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BERLINER 



TJJßT' 



HERAUSGEGEBEN 



VON 



CHR. BELGER und 0. SEYFFERT. 

i 

FÜNFTER JAHRGANG 
1885 



BERLIN 1886 

VERLAG VON S. CALVARY & CO. 



Inhalts - Verzeichnis. 



Origin&larbeiten. g^^^ 

Sorrmaiii, R., Gottfried Seraper als Archäolog 257. 289 
Holzer, C. C^ Zum ABC der Liebe .... 513. 545 
Kroker, E., Giebt es ein Porträt des Aischylos? 897 
Meister, R., Zu den kjprischen Inschriften . • 1608 
Otto, Ä., Die Versujnstellungen bei Properz . . 481 
Paul, Mf., Zur Erklärung von Cacs. b. g. III 26 1185 
Reinere, J., Die Lehmfunde in Griechenland u. 

der dorische Stil 961 

RSneoh, H., Kommt ambulare wirklich von ambire ? 1 57 1 
Roeeher, W. H , Beiträge zur griechischen Mytho- 
logie. Kentauren • , I. 33. 65. 97. 12il. 161. 193 
Yogrtiz, fi., Sprachgeschichtliche Bemerkungen , 
zur Lehre von den Präpositionen 225 



Rezensionen und Anzeigen. 

Abamelek-Lazarew, Fürst Palmyra. (H. Haupt) 460 

Abbandleogen, Straßburger, zur Philosophie. 
(F. Lortzing) 530 

Abmliani, J., Velleius n.' die Parteien in Rom. 
(H. Schiller) 1523 

Abraban, W.. Studia Plautioa. (0. Sevffert) . 268 

Adamy, R., Einführung in die antike Kunstge- 
schichte, (-m-) 690 

Adelioe, J., Lexique des termes d'art (A. Bau- 
meister) 699 

Aesebyli fabulae, ed. N. WeckleiiL YoL I 
et U. (L. Schmidt) \ . . 769. 801 

— tragoeaiae, par U. WeiL (Wecklein) ... 68 

— Ghoephoroi, ed. A. Sidgwick. (Wecklein) 487 

— Orestie, hrsg. von Th. Heyse. (Wecklein) 417 
Aly, F., Zur Quellenkritik des älteren Plinius. 

(D. Detlefsen) i . . . 1423 

Aneedota Oxenleneia, I, 5. (U. Magnus) . . . 1160 
Aanae Conneaae Alezias, rec. A. Reif f er scheid. 

(W. Fischer) 889 

Aaonymi de situ orbis libri, ed. M. Manitius. 

<B. Fabricius) 778 

ApelK F. V., Argentoratum. (C. Mehlis) .^ . . 686 
Aristophanee, Die Wolken. Die Frösche. Über- 
setzt von J. Mähly. (H. Lübke) 1027 

Arletotelle Ars rhetonca, ed. A. Roemer. (M. 
Wallies) 1543 

— CoDMuentaria, vol. XXIII. Pars III: Themi- 
stius, ed. M. Wallies. — Pars IV: Anonymus 

in Sophisticos, ed. M. U ayduck. (F. Susemihl) 489 

— Supplementum Aristotelicum ed. Sp. Lam- 
bros. Vol. I pars I. (F. Susemihl) .... 1352 

Aiiflefler, 0., Verzeichnis griechischer Münzen. 

(R. Weil) ^ 786 

Bideker, K., Ägypten. L (0. Puchstein) . . . 1293 

Ballae, E., Die Phraseologie des Livius. (-:-) . 850 
Baaiberg, A. v., Griech. Schulgrammatik. (W. 

Kitsche) 1387 

Bangert, A., De fabula Phaethontea. (Wccklein) 1322 

Bapst, 6., Etudes sur Tetain. {0. Keller). . . 146 

BaroB, J., Gesch. des röm. Rechts. (M. Voigt) 23 

Basedow, J., lat Schulsyntax. (Sorgenfre^) . . 54 
Batliiadee, D., Aiof»^«)~ixa st; x« dpyaXa st; tov 

Aouxicr/ov ayoXict, (A. Baar) ... * 1292 

Baslner, 0., De hello civili Caesariano. (R. 

Schneider) • . . . , 426 

Baumeleter, A., Denkmäler dos Altertums, I. 

(Ch. B.) 111 

Baniiaok, J. u. Tb., Inschrift von Gortyn. (R. 

MclHter) M4 



Beobtel, J., Thasische Inschriften. (W. Larfeld) 1450 
Becker, G., Catalogi bibliothecarum antiqni. (R. 

Beer) 822 

B^oard, Ob , La philosophie ancienne (E. Reitz) 1528 
Böooist et Favre, Lexique latin. (P. Dettweilcr) 151 

Benusei, B., L'Istria (Zippel) 81 

Berok, Tb., Griech. Litteraturgeschichte. Bd. 

JII. (K. Bruchmann) 46 

Bemay'e gesammelte Abhandlungen hrsg. von 

H. Usener. (P. v. Gizycki) 1081 

, BIrt, Tb., De fide christiana Stüichonis aetate. 

(H. Schiller) 1645 

Blase, Fr., De Phaetontis Euripideae fragmentis. 

(Wecklein). . 1322 

Bloch, G., De decretis functorum magistratuum 

ornamentis. (0. Hirschfeld) 817 

BlOmner, H., Das Kunstgewerbe. (Ch. B.) . . 306 
Bobrik, R«, Horaz. Entdeckungen u Forschungen. 

L (W. Mewes) 1293 

B5ttiober, A., OJvmpia. (R. Weil) 1620 

Boonells Lat. Übungsstücke — BoBDells Lat. 

Vocabularium. (R. Hellwig) 661 

Bourmont, A. de, Fondation de Tuniversit^ de 

Caea — Biblioth^que de Caen. (G. Schepß) 789 
Bradke, F. ¥., Dyäus Asura. (F. Spiegel) . . 1076 
Brandt, 8., Sankt Galler Pallmpsest des Lac- 

tantius. (H. Rönsch) 1328 

Bröal et Ballly, Les mots latins group^s. (Th. 

Sorgenfrey) , . . • 761 

Briefwecbeel zwischen Böckb und K. 0« Muller. 

(A. WeU) 385 

Brugmann, K., Griechische Grammatik. (K. 

Bruchmann) 1494 

— Zum heutigen Stand der Sprachwissenschaft;. 

(H. Osthoft) .^ 1605 

Brugsobi H., Religion der Ägypter. (G. Ebers) 449 
Brunei, L., De ütigoedia apud Romanos. (A. 

Riese) 204 

Brunnbofer H., XJrsitz der Indogermanen. (F. 

Spiegel) 1137 

Brune, J., Lukrezstudien. (A. Briegcr) .... 75 
Buobbolz, E., Die hom. Realien, III. (Hasper) 321 

— Vindiciae carminum Homericorum I. (R. 
Volkmann) 905 

BUcheler u. Zitelaiann, Recht von Gortyn. (R. 

Meister) 1445 

Buermann, H., üandschriftliche Überlieferung 

des Isokrates. (J. Zycha) 1640 

Caeear, de hello gallico comm., rec. M Gitl- 

bauer. (R. Schneider) 1133 

von R Menge. (R. Schneider) .... 1326 

da F. Ramorino. (R. Schneider). . . 106 

von H. Walther. (R. Schneider) ... 105 

— de b. civ. rec. A. Doberenz. (R. Schneider) 76 
Calpurnil et Neaieiianl bucolica rec. U. Sehen kl. 

(L. Müller) 1066 

Catalogae of Greek Goins, by Barclay V. He ad. 

Ed. by Stuart Poole. (R. Weil) 659 

Catullue, rec Aoh. Baebrene, II. (A. Riese) . . 1548 

— erklärt von A. Riese. (K. Roßberg) 492. 523 
Genterwall, J., Julianus affälHngen. (Stenersen) 181 

Cerquaad, J. F., Copia. (R. Peter) 1173 

Cbatelain, E , Pal^ograpMe des classiques latins. 

(W. Wattenbach) 656. 1109 

Cbatzidakie, G. N., ^^Kizr^ Izl t?;; via; eUtjvut};. 

(G. Meyer) 1042 

Cbriet, W., Homer oder Hörnenden. (C. Rothe) 462 
Cbrieteneen, H., Über den Vigintisexvirat (W. 

Soltau) 1656 

Cioero, proArchia,parM. Chanscllo. (F. Müller) 661 

1 



— IV « 



Cicero, in Catilinam, ed. R. Novak. (F. Müller) 747 

— Ic orazioni catilinaric, comm. da A. Pasdcra. 

(F. Müller) 999 

— Rede über das Imperium, voD Ä. Deüorling. 

(P. Dettweiler) 1127 

— Rede für Murena, herausg. von Koch-Land- 
graf. (F. Müller) 1522 

— Rede für Sulla, von Richter-Landgraf. 

(F. MüUer) 1522 

— contrc Verr^s, seconde action, par E. Tho- 
mas. (P Dettweiler) 1165 

— letterc scelte da A. Conradi. (L. Gurlitt) 1031 

— ausgewählte Briefe, von F. Hofmann. (iC 
Schirmer) 1073 

— Laelius, von A. Strelitz. (F. Müller) . . 746 

— de natura deorura, by J. Mayor and J. H. 
Swainson. L (U. Deiter) 679 

— Tusculanae, von L. W. Uasper. (G. SoroQ 1186 
CohB, A., Fontes Aurelii Victoris. (Chambalu) 919 
Cohi, L, De Heraclidc Milesio. (P. Caucr) . . 201 
Comenclni, L, Studi di sintassi greca. (H. Ziemer) 1235 
Cornelii Nepotis vitae, ed. 6. Cortese. (Gemß) 1582 

— ed. A. Fleckeisen. (Gemß) 1581 

— ed* M. Gitlbauer. (Gemß) 1583 

— von Völker- Crecelius. (Gemß) .... 179 
Coiza Luzi, &, Della geograüa di Strabone. 

(D. Detlefsen) 1122 

Cnq, E., Le Conseil des Empereurs. (P. Willems) 263 
Curtias Rufns, Storia di Alessandro, da E. Coc- 

chia. (E Kräh) 1082 

Curtius, 6., Zur Kritik der neuesten Sprach- 
forschung. (H. Osthoff) 1605 

Danjon, Ch., Precis de grammaire latine. (Th. 

Sorgenfrey) 761 

Deiter, U., De Ciceronis codicibus Vossianis. 

(P. Schwenke) . 1421 

Delattre« A., L'empire des Medes. (E Schrader) 20 
DelbrQck. B., Die neueste Sprachforschung. (JI, 

Osthoff) 1605 

Deaostheoes, Ausgewählte Reden, von J. Sdrgel. 

2. Bdchn. (J. Feters) 743 

— plaidoyers politiques, par H. Weil. (W. 
Nitsche) 705 

Denis, J.. Philosophie d'Orig^ne. (Th. Ziegler) 988 
DHthey, C, Observationes in epistulas heroidum 

Ovidianas. (G. Knaack) 893 

Dienyeii Thraois Ars grammatica ed. G« Uhlig. 

(L. Cohn) 99 

Doering, Über den Homerus Latinus. (L.Müller) 428 
Dombert, B., Commodian -Studien. (U. Rönsch) 897 
Dersa,^ Y., tradizione greco-latina nella Calabria. 

(G. Meyer) 277 

Dreyeen, G., Hist. Handatlas. (Ch. B.) . . . . 1626 
Duboie, M., Les Ligues etolienne et ach^enne. 

(M. Klatt) 1589. 1620 

DOtechke, H., Anleitung zur Inscenicrung. (Weck- 
lein) 10 

Dumont, A, Terres-cuitos grecs-orientales. (A. 

Furtwängler) 698 

Damont et Ghaplaln, C^ramiques de la Gr^e. 

(A. Furtwängler) 695 

Duniy, V., Geschichte des röm. Kaiserreichs, 

übers, von Ilertzberg. (H. Schiller) .... 277 
Ebeling, H., Schulwörterbuch zu Cäsar. (R. 

Schneider) 917 

Egelkaaf, 6., Grundz&ge der Geschichte. (IL 

Peter) 1367 

Ester, Q , Beiträge stur gallo-keltischen Namen- 
kunde. (R. Thumeysen) .1174 

Emagelldes, M., ircopia -rf;; ^tupt«; t^; Tvcbasw;. 

(L. Stein) 1281 

Eucndis elementa ed. J. L. Ueiberg. (Fr. 

Uultsch) 1452 

Enripldes, Iphigenic in Tauricn, von Ch. Ziegler. 

(J. Peters) 1217 

Eusebli canonum epitome ilL Siegfried et 

Geizer. (C. Frick) 523 



Faye, H., Sur Toriginc du raonde. (P. v. Gizycki) 724 
Fischer, Fr., Do patriarchainim Constantinopoli- 

tanorum catalogis. (Wasch ke) 710 

nta, F., Estudios Historicos.* ^F. Uaug) ... 244 
Flaoli,H., Geschichte der griech. Lyrik. <L. Cohn) 1509 
Ferohliaiimer, P. W., Erklärung der Ilias. (W. 

Röscher}. 839 

Frinkel, A., Studien zur röml Geschichte. L 

(H. Crohn) 713 

Friederiohs. C, Die Gipsabgüsse im Berliner 

Museum. (£. Kroker) 1491 

Frigell, A., Prolegomena ad Livi 1. XXIL (->). 241 
Fröhlich, F., Bedeutung des zweiten punischcn 

Krieges. (J. W. Förster) 78 

FQhrer, A.. Sprache undEntwickelung der griechi- 
schen Lyrik. (R. Meister) 871 

Furtwängler, A., Beschreibung der Berliner 

Yasensammlung. (R. Weil) 1895 

Galeni Scripta minora, I, rec. J. Marquardt. 

(J. Uberg) 469 

Gerth, B., Griechische Schulgrammatik (W. Voll- 
brecht) 279 

Geyer u. Mewee, Übungsbuch zum Übersetzen 

ms Lateinische (P. Hellwig) 661 

GeynOller H. de. Documents sur les thermes 

d'Agrippa. (Ch. Hülsen) 405 

Glllischeweki, Scidae Horatiana. (W. Mewes) . 1125 
Girard, J., Essai sur Thucydlde. (J. Stahl) . . 265 
Glrard, P., De Locris Opuntiis. (R. Weil) . . 276 
Gitlbauer M., Philologische Streifzüge, I u. 11. 
(R.. Schneider) 1134 

— Überreste griechischer Tachygraphie. (0. 
Lehmann).^ 16 

GSIer, E. v., Übersichtskarte zu Cäsars galli- 
schem Krieg. (R. Schneider) ....... 427 

Goelzer, H., Grammaticae in Sulpicium Scvcrum 
observationes. (II Rönsch) 520 

Goetz, G., Glossarium Terentianum. (0. Seyf- 
fort). ... \ ... ' 644 

Gcmperz, Th.. Zu Philodems Büchern von der 
Musik. (H. Landwehr) 1029 

Gow, J., History of Greek mathematics. (Fr. 
Hultsch) 668 

Griber, G., Untersuchungen über Ovids Briefe 
aus der Verbannung. (G. Knaack) 393 

— Attraktion des Relativums bei Xenophon. 

(W. Vollbrecht) 1381 

Graf, E., Die Antiopesagä (A. Schirmer) . . 594 
Gregorli Palamae prosopopoeia ed. A. Jahn. 

(W&schke) 422 

Gregoric, J. de, De Isocratis vita. (Buermann) 1222 
Grche, H., Wert des Geschichtswerkes des 

Cassius Dio. (H. Schiller) 225 

Grumbaoh et Waltz, Prosodie et m^trique latines. 

(R. Klotz) 1370 

Grundmann^ H. R., Quid in elocutione Arriani 

Herodoto debeatur. (A. Bochner) 232 

GOnther, G., Gnmdzüge der tragischen Kunst. 

(Wecklein) 1057 

Harnf, A., Ethik des Protagoras. (A. Krohn) . 986 
Hanler, J., Aufgaben zur lat. Syntax. (Sorgen- 
frey) 55 

Hanpt, H., Der rönusche Grenzwall. (0. Keller) 681 

— La marche d^Hannibal. (G. Schepß) . . . 108 
Haueecallier, B., Quomodo sepulcra Tanagraei de- 

coraverint (A. Furtwängler) 14 

Havel, L, Eloquence et philologie. (E. Ueitz). 1175 
Hauvette-Besnauit, A., De Archonte rege. Les 

Strateges ath^niens. (J. 11. Lipsius) .... 1458 
H&ueener, J., Cruquias und die liorazkritik. (I. 

W. Kloncek. II. W. Mewes) 809 

Heath, T. L, Diophantus. (M. Cantor^ .... 1223 
Heikel, J. A., De participiorum apud IJerodotum 

usu. (Ph. Weber) 1413 

Heil, B.. Logographis num Uerodotus usus sit. 

(H. Landwehr) • 230 

Heiner, A., Studia Piudarica. (L. Bomemann) 1477 



Heisterbergk, B., Name and BegrifiF des los itali- 

cum. (M. Voigt) 78. 

HeHz, E.^ Zur Geschichte der alten Straßburgcr 

Universität (C. Nohle) 1271 

Heibig, W., Das bom. Epos aus deu Denkmälern 

erläutert. (A. Gemoll) 4 

Hera0U8, K., Lat Schulgrammatik. (11. Ziemer) 1425 
Hermanas Lehrbach der griech. Antiquitäten. 

Dritte Aufl. von Th. Thal he im. (Bucmiann) 590 
Herodotus, von J. Sitzler. Buch VII (£. Kräh) 1577 

— reo. U. Stein. (K. Abichti 1089 

HcrreaaciNieider, E. A., Argentovaria-Uurbnrg. 

(H. Crohn) 1305 

Hertz. M., Carrionis in Gellii noctium Att. com- 

mentarii. (Gs.) 1074 

Herttberg, Fr., Athen. (G. Löschcke) .... 852 
.Herzer, I., Metaphorische Studien zu griechi- 
schen Dichtem. (Wecklein) 618 

Heubacb, H , Commentarü ad Iliadis scholia. 

(A. Ladwich) 1541 

Heydemann, H., 7.-9 Winckelmannsprogramm. 

(H. Dütschke) . . . . 818 

Hinrichs, 6., Herr Dr. Sittl und die hom. Aeolis- 

men. (R. Meister) 8 

Hocbegger, Entwickelung des Farbensinns. (H. 

Magnus) 718 

Holwerda, J., Die alten Cyprier 1623 

Holzweiselg, F., Lat. Schulgrammatik. (Th. Sor- 

genfrev) 1338 

Heners Ilias, erklärt von Ameis-Hentze. (P. 

Cauer) 1577 

rec. Dindorf - Hentze. (P. Cauer) . 549. 1576 

book8l-XlI,byD.B.Monro (G.Vogrinz) 517 

— Odyssee I VI, von Ameis-Hentzi). (A. 
Gemoll • . . 466 

epitome ed. A. Scheindler. (R. Pepp- 

müller) 1253 

Horatii opersi edd. 0. Keller et J. Iläussner. 
(W. Mewes) 1095 

erklärt von A. Kiessling. L (G. Faltin) 624 

— carmina selecta ed. M. Petschenig. (W. 
Mewes) 1226 

— lyr. Gedichte übersetzt von N. F ritsch. (G. 

• Faltin) 104 

— Satiren u. Epistehi, von G. T. A Krüger. 

(W. Mewes) 1386 

— Epistulao, ed. by A. S. Wilkins. (W. Mewes) 1482 
HOttemani, F., Lehrgang der griech. Sprache. 

(W. Vollbrecht) 755 

Jabresberiobte der Geschichtswissenschaft, von 

J Hermann etc. IV. {Q, J. Schneider) . . 1456 
Jambliobi de vita Pythagorica liber, rec. A. 

Nauck. (E. Heitz) 552 

Jebb, W. C, Die Reden des Thukydides; deutsch 

von Imelmann. (A. Busse) 909 

Jeep, L., Quellenuntersuchungen zu den griech. 

Kirchenlustorikem. (W Fischer) 299 

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voD H. HagDUS. (Ä. 

I2G0 

Siebeiifi-Polle. (R. 

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Kaaak. 750 

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tum Iciicorum. (K. E. 

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tudien, IV. (G. Meyer) 534 

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(W. Vollbrocht) 618 

— Hellenica I u. II, von B. Bjreitenbach. 

(R. Hansen) 641 

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Auszttge aus Zeitschriften, Programmen 
und Dissertationen. 

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Acta seminarii phil Erlangensis, vol. III,. . S. 124 
Amerioan Journal of Archaeology, vol I, . . . 831 

AmcricaD Journal of Philology 948. 1403 

Annualre de TAssociation des Etudes grecques 953 
Anzeiger, phUologischer, 153. 411. 444. 511. 829. 1307. 

1658 
Archaeologleal Inatitute of America, Report. . . 159 
Arohiv für lat. Lexikographie 881. 886 

— pädagogisches 670 

Athenaeum Beil. 7 ff. 

Attl e Menorle della R. Deputazione di storia di 

Romaffna Beil. 16 

Bericbl der Kön. Sachs. Gesellschaft; der Wissenschaften 

448. 1049 
Blätter für bayr. Gymnasialschulwescn 61. 86. 214. 830 

Boston Univerali Tear Book 1018 

Bulletin de PAcaddmie d'flippone 1017 

— de correspondance africaine 191 

— de correspondance hellenique . 1015. 1273. 1563 

— ^pigraphique 118. 575. 793. 1215. 1436 

— monumentel 794 

Bullattino della Gommissione arch. di Roma . 1564 

— di corrispondenza archeologica Beil. 15. Seite 87. 

446. 1178. 1213. 1274 
ContralMatt, forstwissenschaftliches, .... Beil. 18 

— littenuisches, Beil. 1 ff. 

AEATION XTjc bTopixfJ; exa'.p'a; 942 

Goethe-Jahrbuch, Bd. VI. 854 

GSttinger gelehrten Anzeige 727 

Handwelaar, litterarischer, Beil. 7. 10 

EBAOMAX BeU. 1 ff. 

FAAUNIKOi: ^iX. SüXXojo; iv Kuivy: .... 1595 



- vin — 



HermitlMU 731 1113. 1627 

Hermet 116. 376. 764. 1339 

Jahrbuch der Kön. preuü. Kunstsammlongeii 701. 1467 

JabrbOeber für Philologie 407. 766. 1013. 1498. 1595 

Jtbretbericht über die Fortschritte der klass Alter- 

tbumswiBsenschaft, 1883 155. 668 

— des Vereins Mittelschule in Wien .... 1467 
Johns Hopkins Univ. Ciroultrs. . Beü. 19. 23. 31/32 
Journtl of Hellenic Stadies ..... 856. 887. 1530 

— of Philology 730. 1051 

— des Savants . . 157. 478. 576. 1306. 1532. 1596 

KAEiQ Beü. 14 

Utteraturblatt für genn. u rom. Philolog. Beil 1. 19 

— für orientalische Philologie Beil. 20 

Uttertturztitung, Deutsche, ....... Beil. 2 ff. 

Usty filologicke i pedagogicke 1405 

MManges d'arch^ologie 572. 1053. 1116 

Melusine 191. 640 

Mtteihingen des deutschen arch. Instituts in Athen 

119. 316. 477. 791. 1148 

— archäologisch -epigraphische aus Österreich« 352. 

604. 1402 

Mnomome 86. 637. 1050. 1272 

Naebriobten von der KOn. Gesellschaft der Wissen- 
schaften zu Qöttingen 728 

NM HMEPA Beil 6 ff. 

Nsrd and SOd, No 100 1258 

Nordisk Tidskrift forFilologi 1151 

Nimisniatie Chrtnicie 1018. 1434 

Papers of the American School at Athens 655. 1019 

HAPNASSOI 947 

Pbiloltflus 59. 350. 377. 1146 

ÜAATÖN 703. 947 

Revne arch^ologique 188. 702 

— critique BeiL 1 ff. 

— de Philologie 767. 1017 

— de linstruction publique en Belgique 379. 891. 1088 

Rheiaischas Masaum 57. 213. 542. 1243 

Ronda, la. Beil. 35 

Randaobau. Philologische, BeU. 1 ff. 

SHzongsbariehta der bayr. Akademie der Wissen- 
schaften 185. 1668 

Studi di storia e diritto 957 

Traasactians of the Oxford Philological Society 704 

TrBbnara Literary Record 1597 

Vlarteljabraaobrift für Kultur u. Litteratur der Re- 
naissance 508. 1117 

— für wissenschaftliche Philosophie 509 

Wiener Stadien 156. 541. 729. 1660 

' Wecbenaebrifft für klass. Philologie . . . Beil l ff. 
Zfitaobrifl für das Gymnasialwcsen .411. 669. 1014 

— für die 5st Gymnasien 62. 186. 441. 604. 795. 1562 

— historische, 669. 1179 

— für Mathematik 351 

— für deutsche Philologie 669 

— internationale, für allg. Sprachwissenschaft 1085 

— für vergleichende Sprachforschung 247. 1275. 1371 

— für Völkerpsvchologie 635. 1274 



DIssertatianen und Pragranme: 

— von Berlia (1884) 1143. 1176 1210 

— von Brealaa (1884) 1046. 1083 

— von Greifnvald (1883) 282 

— von Halle (1884) 439. 474 

— von Jeaa (1883 u. 1884) .... 216. 245. 1111 

— von KOalgsberg 1252. 1283. 1348. 1380 

— von Leipiig 602. 632. 666. 699 

— von MOntter (1883) 121 

— von Strasabnrg 726. 762 

Pragranme aus Deittacbland (1884) . . Beil. 20 -37 

— aus Deutschland (1885) Beü. 38-52 

— aus Bayern (1884) Beil. 16—19 

— aus Oesterreieb (1884) Beil. 8-15 



Nachrichten fiber Veraaiiimlaiij^n. 

Amerika: Philologenversammlimg in New Haven 1215. 

— Berlia: Akademie 27. 84. 412. 607. 671. 1053. 1119. 
1 182. 1239. — Arch. Gesellschaft 254 (Winckelmanns- 
fest). 286. 796. 1019. 1184. 1630. — GymnasiaUehrer- 
Ges. 416 1567. -- Universität, Festfeier 480. — 
Numism. Ges. 1502. 1566. — Cambridge: Antiquar. 
Soc 608. Philol. Soc. 127 — Glessen: Philologen- 
versammlung Beil 33. Seite 1343. 140T. 1437. 1469. 
1502. 1534. — London: Anthronological Institute 1022. 
Archaeol Inst. 128. Egypt Exploration Fund 1598. 
Hellenic Society 1021. i662. Royal hist Soc 1810. 
1311. Soc. of Antiquaries Beil. 21. Seite 127. 1022. 
1056. 1184. Soc. of BibUcal Arch. 160. 320. 60S. 1022. 

— Parts: Acadömie 126. 415. 959. 1310. 1374. Soc, 
des Ant de France 608. — Rom: Winckehnaniisfcst 
29. - Wien: Akademie 958, 1119. — Wilrzburg: Phil. 
Ges. 318. 

Nachrichten ttber Entdeckungen. 

Kleine Mittheilungen. 

Ausgrabungen in Aegypten 35 

Der Tempel von Luxer 447 

Hauptmann Bötticher über Umengräber auf 

Hissarlik Beü. 23. 24 

Ramsays neueste Reise in Kleinasien. . . . 158 

DreifuBbasis von Nabulus 411 

Ausgrabungen in Griechenland. . . .Beil. 9. 11. 13 
Ausgrabungen im Amphiareion zu Oropos . . 412 
Lokal der pergamenischen Bibliothek ... 380 
Das Neueste vondenPergamenem. Die Olympia- 
ausstellung 605 

Schliemanns- Museum zu Berlin 1444 

Der olympische Zeustempel in Berlin .... 1474 

Ausgrabungen in Böotien Beil. 5 

Ausgrabungen In Tiryns 34 

Uralter Palast auf der AkropoUs von Athen . 1501 

Die Seitenflügel der Propyläen 92 

Das vorpersischo Heiligtnum in Eleusis . . . 1312 
Wasserleitung des Eupalinos auf Samos . . . 382 

GrSber der Licinii in Rom Beil. 3 

Neue Bronzestatuen in Rom . 318. 382. 736. 1410. 

Neue Sarkophage in Rom 447 

Entdeckungen vor Porta Salara 896. 1410 

Ausgrabungen auf Capri Beil. 4 

Die neuesten Ausgrabungen in Pompeji. . 218. 250 

Ausgrabungen bei Horburg Beil. 4. 7 

Ausgrabungen bei Kirchheim a. Eck. . . . Beil. 28 

Ausgrabungen bei Obrigheim Beil. 28 

Ausgrabungen in Regensburg 736 

Ausgrabungen auf der Saalburg. .Beil 5. Seite 736 

Ausgrabungen in Camuntum 1378 

Weiteres von der Porta praetoria in Regensburg. 799 
Rom. Grenzfeste in Eining . . . Beil. 3. Seite 1312 
Römerstrasse von Mainz nach Spcier . . . Beil. t 

Gräberfund bei Tulln BeU. 13 

Forum Brigantii (Vorarlberg) 1444 

Ausgrabungen in South -Shields 1474 

Papyri von Fayum 892. 1316. 1443 

Ziemer, H., Zu Horaz Od. lY 14. 13 1347 

Aus Moriz Haupts Rede de Lachmannocritico. 31 63.94 

Reliquien von R. Horcher 1024 

Bnian, W. v., Ueber tektonischen Stil .... 185 
Georg Gurtius und die Junggrammatiker . .Beil. 37 



Entgegauagea and Berlcbtiguagea. Von Hauj^tmann Bot* 
ticher, Beil. 28. — Von 0. Hamecker, Beü 5. — Von 
B. Heißterbergk, B. 31/32. — Von A. Ludwich, B. 49. 
— Von Marty und Hochegger, B. 29/30. — Von Nn- 
drowski B. 49. — Von S. Reinach, B. 6.— Von K. P, 
Schulze, B. 3. — Von Sieke und Röscher, B. 2. — 
Von Westphal, B. 47. — Von Zeliqzon, B. 8. 



BERLINER 





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CHR. BEIGER, 0. SEYFFERT und L THIEMANN. 



Preis der dreigespaltenen 
Petitzoile 95 Pfennig. 



5. Jahrgang. 



3. Januar. 



1885. M 1. 



Inhalt. 

I. Originalarbeitent s«^*« 

W. H. Ro8Cher, Beiträge zur griechischen 

Mythologie (I.) l 

II. RezeDSionen und Anzeigen: 

W. Heibig, Das homerische Epos aus den Denk- 
mälern erläutert (A. Gemoll) 4 

G. Hinrichs, Herr Dr. Karl Sittl und die ho- 
merischen Äoüsmen (R. Meister) ... 8 
H. Dfltschke, Anleitung zur Inscenierung an- 
tiker Tragödien (Wecklein) 10 

J. N. Madvig, Adversariorum criticorum ad 
scriptorcs Graecos et Latinos volumcn ter- 

tium (G. Landgpraf) 11 

B. Haussouiller, Quoroodo sepulcra Tanagraei 

decoraverint (A. Furtwängler) .... 14 
M. fiitlbauer, Die Oberreste griechischer 

Tachygraphie (0. Lehmann) 16 

It Keller, Stilicho oder die Geschichte des 
weströmischen Reichs von 395—408 (H. 

Schiller) 18 

A. Delattre, Le peuple et Tempire des Mödes 

(E. Schrader) 20 

J. Baron, Geschichte des römischen Rechts 

(M.^oigt) 23 

0. NIsard, Discours acad^miques et univer- 
versitaires (1852—1868) (L. Z^üqson) . . 23 
HI. Auszüge ans Zeltschriften: 

Kgl. Preuß. Akad. der Wissenschaften zu Berlin 27 
IV Hltteilnngen ttber Versammlnngen: 

Festsitzung des Kais. Deutschen archäoloff. 
Instituts zu Rom zur Feier von Winckel- 
manns Geburtstage am 12. Dez. 1884 . 29 
V. Kleine Mitteilnngen: 

Beiträge zur Geschichte der Philologie IIL 
(Aus Moriz Haupts Rede De Lachmanno 

critico. 1.) 31 

Beilage: 

Personalien (Ernennungen. Auszeichnungen). 
Kloine Mitteilungen (Heft III der Karten von Attika. 
Die Römcrstraüe von Mainz nach Speicr in Worms. 
Militärdiplom). 
Bibliographie (Erschienene Werke). 
Zoltscnriften: Litteraturblatt f. germ. u. rom. Phil. 
No. 10 u. 11. — Philologische Randschau No. 47. 
— Literar. Centralblatt No. 49—61. — Wochen- 
schrift für klass. Philologie No. 45 - 49. — Revue 
critique No 48-48. — 'EßJ^opicf; No. 32 u. 36. 

Berliner Pbilalasische MTaebensebrlfH. 

Neu eintretenden Abonnenten wird der erste 
biB vierte Jahrgang statt für 72 Mark f&r 50 Mk. 
abgegeben. Der Einzelpreis 1. Jahrgang (6 Mark), 
9. u. 3. Jahrgang (ä M Mark), 4. Jahrgang (18 Mk.) 
bleibt unverändert. 



Verlag von S. Calvary & Co> in Berlin. 

Soeben erschien: 

AESCHYLI FÄßULÄE 

CUM LECTIOHIBÜS ET SCHOLOS 
CODICIS HEDICEI ET IN AaAHEHNONEM 

CODICIS FLOBENTINI 

AB 

HIEaONYNO VITELLl 

DENUO COLLATIS 
EDIDIT 

N. WEGKLEIN. 

2 Volnmina gr. 8. 

Yolnmen Primom: Textus. Scholia. Apparatus cri- 
ticus. XVI, 471 p. 

Yolnmen Secnndnm: Appendix coniecturas viro- 
nun doctorum minus certas continens. 316 p. 

Preis: 30 Mark. 

Nach der von R. Merkel veranstalteten Wieder- 
gabe des Codex Medicens (1871) schien es, als ob die 
Textesgestaltung eine abschließende Form gewonnen 
hätte; aber schon R. Scholl wies im Hermes (1876) 
nach, daß eine neue Vergleichung der Handschrift 
notwendig war. Diese ist in mustergültiger Weise 
von Hrn. Vitelli sowohl für den Text wie die Schollen 
ausgeführt worden and hat zu bemerkenswerten 
Resultaten, positiven wie negativen, gefuhrt, welche 
für die Ausgabe Weckleins eine Grundlage bildeten. 
Nicht weniger von Belang erwies sich eine Durch- 
arbeitung der gesamten Äschj^luslitteratur; hier 
ergaben sich nicht nur für die Geschichte der 
Textgestaltung wesentlich neue Resultate, sondern 
es war auch möglich, positive Verbesserungen und 
Reinigungen des Textes zu gewinnen. Somit ist die 
vorliegende Ausgabe als eine vollständige Ency kl o- 
pädie der Äschyleischen Textgestaltang zu 
oetrachten und zugleich als eine abschließende 
Grundlage föir den Autor selbst. Ein vollkommenes 
Bild der Arbeit der beiden Herausgeber gewinnt 
man aus der Vorrede, wie auch aus dem in der B erl. 
Philologischen Wochenschrift 1884 No. 29^.30. 
S. 897—910 mitgetdlten Aufsatze Weckleins: «Über 
die Textkritik des Äschylus". 



1 



fNo. l.J 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. 



[3. Januar 1885.] 



Personalien. 



Eri 



Ad Hocbschulen: Prof. Dr. phil. hon. c. Otto- 
kar Lorenz in Wien ist als ordenti. Prof. nach Jona 
berafen; Prof. Dr. Biehter vom Askanlschen Gvmn. 
zu Berlin ist xum ordentlichen Mitglicde des Kais. 
Deutschen archäoU Institutes ernannt worden. 

Orden erhielten: AuBerordentl. Prof. Dr. Fr. Pich- 
1er, Vorst d. archäol. Museums und des Muoz* 
und Antikenkabinets in Graz das Ritterkreuz des 
Schwed. Nordstemordens. 

MIelne Aliiteiiaiiseii« 

Heft m der Karten von Attika. 

. Soeben erschien das dritte Heft der Karten von 
Attika, über deren zweites wir in No. 1 des lahrganges 
1884 dieser Blätter berichteten. Das neue Heft enth&lt 
5 Karten und eine Übersichtskarte über den Stand der 
Aufoahmearbeitcn, ähnlich wie die von uns in No. 14 
(1884) gebrachte. Blatt I des dritten Heftes (7 der 
ganzen Aufnahme) ist die Sektion Spata, links an die 
Sektion Hymettos anschließend, ein Stück der 
Mesogäa voll von Ruinen, namentlich von Gräbern; 
es ist aufgenommen und gezeichnet von Steinmetz 
Blatt II (8) zeigt den südlichen Teil des Bjmettos 
mit der Meeresküste. Die Küste am Ufer ist mit 
Grabhügeln wie übersäet Der Hymettos dacht sich 
in abenteuerlichen Windungen allmählich zum Meere ab; 
das Blatt ist voc v. Hülsen aufgenommen und gezeichnet. 
Es folgen drei von R. Wolf aufgenommene Sektionen, 
sämtlich von der Ostküste: III (9) Raphina, nur ein 
schmaler Streifen Landes, IV (10) Perati, V (11) 
Porto Rapbti: die beiden letzten wilder Gebirge volL 
Ein begleitender Text ist diesmal nicht beigegeben, 
er kommt aber nach Vollendung der Sektion Marathon 
hinzu; infolgedessen sind auch noch keine antiken 
Namen eingetragen. Wir kommen bald genauer auf 
dieses prächtige Heft zurück. Redaktion und Terrain- 
zeichnung (I— IV) ist von Kaupert. 

Wenn das Wetter in Attika nicht allzusehr den 
hiesigen Charakter annimmt, so können wir hoffen, 
im Laufe des Winters die Aufnahme der Ostgruppe 
durch die dort thätigen Offiziere, beendigt zu sehen. 
Die Sektion Marathon bearbeitet Eschenburg, die 
Sektion Olympos v. Zieten. 

Die Römerstrasse von Maini nach Speier Aber 
Worms. MiUardiplom. 

Der Münchner Allg. Ztg. wird aus Worms geschrie- 
ben: Die bekannte Römerstraße von Mainz nach Speier 
und Straßburg, welche über Worms geht, ist noch nicht 
mit der Sorgfalt untersucht worden, welche zur Fest- 
stellung des Zages derselben in allen ihren Teilen 
notwendig ist. Neuerdings aber wurden auf dem 
Terrain der Fabrik von Doerr u. Reinhart» über 
welches die besagte Straße hingeht Untersuchungen 
ausgeführt, und dieselbe wurde in der beträchtlichen 
Ausdehnung von beinahe 400 Metern ausgegraben. 
Unter den Fundgegenst&nden sind die in außerordent- 
lich eroßer Anzäl zum Vorschein gekommenen 
Steinchen des Brettspiels (latrunculi) aus Thon, 
Schiefer, Glas, Marmor, Elfenbein, Hörn oder Metall 
höchst merkwürdig. Eine besondere Erwähnung 
verdienen zwei Matronenfiguren von Terracotta, welche 
leider allzu sehr verstümmelt sind. Die Zahl der 
Bildwerke dieser Art, welche bis jetzt bekannt 
geworden sind, beläuft sich auf 19. — Vor einiger 



Zeit wurde zuerst das eine und bald darauf das zweite 
Täfelchen eines römischeb Milltärdiploms zu Mainz 

fefnnden; dieses interessante Stück, welches vom 
7. Oktober des lahres 91 datiert ist, wird im Paulus- 
museum aufbewahrt. 



Bibliographie. 

ErselileiieBe IVerl&e, 

Boae, H., Lateinische Dichter. Eine Auswahl für den 
Schulgebrauch. Mit Armierkungen. 1. T. Phädms 
u. Ovid, nebst Anhängen. 3. Aufl. (8. XVI, 288 
S.) Köln 1885, Du Mont-Schauberg. 1 M. 60 

Caesaris commentarii de hello Galileo. In usum 
scholarum rec. et verborum indicem tabulamque 
Galliae antiquae addidit M. Gitlbauer. Pars I. 
I-V. (8. VII, 180 u. Wörterverz. lU S.) Frei- 
burg, Herder. 1 M- 20 

EbtUng, H.« Schulwörterbuch zu Cäsar m. bes. Be- 
rücksichtigung der Phraseologie. 3. Aufl., bearb. 
V. A. Draeger. (8. 109 S.) Leipzig, Teubner. 

1 M. 

Festfiabeo zum 25jährigen Jubiläum des Gvmnasiums 
u. Realgymnasiums zu Landsbei^ a. W., dargebracht 
von ehemal. Lehrern u. Schülern. (4. III, 70 S. mit 
Uolzschn., 2 Taf. u. 3 Lichtdr.) Landsberg a/W., 
Schaeffer d Go. 3 M. 

Festschrift zur 25jähr. Jubelfeier des Gymnasiums 
u. Realgymnasiums zu Landsberg a. W. 15. Oktbr. 
1859 — 1. Oktbr. 1884. gr. 8. Uli, 112 S) Lands- 
berg a/W., (Schaeflfer A Co.). 2 M. 

Frftnkel, A.^ Studien zur römischen Geschichte. 1. Hft. 
Der Amtsantritt der römischen Consuln während 
der Periode 387—532 d. St Das Verhältois des 
röm. Kalenders som Inlianischen während des Zeit- 
raums 440-552 d. St (8. VHI, 136 S.) Breslau, 
Kern. 5 M. 

Gigantomaohie, die, des Pergamenischen Altars. 
Skizzen zur Wiederherstellung derselben entworfen 
V. A. Tondeur, erläutert v. A. Trendelenburff. 
(gr. Fol 6 Lichtdr.-Taf.) Mit Text Lex.-8. XX, 
76 S. m. Fig. u. 2 Lichtdr.-Taf. Berlin, Wasmuth. 
In Mappe. 24 M. 

Fricke, O^^^^ones de fontibus Plutarchi et Nepotis 
in Vita Phocionis. (gr. 8. 38 S.) Berlin 1883. Mayer 
& MüUer. 1 M. 

Hildebrandt, F., De Uecyrae Terentianae origine. Diss. 
(8. 51 S.) Halle. (Leipzig, Fock ) 1 M. 

lanbilelii de vita Pythagorica über. Ad fidem codicis 
Florentini rec. A. Nauck. Accedit epimetrum de 
Pythagorae aureo carmine. (Lex.*8. LXXXVl, 36d 
S. m. 2 Fcsm.-Taf.) Petersburg. Leipzig, Voss' Sort. 

6 M. 

Kflhneri R., Elementar^rammatik der lateinischen 
Sprache, mit eingereihten lat. u. deutschen Ober- 
setzungsaufgaben u. e. Sammlung lat Lesestücke, 
nebät Wörterbüchern. Für die unteren Gymnasial 
klassen. 43. Aufl., besorgt v. Rud, Kühner (gr. 
8. X. 381 S.) Hannover, Ilahn. 3 M. 

Phaedri fabulae Aesopiae. £d. A. Riese. Ed. stcr. 
(8. X, 72 S.) Leipzig 1885, TauchniU. 45 Pf. 

Seslnann, E., Die Aussprache des Latein nach 
physiologisch • historischen Grundsätzen. (8. XV, 
397 S.) Ueilbronn 1885, Henninger. 8 M. 

TeichnQller, 6., Litterarische Fehden im 4. Jahrb. v. 
Chr. 2. Bd. Zu Piatons Schriften, Leben u. Lehre. 
Die Dialose des Simon, (gr. 8. XXXI, 390 S.) 
Breslau, Koebner. 10 M. 



[No- l.j 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [3. Januar 1885.] 



I. Originalarbeiten. 

Beiträge zur griechischen Mythologie. 

VoD W. H. Roseher in Würzen. 

Kentauren. 

1) Die Mytheu von ihrer Abstammung. 
Hinsichtlich ihrer Abstammung hat man zwei 
Klassen von Kentauren zu unterscheiden, die 
auch iluem Wesen und Charakter nach sehr we- 
sentlich von einander verschieden sind. In die erste 
gehören nur zwei, Cheii'ou und Pholos. Cheiron 
ist der Sohn des Kronos (Saturnus) und der 
Phiipjyra, einer Tochter des Okeanos, und wird 
daher Kpovior^; und <l>iUüpr6rj; (Phil i/re ins) genannt 
(lies. Th. 1002. Eumelos (V) b. Schol. z. Ap. Rh. 

I 554 [ Fr. ep. gr. ed. Kinkel I p. 8]. Pind. 
P. 111 1 u. 4. ib. IV 103 n. 112. IX 31. Nem. 
IIJ 43 u. 47. Ap. Rh. U 1232 ff. vgl. ib. I 554. 
ApoUod. 1 2, 4. Verg. Geo. 111 550. Propeii. 

II 1, 60. Ov. Met. n G7G. Fast. V 383 ff. A. A. 

I 11. Schol. Germ. Arat. 87 B.). Nach Eume- 
los (V) a. a. O. und Pherekydes b. Schol. Ap. Rh. 

II 1232 ff. wohnte Kronos der Philyra in Gestalt 
eines Rosses bei, während er sich nach Ap. Rh. a. 
a. (). u. Schol. (vgl. Verg. Geo. lU 92 ff.) erst dann 
in ein solches verwandelte, als ihn Rheia mit der 
Philyra auf der Insel Philyreis üben-aschte, worauf 
l'hil>Ta ans Scham nach Thessalien entwich, wo 
sie den Cheiron gebai*. Nach Hyg. f. 138 fand 
die Liebschaft des Kronos in Thrakien (Thessalien? 
vgl. Verg. Geo. III 94 u. Philarg. z. Verg. Geo. 

