustellen, den Umfang eines insularen 
LSnder- komplexes mit dem kleinst möglichen Umfange, den dieselbe 
Landfläche haben könnte, yergleichen müsse. Nur hat er hierbei, wahr- 
scheinlich bloss aus ZweckmässigkeitsrUcksichten, als diejenige Flächen- 
form, welche den kleinsten Umfang hat, den ebenen Kreis angenommen, 
während doch die Flächen, um die es sich hier handelt, Theile der Erd- 
kugeloberflache sind, mithin auch streng genommen nur mit dem Theile 
der Kugeloberfläche verglichen werden können, welcher bei gleichem Inhalt 
den kleinsten Umfang hat Das ist aber eine Kugelkappe oder Calotte. 
Die Begrensung derselben ist allerdings auch eine Kreislinie , nur steht 
ihr Inhalt au diesem kreisförmigen Umfange in einem anderen Verhält- 
nisse, als diese bei einer ebenen Kreisfläche der Fall ist. 

„Beseichnet wiederum F den Flächeninhalt, L die Länge des Um- 
fangs einer Insel oder eines Kontinentes, U die Länge der Peripherie 
einer eben so grossen Calotte, £ den Inhalt der Oberfläche der gansen 
Kugel (hier also der Erde), so ist der Flächenraum einer Calotte, die 

kleiner ist als die Halbkugeloberfläche, ¥ z= -^{e — J ^(e^ F'h, 
folglich U = 2Y ;rF|x— ), mithin die Kttstentwickelung 



U = 



^r^.FO-ö 



„Da der Flächeninhalt kleiner Inseln nur ein geringer Bmehtheil 

F 
der gansen Erdoberfläche ist, so wird ^ für dieselben leicht Tcmaoh- 

lässigt werden können und dann reducirt sich der Ausdruck flir die 
Kflstenentwickelung in diesem Falle ohne erheblichen Fehler auf die yon 

Herrn Schumann gegebene Formel g -^ -— = - ^_ . —-. 

seren Ländermassen darf man ohne erheblichen Fehler von 
angegebenen Formel nicht abweichen." 



Bei grös- 
der oben 



Direktors der Frovinzial-Gewerbeschule zu Saarbrücken, ver- 
öffentlicht, worin derselbe die Bedenken des Dr. Keber 
anerkennt und zu ihrer Abhülfe vorsohlägt, dass man als 



Maass der Eüstenentwickelung das Verhältniss 



KF 



gebrau- 



chen solle, wo U den Umfang, F den Flächenraum des 
Landes ausdrücken sollen, ersterer durch eine beliebige 
Längeneinheit, letzterer durch das Quadrat derselben Ein- 
heit gemessen. Es sei erlaubt, auf diesen Gegenstand 
nochmals zurückzukommen. 

In beiden erwähnten Aufsätzen ist von der Voraus- 
setzung ausgegangen , dass Länder von mathematisch ähn- 
lichen Begrenzungen einen gleichen Ausdruck für ihre 
Küstenentwickelung finden müssen, und das ältere Verfah- 
ren zur Aufstellung dieses Ausdruckes deshalb getadelt, 
weil diese Gleichheit nicht vorhanden ist. Aus welchem 
Grunde aber diese Forderung gestellt ist, wird nicht ge- 
sagt. Ich möchte nun behaupten, dass dieselbe durchaus 
ungerechtfertigt sei. Der Zweck einer Angabe über Küsten- 
entwickelung kann doch nur der sein, danach zu beur- 
theilen, ob der Nutzen, den die Bewohner eines Landes 
aus der Nähe der See ziehen können , dem betrachteten in 
grösserem oder geringerem Maasse geboten wird, ob die 
Entwickelung des Handels, der Schifffahrt u. s. w. mehr 
oder weniger begünstigt wird, ob das Land einen mariti- 
men Charakter hat oder nicht. Nun wird aber doch ein 
Jeder zugeben, dass von zwei mathematisch ähnlichen Län- 
dern das kleinere in dieser Beziehung anders situirt ist 
als das grössere, weil bei ersterem im Verhältniss zum 
ganzen Inhalt eine grössere Anzahl von Punkten in der 
Nähe der Küsten liegt als bei letzterem. Afrika wird z. B. 
gewöhnlich als ein Beispiel ausserordentlich geringer Kü- 
Btenentwickelung angezogen. Existirte nun irgendwo eine 
Insel oder eine Gruppe von Inseln, die in der Gestalt 
Afrika mathematisch ähnlich wären, aber nur einen Raum- 
inhalt von vielleicht je 20 Quadrat- Meilen hätten, so wären 
wohl gewiss die Küstenverhältnisse einer solchen Insel 
oder einer solchen Inselgruppe nicht die gleich ungünsti- 
gen, wie sie es für Afrika sind, und die Küste würde 
durch Zusammengerücktsein der einzelnen Ein- und Aub- 
biegungen und durch die schärfer gekrümmten Contouren 
auch wirklich eine verhältnissmässig mehr gegliederte sein. 
Denkt man andererseits das viel gegliederte England, genau 
seiner jetzigen Gestalt ähnlich, ein Areal von 500.000 Qu.- 
Meilen umfassend, so würden die Küstenverhältnisse ge- 
wiss nicht mehr für die gleich günstigen gelten wie jetzt 
Die einzelnen Glieder würden durch die bedeutende Grösse 
mehr und mehr selbst massenhaft und ungegliedert er- 
scheinen und ich glaube, dass gerade das mehr oder 
weniger starke Gekrümmtsein aller einzelnen Theile der 
Küste als ein sprechendes Moment für die Gliederung und 



Flächeninhalt und Kttatenlänge. 



Entwiokelang derselben betrachtet werden muss. Nach 
bekannten mathematiachen Qmndaätaen ist als Maass die- 
ses Gekrümmtseins der reciproke Werth des Krümmnngs- 
Badius au betrachten und an Stelle dieses Radius, der für 
jeden Punkt der Küste ein anderer ist, wäre passend der 
Badios des Kreises mit in Rechnung zu ziehen, dessen 
Inhalt dem Inhalt des Landes gleich ist. 

Für Länder von gleichem Inhalt dagegen ist die Oe* 
Btalt der Umgrenzung allein maassgebend, namentlich des« 
▼egen, weil bei grösserem umfang unbedingt mehr Punkte 
des Inneren in näheren, weniger in weiteren Entfernungen 
Ton der Küste li^en, als diess bei gleichem Inhalt und 
geringerem TJm&ng der Fall ist. 

Um hiernach nun Länder von yerschiedenen Grössen 
und Gestalten in Bezug auf Küstenentwickelung mit ein- 
ander zu Tergleichen, wäre es nöthig, sowohl die günsti- 
gere Situation des kleineren wie auch die des mit relativ 
grosserem Umfang versehenen Landes zu berücksichtigen. 
Wendet man den Quotienten des Dr. Bothe, 77^, an, so 

Y £ 

wird damit nur die letztere Beziehung ins Auge gefasst 
und es wäre dieser Quotient nach dem oben Ausgeführten 
deshalb noch durch den Radius des Kreises zu dividiren, 
dessen Inhalt gleich dem Inhalt des Landes ist, oder auch 
durch die Seite des dem Lande gleichen Quadrates, was 
dasselbe ist, da beide Linien in einem konstanten Ver- 
hältniss (1 : K^r) stehen. Diese Qaadratseite ist gleich j/^F 
und man erhält so als Ausdruck für den Vergleich der 

Küstenentwickelung verschiedener Länder p, d. h. gerade 
den bisher gebräuchlichen, durch die beiden in Rede ste- 
henden Aufsätze aber angefochtenen Quotienten. 

Sehen wir nun aber die diesem Yerhältniss vorgewor- 
fenen Mängel an, so reduciren sich dieselben , abgesehen 
Ton dem, den wir schon besprochen und zu widerlegen 
versucht haben, namentlich darauf, dass dieser Quotient 
einen verschiedenen Zahlenwerth erhält je nach der Maass- 
einheit, die man wählt. Dieser Vorwurf ist aber nur dann 
richtig, wenn man ein absolutes Urtheil aus diesem Zahlen- 
werthe für ein Land für sich betrachtet ziehen wollte. 
Ein solches Urtheil ist aber überhaupt unmöglich, denn es 
▼ird Niemand, wenn er nur ein Land für sich betrachtet, 
ans einer ihm g^ebenen Zahl für die Küstenentwickelung, 
mag dieselbe berechnet sein, nach welcher Methode sie 
will, irgend welche Schlüsse für das Land ziehen können. 
Nnr relativ kann überhaupt eine solche Zahlenangabe von 
Werth sein, indem sie Vergleiche zwischen verschiedenen 
Landern erlaubt. Das Verhältniss der Zahlenwerthe für die 
Küstenentwickelung zweier Länder, die nach dem bisheri- 



gen System berechnet sind, ist aber genau dasselbe, nach 

welcher Maasseinheit auch die Messung veranstaltet ist, 

wie übrigens auch Dr. Keber selbst zugiebt. Man sieht 

diess leicht aua folgender Betrachtung: Sei a die Anzahl 

der Quadrat-Einheiten des Areals, a die Anzahl der korre- 

spondirenden Längen-Einheiten der Küste eines Landes A, 

b und ß die entsprechenden Zahlen für das Land B, so 

ist daa Verhältnias der Küstenentwickelung nach unserem 

System 

« . ß 
a * b • 

Nähme man jetzt zum Messen eine Längen- Einheit, die 

mMal so gross als die vorige ist (wobei m eine rationale 

oder irrationale, ganze oder gebrochene Zahl sein kann), so 

würde die Quadrat-Einheit m^ Mal so gross sein als vorher 

und man erhielte jetzt für das Land A die Zahlen am^ am, 

für das Land B bm^, ßm. Das obige Verhältniss wäre jetzt 

am ^m 

am' * bm' 
und man sieht, dass diess dem ersten identisch ist. 

Da nun aber allerdings zugegeben werden muss, dass 
ein Jeder, namentlich aber der Schüler, leicht, wenn er 
bestimmte Zahlenangaben liest, wie: „In Afrika kommen 
auf 1 Meile Umfang 160 Quadrat-Meilen Areal, in Asien 
auf I Meile 105 Quadrat - Meilen" u. s. w., es vergisst, 
dabei nur den Vergleich der Länder unter einander im 
Auge zu haben, und auf die absoluten Zahlen einen Werth 
legt, der ihnen nicht gebührt, und da dann freilich An- 
gaben in anderen Maass-Einheiten den früheren gar nicht 
mehr zu entsprechen scheinen, so möchte es sich empfeh- 
len, bei Zusammenstellungen über Küstenentwickelung gar 
nicht derartige Angaben zu machen, sondern den Quotienten 
=r für irgend ein bestimmtes Land, etwa Europa, auf Eins 
zu reducirea und die Küstenentwickelung aller anderen 
Länder dann als Theile oder Vielfache dieser Einheit anzu- 
geben. Danach würde aich z. B. die von Herrn Dr. Bothe 
gegebene Tabelle folgendermaassen umgestalten: 



Nun« des LandM. 


Areal in Qeogr. 


Umteng in Geogr. 


Entwiokc 




QMeflen. 


QMeOen. 




Europa 


160.000 


4300 


IToöo 


Alien 


810.000 


7700 


0,8M 


Afrika 


634.200 


3250 


0,236 


Nord-Amerika , 


842.000 


6100 


0,664 


Sttd-Amerika 


321.000 • 


3400 


0,994 


AaetraUen 


138.000 


1900 


0,618 


Italien 


2.930 


350 


4,445 


Hintei^Indien 


33.000 


1100 ' 


1,240 


Kalifornien 


2.600 


180 


2,676 



Wer die entsprechende Bechnung für irgend eine an- 
dere Längen-Einheit, etwa den Hyriameter ausführte, würde 
genau dieselben Zahlen für die Entwickelung erhalten. 



94 



Die Besiedelung von Arnhem's Land in Nord- Australien. 

(Fortaetiung. <) 



Der Hauptgrund, weshalb die l^iederlassungen auf der 
Halbinsel Cobni^ zu keiner Entwickelung gelangten, war 
nach übereinstimmenden Zeugnissen der, dass eine Eolo* 
nisation daselbst überhaupt nicht versucht wurde; die Bri- 
tische Regierung begnügte sich einfach mit der Unterhal- 
tung eines Militärpostens, und da zu jener Zeit zufällig 
keine politischen Ereignisse in Südost-Asien eintraten, wel- 
che den Werth dieses Postens erkennen Hessen, so gab 
sie ihn als nutzlos auf. 

Aus Dr. Wilson's „Voyage round the World" ersieht 
man, dass schon die Ansiedelung in Raffles-Bai einen guten 
Erfolg hätte haben können und dass der eigentliche Grund 
zu ihrem Aufgeben wohl die Unlust der Offiziere war, die 
Schwierigkeiten und Entbehrungen einer ersten Besiedelung 
durchzumachen. Als Dr. Wilson nach dem Anheben von 
Fort Wellington mit dem Kommandanten desselben, Gaptain 
Barker, in Eupang auf der Insel Timor sich befand, wurde 
ihm berichtet, „dass viele Chinesen im Begriff ständen, 
von Java nach der Baffles-Bai auszuwandern, da sie vor 
Kurzem erfahren hätten, sie würden die Erlaubniss dazu 
erhalten. Das gänzliche Verlassen der Nord- Australischen 
Küste erregte grosses Bedauern unter den Handelsleuten 
zu Kupang, da sie sich grosse Vortheile von einem kom- 
merziellen Verkehr mit derselben versprochen hatten". 

In dem Reisebericht von Macgillivray ^) , Naturforscher 
der Stanley'schen Vermessungs - Expedition auf der „Ratt- 
lesnake" liest man: „Das Port Essington- Experiment kann 
als vollständig misslungen angesehen werden, aber es konnte 
auch nicht gut anders sein. Es war niemals mehr als ein 
einÜMher Militärposten, dessen geringe Besatzung, fast im- 
mer durch Krankheit vermindert. Nichts weiter leisten 
konnte, als ihre eigene Lage angenehmer zu machen. Jetzt 
(1848), wo die Ansiedelung 10 Jähre bestanden hat, sind 
ihre Bewohner nicht einmal im Stande, genügendes Gemüse 
für sich zu ziehen, geschweige Schiffe damit zu versorgen. 
Um die Hülfsquellen einer Kolonie zu entwickeln, wird 
sicherlich etwas mehr erfordert als die einfache Gegenwart 
einer Abtheilung Soldaten, aher man sieht aus Allem, dass 
die Regierung gegen jede Ermuthigung zur Anlage einer 
permanenten Niederlassung in Port Essington war." 

Ähnlich spricht sich Gapt. Stokes aus'), welcher Port 
Essington in den Jahren 1839 und 1841 besuchte: „Es 
ist in Wahrheit ein herrlicher Hafen und würdig, an seinen 



*) Siehe S. 21 dieses Jahrringes. 

>) Narratire of the voyage of H. M. S. „Battlesnake'', I, p. 143. 

3) Discoveries in Australia, I, pp. 245, 381 ; II, p. 358. 



Ufern die Hauptstadt von Nord-Australien zu tragen, wegen 
der Nähe von Indien und unserer anderen rasch wachsen- 
den östlichen Besitzungen ohne Zweifel bestimmt, nicht 
nur ein grosses Handels-Emporinm, sondern auch eine werth- 
volle Marine -Station für Kriegsseiten zu werden. Viele 
Umstände vereinigen sich, ihn zu einer vortheilhaften Sta- 
tion zu machen. Seine Grösse, denn er kann die grösste 
Flotte fassen, ist an sich schon von hoher Wichtigkeit, 
während er als Zufluchtsort für verunglückte Schiffe oder 
die überlebende Mannschaft untergegangener nicht hoch 
genug geschätzt werden kann, um so mehr, da ausgezeich- 
netes Holz zur Ausbesserung von Schiffen in der Nähe 
wächst.'' Als Nachtheile nennt Stokes die geringe Aus- 
dehnung des kultivirbaren Landes der Halbinsel, die 
16 Engl. Meilen betragende Entfernung der Niederlassung 
von der Mündung des Hafens — ein Nachtheil, der z. B. 
in ähnlicher Weise auf den Falkland-Inseln der Niederlas- 
sung in Berkeley Sound zum grossen Schaden gereichte — , 
das tropische Klima und besonders auch den rein militä- 
rischen Charakter der Ansiedelung. In letzterer Beziehung 
bemerkt er: „Der Zweck der Ansiedelung zu Port Essing- 
ton war eine einfache militärische Okkupation, da es zu 
jener Zeit rathsam erachtet wurde, die Suprematie Gross- 
Britanniens über den Australischen Kontinent durch die 
That zu beweisen, indem man einige seiner hervorragend- 
sten Punkte besetzte; aber sobald die Bestimmung der Bre- 
mer'schen Expedition in Neu-Süd- Wales bekannt wurde, 
boten sich mehrere Personen als freiwillige Ansiedler an 
und bemühten sich eifrigst um die Erlaubniss, die Expe- 
dition begleiten zu dürfen. Ihre Absicht ging auf die Her- 
stellung eines Handeisverkehrs mit den Inseln der Arafura- 
See und sicherlich hätte man von ihnen weit eher erwarten 
können, dass sie die Hülfsquellen des Landes aufschliessen 
würden, als von einer Garnison, deren Bedürfnisse von 
aussen zugeführt werden, deren Gegenwart keine Anzie- 
hungskraft für Handelsleute hat und welche nicht durch 
die Sorge für ihren Unterhalt zur Aufsuchung der Rcich- 
thümer des Bodens veranlasst werden. Aus diesen Grün- 
den sind der Entschluss der Regierung, kein Land abza- 
geben, und ihre Verweigerung des Schutzes für die Per- 
sonen, welche die Expedition zu begleiten wünschten, sehr 
zu beklagen. — Hätte man aus dem damals herrschenden 
Unternehmungsgeist Vortheil gezogen, so würden zu Port 
Essington die Keime einer neuen Kolonie gelegt worden 
sein, die schliesslich zu Bedeutung hätte emporwachsen 
müssen." 



Die BesiedeluDg von Ambem's Land in Nord-Australien. 



95 



Und an einer anderen Stelle: „Was andi die wirkli- 
chen Hülfsqaellen von Port Bssington sein mögen, bis jetzt 
ist noch Wenig oder Nichts geschehen, sie kennen an 
lernen. Wir sind noch immer darauf angewiesen, nnsere 
Ansicht auf Konjekturen und Hypothesen 2u gründen, wir 
kennen Nichts von dem Umfang des Handels, der mit den 
kseln des Indischen Archipels ins Leben treten könnte, 
Nichts von den Produkten des Festlandes, Nichts von der 
Ausdehnung, welche die Kolonisation in den benachbarten 
Gegenden annehmen könnte. Ohne Data dieser Art ist es 
unmöglich, mit einiger Genauigkeit die wahrscheinliche künf- 
tige Wichtigkeit unserer Ansiedelung su Port Bssington zu 
echätzen, deren Werth nicht von der Fruchtbarkeit der Halb- 
insel Coburg abhängt, eben so wenig wie der Gibraltar^s von 
der Produktivität des anstossenden Spanischen Gebiets. Vic- 
toria könnte, wenn wir nur seinen inneren Werth betrach- 
ten, ohne wesentlichen Nachtheil für unsere Interessen aus 
der Liste unserer Besitzungen gestrichen werden, aber seine 
Bedeutung als Handels-Station ist unberechenbar. Auf das 
jetzt noch unerforschte, vollkommen unbekannte Hinterland 
und auf die Inseln innerhalb eines Radius von 500 Engl, 
tfeilen müssen wir blicken, um eine richtige Vorstellung 
Ton dem Werth Port Essington's für die Krone zu erhal- 
ten. Gegenwärtig mag es Manchem müssig scheinen, diese 
entfernten Punkte als Elemente in die Diskussion über 
eine solche Frage hineinzuziehen, aber Niemand, der über 
die Macht des Handels, selbst entferntere Punkte der Erde 
zn verknüpfen, nachdenkt, wird die Ansicht für phanta- 
stisch halten, dass Victoria eines Tages, so wenig Werth 

anoh die Landstriche in seiner unmittelbaren Nähe haben I 

I 

mögen, das Centrum eines grossen Handels-Systems, das 
Emporium für den Austausch der Produkte des Indischen ' 
Archipels gegen die der weiten Ebenen Australiens werden 
moss." 

So schrieb Stokes im Jahre 1841. Seitdem lernte man 
dorch Leichhardt's Beise im J. 1845, durch die Gregory'- 
sche Expedition in den Jahren 1855 und 1856 und duroh 
Stuart's Heise im J. 1862 das Innere von Amhem's Land 
kennen, die Uferlandschaften des von Stokes 1839 ent- 
deckten Victoria-Flusses wurden in grösserer Ausdehnung 
erforscht, in den rasch aufblühenden Kolonien Australiens 
sammelte man reiche Erfahrungen über die Nutzbarkeit 
des Aastralischen Bodens und in Port Essington selbst 
war George Windsor Earl bis 1849 thätig, Alles in Er&h- 
nmg zu bringen, was im Fall einer Besiedelung jener Ge- 
genden den Kolonisten von Nutzen sein könnte. Dieser 
Zuwachs an Kenntniss der natürlichen Bedingungen des 
Landes hat die Hoffnungen nur noch höher gespannt, man 
denkt nicht mehr hauptsächlich an die Vortheile der geo- 
graphischen Lage, sondern fasst vor Allem das Land selbst 



ins Auge, um die grossartigen Viehzüchtereien des Südens 
auch auf den Norden auszudehnen und einen Anbau tro- 
pischer Produkte in ausgebreitetem Maasse zu versuchen. 
Der erwähnte Earl, die kompetenteste Autorität in dieser 
Frage, ist von dem Gelingen einer wirklichen Besiedelung 
des Nordens so fest überzeugt, dass er ein Handbuch für 
die künftigen Kolonisten herausgegeben hat 0* Er ist der 
Meinung, dass die erste grössere Kolonisation am Viotoria- 
Fluss Statt finden werde, wie auch in der That die Süd- 
Australische Regierung beabsichtigt, und dass ihr %*blühen 
nur eine Frage der Zeit sei ; dass er von den Ai^strengun- 
gen einer kleinen Anzahl Kolonisten in einem Lande Er- 
folg erwarte, wo die Gross-Britannische Regierung selbst 
drei Mal vergebliche Ansiedelungs- Versuche gemacht habe, 
erkläre sich leicht, denn eine Niederlassung könne man^ 
niemals als bleibend betrachten, so lange sie nicht von 
einer Anzahl Kolonisten gestützt werde, welche mit ihrem 
Erfolg so eng verwachsen seien, dass das Aufgeben der 
Niederlassung zugleich den Ruin der Kolonisten nach sich 
ziehe. 

Aus den Berichten von Gregory und seinen Begleitern 
ist noch frisch im Gedächtniss, dass am Victoria und sei- 
nen Armen mindestens 5 Millionen Acres achtbaren, zum 
Theil ausgezeichneten Landes der Benutzung harren, wäh- 
rend der Fluss selbst einen trefflichen Hafen für Seeschiffe 
abgiebt und von kleineren Fahrzeugen bis über 100 Engl. 
Meilen von der Mündung aufwärts befahren werden kann ; 
aber auch das Tafelland, von welchem das Thai des Victo- 
ria eingeschlossen wird und das in einer durchschnittlichen 
Höhe von 800 Fuss, gegen Süden allmählich aufsteigend, 
das Innere von Amhem's Land ausfüllt, bietet nach Gre- 
gory's ürtheil weit grössere natürliche Vortheile als West- 
Australien und eignet sieh mit seiner Grasdecke sehr gut, 
dem rasch anwachsenden Bedürfiiiss nach Weideland in 
Australien entgegenzukommen'). Dieses Tafelland umfasst 
im Osten die Thäler des Roper und seiner Zuflüsse mit 
vortrefflichem Boden und fällt gegen Nordwest schroff nach 
den mit üppiger tropischer Vegetation bekleideten Alluvial- 
Ebenen ab, welche der Adelaide und die Alligator-Flüsse 
durchziehen. Es besteht nach den Untersuchungen von 
Wilson'), Stuart^) und Leichhardt') aus Sandsteinen der 



*) A Handbook for colonists in tropical Auatralia. London, Trttb- 
ner, 1863. (Separat- Abdruck ans Logan's Journal of the Indian Archi- 
pelago.) 

*) Paperi relating to an ezpedition recently nndertaken for the 
purpose of ezploring the Northern portion of Australia. London 1857, 

') Notes on the pbysical geography of North-Weet Auatralia. (Jour- 
nal of the B. Oeogr. So«, of London, XXVIII« pp. 187 ff.) 

*) J. M'DoaaU Stnart'e explorations aoross the continent of Austra- 
Ua, 1861—62. Melbourne 1863. 

') OTerland Expedition fhmi Koreton Bay to Port Essington. Lon- 
don 1847. 



96 



Die Besiedelung von Arnhem's Land in Nord-Australien. 



Steinkohlen-Periode, die hie und da von Trap oder Granit 
durchbrochen sind und auf Thonschiefer ruhen, der bei 
Zutritt der Luft leicht verwittert und dann 2u sehr frucht- 
barer Erde wird. Am Fuss des nordwestlichen Randes 
Yermuthet Stuart nach der Lagerung der dort yorkommen- 
den Quarz - Konglomerate und Schiefer das Vorhandensein 
von Gold. 

Das Sandstein-Plateau wird bei seiner spärlichen Be- 
wässerung yielleicht immer Weideland bleiben, selbst auf 
den Tiefebenen wird die Viehzucht bei Beginn der Kolo- 
nisation die Hauptsache sein und sie hat hier alle Aussieht 
auf eine bedeutende Entwickelung. Gregory berichtet, dass 
die Gräser ungewöhnlich nahrhafter Art seien und seine 
Pferde daher trotz beständiger Arbeit sich ausserordentlich 
wohl befunden hätten, bis sie südlich vom Roper auf un* 
firuchtbares Land kamen. Stuart traf yon Süden kommend 
schon bei den Daly Waters auf ausgezeichnetes Grasland 
neben dichten Eucalypten- Wäldern. Die Umgegend des 
Blue Grass Swamp und der Purdie Ponds rühmt er als ein 
sehr schönes Land mit hohem, den Pferden bis an den 
Bauch reichenden Gras ; auch in dem ausgetrockneten Regen- 
bette des Strangways, wo er zuerst der Kohlpalme (Sea- 
forthia) begegnete, stand üppiges Gras. Die Ufer des Bo* 
per, der in mehreren Kanälen tiefes fliessendes Wasser 
enthielt, so dass er unterhalb der Einmündung des Strang- 
ways keinen Übei^ang bot, besäumte eine so üppige Vege- 
tation, darunter Kohlpalmen, Bambus, 40 Fuss hohe Fächer- 
palmen (wohl Corypha australis), hohes Gras, dass Stuart 
diess für das schönste Land erklärt, das er je in Austra- 
lien gesehen habe. Selbst der sohlechtere Boden zwischen 
dem Gebiet des Roper und dem des Adelaide bietet immer 
noch gute, in den Thälem ausgezeichnete Weide, hie und 
da auch Quellen und fliessende Gewässer. Auf den frucht- 
baren Alluvial- Ebenen am Adelaide gestaltet sich das Vege- 
tations-Bild zu einem völlig tropischen; das Flussthal 
selbst und das westliche Uferland sind stark bewaldet, die 
östliche Ebene hat zwar zwischendurch Sandflächen und 
steinige Höhen, aber daneben Strecken der vorzüglichsten 
Art und sogar auf den Sandplateaux wächst reichliches 
Gras. An den Bächen und auf dem schwarzen Boden in 
der Umgebung des grossen Süsswasser-Sumpfes gleicht die 
Grasdecke einem dichten Feld grünen Weizens und an 
sumpfigen Stellen reicht es dem Reiter bis an die Schulter. 

Ähnliches liest man auch bei King ^), Stokes und Leich- 
hardt, aber Earl macht noch auf ein besonders nahrhaftes 
Gras jener Gegend aufmerksam, das in einzelnen Büscheln 
zu 5 bis 8 Fuss Höhe wächst und von den Kolonisten in 



1) Karrati?e of a surrey of the intertropioal and western ooasto 
of Australia, 1818^1822. London 1827. 



Fort Essington vorzugsweise als Viehfutter verwendet wurde. 
Das Heu von diesem G^ras ist für Pferde und Rinder auf 
Seereisen besser als irgend ein anderes, nicht ausgenom- 
men das beste Haferheu der Kap-Kolonie, das zwar an 
Güte ihm nahe steht, aber nicht so viel Zuckerstoff ent- 
hält. Auch das Panicum oder Brodgras, der Wilde Hafer 
und der Wilde Reis werden der Viehzucht sehr zu Statten 
kommen. Die Gewohnheit der Eingebomen, das dürre 
Gras abzubrennen, um frischen Nachwuchs zu erzielen, 
würde von den Ansiedlern anzunehmen sein. 

Die oft besprochene Frage, ob die Schafzucht auf die 
Nordküste ausgedehnt werden könne, wagt auch Earl nicht 
zu entscheiden, doch ist er zu der Annahme geneigt, dass 
bei öfterem Lnportiren von Böcken aus dem Süden die 
Degeneration der Wolle vermieden werden könnte. Gaptain 
Sturt beobachtete zwar im J. 1845, dass jenseit des Paral- 
lels von 29'' 40' S. die Wolle auf den Schafen, die er 
bei sich hatte, zu wachsen aufhörte, und Ähnliches be- 
richtet neuerdings M^Kinlay, aber Sir Richard MacDonnell V 
meint, man dürfe das Klima an der Küste nicht nach der 
trockenen Atmosphäre des Inneren beurtheilen, und weist 
darauf hin, dass in Queensland bereits übw 1 Million 
Schafe nördlich vom Wendekreis weiden. 

Die Rinderzucht wird nach den in Port Essington ge- 
machten Erfahrungen keine Schwierigkeiten bieten und von 
Anfang an den Hauptindustriezweig der neuen Kolonisten 
abgeben. Eben so bezweifelt Earl nicht im Geringsten, 
dass Pferde bester Race an der tropischen Nordküste ge- 
zogen werden können. „Bei reichlicher Weide, grossen 
Strecken offenen Landes, auf denen die jungen Thiere ihre 
Glieder in Freiheit üben können, und einem Klima, das 
demjenigen sehr ähnlich ist, in welchem die besten Bacen 
der Welt producirt werden, können nur Nachlässigkeit und 
Mangel an Umsicht bei Auswahl und Zucht verhindern, 
dass die Pferde Nord-Australiens zu derselben Berühmtheit 
gelangen wie die von Arabien und der Berberei." Die 
besten Märkte für den Absatz der Pferde sind Madras und 
Oalcutta, wo die Nachfhige für Militär und Private sehr 
gross ist. Schon jetzt gehen von Süd-Australien alljährlich 
über 500 Pferde nach Indien. Auch Java wird vielleicht 
ein günstiger Markt werden, weil die dort einheimischen 
Pferde zu klein für Kavallerie und Artillerie sind. Die 
Rinder, welche die Kolonisten zu ziehen im Stande sind, 
wird in der ersten Zeit Mauritius sämmtlich absorbiren, 
später werden sich auch für sie Abzugswege nach Indien 
und dem Archipel eröffnen. Sollte die Ausfuhr lebender 
Thiere mit der Produktion nicht gleichen Schritt halten, 
so würde das Einsieden zur Gewinnung von Talg wie in 

*) Anttralia, what it is, and what it may be. A Lectore. Dnblin 1863. 



Die Besiedelung von Arnhem's Land in Nord-Australien. 



97 



den südlichen Kolonien and die Bereitung des in Ost- 
Asien sehr gesuchten getrockneten Fleisches („Dindin") 
Indastriezweige abgehen, die einer grossen Entwickelang 
fähig sind. 

Die Niedeningen am Victoria und von diesem nördlich 
und nordöstlich bis zur Halbinsel Coburg bieten ein weites 
Feld für die Bodenkultur. Sie haben eine hafenreiche 
Küste, schiffbare Flüsse und fruchtbaren Boden, also eine 
Vereinigung günstiger Bedingungen, wie sie in Australien 
äusserst selten vorkommt. Was insboBondere die FIübbo 
anlangt, so wurde der von Fitsmaurice, einem Mitglied 
der Stokes'schen Expedition, 1839 entdeckte und nach ihm 
benannte Fluss 30 Seemeilen aufwärts be&hren und 2 bis 
7 Faden tief, ohne viele Krümmungen und an dem äus- 
sersten erreichten Punkte noch- ^ Seemeile breit befunden, 
▼ährend die Breite an der Mündung über 2 Seemeilen 
beträgt. — Den Adelaide-Fluss fuhren Captain Wickham, 
Lieut. Emery und Mr. Helpman von der Stokes'schen Ex- 
pedition Ende Juli 1839 und Gapt. Stokes selbst im Au- 
gast in einem Boote nahe an 80 Seemeilen hinauf bis an 
einen Punkt, wo er aus zwei Armen, einem südlichen und 
einem östlichen, entsteht. Der letztere war zu schmal für 
ein Ruderboot, der erstere aber durch hineingefallene Bäume 
versperrt. Die Tiefe betrug zwischen 2 und 6 Faden, der 
Eingang an der Mündung war zwar eng, aber 3 bis 4 Fa- 
den tief, so dass Schiffe von 4- bis 500 Tonnen den Fluss 
ungefähr 50 Seemeilen weit aufwärts bis in das süsse 
Wasser befahren können. Die niedrigen Ufer begünstigen 
die Bewässerung des Landes zur Reiskultur, der Boden ist 
meist gut und die Monotonie der ebenen Prairie wird 
durch Waldpartien und Bambus - Dickichte unterbrochen. 
An der Vereinigung der beiden Arme wurde noch eine 
Fluth von 3* Fuss Höhe beobachtet , dagegen keine merk- 
bare Strömung. Ohne Zweifel werden die üferebenen 
zeitweis überschwemmt, denn Bambus-Stengel und andere 
fortgetriebene Gegenstände hingen 8 bis 10 Fuss über dem 
Niveau des Flusses in den Zweigen der Bäume. — Der 
Südliche Alligator -Fluss wurde im Mai 1818 von Captain 
King 1) 6 Seemeilen weit mit dem Schiff und dann mit 
dem Kahn befahren. Die Tiefe betrag bis 15 Seemeilen 
aufwärts zwischen 5 und 8 Faden, 36 Seemeilen oberhalb 
der Mündung, wo der Fluss 450 Fuss breit und das Was- 
ser fast trinkbar war, noch 2^ Faden; auch der kleinere 
Östliche Alligator-Fluss hat eine Tiefe von 7 bis 8 Faden 
bei 600 Fuss Breite, aber einen kürzeren Lauf und an 
der Mündung eine Schlammbank mit nur 12 Fuss Wasser, 
während der Westliche Alligator-Fluss der kleinste von 



') NtmtiTe of a surrey of the mtertropical and western coaatB 
of Australia, 1818—22. London 1827. Vol. I, p. 100 ff. 
Petermann's Geogr. Mittheilongen. 1864, Heft III. 



den dreien und noch unerforscht ist. — Den Liverpool- 
Fluss befuhr King im August 1819 >) 40 Seemeilen auf- 
wärts. Seine Breite nimmt von 1| bis 2 Seemeilen an 
der Mündung auf ^ Seemeile in 10 und auf 60 Fuss in 
40 Seemeilen Entfernung ab. Nur Schiffe von 10 bis 
11 Fuss Tiefgang können mit Hülfe der Fluth die Schlamm- 
bank an der Mündung passiren ; er hat zwar 40 Seemeilen 
höher oben noch 12 Fuss Tiefe, da aber die Fluth bis 
hierher steigt, so muss er bei Ebbe fast trocken sein. 
Überhaupt kann er bei der vollkommenen Flachheit des 
Landes nur für einen Meeresarm gelten, in den ein kleiner 
Bach fällt. 

Die gewöhnlichen Getreide - Arten werden auf diesen 
Niederungen voraussichtlich nicht gedeihen, wenigstens ge- 
lang der Weizenbau in Port Essington nicht; da jedoch 
in den Portugiesischen Niederlassungen auf der Nordseite 
von Timor 1200 Fuss über dem Meere, aber auch 3 Grade 
näher dem Äquator, guter, wenn auch kleinkörniger Wei- 
zen in ansehnlicher Menge gezogen wird, so könnte es 
gelingen , diese wichtige Frucht auf günstigen Stellen des 
Tafellandes zur Reife zu bringen. Mais gedeiht sowohl 
auf den Höhen als in der Nähe des Meeres vortrefflich, 
die in Port Essington gezogenen Kolben waren vier Mal 
so gross und enthielten wenigstens drei Mal so viel Kör- 
ner als die auf Timor und den benachbarten Inseln ge- 
wonnenen. Zum Reisbau sind die Bedingungen an vielen 
Stellen günstig, er erfordert aber viel Arbeit und wird 
wohl erst bei dichterer Bevölkerung betrieben werden kön- 
nen. Orosse Gunst wird sich rasch die Banane erwerben, 
die von der Insel Kisser bei Timor nach Port Essington 
eingeführt wurde; auch die Ananas verbreitet sich von 
selbst und kommt überall fort. Eben so gelangen die An- 
pflanzungen von Carica Papaya, Wasser -Melonen, Anona 
squamosa und muricata, Orangen, verschiedenen Capsicum- 
Arten, Lycopersicon esculentum, Gonvolvulus batatas, Yama» 
Manioc, Arrowroot, Kürbisen u. s. w. in Port Essington 
vollkommen, während der Anbau von Pfirsichen, Aprikosen 
und Wein auf dem Tafelland versucht werden könnte. In 
grosser Ausdehnung würden Dattel - Palmen und in der 
Nähe der Küsten Kokos-Palmen gezogen werden können, 
aber vor Allem wäre der Baumwollenbau zu versuchen. 

Als Stuart am 24. Juli 1862 die Nordküste am Van 
Diemen-Golf erreicht hatte, schrieb er in sein Tagebuch: 
„Also bin ich jetzt, durch die göttliche Vorsehung geleitet, 
im Stande gewesen, den Hauptzweck der Expedition aus- 
zuführen, und zwar bin ich mitten durch die schönsten 
Gegenden gekommen, die ein Mensch sich wünschen kann. 



') Narratire of a surrey of the intertropical and weatern coaats 
of Aufltralia, 1818—22. London 1827. Vol. I, p. 255 ff. 

13 



98 



Die Besiedelung von Arnhem'a Land in Nord-Au8traIien, 



gut bis zur Küste und mit einem Strom fliessenden Was- 
BerB. Vom Newcastle Water bis zur Seeküste ist die 
Mehrzahl der Pferde nur eine Kacht ohne Wasser gewe- 
sen. Wird diese Gegend kolonisirt, so wird man sie zu 
den schönsten Besitzungen der Krone rechnen, für jegliche 
Art von Kultur geeignet. Welch' ein prächtiges Land für 
den Baumwollenbau!" In der ß?hat sind die Versuche in 
Port Essington sehr günstig ausgefallen und £arl sagt: 
„Es ist schwer, sich günstigere Bedingungen für den Baum- 
wollenbau zu denken, als sie in dem Becken des Victoria 
existiren, nämlich 3 Monate Bogen, auf die 4 Monate hin- 
durch kühle trockene Tage und helle thauige Nächte fol- 
gen ohne Störungen der Atmosphäre, welche die Entwicke- 
lung der Samen beeinträchtigen könnten. Die Pflanzen 
werden durch die Dürre, welche der kühlen Jahreszeit 
folgt, zerstört werden, aber diess wird sich als ein positi- 
ver Vortheil erweisen, da es dieselbe Wirkung hat wie 
die Fröste in Georgia und Carolina, dass sie nämlich das 
Pflanzen frischer Sämlinge alljährlich nöthig machen und 
dem Kolonisten nicht erlauben, die Pflanzen im Boden zu 
lassen, in der Hoffnung, eine zweite Ernte von ihnen zu 
erhalten. Diese Nothwendigkeit der jährlichen Erneuerung 
der Pflanzen hat mit dem Erfolg der Amerikanischen Baum- 
wollen-Pflanzer mehr zu thun gehabt, als man im All- 
gemeinen zugiebt." 

Für einige andere tropische Kulturen scheint Arnhem's 
Land weniger günstig zu sein, so wollte der Kaflee in 
Port Essington nicht wachsen und Zuckerrohr würde wegen 
der periodischen Dürrung nur bei künstlicher Bewässerung 
und mit Aufwand bedeutender Arbeitskraft gedeihen; da- 
gegen bietet das Land sehr schätzbare einheimische Pro- 
dukte, welche mit den eingeführten eine grosse Mannig- 
faltigkeit von Industriezweigen veranlassen werden, wenn 
die Bevölkerung zu ausreichender Stärke anwächst. Earl 
führt in seinem Buche eine ganze Reihe solcher Produkte 
auf, so z. B. die Seaforthia oder Kohlpalme, welche einen 
guten Sago liefert und wie die Corypha australis und wahr- 
scheinlich auch der Flaschenbaum (Sterculia) zur Gewin- 
nung von Zucker verwendet werden kann; das an der 
Westküste des Carpentaria-Golfes vorkommende Sandelholz; 
eine beträchtliche Zahl anderer Nutzhölzer, wie Eucalypten, 
Callytris, Melaleucen, Gasuarinen, Avicennia tomentosa, die 
zvTar den üferländem des Victoria meist fehlen, aber in 
anderen Gegenden massenweise auftreten und einen be- 
achtenswerthen Handelsartikel abgeben könnten; femer der 
Bambus, die Ehizophora, deren Rinde als Gerb- und Farbe- 
stofT nach China eingeführt wird; essbare Wurzeln und 
Früchte, darunter die wohlschmeckende „Stachelbeere" 
(Coniogeton arborescens) ; die Kap-Feige (Mesembrianthemum 
edule), Portulak und andere Kräuter. Das Meer, welches 



die tropischen Küsten Australiens bespült, schwärmt von 
animalischem Leben. Die Trepang -Fischer von Celebes 
und Sumbawa sind seit lange gewohnt, ihren Bedarf aus 
den Buchten von Arnhem's Land zu holen, während Mil- 
lionen von grösseren und kleineren Fischen, verschiedene 
Schildkröten- Arten , der im Van Diemen -Golf häufig vor- 
kommende Dugong als noch unberührte Schätze den Unter- 
nehmungsgeist einer jungen Kolonie anzuregen geeignet 
sind. Weniger Vortheile stellt die Fauna des Landes in 
Aussicht, doch ist auch sie nicht gerade arm. Kängurus, 
Wallabis, Opossums, eine Menge wilde Enten, Gänse und 
Tauben, Wachteln, Schnepfen, Sumpfphasanen (Centrapos 
phasianus), Emus, Reiher, Kakadus und Loris versprechen 
dem. Jäger Vergnügen und Gewinn und auch die ver- 
wöhntesten Nim^ode wird die «Tagd auf die wilden Büfl'el 
befriedigen, welche, von Timor nach der Raffles-Bai ein- 
geführt und dort 1827 in Freiheit zurückgelassen, zu Tau- 
senden sich vermehrt und in den nördlichen Küstengegen- 
den bis zum Carpentaria-Golf und bis südlich vom Van 
Diemen -Golf verbreitet haben. Man findet sie meist in 
Heerden von 20 bis 50 Stück unter Führung eines er- 
wachsenen Bullen von oft enormer Grösse, während ein- 
same Bullen weit umherstreifen, sogar bei der Hanover- 
Bai an der Nordwestküste, über 600 Engl. Meilen von 
der Raflles-Bai entfernt, aufgefunden wurden. 

Alle diese angedeuteten Vortheile würden indess wenig 
in Betracht kommen, wenn das Klima der Kolonisation 
allzu grosse Schwierigkeiten entgegenstellen sollte, und es 
ist daher nÖthig, sich in dieser so widersprechend beant- 
worteten Frage möglichst klar zu werden. Wir wollen 
zunächst die meteorologischen Daten nach .den vorhandenen 
Beobachtungen kurz resumiren. 

Der Südost-Passat, der herrschende Wind jener Breiten, 
der auch im Inneren von Australien wenigstens im Winter 
das Übergewicht in auffallender Weise behält ^), wird an 
der Nordküste in gewissen Jahreszeiten verdrängt. Schon 
in Queensland, wo er zwei Drittheile des Jahres ununter- 
brochen weht, stellen sich in den Monaten Dezember, 
Januar, Februar und März, also in der Zeit, wo der Nord- 
west-Monsun in der Java- und Molukken-See herrscht, ge- 
legentlich Westwinde ein; an der Nord- und Nordwest- 
küste weht der Passat nur während der Monate Mai, Juni 
und Juli stetig, denn die zunehmende Hitze erzeugt sodann 
einen aufsteigenden Luftstrom über dem Kontinent, welcher 
den Passat nach oben verdrängt, so dasa er erst 2- bis 
300 Engl. Meilen jenseit des Landes wieder auf die Ober- 
fläche des Meeres herabsteigt An der Nordwestküste wird 
das auf diese Weise entstehende Vacuum durch einen 



*) S. „Geogr. Mitth.'' 1861, S. 191. 



Die Besiedelung von Arnhem'a Land in Nord-Australien. 



99 



Luftstrom ausgeglichen, der um das Nordwest-Kap biegend 
eine Art West-Monsun darstellt und mit geringer Unter- 
brechang die Monate August, September und Oktober 
hindurch weht; er erstreckt sich bis zur Melville-Insel 
und dem Yan Diemen -Oolf und wurde a^ch bisweilen in 
Fort Essington beobachtet, obgleich der letztere Ort mehr^ 
unter dem Einfluss des Windsystems steht, welches im 
Golf von Garpentaria und an der Nordküste von Arnhem's 
Land von der Melville-Insel bis Kap Wessel herrscht. Hier 
nämlich hört der Südost - Passat in den Monaten August, 
September und Oktober nicht ganz und gar auf, sondern 
wird nur 80 modificirt, dass er des Nachts und Morgens 
als starker Landwind auftritt, auf den am Tage bis spät 
Abends eine Seebrise aus Nordost folgt, während in eini- 
ger Entfernung vom Lande ein stetiger Ostwind weht. Im 
Lauf des November, bisweilen auch erst im Dezember 
werden die Winde veränderlich und nun bricht der Nord- 
west-Monsun herein, der oft mit grosser Stärke 10 Tage 
anhält und heftige Regenböen bringt. Ist der Regen sehr 
bedeutend gewesen und hat er sich weit landeinwärts er- 
streckt, so erhebt sich oft der Südost-Passat, sobald der 
Nordwest- Wind nachlässt, und weht als eine leichte an- 
haltende Brise, bis ein neuer Monsun mit Regen herein- 
bricht Der letzte Monsun wird gewöhnlich im März 
beobachtet, kurze Anfälle auch hie und da noch im April, 
von da an gewinnt aber der Südost -Passat wieder die 
Oberhand. 

Im Winter, während des Passats, ist die Luft kühl, 
heiter und sehr angenehm, vom August an treten aber im 



Inneren sehr heisse Tage und häufige, doch wenig Regen 
bringende Gewitter auf, eine heisse elektrische Jahreszeit, 
während die Küstenregion von Arnhem's Land wenig von 
Gewittern heimgesucht wird. In dieser Zeit kommen be- 
deutende Stürme vor, doch liegt bis jetzt nur eine einzige 
sichere Beobachtung vor, dass das Centrum eines Wirbel- 
sturmes die Nordküste berührt hat, diess war der furcht- 
bare Sturm, der am 5. November 1839 Port Essington 
verheerte ^). Auf diese heisse, trockene Zeit folgt dann 
mit dem Monsun eine Regenzeit mit plötzlichen heftigen 
Regenfällen, die sich aber nur in einzelnen Jahren weit 
ins Land hinein erstrecken. Diese Regenzeit tritt in den 
Beobachtungen der Gregory'schen Expedition am Victoria 
deutlich hervor^, denn die Zahl der Regentage war: 
im Oktober 1, im März 8, 

„ November 12, 

„ Dezember 20, 

„ Januar 15, 

„ Februar 19, 
Während der Regenzeit ist es oft schwül und heiss, 
dagegen kommen die in den südlichen Kolonien bekannten 
Heissen Winde im Norden nicht vor. 

Die Lage des Landes, das sich bis zum 11. Parallel 
erstreckt, bedingt eine hohe Temperatur. So ergaben Gaptain 
M^Arthur's Beobachtungen zu Port Essington') (11^ 22' 
8. Br.) folgende Mittelwerthe und Extreme: 



April 6, 
Mai 0, 
Juni 3, 
Juü 0. 



>) S. „Xautical Magaiine", 1840, p. 738. 

^ Journal of the B. Oeogr. Soc. of London, toI. 28, p. 143. 

') Earl, Enterprise in Tropical Australia, London 1846, p. 89. 







Mittel. 






Mlnliu 




Differeos. 


1889. ' 


6»» VonnItUg«. 
82,ie»F.,"22,8ÖR.! 


8>* Nachmittags. 
88,900F., 26,80R. 


{ jaazir^ 
" 96,öOF. 


, 28,7« R. 




Jannar . 


770 jp 


, 200R. 


'i9,töf; 


Februar 


80,60 


21,6 1 


89,07 


25,4 


96 


28,4 


78 


20,4 


18 


März . 


80,80 


21,7 ' 


90,68 


26 


94 


27,6 


78 


20,4 


16 


April . 


81,09 


21,8 


91,98 


26,7 


1 95 


28 


78 


20,4 


17 


Mai . . . 


76,M 


19,8 


88,60 


25,3 


1 »* 


27,6 1 


78 


20,4 


16 


Juni 


75,41 


19,8 


85,79 


23,9 


1 90 


25,8 


68 


16 


22 


Juli 


70,70 


17.2 


84,86 


23,8 


^ 89 


25,8 1 


63 


13,8 


26 


Auguat . 


78,10 


I8,s \ 


86,90 


24 


1 90 


26,8 , 


67 


15,6 


23 


September 


71,86 


17,7 


90,06 


25,8 


94 


27,6 


69 


16,4 


25 


Oktober 


77,76 


20,4 


91,63 


26,5 


96 


28,4 1 


74 


18,7 


22 


NoTember 


80,96 


21,8 i 


92,25 


26,8 


1 97 


28.» 1 


76 


19,6 


21 


Dezember 


81,00 


21,8 


91,48 


26,4 


1 ^^ 


28,4 


79 


20,9 


17 


1840. 










1 


1 








Januar . 


79,20 


21 i 


84,69 


23,4 


94 


27,6 ( 


76 


19,6 


18 


Februar 


79,44 


21,1 ! 


85,54 


23,8 


92 


26,7 1 


77 


20 


15 


Mara . 


78,96 


20,9 


91,40 


26,4 


96 


28,4 


76 


19,6 


20 


April . 


79,14 


20,9 1 


88,39 


25,1 


94 


27,6 1 


76 


19,6 


18 


Mai . . . 


75,63 


19,4 


85,20 


23,6 


89 


25,8 


73 


18,2 


16 


Juni 


69,17 


16,5 ' 


83,18 


22,7 


' 88 


24,9 ' 


64 


14.2 


24 



Im Fort Dundas auf der MelTille-Insel war imJ. 1827 
bis 1828 die durchschnittliche Temperatur des Winters 
80" F. oder 21,3* B., die des Sommers 86** F. oder 24* R. 

Am Yictoria-Fluss sind die Extreme bedeutender, die 



Mittagshitze im Sommer auch durchschnittlich grösser, da- 
gegen die Temperatur im Winter beträchtlich niedriger. 
Die Beobachtungen im Gregor/schen Lager (15* 30' S. Br.) 
ergaben : 



13' 



95r>4i«^ 



100 



Die Besiedelung von Arnhem's Land in Nord-Australien. 



1855. 






Mittel. 




Mazlr^""" ' 


]|{|||I»»«M 


6* Vormittag«. 
810 F., 2 1,80 R. 


1» Nachmittags. 
1000F.,30,20R. 


6» Abend«. i 
93° F., 27,10 R.; 


" 1060 F. 


,32,90R. 


""6'9ÖF. 




November 


, 16,40R. 


Dezember 


79 


20,9 


94 27,6 


87 24,4 1 


105 


32,4 


73 


18,3 


1856. 


















Januar . 


78 


20,4 


94,6 27,8 


86 24 


104 


32 


71 


17,3 


Februar 


78,8 


20,6 


92,8 26,8 


«6,6- 24,3 : 


,99 


29,8 


75 


19,1 


Mars . 


79,8 


21 


96 28,4 


89,5 25,6 


102 


31,1 


75 


19.1 


April . 


76,8 


19,3 


91,3 26,8 < 


• 85,8 23,7 ' 


98 


29,3 


69 


16,4 


Mai . . . 


66,6 


15,4 


91,8 26,6 


84,7 23,4 1 


96 


28,4 1 


60 


12,4 


Juni . 


59 


12 


84,4 23,S 


77,5 20,3 


97 


28,9 1 


47 


6,7 


Juli . 


59 


12 


87 24,4 


80 21,8 


97 


28,9 , 


49 


7,6 



Damit stimmen auch die Erfahrungen Stuart's auf sei- 
nem Zuge durch das Innere von Arnhem's Land. Trotz- 
dem er nur die Wintermonate , vom April bis Ende Au- 
gust, daselbst zubrachte, klagt er doch in seinem Tagebuche 
fast täglich über grosse Hitze. Der Südost-Fassat wurde 
nur im Juli und August häufiger von veränderlichen und 
Süd- Winden unterbrochen, öfters, l)esonders im Mai, zeigten 
sich Wolken und am 6. Mai fielen beim Newcastle Water 
sogar einige Kegentropfen , wie es auch im Jahre 1861 
dort im Juni 8 Tage geregnet hatte, aber nördlicher auf 
dem Wege bis zum Van Diemen -Oolf und zurück zum 
Newcastle Water (n"" 8. Br.) fiel bis Ende August kein 
Kegen. 

Was nun den Einfluss dieser klimatischen Verhältnisse 
auf die Gesundheit anlangt, so haben die Erfahrungen in 
Port Essington die früher allgemein herrschende sehr gün- 
stige Meinung schwankend gemacht. Die verschiedenen 
Yermessungs - Expeditionen hatten den Aufenthalt an der 
Nordküste von Australien nicht nachtheilig gefunden, der 
Arzt der Niederlassung in Raffles-Bai berichtete: „Es giebt 
hier keine endemische Krankheit, das Klima des Platzes 
übertrifft, so weit meine Kenntniss reicht, das jedes ande- 
ren Punktes von gleich naher Lage zum Äquator, und 
wäre nicht die hohe Temperatur, so würde ich es eins der 
besten der Welt nennen"; Bynoe, der Arzt des „Beagle", 
hielt selbst Port Essington nicht für einen ungesunden Ort 
und bemerkt, er sei nach sechzigjährigen Erfahrungen an 
den Küsten Australiens zu der Überzeugung gekommen, 
dass dieses durchw^ ein auffallend gesundes Land sei und 
dass selbst an der Nord- und Nordwestküste, wo man jede 
Bucht und Einzackung mit Mangroves besäumt und von 
Sumpfflächen und Korallenklippen in allen Stufen der Ver- 
witterung umgeben finde, trotz der hohen Temperatur keine 
Eieber oder Dysenterien erzeugt würden ; wirklich war auch 
der Gesundheitszustand der Garnison in Port Essington die 
ersten vier Jahre hindurch ein vortrefflicher, dann aber 
riss eine allgemeine Kränklichkeit und grosse Sterblichkeit 
ein, es starben in 5 Jahren von 58 Mann 27 '). Aus den 
Angaben der Augenzeugen geht jedoch mit Bestimmtheit 



Voyage of tbe Rattlesnake, I, p. 135. 



hiervor, dass hierbei mehr lokale als allgemein klimatische 
Ursachen wirkten. 

Als S tokos im J. 1841 zum zweiten Mal nach Port 
Essington kam, fand er die Mannschaft kümmerlich und 
gelbsüchtig aussehend, obgleich sie noch nicht eigentlich 
krank war. Er schloss daraus, dass in diesem Klima Euro- 
päer wohl nicht arbeiten könnten. Den üblefi Einfluss des 
Klima's bestärkten aber auch manche Umstände. So waren 
die Soldaten in niedrigen, engen Hütten untergebracht, 
unmittelbar hinter der Ansiedelung befand sich ein Man- 
grove-Sumpf , dessen Ausdünstung jedenfalls die Luft ver- 
schlechtern musste , die Nahrungsmittel waren nicht von ' 
bester Qualität, namentlich fehlte es an Vegetabilien , so 
dass periodisch Skorbut herrschte. 

Captain Koppel, welcher 1849 die Garnison von Port 
Essington abholte, berichtet >): „Die anhaltende Hitze und 
Feuchtigkeit während der nassen Jahreszeit ist aussogt 
drückend und schwächend, auch bringt sie Fieber und 
Leberkrankheiten hervor. Die Monate Juni und Juli sind 
kühl und angenehm. Das Klima ist entschieden ungünstig; 
besonders für Europäer; die häufigsten Affektionen sind 
Wechselfieber und Schwäche der Verdauungsorgane. Die 
Hauptursachen sind wahrscheinlich die Hitze und Feuchtig- 
keit, der von Land umschlossene Hafen, die Sümpfe und 
Schlammbänke, die Mangrove-Marsohen und bei den Euro- 
päern auch der Mangel an frischer und Tegetabilischer 
Nahrung, so wie an geistiger Beschäftigung und Anre- 
gung. — Unter den Marine-Soldaten der Besatzung waren 
mehrere, welche an Jagd besonderes Vergnügen fanden und 
Jahre lang die Ansiedelung mit Wildpret versorgt hatten. 
Wenn ich die eisernen Gestalten und das verhältnissmässig 
gesunde Aussehen dieser Leute betrachtete, ihre wunderbare 
Ausdauer in Strapazen und was sie gelegentlich durch die 
Sonne bei Tage und durch den Thau bei Nacht ausstehen 
müssen, so konnte ich mich des Gedankens nicht erwehren, 
dass die Kränklichkeit, welche in der Garnison herrschte, 
eben so wohl in dem Mangel an geistigen und körperlichen 
Übungen als in dem Klima ihren Grund habe." Auch 
Jukes ist der Meinung, „dass die traurige Monotonie von 

^) A Visit to the Indian Archipelago , London 1853, toI. II, 
pp. 153, 175. 



Die Besiedelung ydn Arnhem'a Land in Nord-Auatralien« 



101 



Fort £ssingtoQ Übeln Einfluss auf die daaelbst Stationirten 
gehabt habe". 

In noch bestimmterer Weiae spricht Earl darüber. „Das 
Klima der Halbinsel Coburg", sagt er, ,,kann im Allgemeinen 
als eins der besten innerhalb der Tropen angesehen werden, 
aber sie hat einige ungesunde Punkte, an denen selbst 
die £ingebomen nicht ungestraft weilen können. Hierhin 
gehört Port Bremer, ein eingeschlossener Hafen im Osten 
Ton Port Essington, dessen Küsten so fieberschwanger sind, 
daas die Eingebornen niemals ihren Wohnsitz dort auf- 
schlagen und die Trepang -Fischer von Makassar, die bei 
ein- oder aweimaligem Besuch arg von Fieber zu leiden 
hatten, ihn streng yermeiden, obwohl er reich an Trepang 
und ein ausgezeichneter Ankerplatz ist. Auch die oberen 
Theile des inneren Hafens von Port Essington fürchten 
die Bagis von Makassar sehr. — In den ersten vier Jahren 
nach der Okkupation von Port Essington kamen sehr wenig 
Fieber und kein einziger Todesfall unter der Oamison vor, 
aber gegen Ende des Jahres 1842 wurden Fieber und zwar 
meist dreitägige yorherrschend, und als im November 1845 
die Oamison, welche 7 Jahre dort zugebracht, äuroh 
60 Marine-8olda^ abgelöst wurde, war wohl keiner von 
allen Bewohnern der Ansiedelung ganz frei von Fieber- 
aafällen gewesen. Diese traten gewöhnlich nicht sehr heftig 
auf, nur 6 Fälle endeten mit dem Tode, aber die Sterblich- 
keit war gross genug, um ernste Besorgniss zu erwecken. 
Wir vermutheten Anfangs, die Konstitution der Leute 
möchte durch den langen Aufenthalt in einem tropischen 
Klima geschwächt worden sein, aber es zeigte sich, dass 
neu Angekommene eben so den Fieberanfällen unterworfen 
waren. Wir entdeckten jedoch zu unserer Freude, dass 
die Malaria auf die Küsten des inneren Hafens beschränkt 
▼ar, denn während die Eingebomen in und bei der Nieder- 
laasnng eben so und mehr als wir selbst litten, befanden 
sich die an der Ostküste des äusseren Hafens wohnenden 
Tollkommen wohl. Diess veranlasste Gapt. M^Arthur, Rekon- 
valescenten dorthin zu schicken, und obwohl sie daselbst 
Entbehrungen und Ungemach zu ertragen hatten, war doch 
die schnelle Herstellung ihrer Gesundheit aufßsdlend. Bald 
nach ihrer Eückkehr in die Niederlassung hatten sie jedoch 
gewöhnlich einen Rückfall." Earl nennt noch einige andere 
Punkte, welche nach den Erfahrungen der Bugis ungesund 
Bind, 80 die Bucht Limba Apiu an der Nordwestktiste der 
Halbinsel Coburg, die Blue Mud-Bai an der Westküste des 
Golfs von Garpentaria und einen schmalen Meeresarm im 
Südwesten des Kap Gockburn, im Allgemeinen aber scheint 
flieh die Malaria auf eng eingeschlossene Buchten und Häfen 
za beschränken, während offene Küsten und das Innere 
des Landes nach den bisherigen Erfahrungen frei von 
Fieber sind. 



