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Full text of "Pharmazeutische Zentralhalle für Deutschland"

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Pharmaceutische Centralhalle 



für Deutschland. 



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i 5 ^ ^* 



Heraiiso;egeben 



von 



Br. Hermann Hager und Br. Ewald Geissler. 



ZZVni. Jahrgang. 

(Der Neuen Folge YIII. Jahrgang.) 

1887. 



iO 



Berlin 18S7. 

Verleger: Dr. E. Geissler, Dresden. 

In ComnilsBion bei Julius Springer. Berlin N., Monbijouplatz 3. 



i.-l 



Inhal ts-Verzeichniss 

des 

XXVIII. (Neue Folge VIII.) Jahrganges 1887 

der 

Pliarmacentischen Oentralhalle für Deutschland, 



* bedeutet: mit Abbildniig. 

(M. D.) bezeichnot Artikel des Pbarmacentifcben MAnnslt von E. Dieterleh. 

(Ph. R.) bcKeichnet Arbeiten der Pbannakopüe-Commission des Dentschen Apothekrr- Vereins. 



A. 

Abras precatorivft (Jequlritj), 624. 
Abschänmen (M. D.), 579. 
Acetanilid. Stractanorniel dess.» 159. 

— (Antlfebrinvm) (?b. R), 643. 

— siehe auch pAntitebriD.* 
Acetpheneditiiiy StmctnrfoTTnel, 143, 197. 
Aeetonapbtylamid, 177. 
Acetotoluid, 177. 

AcetometeF) Abänderang am Otto^scben A , 165. 
Acetam Dracancali (M. I).), 579. 

— Sinapis (M. D.), 580. 
Acidum asepticnm pamm, 155. 

— carbolicum cradom, Bestimmung des 

Phenols in ders., 5. 
liqaefactum, Gebaltsprüfung. 7. 

— hTdrochlorlcum, Prüfung auf HBr, 149. 

— nitricam (Ph. RA 111. 
fuinans (Ph. K.), 111. 

— phosphoricnm (Ph. R.), 111. 

— pjrogaliicuiii (Ph. R.), 111. 

— salicylicum (Ph. R.), 212. 

— ralforlenm (Ph. R.), 212. 

crodam (Ph. R.), 212. 

dUntnm (Ph. R.), 212. 

~ tannicam (Ph. R.). 212. 

— tartaricum (Ph. R.), 427. 

Prüfung auf Metall, 198. 

Adepg Lanae (Lanolin) (Ph. R.), 643. 

— SDillns. Eigenschaften, 198. 
(Ph.R.), 427. 

flltratus (M. D.), 580. 

— yiridls (M. D.), 17. 
Aether (Ph. R.). 427. 

— zor Prüfung dess., 489. 

— aceticns (Ph. R.), 427. 
Prüfung auf Fuselöl, 148. 

— broniatii»9 Prüfung dess., 272. 
Aetliylen, Erstarrungspunkt dcss., 280. 



Aethylacetanilld, 177. 

Aethyltballln, Structurformel dess., 161. 

AfflnitätHbestlmmongren^ chemische, 135. 
Agar-Agar, Nfthrsubstanz für Bacterien, 472. 
Agrnine, Bestandtheile dess., 474. 
Alantifurzel, chemische Untersuchung, 122. 
Alantol, 122. 
Alantsänre, 122. 
Alantol -LebertbraOf 242. 
Alann, DarsteUung des porüsen A.. 306. 

— Rubidium- Alaun enthaltend, 126. 
Aletris farinosa (Unicorn root), 201. 
Aleuronat (Pfianzeneiweiss), 519. 
Alkalische Tinctoren und Extracte« 76. 
Alkaloid - Lösungen durch Kampfer haltbar zu 

machen, 144. 
Alkohol, sein Einfluss bei der Verdauung, 375. 

Alkohole, mehratomige, ihre Einwirkung auf 
Mischungen von Borsäure- und 
NatriumbicarbonatlOsungcn, 192. 

Alligator- und Krokodillöl, 424. 

AUium ursinum, Bestandtheile des ätherischen 

Oeles, 525. 
AUyl • Trimethylamiuhydroxyd, 495. 

AloYn- Pillen, Formel dazu, 292. 
Alpenkräuterthee, Webers, Vorschrift, 20. 
Aluminium, Löthen dess., 'All. 
Ammoniakgas, Einfius^ auf den Organismus, 88. 
Ammoniaksal/e, Dünge werth ders., 488. 
Ammonium bromatum, Prüfung dess., 133. 

— picronitrieum , Vorsicht bei Verarbeitung 

zu Pillen, 229. 
Ampelopliile^ Zusammensetzung dess., 14. 
Amygdalin. im Leinsaaroen enthalten, 66, 94. 
Amylacetat, Verwendung dess., 447. 

— zur HerstelluDg von Firnissen, 635. 
Amyleuhydrat, ein neues Hypnotikum, 339, 373. 
Amylose, Bedeutung des Wortes, 144. 
Aniylpbenol, tertiäres, Darstellung dess., 528. 



IV 



Analyse 9 nener Gang der organischen Ele- 
mentar- A., 410. 
Anethol, Eigenschaften, 5ö5. 

Angostiirabitter, Vorschrift, 79. 

Anlllnfarbstoffe, Nachweis durch die Isonitril- 
Beaction, 19. 

— LCslichkeitstabelle, 386. 

— Verwendung in der HilEroskopie, 446. 
AniUnDm camphoricam, 283. 

Anis, Vermischung mit Coniumfrflchten, 348. 

— gerichtliche Entscheidung, Verkauf von erd- 

igem A. betreffend, 217. 
Antifebrllla 9 Structurformeln der neueren A., 

[167, 197. 
Antifebrin, Structurformel dess., 159. 

— Eigenschaften und Anwendung, 176. 

— Nachweis dess., 249. 

— Nachweis im Harn, 401. 

— neue Reactionen dess., 315, 401. 
Antlfebrinnm (AcetanUid) (Ph.R.), 643. 
AnttAmgin, Bestandtheile dess., 281, 294. 
Antipyrin, Structurformel dess., 161, 196. 

— und Antifebrin bei nervösen Erscheinungen, 
Antithermin, Structurformel dess., 197. [576, 
Antimon. Verdampfungspunkt dess., 280. 
Antiseptlca, einige neue, 563. 
Antrophor, Beschreibung, 65. 
Apothekerdeutsch, Vorschläge zur Umwandlung 

fremdsprachiger Ausdrücke, 6^. 
Apparat, Destillations -A. für jodometrische 
Arbeiten, 295*, 416. 

— für constante Gasentwickelung, 293. 

— für (jasentwickelung nach Nordblad, 514. 

— für gasometrische Analyse, 316. 

— Gas-Waschgefäss, 303^ 

— Einfttlltrichter, 337.* 

— Kühler mit innerer Kühlung, 337.* 

— für volumetrische Bestimmung der Kohlen- 

säure in Carbonaten, 394.* 

— Luftprfifungs-A., 395. 

— zur liilchfettbestimmung, 180.* 

— Vacuum-A. nach Christ, 515. 

— zur Zuckerbestimmung im Harn. 553,* 
Aqaa Amygdalar. amar«, Zusammensetzung 

dess., 354, 365. 

neue Darstellungsweise mit Benzal- 

dehydcyanhydrin, 391. 

— Prüfung im Allgemeinen, 368. 

Bestimmung der Blausäure, 131, 239, 

245, 308, 330. 

— quantitative Bestimmung des Benzal- 
dehyds, 527. 

— Unterscheidung des durch Mischung 

hergestellten vom destillirten, 568. 

— Ersatz durch Chloralcyanhydrat, 396. 

Aqna phosphorica llasterlik, 627. 

Aqaae aromatieae (M. J)X bHO, 636. 

Arabiu-phospborsanrer Kalk, 337. 

ArgInJn, Darstellung und Formel, 104. 

Aristolochia reticnlata, 624. 

Arnica- Gallerte, Amica- Jelly (M.D.), 581. 

ArHen, Trennung von den alkaliscnen Erden, 389. 

Artar-Root, Alkaloide der Kinde ders., 313. 

Arzneimittel, Einfluss der Form der Verordnung 
auf die Wirkung. 565. 

— erwärmt darzureichen, 543. 
Arzneiröhren, Anwendung ders., 517. 



Asarnm enropaenin, Untersuchung des äthe- 
rischen Oeles, 525. 

Aseptinsl&are, 155. 

Asparagin, rechts drehendes, 554. 

Asparagine sucr^e, 76. 

A8thnia-Cigaretten, 444. 

Atherosperma moschata, neue Droge, 519. 

Athlophoru8, amerikanische Specialität, 282. 

Aner'sches easginhlicht, 90,^ 349. 

Anrantlnm amamm, Bestandtheile der Binde 
dess., 301. 

AngsteUung, Welt-A. in Brüssel, 364, 589. 

— der Naturforscher- Versammln ng in Wiesbaden , 

|513. 



Bacilli gelatittOBi (M. D.), 601. 

cum Alnmine (M. D.), 601. 

com Chloralo hydr. (M. D.), 602. 

cum Kalio Jodato (M. D.), 602. 

Bacterien in Seifen und Verbandmaterialien, 

[431. 

Balsame, Harze und Gummiharze, Prüfung 
nach Kremel, 199, 202. 

Balsamnm Peruvlannm , Prüfung auf Benzoe 
und Storax, 527. 

Baryumcblorid, Unlöslichkeit in gewissen Salz- 
lösungen und Säuren, 389. 

Barynmhydrat, neue Fabrikationsweise, 303. 

Banmwollsamenöl, Erkennung in anderen 
Oelen, 629. 

Bausteine, Ursachen der Verwitterung ders., 91. 

Belladonna -Präparate von bestimmtem Ge- 
halte, 348. 

Bengalisehe Flammen, 590. 

Benzaldebyd, quantitative Bestimmung im 
Bittermandel Wasser, 527. 

Benzaldebydcyanhydrin, Bereitung dess., 392. 

Benzanilid, Structurformel dess., 159, 177. 

Benzoesäure, Structurformel ders., 158. 

Berberin, Abhandlung über B., 225. 

— Darstellung in Krystallen, 494. 
Betol, Eigenschaften dess., 280. 
Bieniba-Oel, Abstammung dess., 46. 

Bier, vergleichende Tabelle über deutsche 
Porterbiere, 96. 

— Prüfung auf Salicylsäure, 244. 

— wann ist das Bier „sauer," 631. 

— ist hefetrübes Bier im Verkehr zulässig? 632. 
Binden, Gaze- und Gypsbinden (M. D.). 83. 
Biskuithonig, Bestandtheile dess., 66. 
Bismutum oxyjodatum, 113, 290, 504. 
Bismutum subnitricum Natro nitrico präei- 

pitatum, 202. 
Bittermandelöl, Prüfung dess., 191. 

— Zusammensetzung und künstliche Darstellung 

dess., 567. 

Bittermandel wasser, siehe „Aqua Amygdnl. 
amar.** 

Blaugefärbte Stoffe, Prüfung ders., 469. 

Blausllure, neuer Nachweis ders.. 144. 

BleirOhren, Verunreinigung des Wassers durch 
B., 387. 

Blei- und zinkhaltige Gegenstände, Gesetz- 
entwurf, betreffend Verkehr mit 
dens., 149. 

desgl. Gesetz, 352. 



Blumeu, Conservirang frischer B., 317. 
Blut. Coagiilation dess. za verhindeni, 182. 

— Menge des Gehaltes an Hämoglobin und Blut- 

körperchen, 413. 

— spectroskopischer Nachweis dess., f>37. 
Bluttaiig, Mittel gegen B. (M. D.), 602. 
Boldoglnein, 143. 

Borneol and Menthol, Darstellung, bOil 
BorsSiire, Bestiminung ders., 164. 
Botanische Nomenciatur, fehlerhafte, 117. 
Bovinine, Znsammensetzung dess., 474. 
Branntwein 9 durch einen kautschukartigen 

Stoff verunreinigt, 93. 
Bromftthyl, Darstellung des?., 124. 

— Prüfung dess., 272. 
Bromlaagre^ Bereitung ders., 306. 
Bromsalze, Prüfung der officinellen B., 133. 
Bromwaaser, falsche Bezeichnung, 294. 
BromwasserstoflTBl&iire, Nachweis ders. in Salz- 
säure, 149. 

Brucin, chemische Constitution, 424. 

— und StTjclinitt) Ferro- und Ferricyanate 

ders., 107. 

quantitative Bestimmung ders., 119. 

Bromata-Leim (M.D.), 86. 

BuddVIie Pillen, Vorschrift» 14. 

Ball'g Congrb-Symp, amerikanische Specialität, 

BQretten, üher das Reinigen ders., 305. [282. 

— für Brom, 306. 

Burstyn'sehe SRuregrAde, Bedeutung ders., 10. 
Butten chemischer Vorgang heim Kanzigwerden 
der B.. 412. 

— Ahnahme der flüchtigen Säuren hei Zunahme 

der Bancididät, 244. 

— üher vorläufige Prüfung ders., 128. 

— neue üntersuchungsmethoden, 79. 

— Verhesserung der Reichert-Meissl'schen Prüf- 

ungsmethode, 584. 

— Zusammensetzung des Butterfettes, 412. 

— Bestimmung des specifischen Gewichts des 

Butterfettes, 77. 
~ Mikroskopie des Butterfettes, 79. 
*- Nachweis und Bestimmung des Bntterfettes 

in Margarine, 320. 

— Nachweis künstlicher Farbstoffe, 886. 

— Prüfung auf den Farbstoff der gelben Rübe, 

[101. 

— Unterscheidung von Natur- und Eunstbutter 

im Haushalt, 294. ^ 

— Abhandlung über Milchbvitter und der zu 

ihrem Ersätze dienenden Fette, 77. 

— Ersatz durch Cocosnussbutter, 281. 

— ErsatK durch Danks, 544. 

— Gesetz, betreffend Verkauf von Ersatzmitteln 

für B., 376. 
~ beste Verpackungsweise ders., 460. 

— Schwindel mit Preisfragen, 426. 

— bromojodirte, 368. 

Buttersäure, Nachweis im Magensafte, 582. 

c. 

(Siehe auch unter K«) 

CacaopiÜTer, ISslielieSi neues Herstellungs- 
verfahren, 155. 
Caeaoaehaleii, Analyse, 447. 
Cachott Prinee Albert (M. D.), 602. 



Calamin, Darstellung und Eigenschaften, 232. 

Calcimetre Sidersky, Apparat zur Kohlensäure- 
bestimmung, 394.* 
Cali-NUsse^ Herkoromen und Eigenschaften, 113. 
Galomelpulver^ Ursache des Geschmacks dess., 
Gamphoröl, leichtes, Eigenschaften, 190. [170. 
Canadol ist mit Petroläther identisch, 590. 
Cantharidin, chemisches Verhalten dess , 97. 
Carbollösnng zum Verband (M. D.), 84. 
Carbolstture, Structurformel ders., 157. 

— Grund der Färbung ders., 72. 

— Nachweis bei gericntlich- chemischen Unter- 

suchungen, 40. 

— Bestimmung ders. als Tribromphenol, 43. 

— Bestimmung des Phenols in der rohen C, 5. 

— Bestimmung ders. in Seifen, 103. 
Carbonaphtolsäore ist = a-Ozjnaphtocsäure, 
Carotin, Bestimmung dess., 599. [610. 
Carrageen, als Substitut für Gummi arabicum, 
Carvol ist Ketodihydrocymol, 424. [504. 
Cascara sagrada, verschiedene Abstammung, 
CasefUj als Emulgens, 569. [313. 
Cassiaöl, specifiscnes Gewicht dess., 191. 
Gastoreum in Tinctur zur Heilung der Morphin- 
sucht, 645. 

Catgut, Vorzüge als Nähmaterial, 442. 

— Tabelle Über die Zerreissungsfestigkeit, 514. 

— Carbol-, Juniperus- und Su6limat-C. (M. D.), 
Gatha edulis, neue Droge, 544. [83. 
Gentrifaglren (M. D.), 602. 

Gera flara, Prüfung auf Reinheit, 199. 
Gerata (M. D.), 603. 
Geresin, Prüfung dess., 200. 
Gharta exploratoria (M. D.j, 603. 
amjlacea (M. D.), 604. 

— — Azolithmlni (M. Ü.), 604. 

Gongo (M.D.), 604. 

Goreumae (M. D.), 604. 

Haematoxylini (M.D.), 613. 

Laceae mus. caer. (M. D.), 613. 

rubra (M. D.), 614. 

Malvae (M. D.), 614. 

— nitrata, Verbrennungsproducte, 117. 
Chemische Gärten, Herstellung ders., 408. 
Chiasamen von Salvia Ghian, 301. 
Chimaphila umbellata, 205. 

Cbfnaalkaloide sitzen ausschliesslich im Binden- 

parenchym, 477. 
Gbinaextract in Verbindung mit Borax, 599. 
Chinarinden -Asche, Zusammensetzung ders., 

[389. 
Cbininsalze, Tabelle über ihre Löslichkeit in 

Wasser 304 
Ghininam blsnlfurlcun (Pb.K.), 112. 

— ferro -citrlcom (PLR.), 112. 

— salfuricum, Prüfung durch die Chromat- 

und Oxalatprobe, 44, 163. 

Uebersicht der Prüfungsmethoden, 369, 

GhinoYdinnm (Ph. R.), 212. [377. 

Ghinojodin« medicinische Anwendung, 66. 

Ghinolin, Structurformel dess., 159. 

Ghinotoxin, 515. 

Gbloral com Gampbora Br. Ph. C., 560. 

Ghloralcyanhydrat, Ersatz der Aqua Amygdal. 
amar., 396. 

Gbloralhydrat, Werthbestimmung durch Zer- 
legung mit Natronlauge, 144. 



VI 



Chloralnm hydratum (Ph. K), 213. 

Chlorgras, Entwickelang mittels des Kipp'sclien 

Apparates, 127. 
Chlorkalk. Umwandlung in Chlorsäuren Kalk, 
Chlorofonnium (Ph.R), 213. [411. 

Chloroform, arsenhaltiges, 62. 

— Prüfung auf Reinheit speciell^Spiritusgehalt, 

— Wirkung des Ammoniaks auf dass., 302. 
Chlorophyll« Verhalten dess. zu Koblensfiure, 

[413. 

— quantitative Bestimmung in Pflanzen, 564. 
Chlorzink -Pasten, Bereitung, 229. 
ChoUn, Ueberführung in Neurin, 494. 
Chrom, quantitative Bestimmung dess., 402. 
Chromsesquichlorid, Modificationen dess., 401. 
Chrotograph, Uautschreibstift, 372. 
Chrysarobinum fPh. R.), 213. 
Chrysarobin, Bedeutung des Namens, 294. 
Chrysophansfiure im Harn vom Santoninfarbstoff 

zu unterscheiden, 19, 486. 
Cinehol und Capreol, 106. 
Coca-Cigaretten, 215. 
CocaTn, Bereitung aus Rohcocaln, 35. 

— über amorphes C, 300. 

— Spaltungsproducte dess., 516. 

— Gegengifte dess., 292. 

— ist Antidot von Strychnin, 105. 

— Wirkung beim Bergsteigen, 252. 
CocaYnnm hydrochlor., Prflfung dess., 394. 
CocaYnwolle, 33. 

Coccerln. 79. 

Cochenille, Werth als Indicator, 316. 

Cocosnnss- Butter, als Buttersurrogat, 281. 

CodeVnnm (Ph. R.), 427. 

Codefn, bei Diabetes angewendet, 105. 

CoffeYunm (Ph. R.), 428. 

Coffein -Gehalt des Kaffees vermindert durch 

Rösten des K., 317. 
Cognac, Bestand theile des Cognacsprits, 423. 

Colchicln, Chemie des C, 163. 
CoUodium (Ph. R.), 428. 

— über Bereitung dess., 559. 

— Bereitung unter Zusatz von Aethylnitrat, 305. 

— cantharidatnni (Ph. R.), 428. 

— elasticum (Ph. R.), 428. 

— jodoformiatum, 281. 

— salicyiatam mit Extr* Caouabis ist an- 

geblich gefährlich, 306. 

Columbia, Darstellung und Eigenschaften, 128. 

Compositen, Anzahl der Strahlenblüthen ei- 
niger C, 387. 

Conessin und nrlghtin, 114, 516. 

Congoroth, Werth als Indicator, 316, 325. 

Congoroth- Papier. Eigenschaften, 114, 293. 

Bereitung, 604. 

Coniferen-Cigaretten, 531. 

Conifereugeist, Vorschrift zu C, 206. 

Coniferin, neues Reagens auf C, 116. 

Conserresalz, lUlger's, 340. 

Copairabalsam» Entstehung dess. in der Pflanze, 

[476. 

Creolln, neues Desinfectionsmittel, 446, 459, 471. 

Crotonftl und Crotonolsäare, 246. 

Capreol und Cinehol, 106. 

Corcama, Werth als Indicator, 316. 

— Bereitung des C- Papiers, 604. 



Cynoglossl offlc. herba, Mittel gegen Mäuse, 
Cytisin und Cytisinnitrat, 114. [ö77. 

Cypripediam parviflorom, 561. 

D. 

Dambose ist Inosit, 544. 

Dammarharz, mit Colophonium verfälscht, 459. 

Danain, aus Danais frageans, 103. 

Danks, Er.«atz ffir Butter, 544. 

Denatnrirungsmittel fQr Spiritus, vergleichende 
Werthbestimmung ders., 557, 621. 

— des Spiritus geruchlos zu machen, 645. 

Desinfectionsmittel, Werth der verschiedenen 
D., 425. 

Destillationen, das Stossen zu verhüten, 501 , 536. 

Destillationsapparat für jodometrische Arbeiten, 

[295,* 416. 

Dextrin aus umgewandelter Glucose, 102. 

Dextrin -Kleister, 293. 

Dextrin -Leim, 162. 

Diastase. Darstellung reiner D., 400. 

Digestyltn, Zusammensetzung dess., 474. 

Digitalinnni germanicnm, Digitaline IIo- 
moUe , Digitaline crystallisee 
und Digitoxinnm pnrom, Zu- 
sammensetzung ders., 516. 

Dihydrocamphin, 362. 

Ditaua digitifolia ist ein Schwindel, 612. 

Drumin und Lewinin, zwei neue Anästhetika, 
18, 242, 292, 447. 



Ean de Lys de Lohse, Zusammensetzung, 2ü6. 

Eisencyanide, neue Verbindungen, 585. 

Eisenmilch, Bereitung, 538. 

Eisenoxyd und Thonerde, Bestimmung in Phos- 
phaten, 412. 

Eisenverbindangen, indifferente nach Dieterich, 
581, 618, 625. 

— , siehe auch unter „ Ferra m* und „Liquor 
Ferri.« 

Eiskeller im Kleinen, 351. 

Eiweiss, Nachweis dess. mit Salzsäure, 277. 

Elaidin-Reaction, ihr Werth bei Untersuchung 
fetter Oele. 136. 

Elixir Cascara sagrada Br. Ph. C, 560. 

— (i;aaranae Br. Ph. C, 560. 

— Simplex Br.Ph.C, 560. 
Email -Tinten, 14. 

Emetin, Bestimmung dess. in der Ipecacuanha- 
wurzel, 337. 

— chemische Constitution, 423. 
Emilian-Gefftsse für pharmaceut. Gebrauch, 515 
Emplastmm Hydrargyri sine Terebinthlna, 

[354. 

— Lithargyri, Untersuchung anf Bestandtheile, 

[214. 
Emulsionen, einfache Bereitung von Oel-E., 

|280. 

— mit Chloroform und Aether, Bereitung ders., 

— mit Ca sein zu bereiten, 569. [447. 
Emulsio Olei Jecoris Br. Ph. C, 560. 
Entflammnugstemperaturen verschiedener 

tiüssiger Handelsartikel, 164. 



VII 



Erdbeersyrnp, rationelle Bereitung dess., 414. 

Eriodyctiou Calirornicnm (Yerba Santa), Prä- 
parate aus dems.y 75, 76. 

ErnähruDsrs-Klyätiere, ^52. 

Eseridin, Unterschied von Ph jsostvgmin , 516. 

Essenzen 9 italienische, deren YerfälschunKen, 

[191. 

EsHi^s&nre, Nachweis im Magensaft, 582. 

Ester, ihre chemische Stellang, 218. 

Eucalyptus -Honig, 444. 

Eucalyptusöl und Eucalyptol, 191. 

Eapliorbia Drnmondii enthält das Alkaloid 
Drurain, 242. 

Erodia pasinifolfa, neue Droge, 519. 

Explosive Mischungen^ 253. 

Extracte, Bestimmung des Alkaloidgehaltes 
der narkotischen £., 21, 29, 
134, 200, 257, 505. 

- Präfang auf Suhstitutionen, 200. 

- Reinigung kupferhaltiger E.. 218. 
Extraetum Aconiti, Belladonnae, Conii, 

Hyoscyami und Strychni, Be- 
stimmung des Alkaloidgehaltes, 29, 
134, 257, 506. 

- Colombo, Untersuchung und Prüfung, 297. 

- Ferri pomatum (Ph. B.), 428. 
Bestimmung des Eisengehaltes, 296. 

- Filicls aeth. zu Pillen zu verarheiten, 304. 

- Grindeliae liq. Br. Ph. C, 561. 

- Hamamelidis liq. Br.Ph.C, 561. 
~ Hydrastis liq. Br. Ph. C, 661. 

- Opii, Prüfung auf Morphingehalt siehe 

„Opium." 

- Qnasslae (Ph.B.), 112. 

- Rhei (Ph.R.), 112. 

compositnm (Ph. R.), 112. 

- Sabinae (Ph. R.), 112. 

- Scillae (Ph.R.). 213. 

- Seealis eornuti (Ph. B.), 213. 

- Strychni (Ph. R.), 213. 

Werthbestimmung dess., 30, 256, 508. 

- Taraxaci (Ph.R.), 213. 

- Trifoiii flbrini (Ph. R.), 213. 

P. 

Färbung von aufzubewahrenden Pflanzen zu 
verhüten, 66. 

F3ulnissprocesse, Freiwerden von gasförmigem 
Stickstoff, 290, 312. 

Farben, Gesetz betreffend Verwendung gesund- 
heitsschädlicher F., 862. 

- Teig-F. mit Thonerdehydrat, 97. 
Farfarae folia, Untersuchung, 447. 
Fehllng'sehe Lösung, Deutlichmachen der End- 

reaction, 106. 
Beobachtungen bei der volumetrischen 

Zuckerbestimmung. 269. 
Ferri- und Ferrocyanate des Strychnin und 

Brucin, 107. 
Fermm ciirbon, saeehar. (Ph.R.), 428. 

- Jodatum (Ph. R.), 428. 
haltbare Lösung, 304. 

- lacticnni (Ph. R.l, 428. 

- oiydatum saccnar« solubile, verbesserte 

Darstellung, 202, 495, 592, 619. 
galaclosacchar« solub., 592, 619. 



Ferrum oxydatum mnnnasacchnrat. solnb., 

593, 619, 626. 

dextriuat. solub., 593, 620. 

inulatum solub., 620. 

— rcductum purum, 163. 

— sallcylicum, Bereitung, 304. 

Fette, medicinischer Werth bei chronischen 
Krankheiten, 138. 

— und Oele, Methoden zur Prüfung ders., 9, 

136, 203, 510. 

FettsUuren, Bestimmung der freien F., 10. 

Fettsockel, Mischung zu dens.. 118. 

Fettstifte zum Schreiben auf Glas, 351. 

Feuchtigkeit der Luft, Bestunmung und Be- 
rechnung, 646. 

Filtrirplftttchen nach Witt, 513. 

Filtrirrorrichtung, eine neue, 303. 

Fire Proof Faiut, Zusammensetzung, 330. 

Firnisse, mit Amylacctat bereitet, 635. 

Flaschenverschluss, Sicherheits-Fl., 181.* 

Fleisch und Fleischwaaren , Conservirungs- 
methoden, 630. 

Fliegenleim (M. D.), H6. 

Fluor, Darstellung von reinem F., 101. 

Fluor Verbindungen als Antiseptica, 563, 645. 

Frostbeulen, Mittel gegen F., 398. 

Frostwunden, rationelle Behandlung ders., 93. 

Fuselöl, Bestimmung dess. nach Traube, 406. 

— in Branntweinen, 253. 

~ Nachweis in Spirituosen, 98. 
Fussbodenlack, Vorschrift, 448. 
Futtermehle, Werth verschiedener F., 338, 437, 
461,* 521,* 545.* 

6. 

Galazima, Bereitung, 294. 

Galle, die Uafner'sche Reaction, 553. 

Gase, Einfluss technisch wichtiger G. auf den 

Organismus, 88. 
Gas-£ntwickelungs- Apparate, constante, 203. 

— — für gasometr. Analysen, 316. 
nach Nordblad, 514. 

Gas -Wasch -Apparate, 303.^^ 
Gasgliihlicht, Auer'sches, 90.* 349. 
Gaze, als Verbandstoff (M. D.), 52. 
Geheimmittel und Kurpfuscherei: 

Alliot's Heilung des Krebses, 6:J5. 

Berliner Hühneraugen -Extract, 635. 

Bödicker & Co. Krankentrost, 217. 

Bremicker's Heilmittel, 635. 

Chader in Genua, Augenarzt, 217. 

Clary's Asthmapulver, 94. 

Deutsche Gesundheits • Gomnagnie, 217. 

Einsiedler Magentropfen, 635. 

Exner*s Mittel gegen Blasenkatarrh, 635. 

Falkenberg's Trunksuchtmittel, 425. 

Fritsche'sche Heilmittel 426. 

Hartzema's Hämaton, 217. 

Haugk's Rothlaufschutz, 635. 

Hess'sche Lebenstropfen, 205. 

Himrod's Cure gegen Asthma. 635. 

Jacobi^s Deutscher Kaisertrank, 635. 

Indian -Pflaster, 217. 

Karrer - Galatti's Trunksuchtmittel, 425. 

Lieber's Nervenkraft- Elixir, 217. 

Micholson's Ohrtrommeln, 217, 448. 



VIII 



Geheimmittel und Knrpfiigcherei : 

Oidtmann's Purgativ (s. auch unter „0*) 49. 

Otto*scher Lebenswecker, 426. 

Retzlaffs Trunksuchtmittel, 635. 

Bochow's Mittel gegen Genickstarre, 685. 

Sanitas - Compagnie in Stuttgart, 49. 

Sanjana- Heilmethode^ 4V5. 

Schmidt'sche Angenmittel, 426. 

Schniidt's (Karoline) Flechtensalbe, 635. 

Schöne's Lnftäther, 426. 

Seiferts prfiparirte Schafwolle, 94. 

Simpson^sche Lotion, 217. 

Stein er's Hezenschusspfiaster, 49. 

Wamer's Safe Cure, 205. 

Weismann's Schlagwasser, 49. 

Wildenmann's Flechtenmittel, 635. 

Winter'sche Gichtketten, 94. 

Zenker's American ("ons. Cure, 205. 

Gefaeimmiitel- Analysen, falsche, 73. 

— -Sehwindel auf Actien, 566. 
Gelssospermin und Pereirin, 114. 
i^elatine-Ueberzng der Pillen, Löslichkeit dess., 
ii^elatine Ferri oxjdati, 596. [348. 
Gelsemin und Gelseminin, 289. 

öerben mittelst Pjrrofuscin, 141. 
Üermaninni-Präparate, 515. 
Gemclu Physiologie des G., 488. 
Getr&nEe, beste Temperatar ders., 570. 
ijliesshttbler Brunnen. Eohlensfturegehalt dess., 
iilanz wichse (M. D.), 86. [306, 318. 

Glas abzusprengen, 106. 
— , Stifte zum Schreiben auf G., 351. 
Glaubersalz, arsenikhaltiges, 143. 
Gledltsehla triacanthos, angebliche Stamm- 
pflanze vom Stenocarpin, 561. 
Glncose, Umwandlung in Dextrin, 102. 
Glycerin, neue Bestimmungsmethoden, 18. 

— Tcrflflchtigt sich nicht mit Wasserdämpfen, 
Glyceritum Gelatinae, 339. [302. 
Glycosurinsänre. neu aufgefundene Säure im 
Glycyphyllin, 143. [Harn, 248. 
Grubengas zur Kesselheizung, 541. 
Guarana, Werthbestimmung ders., 247. 
Gummi Arabicum, Verhalten in Salzlösungen, 74. 
Gummiharze, Prüfung nach Eremel, 199. 
Gummo- Phosphate de chaux, 337. 
Guttapercha -Mull (M. D.), 84. 

— neue Art, 32. 

Gymnema syiretre hebt die Greschmacks- 
empfindung für Süss und Bitter 
auf; 314. 



Haar, Hygiene des Haares, 442. 
Uaaröl, braunf&rbendes Walnuss-H., 340. 
Haarwasehwasser, bestes 443. 
Habjelia aetliiopica, neue Droge, 519. 
Hände, Mittel zur Erhaltung glatter Hände, 

155, 340. 
Hamburger Thee» Bereitung, 543. 
Harn, ei^enthflmliche Eiweissart in dems., 293. 

— verschiedenes Vorkommen von Zucker in 

dems., 164. 

— Isolirung der Glycosurinsänre, 248. 

— Unterscheidung von Santoninharn u. Bhenm- 

ham, 19, 486. 



Harn, Nachweis von Antifebrin, 249. 

— Nachweis von Blut, 106. 

— spectroskopischer Nachweis von Blnt, 637. 

— Nachweis von Riweiss mit Salzsäure, 277. 

— desgl. mit Natriumnitroprussid, 402. 

— Nachweis der /ff-Oxybuttersäure, 599. 

— Nachweis von Pepton, 101. 

— vereinfachter Nachweis von Quecksilber, 486. 

— Nachweis von Zucker mittelst Perrosulfat und 

Aetzkali, 80G. 

— Nachweis der verschiedenen Färbung. 144. 

— Zuckerbestimmung durch Gährang, 553 * 

— ein neues Uroskop, 276.* 

Harnsäure-Ausscheidung beeinflosst durch Gly- 

cerin, Zucker und Fett, 397. 
HarnstoflT, Bestimmung dess., 423. 

— Bestimmung nach Squibb, 115. 

Harze und Balsame, Prüf ong nach Eremel, 199. 

Hautscbreibslift, 372. 

Heber, zwei neue, li)3.* 

Heftpflaster durch Ueberstreichen mit Aether 
besser klebend zu machen, 66. 

Hehner'sche Zahl, Bedeutung ders., 10. 

Heiner's Wundsalbe, Bestandtheile, 474. 

Hektographen, Herstellung scharfer H.- Ab- 
züge, 48. 

Helenin, 122. 

Helfenberger Annalen 188«, 197, 209. 

Hensel's Tonieum. Zusammensetzung, 460. 

Herbarien, Behanalung der Orchideen, 562. 

— desgl. von dickblätterigen Pflanzen, 624. 
Heu, Untersuchung eines arsenhaltigen, 243. 
Heufleber wird durch Pollenkömer hervorge- 
rufen, 566. 

Himbeer- u. ErdbeerbranntwMn, Bereitung, 92. 
Holzessigsäure, Darstellung. 441. 
Holzgeist zum Denaturiren des Spiritus, 557, 621. 
Holzstoff, neues Reagens auf U., 116. 
Holzwolle, als VerbandstoflF, 81, 155. 
Homoopatnischer Kaffee^ 352. 
Honig darf nur das von Bienen bereitete Natur- 
product genannt werden, 156. 

— Untersuchung dess., £09. 

— kflnstlicher, 66, 92. 

— Eucalyptus - Honig, 444. 
HopeTn taucht wieder auf, 143. 
Hopfen, antiseptische Wirkung dess., 539. 

— Erkennung von geschwefeltem H., 488. 
Hnamauripa, 104. 

Hflbl'sehe Jodzahl, Bedeutung ders., 11. 
Hydrangin, Eigenschaften, 2C'5, 300. 
Hydrargyrum (Ph.R.), 112. 

— biehloratum (Ph. K), 112. 

— bijodatum (Ph. B.), 112, 

— carbolicum oxydatuni, 137, 156. 

— cliloratum (Ph. R.), 112. 
vapore parat. (Ph.R), 112. 

— oyanatum (Ph.Rh.j, 213. 

— Jodatum (Ph.R.), 213. 

— oxydatum (Ph. R.), 213. 
via hum. par. (Ph. R.), 213. 

— prHcipit. album (Ph. R.), 213. 

Hydrastin, chemische Stellung dess., 202. 

— Zusammensetzung und Eigenschaften, 494. 
Hydrastis, farblose, 447. 

Hydrochinon, Structurformel dess., 158. 
Hydrocotyles asiatieae herba, 202. 



IX 



Mfdronaphtol.Un terschic J von Betau aphtol, 30G. 
Hjdropliile Watte, 67. • 
Hj^ophylla asiattea. nene Droge, 519. 
Ifyosein, therapeut. Werth dess., 404. 
HjposQlflte, neue Rpaction ders , 193. 

J. 

Jflcobsol, Zasammensetznng dess-, 49. 
JanbuL nene Droge, 519. 
Ichthyolsalze, Za^ammensetznng ders., 518. 
Jeaniiity, Isolimng des Abrin, 624. 
Ifidieatoren , Werth verschiedener I. in der 
Titriranaljse, 316. 

- Empfindlichkeit der verschiedenen I., 501. 
ineio, im Strophantassamen enthalten, 334. 
Infti8a (Ph. R), 428. 

Inftasum Sennae compos. (Ph. K.), 428. 
iD^Iurlii, Hühnerkropfpepsin, 318, 340. 
Injeciionen, Sterilisimng subcutaner T., 544. 
Injeetionsflasehe mit filtrirten Lösungen , 514. 
loosit, Darstellung und Eigenschaften, 279. 
Inseetenfressende Pflanzen, 20. 
iBseetenstlehe mit Chloroform zu behandeln, 590. 
Job*stears (Job's Thränen), Abstammung, 447. 
Jod, Beinigung dess. zu analjt. Zwecken, 12. 
Jodum (Ph. K.), 429. 

Jodadditionsmethode, Veränderlichkeit d. Jod- 
lOsung, 146. 

— Verbesserung der Methode, 240. 

— grosse Brauchbarkeit ders., 510. 
Jodaseptol, 515. 

JodkallamstärkelSsuDg, haltbare, 349. 
Jodl5siiii|^eD, Titerstellung ders., 389. 
Jodoform ist als Antisepticum werthlos, 63. 

— Zersetzbarkeit in ätherischer L0sung, 163. 

— mit Glycerin zu emulgiren, 386. 

— Nachweis dess , 117. 

— Desoderisirung durch Naph talin, 94. 

- desgl. durch Sassafrasöl, 144. 
-- desgl. durch Terpentinöl, 387. 

— desgl. durch Canadabaham und Eaffeepulver, 

- -Boeht, Verbandstoff, 543. [590. 

- •tiaze, Bereitung mit durch Sublimat steri- 

lisirter Gaze, 504. 
~ -LeJmpflaster, 253. 
iodofoimlaiii (Ph. R.), 429. 
Jodoiwachs, 426. 
Jodometrische Arbeiten, Apparate hierzu, 

295* 416. 
Jodstlrke, Constitution ders., 400. 
Jodtriehlorid, Desinflciens u. Antisepticum, 519. 
Ipecaeuanba-Idlosyncrasie, 92. 
lpeeae«anluiwiirzel, Anal^^se der Asche, 301. 

- Bestimmung des Emetins, 337. 
Irisin, Eigenschaften, 402. 
IrNöl, Darstellung, 191. 

Jimreba, Brasilianische Droge, 166, 519. 
Jite, als Verbandstoff (M. D.), 71. 

K. 

(Siehe auch anter ۥ) 

Kaffee, geftrbter, 565. 

- homöopathischer, 352. [339. 

- Werth des gerösteten K. als Antisepticum, 



KafTce-Thee, KaHeeblätter, 203. 
Katrin und Ka¥rolln, Structurformeln ders., 160. 
Kali cansticnm ehem. purum Merck, 114. 
Kalinm, Nachweis durch Natrium- Wismutthio- 
sulfat. 187, 205. 

— bromatnm, Prüfung dess., 133. 

— carbonlcam, neue Fabrications weisen, 422. 

— chloricnm, Prfifung auf Salpeter, 533, 554. 

— manganicom , Darstellung des chemisch 

reinen, 320. 

— und Natriumbicarbouat , Nachweis von 

Monocarbonat, 149. 

— und Natrinmmetall, Fabrikation, 416. 
Kalmoswiirzel, Bestandtheile ders., 231. 
Kamala» Aschengehalt dess., S02. 
KapokvfoUe < Pflanzendiinen), 33. 
Karlsbader Braasepnlrer, 156. 
Kautschak, Ersatz dnroh Eaphorbia-Gummi, 

[645. 

Kantsckoköl , rohes , zum Denaturiren des 
Spiritus, 622. 

Kantsehnkiraaren, Aufbewahrung ders., c06, 

Kawa-Kawa, Anwendung, 375. [318. 

Keimgehalt (Bacterien) von Seifen und Ver- 
bandmaterialien, 431. 

Kellah (El Kellah) und Kellin, 376. 

Kesselsteinbildnng durch Speckstein verhindert, 

Kies, als Medicament, 339. [93. 

Kieselguhr, medicinische Verwendung, 66. 

Kindermehl nach Neawe, 229, 245. 

Kitt, für Aquarien. 282. 

— für Poriellan, 49. 

— Pariser Zahncement, 49. 

— Metallkitt, 351. 
Klanenöl, fluorescirendes, 97. 
Kleister haltbar zu machen, 590. 
Klystiere, ernährende, 105, 252. 

— Mikroclysmata nach Unger, 529. 
Köttsdorfer'sche Verself ungszahl, 11. 
Kohle -Bisqnits, 330, 531. 

Kohlenoxya, bequeme Darstellungsmethode, 303. 
Kohlensäure, volumetr. Bestimmung in Garbo- 
naten, 394.* 

— Bestimmung der Menge der ausgeathmeten 
Kolaehocolade, 519. [K., 401. 
Kork gegen Schimmelbildung zu schützen, 66. 
Kraftfüttermehle, Werth verschied. E., 338. 

— mikroskopische Prüfung, 437. 461.* 52 !.♦ 545.* 
Kreosot, innerliche Anwendung dess., 302. 
Ktthler (¥ngelktthler) nach Soxhlet, 514. 
Ktthlnng, Ersatz für Eisumschlag, 532. 
Knnstbatter, s. unter „Butter." 

Knpfer, neues Reagens auf K., 600. 

— eine Verbindung mit N., 412. 

— und Bronze der Alten, 577. 

— und Zink dürfen bei Bauarbeiten nicht zu- 

sammen verwendet werden, 254. 
Kupferne Kessel werden geschwfirzt durch 

Ungt. Farafflni, 577. 
Knpfersalfat, basisches, 295. 
Kwlcda's Vlehpnlrer, 156. 
KyanIsireD) eine Art Holzconservirung, 254. 

L. 

Lae Ferrl, Bereitung, 538. 
Lachuanthes tinctorla, neue Droge, 519. 



Lacke, Messinglack, 352. 
-- 8. auch unter „Firniss." 
Lactina, schweizer, Werth ders., 338. 
Lactocrit, neuer Apparat zur Milchfetthestinira- 

ung, 180* 
Lftyalinsäare, Structurformel, 197. 
Laniiiiarla, aseptische, 143. 

— Nachweis des Jods, 393. 
Lamlnarlastifte, Terhindertes Quellen dcrs., 9?. 
Lanolin, Eigenschaften dess., 209. 

— enthalt L. Pilzkeinie? 92. 
Lanoliiiam (Ph. B.). 643. 
Lanolimentum autlrhcumaticuni, 35. 
Lappa ofüclnalls, 561. 

Lathraea sqaamaria, insectenfressendc Pflanze, 
Leberthrau, japanesischer, 18. [20. 

— Prüfung auf Verfälschung mit Pflanzpnr.len, 
Lecithin, Nachweis in fetten Oelen, 102. [628. 
Leder, Probe auf gute Gerbung, 206. 

— - Appretur (M. D.). 86. 

Leim, Deitrin- oder Packleim, 162. 
Leinöly Untersuchung dess., 240. 

— und Leinölftrniss, Unterscheidung ders., 410. 
Leinsamen enthfilt Amygdalin. 6S, 94. 
Lencantliernnm vulgare ist giftig, 292, 314. 
Leachten faulender Organismen.Ursache dess.,14. 
Leuchtgas, rationelle Bereitung. 540. 
Lewinln und Drumin, zwei neue Anästhctika, 18. 
Limonaden- und medicinisclie Boubons, Be- 
reitung, 349. 

Lindenkohle - Blsqults, 330, 531. 
Linimentum Opii ammoniatum Br. Ph. C, 561. 
Llnt, Bor- und Jodoformlint (M. D.), 81. 
Liquenr de Laville, Bestandtheile, 488. 
Liquor antihydrorrhoicus, 156, 474. 

— Ferri albuminati, verbesserte Darstellung, 

536, 554. 593, 594, 614, 620, 625. 

saccharatus, 595. 

hypophosphltis compos. Br. Ph. C, 561. 

peptonati, 595. 

Kesquichloratl, arsenhaltiger, 214. 

— Kalii arsenicosi, Klärung dess., 75. 

— Magnesii Bromidi, 49. 

— pancreaticus Benger, 105. 

Literatur und Kritik, siehe am Schluss des 

Inhalts verzeich nisses. 
Litliolydium, Bestandtheile dess., 318. 
Lobeliae Delesseae radix, Ersatz fQr Senega, 
Lösungen zu Injectionen zu8terili8iren,544. [18. 
Luft, Apparate zur Prüfung ders., 395. 

— Bestimmung und Berechnung der Feuchtig- 

keit, 646. 
Luftblasen an mikroskopischen Schnitten zu 

entfernen, 473. 
Luftreinigungsmlttely 170. 

M. 

Maccassarol, echtes^ 202. 
Magensaft, Nachweis der Salzsäure, 144, 145, 
156, 581, 645. 

— Nachweis der Milch-, Essig- und Bntter- 

säure, 582. 
Magnesia usta, unverwendbar bei Bestimmung 

der Blausäure im Bittermandel- 

wasser, 239, 245. 
Magnesium, Schmelzpunkt dess., 178, 280. 



Mangan, Bestimmung mittels HtO«, 388. 

— Trennung von Eisen, 117. 

-— borsaures, Untersuchung auf Cl u. H2SO4, 97. 

Mangansaures Blei, als Bleichmittel, 472. 

Manual Dieterich's, Zusätze und Verbesser- 
ungen, 579. 

Marcipanmasse, Analyse ders., 16*2. 

Harienbader Reductionspillen, 14. 

Margarine, Nachweis u. Bestimmung d. Kuh- 
butterfettes in M., 320. 

— Gesetz, betr. Verkehr mit M., 376. 
Marmor, Imitation von M., 340. 
Matta, GewflrzYerfälschungsmittel, 205. 
Medicamente, erwärmt zu reichen, 543. 
Medicinalpflanzen-Cultur, 329. 
Meerwasser, zur Chemie dess., 411. 

Mehl, alkaloidartige Körper in altem M., 33. 
Mißlänge de Gregory (unreines Methylal), 105. 
Melonen Wurzel wirkt brechen erregend, 600. 
Menschlicher KOrper, chemische Zusammen- 
setzung dess.. 33. 
Menthol und Borneol, Darstellung, 509. 

— in Salbenform, 206. 
Mentholeat, Zusammensetzung, 105. 
ffcrcurius, Kesselsteinmittcl, 426. 
Hercuronitratprobe, Unsicherheit ders., 568. 
Metalle, über die Härte ders., 421. 

— Trennung in der Analyse durch Oxalsäure 180. 
Wetallkitt, 351. 

Methylacetanilid, 177. 

Methylacetat« Verhalten bei Einwirkung von 

verdtLnnten Säuren, 135. 
Methylal, neues Hynnoticum, 104. 
Xethylalkoliol. Vorkommen im Pflanzenreiche, 
Wethylenchlorid, als Narkoticum, 431. [195. 
Miesmuscheln, neues Auftreten von giftigen 

M., 577. 
MigrUne, Kochsalz als Mittel gegen M., 252. 
Mikroclysma nach ünger, 529. 
Mikromembranfllter, Wirksamkeit ders., 350. 
Xilch, Notiz zur Fettbestimmung, 162. 

— neuer Apparat zur Fettbestimmung, 180.* 

— Fettbestimmung nach Adam, 460. 

— unsinnige Conservirung ders.. 435. 

-^ Berliner Verordnung, betr. Verkehr mit frischer 

M.. 364. 
MllchsSnre, Nachweis in patholog. Fällen, 166. 

— Nachweis im Magensafte. 582. 
Xilchzueker, verschied. Polarisation dess., 19. 

— in PflanzenstofFen, 413. 
Mistole, Zusammensetzung dess., 519. 
Modellirwachs, 156. 

Molisch's Zuckerreaction, 227. 
Mollin fSapo unguinosus), Eigenschaften, 202, 
iWoos, als Verbandstoff, 82. [211. 

Morphin, neue Beaction auf M., 190. 

— Bestimmung desselben im Opium , nach 

Schlickum, 61, 203. 

nach Beckurts, 171, 183. 

nach Dieterich, 219, 261, 276, 479. 

Morphinum hTdrochloricum , Prafnng auf 

Codein und Narkotin, 60. 
in Verbindung mit Amylnitrit, 599. 

— phtalicum. 467. 

Morphiusueht, Heilung durch Castoreumtinctur, 
Mörteln, Bestandtheile dess., 14. [645. 

Motten, Mittel gegen M., 402. 



XI 



Mneilairo Uammi Arabici (Ph. R.). 11^ 

— Salep (Ph. R.), 113. 

Mnein, neue Arbeiten über M., 293. 

HQeken n. Mflekenstiche^ Mittel dagegen, 414. 

Mandwasser, antiseptiscbes, 154. 

Haskelacbllger, Ersatz der Massage, 292, 448. 

Matitia ylciaefolia, gegen Phtisis, 242.' 

Matterkorn, Mais-M. und Diss-M., lOG. 

Mjrioearpin, Darstellung u. Eigenschaften, 487. 

MjrlBÜca offlcinalis« Stammpflanze d. Bicuiba- 
Oeles, 46. 

Myrrha (Ph. R.), 113. 

Myrtolf Eigenschaften, 191. 

N. 

Xaphtalin, Structorformel dess., 159. 
~ als Vermifugura, 205. 

— Mittel gegen Bremsen, 390. 

— mit Fetroleuni, als Denaturirungsmittel des 

Spiritus, 622. 
5areeTn, neue Rcaction auf N., 289. 

Narkotische Extracte, Bestimmung des Alka- 

loidgehaltes, s. „Extracte." 
Natrimn aceticum (Ph. R.), 213. 

— benzoicam (Ph. R.), 213. 

— bicarbonlcam (Ph. R.), 213. 

Prüfung auf Ammon and Ursache des 

Ammongehaltes, 125. 

Prüfung auf Monocarbonat, 149. 

desgl. mit Phenolphtaleln, 569, 597, 598. 

— bromatum (Ph. R.), 502. 
Prüfung dess., 133. 

— carbonlcnm (Ph. R.), 502. 

erQdum (Ph. R.), 502. 

slceum (Ph. R.), 502. 

— -HjposiilQtlOsiing, Titerstellung ders., 12. 

— snlraricnin, arsenikhaltiges, 143. 
~ Hulfobenzoienin, 624. 

— - Thiosulfat, als Ersatz des HaS in der Ana- 

lyse, 100. 

— -mrisiniittmosDlfat, Reagens auf Kalium, 

187, 205. 

— und Kaliambiearbonat, Nachweis von Mono- 

carbonat, 149. 

— und Kaliammetall, Fabrikation ders., 416. 
NatronJiydrat, ein neues, 424. 
Naturforseher - Versammlung in Wiesbaden, 

230, 267, 389, 475, 489, 505. 

Ausstellung, 513. 

Ndllo-Oel, Anwendung, 519. 
NeaTe's Kindermehl, 229, 245. 
NeroUn, chemische Structur dess.. 35. 
Neorin, Entstehung aus Cholin, 494. 
Nickel, Schalen und Tiegel aus N., 48. 

— ZuläsBigkeit der Nickelküchengeräthe, 583. 
NidLelsalxe, physiolog. Wirkung ders., 583. 
Nigritine, Znsammensetzung, ^8. 

Mob- 9 Tantal-, Titan- und Zlnnslnre, Rc- 

actionen ders., 204. 
?yimo« Rinde, Untersuchung, 175. 
Nomenelator« Missstände und Yerirrungen in 

der chemischen N., 94, 287, 415. 

— fehlerhafte botanische N., 117. 



o. 

Oblaten, zur Verabreichung von Flüssigkeiten 
229. 

— ihr Fassungsvermögen für verschied. Medi- 

camente, 432. 
Oehsenwein (Fleischwein), 352. 

Oele, ätherische 9 Tabelle über den Gehslt an 
äther. Oele in Drogen u. Pflanzen- 
theilen, 537. 

Tabelle der specifischen Gewichte, 192. 

— fette, Unterscheidung ders. durch die Elaldin- 

Reaction, 136. 
Untersuchung nach HöbVs Jodadditions- 

methode, 146, 240, 510. 

Kritik der Untersuchungsmethoden, 628. 

Nachweis von Lecithin, 102. 

Oxydation der fetten 0., 20. 

— oxydirte (blown oils), 246. 

— und Fette, Methoden zur Prüfung ders., 9, 

136, 146, 203, 240, 510, 628. 
Oidtmann'8 Purgalif. Analyse dess., 73, 275, 

285. 330, 341, 531. 
Olenm Cacao, Prüfung, 209. 
~ cinerenm, Vorschrift 32. 

— Hyoscjrami, verbess. Bereitungs weise, 210. 

— Nucistae, Prüfung, 209. 

— Olivarum, Prüfung, 210. 
desgl. auf Cottonöl, 629. 

— phosphoratnm, 627. 

Opiam und Opiamprftparate, Bestimmung des 
Morphins nach Schlickum, 61,203. 

nach Beckurts, 171, 183. 

nach Dieterich, 219, 261, 276, 479. 

Orchideen, Behandlung ders. fflr Herbarien, 562. 

Oro, eine eine Art Euphorbiumharz liefernde 

Pflanze, 76. 
OrseiUefarbstoff, Nachweis neben Fuchsin, 95. 

Orthosyphon staminens, gegen Nierenleiden, 

242. 
Oxalsäure, Bildung ders. in Pflanzen, 412. 

— Darstellung der sublimirten 0., 424. 

— als Gruppenreagens, 180. 
Oxybuttersaare, Nachweis der ß-O. im Harn, 

599. 
OxynaphtoSsänre (a-Oxyn.), als Desinfections- 

mittel, 610. 
Ozon, Verflüssigung dess., 280. 

P. 

Papier. Festigkeitsprüfer, 90.* 

— Prüfung auf Leimung, Holzschliff und Chemi- 

kalien, 317. 

— Ursachen des Vergilbens, 139. 

— kupferhaltiges, 254. 

— Herstellung von Plakatpapier, 624. 

— verbessertes Reispapier, 636. 
Papiemormalien, 623. 
Paraacetphenetidin, Structurformel, 197. 
Paraffin, als Scbaumbrecher bei Destillationen, 

[419. 
Paraffinnm liquidum, als Vehikel für subcutane 
Injectionen, 253. 

— molle. 66. 
Parafflnfarben, 351. 



xn 



Partlieniu, aus Partlieuiuiu hysterodhorus, 
Pastillenmascbiiie. 207 * [103. 

Pastillenmasse, 208. 
Pepslnom Byk, Pr&faDg dess., 458. 
Pepton, Nachweis im Harn und Blat, 101. 
Peptone des Handels, Besprechang der yer- 

schiedenen Sorten, 629. 
Peptonpräparate nach Brann, 519. 

Perelrln und Gelssospermln, 114. 

Petrolenm - Naphtalin zum Denaiuriren des 

Spiritu?, 622. 
Pfeffer, welche Bestandtheile bedingen den 

Gebrauchswertb, 644. 

— künstlicher, 182. 

Pflanzen, Verbreitung und Wanderung der F., 
Pflanzendanen (Kapokwollo), 33. [551. 

Pflaster, Gassformen für Pf. in Tafeln, 310. 
Pharbitis - Früchte, Untersuchung ders., 270. 
Pharmacentische 8ection der Naturforscher- 

YersammluDg in Wiesbaden, 475, 

489, £05, 521. 
Pharinacentischer Kalender 1887, Correctur 

eines Druckfehlers, 49. 
Pharmacognosle , Studium ders. während der 

Lehrzeit, 477. 
Pharmacopoea Oenuanica ed. IL, zur Beyision 

ders., 111, 212, 417, 502, 643. 
Pharmakop<>e - Commisslon des Deutschen 

Beichs, 169. 
Phenacetin, Structurformel und Eigenschaften, 
Phenetidin, Structurformel, 197. [197, 583. 
Plienylhydracin, Structurformel, 197. 
Phenol, Structurformel dess., 157. 

— siehe auch Carbolsäure. 
Phenol -Quecksilber, 137, 156. 
Phosphor, Maximal 'Dosis dess., 115. 

— zu Pillen zu verarbeiten, 645. 

Phosphorescirendes Schwefelcaleinm, 138. 

PhosphormolybdänsUnre, Benutzung der äthe- 
rischen Lösung zu einem Maximum- 
Thermometer. 316. 

Phosphorsänre, zur Bestimmung ders., 388. 
Photograpbisohes Verfahren mit Anilinscbwarz, 
Photoxylln, neue Art Collodium, 414. [350. 

— Bezugsquellen, 624. 

Pikrinsäure und Terpentinöl, Wirkung auf 

einander, 302. 
Pillen mit ätherischen Oelen und Balsamen, 

Bereitung ders., 75. 

— mit Chinin, Bereitung durch Anstossen mit 

HCl, 75. 

— LOslichkeit der verschiedenen Ueberzüge ders., 

[348. 
Piiulae aloSticae ferratae, Nachweis von 

Soccotrina-Aloö, 31. 
Pingnin, Zusammensetzung dess., 35, 242. 
Piperonal, als Antiseptikum, 253. 
Plakatpapier, Herstellung dess., 624. 
Plaster of Paris für Beschlag -Analysen, 624. 
Platinschwamm als therapeutisches Mittel, 574. 
Plnmbnm cansticam, Zusammensetzung dess., 

?79. 
Polirmittel, Werth der verschiedenen P., 181. 
Potascfae, neue Fabrikations weisen, 422. 
Ptomaln, ein dem Strychnin ähnliches, 644. 
Pulpa Tamarlndomm, Gehalt an Weinsäure, 
Pulris aerophorus (Ph. K.), 113. [210. 



Pulvis aerophorus auglicus (Ph.B.), 113. 
laxans (Ph.R.), 113. 

— gummosus (Ph. R.), 113. 

— Ipecacuanhae opiatus (Ph. B.), 214. 

— Liquiritiae compos. (Ph. R.), 214. 

— Magnesiae c Rheo (Ph.R.), 214. 

— Talci salicylatns (Ph.R.), 214. 
Pyrethrin, aus Anacyclus Pyrethrum, 314. 
Pyridin, structurformel dess., 159. 
Pyridinbasen zum Denaturiren des Spiritus, 

— geruchlos zu machen, 645. [557, 621. 
Pyrofusein, neues Gerbverfahren mit P., 141. 

Queeksilber, Destillation und Reinigung, 178, 

[280. 

— Nachweis bei toxikologischen Untersuchungen 

organischer Substanzen, 4C0. 

— Nachweis in Flüssigkeiten, besonders im 

Harn, 486. 

— Art der Wirkung in der Qu.-Salbe, 645. 

— eiche auch Hydrargynim. 
Quecksilberchlorid, Verhalten gegen Ammon- 

bicarbonat, 247. 



Radix Althaeae (Ph. R.), 214. 

— Angelicae (Ph. R.), 214. 

— Colombo (Ph. R.), 214. 

— Gentianae (Ph. R.), 214. 

— Ipecacuanhae (Ph.R.), 502. 

— Levistici (Ph. R.), 502. 

— Liquiritiae (Ph. R.), 502. 
mnndata (Ph. R.), 502. 

Raps- und RUbsenkuchen, mit Senf verfälscht, 

[461.* 
Reactionen, Tabelle über Schärfe und Empfind- 
lichkeit der R., 449. 
ßeagenspapiere, Bereitung ders. (M. D.), 603. 

— Empfindlichkeit der diversen R., 200, 498. 
Rectalcapseln, 390. 

Reichert'sche Zahl, Bedeutung ders., 10. 
Reispapier, Verbe^serong dess., 636. 
Remy's an ti septische Losung, 532. 
Resorcin, Structurformel dess., 158. 
Ricinuskuchen , Erkennung in anderen Oel- 

kuchen, 521.* 
Ricinusöl, in Mixturen, 230. 

— auflösbares, 246. 

— Prüfung auf Verfälschungen, 204, 294. 
Riechsaize, Bereitung, 33. 

Robinia Pseudacacia ist giftig, 292, 314. 
Rosenöl, deutsches, 3(X), 538. 
Rost von Eisen zu entfernen, 590. 
Rotoin und 8copolein, 494. 

s. 

Saecharinnm (Ph. R.^, 648. 

— LOslichkeit dess., 203. 

— Dosirung dess., 590, 258. 

— schmeckt dass. den Thieren bÜss? 361. 

— in Verwendung mit Stärkesyrup, 532. 

— Nachweis im Weio, 466. 



XIII 



Saceliarinaiii^ Präparate dess., 516. 

- -Tabletten. 645. 

Safran, Gewürz oder Färbemittel? 79. 
Safransurrograt (Dinitrokresol) , giftig oder 

nicht? 565. 
Salben. Haltbarkeit ders., 211. 
Salbenblfttteheuj neue Salbenform. 82. 
Salbenmnl! (M. D.), 87. 
Sallcjlanilid, 177. 
SallcylsHnre, Stractorformel ders., 158. 

- zum Nachweis ders., 193. 

- Absorption ders. darch die Hant, 55G. 
Salix ni^a, neue Droge, 519. 
Salolnm (Ph. R.). 614. 

- Stractorformel dess., 158. 

- Dosirnnff dess., 376. 
Salol-Miindwasger, 14. 

Salpeter, Gehalt an Chlorsäuren Salzen, 425. 
Salpeterpftpier, Yerbrennnngsprodacte, 117. 
Salpetersäure 9 Nachweis in Wässern dnrch 
Pikrinsäare, 128. 

- bewirkt Eotzündnnff yegetabilischer Stoffe, 

- Verpackong ders., 4B0. [305. 
Sainfer, neues antiseptisches Präparat 615. 
SahlotnDgeD zu Beceptnrzwecken, Vonräthig- 

halten ders., 56. 
*- das Niedersinken ders., 249. 
Salzsiiire, Desarsenirane ders., 509. 

- Verwendung der arsenhaltigen S. zur Kohlen- 

säure - Erzeugung für Bierdruck- 
apparate, 229. 

- Nachweis im Magensaft, 144, 145, 156, 581, 

- Oxydation ders. im Licht, 425, 577. [645. 

Salisänreiriu, Einfluss auf den Organismus, 88. 
Samenrelehthom einiger Pflanzen, 398. 
Sand, Carbol-, Jodoform- und Sublimatsand 

(M. D.), 82. 
Saadaandelkleie Vorschrift, 242. 
Hapo mnniiiosiis« Bereitung und Verwendung, 

[211. 
Sanerstoir^ Gewinnung aus der atmosphärischen 

Luft, 402. 

- wechselnder Gebalt desselben in der atmo- 

sphärischen Luft, 503. 

- Menge des Verbrauchs bei der Athmung, 401. 

- •Mofekttl, Abhandlung über das S., 344, 357. 
Sehimnel Sb Go«, Geschäftebericht, 191. 
Seklangengifl, Zusammensetzung dess., 397. 

Hehmierdl für Yelocipede, 448. 
Sehnee, Bestimmung der Schweflig- und Schwe- 
felsäure in de ms., 552. 
Hchnltrank, sogenannter, in Paris, 600. 
Sehwännie, Carbolschwämme (M. D.). 84. 
7 antiseptische, 589. 
^kwefel, Über den Nachweis dess., 403. 
Vhwefelathyle , physiologische Wirkung der 

gechlorten Seh., 374. 
»^wefelealeiiiin, Darstellung des phosphores- 

cirenden, 138. 
Sfhwefelstare^ maassanaly tische Bestimmung 

in Wässern, 126. 
Hckwefelwasserstoff, bequeme Methode zur 

DarsteUung, 361. 
^ Ersatz durch Natriumthiosulfat in der Analyse, 
^l^lia- Wurzel, Bestandtheile, 493. [iOO. 
Srtttm, Prüfong, 211. 
^^«€ale cenvt«» sine oleo, 87. 



SecretbehSIter der Pflanzen, 476. 
Seeluft, angeblicher Salzgehalt ders., 48. 

Seewasser, Ursprung der Färbungserschein- 
ungen, 555. 

Seide, Carbol-, Jodoform- und Sublimatseide 
(M. D.), 83, 84. 

— künstliche Herstellung ders., 339. 
Seifen, zur Analyse ders., 485. 

— Bestimnnung der Garbolsäure in S., 103. 

— Untersuchung d. Dresdner präparirten Wasch- 

seife, 873. 

— neue medicinische, 106. 
Seifengeist, Hebra'seher, 298. 

Senega, Ersatz ders. durch Radix Lobeliae 
Delesseae. 18. 

— neue Verfälschung aers., 101. 
Senftaiehl, mit Stärke verfälscht, 460. 
Senföl, russisches, 191. 

— enthält immer StC, 495. 

Sentoapier, quantitatire Bestimmung des Senf- 
flls, 211. 

Sesamknchen als Futtermittel, 545.* 

SicherheltsYerschlass für Narcotica, 181.* 

Siedepunkt unter dem Einflüsse des atmo- 
sphärischen Druckwechsels, 179. 

Siegesbeekia orientalis, neue Droge, 519. 

Silbersalze als Antiseptica, 563. 

Silk- Protektiv, carbolisirt (M.D.), 84. 

Simnlo. neue Droge, 518. 

Soda, aie Leblanc sehe S. im Concurrenzkaropfe 
mit Ammouiak-S., 541. 

Sommersprossensalbe nach Hebra (M. D.), 2. 

Sonnenlicht, Einwirkung auf den menschlichen 
Körper, 249. 

Soz^odol, 515. 

Speciflsches Gewicht, Bestimmung dess. nach 
einem neuen Princip, 317. 

Bestimmung des spec. Gew. leicht lös- 
licher Substanzen. 4t$. 

Speckstein als Kesselsteinmittel, 93. 

Speisen und Getränke, beste Temperatur ders., 

Spiritus, Dcnaturirungsmittel, 557, 620. [570. 

— Verdeckung des Geruchs ders., 645. 

— Steuer- Controle in den Apotheken, 609. 

— Bedeutung der „Literprocente," 610. 
Spiritus saponatus, verbesserte Vorschrift, 298. 

— Sinapis, AUjlurethan enthaltend, 32. 

— Vini Cognac. deutscher, 3B0. 
SprengstolTe , Zusammensetzung yerschiedener, 

[448. 
Staub, Versuche über das Verhalten dos Luft- 
staubes, 19. 
Steatinnm (tf . D.), 37. 

Steine, Ursachen der Verwitterung der Bausteine, 
Stenocarpin, neues Anästhetikum, 487. , [91. 

— ist ein Schwindel, 635. 
Stemanis, Bestandtheile dess., 494. 
Stibinm sulftiratum anrant. (Ph. R.), 113. 
nigrum (Ph. R.), 118. 

StickstofT, Gewinnung aus der'atmosphärischpn 
Luft, 402. 

— Freiwerden von gasförmigem S. bei Pilulniss- 

processen. 290, 312. 

— Bestimmung des Gesammt-St. 627. 
Stiefelsclimiere (M. D.), 86. 
Stiefelwichse (M. D.). 86. 
Streichhölzer, explodirende, 97, 



XIV 



StrophanthlD , Eigenschaften. Wirkung und 
Dosirune, B34, 440. 

— ist ein Glycosid, 516. 

StrophantnssameD. Abstammung, Beschreibung 

und Wirkung, 331. 
Strychnin^ neue Farbenreaction dess., 424. 

— ein dems. ähnliches Leichen-Alkaloid, 644. 

— und Brucin, quantitative Bestimmung ders., 

Ferro- und Ferricyanate ders., 107. [119. 

Stryehniniini iiltricum (Ph.B.), 113. 

Strychnol (Strychiiinhydrat), 116. 
Strychnos- Präparate, Wcrthbestimmuns^ ders.« 
Styrax liqnidas (Ph.R.), 113. PO, 257, 508. 
Sublimat -Kochsalzpastillen, 123. 
Snblimat- Lösungen zum Verband (M. D.), 84. 
Haltbarkeit ders., 430. 

— -Verbandstoffe, Bereitung, 464. 

Behandlung ders. mit Weinsäure, 564. 

Werthbestimmung ders., 608, 639. 

Snceus Jnniperi inspiss., 191. 
(Ph. B.). 214. 

— Liqniritlae (Ph. R), 214. 
depuratas (Ph.R.), 214. 

Sttss und Bitter, Aufhebung der Gescbroacks- 
emptindung für S. und B. durch 
Gymnema sylvestre, 314. 

Sulfite, Nachweis neben Thiosnlfat, 425. 

SnlfoMnate, verschiedene Bezeichnung den:., 

Sulftirine, Bestandtheile dess., 268. [645. 

Sulfnr depuratum (Ph. R), 214. 

— prttcipitatuni (Ph. R.), 214. 

— sublimatnm (Ph. R.), 214. 
Summitates Sabinae (Ph. R.), 214. 
Superphosphatic, Bedeutung des Namens, 448. 
Suppositorien, Bereituog, 472. 

— ernährende, 375. 
Suppositorienkapseln, 517. 
Syndetikon, Bestandtheile dcss., 218. 
Syringin, 114. 

Syrupi (Ph.R.), 502. 

Syrupos Althaeae (Ph. R.), 502. 

— iimygdalanini (Ph. R.), 502. 

— Aurantii cort. (Ph. R.). 502. 
florum (Ph. R.), 502. 

— Apomorphinae Br. Ph. C, 561. 

— Cascara sagrada Br. Ph. C. 561. 

— Balsnmi Tolut«, beste Bercitungs weise, 349. 

— corrigens, aus Herba Eriodyctii bereitet, 

— Ferri albumfnatf, 595. [75, 76. 
Jodati, grosse Differenzen in der Stärke. 

[340: 

— — oxydati solub«, verbesserte Darstellung, 

[592, 619. 

— hypopliosphitnm (Fellow^s), 282. 

— Sennac cum Manna, verbesserte Bereitung, 

[612. 

T. 

Tabloid, Bedeutung des Wortes, 518. 
Tantal- und Titansttnre, Reactionen der?., 204. 
Tapeten, abwaschbare, 515. 
Tartarus boraxatus des Handels, 137. 
Taxe. Unklarheiten in der sächsischen Arznci-T., 

(556. 
Tchucliiakabi« Japan. Heilmittel bei Harnleiden, 
Teigfarben mit Thonerdchydrat, 97. [76. 



Temperatur der Nacht, Vorausbestimmung, 169. 

— unserer Speisen und Getränke, 570. 

Terpentin, Herstellung aus Coniferenbarzen,473. 

Terpentinöl und Pikrinsäure, Wirkung auf 
einander, 302. 

Terpinliydrat und Terpinol, Eigenschaften und 
Dosirung ders., 441. 

Tliallin, Structurformel dess., 161. 

Tliallium, Bestimmung dess. neben Blei, 388. 

Thee, schlechte Sorten, 206. 

Thein, quantitative Bestimmung in Theeblättem, 

Tliermometer (Minuten-Tb), 514. [301. 

Thomasseliiaeke, Verwendung ders., 34. 

Tlionerde und Eisenoxyd, Bestimmung in Phos- 
phaten, 412. 

Thonwaaren, Fabrikation poröser T., 818. 

ThymoL Structurformel dess., 158. 

— als Täniafugnm, 398. 

Tincturen, Detanniren ders., 13. 

— zur Prüfung ders., 125. 

— Untersuchung käuflicher T., 604. 
Tinetura antiperiodica Warburg, 87. 

— Colocynthidis (Ph. R). 118. 

— Croci (Ph. R,), 113. 

— Digitalis (Ph.R.), 113. 

— Ferri acet. aetlier« (Ph. R), 214. 

cblorati aetlier. (Ph. R.), 214. 

pomata (Ph. R.), 214. 

— Ci^allamm (Ph. R.), 214. 

— Gentianae (Ph. R.), 214. 

— Jodi (Ph. R.), 503. 

decolorata mit Resorcin bereitet, 106. 

— Ipecaeuanhae (Ph. R.), 503. 

— LobeHae (Ph. R.), 503. 

— Moschi (Ph. B.), 503. 

— Myrrhae (Ph. R.), 503. 

— Opii Simplex, verschiedener Ochalt an 

Morphin, 215. 
Prüfung auf Morphin siehe Opium. 

— Stropbanti, Bereitung, 193, 517, 530. 
Tokayer Wein, Schwindel damit, 2ä2, 426. 
Toliwuth, Heilung durch Impfungmit Schlangen- 
gift, 304. 

Torfmull, Carbol-, Jodoform- und Sublimat-T. 

(M. D ), 82. 
Trichter, verbesserte, 407.* 

— Schutztrichter nach Meyrr, 513. 
Tumbeeki (Nicotfanae persicae folia), 103. 

u. 

ünguenta (M. D.), 1. 

— extensa (M. D.), 37. 

Unguentum aere (M. D.), 1. 
ad usnm veterin. (M. D.), 2. 

— aegyptiacum (M. D.), 2. 
-- Aemginis (M. D.), 2. 

— anteczematicum Unna (M. D.), 2. 

— antephelidicum Bebra (M. 1).). 2. 

— arsenicale Hellmund (M. D). 2. 

— Belladonnae (M. D.), 2. 

— Bismnti (M. D.), 2. 

— boraxatom (M. D.), 2. 

— boricnm C'red^ (M. D), 2. 
Lister (M. I).}, 17. 

— cadinnni (M. D.), 3. 



XV 



üB^entuB earbolisatum (M. D.), 3. 
Lisier (M. D), 3. 

— emaipliormtiun (M.D.)t 3. 

- Chlorofarmii (M. D), 3. 

- Chloraüi hrdrati (M. D), 3. 

- Chrj 8«rob{iii (M. D.), 3. 

~ ad combostiones Stahl (M. D.), 3. 

- CoBÜ (M. D.), 3. 

— Com! (M. D.). 2. 

— di^estiTum (M. D.l 17. 

— I%itali8 (M. D.), 3. 

— Elemi (M. D.), 3. 

— epispastlenm (HD.). 5. 
-> Euphorbii (M. D.), 3, 

— extensum (M. D.), 37. 

— ad foBticiüos (M.D.), 5. 

- Hjdrai^jTl biehiorati (M. D.). 3. 
bijodati (M. D.), 3. 

ciBeremn mite (M.D.), 3. 

eitriniuD (M.D.), 4. 

Jodati (M. D.), 4. 

nitriei (M. D.), 4. 

oxydati Pagensteelier (M. D.), 4. 

— Hjoscjami (M. D.), 4. 

— Jod! Kademacher (M.D.), 4. 

— Jodoformii (M. D.), 4. 

- Jodoli (M. D.), 4. 

- Kalii bromati QU. D.), 4. 

— Kreosoti (M. D.), 4. 
Balieylatnm (M.D.), 4. 

— lanrinam (M. D.)\ 4. 

— Linariao (M. D.), 4. 

— Majoranao (M. 1).), 5. 

— Hexerei (M. D.). 5. 

- :9raphtaliBi (M. D), 5. 

^ narc^t. balsam. Hellmund (M. D.), 
-- ophtalmicum (M. D.K 15. 

eompositam (M. I).), 15. 

Pagensteclier (M. D.), 4. 

St. Yres (M.D.). 15. 

— opiatum (M. D.), 15. 

— oxygeDatam (M. D.), 15. 

- ad perniones Hiifland (M. D), 2. 

- PIcb liquidae (M. D.), 16. 

- Plnmbi (M.D.). 16. 
jodati (M.D.), 16. 

- Popiüi (M. D.). 16. 

- Pyrogalloli (M.D.), 16. 

- Resorcini (M, D.), 16. 

— rosatiun (M. D.), 16. 

- galicylatum (M. D.), 16. 

- fOBtra seabiem (M. D.), 16. 

- Stramonii (M. D.), 16. 

- Styraeis (M. D.), 17. 

- gBlfaratain (M. D.), 17. 

eorapositum (M. D.). 17. 

UVilkinson-Hebra (M.D.), 17. 

— Terebinthina« compos. (M. D.), 17. 

— Yaselinl lenlens (M.D.), 17 

- Tirlde (M. D.). 17. 

~ ralnerarittm Lister (M. D.), 17. 

- Zinci galfnratnm (M. D.), 17. 
Unna (M. D.), 17. 

Wilson (M. I).), 17. 

Unfruentnm extensnin (M. D). 37. 

BiHmnti (M. D.), ;^8. 

borlenm (M. D.), 38. 



5. 



IJngaentum extensnm carboUsatum (M. D.), 

Cemssae (M. D,). 38. [38. 

Chrysarobini (M. D.), 38. 

diacbylon (M. D.), 38. 

balsamicnm (M. D.), 38. 

boricum (M. DX 38. 

— carboUsatum (M. D.), 38. 

piceatnm (M. D.), 38. 

HydrarsTri albi fM. !>), 38. 

biehiorati (M. D.), 38. 

cinerenm (M. D.). 39. 

earbolisatnm (M. D.), 39. 

rubrum (M. D.), 39. 

lehthyoli (M. I).), 39. 

Jodoformli (M. D.), 39. 

Jodoli (M. D.), 39. 

Kalii jodati (M. D.), 39. 

Kreosoti saiicjlatnm (M. D.), 39. 

MinU rubri (M. D.), 39. 

piceatnm (M. D.). 39. 

Plumbi (M. D.), 39. 

Jodati (M. D.), 39. 

Besorcini (M.D.), 39. 

salicylatum (M. D.), 40. 

sapouatum (M. D.), 40. 

Thymoli (iL D.), 40. 

Wilkinson (M. D.), 40. 

Zinci (M. D.), 40. 

carWisatum (M.D.), 40. 

iehthyolatum (M. D.), 40. 

salicylatum (M. I).), 40. 

Urticaceen, Bau der Brennbaare und der giftige 

Stoff ders., 104, 305. 
Ustilago Maldis (Maismutterkom), 106. 

Ulexin, Darstellnng dess., 278. 

Urethan, Antidot von Strycbnin, 105. 

Uroskop, ein neues, 276.* 

Urinal Calces, Zusammensetzung, 488. 

V. 

Yacuumapparat nach Christ, 515. 
Vaginallcapselny antiseptische, 519. 
Yalerate, neue zusammengesetzte V., 423. 
Vanillin, quantitative Bestimmung in der Vanille, 

— Vorkommen im Weingeist, 527. [5*26. 
VanillinznclLer (M.D.), 51. 
Yaselincoldcream (M. D.), 51. 

Vaseiinöl) als Vehikel für subcutane Injcctionen, 
Yaselinum benzoinatum (M. I).), 51. |253. 

— camphoratum (M. D.), 51. 

— Jodatum (M. D.), 51. 

— labiale (MD.), 51. 

— salicylatum (M. D.), 52. 

Verbandbaumwolle (M. D.), 67. 
Verbandgaxe (M.D.), 52. 
Verbandjute (M.D.), 71. 
Verbandmull (M. D.), 52. 
Verbandpulver nach Bottini (M. D.). 82. 
Verbandsalbe nach Lister (M.D.), 17. 
VerbandstofTe, Bacteriengehält ders., 431. 
VorbandstofTe (M. D.), 52. 

I. Gaze, 20 verschiedene Sorten, 52. 

IL Jute, 11 „ „ 71. 

IIL Watte, 21 „ „ 67. 



XYi 



Verbandstoffe (M.D.), 52. 
IV. Diverse: 

Binden. Gaze -Binden, 83. 

— Gyps- Binden, 83. 
CarboilSsung, 84. 
Catgrut. Roli-Cat^ut, 83. 
-- Carbol- Catgrut, 83. 

— Juniperus -Catinit^ 83. 
- Sublimat -Catgrut, 83. 

Guttapercha -Mull, 84. 
Holzwolle, 81. 

— Sublimat -Holzwolle, 81. 
Llnt. Bor-Lint, 81. 

~ Jodoform -Lint, 81. 
Moos. Sublimat -Moos, 82. 
Sand. Carbol-Sand, 82. 

— Jodoform - Sand, 82. 
~ Sublimat -Sand, 82. 
Seliwämme« Carbol- Schwämme, 84. 
Seide. Carbol -Seide, 83. 

— Jodoform -Seide, 84. 

— Sublimat -Seide, 84. 
Silk-ProtektiT, carbolisirt, 84. 
SublimatlSsung, 84. 
Torfknall. Carbol -Torfknull, 82. 

— Jodoform -Torfmull, 82. 

— Sublimat -Torfmull, 82. 
VerbandpnWer nach Bottlni, 82. 
HVattebUuschchen. Salicyl-lV., 82. 

— Snblimat-Wattebänschchen, 82. 
Wergr. Jodoform -Wergr, 82. 

~ Sublimat -Werg, 82. 

Verseif ungszahl, Bedeutung, 11. 

Viehpulrer: Thorley's englisches V., Verv-Good, 
aromat. V. , englisches Milcn - und 
Mastpulver; Werth ders., 338. 

Vinum Absinthü (M. D.), 84. 

•;- antiscorbuticum (M. D.), 84. 

^ aromaticum (M. D.), 84. 

— Anrautll (M. D.), 84. 
martiatum (M.D.), 84. 

— Cardui benedicti (M. D.), 85. 

— Chinae (M. D.), 85. 

Vorschrift der Ph. Germ, ist mangelhaft, 

[62, 239. 

neue Vorschrift von Dieterich, 326. 

ferratum (M. D), 85. 

— Chinini (M, D.), 85. 

neue Vorschrift von Dieterich, 326. 

~ Condurango (M. D.), 85. 

— Gentianae (M. D.), 85. 
compositum (M. D.), 85. 

— Jodatum (M. D.), 85. 

— Ipecacuanhae, detannirter, 65. 

— Peptonl (M. D.), 85. 

— Seealis cornuti (M. D.), 85. 

— Sennae (M. D.), 85. 

— Valerianae (M. D.), 85. 
Viscum aucuparium (M. D.), 85. 

— bmmaticeps (M. D.), 86. 

— musearium (M. D.), 86. 
Vogelleim (M. D.), 85. 

Wachholderbeersaft, als Ncbcnproduct, 101. 
WachK, Prüfung dess., 199. 



Warburg's Tinctur, Vorschrift, 87. 
IVaschmittel für Strohhüte (M. D.), 86. 
Vfasser, Reaction auf salpetrige Säure, 448. 

— Nachweis von SalpetersÄure, 128, 636. 

— maassanalytische Bestimmung von Schwefel- 

saure, 126. 

— Aufbewahrung der Schmutzwftsserfür die 

Analyse, 35. 

— Verunreinigung durch BleirOhren, 387. 

— Zul&ssigkeit von Bleiröhren, 486. 

— für Stärkefabriken taugliches, 474. 

— chemische Umsetzung des Trinkwassers durch 

Bacterien, 248. 
IVasserbad in konischer Form, 513. 
IVasserstoff^ bequeme Darstellungsmethode, 303. 
WasserstoJIsuperoxyd , Verwendung in dor 

Maassanalyse, 407. 
Watte, als Verbandstoff (M. D.), 67. 
Watteolluschchen. als Verbandstoff (M. D.), 82. 
Weber's Alpenkräuterthee, Vorschrift, 20. 
Wein, Differenzen bei der Extractbestimmung, 

— Nachweis von Saccharin, 466. [102. 

— Prüfung auf fremde Farbstoffe, 291. 

— Nachweis von Anilinfarbstoffen durch die 

Isonitril - Reaction, 19. 

— Untersuchung von Ungar -Weinen, 234. 

— über Südweine und Medicinalweine, 236. 

— Schwindel mit Tokayer Wein. 282, 426. 

— Phosphatiren dess. statt des Gypsen, 532. 
~ Gesetzentwurf, den Verkehr mit Wein betr., 
Werg, als Verbandstoff (M. D.), 82. [632. 
Wichse. Glanz-Wichse (M. D.), 86. 

— Stiefel -Wichse (M.D.), 86. 

— Wichse -Appretur (M. D.), 86. 
Wiesbadener kochbrunnen, Verfahren zur Ab- 
dampfung dess., 528. 

Witterung für Raubthiere (M. D.), 86. 
Whiter's antizymotie Solution, Bestandtheilc 

ders., 488. 
Wolframsäure, an Stelle von Chromsfturc für 

galvanische Apparate, 268. 
Wolle, Untersuchung auf fremde Stoffe, 467. 
Wrightin und Conessin, 114, 516. 
Wnndlaufen, Wundsein etc., Mittel dagegen. 

[398. 

Y. 

Terba Santa, Geschmackscorrigens des Chinins, 
Präparate aus ders., 75, 76. [75. 



Zahncement, Pariser, 49. 
Zahnpulver, -seifen, •tincturen, rationell zu- 
sammengesetzte, 154. 
Zahnwasser nach Kothe, 206. 
Ztthne, prophylaktische Pflege ders., 153. 

— Mittel gegen das Losewerden ders., 398. 
Zincum acetieum (M.D.), 87. 

— chloratum in bacillis (M.D.), 87. 
Zink, Moleknlargrösse dess., 103. 

— analytische 1 rennung von Eisen, 556. 

— und Kupfer dürfen bei Bauarbeiten nicht 

zusammen verwendet werden, 254. 
Zinn, toxische Wirkungen dess., 544. 
ZinnsEure, Reaction neben Niob-, Tantal- und 

Titansänrc, 204. 



xrn 



ZkkMlielrtr an Stelb ¥«i Kalkliebt, 411. 
Zucker, Molisch's Reaction aaf ^« TeraalMedenen 
Znckerartm, 227. 

— dievanchiedenan Zockerartan in den Cerealien^ 

— baiythaltiger, '254. [413. 

— Beatimmting im Harn. IM, 306^ 56&J^ 
Zoekeveoalenr, arsenhftltiga,. 62. 
ZtoltfeT, elektrische, 350. 

Zymine (£xtr. FanerestlB), 518. 



Uteratur imd Kritik. 

ämM, Dr, C, ^oftlttatiTe chemiselie Analyse, 

543. 
AfmM, Dr. C, Rapetitomm der Gbemie, 57& 

Baumgarten, P,, Jahreabericht Aber Bacterio- 
lofie, 409. 

Beekwrts, Dr. K, Jahresbericbt über Pbanna- 
IcogBoaie* Pharmaeie und Toxikelogie, Jahr- 
gang 1885. 13. ~- Jahrgang J886, 612. 

BedStrts, Dr. H. and Hirsch, Dr. B., Handbuch 
der praktischen Pharmacie, 1. bis 7. Lie- 
femngfl. Band), 240, 826, 470, 634. 

Behrens, W.^ Tabellen fttr mikroskopische Ar- 
beiten. 588. 

Biechde, Dr. M., StOchiometrie, 445. 

BiederwMnn, Dr. B., technisch-chemischeB Jahr- 
bncfa, 1885186, 47. 

Biedermann, Dr. B., Chemiker- Kalender fflr 
1888, 554. 

Böckmann, Dr. F., chemisch-technische Unter- 
snchnngsmethoden, 587. 

BdUger, Dr. H. und Fischer, Dr. B., Pharma- 
ceutischer Kalender 1888, 542. 

Bonn, R., die Structurformeln, 327. 

Buchheister, G., Handbuch der Drogisten-Praxis 
634. 

Bunsen, R., Analyse der Aschen und Mineral- 
wasaer, 575. 

Chemiker 'Kalender für 1888, 554. 

Dammer, Dr. 0., Bibliothek der gesaromten 
Naturwissenschaften, 14. 

Danger, L., Unkrfiuter und pflanzliche Schma- 
rotzer, 471. 

Detmer, Dr. W,, pflanzenphysiologisches Prak- 
tikum, 586. 

Dieterich, E., Neues Manual, 215. 

Eneydopädie der Naturwissenschaften, siehe 
.Jjodenburg." 

Engier, A. und Prantl. K., die natürlichen 
PflanzenfamUien, 241, 328, 433, 471, 5»8. 

Erlenmeyer's Lehrbuch der organischen Chemie, 
fortgesetzt von H. Göldschmidt, 328. 

Eule^mrg, Dr. A., Bea1-Enc;^cIopädie der ge- 
sammten Heilkunde, 8. bis 11. Band, 65, 
242, 434, 555. 

Ewald, Dr. A., Arzneiverordnungslehre, 11. Auf- 
lage, 216. 

Fiädher, Dr. B., die neueren Arzneimittel, 47, 
2. Auflage, 586. 

Fischer, E., Pflanzen • Etiketten, 435. 

Fischer, Dr. F., Wagner's Jahresberichte über 
chemische Technologie, 32. Jahrgang, 327. 

Fisdur, Dr. F., Zeitsdirift für die chemische 
Industrie, 4*il. 



Formulae magtstraks BeraUnsnses f%ßr 1887^ 65. 

FünfsAuek, Dr. M.y, Natnxgeschichte des Pflan- 
zenreichs, 142, 217. 

Qeissler, Dr. E. und Möüer, Dr. J., Real-Ency- 
clopfldie der gesammten Pharmacie, II. Bd. 
8. Liefernng — IV. Bd. 8. Lieferung. 168, 
470. 612. 

Gesundheitsamt, VeTüffiBntiichuBffen und Aibeitefi 
des Kaiserlichen G., 241, 542. 

Osuther, Dr. A., Beispiele zur ErlernunjK der 
Quantitativen chemischen Analyse, 446. 

Gmetin- Kraufs Handbuch der Chemie, II. Bd. 
I. Abtheilung, 142. 

Cfrünhagen, Dr. A., Lehrbuch der Physiologie 
(Schluss), 446. 

Hagemann, G., 1. W&rme und Volum &nderung 
bei chemischen Vorgängen; 2. Kritische Be- 
merkungen zar Aviditfttsformel, 435. 

Hager, A., Untersuchung des Schweinefleisches, 
142. 

Hageres Untersuchungen, bearbeitet von Dr. Hot- 
dermann, II. Bd. I. bis 4. Lieferung, 13, 217. 

Hanausek, Dr. E., Jahresbericht der Wiener 
Handelsakademie, 587. 

Heinzerling, Dr. Chr., chemische Technologie, 
1. bis 8. Lieferung (Schluss), 217, 242, 433, 
543. 555. 

Hilger, Dr. A., Bericht über die 6. Versamm- 
lung der bayrischen Chemiker, 576. 

Hirsch, Dr. B., siehe unter „Beckurts.^ 

von Höhnel, Dr. F., Mikroskopie der technischen 

Faserstoffe, 142. 
Jacobsen, Dr. E., Chemisch-technisches Reper- 

torium 4 85 bis 5/86, 168, 242, 410, 543. 
Jahretbericht über chemische Technologie, siehe 

„Fischer." 
Jahresbericht über Pharmakognosie etc., siehe 

„Becktirts." 
Jansen, Dr. K., Leitfaden der Physik und 

Chemie, 168. 
Kassner, Dr. G., Repetitorinm der roedicinischen 

Hilfswissenschaften, 168. 
Köbert, Dr. 2?., praktische Toxikologie, 576. 

Ladenburg, Dr. A., Entwickelungsgeschichte der 

Chemie, 167. 
Ladenburg, Dr. E., Handwörterbuch der Chemie, 

20. bis 25. Lieferung, 142, 433, 554. 
Leümann, Dr. E., Organische Synthese, 167. 

Levy, Dr. 8., Darstellung organischer Präparate, 

Liebreich, Dr. 0. und Langgaard, Dr. A., Com- 
pendium der Arznei veiordnnng, 1. bis 3. Ab- 
theilung (Schluss), 215 328, 542. 

Lorscheid, Dr. J., Leb rhu cn der anorganischen 
Chemie, 575. 

Mayer, Dr. W., kaafroännische Buchführung für 
Apotheker, 471. 

Merck, E., erläuterndes Verzeichniss sämmtlicher 
Präparate und Drogen, 446. 

Mierzinski, Dr. S., die Biechstoffe, 588. 

Möller, Dr. J., siehe unter „Geissler.** 

Der Natundssenschafter, Wochenschrift, redigirt 

von Dr. C. Biemann, 471. 
Pinner, A., Einführung in das Studium der 

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Fharmaceutischer Kalender 1888, 542. 



xvni 



Babenhorsfs Kryptogamenflora, 65, 554. 

Böhmer, Dr, S., Populäre Physiologie, 435, 471. 

Beal'Encydopädie der gesammten Heilkunde, 
Biehe „Eulenburg." 

BecU'Encydf'pädie der gesammten Phaxmacie, 
siehe „GeissUr." 

Bemsen, Dr. Ira, Einleitung in die Chemie, 
deutsch Yon Seubert, 4D9. 

Bevue tnternationcde des falsificcUions etc., 587. 

Bossmässler's Geschichte der Erde, neu bearheitet 
von Dr. Th. Engel, 1. bis 6. Lieferuug, 328, 
435, 471. 

Both, Dr. 0., Arzneimittel der heutigen Medicin, 
588. 

Sehelenz, H. E., Wasserversorgung von Rends- 
burg, 470. 

Schimper, Dr. A., Syllabus der Vorlesungen über 
pflanzliche Pharmakognosie, 446. 

Schmidt f Dr. E., Lehrbuch der pharmaceutischen 
Chemie, I. Band, 1. und 2. Abtheilung, 141. 
586. 

Schmidt, Dr. F., Beichsgeseize , Verkehr mit 
Eunstbutter etc. betreffend, 576. 

Sehrage, F., Ostfriesland, 445. 

von Schroeder, Gebr., Wandtafeln fftr Chemie. 
3. Lieferung, 445. 



SchuUf, Dr. B., officinelie Pflanzen und Pflanzen- 

pr&parate, 65. 
Stephan, C, Tabelle der officinellen Drogen, 586. 

Sydow, P., die Flechten Deutschlands, 446. 

Therapeutische Monatshefte, herausgegeben von 

JOitbreich, 64. 
VtUard, Dr. Ä., Handwörterbuch der Medicin, 

1. bis 4. Lieferung, 433, 58^<. 

Vogl, Dr. A., Anatomischer Atlas zur Pharma- 
kognosie, 167, 327. 

Vomäcka, A,, Geschftftsprazis des Apothekers, 

168. 
Wagner* s Jahresbericht, siehe „JPVscÄtfr.* 

von Weinzierl, Dr. Th., mikroskopische Analyse 
der Mahlproducte, 471. 

Wigandf Dr. A., Lehrbuch der Pharmakognosie, 

167. 
Zeitschrift für Nahrungsmitteluntersuchnng und 

Hygiene, 64. 

Zeitschrift für Naturwissenschaften, 59. Band, 

217. 
Ziegeler, Dr. G., Analyse des Wassers, 675. 

Zipperer, Dr. F., Cacao und dessen Präparate, 

Zwetz, K, Anleitung zur BuchfQhrung für Apo- 
theker, 328. 



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der Pharmacie. 

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Dresden, Pillnltzet Strasse 56 adressiren. 



Mt 



SßrJi», im ß* Januar 1887. 



TULMkQMW* 



Der ganzen Folge XXVIII. Jahrgang. 



Inhal ti CfceBle msi Phanaaele: Renet pb*nnaeeiitl«ohM Manual. — MlttbelliingeB aas dem pharmacetttlsehon 
Laboratoriom der teehnlsehen floebtobule io Bmonscbwelg: 28. Bestlmmang des >^J*heii0l8 :1b 4er t^ben »OairtKil- 
läare. 29. Ueber die GebaltsprtlÄing ron Acldnm carbollemn llqueCaetmiB. — Die nenei^n Methoden zur Prl^fang 
der 0«le und Fette. >- «Detanniren der THndtoren. — LlUmtvr ud IMIlk. — MInMlIe»« MaHenbade<nIUduc> 
tionepillen. -^ Salol -Mundwasser. — Amp^lophile. •-- pUtte Cemspoadea^ ^ ^^filf ea* 



SHaax 



Ohearfc und Pliamiacie, 



Neues pharmaoentisches MwuaL 

Von Eugm JKe^tw^. 
(Fortsetzung.) 

Nachdruck untersagt. 

»Uagaeata. 

Es wird den Salben heute eine höhere Be- 
deutung TOP ärzt]i(;her Seite zugemessen, als 
noch Tor wenigen Decennien. l^ieEntwickel- 
QBg der Dermatologie hatam jnan4hQxn Mittel 
und mancher IForm zuk&dLgraiftn ilaasen, die 
als veraltet anzusehen man sich bereits. gio- 
wöhatJiatte. Ans 4dn.Salhefi sind auch die 
in ^einom »waiterep Capitel zu behan/ielpden 
ünita'schen Salbenmulle hervorgegapgen. 

üeber die Bereitung, die als bekannt 
vorausg^setat 4rerden jftarf , möge nur so viel 
gesagt jwecdeo, daas anf.die. feine Vertheilung 
incoiyyprirt^r Substanzen alle.Sor^^falt ver- 
wendet werden muss und dass sich hierzu 
die sogenannten Salbenmühlen vortrefflich 
eignen. Es ist nicht möglich , das Zinkoxjd 
oder j^31ei,weiss bei Herstellung grösserer 
Mengen der hetreffenden Sälben in einer 
Beibsehale so fein zu prftpariren, wie dies 
die erwähnte Mfihle ohne jedwede Anstreng- 



ung vollzieht. Da man aber an alle Präpa- 
rate , die aus der Apotheke hervorgehen , die 
höchsten Anforderungen st^lUn äsat, so halte 
ich die maschinelle Herstellupg der vprräthig 
gehaltenen Salben f&r i^nifiQeni firebQt|dn und 
kann zu deren Gunsten noch anfnljrein , dass 
sie bei höherer Leistung noqh eine Zeit- 
ersparniss in sich schliesst.' Ausserdem ist 
der Preis der Salbenmiahlen ein sehr niederer. 

Zum Mischen von Salben in der ßeceptur 
bedient man sich heute vielfach uh^j wie ich 
mich überzeugte, mit Yortheil der gläseni^n 
PrSparirplatten.*} 

Als Beibmittel dient ein dünner, messer- 
artiger Stahlspatel, mit dem sich das Präpa- 
riren von Metallozyden in überras^end kur- 
zer Zeit und exacter vollziehen lässt , wie in 
der Beibschale. 

Ungaentum aere. 

Scharfe Salbe. HufiMÜbe. 

25,0 Euphorbii subtile pulv., 
125,0 Gantharidum snbtile pulv. 
reibt man unter Erwärmen mit 



*) Die Firma 8Mag <& Berend in Berlin führt 
dieselben. 



200,0 TerebinÜiinae 



an. 



Andererseits schmilzt man im Dampfbad 

600,0 Adipis suilli, 
50,0 Gerae flavae, 
setzt die andere Masse zn nnd digerirt bei 
50 bis 60^, nachdem man das Gefäss be- 
deckte, zwei bis drei Stunden. 

Man lässt nnn fast erstarren nnd rührt 
bis znm völligen Erkalten zn einer gleich- 
mftssigen, knotenfreien Salbe. 

Unguentam aere fortius. 

(Ad usum Veterinär.) 

8,0 Gantharidini 
verreibt man mit einigen Tropfen Terpentinöl 
und vermischt mit 

800,0 Unguenti basilici, 
200,0 „ acris, 

die man vorher schmolz. 

Man agitirt nan bis zum Erkalten. 

Der Zusatz von Ungt. acre hat nur den 
Zweck, die Art der Salbe sofort erkennen 
zu lassen und einer Verwechselung mit Ungt. 
basilicum vorzubeugen. 

Unguentam Aeruglnis. 

Aegyptische oder Apostelsalbe. 

140,0 Gerae flavae, 
450,0 Olei Olivarum, 
200,0 Emplastri Gerassae, 
80,0 Besinae Pini 
schmilzt man im Dampfbad. 
Andererseits prftparirt man 

80,0 Aeruginis 

möglichst fein mit 

50,0 Olei Olivarum, 
setzt die Yerreibung der geschmolzenen 
Masse und zuletzt 

100,0 Olibani subtile pulv. 
zu. 
Man agitirt bis zum Erkalten. 

Ungaentum anteczematieum Unna. 

25,0 Lithargyri 
kocht man mit 

75,0 Aceti, 
bis das Gewidit der Masso 

50,0 
beträgt. 

Man mischt dann 

25,0 Olei Olivarum Proviucialis, 



25,0 Adipis benzoinaü 

hinzu und rührt bis zum Erkalten. 

Nach Unna soll dies die beste Salbe gegen 
nässende Eczeme sein. 

Unguentam antephelidienm Hebra. 

Sommersprossensalbe. 

5,0 Hjdrargyri praecipitati albi, 
5,0 Bismutoi subnitrici, 
20,0 Unguenti Glycerini 

werden l. a. gemischt. 

Man bestreicht mit dieser Salbe Sommer- 
sprossen und Leberflecke alle zwei bis drei 
Tage. Eine tägliche Anwendung würde zu 
stark reizen. 

Ungnentnm arsenicale Hellmundi. 

unguentam Cosmi. 

10,0 Pnlveris arseniealis Gosmj 
mischt man sehr genau mit 

80,0 Unguenti ^narcotico - balsamici 
Hellmundi. 

Unguentam Belladonnae. 

10,0 Extracti Belladonnae 
verreibt man in 

5,0 Glycerini 
und mischt 

85,0 Unguenti cerei 
hinzu. 

Der Olycerinzusatz trägt wesentlich zur 
Conservirung der Salbe bei. 

Ungaentum Bismuthi. 

20,0 Bismuthi subnitrici, 
80,0 Unguenti lenientis 

mischt man sehr genau. 

Die Salbe dient als Schönheitsmittel bei 
aufgerissener, rauher Haut und wird Abends 
eingerieben. 

Unguentum boraxatunu 

ünguentum ad pemiones Hufeland. 

20,0 Boracis subtile pulverati, 
80,0 Unguenti rosati 

werden gemischt. 

Unguentum boricum Cred6. 

12,5 Aeidi borici subtile pulverati 
mischt man mit 

87,5 Unguenti cerei. 



üngraentnm cadinam. 

5,0 Olei Juniperi empyrematiei 
miscbt man mit 

95,0 Adipis gailli. 

Ungaentnm earbollsatam. 

5,0 Acidi earboliei 
mischt man mit 

95,0 Adipis suilli. 

Ungaentam carbollsatimi Lister. 

5,0 Acidi earboliei, 

20,0 Olei Lini 
Termischt man mit 

q. 8. Cratae praeparatae, 
dass eine weiche Salbe darans entsteht. 

Ungaentam eamphoratom. 

20,0 Gamphorae tritae 
Termischt man mit 

80,0 Unguenti cerei 
nnter Erwfirmen der Masse, die man bis znm 
Erkalten agitirt. 

Ungaentam Chloroformli. 

75,0 Unguenti cerei 
vermischt man unter allmftligem Znsetzen 
mit 

25,0 Ghloroformil. 

Ungaentam Chlorali hydrati. 

10,0 Gerae flavae, 

80,0 Adipis suilli 
schmilzt man, setzt 

10,0 Ghlorali hydrati triti 
zn nnd erwärmt bis znr Lösung des letzteren. 
Man agitirt nun bis zum Erkalten. 

Ungaentam Chrysarobinl. 

10,0 Ghrysarobini, 
90,0 Adipis suilli 
mischt man got mit einander. 

Ungaentam ad eombastioaes Stahl. 

Stahl'sche Brandsalbe. 

10,0 Gerae flavae 
schmilzt man, setzt 

20,0 Bntyri recentis non saliti 
zn and rührt, bis die Masse gleichmässig 
nnd wieder erkaltet ist. 

Ungaentam Conü. 

10,0 Extracti Gonii, 
6,0 Glycerini. 



Man löst und mischt 

85,0 Adipis suilli 
hinzu. 

Ungaentam Digitalis. 

10,0 Extracti Digitalis 

verreibt man in 

5,0 Glycerini 
nnd mischt "* 

85,0 Adipis suilli 
hinzu. 

Ungnentam Elemi. 

Balsamom Arcaei. 

25,0 Elemi, 

25,0 Terebinthinae laricinae, 

25,0 Sebi ovilis. 

25,0 Adipis suilli 

schmilzt und colirt man. 

Ungaentam Eaphorbii. 

5,0 Euphorbii subtile pulverati 
mischt man mit 

95,0 Adipis suilli. 

Ungaentam ad fontienlos. 

Man dispensire Unguentum Cantharidum 
oder Mezerei. 

Ungaentam Hydrargyri bichlorati. 

1,0 Hydrargyri bichlorati 
löst man in 

5,0 Spiritus, 
5,0 Glycerini 

und vermischt die Lösung mit 

90,0 Adipis suilli bcnzoinati. 
Eine in der Dermatologie viel gebrauchte 
Salbe. 

Ungaentam Hydrargyri b^odati. 

3,0 Hydrargyri bijodati 
verreibt und mischt man mit 

97,0 Unguenti Hydrargyri cinerei. 

Ungaentam Hydrargyri einerenm 

mite. 

800,0 Unguenti Hydrargyri cinerei, 
200,0 Sebi benzoinati, 
400,0 Adipis benzoinati 

vermischt man La. 

Die Verwendung von Benzoöfett bez. -Talg 
conservirt diese Salbe ganz ausserordentlich. 



Unguentiim Hydrargyri eitrinam. 

Ungnentum Hydrargyri nitrici. 

5,0 Hydrargyri, 
15,0 Acidi nitrici puri 
giebt man in ein Handertgramm - EOlbchen 
nnd erwärmt Vörsiclitig so lange, als noch 
Gasentwickelung stattfindet. 

Man giesst nan die Lösnng von dem etwa 
nngelOst gebliebenen Beste Qaecicsiibcrr ab, 
vermischt mit vorher geschrmofeeWen und 
halberkalteten 

90,0 Adipis snilli 
und giesst in 15 mm dicker Schicht in eine 
Papierkapsel ans. Nach dem Erkalten zieht 
man das Papier ab, theilt die Tafel mit 
scharfem Hornmesser oder einem lanzett- 
förmig zugeschnittenen Stückchen harten 
Holzes in Quadrate und bewalrt diese in 
Porzellangefässen auf. 

Um zu vermeiden, dass die Salbe über- 
schüssige Säuren enthält, ist die Salpeter- 
säuremenge etwas knapp bemessen. 

Ungaentnm Hydrargyri jodati. 

5,0 Hydrargyri jodati 
verreibt und mischt man mit 
96,0 Adipis suilli. 

Ungnentüm Hydrargyri oxydati 
flari Pageasteciier. 

Uugumitam ophthalmicum Pdgetiäte«her. 

0,15 Hydrargyri oxydati flavi 
verreibt und mischt man mit 

5,0 Unguenti lenientis. 

Ungnentüm Hyoscyanii. 

10,0 Extracti Hyoscyami 
lost man in 

5,0 Glycerini 
und vermischt mit 

85,0 Adipis suilli. 

Ungnentüm Jodi Rademaclier. 

5,0 Jodi 
verreibt man mit 

5,0 Spiritus 
und mischt dann 

95,0 Adipis suilli 
hinzu. 

Ungnentüm Jodoformil. 

10,0 Jodoformii 
verreibt und mischt man mit 
90,0 Adipis suilli. 



Ungnentüm Jodoli. 

10,0 Jodoli 
verreibt und mischt man mit 
90,0 Adipis suilli. 

Ungnen4nm Kalii bromati. 

20,0 Kalü bromati 
verreibt man zu sehr feinem Pulver und 
mischt mit 

10,0 Olei Olivarum Provincialis 
und 

70,0 Unguenti cerei. 

Ungnentnm Kreof^otl. 

15,0 Ejreosoti, 
85,0 Unguenti oerei 
werden gemischt. 

Ungnentnm Sreosoti salicytatnm. 

10,0 Acidi salicylici 
verreibt man sehr fein mit 

20,0 Kreosoti 
und mischt dann 

70,0 Unguenti cerei 
hinzu. 

Diese Salbe entspricht im Gehalt -an Kreo- 
sot und Salicylsäure dem CTnna'schen Salben- 
stifte. 

Ungnentnm lanrinnm. 

700,0 Adipis suilli, 
150,0 Sebi ovilis 
schmilzt man und löst dann in der warmem 
Masse 

150,0 Olei laurini expressi, 
2,0 Chlorophyll Söhütz. 
Schliesslich fügt man 
3,0 Olei Cajeputi, 
3,0 „ Juniperi, 
3,0 „ Sabinae, 
3,0 „ Terebinthinae 
hinzu. 

Ungnentnm Linariae. 

200,0 Herbae Linariae grosse pülv. 
befeuchtet man in einer Steiogutbüchse mit 

150,0 Spiritus, 
drückt fest ein und verbindet das Gefäss mit 
Pergamentpapier. 

Nach zwölf Stunden schmilzt man 
1000,0 Adipis suilli, 
trägt das angefeuchtete Kraut ein , digerirt 
unter öfterem Umrühren fünf bis sechs Stun- 
den bei einer Temperatur von 50 bis 60 ^ 
und presst dann aus. 



Man fiUrirt non durch deu unter ^Cera^ 
angegebenen Dampftrichter. 

Je graner nnd schöner das Kraut war, 
desto hübscher wird die Salbe sein. 

Ungnentum Migoranae. 

200,0 Herbae Majoranae grosse pulv., 
150,0 Spiritus, 
1000,0 Adipis suilli. 
Bereitnn^ wie bei Ungnentnm Lioariae. 
Auch hier erzielt man eine sohön grüne Salbe 
oer durch Verwendung eines entsprechend 
schönen Erantes. 

Ungaentom Mezerei. 

ÜBgQentiun epispaeticnm. 
Unguentum ad fonticolos. 

10,0 Eztraeti Mezerei 
löse man in 

5,0 Spiritns 
und vermische mit 

85,0 üngueBti cerei. 

Ilngnefttufli NapbtalinL 

20sO Naphtalini 
verreibt man sehr fein und mischt mit 
70,0 Adipis benzoinati, 
10,0 Olei Olirarum Provincialis. 

UBgDeiit»m nareoiico-balsamiGiiin 

Hellmmidi. 

2.0 Plumbi acetici subtilissime triti, 
3,0 Extracti Conii 
mischt man genau und setzt dann zu 
48,0 Unguenti cerei, 
6,0 Baisami Peruviani, 
1,0 Tincturae Opii erocatae. 

Mittheiloiigeii aus dem pharma- 

eentischen Labaratorium der 
teclmieehea Hochschule in Braun* 

schweig.*) 

Von Dr. H. Beckuris. 

28. Bestimmiing des Fhenols 
in der rohen Carbolsäare. 

Die Yon der Pharmacopoea German. 
ed alt reeipirte Methode der Werthbe- 
Stimmung der fohen Garbolsäure besteht 
bekannüieh dairia, daaa man ein bekann- 
tes Volumen Carbolsäure in einer eali- 
biirtea Bohre mit einer verdünnten Na- 



tronlauge einige Zeit schüttelt und nach- 
her das Volumen der ungelöst bleiben- 
den Kohlenwasserstoffe abliest. Bei dieser 
ursprünglich von Crookes vorgeschlage- 
nen Prüfungsmethode verwandelt sich das 
Phenol in das in Wasser lösliche Phenol- 
natrium, während die Kohlenwasserstoffe 
wenigstens bei Anwendung verdünnter 
Natronlauge ungelöst bleiben. In con- 
centrirten alkalischen Flüssigkeiten lösen 
sich auch die Kohlenwasserstoffe — die 
sogenannten neutralen Oele — auf, wo- 
von man sich leicht überzeugen kann, 
wenn man die durch Schütteln von roher 
Carbolsäure mit starker Natronlauge er- 
haltene Lösung von Phenolnatrium mit 
Wasser verdünnt. Die entstehende Trüb- 
ung findet in Folge Abscheidung von 
Kohlenwasserstoffen statt. Durch Ablesen 
des in Natronlauge unlöslichen Volumens 
erfährt man nur den Grad der Beinigung 
von den oben erwähnten sogenannten 
Neutral- Oelen, nicht aber auch den Ge- 
halt an Phenolen, welcher eigentlich 
nur den Werth der Carbolsäure bedingt. 
Da nämlich die Carbolsäure beträchtliche 
Mengen (ca. 33 pCt.) Wasser ohne Trüb- 
ung aufzunehmen vermag und diese beim 
Schütteln mit Natronlauge gleich dem 
Phenol in die alkalische Lösung über- 
gehen, so kann die Zunahme des Volu- 
mens dieser Flüssigkeit keinen Maassstab 
für den Gehalt der rohen Carbolsäure an 
Phenolen abgeben. Weiterhin wendet 
man gegen diese Methode ein, dass es 
oft schwer hält, die Säule der meist 
dunkel gefUrbten Kohlenwasserstoffe ge- 
nau abzumessen, und dass bisweilen diese 
sich nur schwer selbst beim Einstellen 
in warmes Wasser von der Phenolnatrium 
enthaltenden Lösung trennen. 

Aus diesem Grunde wird meist die von 
Koppeschaar ausgearbeitete Brommethode 
zur Werthbestimmung der rohen Carbol- 
säure benutzt. Eine abgewogene Menge 
C^bolsäure, deren Grösse sich nach dem 
Gehalte der Säure an Phenolen richtet, 
wird mit warmem Wasser zu einem Liter 



'*') In Nr. 52 vor. Jahrg^. rndflsen die zwei 
Formeln auf S. 649, Spalte 2 unten folgender- 
maassen lauten: 

CeH»OH + Bro = C»H,]fo.OB-haHBr 

und 
C^HjOH-l-Bre = C,H,Br,0Br + 4HBr 



6 



verdünnt, nach dem Abkühlen sollen die 
braun geförbten theerigen Substanzen an 
den Wandungen des Kolbens fest an- 
haften, so dass man in den meisten 
Fällen nach dem Verdünnen auf genau 
1 Liter eine bestimmte Menge der Flüs- 
sigkeit klar und farblos, ohne zu filtriren, 
abpipettiren kann. In dieser eventuell 
filtrirten Flüssigkeit wird auf die ange- 
gebene Weise mittelst Bromwasser der 
Gehalt an Carbolsäure bestimmt und dar- 
aus der Procentgehalt der rohen Carbol- 
säure an Phenol berechnet. 

Der umstand, dass die rohe Carbol- 
säure neben Phenol auch kleine Quanti- 
täten Kresole und andere Homologe des 
Phenols enthält, welche auch in Wasser 
löslich sind und durch Einwirkung von 
Brom in Bromsubstitute übergehen , ist 
nach Angabe von Koppeschaar und Sa- 
lomon^) nicht erheblich genug, um die 
Besultate der Methode zu beeinträchti- 
gen, weil die Prüfung der rohen Carbol- 
säure meistens ausgeführt wird, um den 
Werth derselben zum Desinficireu zu er- 
mitteln und die verschiedenen Kresole etc. 
wahrscheinlich die gleiche Wirkung aus- 
üben, wie Phenol, und man den Werth 
der Carbolsäure in Procenten Phenol 
ausdrückt. 

Nach E, Enäemann^) entfernt Wasser 
das Phenol nicht vollständig aus den 
Oelen, indem sich die Phenole zwischen 
Wasser und Oelen im Verhältniss ihrer 
Löslichkeit in beiden Lösungsmitteln und 
im Verhältniss der relativen Quantität, in 
welcher beide vorhanden sind, vertheilen. 
Da die Phenole in den Oelen bedeutend 
löslicher sind, als in Wasser, so sei selbst 
ein sehr grosser Ueberschuss des letzte- 
ren nicht im Stande, das Phenol voll- 
ständig der Carbolsäure zu entziehen. 

Neuerdings machte Julius Toth^) 
einige Mittheilungen zu der Anwendung; 
der Methode Koj^eschaar'^ bei der Prü^ 
ung der rohen Carbolsäure. Er fand, 



>} Die anantitativen Methoden zur Bestimm- 
nng des Pnenols von F. Salomonf Repertor. fdr 
analytische Chemie I, 197. 

*) Bemerkungen zu Koppesehaar'B Bestimm- 
ung des Phenols von K tmdemann, D.-Amer. 
Apothekerzeitang 5, 365. 

>) Zeitschrift fflr analytische Chemie 1886, 
Heft 2. 



dass die Trennung des Phenols von den 
theerigen Bestandtheilen der Carbolsäure 
eine langwierige Arbeit sei, wenn sie 
eine vollständige sein solle, und empfahl 
deshalb, 20 ccm der rohen Säure mit dem 
gleichen Volumen Kalilauge vom speci- 
fisehen Gewicht 1,25 bis 1,30 zu versetzen, 
das Gemisch eine halbe Stunde stehen 
zu lassen und dann mit Wasser auf ^4 
Liter zu verdünnen. Dabei scheiden sich 
alle theerigen Substanzen aus und wer- 
den durch Filtriren getrennt, mit Wasser 
sodann ausgewaschen, bis das Wasch- 
wasser keine alkalische Beaction mehr 
zeigt. Das Piltrat und Waschwasser ward 
mit Salzsäure angesäuert und mit Wasser 
auf 3 Liter verdünnt. Diese Lösung wird 
nach der Methode von Koppeschaar 
titrirt. 

Da unter den Bestimmungsmethoden 
der Carbolsäure die Koppeschaar' sehe 
allein auf streng wissenschaftlicher Basis 
beruht und, wie früher beschriebene Ver- 
suche lehren, genaue Resultate zu sehen 
im Stande ist, so wurde die Braucnbar- 
keit dieser ftlr den genannten Zweck zu- 
nächst geprüft, und gefunden, dass die 
Phenole sich von den theerigen Sub- 
stanzen wohl durch Wasser vollständig 
trennen lassen, dass diese Operation aber, 
wie weitere Versuche lehrten, sehr erleich- 
tert wird, wenn man nach dem Vorschlage 
von Töth die Phenole zunächst in Na- 
triumphenylate überführt. Trotz der leicht 
ausführbaren Isolirung der Phenole in 
reinem Zustande ist die Koppeschaar- 
sche Methode aber dennoch völlig 
unbrauchbar zur Werthbestimm- 
ung der rohen Carbolsäure, und 
zwar in Folge des Gehaltes dieser 
Säure an oft namhaften Mengen 
von Eresolen und anderen Ho- 
mologen des Phenols, an welchen 
namentlich die hochgradige, von der 
Pharmakopoe vorgeschriebene Carbol- 
säure des Handels sehr reich zu sein 
scheint. Es ist nicht unwahrscheinlich, 
dass der sogenannten lOOprocentigen 
rohen Carbolsäure des Handels absicht- 
lieh Kresole und deren Homologe, für 
welche nicht genügend Verwendung 
existirt, in grösserer Menge beigemischt 
werden. 

Das Verhalten der Kresole und seiner 



Homologen gegen über dem Brom ist zur 
Zeit Doch so gut wie gar nicht studirt. 
Die Annahme, dass sieh dem Tribrom- 
phenoI analog zusammengesetzte (homo- 
loge) bestandige Verbindungen bilden, 
ist eine irrige, vielmehr entstehen, so weit 
einige von mir ausgeführte vorläufige 
Versuche schon einen Schluss zu ziehen 
gestatten, aus den drei isomeren Kresolen 
neben Tribromkresolbrom, einer sehr unbe- 
ständigen Verbindung, in Wasser lösliche, 
bromärmere Verbindungen, welche durch 
Jodkalium unter Abscheidung von Jod 
zersetzt werden und in Folge dessen 
auch Jodzinkstärkepapier blau färben. 
Die Folge davon ist , dass in Gemengen 
von Oarbolsäure und Kresolen der Gehalt 
au Phenol bei Anwendung der Koppe- 
schaar'scheTi Methode stets viel erheb- 
licher, oft um 20 pGt., zu niedrig gefun- 
den wird, als das ungleiche Molekular- 
gewicht des Phenols und Kresols bedingt, 
weil bei der Umwandlung der Brom- 
analyse in eine Jodanaljse den gebrom- 
ten Kresolen Brom entzogen wird, und 
das dadurch eliminirte Jod auf Kosten 
überschüssigen, nicht gebundenen Broms 
gesetzt wird. Wendet man aber die Brom- 
methode in der Modification von Seübert 
an; so ist die Methode erst recht un- 
brauchbar, weil Jodzinkstärkepapier auch 
daun noch gebläut wird, wenn dies Brom 
durch die Phenole bereits gebunden ist, 
und zwar durch die in Wasser gelösten 
Bromkresole. *) 

Mithin kann die Koppeschaar'sehe 
Methode zarWerthbestimmung der rohen 
Carbolsäure nicht verwandt werden. Für 
die Verwerthung der rohen Säure wird 
es jedoch in den meisten Fällen genügen, 
den Gehalt an Phenolen, ohne Bücksicht 
auf die Art derselben, kennen zu lernen. 
Die Bestimmung dieser geschieht nach 
einer grossen Anzahl sorgfältig ausge- 
iahrter Versuche am besten durch die 
folgende Methode, welche das Verfahren 
von Crookea in etwas abändert und alle 
gegen dieses geltend gemachten Einwände 
beseitigt. 

Ein bestimmtes Volumen roher Garbol- 
saure wird mit dem gleichen Volumen 

*) Weitere Mittheilongen über das Verhalten 
der Eresole gegen £rom behalte ich mir für 
eine spätere Mittheilnng vor. 



Petroleumäther gemischt und mit lOpro- 
centiger Natronlauge in einem graduirten 
Gylinder geschüttelt. Der Zusatz des 
Pelroleumäther bewirbt, dass die Kohlen- 
wasserstoffe völlig zurückgehalten werden 
und eine besser sichtbare und vollstän- 
dige Scheidung der alkalischen Flüssig- 
keit von den Kohlenwasserstoffen schon 
innerhalb 10 Minuten erzielt wird. Aus 
dem in Natronlauge unlöslichen Antheile 
erfuhrt man nach Abzug des bekannten 
Volumens Petroleumäther den Gehalt der 
Säure an Neutralölen und harzigen Sub- 
stanzen. Ein Theil der von diesen in 
geeigneter Weise getrennten alkalischen 
Flüssigkeit wird ebenfalls in einem gra- 
duirten Gylinder mit roher Salzsäure 
übersättigt und das Volumen der sich 
als Oel abscheidenden Phenole gemessen. 
Je nach der Menge des vorhandenen 
Phenols braucht man hierzu einen mehr 
oder minder grossen Antheil der alkali- 
schen Flüssigkeit. Um die Abscheidung 
der Phenole vollständig zu machen, 
dampft man das Volumen der alkalischen 
Flüssigkeit vor dem Zusatz der Säure 
auf die Hälfte ein oder setzt derselben 
bis zur Erzielung einer gesättigten Flüs- 
sigkeit Kochsalz zu. 

Die sich abscheidenden Phenole sind 
vollständig mit Wasser gesättigt, da 
schon bei Zusatz eines Tropfens Wasser 
Trübung der klaren öUgen Flüssigkeit 
eintritt. Da nun Phenol ca. 33 pGt., 
Kresole nach meinen Versuchen nur ca. 
15 pGt. Wasser ohne Trübung aufzuneh- 
men im Stande sind, so kann man bei 
Unkenntniss des Verhältnisses zwischen 
Phenol und Kresolen in dem Gemische 
der Phenole eine den Wassergehalt der 
abgeschiedenen Phenole berücksichti- 
gende Gorrection nicht vornehmen. Diese 
ist auch um so weniger erforderlich, als 
stets auch in der concentrirtesten Salz- 
lösung die wasserhaltigen Phenole in ge- 
wisser Menge gelöst bleiben, und zwar 
ungefähr so viel, als Wasser von den 
Phenolen aufgenommen ist. 



29. Ueber die Oehaltsprfifnng von 
Acldnm carbollcnm liquefaetnm. 

Aus den in der Arbeit über die Be- 
stimmung der Garbolsäure als Tribrom- 



8 



phenol erörterten Gründen bedarf die 
Ausführung zur Gehaltsbestimmung, wie 
dieselbe die Pharmakopoe yorgeschrieben 
hat, einer Modification. Zweckmässig 
wird der Vorschrift zur Prüfung folgende 
FassuDg gegeben: 

„In einer Mischung von 50 ccm der 
Lösung, welche durch Auflösen von lg 
verflüssigter Carbolsäure in 1000 ccm 
Wasser bereitet ist, mit je 50 com der 
vol. Ealiumbromat«- und vol. Kaiium- 
bromidlösong, dürfen nach Zusatz von 
5 ccm concentrirter Schwefelsäure und 
einem weiteren, nach einer Frist von 
10 Minuten erfolgten Zusatz einiger 
Krystaiie von Jodkalium, zur Bindung 
des freigemachten Jodes 1,5 ccm Vio N.- 
Natriumthiosul&tlösung verbraucht wer- 
den. Sobald eine grössere Menge Vio ^'' 
Natriumthiosulfat verbraucht wird, ist die 
Carbolsäure zu schwach." 

Aus der Menge der Natriumthiosulfat- 
lösung kann man leicht die zu voll- 
ständiger Ausfällu&g des aus je 50 ccm der 
volumetrischen Lösungen freigemachten 
Broms erforderlichen Mengen der Garbol- 
Säurelösung berechnen. 

1 ccm Vio N.-Natriumthiosulfat = 
0,008 Br = 0,00156 Phenol. 

Je 50 ccm beider Lösungen entwickeln 
durch Schwefelsäure soviel Brom als 
0,0469 Phenol zu Tribromphenol zu bin- 
den vermögen. Zieht man nun von 
0.0469 die aus der verbrauchten Menge 
Natriumthiosulfat sich berechnende Menge 
Carbolsäure ab. so muss sich die Differenz 
zu 0,0469 wie die angewandten 50 ccm 
Carbolsäurelösung zu der gesuchten über- 
haupt erforderlichen verhalten. Daraus 
berechnet sich bei dem Verbrauch von 
1 ccm Vio N.-Natriumthiosulfatlösung 
51,6 ccm Carbolsäurelösung, bei dem Ver- 
brauch von 1,5 ccm = 52,6 Carbolsäure- 
lösung. 

In Folge der Umständlichkeit des 
Verfahrens der Pharmakopoe sind von 
verschiedenen Seiten einfachere Prüfungs- 
vorschriften vorgeschlagen. 

So gründet 0. Schlickum i) ein Ver- 
fahren auf die Volumzunahme, welche 
verflüssigte Carbolsäure bei dem Schütteln 
mit dorn gleichen Volum Wasser erfährt, 

») Pharm. Zeitung 1884, 797. 



und G. Vttlpius'^) ein solches auf das 
Verhalten des wasserfr^en und wasser- 
haltigen Phenols gegen Schw^fdkohlen- 
stoff. Während sich nämlich wasserfreies 
Phenol mit Schwefella)bleii6toff klar 
mischt, ruft wasserhaltiges darin eine 
Trübung hervor, zu deren Aufhebung 
um so mehr Säure erforderlich ist, je mehr 
diese Wasser enthält. Eine dritte Me- 
thode von Vulpius und Baiser^) gründet 
sidi endlich darauf, dass eine flüssige 
Carbolsäure sich mit einer um so grösseren 
Menge Wassers klar mischen läset, je 
weniger Wasser sie bereits enthält. 

Diese drei Methoden, namentlich aber 
die Fw^peWsche Schwefelkohlenstoflfprobe 
und die Mischprobe von Vulpius- Salzer, 
welche von mir einer eingehenden Prüf- 
ung unterzogen wurden, sind zur Ge- 
haltsbestimmung der verflüssigten Carbol- 
säure recht wohl brauchbar, sobald es 
sich in derselben um Gemenge von reiner 
Carbolsäure und Wasser handelt. 

Dieser Fall dürfte stets vorliegen, so- 
bald die verflüssigte Carbolsäure in der 
Apotheke aus vorschriftsmässig beschaffe- 
ner Carbolsäure selbst bereitet ist, und 
nur zur Controle des Personals die Be- 
stimmung ausgeführt wird. Nun hat aber 
schon Vulpius darauf hingewiesen, dass 
in den Preislisten der meisten Drogen- 
handluDgen sich Acid. carbol. liquef. ver- 
zeichnet findet. In dieser hat man nicht 
allein den Gehalt an Wasser zu contro- 
liren, sondern muss auch auf einen Ge- 
halt an den Homologen des Phenols, 
der Kresole etc. Bedacnt nehmen. 

Wie verhält sich nun eine Kresol und 
andere Homologe des Phenols enthaltende 
verflüssigte Carbolsäure gegenüber den 
zur Controle des Phenolgehaltes vor- 
geschlagenen Methoden? 

Wie ich schon bei Gelegenheit der 
Werthbestimmung der rohen Carbolsäure 
ausgeführt habe, ist die Koppeschaar'^QYi^ 
Methode zur quantitativen Bestimmung 
des Phenols bei Gegenwart von Kreselen 
etc. unbrauchbar. Sind erhebliche Men- 
gen des letzteren zugegen, so geben sich 
diese bei der Gehaltsbestimmung von 
Acid. carb. liquef. durch den geringen 



») Pharm. Zeitung 1884, 787. 
3) Pharm Zeitung 1886, Nr. 1. 



9 



Verbrauch von Brom m erkennen, kleinere 
Yenrareinigungen (lbis2%) sind dagegen 
nkht nactiwdsbar. 

In einer aas 50g Phenol, absol., 50 g 
Kresol nnd 10 g Walser bereiteten Acid. 
carb. liquef. ergab die Bestimmung 80 pCt. 
Phenol. 

In einer ans 90 g Phenol, absol, 5 g 
Eresol nnd 10 g Wasser bereiteten Acid. 
carb. liquef. ergab die Bestimmung 86,6 pCt. 
Phenol. 

Was nnn die übrigen Verfahren an- 
betrifft, so ergab sich bei Befolgung von 
Schlidkum^ Methode, dass das Volum 
von 10 ccm Acid. carb. liauef. , die mit 
Hülfe eines 50 pCt Kresol enthaltenden 
Phenol, absol. bereitet war, sich beim 
Umschwenken mit dem gleichen Volumen 
Wasser auf 10,5 ccm vermehrte. Das 
Volumen von 10 cem Acid. carbol. liquef. 
(bereitet mit Hülfe eines 10 pCt. Kresol 
enthaltenden Phenol, absol.) vermehrte 
sieh beim Umschwenken mit dem gleichen 
Volumen Wasser auf 11,4. Das Volumen 
von 10 ccm Acid. carbol. liquef (bereitet 
mit Hälfe eines SpCt. Kresol enthalten- 
den Phenol, absol.) vermehrte sieh beim 
Umschütteln mit dem gleichen Volumen 
Wasser auf 11,5. Beine verflüssigte Car- 
bols&nre verlangt eine Volum Vermehrung 
auf 11,85. 

Bei Benutzung der Schwefelkohlenstoff- 
Methode von Vulpius bedarf es bei 20 ^ 
zur Wiederaufhellung der anfönglich ent- 
standenen Trübung in je 10 ccm Schwefel- 
kohlenstoff von 

Acid. carb. liquef. 

8 cem, bereitet aus 5 pCt. 
Q 10 

^ n »j >» ^^ « 

18 „ „ „ 50 „ 

Kresol enthaltenden Phenol, während von 
einer reinen verflüssigten Carbolsäure 
7 ecm erforderlich sind. 

Endlich «rgab die Methode von VuU 
piuS'Salgery dass 10 g Acid. carb. liquef., 
bereitet aus 

Kresol halt. Phenol abs. Wasser 

öOpCt. bleib, getrübt wurde durch 1 ,1 ccm 

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»» I» 11 I» A ^^ it 



o 



während 10 g reine verflüssigte Carbol- 
säure durch 2,4 ccm getrübt wurden. 

Wie diese Versuche beweisen, ge- 



statten auch diese Methoden alle den 
Nachweis grösserer Mengen Kresols, 
nicht aber die Erkennung kleinerer 
Mengen desselben. Das Besultat der im 
Voi*8tehendeD geschilderten Versuche ist 
daher dahin zusammenzufassen, dass es 
ausser durch die Methode Koppeschaar % 
auch durch die empirischen Methoden 
von SekUckum, Vulpiu$ und SaUer 
möglich ist, zu ermitteln, ob die aus 
reinem Phenol dargestellte verflüssigte 
Carbolsäure den rieht igen Gehalt an 
Carbolsäure besitzt, nicht aber dargethan 
werden kann, ob dieselbe aus reinem 
oder einem mit Eresolen verunreinigten 
Phenol dargestellt ist, da durch das vom 
Phenol vorschiedene Verhalten der Ero- 
Bole geg^n Brom, Wasser, Schwefelkohlen- 
stoff wohl grössere Mengen der letzteren, 
nicht aber auch kleinere Mengen sich 
zu erkennen geben. 

Da 08 auch zur Zeit an anderen Be- 
actionen fehlt, in verflüssigter Carbol- 
säure Verunreinigungen durch Kresole 
zu erkennen, aber wohl nicht ohne 
Grund ein sehr grosser Werth auf Ver- 
wendung einer möglichst reinen Carbol- 
säure gelegt wird, so erseheint der Be- 
schlnss d^ Pharmakopöe-Commission des 
deutschen Apothekervereins, Acid. carbol. 
liquef als besonderesPräparat zu streichen, 
durchaus gerechtfertigt. 



Die neueren Methoden 
zur Prüfung der Oele und Fette. 

Die FarbenveränderuBgeii , welche bei der 
Mischung der Oele und Fette mit ver- 
schiedenen Beagentien entstehen , waren bis 
vor nicht langer Zeit die einzigen Prüfongs- 
mittel auf die Echtheit und Reinheit dieser 
organischen Substanzen. Obgleich nun zwar 
nicht bestritten werden soll, dass für einzelne 
Fälle jene Farbenveränderungen von Werth 
sein können, so fällt doch die ganze Unsicher- 
heit fast aller dieser Prüfungsmethoden ins 
Auge, sobald man es mit Qemischen zu 
thun hat, ausserdem ist bei Beurtheilnng der 
Färbung dem subjectiven Empfinden des 
Experimentators ein zu weiter Spielraum ge- 
lassen, als dass jenen Farbenreactionen der 
Name wirklich wissenschaftlicher Methoden 
zuerkannt werden könnte. 

Die neueren Forschungen haben uns auch 



10 



auf dem Gebiete der Chemie der Fette und 
Oele wesentliche Fortschritte gebracht und 
uns mit einer Anzahl von Prufungsmethoden 
bereichert, welche verdienen, allgemeiner in 
Anwendung gezogen zu werden. 

Abgesehen von der Bestimmung des 
Schmelzpunktes und Erstarrungspunktes der 
Fettsäuren, der Bestimmung der Viscosität, 
der spectroskopischen Untersuchung, des 
Lichtbrechungsvermögens und des electrischen 
Leitungsvermögens, sind es hauptsächlich die 
Bestimmung der freien Fettsäuren , der Ycr- 
seifungszahl , der ITeftner'schen Zahl, der 
HeicherfBchen Zahl, der Jodzahl. 

Die meisten dieser Methoden und die Her- 
stellung der für Ausführung derselben 
nöthigen Lösungen sind schon in der Cen- 
tralhalle beschrieben worden, immerhin 
dürfte es gerechtfertigt sein, um die allge- 
meinere Anwendung in der Praxis zu er- 
möglichen, hier kurz die Methoden, sowie die 
Vorschriften jener Lösungen niederzulegen 
und dieselben mit einigen praktischen Notizen 
zu versehen. 

Alkoholische Kalilauge zur Bestimm- 
ung des Gehaltes an freien 
Fettsäuren. 

56 g reinen geschmolzenen Aetzkalis wer- 
den in 90proc. Alkohol zu einem Liter ge- 
löst. Da selbst das Kalium causticum alkohol. 
depurat. des Handels häufig noch kohlen- 
saures Kali enthält und mit Alkohol Fäll- 
ungen oder trübe Lösungen giebt, so muss 
man sich entweder selbst reines Aetzkali dar- 
stellen oder besser auf folgende Weise ver- 
fahren. Man übergiesst die abgewogene 
Menge Aetzkali mit etwa 950 ccm Alkohol, 
schüttelt bis zur Auflösung und lässt 24 Stun- 
den stehen , hierdurch klärt sich die Flüssig- 
keit, welche nun in einen Messcylinder filtrirt 
wird. Man stellt nun mit Normalozalsäure 
die Kalilauge ein, indem man Phenolphtalein 
als Indicator anwendet. Will man die Ein- 
stellung mit Normal-Salzsäure oder -Schwefel- 
säure vornehmen^ so muss man mehr Wasser 
hinzufügen, da sich sonst in dem Alkohol- 
gemisch die Salze ausscheiden und die Beac- 
tion undeutlich machen. 

Will man in einem Oele die freien Fett- 
säuren bestimmen, so wägt man 2,3 oder 
am besten 5 g desselben in ein kleines 
Bechergläschen, lost in etwa 20 ccm Aether, 
setzt einige Tropfen Phenolphtalei'nlösung 



hinzu und lässt aus einer in Zehntelgrade 
getheilten Bürette Kalilauge hinzufliessen. 
Trübe Fette, auch Butter, müssen vorher filtrirt 
werden. 

Da eine so starke alkoholische Kalilauge 
sich in ihrem Werthe ziemlich schnell ver- 
ändert, so hat sich als praktisch die Her- 
stellung einer halbnormalen Lauge erwiesen ; 
wendet man 5 g Gel zur Titrirung an , so er- 
giebt die Anzahl der verbrauchten Cubik- 
centimeter Lauge mit 10 multiplicirt die 
Anzahl der Burstpn'eohen Säure- 
grade. Man bezeichnet also mit 
^t^rs^^n'schen Säuregraden die- 
jenige Menge Alkali, welche zur 
Neutralisation von lOOgOel noth- 
wendig ist, dagegen ergiebt die Titrirung 
nicht die Menge freier Fettsäuren in dem 
betreffenden Oele. 

Die Uehner'sche Zahl 

giebt an die Menge der unlöslichen 
Fettsäuren, welche 100 Th. Fett 
oder Ocl liefern. Die Methode ist eine 
gewichtsanalytische. 3 bis 4 g Fett werden 
mit etwa 1,5 bis 2 g Aetzkali und 50 ccm 
Alkohol im Wasserbade verseift, der Alkohol 
verjagt, die Seife in etwa 150 ccm heissen 
Wassers gelöst und n^it verdünnter Schwefel- 
säure angesäuert. Vorher hat man ein bei 
100 ^ getrocknetes und gewogenes Filter 
zurecht gestellt. Man füllt dieses halb mit 
heissem Wasser und giesst jetzt von der sauren 
Lösung, welche man bis zum Schmelzen der 
Fettsäuren erhitzt hat , nach. Darauf wäscht 
man mit heissem Wasser nach, bis das Filtrat 
nicht mehr sauer reagirt; es ist die Anwend- 
ung eines ziemlich dichten Filtrirpapiers 
nöthig , weil sonst ein trübes Filtrat erhalten 
wird. Die Hehner'sche Zahl beträgt für die 
meisten Oele 95 bis 97 , für Butter dagegen 
87,5. Es stützte sich daher längere Zeit hin- 
durch der Beweis für die Echtheit einer 
Butter auf die Ermittelung der Hehner^ sehen 
Zahl, seit jedoch die Sekhert-Meisd'Meihode 
zur Bestimmung der flüchtigen Fettsäuren 
ausgebildet wurde , ist jene mehr und mehr 
verlassen worden. 

Die Beichert'sche Zahl. 

Die ReicherVsehe Zahl bezeich- 
net diejenige Anzahl Cubikcenti- 
meterZehntelnormallauge, welche 
nöthig sind, um die flüchtigen Fett- 



11 



jäuren aus 5g Fett oder Oel zu 
sättigen. 

Man verfahrt jetzt allgemein nach Reichert- 
Meissl, 5 g des filtrirten Fettes werden mit 
2,5 g Aetzkali und 100 ccm 70proc. Wein- 
geist in einer Schale auf dem Wasserbade 
Tcrseift, der Weingeist Tollkommen verjagt, 
die Seife in Wasser gelöst, in einen Qlas- 
kolben gebracht, mit verdünnter Schwefel- 
siure zersetzt und nun, nachdem man zur 
Vermeidung des Stossens einige erbsengrosse 
Bimsteinstückchen in den Kolben gethan 
hat, bei Anwendung eines Liel>ig*9chen 
Kühlers desttllirt, in einer Stunde ist die 
Destillation beendet. 

Das Destillat wird filtrirt, nachgewaschen, 
mit einigen Tropfen Phenolphtalein versetzt 
und mit Zehntelnormallauge titrirt. 

Meissl schreibt genau vor, die Seife in 
100 ccm Wasser zu lösen, mit 40 ccm 
Schwefelsäure (1 -f- 10) zu zersetzen, 110 ccm 
abzudestilliren , davon 100 ccm abzufiltriren 
und zu der Anzahl der verbrauchten Cubik- 
centimeter Zehntelnormallauge ein Zehntel 
zu addiren. Man erhält auf dem oben be- 
schriebenen Wege dasselbe Resultat. 

Da die ReieheffBQhe Zahl von einzelnen 
Forschem auf 2,5 g, von anderen auf 5 g 
Fett bezogen wird, so dürfte wohl der Vor- 
schlag BenedfkVs Beachtung verdienen , der 
dahin geht, die Eetcherfsche Zahl stets auf 
10 g Fett zu beziehen. 

Die Kottntorfer'sche Zahl 
oder YerseiftangszahL 

Die Kötistorfer'Bche Zahl giebt 
die Anzahl der Milligramme Kali- 
umhydrat an, welche nothwendig 
sind, um lg Fett vollkommen zu 
verseifen. Die Bestimmung dieser Zahl 
geschieht, indem man 1 bis 2 g des Fettes 
in einem weithalsigen Kolben mit 25 ccm 
Halbnormalkalilange , deren Bereitung oben 
beschrieben ist, übergiesst und vollkommen 
durch Erhitzen im Wasserbade verseift und 
das überschüssige Aetzkali mit auf die Kali- 
lauge eingestellter HalbnormalsalzsSure zu- 
rüektttrirt. Die zur Verseifung verbrauchte 
Menge Kalinmhjdrat , d. i. die Differenz 
zwischen der angewandten und der zurück- 
titrirten Anzahl Milligramme Kaliumhjdrat 
ei^ebt auf 1 g Fett berechnet, die Köüstorfer- 
sehe Zahl. Wendet man statt der halbnor- 
malen , Nonaalsalzsftare an, so hat man 



natürlich die Anssahl der abzuziehenden 
Cubikcentimeter Kalilauge mit 2 zu multi« 
pliciren ; es ist jedoch nothwendig, die beiden 
Titerflüssigkeiten vor erneutem Gebrauch auf 
ihren Werth zu prüfen , da schon durch ge- 
ringe Veränderung der Kalilauge nicht 
unbedeutende Differenzen erhalten werden 
können. 

Die Jodzahl. 

Die HübVBche Jodzahl giebt die- 
jenige Menge Jod an, welche 100 g 
eines Fettes bindet. 

Durch die Ermittelung dieser Zahl kann 
festgestellt werden ^ ob Oele, resp. die aus 
denselben isolirten Fettsäuren, der Oelsäurc- 
reihe (CnH2n'— 2 0^) oder derLeinöIsäurereilio 
(CnHgn — 4 O2) angehören; ausserdem giebt 
diese Zahl in vielen Fällen für die Abstamm- 
ung eines Oeles und für die Zusammensetzung 
von Oelgemischen werthvolle Anhaltspunkte. 
Die Ausführung der HübVschen Methode 
kann nicht mit der gewöhnlichen Jodlösung 
erfolgen, sondern man bedarf dazu einer 
alkoholischen Quecksilberchlorid - Jodlösung, 
welche auf Natriumhyposulfitlösung ein- 
gestellt ist, ferner reinen Chloroforms, Jod- 
kaliumlösung und Stärkelösung. 

Jodlösung. Man löst 25 g Jod für sieh 
in 500 ccm 95proc. Alkohol, ebenso 30 g 
Quecksilberchlorid in 500 ccm Alkohol, 
mischt beide Flüssigkeiten und stellt einen 
Tag bei Seite. Der Titer dieser Lösung än- 
dert sich in den ersten Stunden sehr schnell, 
später langsam, er rouss also vor jeder neuen 
Versuchsreihe neu eingestellt werden. 

Natrinmhyposulfitlösu ng. Man 
kann hierzu die Zehntelnormallösung, welche 
im Liter 24,8 g Natriumhyposulfit enthält, 
anwenden , doch darf man nicht vergessen, 
dass die alkoholische Jodlösung von etwa 
doppelter Stärke ist, wie die gewöhnliche 
zehntelnormale. 

Die Stellung der Natriumhjposulfitlösung 
geschieht nun mit chemisch reinem Jod, 
dessen Darstellung weiter unten beschrieben 
ist 0,2 g Jod wägt man aus einem kleinen 
Wägegläschen in ein Becherglas, welches 
etwa 1 g Jodkalium und 10 g Wasser ent- 
hält. Nach der Lösung lässt man aus einer 
Bürette sofort von der zu stellenden Natrium- 
hjposulfitlösung hinzufliessen bis zur 
schwachen Gelbfärbung, setzt dann etwas 
Stärkelösung hinzu und titrirt weiter bis zur 
vollständigen Entfärbung; man nimmt das 



12 



Mittel aus 2 oder 3 Yersucheii. Mit dieser 
Hyposulfitlosang wird nun der Werth der 
Jodfösung bestimmt. Man verbraucht auf 
lOccm JodlösuQg annähernd 20ccmNatriam- 
hyposnlfitl ösun g. 

Reines Jod. Da selbst das Jodam 
resublimatum des Handels für den oben be- 
zeichneten Gebrauch noch zu unrein ist, so 
reinigt man dasselbe nochmals durch Subli- 
mation. Hierzu kann man sich einer sehr 
einfachen Yorrichtnug bedienen. In einen 
kleinen Porzellantiegel giebt man einige 
Gramm Jod^ setzt den Tiegel in einen Drei- 
fuss oder in ein Drahtdreieck und erwärmt 
durch eine kleine Flamme sehr gelinde. Das 
sich yerfluchtigende Jod lässt man an dem 
Boden eines Becherglases , in welches man 
etwas kaltes Wasser gegeben hat und welches 
man durch eine passende Vorrichtung über 
dem Porzellantiegel befestigt, krystallisiren. 
Man erhält lauge glänzende Blättchen und 
Federchen, welche man abstreicht, in einem 
Achatmörser zerreibt, auf einem grösseren 
Ubrglas ausbreitet und über Schwefelsäure 
trocknet« Da die Joddämpfe den damit in 
Berührung kommenden Exslccator stark 
bräunen, so bedient man sich praktisch eines 
grossen Becherglases, unter welches man drei 
kleine Tiegel mit Schwefelsäure aufstellt. 
Das getrocknete Jod bringt man nun in ein 
kleines mit Glasstöpsel gut yerschliessbares 
Wägegläschen und bewahrt dasselbe für den 
weiteren Gebrauch trocken auf. 

Auch die Volhard'sche Methode 
ist zur Titerstellung der Natriumhjposulfit- 
lösung vorgeschlagen. 

Man verfahrt dabei auf folgende Weise. 
In eine Stöpselflasche giebt man 1 g Jod- 
kalium, löst in etwas Wasser, versetzt mit 
5 ccm Salzsäure und fugt nun aus einer 
Bürette 20 ccm Kaliumbichromatlösung 
(3,874 g in 1 Liter) hinzu. Jeder Cubikcen- 
timeter dieser Lösung macht 0,01 g Jod frei, 
und dies*wird also wie oben beschrieben mit 

m 

der Natriumhjposulfitlösung titrirt. Obgleich 
durch diese Methode die Beindarstellung des 
Jodes und das jedesmalige Abwägen des- 
selben umgangen wird, ziehe ich doch 
das letztere Verfahren vor, da ich nach 
Volhard nicht so bestimmte Resultate er- 
halten^kounte. 

Chloroform. Wie weiter unten be- 
schrieben 'werden' wird,^mu86 die Einwirkung 
des Jodes auf die Gele in chietoformiger Lös- 



ung stattfinden. Man bedarf daher eines 
Chloroforms, welches auf Jod ohne Einwirk- 
ung ist. Das in den Apotheken vorhandene 
Chloroform ist meistens genügend rein ; man 
prüft es , indem man 10 ccm desselben mit 
10 ccm Jodlösung mischt, etwa 3 Stunden 
stehen lässt und dann titrirt; es darf kein 
Verbrauch an Jod stattgefunden haben. 

Jodkaliumlösung. Am besten eine 
Lösung von 1 Tb. Jodkalium in 10 Th. 
Wasser. 

Stärkelösung. Man kann sowohl die 
offieinelle Jodzinkstärke als anch einen frisch 
bereiteten dünnen Kleister, etwa 1 oder 2 Th. 
Stärke auf 100 Wasser, benuts^a. 

Ausführang der Methode. 

Benedikt (Analyse der Fette) giebt zur 
Ausführung der Methode folgende Vorschrift, 
nach welcher man, wie ich mich überzeugte, 
stets gute Resultate erhält. Man bringt von 
trocknenden Oelen 0,2 bis 0,3, von nicht 
trocknenden 0,3 bis 0,4, von festen Fetten 
0,8 bis 1,0 g in eine circa 200 ccm fassende, 
mit gut eingeriebenem Glasstöpsel versehene 
Flasche, löst in etwa 10 ccm Chloroform und 
fügt 20 ccm Jodiösung hinzu. Tritt binnen 
kurzer Zeit fast vollständige Entfärbung der 
Flüssigkeit ein , so fügt man weitere 10 ccm 
Jodlösung hinzu. Nach 2 Stunden ist die 
Reactton beendet ; man fügt 10 ccm Jod- 
kaliumlösung, darauf 150 ecm Wasser hinzu 
und titrirt jetzt mit Hjposulfitlösung zurück. 
Ist die Flüssigkeit schwach gelb geworden, 
so setzt man einige Tropfen Stärkelösung hin- 
zu und titrirt darauf weiter bis zur voll- 
ständigen Entfärbung. 

Von grosser Wichtigkeit ist der Zusatz 
von Jodkaliumlösung, welcher, wie hier be- 
schrieben ist, vor dem Wasserzusatz ge- 
macht werden muss. 

Aus der Menge der verbrauchten Jodiösang 
berechnet man nun die Jodzahl. 

Diese Methode kann dadurch noch branch- 
barer gemacht werden, dass man die Jodzahl 
nicht für die Fette selbst, sondern für die 
ans denselben isolirten festen Fettsäuren be- 
stimmt. Man kann in diesem Falle auch die 
Bestimmung des Schmelzpunktes der Fett- 
säuren (Pharmac. Centralh. 84 , 159) damit 
verbinden. 

Es sind in den vorstehenden Mittheilungen 
theoretisehe Erörterungen über den Werth 
und die Fehler der beschriebenen MetSieden 
vermieden, sondern allein die Vorschriften 



)3 



ZW Aasföhruqg dieser Methoden gegeben 
worden \ für das «ähere Studiom dieses Gegen- 
standes kann das kleine vorzügliche Budi 
.Analyse der Fette und Wachs- 
arten'' von Dr. Jtiulolf JBeneäJJct empfohlen 
werden. 0. Schweissinger. 

JMnmx&n der Tincturea. 

Mit „Detaninkea'* bezeidbmt C. E. P. 
Meumatm (Pharm ac. Eundschaa, New- 
York Dec. 1886) die Entfernung des 
6eriMo& «BS den Tin^tttran «dtteM 
feüAten Eisenoiydhydrates. Er Mit zu 
diesen) Zwecke in gewöhnlicher Weise 
a«8 Ei6eQ;iriJiriol das Eisenoxydhydrat, 
presst stark ab und setzt eine gewogene 
Menge den Tincturen zu. Bei den von 



Meumann angezogenen Beispielen wir4 
Tinctura Chinae in der Weise „detanjiirt/* 
dass man Eisenoxydhydrat mit dem 
ßindenpulver und verdünntem Alkohol 
6 Tage hindurch macerirt, darauf ab- 
filtrirt. Wir erwähnen das oben beschrie- 
bene Verfahren aus dem Grunde, weil 
es in einzelnen Fällen vielleicht praktische 
Dienste leisten kann; eine allgemeinere 
Anwendbarkeit, wie dieselbe von Meu- 
mann, wie es scheint, vorgeschlagen 
werden soll, ist, abgesehen davon, dass 
der Begriff der Tinctur eine wesentlidlie 
Aenderung daclurch erleiden würde, auch 
noch aus mehrfachen praktischeii un4 
wissenschaftlichen Gründen ausge- 
schlossen. 



■^ 08 ^ 



, ■\y-v'^ s»^s/-'^x 



Literatur und Krilik. 



Jahresberiehte Aber die Fortsehritte 
der Pharmakognosie, l^harmacie 
und Toxikologie. Herausgegeben 
von Prof. t)r. & BecJcurts in Braun- 
schweig. Neue Folge. 20. Jahrgang 
(1885). Göttingen 1886. Vanden- 
lioek & Üuprednfs Verlag. 

Der Jahresbericht über die Fortschritte der 
Pharmakognosie, Pharmacie und Toxikologie 
ist 'im Wesentlichen ein Bericht über Arbeiten, 
welche der Fleiss von Pharmaceuten geschaf- 
fen hat. Diese letzteren haben deshalb auch 
die meiste Veranlassung, dem Herausgeber 
dieses Werkes dankbar zu sein. Die Bedeut- 
ung derartiger Jahresberichte ist für die 
wiseenschaftliche Disciplin, der sie dienen, 
eine sehr grosse. Ohne solche umfassende 
Beri<^hte verschirinden sehr viele Einzelbedb- 
adhtnngen, besonders wenn dieselben in nicht 
sehr verbreiteten oder in solchen Journalen 
erscheinen, die die Wissenschaft nur nebenbei 
mit betreiben. In solchem Berichte werden 
alle Arbeiten vereinigt und hierdurch kann 
eist fltersefaen werden^ was auf dem betreffen- 
den Gebiete die'Forschung gesehaffen hat, und 
ist dies zusammen etwas Ordentliches, so ge* 
winnen die Vertreter des Gebietes hierdurch 
natürlich an Ansehen. Ein vielseitiger, ge- 
lehrter , 'gewiAsenhafter und selbstloser Her- 
ausgeber gehört freili<ih dazu, denn seine un- 
geheuere 'Arbeit wird nur von ^Wenij^n ge- 
würdigt, sie glänzt nicht. Unsere Berichte 
haben einen solchen Heraui^geber, keine Mit- 
theilung scheint seinem Auge zu entgehen, 



fuhrt er doch in dem Verzeichniss der be« 
nutzten Literatur 4k90 Nummern auf. Sein 
Werk sei altgemeiner Beachtung warm em- 
pfohlen. Oeisder. 

Hager's ÜaterHochtm^n. Zweite um- 
gearbeitete Auflage. LB^gd. Leipzig 
1887. ErnM Guniher's Verlag. 

Es war ohne Zweifel ein guter Gedanke 
des Verfassers, die zahlreichen eigenen und 
fremden Erfahrungen, welche bei Untersuch- 
ung , Prüfung und tVerthbestim.mung aller 
möglichen Handelswaaren, ^atur- undEnnst- 
erzeugnisse, Gifte, Lebensmittel, Geheim- 
mittel etc. gemaciht worden sind, in einem 
besonderen Handbu($he niederzulegen. Schon 
die Nothwendig'keit der Herauseabe einer 
zweiten AMage zeugt davon. Dieselbe ist 
von dem Verleger Dr. Edldermann über- 
tragen worden und bei demselben in guten 
Händen , wie einerseits die durch die Fort- 
schritte der Wissenschaft gebotene gründ- 
liche Umarbeitung, Andererseits ,^as verhält- 
nissmässigrascheFortsehreiten de&Lieferoogs- 
werlces lehrt, dessen zweiter abschliessender 
Band mit der heute vorliegenden Doppel- 
lieferung begonnen ihat. 