III 93) statt, und Philyra wurde nach der Geburt 
des Cheiron in eine Linde verwandelt (vgl. Phi- 
laj'g. a. a. 0.). Ganz abweichend ist die von Sui- 
das in seinen Thessalika überlieferte Genealogie 
des Cheiron, wonach er der Sohn des Ixion und 
Bruder des Peiiithoos war (Schol. Ap. Rh. I 554 
n. ir 1231). Wahrscheinlich erklärt sich diese 
Abweichung einfach aus der Verwechselung des 
( ■heiron, der oft sclilechtweg K^vraupoc heißt, mit 
KevTGtypo;, dem Sohne des Ixion und Stammvater 
der andern Kentauren nach Pindai*. — Pholos 
dagegen ist nach Apollod. II 5, 4 (vgl. Pind. Fr. 
57 B. b. Paus. III 25, 2) der Sohn des Seilenos 
nnd einer mclischen Nymphe (vgl. über diese Hes. 
Th. 1«7. Callim. lov. 47. Ap. Rh. II 4 u. Schol 
Tzetzes z. Hes. Op. 145). Beide, Cheiron und 
Pholos, sind insofern von den übrigen Kentauren 
verschieden, als ihnen ein milder, gastlicher Cha- 
rakter eigen ist und namentlich dem Cheiron 
allerlei wohlthätige Künste und Thätigkeiten zu- 
geschrieben werden. — Ganz anders lautet die Ge« 



nealogie der übrigen Kentauren, über deren 
Charakter weiter unten gehandelt werden soll. Nach 
Pindar sind dieselben Söhne des Kentauros, eines 
frevelhaften, weder den Menschen noch den Göttern 
wohlgefälligen Ungetüms, das die Wolke (Ne^eXa) 
gebar, welche der nach der Hera lüsterne Ixion 
statt dieser umarmt hatte. Dieser Kentauros 
begattete sich mit magnesischen Stuten, welche 
am Fuße des Pelion weideten. So entstanden die 
wunderbaren Mischgestalten der Kentauren, welche 
am Unterkörper den Müttern, am Oberleibe dem 
Vater ähnlich sahen (Pind. P. II 42 ff. u. Schol. 
Eust in H. 102, 15. Schol. H. I 268; vgl. Hyg. 
f. 33 u. 34 u. Schol. Luc. p. 56 ed. Jacobitz). 
Ganz ähnlich lautet die eine der Versionen, welche 
Diodor IV 69 f. überliefert: Ixion habe mit der 
Wolke menschengestaltige Kentauren gezeugt, diese 
aber seien auf dem Pelion von Nymphen aufge- 
zogen worden und hätten sich später mit Stuten 
vennischt, aus welchem Verhältnisse die mischge- 
staltigen (ot<püstc)Hippokentauren entsprungen seien. 
Nach der zweiten von Diodor a. a. O. überlieferten 
Version dagegen war Kentauros der Bruder des 
Lapithes und Sohn des Apollon und der Stilbe. 
Endlich gedenkt Diodor noch einer euhemeristischen 
Tradition, wonach die Kentauren, die Söhne des 
Ixion nnd der Nephele, gewöhnliche Menschen ge- 
wesen seien, welche zuerst die Kunst des Reitens 
übten und infolge dessen vom Mythus als misch- 
gestaltig (ÖKpoeiO aufgefaßt worden wären (Diod. 
IV 70. vgl. Palaeph. 1. Verg. Geo. III 115; mehr 
b. Boeckh, Schol. in Pind. Tom. 11 p. 319). Sehr 
merkwürdig ist die in den Schollen zu ü. I 266 
tiberlieferte Version, welche die Mischgestalt der 
Kentauren aus einer in derselben Nacht vollzoge- 
nen Vei'mischuug des Ixion und des beflügelten 
Pegasos'mit einer Sklavin zu erklären suchte*): 
Ttv£c oe [^aji] AouXtSi 'ISiova jUT^vai, ajxa ^k xal 
llriYajov tov ircepcüxov xatot t?)v aor^v voxta, i^ aiv 
7£vea{)at Kevtaüpov, ä<f oS izoXh izkrfloQ Yivetai. 
Mehrfach heißen die Kentauren nach ihrer Ab- 
stammung mihigenae (Verg. Aen. Vn 674. VIII 293. 
Ov.M.Xn 211. 541. Stat Th. V 263) o^e^r Ixionidae 
(Lucan. VI 386). Schließlich müssen wir in diesem 
Zusammenhange noch der verschiedenen Kentauren- 
genealogien des ' Nonnos gedenken , welcher im 



*) Vielleicht hängt dieser Mythus mit der Er- 
scheinung beflügelter Kentauren auf etruskischen 
Buccherovasen (Milchhöfcr, Anf. d. Kunst in Gr. 76) 
und mit der Grappierong von Flügelpferden und Ken- 
tauren auf uralten Gefftßfragmenten aus Kameiros 
und anderen Bildwerken (Milchhöfer a. a. 0., Müller- 
Wieseler Dcnkm. a. K. 2, 590) zusammen. 



3 



[No. IJ 



BERLINER PHILOLOGISCOE WOCHENSCBRIFT. [3. Januar 1885.] 



14. Buche seiner Dionysiaka drei Arten von Ken- 
tauren unterscheidet , die alle den Dionysos auf 
seinem indischen Zuge begleiten. Als erste Klasse 
erwähnt er (v. 49 ff.) den Pholos und Cheiron 
u. s. w., die zweite Klasse sind die gehörnten 
Kentaoren (144, 180 vgl. XX 224), Söhne der 
Uyaden, welche ursprünglich Menschengestalt be- 
saßen, aber von Here zur Strafe für die Bewachung 
und Pflege des neugeborenen Dionysos vei^wandelt 
wurden (XIV 143—192; die Namen ihrer zwölf Führer 
sind: Spargeus, Gleueus, Eurybios, Kepeus, Rhi- 
phonos, Petraios, Aisakos, Ortliaon, Amphithemis, 
Faunos, Phanes, Nomeion; vgL v. 186 ff.); die 
dritte Klasse endlich bilden die Söhne des Zeus 
und derüaia, welche ans dem Samen entstanden, 
den der in Aphrodite verliebte Zeus, als er diese 
vergeblich veif olgte, auf die Erde fallen ließ (XIV 
103 ff. vgl. XXXn 72 ff.). 

2) Kampf mit den Lapithen, thessa- 
1 i s c h e r M y t h u 8. Derselbe fand nach der gewöhn- 
liehen Überlieferung vor dem Kampfe mit llerakles 
statt (vgl. ApoUod. II 5, 4; Schol. Pind. P. 11 85. 
Schol. n. I 263. Ov. Met. XII 306 u 535, wo- 
nach mehrere später von Herakles erschlagene 
Kentauren, darunter Pholos und Nessos, den La- 
pithen entfliehen; das umgekehrte ZeitverhJÜtnis 
behauptet nur Schol. II. I 266). Die ältesten 
litterarischen Zeugnisse für diesen Kampf finden 
sich bei Homer. D. I 262 ff. rühmt Nestor als 
die stärksten Menschen der Vorzeit die Lapithen 
Peirithoos, Dryas, Kaineus, Exadios und den götter- 
gleichen Polyphemos und sagt ib. 267 von diesen : 
xofpTiTroi jiiv lijav xal xotprirrotc ijAct/ovro 
•^Tjpsiv opejxcooiJi xal ixrdt^Xcüc dr^Xeoaav. 
Von Polypoites, dem Sohne des Peirithoos, heißt 
es 11. II 742 ff: 

TOV p uro Iklptöotp T£X£TO xXuTO« 'l^lTO^apLEta 

rJjjiaTi T«p OTE (pf^pac STiJaTO Xa'/vriSVTQtc, 
Tou^ £x IItiXioü 10 je xal AiöixejJi reXawev. 
Od. XXI 295 ff. wird die Entstehung des Zwistes 
erzählt. Der Kentaur Eurytion habe sich im Hause 
des Peiiithoos mit Wein berauscht und in seiner 
Käserei allerlei Frevelthaten verübt (ixaivojisvoc 
yA% epsU o(5|iov xa'ta Iletpi^^^oto V. 298), wofür er 
von den Lapithen durch Abschneiden seiner Ohren 
und Nase bestraft worden sei. So sei der Streit 
zwischen den Menschen und Kentauren entstanden. 
Auch der Dichter des Heraklesschildes gedenkt 
V. 178 ff", der Schlacht der lanzenschwingenden 
(at/iATjtai; vgl. 11. XII 12tS) Lapithen, deren nenn 
Kainons, Dryas, Peirithoos, Hopleus, Exadios, 
Phaleros, Prolochos. Mopsos, Theseus genannt 
werden, und der neun mit Hebten (iXa'tai) bewehrten 



Kentauren PetraioSj Asbolos, Arktos, üreios, Mimas, 
Perimedes, Dryalos und der zwei Söhne des Peukeus. 
Ilinsichtlidi des engen Zusammenhanges dieser 
Schilderung der Kentaurenschlacht mit den ältesten 
Yasengemälden und dem Kypseloskasten vgl. die 
von Meyer Gandharven- Kentauren S. 39 u. 60 
angeführte Litteratur. Mit großer Wahrschein- 
lichkeit läßt sich vermuten, daß der Kampf 
der Kentaui*en und Lapithen auch In den verloren 
gegangenen Theseen und Kentaur omachien (vgl. 
Ael. V. H. XI 2) eine Rolle spielte (Meyer a. a. 
0. 39). 

(Fortsetzang folgt.) 



II. Rezensionen und Anzeigen. 

W. Hei big, Das homerische Epos aas 
den Denkmälern erläutert. Archäolo- 
gische Uutersachungen. Mit 2 Tafeln u. 12 
Abb. Leipzig 1884, B. G. Teubner. VIII, 
353 S gr. 8. II M. 20. 

Die gegenwältige Anzeige des Helbigsclieu 
Werkes kommt vielleicht etwas spät, aber hoffent- 
lich noch nicht zu spät. Der Wechsel in seinen 
persönlichen Verhältnissen hat es dem Ref. nicht 
eher möglich gemacht, das Studium des Buches 
zum Abschluß zu bringen. In der Zeit aber, die 
seit dem Erscheinen des Buches vergangen ist, 
hat sich die bedeutende Wirkung desselben schon 
zur G^enüge gezeigt — ich erinnere an die Vor- 
rede von Uentzes 8. Auflage der Odyssee, ferner 
an U. V. Wilamowitz' soeben erschienene homerische 
Untersuchungen p. 416 — , sodaß eine besondere 
Empfehlung des Buches sogai* für den weni- 
ger Eingeweihten unnötig ist. Der Homeriker 
aber kennt und schätzt Helbigs Allheiten über dio 
homerischen Privataltertümer schon lange. Er freut 
sich um so mehr, dieselben hier an einem Orte zu- 
sammen und zwar verbessert und vermehrt zu 
ünden. Auch für die einzelnen Aufsätze ist die 
Vereinigung zum Voi-teil geworden. Manches, was 
in der Vereinzelung sehi* problematisch erschien, 
wird nun durch den Znsammenhang getragen uud 
befestigt. Endlich erscheint erst in diesci* Gesamt- 
ausgabe der Hei bigschen Untersuchungen dicimmense 
archäologische und auch philologische Gelehrsamkeit 
des Verfassers in ihrem vollen Licht 

Verf. behandelt nach einer Vorrede über seine 
Quellen (p. 1—69) seinen Stoff in folgenden sechs 
Abschnitten: 1. Tektonisches; IL die Tracht; III. 
die Schmucksachen; IV. die Bewaffnung; V. (Jeräte 
und Gefäße; VI. die Kunst. Daran schliefen sich 
noch vier Exkurse. Seine Resultate gicbt Verf. auf 



[No. J.] 



BERLINER PHILOLOQISCBE WOCHENSCHRIFT. [3. Januar 1885.] 6 



p. 316 f. folg:endermaßeü an: „Fassen wir die ein- 
zelnen im bisherigen gewonnenen Besnltate zn- 
sanunen, so stellt sich uns das Bild einer Über- 
gangsepoche dar, in der die vei-schiedensten Rich- 
tungen unvermittelt nebeneinander hergehen. Einer- 
seits begegnen wir noch manchen Ausläufern eines 
barbaiischen Zustandes. Die Beinlichkeit des Hauses 
wie des Körpers lassen zu wünschen übrig, und die 
Feinheit des Geruchssinnes scheint infolge dessen 
noch wenig entwickelt (1). Ebenso ist die Kost 
von einer urtümlichen Einfachheit. Sie besteht unter 
normalen Verhältnissen aus dem Fleisch der Herden- 
tiere und aus Brot .... (2). Hinsichtlich der 
Weise, die Städte zu befestigen, sind die Griechen 
des homerischen Zeitalters . . . in ein barbarisches 
Stadium zurückgefallen: sie schützen ihre Ort- 
schaften nicht mehr, wie es ihre Ahnen vor der 
dorischen Wanderung gethan« durch steinerne 
Mauern, sondern durch Erd- und Holzwerke (3). 
— Im scliroffsten G^ensatz dazu stehen die viel- 
fachen Verfeinerungen, welche der Einfluß der 
überlegeneren Civilisation des Ostens in das grie- 
chische Leben eingeführt hatte. Die Kleidung, 
der Schmuck, die Behandlung des Haares 
und Bartes haben ein orientalisches Gepräge (4). 
Aus dem südwestlichen Asien stammt der Gebrauch, 
die Wände mit Metallblech, Elfenbein und Smalt- 
platten zu inkrustieren (5). Die kostbarsten G^e- 
wänder und Geräte . . . sind von den Phönikiem 
eingeführt . . . (6). Ebenso ist das Kriegswesen 
durch orientalische Einflüsse bestimmt .... Die 
Entscheidung der Schlacht beruht, wie bei den 
Ägyptern und den vorderasiatischen Völkein, vor- 
wiegend auf dem Wagenkampfe. Dagegen 
haben die lonier hinsichtlich der Weise, 
den Körper zu schützen, bereits eine be- 
sondere Entwicklung eingeschlagen (7). 
Auf rein geistigem Gebiete in dem Auffassen, 
Emplinden und Denken ei-scheint die eigentümlich 
hellenische Ilichtung beinahe in jeder Hinsicht voll- 
ständig entwickelt" (8). 

Wälirend der Nachweis des achten Punktes nur 
in einem flüchtigen Streifblick besteht, der wohl 
der näheren Ausführung von einem Manne wie llelbig 
wert wäre, sind die übrigen sieben Punkte ein- 
gehend genug behandelt. Die Bewciskratt ist na- 
türlich nicht überall die gleiche, wie aus folgenden 
Bemerkungen zu den sieben hervorgehobenen Haupt- 
resultatcn hervorgehen wird. 

Daß Kleidung, Schmucksachen, Waffen, Krieg- 
führung der homerischen Griechen von orienta- 
lischem Gepräge waren, das wird nach Helbigs 
Ausführung hoffentlich niemand mehr bestreiten. 



Diese Abschnitte seines Buches sind ganz vorzüg- 
lich. Insbesondere hat die schöne Erklärung von 
ravüitenXo; p. 132, dann auch von TziizXo^ als 
Frauenchiton meinen vollen Beifall. Ebenso stimme 
ich in betreff der JiaWtwvoi ^uvacxec bei, daß das 
Wort Griechinnen und Barbarinnen bezeichnet; 
auch wird man sich wohl mit Heibig p. 172 den 
Agamenmon mit rasierter Oberlippe denken müssen; 
trefflich ist ferner die Auseinandersetzung über den 
Frauenschmuck. Dagegen erscheint mir in der Dar- 
stellung der männlichen Kriegsrüstung manches 
bedenklich. Es ist dem Verf. ebensowenig als 
Leaf (Notes on homeric armour, Journal of hellenic 
studies 1883) gelungen, die Unterschiede zwischen 
dem C(i>jTii]p, C(<>H'^ und p.iTpa klar zu machen. Und 
doch ist die Sache nicht gar so schwierig. Der 
CüiTH^p hält den Harnisch zusammen. Unter dem 
Harnisch trägt der Krieger aber einon /itüiv, wie 
auch Heibig (p. 198) anerkennt. Der Chiton wird 
auch gegürtet, wie S 72 zeigt. Da CwTnQp in A 
schon für den Pauzergurt gewählt ist, so heißt der 
Leibgurt nun Cw|xa. Dieses Jcoiia ist für den Kriegs- 
zweck mit einer Metallplatte vom versehen. Daß 
Cu){Aa und fJurpT) eng zusammengehören, lehrt die 
beständige Verbindung duixh xe . . xat. Ich spreche 
darüber an einem andern Orte ausführlicher. 

Wenn Heibig p. 209 in bezug auf den ajjL^tt^aXoc 
den Querbügel des Helms ablehnt, so wird er in- 
zwischen durch eine von Leaf (a. a. O.) beige- 
brachte Vase des Brit Museums eines besseren be- 
lehrt sein. Femer erscheint mir auch die Deutung 
TETpatpöfXTjpo; vierbucklig, vierfach gebuckelt 
sehr zweifelhaft. Das wichtigste Bedenken dagegen, 
daß nämlich solche gebuckelten Helme nicht vor- 
kommen, hat Heibig (p. 216) selbst hervorgehoben. 
Dagegen hat mir die Auseinandei-setzung über die 
Handhaben des Schildes und die Beinschienen aus- 
nehmend gefallen. 

Hinsichtlich der sonstigen Geräte ist mix* das 
öeirac djx^txuTreXXov auch nach llelbig (p. 260 ff.) 
noch rätselhaft. Ich komme nicht über Aristoteles' 
Vergleich mit den doppelmttndigen Biencnzellen 
(h. an. IX 40) hinweg. Mir scheint die Erklärung 
„Doppelbecher** noch immer die geratenste. Außer- 
dem soll die Form xottIXt) „Henkel" erst nach 
gewiesen werden. Auch über den Becher des Nestor 
bin ich anderer Meinung als der Verf. (p. 272 ff.). 
Trotz des interessanten Schliemannschen Fundstücks 
(Heibig 1. 1 ) kann ich doch die 7njf))x£vec nicht als 
Seitenstützen fassen; tz^jW^kt^v kann nur „Fuß" 
heißen. Sagt also Homer (A 632), der Becher habe 
zwei Füße gehabt und vier Oliren, so haben wir 
hier einfach eine Verdoppelung des gewöhn- 



[No. 1.] 



BERLINBR PHILOLOGISCBE WOCOENSCHRIFT. [3. Januar 1885.] 8 



liehen Maßes anzunehmen. Ob ein solcher Becher 
existiert hat, ist ganz gleichgültig gegenüber dem 
Dichterwort. 

Doch sind das eigentlich nnr Nebensachen. 
Protestieren aber ranß ich dagegen, daß nns Heibig 
die homerischen Griechen als „Schmutzbartel (v. Wi- 
lamowitz a. a. O.)** darstellen will. Ich finde da- 
von in meinem Homer keine Spur. Daß ein Mist- 
haufen auf dem Hofe liegt, das kommt noch heute 
bei den meisten deutschen Landwirten vor. Daß ' 
das Baden als eine außergewöhnliche Handlung 
erscheint, ist nicht wahr. Nicht bloß die Phäaken- 
mädchen baden und salben sich; auch Od. sagt: 
ÖTjpov diTzh 7po<5; Itciv aXoitpiJ. Der Einsichtige er- 
gänzt: früher zu hause war das anders. Daß Pe- 
nelope sich „wegen der Trauer um ihren Gatten 
lange Zeit nicht gewaschen" habe, das ist eine. Be- 
hauptung, für die all und jeder Grund fehlt. Wenn 
Knochen und Häute im Männersaal des Odysseus 
liegen, so vergesse man doch nicht die außerordent- 
lichen Umstände in dem Hause. Man sehe doch 
nur, wie Odysseus y 450 sofort Ordnung schafft. 
Holländische Sauberkeit wird man sich wohl aller- 
dings nicht vorstellen dürfen. 

Auch gegen die Darstellung des homerischen 
Ilauses muß ich, wenn auch nicht im ganzen, so 
doch in einigen wichtigen Pimkten Einspruch er- 
heben. Schon daß das homerische Haus Holzbau 
p. 70) war, erscheint mir wegen ^ 192 sehr 
zweifelhaft. Odysseus baut seinen öaXajjLoc TroxvT- ji 
Xt{>a$e(wi. Eben aus dieser Stelle beweise ich auch, 
daß an getäfelte Wände gar nicht zu denken ist. 
Auch die Metallinkrustation löst sich bei genauem 
Zusehen in nichts auf. Zwar metallene Wände 
werden ei*wähnt bei den Phäaken wie bei den 
Göttern, aber bei den gewöhnlichen Menschen sehe 
ich nichts davon. Das Staunen des Telemach bei 
Menelaus' bezieht sich nicht auf die Wände, sondern 
auf die Kostbarkeiten, die an den Wänden hängen 
oder stehen. Das beweist l) der Ausruf des Tele- 
mach : offja Tötff aijnsTa roXXof, 2) 2 374 f. Hephästus 
verfertigt Dreifüße sTcajjicvai irepl toiyov eOrcaJHoc 

Schließlich kann ich auch die Auffassung nicht 
ungertigt hingehen lassen, daß die homerischen 
Mahlzeiten so „urtümlich" seien. Wer das Essen 
der homerischen Menschen nur nach den dort ge- 
schilderten Mahlzeiten beurteilen will, kommt zu 
einem falschen Eesultat. Wir haben es da über- 
haupt nicht mit gewöhnlichen, sondern mit Fest- 
mahlzeiten zu thun. Das zeigt namentlich schla- 
gend das 14. Buch der Odyssee. Während das 
gewöhnliche Essen der Knechte Ferkel fleisch 



ist (£80), wird später zu Ehi*en des Gastes ein 
großes Mal (Xapov öopirov £ 408) veranstaltet. 
Eumäus sagt £414 aitW Ooiv tov apurov, Tva Estvcp 
ispeujcD xtX. Wir haben also durchaus keinen Grund 
mit Heibig die Gleichnisse, die von andern Speisen 
handeln, als spätere Zuthat (p. 317 A. 3) zu be- 
zeichnen. 

Das wäre es, was ich über das bedeutende Buch 
zu sagen hätte. Ich kann aber dem Leser dieser 
Anzeige nur raten, das Buch selbst zu lesen. Es 
wird keine Seite geben, auf welcher dasselbe nicht 
belehrte, keine, auf welcher es nicht fesselte. 

Striegau. Albert Gemoll. 



Gustav Hinrichs, Herr Dr. Karl Sittl 
und die homerischen Äolismeu. Ekrliu 
1884, Weidmann. 97 S. 8. 2 Mk. 

Nur wenige Jahre nach Abschluß seiner Uni- 
versitätsstudien hat Sittl mit der Veröffentlichung 
des anspruchsvollen Werkes einer griechischen 
Litteraturgeschichte begonnen. Der bis jetzt vor- 
liegende erste Band ist irisch und gewandt ge- 
schrieben, läGt aber Gründlichkeit der Foi*schung 
vermissen und sucht, wo selbständige, eindrin- 
gende Studien mangeln, durch zuversiclitlich ausge- 
spi'ochene Behauptungen zu imponieren. ^ Das ist 
z. B. in der Darstellung der epischen Dichtung 
vor Homer geschehen. Sittl versucht die ho- 
merische Frage insofern zu vereinfachen, als er 
von den zwei Stämmen, die nach der jetzt ver- 
breiteten Meinung an der Schöpfung der homerischen 
Dichtungen beteiligt sind, den einen, den äolischen, 
streicht, und dem anderen, dem ionischen, das 
Verdienst allein zuweist Die im Wege stehen- 
den homerischen Aolismen kann seiner Meinung 
nach (S. 43) „eine Untersuchung, die auf dem 
jetzigen Stande der griechischen Sprachwissenschaft 
fußt, zum größten Teil als Archaismen, aber auch 
manche als sonst weit in Griechenland verbreitet 
nachweisen. Archaismus muß das Losungswort 
der modernen homerischen Grammatik sein; sonst 
gelangt sie wieder auf den Standpunkt der Alten, 
die alle möglichen Dialekte Griechenlands bei 
Homer in buntem Gemisch friedlich vereint wieder 
finden wollten**. Ob die „moderne homerische 
Grammatik" mit diesem Losungswort den Kampf 
gegen äolische Lieder und homerische Aolismca 
beginnen wird? Wir glauben kaum, zumal der 
Führer selbst, vor seiner eigenen Kühnheit bange, 
bald nach jenen Worten auf Deckung des Rück- 
zugsbedachtist. Eben hieß es noch: „Die äolischen 
Lieder sind sachlich und sprachlich eine bloße 



[No. 1.] 



BERLINER PHILOLOGISCBB WOCHENSCHRIFT^ [3. Janaar 1885.] 10 



HypothesQ ohne sichere Stützen**, und bereits vier 
Zeilen weiter wird versichert, daß es „freilich ohne 
Zweifel*' einige äolische Lieder gab, nnd mit den 
"Worten: „Wenn es wirklich äolisierende Formeln 
gab, dann würde ihre Heimat eher in Nordionien zn 
suclien sein**, werden die perhorreszierten Aolismen 
von Sittl, obwohl er sie in einem besonderen Auf- 
satz im Phüologus XLHI (1883) S. 1—32 mit 
Stumpf und Stiel auszurotten versucht, doch wieder 
halb und halb zu Gnaden angenommen. Ja, der 
Verteidiger der Einheitlichkeit des homerischen 
Dialekts kann es sich doch nicht versagen, auf 
Übereinstimmungen des homerischen Dialekts mit 
dem arkadischen und pamphylischen hinzuweisen 
und in Formeln wie aXXuöic oXXtq „das Andenken 
an einen Bruchteil des achäischen Volkes, der 
später (zu Kolophon?) in die lonier aufging**, zu 
mutmaßen. 

Die Verteidigung der homerischen Aolismen 
gegen diesen, man muß sagen, schwach unter- 
stützten Angriff hat Hinrichs in der oben genannten 
Streitschrift mit Greschick und Nachdruck unter- 
nommen. Die prinzipielle Fi'age, um die der 
Streit geführt wird, ist so zu formulieren: Sind 
wir aus sachlichen Gründen berechtigt, äolische 
Bestandteile in den homerischen Gedichten anzu- 
nehmen? Da nämlich eine B^ihe homerischer 
Formen nicht den Lautgesetzen des lonismus, 
sondern so weit unsere Kenntpis der Dialekte jetzt 
reicht, einzig und allein denen des Aolismus ent- 
spricht, so wird, wenn die aufgeworfene prinzipielle 
Frage bejaht werden kann, jede Schwierigkeit ge- 
hoben durch die Herleitung jener Formen aus dem 
äolischen Dialekte. Hinrichs hat deshalb mit Hecht 
den giüßten Teil seiner Schrift einer erneuten 
Untersuchung dieser Frage gewidmet und unter 
wiederholter Venveisung auf MüUenhoff aufs neue 
nachgewiesen, wie auch ohne jede Rücksicht auf 
Aolismen der Sprache aus dem Inhalt der Gedichte 
geschlossen werden muß, daß in unmittelbarer 
Nähe der zerstörten Stadt, im troischen Lande, 
im äolischen Volke die Lieder von dem Kriege 
um Hion zuerst gesungen worden sind. Aus dem 
Munde äolischer Sänger hörte man die home- 
rischen Lieder zuerst — damit ist die gestellte 
TrsLge in bejahendem Sinne beantwortet. Sittl 
sträubt sich dagegen, lie von ihm doch im Prinzip 
zugegebenen äolischen Lieder mit den äolischen 
Formen der homerischen Gedichte in ursächlichen 
Zusammenhang zu bringen, und sieht sich deshalb 
zu dem verzweifelten und nichts weniger als me- 
thodischen Verfahren genötigt, jenen Formen ent- 
weder, wie er es nennt „die äolische Maske'* ab- 



zunehmen, d. h. sie auf irgend welche Weise in 
ionisch aussehende zu verändern, oder sie aus dem 
„archaischen** lonisraus, also durch Heranziehung 
einer unbekannten Größe, zu erklären. Die Ent- 
scheidung zwischen diesen zurechtgemachten „lonis- 
men" oder „Archaismen** und Hinrichs' im äolischen 
Dialekte wirklich nachweisbaren oder den Laut- 
gesetzen dieser Mundart entsprechenden homerischen 
„Aolismen" wird wohl keinem Besonnenen schwer 
fallen. 
Leipzig, Biohard Meister. 



Hans Dütschke, Anleitung zur In- 
seenierung antiker Tragödien. L So- 
phokles, König ödipus. Leipzig 1884, Fues. 
VI, 50 S. 8. 1 M. 20. 

Der Verfasser, welcher eine Instrumentalmusik 
zum König Ödipus geschrieben hat, giebt in dem 
vorliegenden Büchlein Winke für die Inscenierung 
und Aufführung dieses Stücks, aus denen diejenigen, 
welche eine solche Aufführung vorbereiten, gewiß 
manche Belehrung und Anregung schöpfen werden. 
Da die Aufführung einer antiken Tragödie nicht 
ein archäologisches Interesse bietet, sondern Genuß 
bereiten soll, so kmm der Standpunkt des Verf, 
der antiken Geist, nicht äußeres Zubehör fordert, 
gewiß nur gebilligt werden. Freilich wird dem 
Geschmack des einen manches dem antiken Geiste 
zu entsprechen scheinen, was der andere füi' un- 
verträglich damit findet Wenn z. B. nach 623 
die beiden Speerträger mit vorgehaltenen Lanzen 
nach rechts an die Kulisse eilen und so Kreon 
den Weg versperren, wenn der Koryphaios die 
Halbchöre zur Stasimonstellung heranwinken, wenn 
697 Jokaste mit Ödipus auf einer Bank Platz 
nehmen, wenn unter Umständen die Choreuten mit 
dem Mantel sich das Haupt verhüllen sollen, so 
könnte leicht die Würde der antiken Tragödie 
darunter leiden. Jedenfalls darf auch die äußere 
Handlung und anderes der Art nicht in Wider- 
spruch mit dem Text stehen. „Sowie der Seher 
(300), von zwei Knaben begleitet, von rechts her 
aus der ersten Kulisse aufgetreten ist, eilt ihm 
Ödipus freundlich entgegen; seinen Arm berührend, 
um ihn sanft vorwärts zu geleiten, während die 
Knaben ihn loslassen. Tiresias aber macht eine 
schmei'zlich abwehrende Bewegung'' n. s. f. Nach 
au, raT, x<5jAtIe \u 444 ist es nur ein Knabe. Der 
Plural o7d£ 297 bezieht sich auf die nach Tiresias 
gesandten Boten Das Weitere scheint mit der 
Vorstellung eines blinden Mannes, der den Ödipus 
nicht sieht, also auch nicht sofort erkennen kann, 



[No. I.] 



BERLINER POILOLOGISCHB WOCnENSCHRIFT. [3. Jaaoar 1885.] 12 



Dicht gut vereinbar Bei 350 soll Tiresias nach 
langer F&nse erwidern. Eine solcbe Fanso ver- 
tr&gt öXTiDet; gar nicht. Der , jugendliche' Odipus 
will nicht Übereinstimmen mit 742 f., wonach er 
anf der Grenze des Mannes- and Greisenalters steht. 
So kann man im einzelnen manches anders 
nUnechen. Im ganzen aber wird die Schrift ihren 
Zweck nicht verfehlen, und Aaffühmng grie- 
clilBclier Tragödien an Gymnasien, wo die Ver- 
hlütnisse es eestatten, ist gewiß ein schätzenswertes 
Bildnngsmittel. 
Passan. Wecklein. 



Joh. Nie. Hadvigii AdverB&riornm 
criticornm ad scriptores Graecos et 
LatinOB volnmcu tertium. Hanniae 18S4, 
Gyldendal. 280 S. 8. 4 kr. 50 ör. (Berlin, 
Calvary. 5 Mk.) 

Nachdem in den Jahren I87I und 1873 Madvig 

die beiden ersten Bftnde seiner Adversaria critica 

ad scriptores Graecos et Latinos hatte erscheinen 

lassen nnd sich seitdem die Studien des greisen 

Gelehrten einem andern Gebiete zugewendet hatten, 

glanbten weder das philologische Pabliknni noch 

er selbst, daß je ein dritter Band nnd nocli daza 

von so reichem Inhalte folgen werde. Aber gerade 

die Änsarbeitnng seines Werkes über die Ver- 

fassnnK nnd Verwaltung des römischen Staates 

hat, wie er selbst in der Vorrede bemerkt, ihn 

hHnfig da^n geflihrt. fehlerhafte Stellen im Texte 

Seiner Quellen 'in transcursn' zn emendieron. So 

sammelte sich im Laufe eines Dezenniums ein reidier 

Vorrat von Emendationen an, welcher nun in einem 

dritten Band vereinigt vorliegt. Die kleinere 

Hälfte desselben bezieht sich anf griechische, die 

gröDere auf lateinische Schriiteteller. Unter den 

letzteren nimmt Cicero den ersten Platz ein 

(S. 85—204): an nahezu 300 Stellen seiner Werke 

(mit Ansnahme der philosophischen Schriften) hat 

der Altmeister der Kritik sein kritisches Messer 

angelegt and bei einer groOen Zahl derselben nidit 

nnr den Sitz der Wunde richtig erkannt, sondern 

auch das richtige Heilmittel gefunden. Da es 

nicht mfigUch ist und anch nicht in der Intention 

der Redaktion lieet, eiu eingehendes Referat über 

liefern, so haben wir uns anf 

OD Madvigs Emendationen zn 

aber auch bei dieser Beschrfln- 

if einen geringen Bruchteil der 

n Stellen eingegangen werden. 

iebt M. Emendationen zn den 

en : ein Teil derselben (wie die 



zum Brutns) sind bereits früher von ihm veröffent- 
licht worden in der Schrift: Det philologisk- 
historiske Samfands Mindeskrift (1879) p. 1G6 ff. 
Aber anch unter den zu den Reden mitgeteilten 
finden sich viele, die U. teils in der citierten 
Schrift, wie die zu \>. Caec. §. 51- 73. 74. OA. 
104, teils an einem andern Ort niedergelegt hat, 
so zu Verr. m. 159. 176 In Nord. Tiedskr. N. 
S. III, 144 sq.. zu Verr. V, 186 in Gertz, stud. 
crit. in Sen. dial. p. 109 (vonC. F. W, Müller 
bereits in den Text aufgenommen). Bei anderen 
Emendationen gebührt anderen Gelehrten die Prio- 
rität des Fundes; so ist auf die Einsetzung des 
non nach profecto Verr. III, 134 bereits C. F. 
W. Uiiller gekommen, Caec. § 55 hat schon C. 
M- Fi-ancken Mnem. N. S- IX 8. 245 ff. das 
zweite quin gestrichen, ib. § €9 statatnm ge- 
schrieben. Ti-otz dieser Abzüge bleibt immer noch 
ein sehr ansehnlicher Rest von nenen und eigenen 
Emendationen über. Die glänzendsten nnd mir 
wenigstens unzweifelhaften ^od folgende: de erat. 
I 219 ab homioum auribus (cod. moribus): 
Orat. 47 ex eisdem <IociB eadem"* argnmen- 
torum momenta: ib. 163 wird das Dichterfragment 
richtig so hergestellt: snperat Tmolnm et Tan- 
i-ios (cf. Heerdegen in den Proleg. s. Au^. 
p. XXXVI; Timolus ist nach Plin. 5, 110 die 
ursprüngliche Form für Tmolns!). — Or. p. Tnll. 
54 faniiliam Tnllü (familia M. Tnllü); Font. 5 
nulla alicnins delicti suspicio reperiatur (refern- 
tnr), p. Caecin. 54 si itaiu iure (si tarn vcre) : Mur. 
$ 49 bekommt die für niiheilbar erklärte Stelle 
einen vortrefflichen Sinn, wenn wir Cicero witzig 
sagen lassen 'qnibus rebus cretae ipsae (Vutg. 
certe ipsi) candidatorum obscnriores videri soleut'. 
Madvig bemerkt dazu 'iocans Cicero desperantium 
candidatorum ipsas togas Candidas obscurari signi- 
ficat, pro togis cretas norainans, qnibns infict 
nt albae niterent, solebant' und verweist auf Liv. 
IV 25, 13 und Fers. V 177 (cretata ambitio); 
Süll. 66 metus uobts <caedi8^ seditionistine 
afferebant (metum nobis seditionesqne) : Place. 30 
aliqnid cansae (aliud); 104 aliam viam (illam): 
de dom. 116 in omni geocre volnntatam (volnn- 
tatem); Seat. 131 cunctae itinere toto nrbes Italiae 
(cumqne): Fis. 11 in prooemio (gremio) sepulto 
consniatns tui; ib. 17 cum videres maerorem rei 
publicae, amplissirai ordiois Inctum (maerere rem 
pnblicam luctn). Die grüßte Zahl der gelungenen 
Koiyektnren entfallt anf die Briefe (cap, 111). 
Davon seien erwähnt ep. f&m. VII 1, 1 spectarent 
comminus inimoB (commuaes), ib. 33, 2 qoas 
bI . . expedierimns (exceperimns)i ib. ne pi- 



13 



(No. l.] 



BERLINER PDILOLOGISCOE WOCnENSCHRIFT. [3. Januar 1885.] U 



grius legerem (plaribus); VIII 10, 2 autcontume- 
liose <se> praeteritis; XV 17, 2 Mindius ma- 
cellarins (Marcellus); ep. Att. U 7, 1 quia 
obscura erat (qiü absciram); IV 2, 4 vix tandem 
sivi (sibi); ib. 11, 2 <ita> ab isto puero 
delector (abs te opere): VII 26, 2 certe ridere 
(videre) possum; X17, 1 bellent cetera eins 
(vellem cetera); XI 24, 4 aut adeo me <in> 
malis esse despectnm (aut eo me magis); XVI 15, 6 
consenni in hac cnra(consenti); ep. Qu. fr. III 3, 3 
maxime testibns laeditur (caeditur), 

In zweiter Linie zu nennen sind diejenigen Kon- 
jekturen, welche zwar nicht das Richtige zu treffen 
scheinen, aber entweder das Verdienst haben, auf 
die Verderbnis hingewiesen oder sogar selbst den 
Weg zur richtigen Besserung gezeigt zu haben. 
Dahin gehört z. B. die Stelle Orat. § 57, wo M. 
in den Worten dicit plura, etiam Demosthenes 
illumque saepe dicit voce dulci et clara fiiisse mit 
Recht 'singulare aliquod DemosUienis convicinm 
in Aeschinera coniectum' sucht und mit Verweis 
auf de Cor. 287 t^ ^«ovig Saxpueiv vermutet Aeschini 
plorare etiam Dem. Wir eiTcichen dasselbe, 
wenn wir ohne eine so kühne Änderung statt 
fuisse schreiben flevisse; auch möchte ich saepe 
nicht mit M. in ipse verwandeln, da ja in der 
That Demosthenes an verschiedenen Stellen den 
weinerlichen Ton des Äschines verspottet, vgl. de 
cor. §§ 259, 280, 291, 308, 313 etc. Auch Verr. 
V 119 scheint mir Madvigs Vorschlag nicht das 
Richtige zu treffen; es heißt dort atque ipsi etiam 
adulescentes cum Sextio suo de plaga et de uno 
illo ictu ]o(|uebantur. M. stößt sich au dem aller- 
dings unpassenden Wort suus, mit dem die Jüng- 
linge ihren camifex bezeichnen; aber nicht sna 
de plaga ist zu lesen, sondern s'uo^servo (vgl. 
p. R. A. § 74). 

In eine dritte Reihe verweise ich diejenigen 
Stellen, an denen mir die von M. gebotenen Än- 
derungen entweder unnötig oder verfehlt erscheinen. 
Einige wenige Beispiele mögen auch hier genügen. 
Verr. Ill 65 heißt es von Apronius 'ut, quicum 
viverc nemo nmqnam nisi turpis impurusque vo- 
Inisset, ad eins convivium spectatissimi atque 
honestissimi viri teueren tur'; Mi^vig will co n Vi- 
va ri lesen statt vivere, aber es ist offenbar, daß 
Cic. hier ein Wortspiel beabsichtigt mit den ähnlich 
klingenden, aber Verschiedenes bedeutenden Wör- 
tern quicum vivere und convivium. Der Vor- 
sclilag leg. agr. II 57 statt ipse vehementer gaudeo 
zu lesen reapsc scheitert daran, daß sich Cic. 
dieses Wortes in den Reden an keiner Stelle be- 
dient, wie schon Georges in seinem Handwörter- 



buch bemerkt. Endlich p. Mur. § 3 vermutet M., 
daß an der vielumstrittenen Stelle 'cui res publica a 
me una traditur sustinenda' zu schreiben sei ^cni 
rei pnblicae a me ruina traditur sustinenda'; 
aber diese Änderung ist viel zu künstlich, es ist 
einfach uni versa statt una zuschreiben, wie ich 
in meinem Jahresbericht über die Litteratur zu 
Ciceros Reden XXXV (1883. U) p. 40 nachge- 
wiesen habe. 

Der Grewinn, der für die Kritik der von Madvig 
in diesem Buche behandelten Schriften abfallt, ist 
kein geringer, und die philologische Welt hat 
allen Grund, dem gieisen Verfasser für diese 
ebenso Inhalts- wie geistreiche Weihnachtsgabe 
dankbar zu sein. 
Schweinfürt. G. Landgraf. 



B. Haassonllier, Quo modo sepulcra 
Tanagraei decoraverint. Parisiis 1884, 
Thorin. IV, 110 S. 8. Mit 7 Tafeln. 

Jeder Archäolog kennt die große und be- 
klagenswerte Lücke unserer Wissenschaft, die darin 
besteht, daß wir über die Anlage, Einrichtung 
und Ausstattung der Gräber in Griechenland so 
sehr ungenügend unterrichtet sind. Es liegt dies 
an dem bekannten Gesetze, welches dem Privaten alle 
Ausgrabungen in Griechenland verbietet, weshalb 
die Funde immer geheim gehalten werden. Trotz 
dieser ungünstigen Verhältnisse lieite sich indeß 
manches thun, um jenem Mangel abzuhelfen. Einen 
sehr dankenswerten Anfang dazu macht die vor- 
liegende Schrift, der wir bald andere folgen sehen 
möchten, die derselben Aufgabe weiter nachgingen. 
Der Verf. hat sich die durch ihre Terrakotten- 
funde so berühmt gewordene Nekropole von Tana- 
gra ausgesucht. Möchte doch bald jemand die Athen 
umgebenden Grabstätten vornehmen, für die ein so 
reiches, noch kaum benutztes Material vorliegt! 

Die Schrift handelt erst über die Lage der 
Nekropolen von Tanagra und bespricht dann alles, 
was über dem Grabe aufgestellt war. Die Grab- 
cippen und Stelen werden klassifiziert und das 
speziell für den Ort Charakteristische herausge- 
hoben. Auf mehreren Tafeln sind die Haupttyi>en 
in Skizzen wiedergegeben. Über die Stelle, wo die 
Grabsteine ursprünglich standen, verwendet der 
Verf. Angaben der Einwohner, die sehr beachtens- 
wert sind. Interessant ist das Resultat, da(i die 
ältesten Grabsteine Altarform haben und ihre In- 
schrift nicht für die Überlebenden, sondern nur 
für den Toten selbst da war. — Zu bedauern ist 
indeß, daß der Verf. den interessanten Formen der 



15 



[No. 1.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE \90CHBNSCHRIFT. [3. Januar 1885.] 16 



ate aedicolae gestalteten und anscheinend meist der 
hellenistischen Zeit angehörenden Grabsteine nicht 
mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat; nur einige ganz 
nngenflgende Skizzen (nnten an Taf. U) nnd flüch- 
tige Worte sind ihnen gewidmet. Nach den No- 
tizen, die ich mir bei meiner Anwesenheit in 
Tanagra 1878 machte, ist gerade diese Gattung 
merkwürdig durch allerlei architektonische Ano- 
mallen. So ist die Unterseite des horizontalen wie 
des Giebelgeisons mehrfach mit Kassetten geziert; 
das horizontale G^ison ist öfter weggelassen unter 
dem Giebel, wie auch Fig. 12 auf Tab. II zeigt, 
doch ruht dann der Giebel nicht wie in letzterer 
Skizze direkt auf den Säulen resi). Anten, sondern 
ist durch ein zuweilen reiches, profiliertes Zwischen- 
stück getrennt. Die Nebenseite einer einstigen 
großen aedicula ist mit einer Säulenhalle in Relief 
ausgeschmückt. Auch korinthische Säulen kommen an 
diesen aediculae vor. Die immer leeren Flächen 
derselben scheinen in der Regel bemalt gewesen 
zu sein. Von einstiger Bemalung habe ich mir 
ttberhaupt mehr notiert, als H. augiebt. Was die 
auf Taf. y zusammengestellten Stelen des attischen 
Typus betri£ft, so kann ich die Meinung des Verf., 
daß sie alle auch attischer Herkunft seien, nicht 
teilen; sie schienen mir meist von steifer, harter 
unattischer Arbeit, auch nicht alle von attischem 
Marmor. — Mangelhaft ist auch die Besprechung 
des Bennys und Kitylos (p. 38 if.) nach der kunst- 
liistorischen Seite; richtig jedoch die Hervorhebung, 
daß die Nacktheit hier auf Heroisierung weise. 
Bei der folgenden Auizählung der Heroentypen auf 
den Grabreliefs ist vom Verf. die neueste Litteratur 
nicJit berücksichtigt (Mitt. d. arch. Inst, in 
Athen lY 166. VIU 366 ff.). — Der zweite 
Abschnitt bespricht die Gestalt des Grabes selbst; 
die verschiedenen Formen desselben seien nicht 
historisch anzuordnen und kämen alle gleichzeitig 
vor. — Der dritte Teil handelt von der Ai1; der 
Bestattung und dem Inhalte der Gräber. Der 
letztere Abschnitt ist sehr ungenügend und wäre 
besser weggeblieben. Kenntnis der verschiedenen 
Yasengattungen und ihrer wirklichen Herkunft geht 
dem Verf. fast ganz ab. Über die wichtigen 
Fragen, wie die nach dem Verhältnis der Terra- 
kotten und der Vasen in den Gräbern, erfahren wir 
nichts durch ihn. — Den Beschluß macht eine 
Sammlung der Inschriften und Zeichen, die in die 
Grabziegel gedrückt oder geritzt sind. 

Trotz der offenbaren Mängel der Schrift soll 
ihre gute Absicht doch nochmals rühmend hervor- 
gehoben werden. Durch Studium der vorhandenen 
Beste und Benutzung von Angaben ans dem Munde 



der Einwohner des Ortes hat der Verf. der Wissen- 
schaft einige schätzbare, Eesultate zugeführt auf 
einem (Gebiete, das bisher brach gelegen hat und 
das dringend weiterer Bearbeitung bedarf: 
Berlin. A. Furtwängler. 



Michael Oitlbaner, Die Überreste 
griechischer Tachygraphie im Codex 
Vaticanus graecus 1809. Zweiter Faszikel, 
Wien 1884, Gerold. 48 S. 4. und 14 Tafeln. 
8 M. 