Die Gegend des Victoria - Flusses hat sich den Mitr 
gliedern der Or^ory'schen Eacpedition entschieden als ge- 
sund bewährt So sagt Wilson: „Obwohl das Klima von 
Nordwest -Australien wenigstens 6 Monate im Jahre zu 
heiss ist, um angenehm zu sein, litt doch unsere Gesund- 
heit keineswegs darunter und die Monate Mai, Juni und 
Juli waren wirklich schön/' Eben so spricht sich der Arzt 
der Expedition, J. B. Elsey, sehr günstig über das Klima 
in Bezug auf den Gesundheitszustand seiner Gefährten 
aus '), es kam weder Diarrhöe noch Dysenterie noch Rheuma- 
tismus vor und nur ein einziger leichter Fieberan&ll nach 
übermässiger Anstrengung in voller Sonnenhitze. „Auf- 
fallend ist der Mangel an jener Feuchtigkeit, die ein so 
charakteristisches Merkmal tropischer Klimata ist. Die 
Wirkung dieser ausserordentlichen Trockenheit zeigt sich 
in der Abwesenheit üppiger und reicher Vegetation, dem 
kleinen und krüppelhaften Wuchs der Bäume, der Selten- 
heit der Farne und Moose und dem gänzlichen Fehlen der 
Flechten und Schwämme. Eben so auffallend war die 
geringe Menge der Insekten.'' Auch Gregory selbst spricht 
seine Verwunderung darüber aus, dass so wenig Krank- 
heiten bei seinen Gefährten sich einstellten, obwohl die 
Hitze drückend, die Luft bei häufigem Regen oft sehr 
schwül und die Leute oft ohne Schutz und den grössten 
Strapazen ausgesetzt waren. 

Ungesund ist hiernach Arnhem's Land sicherlich nicht 
zu nennen, aber die hohe Temperatur, über die Alle ein- 
stimmig klagen, wird voraussichtlich einen nicht geringen 
Einfluss auf die Entwickelung der Kolonie üben. 

Waterhouse, der Naturalist der letzten Stuart'schen 
Expedition, bemerkt am Schluss seines Tagebuches, da im 
Winter schon eine solche Hitze herrsche, glaube er nicht, 
dass das Land im Sommer für Europäer passend sei; jedoch 
ist diess jedenfalls übertrieben. Stuart selbst hält das 
Land nördlich vom Roper bis zur Küste für ganz geeignet 
zur Besiedelung durch Europäer, da das Klima in jeder 
Hinsicht zuträglich sei. Mit ihm stimmen Gregory und 
sei^e Begleiter und besonders auch Earl überein. ' Letzterer 
bestätigt Keppel's Wahrnehmung, dass in Port Essington 
die Känguru- Jäger, die fast täglich, selbst in der heissesten 
Jahreszeit, lange anstrengende Märsche machten, stets die 
gesundesten Leute in der Garnison waren, und er schliesst 
daraus, dass die Hitze nicht nachtheilig für die Gesundheit 
sei, obwohl sie natürlich denen, welche sich im Freien 
bewegen müssen, grosses Ungemach verursacht. So viel 
scheint gewiss, dass Viehzucht in Nord- Australien recht 
wohl von Europäern betrieben werden kann, zumal wenn 
die erfahrenen Viehzüchter aus der Gegend des Torrens- 



1) Journal of the B. Geogr. Soc. of London, yol. 28, p. 135. 



102 



Die Besiedelung von Arnhem'B Land in Nord-Australien. 



Beckens, des DarHng u. s. w. die Sache in die Hand neh- 
men, dass aber eine ausgedehntere Bodenkultur ohne aus 
tropischen KHmaten beigezogene Arbeiter kaum möglich 
sein wird, auch abgesehen davon, dass Europäische Arbeit 
für Baumwollenbau z. B. viel zu theuer sein würde. Bei 
Brisbane in Queensland hat man bereits die Erfahrung 
gemacht, dass sich der Britische Arbeiter zum Baumwollenbau 
nicht eignet, und Oapt. Towns, ein' reicher Kolonist, hat 
deshalb im J. 1863 eine Anzahl Südsee-Insulaner auf seine 
Pflanzungen bei Brisbane gebracht 0* ^ie Beschaffung frem- 
der Arbeiter wird übrigens auf keine besonderen Schwierig- 
keiten stossen und Earl giebt dazu ausführliche Anwei- 
sungen. 

Zu Hirten würden sich nach ihm von allen auswan« 
derungslustigen Völkerschaften nur die Elings oder Eii}- 
gebornen der Madras-Küste eignen, die in den Englischen 
Kolonien auf der Malayischen Halbinsel fast ein Monopol 
für alle mit Pferden und Bindern in Beziehung stehenden 
Beschäftigungen haben, doch miisste man sie unter Euro- 
päische Aufseher stellen. Dieselben Leute sind aber auch 
sehr gut zu Feldarbeit zu yerwenden, wie denn auf Mau- 



1) BlttstTtted London Kews, 17. Oktober 1863. 



ritius seit einer Reihe von Jahren hauptsächlich Indier von 
der Madras-Küste in den Zucker-Plantagen arbeiten. Sie 
wandern alljährlich zu vielen Tausenden aus ihrer Heimath 
nach Pinang, Malaoca, Singapore, Ceylon und Mauritius 
aus, um sich als Arbeiter zu verdingen, und würden es 
sicherlich nicht verschmähen, sich für die Nordküste von 
Australien anwerben zu lassen. Sollen indessen tropische 
Produkte in grossem Maassstabe kultivirt werden, so wird 
die Zahl der Indischen Kulis nicht ausreichen, dann werden 
auch Chinesen verwendet werden müssen, die ohne Zweifel 
von freien Stücken in grosser Zahl herbeikommen werden, 
wenn die Kolonie so weit erstarkt ist, um ihnen Schatz 
gegen die von ihnen sehr gefürchteten Bingebornen zu 
gewähren. Sie werden es sich ausserdem ganz besonders 
angelegen sein lassen, die Naturprodukte des Landes und 
namentlich die der See an den Küsten auszubeuten. Für 
Fischerei, Holzfällen und andere Industriezweige eignen 
sich vorzüglich die Malayen, die von den nächst gelegenen 
Inseln des Archipels leioht in grosser Zahl beizuziehen 
wären, wenn man ihnen lohnende Beschäftigung bieten 
kann, so namentlich von Rotti, dessen christliche Bewohner 
häufig in Kupang Besohäfkigung suchen,. Savu, den Ser- 
watty-Inseln und Timor Laut, das die Holzschläger, Wasser- 
träger u. s. w. für Banda liefert. 



Eine kurze Beschreibung der geodätischen und topographischen Vermessungen, 
welche der Ausarbeitung der Karte des Etna voraufgegangen sind. 



Von W, Sartoriua v, Waltershausen, 
(Nebst Karte, t. Tafel 4«).) 



Als ich im Jahre 1833 eine grössere geologische Arbeit 
2U unternehmen gedachte, stellte ich mir zum Feld meiner 



Die Karte des Etna auf Tafel 4 ist eine Reduktion des vor 
einigen Jahren im Stich vollendeten grossen, berühmten Kartenwerkes 
Ton Prof. Sartorius v. Waltershausen, über dessen Entstehung der yot- 
liegende Aufsatz die ersten ausführlicheren Nachrichten enthält. Unser 
Kärtchen war für das neue Übersichtsblatt Ton Italien in Stieler's 
Hand-Atlas (s. „Geogr. Mitth.'' 1863, S. 233) angefertigt worden, wir 
hoffen aber durch seine Reproduktion in dieser Zeitschrift, besonders 
in Verbindung mit dem Text, jene höchst bedeutende Arbeit in noch 
weiteren Kreisen bekannt 2u machen und das Interesse für sie noch 
mehr anzuregen. 

Zugleich sollte es aber auch als Gegenstück zu der auf derselben 
Tafel befindlichen Karte des' Kiliroa-ndjaro dienen, da beide den gleichen 
Maaasstab haben, also unmittelbar yergleichbar sind. Diese Karte des 
Kilima-ndjaro , des weltbekannten erloschenen Vulkans im äquatorialen 
Ost-Afrika, der seit seiner Entdeckung^durch Kebmann so viel genannt, 
dessen Lage und dessen Schneekuppeu namentlich so oft zu eifrigen 
Diskussionen Veranlassung gegeben haben, beruht auf den Aufnahmen 
des Baron K. y. der Decken während seiner ersten Reise (1861) und 
ist Ton einer Karte kopirt, welche Herr Dr. Kiepert im Dezember- 
Heft 1863 der Berliner Zeitschrift für AUgem. Erdkunde publicirt hat; 
wir gaben nur die Terrain - Darstellung durch Horizontalen, wie sie 



Forschungen Island, die Alpen und den Etna auf die en- 
gere Wahl. Ich ging damals von der richtigen Ansicht 



auf der Original-Zeichnung des Reisenden und nach ihr auf der Kiepert'- 
Bchen Karte sich findet, durch Schraffirung wieder, da wir aus der 
Vergleichung der eingeschriebenen Höhenzahlen mit der Anzahl der 
Horizontalen zwischen ihnen ersahen, dass die letzteren keinen be- 
stimmten mathematischen Werth haben. Die Karte ist überhaupt, wie 
Herr Dr. Kiepert in seinen Bemerkungen uns belehrt, nur eine vor- 
läufige, Baron v. der Decken hat die Papiere über seine zweite Kei&e 
nach dem Schneeberge (1862) auf Mauritius zurückgelassen, als er sich 
genöthigt sah, nach Europa zurückzueilen, um die Vorbereitungen zu 
seinen weiteren Forschungen selbst zu betreiben, und die Benutzung 
jener Papiere wird später noch manche Verbesserung im Einzelnen 
herbeifuhren; wesentlichere Änderungen in den Positionen und Maass- 
yerhältnissen der Karte, so wie in den daraus hervorgegangenen Resul- 
taten der trigonometrischen Höhenmessungen verspricht jedoch nach 
Dr. Kiepert's Ansicht die Verwendung jenes neueren Materials kaum 
zu ergeben, wegen der grossen Anzahl der schon beim ersten Besuche 
festgestellten Messungs-Stationen, daher denn auch die auf der zweiten 
Bei9e ausgeführten und vorläufig berechneten Breiten- und Längen- 
Beobachtungen (innerhalb unseres Kärtchens zu Uru und Mossi) mit 
dem schon vorher festgelegten Resultat der trigonometrischen Aufnahme 
sehr wohl übereinstimmten. Die Route der zweiten Reise und Besteigung 



Beschreibung der geodätischen und topographischen Vermessungen des Etna. 



103 



aus, das8 ohne eine exakte Unterlage, ohne eine vorher 
ausgearbeitete topographische Karte, eine gründliche geo* 
logische Bearbeitung einer G^end unmöglich sei. Die 
Herstellung einer nur einigermaassen zuverlässigen Karte 
der Insel Island oder eines auch nur massigen Theiles der 
Alpen (die topographischen Hülfsmittel der Schweiz waren 
damals noch sehr mangelhaft) würde die Kräfte eines ein* 
xigen oder einiger Menschen weit überschritten haben. 
Dabei war mein letztes Ziel nicht auf topogrcQ[>hisohe, son- 
dern auf geologische Untersuchungen gerichtet. Bei ver- 
hältnissmässig geringer Oberfläche schienen der Vesuv, der 



ist aus dem Gedächtniss and nach dem vorlättfigen Übersieh tskärtchen 
dieser Reise eingetragen, welches zugleich mit der spezielleren Skizze 
des Kilima-ndjaro pnblicirt worden ist. 

Nach diesem Kärtchen liegt der höchste Gipfel des Berges in 
3' 7f S. Br. und 37' 42' östl. L. v. Gr., also genau in derselbeji 
Breit« und nur 2 bis 3 Beutsohe Meilea östlicher als auf Dr. Kiepert*« 
früherer Karte zu üerrn Direktor Meineke's Bericht Über Dr. Krapfs 
Keisen (Zeitschrift ftir Allgem. Erdkunde, Bd. IX, Tafel 1) und auf 
Bumer Skiase dea Nil-Quellgebieta zur Übersieht von Speka's £nt- 
detkoDgen („Geogr. Mitth." 1863, Tafel 10), demnach etwa 33 Deutsche 
Meikn von der Küste bei Mombas. 

Die Höhe des Berges betrSgt nach t. der Deoken'a Messungen 
r 0.005 Engl. Fuss, während die Ebene am südlichen Fuss etwa 2200 F. 
liber dem Meere liegt. Die Höhe der Schneegrenze wird auf 16.400 P, 
angegeben, so dass der Riesenberg, der höchste bis jetzt in Afrika ge* 
TDoNene, zwar entschieden ewigen Schnee trägt, aber nur auf dem 
btschräiikteu Baume seiner höchsten Kuppen oder Hörner, wo die 
Bedingungen zu einer Gletscherbildung wahrscheinlich fehlen. Obwohl 
•litr Höhen auf der Karte des Etna in Pariser Fuss ausgedrückt sind, 
haben wir die Höhenzahlen auf und am Kilima-ndjaro in Engl. Fuss 
^es^eben, um die Original-Daten beizubehalten, reduciren aber dieselben 
im Nachstehenden auf Pariser Fusa, damit eine direkte Vergleichung 
möglich wird. 



Am Gipfel des 
20.065 Engl. F. 
li«.858 „ 



Gr. Kilima-ndjaro 
= 18.S27 Par. F. 
18.633 „ 
1S.760 „ 
13.669 „ 
13.042 „ 
9.0ÖS 



Am Fuss des Berges von W. nach 0. 
4867 Engl. F. = 4567 Par. F. 
3896 „ 3656 „ 

I 3800 „ 8666 „ 

2641 „ , 2478 „ 
. 2276 „ 2136 „ 

An der Route der ersten Besteigung 
= 3490 Par. F. 
4451 „ 
7126 „ 



14.568 „ 
13.900 „ 

9.648 „ 

Am Gipfel des Kl. Kilima-ndjaro | 3719 Engl. F. 
17.179 Engl. F. = 16.119 Par. F. 4744 „ 
16.964 „ 15.917 „ 1 7596 „ 

Schneegrenze I 

I6.4f»0 Engl. F. = 15.388 Par. F. . 

Die Ton dem Reisenden zurückgebrachten und von den Professoren 
Böse und Roth beschriebenen Qesteinsproben (meist Trachyt und Basalt) 
beweisen die Tulkanische Natur des Berges. 

Wenn sich auch Position, Hohe und Gestalt des Kilima-ndjaro 
ipater noch etwas anders heranastellen sollte ala auf dieser Torläufigen 
$ki2ie, so ist diese doch eine glänzende Errungenschaft, entscheidend 
far eine der brennendsten Fragen der Afrikanischen Geographie. Er- 
reicht die Aufnahme t. der Decken's auch nicht entfernt die Genauig* 
keit im Detail und entbehrt sie ganz der geologischen Spezial-Ünter- 
TOchungen, welche das Etna -Werk von Sartorius y. Waltershausen 
auseichnen, hat jene noch nicht so viele Monate gekostet als dieses 
Jihre, so ist dagegen durch v. der Decken's bewundernswürdige Aua- 
daner und die grossartigen, von ihm aufgewendeten Mittel eines der 
höchsten und berühmtesten Vulkangebirge der Erde zuerst wissen- 
«chaftlich erobert worden unter Umständen, die mit nicht minderen 
Schwierigkeiten verbunden waren als die Untersuchungen am Etna. Die 
Deutsche Wissenschaft darf mit Stolz auf die beiden kleinen Karten 
blicken, beide sind Zeugniss der unbegrenzten, kein Opfer scheuenden 
Hingebung an eine wissenschaftliche Aufgabe, wodurch wahrhaft Grosse« 
erreicht wird. ^' ^* 



Etna und die LipariBchen InselA die Gegenden zu sein, 
deren Bearbeitung einen günstigen Erfolg in Aussicht stellte. 
Am YesuY war indess schon viel in naturwissenschaftlicher 
Hinsieht geleistet und man konnte erwarten, dass die 
Neapolitanischen Gelehrten das Feld yor ihren eigenen 
Thüren mit der Zeit weiter bearbeiten würden. Aus ver- 
schiedenen Gründen entschloss ich mich endlich zur Be- 
arbeitung des Etna. 

Im Oktober des Jahres 1835 gelangte ich in Begleitung 
meines Freundes und jetzigen Kollegen/ Professor Listing, 
in Gatania auf dem Felde meiner neuen Thätigkeit an. 
Nachdem das Terrain unserer Forschungen rekognoscirt 
war, ergab sich sehr bald, dass weder brauchbare Vorarbei* 
ten irgend einer Art noch andere Hül&mittel existirten, 
welche einer mir vor der Seele schwehßnden Arbeit hätten 
nützlich sein können. 

Ausser einer kleinen, sehr unToUkommenen Skizze des 
Etna von Gemmellari, die auf gar keinen Yermessungen 
beruhte, aus der nicht einmal zum Centriren der Winkel 
die provisorischen Distanzen entnommen werden konnten, 
einer anderen vieF kleineren Skizze in Smyth's Werk „Sioily 
and its Islands" und einem ziemlich guten Plane der Stadt 
Catania von Ittar gab es damals durchaus keine topogra- 
phischen Hülfsmittel. 

Aber auch alle anderen Anhaltspunkte, die zum Stütz- 
punkt einer grösseren geodätischen und physisch - geogra- 
phischen Arbeit hätten dienen können, fehlten durchaus. 
Die Universität Catania hatte kein Fernrohr, keine Uhr 
oder Chronometer, keine brauchbare Bibliothek, nicht das 
kleinste chemische Arbeitslokal ; ein altes lufterfüUtes Baro- 
meter und Thermometer bildeten den Inbegriff aller physi- 
kalischen Instrumente. Die Stadt von 70.000 Einwohnern 
hatte auch nicht den dürftigsten Mechaniker, der im Stande 
gewesen wäre, die kleinste Reparatur eines Instrumentes 
vorzunehmen. Ein jetzt in Afrika reisender Geograph könnte 
in dieser Beziehung nicht hülfloser dastehen, als wir damals 
in Sicilien 8 Jahre lang dagestanden haben. 

Ich war in dieser Beziehung ganz auf Deutschland an- 
gewiesen, ich nahm einen Theil der Instrumente der besten 
Konstruktion mit mir und liess andere mit vielen Kosten 
und unter grossen Schwierigkeiten aus der Heimath nach- 
kommen. 

Unsere Instrumente bestanden aus 2 Erterschen 6- bis 
7zölligen Theodoliten, einem kleinen Meridiankreis und 
Passage-Instrument, einem grösseren Fernrohr von Plössel, 
einem kleinen Theodoliten von Meyerstein; aus Bussolen, 
2 Messtischen, 3 Barometern, verschiedenen Thermometern 
und Psychrometern; aus einem Englischen Chronometer, 
einer Duplex • Uhr von Kisselt, einem vollständigen Apparat 
zur Erforschung der drei erdmagnetischen Elemente, ans 



104 



Beschreibung der geod&tischen und topographischen Vermessungen des Etna. 



zwei einfaohen Heliotropen und aus verschiedenen unter- 
geordneten Hülfsmitteln. 

Glücklicher Weise fanden wir bei den Einwohnern Ca- 
tania's eine ausserordentlich freundliche Aufnahme und zu- 
gleich die wohlwollendste Gesinnung, ohne welche eine 
Arbeit wie die unsrige nicht durchzuführen gewesen wäre. 
Eine Empfehlung des Principe Gampo-Franco , Statthalters 
Ton Sicilien, an den Intendenten von Oatania, Principe 
Manganelli, welche ich- zu Palermo im Januar 1836 er- 
hielt, stellte mich' wenigstens fürerst unwissenden Unter- 
behörden gegenüber sicher und so konnte eine weit aus- 
sehende Arbeit ohne Unterstützung irgend einer Regierung, 
nur unter Gottes Schutz und im Vertrauen auf eigene 
Kraft, ihren Anfang nehmen. 

Es erschien mir. durchaus nothwendig , mit möglichst 
geringem Geld- und Zeitopfer die grösst mögliche Genauig- 
keit der geodätischen, topographischen und naturwissen- 
schaftlichen Arbeiten zu erreichen. Dieser Vorsatz wurde 
im Laufe der Jahre eingehalten und es ist wohl bis jetzt 
nie eine Untersuchung dieser oder ähnlicher Art mit so 
bescheidenen Hülfsmitteln und verhältnissmässig so geringen 
Kosten als diese Bearbeitung dds Etna ausgeführt worden. 

Die unendlichen Hindernisse zu schildern, welche sich 
der Ausführung meines Planes in den Weg stellten, werde 
ich übergehen, doch bedurfte es unerschütterlicher Willens- 
kraft, um zum Ziele zu gelangen. 

Das erste dringende Bedürfniss war die Ausführung 
einer geodätischen Triangulation, auf der das topographische 
Gebäude weiter aufgebaut werden sollte. Die Arbeit der 
Triangulation zerfiel in folgende Unterabtheilungen: 

1) die Basis-Messung, 

2) die Winkelmessung der Dreiecke, 

3) die Orientirung einer Seite, 

4) die astronomische Ortsbestimmung des Anfangspunkts 
der Koordinaten, 

5) die trigonometrischen Höhenmessungen. 

Wir werden diese fünf yerschiedenen, wesentlich von 
einander getrennten Untersuchungen näher 4urohgehen. 

1. Basis- Messung. — Um für diese Arbeit eine pas- 
sende Lokalität zu finden, kamen zwei Gegenden in Be- 
tracht, nämlich die Plana von Gatania und der Strand 
zwischen Biposto und Cottone. In beiden Gegenden herrscht 
in der wärmeren Jahreszeit tödtliche Malaria. Wir ent- 
schlossen uns für die zuletzt genannte Lokalität, in deren 
Nähe das Val del Bove sich befindet und das Terrain 
langsam vom Meere zum Berge emporsteigt. Ein Anschluss 
der Basis an die Dreieckskette war hier leichter und sicherer 
auszuführen, als diess in der Piana von Catania möglich 
gewesen wäre. 

Die Basis liegt näher angegeben zwischen zwei Punkten, 
welche Portella und Gurna heissen, in einer ganz geringen 



Erhebung über dem Meeresspiegel und vom Schlage der 
Brandung kaum 20 bis 30 Schritt entfernt. Die Messung, 
welche zum Theil doppelt ausgeführt wurde, hat mit den 
Vorarbeiten etwa 4 Monate beansprucht. Der Malaria 
wegen waren wir genöthigt, jeden Morgen von Giarre zur 
Basis hin-, jeden Abend denselben Weg zurückzugehen. 
Im Durchschnitt gingen dadurch täglich mindestens 3 Stun- 
den verloren. Die Hitze im Juni und Juli war tropisch, 
Schatten weil und breit nicht zu finden. Ein kleines, am 
Strande aufgerichtetes Zelt, welches für eine Ruhestunde 
um Mittag bei der grössten Hitze dienen sollte, wurde 
öfter vom Seewinde umgerissen. Fast jeden Morgen, als 
noch die Sterne am Hinmiel standen, verliess ich Giarre 
und erreichte die Gegend der Basis , als der erste Purpur 
die Krone des Etna vergoldete. 

Obgleich die zur Messung nöthigen Hülfsmittel von 
der einfachsten Art waren, so konnte man mit ihnen 
günstige Besultate erreichen. Fünf etwas über 3 Meter 
lange Stäbe von trockenem Fichtenholz, wie sie von den 
Fabrikanten zu musikalischen Instrumenten benutzt werden, 
wurden längere Zeit vor d^ Messung mit siedendem Öl 
getränkt und immer wieder in der heissen Sonne getrocknet. 
Jeder derselben hatte kurz vor seinen Enden auf jeder 
Seite zwei etwa 20 Millimeter von einander abstehende, 
sorgsam markirte Theilungsstriche. Die Stäbe wurden mit 
A, B, C, D, E benannt. Nachdem dieselben in der vorher 
bestimmten Richtung der Basis auf dreibeinigen Holzböcken 
aufgestellt, alliniirt und nivellirt waren, konnte die Mes- 
sung beginnen. Die Stäbe folgten in der Ordnung A, B, 
C, D, E, A, B u. s. w. Zwischen je zwei Stäben befand 
sich ein Zwischenraum von 100 Millimeter und etwas mehr. 
Dieser wurde durch einen eigenen Maassstab gemessen, 
mit Benutzung der 4 Endtheilstriche. Ejn Fehler von 
0,05 Millimeter kam selten vor. Alle Ablesungen wurden, 
um Irrthum zu vermeiden, doppelt gemacht. 

Der Anfangspunkt bestand aus einem etwa 5 Fuss tief 
in die Erde gerammten Pfahl, auf dem 5 Messingstifte in 
Kreuzform eingelassen waren. Der mittlere Punkt diente 
zum Anfangspunkt und wurde durch eine eigene Einrich- 
tung mit der darüber liegenden ersten Stange in Verbindung 
gebracht. Ein herabgesenktes Bleiloth ergab nicht die ge- 
hörige Präcision, da es vom Luftzuge bewegt und beständig 
in kleinen Schwingungen gehalten wurde. 

In der Entfernung einiger Meter vom ersten Pflock 
stand ein zweiter Hülfspflock. Unser Schrecken war kaum 
zu beschreiben, als die Dreiecksmessungen nach einiger 
Zeit beginnen sollten und es sich' herausstellte, dass der 
erste Pflock durch abergläubische Landleute, welche unsere 
Arbeiten mit Schatzgräberei, einer in Sicilien sehr beliebten, 
wenn auch wenig einträglichen Beschäftigung, in Zusammen- 



Beschreibung der geodätischen und topographischen Vermessungen des Etna. 



105 



hang brachten, gewaltsam herausgerissen war. Es blieb 
Nichts übrig» als Tom b weiten Hülfspflock aus, der nun 
aU Endpunkt angesehen wurde, die Messungen zu beginnen. 
Er wurde yon den Schatzgräbern nie entdeckt und hat 
spater, wenn auch yielleicht etwas weniger yoUkommen 
als der erste, seinen Zweck erfüllt. Die Länge der Basis 
betrag etwa 2018 Meter. Nach vollendeter Arbeit ruhten 
▼ir einige Wochen in Messina und kehrten darauf nach 
Catania zurück, um den Qipfel des £tna für die bevor- 
stehende Triangulation zu rekognosciren. Erst den 5. Sep- 
tember trat hellere Witterung ein. Wir lebten 2 Monate 
lang in der Casa Inglese, 9100 Fuss hoch, den furcht- 
barsten (Gewittern, der Kälte, den Nebeln und Schnee- 
stürmen ausgesetzt, die uns am Ende des Oktober nach 
Catania zurücktrieben. 

Kurz darauf verfiel ich in eine tödtliche Krankheit. 
Fast 3 Monate lang lag ich am Rande des Grabes und be- 
darfte fast ein Jahr, um mich zu erholen. Im Sommer 
Ton 1837 brach die Cholera in Palermo aus. Tausende von 
Leichen wurden aus den Fenstern gestürzt und lagen un- 
begraben und unbetrauert auf der Strasse. Dazu gesellte 
sich ein Volksaufstand. In Sjrrakus wurden Franzoaen, die 
man für Giftmischer ausgab, ermordet Auch in Catania 
tobte ein Aufstand; bald nach ihm zog die Cholera ein. 
20- bis 30.000 Opfer fielen. Manche, welche die Cholera 
verschont hatte, fanden nach langen Kriegsgerichten durch 
Bourbonisches Blei ihren Tod. Unter solchen Verhältnissen 
Terliess ich SidUen und reiste über Gibraltar, Lissabon, 
Iriand und England nach der Heimath zurück, welche ich 
den 10. September 1837 erreichte. 

So waren zwar nach manchen schweren Prüfungen und 
Tielen Erfahrungen die- Arbeiten am Etaa begonnen, aber 
noch sehr weit davon entfernt, auch nur bis zum ersten 
Zehntheil vollendet zu sein. Kaum hatten sich die Verhält- 
nisse in SiciUen zur Ruhe gegeben, so ging ich daher von 
Neaem ans Werk und stand den 20. Oktober 1838 im 
Schneesturm vor dem heranbrechenden Tage am Krater 
des in voller Eruption begrüFenen Etna. 

Mein leider^ zu fWih verstorbener Bruder und Dr. Peters 
ans Flensburg, durch dessen unermüdliche Ausdauer und 
ansgezeichnete Kenntnisse unsere Arbeit wesentlich gefor- 
dert wurde, begleiteten mich auf dieser zweiten bis zum 
Jahre 1843 ausgedehnten Reise. Mein Bruder, der auch 
in Sicilien schwer erkrankte, kehrte im November 1839 
Dach Deutschland zurück. 

2. Die Triangulation wurde nun mit aller Kraft in 
Angriff genommen und war bereits im Sommer 1839 im 
Wesentlichen vollendet. Sie bildet eine Kette von 29 Drei- 
ecksponkten, welche den Gipfel des Vulkans umsohliessen. 
Die Messung wurde nach Gauss' Methode ausgeführt; 

PeUrmaan^s Geogr. Mittheilungen. 1864, Heft III. 



Heliotrope mussten da verwandt werden^ wo die Dreiecks- 
punkte bei grösseren Entfernungen nicht sichtbar zu machen 
waren. Von jedem Punkte ab wurden alle Kombinationen 
mit den übrigen Dreieckspunkten gemessen und darauf 
nach der Methode der kleinsten Quadrate ausgeglichen. 
Auch bei der Vollendung dieser Arbeit hat das unwissende 
Landvolk sehr häufig störend eingewirkt, indem unsere 
Signale aus Aberglauben umgerissen und öfter die Arbeit 
mehrerer Tage vernichtet wurde. Ein Beispiel von einem 
Punkte mag hier angeführt werden. 

Monte Maletto-Station. 









Dreieckspunkte. 


. 


1. 


Monte Ulnardo 


1 








8. 


Sem la Colla, 










S. 


Piiso Maletto, 










4. 


Monte Spagnnolo. 














Kombicationen. 










Berechnet. 


B«r«ehn. - Beob 






3Ö« 


V Ö6,9«* 


Sö« 2'56,»' 


-0,«7- 






78 86 44,16 


78 86 43,69 


-0,64 






152 


2 6,9» 


152 2 8,19 


+ 1,94 






43 83 68,08 


43 33 47,93 


—5,85 






116 


59 6,7A 


116 59 11,90 


4-6,16 




a!« 


73 25 31,04 


73 25 24,67 


-6,37 



3. OrimUirung, — Nachdem so alle Winkel des Netzes 
hergestellt und die Kette mit den Endpunkten der Basis 
verbunden war, wurde die Orientirung der ersten Seite, 
Catania -Monte Rosso, durch Beobachtungen des Polar- 
sterns mit Hülfe eines kleinen Meridiankreises und eines 
etwa 120^ Meter entfernten Meridianzeichens ermittelt 
Der zwischen diesem und dem Monte Bosse gemessene 
Winkel gab die Orientirung oder das Azimuth der ersten 
Dreiecksseite. Aus der Länge, Basis und der Orientirung 
berechnet man die Längen so wie die Azimuthe der ver- 
schiedenen Dreiecksseiten. Endlich findet man die reoht- 
winkligen Koordinaten aller Dreieckspunkte unserer Kette. 
Die Ausgleichung des ganzen, in sich ringförmig geschlos- 
senen Dreiecks-Systems gehört zu einer der schwierigsten 
mathematischen Aufgaben; ich verdanke ihre definitive 
Lösung der GKite meines genialen Lehrers und Freundes 
C. F. Gauss, der sich auch dieser ganz ausserhalb des 
Kreises seiner gewöhnlichen Beschäftigungen liegenden Ar- 
beit mit bewunderungswürdigem Eifer, der unbeschreib- 
lichen Gewissenhaftigkeit und Umsicht angenommen hat, 
die alle seine grossen, Bahn brechenden Untersuchungen 
charakterisirt. 

4. Die geographische Ortsbestimmung des Anfiuigspunktes 
des Dreieoks-Systems ist mit besonderer Schärfe ausgeführt. 
Die Polhöhe wurde nach Bessel's Methode mit einem klei- 
nen, von Ost nach West gerichteten Passage - Instrumente 
ausgeführt. Die Länge ist aus Beobachtungen von Stem- 
bedeokungen berechnet. 

14 



106 



Beschreibung der geodätischen und topographischen Vermessungen des Etna. 



5. Endlich sind durch einen Yertikalkreis die Zenith- 
Distanzen aller Dreieckspunkte gegenseitig gemessen und 
ihre Höhen daraus abgeleitet. 

Nach der Vollendung des Hauptnetzes wurden etwa 
100 Funkte zweiter, ferner gegen 1000 Punkte dritter Ord- 
nung von den Triangulations- Punkten aus bestimmt und 
zur Anfiertigung der Karte konstruirt. Von mehreren der- 
selben, welche irgend ein besonderes Interesse darboten, 
Thürme von Ortschaften, Terrassen, Quellen, Krater, Lava- 
Ausflüsse, Felsen u. s. w., sind auch die Höhen trigono- 
metrisch festgesetzt worden. Mit ganz besonderer Sorgfalt, 
mit Rücksicht auf die Frage, ob der Etna später gehoben 
wird oder nicht, wurde die Höhe der Thürschwelle der 
Casa Inglese über dem Meere bestimmt Zur Erreichung 
dieses Zweckes stellte man zu gleicher Zeit zwei Helio- 
tropen-Lichter auf, das eine vor der Casa Inglese, das an- 
dere auf der Kirche der Benediktiner in Catania. Dr. Peters 
und ich bestimmten darauf gleichzeitig die Zenith-Distanzen 
beider Punkte aus der Höhe in die Tiefe und umgekehrt. 
Die Höhe der Kirche über dem mittleren Meeresspiegel 
war sodann zu ermitteln. Eine sehr schwache Ebbe und 
Fluth gab sich in Folge dieser Messungen bei Catania zu 
erkennen. Hand in Hand mit der Durchführung der Trian- 
gulation wurden physikalische Arbeiten weiter geführt, 
theils aus dem Gebiete des Erdmagnetismus, theils aus dem 
der Meteorologie. Beispielsweise sind einige tausend Baro- 
meter-Messungen zum Vergleich mit den trigonometrischen 
gemacht worden. 

Nach der Festsetzung und Konstruktion der Punkte der 
ersten, zweiten und dritten Ordnung konnte zur Detail- 
Aufhahme geschritten werden. 

Ausser dem Dr. Peters waren mir zwei jimge Sici- 
lianer, Vinoenzo Musomeci und Francesco Ferro, behülflich, 
auch haben sich meine Freunde Saverio Oavallari aus 
Palermo und C. Hoos aus Mainz, der erstere für einen 
Sommer, der letztere für ein Jahr, theils bei der Auf- 
nahme, theils bei der weiteren Ausführung der Karte be- 
theüigt. 

Es ist kaum möglich zu beschreiben, mit welchen Be- 
schwerden und Hindernissen sowohl die Triangulation als 
auch besonders diese Detail-Aufnahme verbunden war. Der 
ganze obere Theil des Berges bietet mit Ausnahme der 
sehr dürftigen Casa Inglese, die kaum ein Stall' genannt 
werden kann, kein Obdach dar. Man ist genöthigt, in 
Köhlerhütten, Höhlen oder Grotten, unter hervorragenden 
Steinen oder gar unter freiem Himmel Monate lang zuzu- 
bringen. Sibirische Kälte und tropische Gluth wechselten 
mit einander ab. An Wasser war meist der grösste Mangel, 
da es nur ganz einzelne und kleine, von den Orten unserer 
Beschäftigung oft stundenweit abgelegene Quellen gab. Das 



Überschreiten von mehreren hundert, häufig mehr als 
1000 Meter breiten Lava -Strömen war mit unbeschreib- 
lichem Kraftaufwand verbunden; in den tiefer gelegenen 
Gegenden sind die Laven häufig mit Cactjos bewachsen, 
welche öfter fast undurchdringliche Verhaue bildeten; in 
den Wäldern musste man sich durch zwei Ellen hohe 
Farm -Kräuter den Weg bahnen. Im Yal del Bove, wo 
wir Monate lang unter grossen Beschwerden arbeiteten, 
waren wir beim Erklimmen der Abgründe durch häufig 
herabstürzende Steine grosser Gefahr ausgesetzt. 

Auch das Arbeiten in den kleinen Städten und Dorf- 
schaften und in deren Nähe war nicht immer angenehm, 
da wir der Neugier der Einwohner und bisweilen der 
Unverschämtheit der Beamten ausgesetzt waren, welche 
dem niederen Volke gegenüber ihre Autorität geltend machen 
wollten. Es waren diess glücklicher Weise nur einzelne 
Ausnahmen, denn alle einigermaassen gebildeten Leute kamen 
uns mit seltener Artigkeit und Gastfreundschaft entgegen. 
Die Landbevölkerung, Hirten, Kohlenbrenner, Weinbauern 
zeichneten sich bei grosser Unwissenheit durch eine wahr- 
haft kindliche Gutmüthigkeit aus. Der Etna gehört so zu 
den sichersten Orten der Erde, Baubanfälle oder andere 
Gewaltthaten sind durchaus unbekannt. 

Die äusserst schwierigen Terrain - Verhältnisse machten 
eine eigentliche Messtisch-Aufnahme vollkommen unmöglich. 
Die vorher angegebenen festen Punkte wurden auf kleine, 
mit dem festesten und besten Englischen Papier bespannte, 
etwa 10 Zoll lange und 8 Zoll breite Beissbretter auf- 
getragen. Jedes einzelne Blatt besass ein mit der Reiss- 
feder konstruirtes, 160 Millimeter langes und 133,3 Milli- 
meter breites Parallelogramm. Die ursprüngliche Aufnahme 
der Original-Karte wurde im Verhältniss von 1 : 30.000 aus- 
geführt und so entsprach die schmalere Seite des Paralle- 
logramms einer Länge von 4000 Meter, die breitere einer 
Länge von 4800 Meter. Von solchen Blättern, die zum 
Theil der Küste entlang Meer enthalten, hatten wir etvra 100. 
Jedest einzelne wurde durch Kreuzlinien in der Mitte in 
'vier Unterabtheilungen getheilt. Die Blätter konnten durch 
übergeklappte Pappdeckel, die sich auch nach Yiertheilen 
ö£Pnen und schliessen liessen, vor Staub und Regen ver- 
wahrt werden. Mehrere Male war der Wind während der 
Arbeit so heftig, dass wir fast zu Boden geworfen wurden. 
Das Brett wurde mir eines Tages -aus der Hand gerissen 
und tiefe Löcher durch Steine in das Papier geschlagen. 
Die bis dahin gemachte Arbeit war so gut wie verloren 
und musste kopirt werden. Nach der Konstruktion der 
festen Punkte trug man zuerst die Landstrassen und Pläne 
der Ortschaften ein, letztere waren von uns im doppelten 
Maassstabe vorher aufgenommen und in Catania verkleinert ; 
eben so wurde es mit den Landstrassen gemacht, von denen 



Bemerkungen zu den physikalischen und statistischen Kartenskizzen von Österreich auf Tafel 5. 107 



grossere, mit der Bussole aufgenommene Skizzen ezistirten. 
Aach Ton Kratern und einzelnen Lava-Armen pflegte ich 
tu gelegener Zeit grössere Skizzen zur späteren Benutzung 
anzufertigen und eben so wurden von den Flüssen und 
Fimnaren vorher Skizzen in grösserem Maassstabe auf- 
gezeichnet Mit Hinzuziehung dieser Vorarbeiten führten 
wir Blatt für Blatt, meist nur mit Hülfe kleiner Bussolen 
oad Benutzung vieler Theodolitenschnitte, möglichst sorg- 
sam aus. 

Die definitive Auszeichnung mit Chinesischer Tusche 
und vorzüglichen Stahlfedern gab uns besonders bei un- 
günstiger Witterung in Catania und Palermo jahrelange 
Beschäftigung. Die beste Topographie giebt nur eine an* 
genäherte Darstellung Von der Reliefform des Terrains; 
man kommt sehr bald an eine Grenze, welche von dem 
geübtesten Zeichner bei einem gegebenen Maassstab nicht 
mehr überschritten werden kann; es bleibt Nichts übrig, 
als gewisse Details zu unterdrücken, und es erfordert erst 
einige Übung, hier das Wichtige charakteristisch hervorzu- 
heben, das Unbedeutende zurücktreten zu lassen. 

Es war ein wehmüthiges Gefühl, welches mich bei md- 
ner letzten Anwesenheit in Sioilien 19 Jahre später über- 
bm, ein mit so vieler Liebe dargestelltes Terrain hin 
und wieder nicht unwesentlich verändert zu sehen. Unsere 



Karte zeigt den Zustand des Etna am Ende des Jahres 1842. 
Seit jener Zeit hat der Vulkan drei neue Lava-Ströme nach 
verschiedenen Richtungen hingewälzt. Manche Krater und 
Kraterreihen sind durch dieselben begraben, andere sind 
neu erstanden. Einige neue Landstrassen, Kirchen und 
Häuser sind hinzugekommen, die früher nicht existirten; 
eine von Catania nach Messina führende Eisenbahn wird 
im nächsten Jahre den Fuss des Etna überziehen. 

Aber auch auf dem geistigen Gebiete hat, sich seitdem 
Vieles geändert. Institutionen, die mehr als einem Jahr- 
tausend getrotzt haben, brechen in unserer Zeit, morschen 
untemagten Felsen gleich zusammen und ein nei^er Morgen 
geistiger Regung scheint auf den Gräbern der grossen 
Griechen-Kultur und über den Trümmern des Mittelalters 
zu erwachen. 

Da ich von diesem Jahre an in den Stand gesetzt bin, 
nur der weiteren Bearbeitung und Herausgabe meines 
Werkes über den Etna zu leben, so hoffe ich bald so weit 
zu sein, wenigstens den ersten Band des Hauptwerkes 
meines Lebens den Freunden der physischen Geographie 
und Geologie übergeben zu können; ich fühle diese Ver- 
pflichtung um so mehr, da der Kreis meines Lebens enger 
und immer enger gezogen wird. 



Bemerkungen zu den physikalischen und statistischen Kartenskizzen von Österreich 

auf Tafel 5. 



Einer Karte des Österreichischen Kaiserstaates in 2 Blatt, 
die binnen Kurzem von der Ferthes'schen Anstalt aus- 
gegeben werden soll, sind zur Illustration einiger wichtigen 
physiBchen und statistischen Momente 9 Nebenkärtchen 
beigefügt. Lidem wir diese Skizzen unseren Lesern auf 
Tafel 5 vorlegen, nehmen wir Veranlassung, über ihre 
Gnmdlagen kurz zu beriditen. 

1. Hydrographische Skizze. Hier ist einfach das Gebiet 
der Donau gegen die anderen Flusssysteme abgegrenzt und 
durch Farbe ausgezeichnet. Dadurch, dass ;5ugleich die 
Landesgrenze eingetragen wurde, tritt die überwiegende 
Bedeutung der Donau für den Österreichisohen Staat 
sprechend hervor. 

2. Orographische Skizze. Für die Terrain - Zeichnung 
der Hauptkarte wurden die in Österreich mit ganz beson- 
derer Liebe gepflegten hypsometrischen Arbeiten möglichst 
aasgenutzt, indem wir die in den Jahrbüchern der Oeolo- 
giBchen Reichs-Anstalt und anderwärts enthaltenen zuver- 
lässigen Höhenangaben auf grössere Karten eintrugen und 
danach Lsohypsen zogen. Einige dieser Isohypsen, und 



zwar die von 2000 zu 2000 Par. Fuse abstehenden, sind 
auf die kleine Skizze übertragen worden, um die Höhen- 
verhältnisse der österreichischen Oebirgszüge vergleichend 
übersehen zu lassen. 

3. Geologische Skizze. Dieses Kärtchen ist eine Ver- 
kleinerung der nach den Übersichts-Aufiiahmen der K. K. 
Geologischen Beichs- Anstalt zusammengestellten Tafel 14 
des Jahrgangs 1863 der „Geogr. Mitth." und in dem zu 
jener Tafel gehörigen Aufsatz (SS. 428 — 444) sind aus- 
führliche Erläuterungen nachzulesen. 

4. Klimatographische Skizze. Auf diesem Blättchen 
versuchten wir den Verlauf der Jahres -Isothermen von 
Grad zu Grad auszuziehen und benutzten dazu die aus den 
Jahrbüchern der K. K. Meteorologischen Central- Anstalt und 
den Dove'schen Tabellen zu schöpfenden Daten. Zwar 
reichen diese bei weitem nicht hin, um die Linien gleicher 
mittlerer Jahres-Tempeiatur mit Sicherheit zu ziehen, aber 
man gewinnt wenigstens eine annähernd richtige Vorstel- 
lung von ihrem Verlaufe, namentlich von dem Einfluss 
des Alpen -Systems auf denselben. Die Kurven für die 

14» 



108 



Bemerkungen zu den physikaliBcben und statUliBchen Kartenskizzen von Österreich auf Tafel 5. 



mittlere Juli-Temperatur yon 13*^ und die Januar-Tempe* 
ratur von 6° R. aeigen im Vergleich mit den gleichgradigen 
Isothermen die Amplitude der Verschiebung der Temperatur- 
Linien mit den Jahreszeiten. Von den Beobachtungs- 
Stationen sind nur einige wenige eingetragen. 

5. Hyetographische Skizze. Das Kärtchen veransohau- 
lioht die durchschnittliche jährliche Regenmenge, welche 
in den verschiedenen Gegenden des Kaiserstaates fällt, und 
lässt sehr deutlich die Beziehungen zwischen Bodengestalt 
und Niederschlag erkennen. Sie ist ausschliesslich der 
von Oberst-Lieutenant G. A. v. Sonklar im J. 1860 aus- 
gearbeiteten Begenkarte der Österreichischen Monarchie (im 
4. Bande der Mittheilungen der K. K. Oeogr. Oesellschaft) 
entnommen, nur mussten ihres kleinen Maassstabes wegen 
die Isohyeten von 10 zu 10 statt von 5 zu 5 Far. Zoll 
gezogen werden. 

6. Volksdichtigkeit. Obgleich der 1. Karte in Dr. A. Fi- 
cker's „Bevölkerung der österreichischen Monarchie" (Gotha, 
J. Perthes, 1860) ähnlich und wie jene auf die Zählung 
von 1857 basirt, ist unsere Skizze doch nicht identisch 
mit ihr. Wir haben nämlich die Einwohnerzahl der über 
10.000 Seelen zählenden Städte von der Bevölkerung der 
betreffenden Kreise, Komitate u. s. w. abgezogen, also 
durch die Funktirung nur die Volksdichtigkeit des platten 
Landes einschliesslich der kleinen Städte ausgedrückt, wäh- 
rend die grösseren Städte selbstständig durch ihrer Ein- 
wohnerzahl entsprechende Kreisflächen bezeichnet sind, 
was jedenfalls eine richtigere Vorstellung giebt, als wenn 
man sich die Seelenzahl grosser Städte auf den ganzen 
Distrikt vertheilt denkt. 

7. Ethnographie. Die Grundlage dieses Kärtchens bildet 
selbstverständlich die ausgezeichnete „Ethnographische Karte 
der österreichischen Monarchie** des Freiherm v. Czoemig. 

8. Religionen. Die auf die Religions-Bekenntnisse be- 



züglichen vier Karten in Dr. Fioker's bereite oitirtem Werk- 
chen sind hier in eine verschmolzen durch Auslassung der 
kleineren Abstufungen. Ist dadurch viel werthvoUes Detail 
wegfallig geworden, so hat andererseits die Übersichtlichkeit 
wesentlich gewonnen, da man die numerischen Verhältnisse 
der Religionen in den verschiedenen Theilen der Monarchie 
auf Einem Blatte dargestellt findet 

9. Kultur und Industrie. Bei dem kleinen Maassstab 
konnte nur Weniges angedeutet werden, so namentlich die 
Ausdehnung der Felder und Wiesen im Gegensatz zu den 
Wäldern, unproduktiven Bodenfläohen, Sümpfen, Schnee- 
feldem und Felsen, die Hauptbezirke der Glas- und Tbon- 
waaren-Fabrikation, das Vorkommen von Kochsalz, Gold, 
Silber, Quecksilber, Kupfer, endlich einige durch ihren 
Weinbau besonders hervorragende Lokalitäten. Die Quel- 
len, die wir benutzten, waren zum Theil geographische und 
statistische Kompendien, so besonders Hain's „Handbuch 
der Statistik des österreichischen Kaiserstaates", zum Theü 
aber auch speziellere Arbeiten, wie Andreas Mersich*8 Karte 
über die Verbreitung der Wälder in Siebenbürgen (s. „Geogr. 
Mittheilungen" 1857, Tafel 25), und die beiden Spezial- 
karten über die Thon- und Glaswaaren - Industrie Öster- 
reichs in den offiziellen „Mittheilungen aus dem Gebiete 
der Statistik'' (6. Jahrgang, 2. Heft, Wien 1857). 

Die Zusammenstellung dieser Skizzen vergegenwärtigt 
uns lebhaft, wie vielerlei Gegenstände mit Nutzen in den 
Bereich der Kartographie gezogen werden und wie weit 
das Studium des grossen Österreichischen Länder -Kom- 
plexes bereits gediehen ist, da man so viele seiner wich- 
tigsten Verhältnisse in übersichtlichen Bildern vorzuführen 
vermag, sie regt aber aucb zu unermüdlichem Weiter- 
streben an, denn noch lässt sich gar Vieles nur schüchtern 
andeuten, was bei gründlicherer Kenntniss mit voller Sicher- 
heit niedergelegt werden könnte. 



Geographische Notizßn. 



Die Bchneifel, ein VegetationabilcU 

entworfen Ton Dr. PA. Wirtffen '). 

Unter allen der Eifel angehörigen Landstrichen ist die 
Schneifei oder, wie sie in Büchern gewöhnlich genannt 

1) Wenn wir in Kr. 29 der „Botaniechen Zeitung" Ton 1868 bei 
Gelegenheit der Besprechung des Werkes über die Ardennen ron Hm. 
Grepin sagten, dass Herr Wirtgen in Koblenz ein Werk über die Eifel 
im Werke habe und dass er deshalb diese interessante Gegend auch 
im Spitsommer des Jahres 1862 besuchte, so kann diess leicht su dem 
Glauben führen, dass ein solcher Besuch im Spätsommer unmöglich ge- 
nfigen könne, um diese Gegend ToUstandig kennen lu lernen; wir be* 
merken deshalb, dass die Untersuchungen der Eifel durch Hm. Wirtgen 
sich schon durch 30 Jahre erstrecken, um diese Gegend in geologi- 
seher, pallontologischer und botanischer Beiiehung kennen su lernen, 
dass aber für einen beschäftigten Schulmann ausser der grösseren 



wird, die Schnee-Eifel einer der kältesten nnd nnwirth- 
barsten nnd in botanischer Beziehung bis dahin unbekann- 
testen. 

Zwischen den Qaellen der Our, der Kyll und der Prüm 
liegt ein Plateau von mehr als 1700 Fuss absol. H., wie 



Ferienseit , welche meist darauf verwandt wurde , die Zeit für solch« 
umfangreiche Untersuchungen nur sehr knapp sugemessen ist und gleich- 
sam erobert werden muss, wie diess auch von Hrn. Wirtgen geschehen 
ist, der, um den Sonntag in der Eifel lubringen su können, die Tor 
und nach dem Sonntage liegende Nacht benutste, um dahin su gelangen. 
Es wird das Werk, welches Aber die Eifel von Hm. Wirtgen erscheinen 
soll, die erste yolUtändige botanische Darstellung dieses merkwürdigen 
Gebirgslandea enthalten, ron welchem L. t. Buch sagti es habe seines 
Gleichen nicht. S— 1. 



Notisen. 



109 



die Lage des Galyarien - Berges bei Prüm mit 1778 und 
die TOD Brandsoheidt auf der tieferen Südwestseite des Pla- 
teaa's mit 1716 Fubs beweist Beide Punkte liegen unter 
der Plateauhöhe.. Am nordöstlichen Ende dieses Hoch- 
landes liegt im Thale der Taubkyll, die bei Hollschlag 
in die Kyll mündeti das Dorf Ormont bei 1636 Fuss Höhe, 
m FoBse des westlichsten aller erloschenen Eifel-Yulkane, 
des Goldbergs, welcher 2017 Fuss hoch ist Südlich davon 
entspringt bei dem Hofe Neuenstein die Prüm bei 1963 F., 
die eine Stunde weiter abwärts bei dem freundlichen Dorfe. 
Olzlieim noch 1541 und beider betriebsamen Stadt Prüm, 
einer der wichtigsten Eifel-Städte, 1282 F. abs. H. besitzt 
tber dieses Plateau streckt sich von Südwest nach Nordost, 
Ton Biandscheidt bis Ormont, ein 2 Meilen langer bewal« 
deter Höhenzug, der sich bis zu 3- bis 400 Fuss darüber 
erhebt 

Die bedeutendste Höhe ist der Punkt, welcher unter 
den Namen Eirschesroth , Kirschgeroth, Kerschenroth be- 
kannt ist und eine Höhe von 2147 Fuss abs. H^ besitzt 
Am Kreuzwege von Ormont und von Prüm nach Schlaus- 
senbach beträgt die Höhe 2135, die Höhe zwischen 01z- 
heim und Schlaussenbach 2042 und der zweite Kopf der 
Schneifei nach Brandscheidt hin 1998 Fuss. 

tber den höchsten Bücken der Sohneifel läuft von 
Brandscheit bis Ormondt ein Weg, der zur Orientirung 
höchst wichtig ist Die Breite des Rückens beträgt an 
manchen Stellen kaum 100 Schritt; die Strasse von Aachen 
über Losheim nach Prüm führt in einer kleinen Viertel- 
stnnde hinüber. Der Weg von Losheim nach Prüm beträgt 
2^ Meilen. Auf der Nordseite des Schneifel-Bückens liegt 
dag Schneifei- Häuschen , eine erbärmliche Hütte, wo der 
müde Wanderer sich mit einem Schnapse laben kann; auf 
der Südseite liegt das Strassenhaus Enaufspesch, wo be- 
sdieidene Ansprüche schon ganz gut befriedigt werden. 
Weiter nach Prüm hin liegen einige Häuser, die Tafel; 
brauchbares Quartier findet sich in Olzheim, ^ Stunde Yon 
Enaufspesoh und 2 Stunden von Prüm. 

Der ganze Landstrich gehört seinen geognostischen Yw- 
hiltnissen nach den Koblenzer Schichten der Devonischen 
Graawacke an. Der Schneifei - Bücken besteht aus einem 
festen Grauwacken-Sandstein mit vielen zu Tage liegenden 
Quarzgängen. Da diese Gesteine das Wasser nicht leicht 
durchlassen, so haben sich zahlreiche Sümpfe gebildet, aus 
deren eisenhaltigem Wasser sich bedeutende Massen von 
Moiast-Eisen abgesetzt haben. Man nennt diese Sümpfe 
Venne (in der Einheit das Venu und nicht die oder das 
Veen) ; auffallend ist ein schmaler Zug Devonischen Kalkes 
Ton mehr als einer halben Stunde Länge, der auf der Ost- 
»ite des Schneifel-Rüokens der Grauwacke aufgelagert ist. 

Die Sümpfe des Hochrückens geben, da sie v nicht tief 
sind, sehr leicht durch Verdunstung ihr Wasser ab, sind 
aber nach längerem Begenwetter oder im Winter und 
Frühling sehr wasserreich. Die auf den Seiten liegenden 
Sümpfe enthalten beständig Wasser und Schlamm und 
werden sehr stark auf Torf benutzt. Durch die reichliche 
Bewässerung ist die Verdunstung und daher auch der Schnee- 
£dl im Winter sehr stark, was wohl Veranlassung zu dem 
tarnen Schneifei, Schnee-Eifel, gegeben haben mag. 

Bei den obwaltenden Verhältnissen ist natürlich der 
Stand der Bewaldung nicht besonders ausgezeichnet, um 



so mehr, als ein grosser Theil in Privatbesitz ist, der nur 
den augenblicklichen Gewinn im Auge hat und weder auf 
die allgemeinen staatsökonomischen noch auf die klimati- 
schen Verhältnisse Hücksicht nimmt und auch selten auf 
den Vortheil der Nachkommen bedacht ist. Der Bücken 
der Schneifei so wie der Nordabhang besitzen fast nur 
Gesträuch. Das wichtigste Holz ist die Trauben - Eiche 
(Quercus sessiliflora) , untergeordnet ist die Stiel -Eiche 
(Qu. peduncnlata) und die Buche (Fagus sylvatica, L.); 
einzeln treten auch die Eber-Esche (Sorbus Aucoparia), die 
Esche (Fraxinus excelsior), der Faul-Baum (Rhamnus Fran- 
gula), die Mehlbeere (Sorbus Aria, Crtz.), die Geöhrte, die 
Graue und die Sahl weide (Salix aurita, cinerea, Caprea), 
die Weisse und die Behaarte Birke (Betula alba et pubescens), 
der Pfriemen-Strauch (Sarothamnus sooparius, Wimmer), die 
Gemeine Erle (Alnus glutinöse) , die Himbeere (Rubus 
idaeus) und der Hasel-Strauch (Corylus Avellana) auf. Die 
Heidelbeere (Vaccinium Myrtillus) und die Gemeine Haide 
(Calluna vulgaris) bedecken fast den ganzen Boden, selten 
sind die in der Eifel so sehr seltene Sumpfhaide (Erica 
Tetralix) und die Preisseibeere (Vaccinium Vitis idaea) 
damit gemischt An einzelnen Punkten tritt auch die 
Sumpf- Heidelbeere (Vaccinium uliginosum), welche hier 
Trunkelbeere heisst, darunter auf. Ausserdem finden sich 
noch auf dem Rücken der Schneifei in so ungeheuerer 
Menge, dass man kaum, ohne darauf zu treten, schreiten 
kann, der l^ieben- Stern (Trientalis europaea), ein- bis drei- 
blüthig, mit fünf- bis achtgliedriger Blüthe, gross- und 
kleinblumig, spitz- und stumpflappig , milch weiss oder 
hellrosenrotb , aber nur auf Torfboden, ferner das Nieder- 
liegende Kreuzkraut (Polygala depressa, Wenderoth) und 
die Rasenbinse (Scirpus caespitosus). Eben so finden sich 
ganze Gestrüppe von Rhamnus Frangula und ganze Wald- 
flächen wie Wiesen mit der Waldsimse (Luzula sylvatica) 
bedeckt. Auf der Südseite des Hochrückens sind schöne 
dunkle Laubwaldungen, besonders ausgedehnte Buchen- 
bestände: Zur Verbesserung des Waldes ist in neuerer 
Zeit viel geschehen, besonders durch Anlegen von Nadel- 
holz. Es hat sich dabei herausgestellt, dass nur die Fichte 
(Abies excelsa) oder Rothtanne mit ihren flach ausgebrei- 
teten Wurzeln von Bestand ist; die Lärche und die Kiefer 
(Larix europaea undPinus sylvestris) gedeihen in der Jugend 
gut, erreichen aber kaum ein Alter von 30 Jahren. Ein 
Versuch mit dem Anbau der Zwergkiefer (Pinus Pumilio) 
ist gemacht und scheint von Erfolg zu sein. Nahe bei 
Knaufspesoh ist ein Fichtensaatkamp von sehr erfreulichem 
Stande. 

Wie bereits mitgetheilt, sind die Waldbestände sehr 
häufig von Torfsümpfen, Vennen, unterbrochen. Sie sind 
durchaus oder theil weise mit verschiedenen Arten des Torf- 
mooses (Sphagnum palustre, contortum und acutifolium) 
bewachsen, die um die schwachen und kurzen Stämme der 
Birken und Erlen, oder auch ohne dieselben, grüne insel- 
förmige Polster bilden, auf welchen der Sonnenthau (Dro- 
sera rotundifolia), die Moosbeere (Oxycoccos palustris) und 
der Sieben-Stern (Trientalis europaea) reichlich wuchern. 
Im Mai und Juni zeichnen sich diese Venne schon von 
Weitem durch die vielen Wollgräser (Eriophorum latifo- 
lium, angustifolium und vaginatum) aus. Ausser diesen 
finden sich noch zahlreiche Seggen und Simsen vor: Carex 



110 



Noticen. 



pulicaris, Dayalliana, Tulgaris, caaesoens, glauoa, panicea, 
flava, Oederi; Juncas oonglomeratas , effusas, Bquarrosus, 
acutifoliuBy obtusifolioB und Bupinus in yersohiedenen Yarie- 
täten. An Gräsern sind vorzüglich häufig das Ruchgras 
(Anthoxanthum odoratum), die Rasenschmiele (Aira caespi- 
tosa) auch in der bleichen Form und die Blaue Molinie 
(Molinia coerulea); von Kräutern finden sich noch der 
Zweihäusige Baldrian (Valeriana dioica), das Sumpfveilchen 
(Viola palustris), das Wald- und Sumpf-Läusekraut (Pedi- 
cularis sylvatioa et palustris), der Aufrechte Tormentill 
(Tormentilla recta), der Teufelsabbiss (Succisa pratensis), 
die Sumpf- Sternmiere (Stellaria uliginosa), die Quellen- 
Montia (Montia minor), das Sumpf-Labkraut (Oalium palu- 
stre). Wenn auch in diesen Vennen der Baumwuchs gegen- 
wärtig sehr unterdrückt ist, so zeugen doch zahlreiche 
Stämme von Laubhölzern, die sich oft tief im Torfe finden, 
dass es damit früher besser gestanden hat 

Von der Westseite fliessen dem Prüm -Bache aus der 
Schneifei zahlreiche Rieselchen zu, von welchen diejenigen, 
welche aus dem Distrikt „Heilknipp** eine Stunde oberhalb 
Olzheim in das Hauptthal abfliessen, und zwar an drei 
Stellen, durch das Vorkommen der im westlichen Deutsch- 
land so sehr seltenen Weissen Pestwurz (Petasites albus, 
Rchb., Tussilago alba, L.) sehr merkwürdig sind. Es ist 
diess die einzige bekannte Stelle in der Flora der Preus- 
sischen Rheinprovinz, wo sie im März 1862 durch den 
sehr kenntnissreichen Forstmeister Eigenbrodt* aus Trier 
entdeckt wurde. Diese Rieselchen durchbrechen das oben 
erwähnte Kalklager und haben, da sie durch die Ghrau- 
wacke fliessen und mit Kalk geschwängertes Wasser führen, 
eine sehr auffallend gemischte Vegetation. Die Pflanzen, 
welche ich am 6. Juni 1863 in Gesellschaft von Petasites 
albus hier vorfand, sind folgende: 

Gardamine amara, Dentaria bulbifera, Stellaria nemoram, Geranium 
■ylTaticum; Spiraea Ulmaria rar. denadata, Geuin urlMtnum et rirale, 
Bubne sazatilis; Valeriana dioica, Lappa major, Centaurea montana; 
Stachys palnstris, sylratica, ambigna, Galeobdolon Inteum, Yeronica 
montana et Ghamaedrjs, Ljsimaohia nemoram ; Daphne Meiereum, Salix 
alba, Caprea, aurita, Fagus sylTatica; Polygonatnm tertioillatum, Lnziüa 
albida et silyatioa, Garex glanea et lyWatiea, Poa aadetica; Equisetam 
Bylyaticum. 