Man begegnet d^rin unter Anderem einer 
Besprechung der Untersuchung der Silikate 
und solcher enthaltenden Fabrikate, sowie 
der Bodenanalyse, ein Gegenstand, welcher 
mit grosser -Soigfolt and so behandelt ist, 
dass sich an der Hand der gegebenen Anleit- 
ung direct arbeiten lässt. Gleiches gilt von 



14 



den Kapiteln über Luft, Leuchtgaa und 
Was 8 er y welcbe durchweg auf der Höhe 
ihrer Aufgabe und der Zeit stehen. Für die 
Untersuchung des Essigs auf Mineralsauren 
scheint der Verfasser derZinksulfhydratprobe, 
welche in neuerer Zeit empfohlen worden ist, 
wenig Werth beizulegen. 

Wie weit sieb das Werk sein Ziel gesteckt 
bat, mag beispielsweise auch daraus ent- 
nommen werden, dass Selbst der Nachweis 
der Harnsaure und die Untersuchung der 
Urate eine Stelle gefunden haben , also wohl 
aller im pharm aceutischen Laboratorium 
möglichen Untersuchungen , einschliesslich 
der physiologisch - chemischen gedacht ist. 
Dass die beschriebenen Prüfungs- und 



Untersuchungsmetboden nieht allein che- 
mische, sondern auch physikalische sind, be- 
darf bei dem heutigen Ineinandergreifen der 
naturwissenschaftlichen Disciplinen kaum be- 
sonderer Erwähnung. 

Zur besonderen Empfehlung dürfte es dem 
Werke dienen , dass sein Äbschluss und da- 
mit das Erscheinen des Hauptregisters mit 
Sicherheit noch in diesem Jahre zu erwarten 
ist. F— 



Bibliothek der gesammtea RatarwisseBsehaften, 

unter Mitwirkung hervorragender Fach- 
männer herausgegeben von Dr. Otto Dammer, 
Mit Farbdracktafeln und Hohschnitten. 
Lieferung 2. Preis 1 .^. Stuttgart Verlag 
von Otto Weisert. 



Mise 

Marienbader Beductionspillen. 

Nr. 1. 
Bp. Kalii bromati, 

Natrii bicarbon. ää 10,0, 
Pulv. Scillae 35,0, 

— Ligni Guajaci, 

— Senegae ää 7,0, 
Eztr. Taraxaci q. s. 

fiant pil. pond. 0,15 consp. Pulv. 
Cinnamoni. 

Nr. 2, 
Rp. Kalii bromati, 

Natrii bicarbon. ää 35,0, 
Pulv. Scillae 10,0, 

— Ligni Quajaci, 

— Senegae ää 7,0, 
Extr. Ferri pom. q. s. 

fiant pil. pond. 0,15 consp. Pulv. 
Calami. 

Präger Bundachau. 



e 1 1 e n. 

Said - Mundwasser. 

Rp, Saloli 1,0, 

Spiritus 100,0, 
Tinct. Coccionellae 3,0—5,0, 
Olei Rosae gutt. 1, 
— Menthae piper. gutt. 2. 
M. Einen Theelöffel voll zu einem Grlase 
Wasser anzusetzen und diese Mischung zum 
Mundausspülen zu benutzen. 

Pharm. Zeitung. 



Ampölophile. 

Unter diesem Namen empfiehlt Laffon 
rohes Quecksilberozjdulnitrat als Mittel gegen 
Beblaus. Es soll in Wasser gelöst (15 g in 
10 Liter Wasser auf einen Stock) und in 
Löcher um die Stöcke herum eingegossen 
werden. g. 

Ärchives de PJiarmacie 1886, 522. 



Offene Correspondenz. 



Äpoth, M« in E« Das Leuchten, welches 
faulende Fische oder Fleischstacke zuweilen 
(nicht ganz selten) verbreiten, wird auf niedere 
Pilze zurückgefahrt, die aber nur dann Leuchten 
Terursachen, wenn reichliche Sauerstofizufuhr 
und nicht zu niedere Temperatur denselben 
energische Athmung gestatten. Insbesondere 
soll es Micrococcus PflAgeri sein, welcher die 
Oberfl&che von Fleisch mit einem leuchtenden 
Schleim aberzieht. Er wurde zuerst von Pflüger 
beobachtet, daher der Name. Auch auf ge- 
kochtem Eiweiss und Kartoffeln soll er wachsen. 
Wenn er sich in einer Niederlage eingenistet 



hat, wird das Leuchten natürlich öfter vor- 
kommen. Diese Auskunft entnehme ich dem 
sehr empfehlenswerthen Buche von C. Flügge, 
die Mikroorganismen. 

Apotk. E« «n S« Mörteln ist fein gepulver- 
tes, mit Ultramarin schwach gefärbtes Insecten- 
pulver. 

Apoth. K. in F. Die Vorschrift zu Budd^schen 
Pillen lautet: Kreosot 1 g, Mica panis, Mucilago 
aa q. s. ut fpü» 40. 

£• 8. in If. Emailtinten sind Wasserglas- 
lösungen, denen die entsprechende Farbe mecha- 
nisch beigemischt ist. 



i T«rla|i« a«r BfravcMbiir. VenatwortllohOT BaiMtoar Dr. ■• QHmUh Ib Draad«». 

Im Bnohlumd«! dnreh Jnllni Sprlngert BbtUii N, Koab^ouplalB S. 
Dniek d«r Könlgl. Hofbaebdniekartl toh O. 0. Melnhold k SOkn« la Dresden. 



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LEIPZIG. 

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Fhannaceuüsche Ausstellung zu Hädelberg 1881. 

(Auszug ans dem Central -Anzeiger.) 
„Das Haus hat seiner Zeit den Ungarweinen den deutschen Markt erobert" 



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HannoTer 1885. 



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der Pharmacie. 

HersQSgegeben tob 

Dr. Hemaui Hager und Dr. Ewald Geissler. 



Erseheint jeden DonnerstaflN — Abonnementspreis durob die Post oder den Buchbandel 

Yierteljfthrlieh 3 M«rk. Bei Znaendnnff anter Streifband 2,50 Mark. Kinzelne Nummern 

25 Pf. Inserate: die einmal gespadtene Petit -Zeile 25 Pf., bei grosseren Inseraten oder 

Wiederholungen Rabatt 
- Anfragen, Auftrftge, Manuscripto etc. wolle man an den Redacteur Prof. Dr. E. Geissler, 

Dresden, Pillnitzer Strasse 56 adressiren. 

M2. Beriin, den 13. Januar 1887. Äil ÄS^. 



Der ganzen Folge XXVIIL Jahrgang. 



Inhalt: Cfeeale mm4 Fkaimacle: Nea«« pliarinaeeotliiehM Manoal. — Drumin und Lewinin, sw«l neu« Anae- 
stb«tiea. — EnatB fUr Sanas». — JapanUcb«r Laberthian. — Nene Glycerinbestlnimungsmethode in vergohrenen 
FIBMigkelten. — Polarisation dei Milohsacker«. — Zum Nacliweis mit Anilinfarben gefärbter Weine und Frucht» 
aifte. — Zar Unterteheldung der ChryMophau säure von dem Santöntsfarbstoff im Harn. — Vorlesungsversucbe 
&b«r da« Verhalten dea Luftatanbea. — Ueber dio Oxydation der Oele. — Ijatbraea aquamaria, eine insekten- 

freaaende Pflanze. — Weber'« Alpenkrkuterthee. — Anselgem» 



Chemie und Pharmacie. 



Heuea pharmaeeutisehes ManuaL 

Von Eugen JHHerkh, 

(Fortsetiung.) 

Nachdruck untersagt 

Ungueotun ophthalmicum. 

60,0 Olei Amjgdalarum, 
38,0 üerae flavae filtratae 

schmilzt man nnd lässt nahezu erkalten. 
Man verrührt dann zn einer gloicbmässigeu 

Mass« nnd mischt 1. a. hinzu 

2,0 Hydrargyri oxydati rubri. 

Unguentam ophthalmicum 
compositan. 

Caguentum ophthalmicum ISt Yves. 

70,0 Adipis suilli, 

12,0 Gerae flavae filtratae 

schmilzt man , lasset erkalten nnd präparirt 
und mischt damit 

7,5 Hydrargyri oiydati rubri, 
3,0 Zinci oxydati. 

Maa f&gt dann noch 
2,5 Camphorae, 



gelöst in 

5,0 Olei Amygdalarum . 
hinzu. 

Unguentom opiatum. 

5,0 Eitracti Opii, 
gelöst in 

5,0 Glycerini, 

vermischt man mit 

90,0 üngaenti cerei. 

Ungaentum oxygenatam. 

100,0 Adipis suilli, 

in einer Porzellanschale geschmolzen, ver- 
setzt man mit 

6,0 Acidi üitrici 

und erhitzt bei einer Temperatur, welche 45 ^ 
nicht übersteigt, unter fortwährendem Kuhren 
mit einem Glasstabe so lange, bis eine ent- 
nommene Probe blaues Lackmuspapier nicht 
mehr röthet. Man gicsst nun in 15 mm 
dicker Schicht in Papierkapseln aus, zer- 
schneidet die erkaltete Tafel mit einem Horn- 
niesser oder einem lanzettförmig geschnitte- 
nen Stückchen harten Holzes in Quadrate 
und bewahrt diese in Porzellanbüchsen auf. 



16 



p 



Ungnentam Picis liquidae. 

60^0 Picis liquidae, 

20,0 Cerae flavae, 

20,0 Sebi ovilis 
werden durch Schmelzen gemischt. 

Die geschmolzene Mischung ist bis zum 
Erkalten zu rühren. 

Ungnentam Flumbi, 

a) 92,0 üngaenti cerei, 

8,0 Liquoris Plumbi subacetici. 

b) 92,0 Adipis benzoinati, 

8,0 Liquoris Plumbi subacetici. 

c) 84,0 Adipis suilli, 

8,0 Glyeerini, 

8,0 Liquoris Plumbi subacetici. 

Alle drei Vorschriften igeben Bleisalben, 
welche ihre Farbe nicht verändern, nichts- 
destoweniger zersetzen sie sich unter Frei- 
werden von Essigsäure. 

TJngnentnm Plnmbl jodati. 

10,0 Plumbi jodati, 
90,0 Adipis suilli 

werden 1. a. gemischt. 

TJngnentnm Popnli. 

250,0 Gemmarum Populi siccarum 

zerstösst man zu gröblichem Pulver, feuchtet 
dieses in einer gläsernen Weithalsbüchse mit 

200,0 Spiritus aetherei, 
druckt, nachdem die Mischung vollzogen ist, 
fest ein und verkorkt die Büchse. 

Nach 24 stündigem Stehen schmilzt man 
50,0 Gerae flavae, 
600,0 Adipis suilli 

mit einander, trägt den Inhalt der Glasbüchse 
ein und digerirt unter zeitweiligem Rühren 
bei einer 70 ^ nicht übersteigenden Tempe- 
ratur vier bis fünf Stunden lang. 

Man presst dann in einer erwärmten Presse 
aus, digerirt den Pressrückstand nochmals 
vier Stunden mit 

400,0 Adipis suilli 
und presst wieder aus. 

Die vereinigten Auszüge erhitzt man im 
Dampfbad unter Rühren so lange , als noch 
Aethergeruch wahrzunehmen ist, und filtrirt 
dann durch den unter „Gera'' angegebenen 
Dampfirichter. 

Eine auf diese Weise bereitete Pappelsalbe 
ist schon apfelgrfin und von kräftige^n Ge- 



ruch. Künstliche Färbemittel sind hier nicht 
nothwendig. 

Ungnentnm Pyrogalloli. 

10,0 Acidi pyrogallici 
verreibt man möglichst fein und vermischt 
mit 

90,0 Unguenti cerei. 
Die Salbe ist vor Tageslicht zu schützen 
und in dicht verschlC^ssener Buchse aufzu- 
bewahren. 

Ungnentnm Besorcini. 

10,0 Besorcini resublimati 
verreibt man zu sehr feinem Pulver und ver- 
mischt mit 

90,0 Adipis benzöinati. " , 

Ungnentnm rosatnm. 

15,0 Gerae albae, 

75,0 Adipis suilli 
schmilzt man und vermischt mit der balb- 
erkalteten Masse 

10,0 Aquae Bosae. 

Ungnentnm saiieylatnm. 

a) 10,0 Aoidi salicylici 
löst man in 

5,0 Spiritus, 
5,0 Glyeerini 
und vermischt mit 

80,0 Unguenti cerei. 

b) 10,0 Acidi salicylici 
verreibt und mischt man mit 

90,0 Adipis benzoinati. i 

Ungnentnm contra scabiem. 

a) 10,0 Ealii sulfurati 
löst man in 

10,0 Aquae 
und vermischt mit 

90,0 Adipis suilli. 

b) 20,0 Styracis depurati, 
10,0 Olei Bicini 

mischt man und setzt 

70,0 Adipis suilli 
zu. 

Ungnentnm Stramonii. 

10,0 Extracti Stramonii 
verreibt man in 

5,0 Glyeerini 
und vermischt mit . . • . 

85,0 Unguenti cerei. . . 



17 



Ungnentom Styracis. 

^ . . Ungneiitiuii Styri^cis compositum. 

20,0 Styraeis liquidi depnraii, 
30,0 ünguenti Elemi, 
50,0 „ basilici 
Verden gemischt. 

Unguentam salfaratanu 

a) 10,0 Solfiiris depurati, 
20,0 Adipis suillL 

b) . 30,0 Sttifuris praeeipitati, 

1 0,0 Olei Olivarum Provineialis, 
60,0 Adipia benzoinaii. 
Man mischt. 

IJiigpentam salfaratum compositum. 

Üngtfentnm Ziocisidfaratam. 

10,0 Sulfuris depurati, 
10,0 Zinci snlfiinci pulverati, 
, ^ 80,0 Adipis saUU 

werden pr&parirt und gemischt. 

Ungtieiitöm sulfnratiim 
Wilklnson- Bebra. 

16,0 Salfuris sublimati, 

15,0 Olei Basci cradi, 

30,0 Saponis domestici pulverati, 

30,0 Adipis suilli, 

10,0 Cretae laevigatae. 
Die Kreide wurde nach meinen Erfahr- 
ungen besser wegbleiben , da sie beim Er- 
wärmen und bei längerem Lagern mit der 
Seife Ei^lkolei^t bildet und die Zersetzung der 
äalbe herbeifthrt. 

tTngaentom Terebinfhiiiae 
compositum. 

Ünguentum digestivurn. 

- 70,0 Terebinthinae laricinae, 
- 8^0 Vitelli ovomm 
euHilgirt man gut und mischt dann hinzu 

.2,0 Hyrrhae puk^atae, 
2,0 A!o^ pulveratae» 
18,0 Olei OUyar^m Provineialis. 

Vnguentnm Tasellni leniens* 

Vaseline * Cold <- Cream. 

a) 160,0 Unguenli Paraffini, 

5,0 Saponis medicaü pulverati 
näsoht man/ seiet: nach Ufid nach 

10,0 Olycerini, 

40,0 Aquae destiliätae 



• T 



und schliesslich 

gtt. 2 Olei Bosae, 

„ 2 „ Neroli, 

„ 2 ., Bergamottae 
zu. 

b) 100,0 ünguenti Paraffini, 
50,0 Lanolini, 

3,0 Saponis medicati pulverati 
mischt inan, setzt nach und nach 

50,0 Aquae destillatae 
und zuletzt 

gtt 2 Olei Bosae, 
„ 2 „ Neroli, 
„ 2 „ Bergamottae 
zu. 

Ünguentum viride. 

Adeps viridis. 

1000,0 Adipis suilli, 

2,0 Chlorophyll Schütz. 

Man lOst letzteres im geschmolzeuen iFctt. 

Ünguentum vulnerarium Lister. 

Unguentam horicum Lister. 
Lister's Yerhandsalbe. 

10,0 Aeidi borici subtilissime pul- 
verati 
präparirt man sehr fein mit 

10,0 Olei Amygdalarum. 
Andererseits schmilzt man 

10,0 Olei Amy^dalarum, 

10,0 Cerae albae, 

20,0 Paraffini solidi 
mit einander, setzt die Terreibung zu und 
agitirt bis zum Erkalten. 

ünguentum Zinci reflrigerans Unna. 

10,0 Zinci oxydati albi 
präparirt und mischt man mit 

90,0 ünguenti rosat|. 

ünguentum Zinci Wilson. 

20,0 Zinci oxydati albi 
präparirt man mit 

70,0 Adipis benzoinati 
und setzt schliesslich 

10,0 Aquae destillatae 
zu. . . 

Wie bei der vorigen Salbe hält auch hier 
Dr. Unna den Wasserzusatz für noth^eudfg. 



18 



Drumin und Lewinin, zwei neue 
Anaesthetica. 

Unter dem Namen D r a m i n besdireibt 
Dr. John JReid ein Alkaloid, welches er ans 
einer australischen Euphorbiacee, Euphorbia 
Drummondii Boiss. , isolirt hat. Der neue 
Körper soll atiaesthe tische Eigenschaften be- 
sitzen, welche denjenigen des Cocains fast 
gleich kommen. In Süd - Australien ist die 
Pflanze bei den Farmern bekannt und ge- 
fürchtet, weil öftere Vergiftungen des Viehes 
mit derselben vorkommen. 

Meid erhielt den Drumin genannten Körper, 
indem er die Pflanze mit Alkohol auszog, 
den Alkohol verdunstete, mit Ammoniak im 
Ueberschuss behandelte, filtrirte, den Rück- 
stand in verdünnter Salzsäure löste, durch 
Thierkohle filtrirte und eindampfte. Das 
Hydrochlorat ist von strahlig krystallinischem 
Gefdge, unlöslich in Aether, leicht löslich 
in Chloroform und Wasser. Eine 4proc. 
Lösung des Körpers soll auf der Zunge eine 
ausgesprochene Anaesthesie hervorbringen. 
(Austr. Med. 6az. October 1886.) Jedenfalls 
ist der von Iteid Drumin genannte Körper 
nach der angegebenen Parstellungsmethode 
nicht rein and dürften wohl weitere Unter- 
suchungen abzuwarten sein. (Ref.) 

Das zweite der genannten Anaesthetica, 

Lewini n, ist ein Bestandtheil des Kava- 

harzes und wurde von Lewin (Brit. Journ. 

Dental. Sc. Dec. 1886) in verschiedenen Fällen 

angewendet. Höchst geringe Dosen einer 

Lösung dieses Stoffes (die Höhe der Dosis ist 

nicht genau angegeben; Ref.) bringen eine 

langandauernde Gefühllosigkeit hervor. Wenn 

eine Spur des Harzes auf die Zungenspitze 

gebracht wird , erscheint selbst die bitterste 

Arznei geschmacklos. — os — 

Pharm, Jouni, Transact, Dec. 1886. 



Ersatz für Senega. 

Ausser der von Köbert als Eraatz der 
Senega empfohlenen Quillajarinde (Pharm. 
Centralh. 26, 473) empfiehlt Qairckb die 
Wurzel von Lobe Ha Delessea, welche 
in Mexiko heimisch ist und seit 20 Jahren 
daselbst medicinische Verwendung findet. 
Die Wurzel schmeckt anfangs etwas süss, 
hierauf scharf, wenig bitter und kratzend; 
der Staub erregt Niesen und das concentrirte 
Decoct bewirkt Erbrechen, Schweiss und 
manchmal Diarrhöe. Die wässrige Abkoch- 



ung wird mit etwas Syrapus baisam icus ver- 
setzt. Löffelweis gegen Husten gereicht, s. 
Jonnuil de Pharm, et de Chemie 1886, 362. 

Japanischer Leberthran. 

Wie ,Nature (Dec. 16, 158, 1886)« be- 
richtet, hat die japanesische Regierung einen 
Vertreter nach Norwegen geschickt, welcher 
die Gewinnung des Leberthrans genau 
stndiren soll. An den Nordkusten von Japan 
erscheinen alljährlich grosse Massen von 
Kabliau's, welche schon jetzt für die Ge- 
winnung von Leberthran ausgenütst werden. 
Dieser Thran kommt auf den Londoner 
Markt, und es steht zu erwarten, dass Japan 
ein starker Concurrent auf dem Leberthran* 

Markte werden wird.*) — os— 

^ Phww. Joum. Tramad. Dec. 1886. 



Neue 

Olycermbestimmungsmetliode 

in vergohrenen FlftVBigkeiten. 

L. Legier empfiehlt, um die Verluste bei 
dem Ausziehen des Rohglycerins mit Aether- 
Alkohol zu verhüten , die nach seinen Be- 
obachtungen bis 30 pCt. betragen können, 
eine Methode, welche auf der Eigenschaft 
des Glycerins beruht , mit Kalinmdichromat 
und Schwefelsäure Kohlensäure zu entwickeln. 
Die Zersetzung Srerläuft nach folgender 
Gleichung 

SCgHgOg + TKgCrjOy -f 28H2SO4 
= 7 K2SO4 + 7 Crj{S04)3 + 9 CO2 + 40 H^O. 

Zur Gljcerinbestimmung aus dem 
Wein veii&hrt man in folgender Weise: 

Das Bohglyoerin , welches ans 100 ccm 
Wein nach dem Eindampfen desselben mit 
3 ccm Kalkmilch (200 g CaH^O^ in 500 ccm) 
und 2 g Quarzsand nach Extraotion mit 
96procent. Alkohol reraltirte, wurde nach 
vorläufiger roher Wägung auf ein bestimmtea 
Volumen gebracht und entsprechende An- 
theile davon fOr die Ozjdation und Aschen- 
bestimmung verwendet. Diese vorläufige 
Wägung diente nur zur Bemessung des an- 
zuwendenden Volumens für die Oxydation. 

Ein Weisswein (Forster -Traminer) mit 
8,54 pCt. Alkohol und 2,07 pCt. Extract 
ergab auf 100 ccm 1,40 g vorläufig gewogene« 
Gljcorin mit 0,1278 Asche. 

25 ccm des auf 50 cem TerdQnnten Qlj- 

♦) Vergl. auch Ph. C. ?«, SOL 



19 



ceWns lieferten 0,725 g CO2 , entsprechend 
einem Qehalt von 1,01 pCt. Qljcerin, ein 
zweiter in derselben Weise angestellter Ver- 
•uch ergab 1,47 Rohglycerin mit 0,1360 
Asche, ferner 0,710 g CO^ entsprechend 
0,99 pCt. Gljcerin. Das Mittel beider Ver- 
iQche sonach 1,00 pOt. and das Verhältniss 
von Alkohol und Glycerin = 100 : 11,7. 

Die Bestimmungen wurden von Legier im 
WÜVieken Kohlens&urebestimmungsapparat 
suagefÜhrt, man kann jedoch wohl jeden 
DJeht zu schweren Apparat verwenden. 
Kalinmdichromat und Schwefelsäure werden 
im Ueberschnss angewendet und die Ein- 
wiiknng durch schwaches Erwärmen unter- 
•tützt. lUpert. anal. Ch. — os— 



Polarisation des Milchzuokers. 

P. Tieth bestätigt die schon früher von 
Schmoeger und auch von Erdmann gemachte 
Beobachtvag', dass Milchzucker in ver- 
Bchiedenen optiaehen Modificationen vor- 
komme. 

1. Starke Doppeldrehung, krystallisirter 
Nilchsneker. 

2. Starke Doppeldrehung, anhydrischer 
Milchzucker, erhalten durch Entwässern bei 
130 C. 

B. Sehwache Doppeldrehung, anhydrischer 
Milchzucker, erhalten durch rasches Ab- 
dampfen von Lösungen des Milchzuckers, 
QDter Zasats von indifferenten Stoffen, 
welche die Oberfläche vergrössern. 

4. Halbe Drehung., anhydrischer Milch- 
zucker, ebenso erhalten wie bei 3, jedoch 
ohne Zusatz von anderen Körpern. 

5. Normale Drehung. Alle oben be- 
ichriebenen Arten in wässriger Lösung ent- 
weder durch Erhitzen bis zum Kochen oder 
dareh kaltes Stehenlassen von 4 bis 24 Stun- 
den erhalten. —os— 

Analyst. 1886, S. 141. 



Zum Nachweis mit 

Seftrbter Weine und Fruchtsäfte. 

Ch, O. Ct4rtman benutzt dte^o/fntann*scho 
Isonitril-Beaction zum Nachweis von Chloro- 
fonn in umgekehrter Weise zur Entdeckung 
der Anilinfubstoffe. 4 cem Wein werden 
mit 2 Tropfen Chloroform und 4 ccm Kali- 
lauge etwa eine Minute massig erwärmt und 
dun zur Austreibung des Chloroforms auf- 
gekocht. Der entatehende durchdringende 



Geruch des Isonitrile zeigt die Anwesenheit 
der geringsten Spur eines Anilinderivats. 

Mit Fuchsin ist die Reaction sehr scharf, 
weniger mit Rosanilinsulfosäure, es muss hier 
erst einige Zeit mit Kali lange digerirt werden. 

Methylviolett und Chrysanilinsalze er- 
fordern vor dem Zusatz von Chloroform und 
Kalilauge eine Behandlung mit Säure. 

—OS— 

Neuf' Yorker RnndscJiau, Decemher 1886. 



Zur Unterscheidung der Chryso- 

phans&ure von dem Santoninfarb- 

stoff im Harn. 

Wird nach Hoppe -Seyler ein Santonin- 
färbst off enthaltender Harn mit Natron- 
lauge versetzt und das Gemisch mit Amyl- 
alkohol ausgeschüttelt, so nimmt der letztere 
den rothen Farbstoff vollständig auf. 

Die Chrysoph ansäure wird dagegen 
nur aus saurem Rheum- oder Senna-Harn von 
Amylalkohol ausgezogen. Beim Schütteln 
der gelben, amylalkoholtschen Losung mit 
ammoniakalischem Wasser geht dann der 
rothe Farbstoff in dieses über. .9. 

Med.-cJiirurg, Ewidschau 1886, 807. 



Vorlesungsversuche über das 
Verhalten des Lnftstaubes. 

Von Eenk. 

Die feinsten, nicht mehr im Sonnenstrahle 
sichtbaren Stäubchen lassen sich noch nach- 
weisen , durch YergrÖsserung und intensive 
Beleuchtung, man kann sie vergrössern durch 
Ueberziehen mit einem Wassermantel, indem 
man mit Wasserdampf gesättigte Luft ab- 
kühlt, wobei sich das Wasser nur auf festen 
Körpern (Staub) niederschlägt. Fehlt der 
Staub in der Luft, so entsteht kein Nebel 
(in filtrirter Luft), ist Staub vorhanden, so 
erscheint ein deutlicher Nebel, in welchem 
bei guter Beleuchtting (Lichibüschel im 
finsteren Zimmer) sich jedes einzelne Stäub- 
chen noch erkennen lässt. Besonders inter- 
essant ist ein Versuch, welcher das Verhalten 
des Staubes in den Respirationsorganen zeigt. 
Inspirirt man staubfreie Luft , so erhält man 
auch staubfreie Exspirationsluft. Bei Inha- 
lation staubh altiger Luft werden auch die 
letzten Portionen aus der Lunge noch staub- 
haltig gefunden. Im geschlossenen Zimmer 
werden auch nach 1/2 Jahre noch die un- 



26 



sichtbaren Stänbchen gefanden und auch 
noch entwickelungsföhige Pilze , jedoch viel 
weniger als bei Beginn des Versuches. Die 
Sonnenstänbchen fehlen fast vollkommen. 

Chem. Centr,-Bl XVII, 45. 



üeber die Oxydation der Oele. 

Von Ach, Livaehe, 

Der Verfasser hat schon früher gezeigt, 
dass die Trocknüngsffihigkeit der trocknen- 
den Oele dnrch die Anwesenheit gewisser 
Metalle, unter denen Blei und Mangan den 
ersten Rang einnehmen, auf ihr Maximum 
gebracht wird , und dass dieselbe anf einer 
sehr beschleunigten Aufnahme von Sauerstoff 
beruht. Die Methode zur Darstellung eines 
trocknenden Oeles, welche ihm die besten 
Ergebnisse geliefert hat, besteht darin, das- 
selbe mit einem Gemenge von Mangannitrat 
und fein yertheiltem Blei (erhalten durch 
Fällung einer Bleilösung mittels Zink oder 
Eisen) zu schütteln und nach dem Decantiren 
den üeberschuss des gelösten Mangannitrats 
durch Schütteln mit Bleioxyd zu entfernen. 
Ein so behandeltes Leinöl trocknet in 24 
Stunden. Der Verf. hat nun in der gleichen 
Weise zehn sowohl trocknende wie nicht 
trocknende Oele behandelt und ihr nachträg- 
liches Verhalten beobachtet. Er bestimmte 
die Qewichtsznnahme derselben nach einem 
Jahr und nach zwei Jahren und nach der 
gleichen Zeit auch die Menge der in Wasser 
löslichen und unlöslichen Fettsäuren. Es 
ergab sich hierbei, dass die trocknenden Oele 
nach einem Jahre ihr Gewicht um 6 — 10 pCt. 
vermehren und hierbei fest und elastisch 
werden, dagegen im zweiten Jahre wieder an 
Gewicht verlieren und etwas klebrig werden. 
Die nicht trocknenden Oele dagegen nehmen 
weit länger an Gewicht zu nnd liefern in 
manchen Fällen ebenfalls eine feste, nur 
wenig klebrige Masse. Hierbei nimmt in 
beiden Fällen die Menge der in Wasser lös- 
lichen Fettsäuren auf Kosten der unlöslichen 
zu und es zeigen die nicht trocknenden Oele 
nach zwei Jahren ein ähnliches Aussehen 
und eine ähnliche Zusammensetzung wie die 
trocknenden nach einem Jahre. Es scheint 
daher in beiden Fällen der Vorgang in 
gleicher Weise und nur mit verschiedener 
Schnelligkeit vor sich zu gehen. Der Verf. 



konnte auch in diesbezüglichen (nicht be- 
schriebenen) Versuchen aus nicht trocknen- 
den Oelen feste Körper erhalten. 

Chem, Centralbl. - 



Lathraea squamaria, 
eine insektenfressende Fflans^e.- 

Den insektenfressenden Pflanzen, deren 
unsere einheimische Flora Ja mehrere besitzt, 
ist jüngst eine nene hinzugefügt worden in 
der Lathraea squ^ämaria, der ziemlieii 
allgemein verbreiteten ^ auf den Würzein des 
Haselstranchs schmarotzenden Schuppen - 
würz. A. Kerner nnd JT. W^i^em haben 
die Bemerkung gemacht^ dass diese Pflanze, 
deren unterirdische Achse mit eigenartig ge- 
bildeten Schuppen bedeckt ist, in diesen 
Schuppen kleinere Thiere — Infusorien, 
Amöben, Wurzelfüssler, kleine Milben, Blfitt- 
läuse — zurückhält nnd aussaugt. Dies ge- 
schieht nicht wie bei anderen insektenfressend 
den Pflanzen durch Absonderung .eines ver«^ 
dauenden Saftes , sondern dadurch , dass diQ 
Schuppen im Innern Drüsenbildungen und 
in Form eines Kugelsegmentes hervorragend^ 
Zellen haben, welche an ihrer Anssenwand 
in regelmässiger Weise durchbohrt sind und 
aus deren Durchbohrungen durch die verur.- 
sachte Beizung Plasmafaden ' ausstrahlen. 
Diese Plasmaföden versehen hier den -Dienet 
wie die Pseudopodien der Wurzelfüsslef| 
niederer thierischer Meeresbewohner.. — os-^ 



Weber's Alpenkr&uterthee. ' 

Der Verfertiger veröffentlicht in der Pharm. 
Zeitung die Originalvorschrift, nach der sein 
Qesundheitsthee zusammengesetzt sein soll: 
Bp. Fol. Sennae Alexandr. parv. ;20, , 
Flor. Acaciae, 

— Calendulae, 

— ^ C^rthaipi, 

— Sambuci ää 1, 
. Herb. Matrisylv, • 

— Miliefolii, 

Fol. Menthae pip., ■' % 

— Farfarae, ^ ^ O \ > 
Ligni Sassafras ää 2, ' 

— Guajaci 3, :: ' -. •. t 
Bad. Althaeüe, . \ 

-^ Liquiritlae Bblsrää £. :. 
M. f. species. 80g «50^4* ^^ * 



iP"**Wi 



Im VarlAfr« dar H«r«asf«b«r. Vanuktirortllohar ttedaeteur Or. K« tteltsier In Dnideliu 
Im Baeliluadal dnMh JallniSpriafsr, B^rnn'N, Moa^youiitota Si > ^ J 
Drnek der KSnlfl. Bofbnelidniokarai ron O. O. Metnbold Ä SShna'tn Dräidai^ 

Der heutigen Nnmmer liegen Vitel und MnhaM^vermeiehni^U^ 

für den Jahrgang 2SS6 bei. 



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Erscheint jeden Donnerstag.— Abonnementspreis dnrch die Post oder den Buchhandel 

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Anfragen, AnfbrSge, Mannscripte etc. wolle man an den Redacteur Prof. Dr. E. Geitsler, 

Dresden, Pilin itzer Strasse 56 adressiren. 

Nene Folge 
Till. Jahrgang. 



^3. 



Berlin, den 20. Januar 1887. 



Der ganzen Folge XXVIII. Jahrgang. 



Inhalt; «-ieMi^ um4 Pharmacia: Der Alkaloidgehalt der narkotischen Rxtracte. — U^bcr die ZiifiainmsnBotanng 
der Pllnla« aloütieae ferratae (Pilnlae Italtcae nigrae). — Brobachtang an Spiritus Slnapl*, — MlHceUea: Gutta* 
perchamnll. — Oleum cinrreum. — Salbenbl&ttchen. — Cocainvrolle. — lltpclisaiis — AlKiilolde in altem Mehl. — 
CfaemUehe ZmAmmeosetzung dea Menschen. — Uober die Bedeutung der Fftanxendunen. — Die ThomasscIUaeka. 

— Offene CorreipoBdens« — Anzeigen. 



Cbeinie und Pharmacie. 



Der Alkaloidgehalt 
der narkotischen Eztracte. 

(Mitthellang der Papier- nnd chemischen Fabrik. 
Eugen Dieterich, in Helfenberg bei Dresden.) 

I. 

Das Bedürfniss, alle Extracte auf ihren 
Werth prüfen zu können, tritt bei den 
narkotischen £xtracten besonders in den 
Vordergrund, und ist hier sicherer zu 
befriedigen, weil wir zumeist mit dem 
(}ehalt an bestimmten und bekannten 
chemischen Stoffen, den Alkaloiden, 
rechnen können. Wenn wir einfach das 
Alkaloid in seiner Menge feststellen, so 
soll damit nicht gesagt sein, dass mög- 
licherweise neben demselben nicht noch 
andere wirksame Stoffe vorhanden seien; 
wir halten uns vielmehr, wie man dies 
auch bei der Benrtheilung des Opium 
thut, nur an den einen Bestandtheil des- 
halb, weil er bekannt und abscheidbar 
ist, nnd lassen die Frage, inwieweit ihm 
der Löwenantheil der Wirkung zuge- 
schrieben werden mässe, unberührt. Auf 
diese Weise kommen wir zu dem Scbluss, 
dass ein narkotisches Extract, wenn es 



normal sein soll, eine gewisse Men^e des 
oder der ihm eigenen Alkaloide enthalten 
und dass ein zu geringer Gehalt daran, 
sei er durch irrationelle Bereitung oder 
Fälschung herbeigeführt , beanstandet 
werden müsse. 

Die Anforderungen, wie sie unsere 
jetzige Pharmakopoe mit problematischer 
Beschreibung der Farbe und dem „lim- 
pide" oder ,.turbide solubile" stellt, sind 
offenbar nicht mehr zeitgemäss und .er- 
heischen bei so wichtigen Arzneimitteln, 
wie wir sie in den narkotischen Extracten 
besitzen, eine durchgreifende Verbesser- 
ung, mindestens aber eine schärfere Prä- 



cisirung. 



Viel Anregung für derartige Arbeiten 
gaben Veröffentlichungen von Kunz und 
Schweissinger, die von denselben Gesichts-» 
punkten, wie wir, ausgingen, während 
Leuken einfach Identitätsreaetionen fest- 
stellte. 

Mit der Absicht umgehend, die Unter- 
suchung der narkotischen Kxtracte gleich- 
falls zum Gegenstand des Studiunis zu 
machen, hielten wir es nach den schon 
Öfter in der Centralhalle betönten Qe- 



22 



siehtspunkten, besonders aber im Interesse 
einer vergleichenden Kritik für noth- 
wendig, für alle unsere Arbeiten Zahlen- 
belege zu erbringen; vorerst aber unter- 
zogen wir alle uns bekannt gewordenen 
Untersuchungsmethoden, selbst die uns 
nicht berührenden Identitätsreactionen 
von Leuken y einer Prüfung, um uns 
durch Autopsie ein ürtheil zu bilden 
und dann auf den dabei gewonnenen 
Erfahrungen weiterbauen zu können. 

Ehe vnr zur Mittheilhng der selbst- 
ständigen Arbeiten übergehen, wollen wir 
daher berichten, welche Resultate wir 
nach dem Vorgänge Anderer erzielten, 
und mit den LeuÄ;en'schen Identitäts- 
reactionen^) beginnen. 

Das Verfahren als bekannt voraus- 
setzend, unterlassen wir die Beschreibung 
desselben. Wir operirten mit Extraclum 
Aconiti, Belladonnae, Digitalis und 
Hjoscyami und erhielten im Allgemeinen 
die von Leuken angegebenen Beactionen ; 
aber die Farbenunterschiede zwischen 
violett und himbeerroth, die Differenzen 
zwischen stärkerer und schwächerer Fäll- 
ung und Färbung (Unterschied zwischen 
Extr. Belladonnae und Hjoscyami) sind 
doch nicht so gross, dass der Minder- 
geübte mit Sicherheit Schlüsse ziehen 
könnte. Wir wenigstens würden uns 
nicht getrauen, die Identität eines der 
vier Extracte nach der £eu2;en'schen 
Methode positiv festzustellen, wollen aber, 
da wir die Proben nur einige Male 
machten, den Stab nicht darüber brechen 
und gern zugeben, dass das Urtheil mit 
der längeren Uebung sicherer wird. 

Schfceissinger's Behauptung ^) , dass 
ein unverfälschter Extr. Belladonnae die 
FeKUng'sche Lösung nicht reduciren 
dürfe, hat sich nicht bestätigt und ist 
inzwischen von ihm zurückgezogen 
worden. 

Wie wir früher bereits berichteten 3), 
hatte sich dagegen das Schweissinger' sehe 
Verfahren*), das Alkaloid in Extr. Aconiti, 
Belladonnae , Hjoscyami und Str jchni 
gewichtsanaljtisch zu bestimmen, bei uns 
bewährt und unsere Zahlen stimmten mit 



1) Phum. Zeit. 1886, Nr. 13. 

s) PhAnn. Zeit. 1886, Nr. 12 und 21. 

') Helfenberger Geschäftsbericht. April 1886. 

«) Phann. Zeit. 1885, Nr. 64. 



denen von Schtveissinger gut überein, so 
dass man von einem „guten Anfang'^ 
sprechen durfte. 

Während damals das fragliche Extract 
mit verdünnter Schwefelsäure behandelt, 
mit Ammoniak schwach alkalisch gemacht 
und mit Chloroform ausgeschüttelt wurde, 
änderte Kun^ die Methode dahin ab^), 
das Extract mehrmals mit Weingeist aus- 
zuziehen, den Auszug einzudampfen, al- 
kalisch zu machen und mit Aether und 
schliesslich mit Chloroform zu behandeln. 
Durch Verdunsten der Aether- und Chloro- 
formlösungen wurde das Alkaloid ge- 
wonnen und nun nochmals einer Beinigung 
unterworfen. Es ist nicht zu verkennen, 
dass durch diese drei Vorgänge ein reines 
Alkaloid erzielt wurde, aber man muss 
dabei berücksichtigen, dass Kune 50 g 
Extract in Arbeit nahm und sich bei einer 
solchen Quantität wohl erlauben durfte, 
Umwege zu machen. 

Schtveissinger ^) , der gleich uns von 
der Ansicht ausgeht, dass eine Prüfungs- 
methode, welche leicht ausführbar sein 
soll, sich vor Allem mit Meinen Quan- 
titäten begnügen müsse, adoptirte vom 
Kunjs'schen Verfahren die Wein^eist- 
behandlung des Extractes und erreichte 
damit, dass das Chloroform beim Aus- 
schütteln sich nicht so leicht mit der 
alkalischen Extractlösung emulgirte. Er 
ging ferner noch einen Schritt weiter, 
sofern er das Alkaloid nicht blos ge- 
wichtsanaljtisch, sondern auch volu- 
metrisch bestimmte. 

Wir folgten hier ebenfalls den Schtoeis- 
^m^er'schen Vorschlägen, zogen die be- 
treffenden Extracte vor Allem' mit Wein- 
geist aus, dampften die Auszüge ab und 
schüttelten sie, nachdem sie mit Ammo- 
niak alkalisch gemacht worden waren, 
mit Chloroform aus. Das aus der Chloro- 
formlösung resultirende Alkaloid hatte 
das früher schon von uns gefondene und 
von Schufeissinger angegebene Gewicht. 
Merkwürdigerweise stimmten aber, wenn 
wir dasselbe Alkaloid durch Titration 
controlirten, die gefundenen Zahlen mit 
den gewichtsanaljtischen nicht überein. 



») Archiv d. Pharm. 1885, Sept., S. 701. 

*) Vortrag auf d. Natarf.-Vers. Berlin und 
Pharm. Centralh. 1880, Nr. 40. 



23 



So erhielten wir zwischen „Gewogen" und 
,,Titrirt^' folgende Unterschiede: 

bei Extractum Belladonnae 
Gewogen Titrirt 



m 


1,060 pCL 


0,070 pGt. Alkaloid, 


2) 


1,020 „ 


0,116 ., 


3) 


1,320 „ 


0,335 „ 


4) 


1,480 „ 


0,188 „ 


5) 


1,446 „ 


0,046 „ 


6) 


1,318 „ 


0,470 „ 



bei Extractam Hyoscyami. 

7) 0,572 pCt. 0,058 pCt. Alkaloid. 

8) 0,710 „ 0,116 „ 

Wenn auch selbstredend die durch 
Titration gewonnene Zahl hinter der beim 
Wiegen sich ergebenden zartickbleiben 
mnss und im letzteren Fall das Plus in 
der unreinen Beschaffenheit des Alkaloids 
gesucht, werden darf, so waren doch die 
Unterschiede zu ungleich und gross, um 
hierin allein ihre Erklärung zu finden. 

Gewissheit hierüber erhielten wir durch 
Titration Ton reinem Atropin ; 0,04 davon 
verbranchte 13,6 ccm Hundertstel - Nor- 
malsäore und berechnete sich hieraus 
0,0393 Atropin, ein Besultat,. welches be- 
friedigen durfte. 

Wir wurden in der Vermuthung, dass 
irgend eine Zersetzung vor sich gehen 
mfisse, bestärkt durch die Beobachtung, 
dass sich beim Verdunsten der Chloro- 
formlösung auf dem Wasserbad im La- 
boratorium ein stechender Geruch und 
weisse Nebel bemerklich machten, und 
erinnerten uns, dass Chloroformdampf in 
der Glühhitze in Kohle, Chlor und Chlor- 
wasserstoff zerlegt wird. Die Vermuthung, 
dass eine solche Zersetzung durch die 
in der Nähe des Wasserbades befindlichen 
Flammen herbeigefQhrt werde und dass 
wir in dem Alkaloidrückstand theilweise 
die Chlorverbindung erhielten, fand ihre 
Bestätigung durch folgende Experimente: 

Wir hielten ein Stückchen gefeuchtetes 
blaues Lackmuspapier über eine der 
Flammen, während die Chloroform -Ver- 
dunstung im Gange war, und konnten 
sebr bald die Bötnung desselben wahr- 
nehmen. Ferner Hessen wir in einem 
ireschlossenen Glaskasten, in welchem ein 



^} Ln Interesse der Uebersichtlichkeit werden 
wir die Yersnehe nameriren. 



flaches Schälchen mit Ammoniak auf- 
I gestellt war, Chloroform in flacher Schale 
verdunsten. Sobald wir eine brennende 
Weingeistlampe dazu brachten, entstan- 
den die weissen Nebel des Chlorammo- 
nium und schon nach kurzer Zeit erhielten 
wir in dem mit Salpetersäure sauer ge- 
machten Ammoniak mittels Silbemitrat 
eine starke Chlorreaction. Es war nun 
nicht mehr zweifelhaft, dass das durch 
Verdunsten der Chloroformlösung zurück- 
bleibende Alkaloid zum Theil durch Chlor- 
wasserstoffsäure gebunden wurde und da- 
durch für die Titration verloren ging. 

Selbstverständlich war, ehe wir das 
beschriebene Experiment ausftlhrten, das 
verwendete Chloroform geprüft und als 
rein befunden worden. 

Da eine Controle der Gewichtsanalyse 
durch Titration im vorliegenden Fall 
wünschenswerth erschien, mussten wir 
danach trachten, das Chloroform durch 
ein anderes Lösungsmittel zu ersetzen. Wir 
fanden dasselbe im Aether und erhielten 
damit befriedigende Besultate, soweit es 
sich um Uebereinstimmung der durch 
Gewicht und Titration gefundenen Zahlen 
handelte ; kleine Schwankungen der Alka- 
loid-Ausbeuten unter sich, trotzdem die 
oben besprochene Uebereinstimmung vor- 
handen war, machten sich dagegen wieder- 
holt bemerklich und betrugen z. B. bei 
Extr. Belladonnae 0,144 pCt. = den 8. Theil 
des ganzen Alkaloidgenaltes. Wie sich 
beim längeren Arbeiten herausstellte, war 
ein ungenügendes Ausschütteln die Ur- 
sache besagter Differenz und überhaupt 
zu bezweifeln, ob durch Ausschütteln 
alles Alkaloid gewonnen werden könne. 

Wir sehen davon ab, -die ganze Beihe 
der diesbezüglichen Versuche hier ziffer- 
mässig zu belegen, um die Arbeit nicht 
unnöthig zu verlängern, wir fuhren da- 
gegen diese Thatsache an, weil sie die 
Ursache, einen anderen Weg zur Alkaloid- 
bestimmung einzuschlagen, für uns war. 

Nach unseren Erfahrungen dürfen wir 
mit Bestimmtheit annehmen, dass man 
mit Ausschüttelungen eben so wenig, wie 
mit Präcipitation im Stande ist, einer 
Flüssigkeit eine darin gelöste organische 
Substanz vollkommen zu entziehen. 

Andererseits erzielt man in dieser Be- 
ziehung radikale Erfolge mit verhältniss- 



24 



massiger Leichtigkeit durch Extrahiren 
mit Bückflasskuhlang. Um dies zu er- 
möglichen, mussten wir das Extract mit 
einem Alkali aufschliessen, ihm eine poröse 
Beschaffenheit geben und nun die Ex- 
traction mit Aether vornehmen. 

Als Aufschliessungsmittel schien uns 
nach dem Vorgang Anderer der gebrannte 
Kalk, Aetzbaryt und das Ammoniak ge- 
eignet, als poröse Zwischenlagerung im 
ersten Fall der Kalk selbst und dann ge- 
pulverter, gewaschener Bimstein. 

Nachdem in Bezug auf den Aetzkalk, 
den wir in Form gebrannten Marmors 
anwandten, festgestellt worden war, dass 
er auf Atropin, Hyoscyamin, Strychnin, 
Brucin etc. keine zersetzende Wirkung 
ausübte, war wohl das anzuwendende 
Mehr oder Weniger keine brennende 
Frage, aber es blieb zu entscheiden, wie 
viel Wasser zum Lösen des Extractes und 
wie viel Ealk, beziehentlich Bimstein zur 
üeberftthrung der Lösung in ein trocknes 
extrahirbares Pulver nothwendig sei. 

Wir verfuhren nun derart, dass wir die 
in den folgenden Versuchen angegebene 
Menge Extract im gleichfalls notirten 
Wasser lösten und mit dem feingeriebenen 
Aetzkalk und eventuell mit Bimstein 
mischten. Das wenig feuchte Pulver 
extrahirten wir in dem mit dem Drei- 
röhrensystem versehenen Extractions- 
apparat^) eine halbe Stunde lang mit 
Aether, ein Wasserbad als Wärmequelle 
. benutzend, verdunsteten die Aetberlösung 
bis auf ungefähr 1 ccm, nahmen den Bück- 
stand mit einigen Tropfen Weingeist und 
10 ccm Wasser auf und titrirten unter 
Benützung der Bosolsäure als Indicator 
mit Hundertstel - Normalsäure. 

So erhielten wir durch Titration fol- 
gende Alkaloid - Ausbeuten : 



pCt. 
0,665. 



0) 1,0 Belladonna -P]xtract, j 

1,0 Wasser, f 

2.5 Aetzkalk, i ' 

10,0 Bimstein, ' 

10) 2,0 Belladonna-Extract, i 

2,0 Wasser. ( ^ 

5,0 Aetzkalk, ( = ^'^•^^• 

10,0 Bimstein, I 



») Phann. Centralh. 1886, S. 273. 



I 



== 0,925. 



= 0,982. 



1,040. 



= 1,040. 



= 1,128. 



- 1,069. 



= 1,180. 



11) 2,0 Belladonna-Extract,. 
1,0 Wasser, ( 
5,0 Aetzkalk, 

10,0 Bimstein, 

12) 1,0 Belladonna-Extract, 
'2,0 Wasser, 

5,0 Aetzkalk, 
5,0 Bimstein, 

13) 2,0 Belladonna-Extract i 
2,0 Wasser, ( 
5,0 Aetzkalk, 
5,0 Bimstein, 

14) 2,0 Belladonna-Extract,] 
2,0 Wasser, ' 
5,0 Aetzkalk, i 

10,0 Bimstein, ' 

15) 2,0 Belladonna-Extract,) 
3,0 Wasser, ( 

10,0 Aetzkalk, i 

5,0 Bimstein, ! 

16) 2,0 Belladonna-Extract, i 
2,0 Wasser, 

10,0 Aetzkalk, I 

17) 2,0 Belladonna-Extract, . 
3,0 Wasser, 

10,0 Aetzkalk, ! 

In obiger Reihenfolge kamen wir zu 
den geeignetsten Verhältnissen, wie sie 
der Versuch 17 kennzeichnet Ein üeber- 
schuss von Ealk legte also das Alkaloid 
am Besten für die Aufnahme in Aether 
blos. Wohl war damit die Methode fest- 
gestellt, aber es musste von Interesse sein, 
nun auch mit Ammoniak und Baryt das 
Glück zu versuchen. Wir verfuhren 
genau wie bei der Kalkmethode und er- 
hielten durch Titriren folgende Zahlen: 

Alkaloid. 

18) 2,0 Belladonna-Extract,! 
2,0 Ammoniak, 

15,0 Bimstein, ' 

19) 2.0 Belladonna- Extracf, 
2,0 Wasser, 
1,0 Aetzbaryt, 

15,0 Bimstein, 
Beim Ammoniak -Verfahren tritt der 
üebelstand auf, dass der Aether neben 
dem Alkaloid Farbstoffe aufnimmt und 
dass hierdurch das Titriren erseiwert 
wird. Aehnlich, wenn auch etwas gün- 
stiger, liegen die Verhältnisse bei der 
Barytmethode. Vor beiden Verfahren 
hat die Kalkmethode den Vorzug, dass 
der Kalk eine Menge von färbenden 



pCt. 
= 1,156. 



= 1,127. 



25 



Stoffen bindet und dadurch unlöslich 
macht, vielleicht auch gerade hierdurch 
das Alkaloid Ton einhüllenden Stoffen 
befreit und für die Aether -Einwirkung 
vorbereitet. 

Ehe wir zur positiven Aufstellung einer 
Methode schritten, machten wir noch 
Proben über a) die Zersetzlichkeit des 
Alkaloids und b) über die Extractions- 
fahigkeii des mit Ealk aufgeschlossenen 
Extractes. 
a) Wir lösten 
10,0 Belladonna-Exlract 
in 

15,0 Wasser, 
versetzten mit 
50,0 Ealk, 
extrahirten eine halbe Stunde mit 

q. s. Aether 
und erhielten 

100 ccm aether. Alkaloid -Lösung. 
Letztere theilten wir in fünf Partien 
von je 20 ccm und verfuhren folgender- 
inaassen: 

20j 20 ccm an freier Luft verdunstet, 
bei 40 getrocknet, gaben 
gewogen l,322pCt. Alkaloid, 
titrirt 1,165 „ „ 

21) 20 ccm auf dem Wasserbad vor- 

sichtig verdunstet bis auf etwa 
1 ccm Bückstand, diesen mit ei- 
nigen Tropfen Weingeist und 
Wasser aufgenommen, gaben 

gewogen l,315pCt. Alkaloid, 

titrirt 1,159 „ 

22) 20 ccm auf dem Wasserbad ver- 

dunstet, trockneten wir den BQck- 
stÄnd 15 Minuten bei 60 ^C, 
wogen und titrirten dann; sie 
gaben 
gewogen 1,222 pCt. Alkaloid, 
titrirt 1,045 „ „ 

23) 20 ccm auf dem Wasserbad ver- 

dunstet, trockneten wir den Bück- 
sUluA 10 Minuten bei 100^, wogen 
und titrirten dann; sie gaben 

gewogen 1,117 pCt. Alkaloid, 

titrirt 0,627 „ 

24) 20 ccm auf dem Wasserbad ver- 

dunstet, trockneten wir den Bück- 
stand 15 Minuten bei 100^ und 
erhielten 

gewogen 1,110 pCt. Alkaloid, 

ritrirt 0,569 



?^ 



j» 



Die Versuche 20 und 21 können als 
normal gelten, während von 22 bis 24 
je nach der Höhe der Temperatur und 
der Länge des Trocknens ein Bückgang 
in der durch Titration gefundenen Zahl 
bemerklich ist. 

Es entstand nun die Frage, ob durch 
das Trocknen des Alkaloides eine Zer- 
setzung stattfinde oder ob das getrocknete 
Alkaloid gegen die Lösung in Säure nur 
widerstandsföhiger geworden sei. Dies zu 
entscheiden, Hessen wir die titrirten Lös- 
ungen der Versuche 23 und 24 einen Tag 
lang stehen und untei7;ogen sie dann 
nocnmals einer Prüfung. Sie waren, wie 
am Tage vorher, vollkommen neutral, 
hätten aber, wenn es sich nur um Schwer- 
löslichkeit handelte, alkalisch reagiren 
und weitere Mengen Säure beanspruchen 
müssen. Wir durften daher eine Zer- 
setzung annehmen. 

Für die aufzustellende Methode war 
somit in Bezug auf vorsichtige Behandlung 
des Alkaloides eine Directive und durch 
die Versuche 20 und 21 das Verhältniss 
desrohen gewogenen zum reinen titrir- 
ten Alkaloid, 100:88, gewonnen. 

b) Um zu erfahren, ob der Aether bei 
der Extraction das Alkaloid leicht oder 
schwierig aufnehme, lösten wir 

25) 2,0 Belladonna -Extract 
in 

3,0 Wasser 
und mischten 

10,0 Aetzkalk 
hinzu. 

Wir brachten das Pulver in den Ex- 
tracteur und gössen fünf Partien Aether 
auf, den Ablauf eines jeden Aufgusses 
separat auf den Alkaloidgehalt unter- 
suchend. 

Wir erhielten auf diese Weise folgende 
Ausbeuten : 

I. Auszug = 0,968 pCt. Alkaloid, 
II. „ = 0,072 

III. „ == 0,072 

IV. „ = 0,057 
V. „ =a Spuren 

Sa. = 1,169 pCt. Alkaloid, 

und durften durch die Uebereinstimmung 
der Summe mit den Werthen der Versuche 
20 und 21 die Sicherheit gewinnen, dass 
das Alkaloid leicht löslich und die Aether- 



»j 



)i 



j» 



» 



» 



1» 



26 



ExtraeUon wohl geeignet sei, das ge- 
sammte Alkaloid zur quantitativen Be- 
stimmang zu bringen. 

Eine Oontrole dieser Annahme flihrten 
wir noch dadurch aus, dass wir 

26) 2,0 Belladonna-Extraet 
in 

3,0 Wasser 
lösten, 

0,040 Atropin. pur. 
fein damit verrieben und schliesslich 

10,0 Aetzkalk 
zumischten. 

Wir extrahirten, wie bereits beschrieben 
wurde, eine halbe Stunde mit Aether, 
dunsteten den Auszug vorsichtig bis auf 
1 com ab, nahmen in einigen Tropfen 
Weingeist und lOccm Wasser auf und 
titrirten. 

Wir verbrauchten 
21,7 ccm Hundertstel -Normalsäure, 
zogen 18,6 ccm für 0,040 Atropin ab (der 
Yerbrauch dieser Menge wurde durch 
besonderen Yersuch festgestellt) und be- 
rechneten somit aus dem Best von 8,1 ccm 
= 1,170 pCt Alkaloid. 

Auch dieses Besultat musste zufrieden- 
stellend genannt werden und wiederholte 
ausserdem die schon früher gemachte 
Erfahrung, dass sich der Aetzkalk in- 
different gegen das Alkaloid verhielt. 

Es erübrigte schliesslich nur noch , den 
Extractionsversuch mit reinem Atropin 
zu machen. 

27) Wir verrieben 
0,024 Atropin. pur. 

mit 

3 com Wasser, 
mischten 

10,0 gepulverten Aetzkalk 
zu, extrahirten mit Aether, verdampften 
und titrirten, nachdem wir den Bückstand 
in einigen Tropfen Weingeist und 

10 ccm Wasser 
aufgenommen hatten. Wir verbrauchten 

8,1 ccm Hundertstel- Nor malsiiure, 
woraus sich 

0,0234 Atropin 
berechnet. 

Der entstandene Verlust ist also so 
gering, dass die Extraetion vor der Aus- 
sehüttelung unbedingt den Vorzug ver- 
dient. 



Wir hatten bis jetzt fast nur mit Bella- 
donna-Extract operirt und damit gute 
Besultate erzielt; es fragte sich aber 
weiter, ob und wie sich die Extractions- 
Methode auch auf andere narkotische 
Extracte anwenden lasse. 

Der besseren Beurtheilung wegen 
wandten wir 

1. die gewöhnUche Ealkmethode, 

2. die Kalkmethode mit fractionirtem 

Deplaciren, 

3. die Ammoniak -Methode, 

und zwar auf Extr. Aconiti, Gonii und 
Hyosciami an und erhielten hierbei fol- 
gende Alkaloid -Ausbeuten: 

Methode 1. 2. 3. 
Extr. pCt. pCt. pCt 

28—30) Aconiti 1,279, 1,299, 1,305, 
31-33) Gonii 0,685, 0,618, 0,647, 

34—36) Hyoscyami 0,837, 0,837, 0,803. 

Während die Extraetion von Extr. 
Aconiti und Extr. Hyoscyami leicht in 
einer halben Stunde beendet war, ging 
sie bei Extr. Conii schwieriger von Statten, 
insofern wir bis zur vollständigen Er- 
schöpfung IV2 bis 2 Stunden bedurften. 
Wir sehen dies auch durch die niedrigere 
Zahl der fractionirten Deplacirung be- 
stätigt. Mit den erhaltenen Zahlen schien 
uns der Beweis für die Anwendbarkeit 
des neuen Verfahrens auf die genannten 
drei Extracte erbracht. 

Nach den bisherigen Erfolgen war es 
kaum mehr zweifelhaft, dass auch Ex- 
traetum Strychni in derselben Weise auf 
den Alkaloid-Gehalt geprüft werden könne : 
es blieb nur zu entscheiden, ob Aether 
als Lösungsmittel geeignet sei, nachdem 
nach verschiedenen Lehrbüchern Strychnin 
in 1250 Theilen Aether löslich, Brucin 
dagegen unlöslich sein sollte. 

Um auch diese Frage zu beantworten, 
wurde 
37) 0,1 Strychnini puri, 

0,1 Brucini „ 

mit 

3 ccm Wasser 
fein verrieben mit 

10,0 Aetzkalkpulver 
gemischt und in den Extractions- Apparat 
gebracht. 

Nach Istündiger Extraetion mit Aether 
wurde der Auszug abgedampft, mit eini- 



27 



gen Tropfen Weingeist und 

10 ccm Wasser 
aafgenommen und titrirt. 

Wir verbrauchten 7,5 ccm Hundertstel- 
Normalsäure, was 0,1365 Alkalold ent- 
spricht. 

In der Zwischenzeit setzten wir die 
Eitraction noch eine Stunde lang fort, 
Terfohren wie vorher und verbrauchten 
jetzt zum Titriren 3,1 ccm Hundertstel- 
Xormalsäure » 0,0564 Alkaloid, so dass 
die Gesammtausbeut-e 0,1929 betrug. 

Es war demnach Brucin durchaus nicht 
unlöslich in Aether und konnte es in 
amorphem Zustände, in welchem es sich 
in dem durch Alkalien aufgeschlossenen 
Extraete befinden würde, noch weniger 
sein. 

Die naue Untersuchungsmethode musste 
für die Anwendung auf Extr. Strychni 



insofern eine Modification erfahren, als 
mit Beibehaltung der bisher benützten 
Wassermenge in Anbetracht des hohen 
Alkaloidgehaltes weniger Extract genom- 
men werden durfte und die Extraction 
auf die Dauer einer Stunde auszudehnen 
war. Die Bosolsäure behielten wir als 
Indicator bei, verwendeten aber nicht 
Hundertstel-, sondern Zwanzigstel - N or- 
malsäure, für die Berechnung das Vor- 
handensein gleicher Mengen (Wittstein) 
Brucin und Strychnin annehmend, so 
dass 1 ccm Zwanzigstel-Normalschwefel- 
säure gleich war 0,0182 g Alkaloid. 

Aehnlieh wie bei Extr. Belladonnae 
benützten wir in den hier folgenden Ver- 
suchen ausser Kalk auch das Ammoniak 
als Auf schliessungsmittel, deplacirten frac- 
tionirt und setzten ferner eine bestimmte 
Menge Strychnin und Brucin zu. 

Wir gewannen so folgende Werthe: 



= 18,92 und 18,74 pCt. Alkaloid. 



38/39) 1,0 Extr. Strychni, 
3,0 Wasser, 
10,0 Aetzkalk, 
40) 1,0 Extr. Strychni, ] 1. Auszug 15,10 pCk. 

3,0 Walser, 2. „ 2,36 

10,0 Aetzkalk [ 3. „ 0,36 

wurden 3 mal mit kaltem Aether deplacirt 1 4. „ 0,92 _ 
und schliesslich im Apparat extranirt. ) Alkaloid: 18,74 pCt. 



j> 



»> 



'» 



41) 



42) 



1,0 Extr. Strychni, 
1,0 Wasser, 
2,0 Ammoniak, 
15,0 Bimstein. 
1,0 Extr. Strychni, 
04 Strychnini puri, 
0,1 Brucini „ 

3,0 Wasser, 
gtt. 5 Acidi sulfurici diluti 
wurden verrieben und mit 

10,0 Aetzkalk 
gemischt. 

Ad 42 wurde durch besonderen Ver- 
such festgestellt, dass 0,1 Brucin und 0,1 
Strychnin 10,8 ccm Zwanzigstel-Normal- 
schwefelsäure verbrauchen. Da zur Ti- 
tration des Aether - Auszuges 21,1 ccm 
genannter Säure nothwendig waren und 
die durch den Brucin- und Strychnin- 
Zusatz bedingte Zahl in Abzug gebracht 
werden musste, so verblieb ein Säurerest 
von 10,3 ecm == 18,74 Alkaloid. 

Die Versuche 38 bis 42 lieferten uns 
die Beweise, daas sowohl die Kalk- wie 



Nach 1 stündigem Extrahiren 
Nach einer weiteren Viertelstunde 



18,38 pCt. 
0,18 „ 



Alkaloid: 18,56 pCt. 



« 18,74 pGt. Alkaloid nach Abzug des 
zugesetzten Brucin und Strychnin. 



die Ammoniak-Methode unter den voraus- 
geschickten Modificationen bei Extract. 
Strychni anwendbar seien. Beobachtet 
wurde nur, dass bei der Titration die 
Endreaction weniger scharf eintrat , wie 
bei den anderen !&tracten, und dass sich 
das Tüpfeln auf empfindlichem Beagens- 

S»apier als Controle nebenher bewwrte; 
iBmer dass sich während der Extraction 
Alkaloidkrystalle in i&c AetherlOsung 
ausschieden und dass diese, nm sie schliess- 
lich alle zu gewinnen, in Weingeist ge- 



28 



löst werden musaten. Wie schon früher, 
hatte auch hier die Kalk -Methode vor 
dem Ammoniak -Verfahren den Vorzug, 
durch reinere Alkaloidlösungen die £nd- 
reaction beim Titriren leichter erkennen 
zu lassen. 

Die vorstehenden Erfolge bere(5htigten 
zu dem Schlüsse, dass der eingeschlagene 
Weg wohl geeignet sei, den Alkaloid- 
gehalt in den narkotischen Extracten 
ziemlich genau zu bestimmen; sie setzten 
aber auch ein sehr exactes Arbeiten, vor 
Allem ein vollständiges Aufschliessen des 
Extractes voraus. Da durch ein zu rasches 
Hinzumischen des Kalkes zur Extract- 
lösung nnd die dadurch herbeigeführte 
zu schnelle Wasserentziehung ein Theil 

43) 2,0 Aconit-Extract, | 
2 ccm Normal -Ammoniak, i 

10,0 Aetzkalkpulver, ' 

44) 2,0 Belladonna -Extract, 1 
2 ccm Normal-Ammoniak, j 

10,0 Aetzkalkpulver, ' 

45) 2,0 Hyoscyamus- Extract, j 
2 ccm Normal -Ammoniak, j 

10,0 Aetzkalkpulver, ) 

46) 1,0 Strychnos- Extract, 
2 ccm Normal-Ammoniak, 

10,0 Aetzkalkpulver, 

Wie der Vergleich zeigt, erhielten wir 
dieselben Werthe wie vordem, so dass 
wir annehmen durften, dass die Anwend- 
ung von Ammoniak oder Kalk, oder 
beide gemeinsam sämmtliches Alkaloid 
zur Extraction geeignet machen. Die 
kleine Differenz bei Extractum Hyos- 
cjami erklärt sich daraus, dass, als wir 
nach mehreren Monaten diese die Vor- 
arbeiten abschliessenden Versuche vor- 
nahmen, nicht mehr das früher von uns 
benützte Präparat am Lager war. Wir 
hatten leider übersehen, für unsere Unter- 
suehungszwecke eine Probe zurückzu- 
behalten. 

Der ganze Entwickelungsgang der im 
nächsten Kapitel aufzustellenden Methode 
zur Alkaloidbestimmung in den narkoti- 
schen Extracten spielte sich natürlich 
nicht so glatt ab, wie wir ihn in Vor- 
stehendem schilderten. Um aber nicht 
zu viel Baum in Anspruch zu nehmen 
und den Leser nicht zu ermüden, be- 
schränkten wir uns auf das zum Verständ- 



Alkaloid hätte unaufgeschlossen und da- 
mit unextrahirbar bleiben können, klaub- 
ten wir, trotzdem die Besultate des Kalk- 
und Ammoniak- Verfahrens übereinstimm- 
ten, auch diese Frage noch durch be- 
sondere Beweise beantworten zu sollen. 

Wir lösten zu diesem Zwecke das be- 
treffende Extract in Normal -Ammoniak 
und vermischten dann mit Kalk, so dass 
die Alkaloidsalze durch das Ammoniak 
aufgeschlossen wurden und dem Kalk 
nur die Mission zufiel, Wasser und Farb- 
stoff aufzunehmen und das aufgeschlossene 
Alkaloid durch feine Vertheilung extrac- 
tionsf&hig zu machen. 

Die folgenden Versuche zeigen, was 
wir damit erreichten: 

= 1,279 pCt. Alkaloid. 

Vergl. Versuche: 28-80. , 

= 1,156 pCt. Alkaloid. 

Vergl. Versuche: 17, 18, 20, 21, 25. 

= 0,766 pCt. Alkaloid. 

Vergl. Versuche : 34—36. 

= 18,74 pCt. Alkaloid. 

Vergl Versuche: 38—42. 

nisse Notwendige. Wir glauben darin 
eher zu Viel, wie zu Wenig gethan zu 
haben, und werden uns daher gestatten, 
die Methode in ihrer praktischen An- 
wendung so kurz wie nur möglich im 
folgenden Absatz zu behandeln. 



II. 

Der sich aus vorstehendem Kapitel er- 
gebende Untersuchungsgang kann in vier 
Perioden eiogetheilt werden und zwar: 

1. Aufschliessen des Alkaloides, 

2. Extrahiren mit Aether, 

3. Abdampfen der ätherischen Lös- 

ung, 

4. Titriren. 

Von den vier Nummern verlangt die 
dritte die grösste Aufmerksamkeit und 
demnächst die erste. Wir werden nicht 
verfehlen, bei der nun folgenden Methode 
das Verfahren genau zu beschreiben, und 
glauben, dass zum Gelingen dann nur 
noch das gewissenhafte Einhalten des 



29 



von uns vorgezeichneten Weges noth- 
wendig ist. 

Da das Extraetum Stryehni eine etwas 
andere Behandlung erfordert, muss hier- 
für ein besonderer Untersuchungsgang 
normirt werden. 

a) Untersuchung von Extraetum Aco- 
nit! ^ Belladonnae, ConiL Hyoseyami 
auf den Alkaloid-Uehalt 

0,2 Galcariae eausticae e marmore 
verreibt man mit 

3,0 Aquae destillatae, 
löst darin 

2,0 Extraet 
und vermischt damit recht sorgfältig 

10,0 Galcariae eausticae e marmore, 
die man vorher zu Pulver rieb. 

Man bringt die Mischung in einen unten 
mit Watte verschlossenen Extractions- 
Apparat ^), setzt ein Drei r Öhrensystem auf 
und fügt in eine Eochflasche ein, welche 
ungefähr 

30,0 Aether 
enthält. 

Man klemmt nun die Eochflasche des 
Apparates in einen Halter ein , bringt 
sie über ein nicht zu heisses Wasserbad 
und regulirt den Gang der Extraction 
dadurch, dass man die Entfernung zwi- 
schen dem Wasserbade und der den 
Aether enthaltenden Eochflasche vermin- 
dert oder vermehrt. 

Bei Extraetum Aconiti, Belladonnae 
und Hyoseyami extrahirt man 30, höch- 
stens 45 Minuten, während Gonium- Ex- 
traet mindestens 2 Stunden bea^prucht. 
Der Vorsicht wegen extrahirt man mit 
Aether stets ein zweites Mal, falls durch 
die erste Extraction auch bei Einhaltung 
der vorgeschriebenen Zeit nicht alles 
Alkaloid gewonnen worden wäre. Diese 
zweite Lösung dampft man für sich ab 
und controlirt auf diese Weise den Er- 
folg der ersten Extraction. 

Die ätherische Alkaloidlösung giesst 
man in ein nicht zu kleines tarirtes 
Porzellanschälchen, die Eochflasche 2 bis 
3mal mit etwas Aether nachspülend, setzt 

1 com Aquae destillatae 
zu und verdunstet vorsichtig über dem 
zur Extraction benützten Wasserbade 



») Pharm. Centralli. 1886, S. 273. 



bei höchstens 30 ö, wobei zu vermeiden 
ist, dass in der Nähe mit Ghlorwasser- 
stoS*-, Salpeter- oder Essigsäure, überhaupt 
einer flüchtigen Säure gearbeitet wird. 

Man unterstützt die Aether Verdunstung 
durch Blasen mit dem Mund, dampft 
bis zu einem Gewicht von 

1,5 

ab, setzt, um das Alkaloid zu lösen 

0,5 ccm Spiritus diluti 

zu und verdünnt mit 

10 ccm Aquae destillatae. 

Nach Hinzufügung von 

gtt. 1—2 Bosolsäurelösung (1:100 
Spir. dil.) 
titrirt man mit 

q. s. Hundertstel - Normalschwefel- 
säure 
und berechnet aus dem Verbrauche die 
Alkaloidmenge nach folgenden Gleich- 
ungen : 

1 nnrr. i 0,00289 Atropiu, 

Hundertetel- ^'^^^^^ Hyoscyamin, 
Mundertsiei- <. o,00533 Aconitin, 
Normalsaure « ( o;o0127 Goniin, 

Wie sich schon aus den Mittheilungen 
des vorigen Eapitels ergiebt, könnte die 
Methode dahin abgeändert werden, 

1,0 Extraet 
in 

2,0 Normal -Ammoniak 
zu lösen, 

10,0 Galcariae eausticae e marmore 
pulv. 

unterzumischen und die Mischung wie oben 
zu behandeln. 

Die erstere Methode praktisch angewandt 
lieferte folgende Besultate 

bei Extraetum Belladonnae: 



47) 


1,170 pCt. 


Alkaloid, 


48) 


1,184 


J» 


» 


49) 


1,163 


»» 


j» 


50) 


1,170 


»» 


1? 


51) 


1,156 


J> 


»» 


52) 


1,142 


)9 


»» 


63) 


1,156 


V 


?» 


54) 


1,142 


») 


j> 


55) 


1,156 


V 


»j 


56) 


1,170 


>» 


»» 


57) 


1,184 


n 


j» 


58) 


1,170 


» 


» 


59) 


1,170 


n 


>j 



30 



bei Extractum Aconiti: 

60) 1,305 pCt Alkaloid, 

1,252 



61) 
62) 
63) 
64) 
65) 



1,279 
1,252 
1,279 
1,279 



n 



n 



11 



11 



II 



« 



I» 



1» 



11 



11 



bei Extractum Hyoscyami: 
66) 0,780 pCt. Alkaloid, 
0,766 



67) 
68) 
69) 
70) 
71) 



0,766 
0,751 
0,751 
0,766 



>» 



» 



»» 



1» 



11 



1? 



»» 



>l 



II 



1« 



bei Extractum Conii: 
72) 0,609 pCt. Alkaloid, 
0,597 
0,622 
0,622 
0,597 
0,589 



« 



» 



» 



j> 



73) 
74) 

75) 
76) 
77) 

Die an der Spitze dieses Kapitels 
stehende Methode hätte damit ihre Feuer- 
probe bestanden ; sehen wir nun, was sie 
in ihrer Modification beim Nachweis von 
Brucin und Stryehnin leistet. 

b) UntersachuHg ron Extractum 
Strychni auf den Alkaloid -Gehalt. 

0,2 Galcariae causticae e marmore, 

1,0 Extracti Strychni 
verreibt man möglichst fein mit einander, 
setzt 

3,0 Aquae destillatae 
zu und miscnt schliesslich recht gleich- 
massig 

10,0 Galcariae causticae e marmore 
pulv. 
unter. 

Genau wie bei der Methode a extra- 
hirt man die Mischung mit 

30,0 Aether 
IV2 bis 13/4 Stunde lang, controlirt durch 
eine zweite Extraction den Erfolg der 
ersten, bringt die ätherische Alkaloid- 
lösung in ein nicht zu kleines tarirtes 
Porzellanschälchen, spült die Kochflasche, 
um das ausgeschiedene Alkaloid zu lösen, 
2mal mit Weingeist und schliesslich noch- 
mals mit Aether nach, fügt 

1 ccm Aquae destillatae 
hinzu und verdunstet vorsichtig bei einer 
Temperatur von höchstens 30^ and unter 



den bei a angegebenen Gautelen bis zu 
einem Gewicht von 
1,5. 
Man setzt nun 

0,5 ccm Spiritus diluti 
zu, verdünnt mit 

10 ccm Aquae destillatae 
und titrirt nach Hinzufügung von 

gtt. 2 Bosolsäurelösung (1 : 100 Spir. 
dil.) 
mit 

q. s. Zwanzigstel - Normalschwefel- 
säure. 
Wie schon früher erwähnt, tupft man, 
da die Endreaction nicht sehr scharf 
eintritt, zur Gontrole derselben etwas 
der Flüssigkeit mittels Platindrahtes auf 
empfindliches blaues Lackmuspapier und 
fährt mit dem Säarezusatz so lange fort, 
bis hier Böthung wahrgenommen wird. 
Man kann hierdurch den Neutralisations- 
punkt sehr genau einstellen. 

1 ccm Zwanzigstel -Normalsäure ent- 
spricht, was hier wiederholt sein möge, 
0,0182 g Alkaloid. 

Ganz wie bei den anderen Extracten 
könnte die Methode dahin abgeändert 
werden, dass man 

1,0 Extracti Strychni 
mit 

3 ccm Normal -Ammoniak 
anrührte, dann 

10,0 Galcariae causticae e marmore 
pulv. 
zumischte und im Uebrigen wie oben 
verfiihre. 
Die Anwendung der ersteren Methode 

lieferte folgende Kesultate: 

Alkaloid 

78) 10,3 ccm H2SO4 ^^^ - 18 74 pCt. 

79) 10,4 „ „ „ =18,92 

80) 10,3 „ „ „ =18,74 

81) 10,2 „ „ „ =18,56 

82) 10,25 „ „ „ = 18,65 

Die beim Strychnos-Extract gefundenen 
Werthe sind gleichmässiger, wie wir sie 
bei den anderen Extracten erzielten; aber 
wir hatten, was wohl zu berücksichtigen 
ist, die zehnfache Menge Alkaloid vor uns. 

Im grossen Ganzen dürfen wir, ohne 
unbescheiden zu sein, sagen, dass die 
von uns ausgearbeitete Untersuchungs* 
methode ihrem Zwecke entspricht und 
die Mittel an die Hand liefert, die nar- 



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31 



kotisehen Extracte aaf ihren Werth zu 
prüfen. 

Sie lässt «dabei, wie dies nicht anders 
sein kann, unberührt, ob der Minder- 
gehalt an Alkaloid von einer ungenügen- 
den Bereitungsweise oder von einer Fälsch- 
ung herrührt, und kommt erst zur Gelt- 
ung, sobald wir von den in Frage stehen- 
den Präparaten, ähnlich wie beim Opium, 
einen bestimmten Gehalt an Alkaloid 
beanspruchen. 

Man wird der Methode vorwerfen kön- 
nen, dass sie umständlich und nicht von 
Jedermann ausjführbar ist. Wir können 
dem allerdings nicht widersprechen und 
gesteben zu, dass derartige Arbeiten nur 
von geübten Analytikern ausgeführt wer- 
den und nicht bei. jeder Apotheken-Re- 
vision zur Anwendung kommen können. 
Wenn wir uns aber erinnern, dass die 
Verhältnisse bei Opium ganz ebenso liegen 
und dass man andererseits Chemikalien, 
welche in ihrer therapeutischen Bedeut- 
ung sehr oft hinter den Extracten zurück- 
stehen, mit grosser Peinlichkeit prüft, 
so wird nur die Sicherheit der Methode 
in Betracht kommen können. 

Nar reine Chemikalien zuzulassen, ist 
gewiss ein hübsches Ziel, welches sich 
unsere Pharmakopoen stecken; als un- 
genügend muss es dagegen bezeichnet 
werden, wenn sie sich bei den Extracten 
mit dem Freisein von Kupfer begnügen 
und alles Andere als selbstverständlich 
voraussetzen. Die Wissenschaft giebt 
sicherlich die Mittel an die Hand, die 
pharmaceutischen Präparate ähnlich wie 
die chemischen auf die hauptsächlichsten 
Bestandtheile zu untersuchen, wenn auch 
solche Prüfungen mühevoller sind und 
mehr Geschicklichkeit erfordern. 

In unserem Bestreben, die pharma- 
ceutischen Präparate in Bezug auf Con- 
trole auf eine ähnliche Stufe wie die 
Chemikalien zu bringen, reebnen wir auf 
die Unterstützung und Zustimmung aller 
Apotheker. 

üeber die Zusammensetzung 

der Pilulae aloöticae ferratae 

(Pilulae Italicae nigrae). 

.Italienische Pillen, entnommen aus 
einem Leipziger pharmaceutischen Ge- 



schäfte, wurden mir eingehändigt, ihre 
Zusammensetzung zu prüfen, da ihre 
Wirkung von derjenigen der nach Vor- 
schrift der Pharmacopoea Germanica be- 
reiteten Pillen anfallend abweiche. Von 
letzteren genügten seit Jahren z. B. 
einem Manne 2, höchstens 3 Pillen, um 
einen normalen starken Stuhlgang zu er- 
zeugen, während die Leipziger Pillen 
selbst bei doppelter Anzahl, sogar auf 
einmal genommen, ohne Wirkung blieben. 
Diesen Umstand konnte ich auf dem 
physiologischen Wege nur constatiren, 
auch die chemische Untersuchung ergab 
ebenfalls eine auffallende Differenz und 
liess die Wahrnehmung machen, dass in 
den Leipziger Pillen nicht die officinelle 
Capaloe, sondern eine Art gewöhnlicher 
Sucotrina-Aloe vertreten sei. Letztere 
liess sich theils an grösserer Auflöslieh- 
keit in Wasser und an dem Gehalt eines 
höchst dunkelrothen Farbstoffes erkennen. 
Auch das Verhalten sowohl gegen abso- 
luten Weingeist, wie gegen Wasser bei 
einer Wärme von 60 bis 70 o C. erwies 
sich als auffallend entgegengesetzt dem 
entsprechenden Verhalten der officinellen 
Pillen. 

Mit dieser Mittheilung erlaube ich mir 
daran zu erinnern, nur die officinelle 
Cap-Aloe, Aloe lucida, zu den ita- 
lienischen Pillen zu verwenden, diese 
am besten mit eigener Hand darzustellen 
oder aus einer sicheren (!) Hand zu 
entnehmen. 

Der Uebersender der Pillen, ein Apo- 
theker, hatte in Folge Abgabe dieser 
Leipziger Pillen mehrere unangenehme 
Auftritte mit seinen Kunden durchzu- 
machen. Wahrscheinlich hatte der eine 
Kunde den anderen auf den Wirkungs- 
mangel dieser Pillen aufmerksam ge- 
macht, doch glaubte der Apotheker im 
Rechte zu sein, nur gute Pillen abge- 
geben zu haben, da er dieselben aus 
sehr guter Hand bezogen zu haben 
glaubte. 

Es liegt auch die Wahrscheinlichkeit 
vor, dass der Anfertiger der Pillen die 
Absicht hatte, eine sehr gute Aloe zu 
denselben zu verwenden, er sich jedoch 
in der Aloe -Art irrte. ^ ^^^^^ 



32 



Beobachtung an Spiritus Sinapis. 

Von Dr. E. Mylius. 

Bei Gelegenheit der NeufuIIuDg einer 
kleinen Hausapotheke fiel mir der nur 
schwach senfartige, mehr stinkend lauch* 
artige Geruch eines noch vorhandenen 
Bückstandes von Spiritus Sinapis auf. 
Da ich mich erinnerte, an älteren Senf- 
spiritusproben schon ähnlichen Geruch 
wahrgenommen zu haben, schien mir der 
Umstand fiir die Praxis insofern interes- 
sant, als er auf Veränderungen im Senf- 
spiritus schliessen und dessen unbegrenzte 
Haltbarkeit zweifelhaft scheinen liess. In 
der That gab dieser Best Spiritus Sina- 
pis beim Abdampfen unter der Luft- 
pumpe neben Schwefelsäure einen öligen 



Bückstand, der, bis zur Verflüchtigung 
noch vorhandenen Senföls schwach er- 
wärmt, einen laucharti^en Geruch und 
etwas lauchartig scharen, dabei anis- 
artigen Geschmack besass, nicht erstarrte 
und bei stärkerem Erhitzen sich rauchend 
verflüchtigte. Es war seinen Eigen- 
schaften nach halbgeschwefeltes 

Allylurethan CS j^^^Hs-H ^^Iches 

demnach sich nicht nur beim Erhitzen 
von Alkohol mit Senföl auf 110®, son- 
dern schon bei gewöhnlicher Tempera- 
tur im Laufe der Zeit bildet. Für die 
Praxis dürfte sich daraus der Schluss 
ergeben, dass man vom Spiritus Sinapis 
nicht überflüssig grosse Vorräthe halten 
sollte. 



Outtaperchamull. 

Herr Apotheker Hellwig in Berlin sendet 
nns als Nenheit eine Probe seines Gatt apercba- 
muUs, ein- und zweiseitig gestrichen. Nach 
von anderer Seite uns zugegangenen Mit- 
theilungen ist dieser Guttaperchamull von 
Beiersdorf zuerst hergestellt worden. Ist 
also das vorliegende Fabrikat auch nicht als 
ganz neu anzusehen , so ist es doch jeden- 
\ falls werth , in weiteren Kreisen bekannt 
zu werden. Es repräsentirt ein auf hydro- 
philen VerbandstofiF aufgewalztes Guttapercha- 
papier und dürfte vielfach mit Freuden he- 
grüsst werden, da es dauerhafter und schmieg- 
samer ist als das Guttaperchapapier selber, 
also die Yortheile desselben besitzt, ohne 
dessen bekannte Nachtheile zu haben. Ins- 
besondere die leichte Auf bewahrbarkeit und 
die Billigkeit dürften diesem neuen Verband- 
mittel bald manche Freunde erwerben. 

—di, 

Oleum cinereum. 

Dieses in neuerer Zeit in Form hjpoderma- 
tischer Einspritzungen gegen Syphilis mit 
Erfolg angewandte Oel ist , wie leicht zu er- 
klären, eine Quecksilber-Extinction. Zu dem 
Zwecke werden gleiche Theile Fett und 
Quecksilber verrieben bis zur vollständigen 
Eztinction; dann wird sehr allmälig fettes 
Oel, und zwar so lange zugesetzt, bis das 
dickflüssige Gemisch einen Gehalt von 20pCr. 



]IIi§cellen. 

oder, wenn man lieher will, von lOpCt. hat. 
— Nach Prof. Dr. Lang soll dieses Oleum 
cinereum (Hydrargyri), in Dosen von 0,1 bis 
0,2 ccm täglich oder zwei täglich subcutan 
injicirt, ein ziemlich rasches Verschwinden 
syphilitischer Symptone bewirken, wesentlich 
rascher als nach anderen Behandlungs- 
methoden. Diese Injection soll sehr g^t von 
dem Patienten vertragen werden; sie soll 
indessen an solchen Stellen, die früher jodirt 
waren , möglichst nicht applicirt werden , um 
die Bildung von Jodquecksilber auszu- 
schliessen. Deutsch. Med, Zeit. 



Salbenbl&ttchen. 

In England wird jetzt eine neue Salben - 
form benutzt, deren feste Basis aus einem 
Gemenge von Cacaobutter, Wachs und Oel 
oder Lanolin besteht und welche in Gestalt 
kleiner runder Plättchen direct auf diejenigen 
Körperstellen , woselbst die Einwirkung des 
in den Scheibchen enthaltenen medicamen- 
tösen Stoffes nöthig ist, gelegt werden. Wird 
über eine solche Stelle Heftpflaster gelegt^ so 
haben wir damit ein Mittel in der Hand, um 
bei gewissen Krankheiten der Haut das Medi- 
cament längere Zeit wirken lassen zu können, 
da die Blatt chen nur sehr langsam schmelzen. 
Insbesondere bei Verwendung von Chrysarobin 
wird diese Salbenform sehr empfohlen. 

Tktreh Zeüsckr, d, Oest, ApoiJi, - Ver, 



33 



Cocainwolle. 

K. Edler empfiehlt in Folge der so viel* 
seitigen Änveiidiing des Cocains, dieses zur 
bequemeren Dosirung in Charpiebanmwolle 
absorbirt zu verabreicben. Er scblSgt folgende 
Znbereitangen vor, za denen eine 3proc. 
Cocainlosang zn verwenden ist. 

Ein&che Cocainwolle. 1 Tbeil Cbarpie- 
banmwollo wird mit 1 Tbeil einer 3proc. 
Cocainlosang getränkt und getrocknet. 

Cocainwolle mit Morphin (gegen Zahn- 
schmerz and Ohrenreissen). 30 g Charpie- 
banmwoUe werden getrankt mit 30 g einer 
3proc. Cocainsolntion, in welcher 0,7 g Mor- 
phinanlfat gelöst wurden. 

Borsaare Cocajfiiwolle (gegen Brandwunden). 
30 g 2proc. Cocainwolle, 1,9 g Borsäure, 4 g 
Gljcerin, 1,2 g Carbolsäure, 30 g Charpie- 
baumwoUe. Die Borsäure wird in Glycerin 
und in der Cocainsolntion gelöst, die Carbol- 
säure zngefttgt und die Wolle nun getränkt. 
Durch Zeitschr. d. Gest. Apoih.- Ver. 



BiecliBalz. 

Biechsalz kann leicht ex tempore dargestellt 
werden, wenn man 2 Tb. grob gepulvertes 
Ammon. hjdrocblorat. mit 1 Th. Kalium 
carbon. pur. mengt, das Biechfläschchen da- 
mit nahezu fallt und die Oberfläche mit Watte 
fest bedeckt. Auf diese tröpfelt man ein he* 
liebiges Parfüm, am besten eine alkoholische 
Lösung Ton Heliotropin und schliesst dann 
das Flaschchen mit gutem Glasstöpsel. 

Amerik. Pharm. Rundechau, 



Alkaloidd in altem Mehl. 

Bäüaud hat aus altem Mehl (Termuthlich 
als Zersetsungsproduet« des Klebers) alkaloid- 
artige Körper extrahirt durch Extraction der 
nicht getrockneten Mehle mit kochendem 
Aether, und Behandeln des Aetherextractions- 
rnckstandos mit etwas saarem Wasser. Diese 
Flfissigkeit giebt Alkaloidreactionen. Schon 
bei 1 Jahr altem Mehl sind diese Reactionen 
zu erhalten, mit 2 bis 3 Jahr altem Mehl 
sehr deutlich. s. 

Arehiv€8 de Pharmacie 1886, 254. 



far Eisenindustrie „Iron*' unter anderem 
Folgendes : Der Mensch besteht aas 13 Grund- 
stoffen, Yon denen 5 gasformig und 8 fest sind. 
Der Hauptbestandtheil ist Sauerstoff. Ein 
Normalmensch ron 70 kg Gewicht enthält 

44 kg Sauerstoff, welche unter gewöhnlichen 
Verhältnissen einen Raum Ton 28 cbm ein- 
nehmen wärden. Femer birgt besagter 
Mensch 6 kg Wasserstoff, welche in freiem 
Zustande einen Raum yon 80 cbm fällen 
würden. Die drei übrigen Gase sind Stick- 
stoff (1,72 kg), Chlor (0,8 kg) und Fluor 
(0,1 kg). An festen Stoffen enthält der Nor- 
malmensch 12 kg Kohlenstoff, 800 g Phos- 
phor, 100 g Schwefel, 1750 g Calcium, 80 g 
Kalium, 70 g Natrium, 50 g Magnesium und 

45 g Eisen. Edelmetalle birgt der mensch- 
liche Körper nicht. 

Ihtrch med.'ühir. Bundschau, 



Chemische Zusammeiuietzung 
des Menschen. 

lieber die chemische Zusammensetzung 
des Menaehen bringt das englische Journal 



üeber die Bedeutong der 
Pflanzendnnen. 

Yon Professor Dr. Fram wm Höhnd in Wien. 

Eine Handelswaare yon steigender Bedeut- 
ung , welche als Polstermaterial und aur An- 
fertigung von Putzgegenständen in den Tro* 
penländern schon längst angewendet wird, 
sind die Pfianzendunen, welche im Verkehre 
unter den verschiedensten Namen vorkom- 
men. Sehr gebräuchlich sind die Ausdrucke: 
Kapok, Simool, Bandoe, Bandoekapok, femer 
deutsch :Ceibawolle,WoUbaumwolle, Bombaz- 
wolle ; französisch : idridon vegetaHe, duvel, 
caton soyeuXy ouatte vegiiale; englisch: atSk- 
coUcn, simool cotton, vegetable wool, tree- 
cotton, ratßCoUon. Die Kapokwolle ist ent- 
schieden das beste pflanzliche Stopf- oder 
Polstermaterial und stehen die besseren Sor- 
ten den echten Dunen an Elasticität und 
Leichtigkeit nicht viel nach, wovon ich mich 
durch einige Versuche iiberzeugte. Der 
Werth der Kapokfaser ist aber auch schon in 
einigen aussertropischen Ländern zu voller 
Würdigung gelangt , so namentlieh in Hol- 
land und Südaustralien. 

Die KapokwoUe besteht aus 0,5 bis 2 cm 
langen, seidenartig glänzenden Fasern von 
gelblich weisser bis brauner Farbe. Vermöge 
ihres Qlanzes, ihrer Kurze und Färbung 
unterscheidet sie sich leicht von der Baum- 
wolle. Die sichere Unterscheidung beider ist 
deshalb von Wichtigkeit, weil nicht nur ver- 
suchsweise Kapok zusammen mit Baumwolle 
versponnen wurde, sondern auch umgekehrt 



34 



Banmwollabfdlle schon als VerfaUchuDg Ton 
Kapok vorkommen. Allein während sich die 
Eapokfaser (wegen ihrer Steifheit und Kürze) 
kanm zum Verspinnen eignet, ist auch die 
Baumwolle als Polstermatenal nicht verwend- 
bar. Es geht- dies schon daraus hervor, dass 
letztere bei gleicher Pressung ein mehr als 
dreimal so grosses Volumengewicht hat als 
die Kapokfaser ; sie ist eben zu wenig steif 
und elastisch. 

Dass die Kapokfaser bedeutend billiger zu 
stehen kommt, als die thierischen Polster- 
materialien, ist naturlich. Der Preis wechselt 
je nach Güte und Reinheit für das Kilogramm 
etwa von 1/2 bis 2 Jf. 

' Die Kapokwolle kommt hauptsächlich aus 
Java, Indien und Ceylon. In Java ist die 
Kapokerzeugung schon in eine Art System 
gebracht und wird gegenwärtig aus Java nur 
gereinigte Waare, und zwar in 3 Nummern, 
versendet. Nr. 1 ist die ,, extra reine, '^ Nr. 2 
die n best gereinigte,* Nr. 3 die „gereinigte^ 
Waare. Nr. 1 ist ganz reine, samenfreie Faser 
utid wird mittels Maschinenarbeit gewonnen ; 
Nr. 2 wird durch Handarbeit gewonnen und 
enthält nur einzelne Samen, während Nr. 3 
reicher an solchen ist und auch noch Knoten 
und Fruchtschaltheile enthält. Die maschi- 
nelle Reinigung geschieht in den sogenannten 
Kapokmühlen, deren es auch in Australien 
schon giebt. 

Die Pflanzendunen stammen von den 
Früchten einiger Wollbäume oder Bomba- 
oeen , und zwar von den vier Gattungen : 
Bombax, Eriodendron, Ochrama und Chori» 
sia. Ein ähnliches Produet liefert auch 
Coehlospermum Qossypium in Indien, eine 
Pflanze zweifelhafter Stellung, welche bald 
zu den Bombaceon, bald zu den Bizaceen 
oder Temströmiaceen gerechnet wird. 

Die wichtigste Stammart ist Eriodendron 
anfractuosum 2>. C, ein Baum, welcher in 
verschiedenen Varietäten fast in der ganzen 
Tropen weit theils wild , theils. als Zierbaum 
gepflanzt vorkommt. . Bombax Ceiba und 
Ji^dphyllüm sind amerikanische Kapok- 
bäume. In Westindien liefert Ochroma La- 
gapus Sto. . ein ähnliches Produet. Bambckc 
guinense und malabaricufn sind afirikantsche 
Vertreter; letztere Art kommt auch in Ost- 
indien vor. 

Die Angaben in der Literatur über die 
Natur der Kapokwolle sind nicht richtig; 
denn das in Rede stehende Produet ist nicht, 



wie die Baumwolle, das Samenhaar und auch 
nicht ausschliesslich das Fruchthaar der 
Wollbäume. 

Mikroskopisch lassen sich die Kapokfasem 
nicht nur leicht von den übrigen Fasern, 
namentlich der Baumwolle und den Pflanzen - 
seiden , unterscheiden , sondern auch theil- 
weise unter einander. 

Schliesslich sei noch erwähnt, dass die 
Wollbäume überhaupt zu den technisch 
interessantesten Gewächsen der Tropen ge- 
hören. Der Bast dient in den Tropen statt 
Hanf. Die Samen, welche bei der Reinigung 
der Wolle abfallen , haben einen ähnlichen 
Werth zur Oelfabrikation, wie die Baumwoll- 
samen, das leichte Holz wird als Korkholz 
ausgenützt, und es ist immerhin möglich, 
dass die Kapokwolle auch als Textilfaser 
späterhin Anwendung finden könnte. 

Dingl. pölyl, Joum. 



ie Thamasschlacke. 

In einem zu Celle gehaltenen Vortrag be- 
schreibt der Gommerzienrath Meyer, Director der 
Ilseder Hütte, den Entphosphorungsprozess wie 
folgt: ^^Das zu entphosphomde ^heisen wird 
zuerst sehr heiss eingeschmolzen, dann in ein 
sich um seine Axe drehendes Geföss, den Con- 
vertor, geleitet, welches mit einer basischen 
feuerfesten Masse ausgefüttert ist. Der Converter 
hat einen ei^enthümiich durchlöcherten Boden, 
welcher durch eine Rohrleitung niit einer kräf- 
tigen Gebläsemaschine in Verbindung steht. Für 
den Prozess wird in den Convertor zunächst 
ganz frisch gebrannter Kalk gegeben, dessen Ge- 
wichts verhä^tniss sich nach dem Phosphorgehalt 
des Roheisens richtet, in der Re^el 16 bis m 
Pfund auf 1 Centner Roheisen, dann wird der 
Convertor gedreht, so dass die obere Mündung 
und der Boden in einer Horizontale liegen, das 
flüssige Roheisen hineingeleitet, dann die Ge- 
blfisemaschine in Betrieb gebracht und nunmehr 
dem Convertor eine vertikale Stellung gegeben. 
Der Luftdruck, den die Gebläsemaschine ausübt, 
muss stark genug sein, um das Eintreten des 
sehr dünnflüssigen Eisens in die Lücher des 
Bodens zu verhindern und um den Widerstand 
der schweren flüssigen Masse gegen das Durch- 
strömen der Luft übenvinden zu können. Bei 
der hohen Temperatur des Eisenbades verbrennt 
die durchströmende Luft nun zunächst die iin 
Eisen befindlichen anderen fremden KOrper, na- 
mentlich den Kohlenstoff, und erst, nachdem 
dieser verbrannt ist, den Phosphor, und zwar 
mit solcher Vehemenz, dass die Temperatur der 
Schmelzmassen um 600 bis iXlO^. erhöht wird, 
so dass auch der zugegebene Kalk in Fluss ge- 
räth und sich mit dem Verbrennungsprodukt 
des Phosphors, der Phosphors&ure, zu phosphor- 
saurem Kalk verbindet, welcher als Schlacke 
obenauf schwimmt. Durch diesen Prozess wird 



35 



der Phosphor fast ganz beseitigt, so dass z. B. 
in der Peiner Hfltte, welche ein Roheisen mit 
3 pCt. Phosphor verarbeitet, im fertigen Pro- 
dukt nicht mehr als 0,04 bis 0,06 Phosphor ent- 
halten ist, so dass also ca. 98 pCt. des Phosphors 
entfernt werden. Nach Beendigane des Prozesses 
wird die obenanfschwimmende Schlacke, welche 
den phosphorsanren Kalk enthält» in einen 
Wagen ^gössen nnd nach dessen Entfernung 
das flüssige gereinip;te Eisen in eine Giesspfanne 
gegeben und in eme besondere GiesshaUe ge- 
bracht. Die Blasezeit, d. h. der eigentliche 
Prozess, währt ca. 15 Minuten, und die Dauer 
aller Manipulationen einer Charge 45 bis 50 Mi- 
nuten, so dass in der Schicht bei guten Be- 
triebsemrichtongen 14 bis 15 Chargen Terblasen 
werden kennen. In Peine besteht Jede Charge 
aus ca. 190 Centner Eisen, und der Kalkzuschlag 
beträgt pro Charge ea. 36 Centner. Die Schlacke, 
welche nach dem Erkalten eine feste Masse 
bildet, zerfiült nach einiger Zeit an der Luft 
und Usst sich dann leichter zerkleinern, 'als in 



frischem Zustande." — Es werden in Deutsch- 
land jetzt monatlich ca. 1 Million Centner Boh-k 
eisen nach obigem Verfahren veredelt. Dies 
Eisen dürfte einen durchschnittlichen Phosphor- 
gehalt von 2i/i pCt. haben, demnach kann man 
Ö>. den Gewinn an abfallendem Phosphor pro 
onat auf 20000 Centner oder ca. 45000 Centner 
Phosphorsäure schätzen. Da die Thomasschlacke 
mit ca. 18 bis 21 pCt., durchnittlich 20 pCt., 
Phosphorsäure eewonnen wird, entspricht dies 
einer JahresproCmktion von 2 Millionen 700000 
Centner Schlacke. — Rechnen wir den Durch- 
schnittsgehalt einer Eömeremte pro Morgen auf 
10 Phosphorsäure (hoch angenonunen), so reicht 
die Thomasschlacke zum Ersatz der Phosphor- 
säure auf 5Vi Millionen Morgen Halmfrüchte. 
Es wird jedoch erst Vs ^^^ zur Entphosphorung 
geeigneten Roheisens Deutschlands entphosphort 
— so dass nach allgemeiner Einführung des 
Verfahrens 16 Vi Millionen Morgen Halmfrüchte 
versorgt werden können. 

Zeitschr. d, landw. Centr.- F. 1886, 12, 



r- r* '^ '•* 



r ^ ^\.r . t 



Offene CorrespoBdesB. 



G» tu B« Als Bestandtheile des Pinguin, 
spedfisches Heilmittel gegen Tuberkulose von 
Cr. Marpmanny werden m einer Zeitungsreclame 
angegeben: Leberthran, Peptone, Pancreaspro- 
ducte, Alantol, Alantsäure, Clsaurer Kalk, phos- 
phorsaurer Kalk, Taurocholsäure, Salze etc. Preis 
pro Flasche IJf 60^. (Taxwerth). Sie sehen 
hieraus, dass es gar nicht leicht ist, ein Heil- 
mittel gegen Tuberkulose zu construiren; wer 
weiss, was noch hinter dem etc. sich verbirgt 
ond wieviel etc. in dem Pinguin enthalten ist. 
Nach Angabe der Annonce ist das Pinguin zum 
Patent angemeldet. Abgesehen davon, dass 
Hedicaxnente bekuintlich nicht patentfähig sind, 
sondern nur das Verfahren ihrer Darstellung, 
ist aufrichtig zu hoffen, dass das Verfahren zur 
Darstellung des Pinguins nicht patentirt werden 
mOge. Neu ist übngens ein derartiges mixtuni 
compositum keineswegs. Vergleichen sie ge- 
fälligst Pharm. Centrsüh. äS» Sd2, woselbst sie 
dieselben Medicamente als Bestandtheile für 
einige amerikanische Geheimmittel ebenfalls an- 
g^eben finden. Ob der Erfinder des Pinguin 
mit dem Autor der Schriften: Allgemeine Be- 
trachtungen über Spaltpilz-Infectionskrankheiten, 
SpedeUe Vntersucnungen über Tuberkulose 
und deren Heilung, sowie: Die S^alt^ilze 
von Marpnumn identisch ist, wissen wir nicht, 
möchten es aber kaum glauben. 

ifagfui. F. J. in T. (Rumänien). Für Ihre 
Zwecke dürften sich empfehlen: mediew, An- 
leitung zur qualitativen und quantitativen Ana- 
lyse; Behrens, Hülfsbuch für mikroskopische 
Untersuchungen ; Flüekiger und Tsehirch, Grund- 
riss der Pharmakognosie. 

W» B. in W« Die Beantwortung Ihrer An- 
fragen beb'eflend die Prüfung des Cocains mit 
^hwefelsänre nnd mit Kaliumpermanganat 
finden Sie im vor. Jahrg. unsr. Bl. S. 140flg. 

L, S* in T. Mit Roncocain wird ein Hau- 
delsproduct des Grossbandeis bezeichnet, welches 
UT Beindarstellang des Cocains nach Europa 



importirt wird. Wie zu erwarten war, ist die 
Darstellung des Cocains in dem Heimathlande 
der Coca m die Hand genommen und werden 
also in Zukunft ein grosser Theil der Fracht- 
spesen für dieses Präparat gespart werden. Die 
Einfahr nach Hamburg an Cocablftttem betrug 
übrigens, wie wir erfahren, im Jahre 1886 noch 
88,000 Kilo. Es sollen dagegen von mehreren 
deutschen Finnen Abschlüsse erfolgt sein, dem- 
zufolge dieselben in Zukunft nur noch das peru- 
vianische Rohcocain in Verwendung nehmen 
wollen. Der Preis für Rohcocain in Hamburg 
betrug zuletzt etwa 80 Pf. per Gramm. 

Apoth. H« in B. Um Schmutzwässer längere 
Zeit so aufzubewahren, dass dieselben analysirt 
werden können, also ihr Gehalt an Ammoniak, 
Salpetersäure, organischer Substanz u. s. w. sich 
nicht verändert nat , empfiehlt sich Chloro- 
form. Dasselbe hebt die Selbstreinigung 
der Wässer vollständig auf. Die ebengenannto 
Selbstreinigung geschieht nach j^mt^'s Ver- 
suchen ausschfiesslich durch die Thätigkeit von 
Mikroorganismen und wird durch Einwirkung 
von Luftsauerstoff durchaus nicht begünstigt. 
Es scheint aber doch gar nicht unmöglich, dass 
das Chloroform sich hierbei zersetzt und die 
Menge der durch Silber fällbaren Chlorverbind- 
ungen vermehrt. 

Apoth, Dr, K« in A. Vergl. Sie über Ne- 
rolin gef. Ph. C. 26, 509, nach neueren An- 
gaben ist dasselbe der Methyläther des Naphtols. 

Apoth. N. in F. (Finnland). Ein Lanolimen- 
tum antirheumaticum werden Sie leicht com- 
poniren können, wenn Sie in einer der Vor- 
schriften^ die für ünguenta zu dem gedachten 
Zwecke ja reichlich vorhanden sind, das Fett 
durch Lanolin ersetzen, entsprechend den Ph. 
C. 26, 596 hierüber aufgestellten Grundsätzen. 

Fragen: 

Was ist Diamant- oder Grillenpuder? 
Wer liefert Maschinen zur Herstellung von 
Medicinaloblaten ? 



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M'L 



Berlin, den 27. Januar 1887. Äil j1^ 

■ ■ ■ . ■ ■ - . .^ — I , , ... ■ ■ : 

Der ganzen Folge XXVIIL Jaihrgang. 

Inhalt: CMMile bb4 PlumB«ele: NeaM pbamiAeeatlscbM AUnnal. -^ Mlttbailnnffen ans dem phAnB«6«nU«ob6a 
Laboratoriam der technitohen Hoohsehule In BrsQiieohweig: 30. Ueber den Nachweis der Carbelslnre. 31. Nonnal- 
losangen für die Bestimmtinc der Carbolsinre al« Trlbrompbenol. — Die Löavng der Cbininprttfüngifhiffe. — 
Myristica offlcinalis. — Llterfttsr ud Kritik« — Mlseelleai Berstellnng soharfer Hektographen -AbsOffe. — Be- 
fümmnng des speciflicben OewIehU leicht löslicher Snbstansen. — Tiegel and Schalen ans nSckel. — Salzgehalt 

der Seelnft — Geheimmittel. — Offene CorrcspOBdeas* — Imself ea« 

.Ur~^j= II II aaaaga ■■ '" erssssass •• — •• ■ i, ■ ■»*■ "--- aciss^ j s — r-;--7T r r n . 

Cbemle nnd Ptaarmaclee 



Ifenes pharmacentischeB MannaL 

Von Eugen JDieterich. 
(Fortsetzung.) 

Nachdruck untersagt. 

Unguentmii extensam. 

Steatinmn. Salbenmull. 

Der «Salbenmnll^y d.h. ein unappre- 
tirter, mit Salbenmasse gefüllter Mull, ent- 
stand Tor ungefähr zehn Jahren , indem der 
bekannte Dermatologe Unna in Gemeinschaft 
mit dem Apotheker Dr. Mielck in Hamburg 
die Idee 9 Salben, ähnlich wie Pflaster, auf 
Stoffe zu streichen, ausführte. 

Die Anwendung besteht darin , dass der 
Mull aufgelegt, mit Ceresin - Seidenpapier 
isolirt und mit Binden oder sonstwie be- 
festigt wird. Die Besorption der Salbe geht 
auf diese Weise ganz von selbst und gleich- 
massiger yon statten, als dies durch Ein- 
reiben erzielt werden kann. 

Um Salbenmnlle schön gleichmässig zu 
fabriciren, sind grössere maschinelle Ein- 
richtungen nothwendig; kleinere Quantitäten 
lassen sich aber auch in folgender Weise gut 
kerstellen : 



Man nässt ein entsprechend grosses Stfick 
Pergamentpapier, legt dasselbe auf eine 
gleichmässig glatte Tischfläche , streicht mit 
einem Tuche glatt und trocknet hierbei alles 
überflässige Wasser ab. 

Man befestigt nun das zn füllende Stuck 
Mull mit Copirzwecken auf dem Pergament- 
papier und streicht die Salbenmasse, die 
halb erkaltet sein muss , mit einem minde- 
stens 75 mm breiten Borstenpinsel so gleich- 
mässig, als dies möglich ist, auf. 

Wenn alle Masse aufgetragen ist, glättet 
man mit zwei elastischen Pflasterspateln, 
die man durch Eintauchen in heisses Wasser 
erhitzt und, um keine Zeit zu verlieren, 
wechselt. Natürlich muss das anhängende 
Wasser vor dem Glätten abgewischt werden. 

Sobald man eine glatte Fläche erzielt zu 
haben glaubt, entfernt man die Copirzwecken, 
wickelt das eine Mull -Ende um ein gerades 
Stück Holz oder Lineal und zieht den Salben- 
mull vom Pergamentpapier ab. Man hängt 
nun in kühlem Baum über eine Schnur, be- 
legt mit Geresin- Seidenpapier und rollt auf. 

Bei einiger Geschicklichkeit erzielt man 
auf diese Weise eben so schöne Salbenmulle, 
wie man seiner Zeit Sparadrape von grosser 



38 



Gleichmtoigkeii mit der Hand zu «treichen 
im Stande war. 

Da die Herstellung der Terscbiedenen 
Massen sehr einfach ist, werde ich bei den 
Vorschriften nur die Ingredienzen aufführen. 

Ung^entam Bismathi exteHSam« 

10 pCt. 

Wismat - SalbenmoU. 

70,0 Sebi benzoinati, 

S0,0 Adipis n 

10,0 Biamuti snbnitrici. 

ÜDgaentain boricam extensnm. 

10 pCt. 

Bor-Salbenmall. 

70,0 Sebi benzoinati, 

20,0 Adipis ^ 

10,0 Aeidi borici pulv. 

Ungnentaiii earbolisatam extensom« 

10 pGt 

Carbol - SalbenmaU. 

90,0 Sebi benzoinati, 
10,0 Acidi carbolici. 

Itagnentiini Ceniasae extensun. 

30 pGt. 

Bleiweiss - SalbenmnlL 

60,0 Sebi benzoinati, 
20,0 Adipis „ 
S0,0 Cerussae. 

Ungnentam Chrysarobini extensam« 

10 pa 

Chxysarobin - ßalbenmnll . 

70,0 Sebi benzoinati, 
20,0 Adipis n 
10,0 Chrysarobini. 

Ungnentum dlaehylon exteusam. 

Hebra's Salbenmoll. Bleipflaster -Salbenmnll. 

50,0 Emplastri Lithargyri, 
30,0 Sebi benzoinati, 
20,0 Adipis . 

Ungaentum dlachylon bHlttmlciiin 

extensnm« 

10 pa. 

Balsamischer Bleipflsster-SalbenmolL 



60,0 Emplastri Litbi 
80^ Sebi benzoimUi, 



10,0 Adipis benzoiaati, 
10,0 Baisami Pera?iani. 

IJQgiieAtiiai diachyloB borieam 
extensnm. 

lOpGt 

Bor-Bleipflaster -SalbenmaU. 

60,0 Emplastri Lithargyri, 
20,0 Sebi benzoinati, 
20,0 Adipis » 
10,0 Acidi borici pulv. 

Ungnentam diachylon earboÜMtnm 

extensnnL 

10 pOt. 

Carbol • Bleipflaster - Salbenmoll. 

60,0 Emplastri Lithargyri, 
80,0 Sebi benzoinati, 
10,0 Adipis , 
10,0 Acidi carbolici. 

Ungnentam diachylon pieeatnm 
extensnm« 

10 pCt. 

Theer - Bleipflaster - Salbenmnll. 

60,0 Emplastri Lithargyri, 

80,0 Sebi benzoinati, 

10,0 Adipis » 

10,0 Picis liqoidae. 

Ungaentnm Hydrargyri praeclpitati 
albi extensnm. 

10 pOt 

Weisser Pracipitat-SalhenmalL 

70,0 Sebi benzoinati, 

20,0 Adipis » 

10,0 Hydrargyri praecipitati albi. 

Ungnentnm Hydrargyri blchloratt 

extensnm. 

0,2 pOt 

Sublimat- Salbenmnll. 0,2 pCt 

90,0 Sebi benzoinati, 

6,0 Adipis « 

0,2 Hydrargyri bichlorati, 

6,0 Spiritos. 

Ungnentnm Hydrargyri blchtorati 

extensnm. 

1 pCt 

Snblunat - Salbenmnll. 1 pCt. 

86,0 Sebi benzoinati, * 
6,0 Adipis p 



dd 



1,0 Hydrarjjyri biclilorati, 
9,0 Spiritus. 

Viiguentiiiii Hyärargyri elnerenm 

extensam, 

20 pCt. 

Grauer Qaeckrilber-Salbennnll. 

60,0 Ungoenti Hydrargyri dnerei, 
40,0 Sebi benzoinati. 

UDguentam Hydrargyri einerenni 
earbolisatam extensam. 

20 : 5 pCt- 

Carbol • Quecksilber- SalbenmiilL 

60,0 Un^aenti Hydrargyri cinerei, 
35,0 Sebi benzoinati, 
5,0 Acidi carbolici. 

Ungoentain Hydrargyri mbrum 
extenrain« 

io pCt. 

Rother Prftcipitat-SalbeniDnll. 

80,0 Sebi benzoinati, 

10,0 Adipis „ 

10,0 Hydrargyri oxydali rubri. 

Uoguentam lehthyoli extensom. 

10 pCt 

Ichthyol -Sftlbenmiill. 

80,0 Sebi benzoinati, 

10,0 Adipis n 

10,0 Ammonii sulfo -ichthyolici. 

Uagnentam Jodoformii extensani. 

5 pCt 

Jodofonn - Salbenmiill. 5 pCi 

85,0 Sebi benzoinati, 
10,0 Adipis ^ 
5,0 Jodoformii. 

Ungaentaiii Jodoformii extensnn« 

10 pCt 

Jodoform • Salbenmiill. 10 pGi 

75,0 Sebi benzoinati, 
15,0 Adipis 9 
10,0 Jodoformii. 

Ungaentam Jodoll extenram« 

10 pGL 
Jodol-Salbemirall. 

76,0 SeU benzoinati, 
15,0 Adipfis „ 
10,0 Jodali. 



ViigiieiifQin KalM JödatL 

10 pCt. 

Jodkaliöm • SalbenmuU. 

70,0 Sebi benzoinati, 

5,0 Adipis „ 
10,0 Kam jodati, 

1,0 Natrii subsolfarosi, 

5,0 Aqoae destillatae^ 

9,0 Glycerini. 

Ungaentiim Kreosoti saUcylatnm. 

20 : 10 pGt 

Kreo9ot - Sallcjl - Salbenmall. 

65,0 Sebi benzoina^, 
5,0 Gerae flavae, 
10,0 Acidi salicylici, 
20,0 Kreosoti. 

Ungaentam Kinii rubri eirtenanm. 

25 pCt 

Rother Mennig -'SalbenmalL 

64,0 Sebi benzoinati, 

10,0 Adipis « 

1,0 Can^pborae^ 

25,0 Minii praepairati. 

Ungaontaiii pleeatam exttii«««. 

10 pCt 

Theer - Salbenmoll. 

85,0 Sebi benzoinati, 
10,0 Picis liqaidae(OI. Bosci, cadin.), 
5,0 Gerae flavae. 

Ungaentam PlomM extenaam. 

Blei • Salbenmull. 

80,0 Sebi benzoinati, 
4,0 Adipis 4 
8,0 Glycerini, 
8,0 Liquoris Plumbi subacetici. 

Ungaentam Plambl jodati extensam« 

10 pGt 

Jodblei - Salbenmull. 

70,0 Sebi benzoinati, 
20,0 Adipis „ 
10,0 Plumbi jodati. 

Ungaontam Resoreiäi extenaam, 

10 pGt 

R^sorcin -Salbenmnll. 

70,0 Sebi benzoinati, 
20,0 Adipis , 
10,0 Besorcitti. 



40 



Ungiientaiii Mlieylatam extensam. 

10 pCt 

Salicyl-Salbenmiill. 10 pCt 

80,0 Sebi benzoinati, 
10,0 Adipis „ 
10,0 Acidi salicylici. 

Ungaentum salieylatam extensam« 

20pCt. 

SaUcyl-Salbenmall. 20pGt, 

65,0 Sebi benzoinati, 
15,0 Adipis ,1 
20,0 Acidi salicyliei. 

Ungnentam saponatam extensnm. 

10 pCt. 

Kaliseife - Salbcnmall. 

80,0 Sebi benzoinati, 
20,0 Saponis kalini. 

Ungaentam Thymoli extensnm. 

5 pCt 

Thymol - Salbenmall. 

85,0 Sebi benzoinati, 
10,0 Adipis ri 
5,0 Thymoli. 

Ungnentnm Wilklnsonli extensnm. 

Wilkinson - Salbenmnll. 

12,5 Salfuris sublimati, 

7,5 Gretae praeparatae, 
15,0 Olei Busci, 
30,0 Sebi benzoinati, 

5,0 Cerae flavae, 
80,0 Saponis kalini. 

Ungnentnm Zinci extensnm. 

10 pCt. 

Zlnk-Salbemnull. 

70,0 Sebi benzoinati, 
20,0 Adipis „ 
10,0 Zinci oxydati. 

Ungnentnm Zinci earbollsatnm 
extensnm. 

:10:5 pCt. 

Carbol - Zink - Salbenmall. 

70,0 Sebi benzoinati, 
15,0 Adipis ri 
5,0 Acidi carbolici, 
10,0 Zinci oxydati. 



Ungnentnm Zinci lehthyolatnm 
extensnm. 

ää 10 pCt. 

Icbthyol - Zink - Salbenmall. 

70,0 Sebi benzoinati, 

10,0 Adipis „ 

10,0 Ichthyoli, 

10,0 Zinci oxydati. 

Ungnentnm Zinci salicylatnm 
extensnm. 

10:5 pCt. 
Salicyl - Zink - Salbenmall. 

70,0 Sebi benzoinati, 
15,0 Adipis n 
5,0 Acidi salicylici, 
10,0 Zinci oxydati. 



Mittheilnngen aus dem pharma- 

centischen Laboratorium der 
technischen Hochschule in Braun- 
schweig. 

Von H. Beckurts, 

30.. Ueber den Nachweis der Carbol- 

sänre bei gerichtlich - chemischen 

Untersnchnngen. 

Es ist bekannt, dass ftkr vieley nament- 
lich organische Gifte die Methoden zum 
qualitativen Nachweis bei gerichtlich- 
chemischen Untersuchungen noch ver- 
besserungsbedürftig sind, in noch weit 
höherem Grade ist dieses bei den Me- 
thoden, welche zur quantitativen Ab- 
scheidung des qualitativ erkannten Giftes 
dienen, der Fall. 

Gelegentlich der Anstellung der in der 
Nummer 52 dieser Zeitschrift vom Jahre 
1886 beschriebenen Versuche über die 
quantitative Bestimmung der Carbolsäure 
habe ich mich auch mit dem Nachweis 
derselben bei toxikologischen Untersuch- 
ungen beschäftigt. 

Seitdem Carbolsäure zu therapeutischen 
und hygienischen Zwecken vielfach An- 
wendung findet, sind Vergiftungen durch 
die Säure sowohl nach äusserlicher vv^ie 
innerlicher Anwendung sehr häufig be^^ 
obachtet worden. In Folge dessen hat 
der Nachweis derselben f&r den mit 
gerichtlich -chemischen . Untersuchungen 



41 



sich beschäftigenden Chemiker ein nicht 
geringes Interesse. Da Phenol aber, 
wie wir schon lange wissen, in geringer 
Menge*) im menschlichen Harn vor- 
kommt und wie neuere Arbeiten von 
Baumann und Brieger**) gelehrt haben, 
Phenol nebst seinen Homologen in weit 

f'össerer Menge bei der Fäulniss von 
iweisskörpern sich bildet, so dürfte es 
bei der Untersuchung faulender Organe 
in den seltensten Fällen genügen, einfach 
qualitativ die Anwesenheit von Phenol 
darznthun, vielmehr erforderlich sein, die 
Menge des vorhandenen Phenols quan- 
titativ zu bestimmen. In allen Fällen 
wo solches nicht möglich ist, wird es 
nieht gestattet sein, aus einer Anzahl 
qualitativer Beaetionen einen Schluss 
auf eine Carbolsäurevergiftung zu ziehen. 

Zur Isolirung des Phenols bei gericht- 
lich - chemischen Untersuchungen sind 
mehrere Wege bekannt geworden. 

Nach Jacqitemtn soll man die Organe 
mit schwefelsäurehaltigem Wasser mehr- 
mals extrahiren, die durch Eindunsten 
der wässrigen Auszüge erhaltenen Ex- 
tracte mit dem gleichen Volum 90proc. 
Alkohols behandeln, filtriren, die Säure 
mit Natriumcarbonat abstumpfen, ein- 
dunsten und mit Aether ausschütteln, 
welcher letztere beim Verdunsten das 
Phenol hinterlassen soll. Diese Methode 
wird von Dragendorff neben einer 
Destillationsmethode empfohlen. Nach 
letzterer sollen die Organe nach dem Zusatz 
von Schwefelsäure oder Phosphorsäare 
der Destillation unterworfen und aus dem 
Destillat durch Ausschütteln mit Aether 
oder Petroleumäther f) das Phenol isolirt 
werden. Der Verdunstungsrückstand 
bildet eine farblose bis bräunliche dick- 
liche Flüssigkeit, welche in Wasser auf- 
genommen und nach Beseitigung sich 
etwa nicht lösender Antheile durch die 



*) Die von eiDem Menschen bei gemischter 
Nahrung tSglich abgesonderte Phenolmenge 
^oU 0,015 g betragen. 

**) Baumann erhielt aus 100 g Pankreas und 
1^ g nassem Fibrin bei sechs Tage anhaltender 
Fäulniss 0,0208 bis 0,022g Phenol; BHeger 
erhielt ans einer Leber von 2000 g Gewicht 
0,72 g Phenol bei sechstägiger Fäulniss mit 
Panbeas nnd Schlammferment. 

t) IHe LOslichkeit des Phenols in Petrolenm- 
ither ist nur eine sehr geringe. 



für Phenol charakteristischen Beaetionen 
als solches erkannt werden kann. Wie 
schon C. Bischoff bemerkt hat, eignen 
sich beide Methoden nicht zur quantita- 
tiven Bestimmung des Phenols, weil bei 
der Methode von Jacquemin sich beim 
Eindampfen der wässrigen oder alkoho- 
lischen Lösungen merklich Phenol ver- 
flüchtigt und bei dem späteren Aus- 
schütteln mit Aether sowohl bei dieser 
Methode, wie der von Dragendorff vor- 
geschlagenen es nicht gelingt, sämmt- 
liches Pnenol der wässrigen Lösung durch 
Aether zu entziehen. 

Neuerdings wird von Dragendorff 
das Ausschüttelungsverfahren namentlich 
zum Nachweise sehr kleiner Mengen 
Phenol in folgender Form wieder em- 
pfohlen. 

Die betreffenden Organe, Speisemisch- 
ungen etc. werden mit 96 procent. Alkohol 
gemischt und mit verdünnter Schwefel- 
säure versetzt. Nach 24stüDdiger Macera- 
tion wird filtrirt, der Alkohol bei mög- 
lichst niederer Temperatur und Luft- 
verdünnung (circa 400 bis 500 mm 
Manometerstand) abdestillirt, der wäss- 
rige Bückstand nochmals filtrirt, einmal 
mit wenig Petroleumäther zur Beseitig- 
ung von Fett ausgeschüttelt, dann nach 
der Abscheidung des Petroleuraäthers 
mehrmals mit Benzin behandelt und die 
völlig klaren wasserfreien Benzinauszüge 
verdunstet. Es gelang ihm, aus 100 ecm 
Mischung von Blut und Speisebrei, 
welche nur 0.001 g Phenol enthielten, 
Phenol noch in solcher Menge zu iso- 
liren, dass die wichtigeren Beaetionen 
gelangen. 

Eine quantitative Abseheidung des 
Phenols ist nach dieser Methode, meinen 
Versuchen zu Folge, abgesehen von den 
schon angeführten Umständen, schon aus 
dem Grunde nicht möglich, weil es nicht 
gelingt, aus Organen durch Extraction 
mit angesäuertem Alkohol sämmtliches 
Phenol zu gewinnen. In einem Ver- 
buche , bei welchem 200 g zerkleinerte 
Leber mit 1 g Phenol innig gemischt 
wurden, konnte aus dem Bückstande von 
der Extraction noch 0,2068 g Phenol, 
also 20,6 pCt. der ursprünglich vor- 
handenen Menge nach der gleich zu be- 
schreibenden Destillationsmethode isolirt 



42 



werden. Deshalb wird sie bei foren- 
sischen Untersuchungen Anwendung 
nicht finden können. 

Der empfehlenswerthe Weg zur Isolir- 
ung der Oarbolsäure besteht in der von 
LandoU zuerst angegebenen Destillation 
der Üntersuchungs-Objeete mit Wasser- 
dämpfen und der Fällung des Phenols 
aus dem Destillate in Form von Tri- 
bromphenol. Die zerkleinerten , mit 
Wasser verdünnten und mit Schwefel- 
säure oder Weinsäure angesäuerten 
übjecte werden mittelst Durchleitens 
eines Wasserdampfstromes der Destillation 
unterworfen. Der Wasserdampfstrom 
wird nach C, Bischoff zweckmässig durch 
das zum Sieden erhitzte Gemisch der 
Organe mit den gleichen Gewichtsmengen 
einer 2proc. Schwefelsäure geleitet und 
die Destillation so lange fortgesetzt, bis 
in den übergehenden Antheilen Brom- 
wasser keinen Niederschlag mehr er- 
zeugt. Die quantitative Bestimmung des 
Phenols im Destillate darf nicht durch 
Zusatz von überschüssigem Bromwasser 
und Wägen des abgeschiedenen Nieder- 
schlages geschehen, weil dieser neben 
Tribromphenol stets Tribromphenolbrom 
enthält. Sie muss vielmehr in der von 
mir in der Arbeit über die Bestimmung 
der Oarbolsäure als Tribromphenol ein- 
gehend beschriebenen Weise mittelst 
Vioo N. - Kaliumbromat- und V»oo N.- 
Kaliumbromid -Lösung und Umwandlung 
der Bromanalyse in eine Jodanalyse aus- 
geführt werden. Da aber zweckmässig 
nur solche Lösungen, welche 0,3 bis 
1 g Phenol im Liter enthalten , nach 
dieser Methode titrirt werden, so muss 
mit dem Destillate, welches, falls es un- 
gelöstes Phenol enthält, sofort bis zur 
Lösung desselben mit Wasser zu ver- 
dünnen ist, erst eine vorläufige Bestimm- 
ung ausgeführt werden, von deren Aus- 
fall es abhängt, ob das Destillat vor der 
eigentlichen Bestimmung mit Wasser 
verdünnt werden muss. Solches muss 
geschehen , wenn zur Bindung des aus 
je öOccm der V>"o N. - Kaliumbromat- 
und Vi«» N. - Kaliumbromidlösung frei 
gemachten Broms weniger als 46,9 ccm 
verbraucht werden. (Von einer Carbol- 
Säurelösung 1 : 1000 werden genau 46,9 
ccm zur Bindung des Broms verbraucht.) 



Durch die folgenden Versuche wurde 
die mich interessirende Frage entschieden, 
wie viel Procent des ursprünglich vor- 
handenen Phenols sich aus Organen und 
Speisegemischen auf dem angegebenen 
Wege isoliren Hessen. 

In diesen Versuchen wurden Speisen, 
Fleisch, Organe, Blut mit bestimmten 
Mengen Phenol vermischt und die Phenol 
haltigen Massen sodann der Destillation 
unterworfen. Diese wurde solange fort- 
gesetzt, bis eine Probe des Destillates 
durch Bromwasser nicht mehr getrübt 
wurde. 

L 100 g Bier wurden nach dem An- 
säuern mit Schwefelsäure mit 0,2 g Phenol 
gemischt und im Dampfstrom destillirt. 
Nachdem 250 ccm abdestillirt, trübten 
sich die weiteren Antheile des Destillates 
durch Bromwasser nicht mehr. 

Gefunden wurde im Destillate 0,171 g= 
85,5 pCt. des zugefügten Phenols. 

IL 120 g Milch wurden mit 0,2 Phenol 
vermischt, mit Schwefelsäure angesäuert 
und im Dampfstrom destillirt. Nachdem 
250 ccm abdestillirt waren , enthielt der 
Nachlauf kein Phenol mehr. 

Gefunden wurde im Destillate 0,1702 
= 85,1 pCt. des zugefügten Phenols. 

III. 100 g eines Gemisches von Bier 
und saurer Milch wurden mit 1 g Phenol 
und Schwefelsäure gemischt und destillirt. 
Nachdem 500 ccm abdestillirt waren, ent- 
hielt der Nachlauf kein Phenol mehr. 

Gefunden wurden 0,9 g = 90 pCt. des 
zugefügten Phenols. 

IV. 100 g Fleisch wurden nach dem 
Ansäuern mit Schwefelsäure mit 0,2 g 
Phenol gemischt und im Dampfbade 
destillirt. Abdestillirt mussten 250 com 
werden. 

Gefunden wurden 0,1922 g = 96 pCt. 
des zugefügten Phenols. 

V. 100 g Brod, welche 0,3 g Phenol 
enthielten, wurden mit der gleichen 
Menge 2 proc. Schwefelsäure gemischt 
und im Dampfstrome destillirt. Nach- 
dem 250 ccm abdestillirt waren, ent- 
hielten die übergehenden Antheile kein 
Phenol mehr. 

Gefunden wurden 0,2726 g = 90,8 pCt. 
des zugefügten Phenols. 

VI. 200 g saure Milch und Brod wur- 
den mit 0,18 g Phenol versetzt, mit der 



43 



gleichen Menge 2proc. Schwefelsäure 
vermischt und im Dampfstrome destillirt. 
Nachdem 400 ccm abdestiliirt waren, 
enthielten die folgenden Antheile des 
Destillates kein Phenol mehr. 

Gefunden wurden 0,1656 g = 92 pCt. 
des zugefügten Phenols. 

VII. 100 g Milz wurden fein zer- 
schnitten mit 0,5 g Phenol vermischt und 
nach dem Vermischen mit 2proc. Schwefel- 
säure im Dampfstrome destillirt. Nach- 
dem 600 ccm abdestiliirt waren , ent- 
hielten die übergehenden Antheile kein 
Phenol mehr. 

Gefunden wurden 0,4658 g=93,16pCt. 
des zugefügten Phenols. 

VIII. 100 g Blut wurden mit 0,5 g 
Phenol vermischt, das gleiche Volumen 
2proc. Schwefelsäure zugefügt und im 
Dampfstrome destillirt. 

Abdestiliirt mussten 700 ccm werden, 
in welchen gefunden wurden 0.4625 g 
= 92,5 pCt, des zugefügten Phenols. 

Die Versuche, welchen ich noch eine 
Anzahl anderer anreihen könnte, er- 
geben , dass 85 bis 96 pGt. des Speise- 
gemisehen, Fleisch, Blut beigemischten 
Phenols sich durch die Destillations- 
methode wieder gewinnen lassen, wenn 
die organischen Gemische bald nach 
dem Zusatz des Phenols, jedenfalls vor 
eingetretener Fäulniss, der Untersuchung 
unterworfen werden. Wie grosse An- 
theile des Phenols sich aus Organen 
nach letal verlaufener Vergiftung auf 
diesem Wege isoliren lassen, müssen 
Mitiheilungen aus der Praxis ergeben. 
Zur Zeit liegen über die Quantitäten des 
aus Organen isplirten Phenols und über 
die Vertheilung desselben in den einzelnen 
Organen nach einer Vergiftung nur Mit- 
theilungen von Fleck und Bischoff vor, 
^ber nur in zwei von den angeführten 
Fällen ist die den Tod veranlasste Dosis 
Carbolsäure bekannt. Die Mittheilung 
solcher Untersuchungen ist ebenso werth- 
Toü, vne die Anstauung von Versuchen 
über die bei der Fäulniss entstehenden 
Phenolmengen. Da nach den Angaben 
von Baumann die Menge des sich bei 
4er Fäulniss bildenden Phenols bei fort- 
schreitender Fäulniss wieder abnimmt, 
so ist, worauf schon Bischoff aufmerk- 



sam gemacht hat, nicht ausgeschlossen, 
dass das aus einer Vergiftung stammende, 
dem Körper einverleibte Phenol ganz 
oder theilweise verschwinden kann, 
üeber diesbezügliche Versuche werde 
ich demnächst berichten. 

Literatur. J<icqmmin, Joutb. de pharm, 
et de chim. T. 19, S. 105; G. Dragendorff, Ge- 
richtlisch- chemische Ermittelang von Giften, 1. 
und 2. Auflage; Beiträge zur gerichtlichen 
Chemie, Pharm. Zeitschnft far Rassland 1886, 
Nr. 21, S. 324; C. Bisehoff, Vertheilung der 
Carholsfture im Organismus hei akuter Vergift- 
ung, B. d. d. ehem. Gesellschaft, XXI, S. 1339; 
Baumann, Zeitschrift f. phys. Chemie, I, 61; 
L, Brieger, Zeitschrift f. phys. Chemie, III, 
139; Fkck, Repert. d. anal Chemie, I, 295. 



31. Normallosangen für die Bestimm- 
ung der Carbolsänre als Tribrom- 

phenol. 

Zur Bereitung der von Seubert vor- 
geschlagenen V> ^ N. - Kaliumbromat- 
lösung und V^oo N.-EaIiumbromidi<^sung 
müssen vollkommen reine Salze benutzt 
werden, wenn die Lösungen ohne Prüf- 
ung als richtig angesehen werden sollen. 
Die im Handel befindlichen Präparate 
besitzen nicht immer die dazu erforder- 
liche Beinheit<. Beine Salze sind aber 
auch zur Bestimmung der Carbolsäure 
durchaus nicht erforderlich, Geissler^), 
Vidpius^), Koster^), A. Schock*), Jassoy^) 
u. A. haben sich über die zweckmässigste 
Bereitung dieser Lösungen mehr oder 
minder ausführlich geäussert. In ein- 
fachster Weise habe ich stets mit aus 
unreinen Salzen bereiteten Lösungen 
richtige Bestimmungen ausführen können, . 
wenn nach der Vorschrift Geissler's der 
Wirkungswerth beider Bromsalzlösungen 
zuvor ermittelt wurde. Man mischt 
gleiche Baumtheile beider Lösungen, 
lässt das durch Schwefelsäure aus dieser 
Mischung frei gemachte Brom auf Jod- 
kalium einwirken und misst die Menge 
des sich ausscheidenden Jods mittelst 
Vio N. - Natriumthiosulfat. 



') Grundriss der pharm aceu tischen Maass- 
analyse. 

«) Archiv der Pharmacie (3) XXI, S. 186. 

3) Pharm. Zeitung 1883, Nr. 45. S. 366. 

*) Pharm. Zeitung 1883, Nr. 86. 

») Archiv der Pharmacie (3) XXII, S. 613. 



44 



1 ccm V»o N.-Natriumthiosulfat ist = 
0,0127 g Jod= 0,0080 Brom = 0,0015666 
Phenol. 

Man erfuhrt mithin durch Multipli- 
cation der zur Bindung des Jods ge- 
brauchten Anzahl Cubikcentimeter V^o 
N.-Natriumthiosulfat mit 0,0015666 die 
Menge des Phenols, welche von dem 
aus den angewandten Quantitäten Brom- 
salzlösungen durch Schwefelsäure frei 
gemachten Brom zu Tribromphenol ge- 
bunden werden, d. i. der Wirkungswerth 
der Bromsalzlösungen. 

Die Lösung der Chininprüfangs- 

frage. 

Von Dr. G. Vulpius, 

Seit zum letzten Male in diesen Blättern 
über die in stets neuem Gewände auf- 
tauchenden Vorschläge zur Prüfung des 
Handelschininsulfates berichtet wurde, sind 
neben einer Beihe weniger wichtiger 
Beiträge zu dieser Sache wieder vier 
bedeutendere Publicationen erfolgt, von 
denen die jüngste in den nächsten Wochen 
erst zur Ausgabe gelangt, durch gütige 
briefliche Mittheilung des Herrn Ver- 
fassers mir aber schon seit einiger Zeit 
ihrem Inhalte nach bekannt war, so dass 
Versuche danach gemacht werden konnten. 
Doch verfahren wir chronologisch! 

Noch im December des vorigen Jahres 
veröflFentlichte Hesse im „Pharmaceutical 
Journal" einen auch als Separatabdruck 
versandten Artikel über den „Cincho- 
nidingehalt im Ghininsulfat des Handels/ 
Diese auf einem reichen Versuchsmaterial 
basirende Erörterung der brennenden 
Frage hat in der Hauptsache einen pole- 
mischen und negativen Charakter. Sie 
weist einerseits auf die sowohl der opti- 
schen, wie auch der Bisulfat- und Chromat- 
proben anhaftenden, übrigens längst ein- 
geräumten Schwächen hin und betont, 
dass speciell de Vrij eigentlich kaum 
das Eecht zusteht, gegen jede Verun- 
reinigung des Chinins so schneidig vor- 
zugehen, da er selbst ja früher ein Ge- 
misch der Chinaalkaloide unter dein Namen 
„Quinetum" angelegentlich als billigen 
Eisatz des Chinins für therapeutische 
Zwecke empfohlen habe. Hesse übersieht 
dabei in der Hitze des Gefechts, dass 



jenes Quinetum als das empfohlen wurde, 
was es war, als Rohalkaloid, während 
man allerdings von einem Präparate, 
welches als Chininsulfat in die Welt 
geht, wenigstens verlangen darf, dass 
Nebenalkaloide nur in bescheidenem Um- 
fange sich darin vorfinden. 

Um so interessanter ist die Angabe 
von Hesse, dass die bei der Ziemer'schen, 
jEK^^e'schen , wie Bisulfatprobe des 
Chinins erhaltenen kritischen Ausscheir 
düngen keineswegs, wie man bisher an- 
nahm, reines Cinchonidin seien, sondern 
dass vielmehr diese Ervstalle eine nach 
der Formel C20H24N2O2. 2C19H22N2 O 
zusammengesetzte Verbindung darstellen, 
also aus 2 Mol. oder 64,5 Procent Cin- 
chonidin und 1 Mol. oder 35,5 Procent 
Chinin bestehen. Sind diese Angaben 
richtig, wofür der Name des Autors doch 
jede Garantie bietet, so mussten selbst- 
redend die seitherigen quantitativen Schätz- 
ungen der Verunreinigung des Chinins 
mit Cinchonidin um ein Drittel zu hoch 
ausgefallen sein, und auch bei der Bi- 
chromatprobe würde dieser Umstand nicht 
ohne Einfluss auf die Bechnung geblieben 
sein. So kann es denn nicht befremden, 
dass Hesse auf Grund des beschriebenen 
Umstandes den neuen Literaturangaben 
über die beobachtete Höhe des Cincho- 
nidingehaltes im Handelschininsulfat 
Werth und Geltung bestreitet. Uebrigens 
tritt er gleichwohl für Gestattung eines 
Cinchonidingehaltes bis zu 4 Procent aus 
ökonomischen Erwägungen warm ein, 
ein Standpunkt, welchen natürlich weder 
Pharmakopoe noch Apotheker zu den. 
ihrigen machen dürfen, und zwar um so 
weniger, als eine Reihe deutscher Fabri« 
kanten die Forderung höherer Beinheit 
als leicht und ohne s^hr erheblichen 
Preisaufschlag erfüllbar erklärt, wie de 
Vrij in einer Sitzung der Pariser Aca- 
demie de Mödecine zur Ehre der deut- 
schen chemischen Industrie öffentlich, 
constatirte. 

Seine Chromatprobe nahm de Vrij 
in der „Nieuw Tijdschrift voor de Phar- 
macie" unter Nr. 54 seiner chinologischen 
Studien gegen einzelne, ungenügend be- 
gründete Vorwürfe nachdrücklich in Schutz 
und gleichzeitig brachte er an derselben 
laut brieflicher Mittheilung die Aender- 



45 



ung an, dass zur Verhütung einer Ver- 
wechslung der beim Erkalten der ein- 
geengten Mutterlauge von Ghininehromat 



Cinchonin unbedingt, zu dem von Cin- 
chonidin dann empfiehlt, wenn man eine 
Gegenprobe mit chemisch reinem Chinin- 



sich mitunter ausscheidenden kleinen sulfat anstellt und vergleicht, wo dann 
Mengen von Ghininhydrat mit Ginchoni- bei sorgfältiger Beobachtung in richtiger 
din ein Einengen überhaupt nicht mehr | Beleuchtung die eingetretene leichte 
stattfinden, sondern jene Mutterlauge nach flockige Trübung sicher wahrgenommen 
Zusatz des Tropfens Natronlauge einfach ' werden kann. 

in einem Kolben im Wasserbade erwärmt ' Auch de Vrij selbst hat eine ähnliche 
werden soll. Enthält das Ghininsulfat Modification seiner Ghromatprobe erson- 
über 4 Procent Ginchonidin , so findet nen und versucht. Er zerreibt % g des 
schon bei 40^, wenn 2 Procent vorhanden, j zu prüfenden Ghininsulfats in der Beib- 
bei 25^ Trübung der Lauge statt, während < schale unter alUnäligem Zusatz von 200 g 
die Flüssigkeit auch bei Siedetemperatur Wasser, fügt der in ein Glas gebrachten 
klar beibt, wenn sie frei von Ginchoni- Mischung eine Lösung von 0,5 g reinem 



din ist. 



gelben Ealiumchromat in 20 g Wasser 



Schlickum gebührt das Verdienst, die hinzu, schüttelt während i^f Minuten 
Ghromatprobe von de Vrij in einer Weise , tüchtig durch , wirft den Inhalt auf ein 
ausgestaltet zu haben, welche dieselbe ; Filter und erhitzt das Filtrat, selbstr 
eventuell auch für Apothekenrevisionen ' redend nach vorherigem Zusatz von eini- 
brauchbar machen würde, da sein Vor- gen Tropfen Natronlauge, zum Kochen 
schlag die Zeitdauer sehr verkürzt und i und lässt erkalten, wobei reines Ghinin 
die Manipulation vereinfacht Derselbe stets eine klare, mit Nebenalkaloiden ver- 
lautet nach der schliesslich angenommenen | unreinigtes dagegen eine durch Aus- 
Fassung in Nr. 3 der Pharm. Zeitung ' Scheidungen getrübte Flüssigkeit liefern 
dahin, dass man im Beagensglas 0,5g {soll. Mischungen von Ghininsulfat mit 
Ghininsulfat mit JOg Wasser zum Sieden 2 pGt. Nebenalkaloidsulfat gaben mir bei 
erhitzt, alsdann 0,15 g geriebenes Kalium- genauer Beobachtung obiger Vorschrift 
Chromat zusetzt, unter öfterem Schütteln und obgleich ich auf 0^ erkalten liess, 
4 Stunden bei gewöhnlicher Temperatur nur bei Ginohoningehalt ein vorzügliches, 
stehen lässt, nltrirt und dem Filtrat dagegen für Ginchonidin und Ghinidin 



einen Tropfen Natronlauge hinzufügt. 
Hierdurch soll weder sofort, noch im 
Verlauf einer Stunde eine Ausscheidung 



zweifelhafl;e Resultate, so dass die erzielte 
Vereinfachung und Abkürzung der Arbeit 
zu thener erkauft scheint. 



erfolgen, welche nach Schlickum eintreten Trotz alledem wäre ich aber doch ge- 
würde, wenn mehr als V2 Procent Gin- neigt, der von Schäfer ausgearbeiteten, 
chonin und mehr als 1 Procent Ghinidin- , auf ähnlichem Principe fussendenOxal at- 
oder Ginchonidinsulfat zugegen ist. probe den Vorzug einzuräumen*). Schon 

Beim Untersuchen von Ghininmisch- 1 Shimoyama hat bei seinen Arbeiten über 
ungen mit 1 Procent der Sulfate von die quantitative Bestimmung der Ghina- 
Ginchonidin, Ginchonin und Ghinidin er- j alkaloide sich für seine Zwecke der ver- 
hielt ich genau nach jener Methode schiedenen Löslichkeit ihrer Oxalate in 
arbeitend bei Ghinidin durch den Natron- ! Wasser bedient und auf Grund der von 
Zusatz sofort eine sehr starke Trübung, ' Hesse angegebenen Zahlen seine Methode 
bei Ginchonin nach einigen Minuten eine construirt. Da hiernach das Oxalat des 
namhafte Ausscheidung von Krystall- Chinins 1030 Theile, des Ginchonidins 
flittern, bei Ginchonidin dagegen erst im '''"' "^^ -^ ^ -r.u--_-.j-_- -1-^ mu.-i. 

Verlauf einer Stunde kleine und nur 
wenig in*s Auge fallende Flocken, welche 
allerdings etwas deutlicher wahrnehmbar 
waren, wenn man den Ginchonidingehalt 
auf 2 Procent erhöhte. Die Ausführung 
dieser Prüfung ist so bequem, dass sie 
fiich zum Nachweis von Ghinidin und 



250 Theile, des Ghinidins 150 Theile, 
des Ginchonins 100 Theile Wasser von 
gewöhnlicher Temperatur» zur Lösung 
verlangen, so ist es unter Berücksichtigung 

*) Herr Dr. Schäfer hat, da sich der Druck 
seiner Abhandlung im Archiv verzögert, zu 
dieser vorläufigen Mittheilung über seine Me- 
thode seine Zustimmung gegeben. 



46 



der Lösliehkeitsverhältnisse der betreffen- 
den reinen Älkaloide einleuchtend, dass 
zwar schon ungesättigte Lösungen der 
drei letztgenannten Oxalate leicht, da- 
gegen selbst gesättigte Lösungen von 
Ghininoxalat nicht durch Alkalien gef&Ut 
werden. Daraus folgt, das eine Lösung 
von Chininsulfat nach dem Fällen mit 
einem Al&alioxalat ein Filtrat Uefert, 
welches nur dann durch Alkali getrübt 
wird, wenn jenes Sulfat eine bestimmte 
Menge von Nebenalkaloiden enthielt. 

Man kocht nach Schäfer 2 g des zu 
untersuchenden Chininsulfats mit 55 g 
Wasser im tarirten Kölbchen einige 
Minuten lang, setzt dann eine Lösung 
von 0,5 g neutralem krystallisirten Ealium- 
oxalat in 5 g Wasser zu, bringt mit Wasser 
das Gesammtgewicht auf 62,5 g, lässt 
unter zeitweiligem Umschütteln in einem 
Wasserbade von 20^ eine halbe Stunde 
lang stehen, bringt auf ein Filter und ver- 
setzt 10 g des Filtrats mit 1 Tropfen 
Natronlauge, wodurch weder Trübung 
noch sonst irgend welche Ausscheidung 
erfolgen soll 

In der That blieb bei den Versuchen, 
welche ich nach diesem Verfahren mit 
chemisch reinem Chinin ausführte, die 
Flüssigkeit absolut klar, trübte sich da- 
gegen nach dem Zusatz des Alkali sofort 
stark, wenn auch nur ein Procent irgend 
eines der drei Nebenalkaloide dem Chinin 
beigemischt worden war. 

Einen geringeren Gehalt an Neben- 
alkaloiden wird man wohl in der pharma- 
ceutischen Praxis nie nachweisen wollen. 
Auf der anderen Seite hat man es ganz 
in der Hand, die Probe durch Verminder- 
ung der Sulfat- oder Erhöhung der 
Wassermenge weniger scharf zu gestalten. 
Der Hauptvortheil dieser Methode liegt 
in dem Umstände, dass sie sämmtliche 
Nebenalkaloide annähernd gleich scharf, 
alle aber schon in sehr kleinen Mengen 
anzeigt. Ihr Nachtheil besteht in der 
Nothwendigkeit, mit Uhr und Thermo- 
meter in der Hand zu arbeiten und ein 
neues Beagens, das Ealiumoxalat, ein- 
führen zu müssen. Beide Methoden sind 
auch für Chininhjdrochlorat direct brauch- 
bar. Für Diejenigen, welche nach der 
Oxalatmelhode arbeiten wollen, sei be- 
merkt, dass man nach der Fällung mit 



Kaliumoxalat am besten den Inhalt des 
Kölbchens selbst durch einen über letz- 
teres geleiteten Wasserstrahl auf 20^ ab- 
kühlt und dann erst in das Wasserbad 
von 20^ stellt, da sonst leicht die Tempe- 
ratur im Kölbchen sich höher hält, was 
mir einige Male falsche Besultate gab. 

Die früher ausgesprochene Erwartung, 
dass, nachdem de Vrij die Chininfrage 
in Fluss gebracht, befriedigende Methoden 
zur Prüfung gefunden würden, hat sich 
also bewahrheitet. Man wird die Frage 
der Prüfung der Chininsalze des Handels 
als gelöst betrachten dürfen, und so mögen 
denn diese heutigen Zeilen den Schluss 
der Beferate über diese wichtige Ange- 
legenheit bilden. 



Myristica officinalis. 

In den Urwäldern Brasiliens wächst 
eine Myristicee, genannt Myristica offiei- 
nalis, deren Fett, welches aus dem Samen 
gepresst wird, für pharmaceutische Zwecke 
in grosser Menge m Brasilien Verwendung 
findet statt des bei uns gebräuchlichen, 
bekanntlich von einer anderen Myristica- 
Art herstammenden Ol. Nucistae. 

Neulich erhielt ich aus der Provinz 
St. Catharina von einem dortigen deut- 
schen Oelfabrikanten das Oel, Samen und 
die Presskuchen von Myristica officinalis 
Übersand t und gestatte ich mir folgendes 
darüber mitzutheilen. Der Samenkem 
ist von einer braunen, holzigen, sehr 
spröden Schale umgeben, welche durch 
Zerdrücken in der Hand oder mittelst 
Schälmaschinen sich sehr leicht von dem 
Kern trennen lässt Die Samen sind 
durchschnittlich 2g schwer und enthalten 
100 g Samen ungefähr 16 g Schalen und 
84 g der ölhaltigen Samenkerne. Letz- 
tere haben im Querschnitt ein marmor- 
irtes Ansehen, sind sehr fett, in einer 
Beibschale leicht zerreiblich und besitzen 
einen scharf aromatischen Geschmack, 
der indess nicht so stark ist wie bei den 
von den Molucken zu uns kommenden 
Myristica -Samen. Das ausgepresste, bei 
Lufttemperatur völlig starre Oel wird von 
den Brasilianern Bicuiba-Oel genannt. 

Die Analyse der enthülsten Muskat- 
nüsse ergab folgendes: 



47 



w 



» 



Fett und aetherisches Oel 72,20 pGt. 

Proteinstoffe 9,45 „ 

Stickstofffreie organische Be- 
standtheile (Kohlehydrate, 

GeUolose) 12,19 

Wasser 3,90 

Mineralstoffe 2,26 „ 

100,00. 
Der Gebalt an aromatischem Fett ist 
ein aasserordentlich hoher und dürfte es 
der Mühe werth sein, einige Versuche 
über die Anwendbarkeit desselben zu 
machen, zumal dasselbe in Brasilien seit 



langer Zeit Verwendung findet. In älte^ 
ren pharmakognostischen Handbüchern 
findet sich die Angabe, dass das brasitia- 
nische Bicuiba-OeT eine schmutzig -roth- 
braune Masse sei, welches in röhrenartigen 
Schäften einer Gannacee versandt werde. 
Dies trifft heute nicht mehr zu, seitdem 
die fieissigen deutschen Golonisten in den 
Provinzen Parana und St. Gatharina die 
Herstellung des Oeles in rationeller Weise 
betreiben und dasselbe in zugelötheten 
Blechbüchsen versenden. 



Bonn 



Dr. SiuUer. 



\./^ -_'' y ^».^w V 



liiteratar und Kritik. 



Die neueren Arzneimittel. Für Apo- 
theker, Aerzte und Drogisten bear- 
beitet von Dr. Bemh. Fischer, Assistent 
am Pharmakologischen Institut der 
Universität Berlin. Mit in den Text 
gedruckten Holzschnitten. Berlin, Ver- 
lag von Julius Springer. 1887. Preis 
(gebunden in Leinwand) 5 Jf. 

Das Yorliegende Werkchen ist eine Erwei- 
terung der vom Verfasser im diesjährigen 
Phannaceutischen Kalender gegebenen „Zn- 
sammenitellung der haoptsächlichsten neue- 
ren Heilmittel'* und wird, wie diese, von den 
Fachgenossen gewiss äusserst dankbar aufge- 
nommen werden, denn es hilft, indem es die 
Unmasse Ton Notizen, welche über die vielen 
„neueren Arzneimittel'' in Fachzeitungen, 
Broschüren, Handelsberichten u. s. w. zerstreut 
sind, in ausgezeichnet klarer Weise zu einem 
einheitlichen, übersichtlichen Ganzen ver- 
einigt, in der That einem wirklichen Bedürf- 
nisse ab. Die Behandlung der in Frage kom- 
menden Stoffe ist eine sehr anschauliche ; bei 
jedem einzelnen Artikel wird über dessen 
Herkunft, Darstellung, Eigenschaften, Prüf- 
ung, Aufbewahrung und Anwendung das zur 
Zeit Bekannte , bezw. Wissenswertheste mit- 
getheili. Die Anordnung der einzelnen Ab- 
handlungen ist keine alphabetische, sie lehnt 
sieh vielmehr an das zur Zeit gültige chemi- 
sche Sjttem an; wo es die Interpretation 
chemischer Vorgänge wünschenswerth macht, 
werden Strukturformeln gegeben, und da 
die einzelnen in Beaction tretenden Substan- 
zen durch verschiedenartige Typen gekenn- 
zeichnet sind, so erhält man auch von den 
complicirteren Verbindungen ein sehr in- 
Btractives Bild. 