Daß die Griechen in der Kaiserzeit, etwa vom 
3. Jahrhundert n. Chr. an, eine Tachygraphie be- 
saßen, welche namentlich im Dienste der Rechts- 
pflege und der Kirche zum Nachschreiben von 
Reden und Verhandlungen benutzt wurde, ist durch 
viele Zeugnisse gleichzeitiger Schriftsteller erwiesen. 
Von dieser Tachygraphie hat sich aber nichts er- 
halten außer einer Anzahl von Abkürzungen, 
welche auch in der gewöhnlichen Schrift der Hand- 
schriften Anwendung fanden, und von welchen 
einige, wenn schon vielfach modifiziert, bis in die 
erste Hälfte des gegenwärtigen Jalirhunderts sogar 
in der Druckschrift sich erhielten. Es läßt sich 
aus verschiedenen Anzeichen vermuten, dali diese 
alte Tachygraphie Ähnlichkeit hatte mit den ti- 
ronischen Noten der Römer, über welche wir ja 
bedeutend mehr wissen, wenn schon auch hier un- 
sere Quellen über die Karolingerzeit nicht wesent- 
lich hinausreichen. Verschieden von ihr war eine 
andere Tachygraphie, welche zwar aus der alten 
Tachygraphie hervorgegangen zu sein scheint, aber 
auf einem andern Prinzip beruhte, insofern als sie 
die Wörter in ihre einzelnen Silben teilte und jede 
Silbe nach bestimmten Regeln durch Verschmelzung 
des Konsonanten mit dem Vokal oder Diphthongen 
bezeichnete. Auf diese Weise erhielt man eine 
Schrift, die vielleicht etwas kürzer als die gewöhn- 
liche war, den Namen einer Schnellsclirift aber um 
so weniger verdiente, als sie niclit einmal auf die 
Wiedergabe der Spiritus und Accente verzichtete. 
Von dieser Silbentachygraphie sind uns einige 
Überreste erhalten und zwar in einer Pariser 
Handschrift, welche insbesondere rhetorische 
Schriften des Hermogenes enthält, eine Anzahl 
Glossen, die Ulrich Kopp seiner Abhandlung „t)e 
notis tachygraphorum graecis** (Palaeogr. crit. I 
p. 435 — 480) zu gründe legte, femer Glossen und 
Anmerkungen in einer Handschrift des British 
Museums, Von welchen G. Wattenbach in seinen 
„Schrifttafeln zur Geschichte der griechischen Schrift 
und zum Studium der griechischen Paläographie*" 



17 



[No. K] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [3. Janaar 1885.] 18 



und sodann in den von ihm in Gemeinschatt mit 
A. von Velsen herausgegebenen ,.ExempIa codicum 
^aecornm litteris roinusculis scriptorura*' eine Seite 
veröffentlichte zugleich mit einer von M. Gitlbauer 
verfaßten Transkription, endlich 44 vollständig in 
tachygi-aphischer Schrift geschriebene Seiten des 
Codex Vaticanus graecns 1809, welche theologische 
Miszellcn, insbesondere Stücke aus den Schiifteu 
des heiligen Maximus und des Pseudo-Dionysius 
Areopagita enthalten und von vier verschiedeneu 
Händen herrühren. Einige Proben aus dieser 
Handschrift veröffentlichte schon Angelo Mai, näm- 
lich Bl. 258' b, Z. 8—15 im 6. Bande der „Scrip- 
torum veterum nova coUectio**, Bl. 263»" und ein 
kleineres Stilck von Bl. 216^ , ein Fragment des 
apokrj'phischen Buchs Henoch enthaltend, im 
2. Bande seiner „Nova patrum bibliotheca.'' Später 
edierte Professor Gardthausen in Leipzig eine 
weitere Seite (Bl. 263^) in seiner Schrift: », Bei- 
träge zur griechischen Paläographie**, ebenso Pro- 
fessor G. Wattenbach die Seite Bl. 105'" nebst 
einer von M. Gitlbauer verfaßten Transkription 
in seinen „Schrifttafelu zur Geschichte der giie- 
cliischcn Schrift''. Bei der Wichtigkeit der Hand- 
sclirift für die Kenntnis der griechischen Tachy- 
graphie Heß die K. K. Akademie der Wissenschaften 
sämtliche tachygraphischen Seiten der Handsclirift 
photographioren und beauftragte Herrn Dr. Gitl- 
bauer, welcher die Anregung dazu gegeben hatte, 
mit der Bearbeitung. Die 14 ersten Seiten sind 
in dem 1878 erschienenen ersten Faszikel in Licht- 
druck veröffentlicht zugleich mit einer syllabarischen 
Transkription, einer kritisch gereinigten Über- 
tragung des tachygraphischen Textes und einem 
Aufsatze: „Zur Geschichte der griechischen Tachy- 
graphie**. Diese Seiten, an deren Herstellung 
drei verschiedene Hände thätig gewesen sind, ent- 
halten 19 theologische Miszellen, darunter mehrere 
Stellen aus den Werken des heiligen Maximus und 
ein nmfangreiches Fragment der „Confessio J. Cy- 
priani Antiocheni**, ferner das schon erwähnte 
Heuochfragmeut und verschiedenes andre. Der 
jetzt vorliegende zweite Faszikel bringt ebeufalls 
mit syllabarischer Transkription und kritisch ge- 
reinigter Übertragung die ersten 14 Seiten der 
dritten tachygraphischen Partie des Codex, ent- 
haltend den Schluß des IVaktats des Pseudo- 
Dionysias Areopagita rspl tr^c fixxXrjjiarcixfjC tepapytac 
(von Kap. IV, Teil III § 4 gegen Ende ab). Der 
dritte Faszikel wird vermutlich die letzten 16 Sei- 
ten bringen mit dem Anfang der Abliandluug des- 
selben Verfassers rspl ihwov ovojjLotTwv. Diese 
letzten 30 Seiten sind von einer and derselben 



Hand, augenscheinlich der dritten dem Alter nach, 
geschrieben. , 

Der Verfasser verspricht sich von seiner Publi- 
kation manchen Nutzen für das Studium der Theo- 
logie, sowie für eine neue Ausgabe der Werke des 
Pseudo-Dionysius, wenn es zu einer solchen kommen 
sollte ; unendlich viel wichtiger aber ist die Hand- 
schrift und ihre Reproduktion für die Paläographie 
und spezieD für das Studium der griechischen 
Tachygraphie. Das System der Silbentachygraphie, 
welches von Kopp auf grund des dürftigen Ma- 
terials, das ihm zu geböte stand, nur unvollkommen 
dargestellt worden war, liegt nunmehr klar vor 
unsern Augen; denn es dürfte wohl kaum eine von 
den in der griechischen Sprach^ vorkommenden 
Silben geben, die in den großen, zusammenhängenden 
Texten nicht mindestens einmal zur Darstellung 
gelangte ; auch fehlt es nicht an einzelnen Stellen, 
namentlich in dei' von der jüngsten Hand her- 
rührenden, im ersten Faszikel veröffentlichte)! Par- 
tie, welche Blicke thun lassen in das System der 
alten, verloren gegangenen Tachygraphie. 

Der Vejfasser gedenkt am Schlüsse seiner 
hochverdieustlichen Arbeit eine systematische Vor- 
arbeitung des gesamten Materials, insbesondere eine 
umfassende Darstellung des Systems und der Ent- 
wickelungsgeschichte desselben zu bringen, und hat 
im ersten Faszikel bereits einige aphoristische Proben 
gegeben, nach welchen man der systematischen Ver- 
arbeitung des Materials nur mit der größten 
Spannung entgegensehen kann. Insofern er auch 
einige ägyptische Papyri mit angeblich tachy- 
graphischer Schrift angezogen hat, welche er zu 
der überlieferten Silbentachygraphie in Beziehung 
zu setzen versucht, so wird ihm sehr zu statten 
kommen, daß, wie man vernimmt, in dem großen 
Papyrusfunde, der neuerdings gemacht und nach 
Wien gebracht worden ist, auch viele Überreste 
griechischer Tachygiaphie sich finden sollen. 
Hoffentlich gelingt es auf grund des umfassenderen 
Materials, den Schlüssel zu dieser ägyptischen 
Tachygrai)hie zu entdecken und ihre Beziehungen 
entweder zu der griechischen Silbentachygraphie 
oder, was jedenfalls noch weit wertvoller wäre, zu 
der alten griechischen Tachygraphie nachzuweisen, 
falls solche überhaupt vorhanden sein sollten. 

Dresden. O. Lehmann. 

Rudolf Keller, Stiiicho oder die Ge- 
schichte des weströmischen Reichs von 
395—408. Beriin 1884, Le Coutre. 63 S. 
8. 1 M. 50. 

Der Verf. hält die Zeit noch nicht füi* ge- 



19 



[No. l.J 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [3. Jaouar I8b5.] 20 



kommen, aui eine Geschichte der Völkenvandenmg 
zu schreiben, und man mag ihm dann beipflichten, 
daß eine Reihe von Details durch die Spezialunter- 
snchnngen vielleicht in ein richtigeres Licht ge- 
stellt werden. Daß man aber nicht viel mehr erwarten 
darf; beweist die Arbeit des Verf. selbst; denn für die 
Auffassung der von ihm dargestellten Zeit im 
großen und ganzen hat sich durch dieselbe keine 
Änderung als notwendig ergeben. 

In der Quellenfrage stellt sich der Verf. be 
züglich des Claudian auf den Standpunkt von Jeep 
undGnldenpenning, ja er hält den Dichter für eine un- 
anfechtbare Autoritnt, was durch die Inschriften 
und Gesetze glänzend bestätigt werde. Man kann 
von Claudian recht hoch denken, aber diese Schätzung 
geht zu hoch: die Ergänzung durch die „Inschriften 
und Gesetze** bleibt abzuwarten; denn in dem Teile 
des Buches, der bis jetzt erschienen ist, ist davon 
sehr wenig zu sehen. K. stellt aber einen zweiten 
in Aussicht, der die innere Verwaltungsgeschichte 
darstellen soll. Für Zosimus wiM das Urteil von 
Vogt und Güldenpenning adoptiert: er ist von da 
ab, wo er den Claudian ergänzt, eine gute, aber 
sehr vorsichtig zu behandelnde Quelle; bezüglich 
Prospers werden die Ansichten Holder Eggers ge- 
billigt. 

K. giebt viel Detail in den Anmerkungen, 
und daß er hier manches gefanden hat, was seine 
Vorgänger — namentlich Jeep und Pallmann — 
übersehen haben, ist selbstverständlich. Alles, was 
in dieser Hinsicht vorgebracht wird, darf nicht 
als sicher gelten. So wird man dem Verf. schwer- 
lich glauben, daß er bewiesen habe, Stilicho sei 
das Haupt der Gesandtschaft an die Araber ge 
wesen; auch die Frage über die Zeit des Kampfes 
zwischen Stilicho und Alarich wird mit sehr sub- 
jektiven Gründen gestützt, und der Grund, aus 
welchem Stilicho Alaiich am Pholoegebirge ent- 
kommen ließ, ist auch jetzt noch ebenso unsicher 
als früher. Ob femer Claud. XV 253 sq. auf 
eine Verweigerung von Hülfe zum Zuge des Theo 
dosius gegen Engenius zu beziehen ist, scheint 
mindestens fraglich. 

Aber neben diesen fraglichen Resultaten stehen 
manche unzweifelhaft glückliche Kombinationen, 
und im wesentlichen darf man die Arbeit Kellers 
als eine achtungswerte Leistung für die Geschichte 
jener Zeit bezeichnen. 

Gießen. Herman Schiller. 



A. Delattre, Le peuple et Tempire 
des Mfedes jusqu' ä la fin du rfegne 
de Cyaxare. M6moire couronn^ par TAca- 
dömic Royale de Belgiqae. Bruxelles 1883. 
F. Hayez. 200 p. 4. 

Der erste und zweite Teil der vorstehenden 
Untersuchung, in welchen beiden von dem Ursprünge 
und der Nationalität der Meder, sodann von ihren 
Beziehungen zu den Assyrem in der Zeit vor ilirer 
nationalen Einigung gehandelt wird, sind mit Sach- 
kenntnis, Scharfsinn und Unbefangenheit gearbeitet. 
Gleich günstig kann das Urteil über den dritten, 
die Zeit des medischen Großreiches behandelnden 
Abschnitt nicht lauten; namentlich die Herbei- 
ziehung und Verwertung gewisser fragwürdiger 
biblischer Quellen erregt hier Bedenken. Indes 
muß anerkannt werden, daß sich auch hier manche 
bisherige irrtümliche Anschauung rektifiziert findet. 
Das Einzelne angehend ist zuvörderst des Ver- 
fassers Bekämpfung des Turanismus der Meder als 
eine berechtigte und auch gelungene zu bezeichnen. 
Jedenfalls war seit Sargon kraft der in den assy- 
rischen Inschriften uns erhaltenen Namen me- 
discher Häuptlinge ein großer Teil Mediens arisch 
(vgl. des Ref Bemerkungen in der Zeitschrift für 
Keilschriftforschung TS. 16. Anm.). Daß daneben 
in anderen Teilen des unter dem Namen „Medien** 
später zusammengefaßten Gebietes auch noch Be- 
wohner anderer Nationalität saßen, ist damit frei- 
lich nicht ausgeschlossen, und die Unmöglichkeit, 
daß in deren Sprache die Inschriften zweiter Keil- 
schriftgattung abgefaßt sind, von dem Verf. nicht 
\iirklich dargethan. Zwar die Meinung Halevj's. 
daß diese Inschriften solche des susischen Volkes 
seien, welches eben von Cyrus geradezu als Volk An- 
schan bezeichnet sei, wird auch von dem Verfasser 
abgelehnt; aber daß sie in der That solche des Volkes 
Anschan, d. h. aber eines meinetwegen nach Persien 
zu sitzenden Grenzstammes Susianas, wenn nicht 
gar solche von Bewohnern iVune partie de VKJam 
seien, wird doch angenommen (p. 44): die Spmcho 
derselben sei ^celle (Tun peuple aitparente aux 
hahitants de la Susiane et fortement mprcgue, jmr 
sutte de relations intimeSy des idees et de Tefqtrit 
des Perses^ (a. a. O.). Allein der Umstand, daß 
die Sprache der zweiten Keilschriftgattung tech- 
nische Ausdrücke politisch - administrativer Art 
augenscheinlich persischen Ursprungs aufweist 
(p. 43), deutet für uns lediglich darauf hin , daß 
wir das Gebiet, in welchem die Sprache der 
zweiten Keilschriftgattung gesprochen ward, als 



Sl 



(No 1] 



BERLINER PHILOLOGISCIIE WOCHBNSCURIFT. [3. Januar 18S5.] 22 



unter persischem EiufluB g^estandeu zu betrachten 
h^ben. Daß es gerade ein persisch-elamitisches 
(Grenz)gebiet war, folgt daraus noch nicht, zumal 
es mit den verwandtschaftlichen Beziehungen 
zwischen dem Susischen und der Sprache der 
zweiten Keilschriftgattung (a. a. O.) doch noch 
ziemlich prekfir aussieht. So werden wir diese 
Frage wohl lieber auch femer noch als eine offene 
betrachten. — Daß das Land Nairi sich west- 
wärts über den Euphrat liinaus bis zum mittel- 
ländischen Meere erstreckt habe (p.58\ folgt aus den 
citierten Stellen des Cylinders Tiglath-Pilesers I. 
nicht. Gemeint sind die nördlich vom Euphrat- 
Arsanias belegenen Landschaften; die Erwähnung 
der Dajalni läßt unter Heranziehung der Parallel- 
stellen in den Inschriften Salmanassars II, vor allem 
der Monolithinschrift hierüber nach unserm Dafür- 
halten keinen Zweifel. Demgemäß kann auch das 
von Tiglath-Pileser bei dieser Gelegenheit erwähnte 
„obere Meer** nicht, wie der Verfasser (p. 59.) 
meint, ein Teil des mitteDändischen Meeres sein. 
— - Die einfache Übertragung der für Mesopotamien 
mit Fug und Recht geltenden Bezeichnungen ^ oberes" 
und „unteres** (Meer) im Sinne von „nördliches** und 
„südliches** (Meer) auch auf orographisch ganz 
anders gegliederte Gegenden, wie die am Mittel- 
meer gelegenen, seitens der Assyrer, und zwar in 
genau demselben Sinne, was die Weltgegenden be- 
triflt (p. 62 SS.), halte ich für wenig wahrschein- 
lich. — Das Meer von Mazamua-Zamua Salma- 
nassars n kann nicht das mittelländische Meer ge- 
wesen sein (p. 65); auf dieses wagt man sich nicht 
auf Hammelhautflößen hinaus, um dem Gegner eine 
Seeschlacht zu. liefern. In der Gegend zwischen 
Euphrat und mittelländischem Meer, d. i. in dem 
Gebiete der Chattäer, kommt dazu sonst niemals 
ein Jjand Zamua oder Mazamua vor. Von dem 
Kriegszuge Salmanassars gegen die Cbattäer wird 
femer sowohl auf dem Obelisk (Z. 50) als auf dem 
Monolith (II, 75) der Zug gegen Mazamua Zamua 
ganz ausdrücklich als ein besonderer und selbstän- 
diger geschieden. Endlich erscheint Mazamua be- 
reits 811 v. Chr. als fester Reichsbesitz und Sitz 
eines assyrischen Statthalters, der zugleich Epony- 
mus war. Vor Tiglath-Pileser und weiter Sargon 
(722 — 705) aber gab es keine assjrrische Provinz 
mit assyrischen Statthaltern westlich vom Euphrat 
zwischen diesem Flusse und dem Orontes (Syrien- 
Damask fällt hier anüer betracht). Mazamua kann 
niclit wesüich von diesem Strome, gar am mittel- 
ländischen Meere gelegen haben. Da bereits 814 
ein Statthalter von Kirruri am Urmia-See erwähnt 
wird, wäre es nicht undenkbar, daß das betreffende 



„Meer** dieser See gewesen, bis zu welchem sich 
vor dem südwestlich davon belegenen Zamua -Ma- 
zamua die Verfolgung der Feinde unter Salmanassar 
n. im Jahre 855 erstreckt habe; aber auch das 
läßt sich zur Zeit noch gar nicht weiter erhärten. — 
Die Deutung des schwierigen mitbak in der In- 
schrift Samsi-Rammäns als Abhang, „Fuß** (eines 
Gebirges) S. 75 ist erwägenswert. — Mit Recht 
verwirft der Verfasser p. 89 ff. auch die von uns 
KGF. 277 noch als eine wenigstens möglicher- 
weise zu statuierende bezeichnete Annahme, daß 
Tiglath-Pileser IL bis nach Aria und Arachosien 
im Osten vorgedrungen sei. Der Ref. hat diese ^Mög- 
lichkeit** längst als eine außer betracht fallende er- 
kannt. - Unsere Übersetzung des ir Silhazi 
sa dannütu la abal Bdbilu ikahbusüni etc. in 
den Tiglath-Pileser-Inschriften wird p. 96 mit 
Recht beanstandet; des Verfassers Gegenvorschlag ist 
freilich ebenfalls nicht ohne Bedenken. — Gemäß 
der Notiz auf p. 122 ist es weder Pinches noch 
Straßmaier bis jetzt gelungen, das von Boscawen 
angezogene, angeblich den Kastarit als aar mät 
Maäai bezeichnende Thontäfelchen aufzufinden. — 
Fttr die Geschichte des selbständigen Mediens 
will der Verf. gemäß p. 129 ff. die Aufstellungen 
des Ktesias, „icrivain fabuleux, dant les decouvertes 
modernes ont ruine le credit'* , bei seite lassen, 
woran er recht gethan hat. Er will sich gemäß 
p. 132 dafür unter den nicht monumentalen Quellen 
an Herodot und das Buch Judith halten. Gegen 
das crstere, wenns mit Kritik geschieht, ist 
natiirlich nichts einzuwenden: das Buch Judith aber 
durfte nicht als Quelle herangezogen werden, und 
dasselbe gar mit Herodot zu rangieren, ist ein Un- 
recht, das diesem ehrwürdigen Vater der Geschichte 
angethau wird, kein geringeres Unrecht, als welches 
dem Berossos dadurch geschieht, daß eine Aussage, 
und eine wohlverbürgte desselben, einer andern des 
Buches Tobit geopfert wird (p. 182). — Des 
Verf. ziemlich lebhaftes Eintreten für Herodots 
Glaubwürdigkeit, von dem er meint, daß er wie 
das Buch Judith von der Kritik ^fort maUraite'^ 
sei, scheint uns im übrigen einigermaßen mal place, 
gesteht der Verfasser doch selber zu^ daß der Genannte 
peche en quelques mdroiis (p. 134), daß er gelegent- 
lich s^est irompe, und une erreur begangen habe 
(p. 135), daß seine Chronologie ne mhite qu'mie con- 
fiance limüee (p. 165), und daß ü y a du mythe 
dans le portrait^ qu* Herodote a trace de Dejores 
(p. 143). — Des Verfassers Bemängelung einer Aus- 
sage des Referenten auf p. 133 oben beruht auf 
einem Mißverständnis, s. die beanstandete Äußerung 
im Zusammenhange (KGF. 23 Z. 29 ff.). — Bezug- 



38 



[No. K] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [3. Januar 1885.] 24 



licli der vielberegten 128 Jahre medischer Ober- 
herrschaft bei Herodot nimmt auch Verf. ein Ver- 
sehen sei es nun Herodots selber, sei es, wozu der 
Verf. sich neigt, des Abschreibers an (p. 164 ff.). 
— Mit gutem Fug wird im Verlauf auf die 
Wichtigkeit der Angabe der Tafel Nabonids, daß 
Cyrus im sechsten Jahre (natürlich Nabonids) d. 
i. im Jahre 550 (nicht 549!) den Astyages be- 
siegt und Ekbatana erobert habe, aufmerksam ge- 
macht (p. 166). Zu dem Abschnitte, übersclirie- 
ben: „rempire des lindes" (p. 167 ss.) hätte 
Ref. mehreres zu bemerken. Wir behalten solches 
aber lieber gelegentlicher Bücksichtnahme vor. 
Berlin. Eberh. Schrader. 



J. Baron, Geschichte des römischen 
Rechts. Erster Teil. Institutionen und 
Civilprozefs. Berlin 1884, Simion. XU, 
471 S. gr. 8. 8 M. 

Der Haupttitel, Geschichte des römischen Rechts, 
erklärt sich aus der Ankündigung des A'^erfassers, 
welcher für das Jahr 1887 in einem zweiten Bande 
eine Darstellung des Staatsrechts, des Kriminal- 
wesens, der Rechtsquellen und der Rechtswissen- 
schaft in Aussicht stellt, während der obige Band 
die Institutionen und den CivilprozeB bietet. Indem 
nun der Verfasser diesen Stoff in der Weise be- 
handelt, daß er in kurzer und knapper Fassung, 
dabei aber wohl geordnet und übersichtlich 
das Lehrmaterial giebt, zugleich unter dem Texte 
die Quellenbelege citiert und die wichtigsten Litte- 
ratumachweise an die Spitze der einzelnen Para- 
graphen stellt, im übrigen aber eingehendere Er- 
örterungen wie Polemiken vermeidet, vielmehr 
widerstreitende Aufstellungen nur kurz registriert, 
so entnimmt Rezensent daraus, daß das Werk in 
den Dienst akademischer Lehrvorträge, wie des 
Selbststudiums von Studierenden sich stellt Von 
diesem Gesichtspunkte aus dessen Bedeutung 
für die Rechtswissenschaft zu würdigen, ist nicht 
die Aufgabe dieser Zeitschrift. Dagegen für weiter- 
gehende Ansprüche, welche auf eine vollere ein- 
dringendere und vielseitigere Beleuchtung und Er- 
öilerung des Lehrstoffes sich richten, ist das Werk 
seiner Anlage und Ausführung nach von dem Ver- 
fasser offenbar gar nicht berechnet. 

Leipzig. Moritz Voigt 



D. Nisard, Discours academiqnes et 
nniversitaires (1852—1868). Paris 1883, 
Firmin-Didot et Cie. 3 fr. 

Im Mai 1883 erschienen die „Discours acade- 



miqnes et nniversitaires ** von D6sir6 Nisard. Wer ist 
D. N.? wird mancher Deutsche fragen. Abweichend 
von den gewöhnlichen B^ensionen müssen wir auf 
das Leben des Verfassers et^'as näher eingehen, 
einmal weil er dem deutschen gelehrten Publikum 
nicht allzu bekannt sein dürfte, dann weil der In- 
halt des genannten Buches am besten dadurch be- 
leuchtet wird. 

N. war seiner Zeit einer der größten, nach 
vielen Franzosen der größte Latinist Frankreichs. 
Unter anderen philologischen Werken hat ihn 
die Veröffentlichung der „Collection des auteurs 
latins avec leur traduction en fran^ais* 1838 — 
1850, bekannt gemacht Allein darauf begründet 
sich nicht sein Ruhm. Er nennt sich lieber 
einen Kritiker, und in der Kiitik gipfelt auch seine 
Hauptthätigkeit. Er debütierte als Jonmalist, und 
wenn wir seine ganze litterarische Thätigkeit über- 
schauen, trägt sie den unverkennbaren Stemper des 
Journalismus an sich. Doch kehrte er bald der 
Journalistik den Rücken, wurde später Deputierter, 
erhielt den wichtigen Posten des directeur de Föcole 
normale sup^rieure und wurde zuletzt Mitglied der 
französischen Akademie. Sein ganzes Leben war 
er das, wofür die deutsche Sprache ein höchst 
charakteristisches Wort hat, nämlich im wahren 
Sinne des Weites ein Sti*eber. Zuerst ein wanner 
Republikaner, verleugnete er später seine Gesinnung, 
um zu hohen Ämtern zu gelangen, und wurde 
unter Louis Philippe streng königlich. Durch die 
Revolution von 1848 verlor er die einträgliche 
Stellung eines ministeriellen Abgeordneten und die 
Professur der Beredsamkeit am Coll6ge de France. 
Nach dem Staatsstreiche vom Dezember 1852 aber 
gewann er nicht nur alles wieder, sondern wurde 
von Napoleon, dem er sich angeschlossen, zu nocli 
höheren Amtern befördert. Durch seine wider- 
wärtigen Lobhudeleien aber gelang es ihm, sich 
so unbeliebt als möglich zu machen. Im Jahre 1855 
kam es sogar zu einem öffentlichen Auftritt, als 
er vom Katheder herab seine geradezu scham- 
lose Theorie über die „kleine und große Moral** 
vorgetragen hatte, die kleine »pour le commun 
des mortels", die große für die Fürsten, denen es 
gestattet sei, ihre Eide zu brechen und Millionen 
aus der Staatsbank zu stehlen. Zur Belohnung 
wurde der mutige Kämpfer commandeur de la 
l^on d'honneur und directeur de Töcole normale 
sup^rieure, welche Stelle er jedoch nach dem 
Sturze seines Kaiserlichen Gönners verlor. 

Soweit seine politische Gesinnung. In littcra- 
rischer Hinsicht ist er einer der Uauptvertreter 
des bornierten Klassizismus des 17. Jhs. £r be- 



25 



[No. 1.] 



BERLINER PHILOLOGISCHB WOCnENSCBRIFT. [3. Januar 1885.] 26 



trachtet alles von dem allein selignmcheuden Stand- 
punkte des si^cle de Loiiis XIV, das füi' Um nicht 
nnr das litterarische, sondern auch das politische und 
soziale Ideal ist (gleicht doch das rc^girae pewonnel 
von Louis le Grand der autoritativen Herrscliaft Na- 
poleons II l). Seit dem*Abgange der Dichterheroen 
jener Zeit befindet sich die französische Poesie in 
völligem Verfall, die Werke der neueren Schule 
sind sinnlose Hirngespinste, ihre Sprache reiner 
Jargon. Von diesem Gesichtspunkte ans ist ehies 
seiner besten, vielleicht sein bestes, eher aber für 
Mädcheupensionate als für sonst etwas bestimmtes 
Werk, die „Histoii-e de la litterature lian^aise** 
verfaßt, die sich dank ihrem durchaus mnster- 
j^ültigcn Stile, in welchem N. anerkannter Meister 
ist, auch bei künftigen Geschlechtern erhalten wird. 
Nun ad rem. Sein oben genanntes AVerk ist 
ein ti-cuer Spiegel seiner Gesinnungen. .411e 
discoura sind im bekannten Style acadömique, 
d. h. jener eleganten hohlen Phraseologie verfaßt, 
die nach dem fraiizr)sischen Sprüchworte ^ parle 
beaucoup pour ne rien dire". Es lohnt sich wahr- 
haftig nicht, auf die discours universitaires, die bei 
Preisveiteilnngen in vei-schiedenen Lyceen gehalten 
sind und im Buche hinter den discours academiques 
stehen, die in der Akademie gesprochen wurden, 
nilher einzugehen. Es sind im gnmde genommen 
bloße wenn auch glänzende exercices de style, da 
der Inhalt kaum wechselt. Ein Kompliment auf 
die Schule, deren Leiter und Lehrer, ein Lob auf 
die Schüler, die Preise davongetragen, und er- 
mutigende Beileidsworte an die, welche im Wett- 
streite erlegen sind, das ist im ganzen der stereo- 
tyi)e Inhalt. 

Die discours acad^miques kann man in zwei 
Klassen teilen, hier die auf die Gesinnungsge- 
nossen, dort die auf die Gegner. 

Sein Vorgünger auf dem fauteuil academique 
M. de Foletz ist ein Muster aller Tugenden , ein 
iMitsagungsvoller Priester, feiner Beobachter, un- 
fehlbarer Kritiker, vortrefflicher Schriftsteller, feiner 
Weltmann, ein Aristarch, kurz einzig in seiner Art. 
Es graut einem vor dieser götterähnlichen Voll- 
kommenheit! Wir übergehen die im selben Geiste 
gehaltenen Grabreden auf Baour-Lormian, Adolphe 
Ganiier uud Gratry. Am Grabe übertreibt man 
ja gern die guten Eigenschaften des Verstorbenen 
und sucht sogar dessen Fehlern lichte Seiten abzu- 
gewinnen. Aber die Reden, die in der Akademie, 
vor dem ausgewähltesten Publikum Frankreichs, 
gehalten werden, sollten doch keine Leichenreden 
sein. Das wenigste, was man von einem Akademiker 
in dieser Hinsicht verlangen kann, ist historische 



Treue und Wahrheit, mindestens, wo sie anstößig 
sein könnte, in verblümten AVorten. Diese ist es 
aber, welche wir im Buche vergebens suchen. 

In dieselbe Kategorie wie die Rede auf 
M. de F^letz filllt die auf den duc de Broglie und 
die auf Cuvillier Pleury gehaltene. Das Leben, 
die Schriften des ersteren, alles ist musterhaft, nii'- 
gends ein Wort des AVidei^spruchs. Selbst da, wo der 
Verf. anderer Ansicht als der begeisterte Verehrer 
des Louis Philippe zu sein scheint, benutzt er ge- 
schickt die Gelegenheit, um Napoleon zu schmeicheln 
und dessen Thaten zu verherrlichen. Wie klingt 
das wohl heute? Nachdem Napoleon die Herrschaft 
angetreten ; „La gloire seule pouvait la (Prankreich) 
relever. Le piince qu'elle a mis ä. sa tete ne la 
lui a pas fait attendro. Mais cette gloire .... 
Elle a et6 saus ambition (?) et sans hasard (?). 
C'est la gloire d'une entreprise juste. In derselben 
Rede erdreistet sich sogar das Chamäleon zu be- 
haupten, er habe die konstitutionelle Monarchie 
stets geliebt und derselben immer mit ganzem 
Herzen gedient. Er sucht wohl zu vergessen, daß 
er anfangs Louis Philippe in Schrift und Wort aufs 
heftigste angegriffen hatte. 

Von ähnlichem, obwohl nicht von demselben 
Kaliber, weil der Dichter sich einiges, aber nur 
sehr wenig Autiklassisches erlaubt, ist die Rede 
bei der Aufnahme Ponsards. Hier ist ihm reich- 
liche Gelegenheit gegeben, sein Anathema auf die 
romantischen Ketzer zu schleudern und Racine, Boi- 
leau und Genossen bis in den Himmel zu erheben. 

In der r^ponse auf den discours de r^ception 
von Cuvillier-Fleury mußte die bedauernswerte 
Acadömie eine Vorlesung Ober „Kritik" anhören, 
und der arme r^cipiendaire wird geglaubt haben, 
vor seinem strengen magister zu stehen, der ihm 
füi* seine Leistungen einen Preis erteilte. 

Wie ganz anders lautet seine r^ponse auf die 
Rede Alfred de Mussets und Taillandiers. Er kann 
es Musset nicht vergessen, daß er zur Romantik 
gehört. Aber wie schlau weiß es der Stilmeister 
zu drehen. Musset, in dem ein Stück Byron und 
Heine steckt, und dessen Schriften sein Denken 
und Fühlen so genau wie nur möglich wieder- 
spiegeln, muB sich gefallen lassen, als ein wenn 
auch nicht immer gehorsamer Schüler des Klassi- 
zismus zu gelten! 

Die r^ponse auf die Rede Taillandiers setzt 
dem Ganzen die Krone auf. T. ist einer der wenigen 
französischen Gelehrten, die bereits vor 1870 über 
die angusti fines ihres Landes gegangen sind, um an 
der Quelle das Ausland, speziell Deutschland kennen 
zu lernen. Er besuchte die Universitäten Heidel- 



27 



[No. 1.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [3. Januar 1885.] 28 



berg und München, wo er Schelling hörte. Später 
war er Professor in Sti-aßburg und kann als einer 
der besten Dolmetscher deutschen Dichtens und 
Schaffens gelten. Nisard kann ihm nicht vergessen, 
daß er bei den Barbaren in die Schule gegangen, 
anstatt ans der unvcrsieglichen Quelle des fran- 
zösischen Klassizismus zu schöpfen. In seinem 
bekannten Pathos wiederholt er ihm, daß die Blüte 
der ftanzösischen Litteratur in die Zeit fällt, wo 
sie niemand nachgeahmt. Damit versieht sich aber 
der unverbesserliche Schwätzer. Zur Zeit ihres 
Glanzes war die französische Litteratur nichts weni- 
ger als national. Streicht man weg, was die sog. 
Klassiker den Griechen, Römern, Italienern und 
Spaniern entlehnt, so reduziert sich das originale 
National-Französische auf ein Minimum. 

Sapienti sat! Wir legen das Buch aus der 
Hand, um es sicherlich nie wieder zu öffnen, es 
sei denn, um unseren Schülern ein Muster 
französischer Prosa vorzutragen. Den Franzosen 
aber rufen wir über die Grenze ein herzliches Glück 
auf! zu, daß sie im Geiste des gemäßigten, ge- 
sunden Romantismus weitei streben und trotz D6sir6 
Nisard das Wahre undNatürliche suchen, das Falsche 
und Gekünstelte meiden! 
Metz. Löon Zeliqzon. 



IIL Auszüge aus Zeitschriften, Pro- 
grammen und Dissertationen. 

Sitzungsberichte der KgL Prenfs. Akademie der 
WlsBensehaften zu Berlin. 1884. 

XXXIX. 31. Juli. Philos.-histor. Klasse. 

Vorsitzender Sekretär: Hr. Anwers. 1. Hr. Sie- 
mens las: Beiträge zur Theorie des Magnetis- 
mus. 2. Hr. Dillmann legte eine Mitteilung des 
Hrn. Dr. Landauer in Straßburg vor über eine von 
Dr. Euting in Palmyra gefundene Synagogen- 
Inschrift Hr. Bficking in Straßburg bat einen 
Bericht über die von ihm mit akademischen Mitteln 
i. J. 1883 am Hymettos ausgeführten ge4)logischen 
Untersuchungen eingesandt. 4. Hr. Zachariä von 
Lingenthal übersendete den von ihm soeben hei aus- 
gegebene VII. T. des lus Graeco-Romanam. 5. Die 
Proff. J. W. Hittorf in Münster und Fr. Kohlrausch 
in Würzburg wurden zu korresp. Mitgliedern für das 
Fach der Physik gewfihlt. — Das Heft enthält folgende 
Abhandlungen: (S. 933—34) Landauer, Ober die, 
von fiuting io Palmyra gefundene Synagogen- 
Inschrift. Mit xwei Tafeln. — (S. 935-50) H. 
Bttckingy Über die Lagerungsverhftltnisae der 
filteren Schichten in Attika. Da im Lande 
Attika selbst die Steine reden, glauben wir auch in 
diesen Blättern ausfuhrlicher über sie berichten zu 
dürfen. Das Resultat dieser Forschungen war folgen- 



des: 1, Die metamorphischen Schichten in Attika 
besitzen eine viel geringere Ausdehnung, als man nach 
den Untersuchungen von Gaudry, Bittner und Neu- 
mayr vermuten sollte. 2. Die Kalke der Hügel von 
Athen, die Schiefer von Athen, sowie die Kalke und 
Schiefer der Vorderhügel des Hymettos sind unzweitel- 
hafi; sedimentäre Schichten, welche der Kreideforma- 
tion nicht zuzurechnen zunächst kein zwingender 
Grund vorliegt 3, Unter diesen Schichten tritt das 
System des Hymettos als eine obere Abteilung des 
metamorphischen Schiefers von Attika in durchaus 
gleichförmiger Lagerung hervor. Die Hymettosscb leb- 
ten bestehen vorherrschend aus Marmor, in welchem 
Kalkglimmerschiefer, Glimmerschiefer undThonschiefer 
UnscnfÖrmige Einlagerungen bilden. 4. Die Penteli- 
konschichten nehmen ihre Stelle unter den Hymettos- 
schichten ein und entsprechen somit einer unteren 
Abteilung der metamorphischen oder krystallinischeu 
Schiefer Attikas, in welcher weiße zuckerköruige Mar- 
more mit Glimmerschiefer und Kalkglimmerschiefer 
wechsellagem. 5. Serpentine finden sich in den 
weicheren Schichten der Vorhügel des Hymettos und 
in der tieferen Glimmerschieferregion. 6. Die erz- 
führenden Schichten von Laurion entsprechen allem 
Anschein nach den Hymettosschichten; ein Auftreten 
der Pentelikouschichten in Laurion ist bis jetzt mit 
Sicherheit noch nicht bekannt Die weitere geologische 
Untersuchung wird sich zunächst mit der Beantwor- 
tung folgender Fragen beschäftigen: 1. Sind im süd- 
lichen Hymettos der schwarze Marmor und die mit 
ihm in Verbindung stehenden Kalkschiefcr bei War! 
älter als der Gipfelmarmor des Hymettos, oder ent- 
sprechen sie nur einer anderen Ausbildung der gleichen 
Schichten, und welche Stellung nehmen sie im ersten 
Falle zu den Pentelikouschichten ein? 2. Läßt sich 
der Hymettosmarmor rings um den Pentellkon ver- 
folgen, oder geht er an einzelnen Stellen in anders 
ausgebildete Schichten über? 3. Geht der Korakut- 
kalk am Pentellkon vielleicht im Streichen in den 
Lykabettos über dadurch, daß sich die oberen Mergel- 
kalke von Kara und die Schiefer von Athen auskeilen ? 
4. Stehen die Schichten von Kara, wie sie am öst- 
lichen Abhang des Hymettos beobachtet werden, in 
Zusammenhang mit den analog entwickelten Schichten 
bei Markopulo, Kcratia und Thorikos? — (S. 951—58) 
Tli. Mommsen, Zu den Gaesarcs des Aurelius 
Victor. Der Abriß der Kaisergeschichte des Sex. 
Aurelius Victor war lange Zeit nur bekannt durch die 
Ausgabe des Andreas Schott Es war schon etwas 
gewonnen, als vor einigen Dezennien Mommsen in 
Brüssel den Cod. des Theod. Pulmann wieder auffand, 
aus dem Schotts Aasgabe geflossen war; indes konnten 
daraus nur teils einige Schreib - und Druckfehler der- 
selben berichtigt y teils manche von Schott still- 
schweigend vorgenommene Abänderungen als solche 
erkannt werden Neuerdings ward in der Bodleiana eine 
zweite Hs aufgefunden, welche der von Schott be- 
nutzten mindestens gleichwertig ist und die Text- 
gestaltung der Schrift auf ein sicheres Fundament 



29 



[No. 1.] 



BERLINER PUILOLOGISCHE WOCHENSCBRIFT. [3. Januar 1885.] 30 



stellt; die VariaQtco derselben bat für die Cacsares 
kürzlich A. Cobn veröffentlicht. Diese Papierhand- 
scbrift, welche auch die origo gentis Romanae und die viri 
illustres des Victor enthält und dem U. oder 15. Jahrb. 
angehört, ist aus einer und derselben verhältnismäßig 
alten Ha, wie die dem Ende des 15. Jahrb. angehörige 
Brüsseler, abgeschrieben. Sie ist volbtändiger als die 
Pulmannscbe, da sie nicht ohne Sorgfalt mit der Vor- 
lage kollationiert ist. Doch fehlt es auch nicht an 
Stellen, wo die Brüsseler ihr gegenüber das Richtige 
bewahrt hat. Dieses einfache Verhältnis verkennend 
bat Cobn die Vermutung aufgestellt, daß Schott zwar 
nicht unsere Hs, aber doch außer der Pulmaunscben 
noch andere bandschriftliche Uülfsmittcl benutzt und 
diesen einen Teil derjenigen Verbesserungen ent- i 
nommen hat, welche er vorschlägt und die jetzt im ; 
Bodlci. sich wiederfinden. Aber wo Schott Lesarten ! 
seiner Hs durch Konjektur verbessert, wird diese 
zwar häufig durch den Bodlei. bestätigt; doch findet 
sich keine Stelle, die für den an sich unwahrschein- 
lichen Verdacht, daß ein Teil dieser Konjekturen aus 
einer Hs stamme, einen genügenden Anbalt böte. 
Es ist richtig, daß in zahlreichen Fällen, wo Schott 
keine Variante anmerkt, und in einigen, wo er aus- 
drücklich die handschriftliche Lesart angiebt, die 
Pulmanscbe Lesart abweicht; aber es ist nicht eine 
einzige darunter, die nicht entweder auf Schreibfehler 
oder stillschweigende Besserung zurückgeführt werden 
könnte. Jede Abweichung Schotts von der Brüsseler 
geht entweder auf Versehen oder Vermutung zu- 
rück; seine Ausgabe ist also jetzt für die Kritik 
entbehrlich geworden. 

XL. XLL 23. Oktober. Philos.-bistor. Klasse. 

Vorsitzender Sekretär: Hr. Mommsen. Hr. £b. 
Scbrader las: Die keilinscbriftlicbe babylo- 
nische Königsliste. Die Mitteilung wird in den 
Sitzungsberichten erscheinen. 



IV. Mitteilungen Ober Versammlungen. 

FestBitzuDg des Kais. Dentscheu Archäologischen 

Instituts za Born znr Feier von Winckelmouns 

Geburtstage am 12. Dezember 1884. 

Den ersten Vortrag hielt Herr Prof. Richter vom 
Askanischen Gymnasium in Berlin. Er erörterte zu- 
nächst in längerer Auseinandersetzung die Notwendig- 
keit, die noch existierenden altitalischen Befesti- 
gungen auch für die römische Topographie zu 
verwerten and durch ihr Studium namentlich Licht über 
die älteste Periode Roms von der Gründung der Stadt 
auf dem Palatin bis zur Errichtung der sogenannten 
servianischen Mauer zu verbreiten. Die wichtigsten 
Fragen für diese Zeit, wie wir uns die stufenweise 
Entwicklung der Stadt in diesem Zeitraum zu denken 
haben, und in welchem Verhältnis die innerhalb des 
servianischen Mauerkreises gefundenen Mauern zu 
diesem sich verbalten, sind bei der fast völligen Un- 
brauchbarkeit der Überlieferang nur auf diesem Wege 



zu lösen. Als besonders klares Beispiel für die 
Wichtigkeit der Heranziehung Jener Städte zu diesem 
Zwecke erörterte er sodann die Topographie von Ardea 
unter Vorlegung von Plänen. Daraus ergab sich, daß 
in Ardea drei Befestigungslinien vorhanden sind, die 
in zeitlich weit auseinanderliegenden Perioden nach 
einander errichtet wurden. Die Befestigung der ur- 
sprünglichen, sehr unbedeutenden Anlage besteht, wo 
nicht der natürliche Fels Schutz genug gewährt, um 
sich mit einer einfachen Brustwehr zu begnügen, 
in Mauern, die mit den in Rom existierenden 
hinsichtlich der Fügung gleichartig sind. Die beiden 
andern Befestigungslinien sind Grd wälle, von denen 
namentlich der eine Wall in vielen Beziehungen Ana« 
logicn mit dem Servius walle in Rom aufzuweisen hat. 
Die Tbore dieser Stadt sind sämtlich nachzuweisen. 
Aus den auf dem Boden der Stadt gefundenen Resten 
ergiebt sich ferner, daß die äußerste Walllinie schon 
aufgegeben gewesen sein muß, als Ardea unter 
Römischer Herrschaft stand, endlich, daß auch zur 
Zeit der größten Ausdehnung die früher errichtete 
Befestigung aufrecht erbalten wurde, als die einzelnen 
Teile der Stadt durch Thore unter einander verbunden 
waren. Darauf sprach Ilerr Prof. Heibig über die 
Herkunft der Etrusker. Er gab zunächst eine 
Übersicht über die in den Nekropolen von Corneto und 
Vulci vorkommenden Gräbertypen: der älteste Typus 
ist die sogenannte Homba a pozzo^ d. L ein vertikal 
in die Erde oder ' den Felsen eingearbeitetes Loch, 
welches ein Aschengefäß enthält. Darauf folgt die 
^tomba a fossa\ d. h. ein viereckiger Graben mit 
einem unverbrannten Leichnam. Letztere enthalten 
bereits korinthische Vasen (6. lahrh) und rühren 
sicher von den Struskern her. Dasselbe muß auch 
von der Homba a pozzo^ behauptet werden; sie sind 
ein Vorstadium jener zweiten Gattung der Gräber, 
eine ganze Reihe von Typen haben sie gemein. Dem- 
nach wäre also auch die 'tomba a pozzo' etruskischen 
Ursprangs. Nun haben sich in der Poebene eine ganze 
Reih 3 ^on Nekropolen gefunden, welche dieselbe 
Kultur bekunden, wie die im eigentlichen Etrurien 
entdeckten 'tombe a pozzo'. Es wird dadurch zur 
historischen Tbatsache (die übrigens der Vortragende 
schon vor ö Jahren als Vermutung ausgesprochen 
hat), daß die Etrusker gleich den Italikern von Norden 
her in ihre historischen Sitze eingewandert sind. 
Aus der Gleichartigkeit der etruskischen Nekropolen 
mit denen der Italiker, welche letztere sich nur durch 
die größere Ärmlichkeit der Objekte von den ersteren 
unterscheiden, ergiebt sich ferner, daß beide Völker 
mit einer ähnlichen Kultur am Gebiete des Mittel- 
meeres eingetroffen sind; dadurch erklärt sich auch, 
weshalb die beiden Völker in der ältesten griechischen 
Litteratur nicht scharf von einander unterschieden 
werden. Die Einwanderung beider Völker aui der Po • 
ebene muß also auch ziemlich gleichzeitig erfolgt sein. 
Der Redner erörtert darauf die Zeit, in welche die Ein- 
wanderung zu setzen sei, und kommt zu dem Schlüsse, 
sie sei ungefähr gleichzeitig mit der dorischen 



31 



[No. l.J 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [3. Januar 1885.] 32 



Wanderoog erfolgt. Der ZusammenhaDg zwischen 
diesen Völkerbewegungcn auf der Baikanhalbinsel und 
der Apeuninenbalbinscl deutet auf Veränderungen im 
mittleren Europa; vielleicht hat man an den Einbruch 
der Germanen in Europa zu denken. Zum Schloß 
dankte der Vortragende den zahlreich erschienenen 
Zuhörern, unter denen der deutsche Botschafter, 
Exzell. V. Keudell, Gio. B. de Bossi und andere No- 
tabilitSten sich befanden. 



V. Kleine Mitteilungen. 

Beitrftge zar (üesohichte der Philologie. III.*) 
Aus Moriz Haupts Rede De Lachmanno critico. 

Die Technik der philologischen Kritik, wie sie 
heute geübt wird, geht zwar nicht ausschließlich, aber 
doch hauptsächlich auf Karl Lachmann zurück. Einer 
der eifrigsten Vcrkündiger und Bahnbrecher dieser 
Methode war Moriz Haupt» der intimste Freund 
Lachmanns. Als er im Jahre 1853 an des Freundes 
Stelle nach Berlin berufen woi*dcn war, handelte seine 
erste üniversitätstede De Lachmanno critico. Sie 
in extenso in die opuscula aufzunehmen, ward durch 
mancherlei Gründe verhindert: aus den Anfzeichnun- 
gen aber, welche ich bei der Ausarbeitung meines 
Boches über Haupt gemacht habe, wird der folgende 
Abschnitt auf allgemeines Interesse rechnen dürfen. 

Haupt sprach: 

„Cum ordinis philosophorum amplissimi commen* 
datione, illustrium virorum consilio, iussu regis au- 
gustissimi factum esset ut in hanc urbem ad docen- 
das litteras Latinas vocarer, et magna laetitia et 
non minore sollicitudine commotus sum. nam ut 
nihil sane optabilius mihi contingerc potuit quam ut 
interroptam*^) docendi consuetudinem in hac iloren- 
tissima litterarum sede repetercm, ita verendum mihi 
erat ne benignam atque honorificam summorum 
virorum existimationcm virium tenuitate fallerem. 
sed erigebat tamen animum aliqua spes fieri posse 
ut, siquid in mo esset virium, id latiore campo pate- 
facto confirmaretur atque quodammodo augeretur: et 
profecto, postquam in hanc urbem veni et demandato 
officio satisfacere conatus sum, alacritatem meam, 
quam antea multa debilitaverant, suscitari et quasi 
me reviviscere sensL deinde quod sperabam fore 
ut optimomm virorum, quorum humanitatcm iam antea 
saepe expertus eram, et consilio prudenti et prae- 
claro exemplo adiuvarer et sustentarer, id vero ita 
mihi conÜgit ut in magna felicitatis meao parte ponam. 