Buchen, Trauben- und Stiel-Eichen, Weiden- und Hasel- 
sträucher beschatten die theils feuchten und sumpfigen, 
theils abhängigen und trockenen Standorte mit ihrer reichen 
und sonderbaren Vegetation. 

Der nördliche Theil des erwähnten Plateau's ist meist 
Haide, Trift oder Schiffelland (das alle 15 bis 20 Jahre 
auf 3 Jahre in Kultur genommen wird und zwar zuerst 
mit Ro^;en, dann mit Kartoffeln, zuletzt mit Hafer) und 
sieht im Ganzen überaus öde und traurig aus. Ausser 
jenen drei Kulturpflanzen wird auch Sommerraps (Brassica 
Rapa oleifera) darin ziemlich häufig gezogen. Ein mit 
dieser Pflanze bestelltes Feld enthielt am 14. Septbr. 1862, 
an welchem Tage es noch in voller Blüthe stand, folgende 
Unkräuter: Raphanistrum segetum, Stellaria media (sehr 
üppig), Spergula arvensis, Scleranthus annuus, Galium 
Aparine, Lapsana communis, Sonchus oleraceus et asper, 
Galeopsis Tetrahit, Atriplex angustifoUa, Chenopodium album 
(sehr fleischig mit aufrechten, dicht anliegenden Ästen), 
Fagopjrum tataricum et vulgare, Avena sativa et orientalis, 
Poa annua. Auf der Südseite des Plateau's gedeiht der 



Weizen nicht gut, dagegen sind hier erfolgreiche Versuche 
mit Wintergerste gemacht worden. 

Werfen wir noch einen Blick auf den nahe liegenden 
vulkanischen Goldberg, der naoh Westen durch einen be- 
waldeten Bergrücken zwischen den Quellen der Prüm und 
der Taubkyll mit der Schneifei verbunden ist und über 
das anliegende Plateau sich kaum 100, über das an seinem 
Fusse liegende Dorf Ormont 381 Fuss erhebt. Er besteht 
aus zwei Kuppen, einer höhefen und einer kaum 20 Fass 
niedrigeren, zwischen welchen ein nach dem Thale von 
Ormont hin geöffneter Einschnitt wahrscheinlich den alten 
Krater darstellt. Lava -Schlacken mit reiohliohem braun- 
gelben Glimmer (woher der Name Goldberg) bedecken seine 
Oberfläche; vulkanischer Tuff steht überall auf den Seiten 
an. Er ist beinahe ganz mit mehr als fusshohem Haide- 
kraut bedeckt; hie und da wird von armen Leuten eine 
kleine Strecke geschiffelt und mit Hafer oder Sommerraps 
bestellt, wobei dann der Boden etwas aufgelockert und ei- 
niger weiteren Vegetation zur Entwickelung geboten iräd. 
Am 9. September 1862 fand ich daselbst folgende Gefäss- 
pflanzen : Unter der HJaide standen schmächtige E^templare 
von Anthoxanthum odoratum und Agrostis vulgaris, femer 
Euphrasia nemorosa, Thymus SerpjUum, Hieracium Pilo- 
sella, Campanula rotundifolia und Genista pilosa var. de- 
pressa, Pflanzen des unfruchtbarsten Eifel - Bodens. Auf 
dem geschiffeltetL Boden mit schmächtigem Sommerraps in 
Blüthe fanden sich als Unkräuter: Galium anisophyllum, 
Vill. (ganz charakteristisch, häuflg und schön in Blüthe) 
und Galium verum var. decumbens, Carlina vulgaris, Fim- 
pinella Saxifraga var. pubescens, Filago minima, Gnapha- 
lium uliginosum var. pilulare» Galeopsis ochroleuca et 
Ladanum (mit breiten Blättern und langen stechenden 
Kelchzähnen = G. intermedia, Vill.), Scleranthus inter- 
medius, Kittel, und annuus, Viola arvensis, Daucus Garota, 
Knautia arvensis, Ononis repens, Silene inflata, Sagina 
procumbens, Raphanistrum segetum, Fumaria offlcinalis. 
Ein anderes Feld war mit Fagopymm tataricum bestellt 
und dazwischen standen reichlich als Unkraut Hafer und 
Roggen. 

Von dem Goldberge aus erblickt man nach Osten einen 
grossen Theil der Eifel und fast alle höchsten Basalt- und 
Lava-Kegel: die Hochacht (2S40 F.), die Nürburg (2207 F.), 
den Emstberg (2170 F.), den Hochkellberg (2160 F.)., 
den Aremberg (2020 F.), Neroth (2000 F.), den Arnolphos- 
Berg (1860 F.) u. v. a. Im Westen dehnt sich ein weites 
Plateau aus mit dem dunkeln Schneifel-Rücken im Vorder- 
grunde. Reizend liegt uuten im Thale aus mehreren Häuser- 
gruppen gebildet und von Wald und Wiesen umgeben das 
Dorf Ormont. 

Die Zahl der von mir bei verschiedenen Exkursionen 
beobachteten Gefässpflanzen der Schneifei beläuft sich auf 
240 Speoies, und zwar: 

1. Thalamiflorae 32. . 

2. Calyoifloime polypetalae 46 (worunter PapUronae«ae 10, Circaea 
intermedia, aber keine Spur yon C. alpina, ein Beweis gegen meine in 
der Flora der Rheinprovinz ausgeaprochene Ansicht yon der hybriden 
Herkunft derselben, Umbelliferae 5, dabei Heum athamanticum). 

3. Calyciflorae monopetalae 41 (Oompositaa 25, aämmtUche Deutsch.« 
Yaccinien). 

4. Corolliflorae 32 (darunter Labiatae 12, dabei Ton Menthen nur 
Mentha arvensis). 

5. Apetalae 28 (Amentaceae 13). 



Notisen. 



111 



6. Monocotyledonefte 54 (darunter besonders merkwürdig ihrer 
S«iteiiheit wegen Carex laevigate, 8in.)< 

7. Cryptogamae Taecnlares 8. 

Davon gehören zu den Holzpflanzen 45, zu den peren- 
nirenden Kräutern 117, zu den einjährigen Kräutern 45, 
zu den Gräsern und Halbgräsern 33. 

Hampe hat in den Berichten des Naturwissensohaftlichen 
Vereins am Harze die auf der Brocken-Höhe wachsenden 
Pflanzen verzeichnet und 136 Arten aufgezählt; 108 von 
diesen Speoies finden sich auch in der Schneifei. 

Kaum 2 Meilen nördlich der Schneifei beginnt das be- 
bnnte Hohe Venu, bekannt durch seine Unfruchtbarkeit, 
seine ausgedehnten Torfsümpfe und seine hartnäckigen Nebel, 
wo Fräulein Libert aus Malmedy ihre vortrefflichen crypto- 
gamischen Studien gemacht hat. (Botanische Zeitung.) 



Die Nordwest -Deutsche Niederung als Glied 

des Eegtngehiett über dem Nord-AtlarUUchen Ocean. 

Von Dr. J/. A. F. Frestel. 

Die Kegenverhältnisse Nordwest - Europa's und also 
auch der Nordwest - Deutschen Niederung reihen sich zu- 
nächst denen über dem Nord - Atlantischen Ocean an. Das 
Regengebiet über dem Nord - Atlantischen Ocean bis zur 
Küste des Europäischen Kontinents und die Veränderung 
semer Lage in der jährlichen Periode ist auf der von Herrn 
Marine - Lieutenant Andrau entworfenen Begenkarte ver- 
anschaulicht, welche sich in der „Yerzameling van Kaarten 
inboudende eene procentsgewijze opgave omtrent Storm, 
Regen, Donder en Mist etc. Uitgegeven door het Koninklijk 
Nederlandsch meteorologisch Instituut te Utrecht in 1862" 
findet. 

Längs der Küsten des Kanals, der Nord- und Ostsee, 
so wie über der Nordwest-Deutschen Niederung stellt sich 
die Vertheilung der Begenmenge so wie ihre Abnahme 
vom Meere nach dem Festlande hin nach allen Einzeln- 
heiten und deutlicher heraus als auf irgend einem anderen 
Gebiete. 

Über der Nordwest- Deutschen Niederung längs der Küste 
der Nordsee nimmt die jährliche Regenmenge von WSW. 
nach ONO. stetig ab. Wir finden die jährliche Begen- 
menge 

fürFraneker . 28,84 Par. Zoll, 

„ Groningen . 26,65 „ 

„ Emden . 26,10 ,, 

„ Jerer . 26,00 „ 

„ Bremen . . 24,96 „ 

„ Otterndorf . 23,84 „ 

„ Harburg . . 22,81 „ 

„ Lüneburg . 22,10 „ 

Auch weiter ostlich zeigt sich diese Abnahme. Als 
jahrliche Regenmenge stellt sich heraus 

fBr Eutin . 22,60 Par. Zoll, 

„ Schwerin. . 20,oo „ 
„ Putbus . . 19,00 „ 
„ Dansig . . 18,11 » 
„ Arip . 17,78 ^ „ 

„ Petersburg . 16,67 „ 
;, Begenwalde .21,4« „ 
„ Colberg . . 21,4» „ 
„ CdsUn . 21,16 „ 

Die voxBnstehenden Zahlen sind übrigens nur ein Theil 
der Reibe, durch welche die Abnahme der Begenmenge 



über dem Europäischen Kontinente, vom Atlantischen Ocean 
ausgehend, ausgedrückt wird. 

Die jährliche Regenmenge für Coimbra in Portugal = 
1334,9 Millimeter oder 111 Pariser Zoll dürfte wohl die 
grösste in Europa sein; die Reihe jedoch, welcher obige 
Zahlen als Glieder angehören, beginnt erst an der Küste 
des Biscayischen Meerbusens. Wir finden hier 

ZoU, 



Bayonne mit . 


. 1247,4 Mülimeter 


= 46,08 Par. 


Nantes mit 


. 1292,0 


>9 


= 47,4« , 


Cherbourg mit . 


. 1009,16 




= 37,28 , 


La Chapelle bei Dieppe 


mit 821,66 




= 30,36 , 


6ent mit . 


777,10 




= 28,78 , 


Utrecht mit . 


771,90 




= 28,6« ' , 


Franeker mit . 






= 28,66 , 


Groningen mit . 


. 721,27 


99 


= 26,65 , 


Emden mit 




9» 


= 26,10 , 



Ahnlich zeigt sich diese Abnahme im Süden der Nord- 
west-Deutschen Niederung längs der Hügelkette. Die jähr- 
liche Regenmenge beträgt 

für Brüssel .... '713,81 Mülimeter = 26,39 Par, Zoll, 



Haestricht 
Mfineter 
Heiligenstadt 
Braunschweig 

und weiter östlich 
Berlin . 
Prankfurt 



714,87 



26,40 
25,60 
24,47 
22,10 

21,60 
20,29 



Die Abnahme der Regenmenge vom Atlantischen Ocean 
gegen das Innere des Europäischen Festlandes ist ein&ch 
Folge der Verminderung der Luftfeuchtigkeit um den Betrag 
des als Regen oder Schnee herabgefallenen Wassers, wel- 
chen die westsüdlichen Winde auf ihrem Wege von Süd- 
west- und West -Europa aus bei ihrem Fortschreiten in 
östlicher und nordöstlicher Richtung erleiden. In der 
Hügelkette aber, welche die Nordwest-Deutsche Niederung 
im Süden begrenzt, zeigt sich wieder eine Steigerung der 
Regenmenge je nach der Meereshöhe und eben so tritt ein 
Unterschied letzterer an den Abhängen der Berge, je 
nachdem diese den feuchten Winden zugekehrt oder davon 
abgewandt sind, deutlich hervor. 



Inner- AfHka, 
Bemerkungen sum 2. Ergänsungsband der „Qeogr. MittheUungen". 

Mit Freuden haben wir aus zahlreichen Zusohriften 
ersehen, dass von vielen Seiten lebhaftes Interesse an un- 
serer Karte von Inner-Afrika und dem begleitenden Text 
(2. Ergänzungsband zu den „Geogr. Mitth.") genommen 
wird, und besonders willkommen sind uns alle Beiträge 
zur Berichtigung und Vervollständigung jener Arbeit. In 
der Hoffnung, dass wir auch femer durch solche Beiträge 
erfreut werden, erstatten wir über die bis jetzt eingegan- 
genen Bemerkungen Bericht. 

S. 23 des M^moires wurde gesagt, dass die Konstruk- 
tion von Rüppell's Routen durch die Bajuda-Steppe zwi- 
schen Ambukol und Gurkab Schwierigkeiten geboten habe 
und man einen Druck- oder Beobachtnngsfehler in den 
Tabellen vermuthen müsse. Der berühmte Reisende und 
Naturforscher schreibt uns nun, dass in der That ein Druck- 
fehler Statt fand, da in Zaoh's Korrespondenz XI, S. 370 
die Distanz von Ambukol bis zum Lager der Hunie zu 24f 
statt zu 20|- Stunden angegeben sei. Da die Entfernung 
zwischen dem Lager der Hunie und Miliok 3 Stunden 



112 



Notisen. 



betrug, BO ist die Angabe „to& Miliok nach Ambokol 
23^ St." im Itinerar der Rückreise (RüppelPs Reisen in 
Nubien u. s. w. S. 289) richtig. Konstroirt man nach 
dieser Berichtigung die Hinreise sowohl wie die Rückreise, 
so ist der Unterschied der beiden Endpunkte mit Rüppell's 
sehr genauen astronomischen Ortsbestimmungen kaum er- 
hebenswerth. 

Femer yerwundert sich Herr Dr. Rüppell darüber, dass 
8. 21 des M^moires die chronometrische Längenbestimmung 
Mahmud Be/s für Neu-Dongola (Marraghah) besonders auf- 
geführt sei, während seine eigene Länge dieses Ortes auf 
7 sehr gelungenen Stern-Okkultationen beruhe. Wir können 
yersichem, dass die Bestimmung des Ägyptischen Astrono- 
men nur erwähnt worden ist, weil sie als in den „Gomptes 
rendus*' der Pariser Akademie enthalten leicht der Auf- 
merksamkeit der Qeographen entgehen könnte und viel- 
leicht zur Yergleichung mit anderen Angaben von Inter- 
esse sein mag. RüppelPs Beobachtung für Akromar (der 
alte einheimische Name für Marraghah) ergab 28^ 2' ö. L. 
T. Paris (Rüppeirs Reisen in Nubien u. s. w. S. 279), 
wonach der Ort 2' westlicher zu liegen kommt als' auf 
Eiepert's Karte und 1}' östlicher als nach Mahmud Bey. 
Auf eine Prüfung der yorhandenen Ortsbestimmungen für 
das Nil-Thal innerhalb Ägypten und Nubien haben wir 
nns gar nicht eingelassen, sondern die Kiepert- Lepsius'- 
sohen Karten als maassgebend angenommen, wie diese in 
dem Memoire ausdrücklich gesagt ist, doch wiederholen wir 
gern, was uns Dr. Rüppell über seine Ortsbestimmungen 
schreibt. 

„Das Original - Manuskript" — heisst es in seinem 
Briefe — „aller meiner Ortsbestimmungen, wie ich solche 
im Verlauf meiner Reise niederschrieb, ist auf der hiesigen 
Stadtbibliothek deponirt und liegt dort zu Jedermanns 
freier Benutzung. Meine Ortsbestimmungen erschienen alle 
im Druck (doch bin ich für die häufigen Druckfehler in 
Baron v. Zach's Publikationen nicht verantwortlich) vor der 
Anfertigung von Caillaud's Karte; Baron Müller hat die 
meinige, die auf meinen Beobachtungen während sechs- 
facher Reise zu Land und zu Wasser beruht, gewisser- 
maassen wörtlich kopirt und nur mit den Namen einiger 
ephemerer Berberiner Dörfer vermehrt. Alle Längenbestim- 
mungen durch Monddistanzen haben für mich gar keinen 
Werth ; wie ich aus eigener Erfahrung weiss, sind sie oft um 
20 Minuten irrig. Längenbestimmungen durch die Eklipsen 
der Jupiter -Trabanten muss man um so mehr misstrauen, 
da sie sehr leicht zu fälschen oder in eine gewünschte 
Perm zu bringen sind. Alle meine Breiten-Beobachtungen 
sind mit einem flüssigen Horizont (Öl), der durch ein von 
Frauenhoifer in München eigens für mich gefertigtes Glas- 
dach, wofür ich damals 97 Gulden Rhein, zahlte, geschützt 
war, gemacht. Sonnenhöhen gebe ich immer den Vorzug, 
weil man dabei bei dem Ablesen des Nonius keiner Licht- 
flamme bedarf. Künstliche Horizonte, die durch Wasser- 
wagen r^;ulirt werden, geben in der Tropenhitze häufig 
selu unzuverlässige Resultate.'' 

Herr G. Parthey machte uns auf die astronomischen 
Beobachtungen seines verstorbenen Reisegefährten Dr. West- 
phal, eines Schülers von Gauss und Bessel, aufmerksam, 
welche vielleicht dazu dienen könnten, den Nil-Lauf in 
Ägypten und Nubien an einigen weniger besuchten Stellen 



zu rektifidren. Sie betreffen 53 Punkte des Nil -Thaies 
von Alexandria aufwärts bis Neu-Dongola und sind in dem 
Anhang zum zweiten Theil von Parthe/s „Wanderungen 
durch Sicilien und die Levante*' (Berlin 1840), SS. 6-14 
veröffentlicht; das Original - Manuskript befindet sich auf 
der Königl. Sternwarte zu Berlin, kann also im Fall eines 
Zweifels leicht eingesehen werden. Wir wissen nicht, ob 
diese Beobachtungen für die Kiepert-Lepsius'schen Karten 
und sonach mittelbar für unsere Karte benutzt sind, glau- 
ben es aber um so weniger, als sie in der angeführten 
Publikation nicht berechnet, ihre Resultate also nicht ohne 
Weiteres zugänglich sind. Wir möchten Herrn Parthey 
dringend bitten, die Berechnung dieser vielleicht recht 
werthvoUen Beobachtungen zu veranlassen. 

Die Längenbestimmung der Maschra el Req durch 
Th. V. Heuglin (Seite (150) des 2. Ergänzungsbandes) ist 
der Gegenstand einer längeren Zuschrift des Herrn H. Treut- | 
1er in Dresden. Nach seiner Rechnung beträgt der Fehler I 
jener Bestimmung möglicher Weise bis über 2 Zeitminuten 
oder 7 bis 8 Meilen und er bringt weniger mühsame und 
genauere Resultate versprechende Methoden in Erinnerung. 
Es ist übrigens schon in dem Memoire gesagt worden, dass 
Th. V. Heuglin's Länge für die Maschra *el Req nicht für 
die Karte verwerthet werden konnte, da sie mit ander- 
weitigen Angaben nicht zu vereinbaren war. 

Einen uns selbst jetzt nicht mehr erklärlichen Irrthum 
auf S. 31 des M^moires betrifft ein Schreiben des Herrn 
Dr. Mitterrutzner in Brixen. Es hiess dort, von linguisti- 
schem Werthe sollten die in der Propaganda aufbewahrten 
Manuskripte des Missionärs Gossner (soll heissen Gostner) 
sein, deren Herausgabe mit Benutzung anderer Quellen, 
namentlich über die Bari- und Kitsch-Sprache, Herr Missio- 
när Kirchner besorgen wollte. Als Quelle dieser Mitthei- 
lung wurde ein Brief Dr. Mitterrutzner's citirt, wir finden 
aber jetzt weder in diesem noch in einem der anderen 
Briefe Dr. Mittemitzner^s den Missionär Gostner erwähnt 
und es muss offenbar ein Versehen beim Zusammenstellen 
verschiedener Notizen geschehen sein. „Bezüglich Gost- 
ner's" — belehrt uns Dr. Mitterrutzner — „habe ich wohl 
nicht so schreiben können, denn erstens ist von ihm nie 
Etwas in die Propaganda gekommen und zweitens war er 
fünf Jahre in Chartum, aber nie bei den Bari oder Dinka, 
kann also in linguistischer Beziehung Nichts hinterlassen 
haben. Was Herrn Kirchner mit der Bari- und Eyec- 
Sprache anbelangt, ist richtig. Herr Kirchner sagte mir 
hier persönlich, er werde seine Manuskripte ordnen und 
publiciren. In den letzten Ferien besuchte ich ihn in 
Bamberg, auch hatte ich schon Anfangs 1863 an Herrn 
Morlang geschrieben, er möge alles von ihm und den an- 
deren Missionären über Bari und Kyec Geschriebene mit- 
bringen. Nachdem ich von Morlang Nachricht hatte, dass 
er bestimmt heimkehre und eine Masse Barica mit sich 
bringe, schrieb ich an Herrn Kirchner, er möge mir alles 
auf die Dinka -Sprache Bezügliche zuschicken, ich wolle 
Grammatik und Lexikon ordnen und mit den drei hiesigen 
„Klassikern" (Morlang, Kaufmann und dem von Morlang 
mitgebrachten Neger Logwit-lo-Ladu) Wort für Wort durch- 
gehen, denn selbst Herr Kirchner war nur vorübergehend 
in Gondokoro und Heiligkreuz, während Morlang 8 Jahre 
und Kaufinann deren über 3 unter dem Volke lebten. Nur 



Literatur. 



113 



auf diese Weise kann man etwas Braachbares liefern. Ein 
Beispiel, wie unzuverlässig blosse Beisende oder Handels- 
leute hierin sind, lieferte firun-Rollet, in dessen Vokabu- 
lariam der Dinka-Sprache (Ergänzungsband 2, 8. (25) ff,) 
kaum 20 Ausdrücke richtig sind. Herr Kirchner hat mir 
alle Manuskripte zugeschickt und ich habe bereits 20 Bogen 
kopirt ; bin ich damit fertig, so erbitte ich mir vom Missionär 
Beltrame in Vierona, der auch 2 Jahre in Heiligkreuz war, 
sein Dinka-Lexikon, ergänze danach das meinige und dann 
gehen wir vier Alles gemeinschaftlich durch." 



Geographische Literatur. 

Vorbericht. 

Literatur über die Preussische Expedition nach Ost-Asien. 

Im Jahre 1860 schickte Preussen bekanntlich ein Ge- 
sehwader Ton drei Eriegsschi£fen und einem Transportschiff 
nach Ost- Asien, um der jungen Marine Gelegenheit zur 
Entfaltung ihrer Kräfte und Erweiterung ihrer Erfahrungen 
zu geben, um mit China, Japan und Siam Handelsverträge 
abzaschliessen und freundschaftliche Beziehungen anzu- 
knüpfen, um die Handelsverhältnisse in den Häfen jener 
neu erschlossenen Länder mit Bezug auf die Deutsche 
Indaatrie genauer kennen zu lernen, endlich auch zum 
Schatze der schon vorhandenen Deutschen Handels- und 
Schifffahrts-Interessen in jenen Theilen der Erde. Zugleich 
▼Qr(}e, ähnlich wie bei der Reise der Österreichischen 
Fregatte „Novara", die Gelegenheit wahrgenommen, Natur- 
wissenschaften und Erdkunde zu fördern, und zu diesem 
Zwecke einer Anzahl Fachgelehrter die Theilnahme an der 
Expedition gestattet. Vor den Gelehrten der „Novara" 
btten die Mitglieder den Yortheil, dass sie sich viel länger 
in den von ihnen beiuchten Ländern aufhalten, hie und da 
anch weiter ins Innere eindringen konnten, dass ihr ünter- 
gaehangsgebiet ein mehr umgrenztes war und nicht der 
gröftste Theil der Zeit auf die Seereise fiel, wenn aber trotz- 
dem die Preussische Expedition verhältnissmässig wenig von 
sich reden gemacht hat, so liegt das wohl zum guten Theil 
daran, dass die Briefe der Mitglieder in den verschiedensten 
TageBblättern und Zeitschriften zerstreut, die wissenschaft- 
lichen Ergebnisse noch nicht gesammelt sind und selbst 
ein Tollständiger Bericht über den Verlauf der ganzen 
Expedition noch fehlt. Wie wir aus sicherer Quelle erfahren, 
wird gegenwärtig im Auftrag der Preussischen Regierung 
ein solcher Bericht ausgearbeitet, den auch ein Bilder-Atlas 
begleiten soll, es dürfte aber bis zur Publikation dieses 
Werkes noch einige Zeit vergehen und es erscheint deshalb 
nm so nothwendiger, auf die in der That ansehnliche Reihe 
von privaten Publikationen hinzuweisen, welche die Er- 
lebnisse und Beobachtungen der einzelnen Mitglieder uns 
Torfiihren. 

Da der kommerzielle Zweck der vorwiegende war, so 
mögen auch die Handelsberichte zuerst erwähnt werden. 
Sie liegen bereits abgeschlossen vor, doch sind auch sie 
nur zum Theil in einem als Mannskript gedruckten Quart- 
beft gesammelt, während die übrigen von den drei Preus- 
liwben kaufmännischen Begleitern Fr. Wolff, F. W. Grube 
nnd C. Jacob' abgefassten Berichte im „Preussischen Handels- 

Petcnnann's Oeogr. Mittheilungen. 1864, Heft III. 



Archiv" (1B60 Bd. II, SS. 381, 441, 465, 448; 1861 Bd. I, 
SS. 157, 180, 198, 807, Bd. II, SS. 267; 1862 Bd. I, 
SS. 143, 163, 188, 198, 267, 287, 503, Bd. II, SS. 57, 97) 
untergebracht wurden und der Sächsische kaufmännische 
Kommissar G. Spiess seinen amtlichen Bericht in der 
„Wissenschaftlichen Beilage zur Leipziger Zeitung'' ver- 
öffentlicht hat. Diese auf fleissigen Studien beruhenden 
Abhandlungen enthalten abgesehen von ihren speziellen 
Rathschlägen für die Deutsche Industrie- und Handelswelt 
einen reichen Schatz von Nachweisen über Produktion, 
Manufaktur, Aus- und Einfuhr, Münzwesen u. s. w. der 
einzelnen besuchten Länder. 

Als einen anderen Theil der faohwissenschaftlichen 
Publikationen haben wir die Beiträge zur Kenntniss des 
Klima's und der Krankheiten Ost- Asiens von Marine- Arzt 
Dr. C. Friedel zu nennen. In einem Bändchen von be- 
scheidenem Um&ng finden wir eine grosse Menge von 
Thatsachen fleissig zusammengetragen, eigene Beobachtungen 
sowohl wie fremde, aus -Hospital- Berichten, Anglo-Ghinen- 
schen Journalen, Reisewerken u. s. w. entnommen, die mit 
wenig Ausnahmen * in Deutschland so gut wie unbekannt 
waren. Uns interessiren dabei besonders die Schilderungen 
der klimatischen Verhältnisse der dem Verkehr geöffneten 
Hafenstädte mit Beigabe der vorhandenen und durch die 
Preussische Expedition hinzugekommenen meteorologischen 
Beobachtungen, so wie die Bemerkungen über die Körper- 
Konstitution und gesundheitlichen Verhältnisse der Ost- 
Asiatischen Völker im Allgemeinen. 

Von dem Zoologen Dr. E. v. Martens sind uns nur 
einige kurze Mittheilungen über die Hausthiere in Japan, 
Manila und Java bekannt geworden („Der Zoologische Gar- 
ten", April 1861, Januar 1862), doch mag wohl das eine 
oder andere zoologische Journal Berichte aus seiner Feder 
publicirt haben. Der ausgezeichnete Geolog Ferd. Freiherr 
V. Richthofen, der sich später von der Expedition getrennt 
und nach Kord- Amerika begeben hat, war bisher wenig 
mittheilsam, was indess die Zeitschrift der Deutschen Geo- 
logischen Gesellschaft (Bd. XII, SS. 523, 532; Bd. XIII, 
S. 243; Bd. XIV, SS: 327, 357, 361) von seinen Beob- 
achtungen gebracht hat, erfüllt mit grossen Erwartungen 
für die endliche Ausarbeitung des von ihm gesammelten 
reichen Materials. 

Gleichsam den Übergang von den auf einzelne Fächer 
bezüglichen Berichten zu den allgemeinen Reiseschilderungen 
bildet Dr. Herrn. Maron's „Japan und China'*, denn er theilt 
nicht die Ergebnisse der ihm aufgetragenen landwirthschaft- 
lichen Studien, die einem späteren Werke vorbehalten sind, 
mit, noch begnügt er sich mit der fortlaufenden Erzählung 
des Gesehenen und Erlebten, sondern er giebt zwölf ein- 
zelne, Japan und China betreffende Aufsätze, die zwar der 
Benennung „Reiseskizzen'' entsprechen, aber sachlich tief 
eingehen und in ansprechender Form VortrefÜiches bieten. 
Einen Aufsatz über Bevölkerung und Grundeigenthura in 
China hat er in der „Vierteljahrsschrift für Volkswirthschaft" i 
(1863, I, S. 28) veröffentlicht. 

Von eigentlichen Reisebeschreibungen liegen nicht we- 
niger als vier bis jetzt vor. Wiederholungen konnten dabei 
nicht ausbleiben, aber da die Verfasser verschiedenen Zwei- 
gen der Expedition angehörten, daher zum Theil Verschie- 
denes sahen und erlebten, ihre Bücher auch in Auffassung 

15 



114 



Literatur. 



und Darstellong sehr wesentlich sich Ton einander unter- 
scheiden, so hat ein jedes seine Berechtigung und findet 
seinen Leserkreis. Nur eins dieser Bücher ist eigentlich 
ganz neu, das bei Spamer erschienene von'G. Spiess» wel- 
ches durch seine elegante Ausstattung, ^ine reichen Illu- 
strationen, die Frische und Ursprünglichkeit seines Textes 
gefällt, wogegen die drei anderen hauptsächlich aus den 
schon während der Expedition in Zeitungen veröffentlichten 
Briefen zusammengestellt sind. Am sorgfaltigsten über- 
arbeitet erscheinen die Briefe in der „Deutschen Allgemeinen 
Zeitung" (1861 und 1862) wieder in Marine - Lieutenant 
B.. Werner's Buch, in welchem eine glückliche Verbindung 
von leichter, ansprechender Schreibweise mit fleissigem 
Benutzen der hßtreffenden Literatur und wohlthuender 
Natürlichkeit der Auffassung und des ürtheils zu Tage 
tritt, so dass wir es trotz dem yerhältnissmässig geringen 
Gehalt an wirklich Neuem als lehrreich und anregend ganz 
besonders empfehlen möchten. Das Tagebuch des Schiffs- 
predigers J. Kreyher, wie es früher in der „Schlesischen 
Zeitung*' zur Publikation kam, hat vermehrt und abgerun- 
det ebenfalls ein selbstständiges Qewand angezogen. Es 
steht dem Werner'schen Buche entschieden nach, wendet 
sich aber durch den Beruf des Verfassers an manche Leser- 
kreise, in welche die anderen Keiseberichte kaum eindringen 
werden. Bekannter sind die Briefe des Malers W. Heine 
an die Kölnische, Augsburger Allgemeine und Leipziger 
Illustrirte Zeitung geworden (s. unter Anderem „Geogr. Mit- 
theilungen" 1861, 8. 365; 1862, SS. 116, 196), an die 
sich in dem Buche die Beschreibung* der Beise über San 
Francisco und Utah nach New York' schliesst. Bei bis- 
weilen unnöthiger und lästiger Weitschweifigkeit haben sie 
doch auch einige Vorzüge, und wenn sie durch strengere 
Durchsicht gewonnen haben würden, so darf man nicht 
vergessen, dass der Verfesser sofort nach seiner Rückkehr 
in das Heer der Union wieder eintrat und verwundet nur 
auf wenige Monate nach Deutschland kam, um Heilung zu 
suchen. 

Von Karten ist, wie es scheint, noch gar Nichts publi- 
cirt worden, denn das äusserst bescheidene Übersichts- 
kärtchen in Werner's Buch kann man nicht rechnen; es 
dürften aber auch in dem erwähnten offiziellen Werke 
wichtigere Karten kaum zu erwarten sein, da unseres 
Wissens die Preussisohe Expedition keine grösseren Auf- 
nahmen gemacht hat. 



ASIEN. 



Abich: Quelques-ims des rösultats de mes derniers royages de Tannäe 
passee en Georgia et dans les r^gions Yoisines. (Bnlletin de rAcademie 
imp^r. des sciences de St.-P^tersbourg, 1863 T. TI, pp. 119 — 126.) 
Aaszüge aus einem mündlichen Vortrug über verschiedene GegenstSnde. Wir 
machen besonders anf die Notizen über den Vulkan Tandurek südlich vom 
Ararat, 15 Werst von der Stadt Bajasld und über die Thermal - Quellen im 
Becken des Urumfah-See's aufmerksam. 

Alabaster, H.: Positions of reefs and towns on the coast of Siam. 
(Nautical Magazine, August 1863, pp. 430—432.) 

Verzeichnlss einer Reihe von Küstenpunkten und Riffen mit Angabe der 
Position und der Bedeutung des Namens. 

Alcook, Sir Eutherford: Narrative of a journey through the Interior 
of Japan, from Nagasaki to Teddo, in 1861. Mit 1 Karte. (Journal 
of the R. Geogr. Soc. of London, 1862, pp. 280—293.) 
Dieselbe Karte wie in seinem Buch und nur kurze Notizen über die Reise. 

Barker, Capt. W.: Brief account of a risit to Moses' Wells (Ayoun 
Mousa), near Suez. Ruins of the monastery of St. Faul's, Highland 
of Aboo Deraj, and the Wady Towareek, the Wady Mousa of Mo- 



resby. (Transactions of the Bombay Geogr. Society, Vol. XYI, 
Bombay 1863, und Kautical Magazine, Oktober 1863, pp. 520 — 525.) 

Der Verfasser besuchte die Moses-Quellen (s. „Geogr. Mitth.** 1861, Tafel 14) 
Im Augost 1848 mit Lieutenant Cruttenden. 
Barton, Dr. Alfr.: Notes on the Yang-tsze-kiang. (Journal of the^ 
R. Geogr. Soc. of London, 1862, pp. 26—41.) 

Neben Sarers Bericht und Blakiston's Werk hat dieser AufBats ihres Be- 
gleiters wenig Werth, da er kein spezielles Fach vertritt.* 
Barton, Rev. J.: Report of Missionary "Work in Thibet. (Chtirch 
Missionary Intelligencer, August 1863, pp. 183 — 188.) 

Geschichte der Uermhnter-Mission zu Kyeling In Lahul, die 1856 von Pagell 
und Heide gegründet wurde , mit Notizen über Land und Leute, Klima und 
Vegetation. 
Bastian, Dr. Ad.: Über die Yolksstämme Birma's. (Zeitschrift ftir 
Allgem. Erdkunde, September 1863, SS. 212—224.) 

Handelt hauptsächlich von der Geschichte und den Sagen der Völker Birma^s 
und ist, wie alle Schriften Bastian 's, reich an Stoff. Hoffentlich gelingt es ihm, 
eine vollstfindige ethnographische Uebersicht jenes Landes mit seinen zahllosen 
Völkerschaften herzustellen. 
Bastian, Dr. Ad.: Birmanische Städte - Legenden. (Das Ausland 1863. 
Nr. 27, SS. 641—644.) 

Legenden über die Gründung von Pegn, der Dagon-Pagode in fiangtin nnd 
Ton Toungu. Die Traditionen gehen anf die Zeit zurück, wo das ganze Land 
von Pegu aufwfirts bis Toungu noch ein Theil des Oceans war, aus dem nur 
die Inseln Thatung und Pagan hervorragten. 

Borneo. Ein Besuch der Kohlengruben auf '. (Das Ausland 1863, 

Nr. 18, SS. 428—431.) 

Notizen Über die Kohlenlager in der Umgegend von Bandjermasin. 
Cambodge, Notes surle — . (Revue maritime et coloniale, Juli 1863, 
pp. 541—546;) 

Notizen über die Nutzhölzer , die jedoch nur mit den einheimischen Namen 
aufgeführt sind, und Über die Kultur von Baumwolle, Indigo und MauJheer- 
Büuroen in Cambodja. 
Cambodge, Le royaume du . (BeTue maritime et coloniale, Au- 
gust 1863, pp. 698—707.) 

Nach Admiral Bonard 's Exploration des Mekong Im September 1862 an Bord 
der „Ondine" (s. „Geogr. Mitth." 1863, S. 194) hat dieses Schiff in den Monaten 
November und Dezember eine zweite Expedition ausgeführt, deren Hauptzweck 
war, den Mekong so weit wie möglich hinaufzugehen und die Uferlandschaften 
und ihre Produkte zu studiren. Die bauptslichlichsten Resultate sind in dem 
obigen Aufsätze niedergelegt. Der Fluss kann von grossen Schiffen den 
grössten Theil des Jahres hindurch aufwärts bis Sambor (nach BouiIIev«iix in 
13* N. Br.) befahren werden , dort aber setzt eine Felsenbank der Scbitffahrk 
eine unUbersteigliche Grenze. Auch die Zuflüsse des Grossen See's w'urden 
grossentheils erforscht. 

Campbell, Major-General J.: A personal narrative of thirteen years 
Service amongst the wild tribes of Khondistan, for the suppressioB 
of human sacrifice. 8°, 329 pp. mit 1 Karte und Illustrationen. Lon- 
don, Hurst & Blackett, 1863. 14 8. 
Handelt von der Unterdrückung der Menschenopfer bei den Khonds in CMssa, 
welche durch die Bemühungen Campbell's seit IbST Tollstfindig gelungen ist, 
80 wie von der Ausrottung des Kindsmords in Suradah, wo vor des Verfassers 
erfolgreicher Thütigkeit jedes neugebome Mitdchen umgebracht wnrde. 

China, The Teang-tai Mountains and Spirit-writing in . (Black- 

wood's Magazine, April 1863.) 

Coohinchine. Renseignements sur le climat et les ressources du pays. 
(Annales du commerce ext^rieur, 1863, Nr. 1466.) 

Coohinohlne fran^aise. Mit 1 Karte. (Rerue maritime et coloniale, 
Septbr. 1863, pp. 166—178.) 

Eine schöne Karte der Französischen Kolonie in Gochinchina nach einer 
unter Direktion von M. de Foucauld, Escadron-Chef im Generalstab, gezeieh* 
neten ist begleitet von einem Bericht über die Einnahme der Festung Go-Cong 
durch Admiral Bonard im Februar 186S nnd über die Auswechselung der Rati- 
fikationen des mit Annam abgeschlossenen Vertrags vom b. Juni 1862, wobei 
dieser Vertrag selbst abgedruckt ist. 

Colonies fran^aises, Les - - - dans l'Inde. Mit 1 Karte. (ßeTue 
maritime et coloniale, Oktober 1863, pp. 247 — 290.) 

In derselben Weise wie in den früheren Heften die AfHkanisciten Kolonion 
werden hier die der Französisdien Krone In Indien verbliebenen Besitzungen 
behandelt und kartographisch dargestellt. Diese Besitzungen sind 1} an der 
Coromandel-Küste : Pondich^ry und sein Gebiet, bestehend aus den Distrikten 
Pondichdry, Vülenour und Bahour; Karikal und die zugehörigen Maganoms oder 
Distrikte: 2) an der Orixa-Küste: Yanaon, sein Gebiet und seine Dörfer; die 
Loge von Mazulipatara (Logen benannte man ehemals einzelne, aus einem 
Hause und anliegendem Terrain bestehende Etablissements, wo Frankreich 
das Recht hatte, seine Flagge aufzuziehen und Comptoirs einzurichten): 3) an 
der Malabar-KUste: Mahd und sein Gebiet; die Loge von Calicnt; 4) In Benga» 
len : Chandemagor und sein Gebiet; die Logen von Cassimbazar, Jougdia, 
Dacca, Balassore und Patna; h) in Gudjerate: eine Faktorei zu Surate. AOe 
zusammen haben nur 49.622 Hektaren Grundfläche; Ihre Bevölkemng betrug 
am 1. Januar 1863: 22&h70 Seelen. 

Cossyah Hills, The - . (The Church Missionary Intelligencer, Sep- 
tember 1863, pp. 214—218, Oktober pp. 237—242.) 

Ein aus mehreren Publikationen zusammengestellter übersichtlicher Artikel 
über die Cossyah -Hügel südlich von Assam, ihre Naturbesobaffenbeit nnd Be> 
wohner, so wie über die neuesten Unruhen daselbst. 

Dodd, Lieut. : Particulars conceming the Runn of Kutch and the country 
on its Southern margin. — Memorandum on the Eastem portion of 



Literatar. 



115 



Ktttch, called Wagur. (Transactions of the Bombay Oeogr. Society, 
Vol. XVI, Bombay 1863, p. 1.) 
Fleming, G. : Travels on horseback in Mantchou Tartary, being*a 
sumracr's ride beyond the great wall of China. 8®, Ö96 pp. mit 

1 Karte u. 50 Illustrationen. London, Hnrst & Blackett, 1863. 42 8. 
G. FlemJnK, Englischer OfBsier, und Uichfe, Kaufmann In Shanghai, ritten 

1.S61 von Tieotain durch Petsohell ttber Shanhaikaang nach Nlutschoang, 
Jin^e und Mukden. 

Fleuriot de Langte, Gontre-amiral Vicomte : Yoyage an Malabar, 1859. 

(Le Tour du Monde, 1863, Vol. VIII, Nr. 185, pp. 33—48.) 
Eine kurze Beschreibunic der Malabar-KÜate , ihrer Bewohner und bemer- 

kenswerthesten Orte, wie Mah^, Ooa, Bombay, mi thSbsoheii Illustrationen, s. B. 

ans den Grottent«mpeln von Elephanta. 
Friedet, Dr. C: Beitrage zur Kenntniss ües Klima's und der Krank- 
heiten Ost- Asiens gesammelt auf der Preussischen Expedition in den 

Jahren 1860—1862. 8», 186 SS. Berlin, G. Eeimer, 1863. f Thlr. 
Siebe den Vorbericbt auf 8. 113. 
Goldsmid, Major F. : Exploration from Kurrdchi to Gwadur, along the 

Mekran Coast (Proceedings of the R. Geogr. Soc. of London, Vol. VII, 

Nr. III, pp. 91—95 und 117—118.) 
EIniice Bemerknnfren über die antiquarisch sehr interessante Mekran-KUste 

mit Bezug auf die Telegraphen-Linie, welche ron Kurratschi nach Qwadur ab 

ein Glied der grossen Europftisch-Indischen Linie gefttbrt wurde. 
Handelsberichte der kaufmännischen Begleiter der Ost - Asiatischen 

Expedition. 4^ 171 SS. (Als Manuskript gedruckt.) Berlin, B. Becker, 

1863. 

^ Siehe den Vorbericht auf 8. 113. 
Heine, W. : Eine Weltreise um die nördliche Hemisphäre in Verbindung 

mit der Ost -Asiatischen Expedition in den Jahren 1860 und 1861. 

2 Bde. 8», 615 SS. Leipzig, Brockhaus, 1864. 2^ Thlr. 
Siehe den Vorbericht auf 8. 114. 

Indta, Irrigation works in . (Church Missionary Intelligencer, 

JttU 1863, pp. 147-155. Übersetzt in „Ausland" 1863, Nr. 35, 
SS. 824—827.) 
Betrifft hauptsüohlieh die BewSsserunga- Arbeiten am Goda^ery. 

Inverarity, D.: Report on the late overflood ofthe Indus. Mit 1 Kart«. 
(Transactions ofthe Bombay Geogr. Society, Vol. XVI, Bombay 1863, 
p. 48.) 

Jacob: Journal of a trip to Sind from Kutch, 1852. — Journal of a 
tour through Kutch, 1851. (Transactions of the Bombay Geogr. So- 
ciety, Vol. XVI, Bombay 1863, pp. 22, 56.) 

Koner, W.: Notizen zu dem Itinerar durch die Gobi Ton Kiachta bis 
Peking. Mit 1 Karte. (Zeitschrift für AUgem. Erdkunde, Mai 1863, 
SS. 351—356.) 

Vor einigen Jahren hatten wir Gelegenheit, eine sehr werthvolle Rassische 
Aufnahme der Karawanenstrasse Ton Haimatschln durch die WUste Gobi naoh 
Peking zu sehen. Von dieser Ist im J. 186S eine Englische Kopie erschienen 
(Idnerarj from Maimachin to Peking . from a sketch made in 1858. London, 
Topogr. Dep. War OfBce, 1868. 8 BL 1 : 210.000), welche Prof. Dr. Kiepert auf 
der obigen Karte in der Reduktion auf 1 : 1.000.000 wiedergegeben hat Prof. 
Dr. Koner bespricht In dem beigegebenen Text die vorhandene Literatur fiber 
die beiden durch die Gobi führenden Karawanenstrassen und die Höhenverhält^ 
nisse der westlicheren. 

Kreyher, J.**. Die Preussische Expedition nach Ost- Asien in den Jahren 
1859 bis 1862. Reisebilder aus Japan, China und Slam. 8<>, 444 SS. 
Hamburg, Agentur des Rauhen Hauses, 1863. 1 Thlr. 12 Sgr. 

Siehe den Vorbericht auf 8. 114. 

Lalor, J. : Outline of the country between Kurrachee and Gwadel. 
(Transactions of the Bombay Geogr. Society, Vol. XVI, Bombay 1863, 
p. 99.) 

Laurens, C. : Navigation et commerce du Tang-tse-kiang en Chine. 
(Re\ruc maritime et coloniale, Oktober 1863, pp. 197—214.) 

SchiffsfShnrich Laurens fuhr mit einem Fahrzeug der Französischen Kriegs- 
marine, dem „Kien-chan", den Jangtsekfang bis Hankau hinnuf und berichtet 
über die Schwierigkeiten , welche dieser untere Theil des Stromes der Schiff- 
&hrt bietet, und über den höchst bedeutenden Handelsverkehr auf dem Fluss 
ond in den anliegenden, fremden Schiffen geöffneten StÜdten. 

Lindau, R. *. Un voyage autour du Japon, Xagasacki, les quartiers francs 
et la rille japonaise. (Revue des deux mondes, 1. Juli, 1. August, 
1. September 1863.) 

Maron, H. -. Japan und China. Reiseskizzen entworfen während der 
Preussischen Expedition nach Ost-Asien. 2 Bde. d*', 526 SS. Berlin, 
Janke, 1863. 2^ Thlr. 

Siehe den Vorbericht auf 8. 113. 

Melgunow: Über die Südküste des Kaspischen Meeres. 8^, mit 1 Karte. 
St. Petersburg 1863. (In Russischer Sprache.) 

Der Verfasser war dem Akaderoilcer Dorn während seiner Reise in Masan- 
deran und Gilan im J. 1860 als Begleiter beigegeben und auf seinen Vor* 
■chlag übernahm er die geographische Partie, so dass das vorliegende Werk 
Mn unmittelbares Ergebniss von Dorn's Rel^e ist Der Inhalt des Buches ist 
folgender: 1) Vorrede: Gedrftngte Beschreibung der Reise Im nördlichen Per- 
sien , Zusammenstellung der „gengraphischen Bemerkungen" und literarischen 
Kachweise, Bemerkungen über die beigegebene Reisekarte (SS. I— XXXII). — 
i) Einleitung: Der Flächeninhalt der südlichen KilstenUSuder des Kaspischen 
Meeres, das Elburs-Qebirge und der Demavend, über das alte Tabaristan, ICa* 



sanderan und Hyrkanien, die administrative Eintheilung, der Sehah-Abbaalsche 
Steinweg, SehStae in alten Oebftuden, Klima, Uebersioht der alten Oeechiohte 
des Landes nebst einer chronologischen Tabelle der Dynastien und der merk- 
würdigsten Begebenheiten bis zum Jahre 1621 (SS. 1-43). — 8) Beschreibung 
der ProTlns Astrabad, Weg vom GUto-Ufer nach Sehabrad (88. 47 --M). — 
4) Masanderan,. Aschref, Sari, Barferusch, Amul (88. 97—194). — 6) OUan, 
Lahidschan, Lengerad, Rescht, Fumen, Rndbar, Bnseli, GUanisehe Gedlehta 
(SS. 197—283). — 6) Das Turkmenische Ufer und die Insel Aschnrade (88. 287 
-^24). — Turkmenische Briefe mit Russischer CTebersetznng; alphabedsehes 
Register. — Dorn Uisst von diesem Werke eine Deutsche Uebersetaung anfer- 
tigen, welche er mit eigenen Anmerkungen au begleiten gedenkt. 

Mouat, Dr. F. J. : Karratiye of an expedition to the Andaman Islands 
in 1857. (Journal of the R. Qeogr. Soc. of London, 1862, pp. 109 
—126.) 

Gedrängte Zusammenstellung der Literatur Über die Andamanen und der 
Resultate, welche die Expedition von Dr. Monat, Dr. Pli^yfair und Lieutenant 
Heathcote ertielte. Ausfahrllcheree findet man in dem offlaiellen Bericht der 
Expeditions -Mitglieder (Selectlons from the Reoords of the Government of 
In<äa, Nr. 25; 1859) und in Dr. Mouat's „Adventnres and researohes among 
the Andaman Isländers** (London 1663). 

Mouat, Dr.: Adyentures and researches among the Andaman Islanders. 
8<^, 376 pp. mit Illustrationen. London, Hurst & Blackett, 1863. 16 8. 

Mouhot, Henri: Notes on Gambodia, the Lao Country, etc. Mit 

1 Karte. (Journal of the B. Geogr. Soo. of.Xondon, 1862, pp. 142 
—168.) 

Mouhot's Reisen in Oambo^ja nnd Slam 1869 bis 1861 gehören an den be- 
deutendsten, welche in der HlnterJndisehen Halbinsel ausgeführt worden sind ; 
mit Instrumenten nnd naturhistorischen Kenntnissen reichlich ausgerüstet be- 
suchte er die Küsten des Ghlfi von Slam, den grossen See Tonil- oder Tuli- 
sap\ den wilden Vbiksstamm der Stien fistlloh vom Me-kon, ging von Aneor 
oder Ongoor westliob über die dort flache Waaaersoheide aum Me-nam nnd von 
Bankok nordöstlich nach Korat und nördlich durch Laos bis Louang Prabang 
am Me-kon unfern der Chinesischen Grenze (20* 44)' N. Br.), wo ihn leider 
am 10. November 1861 der Tod ereilte. (S. den Ansang in ^Ausland" 1863. 
Nr. 28, SS. 661—665.) ' 

Mouhot, H.: Yoyage dtns les Boyaumes de Siam, de Cambodge, de 
Laos et autres parties centrales de Tlndo-Ghine, 1868 — 1861. Mit 

2 Karten. (Le Tour du Monde, 1863, T. YIU, Nr. 196, 197, 198, 
199, 200, 201, 202, 208, 204.) 

Es Ist diess die Fransöslaohe Ausgabe des Reise-Journals und der Zeich- 
nungen des verstorbenen Mouhot. Die Englische als selbstständiger Band bei 
Murray erschienene Ausgabe hat die niustraUonen dieser Fransösischen benutzt 
Wir machen besonders auf die Abbildungen und Beschreibungen der Tempel- 
bauten von Ongkor, der alten Hauptstiät von Gambodja, und auf die Reise 
nach Laos auftnerksam und sprechen unsere Anerkennung aus für die würdige 
Weise, in der „Le Tour du Monde" den interessanten Nachlass Mouhot's aar 
Publikation gebracht hat 

O'Riley, Edw.: Journal of a tour to Karen-ni, for the purpose of 
opening a trading-road to the Shan traders from Mobyay and the 
adjaeent Shan States, through that territory, direct to Tungu. Mit 
1 Karte. (Journal of the B. Qeogr. Soc. of London, 1862, pp. 164 
—216.) 

Bin für die Kenntniss des Karenen - Landes zwischen dem oberen Sittang 
nnd dem Baiwien, nordöstlich von Toungn in Burmah, wichtiges Tagebuoh 
über die im Winter 1856 bis 1857 von O'Riley zu dem angegebenen Zweck 
ansgefükirte Reise. 
Oudemans, Dr. J. A. 0. : Herleiding ran de waamemingen, gedaan door 
de Heeren S. H. en G. A. De Lange , ter bepaUng yan de lengte van 
Menado, Kema, fioeton, Temate en Makasar, in de jaren 1852 en 1853. 
8^, 16 pp. Batayia. 

Die LMngenbestimmnngen mittelst astronomischer nnd chronometrischer Beob- 
achtungen, welche die Herren De Lange anf einer im 5. nnd 7. Bd. der „Natuur- 
kundig Tijdsclirift voor Nederlandsoh Indie'* beschriebenen Reise in den Jahren 
1852 nnd 185S anstellten , ergeben nach der Berechnung Dr. Gudemans' fol- 
gende Resultate: 

Breite. Oestl. L. v. Gr. 
Menado . . 1»29'38,7"N., 124»49'30' 

Kema . . 1 21 43,T » 125 4 3 

Temate . 47 IS.o » 127 22 28 

Makasar . . . 5 8 7,7 S., 119 24 30 
Boeton . . 5 29 15,1 » 122 S5 56 

Die LSnge von Batavia ist dabei auch hier au 106* 43' 7,6" angenommen. 
PaP»i8 (Die) in Bombay. (Globus, 4. Bd., SS. 161—170, 207—211.) 

Eine reichhaltige und lehrreiche Kompilation. 
Penguelley, M.: Remarks on a portion of tho East coast of Arabia. 
(Transactions ofthe Bombay Geogr. Society, Vol. XVI, Bombay 1863.) 
Perse, Voyage dans le sud de la . (Moniteur unirersel, 31. Au- 
gust 1863.) 

Auszug aus den Aufzeichnungen des Grafen Rochechouart, Sekretttrs bei der 
Französischen Gesandtschaft zu Teheran , der kürzlich eine Reise durch die 
südlichen Provinzen von Perslen (Hamadan. Berudschird, Ispahan, Yezd, Klr- 
man, Binder- Abbas, Schlraz, Kasohan, Ghnm) zurückgelegt hat Die Auszüge 
betreffen haupts&ohlioh Ackerbau, Handel und Industrie. 

Pesohel, Dr. 0. F.: Die Beisen des Nioolo Conti. (Das Ausland 1863, 
Nr. 16, SS. 380—383.) 

Die Reisen des gewöhnlich Nicolaus Venetus oder Comes Venetns genannten 
Nicolo Conti in Indien nnd dem Indischen Archipel während der ersten HMfte 
des 15. Jahrhunderts hat Prof. Kunstmann in seiner Monographie „Die Kennt- 
nlss Indiens im 15. Jahrhundert" (München 1863) in dem ursprünglichen Latei- 
nischen Text herausgegeben und zugleich mit scharfilnntgen historischen und 
geographischen Erläuterungen versehen , so dass die Urkunde jetzt völlig ge- 

15» 



116 



Literatnr. 



nieMbar und die geographischen Rftthsel derselben bis suf sehr irenlge sKmmt- 
lieh gelöst sind. Diese Arbeit macht der Redactenr des „Ausland", eine der 
ersten Aatoritäten auf dem Gebiete der Geschichte der Geographie, zum Gegen- 
stand einer eingebenden Besprechung und kritischer Bemerkungen. 

Reinaud : Relations poUtiques et commerciales de rempire romain etoc 
TAsie Orientale (rHyrcanie, l'Inde, la Bactriane et la Chine) pendant 
les cinq premiers si^cles de T^re chrStienne, d'apris les t^moignages 
latins, grees, arabes, persans, indiens et chinois. Mit 4 Karten. 
(Jonmal Asiatique, März — April 1863, pp. 93 — 234, Mai — Jnni 
pp. 297—141.) 

Eine auch für die Geschichte der Geographie bedeutende Arbeit. 

Robinson , Lient. G. T. : Short Notes on Japan. (Transactions of the 
Bombay Gcogr. Soc. Vol. XYI, 1863, p. 116; Nautical Magatlne, 
Septbr. 1863, pp. 475—486.) 

Ans Aloock's Buch Ist bekannt, dass Lieut. Robinson Ton der Indischen Ma- 
rine einer seiner wissenschaftlichen Begleiter bei der Besteigung des Fusi- 
yama war and einige Höhenmessungen, Positions-Bestimmungen u. dergl. aus- 
führte. Dort sind auch die Resultate dieser Arbeiten bekannt gemacht , über 
die Robinson hier selbst knrs berichtet. Abweichend von den Zahlen in Al- 
cock's Buch glebt er hier die Länge des Kraters zu 1114, die Breite zu 666. die 
Tiefe zu 500 Engl. Fuss an und fQgt hinzu, dass sein Umfang 8| nautische 
Meilen beträgt. Einige weitere Notizen über Japan enthalten nichts Neues. 

Robinson, 6. T.: NotAS npon the hydrography and geography of Japan. 
(Transactions of the Bombay Oeogr. Society, Vol. XVI, Bombay 1863, 
p. 19.) 

RQtte, J. M. C. £. le : De expeditie naar Montallat, Znid-en Ooster-af- 
deeling Tan Borneo. Met een schetskaartje. 8*^, 72 pp. mit 1 lith. 
Karte. Bataria, Kolff, 1861 ^Zalt-Bommel, Nom&n). 75 c. 

SherwHI, Major J. L. : Jonmal of a trip undertaken to explore the gla- 
ciers of the Kanebunjingah group in the Sikkim Himalaya, in No- 
Tember 1861. Mit 1 Karte. (Journal of the Asiatic Soc. of Bengal, 
1862, Nr. V, pp. 457—479.) 
Siehe „Geogr. Mltth." 1863, S. 884. 

Sohlagintweit, H., A. and R. de : Resnlts of a scientific mission to India 
and High Asia undertaken between the years 1854 and 1858. Vol. UI. 
40, 316 pp. mit Atlas in Fol. Leipzig, Brockhaus, 1863. 26] Thir. 
Dieser dritte Band des grossen Seblagintweit'schen Werkes Ist Ton den bis 
jetzt erschienenen der unbedeutendste, doch wird er diess Toraussichtlich auch 
bleiben. Wahrend der erste die astronomischen und magnetischen Beobach- 
tungen , der zweite die Höhenmessungen enthielt , beide also die wichtigsten 
Grundlagen flli; die Topographie Indiens , des westlichen Himalaya nnd Tnrki- 
stan's, finden wir in dem auch in der Seitenzahl schwjicheren dritten Band eine 
Zusammenstellung von Rontiers für den nordwestlichen Himalaya, West-Tibet 
nnd Turkistan und als .zweite Abtheilung ein geographisches Glossar. Die 
mitgetheilten Itinerare bilden ein relohmaschiges Netz Über das Gebiet tod 
S^maon bis Kaschmir, Balti and Nubra mit einem durch Turkistan bis nach 
Taschkend reichenden Zipfel. Sie beruhen theils auf eigener Anschauung, 
theils auf Erkundigungen bei eingebomen Kaufleuten und Karawanenftthrem, 
theils sind sie auch Werken anderer Europfier entnommen nnd werden durch 
die Bemerkungen tlber die Beschaffenheit der Wege, die Natur der Pfisse, das 
Vorhandensein oder den Mangel von Lebensmitteln und Brennmaterial künfti- 
gen Reisenden zu Statten kommen und sowohl bei Handels-Untemehmungen 
als bei millfäriscben Operationen Ton Indien aus sich nützlich erweisen, aber 
in .geographischer Beziehung lassen sie Manches zu wünschen übrig. Man 
vermlsst fast immer Ricbtungs- und genauere Entfernungs- Angaben, ohne welche 
doch eine kartographische Benutzung nur sehr mangelhaft ausfallen kann, die 
Angaben sind in den meisten Füllen nicht bestimmt genug, um c. B. die BUtter 
des Indien Atlas, welche über einen grossen Thell des Gebiets, auf dss die 
Routen fallen, bereits erschienen sind, danach zu verbessern. Ja wir sehen uns 
auch vergebens nach Aufklärungen über die vielfach hervortretenden Differen- 
zen zwischen den Angaben der Itinerare und denen des Atlas nm. Die Route 
nach Taschkend hätten wir ganz besonders mit Ricbtungs - Nachweisen ver- 
sehen gewünscht, um so eine RechtfertigAng fUr die auffallend westliche Lage 
dieses Ortes auf der Schlagintweit'schen Uebersichtskarte zu erhalten, nun sind 
wir aber über diesen Punkt noch eben so im Dunkel wie zuvor. Die Beigabe 
genauer Routenkarten oder einer grösseren, mit detailllrter Verwendung der 
Routiers gezeichneten Uebersichtsksrte hätte die Mängel des Textes einiger- 
maassen ersetzen können , aber wir finden in der zugehörigen Lieferung des 
Atlas nur eine einfache Index-Karte, welche die Routen durch gerade Striche 
andeutet und durch Zahlen auf den Text verweist Zwar sind noch zwei wei- 
tere Karten in der Lieferung enthslten , doch möchte die eine, das FacsimUe 
einer Bhutia-Karte der Handelsstrasse von Lhassa nach Assam , nur als ein 
interessantes Curiosum zu betrachten sein, während wir der anderen, einer 
Höhenschichtenkarte vom südlichen Theil des Slkkim-Himalaya, unmöglich viel 
Vertrauen entgegenbringen können. Sie Ist im Vergleich mit der geringen 
Zahl wirklich gemessener Höhenpunkte, die übrigens auf der Karte nicht 
einmal angegeben sind, zu detaillirt im Maassstab von 1:127.000 und mit 
Isohypsen von 500 zu 500 Fuss gezeichnet. Sehr schön dagegen sind wieder 
die Blätter des Bilder-Atlas dieser Lieferung, von grossem Interesse nsment- 
lich das Panorama des Kaschmir-See's, das Thal des Yarkand-Flusses nnd das 
BuddhiAten-Kloster Himls bei Leb. 