Das .Werk beginnt mit „Allgemeinen Be* 
merkungen" (Bestimmung des Schmels* und 
des Siedepunktes) , dann folgen IfetaUe und 
Metalloide (Osmiumsäure, die neuen Wisaat- 
und Quecksilberpräparate), organisefae Ver- 
bindungen , und zwar a) Methan • Derivate 
(Paraldehjd, Urethane, Nitroglycerin, Lano- 
lin etc.) , b) Benzol - Derivate (Aatifebrin, 
Salol, Hjpnon ete.), weiter dtganiscb« Basen 
(Chinolin, Kairin, Thallin, Pyridin etc.)» Ter- 
pene und Campherarten, Substanzen unbe- 
stimmter Zusammensetzung (Arbutin und 
Agaricin) und schliesslich ein „Anhang," in 
welchem Eisenalbuminat, Keratin- und loh- 
thyolpräparate , Kefir etc. abgehandelt wer- 
den; 

Verfasser hat sich mit seinem neuen Buohe, 
dessen Anschaffung jedem Apotheker aufs 
Wärmste zu empfehlen ist, ein grosses Ver- 
dienst erworben. 

Die Ausstattung des Werkes ist eine ganz 
vortreffliche. g, 

Teeli]ii8ch*€lieini8elies Jahrbuch 1885 
bis 1886. Ein Bericht über die Fort- 
schritte auf dem Gebiete der chemi- 
schen Technologie vom Juli 1885 bis 
April 1886. Herausgegeben von Dr. 
Budolf Biedermann, Achter Jahr- 
gang. Mit 263 in den Text gedmck« 
ten Illustrationen. Berlin, Ckirl Hey- 
manns Verlag. 

Ueber den Inhalt dieses Jahrbuchs ein 
Referat abzugeben, ist wohl nicht nOthig; 
das Werk an sich ist mit Fleiss zusammen- 
gestellt und erfreut sich als solches eines 
guten Rufes. 



48 



Iscellen; 



Herstellung scharfer Hekto- 
graphen - Abzüge. 

Bekanntlich bildet die Undeatlichkeit 
der Abzüge einen Hauptöbelstand bei 
Benutzung des Hektographen. Man er- 
höht nun bei Verwendung der gewöhn- 
liehen, mit alkohollöslichen Anilinfarben 
hergestellten Hektographen - Tinten die 
Schärfe der Abzüge wesentlich, wenn 
man das Papier, auf welches letztere 
gedruckt werden sollen, vorher mittelst 
eines Schwämmchens mit Alkohol be- 
feuchtet. Nach der Befeuchtung lässt 
man das Papier eine Minute lang hegen, 
drückt dasselbe dann auf Fliesspapier, 
um den überschüssigen Alkohol zu ent- 
fernen, und zieht darauf die Copie wie 
gewöhnlich ab. 

Ist die Hektographen - Masse, wie oft, 
etwas klebrig, so empfiehlt sich die Ver- 
wendung recht starken Alkohols (von 96 
Volumprocenten). — Die Mehrausgabe 
stellt sich bei diesem Verfahren unbe- 
trächtlich; ebenso kommt der durch das 
Anfeuchten entstehende Zeitaufwand, wel- 
cher bei einiger Erfahrung übrigens recht 
gering wird, gegenüber der ergiebigeren 
Ausnutzung des rf egativs und der besseren 
Verwerthbarkeit der Abzüge kaum in 
Eechnung. H—g. 

Bestimmang des specifischen 

Gewichts leicht löslicher 

Substanzen. 

Für leicht lösliche Substanzen schlägt 
Zehnter vor, in folgender Weise bei der Be^ 
Stimmung des spec. Gew. zu verfahren. Man 
bringt den zu bestimmenden gewogenen 
Körper in ein Pyknometer, taucht dieses in ! 
Wasser ein , öffnet es in umgekehrter Stell- 
ung unter Wasser, so dass der Körper 
aus dem Pyknometer fällt, die Luft aber 
zurückbleibt. Man lässt also das vom Körper 
verdrängte Volumen durch Wasser ersetzen 
und wägt hierauf wieder« Aus den durch 
Wägung ermittelten Zahlen (Gewicht des 
Körpers, Volumen des Körpers, resp. Ge- 
wicht des gleichen Volumens Wasser) be- 
rechnet sich leicht das spec. Gew. g. 
Naturumenschaftl. Rundschau iSS7, 2. 



Tiegel und Schalen 
ans NickeL 

Nach WanJcUyn sind Tiegel von reinem 
Nickel für viele Zwecke ebenso gut verwend- 
bar, wie Platintiegel, die etwa zehnmal theu- 
rer sind als etstere. Nickeltiegel widerstehen 
der Einwirkung von Alkalien sehr gut , man 
kann Aetzkali in ihnen schmelzen, ohne dass 
sie eine Gewichtsveränderung erleiden. Ver- 
dünnte oder concentrirte Schwefelsäure und 
Salzsäure sind ohne Wirkung, von concen- 
trirter Salpetersäure aber werden sie ange- 
griffen. Nickelschalen dürften sich besonders 
bei der Analyse von Wasser und Milch, zum 
Eindampfen dieser Flüssigkeiten als ebenso 
brauchbar wie Platinschalen erweisen, g. 

Durch Chemiker-Zeit. 



Salzgehalt der Seeluft. 

Es ist eine unter Laien ziemlich verbreitete 
Ansicht^ dass die „Seeluft** salzhaltig sei ; es 
giebt aber auch nicht wenige Aerzte, welche 
in ihren Empfehlungen und Berichten über 
dieses oder jene Seebad den reichen Salz- 
gehalt der Luft als etwas ganz Besonderes 
rühmen, ja es giebt solche, welche noch eine 
Meile vom Strande den Salzgeschmäck spüren. 
Durch Versuche und Nachweise unterstützt 
wurden freilich derartige Behauptungen noch 
niemals. 

Schelenz benutzte einen Aufenthalt in St. 
Peter, einem Nordseebade mit ziemlich kräf- 
tigem Wellenschlage, dazu, der Sache auf den 
Grund zu gehen. Er Hess je 1000 Liter Luft 
in verschiedener Entfernung vom Strande und 
in verschiedener Höhe über dem Niveau der 
Ebbe, wie dem der Fiuth, durch Höllenstein- 
lösung streichen und überzeugte sich bald, 
dass in der „Seeluft" nicht eine Spur von 
Kochsalz vorhanden war. 

Dagegen fand Schelenjs die Luft fast abso- 
lut frei von organischen Stoffen (die Unter- 
suchung von je 5 Liter Luft auf ihren Gehalt 
an Mikroorganismen ergab bei Landwind 14 
Keime, bei Seewind nur einen) und auf Grund 
der Messungen mit Rudeck's Ozonometer sehr 
ozonreich. Die anerkannte Heilkraft der See- 
luft dürfte somit nur dem Umstände zuzu- 
schreiben sein, dass sie sehr rein von organi- 
schen Stoffen ist und verhältnissmässig viel 



49 



Ozon enthält ; Kochsalz ist jedenfalls nicht 
darin. g, 

Archiv der Pharm, 



OeheüuinitteL 

Unter der Firma „Sanitas Stattgart*' 
betreibt ein gewisser Josef Heiden in Gemein- 
schaft mit seiner Frau Panny und zeitweise 
mit seinem Sohne Max in Stuttgart ein 6e- 
heimnuttelgesch&ft und preist besonders ein 
„unfehlbares** Mittel ffir'^rust- und Lungen- 
kranke und Schwindsuchtleidende an. Wer sich 
an die Firma wendet, erhält ein hektographirtes 
Schieiben mit dem Ersuchen, 6 JK einzuschicken, 
worauf die Zusendung der betr. Mittel erfolgen 
werde. . Die Mittel, Thee und Brustgel^e, 
welche wiederum Ton einem sehr markt- 
schreierischen, hektographirten Schreiben be- 
gleitet sind, bestehen in mit Zucker versetzten, 
unreinlichen Pflanzenabkochungen — es fanden 



sich verkochte Mücken darin — und sind gegen 
die genannten Sjrankheiten wirkungslos; der 
Preis von 6«# ist ein übermässiger. 

Nach Bekanntmachungen des Ortseesundheits- 
raths zu Karlsruhe; nach demselben besteht 
femer: 

das Schlagwasser des früheren Militär- 
arztes Boman Weissmann zu Vilshofen, welches 
durch das berüchtigte Gehcimmittel^eschäft des 
JtUias Kirehhöfer in Triest vertrieben wird, 
lediglich aus rothgef&rbter Amicatinctur. Dem 
Kirchhöfer mussten für 60 g in einem Falle 5 uff 
bezahlt werden; 

Dr. Oidtmann's Purgatif aus einer durch 
Essigäther und KamillenOl aromatisirten wässe- 
rigen Lösung von Oelnatron seife mit viel Gly- 

cerio; 
das H e X e n 8 c h u ssp fl ast er von -4(JoZ/'5*e«ner 

in Hamburg, welches Apotheker H. SehoUnus in 
Flensburg bereitet, aus gestrichenem Mutter- 
pflaster, das noch überdies sehr mangelhatt prä- 
parirt ist. 



Offene Correspondenz. 



An die Besiteer des Pha/rmaceutischen Ka- 
lenders von 1887* E. Schulze macht (in der 
Phannac. Zeitung) auf einen Druckfehler auf- 
merksam, der, wie er selbst sagt, seinen Cha- 
rakter an der Stirn trägt; den ich aber doch 
nicht uncorrigirt lassen wül. Auf Seite 60 des 
l Tbeiles des Kalenders heisst es nämlich bei 
B. Prädsionswaagen in 4. Reihe 



Vwoo = 0,2 



»» 



für jedes Kilo etc. 



and in 5. Reihe 

Vioooo = 0.1 „ für jedes Kilo etc. 
Hier muss an Stelle des Wiederholungsstriches 



für Milligramm „Gramm"' stehen. 



Geisder. 



4potA. M« tnZ. Liquor Magnesii Bromidi 
wird erhalten durch Sättigen von flüssiger 
BromwasserstofTsäure mit Magnesiumcarbonat. 
Was Über die Dosis und Wirkung dieses Liquors 
Totf Amerika aus berichtet wira, bezieht sich 
immer auf Acidum hydrobromicum Ph. U. St., 
was Sie beachten müssen. 

ApoOi, 0. in R. Die „Industrie - Blätter« 
Keben über die Bereitung des St. JacobsOles 
folgendes an : 2 Th. Capsicumpulver werden mit 
32 Th. Chloroform ausgezogen, in der filtrirten 
Tinctur werden 32 Th. Kampfer gelöst, dann 
32 Th. Sassafrasöl, 32 Th. Olivenöl und 192 Th. 
Terpentinöl gelöst. — Was wir vor 7 Jahren als 
St JaeobsOl in .den Händen ffehabt haben (di- 
rect aus Baltimore anher gelangt), entsprach 
dagegen der in der Pharm. Centralhalle 21,42 
angegebenen Zusammensetzung. 
, il|)o(Ä. M. »n T. Zu Kitt, für die ver- 
Bcbiedensten Gegenstände, enthalten die früheren 
Jahrgänge der Centralhalle eine Menge Vor- 
schrSten; für Porzellan haben wir eine ein- 
fache Mischnng von 1 Th. Gummi arabicum- 



Pulverund2Th. geschlemm ter Kreide mit Walser 
zu einem Brei angerührt, als das Beste befunden. 
Die Bruchflächen werden mit dem Brei be- 
strichen und recht fest aneinander gedrückt, 
dann lässt man an der Luft völlig trocken werden. 
Pariser Zahncement ist ein Kitt aus Zink- 
oxychlorid: 1 Th. feinstes Glaspulver wird mit 
3 Th. frisch ausgeglühtem Zinkoxyd vermischt 
und in einer Flasche aufbewahrt; anderseits 
löst man 1 Th. Borax in möglichst wenig Wasser 
und vermischt mit gleichviel einer Zinkchlorid- 
lösung von 1,5 bis 1,6 spec. Gewicht. Zum Ge- 
brauche versetzt man eine kleine Menge des 
Pulvers mit so viel von der Flüssigkeit, um 
einen Brei zu bilden, welcher sehr schnell fest 
und hart wie Marmor wird. 

Apoth. D. in F. ad 1.) Andere .Vorschriften 
zu Hektographentinte als die in Nr. 52 
vorigen Jahrganges enthaltenen vermögen wir 
Ihnen nicht zu geben. ad 2.) Gressler in 
Halle a. S. 

Apoth. F. Groth in Moskau, Brief an Sie 
kam als unbestellbar zurück. 

Anfragen. 

Ist Jemand die Zusammensetzung von T. Mea- 
sures Ornamental Hair Workcr West Ken- 
sington London bekannt? 

Existirt in Preussen eine Verordnung, dass 
der Spirit. caeraleus bei den Sachen der Tab. C 
aufbewahrt werden soll, oder ist dies dem Er- 
messen des Revisors anheim gegeben ? 

Mir ist nämlich in meiner Praxis der Fall 
vorgekommen, dass der eine Revisor monirte, 
dass es in der Tab. C stünde, der andere da- 
sresren denselben darin haben wollte. 
^ * Apoth. Dr. S, 



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für Deutschland. 

Zeitung fiir wissenschaftliche und geschäftliche Interessen 

der Pharmacie. 



Dr. Hermann Haeer 



Herausgegeben ron 
und 



Dr« Ewald OeisBler« 



Erscheint jeden Donnerstaff.— ■ Abonnementspreis durch die Post oder den Buchhandel 

Tierteljfthrlieh 2 Mark. Bei Zusendung unter Streifband 2,50 Mark. Einselne Nunmiem 

25 Pt Inserate: die einmal gespdtene Petit -Zeile 25 Pf., bei grösseren Inseraten oder 

Wiederholungen Babatt. 
Anfragen, AnfMge, Manuscripte etc. wolle man an den Redacteur Prof. Dr. E. Geissler, 

Dresden, Pillnitzer Strasse 56 adressiren. 



J^ 5. 



Berlin, den 3. Februar 1887. 



Nene Folge 
Till. Jahrgang. 



Der ganzen Folge XXVIIL Jahrgang. 



Inhalt; Cfeenl« ■■< Phsnueie: Neoo« pharmaeeatlsebos Masoal. — Dflifen Salslösmigeii in Beceptanweeken 
In den Apotheken rorrftthlg sein? — Zar Prttfang de« Morphlnbydrochlorid«. — Znr llorpblnbestimmnng im 
Opinau — Anenbaltlgea Ohloroform. — Anenhftltige Znekereoulear. — Chlnaweio. — Dm Jodoform als Anti- 
Mptienm. — JLlteratar wnA Kritik« — MUeellen: Antropbor. — Detannlrter Ipecacuanbawein. — Sogenannter 
Biaknithonig. — Die Brannfllrbang der SchmarotserpflanEen. — Verfabren, Kork gegen Schimmelbildnng 

an sehatsen. — Offeae Correipondens« — ABselgeB. 



Chemie und 

Nenea pharmaeentiBchen Manual 

Von Eugen DieUrkh, 
(Fortsetzung.) 

Nachdrack untersagt. 

YanlUin-Zncker. 

Elaeomechamm seu Sacchamm Yanillini. 

2,0 Vanillini ^ 
verreibt nnd mischt man sorgfältig mit 

98,0 Sacchari albi subt. pulv., 

nnd bowahrt die Hischnng in gnt verschlos- 
senen Glasbücbsen anf. 

Diese Mischnng hat ungefähr die Stärke 
der Vanille und wird an deren Stelle ge- 
braucht; sie verhält sich daher wie 1 : 10 
Elaeosaccbari Vanillae. 

Yaselinnm benzolnatum. 

60,0 Paraffini liquidi, 
40,0 „ soiidi 
schmilzt man, lOst darin 

2,0 Acidi benzoici 
nnd parfnmirt mit 

gtt. 1 Baisami Peruviani. 

Man giesst in Stangen , welche in Dosen 



Pharmacie. 

mit verschiebbarem Boden dispensirt wer* 
den. 

Vasellnnm camphoratam. 

60,0 Paraffini liquidi, 
40,0 „ soiidi 

schmilzt man, löst darin 
5,0 Gamphorae 

und giesst in Stangen, welche in Metalldosen 
mit verschiebbarem Boden dispensirt werden 
können. 

Vasellnnm jodatum. 

60,0 Paraffini liquidi, 

40,0 „ soiidi 
schmilzt man, löst darin 

5,0 Jodi 
und giesst in Stangen, welche man in Wachs- 
oder Guttapercha -Papier einwickelt. 

Vasellnnm labiale. 

60,0 Paraffini liquidi, 
40,0 „ soiidi 
schmilzt man, löst darin 

1,0 Acldi benzoici, 
0,2 Alcannini, 
setzt 



52 



gtt. 2 Ol BergainotUie, 
. 2 „ Citri 
ZQ, giesst Id dünne Stangen ans und schlägt 
diese in Stanniol ein. 

Yaselinum salieylatam. 

60,0 Paraffini liquidl, 
40,0 „ solidi 
schmilzt man, mischt 

2,0 Acidi salicylici, 

die mau mit einigen Tropfen der geschmol- 
zenen Masse im erwärmten Mörser fein ver- 
rieh, hinzu nnd parfömirt mit 
gtt. 2 Olei Citri, 

„ 2 „ Bergamottae, 

„ 1 „ Wintergreen. 

Man giesst in dicke Stangen and dispen- 
sirt diese in Metalldosen mit verschiehharem 
Boden. 

Die Salicjlsänre löst sich nur zu geringem 
Theil in Kohlenwasserstoffen, weshalh sie, 
fein verrieben, darin snspendirt wird. 

Verba n d Stoffe. 

Seit Einführung der Antisepsis gehören 
besondere Verbandstoffe zu den unentbehr- 
lichen Hilfsmitteln der Chirurgie und bilden 
einen stehenden Handelsartikel der Apothe- 
ken. Die Herstellang der zu verarbeitenden 
Rohstoffe setzt bedeutende maschinelle Ein- 
richtungen voraus, während dasimprägniren 
derselben mit Yortheil in kleinem Maassstab 
ausgefahrt werden kann. An dieser Stelle 
kommen daher nur die imprägnirten Ver- 
bandstoffe in Betracht, und zwar mit beson- 
derer Berücksichtigung der gebräuchlichen 
Formen, Packungen etc. 

Der Uebersichtlichkeit wegen theile ich 
das ganze Material in folgende 4 Gruppen: 

I. Gaze, 
II. Watte, 

III. Jute, 

IV. Diverse, 

und werde ich, um die Vorschriften mög- 
lichst kurz fassen zu können, zu Eingang 
einer jeden Abtheilang die in Bezug auf Her- 
stellung etc. nothwendigen allgemeinen An- 
gaben machen. Ausserdem füge ich noch, 
soweit ich dies im Stande bin , die Bezugs- 
quellen für die fiohmaterialien bei. 

Dass sämmtliche Arbeiten mit grosser 
Accuratesse und Sauberkeit ausgeführt wer- 
den müssen, ist selbstverständlich. 



Wie mir von verschiedenen Seiten be- 
stimmt versichert wird, machen es sich 
einige Winkelfabrikanten, die ja auch in 
dieser Branche nicht fehlen, insofern bequem, 
als sie ihre Stoffe nicht durch Eintauchen 
und Auspressen bis zu einem bestimmten 
Gewicht, sondern einfach durch Vertheilen 
der Flüssigkeit mittels Verstäubers impräg- 
niren. Dass damit eine gloichmässige Ver- 
theilang der Flüssigkeit nicht erzielt werden 
and ein solches Verfahren hier keinen Platz 
finden kann, ist selbstverständlich. 

Erwähnung verdient noch, dass Verband- 
stoffe, welche durch Lagern an Qualität ver- 
jlieren, nicht in zu grossen Mengen ange- 
fertigt werden dürfen, und dass der Verpack- 
ung alle Aufmerksamkeit zugewendet werden 
muss. 

I. Gaze.*) 
Yerbandmull. 

Man benutzt am besten gebleichte und 
durch Laugenbehandlung entfettete Gaze, 
welche aus 15x15 Fäden pro 1 qcm besteht, 
1 m breit ist und pro 1 laufenden Meter 
(== 1 qm) 40 bis 45 g wiegt, so dass 22 bis 
25 m 1 kg entsprechen. 

Um die Gaze zu tränken , stellt man vor 
Allem ihr Gewicht fest, bereitet diesem ent- 
sprechend die nöthige Menge Präparirflüssig- 
keit, knetet die Gaze in dieser 15 bis 20 
Minuten und presst sie dann bis zu einem 
bestimmten Gewicht und so weit aus, dass 
der verlangte procentische Gehalt an Medi- 
kament in der Gaze zurückbleibt. 

In der Kegel hält eine gute hydrophile 
Gaze trotz Auspressen noch die IV« fache 
Menge Flüssigkeit von ihrem Eigengewicht 
zurück, so dass z. B. 1000,0 Gaze, welche in 
eine wässerig - weingeistige SalicjIsäurelDs- 
ung getaucht wurde, nach dem Pressen 
2250,0 wiegen muss. Es wird Sache der 
einzelnen Vorschriften sein, hierfür die 
nOthigcn Anleitungen zu geben. 

Für grössere Mengen läset man sich zum 
Tränken Becken von emaillirtem Eisenblech 
machen und benutzt, wo diese nicht statthaft 
sind, wie z. B. bei Salioylsäure , Ghamotte- 
Gefässe, bez. Tröge. Bei kleinen Quantitäten 
behilft man sich mit der gewöhnlichen Ab- 
dampfschale. 



*) Bezugsquellen für hydrophile Gaze: 

1. F. A. Böhler tS; Sohn, Plauen i. V. 

2. StoQk (^ Schröder, ebenda. 



53 



Als Wärmequelle steht das Dampfbad zur 
YerAgnng und das Auspressen bewirkt man 
bei grösseren Quantitäten in einer beliebigen 
Presse, hat aber im Interesse der gleich- 
massigen Tertheilung der Masse im Stoffe 
darauf zu achten, dass derselbe eine gleich- 
förmige Lage bildet. Verfugt man nicht fiber 
eine Presse mit Holzschalen oder will auch 
diese nicht mit Jodoform oder sonst stark 
riechenden Stoffen in Berührung bringen, so 
legt man die Pressschalen mit Pergament- 
papier aus. 

Will man eine bestimmte Menge Gaze 
tränken, ohne einen Uoberschuss Imprägnir- 
ungsfiussigkeit abzupressen, so legt man 
den Stoff in diese, knetet 10 bis 15 Minuten 
und beschwert ihn mit Oewichten. Nach 
mehrfachem Drehen und Wenden sind, even- 
tuell bei Anwendung einer Wärme von 50 
bis 60 ^, nur wenige Stunden nothwendig, 
um die Imprägnirungsflussigkeit gleich- 
massig im Stoffe zu vertheilen. Der Vorsicht 
wegen kann man schliesslich den Stoff noch 
in eine Presse unter Anwendung von nur so 
viel Druck , dass keine Flüssigkeit abläuft, 
einpressen. 

Dasselbe Verfahren wendet man bei Tränk- 
ungen an, bei welchen Lösungsmittel fehlen, 
wie bei der Lister'schen Eucalyptus- und 
Carbol - Gaze. 

Um einzelne Meter stets frisch zu berei- 
ten, stellt man sich eine grössere Menge der 
betreffenden Flüssigkeit her, tränkt die Gaze 
darin, legt sie auf Pergamentpapier in läng- 
licher Form zusammen, umhüllt mit dem- 
selben Papier und dreht durch eine Wring- 
maschine. Man übt damit ungefähr den 
Druck ans, der bei Gaze nothwendig ist, um 
ihr das 1 y^fache des eigenen Gewichts an 
Flüssigkeit zu erhalten. 

Das Trocknen kann bei weingeistigen und 
wässerigen Lösungen auf Schnüren oder 
Holzstäben erfolgen , bei fettigen oder äthe- 
rischen dagegen haspelt man den aus der 
Presse kommenden Mull auf einen Haspel 
?on entsprechender Breite, belässt ihn hier 
ungefähr 24 Stunden und schneidet nun 
nach Wunsch ab. 

Alle Verbandgazen kommen in Längen 
Ton 1,5 und 10 m in den Handel Je nach- 
dem das incorporirte Medikament flüchtig 
oder nicht flüchtig ist, benutzt man als 
Emballage Glasbüchsen, Pergamentpapier, 
Ceresiapaifier und Std^nniol. Besondere An- 



gaben hierfür zu machen , halte ich dagegen 
nicht für nothwendig , da die Preislisten der 
Verbandstofffabriken hierüber jedweden Auf- 
schluss geben. 

BenzoS - Gaze naeh Brans jan. 

a) 5 pCt. 
60,0 Acidi benzoici, 

86,0 OW Eioini -g» g*gk 
1415,0 Spiritus (94 pCt). 
Man tr&nkt mit dieser Lösang 
1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 26 m) 
and presst dieselbe bis zn einem Gewicht Ton 

2250,0 
ans. 

b) 10 pCt. 

120,0 Acidi benzoici, 

60,0 01.1 Eictai- j II ätS'- 

1330,0 Spiritus (94 pCt.), 

1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m). 

Man trinkt und presst bis zu einem Ge- 
wicht Yon 

2250,0 
ab. 
Beide Nummern trocknet man auf dem 

Haspel. 

Borsäure • Gaze. 

10 pCt. 

120,0 Acidi borici, 
1380,0 Aquae fervidae, 
1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m). 

Man trfinkt heiss, presst bis zu einem Ge- 
wicht Yon 

1520,0 
ab und trocknet auf Uolzstäben oder 
Schnüren. 

Carbol -Gaze nach Bruns jun. 

10 pCt 

480,0 Colofonii, 

50,0 OleiEicini (oder 100,0 Stearini), 
120,0 Aoidi carbolici, 
850,0 Spiritus (94 pCt.), 
1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m). 

Man tränkt warm, presst aus bis zu einem 
Gewicht von 

2250,0 
und trocknet 24 Stunden auf dem ^spel. 



54 



Carbol-Gaze nach Lister. 

a) 5 pCt. 

50,0 Acidi carbolici, 
500,0 Colofonii, 
700,0 Paraffini, 
1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m). 

Man tränkt 2 Stunden dorch Beschweren 
mit Gewichten bei einer Temperatur von 50 
bis 60^, wie in der Einleitung angegeben 
ist, presst zwischen erwärmten Pressplatten 
ein, verpackt dann sofort. 

b) 10 pCt. 

100,0 Acidi carbolici, 
500,0 Colofonii, 
700,0 Paraffini, 
1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m). 

Bereitung wie bei a. 

Essigsaare Thonerde • Oase 
nach Burow. 

a) 5 pCfc. 

750,0 Liquoris Alaminii acetici, 
750,0 Aquae destillatae, 
1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m). 

Man trfinkt und presst bis zu einem Ge- 
wicht von 
2250,0 
ab« 

b) 10 pCt. 

1500,0 Liquoris Aluminii acetici. 
1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m). 

Man tränkt und presst bis zu einem Ge- 
wicht von 
2250,0 
ans. 

Beide Gazen werden auf Schnuren oder 
Uolzst&ben getrocknet. 

Eucalyptus - Gaze nach Lister. 

4 pCt. 

120,0 Olei Eucalypti, 
240,0 Besinae Dammar, 
360,0 Paraffini, 

1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25m). 
Bereitung wie bei derLister'schenCarbol- 
Gaze. 

Jodoform - Gase nach y, Mosetig« 

a) 10 pCt. 

100,0 Jodoform, 
700,0 Aetheris, 



700,0 Spiritus, 
1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m). 

b) 20 pOt. 

200,0 Jodoform, 
1200,0 Aetheris, 
1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m). 

Man trftnkt in beiden Fällen die Gaze mit 
der Lösung, schlägt in Pergamentpapier ein, 
beschwert so einige Stunden mit Gkwicbteu 
und trocknet dann auf dem Haspel. 

Um höhere Procentsätze zu gewinnen, 
zieht man die einmal präparirte und ge- 
trocknete Gaze zweimal oder öfter durch die 
Jodoformlösung. 

Jodoform - Gaze nach ?. Blllroth« 

20 pCt. 

200,0 Jodoform, feinst pr&parirt, 
streut man mittels Streubüchse in 

1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m) 
ein und verreibt tfocken damit. Auf eine 
gleichmässige Yertheilung ist besonders zn 
achten. 

Jodoform • Gaze^ klebend^ 
nach y. BlUroth« 

50 pCt. 

300,a Colofonii, 
900,0 Spiritus, 
100,0 Aetheris. 
Man löst, setzt 
150,0 Glyeerini 
zu und tränkt mit der Lösung durch Kneten 
und 2- bis 3 ständiges Belasten 

1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25m). 
Man streut dann in die feuchte Gaze mit- 
tels Streubüchse möglichst gleichmässig 

500,0 Jodoformii praeparati 
ein, haspelt auf und lässt auf dem Haspel 
24 Stunden trocknen. 

Zur Bereitung ex tempore reibt man das 
Jodoform in Garbol-Gaze, und zwar 20 g anf 
1 Meter ein. 

Jodoform - Gaze nach Wolfer« 

20 pCt. 

250,0 Colofonii- 
löst man in 

1000,0 Spiritus, 
setzt der Lösung 

200,0 Glyeerini 
zu und tränkt damit 

1000,0 hydrophiler Gaze (22 hU 25 m> 



55 



durch längeres Kneten nnd 2- bis 3 stfindi- 
ges Belasten. 

Die feuchte Gaze bestreut man recht gleich- 
massig mittels Streubuchse mit 
200,0 Jodoformü praeparati, 

haspelt auf und Iftsst 24 Stunden auf dem 
Haspel trocknen. 

Auch hier dürfte es in pressanten Fällen 
gestattet sein, die Carbol-Oaze als Grundstoff 
zn nehmen und 8,0 Jodoform pro 1 Meter 
einzustreuen und zu yerreiben. 

Naphtalln - Gaze. 

20 pCt. 

200,0 Naphtalini, 
100,0 Colofonii 
I6st man durch Erhitzen in 

1200,0 Spiritus, 
trankt damit durch Kneten in erwärmtem 
Becken 

1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25m), 

beschwert mit Gewichten und haspelt nach 
3 Stunden auf, um nach 24 Stunden zu ver- 
packen. 

Ein Auspressen aus Ökonomischen Grün- 
den ist nicht statthaft , weil mit Emiedrig- 
BTig der Temperatur sich sofort die Naphta- 
linkrystalle aus der Lösung ausscheiden. 

Besorein-Gaze« 

10 pCt 

120,0 Besorcini 
lost man in 

120,0 Glycerini, 
800,0 Aquae destillatae, 
460,0 Spiritus, 
tränkt mit dieser LOsung 

1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 ra), 

presst bis zu einem Gewicht Ton 

2250,0 
ans und trocknet durch Aufhängen. 

8alieyi-Gase naeh Thiergch. 

a) 4 pGt 

48,0 Acidi salicylici 
lOst man in 

450,0 Spiritus, 
1000,0 Aquae ealidae, 
tränkt mit dieser Lösung 

1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m), 

presst dieselbe bis zu einem Gewicht von 
2250,0 



ab und trocknet durch Hängen auf Schnüre 
oder Holzstäbe. 

b) 10 pOt. 

120,0 Acidi salicylici, 
680,0 Spiritus, 
700,0 Aquae caJidae, 
1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m). 

Man presst bis zu einem Gewichte von 
2250,0 
ab und verfährt wie bei a. 

Salieyl - Gaze^ flxirt, 
naeh v. Brans Jan. 

a) 5 pCt. 
60,0 Acidi salicylici, 

S6,0Ol..Bl.ini-|j|f«fWg.,, 

1415,0 Spiritus (94 pCt), 

1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m). 

b) 10 pCt. 
120,0 Acidi salicylici, 

50,0 Ol« Ei«i-||;» gi« Kf- 
1330,0 Spiritus (94 pCt.), 
1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 ra). 

Man presst a und b bis zu einem Gewicht 
Yon 

2250,0 
ab und verfährt im üebrigen wie bei der 
Benzo§-Gaze. 

Sero • Sublimat - Gaze nach Lister. 

6,0 Hydrargyri bichlorati 
verreibt man fein und löst es durch Reiben in 
600,0 Pferdeblut -Serum. 
Man verdünnt mit 
900,0 Aquae destillatae, 
colirt und tränkt damit 

1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m). 
Nachdem man bis auf ein Gewicht von 
2250,0 
abgepresst hat, hängt man die getränkte 
Gaze zum Trocknen auf Schnüre oder Holz- 
stäbe, vermeidet aber hierbei die Einwirkung 
des Tages- oder gar Sonnenlichtes. 

Da Pferdeblnt - Serum nicht überall zur 
Verfügung steht , möchte ich zum aushilfs- 
weisen Gebrauche das früher von mir be- 
schriebene „Hydrargyrum albuminatum so- 
lutum'^ empfehlen. Die Vorschrift for obige 
Gaze würde dann lauten : 



56 



6,0 Hydrargyri bichloraö, 
6,0 Natrii cnlorati 

168t man durch Verreiben in 
30,0 Hühnereiweiss, 
welches vorher zn Schnee geschlagen worden 
war nnd sich wieder Terflfissigt hat^ yerdfinnt 
die Losung mit 

1460,0 Aqnae destillatae, 
colirt durch ein dichtes Leinentnch nnd 
trankt damit 

1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m). 
Man presst bis zu eiAem Gewichte von 
2250,0 
ab und yerfUirt wie oben. 

Sublimat -Oaase naeh Bergnumn. 

V» pct. 

4,0 Hydrargyri bichlorati 

löst man in 

150,0 Glycerini, 
150,0 Spiritus, 
1200,0 Aquae destillatae, 

trftnkt damit 

1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m) 
und presst bis zu einem Gewichte von 

2250,0 

ab. Man trocknet durch Hängen auf Schnüre 
oder Holzstäbe unter Vermeidung von Tages- 
licht. 

« 

Sablimat-Gaae naeh Haas« 

a) V* pCt. 

2,5 Hydrargyri bichlorati, 

500,0 Natrii chlorati, 

200,0 Glycerini, 
1200,0 Aquae destillatae, 
1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m). 

b) V« pOt- 

5,0 Hydrargyri bichlorati, 

500,0 Natrii chlorati, 

200,0 Glycerini, 
1200,0 Aquae destillatae, 
1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m). 

Man knetet bei beiden Nummern die Gaze 
in der betreffenden Flfissigkeit, beschwert 
sie dann einige Stunden mit Gewichten und 
trocknet schliesslich durch Hängen auf 
Schnfire oder Holzstäbe unter Vermeidung 
Ton Tageslicht 



Sablimat - Gaze naeh der Deutschen 
Kriegs - Sanitätsordnung. 

50,0 Hydrargyri bichlorati, 
5000,0 Spiritus, 
7500,0 Aquae destillatae, 
2500,0 Glycerini, 
0,5 Fuchsin. 
Mit dieser Lösung werden ungefähr 400 
Meter Gaze getränkt und durch eine Wring- 
maschine gezogen. Das Trocknen geschieht 
wie bei den vorhergehenden Nummern. Die 
Färbung hat nur den Zweck, die impräg- 
nirte Gaze von der unimprägnirten zu kenn- 
zeichnen. 

Thymol-Gaze nach Ranke. 

1,6 pCL 

16,0 Thymol, 
50,0 Colofonii, 
500,0 CetÄcei, 
1500,0 Spiritus. 
Man I6st, ^änkt in der warmen Masse 
1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m), 
belastet sie einige Stunden unter Erwärmen, 
bringt dann auf den Haspel und lässt hier 
2d Stunden trocknen. 

Zlnksnlfophenylat-Gaze naeh Bottini. 

10 pCt. 

100,0 Zinci sulfo - carbolici 
Ust man in 

1500,0 Aquae calidae, 
tränkt darin 

1000,0 hydrophiler Gaze (22 bis 25 m), 
belastet sie einige Stunden durch Gewichte 
und trocknet durch Hängen auf Schnüre oder 
Holzstäbe. 



Dürfen Salzlösungen sn Reeeptur- 

swecken in den Apotheken 

Yorräthig sein?*) 

Im Laufe des verflosBenen Jahres ist bei 
den Apothekenrevisionen in unserem Magde- 
burger Regierungsbezirk zum ersten Male 
gegen das Vorräthighalten Ton Salz- 
lösungen zu Recepturswecken in der 
Apotheke amtlich Stellung genommen worden. 
Die vorgefundenen Salzlösungen wurden znm 
Gegenstand eines Monitums im Revisions- 



*) Von der „Magdeburger Apothekcr- 
Conferenz" gef&lligst eingesandt. 



57 



Protokoll gemacht. Id den betreffenden 
Revisions - Bescheiden heisstes, im Wesent- 
lichen gleichlautend: « 

„Die in der Offizin vorräthig gefundenen 
Salzlösungen haben Sie zu beseitigen, da 
dies gesetzlich nicht zulässig ist. ^ 

Auf eine einschlagende Gesetzes- oder 
Verordnungsstelle ist dabei nicht Bezug ge- 
nommen. 

Salzlösungen — so gut wie Extractlösungen 
— zu Recepturzwecken sind wohl von jeher 
und allenthalben, zumal in geschäftsreicheren 
Apotheken , je nach Bedarf in grösserer oder 
kleinerer Zahl, meist in regelrechten mit An- 
gabe des Lösungsverhältnisses vorschrifts- 
massig signirten StandgefEssen vorräthig ge- 
wesen und zwar nicht nur zur Bequemlichkeit 
des Keceptars , sondern meistens als unent- 
behrliches Hilfsmittel, um die sich oft in 
wenige Tagesstunden zusammendrängende 
Recepturarbeit möglichst schnell zu er- 
ledigen, wie es das Interesse der Arznei- 
empfluiger fordert. 

Aus diesem ehren werthen Streben nach 
möglichst schneller Befriedigung des Arznei- 
bedürftigen auch bei gehäuften Anforderungen 
sind in den Apotheken von jeher nach Be- 
darf allerlei Hilfsarzneiformen und -Misch- 
ungen hervorgegangen. Und man sollte 
meinen, dass die Aufsichtsbehörde dies 
Streben nur billigen könnte, sofern nur 
dreierlei dabei streng ausgeschlossen bleibt, 
nämlich: 

1. Veränderlichkeit des Arzneimittels in 
der Hilfsform; 

2. leichtere Möglichkeit einer Verwechsel- 
ung mit anderen ; 

3. mindere Genauigkeit in der Dispensa- 
tion. 

Nur diejenigen Hilfsformen und Misch- 
ungen, welche gegen einen dieser drei Grund- 
sätze Verstössen , sind als blosse Bequemlich- 
keits-Präparate zu betrachten und zu 
bekämpfen. Zu ihnen gehören aber die vor- 
räthigen filtrirten Lösungen häufig verord- 
neter Salze sicherlich nicht. 

Und so hat wohl kein Apotheker gemeint, 
sich einer Ungesetzlichkeit oder Gewissen- 
losigkeit schuldig zu machen , wenn er bei 
der Einrichtung seiner Apotheke eine Reihe 
von Standflaschen für Salzlösungen mit- 
bestellte und in Reih* und Glied einordnete, 
obwohl er eine gesetzliche Vorschrift zu ihrer 
Bereitung und Aufbewahrung in der Pharma- 



kopoe nicht fand, sondern nur aus den^ 
Mangel eines Verbots die Zulässigkeit her- 
leiten durfte. 

Muss doch der Apotheker nur zu oft bei 
Artikeln oder Arzneiformen, welche die Phar- 
makopoe nicht aufgenommen hat, nach Ana- 
logie selbstthätig handeln; ja dies verlangt 
sogar die Behörde von ihm, wie z. B. erst 
jüngst wieder in Bezug auf die Zurechnung 
von Arzneimitteln zu Tab. B und C durch 
die Min.-Verf. vom 11. Januar 1884 (Pharm, 
Zeitung 1884, Nr. 17). 

So durfte er nach Analogie der Salzlös- 
ungen,^ zu welchen die Pharm. German. (wie 
alle anderen und früheren Pharmakopoen) 
I Vorschriften giebt, und deren Vorräthig» 
. haltung sie geradezu fordert (wie Liq. Kalii 
I acetici , Liq. Kalii arsenicosi , Liq. Kalii car- 
, bonici), wohl schliessen, dass gegen eine vor- 
räthigc Solutio Natrii sulfurici, Natrii carbo- 
nici, Magnesiae sulfuricae u. A. gesetzlich 
auch nichts werde zu sagen sein; ja sogar 
weniger als gegen jene, da deren ünver- 
änderlichkeit zum Theil erheblich . weniger 
sicher ist, als diejenige der letzteren. 

£r durfte in neuerer Zeit diese Analogie 
noch weiter ziehen im Hinblick auf die jetzt 
vorgeschriebene lange Reihe von Liquores 
volumetrici von genauestem Gehalt, deren 
nicht wenige sich gleichfalls erheblich ge- 
ringerer Unveränderlichkeit erfreuen; so 
z. B. Liquor Jodi und Liquor Kalii per- 
mangan. volumetricus. 

Und ein Verbot des Vorräthig- 
haitens anderweiter Salzlösungen 
ist weder im Gesetzes- noch im 
Verordnungswege jemals erfolgt. 
Demgemäss hatte sich auch, im Laufe der 
Zeit zwischen den Aufsichtsbehörden und 
den Apotheken ein langjähriger „modus 
vivendi^' herausgebildet, auf Grund der still- 
schweigenden Duldung der gesetzlich weder 
ge- noch verbotenen, aber als nützlich er- 
kannten und zugegebenen Einrichtung. 

Woher nun diese plötzliche, veränderte, 
abweisende Stellungnahme der Aufsichts- 
behörde? Dieselbe säumte auf vertrauliche 
Anfrage der betroffenen Apotheker nicht,, 
auf eine ihr höheren Orts zugegangene 
Weisung hinzudeuten. Die Aenderung war 
um so auffallender und befremdlicher, als sie 
erfolgte zur Zeit der Geltung der Pharm. 
Germ. Ed. II; denn diese hatte zum ersten 
Male die narkotischen Extractlösungen — 



58 



welche ebenso lange , ebenso verbreitet und 
aus eben den Gründen in den Apotheken 
vorräthig gehalten worden sind, wie die 
Salzlösungen — nicht nur ausdrücklich zu- 
gelassen , sondern sogar eine genaue Bereit- 
ungsvorschrift dazu gegeben. Es ist nicht zu 
verkennen, dass dem Apotheker hiermit eine 
neue, noch schlagendere Analogie geboten 
war , um nun erst recht an der Zulässigkeit 
der wieder erheblich minder der Veränderung 
ausgesetzten Salzlösungen nich t zu zweifeln. 

Eine Rückfrage an gut orientirter Stelle 
in Berlin ergab nun die überraschende Ant- 
wort, „man erkläre maassgebenden Orts das 
Yorräthigh alten und die Verwendung von 
Salzlösungen zu Recepturzwecken deshalb 
für unerlaubt, weil die Arzneitaxe keine 
„Solutionen" kenne , sondern für jeden ein- 
zelnen Recepturfall einen besonderen Arbeits- 
preis für Auflösen und Filtriren von Salzen 
vorgesehen habe , der seitens des Apothekers 
auch jedesmal in Rechnung gestellt werde, 
Der Apotheker mache sich daher bei Ver- 
wendung vorräthiger Salzlösungen und 
Berechnung des besonderen Arbeitspreises 
sogar eines Betruges (!) schuldig/' 

Das klingt doch gar zu unglaublich. Da- 
nach wäre es auch ein „Betrug," wenn z. B. 
ein Apotheker, wie es öfter vorkommt, drei 
gleichzeitig eingehende und gleichlautende 
Ordinationen eines Arztes für verschiedene 
Empfänger (z. B. Pilulae Blaudii Nr. 30) 
gemeinschaftlich anfertigt, dann auf die 
Einzelnen vertheilt, und nun bei der Taxation 
jedem den vorschriftsmässigen ganzen Arbeits- 
preis (für 30 Pillen) , nicht aber den dritten 
Theil des Gesammtarbeitspreises (für 90 
Pillen) verrechnet, was ein total unbrauch- 
bares Princip sein würde, da sich dann der 
Arbeits- und damit der Gesammttaxpreis 
jedesmal änderte, je nachdem das Recept 
einzeln, oder zu zweien oder mehreren gleich- 
zeitig bereitet worden ist. 

Eines gleichen „ Betruges ** würde sich der 
schuldig machen, der eine ärztlich verordnete 
„Sol. Kali acetici 10 : 100 durch Vermisch- 
ung von 30 Liq. Kalii acetici mit 70 Aqua 
destillata bereitet, die Auflösung aber lege 
artis taxirt, wie er auch verpflichtet ist. 

Noch mehr: jede Verwendung einer der 
eben erst durch die Pharmacopöe sanctio- 
nirten, vorräthigen Extractlösungen, für 
welche in der Arzneitaxe auch kein Preis 
ausgeworfen ist, so dass eben auch der 



Arbeitspreis ,, Auflösen" für den Einzelfall 
in Ansatz kommen muss, würde denselben 
Vorwurf des „Betruges" verdienen. 

Die Arbeitspreise der Arzneitaxe sollen 
dem Apotheker ein Aequivalent bieten für 
seine Geschäftsunkosten, deren bedeutendster 
Theil die Lohnung und Erhaltung seines 
Hilfspersonals darstellt. Dieses wird , zumal 
in grösseren Städten und in Krankenkassen - 
districten, wo viele verordnete Aerzte gleich- 
zeitige Sprechstunden haben , zu manchen 
Stunden des Tages mit gehäufter R^ceptur- 
arbeit vollauf beschäftigt , während sonst die 
Hälfte der Kräfte entbehrlich wäre. Um den 
gehäuften Anforderungen möglichst schnell 
gerecht zu werden, schafft sich der Apotheker 
gewisse Arbeitserleichterungen und Verein- 
fachungen , deren er in jenen Drangstunden 
ohne namhaften Zeitverlust für den Arznei- 
empfönger gar nicht entbehren kann. Und 
dann soll es ihm als Unredlichkeit ausgelegt 
werden, wenn er unter Anderem die zeit- 
raubende Lösung und Filtration von diesem 
und jenem Salz für so und so viel Mixtureiv 
im Voraus bereitet , während er sie für den 
Einzelfall berechnet? Ist es nicht Sache 
seiner Gewissenhaftigkeit ganz allein, wie 
er die Anordnungen des Arztes ausführt» 
wenn dies nur vorschriftsmässig, gut und 
möglichst schnell geschieht? 

Wird es etwa dem Arzte, dem Notar oder 
sonst einem Beamten als „Betrugt ange- 
rechnet, wenn er zu mehreren auswärtigen 
Consultationen oder Terminen an demselben 
Orte sich eines und desselben Beförderung-s- 
mittels bedient, in jedem Einzelfalle aber die 
ihm /.ukommende Reisekostenentschädigung^ 
voll liquidirt? 

Nein, diese Motivirung für die veränderte 
Stellungnahme der Behörde zu demVorräthig- 
halten der Salzlösungen ist unmöglich 
ernsthaft zu nehmen. 

Glaublicher erscheint noch die Annahme^ 
dass man, während bisher bei der stillschweig- 
enden Duldung immer die Salz- und Extract- 
lösungen ganz gleichartig behandelt worden 
sind, nunmehr aus der Aufnahme einer 
besonderen generellen Vorschrift für E x- 
tract-Lösungen in die Pharmakopoe, 
bei gleichzeitiger Hinweglassung einer 
entsprechenden Vorschrift für S a IzlÖsungen 
den Rückschluss gezogen hat, fortan sollte 
nur von den ersteren ein Vorrath zulässig 
sein, von den letzteren aber nicht. Aber 



59 



dieser Rü^kschluss ist docb weder richtig 
noeh zweckmässig; vielmehr ist es der vor- 
wärts gerichtete Schlnss und Entschluss, 
der gesetzlichen Regelung des einen Theils 
die des andern ungesäumt folgen zu lassen. 

Wohl würde sich diese gesetzliche Regelung 
des Vorräthighaltens von Salzlösungen nicht 
ebenso durch eine einzige kurze generelle 
für alle gleichmässige Bereit ungsvorschrifl 
bewirken lassen ; das verböte sich schon um 
der so verschiedenen Löslichkeitsverhältnisse 
der Salze willen. Es bedarf aber auch gar 
keiner „Vorschrift". Wenn nur in der Pharma- 
kopoe durch einen besonderen Artikel „8olu- 
tiones Salium'* bestimmt würde : 

„Von Salzen, welche im aufgelösten Zu- 
stande auch nach längerer Zeit eine Zer- 
setzung oder Veränderung nicht erleiden, 
dürfen filtrirte wässrige Lösungen vorräthig 
gebalten werden. Die Standgefässe dafür 
müssen genau und unter Berücksichtigung 
etwaiger Zugehörigkeit des Salzes zu Tab. B 
oder C vorschrifbsmässig signirt sein. Auf 
dem Schilde muss das Verhältniss zwischen 
Salz und Lösungsmittel genau angegeben 
sein.** 

Und wenn dann ausserdem die Pharma- 
kopoe bei denjenigen Salzen, deren Lösungen 
die erforderliche Unveränderlichkeit nicht 
zeigen, oder bei denen irgend ein anderes 
technisches Bedenken dagegen spricht, der 
Beschreibung den Zusatz hinzufügte „darf im 
aufgelösten Zustande für Recepturzwecke nicht 
▼orräthig gehalten werden**; dann sollte man 
doch meinen, das« allen Vorsicht smaassregeln 
billig Rechnung getragen wäre. Denn diö 
drei am Eingang aufgeführten Grundbeding- 
ungen sind erfüllt: 

1. Alle in Lösung veränderlichen 
Salze sind von der Zulassung alsdann gesetz- 
lich auBgeachlossen. 

2. Die Möglichkeit der Verwechslung 
zweier wasserheller Salzlösungen, bei sonst 
genauer Signatur, ist nicht grösser, als 
die von zweien der sonstigen zahlreichen 
wasserhellen flüssigen Arzneistoffe, oder auch 
als die zweier weisser Salze in Pulverform. 

3. Die Genauigkeit schneller Dispen- 
sation von Salzen ist in Lösung nicht nur 
nicht geringer, sondern zweifellos 
einegrössere als bei ihrer Verwendung in 
Substanz. 

Ausser diesem letzten Punkte, der schon 
als wesentlicher Vorzug zur Empfehlung der 



gesetzlichen Sanctionirung auch der Salz- 
lösungen dient, kommt aber zu gleichem 
Zwecke noch viel mehr die Zeitersparniss 
bei der Receptur in Betracht. Durch 
eine Reihe von vergleichenden Versuchen in 
den Apotheken der drei Unterzeichneten ist 
Folgendes festgestellt: Ein gewandter Recep- 
tar gebraucht an Zeit zu einer Mixtur, vom 
Ergreifen des Glases bis zum Anbinden der 
geschriebenen Signatur gerechnet, im Durch- 
schnitt: 







Zeitdauer bei 








Verwendung von 


■1 


•s 




il 




— • 

a s 


51 

a * 


Darin sind 

aufgelöst und 

filtrirt enthalten 


IS2 
-St ^ 


M a 


■ • 
9 'S 

o — 


O 






9* 


m 
'S 


s 




Hinnt. 


Hinttt. 


Hinnt. 


600 


1 g Aeid. salicjlic. 


9-10 


2—3 


7 


200 


5 „ Kai. chloricura 


6-7 


2-3 


4 


ICO 


50., Magn. sulfuric. 


9 


2-3 


6-7 


100 


38 „ do. 


8-9 


2-3 


6 


2C0 


5 „ Natr. nitricum 


6-7 


2-3 


4 




im Durchschnitt 


7 8 


2 3 


5 



Das will sagen: wenn zur Zeit der ge- 
häuften Arbeit nur vier Mixturen 
mit Salzlösungen gleichzeitig ein- 
geliefert werden, so empfängt der 
Letztgekommene seine Arznei, bei 
Verwendung der Salze in Substanz, 
schon 20 Minuten später, als wenn 
vorräthige Solutionen zurVerfügung 
stehen. 

Die von dem betr. Revisions- Monitum be- 
troffenen Apotheker des Regbz. Magdeburg 
haben in der Beantwortung des Revisions- 
Bescheids ungefähr gleichlautend Folgendes 
erwidert : 

,,In Gemässbeit etc. beehre ich mich zu 
berichten, dass ich, der hohen Verfügung 
entsprechend, die seit meiner Geschäftsüber- 
nahme bisher unbeanstandet in der Officin 
vorräthig gehaltenen Salzlösungen nunmehr 
aus derselben beseitigt habe. 

In Bezug auf diese Maassregel bemerke ich 
gehorsamst, dass deren Befolgung kaum ohne 
erhebliche Störungen und Verlangsam un gen 
der Receptuir - Arbeiten wird durchgeführt 
werden können, und dass ich daher ungesäumt 
versuchen werde, geeigneten Orts auf die Zu- 
lassung der Salzlösungen auch für Receptur- 



60 



zwecke hinzuwirken, nachdem die Pharma- 
copoea Germanica einerseits dergleichen Salz- 
lösungen, darunter viel leichter dem Verderben 
ausgesetzte, Ton genau bestimmtem Gehalt 
zu Unter Buchungsz wecken vorräthig zu halten 
vorschreibt, und andererseits das Vorräthig- 
halten von gleichfalls leichter verderblichen 
Extractlösungen zu Recepturzwecken zulässt 
und durch eigne Vorschriften regelt/' 

Die Magdeburger Apotheker-Con- 
ferenz hat auf den Vortrag der Betroffenen 
die Angelegenheit aufgenommen und be- 
schlossen, zunächst durch Darlegung des Sach- 
verhalts in der pharm aceutischen Tagespresse 
das Interesse der Herren Collegen in weiteren 
Kreisen und etwa weitere Aeusserungen 
zur Sache bezw. Zustimmungs-Er- 
klärungen wachzurufen. Die Conferenz 
hat die drei Unterzeichneten mit diesem Auf- 
trage betraut, dessen sich dieselben hiermit 
erledigen in der Hoffnung, auch auf diese in- 
directe Weise einigen Einfluss darauf auszu- 
üben, dass diese lange im Ungewissen schwe- 
bende und doch sicher nicht unwichtige An- 
gelegenheit ihre endliche und zwar gesetz- 
liche Regelung finde. 

Magdeburg, im Januar 1887. 
C. Blell. H. Danckwortt. 

Dr. G. Hartmann. 



Zur Prüfung des Morphin* 
hydrochlorids. 

Von H. Hager. 

In irgend einem pharm. Blatte fand 
ich eine Mittheilung über die Prüfung 
des Morphinhydrochlorids auf einen Ge- 
halt von Codein, Narkotin etc. Man 
soll eine concentrirte (?) Lösung des 
Morphinsalzes mit Aetzammon fällen, den 
Niederschlag in Natronlauge lösen und 
die Lösung mit Aether ausschütteln. Beim 
Verdunsten des Aethers darf kein merk- 
licher Bückstand verbleiben. 

Abgesehen davon, dass das gefällte 
und in Natronlauge gelöste Morphin beim 
Ausschütteln mit Aether allerdings nur 
in geringen Mengen in diesen übergeht, 
so erscheint das erwähnte Verfahren als 
ein umständliches und Material und Zeit 
in Anspruch nehmendes, ohne ein sicheres 
Besultat zu gewähren. 

Der Umstand, dass das leichte Mor- 
phinhydrochlorid sich in seiner Wirkung 



stets schwächer erwies als die schwere 
Waare und, von der Wahrscheinlichkeit 
ausgehend, dass in der leichten Waare 
ein Gode'ingehalt vorliegen könne, babe 
ich bereits einige Male eine Prüfung des 
Morphinsalzes vorgenommen, und zwar 
auf dem einfachen Wege der 6uttalar- 
methode, welche ich in Nr. 22 der pharm. 
Centralhalle 1884 näher besprochen habe. 

Man wäge 0,1 g des Morphinhydro- 
chlorids ab, übergiesse es in einem kleinen 
kurzen Beagirgläschen mit 2,0 g oder 
2 ccm dest. Wasser und erwärme sanft 
bis zur Lösung. Von dieser noch war- 
men Sprocentigen Lösung giebt man 
etwa 3 Tropfen auf ein grosses Object- 
glas mit Hülfe eines Glasstabes und 
breitet diese 3 Tropfen zur Grösse eines 
Markstückes aus, so dass die Flüssigkeit 
eine Scheibe mit etwas erhabenem 
Bande bildet. In das Gentrum dieser 
Scheibe giebt man nun einen Tropfen 
Aetznatronlauge (1,160 spec. Gew.). Je 
nach dem Maasse der Verunreinigung ent- 
steht sofort eine weisse Scheiben- oder ring- 
förmige Trübung oder erst nach 1—2 bis 
3-5 Secunden. Sind die Flüssigkeiten 
von verschiedener Temperatur oder hatte 
man das Glas unter Abreiben gereinigt, 
so tritt auch wohl eine Diffusion der 
Natronlauge ein und am Bande der Flüs- 
sigkeitsscheibe bildet sich allmählich ein 
weisser Beif, welcher einige weissliehe 
Arme nach dem Centrum sendet. Um 
von dem Objectglase etwa anhaftende 
Electricität zu beseitigen, streiche man 
es ein- oder zweimal mit dem etwas 
feuchten Ballen der Hand aufdrückend 
der Länge nach. Nur auf electricitäts- 
freiem Glase lassen sich die Tropfen der 
Morphinlösung zu einer Scheibe mit 
glattem Bande ausbreiten. 

Um mit aller Sicherheit eine nur 
schwache Trübung zu erkennen, muss 
das Objectglas gegen einen finsteren oder 
dunklen Luftraum betrachtet werden. 
Steht ein solcher Baum nicht zur Dis- 
position, so stellt man unterhalb des 
Fensterbrettes einen etwa 0,5 m hohen 
offenen Kasten mit dem Boden gegen 
das Fenster, so dass der Innenraum nach 
dem Zimmer ausmündet, oder man be- 
trachtet die Beaction gegen eine matt- 
schwarze Fläche, welche beschattet ist. 



61 



Am eiBfaehsten ist es, die Beaciion auf 
dunkelblauem Glase, Eobaltglas*), vorzu- 
nehmen und im schräg auffallenden Lichte 
zu betrachten. 

Diese oder jene Vornahme und Be- 
trachtungsweise ist übrigens nur dann 
nothwendig, wenn die Trübung eine sehr 
schwache ist, wenn also z. B. nur eine 
sehr geringe Verunreinigung mit Gode'in 
vorliegt. 

Bei Sporen anwesenden Godeins schwin- 
det die Trübung in einigen Minuten 
völlig, nicht aber bei Gegenwart des 
Narkotins. 

Eine sehr schwache und erst nach 3 bis 
5 Secunden eintretende Trübung dürfte 
die Waare nicht verwerflich machen, 
denn ein von Godeln freies, total reines 
Morphinhydrochlorid darzustellen, ist mit 
vielen Schvnerigkeiten verknüpft. 

Die Beaction beruht auf der schein- 
baren Indifferenz der Morphinsalzlösung 
gegen Natronlauge. Versetzt man die 
anf dem Glase befindliche Scheibe der 
Lösung eines reinen Morphinsalzes mit 
Natroäauge, so erfolgt keine Trübung. 
Die gegenseitigen Berührungspunkte bei- 
der Flüssigkeiten bleiben ungetrübt. Bei 
einer Verunreinigung mit Narkotin tritt 
stets kräftige Trübung ein, selbst wenn 
dasselbe in nur unbedeutenden Spuren 
vertreten ist. 

Diese Beaction lässt am deutlichsten 
den eminenten Werth der Guttular- 
methode fQr die Analyse erkennen. Giebt 
man die Lösung des schwach code'in- 
haltigen Morphinsalzes in ein Beagirglas 
und versetzt sie mit Aetznatronlauge, so 
bleibt die Mischung klar. Eine Trübung 
ist nicht wahrnehmbar, während sie auf 
dem Wege der Guttularmethode sicher 
za erkennen ist. Dann tritt dazu der 
Verbrauch eines sehr geringen Maasses 
Material und die Verwendung weniger 
ADgenblicke Zeit. 

Für denselben Zweck schlug ich auch 
den mikroskopischen Weg ein, konnte 
aber keinen sicheren Erfolg erlangen. 

Zur Erkennung des Narkotins kann 



*) Um sehr unbedeutende weissliche Trüb- 
ungen auf dem Wege der Gattularmethode zu 
erkeniieD, empfiehlt sieb besonders die Ad- 
wendnng des annkelblaiien Eobaltglases in der 
Form grosser ObjectgUser» 



man ebenfalls die Guttularmethode be- 
folgen. Auf das Objectglas giebt man 
3 Tropfen der 5procentigen Morphin- 
hydrochloridlösung, dazu 5 bis 6 Tropfen 
Aetznatronlauge und mischt durch Um- 
rühren mit dem Glasstabc. Liegt als 
Verunreinigunff nur Codein vor, so wird 
die Mischung Klar und durchsichtig, bei 
Gegenwart von Narkotin tritt sofort 
weisse Trübung ein, welche nicht schwin- 
det, und während man mit dem Glas- 
stabe im Kreise rührt, zeichnet dieses 
weisse Kreislinien auf der Glasfläche. Der 
weisse Niederschlag besteht aus minu- 
tiösen stumpfen tetragonalen Prismen 
und nadeiförmigen Krystallen. 

Die Beantwortung der Frage, welche 
Umstände den Grund des leichten und 
schweren Morphinhydrochlorids reprä- 
sentiren, wird hoffentlich später erfolgen. 
Möglicher Weise steht ein Oodeingehalt 
damit in irgend einer Beziehung, denn 
in der leichten Waare traf ich immer 
etwas Godein an. 



Zur Morphinbestimmung 
im Opium. 

O.Schlickum helejichiei in einem längeren 
Artikel (Archiv d. Pharm. 1887, S. 13) die 
neueren Methoden zur Morphinbestimmung 
im Opium und in dessen Präparaten und 
kommt zu dem Besnltate, dass die Helfen- 
berger Methode (Ph. C. 27, 529 und 540) 
die beste sei, jedoch auch noch den Uebel- 
stand zeige, dass sie änsserste Sorgfalt bei 
der Neutralisation mit Ammoniak erfordere, 
da bei nicht genügender Sättigung Narkotin 
in Losung bleibe , bei — auch geringem — 
UeberschuBs an Ammoniak aber Morphin sich 
vorzeitig ausscheide und dadurch der Bestim- 
mung sich entziehe. Schlickum fand nun, 
dass eine Morpbinsalzlösnng, im Falle sie 
nicht zu concentrirt ist, also etwa in der 
Stärke sich befindet, wie in den Opiumaus- 
zugen und Tincturen, beim Versetzen mit 
einem kleinen Ueberschuss von Ammoniak 
(bis :^r schwach alkalischen Beaction) das 
Morphin zwar nach kurzer Zeit auszuscheiden 
beginnt, dies aber nicht mehr tbut und 
dauernd klar bleibt, wenn man die 
schwach ammoniakalische Mischung mit der 
Hälfte ihres Gewichts Weingeist versetzt und 
darauf denselben durch Abkochen wieder 



62 



entfernt. Die weingeisthaltige Fldssigkeit 
lässt in der Hitze kein Morphin anskrystal- 
lisiren, umgekehrt bewirkt sie Wiederanf- 
lösnng von etwa zuvor ansgeschiedenem 
Morphin. Zugleich mit den Weingeist- 
dämpfen yerflüchtigt sich der Ueber- 
schuss des Ammoniaks, so dass eine 
vollständig neutrale Flüssigkeit 
restirt, wenn man das Abkochen bis znr 
Hälfte der Mischung fortsetzt. Dann bleibt 
die auf ihr ursprüngliches Gewicht mit Was- 
ser ergänzte Probe klar und trübt sich weder 
bei tagelanger Aufbewahrung, noch lässt sie 
Morphin anskrystallisiren. 

SMickum weist nach, dass sich diese 
Thatsachen auch bei der Prüfung des Opiums 
verwenden lassen und gründet hierauf Vor- 
schläge zur Morphinbestimmung im Opium, 
Opiumextract und -tinctur. 

Auf die Einzelheiten dieser Verfahren soll 
hierum desswillen nicht speciell eingegangen 
werden, weil mir (dem Bedacteur der Phar- 
macentischen Centralhalle) für die nächste 
Zeit noch weitere experimentelle Studien zur 
Opiumprüfting zugesagt sind, welche sich 
jedenfalls auch mit dem SchUckunC&cYieü Ver- 
fahren beschäftigen werden. Kur den Hin- 
weis möchte ich mir gestatten, dass auch 
SMickum wieder genöthigt ist eine Cor- 
recturzahl anzubringen, weil etwas Morphin 
gelöst bleibt (was natürlich auch bei dem 
Helfenberger Verfahren zutrifft). Es ist mir 
dies Beweis dafQr, dass die Ansicht richtig 
ist, welche ich bereits Pharm. Centralh. 24, 
216 bei der ersten Besprechung der neuen 
Pharmakopoe äusserte, die Ansicht, 

dass man Morphin kaum je wird genau 
bestimmen können dadurch, dass man 
es aus einem wässerigen oder Spirituosen 
Opiumauszug direct auszufällen versucht, 
da in diesem immer etwas gelöst bleibt. 
Ich bin der festen üeberzeugung, dass nur 
nach dem Verfahren, wie es in Nr. 3 dieses 
Jahrgangs unseres Blattes, Seite 24, einge- 
schlagen worden ist, oder einem ähnlichen, 
sichere Resultate zu erlangen sind. ^ . , 

Arsenhaltiges Chloroform. 

Dr. 2/. SchoUnen weist darauf hin, dass er 
wiederholt bei der Untersachnng von Chloro- 
form eine deutliche Reaction mit SüberlÖs- 
ung erhielt. Die ursprünglich auf Chlor oder 
irgend einen organischen Körper bezogene 



Trübung, welche in dem mit Chloroform ge- 
schüttelten Wasser auftrat, stellte sich schliess- 
lich als Arsen heraus; dasselbe wurde aus 
einem Kilo Chloroform in etwas grösserer 
Menge hergestellt und konnten alle Reactio- 
nen damit angestellt werden. Die Destillation 
des arsenhaltigen Chloroforms lieferte ein 
Destillat, in dem Arsen nicht mehr nachzu- 
weisen war, während sich der Rückstand als 
stark arsenhaltig erwies. 

Als Urheber der Verunreinigung könnte 
sowohl der Chlorkalk, als auch die Schwefel- 
säure angesehen werden. Scholvien will 
übrigens hierüber weitere Versuche und dem- 
nächst Mittheilnng machen. — os — 

Apoth.'Ztg. 1887, Nr. 3. 



Arsenhaltige Zuckercouleur. 

In Anknüpfung an die obige Mittheilung 
möchte ich daraufhinweisen, dass die Zucker- 
couleur des Handels ebenfalls häufig arsen- 
haltig ist, und dass sich hier Arsen schon in 
relativ kleinen Mengen der Zuckercouleur 
nachweisen lässt. Eine Zucker^Eurbe für 
Conditoreizwecke wurde von einem Abnehmer 
als arsenhaltig zurückgewiesen, und es erwies 
sich , dass aus der Asche , welche von 30 g 
der Zuckercouleur zurückblieb, ein deut- 
licher Arsen Spiegel erhalten werden konnte ; 
in einem anderen Falle gelang dasselbe schon 
aus 20 g. 

Wie nothwendig die Aufstellung von einem 
Grenzwerth für den Arsenikgehalt solcher 
Zuckerfarben ist, ergiebt sich aus dieser Be- 
obachtung von Neuem. Wahrscheinlich ent- 
stammte im vorliegenden Falle das Arsen 
der zum Verzuckern benutzten Schwefelsäure. 

Wenn man viel Material, 1 kg und mehr, 
wie oben beim Chloroform, zur Untersuchung 
nimmt, wird man wohl noch in sehr vielen 
Präparaten Arsen nachweisen können. 

0. Schtoeissinger. 

Chinawein. 

Liebreich wendet sich neuerdings gegen 
die von Pharm. Germ. II recipirte Vorschrift 
zu Vinum Chinas, bei welchem er den 
Zusatz von Gljcerin verwirft. Er findet^ dass 
die neue Vorschrift nur die Aufnahme der 
China- Alkaloide im Auge hat, beziehentlich 
eine später erfolgende Abscheidung derselben 
verhüten will, die Aufnahme der wirksamen 
Chinagerbsäure jedoch gar nicht berück* 



63 



sichtigt. Der Chinawein wird als touisirendes 
Amamm benatzt , nicht aber als temperatur- 
erniedrigendes Mittel, für welchen letzt* 
genannten Zweck die Chinasalze Verwendung 
finden. Der Zusatz von Qlycerin zu den 
Lösungen verdauender Fermente (Pepsinwein) 
ist ganz zweckmässig; ein Zusatz von 
Gljcerin zum Chinawein jedoch hebt dessen 
tonisirende Wirkung auf. Der Arzt ist ge« 
nöthigty ein Medicament, welches plötzlich 
eine derartig veränderte Zusammensetzung 
besitzt, wie der Gljcerin- China wein 
(Yinum Chinae gljcerinatum), neuer- 
dings ausprobiren zu müssen. 

Zum Schluss sagt Liebreich, das« dem 
Arzt, Apotheker und Kranken besser gedient 
sei, wenn nur die von Aerzten als bewährt 
erprobten Formeln in die Pharmakopoe auf- 
genommen würden und man sich nicht ledig- 
lich durch rein pharmaceutisch - chemische 
Gesichtspunkte leiten lasse. 8. 

Therapeuiische Monatshefte 1687, S. 18. 



Das Jodoform als Antisepticnm, 

untergucht von Chr. Heyn und ThorUld Botsing 

in Kopenhagen. 

Verf. haben es unternommen, eines der bis- 
her als unfehlbar betrachteten Antlseptica, 
das Jodoform, mit Hilfe der modernen bacteri- 
ologischen Untersuchungsmethoden einer 
strengen Kritik zu nnterwerfen. Seit Jahren 
galt dasselbe den Chirurgen als ein unent- 
behrliches antiseptisches Verbandmittel und 
wenn es dem Sublimat auch gelang, sich 
neben dem Jodoform als ein Desinficieus 
ersten Banges einen Platz zu erobern, so 
blieb letzteres doch das fast universelle Ver- 
bandmittel der meisten chirurgischen Kli- 
niken. Mit Ausnah me der von Miculicz 1881, 
Rummo und Meyer im Jahre 1883 ange- 
stellten, zu keinen entscheidenden Resultaten 
fahrenden Versuchen lagen bisher keine exak- 
ten Untersuchungen über den antiseptischen 
Werth de« Jodoforms vor. 

£a ist daher dankenswerth , dass sich die 
Verf. diesen Versuchen unterzogen, freilich 
gelangten sie hierbei zu sehr überraschenden 
Hesaitaten. 

Die erste Versuchsreihe wurde in der 
Weise angestellt, dass auf Gelatineplatten in 
SIsicbform Beincultnren von Bacillus subtilis, 
StaphylococcuB aureus und ein weissgrauer 
Schimmelpilz eingesät wurden (4 Platten), 



dieselben wurden theils ''sofort , theils erst 
nachdem sie sich am dritten Tage normal 
entwickelt hatten , mit einer 2 mm dicken 
Jodoformschicht bedeckt, diese war aber 
nicht im Stande das Wachsthum der ein- 
gesäten Mikroorganismen zu hemmen, ge- 
schweige denn zu verhindern. Theils wuchsen 
die Colonien unter den Jodoform wällen her- 
vor, theils konnte man ihre ungeschwächte 
Lebensfähigkeit dadurch beweisen, dass 
kleine Mengen der unter der Jodoformdecke 
gewachsenen Colonien in verflüssigte sterile 
Nährgelatine übertragen, sich ganz normal 
entwickelten. 

2. In vollständig sterile Aufschwemmungen 
vom Jodoform mit Nährgelatine oder Agar- 
Agar, die in üblicherweise inBeagensgläsem 
enthalten waren und sich bei Stägiger Beob- 
achtung als völlig keimfrei erwiesen hatten, 
wurden Stichculturen von Pneumococcen, 
Staphjlococcus aureus, Bacillus subtilus und 
ein Mikrococcus aus Batteneiter angelegt. 
Schon wenige Tage nachher entwickelten 
sich in allen stark Jodoform enthaltenden 
Nährböden die charakteristischen Pilz- 
colonien. 

3. Ebenso wuchsen die gedachten Mikro- 
organismen in einem Gemisch aus gleichen 
Mengen 4proc. Jodoformöl und Kalbsblut- 
serum vollständig ungeschwächt nach Verlauf 
von zwei Tagen bei Körperwärme. 

4. Ebensowenig vermochte in einer vierten 
Versuchsreihe eine Lösung von Jodoform in 
sterilisirtem Kalbsblutserum die Entwickel- 
ung der hierin durch Stich ausgesäten 
Staphylococcus aureus, Bacillus subtilus und 
eines weissgrauen Schimmelpilzes auch nur 
im Geringsten zu hemmen. 

5. In zwei sterilisirte Beagensgläser 
wurden ungefähr 5 g trocknes Jodoform- 
pulver gebracht, in eines der Gläser eine 
Platinöse einer Cultur von Staphjl. aureus, 
in das andere eine gleiche Menge das Mikroc* 
aus Batteneiter gebracht. Beide Beinculturen 
wurden mit dem Jodoformpulver vermischt 
und ruhig stehen gelassen. Nach Wochen, 
ja selbst nach 2 Monaten der Jodoform- 
bacterienmischung entnommene Proben wur- 
den mit verflüssigter Gelatine vermischt, in 
welcher sich die eingeimpften Pilzkeime 
normal entwickelten. Selbst ein zweimonat- 
liches Aufbewahren in Jodoformpulver hatte 
ihre Infectiosität nicht vernichtet, woraus 
lesultirt, dass die in chirurgischen 



64 



Infectionsk rankheiten häufigste 
pathogene Bacterienform der 
Stapbylococcns aureus pjogenes 
sich wenigstens einen Monat lang 
in trockenem J o d o f o r m p u 1 v e r 
lebensfähig zu erhalten vermag. 

6. In weiterer Ausführung dieses Ver- 
suches wurde mit einem auf einem chirur- 
gischen Hospital benutzten liegenden Jodo- 
formspray nach der Operation (mit je 20 Zu- 
sammenpressungen) Jodoform in zwei grosse 
Kolben mit sterilisirter Gelatine geblasen, 
deren Oberfläche hierdurch mit einer feinen 
Jodoformschicht bedeckt wurde. In den mit 
sterilisirter Watte verschlossenen Kolben 
entwickelten sich bis zum vierten Tage nicht 
nur zahlreiche Schiromelcolonien , sondern 
auch (circa 10 in jedem Kolben) kleine weisse 
Bacteriencolonien , welche eine Verflüssigung 
der Gelatine bedingten. 

9. Zu ähnlichen Resultaten ist nach der 
Mittheilung der Verf. auch 0. Johan- Olsen 
bei seinen Versuchen mit der Osteomyelitis- 
bacterie gekommen. Auch er konnte con- 
statiren , dass ein auf eine mit einer Milli- 
meter - Jodoform^chicht bedeckten Kartoffel- 
scheibe geimpfte Cultur dieses Pilzes sowohl 
ober- als unterhalb der Jodoform schiebt 
munter gewachsen sei (^sie wuchs , dass es 



eine Frisude war es anzusehen, sowohl ober- 
halb, als unterhalb der Jodoformschicht**). 

Verf. ziehen nun aus ihren anscheinend 
mit bacteriologischer Gründlichkeit an- 
gestellten Versuchen den Schluss: 

Dass das Jodoform nicht nur trotz seiner 
sonstigen vorzüglichen Eigenschaften als 
Antisepticum werthlos sei , sondern dass es 
sogar als ein gefährliches Mittel deshalb be- 
trachtet werden müsse, weil es selbst pathogene 
Mikroorganismen enthalten könne, auch nicht 
im Stande sei , die bei der üblichen Appli- 
cationsmethode aus der Luft oder mit un- 
reinen Pinseln und Jodoformzerstäubem in 
die Wunden gebrachten pathogenen Keime 
zu zerstören. 

Die Verf. stimmen vollständig dem Ent- 
schluss McLX Sckede'B in Hamburg zu, welcher 
das Jodoform vollständig aus seiner Klinik 
verbannt hat, nachdem er trotz der sorg- 
fältigsten Antiseptis in derselben innerhalb 
5 Monaten 23 Fälle von Erysipelas und 
Pyämie mit 9 Todesfällen beobachtete und 
deshalb zum Sublimat übergegangen war. 

Diese Mittheilungen dürften einen neuen 
Markstein in der Geschichte der Wund- 
behandlung bilden und dem Sublimat einen 
Concurrenten um die Priorität in derselben 
aus dem Wege schaffen. 



liiteratnr nnd Kritik. 



Therapentlselie Monatehefte. Heraus- 
gegeben von Dr. Oscar Liebreich unter 
Eedaction von Dr. A. Langgaard und 
Dr. S. Eabow. Erster Jahrgang. Ja- 
nuar 1887. Heft 1. Preis pro Jahr- 
gang 12 Mark. Verlag von Julius 
Springer in Berlin N. 
„Die grosse Fülle neuer Heilmethoden und 
Mittel, welche die beiden letzten Decennien 
zu Tage gefördert haben, und das voraus- 
sichtlich in Zukunft noch schneller anwach- 
sende Material verlangen eine sorgfältige 
Sichtung, da einerseits bei den phjsiologisch- 
pharmakodynamischen Untersuchungen man- 
cher Arzneimittel der wünschenswerthe Zu- 
sammenhang mit der Therapie nicht immer 
genügend gewahrt werde, andererseits es auch 
an Beispielen nicht fehlt, dass neue Arznei- 
mittel und Heilmethoden in die Praxis, ohne 
die erforderliche Vorprüfung oft nicht zum 
y ortheil, eintraten.'' 
• Daa ist der Grund, weshalb die „Thera- 



peutischen Monatshefte'' ins Leben gerufen 
worden sind. Dieselben sollen nicht nur refe- 
riren, sondern auch kritisiren, gewiss ein nur 
lobenswerthes, wenn auch zum Theil müh- 
seliges Unternehmen. Wie sehr Kritik bei 
der Fülle neuer Arzneimittel und Arznei- 
formen noth thut, das lehrt ja recht drastisch 
das Referat über Jodoform, welches wir auf 
Seite 63 heutiger Nummer bringen. Da nun 
dib Apotheker an den neuen Arzneimitteln 
vielfach ebenso grosses Interesse haben als die 
Aerzte, denn die letzteren brauchen das, was 
ihnen nicht scheint, nicht anzuwenden > so 
werden auch die Apotheker aus den Therapeut. 
Monatsheften Nutsen ziehen können und wir 
verfehlen deshalb nicht, auch an dieser Stelle 
auf das neue Unternehmen aufmerksam su 
machen. Ueber einen Artikel des vorliegen- 
den 1. Heftes referiren wir Seite 62 heutiger 
Nummer. e. 



65 



Zeitschrift fflr Nahrungsniittelunter- 
sachuBg und Hygiene« Eine 
Monatsschrift ftir ehemische und 
mikroskopische Untersuchung von 
Nahruugs- und Genussmitteln, Ge- 
brauchsgegenständen und fflr Hygiene. 
(Beiblatt der Wochenschrift „Phar- 
maceutische Post'')- Herausgegeben 
und redigirt von Dr. Hans Heger. 
I. Jahrgang, Heft 1. Wien 1887. 

Diese neue Zeit8i*.hrift erscheint als Bei- 
blatt zar „Pharm. Poet," kann aber auch fär 
sich allein anm Preise von 6 Jl bezogen 
werden. Die Zahl der Mitarbeiter ist eine 
stattliche und unifasat viele anerkannte Fach- 
leute. Das vorliegende erste Heft enthält 
allerdings fast nor Referate, doch ist besonders 
darauf hingewiesen , dass die nächsten Num- 
znem reichhaltiger sein werden. In Oesterreicb 
erschien bisher kein Specialblatt für Nahr- 
ungsmittelanalyse , es ist deshalb sicher an- 
zunehmen, dass das vorliegende Journal dorl 
ein weites Feld fiir seine Thätigkeit finden 
wird, snmal unter der tüchtigen Redaction 
Dr. IUeger'u. 



e. 



Die offleinellen Pflanzen nnd Pflanzen- 
präparate. Zum Gebrauch für 
Studirende und Aerzte übersichtlieh 
zusammengestellt von Dr. Hugo Schula, 
0. ö. Professor der Arzneimittellehre 
an der Universität Greifswald. Mit 
vienindzwanzig Illustrationen. Wies- 
baden 1885. Verlag von J. F. Berg- 
mann. 

Das kleine Werk behandelt in alphabetisch 
nach den Namen der Stammpflanzen geord- 



neten kurzen Artikeln, welche mit zahlrekbcn 
guten Abbildungen versehen sind, Her- 
kommen und Beschaffenheit der offleinellen 
Pflanzen und Pflanzenpräparate in der Aus- 
dehnung oder vielmehr Beschränkung, welche 
den bescheidenen Ansprüchen, die in dieser 
Richtung an die Mediciner gestellt werden, 
genügt. Als Repetitorium wird das Buch 
aber auch von Pharmaceuten , welche vor 
dem ersten Examen stehen, gewiss gut be- 
nutzt werden können. e. 



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Iscellen. 



Antrophor. 

Dor Antrophor ist ein Instrument, welches 
daza bestimmt ist, in Wunden, Fisteln oder 
Höhlangen des Körpers etc. Medicamente 
einzofuhren, er ähnelt also den Bougies. Der 
Antrophor besteht aus einer vernickelten, 
sehr elaatischen Drahtspirale, welche mit dem 
in eine Qelatinemasse eingeschlossenen 
Hedieament umhüllt ist. Aussen ist die 
GelAtinemaiae mit Talkpulver bestreut oder 
eingerieben. Apotheker iS^^Aan in Treuen 
fabricirt den Antrophor. 

In der Klinik der Königlichen Thierarznei- 
Bchole in Dreeden werden in geeigneten Fällen 



ähnliche Stäbehen benutzt, die Seele der- 
selben ist aber keine Drahtspirale} sondern 
gezwirnter Bindfaden. 



Detannirter Ipecaonaiüiaweiii. 

Zur Entfernung der Gerbsäure aus dem 
Ipecacuanhawein empfiehlt Jlfa&cn, den Gerb« 
Stoff durch Gelatine auszufiillen , damit nicht 
beim Aufbewahren ein Theil des Emetio« 
als Taunat sich ausscheiden könne. Vergl. 
Ph. Oentralh. XXVIII, 13. s. 

Drugg. Curcular 1866, ^ 



66 



Sogenannter Baskuithonig. 

Die ßonigfabrikation scheint in ein ganz 
neaes Stadium getreten. Prof. Finkener 
(Mitth. d. Kgl. techn. Versuchsanstalten, 
Berlin 1886, 142) hat ein von Holland 
aus unter dem Namen „Bischuithonig" in 
den Handel gebrachtes Kunstproduct unter- 
sucht, das sich als ein Gemenge von Rohr- 
zuckersjrup mit Oleomargarin herausstellte. 
Die Analyse ergab in 100 : 30 Oleomargarin, 
29 Rohrzucker, 4 Traubenzucker, 7 Dextrin, 
0,5 Sand und Holztheilchen , 29 Wasser, 
0,5 kohlensaures Natron. — os— 



Braunfärbung der 
Schmarotzerpflanzen, 

besonders von Orobanche und Mono- 
tropa, welche diese Pflanzen beim Auf- 
bewahren in Spiritus annehmen , . yerhütct 
man nach Dr. H. de VrieSy indem man dem 
Spiritus 2 pCt. Salzsäure hinzufügt. Es 
können hierdurch, besonders wenn der 
Spiritus öfter erneuert wird , farblose Präpa- 
parate erhalten werden; ganz alte Präparate 
lassen sich auf diese Weise nicht mehr ent- 
färben , sondern verlaUgen einen Zusatz von 
etwas Schwefelsäure und chlorsaurem Kali. 
Pflanzen mit lederartigen Blättern entfärben 
sich häufig erst beim Behandeln mit heissem 
Alkohol. Pharm, Joum. Transact, Bec. 1886. 



Vielleicht Hesse sieh durch Eintauchen in 
sauren Alkohol auch das Braunwerden der 
genannten Pflanzen beim Trocknen verhüten. 

'-OS— 



Verfahren^ Kork gegen Schimmel- 
bildung zu schützen. 

Um Korkpfropfen für Weinflaschen u. dgl. 
zu reinigen und gegen Auftiahme von Pilz- 
sporen zu schützen, bringt man sie nach dem 
Vorschlage von E» Bousquet in Bordeaux 
(D. R. P. Kl. 64, Nr. 36433 vom 20. Decem- 
ber 1885) zunächst in ein Dampf- oder 
Wasserbad von etwa 110 o und lässt sie so 
lange in demselben, bis die vorhandenen 
Pilzsporen getödtet sind ; dann legt man die 
Korke noch heiss in eine wässerige Albumin- 
lösnng (500 g trockenes Albumin auf 100 1 
Wasser) und darauf in eine Lösung von Gerb* 
säure und Salicjlsäure (500 g Gerbsäure, 
250 g Salicylsäure auf 100 1 Wasser). An 
Stelle des Albumins kann auch Fischleim an- 
gewendet werden; dazu löst man 1000 g 
Fischleim und eben soviel Salicjlsäure in 
100 1 kochendem Wasser und behandelt die 
Korke mit dieser Lösung; vor dem Erkalten 
taucht man sie hierauf in eine Gerbsäure- 
lösung (200 g Gerbsäure auf 100 1 Wasser) 
und trocknet sie bei massiger Wärme. Das 
letztere Verfahren eignet sich besonders für 
Korkplatten. 



•v^.^s./^ f^.r^ '^ ^^f 



Offene Correspondense. 



A. tn ])• Paraffinum molle Br. P. ist 
ufaser Unguentum Paraffin! 3= Vaseline. 
Die Bezeichnung P. molle ist gegenüber den 
von Ph. G. II acceptirten Namen Paraffinum 
liquidum und Boliaum gut verständlich und 
richtig. 

S» »n D« Das Ueberstreichen des Heftpflasters 
mit einem mit Aether befeuchteten Schwamm 
soll zur Fol^e. haben, dass das Heftpflaster rasch 
und gut klebt. ^Versuchen Sie es einmal auf 
diese Weise. Jedenfalls ist es aber bequemer 
ein Pflaster zu haben, welches auch ohne diese 
Manipulation klebt. Es Riebt im Handel sehr 
gute Sorten gestrichenen Heftpflasters. 

C« tn N* Vermögen wir doch zu beant- 
worten. Ob die Leinsamen Amygdalin ent- 
halten, ist noch nicht sicher festgestellt, bis- 
lang wohl nur vcrmuthet, Thatsache aber ist, 
dass sich ans mit Wasser angerührtem Lein- 
samenmehlbrei ein Cyanwasserstoff enthalten 



Geruch wahrnehmen. Es ist darum zu ver* 
wnndem, dass die Blausänrebildung in diesem 
Falle nicht schon länger bekannt ist. Meyer 
und Meier sind die Entdecker (vor IV9 bis 
2 Jahren); in Ht^emann- Hilger die Pflanzen- 
Stoffe ist noch nichts darüber erwähnt.' 

Apoth, M« m T, Das Ghinojodin wurde 
vor Jahresfrist als Antisenticnm empfohlen, es 
ähnelt im Geruch den Cninolin, im Aussehen 
dem Jodoform. Das Ghinojodin, ein Chlor- and 
Jodaddition sproduct des Chinolin soll die 
Formel CsHrNJCl besitzen. Es ist unlöslich 
in Wasser, schwer lOslich in Alkohol und Aether. 
Fflr die medicinische Anmeldung wurde es in 
Mischung mit Talcum, als Salbe mit Vaselin, 
als Polver mit CoUodium angeschüttelt, aber 
als Paste mit Wasser angerührt empfohlen. 
Man hat sehr lange nichts mehr davon gehört. 

Apoth, T* tn P» Kiesclguhr wird anch 
Hier und da medicinisch angewendet und zwa 



de6 DefitiUat gewinnen lässt. Beim Anrühren P''' ''"" lAr "v" r°^ RURewenuei, una zwar 
von Leinmehl mit Wasser kann m^n bei sorg- "). l^Ä^,^^^^^^^ *^^ Streupulver reap. 

fEltigem Riechen bereits den blausSoreartigln *" ^*^"^ ^^" ^^^^^ *^***- 



mm 



Im V9T\tLgB d«r H«imiit(«ber. V«nuitwortUeb«r Badaetour Dr. E« Gelsiler In t>r«Md^n. 
Druck der KSnifl. Hofbnehdroekerei tob 0. O. MetnholdA S9bm6 tn Dresden. 



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Dresden, Pilin itzer Strasse 56 adressiren. 



Mi^. 



Berlin, den 10. Februar 1887. ^}rjj[;;!>g^. 

Der ganzen Folge XXVIIL Jahrgang. 

Inbaltt vatHile mB4 Pkarmaeie: Nenat pbArmaoeotUehM Man aal. — Notls inr Färbang der CarboUftnre. — 
Kotls nb«r fitliebe Oebeimmlttclanalyien. — SaUlösniifeii mit Gamml arablenm. — Liquor Kalil arseniooal. — 
Ein gute« Exelplens fttr Plllenmaasen. — Cblnlnplllen. — Yerba Santa als Qetcbmaokseorrigens dei Ohlnlm. — 
AlkjUUebe Tlnetiireii and Extraete. — Tinctnra Cbinae et ErlodyctU. — Neuere Drogen nnd Pflansenstolfe. — 
Beitrige snr Xenntalaa der Hilebbntter nnd der an Ibrem Ertata in Anwendung gebrachten anderen Fette. — 

Offese CorretpOHdeu« — ABielgem« 



Chemie nnd Pliarmacle. 



Heues phannaoentiBchee MannaL 

Von Eugen Dieteridt, 
(Fortsetzung.) 

Nachdruck untersagt. 

n. Watte-*) 

Hydrophile Watte. Verband -Baumwolle. 

Das Entfetten der Rohbaumwolle geschieht 
durch wiederholte Laugenbehandlung und 
nicht, wie man Terschiedentlich angegeben 
findet, durch Extraction mit Benzin oder 
dergl. Der Laugenbehandlung folgt das 
Bleichen, dann das Trocknen und den Schluss 
macht das Krempeln, um der Watte die durch 
die Terschiedenen Wäschen verloren ge- 
gangene lockere Beschaffenheit wieder zu 
geben. Diese Arbeiten sind nur im Grossen 
durehfBhrbar, so dass es sich ffir unseren 
Fall gebietet, die hydrophile Watte zu be- 
ziehen und nur die Imprägnation vorzu* 
nehmen. 

Yerbandwatte besitzt ein grosses Aufsauge- 



*) Besu|8quellen ffir hydrophile Watte : Ma- 
schinenfabrik Germania und Max Arnold in 
Chemnitz. 



vermögen und hält , in Wasser getaucht und 
ausgepresst, davon das Doppelte des eigenen 
Gewichtes zurück. 

Das Imprägniren, ähnlich wie bei der 
Gaze, besteht darin, die hydrophile Watte in 
der Flüssigkeit zu kneten und sie je nach 
Vorschrift entweder bis zu einem bestimmten 
Gewicht auszupressen oder mit Gewichten zu 
belasten und einige Stunden ruhig sich selbst 
zu überlassen. Die Pigmentzusätze haben 
den gleichen Zweck wie bei der Gaze. 

Das Trocknen geschieht auf Hürden in 
Trockenschränken oder in Zimmertemperatur. 

Die getrocknete Watte wird durch Aus- 
einanderzupfen gelockert und in Packete zu 
25, 50, 100 und 250 g Inhalt gepackt. 

Als Einhüllungsmaterial dient, je nachdem 
es sich um flüchtige oder nicht flüchtige 
Stoffe handelt, Glas, Stanniol, Pergament- und 
Ceresin -Papier. 

Arniea- Watte. 

800,0 Tincturae Amicae, 

200,0 Glycerin 
verdünnt man mit 

2500,0 Spiritus diluti, 
tränkt damit 



68 



1000,0 hydrophiler Watte 
nnd presst bis zu einem Gewicht von 

3000,0 
aas. 

» 

Man trocknet vorsichtig und verpackt in 
Glas. 

Die Watte enthält 20 pCt. Arnicatinctur. 

Benzoe- Watte nach t. Bruns jun. 

a) 3, 4, 5 pCt. 

45,0 (60,0 oder 75,0) Acidi benzoici, 

30,0 Olei Bicini, 
2925,0 Spiritus (94pCt.), 
1000,0 hydrophiler Watte. 

b) 10 pCt. 
150,0 Acidi benzoici, 
60,0 Olei Bicini, 
2790,0 Spiritus (94 pCt.), 

0,2 spirituslösl. Anilinblau, 
1000,0 hydrophiler Watte. 
Man tränkt und presst beide bis zu einem 
Gewicht von 3000,0 ab. Die übrige Behand- 
lung findet sich in der Einleitung angegeben. 

Borsäure «Watte. 

a) 5 pCt. 
75,0 Acidi borici, 

2925,0 Aquae fervidae, 
1000,0 hydrophiler Watte, 

b) 10 pCt. 
150,0 Acidi borici, 

2850,0 Aquae fervidae, 
1000,0 hydrophiler Watte. 

c) 20 pCt. 
300,0 Acidi borici, 

2700,0 Aquae fervidae, 

0,2 Fuchsin, 
1000,0 hydrophiler Watte. 
Man presst bei den 3 Nummern die Flüs- 
sigkeit sofort nach dem Tränken bis auf ein 
Gesammtgewicht von 3000,0 ab und ver- 
fährt im Uebrigen laut Einleitung. 

Carbol - Watte naeh v, Bruns jun. 

a) 5 pCt. 
75,0 Acidi carboUei, 
30,0 Olei Bicini, 
300,0 Colofonii, 
2600,0 Spiritus (94 pCt), 
1000,0 hydrophiler Watte. 



b) 10 pCt. 

150,0 Acidi carbolici, 
60,0 Olei Bicini, 
450,0 Colofonii, 
2340.0 Spiritus (94 pCt.). 
1000,0 hydrophiler Watte. 
Man verfährt laut Einleitung und presst 
beide bis auf ein Gewicht von 3000,0 ans. 

Chlorzink- Watte nach Bardeleben. 

10 pCt. 
150,0 Zinci chlorati, 
2850,0 Aquae fervidae, 
1000,0 hydrophiler Watte. 
Man verfährt laut Einleitung und presst 
noch heiss bis zu einem Gewicht von 3000,0 
aus. 

Cocain - Watte. 

3 pCt. 

3,0 Cocaini hydrochlorici, 
100,0 Aquae destillatae, 
50,0 Spiritus, 
100,0 hydrophiler Watte. 
Man tränkt laut Einleitung und trocknet 
bei 300. 

Cocai* n - Bor - Watte. 

2,0 Cocaini hydrochlorici, 
5,0 Acidi borici, 
3,0 „ carbolici, 
10,0 Glycerini, 
50,0 Spiritus, 
80,0 Aquae destillatae, 
100,0 hydrophiler Watte. 
Man tränkt laut Einleitung nnd trocknet 
durch Ausbreiten an der Luft. 

Die Cocain -Bor -Watte soll ein gutes 
Mittel gegen Brandwunden sein. 

Cocain - Morphium - Watte. 

3,0 Cocaini hydrochlorici, 
1,5 Morphii 
75,0 Spiritus, 
75,0 Aquae destillatae, 
100,0 hydrophiler Watte. 
Man tränkt laut Einleitung und trocknet 
bei 300. 

Die Cocain -Morphium -Watte wird als 
schmerzstillendes Mittel zum Tamponiren 
hohler Zähne benfitzt. 

Eisenchlorid - Watte. 

750,0 Liquoris Fern sesquichlorati 
75,0 Glycerini, ' 



n 



69 



1175,0 Aqnae dest., 
1000,0 Spiritus (90 pCt.), 
1000,0 hydrophiler Watte. 

Man tr&nkt, pr«sst bis auf ein Gewicht von 

3000,0 

ans, trocknet nnter Abhaltung des Tages- 
lichtes nnd bewahrt in brannen Gläsern auf. 

Essigsanre Thonerde - Watte 
nach Borow. 

a) 5 pCt 

1000,0 Liqooris Aluminii acetiei, 
2000,0 Aquae destillatae, 
1000,0 hydrophiler Watte. 

b) 10 pCt. 

2000,0 Liquoris Aluminii acetiei, 
1000,0 Aquae destillatae, 
1000,0 hydrophiler Watte. 

Man tränkt, presst beide je bis zu einem 
Gewicht vom 3000,0 ans und verfährt im 
üebrigen nach Angabe der Einleitung. 

Ichthyol -Watte. 

a) 20 pCt. 

300,0 Amraonii sulfo-ichthyolici, 

700,0 Spiritus, 
2000,0 Aquae destillatae, 
1000,0 hydrophiler Watte. 

b) 750,0 Ammonii sulfo-ichthyolici, 

750,0 Spiritus, 

1500,0 Aquae destillatae, 

1000,0 hydrophiler Watte. 

Man tränkt, presst beide je bis zu einem 
Gewicht von 3000,0 aus und trocknet in 
einer Temperatur, welche 25^ nicht über- 
steigt. 

Jod -Watte. 

10 pCt. 
10,0 Jodi 

breitet man auf dem Boden einer Weithals- 
glasbüchse aus, schichtet 

100,0 hydrophiler Watte 

darüber , verbindet die Buchse mit glyceri- 
nirtem Pergamentpapier und erhitzt nun die 
Glasbnchse in einem Wasserbad von 50 — 60^ 
80 lange , bis sich alles Jod verflächtigt und 
die Baumwolle gleichmässig durchzogen hat. 
Man dispeosirt in gut verkorkten Glas- 
büchseD. 



Jodororm- Watte nach y. Mosetig. 

a) 4 und 5 pGt. 

60,0 resp. 75,0 Jodoformii, 
600,0 resp. 750,0 Aetheris, 
2340,0 resp. 2175,0 Spiritus (94 pCt.), 
1000,0 hydrophiler Watte. 

b) 10 pCt. 

150,0 Jodoformii, 
50,0 Olei Bicini, 
50,0 Colofonii, 
1250,0 Aetheris, 
1500,0 Spiritus (94 pCt.), 
1000,0 hydrophiler Watte. 

c) 20 pCt. 

300,0 Jodoformii, 

100,0 Olei Ricini, 

100,0 Colofonii, 
2000,0 Aetheris, 

500,0 Spiritus (94 pCt.), 
1000,0 hydrophiler Watte. 

Bei Herstellung der vier Procentsätze muss 
man sich einer gewissen Schnelligkeit be- 
fleissigen. 

Man schlägt jede Nummer nach dem 
Tränken in dünnes Pergamentpapier , sticht 
am Kand eine Reihe von Löchern ein und 
presst jede Partie bis zu einem Oewicht von 
3000,0 aus. 

Das Trocknen geschieht durch Ausbreiten 
an der Luft. 

Naphtalln -Watte. 

10 pCt. 

150,0 Naphtalini, 

30,0 Colofonii, 

20,0 Olei Bicini, 
2800,0 Spiritus (90 pCt.), 
1000,0 hydrophiler Watte. 

Man löst durch Erhitzen, tränkt die Watte 
in der heissen Lösung und presst rasch bis 
zu einem Gewicht von 3000,0 aus. 

Man trocknet durch Ausbreiten an der 
Luft. 

Resorein -Watte. 

a) 3 pCt. 

45,0 Besorcini purissimi, 

55,0 Glycerini, 
900,0 Spiritus (90 pCt.), 
2000,0 Aquae destillatae, 
1000,0 hydrophiler Watte. 



70 



b) 5 pOt. 

75,0 Sesorcini purissimi, 
75,0 Glycerini, 
850,0 Spiritus (90 pCt), 
2000,0 Aquae destillatae, 
1000,0 hydrophiler Watte. 
Man verfährt nach der Einleitung und 
presst jede Partie bis zu einem Gewicht von 
8000,0 aus. Die zum Trocknen geeignetste 
Temperatur liegt zwischen 25 und 30 o. 

Salicyl- Watte nach y. Brnns jun. 

a) 5 pGt. 

75,0 Acidi salieylici, 

50,0 Olei Bicini, 
2875,0 Spiritus (94 pOt.), 
1000,0 hydrophiler Watte. 

b) 10 pCt. 

150,0 Acidi salieylici, 
100,0 Olei Bicini, 
2750,0 Spiritus (94 pCt.), 
1000,0 hydrophiler Watte. 
Man verfahrt nach Angabe der Einleitung 
und presst jede Partie bis zu einem Gewicht 
von 3000,0 aus. 

Man trocknet in einer Temperatur von 25 
bis 300. 

Salicyl- Watte nach Thiersch. 

a) 4 pCt. 

60,0 Acidi salieylici, 

10,0 Glyeerini, 
4C0,0 Spiritus (90 pCt.), 
2500,0 Aquae fervidae, 
1000,0 hydrophiler Watte. 

b) 10 pCt. 

150,0 Acidi salieylici, 
25,0 Glyeerini, 
825,0 Spiritus (90 pCl.), 
2000,0 Aquae destillatae, 
1000,0 hydrophiler Watte. 
Man verfährt laut Einleitung, presst jede 
Partie bis auf ein Gewicht von 3000,0 aus 
und trocknet bei einer Temperatur von 25 
bis 300. 

Sero -Sublimat -Watte nach Lister.*) 

Va pCt. 
7,5 Hydrargyri bichlorati 
löst man durch Verreiben in 
750,0 Pferdeblut - Serum, 



*) Vergl. anch Ph. C. 26, 52 u. 267. 



verdnnnt mit 

2250,0 Aquae destillatae 
tr&nkt 

1000,0 hydrophiler Watte 

und presst bis zu einem Gewicht von 

3000,0 
aus. 

In Ermangelung von Pferdeblut benützt 
man das von mir beschriebene „Hydrargyrum 
albuminatum solutum'^ Die Vorschrift lautet 
dann: 

7,5 Hydrargyri bichlorati, 

7,5 Natrii chlorati 
lOst man durch Verreiben in 

40,0 Hühnereiweiss, 
verdünnt mit 

2950,0 Aquae destillatae, 
tränkt damit 

1000,0 hydrophiler Watte 
und presst bis auf 

3000,0 
aus. 

Man trocknet die nach beiden Vorscfariiten 
hergestellte Watte bei 25 bis 30 o. 

Die Einwirkung von Tageslicht ist zu ver- 
meiden. 

Sublimat -Watte nach Schede. 

1/4 und Va pCt. 

3,7 resp. 7,5 Hydrargyri bichlo- 
rati, 
300,0 Glyeerini, 
700,0 Spiritus, 
2000,0 Aquae destillatae, 
1000,0 hydrophiler Watte. 

Man verfahrt laut Einleitung, presst bis 
auf ein Gewicht von < 

3000,0 
ab und trocknet unter Abhaltung des Tages- i 
lichtes bei 25 bis 30^. 

Tannin - Carbol - Watte. 

10:8 pCt 

150,0 Acidi tanniei, 

120,0 „ carbolici, 

230,0 Olei Bicini, 
2500,0 Spiritus (94 pCt), 
1000,0 hydrophiler Watte. 

Man verfährt lautEinleitung, presst bis zu 
einem Gewicht von 

3000,0 
ab und trocknet durch Ausbreiten aii der 
Luft 



71 



Thymol- Watte nach Ranke. 

a) 2 pCt ^ 

30,0 Thymoli, 

60,0 Oolofonii, 
410,0 Cetacei, 
2500,0 Spiritus (90 pCt), 
1000,0 hydrophiler Watte. 

b) 5 pCt. 

75,0 Thymoli, 

150,0 Colofonii, 

475,0 Cetacei, 
2300,0 Spiritus (90 pCt), 
1000,0 hydrophiler Watte. 

Bei beiden löst und tränkt man unter An- 
wendung von Wärme , presst je bis auf ein 
Gewicht von 3000,0 aus und trocknet durch 
Ausbreiten an der Luft. 

HL Jute.*) 

Man verwendet eine ungebleichte, sog. 
Roh -Jute und eine gebleichte Jute. Da sich 
die letztere besser zum Imprfigniren eignet, 
wie die erstere, so wird in den folgenden 
Vorschriften nur die bessere Waare Berück- 
sichtigung finden. Im Allgemeinen besitzt 
Jute kein so grosses Aufsaugevermögen, wie 
Baumwolle ; dafür ist sie aber durchlässiger 
und bäckt nicht so leicht zusammen. 

Ganz wie bei der Oaze und der Watte 
knetet man die Jute in der Imprägnirungs- 1 
flussigkeit und presst sie eventuell unter den 
in der Einleitung zu Gaze angegebenen Mo* 
dalitsten bis zu einem bestimmten Gewicht 
ab. 

Das ganze Verfahren, ebenso die Verpack- 
ung, ist das bei der Watte gebräuchliche. 

Benzoe-Jnte. 



a) 5 pCt. 

75,0 Acidi benzoici, 

30,0 Olei Bicini, 
1400,0 Spiritus (94 pCt.), 
1000,0 gebleichter Jute. 

b) 10 pCt. 

150,0 Acidi benzoici, 
50,0 Olei Ricini, 
1300,0 Spiritus, 
1000,0 gebleichter Jute. 
Man presst a und b bis auf ein Gewicht 



*) Bezuf^gqucUe: Braunschweiger A eilen ge- 
<«ellschaft ffir Jutefabrikation, Braunschweig. 



von 20()0,0 ab ; im üebrigen ist die Behand- 
lung wie bei Benzoe -Watte. 

Carbol-Jute^ anflxirt» 

a) 5 pCL 

75,0 Acidi carbolici, 
1000,0 Spiritus (90 pCg, 
425,0 Aquae destillatae, 
1000,0 gebleichter Jute. 

b) 10 pOt. 

150,0 Acidi carbolici, 
1000,0 Spiritus (90 pCt.), 

350,0 Aquae destillatae, 
1000,0 gebleichter Jute. 

Man presst bei a und b bis auf 2000,0 ab 
und trocknet an der Luft. 

Carbol-Jute, iBxirt nach Mannlch. 

8pCt. 

80,0 Acidi carbolici, 

200,0 Colofonii, 

100,0 Cetacei, 
1250,0 Spiritus (94 pCt), 
1000,0 gebleichter Jute. 

Man tr&nkt in warmer Lösung, ohne ab- 
zupressen, beschwert unter Erwärmen einige 
Stunden mit Gewichten und trocknet an der 
Luft. 

Carbol- Spiritus - Jute. 

10 pCt. 

100,0 Acidi carbolici, 
600,0 Spiritus. 
Man begiesst mit dieser Lösung 
1000,0 Pressstücke von Jute 
von allen Seiten möglichst gleichmässig, 
schlägt sie dann in Pergamentpapier ein und 
bewahrt sie so auf. 

Chlorzink -Jute nach Bardeleben. 

10 pCt. 

100,0 Zinci chlorati, 
1250,0 Aquae fervidae, 
1000,0 gebleichter Jute. 

Man tränkt durch Kneten und trocknet bei 
25 bis 300. 

Essigs. Tlionerde-Jnte nacli Bnrow. 

a) 5 pCt. 

650,0 Liquoris Aluminii acetici, 
850,0 Aquae destillatae, 
1000,0 gebleichter Jute. 



72 



b) 10 pCt. 

1300,0 Liquoris Aluminii acetici, 
200,0 Aquae destillatae, 
1000,0 gebleichter Jute. 

Man tränkt bei a und b durch Kneten und 
trocknet, ohne auszupressen, bei 25 bis 30^. 

Jodoform- Jute. 

10 pCt. 

100,0 Jodoformii, 

30,0 Colofonii, 

30,0 Olei Bicini, 
700,0 Aetheris, 
500.0 Spiritus, 
1000,0 gebleichter Jute. 

Man tränkt und trocknet, ohne auszu- 
pressen, an der Luft. 

Resorcin-Jnte. 

5pCt. 

50,0 Resorcini purissimi, 

50,0 Glycerini, 
400,0 Spiritus, 
1000,0 Aquae destillatae, 
1000,0 gebleichter Jute. 

Man knetet und trocknet, ohne vorher aus- 
zupressen, bei 25 bis 30^. 

8alieyl-Jate. 

a) 4 pCt. 

60,0 Acidi salicylici, 

30,0 Olei Bicini, 
1400,0 Spiritus (90 pCt), 
1000,0 gebleichter Jute. 

b) 10 pCt. 

100,0 Acidi salicylici, 
60,0 Olei Bicini, 
1340,0 Spiritus (90 pCt.), 
1000,0 gebleichter Jute. 

a und b, gut getränkt, presst man bis auf 
ein Gewicht von 2000,0 aus und trocknet bei 
25 bis 30«. 

Sero- Sublimat- Jnte. 

a) 1/4 pCt. 

2,5 Hydrargyri bichlorati, 
250,0 Pferdeblut -Serum, 
1250,0 Aquae destillatae, 
1000,0 gebleichter Jute. 



b) Va pCt. 
5,0 Hydrargyri bichlorati, 
500,0 Pferdeblut -Serum, 
1000,0 Aquae destillatae, 
1000,0 gebleichter Jute. 

aundb, gut getränkt, trocknet man, ohne 
sie vorher auszupressen, bei 25 bis 30^. 

In Ermangelung von Pferdeblutserum be- 
nützt man das von mir beschriebene „Hydrar- 
gyrum albuminatum solutum.*' Die Yor- 
schrift lautet dann: 

2,5 resp. 5,0 Hydrargyri bichlorati, 
2,5 „ 5,0 Natrii chlorati, 
10,0 „ 25,0 Hühnereiweiss, 
1500,0 Aquae destillatae, 
1000,0 gebleichter Jute. 
Herstellung wie oben. 

Sublimat -Chlornatriam • Jote. 

V2 pCt. 

5,0 Hydrargyri bichlorati, 

200,0 Natrii chlorati, 

100,0 Glycerini, 
1200,0 Aquae destillatae, 
1000,0 gebleichter Jute. 

Man tränkt und trocknet bei 25 bis 30^, 
ohne vorher auszupressen. 



Notiz zur Färbung derCarbolsäure. 

Von Dr. E. Mylius. 

Für die leidige Rothfarbung des Phenols 
sind bereits die allerverschiedenartigsten 
Ursachen verantwortlich gemacht worden, 
ohne dass man dadurch zu einer völligen 
Klarheit gekommen ist. Auch meine 
heutige Beobachtung bringt dieselbe 
nicht, scheint mir aber für manche der- 
artige Fälle eine Erklärung zu bringen. 
Man kann beobachten, dass dieselbe 
Oarbolsäure anfangs weiss, nach der 
Verflüssigung durch Wasser in ver- 
schiedenen Flaschen sich verschieden 
verhält, indem sie in der einen Flasche 
roth wird, in der anderen weiss bleibt. 
Nun habe ich den Versuch gemacht, 
zwei Flaschen, in deren einer sich die 
Oarbolsäure roth gefärbt hatte, während 
sie in der anderen weiss geblieben war, 
aufs Neue mit farbloser Säure zu füllen. 
Letztere färbte sieh wiederum in der 
einen, während sie in der anderen farb- 
los blieb, wenn auch der Unterschied 



73 



das zweite 31 al weniger bedeutend war. 
Der Sebluss lag nahe, dass der Unter- 
schied der Lösliehkeit der Flaschen- 
substanz hier das verschiedene Yerhalten 
der Carbolsäure verursachte. Berück- 
sichtigt man andere hierher gehörige 
Erscheinungen : Ausfällen von Morphin 
und Anlimonoxyd aus Morphin- und 
Brechweinsteinlösungen, das Grtünwerden 
der Apomorphinlösungen, wenn diese 
keinen Säureüberscbuss enthalten, die 
Thatsacbe, dass alle Phenole bei Gegen- 
wart von Alkali sich an der Luft unter 
Färbung oiydiren, so ist die Wahrschein- 
lichkeit naheliegend, dass auch die 
Carbolsäure beim Aufbewahren in Glas- 
flaschen in der fragliehen Weise beein- 
flusst werden kann, wenn die Flaschen 
aus einer leicht zersetzlichen Glasmasse 
herorestellt sind. 

Um für obige Ansicht, dass in einem 
Theil der Fälle von Rothwerden der 
Carbolsäure nicht diese selbst, sondern 
die Glasge fasse verantwortlich zu 
machen sind, weil diese Alkali abgeben, 
einen weiteren Anhaltpunkt zu gewinnen, 
habe ich folgenden Versuch gemacht 

Je 100 g eines Acid. carbolic. lique- 
factuna. welches sich der Begel nach 
als farblos bleibend gezeigt hatte, that 
ich in grüne Flaschen . welche hinsicht- 
lich der Löslichkeit ihrer Bestandtheile 
noch keinen Anlass zur Klage gegeben 
hatten, und zwar: 1. ohne Zusatz, 2. mit 
1 Tropfen Liquor Ammon. causlici, 

3. mit 1 Tropfen Liquor Kali carbonici, 

4. mit 0,1 g Zinkoxyd, 5. mit 0,1 g 
Ferrum hydricum. Ferner wurde 6. in 
eine Flasche, in welcher die Carbolsäure 
zweimal rolh geworden war, wiederum 
von derselben Carbolsäure gethan und 
gleichzeitig Salzsäure bis zur sauren 
Reaetion auf Lackmus zugefügt. Die 
Flaschen stehen jetzt seit 6 Wochen in 
einem ziemlich dunklen Baume. Kei 1 
ist der Inhalt farblos, bei 2 rosa mit 
Hwas bläulichem Stich , bei 3 röthlich- 
braun , bei 4 und 5 farblos , desgleichen 
bei 6. Dies beweist folgendos: Bei 
tif'genwart von Spuren Alkali, selbst 
kohlensaurer Salze, färbt sich die Carbol- 
Näare roth; Gegenwart von Eisenhydroxyd 
und Zinkoxyd (die man auch schon 
verantwortlich gemacht hat) veranlasst 



die Bothfärbung nicht; Salzsäuregegen- 
wart verhindert das Rothwerden in einer 
Flasche, in welcher die Carbolsäure vor- 
her roth geworden ist. Hier hat sich 
Kali carbonicum und Liq. Ammon. 
caustic. gleich wirksam erwiesen. Allein 
ich betone, dass die Fiirbung der mit 
Ammoniak versetzten Probe anders 
war, als man sonst bei rothgefärbter 
Carbolsäure wahr nimmt. Es hatte 
offenbar die Bildung eines wirklichen, 
lebhaft gefärbten Farbstoffes stattgefunden. 
Ich glaube daher nicht, dass die frei- 
willig sieh roth färbende Carbolsäure 
dem Ammoniak die Bothfärbung ver- 
dankt, wie dies Hagere Ansicht ist. Ich 
glaube aber auch nicht, dass ich für alle 
Fälle eine zutreffende Erklärung gegeben 
habe, vielmehr nur für die Fälle, in 
denen eine und dieselbe Carbolsäure in 
der einen Flasche roth wird, in der 
anderen nicht. Für diejenigen Carbol- 
säuren, welche unter allen Umständen 
roth werden, passt die obige Erklärung 
nicht. 

Notiz über falsche Geheimmittel- 
an alysen. 

Von Dr. E. Mylius. 

An einem Beispiel, welches mir zu- 
fallig in die Hände gelaufen war. habe 
ich dargethan, dass man 30 Jahre lang 
falschen Analysen glauben und werth- 
lose Nachahmungen darnach herstellen 
kann. Ob nun letzteres eine Arzneifälsch- 
ung zu nennen ist, kann ja einmal von 
anderen , ebenso vorurtheilsfreien Ver- 
fassern, wie ich einer bin, besprochen 
werden, bevor es zu Parteizwecken auf- 
gegriffen und verwerthet wird. 

Ausser dem erwähnten Beispiel einer 
falschen Geheimmittolanalyse aus alter 
Zeit (Liqueur de Laville) erlaube ich 
mir ein solches nicht minder drastisches 
aus der allerneuesten Zeit vorzulegen. 
Es hat seiner Neuheit wegen den Vor- 
zug, dass der Analytiker nicht einwenden 
kann: Der Fabrikant hat inzwischen die 
Zusammensetzung geändert. Der ,,Orts- 
gesundheitsrath zu Karlsruhe'* veröffent- 
licht Folgendes: 

Dr. Oidlnfanns Purgatif, ein gegen 
Hiimorrhoiden , Leberleiden, chronische 



74 



Darmkatarrhe etc. angepriesenes Mittel, 
besteht aus einer durch Essigäther 
und K am i 11 en ö 1 a r m a t isirten 
wässrigen Lösung von Oelnatron- 
seife mit viel Glycerin. Das Pur- 
gatif ist ein unschädliches Abflihrmittel, 
entbehrt aber der ihm angerühmten Wirk- 
samkeit und ist viel zu theuer. 

Karlsruhe, den 10. Januar 1887. 

Der Ortsgesundheitsrath. 

Ich kümmere mich um den übrigen 
Inhalt dieser Bekanntmachung nicht, 
weil er mich nichts angeht; die an- 
gegebene Zusammensetzung des Mittels 
aber, zu welcher der Vorsitzende des 
Ortsgesund hei tsrathes seine Unterschrift 
giebt, die ist falsch. 

Mein Beweis, dass dies der Fall ist, 
liegt in Folgendem: 

Da OicUmanfi's Purgatif als Miniatur- 
klystier, als welches es empfohlen wird, 
gewisse Vorzüge hat, so wünschte ich 
seine Zusammensetzung kennen zu lernen. 
Ich habe daher eine Analyse damit an- 
gestellt, bin aber bisher zu einer Kennt- 
niss der wirksamen Bestandtheile nicht 
gelangt. Es verhielt sich folgender- 
maassen: Schwach alkalisch enthält es 
geringe Mengen Kohlensäure und etwa 
2 pCt. Asche, aus Natriumcarbonat be- 
stehend. Auf Zusatz von Schwefelsäure 
sondert es etwa 8 Volumprocent eines 
braunen Oeles ab. Dieses wurde mit 
Aether ausgeschüttelt, in welchen es 
schwer, nur nach Anwendung grosser 
Mengen desselben überging. Der Aether 
hinterliess beim Abdampfen einen oran- 
gerothbraunen wasserlöslichen Fir- 
niss von Geruch nach Capronsäure und 
deren nahen Verwandten, der aber nach 
längerem Erwärmen verschwand; von 
saurem und zusammenziehendem, sowie 
coloquinthenartig bitterem Geschmack. 
Diese Säure löst sieh in Wasser leicht und 
giebt, wie auch das Purgatif vor und nach 
dem Ansäuren mit Salzsäure, einen 
Niederschlag mit Eisenoxydsalzen. Diese 
Säure, oder ihr Natronsalz mit Glycerin 
gemischt, in den Mastdarm in kleinen 
Giengen eingespritzt, bewirkt den Drang 
zur Kothentleerung, welchen auch 
Oidimann'^ Purgatif hervorruft. Der 
Bückstand der Aetherausschüttelung, mit 



Soda neutralisirt, war dagegen wirkungs- 
los. Demnach tbeilt die aus dem an- 
gesäuerten Purgatif mit Aether aus- 
geschüttelte saure Masse dem Purgatif 
die fragliche Wirkung mit. Die Natur 
dieser Masse ist mir bis jetzt noch unbe- 
kannt. Ihre angeführten Eigenschaften 
zeigen, dass sie mit der Oelsäure nichts 
gemein hat. Schon die Unlöslichkeit 
der Oelsäure in Wasser würde bewirken, 
dass auf Zusatz von Säure zu dem mit 
Wasser verdünnten Purgatif Trübung in 
Folge Ausscheidung von Oelsäure ein- 
träte. Dies geschieht aber nicht, folg- 
lich ist meine Behauptung richtig, dass 
die Analyse des Ortsgesundheitsrathes 
von Karlsruhe falsch ist, insofeni anzu- 
nehmen ist, dass es sich um dieselbe 
Flüssigkeit in jenem, wie in meinem 
Falle handelt. 

Nebensächlich erwähne ich, dass ich 
auch Essigäther und Kamillenöl im Pur- 
gatif nicht gefunden habe, den Beweis 
der Abwesenheit aber nicht führen 
kann. 

Endlich bemerke ich ebenso neben- 
sächlich , dass auch alle anderen bis- 
herigen Mittheilungen über die Zu- 
sammensetzung, beziehungsweise die 
wirksamen Bestandtheile von Oidtmanns 
Purgatif, welche bisher der Oeffentlich- 
keit übergeben worden sind, offenbar 
falsch sind. Weder Frangula noch Ni- 
cotiana hat damit etwas zu schaflfen. 

Auch die von Dr. Oidtmann angeführte 
Zusammensetzung, wonach Fluidextraete 
von Allium, Frangula etc. die Haupt- 
bestandtheile sein sollen, ist unrichtig. 



Salzlösungen 
mit Gummi arabicum. 

L. Levin macht in der Berliner kl in. 
Wochensehr. darauf aufmerksam, dass in 
dem bekannten Eecept: Plumbum acet., 
Zincum sulf., Gummi arabicum und Aqua 
das sich bildende schwefelsaure Blei den 
wesentlichsten Theil des ßeceptes dar- 
stelle. Die Umsetzung des Zinksulfats 
und des Bleiaeetats gehe jedoch gar 
nicht oder nur sehr langsam von Statten, 
wenn die Gummilösung erst mit einer 
der Salzlösungen gemischt und dann die 
andere Salzlösung zugefügt werde. Es 



75 



sei nothwendig, die beiden Salzlösungen 
zuerst zu einander zu mischen, dann 
Gummi arabicum zuzusetzen, oder, wenn 
man es anders macht, die niederschlag- 
lose Flüssigkeit zu erhitzen, es bilde sich 
beim Erhitzen sehr rasch der Nieder- 
schlag. 

Liquor Ealii arsenicosi. 

Zur Bereitung des Liquor Kali arsenicos. 
Ph. G. II wird uns mitgetheilt, dass durch 
einen kleinen Zusatz von ehem. reinen 
Kaolin, etwa 0,5 auf 200,0 Liquor derselbe 
in einigen Tagen sich vollständig absetzt, 
und ganz klar abfiltrirt werden kann. Etwaige 
Veränderungen des Liquor wurden bei 
wiederholter Prüfung desselben nicht wahr- 
genommen. Da der Liquor auch bei längerer 
Aufbewahrung stets klar bleibt, so dürfte das 
Klären mit Kaolin wohl das einfachste Mittel 
sein , um einen der Pharmac. G. II ent- 
sprechenden klaren Liquor zu erhalten. In 
chemischen Fabriken und in der Technik 
wird Kaolin schon längst zum Klären ver< 
wendet, so dass es nahe lag, auch in diesem 
Falle davon Gebrauch zu machen. Es em- 
pfiehlt sich vor dem Filfriren gut umzu- 
schutteln, dass der Kaolin mit auf das Filter 
kommt. Vergl. Ph. C. 26, 202. Ein Theil 
des ätherischen Oeles wird wohl bei beiden 
Methoden entfernt werden. 



Ein gutes Excipiens fAr Pillen- 
massen 

mit äthe rischen Gelen oder Balsamen 
bildet pnlverisirtes gelbes Wachs. Man er- 
hält dasselbe durch Verreiben von Wachs mit 
der gleichen Menge harten Zuckers unter Zu- 
satz von einigen Tropfen Alkohol. Zwei Theile 
dieser Mischung geben mit einem Theile des 
Balsams oder ätherischen Oeles und etwas 
Amjlam oder dergl. eine gute, nicht zu volu- 
minöse Masse. g. 

Durch Pharm. Zeit 



Chininpillen. 

Zur Bereitung derselben empfiehlt Waage 
Anstossen des Chininhydrochlorats mit Salz- 
säure, obne jeden weiteren Zusatz. Auf 5 g 
Chininbydrochlorat sind etwa 6 Tropfen 
(wechselnd nach der Grosse der Tropfen) 



Salzsäure nöthig. Der Zusatz der Säure hat 
vorsichtig zu geschehen , da ein Tropfen zu- 
viel die Pillenmasse schmierig macht. Mit 
der richtigen Menge Säure erhält man eine 
vorzügliche Pillenmasse, die sich leicht ver- 
arbeiten lässt und Pillen giebt, die schön 
weiss aussehen, bald hart werden, ohne ihre 
leichte Löslichkeit einzubüssen und auch an 
feuchter Luft nicht weich werden oder sonst- 
wie verderben. g. 

Pharm, Zeit. f. Bussland. 



Terba Santa als Geschmacks- 
corrigens des Chinins. 

Die Blätter von Criodyction Cali- 
fornicum Benth., in ihrer Heimath Yerba 
Santa genannt (Pharm. Centralh. 24, 217), 
sind schon länger in Form von Geheimmitteln 
als Geschmackscorrigens für Chinin im Ge- 
brauch gewesen. 

Hartjs giebt (Deutsch - Amerikan. Apoth.- 
Zeitung 1886, 746) eine Vorschrift zu einem 
von ihm Syrupus corrigens genannten 
Präparat. £r bereitet aus 75 Theilen ge- 
pulverter Yerba Santa mittels eines Gemisches 
von 1 Volumen Alkohol mit 2 Volumen 
Wasser ein Fluidextract (75 Theile) und fil- 
trirt dasselbe von dem ausgeschiedenen Harz 
ab. Andererseits bereitet er einen aroma- 
tischen Syrup, indem er 1,5 Theil Oleum 
Aurantiorum dulcium mit 10 Theilen Cal- 
ciumphosphat fein verreibt, das Pulver mit 
7,5 Th. Alkohol, 1,5 Th. Chloroform und 
250 Th. Wasser versetzt und in einer Flasche 
eine halbe Stunde lang schüttelt. Nachdem 
er die wässerige Flüssigkeit filtrirt hat, löst 
er darin 420 Zucker, vermischt mit obigen 
75 Th. Fluidextract von Yerba Santa und 
bringt das Ganze durch Zusatz von Wasser 
auf 780 Th. 4,0 g dieses Syrupus corrigens 
sollen genügen, um den bittem Geschmack 
von 0,1 g Chinin derart zu verdecken, dass 
nur eine geringe Bitterkeit kurze Zeit nach 
dem Verschlucken verspürt wird. 

Bother behandelt (Drugg. Circular und 
Chemical Gazete 1886, 3) ein ähnliches 
Thema, indem er aber als wesentlich vor- 
schreibt, zum Extrahiren alkalischer Flüssig- 
keiten zu verwenden. (Ueber einige weitere 
alkalische Tincturen s. nächste Artikel). 

Eriodyction soll eine harzartige Säure — 
Eriodyctionsäure — enthalten, welche 



76 



sich mit Chinin zu einem unlöslichen und 
geschmacklosen Salz verbindet. Die Erio- 
dyctionsäure ist unlöslich in Wasser und in 
der Pflanze frei enthalten, zu ihrer Eztraction 
ist deshalb der Zusatz einer Base nöthig, mit 
der sie ein lösliches Salz zu bilden vermag. 
Ammoniak eignet sich gut zu diesem Zweck, 
die Präparate dunkeln jedoch allmälig nach, 
Bother zieht deshalb zu jenem Zwecke das 
Magnesiumoxyd vor. Zur Darstellung von 
Syrupus Eriodyctii giebt Rother fol- 
gende Vorschrift : 1 25,0 Yerba Santa (Pulver 
Nr. 20), 15,0 Magnesia usta werden mit einer 
genügenden Menge verdünnten Alkohols (Al- 
kohol 1 Volumen, Wasser 7 Volumen) ge- 
mischt, in einen Percolator gebracht und 
nach 128tündiger Maceration mit Alkohol- 
mischung von derselben Starke percolirt, so 
dass 475,0 erhalten werden, die mit 8,0 Mag- 
nesia usta vermischt 12 Stunden lang der 
Einwirkung der Luft ausgesetzt werden. In 
dem Filträt wird unter Anwendung gelinder 
Wärme 800,0 Zucker gelöst. (Die in Troy- 
ounces und Pints angegebenen Mengen sind 
hier umgerechnet und abgerundet worden.) 



schliessende doppelte Scheiben von Filtrir- 
papier. Siehe ausserdem oben die Vorschrift 
zu Syrupus Eriodyctii unter l^erba Santa. 
Drugg, Circular J886, 4, 



8. 



Alkalische 
Tincturen und Extracte. 

Bother giebt Vorschriften zu mehreren 
der in der Ueberschrift genannten Präparate, 
denen er nachrühmt, dass sie sich auf Zusatz 
von Wasser nicht trüben sollen. 

Tinctura Capsici alkalina: I25,0g 
ganze Capsicumfrüchte mit 4,5 1 Spiritus 
dilutus und 7,5 g Aetzkali zur Tinctur zu 
bereiten. 

Tinctura Cantharidum alkalina: 
30,0 Cantharides mit ,300,0 g Spiritus, 600,0 g 
Wasser und 2,0 g Aetzkali zur Tinctur zu 
bereiten, diese nach dem Filtriren mit 8;0 g 
Magnesia usta öfter schütteln und nochmals 
filtriren. 

Extractum fluidum Ipecacuanhae 
alkalinum. 500,0 g grobes Pulver von 
Ipecacuanha mit 30,0 g Magnesia usta und I 
genügend Spiritus zu (500,0) Fluidextract zu j 
verarbeiten. Bother findet feinstes Pulver 
weniger geeignet und empfiehlt ausserdem 
noch speciell für Ipecaeuanhaextraction eine 
besondere Vorrichtunp, er legt im Percolator 
zwischen die zu extrahirende Masse in Zwi- 
schenräumpii einige querüber völlig ab- 



Tinctura Chinae et Eriodyctii 

bereitet Bother in folgender Weise : 

180,0 Cortcx Chinae (Pulver Nr. 24), 45,0 
Yerba Santa (Pulver Nr. 20 j genügend Spiri- 
tus dilutus werden in bekannter Weise per- 
colirt (Pharm. Centralh. 25, 299 flg.), so 
dass 850,0- Tinctur erhalten werden. 

Ein Zusatz eines Alkalis ist hierbei ausge- 
schlossen , da die Verbindung der Eriodyc- 
tionsäure mit dem Chinin in Alkohol von der 
angewendeten Stärke löslich ist. Auf Zusatz 
von Wasser scheidet sich aus der Tinctur ein 
reichlicher weisser Niederschlag jener Ver- 
bindung ab; hierin liegt der Vorzug obiger 
Tinctur' da diese Chininverbindung, wie 
schon gesagt, in Wasser unlöslich und daher 
geschmacklos ist. 

Der Niederschlag ist l-öslich in Ammoniak 
und ebenfalls wieder in Alkohol verschiedener 
Stärken, wenn nicht zu sehr verdünnt; Säuren 
zersetzen ihn unter Abscheidung der Eriodyc- 
tionsäure und Lösung der Chinabasen. s. 



Neuere Drogen und Fflanzenstoffe. 

Die Fruchtkapseln einer japanischen Or- 
chidee bilden unter dem Namen „Tchucfa ia- 
k ab i*' ein Heilmittel bei Erkrankungen der 
Harnwege und Blase. Als Bestandtheile 
werden ein Harz, eine Säure und ein 
Glucosid, dem die Hauptwirkung zukommen 
soll, genannt. Der Geschmack ist sauer und 
bitter und als Medikament soll sich das 
wässerige Extract der Droge eignen. 

Therap. Gazette 1886, 212. 

Eine nicht näher gekannte Eupborbiaeae 
,,0ro" soll eine besondere Art von Euphor- 
biumharz liefern. Die Oro - Pflanze ist in 
Sierra Leone heimisch. 

Pharm. Joum. JSS6, 879. 

Aus den Mutterlaugen des gewöhnlichen 
Asparagins hat Piufti eine Modiflcation dcs> 
selben dargestellt. Das neue Asparagin 
lenkt den polarisirten Lichtstrahl eben so 
weit nach rechts ab, wie das gewöhnliche 
nach links. Es besitzt einen süssen Oe- 



77 



Bchmack , weshalb PhUti e» „A s p a r a g i n e 
saer^e'* nennt; die chemischen Eigen- 
schaften beider Asparagine «sind dieselben. 
Aus 6500 Kilo gekeimter Erbsen wurden 
20Kilo Asparagin (0,31 pCt.) und 100 Gramm 
des neuen Asparagins (0,0015 pCt.) erhalten. 
Archivea de Tharmacie 1886, 442, 



Beiträge ssur Kenntniss der Milch- 
butter und der zu ihrem Ersatz 
in Anwendung gebrachten an- 
deren Fette. 

Von Regierungsrath Dr. SeU* 

In der unter Yorstehendem Titel veröffent- 
lichten Abhandlung (Arbeiten aus dem Kaiserl. 
Gesundheits-Amt Bd. 1, 529) liefert der Verf. 
insofern eine Ergänzung des in Nr. 35 bis 39 
der Pharm. Centralh. vom vorigen Jahre im 
Auszüge wiedergegebenen Aufsatzes über 
Kunstbutter, als hierdurch das dort nur kurz 
gefasste Urtheil des Gesundheits-Amtes über 
den Werth der betreffenden Verehren ein- 
gehender begründet wird. 

I. Ueber die Bestimmung des speci- 
fischen Gewichtes des Butterfettes 
bei 100 ^'C. nach Koenigs vAb Grund- 
lage für die Controle des Markt- 

verkehra. 
Eine Reihe von Versuchen ergab zunächst 
in Uebereinstimmung mit den sonst vorhan- 
denen Angaben, dass das Butterfett in seinem 
specififlchen Gewichte bei 100 ^ zwischen 
0,866 und 0,868 schwankt ; die Zahl 0,865 
konnte bei keiner Untersuchung beobachtet 



werden. Die auf Binderfett und Schweine« 
schmalz bezüglichen Zahlen stimmen im 
Wesentlichen ebenfalls mit den von anderer 
Seite gemachten Erfahrungen überein. Be- 
treffs der verschiedenen Proben von direet 
aus der Presse kommendem Oleomargarin, 
über dessen specifisches Gewicht bei 100 ^ 
in der Literatur Angaben nicht gefunden 
werden konnten, ist bemerken s werth , dass 
dasselbe in dieser Beziehung keine Abweich- 
ung vom Binderfett aufzuweisen hat. 

Es wurden dann aus Butter und deutscher, 
aus Oleomargarin, Milch und ErdnussÖl her- 
gestellter Kunstbutter , sowie aus Butter und 
Rinderfett bezw. Schweinefett Gemische von 
bekannter Zusammensetzung bereitet und 
nach Koenigs geprüft. 

Es zeigte 



Butter . . . 
Kunstbutter . 
Rinderfett . . 
Schweineschmalz 



hei 100 ein Vol.-Gew. 
. 0,867—0,868, 

0,861, 

0,859, 

0,860. 



Die Mischungen ergaben die in Tabelle I 
beobachteten specifischen Gewichte, aus wel- 
chen es hervorgeht, dass, bei der nahen 
Uebereinstimmung des Vol. - Gewichtes der 
Kunstbutter bei 100 ^ mit demjenigen des 
Rinderfettes und des Schweineschmalzes und 
dem Abstände von demjenigen der Milch- 
butter unter gleichen Verhältnissen, der Ver- 
such, Kunstbutter ohne Weiteres als Milch- 
butter fälschlicher Weise in den Verkehr zu 
bringen, mit Hilfe des in Rede stehenden 
Verfahrens ohne besondere Schwierigkeit ver- 
eitelt werden kann« 



Tabelle I. 
1. 90pCt. reine Butter, 10 pCt. Kunstbutter 



2. 75 „ 

3. 66,6,, 

4. 50 

5. 25 

6. 10 

7. 72 

8. 90 

9. 80 
10. 70 



11 



11 

1» 
>f 
11 

II 



)1 

n 
j> 
1) 



26 „ 

t>*J,tJ ,, 

50 
75 
90 
28 
10 
20 
30 






9) 



Schweinefett 
Rinderfett 






ToL-Gew. 
.' 0,865- 
.' 0,865, 
.• 0,864- 
.• 0,863- 
. 0,862- 
. 0,860- 
. 0,865, 
. 0,866, 
. 0;865- 
. 0,861- 



bei 100 
-0,866, 

-0,866, 
-0,864, 
-0,863, 
0,861, 



0,864, 
0,865. 



CompHeirter wird die Sachlage, wenn es 
sieh um die Feststellung der Beschaffenheit 
einer Mischbutter handelt. Hierbei wird man 
in erster Linie zu fragen haben, welche 
unterste Grenze man bei^inem Untersuch- 



nngsobjccte für dessen Inanspruchnahme als 
Milchbutter praktisch zulassen will. Als 
solche dürfte sich auf Grund vorliegender 
Daten die Zahl 0,866 mit der Toleranz em- 
pfehlen, dass die zwischen 0,866 und 0,865 



78 



liegenden Ablesungen der Aräometerskala 
der ersteren Zahl gleich geachtet würden, 
w&hrend bei einer scharfen Ablesung von 
0,865 wenigstens der Verdacht einer yor- 
gekommenen FlUschung berechtigt erscheint. 

Unter dieser Voraussetzung würde man in 
gewiss nicht wenigen Fällen bei einem Zu- 
sätze von einem Viertheil fremden Fetten 
eine stattgehabte Fälschung zum Mindesten 
für wahrscheinlich erklären müssen. Will 
man aber , im Hinblick auf die Schwierigkeit 
einer genauen Ablesung, nicht so rigoros 
sein y so wird man jedenfalls alle eine Aräo- 
meteranzeige von weniger als 0,865 ergeben- 
den Untersuchungsobjecte beanstanden, bezw. 
der eingehenden chemischen Untersuchung 
überweisen müssen. Im letzteren Falle hat 
man es alsq in der Hand, einer Verfälschung 
der Butter mit einem Dritttheil fremden 
Fetten wirksam entgegentreten zu können, 
und das ist bei einer Methode, die nichts 
mehr als eine Orientirungsmethode zu sein 
beansprucht, immerhin ein beachtenswerthes 
Ergebniss , zumal nicht zu leugnen ist , dass 
selbst die als die beste anerkannte chemische 
Methode von Beichert ' Meissl geringe Ver- 
fäkchungen der Butter mit fremden Fetten 
auch nicht immer mit Sicherheit aufdeckt. 
Ein Vergleich der beiden Verfahren führte 
zu nachstehenden Ergebnissen. 

Es verbrauchten von den oben erwähnten 
Fetten und Fettgemischen 

com Vio N.-Alkali nach 
Beichert- Meissl 



Beine Butter • 




29,7, 


Kunstbutter . 




1,98, 


Binderfett . . 




0,70. 


Schweinefett . 




0,90, 


Qemisch 


. 1 . 




27,52, 




2 . 




23,10, 




3 . 




21,78, 




4 . 




17,93, 




5 . 




8,91, 




6 . 




4,45, 




7 . 




22,70, 




8 . 




27,2, 


* A* 


9 . 




23,72, 




10 . 




22,42. 



Nimmt man die Zahl 26 ccm N.-Alkali als 
die unterste Grenze für reine Butter an , so 
wird man ohne Weiteres die Kunstbutter, das 
Kinder- und Schweinefett, femer die Gemische 
mit 20 pCt. und mehr fremdem Fett heraus- 
greifen, dagegen die Gemenge 1 und 8, 



welche lOpCt, fremde Fette enthalten, als 
solche nicht erkennen. Ein Vergleich obiger 
Zahlen mit denen in Tabelle I lässt dann 
ohne Weiteres die Uebereinstimmung der 
einzelnen zusammengehörigen Zahlen ausser 
Zweifel erscheinen. 

Die Untersuchung von fünf Proben Handels- 
buiter ergab in vier Fällen das spec. Gew. 
0,866 bis 0,867 und 26,8 bis 28,5 ccm N.- 
Alkali, in einem Falle das spec. Gew. 0,865 
und 24,8 bis 25 ccm N.-Alkali. 

Eine Anzahl von Buttersorten, Proben von 
Oleomargarin und Kunstbutter amerika- 
nischen Ursprungs, welche im Gesundheits- 
Amt untersucht wurden, ergab folgende 
Zahlen : 

bei 100 22€fVÄere 

1. St. Louis-Butter A . 0,865, 12,7, 

2. „ „ >i B . 0,867, 13,7, 
3* „ „ „ C • 0.868, 13, 7y 

4. „ „ „ D . 0,866, 13,0, 

5. Kunstbutter I k 20 

Cents .... 0,865, 11,5, 

6. Kunstbutter 11 & 16 

Cents . ^ . . 0,863, ll,9, 

7. Oleomargarinbutter 0,862, 1,3, 

8. Prima Oleomarga- 

rine .... 0,862, 0,35. 

Das bei der Vorprobe bei der St. Louis- 
Butter A erhaltene spec. Gew. 0,865 erregt 
den Verdacht, dass man eine gefälschte Waare 
vor sich habe; derselbe wird durch die che- 
mische Untersuchung gerechtfertigt (12,5 com 
ist die Grenze nach Reichert). 

Diese Versuche lassen es als wünschens- 
werth erscheinen, dass die Methode von 
Koenigs^ wenn es sich darum handelt, Grund- 
lagen für die Controle des Marktverkehrs 
festzustellen, nicht ausser Acht gelassen 
werden. Allerdings setzt ihre Ausführung 
einen geeigneten Ort zur Aufstellung des 
Apparates voraus. — Trotz alledem muss 
man sich aber keiner Täuschung hingeben, 
dass noch manche Punkte au^Euklären sind, 
ehe dem Verfahren von maassgebender Seite 
eine entscheidende Stellung beigemessen 
wird , z. B. würden hierher gehören der Ein- 
fluss des Barometerstandes und im Zusammen- 
hange damit der wechselnden Siedetemperatur 
des Wassers auf die Aräometerangabe, wie 
auch die Frage bezüglich der wirklichen 
Temperatur der geschmolzenen Fette, die 



79 



thatsächiich nur selten auf 100 <* erw&rmt 
werden. Es gehört ferner dabin die Erwignng, 
an Stelle des Aräometers eine entsprechend 
constmirte ilfoAr - TTtfs^p/koI'sche Wage zn 
setsen , trotadem für den die Controle aus- 
übenden Beamten ersteres ans praktischen 
Grfinden manebe Vortbeile bietet. 

II. Beiträge snr Mikroskopie der 

Fette und Prüfung der Methode von 

Dr. Thomas Taylor zur Unterscheid- 

nng Ton Butter und Fetten. 

Verf. prüfte diese Methode (Ph. C. 27, 474) 
sehr eingebend und äussert sich über den 
Wertb derselben wie folgt: Als Besultat 
ergiebt sich, dass ein specifischer Unterschied 
zwischen den Krystallen der Butter, denjenigen 
des Rinderfettes und des Schweinefettes in 
Bezug auf die optischen Verhältnisse unter 
dem gewohnliehen und unter dem polarisiren- 
den Mikroskop nicht besteht , da es möglich 
ist , Bedingungen herbeizuführen , unter wel- 
chen die yerschiedenen Fettarten oder deren 
Bestandtbeile in gleichen Formen erscheinen. 
— Wenngleich der Arbeit Taiflor'B ein 
wissenschaffclicbes Interesse nicht abge- 
sprochen werden kann, ist die praktische 
Aufgabe, Milchbutter Yon Kunstbutter, bezw. 
Mischbutter zu unterscheiden, durch dieselbe 
ihrer Losung nicht naher gebracht. Die 
Yersuchsergebnisse müssen daher daron ab- 
mahnen, die Beobachtungen des genannten 
Verf. zur Entscheidung da herbeizuziehen, 



wo es sich z. B. um die Ehre und das Ver- 
mögen eines Angeschuldigten oder sonst eine 
andere Frage Yon Bedeutung handelt. 

Ueber die von PratesBOT Ä.Ma$fer in 
Wageningen in Vorschlag gebrachte 
einfache Methode, rerfälschte Butter 

zu erkennen. 

Die Prüfung der Methode (Pharm. Centralh. 
18S6, 190, wo es übrigens statt Wagner 
Mayer heisseu muss) führte zu folgendem 
Resultate: Es lässt sich nicht yerkennen, 
dass eine häufige Wiederholung der Versuche 
dem Experimentator einen gewissen Blick 
für die Unterschiede zwischen Butter einer- 
seits und den anderen Fetten andererseits 
insbesondere dann yerschafft, wenn er weiss^ 
was er Tor sich hat. Diese sind aber nicht so 
prägnant, dass sie im Ernstfälle, z.B. bei 
Beschlagnahme einer Marktwaare oder dergl., 
als ausschlaggebend angesehen werden 
können. Demzufolge war auch die Beur* 
theilung der Proben seitens der in dem Ver- 
fahren geübten, mit der Natur der Fette nicht 
bekannt gemachten Chemiker eine unsichere* 

Es würde nun yoreilig und ungerecht sein, 
wenn man auf Grund der zuletzt erwähnten 
Versuche ohne Weiteres den Stab über die 
Methode tou ä, Itayer brechen wollte , die 
im Princip Vieles für sich hat, wenn auch die 
Einzelheiten ihrer Ausführung bezüglich der 
Sicherheit ihrer Angaben zu wünschen übrig 
lassen. P. 



Offene GorrespondeiiB. 



S« K. tu K. (Norwegen). Zu Angostura* 
bitter finden wir zwei Vorschriften, eine mit, 
die andere ohne f!) Angostnra. 1. IVO Angostura- 
rinde, SO Kamülen, 9 Gardamomen, 9 Zimmt, 
iSO Orangen schalen und 450 Th. Rosinen werden 
mit 12(ra0 Alkohol einen Monat lang differirt, 
dann ausgepresst und filtrirt. — 2. Je 8 Caryo- 
phjrlli, Sad. Angelicae und Bad. Zingiberis, je 
15 Rad. Ghdangae, — Gentianae und — - Zedo- 
ariae, je 20 Catdamomen und Cori Cinnamomi, 
^ Cort. Aurantü amar., je 80 Fabae Tonco und 
Santali rubri, lOO Cort Chinae fusc. 



erden mit 5000 Spiritus ((90 pCt) 15 Tage di- 
rerirt, dann ausgepresst; oie Colatur wird mit 
Sog Malagawein yersetzt, mit Saccharum tostum 
nach Be&rf gefärbt, dum absetzen lassen und 
filtrirt. — Zu Caracasbitter kennen wir 
keine Vorschrift. 

L« 3L in K. Die Frage, ob Safhm ein Ge- 
würz ist oder nicht, wurae kürzlich wieder Tor 
dem KgL Landgericht Wünburg erörtert. Das 
Geriebt entschied, dass der Safran kein Gewün, 
Bondem ein Färbemittel sei und schloss sich 



der Ansicht ^vt Drogisten an, welche zugleich 
erklärten, dass :„feinst gem. Safran*' auf den 
Etiquetten beisse „feinst ff emischter Safran.'* 
J. aern fBep. der anal. Chemie) spricht sich in 
scharfer Weise gegen die Auffassung der Dro« 
gisten und des Gerichts aus. Eine Substanz, 
welche so wesentlich auf den Geschmack ein- 
wirkt, welche so stark wirkende Stoffe enthält, 
dass bereits Vergiftungen damit vorgekommen 
Bind, muss unbedintt als Gewürs aufgefasst 
werden, wenn dieselBe auch zuweilen nur als 
Färbemittel dient. 

A. in 8« Unter dem Namen Gerhardts 
Plumbum cansticum ist, soviel uns bekannt, 
eine Mischung von Bleioxyd mit Kalium« 
carbonat versanden, die zur Entfernung von 
Feigwarxen Verwendung finden soll. 

Apoth. H. in Seh« Den weissen silber- 
glänzenden Ueberzus der Cochenille hat Lieber- 
mann als ans einer besonderen, in Benzol leicht 
loslichen Wachsart, Coccerin bestehend ge- 
fanden. 



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M7. Berlin, den 17. Februar 1887. ÄiiVÄS;. 



Der ganzen Folge XXVIIL Jahrgang. 



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Gliemle und 

Heues pharmaceutischee Manual. 

Von Etilen JHeUrußh. 

(Scbluss.) 

Nachdruck untersagt. 

IV. Diverse. 
Holzwolle.*) 

Eine leichte, Toluminöse Masse, welche 
grosse Mengen Flüssigkeit in sich aufzu- 
nehmen Termag, und sich dabei durch Billig- 
keit auszeichnet. Sie findet sowohl in rohem 
Zustand, als auch mit Sublimat getränkt 
Anwendung, wird aber jetzt yielfach durch 
gesiebte Sägespäne ersetzt. 

Sabllmat- Holzwolle. 



»/lo und 



V2 pct. 



3,0 resp. 5,0 Hydrargyri bichlorati, 
50,0 Qlycerini, 
500,0 Spiritus, 
1500,0 Aquae destillatae, 
1000,0 Holzwolle. 



2 Bezugsquelle: Holzstoff- und Pappenfabrik 
egenrflck in Thttringen. 



Pliariiiaclee 

Man mischt gut und trocknet bei 25 bis 
300. 

Bor-LInt.**) 

5 pCt. 

50,0 Acidi borici, 
1000,0 Aquae fervidae; 

man löst, setzt 

500,0 Spiritus (90 pCt), 
zu, tränkt damit 
1000,0 Lint 
und trocknet durch Hängen auf Schnüre oder 
Holzleisten. 

Jodoform-Lint. 

10 pCt. 

100,0 Jodoformii, 
700,0 Aetheris. 
Man begiesst mit dieser Lösung 
1000,0 Lint, 
beschwert mit Gewichten nnd hängt nach 3 



*^) BezugsqueUe fflr Lint: 

1. The Liverpool Lint Co., N. Liverpool, 
Mark-Street Mills, Netherfleld Road. 

2. Robinson & Sons, Cotton-Spinners, Wheat* 
bridge Mills, near Chesterfleld. 

3. Lottis Eüe, Hamburg. 



82 



bis 4 Stundea zum Trocknen auf Scbnnre 
und Stftbe. 

Carbol-TorfinuU*) naeh Nenber. 

3, 5 und 10 pCt. 

20,0 (resp. 50,0 und 100,0) Acidi 
carbolici, 

40,0 Colofonii, 

20,0 Olei Bicini, 
1000,0 Spiritus (90 pCt), 
1000,0 gereinigten Torfmulls. 

Lösung und Torf misolit man möglichst 
gleicbmftssig und trocknet in gewöhnlicher 
Zimmertemperatur. 

Jodoform -Torfmull nach Nenber. 

2, 5 und 10 pOt. 

10,0 Colofonii, 
2,5 Glyeerini, 
1000,0 Spiritus (90 pCt), 
1000,0 gereinigten TorfniuUs. 

Man yertheilt die Lösung möglichst gleich- 
massig im Mull und mischt dann sofort durch 
Einstreuen mittels Streubüchse 

20,0 (resp. 50,0 und 100,0) Jodo- 
formii praeparati 
unter. 

Zum Trocknen genügt Ausbreiten au der 
Luft. 

Sublimat-Torfmoll nach v. Bruns jun. 

Va pCt. 

5,0 Hydrargyri bichlorati, 
50,0 Glyeerini, 
1000,0 Spiritus 
löst man. 
Andrerseits nässt man 

1000,0 gereinigten Torfmulls 
mit 

5000,0 Aquae, 
presst aus und begiesst den Presskuchen mit 
der Sublimatlösung. 

Man zerreibt und mischt gut und trocknet 
bei 25 bis 30 o. 

NB. Das Beinigen des Boh - Torfmulles 
geschieht durch öfteres Auswässern. 

Jodoform - Werg. 

Wird wie Jodoform -Jute bereitet. 



Sublimat - Werg. 

Wie Sublimat- Jute zu bereiten. 

Sublimat -Moos."^) 

1/2 pCt. 

Wird wie Sublimat-Torfmull bereitet. 
NB. Das Moos muss vor der Imprägnation 
gut ausgewässert werden. 

Salicyl - Wattebäuschehen. 

Zehnprocentige Salicyl -Watte wird in 

2,0 schwere („grössere"), 
1,0 ,. („kleinere'^ 
Bäuschchen abgetheilt und verpackt. 



♦) Roh-Torfmull liefert G. Neuber, üetersen 
in Bfolstein. 



Sublimat - Wattebäusehchen. 

Herstellung aus Sablimatwatte wie Sa- 
licyl- Wattebäuschchen. 

Yerbandpulver nach Bottini. 

90,0 Magnesiumoxyd oder Zucker- 
pulver, 
10,0 Zinci sulfo-carbolici 
werden gemischt. 

Carbol-Sand naeh Juri^. 

5 und 10 pOt. 

50,0 resp. 100,0 Acidi carbolici, 

100,0 resp. 200,0 Colofonii, 

200,0 Aetheris, 

1000,0 geglühten Sandes. 

Man mischt gut und trocknet bei gewöhn- 
licher Zimmertemperatur. 

Jodoform -Sand naeh Sehede. 

10 pCt. 

50,0 Colofonii, 
50,0 Olei Eicini, 
100,0 Aetheris, 
1000,0 geglühten Sandes. 

Man mischt gut, streut 

100,0 Jodoformii 

ein und wiederholt das Mischen. 

Sublimat -Sand nach Sehede» 

2/10 und */io pCt. 

2,0 resp. 4,0 Hydrargyri bichlorati 
20,0 resp. 40,0 Glyeerini, 



*) Besngsqnelle fOr Verband-Moos: Apotheker 
BecJcstrÖm in Neustrelitz. 



sa 



100,0 Spiritus, 
1000,0 geglühten Sandes. 

Man mischt nnd trocknet bei gewöhnlicher 
Zimmertemperatur. 

Gaze -Binden. 

Carbol - Gaze, 

Jodoform - Gaze, 

Salicyl- 

Sublimat- 
5 m Yon jedem legt man 0,5 m breit und 
mdglicfast gleichmSssig zusammen, schneidet 
mit einer Papierschneidemaschine oder, in 
Ermangelung einer solchen , mit Lineal und 
Messer 5,8 oder 10 cm breite Streifen und 
wickelt diese mit dem Bindenwickler*) auf. 



« 



»♦ 



6yp8- Binden. 

10 m appretirter Gaze, 6, 8 oder 
10 cna breit, 
wickelt man mit dem Bindenwickler auf und 
streut währenddem möglichst reichlich 

q. 8. Verbandgyps 
ein, 80 dass die Maseben von letzterem ge- 
füllt sind. 

Die fertigen Bollen setzt man in Blech- 
büchsen, deren Deckel gut scbliessen, ein 
und umklebt den Deckelrand mit einem Pa- 
pierstreifen, der die Bezeicbnung trägt. 



Besorbirbares Boh - Catgnt **) 

Dasselbe wird in der Weise hergestellt, 
dass der „grüne** (dem Thier frisch entnom- 
mene) Hammcldarm, nachdem er gut gereinigt 
ist, in Streifen geschnitten und sofort zu 
Saiten gedreht und getrocknet wird. 

Das Glätten geschieht auf maschinellem auf: 
Wege. 

Carbol • Catgnt nach Lister. 

9,0 Acidi carbolici, 
1,0 Aqaae destiUatae, 
50,0 Olei Olivarum Provineialis 
giebt man in eine Weithalsglasbüchse und 
ßgt 

q. s. Boh-Gatgats 
hinzu, dass letzteres Ton der Flüssigkeit voll- 
ständig bedeckt wird. 

Unter zeitweiligem Umschüttoln mnss das 
Catgut 80 lange in der trüben Flüssigkeit 



bleiben , bis sieh letztere ToUstfindlg geklärt 
hat. Damit ist das Catgut, welches die Car- 
bolsäure und das Wasser in sich aufgenom- 
men hat, geschmeidig und weich (»reif ^ lautet 
der Terminus technicus) geworden, wird nun 
auf Glasrollen aufgewickelt und in einer 
Mischung von 

20,0 Acidi carbolici crystallisati, 
80,0 Olei Olivarum Provincialis 
(ohne Wasserzusatz 1) 
aufbewahrt. 



Jnniperns- Catgut nach Kocher. 

Eoh- Catgut 
legt man 24 Stunden in 

Oleum Juniperi aethereum e ligno, 

wickelt es dann auf Bollen auf und bewahrt 
es dann entweder in Ol. Juniperi aeth. e ligno» 
oder in folgender Lösung auf: •'• 

0,5 Hydrargyri biehlorati, 
100,0 Glycerini, 
900,0 Spiritus. • 

Sublimat- Catgut 

nach Schede -Kümmell, modiflcirt 

Yon Dronke» 

ßoh- Catgut 
legt man in eine Lösung von 

1,0 Hydrargyri biehlorati 
in 

100,0 Aquae destillatae, 

und zwar die dünneren Sorten 8, die mittleren 
10 und die dicken 12 Stunden. 