*) Vgl. unsere Wochenschrift 1884, No. 4. Ernst 
Friedrich Haupts Begrüssongsgedicht zu Gottfried 
Hermanns 25 jährigem Doktorjubiläuni, und No. 39. 
Gottfried Hermanns Anleitung zur Kritik. 

•*) 1851 war Haupt wegen politischer Anschuldi- 
gungen seiner Professor zu Leipzig entsetzt worden. 



denique cum a mo postulari viderem ut munus 
oximii viri morte*) dcrclickum ex parte explere cona- 
rer, ctsi longi^sime aberam ab ea arrogantia ac 
vanitate ut mc cum Carolo Lachmanno conpararo 
anderem, tamen, in magna et ingenii et eruditionis 
dissimilitudine, studiorum quaedam similitudo et longa 
qua cum egrogio viro coniunctus fui amicitia fcdt, 
ut exemplar, quod adsequi non liceret, certe cogita- 
tione ita mc conplexum esse existimarem, ut imitari 
illud atque itcr quod ille per sex et viginti annos 
continuaverut, eadcm via sequi quodamtonus possem. 
caudcm autem optimi viri recordationem hodie, cum 
mihi aditus ad ordinem philosophorum oratiouc pa* 
raudus esset, ita rcpetcrc constitui, ut, cum docentom 
cum numquam audivissem neque de iostitutionc eins 
accuratc diccre possem, at de parte tamen eins qua 
in littcris excclluit praestautiae dissererom. dicam 
igitur de Carolo Laotamanno critico. 

Criticos quäle genus grammaticorum ipsi Graeci 
cosque imitati Romani dixerint satis constat eximia- 
que Lehrsii disputatione declaratum est, nimirum eos 
littcratores quorum studia in aestimandis scriptorum 
virtutibus ac vitiis versabantur, quos hodie novicio 
nomine fere aostheticos adpellamus : nos cum de arte 
philologorum critica loquimur, eam gram> 
maticae partem intollegimus, quae in oorum 
quae antiquo tempore littcris consignata 
sunt, vera forma restituonda ccrnitur. 

Quam artem sine accurata sermonis quo qoaequc 
scripta sunt cognitione plane nullam esse absurdus 
csscm si longa argumcntatlone demonstrarem, neque 
multo minus ineptum esset si docerem Carolam 
Lachmannum sermonum Graeci et Latini earumque 
linguarum quae ex Latino sermonc paullatim ortae 
sunt fuissc scientissimum, Germanicarum autem dia- 
lectorum varietatem ita pcrvestigasse ut iure iutcr 
eos numeretur qui in hac litterarum parte homioum 
doctorum studia ad severam legem primi revocave- 
runt arteibque grammaticam condiderunt 

Erat autem Lachmannus ita conparatus ut insigni 
mentis acie maximaque vel minimas res rimandi 
sagacitate et industria ad usum et consuetudinem 
sermonis atteuderet: unde factum est ut leges haud 
paucas Latiuac maxime linguae, incognitas antea, et 
explorarct et in clara luco collocaret. Solebat autem 
linguas quas perscrutabatur ab antiquissima aetate 
usque ad novissimam paii observandi adsiduitutc ac 
diligeotia pcrsequi, solebat, ut ipsius verbis utar, 
eos reprehendere qui in cognoscendis linguae Latinac 
legibus nullis nisi antiquissimis scriptonbus, scriptis 
autem codicibus uullis nisi rccentissimis uterentur, 
quasi scilicet Latina lingua tertio saeculo interisset 
ac duodecimo vel quinto decimo revixisset 



*) Lachmann starb am 13. März 1851. 
(Fortsetzung folgt) 



I 



[No. 1.] 



BBBLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. 



(3. Januar 1885.] 



Seitsciurifton« 

Litteratarblatt fftr germanisehe und romanische 
PhUologie. V, No. 10 u. 11. 

No. 10. p. S77: Hngo Meyer, Qandharvon- 
Kentaaren. Rezension von A. Mogk, 'Die Qain- 
tessenz des Werlces ist: die indischen Oandbarren 
und die griechischen Kentauren sind identisch; beides 
sind Windgötter\ Von der ersten These ist Ref. über- 
zeugt, von der zweiten nicht; denn die Gandharven 
seien Wasserdämonen. 

No. 11. p. 417: Humboldts sprachphiloso- 
phische Werke, hrsg. von SteinthaL Rezension 
von 0, Behaphel; in seinen Anmerkungen sei Steinthal 
doch zu weit gegangen. — p. 418: C. Abel, Sprach- 
wissenschaftliche Abhandlungen. Als charak- 
teristisch für Abels Etymologien hebt Beliaghel den 
Umstand hervor, daß die dazu gestellten Belege in den 
meisten Fällen aus ganz moderner Zeit stammen. 

Pliilologtsche Bandschan. No. 47. 

p. 1473: Aristophanes^ Ecclesiazusae, von 
Blajrdes (1881). Blaydes Kritik hafte zu einseitig an 
den einzelnen Wörtern. — p. 1483: Horatii car- 
mina ed. Petschenig. Das vermittelnde, eklektische 
YcrÜGÜiren des Herausgebers bei der Textgestaltung 
kann der Ref. J, Uaustner^ als Anticruquianer, nicht 
billigen. Hinsichtlich der Accusativform auf is hält 
er deren Beibehaltung auch in Schulausgaben für un- 
bedenklich. — p. 1488: H. Flach, Geschichte der 
griech. Lyrik. Angelegentlichst empfohlen von 
J, SUsler, — p. 1492: Trendelenburg, Laokoon 
und Gigantenfries. H, Neuling ist für Laokooo, 
somit auch für Trendelenburgs Ausfuhrungen. — 
p. 1495: Chambaln, De magistratibus Fla- 
vlorum 'Fleißige, genaue Uptersuchung, ohne 
größere Resultate.* Weidemann, Das Lateiu des Verf. 
erhält eine schlechte Note. — p. 1498: P. Müller 
und M. Mfiller, Lat Übungsstücke. ^Das sti 
listische Element ist vernachlässigt; das ganze Buch 
liest sich wie eine Tertianer&bersetzung und noch 
dazu wie eine recht mäßige.* E. Bachof, 

Literariseliea Centralblatt. No. 49. 
p. 1699: Lippert, Geschichte des Priestertums. 
'Alles was L. vom Priestertum sagt, möchten wir un- 
bedingt unterschreiben*, (ß;) — p. 1712: 6. Uin- 
rioh8| Herr Dr. Sittl und die homerischen 
Aeolismen. ^Erfolgreiche Verteidigung der bisherigen 
Ansicht, daß die äolischen Formen bei Homer in 
älteren Trojaliedern ihren Ursprung haben*. P. C. — 

S. 1712: Aeschylns,die Orestie, hrsg. von Theo- 
or Hejae. *Das vorliegende Erbstück ist nicht dem 
Buchhandel übergeben. Deyse wollte eine Orestie her- 
stellen sich zur Genugthuung und Gleichgesinnten zur 
Freude, nicht wie irgend ein Byzantiner viele Jahr- 
hunderte nach dem Dichter es vor seinen trüben 
Augen hatte*, (op.) — p. 1716: S. Wlasstow, Pro- 
meth^e, Pandore et la legende des sieolos. 
*Ist nichts Geringeres als eine summarische Unter- 
suchung der gesamten griechischen Urgeschichte und 
Mytholo^e. Der Verfasser setzt dem pelasgischen 
Urvolk eine zweite ^.vedische" Völkerwelle entgegen. 
Das Ganze ist eine naive Dilettantenleistung*. ^ 
p. 1713: MaupoYop^ocxEto; ßiBXioDyJxTj. Katalogisie- 
ruBg der in kleinasiatischen Bibliotheken zerstreuten 
griechischen Handschriften. Fast alles gehört der 
kirchlichen Litteratur an. — p. 1717: Miss Lney 
Mltehel, a history of ancient sculpture. Artige 
Rezension v. J. S, 

Literarisclies Centralblatt. No. 50. 

p. 1757: Kurze Anzeige v. Tb. Gompen, Ein 
neues Schriftsystem. ^ p. 1758: Homerl Ilias, 
rec. W. Cbrist. Beiftllig besprochen von P. Clauer). 



— p. 1758: Saalfeld, Tensaurus italograecus. 
'Unentbehrlich für Spezialforscher*. 

Literarischeg Centralblatt. No. 51. 

p. 1782: Aristoteles; Ethica Eudemia, recogn. 
Fr. Saaemlhl. Kurzes Resumä von Wohlrab. — 
p. 1800:SchleiiS8lnger, Zu Caesars Rheinbrücke. 
'Der Verf. zeigt Mangel an technischen Kenntnissen*. 
(L.) — p. 1800: GofltaT Mever, Albanesisohe 
Zahlwörter. Allffemdn gehaltene Anzeige. — 

S. 1804: J. Martha, Manuel d'arch^ologie. 
fach PauH sehr schön ausgestattetes Buch onne 
große Gelehrsamkeit — p. 1805: H. Jordan, Marsyas 
zu Rom. Gegnerische Notiz von TL Schreiber. 

WochenBchrift für klass. Philologie. No. 45. 

p. 1409: E. Essen, Ein Beitrag zur Lösung 
deraristot. Frage. Rez. von SusemihL Essen glaubt 
entdeckt zu haben, daß besonders in der Psychologie 
die ursprüngliche Reihenfolge der Bücher durch 
äußere Umstände (unordentliches Lagern im Keller 
zu Skepsis) umgeworfen wurde. Die nun vom Verf. 
angestellten Reistitutionsversuche nennt Susemibl 
äußerst gewaltsam und unglaubwürdig; der Grund 
des Schadens liege darin, dajß Aristoteles selber seine 
akademischen Lehrschriften nur als unverbundene 
Entwürfe hinterließ. — p. 1416: Bradley, Die 
Staatslehre des Aristoteles, übers, von Imel- 
mann. Gewandte Übersetzung eines vortrefflichen 
Originals. SusemihL — p. 1417: KSgl, Griech. 
Schulgrammatik. *Sehr bedeutendes Schulbuch*; 
nur (absichtlich) zu wenig der modernen vergleichen- 
den Lehrmethode zugeneigt. Schweizer - Sidler, — 
p. 1421: UistorischeAufsätze, Gurtius gewidmet. 
Auszüge. 

Wochenscbrift Ilir klass. Philologie. No. 46. 

p. 1441: B. Sigismnnd, Die Aromata. 'Un- 
fertige, schlecht disponierte Arbeit*. Max Schmidi, — 
p. 1447: E. Bardeyy Das 6. Konsulat dcsMarius. 
Das Buch — eine Apologie des Marius 77- beruhe auf 
einer so gewaltsamen Mißhandlung der Überlieferung, 
wie sie selbst in der neueren Kritik selten ist. 
Q. FaUin. — p. 1450: K. Sehirmer, Ober die 
Sprache des M. Brutus. 0. E, Schmidt stimmt 
dem Hauptergebnis — entschiedener Sonderstellung 
der Bmtusbriefe — im ganzen bei. — p.l454: Livius, 
B. XXI, von WOimin-Lanterbacher. Im Text stören 
den Referenten (E. Wolff) die ^zwecklosen Spuren kri- 
tischer Tbäügkeit', im Kommentar die zu zahlreichen, 
streng kritisierenden Bemerkungen über die Quellen- 
Verhältnisse. — p. 1459: A Gemoll, Griech. Übungs- 
buch. Nach SUzlers Meinung unpraktisch eingeteilt. ^ 
p. 1468: Tb. Stangl teilt Nachträgliches über sein 
iter italograecum und seine Beobachtungen zu den 
Ciceroscholien mit. 

Wochenschrift für klass. Philologie. No. 47. 

p. 1473: Th. Mommsen, Monumcntum Ancv- 
ran um. Ungeachtet der bedeutenden Vervollstäodi- 
gung sind dennoch mehrere ungedeckte Lücken 
vorhanden, für welche 0. Seeck einige von Mommsen ab- 
weichende Konjekturen giebt. ~ p. 1481 : Wilh. Meyer, 
Wortaccent in altlat Poesie. Sehr eingehend 
besprochen von U. Draheim, — p. 1486: K, Brandt, 
De re metrica in Verg. eclogis. ^Verdient für 
weitere Forschungen als Grundlage benutzt zu werden.* 
//. Draheim, — p. 1488: Ovid, Tristia v. Merkel, 
dieselben u. Fasti von Gflthling. K. 0. Schuhe ist 
durch die rein ekektische Textgestaltang sämtlicher 
drei Ausgaben enttäuscht. 

Wochenschrift fOr klass. Philologie. No. 48. 

p. 1505: A. Postolaka, Kspua-cia o'j|iBoXud. 
L. Bärchner rühmt die klassische Diction des Buches. 

— p. 1508: J. Uolnb, Warum hielt sich Tacitus 
89^% n. Chr. nicht in Rom auf? Abweichendes 



[No. IJ 



BERLINBR PHILOLOGISGHB WOCHENSCHRIFT. 



[8. Janaar 1885.] 



Urtdl von G. Vogrins. — p. 1609; Römische Ele- 
giker Auswahl von K. P. Sohnlie. ^Brauchbar'. 
R. Sieig. — p. 1517 ff.: Bericht über die Philolo- 
genversammlung zu Dessau. 

Wochensclirift fftr kUss. PhUolofie. No. 49. 

p. 1587: Empfehlende Rezension Sieglms zu Kam- 
pens Orbis antiqnas. -r p. 1538: 1. Neiaaner, 
Horas, Persius nnd Javenal: 2. Artel, Haupt- 
Vertreter der rOm. Satire. 'Ndßner ist Vertreter 
der Teuffelschen Ansicht daß die litterarische Si^ire 
ein Abkömmling der Tneatersatura (Mummenschana 
der vollen Leute) sei; Artel schließt sich den Geg- 
nern dieser Ansicht an*. E, TYampe. — p. 1540: 
Livii lib. XXI von Tficking. 'SoÜd'. E. Wolff. 

Revue eritiqae. No. 43. 

p. 318: W; GemoU, Die Geoponica. Analyse 
von A. Hartlit. — p. 315: E. Kiibnert, De cura 
statusrum. 'Liest sich angenehm ; einige Abschnitte 
hätten eine weitere Entwickelung vertragen ; aus den 
Reden des Demosthenes gegen Androtion und gegen 
Timokrates ließe sich noch mandies interessante De- 
tail für das behandelte Thema gewinnen*. A. Martin. 
^ p. 327: C. DiUmaim, Das Realgymnasium. 
Besprochen von Alf. Bauer. Dillmanns Buch ist be- 
kanntlich durch die vom Statthalter Feldmarschall 
Manteuffel anbefohlene Schließung der Realgymnasien 
im Elsaß veranlaßt worden. Der Verfasser verwahrt 
sich beinahe feierlich, die Grüifde zu dieser Maßregel 
aufklären zu wollen. Weniger bedenklich, will Hr. 
A. Bauer diese Gründe entschleiern: an den elsässi- 
schen Realgjrmnasien findet an Stelle der griechischen 
die französische Sprache eine bevorzugte Pflege, und 
da, wie Piof. Laas einmal behauptete, „durch eine zu 
frühe Bekanntschaffc mit der französischen Sprache 
das junge Gemüt befleckt und verwirrt wira'% so 
mußten die Realgymnasien als Pflanzstätten dieses 
Jugend verderbenden Unterrichts fiallen, — ,.c*est un 
Episode de la chasse au fran^ais en Alsace.^' 

Bevne eritiqne. No. 44. 

p. 337: G. L^sehke, Die Enneakrunosepisode 
bei Pausanias. ^Scharfsinnige, bestechende Hypo- 
thesen*. P. Girard. ^ p. 338: Lndwlg Meyer, 
Tibur. Rez. von C. JalUan. 'Diese Broschüre ist 
von der ersten bis zur letzten Zeile und Wort für 
Wort eine Obersetzung aus den ^Promenades arch^o- 
logiqucs** von Gaston Boissier. Nur die Titeländerung 
und das Einschieben einer übelangebrachten Inschrift 
kann Hr. Meyer als eigene Arbeit reklamieren. Sonst 
ist auch jede Note aus dem|Französischen ins Deutsche 
überge^fangen. Dabei ist aer Name des Herrn Bois- 
sier nirgends genannt'*. 

Revae eritique. No. 45 o. 46. 

p. 361: J. Girmrd, Etudes sur la poesie 
grecque. Eine Reihe sehr geschmackvoller Artikel 
„pour le grand publique*'. ^ p. 379—381: Nekrolog 
auf Adolphe Regnier, den Senior der französischen 
Orientalisten, f am 22. Oktober 1884. Regnier war 
der Sohn eines französischen Offiziers und 1804 zu 
Mainz geboren. Schon in sehr jugendlichem Alter 
Professor an versdiiedenen Pariser Lyceen, inaugurierte 
er in Verbindung mit Burnouf das bis dahin in 
Frankreich wenig gewürdigte Studium der vergleichen- 
den Philologie; er bestrebte sich dabei, seine Lands- 
lente für die Methoden der deutschen Forschung zu 
gewinnen. Nach dem Tode Bumoufis sollte er dessen 
Nachfolger an der Sorbonne werden; aber Regnier, 
als Orleanist, scheute sich, den damals geforderten 
Amtseid abzulegen. Seit 1855 war er Mitglied des 



Institut de France und Präsident der Soci^t^ asiatique. 
Er gab u. a. heraus: M^moires sur Thistoire des 
languee germaniques (1848~50X Etudes sur Tidiome 
des V^as und einzelne Bücher der Yeda mit Kom- 
mentar. ^ p. 387: Ch. Tissot, Geographie com- 
paree de laprovinceromained^Afrique. Ein- 
gehende Darlegung der Disposition und des Inhalts, 
von S. Bemach. 

Revue orltlqne. No. 47. 

p. 409: Rezension von Y. Henry zu Sayoes 
Principles of philoiogy, übersetzt vonM. Breal 
Das Bach sei eine lange Reihe sehr individueller An- 
sichten. Der Referent orin^ hierbei einige gelungene 
Exemplifikationen, z. B. bei Sayces zu unbestimmter 
Erklärung des Wesens der synthetischen Sprachen: 
ein Indianer, der in Paris den dreisilbigen Ausdruck 
kekseksa höre und denselben in que est-ce ^ue c^est 
oue cela auflöse, würde nach Sayces Definition auch 
aas Französische für eine synthetische Sprache er* 
klären müssen. Femer scheitere die belieote Mythi- 
sierung Napoleons I. an einem bisher übersehenen 
kleinen Umstand: Napoleon könne nie in einen Sonnen- 
heros umgewandelt werden; denn die Sonne werde 
nicht im August geboren und sterbe nicht im Mai. 

Bevne eritiqne. No. 48. 

p. 429: Opgfmathes, Fvuiiiat. 'Liebenswürdiges 
Bucn; Opsimathes ist Pseudonym'. — p. 430: 
£• Kulinerty De cura statuarum. Lückenhaft; 
insbesondere seien dem Verf. die analogen französischen 
Arbeiten (von Martha, Frucart, Dareste u. a.) un- 
bekannt'. P. Girard. — p. 442: Clermont-Gannean, 
Note sur les inscriptions aram^ennes de 
Teima: le dien Qalem. 

'EßÖovLct;. No. 32. 

p. 251 — 253: P. G. KastromenoB, 'Apy.aioXo- 
jixTj 7cspiYp««p*i ~^i^ vTJao'j Kall). Die Insel Koos, 
eine der Cykladen, ist von Bröndstedt und Bursian 
besucht und beschrieben worden; im Altertum hatte 
sie vier Städte: lulis, Karthaia, Koressia und Poiecssa, 
von denen die beiden letzten schon zu Strabos Zeit 
verlassen waren. Eine Forschungsreise des Verf. in 
Verbindung mit dem Direktor der Altertümer, dem 
greisen Herrn Manthos, hat zu wenig neuen Resultaten 
geführt ; der Löwe, welchen Bröndstedt und Bursian schon 
kannten, ist mit einem Schutzdacbe versehen worden ; 
der Thurm bei Poieessa, welchen Strabo als ein Über- 
bleibsel der trojanischen 2^it bezeichnet, ist 1848 ein- 
Sestürzt; die Ausbeute an Inschriften ist sehr gering. — 
^as Beiblatt der Zeitschrift enthält in sämtlichen 
Nununern von dem bekannten Konst. S. Kontos 
grammatische Beiträge in der von ihm schon^ seit 
Ji^iren gepflegten An unter dem Titel ^Xctosuai tiq- 



'EßSoiid;. No. 36. 

K. S. Kontos weist auf die Frage, ob die Altea 
Esel gegessen haben, vier Stellen des Galen (VI 
p 486; VI p. 664; Vn p. 183; XI p. 142) nach, aus 
denen hervorgeht, daß in Alexandria der Genuß des 
Fleisches von Eseln, Pferden, Kamelen, Ounden, 
Füchsen, Bären, Löwen. Pardern und Panthern im 
Gebrauch war. [Nach diesen Stellen ist der Genuß 
dieser Thiere doch nur ein ausnahms weiser gewesen, 
nnd Galen verdammt ihn vom medizinischen Stand- 
punkte flJs durchaus ungesund. Dagegen wurde der 
Genuß des Fleisches der wilden Esel nach Xen. An. 
I 6, 2, TheophyL bist p. 99 D Uard., Pün. H. N. 
VIII 68, 69 und Gelsus II 18 als angenehm und 
heilsam angesehen.] 



VarU« TOB 8. Calvary * Co. In B«rUii. — Draek dar BarUner Bochdnickerel -{Aktien - OMeUichaft 

(Sctxerinnen-Sclmle dea L«tto- Vereins). 



BERLINER 





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CHR. BELGER, 0. SEYFFERT und L THIEMANN. 



Preis der dreigespaltenen 
Petitxeile 26 Pfennig. 



5. Jahrgang. 



10. Januar. 



1885. M 2. 



Inhalt. 

I. Oriflrinalarbeitent Seite 

W. H. RosciMr, Beiträge zur griechischen 
Mythologie (H.) 33 

II. Rezensionen nnd Anzeigen : 

J. B. Leidenroth, Indicis grammatici ad Scholia 
Veneta specimen (H. Dantzer) .... 37 

T. Macci Plauti Trinummos rec. Fr. Ritsch I 
Ed. m. (0. Seyffert) 39 

K. 0. MOIIers Geschichte der griechischen Lit- 
teratur, fortgesetzt v. B. Heitz, 4. Aafl. 
(P. Brenoecke) 43 

Th. Berak, Griechische Litteraturgeschichte, 
Bd iTl (K. Bruchmann) 46 

C. Jullian, V,^^ traubformations politiqaes de 
l^ltalie sous ies empereors romains (£. Her- 
zog) 48 

B. W. Leist, Grfico-italische Rechtsgeschichte 
(M. Voigt) 50 

F. Basedow, Schalsyntax der mostergoltigen 
lateinischen Prosa (Sorgenfrey) .... 54 

A. Schwarz, Lateinisches Lesebach (Sorgen- 
frey) 55 

J. Hauler, Aufgaben zur Einübung der latei- 
nischen Syntax (Sorgenfrey) . ... 55 

A. Vallia, Lateinische Aufsätze und Disposi- 
tionen (W. Nitsche) 56 

III. Anscfige ans Zeitschriften: 

Rhein. Museum f. Philologie, XXXIX, 4. Hft 57 

Philologus, XXXXin, 3. Heft 59 

Blätter für das Bayr. Gymnasialschulwesen, 

XX, 6. u. 7. Heft 61 

Zeitschrift für die österreichischen (^ymn., 

35. Jahrg., 4. Heft 62 

V. Kleine Mitteilungen : 

Beiträge zur Geschichte der Philologie DI. 
(Aus Moriz Haupts Rede De Lac^ianno 
critico. II.) 63 

Beilage: 

Portonaliea (Ernennungen. Auszeichnungen. Offene 
Stellen. Todesfälle). 

Kleine MÜtollungen (Das Vatikanische Archiv. Mo- 
saikfußboden in Trier). 

Entgegnung von E. Siecke, und Antwort von W. H. 
Koscher. 

ZttSttz (G. Knaack}. 

BiMiegraphio (Erschienene Werke). 

Zaüfebriften: Literarisches Centralblatt No. 52. ^ 
Deutsche Litteratarztg. No. 49—51. — Wochen- 
schrift für klassische Philologie No. 50 u. 51. — 
Philologische Rundschau No. 48—52. 



Verlag von S. Calvary & Co. in Berlin» 

Soeben erschien: 

P. Corneiü Taeiti 

Opera 

quae supersunt 
ad fidcm Godicum Mediceorum ab Jo. Georgrio Bai- 

tero denuo excussorum ceterorumque optimorum 11- 
brorum recensuit atque interpretatus est 

Jo. Caspar Orellius. 

Vol. IL 

Fasciculus quartus: 
Hlsterlarum 

liber primus. 
E (}odice Mediceo a se iterum coUato 
edidit annotavit 

Carolas Heiser. 

86 p. gr. 8. 
4 Mark 50 Pf. 
Das zweito Bueh befindet sich unter der Presse. 



Früher erschienen: 



Vol. L 



Annalium ab excessu divi Augusti quae supersunt 
ad fidem codicum Mediceorum. 1859. 16 M. 

Vol. n. 

Germania. Dialogus de claris oratoribus. 
Agricola. Historiae. Editionem alteram curaverunt 
H. Schweizer-Sidler, G. Andresen, C. Meiser. 

Fasciculus primus: De situ ac populis Germaniae liber. 
Ad fidem codicum Vaticanorum, Perizoniani, Nea- 
politani ceterorumque optimorum librorum denuo 
recensuit atque interpretatus est H. Schweizer- 
Sidler. 1877. 4 M. 50 Pf. 

Fasciculus secundus: Dialogus de oratoribus ad fidem 
codicum optimorum denuo recensuit atoue inter- 
pretatus est Georgius Andresen. 1877. 3 M. 

Fasciculus tertius: De vlta et moribus lulii Agricolae 
liber ad fidem codicum Vaticanorum recensuit atque 
interpretatus est Georgius Audresen. 1880. 

4 M. 50 Pf. 



rNo. 2.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. 



[10. Janaar 1885.] 



Personalien. 

Ad BebördeD: Reg.- und Schulrat Menzel in 
Colmar zum Oberschalrat in der Verwaltung von 
EbaD-Lotbringen; Prof. CUmsiiiB xom Rektor der 
Univ. Bonn, sowie die Prof. Kondstoriahrat SrafPI^ 
Dr Slmar, Geb. Jnstizrat Dr. HUscbner, Dr Krater 
und Dr. Scbönfeld zu Dekanen der betr. Fakultäten 
fOr das Studienjahr 1884/b5. 

An Gymnasien etc.: Zu Direktoren: Kreis- 
schulinsp. Dr. 1? ende in Pr. Stargard zom Seminar- 
dir. inRosenbergO.S.; Prof. 9. Waniek am Staats- 
gymn. zu Bielitz znm Dir. dieser Anstalt. 

A asBelcliBiiBseB. 

Dem Prof. Th. Sickel an der phil. Fakult der 
Univ. Wien ist als Iibaber des Leopoldsordens der 
Ritterstand verliehen worden. 

OITeBe Stellen. 

Kfoigsb erg, am Kneipböfscben Gymn. zum I.April 
die letzte ordentl. Lebrei stelle mit 2232 M. einschl. 
Wobnungsge Id. Lehrer mit voller facultas für Matbem. 
und Physik, womögL auch einiger Lehrbef&bigung in 
beschreibenden Natui Wissenschaften, wollen sich unter 
persönlicher Vorstellung bis 16. Januar beim Nagistrat 
melden. Reiseentschfidigung wird nicht gewährt. — 
Drossen, das Rektorat der Stadtschule, mit welchem 
das Ordinariat der ersten Knabenmittelschulklasse 
bei einem Gehalt von 2100 M. xmd 210 M. Wohnungsg. 
verbunden ist Für das Rektorat geprüfte Lehrer 
wollen ihre Heldong bis 1. Januar beim Magistrat 
einreichen. 

T««ie«mie. 

Rektor Prenfs in AUenstein, 17. Dez., 73 J. 
alt; Prof. Heinr. Polaberw, von 1838—1878 am Köll- 
nischen Gymn. in Berlin, 9. Dez.; Dr. Bnndt, Lehrer 
am Realgymn. in Eisenacb, 16. Dez. 

Kleine MlitollttBii^B. 

Das Yatikaniaehe Arobiv, 

Das soeben ausgegebene Regulativ bei der Be- 
nutzung der Archive des Vatikans enthält die Be- 
stimmung, daß der Gelehrte, welcher die in demsel- 
ben gesammelten Dokumente einsehen will, eine Ein- 
gabe an den Kardinal Hergenröther zu richten hat, 
in welcher er den Zweck und die Art der Benntzung 
der von ihm gesuchten Dokumente angeben muß. 
Seine Noten und Abschriften hat er vor dem Ver- 
lassen des Lokals dem überwachenden Unterarchi- 
visten auszuhändigen; er erhält dieselben erst am 
folgenden Tage zurück. Die Veröffentlichung von 
Dokumenten ist von dem Interesse der Religion, des 
Staates und der Gesellschaft abbängiff gemacht und 
weitgehenden Beschränkungen unteiwonen. Als Grenze 
ist im allgemeinen das Jahr 1815 gesetzt worden. 

Mosaikfafaboden in Trier. 

Bei den Voi Untersuchungen für den neuen Museums- 
bau in Trier stieß man vor einiger Zeit auf einen 
Mosaikfußboden, der 5 m im Quadrat mißt; im Westen 
schließt sich eine 2,90 m lanee Apsis an. Das Qua- 
drat ist mit figürlichen Darstellungen dekoriert, denen 
Inschriften beigefügt sind. Nenn Oktogone enthielten 
Musen, Dichter und Prosaiker unterrichtend; bis jetzt 
sind erkennbar Aratos mit Uram'a, der Logograph 
Kadmos mit nicht benannter Muse, der phrygisoie 
Musiker Agias mit Euterpe, femer Polyhvmnia. Den 
äußersten Kand nehmen Quadrate mit den Darstel- 



lungen von Güttem ein, denen Monatsnamen beige- 
fügt sind. Die vier Ecken waren mit den Jahres- 
zeiten ausgefüllt; erhalten ist Auctumnus. 



Entgegnung. 



Auf die Anzeige meiner Abhandlung De Niso etc. 
von Herrn W. R. Röscher (No. 49, Sp. 1545 £f. der 
Berliner philol. Wochenschrift von 1884), für deren 
wohlwollende Form ich dem Herrn Rez. aufrichtig 
danke, erlaube ich mir folgende Erwiderung. 

Meine Deutung des Mythus (Nisus = Sonne, Skylla 
= Mond) übergeht keinen Hauptpunkt^ die des Herrn R. 
dagegen mehrere der allerwichtigsten. Gesetzt, 
es entständen ül)erhaupt Mythen aus direkter Be- 
obachtung von Tiergewohnheiten (was ich nicht recht 
flaube; die Vergleichung der Sage von Prokne und 
hilomela bringt kein Licht, so lange sie nicht sicher 
gedeutet ist), so müßte doch Herr R. erst noch fol- 
gende Fragen beantworten: 

1. Wie kommen der Meeradler Nisos und der 
Reiher Skylla zu ihrer wunderbaren Voigeschicbte? 
Weshalb muß dieser Meeradler gerade Sohn des 
Pandion gewesen sein? Ich weise p. 15 darauf hin, 
daß Nisus zu einer Sonnen- und Mondfamilie ge- 
hört. Jetzt fuge ich hinzu, daß ein Nisus durch 
seine Tochter Eurynome auch Großvater des Sonnen- 
helden Bellerophon ist cf Hyg. f. 157. 

2. Wie kommt Minos in den Mythus? 

8. Wie vereinigen sich Pterelaus und Gomaetho 
mit der Reihertheorie? Herr R. giebt ja doch die 
Richtigkeit der Gleichung Pter. : Com. =■ Nis. : 
Skylla ausdrücklich zu. [Gomaetho = Brand- 
haar, ein deutlicher Mondname?] 

4. Wie beweist Herr R. seine Behauptung, daß 
die von Virgil u. a. überlieferte Form der Sage, 
wonach Skylla in das bekannte Meerungeheuer ver- 
wandelt wurde, bedeutungslos sei? 

Indem ich mir die Erledigung anderer Punkte, 
in denen sich Herr R. widersprechen muß, für einen 
andern Ort vorbehalte, entgegne ich nur noch auf 
seinen Schlußsatz: Sich bei der Deutung eines jeden 
Mythus zunächst auf dem heimischen Boden umzu- 
sehen, ist ohne Zweifel sehr nötig; man muß es aber 
nicht thun, um nachher das Wichtige zu übersehen 
und unwichtige Kleinigkeiten hervorzuheben. Die 
Hülfsmittel der vergleidienden Mythologie dagegen 
müssen nicht weniger, natürlich mit der nötigen Vor- 
sicht, benutzt werden, besonders weil diese Wissen- 
schaft am l>esten im stände ist, den Siim für das 
Mögliche, für mythische Auffassung und Aus- 
drucksweise überhaupt zu schärfen. Wer sie in der 
Weise von Lehrs und anderen (zu denen Herr R. 
nicht gehört, da er ja germanische Mythen zur Er- 
klärung herbeizieht) ganz von der Hand weist, der 
hält, nach einem treffenden Ausdruck von Max Müller, 
Scheuklappen für nützlicher als Ferngläser. 

Berlin. E. Siecke. 

Antwort des Rexenaenten« 

Zunächst konstatiere ich nicht ohne Befriedigung, 
daß Herr S. keinen Versuch gemacht hat, meinen 
Nachweis, daß Skylla in einen bestimmten Vogel, 
und zwar in einen Reiher, verwandelt worden sein 
sollte, auch nur in einem einzigen Punkte zuvdderlegen, 
sodaß der unmittelbar daraus sich ergebende Scmuß, 
daß der betr. Mythus in der Hauptsache ein ein* 
feiches Tiermärchen sei, ganz unerschüttert t>e- 
stehen bleibt. Somit aber ist der allerwichtigste 
Punkt, nämlich die Thatsache, daß Ciris ebenso wie 



83 



[No. 2.] 



BERLINER PÜILOLOGISCBE WOCBEJ^SCBRIFT. [10. Januar 1885] 34 



L Originalarbeiten. 

Beiträge znr griechischen Mythologie. 

VoD W. H. Koseher in Würzen. 
JEentanren. 

(Fortsetzung aus No. 1.) 
Mehrere Hindeutungen auf diese Sage finden 
sich hei Piudar Fr. 147 (vgl. Hör. C. IV 2, 13) 
und 148 Böckh, aus denen hervorgeht, daß die Ken- 
tanren sich in Wein herauschten und den nnver- 
wnnd baren Kaineus mit grünen Fichten so völlig 
überschotteten, daß er aufrecht in die Erde hinab- 
sank. Auf die bei dieser Gelegenheit hervortretende 
Trunksucht und ujipic der Kentauren beziehen sich 
ferner Stellen wie Theogn. 541. Verg. Geo. H 455 ff. 
Ilor. C. I 18, 8. Von den Tragikern scheint 
namentlich Aischylos in seinen vielleicht von Ovid 
(vgl. Met. Xa 172 und 242 mit Aesch. Fr. 178 und 
179 ed. Nauck) benutzten PeiThaibiden die La- 
pithenschlacht behandelt zn haben (vgl. Welcker, 
Aesch. Tril. 559. Meyer a. a. 0. 44. Eur. Andr. 791). 
Einer euhemeristischen Auffassung der Kentauren 
und ihres Kampfes mit den Lapithen begegnen wir 
bei Palaeph. de incred. 1 (vgl Diod. IV 70 und Serv. 
z. Verg. Geo. III 1 15). Ausführliche Schilderungen 
der Lapithenschlacht finden sich erst bei Diodor IV 
70 und Ovid Met. Xn210fr., zu denen noch Schol. 
Pind. P. n 85. Schol. II. I 263 fl'. Ap. Rh. 1 59 ff. 
(Kaineus). Hyg. f. 33. Val. Fl. 1 140 ff. Serv. z. Verg. 
A. Vn304. Plut. Thes. 30. Orph.A.417. Lactant, 
z. Stat. Theb. n 563. Schol. Luciani p. 251 Jaco- 
bitz u 8. w. hinzukommen. Nach Diodor ver- 
langten die Kentauren, da sie derselben Abkunft 
wie Peirithoos waren, von diesem einen Teil 
des väterlichen Erbes und gerieten darüber mit den 
Lapithen in Streit Nach Beendigung desselben 
hid Peirithoos znr Feier seiner Hochzeit mit Hippo- 
dameia (Deidameia nach Plut. Thes. 30, Lao- 
dameia nach einer Vase Arch. Ztg. 14» 156*. 
C. I. 6. 8442b), der Tochter des Bntes, den 
Theseus und die Kentauren ein, wobei diese trunken 
den anwesenden Frauen Gewalt anzuthun versuchten. 
In dem nun folgenden Kampfe wurden viele Ken- 
tauren getötet, die übrigen vertrieben. Jedoch der 
bald darauf von den sämtlichen Kentauren er- 
neuerte Kampf war für die Lapithen unglücklich, 
viele von ihnen wurden getötet, die übriggeblie- 
benen aber nach Pheneos in Arkadien und Malea 
vertrieben. (Hier scheint Diodor den alten M}thn8 
willkürlich entstellt zu haben, da z. B. ApoUod. 
II 5, 4 undSchol. II. I 263 ausdrücklich Malea als den 
Ort bezeichnen, wo die vertriebenen Kentau- 
ren wohnten; vgl. auch ApoUod. IH 9,2, wonach Ata- 
lante die Kentauren Ehoikos und IJylaios in Ar- 



kadien erlegte; s. auch Schol. Pind. P. II 85.) Durch 
diesen Erfolg ermutigt, hätten die Kentauren, aus 
dem Pholoegebirge hei'vorbrechend, die vorüber- 
ziehenden Hellenen durch Raub und Mord bedrängt. 
Die bei weitem anziehendste und schwungvoUste 
Schilderung des Lapithenkampfes verdanken wir 
aber Ovid, der gewiß vieles älteren Quellen (z. B. 
Ai8chylo3'Perrhaibiden?)undglänzendenBüdwerken 
d,er alexandrinisch-pergamenischen Epoche entlehnte, 
manches auch hinzudichtete und einflocht, wie z. B 
das *fast sentimental ausgemalte, au Zeuxis (Luc. 
Zeux. c. 3-6) und Philostratos (Imag. H 3), so- 
wie an erhaltene Bildwerke (Müller Hdb. § 138, 1. 
Meyer a. a. 0. 79) gemahnende Liebesleben des 
Kentaurenpaares Kyllaros undHylonome' (v.393 ff.). 
Zu den älteren Zügen des Gedichtes gehören z. B. 
die Erzählung vom trunkenen Eurytos, der sich 
V. 224 an der Hippodameia vergreifen will (vgl. 
Od. XXI 295 ff.), femer das Schleudern des Altars 
V. 258 ff., der auch auf Vasenbüdem oft erscheint 
und an das vor der Hochzeit versäumte Aresopfer 
erinnert (vgl. Schol. Pind. P. II 85. Meyer a. a. 
0. 76), die Vei-schüttung und Verwandlung des 
Kaineus, vor allen Dingen aber die 56 Ken- 
tauren- und 18 Lapithennamen , die gewiß zum 
größten Teil älterer Überlieferung entstammen 
(Röscher in Fleckeisens Jahrb. 1872 S. 421 ff.). 
Im Kampfe bedienen sich die Kentauren der Trink- 
gefäße (vgl. Verg. Geo. 11 457), eines Leuchters, 
der Feuerbrände, Bäume und Steine, ferner führen 
Lykotas (v. 350) und Teleboas (v. 443) Wurf- 
spieße, Pyrakmos ein Beil (v. 460); ihre Klei- 
dung besteht aus Bären-, Wolfs- und Löwenfellen, 
(v. 319. 381. 430), wofür sich teilweise aus Bild- 
werken Parallelen anführen lassen (s. u.). Unter 
den Bildwerken, welche den Lapithenkampf 
darstellen, sind besonders hervorzuheben: Die 
FrauQoisvase, auf welcher die als alyjxTjxai (Hes. 
djTri; 178) gerüsteten Lapithen gegen die Kentauren 
Hylaios, Akrios, Hasbolos, Petraios, Pyrrhos, Me- 
lanchaites, Orosbios kämpfen (Weizsäcker Rh. Mus. 
32, 373 f.). Unter den Kämpfern ragt besonders Kai- 
neus hervor, den drei Kentauren unter Felsstttcken 
und Baumstämmen zu begraben suchen. „Aber es fehlt 
Eurytion und seine Frevelthat, wie auf der Hesio- 
dischen Aspis, und damit fehlen die Weiber, deren 
bedrohte Schönheit dem wilden Kampf emen Haupt- 
reiz verleiht. Als 'Waffen führen die Kentauren 
Äste und Steine, sie haben große Barte, borstig 
über der Stirn emporstehendes Haar und Satyr- 
ohren*. Der menschliche Oberkörper aber sitzt bei 
ihnen, abweichend von der Darstellung Cheirons auf 
derselben Vase, auf einem vollständigen Pferdeleib, 
sodaß die Pran^oisvase auf der Grenze zwischen 



35 



[No. 2.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [10. Januar 1885.] 36 



der älteren und jüngeren Kentaurenbildung steht 
(Meyer a. a. O. 68 f.). Femer müssen wir hier 
gedenken der Figuren des westlichen Giebelfelds 
des Zenstempels von Olympia, welche Alkaraenes 
um 460 V. Chr. anfertigte. „Links und rechts von 
dem in der Mitte kerzengerade aufgerichteten ApoUon 
eine ans einem Lapithen, einer Lapithin und einem 
Kentanren bestehende Gruppe. Alle drei sind zu- 
sammengesunken. Links setzt ein Kentaur (Eury- 
tiou?) einer Frau (Hippodameia?) den linken Hinter- 
fuß in den Schoß und faßt ihr Haar, während sie 
semen Kopf wegstößt, den dagegen der herange- 
stünnte Kaineus knieend an sich reißt. Rechts 
packt ein Kentaur eine Frau am Gürtel und Fuß, 
um sie auf seinen Rücken zu werfen, seine Hinter- 
füße und sein Schweif werden hinter ihr sichtbar. 
Der ebenfalls knieende Lapith ergreift ihn am Kopf 
und bohrt ihm ein Schwert durch die Brust. Von 
links her kommt Peirithoos seiner Braut zu Hülfe. 
Rechts sträubt sich eine stehende Frau gegen einen 
Kentauren, der sie mit der einen Hand am Busen, 
mit der anderen um die Mitte des Leibes gefaßt 
hat. In diese Gruppe trat Theseus ein. Links 
envehrt sich ein knabenraubender Kentaur mit 
wirrem Haar und tierisch wilden Zügen seines 
Gegners mit den Zähnen** (vgl. Funde v. Olympia 
herausg. vom Direktorium S. 13 ff. T. 10. Furt- 
wängler Preuß. Jahrb. 51, 375 ff. Arch. Ztg. 
38, 117. Meyer a. a. 0. 72 f. E. Curtius Sitzungs- 
ber. d. K. Akad. d. Wiss. Berl. 1883 S. 115). 
Wenige Jahre nach den olympischen Skulpturen 
mid, wie es scheint, unter dem unmittelbaren Ein- 
fluß derselben (Furtwängler a. a. 0. 377) entstan- 
den die Metopen des athenischen Parthenon, welche 
ebenfalls Kentaurenkämpfe darstellen (Michaelis 
Parthenon T. HI, 10. 12. 22. 25. T. IV, 29. 
Müller -Wieseler D. a. K. 1, 111 u. 112. Meyer 
a. a. 0. 73), sowie der Westfries des Theseion in 
Athen (Müller-Wieseler a. a. 0. 1, 110), auf 
dem die Kaineusgruppe bedeutungsvoll hervortritt. 
Gewiß mit Recht hat man vemmtet, daß die sämtlichen 
dieser Epoche angehörigen großartigen Kentauro- 
machien ebenso wie im pergamenischen Zeitalter die 
Gigantomachien zu den denkwürdigen Kämpfen der 
Hellenen gegen die Barbaren gewissermaßen 
mythische Parallelen bilden sollten (Meyer a. a. 0. 
72 f. Curtius Arch. Ztg 1883 S. 355). Von den 
olympischeu und athenischen Skulpturen sind wie- 
derum die des Frieses von Phigalia abhängig 
(K. O. Müller, Hdb. 119, 3. Müller-Wieseler a. 
a. 0. 1, 123b u. c), nur daß hier, der fortge- 
schritteneren Zeit entsprechend, leidenschaftlichere 
Bewegungen und drastischere Motive' hervortreten. 
Die kürzlich zu Gjölbaschi in Lykien entdeckten 



Friesreliefs sind nach Beundorf (Bericht über 
zwei österr. Expeditionen n. Kleinasien, Wien 1883) 
ins vierte Jahrhundert zu setzen. In betreff der 
Vasen und sonstigen Bildwerke, welche die La- 
pithenschlaeht darstellen und mehrfach von den 
vorerwähnten Skulpturen abhängig sind, vgl. Meyer 
a. a. 0. 74 u. 75 f. Müller Hdb. 389, 3. Brunn, 
Kfinstlergesch. 1, 182. 2, 23. 101. 409. 0. Jahn, 
Beschr. d. Vaseus. z. München No. 84. 86 etc. 
846. 1258 etc. E. Curtius Arch. Ztg. 1883. 
S. 347 ff. Taf. 17 u. 18. Müller- Wieseler a. a. 0. 
1, 83 u. 84. 

3) Herakles' Kentaurenkampf(eli8ch -ar- 
kadischer Mythus*). In betreff des chronologischen 
Verhältnisses desselben zum Lapithenkampf s. o. 
Die ältesten, leider größtenteils nur sehr fragmenta- 
risch überlieferten litterarischen Zeugnisse finden 
sich in dem Homer zugeschriebenen kleinen Gedichte 
KajAivoc Tj x£fa|i.ic V. 17 f., wo Cheiron als Anführer 
der Kentauren gefaßt wird, bei Stesichoros fr. 7 
und vielleicht auch in den Fragmenten der Herak- 
leia des Panyasis (Epici gr. ed. Kinkel I 255 ff. 
No. 4, 12—14); sicherlich wird aber dieser Mythus 
noch in vielen älteren Herakleen, z. B. in der des 
Peisandros (Hesych. voo; oü ::apot KevTaupotjt), be- 
handelt worden sein (Mej'er a. a. 0. 39 f.). Auch 
im griechischen Drama finden wir nur wenige An- 
spielungen auf Herakles' Besuch bei Pholos und 
seinen Kentaurenkampf. So z. B. bei Sophokles, 
der Trach. 1095 die von Herakles besiegten Ken- 
tauren bezeichnet als 

öi^u^ T ajAtxtov i;nro{ia|ji.ova crrpativ 
drjptüv, uJJpurr^v avojjLOv, oripo'/ov JJiav. 
Vgl. V. 714 ff., wo es heißt, daß auch der Osoc 
Cheiron dem mit dem Blute der lemäischen Hydra 
benetzten Pfeile erlegen sei. Eigentümlich ist der 
Widerspruch, den sich Euripides im Herc. furens- 
zu schulden kommen läßt, indem er v. 182 den Ken- 
taurenkampf des Herakles auf das Pholoegebirge, 
V. 368 aber (ebenso wie Folyaen. Strat. 1 3, 1 und 
Tzetz. z. Lycophr. 670) an den Pencios und auf 
den Pelion und die Homole verlegt, was auf eine 
Veitwechselung mit dem Lokal der Lapithenschlacht 
deutet, die um so näher lag, als es ja auch in Elis, 
in der Nähe der Pholoe, einen Fluß namens Peneios 
gab. Von Epicharmos ist uns der Titel einer Ko- 
mödie 'HpaxXf^; irapa <I>oX<j> überliefert, worin die 
Eßlust des Heros in lustiger Weise dargestellt 
war. Nach Theoer. id. 7, 149 f. und Schol. war 
Cheiron vor dem Beginn des Streites mit bei der 
Bewirtung des Herakles durch Pholos zugegen. 