Schlagintweit, H. t.: Über ^e mittlere Temperatur des Jahres und 
der Jahreszeiten und den allgemeinen Charakter der Isothermen in 
Indien und Hoch-Asien. Mit 1 Karte. (Monats-Berichte der K. Preoss. 
Akademie der Wissenschaften zu Berlin, April und Mai 1863, SS. 197 
—228 ^ 
8. „Geogr. Mittb.» 1863, S. 888. 

Sohlagintweit, £. : Buddhism in Tibet illustrated by literary documents 
and objects of religious worship. 8^ mit einem Atlas in Fol. Leipzig, 
Brockhaus, 1863. 14 Thlr. 



Slam, The kingdom of 
Septbr. 1863.) 



(Colbum's New Monthly Magazine^ 



Smith, W. L. G.: Obserrations on China and the Chinese. 12<^. Nev 
Tork 1863. 5) s. 

Spiegel, Prof. Pr.: Die östlichen Provinzen Persiens. Bas Grensland 
Afghanistan. — Das Grenzland Belutschistan. (Das Ausland 1863, 
Nr. 15, SS. 838—342, Nr. 16, SS. 366—370, Nr. 18, SS. 418— 422, 
Nr. 19, SS. 437—442.) 

Topographisch, ethnogrsphlseh nnd geschichtlich« 

Spiegel, Prof. Fr.: Die auswärtigen Beziehungen Persiens. I. Die 
Länder im Nordosten. (Das Ausland 1863, Nr. 43, SS. 1009 — 1013, 
Nr. 44, SS. 1038—1041.) 

Uebersiofatllohe Besehreibai^ der Stromgebiete des Oxus nnd Jaxartes nnd 
Darstellung des Einflusses, den Ersn im Altertham auf die Bewohner derselben 
ausgeübt bat. 

Spiegel, Dr. Fr.: Kran, das Land zwischen dem Indus und Tigris. 
Beiträge zur Kenntniss des Landes und seiner Geschichte. 8^, 390 SS. 
Berlin, Dümmler, 1863. 2 Thhr. 

Neue, cum Thell umgearbeitete nnd durch einige Artikel rermehrte Ausgabe 
der im „Ausland" in den Jahren 1858 bis 1863 erschienenen historlscb-fpeogra« 
phIsch«ethnographischen AnfkÜtse Dr. Spiegers über Persien und seine Nachbar- 
Ifinder. 

Spiess, G.: Die Preussische Expedition nach Ost- Asien während der 
Jahre 1860 bis 1862. Reiseskizzen aus Japan, China, Slam und der 
Indischen Insel- Welt. 1. Abth. 4<», 216 SS. Leipzig, Spamer, 1864. 

Ij Thlr 
Siehe den Yorberieht auf S. 114. 

Stewart, Dr. J. L. : Notes on the Flora of the country passed throngh 
by the ezpeditionary force under Brigadier -General Cbamberlain, 
against the Mahsood Wuzeeris, April 17** to May 19"*, 1860. (Jour- 
nal of the B. Geogr. Soc. of London, 1862, pp. 316—334.) 

Der Verfasser durchzog botanisirend mit den Britischen Truppen irater 
Chamberlain die Berglandschaft der Mahsnd • Wusirls nordwestlich Ton I>en 
Ismael Khan Jenseit der Britischen Grense. Die Flora dieses Landes ist zvar 
nicht reich, aber in Bezug auf die Verbreitung Indischer nnd Persischer For- 
inen interessant 

Teijsmann, J. E.: Yerslag eener reis naar Slam, in het geTolg van 
den GouyemenientB-Kommissaris Mr. A. London. 8^, 60 pp. Buiten- 
zorg 1862. 

Der bekannte Botaniker Teijsmann beschreibt in diesem Anfhats eine freilidi 
nur sehr kurze Reise in Slam, die er im MKrs 1862 ausführte. Am 12. von 
Batavia in Bangkok angekommen fuhr er von da am 16. auf dem der Küste 
parallel verlaufenden, den Menam, Tatjin und Meklong verbindenden Flossarm 
nach Meklong und den gleichnamigen FIuss aufwärts nach Radburi oder R*- 
djaburl, besuchte einen in der Nlihe dieses Ortes gelegenen Berg Namens Sar 
tunat und ritt auf Elephanten In 8| Tagen nach Kanbnri, das weiter oben am 
Meklong nngeßibr 40 Engl. Meilen von Radbnri entfernt liegt. Er kehrte so- 
dann auf demselben Wege nach Radburi zurück , fuhr den Meklong abvirts 
bis in den Qolf von Slam und den Fluss von Petjaburi hinauf bis zu diesem 
Orte; hierbei benutzte er den bei Ban-ei-lsam nördlich von Bangkubsin mBn- 
denden Creek, w&hrend er bei der Rückfahrt von Pe^aburi durch den Haoptma»- 
dungsarm von Ban-Lem in den Qolf auslief. Auch die Rückfahrt nach Bangkok 
ging nicht durch das offene Meer zum Menam, sondern abermals durch den von 
Meklong über Tatjin nach Bangkok führenden Flussarm. Schon am 2. Apnl 
war er wieder in Bangkok, um sofort nach Batavia zurückzureisen. Die jgrSsste 
Aufmerksamkeit schenkte er der Vegetation und so finden wir auch am Schloss 
des Aufsatzes eine Liste Siamesischer Pflanzen mit Latelnisdien und einbel- 
misohen Namen ; doch glebt er auch manche andere Bemerkung über Land and 
Leute, besonders über Bodenkultur. FUr die Topographie Etwas zu leisten, 
hätte er nur auf der Tour von Radbnri nach Kanburi Gelegenheit gehabt, da 
die von ihm befahrenen Qewfisser auf Konsul Parkes' „Sketch of the Menam 
and other Siamese Rivers from the snrveys and observatlons of the American 
Misslonaries" (London 1855} bereits speziell verzeichnet sind, aber fUr jene 
Tour sind seine Angaben nicht ausführlich genug, um die Route auf einer Karte 
niederlegen zu können. 

Theobald, W.: Notes of a trip from Simla to the Spiti Talley and 
Chomoriri Lake during the months of July, Aug. and September, 1861. 
Mit 1 Karte. (Journal of the Asiatic Soc. of Bengal, 1862 Nr. Y, 
pp. 480— Ö27.) 

Ziemlich ausführliche Wegebesehrelbnng mit naturhistorischen Notizen nnd 
zahlreichen Höhenmessnngen mittelst Kochthermometers. Den Parang-Paas 
bestimmt er zu 19.1SS Engl. Fuss (nach Cunningham nur 18.502 Fnss), die Hfthe 
des Tscbomoriri-See's, von dem ein Plan und ein Durchschnitt beigegeben sind, 
zu 14.272 Fuss. Die geologischen und palltontologischen Funde, um derentwillen 
die Reise unternommen wurde, sollen in einer späteren Bearbeitung pnblldrt 
werden. 

Ulimann, Kapit. L. : Die Insel Banka. (Die Natur, 1863 Nr. 8, 9, 11, 
15, 17, 19, 20.) 

Der durch seine vlelJShrigen Arbeiten In KlederlCndiseh • Indien bekannte 
Kapitän Ulimann hat unter Anderem daselbst die Insel Banka vollständig auf- 
genommen und eine Karte davon zu Melville v. Cambee's Atlas geliefert. 
Er ist daher ein genauer Kenner dieser durch ihren Bfineralreichthum, nament- 
lich durch Ihre Zinnminen berühmten Insel und seine Schilderungen der klima- 
tischen und NaturverhSltnisse, der Ortschsften, Bewohner und der Zinnindostrie 
nebst den Abbildungen, die nach den an Ort und Stelle von ihm angefertigten 
Zeichnnngen geschnitten sind, verdienen gsnz besondere Beachtung. 

Vi88cher, Jacob Canter*. Letters from Malabar. Kow first tranalated 
from the original Dutch by Major Heber Drury. To which is added 



Literatur. 



117 



an aeconnt of TraTancore, a^d Fra Bartolomeo'a trayels in that 

eoantrj. 8°. Madras, Gantz (London, Trübner) 1863. 8^ s. 

Walker, Major Jamea: On the highland region adjacent to the Trana- 

Indns frontier of British India. Mit 1 Karte. (Journal of the R. Geogr. 

Soc. of London, 1862» pp. 303—316.) 

Die Tollsttfndige, «ehr werthvoUe Arbeit mit Karte, von der ein Auizug Im 

„Joamal of the Asiatic Society of Bengal" abgedruckt war. (8. „Geogr. Mit- 

theUangen*" 1863, 8. 40.) 
Walker, Major J. T.: Progress of the trigonometrical survey, being 

extracts from a report to the Seeretary to Government of India. 

(JoTumal of the Asiatic Society of Bengal, 1863 Nr. II, pp. 111—123.) 
Berichtet über den Fortschritt der Indischen Landesvermessung in der Zeit 

Tom Herbst 1860 bis zum Sommer 1862 und enthftlt nebenbei eine Notix von 

Rossenrode über die Yolksstämme Im unabn&nglgen Tipperah. 
Wallace, A. R.: On the trade of the Eastem Archipelago with New 

Guinea and its Islands. (Journal of the R. Geogr. Soc. of London, 

1862, pp. 127—137.) 
S«hr verthvoUe Notizen über die Produkte und den Handel der verschiedenen 

Theile vom westlichen Neo-Guinea und der geographisch und* zoologisch zu 

ihm gehörigen Inseln Jobie, Blak, Sook. Wageu, Batanta, Salwattle, Misool, 

Kei und Arm. Einen Auszug aus dieser Abhandlung enthSlt„Da8 Ausland" 1868, 

Nr. 36, 88. 8S9— 838. 
Wallace, A. R. : On the physical geography of the Malay Archipelago. 

(Proceedings of the R. Geogr. Soc. of London, Vol. YII, 1863, Nr. 6, 

pp. 206—212.) 
Kurze Analyse einer, wie es scheint, sehr werthvoUen , im nfichsten Bande 

des .,Jonrnar' zu poblidrenden Abhsndlung des bekannten Naturforschers Wal- 
lace, der 7 Jahre in verschiedenen Theilen des Indischen Archipels zugebracht 

hat. VergL „Das AusUnd" 1863, Nr. 42, SS. 999—10001. 
Whish, W.: Memoir on Bahreyn. Mit 1 Plan. (Transactions of the 

Bombay Geogr. Society, Vol. XVI, Bombay 1863, p. 40.) 

Karten. 

Germaln et Monge: Plan des criques de Masqnate et de Khulboo, 
cotes d'Arabie. (Nr. 1994.) Paris, D6p6t de la marine, 1863. j fr. 

Graafland, N.-. Kaart Tan de Minahassa. 4 Bl. Lith. Rotterdam, 
Wijt, 1863. 2i fl. 

Qrammont, L. de : Reley^ provisoire de la hasse Cochinchine fran9aise, 
sTec des subdivisions en phus et en huyens d'apr^s les cartes de 
Saigon. Dessin^ par P^pnin. Paris, impr. Lemercier, 1863. 

Japan Islands. Korea Strait. Ihi Island. 1:72.800. Lith. London, 
HydrogT. Office, 1863. (Nr. 627.) ^ * 1 s. 

Eine vorltaflge Skizze der In der Korea-Straase zwischen Kinsiu nnd Tsu- 
shna gelegenen Insel 1kl. Die Notiz über die Grundlagen dieser Karte Ist ein 
KTossea KompUment für die Japanesiscben Geodftten, denn es heisst darin, die 
Engllseben Oflizlere des VermesaungBsehlfl'ea „Aetaeon" hätten die Japanesi- 
schen Karten Immer richtig befunden, so oft sie Gelegenheit gehabt hätten, sie 
mit den eigenen Anftaahmen zu verglelcben ; da nun eine flüchtige Aufnahme 
der Insel 1kl durch die Russen Im J. 1861 bedeutend von der Japanesischen 
Karte derselben abweiche, so habe man vorgezogen, für die Umrisse der Insel 
die letztere In vergrössertem Maassstabe zu kopiren und Ihr die Russischen 
Sondirnngen anzupassen. 

Persia. AbA-Shehr or Bushire, surr, by Gonstable & Stiffe, 1857. 
1:24.200. London, Hydrogr. Office, 1863. (Nr. 27.) • 2^ s. 

Detaillirter Plan des Hafena. 

Richards: Carte du golfe de Siam. (Nr. 1972.) Paris, D^pdt de la 
marine, 1863. 2 fr. 

Varsteeg, Kapit. W. F.: Nieuwe tevens £tappe-£aart tan Jara en 
Madoera. 1:717.000. Lith. Batatia, Topogr. Bureau, 1863. 

Gnte Ueberaichtskarte aus 4 Blatt zusammengesetzt, mit vorzugsweiser Rück- 
sicht auf die Kommunikations-Mittel, die verschlMenen Klassen von Wegen, 
KhifTbare Fittsae, Post-Stationen, Nachtquartiere reisender Militärs, Telegraphen- 
Linien, Telegraphen-Stationen, Kurslinien der Dampfschiffe, Ankerplätze. Das 
Terrain Ist nur skizzirt, dafUr aber ein Profil am Rande beigefügt. 

Walker, Major J.T.: Map of Central Asia between the parallele of20'* 
and 60° N. L. 1 : 7.303.200. Calcutta, Surveyor-General's-Office, 1863. 

Walker, John: New Map of India, 1863. 6 Bl. London, Allen, 1863. 

2 L. 12^ s. 

AFBIKA. 

Abbadie, A. d' : G^od^sie d'Ethiopie on triangulation d'une partie de 
la Haute Rthiopie ex^cut^e selon des methodes nouyelles; y^rifi^e et 
r^digee par R. Radau. 4^, 465 pp. mit 2 Karten und 11 Tafeln. 
Paris, Duprat, 1860—63. 

Die heftig angegriffene und lange Zeit hindurch In Zweifel gezogene Glaub- 
vardigkeit Antolne d'Abbadle*s konnte auf keine vollständigere und glänzen- 
dere Weise gerettet werden ala durch das nunmehr vollendete Werk über die 
geodätischen Arbeiten, die er auf seinen Reisen in Abesslnien und den be- 
nachbarten Ländern 1838 bis 1848 ausgeführt hat. Der Astronom Rudolf Radau, 
velcher sich der grossen MQhe der Herausgabe unterzogen hat, legt die sämmt- 
liehen Elemente der Beobachtungen fSr die Breiten-, Längen- und Höhen- 
bestimmungen, die Winkelmeasungen und Itlnerar-Aufnahmen nebst ihrer Be- 
rechnung und Verarbeitung vor, erörtert die Inatrumente, Methoden, den Grad 
der Genauigkeit der Resultate und die Konstruktion der Karten (von denen 
bis jetzt nur die beiden sttdllchsten, Enarea und Kaffa, ausgegeben sind}, so 



dasa ein Jeder volle Einsieht In diese für eines einzelnen Mannea Kraft ausser- 
ordentlichen Arbeiten nehmen kann. Die Zahl der ihrer Lage und Höbe nach 
bestimmten, über einen breiten Streifen von Maasaua bis Kcffa verthellten 
Punkte beträgt 857. Wir haben bereits In den „Geogr. Mltth." (1864, Heft I, 
8. .37) erwähnt, dass wir einen beträchtlichen Thell der Itinerare und Messungen 
selbst zur Konstruktion einer unserer Karten benutzt und auf diese untrüg- 
lichste Welse ihren Werth für die Geographie geprüft haben, eine Arbeit, die 
nach dem Erscheinen der d'Abbadle'kchen Karten kaum von Jemand wiederholt 
werden dürfte. Dadurch ist unser Urtheil ein hinlänglich begi'ündetes und wir 
freuen uns, unsere Ueberzeogung> dahin aussprechen zu können, dass die 
d'Abbadie'schen Reisen nnd Arbeiten zu den ausgezeichnetsten, verdienst- 
vollsten und umfangreichsten zu rechnen sind, die der ganze Kontinent Afrika 
aufzuweisen hat Es Ist uns kein anderer Thell AfHka's bekannt, der von Er- 
forschungs-Reisenden so genau aufgenommen wäre als dieser TheU Abessiniens 
nnd nur da, wo Europäische Generalstäbe und Vermessungs-Offlziere für Euro- 
päische Regierungen tbätig waren, besitzen wir eine ähnliche oder bessere Kunde 
des Landes, und diess ist bekanntermaaaaen nur ^n sehr wenig Stellen dea 
schwarzen Erdtheils, In kleinen Theilen von Algler, Aegypten u. s. w., der Fall. 

Abesslnien, Mittheilungen aus . (Bas Ausland 1863, Nr. 29, 

SS. 684—687.) 

In Bezug'auf die Jetzigen Zustände lehrreich. 

Alg6rie (1*) k Texposition univ. de Londres, 1862. 2* partie. 18^, 
259 pp. Paris, Ghallamel, 1863. 4 tt, 

Algerle, ^tat actuel de r , publik d'apris les doouments officiels 

par ordre de S. £xc. le mar^chal Pelissier, sous la direction de 
M. Mercier Lacombe. 1862. GouTemement |g£n6ral de TAlg^rie. 8^, 
110 pp. Paris, impr. imperiale, 1863. 

Andree, K.: Die Maskarenischen Inseln Mauritius und R^union im 
Indischen Ocean. (Globus, 6. ]^d. 2. Liefer. SS. 33—43, 3. Liefer. 
SS. 65—73.) 

Flelsslge nnd lichtvolle Zusammenstellung aus älteren und neueren Schriften 
mit besonderer Berücksichtigung der volkswirthschaftllchen und socialen Zu- 
stände. 

Aucapitalne, Baron H. : Les Kabyles et la colonisat^on de l'Alg^rie, 
6tudes sur le pass6 et Tayenir des Kabyles. 18^, 182 pp. Alger, 
Bastide (Paris, Ghallamel) 1863. 2^ fr. 

Azan, Capit. H. : La culture du coton au Senegal. (Revue maritime et 
ooloniale, Juli 1863, pp. 445—457.) 

Berichtet, was bis Jetzt zur Hebung der Baumwollenkultur am Senegal ge- 
schehen Ist. 

Barth, H.: Sammlung und Bearbeitung Central- Afrikanischer Vokabu- 
larien. 2. Abth. Einleitung Kap. 7—12. Analyse der Fulfolde-, 
Sonyai-, L6gone-, Windala-, Bigrimma- und Maba - Sprachen. 4®, 
pp. CX— CCCXXXIV. Gotha, Justus Perthes, 1863. 31 Thlr. 

8. „Geogr. Mltth." 1863, 88. 277 und 372—375. 

Barth, Dr. H.: Gapt. Speke's Entdeckung des Abflusses des einen Kil- 
Armes aus dem See Ukerewe, im Zusammenhang mit den ethnogra- 
phischen Verhältnissen jener Gegend. (Zeitschrift für Allgem. Erd- 
kunde, Juni 1863, SS. 430—447.) 

Zunächst bespricht Dr. Barth die nunmehr im Allgemeinen bestätigten An- 
gaben des PtolemaeuB ttber die Quellen des Nil , indem er mit RUcksIcht. auf 
Cooley'a kritlache Einwendungen auafUhrt, welcher Art die von ihm benutzten 
Machrichten waren und wie ea zu erklären ist, dasa seine richtige Ansicht in 
den folgenden Jahrhunderten wieder vergessen nnd verdrängt wurde. Dann 
hebt er auf Grundlage der in Murchlson's Adresse enthaltenen Auszüge ans 
8peke'a Tagebuch die wichtigsten Ergebnisse der 8peke*sehen Expedition hervor. 
Er hält den Zusammenhang dea dem Ukerewe entströmenden ' Flusses mit dem 
Tubiri fttr entschieden, weist, wie auch wir es gethan, den Proteat Miani's als 

% nngegrUndet zurück, stellt es aber als wahrscheinlich hin, dass der Baringe 
und die ihm zufliessenden Bäche, die wenigstens zum Thell vom Schneeberg 
Kenia ihren Ursprung nehmen, den Ukerewe speisen und dass wir diess also 
als die entlegenste Hauptquelle des- Nil zu bezeichnen hätten. Zum Schluas 
giebt er, veranlasst durch die Nachricht Speke's, dasa die drei Königreiche 
Karague, Uganda und Unyoro von Gallas gegründet worden sind, sehr Inter- 
essante Andeutungen über die ursprünglichen Sitze dieses Volkes, fttr welche 
er die Gegenden um den Killmandjaro und Kenia hält, und über die Erobe- 
mngszttge desselben Im 16. Jahrhundert, die vielleicht durch vulkanische Er- 
sdiUtterungen in ihren 8tammlanden hervorgerufen die gewaltigsten Völker- 
wanderungen, Staaten umatUrzungen und NengrOndungen In Central- Afrika znr 
Folge hatten. 

Barth, Dr. H.: Die Bestätigung der Todesnachricht des Herrn Moriti 
y. Beurmann. (Zeitschrift für Allgem. Erdkunde, Dezember 1863, 
SS. 538—543.) 

Ein Bote des Scheichs von Bomu , beauftragt, dem Tttrkischen Sultan einen 
Löwen und einen Panther als Geschenk zu überbringen , bestätigte dem Eng- 
lischen General-Konsul in Tripoli , M. v. Beurmann sei in oder bei Mao auf 
Befehl des daselbst reuldlrenden Provtnz-Gouvernenrs plötzlich Oberfsllen und 
mit Lanzenstichen getödtet worden. Zwei selne> Diener waren Im März 1863 
wieder in Kukaua eingetroffen, der dritte war als Sklave Ins Innere geschleppt 
worden. Das Gepäck des Reisenden wurde geplündert und sehr wahrscheinlich 
sind audi Papiere und Tagebücher verloren. 

Beurmann, H. t. : Briefliche Kittheilungen an Dr. H. Barth und Prof. 
Ehrenberg, aus Kuka 7. Septbr. bis 24. Dezbr. 1862, nebst Nach- 
schrift Ton Dr. Barth und Bericht Über die naturhistorischen Probe- 
sendungen von Prof. Ehrenberg und Dr. G. Schweinfurth. (Zeitschrift 
für Allgemeine Erdkunde, Oktober 1863, SS. 273—301.) 

Es sind diess die letzten Briefe des unglücklichen Reisenden , welche kurz 
Ober seine Reise von Mursnk nach Kuka und von da nach Jakoba, ao wie 
über seine Versuche, nach Wadai vorzudringen, berichten. Dr. Barth bat die 



118 



Literatur. 



aus THpolf ftDgelAiigten Kaehriehten Ober rt Bearraann*s Tod beig«fQfft aod 
daran •chlleatan alch lehrrelohe Bericht« von Prof. Ebrenberg Ober dia Erd» 
und Staubproben and von Dr. Schireinftirth ttber die Pflanzen, welche ▼. Beur- 
mann g^ammelt hat Siehe „Qeogr. Mltth.» 186i, Heft I, S. 2b. 
Brehm, Dr. A. £.: Ergebnisse einer Reise nach Kabesch im Gefolge 
Sr. Hoheit des Herzogs Ton Sachsen- Coburg- Gotha Ernst II. 8°, 
448 SS. Hamburg, Meissner, 1863. 2 Thlr. 

Die Anfrelchnungen Brehm'a waren ursprttnglieh daca bestinimt, einen Anbang 
an dem Reisewerk dea Uerxoga au bilden , und daraus erklärt es sich, daas 
Über den Verlauf der Reise nur eine gans kurae Uebersioht und selbst diese 
mit vorzugawelser BerQcksIobtigung der beobachteten Thiere gegeben wird, 
wogegen den Hauptinhalt des Buches ein aoologfsoher Spezlalberleht ausmacht. 
In awet Abtheil angen werden die Ton der Relaegeaellschaft gesehenen oder 
erlegten Siugethlere und Vögel In as'stematischer Ordnung mit Angabe der 
Sjrnonymen, der einheimischen Namen und Beobachtungstfrter aul^efUhrt und 
diesen Verseichnissen, schllessen steh längere Abschnitte über Lebensweise^ 
Eigenthfimlichkeiten, Vorkommen, Nahrung, Nutzen u. s. w. der beobachteten 
Thiere an. Diese Beiträge zur ,4^ebenskundo" vieler Ost- Afrikanischer Thiere 
sind zum grossen Theil höchst anziehend geschrieben, in ähnlicher Weise, wie 
Brehm's „Thierleben", von dem sie In der lliat als Erweiterungen betrachtet 
werden können, und aaher ist das Buch auch fUr das Laien-Publikum eine an- 
genehme LektUre, während, wie Brehm sagt, den Fachgenossen „hauptsäcltlidi 
die Mathematik und das eingeflickte Latein, die Haasse und die Verzeichnisse 
bestimmt sind, welche die Obrigen Leser grossmUthig Überschlagen woUeo". 
FUr die Geographie sind gerade solche Lebenaschilderungen diarakteristischer 
Thiere von ausserordentlichem M^erth, da sie nicht weniger zur Vervollstän- 
digung des geographischen Bildes eines Landes gehören, als Besehreibungen 
des Vegetatlons- Charakters. Aber der Geographie kommt auch noch ein be- 
sonderer Abschnitt wesentlich zu Gute, eine dem zoologischen Bericht voraus- 
geschickte kurze, aber ganz vortreffliche, sehr anschauliche Schilderung der 
Beobadhtnngs-Geblete, nämlich des Rothen Meeres, wobei namentlich der Untere 
sohled zwischen dem nördlichen und dem sadllchsn, in der Zone der tropischen 
Regen gelegenen Theil hervorgehoben wird, der Samhara oder des Küsten- 
landes bei Massaua, die als ein Mitteldfng zwischen WUste und reicherer Steppe 
erscheint, und des Hochgebirges von Mensa mit den zu ihm emporfUhrenden 
Thalsohluchten , ,Jenen Tliälern, welche alle Schönheiten unserer Alpen-Welt 
mit dem Reichthnm der Tropen vereinen". Brehm's Buch ist ein werthvolles 
Glied In der Reihe von Publikationen, welche in wenigen Jahren so helles 
Licht über die früher ganz unbekannten nördlichen Grenzländer Abesslnlens 
verbreitet haben, trotzdem sein Besuch ein sehr flüchtiger und er ausserdem 
durch das leidige Fieber in seiner Thätigkelt sehr beschränkt war. Erschöpft 
ist das Gebiet freilieh noch lange nicht , denn Brehm sagt selbst: .,In dem 
kleloen Gebiet der Bogos-Länder mttsste eine Gesellschaft von Naturforschern 
Jahre lang unablässig sammeln und arbeiten, wollte sie den Reichthnm sich an 
eigen machen, weichen hier die Pflanzen- nnd Thierwelt offenbaren." 

Blirton, Capt. R. F.: A day amongst the Fans. (The Anthropological 
Renew, Nr. 1, Mai 1863, pp. 43—54.) 

Von seinem Konsnlats-Sitz auf Fernando Po aus besuchte Capt. Burton unter 
Anderem auch den Gabun und verfolgte im April 1862 den Mbokwe oder Bokoe, 
d. 1. den östlichen Quellflnss, bis in die Sierra del Crystal, wo er an einer gut 
bewaldeten Vorkette entspringt Diese Tour gab dem berühmten Reisenden 
Gelegenheit, die Fan kennen an lernen , von denen er hier eine interessante 
Skizze entwirft. Fan mit sehr nasalem n oder Fanwe oder Panwe, Plural Ba- 
Fan, ist der Name, mit dem sie sich selbst bezeichnen, die Mpongwe am Gabun 
geben ihnen den Namen Mpangwe, die Europäer nennen sie Pahnin. Ihre 
Sprache gehört zu dem nördlichen oder äquatorialen Zweig der grossen SUd- 
Afrikanischen Sprachen-Familie. An der Küste sind sie erst seit kurzer Zeit 
bekannt, die jetzige Generation erinnert sich der Zeit, als die Fan die Sierra 
del Crystal von Osten her überschritten und die weniger kriegerischen Bakele 
nnd Mpongwe ans Ihren Wohnsitzen vertrieben. Bin verwandter Stamm, die 
Oscheba, begleitete sie auf der Wanderung nach Westen ; östlich von diesen 
kommt man nach einander zu den Bati, Okana, Jefa und Sensoba. Den Kanni- 
balismus der Fan bestätigt Burton, im Uebrigen aber stellt er sie höher als die 
Stämme der Küste. 

Oolomietl, Commandant Y.: Yoyage dans le Sahara algörien, de G^ry^ 
Tille k Ouargla, 1862. Mit 1 Karte. (Le Tour du Monde, 1863, 
T. Vm, Nr. 193, 194, 195, pp. 161—199.) 

Die militärische Expedition , welche im Februar 1862 unter Colomleu von 
G^ryvllle über Metllll nach Wargla abging, hatte zum Zweck, in dieser letzteren 
Oase die Ruhe wieder herzustellen, nachdem der rebellische Mohammed-ben- 
Abdallah durch Si-Bu-Bekr gefangen genommen worden war. Zwei Berg- 
Ingenieure und ein Maler nahmen Thell, es wurden barometrische Höhen- 
messungen vorgenommen u. s. w., doch sind die wIssenschAftllchen Resultate 
in diesen allgemein schildernden Bericht nicht aufgenommen. Die Karte ist 
unbedeutend. 

Coionies fran^aises, Los . Mayotte et dÄpendances. Le S^n^gal 

et d^pendances. Etablissements de la Cdte d'or et du Gabon. Grand- 
Bassam, Assinie et Dabon. Mit 3 Karten. (Revue maritime et colo- 
niale, Juni 1863, pp. 249 — 288, Juli pp. 459 — 498, August 
pp. 728—752, September pp. 31—65.) 

Diese werthvoUen Arbeiten, die alle Verhältnisse der Französischen Kolonien 
Mayotte, Nossl-B^, Sainte-Marie de Madagascar, Senegal etc. übersichtlich vor- 
führen, wie Geschichte, Topographie, Klima, Bevölkerung, Verwaltung, Kirche 
und Schule, Rechtspflege, Militär , Finanzen , Ackerbau, Industrie, Handel, 
Schifffahrt, Postwesen, und von schönen Karten dieser Kolonien begleitet sind, 
schUessen sich an die früher erwähnte Ueberstcht sämmtlicher Französischer 
Kolonien und den Aufiiatz über R<funion an (s. „Geogr. Mitth." 1863, S. 859, 
1863, S. 200). Auf diese Welse wird man nach und nach eine sehr schätzbare 
Reihe von Monographien über diese Kolonien erhalten. 

Ernst, Herzog yon Sachsen -Coburg -Gotha: Reise nach Ägypten und 

den Ländern der Habab, Mensa und Bogos. qu.-FoI. 78 SS. mit 

20 Chromolith. von Rob. Krctschmer, 4 Fhotogr. und 2 Karten. 

Leipzig, Amoldische Buchhandlung, 1864. 32 Thlr. 

Siehe „Geogr. Mltth." 1864, Heft n, 8. 59. 



Faidherbe, GAn^ral: L'ayenir du Sahara et du Soudan. Mit 1 Karte. 
(ReTue maritime et ooloniale, Juni 1863, pp. 221 — 248.) 

In diesem höehst beaohtenswerthen Aufsats entwickelt der berühmte Gouver- 
neur des Senegal seine Ansichten ttber das seit Jahren beliebte und vielfach 
erörterte Projekt der Herstellung eines lebhaften Handelsverkehrs awlschen 
dem westliehen Sndan und Algerlen. Indem er die Geschichte der Berber in 
der westlichen Sahara und namentlich ihrer Niederlassungen am Saume des 
Sudan so wie der Neger-Länder am mittleren Niger, besonders Timbuktu's, 
rekapitullrt und dabei Interessante Details über die Eroberung Massina's durch 
Bl HadJ Omar giebt, kommt er an dem Sohluss. dass die Sahara und die nörd« 
Uehsten Landstriche des Sudan von Berber- und Araber-Stämmen nur in Folge 
des gewinnreichen Sklavenhandels und polltlaclier Umwälzungen in den Atlas» 
Ländern bevölkert worden sind, dass mit dem allmählichen Erlösehen des Sklaven- 
handels durch die Wüste , mit der Herstellung geordneter Zustände in den 
Atlas-Ländern und der Vervollkommnung der Kommunikationen awlschen den 
Sndan-Lättdern und ihren Küsten die Sahara sieh mehr und mehr entvölkern 
wird und dass an eine Belebung des kostspieligen und schwierigen Handels- 
verkehrs durch dieselbe nicht gedacht werden sollte; als nächstes Ziel der 
Fränaösischen Unternehmungen vom Senegal aus stellt er vielmehr die An- 
knüpfung eines geordneten Verkehrs mit dem oberen Niger hin. Zur Illustration 
seiner Arbelt dient eine von Lieutenant Mage im April 1863 entworfene Skixae 
von Nordwest- Afrika. 

Kereten, Dr.*. Briefliche Mittheilung Über seine Besteigung des Kili- 
mandjaro in der Gesellschaft des Herrn tou der Decken. (Zeitschrift 
fttr Xllgem. Erdkunde, Juli und August 1863, SS. 141—152.) 

Bin ausführlicherer Berioht ttber die am 27. November bis 1. Deaember lä62 
ausgeführte Besteigung des Kilimandjaro , auf der beksnntlich die Höhe von 
13.000 Par. Fuss erreicht wurde. In Bezug auf die Schneedecke heisst es darin : 
„Der Schnee reicht tiefer herab an dem runden Westgipfel, hier auf der Nord- 
westseite Hegt der meiste Schnee, im Schutze vor den warmen Küsten winden; 
der Schnee auf dem Ostgipfel, der in der Frühe oft die ganze Kuppe bedeckt, 
ist stets nach einigen Stunden in der unteren Partie weggeschmolzen, nur oben 
bleibt ein konstanter Rest Die nächtliche Zunahme des Schnee's ist besonders 
auffallend bei Regenwetter im Thale." Die Königreiche de« Djagga-Landes 
liegen ringförmig um den Kilimandjaro herum , sich nach oben verengend, 
nach unten breiter werdend, sie reichen bis etwa 6000 Fuss Höhe, wo Pflan- 
zungen und Besitz nnd somit auch jegliche Herrschaft aufbort; nach unten 
erstrecken sie sich nur bis 3000 oder 4000 Fuss herab, welter unten würde das 
Elgenthum vor den räuberischen Masais nicht sicher sein. Bewundernswerth 
sind die Wasserleitungen Djagga's. Die Region der Bananen reicht bis über 
6000 Fnas hinauf (am Gamerun • Gebirge bis 4000 Fuss, in Karagwe bis an 
6000 Fuss), die Region der Farne bis gegen 9500 Fuss. Bis 8000 Fuss ist die 
Vegetation sehr reich. 

Mac<|ueen, J.: Joumey from Inhambane to Zoutpansberg, bj Joaquim 
de Santa Rita Montanha. Mit l Karte. (Journal of the R. Geogr. 
Soc. of London, 1862, pp. 63 — 68.) 

Anszug ans dem Berioht über eine nicht unwichtige Reise, welche ein katho- 
lischer Geistlicher in Begleitung einiger Arabischer Kauflente, eines Rassen 
und einiger Sklavenhändler im Auftrag des Portugiesischen Gouverneurs von 
Inhambane unternahm. Er ging am 25. Mal 1855 von Inhambane nach Zout- 
paaaberg im nördliehsten Theil der Tranavaal'schen Republik, hielt sieh dort 
längere Zeit auf nnd kehrte am 1. August 1856 zurttok. Maequeen schlieast aus 
den Angaben des Berichtes, dsss der Limpopo, identisch mit dem Bembe nnd 
Oiro oder Ouro, unter letzterem Namen awisohen Inhambane und der Delagoa- 
Bai das Meer erreicht, während der Blephant-Fluss als Manice sieh in die 
Delafoa-Bai ergiesse. Der Bericht int aber weder vollständig übersetzt noch 
ist angegeben, wo er im Original zu finden, daher hat der Aufsatz mit der 
dürftigen Karte eigentlich wenig Werth, wenn wir uns nicht ohne Weiteres 
den Ansichten des Herrn Maoqneen anschllessen wollen. 

Malte-Brun , Y.-A. : Coup d*oeil sur la r6cente exploration des capi- 
taines Speke et Grant. Mit 1 Karte. (Xout. Annales des Voyages, 
November 1863, pp. 129—145.) 

Aus den ersten, von Speke und Grant nach ihrer Rückkehr in London ge- 
haltenen Vorträgen zusammengestellt Die Karte ist in ihrem südlichen Theil 
der vorläufigen, bei Stanford erschienenen Speke'sohen Karte nachgezeichnet 
und nur wenig kleiner (1 : 6.000.000). Malte-Brun erörtert dabei auch die be- 
kannten Miani'schen Behauptungen nnd hat allerhand Bedenklichkeiten gegen 
die Speke*sche Karte, did wir nicht thellen können. 

Mavidal, J.: Le Senegal, son Hat präsent et son avenir. 8®, 212 pp. 
mit 1 Karte. Paris, Duprat, 1863. l| Thlr. 

Das eigentliche Thema dieser kompilatorisehen Arbeit ist die Wichtigkeit 
des Kolonial-Besltzes für Frankreich überhaupt und der Ausbreitung seiner 
Herrschaft am Senegal insbesondere, im Uebrigen is^t sie wi4sen<<chst^lich nicht 
eben von grossem Werth, da wir in den Zusammenstellungen über die Land- 
und Völkerschaften, die neueren politischen und militärischen Ereignisse, die 
religiösen Verhältnisse, die Qoldminen, den Handel und Ackerbau und das 
Klima kaum etwas Neues finden, auch eine durchgreifende gründliche Bearbei- 
tung vermissen. Zu einer fluchtigeren Belehrunt; für das grosse Publikum 
kann das Buch Indessen recht wohl dienen, seinem Charakter nach gleicht es 
gewissermaassen der beigegebenen Kartenskizze von Senegambien, welche eine 
Uebersicht der Landschaften und bedeutenderen Orte gewährt und filr Viele 
genügend sein mag, ohne der Geographie etwas Neues zu bringen. 

Mömoires ou travaux originaui präsentes et lus k l'lnstitut Egyptien. 
T. I. 4<^, 773 pp. mit Karten und Tafeln. Paris, Didot, 1862. 

Die im J. 1859 zu Alexandria gegründete Aegvptlsche Gesellschaft, die unter 
Anderem eine für Nil-Reisende sehr nützliche Bibliothek besitzt und stets zu 
vervollständigen bemüht ist, tritt hier zum ersten Mai mit einer grösseren 
Publikation hervor, nachdem sie bish»»r nur eine Reihe von Sitzungs-B^richten 
hat drucken lassen. Wir finden in dem starken Quartband die Abhandlun.jen 
zusammengestellt, welche in der Gesellschaft vorgetragen worden sind, m?ist 
in Französischer, einzelne In Arabischer, Griechischer und ItaHonischer Sprache, 
nebst einer Elnieitong von dem Sekretär der GesolLschaft und Redacteur der 
M«5moiren Dr. B. Schnepp. Die bohandelten Gegenstände sind sehr mannig- 
faltig. Auf eine Ode an das Institut in Arabischer Sprache folgen ein Bericht 
ttber ein Arabisches Gedicht des Rifaa-Bey von Kabis und eine Einleitung in 



Literatar. 



119 



iu Studium der Koptischen Sprache ▼on demselben; sodann historische B** 
trachtungen fiber das Rothe Meer yon Mouriez ; ein Aufsatz über die bildliche 
Dantellong belebter Wesen bei den Mohammedanern von Montaot ; eine mathe- 
matische Abhandlung über die Rösselsprang • Aufgaben von de Chambure mit 
mehreren Tafeln; des Astronomen Mahmoud-Bey Bericht über seine Beobach- 
tDDg der Sonnenflnsterniss am 18. Jnll lti€0 zu Dongola mit einer Tafel; eine 
..theoretiaehe Uebersicht der geognostlsehen Qeographle Central -AfHka's oder 
induktive Erklärung der Karte von der Region« welche die Becken NigrltlenS| 
Abesainiens und Niibiens bildet/' mit 1 Karle (Phantasien, die Jetzt gar keinen 
Werth mehr haben); femer die in der .Zeitschrift fUr AUgem. Erdkunde" 
(It^, Bd. XIV} reprodudrte Kurven - Tafel Über das Regime des Nil nach den 
genauen Beobachtungen an der Spitze des Delta von 1H46 bis 1861, wonach 
der Fluaa durchschnittlich erst in der ersten Ufilfte des Oktober seinen höchsten 
Stand erreicht, nicht in der zweiten H&lfte des September, wie man bisher 
glaubte. Diese ist in geographischer Beaiehung der wichtigste Nachwels, den 
wir in diesem Bande finden. Später folgen noch Abhandlungen von Professor 
Gastinel Ober die Thermen von Heluan bei Turah und die Salzquellen von 
Ain-Syra bei Kairo ; Analysen des Nll-Wassers von Mustapha Magdaly In Ara- 
bischer Sprache; umfangreiche nnd werthvoile Studien Über das Klima von 
Aegypten von Dr. Scbnepp mit meteorologischen Tabellen nnd Vergleicbungen 
mit den Klimaten anderer Winteraufenthalte für Kranke; ein Aufsatz über den 
Cham»in und seine Wirkungen von Gr^golre; chemische Untersuchungen des 
Aegyptiscben Getreides von Espinassy-Bey und Gastinel; Monographie fiber 
das Opium von Ober-Aegypten von Gastinel ; Abhandlungen von Grdgolre fiber 
den Baumwollenbau und die Seidenzucht in Aegypten ; eine Notiz fiber die 
vorherrschenden Krankheiten in der Griechischen Kolonie zu Alexandrla yon 
Dr. Dikaios in Griechischer Sprache; ein Arabischer Aufsatz fiber die empirische 
Arzneiknnst bei den Arabern in Aegypten von Dr. Chafey-Bey ; Betrachtungen 
aber die Bewegung der Bevölkerung in Aegypten von Dr. Schnepp mit Inter- 
essanten Nachweisen über die dortigen Krankheiten; Notizen über die Cholera 
zn Kairo lti50 und 1855 von Culiiccy-Bey ; eine Italicnische Abhandlung fiber 
eine aossergewöhnliche Krankheit zu Alexandria im J. 1860 von Dr. Pensa; 
eine eben solche über die Aeg>-ptische Augenkrankheit von Dr. Abbye; eine 
plutrmaceutisrhe Notiz von Gastinel; endlich die Erklärung alt-Aegyptischer, 
anf der Glyptothek in MUnchen befindlicher Inschriften von Deveria. 

Peney, Lc Dt. Alfred et «es dernifercs eiploratione dans la r6gion 

du haut Fleave Blanc, 1860 — 1861. Extraits de aes notes et de 
Bon Journal de voyage. Mis en ordre et accompagnes de notes par 
M. V.-A. Malte-Brun. Mit 1 Karte. (BuUetin de la Soc. de g^ogr. 
de Paris, Juli 1863, pp. ö~71.) 

Die hanptsäohlichsten geographischen Resultate der Peney'sehen Reisen von 
Gottdokoro westlich nach Nlambara, sttdllch auf dem Fluss bis Jenselt der KaU- 
rakten von Makedo nnd östlich nach LIria sind aus seinen nnd De Bono's in 
den Pariser Geogr. Zeitschriften publlcirten Briefen bekannt, die Auszfige ans 
seinen Tagebflchem und frfiher nicht publidrten Briefen, die Malte-Brnn hier 
in verdienstlicher Weise zusammengestellt und mit einer Biographie des Rei- 
senden eingeleitet hat, enthalten noch viele speziellere Angaben von Werth, 
ganz besonders Über die verschiedenen Katarakten des Weissen Flusses ober- 
halb Gondokoro, deren Pläne auch der beigegebenen Karte den Hauptwerth 
verielhen, so wie eine Anzahl Kompass-Pellungen in der Umgegend von Gon« 
dokoro, während die Auszfige ans dem meteorologischen Tagebuch sehr Ittcdcen- 
haft sind und neben den Beobaobtnngen der Oesterrelcbischen Missionäre kaum 
in Betracht kommen können. Ueber Peney's Höhenmesaung von Gondokoro 
liehe S. 68. 
Poncet, J. : Notice geographique et ethnographique sur la r^gion du 
FleuTc Blanc et aur sea habitanta. (Nouv. Annalea des Voyages, 
Oktober 1863, pp. ö— 62.) 

Seit seinem 12. Jahre am Weissen NU einheimisch , war Jules Poncet Im 
Stande , tiefer In das Leben der dortigen Bevölkerungen zu blicken als die 
meisten anderen Europäer, seine Mitthellnngen sind daher sehr beaohtenswerth, 
doch hätten wir sie etwas vollständiger und eingehender gewUnscht , besonders 
such die Notizen, die sich auf seine fk'tther pubUcfrte wichtige Karte beziehen. 
Ueber die westlichen Znflttsae des Weissen NU, fiber die so widersprechend« 
Ansichten bestehen, giebt er keine befriedigenden Aufschlfisse; 8. 36 z. B. 
identificirt er auf das Bestimmteste den JeJI mit dem Bahr Rol, der sich direkt 
in den Ko-See ergiessen soll, S. 46 dagegen eben so bestimmt mit dem Bahr 
DjemiL Als Anhang finden wir einen ausführlichen Berieht fiber den Tod 
Alexandre Vaudey's, des ehemaligen Sardinisohen Konsuls au Chartum, der 
lä53 bei Gondokoro von den Eingebornen ermordet wurde. 
Poncet, J. : Excuraions et chasses ä TeUphant au Fleuve Blanc. (Nout. 
Annalea des Voyagea, November 1863, pp. 146—199, Febr. 1864, 
pp. 182—227.) 
Erzählungen seiner Jagd- und Reise- Abenteuer. 
Reade, W. Winwood: Savage Africa, being tbe narrative of a tour in 
Equatorial, South- Western and North-Westem Africa. 8®, 600 pp. mit 
Illustrationen von Wolff und Zwecker und 1 Karte. London, Smith, 
Zlder & Co., 1863. 21 s. 

Wenn ein gebUdeter Junger Mann von 23 Jahren die Afrikanische Westkfiste 
Tom Senegal bis Loanda bereist oder doch in vielen Punkten berührt, hie nnd 
da auch eine Strecke weit in das Land eindringt, die der KUste vorliegenden 
Inseln besucht, unter Kannibalen seine Clgarre raucht und mit den Töchtern 
der Neger-Häuptlinge Liebesverhältnisse anknfipft, so begreift man, daas ihm 
die Eindriicke der fremden Natur, das Leben und Treiben der fremden Menschen- 
velt Stoff genug zu einer langen Erzählung geben , auch wenn die Reise nur 
14 Monate danerie. Reade's Buch Ist denn auch dick genug ausgefallen und 
die Schilderungen bezeugen die Lebhaftigkeit der Eindrücke sowohl wie eine 
nicht geringe Geschicklichkeit, sie wiederzugeben ; auch tragen ein wenig Humor, 
bie nnd da sarkastische, bisweUen freilich auch an den Geist, der stets ver- 
neint, erinnernde Bemerkungen, kleine eingestreute Novellen, Sagen, histori- 
sche Reminiscenzen , oft auch ernste Betrachtungen dazu bei, die Lektttre 
onterhaltend nnd anziehend zu machen. Es sollte uns daher nicht wundem, 
wenn das Buch seinen Platz unter den beliebten, viel gelesenen Reisebeschrei- 
bungen einnähme, wem es aber nur um Vermehrung seiner geographischen 
Kenntnisse zu thnn ist , kann sich die Zeit,' welche das Durchlesen erfordert, 
ersparen. Reade ging nicht auf Entdeckungen aus und hat nirgends neuen 



Boden betreten, denn wenn er der Ernte xn sein glaubt, weleheraufdemComo, 
dem nordöstlichen Arm des Gabun, bis zu den ersten Kaskaden gekommen 
ist, so verglast er die Französischen Aufhahmen nnd die Reise des Amerika- 
nischen Missionärs Bert Er vertritt femer kein spezielles Fach und hielt sich 
an den einzelnen Punkten viel zu kurze Zeit anf, nm etwa tiefere Stadien 
über die Bewohner machen zu können. Allerdings hat er nicht versäumt, be- 
Bondere Kapitel fiber den Kannibalismus, den Gorilla, den Sklavenhandel, das 
Congo-Reich einzuflechten, und am Sclduss findet man fünf Abschnitte mit 
Abbandlungen über das Einhorn und die geschwänzten Menschen, die Boden- 
gesUlt Central- Afrlka's, die Malaria, die Ethnographie AfHka's, über Forschungs- 
reisen, Handel, Missionen und die zukünftige Thellung des ganzen Erdthells 
zwischen Frankreich und England; das Alles ist aber fast durchweg ober- 
flächlich behandelt und unreif. Reade nrtheilt meist nur nach dem , was 
er an der Westküste sah und hörte, ohne sich um das in anderen Theilen 
AfHka's Beobachtete zn kümmern, und wenn er die Literatur, namentlich die 
ältere, beizieht, so rafit er gleichsam nur hie und da einen Brocken auf, ohne 
grfindlich darin zn Hause zn sein. Die Behauptung (p. 491), Sir Roderick 
Murchison habe bei Aufstellung seiner Theorie Über die Bodengestalt Süd- 
Afrika's entweder die Werke Buffon's, LaoSpMe's und Ritter's nicht gekannt 
(sollte Mr. Reade wirklich C. Ritter's Erdkunde studlrt haben ?) oder ein grobes 
Plagiat an denselben begangen , entspringt ans der ungenauen Kenntniss der 
Theorien dieser Männer, Murchison hat ganz entschieden das Verdienst, die 
Mulden-Form Süd-Aftika's nach den geologischen Arbeiten Bain's erkannt zn 
haben. ~ Ueber Du Chaillu's Reisen fanden wir zu unserer Verwunderung so 
gut wie Nichts In dem Buche. Auf S. 557 wird zwar angedeutet, Du Chaillu 
sei nur 4 Tagereisen fiber Ngumhi hinausgekommen, im „Athenaeum" vom 
22. November 1862 hatte Reade jedoch schon zugegeben, dass jener das Gebiet 
der Apingl erreicht habe. Was den Gorilla anbetrifft, so fand Reade „nach 
ffinftnonatlichen sorgfältigen Nachforschungen, dass Du Chaillu viel Wahres 
über den Gorilla geschrieben hat, was aber nicht neu ist, und ein wenig Neues, 
was aber weit entfernt ist wahr zu sein". In einer Anmerkung auf S. 212 
heisst es endlich, Du Chaillu's Buch sei ein Gemisch von Wahrheit nnd Dich- 
tung, von dem er auf Verlangen eine genaue Analyse geben könne. Eine 
solche Analyse wäre sehr erwünscht, nur darf man wohl die Erwartungen nicht 
■u hocli spannen, denn Du ('haillu's Karte zn verbessern ist Reade nicht im 
Stande gewesen, wie denn auch die Karte an seinem eigenen Buche nur eine 
flüchtige Uebersichtsskizze mit Andeutung der Route ist. 

Sanderaon, J. : Notea to accompany sketch-mapa of the Zulu and Ama- 
tonga countries, and of the country bctween Aliwal North and NataL 
Mit 1 Karte. (Journal of the R. Geogr. Soc. of London, 1862, 
pp. 335—339.) 

Auf dieser Karte hat Sanderson verschiedene neuere Reisen Im Snlu- und 
Amatonga • Land nördlich von Natal verarbeitet , nämlich die seines Braders 
Septimus Sanderson, des verstorbenen Henry F. Paxton, eines Schiffskapitäns 
Rider, der sieh 1B5S 5 Monate in der Umgegend der St. Luda-Bal anfhielt, nnd 
eines Herrn Edmondstone. Für die ganze Gegend zwischen der St. Lnda-Bai, 
der Delagoa-Bal und den Drakenbergen lieferten diese Reisen viel Neues, ganz 
besonders auch in Bezug auf einen grossen selchten Süsswsssersee (Lake 
8t Lnda) nördlich von der St Lucia-Bai und seinen Zuflnss Mkuzl, den San- 
derson für identisch mit dem Kosi hält Ausserdem enthält die Karte eine 
Route von Aliwal North, am aUdliehen Ufer des Orange-Flusses ziemlich in 
gleichem Meridian mit Smithfleld (letzteres nach Moffat in SO* 10' S. Br. nnd 
26* 50* Oestl. L.) gelegen , fiber den sfidliclien Theil der Draken berge nach 
dem Kafir-Land und Pieter-Maritzbnrg. Diese von Mr. William Newling 1860 
anfgefnndene nnd bereiste Route passirt die Drakenberge zwischen den Quellen 
des Mazinyo und Enchanecha ungefKhr In SO* 40' 8. Br. und der Uebergang 
iat selbst für Wagen zu benutzen, wie diese später ein Gtolstlicber Namens 
Horatio Pearse bewiesen hat Da man bis Jetzt nur den Beer- und den Bezni- 
denhout-Pass nördlich bei den Quellen der Tngela kannte, so ist die Auffindung 
dieses sfidlioben Passes von grosser Wichtigkeit, denn er macht einen viel 
rascheren Landverkehr zwischen Natal und der Kap-Kolonie möglich. 

Speke , Capt. J. H. -. Journal of the discoTery of the source of the 
Nile. 8^, 690 pp. mit 2 Karten und yielen Illuatrationen. Edinburgh 
& London, Blackwood, 1863. 21 a. 

Selten ist die Kritik so unbarmherzig Über ein Werk hergefallen, wie ttber 
dieses. Zum Theil mögen dabei Persönlichkeiten im Spiel gewesen sein, wahr- 
scheinlich hatte man aber auch die Erwartungen übertrieben hoch geapannt 
Auch uns hat das Buch in gewisiier Beziehung nicht befriedigt, sein Inhalt ist 
im Gafkzen ziemlich mager, wir vermissen ausgedehntere, Vertrsnen erweckend« 
Erkundigungen, grfindliche Studien fiber die, wie es scheint, sehr Interessanten 
ethnographischen Verhältnisse der durchreisten Landscbafien ; wenn wir von 
den Appendices , den täglichen Erlebnissen und den Schilderungen der Elgen- 
thamlichkelten, der Lebennweise u. s. w. der Eingebomen absehen, die fihrigens 
ganz anschaulich nnd belehrend sind, dürfte der wenige Bogen umfassende 
Auszug Im „Ausland" (1864, Nr. 1—4} so ziemlich alles Bemerkenswerthe wieder- 
geben. Hat aber Speke es nicht gleich einem Barth verstanden, die Kenntnisse 
der Eingebornen sich anzueignen, um im Geiste weite Gebiete zu Überschauen, 
konnte er nicht wie jener tief In die historischen und sprachlichen Verhältnisse 
eindringen, so muss man sich erinnern, dass Barth Im Sudan durch einiger- 
maassen gebildete Mohampiedaner wesentlich unterstützt wurde und ganz an- 
dere Vorkenntnisse mitbrachte, dass Reisende wie er stets vereinzelte Phäno- 
mene bleiben werden und dass Speke auf der anderen Seite wieder Ausser- 
ordentliches geleistet hat, denn die Appendices enthalten die astronomisch 
bestimmten Breiten von 104 und die Längen von 20 Punkten nebst einer an- 
aehnlichen Reihe von Höhenmessungen, zu denen noch die wichtigen meteoro- 
logischen Beobachtungen Grant's (Tergl. „Geogr. Mitth." 1863, S. 388) und die 
Liste der von diesem gesammelten Pflanzen kommen. Die Bestimmung der 
Lage von Gondokoro allein war ffir die Geographie der Nil-Länder von grösster 
Bedeutung, und dass Speke auf seinem ganzen Wege eine so vollständige Reihe 
brauchbarer Positlons-Bestlmmungen nnd Höhenmessungen susgefUhrt hat, ge- 
reicht ihm zur grössten Ehre, denn nur wenige andere Afrika-Reisende, wie 
RUppell oder Vogel, können sich hierin mit ihm vergleichen. Er hat ansserdem 
sehr kurze Zeit nach der Rückkehr eine ausführliche und vor Allem den 
Stempel der Wahrheit tragende Beschreibung von dem Verlauf der Expedition 
und von dem, was er gesehen und erlebt, gegeben; mancher Andere hatte 
vielleicht effektvoller geschrieben, ob aber auch immer eben so treu? Wir 
glauben , dass sein Buch allen billigen Ansprüchen vollständig genügt, nnd 
erinnern die strengen Kritiker sn die in der geographischen Literatur fiber 



120 



Literatur. 



Australien Bpoohe maehenden Tagebfleher einet Stoart , die In rohester Form 
nur die ellerdUrftl^te Wegebesohreibung enthalten and allen sonstigen wissen- 
sebaftUehen Inbalts bar sind ; da steht denn doch das Speke'sehe Werk unend- 
lich viel höher und wir hoffen, dass es sich auch In Deatsobland viele Freunde 
erwerben wird, sumAl binnen Kursera eine Deutsche Ausgabe erseheinen solL 
Mehr noeh als die Abfassung des Baches Ist Speke's Karte and die Behaup- 
tung, dass er die Quelle des NU entdeckt habe, angegriffen worden. Wie der 
Mensch hinter Jedem Qehelmnlss etwas ganz Ausserordentliches Termuthet und 
die Enthttllnng fast immer eine Enttfiusehung und Ernüchterung mit sieh bringt, 
•o scheinen Viele sich noch nicht hinein finden zu können , dass das geogra- 
phische RlUhsel , welches vor Jahrtantenden schon die Qelster besehttftigt hat, 
auf eine so einfache und nachterne Welse in der Hauptsache gelöst ist Manche, 
wie MIani und seine Nachbeter, suchen die Identität des aus dem Ukerewe-See 
Ausfliessenden Stromes mit dem FInss von Qondokoro zu bestreiten, ohne In- 
dess gegen gesunde Ueberlegung durchdringen zn können ; Dr. Beke ging so 
weit, den Ursprung des Flusses von GKindokoro In dem Tsmganylka-See statt 
in dem Ukerewe-See au suchen, ohne zu bedenken, dass der Tanganylka nach 
den vorhandenen Messungen tiefer Hegt als Qondokoro und dass mit dieser 
Behauptung sein Anspruch an seine erste „theoretische Entdeckung" von 
dem Znsammenhang des Nil mit dem Ukerewe-See, auf die er so grossen Werth 
legte. In Nichts znsaromenfSllt; Andere halten die ganze Karte für ein miss- 
lungenee Phantaslesttlck , ohne doch etwas Besseres an die Stelle setzen zu 
können; die Meisten endlich meinen, der Nil käme zwar ans dem Ukerewe- 
See, aber dieser könne nicht als die Quelle gelten, so wenig wie der Bodensee 
die Quelle des Rheins sei, der Strom durchfliesse nur den See und sein oberer 
Lauf müsse daher aufgefunden werden. Bei der, wie es scheint, so bedeutenden 
Grösse des Ukerewe-See's Ist es sehr fi-agllch, ob sich ein ähnliches Verhatten 
wie beim Boden- oder Qenfer-See wird nachweisen lassen , man denke nur an 
die grossen Nord -Amerikanischen See'n und den St. Lorenz-Strom, will man 
aber durchaus einen Oberlauf haben , warum setzt man solches Misstrauen In 
die Angabe Speke's, dass der von ihm entdeckte KItangule der bedeutendste 
Zofluss des Ukerewe sei? Speke's Aufgabe war Qberdiess nur die Feststellung 
der von ihm früher vermutheten Thatsache, dass der Weisse Fluss ans dem 
von ihm 1858 entdeckten Ukerewe-See herauskomme, und diess Ist doch In der 
Hauptsache auch das alte Problem, man wollte doch Im Qrunde nichts Anderes 
wissen, als ob Ptolemäns Recht habe oder nicht. Dass Speke's Karte noch die 
gröbsten Unrichtigkeiten enthält, geben wir gern zu : welche erste Karte eines 
neu entdeckten Ländergebiets enthielte solche nicht? Dass es noch grosse An- 
strengungen erfordern wird, um über die Geographie jener Gegenden ganz ins 
Klare zu kommen , haben wir ebenfslls an anderer Stelle schon ausgeführt, 
aber es wäre auch mehr als unbillig, von dem ersten Entdecker eines Landes 
eine vollständige, alle Zweifel beseitigende Erforschung desselben zu verlangen, 
die Geschichte der Geographie lehrt deutlich genug, wie nur wiederholte, oft 
erst eine lange Reibe von Expeditionen über die Beschaffenheit eines neuen 
Landes Licht verbreiteten. Wer aber Insbesondere die Afrikanische Enfe- 
deckungsgeschichte kennt und weiss, wie ausserordentlich selten es den Rei- 
senden gelungen ist, ihren ursprünglichen Plan durchzuführen, ihr von vorn- 
herein gestecktes Ziel zu erreieiien, der sollte mit uns den Mutb, die Geschick- 
lichkeit und die unbeugsame Energie eines Speke bewundern, der trotz unsäg- 
licher Schwierigkelten seine Reise genau in der Welse durchführte, wie er sich 
vorgenommen hatte, und der Jetzt wieder den Wanderstab ergreifen will, um 
selbst die Lücken seiner Karte ausfüllen zu helfen. 

Steudner, Dr. H.: Reise Ton Adoa nach Gondar, 26. Dezbr. 1861 — 
Januar 1862. — Bericht Über seine AbessinUche Boise. (Zeitschrift 
fUr Allgem. Erdkunde, Juli und August 1863, SS. 43—141; Januar 
und Februar 1864, SS. 83—117.) 