Man wickelt dann das Catgut fest auf 
Glasrollen und bewahrt in folgender Lösung 



0,5 Hydrargyri biehlorati, 
100,0 Glycerini, 
900,0 Spiritus. 



*) Bindenwickler liefert Apotb. Just, Füehne. 
**i Bezugsquelle : Dr. F. Dronke, Berlin W, 
WicnmiiiiiLstr. 15. 



Carbol -Seide nacli Lister. 

üngef&rbte starke Nähseide 
legt man in eine warme Mischung von 
1,0 Cerae albae, 

10,0 Acidi carbolici crystallisati 
und belässt bis zum Erkalten darin. 

Man befreit die Seide durch Abreiben mit 
einem Tuche vom Uebersebuss und bewahrt 
sie dann in folgender Mischung auf: 

5,0 Acidi carbolici, 
45,0 Glycerini, 
50,0 Spiritus. 



84 



Jodoform- Seide nach Partseh. ' 

Man wiokelt 
ungefärbte, kräftige Nähseide 
aaf ObjecttrSger, legt 8io in dieser Form 
2 Tage in eine Lösung von 

10,0 Jodoformii 
in 

90,0 Aetheris, 
lässt dann einige Augenblicke trocknen und 
bewahrt in gut verschlossenen GlasbSchsen 
auf. 

Sublimat -Seide. 

Ungefärbte starke Nähseide 
legt man 24 Stunden in eine Lösung von 

1,0 Hydrargyri bichlorati 
in 

100,0 Aquae destillatae 
und bewahrt dann in nachstehender Lösung 
auf: 

0,6 Hydrargyri bichlorati, 
100,0 Glycerini, 
900,0 Spiritus. 

Carbolisirtes Silk- Protektiv. 

Silk.Protekti?!) 
bestreicht man auf einer Seite mittels breiten 
Fischhaarpinsels mit folgender Lösung: 
5,0 Deztrini, 
10,0 Amyli, 
80,0 Aquae 

erhitzt man bis zur Verkleisterung der Stärke 
und setzt nach dem Erkalten 
5,0 Acidi carboliei 
zu. 

Guttapercha- Mnli. 3) 

P. Beierdorf in Hamburg verwendete 
diesen Stoff zuerst zu seinen Outtapercha- 
PflastermuUen. Neuerdings wird er an Stelle 
des Silk - Protektiv und des Outtapercha- 
papieres bentitzt und kann hierfar empfohlen 
werden. 

Carbol • Schwämme, 

Gebleichte Schwämme^ 
legt man 24 Stunden in folgende Lösung : 
60,0 Addi carboliei, 

200,0 Spiritus, 

750,0 Aquae destillatae 
und bewahrt in derselben Lösung auf, nach- 



M Beragsqnelle: Ltmia Säg, Hamburff. 
*) BezngBonelle: A, Baumert, Berlin S, 
Landsberger Str. 71. 

*) S.im Manual: „Bleichen von Schwämmen/' 



dem man sie mit dem gleichen Volumen 
Wasser verdünnt hat. 

Carbol -Losang 

zum Einlegen von Drainröhren, Instro- 
menten, Schwämmen, Seide etc. 

25,0 Acidi carboliei, 
975,0 Spiritus. 

Sublimat- Losung 

für denselben Zweck. 

1,0 Hydrargyri bichlorati, 
100,0 Glycerini, 
900,0 Spiritus. 

Tinum Absinthii. 

40,0 Herbae Absinthii, 
1000,0 Vini albi. 

Man macerirt 8 Tage, presst aus und 
filtrirt. 

Yinnm antiscorbntienm. 

5,0 Natrii chlorati, 
10,0 Extracti Trifolii fibrini 
löst man in 

900,0 Vini albi 
und mischt 

25,0 Spiritus Sinapis, 
55,0 Spiritus Cochleariae 
hinzu. 

Nach mehrt&gigem Stehen filtrirt man. 

Yiiinm aromaticnm. 

100,0 Specierum aromaticarum, 
200,0 Aquae vulnerariae spirituosae, 
800,0 Vini rubri. 

Man macerirt 8 Tage , presst dann ans 
und filtrirt die Colatur nach mehrt&gig'em 
Stehen. 

Yinnm Anrantll eortlels. 

50,0 Plavedinis Aurantii cortieis 
1000,0 Vini Xerensis. 

Man macerirt 8 Tage, presst dann ans 
und filtrirt nach mehrt&gigem Stehen. 

Yinnm Anrantii martiatnnu 

1,0 Extracti Ferri pomati, 
löst man in 

100,0 Vini Aurantii cortieis 
und filtrirt nach mehrtflgigem Stehen. 



85 



Tinnm Cardut benedieti. 

50^0 Herbae Oardui benisdicti, 
1000,0 Vini Xerensis. 
Man macerirt 8 Tage, preBst ans nnd 
filtrirt die Colatnr nach mehrtägigem Stehen. 

Tinnm Chinae. 

40,0 Corticis Ghinae gr. ra. pulv., 
150,0 Sacchari albi, 
100,0 !Melli8 depurati, 
10,0 Tincturae Aurantii corticis, 
40,0 Spiritus Vini Cognac, 
700,0 Vini albi generosi. 
Man macerirt 8 Tage, presst aus, lässt 
die Colatnr noch 8 Tage knhl stehen nnd 
filtrirt schliesslich. 

Der nach dieser Vorschrift bereitete Wein 
hält sich ToUkommen klar, sobald man einen 
wirklich gnten Weisswein verwendet. Aus- 
geschlossen sind gerbstoffhaltige Weine, 
also anch sog. Schieler oder Schiller, welche 
gleichzeitig ans weissen nnd rothen Tranben 
gewonnen Bind; desgleichen darf der Honig 
nicht mit Tannin gereinigt sein. 

Wird ein Wein von Malaga- Farbe verlangt, 
so setzt man die entsprechende Menge Tinct. 
Sacchari zn. 

Vinnm Chinae ferratnm. 

1,0 Extracti Perri pomati, 
99,0 Vini Chinae. 
Man löst, lässt 8 Tage in kaltem Ranm 
stehen nnd filtrirt dann. 

Vinnm Chinini. 

1,0 Chinini hydrochlorici, 
lost man in 

20,0 Aqnae destillatae, 
gtt. 10 Acidi hydrochlorici 

nnd setzt 

100,0 Mellis depurati, 
150,0 Sacchari albi, 
50,0 Spiritus Vini Cognac, 
700,0 Vini albi generosi 

zn. Nach achttägigem Stehen filtrirt man. 
Es gilt hier das bei Vin. Chinae Gesagte. 

Vinnm Condnrango. 

100,0 Corticis Condurango 
pnWert man gröblich, macerirt mit 

1000,0 Vini Xerensis 
8 Tage lang, presst ans nnd filtrirt die Co- 
latnr nach mehrtägigem Stehen. 



ViiHim Oentianae. 

50,0 Badicis Gentianae, 
1000,0 Vini Xerensis. 
Man macerirt 8 Tage, presst ans nnd fil- 
trirt die Colatnr nach mehrtägigem Stehen. 

Vinnm Gentianae compositum. 

50,0 Tincturae Aurantii corticis, 
25,0 ,, aromaticae, 
925,0 Vini Gentianae 
mischt man nnd filtrirt nach mehrtägigem 
Stehen. 

Vinnm jodatum. 

5,0 Tincturae Jodi, 
1000,0 Vini albi generosi 
werden gemischt. 
Gerbstofifhaltige Weine sind zn vormeiden. 

Vinnm Peptoni. 

5,0 Peptoni 
löst man ohne Anwendung von Wärme in 
95,0 Vini Malaga. 
Nach mehrtägigem Stehen filtrirt man. 

Vinnm Seealis cornnti Balardlnl. 

25,0 Seealis cornnti gr. ni. pulv., 
1000,0 Vini albi generosi. 
Man macerirt 8 Tage und filtrirt dann. 

Vinnm Sennae. 

50,0 Foliorum Sennae Alexandrinae 

deresinat., 
850,0 Vini Xerensis. 
Man macerirt 8 Tage, presst ans nnd ver- 
setzt die Colatnr mit 

30,0 Tincturae Aurantii corticis, 
15,0 „ Zingiberis, 
5,0 „ aromaticae, 
100,0 Mellis depurati. 

Nach achttägigem Stehen filtrirt man. 

Vinnm Valerianae. 

50,0 Eadicis Valerianae conlus., 
1000,0 Vini Xerensis. 
Man macerirt 8 Tage , presst ans nnd fil- 
trirt die Colatnr nach mehrtägigem Stehen. 

Viscnm anenparinm. 

Vogel -Leim. 

700,0 Besinae Pini, 
300,0 Olei Lini 
schmilzt man mit einander. 



86 



YImiiiii lintiiiattf eps. 

Bmmata-Leim. 

a) 550,0 Eesinae Pini, 
450,0 Olei Lini, 

15,0 Paraffini solidi. 

b) 900,0 Picis liquidae, 
100,0 ßesinae. 

Man schmilzt und rührt bis zum Erkalten. 

Yisemii oiascariam. 

650,0 Besinae Pini, 
340,0 Otei Lini, 
10,0 Gerae Japonicae. 

Man schmilzt und rührt bis znm Erkalten. 

Colofon kann bei den drei Yorsteheadea 
Vorschriften keine Verwendung finden, weil 
die damit bereiteten Leime abtropfen würden. 

Waschmittel fftr Strohhflte. 

I. 10,0 Natrii subsulfarosi, 
5,0 Glycerini, 
10,0 Spiritus, 
75,0 Aquae destillatae. 

Man löst und filtrirt 

IL 2,0 Acidi citrici, 
10,0 Spiritus, 
90,0 Aquae destillatae. 

Man löst und filtrirt. 

Beide Flüssigkeiten werden mit foljg^ender 
Gebrauchsanweisung ans Publikum abge- 
geben : 

„Den Inhalt der Flasche I streicht man 
mit einem Schwämmchen auf den zu 
waschenden Strohhut, so dass jede Stelle 
getrcifen ist, und legt den Hut 24 Stunden 
in den Keller. 

Man streicht nun die Flüssigkeit n 
darüber, legt nochmals 24 Stunden in den 
Kt^er und plättet dann mit einer reinen, 
nicht zu heissen Plättglocke/* 

Wasserdichte Stiefelschmlere. 

Jagdstiefel -Schmiere. 

700,0 ffelben Vaselinöles, 
50,0 Olei Olivamm communis, 
250,0 gelben Ceresins, 
1,0 Alcannini, 
gtt 10 Essentiae Mirbanae, 
„ 5 Olei Gitronellae. 

Man giesst die geschmolzene Masse in 
Blechdosen von 200,0 Inhalt aus. 



Wiehse. 

Stiefelwichse. Olantwicfase. 

300,0 Beinschwart, 
160,0 Dextrin, 
20,0 Alaun 
mischt man oberflfichlich^ rührt dann 
240,0 Melasse, 
100,0 Holzessig, 
30,0 Wasser 
und, wenn die Masse gleicfamtssig ist, 

65,0 ordin&res Baumöl 
darunter. 
Zuletzt mischt man noch 

85,0 Englischer Schwefelsäure 

hinzu und giesst sofort in Blechdosen aus. 

Diese Wichse zeichnet sich durch sehr 
hohen Glanz aus. 

Wlehse • Appretar. 

Französische Leder -Appretur. 

125,0 Laceae in tabulis, 
40,0 Boracis gr. m. puk., 
815,0 Aquae 

bringt man in eine tarirte Schale, erhitzt im 
Dampfbad unter öfterem umrühren so lange, 
bis sich Alles gelöst hat, trägt dann 

20,0 Nigrosin, 

welches man mit etwas Wasser anrührte, ein 
und ergänzt den durch das Erhitzen ent- 
standenen Gewichtsverlust durch Zusatz von 
Wasser. 

Die Gebrauchs - Anweisung lautet: 

„Kutsch-Geschirre und -Wagen, Stiefel 
und sonstiges Lederzeug reinigt man gut 
durch Waschen mit Seifenwasser, lässt 
trocknen und überstreicht dann mit der 
Appretur, wozu man sich eines Pinseis 
oder Schwämmchens bedient.'^ 

Witterung Ar Banbthi^re. 

0,3 Moschi Tonquinensis, 
0,2 Zibethi veri., 
3,0 Castorei Oanadensis, 
gtt. 5 Olei Gascarillae, 
„ 5 ,, Valerianae, 
„ 5 „ Angelicae, 
„ 5 „ Patchouly, 
100,0 Parinae Tritici. 
Man mischt gut, bringt in eineGlasbüchae 
und yerschliesst dieselbe fest. 

Bei der Herstellung sowohl, wie beim Dts-* 
pensiren ist jede Berührung mit den Händen 



87 



za TarmeideOy da eine solehe von den zu 
ködernden Thieren unfehlbar gewittert würde, 

Zinenm aceticam. 

100,0 Zinci oxydati, 
100,0 Aqaae destitlatae 

giebt man in eine Kochflascha, Mast 24 Stali- 
den stehen, filgt 

500,0 Aeidi aeetici diluti, 
10,0 Zinci metallici raspati 

hinzn, erhitzt 5 bis 6 Stünden im Wasserbad, 
filtrirt noch heiss nnd stelK das FiHrat zur 
Krysiallisation znrdck. 

Nach mehrtägigem Stehen giesst man die 
Hntterlange von den Krystallen, welche man 
auf Löschpapier bei gewöhnlicher Temperatur 
trocknet, ab, dampft auch nngefihr die 
Hälfte des Yohimen ein und Iftsst nochmals 
krystalüsiren. 

Die Ansbente wird gegen 

800,0 
betragen. 

Die längere Berührung des Zinkoxydes 
mit Wasser, bevor die Sftnre zugesetzt wird, 
erhöht die Löslichkeit. 

ZiBfVBi chlontnm inbaeillisKoebner. 

80,0 Zinci chlorati, 
20,0 Ealii nitrici 

zerreibt man mit einander, schmilzt in einem 
Porzellanschälchen über einer Flamme unter 
Vermeidung 7on Ueberhitznng (Entwickelang 
▼on Untersalpetersänredämpfen] und giesst 
in 5 mm weite Glasröhren , welche man vor- 
her mit etwas Cacaoöl ausgewischt und mit 
einem Baumwollepfropfen nachgewischt hatte, 
aus. 

Die auf beiden Seiten verkorkten Glas- 
röhren lässt man 12 bis 24 Stunden in 
kühlem Baum liegen , stösst dann die Stifte 
ans, taucht sie in geschmolzenes Cacaoöl, 
hüllt sie nach dem Erkalten in Zinnfolie und 
bewahrt sie unter sorgfältigem Abscbluss der 
Luft in Glasbüchsen auf. 



Zwei Jahre lang hat der Verfasser des 
Manuals viel Mühe und Arbeit im La- 
boratorium wie am Schreibtisch gehabt, 
viele Hunderte von Versuchen hat er an- 
gestellt, um aus der zahllosen Menge von 
Vorschriften, welche sich in der Literatur 
herumtreiben, die besten heraus zu finden 
oder neue aufzustellen. Seine Artikel 
haben daher auch des Nützlichen und 
Anregenden viel geboten und ihm sicher 
auch als besten Lohn fllr sein Streben 
die Anerkennung der Fachgenossen ein- 
getragen. Geisder. 

WarburgpB Tinetnr. 
(TixLctara antiperiodica.) 

Zu dieser auch ia Deutschland manchmal 
verlangten Tinetur giebt die „New -Yorker 
Pharm. Buadeehan'* folgende Vovschrilt: 
Rhabarber, Angelikafrucht je 56 Gran ; Alant- 
Wurzel , Safran , Fenchelfruoht , Opium je 98 
Gran; Eniian, Zedoaria, Cubeben, Myrrhe, 
Lärchenseliwamm, Kampfer je 14 Gran. Die 
theiU c<mtundiTten , tbeils grob gepulverten 
Ingrediensien werden mit 14 Volum -Unaen 
verdünnten Spiritus (spec. Gew. 0,92) 12 
Stunden digerirt. Dann wird ausgepretst und 
in derColatar werden unter gelinder Erwärm- 
nng 160 Gran Chininaulfat und 28 Gran 
AloS-Extraot gelöst. Wenn erkaltet, werden 
28 Gran präcipitirte Kreide sur Flüssigkeit 
gesehfittelt nnd dann filtrirt; der Rückstand 
auf dem Filter wird mit soviel Terdünntem 
Spiritus nachgespült, dass das Filtrat 16 Vo- 
lum-Unzen betr&gt. — Da Warbnrg'a Tinetur 
Buweilen ohne Alo8 verordnet wird, so hält 
man einen kleinen Vorrath von Tinetur ohne 
den Zusats von Aloe-Eztract. g. 



Hit obigen Vorschriften schliesst das 
Manual f&r jetzt ab. Die Zusätze und 
Verbesserungen, welche durch die Fort- 
sdiritte der Wissenschaft und Praxis 
sieh f&r einzelne Vorschriften nöthig 
machen werden, sollen geeigneter Zeit 
im Zusammenhaxige an dieser Stelle wie- 
der veröffentlicht werden. 



Seeale eemutam sine oleo. 

Nach Eöldermann geschieht die Prüfung 
des Mutterkompulvers auf einen etwaigen 
Qehalt an fettem Oel am einfachsten in der 
Weise, dass man einige Gramm des Pulvers 
in Gestalt eines Kegels auf einem Stück 
weissen Papiers aufhäuft, die Spitze des Kegels 
mit einem Löffelchen eindrückt und in die so 
gewonnene Vertiefung so viel Aether giesst, 
dass das gesammtePulyer davon angefeuchtet 
wird. Der Aether breitet sich auf dem Papier 
aus und wird bei einem völlig damit er- 



88 



schöpften Pulver beim freiwilligen Verdunsten 
keine Spnren hinterlassen , während sich ein 
noch anhaftender Oelgehalt durch gefärbte 
und durchscheinend gewordene Ringe um den 
Kegel herum zu erkennen giebt. 

Das fette Oel , das bei der Exti'action des 
Mutterkornpulvers mittelst Aether zu etwa | 
33 bis 35 pCt. gewonnen wird, giebt einen; 
Anhaltspunkt zur annähernden Beurtheilung 
des Alters der zum Pulver verwendeten 
Waare. Ein möglichst bald nach der Ernte 
gepulvertes und sofort nachher mit Aether be- 
handeltes Mutterkorn liefert ein ziemlich hell 
gefärbtes, Anfangs flüssiges Oel, aus dem sich 
erst nach längerem Stehen krystallisirte Par- 
tien von hellerer Färbung ausscheiden. Das 
Oel aus altem Mutterkorn , noch mehr aber 
aus einem daraus hergestellten Pulver^ das 
vor der Eztraction einige Zeit gelegen hat, 
ist viel dunkler gefärbt und wird nach Be- 
seitigung des Aethers rasch durch die ganze 
Masse butterartig fest. 

Noch sei auf einen Punkt aufmerksam ge- 
macht, der nicht immer die nöthige Berück- 
sichtigung erfährt und zum nachträglichen 
Verderben eines mit aller Sorgfalt durch 
Aether erschöpften Mutterkornpulvers Ver- 
anlassung geben kann. Wenn man nämlich, 
wie dies wohl stets geschehen wird, den 
Aether aus dem entölten Pulver wieder ge- 
winnt, so erhält man ein anscheinend staubig 
trockenes Pulver, das aber noch den Wasser- 
gehalt des Aethers zurückhält, was beim 
Aufbewahren im verschlossenen Gefasse zur 
Folge hat, dass das Pulver gern „muchlig" 
wird, ja sich ganz mitPenicillium-Mycelfäden 
durchsetzt. Es ist deshalb erforderlich , das 
mit Aether vollkommen erschöpfte Pulver 
noch scharf nachzntrocknen , nachdem der 
Aethergeruch längst verschwunden ist. 

Bei der grossen Wichtigkeit, die das Mut- 
terkorn als Arzneimittel beanspruchen kann, 
dürfte es sich empfehlen, von dem nur in 
entöltem Zustande vorräthig zu haltenden 
Pulver auch zu verlangen, dass es eininfusum 
von der charakteristischen Färbung des Mut- 
terkorn - Infuses geben soll , da man hierin 
wieder ein Merkmal besitzt, um ein aus ver- 
legenem Mutterkorn bereitetes Präparat von 
einem mit Sorgfalt aus frischer Waare be- 
reiteten zu unterscheiden. Dem Jufusum des 
ersteren geht der eigenthümlich violette Far- 
benton gänzlich ab, durch welchen man schon 
seit den längsten Zeiten die gute BescliafFcn- 



hcit des Mutterkorns in der Praxis geprüft 
hat. g. 

Süddeutsche Apoth.-Zeü. 



Experimentelle Stadien über den 

Einfluss teohniaoh und hygienisch 

wichtiger Oase und Dämpfe 

auf den Organismus. 

Von K. P. Lehmann. 

Als obere Grenze der Schädlichkeit von 
Salzsäuregas glauht Verf. 1 bis 1 i/a Zehntel 
pro mille festsetzen zu dürfen. 0,1 bis 0,14 
wurden von Katzen und Kaninchen aber noch 
mit geringen Reactionserscheinungen • und 
ohne Nachwehen ertragen, 0,3 pro mille 
zeigte schon eine leichte Wirkung auf die 
Cornea von Kaninchen und Meerschweinchen 
bei längerer Einwirkung und erzeugte auch 
Katarrhe. Verf. glaubt, dass bei 1 pro mille 
der Aufenthalt wenigstens für kurze Zeit 
(einige Minuten) ohne Gefahr riskirt werden 
kann — wenn die beim Menschen viel leb* 
hafter functionirenden reflectori sehen Glottis- 
schlieseer bei einer solchen Concentration 
noch eine Respiration gestatten. Abgehärtetere 
Personen , bei denen noch eine gewisse Ge- 
wöhnung hinzukommt, werden wohl auch 
noch etwas stärkere Dosen ohne allzu grosse 
Belästigung zu ertragen im Stande sein; 0,1, 
höchstens 0,2 pro mille dürften aber auch 
für diese die Grenze für einen längeren Auf- 
enthalt darstellen. 

Nach den Thierversuchen macht i/s pro 
mille Am moniak geh alt schwache, 1 pro 
mille schon starke Reizsymptome; bei 2 pro 
mille beginnen schon Zustände durch das 
Ammoniak erzeugt zu werden , die einen 
längeren Aufenthalt in dem Räume nicht un- 
bedenklich, wenn nicht unmöglich erscheinen 
lassen. Eine Katze zeigte nach SVotündigeui 
Aufenthalte bei 2^2 pro mille schon Bcbr 
ernste Schädigungen , Hamorrhazien in die 
Stimmbänder, eiterige Trachei'tis, Coxguncti- 
vitis u. B. f. Dosen über 4 bis 5 pro mille 
wurden häufig rasch lebensgefährlich oder 
veranlassten doch wenigstens fast stets Pneu- 
monien, die sich in den Tagen nach dem 
Versuche entwickeln. Von 2 pCt. an fftn^t 
Ammoniak rasch an unter schweren Er- 
scheinungen tödtlich zu wirken, die Dosen 
um 1 pCt. herum waren einmal rasch tÖdtlicb, 
andere Male schienen sie wenig zu schaden. 



89 



Verf. hielt bei drei SelbstversQehen 0)20| 
0,33 and 0,33 pro mille je 30 Minuten aus 
und 2wei weitere VersaehsperBonen verweilten 
20 Hinnten ebenfiills bei 0,3 pro mille. 

0,3 bis 0|5 pro Mille dürften bei einiger 
Gewöhnung längere Zeit ohne wesentKehen 
Sehaden ertragen werden und sind wohl selbst 
1 bis 2 pro mille bei kurzem Aufenthalte 
ohne Gefahr. Jedenfalls sind aber 
Mengen über 0,5 pro mille Ammo- 
niak in Räumen für längeren Auf- 
enthalt als entsehieden unzu- 
lässig zu bezeiohnen« 

Was nun die Maassregeln zur Ver- 
hütung von Sehädiguagen der Ar- 
beiter durch ätzende Gase und schädliche 
Luftbeimengungen überhaupt anbetrifft, so 
kann ala allgemein anerkanntes Princip an- 
gesehen werden, dass die wirksamsten Schutz- 
nrittel ^egen alle GasTcrgiftungen zweick- 
mässige Construetion, dichtes 
Schliessen der verwendeten Appa- 
rate und daneben Einrichtung 
einer wirksamen Ventilation sind. 
Nur auf diesem Wege, nicht durch Masken 
oder andere persönliche SchutzTorrichtungen, 
lässt sich der ständige Aufenthalt in einem 
Räume , in dem mit Gasen und Dämpfen ge- 
arbeitet wird, ungefährlich gestalten. Mit 
Hilfe von Dampfinjectoren , von Hochdruck- 
wasserventilatoren , von energisch wirkenden 
Schraubenventilatoren wird es bei gutem 
Willen immer gelingen , die zum bleibenden 
Aufenthalte der Arbeiter dienenden Räume 
mit einer guten Luft zu versehen. Wir dürfen 
uns dabei daran erinnern, dass vielfach diese 
geBlhrlicben Betriebe nur einzelne Zweige 
von Grossindustrien sind , die grosse Mengen 
Wasser- oder Dampfkraft consumiren und 
fast stets so viel davon überflüssig haben, als 
•ine rationelle Ventilation erfordert. Zum 
Veniiliren kleiner Loeale , einzelner Arbeits- 
plätze, wo giftiger Dampf oder Staub sich 
entwickelt, durften die kleinen Turbinen 



(Grösse eines Fünfmarkstückes), welche, mit 
Hochdruckwasserleitung verbunden ^ sehr be- 
deutende Luftmengen absangen , empfehlens- 
wertbe Apparate darstellen. Dieselben werden 
in Winterthur (Preis 60 bis 70 frcs.) gefertigt 
und sind in der Schweiz schon mehrfach mit 
Erfolg in Gebranch« 

Zahlreiche Opfer werden dann gefordert, 
wenn durch Unglücksfälle plötzlich giftige 
Dämpfe austreten, z. B. bei Eismaschinen 
das plötzliche Ausströmen von grossen Mengen 
von Ammoniak durch Leckwerden der Appa- 
rate. Handelt es sich darum, das Leck zu 
schliessen, so empfiehlt sich ein vom Ingenieur 
Päifner angegebener Apparat. Derselbe be- 
steht aus einem Helme oder einer Kapuze 
aus weichem Gummistoff und umschliesst 
locker Kopf und Hals ; für die Augen sind 
zwei grosse runde Glasfenster eingesetzt. In 
der Gegend des Mundes setzt sich an die 
Maske ein weiter, starkwandiger Schlauch an, 
der in*s Freie führt und mit einem kräftigen 
Blasebalge in Verbindung steht. Während 
sich der Arbeiter im Räume befindet, wird 
fortwährend ein starker Strom frischer Aussen - 
luft gegen seinen Mund geblasen, der zwischen 
Hals und Maske, wo dieselbe locker anliegt, 
entweicht und verhindert, dass in entgegen- 
gesetzter Richtung giftige Gase eindringen. 
Nach angestellten Versuchen ist Verf. geneigt, 
in der Maske ein höchst einfaches und des- 
wegen empfehlenswerthes Hilfsmittel zu sehen, 
um Arbeitern das vorübergehende Betreten 
von Räumen zu gestatten, in denen sich 
giftige und ätzende Dämpfe entwickeln und 
für die keine Ventilation eingerichtet ist. 
Vielleicht könnten sich auch Chemiker des- 
selben manchmal bedienen. (In Räumen, die 
von einem die Augen nicht besonders stören- 
den Staube [z. B. Bleiweiss] erfüllt sind , ge- 
nügt bei kurzem Aufenthalte ein Watte- 
respirator.) P, 

Arch. f, HygUinc d, 1—126. 



'V- j ■^ ^- 



Technische srotlzen« 



Zar genaueren Erläuterung des schon 
mehrfach in diesem Blatte (Nr. 18 u. 30 v. J.) 
besprochenen Gktsglfihlichtes bringen wir hier 
eine Beschreibung des dem Herrn AfMr von 
We^hach pisttenürten Brenners.* * - 



Die beiden Haupttheile des Apparates sind 
der den unteren Theil bildende , etwas modi- 
ficirte Bunsen'sche Brenner m und das über 
demselben befindliche Gewebe G, Das Ge- 
webe ist mit verschiedenen chemischen Sub- 
stanzen getränkt , welche der Erfinder einst- 
weilen geheim hält, welche jedoch wahr 






92 



gri£Pe aaeh nur für kurze Zeit zu widerstehen. 
Die genauere Untersuchung des in grossen 
Städten erzeugton Staubes hat ergeben, dass 
er aus einer Anzahl verschiedener Stoffe be- 
steht, namentlich scharfem Quarzsand, einem 
merkbaren Betrage von Eisen und anderen 
Bestandtheilen, die zwar an sich weniger hart, 
aber doch scharf genug sind , um die Ober* 
fläche der Quader abzuschleifen. Auf vielen 
Kirchhöfen wurde diese Thatsache dadurch 
festgestellt, dass da, wo auf den Denkmälern 
eingemeiselte Inschriften der herrschenden 
Windrichtung ausgesetzt stehen, der Stein 



soweit weggeschliffen war, dass die Buch- 
staben kaum noch erkennbar sind. 

Endlich findet Eglesiofiy dass an den Bau- 
werken früherer Jiüirhunderte eine grossere 
Sorgfalt in der Auswahl gleichartiger und 
durch ihre Bindemittel eine lange Dauer ver- 
bürgender Steine erkennbar iat, als an den 
Denkmälern unserer Zeit, und dass unsere 
Architekten bei der Bildung derGresimseund 
Wasserschläge es oft an der nötibigen Vor- 
sorge fehlen lassen , dass aufschlagende und 
abtropfende Niederschlagwasser unschädlich 
zu machen. Inäustriebl 



r\'^ ^V/>. r-\,/N>^ f-K/ 



Isc^illen. 



Qlnelleii der Laminariastifte. 

In Brunnenwasser quellen Laminariastifte 
weit weniger als in destillirtem Wasser, 
macht man dem letzteren kleine Zusätze von 
Kalksalzen (Calciumchlorid 1 : 5000, Caldum- 
phosphat, so viel sich löst), so wird die Quell- 
ung ebenfalls vermindert. Der Kalk scheint 
eine Verbindung mit der quellbaren Substanz 
einzugehen, denn ist letztere einmal in kalk» 
haltigem Wasser gequollen und dann ge- 
trocknet, so quillt sie nun auch in destillirtem 
Wasser weniger, als frische Substanz, während 
wiederholtes Quellen und Trocknen im destil- 
lirten Wasser die Quellbarkeit nicht herab- 
«etzt. Wird mit dem Kalk Kochsalz in ge- 
ringer Menge dem Wasser zugesezt, so wird 
die quellungswirdrige Wirkung des Kalkes 
compensirt. Kochsalz oder Chlorammonium 
fär sich verzögern , aber verringern nicht die 
Quellung. 

Ceniraibl. f. d. med. Wis$. 2Ö, 63. 



reine Lanolin, erwiesen sich dagegen stets 
vollständig keimfrei, 

Cewh'Mi f. Bakteriologie I, 129. 



Ipecacnanha - Idiosyncrasie, 

Als Mittel gegen die manchen Personen 
sehr lästigen Einwirkungen eiageathmeten 
Staubes von Ipecacuanha wird Fluidextract 
von Quebracho empfohlen. a. 

Phann. Jaum. 1880, 840, 



EHnstlipher Honig. 

Wie wir den Pharm. „Joum. Transact. 
1S86 Nr. 850*' entnehmen, ist der Process 
einer künstlichen Honigbereitung durch 
Mischung von Dextrose, Laevulose und Bohr- 
zucker, in dem Verhaltuiss wie dieselben im 
Honig vorkommen , der Gegenstand eines 
neuen englischen Patentes. Man nimmt 
35 Th. Dextrose, 40 Th. Laevulose und so- 
viel Rohrzucker, dass eine lOproc. Lösung 
eine Drehung von 1 o im Soleil- Venteke'schen 
Polariseop zeigt. Der eigenthümliche Geruch 
und Geschmack soll durch gewisse Essenzen 



Enth&lt Lanolin Filzkeüne? 

Lanolin wird aus den Wollhaaren der 
Schafe gewonnen und es ist bekannt, dass | hervorgebracht werden. Wir können nur 



durch diese der Milzbrand nicht selten weitere wünschen , dass die Nachricht von diesem 
Verbreitung findet. Es lag deshalb nahe, das I patentirten Fälschungsmittel sich nicht be- 
Lanolin darauf, ob es entwickelungsfi&hige I stätigt. _oa 

Keime enthielte, au prfifen. Es wurde sowohl 

rohes Wollfett, als Proben aus den ver- Ueber Himbeer- und Erdbeer- 

schiedenen Zwischenstationen der Lanolin- « . 

bereitung in üblicher Weise mit Nährgelatine DranMWeine, 

sEOsammengebracht. Nur das rohe Wollfett V®» ^Ö>ä. KomnUer, 

wurde hierbei einige Male (6 Prüfungen wnr- Nach den Beobachtungen von LeBd gahrt 

den angestellt) schwach keimhaltig befunden, der Himbeersaft nur langsam und uutoII. 

die übrigen Präparate und insbesondere das ständig, weil die Beere unter der Haut ein 



93 



eigenthümliehes Ferment besitzt, welehes 
Dicht fUhig ist, den Zocker rollst&ndig in Al- 
kohol amsnwandeln. Der Uimbeerwein ent- 
hält deshalb anch nur 2 bis 2,5 pCt Alkohol, 
anstatt 5 pCt., welche er enthalten müsste, 
wenn die Gihrang regelmiisig anr Vollend- 
ung k&me. Um lu untersuchen, ob dieser 
Mangel an ActiTität der Hefe in einer ge* 
ringeren Energie derselben liege, oder ob 
ihre Wirkung durch gewisse, in der Beere 
enthaltene Stoffe paralysirt werde, hat der 
Verfiwser ansgepressten Himbeersaft mit 
ellipsoidischer Weinhefe versetzt und ge- 
fanden, dass hierdurch nicht nur der im Saft 
enthaltene Zucker, sondern noch weitere 
Mengen, die man hinzusetzte, Tollst&ndig zur 
ZerstoroDg gebraeht werden konnten. 

Der Himbeerbranntwein besitzt einen sehr 
angenehmen Geruch, der zugleich an Him- 
beeren und GeneTor erinnert« 

Um Erdbeerweine, bez. Branntweine zu er- 
halten, muss man dem ausgepressten Saft 
ebenfalls ellipsoidische Weinhefe zusetzen 
und kann dann noch einen Zusatz von Zucker 
geben. Der Wein ist weniger sauer als 
Himbeerwein, angenehmer zu trinken und 
gut aufisubewahren, wenn er so bereitet ist, 
dass er ungefähr 16 pCt. Alkohol enthält. 
Der Branntwein besitzt den angenehmen Ge- 
rach der Erdbeeren. Der aus englischen 
Erdbeeren dargestellte ist , selbst wenn man 
ihm zweimal soriel Zucker zugesetzt hat, als 
in den Fruchten enthalten ist, immer noch 
ao stark aromatisch, dass er kaum zu trinken 
ist ; giesst man aber eine kleine Menge davon 
in Wasser oder Thee, so tritt der ananasartige 
Geruch in seiner ganzen Beinheit auf. 

Chm. Centr.'Bl 1887, 5. 



Kantsohiikartige Stoffe 
im Branntwein. 

In einem Branntwein wurde ein Bestand- 
theil gefunden, der jedenfalls nicht zur Ver- 
beaaemng des Geschmacks desselben beitrug 
und Tielleicht häufiger vorkommt, als man 
meint. Ein zu untersuchender Branntwein 
worde eingedampft und der Bfickstand ge- 
glüht. Dabei zeigte sich ein so deutlicher 
und starker Geruch nach verbrennendem Kaut- 
schoky dass sich kaum bezweifeln lässt, dass 
der Tzo^enrfickstand theilweise aus Gummi 
bestand. Derselbe stammt JedenfsUs aus 



Gummidichtungen am Brennapparat. Ob- 
gleich die Menge Gummi im Branntwein nur 
eine ganz minimale gewesen sein kann, so 
scheint es doch nicht ausgeschlossen, dass 
auch noch so geringe Mengen den Geschmack 
ungunstig beeinflussen. Man muss daher 
Gummidichtungen auf das sorgfältigste über- 
all da vermeiden, wo sie mit Alkohol in Be- 
rührung kommen. 

Bepert. d. Anal. Chemie 188T, 2. 



Behandlang von Frostwunden. 

Für offene oder durch falsche Behandlung 
mit Fettsalben etc. in Eiterung gekommene 
Frostbeulen und -Wunden empfiehlt sich zu- 
nächst Beinlichkeit durch ein- oder zweimal 
ttgliches Auswaschen mit sommerwarmem 
Wasser; nach vorsichtigem Trocknen wird 
die Wunde jedesmal mit fein gepulverter 
Borsäure bestreut und gegen Zutritt von 
Staub verbunden. Wenn sich sogenanntes 
wildes Fleisch zeigen sollte, so kann anstatt 
Borsäure ein- oder zweimal Jodoform für 
Vs bis 1 Stunde aufgestreut werden. Die 
erfrorenen Theile sind gegen Temperatur- 
Extreme zu schützen, also weder warm zu 
verbinden oder zu waschen, noch am Ofen 
oder unter Federbetten zu überhitzen. So 
behandelt und bei Vermeidung jeden Ge- 
brauchs von Fettsalben wird Besserung der 
Wunden sehr schnell und Heilung in kurzer 
Zeit erfolgen. g. 

Fr, K in New-YorJcer Pharm, Eundscfiau. 



Speckstein als 

P. Viffier theilt mit, dass der gepulverte 
Speckstein ein ausgezeichnetes Mittel sei, 
um das Ansetzen von Kesselstein -^ falls 
wesentlich Carbonate gegenwärtig sind — zu 
verhindern. Der Gedanke ist durchaus plau- 
sibel , da das Specksteinpulver — etwa wie 
Lycopodium •— in siedenden Flüssigkeiten 
eine lebhafte Bewegung annimmt und so me- 
chanisch das Ablagern von Calciumcarbonat 
in dichten Massen verhindert, eine That- 
sache, welcher die Chemiker sich schon lange 
beim Destilliren »stossender*' Flüssigkeiten 
bedient haben. Durch eine Reihe von Ver- 
suchen hat Tigier festgestellt, dass es genügt, 
dem betreffenden Wasser den sehnten Theil 
seines Abdampfrückstandes an Speekstein 
zuzusetoen , um der Kesselsteinbildung wirk- 



94 



satti entgegen eu treten. Das gleiche Mittel 
empfielik Vigier sünci Laboratoriamgebr&ttch 
für Waaserbäder etc. 

PJiarm: Handelsblatt 



Oeheimmittel. 

Der OrtsgfsnDclheitsrath in EarlHrabe erlfisst 
folgende warnende Bekanntmachungen: 

1. Pulver geeen Asthma Von H. Clery in 
Marseille, dorcn Einathmen des bei der Ver- 



brennung ^icb eDtwickelnden Dampfes auch in 
den schwersten Fällen der Schwindsuebt heil- 
sam, ist Lobeliakraut mit Salpeter imprägnirt. 
Preis 3 fcs. 50 cts., Werth- 50^ 

2. ö. Seiferts „eigenartig prSparirte Schaf- 
wolle," zu Watte und Decken verarbeitet, ein 
augenblicklich wirkendes Mittel gegen Gicht, 
ist bereits in der Centralhalle 27, 244 be- 
sprochen worden. 

3. A. Winter^Bche Gichtketten, ein alter 
Schwindel, tlber den schon in der Centralhalle 
28, 195 und 24, 56 berichtet wurde. 



^./Ny V"^/' N-^N.' Vv w" 



Offene Correspondenz. 



E^rm D* in E« Die englische Nonenclatur 
ist bemflht, möglichst correct zu verfahren, 
indem sie streng darauf achtet, dass die einer 
Klasse angehOrigen KCrper sich von denen an- 
derer Klassen durch die Endsilben unterscheiden 
aolleo. Den Alkoholen soll allein die Endung 
•ol zukommen, z. B. die Bezeichnung Besorcinol 
für Resorcin. Die Endung -in hingegen ist le- 
diglich für Glucoside und ähnliche Stoffe reser- 
virt, w&hrend die Endungen 'ine oder -ia allein 
den Alkaloiden zukommen. Es ist hierbei zu 
beachten, dass in Folee der englischen Aus- 
sprache -in und -ine allerdings bedeutend ver- 
schieden sind. Neuerdings ist für die AJkaloide 
speciell wieder eine Unterscheidung aufgetaucht, 
indem, conform mit den Bezeichnungen ammcnia 
(Ammoniak, NE^) und ammonium (Ammonium, 
KHi) — z. B. in Verbindungen: ammonium 
Chloride — , die Endung -ia nur der freien Base, 
die Endung -mm» oder 'ine und auch -enium 
den Salzen derselben zukommt: z. B. Morpkia 
= Morphin und Morphium Chloride, Morphine 
Chlorid oder Morphonxum Chloride für die Chlor- 
wasserstoffverbindung; Cocaia = Cocain und 
Cocaine chlorid, Coconium Chloride für die 
Salze. 

Die in Deutschland von Hager angeregte 
Frage über die Bezeichnung der chlorwasser- 
stoffsauren Alkaloidsalze als Bydrochlorat, Hj- 
drochlorid, Chlorid (in entsprechender Ang- 
lisirung jener Nameo) steht damit in Zusam- 
menhang und wird lebhaft ventilirt. 

Auch der Vorschlag ist aufgetaucht, dem 
Alkaloidnamen die Silbe Hydro- vorangehen zn 
lassen, wenn es als Salz auftritt, z. B. Hydro- 
Cocaine cMorid, 

Yeraleichen Sie übrigens das (Ph. C. 25, 282 
und 26, 64) über die Bezeichnung der chlor- 
wasserstofisanren Alkaloidsalze Gesagte. 

Die lateinische Nomenclatur der Pharma- 
kopoe und die entsprechende deutsche sind 
zwar für den erfahrenen Praktiker nicht 
schwierig, immerhin bieten dem Anfänger die 
Bezeichnungen Kalium eMoratum = Kalium- 
chlorid oder Chlorkalinm, nowie Kalium cMori- 
cum = Kaliumchlorat, chlorsaures Kalium; 
ferner Ferrum stUfuricum = Eisenozydnlsulfat 
schwefeUaures Eisenoxydul und Ferrum sul- 



furatum b Eisensulfüi« Schwefeleisen, sicherlich 
manche Schwierigkeiten. 

Die Österreichische Pharmakopoe benennt die 
Drogen in der Weise, dass sie die Worte dem 
Modus der deutschen Pharmakopoe entgegen- 
gesetzt (zusammenstellt, nämlich Chinae cortex 
ffir Cortex Chinae, Altheae radix etc. Analog 
dieser Bezeichnungsweise werden in Oesterreicn 
Stimmen laut, die Bezeichnung der Chemikidien 
in gleicher Weise zu construiren (Pharm. Post 
1887, 70), z. B.: 

Kdlii Chloras = Kaliumchlorat. ECIO«. 

Kala CMoridum = Kaliumchlorid. KCl. 

Kala Jodidum =a Kaliumjodid. 

Kala Bromidum = Kaliumbromid. 

Kala Sulfidum = Kalium sulfid. 

Kala Sulfas = Kalium sulfat. 

Cäleii Phospkidum vs Calciumpfao&phid. 

Calcii Fhosphas = Calciumphosphat 

Kala Hydroxydum = KaUumhjdroxjd. 

Zinci Oxydum = Zinkoxyd. 

C. in K. Herr Dr. Gfosschopff in Rostock 
theilt uns mit, dass die Herren Meier und 
Meyer (vor. Nr. uns. BL) keineswegs die Ent- 
decker der Blausfiurebildung im Lein- 
samen bei Wasserzusatz sind (ihre Veröffent- 
lichung datirt vom 15. October 1885), sondern 
dass schon TT. 0. Senior am 8. September 1885 
in der British pharm. Conference zu Aberdeen 
hierüber sprach und dass bereits 1873 in einer 
Versammlung der Apotheker Berlins als auf eine 
von ihm gemachte Entdeckung hierauf hinge- 
wiesen wurde, was aber aus den Sitzungsberich- 
ten in weiteren Kreisen nicht bekannt geworden 
zu sein scheint 

H. K. in 0. Besten Dank für Ihre Mittheil- 
ung, dass der Geruch des Jodoforms durch 
Naph talin verdeckt wird. Wir haben Ihre Be- 
obachtung bestätigt gefunden, nur blieb es uns 
zweifelhaft, welcher Geruch, der des Jodoforms 
oder der des Naphtalins, der weniger ange- 
nehme ist. 

Anfrage: In Süddeutschlaad nnd der Schweiz 
wird jetzt als Düngemittel „Schwarzsalz** an- 
geboten. Ist Jemand die Zusammenaetzung 
dieses Präparats, von dem vermuthet wird, dass 
es rohes Ammoniumsulfat enthalte, bekannt? 



in V«rlM» der B«r»nM;«b«r. V*r»ntwortilohM Bo<laet«ar .Dr. K* tteUiler In DrMdsau 
Im Bnebbaadel dnrdi Jnliiis 8prifts«r, BerllaH, MoBb^oupUts S. 
DtMk «tr KSatfft BofbMbdrulur«! von a a Mtlabold h Bfiaae ia Drasita 



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der Pharmacie, 

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Dr. Hermann Hager und Dr. Ewald Oelssler. 



Emheint jeden Donnerstag. — Abonnementapreia durch die Poat oder den Buchhandel 

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2d Ft. Inserate: die einmal gespidtene Petit-Zeile 25 Pf., bei grosseren Inseraten oder 

Wiederholungen Rabatt 
Anfragen, Aufträge, Manusciipte etc. wolle man an den Redacteur Prof Dr. E. Geissler, 

Dresden, Pillnitzer Strasse 56 adressiren. 



M, 8. 



Berlin, den 24. Februar 1887. ÄirjahÄ' 



Der ganzen Folge XXVIII. Jahrgang. 



Inbslt: CMeaile mm4. PharmMle: Mlttheilongen aui dem Sffenüleheii obemlgchen Laboratorinm von Dr. Otto 
SehwolMlnger su Dretden. — Ueber das Gantharldin. — Zum N«chwols de. Fn.elöla in Spirltnoien. — Ueber dio 
Aawendang des NAtriamthloanlfat. an Stolle des Bcbwefelwatsentoffirefle.. — Darstollnng von Fluor. — Eine 
Prfifanff «nf die Farbe ron gelben Rflben bi der Butter. — Naehweli Ton Peptonen im Harn und Blnt — Ex- 
tractbeetimmnsg im Wein. — Nachweis Ton' Lecithin in fetten Oelen. — Umwandlung von Qlncose in Dextrin. 
— MoleknlargrOsse des Zinks. — Bestimmung der Carbolslure in Seifen. — Aus französischen und englischen 
Journalen. — Tkerspemtlsehe HotlieB: Methylal. — Kleinere Motiaen. — Ernährende Klystiere nach Berrj. — 
MfMelleB: SIehere Methode aum Absprengen von Olas, etc. — Offene Correti^OBdeBi« — ABielges* 



Chemie und Pharmacie. 



Mittheilnngen aus dem öffentlichen 

chemischen Laboratorium von 
Dr. Otto Schweissinger zu Dresden. 

Die unter dem yorstehenden Titel za- 
sammengefassten und zwanglos unter ein- 
ander gestellten IMittheilungen verschie- 
denen Inhaltes sind die Resultate ge- 
legentlieh ausgeführter Untersuchungen. 
Obgleich dieselben den Anspruch auf ab- 
geschlossene wissenschaftliche Arbeiten 
nicht erheben, so dürfte ihr Inhalt doch 
in manchen Fällen wissenswerth sein, be- 
sonders da das Gebiet der chemischen 
Analyse der Nsdirungsmittel und der 
technischen Handelsobjecte in vieler Hin- 
sicht ein noch wenig durcharbeitetes ist. 

1. Ueber die Trennimg des Fuchsins 
Ten dem OrseUlefarbstoff. 

Ueber das Verhalten des Orseillefarb- 
stoffes zu Bleiessig finden sich in den 
Lehrbüchern noch immer falsche oder 
wenigstens nur zum Theil richtige An- 
gaben. 

Oraeillefarbstoff ist durch Bleiessig in 
aenfrider oder schwach alkalischer Lösung 



zum Theil sofort, nach einiger Zeit voll- 
ständig fällbar. 

0,25 g reinen Orseillefarbsto£fes mit 
Spiritus ausgezogen, verdunstet, der Bück- 
stand in 50 ccm Wasser aufgenommen 
und mit 10 ccm Bleiessig versetzt, giebt, 
sofort filtrirt, ein gefärbtes Filtrat, 
dessen Farbstoff in Amylalkohol übergeht, 
lässt man dagegen eine halbe bis eine 
ganze Stunde stehen, so ist der Farbstoff 
vollständig ausgefällt. Es gelang auf diese 
Weise, das Fuchsin vom OrseiUefarbstoff 
zu trennen und noch kleine Mengen von 
Fuchsin neben Orseille nachzuweisen. 
Während 0,25 g Orseille nach einsttlndigem 
Stehen in der oben beschriebenen Weise 
behandelt, im Filtrat keinen Farbstoff 
mehr enthielt, war in einer Mischung von 
0,01 ft Fuchsin und 0,25 g Orseille, welche 
in gleicher Weise behandelt war, das 
Fuchsin noch mit grosser Schärfe im 
Filtrat nachweisbar. 

Ich füge hier nur noch an, dass sich 
die vorstehende Notiz auf die im Handel 
befindlichen rohen Farbstoffe, nicht aber 
auf den Nachweis und die Trennung im 
Wein bezieht 



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Dresden 

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Holsendorf 
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3. T^riflArtiKe Ftfkem mU, TJioneakle- 

Als Conditorfarben kamen während des 
letzten Jahres zn yerschiedenen Malen 
teigariige Farben zur TJntersnehung , zu 
denen als Gonstitoens Thonerdehydrat 
genommen war. JMese Farben waren 
meist aus 

lOpGt eines Anitinfarbstoffes, 

10 „ Thonefde, 

80 „ Wasser 
zusammenges^tet. Die Thonerde war 
dnr<^ Senweüalsftare, Alüun oder Soda 
nicht venmreiniigt, so dass angenommen 
werden musste, dieselbe sei Yorhar gefällt 
und »o^ewaachen worden. Als Farbe 
ftr Oelb war Naphtolgelb 8, ft)r Oran 
ein gelbstichiges BriU^nl^rün angewendet. 
Die Bereitung dieser Farben, welche dicke 
breifftrinige Massen d.ar8tellen, scheint iui 
der Weise geschehen zu sein, das 10 Th. 
des heiss gelösten Farbstoffes mit dem 
feuchten 'nionerdehydrat auf 100 Th. 
gebracht wurden. 

4. Unreines borsanres Mangan. 

Das borsaure Man^^an, welqhes in der 
Pirnissfabakatjon jetzt nelfach Verwend- 
ung findet, wurde mehrere Male imter- 
sucnL Die proben s^igten in einem Falle 
e^ien Gehalt von 1^ pOt. Chlor, in einem 
anderen von 8pGt Ghlor, in einem weiteren 
Ton 7pCt Schwefelsäure. 

6.. Cx^Iodirende Streichhölzer. 

Obgleich die meisten Zündmassen der 
sehweclischen Streichhölzer chlorsaures 
Kali enthalten, so explodiren dieselben 
doeh nicht; es wurde jedoch kürzlich 
eine Sorte sogenannter ,Paraffinzündhölzer 
ohne Sehwefi^r* aus der Fabrik zu Zanow 
untersnefat, welche mit heftigem Knall und 
Spritzen explodirtQn> «obaid ein Schlag 
mit einem hart^ Gegenstand auf die- 
aeiben aus^ef^t wurde. Die Streioh- 
hoker enthielten chlorsaures Kali in reich- 
licher Menge. Die Brandpolizei war 
aof diese Streichhölzer aufinerksam ge- 
worden, weil ein Schulknabe eine Schachtel 
derselben aof das Pferdebahngeleise aus^- 
geefcreut hatte. Zum Schrecken d^ In- 
aaesou eines .dAhinroU^nden Wagens gab 

fartwährende kleine Detonationen. 



6. Kbmeiiol mit Ftacngeenz. 

Zu verschiedenen Malm wurde Klauenöl 
wegen einer bläuliehen Fluoreseenz und 
darauf gegründeten Verdachtes auf Gehalt 
an Mineralöl beanstandet und anr Unter- 
suchung gegeben ; es erwies sich jedoch 
in drei Fällen, dass die betreffenden Gele 
▼oDkommen frei tos Mineralöl waren und 
dass daher der bläuliche Schimmer auf 
andere Ursachen, aus der Fabrikation 
herrührend, Burückgefbhrt werdm muss. 



TTeber das Caatharidin. 

Zu den ttteren bekannten Arbeiten über 
das Cüntharidin tind in den leisten Jahi^en 
drei Arbeiten ron Biocard (Beriehjt d. deutsch, 
ebem. Gesellschaft 187«. X, lAM.XI, 2121. 
X2I, 677X EMi (Pharm. CentralbalU 1885, 
401), Dieterich (Zeitsobr. d. jdlgem. deutsch. 
Apotheker -Vesralns 30, 489) und HomolJca 
(Ber. d. deutsah. ebem. iSeseUflch. 1886, 1082) 
binzagekommen, deven Eesnltale» soveit sie 
für die Pbamaeie tou Interesse simd, im Fol- 
genden zasammengestellt werden sollen. 

Wm zunftchst die Formel betrifft, die von 
firübetenJorBcbem {Dragendorff, Masing etc.) 
C^H^Of afigegebea wer, so wie« Piccard 
4«veb 3«stiinmuiig der Dampidiebte nach, 
dass die Formel auf CJjQHjgO^ verdoppelt 
werden müsse. Das Cantharidin ist eine gegen 
alle gebräuchUehen chemischen Beagentien 
ausserordentlich widerstandsflihige Substanz. 
Beim Erbitaen mit concentrirter Schwefel- 
sAure unter Zusata von Kaliumcbvomat giebt 
es eine prliobUg gfüne Färbung, die nach 
einigen Stunden trüb blattgrün wird. Zu 
seiner Kachweiflung eignet sich nsLchJMeterich 
ausser der phyaiolegisoben Wujkang nament- 
lich die firscbeiaung, welehe das foste Cantha- 
ridin im polarisirten Liebte aeigt utid die be- 
sonders schön berYortritt, wenn man einen 
Tropfen der Lösung in Chloroform verdunsten 
lässt und den Rückstand unter dem Polari- 
sations-Mikroskope betrachtet. Die Lösungen 
des Cantharidins Üben keine Wirkung auf das 
polarisirte Licht aus. 

Das Cantharidin löst sich nach Dieterich 
in 30000 Theilen kaltem, und 15000 Theilen 
heissem Wasser; schwefolsäurehaltiges Wasser, 
oder solches, das so viel ätherisches Gel ent- 
hält ^ als es aufzunehmen vermag, haben ein 
noch grösseres Lösangsvermögen. So sind 
von Waseer, welches 1 pOt. Sofawefelsäure-Hy- 



98 



C8Hl2 



drat enthält , auf 1 Theil Cantharidin 8000 
Theile erforderlich. — Alkohol, Aether, 
Essigäther, Chloroform, Terpentinöl, lösen 
das Cantharidin sehr gut^ noch leichter wird 
es von fetten Oelen, Fetten, Wachs und Harzen 
aufgenommen. — Essigsäurehjdrat und con- 
centrirte Schwefelsänre lösen das Cantharidin 
eben&lls, durch Wasserznsatz wird es wieder 
gefäUt 

In chemischer Hinsicht zeigt es sich als 
eine schwache Säure, die mit den Alkalien 
salzartige, sehr unbeständige Verbindungen 
bildet, die sich schon durch Anziehen der 
Kohlensäure aus der Luft, oder bei der Ammon- 
Verbindung durch Verflüchtigung dasselbe 
unter Ausscheidung desCantharidins zersetzen. 

In Alkalien löst sich Cantharidin bei an- 
haltendem Erhitzen auf; die Lösung enthält 
das entsprechende Alkalisalz der Cantharidin- 
säure von der Zusammensetzung 

( COOMe 
) COOMe 

die Cantharidinsäure entsteht demnach aus 
dem Cantharidin durch Aufnahme von 1 Mole- 
kül Wasser 

CioHi204 + H«0===C8HiaOJ^Q^]^ 

und figurirt als zweibasische Säure , während 
die unbeständige Verbindung desCantharidins 
event. als saure Salze der Formel 

(COOH 

\ COOMe 
zu betrachten sind. 

Die aus ihrem Salze durch Mincralsäuren 
in Freiheit gesetzte Cantharidinsäure soll 
nach Dragendorff und Masing sofort in 
Wasser und Cantharidin (Cantharidinsäure - 
Anhydrit) zerfallen. Piccard erhielt durch 
Einwirkung von Jodwasserstoff auf das Can- 
tharidin eine mit diesem isomer einbasische 
Säure, die Cantharsäure Co Hu 0-2 COOH, 
und durch Destillation dieser mit Kalk das 
Cantharin, Cs H12. Homolka hat neuerdings 
den Dimethyläther der Cantharidinsäure dar- 
gestellt nach der Formel 

(OCH3 
\ OCH3, 

farblose, just glänzende, flache Prismen, leicht 
löslich in Alkohol und Holzgeist, in kochendem 
Aether , wenig in kaltem , ziemlich leicht in 
heissem Wasser. Von der Cantharsäure hat 
Homolka das Silbersalz von der Formel Cio 
Hu O4 Ag, als schweren weissen Niederschlag; 
weiter der Cantharsäuremonometbjläther 



Cs Hia 



C10H12O8 



Ci Hl 1 04.CH8 als farblose, schwach ange- 
nehm riechende Flüssigkeit, die bei 210 
bis 220« C. siedet. 

Die weiteren Untersuchungs - Resultate 
Hoynolkä'ß haben ein synthetisches Interesse. 

dt 

Zum Nachweis des Fuselöls 
in Spirituosen. 

Von Uffelffumn. 

Zur Nach Weisung des Fuselöls in Spiri- 
tuosen ist zuerst die Abscheidung desselben 
durch reinen Aether oder Chloroform erforder- 
lich. Nach dem anhaltenden Schütteln damit 
fügt man so viel Wasser zu , dass sich die- 
selben abscheiden, trennt die Schicht und 
lässt bei gewöhnlicher Temperatur verdunsten. 

Bleibt nur Fuselöl zurück , so ist dasselbe 
sicher am Gerüche zu erkennen. Bei gleich- 
zeitiger Anwesenheit von PfefferminzÖl und 
dergleichen wird diese Probe aber unsicher. 
Auf gewöhnlichem weissen Papier giebt Fusel- 
öl einen allmälig wieder verschwindenden Fett- 
fleck; ätherische Oele zeigen allerdings das 
gleiche Verhalten. 

Fügt man zu dem Rückstande des Aether- 
oder Chloroformauszuges ein wenig reines, 
unzersetztes Diamidobenzol und stellt 
dann ins Dunkle, so entsteht , falls Fuselöl, 
namentlich Kartoffelfnselöl , zugegen war, 
sehr rasch eine deutliche Gelbfärbung, wie 
sie durch massige Mengen Salpetrigsäure er- 
zeugt wird. Diese Reaction tritt selbst dann 
ein, wenn der Rückstand nur 12pCt. Fuselöl, 
im übrigen Aethylalkohol oder ätherisches 
Oel enthält. Freilich rührt jene Reaction 
keineswegs vom Amylalkohol her, da reiner 
Amylalkohol mit Diamidobenzol keine Spar 
von Gelbfärbung giebt. Den Hauptantheil 
an der Diamidobenzolreaction hat zweifellos 
das mit dem Fuselöle ausgezogene Furfdrol. 
Bringt man eine sehr schwache Lösung von 
Fttrfurol in Wasser oder in reinstem Amy^l- 
alkohol mit Diamidobenzolpulver zusammen, 
so wird sie zuerst gelb, dann gelbroth, dann 
roth, fast fuchsinroth, darauf braun, schlieas- 
lieh schwarz. Trocknet die Mischung ein 
und giesst man dann Wasser auf, so nimmt, 
letzteres eine rubinrothe Farbe an und lässt 
im Spectrum eine dunkle Absorption von P 
bis E^D erkennen. Farbe und Absorption 
verschwinden auf Zusatz von NatronUnpe. 
Ganz vollständig deckt sich aber doch die 



99 



reine Furfuroldiamidobenzolreaction nicht 
mit derFaselÖldiamidobenzoIreaction, so dass 
man die Mitwirkung der einen oder anderen 
in das Faselöl mit übergebenden Substanz 
nicht wird ausschliessen können. Im Uebrigen 
ist diese Reaction von sehr grosser Schärfe. 

Ein treffliches Mittel, das Fuselöl im Rück- 
Stande nachzuweisen, ist eine durch Salzsäure 
grün gefärbte, irisch bereitete Methylviolett- 
lösung. Man verwendet dazu 1 Th. Methyl- 
violett, 100 Th. Wasser und so viel einer 
2 proc. Salzsäure, dass die Lösung entschieden 
grün wird. Von dieser lässt man dann zu 
dem in einer Porzellanschale befindlichen 
Rückstände etwa das drei- oder vierfache Vo- 
lumen desselben hinzulaufen. Besteht der 
Ruckstand ganz oder auch nur zu einem 
Theile aus Fuselöl, so werden augenblicklich 
röthlichblau gefärbte Tröpfchen erschei- 
nen und auf der noch grünlichen und grün- 
lich bleibenden Flüssigkeit schwimmen. Es 
hat nämlich Fuselöl die Fähigkeit, aus noch 
hinreichend frischen , durch Säuren grün ge- 
färbten Lösungen von Methylviolett letzteres 
in seiner natürlichen Farbe, d. h. röthlichblau 
auszuziehen und hartnäckig festzuhalten. Die 
ätherischen Gele, namentlich Kümmel-, Anis- 
und Pfefferminzöl, vermögen erst bei starkem 
Schütteln aus solchen grünen Lösungen ein 
wenig Farbstoff an sich zu ziehen. Aber der- 
selbe ist dann ganz mattblau, nicht röth- 
lichblau, und erscheint niemals beim blossen 
Zulaufenlassen der grünen Lösung , wie dies 
regelmässig der Fall ist, wenn Fuselöl im 
Rückstande sich findet. Die Methylviolett- 
probe ist daher sehr werthvoll, da kein anderer 
aus den Spirituosen ausgezogener Stoff eine 
ähnliche Wirkung auf das Methylviolett aus- 
übt. 

Reiner Amylalkohol und Fuselöl haben die 
Fähigkeit, Bromdämpfe aufzunehmen und 
lange festzuhalten , wie man an der Gelb- 
färbung erkennt. Ein Furfurolgehalt des 
Fuselöls ändert daran nichts. Aethylalkohol 
wird zwar auch durch Brom dämpfe gelb, giebt 
sie aber rasch wieder ab. Von den ätherischen 
Gelen färbt sich Pfefferminzöl durch 
Bromdämpfe schön wein- bis orseiUe- 
r o t b , während Anis- und Kümmelöl 
ihre Farbe nicht verändern. Zum Nachweise 
von Fuselöl zersetzt man den Rückstand des 
ätb erischen Auszuges mit ein oder zwei Tropfen 
Wasser und fährt unmittelbar darauf mit einem 
in Brom getauchten Olasstabe über die Flüs- 



sigkeit langsam hin. War Fuselöl vorhanden, 
so färben sich die nunmehr isolirten und auf 
dem Wasser schwimmenden Tropfen desselben 
alsbald tief gelb, das Wasser selbst nur ganz 
mattgelb. Jene gelben Tropfen können aber 
nur Fuselöl sein ; denn Tropfen der ätherischen 
Gele würden nicht gelb werden. Die Probe 
genügt, wenn in dem Rückstande sich nur 
1 mg Fuselöl findet. 

Setzt man zu einem Tropfen reinem 
Amylalkohol 1 ccm concentrirte reine Schwe- 
felsäure und erwärmt dann, so stellt sich schon 
bei 60 bis 70 <^ Gelbfärbung ein. Erhitzt 
man weiter, so wird die Flüssigkeit goldgelb, 
dann gelbroth, roth, schliesslich rothbraun 
und tief dunkelbraun. Untersucht man die 
Flüssigkeit, so lange sie gelb aussieht, mittelst 
des Spektroskops , so findet man ein dunkles 
Band zwischen F und G^ welches etwa den 
dritten Theil dieses Feldes einnimmt. Ver- 
dünnt man die durch Erhitzung tief gelb ge- 
wordene Flüssigkeit mit Wasser, bis sie kaum 
noch etwas gelb gefärbt ist, so erkennt man 
noch immer das eben bezeichnete Band, und 
kocht man nunmehr, so nimmt dasselbe sehr 
bald an Breite, namentlich aber an Dunkel- 
heit zu. Es ist dies ungemein charakteristisch. 
Verwendet man nicht reinen Amylalkohol, 
sondern Fuselöl, so tritt auf Zusatz von 
concentrirter Schwefelsäure meist sofort 
Schmutziggelbfarbung auf. Erwärmt man 
hierauf, so verwandelt sich das Schmutziggelb 
in Rothgelb , in Roth , in Weinroth , dann in 
Schwarzbraun. Untersucht man die gelb ge- 
wordene Flüssigkeit mittelst des Spektroskops, 
so findet man zunächst wiederum das vorhin 
beschriebene Band zwischen F und 6r, ausser- 
dem aber noch ein anderes zwischen F und h. 
Wird die tief gelb oder roth gewordene Flüs- 
sigkeit mk Wasser verdünnt, bis sie mattgelb 
erscheint, so erkennt man wiederum beide 
Absorptionen. Kocht man dann aber, so 
verdunkelt sich nur diejenige zwischen F 
und G^ während die andere schwächer wird 
und nur noch scharf auf der Linie h zu Tage 
tritt. Diese zweite Absorption gehört, wie es 
scheint, dem Furfurol an ; sie findet sich nie- 
mals bei Verwendung reinen , wasserhellen 
Amylalkohols. 

Von den hier in Frage kommenden Stoffen 
geben ausser Fuselöl nur ätherische Gele mit 
concentrirter Schwefelsäure gelbe, gelbrothe 
oder rothe Farbe und dann ein ähnliches 
Spektrum. Versetzt man einen Tropfen 



100 



Pfefferminz öl mit 1 ccm reiner concen- 
trirter Schwefelsäure, so stellt sich, allerdings 
ohne dass besondere Erwärmung nöthig wäre, 
eigelbe oder rothgelbe Färbung ein. Die be- 
treffende Flüssigkeit erzeugt dann ein dunkles 
Band von F bis h und selbst bis E. Erhitzt 
man aber zum Sieden, so verschwindet dieses 
Band , indem die Farbe der Flüssigkeit tief- 
roth, dann braunroth, dann dunkel wird. 
A n i s ö 1 giebt mit reiner concentrirter Schwe- 
felsäure eine alsbald gelblich • röthliche , un- 
mittelbar darauf fast rubinrothe Flüssigkeit, 
welche im Spektrum ein dunkles Band zwi- 
schen J^ und 6, selbst bis nach E hin erzeugt. 
Erhitzt man, so wird die Färbung immer 
dunkler roth. Verdünnt man nun mit lang- 
sam zufliessendem Wasser, so wird die Flüs- 
sigkeit weinroth und zeigt dann neben dem 
schwächer werdenden Bande von F bis h ein 
dunkleres, von h bis über jE? hinaus. Wird 
die Lösung erhitzt, so tritt die röthliche 
Farbe stärker hervor, ohne dass eine Ab- 
sorption zwischen G und J^ erscheint. Aehn- 
lich verhält sich K ü m m e 1 ö 1. 

Die spektroskopische Prüfung ist da- 
her nur dann sicher, wenn ätherische Gele 
in dem betreffenden Branntwein nicht vor- 
handen sind. 

Führt man alle diese Versuche aus, so 
kann man noch 0,05 , ja selbst 0,03 pCt. 
Fuselöl nachweisen. 

Die Methylviolettprobe lässt sich auch für 
eine annähernd richtige quantitative 
Bestimmung des Fuselöls, wenigstens im 
Branntwein verwerthen. Man bringt zu 
diesem Zwecke 250 ccm der zu untersuchen- 
den Flüssigkeit in eine etwa 750 ccm fiassende 
Flasche, giesst 100 ccm Aether auf, schliesst 
die Flasche und schüttelt sehr stark zu wieder- 
holten Malen. Dann fügt man die zur Ab- 
scheidung des Aethers nöthige Menge Wasser 
hinzu, hebt die Aetherschicht ab, schüttelt 
noch einmal mit anderen 100 ccm Aether, 
vereinigt die beiden ätherischen Auszüge, 
verflüchtigt den Aether, lässt noch 5 Minuten 
stehen , setzt aufs Neue etwa 40 ccm Aether, 
darauf einige Cnbikcentimeter frisch bereitete 
grüne Methyl violettlösung hinzu, schüttelt 
und stellt in einem eingetheilten, etwa 25 mm 
weiten Glasrohre hin. Der Aether verdunstet 
nach und nach ; sobald man darin eine bläu- 
liche Färbung wahrnimmt und mittelst des 
Spektroskops die erste Andeutung der Methyl- 
violett- Absorption bei D erkennt, liest man 



ab , wie viel Aether noch vorhanden ist. In 
je 10 ccm desselben befinden sich jetzt 
0,2 ccm Amylalkohol. Reiner Aether 
nimmt nämlich kein Methylviolett auf, wohl 
aber, wenn er Amylalkohol enthält; dabei 
erkennt man eben die Blaufärbung in 25 mm 
tiefer Schicht, ebenso auch die Methylviolett- 
Absorption in gleich tiefer Schicht, wenn er 

2 pCt. Amylalkohol in sich fuhrt. Allerdings 
wird der Aether auch dann jenen Farbstoff 
aufnehmen, wenn er statt Amylalkohol Aethyl- 
alkohol enthält. Doch erkennt man in solchem 
Falle die Blaufärbung in 25 mm tiefer Schicht 
erst dann, wenn der Aethylalkoholgehalt 
12pCt. beträgt. Selbst wenn daher in dem 
Rückstande etwas Aethylalkohol verblieben 
sein sollte, so würde dieser einen grossen 
Fehler schwerlich bewirken, zumal man ja 
doch durch eine Vorprobe das Vorhandensein 
von Fuselöl überhaupt festzuhalten hat. 

Nach einem anderen Verfahren werden 
250 ccm der zu untersuchenden Flüssigkeit 
in der angegebenen Weise mit Aether 2- oder 

3 mal ausgezogen , die ätherischen Auszüge 
vereinigt und in einem Glasgefösse verdunstet. 
Zu dem Rückstande lässt man die dreifache 
Menge Wasser oder grüner Methylviolett- 
lösung hinzulaufen und bringt die Mischung, 
falls Fuselöl tropfen erscheinen, rasch in eine 
enge, auf 0,1 ccm getheilte Glasröhre. Man 
hat dann in der Höhe der oberen Schicht 
einen Anhalt für die Mengen des in 250 ccm 
enthaltenen Amylalkohols, da die aufschwim- 
menden Tropfen lediglich Fuselöl sind. 

Bemerkenswerth ist, dass Kartoffelfuselöl 
mehr Furfurol enthält als Kornfuselöl. 

Rei)ert. d. anal. Chem. VI, 44. 



üeber die Anwendung des 
Natriumthiosulfats an Stelle des 
Schwefelwasserstoffgases im 
(}ange der qualitativen chemi- 
schen Analyse. 

Vortmann hat das Verhalten der Metall - 
salze zu Natriumthiosulfat einer erneuten 
Untersuchung unterzogen und einen syste- 
matischen Gang der qualitativen Analyse 
ausgearbeitet; nach demselben sind folgende 
Gruppen zu unterscheiden : 

I. durch Salzsäure fällbare Metalle, 

IL durch Schwefelsäure fällbare Metalle 



101 



IlL durch Natriumthiosulfat auB saurer 

Lösung fällbare Metalle, 
IV. durch Schwefelammonium fallbare Me- 

Ulle, 
V. Fällung des Calciums mit Ammonium- 

Oxalat, 
VI. Fällung des Magnesiums mit Natrium- 
phosphat, 
VII. Prüfung auf Kalium, Natrium, Ammo- 
nium. 
In der Gruppe III befinden sich alle durch 
Schwefelwasserstoff aus saurer Lösung fäll- 
baren Metalle, mit Ausnahme des Cadmiums, 
welches in der Gruppe IV bei Kobalt und 
Nickel gefunden wird. 

Auf die mit der Gruppe III möglicherweise 
mitfallenden Metalle der Schwefelammonium- 
Gruppe wurde gehörige Rucksicht genommen, 
ebenso auf etwaige Unregelmässigkeiten im 
Gange, welche von unvollständiger Ausfällung 
der Metalle oder geringer Löslich keit der 
Niederschläge herrühren. 

Pharmac, Post 1886, Nr. 44, 



Darstellong von Fluor. 

Moissau ist es gelungen , die Fluorwasser- 
stoffsäure durch den electrischen Strom zu 
xersetaen und das Fluor zu isoliren. Die 
dnrch Erhitzen von möglichst entwässertem 
Fluorwasserstofffluorkalium gewonnene Fluor- 
wasserstofibäure wird in einem U- förmigen 
Platinrohr durch Abkühlung mittelst Aethyl- 
chlorid zur Flüssigkeit oondensirt und diese 
durch einen electrischen Strom zersetzt. An- 
fangs wird etwas Ozon gebildet , herrührend 
▼on geringen Mengen anhängenden Wassers ; 
plötzlich zeigt das eingeschaltete Ampöro- 
meter einen grossen Widerstand in der zu 
zersetzenden Flüssigkeit und es wird am 
— Pol Wasserstoff, am + Pol Fluor ent- 
wickelt. Das Fluor ist farblos, sehr unan- 
genehm und stark riechend (chlorähnlich), 
die Schleimhäute heftig reizend. Schwefel, 
Phosphor , Jod , Silicium , Arsenik und Anti- 
mon als feine Pulver verbinden sich sofort 
niit dem Fluor unter Feuererscheinung. 
Waseer wird unter Bildung von Ozon und 
Flaorwasserstoff zersetzt. Kaliumchlorid wird 
nnter Chlorentwickelung zersetzt, Kohlenstoff 
seheint nicht angegriffen zu werden. Metalle 
werden weniger energisch angegriffen als die 
Metalloide, vermuthlich weil die sofort ge- 
bildete Schicht der Fluoride vor weiterer 



Einwirkung schützt; Quecksilber absorbirt 
Fluor sofort unter Bildung von hellgelbem 
Fluorür. Alkohol, Aether, Benzin, Terpentin- 
öl werden sofort entflammt. g, 
Journ, de Pharm, et de Chimie 18S6, 165. 



Eine Prüfdng auf die Farbe 
von gelben Rüben in der Butter. 

Von R. W. Moore, 

Bei der Prüfung von Butter auf künstliche 
Färbung wurde als das gebräuchlichste Farb- 
stoffmaterial bisher Orlean verwandt. Dieser 
Farbstoff lässt sich leicht dadurch erkennen, 
dass man die Butter mit einer verdünnten 
Kalilauge behandelt, wodurch Orlean leicht 
daraus ausgezogen werden kann. Neuerdings 
kommen jedoch Fälle vor, in welchen Butter 
durch den Farbstoff gelb gemacht worden ist, 
welcher aus der gewöhnlichen gelben Rübe 
(Carotte) erhalten wird. Dieser Farbstoff wird 
dnrch Kalilauge nicht gelöst, löst man jedoch 
das Fett in Schwefelkohlenstoff, fugt Alkohol 
hinzu, schüttelt stark, lässt absetzen, so trennt 
sich der Inhalt in zwei Schichten. Die eine 
besteht aus Schwefelkohlenstoff, welcher das 
Fett gelöst enthält und tief dunkel gefärbt ist. 
Die andere besteht aus dem farblos geblie- 
benen Alkohol. Lässt man die Lösung auch 
längere Zeit stehen, so nimmt man keine Ver« 
änderung wahr. Setzt man jedoch einen 
Tropfen verdünnte Eisenchloridlösung hinzu 
und schüttelt, so bemerkt man, wie der Farb- 
stoff allmälig in die alkoholische Schicht 
übergeht, während der Schwefelkohlenstoff 
farblos wird. Natürliche, ungefärbte Butter 
wird bei diesem Verfahren nicht entfärbt. 

Repert, d, otioZ. Chem. VI, 44. 



Nachweis von Peptonen im Harn 

und Blut. 

Auf Grund der Beobachtung von Tanret, 
dass der mit dessen Reagens (Kaliumqueck- 
silberjodid) und Pepton entstehende Nieder- 
schlag sich völlig in Essigsäure beim Kochen 
auflöst, während der in gleicher Weise mit 
Eiweiss entstehende Niederschlag in Essig- 
säure unlöslich ist, empfiehlt Gearges folgen- 
den Weg zum Nachweis von Peptonen. Durch 
Kochen wird zunächst sämmtliches Eiweiss 
coagulirt und das mit Essigsäure angesäuerte 
Filtrat mit Kaliumquecksilberjodid gefällt. 
Der mit essigsaurem Wasser, von gleicher 



102 



Stärke wie der angesaaerte Harn, ausge- 
waschene Niederschlag wird mit essigsaurem 
Wasser von gleicher Stärke hierauf gekocht 
und filtrirt. Aus dem Filtrat scheidet sich 
beim Erkalten die in Lösung gewesene Pepton* 
Verbindung wieder aus , mit der nunmehr die 
Bürettprobe zur Identificirungausgefuhrt wird . 

8. 

Journ, de Pharm, et de Chimie 1886, 353. 



Extractbestimmung im 

Bouükon constatirt die bekannte That- 
sache , dass , je nach der Menge des zu ver- 
dampfenden Weines, der Gestalt der Gefasse, 
sowi^ der davon abhängigen Grösse der ver- 
dampfenden Fläche, die Ausbeute an Eztract 
eine sehr variirende ist. Bekanntlich sind aus 
diesen Gründen für die Menge und die Gestalt 
der Schalen Vereinbarungen getroffen worden. 
Bouükon ezperimentirte unter der Luftpumpe, 
indem er je 10 ccm bei 20 bis 25 ^ 8 Tage 
lang in verschieden grossen Gefässen , zum 
Theil mit einer 5 mm dicken Schicht Sand, 
im Vacuum verdampfen liess. Er erhielt hier- 
bei folgende interessante Zahlen (Gramme 
Eztract auf 1 1 Wein) : 



OeOsB 
mit 


Bor- 

de»nx 


Veln Ton 

Gers 1 ^^^^' 
"®"- ' sillon 

1 


Ver- 
schnitt- 
Wein 

25,6 


Wasser mit 

lOo/oAlcohol 

u.Glycerln- 

Zusatx 


88 qcm. 
Oberfläche 


1 
22,4 30,8 


34,2 


34,8 


70 qcm. 
Oberfläche 


22,0 


30,8 


33,0 


25,1 


33,2 


70 qcm. 

Oberfläche 

u. 8&nd 


21,2 


29,1 


80,4 

! 


23,8 


31,7 



Jowm, de Pharm^ et de Chimie 1886, 359. 



Nachweis von Lecithin 
in fetten Oelen. 

Zum Nachweis von Lecithin in Pflan- 
zen geben Hechel und Schlagdenhauffen 
folgende Methode au. Das Material wird 
mittelst Aether, Benzin, Chloroform eztrahirt, 
das Lösungsmittel abdestillirt und der 
Destillationsrückstand unter Zusatz von Kali- 
salpeter verascht. Der Rückstand wird mit 
Wasser aufgenommen, mit einem Ueberschuss 
Salpetersäure zur Trockene verdunstet und 
auf 140 ^ erhitzt, hierauf wieder mit Wasser 
aufgenommen , angesäuert und mit Ammoni- 
um molybdänat geprüft. Die Phosphorsäure 



ist gleichfalls nachweisbar, wenn man die 
mit Aether extrahirten Fette mit Aetzbarjt 
verseift; die von der unlöslichen Barjtseife 
getrennte Flüssigkeit giebt bei geeigneter 
Behandlung Phosphorsäurereaction. Die 
Verfasser hoffen das dritte Zersetzungsprodu et 
des Lecithin (neben Phosphorsäure und 
Gljcerin) das Cholin, welches nachzuweisen 
bis jetzt noch nicht gelang, bei Bearbeitung 
grösserer Mengen ebenfalls aufzufinden. Die 
quantitative Bestimmung der Phosphor- 
säure wurde in obiger Weise unter Anwend- 
ung der Uranmethode vorgenommen und 
lieferte für einige bekanntere Drogen folgende 
Zahlen : Fettes Oel von Jequirity 0,050 ; 
Arachis 0,005; Foenum graecum 0,266; 
Sinapis nigra 0,040; Sinapis alba 0,035 pCt. 
Phosphorsäureanhydrid. Aus dem fetten Oel 
von Linum , Ricinis, Oliva, Sesam, Lauras, 
Lupinus konnte keine Phosphorsäure er- 
halten werden. «. 

Journcä de Pharm, et de Chimie 1886, 213. 



Umwandlung von Olucose 
in Dextrin. 

Grimaut und Lefevre haben ein Dextrin 
auf folgendem Wege hergestellt. Glucose 
wurde im Achtfachen seines Gewichts Salz- 
säure (spec. Gew. 1,026) gelöst und im Va- 
cuum auf dem Wasserbade destillirt ; der 
syrupartige, gelbbraune Destillationsrück- 
stand wurde im gleichen Gewicht Wasser ge- 
löst und mit 90 <* Alkohol ausgefällt. Der 
gummiartige , am Glasstab klebende Nieder- 
schlag wurde wiederum in Wasser gelöst und 
mit Alkohol gefällt. Nachdem die Lösung 
und Fällung 5 bis 6 Mal wiederholt war, 
wurde der Niederschlag in Wasser gelöst, mit 
Thierkohle entfärbt, im Vacuum eingedampft 
und schliesslich im Vacuum bei gewöhnlicher 
Temperatur getrocknet. Der langsam trock- 
nende Rückstand wurde schliesslich gepulvert. 

Das erhaltene Pulver, dem gewöhnlichen 
Dextrin sehr ähnlich , wurde zur Entfernung 
der letzten Spuren gährungsfähigen Zuckers 
mit Hefe behandelt. Das so gereinigte Pro- 
dnct zeigte ein Reductionsvermögen von 17,8 
gegenüber Glucose = 100 und eine Rotation 
von [a]j = + 97«, 48. 

Die Elementaranalyse führte zur Formel : 
3(C6HioOö) -f H2O. 

Das neue Dextrin wird durch Jod nicht ge- 
färbt, Malzaufguss ist ohne Einwirkung, beim 



103 



Kochen mit Terdunnter Schwefelsäure wird es 
sehr langsam verznckert (nacb 24 ständigem 
Kochen waren erst 78 pCt. verzuckert). Die 
znnickgebildete Glucose unterliegt leicht der 
alkoholischen Gährung. 8. 

Jaurn. de Pharm, et de Chimie 1886, 383. 



Moleknlargrösse des Zinks. 

Die Molekulargrösse des Zinks ist 
von Victor Meiner bestimmt und zu Zn ^ ge- 
fanden worden; es besteht also das Ifolekül 
des Zinks nur aus einem einzigen Atom, 
ebenso wie die des Cadmiums und Queck- 
silbers. Die durch Dampfdichtebestimmung 
bis jetzt direct ermittelten Molekulargrössen 
der Elemente sind folgende: Sauerstoff = 
O2, Wasserstoff =» H^, Stickstoff =s Ng, 
Schwefel = Sg , Selen = Scg , Tellur =s Tcg, 
Chlor s= Clgy Brom =3 Brg, Jod = J^, Phos- 
phor ^sP^, Arsen ssAs^, Quecksilber es 
Hgj, Cadmium s Cdj, Zink »Zuj. g. 

NaturmasemchafÜ. Ewndschau 1887, 1, 



Bestimmung der Oarbolsäure 
in Seifen. 

Bei einer grösseren yergleichenden Unter- 
suchung über die Carbolseifen des Handels 
befolgte Ä.H, Allen folgenden Process. 5 g 
der Probe wurden in warmem Wasser gelöst 
unter Zusatz Ton 20 bis 30 com einer lOpro- 
centigen Lösung von Aetzkali, je nach der 
Menge der Carbolsäure, die man vermuthet. 
Die erkaltete Lösung wird mit Aether ge- 
schüttelt, dieser abgehoben und bei niederer 
Temperatur yerdunstet. Man erhält im Bück- 
stande Kohlenwasserstoffe (Steinkohlentheer- 
öle), welcbe sich durch ihren Geruch zu er- 
kennen geben. Die alkalische Flüssigkeit 
wird darauf in einem grossen Scheidetrichter 
mit conoentrirter Kochsalzlösung gefUlt, 
stark durchgeschüttelt und die Flüssigkeit 
durch ein Filter gegossen. In Fällen, wo die 
Seife nicht coaguliren will, setzt man eine 
kleine Menge in Wasser gelöster Talg- oder 
Pälmölaeife hinzu. Die niedergeschlagene 
Seife wird zweimal mit starker Kochsalz- 
lösung gewaschen, diese zum ersten Filtrat 
gebracht und mit Wasser auf ein Liter ver- 
dünni 100 ccm dieser Lösung (» 0,5 g der 
angewendeten Seife) werden in einer gut yer- 
sehliessbaren Flasche jetzt mit yerdünnter 
Schwefelsäure bis zum Klarwerden, darauf so 



lange mit Bromwasser versetzt, bis die Gelb- 
färbung einen geringen Ueberschuss er- 
kennen läset. Das Bromwasser, welches man 
unter Vorsicht aus einer leicht bedeckten 
Bürette ausfliessen lässt, hat man kurz zuvor 
auf reines Phenol eingestellt, und zwar in 
der Weise, dass man 0,5 g Phenol mit 5 g 
Seife mischt, weiter wie oben behandelt und 
die Menge der Bromlösung, welche 100 ccm 
des angesäuerten Filtrates verbrauchen, be- 
stimmt. AUen hält diese Methode far ge- 
nügend genau. Er bestimmte nach derselben 
20 Carbolseifen des Handels , .welche sich 
ausserordentlich verschieden verhielten ; zum 
Theil nicht der angegebenen Menge der 
Garbolsäure entsprachen, zum Theil mit un- 
reiner Säure bereitet waren. — -os— 
Analyst. 1886, Seite 103, vol. XI. No. 122. 



Aus französischen 
und englischen Journalen. 

Ein regelmässiger Handelsartikel in Per- 
sien und der Türkei sind die Blätter von Ni- 
cotiana persica, „T u m b e k i** genannt. Sie 
werden geraucht und Eastes und Ice fanden 
in den verschiedenen Sorten folgende Mengen 
Nicotin : Ispahan 5,5 pOt., Hidjaz 2,0 pCt., 
Kechan 2,9 pCt., Shiraz 5,8 pCt. (abgerundet). 

Pharm. Jown. 1886, 682. 

Aus einer auf Cuba und den Antillen 
heimischen Composite, Parthenium hystero- 
dhorus, hat Egas$e ein Alkaloid Partbenin 
dargestellt. Die Pflanze dient den Einge- 
borenen auf Cuba als Febrifugum und ent- 
hält neben dem Parthenin nocb 4 weitere 
unwirksame Alkaloide und Parthensäure 
(Acide parth^nique). Das Parthenin schmeckt 
bitter, wirkt in Dosen von 1 bis 20 Centi- 
gramm als Tonicum und zu 2,5 Gramm setzt 
es die Körpertemperatur etwas herab; auf 
die Hamseoretion wirkt es nicht. 

AreMves de Pharmade 1886, 455. 

Aus der Wurzel von Danais frageans, einer 
in Madagascar j einheimischen Bubiacee iso- 
lirten Hechle und Schlagdenhauffen ein roth- 
braunes Glucosid „Danain" (CasHi Oi 0), 
löslicb in Alkohol und Wasser. Das früher 
von Bauron gefundene Alkaloid D an a i d i n 
konnten HeMl und Schtagdenhauffen nicht 
wieder erhalten. s. 

Druggiit Circular 1886, 8. 



104 



Häberiandt bat gelanden, dafs d^ AI»- 
brechen derBrennbaareder Urtioaee«B 
nnd fgider^r Brennbaare besitzender Pflanoen- 
Arten dadnrcb erleichtert wird, doM die 
Wandangen des Haares dicht unterhalb des 
Köpfchens sehr dünn «ind« Aosserdem sind 
die Köpfeben «eist schief gestellt, so dass 
durch Abbrechen eine schiefe Spitae entst^t, 
welche sehr leicht in die Hant einoodringen 
▼ezmag. Pie <Sprödigkeü dar Membran der 
Brennbaare äb^riiaapt wird bei den Urtica- 
eeen darch Verkieaelnng, bei den Lootaoeen 
durch reichliche Einlagerung ven Caldum- 
carbonat, bei Jatropha durch starke Yw- 
bolzung bedingt. 

Bisher wurde Ameisensäure ab der- 
jenige Stoff angesehen, der bei Breannessel- 
stichen in die Stichwunde gelangend, die be- 
kannte Reizerscheinung hervorruft. Haber- 
landtf welcher frische Brennnesselhaare mit 
einer Nadel zerdrückte, den an der Nadel 
haftenden Inhalt des Brennhaares eintrocknen 
Hess «ad dadurdi die Ameisenjdlnre entfernte, 
fand, dass die mit der solchergestalt pripa^ 
r^ten Nadel gemachten Einstige in die Haut 
dieselben Folgen zeigten, wie die Stiche friadier 
Brennnesselhaare. £r sficht deshalb das Gift 
der Brennnessel in einer nichtflnehtigen Sfib« 
stanz und zwar vermuthet-er ein unge^f orm- 
tes Ferment, da in siedendes Wasser ge- 
tauchte Brennhaare ohne Wirkung sind. Das 
Ferment soll durch Alkohol fällbar und in 
Wasser wieder lösHch sein« Zum Schluss wird 
noch auf die bisher ebenfalls der Ameisen- 
stoie zugeschriebenen Wirkung der Stiche 
yersekiedener Insekten hingewiesen. e. 

Säzwngsber, d. Kais. AJcaä. d. Wissenschaft 
z, Wien du/rek Natumo. Bimtdsotum iiSdS, 996. 



itirgiaiin wwrde vo» JS. SoM^.Wd £• 
SMffer ans dfa Cot^rledonen etioliairt^r Lu- 
pinen - Keimlinge dargfft^; die Alübaute 
ans 2 bis dwöchentliohen KeimU^geu betriigt 
3 bis 4 pCt. des Rohmaterials an salpeter- 
8aui:«m Salz- 

Dieses Salz krystallisirt sehr gut und 
besitzt die Formel C0H^4N4O9 . HNO3 
-f- ^/2H20. Das Salzsäure Salz: C^H^^N^ 
Of.HCt. s. 

BirVner Ber. i8S6, tffT; dupvft Fhfm. Zeihmg 

JM9, «TB. 

Ueber Suamanripa, e;ne Sjnantbere, 
welche in deii AndQp ia 4 bis 5000 m Höhe 
wächst und den boti^isehen Namen Chypto- 
chaetes andkölß trägt, berichtet Btgnau. Die 
Pflanze iat sehr aromatisch und harzreioh und 
wird als Infus 25,0 g a^f 1 1 g^en Eikrank- 
ungMi der Luftwege angewendet. $. 

Ifommmx Bemhdes dnt wfc ArMt^ea de 
Fharm. 188$, 80$. 

üeber eine Yerfälschung der Senega- 
Wurzel mit den Nebenwurzeln von Buscus 
acuhains ^nkU-hom, hommm)^ eiaar in 
einigen Glegenden Frankreichs häufigen Aspa- 
raginee, berichtet PatrouiUard und giebt iiir 
die Erkennung folgende Merkmale an. Die 
Nebenwurzaln von Ruscus aculeatiis sind in 
ihrer ganzen Länge fiskst cyllndrisch und die 
Längsstreifen sind von einem Ende bis zum 
anderen zu yerfolgen ; die Farbe ist heller und 
auch auf dem Querschnitt ist kaum ein Far- 
benunterschied zwischen Holzkörper und 
Rindenschicht zu bemerken. a. 

Ärchives de JPharmacie 1886, 164, 



Thewa^euUfiehe lirotizeii. 



Als Hypnoticum wird neuerdings auf 

Grund von Versuchen , die PononaU damit 

anstellte, das schon langer bekannte IC e t h 7 - 

lal, Methylendimethyläther, 

OCH 
C3Hg02 = CHjj :^ IZ * empfohlen. Zur 

Darstellung werden 8 Tb. Braunstein mnd 

2 Th. Holzgeist mit einem G^misoh van 

3 Th. Schwefelsäure und 3 Th. Wasser 
destillirt, das Destillat fractionirt und der 
unter 60 ^ siedende Antbeil mit Aetzkali be- 



handelt und dostiUiri. pie S^hanAluag mit 
Aetakali beziweckt die Sersetaoag des ayU 
Nebeaprodiiet aufbcetanden Anw^sansitoiTe« 
Meihylesteis. Das llethyU besitzt das apee. 
Gew. .0,8651 bei 17 und .siedet bei A20; 
es ist in 3 Voluman Wasser löslich, CeiOMr 
auch in Alkohol, Fettap und ilhariseken 
Gelen , nicht br^nba^ j ^^^ »biennanden, 
aromatisahen GeschauMsk und äkuaek ias €^ 
inieh eine» GemiaQh toa OUocvform mmä 
Essig&lher. 

Dm MethyW wird aogewandei äaeaevUeh 
in Linimenten und Salben, innerUeh in 



106 



Mixturen bu 1,0 g aaf 150,0 g and hypoder- 
matiflch aU ansgezeichnetes Hypnoticwa, 
von Iniiaar WidLi«^, De^gkicban soll et 
hjpoimm^Mu/k ein Antidot de« Strydinin« 
aein. 

D«s i^Un fac^ibnte rohe Uetb/lal , vor der 
Fraetionimng und Behandlung mit Aetzkali, 
ist wie schon erwihnt, ein Gemisch von 
IMfcylal, i4MiMMBDieafethjl«ter und jia- 
feriMü«»« MeO^lalkoiiol. Diese« ««- 
misch war früher in Frankreich anter dem 
Hamen: Melange de Gregory oder 

Formet.hylal (nadi /Hnnos) bekannt. 

«. 



Uret^an als Antidot von 8t.rfch- 
niny&esorcin und Pik rotoxin wird von 
Amtp -empfe hlen tind ist Ton demselben 
ex pci ' im entell gefpitH. Die Dosis, nm die 
IntoxicBtion m antetbredien , soll 8 bis S 
Dnu^knen seni« 

Codein beiDinbetesgiehtDr« AXeiuZon 
(Aostnl. Med. Gaz.) in Dosen von 0,015 bis 
0,02 g 3 Mal tSglich und allmäUg «ich 
steigernd bis 0,3 g pro die. Die Erfolge 
bis jetzt keine besonders günstigen, 
aber >iiaoh Lmdon weter atadirt 
211. werden« 

Meotholeat, ei|ie (^siing Ton Henthol 
in Ol^mtf«ve, «oll naefa JRm£ l Unmff ton äMB 
beete Mittel cor äuesewn Anweadang des 
Menthols sein und beeondefs #ie üebektSnde 
▼ermeiden, welche in dem leichten Yerdansten 
aaderer T,iosnwgsmittel bestehen. 

31^$rap. Qü9. Jm^ l&Sf. 

CooaXn ids Gegenmitiel desStrych- 
nins. 4>r. Vii§mm thoilt not, 4asi mi^ 
seinen Yersnchen Honde , ureMe ^/^so €hn» 
Stiyehnin aaf ein Pfand Körpergewicht er- 
lügen bitten, durch ^ypoderinatifche I^jec- 
tionen tob Coqaüi sicdier gerettet werden 



2>. Tiber, ffoff. Ja»i. 



EmBhrende Klyiraere xiaeli Bezvy, 

deag<?n eigener Conibination sie zam grössten 
Theile angahöMn. Er verwendete sie , als er 



Hanschirarg im St. Bartholomäns- Hospital 
In 8t. Petersbarg war. 

Nr. 1. 
Milch .... 0,28 Liter 
Fi€|isch-£sseiiz . . 0,28 „ 

£ier 3 Stuck 

Soda hicarb. • • 3|60 Gramm 

fli mieehen, genügend aii sieden qpd dann 
d«rch ein feiaeB Haasst^b ^n paAHren. 60 g 
dieser Mieehnog, Yenetat mit % g Brnffer- 
sehen Uqnov pancveatioas, 8 g Branmtwein 
und Tittt Of^ii, kommen pfir Anwendoag. 

Nr. 2. 

Milch .... 0,28 Liter 

Fleisch • Essenz . 0,28 „ 

Eier 3 Stück 

Soda bicarb. . . 3,60 Gramm 

Liquor pancreat. . 24,0 „ 

Gut za misoheii und bei einer Temperatur 
unter 60 <> C. za digeriren, bis die Mischung 
hiU<^ zu schmecken beginnt (was gewöhnlich 
eine halbe Stande beansprucht), dann ein 
oder «wei Minuten lang sieden lassen, um ein 
weiteres Digeriren einzustellen. Branntwein 
uu4 Yiuct. Opii wenn nöthig apäter beizu- 
setzen. 

Nr. 3 (am leichtesten herzustellen). 

Milch .... 35,0 Gramm 

Fleisch - Essenz 35,0 

Soda bicarb. . . 0,30 

Liq. pancreaL • . 2,00 „ ^ 

Serry sagt in «einem Commentar zu 
diesen drei Mitteln, dass die Hauptschwierig- 
keit beiHerstaUung deserstenin d^m Passiren 
dinrofa da« Haarsieb liege, es ist aber noth- 
wendig, damit die Mischung duroh das Bohr 
einer gewöhnlichen Klystierroritze darch- 
gehen könne. Bei Nr. 2 muss-Soi^e getragen 
werden , damit das Djgeriien nicht m weit 
liehe, weil 4ie Oomposition sonst Texdorben 
wird. A«* diesem Gbrande ist dieses Mittel 
auQh am schwierigsten von ^llen dreien zuzu« 
.beieilea. Es ist aber, wenn es entsprechend 
hesgeeteUt mtde, aaÄ da« wiiksamste. 

ZeH§d^r. f. Ther. IV, fü. 

Der JSsM^er'sehe Liqaor pancreatieus wiipd in 
eng Uscbea Joamalen viel anBaoncürt, seipe Be» 
reitanf ist nicht bdcannt. Denelbe ist jeden- 
fisUs airch lludiche PankreafiflAssigkeiten zn 
ersetzen. 



>} 



19 



**^ V. ^^ ^s^v^^^^^*' 



106 



Miscelleii. 



Sichere Methode zum Absprengen 

von Olas. 

Nach E.Beckmann yerflELhrt mas in folgen- 
der Weise. Man macht an einer Stelle .der 
Sprengzone einen kürzen Feilstrich. Zn beiden 
Seiten desselben wird nun die Röhre mit 
Wülsten von fenchtem Filtrirpapier nm- 
geben, derart, dass zn beiden Seiten des 
Feilstriches Bahnen von 1 bis 2 mm frei 
bleiben. Erhitzt man diesen Zwischenraum, 
w&hrend die Bohre nm ihre Axe gedreht 
wird , über dem Bnnsen'schen Brenner oder 
besser über der Stichflamme eines Gas- 
gebl&ses, so entst-eht, ohne dass Wasser 
anfgetropft wird, Tom Feilstrich ausgehend, 
ein glatter Sprangring, welcher genau die 
Mitte zwischen den Papierwülsten einhält. 
Die Papierwülste müssen etwa 1 bis 2 mm 
dick, 2 bis 4 cm breit, sehr gut geglättet 
und beiderseits eng an den Tbeilstrich an* 
gelegt sein. 

Diese Methode sollyon grosser Zuverlässig- 
keit sein, und es können sowohl die dünn- 
wandigsten Beagensgläser, wie auch die dick- 



wandigsten Einschmelzröhren, ferner Becher- 
gläser, Flaschen und Glasglocken damit ab- 
gesprengt werden. --os'- 
Zeitschr. f, ancdyt, Chem. 1886, 530. 



Endreaction auf FUesspapier beim 
mit Fehling'scher Lösimg. 



Die unsichere Endreaction beim Titriren 
mit Fehling'scher Lösung kann nach E.Beck- 
mann in der Weise beseitigt werden , dass 
man einen oder mehrere Tropfen der zu prü- 
fenden Lösung auf Fliesspapier bringt und 
auf der Bückseite, wenn die Flüssigkeit durch- 
gezogen ist, mit Schwefelammonium oder 
Ferrocyankalium in essigsaurer Lösung be- 
tupft. 

Ob dies Verfahren auch beiZuckerbestim- 
mungen im Harn anwendbar ist, scheint des- 
halb zweifelhafb, weil hier häufig kleine Men- 
gen Kupfer in Lösung gehalten werden und 
die Endreaction mit Ferrocyankalium über- 
haupt undeutlich ist. -h)8— 
Zeüschr. f. analst, Chem. 1886, 530. 



Offene Correspondenz. 



Herrn 6. tn D« Die Zahl der medicinischen 
Seifen ist neuerlich durch Shoemaker noch 
um einige neue vermehrt worden : Sapo Chamo- 
millae, Sapo Anthemidis mit 10 pCt. Extr. 
Chamomillae bei Seborrhöe Hyperhidrosis; Sapo 
Sambuci (flomm) mit 10 pCt. Extr. Sambuci 
rflor.) bei Intertrigo; Sapo Seealis comuti, 
Sapo Ergosae mit 10 pCt. Extr. Seealis cor- 
nuti bei Eczem, Acne; Sapo Gaoltheriae mit 
3 pCt Oleum Gaultheriae (Wintergreei^ bei 
Eczem, Psoriasis; Sapo Hamamelis mit lOpCt 
Extr. Hamamelis beiEczero, stinkendem Schweiss, 
Ausfallen der Haare; Sapo Kino mit 10 pCt. 
Extr. Eine bei Eczem gebraacht. 

W* tn B* Cupreol nennt Hesse eine wachs- 
artige, ans der Cupreazinde isolirte Substanz, die 
in yerschiedener Hinsicht vom Cinchol, einem 
wachsartigen Stoff aus Cinchonarinde abweicht. 
Cupreol schmilzt bei 140 <^, ist leicht löslich in 
Aether, Chloroform, heissem Alkohol, aus dem 
es in farblosen Schuppen loTstallisirt. Es ist 
in kaltem Alkohol und retrol&ther wenig löslich. 

Herrn B. H. in P. Mit Com smut oder 
Üstilago Maidis bezeichnet man in Amerika 
den durch Pilzvegetation hervorgerufenen 
krankhaft yeränderten Zustand des Maiskornes, 



analog unserem Seeale cormutam, daher auch 
der Name: Maismutter körn. Man Yer- 
arbeitet dasselbe zu Tinctur, die Wirkung soll 
unserem Mutterkorn analog sein. Das in 
gleicher Weise verwandele Dissmutterkorn, 
Er^ot of Diss, findet sich auf dem in Al- 
gerien, Corsica, Sicüien heimiscben Dissgras- 
Ampelodesmos tenaz Link, Amndo ampelodes- 
mos. 

Herrn L. tn L* Der Nachweis tou Blut im 
Harn nach Lechini wird in folgender Weise 
ausgefahrt. 10 ccm des Harn werden mit einem 
Tropfen Essigsäure angesäuert und mit 8 ccm 
Chloroform ausgeschüttelt Das Chloroform be- 
sitzt nach dem Absitzen eine rothe Färbung, 
wenn Blutfarbstoff gegenwärtig war. 

Herrn Apoth. St. in L. Als Mittel zur Her- 
stellung einer farblosen Jodtinctur ist auch ein- 
mal Besordn empfohlen worden. Die mit Na- 
triumthiosulfat bereitete TincturaJodi de- 
colorata enthält natflrlich kein Jod mehr, 
sondern Natriumjodid. Dem gegenüber soll die 
Verbindung vcfn Besorcin mit Jod viel prak- 
tischer sein, da sie, sich langsam zersetzend, das 
Jod an die Haat abgiebt. 



Im T«rlMt der H«««SMb«r. TwaattwoHUäbm Bedait— r Dr. ■• iMisltr in DfMäMi. 
Im BMhhtad«! danb J«lUi Bprlac«r, B«rlia B, MoaM^oapUM S. 
DfMk dOT SBBigL BoftMhdmaMH tob OO. ICdUkold ft Bekn« im OrMdM 



. 



Pharmaceutische Centralhalle 

für Deutschland. 

« 

Zeitung für wissenschaftliche und geschäftliche Interessen 

der Pharmacie. 

Herausgegeben von 

Dr. Hermann Hager und Dr. Ewald deissler. 



Erscheint jeden Donnerstag. — Abonnementspreis durch die Post oder den Buchhandel 

Tierteljfthrlich 2 Mark. Bei Zusendang anter Streifband 2,50 Mark. Einzelne Nummern 

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Wiederholungen Rabatt. 
Anfragen, Aufträge, Manuscripte etc. wolle man an den Redacteur Prof Dr. E. G eis s 1er, 

Dresden, Pillnitzer Strasse 56 adressiren. 

Nene Folge 
Till. Jahrgang. 



Md. 



Berlin, den 3. März 1887. 



Der ganzen Folge XXVIIL Jahrgang. 



Inhalt: CkeMle «■< Pharmaele: MlUbeilnngen ans dem pbarmaeaatitoben Laboratorlam der teebniscben Hoota- 
t«haie In BranntfDhwelf : 32. Zar Kenntoita der Ferro* und Ferrloyaoat« des Strycbnlns und Bmelns. — Zar Ro- 
riiion der Pharmacopoea Germanica edit. II. — Ana den Hittbeilnngen von E. Merck in Darmttadt. — Die Maxi- 
maldotis dee Pboaphora. — Harnttoffbettimmnng nach Squibb. — Stryehnol. — Ein nenes Coniferinreagens. — 
Ketix fiber die Verbrennaagiprodaete von Salpeterpapier. — Directe Trennang des Mangana von Eisen. ■— Zum 
Jodoformnaebweia. — Barbariamen in der botaniaohen Nomenclatur. — Offuie COrrefpOBdeBi« — 

ABielges* 

Clieiiiie und Pliarmaeie. 



Mittheilimgen aus dem pharma- 

centischen Laboratorium der 
techi&ischen HoGhschule in Braon- 

Bchweig. 

Von K BeckurtB. 

32. Zur Kenntniss der Ferro- und 

Ferrleyanate des HtryehniDS 

und Brnelns. 

Von Q. Botst und K Beekurts, 

Vor längerer Zeit ^) hat der eine von 
ans Aber die Darstellung nnd die Eigen- 
schaften des Ferrocyanstrychnins berichtet. 
Das ans wässerigen L5sangen von Strych- 
ninsalzen durch Ferrocyankalium gefällte 
Ferrocyanstrychnin wurde als ein weisses 
ans nadelförmi^en Erystallen bestehendes 
Pulver beschrieben, welches sich beim 
Verweilen an der Luft von der Oberfläche 
aas unter Bildung von Ferricyanstrych- 
nin gelblich färbt Bei längerer Berühr- 
ung mit der Luft sollte die Intensität 
der Gelbfärbung von Tage zu Tage zu- 
nehmeu, bis nach einigen Monaten das 

1) Piese Zeiticlirift 1888, Nr. 28, p. 325. 



ursprüngliche Ferrocyanstrychnin voll- 
ständig in Ferricyanstrychnin umgewan- 
delt war. Die damals geäusserte Annahme, 
dass die Zersetzung gemäss der Gleichung : 

2 [(02iHo2N202)4H4FeCN6] + 0« = 

(CgiHjaNaOa)« HeFeeCNia + HgO + 

2 (O21H22N2O3) 

unter Bildung eines Oxystrychnins ver- 
laufe, hat sich nicht bestätigt. Wie schon 
an anderer Stelle^) mitgetheilt ist, zer- 
setzt sich das lufttrockene Ferrocyan- 
strychnin bei Zutritt der Luft nach der 
Gleichung : 

2 [(02iH.2N202)4H4FeCN6] -h = 

(02iH22Na02)6H6F^0Ni2 + HgO + 

2 (C21H22N2O2) 

in Ferricyanstrychnin, Wasser und 
Strychnin. 

Inzwischen haben Dunstan nnd Short ^) 
auf die Schwerlöslichkeit des Ferrocyan- 
strychnins und die leichtere Löslichkeit 
des Ferrocyanbrucins eine Methode zur 
Bestimmung von Brucin neben Strychnin 

<) Berichte d. deutsch, chero. Gesellsch. 1885, 
p. 1235. 

•) Pharm. Jonm. Transact UI, Nr. 694, p. 200. 



108 



gegründet, unä hat 0. ScHweissinger ^) 
mit derselben "keine befriedigende Besnl- 
tate erhalten können. 

Diese Umstände waren Veranlassung 
zu einem nochmaligen Studium der Ferro- 
und Ferricyanate der Strychnosalkaloide, 
deren Ergebnisse der Mittheilung werth 
seheinen. 

Je nachdem die Umsetzung der Strvch- 
nin- oder Brucinsalze mit Ferrocyankali- 
um in neutraler oder saurer wässeriger 
Lösung erfolgt, entstehen saure oder 
neutrale Ferrocyanate des Strychnins 
und Brucins. 

Ausser dem sauren Eisenferrocyanid, 
welches beim Kochen der freien Ferro- 
cyanwasserstoffsäure mit Wasser neben 
Blausäure entsteht, sind saure Metall- 
salze der Ferro- und Ferricyanwasser- 
stoffsäure nicht bekannt. Dagegen sind 
einige saure Salze diesser Säuren mit orga- 
nischen Basen dargestellt worden. Sie 
wurden erhalten durch Fällung der stark 
sauren Lösungen organischer Basen mit 
Ferro- und Ferrieyankalium oder durch 
Vermischen weingeistiger Lösungen der 
Basen und von Ferrocyanwasserstoffsäure. 
Emil Fischer 5) machte zuerst darauf 
aufmerksam, dass die tertiären Amide 
sowie die Ammoniumbasen mit Ferro- 
cyanwasserstoff schwer lösliche saure 
Salze bilden. C. Wurster und L. Böser ^ 
stellten sodann eine grössere Anzahl 
saurer und neutraler Ferro- und Ferri- 
eyanverbindungen tertiärer oi^ganischer 
Basen dar, desgleichen berichtet Louis 
Jtdius Eisenberg '^) über saure und neu- 
trale Verbindungen der Ferrocyanwasser- 
stoffsäure. Verbindungen der Ferrocyan- 
wasserstoffsäure und Ferricyanwasserstoff- 
säure mit Alkaloiden sind Gegenstand 
eingehender Untersuchungen nicht ge- 
wesen. 

Hentrales Farrdoyanitrychmn. 

(C,iH28N202)4H4FeCN6 + 4 HgO. 

Das aus einer neutralen Strychnin- 
salzlösung durch Ferrocyankalium gefällte 

*) Archiv. Phann. XXHI, p. 609. 

*) Annalen der Chemie 190, p. 184. 

«) Berichte der deutsch, ehem. Ges. 1879. 
p. 1828. 

^) Annalen der Chemie 205, p. 2ö5. 



* 

Strychninferrocyanat bildet eiifi . W^Ssses, 
einen schwachen Stich \n.% Gelbliche 
zeigende krystallinisches Pulver, welches 
sicn in kalteiu Wasser schwer, in heissem 
Wasser leichter und unzersetzt löst und 
beim Erkalten in wohl ausgebildeten 
prismatischen Erystallen abscheidet. 

Das gefällte Salz zeigt unter dem 
Mikroskope meist grössere, gut ausgebil- 
dete Erystalle. Ammoniakflüssigkeit und 
Alkalien zersetzen das Salz unter Ab- 
scheidung von Strychnin. 

Analyse. 

1,371 g wurden mit Ammoniakflüssig- 
keit behandelt, die Lösung des Ferro- 
cyanammoniums wurde von dem ausge- 
schiedenen StiTchnin abfiltrirt und das 
Filtrat auf 200 cem . verdünnt. 20 ccm 
dieser Lösung (= 0,1371 g Salz) ver- 
brauchten nach dem Uebersättigen mit 
Schwefelsäure 8,4 ccm einer Ealiumper- 
manganatlösung (1 ccm = 0,000309 K- 
Mn04) zur Uebermhrung der Ferrocyan- 
wasserstoffsäure in Ferricyanwasserstoff. 
Diese entsprechen 0,01718 H4FeCNe 

8,4 ccm = 0,0025956 KMuOa 

31,6 KMn04 = 216 H^FeCNg 

216 . 0,0025956 



31,6 



= 0,01718 



0,1371 g eines Salzes der Formel 
(C2iH2aN202)4H4FeCN6 + 4 HgO 

müsste 0,0182 g H4FeCNe enthalten. 

Die Differenz zwischen der berechneten 
und der gefundenen Meng^ erklärt sieh 
leicht, wenn man berffcksichtigt, dass der 
Niederschlag des Ferrocyanstrychnins, 
ohne sich theilweise zu zersetzen, nicht 
völlig getrocknet werden kann. 

An der Luft verwandelt sich das Salz 
allmälig vollständig unter Abscheidung 
von Strychnin in Ferricyanstrychnin. 

Saures Ferrooywstrychnin. 

(C2iH22N202)H4PeCN6. 

Wird Strychnin in stark Salzsäure r 
Lösung mit einer Lösung von bekanntem 
Gehalt an Ferrocyankalium zusammen- 
gebracht, so zeigt sich, da^ bis zu dem 
Punkte, wo sich überschüssiges Ferro« 
cy^ankaUum durch die Blaufärbung einen 
mit verdünnter Eisenchloridlösung be- 
netzten Papieres zu erkennen giebt, auf 



109 



ein Molekül Strychnin genau ein Mole- 
käl Ferrocyankalium gebraacht wird. 

lOecm einer Lösung von Strychnin 
(= 0,05g Strychnin) verbrauchten 12 1 ccm 
einer Kaliumferrocyanatlösung , deren 
Titer = 0,0051 843 K4PeCN6 + 3 H jO fest- 
gestellt war. 

12,1 ccm = 0,06273 KAFeCNg -I- 3 HgO, 
welche von 0,05 g Strychnin gebunden 
worden; 334g Strychnin würden also 
419 g K4FeCN6 + 3 HgO verbrauchen. 

Zur Bildung der Verbindung 

CjiHaaNgOj . HAFeCNg 

sind 334 g Strychnin und 422 g Ferro- 
cyankalium erforderlich. 

Diese Zahlen machen die Bildung eines 
sauren Strychninferrocyanats beim Zu- 
sammentreffen von Strychnin und Ferro- 
cyankalium wahrscheinlich. 

Die Bildung eines Doppelsalzes 

(C2iH22N20j)4H4FeCN6 + 3 K4FeCN6, 

welches dieselbe Menge Ferrocyankalium 
beansprucht, ist ausgeschlossen, da eine 
wiederholte Prüfung des Niederschlages 
auf Kalium negative Besultate gab. 

Die Zersetzung der Strychninsalzlös- 
ungen erfolgt mithin in stark salzsauren 
Lfosungen gemäss der Gleichung: 

CgiHj^NjOg . HCl + K4FeCN6 + 3HC1 = 

C21H22N2O2 . H4FeCN6 + 4 KCl. 

Der entstandene Niederschlag bildet 
nach dem Abfiltriren und Trocknen ein 
weisses Pulver mit einem Stich in s Bläu- 
liche, ist in kaltem Wasser und in Wein- 
geist unlöslich und löst sich in heissem 
Wasser unter Abscheidung von Ferro- 
cy anwasserstoff , welche sich ihrerseits 
unter Blaufärbung und Entwickelung von 
Blausäure zersetzt. Die mikroskopische 
Betrachtung zeigt kleine undeutliche 
Krystalle. Das Salz besitzt stark saure 
Beaction, zersetzt kohlensaure Salze und 
wird durch Ammoniakflüssigkeit und Al- 
kalien unter Abscheidnng von Strychnin 
zerlegt. 

0,6 g wurden mit Ammoniakflüssigkeit 
behandelt, vom abgeschiedenen Strychnin 
ward abfiltrirt, und das Filtrat auf 200 
ccm verdünnt. 

20 cem des Filtrats (» 0,05 g Salz) 
wurden mit Schwefelsäure übersättigt 
und bis zur vollsMmdigen Umwandlung 



des Ferrocyan Wasserstoffs in Ferricyan- 
wasserstoff mit Kaliumpermanganatlösung 
versetzt Es wurden 8 ccm Kaliumper- 
manganatlösung (1 ccm = 0,000329 K- 
Mn04) verbraucht. 

Diese entsprechen 0,01956 H4 Fe CNg 
denn 

8 ccm = 0,0028623 KMn04 

31,6 KMn04 = 216 H4FeCNe 

216.0,0028623 



31,6 



- 0,01956 



0,05 g eines Salzes der Formel C^iBL^s- 
NgOa . H4FeCN6 sollen 0,01964 enthalten. 

Mit diesem Salze ist vielleicht eine 
Verbindung identisch, welche Dietrich 
Brandis ^) durch Vermischen alkoholischer 
Lösungen von Strychnin und Ferrocyan- 
wasserstoff erhalten hat. 

Neutrales Ferroeyanbrucin. 

(C23H2eN,04)4H4Fe0N6 -h 4 HgO. 

Eine neutrale concentrirte Lösung des 
salzsauren Brucins wurde mit einer con- 
centrirten Lösung von Kaliumferrocyanat 
versetzt. 

Zunächst fand keine Abscheidung statt. 
Erst nach zwölfstündigem Stehen hatte 
sich eine reichliche Menge gut ausgebil- 
deter prismatischer , zu quastenartigen 
Bündeln vereinigter gelber Krystalle ge- 
bildet, welche in Wasser und Alkohol 
zu gelben Flüssigkeiten löslich sind. 

An der Luft aufbewahrt, verwandelt 
es sich allmälig unter Abspaltung von 
Brucin in grüngelbes Ferricyanbrucin. 

Ammoniak und Alkalien zerlegen es 
in Brucin und Ammonium- resp. Alkali- 
ferrocyanat. 

In Wasser ist dasselbe weit leichter 
löslich , als die entsprechende Brucin- 
verbindung. 

L) 1,152 g wurden mit Ammoniak- 
flüssigkeit zersetzt; das Filtrat ward von 
dem noch gelösten Brucin durch zwei- 
maliges Ausschütteln mit Chloroform 
befreit und sodann mit Wasser auf 
150 ccm verdünnt. 

15 ccm (= 0,1152 Brucinferrocyanat) 
verbrauchten zur Oxydation der Ferro- 
cyanwasserstoffs&ure 5,4 ccm Kaliumper- 



1) Ann. d. Chemie 66, p. 363. 



110 



manganatlösung (1 ecm = 0,000855 K- 
Mn04). 

Diese entsprechen 0,0131 H4PeCN6 

5,4 ecm = 0,001917 KMhOa 
31,6 KMn04 = 216 HAPeCNß 
216 . 0,001917 ^^,„1 

3i;6 =^'^1^1 

0,1152 g (C.3H2eN204)4H4FeCN6 + 4H2O 
sollen 0,01335 H4PeCN6 enthalten. 

II.) Das ans 1,152 g Brueinferrocyanat 
erhaltene Bruein wurde in 50 ecm Vio 
N.-Salzsäure gelöst und die Lösung auf 
200 ecm verdünnt. 

20 ecm der Lösung (enthaltend das 
Bruein aus 0,1152 g Salz) verbrauchten 
zur Neutralisation der überschüssigen 
Säure 25,5 ecm Vi 00 N.-Natronlauge. 

Zur Sättigung des in 0,1152 g Brucin- 
ferrocjanats enthaltenen Brucins sind 
gebraucht: 5 ecm Vio N.-Salzsäure — 
21,55 ecm Vioo N.-Natronlauge = 2,45 Vio 
oder 24,5 Vj^q N.-Salzsäure. 

1 ecm Vioo^-'S&lzsäure = 0,00394 Bruein 
24,5 Vioo N.-Salzsäure « 0,0965 Bruein 
0,1152g Brueinferrocyanat obiger Formel 
sollen enthalten 0,0974 Bruein. 

Saures Ferroeyanbmein. 

(C23H2eNa04)H4FeCN6. 

Das aus einer sehr concentrirten 
stark salzsauren Lösung von Bruein 
durch Ferrocyankalium gefällte Salz bil- 
det ein v^eisses, an der Luft bald blau 
werdendes Pulver, welches unter dem 
Mikroskope wohl ausgebildete prismatische 
Krystalle erkennen lässt. In nicht sehr 
concentrirten salzsauren Lösungen des 
Brucins ruft Ferrocyankalium zunächst 
keine Veränderung hervor, erst nach 
längerem, 12 bis 24 stündigem Stehen 
scheiden sich schöne grosse weisse Pris- 
men ab. Beide Salze besitzen dieselbe 
Zusammensetzung. Das saure Bruein- 
ferrocyanat zersetzt sich beim Erhitzen 
mit Wasser unter Abscheidung von Ferro- 
cyanwasserstoflbäure, welche sich sogleich 
unter Blauf&rbung weiter verändert. 

Ammoniakflüssigkeit und Alkalien zer- 
legen das Salz, welches stark saure Be- 
action besitzt, kohlensaure Salze zersetzt, 
aber meist leichter als die entsprechende 
Strychninverbindung in Wasser löslich ist. 



Die Zersetzung saurer Brucinsalzlös- 
ungen mit Ferrocyankalium verläuft ana- 
log der der Strychninsalzlösungen nach 
der Gleichung: 

C23H86N2O4 . HCl + K4FeCN6 + 3 HCl = 
O28H26N2O4 . H4PeCNe + 4 KCl. 

Analyse. 

I.) 0,5573 g wurden mit Animoniak- 
flüssigkeit zersetzt, vom abgeschiedenen 
Bruein wurde filtrirt, und das Filtrat zur 
völligen Entfernung des Alkaloids zwei- 
mal mit Chloroform ausgeschüttelt, so- 
dann auf 100 com verdünnt. 

10 ecm dieser Lösung ( =0,05573 g Salz) 
wurden mit Schwefelsäure angesäuert und 
mit Kaliumpermanganat titrirt. Im Durch- 
schnitt wurden 9,15 ecm Vioo KMn04 ver- 
braucht. 

1 ecm Vioo KMn04 = 0,00216 H4PeCNe 
9,15 ecm „ „ «0,01976 
0,01976 g H^PeCNß sind in 0,05573g des 

Salzes enthalten. 

100 g Salz enthalten 35,45 HAPeCNß. 

IL) 1,0670 g wurden, wie eben be- 
schrieben, mit Ammoniakflüssigkeit und 
Chloroform behandelt und die von Bruein 
befreite Lösung des Ferrocyanammoniums 
auf 200 ecm verdünnt. 

20 ecm derselben (= 0,1067 g Salz) 
verbrauchten zur Oxydation der Ferro- 
cyanwasserstoffsäure im Durchschnitte 
15,3 com Kaliumpermanganatlösung, ent« 
sprechend 0,0871 g HAPeCNg. 

100 g Salz enthalten demnach 34,7 H4.- 
PeCNß. 

O23H26N2O4 . H4FeCNe soll enthalten = 
35,42 pCt. H4PeCN6. 

III.} Das aus 0,5573 g Brueinferro- 
cyanat durch Ammoniak und Chloroform 
isolirte Bruein wurde in 25 ecm Vio N.- 
Salzsäure gelöst, und die Lösung auf 
100 ecm verdünnt. 

10 ecm dieser Lösung verbrauchten zur 
Neutralisation im Durchschnitt 16,1 ecm 
Vioo N.-Natronlauge. 

Zur Sättigung des in 0,05573 g Salz 
enthaltenen Brucins wurden also ge- 
braucht 8,9 ecm Vioo N.-Salzsäure. 

1 ecm Vioo N.-Salzsäure = 0,00394 Bruein 

8,9 ecm «0,0351 

0,05573 g eines Salzes der Formel 



111 



mOssten 0,0860 Bruein entbalteB. 

IV.) Das aus 1,067 g Brucinferrocyanat 
wie oben isolirte Bracin wurde in 50 ccm 
Vio N -Salzsäure gelöst, die Lösung auf 
250 ecm verdünnt. 25 ccm dieser Lös- 
ung (= 0,1067 g Salz) verbrauchten zur 
Bindung der überschüssigen Säure 32,7 ccm 
^100 N.-Natronlauge. Mithin waren zur 
Sättigung des in 0,1067 enthaltenen Bru- 
eins 17,3 Vioo N.- Salzsäure verbraucht. 
Diese entsprechen 0,0681 g Bruein. 

0,1067 g des Salzes 

Ca.H^eNoO^ • H4FeCNß 
müssten 0,0689 Bruein enthalten. 



Ein von dem Ferrocyankalium ab- 
weichendes Verhalten zeigt das Ferri- 
e>ankalinm gegenüber wässerigen neu- 
tralen und sauren Lösungen von Brucin- 
und Strjchninsalzen. Es entstehen nur 
neutrale Ferricyanate. 

Femeyanstryolmin. 

(C.|H.oNi0j6H6Fe.jCN,9 4- 12 H^O. 

Das aus neutralen und sauren Strych- 
njnsalzlösungen gefällte Salz bildet gold- 
gelbe flache Prismen, welche in Wasser 
ziemlich schwer, aber leichter als die 
entsprechende Ferrocjanverbindung, mit 
gelber Farbe löslich sind. 

0,424 g lieferten nach Zersetzung durch 
Ammoniakflüssigkeit und Ausschütteln 
mit Chloroform 0,320 g = 75,5 pCt. 
Strychnin. 

Die Formel (CaiHgaNgOäJftHßFeaCNi j+ 
12 HjO verlangt 75,5 pCt. Strychnin. 

Ferricyanbmcin. 
(C,8H,eN804)6H«Fe,CNia + 12 HgO. 

Das aus neutralen und sauren Brucin- 
salzlCsungen geßLllte Ferricyanid bildet 
grüngelbe glänzende Blättchen, in Wasser 
ziemlich schwer mit gelber Farbe lös- 
lich. 

0,556 g lieferten nach Zersetzung mit 
Ammoniak und Ausschütteln mit Chloro- 
form 0,439 g « 78,9 pCt. Bruein. 

0,351 g lieferten unter denselben Be- 
dingangen 0,275 g » 78,4 pCt. Bruein. 

Die Formel (C23H36N204)6H6Fe2CNi2+ 
12 HgO verlangt 78,5 pCt, Bruein. 



Das Verhalten der Lösungen anderer 
Alkaloide gegen Ferro- und Ferricyan- 
kalium ist noch Gegenstand des Studiums. 
Es steht zu erwarten, dass von demselben 
bei der quantitativen Bestimmung der 
Alkaloide und zur Abseheidung derselben 
aus organischen Massen in medicolegalen 
Fällen mit Vortheil Gebrauch gemacht 
werden kann. 



Zur Revision der Pharmacopoea 
Germanica edit. IL*) 

8. Fortsetzung; vergl. Jahrg. 27, S. 621. 

Aeidnm nitricnm. In dem Abschnitte, der 
von der Prüfang der Salpetersäure auf Jod- 
säare handelt, ist der Schlusssatz „auch nicht 
nach Znsatz von etwas Zinnfeile und schwachem 
Erwärmen" abgeändert worden in ,,anch nicht 
nach Zusatz eines in die Säureschicht hinein* 
ragenden Stückchen Zinks", weil bei Verwen- 
dung von Zink die Reaction dem Auge besser 
wahrnehmbar und auch ohne Erwärmen vor 
sich geht. — Zur Titrirnng sollen 6,3 g der 
Säure (Vi'» Aequivalent HNOa) verwendet 
werden, weil dann die Zahl der verbrauchten 
Cabikcentimeter (im vorliegenden Falle 
30 ccm) der Normalkalilösnng direct den 
Procentgehalt der Säure angiebt. 

Aeidnm nitricum fümans. „Klare, roth- 
braune, in der Wärme flüchtige Fitissigkeit . . ^ 
— Die Prüfung mit Baryumnitrat und Silber- 
nitrat ist in der Weise verschärft worden, dass 
die Säure „nach 5 Minuten nur opcUisirend 
getrübt werden darf.'^ 

Acidum phosphoricum. Bei der Prüfung 
der Säure ist das Wort „trüben*^ durch „ver- 
ändern'' ersetzt worden, weil thatsächlich 
nicht eine Trübung, sondern eine Farbenver- 
änderung der Flüssigkeit eintritt. — Der letzte 
Absatz des Textes ist abgeändert in : „5 ccm 
Phosphorsäurei mit 5 ccm verdünnter Schwefel- 
säure und Zink versetzt, dürfen unter den bei 
Acidum hydrochloricum erwähnten Beding- 
ungen dem mit der concentrirten Silberlösung 
(1 SS 2) befeuchteten Papier weder sogleich 
noch bei viertelstündiger Gasentwickelung em^ 
gelbe, heim Anfeuchten mit Wasser sich so- 
fort schwärzende, noch eine von der Peripherie 
aus in Braun bis Schwarz übergehende Färb- 
ung ertheilen.*' Die Weglassung der Jodlösung 
und die durch cursive Schrift markirten Ab- 



"**) Nach Archiv der Pfaarmacie. 



112 



änderungen erklären sich durch die Yielen in 
den letzten zwei Jahren attsgefiihrten Arbeiten 
über die „Prüfung auf Arsen", die den Lesern 
dieses Blattes hinlänglich bekannt sind. 

Aeidum pyrogaUicnm. Die Angaben über 
die Löslichkeit der Säure haben eine Correctui 
erfahren : „sie löst sich in i,7Thei]en Wasser 
zu einer klaren , farblosen und neutralen , an 
der Luft äUmälig braune Färhtmg und sauere 
Beaction annehmenden Flüssigkeit, sowie in 
1 TheOe Weingeist und auch leicht in Aether. 
— Die Pyrogallussäure ist „vor Licht ge- 
schütßt aufetibewahren." 

Ghininum bisnlfdriiuii. Dem ersten Ab- 
schnitte des Textes ist folgender Zusatz ge- 
macht worden : f,In höherer Hüze verbrennt 
das Salg ßwr Kohlen welche bei fartgesetstem 
Glühen langsam, aber ohne Bückstand ver- 
sckwindet," 

Ghininiim ferro-oitricnm. Indem die Vor- 
schrift zur Darstellung des Präparats correcter 
ge&sst, femer eine Identitätsreaction (das 
deutsche Präparat unterscheidet sich dadurch 
von dem aller anderen Länder, dass es ein 
Ozjdulozydsalz des Eisens ist) aufgenommen 
und drittens das Verfüiren zum quantitativen 
Nachweise des Chinins modificirt worden ist, 
hat der Artikel ziemlich bedeutende Abänder- 
ungen erfahren; er lautet jetzt; „6 Theile 
Citronensänre werden in 6<)0 Theilen Wasser 
gelöst und 3 Theile gepulverten Eisens zu- 
gefügt. Nachdem die Mischung unter öfterem 
Bewegen 48 Stunden im Wasserbade digerirt 
worden, wird fiitrirt, zur dünnen Sjrupdicke 
abgedampft und nach dem Erkalten das aus 
der mittelst Schwefelsäure bewirkten wüsser- 
igen Lösung vanl^ji Theü Chininsulfat durch 
die genügende Menge Natronlauge frisch ge- 
fäMe und ausgewaschene Chinin noch feucht 
hinzugefügt. Nachdem dieses TolUtändig ge- 
löst, wird die Flüssigkeit auf Glas- oder Por- 
zellanplatten ausgebreitet und getrocknet. — 
Glänzende, durchscheinende, dunkeiroth- 
braune Blättchen von eisenartigem und bit- 
terem Geschmacke, in Wasser langsam aber 
in jedem Verhältnisse löslich, wenig löslich in 
Weingeist. Die mit Salzsäure angesäuerte 
wässerige Lösung giebt sowohl mit Kalium^ 
ferrocyanid, wie mü Kaliumferricyanid tief- 
blaue Fällung und noch in sehr grosser Ver- 
dünnung (1 : 60 000) blaue Färbung; durch 
Zusatz volumetrischer Jodlösung trübt sie sich 
braunroth und noch in grosser Verdünnung 
(1 : 10 000) opcUisirend. — lg Eisenchinin- 



citrat, in 4 com Wasser gelöst, mit Natron» 
lauge bis zur alkalischen Reaction versetzt 
und zweimal mit je 5 g {7 ccm) Aether ge- 
schüttelt, liefern nach dem Verdampfen d^s 
abgehobenen Aethers mindestens 0,09 g 
Chinin.<< 

Extractom QuaMiae. Nichts verändert. 

Extractum Bhei. Nichts verändert. 

Extractnm Rhei eompodtain. Die In- 
gredienzen sollen, jedes für sich, fein zerrieben 
und dann (ohne Zusatz von verdünntem Wein- 
geist) gemischt werden. 

Extraotom Sabinae. Nichts verändert. 

Hydrargyrom. „Flüssiges, beim Erhitzen 
ohne Rückstand flüchtiges Metall. Specif. 
Gewicht 1S,57. Es zeige stets eine glänzende 
Oberfläche.^ Mit dieser veränderten, aber 
immerhin noch ziemlich kurzen Fassung soll 
zweifellos ausgedrückt werden, dass unter 
„Hydrargyrum" das gereinigte Quecksilber 
zu verstehen sei. 

Hydrargyrum biehloratom. Die zur Prüf- 
ung mit Schwefelwasserstoff zu verwendende 
wässerige Lösung soll erwärmt werden. Der 
letzte Satz im Prüfungsabsehnitt hat folgende 
Fassung erhalten: „Wird das so erhaltene 
Schwefelquecksilber mit verdünntem Am- 
moniak geschüttelt, so nehme das Filtrat nach 
dem Ansäuern mit Salzsäure keine gelbe 
Färbumg an. 

Hydrargyrum biijodatnm. Die Vorschrift 
zur Bereitung hat insofern eine Aenderung 
erfahren, als die klaren Lösungen von Queck- 
silberchlorid und Kaliumjodid nicht unter 
Umrühren vermischt, sondern gleichzeitig in 
dünnem Strahle und unter Umrühren in 
100 Theile Wasser eingegossen^ werden 
sollen. Das Quecksilberjodid fällt schöner 
und feiner vertheilt ans, lässt sich auch besser 
auswaschen ; der Niederschlag ist „beigelinder 
Wärme, vor Licht geschützt^* zu trocknen. — 
In Anbetracht, dass das Jodid spurenweise 
vom Wasser gelöst wird, sind die Anforder- 
ungen bei der Prüfung mit Schwefelwasserstoff 
etwas ermässigt worden: „Mit Quecksilber- 
jodid geschütteltes Wasser darf durch Schwefel- 
wasserstoffwasser nur sehr schwach gefärbt 
und durch Silbemitrat nur schwach opdUsirend 
getrübt werden. 

Hydrargymm chloratnm und 

Hydrargyrum ohloratom vapore para- 
tum. Das präparirte Quecksilberchlorür so- 
wohl wie das durch Dampf bereitete werden 
als „gelblichweisses" Pulver bezeichnet. 



113 



][iieilag0 Omnmi 

Kndlago flalep, 

Myrrbfty 

Pnl^t aerophoms, 

PiÜTis aerophonit angliont» 

Pulvis aerophonia laxans und 

Pulvii pimmotns 

haben keine Yer&ndening er&hren. 

Stibimn tnlfiiratitm aarantiaeniB. Die 

Prüfling des Goldtchwefels anf Säure, freien 
Sehwefel und Arsen ist prftciser gefasst wor- 
den : „i g Goldschwefel, mit 20 cem Wasser ge- 
Bchattelt, gebe ein Filtrat, welches dnreh 
wenige Tropfen Silbemi tratlösnng nurachwcuih 
opdlisirend getrübt, aber innerhalb einer Mi- 
nute nicht gebräunt werden darf. OJ. g Oold- 
Schwefel, fein Berrieben und mit 20 g Am- 
momöJb in einem versehloe^enen Glase gelinde 
enoärmtj löse sich ohne erbeblichen Bück- 
fitaod. 3 cem Schwefelammonium nehmen 
0,2g Ooldschwefel leicht auf; der aus dieser 
Lösung durch Ansäuern mit Salzsäure erhal- 
tene, mehrfach mit Wasser gewaschene Nieder- 
schlag werde noch feucht mit einer Lösung 
Ton 0,^5^ Ammoniumcarbonat f» 5ccm Wasser 
geschüttelt und sofort filtrirt. Das Filtrat 
darf nach dem Ansäuern mit Salzsäure nicht 
gelb gefärbt sein.'' 

Stibinm tnlforatiiin nignim. Als Identi- 
titsreaction wird verlangt, dass der Spiess- 
glanz beim JErtoärmenmü8cdB8äure Schwefel- 
wasserstoff entwickele. — Die Prüfung hat 
eine präeisere Fassung erhalten; „2g fein- 
gepulverter Spiessglanz mit 20 cem Siüzsäure 
digerirt und dann gekocht, müssen sich bis 
anf einen nicht mehr als 0,01 g betragenden 
Räckatand lösen/* 

Strychninnm nitricnm. ZurAusfällungdes 
Strjehninnitrats soll statt Kali umchromat das 
bierzn besser geeignete Kaliumbichromat be* 
nutzt werden. 

Styrax liquidns. Bezüglich der Reinigung 
des Storax heisst es : „Zum Gebrauche werde 
der Storaz, nachdem er durch Erwärmen im 
Bampfbade von dem grössten Theile des an- 
hängenden Wassers befreit ist, durch Auflösen 
m seinem gleichen Gewicht Weingeist, Fil- 
tration und Wiedereindampfen der erhaltenen 
Losnng gereinigt. '* Alsdann stellt derselbe 
eine braune, in dünner Schicht durchsichtige, 
halbflnesige Masse dar, welche sich Mar in 
Weingeist, und bis auf einige Flocken in 
Aether, Schwefelkohlenstoff und Benzol auf- 



löst; Petroleumbenzin nimmt davon nur 
wenig auf. 

TinoturaColocynthidis. Nichts verändert 
Specif. Gewicht 0,835 — 0,845. 

TinctiiraGroci. Nichts verändert. Specif. 
Gewicht 0,910—0,915. 

Tinetura Digitalis. „Eine Tinctnr von 
dunkelgrüner, später brauner Farbe . . .'^ 
Specif. Gewicht 0,910—0,915. g. 



Aus den „Mittheilangen'' von 
E. Merck in Dannstadt 

Bismathiim ox^jodatam. (BiOJ oder 
BiOJ . HO.) WismutozTJodid, auch Subjodid 
genannt. Dasselbe stellt ein bräunlichrothes, 
amorphes, höchst sartes Pulver dar, ohne Ge- 
ruch und Geschmack. Es besitzt neutrale 
Reaction und löst sich weder in Wasser noch 
in Alkohol oder Aether. Das Prftparat soll 
nach den Untersuchungen hervorragender 
Kliniker die Wirkungen der Jod- und Wis- 
mut-Präparate in sich vereinigen und ins- 
besondere bei eiternden Wunden, Ulcerationen 
etc. vortreffliche Dienste leisten. 

Cali-Hüue (Nuces Call). Unter dieser 
Bezeichnung kommen seit Kurzem im Handel 
Samen vor, welche in ihrem Habitus eine 
grosse Aehnlichkeit mit den Samen von Ph jso- 
Stigma venenosum zeigen und daher richtiger 
als Call -Bohnen anzusprechen wären. Das 
Aussehen, sowie der anatomische Bau der 
Bohne lassen keinen Zweifel darüber zu, dass 
dieselbe einer Papilionacee, aus der Abtheilung 
der Phaseoleen angehört, doch war seither 
über die eigentliche Stammpflanze Näheres 
leider nicht zu erfahren. Sie gelangt, gleich 
wie die Calabarbohne von der westafrikanischen 
Küste aus in den Handel. Der einzige in die 
Augen springende Unterschied zwischen den 
Calabarbohnen und den in Rede stehenden 
Cali-Nüssen besteht in ihren DimensionsTcr- 
hältnissen, welche bei ersteren stets länger 
als breit, b ei letzteren dagegen mehr rundlich 
erscheinen. Alle übrigen charakteristischen 
Merkmale der Calabarbohne, — die schwarz- 
braune, matte, oft auch glänzende Schale, mit 
dem an der Schmalseite erhöhten, abgerun- 
deten Randwulst, in dessen Mitte sich die 
Raphe als feine Linie hinzieht, sowie femer 
noch die lufthaltige Höhlung in der Mitte 
der durch einen Querschnitt halbirten Bohne, 
welche die beiden, gelblich weissen Keimlappen 



114 



von einander trennt, — *- finden sieb auch an 
den Call- Nüssen. Diese Bohnen enthalten 
nach den angestellten Untersuchungen ein 
Alkaloid, welches sich sowohl in chemischer, 
als in physiologischer Hinsicht wie Physo- 
stigmin verhält; auch eine Elementaranalyse 
ergab die dem letzteren ssukommende Zusam- 
mensetzung. 

ConesBinnm (CisH^oN). Aus der Rinde 
und den Samen von Holarrhena africana D. C. 
und H. antidysenterica stellten Schirmer und 
Polsiarff ein Alkaloid dar, für welches sie den 
von Haines der Base aus Wrigthia antidysen- 
terica beigelegten Namen Conessin gleichfalls 
beibehielten. Die von den genannten drei 
Autoren ausgesprochene Vermuthung der 
Identität beider, aus verschiedenen Pflanzen 
dargestellten Alkaloide, wird jedoch von 
Warneckehestritten ^ welcher dem aus W. anti- 
dysenterica dargestellten Wrightin die 
Formel CiiHisN zuerkennt. Hiernach wür- 
den Wrightin und Conessin homologe Basen 
sein. (Vergl. Ph. C. 27, 195.) 

E, Merdc^s Conessin ist aus Holarrhena 
antidysenterica gewonnen und bildet zarte, 
weisse, verfilzte Kry statin adeln von constantem 
Schmelzpunkte (121^). Es ist schwer löslich 
in Wasser, leicht löslich dagegen in Alkohol, 
Aether, Chloroform etc. Eine minimale Quan- 
tität Conessin mit mehreren Tropfen concen- 
trirter Schwefelsäure angerieben, färbt sich 
auf Zusatz einer Spur Salpetersäure goldgelb 
und schliesslich orangegelb. Das Alkaloid 
findet Anwendung als ein specifisches Mittel 
gegen Dysenterien und Diarrhöen; weniger 
zuverlässig und sogar zweifelhaft ist seine 
Wirkung als Febrifugum . Ueber die Dosirung 
fehlen bis jetzt noch nähere Angaben. 

Gongo- Papier. (Vergl. Ph. C. 26, 384.) 
Die Eigenschaft des Congoroths, durch Säuren 
gebläut zu werden, — und zwar stärker durch 
anorganische als durch organische, — bat zur 
medicinischen Anwendung desselben in der 
Form von „Congopapier*' geführt. Das Congo- 
papier besitzt die Eigenschaft, wie der Farb- 
stoff selbst, von freier Säure des Magens sehr 
schön blau gefärbt zu werden, während saure 
Salxe keine Farbenveränderung hervorrufen. 
Je höher der Salzsäuregehalt des Magensaftes 
ist, desto intensiver wird die Bläuung des 
Congopapiers, bei fehlender oder unzureichen- 
der Menge von Salzsäure, auch trotz gleich- 
zeitiger Anwesenheit von organischen Säuren, 
tritt niemals deutliche Bläuung auf. In Folge 



dessen empfiehlt sich das Congopapier als 
diagnostisches und therapeutisches Kriterium 
bei der Behandlung von Magenkrankheiten. 

CytiBinam (CsoHsrNsO) und Cytisinum 
nitricum (C20H27N1O . 2NHO3 -f 2H«0). 
Neuere Untersuchungen haben die Giftigkeit 
der meisten Cytisus-Arten dargethan; diese 
Eigenschaft verdanken sie ihrem Gehalte an 
einem krystallini sehen, in Wasser und Wein- 
geist leicht löslichen Alkaloid, dem Cytisin. 

Das Cytisinnitrat stellt ein in schönen 
monoclinischen Prismen krystallisirendes Salz 
dar, von schwach gelblicher Farbe und saurer 
Reaction; es ist nach Kohert ein Gift von 
prominenter Wirkung. 

Kalium oxydatnm hydricnm pnmsim. 
Merck ist nicht nur im Allgemeinen reiner 
als alle bisherigen Handelspräparate, sondern 
auch speeiell absolut frei von Kieselsäure und 
Thonerde und deshalb besonders chemisch- 
analytischen Laboratorien zu empfehlen. 

Pereirinnm ist neben OeiBSospennin in 
der Pao-Pereira -Wurzelrinde (von Geisso- 
spermum lacve s. Velozii, Familie der Apo- 
cyncen) enthalten. Beide Alkaloide haben in 
der Wirkung einige Aehnlicbkeit mit dem 
Gelseminin, die specifische Wirkung des 
Pereirins aber beruht in seiner antifebrilen 
Eigenschaft. Besonders das Hydrochlorat soll, 
gegen Snmpffieber angewendet, dem Chinin 
sowohl, wie dem Arsenik überlegen sein. 

Syringin (CioHssOni + H-^O). Das in der 
Rinde von Syringa vulgaris L. und von Lig^u- 
strum vulgare L. enthaltene Glycosid wurde 
von Meillet und von Bemays ans der Syringen - 
Rinde dargestellt und von Ersterem Lilacin, 
von Letzterem Syringin genannt. In reinem 
Zustande bildet das Syringin weisse Krystall- 
nadeln, leicht löslich in heissem Wasser und 
in Alkohol, unlöslich in Aether. Die wässrige 
oder weingeistige Lösung nimmt beim Ver- 
mischen mit dem gleichen Volumen Schwefel- 
säure eine schöne dunkelblaue Färbung an. 
Salpetersäure löst das Syringin mit blutrotfaer 
Farbe. Mit verdünnten Säuren spaltet sich 
das Syringin beim Erhitzen in Syringenin 
und Glycose. Das Syringin wird angewendet 
als antifebriles Mittel bei Malaria, doch fehlt 
es hinsichtlich der Dosirung an zuverlässigen 
Angaben. Toxische Wirkungen scheint das 
Glycosid nicht zu haben. g^ 



Die MazimaldoaiB des Fhosphors. 

AngestchtB der kürzlich in Sacheen vor- 
g«konimeDeii PhoiphoT- Vergiftung durch 
Wiederholung einer vom Arzte verordneten 
Arznei und in Anbetracht des UroBtaudcB, 
du« jetzt öfter Phoaphor zum innerlichen 
Gebrauch gegen Rbachitis verordnet wird, 
macht G. B. in der Pharm. Zeit, auf den an- 
gehenren Unterecbied aufmerksam , «reicher 
zwiichen den letzten beiden Ansgaben der 
Pharmakopoe in Bezug auf die MaximaldoaiB 
beiteht. WKbrendnSnlich die Pharm. Germ. I. 
als Haximaldoaii 1 5 mg angiefat, hat die gegen- 
wärtig geltende PharinakopÖe nur ein Milli- 
gramm aDgegebeo. BesoRdera gross wird die 
Qehbr ftir den Apotheker, eine zu grosse 
Dosis Phosphor (ohne Ansrnfaugsseichen des 
Arztes) abzugeben dann, wenn, wie in dem 
erwUinten Falle, Oleum phosphoratDm ver- 
ordnet ist. Eine Vorschrift zu Oleum phoi- 
phcratnm findet sich nBmlicb nur In der ersten 
Ausgabe der Reichspharmakopöe, wfihrend 
die gegenwfirtig geltende dieses Priparat nicht 
aufgenommen hat. Findet man nun eine Vor- 
schriften Oleum phosphoratuminEd. II nicht, 
und consoltirt infolge dessen Ed. I, so ist es 
seil r naheliegend, dass man sich, da Uaiimal- 
dosen im Allgemeinen ja nicht bosonclers zu 
variiren pflegen, «ach fiber die Maiimaldosis 
tDs Ed. I zu informiren sucht, die« ist aber 
höchst gefilhrlicb für den Apotheker; denn 
lind z, B. 0,8g Phospboröl pro doti verord- 
net, so würde dies nach der alten Pharma- 
kopoe nur ^f» der Haxlmaldosis für Phoaphor 
^0,0010 g) entaprechen, während nach der 
jetxigen dieselbe zehnfach überschritten iat. 



HamstoffbeBtimmung nachSqtübb. 

Der von Squibb angegebene Apparat zur 
annähernden. Beatimmang des 
H a r n s t o f f a wird von Paba aeiner leichten 
Herstellung wegen empfohlen. Die Zeiaetz- 
nng dea Harnstoffs bewirkt Pabsl vermittelst 
nnterbromigBaoren Natrons nach Kjtops An- 
gabe (10,0 Aetznatron werden in 2.'>0 ccm 
Waaser gtUost und der abgekühlten Lösung 
unter Vermeidung jeglicher Erwärmung 
25 ccm Brom zugefügt). 

Zur Erläuterung des Apparates dienen 
folgende Angaben. 

Die Flasche A enthält eine genügende 
Hange der Bromlange , das kleine Oläacfaen 
darin eine gemeaaene Menge (ca.4ccm} Harn. 
Die Flasche B ist aur Bälfts mit Wasser ge- 
füllt und es iat darauf zu achten, da*a das 
Abflaaarohr F bis zur Spitze S mit Waaser 
gefüllt ist; ein Quetaehbahn am Gummi- 
sohlanch Q verhindert das Zufliesscn des 
Waaaers. Nachdem die Flasche A mit Brom- 
lauge und durch voraichtiges Einsetzen mit- 
telst einer Pincette mit dem den Kam ent- 
haltenden Böhrchen beschickt ist, wird durch 
die beiden Stöpsel und Böbreoansätze ver- 
mittelst eines Gummiachlauchea die Ver- 
bindung von A und B hergestellt. Der 
Quetschhahn wird von G entfernt, worauf so 
viel Wasser ans 3 abfliessen wird, bis der 
durch Aufsetzen dea Stopfens erzeugte 
grössere Druck sich mit dem atmosphärischen 
Druck aoageglicfaen hat. Hierauf wird der 
bis zu einet bestimmten Harke mit Wasser 
gefüllte Uasssojlinder H unter die Spitae 
S gesetzt, jedoch mit der Vorsiebt, dass die- 
selbe in das Waaser eintaucht. Dnrcb 
Schwenken der Flaacba A wird nunmehr das 



116 



Zusammenflieuen tod Harn und Bromlauge 
bewirkt. Der entwickelte Stickstoff treibt 
die entsprechende Menge Wasser aus der 
Flasche B in den Maasseylinder M. Hierauf 
wird gewartet, bis der Inhalt der Flasche A 
sich wieder auf die herrschende Temperatur 
abgekühlt*) hat, wobei eine entsprechende 
Menge Wasser wieder nach B Euröckgesogen 
wird. 

Es ist also deshalb wichtig, dass die Spitze 
8 in das Wasser eintaucht, da sonst Luft 
nach B gesogen würde. Ist der Temperatur- 
ausgleich erfolgt, was daran zu erkennen ist, 
dass das Niveau des Wassers in M constant 
bleibt, so wird das Gkfäss M entfernt, und 
der jetzige Stand der Flüssigkeit abgelesen. 
Das Volumen des aus B ausgeflossenen Was- 
sers entspricht direct dem entwickelten Stick- 
stoff (1 ccm Stickstoff bei 760 mm und Qo s=: 
0,0027 g Harnstoff). 

Die Fehler, welche dieser Methode an 
sich anhaften (Absorption yon Stickstoff 
durch die Lauge, störender Einfluss von 
Zucker, Acetessigester , Vermehrung der 
Stickstoffmenge durch Gegenwart von Krea- 
tinin, Harnsäure, Ammonsalzen), sind natür- 
lich auch bei Squibb'B Apparat zu verzeich- 
nen. 8. 

Pharm. Zeitung 1887, 29. 

*) Die Temperaturerhöhung betrftgt bei der 
Beaction von 4 ccm einer Sprocentlgen Ham- 
stofflOsung 6<>CelB. 



StrychnoL 

Mit diesem Namen bezeichnen Loebisch 
und Schoop das Strychninhydrat; sie gewinnen 
dasselbe durch Kochen von Strjchnin mit 
Natrium hydrozyd in absolutem Alkohol. Beim 
Abdampfen bleibt ein braunes Gel zurück, 
welches nach einiger Zeit erstarrt. Löst man 
es in Wasser und leitet einen Strom Kohlen- 
säure hindurch, so bekommt man dasStrych- 
nol als gelblichen Niederschlag, welcher weiter 
gereinigt werden kann. Zu bemerken ist, dass 
dieser Körper die Strychninreaction mit 
Kaliumchromat und Schwefelsäure nicht 
giebt, dagegen eine intensiv carminrothe 
Färbung mit Schwefelsäure und Salpetersäure. 
Durch Kochen mit verdünnten Säuren wird 
das Strychnol in Stiychnin und Wasser zer- 
setzt. Als Formel istCaiHaaNaO + 2H2O an- 
gegeben. —OS — 

Monatshefte f, Chemie. 



Ein neaes ConiferinreageiiB. 

Zum Nachweise des Coniferins im Gewebe 
der Pflanze bediente man sich bisher aus- 
schliesslich des Phenols bei gleichzeitigem 
Zusatz Ton concentrirter Salzsäure. Werden 
coniferinhaltige Pflanzenschnitte (z. B. Fich- 
tenholzschnitte) mit den beiden genannten 
Stoffen befeuchtet, so förbt sich das Gewebe 
namentlich im directen Sonnenlichte alsbald 
blaugrün oder himmelblau. 

Molisch hat im Thymol ein viel besseres 
und schärferes Mittel gefunden, um Coniferin 
nachzuweisen; er verfährt auf folgende Weise : 

Eine 20 proc. Thymoliösung in absolutem 
Alkohol wird so lange mit Wasser verdünnt, 
als die Flüssigkeit, vollkommen klar bleibt, 
das heisst kein Thymol herausfallt. Hierauf 
setzt man festes Kaliumchlorat im Ueberschuss 
hinzu, lässt mehrere Stunden stehen und fil- 
trirt. Das chlorsaure Kali hat (wahrscheinlich 
in Folge seines grossen Ozydationsvermögens) 
die Eigenschaft, die l^action in hohem Grade 
zu verstärken, ist jedoch für das Gelingen der 
Beaction nicht unbedingt nöthig. Reines 
Coniferin, mit einem Tropfen alkoholischer 
Thymoliösung und zwei Tropfen concentrirter 
Salzsäure zusammengebracht, f&rbt sich im 
directen Sonnenlichte beim Verdampfen der 
Flüssigkeit wunderschön blau. Dieselbe Re* 
action tritt ein, nur viel rascher und schöner, 
wenn man sich nicht der einfachen Thymoliös- 
ung, sondern des oben angegebenen Gemisches 
von Thymol und Kaliumchlorat bedient. 

Wird mit diesem Gemenge Holzstoffpapier 
oder irgend ein Holzquerschnitt ein wenig 
befeuchtet und sodann ein Tröpfchen concen- 
trirter Salzsäure hinzugesetzt, so färben sich 
die genannten Objecto selbst in tiefster Finster - 
niss schon nach ganz kurzer Zeit schön blau. 
Nach der herrschenden Ansicht bt Coniferin 
ein constanter Begleiter der sogenannten Holz- 
substanz und es ist daher im höchsten Grade 
wahrscheinlich, dass die mit Thymol und Salz- 
säure hervorgerufene Blaufärbung verholzter 
Zellwände von dem in den letzteren steckenden 
Coniferin herrührt. Da nur verholzte ZelU 
wände Coniferin enthalten und nur diese mit 
dem neuen Reagens Blaufärbung geben, so 
kann Thymol auch als Holzstoffireagens be- 
trachtet und als solches bei mikrochemischen 
Untersuchungen von Pflanzenschnitten, Pa- 
pieren etc. mit grossem Nutzen verwendet 
werden. g, 

Oesterr, ZeiU f. Tha^nm. 