(Fortsetzung folgt.) 

') Vgl. in betreff des nahen Zusammenbangs der 
Eleier und Tbessaler Bursian Geogr. v. Gr. 2, 272 f. 



37 



[No. 2.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT [10. Januar 1886.] 38 



IL Rezensionen und Anzeigen. 

J. B. Leidenrotb^ Indicis grammaticl 
ad Scholia Veneta exceptis locis Hero- 
diani specimen. Berlin 1884, S. Calvary et 
socius. 65 S. 8. 3 M. 

Mit Recht bat Arthur Ludwich in der Vorrede 
m seiner neuesten bedeutenden Arbeit „Aristarchs 
Homerische Textkritik" darauf hingewiesen, daß 
es wohl der Mühe verlohne, die Thatsachen der 
Homerischen Textkritik ins Auge zu fassen» fest- 
xnstellen und nach ihrem Werte zu sichten; be- 
soüders aber soUten diejenigen, die als Heraus- 
geber oder Forscher sich auf dieselbe in ii-gend 
eiüer Weise beziehen, den Thatbestand nicht durch 
Nacbläasigkeit oder Mangel an genauester Kennt- 
nis trüben, sondei-n sich gi-ößte Gewissenhaftig- 
keit vorsetzen, eingedenk des Spruches: Nihil in 
litteris parva m. Freilich kann man über den 
Werl der ÜberHeferung verschiedener Ansicht 
seift: aber wer sich darauf l)ei'ufen will, muß sich 
nm die richtige Feststellung bemühen. Daß dies 
kidcr nicht immer, wir können sagen, selten auch 
uoA beute der FaU ist, hat Ludwich gezeigt. 
Die lUeste Ü^berliefenmg liegt gerade in unseren 
Sebolieo. Bie geht über alle unsere Handschriften 
binam; wenn ich weiß, was die fitesten Homerischen 
Kritiker an einer Stelle gelesen, welche Ab- 
wdchttBgen sich zu ihrer Zeit fanden, so brauche 
ich mich um die Lesarten der sämtlichen Hand- 
schriften in bezug auf diplomatische Kiitik nicht 
zfl kfimmem: nur da, wo unsere Kenntnis der 
ksart zur Zeit der Alexandriner ungewiß ist, 
treten sie als Quellen ein. Wer aber sich giüud- 
lich über die Alexandrinische Kritik unterrichten 
will, der darf sich nicht auf die Kenntnisnahme 
der neoeren noch so verdienstlichen Schriften von 
LchiB bis Lud wich beschränken, er muß selbst in 
die Schoben sich tüchtig hineinlesen, mit eigenen 
Aü^en sehen und sich so eine feste Grundlage 
mm selbständigen Urteil über diese Werke bilden. 
Eine Probe eines bei solchen Lesungen sehi* er- 
wünschten Hülfsmittels bietet uns die hier zu be- 
sprechende Schrift, die über die in den Schollen 
vorkommenden technischen Ausdrücke, sofern sie 
ata den Schriften des Didyraos, Aristonikos und 
Nüaaor stammen, in alphabetischer Folge Aus- 
kunft zu geben sich vorsetzt. Leider ist es ein 
bloßes specimen, das nur die vier ersten Buch- 
stabe umfaßt; mit demselben FleiQe, derselben 
Kenntnis und ruhigen Besonnenheit vollendet, würde 
»jedem Homeriker eine willkommene Stütze bieten. 
Lddem-oth hat nicht bloß eine rein lexikalische 



Arbeit geliefert, sondern auch durch seine Zu- 
sammenstellung manchen bedeutenden Haltpunkt 
zm' Scheidung der aus Didymos und Aristonikos 
geflossenen Schollen geboten. So ist es eine wich- 
tige Beobachtung, daß apjjwJCetv dem Aristonikos 
sehr geläufig ist, sich aber nicht bei Didymos findet, 
der letztere allein, wo von Auslassung von Buch- 
staben die Rede ist, aveu braucht, wogegen Aristo^ 
; nikos '/«ptc anwendet, nur von diesem ovojAa^i- 
xTf^ und ^p^ gebraucht werden. Auch hat er in- 
folge solcher Beobachtungen und anderer wohl 
erwogener Gründe über einzelne Stellen richtiger 
geurteilt als seine kenntnisreichen und scharf- 
sinnigen Vorgänger und den Text der Schollen 
mehrfach unzweifelhaft richtig verbessert. Wenn 
es beim Schol. 2 100 und im Et. M. heißt: 
Oapiieviaxoc oüv [^apotovcoc to l<5rjj£v airootoüijtv outwc* 
6 ÖS 7:6Xe|xoc tJjv iji^v d^EXofxevoc ravoTrXtav lör^je 
|jtou (sÖTj^ev, svs-6öiae jigü Et. M.) t9jv I;oöov, luTre 
dXxT^pa |jl9) ^evejUat HaTpox^oo, o (oirep) Im ßoTjftoc, 
so hat selbst Ludwich daran so wenig Anstoß ge- 
nommen, als das [iapüT«$vcoc erklärt. Das Richtige^ 
hat Leidenroth getroffen: statt des ersten eTj^ev 
muß es "ApTjc heißen. E 774 hatte Friedländer 
in den Worten des Aristonikos: Ou/ ort aijTÖc 
irptuTo; £/pT^5aT0, dXX' (Tti Tto ToioüTü) lOst ireirXfi^vaxE 
statt des auf das vorhergehende "*AXx|xav sich be- 
ziehenden auToc o'jToc vermutet; Leidenroth ver- 
bessert nach ein paar anderen Stellen aOxcp. Ebenso 
unzweifelhaft trifft er das Richtige A 492, wo er 
dTH^ptwe statt des unpassenden dTn^^prrjxs herstellt. 
Andere Vermutungen weist er mit Recht zurück, 
so S. 43 f. Useners 'Axtixtuc statt dtp/auwc (A 275), 
dessen Berufung auf Gregorios von Korinth er 
sonderbar findet, S. 19 f. Cobets Auswerf ung des 
(0 718), S. 23 f. Schraders ötavotav statt ötatpefftv. 
In der Stelle des Aristonikos F 1 1 erklärt er sich 
scharf gegen Cobets aveu xou N; von den Vermu- 
tungen von Lehrs erwähnt er nur die eine. Lud- 
wich hat jetzt sehr zweifelnd eine andere vorge- 
bracht. Vielleicht lautete die Stelle: aXXot 81 
7pa<pou5t TToXXov avtl xou vüxtoc <i|Astv(i>, da es auch 
scmst vorkommt, daß nur das abweichende Wort 
angeführt wird; jedenfalls dürfte die angeführte Lesart 
(also etwa luoXX^^v d|A£ivo)) vor dvri gestanden haben. 
An anderen Stellen scheidet er richtiger zwischen 
Didymos und Aristonikos, wie 8 352 (S. 8 f.), 
wo freilich die Herstellung unsicher, A 458 (S. 41), 
O 110 (S. 51) imd, wo Lud wich jetzt dieselbe 
Ansicht äußert, 2 222 (S. 50). 

Die Art der Behandlung ist mit wenigen Aus- 
nahmen klar und einfach, und sie nimmt auf alle 
Verbindungen Bezug. Man vergleiche nur die Ar- 



39 



[No. 2.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [10. Januar 1885.] 40 



tikel dÖexsTv und 7pa«petv. Von Synonymen werden 
bei dem wichtigsten die verschiedenen Ausdrücke 
zusammengestellt, bei den einzelnen ist auf diesen 
Artikel verwiesen. Sehr erwünscht wären Ko- 
lumnentitel zur leichteren Übersicht. Alles ist 
sauber gearbeitet, auch die Sprache nicht, wie so 
oft, verwildert, wenn sie auch von einzelnen un- 
lateinischen Ausdrücken, wiemoneo für bemerken, 
sich nicht frei gehalten. Als Druckfehler sind uns 
aufgestoßen rdtp7avov (S. 48) und raüToXo^eiv (S. 62). 
Köb a. Rh. H. Düntzer. 



T. Macci Plauti comoediae. Recensuit 
instrumento critico et prolegomenis auxit 
Frid. Ritscbelias sociis operae adsumptis 
G. Loewe, G. Goetz, Fr. Schoell. Tomi L 
fasc. I. Trinnmmus. — T. Macci Plaati 
Tri DU mm US. Recensuit Frid. Ritschelins. 
Editio tertia a Frid. Schoeii recoguita. 
Lipsiae 1884, Teubner. LXIV, 198 S. 4 M. 

Die Einrichtung dieser dritten Ausgabe des 
Ritschlschen Trinummus weist eine dankenswerte 
Neuerung auf, indem in die Anmerkungen unter 
dem Text nur das notwendigste kritische Material 
aufgenommen ist, dagegen alle andereuBemerkuugen 
Ritschis nebst den im Laufe der Zeit hinzugekom- 
menen, mit bewundernswertem Fleiße gesammelten 
kritischen Beiträgen in den Anhang verwiesen sind, 
aufweichen ein den betreffenden Stellen beigesetztes 
Sternchen aufmerksam macht. Im Texte sind nur 
solche Änderungen vorgenommen, — es mögen 
etwa sechzehn sein — von welchen der Heraus- 
geber bestimmt wußte, daß sie in der Absicht des 
verewigten Meisters lagen; sonst sind auch die 
Stellen mit wohlbegreiflicher Pietät unverändert 
belassen, wo nach der Cberzengung des Heraus- 
gebers Ritschis Lesart unhaltbar ist. Augenschein- 
licher Druckfehler ist G38 beneficium statt benficium} 
ebenso ist es wohl nur Yei^sehen, wenn im Anfang 
zu 166 nach 978 *986' fehlt. Im kritischen Ap- 
parat ist mir zu 274 aufgefallen, daß Löwe un- 
erwähnt geblieben ist, der die Korrektur in 
A Anal. Plaut, p. 144 als sicher bezeichnet. 
Sollte nicht zu den testimonia hinzuzufügen sein 
Auson. grat. act. XVII 77 aliornm egestatem tole- 
rare, doch eine offenbare Reminiszenz ans dem 
Trin. (cf. 338. 358. 371)? 

Schoell selbst hat im Anhang eine große An- 
zahl eigener Konjekturen — zu weit über 100 
Stellen — mitgeteilt. Es ist ohne weiteres anzu- 
erkennen, daß er mit gewohntem Scharfsinn an 
einer Reihe von Stellen Fehler in der Überliefe- 



rung oder die Unzulänglichkeit der bisherigen Ver- 
bessernngsversuche aufgedeckt hat; doch darf 
andrerseits nicht verhehlt werden, daü von seinen 
eigenen Vorschlägen nur ein geringer Teil in ernst- 
liche Erwägung gezogen werden darf. Er hat sich 
auch hier wieder auf seine in der That seltene 
Divinationsgabe zu sehr verlassen und vielfach 
nicht dem metrischen und sprachlichen Gebrauche 
des Dichters gebührend Rechnung getragen, in 
dessen steter Berücksichtigung man gar nicht 
streng genug sein kann. Sicherlich hätte ihn 
größere Beachtung desselben eine ziemliche An- 
zahl seiner Vermutungen unterdrücken lassen. So 
mag V. 1 14 korrupt sein; wenn aber S. vorschlägt: 
Et rdm suam omnem ^t illum sünm c. f., so ist 
es doch mindestens fraglich, ob dem Plautus ein 
so überladener Vers zugemutet werden darf. — 
V. 579 ist nach Plautinischer AVeise tadellos ge- 
baut: Sed, Stäsime, abi hüc ad m6am sorörem 
Cdlliclem; freilich ist bei der Botheschen Umstellung 
das sed fast unverständlich. S. glaubt dem Übel- 
stande durch die Vermutung Sequör. Stasime äbi 
huc ad möam s. C. abzuhelfen; aber abgesehen 
von der äußeren Uuwahrscheinlichkeit spricht auch 
der Mißklang dieses Verses gegen die Richtigkeit 
der Vermutung, insbesondere glaube ich nicht un- 
begi'ündeten Anstoß an dem Bau des procelens- 
maticus im zweiten Fuße zu nehmen. Mag man 
über die ursprüngliche Gestalt der ganzen Stelle 
denken, wie man will, jedenfalls ist das sed in der 
überlieferten Versfolge ganz unanstößig, nur muß 
man in V. 576 annehmen, daß auf den an Philto 
und Lysiteles gerichteten Glückwunsch des Stasi- 
mus beide mit ita volo antworten und dann, Ly- 
siteles gleich mit Sed fortfährt. Die Stelle ist 
dann genau so wie Rud. 103 f., wo ebenfalls an- 
zunehmen ist, daß auf Plesidippus' Gruß die beiden 
Angeredeten mit salvos sis antworten und dann 
Scepamio mit sed anknüpfend weiterspricht — Wenn 
S. den in der That ganz singulär gebauten Vers 
806 Ita fäciam. At enim nimis longo s. u. durch 
die Vermutung at ^nim sermone n. 1. u. zu bessern 
glaubt, so ist dagegen einzuwenden, daß bei Plautus 
nur die Betonung ^tenim oder atenim nach- 
weisbar ist. — V. 15 schreibt S., um einen Hiat zu 
beseitigen, aetatulam exigat; aber wo aetatula bei 
Plautus sicher bezeugt ist, heißt es stets .Jugend', 
eine Bedeutung, die hier nicht paßt. — 294 schlägt 
er vor neve imbnas is genium (f. Ingenium), eine 
gewiß leichte Änderung; nur stimmt der Gebrauch 
von genius, wie mir scheint, mit den übrigen 
Plautinischen Stellen nicht recht überein, wie 
jedenfalls nicht das 509 vermutete snppetüs. — 



il 



[No. 2.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [10. Januar 1885.] 42 



Fustis bedeutet einen Prügel, den gelegentlich wohl 
ein Sklave (Asiu. 427) auch als Stütze gebrauchen 
kann, aber nicht ein Mann vom Stande des Char- 
mides; aus diesem Grunde erscheint es mir nicht 
passend, wenn S. denselben 887 sagen läßt: Opust 
fusti et viatico ad tuom nomen, ganz abgesehen, 
daß vielleicht Charmides schon einen scipio trägt. 
— Von V. 394 ist die Passung der Pal. untadel- 
haft; wenn S. in dem Schreibfehler consolaturu 
oder consolaturu — denn daß dies nur ein Schreib- 
fehler ist, zeigt A. — etwas besonderes vermutet 
und schreibt: Sed hoc consolatur unhm me, so 
übersieht er, daß hoc unum und mmm hoc von 
Piautas nur höchst selten und aus metrischen 
Rücksichten getrennt werden, wie Pers. 32 Sed 
hoc me ünum excruciat (Ritschi streicht hier sogar 
me) und Aul. 127 Sed hoc, frater, unum, wo der 
Dichter mit dieser Abweichung ofienbar den un- 
reinen Bacchius vermeiden wollte; Cure. 675 ist 
anerkanntermaßen verderbt und Stich. 427 die 
Lesart des Ambr. mindestens zweifelhaft. — V. 502 
Quin fabulare .res bene vortaf: so S.; es heißt 
aber sonst entweder di bene vortant oder quae res 
bene vortat. — Läßt sich die V. 633 vermutete 
Konstruktion facis te mihi benefacere bei Plautus 
irgendwie belegen? — Tot, totidem, quot werden 
von Plautus nur adjektivisch gebraucht; die von S. 
V. 880 versuchte Heilung Tot simul rogitas ist 
also unstatthaft. — V. 947 ergänzt 8. : nam pudi- 
cum neminem [Pol perhib]ere oportet; sicherlich 
falsch, da pol nach nam stehen muß. — Auch das 
V. 1185 vor immo huic parumst eingeschaltete 
ain? scheint mir gegenüber dem sonstigen Gebrauche 
höchst zweifelhaft, abgesehen davon, daß die Not- 
wendigkeit, den Hiat im Personenwechsel zu ent- 
fernen, sehr fraglich ist. 

Aus derartigen Gründen lassen sich noch eine 
ganze Beihe von Vermutungen Schoells anfechten; 
gegen andere wären nicht minder gerechtfertigt« 
Bedenken geltend zu machen , doch würde ein 
Eingehen zu weit führen. Ich möchte mir nur 
noch einige den Text betreffende Bemerkun- 
gen erlauben. Die von Ritschi mit der Bemer- 
kung non profecto plausibilius beiseite gescho- 
bene Lesart des A Neque quicquam hie nunc 
est vile erscheint mir mindestens erwägenswert, da 
sie zu der unverkennbaren Vorliebe des Dichters, 
bic nunc zusammenzustellen, stimmt. — 166 schreibt 
Hitschl mit Koch dum ego sum f. dum sum ego; 
allerdings ist ego sum nicht, wie er geglaubt zu 
haben scheint, die ausschließlich von Plautus ge- 
g^lanbte Wortfolge, dennoch halte ich Kochs Ver- 
mutung für h&chst wahrscheinlich, da bei Plautus 



die Verbindung dum ego die Regel ist (Epid. 348 
ist eine durch den Zwang des Metrums ent- 
schuldigte Ausnahme) ; das in B fehlende sum war 
vielleicht im Archetypus, der Palatinen über- 
geschrieben und in der Abschrift, auf welche C D 
zurückzugehen, an falscher Stelle in den Text ge- 
gezogen. - Der Wechsel der Konstruktion in 
V. 207 erscheint um so bedenklicher, als die Über- 
lieferung klar und deutlich darauf hinweist, daß 
auch hier wie im vorhergehenden und folgenden 
Verse das Objekt zu sciunt als Relativsatz gefaßt 
war; ich suche daher den Fehler in dixerit und 
vermute: quod in aurem rex reginae delicat vgl. 
Mgl. 844. Daß in unserem Texte verschollene 
Formen und Wörter durch geläufige ersetzt worden 
sind, ist eine Thatsache, ob freilich in dem Maße, 
als manche Gelehrte annehmen, ist die Frage. 
Von Schoells Versuchen, durch Einsetzung archai- 
scher Formen Verderbnisse im Trinummus zu 
heilen, halte ich keinen für besonders probabel, 
am wenigsten das 386 vermutete päcas. — 515 
schreibt RitscU Tibi egön (A. Tibin egon) rationem 
reddam — mit falSther Stellung und Betonung 
von egon (Cure. 119 ist egön eine durch die Eigen- 
tümlichkeit des kretischen Metrums gerechtfertigte 
Ausnahme); ich sehe von allen metrischen Erörte- 
rungen ab und bemerke nur, daß der Sprach- 
gebrauch entweder Tibin ego, was wohl als Lesart 
der Rezension des A. zu betrachten ist, oder 
Tibi ego rationem reddam (so die Fall, hier und 
Aul. 45, an letzterer Stelle auch Nonius) verlangt. 
— Hat Ritschis Vermutung 1157 spenden tu (spon- 
dent CD) ergo wirklich solche Wahrscheinlich- 
keit, daß die späteren Herausgeber sie unbesehen 
aufgenommen haben? Püi* mich ist es weit wahr- 
scheinlicher, daß spondent ein ganz gewöhnlicher 
Schreibfehler ist (vgl. Trin. 50. Mgl. 219. 315. 
Truc. 680 u. a.), da B schlechthin spenden giebt 
und das Pron. sonst in dieser Formel bei Plautus 
nicht gesetzt wird mit Ausnahme von Capt. 898 
sponden tu istud, wo es jedoch durch istnd veran- 
laßt zu sein scheint (cf Aul. 256 sponden ergo. 
Poen. 1157 spondesne igitur. Cure. 674 Spondesne. 
Trin. 1162 sponden). 

Schoell beabsichtigt, uns in nächster Zeit mit 
einer Ausgabe der Captivi zu beschenken, welche 
zum erstenmal einen vollständigen kritischen Ap- 
parat bieten wird. Er wird uns damit zu um so 
größerem Danke verpflichten, wenn er den Text 
nur in den dringendsten Fällen ändert und den 
Apparat so übersichtlich wie nur möglich gestaltet, 
dagegen alle mehr oder minder unsicheren Kon- 
jekturen, fremde wie eigene, wie in dieser Aus- 



48 



[No. 2.] 



BERLINER PHILOLOGlSCflB WOCHENSCHRIFT. [10. Januar !885.] 4i 



gäbe des Trinnminns in einem Anhange zusammen- 
stellt. 

.0. Seyffert. 



Karl Otfried MttUers Geschiebte der 
griechischen Litteratar bis auf das Zeit- 
alter Alexanders. 4. Aufl. mit Anmerkungen 
und Zusätzen bearbeitet von Emil Heitz. 
Bd. 1 und Bd. II erste Hälfte. Stuttgart 1882, 
Alb. Heitz. XVI 636 S. u. VI 212 S. 12 Mk. 
Bd. II zweite Hälfte fortgeset^it von Emil 
Heitz. Stuttg. 1884, Alb. Heitz. VI, 462 S. 
6 Mk. 

Im Jahre 1882 erschien bereits die vierte Auflage 
der griechischen Litteraturgeschichte von Karl Otfr. 
Müller, ein Beweis für die große Beliebtheit dieses 
Werkes. Getreu seinem in der Vorrede zur diitten 
Aufl. ausgesprochenen Grundsätze hat der Herr Her- 
ausgeber auch diesmal den Text unverändert gelassen, 
dagegen in den Anmerkungen einzelne Berich- 
tigungen und Ergänzungen hinzugefügt, die dem 
Leser gewiß sehr willkommeiPsein werden. 

Ob jedoch dieses Verfahren, den Text gar- 
nicht zu ändern, das richtige ist, darüber läßt 
sich streiten. Ref. isi zwar entschieden gegen 
eine totale Umarbeitung des trefflichen Werkes; 
doch hält er es für durchaus angebracht, offenbare 
Irrtümer, wie z. B. B. I p. 281 §i*/0Tra(jiaTaxa 
statt arajiojTixa und p. 627 hinsichtlich des Tra- 
gikers Karkinos, aus dem Texte zu entfernen, da 
ja leider „die jugendlichen Leser", auf welche 
Otfr. Müller besonders gerechnet hat, nicht immer 
die Anmerkungen lesen. 

Sehr dankenswert ist es nun, daß Herr Prof. 
Heitz es unternommen hat, das leider unvollständig 
gebliebene Werk zunächst bis auf das Zeitalter 
Alexanders fortzusetzen, da diese Partien bisher 
nirgends in ansprechender Weise im Znsammen- 
hange Utterargeschichtlich dargestellt sind. Frei- 
lich ist es keine leichte Aufgabe, eine Fortsetzung 
zu liefern, welche der Litteraturgeschichte von 
Otfr. Müller ebenbürtig ist 

Nach dem Beispiele Müllers sich nicht allzu- 
sehr auf das Detail einlassend, behandelt der Herr 
Verf. in 15 Kapiteln den oben angegebenen Zeit- 
abschnitt. Die Überschriften der 15 Kapitel lauten: 

1. Sokrates und die neue athenische Erziehung, 

2. die Sokratiker, 3. Demokrit, 4. die medizinische 
Litteratur und die dem Hippokrates zugeschriebenen 
Schriften, 5. Xenophon, 6. Ktesias, Philistos, 
Äneas der Taktiker, 7. Piatons Leben und Lehr- 
thätigkeit, 8. die Platonischen Dialoge, 9. Piatons 



schriftstellerischerCharakter, 1 0. Aristoteles, 1 1 . die 
Aristotelischen Schriftwerke, 12. Demosthenes' 
Leben und Werke, 13. Demosthenes' oratorischer 
und schriftstellerischer Charakter, 14. die mit 
Demosthenes gleichzeitigen Kedner, 15. die rheto- 
rischen Geschichtschreiber und Antiquare. 

So sorgfältig nun auch der Herr Verf., dessen 
große Gelehrsamkeit sich überall in dem Werke 
zeigt, die neueren Forschungen zu Rate gezogen 
hat, ist es ihm doch nicht gelungen, eine der 
Müllerschen Litteraturgeschichte ebenbürtige Fort- 
setzung zu liefern, da zuweilen die rechte Klai'heit 
vermißt wird. 

Daß überdies noch manche Unrichtigkeiten in 
dem Buche vorhanden sind, ist bei dem großen 
Umfange des behandelten Stoffes nicht weiter 
wunderbar. 

So liest man z. B. p. 21 „Es wurde gegen 
ihn (sc. Sokrates) die Beschuldigung erhoben, 
Neuerungen im Staate in bezng auf die göttlichen 
Dinge einzuführen und zugleich ein Verführer der 
Jugend zu sein. Wie diese Anklage in bezug auf 
den ersteren Punkt näher begründet worden ist, 
darüber fehlt uns jede Angabe". Dem gegenüber 
möchte Ref. doch auf Xenoph. Memor. I 1 ver- 
weisen, da doch offenbar die Worte 6i£TeftpuXTjTo 
^dfp, u)c 9aiTj Sdixpot-njc x^ öaip-oviov eautto <n;|i.aiv£tv. 
o^sv Ö9; xal |i.aXiTra jjloi öoxoüjiv auiov attiijajftat 
xaivat 6ai|jLovia e^jfpipetv etc. eine Angabe über die 
Begründung des ersten Anklagepunktes enthalten. 
Ungenau heißt es p. 96, daß Xenophon der Ein- 
ladung des Proxenos, sich an dem Unternehmen 
des Kyros zu beteiligen, Folge geleistet haben 
solle, da Xenophon es ja in der Anabasis III 1, 4 
selbst erzählt. Ein AViderspruch findet sich p. 413 
und 419. P. 413 heißt es nämlich: „Nur dies er- 
klärt seinen (sc. des Hypereides) in der Harpa- 
lischen Angelegenheit offen hervortretenden Bruch 
mit Demosthenes, in dessen Folge llypereides 
die leitende politische Persönlichkeit in Athen 
wurde**, während man p. 419 liest: „Ob Hypereides 
seiner gegenüber Demosthenes eingenommenen 
Stellung es verdankte, fortan der Leiter der Ge- 
schicke Athens zu werden, ist nicht bekannt". 

Mißlicher als dieses gelegentliche Fehlgreifen 
ist der Umstand, daß der Herr Verf. nicht immer 
die nötige Sorgfalt auf den Ausdruck verwandt 
hat. Sehr beliebt sind z. B. bei ihm Wendungen 
wie „allzu deutlich, um daß** (p. 32), „so bedeu- 
tend, um daß nicht" (p. 44), „zu unsicher, um 
daß" (p. 55). Mit Vorliebe werden sodann pra- 
positionale Ausdrücke zwischen dem Substantivnm 
und dem dazu gehörigen Genetiv eingeschaltet. 



45 



[No 2.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [10. Januar 1885.] 46 



eine Aosdracksweise , an die sich Ref. trotz des 
häufigen Vorkommens in dinsem Bnche nicht hat 
gewöhnen können. So findet sich z. B. p. 159 
„die Geschichte des Ankaufs durch Piaton, und 
zwar zu einem erstaunlich hohen Preise, einer 
Schrift des Philolaos", p. 161 „die Vereinigung 
zu gemeinsamer Thätigkeit einer Anzahl gleichge- 
sinnter Männer", p, 351 „die Rede über Halonnesos, 
die ihren Titel der Erwähnung gleich im Beginn 
dieser kleinen Insel verdankt". 

Störend, für ein norddeutsches Ohr wenigstens, 
ist femer die häufige Anwendung von „gekonnt" 
für „können" resp. „konnte", z. B. p. 5 „wie 
derselbe auch in damaliger Zeit seine Verteidiger 
finden gekonnt". 

Dazu kommt, daß die Interpunktion Wel zu 
wünschen übrig läßt, ja zuweilen geradezu den 
Sinn beeinträchtigt. Wird schon hierdui'ch das 
Lesen des Werkes erschwert, so ist dies hin und 
wieder noch mehr der Fall durch den zuweilen 
recht schwerfälligen und wenig übereichtlichen 
Periodenbau. Als Beispiel möge der auf p. 56 be- 
findliche Satz dienen: „Damit soll ohne Zweifel die 
dichterische Färbung und die schwungvolle Sprache, 
die Demokrit eigentümlich war, hervorgehoben 
werden, wenn auch eine Beziehung auf seine Lehre, 
die z. B. durch die Annahme des Vorhandenseins 
unzähliger Welten, oder durch solche Erklärungen, 
wie sie sie von der Milchstraße gegeben, die sie aus 
dem Glänze einer unendlichen Menge nahe beiein- 
ander befindlicher Sterne entstehen ließ, während 
sie außerdem die Welt mit Dämonen, die unter 
Umständen, (!) dem menschlichen Auge sichtbar 
erscheinen, bevölkert hat, der Phantasie einen 
weiten Spielraum bot, nicht ausgeschlossen ist*". 

Die soeben gertigten Fehler fallen um so mehr 
auf, wenn man unmittelbar vorher das in so gefälli- 
ger Form geschriebene Werk MüUers gelesen hat. 
Doppelt nötig istv es daher für einen Fortsetzer 
der griechischen Litteraturgeschichte von Otfr. 
Müller, nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf 
die Form zu achten, zumal da es ja schon die 
Setzer so wie so nicht an kleineren Versehen fehlen 
lassen. 

Von den ziemlich zahlreichen Druckfehlem 
mögen hier folgende angeführt sein. P. 26 „ent- 
lehnenden Motiv" statt „entlehnten"; p. 162 „der 
Name der Akademie, unter welchen dieselbe be- 
rühmt geworden ist" statt „unter welchem", p. 359 
„durch welche die kurz nach der gegen Androtion 
sich richtende gehaltene Eede gegen Leptines ver- 
anlaßt wurde" statt „sich richtenden". Femer 
liest man auf einer ganzen Anzahl von Seiten 



(72, 74 etc.) „Fünftes Kapitel" statt „Viertes 
Kapitel^'. 

Da nun nach Angabe der Verlagsbuchhandlung 
der Herr Verf. die Absicht hat, in einem dritten 
Bande die Litteraturgeschichte der alexandrinischen 
Zeit zu behandeln, so wünscht Ref. unter anderem, 
daß Herr Prof. Heitz mehr, als es in dem vor- 
liegenden Teile der Fall gewesen, auf die Form 
acht«, damit auch diese den Leser befriedige. 
Pr. Friedland. P. Brennecke. 



Th. Bergk, Griechische Litteratur- 
geschichte. Dritter Band aus dem Nachlafs 
herausgegeben von Gustav Hinrichs« Berlin 
1884, Weidmann. IV, 620 S. 7 Mit. 

Der vorliegende Band enthält außer einem 
Nachtrag zum zweiten Bande S. IX— XI die Bear- 
beitung der Tragödie. Eine Einleitung in die Ge- 
schichte und das Wesen der dramatischen Poesie, 
sowohl der Tragödie als auch der Komödie, geht 
bis S. 174. Der Rest des Bandes mit der Über- 
schrift „die Tragödie* gliedert sich in drei Teile, 
denen abermals eine ausführliche Einleitung 
S. 175—252 vorangeht. Am Ende dieser Ein- 
leitung steht eine „Eekapitulation'' S. 248 f. Im 
ersten Teile werden die Anfänge der Tragödie 
behandelt (Ol. 61—01. 69), Thespis, Chörilus, 
Pratinas, Phrynichus, Polyphradmon, Aristias. 

Darauf folgt die Blütezeit von Ol. 70, 1 — Ol. 
93, 3, innerhalb welcher drei Abschnitte unter- 
schieden werden: Äschylus S. 277^356, Sophokles 
356—465, Euripides 465—601. Alsdann kommen 
die Tragiker „zweiten und dritten Kanges" an 
die Reihe bis S. 619. 

Die dritte Gruppe endlich umfaßt das Nach- 
leben der tragischen Poesie von Ol. 94—01. 120 
S. 619—620; hier begegnen uns Kamen wie Astyda- 
mas der ältere und jüngere, Sophokles und Euripi- 
des der jüngere u. a. m. 

Indem wir der sorgfältigen Arbeit des Heraus- 
gebers dieselbe Anerkennung aussprechen wie bei 
der Anzeige des zweiten Bandes (Berl. Phil. W. 
1884 No. 5) und unsrer Freude Ausdruck geben, 
daß Bergks Arbeit jetzt soweit vollständig vor- 
liegt, läßt sich das Bedauern nicht verschweigen, 
daß es nun doch wieder nur ein Torso ist, und 
daß es uns versagt ist, gerade von einem Gelehrten 
wie Bergk eine einheitliche und abgeschlossene 
Darstellung der griechischen Litteratnr zu besitzen. 
Denn zunächst fehlt in dem vorliegenden Bande 
die eingehende Behandlung der Orestie, die Be- 
sprechung von Sophokles' Elektra, von mehreren 



47 



[No. S.] 



BERUNfiR PÜILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [10. Januar 18b5.] 48 



Stücken des Euripides. Viel schwerer wiegt^ daß 
von der Geschichte der Prosa für den nächsten 
vierten Band, der auch die Komödie bringen wird, 
so wenig fertig vorliegt Über die Stammes- und 
Dialektverhältnisse erfahren wir so gut wie nichts. 
Doch ist die sprachliche Form der Tragödie in 
allgemeinen Zügen entworfen S. 101 f. 

Überall ist die Darstellung durch zwei Vor- 
züge ausgezeichnet Erstens giebt Bergk stets die 
Quellen an. Und dies ist für jeden Leser wertvoll, 
besonders aber für deiyenigen, welcher die un- 
zähligen Einzelheiten nachprüfen will — und dazu 
giebt gerade dieser dritte Band mehrfach Anlaß. 
Zweitens ist ersichtlich, daß Bergk über den 
antiquarischen Details den Geist des Ganzen nie 
vernachlässigt, sodaü der Leser — wenn er auch 
sonst von der griechischen Litteratur nichts wissen 
sollte — doch keine unlebendige Gelehrsamkeit, 
sondern eine lebensvolle Anschauung und Dar- 
stellung bei seinem Autor vorfindet. 

Daß sich Bergk aller litterarischen Hinweise 
auf die Arbeiten andrer G^elehrten enthält, wird 
man nicht angenelim empfinden. Vielleicht ist der 
Grund davon darin zu suchen, daß er selbst sein 
Werk nicht druckfertig machen konnte, was auch 
sonst an Kleinigkeiten wie Wiederholungen er- 
kenntlich ist; vielleicht ist es auch Absicht oder 
vielmehr Gewohnheit Bergks. Es ist anzu- 
erkennen, daß er meist nicht bloß die Thatsachen 
festzustellen bemüht ist, sondern auch den 
Gründen der Erscheinungen nachgeht. Zuweilen 
jedoch hätte man gern ausführlichere Vermutungen 
von ihm; denn es kann nicht die Aufgabe eines 
Schriftstellers sein, Hypothesen unbedingt zu ver- 
schmähen oder unausgesprochen zu lassen. 

Während er die unruhigere Haltung der Tra- 
gödie (S. 109) seit Ol. 89, 4 mit dem Charakter 
des öffentlichen Lebens in Verbindung bringt, giebt 
er für die Form der Tragödie (S. 106) einen zu 
allgemeinen Grund an. Er sagt nämlich nur dies: 
„das griechische Drama, wie es aus kflnstlerischem 
Triebe entsprungen ist, hält auch die Form der 
gebundenen Rede allezeit fesf. 

Von Einzelheiten sei folgendes erwähnt Er 
glaubt (S. 49), daß Frauen und Kinder — erstere 
nur mit wenigen Ausnahmen — im Theater keinen 
Zutritt fanden. 

Ein verjährtes Vorurteil bezeichne den Dreifuß 
als Preis des dramatischen Dichters; diese Aus- 
zeichnung sei vielmehr den Lyrikern zugekommen. 
Das einzige Beispiel einer freien Erfindung der 
tragischen Fabel giebt Agathon (8. 178); der 
Oedipus Coloneus sei nicht dahin zu rechnen, weil | 



er sich allenthalben an die Überlieferung der 
Sage anlehne. 

Bergk hebt hervor, daß der Chor in der älteren 
Tragödie keineswegs ohne Teilnahme an der Hand- 
lung gewesen sei; erst später sei er mehr oder 
weniger idealer Zuschauer geworden (S. 216). 

Trotz der Fortschritte der dekorativen Aus- 
stattung der Tragödie sei der Pomp desto mäßiger 
geworden (S. 44 und 250). 

Zum Beweis dafür, daß die Flötenmusik „etwas 
Aufregendes hat", beruft er sich auf den Schluß 
von Aristot Pol. VIU 7, 8 p. 1342 B. 2. 

Über den Namen der Tragödie handelt er 
S. 13 und 259. 

Berlin. K. Bruchmana. 



Camille Jallian, Les transformations 
politiques de Tltalie soiisles enipereurs 
romains, 43 av. J. C. — 330 ap. J. C. Thfese 
pour le doctorat es lettres. Paris 1883, 
Ernest Thorin. 216 S. 

Die Aufgabe, die sich der Verf. in dieser seinem 
Lehrer Fustel de Coulanges gewidmeten Disser- 
tation gestellt hat, ist, eine geschichtliche Dar- 
stellung der Einrichtungen zu geben, nach welchen 
Italien unter den Kaisern in Justiz, Militärverhält- 
nissen, Steuerwesen, öffentlichen Arbeiten, allge- 
meiner Regierung von oben her verwaltet wurde. 
Nach einer Auseinandersetzung des Verfahrens der 
wechselnden Regierungen in den Jahren 43- -30 
V. Chr. wird die Ordnung Augusts und seiner nächsten 
Nachfolger bis Domitian besprochen, darauf die 
Reformen des zweiten Jahrb., welche durch die Ein- 
richtung der Städtekuratoren und der kaiserlichen 
Bezirksrichter bezeichnet sind, schließlich die 
Gleichstellung Italiens mit den Provinzen, welch 
letzterer Prozeß von 211 an verfolgt wird. Das 
Quellenmaterial aus Schriftstelleru und Inschriften 
ist dem Verf. geläufig, er benutzt überall ein- 
gehend die einschlägige deutsche und italienische 
Litteratur und vereteht auch klar zusammenzu- 
fassen (vgl. z. B. S. 145). Zum größten Teil 
handelt es sich hier um Zusammenfassung und ge- 
schichtliche Verwertung mehrfach besprochener 
Verhältnisse; doch fehlt es nicht an kontroversen 
Punkten oder Gelegenheit zu neuer Untersuchung, 
ja es gäbe deren noch mehr, als der Verf. anfge* 
griffen hat. Von Einzelheiten und allgemeinen 
Gesichtspunkten hebe ich folgendes hervor: S. 11 
geht der Verf. zu weit, wenn er wegen der divi- 
sores Italiae bei Cic. Phil. XI 13 den Zeitgenossen 
die Furcht unterlegt, Antonius wolle zu gunsten 



49 



[No. 2.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [10. Januar 1885.] 60 



seiner Anhänger Italien in Provinzen zerlegen; 
jener Ausdruck ist durch lege ea, quam senatus 
per vim latam iudicavit, genügend bestimmt. In 
den Auseinandersetzungen über die Dienstpflicht 
der Italiker S. 86 ff. müßte der Verf. jetzt Stellung . 
nehmen zu der seither erschienenen Darstellung 
Mommsens im Hermes XIX S. 18 ff. S. 64; 
sonst wird das rechtliche Fortbestehen des Tribntums 
für Italien auch für die Kaiserzeit in Anspruch 
genommen. Es ist nun allerdings nicht nachzu- 
weisen, daß das alte Tributum je gesetzlich auf- 
gehoben wurde; allein da die Einiichtungen, mit 
denen es zusammenhing, gefallen waren, fehlten 
die Grundlagen, und so hatte außerordentliche 
Heranziehung der Italiker zur direkten Steuer 
jetzt doch einen anderen Charakter als den 
einer Geltendmachung des alten Rechts. Wenn 
S. 71 der Verf. in Begründung des ins Italicum 
den Satz voranstellt: le sol Italien avait 4t6 autre- 
fois conquis par les arm6es romaines, il avait ^te 
sol provincial, so ist dies zum mindesten ungeschickt 
ausgedrückt. Es mußte übrigens zur Begründung 
des Rechts für Bürgerkolonien in den Provinzen 
zurückgegangen werden auf die Gracchische Kolonie 
Karthago (vgl. C. I. L. I p. 97). Eine aus- 
führlichere Untersuchung wird S. 149 ff. der Ein- 
führungsgeschichte der correctores gewidmet Der 
Verf. vertritt, wie ich glaube mit Recht, die An 
sieht, daß mit Vopiscus, Victor und Entrop Tetricus 
als corrector Lucaniae anzunehmen sei, nicht mit 
Trebellius als corrector totins Italiae. Füi* die 
geschichtliche Zurechtlegung der Sache, glaube ich, 
läßt sich auch ein Argument aus dem Titel ge- 
winnen. In dem frühesten Zeugnis lautet derselbe 
corrector Italiae, in späteren totius Italiae; daiin 
kann liegen, daß die außerordentliche Anwendung 
dieses Amts zuerst für ganz Italien, dann noch 
für einzelne Teile vorkam und nun, wenn nach 
der letzteren Anwendung wieder die ganze Halb- 
insel unter einen corrector gestellt wurde, der 
Gegensatz zu der vorherigen Teilanwendung durch 
totius Italiae bezeichnet wurde. "Was der Verf 
S. 211 über die Latifnndienwirtschaft in Italien 
sagt, dürfte jetzt mit Rücksicht auf Mommsens 
Verwertung der Alimentartafeln im Hermes XIX 
8. 393 ff. modifiziert werden, 

Seinen Ausgangspunkt hat der Verf. von der 
Frage über den Wendepunkt von Republik zu 
Kaiserzeit genommen. Vielleicht wäre es richtiger 
gewesen, diejenigen gesetzgeberischen Akte zu 
gründe zu legen, auf welchen vom Ausgang des 
Bundesgenossenkrieges an die Einheit Italiens und 
da» italische Munizipalwescn beruhte; insbesondere 



hätten dann die bezüglichen Gesetze der cäsarischen 
Zeit analysiert werden müssen. Aber der Verf. 
hat den Blick ganz auf die Funktionen der Central - 
regierung gerichtet. Darauf den Gegenstand zu 
beschränken, ist gewiß erlaubt; aber für die Beur- 
teilung darf die Kehrseite, die Funktion der muni- 
zipalen Organe und der Zustand der einzelnen 
Gemeinden Italiens nicht außer acht gelassen 
werden. Wenn man dem mit Hülfe der Inschriften 
im einzelnen nachgeht, wird man für die Beur- 
teilung des Instituts der Städtekuratoren, in denen 
der Verf. keine Beeinträchtigung der G^emeinde« 
autonomie sehen will, die allein richtige Grund- 
lage gewinnen. Der große Gegensatz der Autonomie 
und der Centralisation aber darf hier nicht an den 
modernen Verhältnissen geraessen werden. Die 
treibenden Motive für die eine oder andere Richtung 
lagen nicht in allgemein politischer Erwägung dieser 
Frage, sondern neben den geschichtlichen Voraus- 
setzungen in der Rücksicht auf die Erhaltung der 
Leistungsfähigkeit; man ging in der Beschränkung 
der Autonomie so weit, als das finanzielle 
Interesse erforderte, während, wie übrigens auch 
der Verf. betont, die Reformen im Gerichtswesen 
d. h die Einschiebnng kaiserlicher Beamten ihren 
Grund in dem Ungenügenden der rechtsprechenden 
hauptstädtischen Magistratur hatte, auf welche 
Italien vorher angewiesen war. — Nach dem An- 
geführten möchte ich sagen, daß der Verf. die 
Verwaltung Italiens in der Kaiserzeit zwar nur 
von der einen Seite ins Auge gefaßt, für diese 
aber ein dankenswertes geschichtliches Bild ge- 
geben hat. 

Tübingen. E. Herzog. 



B. W. Leist, Gräco-italische Rechts- 
geschichte. Jena 1884, Gustav Fischer. 
XVUr, 767 S. gr. 8. 16 M. 

Der Verfasser bietet nach S. 1 einen doppelten 
Darstellungsstoff: einesteils ein gräco -italisches 
^ Stammrecht "* » der Zeit angehörig, wo die helle- 
nischen und italischen Völker noch zu ungetrennter 
Einheit räumlich verbunden gewesen seien, und 
andemteils das „stammverwandte Recht", als das- 
jenige, welches „einer Zeit entsprossen sein muß, 
wo beide Völker schon ihre getrennten Wohnsitze 
hatten, das aber doch eine gewisse nationale Gleich- 
artigkeit deshalb in sich trägt, weil die beiden 
stammverwandten Völker unter ähnlichen lokalen 
und klimatischen Verhältnissen bei der Gestaltung 
ihrer Einrichtungen in derselben Richtung vorwärts 
getrieben wurden". Somit ist es ein Stoff von 
ganz disparater Natur, den die Darstellung zu- 



51 



[No. 2.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [10. Januar 1885.] 52 



sammenfaßt: das Stammrecht nach der Vorans- 
setzung des Verfassers eine historisch begrenzte 
Masse, der als Rechtsindividnalität geschichtliche 
Existenz und Geltang im Kreise einer einigen 
Volksgruppe einst zukam und welche um deswillen 
von Interesse für alle historischen Disziplinen 
der klassischen Altertumswissenschaft sein würde; 
und das stammverwandte Eecht, eine von dem 
Verfasser selbst geschaffene Stoffgruppe, welche 
der komparativen Jurisprudenz allein ein Interesse 
bieten könnte. Diese verschiedenen wissenschaft- 
lichen Interessen erfordern daher eine deutliche 
und bestimmte Sonderang jenes zwiefachen Materials 
Allein der Verfasser unterlaßt solche: Stammrecht 
und stammverwandtes Eecht mischen sich ange- 
sondert. Sonach bringt der Verfasser etwas als 
einiges Ganzes zur Darstellung, was niemals als 
einiges Recht existieite und galt: es geht insofern 
dem Darstellungsstoffe die historische Wirklich 
keit ab. 