Es wsr Dr. Steudner vergönnt, vor seinem Tode den ausführlichen Bericht 
über seine Reise durch Abesslnlen bis in die Galla-Länder , von dort über 
Tsehelga, Galabat. Kedaref nach Ghartum, Über seine Exkursion zum DJebel 
Araschkol und seine Reise £.uf dem Weissen Nil und Bahr el Ghasal vollstän- 
dig abzusohliessen und an Dr. Barth einzuschicken. Dieser veröffentlicht hier 
die ersten Thelle, welche die Reise von Adoa nach Gondar, die Beschreibung 
dieser Stadt und allgemeinere Notizen über Abessinien, sodann die Reise über 
Gaffat nach Tanta enthalten, nebst einem letzten Briefe des Verstorbenen mit 
vorläufigen Nachrichten über den Bahr el GhasaL Der Bericht ist ausser- 
ordentlich reichhalilg, vielseitig und anziehend, ec läset den Verlust des talent- 
vollen Reisenden nur um so schmerzlicher empfinden. 

Stückig, H.: Le commerce de la France ayec le Soudan. 18^, 38 pp. 
Paris, Challamel, 1864. • 1 fr. 

SylvSf da: Obserya^oee Bobre as bocas do Zambeze. (Boletim e annaes 
do conselho ultramarino, Lisboa. Nr. 103, Dezbr. 1862.) 



Tallavignet: Note aur le Rio Nunes, cöte occidentale d'Afriqne. (An« 
nalei hydrogr. 3* trim. 1863, p. 133.) 

Tr^maux, P.*. Yoyage en jithiople, au Soudan oriental et dana la 
Nigritie. T. II. Le Soudan. S^, 460 pp. Paris, Hachette, 1863. 

Trimaux: ädaircissements g4ographiques sur l'Afrique centrale et 
Orientale. (Gomptes rendns hebdom., 31. August 1863, pp. 468 — 472.) 
Erörterung derselben Ansieht von den Qnellflüssen des Blauen Nil (Tabos 
mit Baro und Bago) und der nordsOdllch von Fazogl bis znm Kenia werlau- 
fenden Bergkette (welche den GIbe und Godjab von dem Weissen KU ab- 
sehneidet), die auf seiner neuesten Karte dargelegt Ist. (6. „Geogr. Hltth.** 1868, 
B.818.) 

Vaillant, A.; L'Afrique äquatoriale. (BeTue du monde catholique, 10. 
und 25. September 1863.) 

Vallon, Capit. A.-. La c6te occidentale d'Afrique. Kit 2 Karten. (Bevue 
maritime et coloniale, November 1863, pp. 373 — 394, Dezember 
pp. 689--606.) 

Der Verfasser, dnreh zehnjährige Forsehnngen mit der AfHkanIsohen West- 
küste so vertraut wie wenig Andere, thellt dieselbe zwischen dem Senegal nnd 
Congo in 18 „Zonen** oder Strecken, die auf der zugehörigen Uebersichtskarts 
abgegrenzt sind, nnd glebt eine kurze Charakteristik Jeder Zone besonders ia 
Bezug auf Bevölkerung und Handel. Die IS. Zone, Loango und Congo, schil- 
dert er ausfllhrlicher, wie derselben auch eine zweite speziellere Karte gewidmet 
Ist, und die Einleitung Ist eine treffliche DarateHang des vergeblichen Kampf« 
christlicher Missionen an der Westküste gegen den Oberhand nehmenden 
Islam. Das heutige Loango Ist weit kleiner, als man es noch meist auf Karten 
angegeben sieht, es beschränkt sieh auf den kleinen Kttstenstrlch zwischen den 
Flüssen Kilongo nnd Kaoongo und erstreckt sich nur SO bis 40 Seeraetlea 
landeinwärts. Nördlich stösst die Yumba-KÜste an, ein Land ohne Produktioa 
und ohne Industrie. Den König von Loango besuchte Vallon selbst im J. 18S9. 

Vian, L.: L'Alg^rle contemporaine. 8^ 272 pp. Paris 1863. 1 Thlr. 

Wanderings in Western Airica: from Liyerpool to Fernando Po. By 
a F. R. a. S. 2 Vols. 8®, 606 pp. mit 1 Karte. London, Tinsley, 
1863. 21 s. 

ICartan. 

Bight of Benin. Inland water communication between Lagos, Badag:TT, 

Porto Novo ft Ep6, by Lieut. Glover 1858 — 62. 2 Bl. 1:73.000. 

Lith. London, Hydrogr. Office, 1863. (Nr. 445.) 3 s. 

Nene Aufnahme der Lagune von Lagos und der damit in Verbindang ste> 

henden Binnengewässer in der Nähe der Küste, östlich bis Epe, westlich bis 

Porto NoTo, 
Madagatcar, Garte de , dressöe d'apris les documents les plus 

ricents. Paris, Bobiquet, 1864. 
Mage, £.: Afrique centrale. Croquis des bassins du Niger et du S^ 

nlgal et des routes du Sahara. Paris, impr. A. Bry, 1863. 
Ravenstein, £. G.: Neueste Karte von Afrika in 3 Blittem. Kpfrst 

Hildburghausen, Bibliogr. Institut, 1864. | Thlr. 

River Kwara. Sheet VI, YII, YUI. Lieut. Glover 1857^59. 1 : 73.000. 

London, Hydrogr. Office, 1863. (Nr. 2776', » und V) i 2 s. 

Fortsetzung der grossen Qlover'schen Aufhahme des Niger bis 9* SS' N. Br. 

und 4* 30' Oestl. L. ▼. Gr., einsobllesslieh des Kuduna- oder Lafun-Flusses bis 

In die Nähe von Bida, dss nicht am Kuduna selbst, sondern an einem Neben» 

Aussehen desselben östlich von Ihm unter 9* b' N. Br. und S" 7' Oestl. L. liegt. 

Blehe über die früheren Sektionen „Geogr. Mltth.*' 1861, S. 75, 1863, S. SOO. 
Speice, Capt. J. H. -. Map of route explored by Capt' Speke and Grant, 

from Zanzibar to Egypt, showing the outfall of the Nile from thi 

Victoria Nyanza, and the various Negro territories discorered by them. 

Lith. London, Stanford, 1863. 4 s. 

8. „Geogr. Mitth." 1863, Heft Vn, Tafel 10 nnd 8. 873. 
Vallon: Croquis de I'itat de Tembouchure de la Cazamanze. (Nr. 1990.) 

Paris, B^pdt de la marine, 1863. | fr. 



(Geschlossen am 31. März 1864.) 



FHirmaiin's GeographischpSfitthnlun^ . 



.lalirgaiig IHM TaiM 4 



DER SCHN££BERG KILIMA-JVDJARO IN OST- AFRIKA, 

auPgenomnien von Karl von der Decken, 1861. 
MaasTstab 1:500 000. 



DMUtchx Mfi'Jrn. /JJ^ I'J 







DER ETXA UND SEINE l MfJEBIN«, 

aufgeTiammPTi von W. Sartoriiis von Waltorshausen l8iJ. 

MaANTtitab I: 500 OUO 



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t*« »JUbenir-ht 



Geographisches von Texas. 

Von Dr. Ad. Douai (Hoboken im Staate New Jersey). 



Obgleich Texas in neueren Zeiten von vielen Natur- 
forschern bereist worden ist — wir erwähnen hier bloss 
der Whipple'schen nnd Beale'schen Expeditionen , des 
Herrn Julius Pröbel und des Herzogs Paul von Württem- 
berg — , so sind doch manche wissenswerthe Thatsachen 
Betreffs der Geographie des Landes noch unbekannt in 
wissenschaftlichen Kreisen. Wir entsinnen uns wenigstens 
nicht, die nachfolgend hier mitgetheilten in wissenschaft- 
lichen Quellenschriften erwähnt gefunden zu haben. 

Eine solche Thatsache ist es, dass die Küste von Texas 
sich aus dem Golfe erhebt, und zwar in ziemlich rascher 
Weise. Seitdem die Deutschen Auswanderungs-Schiffe zuerst 
in den Häfen der Matagorda - Bai landeten (1845), sind 
alle diese Häfen stark versandet. Damals konnten noch 
Schiffe von 8 Fuss Tiefgang in den Hafen von Port Lavacca 
(welches die nordlichste Spitze dieser Bai ist) einlaufen, 
jetzt ist kaum Wasser genug für Schiffe von 4 bis 5 Fuss 
Tiefgang. Indianola, 10 Meilen südlicher, hat seinen Hafen, 
in welchem noch 1852 Dampfer von 8 Fuss Tiefgang an- 
legen konnten, seitdem so versanden sehen, dass der grösste 
Theil der Häuser 4 Meilen weiter hinab — nach Powder- 
horn — hat geschafft werden müssen. Und dasselbe gut 
von allen Häfen nicht nur der Matagorda- Bai, sondern der 
ganzen Texanischen Küste mehr oder weniger. Den Haupt- 
antheil der Schuld hieran trägt nun zwar allerdings der 
Wellenschlag des Meeres, welcher auf lange Strecken hin 
an der Küste Dünen von 50 Fuss Höhe angewaschen hat 
(an der Mexikanischen Küste, zwischen Vera -Cruz und 
Tampico, erreichen die Dünen von Flugsand sogar weit 
über 100 Fuss Höhe), denn das Meer vertieft sich nur 
höchst allmählich, bis auf 100 Meilen Entfernung von 
der Küste noch wühlen die hier sehr heftigen Stürme den 
Meeresgrund auf, und da die herrschende Windrichtung in 
330 Tagten unter 365 eine südliche ist, so müssen fort- 
während grosse Massen Sandes an die Küste gespült wer- 
den; allein es wirkt zur Versandung der Küste noch ein 
weiterer Grund mit. 

In derselben Zeit, in welcher die Matagorda-Bai durch- 
schnittlich 3 bis 4 Fuss Tiefe verloren hat, hat das Ufer 
derselben sich um' 1 bis 2 Fuss gehoben. Dieses Ufer 
trägt alle Spuren, dass es vor noch nicht hinger Zeit unter 
Wasser gestanden hat. Es besteht nicht wie die Dünen 

Petermann's Oeogr. MittheiluDgen. 1864, Heft IV. 



der äusseren Küste weit vorwiegend aus losem Flugsand, 
sondern hauptsächlich aus den Gehäusen von Schalthieren, 
wie sie in brackischem Wasser leben, im Seewasser absterben 
und den Meeresgrund der Bai, untermischt mit feinem Sande, 
bedecken. Zu diesem, wie uns dünkt, unumstösslichen Be- 
weise einer ansehnlichen Hebung der Küste in neuerer Zeit 
kommt noch ein weiterer. Reiseberichte aus den dreissiger 
Jahren dieses Jahrhunderts schildern die Küste an mehreren 
Binnen wässern als so flach, dass man aus geringer Entfer- 
nung nicht unterscheiden konnte, wo das grüne Meerwasser 
aufhörte und der Graswuchs der Küsten - Prairie begann. 
Solche Stellen giebt es jetzt unserer Erfahrung nach an 
der ganzen Küste der Binnenwässer nicht mehr, sondern 
überall an den Bai-Ufern hin besteht die Küste aus 6 bis 
10 Fuss hohen Bänken, welche vorwiegend aus Schalthier- 
Überresten neueren Ursprungs sich zusammensetzen. Auch 
die Ufer der wenigen vorhandenen Küstenflüsschen nehmen 
an Höhe zu, seitdem Deutsche Einwohner mit dem Lande 
bekannt geworden sind. 

Da nun, wie neuere Untersuchungen des Naturforschers 
Agassiz beweisen, auch die Küste von Florida sich aus 
dem Meere hebt, so scheint die ganze nordliche Uferstrecke 
des Mexikanischen Meerbusens an derselben Emporbewegung 
Theil zu nehmen, wodurch ^dann die merkwürdige Gestal- 
tung der Mississippi-Mündungen sich um so leichter erklä- 
ren würde, denn der Mississippi ist vielleicht der einzige 
Strom in der Welt, welcher seine Mündung jedes Jahr 
weiter hinaus in das Meer verlegt, indem er sich auf bei- 
den Seiten jedes seiner Arme Dämme aufschüttet. Die 
mitgeTührte Masse seines Schlammes ist gewiss nicht be- 
trächtlich grösser als beim Nil oder Ganges, welche eben- 
falls in Binnenmeere münden wie er, und die Wassermasse 
nicht grösser als beim Maranhon und La Plata -^ Flüssen, 
welche allesammt sich mit Bildung von Deltas begnügen, 
ohne noch nebenbei dem Meere neues Gebiet abspenstig 
zu machen. Nimmt man aber ein Heraussteigen der Küste 
aus dem Meere an den Mississippi -Mündungen an, so er- 
klärt sich diese Dammbildung weit ins eigentliche Meer 
hinaus viel leichter. 

Es ist bekannt, dass Texas ein Stufenland ist, und 
zwar von einer E{)chst regelmässigen Bildung. Ein etwa 
30 bis 40 (Englische) Meilen breiter Streifen Landes an 

16 



122 



Geographisches Yon Texas, 



der ganzen Küste hin, vom Bio Grande bis zum Sabine- 
Flnss, ist eine Tollkommene Ebene, so eben, dass bei star- 
ken Begengüssen das Wasser schwer abläuft und viele 
Tage lang den Boden bedeckt, um so mehr, als dieser 
stark thonhaltig (blauer Thon) und fast undurchlässig ist. 
An diese erste Stufe sohliesst sich eine zweite, durch- 
schnittlich 100 Meilen breite, der Küste gleichlaufende 
Ton wellenförmiger Oberfläche. Innerhalb dieses Oürtels 
erhebt sich der Boden ganz allmählich bis zu 4- oder 
500 Fuss über dem Meere und es steigen die Hügel, welche 
zuerst sehr sanft abgedacht, also sehr ausgedehnt sind, yon 
50 bis zu 150 Fuss Höhe über der Thalsohle. Die beiden 
eben erwähnten Stufen sind weit vorwiegend Prairie-Land, 
nur die Flussthäler sind reich bewaldet, aber da die Flüsse 
(wie alle Steppenflüsse) tief eingeschnitten, die Flussthäler 
(Bottoms genannt) also in der Begel schmal sind, so er- 
giebt sich daraus eine arge Holzarmuth des Landes. Im 
Allgemeinen nimmt der Waldwuchs zu in dem Maasse, wie 
man von Westen nach Osten geht. Die ersten 100 bis 
150 Meilen vom Bio Grande ostwärts sind fast vöUige 
Wüste, Anfaogs Sand-, dann Steinwüste, übergehend in 
steinharten Thonboden, der nach jedem grösseren Begen- 
gusse eine karge, bald wieder vertrocknende Pflanzendecke 
trägt. Sogenannte Ghaparals, Gebüsche von Dorngewächsen, 
welche fast undurchdringlich sind, sind stellenweise insel- 
artig über die unabsehbare Einöde verstreut. Dann folgt 
zwischen den Flüssen Nueces und Brazos ein Streifen 
Frairie-Landes, dessen tiefer gelegene Stellen mit Mesquito- 
Bäumen (eine Mimosen- oder Acacien-Art) und Mesquit- 
Gras, die höher gelegenen mit Lebenseichen oder Posteichen 
licht bewachsen sind, so dasB der Holzwuchs immer insel- 
artig auftritt und die Holzarmuth überall fühlbar bleibt. 
Dann wechseln zwischen dem Brazos und Trinity grössere 
Eichenwälder mit noch umfänglicheren Prairien und zwi- 
schen dem Trinity und Sabine grössere Fichtenwälder mit 
immer beschränkter auftretenden Prairien. 

Die dritte Stufe ist von einem abschüssig aus dem 
Hügelgelände aufsteigenden Felsplateau erfüllt, welches mit 
der Küste fast gleichlaufend und an 200 Meilen breit 
ist. Es besteht aus Süsswasserkalk der Kreide-Formation, 
dessen fast wagrecht liegende Schichten mit Schichten von 
Thon oder Thonschiefer abwechseln. Am Fusse dieser 
schroffen Bergkette, welche fast überall sofort sich um 
weitere 200 Fuss erhebt und allmählich bis zu 1800 Fuss 
Höhe über dem Meeresspiegel ansteigt, entspringt eine 
grosse Zahl wasserreicher Flüsse, von denen viele sofort 
an der Quelle grössere Boote tragen könnten. Hierher 
gehören der San Marcos, der Geronimo, der Gomal, die 
Medina, der Cibolo, der San Antonio, der Hondo, Secco 
und Frio, endlich der Nueces. Einige dieser und mehrere 



kleinere hier nicht genannte Flüsse versinken bald ganz 
oder nur auf beträchtliche Strecken und fliessen unter- 
irdisch weiter. Kein einziger der Texanischen Flüsse aber 
ist zur Schiffahrt brauchbar, den untersten Lauf aus- 
genommen; weiter hinauf verwehren Stromschnellen oder 
Wasserfalle oder, wie im Colorado 50 Meilen oberhalb der 
Mündung, ein „Baft** (eine Anschwemmung von Bäumen 
und Schlamm) die Beschi£Pung. Die kleineren, auf den 
untersten beiden Stufen entspringenden Flüsse vertrocknen 
fiuit alle während der trockenen Jahreszeit und bilden je 
eine trockene Binne, in welcher an quelligen Stellen Wasser- 
tümpfel sich bilden, gefüllt mit einem thonigen trüben 
Wasser, welches oft genug ebenfalls versiegt. Die Wasser- 
armuth geht überall mit dem Holzmangel Hand in Hand. 
Übrigens giebt es auf dem Plateau verhältnissmässig mehr 
Flüsse, welche obenein meist das ganze Jahr hindurch 
fliessen, und mehr Wald wuchs. Die grösseren, weiter von 
iNordwesten herkommenden Flüsse, der Trinity, der Brazos 
und seine Nebenflüsse, der ColoYado in seinen beiden Haupt- 
armen, endlich die Guadalupe, haben dieses Plateau durch- 
brochen und sich tiefe Binnsale hineingewühlt. Die Berg- 
form der Kalkfelsen ist meist eine im Winkel von 45 Grad 
abgedachte, sargähnliche, oben mit schmalen, ebenen baum- 
losen Oberflächen; die Abhänge sind durchaus verwittert, 
mit Felstrümmem bedeckt, häufig mit Cactus und Agaven, 
seltener mit Ceder- oder Posteichengruppen bewachsen und 
mit dürftigem, wenn auch nahrhaftem, noch im trockenen 
Zustande nahrhaftem Grase. Die Quellen treten auf dem 
Plateau häufiger auf als auf den beiden niederen Stufen, 
doch herrscht, da die dürren Berge den grösseren Theil 
der Oberfläche bedecken, noch immer Wassermangel. Das 
Plateau senkt' sich eben so sehr nach Nordosten hin , wo 
es unter dem Namen Gross Timbers sich bis an den Bed 
Biver und jenseit, im Indianer-Territorium, in Kansas xmd 
Missouri, bis an den Iren mountain fortsetzt, als nach Süd- 
osten hin. Durch die sogenannten Guadalupe-Gebirge hängt 
es nach Nordwesten hinauf mit den Ausläufern der Sierra 
Madre zusammen, durch welche der Bio Grande auf 500 Mei- 
len Länge seines mittleren Laufes und sein linker Neben- 
fluss, der Pecos, sich hindurcbgebrochen haben. Zwischen 
diesen Guadalupe - Gebirgen im Westen und den Gross 
Timbers im Osten Hegt eine vierte Stufe, eine Hochebene 
von 1700 Fuss durchschnittlicher Erhebung über der See, 
an 300 Meilen breit und nach Norden zu an 500 Meilen 
lang. Diese Ebene ist Anfangs noch mit Mesquit-Gras 
und Mesquit-Bäumen spärlich bewachsen, wird aber weiter 
nördlich zu einer völligen Sand wüste, der sogenannten 
Llano estacado, welche hin und wieder mit vulkanischen 
Kegeln oder nackten Felszügen, die von den Guadalupe- 
Bergen herablaufen, verziert ist. Bei einem Versuche, hier 



OeographiBches von Texas. 



123 



Artesische Bronnen zu bohren, um das für eine nach dem 
Stillen Ooean hier durohznlegende Eisenbahn nöthige Wasser 
stt beschaffen, kam eine von der ünions - Begierung im 
Jahre 1855 aasgesandte Expedition unter Lieutenant Pope 
bis zu 400, ja an Einer Stelle bis zu 700 Fuss Tiefe, ohne 
einen Strahl Wassers höher als zu zwei Dritteln der Tiefe 
der Bohrlöcher steigen zu sehen. Der Versuch musste 
aufgegeben werden. 

Der Wassermangel in Texas ist kein absoluter, nur ein 
relati7er. Die Regenmenge beträgt in einem zwanzig- 
jährigen Durchschnitte jährlich 10 Zoll am Bio Orande 
and steigt zu 35 Zoll am Sabine, ist aber zu ungleich 
Tertheilt, um dem Lande zu Gute zu kommen. Die Regen- 
zeit ist im Winter, in den Monaten Oktober bis Anfang 
März. Sie kommt mit dem Eintritt der Nordwinde, welche 
alsdann ein oder zwei Mal jeden Monat, in der Regel 
jedes Mal 3 Tage lang, wehen und die Wasserdünste in 
der Luft plötzlich verdichten, so dass ungeheuere Wasser- 
massen auf ein Mal herabstürzen, die Flüsse in wenigen 
Standen bis zu 60 Fuss steigen machen und im porösen 
Kalkgebirge rasch, auf den unteren Stufen des thonigen 
Bodens wegen langsam verdunsten. In den übrigen Monaten 
herrschen die Südwinde, welche auch die Zwischenräume 
zwischen den winterlichen Nordwinden ausfüllen, und so 
lange sie wehen, föllt kein Tropfen Regen — selbst Ge- 
witter und Gewittergüsse sind höchst selten und am ehesten 
noch im Monat Mai zu erwarten. 

Wir haben längst gelernt, im Mangel an Bäumen die 
Ursache des Regenmangels wasserarmer Länder zu erkennen. 
In Texas gewinnt diese Erklärung die vollste Bestätigung, 
indem die Regenmenge von Westen nach Osten mit dem 
Waldwuchs stetig zunimmt und indem die Gewitterregen, 
wenn sie ausnahmsweise auftreten, in der Begel dem Laufe 
der stark bewaldeten Flussthäler folgen und in denselben 
am stärksten auftreffen. Allein der Wassermangel in Texas 
bedarf noch einer besonderen Erklärung. 

Die herrschenden Südsüdostwinde (offenbar ein äquato- 
rialer Passat) kommen nach Texas über das Meer her und 
sind reich mit Feuchtigkeit geschwängert, von welcher ein 
ansehnlicher Theil in Gestalt von Thau niederfällt, der in 
den sechs Sommermonaten sehr reichlich, immer aber ohne 
vorherigen Nebel und erst bei Aufgang der Sonne fällt. 
Dass trotzdem die Luft immer höchst trocken und der 
Himmel fast fortwährend heiter ist, erklärt sich zum Theil 
ans der grossen Feuchtigkeits-Kapacität der Luft in einem 
sabtropischen Klima. Es hindern keine Gebirge das Streichen 
dieser Feuchtigkeit tragenden Winde über das ganze Land 
nnd dennoch giebt es tiefer im Inneren Gebirge genug, an 
welchen ein viel grösserer Theil dieser Feuchtigkeit, als 
wirklich die Oberfläche erreicht, sich niederschlagen müsste. 



wie man zu erwarten berechtigt ist. Hier liegt das Bäthsel- 
hafte. 

Ist vielleicht die Porosität dieser Kalkgebirge, welche 
stark von Höhlen zerklüftet sind, und die Abwechselung 
ihrer durchlässigen Felsensohichten mit undurchlässigen 
Thonschiohten Schuld daran ? Saugt vielleicht die schwamm- 
artige Natur derselben den Haupttheil der Luftfeuchtigkeit 
ein und lässt ihn bis zur nächst tieferen Thonschicht ins 
Innere hinabsinken, und wo diese Thonschichten selber 
durch vulkanische Einwirkung von Bissen durchklüftet 
sind, bis zu einer zweiten und dritten Thonschicht darunter 
und so fort? Fliesst also vielleicht die Hauptmasse der in 
den kühlen Felsklüften verdichteten Luftfeuchtigkeit unter- 
irdisch ab, um an dem nächsten Gebirgsabsatz auf einer 
Thbnschicht zu Tage zu treten oder aber bis unter das 
Meer zu strömen und dort als nutzlose Quellen zu münden ? 

Diese Erklärung entspricht allerdings den Thatsachen. 
Es bleibt dabei nur Eines unaufgehellt, welches hier sofort 
in Betracht zu ziehen ist. Es giebt in Texas mehrjährige 
Perioden übermässiger Trockenheit, abwechselnd mit mehr» 
jährigen Perioden, in welchen die Begenmenge auffällig 
stärker ist Als die Deutsche Einwanderung ins Land kam, 
begann eine zehnjährige Periode grösserer Feuchtigkeit. 
Die Mexikanische Bevölkerung (Hispano - Amerikanischen 
Ursprungs) , welche bis dahin Acker- und Gartenbau 
überall nur mit Hülfe künstlicher Bewässerung, also nur 
auf den sehr wenigen Stellen , wo dieselbe ohne grosse 
Kosten möglich war, betrieben hatte, pflegte damals zu 
sagen, dass die Anglo - Amerikaner und Deutschen diese 
„Verschlechterung des KlimaV mit sich gebracht hätten. 
Sie waren nicht wenig erstaunt, die Ackerbau -lustigen 
Deutschen an das Umbrechen und Bebauen der Prairie 
gehen zu sehen, und weissagten Nichts als Missernten. 
Allein diese traten nur stellenweise und selten ein. Die 
Prairie ergab fast eben so reiche Ernten als das Bottom- 
land oder bewässerbare Gelände. Die Deutschen und Ameri- 
kaner konnten ihrerseits das Mexikanische „Yorurtheil'* 
nicht begreifen, nach welchem das Land nur sehr wenig 
zum Ackerbau, desto mehr aber zur Viehzucht geeignet 
sein sollte. Die Feuchtigkeit nahm sichtlich zu. Es ent- 
standen neue Quellen zu Hunderten, selbst auf der Hoch- 
Prairie, meist aber in den Flussthälern , wenn der Fluss 
sein Bett so weit durch den Kalkfelsen durchgewaschen 
hatte, dass eine neue Thonschicht, auf welcher die Quell- 
wässer zu Tage treten, blossgelegt wurde. Manche vordem 
den grössten Theil des Jahres trockene Rinnsale (trockene 
Creeks genannt) wurden zu ausdauernden Bächen und 
Flüssen und die vermehrte Wassermasse der Flüsse wusch 
den Kalkfelsen des Bodens nun um so rascher aus und deckte 
immer neue Quellen auf, welche den Wasserreichthum 

16» 



124 



Geographisches von Texas. 



ihrerseitB vermehren halfen. Die Mexikaner selbst liessen 
ihre Bewässerungsgraben theilweise verfallen, da sie über- 
flüssig geworden schienen. Die grössere Feuchtigkeit des 
Bodens begünstigte den Wald wuchs, weicher noch weiter 
befördert wurde dadurch, dass die riesigen Prairie-Feuer, 
welche vordem die Indianer Behufs ihrer Jagden, die 
Mexikaner zur Beförderung des jungen Grasnachwuchses 
vor Eintritt der nassen Jahreszeit anzuzünden gewohnt 
gewesen waren, verboten und auf kleinere Maassstäbe be- 
schränkt wurden. Es wuchsen also ganze Wälder an Stellen 
auf, wo sonst Prairie gewesen war, und der Verfasser kennt 
einen derselben von mehr als 1000 Quadrat-Meilen umfang 
an dem Atascasa- Bache, welcher nur zwischen 20 und 
30 Jahre Alter aufwies. 

Allein die Mexikaner behielten mit ihrem „Yorurtheüe'' 
schliesslich Recht, denn mit 1856 begann eine Periode der 
Trockenheit, welche 5 Jahre in grosser Strenge und in 
minderem Maasse bis heute anhielt Es gab ganze grosse 
Bezirke, wo 1856 und 1857 15 Monate lang kein Tropfen 
Regen und so wenig Thau fiel, dass aller Graswuchs er- 
starb und verstäubte, alle Wälder und Bäume ganz oder 
grösstentheils verdorrten und abstarben, alle neuen Quellen 
versiegten und die stark vermehrten Yiehheerden brüllend 
Hunderte von Meilen gebirgswärts zogen, um Wasser und 
Weide zu finden. In vielen Grafschaften gab es 5 Jahre 
lang keine Ernte. Wie sind diese wechselnden Perioden 
der Feuchtigkeit und Trockenheit zu erklären? In den 
letzteren- wehen dieselben Winde wie in den ersteren, 
wirken die Gebirge Feuchtigkeit verdichtend wie in den 
ersteren, blasen die eben so wirkenden Nordwinde wie in 
den ersteren. Woher also der Unterschied? 

Wir wollen eine Erklärung versuchen, welche uns we- 
nigstens einer Prüfung mit Hülfe reichlicherer Quellen, 
als uns zu Gebote stehen, werth erscheint. Wir schicken 
voraus, dass wir die besonders von Maury verfochtene 
Ansicht nicht theilen können, nach welcher die nord- 
polaren Passatwinde an der Linie auf die südliche Erd- 
hälfte und die süd- polaren auf die nördliche übergehen. 
Am Gürtel der Windstillen angelangt steigen die beiden 
polaren LuftströmuDgen allerdings in die Höhe, im Maasse, 
wie sie sich abwärmen; der Gürtel der Windstillen aber 
verdankt sein Dasein nicht bloss dem Umstände, dass an 
seinen beiden Grenzen die Passate die Oberfläche des 
Meeres (und des Landes) verlassen, sondern zugleich der 
Bildung einer „stehenden Luftschicht" zwischen den schräg 
aufsteigenden Luftströmungen. Wir müssen uns diese Luft- 
schicht von 10 bis 15 Geographischen Breitengraden Breite 
dadurch komprimirt denken, dass die beiden polaren Luft- 
strömungen sich an einander aufstauen. Diese Kompression 
der stehenden Luftschicht verursacht in ihrer Rückwirkung 



eine Umstülpung des nördlichen Passats nach Nordwesten, 
des südlichen nach Südwesten, also eine Rückkehr jedes 
Passats nach dem Pole zu, ohne die Linie kreuzen zu 
können. Nun scheint dieser Annahme allerdings der Um- 
stand zu widersprechen, dass der Passatwind zuweilen 
über das Atlantische Meer ganze Wolken von Yerbrennungs- 
Produkten, Prairiestaub und Blüthenstaub von Pflanzen, 
welche in den Pampas und Llanos von Süd-Amerika ihren 
Ursprung finden , mit nach den Atlantischen Küsten von 
Europa bringt. Allein wenn die beiden polaren Passate 
sich regelmässig über der Linie kreuzten, so müssten jene 
Staubwolken, welche der Regen in Europa niederschlägt, 
eben so regelmässig sich niederschlagen, als sie sich in Süd- 
Amerika alle Jahre regelmässig bilden; auch ist nicht 
abzusehen, wie die beiden Passate an einander vorbei- 
kommen wollten. Wir halten also das Herüberwechseln 
eines südlichen Passates auf die nördliche Erdhälfte für 
eine ausnahmsweise Wirkung gestörter Luftströmungen. 
Nachdem wir diess vorausgeschickt haben, gehen wir 
weiter. 

Die Stärke der polaren Luftströmungen wechselt mit 
dem Grade der Spannung zwischen den kalten Luftschichten 
der Polarkreise und den warmen des heissen Erdgürtels. 
In Jahrgängen, wo ein Polarkreis ungewöhnlich stark mit 
Eis heimgesucht ist, reichen die polaren Passate näher 
an den Äquator heran als in anderen, wo diess weniger 
der Fall ist. In dem Maasse, in welchem diess geschieht, 
vergrössert sich die Kurve, in welcher jeder Strahl oder 
Streifen (wir wissen keinen besseren Ausdruck) des Passats 
nach dem Äquator und yon da nach seinem Ausgangs- 
punkte, dem Pole, sioh zurückbegiebt. In dem Maasse 
aber, wie die Kurve sich erweitert, fällt ihr Rückweg in 
eine vom Hinwege weiter westlich liegende Gegend. Texas 
also, welches fast das ganze Jahr vom rückkehrenden (äqua- 
torialen) Passate bestrichen wird, mag in manchen Jahr- 
gängen ausschliesslich solche Streifen oder Strahlen desselben 
erhalten, welche auf ihrem Herwege vom Nordpol über 
lauter Meer gegangen, also stärker mit Feuchtigkeit gesät- 
tigt sind, in anderen Jahrgängen aber wieder solche Strahlen 
des Passatwindes, welche auf ihrem Wege äquatorwärts 
über lauter oder grösstentheils über Land gegangen sind, 
den Grosstheil ihres Feuchtigkeits-Gehaltes an dieses Land 
(die Atlantische Küstenabdachung von Nord - Amerika) ab- 
gegeben haben, hoch über dem Mexikanischen Meerbusen 
umlenken und auf das Flachland von Texas herabsinkend, 
wo keine gegenwirkende kühlere Luftströmung sie hindert, 
dort Trockenheit statt des ersehnten Regens spenden. Und 
da neuere Erfahrungen lehren, dass der nördliche Polarkreis 
in der Regel eine Reihe von sehr kalten Jahren, abwech- 
selnd mit einer Reihe wärmerer Jahre, haben möge, so 



Geographisches von Texas. 



125 



wären damit die veohselnden Perioden der Trockenheit 
and Feuchtigkeit in Texas genügend erklärt. 

Wenn unsere Erklärung richtig ist, so giebt es kein 
künstliches Mittel , um dem Wassermangel von Texas -- 
etwa durch Anpflanzung von Bäumen im Grossen und 
durch tiefe Brainirung und Auflockerung des Ackerbodens, 
welche diesem die Yerdichtung grösserer Mengen yon Luft- 
feuchtigkeit erlauben — abzuhelfen. In den Perioden der 
Trockenheit enthält eben die darüber hinstreichende Luft 
zu wenig Feuchtigkeit überhaupt, wie sich schon daraus 
ergiebt, dass der Thau fast ganz aufhört und die Gebirgs- 
wässer versiegen. Und wenn diess richtig ist, so behalten 
die Mexikaner Recht und ihr angebliches Yorurtheil ist 
erprobte Weisheit, auf 180jährige Erfahrung gestützt. Als- 
dann ist Texas bloss iü nassen Perioden zum Ackerbau 
geeignet, mit anderen Worten: der Ackerbau ist dort zu 
hau^gen Missernten verdammt, weil man weder den Ein- 
tritt noch die Dauer einer nassen Periode yorausbestimmen 
kann. Yiehzacht, besonders Schafzucht in den höher lie- 
genden Gegenden, wäre die einzig berechtigte Erwerbs- 
quelle der Bevölkerung eines Landes von der Grösse Deutsch- 
lands, allein Viehzucht im Grossen ist keine passende 
Grundlage für die höhere Civilisation, für wahrhaft menschen- 
würdige Bildung. Sie erlaubt nicht jene dichte Bevölkerung 
und jenen lebhaften Menschenverkehr, ohne welche Kunst 
und Wissenschaft, Schule und wahrhaftes Familienleben 
undenkbar sind. Sie befördert durch die von ihr gebotenen 
Arten der Beschäftigung nicht wenig die Rohheit und 
Fortschrittsträgheit und erhält die Menschen stabil und halb- 
wild. Sie bat erfahrangsgemäss immer bedingt und scheint 
mit Nothwendigkeit zu bedingen eine aristokratische YerflBis- 
sung der Gesellschaft und Yertheilung des Besitzes, weil 
sie ihren Mann bloss mit Hülfe grösseren Kapitals ernährt. 

Aber ganz al^sehen davon, ob unsere Erklärung der 
Tezanischen Trockenheits - Perioden vor der Wissenschaft 
Stich hält oder nicht, es bleibt die Thatsache, dass die 
Hiepano- Amerikanische Bevölkerung in Jahrhunderte langer 
Erfahrung mit Ackerbau in Texas dahin gekommen ist, 
denselben nirgends zu wagen, wo künstliche Bewässerung 
schwer oder unmöglich ist. Es bleibt die Thatsache der 
vielfachen Missernten, welche das Deutsche Experiment in 
Texas erzielt hat; es bleiben zahlreiche untrügliche Zeichen, 
welche auf den Charakter vorwiegender Trockenheit des 
Landes deuten. Und alle diese Zeichen und Thatsachen 
warnen vor Deutschen Ackerbau - Kolonien in Texas, so 
einladend auch sonst das herrliche Klima, so lachend der 
fast stets heitere Himmel, so reich an Humus der Boden 
und so günstig für grossartige Deutsche Kolonisation die 
geographische und die voraussichtliche politische Lage des 
Landes sein mögen. 



Und was von Texas gilt, das gilt von allen ausgedehnten 
Plrairie-Landschaften der Welt, es gilt ganz besonders von 
den La Plata - Staaten , welche man neuerdings Behufs 
Deutscher Ansiedelung im Grossen empfohlen hat. Es wird 
eben eine grosse Prairie-Landschaft überall nur unter den- 
selben Bedingungen wie in Texas entstehen. Sie wird nur 
in bedeutender Entfernung von Eruptiv-Gebirgen , also da 
entstehen, wo die ursprüngliche horizontale Lagerung der 
Sedimentschichten nur unbedeutend durch Hebung von 
innen oder Senkung nach innen verändert worden ist. 
Ihre felsige Unterlage werden also durchlässige Kalk- oder 
Sandsteinschichten, mehr oder weniger wechselnd mit 
undurchlässigen Schichten, bilden. Über sie hin werden 
auf Hunderte von Meilen Entfernung landeinwärts lediglich 
Passat -Winde in immer sich gleich bleibender Richtung 
wehen, welche an sich vorwiegend trocken sind und viel- 
jährige Trockenheits-Perioden mit sich bringen. Auf ihren 
unteren Stufen werden äusserst wenige Quellen sich bilden, 
an den wenigsten Stellen Brunnen genügende Wasser- 
vorräthe liefern. Die Flüsse, welche nicht in der trockenen 
Jahreszeit versiegen sollen, müssen also weit her von den 
höheren Gebirgen kommen und die letzten Zuflüsse, welche 
sie aufnehmen, stammen vom Fusse der Gebirgsstufe ab. 
Solche durch einen tiefen Alluvial- und Diluvial -Boden 
strömende Flüsse, welche ihren Wasserreichthum während 
ihres mittleren . und unteren Laufes durch Verdunstung 
grossentheils verlieren, müssen sehr tief eingewühlte Strom- 
betten haben und der Unterschied zwischen ihrem höchsten 
Wasserstande in der Eegenzeit und ihrem tiefsten kurz 
vor derselben muss überall höchst bedeutend sein. Damit 
ist gesagt, dass sie keinen bedeutenden Werth für die regel- 
mässige Schiffahrt haben. Damit ist weiter gesagt, dass 
sie das Land entwässern, anstatt es zu bewässern, denn 
während der langen trockenen Jahreszeit drainiren sie es 
förmlich, oft bis zur Tiefe von 60 oder 80 Fuss. Daraus 
folgt, dass sie auch der künstlichen Bewässerung bedeu- 
tende Hindemisse entgegenstellen und dass Brunnen nur 
bei einer Tiefe von 60 bis 80 Fuss ausreichend und aus- 
haltend Wasser liefern. Daraus folgt die Untauglichkeit 
aller Prairie- und Steppen - Landschaften zum Ackerbau im 
Grossen, ihre Benutzbarkeit bloss zur Viehzucht im Gros- 
sen, also ihre Ungeeignetheit zu Deutschen Kolonien, zu 
hoch civilisirten Staaten, zu demokratischen Gemeinwesen. 
Von den La Plata-Staaten gilt das eben Gesagte ganz be- 
sonders. Auch dort wohnt eine Hispano - Amerikanische 
eingebome Bevölkerung, welche das Land bloss da anbaut, 
wo es ausnahmsweise künstlich unter Wasser gesetzt wer- 
den kann, welche unter den Cerealien höchstens Mais und 
daneben Spanischen Pfeffer baut. Pflanzen, denen lange 
Trockenheit weniger schadet. Auch dort finden sich jene 



126 



Geographisches von Texas. 



riesigen periodischen Heusohreckensohwärme , welche die 
Landplage der Deutschen Landbauer in Süd- Russland und 
West-Texas sind, ein bedenkliches Zeichen, weil sie lange 
Trockenheits-Perioden anzeigen. Auch dort verschwindet — 
wie uns Humboldt anschaulich schildert — unter der lange 
andauernden Trockenheit all^r Pflanzen wuchs und die Winde 
wirbeln schwarze Staubwolken in die Höhe wie in Süd- 
Russland und West -Texas. Auch dort giebt es wenig 
Küstenflüsse und Baumwuchs,. sogar noch weniger als in 
den beiden genannten Ländern. Auch dort arten fast alle 
dahin verpflanzten yeredelten Kulturpflanzen und Haus- 
thiere, so weit sie überhaupt noch gedeihen wollen, aus, 
wodurch ein rationeller Ackerbau unmöglich wird. 

Und doch ist Texas noch mehr von der Natur begünstigt 
als Süd-Russland und die La Plata-Staaten. Seine Prairien 
sind weniger ausgedehnt. Es kann sich wenigstens noch 
der schon erwähnten Feuchtigkeits - Perioden rühmen und 
es ist möglich, in allen seinen einigermaassen bewässerten 
Gebirgslandschaften ganz herrliche Weizenernten zu er- 
zielen, wenn man im Dezember säet, wenn keine Spät- 
fröste eintreten und der Frühjahrsregen vor und nicht 
während der Blüthezeit fällt. Es kann jeden beliebigen 
Bedarf an Nutzholz billig von Florida und Ost-Texas be- 
ziehen. Es wird endlich für mehrere zukünftige Welt- 
handelsstrassen der nothwendige Durchgangsbezirk werden 
und bleiben. Von New Orleans, Memphis und St. Louis 
nach dem Meerbusen von Kalifornien werden in nicht 
langer Zeit wichtige Eisenbahnen führen, welche durch 
Texas gehen werden. Von Gkdveston nach dem oberen 
Red River, von der Matagorda-Bai nach Neu-Mexiko, von 
der Rio Grande - Mündung nach El Paso einerseits, nach 
den Mexikanischen Staaten Sonera, Sinaloa und Durango 
andererseits werden belebte Eisenbahnstrassen entstehen. 
Der Rio Grande dürfte dereinst kanalisirt werden und 
zwar durch die Wüste liindurch, welche Bolsom de Maximi 
heisst,' und dieser Kanal wird nicht nur den oberen 
und unteren Lauf des Stromes in eine ununterbrochene 
Schiflfahrt vereinigen (dieselbe ist jetzt durch einen 500 Mei- 
len langen mittleren Lauf zwischen unzugänglichen Felsen- 
gebirgen und viele Stromschnellen unterbrochen), sondern 
auch ein jetzt wüstes Landgebiet von der Grösse Bayerns 
reich zu bewässern erlauben. Von dieser Veränderung 
muss auch Texas grossen NutzQii ziehen. 

Es steht heut zu Tage fest, dass die Landschaften, 
welche der Rio Grande drainirt, zu den reichsten an edlen 
und anderßu Erzen gehören, welche es giebt. Sonera und 
Sinaloa enthalten die reichsten Silbererze der Welt, welche 
dicht an der Wasserscheide des Rio Grande liegen. Ari- 



zona . und Neu-Mexiko sind mit Goldquarz und Goldsand 
reich bedacht. Ghihuahua und die Guadalupe-Gebirge von ! 
Texas sind ungemein silberreich. Das beste magnetische 
Eisenerz ist in Nuevo Leon und Goahuila fast mühelos zu 
gewinnen. Die Sierra Madre hat unerschöpfliche Wälder 
bis dicht an den 32. Ghrad nordwärts; Texas wird grosse 
Steinkohlenschätze liefern. Diese Überfülle von Natur- 
schätzen wird durch Eisenbahnen und Kanäle für den 
Welthandel erschliessbar werden und neben einer un- 
geheueren Ausfuhr von Rohprodukten die Möglichkeit von 
industrieller Verarbeitung eines Theiles derselben gewähren. 
Die zahlreichen Wasserkräfte auf den Gebirgsabhängen des 
nördlichen Mexiko und nordwestlichen Texas werden zur 
Anlegung von Schmelzwerken, Marmorschleifereien, Baum- 
wollspinnereien einladen und diess wird weitere Industrien 
im Gefolge haben. Kurz, das ganze Flussgebiet des Rio 
Grande wird dereinst eine sehr dichte Bevölkerung und 
somit einen hohen Eulturgrad erlangen. 

Der Rio Grande ist der Amerikanische Nil. Wie dieser 
fliesst er überall durch eine Wüste, welche allein durch 
ihn anbaufähig und bewohnbar wird , und ei^esst sich in 
den hintersten Winkel eines für den Welthandel wichtigen 
Binnenmeeres. Wie dieser hat er Hindernisse für die 
Schifffahrt gerade auf seinem mittleren Laufe, seine un- 
bekannten Regionen und periodische Überschwemmungen. 
Wie dieser nimmt er wenig Nebenflüsse und dabei keinen 
einzigen schiffbaren auf und verliert durc^i Verdunstung 
je länger je mehr von seiner Wassermasse. Wie dieser 
vermag er durch menschliche Industrie zur befruchtenden 
Ader für weite Landstrecken umgeschaffen und der Hebel 
höchster Geistesbildung zu werden. Endlich, münden beide 
unter fetst derselben geographischen Breite. Aber die Unter- 
schiede sind alle zu Gunsten des Rio Grande. Er fliesst 
von Norden nach Süden, hat also einen längeren Hoch- 
wasserstand — vom Spätherbst bis fast in den Hoch- 
sommer. Er ist in nicht sehr grosser Entfernung von 
anbauwürdigen, ja reichen Landschaften eingeschlossen, 
nach welchen von ihm aus Eisenbahnen über ein sanft 
ansteigendes Terrain höchst billig gebaut werden können, 
und die Erzreichthümer dieser noch jungfräulichen Länder 
können und müssen die unerschöpflichen Mittel zur Her- 
stellung dieser und anderer Verkehrsstrassen auf beiden 
Ufern gewähren, so wie zur Verbindung jeder Art Industrie 
mit Ackerbau und Viehzucht, also aller nöthigen Grund- 
lagen höchster Geistesentwickelung für eine sehr ansehn- 
liche Bevölkerung. Er fliesst endlich durch Amerika, jener 
durch Afrika — ein Unterschied, dessen weit reichende Be- 
deutung nicht weiter auseinandergesetzt zu werden braucht 



127 



Die Schwedische Expedition nach Spitzbergen, 1861. 

VI. Geographische Beschreibung der nordöstlichen Theile von Spitzbergen und der Hinlopen- Strasse. 

Von A. E. Nordenskjöld >). 



(Mit Karte, •. Tafel 6.) 



Es lag mit in dem ursprünglichen Platie der Schwedi- 
schen wissenschaftlichen Expedition nach Spitzbergen im 
Jahre 1861, dass. einige der Theilnehmer während des 
Sommers anf dem Folareise so weit wie möglich gegen 
Korden vorzudringen sucheli sollten. Bald musste gleich- 
wohl dieser Plan wegfallen, weil das Ton uns benutzte 
Fahrzeug, der Scbooner Äolus, schon im Anfange unseres 
Aufenthaltes an der nördlichen Küste Spitzbergens von 
hohem, undurchdringlichen Treibeise eingeschlossen wurde. 
Dadurch wurden alle längeren Ausflüge von dem Fahrzeuge 
ganz unmöglich gemacht, und als endlich nach dem Yer- 
laof mehrerer Wochen das Eis sich vertheilte, war schon 
ein 80 grosser Theil des in diesen hohen Breiten so kurzen 
Sommers verflossen, dass ein eigensinniges Festhalten an 
der zuvor beabsichtigten Eisfahrt ganz zwecklos gewesen 
Bein würde. Daher widmeten denn während des noch 
übrigen Theiles des Sommers die für die Eisreise bestimmten 
Mitglieder der Expedition ihre Kräfte geographischen und 
geognostischen Untersuchungen des Nordostlandes und der 
Hinlopen - Strasse. Die Resultate dieser Untersuchungen, 
Bo weit dieselben auf mir beruhen, werden hier in der Form 
einer geographischen und geologischen, von einer Karte 
begleiteten Beschreibung über die von uns besuchten Ge- 
genden mitgetheilt. 

Diese Karte gründet sich theils auf Parr/s bekannte 
Karte, theils auf Mittheilungen der übrigen Theilnehmer 
an der Expedition, besonders von Carl Chydenius, vor- 
nehmlich aber auf Beobachtungen, welche 0. Toreil und 
ich auf den Bootfahrten gemacht haben, die wir in der 
Gesellschaft des berühmten arktischen Beisenden, des Dänen 
Petersen, und von vier Bootsleuten begleitet längs den auf 
der Karte gezeichneten Küsten unternommen haben. 

Auf diesen Fahrten so wie überhaupt auf der ganzen 
Spitzbergen'schen £«ise benutzte ich jede Gelegenheit, die 
sich mir darbot, jeden heiteren Tag, jede wolkenfreie Nacht 
zur Anstellung geographischer Ortsbestimmungen. Auf dem 
Theile von Spitzbergen, welchen die beigefügte Karte um- 
fasst, sind also 28 Punkte hinsichtlich ihrer Lage astrono- 
misch bestimmt und diese Ortsbestimmungen bilden die 
eigentliche Basis der Karte. Von diesen astronomisch be- 

*) Ans dem Schwedischen der Kongl. Svenska Vetenskaps-Akade- 
miezw HandÜDgar, Bd. 4, Nr. 7, tthorsetit Ton G. F. Friach. 



stimmten Orten sind zwischen den umliegenden Spitzen 
und Inseln, Bei^höhen im Inneren der Fjorde u. s. w. 
Winkel gemessen* und daher auch diese mit ziemlicher 
Genauigkeit in die Karte eingetragen worden. Die dazwi- 
schen liegenden Küstenstrecken sind später nach dem Augen- 
maasse gezeichnet. Die Ortsbestimmungen sind berechnet 
von D. G. Lindhagen und in einer in die Verhandlungen 
der Akademie aufgenommenen besonderen Abhandlung be- 
kannt gemacht worden ')• 

Folgende Berghöhen sind entweder durch Barometer- 
Observationen oder durch Winkelmessungen direkt gemessen^ 
worden. 



Schwedische PAiiier 
FuBs. Fnit. 



Kap Fanshaw, naeh Winkelmesenngen 

Daa dem Meere snnachst gelegene Platean Tom 

Loyeu Berg, nach Winkelmessungen 
Daa dem Meere lan&chet gelegene Plateau des 

Kap Seiander, nach Winkelmeasungen ' 
Daa schroff in die Bird-Bay hinabstürzende 

Plateau des SnStoppen (Schneekuppe), nach 

Barometer-Beobachtungen .... 
Die höchste Spitze des Snötoppen, nach Baro- 
meter-Beobachtungen 

Castr^n Inseln, nach Winkelmassungen . 
Extreme Hook, nach Winkelmessungen . 
Kap Lindhagen (die Berge zunächst am Meere), 

naeh Winkelmeasungen .... 
Der Grytberg (Qrapenberg) .... 
Die Kleine Tafel -Insel (Lilla Taffei -ö), nach 

Winkelmeasungen 

Die Tafel-Insel (Taffel-Ö), nach Winkelmeasungen 
Der höchste Gipfel auf Parry Insel, nach 

Winkelmeasungen 

Der höchste Gipfel auf Märten Insel, nach 

Winkelmessungen 

Die nördliche Spitze Ton Phipps Insel, nach 

Winkelmessungen 

Die sttdöstliche Spitze yon Martens Insel, nach 

Winkelmeasungen 



1800 



1720 
j 880 

! 

I 1800 

1900 

I 800 
I 1200 
I 

820 
1700 

770 
880 

I 1860 

I 1440 

1880 

I 940 



1190 
1670 



800 



1190 

1740 

730 

1100 

750 
1550 

700 
800 

1700 

1820 

1720 

860 



Die Karte umfasst, wie ein Blick auf dieselbe lehrt, 
vornehmlich die Küstenstrecken des nördlichen und nord- 
westlichen Theiles des Nordostlandes und den grössten Theil 
der Hinlopen-Strasse. 

Die Hinlopen-Strasse bildet eine von HW. nach SO. 
jswischen dem eigentlichen Lande Spitzbergen und dem 
Kordostlande sich erstreckende ziemlich breite Meerenge, 
welche die Meere an den nördlichen und östlichen Küsten 
Spitzbergens mit einander verbindet. Heftige Ströme und 



1) Siehe „Qeogr. Mittheil." 1864, Heft I, 8. 15. 



128 



Die Schwedische Expedition nach Spitzbergen^ 1861. 



Stürme, welche auf der Eigenschaft der Meerenge als 
eines Verbindungskanales zwischen dem östlichen und 
westlichen Eismeere beruhen , herrschen dort fast immer 
und machen die Schifffahrt in der Strasse gefährlicher als 
in irgend einem anderen Theile des Spitzbergen'schen 
Meeres. Daher wird dieselbe auch selten von den Nor- 
wegischen Walross-Jägem besucht und selten oder niemals 
ist sie so eisfrei, dass man ungehindert hindurchsegeln 
kann. Wenigstens ist ein solches Unternehmen noch keinem 
einzigen Norwegischen Walross- Jäger gelungen, welches ein 
bisher unerreichtes Ziel ihres Ehrgeizes zu sein scheint. 
Mancher von ihnen rühmt sich zwar, dass er rund um 
Spitzbergen gesegelt ist; bei näherer Nachfrage aber findet 
man bald, dass sie darunter nichts anderes verstehen, als 
dass sie zu verschiedenen Zeiten bis an dieselbe Stelle in 
der Strasse vorgedrungen sind, das eine Mal von Norden 
her, das zweite Mal von Süden. Im Jahre 1861 war der 
südliche Theil der Strasse, etwa bis an die Süd-Waygats- 
Inseln, noch am 14. Juli mit festem Eise bedeckt, und als 
dieses Eis später im Sommer durch Sturm und Strömung 
zerstreut wurde, nahm Treibeis, welches östliche Winde 
in dem südlichen Theile der Strasse angehäuft hatten, die 
Stelle desselben ein. Vergeblich versuchte daher einer der 
kühnsten Spitzbergen-Fahrer, ein alter Schiffer aus Hammer- 
fest, in den ersten Tagen des September 1861, da man an 
der nördlichen Küste nicht einmal gegen Norden Eis sehen 
konnte, durch diese gefährliche und launenhafte Meerenge 
zu segeln. In dem südlichen Theile derselben stiess er 
auf undurchdringliches Treibeis und war genöthigt umzu- 
kehren. 

Die arktische Natur tritt an den von uns besuchten 
Gegenden Spitzbergens nirgends so prachtvoll und gross- 
artig auf als in dem südlich von der Wahlenberg Bucht und 
der Lomme-Bai belegenen Theile der Hinlopen- Strasse. Die 
Meerenge, die hier ziemlich breit ist, wird zu beiden Seiten 
von hohen, bis an das Meeresgestade herabreichenden Fjellen 
umgeben, welche entweder aus Hyperit bestehen und dann 
Si£t senkrecht ins Meer hinabstürzen oder aus horizontalen, 
ebenfalls am Meere plötzlich abgeschnittenen Kalklagem, 
oben bedeckt mit einer mächtigen schwarzen Hyperit- Schicht. 
Dieses bis an das Meeresufer herabgehende, unten grau- 
weisse, oben schwarze Fjell-Band wird nur von grossen, in 
die Thäler und Bergklüfte eindringenden Jökeln unter- 
brochen, von deren senkrecht gegen das Meer abfallendem 
Bande stets ungeheuere Eisstücke mit starkem Geräusch 
und Getöse herunterstürzen. Einige dieser Berge dürften 
eine besondere Erwähnung verdienen. 

Wenn man in die südliche Hälfte der Strasse einsegelt, 
so ziehen gleich zwei Berge die Aufmerksamkeit des Rei- 
senden auf sich, nämlich Lov^n Berg an dem westlichen 



und Angelin Berg gegenüber am östlichen Gestade. Jeder 
dieser Berge ist bemerkenswerth wegen seines Keichthums 
an Versteinerungen und besteht, gleich einer Menge anderer 
Berge an der Strasse, unter anderen auch der ganzen 
Eüstenstrecke zwischen dem Angelin Berge und der 
Wahlenberg Bucht, aus grauen, oft stark kieselhaltigen 
Kalk- und Sandsteinlagern, welche oben mit einer hohen, 
schwarzen, ebenfalls horizontalen Schicht bedeckt sind, auf 
welcher man hie und da wiederum denselben grauen Kalk 
wie am Fusse des Berges antrifft. Das dem Meere zunächst ! 
gelegene Plateau des Lov^n Berges liegt zwischen 1700 
und 1800 Fuss über dem Meere, der höchste Gipfel des- I 
selben aber ist bedeutend höher und zwar 2500 Fuss nach ! 
Abschätzung von Ghydenius, der diesen Berg bestiegen hat 
Angelin Berg ist bei weitem niedriger, sein dem Meeres- 
ufer zunächst gelegenes Plateau vielleicht nur 900 bis 
1000 Fuss. Im Norden vom Lov^n Berg, beginnt die 
Hyperitmasse sich immer mehr und mehr zu senken, bis 
sie endlich etwas südlich von Duym-Point die Meeresfläche 
erreicht. Ein mächtiges Fjell an dieser Spitze besteht 
ausschliesslich aus Hyperit und nördlicher, zwischen Duym- 
Point und Kap Fanshaw, bildet diese Steinart einen etwa 
1000 Fuss hohen, gegen das Meer ganz senkrecht herab- 
stürzenden, in unzählige Klüfte und kolossale frei stehende 
Säulen zersplitterten Berg, bewohnt von einer unglaub- 
lichen Menge Alken und Fischmeven, welche hier zahl- 
reicher vorkommen als an irgend einer anderen Stelle auf 
Spitzbergen. Im Norden dieses Alken-Fjelles erhebt sich 
die schwarze Hyperitmasse von Neuem, so dass der Fuss 
der hohen Berge, welche das Kap Fanshaw bilden, aus 
anderen Bergarten, wie Kalk- und Sandstein lagern, besteht 
Die Hyperitberge sind entweder abgerundet oder stürzen, 
wie das oben beschriebene Alken-Fjell, ganz schroff gegen 
das Meer ab, die Seiten der Kalkberge dagegen bilden 
einen einzigen grossen Trümmerhaufen von herabgestürzten 
Steinen, an welchem man nur mit Schwierigkeit hinauf- 
klettern kann, nicht ohne Gefahr vor den stets von der 
Bergspitze herabrollenden Steinen und Felsstücken. An 
der Grenze zwischen dem Jökel und dem Fjell, zwischen 
dem Eis- und Steinberge, findet man doch beinahe immer 
einen Weg, der leichter zu betreten und auch weniger 
gefährlich ist, um auf den Gipfel des Berges zu gelangen 
oder richtiger auf das zusammenhängende, nur in der Nähe 
des Meeres von Jökeln zerschnittene Berg- oder Eis- 
plateau, aus welchem das Innere des Landes besteht. Auf 
einer Höhe von 500 bis 1000 Fuss trifft man noch keinen 
sogenannten ewigen Schnee, sondern während des letzteren 
Theiles des Sommers schneefreie Ebenen an, auf denen hie 
und da verkrüppelte Exemplare der in der hoch-arktischen 
Zone vorkommenden Pflanzen stehen. Erst in einer Höhe von 



Die Schwedische Expedition nach Spitzbergen, 1861. 



129 



1500 bis 2000 Fass scheint eine beständige Schneeregion 
2a beginnen. Chydenias, der eine FusswanderuDg in das 
Innere des Landes von den Bergen im Süden des Lov^n- 
Berges an die südliche Bncht der Lomme-Bai gemacht hat, 
beschreibt die von ihm besachte Gegend als ein zusammen* 
hängendes, mit losem Schnee bedecktes Eisplateau, ans 
welchem sich keine Berggipfel erheben , wohl aber einige 
100 bis ISOFoss hohe, von Nord nach Süd sich erstreckende 
Eiswälle. Diese von keinen tieferen Thälem unterbrochene 
Eisebene bildet deutlich den eigentlichen Firn und die Quelle 
der zahlreichen in das Meer mündenden Jökel. 

Im Norden der Lomme-Bai und der Wahlenberg-Bucht 
sind die Ufer zu beiden Seiten der in diesen Gegenden 
sehr schmalen Strasse ganz niedrig. Das westliche Ufer 
besteht aus einem ungeheueren, vom Eiskap bis an den 
Hecla-Hook sich erstreckenden Jökel, der nur in der Mitte 
Ton einigen wenig bedeutenden schwarzen Bergmassen 
unterbrochen ist. Das östliche Ufer wird gebildet Ton einer 
niedrigen, kahlen und öden Ealkrehde, welche an Vege- 
tation ärmer und dürftiger ist als selbst die nördlichen 
Granitfelsen der Sieben Inseln. Ältere Holländische Karten 
haben hier eine lange, durch einen schmalen Sund von dem 
eigentlichen Nordost - Lande getrennte Insel, die Nordost- 
Insel genannt Von dem Sunde, welcher diese Nordost- 
Insel von dem Nordost-Lande trennen sollte, ist wenigstens 
jetzt keine Spur mehr yorhanden , wohl aber konnte Ghj- 
deniuB, der während seiner Rekognoscirung für die Grad- 
messung auch in diesen Gegenden etwas tiefer in das Land 
eindrang, bemerken, wie die Ealkberge, welche die alte 
Nordost-Insel bilden, sich erst langsam zu einem 1000 bis 
1500 Fuss hohen Bergkamm erheben und sich darauf von 
Neuem zu einem nur ein Paar hundert Fuss über das Meer 
sich hebenden, fast Ton der Lady Franklin -Bucht bis an 
die Wahlenberg -Bucht sich erstreckenden, mit Eis be- 
deckten Thale senken. Dieses Thal, welches leider Nie- 
mand von uns Gelegenheit hatte Tollständig zu unter- 
suchen, ist nicht sehr breit und seine nordöstliche Seite 
wird nach Chjdenius begrenzt von einer senkrechten, 1500 
bis 2000 Fuss hohen Eiswand oder mit Eis bekleideten 
Bergwand, welche die Grenze des hohen Eisplateau's zu 
sein scheint, welches das ganze Innere des Nordost-Landes 
bildet. 