117 



ITotiz fiber die Terbrennnngs- 
prodncte von Salpeterpapier« 

Ton K N, Ijubavin. 
GIfmmendes salpetergetränktet Papier 
wird seit lange als Mittel gegen Astbma ver- 
wendet. Be6 glanbt, die Wirkung renchie- 
d^nttr RSucheningsmittel der Anwesenheit 
▼on Pjnridin Im Bauche zuschreiben zn müssen, 
was den Ver^ser y^ranlasste, im Bauche des 
Salpeterpapiers nach Pyridin zu fahnden, doch 
gelang ihm nicht, solches zn constatiren. 
Zwar enthält der Bauch neben Ammoniak, 
Ton welchem gegen 1 pCt. des Salpeterpapiers 
erhalten wiirde, theerartigen Producten und 
einem Kalisalze (wahrscheinlich KsCOa) auch 
Spuren einer organischen Base, doch sind 
diese zn gering, als dass sie die heilsame 
Wirkung erklären könnten. 

Durch Chem. Centr.-Bl 1887, Nr. & 

-. 

Directe Trexmnng des Mangans 

von EfiBen. 

X. Blum benutzt zur directen Trennung 
des Mailgans von Eisen die Thatsache, dass 
'Ferrocjankalium in einer mit Weinsäure ver- 
setzten ammonfakalfschen Lösung eines Eisen- 
ozjdsalzes keinen Niederschlag hervorbringt, 
dass dagegen Mangan als Manganferrocyanür 
gefällt wird. Main verfährt in folgender Weise. 
Eine 'salzsaure Losung, welche Eiseuchlorid 
und tfanganchlortir enthält, versetzt man mit 
soviel Weinstefnsäure, dass auf Zusatz von 
Ammoniak bis 'zur stark alkalischen Beaction 
kein Nieders^hfag entsteht. Die "kläre, Am- 
moniak ibk V^titmhxiBB entbaltende Lösung i 
wird nun mitFerrocyankalium gefallt, wodurch - 
alles Mangan als Ferrocyannr abgeschieden 
wird. Nickel, Kobalt und Zink fallen e\>en- 
falls. 

Für die quantitative Trennung hat sich die 
Methode bis jetzt nicht bewährt, dagegen hält 
'Blum #ie fQr cfie qualitative Prüfung geeignet, 
wenn kleine Mengen Maugsln neben grossen 
Mengen Eisen vorhanden sind. 

Zeitsit^r. f. analyt, Ch, 188G, 519. 



Zoin Jodoforinnächweis. 

Poncet hat die Beobachtung gem'acht, dase 
beiia Zusamnienkommen von Jod oform mit 
metaäischem Silber, z. 3. einer Münze, sich 
ein anangenehmer Knoblauchgeruch bemerk- 
bar maeht; ebenso schmecken den mit Jodo- 
form behandelten Personen die Speisen von 



silbernen Löffeln nach Knoblauch. Er em- 
pfiehlt deshalb, um sich zu überzeugen, ob 
die Patienten unter der Einwirkung des Jodo- 
forms stehen , eine Silbermünze mit dem 
Speichel derselben zu befeuchten tind mit 
einem Stück Leinwand zu reiben. Zeigt sich 
hierbei der charakteristische Geruch, so ist 
dieses ein Beweis von der Absorption des 
Jodoforms. s. 

ArchiveB de Pharmacie 1886, 454. 



Bä^bariBme^ 
in der botanischen Nomenclatnr. 

Von Prof. Dr. SteiU. 

Man hat endlich einmal einen An&ng ge- 
macht, die botanische Nomenclatur, die, wie 
überhaupt die naturwissenschaftliche, „von 
den abscheulichsten Schnitzern wimm'elf^, 
etwas zu säubern. Aber man hat zum Theil 
das Allerärgste stehen lassen, zum Theil auch 
falsch verbessert. 

Vor Allem Galium Cruciäta, Selinum Calrvi- 
fblia ! Solche Dinge hätten denn doc^ nicht 
vorkommen dürfen ! Beide Pflanzen trugen 
ursprünglich andere Gattungsnamen : Väläntia 
cruciäta, Angel icacarvifolia. Diejeiiigeh müs- 
sen crasse Ignoranten gewesen sein, die nicht 
wussten, dass mit dem Hauptwort sich die 
Geschlechtsendung des Eigen seh aftswoites zu 
ändern hatte. Man scheint cruciäta und carvi- 
folia für Hauptwörter gehalten zu haben und 
schrieb sie nach bekannter Sitte der N(/men- 
clatar mitgrossen AnfkDgfA)nchstaben. (Neben- 
bei bemerkt bedeutet cimciätnm auch Viicht 
kreuzfortoig, ist Überhai^t kein 'Atfjectiv, son- 
dern ein Particip; doch dies hat weniger zu 
sagen.) 

Nach diesem ist der ärgste Barbarismus der 
so häufig in Pflanzenuamen vorkommende Ge- 
brauch des ae als Bindcvocal, wo der erste 
Theil eines zusammengesetzten Artnamens ein 
Substantiv der ersten Declination auf a ist. 
Wer nur ein wenig Latein verstände, tbüsste 
doch über musaefolia u. dergl. erschrecken. 
DaiB Lateinische kennt, mit verschwindenden 
Ausnahmen, die für naturwissenschaftliche 
Namen nicht in Betr&cht kommen, 'keinen an- 
deren Bindevöcal als i. Also hastifolia, brizi- 
formis, auch aquilisgiifolia — das i des ersten 
Theiles macht dem Bindevöcal keine Schwie- 
rigkeit. In manchen Nkmeh hatte maln richtig 
gebildet, aber ohne wirkliche Kenntniss. 

Nicht so arg sind die Fehler am Ende man- 



118 



eher Artnamen. Trinervis muss es beissen, 
nicht Arinervia; distaehys, nicht distacbja. 

Schwer ist allein die Behandlung von ödes 
und oides. Beide Endungen bedeuten im 
Griechischen das Gleiche, wie sich bei einem 
anzuführenden Beispiel zeigen wird. Von 
ildog Gestalt abgeleitet ist ihr Sinn : gestaltig, 
ähnlich, artig. Die Regel ist diese: Griechische 
und nach deren Analogie auch lateinische Sub- 
stantive der ersten und zweiten Declination 
erhalten die Endung oeiöi^^, oides. Also ist 
richtig brizoides von briza, ranuncoloides von 
rannnculus und falsch brizodes. Substantive 
der dritten Declination haben derBegel nach 
die Ableitungsendung <iö(g : (Jtv^ mjodes. Nun 
giebt es aber einige Ausnahmen ; t^gk, Haar 
bildet sowohl i^ixtadr^g als tqixoiiSi}^. Also ist 
Potamogeton trichoides nicht falsch, trichodes 
aber besser. Die Bedeutung beider Formen 
ist die gleiche: haarähnlich, haarformig, haar- 
artig, doch geht t^i/c^jjc mehr in die Bedeut- 
ung haarig über. Und auf der. anderen Seite 
bildet Tioa Gras nur noddri^f poodes, nicht wie 
es sollte pooides. Aber poaeoides ist entsetz- 
lich. Und eine Endung ideus giebt es nicht. 

Diese Unterscheidung zweier griechischen 
Endungen ist die einzige schwierige. Von 
lateinischen Endungen hat die der Adjective 
dreier Endungen in der dritten Declination 
auf er, is, e grössere Aufmerksamkeit gefun- 
den, als jene argen Fehler. Banunculus aeris 
ist durchaus falsch (archaistisches Latein 
kommt nicht in Betracht), aber Anthriscus 
silvestris war ganz gut und Sonchns palustris 
sogar besser als Sonchus paluster. Weitere 
Masculin-Eigenschaftswörter dieser Classe als 



die angeführten werden für Pflanzeanamen 
schwerlich gebraucht worden sein. Bei ein- 
zelnen Wörtern ist auch gefehlt worden. Atri- 
plex ist kein lateinisches Wort, obgleich es 
eine häufig vorkommende lateinische Endung 
hat, sondern ein barbarisches, also Neutrum, 
und es ist richtig Atriplex roseum. nicht rosea. 
Senecio sollte nach einer bekannten Regel 
Femininum sein, doch es gehört unter die 
Ausnahmen und dieses Wort ist wirklich im- 
mer mit masculinischen Adjectiven versehen 
worden : Senecio viscosus. Bei einigen Namen 
von Gattungen, die eigentlich mythologische 
Personen bezeichnen, ist das diesen zukom- 
mende Geschlecht auch für den Pflanzennamen 
vorzuziehen : Adonis flammeus, Paris quadri- 
folius, wie jetzt auch meist geschrieben wird. 
Damit wird erschöpft sein, was sich an bo- 
tanischen Namen leicht bessern lässt and zum 
Theil gebessert werden muss. Tiefer einzu- 
schneiden ist nicht rathsam. Nemophila, zu- 
sammengesetzt aus einem lateinischen und 
einem griechischen Wort, müsste heissen Ne- 
moriphila, wie nemorivagus. Und Galanthus 
wäre richtig gebildet Galactanthos ; griechische 
Neutra auf os können diese Endung im La- 
teinischen nicht in us verwandeln, wie die 
sogar in unsere Sprache vorgedrungenen 
Wörter Epos, Ethos, Pathos zeigen. An sol- 
chen Namen ist nichts zu ändern. Und eine 
ganz gute Neuerung ist die Zusammensetzung 
der verneinenden griechischen Vorsilbe a (» 
privativum) mit lateinischen Wörtern, wie 
acaulis, wo eigentlich das lateinische gleich- 
bedeutende in zu gebrauchen wäre. 

Durch Süddeutscke ApoHh^-Z. 



Offene Correspondens. 



Apoih. H. in IL Lesen Sie über die Prüfung 
des Pepsins in Nr. 1 u. 2 von 1885 unsres Blattes 
nach. Sie finden dort die Methode der Pharma- 
kopoe besprochen: auch die Anforderung des 
Lösens in 6 Stunden auf Seite 17 speciell er- 
wähnt. 

Äpoth. M* in L. Die gleiche Frage scheint 
an die ,,Indn8trie- Blätter fferichtet worden zu 
sein; nach denselben bestehen die bei Parade- 
stflcken der Kochkunst verwendeten Fettsockel 
aus einer Mischung von 1000 Th. Schweinefett, 
500 Th. Wachs, 250 Th. Stearin, 260 Th. Pa- 
raffin und 250 Th. Walrat 

Dr. M. in L. „Fette Verbindonfi;'' ist freilich 
ein ganz schauderhafter Ausdruck, man wird 
sich aber trotzdem an denselben gewöhnen 



mflssen, da er bereits das akademische Bürger- 
recht erworben zu haben scheint. Im Yor- 
lesunffskatalog einer süddeutschen Universität 
kündigt der Professor ord. fQr den Sommer 1887 
ein fOnfstündiges CoUeg über „Chemie der fetten 
Verbindungen" an. 

Ein Ah(mnent in RussUmd. Zur Herstellung 
von Gipsbinden finden Sie in Nr. 7, Seite 83 ds. 
Jahrg. eine Yorschrift. 

Anfrage. Es wird um Yorschrift einer 
guten ButterÜArbe, welche dieselbe Farbkraft 
wie die der dänischen besitzt, gebeten. Die 
Yorschrift fQr Butt6rfart)e im Dieterich'schen 
Manual von 1886 f&tbt nicht stark genug, auch 
sind die Ingredienzien zu theuer. 



Im V«rUg» 4m HMMUMiMr. y«nMitwoifU«b«r mtdaemor Dr. I. CMsSltr ia Diwiaa. 
Im BttdüMAdci dttrch Jnlivt Bpriag er, BotUb K, MoaMlottvlati a 
Drask Ut XSBifL HofbiMadniokcrtl von a a ICeiAkoU * BShso Ia DiM4«a 



Pharmaceuiische Centralhalle 

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der Pharmacie. 

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Dr. Hemaaii Hagar und Dr. Ewald Oeissler. 



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Anfragen, AnftrSge, Mannscripte etc. wolle man an den Redacteur Prof. Dr. E. Geissler, 

Dresden, Pilin itzer Strasse 56 adressiren. 

Nene Folge 
Till. Jahrgang. 



MIO. 



Berlin, den 10. März 1887, 



Der ganzen Folge XXVIII. Jahrgang. 



iBhftlt; CkMila ■■€ PhftimMle: Ifitlbeilnngen an» dem pbarmaceotUcben Laboratorinm der technischen Hoch- 
lefaale in Bnranachweir: 33. Zar qnantttAUven BMUminnBr des Stryohnlns and Brncln». ~ VorUnflge Mltthell- 
vBgeii aber die wirksamen Bettandtbelle der Alantwortel. — Sublimat- KocbsalapastiUen. — Daratellnng von 
Brftmatlijl. — S«r Pfüfavg von Tlnctarea. — lieber Natrinm bicarbonioam. — Notia an Alamen oradum. — Znr 
m a ee ea n alytiechen Beetlmmnng der Schwefelftttnre in Wftaaern. — Bequeme Metbode cur Entwicklung Ton Chlor- 
gaa ana Chlorkalk unter Anwendung dee Kipp*sohen Apparate«. — Naohweia von Salpetersäure. — Zur Butter- 

prttfaag. — Oolumbln. — AaielfMi» 



Chemie und Pharmacie 



Kittheflangen ana dem pharma- 

ceutiaehen Laboratorium der 
teohniaehen Hochaehule in Brann- 

achweig. 

Von H. Beckurts, 

33. Zar qnaatltatlYen Bestimmuag 
des StryelmiBS und Braeins. 

Von G. HoUt nnd K BecburU. 

Die Einzelbestimmung des Strychnins 
nnd Brncins in Gemischen beider 
Baeen ist mit völlig befriedigendem Er- 
folg bislang nicht aos^efbhrt worden. 
Dragendarff hat in seiner chemischen 
Werthbestimmang stark wirkender Dro- 
gen ete. (Petersburg, 1874) p. 65, ver- 
schiedene Methoden aaf ihre Brauchbar- 
keit nntersuchli. Eine Methode, welche 
auf der sofortigen und vollständigen Aus- 
fällbarkeit des Strychnins aus seinen 
Sabdösnngen durch Ammoniak und der 
erst allm&lig uu(d unvollst&ndig stattfin- 
denden Ausscheidung des Brucins unter 
denselben Bedingungen beruht, hat wenig 
befiriedigenda Resultate geliefert. Die 
gröfieere Löslichkeit des Brucins in Ben- 



zin und die Thatsache, dass es mit die- 
sem übersättigte Lösungen giebt, ist auch 
zur Trennung vom Btrychnin und Brucin 
benutzt worden. Dragendorff kann das 
Verfahren aber nicht als ein ezactes be- 
zeichnen. Die von Wittstein^) befftr- 
wortete Trennung des Strychnins und 
Brucins auf Grundlage der u^leichen 
Löslichkeit ihrer Oxalate in Weingeist 
eignet sich nach Dragendorff nicht f&r 
analytische Zwecke. Dagegen kann man 
mit absolutem Alkohol, welcher Strych- 
nin nicht, Brucin leicht löst, eine Trenn- 
ung nach Dragendorff ausführen, wenn 
man beide Alkaloide durch Ammoniak 
geftllt hat, dann nach längerem Stehen, 
nachdem der Ammoniakttberschuss gröss- 
tentheils abgedunstet worden, filtrir^ und 
den getrockneten Niederschlag mit abso- 
lutem Alkohol behandelt. Das im Fil- 
trate vom Ammoniakniederschlage etwa 
zurückgebliebene Brucin wird durch Ben- 
zin oder Chloroform ausgeschüttelt. Aus 
einer Mischung von 0,8 g Strychnin und 
0,8 g Brucin wurden in dieser Weise 



1) Yiertelj. f. prskji. Pharm. B. YIU, p. 409. 



120 



0,271 g Strychnin (90,3 pCt.) und 0,293 g 
Bmein (97,6 pGt.) wiedererhalten. Ein 
anderes YonDra^r^dor/f angegebenes Ver- 
fahren ist ein indirectes, indem ans der 
Menge des zur Fällung verbrauchten Ea- 
liumqnecksilberjodids und aus dem Ge- 
samrotgewicht der Alkaloide sowohl 
Strychnin und Brucin berechnet werden. 
Auch 0. Schtoeissinger ^) giebt ein solches 
indirectesYerfahren an, nach welchem man 
die Summe der getrockneten Alkaloide 
wägt und darauf mit Vioo N.- Salzsäure 
titrirt. Eine directe Bestimmungsmethode 
haben Dunstan und Short ^) auf das Ver- 
halten der Ferrocyanate gegründet. 
Strychninsulfat wird in verdünnter wäs- 
seriger Lösung durch Ferrocyankalium 
vollständig gef&Ut, nicht aber Brucin- 
Sulfat. Eine unter 0,2 g betragende Menge 
der gemischten Alkaloide wird in 10 ccm 
5 procentiger verdünnter Schwefelsäure 
gelöst, die Lösung mit Wasser auf 175 ccm 
verdünnt und dann mit 5 procentiger 
Ferrocyankaliumlösung das Volumen auf 
200 ccm ergänzt. Nach mehrmaligem Um- 
schütteln und sechsstündigem Stehenlassen 
wird der entstandene Niederschlag auf 
einem Filter gesammelt und mit ViP^o- 
centiffer Schwefelsäure gewaschen, bis das 
Waschwasser nicht mehr bitter schmeckt, 
worauf der Niederschlag auf dem Filter 
mit concentrirtem Anunoniak zersetzt und 
das Filter noch mit Ammoniak, schliess- 
lich mit Chloroform gewaschen wird. 
Durch Ausschütteln mit Chloroform wird 
den vereinten ammoniakalischen Flüssig- 
keiten das Strychnin entzogen und hin- 
terbleibt wasserfrei bei der Verdunstung 
des Chloroforms, es kann direct gewogen 
werden. Das Waschwasser von dem 
durch Ferrocyankalium erzeugten Nieder- 
schlage wird mit Ammoniak übersättigt 
und mit Chloroform ausgezogen, bei des- 
sen Verdunstung das Brucin erhalten wird. 
Nach Dunstan und Short beträgt der 
Fehler im Durchschnitt nicht über 0,006 g 
(auf wie viel ? Ä), während 0. Schweis- 
Singer ^)^ welcher die Methode kürzlich 
einer eingehenden Prüfung unterwarf, 
befriedigende Sesultate mit dem Ver- 

•) Arch. Phann. 1885, p. 620. 
•) Pharm. Joum. and Transact. III, Nr. 694, 
p. 290. 

«) Arch. Pharm. 1886» p. 609. 



fahren nicht erhielt. Die Besultate fallen 
nach ihm fQr das Strychnin stets zu 
hoch, für das Brucin stets zu niedrig 
aus, und sind ausserordentlich abhängig 
von der Concentration der Flüssigkeit 
und der Fällungsdauer. Solches hat sei- 
nen Grund darin, dass das Brucinferro- 
cyanat aus sauren Flüssigkeiten sich auch 
abscheidet und zwar bald nach der Aus- 
scheidung des Ferrocyanstrychnins und 
um so mehr, je concentrirter die Lösung 
und je längere Zeit mit dem Abfiltriren 
des Ferrocyanstrychnins gewartet wird, 
und dass das sicn bildende saure Ferro- 
cyanstrychnin ein der Veränderung aus- 
gesetzter Körper ist. 

Wir haben die exacten Versuche 
Schweissinger'& nicht wiederholt, bei 
dem Studium der Ferrocyanate des 
Strychnins und Brucins aber Gelegenheit 
gehabt, manche Beobachtungen dieses 
Forschers zu bestätigen. Gleicher Zeit 
wurde aber auch gefunden, dass Ferro- 
cyankalium dennoch zur Bestimmung des 
Strychnins neben Brucin brauchbar ist. 
Die von uns ausgearbeitete Methode ist 
eine volumetrische und zeichnet sich 
neben grosser Genauigkeit dadurch vor 
derjenigen von Dunstan und Short aus. 

Versetzt man eine stark salzsaure, nicht 
zu verdünnte (etwa 0,5- bis Iprocentige) 
Lösung beider Alkaloide so lange mit 
einer Lösung von Ferrocyankalium, bis 
eine filtrirte Probe der Flüssigkeit auf 
mit verdünntem Eisenchlorid getränktes 
Papier gebracht, Blaufärbung hervormfl, 
so ist das gesanmite Strychnin als saares 
Ferrocyanstrychnin 

(C21H22N2O2 . H^FeONe) 

abgeschieden, wüirend das Brucin sich 
ebenfalls vollständig in Lösung befindet 
Das unter diesen Bedingungen gef&llte 
Strychninferrocyanat ist vöUig frei von 
Brucin. Es wnrde mit Ammoniak zerlegt, 
das Ammoniak ward verdunstet und das 
Alkaloid abfiltrirt, ausgewaschen und ge- 
trocknet Es löste sicn in concentrirter 
Salpetersäure völlig farblos auf, war also 
frei von Brucin. Auch die aus dem Fil- 
trat vom Ammoniakniederschlage mit 
Chloroform ausgezogene Base erwies sich 
von Brucin frei, wäirend das aus einer 
sauren Lösung der Strychnosalkaloide mit 



121 



überschQssigem Ferrocyankaliam gefällte 
saure Ferrocyanstryehnin stets Brucin 
enthält. 

Hat man eine Lösung von bekanntem 
Gehalt an Ferrocjankalium, so kann aus 
dem verbrauchten Volumen derselben die 
Menge des yorhandenen Strychnins be- 
stimmt werden. 

Naeh der Formel: 

Cj,H«|NaOi+4HCl+(K4FeCNe+3 H^O) 

= CiiHMNaO^H^FeCNß + 4KC1 + 3 HgO 

vermögen 244 Gewichtstheile Ferrocyan- 
kalimn 334 Gewichtstheile Strychnin als 
saures Ferrocyanstryehnin zu fällen. 

Nothwendig ist, dass die Lösung der 
Alkaloide ziemlich concentrirt, etwa 0,5 bis 
Iprocentig ist, weil sonst die Einwirkung 
des Ferrocyankaliums auf das Strychnin 
zu träge ist und die Ausscheidung des 
Stryehninferrocyanats nicht sofort erfolgt, 
wenn auch verdünntere Lösungen des 
Strychnins noch vollständig durch das 
Ferrocyankalium zersetzt werden. Das 
zu verwendende mit Eisenchlorid ge- 
tränkte Papier darf nicht völlig getrock- 
net werden, weil es sonst leicht zu hart 
wird und das Eindringen der Flüssigkeit 
ersehwert. Da Ferrocyanstryehnin, frisch 
gef&IIt, mit Eisenchlorid getränktes Pa- 
pier bläut, so legt man auf dieses ein 
gleich grosses Stück Filtrirpapier und 
bringt aarauf mittelst eines Glasstabes 
die zu prüfende Flüssigkeit. Da ferner 
die Empfindlichkeit der zwischen Eisen- 
chlorid und Ferrocyankalium stattfinden- 
den Beaction begrenzt ist, so wird sich 
ein Uebersehuss an Ferrocyankalium 
durch Blänunff des Eisenehloridpapiers 
nur dann nachweisen lassen, wenn die 
Verdünnung, welche dasselbe in der zu 
titrirenden Flüssigkeit erfährt, nicht 
ausserhalb der Grenzen der Empfindlich- 
keit jener Beaction liefft. Bei Benutzung 
kleiner Mengen Flüssigkeit wird sieh bei- 
spielsweise schon ein Mehrverbrauch von 
V] ^^^ Ferrocyankaliumlösung (10: 1000) 
leieht zu erkennen geben, während in 
verdfinnteren Lösungen ein gewisser 
Uebersehuss derselben erforderlich ist, 
dessen Grösse dadurch leicht erkannt 
wird, dass man zu einem der zu titriren- 
den Flüssigkeit gleichen Volumen salz- 
sänrehaltigem Wasser soviel der volu- 



metrisehen Ealiumferrocyanatlösung hin- 
zufügt, bis ein Tropfen der Mischung 
Fernchloridpapier blau färbt. Die hier- 
zu verbrauchte Menge der Ealiumferro- 
cyanatlösung ist von der zur Ausfällung 
des Strychnins erforderlichen abzuziehen. 

Bestimmung des Strychnins in 

einem Gemenge von Brucin 

und Strychnin. 

1. Ein Gemisch von 0,145 g Strychnin 
und 0,036g Brucin wurde in salzsäure- 
haltigem Wasser gelöst und zu der Lös- 
ung eine volumetrische Ealiumferro- 
cyanatlösung (1 ccm = 0,005184 E4Fe- 
CNe + 3 HaO) gefügt, bis ein Tropfen 
der Mischung unter den angegebenen 
Bedingungen mit Eisenchlorid durch- 
tränktes Papier bläute. 

Es wurden verbraucht 36,1 ccm Ea- 
liumferrocyanatlösung = 0,1871424 E4- 
FeCN« + 3 HaO, welche 0,148 g Strych- 
nin als saures Ferrocyanat ausfällen. 

334.0,1871424 ...^ 

422 -^ ^'^*^ 

Angewandte Menge. Gefundene Menge. 

0,146 0,148 

oder berechnet auf 100: 
' 100 102. 

2. Ein Gemisch von 0,0208 g Strych^ 
nin und 0,0052 g Brucin vnirde in der 
gleichen Weise untersucht. Verbraucht 
wurden 5,1 ccm Ealiumferrocyanat, welche 

0,026438 E4FeCN6 + 3 H^O = 0,02095 

Strychnin entsprechen. 

Angewandte Menge. Gefundene Menge. 

0,0208 0,02095 

oder berechnet auf 100: 
100 100,7. 

Bestimmung von Strychnin und 
Brucin nebeneinander. 

Soll in einem Gemische der Strychnos- 
alkaloide, wie solches aus den Brech- 
nüssen, -aus der Tinctur. Strychn. oder 
aus dem Extract Strychni isolirt worden 
ist, der Gehalt an Strychnin und Brucin 
bestimmt werden, so muss zunächst die 
Quantität desselben auf gewichts- oder 
besser maassanalytischem Wege ermittelt 
werden. Die maassanalytische Bestimm- 
ung geschieht nach Schweissinger mittelst 



122 



Vioo N. - Salzsäure. Man ermittelt die 
Menge derselben, welche znr Sättigung 
der alkoholischen Lösung der Alkaloide 
erforderlich ist Als Indicator dient Goche- 
nillelösung. Weit zweckmässiger — aus 
Gründen, welche in einer demnächst 
folgenden Arbeit über die „Werthbe- 
stimmung der Strychnospräparate'' 
erläutert werden sollen — lOst man das 
Gemisch der Alkaloide in einem gemes- 
senen überschüssigen Volumen Vioo ^' 
Salzsäure und titrirt den Ueberschuss der 
letzteren mit Vioo N.-Natronlauge zurück. 

Ein Gemisch von 0,1 g Strychnin und 
0,05 g Brucin wurde in 50 ccm Vioo N^-" 
Sieilzsäure gelöst und unter Anwendung 
von Cochenille als Indicator mit Vioo ^<' 
Natronlauge neutralisirt 

In drei Versuchen wurden 9,1, 9,05, 
9,05, im Durchschnitt 9,05 ccm Vioo N-" 
Natron verbraucht. Zur Sättigung der 
Alkaloide waren mithin 50 — 9,05 = 40,95 
Vioo N.- Salzsäure erforderlich gewesen. 
I)ie bei diesen Versuchen erhaltenen neu- 
tralen Flüssigkeiten wurden mit Salzsäure 
stark angesäuert, auf je 10 ecm eingedampft 
und in diesen mit Ferrocjankaliumlösung 
(1 ccm s= 0,0039746 g Strychnin) das 
Strychnin bestimmt. Es wurden ver- 
braucht 25,4, 25,6, 25,9, im Mittel 25,6 
ccm Ealiumferrocyanatlösung , welche 
0,10175 Strychnin entsprechen. 

Da nun 1 ccm Vioo N.- Salzsäure = 
0,00834 Strychnin ist, so werden 0,10175 g 
Stiychnin 30,46 ccm Vioo N-- Säure be- 
anspruchen. Werden diese von dem f&r 
das Alkaloidgemisch zur Sättigung er- 
forderlichen l0,95 ccm Viop N.-Salzsäure 
abgezogen, so bleiben 10,49 Vioo N.-Salz- 
säure übrig, welche das Brucin zur Sät- 
tigung bedurft hat. Da 1 ccm Vioo ^•* 
Salzsäure « 0,00466 Brucin, so entspre- 
chen 10,49 ccm 0,04915 Brucin. 

Angewandte Mengen. Gefundene Mengen. 

Strychnin 0,1 0,1017 

Brucin 0,06 0,04916 

oder auf 100 berechnet : 

101,7 
98;B. 

Diese Methode, welche auf der quan- 
titativen Ausf&Uung des Strychnins als 
saures Ferrocyanat durch ein bekanntes 
Volumen Ferrocyankalium in saurer was- 



S'^"|>«> 



seriger Lösung und der Nichtf&llung des 
Brucins unter denselben Bedingungen 
beruht, hat uns in zahlreichen Fällen, 
von welchen einige Beispiele angeführt 
sind, Resultate ergeben, welche für den 
in Betracht kommenden Zweck wohl ge- 
nügen dürften. Es wurden in Gemengen 
von Strychnin und Brucin der Gehalt an 
Strychnin statt 

zu 100 zu 102 101,7 100,7 
gefunden, während Sehtoeissinger riAch 
dem Verfahren von Dunstan und Short 
statt je 100 Th. des vorhandenen Strych- 
nins resp. 109, 111,3, 120,4, 128,7 fand, 
je nach dem zwischen Strychnin und 
Brucin obwaltenden Mengenverhältnisse. 
Die Wirksamkeit der aus den Brech- 
nüssen bereiteten Präparate hängt nicht 
allein von der Gesammtmenge der Alka- 
loide ab, sondern auch von dem Verhält- 
niss, in welchem die beiden Basen in 
diesen Arzneistoffen vorkommen. Wäh- 
rend nämlich in der Art der physiologi- 
schen Wirkung kein bedeutender Unter- 
schied zwischen Strychnin und Brucin 
besteht, weichen diese Stoffe im Grade 
der Giftigkeit von einander ab. Wir 
sind mit Untersuchungen beschäftigt» den 
Gehalt an Strychnin und Brucin in Nox 
vomica etc. und den aus diesen bereiteten 
Präparaten festzustellen und werden über 
diese Untersuchungen, welche einen wei- 
teren Beleg für unsere Methode zu er- 
bringen im Stande sind, in Bälde be- 
richten. 

Brannschweig, im Februar 1887. 

Vorl&nflge Mittheilnngen Aber 
die wirksamen Bestandtheile der 

AlantwurzeL 

Das Bhizom der Inula Helenium war 
schon in der alten Welt ein ffeschätztes 
Heilmittel fUr Menschen und Tniere, und 
hat sich bis auf unsere Zeit als Haas- 
mittel erhalten. Die fein gepulverte Alant- 
wurzel mit Honig gemiscnt wird in vielen 
Gegenden gegen Erkältungen mit Erfolg 
angewandt 

vor drca 4 bis 6 Jahren fand nun 
Karab in dem „Helenin" ein Mittel, welches 
einen antivitalen Einfluss auf Tuberkel- 
bacillen ausübte. Nach den Yeranohen 
mit Meerschweinchen schien es sicher 



123 



dass diesen Thieren eingeimpfte Tuber- 
kelbaeillen bei gleichzeitiger Anwendung 
Ton Helenin nieht zur EntWickelung kamen. 
Seit circa zwei Jahren habe ich mich 
mit den Bestandtheilen der Alantwnrzel 
beschäftigt und kann hier bestätigen, dass 
diverse Bestandtheile dieser Wurzel aJs 
beste Antiseptica auf Tuberkelbacillen 
wirken. Nach meinen Versuchen sind 
es namentlich die Alanlsäure und das 
Alantol , welche solche antiseptisehen 
Eigenschaften in höherem Maasse als 
Heienin besitzen. 

Die Alantsäure C15H22O3 krystallisirt 
aus Alkohol in weissen Krystallen, schmilzt 
bei 91<>, sublimirt und verwandelt sich 
dabei in das Anhydrid C15H20O2. 

Alantsänre und Anhydrid sind unlöslich 
in Wasser, löslich in Alkohol und in fetten 
Oelen. 

IVlit Alkalien bilden sich leicht lösliche 
Salze. 

Durch Destillation der Wurzel mit 
Wasser erhält man ein Gemenge von 
Helenin, Alantsäureanhydrid und Alantol. 

Alantol G20B32O ist eine aromatische 
Flüssigkeit, welche bei 200^ siedet; es 
dreht die Polarisationsebene nach links, 
verbindet sich bei längerer Einwirkung 
mit Wasser und besitzt ozonisirende Eigen- 
schaften. Es ist wahrscheinlich, dass sieh 
Alantol bei der Destillation aus anderen 
Bestandtheilen der Wurzel bildet. Nach 
meiner Darstellungsweise habe ich diese 
beiden Verbindungen gemischt erhalten 
und diese Mischung wurde auf Tuberkel- 
bacillen geprüft. Im Allgemeinen kann 
ich hier hervorheben, dass erwähntes 
Gemisch sicherer aseptisch und ener- 
gischer antiseptisch wirkt, als das frf&her 
angewandte Helenin, dass aber auch diese 
Wirkung am besten zur Geltung kam, 
wenn frisebe Alantwurzel zur Bereitung 
benutzt wurde. Nach meiner Ansicht 
hat die getrocknete Wurzel an wirksamen 
Bestandtheilen verloren und verliert noch 
mehr mit dem Alter. 

Durch Versoebe an Thieren und Men- 
schen kann ieb constatiren, dass beide 
Verbindungen ohne hrgend welche schäd- 
hebe Einwirkungen auf den Gesammt- 
organiamus längere Zeit hindurch ein- 
genommen werden können. Das Alantol 
wird zun Theii durch die Lungen wieder 



ausgeschieden und dürfte an Stelle von 
Terpentinöl bei tuberkulösen Erkrank- 
ungen anzuwenden sein. 

Die Alantsäure ist im Harn nicht nach- 
zuweisen; wie dieselbe im Körper zersetzt 
wird, ist noch nicht aufgeklärt. 

Jedenfalls kann man annehmen, dass 
ein Theil dieser Säure ebenfalls durch 
den Athmungsprocess ausgeschieden wird, 
und darauf beruhen die entschieden gün- 
stigen Einwirkungen der Säure auf tuber- 
kulöse Proeesse. Verschiedene Phthisiker 
in theils mehr, theils weniger vorge* 
schrittenem Stadium haben beide Verbind- 
ungen längere Zeit eingenommen und 
befinden sich besser als vor dem Gebrauch. 

Die Veröffentlichung der einzelnen Fälle 
bleibt einer späteren Zeit vorbehalten, 
es war nur der Zweck, an dieser Stelle 
auf obige Medicamente aufmerksam zu 
machen. 



Gr.-Neuhausen, S.-W. 



Marpmatm. 



Auf dem j fingst in Moskau stattgehabten 
Congress rassischer Aerzte schlag Dr. Krem- 
janhfci Anilin als Mittel geilen Phthise vor. 
Anilin tCdte die Taherkelbacillen in kurzer 
Zeit, es sei aber noch keine Anilin vei^ftong 
mit tOdtlichem Ansgang beim Menschen be- 
kannt. »Man brauche deshalb nur meh- 
rere Tage hintereinander die be- 
treffenden Patienten mit Anilin zu 
vergiften, um Fämmtliche Bacillen 
zu todten und die Kranken von der 
Schwindsucht radikal zu heilen." 



Sublimat - Eochsalipastillen. 

Zur raschen Bereitung von Sublimat- 
lösungen bestimmter Stärke werden von 
Professor j4w^tfr«r in München comprimirte 
Pastillen empfohlen, welche aus gleichen 
Theilen Sublimat und Chlornatrium be- 
stehen und in verschiedenen Gewichten 
nach seiner Angabe hergestellt werden. 

Zweifellos bieten derartige dosirte 
Pastillen dem Arzte, besonders dem Land- 
arzte mannigfache Yortheile, doch wird 
man ebenso gut und praktisch dosirte 
Pulver auch aus Kochsalz und Sublimat ää 
herstellen können. Die antiseptische Wirk- 
ung der leicht löslichen Doppelverbindung 
des Sublimats mit Chlomatrium soll 
gleich der des Sublimats mit Chlorammoni- 
um ebenso gross sein, als diejenige des 
Sublimats allein. Ferner hebt Professor 



124 



Angerer hervor, dass sich Sublimatkoch- 
salzlösungen besser halten, als Sublimat- 
lösungen allein und dass dies durch Ver- 
suche in seinem Auftrage von Apotheker 
Schillinger nachgewiesen sei. 

CentrdSbl. f. Chirurg. 1887 Nr. 7. 

Zu letzterem Satze sei die Bemerkung 
gestattet, dass die Doppelverbindungen 
des Sublimats mit Chloriden bereits vor 
40 Jahren recht gründlich studirt worden 
sind und dass es nicht neuer Versuche, 
sondern nur des Nachschlagens in den 
Lehrbüchern bedarf, um sich über die- 
selben zu unterrichten. Prof. Liebreich 
hat erst kürzlich (Therapeut. Monatsh. 
Nr. 1) in einem Aufsatze „zur Sublimat- 
frage'' darauf hingewiesen, dass es kein 
sehr erhebendes Schauspiel sei, jetzt mit 
anzusehen, wie von manchen Seiten der 
Sublimat wie ein vollständig neuer Körper 
behandelt werde. Prof L. sagt u. A.: 

„Es ist eine bekannte Thatsache, dass bei dem 
Gebräu ch neuer Heilmittel sich dadurch Schwie- 
rigkeiten fflr die Anwendung zeigen, dass die 
bisher unbekannten Substanzen m ihren che- 
mischen und physiologisch • chemischen Eigen- 
thQmlichkeitcn nicht genügend gekannt sind. 
Wir sehen, wie weitere Forschungen zur Fest- 
stellung der Individualität eines chemischen 
Körpers, die Erkennung des pharmako- dyna- 
mischen Werthes fördern und richtisr stellen. — 
Die Greschichte der Heilmittel und Heilmethoden 
zeigt, dass sehr häufig bei Substanzen, die als 
Medicamente äusserst werthvoU sind, durch an- 
fängliche ünkenntniss und Mangel an Erfahrung 
Aber die Eigenschaften zuerst sogar Misserfolge 
eintreten, welche später nicht mehr zur Be- 
obachtung kommen. — 

Es gehört also eine gewisse Eenntniss der 
Eigenschaften einer Substanz dazu, um dieselbe 
therapeutisch richtig zu yerwerthen 

Alle diese Gründe sollten aber dach in Weg- 
fall kommen, wenn es sich um Anwendung bereits 
längst bekannter Substanzen handelt, von denen 
die chemischen Eigenschaften, wenn auch nicht 
vollständig, doch in ausgiebigster Weise bekannt 
sind. 

Wenn Eupfersulfat, Eisenchlorür, Chlorkalk, 
Sublimat oder andere in dem Register der an- 
organisch-chemischen Körper leicht auffindbare 
und leicht verständliche Substanzen zu neuen 
therapeutischen Indicationen benutzt werden, 
sollte man meinen, dass sich hier nicht dieselben 
umständlichen Untersuchungen zu wiederholen 
brauchten, die für die Einführung neuer, bisher 
nicht gekannter Körper nothwendig sind. — 
Eine Reihe von Abhandlungen jedoch zeigt, dass 
Aerzte, welche das durch Koch'» Empfehlungen 
in Schwung gekommene Sublimat benutzen 
wollen, an diese Frage herantreten, als wenn 
es sich um eine Substanz handle, welche durch 



eine neue chemische Entdeckung zum ersten 
Mal der medicinischen Welt vorgeführt würde. 

Aber gerade beim Sublimat zeigt es sich, dass 
dasselbe nach allen Richtungen hin ein gut 
gekannter Körper ist. 

Neues zu finden und als Solches hinzustellen, 
gelingt wohl nur Dengenigen, welcher einiger- 
maassen die Literatur mit kritischem Auge durch- 
mustert hat." 



Darstellung voa BromäthyL 

Das Bromäthyi , über welches wir bereits 
Ph. C. 21, 339 berichteten , soll neuerdings 
wieder mehr in Aufnahme gelangen. Es wird 
darauf hingewiesen, dass die ungünstigen Re- 
sultate, welche ssuweilen bei der Verwendung 
des Aethylbromids auftraten , wahrscheinlich 
durch unreine, zersetzte oder nicht genügend 
starke Präparate verursacht wurden. 

Dr. A. Langgaard macht ferner darauf 
aufmerksam (Therapeut. Monatshefte I, 62), 
dass das Bromäthyi ein Körper ist, welcher 
relativ leicht bei längerem Aufbewahren 
durch die Einwirkung des Lichts und der 
Luft eine Zersetzung erfahrt. 

Es ist deshalb von der Benutzung eines 
Präparates, welches einen hervorstechend un- 
angenehmen oder auch nur im geringsten 
stechenden Geruch zeigt und beim Schütteln 
mit Wasser diesem eine saure Reaction er- 
theilt, unter allen Umständen Abstand zu 
nehmen. 

Vielleicht dürfte auch bei dem Broniäthyl, 
wie dies für das Chloroform bereits lange be- 
kannt ist, ein geringer Zusatz von Alkohol, 
der für die Wirkung vollkommen irrelevant 
ist, die leichte Zersetzbarkeit herabmindern, 
und ausserdem würde ich die Aufbewahrung 
in kleinen, ganz gefüllten, gut verkorkten 
und gefärbten Flaschen empfehlen. Ferner 
erläutert Dr. LanggcLord die Darstellung: 
Das Bromäthyl wird entweder erhalten durch 
Einwirkenlassen von Brom auf Alkohol bei 
Gegenwart von amorphem Phosphor oder 
durch Destillation eines Gemenges von Alko- 
hol mit Schwefelsäure und Bromkalium. 

Zu einem für die medicinische Anwendung 
bestimmten Präparate soll nach Dr. Lang- 
gaard nur die letztere Darstellungsweise be- 
nutzt werden. Er hat gefunden, dass die 
Vorschrift der neuen Ausgabe des Codex 
fran9. ein gutes Präparat liefert. „Nach der- 
selben werden 70 g Alkohol von 95 pCt. mit 
120 g concentrirter Schwefelsäure unter 
dauerndem Abkühlen gemischt und in die 



I 



125 



kalte Mischung 1 20g gepulvertes Bromkalium 
in kleinen Portionen unter Vermeidung von 
Erwärmung eingetragen. 

Der die Mischung enthaltende Ballon wird 
mit einem Liebig'schen Ruhler versehen, 
welcher mit seinem freien Ende unter Wasser 
taacht, um eine Verdunstung des gebildeten 
Bromfithyls zu verhindern. 

Nach beendeter Reaction wird aus dem 
Saodbade bei circa 125^ C. abdestillirt , das 
Destillat mit einer öproc. Lösung von kohlen- 
saurem Kali, darauf mit dem drei- bis vier- 
fachen seines Volumens destillirten Wassers 
gewaschen und mit Chlorcalcium entwässert. 

Das erhaltene Produet wird mit dem >/i<> 
seines Gewichtes süssen Mandelöles (gutes 
Olivenöl leistet dieselben Dienste) gemischt, 
aas dem Wasserbade abdestillirt und das bei 
39^ C. Uebergehende gesondert aufgefangen. ** 

Diese Darsteliungsweise weicht in etwas 
von der in Ph. C. 21, 339 gegebenen ab. 



Zar Prüfung von Tincturen. 

M. C Traub bespricht in der Schweiz. 
Wochenschr. f. Pharm. 28t 57 im Anschluss 
an die Arbeiten von Schneider -SprottAu. und 
BieUrich - Helfenberg die Prüfung der Tinc- 
turen. Er weist darauf hin, dass die heute 
üblichen Methoden der Bereitung von Tinc- 
turen vieler Verbesserungen fähig und be- 
dürftig seien und führt zum Beleg hierfür 
die Resultate der Analysen von 30 Proben 
Tinct. Chinae spl. auf, welche er ausgeführt 
hat. Diese 30 verschiedenen Muster düFerir- 
ten in Bezug auf ihren Gehalt an Alkohol 
und Eztract allerdings ganz erheblich. Die 
Bestimmungen selbst führte Trwib in folgen- 
der Weise aus. Er destillirte von 50 g Tinc- 
tur den Alkohol ab und unmittelbar nachdem 
das Destillat wieder auf 50 g ergänzt war, 
dessen spec. Qewicht, also den Alkoholgehalt. 

Zur Bestimmung der Trockensubstanz wog 
er in einem tarirten Kölbchen 10 g Tinctur 
ab and trocknete diese im Wasserbade bei 
70 ^ unter gleichzeitiger Evaluirung des 
Trockengefiteses so lange aus, bis drei Wäg- 
un^en keine Gewichtsdifferenz mehr ergaben. 
Die Vortheile, welche das Arbeiten im Vacuum 
gegenüber der Verwendung des gewöhnlichen 
Trockenofens bietet, liegen auf der Hand, 
auch die Verwendung eines leicht verschliess- 
baren Kölbchens an Stelle eines Uhrglases 
bietet beim Wiegen sowohl der Tinctur als 



des oft hygroskopischen Extractes bestimmt 
Erleichterungen. Nebenbei bemerkt er, dass 
das Austrocknen in der Regel einen Zeitraum 
von drei bis vier Stunden beansprucht und 
durch Eintauchen des Kölbchens bis hart an 
seinen Rand wesentlich befördert wird. 

Die Bestimmung des Alkoholgehaltes ge- 
stattet einen richtigeren Einblick in die Zu- 
sammensetzung einer Tinctur, als dies durch 
Ermittelung des spec. Gewichtes möglich ist. 

Schliesslich stellt M.. C Traüb weitere 
Mittheilungen in Aussicht, in denen er Vor- 
schläge zur rationelleren Herstellung von 
Tincturen machen will. 



üeber Natrium bioarbonicmn. 

Zeftmafm-Rendsburg macht in der Pharm. 
Zeit, darauf aufmerksam, dass in neuerer Zeit 
ein Natrium bicarbonicum purum Ger man. im 
Handel vorkommt, welches als probehaltig 
declarirt wird, jedoch stark ammoniakhaltig 
ist und auch thioschwefelsaures Natrium (aber 
kein Arsen) enthält. Es ist ein weisses Pulver, 
bei grösseren Mengen mit einem Stich ins 
gelblich- röthliche, von nicht bitterem, aber 
salzigem , deutlich ammoniakalischem Ge- 
schmack, und entwickelt, in einem Reagens- 
glase für sich erhitzt, Wasserdämpfe mit stark 
ammoniakalischem Geruch. Die quantitative 
Bestimmung ergab 0,85 pCt. Ammoniak, was 
einem Gehalte von 2,6 pCt. Ammoncarbonat 
entspricht; von thioschwefelsaurem Natrium 
waren 0,06 pCt. vorhanden. 

Th. Salzer weist in demselben Blatte da- 
rauf hin, dass Erhitzen einer Probe im Glas- 
röhrchen, in dessen oberes Ende man ein 
Stückchen befeuchtetes Curcumapapier ein- 
gelegt, noch 0,05 pCt. Ammoniumcarbonat 
erkennen lasse. Zweifellos ist diese Prüfung 
die rationellste und genaueste. 

lieber die Ursache des in letzter Zeit 
öfters beobachteten Vorkommens von Natri- 
umthiosulfat und Ammoncarbonat im Natri- 
umbicarbonat bringt die Chem.-techn. Zeit, 
folgende Notiz : Noch vor einigen Jahren war 
alles in den Handel kommende Natrium bicar- 
bonicum nach der alten bekannten Methode 
dargestellt, nämlich durch wochenlanges Ein- 
leiten von Kohlensäure in Kammern, in denen 
sich Kxystallsoda befindet, und Trocknen des 
Productes in einer Kohlensäure -Atmosphäre. 
Bei dieser Methode dürfte eine Verunreinig- 
ung mit unterschwefligsaurem Natron wohl so 



126 



ziemlich aasgeschlossen sein. Letzteres könnte 
nur dann in der Krystallsoda enthalten sein, 
wenn dieselbe nicht aus calcinirter Soda, son- 
dern direct aus carbonisirter Rohsodalauge 
dargestellt worden wäre, sollte dies aber der 
Fall sein, so dürfte es wohl mit dem dnrch 
die Umwandlung des Monocarbonates in Bi- 
carbonat aus der Erystallsoda frei werdenden 
und abfliessenden Krystailwasser entfernt 
werden. 

In den letzten Jahren wird das Natr. bicarb. 
im Grossbetriebe in der Weise hergestellt, 
dass in besonderen, sich um ihre Axe drehen- 
den Trommeln Kohlensäure mit Sodasalz, er- 
halten durch Aussoggen von Rohsodalauge, 
in Berührung gebracht wird. Ein Präparat, 
nach dieser Methode dargestellt, kann ziemlich 
leicht mit unterschwefligsaurem Natron be- 
haftet sein, da letzteres durch das Carbonisiren 
der Rohsodalauge nicht verändert wird und 
beim Aussoggen einer solchen Lauge zwar 
zunächst Ausschläge erhalten werden, die frei 
von unterschwefligsaurem Natron sind, später 
aber, wenn die Laugen reicher an diesem Salz 
geworden sind, sich auch Ausschläge ergeben, 
die kleine Mengen davon enthalten. 

Was nun die Verunreinigung des Natrium 
bicarbonicum mit kohlensaurem Ammoniak 
anbetri£Pt, so entstammt ein solches Natr. 
bicarb. dem Ammoniaksodaprocess. Der Ge- 
danke , aus dem durch Behandeln gesättigter 
Kochsalzlösung mit Kohlensäure und Am- 
moniak erhaltenen Bicarbonat ein Natrium 
bicarbonicum herzustellen, liegt gewiss nahe, 
allein die Ausfuhrung stösst auf Hindemisse ! 
Das kohlensaure Ammoniak haftet jenem Bi- 
carbonat — jedenfalls in Gestalt von Doppel- 
verbindungen — dermaassen fest an, dass es 
weder durch Auswaschen noch dnrch üm- 
krystallisiren gelingt, dasselbe zu entfernen. 
Es enthält daher alles Natrium bicarbonicum, 
durch Trocknen des im Ammoniaksodaprocess 
erhaltenen Zwischen productes hergestellt, Am- 
moniaksalze ; die Menge der letzteren wechselt, 
da sie verschieden ist, je nach den Bedingun- 
gen, unter denen die Fällung des Ammoniak- 
sodabi carbonats vor sich geht. Ein solches 
Natrium bicarbonicum hat stets eine mehr 
oder minder grau-röthliche Färbung von ganz 
geringen Mengen Eisenoxyd herrührend, die, 
so winzig sie auch sein mögen, doch die Weisse 
des Präparates beeinflussen. g. 



JStoÜz zu Alnmen cradnm. 

Th, Salzer (Pharm. Zeit.) untersuchte einen 
Al&un, welcher allen Anforderungen der 
Pharmakopoe entsprach und nur dadurch auf- 
fiel, dass er verhältnissmässig schwer löslich 
war. Kall- Alaun löst sich in 101/2 Theilen 
Wasser, das vorliegende Präparat gebrauchte 
die 18 fache Menge Wasser zur Lösung. Die 
Spektralanalyse verrieth die Gegenwart von 
Rubidium (auch etwas Cäsium) und Saleer 
schätzt die Menge des im betreffenden Kali- 
Alaun enthaltenen Rubidium-Alaun auf 
20 bis 25 pCt. 

Das Vorhandensein von Rubidium - Alaun 
erklärt sich dadurch, dass gegenwärtig viel 
Alaun aus Lepidolith dargestellt wird. Das 
ganze Vorkommniss ist aber wieder ein Be- 
weis für die Nothwendigkeit, der Prüfung der 
Arzneimittel um so mehr Aufmerksamkeit zu- 
zuwenden, je mehr die chemische Industrie 
bestrebt ist, stets neue und billigere Darstell- 
ungsweisen der Chemikalien aufzufinden. 

9- 

Zur maassanaljrtischen BeBtimin- 
luig der SchwefelsAure in Wässern. 

Dr. Fricke giebt in seiner Inaugural-Disser- 
tation „Die Hydrographie der 8tadt Königs- 
lutter und des Elmgebietes** nach einer Prüf- 
ung und Kritik der bis jetzt bestehenden 
Methoden zur maassanalyti sehen Bestimmung 
der Schwefelsäure (s. a. Fresenius Bd. I) die 
folgende Methode an: 

Eine neutrale Kaliumsulfatlösung , welehe 
2,688 Schwefelsäureanhydrid im Liter ent- 
hielt, wurde mit Barytwasser von bekanntem 
Gehalt gekocht, aus der siedend heissen Flüs- 
sigkeit der Ueberschuss des Barythydrates 
durch wenige Blasen Kohlensäure gefällt und 
nun etwa 10 Minuten lang gekocht. Der aus 
Baryumsulfat und Baryumearbönat bestehende 
Niederschlag wurde abfiltrirtund mit i/m Nor- 
malsalzsäure zur Zersetzung des kohlensauren 
Baryts gekocht. Aus der Menge der ver- 
brauchten Salzsäure war der Ueberschuss des 
Baryumhydroxydes zu berechnen und ans der 
Differenz dieses mit der gesammten Menge 
des angewendeten Baryumhydroxydes die zur 
Fällung vorhanden gew ese ne dehwefeMore 
constatirt. 

Eine, allerdings sehr kleine FehlerqneUe 
bei dieser Methode besteht darhk, daas bei 
dem Einleiten von Kohfensiure in Barftwasser 



127 



Spnren Ton loslithem kohlensauren Baryt 
entstehen, welche beim Kochen nicht ganz 
sersetit werden und £3r die Beelimmung ver- 
loren gehen. 

Für die Beetimmnng der Schwefelaänre im 
Trinkwaeeer moes die Abecheidnng des Kalks 
der Operation Toransgehen. 

Man kocht äOOcem Wasser mit einigen 
Tropfen Natrinmearbonatl5enng, wodnrch der 
Kalk Tollstfittdig and sehneil gefällt wird. 
Von dem genau auf 200 ccm wieder anfgefuU- 
ten Filbrate werden 100 eem abgenommen, 
genau neotralisirt und wie oben angegeben 
veiter geprüft. 

D. Südd. Apo(h.'Ztg, 1887, Nr. 4. 

Wenn man bedenkt, dass die gewichtsana- 
l/tische Bestimmung der Schwefelsäure, wenn 
dsB Filter mit dem Baryumsulfat feucht ver- 
brannt wird, in ziemlich kurzer Zeit zu einem 
Bieheren Resultate führt, so wird die oben 
erwähnte Methode nur da Vortheile bieten, 
wo viele Bestimmungen nebeneinander aus- 
geführt werden sollen. —os.— 



Bequeme Methode zur Entwicklung 

von Chlorgas aus Chlorkalk unter 

Anwendung des Kipp'schen 

Apparates. 

Von Clemens Winkler. 

Die im Laboratorium noch immer allge* 
mein gebräuchliche Methode der Chloigas- 
entwickelung unter AnwendungvonBraunstein 
ist, abgesehen von ihrem unregelmässigen 
Yerlaaf, schon der erforderlichen Erwärmung 
halber mit mancherlei Unbequemlichkeiten 
verbunden ; vor Allem aber leidet sie an der 
Unvollkommenheit, dass man die GkMont- 
wickelnng nicht beliebig unterbrechen und 
wieder in Gang setzen kann. 

Chlorkalk entwickelt schon bei gewdhn- 
licber Temperatur mit verdünnter Salasänre 
reicblieh Chlorgas, aber bei der pulverformi- 
gen Beeebaffenheit desselben ist die Ent- 
wickelung eine anfiinglich stfirmische und 
dann rasch nachlassende. 

Man kann aber Chlorgas mit derselben Be- 
quemlichkeit aus Chlorkalk entwickeln, wie 
beispielsweise Kohlensäure aus Elalkstein, 
wenn man den Chlorkalk unter Anwendung 
eine« geeigneten , indüferenten Bindemittels 
zu Stficken formt und mit diesen einen ge- 
wöhnlichen JC^'sehen Gasentwickelnngs- 



apparat fHllt. Als ein für diesen Zweck 
brauchbares Bindemittel hat sich der ge- 
brannte Gyps erwiesen. Die Formung selbst 
wird auf folgende Weise vorgenommen : 

Man mengt besten, trockenen Chlorkalk 
mit einem Viertel seines Gewichts gebrannten 
Gyps auf das Innigste und feuchtet das Ge- 
menge mit kaltem Wasser in dem Maasse an, 
dass beim Durcharbeiten eine feuchte, bröck- 
lige Masse entsteht, die sich nur mit Mühe zwi- 
schen denFingern ballen lässtGrössererW asser 
Zusatz ist zu vermeiden. Durch kurzes Stampfen 
mit einer eisernen Mörserkeule ertheilt man 
dieser Masse die erforderliche Homogenität 
und schlägt sie sodann in ein auf horizontaler 
Grundlage ruhendes, eisernes Kahmengeviert 
von 10 bis 12 mm Höhe, wozu man sich 
eines flachen, eisernen Schlägels bedient. 
Wenn der Bahmen reichlich vollgestampft 
ist, breitet man über seinen Inhalt ein Stück 
Wachstuch oder Gummiplatte und unterwirft 
das Ganze dem Druck einer starken Presse. 
Die jetzt fertige viereckige Chlorkalkscheibe 
wird dann unter Anlegung einer eisernen 
Beissschiene an den sie umschliessenden 
Rahmen zu Würfeln geschnitten, dann aus 
dem Rahmen heraus und auf eine Holz- oder 
Blechunterlage gedrückt und bei einer 20® 
nicht überschreitenden Temperatur möglichst 
rasch getrocknet. Die noch lose an einander 
haftenden Würfel trennt man zwischen den 
Fingern und bewahrt sie in gut schliessenden 
Gelassen zum Gebrauche auf. 

Um diese Würfel sur Chlorentwickelung 
zu benutzen, füllt man sie in einen JErpj^'schen 
Gasentwickelungsapparat mit eingeschlifiTenem 
Glashahn und beschickt diesen im Uebrigen 
mit Salzsäure von 1,124 spec. Gewicht, die 
vorher mit ihrem gleichen Volumen Wasser 
verdünnt worden war. Die angewendete 
Säure braucht nicht chemisch rein zu sein, 
aber sie darf keine Schwefelsäure enthalten, 
weil sonst Auskryitallisation von Gyps ein- 
tritt. Der als Bindemittel verwendete Gyps 
verursacht dagegen keine Störung; er fällt in 
dem Maasse, als der Chlorkalk zur Auflösung 
gelangt, als dichtes Pulver nieder und lagert 
sich am Boden des Apparates als wenig volu- 
minöse Schicht ab. 

Die chemische Fabrik von ZT. TrommS" 
dorff in Erfurt hat sich bereit erklärt, die 
Herstellung und Lieferung von Chlorkalk in 
Würfelform an übernehmen. 

Ber. d. D. Chem. Ge$. XX, U. 



128 



Nachweis von Salpetersftnre. 

Der Nachweis und die Bestimmang von 
Salpetersäure in Trinkwässern von Grandväl 
und Lajoux beruht auf der Bildung von 
Pikrinsäure und der colorimetrischen Yer- 
gleichung der gelbgefarbten Ammonium- 
picrinatlösung mit einer ähnlichen Lösung 
Ton bekanntem Gebalt. 100 com des Wassers 
werden zur Trockne verdampft, 5 Tropfen 
Phenolschwefelsäure (18|5 ccm concentrirte 
Schwefelsäure, 1,5 ccm Wasser, 3,0g Phenol) 
und dann 2 ccm destillirtes Wasser zugefügt, 
hierauf mit einem Ueberschuss von Ammoniak 
versetzt, filtrirt und mit destillirtem Wasser 
auf 100 ccm verdünnt. Als Controlflüssig- 
keit dient eine Lösung von 0,936 g Kalium- 
nitrat in 1 1 = 0,0005 N205 in 1 ccm oder 
0,72214 g Kaliumnitrat in 1 1 = 0,0001 N 
in 1 ccm. 

10 ccm der Controlflüssigkeit werden in 
ähnlicher Weise mit Phenolschwefelsäure be- 
handelt und auf 500 ccm verdünnt und hierauf 
beide Flüssigkeiten colorimetrisch verglichen. 
8. AnaiysL 1885, 19, 



Zur Butterprüfung. 

Sanitätsrath Dr. TToif/f- Erfurt glaubt auf 
Grund seiner Erfahrungen folgende vor- 
läufige Prüfung der Butter empfehlen zu 
können. Das Verfahren besteht darin, dass 
man von der verdächtigen Butter eine grössere 
Quantität, etwa 10 bis 15 g mit kochendem 
Wasser zusammenrührt. Besteht die Butter 
aus reiner Sahne, so wird diese sich nach dem 
Erkalten als eine unverbundene, lockere 
Sahnenschicht auf der Oberfläche ansammeln ; 
im Gegensatz hierzu bildet bei derselben 
Manipulation die Margarinbutter wegen ihres 
beträchtlichen Talggehalts einen festen Klum- 



pen, während die Milchbutter je nach ihrer Be" 
schaffenheit sich mehr der Sahnen- oder mehr 
der Margarinbutter nähert, sich aber in jedem 
Falle durch unverkennbare gröesere Härte 
und Gebundenheit von der reinen natürlichen 
Butter unterscheidet. Jedes derartige Resul- 
tat wird zweifelsohne eine weitere Untersuch- 
ung rechtfertigen and daher sollen mit dem 
Verfahren die betreffenden Execativbeamten 
vertraut gemacht werden, um auf diese Weise 
dieselben zu befähigen, eine ständige, vor- 
läufige Butterkontrole in derselben Art 
vorzunehmen, wie sie eine solche bei der 
Marktmilch schon längst ausüben. 



Coltunbin. 

Zur Darstellung des Colnmbins giebt 
Duquesnel folgende neuere Methoden : 

Die gepulverte Columbowurzel wird mit 
95 proc. Alkohol ausgezogen, der Alkohol ab- 
destillirt and der Destillationsnickstand zum 
SjTup verdunstet, der mit Chloroform behan- 
delt wird. Der nach dem Abdestilliren des 
Chloroforms zurückbleibende, darin gelost 
gewesene Theil wird mit 60 proc. Alkohol be- 
handelt, der nur färbende Stoffe löst, das Co- 
lumbin aber nicht auflosst. Das letztere 
wird unter Zuhilfenahme von Thierkofale aus 
starkem Alkohol umkrystallisirt. 

Die Ausbeute beträgt 0,35 bis 0,4 pCt. 

Die Angabe über die Eigenschaften des 
Columbins sind die schon bekannten, in den 
Lehrbüchern enthaltenen ; anffallig ist jedocli 
die Angabe, dass sich das Columbin mit 
Säuren verbinde, während es nach Angabe 
der Lehrbücher (Husemann'Hüger; Pflanzen- 
Stoffe) von wässrigen Alkalien gelost and 
durch Säuren daraus niedergeschlagen wird. 
8, Ärchives de Phamuneie 1887, 7. 



J9f 6 XJrneuerung des Abonnentents 

bringen wir in geneigte Erinnerung und bitten dringend, die Bestellungen vor 
Ablauf des Monats bewirken zu wollen^ damit in der Zusendung keine Unter^ 
brechung eintritt. 

Fehlende Nummern wolle man sofort reclamiren und moar bei derjenigen. 
PostanstaJt oder Buchhandlung, welche die regelmässige Bestellung besorgt. Bei 
unserer Expedition kostet jede einsfelne Nummer 25 Pf. 

Vom laufenden Jahrgang sowohl, wie von den Jahrgängen 1881 bis 188S 
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Brandschaden betroifen worden, doch werden wir vermöge der 
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Werke Tschemltz theilweise nur unerhebliche Störungen haben 
und halten uns dem Wohlwollen unserer Geschäftsfreunde bestens 
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Dresden, Fillnitzer Strasse 56 adressiren. 



Mll. 



Berlin, den 17. März 1887. 



Nene Folge 
Till. Jahrgang 



3C 



Der ganzen Folge XXVIII. Jahrgang. 



la haltt Cfe«MU ■■« FhArwMle. MtUhtilnvgon aas den pharnMcotlsehea Lab^ratorinm der technliobeii Hoeh* 
Kitale In Braoniehweig! M. Motit sor Prifntir des Bittennan de I wettert. — Zar Prfifnog der efdclnellen Brom- 
talze. — Mitthei langen ant dem offen tlietaen ehemiteben Laboratorlam von Dr. Otto Bebwefstlnger in Dresden. 
— Uebar den Blnauss einiger Nentovlsatae anf die Katalyse des Metbyiacelats dnreh Oblorwasserstoflhinre nnd 
SehwefeUanre. — Die BlaTdla • Reaetlon. -^ Tartarus borakatas. ~ Hydrarcrmtt oarbolicnm oacydatvm. — Dar- 
reiebnag von Fetten bei ebronlsehen Zebr-Krankbeiten. — TeehBisebe Hollseai Ueber die Darttellnng des 
Sehwefeleal^oms mit TioUtter PhoepboreeeeDa. — Untersncbnngen ;flber das rascbe Vergilben des Papiers. — 
Gerb-Terfabren mittelst Pyrofutein. — Llterstvr luid Krillk. -> MlseeUeBt p-Aeeipbenidin. — aiyeypbylHn. — 
Boldoglneia. — Aseptisebe Lamlnarla. — HopeTn. — Vergiftung eto. — Offene CorrespOBdeai. — Akielgea. 



Clienile und Pharmade. 



Mitiheiliingen ana dem pharma- 

cenldaclien Laboratorium der 
teehnitohen Hoohschtile in Brann- 

Bchweig. 

Von H, Beckurts. 

S4« Notli znr Prflflang des Bitter- 
mandelwassers. 

Versetzt man nach Maassgabe der Phar- 
inakopöe Bittennandelwasser bis zur be- 
ginnenden Undnrchsichtigkeit mit Mag- 
fiffiiam hydricQin pultiforme und titrirt 
aaeh Znsatz einiger Tropfen Kaliumchro- 
maüösong sofort mit V^q N.-8ilbernitrat 
bis zur stehenbleibenden Bölhung, so 
ftllt, wie Mylius^) zuerst beobachtete, 
die Bestimmnng stets zu niedrig aus, 
da das chromsanre Silber sich nur lang- 
sam mit dem Magnesiumeyanid umsetzt. 
Spatere von mir ausgeführte Versuche^) 
ergaben, dass ein die Durchsichtigkeit 
des Bittermandelwassers aufbebender Zu- 
satz von Magnesia eine genaue Bestimm- 

Pharm. Centralballe 1882, p. 515. 
*) ibidem 1883, Nr. 28, p. 333. 



ung der Blausäure allerdings, aber nur 
in längerer Zeit ermöglicht, ein Üeber- 
schuss an Magnesia die BiBaction aber 
erheblich beschleunigt loh glaubte diese 
Thatsache nur dadurch erklären zu können, 
dass das bei der Neutralisation des Bitter- 
mandelwassers mit Magnesia entstehende 
Gyanmagnesium mit dem eventuell noch 
vorhandenen Magnesiumhydroxyd ein 
durch chromsaures Silber leichter als das 
Gyanmagnesium zersetzbares Doppelsalz 
bildet, und stellte Versuche zur Darstell- 
ung dieses Doppelsalzes in Aussicht. 

Inzwischen hat W. Kübel ^) die von 
ihm zuerst dargestellte, überschüssiges, 
d. i. ungelösstes Magnesiumhydroxyd ent- 
haltende alkalisch reagirende Lösung eines 
basisch essigsauren Magnesiums^) als ein 
sehr brauchbares Magnesiumpräparat em- 
pfohlen. Die Prüfung des Bittermandel- 
wassers vollzieht sich mit diesem Prä- 
parate^), wie KtJihel vermuthet, in Folge 

") Archiv Pharm. (3), XXIV, 1885 p. 82. 

*) Archiv Pharm. (3J. XX, p. 620. 

B) Zar Darstellaag aesselben giebt KUbd die 
folgende Vorschrift : 25 g reine verdünnte Essig- 
säure werden mit etwa 100 g Wasser und 10 g 



( « 



132 



des Gehaltes desselben an gelöstem basi- 
schen Magnesinmacetat ausserordentlich 
schnell und^^ganz sieher. Die von mir 
ausgefthrteni versuche bestätigen die An-, 
gaben JTtiieZ's — die Umsetzung des 
chrbmsauren Silbers mit dem Cranmagne- 
sium erfolgt momentan, die Endreaction 
ist unzweifelhaft sicher zu erkennen. Da- 
mit steht nun die von mir angenommene 
Bildung eines Doppelsalzes von Gyan- 
majgnesium und Magnesiumhjdroxvd 
nicht im Einklang, und weitere Versuche 
lehrten, dass die beobachtete langsame 
Umsetzung des chromsauren Silbers nicht 
auf einer trägen Einwirkung des Cyan- 
magnesiums auf das Silberchromat be- 
ruht, sondern seine Ursache in der all- 
mälig stattfindenden Entstehung des 
Magnesiumcjanids aus dem im Bitter- 
mandelwasser enthaltenden Cyanwasser- 
stoff- Benzaldehyd hat. 

Titrirt man nämlich eine wässe- 
rige Lösung von Blausäure nach 
Zusatz von Magnesium hydricum pulti- 
förme und einiger Tropfen Ealiumchro- 
matlösung mit Silbernitrat, so erfolgt die 
Umsetzung des chromsauren Silbers mit 
dem Cyanmagnesium momentan. Die 
vollendete Ausfällung der Gyanwasser- 
«toffsäure als Gyansilber ist stets un- 
zweifelhaft sicher zu erkennen. Die Be- 
nutzung des KubeVsehen Beagens be- 
schleunigt die Beaction in keiner Weise. 
Anders verhält sich das Bittermandel- 
wasser. Im Anfange der Titration er- 
folgt die Umsetzung des Silberchromats bei 
Benutzung beider Beagentien — des ba- 
sisch essigsauren Magnesiums und des 
Magnesium hydricum pultiforme — gleich 
schnell. Nach Verbrauch einiger Gubik- 
centimeter Silbemitratlösung beginnt aber 




chlorfreie gebrannte Magnesia Tersetzt. Die 
Mischung wird snm Kochen erhitzt, wohei sich 
die nicht gelöste Magnesia in schleimiges Hydrat 
verwandelt nnd anf 150 g mit Wasser yerdflnnt. 
Ist die verwandte Magnesia nicht chlorfrei, so 
testimmt man ein fttr alle Male, wie yiel Siloer- 
lOsnng bei Anwendung von reinem Wasser und 
einer bestimmten Menge des Magnesinmpräpa- 
rates unter Zusatz von chromsauren Valium 
nOthiff ist, um die charakteristische Färbung 
des cnromsauren Silbeis herYoizurufen, welche 
"enge von der bei der Prflftmg des Bittermandel- 
verbrauchten SüberlOsung in Abrechnung 
wird. 



die Umsetzung des Silberehromates eine 
sehr träge zu werden, wenn Magnesium 
hydricum benutzt wird, es bedarf dazu 
dann eines kräftigen Umsehüttelns und 
längerer Zeit, während bei Zusatz des 
basisch essigsauren Magnesiums die Um- 
setzung des Silberchromats von Anfang 
bis zu Ende, d. h. bis zur vollständigen 
Ausfüllung der Blausäure als Gyansilber 
gleich schnell sich vollzieht. 

Dieses erklärt sich dadurch, dass das 
gelöstes basisch essigsaures Magnesium 
enthaltende KubeTsGhQ Beagens das neben 
freier Blausäure im Bittermandelwasser 
stets enthaltene Gyanwasserstoff-Benzal- 
dehyd sofort unter Bildung von Cyan- 
magnesium zersetzt, während das unlös- 
liche Magnesiumhydroxyd im Magnesium 
hydricum pultiforme jene Verbindung nur 
allmälig bei kräftigem UmschQtteln zer- 
setzt. 

Man kann nun aber nach meinen 
mit Herrn stud. pharm. OeUe angestellten 
Versuchen das Bittermandelwasser unter 
Zusatz von Magnesium hydricum ebenso 
sicher und schnell, wie unter Zusatz von 
basisch essigsaurem Magnesium titriren, 
wenn man die Titration erst V2 Stunde 
nach dem Zusatz des Magnesiumhydroxyd 
beginnt, in welcher Zeit auch das Cyan- 
wasserstofi-Benzaldehyd vollständig unter 
Bildung von Cyanmagnesium zersetzt ist. 
Zweckmässig lautet deshalb die Vorschrift 
zur Prüfung des Aqua amygdalarum 
amararum : xl g Bittermandel wasser, mit 
54 g Wasser verdünnt, versetze man mit 
breiförmigeh Magnesiumhvdroxyd bis 
zur Undurchsichügkeit und fQge. einige 
Tropfen Ealiumchromatlösung hinzu. 
Hierauf lasse man nach Verlauf einer 
halben Stunde, innerhalb welcher die 
Mischung mehrmals umKeschüttelt wurde, 
so lange Zehntel-Normal-Silberlösung zu- 
fliessen, bis die bei jedesmaligem Zusätze 
entstehende rothe Färbung von Silber- 
chromat eben nicht mehr verschwindet. 
Die Anzahl der verbrauchten Gubikeenti- 
meter Silbemitratlösung mit 0,0027 mol- 
tiplicirt, ergiebt die Menge der Blaua&ure. 

Braunscbweig, im Februar 1887. 



133 



Zur Pritfang der ofAcinellen 
Bromsalze. 

Von Dr. G. Vulpius. 

Zur Prüfung auf Chlorgehalt lässt die 
Pharmakopoe bei den Brommetallen einen 
anderen Weg einscblaffen, als bei den 
entsprechenden JodverDindungen. Jod- 
kaliiun nnd Jodnatrium sollen bekannt* 
lieh durch Fällen mit Silbemitrat in stark 
ammoniakalischer Lösung und Ansäuern 
des Filirats mit Salpetersäure geprüft 
werden, wobei ein etwaiger und fast nie- 
mals fehlender Chlorgehalt sich durch 
eine Trübung zu erkennen giebt, deren 
Starke die Pharmakopoe auf einen be- 
stimmten, nämlich nicht bis zur völligen 
ündurchsiehtigkeit der Flüssigkeit ge- 
steigerten Orä beschränkt hat. Gegen 
diese Untersuchungsweise dürfte im Prin- 
zipe kaum etwas zu erinnern sein, denn 
sie filhrt den gesuchten Körper, das Chlor, 
als Chlorsilber in sichtbarer Gestalt vor 
Augen, und auch eine Verunreinigung 
mit Brommetall würde dabei wohl nicht 
ganz unbemerkt bleiben können, da ja 
das Bromsilber in verdünntem Ammoniak 
wenigstens nicht ganz unlöslich ist. 

Der letztere Umstand wird wohl der 
Grund gewesen sein, weshalb von Aus- 
dehnung dieser Untersuchungsmethode 
auf die offieinellen Brommetalle abge- 
sehen, zu einer anderen, volumetrischen 
Prttfoogsweise gegriffen und eine Maxi- 
malmenge von Zehntelnormalsilberlösung 
bestimmt worden ist, welche zur voll- 
ständigen Ausfüllung von 0,3 g der Bro- 
fflide von Kalium, Natrium, Ammonium 
genügen soll, wobei eine Toleranz von 
wenigen Procenten Ghlormetall schon mit 
in Bechnung gezogen ist. 

Sieht man sich die Sache genau an, 
so wird man sich der Einsicht nicht ver- 
sehliessen können, dass der Werth dieser 
Methode ftlr die einzelnen of&cinellen 
Brommetalle ein verschiedener ist 

Beim Bromkalium dürfte derselbe 
ein unanfechtbarer sein, denn nicht nur, 
virenn dasselbe Chlor entiiält, vnrd der 
Terbranch an Silberlösung ein grösserer 
werden, sondern auch dann, wenn neben 
Ghlormetall die Bromide von Natrium 
oder Ammanium vorhanden sind, da diese 
beiden Metalle .ein niedereres Äquivalent- 



gewicht besitzen, als Kalium, der Effect 
dieser Beimischungen bei der Titration 
mit Silberlösung sich folglich in gleichem 
Sinne, wie bei einem Chlorgehwe, d. h. 
in einer weiteren Erhöhung des Silber- 
verbrauches äussern würde. Man kann 
also nicht in Gefahr gerathen, einen 
etwaigen Chlorgehalt zu übersehen, höch- 
stens könnte es vorkommen, dass man 
letzteren übersehätzen oder vielleicht, 
wenn gar kein Chlor, dageeen etwas 
Natrium oder Ammonium als Bromid 
vorhanden ist, einen dadurch bedingten 
Mehrverbrauch an Silberlösung irrtbüm- 
licher Weise auf Bechnung eines Chlor- 
gehaltes setzen würde. Allein die Ab- 
wesenheit von Natrium wird ja dnrch 
die Pharmakopoe mittels der allerdings 
in Folge ihrer zu grossen Schärfe nnr 
relativen Werth besitzenden Flammen- 
probe controlirt, und die Gegenwart von 
Ammon kann ja leicht durch Erhitzen 
mit etwas Kalilauge nachgewiesen wer- 
den, wenngleich die Pharmakopoe die 
Aufnahme einer derartigen Prüfung nicht 
für angezeigt erachtet hat. 

Ganz anders liegen nun aber die DiUjge 
beim Bromnatrium, denn hier kann 
thatsächlich eine Verschleierung auch 
des beträchtlichsten Chlorgehaltes durch 
gleichzeitige Gegenwart von Bromkalium 
statt£nden, da Chlornatrium ein niedri- 
geres, Bromkalium aber ein höheres 
Äquivalent besitzt, als das zu unter- 
suchende Bromnatrium. Daraus folgt, dass 
unter Umständen ein durch das vorhan- 
dene Chlomatrium veranlasster Mehrver* 
brauch an Silberlösung wieder ganz oder 
theilweise wieder ausgeglichen werden 
kann durch einen Minderverbrauch, wel- 
chen gleichzeitig anwesendes Bromkalium 
bedingt. 

Das Aequivalent des Bromnatriums 
ist =s 103, dasjenige des Chlomatriums 
» 58,6, jenes des Bromkaliums » 119,1, 
somit beträgt die Differenz von deEmeni- 
gen des Bromnatriums fbr das Chlor- 
natrium 44,5, für das BromkaHum 16,1, 
folglich wird eine im umgekehrten Ver- 
hältnisse hergestellte Mischung, welche 
also aus 78,48 pCt. Bromktuium und 
26,57 pCt. Chlomatrium zu bestehen hätte, 
genau gleiche Aequivalentgrösse mit 
chemisch reinem Bromnatrium besitzen, 



134 



und ^man wird von einem solchen Ge- 
menge beliebig grosse Quantitäten dem 
Bromnatrinm beifügen können, ohne dass 
die Yolometrisehe Silberprobe davon das 
Geringste zn erkennen giebt. Der Silber- 
verbraoeh wird genau der nämliehe sein, 
wie bei chemisch reinem Bromnatrium. 
Daas ein derartig präparirtes Bromnatrium 
durch die Forderung der Pharmakopoe 
ausgeachlossen sei, wonach die durch ein 
blaues Glas betrachtete, durch Erhitzen 
am Platindrahte erzeugte Flamme nicht 
«dauernd" roth erscheinen darf, wird 
sich ftr die Praxis wohl nicht mit 
Sicherheit behaupten lassen, weil ja das 
„dauernd*' ein etwas unbestimmter Begriff, 
ein kleiner Ealiumgehalt nothgedrungen 
gestattet, die Grenze zwischen diesem 
und einem unzulässigen grossen, aber 
durch die Flammenbeobachtung schwer 
zu ziehen ist. 

Aehnlich liegt der Fall für Brom- 
ammonium. Auch hier wird ein Ge- 
halt an Chlorammonium bei der Silber- 
probe verdeckt werden können durch 
gleichzeitige Anwesenheit von Brom- 
natrium oaer Bromkalium, oder von bei- 
den. Nur gestaltet sich die Sache da- 
durch etwas günstiger, dass man eben 
beim Bromammonium in der Erhitzung 
ein einfaches Mittel an der Hand hat, 
um die Abwesenheit des nicht flüchtigen 
Natrittm- und Ealiumbromids mit Sicher- 
heit zu constatiren, wenngleich die Phar- 
makopoe die Forderung vollständiger 
Flüchtigkeit des Bromammoniums nicht 
ausdrücklich formulirt, sondern die Flüch- 
tigkeit des Salzes nur unter den Eigen- 
schaften erwähnt. 

Unter diesen Umständen dürfte sich, 
wenn nicht für alle drei officiuellen Brom- 
salze, so doch für das Bromnatrium, sei 
es an Stelle der seitherigen volumetri- 
sehen Prüfungsweise oder neben ihr, die 
Aufnahme einer anderen, derjenigen des 
Jodnatriums nachgebildeten Probe auf 
Chlorgehalt empfehlen. Nur wird man 
hier in Anbetracht der Löslichkeit des 
Bromsilbers in starkem Ammoniak den 
Zusatz von letzterem beträchtlich, viel- 
leicht auf ein Zehntel, verringern müssen. 
Die zu gestattende Trübung beim Ueber- 
s&ttigen des vom Bromsilber geschiede- 
nen Filtrais mit Salpetersäure hängt von 



dem Chlorgehalte ab, welchen man höch- 
stens zulassen will, und hierüber wird 
die Pharmakopöecommission sich zu ent- 
scheiden haben. 



Mittheilungen au8 dem öffentlichen 

chemischen Laboratorium von 
Dr. Otto SchweisBinger zu Dresden. 

7. Werthbestimmnng einiger narko- 

tischer Extracte. 

Von C. Schnabel, 

Von der Firma Gehe & Co. wurde uns 
eine Auswahl zumeist trockener Extracte 
zur Verfügung gestellt Unter denselben 
befand sich ein schön gelblichweises Ex- 
tract. Scillae spirit., ein ganz hellbraunes 
leichtes Extract. ßtrychni, Extract. Gan- 
nabis Indicae sicc. c. Dextrine und die 
Ghinapräparate von dem hellsten Extract. 
Ghinae regiae frig. par. bis zum dunkel- 
braunen Extract Ghinae sucei rubrae 
Ph. G. IL Alle diese Extracte waren 
von verhältnissmässig heller Farbe, leich- 
ter, blasiger Form und Hessen sich ohne 
Mühe zu einem sehr feinen Pulver zer- 
reiben. Hervorzuheben ist noch, dass 
diese Extracte auch nach häufigerem 
Oeffnen der Gef&sse ihr gutes Aussehen 
bewahrten und nach mehrmonatliehem 
Aufbewahren nicht zusammengeballt wa* 
ren. Dass die Flaschen wieder gut ver* 
schlössen werden, ist hierbei nat&rlich 
Bedingung. 

Wir nahmen Gelegenheit, einige der 
hier angeführten narkotischen Extracte 
auf ihren Alkaloidgehalt zu prüfen und 
benutzten dazu das von Dieterieh (Pharm. 
Gentralhalle Nr. 8, 1887) angegebene Ver«- 
fahren. 

Es ergaben sich dabei folgende Be- 
sultate : 

1. Extr. Belladonn. Ph. G. spiss. 

1,156 Alkaloid. 

2. Extr. Belladonn. Ph. Austr. e radice 

a) spiss. 2,03 pGt Alkaloid, 

b) sicc. c. dextrino 0,896 pOt. 

8. Fxtr. Hyoscyam. sicc. Ph. ö. L 

0,491 pGt. Alkaloid. 
4. Extr. Hyoscyam. sicc. Ph. G. IL 

0,318 pGt Alkaloid. 
6. Extr. Strychni Ph. G. IL 

16,92 pGt. Alkaloid. 



135 



V 



?♦ 



T1 



»» 



Hierzu ist noch Folgendes zu be- 
merken: Von einer zweiten Extraetion 
des Extr&ct-Ealkgeoiiscbes, wie sie Die- 
terich vorschreibt, wurde Abstand ge- 
nommen; dagegen wurde die Dauer des 
Proeesses um etwa eine Viertelstunde 
verlängert. 

P's ist wesentlich, dass man den Kalk 
auf das Extract nicht zu lange einwirken 
lässt, sondern alsbald nach dem Fertig- 
stellen der JMischung das fast trockene 
Pulver in den Extractor bringt und mit 
Aetber befeuchtet. Durch längere Ein- 
wirkung des Kalkgemisches wird das 
Alkajöfd vollkommen zersetzt, was durch 
die hier wiedergegebenen Zahlen belegt 
sein möge. 

Eg worde die fertige trockene Extract- 
Kaikmiechnng in dem Falle 6 einen Tag, 
in den Fällen 7 und 8 zwei Tage bei 
Seile gestellt, und es wurden gefunden: 

Extr. Belladonnae Ph. G, II: 

6. 0,217 pCt. Alkaloid. 

7. 0,108 

8. 0,043 

Zur Extraetion wähle man namentlich 
in warmen Räumen statt der einen Bfick- 
flussrohre ein System von 3 Röhren. 

Mit der Watte sei man nicht zu spar- 
sam, verstopfe vielmehr die Abflussröhre 
mit einem kleinen Wattepfropf und drücke 
ausserdem noch in den unteren Theil 
des Extractionsgefässes eine Watteschicht 
von ungef^r ^^ ^^ Höhe leicht ein. 
Man ist dann sicher, dass keine Kalk- 
theijchen mitgerissen werden können. 

äei der Titration empfiehlt es sich, 
besonders wenn man genöthigt ist, bei 
Lieht zu arbeiten, zur genauen Erkenn- 
ung der Farbengrenze für jeden einzel- 
nen Fall eine uontrolflüssigkeit herzu- 
stellen, nämlich eine der zu untersuchen- 
den Flüssigkeit annähernd gleiche Menge 
destillirten Wassers mit einer gleichen 
Tropfenzabl der Rosolsäurelösung zu ver- 
setzen. Bei älterer Lösung, welche durch 
aufgenommenes AmmoniaK dunkelroth ge- 
färbt ist, ist es nöthig, auch die Control- 
flössigkeit mit Vioo Normal-Schwefelsäure 
bis zum völi^en Verschwinden der rothen 
Farbe zu ätnren. Selbstverständlich muss 
man die hier erhaltene Zahl (auf 2 Tropfen 
Bosolsäurelösung z. B. 0,2 ccm Hundertstel 



Normalsäure) von der zur Sättigang der 
Base nötbigen Säuremenge abziehe. 

Zum Schlüsse sei noch der Untersuch- 
ung von zwei, im Juni 1886 von Dr. 
Schtveissinger hergestellten Belladonna- 
extracten erwähnt, deren Alkaloidgehalt 
schon früher von Dr. Schweissinger nach 
der bereits (Pharm. Centralb. 1886, Seite 
492) beschriebenen Ausschüttelungsme- 
thode bestimmt war. 

Es ergaben sich: 

Extract Extract 

aus Bl&ttern ans Stengeln 

Juni 1886 1,98 pCt. Alk. 1,05 pCt. Alk., 
Febr. 1887 1,71 „ „ 0,90 „ „ 

Der Unterschied im Gehalte ist zum 
kleineren Theile wohl auf eine bei den 
in sehr kleinen Mengen aufbewahrten 
Extracten vorgegangene Zersetzung, zum 
grösseren Theile aber wohl darauf zu- 
rückzuführen, dass seiner Zeit von Dr. 
Schfceissinger die dreifache Menge des 
Extractes angewendet worden war. 



Ueber den Einfluss einiger Neu« 

tralBalze auf die Katalyse des 

Hethylacetats duroh Chlorwasser- 

stofbäure und Schwefelsäure. 

Von H. Trty, 

Im Verlaufe seiner „ehemischen Affinit&ts- 
bestimmungen" hatte Herr Ostwald einen 
interessanten Unterschied zwischen einbasi- 
schen und zweibasiscben S&aren aufgefunden. 
Es ergab sich, dass die chemische Wirksam- 
keit der zweibasischen Säuren durch die Ge- 
genwart ihrer Neutralsalze geschwächt wird, 
diejenige der einbasischen Säuren dagegen 
durch das gleiche Moment beträchtlich erhöbt 
wird. 

Bestimmt man z. B. die Menge Scbwefel- 
zinky welche eine Salzsäure gewisser Concen- 
tration einmal für sich allein, ein anderes 
Mal in Gegenwart Yon Cblomatrium wirkend, 
unter Zersetzung in Chlorzink und Schwefel- 
wasserstoff zu lösen vermag , so ergiebt sich 
im zweiten Falle ein erheblich höherer Betrag. 
Umgekehrt vermag Schwefelsäure in Gegen- 
wart von Natriumsulfat nur ein geringeres 
Quantum von Schwefelzink zu zersetzen, als 
für sich allein wirkend. 

Die Erscheinung war von Herrn Ostwald 
an mehreren Beispielen ähnlicher Art verfolgt. 



136 



Auf seine VeranlassuDg hat nun Herr Trey 
im Laboratorium des Polytechnicums zu Riga 
das Versucbsmaterial auf einen chemischen 
Process anderer Art ausgedehnt. Das Methyl- 
acetat (Essigsäuremethylester, CHs . CO . .- 
CHa) wird bei der Einwirkung von verdänn- 
ten Säuren entsprechend dem Verhalten aller 
Ester nach der Gleichung : 

CHa . CO . . CHs + HaO 
= CH3 . COOH + CHa . OH 

unter Wasseraufnahme in Essigsäure und 
Methylalkohol zerlegt. Die Geschwindigkeit 
nun, mit welcher diese Beaction unter der 
Einwirkung der Salzsäure verläuft, wird er- 
höbt, wenn man der Salzsäure Chlornatrium, 
Chlorlithium u. s. w. zusetzt. Bewirkt man 
die Beaction dagegen durch Schwefelsäure, 
so beobachtet man bei Zusatz von Natrium- 
sulfat oder anderen Sulfaten eine Verzögerung 
der Beactionsgeschwindigkeit. 

Die Schwächung, welche die zweibasischen 
Säuren durch die Gegenwart ihrer Neutral- 
salze in ihrer Wirkungsweise einfahren , hat 
nichts Auffallendes. Durch die Constitution 
der zweibasischen Säuren ist ja die Fähigkeit 
bedingt, saure Salze zu bilden. Freie Schwefel- 
säure tritt also z. B. mit Natriumsulfat in 
chemische Beaction, indem sich nach der 
Gleichung : 

H2SO4 4. Na2S04 = 2NaHS04 

saures Natriumsulfat bildet. Durch diese 
Beaction wird eine gewisse Menge Schwefel- 
säure verbraucht und demnach dem Haupt- 
process entzogen. Für die höchst merkwürdige 
Thatsache indess, dass die einbasischen Säuren 
durch Gegenwart ihrer Salze erhöhte Wirk- 
samkeit erlangen, ist es noch nicht gelungen, 
eine befriedigende Erklärung zu finden. 

Naturw. Bundschau, II, 4. 



ie Elaldin- Beaction. 

Nach Prof. FifiJcener ist es durchaus nicht 
gleichgültig, wie man die Elaidin - Probe an- 
stellt. Fugt man zu lOccm reinen Olivenöls 
in einem verschliessbaren Beagensglase Iccm 
Salpetersäure von 1,4 spec. Gewicht und 0,4g 
metallisches Kupfer in etwa 1 mm starken 
Spänen, so beginnt die Einwirkung der Säure 
auf das Kupfer sofort unter merklicher Tem- 
peraturerhöhung und ist nach einer halben 
Minute wesentlich beendet. Schüttelt man 
den Inhalt des Beagensglases durch einander, 



so werden die rothen Dämpfe , die sich ober- 
halb des Oels befanden, absorbirt, und das 
Oel, auf 10 bis 12^ abgekühlt, erstarrt inner- 
halb 30 Minuten zu einer vollständig festen 
Masse. Ersetzt man die Salpetersäure durch 
Schwefelsäure von 1,53 spec. Gew. und das 
Kupfer durch eine concentrirte Losung von 
salpetrigsaurem Kali, so bilden sich rothe 
Dämpfe wie vorhin. Beim Schütteln werden 
dieselben absorbirt, aber das Oel , auf 10 bis 
12^0. abgekühlt, erstarrt auch nach 24 Stun- 
den nicht. 

Behandelt man das Oel auf gleiche Weise 
mit Salpetersäure von 1,2 spec. Gew. nnd 
salpetrigsaurem Kali, so fängt das Oel erst 
nach etwa 12 Stunden an fest zu werden. 
Nimmt man Salpetersäure von 1,4 spec. Gew. 
und salpetrigMrares Kali, so tritt die Erstarr- 
ung nach 3 Stunden ein. Beim Mischen dea 
Oels mit Salpetersäure von 1,4 spec. Gew. 
ohne einien andern Zusatz erstarrt das Oel 
nicht. Ein Gemisch aus gleichen Volumen 
rauchender Salpetersäure und Wasser bringt 
das Oel nach 4 Stunden zum Erstarren. 
Werden salpetrigsaure Dämpfe durch das Oel 
geleitet, so tritt die Erstarrung erst nach 
mehreren Stunden ein. Wendet man statt der 
Kupferspäne Quecksilber an, so hält die Ein- 
wirkung der Säure auf das Quecksilber länger 
an , und die Erstarrung des Oels geht nicht 
so schnell vor sich. Bei Anwendung von 
0,8 g Kupfer statt 0,4 g auf Iccm Salpeter- 
säure wird die Erstarrung nicht geändert. 
Verdoppelt man die Menge des Kupfers and 
der Salpetersäure, so erstarrt das Oel später. 
Wird die Menge der Salpetersäure und des 
Kupfers halbirt, so wird das Product fester. 
Ein Ersatz der Kupferspäne durch Kupfer 
in einem Stück ändert die Erstarrung nicht 
merklich. Stellt man eine Probe einer durch 
gelindes Erwärmen erhaltenen Lösung von 
reinem Elaidin in der gleichen Menge reinen 
Olivenöls eine halbe Stunde in Wasser von 
10^ C. und darauf in Wasser von 15^ C, so 
ist am folgenden Tage diese Probe fester als 
eine andere, die von Anfang an in Wasser 
von 15^ C. gestanden hat. 

Nach den angeführten Versuchen ist die 
Elaidin - Beaction so auszuführen, dass die 
Umstände bei der chemischen Einwirkung 
und bei der Erstarrung möglichst dieselben 
sind. Salpetersäure und Kupfer haben die 
Erstarrung am besten herbeigeführt und iftsst 
sich hierbei der Verlauf der Beaction auf eine 



137 



einfiche Weise hinreichend gleichmässig 
machen. 

Die Besnltate für die verschiedenen Ver- 
sache sind in 10 Tabellen zusammengestellt, 
ans denen sich absolut sichere Schlüsse noch 
nicht ziehen lassen. Das Wenige, was daraus 
sicher hervorgeht, ist, dass 

1. von den untersuchten Oelen das reine 
Olivenöl (Nizza-Speiseöl) unter allen Beding- 
ungen am schnellsten erstarrt, Baumwoll- 
samenöl , Mohnöl und Leinöl jedweder Pro- 
venienz aber nicht erstarren. 

2. dass Klauenfett (Ol. pedum Tauri) und 
Erdnussöl (Arachis - Oel) — besonders aber 
das erstere — hinsichüich des Beactions- 
producta der Elaidin-Reaction dem guten 
Olivenöl am nächsten stehen und sich ledig- 
lich durch die längere Erstarrnngsdaner von 
ihm unterscheiden lassen. 

3. dass Gemische zweier Oele durchaus 
ahwdchende Resultate geben und dass mithin 
die Elaidin-Reaction bei Gemischen keinen 

festen Anhalt bietet. 

Mitth, d. eh. techn. Vers. A. 



Tartarus boraxatus. 

Cr. Vidpius macht darauf aufmerksam, dass 
der Tartarus boraxatus des Handels vielfach 
nicht den , allerdings ziemlich strengen An- 
forderungen, welche die deutsche Pharma- 
kopoe an dieses, aus 2 Th. Borax und 6 Th. 
Weinstein durch Lösen in 20 Th. Wasser und 
Entfernung des Lösungsmittels durch Wärme 
zu bereitende Präparat stellt, genügt. Es 
soll u. A. die mit Salpetersäure angesäuerte 
lOproc. wässrige Lösung durch Baiyumnitrat 
gar nicht verändert und durch Silbemitrat 
nur schwach opalisirend getrübt werden. 
Nun war es im vorigen Sommer thatsächlich 
nicht möglich, einen Tartarus boraxatus durch 
Vermittelung einer Drogenhandlung oder di- 
rect ans einer chemischen Fabrik zu erhalten, 
welcher diesen beiden Forderungen gleich- 
zeitig genügt hätte, eine Erfahrung, deren 
Erinnerung durch eine ähnliche Mittheilung 
von anderer Seite unlängst wieder aufgefrischt 
wurde, und deren Erwähnung vielleicht ge- 
eignet ist, einerseits die Werthschätzung des 
pfaarmaceutischen Laboratoriums für Selbst- 
darstellung von Präparaten wieder zu er- 
höben, andererseits auch solohen Stiefkindern 
der Fabrikation eine erhöhte Aufioaerksam- 
keit zu verschaffen. 

£in Widerspruch existirt freilich zwischen 



den Forderungen, welche die Pharmakopoe 
an die Reinheit des Präparates einerseits, an 
diejenige der zu seiner Herstellung dienenden 
Materialien andererseits gestellt hat. Während 
nämlich dem dabei verwendeten Borax eine 
opalisirende Trübung durch Bariumnitrat 
nachgesehen wird, soll die Lösung des Borax- 
weinsteins dadurch nicht geföllt und , da von 
Gestattung irgend einer Trübung überhaupt 
nicht die Rede ist , also wohl auch sonst in 
keiner Weise verändert werden. Zum Glücke 
bietet die Erlangung eines völlig schwefel- 
säurefreien , also in seiner Reinheit über die 
Anforderungen der Pharmakopoe hinaus- 
gehenden Borax längst keine Schwierigkeiten 
mehr, und ist damit die Möglichkeit der 
Selbstherstellung eines völlig ent- 
sprechenden Boraxweinsteins an 
die Hand gegeben. 

Chemiker-Zeitung 18S7, Nr. 20. 



Hydrargymm oarbolicum 
oxydatum. 

Dr.JTaWiScAadeÄ^inNeisse berichtet in den 
Monatsheften f. pract. Derm. VI, 195 über 
das obengenannte Präparat, welches er gegen 
Sjphilis empfiehlt. Dasselbe wird dargestellt 
durch Fällen einer verdünnten wässrigen Su- 
blimatlösung mit einer concentrirten alko- 
holischen Lösung von Kaliumphenol. Es 
entsteht ein gelblicher bis weisser Nieder- 
schlag, welcher auf ein Papierfilter gebracht 
und so lange mit destillirtem Wasser gewaschen 
wird, als die Waschflüssigkeit noch Ohlor- 
reaction giebt, dann wird über Schwefelsäure 
getrocknet. Das so gewonnene Product soll 
die Zusammensetzung (CeHöO)«Hg + H2O 
besitzen. (In den Lehrbüchern ist angegeben, 
dass beim Zusammenbringen der Lösungen 
von Raliumphenol und Sublimat ein rother 
Niederschlag entstehe, die Zusammensetzung 
dieses Niederschlages sei wahrscheinlich 
CsHsO . Hg(OH) , sichere Angaben darüber 
fehlten jedoch. Es werden wahrscheinlich, da 
die Salze des Phenols wenig beständig sind, 
je nach der Concentration der Lösungen ver- 
schieden zusammengesetzte Verbindungen 
erhalten. Die Angaben Dr. Schadek^B über 
die Zusammensetzung seines Präparates sind 
etwas dürftig, seine Mittheilungen über das 
Verhalten des Präparates gegen Reagentien 
berücksichtigen die allgemeinen Reactionen 
der Salze des Phenols sehr wenig. 



138 



Das Hydrargyrum carboliQum oxydatum 
wird in Pillenform gegeben und soll vorzüg- 
lich vertragen werden. Gleichzeitig macht 
Dr,Schadek darauf aufmerksam, dass im Handel 
ein Hydrargyrum earbolicum cryst. czistire, 
welches die Zusammensetzung (C6H&)2Ug habe 
und mit seinem Präparat nicht verwechselt 
werden dürfe. 

(Diese Phenylverbindung wird aus Brom- 
benzol und Natrium am algam hergestellt, 
schon die Bildungsweise ergiebt, dass im 
chemischen Sinne die Präparate weit von ein- 
ander entfernt sind.) e. 



Darreichung von Fetten bei 
chronischen Zehr - Krankheiten. 

Bei chronischen Krankheiten mit grosser 
Abmagerung, in denen es erwünscht ist, dem 
Fettschwund entgegen zu treten, stellen sich 
der Darreichung von Fett grosse Hindernisse 
entgegen. Die Fette werden bekanntlich im 
Magen nicht verändert, sondern hindern sogar, 
bei Körpertemperatur flussig geworden , die 
Verdauung, indem sie die Nahrung wie eine 
Kapsel umhüllen und auf diese Weise die 
Einwirkung des Magensaftes auf die Albumi- 



nate unmöglich machen oder doch wesentlich 
verzögern. Nur ein kleinen Theil der Fette 
wird im Magen gespalten (das dabei frei- 
werdende Glycerin , welches leicht Zersetz- 
ungen erleidet, giebt hierbei zu anderen 
Uebelständen Veranlassung), dies geschieht 
weiter abwärts im Darm, hauptsächlich durch 
die Bauchspeicheldrüse, während die Galle 
die Fette zu in Wasser löslichen Seifen um- 
wandelt und dann resorbirt. Da also nur die 
Fettsäuren verdaut werden, giebt Prof. /Seno^r 
entweder einen den Fetten nahestehenden 
Körper, Wallrath (chemisch gedacht ist Wall- 
rath ein Wachs, es besteht hauptsächlich aus 
Palmitinsäure, Cetyläther kann also bei der 
Spaltung kein Glycerin liefern), oder er giebt 
freie Fettsäuren oder Seife in Pillenform. 
Prof. Liebreich schlägt vor, saure Seifen, 
welche sich leichter zerlegen , zu geben nnd 
hierbei insbesondere die höheren Fettsäuren, 
von der Myrixtinsäure angefangen , zu be- 
nützen. 

Jedenfalls bietet sich hier ein Feld zur 
Herstellung neuer Präparate. 

Verhandle d. Berl. med. Ges. 
durch deutsch. Med.-Zeit. 



Tecbnisclic MTotlzen. 



üeber die Darstellung des 

Schwefelcalciums mit violetter 

Fhosphorescenz. 

Von A. Vemeuü. 

Im Handel kommt ein Schwefelcalcium 
vor, das durch den Glanz und- die Dauer 
seiner violetten Phosphorescenz sich aus- 
zeichnet und dessen Herstellung bis jetzt 
Geheimniss war. Nach der Analyse besteht 
dieses Product aus ungeföhr 37 pCt. einfach 
Schwefelcalcium, 50pCt. Kalk, 7 pCt. schwefel- 
saurem Kalk und 5 pCt. kohlensaurem Kalk 
neben Spuren von Kieselsäure, Magnesia, 
Phosphorsäure und Alkalien. Das Vorhanden- 
sein kieseliger Foraminiferen schalen lässt 
darauf schliessen, dass der benutzte Kalk aus 
den Schalen von Seethieren dargestellt wurde. 

Wenn man Austernschalenkalk mit Schwefel 
in den Verhältnissen, die der Zusammensetz- 
ung des „Phosphors von Kanton ** entsprechen, 
glüht, erhält man nichtsdestoweniger Körper 
von nur geringem Phosphoresceuzvermögen. 
Verf. kam daher auf die Vermuthung , dass 



ein Körper , der der Analyse entgangen war, 
jene Eigenschaften bedinge , und fand in der 
Tfaat , dass der Phosphor von Kanton einer 
kleinen Menge Schwefelwismut seine 
Phosphorescenz verdankt. 

Hiemach ist als beste Arbeitsweise za em- 
pfehlen : 20 g Kalk aus den Schalen von 
Hypopns vulgaris (Riesenmuschel) werden 
fein gepulvert , dann innig mit 6 g Stang^en- 
Schwefel und 2 g Stärke gemengt. Man ^iesst 
über das Pulver 8 ecm einer Lösung, die aus 
100 ccm absolutem Alkohol, 0,5 g Wismat- 
subnitrat und einigen Tropfen Salzsäure her- 
gestellt worden ist , tropfenweise zu und er- 
zielt dadurch eine passende Vertheilung des 
Wismutsalzes in der ursprünglichen Masse. 
Nach dem Verdunsten des Alkohols an der 
Luft wird die Masse im bedeckten 'Piegel 
20 Minuten lang auf helle Kirschroth^lutfa 
erhalten , wozu ein Holzkohlenofen oder ein 
Ferro t*scher Gasofen benutzt wird. Man lüsst 
den Tiegel erkalten , hebt die dünne Schiebt 
von schwefelsaurem Kalk ab, pulvert clen In- 
halt und erhitzt nochmals eine halbe Stunde 



139 



lang auf dieselbe Temperatar. Wenn die 
Hitze nicht zo gross war, bildet die Masse 
kleine KÖmer, die kaum an einander backen 
und durch schwachen Druck sich leicht zer- 
theilen lassen ; ein nochmaliges Pulvern ist 
zu vermeiden , weil dadurch die Phosphor- 
escenz erheblich vermindert wurde. 

Der Verf. hat auch Versuche angestellt, 
um die grüne Phosphoreseenz , weiche man 
mit Schalenkalk und Schwefel allein erzielt, 
durch andere Metalle zu erhöhen und zu Sn- 
dern. Ohne bemerkenswerthe Wirkung sind 
die Sulfide von Antimon , Cadmium , Queck- 
silber, Zinn, Kupfer, Platin, Uran, Zink und 
Molybd&n ; die Phosphoreseenz , welche die 
Hasse mit kleinen Mengen dieser Salze an- 
nimmt, wechselt von gelb - grün bis bläulich- 
grun; aber der Glanz des ausgestrahlten 
Lichtes nach der Insolation nimmt nicht 
merklieh zu. Die Sulfide von Kobalt, Nickel, 
Eisen und Silber drucken die Phosphoreseenz 
berab, Mangan giebt die schon von Becquerel 
beobachtete Orangefarbe. Die Menge des 
If etallsalzes kommt hierbei in Betracht , wie 
folgende Versuche zeigen. Eine Masse aus 
100g Schalenkalk, 30g Schwefel, 10 g Stärke 
und 0,035 g Bleizucker liefert eine schön 
gelblicb-grüne Phosphoreseenz; nimmt man 
auf dasselbe Verhältniss 0,400 g Bleizucker, 
so wird die Phosphoreseenz gelblich -weiss 
und sehr scliwach. Mit l)60g erhöht sich die 
gelbe Farbe, mit 3,50 g ist das ausgestrahlte 
Licht orangefarben , ähnlich der durch Man- 
ganznaatz bewirkten Farbe. Noch grössere 
Mengen Bleizucker färben das Product grau 
usd die Phosphoreseenz verschwindet. 

Die Versuche lehrten ferner, dass Schwefel- 
ealciam an sich keine dauernde Phosphor- 
eseenz besitzt und lassen vermuthen, dass die 
idiwache Phosphoreseenz mancher Producte 
auf dem Dasein von Verunreinigungen beruht. 
Dass kleine Mengen fremder Substanzen 
einen grossen Einflnss auf die Art und Stärke 
der Phosphoreseenz ausüben können, wird 
bestätig durch Versuche mit Strontian : wird 
Chlorstrontium mit kohlensaurem Ammon 
geßlllt und der kohlensaure Strontian (100 Tb.) 
mit Schwefel (30 Tb.) und arseniger Säure 
{.5 Tb.) geglüht, so hat das Product eine leb- 
haft grünlich - blaue Fluorescenz; war das 
Carbonat durch doppelt kohlensaures Natron 
geeilt und gut ausgewaschen, so ist die Phos- 
phoreseenz lebhaft gelb. Diese Verschieden- 
heit rührt von kleinen Mengen Natron her. 



da der Zusatz von Soda (^/looo) zu dem ersten 
Satze dieselbe Wirkung besass. 

Chem, tet^n. C-Am, 



Untersuchungen über das rasche 
Vergilben des Fapieres. 

Von Jul. Wtesner. 

Das rasche Vergilben der Papiere wird der- 
zeit ausschliesslich dem Holzschliffpapiere zu- 
geschrieben. Aus Nadelholz erzeugtes Papier 
soll der Verg^lbung mehr unterliegen als 
Papier, welches aus Laubholz bereitet wurde. 
Aus jungem Holze erzeugte Papiermasse soll 
besonders rasch vergilben. Viele betrachten 
auch diese Art der Vergilbung als eine durch 
Feuchtigkeit begünstigte rasche Hnmificirung 
der Holzfasern des Papieres. Dieser Ansicht 
scheint auch Hoyer hinzuneigen , obwohl 
einige seiner Angaben vermuthen lassen, dass 
er auch dem Lichte, ja sogar dem Ammoniak- 
gehalte der Atmosphäre eine Rolle bei diesem 
Processe zuschreibe. 

Zu seinen Versuchen dienten dem Verfasser 
zunSchst Papiere , welche nach Ausweis der 
von ihm vorgeschlagenen Phloroglucin probe 
reich an Holzsubstanz waren und die bei mi* 
kroskopischer Untersuchung als Holzschliff* 
papiere sich erwiesen. 

Stücke solchen Papieres wurden dem un- 
mittelbaren Sonnenlichte ausgesetzt und von 
Zeit zu Zeit mit Proben desselben Papieres 
verglichen, welche vor Einwirkung selbst des 
schwächsten Lichtes geschützt waren. Bei 
hohem Sonnenstande und nahezu senkrechtem 
Einfalle der Sonnenstrahlen Hess sich schon 
nach einer Stunde der Beginn des Vergilbens 
erkennen. Da bei jenen Temperaturen, wel- 
chen die Papiere während der Bestrahlung 
ausgesetzt waren, im Dunkeln keine Veränder- 
ung wahrnehmbar wurde, so musste geschlossen 
werden, dass das Licht bei der Vergilbung der 
Holzpapiere betheiligt ist. 

Wird ein Stück desselben Papieres in der 
TorricelU'BQhen Leere dem Sonnenlichte aus- 
gesetzt, so stellt sich auch nach monatelanger 
Einwirkung keine Spur einer Vergilbung ein, 
selbst wenn man im Quecksilber etwas Wasser 
aufsteigen lässt und das Probepapier alsbald 
im feuchten Räume sich befindet. Dieser Ver- 
such zeigt, dass auch die Luft bei der Ver- 
gilbung betheiligt ist, und es kann wohl, na- 
mentlich mit Rücksicht auf den Umstand, 
dass Stickstoff und Kohlensäure dem Holz- 



140 



8chli£[papiere gegenüber sich völlig indifferont 
verbalten , keinem Zweifei unterliegen , dass 
die Yergilbung des Holzpapieres ein durcb 
das Licht bedingter Ozjdationsprocess ist. 

Die Stärke des Lichtes, ganz besonders aber 
die Brecbbarkeit desselben (Lichtfarbe) haben 
auf die Vergilbnn'g der Holzpapiere grossen 
Einflnss, wie sich aus folgendem Versuche 
ergiebt. 

Verf. füllte eine doppelwandige Glasglocke 
{Senebier'Bche Glocke) mit einer Lösung von 
doppeltchrom saurem Kali, eine zweite mit 
schwefelsauremKupferoxydammoniak. Schich- 
tendicke und Lösung waren so gewählt, dass 
die eine Glocke — kurz die „gelbe Glocke*' 
genannt — blos Koth bis Grün, die andere 
— „blaue Glocke" — Grün bis Violet durch- 
lässt. Während unter der blauen Glocke, na- 
mentlich im Sonnenlichte, sehr rasch die Ver- 
gilbung des Holzschliffpapieres sich einstellt, 
ist dieselbe im diffusen Tageslichte gar nicht 
abzuwarten, so schwach ist die Wirkung. Da 
nun, wie bekannt, photographisch empfind* 
liehe Platten und Papiere (z. B. das Tälbot'- 
sehe Papier) ein gleiches Verhalten unter den 
beiden Glasglocken darbieten, so folgt, dass 
es ähnlich der Wirkung des Lichtes gegenüber 
den Silbersalzen vorwiegend die stark brech- 
baren Strahlen sind (blaue bis ultraviolette), 
welche die Vergilbung des Holzschlifipapieres 
bedingen. 

Einige chemische Veränderungen, welche 
Folge der Vergilbung sind, lassen sich leicht 
und mit Sicherheit feststellen. Um ein rich- 
tiges Verständniss dieser Verhältnisse zu er- 
möglichen, schildert Verf. die chemische Be- 
schaffenheit der verholzten Zellwand in Kürze. 
Man nahm früher an , dass in den verholzten 
Geweben neben Cellulose noch ein anderes 
chemisches Individuum, der Holzstoff (Lignin) 
vorkomme. Diese auch mit dem sehr unpassend 
gewählten Worte „inkrustirende** Materie be- 
zeichnete Substanz ist nun nach den haupt- 
sächlich vom Verfasser und seinen Schülern 
ausgeführten Untersuchungen ein Gemenge 
mehrerer Körper, unter welchen Vanillin, 
Coniferin, femer eine durch Salzsäure sich 
gelb färbende, nicht näher bekannte Substanz 
und mehrere Gummiarten nie fehlen. Das 
Vanillin, welches nach des Verfassers Unter- 
suchungen die sogen. Holzstofireactionen be- 
dingt , ist am sichersten durch Phloroglucin 
und Salzsäure, das Coniferin durch ein Ge- 
menge von Phenol, Salzsäure und chlorsaurem 



Kali nachzuweisen, welche Reagentien das 
Coniferin durch eine besonders im Sonnen- 
lichte stark hervortretende Blaufärbung zu 
erkennen geben. 

Im Lichte wird nun im Papiere die durch 
Salzsäure sich gelb , färbende Substanz nicht 
zerstört , wohl aber Coniferin und Vanillin. 
In stark am Sonnenlichte gebräuntem Holz- 
schUffpapiere ist in der Begel kein Coniferin 
durch Phenolsalzsäure nachweisbar. Hin- 
gegen lässt sich die Gegenwart des Vanillins 
feststellen. Allein ein Vergleich mit frischem 
Holze oder frischem , noch nicht vergilbtem 
Holzschliffpapiere lehrt, dass das Vanillin bei 
der Vergiibung stark abgenommen hat. 

Weiter lässt sich noch feststellen, dass die 
Stärkemenge in dem am Lichte vergilbten 
Papiere abgenommen hat, indem dasselbe im 
Vergleiche zu dem übrigen Papiere mit 
wässeriger Jodlösung nur eine sehr schwache 
Blaufärbung annimmt, selbst wenn man früher 
mit Salzsäure angesäuert hat. Das am Liebte 
vergilbte Papier wird durch Kalilauge stark 
braun. Weder durch Wasser, noch durch 
Aether und Alkohol lässt sich ein vergilbtes 
Papier entfärben, auch dann nicht, wenn 
Siedehitze angewendet wird. 

Da es die Bestandtheile der verholzten 
Zellwand sind, welche die im Lichte sieh ein- 
stellenden Veränderungen des Papieres be- 
dingen, so ist es eigentlich selbstverständlich, 
dass erstens alle diejenigen Papiere, welche 
irgend welche verholzte Gewebsbestandtbeile 
enthalten, dieselbe Erscheinung zeigen müs- 
sen, und dass Holzstoffpapiere , deren Faaem 
von der sogen. Holzsnbstanz vollkommen be- 
freit wurden, der Vergilbung nicht unter- 
liegen. Zu den letzteren sind die in neuerer 
Zeit so viel gebrauchten, im Vergleiche zu 
Holzschli^apieren so guten Holzstofipapiere 
zu zählen, deren Fasern durch chemische 
Mittel aus dem Holze gewonnen wurden. Aas 
Juteabfallen bereitete Papiere verhalten aicli, 
da die Jutefaser, wie Verf. zuerst zeigte, sehr 
stark verholzt ist, wie Holzschlifl^apiere. 
Strohstoff enthält namentlich in den GeflUsen 
Holzsubstanz. Ist Strohstoff nicht vollständig 
gebleicht, so vergilbt ein daraus bereitetes 
Papier, aber selbstverständlich weniger als 
Holzschliffpapier. Aus völlig unverholzten 
Fasern bestehende Papiere (aUe guten Sorten 
von reinem Hadernpapier) unterliegen gar 
nicht der Vergilbung. Im Lichte sowohl , als 
im Finsteren der Luft ausgesetzt, behalten 



141 



sie vollständig ihre ursprüngliche Farbe, wenn 
nnr dafür Sorge getragen wird , dass auf die- 
selben kein Staub auffällt. 

Die kleinen Mengen von Ammoniak, welche 
steta in der Atmosphäre vorkommen, scheinen 
gar keinen Einfluss auf die Holzschlif^apiere 
auszuüben , wie man aus dem Verhalten von 
Holzschliffpapieren, die Monate lang dem 
Luftzutritte bei Ausschluss des Lichtes aus- 
gesetzt sind, entnehmen kann. Wohl aber 
färben Ammoniakdämpfe das Holzschliffpapier 
sofort; an ireier Luft, rascher in Essigsäure- 
dämpfen Terliert sich diese Färbung wieder. 

Da die staik brechbaren Strahlen des Lichtes 
bei Gegenwart von Sauerstoff die rasche Ver- 
gilbnng aller jener Papiere hervorbringen, 
deren Fasern noch sogen. Holzsubstanz ent- 
halten, dieser Process aber durch Feuchtigkeit 
sehr begünstigt wird, so ergeben sich die Re- 
geln zum Schutze solcher Papiere, bez. von 
Werken, welche auf Holzschliffpapier gedruckt 
sind, von selbst; Sonnenlicht wirkt schädlicher, 
als diffoses Licht ; sehr schwaches , stark ab- 
gedämpftes Tageslicht wird, zumal in sehr 
trocknen Räumen, von ungemein geringer 
Wirkung sein. Gaslicht ist wegen seines ge- 
ringen Gehaltes an stark brechbaren Licht- 
strahlen fast ganz unschädlich. Hingegen 
wird elektrisches Bogenlicht, und überhaupt 
jede kräftige Lichtquelle, welche viel stark 
brechbare Strahlen aussendet, das Vergilben 
begSnstigen. Mit Rücksicht auf die Gefahr 



der Verg^lbung der Papiere wird somit in 
Bibliotheken die Gasbeleuchtung der elektri- 
schen Beleuchtung im Allgemeinen vorzu- 
ziehen sein. Chem, Centr.-Bl 1887, 4. 



Oerb*yerfahren mittelst Fyro- 

fusoin. 

Prof. 22^n«cA- Erlangen veröffentlicht in 
den „Industrie- Blättern" ein neues Gerb- 
Verfahren mittelst eines alkalischen Stein- 
kohlen - Eztractes. Dieser neue Gerbstoff ist 
nach dem Verfasser in fast allen Steinkohlen, 
aber in sehr wechselnden Mengen vorhanden 
und scheint in die Classe derHuminkörper zu 
gehören, von denen er sich in der Hauptsache 
durch hohe Beständigkeit gegen Agentien und 
Licht auszeichnet. Zur Herstellung des Pjro- 
fttscins wird die Steinkohle mit kochender 
Natronlauge wiederholt ausgezogen und die 
Lösung durch HCl oder HNO4 gefällt. Seine 
näheren chemischen Eigenschaften sind bis 
jetzt noch wenig bekannt, doch erweist es sich 
als eine schwache Säure. 

Zum Behufe der Gerbung wird die alkalische 
Lösung des Pyrofuscins durch genügend langes 
Stehenlassen an der Luft und durch Einleiten 
von CO2 neutralisirt. Die Fasergewebe der 
Thierhaut erweisen sich bei Behandlung von 
Pyrofnscin schon . nach kurzer Zeit als völlig 
unlöslich in Wasser, d. h. also in Ledersub- 
stanz umgewandelt. 



j / * ^ 



. \.j^ -/^ /■ _<^ ^^\ f^^/ 



Ijiteratnr und Kritik, 



Avsftthrliches Lehrbuch der Pharma- 
eeutisehen Chemie. Bearbeitet von 
Professor Dr. Umst Schmidt, Direk- 
tor des pharm. - ehem. Instituts der 
UiÜYersitllt Marburg. Mit zahlreichen 
Holzschnitten. Zweite vermehrte Auf- 
lage. I. Band, 1. Abtheil. Metalloide. 
Braunschweig 1887. Verlag von Frie- 
drich Vietceg dt Sohn. 
„Das ausführliche Lehrbuch der Chemie 
iBt bestimmt, dem angehenden Pharmacenten 
als Anhalt bei den privatenjind akademischen 
Stadien, dem praktischen Apotheker als 
Fährer und Bathgeber bei den chemischen 
Arbeiten zu dienen. ** Es soll dasselbe dem- 
nach den Pharmacenten begleiten können 
vom Beginn bis zum Schluss seiner pharma- 
centtscben Thätigkeit. Der angehende Phar- 
macent bedarf vor Allem der Kenntniss der 



Grundbegriffe , der allgemeinen Eigen- 
schaften und Reaktionen der Elemente und 
ihrer Verbindungen, der praktische Apo- 
theker sucht dagegen zumeist Auskunft über 
specielle Eigenschaften der EOrper, über 
ihre Herstellung, Verunreinigungen, Werth- 
bestimmung, über die Verwendung derselben 
auch in der Technik und im täglichen Leben. 
Der Letztere wird im Allgemeinen in aus- 
führlichen Abhandlungen das ihm Ndtiiige 
leichter herausfinden als der Anfänger, wel- 
cher leicht Nebensächliches mit Hauptsäch- 
lichem verwechselt und in dem Bestreben, 
Alles zu lernen, in Gefahr geräth Nichts, 
oder wenigstens nichts Ordentliches zu lernen ; 
für ihn gilt : non multa sed multum. 

Es sind demnach die Aufgaben , welche 
ein Lehrbuch zu lösen hat, das sich die oben 
erwähnten Ziele gesteckt hat, keine gleich- 



142 



artig«!), in so vielen Stücken sie sich aach 
berühren , und ihre gemeinsame Lösung ist 
schwierig. 

Wie die üeberwindnng dieser Schwierig- 
keiteii dem' Verfasser gelungen ist, wie er es 
möglich gemacht, ein Lehrbnch zu schreiben, 
welches zagleich ein praktisches Handbach 
far Prüfung der Arzneimittel , für chemische 
Untersuchung in der Hjgieine und im Ge- 
biete der Technik ist, ohne dass das Hand- 
buch das Lehrbuch beeinträchtigt, dies zu 
beschreiben ist leider nicht möglich, denn 
dieses Kunststück beruht auf der Vortrags- 
weise des Verfassertf« Die Art der Schilderung 
grenzt weit besser und genauer theoretisch 
und praktisch Wichtiges, Allgemeines und 
Specielles von einander ab, als es durch 
grossen und kleint^n Druck und sonstige 
Hülfsmittel, welche hier natürlich auch an- 
gewandt sind, möglich ist Wenn es dafür, 
ein wie vielseitiger, begabter und erfahrener 
akademischer Lehrer für Pharmaceuten der 
Verfasser ist, noch eines Beweises bedürfte, 
durch das vorliegende Lehrbuch würde der- 
selbe erbracht worden sein. e. 



Encyklopädie der Natarwissensehaf- 
ten. IL Abtheilung. Handwörterbach 
der Chemie. Herausgegeben von Prof. 
LadefAurg. 20. und 21. Lieferung. 
Breslau 1886. Verlag von Eduard 
Trewendt 
Die vorliegenden beiden Lieferungen des 
vortrefflichen Werkes enthalten wieder eine 
Anzahl Monograpfaieen , welche geradezu 
mustergäitig abgefasst sind. So Glykoside 
(Schluss), Gold, Guanidin, Harn, Harnsäure- 
gruppe, Harnstoff. e. 

Omeliu-Kraiit's Handbuch der Chemie. 

Anorganische Chemie in 8 Bänden. 
6. umgearbeitete Auflage von Prof. 
Dr. K ErafU in Hannover. IL Band, 
1. Abtheilung, 14. bis 16. Lieferung. 
Heidelberg 1886. Carl Winters 
Universiftätsbiichhaadlnng. 

Diese Lieferungen enthalten, in bekannter 
eingehender Weise besprochen, die Verbin- 
dungen des Siiicinm's. Es- ist insbesondere 
den Doppelverbindungen der Kiesels&ure 
grosse Sorgfalt gewidmet und Glas z. B. in 
einem besonderen Anbange besprochen. 

e. 



Die Mikroskopie der teelmiseh ver- 
wendeten Faserstoffe. Ein Lehr- 
und Handbuch der mikro^kopisehen 
Untersuchung der Faserstoffe, Gewebe 
und Papiere. Bearbeitet von Professor 
Dr. Frans Ritter von Höhnel in Wien. 
Mit 69 Holzschnitten 4 uT 50 4 A, 
Hartlehen's Verlag in Wien, Pest und 
Leipzig. 

Die Untersuchung.von Qeweben und Papier 
hat gewiss Jedem, welcher chemische und 
mikroskopische Untersuchungen berüfstnässig 
auszuführen hat, schon Stossseufzer abge- 
presst, wenn die Deutung des vielgestaltigen 
mikroskopischen Bildes des zu analysirenden 
Präparates ihm nicht gelingen wollte. In der 
Literatur war dabei bis jetzt nicht viel Aus- 
kunft zu holen, denn die verschiedenen Lehr- 
und Handbücher enthalten nur einzelne Par- 
tien von Fasern abgebildet, aber keinen syste- 
matischen Gang zur Erkennung verschiedener 
Fasern neben und mit einander. Ein solcher 
wird nun in dem vorliegenden Buche, nach- 
dem zuerst die einzelnen Fasern gründlich 
besprochen und durch Abbildungen erläutert 
worden sind, gegeben. Hierdurch erhält das 
Werk für den Praktiker besonderen Werth 
und wird demselben für die Untersuchung 
von Geweben und Papier geradezu unent- 
behrlich. 



e. 



Raturgescbicbte des Pflanzenreicbs. Grosser 

Pnanzenatlas mit Text fQr Schale und Haus. 
80 fein colorirte Doppeltafeln mit Qber 2000 
\ naturgetreuen Abbilaungen und 40 Bogen 
begleitendem Text nebst vielen Holzschnitten. 
I Herausgegeben von Dr. M. Fünfstüek, Privat- 
I docent am KOnigl. Polytechnikum zu Statt- 
gart. Emü Hänsdmann^s Verlag, Stuti^irt. 
' Ig Lieferungen k 50 Pf. 
' Von diesem nübschen Werke sind bis jetzt 
! d5 Lieferungen erschienen. Bei der Besprecnung 
! derBlflthenpflanzen, die mit Heft 15 beginnt, wird 
besonders auf die einheimische Flora Bedk^ht 
ffenommeni ausserdem sind die wichtigeren aus- 
ländischen Pflanzen, namentlich Arznei-, Han- 
dels- und Kultnrgewächse, sowie besonders inter- 
essante Vertreter tropischer Familien berück- 
sichtigt worden. Die farbigen Abbildungen g^ben 
zum weitaus überwiegenden Theil die dar- 
gestellten Pflanzen gut und naturgetreu wieder. 

Die UntersieliiiuE des Selnretaelelflches a«f Tri- 

Ohinei Ulli niMn nebst einer Zusammen- 
stellung^ der neuesten^ die Fleischschau be- 
treffenden Gesetze und Verordnungen, sowie 
Beschreibung des Mikroskops von Arru^d 
Rager^ bestallter Fleischbeschauer. Mit 56 
in den Text gedruckten Abbildungen. Frank- 
furt a. Oder 1886. B. Waldmann\ Verlag. 



148 



JikrakMUM UM TOB a F. iMMigff * Uhiel 

Jatobnsh flkr nolqnrtphle ud HeprodiiettOM- 
teeludk (du das Jiht UH. Unter nitwirkang 
herrorragender FaehmAniier heransgre^eben 
TOB I^. Joief Nmria Eder, \, k. Professor 
an der Staatsgewerbesehide und Docent an 



der teobnischen Hocbsebnle in Wien. Erster 
Jabrgang. Halle a. S. 1887. Druck und Yer- 
lag Ton Wilhehn Knapp. 
frice List for Februaiy, 188T of Tb. Os. Cbrtsty 
A Co. Importers and Introducers of v^ew 
Dmgs and Remedies. 26» Lime Street, Lob* 
don E.a 



Hlscelleii. 



p -Acetphenidin 

oder acetjlirtes p -Amidopbenol 

NHi . CeH40 . CHs . COiH 
ist das neueste ABtipTretieom. £• bildet 
&rblo8e oder sebwacb rotblicbe kleine 
Nadeln, welcbe sieb in Wasser scbwer, in 
Älkobol nnd Eisessig etwas besser lösen , bei 
135<^ sebmelzea nnd gescbaacklos sind. Das 
Priparat wird in Gaben Yon 0,2— 0,5 g Terab- 
reichtf aber ancb Dosen von 1 — 2 g erwiesen 
sieb nach Hin^betg dt Säst, welcbe dasselbe 
prüften, noch als nnschädlioh. Zu becieben 
ist das neue Mittel tob den Farbenfabriken 
Torm. Bayer dt Co. ia Elberfeld. 

CetiirQM. f. d. med, Win. 18S7, I^. 9, 



GlycyphylliiL 

Ueber Glycypbyllin, den süss 
scbmeckeBden Körper ans der Smilaz glycj- 
pbjlla, giebt E. S. Benme neue Mittbeil- 
Qngtn. 

Smilax glycypbjlla ist eine Pflanze, die 
sehr reichlich in den nördlichen Theilen Ton 
Ken -Süd -Wales und den sfidlicben Theilen 
▼OB Queeneland witehst. Der süss schmeokende 
Körper, der schon früher ^on Wright unter- 
sucht wurde, hat die Formel CaiH240o; er 
kiystallisirt aus wässerigem Aether mit drei, 
aus Wasser mit 4 >/« Mol. Wasser. Er serfiillt 
dareh Spaltung in Pbloretin und Isodulcit : 

&iU«40» + 2H2O = CiöHmOs + CeHuOe. 
— OS— D, Chem, Drugg., Jan, 16G7, 



Boldoglucin 

ist etB Oljeorid, welchem hypnotische Eigen* 

•cbafIteB Bukommen sollen. Dasselbe wurde 

ron Chapoteaux aus den Blättern von Boldo 

fragrans iaolirt und ist tob Dr. Beni Juranvüle 

In einer ABsahl tob Fällen mit gutem Erfolg 

gegebeu worden. Die Dosis betrug 1 bis 5 g. 

Der Körper lat aicht au Terwecbselu mit BoldiB, 

ei Dem aus den Blättern derselben Pflanae 

ieolirten Alkahnd. — os — 

Therap. Qom., Fdbr. IQ&T, 



AMptiuiohe Iiaminaria. 

Q-, Dimer bezeichBct die seitherige trockeBC 
Aufbewahrung der Preassebwämme nad der 
Laminaria als durchaus Terwerflich 
und als unvereinbar mit den Qrundsätsen 
der Antisepsis. Er empfiehlt die Aufbewahr- 
ung iB eiaer 1 proc. LÖsuBg tob Subliuiat i& 
Alkohol absolutus. Die Quellkraft der 
Laminaiia leidet durch diese Anfbewabrungs- 
weise nicht. (Vergl. Kr. 7, pag . 92 d. Ph. C. 
dies. Jahres.) 

J)¥/rch Cerr.'Bl. f. Schweiz, Äente. 



Hopeln. 

Das Hopetn soll noch nicht zur Ruhe kom* 
men. Die Concentrated Produce Co., Ld. 10., 
Camomile Street, London, E. C. schreibt 
einen Preis ron 6000 Mark aus für die beste 
Arbeit Ober die physiologische Wirkung des 
narkotischen Alkaloides des Hopfens. Das 
für die Versuche erforderliche Al- 
kaloi'd liefert die gedachte Gesell- 
schaft, Ton welcher auch die näheren Be- 
dingungen zu erfahren sind. 

Uns will es scheinen , als ob es besser für 
die Klärung der Hopeinftrage — wenn eine 
solche noch nöthig — sein würde, wenn das 
Hopein mit Hopfenalkaloiden, welche Ton an- 
derer Seite aus dem Hopfen darzustellen 
wären , yerglicben würde, als wcbb die Ge- 
sellschaft ihr Präparat, von dessen Herstell- 
ung man nichts weiss, liefert. 



Vergiftung von Vieh durch 
arsenikhaltiges Glaubersali. 

Ein irischer Farmer gab seinen 20 Kühen 
ein AbfQbrmittel, welches aus Sennaaufguss 
und Glaubersalz bestand; die Kühe, welcbe 
vorher nicht eigentlich krank waren, er- 
krankten plötzlich unter heftigen Ersdiein- 
ungen und zebn derselben starben am andern 
Tage. 

Die Eingeweide eiaer Kuh nnd ein Theil 



144 



des zurückgebliebenen Glaabersalzes worden 
von Charles Ä. Cameron untersdcbt. Es er- 
gab sich, dasB in dem Glaubersalz Arsenik in 
Gestalt Ton arsenigsaurem Natron vorhanden 
w«r, und zwar über 0,1 pGt. 



' Cameron glaubt, dass der Ar^^gehlüt aus 
einer unreinen Schwefelsäure herrührte; es 
war jedoch leider nicht möglich, d^ Ursprung 
des Glaubersalzes festzuBtellen. — ob— 

Analyst, Febr, 1887. 



V^ -V^ \yv^ N<r >.< N* Vy 



Offene CorrespondenB. 



Apoih. K« in ,B. Besten Dank föi\ Ihre Mit- 
theiliing,. die wir hierbrin^n: ,,Da»beWÄhrteste 
lind jEUglcicb angenehmste Mittel znr VerdecXung 
des Jodoforms dürfte Ol. Sassafras sein, 
welches in wenigen Tropfen dem Jodoform zu- 
gesetzt; mit denselben eilten ganz angenehmen 
Mernch erzeugt. Ebenso empfiehlt es jsich, einen 
Spiritus Ol. Sassafras vorräthig zu halten, um 
nach dem Arbeiten mit Jodoform (z. B. Bacilli etc.) 
die' vorher mit ^eife gewaschenen Hftnde ein* 
zuijeiben." 

B« in F. Zum Nachweis, ob die Färbung 
eines Harn durch den Gebrauch von Santonin, 
Senha, -Bhabarber oder Ghrysarobin bewirkt ist, 
empfiehlt Hoppe -Seyler die Ausschtttelung mit 
Amylalkohol. Zu diesem Zwecke wird der Harn 
mitAetzkali versetzt und mit Amylalkohol aus- 
geschüttelt. Rührt die Färbung von dem Ge- 
brauch von Santonin her, ibu geht der Farbstoff 
fast völlig in den Amylalkohol über und der 
Harn entSrbt sich, während nach .Chrysoph an- 
säure (Rhabarber^ Senna, Chiysarobin) der Harn 
roth gef&rbt bleibt und der Amylalkohol' nur 
Spuren von Farbstoff aufnimmt. Wird der Harn 
jedoch angesäuert, so nimmt der Amylalkohol 
die Chrysophansäure auf und giebt sie nach der 
Trennung im Scheidetrichter beim Schütteln 
mit ammoniakalischem Wasser an dieses ab. Der 
Santoninfarbstoff wird unter dem gleichen Ver- 
hältniss nicht aufgenommen. 

M. in 8. • Zur Verhütung; von Pilzbildung in 
Alkaloidlösungen ist neuerdings ein Zusatz von 
Camp hör (0,5<foo) oder Oampborspiritus em- 
pfohlen worden. Auch Thymol dürfte sich dazu 
eignen. 

'S. K. in 0« Mit Amylose bezeichnet man 
den durch Speichel und Diastase nicht loslichen 
Antheil der Stärke (Cellulose). 

0. tn P. Während der Bauer der Verdauung 
soll der Magensaft entweder Salzsäure allein oder 
mit Milchsäure gemischt enthalten, während er 



bei Vorhandensein von .Ereibs nur Milch- 
säure enthält. Hierauf soll sich nun eine 
Diagnose einer ^ ^Erkrankung an Magenkrebs 
gründen, indem '^der umstand für Krebs ent- 
scheidend ist, dass der Magensaft keine Salz- 
säurereaction giebt. Als '.Reagentien hierzn 
werden benutzt: Gentianaviolett (mit Salzsäure 
blau), Orange Poirier Nr. 1 (mit Salzsäure roth). 
Congoroth (mit Salzsäure blau). 

JDass natürlich sowohl Salzsäure als auch 
andere Mineralsäuren nicht etwa als Medikament 
vorher genommen sein dürfen, ist selbstver- 
ständlich, da genannte Reagentien nicht specicll 
Salzsäure, sondern Überhaupt Mineralsänren an- 
zeigen und nur durch organische Säuren nicht 
verändert werden. 

A. in M* Neuerdings ist von Vorthmann 
eine neue Methode zum Nachweis von Spuren 
Blausäure (auf der Bildung von Nitropmssiat 
beruhend) angegeben worden. Zu der zu prüfen- 
den Flüssig^keit werden einige Tropfen einer 
NatriumnitritlOsung gegeben, einige Tropfen 
Eisenchloridlosung und sehr wenig Schwefelsäure 
zugefügt und das Gemisch erhitzt. Dur^sh^ Ansatz 
von wenig Ammoniak wird der Ueberschuss de^ 
Eisens ausgefällt, abfiltrirt und das Filtrat durch 
Zugabe von wenig Schwefelammoninm geprüft 
Die Reaction soll empfindlicher sein ala die 
Berliner Blau-Reaction, jedoch weniger empfind- 
lich als die Rbodanprobe. Es soll der Nachweis 
von 1 Theil Blausäure in 312.500 Theilen Wasser 
auf diese Weise gelingen. 

Apoth. J. m B. Chloralhydrat wird durch 
Natronlauge in. Chloroform und ameisensaores 
Natron zersetzt und diese Reaktion soll 8ich 
nach A' Krönet zur Werthbestiromung dos 
Ghloralhydrats verwenden lassen. Man lOst eine 
abgewogene Menge desselben in Wasser, fügt 
Normalnatronlauge hinzu und titrirt nach karzor 
Zeit mit Salzsäure zurück. 1 g chemisch reines 
Chloralhydrat gebraucht 6.04NaOH Viooo- 



Hie Bmefse^^ung des AbonnetHents 

bringen wir in geneigte Erinnerung und bitten dringend, die BesteUimgeh vor 
Ablauf des Monats bewirken zu tbollen, damit in der Zusendung keine Unter- 
brechung eintritt 

Fehlende Nummern wolle man sofort reelamiren und ewar bei derjenigen 
JPostanstait oder, Buchhandlung, welche die regelmässige Bestellung besorgt. Sei 
unserer Expedition Jcostetjede eiwelhe Nummer äöPf, 

Vom, laufenden Jahrgang sowohl, wie von den Jahrgängen 1881 bis 1886 
sind noch sämmtliche Nummern ßu haben. 

Verleger und Terautwortlieher Bedactenr Dr. £• Gelisler in Dreaden. 
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Anfragen, Auftrftge, Mannseripte ete. wolle man an den Bedacteur Prof. Dr. E. G ei ssler, 

Dresden, PiUnitzer Strasse 56 adressiren. 

Nene Folge 
Till. Jahrgang 



Mn. 



Berlin, den 24. März 1887. 



Der ganzen Folge XXVIIL Jahrgang. 



Inhalt: €a«Hte maS Fkunade: Ueb«r d«» Naehweft freier Bluren, ■peeiell der Salulnre Im Mageniafle. — 
WttlMiliiafeii au dem öffentllohen ehemUeben Laboratortom Ton Dr. Otto Bchwelwlngfr an Dreeden. -> Zar 
Pfflftuif dae Eaefgithen. — 2am Maehwele dar Alkallmoiioearbonate in Alkallbioarbonaten. — Prafong der Sali- 
•iare asf eiaa VamBrei&lgnng mit BromwaMeratoffsäare. — Bntwnrf eina> Oeaetaea« betreirend den Verkebr mit 
Mai- nad alnkhaltifeii Oageniandaa. — TkenfmilMtik^ Kallirai Die pronbylaktiaoha Behandlang dar Zähne. 
— Mii— 11— : Holswolle. — Bin naaei VarlhhraB dar Fabrikation von entSllam lOilichen Gaeaopalver. — Aiep- 
Ünainra. Aaidvm aaepUonm param. — Erprobtes Mittel aar Erhaltung glatter HSnde. — 

OflSne CemflpOBdrai« — AaMlgea* 

Chemie und Pharmacie. 



Ueber den Nachweis freier Säuren, 
apeeiell der Salzaänre im Magen- 
säfte. 

In letzter Zeit häufiger veranlasst, in 
der hiesigen Exankenhaasapotheke Unter- 
saehnngen Aber den Säuregehalt des 
Magensaftes ansznfthren, gestatte ich mir, 
durch Anfragen in der pharm. Presse 
Ober den „schnellen und sicheren Nach- 
weis freier Salzsäure des Magens" be- 
stimmt, nachfolgend einige Erfahrungen 
Dber cUesen Gegenstand wiederzugeben. 

Methoden zum Nachweis freier Salz- 
säure im Magensäfte, die bei sieheren 
Bcmltaten einfach und schnell aus- 
führbar wären, existiren bis heute noch 
nicht 

Tropäolin , Gentianaviolett , Fuchsin, 
Congopapier etc., welche seither zu diesem 
Zwecke benutzt wurden, erftlUen denselben 
leider nur in geringem Maasse. Die 
Parbenveränderungen, welche diese Kör- 
per beim Terset^n mit Sahssäure ein- 
gehen, treten nämlich bei manchem Magen- 
safte trotz seines Gehaltes an Salzsäure 
steht ein^ andererseits kann die gleiche 



Farbenveränderung durch andere im 
Magensafte vorkommende Verbindungen 
hervorgebracht werden. 

Das von üffehnatm gegebene Beagens 
— eine Mischung von 1 Tropfen Liq. 
ferri sesquichlor. , 0,4 Acid. carbol. und 
100,0 Wasser — , welches durch Salzsäure 
entf&rbt, durch Milchsäure gelb, durch 
Buttersäure milchig getrübt werden soll, 
ist ebenfalls nicht von der erwünschten 
Sicherheit, da kleine Mengen HCl neben 
grösseren Mengen der anderen Säuren 
damit nicht nachgewiesen werden können. 

Die besten Methoden, welche zugleich 
den Vortheil haben, zu quantitativen Be- 
stimmungen verwerthbar zu sein, wurden 
von Cohn und v. Mering gegeben.*) 
Nach einer derselben wird d^e im Magen^ 
safte enthaltene Salzsäure an Ginchonin 
gebunden und aus dem salzsauren Gin- 
chonin dann die Säure berechnet. Das 
Yerfahren ist ziemlich complicirt und 
deshalb für häufigere Bestimmungen nicht 
recht anwendbar. 

Die andere in jedem pharm. Labora- 

*) Deatich, Archiv t Uin. tfed. XXXEC, 28S. 



146 



torium ausführbare Methode ist folgende : 
50 com filtrirter Haffensaft werden l. über 
freiem Feuer destillirt, bis ^ drei- Viertel 
übergegangen sind, wieder auf SOccm 
aufgefüllt und nochmals drei Viertel ab- 
destillirt; im Filtrat werden die flüchtigen 
Säuren mit Normallange titrirt. 2. Der 
Bückstand wird in demselben Gefass 
(zweckmässig ein Erlenmeyer'Bches Eölb- 
chen) mindestens 6 mal mit je 50ecm 
Aether gut ausgeschüttelt; dabei geht alle 
Milchsäure in den Aether und wird im 
Bückstande der vereinigten abdestillirten 
Aetherportionen ebenfalls durch Titration 
mit Normallauge bestimmt. 8. Die nach 
der Erschöpfung mit Aether verbleibende 
saure Flüssigkeit wird wie oben titrirt, 
dieser Werth giebt die Salzsäure. 

Die gefundenen Zahlen lassen sich 
leicht durch Titration des reinen Magen- 
saftes mit Normallauge controliren, da 
die Summe der fQr die einzelnen Säuren 
verbrauchten Gubikcentimeter Lauge 
gegen die zur Titration des reinen Magen- 
saues benöthigten sich decken soll. 

Nach dieser Methode t;. Mering habe 
ich wiederholt Magensaftbestimmungen 
gemacht und recht befriedigende Besultate 
erzielt. Allerdings muss hinzugeftigt 
werden, dass der von mir untersuchte 
Magensaft stets frei war von flüchtigen 
organischen Säuren und Milchsäure nur 
in geringer Menge enthielt Die An- 
wesenheit grösserer Mengen organischer 
Säuren dürftie die Genauigkeit der quan- 
titativen Bestimmung etwas beeinflussen, 
fQr den qualitativen Nachweis der Salz- 
säure aber ist sie wohl ohne Belang. 

Heidelberg. A, Brunner. 



MittheilimgeB aas dem öffentUehen 

ehemiseiian Laboratorium von 
Dr. Otto Schweininger zu Dresden. 

8. lieber die Veränderlichkeit der 
zur Jodadditiongmethode benutzten 

Jodlosnnff^ 

Von 0. ScJnceissinger und B. Marzahn, 

Bei den im hiesigen Laboratorium 
häufiger vorkommenden Untersuchui^en 
fetter Oele hatten wir seit längerer Zeit 
auch die BubVsahQ Jodadditionsmethode 
(Dingl. Journal 1884, Bd. 258, S. 881 flg.) 



in Anwendung gebracht. Obgleich die- 
selbe im Allgemeinen wenigstens bei ver- 
gleichenden Untersuchungen gute Dienste 
leistet, so fiel doch besonders bei einer 

Srösseren Untersuchung von Leinöl auf, 
ass zu verschiedenen Zeiten sehr ver- 
schiedene Jodzahlen erhalten wurden. 

Da im Uebrigen genau nach der auch 
von Benedict angenommenen IBibVsehen 
Vorschrift (Pharm. Centralh. 1887, S. 11 
und 12) gearbeitet wurde, so musste der 
Verdacht auf die benützte Jodquecksilber- 
chloridlösung fallen. Es ist zwar bereits 
von Hübl darauf hingewiesen worden, 
dass der Titer der Jodlösung sich in den 
ersten Stunden schnell, später langsam 
ändere; es ist jedoch, wie es scheint, 
nicht die Frage studirt worden, ob der 
sich stetig verändernde Titer einen Ein- 
fluss auf die Höhe der Jodzahl hat und 
ob man das während der Zeit der Ein- 
wirkung auf das Oel durch Bindung an 
Quecksilberchlorid verloren gehende Jod 
vernachlässigen darf. 

Es war nun zunächst festzustellen, in 
welcher Weise die Jodlösung, welche 
durch Auflösen von 25 g Jod und 30 g 
Quecksilberchlorid in je 600 ccm Alkohol 
und Mischen der beiden Flüssigkeiten 
bereitet wurde, im Laufe der Zeit sich 
veränderte. 

Es wurden stets je 10 ccm Jodlösung 
nach Hinzufügen von Jodkaliumlösung 
mit Natriumhyposulfitlösung (im Liter 
24,8 g) titrirt und es ergaben sieh hier- 
nach: 

Tabelle L 



Zelt. 


Titer 10 ccm = 


MITeTcaz. 


nach 1 Std. 


19,1 ccm 


NaAO, 


^.^ 


n 3 „ 


19,1 n 




— 


n 6 11 


19.0 „ 




0,1 ecm 


„ 12 ., 


18,8 „ 




0,3 „ 


„ 1 Tag 6 Std. 


18,6 ., 




0.6 ., 


„ 8 Tagen 


17,7 „ 




1.4 „ 


wo» 


".4 „ 




1.7 „ 


7 


17.0 „ 




2.1 ,. 


,, 10 ,. 


16,4 „ 




2.7 ., 


„ 18 „ 


16,2 „ 




8.9 ,. 


21 


14,3 „ 




4,8 ,. 



Um festeustellen, ob die Jodlösnng 
vielleicht durch Erhitzen schneller sti 
einem einigermaassen constanten Titer 



147 



zu bringen sei, wurde die fertig gestellte 
Lösang im Wasserbade 3 Standen erwärmt, 
indem dem Glaskolben ein einfaches Olas- 
röhr als Bfiekäusskübler aufgesetzt war, 
darauf bei Seite gestellt. 

Tabelle II. 



Zeit. 



Jo419fiui9X Tit«r nach 

38tttnd. Erbiteen 10c«iu 

= 11,4ccm Na^SsOs 



DlffereBi. 



Dach 1 


Tag 


TT 


2 


Tagen 


• • 


3 


1» 


11 


5 


»» 


•^ 


7 


»1 


1' 


9 


1» 



11,2 ccm 


0,2 ecm 


10,8 „ 


0.6 „ 


10,8 „ 


0,6 „ 


10.7 „ 


0.7 ., 


10,7 „ 


0.7 „ 


10,7 .. 


0,7 ,. 



Diese Tabelle zeigt, dass in der That 
die Veränderlichkeit der Flüssigkeit ab- 
nahm, wenn dieselbe, wie in dem obigen 
Falle . schnell durch Erwärmen auf den 
Titer von 11^4 gebracht wurde. 

Schliesslich war die Frage zu erledigen, 
ob überhaupt die Jodlösung etwa an 
einem gewissen Punkte die für eine Titer- 
flüssigkeit nöthige Beständigkeit hätte. 
Zu diesem Behufe wurde bei einem Theile 
der Jodlösung, von welcher lOccm = 
17,4 ecm Natriumhyposulfitlösung ent- 
sprachen, die Erhitzung weiter forlgesetzt. 
Hierbei ergaben sich folgende Zahlen: 





Tabelle III. 




1 

1 


JoAltaug: 




Zelt. 1 


Titer 10 ecm 


DIff«T«BZ. 




=3 17.4 ecm NftaSaOs 




nach V. Stde. 


13,5 ecm 


3,9 com 


■, 1 „ 


11.0 „ 


6,4 „ 


., IV. ., 


9,7 „ 


7.7 „ 


'1 * ?? 


8,4 „ 


9,0 „ 


« 3 „ 


6,8 „ 


11.1 „ 


4 

•» * n 


5.4 „ 


12.0 „ 


. 10 „ 


Spar freies Jod 
nachweisbar 





wahrscheinlich in verschiedenen Verbind- 
ungen, denn man erhält bei dem lang- 
samen Verdunsten drei verschiedene Arten 
von Krystallen, und zwar in der Haupt- 
sache roth gefärbte sehr gut ausgebildete 
gerade Prismen, femer gelbe Krystalle 
von mehr rhomboedrischer Form und 
schliesslich weisse federartige Krystalle 
in kleinerer Menge. Eine Verbindung 
von der Zusammensetzung HgJ, 2HgCl 
ist bereits von Liehig beschrieben worden 
und diese sollte in weissen farrenkraut- 
artigen Blättchen krystallisiren. Eine in 
blassgelben Krystallen vorkommende 
Doppelverbindung beschreibt Boullay 
und schliesslich ist von Larocque eine 
Verbindung in theils rothen, theils gelben, 
sich bald röthenden Krystallen beschrieben. 
Nach der Ansicht von Lassaigne (Gmelin, 
Handb. d. anorg. Ghem., V. Aufl., 3. Bd.) 
bildet sich in einer weingeistigen Sublimat- 
lösung bei Zusatz von Jod ausser den 
Ohlorjodquecksilberverbindungen von ver- 
schiedener Zusammensetzung durch Bind- 
ung des freiwerdenden Chlors noch 
Ohlorjod. 

In der W arme, in geringerem Maasse 
auch in der Kälte, bemerkt man jedoch 
auch die Bildung von Chlor-, resp. Jod- 
derivaten des Alkohols. 

Alle diese Factoren wirken also bei 
der Herstellung, resp. bei der Anwend- 
ung AerHubl sehen Jodquecksilberchlorid- 
lösung mit und es war demnach unsere 
Aufgabe, festzustellen, ob die in der Zeit 
von zwei Stunden bei verschieden starker 
Jodlösung entstehenden Fehler gering 
genug seien, um vernachlässigt zu werden. 
Die nachstehende Tabelle giebt eine Beihe 
von Jodzahlen wieder, welche unter Ein- 
haltung der Einwirkungszeit von zwei 
Stunden bei ein und demselben Leinöl 
erhalten wurden. 



Hieraus geht nun zunächst hervor, dass 
ein Zeitpunkt, an welchem die Jodlösung 
vollkommen constant geblieben wäre, 
nicht gefunden werden konnte, und dass 
schliesslich eine vollständige Bindung des 
Jods unter gleichzeitiger Entfärbung der 
Flüssigkeit stattfand. 

Der hierbei vor sich gehende chemische 
Process ist ein sehr complicirter. Es 
bildet sich in der Hauptsache Ghlor- 
quecksilber- Jodquecksilber, und zwar 







Tabelle IV. 




~ "■ "■ 


V^^IH 


' 


Gefun- 


Dlffereai mit der 




J0€lo«aB9 : 


dene 


/^öA/'aohen Jod- 




Tlter IC 

1 


Iccm = 

Na»S,03 


Jo4sAhl 


sahl = 158. 


Nr. 


1 19,0 ecm 


172,8 


-1-14,8 




2 17,0 „ 




161,2 


.- 3,2 




3 15,2 „ 




158,1 


-- 0,1 




4 U,3 „ 




157,5 


- 0,5 




5,11,2 „ 




155,1 


- P 




6 i 10,7 „ 




150,6 


- 7,* 




7 9,5 „ 




142,9 


-15,1 



148 



Die durchaus verschiedenen Resultate, 
welche mit den verschieden starken Los- 
ungen erhalten wurden, beweisen, dass 
es nicht gleichgültio: ist, von welcher 
Concentration man die Jodlösung nimmt 
und aus dem vorher Gesagten geht hervor, 
dass es auch nicht gleichgültig ist, ob 
die Titrirung nach zwei oder nach acht- 
undvierzig Stunden vorgenommen wird, 
wie dies z. B. von Benedikt angegeben 
ist. 

Es möge hier noch ausdrücklich be- 
merkt werden, dass das zur Ausführung 
der Prüfung benutzte Chloroform mehr- 
mals geprüft und vollkommen rein be- 
funden wurde, sowie dass ferner stets 
mit Ueberschuss von Jodlösung und ge- 
nau nach den Bedingungen gearbeitet 
wurde, welche Hübl angiebt. Es müssen 
daher die erhaltenen sehr verschiedenen 
Jodzahlen allein auf die veränderten 
Wirkungsbedingungen, welche durch das 
Oel in der Chloroform- und weingeist- 
haltigenPlüssigkeit hervorgerufen wurden, 
zurückgeführt werden. 

Die Resultate der vorstehenden Mit- 
theilung lassen sich in folgenden Schluss- 
sätzen zusammenfassen: 

1. Die Hübr sehe Jodlösung ist 
von zu grosser Veränderlich- 
keit, um als Titerfltissigkeit be- 
nützt werden zu können. 

2. Die erhaltene Jodzahl giebt 
nicht allein die Menge des an 
das Oel gebundenen Jodes an, 
sondern sie ist die Summe aus 
diesem und dem bei den ver- 
schiedenen oben beschriebenen 
Processen gebundenen Jodes. 

3. Die erhaltenen Jodzahlen 
fallen bei concentrirten Lös- 
ungen höher, bei verdünnteren 
niedriger aus, und auch die Zeit 
der Einwirkung ist von wesent- 
lichem Einfluss auf die Jodzahl. 

4. Es ist nicht möglich, aus 
der Jodzahl eines Oeles, welche 
mit der //üirschen Lösung be- 
stimmt ist, einenSchluss zu 
machen auf die Menge der Bei- 
mischung eines Oeles zu einem 
andern. 