Sodann gebricht es einerseits dem Stammrechte, 
gestütztauf eine gi"äco-italische Geschichtsperiode, 
in Wahrheit an solcher Stütze: denn eine kritische 
Prüfung und Abwägung der solcher Annahme einer- 
seits zu gründe gelegten and andrerseits wider- 
streitenden Thatsachen hat den einst entworfenen 
Stammbaum der indogermanischen Völkerstänime 
als unhaltbar erkannt und durch Aufstellung einiger 
weniger Verwandtschaftsgruppen ersetzt, innerhalb 
deren das hellenische and italische Volkstum nicht 
in dem Verhältnisse eingeordnet sind, daß beide 
aus der Zweiteilung einer gesonderten ethnischen 
Einheit als neue Grappen hervorgegangen seien; 
daher hat zur Zeit jeder Gelehrte mindestens das 
als maßgebend anzuerkennen, was Delbrück, Ein- 
leitung in das Sprachstudium« S. 139 inbetreff der 
angenommenen gräco-italischen Einheit bemerkt: 
„mau kann nicht mit Sicherheit behaupten, daß 
sie nicht vorhanden gewesen sei, aber auch ebenso- 
wenig, daß sie nachweisbar isf*. Und andrerseits 
das stammverwandte Recht betreffend, so sind weder 
die lokalen und klimatischen Verhältnisse der grie- 
chischen und apenninischen Halbinsel ähnlich, 
indem vielmehr jene die denkbar schroffsten Gegen- 
sätze, diese aber große Verschiedenheiten aufweisen 
(Nissen, Ital. Landeskunde I, 376 f), noch auch 
die treibenden Kräfte, welche der Fortbildung des 
Rechtes die zu verfolgende Bahn anwiesen. Viel- 
mehr sind diese Kräfte völlig andere: bei den Griechen 
die Berührnng mit der orientalischen Kultur- 
sphäre zu einer Zeit, wo die Italiker noch in ab- 
geschlossenem Stillleben verharrten, um weit später 
aus anderen Knlturkreisen die Anregungen zu Fort- 



schritt wie Wandelung zu empfangen. Und wenn 
dann der Verfasser zur Unterstützung seiner Auf- 
stellung S. 8 noch beifügt, daß die Italiker und 
Griechen „durch einen großen Komplex gemein- 
samer sakraler Organisationen mit einander ver- 
bunden sind**, so fehlt dem gegenüber der Nach- 
weis, daß Jovis und Zeus, Jovina und Hera, Mar- 
mar und Ares u. a. sprachveiwandt seien, oder daß 
die pontifices, augures u. a. Parallelbildungen im 
Hellenischen haben. Im übrigen aber würde die 
Voraussetzung einer gräco-italischen Bechtseinheit 
doch zum mindesten erfordern, daß die fundamen- 
talsten leitenden Begriffe einigen Stammes seien, 
wie ins und fas, mos, Gesetz, Gewohnheit, wie 
Vertrag, Unrecht und Klage u. dergl. Nach alle- 
dem aber ist der Darstellungsstoff des Verfassers 
historisch nicht wahr: er ist reines Phantom. 

Was endlich die Behandlung der Details be- 
trifft, so wird der maßgebende Stoff nicht rein zur 
Darstellung gebracht, sondern vielfach durch Ein- 
schaltung anzugehörigen Materials verwirrt : einer- 
seits durch Parallelen aus dem Semitischen, Ägyp- 
tischen und Etruskischen , und andi^erseits durch 
indogermanisches Material, welches ohne Wert 
für die Lösung der gestellten Aufgabe ist. So 
z. B. werden S. 189 ff. unter Mitteilung zweier 
Seiten überaetzter indischer Texte ,die Ushas und 
die A^vin (equi) als die Helfer im Herbeiführen 
des Glückes* eröi-tert und mit den griechischen 
Dioskuren und den italischen Penaten identifiziert. 
Sieht man nun davon ab, daß nach Duncker, 
Gesch. d. Alt. III*, 33 A^vin lediglich Prädikat 
der Ushas, der verkörperten Lichtstrahlen der 
Morgendämmerung, nicht aber davon geschiedene 
eigene Wesen sind, und wiedenim die Identität der 
Dioskuren und Penaten durchaus fraglich ist, so 
drängt sich doch die Frage auf, in welcher Beziehung 
denn solche Identifizierung mit dem Erweise eines 
gräco-italischen Stammrechtes stehe. 

Innerhalb des Zugehörigen aber überwiegt der 
griechische Stoff, während der römische nur einen 
bescheideneu Raum einnimmt. Hier wie dort aber ist 
das Gebotene nicht sowohl im Wege eigener QueUen- 
forschnng gewonnen, als vielmehr aus modernen 
Werken entlehnt, wobei man einerseits auf Sätze 
stößt, die, von anderen bereits entwickelt, von dem 
Verfasser als eigene, neue Entdeckung vorgetragen 
werden, während andrerseits die Benutzung der 
monographischen Litteratur selbst bescheidene Er- 
wartungen nicht erfüllt. Denn es dürfen doch die 
Arbeiten eines Caillemer oder bei kriminalrecht- 
lichen Untersuchungen Schriften wie Ferrini, Qaid 
conferantad iur. crim. historiam Homericorum He< 



53 



(No. 2.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [10. Janaar 1885.] 54 



deormnque poem. Studium, oder Herrlich, Verbrechen 
gegen das Leben, füi* das Griechische nicht über- 
sehen werden. 

Dann wird wieder die Einheitlichkeit der dar- 
gestellten Anschauungen und Sitten, Satzungen 
und Institutionen nicht auf dem Wege eines ge- 
setzmäßigen Beweisens gewonnen, vielmehr in 
regellosem Belieben einfach gesetzt, wobei wider- 
streitende Qnellenzengnisse nicht beachtet oder ge- 
fügig gemacht werden. So wird z. B. auf S. 188 
—205 die Aufstellnng gegeben: „von den alten 
Ariern werden fünf Begriffe, die den Sinn von 
Normen haben, verwendet: das rita, das vrata, 
das dharma, das dhäma (&sp.ic) und das svadhä 
(Jfiazy. Während nun das vrata nach S. 189 das 
Weltgesetz und das davon begrifflich unterschiedene 
rita nichts desto weniger ebenfalls das Weltgesetz, 
das Gesetz der siderischen wie tellurischen Welt 
ist, so ist das letztere zugleich „höchstwahrschein- 
lich mit dem lateinischen ratum (ratio) sprachlich 
identisch. Jedenfalls ist sicher, daß sachlich 
durchaus Gleichartigkeit besteht zwischen der 
soeben erörterten Bedeutung des altindischeu 
lita und dem Sinne des lateinischen ratum (ratio). 
Batum heißt nach unseren römischen Quellen das 
Feste, Sichere; ratio ist die feststehende reale 
Naturordnung** (S. 199). Allein bei etymologischen 
Untersuchungen operiert man doch nicht mit der 
Partizipialform ; dann die Bedeutung von ratio als 
„feststehende reale Naturordnung** ist ja ein ganz 
junger Begriff: der aus der giiechischen Philo- 
sophie entlehnte Logosbegriff; und endlich zwischen 
rita und ratio fehlt doch das griechische Bindeglied. 
Dann wieder erkennt das attische Intestaterbrecht, 
dessen Ordnungen bis in die vorsolonischen Zeiten 
zurückgehen, als erbberechtigt die Schwesterkinder 
an, während im altrömischen Rechte dieselben 
schlechterdings ausgeschlossen sind, Ordnungen, 
welche darauf beruhen, daß die juristische Ver- 
wandtschaft von den Griechen auf die Kognation, 
von den Römern auf die Agnation gestützt wurde. 
Während sonach hierin der stärkste Gegensatz ob- 
waltet, so mißt der Verfasser S. 18 ff. ohne irgend 
welchen Beweis dem altröniischen Rechte die 
Auffassung der Kognation als juristischer Verwandt- 
schaft bei und emendiert dementsprechend auf 
S. 349 die Lesung von Serv. in Verg. Ecl. IV 43. 

Uberdem aber wird das Detailmaterial nirgends 
zur institutionellen Einheit verarbeitet: die Stoff- 
roassen werden neben einander geschichtet als 
Parallelen, nicht aber zum einheitlichen Gebilde 
in einander gefügt. Daher sucht man vergebens 
nach einem abprerundeten , in seinen Qrundztigen 



deutlich gezeichneten Bilde auch nur eines einzigen 
Rechtsinstitutes: nichts als Details, nirgends der 
beherrschende Blick, der das einzelne ordnet, 
gliedert und harmonisch verbindet. 

Aus alledem aber ergiebt sich, daß die obige 
Schrift, als Versuch betrachtet, ein einheitliches 
gräco -italisches Stammrecht darzustellen, in Plan 
wie Ausführung verfehlt ist, daß aber auch die- 
selbe als Stoffsammlung die Wissenschaft nicht 
fördert, weil die gegebenen Details in Werken 
über griechisches und römisches Recht in richti- 
geren Verbindungen und Darstellungen sich dar- 
bieten, die Deduktionen und Abstraktionen des 
Verfassers aber nicht korrekt sind und seine grund- 
legenden Sätze der schlüssigen Beweisführung ent- 
behren. 

Leipzig. Moritz Voigt. 



P. Basedow, Schulsyntax der muster- 
gültigen lateinischen Prosa. Mit Ver- 
weisung auf die kleine und grofse lateinische 
Sprachlehre von Dr. Ferdinand Schultz be- 
arbeitet. Paderborn 1884, Schuningk. 144 
S. gr. 8. 2 M. 

Der Versuch , den von Quarta ab zu behan- 
delnden syntaktischen Lehrstoff dadurch zu klarerem 
Verständnis zu bringen, daß die sicheren Resultate 
der Sprachvergleichung soweit verwertet werden, 
als es die Passungskraft der Schüler zuläßt, ver- 
dient jedenfalls volle Beachtung. Es ist ferner 
nur zu billigen, dal^ B. den Stoff seiner Schul- 
syntax auf den Sprachgebrauch von Cicero und 
Cäsai' beschränkt wissen will. Die Arbeit selbst 
wurzelt in der kleinen und großen Sprachlehre von 
Ferd. Schultz, auf welche auch fortlaufend ver- 
wiesen wird. Nach Harres Vorgang sind die Pensen 
der einzelnen Klassen deutlich unterschieden; nur 
finden sich hier mancherlei erhebliche Abweichungen 
von dem gewöhnlichen Gange, und es hätte Weickers 
ausführliches Referat zur 7. pommerschen Direktoren- 
versammlung (Berlin 1879) mehr berücksichtigt 
werden sollen. Dem allgemeinen G^ebrauche dieser 
Schulsyntax steht aber ein wesentliches Bedenken 
entgegen: es fragt sich, ob wirklich dem Schüler 
statt einer Grammatik die Benutzung von zwei 
oder gar drei Büchern frommen wird. Ref, ist der 
Überzeugung, daß eine Grammatik während des 
ganzen Kursus ausschließlich zu benutzen ist, damit 
der Schüler auch wirklich in seiner Grammatik 
heimisch wird. Bei der Ausdehnung, welche des 
Verf. Syntax trotz aller Beschränkung gewonnen hat, 
war ein Register zum Nachschlagen unumgänglich 



55 



[No. 2.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [10. Januar 1885.] 56 



nötig; die bloße Inhaltsangabe kann nicht ge- 
nügen. 
Nenhaldenslebeu. Sorgenfrey. 

Anton Schwarz, Lateinisches Lese- 
buch mit sachlichen Erklärungen und gramma- 
tischen Verweisungen versehen. 4. verb. Aufl. 
Paderborn 1884, Schöningk. 172 S. gr. 8. 
1,35 M. 

Das fUr Quarta und wohl auch Tertia be- 
stimmte Lesebuch enthält in seinem 1. Teile dicta 
memorabilia zur Einübung der Terapns- und Modas- 
lehre, sodann im 2. eine Auswahl der vitae des 
Cornelius Nepos, eine Auswahl aus Ciceros philo- 
sophisch-rhetorischen Schriften und des Curtius 
Erzählung bis zum Tode des Dareus in ihrem 
Hauptgange. Die vitae des Nepos *sind gekürzt, die 
Lesestücke haben manche kleine Änderung erfahren, 
auch in dem Texte des Curtius sind einzelne 
Episoden übergangen. Die Bearbeitung ist ein- 
sichtig, die Anordnung geschickt, sodaß die 
rasche Folge der Auflagen wohl erklärlich erscheint 
Auf Einzelheiten einzugehen, verbietet der Raum; 
doch dürften u. E. die Anmerkungen in den fol- 
genden Auflagen eher zu beschränken als zu er- 
weitem sein. Der Druck ist klar und korrekt, 
die äußere Ausstattung des Buches sehr gefällig. 
Neuhaldensleben. Sorgen fr ey. 

J. Hanler, Aufgaben zur Einübung 
der lateinischen Syntax in einzelnen 
Sätzen und zusammenhängenden Stücken nach 
den Grammatiken von Karl Schmidt, Ellendt- 
Seyifert und Ferd. Schultz. 1. Teil. Kasus- 
lehre. 4. Aufl. Wien, Alfred Holder. 144 S. 
gr. 8. 68 Kr. 

Die Aufgaben Haulers bezwecken die Ein- 
übung der Kasuslehre nach den lateinischen Schul- 
grammatiken von Karl Schmidt, von Ellendt-Seyf- 
fert und der kleineren von Ferdinand Schultz. 
Die Beispiele — nach Angabe der Vorrede zum 
größeren Teile aus Nepos, Cäsar und Curtius, 
zum kleineren aus Livius und Cicero genommen 
— sind einfach und verständlich. In der An- 
ordnung richtet sich Hauler nach der Grammatik 
von Schmidt. Als Mangel erscheint die allzugroße 
Beschränkung der zusammenhängenden Stücke und 
der Umstand, daß in den vorhandenen nur ver- 
einzelt Anschluß an die Lektüre erstrebt wird. 
Über Gebohr ist u. E. das Wörterverzeichnis 
ausgedehnt: — zu 88 Seiten Text ein Wörterver- 
zeichnis von 54 Seiten — es kann dabei keines- 



wegs Vollständigkeit bezweckt, sondern bei einer 
neuen Auflage im Interesse der Schüler recht 
tüchtig gekürzt werden. 
Neuhaldensleben. Sorgen fr ey. 



Ang. Valliai Lateinische Aufsätze 
und Dispositionen für obere Gymnasial- 
klassen. (Commentationes latinae et 
dispositiones iuventuti litterarum stu- 
diosae propositae.) Kattowitz (ohne An^- 
gabe des Jahres), G. Siwinna. XIII, 236 S. 8. 

Yallias Buch hat eine ähnliche Einrichtung 
wie das bekannte von Galbula; vorangeschickt ist 
eine Einleitung, in der weitaus den größten Raum 
die Lehre von der Wortstellung einnimmt, welche 
auf grund der vorletzten Auflage von Hands Lehr- 
buch des lat. Stils abgehandelt ist; darauf folgen 
31 ausgeführte Aufsätze, einige in doppelter, einer 
in dreifacher Bearbeitung, den meisten sind zum 
Überfluß noch Dispositionen vorgesetzt; nach den 
Aufsätzen kommen 94 Dispositionen; den Schluß 
bilden 50 Themata. Zur Bichtschnur bei seinem 
•Werke hat sich Verf. die vortreftlichen Worte 
Genthes, Aufgaben für freie lat. Aufsätze, S. 5 fl*., 
genommen; er hat sich aber der in ihnen gestellten 
Aufgabe nicht gewachsen gezeigt. Zunächst, wenn 
er behauptet, daß die von ihm dargebotene Samm- 
lung von Aufsätzen und Dispositionen aus dem 
Kreise der jugendlichen Anschauungen und Kennt- 
nisse geschöpft sei, so ist dies nur im allgemeinen 
wahr; z. B. dürfte die Grenze überschritten sein 
in folgenden Aufsätzen: 2. Qnas ob causas apud 
Romanos tragoedia nunquam se extulerit ad Graecae 
tragoediae maiestatem; 5. Aa«itimabitur, quoad philo • 
sophiam, religionem et poesim, sextus Aeneidos 
liber; 19. Servus quidam Senecam Saturnalibus 
alloquitur. Femer möchte für den Schüler zu 
entlegen sein die Bearbeitung der Disposition 13: 
Cassiodorus, qnaestor regius, adTheodoricum, Italiae 
regem, de conquirendis, asservandis et propagandis 
vetemm libris; desgl. von 14: Oratio Mexicani 
cniusdam senis, qua Montezumam imperiique pro- 
ceres ab Hispanis in regnum accipiendis dehortatur: 
15. Exquirendum erit, cur eloquentiae Romanae 
discipuli post primas exercitationes adulescentiae 
Rhodum vulgo proflciscerentur (so!), quo meliores 
essent et doctiores. Hier und häuflg sonst läßt 
die Formulierung des Themas zu wünschen übrig. 
Zu umfangreich und von zweifelhafter Wahrheit 
ist das Aufsatzthema 12: Tcstantur historiae et 
litterarum monumenta poetas cum philosophis semper 
conspirasse ad mores informandos; zu allgemein 



57 



[No. 2] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [10. Januar 1885.] 58 



ist auch das Thema der Disposition 78: Quae 
hominis indnstria et sollertia inventa sint. Ge- 
sncht und nicht geschmackvoll ist Disp. 39: Ho- 
ratins Yergilinm post Georgica edita landibns 
prosequitur, seltsam die Aufgabe in Disp. 75: in 
einer ganzen Eede gebietet Marcellns seinen Sol- 
daten, den Archimedes zn schonen. Wenig Beifall 
dürften anch finden Disp. 43: Hymnus Atheniensinm 
post Salaminiacam pugnam, und 54: Tres bardi (!) 
Arminium carminibus celebrant. Was soll unter 
den freien Aufsätzen die letzte Nummer 31, die 
Übersetzung von Chidher? — Mehrere von den 
eben erwähnten Themen führen zu der Frage, in 
welchem Zahlenverhältnisse die Proben stehen, 
welche von den verschiedenen Stilgattungen ge- 
geben sind. Wenige nur werden einverstanden 
sein mit dem Grundsatze des Verf.: »Die bei der 
Sammlung angewandten Stilgattungen sind vor- 
herrschend Rede und Brief, daneben Abhandlung, 
Schilderung und Dialog". Diesem Verhältnis ent- 
spricht auch der Umfang der den Stilgattungen 
in der Einleitung gewidmeten Bemerkungen: von 
der Abhandlung und Schilderung wird im besonderen 
gar nicht gehandelt; Hede, Brief und Dialog werden 
8. 2— 6 besprochen, freilich in ganz unzulänglicher 
Weise. Indes der Schüler würde gern auf eine 
Einleitung überhaupt verzichten können, wenn 
nur die ihm gebotenen ausgeführten oder dispo- 
nierten Beispiele freier Arbeiten wirklich Mustei* 
wären, die es ihm möglich machten, alles Nötige, 
anch das in der Einleitung übergangene Wichtigere 
aus ihnen sich zu abstrahieren. Daran aber fehlt 
einstweilen noch viel. Schon das Latein läßt es 
unratsam erscheinen, einem Schüler das Buch in 
die Hand zu geben. Daß dieses Urteil nicht zu 
hart ist, beweist die Musterung auch nur des In- 
haltsverzeichnisses S. IX. Diese zeigt auch, was 
die folgenden Seiten bestätigen, daß der Druck 
nicht sorgfältig genug revidiert ist. 
Berlin. Wilhelm Nitsche. 



III. Auszüge aus Zeitschriften, Pro- 
grammen und Dissertationen. 

BhelnisoheB Moseam für Philologie. 1884. Bd. 
XXXIX. Heft 4. 

(V^XIII) VerxeichniB der Mitarbeiter von Bd. 
I— XXXIX und ihrer BeitrSge von Bd. XXX an. 
— (XIV- XVI) Inhaltsangabe von Bd. XXXIX. - 
(481— 490) Reinhard Keknl^, Ober die Anordnung 
d er Figuren im Ostgiebel des Zeastempels zu 
Olympia (bierxu Tafel III), stellt sich die Aufgabe, 
.eine AnfilteUang aufzufinden, welche sich sowohl 



der von Gurtios festgehaltenen Fundthatsache fagt, 
als auch dem Gesetze strengster Symmetrie in der 
Weise gerecht wird, wie dies Treu verlangt hat*'. — 
(491 — 510) Adolf Roemer, Zur Kritik der 
Rbetorikdes Aristoteles, bezweckt die von ihm in 
seiner .Ausgabe mitgeteilten Konjekturen zu recht- 
fertigen, die durch die neue Kollation der von 
Bekker A^ genannten berühmten Pariser Handschrift 
gewonnenen Lesarten zu begründen oder anderen, die 
ihm ungebührlich vernachlässigt zu sein scheinen, zu 
ihrem Kochte zu verhelfen«. — (511—520) W. Gilbert, 
Beiträge zur Textkritik des Martial, giebt zu 
seineu früheren Arbeiten „als das Resultat einer 
erneuten Textrevision eine Anzahl von Nachträgen^. 

- (521-557) OUo Hense, Die Reihenfolge 
der Eklogen in der V,ulgata des Stobäischen 
Florilegium' (Schluß), uoteroimmt, „die Prüfung 
der Vulgata und ihres Verhältnisses zu Bestand und 
Reihenfolge der bandschriftlichen Überlieferung". — 
553—560 Franz Bneeheler, Oskiscbe Helmauf- 
schrift, versucht die Erklärnog und Zeitbestim- 
mung einer oskischen Inschrift in griechischem 
Alphabet, welche auf einem seit kurzem im An- 
tikenkabinct zu Wien befindlichen Helme steht. 

— (56I-ÖG5) A. Kalkmann, Hesiods ^^•{ä'kaK 
'Hoicti bei Pausanias, sucht zn beweisen, „daß 
dci Titel ^«^aXat ^Uoiai auch für das ganze aus 
Katalog und E(ien zusammengesetzte Werk üblich 
war, eine Annahme, welche Pausanias in seinem 
Exkurs über die Hesiodischen Schriften sogar aus- 
drücküch bestäUgen hilft\ — (566-580) Th. Stangl, 
Zur Textkritik der Scholiasten Ciceronischer 
Reden (Schluß). Verf. giebt „den bisher noch fast 
ganz fehlenden kritischen Apparat zu den von A. Mai 
aus codex Ambrosianus C 29 inf. zuerst herausge- 
gebenen und von den Zürichern 1833 vol. V pars II 
p. 369,30-373,17 mit fast allen Fehlern nachge- 
druckten Randbemerkungen zu einigen Stellen von 
Ciceros vierter Rede gegen Catilina und den Reden für 
Marcellus, Ligarius nnd Deiotarus nebst einigen 
Emendationen". — (581—606) 0. Cmslos, Ein Lehr- 
gedicht des Plutarch. (Echtheit von Galens 
Protropticus — Versspnren — Galen und Plutarch — 
Plutarch und Phädrus.) — (607-619) Th. Bergk, 
Über die Ta^iiat und das Archontenjahr des 
Themistokles. — (620-640). Miszellen: (620— 
623) F. B., Goniectanea. I. Epidauria. Einige 
Emendationen zu der Publikation des Kabbadias 
ephcm. arch. Athen. HI 1883. II. Eine von Gomparet- 
ti. Museo Ital. di autichita class. I 2 p. 25 ver- 
öffentlichte Grabschrift von Amorgos wird wiederholt 
^emendatis nonnullis quae ille praeterilf". III. Pro- 
pert III. 18, 5 ist hie ubi mortales, doxter cum 
quaereret urbes nach der besten Handschrift zu 
lesen. IV. Beurteilung eines von Jac. Gortese in der 
Rivisto di filologia XII (1884) p. 396 veröffentUchten 
Fragmentes. — (624— 627) Adolf Baner, Die lonier 
in der Schlacht bei Salamis. — (637-629) 



59 



LNo. 2.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [10. Januar 1885.] 60 



O. Cmsins, Reinesius über Timokles den 
Teratologen. — (629) 0. Ribbeck, Dialogns de 
or. 32. — (630) L. Traube, Zu Apuleius. — 
(630—633) JnHiis Sommerbrodt, Eine Lucian- 
handschrift ic der Bibliothek zu Upsala. — 
(634) Karl Zangremelster, Zum Horaz-Kommeotar 
des Scaurns. — (635) K. Zangemeister, Zur 
römischen Topographie (vita Sept. Severi 19). 
— (636—638) Ders., Zu den römischen Itinera- 
rien. — (638-640) W. Deeclie, Etruskischcs. 



Phüologas XXXXIII, 3 Heft. 

L Abbandlungen, (p« 385—404) H. Haupt, 
Dio Chrysostomus als Historiker. Suidas hat 
die litterarische Thätigkeit des Dio Cassius nicht ge- 
hörig von der des Dio Chrysostomus geschieden. 
Da ersterer nicht einmal über den Namen der Geten 
genauen Bescheid weiß, sind die ihm zugeschriebeoen 
r^xixd als von Dio Chrys. verfaßt anzusehen. Ebenso 
die Ilspaixd, da Chrys. in seinen Reden hohes In- 
teresse an der orientalischen und persischen Ge- 
schichte und Bekanntschaft mit der griech. Litteratur 
über diesen Gegenstand zeigt. Auch die Biographie 
Trajans ist aus chronologischen Gründen wahrschein- 
lich von Chrys., dem nahen Freund des Kaisers, 
verfaßt. — (p. 404) H. Deiter, Statins Ach. I 391. 
fatuam. — (p. 405— 416) A. Vogel, St rabons Quell en 
für das XVIL Buch, sucht durch Zeigliederung der 
einzelnen Angaben Strabons zu erweisen, daß «abge- 
sehen von der Beschreibung Egyptcns, für welche ihm 
eine besonders reiche Fülle eigener Beobachtungen 
zu geböte stand, für Buch XVII sein Hauptgewährs- 
mann Artemidor von Ephcsos war, wogegen die anderen 
Autoren wie Posidonius nur mehr beiläufig zu Rate 
gezogen worden sind". — (p. 416) H. Deiter, Cic. 
Tusc. I 36, 88. Das von Sauppe in den Text ge- 
setzte ita ist zu tilgen. — (p. 417—4*28) K. Seeliger, 
Zur attischen Gesetz gebung über dielntes tat- 
er bfo Ige, verteidigt gegen H. Buerroann die 
Ansicht, daß in der Macartatea % bl die Einlage 
neben Fragmenten des echten Gesetzes zwei Sätze 
enthält, die mit unserer aus dem Redner gewonnenen 
Kenntnis des attischen Erbrechts in Widerspruch 
stehen. Nur die Verwandtschaftsklassen der ct^sX^oi, 
äBeX^ai und ctvc^toi sind als namentlich im Gesetz für 
erbschaftsberechtigt erklärt anzunehmen, unter deren 
-al^s; wir die gesamte Deszendenz derselben ver- 
stehen dürfen; innerhalb dieser bestimmt das Vor- 
zugsrecht: xpaxstv TO'j; a()p£va; . . . xctV ^iv«i dututipiu 
o)3iv. Selbst die Tragweite dieser Bestimmung blieb 
der Interpretation der Parteien und Richter überlassen. 
— (p. 428) C. Angermann. "A^i-pov, ajirsKo;, ajix-jg 
gehören zu der indogermanischen Wurzel ap erreichen, 
anhaften, und sind nasalierte Weiterbildungen der- 
selben..— (p. 429—443) O. F. Unger, Die vier Zeit- 
alter desFlorus, sucht nach Emendierung der 
^ahlenfehler bei Florus prooem. 5— 7, wo ursprünglich 



CCXX und CCXL stand, aus der von diesem be- 
nutzten, aber nicht verstindenen Qaelle, dem Hygious, 
nachzuweisen, daß Florus nach Hadrian und Antoninus 
Pius während des parthischen Kriegs oder gleich nach- 
her, ums Jahr 920/167, ceschrieben hat, wo Carrfi 
römisch war; nur dann paßt der Vergleich mit 
Fäsulä 11,8. — (p. 444-466) W. Weisabrodt, Zur 
lateinischen Epigraphik und Grammatik. 
L Bedeutung der I longa: dient 1. als Surrogat 
der Gemination, um zwei vokalische i, deren zweites 
naturlang war, auszudrücken: 2. zur Variation oder 
Spielerei; 3. nicht selten zpr Andeutung einer vulgären 
Aussprache wie j. II. Einfaches und doppeltes 
i in den Kasusendungen. 1. Die Anzahl der Fälle 
mit einfachem i überwiegt bei weitem bis ins 4. Jhd.; 

2. im Gesetze von Malaca steht je nach der Ver- 
bindung des Gcnetivs bald municipi bald municipii, 

3. in den aMkanischen Inschriften meist flamoni, da- 
gegen municipi neben municipii gleich oft; 4. bei filius 
überwiegen die Formen mit einem i; 5. die Regel 
war, die Mehrheit der Namen auf ins durch zwei i aus- 
zudrucken; 6. die Münzen haben die Genitive nur 
mit einem L III. Das schließende m im Latein 
der Kaiserzeit und die Ausdrücke curam 
agere, cura agere, curagens. Eine nähere Be- 
stimmung über die Regel ist bei der Dn Vollständigkeit 
des Materials nicht möglich; jedenfalls ist auch in 
der epigraphischen Latinität curam agere das ältere. 
— (p. 466) A. £ufs]ier. Zu Vergils Äneis, bringt 
zwei Zeugnisse (Sen. suas. 2, 20 und contr. VII 1, 27) 
zur Geschichte der Frage hinsichtlich der unvoll- 
ständigen Vergilversc bei. — II. Jahresberichte, 
(p. 467—522) Heiberg, Griech. und röm. Mathe- 
matik (Forts.) Übersicht der erschienenen Litteratur 
im Anschluß an Cantor cap. X— XXVi. — (p. 522) 
H. SchUler, Cäs. b. G. VIII 20, 1 kann plus minus 
im Text stehen bleiben . III. Miszellen. A.ZurEr- 
klärung undKritik der Schriftsteller, (p. 523 — 
526) Wieseler, Drei Euripideische Fragmente 
und eine Stelle aus Äschylos Persern. Frgm. 
163 Nauck. cr/ojao; aicXoD, 172 oy-:' swo;apyü»v oüt' 
syp^v 6|ia'. iiovüiv und nojpfa S'sixa? iXsiv, 287, 13 
l'zv^ VLs^a B'aXY'JvsTfli «povo>v. Aesch. Pera. 1002 
Toi-sp otxpÖTTj; axpaTou. — (p. 526—527) L. Holzapfel, 
Zur Interpretation des Thukydides, weist 
gegen Herbst nach, daß das Psephisma des Kannonos 
bei dem Verfahren gegen die Mytilenäer maßgebend 
war. — (p. 528— 531J Unger, Wann schrieb 
Alexander Polyhistor? Die Geschichte der Cbal- 
däer ist erst nach der Eroberung von Alexandreia, 
39 V. Chr., geschrieben. — (p. 531-536) (ü. Sehömanii, 
Fvtu^twv, apoKo;, >.iizopu>a«)v. Das im Et. M. s. 
V. ^vtiijituv Oberlieferte geht zum Teil auf Ari&topb. 
Byz. zurück und sind unter ^voijiov:; die Milch- 
und Ersatzschneidezähne zu verstehen; erßo>.o; be> 
zeichnet das Fehlen vor Schichtung der Milchzangen 
bis zum 30. Monat, Xe''oi[viu|iovs; heißen die Tiere 
nach dem 10. Lebensjahr, nach welchem an den 



61 



[No. 2.] 



BERLINER PUILOLOGISCHE WOCBENSCHRIFT. [10. Januar 1885.] 62 



Zähnen das Alter nicht mehr erkannt wird. — 
(p. 536—545) A. Kannenglefser, Zn Lukrez. II 22 
scr. possit; 1052—66 und 1070—1076 sollen ihre 
Plätze wechseln; 1170—1173 sind spätere Rezensionen 
für 1166—1167. III 159 vis nach Nonios herzustellen. 
III 415 alioqui <^^6t> splendid us. II 194 vielleicht 
cum st missus. III 432 quod genus est, somno sopiti. 
iV 270 quod genus üla, foris quae verc, transpiciantur. 
V 310 nam quae fecundas. VI 126 quo magis aestus 
confertos e t acervatim. — (p. 545 —546) J. Weber, C i c. 
de domo, tilgt -38, 101 die Worte von Et quid aliud 
— comprobata est. — (p. 546 - 547) H. Haupt, 
Zu Jordancs und Dictys Cretensis. Gassiodor 
hat nicht aus dem griechischen Original, sondern aus 
dem lateinischen Text des Dictys geschöpft. 



BIfttter für das Bayer, tiymnasialsohalwesen. 
XX. Band. 6. u. 7. Heft. 1884. 

(8. 261-270) A. Eafsner, Adversarien VIII-X, 
verteidigt in No. VIII Cic. Sest. 10, 24 ictum, 
Gat I 5,12 comitum, de orat III 11,43 tantum 
(schlägt aber hier selbst für quibus vacant cives vor 
q. carent) gegen Binsfelds Verbesserungs vorschlaget 
In No. IX werden eine Reihe Vei besser ongen zu 
Gäsars b. 6. mitgeteilt — (270—276) A. Bnumer, 
Einige Gedanken über die Erteilung der Gen- 
surnot cn, spricht sich gegen die Anwendung von 
Zwischcnnot^'n und für größero Berücksichtigung der 
mündlichen Leistungen neben den schriftlichen aus. — 
(277—282) S. B$ckl, Studien zu byzantinischen 
Geschichtsschreibern, bietet Verbesserungsvor- 
schläge zu Joannes Skylitzes und Michael Attaliata. — 
(282—284) W. Kalb^ Zur Laokoongruppe, erklärt 
die bekannte Pliniusstelle (36, 37) ex uno lapide ... de 
consilii sententia fecere für verderbt und nimmt an, 
daß ursprünglich geschrieben waroI== Olympiade GL; 
dies las ein Sigelkundiger D. G S., die bekannte 
Abkürzung für de consilii sententia. — (284—285) 
Übers, von Hör. Od. I 2 von Jos. Angaberger. 
— (285—297) J. Schiller, Giceros Verhältnis 
zur altröm. Komödie. — (297—303) Uomers 
Ilias. Für den Schulgebrauch erklärt von J La 
Roche. T. I. Ges. I-IV. 3. Aufl., warm empfohlen 
von M. Seibel unter Besprechung einer größeren 
Anzahl einzelner Stellen. — (303—305) Giceros 
ausgewählte Reden erklärt von K. Halm. 
VII. Bdchn: Die Reden f. L. Murena und f. P. Sulla. 
4. verb. Aufl. bes. von G. Laabmann. An der be- 
währten Einrichtung der Sammlung hat L. nicht ge- 
rüttelt, bei Änderung des Textes ist er zu vorsichtig 
gewesen. Es folgen einzelne Emendaüonsvorschläge 
(hr). — (306) Gaesaris commentarii de hello 
Gallico . . erklärt von R Menge. II. Bdchn. B. 
IV— VI. K. Mettger erklärt sich mit der Interpretation 
resp. Obersetzung meist einverstanden und empfiehlt 
die Ausgabe. — (306-318) Die Ä neide Vergils — 



bearb. von W. Gebhardi 3. T. 5-6 B. A. Deuer- 

ÜDg lobt Einrichtung und Textgestaltung, erkennt in 
den erklärenden Anmerkungen einen entschiedenen 
Fortschritt gegenüber den bisher benutzten Schul- 
ausgaben und unterzieht diejenigen Erklärungen eioer 
genauen Erörterung, die er für verfehlt hält. — 
(314-317) F. Schultz, Lat. Sprachlehre. 9. Ausg. 
bearb. von Oberdick, empfiehlt Scholl und giebt 
eine ganze Reihe von sachlichen Zusätzen. — (322— 
326) Kaemmel, Gesch. des deutschen Schul- 
wcs c n s etc ; Schluß der Besprechung von Stich. — (326) 
Mezger, Ausgewählte Schulreden. Empfohlen 
vonDenerling. — (327 f.) Kaufmann-Hartenstein, 
Über die wichtigsten Resultate der Sprach- 
wissenschaft. Den Versuch, die wichtigsten Re- 
sultate zusammenzustellen, bezeichnet Sarreiter als 
gelungen. — (328—332) Schumann, Lehrbuch 
der Pädagogik. IL Anz. von Wirth. 



Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien. 

35. Jahrgang 1884. 4. Heft. 

Zweite Abteilung. Literarische Anzeigen. 
1. J. A. WafshietI, De similitudinibus imagini- 
busque Ovidianis. Nach A. Siess von großem 
Werte für das Verständnis und die Interpretation 
Ovids. S. 241—244. — 2. C. Sallnatiog rec. 
A. Scheindler. Kurze Anzeige voix Stowasser. S. 241 f. 
— 3. J. N. Madvig, Die Verfassung und Verwal- 
tung des r5m. Staates. l^Mih Kuhitschek fehlt dem 
Buche das Bemühen, den augenblicklichen Stand der 
Wissenschaft wahr und getreu abzuspiegeln oder die An- 
schauungen des Verf. über die betreffenden Fragen 
mit steter Rücksicht auf alle, auch die jüngsten For- 
schungen wiederzugeben. S. 244—267. — 4. Archiv 
für lat Lexikographie u. Grammatik herausgeg. 
V. Wdlfflin. Empfehlendes Referat von Huemer S. 
267-270. — 5. Vergleichende Grammatik der 
griech. u. latein. Sprache v. Leo Meyer. 1. Bd. 
Nach Gust. Meyer repräsentiert das Buch keinen wissen- 
schaftlichen Fortschritt S. 270— 273. — 6. A Pranke!, 
Die Quellen der Alexanderhistoriker. 7. A. 
Jokke, Rettungen des Alkibi ades. 8. Dehner, Ha- 
drianireliquiae. A.Bauer besprichtdie ersten beiden 
Schriften ablohnend, die letzte lobend. S. 282—292. — 
Dritte Abteilung. Zur Didaktik und Pädago- 
g i k. Die neue Vorschrift über die Prüfung der Kandi- 
daten des Lehramtes an Gymnasien und Realschulen 
in Österreich. (Verordnungvom7.Februard. J.Z. 2117.) 
Die Redaktion bezeichnet die neue Vorschrift als eine 
wesentlich verbesserte. S. 298-307. — Vierte Abtei- 
lung. Miszellen. Delectus inscriptionumGrae- 
carum comp. P« Caner. — Das Jagdwesen der 
alten Griechen u. RGmer v. M. Miller. — 
WillemS) Le s^nat de la r^publique Romaine. 
Kurze Anzeigen von —d. — Transactions of 
the Cambridge Philological Society. London 



[Ho. 2.] 



BBRLINEK PUIL0L0G18CUB WOCUENSCBRIFT. (10. Jwraar 1885.] 6A 



1883. EoTtes Referat. S. S08-3II. — Galiiische 
(polnische) Programme bespr. v. ,/. Wroitt. 
S. 314-318. 

Wien. R. Bitschofaky. 



V. Kleine Mitteilungen. 

BettrKge snr tiescblcbte der Pbllolofie. Hl. 

AusHorizHauptBRedoDoLachmaDDo critico. 
(FortactzuDg aus No. 1.) 

Delnde cum lioguas, qnas didicerat (didicerot autem 
plurimas), per tcmpora sua suasque Ticisaitudioes 
persecutus esset et ad siogularem qua valebat ob- 
sciTandi solIcTtiani rem addtret io critica arte 
valde DcccsEariam , eensam*) acutum ot certum, 
quo discrimioa et aetatum ot siDgulorum »cripto- 
rum percipiebat (ocque euim regalis omnia com- 
preheadi posaant aut siugula quam plarima dili- 
gCDtcr observasse satis est), sed cum linguanim 
penn Uta tioues accaratissimo perecrutatas esset et 
obaervaadi induatriae aenaas adiuugeret subtilitatem, 
quoquo criticain artem converteret, noD geoerali qua- 
dam sermonis coguitiooe ae contiDut, sed siogalorum 
scriptorom proprictatem felicissime ndsecutus est. 
ita cum MicolauB HeiusiDs, bonio valde ingeuosuB, 
poetaruiD Latioorum carmiDa adsidno studio lecti- 
tassct, iater poetas autem masime Ovidii senuoiieiii 
perdidicissct, Ovidiauum diceadi genas dod uumquara 
in aliorum poetarum cannlua con lecte intulit, ubi 
ad pedestris orationig acriptorcs se convertebat, 
poctica loquendi ratiaue, qua adaaefactua erat, sae- 
pieaime abusus (et. Aut ut atio ezemplo ular, loauuem 
Äugustom Eroestium Bcimua Ciceionis orationem 
probe cognitam babniase et in emendatidis eins libris 
operam posaisEe miuime epernendam, aed com ad 
Tacitum accessisset, ipsa illa Tullianae oratiopis pe- 
ritia atqoc admiratio et quaedam adeo aliua dicendi 
CODsuetudiais coDtemptio fecit, ut in eiplicandis et 
emendandis Taciti tcripUs a veritate baud raro ab- 
erraret 

LachmaDDUS qnemcamqne Itbrum emendaa- 
dum sibisumpsit,qaacumqueaelateautlingaa8criptum, 
proprietatem eins adsidua observatioDe aensnquo aub- 
tiÜBsimo adsecutuB est et in scriptoria quasi familia- 
ritatem aese infiinuavit Nescio autem an buius sollcr* 
tiae Quila dederit lucnlentiora eiempla quam emen- 
datia a ae canoiDibos Lacretü et Wolframi 
Eacbenbachensia. Noa dico boc, qnaoi io aliorum 
poetamm ant acriptonun libris arte aUa aut sueccssu 
minore veraattu Bit, sed Lucretii cannea et tem- 
ponun iuinria et bominnm doctorom indoctorumque 



Wocbeoscbiift 1684, No. 10, Sp. 1370, Nute. 



pervereitate ita dopravatiun erat, ut aummo iogeoio 
opus esset ad cogooscendam poetae proprietatem, 
quam tot librariornm errorea, tot grammaticonim 
commenta obacaraverauL Wolframi cannina singnla 
ei singulie codicibus edita eraot, nuum ei bono 
quidem codice sed tarnen noa accuratissime scripta 
et ut eiToriboa et Incultu ars poetae obtecta eeaet, 
cetera e libris minime boois: Lachmannua aotem, 
poslquam meliorum librornm Gdem eiploraverat, to- 
tarn poetae coDsaeludincm, miram illam sacpe atqae 
iusolenteni, tot um eins ingeuium accuratissima et 
certisaima cognitione compicxua est et ioBlgaem par- 
tem, cuiuB antea nemo nisi obscuram quandam imagi- 
nem habere potucrat, et pemovit peuitua et fecit, ut 
alii DoaccTo et admirari posGent. Sed illa sollertia, 
qua in cognoaceodia tinguarum mutatiooibus scriptO' 
rumque indole et proprictatc usus ust, ilUquo modestia, 
qua diligeoter cavit ne sormooem aciiptorum 
meliorem redderet quam aut tempora eorum 
aut coosuetudo fcrrent, aed suum cuique 
tribueret, tantom afuit ut iaatam sempcr ei laudem 
attuleriot, ut aliquotieoa propter eaa adeo vituperatoa 
aif)- 

Cnm liogaarum autem cognitione accurata 
et iudici« libcrali temperata Lacbmaoous 
inaignem coniungebat metricac artia peri- 
tiam. Et Qraecoium quidem artem quam accurate 
perscrutatuB Bit, quattnor iuNibri, quos do cboricia 
sjatematis tragicorum Ecripsit, vEi jllorum iudicia 
docont, qui Bummam eorum quae in eis libria protutit 
non probant: quaniquam,' ut dicam, quoa*Maä.o, plo- 
riquc contempsisee potius et abiecisse illoe 'fibrös 
videntur q lam diligenter legisse atqae aesticpasse. 
Neque boc factum est sine aliqua ipsiuB Lach) 
culpa, qaippe qui et breviter nimis et paasim^ ob 
acute de difficilibaE rebus scripsit, qa 
diligeuti obscrTatione ioventa et scite excogitata 
lamen specie admodum sunt mirabilia et pacnc cai 
videntur ratione. Quarc optaodum est, ut tandi 
aliquis extstat, qui iu Lacbmanni illam doctrinj 
accurate et anbtiliter inquirat, errorea demonstri 
Yeritatem ratioDibos cootirmet: nam ioeeBO 
Ulis veriaeiroa mihi quidem persuaaam est 



t: 



*) Als Beispiele werden nun Lachmanua Auagabo ^ 
des Neueu Testamentes und des Babriua angeführt D" 
bei werden die Atticistae getadelt, welcbe »scriptoWf"-' 
Atticos arUasimia dicendi legibua et quasi Tincuricb 
adstringunt, nihil carautes hominum diversitajphKi. 
aermoniaqae non dicam Oraeci, sed humai ' 
tatcm, aed exempla dictionis nnmerantes i 
Gcriptor bis aliquo modo locutus est, etil 
tertium similia proferret, eadem plane toquendi rati<f . s. 
uti debnisae adseverantes, et ut eviocant, mutatioitpph. 
facientei improbabiles, cootemnentes bonorum librK , 
tum anctoritatem, ex malia adripientea quidquid plK^ 
cuerif. '*'■ 

(Scblufl folgt). 1» 



. quasi TincuficD 
im diversitajphKi. 
1 humani vat ■ 
rantes et siijl ' 
est, etiam ci*""*» 



[No. 2.J 



BERLINER PHIL0L061SGHE WOCHENSCHRIFT« 



[10. Januar 1885.] 



NisuB einen ganz bestimmten Vogel bedeutet, nicht 
von mir, sondern von Herrn S. übersehen worden. 

Die unter 1—3 von Herrn S. aoigeworfenen 
(übrigens nur Nebenpunkte betreffenden und den Nach- 
weis des Tiermärchens durchaus nicht erschütternden) 
Fragen beantworte ich als überzeugter Jünger der 
^ars nesdendi' lieber nicht, als daB ich sie wie Herr 8. 
in nicht genügender Weise zu lOsen versuche. Doch 
ist es nur von vornherein nicht unwahrscheinlich, 
daß im Mythus von Nisos uod Skylla, genau ebenso 
wie in dem von Prokne und Phiiomela, ein uraltes 
Tiermärchen mit auf bestimmte Personen der at- 
tischen Sagengeschichte (Nisos, Minos) übertragen 
worden ist» Die Ähnlichkeit des noch nicht sicher 
gedeuteten Mythus von Komaitho und Pterelaos ist 
vielleicht nur eine zufällige und scheinbare und wird 
daher wohl besser zunächst aus dem Spiele gelassen. 

Auf 4 erwidere ich, daB die Bedeutungslosigkeit 
der späten Version von der Verwandlung derNisos- 
tochter io das Meerungeheuer Skylla sich einfach 
aus der erst spät eingetretenen Kontamination der 
beiden Sagen von dem Vogel Ciris und dem Meer- 
ungeheuer, die nur den Namen Skylla gemein haben, 
ergiebt 

DaB ich durchaas kein Verächter, sondern viel- 
mehr ein eifriger Anhänger der vergleichenden My- 
thologie bin und mich insofern mit Herrn S. in er- 
freulicher Übereinstimmung befinde, glaube ich durch 
meine bisherigen Untersuchungen auf dem Felde 
der vergleichenden Mythologie, deren Methode ich 
nur anders als Herr S. handhabe, zur Genüge be- 
wiesen zu haben. 

Schließlich trage ich zu Punkt 7 auf S. 1^47 noch 
als treffende Citate Tzetzes z. Lykophr. 603 und Juba 
b. Plin. n. h. X 126 £ nach. 
Würzen. W. H. Röscher. 



Zusatz. 



In meiner Rezension der neuen Ovidausgabe Güth- 
lings (Ovidi carmina in ezilio composita) Jahrg. 1884, 
No. 49^ Sp. 1537 habe ich bemerkt, daß Trist. I 7,84 
phtriints exempUs Bcripta fuisse rwr als Parenthese auf- 
zufassen sei. Um Mißverständnisse zu vermeiden, er- 
kläre ich, daß A. v. Bamberg (Neue Jahrb. für Pbilol. 
und Pädag. 1876, p. 688) dies zuerst gesehen hat. 
Die richtige Interpunktion hat u. a. Sedimayer Ovidi 
carmina selecta p. 121. 
Stettin. Georg Knaack. 



Bibliographie. 

Aitchylfs, übers, v. J. G. Droysen. 4. umgearb. 