Drei Fjorde dringen aus dem von uns besuchten Theile 
der Strasse tief hinein in Neu-Friesland und in das Nord- 
ost-Land. 

Der nördlichste derselben, Murchison- Bucht, ist an 
der Ostseite der Strasse zwischen der sogenannten Nordost- 
Insel und der Grossen Stein -Insel (Stora Sten-ö). Durch 
einen niedrigen Isthmus wird dieser Fjord von Lady Frank- 
lin-Fjord getrennt und die Grosse Stein -Insel ist also 

Petarmaim's Geogr. Mittbeünngen. 1864, Heft lY. 



kbine Insel, wie ältere Karten angeben, sondern nur eine 
Halbinsel. Das nördliche, in drei Spitzen auslaufende Ufer 
des Fjordes besteht aus ziemlich hohen und steilen Bergen, 
nach Malmgren's Beobachtungen merkwürdig als die ein- 
zigen mit Gewissheit bekannten Brutstellen der schönen 
schneeweissen Meven-Art Spitzbergens, Larus eburneus, oder 
der Elfenbein- oder Eismeve. Auch der östliche Strand des 
Fjordes besteht aus hohen Bergen, der südliche Strand da- 
gegen und die vielen kleinen Inseln in der Bucht bestehen 
aus niedrigen, ganz zertrümmerten Ealkfelsen von gleicher 
Formation und gleichem traurigen Aussehen wie die Felsen 
an der Nordost-Insel. Auf einem zwischen der Walfisch- 
Insel (Hval-ö) und der D^pot- Insel belegenen Holme in 
dieser Bucht ist eine alte Kussenhütte, auf einem zweiten 
ein schön verziertes Russenkreuz, auf einem dritten Über- 
reste eines Walfisch - Skelettes und endlich auf der Insel, 
bei welcher während unserer Anwesenheit der Sohooner vor 
Anker lag (D^pot-Insel), ein von uns aus Steinen errichtetes 
kleines Denkmal. Noch in der Mitte des Juli lag von der 
Walfisch -Insel bis in das Innere der Bucht festes Eis, 
nach einigen Tagen wurde jedoch dieses Eis so schwach 
und löcherig, dass man nicht ohne Gefahr hinübergehen 
konnte, und als etwas später im Sommer der Schooner die 
Bucht von Neuem besuchte, war diese völlig eisfrei. 

Südlicher, ungeföhr in der Mitte der Strasse, dringt 
die Wahlenberg -Bucht tief in das Nordost -Land ein. 
Diese Bucht wird an der Südseite begrenzt von recht hohen, 
gegen das Meer schroff abfallenden Bergen von gleicher 
Formation und gleichem Aussehen wie Lov^n- und Ange- 
lin-Berge, der nördliche Strand dagegen ist bedeckt von 
ungeheueren, nicht wie gewöhnlich am Meere scharf ab- 
geschnittenen , sondern in konische Spitzen oder Zacken 
zersplitterten Jökeln. In dem nordwestlichen Winkel der 
Bucht liegt eine ziemlich grosse Insel, die Hyperit-Insel, 
und eine andere Insel von ungefähr gleicher Grösse be- 
findet sich in der Mitte der Mündung der Bucht. Die 
erstgenannte dieser Inseln, die Hyperit-Insel, besteht, 
wie schon ihr Name andeutet, ganz und gar aus Hyperit- 
Felsen, welche am westlichen Ufer der Insel senkrecht ins 
Meer stürzen und die ganz verschiedenartigen Ealkbildungen 
am nörd^chen und südlichen Ufer def Bucht trennen. Die 
letzterwähnte Insel ist niedrig und unansehnlich, vielleicht 
auch auf der Karte unrichtig gezeichnet, da ich keine 
Gelegenheit hatte, durch ganz zuverlässige Winkelmessungen 
ihre Lage zu bestimmen. Die ganze Bucht war noch am 
12. Juli mit festem Eise bedeckt, aber eisfrei, als der 
Schooner dieselbe etwas später im Sommer besuchte. 

Gegenüber, an der anderen Seite der Strasse, drängt 
sich die Lomme-Bai tief in den unter dem Namen Neu 
Friesland bekannten Theil von Spitzbergen hinein. Yiel- 

17 



180 



Die Schwedische Expedition nach Spitzbergen, 18tih 



Iddht der stattlichste Jökel des Landes, „der Veteran^, 
wnrde von Chydenias im Hintergründe der langen schmalen 
Bneht, die im Süden den eigentlichen Fjord fortsetzt, an- 
getroffen. An dem nordwestlichen Strande trifft man eben- 
Iblls einen stattlichen, weit an der anderen Seite des Eiskaps 
fortgesetzten Jökel, am südlichen Strande dagegen ein weites, 
mit Jökel-Flüssen und Laganen erfülltes Tiefland. Übrigens 
ist dieser schöne Fjord begrenzt von hoheil Fjellen, welche 
sich am östlichen Ufer in terrassenförmigen Absätzen an 
das Meer hinabsenken, am westlichen dagegen ganz schroff 
herabstürzen. Eine einzige niedrige Insel, an deren süd- 
lichem Ufer nach Chydenius ein kolossaler Riesentopf Ton 
dem Wasser oder Eise in den Felsen gedrechselt ist, liegt 
in der Mitte des Fjordes. Farry hat dieselbe Foot- Insel 
benannt. Das ganze Innere des Fjordes bis zu dieser Insel 
war bei TorelFs und meinem ersten Besuche hierselbst am 
20. Juli mit festem Eise bedeckt ; als wir dagegen zu 
Ende des August den Ort von Neuem besuchten, war im 
Wasser kein anderes Eis zu sehen als hie und da ein 
Yon einem Jökel herabgestürzter Eisherg. 

Im Süden dieses Fjordes müsste die Meerenge münden, 
die im Jahre 1860 von Norwegischen Spitzbergen-Fahrern 
entdeckt worden ist und welche im Norden des Walter- 
Tjrmens- Fjordes den Stör -Fjord mit der Hinlopen- Strasse 
yerbinden soll. Wir suchten gleichwohl diese Meerenge 
yergeblich, wahrscheinlich konnten wir wegen des Eises 
nicht so weit gegen Süden yordringen, dass wir ihre 
Mündung erreichten. 

Gleich im Westen der Hinlopen - Strasse liegt endlich 
der Fjord y in welchem unser Fahrzeug so lange yon Eis 
eingeschlossen lag, nämlich Sorge -Bai oder, wie er auf 
Holländischen Karten genannt wird, Treurenberg-Bai. Die 
Sorge -Bai ist eine 1 (Schwedische) Meile tiefe, sich yon 
Nord nach Süd erstreckende Meeresbucht, die im Osten 
begrenzt wird yom Hecla-Hook, im Süden yon einem 
nunmehr zurückgehenden Jökel, welcher grosse Schlamm- 
Moränen yor sich her geschoben hat und weiter im Inneren 
des Landes yon hohen Berggipfeln begrenzt wird. Der 
ganze westliche Strand bildet zunächst am Meere ein weites, 
zu Ende des Juni noch mit Eis bedecktes, yor der Mitte 
des Juli aber fast ganz schneefreies Tiefland, welches im 
Norden mit der nördlichsten Spitze des eigentlichen Spitz- 
bergen, Verlegen-Hook, endigt und im Westen yon einem 
ungefähr V« bis Va Meile yom Strande hinstreichenden, 
steilen, ans Glimmerschiefer bestehenden Bergkamm be- 
grenzt wird. Die Mitte der Bucht ist gleichsam zugeschnürt 
▼on zwei Spitzen, welche beide, jede auf ihre Art, merk- 
würdig sind. An der ösÜichen derselben erwartete die Hecla, 
das Fahrzeug Parr/s, die Rückkehr der bekannten, auf das 
Folareis ausgesendeten Expedition. Die meisten magneti- 



schen Beobachtungen auf dieser berühmten Beise sind dort 
angestellt und Überreste der yon Parry auf Point Crozier 
errichteten Flaggenstange sind noch jetzt yorhanden, am 
westlichen Strande dagegen erinnert eine Menge Hollän- 
discher Gräber an den Anlass zu dem unheimlichen Namen 
dieser Bucht Unser Fahrzeug warf am 6. Juni am Strande 
dieser Grabspitze Anker und wurde gleich darauf dort 
ganz plötzlich yon Treibeis vollkommen eingeschlossen, und 
dieses nicht zum ersten Mal. Dasselbe Fahrzeug hatte 
nämlich in den beiden yorhergehenden Sommern ungefiihr 
um dieselbe Zeit des Jahres diesen Hafen besucht und 
war beide Male mehrere Wochen lang in demselben von 
Treibeis eingesperrt worden. Diese anmerkungswerthen 
Thatsachen haben die Besatzungen der Fahrzeuge in einem 
grossen, auf dem Gipfel des Hügels errichteten, mit passenden 
Inschriften yersehenen hölzernen Kreuze zu yerewigen 
gesucht Der Ort wurde daher yon uns oft Äoli Kors 
(Kreuz) genannt 

Sowohl bei Äoli Kreuz oder dem Grabhügel als auch 
in der kleinen, Hecla-Coye benannten Bucht im Süden des 
Point Crozier giebt es gute Ankerplätze selbst für ziem- 
lich grosse Fahrzeuge , dennoch aber würde der yon einem 
der Mitglieder der Expedition für diesen Fjord yorgeschla- 
gene Name „Mäusefalle" sehr angemessen und passend sein. 
Auch wenn ein yoUständiger östiicher oder südlicher Sturm 
in der Strasse tobt, herrscht schon in der Mitte der Bucht 
eine yollkommene Stille und kaum scheinen rein nördliche 
Winde im Stande zu sein, ihre Luftpartikeln in eine 
stärkere Bewegung zu yersetzen. Yor dem Winde ist hier 
also keine Ge&hr, desto mehr aber yor dem Eise. Der 
Fjord kann in der einen Stunde ganz eisfrei und in der 
anderen dermaassen angefüllt sein tou Treibeis, welches 
Strom und Sturm aus dem nördlichen Eismeere dorthin 
getrieben haben, dass nicht einmal ein Boot sich hindurch- 
zwängen kann. Wenn der Fjord eisfrei ist, so sammelt 
sich das Eis gern bei dem äusserst treffend benannten 
Yerlegen-Hook und hindert also die Fahrzeuge, gegen 
Westen zu segeln; nach Osten hin aber ist der Hückweg 
stets gesperrt, denn die Strasse ist in ihrer ganzen 
Länge niemals offen, d. h. frei yon Eis oder Treibeis, 
und gewöhnlich weht dort ein so starker, mit dichtem 
Nebel yerbundener südöstlicher Sturm, dass es schon mit 
sehr grosser Gefahr yerbun^en ist, wenn ein Fahrzeug nur 
quer hinüber segeln will. Man kann mehrere Wochen 
lang bei Äoli Kreuz klares und schönes Sonnenschein- 
Wetter haben, während Va Meile nördlicher in der Mündung 
der Strasse &st ohne Unterbrechung Nebel und Sturm 
herrschen; daher ist auch der Horizont in dieser Richtang, 
während der Himmel übrigens ganz klar und wolkenfrei ist, 
fast immer begrenzt yon dicken dunklen Wolkenmassen, 



Die Schwedische Expedition nach SpitzbergeUi 1861. 



131 



die von dem sädostliohen Stnnne mit der gröuten Schnel- 
ligkeit über die Meeres^iohe getrieben werden. Während 
des grossten Theiles der Zeit, da wir bei Äoli EreoB lagen, 
war die ganae Bucht im Süden des Kreuzes mit festem 
Eise belegt, um die Johanniszeit aber war dieses Eis schon 
BO Bohwaeh und zerfressen, dass man nicht ohne Ge&hr 
über dasselbe gehen konnte, und schon zu Anfang des Juli 
schien der g^ste Theil des festen Eises sich gelöst zu haben 
nnd gleichzeitig mit dem draussen vorliegenden Treibeise 
Tom Strome und Winde hinweggeführt worden zu sein. 

Die Landspitze zwischen der Sorge-Bai und der Strasse 
ist bedeckt von einer sehr bedeutenden Fjellmasse, Heda- 
Hook, die sich gleichwohl im Norden nicht ganz bis an 
das Meeresufer hinab erstreckt, sondern yon demselben 
getrennt wird durch einen ziemlich breiten, niedrigen und 
sumpfigen Küstenstrich, bauptsächlioh gebildet von zer- 
trümmerten Quarzit- und Schieferblättern und in Folge 
dessen sehr arm und dürftig an Vegetation. Dieser Berg, 
welcher nach Farry 2000 Fuss hoch, nach Dun^r's Mes- 
sungen aber etwas niedriger ist, ist längs einiger Schluchten 
an der Nordseite sehr leicht zu besteigen, stürzt aber an 
der Westseite ganz steil herab nach der Sorge-BaL Als 
Fingerzeig für Beisende , welche wie Farry und wir 
Tielleicht in der Zukunft freiwillig oder gezwungen diese 
Bucht zu ihrer Hauptstation wählen, mag zuletzt noch er- 
wähnt werden, dass sowohl an der östlichen als an der west- 
lichen Seite der Sorge- Bai grosse Massen einer stark magne- 
tischen Bergart zu Tage treten; der Ort dürfte daher zu 
magnetischen Beobachtungen nicht besonders passend sein. 

In dem südlichen Theile der Strasse begegnet uns eine 
Techt bedeutende Inselgruppe, welche seit den Zeiten, da 
die Holländer Spitzbergen besuchten, den Namen der Süd- 
Waygats- Inseln geführt hat. Einige dieser Inseln sind 
ganz niedrig, andere bilden gerade abgestumpfte Hyperit- 
Cylinder, d. h. 100 bis 200 Fuss hohe gleichförmige Ebe- 
nen, welche so schroff gegen das Meer abfallen, dass man 
Qnr mit Schwierigkeit eine Stelle finden kann, wo es 
möglich ist, von dem schmalen Uferstreifen auf das eigent- 
liche Plateau der Insel emporzuklimmen. Nur auf der 
grösBten dieser Inseln erhebt sich aus dieser Ebene noch 
ein einige hundert Fuss hoher kegelförmiger Berggipfel, 
welcher, gleich den Bergen der Insel im Allgemeinen, 
aus Hyperit besteht. Die grösstentheils senkrechten Hyperit- 
Felsen an den Ufern dieser recht grossen Insel werden 
▼on zahlreichen Alken - Kolonien bewohnt und oberhalb 
derselben an dem äussersten Bande der Ebene haben sich 
viele Spitzbergen'sohe Blaufüchse niedergelassen und ihre 
Wohnungen angelegt in dem durch die Verwitterung des 
Hyperits entstandenen, an höher belegenen Theüen yon 
Vtzbergen sehr seltenen Sandgrus. 



Ungefihr in der Mitte der Strasse erstreckt sich eine 
andere Inselgruppe quer über dieselbe. Auch diese Inseln, 
welche yon Farry die Fester -Inseln benannt worden sind, 
bestehen aus Hyperit. Sie sind bei weitem kleiner als 
die Süd - Waygats - Inseln , höher und abgerundeter, und 
scheinen in den Jahren, da das Eis bei Zeiten yon ihren 
Ufern gewichen ist und sie dem gefährlichsten Yogelfeinde 
in Spitzbeigen, dem Fuchse, unzugänglich gemacht hat, 
die beliebtesten Brutplätze der Eidergänse zu bilden. Als 
wir die Fester -Inseln besuchten, war das Eis, wenn wir 
urtheilen durften nach den bedeutenden umhertreibenden 
und zerfressenen Eisfeldern, welche diesen Theil der Strasse 
erfüllten, doch erst ganz neulich zwischen denselben und 
dem Nordost - Lande aufgebrochen und eine Menge alter, 
aber sehr wenige auch in diesem Jahre bewohnte Eider- 
nester wurden darum auf diesen Inseln angetroffen, wogegen 
eine zahllose Menge yon Eidergänsen sich auf der wahr- 
scheinlich früher eisfreien Insel am Duym Foint nieder- 
gelassen hatte. 

In dem schmalen nördlichen Theile der Strasse giebt 
es keine eigentlichen Inseln, sondern nur einige kleine 
Kalkriffe oder Ealkholme, welche in einer Entfernung 
yon ein Fear tausend Ellen die Küste der auf älteren 
Karten gezeichneten Nordost-Insel begleiten. 

Qanz im Nordosten wird die Mündung der Strasse yon 
einer Halbinsel begrenzt, welche auf älteren Karten als 
eine yollkommene Insel angegeben und Stora Sten-ön (die 
Grosse Stein-Insel) benannt wird. Der südliche Theil dieser 
Halbinsel ist erfüllt yon einem ziemlich hohen, gegen das 
nördliche Ufer der Murohison - Bucht steil abfallenden 
Berge, der übrige Theü derselben aber bildet ein ziemlich 
ausgedehntes Tiefland, aus welchem nur hie und da einige 
kleine Kalkfelsen an den Tag treten. Dieses Tiefland ist 
angefüllt mit seichten Süss- oder Salzwasser-Lagunen und 
besteht grösstentheils aus demselben unfruchtbaren Kalk- 
grus wie die Inseln in der Murchison - Bucht. An den 
Ufern liegen ungeheuere Massen yon Treibholz yerbreitet, 
so wie eine Menge anderer yon dem Golfstrome hierher 
geführter Dinge, als Bimsstein, Kork, Rindenstücke, Über- 
reste yon Schiffstrümmern, Flossen yon Fischgeräthschaften 
u. a. m., und hier traf auch Toreil unter diesen unyer- 
werflichen Zeugnissen yon der Erstreckung des. Golfstromes 
die Bohne eines West-Indischen Balgengewächses, Entada 
gigalobium. 

Im Norden dieser Halbinsel erstreckt sich eine ziemlich 
bedeutende Bucht, yon uns Lady Franklin - Bucht benannt, 
tief in das Land hinein. Diese Bucht wird im Süden be- 
grenzt yon dem öden und langweiligen Tiefland der Grossen 
Stein-Insel, im Westen yon einem in den innersten Theil 
der Bucht mündenden Jökel, im Norden yon der zwischen 

17« 



132 



Die Schwedische Expedition nach Spitzbergeni 1861. 



dieser und der Branntweins-Bai liegenden Halbinseli deren 
äosserste Spitze auf der Karte Kap Hansteen benannt ist. 
Nur einige kleine Holme und Klippen liegen in diesem 
wenigstens an der Mündung äusserst Beichten I^orde» dessen 
innere Hälfte noch am 17. August mit einer festen und 
gldohmässigen Eisdecke belegt war. 

Durch eine hohe Halbinsel ist Lady Franklin - Bucht 
geschieden von dem grössten und wichtigsten unter den in 
die Westküste (des Nordost-Landes einschneidenden Fjorden, 
der Branntweins -Bai der alten Holländer. DicBC Bucht 
bildet einen breiten und tiefen I^ord, der nur durch einen 
schmalen Isthmus von dem im Norden des Nordost-Landes 
befindlichen Theile des Eismeeres getrennt wird. Ältere 
Karten, auf denen gleichwohl der Name Branntweins-Bai 
derjenigen Bucht, welche Parry Bird-Baj nennt, ertheilt zu 
werden scheint, lassen dort, wo dieser niedrige Isthmus 
belegen ist, einen schmalen 8und hindurchgehen und be- 
trachten also die grosse hohe Halbinsel, welche die Brannt- 
weins-Bai im Norden begrenzt, als eine vom Nordost- Lande 
völlig getrennte Insel. Eine lange und schmale Insel wird 
auch im innersten Theile des Fjordes auf diesen Karten 
angegeben. Diese Insel ist entweder gar nicht Torhanden 
gewesen oder, was wahrscheinlicher ist, man hat bei einer 
flüchtigen Untersuchung die schmale, durch ein niedriges 
Thal Ton dem Landeise des Nordost-Landes getrennte Berg- 
strecke, welche das östliche Oestade des Ijordes einnimmt, 
für eine eigene, durch einen mit Eis. bedeckten Sund Ton 
dem Nordost-Lande abgesonderte Insel gehalten. Ein klei- 
nerer Jökel, der yermuthlich mit dem in die Lady Franklin- 
Bucht mündenden Jökel in Verbindung steht, mündet in 
die südöstliche Ecke der Bucht. Ausserdem trifft man 
eigenthümliche Eisbildungen an den Seiten der hohen Berge, 
welche das Kap Hansteen bilden, nämlich recht grosse, halb- 
linsenförmige Eismassen, die ohne irgend einen Zusammen- 
hang mit einem eigentlichen Firn Ton den jähen Seiten 
des Berges herabhangen. Der mittlere Theil der zwischen 
Lady Franklin - Bucht und der Branntweins -Bai liegenden 
Halbinsel ist niedrig, der äussere Theil dagegen ist an- 
gefüllt von gewaltigen Bergmassen, die an dem nördlichen 
und nordwestlichen Ufer ganz steil ins Meer hinunter- 
stürzen und einen Aufenthaltsort sehr bedeutender Yogel- 
Kolonien bilden, unter deren Bewohnern der in diesen 
Meeren sehr allgemeine, aber nur an sehr wenigen Orten 
Spitzbergens brütende Sturmvogel erwähnt werden mag. 
Zu Ende des Juli war der gai^ze Ijord noch mit festem 
Eise erfüllt und vor seiner Mündung hatten solche Massen 
von Treibeis sich angehäuft, dass man nur mit Schwierig- 
keit in den Zeiten, da der Strom gegen Westen ging und 
das lose Eis mit sich hinwegführte und eben dadurch 
eine schmale, mehr oder weniger eisfreie Kinne zwischen 



dem festen Eise und dem Treibeisfelde eröffiiete, mit einem 
Boote von dem südlichen Strande nach dem nördlichen 
rudern konnte. Als wir bei der Eückkehr von der zweiten 
Bootreise diese Bucht am 18, August wiederum besuchten, 
war dieselbe völlig eisfrei. 

YoF dem Kap Hansteen liegt eine bedeutende Insel, 
welche, mit Ausnahme einiger kleiner Hügel, sich nur 
wenige Fuss über das Meer erhebt und deshalb den ganz 
passenden Namen Läg-ön (die Niedrige Insel) erhalten 
hat. Diese Insel hat in mancher Hinsicht Ähnlichkeit mit 
dem westlichen TheUe der Grossen Stein-Insel. Die Gestade 
bestehen entweder aus niedrigen Felsplatten oder aus vom 
Meere aufgeworfenen Sandwällen, in welchen Treibholz- 
stämme, Stücke von Walfisch -Skeletten, Schifftrünunem 
u. dgl. eingebettet liegen. Das Innere der Insel bildet 
ein ebenÜBdls mit Lagunen erfülltes Tiefland, aus welchem 
sich nur an einer einzigen Stelle ein kleinerer Quarzbeig 
erhebt. Der Boden ist hier theils gebildet von ganz ebenen 
Bergplatten, unter denen die in sechsseitige Figuren zer- 
sprungenen Hyperit-Platten, aus denen die nördliche Hälfte 
der Insel grossentheils besteht, eine besondere Erwäh- 
nung verdienen, theils aus Quarzit und Schieferfliesen. An 
feuchteren Stellen, längs den Ufern der Lagunen oder längs 
den Rinnsein, durch welche das Lagunen - Wasser in das 
Meer hinab sinkert, sind diese steinernen Platten mit einer 
sparsamen Moos-y^;etation bedeckt, aus welcher hie und 
da eine einzelne Phanerogame emporspriesst. Schon bei 
unserem eVsten Besuche am 21. Juli, während festes Eis 
die L8g-ö noch mit dem Festlande verband, war diese 
grosse Insel fast ganz schneefrei. Einige Holme, kleinere 
Klippen und Scheeren, unter denen zwei Gruppen von 
Holmen zwischen Läg-ö und Kap Hansteen besonders 
erwähnt werden mögen, und eine nicht ganz unbedeutende 
Insel, die vor der Mündung der Lady FrankUn- Bucht 
liegt, umgeben die Küsten der Läg-ö. 

Durch den oben beschriebenen niedrigen, zwischen der 
Branntweins-Bai und der Nördlichen Eissee (Norra Issj-ö) 
liegenden Isthmus wird das eigentlicbe Nordost-Land ge- 
trennt von einer von diesem Lande sich gegen Nordwesten 
erstreckenden grossen Halbinsel, für deren nördlichste 
Spitze wir den auf einigen älteren Karten angewendeten 
Namen Nordkap beibehalten haben. Fast die ganze Halb- 
insel ist erfüllt von einer gewaltigen, etwa 1000 Fuss 
hohen Gneismasse, die nur an einigen wenigen Stellen von 
Gebirgsflüssen in isolirte oder nur an der einen Seite mit 
der Hauptmasse zusammenhängende Berggipfel zerschnitten 
ist. Von diesem schon bei unserem ersten Besuche ganz 
schneefreien Bergplateau erhebt sich im Süden der Bird>Bay 
ein mit Schnee bedeckter Gipfel, Snötoppen (der Schnee- 
gipfel), zu einer Höhe von beinahe 2000 Fuss über dem 



Die Schwedische Expedition nach Spitzbergen, 1861« 



133 



Meer. An dem westlichen Strande der Halbinsel ikllen 
die Berge entweder gans senkrecht ab oder ihre Seiten 
sind bedeckt von herabgestürzten nnermesslichen Stein«* 
trümmern, an denen man nur mit Mühe emporklettem 
kann; an der östlichen Seite dagegen sind die Seiten der 
Berge abgerundeter. Unter den an dieser Seite belegenen 
Berggipfeln rerdient der Orytberg (Kessel- oder Grapen- 
beig) Erwähnung als merkwürdig wegen der kesselförmigen 
Anshöhlnngen > die in den Steinen und Felsen auf dem 
Gipfel des Berges angetroffen werden. Am Fusse dieses 
Berges streicht ein kleinerer ' zurückgehender Jökel, der 
einsige auf der ganzen Halbinsel» hin. Die Halbinsel selbst 
ist in drei Theile getheilt durch zwei in dieselbe von 
Westen nach Osten tief einschneidende Fjorde, Bird- und 
Bererly-Bay, welche fast Ton allen Seiten Ton 1000 Fuss 
hohen steilen Oneiswänden begrenzt werden. 

Nimmt man Ton der .Spitze des Snötoppen oder Oryt> 
beiges eine Übersicht über das Nordost - Land , so findet 
man, dass das Innere desselben erfüllt wird von einem 
hohen, unübersehbaren Landeise, aus welchem sich hie 
und da einige wenige, nicht sehr hohe, schwarze Berggipfel 
erheben. Dieses Landeis erstreckt sich aber auch an der 
nördlichen Küste nur an einigen wenigen Stellen ganz bis 
an das Meer hinab. Die Küstenstiecke ist meistentheils 
erliillt von nackten, eisfreien Bergmassen, welche sich durch 
mehrere kleine Spitzen oder Halbinseln weit gegen Norden 
hioaus erstrecken. Diejenige von diesen Spitzen, welche 
am weitesten gegen Westen liegt, bildet auf älteren Karten, 
welche, wie oben erwähnt, die Branntweins- Bai und die 
Kördlicbe Eis-See durch einen Sund verbinden, die nörd- 
lichste Spitze des Nordost-Landes und hat in Folge dessen 
den auch yon uns beibehaltenen, obgleich jetzt ganz un- 
eigentliohen Namen Extreme Hook erhalten. Auch in 
seinem Äusseren ist der Extreme Hook ganz unansehnlich. 
Er besteht nämlich aus langsam ansteigenden, mit losen 
Steinen bedeckten Berghöhen, welche weiter im Inneren des 
Landes allmählich und ohne eine scharfe Grenze in das 
hohe Landeis übergehen. Im Westen dieser Spitze schiebt 
sich eine Bucht hinein, gleichsam um dem nordöstlichen 
Basen der Branntweins-Bai zu begegnen, wird jedoch, wie 
Bchon mehrmals erwähnt, von diesem Fjord getrennt durch 
einen niedrigen Isthmus, dessen östliche Seite von einem 
kleinen, durch ein schmales Thal weit nach Südwesten 
fortgesetzten Jökel bedeckt ist« Auch dieses mit Eis an- 
gefüllte Thal ist auf alten, Karten als eine Meerenge ge- 
zeichnet. 

Der Küstenstrich im Westen des Extreme Hook hat 
hinsichtlich seiner Höhenyerhältnisse u. s. w. Anfangs 
grosse Ähnlichkeit mit der erwähnten Spitze. Beim Kap 
Lindhagen erhält gleichwohl das Land schon ein anderes 



Aussehen; die Berge werden hier höher und steiler, dadurch 
auch schärfer geschieden von dem unübersehbaren Eisfelde 
des inneren Landes, welches dagegen an rerschiedenen 
Stellen zwischen den Bergen sich weit bis an die Küste 
Tordrängt Besonders schieben sich im Inneren der Bucht, 
zwischen Kap Lindhagen und Kap Irminger, gewaltige Jökel 
bis an das Meeresufer hinab. 

Kap Irminger besteht aus hohen und steilen Quarzit- 
oder Schieferbergen und eben diese Bergformation trifPt 
man auch am östlichen Strande des Kap LoT^n an, dagegen ' 
bildet der westliche Strand dieser Spitze ein Tiefland, 
reich an Treibholz, Schiffswracken, Bimssteinstücken u. dgl. 
Diese augenscheinlich von dem Oolfstrome hierher geführten 
Dinge werden oft ziemlich hoch über dem jetzigen Niveau 
des Meeres angetroffen und liefern dadurch ein Zeugniss 
nicht allein von der Erstreckung des Golfstromes, sondern 
auch von der bedeutenden Erhebung, der die nördlichen 
Theile yon Spitzbergen selbst noch in den letzten Jahr- 
hunderten unterworfen gewesen sind. Längs des jetzigen 
Strandes läuft nämlich ein alter Sandwall, auf welchem wir 
ausser Stücken Ton gewöhnlichem Treibholz ganz un- 
beschädigte Handhaben von Walfisch-Harpunen, buchene 
Biemen und auch andere Geräthschaften von dieser Holzart 
fanden — Alles augenscheinlich herstammend aus den Zeiten, 
als die Holländischen Walfischfönger die Küsten Spitz- 
bergens besuchten. Leider hatten wir nicht Gelegenheit, 
die Höhe dieses Sandwalles über der Meeresfläche zu mes- 
sen, doch dürfte dieselbe wenigstens 10 bis 15 Fuss be- 
tragen haben. Die Berge auf Lov^n-Spitze senken sich 
an der westlichen Seite langsam in das beschriebene Tief- 
land hinab und sind daher auch von dieser Seite leicht zu 
besteigen, an dem westlichen Strande dagegen sind sie 
ganz schroff und steil. Auf dem höchsten derselben errich- 
teten Torell und ich bei unserem dortigen Besuch ein 
ziemlich bedeutendes Denkmal von Stein, in welches wie 
gewöhnlich eine Flasche mi) Beisenotizen u. dgl. nieder- 
gelegt wurde. 

Sowohl Wrede- als auch Flaten - Halbinsel sind auf 
älteren Holländischen Karten als besondere Inseln angegeben 
und in der That würde man, wenn man von den Bergen am 
Nordkap eine Aussicht über das Land gegen Osten nimmt, 
sie dafür halten. Die an vielen Orten gegen 2000 Fuss 
hohen schroffen Bergmassen an den nördlichsten Enden 
der Halbinseln sind nämlich nur durch ein mit Sand und 
Steinfliesen bedecktes, gegen das Ende des Sommers eis- 
und schneefreies Tiefland mit dem eigentlichen Nordost- 
Lande verbunden. Von dem höchsten Gipfel des Kap Wrede 
so wie auch von einem hohen Gipfel des Kap Flaten konnte 
man sehen, dass das Nordost-Land sich nicht sehr weit 
gegen Osten von dem zuletzt erwähnten Kap erstreckt, so 



134 



Die Schwedische Expedition nach Spitsbei^en, 1861. 



wie auch, dam die Natur fortwährend ganz unverändert 
iit Das Innere desselben besteht ans einem hohen Land- 
eiset aus welchem einselne Bergspitzen sich gegen Norden 
erstrecken. An der nordwestlichsten Spitze scheint das 
Landeb nicht von Bergen begrenzt zu sein, sondern von 
einer anch auf unserer Karte gezeichneten hohen, über ein 
Tiefland geradlinig hinlaufenden Eiswand '). 

Im Norden des NordosIrLandes liegen eine Menge von 
Inseln, welche als die nördlichsten Inselgruppen in der 
alten Hemisphäre unser Interesse in Anspruch nehmen. 
Es sind diess: 

Gastr^n- Inseln. Zwei 800 bis 1000 Fuss hohe Gneis- 
fslsen gleich südöstlich vom Nordkap. Die nördlichste 
dieser Inseln ist durch ein Thal, von welchem der Berg 
der Insel leicht zu ersteigen ist, in zwei Theile getheilt. 

Sabine »Inseln. Drei ganz niedrige Gneisfelsen, be- 
legen in der Mündung der Bucht zwischen Kap Irminger 
und Kap Lindhagen. 

Sooresby- Insel. Eine ziemlich bedeutende, lange und 
schmale, aber sehr niedrige Insel, ein wenig nördlich von 
den zuletzt erwähnten. Diese Insel heisst auf älteren 
X[arten Lag- oder Flat-ö (Niedrige oder Flache Insel), ein 
Name, den wir nicht mehr angewendet haben, um eine 
Verwechselung mit der eben so benannten Insel yor der 
Branntweins-Bai zu vermeiden. 

Karl des Zwölften Insel und die Trabanten-Insel. Mit 
diesen Namen haben wir zwei am weitesten gegen Nord- 
osten belegene kleine Inseln bezeichnet, von denen jene 
die Gestalt einer hohen, abgestumpften, schwarzen Pyramide 
hat, ganz ähnlich der Tafel- oder der Nelsons-Insel, diese 
dagegen niedrig und unansehnlich ist Im Süden dieser 
Inseln konnte man eine grosse, bergige, hohiB Insel sehen, 
welche als der Outger-Reps-Insel der älteren Karten ent- 
sprechend angesehen werden kann, und noch weiter im 
Süden, zwischen dieser Insel und dem Festlande, ein an- 
deres, in weiter Ferne belegenes, nur wenig über den Hori- 
zont sich erhebendes Eiland, welches jedoch wegen seiner 
grossen Entfernung nur bei klarem Wetter sichtbar war. 

Waiden -Insel. Wir kamen nicht dazu, an dieser Insel 
zu landen, welche nach Parry aus steilen, 500 Fuss hohen 
Granitfelsen besteht 

Die Sieben Inseln oder Seven Islands. Mit diesem Namen 
bezeichneten schon die Holländer eine zwischen 80^ 36' 
bis 80* 48' N. Br. und 20* bis 21 • 30' östL L. v. Gr. 



*) An einem im Süden Ton der Mündnng des Bellsunds belegenen 
Jökel habe loh Gelegenheit gehabt, eine ahnliche ErscheinuDg, wenn 
auch in geringerem Qrade, ganz in der Nahe su betrachten. Der Jökel 
mündete mit einem hohen senkrechten Absatse ih das Meer, aber die 
eine Seite desselben lief, ehe sie das Ufer erreichte, Über ein niedriges 
Sandfeld hin und endigte dort mit einer scharf begrenzten, senkrechten, 
l^leichsam mit. einem Messer abgeschnittenen Eiswand. 



belegene ziemlich bedeutende Inselgruppe, die noch vor 
wenigen Jahren das nördlichste bekannte Land auf Erden 
bildete. Einige kleinere Holme ungerechnet besteht diese 
Inselgruppe, wie auch der Name angiebt, aus sieben Inseln. 
Die drei westlichsten derselben sind weniger bedeutend 
und bestehen aus hohen, steilen, oben gerade abgestumpften 
Gneis-Pyramiden, deren Grösse und äussere Gontouren so 
vollkommen gleich sind, dass, wenn man z. B. wegen des 
Nebels nur eine von ihnen sieht, man nur mit Sohwierig- 
keit entscheiden kann, welche ron den schwarzen Pyra- 
miden des hohen Nordens man vor sich hat Seit alten 
Zeiten führt die nördlichste von diesen Pyramiden den 
Namen der Tafel -Insel oder richtiger der Kleinen Tafel- 
Insel (Lille Taüel-ö), doch hat diese schöne Insel die Ehre, 
das nördlichste Land in der alten Hemisphäre zu sein, 
an einen noch ein wenig nördlicher gelegenen ganz un- 
bedeutenden und durch die Kleinen Tafel-Insel gewöhnlich 
verdeckten Holm, von Parry Boss-Insel genannt, abtreten 
müssen. Für die südlichste dieser drei Inseln, die auf 
einigen älteren Karten Tafel-Insel benannt wird, haben 
wir den Namen Nelson -Insel angewendet, zum Andenken 
an den berühmten Seehelden der in diesen Gegenden die 
ersten Proben seines Mannesmuthes abgelegt haben soll, 
und zuletzt den Namen Tafel-Insel für einen dritten im 
Süden der Kleinen TafeMnsel gelegenen pyramidenförmigen 
Felsen beibehalten. Was die übrigen zu dieser Gruppe 
gehörenden Inseln betrifft, so haben wir drei derselben 
nach den drei berühmtesten Polar-Fahrem, Parry, Martens 
und Phipps, benannt, für die vierte jedoch keinen Namen 
vorgeschlagen, weil wir wegen des Nebels, der während 
unseres Aufenthaltes bei den Sieben Inseln fast ohne Unter- 
brechung herrschte und alle Beobachtungen erschwerte, 
nicht im Stande gewesen sind, ihre Lage und Begrenzung 
mit Sicherheit anzugeben. 

Die Tafel-Insel, die Kleine Tafel-Insel und die Nelsons- 
Insel bilden, wie schon erwähnt, nicht besonders grosse, 
steile, schwarze, abgestumpfte Pyramiden, auf denen man 
schon im Anfange des August trotz ihrer Höhe ron 700 
bis 1000 Fuss keine Spur von Schnee bemerken konnte. 
Auch Parry-, Phipps- und Martens-Inseln haben mit einander 
grosse Ähnlichkeit. Sie bestehen nämlich alle drei ans 
isolirten, durch niedrige Sand-Isthmen von einander ge- 
trennten Gneisbergen, die an einigen Stellen eine absolute 
Höhe von etwa 2000 Fuss erreichen. Gewöhnlich stürzen 
diese Berge jäh ins Meer hinab, senken sich dagegen aber 
gemächlicher nach dem Sand-Isthmus, so dass man sie, 
wenn auch mit einiger Schwierigkeit, Ton dieser Seite 
besteigen kann. Die Sand-Isthmen sind gebildet aus vom 
Meere aufgeworfenem Sand, in welchem Überreste von 
Walfisch- Skeletten, Treibholz, Stücke von Schiffs wracken, 



Die Schwedische Expedition nach Spitzbergen, 1861. 



135 



Bimattein, Floasen von Fiscbgeräthen n. dgl. eingebettet 
gefanden werden. Nur swei unbedeutende surückgehende 
Jökel kommen hier vor, der eine gleioh im Norden der 
kleinen Bttoht an der Ostseite der Farry- Insel, der s weite 
an den Bergabhängen im Westen des Isthmus auf der 
Härtens -InseL Auch auf diesen ndrdliohen Inseln waren 
noch in einer absoluten Höhe von 1000 Puss die Berge 
im Anfange des August ganx frei yon Schnee und kaum 
erat in der Höhe yon 1500 Fuss schien die Begion des 
ewigen Sohnee's zu beginnen. Die Vegetation war wohl 
spanam, z. B. was die Fhanerogamen betrifft, auf einige 
venige Arten beschränkt, aber dennoch hinreichend, einige 
an den Abhängen der Berge weidende, zu der Zeit, da 
wir diese Insehi besuchten, äusserst fette Benthiere mit 
reichlicher Nahrung zu versehen. Eine Menge von lisch* 
meyen (Larus) und Lummen (IJria grylie), doch, merkwürdig 
genug, 80 weit wir sehen konnten, keine Alke, hatten an 
den jähen Seiten der Berge ihre Wohnung aufgeschlagen. 
Spuren von Füchsen waren im Sande zu bemerken und 
wihrend unserer Anwesenheit kamen ein Fear Eisbären 
nm Besuch an unser Boot. 

Auf der Beise yon den CSastr^n- Inseln nach den Sieben 
Inseln (am 20. Juli) waren wir gezwungen, uns mit Mühe 
and Gefahr einen Weg durch die dicht aufhäuften Treib« 
massen zu bahnen, und diese umgaben während unseres 
Aufenthaltes auf diesen Inseln die Inselgruppe yon allen 
Seiten, so dass man nur zufällig zu Zeiten, da das Eis 
sich ein wenig zerstreut hatte, mit dem Boote yon der 
einen Insel ztl der anderen gelangen konnte. Besonders 
lag das lose Eis gegen Norden so dicht gepackt, dass man 
in dieser Bichtung keine Spur yon offenem Wasser er* 
blicken konnte. Nur die kleinen Buchten an den Küsten 
der Inseln waren noch mit festem Eise bedeckt, das 
gleichwohl ganz zerfressen und augenscheinlich im Begriff 
war, sich zu lösen. Dieses feste Eis war auch an der 



nördlichen Küste, z. B. in der nördlichen Bucht der 
Miartens- Insel, ganz glatt und schloss keine Treibeisstücke 
ein — eine Thatsache, die zu beweisen scheint, dass das 
Meer, wenn es im Herbste zufriert, auch in diesen hohen 
Breitengraden frei yon Treibeis ist 

Bei der Kückkehr yon den Sieben Inseln, am 7. August, 
begegneten wir in der Nördlichen Eissee wiederum so dicht 
zusammengepacktem Treibeis, dass es uns nur mit der 
äussersten Schwierigkeit nach zwölfttündiger anhaltender 
Arbeit gelang hindurchzudringen. Als wir darauf weiter 
g^^n Osten steuern wollten, wurden wir Anfangs ganz 
yon Treibeis zurückgehalten, so dass wir gezwungen waren 
zu wenden und am Extreme Hook günstigere Zeiten zu 
erwarten, doch schon nach einigen Tagen hatte das Eis 
sich dermaassen zerstreut, dass wir ohne Schwierigkeit 
Frinz Oscar -Land erreichen konnten. Dort mussten wir 
wieder einige Tage warten, bis das Fahrwasser um Kap 
Wrede und Kap Flaten eisfrei geworden war, und etwas 
östlich yon der letztgenannten Spitze war das Meer wiederum 
so mit Eis bestreut, dass ein weiteres Vordringen nicht 
für rathsam erachtet wurde. Am 15. August fuhren wir 
wiederum über die Nördliche Eissee, die jetzt ganz frA 
yon Treibeis war, sich dagegen aber, wenn das Wetter 
still und ruhig wurde , mit einer dünnen neu gebildeten 
Eiskruste bedeckte, welche gleichwohl yon geringer Dauer 
war. Alle Buchten an der nördlichen Küste des Nordost- 
Landes waren um diese Zeit entweder schon eisfrei oder 
bedeckt mit ganz zerfressenem festen Eise, das augen- 
scheinlich noch yor der Ankunft des Winters sich zerstreuen 
sollte. Festes Eis, das den ganzen Sommer über liegen 
bleibt, kommt also an den Küsten des Nordost -Landes 
nicht yor und man dürfte daher genöthigt sein, sehr hoch 
gegen Norden zu gehen, um ein mit einer beständigen 
Eisdecke bedecktes Meer antreffSen zu können. 

(Die geognoctiMhe Besdmibimg folgt in «i&em anderen Hefte.) 



Der Mareb. 

Nach Hunzinger, 



Eins der wichtigeren Ergebnisse der Deutschen Expe- 
dition in Bezug auf ihr Forschungsgebiet zwischen dem 
Eothen Meer und dem Nil ist der Nachweis der bis dahin 
zweifelhaften Identität des Chor el Gash mit dem Mareb, 
die genauere Information über seinen Lauf und der end- 
liche Aufschluss über sein Ende. Da gerade dieser Punkt 
der Ost -Afrikanischen Geographie so vielfach diskutirt 
worden ist, so entnehmen wir dem noch unyoUendeten 
Beieewerke Munzinger's das auf den Mareb bezügliche 



Kapitel im Auszug, noch ehe wir die alle genaueren Details 
wiedergebende Karte unseren Lesern yorzulegen im Stande 
sind. 

Wir hoffen, sagt Munzinger, durch unsere Reise den 
Lauf und Stromcharakter des Mareb endgültig festgestellt 
zu haben. Über beides waren die Geographen sehr uneinig, 
besonders die Identität desselben mit dem Gash war un- 
bewiesen und konnte es nur durch eine Reise durch das 
Land der Kundma werden. Wir passirten den Mareb zum 



136 



Der Mareb. 



ersten Mal bei seiner Quelle (bei Az Gebrei), dann swi- 
sohen Eobein und Adiabo bei Arakebu am nördlichen Fuss 
Yon Medebei Tabor, zum dritten Mal bei Mai Daro; wir 
traten an seine Ufer zum vierten Mal bei Elit und zum 
fünften Mal bei Eassala und sowohl die geographische 
Konfiguration des Bodens als die Aussagen aller Eingebornen 
bewiesen uns, dass wir es immer mit einem und demselben 
Flusse zu thun hatten ').' 

Der Mareb ist seinem Abessinisohen Laufe nach längst 
bekannt. Seine Quelle befindet sich etwas über dem Dorfe 
Az Oebrei (unweit yon Adi Baro) im Hamasen. Nachdem 
er als Bach seine Matten durchzogen, fällt er eine halbe 
.Stunde östlich vom Dorfe in einen Abgrund oder besser 
gesagt: während er in seinem ersten Anfang die Ebene 
durchfliesst, gelingt es ihm hier, sich ein tieferes Thal zn 
bilden, und dann erst tritt er charakteristisch in die Geo- 
graphie des Landes, ein. Die Abessinier sind also nicht 
im Unrecht, wenn sie diesen Punkt, wo er als Wasser&U 
in sein eigenes Thal sich stürzt, Xin Mareb nennen, da 
er erst hier selbstständig auftritt. Der Name Mareb gebührt 
ihm von hier bis wo er, zwischen dem Dembelas und 
Adiabo sich hinauszwängend, Abessinien verlässt Sein 
Name, der „Sonnenuntergang'' bezeichnet (vom Äthiopischen 
Yerbum &raba, ocoidit sol), deutet auf seinen endgültigen 
Lauf und beweist, dass die Abessinier ihn nicht miss- 
kannten. Wie er nun um sich selber eine Spirale bildet, 
die sich erst bei Gnndet aufwickelt, brauchen wir nicht 
zu beschreiben, da ihn schon die Portugiesischen Missionäre 
bestimmt haben. Er gräbt sich ein sehr tiefes Thal und 
trennt so von seiner Quelle an das nördlichere Hamasen 
vom Gau Loggen; dann sich eher südlich wendend schneidet 
er das südliche Hamasen und das sich ihm anschliessende 
Sai^ae von dem Gau Saher und ihrer Fortsetzung, dem 
Okulekusei, ab, und wo er, sich wieder nach Westen und 
Nordwesten wendend, auf sich selbst zurückkehrt, trennt 
er das Sarae und seinen Ausläufer, die QoUa Sarae, von 
dem Tigr^ und seiner nordwestlichen Fortsetzung, dem 
Shir^ und Adiabo. Man kann diese erste Partie seinen 
Oberlauf nennen; seine Grenze ist zwischen Kohein und 
Adiabo. Bis hierher gehört er zu Hoch-Abessinien und 



') Zur Orientirang s. die Karte Ton Ost-Afrika im ErgSnsnngsband I 
der „Geogr. Mitth." Die Quelle des Mareb liegt südlich ron Zasaga, 
Tou da läuft der Fluss nach Süd mit geringer Ausweichung nach Ost, 
so dass er sich westlich vom 39. Meridian östl. t. Gr. hiUt, bis er 
unter 14^** N. Br. sich nach Westen wendet. Diese westliche Richtung 
behält er durch den Distrikt Gundet, we ihn HeugUn und Steudner 
überschritten, bei, indem er sich etwas südlich ron 14^" N. Br. hält, 
durchschneidet dann diesen Parallel, sich nach Norden wendend, unter 
38° 26' östl. L. T. Gr. bei Arakebu, geht nordwestlich bis Mai Daro 
(14'^ 57' K. Br. und 37** 42' östl. L.), beschreibt sodann einen Bogen 
nach Süden, durchschneidet den 15. Parallel unter 37° 12' östl. L. und 
geht bei Elit (Illiht der Karte) vorüber westnordwestlich nach Kassala. 

A. P. 



trennt scharf und tief sich einwühlend seine Ufergebiete, 
er ist so hinge ein Waldstrom und ein eigentlicher Fluas, 
denn so lange hat er beständig fliessendes oberflächliches 
Wasser. Wir fianden ihn bei Arakebu nur den fünften 
Theil seines Bettes mit Wasser füllend, nur in der Regen- 
zeit nimmt er seine ganze Breite ein. 

Yon Arakebu nordwärts gehend yeriindert der Mareb 
seinen Gebirgscharakter ; er tritt in das Land der Kanima 
ein, und da hier das Hochgebirge entschieden gegen Norden 
abfällt, so nähert sich der Ifareb immer mehr dem Niveän 
seines Uferlandes, er verliert sein Thal und anstatt das 
Land durchbrechend konsequent znm Barka abzufEillen, 
wendet er sich gegen Westen und sucht sich langsam einen 
Weg ins Niederland. Wir nennen nun seinen Mittellauf 
die Strecke, so lange er im Lande der Eundma bleibt, 
also von unterhalb Arakebu bis etwas unter Elit ; so lange 
heisst er Sona. Auch sein Flussoharakter wird im Mittel- 
lauf ein ganz anderer, er ist nicht mehr der Abessiniache 
Waldstrom, wird aber auch nicht Torrent in der Weiae 
des Anseba oder des Barka, wo ausser der Regenzeit der 
Wasserstrom unterirdisch in dem Sandbett sieh fortzieht 
und man überall im ersteren etwa 6 Fuss, im letzteren 
durchschnittlich 20 Fuss unter der Oberfläche Wasser findet, 
sondern bildet ein Mittelding. Abgesehen von der Begen- 
zeit, wo er natürlich regelmässiger Fluss wird, also yom 
Juli bis September, zeigt er sich als Torrent, in einer 
Weise aber, dass das Sandbett hie und da von Teichen 
unterbrochen wird, wo das Wasser für kurze Zeit an die 
Oberfläche hinausquillt. Daher rührt die Si^, die schon 
auf des Jesuiten Lobo Karte sich findet, der Mareb verliere 
sich im Lande der Shdngalla (Kunima), um später wieder 
zum Vorschein zu kommen. Diese Sage, die richtig Ye^ 
standen nicht unwahr ist, blieb falsch, so lange man sidi 
unter dem Mareb einen Fluss im Europäischen Sinne des 
Wortes vorstellte, wo also der Wasserstrom unter irgend 
einem Felsen durch verschwinden konnte. Der richtige 
Sinn der Sage, wie wir ihn durch eigene Anschauung e^ j 
kannten, ist, dass der Mareb in seinem Mittellaufe nicht 
mehr einen kontinuirlichen Fluss bilden kann: 1) weil 
ihm seine Uferländer, die weniger Regen haben als das 
Abessinisische Hochland, nicht mehr so viel Wasser an- 
führen, 2) weil die grössere Hitze mehr Wasser verdunstet, 
8) weil die wasserdichte Thonschicht tiefer liegt als im 
eigentlichen Abessinien. So würde er zu einem Ton^nt, 
wie es der Anseba und Barka auch sind, da aber das Land 
der Enuima eine viel festere Bodengestaltung hat als die 
Tiefländer des Anseba und Barka, die meist aus Granit- 
schutt bestehen, so kann er sich kein so regelmassiges 
Bett graben; oft treten Felsen hemmend in den Weg oder 
schief entgegenliegende Schieferlager treiben das Wasser i 



Der Mareb. 



137 



an die Oberfliiohe, ohne ihm das Weiterfliessen zu ge- 
statten, ganz nach Art Artesischer Brunnen, und so finden 
sich sehr häufig Qnellteiche lebendigen Wassers, welche 
die Monotonie des trockenen Sandbettes erfreulich unter- 
brechen. 

Diese Eigenschaft theilt der Mareb natürlich auch mit 
seinen Zuflüssen von der linken Seite, da sie geologisch ihm 
gleichgestellt sind. Alle die Zuflüsse, die wir yon Adiabo 
bis Mai Daro überschritten, sind solche Halb-Torrente , in 
denen sich von Zeit an Zeit grosse oder kleine Teiche mit 
perennirendem Wasser finden. Sie haben alle ein sehr 
anbedeutendes Bett, da sie von Westen nach Osten gehen, 
wahrend der Boden von Süden nach Norden abfällt, und 
da der Thonschiefer ihnen nicht erlaubt, sich nach Belieben 
aaszudehnen. Dieser Reichthum an Teichen macht das 
Land der Eun&ma sehr wasserreich, weil an solchen Stellen 
oft ein sehr grosses Wasserquantutai an den Tag tritt. Von 
Medebei Tabor bis Mai Daro soll der Mareb ein sehr 
sandiges offenes Bett haben, ohne von Felsen viel unter- 
brochen zu sein oder wie im Oberlauf viel Geröll zn 
führen; doch treten schon hie und da Teiche an die Ober^ 
flache. Bei Mai Daro fanden wir ihn als Torrent mit 
untiefem Wasserspiegel und eben so bei Elit. Die Teiche 
sind aber auf dieser Strecke sehr häufig und bedeutend 
gross und man bringt daraus grosse Fische bis nach Kassala 
aof den Markt 

Es ist natürlich, dass der Mareb grosse Biegungen 
macht, da er sich nicht nach Belieben durch den Schiefer 
Bahn brechen kann, sondern ihm nachgeben muss; er ist 
auch darin ganz Terschieden von dem Anseba, der leicht 
die Granitberge durchbricht. Wo er aber als Unterlauf 
unter dem Namen Gash in die freie Ebene von Taka 
hinaustritt, wird er regelmässiger und verändert von Neuem 
seinen Charakter. Bevor wir ihn nun ifciter verfolgen 
wollen, müssen wir einige Worte über die Identität des 
Mareb mit dem Gash einschalten. 

In einer früheren, von Hrn. Malte -Brun publicirten 
Arbeit haben wir die Identität a priori behauptet aus 
Gründen, die auch jetzt noch gelten. Wie nämlich aus 
Hrn.Petermann's Karte ersichtlich ist, waren die Geographen 
über diesen Punkt gar nicht einig; die eihen Hessen ihn 
sogar in der Nähe von Dorkutan in den Takkaz^ fallen. 
Ich kann mir diese Angabe nur daraus erklären, dass der 
Mareb unter Mai Daro wirklich bedeutend nach Süden 
sich wendet und ihre Gewährsleute Abessinier waren. Die 
meisten aber brachten ihn nach Taka hinunter. Ich schloss 
mich dieser Ansicht aus folgenden Gründen an. Die grossen 
Ströme von Nord-Abessinien sind der Anseba und der Barka, 
deren Quelle und Lauf weithin uns bekannt sind, und 
dann der Atbara, dessen östlicher Zufluss der Takkaz^ ist. 

Peterraaim'i Ooogr. Hittheilungen. 1864, Haft IV. 



Woher sollte der Gash kommen, den wir sohoi^ damals, 
aus dem Lande der Kunama tretend, kannten, so räson- 
nirten wir. Seit dieser Zeit nun haben wir den Mareb 
bis Mai Daro als einen Fluss konstatirt und hier unter 
dem Namen Sona passirt Wir sehen ihn von da südlich 
nach Anal sich wenden; wir finden den Sona von Neuem 
an Eimasa und an Elit vorüberziehend, wo er zum Gash 
wird. Die Identität kann also kaum angefochten werden. 
Zudem sind nun die Kundma oder Bazen selbst gewiss 
die besten Kenner ihres Flusses und alle ohne Ausnahme 
erklärten sie, der Sona von Mai Daro und Elit sei derselbe 
Strom. Auch die Algeden bewiesen den Zusammenhang, 
indem sie oft von Elit den Strom hinaufgehend die Dörfer 
von Mai Daro verwüstet haben. Eben so haben die Sol- 
daten von Adiabo den Mareb hinabziehend die Hadendoa 
bei Elit überfallen. 

Eine andere Frage ist, bis wohin sich der Unterlauf 
des Mareb fortziehe. Der Mareb heisst von Elit abwärts 
Gash (nicht Qash, da das Arabische q Nichts mit dem 
Namen zu thun hat). Aus dem abschüssigen Bergland der 
Eun&ma tritt er in die grosse Ebene Taka, der er so noth- 
wendig ist wie der Nil Ägypten. Sein Unterlauf durch- 
strömt nun ein Flachland, das wohl als Anschwemmung 
von ihm selbst gebildet worden ist, denn das Land Taka 
zeigt sich als eine dem Gash flach anliegende steinlose 
Ebene. Einzelne Berge freilich springen hie und da hervor 
und unterbrechen die Einförmigkeit, aber als blosse Aus- 
nahmen bilden sie keine Gebirgslandschaft mehr. Der 
Gash verliert daher auch seinen früheren Charakter, er 
wird nach und nach formlich Torrent; in der Ebene strömt 
er nur in der Regenzeit überirdisch. Die Teiche ver- 
schwinden; in der trockenen Zeit findet man untief unter 
dem Sande eine reichliche unterirdische Strömung. Er 
tritt schon bei Kassala sehr nahe an den Atbara hinan 
und es fragt sich, was bei seiner beständigen Neigung 
gegen Westen die Vereinigung so lange hindere und ob 
er sich überhaupt mit ihm vereinige. 

Es war Herrn A. de CourvaPs Verdienst, zuerst erkannt 
zu hab6n, dass der Gash, wie er sich ausdrückt, in einem 
Arme in den Atbara münde; aber er hätte genauer ge- 
nommen sagen können, dass er wenigstens darein münden 
könne. Der Gash geht nämlich von Kassala an Ebr^t 
vorbei in das Gebiet der Hadendoa nordwärts, parallel 
mit dem Atbara, kaum 15 Stunden von ihm entfernt. 
Seinen natürlichen Lauf unterbrechen zwei Umstände, vorerst 
die von der Natur gebildete Wüste El Hau^d^, dann die 
Kunst des Menschen. 

Wir müssen uns vorstellen, dass der Gash in alter 
Zeit direkt dem Atbara zufloss, sich aber nach und nach 
durch Ablagerung den Weg dahin versperrte und vor dem 

18 



138 



Der Mftreb. 



gegen Westen von ihm selbst angelegten Damm rechts 
abweichen musste. Je weiter die Ablagerung ging, um so 
mehr verlängert sich der Damm zwischen beiden Flüssen 
und dieser Damm ist die Hau^d^, die sich immer mehr 
ausstreckt, so dass es am Ende dem Qash unmöglich werden 
musS| sich dem Atbara wieder zu nähern. Von Kassala 
nordwärts ist nämlich das rechte Ufer höher als das linke; 
so ist es möglich, das linke Ufer durch Hindernisse unter 
Wasser zu setzen, während das rechte Ufer schon zu hoch 
liegt. Der bedeutende IJchlamm des Gash hat daher das 
linke Ufer durch viele Jahrhunderte beständig erhöht, bis 
endlich das angesetzte Land so hoch zu liegen kam, dass 
es für das Wasser nicht mehr erreichbar war. So entstand 
die fruchtbare, aber wasserlose Steppe Hau^d^, die, wenn 
sie Begeh erhält, üppiges Gras erzeugt. 

Die Kunst femer, die den Gash zur Bewässerung des 
Landes benutzt, vertheilt seine Wassermasse und hindert 
ihr Weiterkommen. £r wird auf seinem linken Ufer durch 
künstliche Dämme zur Überschwemmung gebracht3.und die 
Breite der überschwemmten Ebene fanden wir durch- 
schnittlich 1^ Stunden. Seine Anwohner sind die Hal- 
lenga, die Segolab und die Hadendoa, im Verein mit den 
gemischten Einwohnern von Kassala. Unter Aufsicht der 
BegieruDg errichten sie dem ganzen Laufe nach von ober- 
halb Kassala an künstliche Stromwehren (Djisr), die den 
Wasserstrom hemmend ihn auf das flache Land ableiten. 
Diess geschieht vom Monat August an, wo der SttQm regel- 
mässig zu fliessen anföngt, und er bedeckt das Land zwei 
Monate lang. Im November pflanzen die Leute ihre Durra 
und schon im Februar findet die Ernte Statt. Der Gash 
macht also das Land Taka zu einem ungemein fruchtbaren 



Strich. Er wird von oberhalb Kassala (Hellet Sherif) bis 
Umber^b gegenüber B&luk zur Kultur benutzt, so weit 
reicht also der Winterstrom in gewöhnlichen Jahren, und 
man muss sich verwundern, dass er bei der Ableitung so 
weit hin gelangen kann. In Jahren aber, wo in Abessinien 
sehr viel Bogen fallt, ist es ihm trotz Allem doch noch 
möglich, sich bis zum Atbara Bahn zu brechen; doch ist 
diess seit 20 Jahren nicht mehr vorgekommen und wird 
immer seltener werden. Den 16. August 1862 überschritt 
ich auf der Bückreise von Berber nach Kassala ein kleines 
Sandbett (Chor) in der Ebene Suan^ bei Umm Handel, 
etwas nördlich von dem Funkte, den Herr v. Gourval als 
Mündung bezeichnet. Diesen Ort heissen die Hadendoa 
Gash-da (Gasch-Mund) und bezeugen so durch das lebendige 
Wort den Ursprung.' Als ierneres Zeugniss stehen hier 
einige Tamarisken, die am Gash von Kassala häufig, sonst 
nirgends in der Umgegend vorkommen und deren Samen 
nur der Wasserstrom herbeiführen konnte. Es thut Nichts 
zur Sache, dass das Sandbett sehr klein ist, da es der 
Fluss nur sehr selten erneuert und bei der Ableitung nie 
eine grosse Wassermasse hierher gelangen kann. So darf 
der Gash kaum als ein Zufluss des Atbara angesehen wer- 
den, da er ihm nur ausnahmsweise Wasser zufuhrt und 
jedenfalls in sehr geringer Quantität. Sein Nutzen bleibt 
ganz der Landschaft Taka, die er wohl 30 Stunden lang 
befruchtet ^). 