Es haben also nach unseren Erfahr- 
ungen Jodzahlen von Oelen nur dann 



einigen Werth, wenn entweder der Titer, 
unter dem dieselben erhalten wurden, 
angegeben, oder wenn ein für allemal 
bei ein und demselben Titer nach ganz 
bestimmten Regeln gearbeitet wird. MM 
scheint mit einer Jodlösung gearbeitet 
zu haben, von welcher 10 ccm = 15 ccm 
Natriumhyposulfitlösung waren. 

Jedenfalls wäre es bedauerlich, wenn 
eine auf wissenschaftlichen Grundlagen 
basirte Prüfungsmethode für die Oelc 
durch die Veränderlichkeit der Tiler- 
flüssigkeit zu Fall gebracht werden sollte 
und es wäre daher zu wünschen, dass 
an die Stelle der HubVschen Jodqueck- 
silberchloridlösung eine Flüssigkeit gesetzt 
würde, welche neben gleicher Reaetions- 
i%higkeit eine genügende Beständigkeit 
zeigte. 

Leider sind wir bisher bei unseren 
Versuchen noch zu keinem günstigen 
Resultat gekommen und wir müssen daher 
die hier aufgeworfene Frage offen lassen. 



Zur Prüfung des Essigäthers. 

Die Pharmakopoe verlangt vom Easigäther 
als Zeichen der Güte und Reinheit unter An- 
derem vollkommene Flüchtigkeit desselben 
und einen eigenthümlichen angenehmen Ge- 
ruch. Werner untersuchte einen Essigäther, 
welcher, wenn die Geruchsprobe so ausgeführt 
wurde, dass man einige Tropfen des Aethers 
auf Filtrirpapier verdunsten lässt, einen sehr 
deutlichen Geruch nach Amylalkohol zurück- 
liess. Wird solcher Easigäther in der Weise 
mit concentrirter Schwefelsäure geprüft, dass 
man zunächst eine 1 bis 2 cm hohe Schiebt 
Essigäther in das Proberöhrchen giebt und 
dann ein ungefähr gleiches Volumen Schwefel- 
säure an der Wandung des Glases vorsichtig 
herablaufen lässt, so zeigt sich an der Be- 
rührungsfläche sofort eine dunkle , fast 
schwarze Zone , welche in dem Maasse , als 
Aether und Säure sich mischen, nach beiden 
Seiten an Breite zunimmt und in der Aether- 
schicht nach oben hin heller wird, und diese 
durch die ganze Masse violett färbt; der deut- 
lichste Beweis, dass der Essigäther fdaelhaltig 
ist. Ob nun diese Färbung von Amylalkohol 
allein herrührt oder ob weitere Zersetzungs- 
producte desselben noch mitwirken, ist noch 
nicht festgestellt. 



149 



Reiner , aus gutem , rectificirten Weingeist 
bereiteter Essigäther hinterlässt oaclf dem 
Verdunsten keinen Geruch und bleibt beim 
Vermischen mit concentrirter Schwefelsäure 
vollkommen farblos. g, 

Apotheker - Zeitung. 



Zam Nachweis der Alkalimono- 
carbonate iu Alkalibicarbonaten 

stellte JE. Kuhlmann Versuche an, welche von 
der Loslichkeit organischer Farbstoffe mit 
Säare - Charakter in Alkali monocarbonaten 
und deren Unlöslichkeit in Bicarbonaten aus- 
gingen. 

A 1 i z a r i n löst sich mit purpurrother 
Farbe in Alkalimonocarbonaten. Da dies 
aber nur in concentrirten Lösungen der Fall 
ist, kann Alizarin nur zur Unterscheidung 
Ton Alkalimono- und Bicarbonaten dienen. 
Das den V^erhältnissen des Handels am besten 
entsprechende Reagens ist die Rosolsäure. 
Eine concentrirte Lösung von reinem Natrium- 
bicarbonat, mit einem Körnchen Rosolsäure 
versetzt, bleibt selbst nach viertelstündigem 
Stehen absolut farblos. Enthält das Bicarbo- 
nat 1 bis 4 Proc. Monocarbonat, so tritt nach 
wenigen Augenblicken RosafUrbung ein. Bei 
einem Mehrgel^alt an Monocarbonat tritt 
diese Färbung sofort ein und geht alsbald in 
Purpurroth über. Von sechs Proben färbten 
sich drei, als Natr. bicarb. anglicum bezeich- 
nete, sofort rosa, bald dunkler werdend ; die 
drei andern, als Natr. bicarb. purum bezeich- 
neten, erschienen erst nach einigen Minuten 
schwach rosa gefärbt. Beim Kaliumbicarbo- 
Dat ist infolge der leichteren Löslichkeit des- 
selben das Reagens empfindlicher. 

Als sehr empfindliches Reagens mag das 
Phenolphtaleiti erwähnt sein, es ist ohne 
Einflttss auf Bicarbonat, mit Monocarbonaten 
aber zeigt es die bekannte Rothfarbung. 
Setzt man zu 1 ccm der von der Ph. Germ, 
vorgeschriebenen Lösung des Phenolphtalein 
einige Tropfen einer Lösung von Alkalibi- 
earbonat (1 : 50), so tritt keine Rothfärbung 
auf; deutlich wahrnehmbar wird aber diese 
hervorgerufen, wenn das Alkalicarbonat mehr 
als 0,23 Proe. Monocarbonat enthält. Diese 
Reaction durfte für die Verhältnisse des 
Randeis wohl zn empfindlich sein. g, 

Archiv der Fharmacie. 



Früfung der Salzsäare auf eine 
Veranreinigung mit Bromwasser- 

stoffsäure. 

Die Prüfung des officinellen Acidum hydro- 
chloricum auf eine Verunreinigung mit Brom- 
wasserstoflPsäure, welche in der Pharmakopoe 
nicht vorgesehen ist, führt man nach Hager 
am besten in folgender Weise aus : 

In einen etwa 1,2 cm weiten Reagircy linder 
giebt man annähernd 0,06 g Kaliumchlorat 
und etwa 6 ccm der 25proc. Salzsäure (eine 
concentrirte re wäre mit Wasser auf diesen 
Gehalt zn verdünnen) und agitirt sanft bis 
zur Lösung des Kaliumchlorats. Dann setzt 
man 3 bis 4 ccm Schwefelkohlenstoff hinzu, 
verschliesst das Glas mit dem Finger oder 
einem Korke und wendet es einige Male mit 
der Oeffnung nach unten, so dass der Schwefel- 
kohlenstoff mehrmals die gelb gewordene 
Säure durchfliesst. Der Schwefelkohlenstoff, 
welcher als schwerere Flüssigkeit stets zu Boden 
sinkt, färbt sich gelb, wird aber bei Abwesen- 
heit von Brom nach 10, höchstens 15 Minuten 
farblos, bei Gegenwart von Brom aber bewahrt 
er gelbe Farbe etwa 12 Stunden hindurch. 
g. Pharmac. Zeitung, 



Entwurf eines (Gesetzes, betreffend 
den Verkehr mit blei- und zink- 
haltigen Gegenständen. 

Bereits im Jahrg. 1882, Seite 624 un- 
seres Blattes berichteten wir über den 
Entwurf einer Kaiserl. Verordnung, be- 
trelfend die Verwendung von Blei und 
Zink, welche damals dem Bundesrathe 
vorgelegt worden war. Die definitive 
Regelung dieses Gegenstandes scheint 
nun — gewiss zur Freude aller Bethei- 
iigten und nicht am wenigsten der Ana- 
lytiker — nahe bevorstehend. Der Entwurf 
stimmt mit dem vom Jahre 1882 in der 
Hauptsache überein (nur die Aufnahme 
der Flüssigkeitsmaasse^nebenEss-, 
Trink- und Kochgeschirr, ist neu) und 
lautet: 

§ !• Ess-, Trink- und Kochgeschirr, sowie 
Flüssigkcitsmaasse dürfen nicht 

1. ganz oder tbeilweise ans Blei oder einer, 
in lOO Gewichtstheilen mehr als\10 Gewich ts- 
theile Blei enthaltenden MetalUegirung ver- 
fertigt, 

2. mit einer in 100 Gewichtstheilen mehr als 
einen Gewichtstheil Blei enthaltenden Metall- 



150 



legii ung verzinnt oder mit einer in 100 Gewichts- 
theilen mehr als 10 Gewichts theile Blei ent- 
haltenden MetalUegirong gelOthet, 

3. mit Email oder Glasur versehen sein, welche 
bei halbstQndigem Kochen mit einem in 100 Ge- 
wichtstheilen I Gewichtstheile Essigsäure ent- 
haltenden Essig an den letzteren Blei abgeben. 
Zur Verfertigung von Bierdruckvorrichtungen, 
sowie von Siphons für kohlensäurehaltige Ge- 
tränke dürfen nur Metalllegirungen verwendet 
werden, welche in 100 Gewichtstheilen nicht 
. mehr als einen Gewiq}itstheil Blei enthalten. 

§ 2« Zur Herstellung von Mundstücken für 
Saugflaschen, von Warzenhütchen und Trink- 
bechern darf blei- oder zinkhaltiger Kautschuk 
nicht verwendet sein. 

Das gleiche Verbot findet auf Schläuche för 
Bierleitungen mit der Maassgabe Anwendung, 
dass zinkhaltiger Kautschuk nur bei Schläu- 
chen für Bierdruck Vorrichtungen ausgeschlos- 
sen ist. 

Zur Herstellung von Spielwaaren darf blei- 
haltiger Kautschuk nicht verwendet sein. 

§ 3« Nahrungs- und Genussmittel dürfen 
nicht unter Verwendung solcher Geschirre oder 
Gefösse hergestellt, verpackt oder aufbewahrt 
sein, welche ganz oder theilweis aus Metall 
oder Metalllegirungen der im § 1 Absatz 1 Nr. 1 
bezeichneten Art verfertigt, oder auf der Innen- 
seite mit einem Metallüberzug oder Bindemittel 
der im §1 Absatz 1 Nr. 2 bezeichneten Art 
oder mit Email oder Glasur der im § 1 Absatz 1 
Nr. 3 bezeichneten Art versehen sind. In- 
gleichen dürfen zur Aufbewahrung und Ver- 
packung von Niüirungs- oder Genussmitteln nicht 
Gefässe mit blei- oder zinkhaltigen Kautschuk- 
verschlüssen oder Gefösse, in welchen sich Rück- 
stände von bleihaltigem Schrote befinden, oder 
solche Metallfolien verwendet sein , welche in 
100 Gewichtstheilen mehr als einen Gewichts- 
theil Blei enthalten. Das Verbot erstreckt sich 
jedoch nicht auf die Verwendung von Metall- 
folien zur Herstellung von Kapseln auf ver- 
schlossenen Geissen. 

§ 4. Mit Geldstrafe bis zu einhundertfünfzig 
Mark oder mit Haft wird bestraft: 

1. wer Gegenstände der in den §§ 1 bis 3 
bezeichneten Art den daselbst getroffenen Be- 
stimmungen zuwider gewerbsmässig herstellt; 

2. wer Gegenstände, welche den Bestimm- 
uneen in den §§ 1 bis 3 zuwider hergestellt, 
aufbewahrt oder verpackt sind, gewerbsmässig 
Terkauft oder feilhält; 

3. wer Bierdruckvorrichtungen der im § 1 
Absatz 2 und § 2 bezeichneten Art zur Leitung 
Ton Bier gewerbsmässig verwendet. 

§ 5. Gleicl^e Strafe trifft denjenigen, welcher 
zur Herstellung von Nahrungs- oder Genuss- 
mitteln bestimmte Mühlsteine an der Mahlfläche 
mit Blei oder bleihaltigen Stoffen ausbessert 
oder derartig ausgebesserte Mühlsteine zur Her- 
stellung von Nahrungs- oder Genussmitteln ver- 
wendet. 

§§ 6 bis 8 behandeln strafrechtliche Be- 
stimmungen. 



Aus den Motiven: 

Ess-, Trink- und Kochgeschirr, überhaupt 
alle Geräthe, Gefässe und Umhüllungen, welche 
zur Herstellung, Aufbewahrung oder Verpack- 
ung von Nahrungs- und Genussmitteln dienen, 
werden unter Umständen von ihrem Inhalte an- 
gegriffen und geben Bestandtheile an denselben 
ab. Dieser Vorgang kann erfahrungsgemäss die 
menschliche Gesundheit gefährden, wenn die 
bezeichneten Gegenstände in Folge einer unge- 
eigneten Art ihrer Herstellung oder Behandlung 
solche Stoffe enthalten, welche schon in ver- 
hältnissmässig kleinen Mengen gesundheits- 
schädlich zu wirken im Stande sind. Andere 
Geräth Schäften , wie die Mundstücke von Saug- 
flaschen, die Warzenhütchen und dergleichen, 
können bei einer derartigen Beschaffenheit dem 
menschlichen Organismus auch unmittelbar 
durch die Berührung mit dem Munde gesund- 
heitsschädliche Bestandtheile zuführen. 

Namentlich ist es die Verwendung von Blei, 
welche eine sorgsame Beachtung erfordert, da 
das Blei seine gesundheitsschädliche Wirk- 
ung in tückischer Weise äussert, indem es ohne 
warnende Erscheinungen lange Zeit in den 
menschlichen Organismus eingeführt werden 
kann, ehe die Vergiftung zu Tage tritt. 

Hei der Herstellung von Kautschukwaaren 
wird neben Bleiozyd sehr häufig Zinkoxyd ver- 
wendet. Letzteres steht zwar unter den ge- 
gebenen Verhältnissen hinsichtlich seiner Be- 
deutung als Gift weit hinter dem Blei zurück. 
Wegen der sehr geringen Widerstandsfähigkeit, 
welche der kindliche Organismus, znmal im 
Säuglingsalter, gegenüber äusseren Einflüssen 
zeigt, ist es aber als ein Gebot der Vorsicht an- 
zuerkennen, dass auch der Zusatz von Zinkoxyd 
zum Kautschuk, soweit letzterer zur Fabrikation 
der Saugflaschen - Mundstücke und Warzenhüt- 
chen dient, verboten werde. Die Schläuche von 
Bierdruckleitungen, sowie die Trinkbecher und 
die Flaschenverschlüsse aus Kautschuk können 
unter den, bei ihrem Gebrauche obwaltenden 
Bedingungen zuweilen an ihren Inhalt Zinkozyd 
in Mengen abgeben, welche gesundheitsschäd- 
liche Ynrkungen hervorzurufen geeignet sind. 

Zu § 1. 

Wenngleich erfahrungsmässig manche Speisen 
und Getränke auch aus Zinnbleilegirungen von 
hohem Feingehsdte unter Umständen noch Blei 
aufnehmen, so kann doch eine Vorschrift, durch 
welche die Verwendung bleihaltigen 21inns zur 
Herstellung von Ess-, Trink- oder Kochgeschirr 
schlechthin verboten wird, nicht in Aussiebt 
genommen werden. Zu einer solchen Maass- 
regel liegt vom hvgienischen Standpunkte aus 
ein Bedürfniss nicht vor, da durch den Ueber- 
gang von Blei aus den Speise- und Trinkge- 
rätben in die Nahrung eine StArung der (xe- 
sundheit nur dann verursacht werden kann, 
wenn dem menschlichen Organismus das Blei 
fortgesetzt in einer nicht allzu geringen Men^ 
zugeführt wird. Die Gesundheitsnflej^e muss m 
ihren Ansprüchen sich von dem Gesichtspunkte 
leiten lassen, dass die Angreifbarkeit der blei- 
haltigen Gegenstände je nach Art ihrer Benutz- 



151 



ang eine Terschiedene ist, and dass zum Bei* 
sBiel das Kochen, die I&ngere Berühroriff. die 
HitwirkoDg der Luft (bezw. Ton SaaerBtotT and 
KohlensAare). eine saare oder salziffe Beschaffen- 
heit oder der feuchte Zastand des Inhalts a. s. w. 
die Ahgibe Ton Blei wesentlich begünstigen. 
Man hat daher an das Terzinnte emaillirte and 
gUsirte Geschirr, an Bierdrackrorrichtangen, 
biphons, MetaUfolien nnd dergleichen, wegen 
der beim Toranssichtlichen oder bestinunungs- 
mässigen Gebrauche obwaltenden Bedingungen 
höhere Ansnrüche zu stellen, als an Gegen- 
stände, bei deren Benutzung die erwähnten, dem 
Angriffe günstigen Factoren nicht in gleichem 
Grade mitwirken. Bei den Flüssigkeitsmaassen 
kann der Umstand, dass dieselben nicht jedes- 
mal nach dem Gebrauche mit der nCthigen 
Sorgfalt gereinigt werden, zur Folge haben, 
dass die darin zurückbleibenden Reste von 
saueren oder znr Säuerung geneigten Lebens- 
mitteln Blei aufnehmen und dass dieser Blei- 
gehalt bei einer späteren Benutzung des Ge- 
mässes in den Inhalt übergeht. 

Im Deutschen Reiche sind für die Beschaffen- 
heit der Flflssigkeitsmaasse einheitliche Vor- 
schriften schon durch die unterm 6. Mai 1871 
erlassene Nachtragsbestimmung zu § 7 der Aich- 
ordnnng vom 16. Juli lb69 gegeben worden. 
Nach fieser Bestimmung dürfen Flüssigkeits- 
maasse nicht weniger als % reines Zinn, mit- 
hin hikshstens 16% pCt. Blei in ihrer Masse 
enthalten. Diese Vorschrift hat zwar den aich- 
technischen Ansprüchen bisher genügt, jedoch 
Tom sanitären Standpunkt aus Einwendungen 
erfahren, welche, aoi eq>erimentelle Ermittel- 
ungen gestützt, als begründet anzusehen sind. 
Der Torliegende Entwurf schlägt auf Grund ein- 
gehender neuerer, namentlich auch im Kaiser- 
uchen Gesundheitsamte angestellter Untersuch- 
ungen Tor, dass Flüssigkeitsmaasse, sowie Ess-, 
Trink- und Kochgeschirr weder ganz noch theil- 
weis aus Blei oder einer in 100 Gre wich tsth eilen 
mehr als 10 Gewichtstheile Blei enthaltenden 
Metalllegirung angefertigt werden dürfen. 

An das zur Verzinnung Yon Ess-, Trink- und 
Kochgeschirr zq verwendende Metall sind be- 
züglich des Bleigehaltes, wie bereits hervorge- 
booen ist, erheblich strengere Anforderungen zu 
stellen, als an dasjenige, welches zur Veiterti^- 
nnff des Geschirres selbst dienen soll. Für die 
Industrie ist dies mit Nachtheilen nicht yer- 
knfipft. Es handelt sich bei der Verzinnung 
nur um geringe Quantitäten, so dass die durch 
die Verwendung reinen Zinnes bedingte Preis- 
erhöhung noch weniger in Betracht kommt, 
wie beim Zinngeschirr, auch ist zur Verzinnung 
aus technischen Gründen ein Bleizusatz nicht 
nothwendiff. Uebrigens liegt es auch im eigenen 
Interesse der Fabräanten, bei der Verzinnung 
Bleiiusltze thunlichst fem zu halten, weil die 
letiteren den silberähnlichen Glanz des reinen 
Zinnes beeinträchtigen und den Waaren ein 
bläulich-graues Ansehen geben, so dass sie Tom 
Publikum weniger begenrt werden. Der Ent- 
wurf läast indessen eine Toleranz yon einem 
Proeent zu, weil selbst reines Handelszinn, wie 
das Bankazinn, geringe Verunreinigungen mit 



j Blei aufweist, deren Beseitigung das Metall 
j ausserordentlich yertheuem würde. 

Was das zur Lothung von Geschirr dienende 
I Metall betrifft, so würde es an sich ebenfalls 
würschenswerth sein, bleihaltiges Zinn gänzlich 
' auszuschli essen. Allein technische Rücksichten 
! nOthigen dazu, den Maximalgehalt an Blei, ent- 
I sprechend der unter Nr. 1 für das Zinngeschirr 
I getroffenen Bestimmung, auch hier auf 10 pCt. 
I testzusetzen. 

Wenn es anch an sich ausführbar ist , jeden 
Bleigehalt bei Email und Glasar zu yermeiden, 
so würde doch ein unbedingtes Verbot in dieser 
Richtung sich nicht rechtiertigen lassen. Die 
Töpfer sind, wenn sie concurrenzfähig bleiben 
wollen, darauf anjg;ewiesen, zum irdenen Geschirr 
den Tnon in dei^enifi^en Qualität zu nehmen, in 
welcher er in der Nähe des Fabrikationsortes 
gefunden oder doch ohne zu grossen Kosten- 
aufwand aus einer benachbarten Gegend be- 
zogen werden kann. Da nun die geringeren 
Thonsorten, welche reich an Kalk und Eisen, 
aber arm an Kieselsäure und Thonerde sind, 
beim Brennen die für bleifreie Glasuren erfor- 
derlichen hohen Temperaturen nicht vertragen, 
so sind die TOpfer häutig gezwungen, sich der 
leichter schmelzbaren Bleiglasuren zu bedienen. 
Letztere verleihen dem Geschirr, wenn sie mit 
der nOthigen Umsicht, und nOthigenfalls wieder- 
holt, eingebrannt werden, keine gesundheits- 
schädlichen Eigenschaften, weil dann das in der 
Glasurmasse enthaltene Blei mit dem Thon hin- 
reichend unlösliche Silikate bildet. Nur wenn 
die Menge des verwendeten Bleies im Verhält- 
nips zum Kieselerdegehalt des Thones zu gross 
oder das Geschirr nicht gar gebrannt ist, Kann 
bei der Benutzung des letzteren ein Uebergang 
von Blei in den Inhalt des Gef&sses stattfinden. 
Derartig schlecht gearbeitetes Geschirr soll nach 
dem Entwürfe nicht mehr vertrieben werden 
dürfen. Die bleifreie Emaillirung des Eisen- 
geschirres ist zwar heutzutage anscheinend mit 
erheblichen technischen Schwierigkeiten eben- 
faUs nicht mehr verknüpft. Nichtedcstoweniger 
sieht der Entwurf im Interesse der Industrie 
davon ab , die Verwendung von bleihaltigen 
Emaillen unbedingt zu unterFsgen, da den An- 
sprüchen der Gesundheitspflege Genüge geleistet 
ist, wenn vom Verkehr nur das schlecht email- 
lirte Geschirr ausgeschlossen wird, welches beim 
Gebrauche Blei in merklicher Menge abgieht. 

Damit diese Anforderung an die Beschaffen- 
heit des emaillirten und des glasirten Geschirres 
sich bei Ausführung der gesetzlichen Bestimmung 
nicht ungleichmässig gestalte, ist vorgeschrie- 
ben, dass das Geschirr nur dann zu beanstanden 
ist, wenn es bei halbstündigem Kochen mit 
einem in 100 Gewicbtstheilen 4 Gewichtstheile 
Essigsäure enthaltenden Essig (dem üblichen 
Handelsessig) an den letzteren Blei abgieht. 

Strengere Vorschriften sind bezÜgUch der 
Bierdruckvorrichtungen nnd der Siphons für 
kohlensäurehaltige Getränke erforderlich, weil 
der starke Kohlensäuregehalt der Flüssigkeiten, 
zu deren Aufnahme diese Geräthe bestimmt sind, 
geeignet ist, den Uebergang von Blei erheblich 
zu befördern. 



152 



Zu § 2. 

Bei der Fabrikation yon Kantschukwaaren 
werden za gewissen Zwecken (Verniehrang der 
Masse oder des Gewichts, Erzielang einer be- 
stimmten Farbe etc.) nicht selten Verbindungen 
von Blei oder Zink dem zu vulkanisirenden 
Material zugesetzt. Im Kautschuk sind jedoch 
nicht, wie früher angenommen wurde, die Metall- 
salze in dem Maasse eingeschlossen, dass sie 
ausser Stande wären, bei der Benutzung von 
Eautschnkgegenständen sich zu lOsen , und — 
sei es direct, oder durch Vermittelung von 
Speisen und Getränken — in den menschlichen 
Organismus zu gelangen. In Berücksichtigung 
der von technischer Seite geltend gemachten 
Wünsche ist für die Herstellung von Bierleit- 
ungsschlänchen und Spielwaaren von einem Ver- 
bote der Verwendung des zinkhaltigen Kaut- 
schuks mit Rücksicht auf die geringere Schäd- 
lichkeit des ZinKes abgesehen worden. 

Zu § 3. 

Der Entwurf will in § 3 Geschirre und Ge- 
fasse, welche aus Metallen oder Metalllegirungen 
der in § 1 Absatz 1 Nr. 1 bezeichneten Art her- 
gestellt oder auf der Innenseite mit einem der 
Vorschrift des § 1 Absatz 1 Nr. 2 nicht ent- 
sprechenden Metallüberzüge oder Bindemittel 
versehen sind, von dem Georauche bei der Her- 
stellung, Aufbewahrung und Verpackung der 
zum Verkaufe bestimmten Nahrungs- und Ge- 
nussmittel ausschliessen. Die Bestimmung gilt 
nicht blos dem Ess-, Trink- und Kochgeschirr, 
sondern auch allen sonstigen Geräthen und Ge- 
fässen , welche zu den vorgedachten Zwecken 
Verwendung finden, und zwar sowohl den im 
Inlande, als auch den im Auslande verfertigten. 
Namentlich fallen unter den § 3 die Conserven- 
büchsen , bei welchen strenge Vorschriften um 
deswillen angezeigt erscheinen, weil die Nahr- 
angs- und Genussmittel darin in der Regel 
Monate, oft selbst Jahre lang verwahrt bleiben 
und die längere Berührung der Conscrven mit 
dem Metalle die Bleiautnahme begünstigt. 
Jedoch ist die Forderung^ einer den Vorschriften 
des § 1 entsprechenden Verzinnung bezw. Löth- 
ung auf die Innenseite der GefSsse zu be- 
schränken, da nur diese mit den Nahrangs- und 
Gcnussmitteln während längerer Zeit in Be- 
rührung kommt. 

Im Weiteren verbietet der § 3 die Aufbe- 
wahrung und Verpackung von Nahrungs- und 
Genussmitteln in Gefässen mit blei- oder zink- 
haltigen Kautschukverschlossen, in Gefässen mit 
Bleischrot - Rückständen und in Metallfolien, 
wenn letztere mehr als 1 pCt. Blei enthalten. 

Die Metall folien schützen die Waaren vor 
Feuchtigkeit und Verunreinigung und geben 
ihnen ein gefalliges Aussehen, sie sind daher 
sehr beliebt, erweisen sich aber, wenn sie unter 
Zusatz von Blei hergestellt sind, als gesund- 
heitsgefahrlich. Von den Genussmitteln, welche 
man in Metallfolien zu verpacken pflegt, greifen 
manche, wie der Schnupftabak, in Folge ihrer 
chemischen Zusammensetzung die Umhüllung 
ohne Weiteres stark an. Andere, wie gewisse 



Kaffeesurrogate, verhalten sich zwar an und für 
sich indifferent, namentlich so lange sie luft- 
trocken sind und ihre Verpackung noch unver- 
sehrt ist; wenn aber derartig verpackte Waaren 
in Gebrauch genommen sind una etwa gar in 
feuchter Luft aufbewahrt werden, kann der In- 
halt Feuchtigkeit anziehen, auch säuern und 
dann unter Beihülfe der Luft auf die Metall- 
hülle einwirken. 

Es konnte in Frage kommen, ob nicht ein 
Zinnüberzug an der Innenseite der FoHe oder 
eine Zwischenlage von Papier und dergleichen 
zwischen der metallischen Umhüllung und dem 
verpackten Gegen stände genügt, um die Gefahr 
eines Ueberganges von Blei auszuschliessen. 
Allein die in dieser Hinsicht angestellten Er- 
mittelungen haben zu dem Ergebnisse geführt, 
dass weder die Verzinnung der Folien noch die 
Anwendung einer aus anderem Material be- 
stehenden Zwischenlage einen wirksamen Schutz 
darbieten kann. Es sind Fälle bekannt gewor- 
den, in welchen trotz einer solchen Vorsicht 
eine Verunreinigung von Gennssmitteln, beson- 
ders von Tabak, mit Blei durch die Umhüllung 
zweifellos entstanden war. Eine derartige dop- 
pelte Verpackung erweist sich aber jedenfalls 
von dem Augenblicke an, wo die Packet« ge- 
öffnet und in Gebrauch genommen werden, als 
wirkungslos, indem dann die Bedingungen des 
Angriffs, wie bereits angedeutet, sich erheblich 
günstiger gestalten , und zugleich mechanische 
Einflüsse die Bleiaufnahme vorbereiten. 

Zu Gunsten der aus Blei oder Zinnbleilegir- 
ungen hergestellten Kapseln, welche auf ver- 
korkte oder sonst verschlossene Gefässe (Wein- 
oder Liqueorflaschen . Fleischextraktbüchsen 
u. s. w.) zur besseren Verwahrung derselben gegen 
äussere Einwirkungen gepresst werden, ist eine 
Ausnahme zu machen, da die Erfahrung in 
dieser Hinsicht auf die Noth wendigkeit eines 
sanitären Schutzes nicht hinweist. 

Zu §§ 4, 6, 7 und 8. 

In § 4 sind die erforderlichen Strafandroh- 
ungen enthalten; in den §§ 6 und 7 sind in 
Anlehnung an die Vorschritten des Nahrnngs- 
mittelgesetzes nähere Vorschriften über die Ein- 
ziehung der vorschriftswidrig hergestellton 
Gegenstände, über die Veröffentlichung der er- 
gehenden Strafurtheile und über die Verwendung 
der auf Grund des Gesetzes auferlegten Geld- 
strafen getroffen. Ausserdem ist im § 7 zur Ver- 
meidung von Zweifeln ausdrücklich hervor- 
gehoben, dass die Vorschriften des Nahrungs- 
mittelgesetzes durch das gegenwärtige Gesetz 
nicht berührt werden. 

Für das Inkrafttreten des Gesetzes ist im 
Entwurf ein bestimmter Zeitpunkt nicht an- 
gegeben, da die Festsetzung desselben von dem 
Zeitpunkte der Verabschiedung des Gesetzes 
abhängig zu machen sein wird. Hierbei wird 
darauf Rücksicht zu nehmen sein, dass den be- 
theiligten gewerblichen Kreisen genügende Zeit 
bleibe, um sich mit der Fabrikation auf die 
neuen Vorschriften einzurichten und mit den 
vorhandenen Waarenbeständen zu räumen. 



153 



TherapeDtische üTotlzen. 

nngSTorgänge (Sfinrebildnng) Dicht frei in 
der Mundhöhle stattfinden , sondern in Ver- 
tiefungen, Fissuren, Zwiscbenräamen, Zahn- 
höhlen etc., da, wo darch mangelhafte Bei- 
nigung der Zähne Speisereste sitzen geblieben 



Die prophylaktische Behandlung 

der Zähne. 

Von Professor Dr. Miüer in Berlin. 



Man darf mit der Zahnpflege nicht warten, 
bis die permanenten ZShne erschienen sind, j sind. Des Nachts wirkt diese Säure beson- 
sondern man soll in frühester Kindheit da- ^^^rs stark, da sie nicht, wie am Tage, durch 
mit beginnen. Essen, Trinken und durch die Speichelsecre- 

Die prophylaktische Behandlung der Zähne ^io° fortgespUlt wird, 
hat den Zweck, das Auftreten der Zahncaries ^^^^^ Stellen, in welchen durch die Gähr- 
und die aus ihr resultirenden weiteren Er- | «d© ▼od Speiseresten eine beständige Säure- 
kranknngen zu verhindern. v^ildung stottfindet, sind die Ausgangspunkte 

Normale Zähne zeigen von allen thieri- <ier Zahncaries, und auf diese muss bei jedem 
sehen Geweben die grösst« Widerstandskraft ' Versuch , der Zahncaries vorzubeugen, die 
gegen Fänlniss und es kommt nie vor,l Aufmerksamkeit besonders gerichtet werden, 
dass Zähne ausserhalb der Mund- j Verf. nennt sie Cariescentra. 
bohle durch Fäulniss, Verwesung' Aus dieser Schilderung der Entstehungs- 
oder Vermodern ng zerstört werden, weise der Zahncaries ist leicht ersichtlich. 
Entzieht man aber den Zähnen die Kalk- ^^8 zur prophylaktischen Behandlung der 
salze, so geht die znrvckbleibende organische Zähne die Zahnreinigungsmittel in erster 



Grnudsubstanz unter geeigneten umständen 
sehr schnell in Fäulniss über. 



Beihe gehören. Von diesen ist das bei Wei- 
tem wichtigste die Zahnbürste. 



Die Ursache dieser Entkalkung der Zähne 1 Solche Cariescentra (Zwischenräume), die 
in der Mundhöhle ist das Auftreten von • man mit der Börste nicht erreichen kann, 
Säuren, und zwar solcher, welche durch I versucht man mit dem Zahnstocher oder mit 
Gährung von Kohlehydraten gebildet werden;] einem gewachsten Seidenfaden, den man 
hauptsächlich ist der Milchsäure die Schuld iDTiö^rmals zwischen die Zähne durchzieht, 
beizumessen. Es ist gleichgültig, ob diese . von Speiseresten zu befreien. 
Kohlehydrate aus Stärke , Rohrzucker oder Auf Zahnpulver als Zahnreinigungsmittel 
Traubenzucker bestehen. Durch das Ptyalin i legt Verf. nicht besonderen Werth. Allerdings 
des Speichelfi wird Stärke und durch das " kann n^an damit die sichtbaren äusseren 
lovertin der Mundpilze wird Rohrzucker in , Flächen besonders bei den Vorderzähnen 
kürzester Zeit in Dextrin und gährungsfähige weisser machen, aber die Cariescentra werden 
Znckerarten umgewandelt (Dextrose , Lävu- , durch Zahnpulver, besonders wenn es unlös- 
losp) und letztere dann durch die Mundpilze I lic^e Bestandtheile enthält, eher verstopft 
in Milchsäore mit kleinen Quantitäten von ' als gereinigt. 
Nebenproducten zerlegt. Etwas zweckmässiger sind die Zahnseifen, 

Die Mundhöhle, besonders wenn auf ihre J insofern sie fette Bestandtheile lösen, ohne 
Reinigung nicht genügend geachtet wird, bil-<iie Zähne anzugreifen, und das Penetriren 
det einen ausserordentlich günstigen Boden ^er Borsten der Zahnbürste in die Caries- 
fär Spaltpilz -Vegetation dar, und die Zahl 1 centra vielleicht etwas erleichtern. Siesollen 
der Pilze, welche unter verschiedenen Um- ' aus neutraler Seife hergestellt, neutral oder 
ständen sich da aufhalten können, ist enorm | schwach alkalisch reagiren. Unter allen Um- 
gross. Verfasser hat bis zum heutigen Tage ständen ist aber die gründliche Anwendung 
über 50 verschiedene Arten aus den Mund- ^er Bürste das Wesentliche. 
Säften etc. rein cultivirt. Es seien folgende als gut betrachtete Zahn 

Eine grosse Zahl dieser Mundpilze bewirken pulver und Zahnseifen erwähnt: 
die Spaltung der Kohlehydrate und Bildung Rp. Calcar. carb. praec. ... 120 

von Milchsäure und erlangen dadurch ihre Gort. Chin. fnsc 60 

hohe Bedeutung bei der Entstehung der ; Gonch. praep 60 

Zahncaries. | Pulv. Myrrh 30 

Sehr bemerkenswerth ist, dass die Gähr- I „ Garyophyll 15 



154 



Ol. Cinnam. . . gtt. 10 — 15 
M. exact*. F. pulv. 

Bp, Calc. carb. praec 120 

Rhiz. Irid. Florent. ... 60 

Obs. Sep. pulv 30 

Sacch. alb. ..'..... 30 

Natr. bicarb 15 

Ol. Rosae gtt. V 

M. exact. F. pulv. 

Rp, Magnes. carbon. 
Bhiz. Irid. Florent. 
Talci 

Sap. medicat ää 5,00 '^ 

Ol. Menth, pip gtt. X 

Mncilag. gum. arab. q. s. u. f. 
massa. Zabnseife. 

Bp. Calc. carb. praec 100 

Pulv. Rhiz. Irid. Flor. . . 5 

Oss. Sep. pülv 4 

Sacch. alb 2 

Myrrh. pulv 2 

Mel. et Glycerin . . ää q. s. 
ut f. pasta. 

Wie oben schon auseinandergesetzt, be- 
wirkt die anhaltende Wirkung der Säur^/ 
die durch Gährung von Kohlehydraten in 
den Cariescentra gebildet wird, im Laufe der 
Zeit eine Entkalkung des Zahngewebes und 
lässt eine knorpelartige, leimg^bende Masse 
zuruckj welche ihre weitere Zerstörung den 
Mund- und Zahnpilzen verdankt, die sie all* 
mälig verdauen resp. auflösen, wodurch ein 
Loch im Zahne zu Stande kommt. 

Diese Auflösung des entkalkten Zahn- 
gewebes ist nicht die Wirkung eines be- 
stimmten Pilzes, sondern ein jeder der im 
Munde vorkommenden Pilze, die eine pepsin- 
artige Fermentwirkung ausüben (und daä 
tbun sehr viele), können sich an dem Zer- 
störungsprocess betheiligen. Aus verschie- 
denen Gründen ist daher die Tödtung der 
Pilze von gleicher Bedeutung wie die mecha- 
nische Entfernung der gährungsfähigen Sub- 
stanzen. Zu diesem Zwecke wendet man die 
antiseptischen Mundwasser an. 

Wenn ein Mundwasser nützlich sein soll, 
ist es vor allen Dingen nöthig, dass es 
schnell wirkt, und nicht allein die Spaltpilz- 
vegetation hemmt, sondern die Pilze tödtet. 
Kein Mundwasser, und hat es noch so starke 
entwickelungshemmendeEigenschaftenykann 
daher nutzen, wenn es nicht im Stande ist, 



die Spaltpilzzellen und zwar innerhalb einer 
Minute abzutödten, da man wohl selten beim 
Ausspülen des Mundes das Wasser länger 
als eine Minute im Munde behält. In dieser 
Beziehung zeigen die Antiseptica grosse Ver- 
schiedenheiten. 

Wasserstoffsuperoxyd, welches schon in 
einer Verdünnung von 1 : 8000 die Ent- 
wickelung von Spaltpilzen hindert, ist als 
Mundwasser nutzlos, da selbst eine 5-proc. 
Lösung nach 15 Minuten Spaltpilzzellen 
nicht getödtet hatte. 

Nach einer grossen Reihe von Versuchen 
ist Verf. auf die untenstehende Mischung ge- 
kommen, welche in einer in der Mundhöhle 
anwendbaren Concentration, in einer Minute 
auf Spaltpilzzellen tödtlich wirkt, eine Eigen- 
schaft, welche, soweit mir bekannt ist, keiner 
anderen Mischung, welche man ohne Gefahr 
auf die Dauer in der Mundhöhle gebrauchen 
kann, zukommt. 

Rp, Acid. thymic 0,25 

„ benzoic 3,00 

Tinct. Eucalypt. . . . 15,00 

Alcohol. absol 100,00 

Ol. Gaultheriae . gtt. XXV 
(sive Ol. Menth, pip. gtt. XX) 
M. D. S. Zahntinctur. 

Das Mundwasser wird aus dieser Tinctur 
so bereitet, dass man einen Esslöffel voll 
derselben einem Wasserglase toU Wasser 
hinzufügt, so dass eine starke Trübung ent- 
steht. Man spült die Mundhöhle nach jeder 
Mahlzeit, besonders beim Schlafengehen da- 
mit aus und behält das Wasser dabei min- 
destens eine Minute im Munde. 

Ein von SMenker angegebenes antisep« 
tisches Mundwasser besteht aus 

Thymol 0,30 

Spirit. Cochlear. 

„ Meliss. comp, ää 30,00 

Tinct. Ratanh 10,00 

Ol. Menth, pip 0,50 

„ Caryoph 1,00 

10 Trpf. in i/x Glas Wasser z. giessen. 

Vor der Anwendung eines jeden Mund- 
wassers müssen die Cariescentra von ver- 
stopfenden Speiseresten befreit werden, wenn 
man Erfolge erzielen will, im andern Falle 
dringt das Mittel sehr wenig oder gar nicht 
in dieselben hinein. 

Die häufig beobachtete saure Reaction des 



155 



Speichels miisa durch alkaltiche Mnndans« 
spülnng corrigirt werden. Am besten nimmt 
man eine dünne Lösong (1 : 100) Ton Natr. 
bicarb. Anch bei Einnahme von Mineral- 
s&aren, Eisenchlorid etc., ferner bei Frncht- 



knren mnss man stete für die Neutralisation 
der Mundhöhle Sorge tragen. Wer dies nicht 
thnt, geht der Gefahr entgegen, viel mehr 
Schaden als Nutzen ans dor Behaildlung za 
ziehen. 



-/^ •»^ .■' ••- v.'--^> 



l8cellen< 



Holswolle. 



Mit Bexng a«f unsere Angabe über eine 
Bezugsquelle f&r Holzwolle in Nr. 7 des lau- 
fenden Jahrg. d. BL theilt uns "Herr Paul 
nartmann in Heidenheim mit, dasi er zuerst 
auf Anregung Ton Prof. Bruns Holzwolle 
dargestellt habe, dass er Inhaber von 2 Pa- 
tenten für Holzwolle in Deutschland und in 
Tielen anderen Staaten sei und dass sieh die 
Empfehlongen, welche bedeutende Chirurgen 
ond Kliniker der Holzwolle zu Theil werden 
liessen, auf Erfahrungen stützten, welche 
nur beim Gebrauch seines (Paul Hartmanns) 
Fabrikats gewonnen worden seien. Bed. 



Ein neues Verfahren der Fabri- 
kation von entöltem löslichen 
CaoaopnlTer. 

Die Löslich machung oder Aufscbliessung 
des Cacaos durch Behandlung der Cacao- 
bohnen oder -masse mittelst Chemikalien, 
wie Soda, Potasche, doppelt kohlensaures 
Natron 9 Magnesia etc., haften verschiedene 
Nachtheile an : Einmal bleibt das angewandte 
AnfMhliessungsmittel in dem Präparate, und 
zweitens geht durch diese Behandlung die 
Feinheit des Aromas zum grossen Theile ver- 
loren, weil die als Aetherarten aufisufassenden 
aromatischen Stoffs Zersetzung erleiden. 

tietaü man nach dem D. K.-P. No. 30 894 
(Inhaher Lobech <t Cc^ Dresden) Cacaobobnen 
roh , geröstet , geschält , zerrieben oder sonst 
irgend wie mechanisch vorbereitet in ge- 
schloBsenen Apparaten erhöhter Temperatur 
and starkem Dampfdrucke längere Zeit aus, 
so geht damit folgende Veränderung vor sich : 
Zunächst werden die Albuminate in theils 
wasserlösliche Modificationen übergeführt, die 
Caeaoatarke verwandelt sieh in ebenfalls auf* 
lösliche Verbindungen, femer zum Theil in 
I>eztrin und Glucose, und die Holzfaser 
wird, wenn auch nicht nachweisbar chemisch 
reränderty so doch derartig gelockert und er* 
weicht, dass dadurch die schnelle und vor- 
theilhaJfte Ausnutzung der von ihr allseitig 



durchdrungenen Frucht wesentlich erleichtert 
ist. Besonders auffällig tritt der Einfluss auf 
die aromatischen Bestandtheile hervor; sie 
werden kräftig entwickelt und kommen in 
voller Reinheit und Stärke zur Geltung. 
Eine ähnliche Einwirkung wie auf die Cacao- 
stärke wird das Dampfdruckverfahren wahr- 
scheinlich auch auf diejenigen Bohnebbestand- 
theile ausüben, welche man jetzt als „sonstige 
stickstofffreie Substanzen* in den Analysen- 
resultaten aufführt. 

Das neue Fabrikationsverfahren muss 
wegen absoluter Ausschliessung aller Chemi- 
kalien und in Rücksicht der Güte des Fabri- 
kates als wesentlicher Fortschritt in der 
Cacao- Industrie bezeiohnet werden. 

ehem.- Zeit X, Nr. 9». 



AseptinBäure. Aoidam aMpticum 

pnniiiit 

Dieses von der chemischen Fabrik Busse 
in Hannover Linden dargestellte, als Salicyl- 
aldehydwasserstoffiiuperoxyd bezeichnete und 
mit ziemlich viel Reclame als unübertreff- 
liches Antisepticum angepriesene Präparat 
ist nach H. Thoms' Untersuchung ein 5 proc. 
Wasserstoffsuperoxyd (das im Handel befind- 
liche Wasserstoffsuperoxyd ist meistentheils 
lOproc), welchem auf 1000 g etwa 3 g 
Salicylsäure und 5 g Borsäure zugesetzt sind. 
(Vergleiche auch Pharm. Centralh. 37^ 457.) 

Pharmäc, Zeitung, g. 

Erprobtes Mittol snr Erhaltung 
glatter Hftnde. 

Prof. Dr. Välenta in Laibach empfiehlt 
folgendes Verfahren : 

Nachdem die gewaschenen Hände gut ab' 
getrocknet sind, werden dieselben innig mit 
Unguentum emolliens eingerieben, hierauf 
wird auf eine Hohlhand etwas Spir. saponatus 
aufgegossen, dann die Salbe durch gegen- 
seitiges Reiben der Hände verseift, und 
schliesslich mit einem trockenen Handtuche 
der fette Schaum einfach abgewischt, womit 



156 



iie ganze, ein paar Minuten in Anspmcb 
nehmende Prozedur abgethan ist. 

Auf Prof. VaUfUa's Klinik ist dieses Mittel 



schon mindestens: zwei Decennien in An- 
wendung. Es ist demnach überfettete Seife, 
welche er benützt. Zeüsckr. f. Ther. V. 6. 



Offene Correspondens. 



K. in M. üeber die Zusammensetzung oder 
Bildung des Liquor antihidrorrhoicus 
int uns nichts Näheres bekannt Es soll zu den 

fechlorten Aethem gehören uud wird von 
Wandau als Mittel gegen SchweissfQsse, 
Hyperhidrosis pedum empfohlen. 

Apath. Em in B. Zu Modellir wachs lesen 
wir in der „Sadd. Apoth. Ztg." folgende Vor- 
schrift: 1000 Th. Gera flava, 120 Th. Terehintb. 
yeneta, 60 Th. Adeps suiUus und 760 Th. feinst. 
gepuW. Bolus rubra. Versuchen Sie es einmal 
mit dieser Composition; ob sie den hohen An- 
forderungen, .die die Zahnkünstler an ModelHr* 
wachs stellen (dasselbe soll in warmem Wasser 
zu einer schön plastischen Masse erweichen, die 
Plasticität ohne an den trockenen Fingern an- 
zuhängen einige Zeit bewahren und dann zu 
einer sehr harten, aber nicht sprOden Masse 
erstarren), genügen wird, kann ohne eine Probe 
zu machen, nicht versichert werden. 

Apoth, K. in R« Lippmann's Karls* 
bader Brausepulver soll, nach einer Notiz 
in der „Wiener Pharm. Post" zusammengesetzt 
sein aus: a) Sal thermar. Carolin. 10,0, Natrii 
bicarbon. 8,0. Det. in eh. alb. b) Acid. tartarici 
3,0. Det. in eh. coeml. 

A^ih. C« m B« Die Zusammensetzung von 
Ewizda's Viehpulver wird verschieden an- 
gegeben, ganz fthnlich dem echte'n soll folgende 
Mischung sein: Je 1 Theil Magnesia sulfor.., 
Flores Sulfuris, Antimonium crudum, Semen 
Faenugraeci und Badix Gentianae und 20 Tbeilen 
Natrium sulfor. dilapsum. 

Br, B. in K« In Bezug auf Surrogate der 
Nahrungsmittel hat der Kanton Oraubünden vor 
Kurzem eine buchst dankenswerthe Verordnung 
den „Honig]' betreflfend erlassen, dieNaohahmung 
verdient. Es heisst da u. A.: Als „Honig** dan 
nur das reine von den Bienen bereitete Natur- 
product verkauft werden. Die bisher unter den 
Namen wie „Tafelhonig, Schweizerhonig u. s. w." 
im Handel gehenden Surrogate (meist aus 



Stärkesyrup oder aus Mischungen von solchen 
mit geringem Honig bestehend) dürfen femer 
nicht unter Bezeichnungen verkauft werden, in 
denen das Wort „Honig" vorkommt. Leider 
ist Oraubünden nur ein sehr kleines Stück der 
lieben Schweiz und werden wir wahrscheinlich 
nach wie vor die Glucose crystaUis^e als feinsten 
Honig auf den Frühstüekstafeln der grossen 
Hotels finden. 

4f>otA. N« tn B. (Russland). Die gewünschten 
^Formen" werden Sie von den meisten der 
Finnen, welche pharmaceutische Ger&thsch alten 
verkaufen j beziehen kennen ; von Warmbrvinn, 
(^uüite 4k Co, in Berlin wissen wir sicher, dass 
sie dieselben führen. 

AiMith, T. tn ۥ Das in vor. Nummer, S. 187, 
erwähnte Phenolquecksilber wird unsres Wissens 
von chemischen Fabriken noch nicht dargestellt, 
zur Selbstherstellung sind die entsprechenden 
Verhftltuisse ja leicht zu berechnen. Wenn die 
Formel von SdMdek richtig ist, so müssen auf 
264 Tbl. Phenolkalium verbraucht werden 
271 Tbl. SubUmat. 

B. in H« Besten Dank für Ihre Zuschrift: 
i.Gestatten Sie mir zu der Briefkastennotiz in 
der letzten Nr. der Pharm. Centralh. die Mit- 
Üieilung zu machen, dass nach den Untersnch- 
un^en von Cohn u. v, Mering (die mir sehr 
exät erscheinen) „selbst die schwersten Er- 
krankungen des Magens nicht im Stande sind, 
die HCl aus dem Magensaft verschwinden zn 
lassen.*' „Bei Carcinoma pylori ist das Vor» 
kommen von Salzsäure die Regel, das Fehlen eine 
Ausnahme." Das Gelingen oder Ausbleiben der 
HCl-Beaetion im Magensaft hat demnach die 
diagnostische Bedeutung nicht in dem Grade, 
wie man seither annehmen zu dürfen glaubte. 

Nebenbei erlaube mir noch die Bemerkung, 
dass die im Antwortkasten der Ph. Ztg. g^ebene 
Beaction mit Ferr. acet und Snlfocyankalium 
nicht allein mit Mineralsfiure, sondern auch mit 
Milchsfture eintritt, also zum Nachweis der HCl 
im Magen ebenfalls nichts taugt." 



me Xmeuerung de* AbonnewnenU 

bringen wir in geneigte Erinnerung und bitten dringend, die Bestellungen vor 
Ablauf des Mtmats oeunrken eu wollen, damit in der Zusendung keine Unter^ 
breehung eintritt. 

Fehlende Nu/mmem wolle man sofort reclamiren und zwar bei derjenigen 
Postanstalt oder Buchhandlung, welche die regelmässige Bestellung besorgt. Bei 
unserer Expedition kostet jede eineeine Nummer 25 Pf. 

Vom laufenden Jahrgang sowohl, wie von den Jahrgängen 1881 bis 1886 
sind noch sämnMiche Nummern mu haben. 



Verleger und TerantwortUcher Bedaetenr Dr. E« ClelMler In Dreedan. 

Im nuehlumdel dureh JbIIui Springer, Berlin N.. MonbUonplsts 9. 

Dmek der KSsIfl. Hofbiiebdmek«t«i von 0. Q. Meinhold h BSli&e ia Dreiden. 



Pharmaceutische Centralhalle 

für Deutschland. 

Zeitung för wissenschaftliche und geschäftliche Interessen 

der Pharmacie. 

Herausgegeben von 

Dn nermaini Hager und Dr. Ewald Geissler. 

Rrecheint jeden Donneritag. — Abonnementipreit durch die Post oder den Bucbhandel 

▼terteljäDrlieh S Mark. Bei Zusendung unter Streifband 2,50 Mark. Einielne Nummern 

25 Pf. Inaerate: die einmal gespaltene Petit -Zeile 25 Pf., bei grosseren Inseraton oder 

Wiederholungen Rabatt. 
Anfragen» Anftrftge, Manuscripte etc. wolle man an den Bedactcur Prof. Dr. E. 6 eis sie r, 

Dresden, Pillnitzer Strasse 56 adressiren. 



M 13. 



Berün, den 31. März 1887. 



Neae Folge 
Till. Jahrgang. 



Der ganzen Folge XXVIII. Jahrgang. 



Iah alt: Vlenle ma« PhanM«le: Die StracUrforiDelD einiger nener Antifebrilia. — Zar FeUbeaUmmnng der 
mich. — AaalTS« einer MarsipaDmasM. — Pack-Leinif Dextrln-Lolm. — Zar Prtlfang des Chlniiinm snlfarlcnm. 
— Fermm hydrogenlo rtdnct pnr. — Ueber das Colchlclo. — Jodoform -Aetberlöiiangeii. — Vorkommen von 
Zaeker im Hara. — Znr Bestimmung von BorsSnro — Ueber Entflamipnags* und BntsUndaDgttemperatarea einiger 
SHaeiger Handelsartikel. — Modiflealion des Otto'scben Aeetometers. — Ueber den Nachweis and die qaanti- 
tatlT-e B««timmnag der Milchsftnre. — Jarabeba. — Die prophylakt. Rehandlnng der Zähne. — Uteratar aad 
Kritik« — MIlcelieB; Die Voraasbestimmang der ticf«ten Temperatar der nüchsten Nacht — Amtliche Bekannt- 
machangen. Verordnen gen ete. — Otttut Correipoadeas. — Aas«lgeB« 



Chemie und Pharmacie. 



Die Stmcturformeln einiger neuer 

Antifebrilia. 

Unter diesem Titel bringt Letvin in 
der „Deatschen Medicinal-Zeitang 1886, 
1135" die chemischen Formeln einiger 
Fiebermittel bildlich zur Darstellung. Da 
an nns mehrfach die Aufforderung er- 
gangen ist, das Gleiche zu thun, kommen 
wir diesen Wünschen im Folgenden nach, 
indem wir gleichzeitig an entsprechen- 
der Stelle die Darstellung jener Stoffe 
sinzziren. Es bezieht sich dieses vor- 
wiegend auf diejenigen Körper, die in 
Folge ihrer vor nicht gar zu langer Zeit 
erfolgten Entdeckung sich naturgemass 
erst in den neueren Lehrbtichern der 
Chemie etc. beschrieben finden können. 
Die im Nachstehenden besprochenen 
Körper sind sämmtlich aromatische Ver- 
bindungen und es sind deshalb diejenigen 
Atomcomplexe, welche in ihnen Benzol- 
wasserstoffe vertretend fungiren, zur 
lieferen Orientirnng und Klärung der 
TJebersicht andersartig gedruckt. Die 
Namen der jetzt oder früher als Fieber- 
mittel benutzten Körper sind fett, die der 



Ausgangsstoffe oder Zwischenproduete 
schwach gedruckt. 

Von Oxy- Derivaten des Benzols, in 
denen Wasserstoff durch Hydroxyl (OH) 
ersetzt ist, sind als hierher gehörig zu 
nennen: Phenol, Resorcin, Hydro- 
chinon. Die synthetischen Bildungs- 
weisen, sowie die Darstellungsmethoden 
dieser Körper dürfen als bekannt voraus- 
gesetzt werden, desgleichen die durch 
verschiedene Stellung der Substituenten 
im Kern bedingten Verschiedenheiten der 
Isomeren. 

Phenol 



Benzol 

(CcHc) 

H 



/\ 
H C C II 

J !' 
HC CH 

u 

H 



Karbolsinre 
Monooiylifiizol (GeH^O) 

OH 

C 



H (; C H 



HC CH 

\/ 

c 

H 



158 



ftesoreiB (C«, Hg 0^) Bydrochinoi (Og Hg Og) 
Metadiraybenzel P«r«dioxybenzol 



OH 



/\ 
HC CH 

HG COH 

\/ 

C 

H 



OH 

C 

/\ 
HO CH 



HC CH 

Y 

OH 



Bekannt sind ebenfalls die Darstellungs- 
weisen der Benzoesäare und Salicyl- 
s ä u r e , in denen einmal Carboxyl (COOH), 
das andere Mal Carboxjl und Hjdroxyl 
ein, beziehentlich zwei, Wasserstoffatome 
substitnirend vorhanden sind. 



BcHzoSvSiare 

(CtHöO^) 

COOH 



c 



HG C 



H 



HG GH 



Y 



H 



SalicylSMre (G7 Hg O3) 
OrlhooiybenzoSsiare 

OH 

C 

/\ 
HC GGOOO 

HC CH 

Y 

H 



Die Salze derselben entstehen, indem 
der Wasserstofl' des Carboxyls durch ein 
einwerthiges Element, beispielsweise Na- 
trium ersetzt wird. (Mehrwerthige Ele- 
mente erfordern die entsprechende Anzahl 
Atome der Säure.) 

Ganz analog diesen Salzen liegen die 
Verhältnisse beim Salol, da dieses Salicyl- 
säurephenylester ist. Zur Darstellung wird 
ein Gemenge von Phenolnatriara und 
Natriumsalicjlat in stöchiometrischem 
Verhältniss bei höherer Temperatur mit 
Phosphorchlorid behandelt. Durch Wasser 
wird aus dem Beactionsproduet das ge- 
bildete Natriumchlorid und die Phosphor- 
säure entfernt und das Salol aus Alkohol 
umkrjstallisirt. Oder Phenolnatrium und 
Natriumsalicylat werden im stöchiometri- 
schen Verhältniss gemischt und unter ge- 
legentlichem Erwärmen Phosgengas zu- 
geleitet, aus dem Beactionsproduet durch 
Wasser das gebildete Natriumchlorid ent- 



fernt und das Salol aus Alkohol uinlry« 
stallisirt. 

Salol 

Salicylsiorepkenylesler (G13 H^q O3) 

OH 

C 

HC GGeVQels 

HG CH 

Y 

H 

Wie aus der Structurformel des Salols 
ersichtlich ist, vertritt das einwtrtbige 
Radical Phenyl (CßHs) hier den Wasser- 
stoff des Carboxyls. 

Im Thymol sind drei Benzol Wasser- 
stoffe ersetzt; einer durch Hydroxyl und 
die beiden anderen durch die Badicale 
Methyl (CH3) und Propyl (CsHr). Dio 
Formel zeigt sich daher in folgender Weise 
gebildet: 

Tbymol (CioHi^O) Methylpropyloxybenzol 

CH3 

G 

HG GH 

I 11 
HG COH 

Y 

C3H7 

Im Antifebrin finden wir einen 
Körper, der entsteht, wenn im Anilin 
(Amidobenzol) CgHg.NHa ein Wasser- 
stoffatom des Amids (NH^) durch Aceiyl 
(CH3GO) ersetzt wird. Zur Darstellung 
des Antifebrins wird Anilin mit Eisessig 
im geringen üeberschuss längere Zeit 
(2 bis 3 Tage) am BückflusskUhler ge- 
kocht, bis das Ganze nach dem Erkalten 
fest wird und das Beactionsproduet naeh 
Entfernung des nicht angegriffenen Anilin - 
acetats durch Behandlung mit Waaser 
(Eingiessen des geschmolzenen Beaetionis- 
productes in Wasser) aus Alkohol um- 
kryst-allisirt. Bei diesem Process bildet 
sieh in erster Linie durch direete Aneia- 
anderlagerung von Anilin und Essigafiore 
Anilinacetat, welches erst beim wei- 



159 



teren Erhitzen nnter Abscheidung von 
Wasser sich zuAcetanilid (Anti^brin) 
condensirt. 

AltirebrIiiCGgHsNO) 
PIlcHylacetenid oder 
Aiiliiaceftl AceUnilld 



NBsCBsCOOH 

C 

HC CH 



HC CH 

Y 

H 



NH GH» GO 

C 

HC CH 

HO CH 

\/ 



H 



Analog ist die Conslruction der Anilide 
mit anderen Säureradicalen ; von diesen 
Stoffen scheint es bis jetzt, als ob das 
Benzanilid (Berl. klin. Wochenschrift, 
26 — 30) die grösste Aussiebt hätte, in 
den Arzneischatz eingeitlhrt zu werden. 
Die Daratellung des Benzanilids ist ana- 
log der des Acetonilids; die Formel ist: 

■eatMilid (CisHuNO) 

NflGeHgCO 
C 

/\ 
HC CH 



HO CH 

V 
C 

H 

Eine Beihe der hier zu behandelnden 
Stoffe leitet sich vom Chinolin ab, 
dessen Zusammenhang mit dem Benzol 
durch die Formeln des Naphtalint 
und Pyridins veranschaulicht wird. 
Die Darstellung und Gewinnung dieser 
ebengenannten Körper ist als bekannt 
voransznselzen und in jedem Lehrbuch 
der Chemie beschrieben. 

Pyridin (CjHftN) NaphtalinCCioHg) 



H 



HC CH 

I II 
HC CH 

\/ 
N 



H B 

C C 

HC C CH 



HG C GH 

YY 

H H 



Ckinolin (Co H7 N) 
H H 

c c 

HC C CH 



HC C CH 

\/\^ 

C N 

H 

Bei der graphischen Darstellung der 
Formeln ist im Folgenden daher die Chi- 
nolin- Formel zu Grunde gelegt 

ChiDOllii (C9 H7 N) 

H H 
C C 

, ^\/\ 
HC C CH 



• HC C CH 

\/\/ 
C N 

H 

Bei dex Verbindung des Chinolins mit 
Säuren zu Salzen addirt sich die Säure 
direct zum Chinolin (ohne Wasserstoff- 
substitution). 

DasEairoIin undEairin sind zwei 
unter sich und dem Chinolin nahe 
stehende Körper; beide sind hydrirtc 
Chinoline (Anlagerung von Wasserstoff 
an die CH-Gruppen) und enthalten ausser- 
dem Wasserstoff durch Alkyle ersetzt; 
das Eairin enthält ausserdem noch Hy- 
droxyl an Stelle von Wasserstoff. 

Durch Einwirkung von nascirendem 
Wasserstoff (Zinn und Sal/säure) bildet 
sich aus dem Chinolin neben Dihydro- 
chinolinTetrahydrochinolinC9HiiN, 
welches mit llethyljodid in bekannter 
Weisen behandelt, ein tertiäres Amin, 
das Eairolin bildet Dieses E ai r 1 i n M, 
ist demnach Methyltetrahydro- 
chinolin, Methyl chinolin te tra- 
hydrür CjoHigN, H2SO4 (als schwefel- 
saures Salz). Bei Verwendung von Aethyl- 
jodid statt Methyljodid in analoger Weise 
bildet sich Eairolin A, Aethyltetra- 
hydrochinolin, Aethylchinolin- 
tetrahydrür C11H15N, H2SO4 (als 
schwefelsaures Salz). 



160 



C C C 




M. Kairolii 

(C,oH,sN,HaS04) 

SchwefelsMres 

Heihyltetrahydro- 

ekimliii 

Tetrahydro- (Methykhiiollitein- 
chinolin(0<,HiiN) hydrtr) 

HB« H Ho 

C C CO 

HC C CBa 

HC C CB, 

N C N 

HB H (GH3)HgS04 

A. K«irolli(C,iHi5N,H^S04) 

SehuelelsMres Aetliyl(elr«hydrociiinolin 

(Aelhyifhinolinieirahydriir) 

H H2 

C C 

/\/\ 
HC C CB2 

I II 
HC C 

W 

C N 

H (C2H6)B2S04 

Wahrend die Substitutionen in den 
Kairolinen sämmtlich im Pyridinkern 
statthaben, finden beim Kairin die Sub- 
stitutionen zum Theil im Pyridinkern, 
zum Theil im Benzolkern statt. Erläuter- 
ungen fiber die Stellung und deren Be- 
zeichnungen sind als zu weit führend 
hier weggelassen, ausserdem aus jedem 
Lehrbuch der Chemie zu ersehen. 

Durch Erhitzen von Chinolin mit 
rauchender Schwefelsäure bildet sieh 
1 - Chinolinsulfosänre (Ortho-), 
welche durch Schmelzen mit Kali 1-Ozy- 
chinolin (Ortho - Ozychinolin) 
CsHtNO giebt. 

Durch Einwirkung von nascirendem 
Wasserstoff wird analog wie beim Eairolin 
aus dem Ortho -Oxychinolin: l-(Ortho) 
Tetrahydrooxychinolin Co Hu NO 
und aus diesem durch Behandeln mit 
Methyljodid: Tetrahydro methyloxy- 
chinolin, Oxychinolinmethyftetra- 
hydrflr, Kairin M, C10H13NO1HCI -|- 



CH. 



HjO (als salzsanres Salz) gebildet. Bei 
Anwendung von Aethyljodid f8r Methyl- 
jodid entsteht: Tetrahydroaethyl- 
oxychinolin,OxyehinoIinaethyl- 
tetrahydrür, Kairin A, CuHisNOi 
HCl (als salzsanres Salz) — kurzweg 
Kairin genannt. 

I-Tetrahydrooiy- 
l-Oxvchinolin chinolin 

Ortho-Oiy- Ortho-Tetrahydro- 
chinolin oxychinolin 

(C9H7NO) (C9H11NO) 



H H 

C C 

HC C CH 

HC C CH 

\/\/ 

C N 

OB 



H B, 

C C 

HC C CBä 
HC C CBo 

YY 

OH H 



A. Rairiii 

M. Kairin (Cn Hiß NO, HCl) 

(Cio Hl 3 NO, HC1+H,0) SilManrcs 

Salzsaurfs Oiylctra- Oiytetrakydro- 

kydrometliylciiiBOlia . ilhylehlDolia 

( H f thyloxyrliiiioliB- (AtkyloiyehlaoliB- 

IftrahydHir) tetrakydrlr) 

H H.2 H Hj 

c c c c 

HC C CH.2 HC C CH.i 

HC CHi HC C CB3 

YY YY 

OH (CH3).Hrj OH (CdH5).HCI 

Wie durch Erhitzen von Anih'n (oder 
Anilin und Nitrobenzol) mit Glycerin 
und Schwefelsäure auf ungefähr 190 ^ 
(Skraup'sche Beaetion oder Chi- 
ne linsynth es e) Chinolin entsteht, bil- 
den sich homologe Ohinoline in analoger 
Weise. 

Paraamidoanisol und Paranitroanisol 
mit Glycerin und Schwefelsäure längere 
Zeit auf 140 — 150 ^ erhitzt geben Para- 
chinanisol, C10H9NO, welches aus 
alkalischer Flflssigkeit mit Wasserdampf 
abdestillirt wird. Der Einwirkung nasci- 
renden Wasserstoffs unterworfen geht das 



161 



Parachioanisol in Tetrah jdropara^ 
chinanisol,Thallin, über. Durch Er- 
hitzen mit Aethyljodid kann (Wasserstoff 
substituirend) Aethyl eingeführt werden 
nnd das entstandene PrQduct ist Aethyl - 
tetrahydroparaehinanisol, Ae- 
thylthallin, C12H17NO. 

In den Salzen des Thalh'ns nnd Aethyl- 
Ihallins ist die betreffende Säure direot 
zuaddirt. Da das Anisol als Phenyl- 
methyläther O6H5.O.CH3 zu be- 
trachten ist, ist das Thallin dement- 
sprechend derMethyläther des Tetra - 
hydroparaoxychinolins, wie d urch 
nachstehende Formel verdeutlicht wird. 

3-Oxychinoliii Tetrahydro- 
Paraoxychinolin paraoxychinolin 



(O9 H, NO) 
H H 

(' er 
/■N/S, 

I II I 

H(; OH 

C N 
H 



((',,»„ NO) 



H 

(' 






OHO (^ 



(;h.. 



H(! C (!H, 

N 
H H 



ThalliR (r,oH,..,NO) 
Parachinanisol Tclrahydropar«- 
(O.oHsNO) chlHABiSOl 

H H H H., 

CG C 0" 

^\/\ /\/\ 

(Gll30)O C OH (CH3e)0 OB, 




CH 



i 



HC C CB.^ 

V> N 
H H 



Af(liyllliAtliii(Ci.IInN<)) 
Aelhyltetrabydroiiaracbinauisoi 

H Ho 

C C^ 

D C CB> 
HC C CHa 

C N 
H (C,H5) 



(CH30)C 



Bei der Einwirknng gleicher MolekQle 
Pbcnylhydracin und Acetessigester auf 
einander entsteht unter Austritt von 
Wasser und Alkohol durch Condensation 
M e t h y 1 X y c h i n i z i n C^q Hio N^ 0. 
(Das hypothetische Chinizin CgHio^g 
ist durch die in ihm angenommene Bind- 
ung der zwei Stickstoffatome interessant.) 
Das Methyloxvchinizin wird durch Er- 
hitzen mit MotWljodid und Methylalkohol 
im Rohr auf 100^ in Dimethyloxy- 
chinizin, x y d i m e t h y 1 c h i n i z i n 
oder Antipyrin CnHi^NgO über- 
goftihrt. 

Das Dimethyloxychinizin oder Anti- 
pyrin ist nicht zu verwechseln mit einem 
('ondensationsproduct des Methyloxychini- 
zin, dem Di - Methy loxychin izin, 
('.J0H18N4O2, welchips entsteht, wenn 
Methyloxychinizin mit überschussigem 
Phenylhydrazin erwärmt wird. Das Di- 
Meihyloxychinizin findet keine medici- 
nische Verwendung. 

(Die nachfolgend gebranchte gegen die 
bisherige abweichende Schreibart ist aus 
praktischem Grunde gewählt worden.) 



Chinizin 
(OsH.oNJ 

H 

C N — NH 

H C CH 

I II I 
H C H.. 

•\/\/ 
H H., 



Methyloxvchinizin 
(CioH,"oN,0) 

H 

N — MH 

HC C C-CH3 



H (J H2 
H 



Oiydinethylchiiizln, DiMetbyloxycbiiiizin 

(Methylirtes Methy loxychin izin). 

Anlipyriii 

(C„HioN,0) 

H 

G N — MGBu 

HC (; c — CB3 



H (^ C C B2 

C 
H 



s. 



162 



Zur Fettbestimmung der Milch. 

Zur Bestimmung des Fettes in der Milch 
werden lOccm derselben zur Trockene 
eingedampft und aus dem Bückstand das 
Fett mit Aether extrahirt 

Allgemein dürfte diese Bestimmung 
derart ausgeführt werden, dass nicht die 
Milch ftir sich allein, sondern mit Sand 
gemengt eingetrocknet und der Bückstand 
im Soxhlef sehen Apparat extrahirt wird. 

Ausser Sand werden in den Lehr- 
büchern andere Substanzen, wie €rlas- 
pulver, gebrannter Oyps, Strontium- und 
Bariumsulfat zum Eintrocknen der Milch 
empfohlen. 

Ich habe bei meinen Untersuchungen 
bisher ausschliesslich Sand angewendet. 
Da ich mich aber auch von dem Werth 
der anderen Substanzen überzeugen wollte, 
benutzte ich bei der letzten Bestimmung 
Gyps und erhielt aus einer ganzen Milch 
nur 0,265 pCt. Fett. Der Gyps in der 
Papierhülse war auf die Hälfte seines 
Volumens zusammengefallen, bildete eine 
feste teigartige Masse und enthielt noch 
2,5 pCt. Fett, welches ich derselben, nach- 
dem ich sie in der Beibschale verteilt, 
entziehen konnte. 

Bell verwirft den Soxhlefsehen Apparat 
durchaus, Bmenack eoipfiehlt in seinen 
Bemerkungen zu der Uebersetzung der 
JB^Zfschen Arbeit die Anwendung ganz 
groben Sandes und es ist auch zweifellos, 
dass man hier Besultate erhält, die für 
die Praxis genügen. Gebrannter Gyps 
ist aber durchaas zu verwerfen ; vielleicht 
lässt sich derselbe bei ganz wasserfreiem 
Aether anwenden, ans dem gewöhnlichen 
Aether wird er aber das Wasser fest- 
halten und damit eine feuchte Masse 
bilden, die der Aether nicht durchdringen, 
also auch nicht extrahiren kann. Auch 
die Feinheit des Gypses dürfte überhaupt 
nachtheilig wirken und deshalb Strontium- 
und Bariumsulfat ebenfalls zu verwerfen 
sein. Da trotzdem diese in den meisten 
Lehrbüchern empfohlen werden, glaube 
ich auf die Unzulänglichkeit dieser Metho- 
den aufmerksam machen und nur die Ver- 
wendung groben Glaspulvers oder grob- 
kömigen Sandes als zulässig erklären zu 
dürfen. 

Dr. G, Ä, Ziegeler, 



Analyse einer Marzipanmasse. 

Die Marzipanmassen, wie sie in den 
Handel gebracht werden, werden meistens 
unter Garantie als aus % Mandeln und 
Vs Zucker bestehend verkauft. Da sich 
in Königes Tabellen die Analyse eines 
solchen Marzipans nicht findet, gebe ich 
hier die Besultate einer von mir im Auf- 
trage des Fabrikanten ausgeführten Ana- 
lyse als zweifellos lege artis bereiteten 
Marzipanmasse. 

Dieselbe enthielt 

18 pCt. Wasser, 
28 „ Zucker, 
28,5 „ Fett. 

Wenn diese Zahlen auch je nach dem 
Zuckergehalte des Zuckers und dem Fett- 
gehalt der Mandeln geringen Schwank- 
ungen unterworfen sein werden, so dürfte 
doch eine Marzipanmasse, in der Fett 
und Zucker zu annähernd je 28 pCt. ent- 
halten sind, als im obigen Verhältniss 
angegeben, bereitet sein und Abweich- 
ungen sich zur Beurtheilung eines grös- 
seren Zuckerzusatzes eignen. 

Stralsnnd. Dr. G. Ä. Ziegder. 



Stralsund. 



Pack-Leim, Dextrin-Leim 

zun Aufkleben toh Adressen^ Signataren etc. 

Bei den hohen Preisen des Gummi er- 
laube ich mir folgenden Ersatz za em- 
pfehlen : 

1) 400,0 Gommelin {Gehe & Co.) 
pulvert man gröblich, löst kalt in 

600,0 Aquae, 

fügt 

10,0 Glucose, 
20,0 Glycerin 
hinzu und erhitzt bis auf QO^ C. 

2) 400,0 Dextrin 
rührt man mit 

400,0 Aquae 

an, verdünnt mit 

200,0 Aquae, 

flögt 

20,0 Glucose, 

10,0 Aluminii sulfurici 
hinzu und erhitzt im Dampfbad auf ca. 
90^ 0. Die anfänglich dicke Masse wird 
dadurch klar und dünnflüssig. 
Beide Massen eignen sich zum Garn- 



163 



miren ?on Etikettepapier^ Briefmarken 
etc., doch verdient erstere den Vorzug. 

Eugen Dieteridu 



Zar Früfang des Chininum 



lieber die Prüfung der Chininsalze 
sind in letzter Zeit wieder einige Publi- 
kationen gebracht worden, welcEe jedoch 
mehr Negationen fremder Angaben als 
neue Vorschläge enthalten. Wir werden 
die so wichtige Frage im Auge behalten 
und geeigneter Zeit wieder über dieselbe 
im Zusammenhange referiren, wie dies im 
vorigen Jahrgang durch Herrn Dr. Vulpius 
geschehen ist 

Möchten auch recht viele Apotheker 
sich in der nächsten Zeit speciell mit 
der Controle ihrer Chininsalze und mit 
vergleichender Prüfung der verschiedenen 
Methoden befassen. Wir haben specielles 
Interesse daran, nur reinste Präparate 
abzugeben, ein Interesse, welches leider 
viele Fabriken nicht haben. Eed, 



Ferrum hydrogenio reduct pur. 

Wie uns die chemische Fabrik von 
H, Trommsdorff in Erfurt mittheilt, ist 
es derselben gelungen, ein Ferrum hydro- 
genio reduct. puriss. herzustellen, welches 
allen Anforderungen der Pharm. Germ. IL 
genügt Bekanntlich wurde seither be- 
hauptet, dass die Anforderungen der 
Pharmakopoe zu strenge seien. Eed, 



Ueber das Colchicin. 

Von 8. Zeisel. 

Den weaentlichen Inhalt dieser Arbeit faast 
der Vf. in folgende Sätze zusammen. Dem 
Colchicin kommt die Formel CasHsöNOö zu. 
Es besitzt die Fähigkeit, sich mit Chloroform 
znr kiystallisirten Verbindung Ci2Ht6N06. 
2CHC]ä zu Tereinigen, welche durch Wasser 
leicht in ihre Componenten zerlegt wird. Es 
besitzt den Charakter einer schwachen Base. 
Seine einfgushen Salze können zwar nicht aus 
ihren wässrigen Lösungen isolirt werden, 
indessen hi wenigstens die Existenz einer 
DoppelTerbindung Ton Colchicinchlorbydrat 
mit Goldchlorid von der Formel CsaHzftNOs. 
HCl. AaCU mit Bestimmtheit nachgewiesen 



worden. Die Existenz einer zweiten QoldTer- 
bindung des Colchicins, C44H6oN20ia(HCl}2- 
AnCls» ist noch fraglich. 

DasColohieein ist nach der Formel (CsiHsa* 
NO«). 9 HaO zusammengesetzt. Wenn in Be* 
t rächt gezogen wird, dass die Differenz in der 
Zusammensetzung des Colchielns und des 
kiystallwasserfreien Colchiceins ein Kohlen- 
stoff- und zwei Waaserstoffatome beträgt, und 
dass bei der Umwandlung der einen Ver« 
bindong in die andere auch die Bildung Ton 
Methylalkohol beobachtet werden konntCi 
wird man wohl zum Schlüsse gedrängt, dass 
das Colchicein entmethylirtes Colchicin sei. 

Die Entstehung des Colchiceins ist dann 
ducch die Gleichung CmHmNOo + HiO» Cu- 
HcsNOs -|- CHsOH auszudrucken. Auch das 
Colchicein verhält sich wie eine schwache 
Base; Beweis dessen die unter Erwärmung 
stattfindende Lösung der an sich schwer lös- 
lichen Substanz in wässriger Salzsäure und 
die Existenz der Doppelverbindung Colchicein- 
chlorhydrat, Goldchlorid, für welche die Zu- 
sammensetzung Csi HasNOs, HCl. AuCls nach- 
gewiesen worden ist. Das Colchiowin zeigt 
zugleich den Charakter einer schwachen ein- 
basischen Säure oder Tielleicht richtiger eines 
einatomigen Phenols. Dem entsprechend löst 
es sich in Kalilauge und in Ammoniak und 
bildet die Kupferverbindung C2iH«2N0s)aCu. 

Da dem Colchicin keine sauren Eigen- 
schaften zukommen, ist man berechtigt, an- 
zunehmen, dass bei seinem Uebeigange in 
Colchicein ein Methoxyl in ein Hydroxyl um- 
gewandelt wird. Somit sind auf Grund der 
bekannt gewordenen Thatsachen (C2iHa20C8)- 
NOft und C3iHc2(0H)N06 als theilweise auf- 
gelöste Formeln für Colchicin, resp. Colchicein 
anzunehmen. Ob die Molekularformel beider 
Verbindungen nicht etwa verdoppelt werden 
muss, lässt sich jetzt noch nicht entscheiden. 

Dass endlich bei der complicirten Zu- 
sammensetzung der hier besprochenen Sub- 
stanzen auch bezüglich der Zahl der Wasser- 
stoffatome vorläufig ein gewisser Vorbehalt ge- 
macht werden muss, liegt in der Natur der 
Sache. Chm. CetUr.-Bl 1887, Nr. 11. 



Jodoform - Aetherlöaungen. 

Hebheler machte in der „Münohener medi- 
cinischen Wochenschrift" auf die leichte Zer- 
setzbarkeit des Jodoforms in Aether aufmerk- 
sam und schlug vor, diese Zersetsong durch 



164 



Lichtschutz sa hindeiii oder zu verlangsamen. 
Daccomo hingegen schrieb die Ursache derZer- 
setzangdem Sauerstoffzu, £oerr^^^ wiederum 
einem Gehaltdcs Aethers an Wasserstoffsuper- 
oxyd. Zar Entscheidung dieser Differenzen hat 
Fischer (Pharm.-Ztg. 1887, 21) Versuche an- 
gestellt, aus denen er folgert, dass die Ursache 
der Zersetzung in einer dem Aether eigen- 
thüm liehen Verunreinigung zu suchen sei, 
welche sich durch Rectification über trockenen 
Kalihydrat entfernen lasse. Ein derart be- 
handelter Aether giebt eine der Färbung des 
Jodoforms fast entsprechende Lösung, welche 
sieh nicht merklich verändert. Weiter gebt 
aus den Versuchen Fischer'B hervor, dass 
Luftzutritt die Zersetzung wesent- 
lich beschleunigt; und ferner, dass 
rei n er Aether, in Berührung mit der Luft, 
bald wieder jene Verunreinigung enthält, 
welche Fischer als Ursache der Zersetzung 
betrachtet. Lichtabschluss verzögert nur, 
verhindert aber nicht die Zersetzung. Auch 
Fischer scheint der Ansicht zu sein, dass das 
verunreinigende Agens HiOs sei. Ref. ist in- 
dessen der Ansicht, dass diese letzte Annahme 
doch auch durch weitergehende Versuche 
nachgewiesen werden müsse. dt. 



Vorkommen von Zucker im Harn. 

V. Jaksch hat gefunden, dass der Harn 
nach Vergiftung mit Kalilauge oder Schwefel- 
säure und nach einer Arseuvergiftung keinen 
Traubenzucker enthielt, wiewohl derselbe 
reich an reducirenden Substanzen war. Da- 
gegen enthielten die Harne von drei mit 
Kohlenoxyd Vergifteten, ebenso die Harne in 
, zwei Fällen von Asphyxie (nach Einathmung 
irrespirabler Gase), ferner nach tiefen Chloro- 
form narkosen und nach grösseren Sa Hey l- 
säuredosen Traubenzucker, v, Jaksch em- 
pfiehlt hierzu die Phenylhydraciureaction 
(Pharm. Centralh. 25, 50O), doch ist zu er- 
wähnen, dass sehr eiweissreiche Hanie vorher 
enteiweisst ir erden müssen. Die Methode ge- 
stattet auch im enteiweissten Blute, desgleichen 
in einer ganzen Reihe von Transsudaten und 
Exsudaten der Bauch- und Pleurahöhle den 
Traubenzucker nachzuweisen. Milchzucker 
konnte v. Jaksch im Harn von Wöchnerinnen 
bis jetzt nieht nachweisen. 

Die entstehende Doppelverbiudung des 
Phenylhydracins und Traubenzuckers, das 
Phenylglucosazon , schmilzt bei 205^ C, was 



in zweifelhaften Fällen zur Identificirung dos 
entstehenden Niederschlages benutzt werden 
kann. $. 

MediC'Chirurg. Bundschau 1S86, 785. 

Als Reagens I um bei Zuckerbestimmung 
zu prüfen , ob noch unzersetzte Fehling'ache 
Lösung vorhanden ist, empfiehlt Quinquand 
Hauseublaseulösung. Er stellt letztere dar, 
indem er 2,5 g Hauseublase mit lOccm Kali- 
lauge erwärmt, erkalten lässtund auf 250 ccm 
verdünnt. Bei Vorhandensein von Kupfer in 
der zu prüfenden Probe tritt auf Zusatz von 
dieser Hauseublaseulösung eine violette Färb- 
ung (Biuretreactiou) auf. s. 
Journ. de Pharin, et de Cliim. 86, 462, 



Zur Bestimmung von Borsäure. 

Von F. A, Gooch. 

Die Methode beruht darauf, dass sich die 
Borsäure mit Methylalkohol leicht und voll- 
kommen verflüchtigen lässt. Man bebandelt 
daher die zu untersuchende Substanz mit Sal- 
peter- oder Essigsäure, um das borsaure Salz 
zu zersetzen, destillirt die Flüssigkeit ab, 
fügt zu dem Rückstande Methylalkohol , wel- 
chen man ebenfalls abdestillirt, und wieder- 
holt die letzte Operation einige Male. Die in 
dem Destillate befindliche Borsäure wird mit 
einer gewogenen Quantität von Calciumoxyd 
zur Trockne eingedampft. Die nach dem 
Glühen beobachtete Gewichtszunahme giebt 
alsdann die Menge der Säure an. Der Apparat, 
dessen sich der Verf. bedient, ist leider etwas 
complicirt. j^^^ jfer. d. diem. Ges, 20, US, 



Ueber Entflammungs- und Ent- 
zündungstemperaturen einiger 

flüssiger Handelsartikel. 

Von Dr. F. Gmtter. 

Zum Zwecke der Tarifirung und Einschätz- 
ung in Gefahrenklassen hat sich seit einiger 
Zeit schon das Bcdürfniss nach einer Za- 
sammenstellung der Entflammungs- und Ent- 
zündungstemperaturen verschiedener HandeU- 
waaren geltend gemacht. Um die Gefährlich- 
keit in Graden auszudrucken, wurde der Ent- 
flammungspunkt des Aethyläthers, der bei 
— 20^ C. liegt, = 100 Grad angenontmen 
und die Differenz von dieser Temperatur um 



165 



je 5^0. s= 1^ Geföhrlichkeit gerechnet. ' mit dem Sinken der Entflammungstemperatur, 
Für den praktischen Zweck der Eintheilung sondern rascher zunehmen muss, 
in Gefahrenklassen gieht diese Art der Be- In der folgenden Tahelle sind die unter- 
rechnunggenügende Anhaltspunkte, obgleich sachten Flüssigkeiten nach ihrer Gefahrlich - 
sie nicht ganz genau die wirkliche Gefährlich- keit geordnet, um als Beispiel für die Klassi- 
keit ausdrückt, da letztere nicht gleichmässig j fication zu dienen. 



Gegenstand 



Siedej)unkt 



Entflamm- 

ungs- 
temperatur 



Ent- 
zündungs- 
temperatur 



Aethyläthcr (Handelswaaro) 

Schwefelkohlenstoff 

Petrolenmäther (spec. Gew. 0,70) 
Steinkohlentheerhenzol (90 pCt.) 

(50 pCt.) 
Methylalkohol (Holzgeist) . . 

Toluol, rein 

Aethylalkühol (95 pCt.) . . . 

(60pCt.) . . . 

(45pCt.) . . . 

Petroleum (Test) 

Xylol (aus Steinkohlentheer) 
Ter[)entinöl ... .... 

Cumol, roh, aus Steinkohlen theer 

Eisessig 

Amylalkohol (Fuselöl) .... 

Solaröl 

Theeröl (Mittelfractioii) . . . 

Anilin (rein) 

Dimethylanilin 

Anilin (für Roth) 

Toluidin (ffewöhnl.) .... 

Nitrobenzol 

Xj lidin (technisch) 

Paraffinöl 

Mineralöl (Naphtoliiij .... 



Urad 


Grad 


34,5 


20 


46 


20 


90-100 


-20 


82-115 


-15 


88-125 


- 5 


66 





111 


7 


78-80 


14 


— 


16 


— 


20 


150 bis aber 360 


25 


138 140 


30 


155 165 


35 


140-170 


39 


119 


44 


130 


46 


190-270 


60 


— 


63 


182 


76 


192 194 


76 


190-198 


85 


196—198 


85 


207-210 


90 


213-218 


97 


260 bis über 360 


107 


350 


200 



Grad 

—20 

—20 

-20 

-15 

- 5 



21-22 

15 

27 

31 

43 

47 

44 

56 

75 

47 

80 

83 

103 

90 

105 

107 

103 

121 

150 

227 



Gefähr- 
lichkeit 



100 
KO 
100 

99 

97 

96 

94,5 

93,4 

92,8 

92 

91 

90 

89 

88,2 

87,2 

68,8 

84 

83,4 

8(J,8 

80,8 

79 

79 

78 

76,6 

74,6 

56 



Die Tabelle giebt einen sicheren Auf- 
schi ass über die Gefährlichkeit der einzelnen 
Materialien und zeigt auch , wie nothwendig 
eine Berücksichtigung derselben beim Erlass 
feuerpolizeilicher Vorschriften ist. Bemerkens- 
werfh ist bei der Tabelle noch das Verhält- 
nis« zwischen Siedepunkt und Gefährlichkeit. 
Man ist gewöhnlich geneigt anzunehmen, 
dass mit dem Fallen des Siedepunktes die 
Gefährlichkeit steige. Tbatsächlich verhält 
CS sich jedoch nicht ganz so ; Petroleumäther 
siedet z. B. bei 90 bis 100 <> und hat den 
Entflammungspunkt bei --20<^y Aethyl- 
alkohol dagegen siedet bei 80 ^ und ent- 
flammt bei -f 14^. Aus der Tabelle ergiebt 
sich ferner, dass die Enlflammungstemperatur 
derjenigen Körper, welche von jeher als ganz 
besonders feuergeföhrlich gelten , unter 
-|- 10<* C. liegt. Diejenigen Körper, welche 
den Entflammungspunkt erst oberhalb dieser 
Temperatur zeigen, und deren Reihe mit dem 



Aethylalkohol beginnt, können nicht aU 
„besonders feuergefährlich^ bezeichnet wer- 
den, obwohl selbstverständlich beim Aufbe- 
wahren und Transport derselben grosse Vor- 
sicht nicht ausser Acht gelassen werden darf. 

Bei einer Entflammungstemperatur von 
-|- 60^ C. an nimmt jedoch die Leichtig- 
keit der Entflammung und der Entzündung 
so stark ab , dass man von besonderen Vor- 
sichtsmaassregeln in den meisten Fällen ab- 
sehen kann und nur darauf achten muss, dass 
diese Producte nicht mit brennenden Körpern 
in Berührung kommen. 

Bepertorium d. analyU Chem. 18S7, Nr. i;?. 



Modification des Otto'schen Ace- 

tometers. 

Der 0/^o'sche Acetometer, eine eingetheilte 
cylindrische Röhre, in welcher der mit dem 
Indicator versetzte Essig bis eben zur Neu- 



166 



iralisution mit einer AlkalilÖsung versetzt 
wird, erfahrt nach W. Fresenius folgende 
verbesserte Einrichtung, 

Eine 12 mm weite, 17 bis 18 cm lange 
cylindrische Glasröhre, welche an dem Punkte, 
bis zu welchem sie 5 ccm fasst, eine Marke 
trägt und die von da aufwärts in Cubikcenti- 
meter bis zu 12 nach ^/lo Qraden eingetheiit 
ist, füllt man, am besten mit einer Pipette, 
bis zur 5 ccm-Marke mit dem zu prüfenden 
Essig an, setzt 1 Tropfen Phenolphtalei'n 
hinzu und versetzt nun mit titrirter Natron- 
lauge bis zur Röthung. Die Rechnung wird 
bei Normalnatronlauge in bekannter Weise 
ausgeführt. Man kann sich jedoch auch eine 
Natronlauge zur Essigprüfung her- 
stellen und von dieser geben die verbrauchten 
Cubikcentimeter direct Gramme wasserfreier 
Essigsäure in 100 ccm (also den Procentgehalt) 
an. Diese Natronlauge zur Essigprüfung stellt 
man in der Weise ein, dass man zu 1000 ccm 
Normalnatronlauge noch 200 ccm Wasser 
setzt. (Fresen.^ Quant, ehem. Analyse, 2. Bd. 
»S. 261.) 1000 ccm dieser verdünnten Lauge 
sättigen nun genau 50 g Essigsäure, —os— 
Zeüschr. f. anältß, Chem. 1887, L 



Ueber den Nachweis und die 

quantitative Bestimmung der 

Milchsäure in physiologischen 

und pathologischen Fällen. 

B. Palm weist darauf hin, dass noch immer 
in den Lehrbüchern zur Abscheidung der 
Milchsäure die Darstellung des Zinklactats 
auf einem sehr umständlichen Wege be- 
schrieben ist, während er bereits vor einigen 
Jahren die Mittheilung machte, dass die 
Milchsäure unter gewissen Bedingungen ein 
basisches, in Wasser anlösliches Lactat von 
der Constanten Formel: 3PbO, 2 (CsHöGs) 
bildet und dass dasselbe entsteht, wenn Milch- 
säure mit Bleiessig und alkoholischem 
Ammon vermischt wird. Man verfährt nach 
Palm auf folgende Weise: 

Das zerkleinerte Untersachungsobject wird, 
im Falle man nur freie Milchsäure nachweisen 
willy erschöpfend mit Aether ausgezogen, da 
letzterer nur Milchsäure, Fett und etwa Farb- 
stoffe löst. Der ätherische Auszug wird auf 
dem Wasserbade verdunstet, der Rückstand in 
Wasser gelöst, wobei Fett zurückbleibt und 
die filtrirte wässrige Lösung jetzt mit Bleiessig 
vermischt. Entsteht ein Niederschlag, so wird 



filtrirt. Das Filtrat wird, wenn darin nicht 
vorher überschüssig zugesetzter Bleiessig zu- 
gegen ist, erst mit diesem, darauf mit alkoholi- 
schem Ammon so lange versetzt, als noch eine 
Fällung wahrnehmbar ist, wodurch bei An- 
wesenheit von Milchsäure ganz constant das 
Bleilactat nach der oben angegebenen Formel 
herausfallt. Ist an Basen gebundene Milch- 
säure zu bestimmen, so hat man vorher mit 
Schwefelsäure anzusäuern und darauf mit 
Aether weiter zu behandeln. Um sich zu 
überzeugen, dass in dem Bleiniederschlage 
wirklich Milchsäure vorhanden ist, hat man 
denselben mit Schwefelwasserstoff zu zersetzen 
und das Gemisch voll Schwefelblei und Milch- 
säure mit Aether zu behandeln, wobei nach 
dem Verdunsten der ätherischen Flüssigkeit 

die Milchsäure rein resultirt. — os — 

Zeitschr. f, antüyt. Chem, 1887, L 



Jurubeba. 

Unter den auf der „1886er Südamerika- 
nischen Ausstellung in Berlin" ausgestellten 
Drogen erregten grosses Interesse die aus 
Brasilien eingeschickte Jurubeba und die 
aus ihr hergestellten Präparate. Jurubeba ist 
die (geschält verwendete) Wurzel von Solanum 
paniculatum L., sie geniesst in Brasilien den 
Ruf eines vorzüglichen Abführmittels, haupt- 
sächlich bei Verstopfung und Entzündung 
der Leber und Milz, und eines -nicht minder 
ausgezeichneten harntreibenden Mittels. Aus- 
gestellt war neben der Bohdroge (diese leider 
nur in sehr geringer Quantität) die ver- 
schiedenartigsten aus ihr gefertigten Arznei- 
mittel, wie Syrup, Wein, Pillen, Eztracte, 
Tinctur und Pomade, Pflaster, Oel, letztere 
drei zum äusserlichen Gebrauch bestimmt. 

Wenn die Jurubeba auch nur einen Theil 
der ihr von brasilianischen Aerzten nach* 
gerühmten Heilkräfte wirklich besitzt, so er- 
scheint sie doch einer eingehenden Unter- 
suchung und Prüfung unbedingt werth und 
diese wird auch, sobald grössere Mengen der 
Droge beschafft sind, in Berlin zur Ausführung 

kommen. g, 

Export Nr, 7. 

Prophylakt Behandlung der Zähne. 

Der Artikel über dieses Thema in voriger 
Nummer unseres Blattes entstammt den 
Therapeut. Monatsheften. Durch ein Ver- 
sehen war die Quellenangabe unterblieben. 

Eed. 



^ , ^'^^ *y^\^'\ 



167 



üiteratnr und Kritik. 



Lehrbuch der Pharmakognosie. Mit 

besonderer Bücksicht aiif die Pharma- 
eopoea Germanica ed. II, sowie als 
Anleitung znr naturhistorischen Unter- 
suchung vegetabilischer Bohsto£fe von 
Prof. Dr. Albert Wigand, Marburg. 
4. Aufl. mit 188 Holzschnitten. Ber- 
lin 1887. Verlag von August Hirsch- 
tvald. 
Diese Pharmakognosie ist speciell für den 
Apotheker geschrieben. Entgegen so vielen 
anderen Werken, welche auf ihren Titel- 
blättern wohl die Bezeichnung „für Pharma- 
centen'^ mit tragen, im Uebrigen auf die Be- 
dürfnisse derselben wenig Rücksicht nehmen, 
lässt schon das Vorwort dieses Lehrbuches 
keinen Zweifel, dass es wirklich „Pharma- 
kognosie für Pharmaceuten," nicht „Pharma- 
kognosie mit einiger Rücksicht auf Pharm a- 
ceaten'* enthält. Prof. Wigand ist, wie wohl 
allgemein bekannt ist, im October vor. Jahres 
gestorben, wir dürfen wahrlich um ihn trau- 
ern , denn wir haben einen warmen Freund 
an ihm verloren. Wenige Universitätslehrer 
werden so freundliche Worte über unsern 
Stand geschrieben haben, als Prof. Wigand 
in dem Vorwort zur II. Auflage seiner Pharma- 
kognosie, wenige auch die Pharmakognosie 
in so praktischer und für Pharmaceuten 
speciell nutzbarer Weise aufgefasst und vor- 
getragen haben. Er hat die 4. Auflage noch 
zum Druck fertig machen können, die Korrek- 
turen hat sein Sohn, Assistent am pharma- 
kognostischen Institut, besorgt. Wigand ^ 
Lehrbuch der Pharmakognosie sollte keinem 
deutschen Apotheker unbekannt bleiben, in 
unserem eigenen Interesse wünsche ich dem- 
selben die allerweiteste Verbreitung. 

Geissler, 

Anatomischer Atlas zur Pharma- 
kognosie , 60 Tafeln in Holzschnitt 
von Dr. A. E. Vogl, k. k. o. ö. Pro- 
fessor der Pharmakologie und Pharma- 
kognosie an der Wiener Uni?ersität. 
I. Heft (Tafel 1—15). Holzschnitte 
aus dem xylographischen Atelier von 
F. X. Matoloni in Wien. Wien 1887. 
Urban S Sehwarzenherg. Erscheint in 
4 rasch aufeinander folgenden Heften. 

Wir werden auf diesen Atlas zurückkommen , 
sobald derselbe abgeschlossen vorliegt, wir 



empfehlen denselben aber schon jetzt der 
Aufmerksamkeit unserer Leser. Die einzelnen 
Tafeln sind ausserordentlich schön ausgeführt 
und auch die sonstige Ausstattung derselben 
ist brillant, so dass der Preis als ein massiger 
erscheint. 



Vorträge fiber die Entwieklangs- 
gesehiehte der Chemie in den 
letzten hundert Jahren von Dr. 
A. Ladenburg, o. Professor der Chemie 
an der Universität Kiel. Zweite ver- 
besserte und vermehrte Auflage. 
Preis 6 Mark. Braunsehweig 1887. 
Druck und Verlag von Friedrich 
Vieweg & Sohn. 

Die Kenntniss der Entwicklungsgeschichte 
einer Wissenschaft ist für jeden Jünger der- 
selben eine Noth wendigkeit, mindestens gilt 
dies von den letzten Phasen der Entwicklungs- 
geschichte, welche in die heutige Zeit hinein- 
reichen. Entwicklungsgeschichte der Chemie 
wird nicht an allen Universitäten gelehrt, 
aber auch wo sie gelesen wird, hat der Pharma- 
ceut, welcher nur die übliche Zeit studirt, 
selten Zeit sie zu hören. Das vorliegende 
Werk bietet ihm Gelegenheit, das in dieser 
Richtung Versäumte nachzuholen. Es giebt 
in ausserordentlich ansprechender Form in 
fünfzehn Vorlesungen ein Bild , wie sich die 
chemischen Theorien aus- und nacheinander 
entwickelt, welche Bedeutung sie für die 
Chemie gehabt und was wir durch sie bis 
jetzt erlangt haben. e. 



Prinelpien der organlsehen Synthese 

von Dr. Fugen Lellmann, Privat- 

docent an der Universität Tübingen. 

Preis 10 ^. Berlin 1887. Verlag 

von Robert Oppenheim. 
Die vorliegende Darstellung der für die 
Chemie des Kohlenstoffes wichtigeren syn- 
thetischen Methoden ist für Solehe bestimmt, 
welche die Chemie als Hauptfach erwählt 
haben und wird diesen ebensowohl als Hülfs- 
mittel beim Studium als beim praktischen 
Arbeiten in der synthetischen Chemie gute 
Dienste leisten. Das Werk bringt in einer 
Einleitung die Besprechung der Substitutions- 
regeln und sodann in grösseren Kapiteln mit 
den entsprechenden Unterabtheilungen die 
Bearbeitung aller Reaetionen von allgemeine- 



168 



rem Charakter : Reactionen . durch welche 
die in einer Verbindung enthaltene Anzahl 
von Kohlenstoffatomen nicht verändert 
wird; Anfbau einer Verbindung mit einer 
grösseren Anzahl von Kohlenstoffatomcn aus 
solchen, die weniger Kohlenstoffatoroe ent- 
halten ; Zerlegung einer Verbindung in meh- 
rere andere, deren jede eine kleinere Anzahl 
von Kohlenstoffatomen enthält. 

Mit ausserordentlichem Fleiss und grosser 
Sachkenntniss sind die zahlreichen zum 
Theil weit verstreuten Literaturangaben fUr 
das Werk zusammengetragen. 

Real-Eneyblopädie der geHammten 
Pharmacie fiir Apothokor, Aerzto 
nnd Medicinalbeamte, unter Mitwir- 
kung]: zahlreicher Faehmiinner heraus- 
gegeben von Prof. Dr. J?. Geissicr in 
Dresden und Prof. Dr. Jos, Moellcr 
in Innsbruck. Mit zahlreichen Ilhi- 
strationen in Holzschnitt. 24. — 32. 
Lieferung. Wien und Leipzig 18S7, 
IJrhan S; Schwär zeiiherg, Preis pro 
Lieferung 1 Jl. 
Die vorliegenden 9 Lieferungen reichen 
von Brenzschleimsäure bis Cholagoga, das 
Werk schreitet demnach, wenn auch nicht 
sehr rasch , doch auch nicht langsam vor 
wSrts. Auch diese Hefte enthalten wieder viele 
vorzügliche Artikel , leider aber auch solche, 
welchen den Worten des Prospectcs, dass die 
einzelnen Aufsätze „kurz und abgerundet'* 
sein würden, nicht ganz entsprechen. 

Die Geschärtspraxis des Apothekers 

und seine Nebengeschäfte. Aus der 
Praxis für die Praxis von Ph. Mr. 
Adolf Vomdcka, Redacteur der Rund- 
schau. Prag, 1887. Selbstverlag des 
Verfassers. 

Der sehr rührige und federgewandte Herr 
Verfasser , welcher den Lesern dieses Blattes 
aus seinen früheren Büchern: „Unsere Hand- 
verkaufsartikel*' und „Neue Ideen ^' schon 
bekannt ist, giebt in dem vorliegenden 
Werkchen recht beachtenswerthe, wenn auch 
mitunter sehr ph rissen rei che , Winke und 
Raihschläge, wie sich der Apotheker eine 
richtige Geschäftspraxis zu eigen machen 
kann. Er zieht in den Kreis seiner Betrach- 
tungen das wie jedem Menschen auch dem 
Apotheker innewohnende Streben nach 
Selbstständigkeit, das Sachen nach einem 



Kaufsohjectc, die Uebcrnahme eines Geschäf- 
tes, das Verhältniss des Apothekers zu Arzt 
Und Publikum, die selten ausbleibende Con- 
currenz etc., giebt eine mit Beispielen er- 
läuterte Anleitung zur Buchführung und ver- 
breitet sich in nützlichen Bathschlägen beim 
Einkaufe der Waaren, beim Annoncircn, beim 
Entrircn eines Neben geschaft es und was der- 
gleichen mehr ist. Das Werkchcn liest sich 
ganz angenehm; weniger angenehm ist der 
hohe Preis desselben : 3 »/^ 50 x^ für ein Ht?ft 
von 72 Seiten in Gross -Octav, das ist weit 
mehr, als was in der „Geschäftspraxis des 
Apothekers'* üblich ist. g. 

Chemisch-technisches Repertoriam. Uebersicht- 

lieh geordnete Mitibeilnngen der neuesten 
Erfinaangen, Fort^^ohritte und Verbessrr- 
nnsren anf dem Gebiete der technischen und 
industriellen Chemie mit Hinweis auf Mn- 
schincn, Apparate und Literatur. HerauK- 
pegeben von Dr. J^Jmü Jncnhsen. 1885. 
Zweites Halbjahr. Zweite HUlfte. Berlin 
1H87. Ji. O'ärtfier's Verlagsbuchhandlung 
(Hermann Helffelder). 

Von diesem beliebten und weitverbreiteten 
Nachschlagewerke ist mit der soeben erschie- 
nenen vierton Lieferung wiederum ein Band 
vollendet. 

Repetitoriom der medieinischeii Bfllfswissen- 
scbaften: Chemie, Physik, Botanik und Zoo- 
logie. Für Studircnde der Medicin, Phar- 
macie, Thierjirzneikunde, Chemie etc. Theil 
I. Chemie, hearbeitft von Dr. Gtartj Kasa- 
ner, 1. i^ssistent am pharmaoeutischen In- 
stitut der Universität Bre.^-lau. Preis 3 Mk. 
Bre>lau 1887, Verlag von Prettss & Jünger. 
Phamiaceuten und Chemilcer studiren Chemie. 
Physik und Botanik nicht als medicinische 
H Ulfs wissen Schäften , sondern als reine Natur- 
wissenschaften. Der für das kleine Werkchen 
?:e wählte Titel darf deshalb wohl anfTallen. 
]8 wäre richtiger gewesen, dasselbe nur als Re- 
petitorium für ,Medi einer zu bezeichnen, für 
diese genfigt es auch. 



Methodischer Leitfaden der Physik nnd Chemie. 

Für höhere Töchterschulen, Lehrerinncn- 
seroinarien und Portbildungsanstalten. H<^- 
arb itet von Dr. Karl Jansen^ Oberlehrer 
am Iteal^ymnasium zu Düsseldorf. Mit 200 
in den Text gedruckten Ahbildunjzen. Preis 
3 Mk. Freiburg im Breisgau IS^if. Herder- 
sche Verlagsbuchhandlnng. 

Die Kronenqnelle zn Obersaltbmnn in Schlesien. 

Von Dr. Carl Lnuchnr, k. b. Med.-Rath und 
Landgerichtsarzt in Straubing. 1887. 

SpecialCatalog für Ghemle nnd Pharmacie, che. 

mische Technologie und chemisch-technische 
Nebengewerbe. 18.V6/87. Polytechni«cho 
Buchhandlung (A. Seydd) in Berlin W. 



169 



Das Jleie ^lurBiMitfsche ■unal" von E. Die- 
teneh, welches in den Jahrgfingen 1885, 1886 
nnd 1887 der Pbarmacentischen Centralballe 



abgedruckt worden ist, wird demnächst auch 
in Bachform herausgegeben werden and zwar 
im Verlage von Julius Springer in Berlin. 



i sce 1 1 e 



DieVoraasbestiinmnng der tiefsten 
Temperatur der nächsten Nacht 

soll A. Eammerwumn Ton der Sternwarte in 
Qenf mit Hilfe des „fenchten Thermometers ** 
geluBgen sein. 

Die EiBrichtnng ist bekanntlich folgende: 
Ein gutes lOOtbeiliges Thermometer mit 
mogKebst grosser Qradeintheilnng ist an 
seiner Kngel mit einer Halle von Musselin 
oder Leinwand in einfaeher Lage umwickelt 
nnd wird aas einem darunter aufgestell- 
ten, mit Wasser gefBtlten Geftsse ununtcr- 
broebcn feucht erbalten. Dies anf dem Wege 
der Haarröhrchen- (Capillar-) Leitung an ver- 
mitteln , dient ein genfigend langes Bündel 
von etwa 10 Baumwollenfäden , welche ober- 
halb der Thermometerkngel znsam menge- 
schlangen, weiter unten ausam mengeflochten 
werden nnd in das Wasser des damit gefüllten 
Geftoes hineinhängen. Die Musselinhülle, 
sowie die Banmwollenfädcn müssen vor dem 
Gebrauebe in warmem , weichen Wasser aus- 
gewaschen nnd fernerhin sehr sauber gehalten 
werden; es empfiehlt sich ein Wechsel der- 
selben jeden Monat. Das feuchte Thermo- 
meter ist sodann an einem Orte aufzustellen, 
wo es vor den Sonnenstrahlen und auch vor 
den Ansstrablnngen des Hauses geschützt ist, 
am besten innerhalb eines weiss angestriche- 
nen, nicht ZQ stark gelüfteten Kastens, wie 
solcher zn dem Zwecke vom Mechaniker an- 
gefertigt wird. 

Die wichtige Thatsache nun, welche 
Kammermann fand und auf welcher dieVor- 
hersagnng begründet, ist, dass die kälteste 
Temperatur der Nacht 4^0. unter den Stand, 
welchen das feuchte Thermometer Nach- 
mittags zeigt, hinabgeht. Nachtfrost steht 
also zn erwarten, wenn eine Verminderung 
des tiefsten Standes, welchen das feuchte 
Thermometer Nachmittags zeigt, um 2 bis 
4 <> C. nnter dem Gefrierpunkt vorauszusehen 
oder vorher zn berechnen ist. Dieser Erfolg 
wird von allen Beobachtern als durchaus 
sicher bezeichnet und dnrch mehrere Berichte 
der „Meteorologischen Zeitschrift^ des laufen- 
den Jahres bestätigt. 



Antlielie BekinfanadiBigei, VerirdiniigeB, 
KeidugeriditBentsckeMaogei etc. 

Errichtung einer ständigen Pharma- 
kopoe - Commission* 

Der Bundesrath hat aus Anlass der auf S. 712 
der Veröffcntl. von 1886 bezeichneten Vorlage 
am 17. Februar 1886 (§ 93 des Protokolls) be- 
schlossen: 

1. In Verbindung mit dem Kaiserlichen Ge- 
sundheitsamt wird eine ständige Commission 
errichtet, welcher die Aufgabe oolie^, die Be- 
schlflsse des Bandcsrathes über periodisch herbei- 
suffihrende Berichtigungen und Ergänzungen 
der Pharmakopoe vorzubereiten« Die Commission 
hat zu diesem Behuf das einschlägige Material 
zu sammeln, zu sichten und zu prüfen, sowie 
in Zwischenräumen von etwa zwei Jahren ihre 
bestimmt formulirten Anträge auf Berichtigung 
und Ergänzung der Pharmakopoe dem Beichs- 
kanzler zur weiteren Veranlassung zu unter- 
breiten. 

9. Den Vorsitz in der Commission führt der 
Director des Gesundheits-Amts, welchem auch 
die Leitung der laufenden Geschäfte obliegt. 
Die Bnreauarbeiten werden im Gesundheits-Amt 
ausgeführt. 

8. Die Commission besteht ausser dem Vor- 
sitzenden aus denjenigen ausserordentlichen 
Mitgliedern des Gesundheits-Arots, welche eine 
Steflung in der obersten Medicinalverwaltungs- 
behürde eines Bundesstaates einnehmen und 
aus weiteren Mitgliedern, welche vom Beichs- 
kanzler ernannt werden. Die Zahl der letzteren 
ist vorläufig nicht über 12 zu bemessen. Die 
Mitglieder erhalten Reisekosten und Tagegelder 
für die durch die Sitzungen der Commission 
bedingte Abwesenheit von ihrem Wohnort. Die 
Gewährung einer besonderen Vergütung für er- 
hebliche Arbeitsleistung, sowie für die den 
Mitgliedern durch experimentelle oder literari- 
sche Arbeiten etwa erwachsenden haaren Aus- 
lagen bleibt vorbehalten. 

4. Die durch die Errichtung der Commission 
bedingten Kosten werden aus den Fonds des 
Gesundheits-Amts bestritten. 



Erlass des KönigK Prenss. Kriegs* 
minlsterinm, die dienstliehen Ob- 
liegenlieitenderCorps-Stabsapotlielter 

betreffend. 

1. Die die Gesundheitspflege der Truppen be- 
treffenden chemischen Untersuchungen (Natura- 
lien und sonstige Bedarfsgegenstänoe); dieselben 
sind von dem Corps-Stabsapotheker selbst oder 
unter seiner Leitung und Verantwortlichkeit 



170 



Ton einem eifljShrJg- freiwilligen Militär -Phar- 
Hiacenten anszirfübren, 

2. die militargerichtlicb- chemischen oder 
ph arm alcognos tischen Untersuchungen, 

3. die Arzneiprüfungen , soweit deren Aus- 
führung nach dem Ermessen des Corps -Arztes 
durch den Corps - Stabsapotheker erforderlich 
scheint, 

4. diejenigen chemischen und mikroskopischen 
Untersuchungen für den Haushalt der Truppen 
u, s. w., welche dem Corps -Stabsapotheker auf 
Gntnd besonderer diesseitiger Verfügungen Über- 
tragen werden, wie die Untersuchung von Wäsche- 
stücken und Kosshaaren. 

Die vorstehend bezeichneten Untersuchungen 
haben die Corps-Stabsapothelier nach Maassgabe 
der ihnen dienstlich zur Verfügung stehenden 
Mittel auszuführen. Wo letztere nicht ausreichen, 
sind die betreffenden Untersuchungen an die 
zuständigen hygienisch - chemischen Untersuch- 
ungsrtellen zu überweisen, event. entsprechende 
Anträge hierher zu richten. 

Die von den Corps-Stabsapothekcm auf Grund 



der ausgeführten Untersuchungen zu erstattenden 
Gutachten sind so abzufassen, dass bei einer 
etwaigen Vorlage hier der Zweck der Unter- 
suchung, die angewendeten Untersuchungs- 
methoden, die erhaltenen Resultate und die aus 
denselben gezogenen Schlussfolgerungen so er- 
sehen werden können, dass ein Urtheil über den 
Werth der ermittelten Thatsachcn möglich ist. 
Die Verantwortlichkeit für die Richtigkeit ihrer 
Untersuchungen tragen die Corps-Stabsapotheker 
allein, und haben sie demzofolge die betreffenden 
Gutachten allein zu unterzeichnen. 

Eine Zusammenstellung der im Laufe des 
betreffenden Jahres ausgefürten Untersuchungen 
ist dem allljährlich hierher vorzulegenden Jahres- 
bericht des Corps -Stabsapothekers beizufügen. 

Den Corps - Stabsapothekem werden hiemach 
I eine grosse Anzahl chemischer und hiegieinischer 
{ Untersuchungen Überträgen. Die Militärbehör- 
den theilen also jedenfalls nicht die Annahme, 
dass der Apotheker zur Ausführung derartiger 
Untersuchungen unfähig sei. e. 



\,rv^ .^^ vy s,^~<K^\^ w y- -' .f ^- ^^^ \y 



Offene Correspondenz, 



Apoth. F. t'fi B« Das .neue" Berliner Lnft- 
reinigUDgsmittel, ein Gemisch aus 10 Th. 
Ol. Rosm«rini, 2'/» Th. Ol. Lavcndulae, 2»/« Th. 
Ol. Thymi und BÖ Th. Acid. nitricum, womit ein 
Schwamtn getränkt werden und dann der frei- 
willigen Vmunstnng in Enmkenzimmern etc. 
Überlassen werden soll, findet sich bereits in 
Ewald und Lüdecke, Ausgabe von 1889, unter 
dem Namen Rimmels desinficirende Flüssigkeit 
aufgeführt. Der Unterschied ist nur der, dass 
die Rinimersche Vorschrift den dreissigsten 
Theil des obigen Quantum von Salpetersäure 
vorsehreibt und das scheint das nichtigere, 
denn ein Gemisch ans 1 Theil ätherischem Oel 
und 2 Theilen Salpetersäure dürfte eine nahezu 
gefährliche Mischung sein. 

Apoih, A. in F« Wir veröffentlichen zuerst 
Ihre Zuschrift: 

„Ist es nur Einbildung, dass nach dorn Pro- 
biren eines Calomelpulvers mit Zuckor auf der 
Zunge eine Spur von metallischem Geschroacke 
im Graumen und besonders auf der Zunge zu- 
rückbleibt. Das Calomelpulver wurde einige 
Stunden blos nach der Misch nng mit Zucker 
niit Zunge und Gaumen controlirt. Noch mehr 
Fpü'rt man diesen metallischen Nachgeschmack, 
wenn maÄ das Calomelpulver (Galomel 0,05, 
Sacch. 0,20) mit etwas Wasser in ein kleines 
Liqueurglas bringt, verrührt und dann von der 
Fltssiirkeit versucht — es schwimmt dabei immer 
etwas Calomel oben anfand gerade diese Spur lässt 
^was davon im Munde zurück und der Metall- 
ge s cba tt ok ist notoh deutlicher zu spüren. Wäre 
nicht die Bildung von etwas Sublimat durch die 
Chlorsalze des Speichels möglich? Das Calo- 
mel ist reiti.** 

Wir (Red.) bestätigen sodann, dass Calomel- 



pulver einen deutlichen, wenn auch sehr ge- 
ringen metallischen Nachgeschmack hinterlässt. 
Ueber die UmseUnng des Calomels im Organis- 
pius möchten wir — nach Husemannf Anmei- 
mittellehre — Folgendes hinzufügen : Queck- 
silberchlorür setzt sich in Berührung mit Ei- 
weis in Quecksilberchlorid und Quecksilber um, 
ebenso Quecksilberjodür, aus welchem Jod frei* 
gemacht wird, das als Jodkalium resorbirt 
wird. VoH uud Andere nahmen früher an, 
dass auch bei dieser Ueberf öhrung , soweit sie 
im Magen stattfönde, das Chlomatrinm des 
Magensaftes die hauptsächlichste Bolle spiele* 
indess ist dies unwahrscheinlich, da nur con- 
centrirte Kochsalzlösungen aus Calomel bei 
Gegenwart von Luft Sublimatbildungen ver- 
anlassen, nicht aber solche, wie sie dem Gehalte 
des Magensaftes an Chlornatnum entsprechen 
(Blomberg), Für Calomel ist also nur eine 
tli eilweise Uro wandlang in Sublimat im Magen 
gegeben, ein Tiieil wird zu Quecksilbermet all 
verändert, welches, wenn auch bei Schütteln 
von QueckFÜbermetall mit concentrirter Koch- 
salzlösung bei Gegenwart von Sauerstoff sich 
Calomel und Sublimat bilden (Fott), doch im 
Magen dieser Umwandlung nur in sehr geringem 
Maasse zu unterließen scheint. So erklärt sieb, 
dass Calomel u. a. sich ähnlich verhaltende Mer- 
curialien nicht die caustiscben Effecte des Sub- 
limats, wohl aber die demselben und dem 
Quecksilbermetall gemeinsamen entfernten Wir- 
kungen — und zwar relativ stärker — ent- 
halten. Es erklärt sich femer aus dem Ter- 
halten des Calomels u. s. w. gegenüber den 
Eiweissstoffen , dass es trotz seiner Unlösslich- 
keit in Wasser auch bei subcutaner Application, 
d. h. ohne den Einfluss des Magensaftes reacr- 
birt wird und entfernte Er^cheinangen bedingt. 



Verleger und TeniiitwörtHeber Redsctenr Dr. E. Oelssler in Dresden. 

Im Bnchhandel dnrch Julias Springer, Berlin N.. llonbUonplatz 3. 

Druck der K6nltl. Hofbnehdrackerei von 0. O.Meinholaft89hnein Dreiden. 



bringen itjir in geneigte Erinnerung und hüten dringend, die Bestelhmgen vor 
Ahlauf des Monats bewirken zu woUen, damä in der Zusendung keine Unter- 
brechmtg eintritt, 

FÄlende Nummern woüe man sofort reclamiren und svoar bei derjenigen 
PostanstaU oder Buchhandlung, welche die regelmässige Bestdlung besorgt. Bei 
unserer Expedition hostet jede einselne Nummer 25 Pf, 

Vom laufenden Jahrgang sowohl, wie von den Jahrgängen 1881 bis 1886 
sind noch sämmüiche Nummern sfu haben. 



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ceuten), Hathematisch- naturwissenschaftliche Schule, Elektrotechnische Sefaiile und Erqjähriger 
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Beginn der Vorlesungen am 19. April. Programme sind unentgeltlich von unserem Secretariat 
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so daas durch Transport derselben kein Brueh entsteht, empfiehlt p. Mille bei 0,08 SaAtonin- 
gehalt zu 6uf, bei 0,05 Santoningebalt zu 7ur incl. Kiste. 

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In dem Inserat des Herrn L* d'Henrense in 
Berlin in der Torigen Nummer, schnell lösliche 
Vanille -Chocolade, rein Gacao und Zucker be- 
treffend, sind die Engros- Preise weggelassen 
worden und mnss es demnach am Schlüsse 
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Bin sehr gtttgeatellter Apotheker, der sieh 
im Lanfd des Jahres FamilienTerhMltnisse halber 
▼om Geschäft surücksusiehen gedenkt, wünscht 
dea Engros -Yerfcanf ron ¥ ^bllll4»ltteliiy f sni^ 
baren HaHdrerkanfgartikeln (nicht Geheim- 
mitteln) so übernehmen und sieht Antragen von 
leistuanfihigen Fabrikanten sub J. Y, 7189 
durch KvMlJf Itesse» Berlin SW.» ent- 
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Anfragen, Aufträge, Manuscripte eto wolle man an den Bedacteur Prof. Dr.E. Oeissler, 

Dresden, Pillnitzer Strasse 56 adressiren. 



MU, 



ßerün, den 7. AprU 1887. 



Nene Folge 
YIII. Jahrgang. 



Der ganzen Folge XXVIII. Jahrgang. 



Jnhsttt CbeBil« MBd Pharmaeie: Mittbeilungen au» dem phannacentischen Laboratorinm der technlteken Hoch- 
■cbnle In Branaaehweig: S&. Ein Beitrag aar Bestimmana de« Morphins im Opinm. — NJtmo- Rinde. — lieber 
Aatlfebrln. — Schmelzpunkt des Magoesiums. — Destillntion und Reinigang de« Quecksilber^. — Der BfaHnn 
dca ataaoephlriftchon DrackwechneU naf den Koehpunkt der K9rper. — OxnUMure cur qualitativen und auanti- 
Utiven Trennung der Meulle. — Lav&r« Lactorit, Apparat znr Besilmmung des Fettes in der Miloh. — Sicher- 
heita-Versehlnts für Nnrcotica. — Mlicellea: Schleif- und Polirroittel — Kttnetllober Pfeffer. ~ Die Goagalatlon 

des Blutes an verhindern. — Anselgea. 



Chemie und" Pharmacie. 



.■». 



mttheiliixigen aus dem pharma* 

ceutiBchen Laboratoritun der 
technischen Hochschule in Braun- 

Bchweig. 

Von H. Beckurta, 

36. Ein Beitrag rar Bestimmung des 
Morphins im Opinm. 

r 

Nach Versuchen yon A. Schraut und H. Beckurts. 

Die Bestimmung des Morphins im 
Opium ist in der jüngsten Zeit wiederum 
Gegenstand ausgedehnter Untersuchungen 
gewesen. Nachdem F. A. Flückiger^) 
im Jahre 1885 in einer sehr gründlichen 
Abhandlung die gesen das von der 
zweiten Ausgabe der Pharmacopoea Ger- 
manica aufgenommene Verfahren der Be- 
stinunung des Morphins im Opium bis 
zu dieser Zeit gemachten Einwände, 
welche hier als bekannt vorausgesetzt 
werden, einer kritischen Besprechung 
unterworfen und schliesslich der Phar- 
makop5e-Commis8ion des Deut- 
sehen Apothekervereins die Bei- 

') Arclüv d. Pharmacie 1885, p. 254, 289, 476. 



behaltung dieses Verfahrens mit nur ge- 
ringen Aenderui^en vorgeschlagen hatte, 
ist es vor allen Eugen Dieterich geweseil, 
welcher neue auf experimenteller Basis 
gewonnene Bedenken gegen dieses Ver- 
fahren erhob. Die Besultate der von 
ihm in ganz ausserordentlich grosser An- 
zahl ausgeführten Versuche, welche an 
verschiedenen Stellen ^) niedergelegt sind, 
bestehen im Wesentlichen aus dem Fol- 
genden: Bei der Ausführung des Ver^ 
fahrens der Pharmakopoe ist die Schüttel- 
bewegung von grossem Einflüsse auf die 
Menge und die Reinheit des Morphins. 
Bei ruhigem Stehenlassen scheidet sich 
der Niederschlag langsam in ge* 
ringerer Menge und mit dem nied- 
rigsten Gehalt an Kalksalz ab, wäh- 
rend umgekehrt die Ausscheidung desto 
schneller und reichlicher, und mit 
um so grösserem Ealk^ehalt vor sich 
geht, je mehr geschüttet wird. Des 



*) Gesch&ftsberichte der Papier- und ehem. 
Fabrik Helfenberfir 1885, p. d9, und 1886, p. 58; 
Tagebl. der 59. Naturforscher-Vers, lü fierlin 
18^, p.204; Pharm. Centralhalle 1886, Nr. 41, 
p. 509 ; Pharm. Zeitung 1886, p. 246 u. 594. 



172 



weiteren soll nach Angaben von Dieterich, 
welche von Oeissler^) xmi' SeJUichum^) 
bestätigt werden, trotz Ausfährung der 
von F. A, Flüchiger ^) vorgeschlagenen 
Entnarkotisirung des Opiums mittelst 
Aether das ausgeschiedene Morphin nicht 
frei von Narkotin sein, und endlich wird 
die schon früher zuerst von Geissler 
betonte Thatsache, dass Morphin aus 
weingeisthaltigen Flüssigkeiten nur un- 
vollkommen gefällt wird, von Dieterich, 
Gdssler und Schlickum wiederholt gegen 
die Brauchbarkeit des Verfahrens der 
Pharmakopoe vorgebracht. 

Die nicht vollständige Ausscheidung 
des Morphins wäre an und für sich nicht 
im Stande, die Beibehaltung des Flüssiger' 
sehen Verfahrens in der Pharmakopoe 
zu beanstanden, da ein jedes Opium, 
welches nach diesem Verfahren geprüft 
10 pGt Morphin enthält, zu allen medi- 
camentösen Zwecken brauchbar ist, eine 
genaue Dosirung des Morphins aber nicht 
nötlrig erscheint, weil eine Schwankung 
von etwa 2 pGt. im Morphingehalt von 
medicinischer Seite bislang gestattet ist. 
Dagegen sind die übrigen Bedenken sehr 
wohl geeignet, das Verfahren der Phar- 
makopoe trotz des Vorzuges, das Morphin 
in sehr reinem Zustande abzuscheiden, 
ungeeignet erscheinen zu lassen. Dieser 
Erkenntniss verdanken wir auch eine 
neue Methode von Fugen Dieterich ^), 
welche aber schon von 0. Schlickum'^) 
in einigen Punkten abgeändert wurde. 

Auf der 59. Versammlung Deut- 
scher Naturforseher und Aerzte 
in Berlin theilte ich bereits in An- 
schluss an die Untersuchungsresultate, 
welche E. Dieterich dort vortrug, mit, 
dass im hiesigen pharmaceutischen 
Laboratorium befriedigende Resultate 
mit der Pharmakopöemethode auch nicht 
erzielt seien. Meine Angaben bestätigten 
in mancher Beziehung die Angaben 
Dieterich'8. Mittheilung einer bereits 
begonnenen kritischen Prüfung anderer 
Methoden zur Bestimmung des Morphins 
im Opium stellte ich damals in Aussicht. 

>) Pharm. Centralhalle 1883, Kr. 16--19. 
4) Archiv d. Pharmacie 1887, p. 13. 
*) L c 

«) Pharm. Centralhalle 1886, Nr. 43 n. 44. 
f) Archiv d. Pharmacie 1887, p. 13. 



Nachdem diese bis zu einem gewissen 
Grade abgeschlossen ist, gestatte ich mir 
die Besultate derselben in Kürze hier 
mitzutheilen. 

Die beste Methode zur Bestimmung 
des Morphins im Opium wird diejenige 
sein, welche die Abscheidung des Mor- 
phins in reinem Zustande, in con- 
stanter Menge und auf einfachstem 
Weffe gestattet. Von den zahlreichen 
Methoden, welche in Vorschlag gebracht 
worden sind, wurden die folgenden, 
nämlich die Methode der Phar- 
macopoea Germanica, die Methode 
F. DieterichSy die Methode 0. Schlickum s 
und die sogenannte Kalkmethode 
einer gewissenhaften Prüfung unter- 
worfen. 

L Die Früfangsmethode der Pharmaoopoea 
Germanica Ed. IL 

Den neuerdings von Dieterich, Geissler 
und Schlickum hervorgehobenen Schatten- 
seiten und Mängeln dieser Methode ist 
weniff hinzuzufügen. Die unvollkommene 
Abscheidung des Morphins aus weingeist- 
haltiger Flüssigkeit, welche Flückiger^) 
bereit43 früher selbst anerkannt hat, könnte 
allein die Brauchbarkeit der Methode 
für pharmaceutische Zwecke, so 
lange von den Pharmakopoen ein Opium 
verlangt wurde, welches nach derselben 
geprüft eine bestimmt vorgeschriebene 
Menge Morphin liefert, nicht in Frage 
stellen. Dagegen ist der Einfloss der 
Schüttelbewegung und die Dauer des 
Stehenlassens auf die Menge des aus- 
geschiedenen Morphins und auf die Bein- 
beit desselben (Gehalt an Calciummekonat) 
erheblich genug, um die Anwendung 
anderer Methoden zur Bestimmung des 
Morphins im Opium auch für phar- 
maceutische Zwecke in Erwägung zu 
ziehen« 

2. Sie Methode von E. Sieteriob. 

In dieser Zeitschrift 1886, Nr. 43 
und 44, hat F. Dieterich einen Beitrag 
zur Opium-Prüfung veröffentlicht Diese 
Arbeit hat uns einen wissenschaftlich 
wohl begründeten neuen Prüfangsgang 
gebracht, welcher mit Secht grosse 

•) Archif d. Pharmacie 1885, p. 2&5. 



173 



Im Opiam 
I. 



Im Opium 

n 



Aufmerksamkeit erregt hat. Dieterieh 
scheidet zunächst durch vorsichtige 
genaue Neutralisation des wässerigen 
Opiumauseugos mit Ammoniak nur das 
N a r k 1 i n , dieses aber yoUständig, und 
sodann aus dem Filtrate von demselben 
durch Zusatz einer weiteren Menge Am- 
moniak im Vereine mit Aether, ohne Zu- 
satz von Weingeist, wodurch die Ab- 
Scheidung von Galoiummekonat verhindert 
wird, das Morphin ab, welches auf einem 
Filter gesammelt, mit äthergesättigtem 
Wasser gewaschen und dann bei 100 <^ 
getrocknet wird. Nach der in Nr. 44 
der Gentralhalle vom Jahre 1886 genau 
angegebenen Vorschrift sind verschiedene 
Opinmsorten geprüft worden. 

Es wurde gefunden: 

a) 11,96 pCt. Morphin, 

b) 12,11 

c) 12,1 

d) 12,26 

e) 12,22 

a) 14,7 pGt. Morphin, 

b) 14,91 

c) 14,95 

d) 14,925 „ 

e) 14,98 

f) 14,34 

Das Morphin war frei von Narkotin 
and Kalk. 

Das Morphin mit dem Filter zu wägen 
ist nicht rathsam, weil das Filter in 
Folge des nothwendig beschränkten Aus- 
waschens des Morphins stets zufolge ge- 
ringer Mengen Mutterlauge schwerer zu- 
rflekbleibt Diese Beobachtung Dieterich'B 
und SMickum'^ habe ich auch wieder- 
holt gemacht. 

Die Menge des Morphins im Opium II 
t)etrug: 

bei dem Wägen auf dem Filter 

a) b) c) 

16,66 pCt, 16,85 pCt. 16,29 pCt., 

bei dem Wägen des Filterinhaltes 

auf dem Uhrsohälchen 

a) b) c) 

14,7 pCt 14,91 pGt. 14,95 pGt. 

Aach das von Schlickum wieder in 
£rinnenmg gebrachte Verfahren, sich 
zum Filtriren zweier gleich grosser, aber 
aoeh gleich schwerer Filter, welche in 



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einander gesteckt werden, zu bedienen, 
und nach dem Trocknen das äussere als 
Tara zu gebrauchen, kann bei der 
Schwierigkeit, sieh solche Filter zu ver- 
schaffen, kaum empfohlen werden. Das 
Gewicht einer Anzahl aus einer renom- 
mirten Fabrik stammenden gleich grosser 
sogenannter quantitativen Filter (mit 
bestimmtem Aschengehalt) betrug z. B. 
nach dem Trocknen bei 100 <^: 

0,3420 g, 

0,3995 „ 

0,4280 „ 

0,3850 „ 

0,4480 „ 

0,4145 „ 
Es ist aber auch möglich, die auf dem 
Filter befindlichen Mor^hinkrystalle ohne 
Verlust von dem Papiere zu entfernen 
und deshalb beide vorhin genannte Mani- 
pulationen zu umgehen. 

Das Verfahren von Dieterich besitzt 
grosse Vorzüge. Das Morphin scheidet 
sich rein, frei von Narkotin und meeon- 
saurem Kalk, und quantitativ gleichmässig 
aus. Die von uns mit demselben bei ver- 
schiedenen Analysen erhaltenen Resultate 
beweisen solches. Gegen dieses Verfahren 
sind nun verschiedene Bedenken erhoben 
worden. Die sichere Entfernung des Nar- 
kotins, die vollständige Ausscheidung des 
Morphins soll von dem richtigen Zusätze 
der Ammoniakflüssigkeit abhängen. Dieser 
lässt sich unmöglich ftir alle Opiumsorten 
gleichmässig fixiren, da sowohl der Ge- 
halt an Säure wie auch der an Morphin 
im Opium Schwankungen unterworfen ist. 
Die Neutralisation des wässerigen Opium- 
auszuges mit Ammoniak behufs Abscheid- 
ung des Narkotins musste deshalb mit 
grosser Vorsieht geschehen ; ein geringer 
Ueberschuss Ammon würde auch Morphin 
zur vorzeitigen Ausscheidung bringen, 
also einen Verlust an Morphin zur Folge 
haben; bei nicht genügender Sättigung 
würde das Narkotin nur unvollkommen aus- 
fallen. Die von Dieteriah auf empirischem 
Wege ermittelte Menge Ammon — 2 ccm 
Normal - Ammoniak auf eine angegebene 
Menge des nach Vorschrift bereiteten 
Opiumauszuges — hat bei den von uns 
untersuchten Opiumsorten ebenfalls zur 
genauen Neutralisation hingereicht. Ob 
dieses stets der Fall sein vrird, darf bil- 



174 



liger Weise bezweifelt werden. Aber die 
Yermeidung eines geringen Ueberschusses 
an Ammon bei der Ausscheidung des 
Narcotins ist durchaus nicht erforder- 
lich. Versuche, welche ich auf Anregung 
DtetericVs ausiführte, lehrten mich, dass 
zuin Ausfällen des Narcotins ohne Beein- 
trächtigung der später zu erhaltenen 
Menge Morphin, statt 2ccm dreist 2,5 
und 3 ccm Normal - Ammoniak benutzt 
werden konnten. Ein Opium, welches 
bei Anwendung von 2 ccm Normal-Am- 
moniak zur Ausscheidung des Narcotins 
und 4 ccm Normal - Ammoniak zur Ab- 
scheidung des Morphins 11,3 pGt. Mor- 
phin lieferte, gab bei Anwendung von 
resp. 2,5 und 3 ccm Normal-Ammoniak zur 
Ausscheidung des Narcotins, und resp. 
3,5 und 3 ccm Normal -Ammoniak zur 
Abscheidung des Morphins 11,4, 11,3, 11,3 
und 11,35 pGt. reines Morphin. — Da- 
gegen ist die zur quantitativen Aus- 
scheidung des Morphins erforderliche 
Menge Ammoniak nicht für alle Fälle 
genau vorzuschreiben, wie dieses Dieterich 
thut. Ist sie auf die grösstmögliche 
Menge Morphin berechnet so wird bei 
geringwerthigeren Opiumsorten leicht ein 
Üeberschuss Ammon vorhanden und da- 
mit ein Verlust an Morphin verbunden 
sein. 

Dessenungeachtet wird sich die Dte- 
tericVsche Probe für pharmaceutische 
Zwecke durchaus bewähren, so lange 
man nur einen Minimalgehalt an Mor- 
phin verlangt und auf diesen die zur Aus- 
scheidung des Morphins bestimmte Menge 
Ammoniak berechnet 

3« Die Methode von 0. Schliokum. 

Die angebUche Schwierigkeit, das Nar- 
kotin aus dem Opiumauszuge völlig abzu- 
scheiden, ohne Gefahr zu laufen, das ge- 
ringste Quantum Morphin zu verlieren, hat 
0. ScUichum veranlasst, die Dieterich- 
sehe Methode zu modiflciren. 

Schlickum fand, dass aus einer Mor- 
phinsalzlösung, im Falle sie nicht zu 
concentrirt ist, sich also etwa in der 
Stärke befindet, wie in den Opium- 
auszügen, beim Versetzen mit einem 
kleinen Üeberschuss Ammoniak (bis zur 
schwach alkaUschen Beaction) das Mor- 
phin sich zwar nach kurzer Zeit aus- 



zuscheiden beginnt, dieses aber nicht 
mehr thut und dauernd klar bleibt, wenn 
man die schwach ammoniakalische 
Mischung mit der Hälfte ihres Ge- 
wichtes Alkohol versetzt und darauf den- 
selben durch Abkochen wieder entfernt. 
Zugleich mit den Weingeistdämpfen ver- 
flüchtigt sich der Üeberschuss des 
Ammoniaks, so dass eine vollständig neu- 
trale Flüssigkeit entsteht, wenn man das 
Abkochen bis zur Hälfte der Mischung 
fortsetzt. Dann bleibt die auf ihr ur- 
sprüngliches Gewicht mit Wasser er- 
gänzte Probe klar und trübt sich weder 
bei tagelanger Aufbewahrung, noch lässt 
sie Morphin auskrystalUsiren. 

Auf diese VerhältnissegründetiScAb'cium 
seine Vorschläge zur Morphinbestimmung 
im Opium. 

Die Vorschrift zur Prüfung des Opiums 
lautet : 

3 g Opiumpulver 

werden mit einer Mischung aus 

15 g verdünntem Weingeist 

15 g Wasser 
unter öfterem Durchschütteln 12 Stunden 
verschlossen digerirt Das Filtrat wird 
seinem Gewichte nach bestimmt, mit 
einigen Tropfen Ammoniak bis zur 
schwach alkalischen Beaction versetzt 
und auf die Hälfte seines Gewichtes ein- 
gekocht Nachdem man die rückstiLndige 
Flüssigkeit mit Wasser auf ihr ursprüng- 
liches Gewicht verdünnt hat, filtrirt man 
sie. 

21,25 g dieses Filtrates werden mit 
5 g Aether und 0,4 g Anamoniak ge- 
mischt und 5 bis 6 Stunden unter zeit- 
weiligem Umschütteln bei Seite gestellt 
Darauf wird die ätherische Schicht, so 
viel es geht, mit einer Pipette klar ab- 
gehoben und die übrige Mischung durch 
zwei gleich grosse und gleich schwere 
Filter von 50 bis 80 mm Durchmesser 
filtrirt Man sammelt sämmtliches aus- 
geschiedene Morphin sprfff&ltig auf dem 
f^ilter , wäscht es zweimal mit je 2 ccm 
Wasser aus, trocknet es auf dem Filter 
bei 100^ und wägt es, das äussere Filter 
als Tara benutzend. (Sein Gewicht 
muss mindestens 0,2 g betragen.) 

Das nach dieser Methode gewonnene 
Morphin soll etwas gelblich gefiürbt und 



175 



klein krystallisirt sein, sieh aber durch 
Beinheit nnd klare und vollständige Lös- 
Iichkeit in Ealkwasser auszeichnen. . Es 
reprftsentirt nicht die Gesammtmenge des 
Torhandenen Morphins, welche erst erhalten 
wird, wenn man bei Innehaltung des Ver- 
hältnisses Ton 10,625 g Auszug auf 1 g 
Opiumpulver zur gefundenen Morphin- 
menge 0,016 g, d. i. 1,5 pGt Morphin 
hinzurechnet. Wir haben die Methode 
wiederholt geprüft, uns mit ihr aber 
nicht recht befreunden können. Das 
Abwägen der Eztractionsflflssigkeiten und 
des Fällungsmittels wurde unangenehm 
empfunden, die genaue Dosiruns von 
0,4 Ammoniakflüssigkeit hat seine Schwie- 
rigkeiten. Aber auch, wenn die in der 
jSdUfieifim'schen Vorschrift in Grammen 
angegebenen Flüssigkeitsmengen auf 
Volumina umgerechnet wurden und der 
Zusatz des Ammons in Form von 
V« Normal -Ammoniak (4,7 ccm) statt- 
fand , hafteten der so modifioirten 
Methode noch einige Mängel an. Be- 
denklich erscheint das Abdampfen der 
alkalisch gemachten Opiumauszüge bei 
der leichten Zei^etzbarkeit des Morphinsi 
Wenn irgend thunlich, soll man Er- 
wärmen und namentlich Eindampfen Ton 
Opiumauszügen yermeiden, sobald es sieh 
um quantitative Bestimmung des Morphins 
handelt. Das Filtriren des vom Wein- 
geist befreiten und mit Wasser auf das 
ursprüngliche Gewicht gebrachten Opium- 
auszuges ist — wie übrigens schon 
SchUehum selbst hervorhebt — eine um- 
ständliche Arbeit. Geschieht das Fil- 
triren sofort nach beendetem Eindampfen 
UDd Verdünnen mit Wasser, so scheiden 
sieh aus dem Filtrat nach kurzer Zeit 
dunkle harzige Massen aus, welche sich 
dem ausscheidenden Morphin beimengen. 
Dieses lässt sich aber umgehen, wenn 
man nach dem Eindampfen des wässrig- 
weingeistigen Opiumauszuges und dem 
Verdünnen desselben mit Wasser bis zur 
Filtration einen Tag wartet Der auf 
diese Weise geklärte Opiumauszug filtrirt 
rasch und blank. Trotz dieser letzteren 
Modification des Verfahrens besass das 
sieh ausscheidende Morphin stets eine 
gelbbraune Fai-be, löste sich in Ealk- 
wasser nicht klar und enthielt nur 86 
bis 88 pGt. reines Morphin. 



Aus 2 g Opium wurden erhalten: 
Unreines Morphin. 



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»» 



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0,3205 g entsprechend 16,025 pGt 
0,3180 g ,. 15,90 

0,8210 g „ 16,05 

0,819 g „ 16,95 

Der mit Weingeist bereitete Auszug 
dieses unreinen Morphins wurde mit 
einem gemessenen Volumen Vio Normal- 
Salzsäure versetzt und der Ueberschuss 
der letzteren mit Vioo Normal -Alkali 
zurücktitrirt Aus der verbrauchten 
Menge Säure (1 ccm Vioo Normal -Salz- 
säure = 0,00308 Morphin) wurde der 
Gehalt an reinem Morphin ermittelt. 

In drei Versuchen wurde gefunden: 
88,8, 88,7 und 86,2 pGt Morphin. Die 
geschilderten Verhältnisse lassen uns die 
ScUfcifcufn'schen Methode nicht em- 
pfehlenswerth erscheinen; da Schlickum 
aber erheblich bessere Resultate erhalten 
hat, so ist anzunehmen, dass andere 
Opiumsorten ein abweichendes Verhalten 
in verschiedenen Punkten zeigen, so dass 
Mittheilung anderweitiger mit diesem 
Verfahren gesammelten Erfahrungen nur 
erwünscht sein kann. 

(Schlass in nftchster Nmn^icr.) 



Njimo-Rinde. 

Von Dr. Niederstadt in Hamburg. 

Die Njimo oder Doundake-Binde stammt 
von Sarcocephalus esculentus aus der 
Familie der Ginchonaceen; letztere findet 
sich besonders häufig in West- Afrika, 
wo das Holz derselben von dortigen Ein- 
geborenen als Heilmittel verwandt wird. 
Das Holz ist schön gelb gefärbt, stellen- 
weise röthlich geflammt, grobrissig, mit 
unregelmässig gebildeter Bindenfaser be- 
deckt und hat im frischen Zustande einen 
eigenartigen angenehmen, an Moschus 
erinnernden Geruch ; der Geschmack des 
Holzes beim Kauen ist bitter. Schon mit 
blossem Auge erkennt man auf dem 
Querschnitt des Holzes eine grosse Menge 
kleiner kreisrunder Poren, so dass dasselbe 
förmlich siebartig durchlöchert erscheint. 
Diese Poren enthalten eine Menge gelb- 
gef&rbtes Harz. 

Digerirt man das gepulverte Holz auf 
dem Wasserbade mit Wasser so erhält 



176 



man eine gelbgef&rbte ölige Flüssigkeit 
von süssem Geschmack. Beim Ausziehen 
des Holzes mit Alkohol am Bückfluss- 
kübler erhält man eine prächtig fluores- 
eirende Flüssigkeit. Behandelt man 
grössere Mengen des Holzes mit absolutem 
Alkohol und destillirt einen Theil des 
Alkohol ab, so setzt dich bei längerem 
Stehen eine harzige, sdimierige Masse 
ab, welche sieh in kohlensaurem Natron 
theilweise auflöste und beim Behandeln 
mit Salzsäure flockig abgeschieden wurde ; 
es lag also eine Harzs&ure vor. Dieselbe 
ist in Wasser unlöslich in Alkohol leicht, 
in Aether schwer löslich. Der in kohlen- 
saurem Natron unlösliche Theil ergab 
beim Behandeln mit Alkohol und Aether 
eine prächtig fluorescirende Flüssigkeit, 
während Benzol nicht darauf einwirkte. 
Das Njimo-Holz nebst Binde enthält 
also einen Bitterstoff von leicht aromati- 
schem Geruch und einen Farbstoff, der 
die Fluoreseenz hervorruft. Der Bitter- 
stoff wirkt auf die Polarisationsebene 
nicht ein. Eine Analyse der Binde er- 
gab folgendes Besultat: 

Fruchtzucker 8,28 pCt. 

Feuchtigkeit 13,00 „ 

Asche 7,90 „ 

Bitterstoff 4,96 „ 

Gummi 3.65 „ 

Holzfaser 25,30 „ 

Stickstofffreie Extractst offe . 36,91 „ 

100,00 

Der Fruchtzucker bei oben angegebener 
Analyse wurde durch Polarisation be- 
stimmt. Der Bitterstoff wurde durch 
wiederholtes Ausziehen mit absolutem 
Alkohol und nachherigem Abdestilliren 
desselben ermittelt. Bei der Bestiuunung 
der Holzfaser bin ich der Methode von 
Hofmeister gefolgt. 3 g des fein zer- 
kleinerten Holzes wurden mit kochendem 
Alkohol und Aether und dann mit 100 
ccm einer 3 proc. verdünnten Schwefel- 
säure bei 80^ Celsius während zwei 
Stunden unter Ersatz des verdampfenden 
Wassers digerirt. Alsdann wurde mit 
Wasser gut ausgewaschen, zwei Stunden 
mit einer verdünnten 3 proc. Kalilauge 
bei 80^ Celsius und dann nach aber- 
maligem Auswaschen eine Stunde mit 
80 ccm Essigsäure digerirt. Nach dem 



Auswaschen aufgewogenem Filt^ trocknet 
man, wägt alsdann, bestimmt die Asche 
und nach Abzug der Asche die Holz- 
faser. 

Eine Prüfung der Binde und des Holzes 
mittelst Phosphormolybdänsäure und 
anderen Alkaloidreagentien auf Alkaloide 
ergab ein negatives Besultat. Es ist 
dieses um so eigenthümUcher, da die 
sonst bekannten (Snchonaceenarcen Alka- 
loide enthalten und dadurch ihre sani- 
täre Bedeutung erlangt haben. 

üeber Antifebrin. 

Als Identit&tsreaetion des Antlfebrins giebt 
Yvon (Jonnial de Pharm, et de Chim. 1887, 
20) ao, dasselbe mit Quecksilberozydulniirat 
gelinde za erhitzen , wodareh ein in Alkohol 
mit grüner Farbe löslicher Körper entsteht 
Anf die Anwesenheit von nnzersetztem Anilin- 
acetat in dem Handelspräparate prüft er mit 
Hilfe bekannter Anilinreaetionen. 

Die Reaction mit Qaecksilberoxydnlnitrat 
empfiehlt er auch zum Nachweis des Anti* 
febrins im Harn nach innerlichem Gebrauche 
dieses Fiebermittels. Er lässt den Harn mit 
Chloroform ausschütteln nnd den Verdunst- 
nngsrückstand in obiger Weise prüfen , sagt 
jedoch selbst am Schluss (a. o. O. Seite 23) : 
,,. . . .on obtient la coloration verte du moins 
avec Turine dans laquelle on a ftdt dissoudre 
des traces d'acetanilide.^' 

Cohn und H^p haben (Berl. klinische 
Wochenschr. 1887, 28) auf folgende Weise 
im Harn nach Antifebringebrauch dasselbe 
anfgefanden. Der Harn wurde eingeengt, mit 
Aether ausgeschüttelt, die vereinigten Aether- 
Portionen mit verdünnter Natronlauge, dann 
mit verdünnter Schwefelsäure gewaschen, und 
der Aether verdunstet. Es blieben nach dem 
Verdunsten Kzystalle zurück, die in heissem 
Wasser gelöst, mit etwas Thierkohle entflb'bt, 
beim Erkalten in feinen Plättchen sich aus- 
scheidend, durch ihr Aussehen, Ünlöslichkeit 
in Säuren und Alkalien, durch die Schmelz- 
punktbestimmung (113^) und dadurch als 
Antifebrin identificirt wurden, dass sie mit 
SchwefSelsäure im Rohr auf 120^ erhitzt unter 
Freiwerden von Essigsäure sich zersetasten 
und Anilinsulfat lieferten. 

Da nach Schmiedeberg' b Versuchen'*) dem 

*) ÄTCh. f. exper. Path. und PhannaV. Bd 8. 
S. 11. 



177 



Ot^Miitmat engeführtefl Anilin denielbeii toU- 
ständig aU gepaarte SehwefeUänie (Amido- 
phenolsehwefelsänre) verläsat, to haben Cohn 
nnd H^pp (a. o. 0.) Tor, wtthrend und naeh 
der Daneiebung ron Antifebrin die gepaarte 
nnd prafonnitte Scbwefelsftnre im Harn nach 
Baumann*B Methode (Pharm. Centralb. IS, 
138, 81, 389) bestimmt. AnsdeninTabeUen- 
fonn gegebenen Besnltaten erhellt , daee erst 
bei mittleren Dosen (täglieh Tiermal 0,5 g 
AntifelMrin) das Verhältniss der gepaarten 
Schwefelsäure aar präformirten steigt, jedoeh 
selbst bei mehrti^pigem Fortgebraach nicht 
wesentlich grösserwird, 

Cohn und Hepp glauben durch die ror- 
stehend angegebenen Versuche nachgewiesen 
Bu haben, dass das Antifebrin au einem Theile 
den Organismus unverändert verläset, eu einem 
anderen Theile beim Durchgang durch den 
Körper gespalten und als Anilinverbindung 
ausgeschieden wird. 

CoJm und H^ haben ferner einige dem 
Antifbbrin (Acetanilid) chemisch ähnlich zu- 
sammengesetate Körper auf ihre Temperatur 
herabsetsende Wirkung geprüft und gefunden, 
dass dem Antifebrin in der Wirkung das 
Benzanilid am nächsten steht. 

Vom Benzanilid (CgHgNH . C^HgCO) sind 
etwa doppelt so grosse Dosen nöthig wie von 
Antifebrin , um denselben Effect zu erzielen, 
beim Nachlassen der Wirkung steigt jedoch 
die Temperatur etwas langsamer an. 

DasSalicyIanilid(C^HjNH.CeH4(0H). 
CO) ist in Alkalien leicht löslich, hat aber 
nur geringe fieberwidrige Elraft. 

Dasa-AcetonaphtylamidCCjoH^NH. 
CH3CO) erwies sich in Dosen von 2,0 g bei 
Kaninchen ungiftig, bei fiebernden Menschen 
war eine Herabsetzung der Temperatur durch 
dasselbe nicht zu bemerken. 

Acetotoluid (CeH^CH^NH . CHgCO), 
von dem sowohl die Ortho- wie die Paraver- 
bindnng versucht wurden, war viel schwächer 
wirksam als das Acetanilid; die Orthoverbind- 
ung wurde zudem schlecht vertragen. 

Meth7lacctanilid(C^H5N(CHa).CH8* 
CO) und Aethylacetanilid (CeHgNCCji- 
H^ . CH5CO) sind für den Gebrauch am Men- 
schen verwerflich ; schon mittlere Dosen tödten 
E^inchen schnell unter heftigen Krämpfen. 

Letzterwähnte Stoffe wurden in das Bereich 
der Versuche geaogen, weil die Erfahrung 
gelehrt hat, dass z. B. beim Kai'rin, Antipyrin 



und Thallin in den Alkylgmppen eine wesent- 
liche Ursache ihrer Wirkung liegt. 

Oohn und Hepp mfissen nach alledem das 
Antifebrin als den geeignetsten Repräsentanten 
dieser Gruppe von Fiebermitteln halten, da 
es $ls ein sicheres und starkes, von unange- 
nehmen Nebenwirkungen relativ freies^ schon 
in kleinen Dosen wirksames Febrifugum zu 
bezeichnen ist und ausserdem den grossen 
Voraug besitat, billig zu sein, so dass es in 
der Hospital- und Armenprazis ganz besondere 
Berückaichtiguttg verdient. 

JMnear6 Wut unter einer Reihe von Theer« 
farbstoffen und zu deren Darstellung dienen* 
den aromatischen Verbindungen, welche er 
durch Thierversuche als tödtlich wirkend 
fand, auch Acetanilid auf. (Medic. chir. Rund- 
schau 1887, 8. 147.) 

Als Formel ffir die Anwendung des Anti- 
febrins empfiehlt Langgaard (Therapeut. 
Monatshefte 1887, 8. 22) für Erwachsene: 

Antifebrini 2,0 

Saechari albi 

Gummi Arabici ana 1,0 

Aquae q. s. ut fiant pilulae No. 20. 

Conspeq^ Tako. 

Signa: 3 — 6 Pillen zu nehmen. 
Als sonstige An^irendungsweisen werden an- 
gegeben: die Darreichung in Oblaten, als 
Schüttelmiztur — mit Wasser angerieben, 
was wohl richtiger mit Syrup oder Gnmmi- 
sehleim geschieht — , als wässerig-alkoholische 
Lösung, in Wein, Cognac. Auf die Eingangs 
beschriebene Reaetion des Antifebrins, sowie 
den Nachweis des Antifebrins in dem nach 
seinem Gebrauch gesammelten Harn zurück- 
kommend, bemerkt der Schreiber dieser Zeilen, 
dass es ihm nicht gelungen ist, aus Antifebrin« 
ham Antifebrin zu isoliren. Antifebrin lässt 
sich aus wässerigen angesäuerten oder alka- 
lisch gemachten Lösungen mit Aether oder 
Chloroform leicht ausschütteln, nach dem 
Verdunsten der Aether- oder Chloroformlösung 
hinterbleibt das Antifebrin in schönen Kiy- 
stalien. Aus Antifebrinham , der durch die 
Liebenswürdigkeit der Herren Oberstabsarzt 
Dr.Stecher und Assistenzarzt am Stadtkranken- 
haus zu Dresden Dr. Faust zur Verfügung 
gestellt wurde, gelang es weder direct noch 
nach dem Einengen durch Ausschütteln mit 
Aether oder Chloroform im Bückstand jener 
Lösungen Antifebrin nachzuweisen. Die Rück- 
stände bildeten gelb bis braun gefärbte Massen , 
die mit Quecksilberoxydulnitrat nach Yvont 



178 



Angabe geprüft, keine grüne Färbung, noch 
grüne Lösung mit Alkohol gaben, selbst nicht 
nachdem der braungefärbten mit Chloroform 
ausgeschüttelten Masse Antifebrin zugesetzt 
und durch Lösen des Ganzen in Alkohol 
und Verdampfen des Alkohols einverleibt 
worden war. Die von Tvon angegebene Be- 
action tritt mit Antifebrin direct sehr prompt 
und schön ein — Ueberhitzen ist streng zu 
vermeiden, es darf nur gelinde erwärmt werden 
— und nebenbei ist deutlich ein bittermandel- 
artiger Geruch zu constatiren, wovon Yvon 
nichts erwähnt. Dass aber die aus Harn ausge- 
schüttelten färbenden Stoffe, selbst nach dem 
Zusatz von Antifebrin zu denselben, im Stande 
sind, die auftretende grüne Färbung völlig 
zu verdecken, ist durch Vorstehendes erwiesen. 
Es ist dieses besonders in Hinsicht auf den 
von Yvon gethanenen Ausspruch (s. oben und 
Journal de Pharm, et de Chim. 1887, 23) er- 
wähnenswerth. 