Aufl. (gr. 8. III, 476. S.) Berlin, Hertz. 

* 6 M; geb. 7 M. 20 

m Eücken, R., Aristoteles* Anschauung von Freundschaft 

4^ und von Lebensgütem. (8. 44 S.) Berlin, Habel. 

/ Herodoti historiae. Ad recensionem suam recognovit 
^^ H. Stein. 2 voll (gr. 8. IV, 866 u. 389 S.) 
ge^ Berlin, Weidmann. a 2 M. 70 

(Ir HesMi quae feruntur omnia, rec. A. Rzach. Accedit 
p c^amen quod didtnr Homeri et HesiodL (8. XVI, 
264 S.) Leipzig, Freytag. 3 M. 

' Horatias. ErUfiit v. A. Kießling. 1. TL: Oden 
u. Epoden. (gr. 8. XXVIII, 896 S.) Berlin, Weid- 
mann. 3 M« 



Lattmann, J., u. H. D. Malier, Lateinische Formenlehre 
u. Hauptregeln der Syntax in systematischer Ord- 
nung f. alle Klassen des Gymnasiums, (gr. 8. IV, 
264 S.) Göttinnen, Vandenhoeck. 2 M. 

Lexikon, ausfuhrhches, der griechischen u. römischen 
Mythologie, hrsg. v. W. H. Röscher. Mit zahl- 
reichen Abbildgn. 4. u. 5. Lief. (Lex -8. Sp. 545— 
896.) Leipzig, Teubner. a 2 M. 

Uncke, E. M., De elocutione IsaeL Diss. inaug. (8. 
61 S.) Leipzig, Pock. 1 M. 20 

LIvi ab urbe condita librL Ed. A. Zingerle. Pars III. 
Lib. XXI-XXV. (8. IV, 247 S) Leipzig 1885, 
Freytag. a l M. 20 

Luolaia Werke. Deutsch v. Th. Fischer. 3. Lief. 
2.Aufl.(S 97— 144.) Berlin, Langenscheidt. a35Pf. 

Luebbert, Ed., Commentatio de Pindari carminibus 
dramaticis tragicis eorumque cum epiniciis cogna- 
tione. (4. 23 S) Bonn, Cohen k Sohn. 1 M. 

Neumann, C, Geschichte Roms während des Verfalles 

der Republik. 2. Bd. Von Sullas Tode bis zum 

Ausgange der catilinar. Verschwörung. Aus seinem 

NaÄlasse hisg. v. G. Faltin. (er. 8, VII, 312 S.) 

Breslau, Koebner. 7 M. (1 u. 2: 19 M.) 

Meissner, K., Kurzgefaßte lateinische Synonymik, 
nebst einem Antibarbarus. Für den Schulgebrauch 
bearb. 2. verb. Aufl. (8. IV, 73 S.) Leipzig, Teub- 
ner. kart. 1 M. 

Ovidil carmina, edd. H. St Sedimayer, A.Zingerle, 

0. Güthling. Vol. IIL Fasti, Tristium libri, Ibis, 

tpistulae ex Pento, Halieutica, fragmenta. Schola- 

rum in usum ed. Otto GüthUng. (8. LXVI, 354 S.) 

Leipzig, Freytag. 2 M. (I— DI: 4 M. 25) 

Platonia apologia et Crito. Scholarum in usum ed. 
J. Kral. Accedunt Phaedonis c. LXIV— LXVIL 
(8. XVI, 57 S.) Leipzig 1885, Freytag. 40 Pf. 

LiterariseheB Centralblatt 1884, No. 52. 

fi. 1821: A« T. Cohauaen, Der römische Grenz- 
1. 'Bin abschließendes Werk'. (F. Ä). — p. 1833: 
PellegrinI, Raccolta archeologica Chiellini 
in Livorno. Hinter dem Titel verbirgt sich, wie 
das Referat mitteilt, ein interessanter Beitrag zur 
Geschichte archftologischer Fälschungen. Dem Museum 
in Livorno wurde eine ansehnliche Antikensanmilung 
geschenkt, welche zum größten Teil aus höchst son- 
derbaren, gar nicht zu erklärenden Geräten und eben- 
so unauflöslichen Inschriftsteinen besteht. Die wun- 
derlichen Dinge haben den Gelehrten viel zu raten 
gegeben, bis Schliemann die natürliche Erklärung 
gab, daß alle diese schönen Altertümer nichts anders 
seien als a barefaced forgery. — p. 1833: Theo- 
phili Institutionum paraphrasis, rec. Ferrini 
^Ist als Erfüllung eines lange gehegten Wunsches 
dankbar zu begrüßen\ — p. 1836: Leidenroth, In- 
dicis grammatici ad scholia Veneta speci- 
men. P. C^auer) rühmt das unabhängige und beson- 
nene Urteil des Verfassers. — p. 1837: Fr. Spiro, De 
Eur. Phoenissis. 'Geringe Ergebnisse". {H. StJ) — 
p. 1838: Biese, Entwicklung des Naturgefühls. 
Günstig besprochen. — p. 1841: Albert, Le culte 
de Gastor et PoUux. 'Verdienstlich'. 

Dentaobe Litteraturzeitung. 1884, No. 49. 

p. 1787: E. Zeller, Vorträge und Abhand- 
lungen. Analysiert von FreudenthaL — p. 1789: Her- 
manns Lehrbuch der griech. Rechtsaltertü- 
mer. 'Hat gegen die frühere Auflage nicht gewon- 
nen'. BuchgenschütJB, — p. 1796: Pottier, Etüde sur 
lesUcythes. Eine der beigegebenen bildlichen Dar- 
stellungen erklärt C. Robert als moderne Fälschung. 



[No. 2.] 



BBRLINBR PHILOLOGISCHE WOCHBKSGHRIFT. 



(10. Janaar 1885.] 



Dentsohe Lltteratorseltaiig. 1884, No. 50. 

p. 1822: Cicero pro Flacco, heraasg. vod Da 
Mesnll. 'Bnth&lt viel Oberflässiges uod Triviales'. 
A, Eberhard. — p. 1828: Cicero ad Brutam ora- 
tor ed. Herwerien. Deo relativeo Wert der mfihe- 
vollen Kollationen anerkennende £[ritik von SiangL 

Deutgebe Litteraturzeitang. 1884, No. 51. 

p. 1869: A. Ludwiob, Äristarchs homerische 
Textkritik. An dem streitlustigen Ton des Baches 
hat Ref. {O, Htnrichs) keine Freude; diese polemische 
Tendenz nGtige cur strengen Kontrolle Ladwich gegea- 
über. — p. 1871: Wolfs Prolegomena, neu heraod- 
gegeb. von Peppmüller. Sehr lobende Anzeige von 
J. Renner. 

Wpchensohrift f. klass. Philologie. 1884, No. 50. 

p. 1569: Bachholz, Homerische Realien, III. 
Nicht günstig beurteilt von P. Stengel. — p. 1578: 
0. Heydtmann, Vergilii Aon. Hb. secundus. Verf. 
vn\{ von den fM Versen des zweiten Baches 230 be- 
seitigen, die das Werk boshafter obtrectatores seien. 
Dieser kolossalen Athetese widerspricht H. Dra- 
heim. — p. 1580: H. Steiner, Festrede zur Stif- 
tungsfeier der Hochschule Zürich. ^Interessant, 
belehrend'. — p. 1586—1597: Schluß des Berichts 
über die Philologenversammlung zu Dessau. 

Wochenschrift f. klass. Philologie. 1884, No. 51. 

p. 1601: Atlas antiquus von „H. Kiepert*", 
8. Aufl. von Wolf. 'Der schlechteste aller Atlanten'. 
Der Ref. {W, Siegtin) erinnert daran, daß H. Kiepert 
mit diesem Buchhändlerunternehmen (einen Skandal 
nennt es der Ref.) nichts gemein hat — p. 1608: 
M. MUler, Jagdwesen. Dreizehn Spalten lange Re- 
zension von K. Zacher. — p. 1622: Statins, The- 
bais, rec. Ph. Kohlmann. 'Ein böses Geschick ver- 
folgt die Werke des Statins. Jetzt müssen wir die 
Silvae mit den Baehrensschen Interpolationen und die 
Thebais in der Ausgabe Kohknanns lesen'. P. Nohl. 
— p. 16*28: Schirliti, Darstellung der Nacht b ei 
Homer. *Verf. zeigt feines poetisches Qefuhl'. P. 
Stengel. 

Philologische Rnndschan. 1884, No. 48. 

p i505: Lübhert, Prolusio inPindari locum 
de ludis Pythiis. Analyse von Bornemann, — 
p. 1508: Tzenos, Td 'Avaxpsovisia ^Xtoaaixoj; 
Ejs-aCö^isvcu Anzeige von J. Sitzler. — p. 1510: 
ifatthias, Kommentar zur Anabasis. ^Korrekt'. 
B. Hansen. — p. 1516: Belsheim, Der Brief des 
Jakobus in alter lat Obersetzung. Angezeigt 
von J. Huemer. — p. 1517: Edon, Nouvelle ötude 
sur l e Ghant L^mural. C. PauH zeigt sieh den Edon- 
schen Hypothesen nicht unbedingt abgeneigt. — p. 1518: 
Korschat, Unedierte Horazscholien. Kurzes Re- 
ferat von H. Schütze. — p. 1521: L. ▼. Urliciia, Die 
Schlacht am Berge Granpius. Inhaltsangabe. — 
p. 1526: J. SiAger, Humanistische Studien. Die 
beiden Elektron. ^Enthält viel Anregendes und 
Beachtenswertes'. /. Säzler. ^ p. 1580: Uhlig, 
Stundenpläne. ^Unentbehrlich'. — p. 1531: H. Mfil- 
lep. Unregelmäßige griech. Verba. *Verbes8e- 
rungsbedüritig'. K Bachof. 

Phllologiache Randschan. 1884, No 49. 

p. 1537: Bnchhols, Hom. Realien, II. E Katnmer 
legt energischen Protest gegen die von Buchholz be- 
liebte 'al^toßende und verfehlte* Auflassung der ho- 
merischen Kulturzustände ein. Die Spniche des 
Buches sei oft durch die plattesten, geschmack- 



losesten Ausdrücke entstellt. — p. 1543: Vergils 
Aeneis von W. GebhardL 'Wissenschaftlich wie 
pädagogisch bedeutende Arbeit'. P Kohlmann, — 

6. 1548: Cicero, Gato maior, ed. Th. Schicke. 
lesprochen von A. StreUtz. — p. 1552: H Noethe, 
De pugna Marathonia. Referat von Rob. Schmidt. 

— p. 1553: 1) Enmann, Verlorene Kaiserge- 
schichte; 2) A. Cohn, Quibus ex fontibus Aur. 
Victoris libri fluxerint Referent (C W.) er- 
hebt gegen die Resultate beider Schriften Bedenken. 

Philologische Bundachau. 1834, No. 50. 

p. 1569: Lflbhert, Commentatio de Pindari 
carminibus dramaticis. Gregnerische Kritik von 
Bomemann. — p. 1571: D. B. Monro, Gram mar of 
the Homeric dialect. 'Mehr sinnreiche als prak- 
tische Anordnung'. E. Kammer. — p. 1574: Schneide- 
win. Die homerische Naivetät Gerühmt von 
K Ziegeler. — p. 1576: Sophokles' Antigene, von 
G. H. Müller. 'Gut'. MeUger. - p. 1577: Ovid, 
Garmina selecta, von Genien u. K. Schmidt (Wien). 
'Gut'. — p. 1578: Stnrm, Quae ratio inter ter- 
tiam Livi decadem et Coeli Antipatri bist, 
intercedat 'Gekünstelte, unhaltbare Erklärungen'. 
L. Bauer. — p. 1581: Uanssleiter, De versionibus 
Pastoris Hermae latinis. 'Gediegen'. H. Ronsch. 

— p. 1583: Natorp, Erkenntnisproblem. Analyse 
von H. V. Kleist. — p. 1592: H. Heydemann, Ale- 
xanderund Dareios auf Vasenbildern. Anzeige 
von Dutschke. ~ p. 1594: Weniger, Kollegium der 
sechzehn Frauen. Zustimmendes Referat von Aug. 
Schultz. 

PhUologische Rnndschan. 1884, No. 51. 

p. 1601: A. R5mer, Homercitate bei Aristo- 
teles. Rez. von E. Kammer. 'Eine hochbedeutsame 
Schrift; sie bricht mit hergebrachte Urteilen und 
betritt fast durchweg neue Bahnen, um in ein ver- 
worrenes Gebiet Ordnung und Licht zu bringen'. — 
p. 1605: A. Schirmer, Quellen des Polyän. 
'Das literarische Material wird nicht beherrscht'. 
H. Landwehr. — p. 1607: Taine, Essai sur Tite- 
Live. 'Bedeutendes Buch, dem man aber anmerkt, 
daß es in seinen Hauptzügen vor mehr als 25 Jahren 
geschrieben wurde.' — p. 1614: Regnand, L 'Evo- 
lution de l'idee de „briller' en sanskrit etc. 
(nebst drei weiteren Schriften desselben Autors). 
'Geistvolle Etymologien eines gründlichen uud be- 
rufenen Kenners'. Saalfeld. — Die folgenden kürzeren 
Referate haben lobende Tendenz: Krnmbacher, Bei- 
tr&gezueiner Geschichte der griech. Sprach e , 
angezeigt von /. Atzler; Stehfen, De Spartano- 
mm re militari (besprochen von R. Schmidt); 
K. B5tticher, De allitteratione {W. Ebrard); 
E. Chatelain, PaUographie des classiques 
grecques {L.); Bamberg^, Homerische Formen 
o. Gehring, Griech. Elementarbuch (E. Bachof). 

PhUologische Rnndschan. 1884, No. 52. 

p. 1633: Oesterberg, De structura verborum 
cum praepositionibus compositorum. 'Bietet 
ein ti^ffliches lexikalisches und grammatisches Ma- 
terial'. SchUchteisen. — p. J 635— 1638: Y. Dmmy, 
Histoire des Romains, VI. Rühmende Rezension 
von Q. Egelhaaf. — p. 1638: Saglio, Dictionnaire 
des antiquites. 'Ein Riesenwerk, das aber überaus 
langsam fortschreitet; die erste Lieferung erschien 
1875, die jetzt ausgegebene dritte Lieferung geht erst 
bis „confiscatio''.' — p. 1640: B Gerth, Griech. 
Schulgrammatik. 'Alles in Allem verdient das 
Buch Anerkennung'. Bachof. 



Verla« tod 8. Calvary a Co. In BerUn. ^ Druck d«r Berliner Bnchdnickerei- Aktien •OeaeUschaft 

(Setxeiinnen-Sdmle des Lette -Vereins). 







BERLINER 





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CHB. BELGER, 0. SEYFFERT und L THIEMANN. 



Preis der drelgespaltenea 
PetltseUe 25 Pfennig. 



5. Jahrgang. 



17. Januar. 



1885.' M 3. 



Inhalt. 

L OrigriMlarbeltent Seite 

W. H. Roseber, Beiträge zur griechischen 
Mythologie (IH.) 65 

IL Bezensionen und Anseien: 

H. Weil, Aeschyü tragoediae (N. Wecklein) . 68 
1, Bruns, Lucrezstudien (A. Brieger) ... 75 

A. Dob^renz, C. Jalii Gaesaris commentarii 

de hello civili (R. Schneider) 76 

F. Frflhiich, Die Bedeutung des zweiten puni- 
schen Krieges für die Entwicklung des 
römischen Heerwesens (J. W. Foerster) . 78 

B. Benussi, L'Istria sino ad Augusto (Zippel) 81 
in. Anssttipe aus Zeitschriften: 

Sitzungsberichte der Kgl. Preuß. Akademie 

der Wissenschaften zu Berlin 85 

Blätter Hir das Bayr. Gymnasialschulwesen, 

XX, 8. Heft 86 

Buliettino di corrispondenza archeologica, 

1884, No. 7—10 87 

Mnemosyne, VoL XII, 2 89 

IV. Nachrichten über Entdeckungen: 

Die Seitenflügel der Propyläen der Akropolis 
von Athen (mit Abbildung) ..... 92 
y. Kleine Mitteilungen: 

Beiträge zur Geschichte der Philologie HI. 
(Aus Moriz Haupts Rede De Lachmanno 

critico. IIL) 94 

Beila^: 

Personalien (Ernennungen. Auszeichnungen. Todes- 

fölle). 
Beriolitiguno von K. P. Schulze. 
Kleine Mitteilungen (Gräber der Familie Licinius 
Grassus. — Junotempel in Givita Lavinia bei 
Rom. — Römische Altertümer in Eining ( AbusinaV 
Bibliographie (Angekündigte u. erschienene Werke). 
Zeitschriften: Deutsche Litter aturzeitang No. 52 u. 
No. 1. — Wochenschrift für klassische Philologie 
No. 52. — Academy No. 661. — 'Epio^i«'; No. 41 
u. 42. 

Verlag von S. Calvary k Co. in Berlin, 

Soeben erschien: 

Jahresbericht 

über die 

Fortscliritte Her klassisclien AltertomswisseiiscM. 

lt. Jahrgang. 3. Heft 

Der Schluß des 11. Jahrgangs erscheint Anfangs 
Februar. 



Verlag von S. Calvary & Co. in Berlin, 

Soeben erschien: 

AE8CHYLI FIBULAE 

CÜH LECnONIBÜS ET SCHOLÜS 
CODICIS HEDICEI ET IN ASAIEINONEM 

CODICIS FLORENTQII 

AB 

HIERONYHO VlTELLl 

DENIIO CX)LLATIS 
EDIDIT 

N. WECKLEIN. 

2 Volumina gr. 8. 

Yolumen Primum: Textus. Scholia. Apparatus cri- 

ticus. XVI, 471 p. 
Yolumen Secundum: Appendix coniecturas viro- 

rum doctorum minus certas continens. 316 p. 

Pi-el0: 90 MarlL« 

Nach der von R. Merkel veranstalteten Wieder- 

fibe des Godex Medicens(1871) schien es, als ob die 
extesgestaltung eine abschließende Form gewonnen 
hätte; aber schon R. Scholl wies im Hermes (1876) 
nach, daß eine neue Vergleichung der Handschrift 
notwendig war. Diese ist in mustergültiger Weise 
von Hrn. Vitelli sowohl für den Text wie die Schollen 
ausgeföhrt worden und hat zu bemerkenswerten 
Resultaten, positiven wie negativen, geführt, welche 
für die Ausgabe Weckleins eine Grundlage bildeten. 
Nicht weniger von Belang erwies sich eine Durch- 
arbeitung der gesamten Äschyluslitteratur; hier 
ergaben sich nicht nur für die Geschichte der 
Textgestaltung wesentlich neue Resultate, sondern 
es war auch möglich, positive Verbesserungen und 
Reinigungen des Textes zu gewinnen. Somit ist die 
vorliegende Ausgabe als eine vollständige Encyklo- 
pädie der Äschyleischen Textgestaltung zu 
oetrachten und zugleich als eine abschlfießende 
G r u n d 1 ag e für den Autor selbst. Ein vollkommenes 
Bild der Arbeit der beiden Herausgeber gewinnt 
man aus der Vorrede, wie auch aus dem in der Berl. 
Philologischen Wochenschrift 1884 No. 29/30 
S. 897—910 mitgeteilten Aufsatze Weckleins: »Über 
die Textkritik des Äschylus". 



[No. 3.] 



BERLINER PfllLOLOOISCHE WOCHENSCHRIFT. 



[17. Jaooar 1885.] 



Personalien. 



Em« 



inaiis^ii. 

An Behörden: Geh. Oberregierangsrat Dr. J. 0. 
fhmdtner zum Kurator der rhein. Friedr.- Wilhelms- 
Univ. Bonn. — Ministerialdir. im Ktütusminist. Geh. 
Oberregierangsrat Greiff zum Wirkl. Geh. Rat mit 
dem Prädikat Exzellenz. 

An Hochschalen: Prof. Alb. Harknefo von 
Brown University, Rhode Island, ist zum Dir. der 
amerikanischen Schule für klassische Studien in 
Athen für das Jahr 18S5/8B ernannt worden. ~ 
Eagen Mttnts ist an Stelle Taines zum Prof. der 
Aesthetik uud Kunstgeschichte an der Ecole des Beaux 
Arts ernannt worden. ~~ Privatdozent Dr. Ed. Meyer 
in Leipzig wurde zum ord. Prof. der phil. Fakultät 
daselbst emaant. 

Von gelehrten Gesellschaften: Derkönigl. 
bayr. Akademie der Wissenschaften, phil. -bist 
Klasse, sind beigetreten: als ordentliches Mitglied: 
Dr. A. T. Dmffel in München; als auswärtige Mit- 
glieder: Prof. W. Soherer in Berlin, Prof. W- Förster 
in Bonn, Dr. Imhoof-Biumer in Winterthur, Prof. 
G. Yoigt in Leipzig, Hofrat Th. Sickel in Wien, 
Prof. E. A. Freeman in Oxford, Prof. C. Monod in 
Paris, und Prof. H. Ulmann in Greif^wald. — Die 
Gesellschaft der Wiss. in Kopenhagen hat den Prof. 
£. CurtinB in Berlin zum auswärtigen Mitglied ernannt 

An Gymnasien etc.: Za Direktoren: Dir. 
Dr. Schulze am Gymu. in Sorau zum Dir. des Gymn. 
in Landsberg a. W. — Dir. Prof. Dr. Jnnge in 
Greiz zum Dir. des Gymn. in Sorau; da dieser aber 
die Wahl abgelehnt hat, ist Prof. Hedicke, Konrektor 
am Gymn. in Quedlinburg, zum Dir. in Sorau gewählt 
worden. — Dir. Kremser von Trebitsch als Dir. des 
Gymn. nach Znaim versetzt. — Zu Professoren: 
Oberl. Dr. A. Lttttge am Gymn. zu Charlotten- 
burg. Dr. C. Th. Lion am Realgymn. zu Hagen. 
Dr. Paul am Gymn. zu Kiel. Stuuenl. Wimmer am 
Ludwigsgjrmn. zu München zum Gymnasialprof. in 
Landshut Dr. H. Sedlmayer zum Prof. am Franz- 
Josephsgymn. in Wien. Prof. Jars von Znaim an 
das erste Deutsche Gynm. in Brunn versetzt — 
Zu Oberlehrern: Dr. HinrioliB am Königstädt 
Gymn in Berlin. Dr. Deutieke am Humboldtgymn. 
in Berlin. Timmermann und Dr. Iber am Gymn. 
Carolineum in Osnabrück. C. Huver am Gymn. 
in Hohcnstein. Studien lehrer Jacobi in Speyer an 
die Stttdienanstalt Kempten versetzt Assistent am 
Realgymn. Nürnberg Dr. Sturm nach Speyer ver- 
setzt — Zu Lehrern: Hülfsl. Dr. Mahlow zum or- 
dentl. L. am Humboldtgymn. in Berlin. Gymna- 
sialL Bednarski von Wadowice nach Tarnow vers. 
Snpplent M^jchrowlts zum L. am Gymn. in Sanok 
ernannt. 

Aasselclmasyes, 

Prof. Euting, erster Bibliothekar an der Univ.- 
u. Landesbibliothek in Straßburg, erhielt den 
Kronenorden 8. KL — Em. Prof. Dr. HdlBcher in 
Münster erhielt den Rot Adlero. 4. Kl. — Biblio- 
thekar der königl. Univ. Berlin Prof. Dr. Koner 
wurde zum Geh. Regierangsrat ernannt — Kapell- 
meister Belnicke Dirigent der Gewandhauskonzerte 
in Leipzig, von der philosoph. Fakul. das. zum Doktor 
honoris causa. 

Todesmie. 

OberL Backe am Gymn. in Kolberg. — Prof. Dr. 
Bmns am Lyceum I m Hannover. ~ Oberl. Prof. 
Dr. Fdrster am Realgymn. in Aachen. — Vorsteher 
Hogelnnd an der Prfiparaodenanstalt in Apenrade. 



— Oberl Nenmaoa in Arco, 10. Dez. — Oborschul* 
rat a D. Dr. F. SohrOder in Schwerin. — Geh. Re- 
gierungsrat Prof. Dr. K. G. Benecke, früher Dir. des 
Gymn. in Elbing, f am 27- Dez. in Jena. — Dr. Hen- 
dess, t am 31. Dez. in Guben. ~ €. Tölker, früher 
ProL an der Kantonschule In Chur, später Dir. einer 
Knabenschule in St. Domingohouse bei Liverpool, zu<^ 
letzt in Toggenburg, 88 J. alt. -- Prof Schaubaeh, 
Oberkirchenrat in Meiningen, f am 25. Dez. 58 J. alt 



Berldttlffiiiiiip. 



In seiner Rezension meiner Römischen Elegikcr 
(No. 50, 1884« dieser Zeitschrift) behauptet Hr. Har- 
necker, ich hätte mir sowohl in der 1. wie in der 
2. Auflage des Buches das grobe Versehen zu schulden 
kommen lassen anzumerken, daß Ägeus sich „von 
der Akropolis in die See gestürzt habe.** Die Worte 
sind, wie hier, durch Anführungsstriche als wort- 
liches Citat gekennzeichnet Die Dreistigkeit, mit 
welcher Hr. Harnecker diese Unwahrheit vorträgt, ist 
geradezu verblüffend. Ägeus, welcher die Rückkehr 
des Theseus sehnlichst erwartet, schaut summa ex 
arce auf das Meer hinaus: dazu bemerke ich (Gat. 
No. XXV, 241) „ex arce von der Akropolis," wie die 
Worte gewöhnlich erklärt werden. Von dort soll sich 
Ägeus, wie Diodor 4, 61 ausdrücklich berichtet, 
hinabgestürzt haben, also nicht ins Meer, das weder 
von diesem, noch von Plutarch und Pausanias er- 
wähnt wird. Um nun den Schüler auf die verbreitetere 
Gestalt der Sage aufmerksam zu macheu, fahre ich 
dann fort: „nach andern Sagen stürzte er sich 
von Sunium in die See hinab, die nach ihm das 
Ägäische Meer hieß.*' So steht wörtlich in der L und 
2. Auflage meines Buches zu lesen. Dagegen bemerkt 
Jacoby, dessen Anthologie Hr. Harnecker empfiehlt, 
zu derselben Stelle: „Ägeus stürzte sich, als er die 
dunkeln Segel erblickte, nach der einen Sage von 
der Stadtburg — Akropolis — ins Meer, nach der 
andern vom Vorgebirge Sunium; nach ihm soll das 
Ägäische Meer benannt sein." 

Dies Beispiel genügt wohl zu zeigen, wie wenig 
Hr. Harnecker, mit dem ich mehrfach litterarischtm 
Streit gehabt habe, im Stande ist, ein Buch von mir 
sine ira et studio zu besprechen. In seinem Eifer 
mir zu schaden, läßt er sich, bedauerlich genug, bis 
zu direkten Unwahrheiten hinreißen. 

Berlin. K. P. Schulze. 



Kleine nHitellanseii« 

Gräber der Familie Lidniiis Crassus. 

Die letzten Tage des Jahres 1884 sind durch eine 
archäologische Entdeckung in Rom verherrlicht 
worden, welche nicht verfehlen kann, in der ganzen 
Gelehrtenwelt Aufsehen zu erregen. Prinz Bonaparte 
verkaufte vor einigen Monaten bedeutende Grund- 
stücke an der Porta Salara an die italienische Bau* 
bank. Dieselbe begann sogleich umfassende Nach- 
grabungen, welche emen überraschenden Erfolg hatten« 
In einer Tiefe von drei Metern fand man die Grftber 
von vier Mitgliedern einer der angesehensten Ritter- 
famüien (eques Romanus), der des Licinius Craasus, 
nämlich I) des Gnejus Pompeius Magnus, des Neffen 
des großen Pompejos, „pontifex*', Präfekt von Rom 
und Quästor; 2) des Markus Licinius Crassus; 
8) des Piso Frugi Licinianus, „quindecemvir** (einer 
der fünfzehn Opfervorsteber) und viertägiger Cäsar» 
adoptiert von dem Kaiser Galba, und 4) der Verania 
Germina, Tochter des Konsuls Quintus Veranius. Die 
drei Erstgenannten sind berühmte Persönlichkeiten 
und werden mit besonderer Auszeichnung erwfihnt 



65 



[No. 8.J 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [17. Januar 1885.] 66 



I. Originalarbeiten. 

Beiträge zur griechischen Mythologie. 

Von W. H. Bosoher in Würzen, 
Kentauren. 

(Fortsetzung aus No. 2.) 

Den ersten zusammenhängenden und ausführ- 
liclieu Berichten über Herakles* Kentaurenkampf 
begegnen wir erst bei Apollodor und Diodor, welche 
in der Hauptsache tibereinstimmen, im einzelnen 
aber besonderen, zum Teil sehr alten Traditionen 
folgen. Nach Apollodorn5»4 wurde Herakles, als 
er, um den Erymanthischen Eber zu erjagen, Pholoe 
durchzog, von Pholos, dem Sohne des Silenos und 
einer melischen Nymphe, gastlich aufgenommen. 
Dieser setzte dem Herakles gebratenes Fleisch vor, 
afl selbst aber nach Kentaurenart rohes (vgl. Kev- 
Taopouc «Ljxo^aYOü; Theogn. 541). Als Herakles 
ihn um Wein bat, sagte Pholos, er fürchte sich, das 
gemeinsame Faß (mfto») der Kentauren zu öflfnen, 
that es aber dennoch, als Herakles ihn deshalb 
beruhigte. Sobald nun die Kentauren den Duft 
des Weines witterten, kamen sie an die Höhle des 
Pholos heran, gerüstet mit Felssteinen und Fichten- 
stämmen. Den Anchios fApxto;?) und Agrios, 
welche zuerst einzudringen suchten, verjagte Hera- 
kles mit Feuerbränden, die übrigen trieb er mit 
Pfeilschüssen bis nach Malea, wo sie bei Cheiron, 
der nach dem Lapithenkampfe dorthin entwichen 
war, Schutz suchten. Hier durchbohrte ein Pfeil 
den Arm des Elatos und fuhr in das Knie des 
Cheiron , welcher von nun an an einer un- 
heilbaren, schmerzhaften Wunde litt, sodaß er 
schließlich gern seine Unsterblichkeit preisgab. 
(Anders und zwar wohl nach alexandrinischen Quellen 
[s. u.] Ov. fast. V 387 ff.) Die übrigen Kentauren 
nun entflohen teils in das Maleagebirge, Eurytion 
aber nach Pholoe (? Olenos nach Apollod. 11 
5, 5 und Diod. IV 33), Nessos an den Euenos- 
tiuß, die andern nahm Poseidon auf (eU "EXeoiiva? 
EU ta Ae'jxttiJia oprj?) und verbarg s\e in einem 
Berge (vgl. die Sage von Taphiassos in Atollen 
bei Strab. 427). Als aber Herakles nach Pholoe 
zurückgekehrt war, traf er den Pholos in Ver- 
wunderung darüber (die unsichere Lesart läßt sich 
aus Diodor IV 12 verbessern), daß ein so kleines 
Ding wie ein von ihm aus einem toten Kentauren 
gezogener Pfeil eiu so gewaltiges Wesen vernichten 
könne. Da glitt der Pfeil ihm aus der Hand und 
fiel ihm in den Fuß, worauf er sofort starb. 
Nachdem Herakles den Pholos bestattet, begab er 
sich wieder auf die Jagd nach dem Eber. Die 
Abweichungen und Zusätze, welche uns Diodor 



rV 12 und 14 bietet, sind kurz folgende. Bei Diodor 
ist das Faß wie auch auf Bildwerken eingegraben 
(xaTax£7ü)<T|i.£voc); Dionysos hatte es einem Kentauren 
gegeben mit der Weisung, es erst beim Erscheinen 
des Herakles zu öffnen (nach Schol. Theoer. VII 149 
zum Lohne dafür, daß Pholos als Schiedsrichter 
zwischen Dionysos und Hephaistos ersterem die Insel 
Naxos zugesprochen hatte). Ferner sind bei Diodor 
die Kentauren nicht bloß mit ausgerissenen Fichten 
und Steinen, sondern auch mit Fackeln und Schlacht- 
beilen ((iou:povot TTcXsxEic) bewaffnet. Hochaltertüm- 
lich und für das Wesen der Kentauren überaus 
charakteristisch ist der von Diodor aufbewahrte 
Zug, daß Nephele, die Mutter der Kentauren, ihre 
Söhne durch gewaltige Regengüsse unterstützte, 
welche den Herakles umzureißen drohten, den vier- 
füßigen Ungetümen aber nichts schadeten. Von 
den weiteren Schicksalen der geflüchteten Kentauren 
meldet Diodor, daß Homados später in Arkadien 
von Herakles getötet wurde, weil er der Halkyone, 
der Schwester des Eurystheus, Gewalt angethan 
hatte. Zum Andenken an Herakles' Sieg über die 
Kentauren und um ihn zugleich vom Morde der- 
selben zu reinigen, stiftete Demeter die kleinen 
Mysterien (Diod. IV 14; etwas anders Apollod. 
II ö, 12.). In betreff des Eurytion berichtet 
Apollod. II 5, 5, Herakles sei nach der Beinigong 
des Angeiasstalles zum Dexamenos nach Olenos 
gekommen (nach anderen war Dexamenos selbst 
ein Kentaur: Schol. Kallim. in Del. 102. C. I. 
G. 7605; vgl. auch Et. M. u. Boüpa, wo der Kentaur 
'E£af§toc (?) heißt). Dieser sei gerade gezwungen 
worden, seine Tochter Mnesimache dem Ken- 
tauren Eurytion zu verloben, und habe den He- 
rakles um Hülfe angerufen, womuf dieser den 
Kentauren in dem Augenblicke, wo er seine 
Braut besuchen wollte, erlegte (vgl. auch Bak- 
chyl. b. Schol. Od. <p 295). Nach Diod. IV 33 
tötete er den Eurytion auf der Hochzeit des Azau 
und der Hippolyte (der Tochter des Dexamenos), 
weil der Kentaur dieser Gewalt anthun wollte. Nach 
Hyg. f 33 (vgl. 31) wurde Deianeira, die Tochter des 
Dexamenos, Braut des Herakles und in dessen Ab- 
wesenheit von Eurytion umworben. Am Hochzeits- 
tage aber kehrte Herakles zurück, tötete den Neben- 
buhler und führte seine Braut mit sich fort. Nach 
Paus. VII 18, 1 gab es eine Elegie des Hemiesianax 
auf Eurytion, welche nach Heynes Vermutung dem 
Berichte Hygins zu gründe liegt. Weitere, aber 
nichts Neues bietende Darstellungen oder Er- 
wähnungen des Herakleskampfes s. b. Polyaen. 
I 3, 1. Q. Smym. VI 273 ff VII 108 f. lo. Pedias. 
de lab. Herc. 4. Verg. Aen. VIII 293 f C. I. G. 



67 



[No. 3J 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [17. Janaar 1885.] 68 



5984 f. Tzetz. z. Lykophr. v. 670. Beachtenswert 
ist dagegen die bei Pans. V 5, 10 erhaltene Lokal- 
sage vom Flnsse Anigros, der nnweit des triphy* 
lischen Pylos vom Gebirge Lapithos herabkommt. 
Man erzählte nämlich, daD Cheiron oder ein anderer 
Kentaur Pylenor (offenbar Eponymos von Pylos), 
vor Herakles fliehend, seine Wunde in diesem Flnsse 
gewaschen und dadurch diesem einen ttblen Geruch 
verliehen habe (vgl. auch die Sage von den Schwefel- 
quellen des Taphiassos bei Strab. 427). Endlich ist 
noch zu erwähnen, daß Lykophr. v. 670 die Sei* 
reuen xcvraopoxT^vot nennt, wozu Tzetzes bemerkt: 
£i:e(89| ol Ksvraupoi Ötü>;^^vT£; diiro öeaaaXiac u^' 
'HpaxX^ouc tU T^jv TÄv ^etpi^vtiiv v^aov uapeYevovro 
xat T1Q ü)5iQ ixetvüjv d£X76|i.evot dmuiXovzo. Vgl. auch 
Ptolem. nov. bist. 5 p. 192, 22 Westerm. ot Kev- 
Taupot ^eüYO'^ec 'HpaxXea 8iot TupoY^vtac Xiftco 5ie- 
9&apT)aav, deX/ftevrec u^ro tf^c Seipijvüiv f^öutptoviac 
und Apollod. II 5, 4, wo mehrere statt 'EXeixiiva 
opei Aeuxa>9ia oprj oder Aeuxtoatav opet lesen wollen. 
Wie die Kentauren- und Seirenensage zusammen- 
flössen, ist nicht ganz klar, als wahrscheinlich aber 
kann angenommen werden, daß die Kentaurensage 
der Lokrer, deren Pflanzstädte Kyme in Aiolis und 
Kampanien waren, schon in sehr früher Zeit nach 
Italien wanderte und sich hier mit der Seirenen- 
sage vermischte (vgl. Steph. Byz. s. v. 4)p(xiov). 
Nach Aelian. V. H. IX 16 scheint die Kentauren- 
sage in Italien sogar heimisch gewesen zu sein, da 
der Stammvater der Ausoner Marcs (= tinro|At7r|C 
nach Allan; vgl. germ. marha; iick, vgl. Wort' 
831) Kentaurengestalt gehabt haben soll. Vgl. 
auch die alten etruskischen Vasen, auf denen häufig 
Kentauren (auch geflügelte) erscheinen. Was die 
Bildwerke des Herakleskampfes anlangt, so vgl. 
Müller Hdb. 410, 5. Meyer a, a. 0. 60 f. 62 f. 
64 t u. 77. Jahn, Vasens. in München No. 55. 
126. 151. 156. 435 f. 650. 691. 746. 1081. (vgl. 
auch 622 1097) u. s. w. In betreff der Eury- 
tionsage vgl. Jahn a. a. O. No. 772 und Meyer 
a. a. O. 77, der Gerhard, Auserl. gr. V. 2, 
121. T. 117 t, Benndorf, Griechische und Sizil. 
Vas. 68., Heydemann, Vasens. in Neapel No. 3089, 
anführt. Vgl. auch die C. I. G. 7605 geschil- 
derte Vase, wo Dexamenos an Stelle des Eury- 
tion oder Nessos erscheint. Eine der ältesten und 
wertvollsten Darstellungen des Herakleskampfes 
ist jedenfalls das unter a. im Ausf. Lex. d. Griech. 
u. Rom. Myth. I S. 564 unter Artemis abgebildete 
bronzene Relief, auf dessen drittem Streifen der 
knieende Herakles einem gewaltsam den Kopf 
umwendenden, mit menschlichen Vorderbeinen ver- 
sehenen Kentauren, den schon zwei Pfeile getroffen 



haben, einen dritten nachsendet (vgl. R Curtius 
in d. Abb. d. Bei-1. Ak. 1879 S. 22 ff. Funde v. 
v. Olympia hrsg. v. d. Dir. d. Ausgrab. 1882 
S. 16. Meyer a. a. 0. 60 f.). Unter den verloren 
gegangenen Bildwerken dieses Kreise« ist vor aUem 
der Eypseloskasten zu erwähnen, welcher nach 
Paus. V 19, 9 auch ToEeoovta avÖpa Kevraupouc, 
Toi>; dl xal dicexTov^Ta iE ocutoiv darstellt, sodann 
der amykläische Thron mit zwei, wie es scheint, 
verschiedenen Kentaurenkämpfen des Herakles, 
nämlich mit einer irap^ O^Xcp toSv Kevraupoiv pLa^v) 
(Paus. lU 18, 10) und einer 'HpaxXeouc irpo; 
*Opeiov Kevraopov lAa/r) (ib. 16). 

4) Atalantes Kentaurenkampf (arkadi- 
sche Sage). Der Kentaurenkampf der Atalante 
wird zwar erst erwähnt von Kallim. in Dian. 
221 (vgl. d. Schol.), ist aber wohl für eine alte 
Lokalsage zu halten, da er auch von Apollod. 
ÜI 9, 1 erzählt wird. Am ausführlichsten berichtet 
Ael. V. H. Xm 1 die Sage, freilich mit stark 
rhetorischer Ausschmückung. Alle drei Quellen 
stimmen aber sowohl in den Namen der beiden 
Kentauren, welche der Atalante Gewalt anthnn 
wollten (Hylaios und Rhoikos), als auch darin über- 
ein, daß sie dieselben von der Jungfrau mit Pfeilen 
erlegt werden lassen. Älian schildert in drastischer 
Weise die Trunkenheit und den ttbermut der beiden 
lüsternen Liebeswerber, welche, brennende Pichten 
in den Händen tragend, mit Fichtenkränzen ge- 
schmückt, der in einer Höhle wohnenden Atalante 
zu nahen suchten. 

(Fortsetzung folgt.) 



II. Rezensionen und Anzeigen. 

Aeschyli tragoediae. Edidit Henricns 
Weil. Lipsiae 1884, B. G. Teubner. 
LXVni, 312 S. 8. 1 M. 50. 

Nach Hermann und Dindorf hat in neuerer 
Zeit sich niemand um die Emendation des Äschy- 
lus so hervorragende Verdienste erworben wie 
Weil. Die vorliegende Textausgabe ist, wenn wir 
die Morceaux choisis (1881) mitrechnen, die dritte, 
von dem Prometheus und den Persern, von welchen 
Stücken kleine Schulausgaben erschienen sind, die 
vierte Bearbeitung: daneben hat Weil in einzelnen 
Abhandlungen und Rezensionen immer an der 
Textkritik des Aschylus den regsten Anteil ge* 
nonmien. Man darf also von vornherein erwarten, 
daß der Text, welchen Weil bietet, der beste ist, 
der unter den obwaltenden Umständen geboten 
werden kann. Es wäre fast eine Anmaßung, wenn 



69 



[No. 8.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [17. Januar 1885.] 70 



ich von dem Geschmack und dem sachkundigen 
Urteil reden woUte, mit dem die Auswahl unter 
den vorliegenden Koigekturen getroffen ist. Ich 
kann nur meiner Freude Ausdruck geben, daß ich 
in meiner fast gleichzeitig erschienenen Ausgabe 
in den wichtigsten Punkten mit Weil zusammen- 
getroffen bin, wobei ich freilich nicht verschweigen 
darf, daß an manchen Stellen sich meine Wahl 
nur nach den von Weil bereits früher dargelegten 
Grundsätzen zu richten hatte. Ja, bevor ich zu 
abweichenden Ansichten übergehe, bekenne ich 
dankbar, daß ich durch Weils scharfeinnige, ge- 
. schmackvolle und gelehrte Thätigkeit vor allem 
gefördert worden bin. 

Was etwa als Mangel der vorliegenden Ausgabe 
erscheint, konnte im April, in welchem nach der 
Unterschrift; die kritische praefatio abgeschlossen 
wurde, kaum so bezeichnet werden. Der Verf. 
konnte nicht einmal mehr von den Mitteilungen, 
welche ich in Nr. 29/30 dieser Wochenschrift 
(vom 19. Juli 1884) gegeben habe, Gebrauch machen. 
Es trifft also den Herausgeber in keiner Weise ein 
Vorwurf, wenn treffliche Emendationen tibersehen, 
wenn die Angaben über die Urheber der einzelnen 
Konjekturen vielfach unrichtig, wenn überhaupt 
die so zu sagen historische Seite ein ziemlich ver- 
wirrtes und getrübtes Bild bietet. Weil betrachtete 
ja diese Seite nicht als seine Aufgabe; er wollte 
nur einen so viel als möglich gereinigten Text 
bieten nud hätte die kritische Einleitung ganz 
weglassen können. Um aber zu beweisen, welche 
Bedeutung eine Übersicht über die vorausliegende 
Litteratur haben mag, erwähne ich, daß ich 
61 Fälle gezählt habe, in welchen Konjekturen, 
die Weil selbständig gemacht hat und als sein 
Eigentum betrachtet, früheren Gelehrten angehören 
oder von andei*en früher veröffentlicht worden sind 
(z. B. auch Tz6ktiQ Pers. 489, wie ich a. a 0. bemerkt 
habe). Indes wie Weil selbst, ergeht es auch 
anderen. Manches von dem, was er mir beimißt, 
mußte ich mit Eesignation anderen überlassen, und 
von den Koig'ekturen z. B., welche unter dem 
Namen Herwerden angeführt werden, dürften un- 
gefähr zwei Drittel von anderen Eigentümern be- 
ansprucht werden. Doch über Verschiedenes der- 
art habe ich bereits in dem oben erwähnten Auf- 
satz „Über die Textkritik des Äschylus" gesprochen, 
worauf ich verweise. Noch weniger kann das 
Keferat über die handschriftlichen Lesarten einer 
Kritik unterzogen werden; nur ein Versehen ist 
es, wenn nicht angegeben wird, daß Pers. 450 der 
Med. Stav für Sx i% bietet. Bei dem Personen - 
Verzeichnis der Perser wird der Name ""Atowa als 



zweifelhaft bezeichnet, worauf Hiller aufmerksam 
gemacht hat Es fehlt aber das ganze Personen- 
verzeichnis im cod. Med., dagegen fehlt es nicht 
beim Agamemnon, wo es nach der Angabe Her- 
manns fehlen soll. 

Ich lasse also diese ganze Frage, für welche 
die Ausgabe nicht berechnet ist, bei seite und 
wende mich zu dem, was von Weil neu geleistet 
worden ist. Es wird uns eine Reihe neuer Kon- 
jekturen geboten, von welchen mehrere in der 
Revue de Philologie VIII p. 11—32 näher be- 
sprochen sind. Nur zweimal muß man sagen: 
quaudoque bonus dormitat Homerus, Pers. 454 
ly^pol ivdöfö' ixJcpCoiato für l^^pol v^jov ixatpCotaxo 
und Ag. 933 ti Tuv öeotc öeiW av (für öetJEiev av?). 
Alle übrigen Vermutungen sind durchweg elegant 
und scharfsinnig, wie Prom. 2 2xu&tjv 8ujoi[iov, 
Pers. 321 00 t, hbXh^ *Api«5|xap8e, SapSeoiv, Eum. 
592 &<pouXx(p öeSt^ ölpyjv, 904 eSxpaTa t^&sv. 
Evident ist die Verbesserung zu Sept. 699 f. 
fjLsXavaiYtc ix ö* thi dö(i.u)v. Ich sehe nicht ein, 
warum daneben noch die Koi^jektur von Brunck 
jjLeXavar/ic odx efai 5<$|xoüc eine Erwähnung verdient. 
Auch der Vorschlag, Ag. 1366 Texjn^pt' Ittiv; ilj'E zu 
lesen, ist sehr ansprechend. Alles andere dürfte 
(abgesehen von zwei Änderungen i^ dem Exzerpt 
Ix xTfi )jLoo9ix% toToptac hiutcr dem ^(bc A?^üXoü, 
nämlich dtrainfeXiixa oudl dpaftaxtxot und adtcp) 
mehr oder weniger zweifelhaft sein. Bei seiner 
großen Gewandtheit und reichen Phantasie geht 
Weil au keiner Schwierigkeit vorüber, ohne die 
Möglichkeit einer Lösung zu bieten. Gern wird 
die gefundene Lösung auch gleich in den Text ge- 
setzt, sodaß man an zahlreichen Stellen in jeder 
neuen Bearbeitung einen anderen Text finden kann, 
z. B. Pers. 116, Ag. 1409 f., Eum. 361. Öfters auch 
werden früher gemachte, dann aufgegebene Kon- 
jekturen wieder aufgenommen, wie Pers. 207, 236, 
337, Sept. 982, Cho. 562. Manchmal dürfte Gutes 
mit weniger Gutem vertauscht sein, wie wenn 
Pers. 598, über welche Stelle ich in dem oben er- 
wähnten Aufsatz gehandelt habe, jetzt «ptXot, 
icaXaimv vermutet wird. Das Unsicherste, was 
im Texte steht, ist wohl JxXixwtv Cho. 74, w/otfiev 
otdti;ep ebd. 417, iraTou(ievot ebd. 642. An der 
ersten Stelle muß die Hesponsion durch Änderung 
in der Strophe gewonnen werden, an der zweiten 
Stelle ist der vom Dichter gewollte Sinn zerstört 
(„was muß man sagen, um es recht zu sagen? 
Oder — kann man es so bezeichnen? — was wir 
von der Mutter gelitten, läßt sich gut machen, 
das andere, nämlich die Ermordung des Vaters, 
nicht; in dieser Beziehung kann unser Sinn von 



71 



[No. 3.J 



BERLINER PHILOLOGISCBE WOGH. 