1) Die MünduDg de« Oash-Bettee in den Atbara liegt hiernach in 
l?** 9' N. Br. Der bei Tokar nahe dem Bothen Meere Teraiegesd« 
Fluse ist nicht der Qash, wie Einige früher annahmen, sondern nach 
Hunzinger der Barka, mit dem sich nach Henglin ein rom Djebel Orbay 
Langay oder Langheb herabkommender Chor yereinigt. A. P. 



Ein geographischer Überblick der Wetter-Bewegung des Januars 1864 in Europa. 

Mit einer Bemerkung zur Theorie der Stürme. 

Von A. Mühry. 



§. 1. ■ 
Wenn mau Anwendung macht von der Vorstellung 
einoB ÖBtlichen Wind-Pols, als zusammenfallend mit einem 
östlichen Winterkälte-Pole, in der Mitte des polarischen 
Kontinents von Asien, wenn man ferner demzufolge die 
Lage der mit ihren meteorischen Eigenschaften unter sich 
kontrastirenden Passate und Anti-Passate dahin wie nach 
einem Central- Gebiete gerichtet sich denkt und dann durch 
deren wechselndes, als Wirkung der Erdrotation immer 
nach rechts drängendes, seitliches Vorrücken die zeitweise 
vorkommenden grossen Wechsel der Witterung in den ver- 



schiedenen Erdstrichen der extratropischen Breiten er- 
klärt, — 60 ändet man sowohl mit solcher Vorstellung eine 
unzweifelhaft richtige Deutung der im Laufe des Januars 1864 
über Europa vorgekommenen Wetter-Bewegungen, wie auch 
in diesem Falle aufs Neue und in vorzüglicher Weise eine 
Bestätigung des angedeuteten geographischen Windsystems 
auf der nördlichen Halbkugel selbst. Diess durch Kompo- 
sition der beobachteten Thatsachen darzulegen, soll hier 
versucht werden *). 

') Die Belege siod genommen ans den regelmassigen Beobachtungen, 
für deren tSgliche Mittheilung man in neuester Zeit mehroirea Tages- 



Ein geographischer Überblick der Wetter-Bewegung des Januars 1864 in Europa. 



139 



Der damalige allgemeine Vorgang in der AtmoBphäre 
über Europa war in seinen Hanptzügen folgender. Nachdem 
den ganzen Dezember 1863 hindurch über Europa ein 
südwestlicher Luftstrom oder ein Änti- Passat herrschend 
gewesen war, mit ungewöhnlicher Wärme, niedrigem Baro- 
meterstände, hohem Saturations-Stande, Trübe uud Regen, 
aneh mit sehr heftigen Stürmen , zumal vom 2. bis 4. De- 
sember, erschien mit dem Anfange des Januars das Gegen- 
theil der genannten Erscheinungen, ein nordöstlicher Luft- 
strom oder ein Passat, sehr schwach wehend, mit strenger 
Kälte, hohem Luftdruck, Heiterkeit und Trockenheit, und 
zwar vorrückend mit der rechten Seite seiner zwischen 
NO. und 8W. gerichteten Strömung, also von Südost nach 
Nordwest hin pendelartig sich bewegend. Gegen 3 Wochen 
lang befanden sich damals das südliche und das mittlere 
Europa unter jenem Passat oder Polarstrom, welcher aktiy 
Tordringend den ihm zur rechten Seite liegenden, zur Zeit 
schwächeren oder passiv sich verhaltenden Anti- Passat 
oder Äquatorial- oder Antipolar-Strom fortgeschoben hatte 
nnd so erhielt. Der letztere blieb im nördlichsten Theile 
Eoropa's bestehen mit seiner höheren Temperatur und den 
anderen Eigenschaften (wie auch im südöstlichen Theile 
Enropa's ein anderer Anti-Passatstrom sich andeutete) und 
etwas nach der Mitte des Monats wurde er wieder aktiv, 
drängte nach seiner rechten Seite hin und schob den 
Polarstrom langsam zurück von Nordwest nach Südost, 
wohin auch eben so allmählich wärmere Temperatur sich 
verbreitete. Am Ende des Monats erschien dann noch ein 
Mal im mittleren Europa Kälte u. s. w. mit einem Polar* 
Strom, jedoch diess Mal von der anderen Seite, auch von 
Nordwest her seitlich vorrückend oder in diesem Falle 
passiv, fortgeschoben; er war auch von geringerer Breite 
and weniger kalt als der frühere, also ein zwischen zwei 
Südwestströmen passiv nach seiner linken Seite, nach 
Südost hin sich bewegender Nordoststrom. 

Es kommt nun darauf an, nachzuweisen, dass die Ver- 
theilang und die Umsetzung der meteorischen Verhältnisse/ 
in Europa in der eben angegebenen Weise sich ereignet 
haben, nämlich mit dem gleichsam pendelartigen, langsamen 
Vor- und Zurückschwanken von zwei (ja in diesem Falle 
wahrscheinlich von vier» je zu zwei) unter einander scharf 
kontrastirenden Passat strömen, diesen fundamentalen Strö- 
men der Atmosphäre, welche nach unserer Vorstellung 
^ihren Wind-Pol in der Mitte Nord-Asiens haben, diesen 
strahlenförmig umkreisen und nun gleichsam wie die 



blättern Dank wissen muss als Yermittlem der von den Meteorologi- 
schen Central- Anstalten ihnen dargebotenen Befunde. Namentlich sind 
uiznf&hren : die ,, Hamburger Bdrsenhalle" und ,,Neae Hamburger Kach- 
richten", die „Augsb. AUg. Zeitung", die Englische „Times", dasRos- 
iiwhe ffJonmal de St.-P^ter8bourg" , das Französische „Bulletin inter- 
national de Tobserratoire de Paris". 



Speichen eines Rades erscheinen, welches sich bald nach 
der einen, bald nach der anderen Seite dreht. — Es sind 
besonders drei Zeitpunkte mit entschieden eintretender 
Wetterwende zu unterscheiden: 

1. Zu Anfange des Januars rasches Eintreten von 
Kälte, das war aktives rechtsseitiges Vorrücken des Nord- 
ost- oder Polarstroms (also Hinaufschieben des Südwest- 
Oder Anti-Polarstroms), von Südost nach Nordwest hin 
pendulirend. 

2. Bald nach der Mitte des Monats Aufhören der 
Eältezeit, das war Wiederherstellung oder aktives rechts- 
seitiges Vorrücken des Südwest- oder Anti-Polarstroms 
(also Hinunterschieben des Nordoststroms), in der ent- 
gegengesetzten Richtung, nach Südost hin pendulirend. 

3. Gegen Ende des Monats abermaliges Erscheinen 
eines Polarstroms, das war aber diess Mal passiver Art, 
er kam von der anderen Seite, von Nordwest her, war 
auch weit schmaler, also indem er innerhalb zweier 
Antipolar- oder Südwestströme, welche aktiv nach Süd- 
ost hin vorrückten, mitgefuhrt wurde. 

§.2. 

1. Wie gesagt, am Anfange des Januars verbreitete 
sich rasch Kälte über Europa von Südost nach Nordwest 
hin, etwa bis Petersburg, Stockholm und Nairn in Schott- 
land (58* N.), aber weiter nördlich, in Haparanda (66** N.) 
in Lappland, blieben die Eigenschaften des Südweststroms 
erhalten. Am 30. Dezember sehen wir noch den ganzen 
mittleren Gürtel Europa's unter einem milden Südwest- 
strome mit niedrigem Barometer u. s. w., aber im süd- 
lichen Europa scheint gleichzeitig schon ein Nordoststrom 
vorhanden zu sein, aus Rom wurde schon das Weihnachten 
als ungewöhnlich kalt gemeldet, Florenz hatte am 30. De- 
zember nur 2,8^ R., Baromet. 763, das hoch liegende 
Madrid nur — 0,6*^ mit Ostwind, Barom. 774; auch in 
Palma und in San Fernando bei Gadiz waren NNO. und 
ONO. mit 8,6^ und 5,6^ bei hohem Barometer 768 
und 769. — Dagegen war am genannten Tage in Wien 
noch 4,5'' bei niedrigem Baromet., 752 >), in Leipzig — 0,6^, 
Barom. 75^8, in Strassburg 3,6** mit W., in Nairn 2,6* mit 
WSW., jedoch in Petersburg war damals Kälte, — 10** 
mit NW., freilich wegen der Nähe des Äquatorialstroms 
mit niedrigem Barometer, 749. 

Am 31. Dezember finden wir die Kälte von Südost 



*) Die Barometer -Angaben nach Millimetern sind immer redncirt 
auf die Meeresgleiche, die Thermoroetergrade sind nach R^aamnr*s 
Skale gegeben; die Aufnahme der Meteore erfolgte des Morgens um 8 
oder 9 Uhr; erklärlicher Weise ist die Windrichtung, weil sie momentan 
nach der Fahne bestimmt worden ist, nicht immer an jedem einzelnen 
Orte die eigentliche Stromrichtnng angebend , Überhaupt dürfen einzelne 
lokale und oft nur momentane Abweichungen die Auffassung des weiten 
Ganzen nicht beirren. 

18 • 



140 



Ein geographischer Überblick der Wetter-Bewegung des Januars 1864 in Europa. 



her Torrückend, wie wenn mit der rechten Seite ein breiter 
Gürtel sich vorschiebt; in Turin waren nun 0,4^, in 
Wien — 2,0** mit NW., Barometer 763, in Strass- 
burg 1,7** mit NO., in Leipzig — 6,s**, Barom. 768, dabei 
Nebel; auch im westlichsten Europa jseigte sich dasselbe 
Yorrücken und ist hier besser nachzuweisen, in Madrid 
waren 0,9^ mit NO., Barom. 767, in Besanqon 0,9** mit 80., 
Barom. 763, in Avignon und Marseille NO. (am Tage 
zuvor NW.), in Bordeaux 0,8** mit 0. und Trübe; dagegen 
weiter nördlich war es wärmer, in Bochefort 5,4^ mit S., 
Barom. 758, in Brest 9,7** mit SSW., Barom. 752, in 
Havre 1,5** mit 0. und Nebel, Barom. 752, in Paris 1,2** mit 
SSW. und Nebel, in Greenwioh 0,9**, Barom. 759, Nebel, 
in Naim — 0,5** mit S. 

Am 1. Januar kam die Östliche Strömung nach Göt- 
.tingen, Brüssel ( — 1,8** mit NO., Barom. 759), Greenwioh 
(0,6** mit ONO., Barom. 759), Nairn (—0,8** mit ONO., 
Barom. 767), Kopenhagen (—4** mit ONO., Barom. 769), 
in Libau waren — 7,2* mit NNO., Petersburg — 8,7* mit N., 
Stockholm —8,7**, Barom. 766, Moskau — 10**, dagegen 
Haparanda hatte nur — 1,4**. 

Am 2. Januar drangen Kälte und schwererer Luftdruck 
ferner nord westwärts vor, Paris hatte nun — 4,s*, das 
Barometer stieg auf 770 mit NO. und heiterem Himmel, 
Greenwioh hatte — 1,2** mit NO. und Barom. 774, Na^n 
— 3,5* mit ONO., Barom. 774. Wir erkennen nun in der 
That Europa von einem breiten Nordoststrome überweht, 
aber mit Ausnahme des nördlichsten und des südlichsten 
Theiles dieses westlichen Anhanges von Asien, hier sind 
die beiden seitlichen Grenzen des Passatstroms 'zu be- 
merken. Die Bichtung war auch im nördlichen Theile 
noch eine nordöstliche, wenigstens ONO., obwohl erklär- 
licher Weise die Lage des Winterkälte-Pols, etwa zwischen 
60** und 70* N., bewirken muss, dass unter den daher 
kommenden wie dahin gehenden Strömen, welche ihn 
strahlenförmig umgeben, eine Änderung der Richtung aus 
der Beihenfolge hervorgeht; im südöstlichen Europa muss 
daher die Bichtung eines Passatstroms schon entschiedener 
nordöstlich sein, im nordwestlichen Europa aber der öst* 
liehen sich nähern; dasselbe gilt analog für die Richtung 
der Anti- Passatströme. Am genannten Tage finden wir 
ausserhalb des kalten Polarstroms geblieben Haparanda (viel- 
leicht auch Arohangel, Hammerfest, Drontheim?) und auch 
im Süden Neapel (6*, SW.), Palermo (8,3*, SW. mit nie- 
drigem Barometer, 755), Alicante (8,7*), Palma (9,2*, NW., 
Barom. 759), so dass man sogar wagen kann, ungefähr die 
Breite eines Polarstroms oder Passats zu bestimmen; im 
vorliegenden Falle reichte sie etwa von Nairn bis Palermo, 
von 58* bis 38* N., das wären 20 Breitengrade = 300 
Geogr. Meilen (z. B. am 6. Januar hatte Petersburg 



—6*, NW. und Naim —6,7*, 880., aber Leipzig —13°, 0., 
Bern —11*, SO., Livorno —1,8*, ONO., Neapel 2,2^ N., 
auch Palma, Alicante und Cadiz hatten NO., aber Palermo, 
wenigstens am folgenden Tage, 2,9*, WSW.); diese Breite 
ist eher zu schmal als zu gross angenommen. 

Es ist wohl hinreichend deutlich, dass die Kälte und 
überhaupt die ganze östlichkeit und Kontinentalität der 
meteorischen Zustände damals wirklich längs einer langen 
Linie von Südost nach Nordwest hin vorrückte, das heisst, 
sie beruhte auf einem aktiven Polarstrome. Die Geschwin- 
digkeit, mit welcher diess geschah, lässt sich ungefabr 
daraus ermessen, dass diese Linie, um von Wien nach I^aim 
zu rücken, etWa 2 Tage bedurfte. Die Richtung des gan- 
zen Stroms lässt sich ungefähr an der vorrückenden rechten 
Seite oder nördlichen Zwischengrenze erkennen, welche 
freilich weder als schroff trennend noch streng gerade, 
sondern eher als allmählich übergehend und Kurven bil- 
dend gedacht werden muss, sie scheint z. B. ein Mal von 
Petersburg nach Bordeaux verlaufend , d. i. NO., auf dem 
Globus gesehen. Beachtenswerth ist, was die Zwischen- 
grenze betrifft, dass längs derselben, also zwischen zwei 
unter sich kontrastirenden Passatströmen, ein breiter Strioh 
mit Zeichen des Übergangs wahrnehmbar ist, erfüllt mit 
Nebel, Wolken oder Niederschlägen, als Bogen und Schnee; 
vermuthlich und meistens nachweisbar befindet sich hier 
auch eine Ausgleichung der extremen Barometerstande, 
indem der niedrigste Luftdruck längs der Mittellinie eines 
Süd Weststroms verläuft, dagegen der höchste längs der 
Mittellinie eines Nordoststroms, so dass parallel streichen 
ein Barometer-Thal und ein Barometer-Höhenzug und zwi- 
schen beiden ein Übergang. Diese Yertheilung gilt auch 
für die Temperatur, es scheint, dass die strengste Kälte, 
oeteris paribus, längs der Mittellinie eines Polarstroms sich 
hält, weil zu beiden Seiten wärmere Ströme angrenzen, 
demnach muss ein schmaler Polarstrom weniger Kälte haben, 
und dasselbe ist in umgekehrter Weise auf die milde Tem- 
peratur der Anti- Polarströme anzuwenden. — Auch das 
Drehen der Windfahne, von SW. über W., NW. nach NO. 
hin erfolgend, ist in mehreren Angaben wahrnehmbar, wie 
es in diesem Falle, wo der Nordost - Passat nach seiner 
rechten Seite hin an die Stelle des Südwest -Passats trat, 
die Theorie verlangt >) (so dass nicht etwa ein Drehen der 
beiden Ströme selbst in ihrer ganzen Breite, sondern nur 
etwa an einzelnen lokalen Theilen der Zwischengrenze, 
noch weniger aber ein senkrechtes Oegeneinanderwehen 
derselben, ein gegenseitiges Stauen, in der Vorstellung vom 
Wechsel der Passate Geltung haben darf). 



*) Kiheres hierüber findet sich in „Beitrage rar Geo-Phruk nad 
KUmatographie", 1863, Heft I, S. 46. 



Ein geographischer Überblick der Wetter-Bewegung des Januars 1864 in Europa. 



141 



So blieb die Lage eines breiten Passats über Europa 
etwa 2| Woohen herrschend mit schwachem Luftange, 
strenger Kälte, hohem Luftdrucke , geringer Dampfmenge» 
heiterem Himmel und bei massiger Schneedecke. Lidessen 
darf man nicht Töllige Stätigkeit der beiden neben einander 
liegenden und in entgegengesetsten Richtungen wehenden 
Ströme sich denken, sondern indem beide nach rechts 
drängen, wie auch jeder Fluss thut, fluktuiren -sie einiger« 
nmassen, indem bald der eine, bald der andere rechtsseit- 
lich vordringt. Diess ist an den Zwischengrenzen am 
besten wahrnehmbar. So geschah es, dass das nördlichste 
Earopa schon nach einigen Tagen wieder frei wurde yom 
Polarstrom und vom Äquatorialstrom wieder eingenommen 
▼ar. Offenbar erfolgte am 4. Januar ein Vorrücken des 
letzteren und in Folge davon eine Verschiebung des ersteren 
nach Südost hin; damals erfuhr auch die Stadt Algier ihren 
kältesten Tag, es werden hier 4^ gemeldet mit Schneefiül, 
N. und NW., Barom. 770. 

Am 6. Januar war der Stand der Meteoration über 
Earopa etwa folgendermaassen yertheilt : im Westen hatte 
Nairn —5,7**, SSO., Barometer 769, Oreenwich — 6,6**, 
Barom. 768, Brest —1,5**, SO., Bordeaux --5,6**, Bar. 765, 
Bilbao 1,1% OSO., Madrid 1.6% NNO., Cadia 9\ OSO., — 
in der Mitte Leipzig — 18,0**, 0., Barom. 774, Wien — 7,o**, 
Barom. 767, Bern —11,3**, SO., Livomo —1,3**, ONO., 
Barom. 767, Neapel 2,2**, N., Heiterkeit, — im Osten 
Nikolajew — 13**, Moskau? — , dagegen finden wir im 
nordlichsten Europa weit mildere Temperatur und den 
Äqoatorialstrom, in Haparanda — 1**; WSW., Kopenhagen 
-0,5% WNW., Petersburg —6,8% NW., Barom. 763. 

Am 8. Januar zeigten sich selbst bis zur Mitte Deutsch- 
lands die Vorboten einer eintretenden Umsetzung der Pas- 
sate, der Äquatorialstrom schwankte nach rechts, jedoch 
bald wieder zurück, in Göttingen erschien an jenem Tage 
am früher heiteren Himmel Oewölk, das entschieden aus 
Westen herzog; aber der Polarstrom hielt Stand, noch an 
demselben Tage verschwanden die Wolken, der Polarstrom 
drang sogar nun noch weiter nordwärts als früher, denn 
zwei Tage nachher finden wir ihn auch in Haparanda mit 
—11,1**, N. und hohem Barometer, 771. 

Ein abermaliger Versnob des „Südwesters" , nach rechts 
zu rücken und den „Nordoster" zu verdrängen, machte 
sich bemerklich am 14. Januar; in Göttingen (dem Beob- 
achtnngsorte des Verfassers) erschienen am Morgen cirri, 
langsam, aber entschieden von West herziehend, während 
unten Ost blieb, in London fiel Regen, auch in Brest, 
Paris und noch südlicher war der früher heitere Himmel 
getrübt, obgleich unten der kalte östliche Luftzug beharrte, 
also wieder längs der breiten Zwischengrenze ; aber weiter 
nach Südosten hin blieb ausser der Kälte auch die Heiterkeit, 



so in Leipzig —15*, Bern —12*', Toulon —0,8**, ONO. 
Damit war im hohen Norden wirklich entschieden Gebiet 
gewonnen vom Anti- Passat, es war erhöhte Temperatur 
eingetreten mit W. und WNW., in Haparanda 4,0* (viel- 
leicht — 4**), Barom. 775, in Petersburg — 2,2**, Barom. 764, 
Stockholm 3,0 "*, SW., Barom. 777, Riga 1"* (und nun ver- 
gleiche man damit gleichzeitig Florenz — 4,5**, Turin 
— 10,0**). Sehr bald aber wurde wieder die Zwischengrenze 
nordwärts geschoben (man kann diess Wechselspiel der 
beiden Passate wohl bezeichnen als ein abwechselndes 
Aktiv- und Passivwerden, die seitliche Bewegung ist pendel- 
artig und wohl verdienen die kurzen Vor- und Zurück- 
schiebungen einen besonderen - Ausdruck , vielleicht die 
„pendulirende Verschiebung der Zwischengrenze", zum 
Unterschiede von einem „vollständigen Passatwechsel", 
wahrscheinlich findet auf der Zwischengrenze diess Pendu- 
liren immer Statt; dadurch ist mancher Wettervorgang er- 
klärlich). In Oöttingen war das erwähnte Cirrus- Gewölk 
schon am Mittag wieder verschwunden und es herrschte 
wieder der heitere O. und SO. mit — 9**, auch in London 
stellte sich der Frost wieder ein. Strenge Kälte wird auch 
berichtet aus Pesth, Bucharest, Konstantinopel und Athen. 
2. Der vollständige Passatwechsel trat einige Tage später 
ein, was Göttingen betrifft, am 19. Januar Mittags, der 
Himmel trübte sich rasch im ganzen Umfange, bei milder 
werdender ruhiger Luft —0,5**, die Fahne drehte sich 
langsam aus ONO. über SO. nach SSW., aber das Barometer 
hielt sich noch mehrere Tage hoch, bis zum 22., dann erst 
fiel es und die Temperatur erreichte 7** R. Die Theorie 
muss erwarten, dass, da nun der Südweststrom rechtswärts 
sich verschob, liuch die Umsetzung der meteorischen Zu- 
stände in solcher Richtung, also nach Südost hin erfolgen 
muBste und aus dem Überblicke sich ergeben werde. Diess 
verfehlt auch nicht, in solcher Weise sich zu bewähren. 
Schon am 17. Januar sehen wir die ersten Vorboten der 
Umsetzung in Paris, wo cirri gemeldet werden bei — 2,s" 
und OSO., Barom. 767, Haparanda hatte — 5,1**, S., Baro- 
meter 768, Petersburg hatte nur noch —3,9**, N., Bar. 776, 
Kopenhagen noch — 5,4**; aber am 18. Januar hatte Peters- 
burg schon —1,8% NW., Nairn 1,4**, WSW., Paris 2,o**, SO. 
mit Trübe, auch in Schleswig begann Thauwetter schon an 
diesem Tage; am 19. Januar, wie gesagt, erreichte die 
mildere und feuchte Luft auch Göttingen (Leipzig hatte 
noch — 10**), am 20. Frankfurt a. M. (Leipzig hatte nun 
—1,3**, SW., aber Bern noch —11,3% SSO., Barom. 77S, 
Livomo noch— 1,2**, ONO., Barom. 773, Neapel 1,6*', NNO., 
Barom. 770); am 21. bestand noch niedrige Temperatur, 
nahe unter Frost, in Strassburg und Montpellier mit Wind 
aus NO., 0. und SO., auch Leipzig hatte noch — 2,8^, 
Barom. 773, Wien — 6,o** , Barom. 776, Florenz —4**, 



142 



Ein geographischer Überbliek der Wetter-Bewegung des Januars 1864 in Europa. 



Turin — 8', Rom 0,o', N., Neapel 2,o**, ONO., Barom. 770 
(als gleichzeitig Petersburg — 4* mitW. hatte); am 22. sehen 
wir Leipzig frei mit 1,6^ und fallendem Barometer, 767 >), 
auohStrassburg hatte nun Thauwetter, 1,6° beiSW., aber Bern 
noch — 8,2**, Barom. 769 und Heiterkeit, Wien noch — 6,7*, 
Barom. 772 (als gleichzeitig Petersburg --3,9**, SW., Baro- 
meter 751 hatte); selbst am 23. sind Wien und Bern noch 
nicht frei (auch Eonstantinopel hatte an diesem Tage 
noch —0,5**); erst am 24. erfolgt diess für Bern 0,7 **, 88 W., 
Barom. noch 767, und dann auch für Wien (und zwar 
während nun im höchsten Norden, zu Haparanda, schon 
wieder ein anderer Polarstrom zum Vorschein zu kommen 
beginnt, mit — 9,o**, aber Barom. noch 743, also hinter 
oder zur linken Seite des yorrückenden Äquatorialstroms, 
gleichsam wie in dem 6ich umdrehenden Rade eine fer- 
nere Speiche). Das südliche Frankreich war zur Zeit 
kühler als das nördliche, Montpellier hatte nur 2,4**, Havre 
aber 7,o; o£Penbar geschah das weitere Zurückweichen des 
Polarstroms im südlichen Deutschland langsam, er blieb 
hartnäckig über Neapel, Madrid, Lissabon; noch am 26. hatte 
Rom nur 0,9** mit N., bis zum 28. blieb hier Kälte (auch 
damals noch in Eonstantinopel), jedoch am 28. finden wir 
in Rom 8,o** mit 8., aber Alicante scheint damals noch unter 
dem Nordoststrom gewesen zu sein. Leider fehlen die 
Angaben, um die linke Orenze dieses Luftstroms noch 



1) Das Sinken des Barometers folgte überaU erst einige Tage später 
dem Eintreten des neuen Laftstroms. 



weiter in ihrem Zurückweichen zu verfolgen, indessen 
Zeitungsberichte melden von einer ungewöhnlich strengen 
Kälte bis zar Eisbildung in Ägypten und in Syrien etwa 
zu dieser Zeit oder in der ersten Woche des Februars. 

3. Nach einer Herrschaft des warmen Südweststroms, 
die im nördlichen Deutschland etwa 10 Tage währte, stellte 
sich hier am 31. Januar aufs Neue Kälte ein, aber in ge- 
ringerem Grade und auch auf kürzere Zeit. Wenn man 
nun Anfangs vermuthen durfte, dass hier abermals eine 
Rückkehr, also ein wiederholtes aktives rechtsseitiges Vor- 
rücken desselben Passatstroms, der so lange über Europa 
Stand gehalten hatte, zu Grunde liege, so lehrt doch der 
genauere Überblick, dass in diesem Falle umgekehrt von 
der anderen Seite, von Nordwest her ein zweiter Passat- 
strom herankam, also passiv und geschoben von einem 
zweiten hinter ihm, d. i. an seiner rechten Seite, liegenden 
Anti-Passatstrom. Dieser zweite Passat war weit schmäler 
(etwa um die Hälfte) als der erste (vielleicht schon deshalb 
weniger kalt und kürzer verweilend) und bald kam der 
dahinter liegende, ihn schiebende Anti-Passat ebenfalls zum 
Vorschein und trat an dessen Stelle. 

Wie die neue Kälte, Windrichtung und Barometerstand 
diess Mal nach der linken Seite des Polarstroms vorrückten, 
welcher aber wieder sich darstellte als in der Richtung von 
NO. nach SW. wehend und in der Gestalt wie ein sich 
drehender Flügel einer Windmühle nach links, nach Südost 
hin sich bewegte, wird anschaulich durch folgendes Schema: 







Naim. 


1 


Kopenhagen. 




Petersburg. 


Haparanda. 


24. Januar 










— 0,70 NW. 




— 9,60 


28. „ 


3,0OO. 




— : 


1,70, Barom. 760 




— 5,8 NW. 






29. „ j 1,8 SSW. 


< 


► — i 


M „ 766 


1 


—14,7 NW. 






30. „ 3,6 SSO. 




— 


MNW.,Bar.773 




—19,6 NW. 




-15,8 


31. „ 








1 


— 2,6 SW. 


- 5,0 


1. Februar 










0,7 SW. 




2. » 












1,0 W. 




3. „ 








' 




0,6 SW. 




4. „ 












1,2 SW. 






Paris. 


War 

0,40 


icbau. 


Bern. 




; Wien. 


Odessa. 
— 3« NW. 


Moskau. 


24. Januar 


SW. 






— 6,60SW. 


28. „ 


6,l0W., Barom. 764 


1,6 


1,1^ SO., Barom. 768 


4,80 W., B„om. 763 


— 3,2 ! — 8,0 NW. 


29. „ 


4,1 N. 


—2,2 NO. 


0,6 W. 


761 


2,9 W. „ 757 


— 1,6 N. 1 — . 5,8 W. 


30. „ 


—1,0 NO. „ 776 


—3,6 NW. 


-4,0 SO. „ 


772 


—4,1 NW. „ 77Ö 


— 2,2 NO. ' —19,2 N. 


31. „ 


— ?,0 SO. 


—7,4 SW. 








—11,0 NO. 


—14,2 


1. Febr. 


-4 SO. 


—9,6 SO.. 






—6,6 SO. 


—10,0 NW. 


— 1,8 NW. 


2. „ 


—0,6 SW. 


—7,2 SW. 






—8 SO. 


— 7,6 NW. 


— 8 W. 


8. „ 


3 SW. 


-6,6 








- 5,0 


— 9,8 SW. 


4. » 






-2,1 


SW. 










0,0 SW. 


— 7,2 SW. 



Hieraus ersieht man unzweifelhaft, dass das Eintreten 
strengerer Kälte (welche in Haparanda schon am 24. Ja- 
nuar bestand) in Petersburg am 29. Januar begann (aber 
noch nicht in Nairn war sie zu bemerken, das doch nur 
30 Geogr. Meilen südlicher liegt, an der Ostküste Schott- 
lands), dass sie seitlich vorrückend erschien am 30. in 
Moskau, Kopenhagen, Warschau, Paris, Wien, Bern, am 



31. in Odessa, dass ein bedeutendes Steigen des Baro- 
meters sich in gleicher Eichtung bewegte, nachweislich in 
Kopenhagen, Paris, Wien, Bern, und dass die Windrichtung 
damit übereinstimmte (in diesem Falle musste längs der 
linken, passiv vorrückenden Grenze des Polarstroms die 
Drehung der Fahne in der ungewöhnlichen Weise» von 
SW. über SO. nach NO., erfolgen). Auch hier lässt sich 



Ein geographischer Überblick der Wetter-Bewegung des Januars 1864 in Europa. 



US 



ungefihr die Breite des Polarstroms erkennen, sie war 
weit schmäler als die des ersten, reichte etwa von Peters- 
baig nach Wien, d. i. Ton 59'' N. bis 49'' N., 10 Breiten- 
grade = 150 Geogr. Meilen, also etwa um die Hälfte 
schmäler als die Breite des früheren kälteren. Auch der 
dazwischen liegende zweite Äquatorial- oder Anti-Polarstrom 
läast sich einigennaassen seiner Breite nach bestimmen, 
denn als dessen rechte, vordringende Grenze Bern erreicht 
hatte, erschien dessen linke Grenze bei Haparanda, d. i. 
wieder etwa (von 66" N. bis 46* K) 20 Breitengrade = 
300 Oeogr. Meilen, also beinahe so breit wie der erste 
Passat war auch dieser Anti-Passat. Endlich ersieht man, 
wie rasch schon nach 2 Tagen diesem passiven Polarstrom 
an dessen rechter 8eite ein zweiter Anti-Polarstrom nach- 
rückend folgte; der letztere erschien in Petersburg am 
31. Januar, in Moskau am 1. Februar, in Odessa am 2. 
oder 3. Februar (die Drehung des Bades geschah also diess 
Mal sehr rasch). 

§.3. 
Wer die oben gegebene Darlegung mit einiger Aufmerk- 
samkeit verfolgt hat, wird zugeben, dass im Monat Ja- 
noar 1864 die Wetter - Bewegung über Europa für ihre 
nähere Untersuchung oder Analyse ganz besonders günstige 
Gelegenheit darbot. Wir finden dann die dabei in An- 
wendung gezogene geographische Vorstellung für die Er- 
klärang der meteorischen Vorgänge jener Tage im weiteren 
Umfange Europa's nicht versagend, nämlich dass um den 
Winterkälte - Pol in der Mitte des polarischen Asiens ein 
Windsystem sich dreht, strahlenförmig oder gleichsam wie 
ein Rad mit mehreren Speichen von verschiedener Breite, 
welche den von dort herkommenden und den dorthin ziehen- 
den Luftsirömen entsprechen. In jenem Monate erschienen 
über Europa von diesen tiuftströmen vier, das Bad drehte sich 
Anfangs (hier an der Südwestseite des ganzen östlichen 
Wettersystems) von Südost nach Nordwest, so dass über 
Europa lange ein breiter Passatstrom zu stehen kam, 
schwankte dann in kurzen Sätzen einige Mal zurück und 
wieder vor, wurde aber schliesslich zurückgedreht, von 
Nordwest nach Südost, womit ein Anti-Passat und dann 
ein zweiter Passat über Europa hin geführt wurden. Da 
die einzelnen neben einander liegenden grossen Luftströme 
in regelmässiger Abwechselung zu je zwei ganz entgegen- 
gesetzte physikalische Eigenschaften besitzen, je nachdem 
sie vom Kältepol herkommen oder dorthin gehen, so werden 
durch das Drehen dieses Rades kontrastirende meteorische 
Zustände in kürzerer oder längerer Zeit über einen Ort 
hin weggeführt , wahrscheinlich aber besitzen die breiteren 
Ströme, eeteris paribus, in höherem Grade ihre charakte- 
ristischen Eigenschaften als die schmäleren. Der Gewinn 
ist vorzugsweise hoch zu achten, dass es diess Mal möglich 



gewesen ist, die beiden Grenzen und also die Breite von 
zwei Passaten und von einem Anti-Passat wenigstens an* 
nähernd zu bestimmen, was bisher noch niemals für Europa 
versucht' worden war, so viel dem Verfasser bekannt ist 
(wohl aber ist schon früher bei einem in Nord- Amerika 
geographisch beschriebenen Polarstrome, dort von Nordwest 
her gerichtet, eine solche Bestimmung thunlich gewesen '))- 
Die Aussichten auf eine vollständigere geographische 
Auffassung gleichzeitiger Meteorations - Verhältnisse auf der 
Grundlage des tellurischen Windsystems, wenigstens auf 
der nördlichen Halbkugel, sind in der neuesten Zeit rasoh 
nahe gerückt. Von selbst tritt der Wunsch hervor, dass 
das zu sammelnde Beobachtungs - Material noch Ergänzung 
finden möge nach einigen wichtigen Seiten hin, wenn auch 
nur an einzelnen Orten, nur hinreichend, um die dortige 
Anwesenheit eines oder des anderen fundamentalen Luft- 
stroms ersehen zu können. Als solche Orte kann man 
bezeichnen: im nördlichen Skandinavien etwa Hammerfest, 
Drontheim, Bergen, weiter westlich die Färöer und Bey- 
kiavig auf Island, nach Osten hin Archangel und die 
Strecke östlich von Petersburg, Nowgorod und Moskau 
nach Jakuzk hin. Da nun bald eine Telegraphen - Linie 
bis zur Ostküste Sibiriens am Amur-Flusse sich erstrecken 
wird, so eröffnet sich in der That die Aussicht auf grosse 
meteorologische Belehrungen, indem zu hoffen ist, dass 
vielleicht sogar die Eeihenfolge der grossen Luftströme er- 
kannt werde, wie sie strahlenförmig den Winter-Pol bei 
J'akuzk umkreisen und wie sie sich verschieben und viel- 
leicht auch sich vergrössern und verkleinern. Auch für 
Europa ist noch eine Ausdehnung der meteorologischen 
Übersicht im Südosten wünschenswerth, z. B. nach Eonstan- 
tinopel, Trapezunt, Smyrna, Athen, Aleppo, Alezandria, 
Tripolis. Sogar für die Mitte Europa's fehlt noch in Deutsch- 
land eine übersichtliche Vereinigung oder wenigstens syste- 
matische Sammlung der täglich aufgenommenen Beobach- 
tungen, welche hier so zahlreich und so umsichtig angestellt 
vorhanden sind wie kaum in irgend einem anderen Lande auf 
der Erdkugel. Endlich tnnss noch als ein besonders wich- 
tiger meteorologischer Beobachtungsort bezeichnet werden 
im Atlantischen Ocean die Azoren, denn diese Inseln liegen 
ziemlich in der Mitte zwischen den beiden geographischen 
Windsystemen unserer nördlichen Halbkugel, dem Ameri- 



1) S. „Beitrage zur Geo-Physik" u. s. w. 1863, Heft I, SS. 83 
nnd 85. Aach findet man in dieser Zeitschrift, 1861, Heft II, und 
im Appendix der „Klimatographiscben Übersicht der Erde" 1862, S. 677, 
■chon eine geographisch • meteorologische Beobachtung eines Wechsels 
der beiden Passate in Europa im Januar 1861, welcher demjenigen des 
Jahres 1864 ganz analog sich yerhaltend sich erweist und dessen Gestal- 
tung Überhaupt zuerst den Verfasser hingewiesen hat nach dem richtigen 
Windpole wie auf die richtige Lage und die Art der Umsetzung der 
beiden Passate. (Jener Appendix bildet eigentlich das erste Heft der 
„Beitrage zur Geo-Physik*'.) 



144 



Ein geographischer Überblick der Wetter-Bewegung des Januars 1864 in Europa. 



kaniscbea und dem Europo- Asiatischen, d. i. ziemlich gleich 
entfernt vom westlichen und vom östlichen Wiuterkälte- 
Fol, da wo der rüokkehrende und herabgestiegene Passat 
oder Anti- Passat sich theilt, nach Europa als Südwest 
weiter zieht, aber nach Nord- Amerika als Südost, wohin 
aucb der Polarstrom als Nordwest kommt (diess gilt we- 
nigstens für die untere Schicht der Atmosphäre) ; also etwa 
in diesem Trennungswinkel liegen die Azoren (vielleicht 
steht damit in Verbindung die Häufigkeit der Stürme eben 
nördlich von dieser Stelle, obwohl zu erinnern ist, dass 
im Sommer nur ein einfacher Kälte- und Wind- Pol an« 
genommen wird im Circumpolar- Meere, im Umfange des 
Erdpols selbst, aber die Stürme ereignen sich auch vorzugs- 
weise nur im Winter). 

Eine Bemerkung für die Theorie der Stürme. — Das 
eben Vorgetragene, die Anwendung des erkannten geo- 
graphischen Windsystems, die Untersuchungen und Befunde 
über die Vertheilung und das Verhalten der fundamentalen 
atmosphärischen Ströme, und die angedeuteten ferneren 
Aufgaben und Mittel beziehen sich nicht allein auf die 
eigentlichen sogenannten Witterungs- Verhältnisse, sondern 
sie haben gleiche Bedeutung für das eben jetzt so ersehnte 
und erstrebte Verständniss der Stürme. Dieselben grossen 
Luftströme, welche den Wettervorgängen zu Grunde liegen, 
sind auch die wirkenden Faktoren bei den Stürmen; was 
wir an Eenntniss gewinnen in Bezug auf das Wetter, das 
kommt auch der Theorie der Stürme zu Gute. Auch die 
Biohtung der im westlichen Europa so gefürchteten Südwest- 
oder Weststürme unserer Winter ist dieselbe, wie wir sie 
eben in Beispielen ruhig strömender Anti -Passate geo- 
graphisch überblickt haben. Die Stürme dringen gleich- 
falls nach dem Winterkälte- Pole , aber in ungewöhnlicher 
Eile, vermuthlich weil dort zur Zeit grösserer Bedarf an 
Luft ist, indem sie ja überhaupt zur Kompensation der 
von dort mit dem Passat fortziehenden oder fortgezogen 
werdenden, d. i. aspirirten, Luft dorthin dringen. Der 
Grund eines ungewöhnlich grossen Luftbedarfs am Kälte- 
Pol ist darin zu vermuthen, dass ein Polarstrom eiliger 
nach den südlichen Zonen hin aspirirt worden ist, und der 
Grund hiervon kann sein eine Zunahme an Wärme am 
südlichen Ort, aber auch eine Zunahme an Kälte (durch 
Ausstrahlung bei heiterem Himmel und bei Calme) im 
nördlichen kältesten Gebiete. Letzteres ist im Winter das 
Wahrscheinlichere und vielleicht giebt es und findet man 
dereinst für jeden Südweststurm Europa's den korrespon- 
direnden Nordoststurm in Asien, um so mehr, da bereits 
erwiesen ist, dass im nördlichen Theile des grossen Kon- 
tinents Asien (wie auch in Nord-Amerika) , im Gegensatz 
zum Verhalten auf den beiden Oceanen gleicher Breiten- 
grade, der Polarstrom an Häufigkeit oder Dauer den Anti- 



Polarstrom überwiegt und dass hier eben im Winter die 
Polarströme stürmisch vorkommend sich verhalten. 

Die Richtung der Winterstürme in Europa ist in der 
That meistens WSW., wenn auch mit manchen lokalen 
und momentanen Schwankungen, und fast regelmässig mit 
am Ende eintretendem Nordwest, mit welchem auch einige 
Erniedrigung der Temperatur ^ und einige Erhöhung des 
Luftdrucks einzutreten pflegen. Der Verfasser dieser gele- 
genüicheil Äusserungen über die Stürme will nicht den 
Untersuchungen ausgezeichneter Forscher vorgreifen, welche 
schon lange den Stürmen ein spezielles Studium gewidmet 
haben, allein unterstützt durch eine erworbene Übung in 
geographischer Auffassung der meteorischen Thatsachen und 
auf ein danach erkanntes tellurisches System wagt er zu 
äussern, dass er bis jetzt in Europa noch keinen Cyklon 
unter den ihm bekannt gewordenen Beschreibungen von 
Winterstürmen, wie sie drei oder vier Mal in jedem Jahre 
vorzukommen pflegen, hat finden oder erkennen können 
(obgleich unzweifelhaft im Sommer kleinere oder grössere 
Wirbelwinde und Wirbelstürme, mit elektrischen Vorgängen 
verbunden, auch in Europa nicht verkannt werden können). 

Will man die so gefährlichen Winterstürme Europa's 
vorauszusehen möglich machen, so muss man sie nicht 
als Cjklonen sich vorstellen und erwarten, sondern in der 
beschriebenen, mit Thatsachen belegten geraden Gestalt, als 
einen von Westen sehr eilig nach dem Kälte-Pol hinzie- 
henden breiten Luftstronx, den gewöhnlichen Anti- Passat, 
welcher sehr wahrscheinlich längs seiner Mittellinie den 
geringsten Luftdruck hat und welcher nach seiner rechten 
Seite, aktiv vorzurücken pflegt. Ein solcher Sturm ist 
deshalb zu erwarten an einem Orte, wenn hier das Baro- 
meter rasch fällt, weil der Südweststrom mit seinem un- 
gewöhnlich geringen Luftdruck schon nahe an der Nordwest- 
seite des betreffenden Ortes vorhanden ist, und ein un- 
gewöhnlich niedriger Barometerstand wird dadurch sein 
Verkündiger, dass die leichtere herankommende Luft schon 
seitlich auf die benachbarten Barometer einwirkt '). Daraus 
würde die Regel zu folgern sein, einen kommenden Sturm 
schon als im Nordwesten vorhanden zu denken und mit 
seiner rechten Seite wahrscheinlich vorrückend zu erwarten, 
also in solcher Richtung danach auszuschauen ^). 



') Die Behauptoog mag gewagt werden , was die Ursache des so 
geringen Luftdrucks im stürmischen Anti-Passat betrifft, dass diese in 
der Geschwindigkeit des Stromens liegt. Bei West-Indiachen nnd 
Ost-Indischen Cy klonen wurde mit jedem Stoss das Barometer erniedrigt. 

') Wirklich pflegt ein Wintersturm in London um Einen Tag früher 
SU rasen als im nördlichen Deutschland, rielleicht ist er aber noch einen 
Tag früher in Schottland und Nord-Irland. Der oben erwähnte sehr 
heftige Sturm in der ersten Woche dos Dezembers 1863 erschien s. B. 
als Weststurm in London am 2., in Paris (und auch in Gottingen} am 3., 
in Toulon am 4. ; wenn er danach für einen Cyklon erklart worden ist, 
dessen Centrum Tom Norden Frankreichs nach Süden gesogen sei, so 
muss uns diess als irrig erscheinen. 



145 



Ein Zug nach dem Gebirge Bator auf der Insel Bali. 

Von Ä ZoUinger *). 
I. Abflohnitt: Die Insel Bali; Beise nach dem Bator-Qebirge. 



Frühere und jeUige Kenntnüs von Bah. — Die Insel 
Bali war den früheren Besitzern Java's, der alten Ost- 
Indischen Kompagnie, verhältnissmässig besser bekannt als 
den späteren oder vielmehr der Verkehr mit derselben 
war lebhafter als in neuerer Zeit. Den Beweis würden wir 
schon in den Werken von Yalentyn und Rnmphius finden, 
da z. B. der Letztere eine grosse Zahl Bali'scher Pflanzen- 
namen angenommen hat Vor dem I9. Jahrhundert waren 
es Torzüglich Soldaten, die auf Bali angeworben und ge- 
kauft wurden, und Sklaven in grosser Menge, besonders 
Frauen, die in Europäischen Häusern sehr gesucht waren.^ 
Noch heut zu Tage heisst eine Qegend mit Dorf zu Batavia 
„das Bali'sohe Dorf oder die Bali'sohe Vorstadt". Das hat 
Alles längst aufgehört und mit den vielen politischen Um- 
gestaltungen, welche die Revolution auch für Java und die 
Indischen Besitzungen überhaupt nach sich zog, traten die 
Beziehungen zu Bali fiast gänzlich in den Hintergrund. 
Die Hauptaufgabe Hollands war die Erhaltung und dann 
die Wiedergewinnung seiner Kolonien. Erst in neuester 
Zeit ist die Aufinerksamkeit wieder auf die schöne und 
merkwürdige Insel gerichtet worden, nachdem verschiedene 
Ursachen nach einander drei Feldzüge dorthin veranlasst 
hatten. Vorzüglich war es der mit unerhörter Frechheit 
getriebene Strandraub, der mit zu den Hauptursachen 
ziQilte, um so mehr, als die Bali'schen Fürsten demselben 
durch Verträge feierlich entsagt hatten, ihn aber eher er- 
muthigten als unterdrückten. Wiewohl ich hier eine all- 
gemeine Übersicht voraussenden muss , kann ich mich doch 
in geschichtliches Detail nicht einlassen und muss mich 
auf das beschränken, was zum Verständniss meiner Erzäh- 
lung unumgänglich nothwendig ist. Das Resultat des letzten 
Feldzuges von 1849 war, dass sämmtliche Fürsten ein 
Bündniss mit der Holländischen Regierung eingingen, dem 
Strandraub und Sklavenhandel entsagten und dass eins 
der Reiche in Nordwesten, Buliling nämlich, unmittelbares 
Holländisches Gebiet wurde durch das Recht der Eroberung. 



*) Bei Übersendang seines im Jahrgang 1858 der „Geogr. Hitth." 
(SS. 56—63) abgedruckten Aafsataes ttber den Indischen Archipel im 
Allgemeioen lohrieb uns H. ZoUinger, es sei jener Aufsatz gleichsam 
eine Einleitung su spezielleren Darstellungen, die er von Zeit zu Zeit 
sunarbeiten gedächte. Leider ereilte der Tod den um die Erforschung 
des Indischen Archipels so yerdienten Gelehrten schon am 19. Mai 1869, 
80 dass ihm nur eine der beabsichtigten Arbeiten abzuschliessen yer- 
g9nnt war, die Torliegende Beschreibung des Bator-Oebirges und seiner 
Reise dahin im Jahre 1867. Wir Terdanken die Übermittelung des 
Hsnnskriptes Herrn Dr. E. Stoehr in Zürich, welcher bei seiner An- 
▼eienheit in Jaya im Jahre 1868 eine Reise nach Bali mit Herrn 
Wumders Terabredet hatte, an der auch ZoUinger abermals Theil neh- 
men woUte; das Projekt zerschlug sich aber durch rerschiedene yer- 
logernde Umstände und endlich durch die ersten Begungen des spSter 
ansgebrochenen, bald jedoch niedergeschlagenen Aufstandes. Eine Profil- 
Ansicht des Bator-Qebirges nach Zollinger*s Messungen und Zeichnung 
beandet sich auf Tafel 3 des Jahrganges 1868 der „Oeogr. Mitthei- 
lungen"*, die Höhe des Bator-See's ist dort aber fSlschlich zu 3436 
etaU 3236 Fnss angegeben. A. F. 

Petermann's Oeogr. MittheUungen. 1864, Heft IV. 



Ein zweites in Südwesten, Djembrana, stellte sich selbst 
freiwillig ins gleiche Verhältniss, vorzüglich um seinen 
nachbarlichen Drängern zu entgehen. Die mannigfaltigen 
Unterhandlungen, Kriegszüge und seitherigen friedlichen 
Beziehungen haben dann auch eine Eenntniss der Insel 
Bali gewährt, wie sie früher unmöglich war, die immer aber 
noch weit entfernt ist, vollständig zu sein. Wir haben 
jetzt zahlreiche Mittheilungen über die Insel von dem 
Ruberen Kommissär der Regierung, Koopman, von mir 
selbst, von Herrn Baron van Hoevell (in seiner unvollen- 
deten Reise über Java und Bali, worin der Ver&sser reoht 
lebendig erzählt, allein o£fenbar viel zu viel Vertrauen auf 
die Wahrhaftigkeit so wie auf die Kenntniss und Einsicht 
seines einen Gewährsmannes setzt), dann von Friedrich, 
dem Assistent-Residenten Waanders zu Buliling, dem Kapi- 
tän de Seyff u. A. Von grosser Bedeutung sind besonders 
die Abhandlungen des Herrn Friedrich, der als ausgezeich- 
neter Indo-Orientalist (Schüler Lassen's) von der Regierung 
nach Bali gesendet wurde, um dort die Ethnographie im 
weitesten Umfange (Qeschichte, Religion, Literatur, Sprache 
n. s. w.) zu seinem Studium zu machen. Ein Autor hat 
versucht^ ein Qesammtbild der Insel zu entwerfen: Lauts, 
„Die Insel Bali und die Balinesen", Amsterdam 1848, 8^ mit 
einer Karte. Viele geschichtliche Nachrichten aus früherer 
Zeit sind sehr werthvoU, aber die Behandlung der Gegen- 
wart verräth nur zu sehr die literarische Kompilation und 
den Mangel an eigener Anschauung. 

Die beste erschienene Karte dürfte jetzt die im Atlas 
von Melvill van Garnb^ publicirte sein. Der nautische 
Theil und die Umrisse, Hauptorte in der Nähe der Küste, 
dürften wenig zu wünschen übrig lassen, dagegen das In- 
nere um so mehr, da besonders die centralen und west- 
lichen Theile fast unbrauchbar sind. 

Ich selbst habe Bali zum ersten Mal 1845 als Begleiter 
des Herrn Kommissär Major besucht und die Insel an Bord 
des Bromo umschifPt; 1846 machte ich dann den ganzen 
Feldzug in Buliling mit, ging dann nach Lombok und 
kehrte über Bali nach Java zurück. Später hat der jetzige 
Kommissär Bosch wiederholt die Güte gehabt, mich auf 
seinen Besuchen zu Buliling und Djembrana mitzunehmen, 
und der letzte Zug daselbst war der nach dem Bator- 
Gebirge, wozu mich der in Buliling residirende Assistent- 
Resident, Herr van Bloemen- Waanders, freundlichst einlud. 
Dieser Zug ist es insbesondere, mit dem ich mich hier 
beschäftigen werde nach einem kurzen Blicke auf den 
gegenwärtigen Zustand der Insel. 

Allgemeine Beschreibung der Insel. — Die Insel Bali, 
die erste der Kleinen Sunda-Inseln im Osten von Java, 
hat nach Melvill eine Oberfläche von 104 Quadrat-Meilen. 
Im Ganzen genommen ist sie etwas weiter nach Süden 
gerückt als Java; die Längenachse ihrer Gebirge geht in 
der Richtung von OSO. nach WNW., inzwischen so, dass 
die einzelnen Gruppen wieder Abweichungen zeigen. Wir 

19 



146 



Ein Zug nach dem Gebirge Bator auf der Insel Bali. 



können unterscheiden: 1. die centrale vulkanische Kette, 
deren westlicher Theil aber noch gänzlich der näheren 
Erforschung bedarf, möglich, dass dort noch Porphyr- oder 
Diorit- Gebilde auftreten; 2. die Ebenen des Südens und 
Südostens, vulkanische Alluvial- Gebilde; 3. die tertiären 
Kalkanhängsel, nämlich die nordwestliche Ecke der Insel, 
das Tafelland im Südosten, ganz ähnlich den südlichen 
Tafelländern von Banjuwangi, Lombok und Sumbawa, und 
endlich die Insel (Nusa) Fandita (d. h. die Eremiten- oder 
Priester- und nicht Banditen - Insel). Die Insel zerfällt 
als politisches Oebiet in 9 Beiche: im forden von Westen 
her Buliling, dann Karang-Assem (die .Nordostecke, jetzt 
dem Fürstenhause von Lombok zugefallen) ; im Osten Klong- 
kong, Gianjar, Badong (das Südostende); im Süden gegen 
Westen Mengui, Tabanan (das grösste Reich) und Djem- 
brana; im inneren Östlichen Theil liegt endlich das Berg- 
land Bangli, das nirgends an die See stösst. Den Holländi- 
Bchen Interessen waren von Anfang entschieden zugethan 
die Beiche Bangli, Badong und Djembrana, sobald es von 
Buliling abgelöst war. Die Hauptgegner waren Buliling, 
Karang-Assem und Klongkong. 

Die Einwohner gehören alle der Malaiischen Eace an, 
scheinen mir aber etwas schlanker und stärker gebaut als 
die Javanesen, wenigstens die Männer, die sich auch durch 
freiere Haltung auszeichnen. Die Zahl der Bewohner wurde 
früher sehr überschätzt, zum Theil veranlasst durch über- 
triebene Angaben der Balier selbst. Es gab Berichterstatter, 
die von 1 Million und darüber sprachen, andere von 
800.000 Seelen. Die richtigsten Schätzungen dürften wohl 
die des Herrn Bosch sein, der bis auf 460.000 hinunter- 
geht, was aber immer noch mehr als 4000 Seelen per 
Quadrat-Meile ausmacht. 

Die Bali'sche Sprache hat die Eigenthümlichkeit zweier 
verschiedener Sprechweisen oder gar Sprachen neben ein- 
ander her, das Hoch- und I9ieder-Bali'sche genannt. Jenes 
hat gar viel mit dem Hoch -Javanischen gemein und ist 
wohl Eines Stammes mit ihm und durch fremde Eindringlinge 
gleichsam gepfropft. Das Nieder-Bali'sche scheint die ur- 
sprüngliche Sprache • des Volkes und nähert sich schon in 
vielen Eigenthümlichkeiten dem Spraohstamm der östlichen 
Inseln, so durch viele sonderbare Reduplikationen, das 
Zurücktreten der Konsonanten, die Anhäufung von Selbst- 
lautern und Diphthongen u. s. w. Die religiöse Schriftsprache 
ist das Kawi, übrigens nicht ausschliesslich von den Priestern 
gekannt und gelesen. 

Auffallend vor Allem bleibt, dass Bali inmitten aller um- 
ringenden mohammedanischen Bevölkerungen einer Hindu- 
Religion, dem Siwa-Dienste, hat treu bleiben können. Das 
Volk ist noch in vier Kasten geschieden , allein die Kasten- 
Intoleranz, Zersplitterung und Bedeutung bis in die letzten 
Handlungen ist nicht vorhanden, entweder nie dagewesen 
oder verschwunden. Die Balier sind tolerant und bemühen 
sich mit der Religion der vielen Mohammedaner und Chine- 
sen am Strande gar nicht, lassen die Europäer im Frieden, 
würden aber dennoch für Missionäre einen sehr unfrucht- 
baren Boden abgeben. Sie verlangen, dass Andersdenkende 
auch sie ungeschoren lassen. 

Fahrt längs der NordhiUte von Bali, — Die Bali^schen 
Gebirge zerfallen in drei deutliche Gruppen: 

1. Das chaotiaehe unbekannte Labyrinth des Westens, 



durch einen Gebirgssattel im Süden von Tebunkus von den 
folgenden Theilen geschieden. 

2. Die centrale vulkanische Gruppe zwischen den 
Reichen Tabanan und Buliling bis zum Hochlande Ton 
Tjatjor im Reiche Bangli. Streichung Von ONO. gegen WSW. 

3. Nordöstliche vulkanische Gruppe des Bator und Agung 
in den Reichen Buliling, Karang-Assem und Bangli. Diese 
Gruppe insbesondere bildete den Hauptzielpunkt unserer 
Reise. 

Den 28. August 1857 schiffte sich Herr Waanders zu 
Banjuwangi an Bord eines der Regierungs- Kanonenboote 
ein, um nach seiner Station zurückzukehren. Wir steuerten 
die Strasse Bali nordwärts hinaus, fortgerissen von jener 
gewaltigen Strömung, die in dieser Strasse abwechselnd 
zwei Mal täglich nach Süden und Norden fluthet, gerade 
wie in den östlicheren Strassen, wo sie noch heftiger wird 
und bis zu 8 Seemeilen per Stunde ansteigen kann. In 
der Strasse Bali folgt auf die Meridian - Durchgänge des 
Mondes die südliche Strömung nach Norden, 4 bis 8 Stan- 
den später die Rückfluth nach Süden, jene kombinirt mit 
der Fluth, diese mit der Ebbe. Wir umschifften so die 
nordwestliche Ecke von Bali, umsäumt von jungen Korallen- 
riffen, und fuhren zwischen dieser Insel und der kleinen 
wasserlosen Kalkinsel (Fulo) Menjangan (d. i. Hirschinsei) 
durch, quer über die Bai von St. Nikolas. Diese hat im 
Hintergrunde noch eine schmale, nach Osten gekrümmte, 
verborgene Bucht, welche den Namen Banju wedan (warmes 
Wasser) trägt, weil an ihrem östlichen Ende durch Korallen- 
riffe eine warme schweflige Quelle empordringt, deren Mün- 
dung jedoch zur Fluthzeit unter Wasser steht. Das empor- 
quellende Wasser zeigt zur Zeit der Ebbe eine Temperatur 
von 46 bis 48" C. 

Jenseit der östlichen Ecke von St. Nikolas-Bai endet 
die Kalkbiidung, obwohl die Korallenriffe sich noch etwas 
weiter gegen Ost erstrecken, und es streichen nun zahl- 
reiche parallele, schmale, steile, scharf zerrissene vulkanische 
Rücken bis zum Strande nieder, deren einer mit seiner 
kahlen Endkuppe das Vorgebirge Gunung Oundul bildet 
Sonderbar genug ist an diesen Rippen keine Konvergent 
nach einem gemeinsamen Mittelpunkt zu bemerken, obechon 
hie und da eine derselben in 2 bis 3 Enden sich spaltet 
Der ganze westliche Theil der Nordküste von Bali längs 
der 1. Gebirgsgruppe ist eine abschreckende Wildniss, be- 
waldet zwar, aber wasserarm, unbewohnt Der Charakter 
der Gegend verändert sich einigermaassen , wenn wir nns 
dem kleinen Handelsplatze Tebunkus nähern, der hinter 
einem riffartigen Inselchen einen guten Ankerplatz besitzt 
Südlich nämlich von Tebunkus befindet sich eine Lücke 
in der Gebirgskette und bildet ^zwischen der westlichen 
und centralen Gruppe eine deutliche Scheidung. Die Strand- 
gegend wird weiterhin sanft absteigend, wohnlicher und 
bebauter. Das Gebirge der centralen Gruppe stellt sich 
als ein zusammenhängendes Ganzes dar, im Norden ein 
zusammenhängender vulkanischer Wall, der sich bis über 
3000 Fuss erhebt, darüber in Süden eine Reihe kegel- 
förmiger Kuppen, deren höchste westlichste von den Ein- 
gebomen Batn kau (nach Hrn. Waanders ist die Schreib- i 
weise der Eingebornen Batu kahu, das h indessen nicht 
als trennender Aspirant), auf den Karten der Seefahrer Pik 
von Tabanan genannt wird^ Batu, das im Malaiischen „Stein" 



Ein Zug nach dem Gebirge Bator auf der Insel Bali. 



147 



beseichnet, wird nicht selten auch für eine isolirte Kuppe 
in der Bedeutung von Berg gebraucht. Es folgen dann in 
der Reihe nach ONO. die Gipfel Batu Lesson, ein namen- 
loser, Batu Brattan, Parang bnlia und Qunung Tapsai 
(Tapsahi in der Bali'schen Schrift). In der nördlichen Wand 
anterscheidet man nach Osten insbesondere den Silang djana. 

Den 29. erreichten wir Nachmittags Tabean, einen be- 
deutenden Strandort, gegen den 1846 der Hauptstoss der 
Holländischen Macht gerichtet war und der damals gründ- 
lich Ter wüstet wurde. Bereits wartete der junge Fürst 
mit seinem Gefolge am Strande und empfing Herrn Waan- 
ders. Ein kurzer Ritt brachte uns nach Singaradja, 2 Palen 
(etwa 800 Ruthen) landeinwärts nach Süden gelegen, dem 
Hauptorte des Reiches Buliling und dem Wohnsitze des 
Herrn Waanders. Es liegt 180 Fuss über dem Meere. 