Eine andere bekannte Reaction (Joum. de 
Pharm. d'Alsace Lorraine 1887, 43), die 
sämmtlichen Aniliden zukommt, nämlich beim 
Kochen mit wässriger oder alkoholischer 
Kalilauge gespalten zu werden, worauf sich 
aus dem Destillat oder durch directes Aus> 
schütteln mit Aether oder Chloroform Anilin 
isoliren lässt, während die restirende Flüssig- 
keit die betreffende Säure enthält, die alsdann 
in bekannter Weise nachgewiesen werden 
kann, Hess bei vorstehenden Versuchen mit 
Antifebrinham auch im Stich. 

Verfasser glaubte diese Mittheilungen 
schuldig zu sein, um vor Irrthümem zu 
warnen, die eventuell aus der Anwendung 
der von Yvon gegebenen Beaction mit Anti- 
febrinhamen entstehen könnten, ohne in der 
Lage zu sein , jetzt etwas Positives über den 
Nachweis, beziehentlich die Gegenwart des 
Antifebrins in derartigen Untersuchungsob- 
jecten angeben zu können , hofft jedoch in 
nächster Zeit weiter hierüber berichten zu 
können. 

Dresden. Ä, Sdmeider. 



Schmelzpunkt des Magnesiums. 

Von Victor Meyer, 

Der Schmelzpunkt des Magnesiums wird 
in den Lehrbüchern zu ca. 500^ angegeben. 
Von einem Fabrikanten dieses Metalls wurde 
ich darauf aufmerksam gemacht, dass jene 
Angaben mit vielen in der Fabrikation ge- 



machten Beobachtungen im Widerspruche 
stehe, und ich veranlasste daher Herrn 
Alexander Meyer zu einer neuen Sehmels- 
pnnktbestimmung. Dieselbe ergab, dass Mag- 
nesium , gleichzeitig mit kleinen Proben von 
Bromnatrium erhitzt, noch nicht schmilzt, 
wenn dieses Salz vollkommen flüssig ist, und 
es folgt daher, dass der Schmelzpunkt des 
Magnesiums über 700 ^ C liegt Erhitzt man 
Magnesium in einer Atmosphäre von reinem 
Wasserstoff neben reiner wasserfreier Soda (in 
getrennten Schiffchen) auf starke Bothgluth, 
so kann man sieh Überzeugen, dass beide an- 
nähernd gleich schmelzen ; es gelang einmal 
den Schmelzversneh in dem Augenblicke zu 
unterbrechen, als die Soda zum kleinen, das 
Magnesium zum grösseren Theile geschmolzen 
war. Da Soda bei 800 ^ schmilzt , so liegt 
demnach der Schmelzpunkt des Magnesiums 
zwischen 700 und 800 0, und man wird kaum 
fehl gehen, wenn man ihn als sehr nahe unter 

800^ liegend bezeichnet. 

Ber, d, D. cTiem, Oe$. U, 4. 

Destillation und Beinigung von 

Quecksilber. 

Von Vieler Meyer, 
Gewöhnlich wird angenommen, dass Queck- 
silber sich durch blosse Destillation nicht 
völlig reinigen lasse. Ich selbst habe früher 
gefunden, dass eine dreimalige Destillation 
in rohem Quecksilber noch erhebliche Ver- 
unreinigungen zurücklässt. Es entstand da- 
her die Frage, ob die Dämpfe des Queckailbers 
die fremden Metalle mit überreissen, fthnlich 
wie es bei der Destillation mit Wasserdampf 
geschieht, oder ob die Metalle mechanisch mit 
verspritzt werden. Um diese Frage zu prüfen, 
habe ich gemeinschaftlich mit Herrn Dr. 
Daccomo einige Versuche angestellt. Qaeck- 
Silber wurde absichtlich mit einer Anzahl 
Metalle (gleichzeitig mit Blei, Wismut, Zinn, 
Natrium und Kupfer) vermischt und daa Ge- 
misch zunächst aus einer porzellanenen , dann 
aus einer Glas-Retorte wiederholt destillirt. 
(So lange das Metall unrein war, wurden die 
Glas-Retorten jedesmal zerstört , so das« An- 
fangs die Destillation aus Porzellan , erst 
später ausGlasgefassen vorgenommen wurde.) 
Hierbei ergab es sich, dass nach 12 Destilla- 
tionen keine Spur eines Rückstandes in der 
Glas-Retorte blieb. Das nun übergebende 
Quecksilber enthielt aber auch keine fremden 
Metalle mehr beigemengt, sondern war Tollig 



179 



rein* Dies wurde darch folgenden Versuch 
bewiesen: ca. 2 g wurden in Salpetersäure 
gelöst, die Losung im gewogenen Platintiegel 
verdampft und geglüht. Das Gewicht des 
Tiegels blieb unverändert. 

Für die rasche, vollkommene Reinigung 
des Quecksilbers d&rfte indessen trotzdem der 
bekannteWeg der Ueberföhmng in das Oxydul- 
nitrat und dessen Reinigung durch wieder- 
holtes Umkiystallisiren vorzuaiehen sein. 

Btr. d. X>. chem, Ges. JI, 4* 



Der EinfluBB des atmoBphärischen 

DniekwechselB auf den Koch- 

ptinkt der Körper. 

Von Georg W. A. Kahlbanm. 

Mehrfach im Verlaufe meiner Arbeiten, a. B. 
bei Anwendung des von mir angegebenen 
Thermor^gulators , der nicht vom täglichen 
Wechsel des Ijnftdruckes unabhängig, schien 
es von Interesse, mich durch das Experiment 
von dem Einflüsse eben dieses Wechsels auf 
den Kochpunkt der Körper zu belehren. 

Ausser den vom Herrn General Broch aus 
Herrn MegnatM^ Messungen berechneten: 
„Tempöratures d'äbullition de Teau pure** 
liegen meines Wissens genauere Bestimm- 
ungen für regelmässige Druckintervalle nicht 
vor. Ich unternahm es deshalb, mittelst einer 
grossen Menge von Einzelbestimmnngen , die 



ich im Verlaufe von vier Monaten fast täglich 
anstellte, für einen Aethyläther vom speo. 
Gew. 0,720 eine solche Reihe au^EUstellen. 

Gekocht wurde in einer etwa 300 ccm 
fassigen Platinblase und stets, wenn von den 
angewendeten 150 ccm deren 50 übergegangen 
waren , der Kochpunkt bestimmt. Als Baro- 
meter diente ein vorzügliches Aneroid von 
Naudet in Paris, das ebenso wie das Thermo- 
meter mit der Lupe abgelesen wurde. 

Das Experiment lehrte. deutlich, dass die 
Siedecnrven des Wassers und des Aethers 
innerhalb der Sohwankungsgrenzen des at- 
mosphärischen Luftdruckes so gut wie pa- 
rallel verlaufen. Gilt dies für einen Kör- 
per, dessen Kochpunkt bei 760 mm um 
-f 70 unter demjenigen des Wassers liegt, 
so wird die Annahme erlaubt sein müssen, 
dass das Gleiche auch für Körper vom Koch- 
punkte bis 170 mit dem gleichen Grade 
von Genauigkeit Geltung haben werde, d. h. 
innerhalb der Drucke 720 bis 780 mm werden 
die aus der Siedecurve des Wassers zu be- 
rechnenden Werthe für die Verschiebung des 
Kochpunktes mit einer für den Chemiker 
durchaus hinreichenden Genauigkeit auf alle 
zwischen +.30» und etwa 180 oQ. kochen- 
den Körper direct übertragen werden können. 

Um also den normalen Kochpunkt irgend 
eines Körpers bei 760 mm anzugeben, ist den 
Beobachtungen hinzuzufügen: 



bei mm 


bei « C. 


bei mm 


bei o C. 


bei mm 


bei <> C. 


bei mm 


bei <> C. 


720,5 


+ 1.48 


730,5 


+ 1,10 


740.5 


+ 0,72 


750,5 


- 


h0,35 


721 


+ 1,46 


731 


+ 1.08 


741 


+ 0,70 
+ 0,69 


751 


- 


-0.33 


721,5 


+ 1,44 


731,5 


+ 1,06 


741.5 


751,5 


- 


-0,31 


722 


. 


hM2 


732 


+ 1.04 


742 


+ 0,67 


752 


- 


-0,29 


722.5 


- 


-1,41 


732,5 


. 


f-1,02 


742,5 


+ 0,65 


752,5 


- 


-0,28 


723 


. 


-1,39 


733 


. 


-1,01 


743 




1-0,63 


753 


- 


-0,26 


728,5 


- 


-1.37 


733,5 


. 


-0,99 


743,5 




-0,61 


753,5 


- 


-0,24 


724 


. 


-1.35 


734 


. 


-0,97 


744 




-0,59 


754 


- 


- 0,22 


724,5 


- 


-1,33 


734,5 


- 


-0,95 


744,5 




-0,57 


754,5 


- 


1-0,20 


785 




-1,81 


735 


- 


-0,93 


745 




-0,56 


755 


+ 0,18 


725,5 


- 


-1,29 


735,5 


- 


-0,91 


746,5 




-0,54 


755,5 


+ 0.17 


726 


- 


-1,27 


736 


. 


-0,89 


746 




-0,52 


756 


+ 0,15 


726,5 


- 


hl.25 


736,5 


- 


-0,87 


746,5 




-0,50 


756,5 


+ 0,13 


727 


_ 


-1,23 


737 


. 


-0,85 


747 




-0,48 


757 


+ 0,11 


727,5 


. 


-1,21 


737.5 


^ 


-0,84 


747,5 




-0,46 


757,5 


+ 0,09 


728 


. 


-1,20 


738 


- 


-0,82 


748 


+ 0,44 


758 


+ 0,07 


728,5 


. 


-1,18 


738,5 


+ 0,80 


748.5 


+ 0,42 


758,5 


+ 0,06 


729 


. 


-1,16 


739 


- - 0,78 


749 


+ 0.41 


759 


+ 0,04 


729,5 


,. 


-1,14 


789,5 


+ 0,76 


749,5 


+ 0,39 


759.5 


+ 0,02 


730 


*■ 


hl,12 


740 


- 


^0,74 


750 




hO,37 


760 


-1 


hO,00 



Für die Drucke über 760 bis 780 mm 
dnr^m ohne Weiteres die entsprechenden 
Ewischen 740 und 760 mm oben gegebenen 



Werthe abgezogen werden , da die Di£Ferenz 
höchstens 0,01 <> beträgt. 

Aus der oben angeführten Tabelle berech- 



net sich die VerBchiebnag des KoohpnDktes 
demoticfa zwischen 
720—730 mm = 4- 0,038 » für joden i 
730—740 . = +0,037« „ 
740—750 „ = +0,0370 „ 
750—760 „ = +0,037" , „ 
760-770 „ =—0,0360 „ 

770—780 „ 0,036 , 

Dem cntBpräche etvra fflr: 

0,10c. = 2,69 mm. 
Ber. d. D. lAtm. Get. 18, m. 

Oxalsäure zur qualitativen und 

quantitativen Trennung der He- 

taUe. 

C. Lucko« benntzt die EigeDtchaft der 
OialsSnie , mit einigen Hetallea «chwerlös- 
liche NiedencblSge zu gebeo, mit ftnd«ni da- 
gegen nicht, znrTrenanng einsalner Qrnppen 
derselben. 

Eine Abscfaeidnng von nnlÖBliohen Oxa- 
laten findet nicbt at&tt in den Lösungen der 
nentnUen Salse der Alkalimetalle nnd in den 
Löinngeu des Chrom-, Alumininm-, Eiien», 
Mangan-, Uian- nnd Zinnoz^da, der Chrom' 
■Bnre, UangansBnre, Antimona&nre und der 
Säuren dei Anen». 

Die Metalle der 5. Gmppe werden sKmmt- 
lich aui ihren Lösungen abgeschieden. Faat 
tmlösHch sind die oialsanren Salze de« Bleii, 
Wismuts, Silbers, Kupfers, des Quecksilbers, 
schwer löslich ist das Cadmiumsale. 

Alle Metalle, besonders das Kupfer, sind 
ans helssen Lösungen, womöglich mit kooben- 
der OialsaurelÖBnng zu föUen. Die Ueber- 
fShrang in die Oi^de durch Glühen mnss 
mit grossei Vorsicht geschehen. 

Unter den Metallen der lY. Gruppe f&llt 
die Ozaisänre das Nickel-, Kobalt-, Mangan-, 
Eisen- nnd Uranoijdul, sowie das Zinkoijd 
ans nentialen oder schwach sauren Lösungen 
als schwer lösliche Oxalate nnd es lassen sich 
also Eisen -, Mangan - und Uranoijdul Ton 
ihren Oijrden durch Oialsänre trennen. Die 
hier angeführten Eigenschaften der oxalaauren 
Salze der Metalle benutzt Xucifcoto sowohl zur 
qaalitaÜTen als auch zur quantitatirea Tren- 
nung derselben; die Fällung mnss meistens 
in conceutcirter Lösung geschehen, der Nieder- 
schlag nnd das Filter wird mit -reidQnnter 
Ozalsäarelösnng gewaseben, datMifgetroeknet 
nnd vorsichtig geglSht. — 0« — 

ZeitKhr. f. mab/t. Chtmie. ISST, I. 



Laval'8 Lactoorit, Apparat lor 
Bestimmung des Fettes in derHlloh. 

Den verschiedenen Methoden zur Hilcfa- 
fettbostimmnng hat Dr. deLavol in Stoefcholm 
eine neue hinzugefügt, welche sich besonders 
für Molkereien u. s. w., wo zabbviche Be- 
stimmungen nothwendig sind, eignen soll. 
Der Apparat beruht auf dem schon früher 
von fWAs und Fjord ausgesprochenea Ge- 
danken, das Fett auf einer kleinen Centri- 
fuge ansznschleudeTn. Wir geben den kleinen 
Apparat, über welchen H. F^)er küralieh in 
der „80a. of Public Analjst's" berichtet bat, 
in nebenstehender Abbildung wieder. Die 
Aafsohliessung des Fettes, d.h. die Abscheid- 
ung der Fetttröpfchen geschieht nicht mit 
Kalilauge, sondern mit concentrirter Esaig- 

Dei Apparat besteht ans einer runden 
Stahlscheibe auf einer Spindel, einer sohfiroel- 



formigen UmhüUang und ans Probeivbren 
von Messing mit Fiatin besch lag , in denen 
eine gradnirte Glasröhre sich befindet. Die 
Ansführung geschieht in folgender Weise. 

10 ccm der zn prüfenden Milch werden nebst 
lOcctn concentrirter BsrigsKme, welche noch 
5 Volum pro cente ooncentrirte Schwefttslare 
enthält, in ein Beagenglas gegeben, diesea 
mit einem durchbohrten Stepfen, in den eine 
Glasröhre eingesetzt ist. Das Beagens^oa 
wird nun in einem Wassoriiad, «elcbta in 
praktischer Weise gleich fQr 13 derartiga 
Oliser eingerichtet ueio kann, 7 bis ä Mi- 



Daten flrhitEt, nach welcher Zeit daa Cuein 
Tollatindig gelSat tit und die Flfiieigkeit eine 
schwach violette Farbe angenommen bat. 
Die nächste Operation itt die FuUnng der 
Proberdhren. Dieie bestehen aas einem 
kleinen Becher, in dea «ehr eng ein Bohr 
eingesetat weiden kann, welches die graduirte 
OlaarShre einhfilt. Da die Pettkörperchen in 
der Milch ein grosses Bettreben haben, sich 
ob^i abanaetcen, lo mnu das Milcbgemisob 
Tor dem Einfüllen in den Becher gat ninge- 
schSttelt werden. Hon fdllt den Becher ganz 
voll nnd setat das Rohr so ein , daas es noob 
einen Tbeil der FlÜMigkeit Tcrdräagt. 

Nachdem die Probeiöbrchen in dieser 
Weite gefallt eind, weiden «ie in die Scheibe 
eingelegt. WilL man nicht mit 12 Röhren 
arbeiten, so vertheilt man die geringere An- 
■abt in der Bohre gleichmSisig. Die Scheibe, 
welche, wie gesagt, 12 Bohren aninelimeD 
kann, mass vorher in Wasser auf 60" C. er- 
wärmt werden. Sind die Bohren eingesetzt, 
■0 fBUt man die Hdblang mit Wasser und 
Tenetzt die Scheibe in Botation (6000 in der 
Uinute). Nacbdem der Apparat in Ruhe ge- 
kommen ift, nimmt man die Bohren heraus 
nnd liest die Menge des Fettes in der gradu- 
irten Röbie ab; die Theilstriche entsprechen 
Zehn tel-Ge wich tspiocenten Milubfett. 

Die erhaltenen Besnltate sollen nkc\i Faber 
sehr gnte sein (Analyst. 1S87, pag. 9), doch 
dürfte sich der Apparat wohl nnr dort em- 
pfehlen, wo sehr viele Analjsen m gleicher 
Zeit RaagefShrt werden sollen. Wir haben 
den Apparat hier trotsdem ausführlich be- 
schriebt), weil er vielleioht Anregung zn ein- 
scheren Constmctionen, die auch im Kleinen 
anwendbar sind, geben kann. _ ot — 



Sicberheits-VeTBohlutB fOr 
Narcotica. 

In England hat man den in beifolgender 
Zeichnung Terausohan lichten Flaschen -Ver' 
schlust erfanden nnd empfohlen. Derselbe 
bezweckt die Unmöglichmachung TcrhSng- 
nissTolleiVeTwechseinDgeD von Standgefilssen 
nnachuldiger nnd solcher drastischer Hedica- 
mente, wie etwa zwischen Chinin nnd Mor- 



phium, Bismnth. nitric, nnd Calomel, Tinet. 
Opii und Tinct. Bhei, Ein derartiger Sicher- 
beits- Verschluss besteht aus einer Complica- 
tion TOn MctallbKndern , nach deren Lösung 
es eist möglich ist, den Stöpsel zu entfernen. 
DieHandbabung geht wohl ans der Zeichnung 
selbst hervor. Ob durch eine solche Vorrichtung 
der Zweck besser oder leichter erreicht wird, 
als die mancherlei anderweit vorgeschlagenen 
Sicherbeita Vorrichtungen, bleibt fraglich. 



Sfiscellen. 



Schleif- und PolirmitteL 

Da* anerkannt beste Polirmittel ist das 
sogenannte Pariser Roth; dasselbe kommt in 
vieles Farben nfiancen , von Ziegelroth bis 
Chocoladen braun, im Handel vor. Die Farbe 
giebt über die GBte nnd Reinheit des Mate- 
rialea wenig Anfsohlnss , doch kann sie als 
Haaasatab für die Htlrte des betreffenden Po- 
lirpnlvors angesehen werden. Je dank 1er 
dasselbe ist, desto intensivere Härte besitzt 
e«; das rothe oder röthliche Pulver ist stets 
sehr weich, weshalb man ersteres zumeist 



zur Behandnng von Stahl nnd letzteres für 
weichere Hetallsorten verwendet. Das Pariser 
Both besteht der Hauptsache nach ans Bisen- 
oxyd oderEisenoiydoijdui. Zu seiner PrSparir- 
nng wird dieE igen Schaft der meisten Eisensalze 
benutzt, in der Glühhitze Eisenoxid nnszu- 
scheiden. Gewöhnlich wird zu diesem Bebufe 
käaflicher Eisenvitriol bei massiger Wärme 
so lange erhitzt, bis derselbe zu einem weissen 
Pulver zerfällt, worauf dann letzteres in einem 
Tiegel geglüht wird, hie keine Dämpfe mehr 
entweichen und der Rückstand als zartes, 
rothei Pulver verbleibt. Je höher die Tem- 



182 



peratur bekn GlGlien war, atn'se tiefer er- 
scheint die Farbe des Eisenoxydes. Will man 
besonders reines Pariser Hoth präpariren, so 
empfieblt es sich, das rückständige Pulver 
wiederholt mit schwacher Sodalösung zu 
kochen und mehrere Mal auszuwaschen. Hier- 
bei werden alle eventuell dem Eisenozjd noch 
anhaftenden Unreinigkeiten ausgeschieden. 
Zur Erzeugung von Pariser Roth für gans 
specieil spiegelblank zu polirende Gegenstände 
dient nachstehendes Verfahren : Man löst 
käuflichen Eisenvitriol in Wasser auf; ebenso 
löst man eine gleiche Menge Eleesalz in 
Wasser, filtrirt beide Lösungen, mischt die- 
selben und erwärmt bis auf 60^; der sich 
bildende gelbe Niederschlag, welcher wegen 
seiner Schwere sich anstandslos absetzt, wird 
ausgewaschen, getrocknet und wie vorhin ge- 
glüht. Auf diese Weise erhält man ein äusserst 
zartes y tiefrothes Pulver, welches, wenn es 
vorsichtig präparirt wurde, keinerlei Schlemm- 
procesB zu unterziehen ist, sondern sofort zum 
Poliren benutzt werden kann. Mit solchem 
Präparate werden zumeist die für optische 
Zwecke dienenden Gläser und Linsen, welche 
feinstens geschliffen sein müssen, behandelt. 
'Phosphorsaurer oder kohlensaurer Kalk 
wird nicht selten auch zum Poliren benutzt; 
derselbe wird meistens durch Ausglühen von 
Knochen in einem offenen, möglichst flachen 
Tiegel hergestellt; hierbei verbrennen die 
organischen Substanzen der Knochen, während 
die mineralischen Bestandtheile derselben als 
feines Pulver zurückbleiben. Waschen und 
Schlemmen dieses Pulvers ist vor dessen Be- 
nutzung immer nothwendig, insbesondere 
wenn es sich um schöne Polirung handelt. 
Zinnsalz, welches mit Oxalsäurezusatz in 
Wasser gelöst und erwärmt wird, giebt einen 
pulverigen Bückstand, welcher, geglüht und 
ausgewaschen, auch vorzügliche Dienste beim 
Poliren von Metallen leistet. Auch der ge- 
wöhnliche Lampenruss ist als Polirmittel 
verwendbar. Der als Handelsartikel bekannte 
Tripel, der Hauptsache nach fein pulverisirter 
und geschlemmter Bimsstein, soll nur für 
gröbere Polirungen verwendet werden , da er 
zumeist Verunreinigungen enthält und leicht 
Risse und Rillen in der zu bearbeitenden 
Metallfläche hervorbringt. Wiener Kalk ist 
als Polirmittel geradezu verwerflich, da er 
fast immer krjstallinische Sandtheilchen ent- 



hält, die mittinter durch A&rei äsender Fiäehc 
die ganze mühevoll erlangte Polirung zer- 
stören; wird er verwendet, so bewahre man 
ihn stets in wohl verschlossener Flasche und 
reibe ihn unmittelbar vor dem Gebrauche 
Stückchen weise mit Oel und Spiritus an. 

Chem, Gentr.'Bl. 1887, 12. 

Eilnstlicher Pfefbr. 

Vor einigen Tagen mit der Untersuchung 
mehrerer confiscirter Pfefferproben beschäftigt, 
kam ich einer eigenthümlichen Verfälschung 
auf die Spur, die heute bereits eine grosse 
Verbreitung gefunden haben dürfte. Es ist 
dies künstlich hergestellter Pfeffer von der 
Form einer gerippten Pille und besteht, wie 
die Untersuchung ergab, aus Mehl (Teig), 
welches mit Paprikapulver gemischt ist*). 
Dieser in Budapest fabrikmässig erzeugte 
Kunstpfeffer quillt im warmen Wasser auf 
und giebt deutliche Stärkereaction. 

Unter dem Mikroskope sind Stärkekörber 
und die rothen Zellen von Paprika zu sehen. 

Nach einem mir vorliegenden Preiscouraate 
vom März d. J. der Firma Job. W. Na d 1er 
& Comp, in Budapest, welche die Händler 
auf diese Imitation von ^ echtem Singapor* 
pfeffer* auftnerksam macht, mit der Bemerk- 
ung, dass derselbe, aus Pfeffereztract erzengt, 
ohne wesentlichen Nachtheil der Qualität mit 
dem Singaporpfeffer gemischt werden kann, 
kostet der Kunstpfeffer 65 fl. per 1 00 kg gegen 
150fl. für echten Singaporpfeffer, 

Sämmtliche untersuchte Proben waren bis 
zu 70pCt. mit diesem Falsificate gemischt. 
Ne%ii,mann Wender , Mag. pharm. 

Czernowitz, den 2. März 1^7. 

Zeitschr. d. aüg. österr. Apoth,'V., 25, 9, 



*)Nach einer vom Herrn Prof. Dr. T. E. Ha- 
nausek durchgeführten Untersuchung besteht 
das Eunstproduct aus Weizenmehl, ist höchst 
wahrscheinlich mit einem weingeistigen Extract 
von echtem Pfeffer getränkt und mit einer 
schwarzen Farbe (Kassfarhe) gefärbt, Paprika- 
pulver ist darin nicht vorhanden. 

Die Coagulation des Blutes zq 
verhindern. 

Freund hat gefunden, dass eine dannc 
Schicht eines fetten Oeles das daninter be- 
findliche Blut vor dem Coagnliren schfitsL 
Archiv de Pharm. 1886, 525. s. 



Yorl«ter und tvMtotworUtalMr BMUetMr J>t, JL Qelstlsr in Drwdea. 

Im BaebkAnddl dorcb JalinaSprlnfer, Berlin K, Monb^onplats 8. 

Dmek der KOnlfl. Bofbachdmcker«! von, 0. 0. Melnhold & SOnne in Draiden. 



Pharmaceutische Centralhalle 

für Deutschland. 

Zeitung fiir wissenBchaftliche und geschäftliche Interessen 

der Pharmacie. 

Herausgegeben Yon 

Dr« Hermann Hager und Dn Ewald Geissler. 

Enekeuft laden DonDerttag. — Abonnementspreis durob die Post oder den BDchbandel 

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Avfragctt, A'VfMge, Manaseripte ete. wolle man an den Bedacteur Prof. Dr. E. Geissler, 

Dresden, Pülnitser Strasse 5B adressiren. 



M 15. 



Berlin, den 14, April 1887. 



Neue Folge 
Till. Jahrgang. 



Der ganzen folge XXVIII. Jahrgang. 



labftlt; t'amele aa« nanasele: Mlttbeilnngen ans dem f harmfteeatlaeben Laboratorlnm der tsohalaclren Hoch- 
tehale in Braonaehwels: 35« Bin Beitrag svr Beetlmtnanff dee Morphine im Opium. — > Ueber Erkennen andNaoh- 
weienng dee Kelinms mittelst Natrium -Wifmutthloeulfet. — Eine Horplilnreaotlon. — Aus dem Beriebt ¥00 
SAhttIa«! ft Oe. in I^ipsig. April 1867. — Einwirkung mehratomlfer Alkohole «uf Misebnngen reo BoralMm 
a»d II«trlWBble«rb«eatl9aangen. — Zum Kachwela ron Salicyls&ure. — Nene Reaction der Hyposulflte. — 

Ttnctnra Stropbanti. — Nene Heber. — Aaselfea« 

■ L^^ ^JteBBgggg IJ ii- -- - - i -■ ■ 3gg 

Clieiiiie I1II4 Pbarmacie. 



mtüieflongen aus dem pharma- 

ceutisehen Laboratoriuia der 
tedmiadieii Hochschule in Braun«» 

schweig. 

Von H. Beckurta. 

3&. Ein Beitrag nr Bestimmung des 
Morphins Im Opiam. 

Kadi Versuchen von A, Schraut und K Beckurts. 
(Schlttss aus Toriger Kummer.) 

4. IXe Vrfifti&gtniethode unter Aawendang 

Ton Kalkfaydrat 

Schon bevor die Methoden DietericJis 
und Sehlickum's bekannt geworden waren, 
hatte ich mein Augenmerk auf diese 
Methode gerichtet. In der Annahme, 
dass dieselbe geei^et sei, am sichersten 
den Gehalt an A&rphin zu bestimmen, 
wurde ich dadurch bestärkt, dass eine 
Modification der Ealkmethode nach mir 
gewordener Mittheilung in der Praxis 
(Morphiumfabrik) mit Erfolg benutzt 
wird. 

Die {[alkmethode beruht auf der von 
Sobinet (nach Hager von Thiboumery) 



beobachteten Löslichkeit der Verbindung 
des Kalkes mit Morphin, des Morphin- 
kalkes, in Wasser und der Zersetzung 
desselben durch Chlorammonium, wie 
uns Mohr zuerst gelehrt hat, in Ohlor- 
calcium, Ammoniak nnd Morphin, waches 
sich vollständig ausscheidet. Bei der 
Behandlung des Opiums mit Kalkmilch 
geht nur das Morphin nnd dieses rasch 
in . Verbindung mit Kalk in Lösung, 
während alles Narkotin ungelöst bleibt. 
Die Fällung des Morphin aus seiner 
Kalkverbindung durch Chlorammonium 
ist eine vollständige ; die von dem Nieder- 
schlage abfiltrirte Flüssigkeit enthält kein 
Morphin oder doch keine nennensw^then 
Mengen desselben mehr. Einen warmen 
Vertreter hat das Princip dieser Methode 
in H. Hager gefunden, welcher im 
Oommentar zur zweiten Auflage 4er 
Pharmacopoea Germanica eine genaue 
Vorschrift zur Ausftlhrung derselben an- 

?;iebt. Neuere Vorschriften für die Aus- 
Ührung der „Kalkmethode" geben auch 
Fortes und Langioü^), eowie die Phar- 



•) Rupert, de Pharm. 1882. 100. 



184 



makopöe der Vereinigten Staaten 
(1882). Man macht ihr den Vorwurf, 
dass das abgeschiedene Morphin nicht 
rein, stark durch ,Ga1ciummekonat 
und braune harzige Stoflfe verunreinigt 
sei, so dass Hager sogar in der yon ihm 
beliebten Ausiiührung dieser Methode 
10 pCt. vom Gewicht des Morphins in 
Abzug bringen lässt 

Trotzdem diese letzteren Angaben nicht 
sehr errauthigend flir die Wieder -Auf- 
nahme der Ealkmethode waren, so war 
die nicht bestrittene vollständige Ab- 
scheidung eines von Narkotin freien 
Morphins und die vorauszusehende gleich- 
massige Brauchbarkeit der Methode für 
alle Opiumsorten verlockend genug, nach 
einer Modificotion zu suchen, die alle 
Vorzüge der Methode, aber nicht ihre 
Nachtheile hat. Die folgende Vorschrift, 
welche sich sehr an die der Pharma- 
kopoe der Vereinigten Staaten anlehnt, 
schien mir eine geeignete zu sein: 

8 g Opium werden mit 77 ccm 
Wasser in einer verschlossenen Flasche 
eine halbe Stunde auf dem Wasserbade 
digerirt, nach dem Erkalten 3 g frisch 
gelöschter Kalk (aus Marmor) hinzu- 
gefügt und nach Verlauf einer Stunde, 
innerhalb welcher öfter umgeschüttelt 
wird, mit Hilfe einer Saugvorrichtnng 
51,5 ccm>o) (entsprechend 5 g Opium) 
in ein weithalsiges Stöpselglas abfiltrirt 
Diese Lösung wird mit 30 ccm einer 
Mischung von 1 Volum Alkohol und 

5 Volumen Aether, welche über Morphin 
gesättigt ist, überschichtet, darauf mit 

6 ccm einer bei Zimmertemperatur ge- 
sättigten wässrigen Ghlorammonium- 
lösung versetzt und kräftig umgeschüttelt. 
Nach Verlauf von 6 bis o Stunden giesst 
man zunächst den Aeäier- Alkohol vor- 
sichtig durch ein mit Aether benetztes 
Filter, schüttelt die Mischung nochmals 
mit 10 ccm Aether -Alkohol, giesst nach 
dem Absetzen den Aether wiederum 
durch das Filter ab, wartet bis die äthe- 
rische Flüssigkeit abgelaufen ist, und 
brinfft schliesslich das sämmtliche aus- 

• geschiedene Morphin sorgfältig auf das 

'®) Oder soviel als 5 e Opinm entspricht, 
wenn das Opinm weniger us m pCt. seines Ge- 
wichtes an Wasser abgieht. 



Filter. Nachdem dieses geschehen und 
die Flüssigkeit vollkommen abgelaufen 
ist, wäscht man den Filterinhalt mit 
6 ccm einer über Morphium gesättigten 
Mischung gleicherTheileAether-Alkohol 
und Wasser und trocknet Filter samrat 
Inhalt bei 100 o eine Stunde. Man 
wägt sodann das von dem Filter durch 
Abklopfen und Abreiben sorgfältig ent- 
fernte Morphin auf einem tarirten Uhr- 
schälchen. Das Gewicht des Morphins 
mit 20 multiplicirt ergiebt den Procent- 
gehalt des Opiums an Morphin. Bei 
Ausarbeitung dieser, wie auch der 
meisten anderen bekannten Methoden 
ist angenommen, dass Opium 60 pOt. 
seines Gewichtes an Wasser abgiebt: 
In zweifelhaften Fällen wird es sich 
empfehlen, durch einen besonderen Ver- 
such zu ermitteln, wie viel das Wasser 
aus der zu prüfenden Waare wegzu- 
führen vermag. (Flückiger.) 

Eine Certification des nach dieser 
Methode gewonnenen Morphins ist nicht 
erforderlich. Dasselbe ist klein krystalli- 
nisch, grau gef&rbt, frei von Narkotin, 
enthält aber Galciummekonat, jedoch nur 
wenig, falls nicht mit dem AbfiUriren 
des Morphins länger als 12 Stunden ge- 
wartet wurde, um die Abscheidung von 
Galciummekonat zu verhindern, liegt es 
nahe, den Galciummorphinat enthaltenden 
Opiumauszug mit der Hälfte seines 
Volumens Weingeist zu versetzen, von 
dem ausgeschiedenen Galciumniekonat 
abzufiltriren, das Filtrat bis zur Yer- 
jagung des Weingeists einzudunsien und! 
nach dem Filtriren mit Ghlorammonium^j 
Alkohol und Aether zu zersetzen. Dt 
jetzt abgeschiedene Morphin ist zws 
frei von Galciummekonat, aber vi( 
weniger an Gewicht, da das Eindanstet 
der alkalischen Flüssigkeit nicht ohnj 
Verlust an Alkaloid möglich ist. Dij 
Gewinnung von 51,5 ccm Filtrat bereite 
keine Schwierigkeit, wenn man si« 
einer Saugvorrichtung bedient, und di| 
Opium- Ealkmischung zunächst sich al 
setzen lässt, und sie dann auf ein eb< 
gerade hinreichend ^osses Filter brin^ 
Die später ausgescniedenen Morphii 
krystalle lassen sich bequem anf d^ 
Filter bringen, festes Ansetzen 46r K] 
stalle an die Gefässwandungen findet nie] 



185 



statt Der Zusatz von Aeiher, ureleher 
mit Vs seines Volumens Alkohol ver- 
mischt ist, hat auf die gleichmässige Ab- 
scheidung des Morphins keinen Einfluss, 
scheinbar auch nicht auf die Menge 
desselben, ist aber von günstigem Ein- 
fiuss auf die Beinheit des sich abschei- 
denden Morphins. 

Nach der oben genau beschriebenen 
Modification des Kalkverfahrens wurde 



gefunden : 



Im Opium I 



( 



12,2 pCt. Morphin. 
12,3 



Im Opiam II 



I 12,22 

14,82 

14,92 

14,82 

14.62 

14,58 

14,6 

14,68 



•» 



J» 



»1 



*» 



11 



11 



n 



17 



Im Opinm III j }}'^g 
Im Opium IV j }gj 



1» 



11 



19 



11 



*1 



11 



1» 



Die in dem Opium I und II nach 
DieierieK's Methode ausgeführten Be- 
slimmimgen zeigen mit den nach der 
Kalkmethode erhaltenen Zahlen grosse 
L^ebereinstimmung. 

Es enthielten nach: 

Z)i€^mi?Ä's Verfahren; dem Kalkverfahren 

Opium L 

pCl Morphin. pCt. Morphin. 



11,96 


12,2 


12,11 


12,3 


12,1 


12,22 


12,26 




13,22 




Opium n. 




14,7 


14,82 


14,^1 


14,92 


14,95 


. 14,82 


14.925 


14,58 


14,98 


14,6 


14,34 


14,68 



Wie weitere Versuche lehrten, ist auch 
der GehaU an. Calciummekonat in dem 
fiaeh dem oben - beschriebenen Kalk- 
Terfahren abgescbiedenenMorphinein sehr 
|eringer, wenn reiner gebif annter Kalk, aus 
narmor hergestellt^ benntzt wurde. 



0,54 g ded aus 5 g Opium afoges^hiedellBn 
Morphins hinterliessen beim Qlüheili 
0,003 CaCOa. 

0,574 g des aus 5 g Opium abge^obie-T 
denen Morphins hinterliessen beimQlähea^ 
0,0031 GaOOg. 

Auf Calciummekonat (G7H20.,Ga+H)ü): 
berechnet, entsprechen diese Mengen 
Calciumcarbonat 0,0197 und 0,0?03: g, 
wodurch sich die Menge des wirklich 
vorhandenen Morphiums auf 0,5203 und 
0,5587 reducirt. Auf Procente berechnet 

Morphin +Calcian]roekonat Beines Morphin 

10,8 10,406 

11,48 11,074 

Bei Verwendung einer aus gewöhn- 
lichem Kalkstein hergestellten Kalkmilch 
ist allerdings das Morphin reicher an aus 
Kalk und Magnesia bestehenden Mineral- 
bestandtheilen : 

Morphin 

0,734 hinterliessen beim Glflhen 0,0}4 

0,741 „ „ „ 0,014 

0,589 „ „ „ 0,007 

Für diese grössere Menge dürfte aber 
wohl nicht eine entsprechende Quantität 
Calciummekonat in Rechnung gesetzt 
werden. Immer ist die von mir vor- 
geschriebene Verwendung eines reinen, 
aus Marmor gewonnenen Aetzkalks rath- 
sani. 

In Kalkwasser löst sich das nach 
dieser Methode abgeschiedene Morphin 
nicht vollkommen klar auf. Jedoch ist 
der Einwaitd, dass durch Kalkhyd/at 
gleichzeitig mit dem Morphium in Lös- 
ung übergeführte und ebenfalls durch 
Chlorammonium abgeschiedene harzartige 
Substanzen das Gewicht des abgeschie- 
denen Morphins in nennenswerthem 
Grade beeinträchtigten, nicht berechtigt. 

Will man jedoch die Menge des in 
dem abgeschiedenen Morphium enthal- 
tenen reinen Alkaloids erfahren, so ger 
lingt dieses in einfacher Weise durch' 
Titration der filtrirten weingeistigen tös- 
ung des abgeschiedenen Morphins mit 
Vio Normal - Salzsäure unter Benutzung 
von Cochenille als Ii^dicator. Man über- 
sättigt die Lösung mit Vio.N.- Salzsäure 
und titrirt mit Vioo N.- Natron zurück. 
1 ccm VtQ Normal- Salzsäure entspricht 
0,0303 Morphin, , ■ [■ ,' ' : 



186 



Versttohe Mit reinem Morphin lehrten, 
dftSB di^ Bdbtimmang genau ausföllt 

Man kann das gesammelte noch feuchte 
M0)t)hüi direct auf dem Filter mit sie- 
d^&aem Weingeist ausziehen, das Filtrat 
mit einem gemessenen Volumen Vio N.- 
Sates&ure versetzen und den Ueberschuss 
an letzterer tioit Vioo N.-Natron zurüek- 
titrirett. 

1. 0,6405 g des unreinen Morphins 

Wurden in siedendem Weingeist 
gelöst, die filtrirte Lösung mit 
80 ccm Vio N.- Salzsäure versetzt 
und mit Wasser auf 150 ccm ver- 
dünht Je 50 ccm derselben ver- 
brauchten zur Neutralisation im 
Mittel 30,5 Vioo N.- Natron. Es 
sind mitbin vom Morphin verbraucht 
10 — 3,05 = 6,95 Viq N.-Salzsäure 
= 0,210585 g Morpmn, welche in 
50 ccm enthalten sind. 150 ccm 
enthalten also 0,631755 g Morphin. 

2. 0,254 g des unreinen Morphins, in 

ganz gleicher Weise behandelt, ver- 
braucaten 8,2 ccm Vio N.-Salzsaure 
= 0,2486 g Morphin. 

Z.*) 0,2735 g eines unreinen Morphins, 
in gleicher Weise behandelt, ver* 
brauchten 8,3 ccm Vio N.-Salzsäure 
» 0,25149 g Morphin. 

4. 0,4405 ^ eines unreinen Morphins, 

in gleicher Weise behandelt, ver- 
bitiuehten 14,1 ccm Vio N.-Salzsäure 
« 0,427 g Morphium. 

5. 0,4845 g eines unreinen Morphins, 

in gleicher Weise behandelt, ver- 
brauchten 14,1 ccm Vio N.-Salzsäure 
= 0,427 g Morphium. 

8. 0,6130 g unreines Morphin ver- 
brauchten unter denselben Beding- 
ung:en 19,8 ccm Vio N.-Salzsäure 
Entsprechend 0,59994 g Morphin. 

Diese Versuche ergeben, dass das nach 
der Ealkmetbode abgeschiedene M orphium 
an reinem Alkaloid enthielt: 

i. 2. 3. 

98,6 plGt. 98,0 pOt 92,06 pCt. 

4. 6. 6. 

»8,8 pOt. 98,8 pOt. 97,8 pCt. 



*) XHe AbscbeidnDg dieses Morphins hatte 
Uager als 12 Stunden gewfthtt 



Die Titration des Morphins bietet noch 
den y ortheil, bei der Bestimmung ded 
Morphiums im Opium nur eine Wägung, 
nämlich die des Opiums, ausfuhren zu 
müssen. 

Auch die Bestimmung des Morphiums 
im Opiumextract und in der Opiumtinctur 
ist mittelst der Ealkmethode bequem zu 
bewerkstelligen. Nach den am Schlüsse 
dieser Abhandlung gegebenen Vor- 
schriften wurden z. B. die folgenden 
Mengen Morphin gefunden: 

Im Opiumextract 

gewogen titrirt 

1. 22,02 pOt. 21,35 pCt. 

2. 21,73 „ 21,35 „ 

In der Opiumtinctur 

1. 1,016 0,9944 

2. 1,099 1,0056 

Die üebereinstimmung der durch Titra- 
tion ermittelten Morphin - Mengen Mt 
vortheilhaft auf. 

Diese Methode der Morphinbeetknmung 
bietet den Vortheil, das Morphin in 
reinem Zustande auf einem einfachen 
Wege, nur mit Hilfe einer WiiguDg, 
nahezu voUkommra und jedenfalls quan- 
titativ gleichmässig aus dem Opium und 
den Opiumpräparaten zu isoliren. 6ie 
besitzt Tor dem DtrfencÄ'schen Verfahren, 
dem sie ja an Einfachheit nachsteht, Aen 
Vorzug, für alle Opiumsorten gleichmässig 
anwendbar zu sein. 

In dem Folgenden sind neue Vor- 
schriften zur Bestimmung des Gehaltes 
des Opiums, des Opiumeztractes und der 
Opiumtinctur an Morphin formulirt, wel- 
ches natürlich ebenso gut in der einen 
oder anderen Form hätte geschehen 
können. 

VntersQchnng des Opititts. 

8 g Opium werden mit 77 ccm Wasser 
eine halbe Stunde in einer verschlossenen 
Flasche auf dem Wasserbade digerirt, 
nach dem Erkalten 8 g frisch gelöschter 
Ealk (aus Marmor) fainzugef&gt und imch 
Verlauf einer Stunde, innerhalb welcher 
öfter umgeschfittelt wird, mit Hilfe einer 
^tigvorrichtung 51,6 eem (entspfedheiid 
5 ^ Opium) in ein w^üQialsiges Stöpsel- 
glas aMiltrirt. Diese Lösuiig ward mit 



1 



30 ccm einer Misctissf \- n 1 Vvl. Ait L« 1 dtrs i:ef.:r.it'-tr. M.r: h r> »%: -V» f::Vj.r: 



und 5 ToL A«-üi«r. wrlrhe It-^rr H^rj L:2 
gesauigt kt. tber^L:jL:e(. d^r^zi c::: 
6 eem eiaer i^i Ziaimerseiiip««rrÄ:ur g^ 
sHtigtoi wie&aigeji Cklormmici niun:- 
lösoiig Tersetzt ciui krifiig iin:^e>c!.u;;rl*u 
Xa^h Verlwif Toa 6 bis S Siuaden g!*>>i 
m&n znnichs:; den Aeiher-Alkohul vor- 
^iebüg dureh ein mit AeiLer bene'z'.r-s 
Fiker« seböueli die lÜM-Lung n<.n:bmä!> 
mit 10 ecm Aether-AlüüL.jL girs^: nacb 
dem Absetzen leizlereD wiederum durch 
das Filier ab, wanei. bis die ä:htrr:>che 
Flüssigkeil abgeUafen hi und ^rin::; 
sohliesslieb düs aosgeschiedene M<*rphio 
^«irgiällie auf das Filter. Zum Nach- 
dpuien dient da& Filirat. S«*h!ie^^!ieh 
wird der Fiiterinhalt mit 6 ecm einer 
ütjer Morpbin gesättigten Ml^ehung glei- 
cher Tbeile Aetber-Alkofaol und Wasser 
gewaschen. !llan trocknet nun eniwt>der 
das Morpbin sammt Filier bei 100^ eine 
Stunde und wägt das Ton dem Filter 
dureb Abklopfen und Abreiben sorgialiig 
entfernte Morpbin auf einem tarirten 
Ubrsebäleben, oder löst das noch leuchte 
Morpbin anf dem Filter in siedendem 
Alkohol Tersetzt das Filtrat mit 25 bis 
30 cem Vio N.- Salzsäure und titrirt den 
Ueberscbuss der letzteren unter Benutz- 
ung Ton Cochenille als Indicator mit 
^ 100 X.-Xatron zurück. 1 com ^lo^•- 
Salzsäure entapricbt 0.0303 g Morpbin. 
— Die Men^e des gefundenen Morphins 
mit 20 multiplicirt ergiebt den Procent- 
gehalt des Opiums an Morpbin. 

Untenochuig des Extractom Opii. 

3 g Opiumextract 

löst man in 

42 ecm Wasser 

versetzt mit 2 g friscb gelöschtem Kalk 
(aus Marmor), lässt eine Stunde unter 
öfterem Umscliütteln steben und filtrirt 
mit Hilfe einer SaugTorricbtung 30 ecm 
ab. Diese 30 com = 2 g Extract werden 
mit 30 ecm einer Miscbung von 1 Yol. 
Alkohol und 5 Yol. Aetber, welche über 
Morpbin gesättigt ist, überscbicbtet, dar- 
auf mit 6 ecm einer bei Zimmertemperatur 
[gesättigten wässerigen Cbloranmionium- 
öscmg Tersetzt und weiter wie beim 
Opinm behandelt. Durcb Multiplikation 



man drr I^<.vvn:i:-.hÄ!: ir M^»n..n, 

üntanackuif d«r TüiOaim Opii 
lad TiBctafm 0]^i cncmta. 

50 g Op:un:;inc:.a* 

werden auf d:e Häiite eiTiiredami ::. n::: 
de^iillirten* Wasser wit-der auf da> ur- 
spruniTiiohe Gewicht s^ebniv^ht und :r:: 
ä s friscb ffeiösohtem Kaik »ius Marmor 
Torsftn, eine Stunde unter öfterem l'm- 
sch'.rteln stehen gelassen und mit Hiife 
einer San^vorrirbtunir liltrirt. So e\'m 
des Fii:rai> werden mi: 15 eem eini-r 
über Morphin gesdiiiirten MisohuusT >on 
1 Vol. Alkohol und o Vol. Aether ülH?r- 
^ehiehtet, mit 3 com bei Zimmertemperatur 
ffesätt ixrter Chlorammoniumlosun? ver- 
setzt und weiier wie beim Opium be- 
handelt. Durch Multiplikation des ge- 
fundenen Morphins mit i ertahrl man den 
Pnx-ent£rehalt an Morphin. 

Erlabruniren, welche bei Beioliruni: 
dieser und der von Dit^f* nth und SihiiAuni 
gegebenen Methoden iremaeht sind, und 
• Versuche, welche dieselben zu verbessern 
lim Stande sein können, werden, sobald 
; beide in genügender Menge gesammelt 
!sind. mitgeibeilt werden, 

Braun schweig, im Mfin 1887. 



üeber Erkennung und Nach- 
weisung des Kaliums mittelst 
Natrium -WismutthiosulÜBtt 

In einer Correspondenz vom 7. Aug. 187i> 
(Berichte der deutsch, ehem. Gesellsch, 9. 
1434) erwähnt Henmnger eines Bericbtes 
von A. Camot über Natrium -Wismut- 
thiosulfat als Reagens auf Kaliumsalze; 
dieselbe Verbindung benutzte auch Gia- 
conto Campari zur Trennung des Kali- 
imis von anderen Metallen, worüber sich 
im Archiv der Pbarmacie 1883 pag. 67 
eine Notiz befindet. 

leb habe mich neuerdings mit dem- 
selben Gegenstande bescbäfligt und eben- 
falls in dem Natrium-Wismuttbiosulfat 
ein ebenso charakteristisches wie scharfes 
Beagens auf Kalium gefunden. Der Um* 
stand, dass leb in keinem der mir zur 
YerfUgtmg stebenden neueren Werke über 



188 



analytische Chemie diese Ealiamreaction 
erwähnt finde, veranlasst mich, die Auf- 
merksamkeit auf sie zu lenken. Ich halte 
diese Beaction deshalb für beachtens- 
werth, weil die Erscheinungen, welche 
sie darbietet, nur iUr Kalium charakte- 
ristisch sind, weil man durch sie Kalium- 
verbindungen neben den Verbindungen 
einer ganzen Seihe anderer Metalle er- 
kennen und nachweisen kann, ohne erst 
eine Trennung vornehmen zu müssen, 
was namentlich bei Gemischen von Ka- 
liumsalzen mit den Salzen der anderen 
Alkalien, der Erdalkalien und des Ammo- 
niums von grossem Yortheil ist. Denn 
die sonst fQr Kalium gebräuchlichen Be- 
agentien sind nicht für dieses Metall 
allein charakteristisch und, mit Ausnahme 
des Platinchlorids, auch nicht einmal 
scharf zu nennen, während sich mittelst 
Natrium -Wismutthiosulfats noch in sehr 
verdünnten Lösungen Kalium unzweifel- 
haft erkennen lässt. 

Kaliumsalze erzeugen in einer wein- 
geistigen Lösung von Natrium-Wismut- 
thiosiüfat einen lebhaft gelb gefärbten, 
krystallinischen Niederschli^ von Kalium- 
Wismutthiosulfat Kß Bi (S2 03)3 , welches 
in Wasser leicht und farblos löslich ist. 
durch Weingeist aber unverändert wieder 
abgeschieden wird. Neutral reagirende 
Natrium-, Lithium-, Calcium-, Magnesium- 
und Ammoniumsalze rufen in der wein- 
geistigen Lösung des Beagens keine Ver- 
änderung hervor, woraus ich schliesse, 
dass die Salze der genannten Metalle mit 
Natrium-Wismutthiosulfat entweder keine 
Umsetzung erleiden oder, was wahrschein- 
licher ist, dass die etwa entstehenden 
Doppelthiosulfate in Weingeist ebenso 
leicht löslich sind, wie das Natriumsalz; 
Baryum und Strontiumsalze erzeugen 
allerdings Fällungen, aber diese sind 
weiss und wie es scheint weit leichter 
löslich als das Kaliumdoppelsalz und mit 
diesem gar nicht zu verwechseln. 

Ueber die Darstellung des Beagens ist 
in der Henninger'sehen Mittheilung nur 
gesagt, dass eine mit Natriumthiosulfat 
versetzte Wismutlösung weder durch 
Wasser noch durch Weingeist getrübt 
werde und • dass die weingeistige Lösung 
als Beizens auf Kalisalze benutzt werden 
kann. Öampari giebt folgende Vorschrift: 



Ein Theil basisches Wismutnitrat wird 
bei gewöhnlicher Temperatur in möglichst 
wenig Salzsäure gelöst und ebenfalls bei 
gewöhnlicher Temperatur zwei Theile 
krystallisirtes Natriumthiosulfat in mög- 
lichst wenig Wasser, worauf die das klei- 
nere Volum einnehmende Lösung durch 
Zusatz von Wasser auf ein der anderen 
gleiches Volumen gebracht wird. Dies 
war bei meinen Versuchen immer die 
Wismutlösung, welche ich zur Ver- 
grösserung ihres Volumens mit ange- 
säuertem Wasser verdünnte, um Aus- 
scheidung von basischem Wismutsalz zu 
verhindern. Beide Lösung^i werden ge- 
trennt aufbewahrt und sind im Bedarfs- 
falle zu gleichen Volumen zu mischen, weil 
das entstehende Natrium - Wismutthio - 
Sulfat sowohl in wässriger, als auch in 
weingeistiger Lösung Zersetzung erleidet. 

Die so gewonnenen Lösungen erfüllen 
zwar ihren Zweck ganz gut, doch habe 
ich es im Laufe meiner Untersuchungen 
für besser gefunden, ihnen einen ganz 
bestimmten Gehalt ku -geben, so dass 
gleiche Volumina so viel Wismut be- 
ziehungsweise Natriumthiosulfat enthalten, 
als der Theorie nach zur Bildung des 
Doppelsalzes erforderlich ist. Zu dem 
Zweck muss man den Gehalt des Wis- 
mutsubnitrates an Oxyd bestimmen und 
danach die Menge des Wismutsalzes 
und des Natriumüiiosulfates berechnen, 
deren nicht zu concentrirte Lösungen 
schliesslich auf gleiche Volumina gebracht 
werden. 1 Mol. = 468 Th. K2O3 er- 
fordern 6 Mol. = 1488 Th. NagSjO^, 
5 HjO. Bei der Bereitung der Wismut- 
lösung ist darauf zu achten, dass sie 
möglichst wenig überschüssige Salzsäure 
enthalte. 

Camat und Campari haben überein- 
stimmend gefunden, dass eine Mischung 
von Natriumthiosulfat mit der Wismut- 
lösung durch Zusatz von Wasser nicht 
getrübt werde, auch soll nach Campari 
die Mischung beider Salzlösungen farblos 
sein. Mit diesen Angaben stimmen 
meine Beobachtungen nicht überein, ich 
fand vielmehr, dass die Mischung beider 
Salzlösungen zwar klar, aber intensiv 
gelb gefärbt ist und dass durch Zusats 
von starkem Weingeist eine beträchtliche 
Trübung hervorgerufen wird. In welchem 



189 



Verhältniss immer ich die beiden Lös- 
iiDgen anwandte, stets traten dieselben 
Erscheinungen auf. Die nahe liegende 
Yermuthung. dass die Ursache der Trüb- 
ung ein Ealiumgehalt einer der beiden 
Lösungen sei, war nicht zutreffend, denn 
beide er?nesen sich, in geeigneter Weise 
mit Platinchlorid geprüft, als y ollkommen 
frei von Kalium; erst später erkannte 
ich die Trübung als von ausgeschiedenem 
Natrinmthiosulfat herrührend und sie 
fand nicht mehr statt, als ich ziemUch 
stark verdünnten Weingeist anwandte oder 
besser, als ich der Mischung beider Salz- 
lösungen erst etwas Wasser und darnach 
starken Weingeist zusetzte. Damit aber 
erhielt ich eine Flüssigkeit, welche sich 
als äusserst empfindliches Reagens auf 
Kalisalze erwies. 

Nach zahlreichen, in verschiedenster 
Weise abgeänderten Versuchen habe ich 
das folgende Verfahren zur Prüfung auf 
Kalium als am sichersten gefunden : Man 
setzt zu 1 bis 2 Tropfen der Natrium- 
thiosnlfatlösung ebensoviel der Wismut- 
lösung, dann etwa 1 ccm Wasser und 
darnach 10 bis 15 cm absoluten Wein- 
geist; sollte hierdurch eine Trübung her- 
vorgerufen werden, die auch beim üm- 
schütteln nicht versehwindet, so setzt 
man tropfenweise Wasser hinzu, bis die 
Flüssigkeit klar geworden ist. Zu dieser 
klaren Lösung fSgt man tropfenweise 
die auf Kalium zu prüfende Lösung, 
welche, selbst bei sehr geringem EaUnm- 
gehali, alsbald eine schöne gelbe Fällung 
von Kalium- Wismutthiosulfat hervorruft. 

Ich erhielt bei Zusatz eines Tropfens 
«iner Iproc. Lösung von Ghlorkalium 
eine ziemlich starke Fällung und selbst 
-ein Tropfen einer ^liojproe. Lösung er- 
zeugte noch eine starke gelbe Trüoung 
oder, das Gemcht eines Tropfen »» 0,0ß g 
angenommen, konnte ich noch 0,00005 g 
Eu unzweifelhaft nachweisen; ein Tropfen 
derselben verdünnten Lösung erzeugte in 
^eingeistiger Platinchloridlösong eine 
kaum sichtbare Trübung. 

Das Kalium -Wismutthiosulfat ist in 
starkem Weingeist unlöslich, aber löslich 
in verdünntem; daher tritt eine Fällung 
nicht ein, wenn das Beagens zu viel 
Wasser enthält oder wenn ihm durch 
den Zusatz der auf Kalium zu prüfenden 



Lösung zu viel Wasser zugeführt wird; 
der Niederschlag erscheint aber in solchem 
Fall sicher, wenn man vorsichtig abso- 
luten Weingeist überschichtet. 

Ebenso deuüich und unzweifelhaft, wie 
bei reinem Kaliumchlorid, erhielt ich die 
Beaction auch bei Gemischen von diesem 
Salze mit Ammonium-, Natrium-, Calcium- 
und Magnesiumchlorid, auch dann, wenn 
der Gehalt der Mischung ein sehr ge- 
ringer an Kaliumchlorid war. Und das 
gerade lässt die Beaction so werthvoll 
erscheinen, dass nicht erst eine Abscheid- 
ung jener Metalle vorgenommen zu 
werden braucht ; dagegen ist sie f&r eine 
Trennung weniger brauchbar wegen der 
Mengen Wismut und Natrium, welche 
dabei in das Untersuchungsobject ge- 
langen. 

Camot benutzte diese Beaction auch 
zur (quantitativen Bestimmung des Kali- 
ums, mdem er das abfiltrirte Kalium- Wis- 
mutthiosulfat in Wasser löste, mittelst 
Schwefelammonium zersetzte und aus dem 
Schwefelwismut das Kalium berechnete. 
Ich habe auch in dieser Bichtung Ver- 
suche angestellt, aber die Besultate haben 
mich nicht recht befriedigt, weil mir die 
Zersetzungsproduete des überschüssig 
angewandten Natrium -Wismutthiosulfats 
immer hinderlich waren; doch ich bin 
keinen Augenblick zweifelhaft, dass sich 
die Methode sehr gut zur quantitativen 
Bestimmung des Kaliums eignet; es 
handelt sich nur darum, die zu ihrer 
Ausführung günstigsten Bedingungen zu 
ermitteln, was wohl durch weitere Ver- 
suche gelingen wird; ich gebe mich so- 
gar der Hoffnung hin, die Methode zu 
einer brauchbaren maassanalytischen aus- 
bilden zu können. 

Kalium -Wismutthiosulfat ist eine sehr 
beständige Verbindung; es krystallisirt 
aus concentrirter wässriger, etwas Wein- 
geist enthaltender Lösung in langen, 
nadeiförmigen, grünlich-gelben Krystallen, 
welche nach Camot BiK3(Sa03)3 . HaO 
zusammengesetzt sind. Die wässrige Lös- 
ung bleibt bei gewöhnlicher Temperatur 
lange unverändert, bei anhaltendemKochen 
scheidet sie Schwefelwismut ab; auch 
Säuren wirken in der Kälte nur sehr 
langsam zersetzend ein, aber Alkalicarbo- 
nate scheiden sogleich Wismutcarbonat 



190 



ab. Dagegen ist Natrium -Wismutthio- 
sulfat sehr leicht zersetzlich ; sowohl die 
wässrig« als auch die weingeistige Lös- 
ung des Salzes erleiden freiwillige Zer- 
setzung. Die wässrige Lösung scheidet 
stets schwarzes oder braunschwarzes 
Schwefelwismut ab, ebenso auch die 
weingeistige beim Kochen, in der Kälte 
aus letzteren Lösungen sich abscheidende 
Niederschläge sind aber verschieden ge- 
färbt und demnach auch wohl verschieden 
zusammengesetzt, wenn Natriumthiosulfat 
und Wismutsalz in wechselnden Ver- 
hältnissen gemischt werden. Eine wein- 
geistige Lösung, welche beide Salze in 
dem zur Bildung des Doppelsalzes er- 
forderlichen Verhältnisse enthielt, Wieb 
längere Zeit vollkommen klar, liess sich 
auch mit Wasser ohne Trübung mischen, 
hatte aber über Nacht einen reichlichen, 
lebhaft rothbraunen Niederschlag abge- 
schieden. Eine Mischung mit über- 
schüssigem Natriumthiosulfat erlitt durch 
Weingeist eine starke Fällung, die sich 
auch in Wasser nicht löste ; der anfangs 
lebhaft gelbe Niederschlag förbte sich all- 
mähg dunkler und war über Nacht dunkel- 
kermesfarben geworden. Eine dritte 
Mischung, welche Wismutsalz in Ueber- 
schuss enthielt, bheb auf Zusatz von 
Weingeist völlig klar, hatte auch nach 
mehrtägigem Stehen nur einen geringen 
schwärzlichen Niederschlag abgesetzt, 
ergab aber beim Vermischen mit Wasser 
eine starke weisse Fällung, wie dies bei 
dem üeberschuss an Wismut vorauszu- 
sehen war. 

Mit der Untersuchung aller dieser Er- 
scheinungen, deren Aufklärung mir für 
die quantitativeKaliumbestimmung mittelst 
Natrium-Wismutthiosulfat wichtig scheint, 
werde ich mich weiter beschäftigen. 

Harzbarg. C Pauly. 

Eine Morphinreaction. 

G. VtUpius bat gefunden, dass die von 
Dona^A angegebene Morpbiamreaction, welche 
auf gleicbzeitiger Einwirkung von Schwefel- 
säure and Kaliumarseniat beruht, auch bei 
Anwendung eines phosphorsauren Salzes 
zu Stande kommt. 

Wenn man einige Tropfen einer Flüssig- 
keit, welche mindestens >/4 mmg eines Mor- 



phiumsalzes gelöst enthält, oder auch letzteres 
in Substanz und gleicher Menge in einer 
Porzellanschale mit etwa 6 Tropfen concen- 
trirter Schwefelsäure ubergiesst, einige Centi- 
gramme Natriumphosphat zusetzt und dann 
unter fortwährendem Bewegen der Schale 
über der Flamme erwärmt, so nimmt mit dem 
Beginn der Entwickelung weisser Dämpfe der 
Inhalt der Schale eine violette Färbung an 
und erscheint nach dem raschen Abkühlen 
dem Veilchensjrup überraschend ähnlich. 
Wird die Erwärmung etwas länger fortgesetzt, 
so geht die Farbe in's Bräunliche über. 
Tropfenweise der erkalteten Mischung zuge- 
setztes Wasser lässt zuerst eine lebhaft rothe 
Farbe hervortreten, an deren Stelle ein 
schmutziges Grün tritt, wenn die beigefügte 
Wassermenge etwa 3— 5g beträgt. Schüttelt 
man jetzt mit einer gleichen Gewichtsmenge 
Chloroform im Reagircjlinder tüchtig durch, 
so erscheint letzteres nach der Wiederab- 
scheidung sehr schön blau gefärbt. Letzteres 
Verhalten ist ein scharfer Unterschied gegen- 
über der durch Eisenchlorid in Morphinm- 
lösungen hervorgerufenen blauen Farbe» 
welche nicht in Chloroform übergeführt werden 
kann, sondern dieses absolut farblos lässt. 
g. Archiv der Fharmacie. 



Aus dem Bericht 
von Schimmel & Co. in Leipzig» 

AprU 1887. 

Camphoröl, leichtes. Eine weitere vor- 
treffliche Eigenschaft dieses für viele Indu- 
striezweige äusserst brauchbaren Oeles (vergl. 
Jahrg. 37, Seite 535) ist, dass es sich weit 
schwerer entzündet, als Petroleum, Benzin etc., 
ja sogar als Terpentinöl, wie nachstehender 
Vergleich zeigt: 

Terpentin -Oel. 

Spec. Gewicht 0,870 
Siedepunkt 160^ C. 
Entflammungspnnkt i 



bei 763 mm 
Barometerstand 



) 



33,75 C. 



Leichtes Camphor-Oel. 

Spec. Gewicht 0,895—0,900 
Siedepunkt 175^ C. 
Entflammungspunkt | 



bei 763 mm 
Barometerstand 



I 



44,5» C. 



191 



ftatMl. Die betto Prüfäng aaf die Ecbt- 
heit des Cassiaoles ist die Bestimmung des spe- 
mßmkvtk Qe w ieh te s desselben; gntes Cassiadl 
soll mindestens ein spec^ Gewfekt tob 1,068 
bei 15^ faabeh und es giebt kein praeticabies 
YorfiUschiingsmittel, welches nicht bedeutend 
leichter ist. 

Ssaenien (Bergamottöl, Citronenöl etc.). 
In BeBüg anf die tielen YernUschungen, denen 
die Essensen unterliegen, enthält der Be- 
richt eine bemerkenswerthe Anslaasnng: 
„Das bisher nnr ron einseinen italienischen 
Firmen befolgte Prindp, nicht nnr t^ine 
Prima-Essenzen, sogenannte Essenzen „nso 
profameria", sondern auch geringe gefiüschte 
Waare zu fahren, findet immer mehr Nach- 
ahmung; dagegen sollte g^en die Bezeich- 
nung „uso drogneria" von Seiten der Dro- 
gisten energisch protestirt werdMi, denn 
wenn aneh im allgemeinen iin Drogenhandel 
reine Essenzen schwer auf Preise zn bringen 
sindy so ist diese Bezeichnung doch anzüglich 
genug, um den Unwillen bereehtigt erscheinen 
zu lassen.'* 

BnealyptMÖl. Es hat sich als thatsftchüoh 
herausgestellt, dass rorzugsweise das aus den 
Eucalytus Globulus- Species gewonnen^ Gel 
Eucaljptol enthält, letzteres aber in dem 
Oel des australischen Eucalyptus Amygdalin. 
ganz fehlt. Das Eucalyptol wird nach dem 
WäRach^h^n Verfahren gereinigt und hat 
dann die Eigenschaft, in Kältemischungen zu 
prSehtigen langen Nadeln, deren Schmelzpunkt 
bei ca. — 1^ l>egt, zu terstarren, welche Er- 
scheinung zugleich als Probe auf die Reinheit 
des Präparats dient. 

Iriiol. Die Darstellung dieses äusserst 
delicaten Körpers betreiben wir nach einer 
Methode, bei der die Hitze auf das abirolut 
nothwendige Minimum reducirt wird und 
keinen^eills fiber den Siedepunkt dels Wassers 
steigt. Die Tielfachen Versuche behufs De- 
stillation derartiger Oele im InftTcrdünnten 
Räume haben sich bisher wohl im kleinen 
Maassstabe, leider aber im Grossen nicht 
durchführen lassen, doch bleiben wir unaus- 
gesetst mit diesem Problem, dessen Losung 
als ein grosser Fortschritt in der Technik 
unseres Industriezweiges zu begrässen sein 
wöffdei besehäftigt. 

MaaMöl (Bittermandelöl)« Die leicht 
ausfe«MireBde Probe auf eine Beimischung 
ton Miibaftdl (Nitrobenzol) beruht auf der 



L6sli«Akeit des BittetiMuideföls In 46ptee. 
Spiritus. Man mieelrt 2 een des zu pdMnden 

i/eles mit 94 eem 4opree* tspintwi^ e^bvieeit 
um und setzt die Mischung bei Seite; nach 
24 Stunden hat Mch das Nitit>benMl km 
Boden ausgeschieden. 

Kyrtol ist der Antheil des Myrthenöls, 
welcher bei 160 bis 170^ siedet; die dem 
Myrtol Ton Paris aus nachgerühmten Wirk- 
ungen bei gewissen Bronchialkatarrhen, bei 
Katarrhen Seh windstich tiger, so wie als vor- 
zügliches Desinficiens haben noch keiae Be- 
stätigung gefunden. 

SenfoL Man wird sich erinnern, dass ton 
Seiten der russischen Fabrikanten, mit «denen 
wir (ScMmmd & Co) Tor Jabfeii den Inter- 
essanten Process wegen Lieferung roii ver^ 
fälschtem Senföl führten, behauptet wurde, 
es bilde eich bei der DestiUation Ton ff«sm- 
schem Senftamen, tou Sinapis Janleea ab- 
stammend , . Schwefelkohlenstoff in grdSMttren 
Mengen ; diese Behauptung wurde s. Z» sehen 
gründlich widerlegt, jetzt findet lie wmfh eme 
Widerlegung in dem Uttiitande, duM MMl- 
sches Senföl im Handel ist, welches sieh als 
durchaus acht und probohaltig erweist. 

Wachholderbeer-Baft wird alu N^ten- 

product nach der Destillation der Beeren ge- 
wonnen, dieselben enthalten dann selbstver- 
ständlich nur noch Spuren Ton ätfaMM^ieita 
Oel, aber selbst diese werden in dem !^ri%en 
Safte nicht enthalten sein. (Wenn fetlier 
S. <St Co, bei dieser Gelegenheit nrit Beng 
auf einen in der Fachpresse b esp iw th ene ii 
Fall andeuten, dass auch in dem nach der 
Pharmakopoe bereiteten Succus Juniperi 
inspiss. kein ätherisches Oel enthalten eein 
könne, so ist das zweifelltM zu riel geei^; 
ein in einem guten pharmaceutlsi6hen Lltbo- 
ratorium bereiteter Sueous Juniperi ist ein 
Ton dem als Nebenprodaet erhaHenen Wai4i- 
holdersaft sehr Tcrschiedenefe Präparat, ftrf«, 
welcher selbst riel Wachholdersaft als Neben- 
product dargestellt hat, will nicht behaupten, 
dass der pharmamaeentische Succus Junip. 
wohlschmeckender sei, besser aussehe und 
— billiger sei als das Product der Fabriken 
äther. Oele, aber gehaltreicher und wift- 
sanier, als letztei^es, ist er jedettfislls und 
deshaH) als Medicament allein «uHMg.) 

Der interessante frericht enthält als An- 
hang eine Tabelle: „Speeifisehe Ge- 
wichte der toupteilehUchiten «temehen 



192 



Qeie 'des fiandeU nach :BrinittelUngeii an 
n o.r m a le n , r 6 1 n e n Qualitäten" » welche 

L.L»iü-j ^ i 



ihrer Wichtigkeit halber nttchstehend «n^r- 
kOrzt folgt. \ ' 



LI. , 



NaAd^i» der etherischen Ocle^ bezw. Präparate. 



Temperat. n. Celsius 



10' 



15' 



20' 



Bemerkungen. 



Anis-Oel . . .• 

iliys-Oel, extra ^ reines Anethol.' 

lAngelica-Oel aus Wurzeln . . . 

Bafdrian-Öer 

Ber^amott-Oel I» Reggio .... 

Bittermandel-Oel ........ 

CaieputrOel (grün) ... ... . . 

CaImns.'Oer. . ! . : . 



Oarvöl ...;..'..* 

Gs^99i$k <Ziniintblüthon-Oel) 

Cj^isif-Ocl (rect.) . . 

Cedefnhplz-'Oel 

Cardimomeii-Oel (Ceylon) 

Oitronell-'O0l'(DBtindisGhes Melissen -Gel) . . 

Qi^ronen-Oel • 

Cunjin-Oer 

'Cuhcben-Oel 

Cdriandcr-Oel 

Eüoalyptol purum album ........ 

.Eucalyptus- Qel (globnl.) 

Pill-Oel 

Fenchel- Gel I aus Samen, rect 

Ingber-Oel 

Krausemflnz-Gel, deutsch., rect 

Kümmel -Gel, dopp. rect. aus Wiesen -Kümmel 
Kümmel -Gel, „ „ „ holländ. 
Macis-Gel ....:'...-. 

Mirban-Gel 

I^elkei^-Gel aus Stielen 

Nelken -Gel aus Nelken . . . 

I^ffeffemiünz-Gel F. 8. & Co 

:Pfeffermünz-Gel Mitcham . . 

Pomeranzen -Gel (süss) 

Safrol .....' p 

Sassafras- Gel . ." 

Senf- Gel (echt äther.) 

Settf-Gel (künstliches) 

:Sandelhöl2-Gel (superf ostind.) . . 
.Stemanis-Gel ,,....... 

Wachholderbeer-Gel (dopp. rect) . . 
Wlntetgrün- Gel (natürliches! 
Wintergrün- Gel (künstliches) . . . 
jQnkint-Gel, Ceylon 



»» 



0,860 
0,947 
0,887 
1,063 
0,927 
0,961 
0,967 
1,073 
1,0&8 
Q,948 
0,902 
0.900 
0,866 
0,925 
0,918 
0,872 
0,935 
0,925 
0,905 
0,975 
0,885 
0,930 
0,905 
0,911 
0,858 

1,065 
1,065 
0,906 
0,905 
0,854 
1,109 
1,068 
1,030 
1,025 
0,978 
0,990 
0,863 
1,189 
1,192 
1,035 



0,985 



0,858 
0,945 
0,883 
1,060 
0,925 
0,959 
0,963 
.1,068 
1,055 
0,945 
0,900 
0,896 
0,854 
0,922 
0,915 
0,867 
0,931 
0,922 
0,900 
0,970 
0,882 
0,925 
0,900 
0,908 
(^855 

1,061 
1,062 
0,903 
0,900 
0,850 
1,104 
1,065 
1,025 
1,020 
0,975 
0,985 
0,858 
1,185 
1,187 
1,030 



0,980 

0,985 

0,853 
0,940 
0,880 
1,055 
0,922 
0,957 
0,958 
1,063 
1,052 
0,940 
0,897 
0,893 
0,851 
0,918 
0,912 
0,864 
0,928 
0,918 
0,896 
0,965 
0,878 
0,922 
0,896 
0,905 
0,852 
1,200 
1,057 
1,059 
0,901 
0,898 

1,100 
1,060 
1,020 
1,016 
0,973 
0,980 
0,855 
1,182 
1,188 
1,027 



t bei 25°. (Schmelzpunkt 
I . 21- 22°) 



dschntti. 1,060 

,; 0,962-0,966 
„ 1,05-1,06 



»I 



0,860-0,870 



0,965-0,975 



n 
y* 



»I 



1,060-1,065 
1,060-1,065 
0,900—0,910 
0,900—0,905 



1,05-1,07 



1,08-1,035 



.Bemerkung. Bei den Torstehenden Zahlen kOnnen allenfalls Abweichungen in der 
'dritten Deciniale vorkommen, ohne dass deswegen der Verdacht einer Verfälschung berechtigt 
ist, allein grüssei^ Differenzen sind aOsgeschlossen. g. 



£ikwirkuiig mebratoinigei' Alko- 
hole .auf tfischungen v6h Borsäure 
und NatriumbiparbonatlösuQgen. 

.. '. . Von Di. Carl Jehn. 

' V Ve^fiwser weist znnächst auf die Beohaeht- 
wif^SaiMer'B hin, dw« sowohl Oiyeorio als 



Honig den Lösungen des Borax -saure Beaction 
yerleihe , ' wUhrend Rohrzucker' and ' Milch- 
zucker diese Eigenschaften niöht bedlzeli. 
Verf. hat die SäUei^tehen Versnehe wieder- 
holt, and, von der firwägiong ausgoheaid, dlass 
4ie Beactions-Erreger mehratomige Alkohole 
aeien, die gleicfien Versuche mit Maniiil 



193 



angestellt. Die Resultate ergaben, daes der 
Mannit in gleicher Weise wirke, wie Glycerin 
nsd Hon igt so swar, dass Ldsnngen von Bor- 
sanre nnd Natriumbicarbonat nicht aufein- 
ander reagirten^ wohl aber auf Zusatz ron 
Mannit. Verfasser hat dann auch den Ery- 
thrit in den Bereich seiner Untersuchungen 
gezogen und gefunden, dass derselbe sich 
ebenso Terhält wie der Mann it. — Ans der 
Thatsache, dass Rohrzucker nnd Milchzucker 
diese Reaction nicht geben, glaubt Verfasser 
folgern su sollen, dass Tomehmlich diejenigen 
mehratomigen Alkohole die Reaction hervor- 
zurufen fähig erscheinen, welche sich von der 
Formel CnHsn 4-2 ableiten, und so viel Hydro- 
xvljd etc. enthalten, als sie Koblenstoffatome 
haben. Archiv der Pharmacie. 



Zorn Nachweis von Salioylsäure. 

T€iffe empfiehlt zum Ausschütteln der 
Salicylsänrean Stelle von Aetlier ein Ge- 
misch aus gleichen Theilen Aether und Pe- 
trolSther (spec. Gew. = 0,650) als geeigneter. 
DerVortheil liegt darin, dass der Petroläther 
aas dem Aether das Wasser ausscheidet, 
welches dieser enthält und das Gemisch dann 
während des Schütteln nicht wieder wässerig 
wird, wie es Aether allein thut. Er belegt 
das oben erwähnte Gemisch mit dem Namen 
i^ther hydrocarhurL «. 

Joum. de Pharm, et de Ckim. 1887, 162. 



Neue Reaction der Hyposulfite. 

Behandelt man nach L.L, deKoninck die 
Hyposnliite der Alkalien bei Gegenwart von 
Kali- oder Natronhydrat mit Aluminium , so 
liefern sie Alkalisulfide , welche sich in der 
Lösung leicht durch die charakteristischen 
Reagentien, z. B. Nitroprussidnatrium, er- 
kennen lassen. ' Diese Umsetzung verläuft 
voraoasiehtlieh nach der Gleichnng 

MftSaOs + 2NaOH + 2H 
= MaSOs 4- NaaS + 2HaO, 
wobei der Wasserstoff durch Einwirkung des 
Aluminiums auf das Natronhydrat entsteht. 
Prof. L. de Komnek giebt dies als vorläufige 
Mittheilung und wird femer die Einwirkung 
des Aluminiums auf die Salze der Thionsäuren 
avsdehnen. • — os~ 

Zeitkhr. f. analffi. Chem. 1, 1887. 



Tinctnra StrophuitL 

Zur Bereitung dieser Tinetur .empfehlen 
englische Autoren die gepulverten Samen zu- 
erst dureh Aether von Fett'zu befreien und 
darauf mit verdünntem Alkohol zu percoliren. 
Fräser schlägt die Stärke 1 : 8 vor, Mariin- 
dale hält dieselbe aber für zu stark und hält 
1 : 20 für besser; die Dosis von der stärkeren 
Tinetur beträgt etwa 0,1 bis 0,2 g. '— os — 

Fharm, Joum, Transact. 



Neue Heber. 

Joller und Brilka haben neue Heber-Con* 
structionen in dem „Rep. d. Analyt. Chem/' 
und der „Chem.-Ztg.*' veröffentlicht. Der 




Erstere erzeugt den InftverdünntenRaum durch 
Ansaugen bei a nach vorheriger Schliessung 
des Quetschhahns b ; der andere beruht auf 




dem Princip des Injectors, und wird 'durch 
Bineinblasen in das Injectorstück des Hebers 
in Thätigkeit gesetzt. Bei beiden Helietn i^ 
ein etwaiges Einschlucken der Flüssigkeit aus- 
geschlossen. . ' 






194 



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Betlehtiffuif • In Toriger Nummer hat sich in dem Inserat von Eugen Bieteridi in Helfen- 
berg, Neoes pharmaceatiscbes Manual betreffend, durch unsere Schuld ein FeMer einfteseblicben 
mm musB es dasdfbst statt Spottpreis beissen: Nettopreis« Exped. d. Pharm. Oentnlb. 



V0ii«f«r amd Termntworttieher EedAefenr Dr. £• Getfliler in Dresden. 

Im Baehhuid«! dar«h Jalia« Springer, BerUn N., Monb^onplatn 3. 

Dniek der Ktalfl. Hoflmehdnekerel tob O. OL Mein hold h 88liae in Dreaden. 



Pharmaceutische Centralhalle 

für Deutschland. 

Zeitung fiir wissenschaftliche und geschäftliche Interessen 

der Pharmacie. 



Herausgegeben Yon 

Dr. Hermann Hager and 



Dr. Ewald Oeissler. 



Erechant jelen Donnerstae. — Abonnementspreis durch die Post oder den Buchbandel 

riertaljftlirlieh 2 Mark. Bei Zasendnng unter Streifband 2,50 Mark. Einzelne Nnmmem 

25 Pf. Inserate: die einmal gespaltene Petit -Zeile 25 Pf., bei grösseren Insersten oder 

Wiederholungen Rabatt. 

Anfragen» Anifarftge, Mannscnpte etc wolle man an den Eedacteur Prof. Dr. E. Geissler, 

Dretiden, Pillnitzer Strasse 50 adressiren. 



MW, 



Berlin, den 21. April 1887. 



Nene Folge 
Till. Jahrgang. 



Der ganzdn Folge XXVIII. Jahrgang. 



lBta»lt: VfeMile ■■« PharaiMl«: Ueber das Vorkommen des Methylalkohols im Pflanzenreiche. — Ueber die 
StmetBiformel des Antipyrins. — Neuere Antifebrllia. — Holfenberger Annalen, 188S. — Aus dem Handels -Be- 
richte TOB. Gebe & Co. in Dresden. April 1&87. — Eine neue Methode zur Analyse der Fette. — Reactionen der 
Tltaa*. Hieb-, Tantal-, Zinnsftnn». — Hydrangea arboresccns. — Chlmaphila nmbellata. — Naphthalin als Vermi* 
fogam. » Berichtigung. — MlieelleB: Oeheimmittel. — Matta. — Schlechte Theesorten des Handelt. -^ 
Elnftbebe Probe fttr die Qualität von Leder. — Offene CorretpOBdeBS« — Aaselfea. 



Chemie und Pharmaciee 



TTeber das Vorkommen des Methyl- 
alkohols im Pflanzenreiche. 

Die in dieser Zeitschrift^) enthaltene, 
dem Journ. de Pharm, et de Gbimie 1886, 
78, entnommene Mittheilung Maquennds, 
dass er dareh Destillation einer Anzahl 
verschiedener Pflanzen im frischen Zu- 
stande (Evonymus, Hedera, Zea Mays, 
Lolium, Urtica, Gah'um, Dahlia) Destillate 
erhalten habe, welche Methylalkohol ent- 
hielten, dass er aber noch unentschieden 
lassen mGsse, ob der Methyjalkokol als 
solcher in der Pflanze vorhanden sei 
oder eich während der Destillation durch 
Zersetzung eines anderen Körpers bilde, 
veranlasst mich, die Thatsache in Er- 
innemng zu bringen, dass die Existenz 
derartiger Methylverbindungen im Pflan- 
zenreiche nicht mehr neu ist — ganz 
abgesehen von dem bereits 1843 durch 
Cahowre^) im Kraut der Gaultheria pro- 
cumbens constatirten Vorkommen der 
Metbylsaiicylsaare, 

') Pharm. Centralh. 1886, g. 5&9. 
•) Compt. rend. 1«, 853, und Phnrni. Ccntralbl 
1813, 698. 



Schon 1875 habe ich^) darüber aus- 
führlich berichtet, dass in den über 
Früchten von Heracleum gigant. hört., 
Pastinaca sativa L. und Anthriscus Cere- 
folium Hoffm. abdestillirten Wässern 
Methylalkohol, ja sogar Aethyl- 
alkohol enthalten ist, und 1876 hat 
Wilhelm MösUnger^) auf Grund einer 
unter Leitung des Herrn Professor Foleclc 
in Breslau ausgeführten Untersuchung 
raitgetheilt : 

„Ebenso müssen die 6rM^^c/rschen 
Angaben über die Zusammensetzung 
der Destillationswässer bei Heracleum 
giganteum auch für diejenigen von 
Heracleum sphondylium als maass- 
gebend angesehen werden." 

Mit Sicherheit war also die Existenz 
von Methyl- und Aethylverbindungen im 
Pflanzenreiche von mir nachgewiesen 
worden, aber es war damals noch unent- 
schieden geblieben, ob die Alkohole als 



') Liebig's Annalen 177^ 314, nnd Jenaischc 
ZcitßchriCt fflr Naturwifsenschaften, Bd. 9, 8.161. 

*) Liebiff's Annakn 186, 20, und Berichte d. 
J. chemisch. Gesellschaft zu Berlin, Bd. 9, S. 998. 



196 



solche, oder aber Aether von ihnen, die 
bei der Destillation mit Wasser unter 
Alkoholbildung sich zersetzten, die ur- 
sprünglichen Bestandtheile seien. 

1879 habe ich^) sodann durch Extrac* 
tion junger Heracleumfrüchte mit alkohol- 
freiem Aether den Nachweis geliefert, 
dass nicht nur Aether der genannten 
Alkohole im Pflanzenreiche vorhanden 
sind, sondern dass Methylalkohol und 
Aethjlalkohol auch als solche 
in frischen Pflanzensäften vorkommen. 

Dieser geschichtlichen Darlegung 
schliesse ich noch die Mittheilung an, 
dass ganz neuerdings wieder, ebenfalls 
im hiesigen chemischen Universitäts- 
Laboratorium, aus Wässern, welche über 
Pflanzentheilen abdestillirt waren, Methyl- 
alkohol isolirt worden ist, und zwar ge- 
legentlich einer Untersuchung von Be- 
standtheilen des Bhizoms von Acorus 
Galamus L., deren Ergebnisse demnächst 
veröffentlich werden. 

Jena, den 8. April 1887. H. Gutzeit 



TTeber die Stmcturformel des 
Antipyrins. 

Anknüpfend an die Zusammenstellung 
in Nr. 13 „die Structurformeln einiger 
neuer Antifebrilia" sei es mir gestattet, 
darauf hinzuweisen, dass Knorr, bekannt- 
lich der Entdecker des Antipyrins, in 
dem zuletzt ausgegebenen Hefte von 
Liebig'8 Analen (Bd. 238, S. 137: Synthe- 
tische Versuche mit dem Acetessigester) 
eine Ansicht Ober die Structurformel des 
Antipyrins veröffentlicht hat, welche von 
der früher gegebenen wesentlich ab- 
weicht. Knorr hatte bei seinen ersten 
Veröffenllichungen (Berl. Ber. Bd. 17) 
allerdings das Antipyrin als Dimethyl- 
oxychimzin (nicht zu verwechseln mit 
dessen Di-Methylozychinizin) bezeichnet, 
dabei aber bemerkt, dass dessen Constitu- 
tion noch nicht endgültig festgestellt sei. 

Es würde hier zu weit ftihren, die 
Thatsachen anzugeben, welche Knorr ver- 

^) Beiträffe zur Pflanzenchemie, Jena, 1879, 
desgl. m der Jenaischen Zeitsehrift für Natur- 
wissenschaften 18« Bnppl.-Heft I, 1, nnd im 
chemischen Jahresoericiit von Fittica ftlr 1879, 
8« 905« 



anlasst haben, die frühere Ansicht zu 
verlassen; es mögen also nur die Grund- 
züge der neuen Theorie mitgetheilt werden. 

Knorr leitet die neue Eörperklasse von 
dem Pyrazol G3H4N2 ab, einem aus zwei 
Stickstoffatomen und drei Eohlenstoff- 
atomen gebildeten (also fQnfgliedrigen) 
Bing, welcher in derselben Beziehung 
zum Pyrrol O4H5N steht wie das Pyridin 
zum Benzol, indem hier wie dort die 
Gruppe GH durch ein Atom Stickstoff 
ersetzt wird, also Pyrazol = 



NH 



H 



CH CH 

Hierans kann entstehen durch doppelte 
Hydrirung ein Dihydropyrazol oder Py- 
razolin: 



NH 



NH 



'.. B.: /\ oder: /\ 
NH CHg N OH2 



I 



CH CE 



CH CH 

= CflHeNg 

und durch vierfache Hydrirung das Tetra- 
hydropyrazol oder Pyrazin 

NH 

NH CHa 

•' - \ 
C H2 C Hg 

= GsHgNg. 

Wird eine GH^- Gruppe im Pyrazolin 
durch GO ersetzt, so entsteht ein so- 
genanntes Pyrazolon 

z. B.: GgH^NgO = 

NH NH 

y\ oder: y\ 

NH CH NH CO 

J II 

CO GH GH~CH 

Das Antipyrin ist nun nach Knarr'a 
Auffassung ein solches Pyrazolon, in 



197 



welchem je ein Imidwasserstoff durch 
Phenyl resp. Methyl and dann noch ein 
weiteres Wasserstofifatom darch Methyl 
ersetzt ist, also: 

Phenyl - dimethyl - py razolon ^ 

C6H5.(CH8)2.CsHN20 

oder: 
N.CßHfi 

H3C.N CO 



H3G . C CH 

(genauer, d. h. mit Bezeichnung der Stell- 
ung) : (1) - Phenyl - (2, 3) - dimethyl - (5> 
pyrazolon). Th. S. 



Neuere Antifebrilia. 

(Fortsetzung ans Nr. 13, S. 157.) 

Ein dem Acetanilid ähnlich construir- 
ter Körper, das Aeetphenetidin 
(Pharm. Centralh. 28, 1^-?), ist neuer- 
dings als Fiebermittel empfohlen worden. 
Dasselbe wird dargestellt durch Nitriren 
von Phenol, Trennung der gebildeten 
Ortho- und Paranitrophenole, Aethylirung 
des letzteren und Beduction des entstehen- 
den p-Nitroäthylphenols. 

Der hierbei entstehende Körper, der 
Aethylester des Paraamidophenols , ist 
das rhenetidin, das durch Behand- 
lung mit Eisessig das p - Aeetphenetidin 
liefert. 

Aethylester des 
Paraamido- Paraamidophenols, 
phenol Phenetidin 

CeH4(NH2)0H CeH4(NHa)00^H5 
OH 0(&H5) 



HC CH 



CH 



HC OH 
HC CH 



Y 



Y 



NE 



i 



NB 



8 



*) Die daselbst angegebene Formel nnd 6e- 
nenmiig «tnd entapnchend tu eorrigiren. 



Aeetylirtes Phenetidib, 

Paraaeetpkeielidii 
CgH^CNH . CH3CO) . OCjH^ ^ ; 

•■;,.. 

HC CH 

HC CH 



Y 



IIH(GH3G0) 

Eine andere Verbindung, die P h e n y 1 - 
hydracin-LäTuIin säure, wirkt nach 
Nicot Temperatur herabsetzend ; es ist 
ihr die empyrische Bezeichnung Anti- 
t h e r m i n beigelegt worden (Pharm. Ztg. 
1887, 168). 

Das Antithermin bildet sich beim Zu- 
sammenkommen von Phenylhydracin mit 
L&vulinsäure in essigsaurer Lösung dur^h 
Condensation unter Wasseraustntt als 
gelber Niederschlag. 

Die Lävulinsäure wird betrachtet als 

Acetylproprionsäure, C5HgO^.==5 
CH3CO.CHa.CHa.COOH.- 

Dem Phenylhydracin kommt die 
Formel CßHö-NaUg oder CßHs.NH. 
N Ha zu. 

Phenylhydracin — Lävulinsäure, 

ABtltkeralB 
CH3C(C6HßN-NH)CHa-CHa-C!OOH 



(CH3C)N — N(CHa . CHa . COOH) 
C 

^0 



A 
Y 



8. 



Helfenberger Annalen, 1886. ' 

Von Dr. G. VtUpius. 

Unter diesem .Namen prSsentirt sich 
als stattliches, Ober 60 Seiten starkes 
Octavheft der in diesem Jahre -Erstmals 
gesondert erschienene wissenschaftliche 



198 



Theil des von Bugen Dietenxh heraus- 
gegebenen Jahresberichtes der Papier- 
und ehemischen Fabrik Helfenberg, deren 
Einriehtiing und Führung der in diesen 
Tagen von der Pharmaceutischen Zeitung 
abffedruckte Theil des jüngsten von dem 
sächsischen Landesmedicinal • Oollegium 
erstatteten JahresberichU ein so yorzüg- 
liebes Zeugniss ausstellt 

Man ist versucht zu bedauern, dass 
nicht schon lange diese scharfe Trenn- 
ung des merkantilen und geschäftlichen 
Th^iles der Helfenberger Berichte statt- 
gefunden hat, denn die bisherige Ver- 
einigung hat, wenn auch nicht mehr in 
den let^n Jahren, so doch früher viel- 
fach die Veranlassung zu der irrigen 
Memung oder den Vorwand zu der Be- 
hauptung abgegeben, dass eine schwer- 
wiegende wissenschaftliehe Bedeutung 
diösen Berichten nicht zukomme. Heute 
freilich war eine Aenderung in dem 
äusseren Oewande der letzteren nicht 
mehr nöthig, um ihnen die wohlverdiente 
Geltung und Beachtung zu verschaffen, 
demi sie haben sieb dieselbe trotz aller 
entgegenstehenden und entgegengestellten 
Hindernisse durch ihre innere Qualität 
selbst errungen. Es giebt heute kein 
pharmaceutisches FachbTatt diesseits und 
jenseits des Oceans mehr, welches seinen 
Lesern nicht mindestens Aaszüge aus 
dem wissenschaftlichen Theile der Helfenr 
berger Berichte vorlegte, und es ist eine 
feststehende Thatsache, dass eine Anzahl 
von Abhandlungen Dieteridis aus den 
letzten Jahren zu dem Besten gehört, 
was die pharmaceutische periodische 
Literatur der neuesten Zeit aufzuweisen 
hatte. Gerade deshalb scheint es aber 
durchaus zweckmässig, dass die alljähr- 
lich erscheinende Sammlung von wissen- 
schaftlichen Erfahrungen und Arbeiten, 
welche im Helfenberger Laboratorium 
gemacht und ausgeführt wurden, einen 
besonderen und ihren wissenschaftlichen 
Charakter feststellenden, dabei auch kurzen 
Namen erhielt welcher die Angabe dieser 
von den Facnjoumalen so neissig be- 
nutzten Quelle bei B(rferaten und Gitaten 
erleichtert 

Zu den Einzelheiten des Berichtes uns 
wei||dend, sei Toraosgeschicki;, dass wir 
denjenigoi Theii seines Inhaltes, welchen 



die Pharmaceutische Gentralhalle, sei es 
als Originalmittheilungen von Dieterieh, 
sei es in Gestalt ausßihrlicher Beferate 
über die von dem genannten Verfasser 
in anderen Fachzeitschriften veröffent- 
lichten Arbeiten, schon iTrOher zur Kennt- 
niss ihrer Leser gebracht, bei diesen als 
bekannt voraussetzen und daher ver- 
hältnissmässig kurz darüber weggehen 
werden. 

Die Art und Weise, wie das Helfen- 
berger pharmaceutische Laboratorium 
seine Aufgabe auffasst, wird wohl am 
besten illustrirt durch die That^sache, dass 
im Laufe eines Jahres daselbst nicht 
weniger als 1811 analytische Untersuch- 
ungen in Verwendung genommener Boh- 
materi allen und daraus hergestellter phar- 
maceutischer Präparate ausgeführt wurden. 
Dass bei einer derartigen Selbstcontrole 
die Qualität der Erzeugnisse nur fort- 
schreiten und gewinnen muss, ist zu 
einleuchtend, als dass noch ein Wort 
darüber zu verlieren wäre. 

Das specifische Gewicht des Acetum 
aromaticum sank nie bis in die Nähe 
der von der Pharmakopoe angegebenen 
unteren Grenze, sondern schwankte stets 
nur zwischen 0,990 und 0,991. 

Bei Acetum Scillae, ftir welchen 
die Pharmakopoe ein specifisches Gewicht 
überhaupt nicht vorschreibt, bew^te sieb 
dasselbe zwischen 1,023 und 1,026, der 
Säuregehalt zwischen 5,10 und 5,16 pGt. 

Die oft gemachte Erfahrung, dass die 
von der rhwmakopöe vorgeschriebene 
Prüfungsweise von Acidum tartaricuni 
auf Metallgehalt nicht scharf genug sei, 
da eine beim blossen Uebergiessen mit 
Schwefel wasserstoffwasser unverändert 
bleibende Säure deutliche Metall-, bez. 
Bleireaction giebt, wenn man deren Lösang 
vor dem Zusetzen des Bea^ens mit Natron- 
lauge annähernd neutralisirt, ist, wie nicht 
anders zu erwfU'ten stand, auch in Helfen- 
berg bestätigt worden. 

Umgekehrt konnte Adeps snillus 
niemals in der von der Pharmakopoe 
verlangten Säurefreiheit erhalten werden, 
da auch ein unmittelbar nach vorsichtig- 
stem Ausschmelzen und sorgfaltigstem 
Auswaschen untersuchtes Fett stets da- 
mit geschütteltem heissem Weingeist saure 
Beaction in dem Umfange ertheilto, dass 



199 



auf je 1 g Fett 0,01 bis 0,015 ccm Normal- 
kalilaoge verbraucht wurden, entsprechend 
einem Gebalt von 0,00282 bis 0,00423 pCt. 
ireier Säure, als Oelsäure berechnet. Der 
Sehmelzpunkt absolut reinen Fettes war 
häufig 2^ tiefer, als die Pharmakopoe 
angiebt, nämlich bei 36^; das specifische 
Gewicht lag zwischen 0,934 und 0,938. 

Für die Untersuchung der Balsame. 
Harze und Gummiharze hat Kremel 
bekanntlich die volle Anwendung des 
von Hübl ftlr die Untersuchung von 
Wachs angewendeten Verfahrens (Ph. 
Centralh. 1883, Nr. 40) empfohlen. Er 
bestimmt also mit Normalalkali die freie 
Säore, dann die zur Yerseifung noth- 
wendige Menge und construirt aus bei- 
defi WerthoB, der sogenannten Säure- 
ond Esterzahl, durch Addition die Yer- 
seifongszahl. Dieterich, welcher sich 
früher auf Ermittelung der Säurezahl 
beschränkt hatte, gesteht für bestimmte 
Fälle dem KremeVüehen Verfahren Vor- 
züge zu. — So haben beispielsweise 
Styrax und Terebinthina veneta so 
nahe bei einander liegende Säurezahlen, 
dass aus letzteren allein eine Verfälsch- 
ung von Styrax mit Terpentin nicht 
festzustellen ist, wogegen der letztere 
Oberhaupt keine Esterzahl besitzt, so 
dass auf diesem Wege allein das ge- 
wünschte Ziel erreicht werden kann. 
Etwas Aehnliehes gilt für manche Fälsch- 
ungen von Copaivabalsam, da dieser 
oor freie Säure und keinen Ester enthält. 
Desgleichen kann ein im Handel vor- 
kommendes und sehr mit Unrecht als 
gereinigtes Galipot bezeichnetes Fichten- 
harz, welches aus geschmolzenem Golo- 
phoninm durch Einrühren von Natron- 
lauge hergestellt wird, auf dem ange- 
deuteten Wege durch die sich natürlich 
ergebende viel zu niedere Säurezahl 
leicht erkannt werden. Uebriffens stimm- 
ten die von Dieterieh ermittelten Zahlen- 
werthe durchaus nicht immer mit den 
Ton Kremel gefundenen überein, so dass 
jedenfalls noch sehr viele Erfahrungen 
in dieser Bichtung zu sammeln sind, 
bevor man daran denken darf, diese 
üntersuchungsmethode zur Grundlage 
pbarm^opöischer Feststellungen und An- 
forderungen zu machen. 

Ganz besonders machten sich die von 



Dieterieh beobachteten Abweichungen 
und Unsicherheiten bei den Gummi- 
harzen geltend und es ist derselbe aus 
diesem Grunde hier schliesslich wieder 
zu der früher geübten Bestimmung der 
freien Säure, der Löslichkeit in Wein- 
geist und des Aschengehaltes zurück- 
gekehrt. Hierbei wurden die folgenden 
Werthe erhalten: 



Ammoniac. orud. 



Verbraach 
an ccin 

loono 

KOH-Lös- 

ung pro 

GraiDDi 

Substanz 

16,0 

15,8 

14,G 

Ammoniac. depiir. 13,C 

14.1 
6,5 
4,2 
3,6 
4,0 
7,5 



Asa foetid. cnid. 
„ depur. 
Galban crud. . . 
., depurat. . 



»1 



I) 



Ajiclien- 
procente 



1,6 
1,7 
1,7 
1,3 
1.4 
6;5 
1,8 
9,2 
1,4 
1,6 



Löslich- 

keits- 

procente 

in Spiritns 

65,5 
81,4 
71,8 
88,2 
76,2 
48.0 
73,7 
03,6 
85,6 
88,7 



Bei der grossen Bolle, welche erdige 
Beiniengungen in den rohen Gummi- 
harzen spielen, wird die Sfturezahl nur 
bei Vergleichung gereinigter Präparate 
unter emander von Werth sein können. 

Für Gera alba und flava bestätigt 
Dieterich aufs Neue die Vortrefflichkeit 
der Hübrschen Titrationsmethode zur 
Untersuchung auf Reinheit, welche letz- 
tere in 204 Einzeli&llen ausgeführt vmrde. 
Er legt aber auch der Bestimmung des 
specifischen Gewichtes einen gewissen 
Werth bei, wenn dabei in rationeller 
Weise verfahren und nicht etwa nur ein 
beliebiges abgeschlagenes Stückchen 
Wachs, sei es direct oder nach einigem 
Kneten, benutzt wird. Es zeigte sich 
nämlicb. dass in ersterem Falle das spe- 
cifische Gewicht meist etwas zu gering 
und noch geringer dann gefunden wird, 
wenn man die Probe nur kurze Zeit, 
etwa eine Minute lang, geknetet hat, 
während es nach längerem Kneten wieder 
etwas steigt. Dagegen werden ganz 
constante, also brauchbare Zahlen er- 
halten, wenn man von einem Wachs- 
stücke über einer schwachen Flamme 
Tropfen abschmilzt und in Wasser fallen 
lässt. Diese Wachsperlen dienen nach 
24 stündigem Liegen, während dessen ihr 



200 



speeifisches Gewieht das mögliche Maxi- 
mum erreicht, zu dessen Bestimmung 
mittelst der Schwimmprobe in verdünn- 
tem Weingeist von verschiedener, zwischen 
0,960 und 0,967 liegender Dichte. Bei 
reinem gelben Wachse wurde bei dem 
beschriebenen Verfahren stets ein speei- 
fisches Gewicht von 0,9625 ermittelt, bei 
weissem im Maximum 0,970. Auch lag 
der Schmelzpunkt des gelben Wachses 
bei 63,5 bis 64,5 ^, der Erstarrungspunkt 
etwa 2,5 ^ niedriger. 

Dem Verlangen der Pharmakopoe, 
dass 300 Theile siedender Weingeist von 
gelbem Wachs nur einen sehr geringen 
braungelben Bückstand hinterlassen 
sollen, wird die Behauptung gegenüber 
gestellt, dass völlig reines Wachs bei 
mehrstündigem Kochen sich überhaupt 
vollständig, unreines dagegen unter 
Hinterlassung von grauem Schmutz 
auflöst. 

Welchen Vortheil eine beim Einkaufe 
geübte strenge Gontrole mit der Zeit 
verschafft, erhellt in überzeugender Weise 
aus der That^ache, dass im Laufe eines 
ganzen Jahres unter den grossen in Hel- 
fenberg zur Verarbeitung gelangenden 
Wachsmengen sich nicht eine einzige 
Sendung befand, welche beanstandet wer- 
den konnte. 

Das zur Imprägnirung von Papier ver- 
wendete Ceresin zeigte bei einem zwi- 
schen 69 und 76 ^ schwankenden Schmelz- 
punkt ein speeifisches Gewicht von 0,914 
bis 0,922. Der Hauptwerth ist auf Ab- 
wesenheit jeglichen empyreumatischen 
Geruches zu legen, was am besten beim 
Kochen mit Wasser in ofifener Schale er- 
kannt wird. 

Ueberraschend klingt die Beobachtung, 
dass blaues Lackmuspapier beim 
Lagern an Empfindlichkeit gewinnt. 
Während dasselbe frisch bereitet durch 
verdünnte Schwefelsäure 1 : 10000, bez. 
24000 und 35000 gerade noch beein- 
flusst wurde, wurde nach mehrmonat- 
licher Aufbewahrung noch Empfindlich- 
keit bei Verdünnungen von 1 : 30000, 
bez. 60000 und 40000 je nach der Auf- 
bewahrungsdauer und der anfänglichen 
Empfindlichkeit wahrgenommen. 

Bei Curcuma und rothem Lack- 



muspapier wurden keinerlei Veränder- 
ungen beobachtet. 

Ueber den Alkaloidgehalt der 
narkotischen Extracte haiDietertch 
in Nr. 3 dieser Zeitschrift eine sehr inter- 
essante, mit reichem Zahlenmaterial be- 
legte Arbeit veröffentlicht, welche in den 
Annalen zum Wiederabdruck gelangt ist. 
Es ist demnach den Lesern der Pharm. 
Oentralhalle bekannt, dass das Extract 
zur Aufschliessung des Alkaloides zu- 
nächst in Kalk Wasser gelöst, diese Lös- 
ung zum Hydratiren von Aetzkalk ver- 
wendet, die entstandene pulverförmige 
Mischung sofort im Aetberextractions- 
apparat erschöpft, der Aetherauszug vor- 
sichtig vom Aether befreit und dann nach 
Zusatz von Wasser und etwas Weingeist 
das Alkaloid durch Titration mit Hun- 
dertel-Normalschwefelsäure unter Benutz- 
ung von Bosolsänre als Indicator be- 
stimmt wird. Wenn seither l^emel mit 
dieser so rationellen Methode nicht gut 
zarecht kam, so ist der Grund vielleicht 
in dem Umstände zu suchen, dass er die 
Vorschrift sofortigen Ausziehens der 
Mischung mit Aether möghcherweise nicht 
buchstäblich befolgt oder in nicht ganz 
säurefreier Luft den Auszug eingeengt hat 

Abgesehen von diesen Gehaltsbestimm- 
ungen hat der Verfasser der Helfenberger 
Annalen eigentliche Fälschungen und 
Substitutionen bei den verschiedensten 
Extracten noch auf anderem Wege zu 
ermitteln gesucht, indem er erstens das 
specifische Gewicht ihrer Lösung im 
doppelten Gewicht Wasser bestimmte, 
femer den procendschen Wassergehalt 
durch dreistündiges Erwärmen von 3 g 
Extract auf 100^ feststellte, und endlich 
sowohl die Asehenmenge wog, als auch 
den Gehalt der Asche an Garbonaten 
durch Titration mit Salzsäure constatirte 
und auf Kaliumcarbonat berechnete. Da- 
bei zeigte sich, wie seiner Zeit im Archiv 
der Pharmacie (1887, p. 60) ausführlich 
mitgetheilt wurde, dass das specifische 
Gewicht nur innerhalb 'relativ enger 
Grenzen, nämlich zwischen 1,1030 bei 
Extractum Sabinae und 1,1372 bei Ex- 
tractum Taraxaci schwankt, so dass sich 
hierdurch höchstens die Identität con- 
statiren, nicht aber eine Fälschung ent- 
decken lässt. Vorauszusehen war, dass 



201 



der Trockengehalt sehr schwanken würde, 
und in der Thai wurden als ftusserste 
Orenzzahlen ermittelt: 10,1 pOt. Troek- 
nungsverlust bei Extractam Conii nnd 
31 pGt. bei Extraetnm Gaseariilae. Gleich- 
wohl wird man ans diesen Werthen ab- 
solot nichts Anderes entnehmen können, 
als dass das betreffende Eztract dicker 
oder dünner, wasserreicher oder wasser- 
armer war, als es gewöhnlieh zu sein 
pflegt, vorausgesetzt natürlich, dass ein- 
mal ein Normalwassergehalt flir jedes 
einzelne Extract festgesetzt wird. 

Weitons günstiger liegen die Verhält- 
nisse bezüglich der Aschenmenge and 
ihres Gehaltes an Kalinmcarbonat. Jene 
bewegt sich zwischen 0,7 pCt. bei Ex- 
traetom Scillae und 23,2 pCt. bei Ex- 
tractum Lactucae virosae und Extractam 
Quassiae. Sie beträgt beispielsweise bei 
Extractum Digitalis 12, bei Extractum 
Belladonnae 14, bei Extractum Conii 20, 
bei Extractum Hyoscyami sogar 22, bei 
Extractum Secalis cornuti II, bei Ex- 
tractum Graminis dagegen nur 5 pCt., 
so dass sich eine erhebliche Beimischung 
des letzteren zu den vorhergenannten 
Extracten recht deutlich bei der Aschen- 
bestimmang bemerklich machen würde. 
Dazu kommt noch, dass auch der Ralium- 
carbonatgehalt der Asche von Extractum 
Graminis mit 3,68 pGt. nur die Hälfte 
bis ein Viertel der bei den anderen ge- 
nannten Extracten gefundenen Werthe 
beträgt, abgesehen von dem Extractum 
Secalis cornuti, welches hierin mit Ex- 
tractam Graminis etwa gleichsteht. 

Interessante spätere Mittheilungen stel- 
len die Annalen in Aussicht bezüglich 
des Gehaltes eines aromatischen 
Wassers oder der zu seiner Mischung 
benatzten, vorläufig aber noch nicht 
legalisirten sogenannten handertfacben 
Essenzen. Man ist derzeitig in Helfen- 
berg damit beschäftigt, sich zu den dies- 
bezüglichen Bestimmungen der von Hubl 
fQr Fette angewandten Jodadditions- 
methode zu bedienen und hofft auf gün- 
stige Ergebnisse. Bestätigt sich dies, so 
würde der exacten Werthbestimmung 
wieder eine neue Gruppe galenischer 
Präparate zugänglich gemacht werden, 
«in za begrüssender Fortschritt. 
(SchluBS in nächster Nuinmer.) 



Ans dem Handels - Berichte 
von Oehe&Co. in Dresden. 

April 1887. 

Aletris &rinoia (Umcorn Boot). Die 
Pflanze ist in Nordamerika einheimitch und 
gehört znr Familie der Haemodoraceen , sie 
gilt in ihrer Heimath als Tonicum und Sto- 
machicum, wird auch gegen Kolik und Wasser- 
sucht angewandt. Man giebt dieselbe als 
Fiuidextract (Dosis 0,5 bis 2 com) nnd in Form 
einer Concentration : Aletrin (Dosis 0,03 bis 
0,15 pro die). 

Alnminipm metalliciuii« Bei dem su- 
nehmenden Verbranche, welchen das Alu- 
minium in den Metallgewerben findet, wird 
es zeitgemäss sein, einige Angaben hinsieht* 
lieh des Löthens von Aluminium zu machen. 
Eine Liegirung von 5 Th. Zink, 2 Th. Zinn, 
1 Th. Blei wird zusammengeschmolzen und 
zu feinem Blech ausgewalzt. Die zu löthen- 
den Stelleu des Aluminiums müssen ganz 
blank geschabt oder gekratzt und dann mit 
Paraffin oder einem ähnlichen leicht flüch- 
tigem Körper bestriehen werden. Hierauf 
legt man ein Stück der Legirung auf jede der 
beiden Flächen und erhitzt dieselben. Das 
Paraffin schmilzt zuerst; man steigert die 
Erhitzung, bis die Legirung schmilzt, und 
nach dem Erkalten findet man dieselbe fest 
mit dem Aluminium rerbunden. Die beiden 
mit der Legirung überzogenen Flächen werden 
dann auf gewöhnliche Manier znsammen- 
gelöthet. — Wenn Aluminium mit andereh 
Metallen znsammengelöthet werden soll, so 
hat man nur nöthig, die Oberfläche des Alu* 
miniums mit der Legirung zu überziehen. 
Diese Methode gründet sich auf die That* 
sache, das Aluminium sehr bald, wenn es an 
die Luft kommt, sich mit einer kaum sicht- 
baren Oxydsebicht (Thonerdeschicht) über- 
zieht. Diese verhindert eine weitere Oxy- 
dation und führt zu der gebräuchlichen An- 
sicht, dass Aluminium sich an der Luft nicht 
verändere. Die Thonerdeschicht ist für das 
Löthen eine unübersteigliche Schranke, die 
nur dadurch vermieden werden kann, dass 
man sofort, nachdem das Aluminium blank 
geschabt ist, einen Ueberzug von Paraffin an- 
wendet. Durch das Schmelzen des Paraffins 
wird das Aluminium mit einer luftdichten 
Paraffinhaut überzogen : es kann nicht ozy- 
diren , und inzwischen hat sich dann bei ge- 



202 



Bteigerter Erhitzung die Legirung auch mit 
dem Metalle verhunden. 

Salsamum Copaivae und Balsamum 
Peravianom. .Bei ersterem Balsam giebt 
die KremeVsche Prüfungsmethode (vergl. 
Pharm. Centralh. 27, 390) keine verwerth- 
baren Resultate, denn bei Prüfung einer 
grossen Anzahl von Balsamen verschiedener 
Provenienz schwankte die S&urezahl zwischen 
19,7 und 90,22; sie scheint in gewissem 
Verhältniss zur Dickflüssigkeit zu stehen, die 
dünnflüssigen Balsame ergaben stets die 
niedrigsten Säurezahlen \ind umgekehrt. 

Dagegen bildet die KremeVBdhe Prüfungs- 
methode jedenfftlls einen werthvollen Beitrag 
für die Beurtheilung des Perubalsam a. 
Nach den bei Prüfung von 21 Proben (welche 
mit Ausnahme von zweien in ihrem Gesammt- 
verhaiten keinen Anlass zu Zweifeln an ihrer 
Aechtheit gaben) erhaltenen Besultaten 
scheint es, das« sich eine bestimmte Relation 
zwischen Säure- und Esterzahl nicht fest- 
stellen läset, dagegen durfte die Verseif ungs- 
zahl 240 als niedrigst zulässige Qrenze eines 
ächten Balsams anzunehmen sein. 

Bismnthnm subnitrionm natro nitrico 
pr&cipitatnm soll , wie von ärztlicher Seite 
versichert wird, eine weit kräftigere Wirkung 
als das officinelle Präparat haben. Es hängt 
dies wahrscheinlich mit der äusserst feinen 
Yertheilung des Präcipitates zusammen. Das 
mikroskopische Bild ist ein vom officinellen 
wesentlich abweichendes und dem des basi- 
schen Salicylats sehr ähnliches. Erst bei 
400facher YergrSsserung lässt sich krystalii- 
nische Strnctur wahrnehmen, bei geringerem 
Grade erscheint der Niederschlag amorph. 

Fermm ozydatnm saccharatimi. Wir 
stellten kürzlich eine grössere Partie dieses 
Präparates nach der von ^aptfr (vergl. Pharm. 
Centralh. 85, 669) gegebenen Vorschrift — 
also ein Ortho-Natrinm-Ferrisaccharat — her; 
der Herstellungsmodus beruht bekanntlich im 
Wesentlichen auf zweimaliger Präcipitation 
eines Natrinm-Ferrisacoharats mittelst Alkohol 
und Trocknen des Niederschlages nebst da- 
rauf folgendem Vermischen mit Zucker bis 
zum gewünschten Gehalte. Bei einem Ge- 
halte von 3 pCt. Eisen (der Pharm. Germ, 
entsprechend) besitzt das Präparat ein weit 
helleres Aussehen und giebt eine rothbraone, 
im Farbenton hellere Lösung als das nach 
der Vorschrift der Pharmakopoe gefertigte. 

Herba Hydrocotylaa Asiaticae ist neuer- 



dings wieder in lebhafterer Nachfrage al» 
Heilmittel. Die Pflanze, eine Umbellifere des 
südlichen Asiens , gilt in ihrer Heimath als 
kühlendes, eröflPnendesund di u retische« Mi ttel, 
wird auch bei Leprose und Syphilis ange- 
wandt; das wirksame Princip apU eine ölige, 
nicht flü<^tige Substanz, Vellarin genannt, 
sein. Wahrscheinlich wird unsere einhei- 
mische Hydrocotyle vulgaris ^ deren Kraut 
früher als „Hd>a cotyledonis aquaticae*^ ge- 
bräuchlich war, dieselben Dienste leisten. 

Hydraatinum» Interessant in chemischer 
Richtung ist die nahe Beziehung, in der Hy- 
draatin nach Freund und Wiü zum Narkotin 
steht, was speciell in den Spaltungsproducteu 
zum Ausdruck gelangt: 

Hydrastin ( • r. Opiansäure, Hydrastini n 

C21H21NO6) "'""'" CioHio05"*"CiiCiiNO-2 

Narkotin ( , /^ Opiansäure , Cotamin 

C.22H23NO7) "*" ■" CioHioOi +Ci2Hj3NOa 

Kamala, Auch bei der sorgfaltigsten Be- 
arbeitung ist es nicht möglich, aus dem jetzt 
vorhandenen Materiale eine Qualität darzu- 
stellen, welche der Anforderung eines Aschen- 
gehalts von nur 6 pCt. entspricht. Unsere 
1*^ Waare zeigt einen solchen von 14 pCt. 

Maoaaaar-Oel. Das ächte Macaasaröl, 
ans dem Samen von Sckleichera trifuga, einer 
Ostindischen Sapindacee, gepresst, besitzt in 
seiner Heimath einen grossen Ruf als haar- 
wuchsbeforderndes, Schinnen und Ekzeme 
beseitigendes Gel und ist in früheren Jahren 
bereits zu uns importirt worden. Später ge- 
langten unter dem Namen Macassaröl Pro- 
ducte in den Handel, die aus Cocosöi bestan» 
den , das mit den Blüthen der Cafutnga odo- 
rata (Anonacee) und der Michelia Champaca 
(Magnoliacee) digerirt war, bis noch später 
unter demselben Namen meist inländisehe, 
beliebig parfnmirte und häufig mit Alkanna 
roth gefärbte Oele als Macassaröl vertrieben 
wurden. Wir erhielten kürzlich ein Pöstchen 
des ersterwähnten iLchten Oeles. Es ist bei 
gewöhnlicher Temperatur halbflüasig, sieht 
gelblich -weiss ans und riecht schwach nach 
Bittermandelöl. In der That enthält es auch 
Blausäure (circa 0,05 pCt.), und es wäre nicht 
undenkbar , dass in der antiaeptischen Elraft 
derselben die Ursache der günstigen Wirkung 
des Oeles liegt. 

Kollin, seit einiger Zeit als dermatolo- 
gisches Medicament (vergl. Pharm aceuti sehe 
Centralhalle 21, 470) in Gebrauch, ist eine 



203 



um 15 pCf . überMtete, mit 30 pCt. Glyceria 
Tenetste weiche Seife. Dieselbe zeigt im an- 
▼ermiachlen Zastuide eine mattweiese Farbe, 
beeitst weiche gleichmistige Consistenz und 
üUst sieh sehr leicht nnd gleiehroissig auf 
der Hant vertheilen. Mit Quecksilber Ter- 
rieben besitit das ,yMollinum Hydrargyri" 
den Vorzug der Sauberkeit und Bequemlich- 
keit Tor der grauen Salbe, da es mit Wasser 
sich leicht abwaschen lässt; ausserdem werden 
▼OA Mereurmollin intensiTcre Wirkung und 
die Fähigkeit, sich in kürzerer Zeit Terreiben 
zu lassen, gerahmt. In gleicher Weise lassen 
ticli auch andere Medicamente, wie Styraz, 
' Pix liquida etc., dem Mollin mit Leichtigkeit 
incorporiren. 

OpiuBL So weit unsere (Gehe dt Cd.) Er- 
fahrungen reichen, möchten wir das Die- 
ierich^Mehe Verfahren mit der von SchUckum 
(▼ergl. Pharm. Centralh. 88, 61 nnd 174) 
Torgeschlagenen Abänderung als die em- 
pfehleoswertheste Methode zur Prüfung des 
Opiums auf Morphingehalt empfehlen. 

Saccharin. Die Einführung dieses viel- 
besprochenen Süssstoffes, des Benzoesäure- 
8ulfinid*s, in den Handel steht ftir die nächste 
Zeit bevor. Dasselbe wird , soweit die medi- 
cinische Verwendung in Frage kommt , bei 
Diabetes, Poljsarcie, Magen-, Darm- und 
Blasenleiden , iür die Pbarmaeie als 6e- 
Bchmackscorrigens, zur Herstellung von Salzen 
mit bitter schmeckenden organischen Alka- 
loiden, etc. von Bedeutung werden, zumal 
sammtliche physiologische Versuche dessen 
völlige Unschädlichkeit für den menschlichen 
Oiganismns, selbst in Dosen, die in der Praxis 
nie in Frage kommen, ergeben haben. Nach 
Fahlberg d; List lösen je 1000 Theile : 

Waaaer 3,33 Saccharin, 

lOprocentiger Spiritus 5,41 
20 „ „ 7,39 

:)0 „ „ 11,47 

40 „ „ 19,88 

60 „ „ 27,63 

60 „ „ 28,90 

70 „ „ 30,70 

SO „ „ 82,15 

90 „ „ 31,20 

100 „ „ 30,27 „ 

Die Loslichkeit kann durch Zusatz kohlen- 
saurer Alkalien oder aikaiischer Erden be- 
liebig gcateigert werden. In dieser Form ge- 
laagtc daaedbe s« B« in ßba Chaiitö zu Berlin 



» 



>i 






>» 






11 



Bur Verwendung. Auf 0,05 g Saccharin 
rechnet man 0,02 g Natronoarbonat. 

Thea. Erwähnenswerth ist eine neue Ai^ 
Tfaee, der Kaff ee-Thee, d.h. die gerösteten 
Blätter des Kaffeebaumes. Die Malayen ziehen 
diesen Thee der Kaffeebohne vor, da er an- 
geblich mehr Bitterstoff enthält und nahr- 
hafter ist. Wenn die Blätter sorgfältig ge- 
röstet sind, so giebt der Aufguss mit kochen- 
dem Wasser eine dunkelbraune Flüssigkeit, 
die wie Kaffee aussieht, wie grüner Theo 
riecht und einen Geschmack wie eine Misch- 
ung beider hat. Als Stärkungsmittel bei Er- 
schöpfung in Folge von schwerer Arbeit, von 
Hitze oder Kälte oder langem Regen soll er 
ausgezeichnet wirken. Der Coffeingehalt der 
Kaffeeblätter beträgt nahezu die Hälfte des- 
jenigen der Bohnen (0,5 bis 0,7 pCt.). Es 
läge daher nahe , die Blätter als Material für 
Coffein zu verwerthen, wenn sich dieselben 
nicht wesentlich höher einstellten als gehalt- 
reicher Abfallthce. g. 



Eine neue Methode nur Analyse 

der Fette. 

Die „quantitativen Reactionen'' in der 
Fettanalyse sind von Benedikt und Ulzer 
(Pharm. Post, 1887, Nr. X) um eine vermehrt 
worden. 

Die natürlichen Fette bestehen, abgesehen 
von wacbsartigen Beimengungen und geringen 
Mengen von Kohlenwasserstoffen, aus Gljce- 
riden von flüchtigen , wasserlöslichen und 
nicht flüchtigen unlöslichen Fettsäuren. Die 
nicht fluchtigen Fettsäuren kann man in ge- 
sättigte oder ungesättigte unterscheiden oder 
die Eintheilung in der Weise vornehmen, 
dass man die Ozyfettsäuren jenen Säuren 
gegenüberstellt, welche keine Hydroxylgrup- 
pen enthalten. 

Die ungesättigten Fettsäarea, die ttules- 
liehen und die flüchtigen Fettsäuren konnten 
schon nach den Methoden von HMlj HAmtar 
und Heichert bestimmt werden. 

Die Lficke, welche bisher dadurch hiitand, 
dass man die Ozyfettsäuren nicht bestimmen 
konnte , füllen die oben genannten Autoren 
nun durch eine Methode ans, welche sie anch 
für die Analyse von AeetylverbinduBgea iber- 
haupt anwenden« 

Man kann also neben der Verseifungsiahl 
und der Siufvcahl eine „Aeetyizirtil<< finden ; 



204 



die Verseifangszahl ist die Summe der beiden 
letzteren Zahlen. 

Zar. Ausführung des Verfahrens bedient 
man sich des von Köttstörfer (siehe auch 
Pharm. Centralh. Nr. 1, 1887) auch zur Be- 
stimmung der Verseifungszahl vorgeschlage- 
nen Ganges. 

Benedikt und üleer verfahren folgender- 
maassen : 

100 g des Oeles werden mit 70 g in 50ccm 
Wasser gelösten Kalihydrates und 150 ccm 
starken Weingeistes bis zur vollständigen 
Verseifung am Bückflussk übler gekocht. Der 
Kolbeninhalt wird in eine geräumige Schale 
ausgegossen , mit 1 Liter Wasser verdünnt, 
mit verdünnter Schwefelsäure angesäuert und 
so lange gekocht, bis die Fettsäuren als voll- 
kommen klare Schicht oben aufschwimmen 
und der Alkohol vertrieben ist. Die Fett- 
schicht wird noch zweimal mit Wasser aus» 
gekocht, dann durch Abheber oder mittelst 
des Scheidetrichters vom Wasser getrennt 
und in ein kleines Becherglas gegossen, aus 
welchem sie nach dem völligen Absetzen des 
Wassers im Lufttrockenkasten bei einer ihren 
Schmelzpunkt um 20 bis 30 o übersteigenden 
Temperatur auf ein trockenes Filter gegossen 
werden. 

50 g der Fettsäuren werden sodann mit 
40 g Essigsäureanhydrid zwei Stunden in 
einem Kölbchen mit Rückflussrohr gekocht, 
die Mischung in ein hohes Becherglas von 
einem Liter Inhalt entleert, mit 500 bis GOO 
ccm heissem Wasser übergössen und ge- 
kocht.'^) Um ein Stossen der Flüssigkeit zu 
vermeiden, leitet man durch ein nahe dem 
Boden des Bechers mündendes Capillarrohr 
einen langsamen Kohlensäurestrom ein. Nach 
einiger Zeit hebert man das Wasser ab und 
kocht noch dreimal mit der gleichen Wasser- 
menge aus. Dann ist, wie man sich durch 
Prüfung mit Lackmuspapier überzeugen kann, 
alle Essigsäure entfernt. Endlich filtrirt man 
die acetylirten Säuren im Luftbade durch ein 
trockenes Filter und wägt 4 bis 5 g zur Be- 
stimmung der Sänrezahl, 2 bis 3 g zur Be- 
stimtonng der Verseifungszahl ab. Bei Bici- 



^ Essigsäureanhydrid wird durch warmes 
Wasser sehr rasch zerlegt Versuche, die Ent- 
fernung der Essigsäure dadurch zu beschleunigen, 
dass man nach dem Kochen mit Essigsänre- 
anhydrid statt in Wasser in verdünnten Wein- 
geist eingoss, haben ergeben, dass sich dabei 
tili Tlieü der Fettainre teUht ätherifleiit. 



nusöl wird man zweckmässig die doppelte 
Menge alkoholischer Kalilange, also 50 ocm 
zur Verseilung verwenden. 

In der folgenden Tabelle sind die bei der 
Untersuchung einiger Gele gefundenen Zahlen 
zusammengestellt. 





Nicbt «eelylirt: 


Aeetyllrt 


Fettaäaren 
ans: 


S&are- 


Mol«- 

cnlar- 

fe wicht 


Sftnr«- 
Mhl 


Veneif- 
ubl 


Aeetyl- 
«ttbl 


ArachisM 
Cottonöl 
OrotonOl 
Hanföl 
Leinöl 
Mandelöl 
MohnOl 
NussOl 
Olivenöl 
Pfirsich- 
kernöl 
Ricinusöl 
Büböl 
Sesamöl 


198.8 

199.8 
201.0 
199.4 
201.8 
201.6 
200.6 
204.8 
197.1 

202.5 
177.4 
182.5 
200.4 


282.2 
280.8 
279.1 
281.3 
278.7 
278.3 
279.7 
273.9 
284.6 

277.0 
316.2 
807.4 
279.9 


193.8 
195.7 
195.7 
196.8 
196.6 
196.5 
194.1 
198.0 
197.3 

196.0 
142.8 
178.5 
192.0 


196.7 

212.8 
204.2 
204.3 
205.1 
902.3 
207.2 
205.6 
202.0 

202.4 
296.2 
184.8 
203.5 


8.4 
16.6 
8.5 
7.6 
8.5 
5.8 
13.1 
7.5 
4.7 

6.4 

153.4 

6.3 

11.5 



Das Verfahren lässt sich somit sehr gut zur 
Untersuchung von Ricinusöl anwenden, 
indem es ermöglicht, die Abwesenheit von 
Verfälschungen zu constatiren und die Quan- 
tität beigemischter Gele genau zu bestimmen, 
da schon ein Zusatz von nur 5 pCt« eines 
anderen Oeles die Acetylzahl um 7,5 Ein- 
heiten erniedrigt. 

Die Identificirung von GottonÖl kann durch 
Bestimmung der Acetylzahl leicht bewirkt 
werden. 

Die Verfasser wollen die Anwendbarkeit 
dieser Methode auf die festen Fette und 
Wachsarten ebenfalls prüfen. — os.— 



Reactionen der Titan-, Niob-, 
Tantal-, Zumsänre. 

Livif hat die Färbungen zusammengestellt, 
die beim Zusammenkommen von Titan- 
sänre, Niobsänre, Tantalsänre, 
Zinnsäure mit einer Bethe verschiedener 
Körper (Alkaloide, Phenole) und Schwefeltänre 
auftreten. Da er diese Beactionen weniger zum 
Nachweis der Alkaloide und Phenole ver- 
wenden will, sondern vielmehr umgekehrt 
diese zum Nachweis der oben genannten 
Säuren, so seien im folgenden nur die be- 
treffenden Beactionen anfgef&brt: Zum Nach- 
weis von Titan-, Niob«, Tantal-, Zinnaäme, 
selbst im Gemenge , werden dieaelben snr 



205 



Entfemnng jeder Spnr von Salpetenäarc mit 
Ammoninmcarbonat geglüht, hierauf in klei- 
ner Menge mit einer Spar Morphin und eini- 
gen Tropfen eoncentrirter SehwefeUäure zu- 
sammengebracht. Eine auftretende lebhafte 
carmoisinrothe Färbung, die auf Zusatz eines 
einzigen Tropfens Wasser yersch windet, zeigt 
Titansäure an ; eine mit einer zweiten Probe 
bei gleicherBehandlung mitCodein entstehende 
blaurothe Färbung zeigt Niobsäure an; mit 
einer dritten Probe in gleicher Weise unter 
Zusatz Yen Resorcin verfahren, zeigt eine 
amethystrothe Färbung oder (bei Gegenwart 
von bedeutenden Mengen der beiden ersten) 
grüne Färbung Tantalsäure an; in einer 
vierten Probe mit n-Naphtal in gleicher Weise 
behandelt zeigt eine amethystrothe Färbung 
Zinnsäure an. g. 

Jaum. de Pharm^ et de Chitn. 1887, 70. 



satz einiger Tropfen Wasser wird eine divei»' 
grüne Färbung erhalten. 

Ausser dem oben beschriebenen Stoffe fand 
Bondurant etwa 2pCt. fettes Gel, zwei harz- 
artige Körper, im Gegensatz zu einer früheren 
Untersuchung von Ait«r jedoch kein Tannin. 

Amer, Joum, of Pharm, IIT, 1887, — os— * 



Hydrangea arborescens. 

Bondurant fand in dieser Pflanze ein Gly- 
kosid, Hydrangin. Die wässrige alkalische 
Lösung desselben fluorescirte ähnlich wie 
Aesculin. Hydrangin ist löslich in Aether, 
unlöslich in starker Salzsäure. Es wird nicht 
gefallt durch Silbemitrat, Quecksilberchlorid 
und neutrales Bleiaeetat ; es unterscheidet 
sich hierdurch zugleich vom Aesculin. Von 
eoncentrirter Schwefelsäure, wie auch von 
Salpetersäure wird es farblos gelöst. Als 
charakteristische Seaction für Hydrangin führt 
Bondurant folgende an : Löst man den Körper 
in Schwefelsäure und fügt einen kleinen Kry- 
stall Kaliumbichromat hinzu, so erhält man 
eine dunkel purpurne Färbung, welche nach 
einigen Minuten in Violett übergeht, auf Zu- 



Chimaphila umbellata. 

Die Analyse dieser Pflanze, welche zu den 
Pyrolaceen gehört und in Nord • Amerika, 
Nord -Asien, sowie auch in Nord- und Central - 
Europa einheimisch ist, hat E, S. Beehore- 
vorgenommen. Er fand einen dem Ursen 
ähnlichen, diesem jedoch nicht identischen 
Körper von der Formel C10H19O. Am besten 
krystallisirte derselbe aus Chloroform. 

Amer, Jowrn. of Pharm, 111, 18S7. - os-^ 



Naphthalin als Vermifugain. 

Koriander giebt Kindern von 1 bis ^ 
Jahren 0,15 bis 2,0 g zweimal täglich. Er- 
wachsenen giebt er 1,25 bis 6,0 g pro die in 
Pulvern mit Zucker. Koriander will auch 
ausgezeichnete Erfolge mit Naphthalin gegen 
Bandwurm erhalten haben. -> ös — 

Pharm. Zeitung f. K^issh d. Amerika Journ, 
of Pharm, III, 1887, 



Beriehtigung, 
Natrinm - WismuththloHalfat. 

Auf Seite 188, 2. Spalte, Zeile 19 von unten 
muBS es heissen: 

BiaOj statt K,Oa. 

Desgleichen Zeile 10 von unten : 

von Wasser und WeiDgelst etc. 



IHIscellen. 



Ctoheiinmittel. 

DerOrtsgesundheitsrath in Karlsruhe warnt 
vor dem angeblich Wunder wirkenden Heil- 
mittel: Warner's Safe Cure, über dessen 
Zusammensetzung die Pharm. Centralh. schon 
im vorigen Jahre ausführlich berichtet hat, 

Die Polizei-Direction in Berlin warnt 

1. Tor dem Brüderpaar Albert und Emü 
Zenker in Berlin , welche unter der Bezeich- 
nung: American Consumption Cure 
ein Schwindsuchtsmittel vertreiben , welches 
in der Hauptsache aus mit Zwiebelsaft ein- 



gekochtem Zuckersyrup besteht und 2|/2 «/^^ 
pro Flasche kostet ; und 

2. vor den sogenannten Hess'schen 
Leben fftropfen von Albert Wolffsky lA 
Berlin, die eine gewöhnliche Bau ,de Cologiie 
mit einem Zusatz von Essigäther darstelteti 
und zvL d JK pro Flasche verkauft- werden.) , 



Mattat 

Auf Seite 370 der Pharm. Centralh. ybm 
V. J. ist bereits der Matta, des Wiener Ge- 
würzverfälschungsmittels en gro«, Erwähnung 



206 



geschehe« .umd dabei getagt worden., deis 
das Haoptmaterial der Mättaprodaction die 
Hirse sei. Hanausek (Wiener Zeit. f. Nahr- 
ungsm. - Unters.) hat dies, soweit es die Yer* 
fölschnng Ton Caseia, Pfeflfer, Macis ete. be- 
trifil, bestätigt gefanden, die P i m e n t matte 
dagegen ist nach seinen Untersuchnngen das 
Palver gedörrter Birnen. g. 



Schlechte Theesorten des Euidels. 

Dr. Kappel berichtet über die schlechte 
BeschaffenheitTieler, besonders geringer Thee- 
sorten des Handels. 

Eine sogenannte Pecco II. Sorte bestand aus 
50pCt. jungen Theebl&ttem, 21 bis 22pCt. 
älteren Blättern nebst Stielen. Der Rest war 
ein Gemenge von Weidenblättem mit den 
Blättern von Pmnus spinosa, der Esche und 
einigen Fliederblättem. 

Der Wasseigehalt dieser Theesorte betrug 
8y2pCt., dej Qehalt an Miaeralbestandtheiien 
6,2 pCt. Die Asche enthielt geringe Mengen { 



Ton Kup&r, sowie auch Lithion. Beide 
Metalle Hessen sich übrigens auch in anderen 
Theesorten nachweisen und auch in den 
jungen, frischen Blättern, welche aus dem 
botanischen Qarten der Universität zu Er- 
langen stammten, waren Spuren von Kupfer 
enthalten. Ueber weitere Versuche wird Dr. 
Kcg^pel später berichten. — os-* 

Ber» d. F. Vers, bayr. anoAyt» Chem. 1867, 



Einfache Probe für die Ctnalit&t 

von Leder. 

Ein kleiner Abschnitt des Leders wird in 
Essig gelegt; wenn das Leder vollkommen 
gegerbt ist, verändert sich nur die Farbe des- 
selben in eine etwas dunklere, ist jedoch das 
Leder nicht vollkommen mit Tannin impr&g- 
nirt, so schwellen die Fasern in kurzer Zeit 
stark an, und nach und nach verwandelt sich 
das ganze Lederstück in eine gelatinöse 
Masse. 

Bepert. d. atialyt. Chem. 1687, Nr. U. 



Offene Correspondenz« 



Apoth, F. in D. Ueber das Menthol, seine 
Gewinnung und Eigenschaften finden Sie Näheres 
in Nr. 6, Jahrg. 1881 d. Pharm. CentralhaÜe. 
Neuerdings wira demselben seitens der Aerzte 
mehr Aunnerksamkeit geschenkt. Lanagaard 
empfiehlt seine Anwendung als Salbe (Menthol 
1,0, 01. Olivar. 0,5, Lanolin 8,5) oder Liniment 
(Menthol 6.0, Ol. OKvsr. 45,0, Aq. Calcis 50,0J ; 
femfr ia Verbindung mit Chloral als Chlorai- 
Menthol gegen Caries, bei Schnupfen als Schnupf- 
pulver und neuerlichst sowohl in Form von 
Inhalationen sls auch innerlich gegeben bei 
epidemischen Xnflu^nxen, Diphtherie und Tuber- 
culose. 

C« F, in Fr* Eothe's Z ahn was s er ist 
(nach Schädler) eine Losung von 0,3 g Salicyl- 
siure in 100 g 65 procentigem Spiritus, par- 
Üipirt mit PfdFermfinzO). — Zu Ooniferen- 

geist finden Sie eine Vorschrift im Jahrg. 26, 
eite 185. Eine andere Vorschrift lautet:^ Th. 
Ol Lavandulae, 6 Tb. Ol. Pini Puroil., 15Th. 
Aethsr. aeet. und 200 Th. Alkohol sn mischen 
uad die Miaehung mit ChloiophjU gase schwach 
grfln au ftrben. 

Prüf. Dr. S* iH H* Betten Dank fOr Ihre 
Mittheflung, welche wir hier bringen, da nach 
froheren Angaben das betreffende Mittel eine 
etwas andere Zusammensetxnng hatte: 

,.Ein hier sehr angepriesenes Prilparat, aller 
Naenridbt nach aus Berlin besogen und mit 



dem schönen Namen ,.Eau de Lys deLohse'' 
oder „Lilien milch" ausgestattet, habe ich 
untersucht, weil die Hauttarbe dadurch nach 
längerem Gebrauch erdfahl oder grau ward, 
ein Umstand, den ich m verschiedenen Malen 
constatiren konnte. Es besteht aus Bosenwasser 
mit fein vertheiltem Zinkoxyd, das sich beim 
Stehen in dicken Lagen absetzt. Ich ver- 
muthete „reines Zinkoxyd", aber es war sehr 
unrein, enthielt so viel Ksamiumoxyd, dass die 
Losung in Chlorwasserstoffsäure eine starke 
Gelbf&rbong mit H^S gab. Es war also wahr- 
scheinlich Käufliches, rohes Zinkoxyd." 

Apoth. H. in W* Besten Dank für Ihre 
Nachricht, auch von anderer Seite wurden wir 
bereits aufinerksam gemacht, wie Sie der 
heutigen Nummer entnehmen wollen. 

Apoth. K. in D« Jeder Fabrik pharm, und 
chem. Apparate. 

!!• & St. Zu Lederappretur und Lederglanz 
finden Sie in frfiheren Jahrgingen der Pharm. 
Centralhalie noch viele V€Nre<£riften. -r- Die 
Zusammensetzung des „Syndetikon" ist uns 
unbekannt, wie das Mittel selbst 

B. in K. Ihre Anfrage veröffentlichen wir 
hier, da wir diesselbe nicht beantworten kOnnen. 
Um eine Voischrift su Removat (Foikeniferg 
und Bi8chl!:ow in Waidenburg in Schlesien) 
wird gebeten. 



TOTicferiiad ▼«nativortllfilier RadMiMur I>r. E» iMmltr in DnadÜBs. 

Im B«ebhand«l darcb J«ltu8 Bprlngar, Berlin N., Monb^onpUts 8. 

Dmck e«r KOnlgl. Sdllhiclidnicktrsi von C. C Mein hold ä SSbne in Dretdea. 



Pharmaceutische Centralhalle 

für Deutschland. 

Zeitung für wissenschaftliche und geschäftliche Interessen 

der Pharmacie. 



Dr. Hermann Hager 



Herausgegeben von 
und 



Dr. Ewald Geissler. 



Erscheint ieden Donnerstas. — Abonnementspreis dnrcb die Post oder den Buchbande] 

vierteljährlich 2 Mark. Bei Zusendung unter Streifband 2,50 Mark. £inzelne Nummern 

25 FL Inserate: die einmal gespaltene Petit -Zeile 25 Pf., bei grOaseren Inseraten oder 

Wiederholungen Rabatt. 

Anfragen, Auftrige, Manuscripte etc. wolle man an den Eedacteur Prof. Dr. E. Geissler, 

DrcKden, Pillnitzer Strasse 56 adressiren. 



MIZ 



Berlin, den 28. Aprü 1887. 



Nene Folge 
Till. Jahrgang. 



SB 



Der ganzen Folge XXVIII. Jahrgang. 



Inhalt: ca«aile «ad FliarBMle: Eine nene Pastillenmucblne. — Helfenberger Annalen, t88<i. — ZurRovlsion 

dar Pharmaeopoaa 0«rinatiloa edit II. — Arsengebalt dei Liquor Ferrl aeMialehlorati des Handais. — Prflfüng 

von Emplastram Llthargyrl. — Üeber Tinctara Opii slmpIex. — Coea-CigareUen. — Literatur «nd Kritik. — 

lÜMeileat Ctohelmmittel und Cnrpfkueherel. — Amtliehe Bekanntmachungen, Verordnungen etc. — 

ABielgen. 



Ctaemie und Ptaarmaeic. 



Eine neue Pastillenmaschine. 

Von Dr. Ernst Myiius -Leipzig, 

Seit Jahren bin ich mit den herkömm- 
lichen Pastillenstechern unzufrieden ge- 
wesen. Ich habe alle neu auftretenden 
Modelle versucht und daran herumprobirt, 
ohne je zu einem befriedigenden Resultat 
gekommen zu sein. AJs das beste hatte 
sich anch hier immer noch das alte be- 
währt, nämlich das einfache Bohr mit 
Stempel. (Vergl. Dieterich, Ph. Centr., 
Neues Manual.) Allein auch dies hat 
mir nicht genügt, weil man damit zu 
langsam arbeitet und keine gutgeprägten 
Pastillen erzielt. 

Dass keiner der vorhandenen Pastillen- 
stecher den zu stellenden Ansprüchen 
ganz genügen wollte, hat folgende Ur- 
sachen: Ein Theil dieser Stecher ist für 
plastische Massen bestimmt, welche 
ausgewalzt und ausgestochen werden 
müssen. Die aus solchen Massen gewon- 
nenen Pastillen sind hart, wie die fran- 
zösischen. Andere sind zum Ausstechen 
ausgewalzter feuchter Zuckermassen ge- 
eignet; dieselben geben nur bei sehr ge- 



schickter Behandlung äusserlich tadelfreie 
und gleich grosse Pastillen. Noch andere 
sind bestimmt, Pastillen stets gleicher 
Grösse aus feuchten Massen zu gewinnen; 
mit diesen arbeitet es sich langsam und 
man kann in der Beceptur nicht mit 
Sicherheit und einer bestimmt abgewoge- 
nen Masse eine bestimmte Anzahl Pastil- 
len erhalten. Kurzum, jeder der vorhan- 
denen Pastillenstecher erwies sich nur 
für gewisse beschränkte Zwecke dienlich, 
leistete aber nicht das, was ich für mein 
Geschäft bedurfte. Die Anforderungen, 
welche, ich an einen Apparat zur Her- 
stellung von Pastillen , - wie man ihn in 
der Apotheke braucht, zu stellen geneigt 
bin, sind folgende: 

Es müssen sich Pastillen sowohl in 
beschränkter Anzahl in der Beceptur als 
auch grössere Mengen zum Yorrath gleich 
leicht herstellen lassen. Die Arbeit muss 
so fördern, dass man mindestens doppelt 
so schnell vorwärts kommt, wie bei der 
Dosirung von Pulvern. Die erhaltenen Pa- 
stillen müssen so stark zusammengepresst 
sein, dass sie in der Beceptur ohne vor- 
heriges Trocknen sogleich abgegeben 



9pft 



werden können. Öie Pfistillen müsaea 
gleich gross, gnt geformt und deutlich 
geprägt Bein, ftie Arbeit muas so leicht 
sein, dass sie selbst von einem Lehrling 
oder einem Arbeiter aufgeführt werden 
kann, ohne vorherige Uebung. 7jU einer 
kleinen Maschine, welche diesen Anforder- 
ungen genügt, bin ich mit Hilfe des Herrn 
W. Martin in Leipzig gelangt Diese 
Maschine hat nach mancherlei Versuchen 
beistehende Gestalt und Einrichtung an- 
genommen. Sie besieht aus einem in 
GeradfDhmng laufenden , durch einen 
Hebel beweglichen vernickelten Stempel 



an.s Messing, welcher genau in das Loch 
einer Platte passt, unter welcher ein mit 
einem Loche versehener Schieber beweg- 
lich ist. Das Loch in der Platte bildet 
das Maass fßr die einznschflttende feuchte 
Masse. Mau wirft letztere mit einem 
Hornlöffel in dieses Loch, während letz- 
teres von nnten durch den Schieber ge- 
schlossen ist und der Stempel durch den 
Hebel emporgehalten Wird, streicht glatt 
ab, drückt den Hebel fest herab, lüftet 
ihn etwas, schiebt den Schieber zniHek, 
welcher das Loch der Platte von nnten 
schliesst und drflckt nun die Pastille her- 
ans. Darauf schiebt man den Schieber 
wieder Vor nnd beginnt Ton Neuem. 

Die Maschine giebt Pastillen von ganz 
gleicher OrOsse, wenn man nicht ansser- 
gewöhnliches Ungeschick besitzt. Man 
kann daher, wenn man das Gewicht genau 
kennt, mit welchem die Pastille erhalten 
wird (bei meiner Maschine 1,2 g) auch 
selbst in der Beceptur wie angegeben 
verfahren; allein man kann auch, wenn 
man nnr 6 bis 10 Pastillen nach einem 
Becept ZQ machen hat, die angefltossene 
Blasse nftch Art tos Pnlvem mit der 



Waage tbeÜen oBd kiü Abt 06;pjmtbtur 
in das Loch schatten. 

Wie leicht mit dieser Pastillenmasehine 
zu arbehen ist, mag daraus hervorgehen, 
dass bei einer Gelegenheit einem Lehr- 
ling, welcher noch nicht reeeptirt, ge- 
schweige denn Pastillen gemacht hatte, 
läOg Masse übergeben wurden, um daraus 
Pastillen berzust^en. Statt 100 Stück 
bekam er 96 tadellose Pastillen, eine Ge- 
nauigkeit, welche durch Auswiegen hinter- 
einander, ohne m^rmaliges Theilen, 
kaum erreicht werden dürfte. G^btere 
Personen erhalten oft ganz genau die be- 
rechnete Anzahl Pastillen. 

Was die Pastillenmassen anbetrifft, so 
sehreibt ja bekanntüch die Pharmakopoe 
vor, Zuckerpnlver mit Spiritus dilntua 
anzufeuchten. Die so erttaltene Maese 
ist, lege artis bereitet, ftir den in Rede 
siebenden ZWeck gut. Ste wird noch 
besser, wenn man dem ZuAer '/s Milch- 
zucker Kuftgt. AlkJn abgesehen davon, 
dass für diese Masse in dem „lege artis" 
ein Stein des Anstosses liegt, Welcher zu 
seiner Vermeidnng viel Erfahrung voraus- 
setzt, 80 verdampft der Spiritus in Folge 
seiner Flüchtigkeit so schnell, dass von 
50 Pastillen im Sommer die erste zu nass, 
die letzte zu trocken sein kann. Ich wende 
daher, uBi eine auch von nngeobten H&n- 
den sicher zu behandelnde Masse m be- 
sitzen, für vorr&thige Phätilfen folgende 
Masse an, *e sehr weiss ist, sich sehr 
gnt verarbeiten Issst und nnr deswegen 
beanstandet werden konnte, weil die zu- 
gesetzte Stfirke mit der Zunge geftbU 
werden kann. 

Bp. Sacchw. pnlv. 30,0, 
Sscehar. Lactis 30.0, 
Palv. Oryzae 10,0, 

Tr^aeanth. pnlv. 0,5, 
Aq. destillat. 3,6. 

Bei dieser Gelegenhfflt möChfe ieh tnir 
gestatten, auf einen Irrthum aufmerksam 
zu machen, deti ieh mft Anderen Imge 
Zeit gethellt habe, in letzter Zeit aber, 
und zwar bei Gelegenheit der HerateUnng 
comprimirter Tabletten, zu berichtigen 
Grund ttod. Es wird vielfach angenom- 
men, daas daa Wagen eines Pulvers ge- 
nauere Doslrnng gestattet, als das Ab- 
messen fn einem pasHenden Gefte, oder 
erat recht ala dos Dosirea mit Hltfe des 



ao9 



LJ^S€'\B in die Kapeel, woftir der bekannte 
Ennitaiisdnick : Dosiren mit ier Fanst- 
waage laolet. Yerraefae, welche zu dem 
Zweik angestellt worden, dies zu enir 
seheiden, ergaben, dass bei gleicker 
Schnelligkeit der Arbeit die Dosir- 
nng kleiner Mengen (bis 0,5 g) am sicher- 
slen mit einem Maassgeftss, demn&ehat 
mit 3ilfe des Augenmaasses und am 
sehlecbtesten mit der Waage gelingt. 
Ea ist deshalb oach meiner Meinung 
mindestens pedantisch, von Jemand, der 
leidlidie Uebaug im Polvertheilen hat, 
zu yerlangen, dass er die Pulvw aus- 
wfigen soll leh erinnere mich bei dieser 
Gel^enheit einer Beschämung, die mich 
als jui^en Gehilfen traf, als ich eiumal 
vor den Auffen eines Kunden Pulver mit 
der Waage tneilte. Mein Zuschauer sagte 
mir auf den Kopf zu, die Pulver seien 
nngteidi und bezeichnete die grösseren 
und kleineren. Als ich nachwog, musste 
ich ihm Beoht geben, wodurch unmittel- 
bar und ohne Yorurtheil der Vorzug, 
weichen das Augenmaaas beim Theilen 
von Pulvern der gewöhnlichen, oberfläch- 
lichen Anwendung iex Waage gegenllber 
hat, festgestelR war. 

flMtfmlMrgw AoAalett 1806. 

Von Dr. O. VkOpius. 
(ScUuBs aus voriger Kammer.) 

Dem Lanolin steht der Verfasser 
der Annagen sympathisch gegenäber. Er 
Cimetalirt die im Vergleiche mit den ge- 
wöhnUchttd Fettaaiben grössere Halt- 
barkeit der mit Lanolin bereiteten, ein 
Vonrag, welcher besonders bei dem sonst 
80 empfindlichen Unguentom diachylon 
zur Gteltong konmit, nicht minder auch 
bei der sottst so l^cht ranzig werdenden 
grauen Qieoksilbersalbe. Schon ein Zu- 
8at£ von 26 pCt. des an und für sich zur 
AuvMDdmag zu zähen Lanolins zu den 
Fett«di»en soll zur namhaften Erhöhung 
der Haltbarkeit der letzteren hinreichen. 
Das LMreich'Hciie Lfmolin, wie es Jjaffe 
imd IkirmsiäiSer produciren, wurde in 
neuerer Zeit bei einem minimalen Sänre- 
und Aschengehalt völlig gerucdüos ge- 
fimden und glaubt Duierich, welcher 
uns sehen firflher einmal me Probe selbst- 
gereiiugten WolHettes sandte, das ein 



schneeweisses Lanolin gab, dass die ge- 
nannte Fabrik in nicht zu femer Zeit 
dahin gelangen werde, den letzten Best 
der ihrem Producte noch anhaftenden 
schwach gelblichen Farbe zu beseitigen. 
Ein verfälschter Honig gelangte im 
abgelaufenen Jahre nicht zur Unter- 
suchung, wohl aber war mitunter der 
Qährungszustand ein unerwünschter, so 
dass die zur Neutralisation von 10 g ver- 
brauchte Menge Vi 0000 KOH- Lösung 1,9 
bis 4,2 ccm betrug. Die Linksdrehung 
bewegte sich zwischen 6^2' und 8^8', das 
spec. Gew. der Lösung in 2 Th. Wasser 
zwischen 1,111 und 1,121. Unterschiede 
zwischen heimischem und amerikanischem 
Producte fehlten. Die ausgeführten Unter- 
suchungen von Oleum Oacao lehrten, 
dass auch ein frisch gepresstes Oel nie 

fanz säurefrei ist, denn es wurden zur 
[eutralisation von je lg solchen Oeles 
0,06 bis 0,16 ccm Zehntel-Normalkalilauge 
verbraucht, welcher Verbrauch sich nach 
dreimonatlicher Aufbewahrung etwa ver- 
doppelte und nach einem hieben Jahre 
beiläufig verdreifacht hatte. 