Besteigung des Bator- Gebirges, — Unser Entschluss war, 
das berühmte Bator - Gebirge zu besuchen und es näher 
kennen zu lernen. Deshalb sandte denn auch Herr Waan- 
ders sogleich ein Schreiben an den Fürsten von Bangli, in 
dessen Reich das Gentrum dieses Gebirges gelegen ist, um 
ihm Yon unserem Vorhaben Kenntniss zu geben und sich 
seine freundliche Mitwirkung für unseren Zug zu erbitten. 
Den 4. September brachen wir auf und begaben uns nach 
dem 7 bis 8 Palen östlicher, am Meer gelegenen Kubuk 
lod '), wo uns der Zollpächter, ein Chinese aus Banjuwangi, 
freundlich aufnahm und bestens bewirthete. Nach einer 
durch grimmige Kämpfe mit den Ratten gestörten Nacht- 
ruhe schickten wir am anderen Morgen unser Gepäck unter 
Eskorte von Herrn Waanders' Polizeidienern voraus und 
machten uns selbst gegen 8 Uhr auf den Weg, begleitet 
Ton unseren Bedienten, einem jungen Chinesischen Schreiber 
unseres Gastwirthes, dem Dolmetscher des Herrn Waan- 
ders, einem hübschen Mann aus der Bramanenkaste , Ida 
Anam genannt. Ida heisst jeder Mann, der dieser Kaste 
angehört, während der Priester von Beruf Pedanda genannt 
wird. 

Erst ritten wir nach Süden und Osten durch die reich 
behaute Ebene und erreichten das Hügelland, das wir auf- 
wärts nach Südosten, dann nach Süden verfolgten. Die 
häufigsten Kulturpflanzen der Ebene sind Reis, Mais, Baum- 
wolle, Indigo und Bohnen-Arten. Das Hügelland besteht 
aus Strömen von Trachyt-Lava , die von verhärtetem vul- 
kanischen Schutte, Lapilli, Sand und Asche, ^überdeckt sind. 
Die meisten dieser Hügel sind kahl, nur in den Vertie- 
fungen findet sich Wald, dort aber die unverwüstliche, 
nnabtreibbare Imperata mit Andropogon- Arten. — Wir 
waren in der Mitte der trockenen Jahreszeit und lange 
hatte es nicht mehr geregnet, darum schrecklicher Staub 
und schreckliche Hitze auf diesen offenen Anhöhen. Rechts 
zogen ähnliche flache Rücken herunter, an deren oberen 
Einsenkungen das berühmte Djagaraga lag, wo 1848 die 
Holländer geschlagen wurden und ihren Rückzug bei ähn- 
licher Hitze antreten mussten, vom Durste eben so sehr 
gequält als vom Feinde. Das Gras um uns her war ent- 
weder bereits vom Feuer verzehrt oder so verdorrt, dass 
seine gelben Halme und Blätter die Augen rasch ermüdeten. 
Wie wohlthuend war es, hie und da in einer Vertiefung 



^ Die Bali'sche Sprache kennt mehrere cerebrale Laute des Sanakrit 
vd so iit hier das finale d ein cerebraler Laut. 



Grün und Schatten zu finden! Es giebt gewisse Pflanzen, 
die auch bei der grossten Hitze nnd Trockenheit freudig 
grün bleiben, während die Mehrzahl sich entblättert und 
gleichsam Winterruhe hält Solche unverwüstliche immer- 
grüne Gewächse sind z. B. die meisten Gapparideen, die 
Stadmannia sideroxylon, die Azadirachta indica, viele Euphor- 
biaceen (Briedelia, Glochidion, Emblica u. s. w.), die präch- 
tige Spathodea gigantea, schlingende Mimosen, Bauhinia 
nnd Pfeffer-Arten, die Orchideen dagegen schienen bis auf 
eine Yanda ganz verschwunden und die Farne, darunter 
das prächtige Platycerium, waren eingerollt und wie ab- 
gestorben. Noch freundlicher lächelte uns das Dorf Bila 
entgegen mit Wasserleitungen, grünen Reisfeldern und 
Palmbäume. Schon zeigte sich* der Rubus fraxinifolins, 
den ich noch nie so tief (6- bis 700 Fuss) gesehen. 

Zwanzig Minuten nach 9 Uhr langten wir in dem 
grossen Dorfe Tamblang an (895 Rhein. Fuss über dem 
Meere), wir hielten unter dem schonen Feigenbaume des 
Dorfplatzes nnd frühstückten. Hier mussten die Träger 
gewechselt werden und die alten machten sich schnell 
genug aus dem Staube , neue aber waren nur langsam und 
in ungenügender Anzahl aufzutreiben trotz des Befehles 
des Distrikts- oder Kreishäuptlings. Die politischen und 
socialen Verhältnisse Bali's sind gar sonderbar gestaltet und 
verwickelt. Kreise als administrative Bestandtheile des 
Landes bestehen eigentlich nicht, sondern eine Anzahl be- 
deutsamer Männer, sei es durch Geburt oder Stand, haben 
ihre Angehörigen, die weithin verbreitet sind. Es können 
in einem Dorfe Angehörige mehrerer dieser Häuptlinge 
(pembükkel) beisammen wohnen und das Dorf steht als 
solches dann unter dem Haupte, das die meisten Angehö- 
rigen darin zählt, die Anderen aber kehren sich an seine 
Befehle nicht. Das ist indessen noch nicht Alles. Einige 
sind durch Kaste von allen Frohndiensten frei. Andere 
durch festgesetzte Dienstleistungen bei dem Haupte selbst 
oder weil sie festgesetzte Abgaben bezahlen, nnd es bleibt 
nun eine niedrige Klasse, auf welche gewisse Frohndienste 
zurückfallen. So war es hier mit dem Fortschaffen unseres 
Gepäckes. Die Nichtdienstpfliohtigen umstanden uns und 
lachten gar behaglich über unseren Unmuth, die Dienst- 
pflichtigen stellten sich krank oder hatten sich verborgen. 
Endlich schickten wir die wenigen, die zusammengetrieben 
waren, mit den Betten und Getränken voraus, brachen 
selbst, des Wartens müde, auf und liessen den Ida Anam 
nnd die Polizeidiener als Unterhändler und Vollzieher der 
Gesetze zurück. 

Nicht weit oberhalb Tamblang durchzogen wir zum 
ersten Mal eine tiefe, beiderseits sehr steile Rinne, während 
wir bis dahin fast unbemerkt von einem Rücken auf den 
anderen gelangt waren. Es ist die einzige Stelle bis zur 
Bergeshöhe, die in der Regenzeit besondere Vorsicht er- 
heischen dürfte, um zu Pferde sitzend hinüber zu kommen. 
Es zeigte sich bald darauf der Weiler Tangkid nnd etwas 
höher um 12 Uhr das Dorf Klampoak (der Name einer 
Jambosa-Art, wie Klampok im Javanischen). Es ist diess 
das letzte Dorf auf dem Grundgebiete von Buliling, 1569 Fuss 
über dem Meere. 

Höher hinauf beginnt der Charakter der Gegend sich 
merklich zu ändern, die Gebirgsrücken werden steiler nnd 
schmäler, die Klüfte dazwischen tiefer und zusammen- 

19* 



148 



Ein Zug nach dem Gebirge Bator auf der Insel Bali. 



hängende Waldungen stellen sich ein. Wo sie gelichtet 
sind, da findet man oft Erythrina-Gebüsche oder -Wald 
angelegt, um das Terrain zu beschatten und zugleich durch 
die Blätter dieser rasch aufschiessenden Bäume düngen zu 
lassen. Die Lichtungen sind auch bis hoch hinauf mit 
Imperata und Andropogon bewachsen, in denen wohl auch 
Unterholz sich Bahn bricht, vorzüglich die schön blühenden 
Melastoma. In 2500 Fuss Höhe zeigte sich die Elsholtzia 
elata Z. M., bei 3000 Fuss der Homalanthus giganteus Z. M., 
bei 8500 Fuss der Kubus Horsfieldii Miq. und die Euphorbia 
javanica Jungh., — Pflanzen, die alle auch auf den öst- 
lichen Gebirgen Java's Torkommen, allein merkwürdiger 
Weise nicht so tief wie hier. Die Euphorbia z. B. sieht 
man dort kaum unter 6000 Fuss. Am meisten freute mich 
eine neue Art aus einem Nepalischen Gompositeen-Geschlecht, 
die ich Gerbera Waandersiana genannt habe. Sie fand 
sich nur zwischen 2800 und 3500 Fuss. Hie und da 
stand eine einzelne Hütte, wo durchziehende Wanderer 
einzukehren pflegen und Kaffee, Beis und Früchte, yer- 
muthlich auch Opium kaufen können. 

Das erste Dorf im Beiche Bangli war LatSng, über 
4000 Fuss hoch gelegen. Es hat seinen Namen von der 
Urtica grandidentata Miq., die so heftig brennt wie keine 
Europäische Nessel. Sie bildet Hecken um die Dörfer und 
wohl die besten, die ich kenne, gegen halbnackte Menschen. 
Beichlich wächst auf ihr eine Flachsseide (Guscuta macrantha 
Don.), welche die Balier recht sinnreich Bon-tan-p6wit, 
d. h. Schlingpflanze ohne Ursprung, nennen, da sie ihre 
Parasiten-Natur herausgefunden haben. Um 8 Uhr langten 
wir in dem Dorfe (Dessa) Da-Ussa an (vom Namen der 
Gendarussa vulgaris; Herr Waanders schreibt Dahussa). 
Es liegt auf einem schmalen Bergrücken 4266 Fuss hoch 
und tief nebenan in einer Kluft holen die Menschen ihr 
Wasser. Ist die Aussicht nicht verhüllt, so muss sie nach 
Norden über das Meer hin prachtvoll sein; leider zogen 
Wolken heran und Abends fiel selbst Nebelregen. Wir 
hielten hier Nachtruhe und zogen beim Dorfhaupte ein, 
das uns freundlich empfing und in seinem offenen, aber 
durch Vorhänge wohnlich gemachten Yorhause einlogirte. 
Vorhänge finden sich auf Bali überall vor, wenn auch das 
Lager nur aus platt gedrückten Bambu bestehen sollte. Es 
sind grosse, bunte, vorzüglich gelbe und rothe Baumwollen- 
tücher, die gar oft Darstellungen aus der Mythologie zeigen. 
Aufgehängt werden sie an Schnüren und' als Hinge dienen 
die Chinesischen Münzen mit ihrem viereckigen Loch in der 
Mitte, deren 200 Stück auf einen Gulden gehen und die an 
eine Schnur gereiht werden. Unterkommen hatten wir nun 
gefunden, Speisen bereitete msn uns auch, Beis, Hühner, 
Eier mit Oemüse und Spanischem Pfeffer, die Getränke 
hatten wir bei uns; allein wo blieb die Hauptmasse des 
Gepäckes, wo die Küchenbatterie und mit ihr die Lampe, 
die Gabeln und Löffel, die Teller und Gläser? Alles wurde 
in grossen und kleinen Becken aufgetragen. Die grösseren 
dienten als Schüssel und Teller zugleich, die kleineren als 
Löffel, die fünf Finger vertraten die Gabel oder auch ein 
Stück zerbrochener Bambu, das wir wie eine Feuerzange 
bogen. Wir waren munter und zufrieden und genossen 
einer guten Nachtruhe, obschon uns Hähne und grunzende 
Schweine im Hause des Gastherrn frühe weckten. Die 
Nacht war nicht kalt, denn das Thermometer sank nur bis 



zu 14,8^ C, wahrscheinlich wegen der Wolken, die uns 
einhüllten. 

Das Gepäck war auch am Morgen des 6. noch immer 
zurück. Wir bestellten die neuen Kuli, und da wir wussten, 
dass sie hier ohne Säumniss gewährt würden, warteten irir 
nicht, sondern sassen bereits um 7 Uhr zu Pferde. Aber- 
mals blieben wir in den Wolken und sie netzten uns mit 
leichtem Begen, insbesondere als wir durch den Hohlweg 
am Dörfchen Batang vorbeiritten. Endlich in 4500 Fum 
Höhe hörten wir die ersten Gasuarinen rauschen. Am Wege 
wuchsen die herrlichen Echinosperma , schöner noch als 
unsere Vergissmeinnicht. Der Boden wurde nun ent- 
blösster und obenauf zeigte sich je länger je deutlicher 
eine tiefe gelbliche Aschenlage, hie und da mit Bruch- 
stücken von Obsidian und Bimsstein. Um 9^ Uhr ge- 
langten wir in einen Hohlweg und jenseit ging es abwärts 
über glatte Trachyt-Blöcke, — wir hatten den Kamm des 
äusseren Ringes vom Bator - Gebirge passirt und befanden 
uns in seinem Kessel. Um 10 Uhr machten wir Halt beim 
Dessa „Kotta dalam". Eigentlich heisst Kotta „Stadt" und 
dalam „tief. Der Eingeborne will damit wohl sagen, dass es 
eine Stätte ist, von der man in die Tiefe schaut. Es liegt 
5271 Fuss hoch und vier Wege kreuzen sich hier nach 
SQ., SW., NW. und NO., die ersteren drei den Kämmen 
des Gebirges folgend. Hier muss der Reisende bei hellem 
Wetter einer wundervollen, erhabenen Aussicht gemessen, 
denn es zeigt sich mit einem Mal vor seinen Augen der 
ungeheuere Kessel mit seinen Abhängen, Wäldern, Weiden, 
steilen Felswänden, gegenüber der nackte dunkle Bator 
mit seinen dampfenden oder rauchenden Kratern und der 
liebliche tief-blaue See, der jenseit den Fuss des Feaer- 
berges umfasst. In der Nähe liegt links der Gipfel Suka- 
wana mit seinem Tempel, drüben der steile Doppelgipfel 
des Teluk Biu und darüber hinaus der riesige Kegel des 
Gunung Agung. Das Alles war leider vor uns verhüllt, 
nur von Zeit zu Zeit sahen wir ein Stück vom Bator oder 
eines der Enden des See's oder einen Theil des Aussen- 
ringes. 

Nach einem kalten Frühstück reisten wir ein Viertel 
vor 11 Uhr weiter auf einem guten, fast ebenen Wege, 
der am inneren Abhänge des Binggebirges hinführt, links 
und rechts stets Grasfluren und unter uns feines Gerolle 
und Asche. Mit einem Mal sahen wir einen Trupp Beiter 
und Fussgänger auf uns zukommen. Es war der Bruder 
des Fürsten von Bangli, der ihn gesandt, Herrn Waanders 
zu bewillkommen und für seine Bewirthung zu sorgen. 
Die Aufmerksamkeit war um so danken swerther, als der 
Abgesandte, ein jüngerer Mann, sehr Holländisch gesinnt 
ist, etwas Malaiiech spricht und einige Wissbegierde zeigt 
Er nennt sich Dewa Hokka. Dewa ist der Name der 
Männer, die der zweiten Kaste angehören, und die Fürsten 
von Bali sind bald der einen, bald der anderen Kaste ent- 
sprossen, wie denn jene von Klongkong und Gianjar der- 
selben Kaste angehören, die übrigen aber Gusti genannt 
werden und der dritten Kaste entstammen. Unser neuer 
Führer brachte uns nach dem Dorfe Kinta mani, das auf 
einem der Kücken der obersten Staffel im Inneren des 
Kessels 4672 Fuss hoch gelegen ist. Von dort zogen vir 
Mittags nach kurzem Halte weiter und bewegten uns aber- 
mals unweit des Kammes wie im Kreise nach Osten, bis 



Notuen. 



149 



wir eine Stelle erreichten, wo derselbe sich yerflacht und 
wohl auf der südlichen Seite die geringste Höhe besitzt. 
Nun 20g ein schmaler Pfad links hinunter» dem wir folgten 
und der bald mehr, bald weniger steil war, doch unan- 
genehm nur da, wo die tiefe, äusserst feine, hier graue 
Asche unter den Füssen der Pferde -wegg^tt. Der letzte 
Theil des Abhanges war der längste, steilste und unan- 
genehmste, gerade der vielen Asche wegen, die wir zu 
schlacken bekamen. Wir waren froh, als wir den Boden 



des Eesseb» festen Sandgrund, unter den Füssen hatten, 
der übrigens denselben hohlen Schall Ton sich gab wie 
der Sandsee im Tengger - Gebirge. Wir ritten noch eine 
kurze Strecke nach Osten, links die letzten Ausläufer der 
Laya-Ströme, rechts Felder und dann die hohen Felswände 
des Kessels, und hielten um ^ 2 Uhr Mittags unseren Einzug 
in dem Dorfe Bator, dem Hauptziele unserer Reise und 
dem Mittelpunkte unserer Ausflüge. 



^^^'WN^V^'^^^^^^^^^^^^k^^^^^^^t^«^^^ 



Geographische Notizen. 



Städte-Bevölkerung des Qrossfurstenthiuns Finnland, 186L 
Nach d«m St. Fetenbnrger Kalender für das Jahr 1864. 



Stute. 


GouTernement 


! Einwobner. 


ibo . ^. . . 


Abo-Bjdrneborg 




15.257 


Bjömeborg ^ . 






Abo-Björneboig 




7.106 


Boi^ . 






Nyland 




3.182 


BrahetUd 






üle&borg 




2.601 


Cbristinestad . 






Wasa . 




2.234 


Ekenis . 






Nyland 




1.352 


Fredrikshamn . 






Wiborg 




8.370 


Ounla Karleby 






Wasa . 




1.894 


Heisola . 






St. Michel . 




915 


Helsmgfon 






Nyland 




19.658 


Jakobstad 






Wasa . 




1.868 


Joenauu . 






Kuopio 




748 


Jnmkjlä . • 






Wasa . 




852 


Kajana 






üleäborg . 




638 


Kaiko . 






Wasa . 




808 


iexholm . 






Wiborg 




1.010 


Knopio . 






Knopio 




4.289 


Lowisa . 






Nyland 




2.571 


K&dendal 






Abo-Bjdneborg 




503 


Ny Karleby . 






Wasa . » . 




1.076 


Nyilott . 






St. Michel . 




928 


Nyrtad . 






Abo-Björneborg 




2.717 


Baami . 






Abo-Björneborg . 




2.854 


St Hiehel 






St Michel . 




741 


Sardavala (Serdobol] 


, 




Wiborg 




893 


Taaunerfor» 






Abo-Björaeborg . 




5.417 


Tavaitehna 






Tawastehns . 




2.610 


Toniea . 






Üleäborg . 




704 


l'lelborg . 






Üleäborg . 




7.180 


Wiu (Nikolaistadt). 






Wasa . 




3.629 


Wiborg . 






Wiborg 




5.886 


Wilmanitrand . 






Wiborg 




1.360 


Die Einwohoenahl der GouTemements betm 


gimJ. 


1861: 


Äbo-Bjoraeborg mit Aland .... 


806.91 


5 Einwohner, 


Knopio (1860) 


207.68 


* 1» 


Nyland 


161.63 


1 » 


St Micbcl 


150.71 


^ 99 


Ttwastehüs 


158.64 


• »> 


Uleaborg 


176.68 


» »» 


Wasa 


282.78 


• »> 


Wiborg . . . . 


. 


257.14 


4 » 


Gans Finnland 


1.697.15 


8 Einwohner. 



DampfiEiohiffrahrt auf dem Jenissei. 

Nicht nur auf dem Ob und seinen Nebenflüssen 
(8. „Geogr. Hitth." 1864, S. 33), auch auf dem Jenissei 
ist geit vorigem Jahre die Dampfschifffahrt im Gange. Am 
12. Juni 1863 verliess das erste Dampfboot die Stadt 



Jenisseisk und fuhr etwa 2000 Werst stromabwärts bis zu 
der Insel Bruohowsky (72^ N. Br.), wo es am 4. Juli 
ankam. £& hatte zwei grosse, hauptsächlich mit Getreide 
und Salz beladene Barken im Schlepptau und legte an 
15 verschiedenen Punkten an, um diese Waaren abzugeben. 
Bei der Insel Bmchowsky, wo ein Etablissement für den 
Fischfang besteht, blieb die eine der beiden Barken, welche 
Salz, Fässer und anderes Fischerei- Geräth so wie 25 Fischer 
an Bord hatte, zurück, während die andere mit dem Dampfer 
schon 48 Stunden nach der Ankunft die Rückfahrt antrat, 
an den Mündungen der Flüsse Kureika und Tunguska 
8500 Pud Graphit einnahm und am 28. Juli in Jenisseisk 
anlangte. Der Dampfer konnte gegen die starke Strömung 
bei der grossen Last, die er remorquirte, nur 6 Werst in 
der Stunde zurücklegen. Bereits am 10. August ging er 
mit einer neuen Waarenladung zum zweiten Mal strom- 
abwärts und man hoflt, dass er während des Sommers 
drei Fahrten wird ausführen können. 



Dr. G-. BchweinfUrth'a AfMkaniache Beiae. 

Aus dem in den „Geogr. Mittheil.'' (1863, S. 349) 
abgedruckten Aufruf an Botaniker ist bekannt, dass 
Dr. Sohweinfurth eine botanischen Zwecken gewidmete 
Beise nach den Nil-Ländern angetreten hat Jener Aufruf 
ist wider Erwarten von geringem £rfolg gewesen. Man 
sieht daraus, wie verwaist das Studium der Afrikanischen 
Flora seit dem Tode Bichard's, SteudeFs, Hoohstetter'a 
u. B. w. ist, und Dr. Sohweinfurth's Unternehmen erscheint 
um so dankenswerther. Er ist Mitte Dezember abgereist 
und trat in der zweiten Hälfte des Januar einen Ausflug 
zum Sues-Kanal und durch das Delta an, besonders um \ 
interessanten Wassergewächsen nachzuspüren. Nachdem er 
Sues, die Moses- Quellen, Ismailia, Port Said, Sane (Tanis) 
und Zagazig besucht hatte, kehrte er Mitte Februar nach 
Kairo zurück, brach aber dann alsbald nach dem Bothen 
Meere auf, und zwar wellte er sich direkt durch die Wüste, 
deren Thäler er genauer in Augenschein zu nehmen ge- 
dachte, nach Eosseir wenden. Er würde Unter-Ägypten 
schon früher verlassen haben, wenn nicht die Vegetation 
durch den ausserordentlich strengen Winter noch so be- 
deutend im Rückstand gewesen wäre. 

Mitte Februar schrieb uns Dr. Schweinfurth hierüber: 
„Die strenge Kälte, welche gegenwärtig nach den Berichten 
in Italien und Deutschland herrscht, scheint sich auch auf 
Ägypten auszudehnen. Folgende Facta kann ich Ihnen 



150 



Notisen. 



mittheilen. Während meiner Reise auf dem Isthmna fror 
ich am 23. Januar im Boot auf dem Süsswasserkanal trotz 
einer wollenen und einer Pelzdecke ganz erbärmlich. In 
derselben Nacht hat es überall in Ägypten stark gefroren. 
An den meisten Stellen sind die Baubohnen erfroren, vor 
Allem aber, wie zu erwarten war, die Bananen. Die Gärtner 
in Schubra beobachteten — 3** R. In Assuan brachte man 
den Reisenden Major v. Prinz und Graf Hahn Eis, das sich 
auf der Barke in einem Wasserkruge gebildet hatte. Bei 
Benisuef fand der Reisende Dr. Löbbeke den Nil eines 
Morgens mit einer dünnen Eiskruste bedeckt; auch bei 
Bulak und Kairo hat man Eis gehabt. In Gantara, einem 
Französischen Campe ment auf dem Isthmus, will man — 4^ R. 
beobachtet haben und in Ismailia fand man eines Morgens 
einen Malteser in seiner Barke erfroren. Seit dem 
16. Jahrhundert scheint ein solcher Winter in Ägypten 
nicht vorgekommen zu sein. Damals hat es nach den Be- 
richten eines Arabischen Geschichtschreibers ebenfalls Eis 
auf dem Nil gegeben *). Die Temperatur ist auch den Tag 
über andauernd sehr niedrig und die Witterung fortwäh- 
rend regnerisch, wie in Nord-Deutschland im April. Die 
Strassen von Kairo sind tief aufgeweicht, alle Mauern voll 
Feuchtigkeit. Heute am 18. Februar haben wir um die 
Mittagszeit bloss 11^ und alle zehn Minuten heftige Regen- 
schauer." 

Über seine ferneren Reisepläne gab er uns bei Antritt 
der Reise einige speziellere Andeutungen. 

Das erste grössere Arbeitsfeld sollten die Küstengebirge 
des Rothen Meeres nördlich und südlich von Kosseir ab- 
geben, denen von einigen Seekarten eine bedeutende Höhe 
bis zu 10.000 Fuss zugeschrieben wird. „Finden sich 
Quellen, so werden die Gebirge k tout prix bestiegen, die 
Höhe mit Kochapparaten gemessen und einige Winkel nach 
anderen Gipfeln genommen. Hierauf beschränken sich 
meine Messungen, dagegen soll die Pflanzenwelt in allen 
Rissen und Spalten, Tümpfeln, Pfützen und Cisternen aufs 
Genaueste untersucht werden. Selbst negative Resultate 
werden mich befriedigen, wenn ich nur Gewissheit er- 
lange, denn vorläufig kann ich noch nicht an einen so 
grellen Kontrast dieser Berge gegen den Sinai glauben, 
der nicht nur Quellen und periodische Rinnsale, sondern, 
wie Lepsius belehrte, sogar Wiesen und Teiche darbietet. 
Lepsius gerieth bei seinem Besuch dieser gänzlich unbe- 
wohnten Wüsten gebirge wegen Unzuverlässigkeit seines 
Führers in eine durch Wassermangel gefährliche Lage, die- 
' ser Zug wurde aber in der trostlosesten Jahreszeit aus- 
geführt. Ob ich als Neuling schon in diesem Jahre bis 
zum Djebel Elba werde vordringen können, erscheint sehr 
unsicher, wahrscheinlich gehe ich für die Sommerszeit auf 
den Sinai, wo man selbst im Juni noch Vegetation antrifft. 

„Im Spätsommer würde ich dann meine Reise von 
Kairo nach dem Sudan antreten. Ich wünsche zumal aus 
OesundheitsrückBichten eine sogenannte Winterreise durch 
Sennaar zu machen, namentlich einer räthselhaften Pflanze 
wegen, die alsdann blühen wird. Alle Reisenden sprechen 



1) Nach den Beobachtangen tob Oontelle und Nonet wahrend der 
3 Jahre 1799 bis 1801 und den 5jährigen Beobachtungen Ton Deeton- 
ches, 1835 bis 1839, sank die Temperatur zu Kairo in den genannten 
Jahren nicht unter +4,4* 0. oder 8,»" B. A. P. 



von dieser Pflanze, dem Sidr, sie liefert den Eingebornen 
das gefurchtetste Pfeilgift, eine Art Kautschuk, und ist 
von Tr^mauz irrthümlicher Weise als Euphorbia mammil- 
laris abgebildet worden. Die Blüthen und Früchte sind 
unbekannt, daher ist es auch ihre Stellung im System. 
Sehr freue ich mich auf die Ausbeutung der Bajuda- Steppe. 
In Neu-Dongola werde ich wohl für längere Zeit mein 
Standquartier aufschlagen. 

„Ich bin mit allem Nöthigen gut versorgt, namentlich 
besitze ich sämmtliche Karten, die je über die zu berei- 
senden Länder erschienen sind, an 200 Blätter, auch die 
noch unveröffentlichten von Lepsius. Viel verspreche ich 
mir von meinen Bergtouren, denn ich bin ein passionirter 
Kletterer, dem keine Wand zu steil und kein Grat zu 
schmal ist. Wenn ich im Stande sein sollte, Ihnen pas- 
sende Aufsätze zu liefern, so muss ich vor allen Dingen 
um nachsichtige Beurtheilung meiner Leistungen bitten. | 
Weit weniger als die Natur der Hindernisse ist die Unzu- I 
länglichkeit der zu ihrer Bekämpfung angewendeten Mittel 
und vielleicht auch die ünerfahrenheit derer, die es ver- 
suchten, daran Schuld, dass der Afrika-Reisende so selten 
reuseirt" 



Ideut. Mage'a Beise vom Senegal zum Kiger. 

Der um die Geographie von Afrika hoch verdiente 
General Faidherbe, Gouverneur des Senegal, bezeichnete 
in seiner Schrift über die Zukunft der Sahara und des 
Sudan als nächstes Ziel der Französischen Unternehmungen 
vom Senegal aus die Anknüpfung eines geordneten Verkehrs 
mit dem oberen Niger. Sein Adjutant, Marine-Lieutenant 
Mage, durch mehrere Reisen und Aufnahmen in Senegam- 
bien bekannt, ,thut gegenwärtig die ersten Schritte zur 
Erreichung dieses Ziels, indem er eine Expedition nach 
dem Niger angetreten hat. In Begleitung des Marine- 
Arztes Quintin ist er am 10. Dezember 1863 zu Bafulabe 
an der Konfluenz der beiden Arme des oberen Senegal, 
Bafing und Bakhoy, angekommen und wollte nach einigem 
Aufenthalt in Ualiha unfern Bafulabe am 26. Dezember 
nach Bangassi, dem Hauptorte von Fuladugu, aufbrechen, 
wobei er dem Bafing, von dem Bangassi nicht weit entfernt 
sein soll, zu folgen gedachte. 

Eine erste geographische Frucht dieser Reise ist die 
Aufnahme der bisher nicht erforschten Strecke des Sensal 
zwischen Medine und Bafulabe, besonders zwischen erste- 
refn Orte und den schönen Katarakten von Guina, auf 
welcher Strecke nicht weniger als ein Dutzend die Schiff- 
fahrt unterbrechender Katarakten gefunden wurden. Das 
Land von Guina bis Bafulabe ist jetzt vollständig verödet 

Von El-Hadj Omar, dem Franzosen-Feind und Eroberer 
von Bambara und Massina, hatte Mage noch keine sichere 
Kunde erhalten; der Häuptling von Banganura, der ver- 
sprochen hatte, die Reisenden zu führen, wagte nicht, sein 
Versprechen zu halten; der Häuptling Diadie vom Dorfe 
Makadugu, das sich an beiden Ufern des Bakhoy hinzieht, 
hatte Leute zur Begrüssung geschickt, eben so die Häupt- 
linge Ti^coro von Ualiha und Diango von Kundian, die 
beide von El-Hadj Omar eingesetzt sind. Diango übernahm 
es, die Expedition bis Fuladugu zu schützen. 

Die anderen jetzt im Gange befindlichen West-Afrika- 



Notisen» 



151 



niflchen Expeditionen haben noch nicht viel aasgerichtet. 
Capitaine Brossard de Corbigny Bchrieb am 6. Dezbr. 1863 
Ton Porto Novo aus, er habe seine Flussaufnahmen im 
Golf Yon Guinea noch nicht beginnen können, da er meh- 
rere Monate zwischen Sierra Leone und den Bissagos den 
Französischen Handel habe schützen müssen und seit 8 Mo- 
naten mit den Angelegenheiten des Französischen Protek- 
torats über Porto-Novo, wo im Februar 1863 die Franzö- 
sische Flagge aufgepflanzt wurde, verbunden sei. 

«Tules G^rard, der von Sierra Leone aus nach dem 
oberen Niger vordringen wollte, ist in Dahomey gewesen 
und dann nach Sierra Leone gereist, wird aber wahrschein- 
lich nach dem Senegal gehen, um von da aus General 
Faidherbe's Projekte ausfuhren zu helfen. 

Capt. Burton ist von einer Exkursion auf dem Congo 
plötzlich zurückgerufen worden, um in diplomatischen An- 
gelegenheiten nach Dahomey zu gehen, auch datirt er seine 
neueste Philippika gegen Cooley (Athenaeum, 19. März 1864) 
aus „Agborne, Hauptstadt von Dahome", 28. Januar 1864. 

Du Chaillu wartet noch an der Mündung des Fernand 
Vas auf das Ende der Begenzeit (Mai), bevor er sich ins 
Innere des Landes begiebt. 



Die Niger -Mündungen von den Portugiesen entdeckt. 

W. Winwood Reade schreibt in seinem „Savage Africa" : 
„Es ist wohl bekannt, dass die Jesuiten die Quellen des 
Blaaen Nil entdeckt und beschrieben haben, ehe Bruce 
geboren war; aber die meisten meiner Leser werden mit 
Überraschung erfahren, dass die Portugiesischen Kolonisten 
den Niger im 16. Jahrhundert von der Mündung aus be- 
fahren. Ich fand zufällig in Yillault de Bellefond die 
Stelle: „„Wir gingen den Niger bis Benin hinauf", und 
weitere Finzelheiten in Des Marohais, welche beweisen, 
dass die Bucht von Benin nach dem Zeugniss der Ein- 
gebomen den excentrischen Fluss aufnahm. Aber es wurde 
auf diese Zeugnisse so wenig Gewicht gelegt, dass, als 
Beichard zuerst seine Theorie verbreitete, sie einstimmig 
verlacht wurde, bis genauere Nachforschungen ihre Wahr- 
scheinlichkeit und Lander's Reise ihre Wahrheit bewiesen 
hatte." 

Ukert citirt in seiner „Erdbeschreibung von Afrika" 
(1825) das Monthly Magazine von 1820, Nr. 67, p. 303, 
wo ein Engländer bemerkt, er besitze einen unter der 
Begierung der Königin Elisabeth (also in der zweiten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts) publicirten Atlas, in welchem 
der Niger als durch mehrere Mündungen in den Grund der 
grossen Südwest- Bai Afrika's sich ergiessend dargestellt 
werden Ukert selbst spricht sich, wie 8 Jahre früher 
G. Ritter im 1. Bande seiner Erdkunde zwar anerkennend, 
aber noch zweifelhaft über die Keichard'sche , noch mit 
manchen Unrichtigkeiten vermengte Hypothese aus, während 
Robertson (Notes on Africa, London 1821) den Aschantis 
Recht gab, wenn sie den Niger in den Golf von Benin 
fallen Hessen, und auch M^Queen (Geogr. and commercial 
view of Northern Central Africa, Edinburgh 1821) das 
Delta im Golf von Benin bestimmt für das des Niger er- 
klärte, aber ohne Beichard nur zu erwähnen, der seine 
Ansicht bereits 19 Jahre früher in v. Zach's Monatlicher 
Korrespondenz (Mai 1802) ausgesprochen und in der Ab- 



handlung „Über den angekündigten, nun bald erscheinenden 
Atlas des ganzen Erdkreises" (Allgem. geogr. Ephemeriden, 
Bd. XII, 1803, 88. 157—167) mit guten Gründen unter* 
stützt hatte. 



Das Verbreitungsgebiet des QoriUa. 

Der Englische Reisende Reade bemühte sich 1862 an 
den Flüssen Muni, Gabun und Fernand Yas, von ein- 
gebornen Jägern genaue Erkundigungen über das Vorkommen 
des Gorilla einzuziehen, und er kam zu folgenden Er- 
gebnissen : 

„In Bapuku n'^rdlich vom Muni ist der Gorilla den 
Eüstenbewohnern nicht bekannt. Der nördlichste Punkt, 
wo ich von seinem Vorkommen hörte, war an den Ufern 
eines kleinen Flusses oberhalb Gap St. John. Er findet 
sich weniger häufig am Muni als am Gabun und häufiger 
am Fernand Yas als am Gabun. Nach glaubwürdigen Nach- 
richten lebt er in Mayumba (wo der alte Reisende Andrew 
Battel im 16. Jahrhundert den Gorilla erwähnt und be- 
schreibt) und südlich bis Loango. Ich bin jedoch zu der 
Ansicht geneigt, dass er über ein viel grösseres Gebiet 
verbreitet ist, als man gegenwärtig annimmt. Der Schim- 
panse findet sich nördlich bis Sierra Leone und ich glaube, 
dass der Gorilla stets in derselben Gegend wie der Schim- 
panse anzutreffen ist. Der letztere kommt nur näher an 
der Küste und in offeneren Gegenden vor als der erstere, 
woraus sich erklärt, warum der eine besser bekannt ist 
als der andere. Der Schimpanse besucht mehr die Nachbar- 
schaft ' kleiner Wiesen, der Gorilla scheint dagegen das 
düstere Zwielicht des dichten Waldes zu lieben. Die Fan 
erzählten mir, dass der Gorilla in dem weit gegen Nordost 
entfernten Lande, von welchem sie in ihre jetzigen Wohn- 
sitze ausgewandert sind, sehr häufig vorkomme, so dass 
man dort seine Stimme dicht bei den Städten hören könne; 
und zu Ngumbi sagte man mir, dass der bei den Ein- 
gebornen am Rembo übliche Gorilla-Tanz aus einem drei 
Monate gegen Osten entfernten Lande eingeführt sei.'' 

Wie Th. V. Heuglin erfuhr, soll der Gorilla auch im 
Njamnjam-Lande südwestlich vom Rek-See vorkommen. 



Eine Ansiedelung am Oienelg -Fluss in NW.- Australien. 

Wie es den Anschein hat, wird bald eine ganze Reihe 
von Ansiedelungen die so lange verödeten nördlichen Ge- 
stade Australiens besäumen, schon haben Queensland an 
der Nordspitze der Halbinsel York und im Grunde des 
Carpentaria-Golfes, West- Australien an der Nickel- Bai Keime 
neuer Niederlassungen gelegt, Süd- Australien hat die Vor- 
bereitungen zur Kolonisation des Landes am Victoria- Fluss 
getroffen und nun berichten Australische Zeitungen von 
einem ähnlichen Unternehmen an dem Glenelg-Fluss an 
der Nordwest-Küste, wo eine Frivat-Ezpedition unter Füh- 
rung eines Herrn Brown nach nutzbaren Ländereien sich 
umgesehen hat. Es ist begreiflich, dass gerade dieser 
Punkt gewählt wurde, denn George Grey, der sich vom 
Dezember 1837 bis April 1838 dort aufhielt, spricht sich 
in seinen „Journals of two expeditions of discovery in 
North- west and Western Australia'' ungemein günstig über 
die natürlichen Vortheile der weiten fruchtbaren Land- 



152 



Notisen« 



striche am Oleneig sowohl wie jenes an ausgezeichneten 
Häfen überaus reichen, mit einem nach den bisherigen 
Er&hrungen vortrefPlichen Klima gesegneten Küstenstriches 
überhaupt aus. ,,Diese Häfen allein", sagt Orey, „geben 
jenem Punkte eine hohe Bedeutung für Gross-Britannien, 
aber betrachtet man sie in Zusammenhang mit dem schönen 
Landstrich dahinter, so wird die Wichtigkeit noch sehr 
bedeutend erhöht" Das Klima nennt. er eins der schönsten 
der Welt, Nutzholz und treffliches Weideland ist in Fülle 
vorhanden und für Baumwollenbau würde sich nach seiner 
Ansicht dort ein sehr günstiges und weites Feld eröffnen. 
Die Aussagen der Mitglieder von Brown's Expedition 
lauten denn auch viel versprechend. 'Sie fanden Orey's 
Beschreibung durchweg zutreffend, entdeckten ausserdem 
noch andere, von Grej nicht besuchte, fruchtbare Land- 
strecken von beträchtlicher Ausdehnung und sind überzeugt, 
dass sich dieser Küstenstrich in gleicher Weise für den 
Anbau tropischer Produkte wie für die Viehzucht eignet. 
Ferner haben sie die bis jetzt unbekannte Mündung des 
Glenelg, die Stokes bei seiner Aufnahme nicht finden 
konnte, entdeckt Von der DoubtfuUBay ziehen sich, wie 
auf Grey's Karte punktirt angedeutet ist, zwei Meeresarme 
gegen Norden landeinwärts, umschliessen eine Insel und 
führen in ein grosses offenes Wasserbecken, das 20 Engl. 
Meilen lang, 8 Engl. Meilen breit, 3 bis 10 Faden tief 
ist und einen herrlichen Hafen abgiebt. Das Schiff gelangte 
in dieses „George Water" genannte Becken durch den 
westlichen Eingangsarm, der eine Tiefe bis zu 17 Faden 
hat, ungefähr 5 Engl. Meilen lang und durchschnittlich 

1 Engl. Meile breit ist, aber bei Ebbe eine starke, an 

2 bis 3 engeren Stellen noch erhöhte Strömung hat. An 
der Ostseite dieses George Water nun, in 15"* 47^' S. Br. 
und 124^ 40' 50' östl. L. v. Gr., wurde die eigentliche 
Mündung des Glenelg aufgefunden und das Schiff fuhr den 
Fluss bis zu den ersten von Grey beschriebenen Kaskaden 
hinauf. In die südlichere Gollier-Bay sahen die Reisenden 
zwei früher unbekannte Flüsse sich ergiessen. Als den 
besten Hafen für das Land am Glenelg bezeichnen sie den 
Gamden Harbor, der nordwestlich vom Fluss zwischen der 
Augustus-Insel und dem Festland liegt, und dort soll auch 
die erste Niederlassung gegründet werden. 

Schon im Februar 1864 wollten nämlich 30 Farmer aus 
den Ackerbau-Distrikten bei Talbot, namentlich aus der 
Gegend des Mount Beckwith in der Kolonie Victoria nach 
dem Glenelg aufbrechen. Sie bilden eine Gesellschaft mit 
einem Kapital von 1800 Pfd. St., für welches ein kleines 
Schiff gekauft und zum Transport der Familien und Pro- 
visionen so wie zur Unterhaltung des Verkehrs während 
der ersten Zeit benutzt werden soll; die Heerden dagegen 
wollten sie, wie es heisst, Überland und zwar von den 
nördlichsten Stationen in Süd - Australien aus nach dem 
Glenelg treiben. Wir können indessen kaum glauben, dass 
ein so kühnes und abenteuerliches Wagstück im Ernst ge- 
dacht worden ist, denn von Mount Margaret, wo die nord- 
westlichsten Stationen in Süd- Australien sich befinden, bis 
zum Camden Harbor ist es genau eben so weit wie bis 
zum Van Diemen -Golf an der Nordküste, und während 
Stuart mit wenigen Pferden und Leuten erst beim dritten 
Versuche die letztere Küste erreichte, würde die grosse 
Karawane mit Tausenden von Schafen und anderen Thieren 



ohne alle Kenntniss des Landes, der WaBserplätse u. s. w. 
die ungeheuere Strecke durchschneiden oder, wenn sie 
Stuarfs Route nach Norden folgt und etwa vom Boper- 
FluBS auf Gregor/s Beute zum Victoria gelangt, doch tou 
diesem aus immer noch eine breite, ganz unbekannte Region 
durchwandern müssen. Australische Buschleute wissen aller- 
dings Unglaubliches möglich zu machen, aber die Heerden- 
besitzer werden doch wohl den sicheren Wasserweg Yo^ 
ziehen. Das Land am« Glenelg wird von der Begierung 
für 10 Schilling per Acre verkauft, ausserdem aber wird 
Weideland in Flächen von nicht über 100.000 Acres auf 
4 Jahre umsonst, auf die folgenden 4 Jahre für 5 Schilling 
Pacht per 1000 Acres und auf abermals 4 Jahre für 
10 Schilling Pacht per 1000 Acres abgelassen. Ackerland 
wird in kleineren Parzellen von nicht über 640 Acres 
auf 4 Jahre umsonst und auf die folgenden 8 Jahre für 
1 Schilling per Acre abgegeben. 



Die Kosten der Büd-Auatralischen Expeditionen. 

Die zahlreichen Entdeckungsreisen, welche seit 1857 
von Süd - Australien ausgegangen sind, gereichen dieser 
Kolonie wA so mehr zu Ehre und Buhm, als sie mit be- 
deutenden Kosten verbunden waren. Nach einem dem 
G^esetzgebenden Körper vorgelegten Nachweis kosteten dem 
Staate die Expeditionen von 

FreeUng . . 508 Pfd. St. 9 i. 4 d. = 3.390 Thaler, 
Hack ," 1.981 „ 16 „ 5 „ = 13.812 „ 

Babbage . . 5.556 „ „ 6 „ = 37.040 „ 
Warburton . 49 „ 11 „ 8 „ = 331 „ 
Stnart . . 9.143 „ 8 „ 5 „ = 60.954 
H'Kinlay . 6.198 „ 15 „ 4 „ = 41.325 

Crawford . 1.653 „ 18 „ 2 „ = 11.026 „ 

Selwyn . 410 „ 4 „ 6 „ = 2.735 „ 

Waterhonaa . 67 „ 6 „ 3 „ = 449 „ 

Summe 25.669 Pfd. St. 4 a. 7 d. = 170.462 Thaler. 
Ausserdem sind die Kosten der ersten Stuarfschen 
Eeisen ganz von den Herren Chambers und Finke be- 
stritten worden. Die angeführten Summen erscheinen noch 
bedeutender, wenn man in Betracht zieht, dass die Oe- 
sammt • Bevölkerung der Kolonie nach dem letzten Censos 
(Ende 1861) nur 130.627 Seelen und die jährlichen Bere- 
nuen im Durchschnitt der drei Jahre 1859 bis 1861 
583.100 Pfd. St, die öffentliche Schuld aber 850.500 Pfd. 
Sterling betragen. 



Q. KrefPt'a neuere Arbeiten über Australische Reptilien* 
Schon vor einigen Jahren (1862, S. 395) hat Herr 
G. Krefft, Kurator und Sekretär am Museum in Sydney, 
ein Verzeichniss der bei Sydney vorkommenden Schlangen 
in den „Geogr. Mitth." publicirt und wir machten damals 
darauf aufmerksam, welchen bedeutenden Zuwachs die 
Kenntniss der Beptilien-Fauna durch die Sammlungen Krefifs 
erhalten hat. Seitdem ist er nicht müde geworden, zur 
Erweiterung dieses Zweiges der Naturgeschichte Jthätig zu 
sein, und hat mit Hülfe mehrerer Freunde manche neoe 
Species und manchen neuen Fundort entdeckt. Er las 
darüber im vorigen Herbst einige Abhandlungen in der 
Fhilosophical Society of New South Wales und schickte 
uns Auszüge davon, so dass wir im Stande sind, folgende 
Zusammenstellungen zu geben. 



Notisen. 



158 



SehUmgm in der Gegend von SffdfMy. — Zu dem er- 
wähnten Verzeichniss ist zu bemerken, dass die unter dem 
Namen Diemansia cncullata aufgeführte Schlange von dem 
Genas Diemansia bedeutend differirt and KrefPt deshalb 
das besondere Qenus Petrodjmon aufgestellt hat, welchem 
ausser dem P. cuouUatum noch eine zweite, im Distrikt 
Ton Port Gurtis aufgefundene Species angehört, und dass 
HaploeephaluB nigrescens kürzlich auch am Clarence beob- 
achtet wurde. Herr Krefft beabsichtigt, in Kurzem einen 
beschreibenden Katalog der Australischen Schlangen zu ver- 
öffentlichen. 

Batrachier, — Bis Ende 1858 kannte man nach Dr. Oün- 
iher's Katalog 26 Species Ton ganz Australien, von denen 
17 nach Krefft*8 Beobachtung in der Nähe von Sydney 
Torkommen; seitdem sind durch Krefft und seine Freunde 
5 neue Species (9 neue Genera) hinzugekommen, andere 
5 neue, noch unbeschriebene Formen sind an Dr. Günther 
geschickt worden und 7 weitere noch in Krefft's Händen. 
Folgende 19 Species sind bis jetzt aus einem sehr be- 
schrankten Gebiet des Landes bekannt, sie zeigen eine 
nähere Verwandtschaft zu den Süd-Amerikanischen als zu 
den Indischen Formen. 

Genus LimnodynastM. 
LimoodyiiastM dorsalia. Selten, bei Sydney, am Olarence, in Nordwett- 

nnd West-Australien, am unteren Mnrray. 
Limoodynastet Tasmaniensis. Oemein, bei Sydney, in Biohmond, aa 

Hnnter und Hastings, in Taamania. 
Limnodynastes Krefftii. Oemein bei Sydney und am Hunter Birer. 

Qenus Uperoleia. 
Uperoleia marmorata. Alle bekannten Arten dieses Frosches stammten 
aas West- Australien , seitdem ist er bei Sydney, am Clarence und 
SU Richmottd gefanden worden. 

Oenus Pseudopbryne. 
Pieudophryne Australis. Gemein bei Sydney, auch in West-Australien. 
Pwadophryne fiibronii. Gemein bei Sydney, auch in Tasmania. 

Qenus Litoria. 
Litoria Freycineti. Sydney, Clarence River, Port Essington. 
Litoria nasuta. Sydney, Bichmond, Port Essington. 
Litoria punctata. Sydney, Bichmond, Port Essington. 
Litoria marmorata. Sydney. 

Qenus Hyla. 
Hyla Ewingii. Sydney, Hastings und Tasmania. 
Hyla Peronii. Sydney, Tasmania, am unteren Horray, Port Essington. 
Hjla Jenrisiensis. Jerris-Bai und Sydney. 
Hyla aurea. Ganz Australien und Tasmania. 
Hyla Yerreauxii. Sydney. 
Hyla Citropus. Sydney. 
Hyla Krefftü. Sydney und CUrence Birer. 

Qenus Pelodryas. 
Pelodryas coeruleus. Gans Australien und Neu-Guinea. 

Qenus Cystignathus. 
Cyitignathus Sydneyensis. Gemein bei Sydney. 

Reptilien am unteren Murray und Darling, — Ein Aufent- 
halt Yon etwas über Va Jahr im Westen des Qebiets von 
Neu-Süd- Wales gab Herrn Krefft Gelegenheit, auch über 
die dort vorkommenden kaltblütigen Wirbelthiere Notizen 
und Beobachtungen zu sammeln. Das Land ist zwar reich 
an Individuen, aber keineswegs reich an Species aus der 
Klasse der Reptilien, wie diess in ebenen, steinlosen Ge- 
genden gewöhnlich ist. 

Eidechsen. 
Hydrosaurus rarius (Common Lace Lisard). Auf Polygonum-FlSchen. 
Wird über 7 Fuss lang und rerschlingt ein ausgewachsenes Opossum. 
Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1864, Heft lY. 



Hydrosanms gigantens (GMgaaÜe Laee Liiard), ei^ke Variatit des Tarlgaa. 

Pygopus lepidopodns und eine andere, brüluit gafilrbte Speoies. 

Lialis Burtoni und punctulata. 

Hinnlia Australis und Whitei. 

Mocoa Guiehenotii und trilineata, beide von Ost nach Ifeat Aber gaas 
Australien Terbreitet. 

Siaphos aqnalis. 

Trachydosaurus (Stump-tail) rugosus und asper, die erstere eine der 
gewöhnlichsten Eidechsen auf den Sandebenen des Inneren, die 
letstere häufiger in SUd-Anstralien bei Adelaide. 

Cyclodna gigas (Sleeping Lisard), nieht gewdhnlieh. 

Tropidolepisma Kingii, Terbreitet sieh bis West»Anstralien. 

Anilios Australis, fast überall in Australien gemein. 

Diplodactylus rittatus, im gansen südlichen Theil des Kontinents, und 
D. omattts, in grosser Zahl unter Baumrinden. 

Phyllums inermis und Miliusii, bei If ount Hope auf felsigem Boden. 

Grammatophora reticulata, murieata, barbata und eristata, die ersterea 
häufig, die letstere selten, dagegen bei Sydney als „Water Liaard" 
wohl bekannt und auch in West- Australien, Victoria und Nord- 
Australien beobachtet. 

Schlangen. 
Aeanthophis antarotica (Oeath Adder), bei Lake Boga gesehen, nicht 

h&ufig. 
Morelia Tsriegata (Carpet Snake), 8 bis 10 Fuss lang. 
Brachysom'a diadema (Red-capped Snake), bei Mount Hope gesehen. 
Diemansia reticulata (Qrey Snake oder Common Whip Snake), nicht 

häufig. 
Diemansia superciliosa (Brown Snake), selten. 

Hoploeephalus cnrtus (liger Snake oder Brown-banded Snake), sahlreioh. 
Hoplocephalus signatus (Blsck-bellied Snake). 
Pseudechis porphyriacus (Black Snake). 
Vermicella annulata, soll am Murray vorkommen. 

Schildkröten. 
Chelodina longicallis wird von den Eingebomen hSnflg im Mnrray und 
seinen Nebenflttssen gefangen, Fleisch und Eier sind ihnen Lecker^ 
bissen. 

Batrachier. 
Limnodynastes dorsalis, beim Lake Boga. 
Heleioporus albopunctatus, Ton Sir George Qrey erwähnt. 
Hyla aurea, Peronii und Adelaidensis. 
Pelodryas eoeruleus (Bull frog). 

Fische im Murray und Darling. — Die Zahl der in 
diesen Flüssen vorkommenden und noch nicht beschriebenen 
Fische ist unzweifelhaft eine beträchtliche, denn die £in- 
gebornen zählen mehr als 15, freilich meist kleine, der 
Beobachtung leicht entgehende Arten auf. Sir Thomas 
Mitchell erwähnt 3 Species, zwei Ton der Familie der 
Fercidae und einen Silurus, Krefft erhielt durch die Ein- 
gebornen 8 andere Species, zu deren Aufbewahrung ihm 
leider das nöthige Material fehlte. 



Die erste Elsexibahn auf Neu-SeelancL 

Neu- Seeland, das „Britannien des Südens", ist eine der 
hoffnungsreichsten Kolonien; geographische Lage, Konfigu- 
ration, Klima, sonstige natürliche Bedingungen, eine that- 
kräftige Angelsächsische Bevölkerung, Alles vereinigt sich, 
die Inselgruppe, die an Flächeninhalt den Britischen Inseln 
in Europa nicht viel nachgiebt, zu raschem Aufblühen zu 
bringen, sie zu einer „Mutter civilisirter Yölkergeschlechter^ 
zu machen. Ein neuer wichtiger Abschnitt in ihrer Eni- 
Wickelung ist der Bau der ersten Eisenbahn, welche ohne 
Zweifel berufen ist, das Anfangsglied eines weit ver- 
zweigten Netzes zu werden. Wie in neuester Zeit die 
südliche Insel mit ihren Goldlagern in Otago und Nelson, 
mit ihren herrlichen Weiden und fruchtbaren Äckern die 
nördliche Insel, die gegenwärtig durch die langwierigen 

20 



154 



Noliseii. 



KSmpfe mit den Eingebornen empfindlich leidet» weit über- 
flügelt bat, 80 ist es jene Insel auch, welche die erste 
Eisenbahn trägt, und zwar leuchtet auch hierin wieder die 
Froyinz Canterbury voran, die zur geographischen und 
natnrhistorischen Erforschung der Insel bisher am meisten 
beigetragen hat und in ihrer Hauptstadt eine wissenschaft- 
liche Gesellschaft zur Förderung und Erweiterung jener 
Forschuflgen besitzt. Am 1. Dezember 186S wurde die 
Ton Christchurch bis Heathcote reichende erste Strecke der 
Eisenbahn, welche die Hauptstadt Christchurch mit der 
Hafenstadt Lyttelton verbinden soll, feierlich und unter 
grossem Jubel der Bevölkerung eröffnet. Zur Vollendung 
des Ganzen wird noch längere Zeit erforderlich sein, da 
ein gewaltiger Tunnel, der Anfang Februar 1864 mit 
1300 Yards oder 3900 Engl. Fuss erst die Hälfte seiner 
Länge erreicht hatte, den Berggürtel im Bücken von Lyt- 
telton durchbohren muss. 



WissenBOhaftliche SSzpedition nach Mexiko. 

Durch einen Erlass vom 27. Februar d. J. hat Napo- 
leon III. eine Kommission aus Staatsmännern, Gelehrten 
und Künstlern ernannt, die sich mit der Organisation einer 
umfassenden wissenschaftlichen Erforschung Mexiko's be- 
schäftigen soll. Nach dem auf diesen Gegenstand bezüg- 
lichen, im „Moniteur univ." vom 29. Febr. veröffentlichten 
Bericht des Unterrichts-Ministers Duruy ist es auf nichts 
Geringeres abgesehen als auf ein Gegenstück zur Erfor- 
schung Ägyptens unter Napoleon L, er macht darauf auf- 
merksam, welche reichen Früchte für die Wissenschaften 
wie für die Entwickelung Ägyptens der glückliche Gedanke 
des General Bonaparte, seiner Invasions- Armee ein Gelehrten- 
Corps anzureihen, getragen habe, und stellt Ähnliches bei 
dem neuen Unternehmen in Aussicht. „Ew. Majestät hat 
gewünscht, dass was am Ufer des Nil durch den geschehen 
ist, der Napoleon I. werden sollte, sich in Mexiko unter 
den Auspicien Napoleon's lU. vollziehe. Die vor 60 Jahren 
erlangten Besultate sind die Garantie für die der neuen 
Expedition vorbehaltenen." 

Man mag über die Französische Eroberung Mexiko's 
denken, wie man will, dieses wissenschaftliche Projekt ist 
jedenfalls ein schönes und wohl geeignet, das odium der 
Gewaltthat zu mildem. Mexiko bietet sicherlich ein nicht 
minder günstiges Feld für die verschiedenartigsten Studien 
wie Ägypten und das Programm, welches die Französische 
Begierung im Auge hat, scheint ein sehr umfangreiches zu 
sein. Das Feld der Forschung soll sich nach Duruy's 
Bericht vom Bio grande del Norte und Bio Colorado bis 
zum Golf von Darien erstrecken, ausser Mexiko also auch 
die Centro- Amerikanischen Staaten umfassen und die Unter- 
suchung eine möglichst vielseitige sein. 

Zunächst würde sie sich auf die Topographie richten, 
denn trotz der schönen Arbeiten Alexander v. Humboldts 
und Anderer sind bekanntlich die Karten jener Länder 
noch sehr mangelhaft. „In den südlichen und westlichen 
Provinzen von Mexiko" — sagt der Minister — „ist der 
Lauf der grössten Flüsse noch in sehr unsicherer Weise 
eingezeichnet und man braucht sich nicht weit von den 
belebten Strassen zu entfernen, um unerwartete Entdeckun- 
gen zu machen. Unfern Perote, auf der grossen Strasse 



von Vera Cruz nach Mexiko» zeigten die Karten vor 
4 oder 5 Jahren eine Lagune an einer Stelle, wo de Saut- 
Bure Hügel gefunden hat Im Norden umschliessen die 
Gegenden der Sierra Madre und Sierra Verde, im Süden 
Ghiatemala, Honduras und Darien weite Bäume, die eben 
so unbekannt sind als das Innere von Afrika. Im J. 1855 
entdeckte de Saussure einige Lieues von Perote eine ganze 
Stadt, die vor ihm Niemand gekannt hatte. Ein Amerika- 
nisoher Beisender, der vom Meer direkt nach Mexiko auf 
einer Beute ging, welche er sich selbst vorschrieb , stiess 
auf 18 bis 20 ansehnliche Monumente, die ganz in Ver- 
gessenheit gerathen waren. Gleiche Überraschungen be- 
wahren die Einöden Mexiko's für unsere Gelehrten." Auch 
das Projekt des Inter-Oceanischen Kanals könnte vielleicht 
durch sie gefördert werden. 

Die geologischen Forschungen würden das bisher Ge- 
leistete zu ergänzen und zu einem Geaammtbild zu ver- 
einigen haben, das Studium der vulkanischen Erscheinungen, 
die Paläontologie und die Organisation eines wissenschaft- 
lichen Bergbaues würden den Geologen der Expedition 
vollauf zu thun geben. Meteorologie, Botanik und Zoologie 
können auch jetzt noch in Mexiko eine reiche Ernte er- 
warten, eben so die Anthropologie, vergleichende Philologie 
und Geschichte. Die Buinen von Palenque bergen viel- 
leicht noch Geheimnisse ähnlich denen, welche die Ägyp- 
tische Expedition am Ufer des Nil fand und Champollion 
in Folge dessen durchdrang. 

Die Kommission ist angewiesen, für diese verschiedenen 
Branchen Instruktionen auszuarbeiten, und später wird sie 
die Publikation der Resultate zu überwachen haben. Sie 
besteht aus dem Minister Duruy, dem Baron Gros, früherem 
Gesandten in Mexiko, Michel Chevalier, Vice-Admiral Jurien 
de la Graviore, Boussingault , Combes, Decaisne, Faye, 
de Longp^rier, Maury, Milne - Edwards , de Qnatrefages, 
Ch. Sainte-Claire-DeviUe, de Tessan, Baron Larrey, Angrand, 
ehemaligem General-Konsul in Guatemala, Oberst Ribourt, 
Kabinets-Chef des Kriegs-Ministers, Architekt Viollet-Le-Duc, 
Architekt C^sar Daly, Astronom Mari^-Davy, Vivien de 
Saint-Martin, Abb^ Brasseur de Bourbourg, Aubin, Bellagaet, 
Abtheilungs-Chef im Unterrichts-Ministerium, A. Duruy als 
Sekretär. An geistigen Kräften hat die Kommission, wie 
man sieht, Überfluss und bei der jetzigen Machtstellung 
Frankreichs in Mexiko wird die projektirte Expedition 
leicht Schwierigkeiten überwinden, an welchen frühere ge- 
scheitert sind; um ein glänzendes Besultat zu erzielen, gilt 
es fast nur, eine glückliche Wahl in den Personen der 
Auszusendenden zu treffen und die vom Minister Duruy zur 
Deckung der Kosten geforderte Summe von 200.000 Francs 
(etwa 58.000 Thaler) bedeutend zu erhöhen, denn trotz 
fireier Überfahrten und anderer Vergünstigungen dürfte diese 
Summe doch bei weitem nicht hinreichen, ein so umfas- 
sendes Programm durchzuführen. 



Aufforderung an Sprachforscher und Beisende. 

Der berühmte Sprachforscher Prof. Europaeus in Hel- 
singfors, Finnland, hat einem Schriftchen über den „Ur- 
stamm der Indo-Europäischen Sprachfamilie und seine vor- 
Indo-Europäischen Abzweigungen, namentlich die Finnisch- 
Ungarische", Zahlwörter -Tabellen beigegeben, um deren 



Notiseii. 



165 



VerroUstaBdigaiig er dringend bittet. Wir folgen gern 
seiner Aufforderang, diese Bitte anch durch unsere Zeit- 
lohrift SU verbreiten. 

„Insbesondere'', sagt Prof. Europaeus, „ersuche ich die 
Spraohkenner, mir ans den Sprachen der Alten und Austra- 
lischen Welt alle mir noch nicht oder unzulänglich be- 
kannten Zahlwörter und möglichenfalls zugleich die laut- 
gesetzlich