Sehr interessant sind die mit Oleum 
Nucistae angestellten Versuche, welche 
sich sowohl auf drei vorzügliche Handels- 
sorten, als auch auf Tünf Proben von 
durch Extraction mit Aether selbst her- 
gestelltem Producte erstreckten und nach 
der HubVsehen für Wachs angegebenen 
Methode in zweiprocentiger durch 
Digestion mit Knochenkohle und Filtration 
gereinigter, warm bereiteter alkoholischer 
Lösung ausgeführt wurden. Dabei zeigte 
sich, dass das selbst gewonnene Oel stets 
eine niedrigere Säurezahl und eme höheie 
Aetherzahl als die Handelswaare ergab. 
Der Schmelzpunkt der letzteren wurde 
zu 42 bis 48^ bestimmt, beim eigenen 
Fabrikate zu 51^. Auch war das spec. 
Gew. des letzteren constant 0,996, beim 
gekauften zwischen 0,945 und 0,966 
schwankend. Femer bedurfte dieses zur 
Lösung nur 10 bis 12, das ächte Oel da- 
gegen 15 Th. heissen Alkohol. Aus allen 
diesen Unterschieden ergiebt sich eine 
gewisse Wahrscheinlichkeit für die früher 
schon aufgestellte Annahme, dass in den 
Productionsländern den Muskatnüssen vor 
der Pressung noch irgend ein anderes 
fetthaltiges Material zugesetzt werde. 



210 



Ganz besonders bemerkenswerth aber 
ist die gemachte Erfahrung, dass die ans 
selbst bereiteter Muskatbutter durch Er- 
wärmen mit ihrem zehnfachen Gewicht 
Weingeist gewonnene und nach dem 
Erkalten filtrirte Lösung durch Ammoniak 
roth und durch Eisenchlorid grünbraun 
gef&rbt wird, also genau das thut, was 
sie nach der Pharmakopoe nicht thun 
soll. Da wird eine baldige Herstellung 
des Einklanges sehr wünschenswerth. 

Wohl zum ersten Male ist das alt- 
überkommene Oleum Hyoscyami auf 
seinen Gehalt an wirksamen* Bestand- 
theilen im Helfenberger Laboratorium 
untersucht worden, und zwar nach der 
weiter oben bei der Alkaloidbestimmung 
in narkotischen Extraeten angegebenen 
Methode mit dem Unterschiede, dass 
man zuerst ein Oleum Hyoscyami duplex 
mit Weingeist, der mit etwas Schwefel- 
säure angesäuert war, wiederholt aus- 
schüttelte und den nach Wasserzusatz 
genügend, auf etwa 10 ecm, concentrirten 
Auszug mit Ealk und Aether wie früher 
mitgetheilt, behandelte. Die schliessliche 
Filtration ergab für 500 g Oleum Hyos- 
cyami duplex 0,0101 g Hyoscyamin, also 
715 derjenigen Menge, welche ein Ex- 
tractum Hyoscyami aus der zur Bereitung 

i'enes Oelquantums verwendeten Bilsen- 
:rautmenge aufgenommen haben würde. 
Inmierhin ist damit der Nachweis ge- 
liefert, dass das gekochte Bilsenkrautöl 
Alkaloid enthält. Dieterich wollte sich 
aber auch der Aufgabe unterziehen, zu 
ermitteln, bei welcher Bereitungsweise 
der Alkaloidgehalt des Oeles der höchste 
wird, und er fand, dass derselbe auf das 
Dreifache der angegebenen Menge steigt, 
wenn man dem zur Maceration mit dem 
Bilsenkraut bestimmten Weingeist auf je 
750 Th. 20 Th. Liquor Ammonii caustici 
zusetzt und das so gewissermaassen auf- 
geschlossene Kraut, welches nun nicht 
mehr Alkaloidsalz , sondern das in Oel 
leichter lösliehe freie Hyoscyamin enthält, 
mit dem Oel 10 Stunden lang auf 50 bis 
60^ erwärmt. Ein solches Präparat be- 
sitzt ausserdem noch den Vorzug einer 
lebhaft grünen Farbe. 

Oleum Olivarum untersuchte man 
in Helfenberff stets mit durchaus zu- 
friedenstellendem Erfolge nach der von 



Wibl angegebenen Jodadditionsmethode, 
welche früher in der Pharm. Centralhalle 
des Näheren beschrieben worden ist. Es 
scheint hiernach, dass die in Nr. 12 dieser 
Zeitschrift von anderer Seite gegen diese 
Methode wegen rascher Zersetzung der 
benützten Jodlösung erhobenen Bedenken 
doch noch weiterer experimenteller Be- 
gründung bedürfen. Vielleicht nimmt 
auch der Verfasser der Helfenberger 
Annalen gelegentlich einmal Veranlassung, 
sich gerade über diesen Einwand gegen 
die von ihm bevorzugte Methode ein- 
gehend zu äussern. 

Den Methoden von Äudoynaud (Be- 
handlung des Oeles mit Ealiumbichromat, 
Salpeter- und Schwefelsäure) und Bechi 
(Benandlung mit ätherwemgeistiger Sil- 
bernitratlösung und einer Lösung von 
Büböl in Amylalkohol) gesteht Dieterich 
wie allen Farbenreactionen nur relativen 
Werth und secundäres Interesse zu. 

Nächst dem famosen Ghininsulfatprfif- 
ungsstreit hat wohl keine fachwissen- 
schaftliche Polemik in jüngster Zeit 
grösseres Aufsehen gemacht, als die be- 
treffenden Publicationen über die Be- 
stimmungsweise von Morphium im Opium 
und dessen Präparaten. Dieterich hat 
sich mit einer Beihe von gediegenen in 
den Annalen reproducirten Arbeiten an 
diesen Erörterungen betheiligt und sind 
dieselben den Lesern der Centralhalle 
theils im Original, theils als Referat schon 
früher zur Eenntniss gebracht worden 
und wollen wir daher nur erwähnen, 
dass auch wir nach dem Helfenberger 
Verfahren nicht nur gute Resultate be- 
kommen, sondern auch gefunden haben, 
dass dasselbe einen äusserst geringen 
Aufwand an Zeit und Mühe beansprucht. 
Wir haben jeweils Abends 8 ühr das 
Opium mit dem Wasser angesetzt, während 
der nächsten 2 Stunden mehrmals und 
ebenso am anderen Morgen noch einige- 
mal umgeschüttelt, haben also das von 
Herrn Dr. Fischer in der Pharm. Zeitung 
scherzweise präsumirte Opfer der Nacht- 
ruhe nicht gebracht und sind gleichwohl' 
zum Ziele gekommen. 

Für Pulpa Tamarindorum crnda 
schlägt der Verfasser vor, einen Minimal- 
gehalt von 12 pCt. Weinsäure zu fiiiren 
und denselben durch den Verbrauch von 



211 



Normal -Ammoniak nach dem Verfahren 
von K, Müller zu bestimmen. Der Durch- 
schnittsgehalt betrug bei den Helfenberger 
Versuchen nahezu 18pCt. in der rohen 
Droge und lOpCt. in der gereinigten 
Pulpa. 

Die als Sapo unguinosus bezeichnete 
überfettete Seife bereitet Dieierich durch 
Kochen von 1000 Th. £aliumcarbonat mit 
700 Th. zur Milch gelöschten Aetzkalk 
und Vermischen der auf ein spec. Gew. 
von 1.180 eingedampften Lauge mit 
4000 Th. Adeps suillus. Nach halb- 
stündigem Bühren werden 400 Th. Spiritus 
und nach zwölfstündiger Digestion bei 
50 bis 600 schliesslich 1500 Th. Glycerin 
zugesetzt. Der so erhaltene geschmeidige 
Salbenkörper kann nach den in grosser 
Zahl angestellten Versuchen keineswegs 
in allen Fällen benutzt werden, besonders 
nicht zu Mischungen mit Kaliumjodid, 
Quecksilberoxyd, Bleioxyd und weissem 
Quecksilberpräcipitat; vortrefflich soll er 
sieh eignen zur Aufnahme von metallischem 
Quecksilber, also zur Herstellung der an 
vielen Orten in Aufnahme gekommenen 
Mercurialseife. Eb,enso kann Sapo un- 
guinosus ohne Bedenken gemischt werden 
mit Perubalsam, Camphor, Chloroform, 
Ichthyol , Jodoform , Schwefelalkalien, 
Kreosot, Schwefel, Styrax, Theer, Thymol 
und Zinkoxyd. 

Der massenhafte Verbrauch von S e b u m 
in der Helfenberger Fabrik gab dort 
reiche Gelegenheit zur Sammlung maass- 
gebender Daten bezüglich Schmelzpunkt, 
spec. Gew. und Säuregehalt. Dabei stellte 
sich heraus, dass ein absolut säurefreier 
Binds- oder Hammeltalg überhaupt durch 
Ausschmelzen nicht zu erhalten ist, denn 
1 g des Talgs verbrauchte bei der Titration 
im Minimum 0,07 und im Maximum 
0,35 ccm einer zehntelprocentigen Kali- 
lauge zur Neutralisation, der Bindstalg am 
wenigsten. Der Schmelzpunkt des letz- 
teren schwankte zwischen 47,5 ^ und 
48 <^, der des Hammeltalgs zwischen 48,5 
und 50,5 ®, das spec. Gew. des Hammel- 
talgs zwischen 0,937 und 0,953, das- 
jenige des Bindstalgs von 0,943 bis 0,952. 

Von den Tincturen wurde nicht nur, 
wie in früheren Jahren spec. Gew. und 
Trockenrückstand ermittelt, sondern auch 
die Asche bestimmt. Eine ausführliche 



Tabelle enthält die festgestellten Werthe. 
Die specifischen Gewichtszahlen stimmen 
mit den von der Pharmakopöecommission 
des Deutschen Apothekervereins ge- 
fundenen selten überein, sondern sind 
meist höher. Ob der Grund hierfür in 
der starken Zerkleinerung der auszu- 
ziehenden Substanzen zu suchen sei, wie 
die nAnnalen^ meinen, lassen wir dahin- 
gestellt. Vergleichende Versuche in dieser 
Bichtung, welche beabsichtigt sind, werden 
ja diese Frage entscheiden müssen. 

Eine für die Salbentherapie wichtige 
Frage, die nämlich, ob der von Unna 
so hoch angeschlagene Wassergehalt der 
sogenannten Kühlsalben auf deren Halt- 
barkeit von bedeutendem ungünstigem 
Einflüsse sei, ist von Dieterich experi- 
mentell studirt .worden, indem er den 
Säuregehalt verschiedener, mit 10 pGt. 
Wasser gemengter Salben- und Talgarten 
alsbald nach der Bereitung, sowie nach 
3 und 6 Monaten dm*ch Titration be- 
stimmte. Nach der letztgenannten Frist 
betrug der Mehrverbrauch von hundertel- 
procentiger Kalilösung pro 1 g Substanz 
bei Adeps suillus 0,2, bei Adeps snillus 
benzoinatus 0,1, bei Sebum bovinum 0,23, 
bei Sebum ovile 0,90, bei Sebum ovile 
benzoinatum 0,15, bei üngt. cereum 0,1, 
bei üngr. diachjlon 3,3, bei Ungt. Zinci 
0,4 ccm. Benzoefette sind also auch unter 
diesen Umständen von überlegener Halt- 
barkeit. Ungt. cereum hat sich gleichfalls 
als sehr haltbare Gomposition erwiesen, 
imd die grössere Haltbarkeit des Binds- 
talgs gegenüber dem Hammeltalg tritt in 
das schärfste Licht. Im Grossen und 
Ganzen aber ist die Säuerung der wasser- 
haltigen Salben weniger bedeutend, als 
man erwarten sollte. 

Einen würdigen Abschluss des Annalen- 
heftes bildet eine Arbeit über den quan- 
titativen Nachweis des ätherischen 
Senf Öls im Senfsamen und Senfmehl, 
hauptsächlich aber im Senfpapier, dessen 
Werth bekanntüch von rascher, nach- 
haltiger und reichUcher Entwickelung 
von ätherischem Senföl abhängt. DietericJi 
verfährt in folgender rationeller Weise. 
Ein gemessenes Blatt Senfpapier wird 
nach dem Zerschneiden in kleine Streifen 
in einem Destillirkolben mit 50 ccm Wasser 
von 20 bis 25 ^ übergössen und nach einer- 



212 



bestimmten Anzahl von Minuten durch 
Zusatz von 5 com Alkohol die Senföl- 
gährung unterbrochen. Nachdem man 
zur Verhütung des Aufschäumens 2 g 
Olivenöl zugegeben und ein mit 10 g 
Salmiakgeist beschichtetes Kölbchen vor- 

felegt hat, werden unter Benützung eines 
fiebzg sehen Kühlers etwa 30 g Flüssig- 
keit überdestillirt. Dem mit Wasser auf 
100 ccm gebrachten Destillat giebt man 
einen geringen Ueberscbuss von Silber- 
nitratlösung zu und wägt das ausgeschie- 
dene, nach 24 Stunden gesammelte 
Schwefelsilber nach vorherigem Aus- 
waschen und Trocknen bei 100^. Sein 
Gewicht mit 0,4301 multiplicirt giebt die 
Menge des gebildet gewesenen Senf- 
öles an. 

Diese Methode hat sich ganz vorzüglich 
bewährt. Von 100 qcm des Senfpapieres 
wurden je nach der Bezugsquelle, der 
Feinheit des Mehles und seiner auf jener 
Fläche befindlichen Menge (1,15 bis 3,75 g) 
nach 1 Minute Gährungszcit 0.0069 bis 
0,0326 g, nach 5 Minuten 0,0133 bis 
0,0363 g, nach 10 Minuten 0,0143 bis 
0,0369 g Senföl erhalten. 

Bei der Wichtigkeit eines guten Senf- 
papieres wäre es nur am Platze, wenn 
hierfür sowie für das Senfmehl der Apo- 
theken eine Werthbestimmung an der 
Hand des beschriebenen Verfahrens all- 
gemein üebung oder Vorschrift würde. 

Indem wir hiermit von den diesjährigen, 
so interessanten und dankenswerthen Mit- 
theilungen aus dem Helfenberger Labora- 
torium Abschied nehmen, können wir 
den Wunsch nicht unterdrücken, dass 
doch auch die Besitzer anderer grosser 
pharmaceutischer Laboratorien dem von 
Dieterich gegebenen Beispiele folgen und 
die doch wohl auch bei ihnen sich er- 
gebenden Erfahrungen und zur Förderung 
der praktischen Pharmacie unternommenen 
wissenschaftlichen Arbeiten zu Nutz und 
Frommen des ganzen Apothekerstandes 
bekannt geben möchten. In welch' hohem 
Grade müsste auf diesem Wege die Ent- 
wickelung der pharmaceutischen Wissen- 
schaft gefördert werden, wenn wie von 
Helfenberg, so auch von noch vielen 
anderen Seiten gleich werthvolles Material 
zu ihrem Weiterbau regelmässig in Gestalt 



ähnlicher „Annalen"" zur Verfügung ge- 
stellt würde! 



Zur Revision der Fharmacopoea 
Oermanica edit. IL*) 

9. Fortsetzung; vergl. Jahrg. 28) S. 111. 

Aoidum salicylicam. „Schüttelt man die 
Lösung der Säure in fiberschässigem Natrium- 
carbonat mitAether, so darf dieser beim Ver- 
dunsten nur einen unhedetUenden, nicht nach 
Carholsäure riechenden Bückstand hinter- 
lassen.^ 

Aoidum sulfaricum. Es wird die Prüfung 
auf Selen resp. Selensäure vorgeschrieben : 
„ Werden 2 ccm der Schwefelsäure mit 2 ccm 
Salzsäure, worin ein Körnchen NalriumsulfU 
gelöst worden y ilberschichtet, so darf weder 
eine röthliche Zone, noch heim Erwärmen 
eine rothgefärbte Ausscheidung entstehen,^ 

Acidum solforioam crudnm soll (wie auch 
die rohe Salzsäure, vergl. Pharm. Centralh. 37, 
612) auf Arsen geprüft werden: j^Mit dem 
3 bis 4 fachen Volumen Sdlesäure und mit 
einem Streifen Zinnfolie versetet, darf sich 
die Säure nicht sofort bräunen.'^ 

Acidum sulfuricum dilutum. Nichts ver- 
ändert. 

Acidum tannicum. Der Satz : „ ^ ? hinter- 
lasse beim Einäschern einen unwägbaren 
Bäckstand*' wurde abgeändert in: »l g 
hinterlasse beim Einäschern keinen wäg- 
baren Böckstand,** da ja auch das Tannin 
von der Beinheit sein kann, dass es ohne 
allen Bäckstand verbrennt. 

Chinoidinum. Der Artikel hat folgenden 
Wortlaut erhalten : „Braune oder schwarz- 
braune harzähnliche Masse, leicht zerbrech- 
lich, mit muscheligem, glänzendem Bruche, 
in Wasser wenig löslich , beim Sieden darin 
schmelzend; leicht löslich in angesäuertem 
Wasser, Weingeist und Chloroform su sehr 
bitter schmeckenden Flüssigkeiten, von denen 
die beiden lästeren rothes Lackmuspapier 
bläuen. 1 g Chinoldin muss sich in einer 
Mischung von 1 ccm verdünnter Essigsäure 
und 9 ccm Wasser in der Kälte klar oder 
nahezu hlar lösen. 1 g Cbinoldin sei in 
10 ccm kalten, verdünnten Weingeistes klar 
löslich. Beim Verbrennen darf es nicht melir 
als Q,7 pCt, Asche hinterlassen." Die 



*) Nach Archiv der Pharmacie. 



213 



durch Carsivscbrift heiTorgefaobenen Ab- 
ändernogen erklären sich von selbst. 

Chloralum hydratnxn. Die Prüfung auf 
Säaregehalt ist bestimmter gefasst bezw. 
versch&rft worden: ^Die Lösung yon 1 g 
€hloralh7drat in 10 com Weingeist darf blaues 
Lackmaspapier erst beim Abtrocknen schwach 
röthen nnd, nach dem Ansäuern mitSalpeter" 
säare, durch Silbernitrat nicht sofort ver- 
ändert werden. 

Chloroformiom. Bezüglich der Prüfung 
auf freies Chlor wird das unsichere Verfahren 
mittels Jodkaliumlösung fallen gelassen und 
dafür folgendes vorgeschrieben : „ Wird das 
Chloroform mit Jodzinkstärhetösung ge- 
schüttelt, so darf weder eine Bläuung der- 
selben^ noch eine Färbung des Chloroforms 
eintreten." 

Chryaarobmnm, 

Extractnm Scillae, 

Eztraettun Seealis cornuti, 

Extractnm Strychni, 

Extractum Tarazaci, 

Extractnm Trifolii fibrini und 

Hydrargymm eyanatum 
haben keine wesentlichen Veränderungen er- 
fahren (was bezüglich der Extracte z. Z. wohl 
anch das Beste ist , denn unsere seitherigen 
Extracte können wir doch so wie so nicht in 
eine Editio tertia der Pharm. German. mit 
hinübemehmen. Anm. d. Kef.).j 

Hydrarg3rrum jodatum. Das Jod soll 
unter Besprengung mit Weingeist (statt ;,mit 
einigen Tropfen^ Weingeist) mit dem Queck- 
silber zusammengerieben werden, bis auch 
unter mehrfacher Vergrösserung keine Qneck- 
silberkügelchen mehr bemerkbar sind. Bei 
Lichtabschlussm^e^mc^TFdfrme zu trocknen. 

Hydrargyrnm oxydatnm. Die Prüfung 
auf Salpetersäure ist nach dem Mylius'schen 
Verfahren auszuführen : „ Wird das Queck- 
süberoxyd in einem Glasrohre erhitzt, so 
dürfen die Dämpfe angefeuchtetes Lackmus- 
papier nicht röthen.^ 

Hydrargymm oxydatnm via homida 
paratnm .... „mit Oxalsäure (l=sl2) ge- 
schüttelt, liefert es allmälig weisses Oxalat. ** 

Hydrargyrnm pr&cipitatnm albnm. 
„Weisse Masse oder amorphes Pulver, fast 
unlöslich in Wasser ...,*' denn der weisse 
Präcipitat ist tbatsächlich nicht völlig unlös- 
lich in Wasser. „Beim Erhitzen im Probir- 
rohre sei der weisse Präcipitat, ohne zu 



schmelzen, unter Zersetzung ohne Bückstand 
flüchtig.» 

Hatriom aceticum. Giebt mit 1 Theüe 
(statt 1,4 Theilen) Wasser eine, rothes Lack- 
muspapier bläuende Lösung und ist in 1 Theüe 
(statt 2 Theilen) siedenden Weingeistes lös- 
lich. Zu den Identitätsreactionen kommt 
noch : „Die tvässrige Lösung des Salzes wird 
auf Zusatz von Eisenchlorid dunkdroth ge- 
färbt" — Die Prüfung der wässrigen Salz- 
lösung mit Schwefelammonium ist als zweck- 
los gestrichen und bei der Prüfung mit 
Silbernitrat wird der Zusatz von Salpeter- 
säure weggelassen (dagegen die Lösung mit 
einer gleichen Menge Wassers verdünnt), um 
neben dem Chlor auch noch andere Ver- 
unreinigungen, z. B. Phosphorsäure, arsenige 
Säure, Arsensäure, Ameisensäure erkennen 
zu können. 

Natrium bensoloum. Den Identitäts- 
reactionen ist hinzugefügt worden : „Eisen- 
chlorid ruft in der wässrigen Lösung einen 
voluminösen gelblichen Niederschlag hervor.^ 
— Die Prüfung des Salzes wurde durch die- 
jenige mittels HgS auf Schwermetalle ver- 
mehrt und die auf einen Chlorgehalt wurde 
präciser gefasst: „Die wässrige Lösung 
(1 = 20) Yiwt^b weder durch Schwefelwasser- 
stoffwasser^ noch durch Barjumnitrat ver- 
ändert. Mü dem gleichen Volumen Weingeist 
und der hinreichenden Menge Salpetersäure 
versetzt t darf sie di4rch SUbemürat nur 
opälisirend getrübt werden,^ 

Natrium bicarbonioum. Neben dem Salze 
in Krusten ist auch das in Form eines weissen 
Pulvers aufgenommen. Durch ein blaues 
Glas betrachtet, darf die durch das Salz g<- 
färbte Flamme nicht dauernd roth (statt „nur 
vorübergehend roth**) erscheinen. Im Glas- 
rohre erhitzt, entwickele das Salz kein Ammo- 
niak. Für die übrige Prüfung wird, unter 
Wegfall einer Prüfung in salpetersaurer 
Lösung, Folgendes vorgeschrieben: „Dio 
wässrige mit Essigsäure übersättigte Lösung 
(1 =50) darf durch Schwefelwasserstoffwasser 
nicht verändert und durch Barjumnitrat erst 
nach 2 Minuten opälisirend getrübt werden ; 
mit Silbemitrat darf sie erst nach 10Minut<>n 
eine weissUche Opalescenz geben. Die unter 
sanftem Umschwenken bewirkte Lösung von 
1 g Natriumbicarbonat in 20 com Wasser 
darf bei Zusatz von 3 Tropfen Phenolphtalein- 
lösung sofort nicht geröthet werden; eine etwa 
entstehende schwache Böthung n»uss durch 



214 



4 Tf^opfen Normalsalzsäure verschwinäen,^ 
— Die durch Cnrsivschrift hervorsrehobenen 
Abänderungen beziehen sich anf die Prüfnng 
anf Ammoniak, Katrinmthiosnlfat , Chlor, 
Arsen*, Schwermetalle und Monocarbonat, 
worüber in der Pharm. Centralh. schon zn 
wiederholten Malen ausführlich berichtet 
worden ist. 

Pulvis Ipeeaenanhae opiatns, 

Polyis Liqniritiae compositns, 

Pulvis Magnesiae cum Eheo, 

Pulvis Talci salicylatus (statt des sinn- 
losen „Pulvis salicylatus cum Talco"), 

Eadiz Althaeae, 

Eadix Angelicae, 

Eadiz Colombo, 

Eadix Gentianae, 

Snceus Juniperi inspissatns (soll „trübe 
braun'' statt „dunkelbraun^ sein), 

Succus Liqniritifte, 

Snceus Liquiritiae depnratus, 

Sulfnr depuratum, 

Sulfur präcipitatum, 

Sulfur sublimatum und 

Snmmitates Sabinae 
liaben keine Abänderungen erfahren. 

Tinotura Ferri acetici aetherea werde 
durch Mischen von 8 Theilen Eisenacetat- 
lösung, 1 Theile Weingeist und 1 Theile 
Essigäther nur zur Dispensation bereitet. 

Tinotura Ferri chlorati aetherea, 

Tinctura Ferri pomata, 

Tinctnra Oaliarum und 

Tinctura Oentianae 
sind unverändert geblieben. g. 



Arsengehalt des Liquor Ferri ses- 
quichlorati des Handels. 

G, Buchner macht darauf aufmerksam, dass 
fast alle EisenchloridflÜBsigkeit, welche von 
chemischeD Fabriken in den Handel gebracht 
wird, nicht unbedeutend arsenhaltig ist. Die 
Pharmakopoe nimmt bei der Prüfung des 
Liquor Ferri sesquichlorati auf einen etwaigen 
Arsengehalt keine Rücksicht, weil sie wahr- 
scheinlich von der Voraussetzung ausgeht, 
dass der Apotheker nach ihrer Vorschrift unter 
Benutzung der officinellen, reinen, arsenfreien 
Salzsäure den Eisencbloridliquor darstellt. 
Wohl die wenigsten Apotheker werden jetzt 
noch ihre Eisenchloridlösung selbst herstellen, 
besonders da diese zu äusserst billigem Preise 
im Handel ist, und dieses Handelsproduct, 



nach der Pharmakopoe untersucht^ sich zu«» 
meist ganz tadellos erweist. Versetzt man 
aber einige Cnbikcentlmeter des Handels- 
prodnctes mit Zink und Salzsäure \ um nach 
dem bekannten Prüfungsverfahren der Phar» 
makopöe anf Arsen zu prüfen, so erhält man 
fast immer eine deutliche Arsenreaction. Ver* 
muthlich kommt, um das Präparat recht billig 
herstellen zu können , eine nur oberflächlich 
von Arsen gereinigte Salzsäure zur Verwend- 
ung, vielleicht in dem Glauben , dass bei der 
Einwirkung der Säure auf das Eisen der Rest 
des Arsens als Arsenwasserstoff entweiche^ 
was jedoch nicht der Fall ist. Das Arsen- 
dürfte wohl als Arsensäure, resp. arsensaure» 
Eisenozyd im Liquor enthalten sein. g^ 

Chemiker 'Zeit 11, 417. 



Prüfung von Emplastram 
Lithargyri. 

Es kann unter Umständen erwünscht sein,, 
schnell feststellen zu können, ob ein Blei- 
pflaster nach Vorschrift der Deutschen Phar- 
makopoe mit Olivenöl und Schweinefett zu 
gleichen Theilen , oder nach Pharm. Austr. 
mit Schweinefett, oder nur mit Olivenöl oder 
mit Oelsäure (wie es Yon* Mohr zur Bereitung , 
von Heftpflaster empfohlen wurde) hergestellt 
ist. 

Die Untersuchung ist, wie Eremel in der 
„Pharmac. Post" mittheilt, eine sehr ein- 
fache: Ein mit Oelsäure hergestelltes Blei- 
pflaster ist in Aether vollständig oder nahezu 
vollständig löslich, da es fast nur aus Ölsaurem 
Blei besteht. — Ein mit Olivenöl bereitetes 
Pflaster wird entsprechend dem Gehalte des 
Olivenöls an Stearin- und Palmitinsäure auch 
die in Aether unlöslichen Bleisalze dieser 
festen Fettsäuren enthalten und es beträgt 
die Menge derselben in von Gljcerin und 
Wasser befreitem Pflaster 17 bis 20 pCt. — 
Ein mit Schweinefett hergestelltes Pflaster 
wird selbstverständlich noeh mehr Blei- 
verbin düngen der festen Fettsäuren, und zwar 
40 bis 50 pCt., enthalten. g. 



üeber Tinctura Opii sünplex. 

Th. Schlosser hat in einer Reihe sehr inter» 
essanter Versuche festgestellt, wie viel von 
dem in einer bestimmten Sorte Opium ent- 
haltenen Morphin in Lösung kommt, je nach- 
dem zur Bereitung der Tinotur ein mehr oder 



215 



minder starker Spirittts verwendet wird. Es 
kommen nämlich in Lösang: 69 pCt. des 
Morpkins, wenn die Tinctar mit 70proc. 
Spiritus bereitet wird; 72,3 pCt. bei Ver- 
wendung Yon 35proc. Spiritus; 73,3 pCt. bei 
Verwendung Yon 25proc. Spiritus; 75,1 pCt., 
wenn man das Opium mit der siebenfachen 
Gewichtsmenge Wasser macerirt und dem 
Filtrate die einem 25 proc. Spiritus entspre- 
chende Menge Alkokol zusetzt; SOpCt., wenn 
das Opium nur mit Wasser allein , und zwar 
mit der zehnfachen Menge macerirt wird. 
Kommt also Opium mit einem Gehalte von 
lOpCt. Morphin in Verwendung, so können 
in 100 g je einer dieser Tincturen in obiger 
Reihenfolge nur enthalten sein: 0,69 — 0,72 
— 0,73 — 0,75 — 0,80 g Morphin. g, 
Zeit d. Ö8t$rr. Apoth,- Vereins, 

Coca • Cigarretten. 

Dr. Nachtigal in Stuttgart bespricht die 
Tortrefflichen Eigenschaften der Coca, ins- 
besondere des Cocaweins als hungerstillendes, 
anregendes und belebendes Genussmittel bei 
anstrengenden Märschen oder sonstigen Stra- 
pazen, und empfiehlt dann ein ganz neues 
Product der Coca - Industrie — die Coca- 
cigarretten — der allgemeinen Aufmerksam- 
keit. Er schreibt darüber : „Zunächst ist der 



höchst angenehme, milde Geschmack und 
Geruch derselben zu rühmen. Nachdem ich 
sie selbst und an zuverlässigen Personen aus 
Bekanntenkreisen rersucht hatte, gab ich sie 
Asthmatikern , weiterhin bei katarrhalischen 
Affectionen der Athmungsorgane und schliess- 
lich auch bei Migräne, und zwar der nerrösen 
Form. Ich bin der Ansicht, dass die hierbei 
beobachteten , stets gleich günstigen Erfolge 
auf die massig anästhesirende Wirkung des 
Cocarauches auf die Nerven der in Betracht 
kommenden Schleimhäute zurückzuführen ist. 
Niemals waren dabei irgend welche nblen 
Folgeerscheinungen zu beobachten, so dass 
auch der „Nichtraucher'' oder solche, die den 
gewöhnlichen nicotinhaltigen Tabak wegen 
schlechten Magens nicht vertragen, ungestraft 
den Cocatabak rauchen können. Ich bin 
überzeugt, dass diese neueste Asthmacigarre 
die bisher gebräuchlichen aus Hyoscyamus, 
Stramonium , Belladonna etc. sehr bald und 
für immer verdrängen wird, und kann einen 
Versuch damit nur warm empfehlen. Ich 
glaube aber , dass der Cocatabak nicht nur 
bei Kranken , sondern auch Gesunden mehr 
und mehr Anklang finden und mit Recht sehr 
bald einen hervorragenden Platz in der Reihe 
der Genussmittel einnehmen wird.** g, 

Deutsche MediC'Zeit 



>.<-K.'\>%^\ 



liiteratnr und Kritik. 



Neues Pharmaeeotisclies Manual von 
Eugen Dieterich. 344 Seiten gross 
Octav. Berlin 1887. Verlag von 
eT". Springer. Preis eleg. gebunden 
7 Mark. 
Sehen vor Vollendung des in diesem Blatte 
während eines Zeitraums von 1^/4 Jahren 
veröffentlichten Neuen Pharmacentischen 
Haouals wurde der Wunsch laut, dasselbe als 
geschlossenes Ganze, in BncbfonD, in der 
Hand zu haben. Dem ist entsprochen worden. 
Es wird genügen, hierauf hinzuweisen ; die 
Leser der Pharm. Centralb. haben vollauf 
schätzen gelernt, wie sich das Die^encA'sche 
Manna! vor allen anderen ähnlichen Werken 
dadurch auszeichnet, dass es nicht eine ein- 
fache Zasammenstellnng von Vorschriften ist, 
dasa es alle unbestimmten Angaben überMen- 
ge, Zeit und Temperatur vermeidet, dass es nur 
erprobte und fßr eine grosse Anzahl Artikel 
ganz besonders ausgearbeitete Vorsehriften 
enthält Das f&r ein Manual beste Lob, ein 



durchaus zuverlässiges Buch zu sein, ver« 
dient das vorliegende in Tollstem Maasse. 

Durch Beigabe eines sehr ausführlichen 
Sachregisters wird die Brauchbarkeit des 
Manuals noch wesentlich unterstützt g. 



Compendiam der Arznelyerordnang 

von Dr. Oskar Liehreich und Dr. -4. 
Langgaard. „Medieinisches Becept- 
taschenbuch.'' Zweite Auflage. Ab- 
theilung L Berlin 1887. Tischer's 
medicin. Buchhandlung. 
Das vorliegende Werk kündigt sich als 
zweite Auflage des im Jahre 1884 erachie* 
neuen „Medicinischen Becepttaschenbuchs" 
an ; es hat aber die äussere Form als Taschen* 
buch abgestreift und birgt nun als Oompen« 
dium einen reich vermehrten Inhalt. Die 
alphabetische Anordnung der Arzneimittel 
ist beibehalten worden ; bei den chemischen 
und pharmacentischen Präparaten wird zuerst 



316 



die DamiUihnig nnd h%i den DrogMi die AIh 
stammmig dersell^B kurz gewfaildtfrt, dasmi 
fol^eti Angaibett fiber ZvaamneiiBetziing irnd 
^eosdrsfieii, Besprecbnog der Wirkimg, 
AntreDdmig md DeBimAg, den SckkiM maekt 
enre Aitsrwahl toh Beeeptfermeln. in Bezug 
avf letztere lo^ge zb bM&erkcn gestattet sein, 
daos Hecepte, wie das za der Iftiigst ata im- 
sinnige Mieebmig erkannte« X^fido^^sehen 
Aetzpaete webi wegbleiben k^^miten. 

So ?ie1 ans der vorliegenden I. Abtbeihmg 
zu ersehe» ist, wird das GompendHrm den 
neiMn und nenesten Mitteln insbesendere 
▼eile Berftoksiehügung zn Theil werden 
lassen und deshalb zweifetles seinen Platz 
anMh in Apotheken sehr nntzbringeird ans- 
fNtan. Es ist doch I/iebreich's Name mit 
den Forschungen über eine grossere Anzahl 
vewer Mittel eng yerknüpfl ond legt er doch 
vielfach anch avf die phamacentische Ans^ 
fBhrnng heben Werth. 

Die ftnssere Anstattong des Werkes ist 
tadellos. 



ff- 



ÜMidlNnii der allgemetiiea nmä s^ 
cMl6H Anni«fTerDr(ftiimiig8lebre. 

Auf Gründlage der neuesten Pharma- 
kopoen bearbeitet von Dr. G. Ä. Ewald, 
Professof an der UniversitÄt Berlin. 
Elfte neu umgearbeitete und ver- 
mehrte Auflage. Berlin 1887, Verlag 
von Aug. HirsehwcM. 
Das vorstehend genannte Haadbnch der 
ArzneiverordfMiiigriehre ist in aUen grosseren 
Apotheken wohlbekannt; es verdankt seine 
Beliebtheit bei den Apothekern zum nicht ge- 
ringsten Theile dem Umstände , dass es von 
der 2. Auflage an, d. h. seit länger als 30 
Jahren, immer von einem Arzt und einem 
Pllaiviaeenten (bis zur neunten Auflag«* der 
allbekannte Berliner Apotheker Dr. Simon) 
gemeinBchaffliieh herausgegeben wurde, wo- 
durch seine praktis^e BraucMark^it auch 
Ar den Apotheker gewissermaassen gai>antirt 
war. Wenn nun auch auf dem Titel der 
neuesten, elften Auflage nur ein Arzt als 
Herausgeber genannt ist, so ist doch durch 
ZuiielMiBg des Apotheker Dr. Dranke die 
sehr wichtige nnd fir den Erfolg des Buches 
nicht zu unterschätzende Mitarbeit eines Apo- 
thekers auch diesmal gewahrt 

Das Werk ist in allen seinen Theilen durch- 
gesehen, ergänzt und kritiech überarbeitet 
werden, gänslioh Veraltetes wurde ausge- 



schieden, Neues nach GkbtMnr verwertiiet 
Als eine wesenttiolieikweitemng und zigleteh 
sehr nGtzlidie Keuerung ist die BerückncM%- 
ung der au^ändischen Pfaairniafeo|if6en (Pbam. 
Austriaca, AnvericafBa, Brittani^i', Qallica, 
Hehetiea, Malica, Neerlandica vndNorwefnca) 
U9»d die Angabe der in den genaanten Ländern 
gebräui^liciieii Namen der Armehnittei zu 
bezeiehnen. Bei dem immer mehr zuneinveD- 
den Verkehr zwischen dm einzetoelif Knllnr- 
staaten und der grossen Verschiedenheit der 
ZusammenvetBungvieferolftcinelleD Präparate 
ist es iuT de« Arzt wie fir den ApMfaAer 
durehams netbwendig, einen Berather an der 
Hand zu hmben. Beispielsweise sei erwähnt, 
dass der Gehalt an Jodeisen im Sympne 9erri 
jodati der verschiedenen Fharmtfliep&en 
zwischen Ofi und 20 p€t. sdiwankt und dass 
das Extractum Aconit! der einen Pharmakopoe 
6 bis 7 Mai so e^ttriE Wirkt, wie das der an- 
deren. 

Im Uebrigen ist die fiintheiiung den Stoffes 
die seitherige, praktisch bewährte, geblieben. 
Die äussere Aosstaltug des Werkes läast 
nichts zu wünschen übrig* f. 



KaUncescUehte des Päanzeareichs. Grosser 

Pnanzenatlas mit Text ftlr Schule und Haus. 
80 fein colorirte Doptdtafeln mit überSOtK) 
imtutj^etreuen Abbildungen und 4^ Bogen 
begleitendem Text nebst yielen Holzschnitten. 
Herausgegeben von Dr. M. JB^fetück, 
Priratdeeeat am KOnigl. Polytechnikum zu 
Stuttgart. 40 Lieferungen li 50 ^ oder 
elegant in Prachtt»and gebunden fh Jf. 
Emil HämBOmm/in's Verlag in Stnttgurt. 
Die ersten 4 Hefte entfad^ als Einleitung 
einen kurzen, durch eine grosse Anzahl Holz- 
schnitte erläuterten Abriss der GestaHüehre. 
Hierauf folgt bis Heft 14 eine ausA^lichere 
Besprechung der blUthenleeen Pflanzen, eben- 
falls dureh sahireiche Holaschnitte erläutert. 
Ueberall sind die praktischen Bedürfoisse in den 
Vordergrund ffestellt; so sind beispielsweise der 
fftr den Haunialt des Mensehen so wi^Migen 
Familie der Hautpilze allein circa 9 Tafeln und 
3 Bogen Text anc^ewiesen. Mit Heft 15 beginnt 
die Behandlung der Blüthenpflanzen. deren Dar- 
stellung bis zu Ende stets fleh gleidibieibende 
Sorgfalt eikennen lässt. 

äbrlss der cheuUschea Techatiogie mit be- 
sonderer Rücksicht auf Statistik und Preis- 
yerhältnisse. Von Dr. Chr, HeinfeHinff, 
Doeent an Polyteehnikum in Zirfch. Erste 
lieferung. Pros 2 Jf, Cassel und BerMn 
1887. Verlag von Theodor FMur, 
Wir werden auf das Werk surUckkommen, 

sobald eine Anzahl Lieftnrsngen desselben er^ 

schienen sind. 



217 



tem QiUfmMlNip». Ein Handbncli 4er 
UfilerstMfeniDg, Prfiftmg «Ad Wertbbesttn»»- 
nng aner Handelswaären, Natur- und Kunst- 
enenmisse. Gifte, Lebensmittel, G^beim- 
Mlltei «^c. Zweite «mgeflrbeitete Auflftf^e, 
h^mvs^^ebeift T<m Dr. H. Hager «nd Dr. 
E. Hoiäerfiumn. Zwölfte «nd dreizehnte 
lA^mmg. (Zweiten Bandes dritte vnd vierte 
Liefern«^.) Leipzig 1887. Hörnst Oünthers 
Verlag. _ _ ^_ 

ZMülVm flT' MWVlMeftSilitflli. Ori^iial- 
abhundtiuigien and Berichte. Heransipe^eben 
im Auftrag des naturwiesenscbaftlichen 
Verefas för Sachsen und Thüringen v(wi 
Dr. Br<M9 in Marbtirg. Geb. Bergrath 
Dmnker. Pteiherr von FrHs^^, Plrofessor in 
Hdle. Ptnf. I>r. Oürcke in Berlin. Prof. 
Dr. Kfiöbkntch, Geh. Beg.-Rath, Prflsident 
der Leeipoldlniflchen Academie der Natnr- 
foTBcber in Ha&e. Geh. Kath Prof, Dr. 
Ijgu^mH in Leif>«ig. Prof. Dr. Lueäeeke in 
Haue. Prof. Dr. %. SdUmidt in Marbvrg 
nnd Privatdocent Dr. Zönf in Halle. Der 
ganzen Reihe LIX. Band. Vierte Folge. 
Fflfefter Band. Fflnfles Heft. Mit 1 Tafel 



Preis pro Jahrgang (6 Hefte) 16 uT. 
Halle a. S. 18b6. Verlag von Tausch dt 
^^ Grosse, 

MMUgrapMe dta Sdenees HedtealM. Index 

möthodiqve et catalogne descriptif des livreis 
et jovrnanx. Anciens et modemes , francais 
et Tangers sxn les sciences m^dicaies. Prix, 
franco par la noste, 2 fr. 50 cts. Paris, 1887. 
Librairie, J.-B. Boilli^re et flls, Rne Hante- 
feaille 19. 
FMs4i8le. Chemisehe Fabrik von lax Jif^. 
Berlin SW. , Kommandanten - Strasse 82. 
Febniar 1887. 

hrehi - YemleMss von Oiesar ft Loretx in 

Haue a. 8. Special -Handlnne^ fffr regeta- 
btlische Drogen in gansem nnd bearbeitetem 
Zustande. Ptrlyerisir- nnd Sehneide-AnstaH 
mit Dampfbetrieb. Anfang April 1887. 

PMswrteMnl« Hr. 10 Hlkroskoftfcher Priyt- 
rate Ton J. EHne ft 0. Mller. Berlin S., 
Prmsenstrasse 71. 1887. 

PMS'LtsU der Fabrik ftlr mediciniscbe Verband- 
stoffe, gestrichene nnd gerollte Pflaster von 
Apotheker E. WeMe, Königsberg i. Pr. 
April 1887. 



"•-^ W x-' / 



lllscellen. 



Geheimmittel und XarpfoftchereL 

Die Polizeibehörden verschiedener Städte 
nnd der Ortsgesnadheitsrath in Karlsruhe er- 
lasseli weiinre wametide Bekanntmachangen 

vor: 

1. Simpson'sche Lotion gegen „Tanb- 
heit* ist Gljcerin, dem etwas Aether nnd Al- 
kohol beigemischt ist; der Inhalt der um 4 uff 
50 4- abgegebenen Flasche hat einen Werth von 
etwa ib4, 

2. Hartzema^s Hflmaton, „ein erfdlg- 
reichee Universal-Medieament geeen Gicht nnd 
Rhevnmtismns*', ist eine mit indifferenten or- 
ganischen Sttbatanzen versetite sahrsanre LOanng 
ven Bbenehlorid nnd Kochsah. Der Verfertiger 
ist ein schon mebrikch, n. a. mit 2 Jahren 
ZeUengefibigmflB bestrafter Apothekergehfllfe. 

3. fttdian Pflaster, „ein sicher wirkendes 
Mittel gegen Flechten aller Art'', ist Emplastmm 
fascom mit einem kleinen Znsatz von Peru- 
balsam. 

4. Dr. Lieber'B Nerven-Kraft-Elixir, 
„ein Kiltel znr dauernden, rsdicalen nnd siche- 
rn HeUttig aHer, seihet der hartnftckigtten 
Nertenldd^^S ist ein Aloe enthaltender aroma- 
tisch - bitterer Sohnaps. Verfertiger sind ein 
schon oft nnd wegen jBetmgs schwer bestrafter 
Wondinmeidieiier nnd dessen ebenfalla schon 
heatnifke Mutter. 

5. Nicholton's patentirte vervoll- 
kommnete künstliche Ohttrommeln, 
„ein sidieres Ifittel gegen Tanbheit^ sind eine 
Modiflemkion der sehon lingat bekannten kfinst- 
HeneB TkoBBrneifeHe. Dan Paar soieher Ghi^ 
trommeln kostet SO bis 42 uT, wShrend die Her- 
BtellnngskosteB kaum 1 Uf betragen. 



6. Die Dentsche Gesnndheits-Com- 
pagnie in Berlin wird von dem bekannten 
bandwarm -Heilkfinstler Eich. - Mohrmann und 
dem wegen seines Buches „Der Jugendspiegel" 
anrüchigen Schriftsteller Bernhardt geleitet. 
Die beiden Pfascher beuten das verfrauens- 
selige Publikum in unverschämtester Weise aus 
durch Abgabe von Mitteln zu unerhört hohen 
Preisen. 

7. Dr. Bödiker k Co. in Hannover ver- 
senden ein Büchlein „Krankentrost für akute 
und chronische Krankheiten" und empfehlen 
zugleich allerhand sehr theure, aber nichts- 
nutzige Ifittel, wie Hjdrops-Essenz, Kmft-Elixir, 
Barterzengnngsmittel, Mittel gegen Tronksucht, 
SchOnheitswasser etc. 

8. Ein gewisser Chader in Genua empfiehlt 
sich in vielen Zeitungen als Augenarzt; der- 
selbe verlangt bei Anfragen znvorige Einsendung 
von 60 Francs, l&sst aber nach Empfang des 
Geldes nichts mehr von sich horen. 



Antlidie BtktsitDiMhifgei, Venrlnng«»», 
RoielttgerkiitBeiituheMangeii ek. 

Beehtsprechung. 

Verkauf von Anis, welcher 6,86 pCt. erdige 
TheDe enth&lt, durch einen Kaufmann, der naco- 
weislich für genaue Aussiebun g seiner Waare Sorge 
getragen hatte, ist nicht als Vergehen gegen 
das l7ahrungsmittelgeseta bestraft Meinungs- 
verschiedenheit der Sacbverstftndigen üb^r oen 
höchsten zulässigen Gehalt von Anis an Erd- 
theUen. § 10 Qes, vom 14. Mai 1879. 

Entscheidung des Konigl. bayerischen Land- 
gerichts KU Fürth vom 7. Juli 1886 gegen JB. 



218 



Gründe: 

Es ist thatsftclilich festgestellt, dasB die im 
Herbste Torigen Jahres vom PoliEeioffizianten 
0. di^er dem Laden des Angekläfften ent- 
.nommene Anisprobe 6,86 pCt erdige Tneüe ent- 
hielt Es liegt jedoch kein Beiweis dafür Yor, 
das« dem JB. wegen des genannten Procentsaties 
Sand oder Erde irgend ein Verschulden trifft. 
Der Zeuge J, Th, fnngirt seit drei Jahren als 
Anslanfer bei B. nnd bekundet, dass er Ton 
diesem streng angehalten ist, bei der jedes- 
maligen Anffüllong des Anis, diesen genan ans- 
SU denen, dass er den ihm gewordenen Befehl 
jedesmal nnd swar seit drei Jahren genan ans- 
geftthrt bat nnd hierbei vielfach von seinem 
Dienstheirn überwacht worden ist BesOglich 
der Frage, ob dorch sorgfftltiges Sieben der 
Anis, der bei der Ernte mit Erdtheilen ver- 
unreinigt wird, soweit gereinigt .werden kann, 
dass der zu verkaufende Anis nicht mehr als 
8 pCt. Erdtheile enthftlt, welchen Procentsatz 
Dr. ü. als unbeanstandbar erkl&rt, gehen die 
Ontachten der Sachverständigen Dr. L. und 
Johann BapM St. auseinander. Lettterer ver- 
neint dies nnd ersterer glaubt, dass es möglich ist. 
Immerhin giebt Dr. L. soviel tu, dass es sehr 
schwer ist, sn Fagen, ob bei dem im Handel 
befindlichen Anis nicht auch bei sorgf&ltieem 
Sieben Aber 6 pCt erdige Theile der Waare bei- 
gemengt bleiben. Hiemach büdet selbst das 
strengere Urtheil des Dr. L. keine sichere Grund- 
laffe für die Annahme, dass der Angeklagte in 
fenrUssiger Weise mit Erde vennengten Anis 
in seinem Laden feilgehalten hat. Das Glutachten 
des Dr. X. muss bei Beurtheilung der Schnld- 
frage nm so vorsichtiger behandelt werden, als 
die Chemiker mit geringen Proben zu mani- 
pnlir^ pflegen, und bei diesen die Reinigung 



mit einem Siebe selbstverständlich die Beduc* 
tion auf einen g[eringeren Procensatz von Ün- 
rath ermöglicht ist, als bei grosseren Quanti- 
täten von Anis, mit denen Eamleute zu rechnen 
haben. Da Dr. X. angegeben hat, dass er mit 
Dr. H. in E. in Verkehr trat, um Anhaltspunkte 
dafür zu gewinnen, welches Quantum von 
erdigen THeilen beim Anis als unbeanstandbar 
zu erklären sei, dass beide Sachverständige ur- 
sprünglich in Bezug auf die Fehl -Grenze uneins 
waren, nnd dass den Chemikern in Bezug auf 
den Anis eine er^ebige Praiis nicht zurSeite 
steht, ferner, da eine gesetzliche Vorschrift da- 
für, welcher Procentsatz von erdigen Bestand- 
theilen im Anis nicht zu beanstanden ist, nicht 
ezistirt da endlich die von den Chemikern auf- 
gestellten Regeln rechtliche Beachtung nur 
dann verdienen, wenn sie mit den Productions- 
und kaufmännischen Verhältnissen in Ein- 
klang i^ebracht werden kOnnen, so hat das Ge- 
richt die Ueberzeugung gewonnen, das auf Grund 
des von Dr. L. abgegebenen Gutachtens eine 
Verurtheilung des Angeklagten ebensowenig 
eintreten kann, als nach Maassgabe des Gut- 
achtens des qu. St, welcher bestimmt erklärt 
hat, dass B. seinen Kunden reineren Anis nicht 
liefern kann, es sei denn, dass er solchen vor- 
her wäscht oder ausliest Das Waschen ist 
ausgeschlossen, weil hierdurch die Waare un- 
verkäuflich wird, kein Eaufmannsgnt mehr bildet, 
und letzteres können wohl die Consumenten 
beim Einkauf kleinerer Quantitüten besorgen, 
es kann aber dem Kaufmann nicht zugemuthet 
werden, weil es diesem rein unmöglich ist 

Bei der vorgeschilderten Sachlage hat der 
Berufungsrichter gleich dem Unterrichter die 
Ueberzeugung gewonnen, dass der Angeklagte 
des ihm zur Last gelegten Beates nicht Über* 
führt ist 



Offene Gorrespondenz. 



Apoth. 8* in G« Ester sind Säureäther, ge- 
wissermaassen Salze, bei denen die H -Atome 
der Säure durch ein einwcrthiges Alkohol -Ra- 
dical ersetzt ist Sie bilden sicn bei Einwirkung 
von Säuren auf Alkohole, unter gleichzeitiger 
Bildung von Wasser, z. B. Aethjialkobol C« Hs . 
OH + Essigsäure CH. . COOH = Essigsäure ^ 
Aethjlester, vulgo Essiffestcr« CH, . COO . CH, 
-|- H«0 oder Amylalkohol C5H11 . OH + Ameisen- 
säure H . COOH = Ameisensäure - Am jlester 
H . COO . C5H1, -I- HtO. Die Ester charakte- 
risiren sich somit als Alkohole, deren Hydrox^l- 
wasserstoff durch ein Säure -Radical ersetzt ist 
Essigester ist unser Aether aceticus. 

4|H>t^.K.mZ« Reinigungkujjferhaltiger 
Extracte? Abgesehen davon, ob die Behandlung 
eines kupferhaltigen Extracts mit Natriumhjpo- 
sulfit wirklich eine „Reinigung*' des Extractes zu 
nennen sein dürfte, ist es uns ^nz unverständlich, 
wie sich viele Fachzeitschriften wiederholt mit 
diesem Thema beschäftigen kOnnen. Es ist doch 
nur zweierlei denkbar; entweder der Apotheker 



bereitet das Eitract selbst und da wäre es 
schlimm, wenn er sich vor dem Kupfer nicht 
zn schützen wüsste, oder er bezieht aas fertige 
Extract und da wird er sich doch nicht dazu 
hergeben, das kupferhaltige Fabrikat eines 
Schmierfinken (denn wer kupferhaltige Extracte 
zum Verkauf bringt, ist ganz sicher einer) lu 
„reinigen.^ 

Nt ȧU Dank der Auskunft eines unserer 
Leser smd wir in der Lage, Dmen über rfijri' 
detikon^* etwas| Näheres mittheflen zu können. 
Syndetikon ist „garanürt reiner flüssiger Fisdi- 
leim, stets fertig zum Gebrauch, klebt, leimt, 
kittet Alles.'* £an guter flüssig^ Leim, wozu 
Sie Vorschriften in der Pharm. Centralh. finden, 
wird wohl dasselbe thun. 

Apoth, M. in L« Ueber die Bestimmung des 
Zuckers im Harn mittels CyanqnecksÜber wollen 
Sie gefälligst im Pharm. Kalender L Theil, 
Seite 102 nachlesen. 

Um Angabe der Vorschrift zu der „Perrini- 
sehen Worcestershire Sauce wird ersucht** 



Yerln^r vad ▼•natwortllelkOT Redaetciir Dr. E» Oelftler In DrMden. 

Im Bvcbhaiid«! doreh Juli«« Springer, Berlin H., Monb^onplAts 8. 

Drvck der Kdalffl. Hoffimchdniekerel von C. 0. Melnhold ft Sdhne In Dreedes. 



Pharmaceutische Centralhalle 

für Deutschland. 

Zeitung fUr wissenschaftliche nnd geschäftliche Interessen 

der Pharmacie. 

Heraosgegeben von 

Dr. Hennann Hager und Dn Ewald Geissler. 

Encheint jeden Donnerstag. — Abonnementspreis durch die Post oder den Bncbbandel 

riertelj&nrlicb 8 Mark. Bei Zusendung unter Streifband 2fiO Mark. Einzelne Nummern 

35 Pf. Inserate: die einmal gespaltene Petit- Zeile 25 Pf., bei grosseren Inseraten oder 

Wiederholungen Rabatt. 

Anfragen, Aufträge, Manuscripte etc. wolle man an den Redacteur Prof. Dr. E. G ei ssler, 

Dresden, Pillnitzer Strasse 56 adressiren. 

Neue Folge 
YIIL Jahrgang. 



MIS. 



ßerlin, den 5. Mai 1887. 



aar: 



Der ganzen Folge XXVIII. Jahrgang. 



Inhaltx €a«Bl« BBS PkAnuMl«: Dia Helfenberger Opiam-PrOfaDgtmetbode ond ihre Modifleation dnreh 
Sehliekam. — Üeber Berbertn. — Moliseh* Zackerreaetlon. — Yerwondung arteDhaltiger roher SalEaänre snr 
Kohlenfläoreeraengung bei Blerdmckftpparaten. — Pillen mit Ammonium pieronltrlenm. — Ghlorsinkpaiten. — 
Obiftten snr Verabrclebnng scbleoht schmeekendor FlOMlgketton. — Neave's Kindermehl. ~ Dentocbe Natur» 

foneherversamminng. — Offene CorrefpOBdeai« — iBielgeB« 



Ctaemle und Ptaarmadee 



Die Helfenberger Opium-PrüfangB- 

mefhode und ihre Modification 

dorch Schlicknm. 

Mittbeiinng der Papier* und chemischen Fabrik 
Eugen JHeUrich, in Helfenberg bei Dresden. 

Während wir uns in unseren früheren 
Arbeiten darauf beschränkten, die Methode 
der Pharmakopoe nach allen Seiten hin 
ausznprobiren, dehnten wir die späteren 
YersQche anf weiter gehende Gombina- 
tionen aus und gelangten durch die hier- 
bei gesammelten Erfahrungen schliesslich 
dahin, ein eigenes Untersuchungsverfahren 
für Opium aufstellen und veröffentlichen 
zu können (Pharm. Centralh. 1886, Nr. 43 
u. 44). Die hierbei gemachten {positiven 
Vorschläge mussten nothwendig die Kritik 
heransfordem und zu Control -Versuchen 
anregen. Wir durften denn auch kurz 
nach unserer PubUcation bedeutende Ab- 
handlungen über denselben Gegenstand 
von iSfeWfVsfcim (Archiv d. Pharm. 1887, 
1. Januarheft), Fischer (Pharm. Ztg. 1887, 
Nr. 28) und Beckurts (Pharm. Centralh. 
1887, Nr. 14 u. 15) und zwar freudig 
begrüssen. 



Die beiden letzteren finden die von 
uns gemachten Angaben bestätigt, wo- 
gegen Herr ScMickum unsere Methode 
für zu difficil hält und deshalb eine 
Modifleation für dieselbe vorschlägt. Wir 
befinden uns daher in der Nothwendig- 
keit, unseren Untersuchungsgang ver- 
theidigen und im Anschluss hieran die 
SchliclMfn' sehen Vorschläge kritisiren zu 
müssen. 

I. 

Es ist uns eine angenehme Pflicht, 
den Scharfsinn und die Gründlichkeit, 
mit welcher Herr Schlickum die Opium- 
frage behandelt und die einzelnen Metho- 
den beleuchtet, in erster Linie anzuer- 
kennen. Der Herr Verfasser geht ganz 
richtig von den Eigenschaften der Opium- 
alkaloide und den Modalitäten der in 
Frage kommenden Verfahren, aus, um 
dann hieraus seine Ansichten zu ent- 
wickeln und Kritik zu üben, beziehentlich 
Verbesserungsvorschläge zu machen. Die 
gezogenen Schlüsse sind unzweifelhaft 
in den meisten Fällen scharf und theo- 
retisch wohl begründet, so dass die Arbeit 
sich mit grosser Ueberzeugungskraft ein- 



220 



itihrt Bekanntlich aber befinden sieh 
Theorie und Praxis nicht immer im Ein- 
klang und es tritt nur zu oft an den 
Forscher die Nothwendigkeit heran, seine 
scheinbar unumstösslichen Theorien durch 
praktische Versuche zu legalisiren. 

Wir bedauern (wie B. Fischer) den 
Mangel von Zahlenbeweisen in der 
Schltckum sehen Arbeit und meinen, dass 
von der Verpflichtung, solche Arbeiten 
ziffernmässig zu belegen, die Versicherung 
anderweiter Beschäftigung (Apoth. Ztg. 
1887, Nr. 30) nicht entbinden könne. 

Wenn Herr ScMickutn übrigens (1. c.) 
zu glauben scheint, dass nur e r Versuche 
„mit den mannigfaltigsten Com- 
plicationen und Variationen'' 
ausgeführt habe und wir dagegen „nach 
wenigen feststehenden Methoden" 
gearbeitet hätten, so befindet er sich sehr 
im Irrthum. Auch wir sind erst durch 
ein genaues und gründliches Studium, 
welches ebenfalls reichlich mit „Gompli- 
cationen und Variationen" der Versuche 
verknüpft war, zu unserem Verfahren 
gekommen, wenn auch unsere diesbezüg- 
liche Veröffentlichung davon nichts er- 
wähnt und sich auf das zum Verst^ndniss 
Nothwendige beschränkt. 

Wir werden diese Versuche demnächst 
publiciren, um den Beweis für das oben 
Gesagte zu liefern und um femer die 
Gegner zu einem gleichen Handeln und 
zum Nachholen des Versäumten zu ver- 
anlassen. 

In der Kritik unserer Methode erkennt 
Herr SchUcJsum unser Verfahren, die 
grösste Menge des Narkotins durch einen 
Theil Ammoniak auszufällen, als rationell 
an und hat auf diesem Wege gute Re- 
sultate erhalten. Sein anfänglich günstiges 
Urtheil schlägt bald in das Oegentheil 
um und er s^ Seite 13: 

91 Wie sehr mich auch anfangs die 
nach dieser (Helfenberger) Methode 
ausgeführten Analysen befriedigten, 
so nahm ich hei später toiederholten 
Untersuchungen grosse Morphinver- 
luste wahr, wenn nicht eine Über' 
grosse Vorsicht beim Neutralisiren 
mit Ammoniak geübt wurde etc." 

Angenommen, was aber nicht der Fall 
ist, wir hätten Neutralisation bei unserem 



Verfahren vorgeschrieben» so sind wir 
sicher berechtigt zu der Frage: 

Wie gross waren denn jene 
Verluste? 

Wir zweifeln gar nicht, dass Herr 
Schliekum Verluste hatte; um aber Ver- 
gleiche anzustellen, müssen wir die Zahlen 
kennen lernen. 

Anschliessend an den oben citirten 
Satz sagt Herr Schliekum weiter: 

„Die Ausscheidung des Morphins 
schliesst sich beim ersten Tropfen 
Ammoniak an, der Über den Punkt 
der Neutralität zugesetzt ist." 

Auch diese These, welche in Bezug 
auf Neutralität die vorige Aengstlichkeit 
verräth, entbehrt der ziffemmässigen 
Begründung, so plausibel sie theoretisch 
erscheint. 

Da Herr Schliekum unsere Methode 
an der Neutralisation scheitern lässt, so 
wird er uns die weitere Frage gestatten 
müssen : 

Wo steht denn in unserer 
Methode, wie sie auf Grund 
der Voruntersuchungen schliess- 
lich in Nr. 44 der Pharm. 
Centralh. Jahrg. 1886 festge- 
stellt ist, etwas von Neutrali- 
siren und wie kommt Herr 
Schliekum dazu, die so gefähr- 
liche Neutralisation in unsere 
Methode einzuschieben? 

Bei unseren Voruntersuchungen, wie 
sie in Nr. 48 der Centralhalle nieder- 
gelegt sind, hatten wir allerdings die 
Entdeckung gemacht, dass der aus einem 
wässeri^enOpiumauszug durch Ammoniak- 
Neutralisation gewonnene Niederschlag 
zum ffrössten Theil aus Narkotin bestand 
und frei von Morphin war. 

Wir hatten uns damit aber keineswegs 
beruhigt, sondern (s. S. 532) sofort zu 
erfahren gesucht, ob genaue Neutrali- 
sation nöthig sei. 

Wir erfuhren bei Anwendung der uns 
zur Verfügung stehenden Opiumsorten, 
dass jede Portion Auszug 1,3 bis 1,7 ecm 
Normal -Ammoniak zur Neutralisation 
bedurfte, dass aber bei Anwendung 
selbst der doppelten Menge Nor- 



221 



mal-Ammoniak Morphinverluste 
nicht eintraten. Der Umstand, dass 
verschiedene Opiumsorten verschiedene 
Ammoniakmengen zar Neutralisation be- 
dürfen, war uns also schon früher be- 
kannt. 

Nachdem sich die Morphin-Ausbeuten 

fleich blieben, ob wir 1,5 bis 3 ccm 
Formal -Ammoniak zum Ausfällen des 
Narkotins verwendeten, entschlossen wir 
uns zu 2 ccm , weil der durch mehr 
Ammoniak reichlicher entstandene Nieder- 
schlag das Filtriren erschwerte, ohne 
dass dadurch ein reineres Morphin er- 
zielt worden wäre. Bei dem grossen 
Umfang unserer Arbeit unterliessen wir 
die Einzelbesprechung jener Analysen, 
holen aber heute das Versäumte nach. 
In unserer schliesslich normirten Methode 
durften und mussten wir das Wort: 
„ Nentralisiren '' fallen lassen, 1. weil 
nicht sie, sondern die Ausfüllung des 
Narkotins den Schwerpunkt bildete, und 
2. weil durch die von uns vorgeschrie- 
bene Ammoniakmenge der Neutralisations- 
punkt weit überschritten wurde. 

Unsere Methode lässt bekanntlich 6 ccm 
Normal -Ammoniak anwenden und zwar 
2 ccm zum Ausfällen des Narkotins und 
4 ccm zum Ausscheiden des Morphins. 
Wird die erstere Menge erhöht, so muss 
von der zweiten entsprechend abgebrochen 
werden, so dass die Gesammtmenge 6 ccm 
beträgt. Wir werden in den folgenden 
Versuchen nur die Ziffern der Ammoniak- 
mengen aufführen und schicken voraus, 
dass die erstere Menge zum Ausfällen des 
Narkotins und die zweite zum Ausscheiden 
des Morphins benutzt wurde. 

Zur Verwendung kam ein Smyrna- 
Opiam, dessen w&s^riger Auszug 1,5 ccm 
Normal- Ammoniak bedurfte. 

Nachfolgend legen wir die erzielten 
Werthe vor: 

a) 2:4 ccm Normal- Ammoniak: 



12,14 ] 


pGt. Morphin, 


12.00 


ti 


II 


11,90 


II 


if 


12,82 


1) 


II 


12.30 


II 


II 


il,9Ö 


»1 


II 


12,29 


II 


II 


12,23 


>» 


II 


12,36 


1». 


II 


12,80 


II 


II 



12 
13 

15 
16 

17 
18 
19) 
20) 



II 
♦I 
II 
II 
II 
II 
II 
»I 



»1 



II 



I» 



II 



I» 



II 
I» 
II 
II 
II 



II 



1» 



V 
II 



II 

II 



II 
II 



II 



II 

I» 



II 



II 



b) 3:3 ccm Normal -Ammoniak: 
11) 12.30 pCt. Morphin, 

12,20 
12.12 
12,05 
11,90 
12,22 
12,09 
11,98 
12,42 
12,29 

c) 4:2 ccm Normal -Ammoniak: 

21) 11.42 pCt. Morphin, 

22) 11.40 

23) 12,00 

24) 11.89 „ 

d) 5:1 ccm Normal - Ammoniak : 

25) 10,72 pCt. Morphin, 

26) 10,80 

27) 11,12 

28) 10,92 „ , 

e) 6 com Normal -Ammoniak anf einmal: 

29) 10,58 pCt. Morphin, 

30) 10,42 

81) 10,55 

82) 10,81 

Bei d und e resultirte nach Zusatz der 
ersten Portion resp. der ganzen Menge 
Ammoniak infolge der grossen Menge 
Niederschlags weniger Filtrat, so dass 
wir uns mit einem Filtrat, welches nur 
3 g Opium entsprach, begnügen und den 
weiteren Ammoniakzüsatz bei d ent- 
sprechend reduciren mussten. 

Nachdem wir schon bemerkten, dass 
die benützten OpiumauszOge nur 1,5 ccm 
Normal-Ammoniak zur Neutralisation be- 
durften, so wurde bei Gruppe b zum 
Ausfällen des Narkotins noch einolal 
so viel Ammoniak angewandt , als nach 
Ansicht des Herrn Schltckum hätte ge- 
nommen werden dürfen;* die Neutra- 
lisation, welche nach Schltckum „nicht 
um einen Tropfen Ammoniak" 
tiberschritten werden darf, war bei diesen 
Versuchen energisch überschritten, aber 
ohne dass, wie auch Beckurts be- 
richtet, weniger Morphin gewonnen 
worden wäre, wie bei Gruppe a. Die 
Grenzen liegen also recht bequem aus- 
einander und die guten Besultate, welche 
wir früher und jetzt erhielten, sind 
nicht, wie Herr Schlickum Seite 14 
sagt, nur durch äusserste Sorgfalt 
bei der Neutralisation erreicht. 
Bei allen unsem zahlreichen Analysen 
nach eigner Methode haben wir ohne 
Unterschied erheblich übersättigt und 
Herrn Schlickum muss, wenn er sich 



222 



genau an unsem Gang hielt und zum 
Ausfällen des Narkotins 2 ccm Normal- 
Ammoniak verwendete, genau dasselbe 
passirt sein, da uns bis jetzt noch kein 
Opium vorkam, das mehr als 1,7 ccm 
Normalammoniak zur Neutralisation be- 
durft hätte. Wenn Herr Schlichum gegen- 
theilige Beweise besitzt, so sehen wir 
deren nachträglicher Veröffentlichung sehr 



gern entgegen. 



II. 



Die SchltcJcuni'sGlie Methode lehnt sich 
an die unsere insofern an, als sie eben- 
falls durch Ammoniak zuerst das Nar- 
kotin und dann erst das Morphin aus- 
scheidet, dies aber aus weingeistigem 
Auszug thut und durch Abdampfen eine 
neutrale Lösung zu gewinnen sucht. Da 
aus der Schlichen' säien Arbeit nicht er- 
sichtlich, was das neue Verfahren eigent- 
lich leistet, so blieb nichts Anderes übrig, 
als diese Lücke für Herrn Schlickum aus- 
zufüllen und seine Methode mit der un- 
seren dadurch zu vergleichen, dass wir 
nach beiden das schon im vorigen Absatz 
benutzte Opium durch eine grössere An- 
zahl von Analysen prüften. Wir durften 
hierzu die im Kapitel 1 aufgeführten 
Analysen 1 bis 20 für unsere Methode 
mit heranziehen, um schliesslich aus der 
Gesammtzahl die Abweichung für jedes 
einzelne Verfahren zu berechnen. 

Wir erhielten folgende Ziffern: 



Morphin 


i -Ausbeute 


Morphin - Ausbeute 


nach 




nach der 


Schlickums Methode: 


Helfenber{2:er 


Methode: 




pCt. 
12,90 




pCt. 


pCt. 


33) 


63) 


12,15 


12,14 


34) 


11,60 


54) 


12,15 


12,00 


35) 


12,00 


55) 


12,02 


11.90 


36) 


11.80 


56) 


12,20 


12,32 


37) 


11,50 


57) 


12,12 


12,30 


38) 


11,75 


58) 


12,17 


11,90 


89) 


12,85 


59) 


12,32 


12,29 


40) 


12,55 


60) 


12,20 


12,23 


41) 


11,55 


6)) 


12,00 


12,36 


42) 


12,20 


62) 


12,04 


12,30 


43) 


12,00 


63) 


11,98 


12,30 


44) 


9,80 


64) 


12.30 


12,20 


45) 


11,90 


65) 


12,20 


12,12 


46) 


10,75 


66) 


12,12 


12,05 


47) 


10,25 






11,90 


48) 


11,65 






12,22 


49) 


1130 






12,09 


60) 


12,00 






11,98 


51) 


11.15 






12,42 


52)^ 


10,50 
) Analysen 


Unt 




12,29 


Unter 2( 


er 34 Analysen 


3,1 pCt IMerenz. | 


0,46 


pCt Differenx. 



Mit dem Schlichum' sehen Verfahren 
hatten wir einige noch tiefer, als 9,80 
liegende Zahlen erhalten, wir unterdrück- 
ten dieselben aber, weil wir die Ursache 
daftir nicht in der Methode suchen woll- 
ten. Der Vergleich zeigt ja ohnehin deut- 
lich, auf welche Weise gleichmässigere 
Werthe erhalten wurden, und ist von um 
so schwerer wiegender Bedeutung, weil 
die Parallelen nicht aus einigen wenigen, 
sondern einer grossen Zahl von Analysen 
bestehen. 

Zu einem endgültigen Urtheil gehörte 
noch die vergleichende Untersuchung der 
respectiven Morphine und der zuerst durch 
Ammoniak gewonnenen Ausscheidungen. 

Das nach Schlickum gewonnene Mor- 
phin sah etwas bräunlicner aus, wie das 
nach hiesiger Methode erhaltene, löste 
sich auch mit etwas mehr Farbe und 
nicht so vollständig, wie das unsere in 
Kalkwasser. An Aeiher gab äeLsSchlickum- 
sche Morphin 1,8 pCt., das unsere 1,2 pGt. 
ab, eine Differenz, welche nach unserer 
Ansicht nicht ins Gewicht i&Wt Beckurts 
fand zu Gunsten des letzteren den durch 
Titration bestimmten Unterschied weit 
bedeutender. Als die Beckurts'sche Ar- 
beit erschien, besassen wir die beiden 
Morphinsorten nicht mehr und konnten 
daher zu unserem Bedauern nicht auch 
den von Beckurts empfohlenen Titrations- 
weg einschlagen. 

Die nach Schlickum durch Ammoniak- 
zusatz und Abdampfen gewonnenen Aus- 
scheidungen betrugen getrocknet 9,23 pCt. 
mit 8,33 pOt ätherlösTichen Theilen vom 
angewandten Opium, während der nach 
unserem Verfahren erhaltene und getrock- 
nete Niederschlag sich auf 5,10 pCt. mit 
4,11 pCt. ätherlöslichen Theilen vom ver- 
arbeiteten Opium bezifferte. 

Es ist erklärlich, dass der nach Schlickum 
hergestellte weingeistige Auszug viel har- 
zige Theile und unser Verfahren durch 
den Ammoniaküberschuss mehr Narkotin 
ausscheidet. Dieser Unterschied macht 
sich auch geltend, sofern unser Morphin 
etwas weniger wie jenes durch Narkotin 
verunreinigt ist. 

Der Schwerpunkt beim Vergleich liegt 
in den gewonnenen Werthen. Auf Grund 
dieser konnten wir keinen Augenblick in 
Zweifel sein darüber, ob Schlichum unsere 



233 



Mediodd verbessert habe oder nicht. Das 
Interesse an der Sache und die HoShung, 
die Qnelle jener Differenzen zn entdecken, 
Hess uns noch zu Versuchen schreiten, 
welche überraschende Sesultate ergaben 
und im nächsten Kapitel Platz finden 
sollen. 

III. 

Unsere Analysen 1 1 bis 20 haben gezeigt, 
dass die bei Anwendung des Schtickum" 
sehen Verfahrens beobachteten Morphin- 
yerloste (Analysen 88 bis 52) nicht in 
dem schwachen üeberschuss von Ammo- 
niak, welchen Herr Schlichwin vor dem 
Eindampfen geben lässt, ihre Ursache 
haben können. Wir glaubten aber nicht 
fehl zu gehen mit der Vermuthung, dass 
das Einkochen des weingeistigen Aus- 
zuges nicht allen Weingeist auszutreiben 
vermöge und dass die restirenden Mengen, 
die von dem Grad des Kochens abhängen, 
einen Einfluss auf die Morphinausschei- 
dung ausüben müssten. 

Obgleich wir die Versuche mit reinem 
Morphin im Allgemeinen ftir die Morphin- 
ausscheidung aus Opiumauszügen nicht 
für maassgebend betrachten, so konnten 
sie doch bei Beantwortung der vorliegen- 
den Frage von Nutzen sein. 

Wir verfuhren in nachstehender Weise : 

0,5 Morphin! puri 

lösten wir in 

2 cem Normal- Schwefelsäure, 

verdünnten mit 

19,0 Aquae destillatae, 
19,0 Spiritus diluti, 

machten mit 

0,5 Liquoris Ammonii caustiei 

schwach alkalisch und kochten bis auf 
die Hälfte des Gewichtes ein. 
Mit 
q. 3. Aquae destillatae 

auf das ursprüngliche Gewicht gebracht, 
versetzten wir mit 

10,0 Aetheris, 
0,7 Liquoris Ammonii caustiei 

usd stellten 10 Stunden zurück. 

Wir erhielten bei 8 derartigen Ver- 
suchen folgende nach Procenten des an- 
gewMdten Morphins berechnete Ans- 
beirteii: 



a) 


90,6 pOt. 


b) 


89,6 „ 


c) 


90,0 „ 


d) 


94,0 „ 


e) 


89,4 „ 


f) 


88,0 „ 


g) 


89,0 „ 


h) 


98,0 „ 



Unter 8 Analysen eine Differenz 
von 6 pCt. 

Diese Zahlen stimmen mit den von 
Schlickum auf gleiche Weise erhaltenen 
(Seite 15 und 16) überein. SchlieJcum 
erhielt von 0,386 g Morphin 0,257 g « 
89,9 pCt. und aus 0,20 g sogar nur 0,170 g 
« 85 pOt. zurück. 

Es ist nicht erklärlich, dass Herr 
Schlickum durch diese seine Resultate 
bei einer Differenz von 5 pCt befriedigt 
sein konnte. 

Im Gegensatz zu mit Weingeist ge- 
machten Analysen liessen wir zwei folgen, 
bei denen wir das Morphin aus wässe- 
riger Lösung ausschieden. Wir erhiel- 
ten so 

i) 94,2 pCt. Morphin, 
k) 93,4 „ 
zurück. 

Die Differenz zwischen den Werthen 
der beiden Verfahren schien unseren Ver- 
dacht zu bestätigen. Um uns Gewissheit 
zu verschaffen, kochten wir 100,0 g eines 
nach Schlickum bereiteten Opiumauszuges 
auf die Hälfte ein, brachten mit Wasser 
auf das ursprüngliche Gewicht, filtrirten 
und unterwarfen das Filtrat der Destil- 
lation. Aus dem specifischen Gewichte 
des Destillates berechneten wir den Al- 
koholgehalt und erhielten in zwei Ver- 
suchen, die stärker resp. schwächer ge^ 
kocht, sonst aber gleich behandelt wor- 
den waren, 

2,04 und 2,94 Gewichtsprocente 
Alkohol. 

Das Vorhandensein wechselnder Mengen 
Alkohol stand also ausser Zweifel; es 
musste aber auch der Einfluss dieser 
Mengen ziffermässig bewiesen werden. 

Wir griffen zu diesem Zwecke auf 
unsere eigene Methode als diejenige, 
welche bis jetzt die gleichmässigsten Re- 
sultate gegeben hatte, zurück und setzten 
hier verscniedene Weingeistmengen zu* 



224 



Wir erinnern daran, dass wir in den 
Analysen 1 bis 20 und 53 bis 66 Mor- 
phinausbeuten von 11,90 bis 12,36 pCt. 
erhallen hatten. Vergleichen wir nun die 
bei Benutzung desselben Opiums, aber 
mit Weingeistzusatz erzielten Besultate 
damit : 

Zusatz .von: 

0,5 g Alkohol jS}J;?« Pf »7«". 



1.0 „ 



»» 



»> 



>l 



» 



»> 



169) 9,12 „ 
)70) 10,25 „ 

2 ''^1) 8,23 „ 

^,v>„ „ 172)10,08 „ 

Die Differenzen zwischen den gleich- 
artigen Versuchen vergrössern sidi mit 
der Vermehrung des Alkohols und sind 
denen, welche wir bei Anwendung des 
Schlickum' scheu Verfahrens in den Ana- 
lysen 33 bis 52 erhielten, vollkommen 
gleich. Der ungünstige Einfluss des 
Weingeistes wurde zuerst von Geissler 
und später auch von uns beobachtet; wir 
glauben aber keine gewichtigere Auto- 
rität, wie Herrn Schlickum selbst, in die- 
sem Falle anziehen zu sollen. Er sagt 
in seiner Arbeit auf Seite 7 u. A.: 

„Es folgt daraus, dass bei d^r 
Quantitätsbestimmung, wo es sich in 
erster Linie um Erzielung sicherer 
BesuUate handelt, das Morphin 
aus wässeriger, nicht aus wein- 
geisthaUiger Flu ss igheit ab zu- 
scheiden ist." 

Der Gegensatz, in welchem sich auf- 
f&lligerweise die Methode Schlickum'^ zur 
Ansicht desselben befindet, beeinträchtigt 
die Bichtigkeit der letzteren durchaus 
nicht. Wir sehliessen uns dieser These 
voll und ganz an und dürfen dieselbe 
unter Hinweis auf obige Zahlenbelege 
gegen das Schlickum' sthe Verfahren in 
zwei weitere hier folgende Thesen ver- 
werthen : 

1. Das Einkochen des Schlickum^ 

sehen Opinmansznges ist nicht 
im Stande, den verwendeten Al- 
kohol wieder vollständig zn ver- 
jagen. 

2. Der zurückbleibende Alkohol be- 

einträchtigt die Horphinans- 
scheidnng und ist die Ursache 
der Schwankungen in den nach 



Schlickum gewonnenen Mor- 
phinausbeuten. 

Der Alkohol-Einfluss hätte vielleicht 
noch weiter ventilirt werden können; 
wir glaubten aber, uns auf Vorstehendes 
beschränken zu dürfen, da vrtr uns in 
dieser Beziehung mit Herrn Schlickum im 
Einklang wissen. Wir selbst zogen für 
unsere Methode in ihrer Anwendung auf 
Tinctur die Lehre daraus, dass die 
Tinctur auf Vs^ nicht V2 ihres Gewichtes 
einzudampfen ist, wenn nicht Weingeist- 
reste zurückbleiben sollen. 

Eine gleiche Verbesserung Hesse sich 
auch für die Schlickum' sehe Methode vor* 
schlagen; wie wir aber im nächsten Ab- 
sätze des Weiteren auszuführen gedenken, 
ist die Verwendung von Weingeist über- 
haupt nicht empfehlenswerth und damit 
auch das Einkochen überflüssig. 

IV. 

Die Schlickum'sGhe Methode weicht von 
der unserigen dadurch ab, dass sie zum 
Ausziehen des Opiums Weingeist vor- 
schreibt und durch Einkochen des am- 
rooniakalisch gemachten Auszuges Ver- 
dunstung des Weingeistes, Wiederauflös- 
ung etwa ausgefällten Morphins und vor 
Allem Neutralisation anstrebt 

Den Weingeist wendet Herr Schlickum 
an, um eine Aufnahme von Galcium- 
Mekonat in den Auszug zu verhindern. 
Er motivirt dies Seite 16 folgender- 
maassen : 

„Da es besser ist, das Calcium- 
Mekonat gar nicht in Lösung zu 
bringen, um der Gefahr zu entgehen, 
bei zufällig längerem Stehen ein 
mit diesem Mekonate verunreinigtes 
Morphin zu erhalten etc." 

Weiter verwendet Herr Schlickum den 
Weingeist, um, wie er Seite 15 sagt, 

„Wiederauflösung von etwa zuvor 
durch Ammoniak- Ueberschuss aus- 
geschiedenem Morphin zu bewirkend* 

Wir hatten schon bei Publikation un- 
serer Methode darauf hingewiesen, dass 
die Ausscheidung von Calcium -Mekonat 
aus wässerigem und ammoniakidisch ge- 
machtem Opiumauszug erst nach 12 Stan- 
den erfolge, während die Morphinaos- 
krystallisation bereits nach 6 Standen 



225 



beendet sei. Eine Yernnreinigong des 
Morphins darch das Kalksalz ist ako bei 
eorrecter Arbeit ausgeschlossen und that- 
sächlieh weist das nach unserer Methode 
gewonnene Morphin kaum Spuren davon 
nach. Herr Schlickum bestätigt das spä- 
tere Ausfallen des Kalksalzes auf Seite 2. 
Es gehört also eine recht grosse Fahr- 
lässigkeit dazu, ein kalkhaltiges Morphin 
zu gewinnen. 

Von diesem Standpunkte aus 
muss die Verwendung ?on Wein- 
geist für unberechtigt erklärt 
werden. 

Die zweite mit der Weingeist anwend- 
ung verknüpfte Absicht, durch Ammo- 
niak -Ueberschuss ausgeschiedenes Mor- 
phin in Lösung zu halten, ist ebenfalls 
als eine verfehlte zu bezeichnen, da, wie 
unsere Analysen 11 bis 20 beweisen, 
selbst bei dem dort angewendeten be- 
deutenden Ammoniak- Ueberschuss keine 
Morphinverluste entstanden sind. Wenn 
also kein Morphin ausgeschieden ist, ist 
der Weingeist auch hier Qberflüssig. 

Zum Einkochen des weingeistigen 
Opiumauszuges, das Herr Schlickum vor- 
nehmen lässt, weil dadurch (s. Seite 15) 
„eine vollständig neutrale Flüssig- 
keit restirt," haben v?ir uns auf unsere 
Analysen 1 bis 20 zu berufen und zu 
constatiren, 

dass diese von Herrn Schlickum so 
sehr betonte Neutralität gar nicht 
nothwendig ist; 

sie wird aber auch nicht erreicht, denn 
die eingekochte Flüssigkeit reagirt, 
nebenbei bemerkt, alkalisch« 

Die Zerlegung der Ammoniakverbind- 
ung durch ausgeschiedenes Morphin ist 
gleichfalls unmöglich, weil, wie schon 
bemerkt, kein ausgeschiedenes Morphin 
vorhanden ist 

Da die Flüssigkeit während des Kochens 
stark spritzt, liegt noch die Gefahr eines 
Verlustes vor, vielleicht auch ist die von 
Beckurts befürchtete Möglichkeit einer 
Zersetzung vorhanden. Diese zweite Eigen- 
thümlichkeit des Schlickum' ^iihsn. Ver- 
fahrens, das Einkochen des Auszuges, 
muss diaher ebenfalls als unnöthig be- 
zeiehnet. werden. . . 
. Fassen, wir imaer Urtheil auf Grund 



der beigebrachten Beweise srasammen, so 
kann es nur ablehnend lauten. Wir ver- 
mögen die jScMtcA^m'schen Vorschläge 
als Verbesserungen nicht anzuerkennen 
und glauben, £iss Herr SchUchum das 
sich vorgesteckte Ziel (Seite 2): 

„die Morphinprüfung sowohl beim 
Opium wie hei dessen JExtract und 
Tincturen eu einer genauen und 
sicheren su machen und diese Frage 
eu einem gewissen Äbschluss sm 
bringen/*^ 

durch Modification unserer Methode 
nicht erreicht hat. 



üeber Berberin. 

Prof. E. ScAmfd^ - Marburg TeröffBntlieht 
im Archiv der Pharmacie die Rasoltale einer 
längeren, noch nicht abgeschlostenen Arbeit, 
die er sam Theil in Gemeinschaft mit Schü- 
hoch anafUhrte. Durch die Analysen einiger 
Sabe des Berberins (Sulfat, Nitrat, Hydro- 
chlorid , Golddoppelsalx , Platindoppelsalz) 
wurde die för Berberin von Perrins gegebene 
Formel C20H17NO« vollkommen bestätigt. 
Die Angabe in der Literatur, dass das chlor- 
wasserstoflbaure Salz mit 2 Molekülen Wasser 
krystallisire , wurde jedoch als unrichtig be- 
funden und der Gehalt Yon 4 Molekfilen 
Wasser constatirt: O20H17NO4HCI -f 4HaO. 
Das Platindoppelsalz erleidet beim Um- 
krystallisiren aus kochendem, salzs&nrehalti- 
gem Wasser Zersetzung. 

Durch Mischen oder Ueberschichten einer 
Chloroformlösung der freien Base mit Alko- 
hol wurden nach einigen Tagen praehtroUe, 
glänzende Krystalle Yon B erb e r in - C h 1 o ro - 
form erhalten. Dasselbe löst sich leicht in 
Chloroform, jedoch kaum in Wasser, Alkohol, 
verdünnten Säuren. Die farblosen, stark glän- 
zenden, tafelförmigen i^stalle des Berberin- 
Chloroforms , C20 Hj r N 0« . C H eis nehmen 
bei der Aufbewahrung, namentlich im Lichte 
eine mehr oder weniger intensiT gelbe Farbe 
an. Bei 100 ^ erleidet das Berberin - Chloro- 
form keine QewichtsTermindemng, bei 170 
bräunt es sieh und schmilzt unter AufiMshäu- 
men bei 179<>. Von coneentrirter Salzsäure 
wird es beim Erhitzen allmälig au%elöst, 
Chloroform jedoeh wird hierbei nicht abge- 
schieden , sondern es macht sich bei. der De- 
stillalion G^eruch nach Chlorkohlenozyd be- 
merkbar. . . 



226 



WM diie m&tsig WftnM tlkoholifldie Lös- 
ung vott Berberiasttl&t odet Hydroeblorid 
mit gelbem SchirefelAinmoDiam yeraetst, so 
seheidea Biob aUbald sammetbraone , giän« 
sende, nadelfSrmige Kiyttalle ron Ber- 
berin wasterstoffhexasulfid in reicb* 
lieber Menge ans. Die Verbindung kann anf 
einem Filter gesammelt, mit Alkohol ge- 
waschen und bei gewöhnlicher Temperatur 
getrocknet werden^ ist geruchlos, bildet 
lockere, braune Erystallnadeln und entwickelt 
beim Aufbewahren Geruch nach Wasserstoff- 
poljsnlfid, 80 dass schliesslich ein von Farbe 
helleres Gemenge von Schwefel und Berberin- 
sulfat zurückbleibt. Durch Uebergiesscn mit 
Salzsäure wird das Berberinwasserstoffpoly- 
sulfid sofort unter Abscheidung von Wasser- 
sto^olysulfid und Bildung von Berberin- 
hydfochlorid sersetzt. Das Berberinwasser- 
stofTpolysolfid besitzt die Formel 
(C20H17NO4) 2 HsSs 
und ifl In Wasser, sowie Alkohol unlöslich, 
deob seheint beim Koehea Zersetzung einzu- 
treten» 

Bei der Darstellung des Hydroberbe* 
rinv, CcoHaiNOe wurde gefunden, dass, Ton 
der von HlwkoetB und von van Qüm ange- 
gebenen Methode etwas abweichend, eine 
bessere Ausbeute erzielt wurde. Es werden 
3 Theile Berberin , 100 Theile Wasser, 10 
Tfaeile Schwefelsinre und 20 Theile Eisessig 
mit einer reichtiohen Menge granulirten Zinks 
im Wasserbade 3 bis 4 Stunden lang erwärmt. 
Sobald die Anfangs dunkelbraun geförbte 
Flüssigkeit eine weingelbe , sich nicht mehr 
▼exindernde Färbung angenommen hat, wird 
rasch fiHrtrt und mit Ammoniak versetzt. 
Während das Zinkozydhydrat vom über- 
schüssigen Ammoniak zum gröseten Theile 
in Lösung gehalteii wird, fällt Hydroberberin 
alz floekiger, granweisser Niederschlag aus, 
der nach dem Auswaschen mit Ammoniak 
OBZ Alkohol umkiystallisirt wird. Aus con- 
centrirtefen Liösangen des Berberins resnltirt 
nach dieser Methode ein dnnkelgraues Hydro- 
beribeiin, daa sieh schwer reinigen lässt. 

Das Hydraberberin läset sieh dureh Jod 
giaaititativ iriedef in Berberin zurttckverwan- 
deUu Das ia Chloroform gelöste Hydrober- 
beria wird mit alkoholisier Jodlösuag ver- 
miacht, aach mehreren Tagen das überschüs- 
sig» Jod dur^ fibersebüssige» Thiosulfat 
gehaadsBy die Miaehnng gdinde erwärait zur 
Zersetsniag der Peijodide und der Ueber^ 



sctiuss des ThioenlfiAts mit wässeriger Jödlöe- 
ung eurüoktitrirt. 

WMel und Füri^ hatten durch Behand- 
lang mit concentrirter Salpetersäure aus dem 
Berberin Berberonsäure, C5H2N(C0.0H)8» 
erhalten. Schmidt und ScMbach gelang es 
jedoch, durch Oxydation des Berberins mit- 
telst Permanganat in alkalischer Lösung eine 
stickstofifreie Säure zu 30 pGt des angewen- 
deten Berberins zu gewinnen, die mit der 
Hemipinsäure manche Aehnlichkeit zeigte. 
20 Theile Berberin in verdünnter heisser 
Lösung werden mit 6 Theilen Aetzkali in 
200 Theilen Wasser gelöst versetzt und Ka- 
liumpermanganat portionsweise vorsichtig zu- 
gefügt (im Ganzen 125 Theile), bis die rotbe 
Färbung eine Stunde lang beständig war. 
Der Ueberschuss des Permangaaats wird 
durch einige Tropfen Alkohol entfernt, filtrirt, 
das Filtrat mit Schwefelsäure neutralisirt und 
zur Trockene verdampft. Die zerriebene Salz- 
masse wird unter Schütteln mit Aether extra- 
hirt, der Verdunstungsrückstand der Aether* 
lösung in Wasser gelöst, die Säuren mit Blei- 
acetat ge&llt und durch Schwefelwasserstoff 
wieder aus der Bleiverbindung isolirt. Da die 
eine der abgeschiedenen , bei der Oxydation 
entstandenen Säuren der Hemipinsäure sehr 
ähnelte, im Schmelzpunkte jedoch bedeutend 
abwich, wurde Hemipinsäure aus Narkotin 
dargestellt und zur Vergleichung benutzt. 

Hierbei ergab sich, dass die Angaben der 
Schmelzpunkte der Hemipinsäure (180 <> 
Wähler, 1820 Becker und Wright, 175 und 
1790 Wegscheider) nicht richtig sind, indem 
Schmidt und Schübach für die bei 100 ge- 
trocknete Hemipinsäure als Schmelzpunkt 
160 bis 161 fanden, denselben, den die ans 
Berberin durch Oxydation erhaltene Säure 
zeigte. Die Identität der B erb er in -Hemi- 
pinsäure (CioHioOd)-^ 2H2O mit der Nar- 
kotin - Hemipinsäure wurde noch durch Dar- 
stellung einiger Verbindungen (Salze, Hemi* 
pinsäureanhydrid und Hemipinsäure -Aethyl- 
ester) erhärtet. Eine zweite bei der Oxydation 
des Berberins mit Permanganat gebildete 
Sänre vom Schmelzpunkte 218 bis 220« ist 
noch nicht näher nntersooht. 

Bei der Darstellung dea BerberfaisalfiMs 
durch Zuaata von verdünnter Sdiwefelsäure 
ZB dem Fluideztraet von Hydrastis Cana- 
densis wurde g^egeatlieb aach Hydraatia 
dargestellt, durch Uebersättigea cter «aoreaf 
▼om Berbeiin aMUtbteti Fttasigkeit b^ Am* 



227 



monUk. Der harzige, braane Niederschlag 
giebt getrocknet dasHydrattin leicht an Essig- 
ftther ab , aus welcher Lösung es beim frei- 
willigen Verdunsten des Essigäthers in wall- 
nussgrossen Etrystalien erhalten werden kann. 
Archiv der Pharm. 1887, 141/181. 

Nach Hesse (Archir der Pharm. 1887, 258) 
sind in der Wurzel von Berberis Yulgaris 
neben dem Berberin mindestens noch vier 
Alkaloide enthalten. Wird die Mutterlauge 
des salzsauren Berberins mit Soda gefällt und 
der Niederschlag mit Aether behandelt, so 
gehen in diesen Oxyaeanthin und noch zwei 
andere Alkaloide über, während ein viertes 
amorphes ungelöst zurückbleibt. Das Ozy- 
acanthin besitzt nach Hesse die Formel 
CisHioNOs und krystalUsirt aus Alkohol und 
Aether in wasserfreien Nadeln. 

Hesse isolirte ferner aus der ätherischen 
LösuDg ein aus Alkohol in kleinen Blättchen 
krystaliisirendes Alkaloid der Formel 
CisHisNOs + 2H2O, welchem er den Namen 
B erb am in beilegt. 

Ueber Berberin siehe auch Pharm. Centralh. 
33, 45; 26, 235, 520; 27, 491. s. 



Holisch' ZuckerreactioQ. 

Diese auch in der Centralh. 27, 656 schon 
kurz erwähnte Beaction zum Nachweise von 
Zuckerarten und indirect von Kohle- 
hydraten wird in folgender Weise aus- 
geführt. >} 1/2 bis 1 ccm der zu untersuchen- 
den Flüssigkeit wird im Beagensglase mit 
2 Tropfen einer 15 bis 20proc. alkoholischen 
a-Naphtollösung (mit /9-Naphtol tritt die Re* 
action nicht ein) versetzt und geschüttelt, 
wobei durch theilweise Ausscheidang von 
Naphtol eine Trübung entsteht. Fügt man 
hierauf das gleiche oder doppelte Volumen 
concentrirter Schwefelsäure zu und schüttelt, 
so tritt sofort, wenn Zucker vorhanden ist, 
eine violette Färbuog auf. Auf Zusatz von 
Wasser scheidet sich ein blauvioletter Nieder- 
schlag aus , der in Alkohol und Aether mit 
schwach gelber, in Kalilauge mit goldgelber 
Farbe löslich ist, mit Ammoniak zu gelb- 
braunen Tröpfchen zerfliesst. 

Die Reaction tritt ein mit Bohrzucker, 
Milchzucker, Traubenzucker, Fruchtzucker, 
Maltose, nicht aber mit Inosit,'Mannit, Melam* 
pjrit, Quercit, wohl aber mit Kohlehydraten 
und Glukosiden, da diese mit Schwefelsäure 
Zucker abspalten, mit Ausnahme des Indicans. 



Wie Stärke verhalten sich auch Baunwetlle, 
arabisches Gummi, Dextrin, Ldehenin) Glykor 
gen, Amygdalin, Aesculin n. s. w^, wahrend 
Alkohole, organische Sänreu, Fette, Kohlen- 
wasserstoffe, aromatische Alkohole, Säuren, 
Aldehyde und Phenole, ätherische Oele, Harze, 
Alkaloide, Eiweisskörper, Amidoverbindungen 
diese Beaction nicht geben. (Vanillin zeigt 
eine ähnliche Färbung,, doch löst sich der auf 
Wasserzusatz entsteheiide Niederschlag in 
Kalilauge mit vorübergehend blaugrüner 
Farbe auf. 2) 

Mit MoliscK Reaction lassen sich nach 
seiner Angabe i) 0,00001 pCt. Zneker nach- 
weisen, während die TVommer'sehe Probe bis 
0,0025 pCt. und die J'eA^'sche bis 0,0008 
pCt Zuckergehalt geht. 

Auch mit ThymoH) ist unter gleichen 
Verhältnissen eine tief zinnoberrothe bis 
rubin- und carmiarothe Färbung zu erhalten. 
Die Mischung färbt sich auf Wasserznsaiz 
carminroth, nach einiger Zeit entsteht em 
ebenso geförbter Niederschlag, der in Alkohol, 
Aether, Kalilauge lörikh ist und durch Am» 
moniak gelb wird. 

Statt a-Naphtol oder Thymol kdnnen nach 
Leuken^) noch viele aromatische Körper 
(Oleum Menthae erispae, piperitae, Thymi, 
Garvi, Cinnamomi, Caryophyllomm, Anisi, 
Rosmarini) Verwendung finden. Mit den Ter» 
penen: Oleum Citri, Terebinthinae tritt die 
Färbung nicht auf, wohl aber bei Anwendung 
von deren sauerstoffhaltigen Derivaten,, a. R. 
Terpin. Eine mehr himbeerrothe Färbung 
giebt Laurineencamphor, Caryophyllin ; sehr 
schön tritt die violette R«action mit Colo- 
phonium auf, weniger rein bei Rerina Pini 
Burgundica. 

Menthol ist naeh Leuken^) zur AnateUung 
der Probe noch viel geeigneter als Thymol, 
da die eintretende Färbung bestimmter, ge- 
sättigt kirsehroth bis violett ist. Einige 
Tropfen der auf Zucker zu prüfenden Lösung 
werden mit 1 bis 2 Tropfen einer 16 bis 20- 
proc. ThymoUösttng versetzt, 5 bis 6 Tsopfisn 
Schwefblsäure zugefügt und über der Flamme 
im Porzellanscbälchen gelinde erwärmt; bei zu 
starker Erhitsung tritt Veskohlnng mm* 
Alkaloide, sowie Tannin geben nach Leukm 
die himbeerrothe bis violeito Fäsbuog niahA. 



1) ViertdJahrBchr. ftb. d. Portsehritt d. Ghende 
d. Nahrangs- u. Genussmittel 1886, 277, 

«) Zeitschrift £ anft^ Chemte. 1887,, SSa. 



228 



Statt Schwefelsäure kann nach MoUsch i) 
ancli überschüssige Salzsäare angewendet 
wierden, doch tritt alsdann die Beaction lang- 
samer und weniger empfindlich ein« 

Malisch^) verwendet die Beaction zam 
Nachweise des normalen Harnzuckers. 
Harnstoff, Harnsäure, Kreatin, Xanthin, 
Allantoin, Hippursäure, Bemsteinsäure, Phe- 
nol , Brenzcateohin , Indican , Kreatinin, 
Oialursäure und Glykuronsäure geben die 
Beactionen nicht ; mit normalem Harn fallen 
dieselben auch bei grosser (100 bis 300- 
facher) Verdünnung positiv aus. 

Nach Seegen^) kommt MoliscK Zuckerprobe 
jedoch auch Lösungen der Peptone , reinem 
Eieralbumin, Serumalbumin und Casein zu. 

Nach Molisch ^) tritt bei Anwendung von 
sehr vier Schwefelsäure mit Fibrin, Pepton, 
Semmalbumin in der That ein positives Be> 
snltat ein , der Farbenton soll jedoch ein an- 
derer sein und die auf Zusatz von Wasser 
entstehenden Niederschläge auch anders ge- 
färbt sein. Bei Pepton z. B. ist dieser Nieder- 
schlag schwärzlich «violett, bei Fibrin hell- 
zimmetbraun ; die mit Eiweisskörpem erhal- 
tenen Niederschläge sind, entgegen den unter 
gleichen Umständen bei Gegenwart von Zucker 
entstehenden Niederschlägen, in Alkohol und 
Aether weniger löslich, dagegen in concen- 
trirter Salzsäure (meist mit violetter oder 
brauner Farbe) löslich , während die entspre- 
chenden , in der a-NaphtoIznckerprobe erhal- 
tenen Niederschläge in Salzsänre unlöslich 
Bind. Für die Thymolzuckerprobe gilt das- 
selbe; 

Verwendet man von vornherein zur An- 
stellung der Farbenreactionen statt Schwefel- 
säure concentrirte Salzsäure 3) unter Kochen, 
so erhält man mit Zucker und anderen Kohle- 
hydraten, sowie mit Glukosiden schön violette 
Färbungen , eine Beaction , welche Eiweiss- 
körpem und Pepton nicht zukommt. Mit 
Harn fällt auch diese Probe positiv aus: 
1 ccm auf das 2 bis lOfache verdünnter Harn 
mit 1 Tropf in a-NaphtoUösung und 2 ccm 
concentrirter Salzsäure gekocht wird blau- 
violett. Molisdi findet hierin eine weitere 
Stütze dafür, dass der normale Harn 
Zöeker enthält. Gans besonders letztere 
Beaötiott » die beim längeren Stehen auch in 
der Kälte eintritt, liefert der Harn viel inten- 
siver, als eine O,0l.proe, Traabenzucker^ 
lösung» 

Molisch 1) empfiehlt seine Beactionen feiner 



zum mikrochemischen Nachweis des Zuckers 
in Geweben. Dieselben Beactionen verwendet 
Malisch^) auch zur Unterscheidung von 
Pflanzen- und Thierfaser. Ungefähr 
0,01 g der gut ausgekochten und mit Wasser 
gespülten (gleichviel ob gefärbten oder un- 
gefärbten) Faserprobe wird im Probirglase 
mit 1 ccm Wasser, 2 Tropfen einer alko* 
holischen 15 bis 20proc. « - Naphtollösung, 
hierauf die Mischung mit dem gleichen Vo- 
lumen concentrirter Schwefelsäure versetzt. 
Liegt eine Pflanzenfaser vor, so nimmt die 
ganze Flüssigkeit beim Schütteln sofort eine 
tiefviolette Färbung an , wobei sich die Faser 
auflöst. Ist hingegen die Faser thierischer 
Abkunft, 80 wird die Flüssigkeit mehr oder 
weniger gelb - bis röthlichbraun. Bei Ver- 
wendung von Thymol tritt, wie schon oben 
erwähnt, statt der Violettfarbung eine schön 
Zinnober- carminrothe Färbung auf, die letz- 
tere besonders beim Verdünnen mit Wasser. 
Thierhaare zeigen nach Molisch die ange- 
führten Beactionen nicht und nur manche 
Seidenarten (Wild, Silk) geben eine ganz 
schwache, rasch vorübergehende Beaction. 

Unter Beobachtung, ob die Faserprobe 
sich auflöst oder nicht, hdX Molisch*) folgende 
Tabelle zur Prüfung von Geweben aufgestellt 
(eine gesonderte Untersuchung der Ketten- 
und Schlussfäden ist empfehlenswerth) : 

Gewebe giebt die a - Naphtolprobe nicht 

oder nur schwach und vorübergehend . 1 
Gewebe giebt die Beaction prachtvoll ... 2 

1. Gewebe löst sich hierbei sogleich voll- 
ständig auf: Seide. 

1. Gewebe löst sich hierbei nicht auf: 
Thierische Wolle. 

1. Gewebe löst sich hierbei theilweise 

auf: Thierische Wolle und Seide. 

2. Gewebe löst sich hierbei sogleich auf: 

Beine Pflanzenfaser oder mit Seide ge- 
mengt. 
2. Gewebe löst sich hierbei theilweise 
auf: Pflanzenfaser und Wolle, möglicher 
Weise noch mit Seide gemengt. 

In etwas veränderter Form bedient sich 
Molisch seiner Beaction zum Nachweise 
des Coniferins im Pflanzengewebe., wo- 
rüber auf Seite 116 d. Bl. schon ausführlich 
berichtet wurde, g. 



») Centralbl. f. Physiologie 1887, 7. 
*) Vierteljahrschr. üb. d. Fortschritt d. Chemie 
d. Kahmngs- u. Genussmittel 1886, 274. 



229 



Verwendimg arsenhaltiger roher 

Salzsäure zur Eohlensäure- 
eneugung bei Bierdruekapparaten. 

Durch Yerordunng der Kreisbanpttnann- 
schaft zu Dresden wnrde vor einiger Zeit die 
Verwendung arsenhaltiger HCl zn gedachtem 
Zwecke verboten. Infolgedessen hat das Mi- 
nisterinm des Innern ein Gutachten des Lan- 
des-Medicinal-Colleginms eingeholt, welches 
anf Gmnd experimenteller Versuche die Ver- 
wendung arsenhaltiger Salzsäure fnr oben- 
gedachten Zweck fnr nnbedenklich erklärt. 
Die einschlägigen Versnobe sind dnrch die 
Chemische Centralstelle fnr öffentliche Ge- 
sundheitspflege ansgefahrt worden und haben 
ergeben, dass Chlorarsen (in dieser Form ist 
das Arsen in roher Salzsäure vorhanden) nur 
ans ganz concentrirter Salzsäure durch 
einen Gasstrom (Luft, Kohlensäure) ver- 
flöchtigt werden könne, während bei ent- 
sprechender Verdünnung mit Wasser (1 -]- 3) 
eine Umsetzung in HCl und A82O3 erfolgt, 
welche die Eigenschaft einer Verflüchtigung 
mit entweichender CO2 nicht zeigt. Das 
Wasser in den Vorlegeflaschen wurde dem- 
gemäss in allen Fällen absolut arsenfrei ge- 
funden, und es ist somit zur Evidenz nach- 
gewiesen, dass bei Verwendung arsenhaltiger 
roher Salzsäure zur CO2- Erzeugung, wenn 
dieselbe in Verdünnung angewandt wird, die 
Uebertragung von Arsen in das Bier nicht 
zu befürchten ist. 



Pillen mit Ammonium 
picrouitricum. 

Das Pikrinsäure Ammonium, Ammonium 
picronitricum , wird neuerdings als ausge- 
zeichnetes Mittel gegen Malaria empfohlen, 
welches sogar das Chinin in seiner Wirkung 
übertreffen wird. Es ist unzweifelhaft, dass 
es in nächster Zeit wiederholt wird verordnet 
werden. Wir möchten mit Bücksicht darauf 
einige allerdings vollkommen bekannte Punkte 
in Erinnerung bringen. 

Die für das Präparat empfohlene Form ist 
die Pillenform und zwar werden for 30 Pillen 
bis zu 1,0 g verordnet um so wichtiger ist 
es daher, dass der fieceptar sich bewusst 
bleibt, dass die Pikrinsäure und nament- 
lich die Pikrinsäuren Salze zu den 
leicht und heftig ezplodirenden Substanzen 
gehören. Es ist daher, um unliebsame Ueber- 
raschungen zu vermeiden , nothwendig, das 



Pikrinsäure Ammonium zunächt im (Por- 
zellan-) Mörser mit Wasser zu befeuchten, 
dann das Constituens zuzusetzen und die 
Pillen damit anzustossen. 
Schweig, Wodtenschr. f. Pharm. 1S87, Nr. 15. 



Cfhlorzinkpasten. 

Eine allen Ansprüchen der Chirurgen ge- 
nügende Chlorzinkpaste erhält man nach 
Ä, Brunner auf folgende Weise: 20 Theile 
Zincnm chloratum werden mit 20 Theilen 
Weizenstärke so lange unter Zusatz von we- 
nigen Tropfen Wasser zusammengerieben, 
bis eine teigförmige Masse entsteht. Nun 
mischt man 5 Theile Zincum oxydatum hin- 
zu, formt die Masse je nach Wunsch in stär- 
kere oder schwächere Cylinder oder Kugeln 
und sucht, während die Paste unter beträcht- 
licher Erwärmung erstarrt , die derselben ge- 
gebene Form durch geeignete Manipulation 
zu erhalten. Als Conspergens dient dabei am 
besten Talkpulver. 

Bekanntlich giebt Chlorzink mit Zinkoxyd 
gemischt, je nach der Menge des letzteren, 
weiche bis feste, cementartige Massen; man 
hat demnach die Consistenz der Aetzpasten 
vollständig in der Hand. Die oben angegebe- 
nen Zahlen entsprechen dem praktischen Be- 
dürfnisse am besten. Statt der Weizenstärke 
kann man auch das gewöhnliche Weizenmehl 
verwenden; die Verhältnisse sind dann 20 
Theile Chlorzink, 15 Theile Weizenmehl und 
5 Theile Zinkoxyd. g. 

Pharm. Zeü. 32, 204. 



Oblaten zur Verabreichong 

schlecht BchmeckeBder 

Flüssigkeiten. 

Im Centralbl. f. klinische Medicin macht 
Dr. Freudenherg den Vorschlag, schlecht 
schmeckende flüssige Medicamente (Ol. Tere« 
binth., Bals. Copaivae, Ichthyol oder dergl.) 
anf Zncker, KafFeepnlvor oder Mehl zn geben, 
und dann, in Oblaten gehfillt, zn verschlucken. 
Dieser Vorschlag ist so plausibel, dass es 
eigentlich Wunder nehmen muss, wenn er 
nicht schon früher ausgesprochen und ange- 
wendet wnrde. 



Neave's Kindermehl. 

Dr. Stutzer in Bonn hat eine Untersuch- 
ung dieses Nahrungsmittels ausgeführt, nach- 



230 



dem diß Nalirung genan nach der in der Ge- 
brauchsanweisung gegebenen Vorschrift mit 
Milch zubereitet war. 

Zwei gehäufte Esslöffel toU Kindermehl 
wurden mit kaltem Wasser gemischt, unge- 
fähr 1/2 Liter kochendes Wasser, sowie ein 
Theelöffel voll Zucker und ^4 Liter gute 
frische Kuhmilch hinzugefügt und die Misch- 
ung längere Zeit gekocht. 

Die Untersuchung dieser Suppe, welche 
einen Raum von 720 ccm einnahm , ergab 
folgende Resultate : 

Fett . . . 
Albuminate . 
Cellulose . • 
Kohlehydrate 
Salze . • . 



9,10 g, 

18,12 „ 

1,85 „ 

75,03 „ 

2,89 



» 



»> 



» 



106,99 g. 

Die Albuminate enthielten an Stick- 
stoff 2,90 g, 

von den Albuminaten waren leicht 
Terdaulich(= 94V«pCt.) . .17,12 

Nährstoff- Verhältniss . 1:5,3 

Die Salze enthielten Phorphor- 

säure . 0,98 „ 

„ „ „ Kalk • . 0,57 „ 

Die mikroskopische Untersuchung des mit 
Milch gut gekochten Kindermehls ergab, dass 
irgend welche bestimmte Formen vegetabili- 
scher Zellen sich nicht mehr darin erkennen 
Hessen, und das in dem nicht gekochten Kin- 
dermehl enthaltene Stärkemehl beim Kochen 
genügend aufgeschlossen wurde. 

Bei der Zubereitung ist das in der Ge- 
brauchsanweisung ausdrücklich verlangte län- 
gere Kochen nicht zu vernachlässigen, um 
die stärkemehlhaltigen Stoffe leichter rer- 
daulich zu machen. 



Beutaehe NatarforBcher« 
TerBammlimg. 

Die 60. Versammlung Deutscher Na- 
turforscher und Aerzte findet vom 
18. bis 24. September 1887 im schönen 
Wiesbaden statt. Die Geschäftsführung 
liegt bekanntlich in den bewährten Händen 
der Herren Geh. Rath Prof. Dr. B. Fresenii$8 
und Sanitätsrath Dr. Arnold Pagenstecher. 
Mit der Versammlung wird eine Fachaus- 
stellung verbunden werden, in der Neues 
und besonders Vollendetes von Appa- 
raten, Instrumenten, Hilfsmitteln und Präpa- 
raten in jeder der untenerwähnten Gruppen 
gezeigt werden soll. — Die Aussteller 
werden weder Platzmiethe noch 
Beisteuer irgend einer Art zu 
leisten haben, und es darf eine der 
Versammlung würdige, die neuesten Fort- 
schritte repräsentirende Ausstellung erwartet 
werden. 

Anfragen sind an den Vorsitzenden des 
Ausstellungs-Comit^s, Herrn Dreyfus, Frank- 
furter Strasse 44, Wiesbaden, zu richten, 

Folgende Gruppen sind in Aussicht ge- 
nommen : 

1. Chemie» 

2. Phvsik, mit besonderer Abtheilnng fflr 

Mikrologie, 

3. Naturwissenschaftlicher Unterricht, 

4. Geographie, 

5. Wissenschaftliche Beiseausrfistung, 

6. Fhotograr>hie, 

7. Anthropologie, 

8. Biologie und Physiologie, 



9. Hygiene, 

10. Ophtj 



10. OphtalmolojB^ie, 

11. Lanrngologie, Bhinologie und Otiatrie, 

12. Elektro-Therapie und Neurologie, 

13. Gynäkologie, 

14. Cnirurgie, 

lö. Militär-Sanitätswesen, 

16. Orthopädie, 

17. Zahnlehre und Zahnbeilkunde, 

18. Pharmacie und PharmaVologie. 



Offene CorrespondeuE. 



Ein Abonnent in F« Ihre Anfrage mflssen 
wir, besonders da sie anonym gestellt ist, in 
den Inseratentheil verweisen. Die Beantwortung 
derselben wQrde einer Beclame fGr einzelne 
Finnen gleichkommen. 

Apoth. L« in W* Eine von den Patienten 
gern genommene RicinnsOlmixtur soll fol- 
gende sein: 



Ol. Ricini 30,0, 
Syr. Rhei 20,0, 
Alkohol 15,0, 
Ol. Menth, pip. gti 11. 
Apoth. G. in E. Wenden Sie sich gefiüli^ 
an die Redaction der Papierzeitnng in Berlin. 

Anfrage: Befasst sich Jemand fabrikm&ssig 
mit der Herstellung von CocaTncigaretten ? 



Verleger aad verantworAlleher BedActenr Dr. S. GelHlar iv Dcetdea. 

Im Bnchhandel däreh JnliiisBprliiger, Berlin N., Monb^onplctsi 3. 

Druck der Könffl. Hofbnchdraekeni Yon C. aMeinholdasobne'In Dretdea. 



Pharmaceutische Centralhalle 

für Deutschland. 

Zeitung für wissenschaftliche und geschäftliche Interessen 

der Pharmacie. 

Herausgegeben yon 

Dr. Hermann Hager nnd Dr. Ewald Gelssler. 



^am 



Erscheint jeden Donnerstae. — Abonnementspreis durch die Post oder den BnchhaDdel 

Yiertel jährlich 2 Mark. Bei Znsendnng nnter 8trein)and 2,50 Mark. Einzelne Nammem 

25 Pf. Inserate: die einmal gespaltene Petit- Zeile 25 Pf., bei grösseren Inseraten oder 

Wiederholnngen Rabatt. 

Anfragen, Aufträge, Manuscripte etc. wolle man an den Bedacteur Prof. Dr. E. Gelssler, 

Dresden, Pillnitzer Strasse 5(3 adressireii. 



I^Mtf 



Mld. 



Berlin, den 12. Mai 1887. 



Nene Fol^e 
Till. Jahrgang. 



Der ganzen Folge XXVIII. Jahrgang. 



InbAlt: ClieMle ««4 PhArmaeie: Weitere Mitthcilangen über die BeMtandtheLle der Kalmnawuriel. — Zur 
UntersncbQtig der XJngarweffie. — Zur Arsnelmlttelprfifung. — Die von Ifttbrseho Jodaddltionametbode. — Li« 
teimtvr «nd Kritik. ~ llIiMlltiil Neue Drogen und Pflansensloffe. -» Ploguin« oder Alantol-Leberthran mtt 

Kalk. — Ameisen. 



Cfaemie nnd Pharmacie. 



Weitere Hittheilnngen über die 
Beatandtheile der EalmuswarzeL 

Von Dr. Hermanfi Thoms. 

In meiner Arbeit über den Bitterstoff 
der Kalmuswurzel (Archiv d. Pharm. 
Juni 1886, S. 465) wurde nachgewiesen, 
dass die von Faust ausgesprochene An- 
sicht (Archiv d. Pharm. 1867, 132, 214), 
der in der Kalmuswurzel enthaltene 
Bitterstoff sei als ein stickstoff- 
haltiges Glykosid zu betrachten, irr- 
thGmlich ist und darauf zurückgeführt 
werden muss, dass Faust den Bitterstoff 
nicht in reiner Form dargestellt hat. 
Neben dem stickstofffreien Acorin 
fand ich ein Alkaloid, welches ich mit 
dem Namen Calamin belegte. Der 
Bitterstoff Acorin hat meinen bisherigen 
Untersuchungen zu Folge die Zusammen- 
setzung CaeHgoOe und spaltet beim Be- 
handeln mit verdünnten Säuren und 
Alkalien im Wasserstoffstrom, ferner mit 
Fermenten ätherisches Kalmusöl und 
Zucker nach folgender Gleichung ab: 



Der volle Beweis für die Bichtigkeit 
dieser Forme) CgeHßoOe kann erst er- 
bracht werden, wenn es gelingt, noch 
anderweitige Spaltungs- und Substitutions- 
producte darzustellen, deren Analyse in 
den Bahmen der angegebenen Formel 
passt. Eingehende Untersuchuugen nach 
dieser Bichtung hin, die ich vorzunehmen 
gedenke, werden weitere Aufschlüsse 
bringen. 

Zunächst lag mir daran, das Alkaloid 
Calamin, welches ich als Nebenproduct 
bei der Darstellung des Acorins erhalten 
hatte, näher zu bestimmen. Hinsichtlich 
der letzteren benutzte ich die von Hopff, 
Warrington, Weppen u. A. empfohlene 
Methode der Entbitterung von Pflanzen- 
auszügen mittelst Knochenkohle. Die 
zu entbittemden Flüssigkeiten werden 
entweder direct oder nach vorheriger 
Concentration mit Thierkohle digerirt, 
oder aber auf dem Wasserbade einige 
Zeit erhitzt. Nach dem Erkalten wird 
die Kohle mit kaltem oder lauwarmem 
Wasser ausgewaschen, gut ausgetrocknet 
und dann der Bitterstoff mit heissem 
02proc. Alkohol ausgezogen. 



382 



Bei iv Aeorjodarstellung nach dieser 
Methode verfuhr ich in der Weise, dass 
ich den nach Abdestilliren des Alkohols 
hinterbleibenden wässrigen Bückstand mit 
Aetber ausschüttelte, in walchen das reine 
Acorin überging. Die von der Aether- 
ausschüttelung restirende Flüssigkeit zur 
Trockene verdampft, lieferte einen brann 
gef&rbten Körper von bamerkanswerthem 
Stickstoffgehalt. In der wässrigen Lös- 
ung dieses Bückstandes bewirkten Gerb- 
säure, Jodjodkalium, Kalium-Quecksilber- 
jodid, Phosphormolybdänsäure Fällungen, 
welche das Vorhandensein eines alkaloid- 
artigen Körpers vermuthen Hessen. Mit 
Calcinmhydroiyd erwärmt machte sich 
ein stark ammoniakaliscber, schwach 
haringsartiger Geruch bemerkbar. Ob 
diese Erscheinung auf Zersetzungs- 
producte zurückzuitlhren , oder ob das 
Calamin zu den flüchtigen Basen zu 
zählen ist, war eine Frage, die ich bis 
dahin offen gelassen hatte. Seit einiger 
Zeit uua habe ich diese Arbeiten wieder 
aufgenommen und erlaube mir, im 
Folgenden über die Ergebnisse meiner 
Untersnchung zu berichten. 

Zur Darstellung des Galamins wurden 
zunächst 500 g Ealmuswni;zeln mit salz- 
säurehaltigem Wasser ausgekocht, die 
durch starkes Auspressen erhaltene 
Flüssigkeit nahezu mit Natriumcarbonat 
neutralisirt und sodann circa 10 g Mag- 
nesia eingerührt. Auch hierbei trat ein 
ammoniakaliscber heringsartiger Geruch 
sehr deutlich auf Der Niederschlag 
wurde auf dem Filter gesammelt, mit 
Wasser ausgewaschen und nach dem 
Trocknen mit Alkohol ausgezogen. Von 
demselben wurde nur Bitterstoff auf- 
genommen, der sich als vollkommen 
stickstofffrei erwies, vrie andererseits in 
der von dem Ma^esianiederschlage ab- 
flltrirten Flüssigkeit nach dem Abdampfen 
zur Trockene Stickstoff nicht nach- 
gewiesen werden konnte. Es musste so- 
mit der Stickstoffbestandtheil der Kalmus- 
wurzel durch die Base in Freiheit gesetzt 
und beim Abdampfen sich verflüchtigt 
haben. Der beim Versetzen der Flüssig- 
keit [mit Ma^esia auftretende ammoni- 
akalisch • henngsartige Geruch legte die 
Annahme sehr nahe, dass der flüchtige 
Körper einer der bereits bekannten 



Ammoniakbasen identisch ist und zwar 
einem der Methylamine, welche sich 
durch einen heringsartigen Geruch aus- 
zeichnen und bei gewöhnlicher Tem- 
peratur gasförmig sind. Zur Fest- 
stellung dieser Thatsache wurden daher 
2 kg klein geschnittener, frischer und 
ungeschälter Kalmuswurzeln zwei Tage 
lang mit 6 kg schwach säurehaltigen 
Wassers digerirt, sodann stark gepresst 
und die Flüssigkeit bis auf etwa 1 kg im 
Wasserbade verdunstet. Das so er- 
haltene, vom ätherischen Oel befreite, 
dünnflüssige Extract wurde filtrirt, in 
einen Destillirkolben gegeben, 30 g Mag- 
nesia, mit der vierfachen Menge destillirten 
Wassers angerieben, hinzugefügt und so- 
dann der Destillation unterworfen. Das 
Destillationsproduct wurde in verdünnt«^ 
Salzsäure eingeleitet und Vs der Flüssig- 
keit abdestillirt. In dem Destillations- 
rückstand konnte ein Stickstoflbestand- 
theil nicht mehr nachgewiesen werden, 
andererseits war jedoch auch der Bitter- 
stoff in Zucker und ätherisches Oel zer- 
setzt worden, welches mit in das 
Destillat überging. Dieses wurde auf 
dem Wasserbade abgedampft, mit 
destillirtem Wasser von Neuem auf- 
genommen, flltrirt, wiederum zurTrockene 
verdunstet und dieser Process mehrmals 
wiederholt. Auf diese Weise Hess sich 
ein nur noch schwach gelb gefärbtes 
Salz erhalten, dessen letzte förbende Be- 
standtheile durch Uebergiessen mit ab- 
solutem Alkohol hinweggenommen werden 
konnten. Durch darauffolgendes Kochen 
des Bückstandes mit absolutem Alkohol 
ging der grössere Theil desselben in 
Lösung, während geringe Spuren von 
Ammoniumchlorid zurückblieben. Nach 
Yerdampüßn der filtrirten alkoholischen 
Lösung hinterblieb ein völlig weisses 
Salz, welches Über concentrirter Schwefel- 
säure längere Zeit ausgetrocknet dejr 
Analyse unterworfen wurde. 

In Wasser erwies sich dasselbe sehr 
leicht löslich, welche Lösung mit Platin- 
chLorid, Aurichlorid, Jodjodkalium Fäll- 
ungen gab. Da mir augenblicklich die 
Gelegenheit fehlt, eine Kohlenstoff- 
bestimmung vornehmen zn können, so 
suchte ich durch Bestimmung des Chlor- 
gehalts, des StielcstofQgebalts nach 



233 



Kjeldahl und einer Platinbestimmang 
des schön krjstallisirenden Platindoppel- 
salzas die Zasammeosetzung der Ammo- 
niakbase zu erfahren und glaube zu 
durchaus befriedigenden Besiütaten ge- 
laugt zu 3eijL 

a) CUorbettimmnng. 

1. 0,15 g des ausgetrockneten Salzes 
wurden mit ehlorfreiem Calciumcarbonat 
vorsichtig und anhaltend g^lüht, der 
Glahrückstand mit verdünnter Baipeter- 
sfimre aufgenommen und durch Silber- 
nitrat das Chlor ausgefällt. An Chlor 
geftmden — 0,0795 = 

0,0795 . 100 ^„ .^ ^, 
Q-jg = 53 pCt. CI. 

2. 0,112 g Substanz ebenso behandelt 
lieferten 0,059 Chlor = 

■a^i^ = 62,67 paa 

b) Stiakstoffbestiaunmig naoh SjaldaU. 

1. 0,485 g des ausgetrockneten Salzes 
ergaben 0,0075 Stickstoff = 

0.0975 . 100 ^^.^ ^ .^ 

0,485 - ^^'l^P^- ^' 

2. 0,294 g Substanz lieferten 0,0599 
Stickstoff = 

0,0S90 . 100 9.oß«p, M 
jjggl — = 20,36 pCt. N. 

Pie gewonnene Menge Ammoniak 
wurde nicht titrimetrisch, sondern durch 
Einleiten in verdünnte Salzsäure und 
Darstellung des Platinammoniumchlorids 
gewicht^analytisch bestimmt. 

c) PlatiabMtimmunf des PlattncUorid- 

doppelsalxet. 

Zu der wässrigen Lösung des Salzes 
wurde Platinehlorid in starkem Ueber- 
sehuss hinzugeitlgt, auf dem Wasserbade 
zur Trockne verdunstet und der Bück- 
stand so lange mit Alkohol ausgekocht, 
als dieser noch Färbung annahm. In 
dem über conc. Schwefelsäure völlig aus- 

fetrockneten, schön krystallisirten Platin- 
oppelsalze wurde durch Veraschen der 
Platingehalt bestimmt. 

1. 0,813 g dieses Platindoppelsalzes 
enthielten 0,1315 Platin »» 



0,1315 . 100 



= 42,01 pOt. Pt. 



0,313 

2. 0,132 g Substanz lieferten 0,055 
Platin = 

0,055 . 100 ., ßß n. D* 
— g-jgg — ™ 41,66 pOt.Pt. 

Eine Zusammenstellung der Chloride 
des Ammoniaks und der Methvlamine, 
welche hier nur in Betracht kommen 
können, nach ihrem procentischen Ge- 
halt an Chlor und Stickstoff ergiebt: 

für Ammoniumchlorid 
NH4CI = 66,35 % Cl und 26,16 % N., 

Methylaminhydrochlorid 
NH2CH3.HCI = 52,59% Cl und 20,74%N, 

Dimethjlaminhydrochlorid 
NH(CH8)iHCl-=43,56% Ol und 17,18% N., 

Tri methylaminhydrochlorid 
N(CH3)3HC1 = 37,17% Cl und 14,66% N. 

Dieser Zusammenstellung zufolge ent^ 
spricht der im Durchschnitt gefundene 
Procentgehalt an 

Cl = 52,88 pCt. 
N = 20,23 „ 

dem Methylaminhydrochlorid. 

Die entsprechenden Platinchloriddoppel- 
salze weisen folgenden Proeentgehalt an 
metallischem Platin auf : 

(NH4Cl)oPtCl4 = 44,22 pCt. Pt, 
(NHaCHsHCljoPtCU = 41,61 pCt Pt, 
NH(CH3)2HCI],PtCl4 = 39,29 pCt. Pt, 
:N(CH3)3HCl]aPtCl4 = 37,22 pCt Pt 

Der Befund an metallischem Platin 
war im Durchschnitt 41,83 pCt. Pt und 
stimmt so ebenfalls mit dem Platindoppel- 
salze des Methyhuninhydrochlorids über- 
ein. 

Durch vorliegende Untersuchung glaube 
ich den Beweis erbracht zu haben, dass 
der in der Kalmuswurzel vorkommende, 
bisher von mir unter dem Namen Calamin 
verstandene Stickstoffbestandtheil volle 
Identität niit der Ammoniakbase M e t h y 1-^ 
amin zeigt, welches sich im gebun- 
denen Zustande in der Wurzel befindet. 
Werden wäasrige Auszüge derselben oder 
die Wurzel selbst mit stärkeren Basen, 
wie Kaliumhydroxyd, der Destillation 
unterworfen, so tritt als Destillations- 



234 



product in ^össerer Menge Ammoniak 
auf, welche Erscheinung darauf zurück- 
zufahren ist, dass das Methylamin eine 
theilweise Spaltung zu Methylalkohol und 
Ammoniak erleidet und zwar nach der 
Gleichung : 

I I 

NHaCHaHE*) + KOH = KR + NH3 

+ CH3OH 

Nach dieser Gleichung ist es verständ- 
lich, dass neben dem Methylamin, selbst 
wenn man mit einer so schwachen Base 
wie Magnesia destillirt, stets Ammoniak, 
wenn auch nur in geringen Spuren, ent- 
wickelt wird. Andererseits findet aber 
auch das Vorkommen von Methylalkohol 
in den Destillationsproducten von der 
Kalmuswurzel, über welches Prof. Gutzeü 
in Jena kürzlich berichtete (Pharm. Ztg. 
1887, S. 225) seine natürlichste Erklärung. 
Ich habe mich selbst von dem Vorhanden- 
sein des Methylalkohols überzeugt, kann 
demselben jedoch nur eine secundäre Be- 
deutung zusprechen, d. h. ich halte den 
Methylalkohol in den Destillationswässern 
von der Ealmuswurzel für ein Zersetzungs- 
product des in derselben im gebundenen 
Zustande vorkommenden Methylamins. 



Zur üntennohang der üngarweine. 

Von Dr. 0. Schtceissinger. 

An dem grossen Streite, welcher zwischen 
den ungarischen Weinproducenten und 
den deutschen Händlern vor einiger Zeit 
entbrannt war und welcher noch immer 
fortdauert, ist natürlich auch der chemi- 
sche Sachverständige betheiligt, denn die 
wichtige Frage: »Ist der vorliegende 
Ungarwein echt und gut oder gefälscht 
und schlecht/* tritt sehr häufig an ihn 
heran. Es ist daher auch die weitere 
Frage von grosser Bedeutung: „Nach 
welchen Normen muss ein solcher Wein 
beurtheilt werden und welche Zahlen 
muss derselbe bei der Bestimmung der 
verschiedenen Substanzen zeigen.*' 

Ein Beitrag zu dieser Fra^e, besonders 
mit Berücksichtigung der nicht versüssten 
feinen ungarischen Weine, welche zuerst 
Herrn Dn Oeisskr, dann, nachdem ich 



*) RI bedeutet einen dnwerttügen Sfturerest. 



dessen Laboratorium übernommen, auch 
mir in einer grösseren Anzahl von Sorten 
durch die rühmlichst bekannte Firma 
Hoff mann, Heffter & Co. in Leipzig zur 
Verfügung gestellt wurden, soll die vor- 
liegende kleine Mittheilung sein. 

Verschiedene Umstände haben die 
Veröflfentlichung dieser Mittheilung bis- 
her verhindert; trotzdem aber der vor 
etwa Jahresfrist sehr heftige Streit zwi- 
schen Händlern und Producenten sieh 
jetzt in ruhigeren Bahnen bewegt, stehen 
wir nicht an, die Besultate unserer Anar 
lysen hier zu veröffentlichen. 

Wir geben hier zunächst in einer Ta- 
belle die Resultate, welche die verschie- 
denen, zum Theil sehr edlen Sorten bei 
der Analyse gegeben haben. (Siehe die 
Tabelle zu Anfang der nächsten Seite.) 

Nr. 6 stammt aus dem Königlich Ungar. 
Landes - Gentralkeller in München, die 
Sorte Tokayer Auslese 1878er fein herb 
soll den ersteren bei Weitem an Qualität 
und Feinheit übertreffen. Die Jahrgänge 
1874er Tokayer Auslese mild herb und 
1868er Tokayer Auslese hochfein gezehrt, 
wurden uns als das feinste übersendet, 
was dem Publikum geboten werden kann. 

Die Nummern 2 bis 4 bezeichnen 
Weine, welche noch nicht die nöthige 
Flaschenreife haben. 

Nr. 5 wurde als feiner Tokayer Aus- 
bruch ohne Bohrzuckerzusatz bezeichnet. 

Was aus dieser Tabelle nun zunächst 
hervorgeht, ist die Thatsache, dass wirk- 
liche Ungarweine und ganz besonders 
auch Tokayerweine bester Lagen und 
Jahrgänge, ordnungsgemäss vergohren, 
nicht viel grössere Zuckermengen ent- 
halten, als unsere gewöhnlichen Weiss- 
weine, dass also der Zucker, wenn die 
Weine denselben in grösserer Menge 
enthalten, diesen künstlich zugefügt ist. 
Ob dies nun in Gestalt von Trockenbeeren, 
oder von Rohrzucker oder auch, wie es 
neuerdings vielfach zu geschehen scheint, 
von Invert - Zucker geschieht, ändert an 
der Thatsache nichts. Die natürlichen 
Weine haben den Zucker nicht und die 
Süssweine sind daher ebenso wie die 
Schaumweine als Kunstweine aufzufassen. 
Warum man nun gerade diese stark ver- 
süssten Weine als MedicinaNTokayer 
bezeichnet und in den Handel gebralcht 



235 





i 
Nr. 2 Nr. 3 


Nr. 4 


Nr. 5 

1 


Nr. 6 
Parczali 


1868er 
Tokayer 


1874er 
Tokayer 


1878er 
Tokajer 


Alkohol . . . 


10,38pCt. 10,85 pCt. 


12,08 pCt. 9,36 pCt. 


8,79 pCt 


11,15 pCt 


11,77 pCt. 


10,85 pCt. 


£xtract. . , . 


1.98 „ 


2,07 .. i 2,55 „ 

1 


25,22 „ 2,25 „ 


2,48 „ 


2,40 „ 


2.10 „ 


▼ or dem 
5j Invertiren ' 0,% „ 


1 

0,19 „ 0,25 „ 


20,38 „ 


0,13 „ 


0,23 „ 


0,20 „ 


0,16 „ 


M 1 nach dem 
\ Invertiren 


1 
1 


1 


20,38 „ 
0,63 „ 


•M^ 


— 


— 


— 


Freie Sfture . . 0,69 „ 


0.69 „ 


0,63 „ 


0,81 „ 


0,63 „ i0,61 „ 


0,67 „ 


Polarisation Tor 


+ - 


+ - 


+ - 


5.2" - j + - 


+ - 


+ - 


+ - 


Polarisation nach 
dem Invertiren 





1 

- 3,2° - 





— 


— 




Asche .... 1 0,19 pCt. 0,18 pCt. 


0,20pCt 0,24pCt. 


0,17pCt. 


0,18pCt. 


0,UpCt. 


0,17t) pCt. 
0,044 „ 
1,12 „ 


P,05 . . . . 0.046 „ 0.043 „ 0,062 „ 


0,056 „ 


0,036 „ 


0,042 „ 


0.042 „ ' 


Glyccrin . . . 


1.02 „ 


1,25 „ 


0,88 „ 





0,94 „ 


1,15 „ 


1,02 „ 



hat, ist schwer zu begreifen. Jene kost- 
baren Sorten von schweren ungarischen 
Süssweinen , welche wirklich natürlich 
gewonnen werden und den Vorzug der 
Kostbarkeit für Kranke wohl verdienen, 
werden in so geringen Mengen gewonnen, 
dass dieselben auf dem Markt wohl stets 
nur in wenigen Händen gewesen sind. 
Man hat also, das liegt ziemlich klar 
auf der Hand, Aerzte und Publikum Jahre 
lang wissentlich in dem falschen Glauben 
zu erhalten gewusst, dass jene süssen 
Brühen, welche man als Tokajer auf den 
Markt brachte, einerseits natürlich ge- 
wonnen seien, andererseits wirklich werth- 
vollere Weine seien, als sie es in der 
That waren. Der Grund, warum dies 
so lange geschehen konnte, ist wohl nur 
in der Urtheilslosigkeit der Consumenten 
zu suchen, und wir müssen zu unserer 
Beschämung gestehen, dass die erste 
Anregung zu der Bewegung gegen die 
sogenannten Medicinal-Tokayer nicht vom 
deutschen Publikum, sondern von den 
ungarischen Produeenten ausging. 

Die Frage der Tokayer Süssweine ist 
Tor längerer Zeit unter Heranziehung 
einer grossen Anzahl von Analysen von 
Eisner (Pharm. Ztg. 1886 Nr. 31 u. 43) 



beleuchtet worden. Die am Schlüsse 
jener Mittheilung auf Grund der ange- 
führten Analysen angegebenen Zahlen 
liegen innerhalb folgender Grenzen: 



Alkohol 
Freie Säure 
Extract 
Asche 
Phosphorsäure 



?i 



n 



>» 



?» 



10 bis 15 pCt 
0,5 „ 0,8 
10 „ 35 
0,25 „0,60 
0,035 „ 0,1 
Je grösser der Extractgehalt ist, desto 
grösser muss der Gehalt an Phosphaten 
sein. Fünf buttige Ausbruchweine pflegen 
nicht unter 0,07 pGt. Phosphorsäure zu 
enthalten. Die Polarisation pflegt meist 
stark linksdrehend zu sein und darf vor 
und nach der Invertirung nicht erheb- 
lich von einander abweichen. Die Asche 
muss kohlensaures Alkali enthalten und 
frei von Thonerde sein." 

Die Bestimmung des Zackers vor und 
nach dem Invertiren, sowohl durch Ti- 
trirung als auch durch Polarisation ist 
allerdings bei Süssweinen stets auszu- 
führen, wenn man ein einigermaassen 
richtiges Bild über die Art des Zuckers 
haben will. 

In neuerer Zeit kamen uns wieder 
Tokayer Süssweine vor, welche reichhch 
mit unvergohrenem Bohrzucker versetzt 



236 



waren. Aber es liegt auch der Verdacht 
nahe, dass man neuerdings diese Weine 
mit Invertzucker versetzt und auf diese 
Weise dem Chemiker den Grund für 
eine Verurtheilung des Weines zu ent- 
ziehen sucht. Vielleicht haben wir später 
einmal Gelegenheit, auf diesen Gegen- 
stand zurückzukommen und Gründe für 
diese Vermuthung beizubringen. Stellen 
wir nun im Gegensatze zu den oben mit- 
getheilten Grenzzahlen EIsner'H ftlr Süss- 
weine die in der aufgeführten kleinen 
Tabelle gewonnenen Zahlen für herbe 
Ungarweine gegenüber , wobei Nr. 5 
natürlich ausgeschlossen ist, so ergeben 
sich annähernd folgende Zahlen: 

9,0 bis 12,00 pCt. 



j» 



i> 



»t 



^» 



7J 



2,55 
0,30 
0,75 
0,20 
0,062 
1,25 



P 



u 



1» 



«j 



»' 



?5 



Alkohol 

Extract . . 1.98 

Zucker . . 0,13 

Freie Säure . 0,63 

Asche . . 0,12 

Phosphorsäure 0,036 

Glycerin . . 0,87 

Der Alkoholgehalt ist hieniach, wie 
dies ja auch den natürlichen Verhält- 
nissen entspricht, niedriger, als in den 
Süssweinen. Die Annahme Elsner's, dass 
mit der Grösse des Extractgehaltes auch 
der Gehalt an Phosphaten zunehmen 
muss, ist nicht immer zutreffend, denn 
wie aus der oben gegebenen Tabelle er- 
sichtlich ist. finden wir einen Wein von 
1,98 pCt. Extract mit 0,046 pCt. Phosphor- 
säure und einen solchen von 2,48 pCt. 
Extract mit 0,042 pCt. Phosphorsäure; 
die Asche ist wesentlich niedriger ge- 
funden worden und selbst die höchste 
Zahl 0,20 steht noch unter der niedrigsten 
der Süssweine (0,25). 

Der Glyceringehalt soll in den Ungar- 
weinen höher sein, als in Weinen anderer 
Länder; im Allgemeinen ergeben die von 
uns gewonnenen Zahlen höhere Werthe, 
als von Fresenius und Anderen für die 
ungarischen Süssweine angegeben sind. 

Die Extractmengen der untersuchten 
Weine weichen nicht wesentlich ab von 
den bei besseren Weissweinen anderer 
Länder gefundenen Zahlen. 

Es geht also aus dem Vorstehenden 
zur Genüge hervor, dass es zur Zeit leider | 
noch vollständig unmöglich ist , einen | 
üngarwein chemisch von einem anderen , 
Weine zu unterscheiden, ja, dass im, 



Grossen und Ganzen das Ursprungszeug- 
niss des Weins und die Ehrlichkeit der 
Lieferanten werthvoUer sind, als die ge- 
nauesten chemischen Analysen. 

Dasjenige, was der Chemiker nach 
dem heutigen Stande der Wissenschaft 
kann, besteht darin, die Abwesenheit 
grober Verfälschungen, Zusätze von Wasser, 
Alkohol, Zucker, überhaupt die normale 
Zusammensetzung des Weines nachzu- 
weisen, ein Urtheil über die Abstamm- 
ung, das Vaterland des Weines wird 
dagegen in den meisten Fällen zweifel- 
haft, ja unmöglich sein, da Fälle genug 
angeführt werden können, in denen die 
kostbarsten Ungar- oder Rheinweine 
chemisch nicht wesentliche Unterschiede 
zeigen von den gewöhnlichen Landweinen. 

In Anschluss an die vorstehende Mit- 
theilung nehmen wir Gelegenheit, über 
einen Vortrag von E. iw^- Würzburg 
„Ueber Südweine und Medicinal- 
weine, ihre Zusammensetzung und Be- 
urtheilung zu berichten." (V. Versamml. 
bayr. Vertr. d. angew. Chemie.) lAst 
sprach über die Gewinnung, die Eigen- 
schaften und die daraus hervorgehenden 
Beurtheilungsnormen derjenigen Weine, 
welche wir als Südweine kennen und 
die in engerem oder weiterem Sinne ärzt- 
lichen Zwecken dienen. 

Den kleinasiatischen Weinen, welche 
durch den Fleiss württembergischer und 
französischer eingewanderter Weinbauer 
zu einem vorzüglichen Produet geworden 
sind, steht sicherlich eine glänzende Zu- 
kunft in Aussicht. Griechenland liefert 
Wein der allerverschiedensten Art. Es 
lassen sich jedoch auch hier zwei Gruppen 
unterscheiden: Trocken- und Süssweine. 
Die süssen griechischen Weine, welche 
hauptsächlich von zwei Gesellschaften, 
der Achaia und der Patras, zu uns ge- 
langen, sind, wie alle Süssweine, Kunst- 
producte, die erhalten werden, indem man 
dem vergohrenen Weine durch Einkochen 
und Concentriren haltbar gemachten 
Traubensaft zugesetzt hat. Es sind diese 
Weine, die bis zu 36 pCt. Zucker und 
10 pCt. Alkohol enthalten, deren Phos- 
phorsäuregehalt bis zu 60pCt.mg beträgt, 
eine Handels waare geworden, welche 
minder begünstigten Ländern ein werth- 



237 



volles Material zur Meliorirung ongenQ- 
gend gereifter Traubensäfte liefert. 

Die herben griechischen Weine, sagt 
Listy sind wegen ihres eminent hohen 
Gerbstoffgehaltes als Trinkweine nicht 
geeignet, und sind gesuchte Arznei- 
mittel, wenn, was ich nicht weiss, der 
Gerbstoff, in der denkbar theuersten Form, 
wie er hier vorhanden ist, eine grössere 
Wirkung auszuüben vermag. 

List bespricht dann weiter die Weine 
der südöstlichen und südliehen Provinzen 
Oesterreichs und Italiens, sowie ferner 
die spanischen Weine. 

Zur Erzeugung des dunkelbraunen Ma- 
laga wird ein Zusatz von Arope und 
Color zu dem ursprünglichen trockenen 
oder süssen Malaga gegeben. 

Die Arope wird erhalten, indem man 
weissen Malagamost über freiem Feuer 
auf etwa Vs einkocht. Sie schmeckt 
bitter und angebrannt und bildet einen 
dickflüssigen Syrup. 

Dunkler, doch weniger dickflüssig ist 
Color, den man durch Eindampfen von 
Arope auf ^/s des Volumens unter be- 
ständigem Sieden erhält, worauf man 
durch Zusatz von etwas Wasser mit 
frischem Most das ursprüngliche Volumen 
wieder herstellt. 

List besprach dann noch die spanischen 
Bothweine und schliesslich den Madeira. 
Was die Untersuchung und Beurtheilung 
aller dieser Weine anbelangt, so sind wir 
nmsomehr gezwungen, gemeinsame Maass- 
regeln zu vereinbaren, als Italien sowohl 
als Spanien grosse Anstrengungen machen, 
den deutschen Markt zu erobern. 

Die südlichen Weine müssen in Bezug 
auf ihre chemische Zusammensetzung und 
Beurtheilung mit einem anderen Maass- 
stabe gemessen werden, als unsere ein- 
heimischen. 

Alle trockenen südlichen Weine zeich- 
nen sich durch hohen Alkoholgehalt und 
relativ geringen Gehalt an Phosphorsäure, 
Glyeerin, Gesammtsäure, dagegen durch 
hohen Gehalt an flüchtigen Säuren aus. 

Die Glycerinbesümmungen sind meist 
ohne Werth, da die südlichen Weine 
anders vergohren sind, als die unseren. 

Unter südlichen Süssweinen sind nach 
List solche Eunstproducte zu verstehen, 
welche durch Zusatz von eingedampftem 



Traubensaft hergestellt werden und die 
einen grösseren oder kleineren Zusatz 
von Weingeist erhalten haben. Unter 
Ausbruchweinen würden diejenigen zu 
verstehen sein, welche durch Extraction 
der getrockneten Trauben erhalten werden 
und denen man einen Zusatz von Bohr- 
zucker und Weingeist erlaubt. 

Diese beiden Arten von Süssweinen 
sind dadurch ausgezeichnet, dass sie die 
Bestandtheile der Traube in concentrirter 
Menge haben und alle Versuche, 
diese Traubenbestandtheile durch 
andere einseitig zu ersetzen, er- 
klärt List für Fälschung. 

Der Extractgehalt in diesen Weinen 
kann also sehr hoch steigen (nach List 
bis 36 pCt.) und die Bestimmung des 
Eztracts durch Eintrocknen hat grosse 
Schwierigkeiten und kann Fehler von 
mehreren Procenten ergeben. Es scheint 
daher gut, ebenso wie beim Bier, die 
Extractbestimmung in diesen Weinen 
durch Feststellung des specifischen Ge- 
wichtes des entgeisteten und wieder auf 
sein ursprüngliches Volumen gebrachten 
Weines zu machen. 

Die von List in Bezug auf die Prüfung 
der Südweine an die Versammlung ge- 
stellten Anträge lauteten: 

1. Bei allen südlichen Süssweinen sind 

als wesentliche Bestimmungen aus- 
zuführen (ausser den bereits ali- 
gemein ausgeführten) die der 
Phosphorsäure, des Zuckers und 
des Extractes. Letzteres wird be- 
rechnet nach den Schultze' ^aYi^ji 
Tabellen aus dem specifischen 
Gewichte der entgeisteten Flüssig- 
keit. 

2. Alle concentrirten Süssweine und 

Ausbruchweine haben eine Con- 
centration zu erreichen, die 40 mg 
Phosphorsäure entspricht. 
8. Alle Süssweine sind auf Bohrzucker 
zu prüfen und ist die Inversion 
durch dreistündiges Erwärmen aus- 
zufahren. 
Der erste Antrag wurde unverändert 
angenommen, der zweite in folgender 
Fassung : 

Alle concentrirten Süssweine 
und Ausbruchweine, die nach 
Abzug des Zuckers noch 4 pCt. 



238 



Eitractrest und 40 mg Phos- 
phorsäure (P2O5) enthalten, 
sind als reine Weine zu be- 
trachten. 

Der dritte Antrag wird in folgender 
Fassung angenommen: 

Alle Süss weine sind auf Bohr- 
zucker zu prüfen und ist die 
Inversion mittelst Salzsäure 
vorzunehmen. 
Der folgende Zusatz wird darauf eben- 
falls angenommen: 

Die Invertinmethode bietet 
ein geeignetes Mittel zur Gon- 
trole der Inversionsmethode 
mittelst Ghlorwasserstoffsäure. 
Die weitere Frage, welche List in 
seinem Beferate gestellt war: Welche 
Weine kann der Chemiker als 
Medicinalweine anerkennen? und 
welche Ansprüche macht der Arzt 
an einen Wein, der als Medicinal- 
wein dienen soll, erklärt sich der 
Vortragende ausser Stande zu beant- 
worten. 

Die alkoholisirten trockenen Weine, 
welche heutzutage medicinischen Zwecken 
dienen, verdienen den Euf, den sie 
haben und die Auslagen, die wir für 
ihre Anschaflfung machen, nicht. Ist es 
der Alkoholgehalt, den wir im Port oder 
Sherry bezahlen? Ist es der zugesetzte 
Bohrzucker, der den dünnen Menescher 
Ausbruch zum stärksten aller Kräfligungs- 
weine stempelt? Jedenfalls müssen wir 
aus mehr als einem Grunde den fremden 
Eindringlingen misstrauisch begegnen, 
und es müsste dagegen ernstlich in Be- 
tracht gezogen werden, ob nicht unsere 
eigenen Bothweine, welche bisher die 
Bolle eines Stiefkindes im eigenen Hause 
spielen, es eher verdienen, als Medicinal- 
weine gebraucht zu werden. 

List richtete darauf an die in der 
Versammlung anwesenden Herren Ver- 
treter der Medicin die Bitte, sich einmal 
darüber zu erklären, welche Bestand- 
theile und Eigenschaften der trockenen 
Südweine es sind, die ihnen die so be- 
vorzugte Stellung von „ärztlich empfoh- 
lenen Medicinalweinen" verschafften. 

Medicinalrath ^^^er-Bayreuth erklärte 
sich ebenfalls ausser Stande, diese Frage 
zu beantworten. Was Medicinalweine 



sind und wie weit der Begriff derselben 
geht, würde kaum zu definiren sein. 

Wir sehen sogar Weine als Medicinal- 
weine angekündigt, die man vielleicht 
auf andere Weise nicht an den Mann 
gebracht hätte. 

Kayser^^ürnhecg weist noch besonders 
darauf hin, dass der als Medicinalwein 
beliebte Xeres sehr oft Eunstproduct ist 

Nach Fresenius enthält der Sherry 
fast stets zu viel Schwefelsäure, weil er 
gegypst ist. 

Obermedicinalrath von Kerschensteiner^ 
München erklärt gegenüber Kayser, dass 
in der Pharmakopoe -Gommission der 
Sherrywein gerade auf den Bath der 
Ghemiker hin als der empfehlenswertheste 
herausgesucht wurde. Derselbe sagt 
weiter: 

„Die Aerzte verlangen von einem Me- 
dicinalwein 1. dass er gut schmeckt, denn 
sonst nehmen ihn die Leute nicht, und 
2. dass er hilft, denn sonst kommen sie 
in Misscredit. Die Aerzte werden gern 
bereit sein, den Wein zu nehmen und 
in die Pharmakopoe aufzunehmen, wei- 
cher ihnen von den Ghemikern als der 
zuverlässigste und beste empfohlen wer- 
den wird. Obgleich ein gutes Glas Bhein- 
wein wohl über alle anderen Weine ge- 
setzt werden darf, so hat man doch hier 
mit einem ganz grossen Feinde in der 
ärztlichen Praxis zu kämpfen und das 
ist die gänzliche Unkenntniss des Publi- 
kums der Weine. Je miserabler der 
W^ein, desto glücklicher sind die Leute, 
wenn er nur irgend ein markantes Zeichen 
hat. Wenn man ihnen einen Wein em- 
pfiehlt von deutschem Boden, so heisst 
es: Ja, er ist halt doch sauer. Wir 
müssen also irgend etwas haben, was 
die Leute und ganz besonders die Kinder 
auch gerne annehmen, und aus dem 
Grunde müssen wir einen südlichen Wein 
haben, von dem man einigermaassen die 
Ueberzeugung hat, dass es ein Natnr- 
product ist." 

Schliesslich tritt von Kerschensieiner 
dem Vorschlage von List bei, dass die 
Aerzte alles thun sollen, um unsere in- 
ländischen Weine den Kranken recht 
warm zu empfehlen. 

Kayser schliesst die an den Vortrag 
von List sich anknüpfende Debatte, in- 



239 



dem er erklärt, dass das, was durch die 
Diskussion zu erreichen war, erreicht ist, 
nämlich, dass der augenblickliche Stand 
der Angelegenheit klar gestellt wurde. 

Zur Arzneimittelprüfong. 

Kaeh einem Vortrage von Dr. C, Schacht, ee- 

halten in der Sitzung des Vereins der Apotheker 

Berlins am 19. April. 

Üeber die Verwendbarkeit der 
Magnesia nsta bei der maassanaly- 
tiscben Bestimmung detBlausäure 
im Bittermandelwasser. Die von der 
Pharmakopoe aufgenommene Vielhäber*Bche 
Methode znr Bestimmung der Blausäure im 
Bittermandelwasser wird nach dem Vorschlage 
von MpUus häufig dahin abgeändert , dass 
statt des rorgeschriebenen Magnesium pulti< 
forme eine Anreibung von Magnesia usta mit 
Wasser angewandt wird« Myliua sagt über 
diese Abänderung in der Pharm. Centralhalle 
(1882, S. 516): «Das Reagens Magnesium 
hydrienm pultiforme ist für die Blausäure- 
titrirung ganz überflüssig; vielmehr kann 
man sich ebenso gut einer Anreibung von 
Magnesia usta bedienen (deutscher, nicht 
englischer). Man reibe 2 g chlorfreie Mag- 
nesia nsta mit 50 g Wasser an und verwende 
von diesem Brei, der um so besser ist, je älter 
er wird , für jede Titrirung 3 g. " Leider ist 
diese äusserst bequeme Abänderung für die 
Praxis nicht branchbar. *) 

Die Pharm. Öerm. II verlangt von der 
Magnesia usta , dass die mit Hilfe von Essig- 
säure bewirkte wässerige Lösung, mit Salpeter- 
säure angesäuert, durch Baryumnitrat nicht, 
durch Silbemitrat nach 2 Minuten nur opali- 
sirend getrübt wird ; sie darf also eine ganz 
geringe Spur von Chlor enthalten. Eine kürz- 
lich erhaltene Probe von Magnesia usta hielt 
die Forderungen der Pharmakopoe gut aus, 
war aber znr Titrirung des Bittermandel- 
wasaers nicht zu verwenden, weil dieselbe 
Schwefel, vielleicht als Magnesiumozjsulfuret 
(durch Barynmnitrat wurde keine Trübung 
erhalten), enthielt. Diese Magnesia, mit der 
Silberlösnng zusammengebracht , bewirkte 
nach ganz kurzer Zeit einen tief s chwarzen 
Niederschlag von Schwefelsilber. 

Wird eine solche Magnesia usta mit Salz- 



*) Wohl nur »nicht immer brauchbar", 
wie aus dem Folgenden selbst klar hervorgeht 

Bed. 



säure und Brom behandelt, so lässt sich im 
Filtrat deutlich Sc