KNSCHRIFT. [17. Jtmott 1186.] 



73 



der Mutter nicht beschwichtigt werden**). An der 
dritten Stelle ist mir die grammatische Konstruk- 
tion unklar. Die Wort« sollen bedeuten: par la 
volonte de lUr^ ils sont crimineUement fonl^s aux 
pieds, ayant crimineUement transgress^ toutes les 
lois que Zeus respecte. Klar ist mir, was man 
nach Vermutungen von H. L. Ahrens und 0. Müller 
schreiben kann: out« Stotl Aixac, t^ pifi OlfjLtCi Xo^E 
7zi8oi i:aTOü[jL£vac xh rav Ato; aeßac rapexßavrac oü 
öefitTCüic, so daß rapexßavrac von ouxa abhängt. 

Man glaube ja nicht, daß die Kritik eines 
Schriftstellers wie Aschylus, nachdem Tausende 
von Konjekturen gemacht sind, abgeschlossen sei. 
Jeder, der mit frischem Sinn und neuem Greiste 
an denselben herantritt, wird neues finden. Gar 
zu leicht bildet sich der einzelne eine bestimmte 
Vorstellung über eine Stelle und kann sich nicht 
leicht von ihr losmachen. Z. B. wird immer wieder 
Cho. 704 das nötige 6' nach öodüeße^a; einge- 
schoben, während doch Heimsoeth gezeigt hat, daß 
das S' vorhanden ist und np^c d^ ed(7£ßeiac durch den 
Sinn gefordert wird. Wieviel hat man schon aus 
xb Tcav ebd. 331 gemacht, um den Akk. zu {laTeuei 
zu erhalten! Man muß sich einmal klar werden, 
daß aus dem gen. absol. Tta-cepcuv dk xal xaxevruiv 
(so hat Grotefend hergestellt) sich der Akk. 
(aoTOüc) zu ]xarteuet von selbst ergiebt. Prom. 1013 
hat Weil wieder die bereits zur Vulgata gewordene 
Änderung von Stanley [aeiov in den Text gesetzt, 
obwohl schon Wordsworth (1832) die richtige Er- 
klärung von oudsv^ (i-eiCov d^evat gegeben hat: 
nullam rem viribus superat i. e. rebus omnibus 
infirmior est. Suppl. 79 hat Weil sowohl die Ver- 
mutung von Marlin ifßq. als auch die von KirchhofT 
(oder vielmehr Härtung) e/etv irep angeführt; die 
letztere aber schließt die erstere aus. Gewöhnlich 
wird 7) xal als Lesart des Med. angenommen; doch 
glaubten andere Y)ßai zu lesen. Ich habe bei dieser 
Stelle mehrmals Herrn Yitelli bemüht, der mir 
wiederholt versicherte, daß man nur tj^ae, nicht 
Tjxai lesen könne. Bekanntlich sehen sich diese 
Wörter in der Schreibweise des Med. sehr ähnlich; 
jedenfalls ist t) xal . . I-/^^^ ^^P ^^^ Richtige, wie 
ich bereits anderswo gezeigt habe. 

Suppl. 560 hat Weil für GSop in einem Chor- 
gesange yudcup geschrieben. Wo ist bei Aschylus 
in einer melischen Partie eine so unschöne Krasis 
zu finden? Ich habe auf diesen Punkt in meinen 
Studien zu Aschylus 8. 10 aufoierksam gemacht. 
£her kann man sich eine solche Krasis im Tri- 
meter gefallen lassen, wie Weil Sept. 273 -/tJoax 
Mjji.t)vou (von Kirchhoff) in den Text setzt. Aber 
das Richtige und echt Aschyleische hat bereits 



Schütz geftir^, ^ >«« , , ,, 
natürüch iste^'^^/f,^ '^T*^ ^^^' »ehr 
Es lohnt sichT/^^^'*"',/'^ 'f^^ivoo Würde. 
Weise der Texten^', ^^^^' ^'''' eigentümlichen 
Zufall ist, ein besonll'""^^^' ^'^ ^^^ ^^«^^^^^ ^^^Ib 
Ag. 1599 istWeU nnt''^ ^^^^^rk zuzuwenden. 

welche aus i::o o^a-^c #'^^ "^'^^ ^^"^^ S'^'^^^ 
o^avac machen, weil damit eik^'^^^ ^*^"' ^^^^^^ 
Heferung gerettet wird. Es heSÜJ;^'^^^ ^f ^ Über- 
solcher Verderbnisse ganz verkenne^ ^ ® ^*^^^ 



selben Grunde aber darf auch Supp"; 



,n. Aus dem- 



1021 



vaiete nicht in ireptvaiovrat verändert Wl ^^ ^^9^" 
Weil mit Hermann thut, sondern in i:e[^®°; ^^^ 
was Marckscheffel (nach Heath) vorgeschla^*^*'^"**^» 
Die vorhergehende Anrede hat den Anlaß g®° "*^' 
an die Stelle der dritten die zweite Persc^^^*®'»» 
setzen. Ag. 1625 f. hat Weü diese Methode" ^n 
folgt und aix/uvoüa nicht mit Wieseler in aij*/!}«^^ 
sondern mit Keck in at(r/üv<i>v geändert; die falsc5(f' 
Auffassung von fuvai hat aus aJtr/uvcov das femin^ 
gemacht. Eum. 501 hat Weil wieder xiv für -et? ' 
gesetzt; der notwendige Akk. ist vielmehr mit 
ßpoToaxoTTOü? Moivaöa; herzustellen, welches nur 
wegen des daneben stehenden und falsch bezogenen 
Ttüvöe in ppoTOfJxoTTcüv Maivaduiv überging. — Noch 
einen andern die Methode betreffenden Funkt 
haben wir zu berühren. An drei Stellen (Sept. 288, 
Suppl. 71, 799) findet sich bei Aschylus xapöia 
(xapSiac und xapdiav) so gebraucht, daß ihm in 
der Antistrophe ein Spondeus entspricht. Weil 
führt zu Sept. 288 die Schreibung von Dindorf 
xap^ac an, aber auch zu dem respondierenden 
V. 305 drei Koi^jekturen, welche an die Stelle des 
Spondeus i/dpotc einen Creticus bringen. Mag man 
xapCa schreiben oder einfach den zweisilbigen Gebrauch 
von xapSia (kardja) statuieren, jedenfalls schützen 
sich die drei Stellen hinreichend und muß man 
endlich von Änderungen abstehen. Zweimal 
(Sept. 722 und 840) entspricht sOxrata eine 
Creticus, sodaß ai wie öfter in oeiXaioc u. a. al 
verkürzt angesehen werden muß. Ebenso ist txTaiou 
Suppl. 385 gebraucht. Weim man solche Stellen 
einzeln fUr sich nimmt, kann man zA^^eifeln; wenn 
man sie aber zusammenhält, muß man die ratio 
erkennen und gelten lassen. 

Die Überlieferung ^uvouTf^po; Suppl. 717 weist 
auf eü^vTTjpoi, nicht töovTrjpoc hin, und eiüuc, eOthl, 
euüüvoi, nicht {Du;, tBu, JOüvco sagten die Attiker. 
Weil schreibt JJbvTfjpoc, Pers. 4 1 1 ifbvev, 773 iOuve , 
860 iinjuüüvov, 764 Euduvnjptov, Prom. 287 £t>duvu>v. 
— Sept. 231 setzt jetzt Weil iretpoiji^vouc; aber 
das Schol. zum folgenden V. ttq Yüvaixt weist auf 
die ursprüngliche Lesart aoi hin, wonach aach 




78 



[No. 3.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [17. Januar 1885.] 74 



TTstpcopi^votc ZQ recht besteht und der bei den grie- 
chischen Dichtem so weit reichende Einfluß der 
Analogie (avSpuiv taS* iaxi S v. a. divöpoidi TrpotiQXSi) ZU 
erkennen ist. Ein ganz entsprechendes Beispiel 
bietet Soph. Oed- T. 353, wo die Konstruktion 
aus dem gleichen Grunde gewechselt ist, und 
Eum. 410, wo Weils Vermutung 6[iotoi>!y den Zu- 
sammenhang stört. Sept. 402 nimmt Weil <£vo(a 
auf. Damit aber fällt die Möglichkeit weg, für 
vüxT« TaüTT)v eine Erklärung zu finden. Denn nach 
dem Gesetze der so g. attractio inversa muß vu? 
auTTj Subjekt zu ^evotro sein. Vgl. Soph. 0. T. 
449, Trach. 283, Eur. Or. 1629. Daß es kein 
glücklicher Gedanke war, aus Sept. 792—802 ein 
Zwiegespräch zwischen Boten und Chorführer zu 
machen, zeigt die im Munde des Chorführers wenig 
passende Frage (797) xal xuXac ^epsf^uotc i^pa^d' 
(ASoBot jiovojio^foiJt irpoTrotTatc, sowie die nunmehr 
Oberraschende Frage (803) xi S' IttI irpaYpia 
vEoxoTOv iToXei rap^v; 

Doch wir dürfen uns hier nicht in Einzelheiten 
verlieren. Die Vorrede behandelt die Frage der Au- 
torität des cod. Mediceus. Weil neigt der Ansicht 
derjenigen zu, welche diese Handschrift nicht als 
die einzige Quelle der Überlieferung betrachten, 
meint jedoch, daß der archetypus der anderen 
Überlieferung dem Med. sehr ähnlich gewesen sei. 
Mit Recht geht Weil bei der Behandlung dieser 
Frage nicht von einzelnen guten Lesarten der by- 
zantinischen Handschriften aus. Für einen By- 
zantiner, der griechisch sprach, war es, wenn er 
Pers. 1060 TcenXov d^ Ipeide las, nicht schwerer zu 
erkennen, daß es Spetxe heißen müsse, als für uns 
etwa den SchreibfehleY „zerreite das Gewand** in 
^zerreiße" zu korrigieren. Auch dazu gehörte 
nicht Tiel, den abstrusen Ausdruck „ich werde ihn 
annageln an diesen menschenleeren Ort** Prom. 20 
in „an diese menschenleere Klippe'' zu verbessern. 
Das Wort iröi-fo; war durch mehrere andere Stellen 
des Stocks nahe genug gelegt. Dafür« daß wir 
dergleichen den byzantinischen Grammatikern wohl 
beimessen können, haben wir ja gleich einen Beweis 
an den Verbesserungen, welche der Scholien- 
schreiber des Med. gefunden hat, der z. B. Suppl. 429 
t' dat^av in tXqlIt^^ toIv, Cho. 311 pL^Yaott in jieT* 
duTEt, im Schol. zu Pers. 42 djv tpü^Tjv tairr^v in 
Tov rpu^i^v, zu Cho. 563 9ovtxi^v in 4>ü>xixr|V ändert. 
Den Elauptbeweis also sucht Weil in dem V. Sept. 195, 
welcher im Med. fehlt, und in der That glauben 
wir, daJß mit dieser Stelle das Ansehen der anderen 
Handschriften steht und fUllt Das Hatte, welches 
der V. Toiaüta tSv -jfüvaiÖ 9uvvauiiv lyotc nach 188 
|i,Tjt . . Wvoixoi fitjv Tcp ifovauxc((p "ifevgt ZU haben 



scheint, giebt Weil nicht zu. Dem Einwand, daß 
der V. die Lücke nicht ausfülle, begegnet er mit 
der Bemerkung, daß dann höchstens noch ein V. 
ausgefallen sei, daß aber nichts fehle, weil Eteokles 
mit svöov 5^ oZaoL ji9| 3Xa?T)v ti?>ei deutlich seinen 
Willen kundthue. Das ist ganz richtig; aber nicht 
minder richtig ist es, daß, wenn es heißt ^und 
wenn man nicht auf meinen Befehl hört** u. s. w., 
der Befehl schon vorausgegangen sein muß. Ich 
muß mich wirklich wundem, daß der sonst so un- 
befangene Verf. das Gewicht der Giünde verkennen 
konnte, welche für die Umstellung von 200 f. nach 
194 sprechen. Vielleicht sind sie ihm nicht mehr in 
Erinneiung gewesen. Ander falschen Stellung scheint 
von Anfang an nichts anderes schuld zu sein als 
die unrichtige Auffassung von 7ap in 200. 
Wenigstens ist diese wie das verkehrte Komma 
nach ßoüXeoeTu) die Ursache, wenn man die Not- 
wendigkeit dieser Umstellung nicht anerkennt. 
Was ist auch für ein Zusammenhang in den 
Worten: „und wer meinen Befehl nicht hört, 
wird gesteinigt werden. Denn dem Manne liegt 
die Sorge für das Äussere ob*. Kurz jx^ ^uv^ 
ßouXeueTcu Ta^cu&ev xxe lautet der Befehl und \ki\ti 
^dp dvSpi ist nur die vorausgeschickte Begründung. 
Sehr gut schließen sich an die Drohung die Worte 
an: „hast Du mich verstanden?'' Die Stelle aber 
beweist besser als jede andere, daß die byzantinischen 
Handschriften wahre Irrlichter sein können. Ich 
kann auch in Ipavtai (IppavTat) Sai^x^via Pers. 581 
weiter nichts als einen Versuch finden, aus dem 
räthselhaften ipadai[i.($via wenigstens Wörter zu 
machen. Übrigens muß man sowohl des Vers- 
maßes als auch des Sinnes halber oupavia als ur- 
sprüngliche Lesart und Sai^x^vta als Glossem er- 
kennen. So erklärt sich am besten das Znsammen- 
wachsen von Textwort und Glossem. Was über 
den Farn, gesagt wird, wollen wir nicht weiter 
erörtern. Eigentlich kommt die Frage nur für 
eine einzige Stelle in betracht, Ag. 1024, und da 
ist sicher euXa^e(oc, nicht d^Xa^et^^ das Richtige. Im 
übrigen kann ich auf die Bemerkungen meines 
öfter erwähnten Aufsatzes verweisen. 

Die Ephymnien nimmt Weil an, bloß für den 
Kommos Ag. 1448—1576 läßt er sie nicht gelten. 
Wenn nur nicht ein Ephymnion schon da wäre. 
Nirgends scheinen die Ephymnien vereinzelt zu 
stehen, wenn mehrere Strophen vorhanden sind, 
auch Pers. 636 ff. nicht, wo vielleicht das erste 
Strophenpaar ebenfalls am Schluß einen Ruf wie 
f^e (etwa gar das Aristophanische kuot?) hatte. 
Es müssen also die Lücken gerade an der Stelle, 
wo die Ephymnien ihren Platz haben, uns ebenso 



j 



76 



[No. S.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [17. Januar 1885.] 76 



hier wie in den anderen Chorgesängen dentliche 
Fingerzeige sein. Eine kanstlichere Verschlingung 
der Strophen können wir auch für den Kommos 
Cho. 306-478 nicht zageben. Doch darüber ist 
anderswo aasführlicher gehandelt worden. 

Passan. Wecklein. 

Ivo Bruns, Lucrez-Studien. Freiburg 
i. B. u. Tübingen 1884, J. C. B. Mohr. 80 S. 
2 M. 

Der scharfsinnige and gelehrte Verf. schließt 
aus dem Widersprach zwischen der populären 
Tendenz des Lukrezischen Gedichtes und den mehr- 
fach in ihm vorkommenden Mahnungen zu selb- 
ständigem Weiterforschen, daß der Dichter eine 
Epikurische Schrift für die Voi^eschrittneren zu 
gründe gelegt habe. Wie sollte Lukrez zu 
dieser Verkehrtheit kommen? Er scheint ein Ele- 
mentarkompendium zu gründe gelegt und in dieses 
vieles aus Schriften für die Trpo^e^iQxoTec hineinge- 
arbeitet zu haben. — Die Lehre von der Zuver- 
lässigkeit der Sinne bringt Lukrez angeblich grund- 
sätzlich in polemische Exkurse. — Das ist docb 
der Sinn, wenn B. auch nur von „Plan** und »Me- 
thode* spricht. Darauf 'nagelt', wie man jetzt 
sagt, der Verf. ihn *fest'. Aber wie *einmar, so 
ist auch 'zweimal noch keine Gewohnheit'. Wie 
I 690—700 sachliche Gründe für die Behandlung 
der Sinnenfrage im polemischen Exkurse sprechen, 
so 418 ff. für ihre Berührung im Lehrvortrage, 
und daß jene vier erkenntnistheoretischen Verse 
den Leser abschrecken könnten, wird B. doch wohl 
nicht behaupten. — Der grundlegende Abschnitt 
I 159—698 weicht in seiner Anordnung von der 
des entsprechenden Teiles des Briefes an Herod. 
ab. Giebt uns denn aber der letztere die 
Anordnung der Vorlage des Dichters wieder? 
Es lassen sich bedeutende Verschiedenheiten 
mindestens wahrscheinlich machen. Die un- 
günstige Kritik der Darstellung in I 159—397, 
in welcher der Begriff des Atoms und seiner Ewig- 
keit vorweggenommen sein soll, beruht wesentlich 
auf Mißverständnissen des Verf. — B. kommt zu 
dem Ergebnis, I 159—397 — Nß. ein inte- 
grierender Teil der Untersuchungen von B. I — 
sei ursprünglich eine isolierte Arbeit gewesen, von 
419 an sei der Plan einer Lehrschrift fixiert, aber 
erst im weitern Verlaufe der Arbeit der Entschluß 
gereift, *eine stillschweigende Modifikation der 
Lehre(!) vorzunehmen und die Kanonik zu besei- 
tigen'. Adopinamur de signis maxima parvis. Was 
der Verf. vor allem beweisen wollte, scheint er 
mir nicht bewiesen zu haben, dagegen enthält die 



Arbeit manches, was für das Verständnis des 
Briefes an Herod. von nicht zu unterschätzendem 
Wert ist. 
Halle a. S. Adolf Brieger. 



C. Julii Caesaris commentarii de hello 
eivili. Für den Schalgebrauch erklärt von 
A. Doberenz. Mit einer Übersichtskarte, 
einer Einleitung, einem geographischen und 
grammatischen Register. Fünfte Auflage, be- 
sorgt von B. Dinter. Leipzig 1884, Teubner. 
Xn, 308 S. 8. 2,40 M. 

Dinter hat die Ausgabe von Doberenz so durch- 
greifend umgestaltet, daß man nur noch hie und 
da Beste des ursprünglichen bemerkt, die sich 
manchmal recht seltsam in der neuen Umgebung 
ausnehmen. Der Text ist an etwa 150 Stellen 
geändert, und die Anmerkungen, die Doberenz für 
einen schwachen Tertianer eingerichtet hatte, sind 
jetzt für Sekundaner und Primaner bestimmt, ja 
sie greifen manchmal noch weiter hinauf; denn 
auch ein Primaner wird kaum 'die bekannte Stelle' 
Liv. XXI 33, 3 immobiles — eos defixit im Kopfe 
haben. Dadurch tritt die Teubnersche Schulaus- 
gabe nunmehr gleichberechtigt neben die Weid* 
mannsche, aber nur in grammatischer Beziehung; 
die historischen Bemerkungen sind bei Kraner* 
Hofmann an Inhalt und Fassung besser, und die 
Karten bei Teubner sind nui* flüchtige Zeichnungen, 
die manchmal mit Text und Anmerkungen in 
direktem Widerspruche stehen. 

Für den Text hat Dinter natürlich seine Aus- 
gabe zu gründe gelegt; doch finden sich dazu noch 
einzelne Neuerungen. Vgl. I 3, 3 completur 
urbs et ipsum comitinm (Hug); I 80, 4 Caesar 
relictis munitionibus cum legionibns subsequitur 
(Köchly); U 29, 3 erat civile bellum; genus homi- 
num, quod licere sibi crederet libere fecere; IH 10, 10 
omnes suas terrestres copias nrbiumque praesidia 
statim se dimissurum; 32, 3 paene vicis castel- 
lisque singulis singuli cum imperio praeficiebantur ; 
49, 4 ut erant loca montuosa et aditus perangusti 
vallinm; 69, 5 dimissis locis aequis ad eundem 
dorsum confugerent; 96, 3 detractis insignibus im- 
peratoriis. 

Die Anmerkungen sind wenig übersichtlich, weil 
D. auch alle kritischen Bemerkungen hineingezogen 
hat und eine Unsumme Ziffern von Belegstellen 
giebt, die oft recht überflüssig sind. Überhaupt 
hat D. das reiche Material, das er mit langjährigem 
Fleiße gesammelt hat, nicht gehörig geprüft, darum 
findet sich Gutes und Wertloses dicht beieinander. 



77 



[No. 3J 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [17, Januar 1885.] 78 



Gut sind beißpielsweise folgende Anmerkungen: 
I 58, 4 dum nur hier bei C. = dummodo • II 32, 8 
clam vobis ist die einzige Stelle klassischer 
Prosa für clam mit dem Ablativ; II 41, 3 ut 
spem onmem in virtute reponant, C. braucht sonst 
in der vorliegenden Redensart nur ponere ; III 30, 4 
quia nur hier bei C; HI 80, 6 aggressus nur 
hier in den Komm, mit dem Inf. Aber diese Be- 
merkungen sind an anderer Stelle ganz wertlos, 
vgl. I 14, 4 deducere coloniam nur hier bei C; 
III 2, 1 feriis Latinis nur hier bei C. ; manchmal 
sind sie falsch, so I 13, 4, denn nonnuUa steht 
als Sing, auch I 46, 2. — Gar zu fein ist die 
Beobachtung DI 84, 1 re frumentaria praeparata 
confirmatisque militibus: praeparata nur hier statt 
des gewöhnlichen comparata, ^das con- in con* 
tirmatis ist jedenfalls für den Schrifsteller (un- 
bewußt) die Veranlassung gewesen, vorher prae- 
zu setzen*. — Manchmal ist die Erklärung um- 
ständlich vgl. m 80, 2 quod multis auxerat parti- 
bus heißt doch 'vielfach', nicht *eig. in vielen Be- 
ziehungen d. h. um vieles* ; manchmal bedenklich 
vgl. I 79, 4 incitati cursu *als wenn incitato 
stände', denn diesen untergeschobenen Ausdruck 
giebt es nicht, G. II 26, 3 muß cursu incitato jeden- 
falls aufgegeben werden, wie bereits Hotmannns 
bemerkt hat. Dem Gäsarischen Sprachgebrauch 
widerspricht die Bemerkung zu I 40, 4 ex aggere 
atque cratibus, quae flumine ferebantur: *quae 
kann nentr. gen. sein nach I 40, 5 usus ac dis- 
ciplina, quae a nobis accepissent* , es muß an 
letzterer Stelle nach ß quam geschiieben werden, 
wie Schneider richtig erkannt hat. — Nutzlos ist 
die Auffrischung hohler Qrammatikerausdrücke 
wie: asyndeton summativum, continens pro con- 
tento, comparatio compendiaria u. dgl. 

Bei der Fülle von Anmerkungen vermißt man 
doch zuweilen etwas Notwendiges, z. B. zu I 8, 3 
semper se reipublicae commoda privatis necessi- 
tudinibus habnisse potiora. An dieser Stelle stutzt 
der Anfänger, weil die Schulgrammatik den Abla- 
tivus comparationis f&r quam mit dem Objekt stief- 
mütterlich behandelt: er kommt jedoch nur des- 
halb seltener vor, weil überhaupt Objekte weniger 
oft verglichen werden als Subjekte, zieht man dies 
in Rechnung, so wird man den Ablativ ebenso 
häufig angewendet finden als quam mit dem Ob- 
jekt Vgl. ö. VII 19, 5 nisi eorum vitam sua salute 
habeat cariorem. Von einem Einflüsse der Nega- 
tion auf diese Ausdmcksweise, wie Ellendt-Seyffert 
§ 180, 1 behauptet, kann natürlich keine Bede sein. 

Ein paar Einzelbemerkungen ordne ich nach 
der Reihenfolge der Bücher. I 15, 3 ist zu 



schreiben qui . . . conatus <a^ magna parte mi- 
litum deseritur (Hug), denn anch die -Kollektiva, 
dies hat Dinter übersehen, stehen stets mit der 
Präposition. I 32, 7 muß, wie Gilbert gesehen 
hat, aus der Handschrift D aufgenommen werden; 
sin timore defugiant illi, se oneri non defuturum. 
I 36, 3 reliquas merces commeatusque ad obsi- 
dionem urbis, si accidat, reservant erklärt Dinter 
mit seinen Vorgängern 'si accidat nämlich obsidio 
urbis'; für diese Ergänzung giebt es jedoch keine 
Belegstelle, die von Held citierten Stellen sind nur 
äußerlich ähnlich vgl. Mensel Lexikon pag. 72, 
vielmehr führt die Vergleichung von G. VH 74, 1 
ut ne magna quidem multitudine, si ita accidat, . . . 
munitionnm praesidia circumfundi possent sofort 
auf si <ita> accidat. II 20, 3 ist sua sponte 
schon von Dübner statt sponte sua eingesetzt, 
n 23, 4 reliquae Caesaris naves eins fuga se 
Adrumetum receperunt wird erklärt eins fuga -= 
postquam fugit; als ähnliche Ablative der Zeit 
sind nur adventu und discessu gesichert, es liegt 
darum die Vermutung <cognita> eins fuga sehr 
nahe. HI 75, 3 si itinere impeditos perterritos de- 
prehendere posset kann nicht durch die Unter- 
ordnung eines abl. abs. unter einen andern abl. 
abs. gerechtfertigt werden, noch weniger aber durch 
Berufung auf III 78, 3: ut, si Pompeius eodem con- 
tenderet, abductum illum a mari atque ab iis copüp, 
quas Dyrrhachii comparaverat, frumento ac com- 
meatu abstractum pari condicione belli secum de- 
certare cogeret. Hofmann, Dinter und Mensel 
(abstraho) konstruieren diese letztere Stelle falsch : 
sie verbinden a mari atque ab iis copiis, fassen 
abductum und abstractum asyndetisch und ziehen 
zu abstractum die Ablative frumento ac commeatn. 
Nun wird jedoch abstrahere nur mit a verbunden, 
und so ergiebt sich die Konstruktion: abductum 
. . atque . . abstractum; zu abductum gehört a 
mari, zu abstractum aber ab iis copiis, die 
Ablative frumento ac commeatn bilden zu copiis 
die Apposition, oder vielmehr: sie sind ein Glossera. 
Wahrscheinlich ist HI 75, 3 impeditos <ac> per- 
territos zu schreiben. 

Für eine neue Auflage ist eine genaue Revision 
des Druckes sehr wünschenswert. 
Berlin. Rudolf Schneider. 



Franz Fröhlich, Die Bedeutung des 
zweiten pnnischeD Krieges für die Ent- 
wicklang des römischen Heerwesens. 
Leipzig 1884, B. G. Teubner. 72 S. 8. 
1,60 M. 

Für die Entwicklung des römischen Heerwesens 



79 



[No. 3.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [17. Januar 1885.] 80 



muß ein Krieg wie der Kannibalische unstreitig 
von großer Bedeutung gewesen sein. Die vor- 
liegende sehr verdienstliche Schrift unternimmt es» 
dies im einzelnen nachzuweisen. *Ein großer Teil 
der Reorganisationen L^ßt sich auf den älteren 
Scipio Africanus zurückführen, welcher strategisch 
imd taktisch alle römischen Feldherrn seiner Zeit weit 
überragte'. Die einzelnen Abschnitte haben folgende 
Überschriften : I. Die Reiterei. IL Einige Bemerkun- 
gen über die auxilia. IIL Die Verwendung der Ele 
fanten im römischen Heere. IV. Die Leibwache des 
älteren Scipio Africanus. V. Die evocati. VI. Die ve- 
lites. Vll. Das spanische Schwell und die Arbeiter- 
truppen des römischen Heeres. VIII. Das Be- 
lageruogswesen. IX. Schlachtordnung und Legions- 
kohorten. X Märsche und Sicherheitsdienst. XI. 
Die Flotte und ihre Bemannung. 

I. *Der ältere Scipio Africanus war der erste 
römische FeldheiT, welcher in größerem Maßstabe 
und mit Erfolg ausländische Reiterei zuzog*. Die 
Gründe, warum besonders fremde Reiterei not- 
wendig wurde, werden eingehend dargelegt. 

IL Die auxilia zu Fuß treten in größerer Zahl 
erst im zweiten Punischen Kriege auf. 

111. 'Die Elefanten bildeten einen integrierenden 
Bestandteil der nach dem zweiten Punischen Krieg 
regelmäßig aus Numidien geschickten Hülfsvölker'. 
Sie haben den Römern gelegentlich treffliche 
Dienste geleistet, verschwinden aber nach der Zeit 
der Gracchen als regelmäßiger Bestandteil der 
römischen Heere. 

Daß die cohors praetoria dem älteren Scipio 
Africanus ihre Entstehung verdanke, hatte der 
Verf. schon in einer früheren Schrift darzuthun 
versucht. Im IV. Abschnitt wird jener Beweis 
kurz wiederholt, nachdem vorher die Existenz der 
Leibwache gegen Zielinski, der sie leugnete, ver- 
teidigt worden ist. Ich habe mich aber auch jetzt 
nicht überzeugen können, daß in der Stelle bei 
Paul. Fest. p. 223 M. der ältere Scipio Africanus 
verstanden werden müsse. 

V. weist zwei Fälle aus dem Anfange des zweiten 
Jahrb. v. Chr. nach, in denen ausgediente Soldaten 
freiwillig wieder Dienst nehmen. 'Die Existenz i 
des Institutes der evocati* ist dadurch aber noch 
nicht bewiesen, wie der Verf. meint 

VI. Die velites verdanken dem zweiten Punischen 
Kriege nicht ihre Entstehung, sondern nur eine 
Erweiterung ihrer Thätigkeit. Sie werden ver- 
wandt in Verbindung mit der Reiterei und selb- 
ständig, ^wodurch sie auch zum Uandgemenge ge- 
langen'. 

Der VII. Abschnitt zeigt, wie Scipio zweimal 



ein Handwerkerkorps aus Fremden bildete. Das 
erste Mal wird in Verbindung gebracht mit der 
Einführung des spanischen Schwertes, über welches 
wir bei dieser Gelegenheit einiges erfahren, 'Livios 
ei-^^ähnt es auch für Veliten und Reiter; für letztere 
haben wir uns dasselbe natürlich länger und be- 
sonders zum Einhauen geeignet zu denken. Übrigens 
scheint diese neue Angriffswaffe in der Form nicht 
allzu verschieden gewesen zu sein vom älteren 
römischen Schwerte', wie aus Polybius' Bericht über 
die Schlacht bei Telamon gefolgeit wird. Was ist 
denn nun das Wesentliche am spanischen Schwerte ? 
Vin. *Auf jeden Fall hat der zweite Punische 
Krieg auch dem Belagerungswesen neuen Impuls 
gegeben. Der Sturm ohne gehörige Vorbereitung 
wird seltener, die methodische Berennung tritt in 
den Vordergnmd\ Inwiefem indes jener Krieg 
daran schuld ist, wird aus der Darstellung nicht klar. 

IX. Scipio wendet eine neue Schlachtordnung 
an und versucht die Zusammenziehung melirerer 
Manipel zu einem manövrierfähigen Ganzen. *Die 
administrative Kohorte bestand für die Legion 
schon lange vor dem zweiten punischen Kriege'. 

X. 'Die größere Beweglichkeit, welche im Laufe 
des zweiten Punischen Krieges in das römische 
Heer kam, offenbarte sich namentlich auch in seinen 
Märschen'. Belehrend ist die Parallele, welche der 
Verf. aus der neuesten Kriegsgeschichte anführt 
(Marsch des General Hicks) Der Sicherheitsdienst 
wird sorgfältiger. 

XL Schiffe von Bundesgenossen bilden nach 
dem zAveiten Punischen Kriege *einen integrierenden 
Bestandteil der römischen Flotte'. Dieser Krieg 
gab auch den Anstoß zur Verwendung der Freige- 
lassenen zum Dienst zur See. 

Daß die Ergebnisse nicht immer ganz so sicher 
sind, als der Verf. sie hinstellt, liegt an der Be- 
schaffenheit der Quellen. Wir müßten vor allen 
Dingen genauer wissen, wie die Verhältnisse vor 
dem Kriege waren; für die Zeit nach demselben 
sind wir ja besser unterrichtet. Da vielfach erst 
Einzeluntersuchnngen notwendig waren, so lag für 
den Verf. die Gefahr nahe, sich zu sehr in denselben 
zu verlieren, besonders da er meist die ganze Zeit 
bis Marius berücksichtigt — die Elefanten verfolgt 
er sogar noch fast 300 Jahre weiter. Diese Ge- 
fahr hat er nicht genugsam vermieden, wie schon 
die Überschriften der Abschnitte andeuten. — Die 
Bemerkung über *die Hebung des Unteroffizier- 
korps' (!) reicht z. B. auch nicht hin, die Be- 
sprechung der evocati dem Titel des Buches gegen- 
über zu rechtfertigen. In den ersten Abschnitt 
*Die Reiterei* ist eine Abhandlung eingelegt über 



j 



8t 



[No. 3.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [17. Januar 1885.] 82 



die Stärke des Heeres, mit welchem Scipio nach 
Afrika übersetzte. In welchem Zusammenhange 
diese mit der Reiterei und tiberliaupt dem ganzen 
Buche steht, ist mir nicht ersichtlich. Solchen 
Ausstellungen konnte der Verf. leicht entgehen, 
wenn er dem Buche einen anderen Titel gab; da 
er den vorliegenden gewählt hat, konnten sie ihm 
nicht erspart werden. Der Wert der einzelnen 
Untersuchungen als solcher wird dadurch natürlich 
nicht berührt. 

Duisburg. J. Wilh. Fo erster. 



B. Bennssi, LTstria siiio adAugasto. 
Trieste e Pola 1883, Schmidt. XIV, 353 S. 
gr. 8. 8 M. 

Der Verfasser will eine ausführliche Darstellung 
der älteren Geschichte seiner Heimat liefern uud 
vornehmlich das Material vollständig zusammen- 
stellen, um so ein Repertorium für spätere For- 
schungen zu schaffen. Das Material ist mit gi*oßem 
Fleiß zusammengetragen, die neueren Forschungen 
sind sorgfältig berücksichtigt, Kontroversen ein- 
gehend erörtert, und auch wer nicht mit allen 
Resultaten einverstanden ist, wird eingestehen, daß 
das Urteil stets vorsichtig gefällt ist. Die Quellen- 
berichte sind vielfach wörtlich angeführt, merk- 
würdigerweise die griechischen meistens in latei- 
nischer Übersetzung, was denn oft zur Folge hat, 
daß zur Erklärung das Griechische daneben gesetzt 
werden mußte Die Einleitung bespricht die Geo- 
graphie, wobei besonders der Bau der südöstlichen 
Alpen eingehend dargelegt wird. Kap. 1 handelt 
von dem Namen Istrien, wobei B. nach Erörterung 
der verschiedenen Ableitungen S. 41 zu dem nicht 
recht befriedigenden Resultat kommt, daß die 
alte Meinung Hipparchs, welche ihn mit dem Fluß 
Istros in Verbindung bringt, die größte Walu-- 
scheinlichkeit für sich habe. Weit wahrschein- 
licher bleibt es doch immer, daß die ganze An- 
nalime von der Ausmtindung der Donau ins Adria- 
tische Meer aus dem Namen Istrien hervorgegangen 
ist. Kap. 2 bespricht die Grenzen. S. 52 ff. giebt 
B. sich vergeblich Mühe, die Karner vom Triesti- 
nischen Busen zu entfernen. Gegenüber der aus- 
drücklichen Angabe Strabos V 1,8 p. 214, daß 
Aqnileia außerhalb der venetischen Grenze lag 
und der Tagliamento die Grenze des venetischen 
Gebiets bildete, der des Plmius III 127, daß die 
Gegend des ebengenannten Aquileia zum Kamer 
Gebiete gehörte, und der des Ptolemäus III 1, 22, 
der die Mündungen des Tagliamento und des Natiso 
ins Karnergebiet setzt, läßt sich die Ausdehnung 



der Karner bis an die Küste nicht leugnen. Wenn 
Skylax und Skymnos die Veneter unmittelbar neben 
die Histrer setzen, so stammen ihre Nachrichten 
aus der Zeit, bevor die keltischen Kamer hier 
eindrangen. Auf jene Zeit geht auch der Diomedes- 
kult der Veneter am Timavns (Str. V 1 , 9 p. 215). 
Wenn B. 8. 59 f. Plinins' Zeugnis durch die 
Annahme zu entkräften sucht, daß er mit „regio* 
nur die zehnte Region Italiens bezeichnen wolle, 
so können doch die Worte „Caraoram haec regio" 
nimmermehr etwas anderes bedeuten als „diese 
Gegend gehört den Karnern ". Wenn Ptolemäus 
auch Concordia den Karnern zuteilt, so liegt das, 
wie Müller bemerkt, nur daran, daß er in-tümlich 
Concordia östlich von Forum lulium ansetzt, wo- 
durch es ins Karnergebiet fallen muß. 

Sehr eingehend wird in Kap. 3 die Nationalität 
der Histrer erörtert. B. entscheidet sich dahin, 
daß die alten Histrer thrakischen Stammes gewesen 
seien, später sei jedoch die Halbinsel keltisch ge- 
worden. Das erstere hat die Angaben des Skylax 
und Skymnos für sich, das zweite stützt sich auf 
sprachliche Beobachtungen an den istrischen Orts- 
und Personennamen, welche zu diesem Zweck sehr 
eingehend erörtert werden. Daß später in Istrien 
starke keltische Elemente vorhanden waren, kann 
nicht geleugnet werden ; als endgültig entschieden kann 
man die Frage aber doch nicht betrachten. Ein- 
mal felüt noch jede sichere Grundlage, um die 
illyrischen Sprachelemente von den keltischen zu 
unterscheiden, und es ist kaum festzustellen, wie 
viel von den keltischen Elementen erst unter rö- 
mischer Herrschaft nach Istrien gekommen ist. 
Ferner ist es auffallend, daß bei den zahlreichen 
Erwähnungen von Kelten im Norden des Adria- 
tischen Meeres doch nie die Histrer als Kelten 
bezeichnet werden. Wenn außerdem B. die Veneter 
ebenso in alter Zeit für Thraker, später für Kelten 
hält, so stimmt dazu wenig die stete Feindschaft 
zwischen Venetern und Kelten, die schon zur Zeit 
der Einnahme Roms durch die letzteren heiTortritt 
(Pol. II 18, 3). Polybius bezeichnet die Veneter 
auch ausdrücklich als ein Volk anderer Abstammung 
(U 17,5). Ebenso stimmen die von B. selbst an- 
genommenen lange dauernden Kämpfe zwischen 
Histrem und Kelten wenig zur keltischen Nationa- 
lität der ersteren, besonders sieht man nicht ein, 
wann und wie etwa B. sich die Keltisierung Istriens 
vorstellt. 

Kap. 4 behandelt die Geschichte Istiiens vor 
der römischen Eroberung; Kap. G „Coltura", was 
wir von den ältesten Zuständen Istriens wissen 
oder mehr nach Analogie vermuten können, wobei 



83 



[No. 3.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [17. Januar 1885.] 84 



besonders eingehend von den alten Handelsstraßen 
dnrch Mitteleuropa die Bede ist, Kap. 7 die Ge- 
schichte Istriens während der Eepnblik. In Kap. 8 
ist der erste Abschnitt speziell der Widerlegung 
meiner Annahme, daß niyrien bereits 118 v. Chr. 
als eigene Provinz eingerichtet sei, gewidmet. Es 
sind im wesentlichen keine neuen Gründe, welche 
dagegen ins Feld geführt werden. Die Expedition 
des MeteUus gegen die Delmaten stellt B. S. 296 f. 
nach Appians Auffassung als ganz unbedeutend 
dar; aber über einer solchen schwach begründeten 
Meinung des in der Mheren illyrischen Geschichte 
wenig unterrichteten Geschichtschreibers werden 
manche Thatsachen, die er sich mühsam heraus« 
gesucht hat, vernachlässigt. Mit dem Zuge, den 
Metellus und Cotta 119 nach Siscia unternahmen, 
soll der delmatische Feldzng in gar keiner Ver- 
bindung stehen (S. 297). Also glaubt B. im Ernst, 
daß Metellus 119 den ziemlich schwierigen Feldzug 
bis nach Sissek unternommen habe, dann mit 
seinem Heere nach Rom zurückgekehrt sei, um 
im nächsten Jahre gegen die Delmaten auszuziehen? 
Wenn man hier keinen Zusammenhang findet, so 
läßt sich aus abgerissen überlieferten Thatsachen 
überhaupt keine geschichtliche Erkenntnis ge- 
winnen. S. 298 meint B., die Einsetzung von 
8 Prätoren durch Sulla setze 10 Provinzen voraus, 
wonach lUyrien aus der Zahl der damaligen Pro« 
vinzen zu streichen wäre. Ich habe (römische 
Herrschaft in Illyrien S. 192 ff.) gezeigt, da(i nach 
Sullanischer Ordnung die konsularischen Provinzen 
in der B«gel zweijährig waren. Es waren also 
mit Einschluß von Illyrien jährlich 9 Provinzen 
neu zu vergeben, für welche 10 Statthalter zur 
Verfügung standen, sodaß auch dem nicht seltenen 
Fall Rechnung getragen war, daß einer der Be- 
rechtigten keine Provinz übernehmen wollte. Wenn 
B. S. 299 aus Eutrops Angabe (5, 7), Sulla habe 
auch gegen die Delmaten gekämpft, schließt, daß 
damals Illyrien keinen eigenen Statthalter gehabt 
habe, so müßte danach Illyrien damals mit Ma- 
kedonien vereinigt gewesen sein. Dagegen habe 
ich 1.1. S. 162 gezeigt, daß nach Granius Licinianus 
an Stelle der Delmaten die Dentheleten zu setzen 
sind, mag nun der leicht erklärliche Fehler von 
Eutrop oder von einem Abschreiber herrühren. 
Über meinen Nachweis, daß Cäsar i. J. 59 nicht 
zwei, sondern drei Provinzen erhalten hat, geht 
B. kurz hinweg; i. J. 49, als Cäsar zuletzt sich 
erbot, sich mit Illyrien und einer Legion zu be- 
gnügen, betont B. S. 300 die rhetorisch über- 
triebenen Worte des Yelleius II 49: „cum una le- 
gione titulum retinere provinciae*; Cäsar sei es 



nicht darum zu thun gewesen, eine Provinz za 
behaupten, sondern nur den Prokonsulartitel und 
damit die magistratische Qualität zu behalten. 
Dagegen ist zu bemerken, daß ein Amtstitel ohne 
das entsprechende Amt überhaupt Erfindung einer 
späteren Zeit ist. Velleius bezeichnet die illyrische 
Statthalterschaft als bloßen titulus provinciae im 
Vergleich zu den größeren und wichtigeren Ge- 
bieten, welche Cäsar preiszugeben bereit war. 
Wenn B. S. 302 App. 111 19 als Beweis anführt, 
daß Ulyiien zur Statthalterschaft des Decimus 
Brutus gehörte, so wird er damit wohl wenig 
Anklang finden. Daß nach Cäsar noch einmal 
Illyrien mit dem diesseitigen Gallien zusanunenge- 
worfen sei, hat sonst niemand behauptet. Appian 
schöpft hier aus Augustus' Kommentaren, und da 
dürfen wir am wenigsten die von ihm mitgeteilte 
Thatsache verdrehen. Aus seinen Worten Sc i<JXT5x€- 
<jav Ix Tou iroXejiou, 8v Aextfxo; BpooToc ivxaufta 
iitoX£[XT,aev 'Avriovio) xe xal tc5 2eJia(JTt{> eine Expe- 
dition des Decimus Brutus gegen die Japuden zu 
machen, ist durchaus unzulässig, und die Kata- 
Strophe des Decimus nach dem mutinensischen 
Kriege ist nach dem Abbrechen des Briefwechsels 
mit Cicero nicht so klar, daß wir eine solche be- 
stimmte Nachricht, mag sie auch etwas auffallend 
scheinen, verwerfen dürften. Unrichtig ist es, wenn 
B. S. 303 meint, wenn eine Provinz Delmatien 
bestand, hätte das Land der Delmaten der Aus* 
gangspunkt der Feldzüge gegen die Japuden sein 
und gegen dieses hätten die Japuden vorzüglich ihre 
Plündemngszüge richten müssen. Im Kriege konunen 
politische Einteilungen überhaupt nicht in erster 
Linie in betracht, und am wenigsten kümmern sich 
räuberische Völkerschaften darum. Ebenso ist es un- 
begründet, wenn B. S.395 aus Plin. m 127 heraus- 
liest, der Fonnio wäre erst 42 v. Chr. Provinzgrenze 
geworden. Aus „anticus auctae Italiae termians" 
kann doch niemand mehr ersehen, als daß nach 
der Erweiterung Italiens der Formio Grenze des- 
selben war, über den früheren Zustand ist damit 
absolut nichts gesagt, und da 42 v. Chr. Istrien 
von Italien ausgeschlossen wurde, halte ich es für 
wahrscheinlich, daß es früher zu Illyrien, nicht 
zur Cisalpina gehörte. Wenn B. S. 297 die Aus- 
schließung Istriens von Italien durch die Notwendig- 
keit des militärischen Schutzes begründet, so war 
damals die ganze Transpadana in derselben Lage, 
und daß nach 42 in Istrien Truppen g'estanden 
haben, ist nicht nachzuweisen. 

Die folgenden Abschnitte handeln von der 
inneren Lage Istriens, worüber sich freilich bei 
dem Mangel an Nachrichten wenig Sicheres sagen 



S5 



[No. S.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [17. Janaar 1885.] 86 



läßt. Die Gründang der Kolonien Triest nnd Pola 
mutmaßt B. S. 328 i. J. 129, weil damals ein 
Aufstand der Histrer niedergeworfen sei. Doch 
wenn gerade der Feldzag des Taditanos mit der 
Gründang der beiden Kolonien zn einer danemden 
Berahigung der Halbinsel geführt hätte, so wäre 
die Fortlassang der Histrer in der Triamphaltafel 
um so auffallender, und ob damals wirklich auch 
die Histrer bekämpft sind, ist mir auch heute noch 
zweifelhaft (1. 1. S. 135 f.). Ein Anhang endlich 
behandelt die aus dem Altertum überlieferten geo- 
graphischen Namen. 

Königsberg i. Pr. G Zippe 1. 



III. Auszüge aus Zeitschriften, Pro- 
grammen und Dissertationen. 

SItxiuigsberichte der Sgl, Preafs. Akademie der 
Wiasenschaften zn Berlin. 1884. 
Xl^II. 30. Oktober. Gesamteitzung. 
Vorsitzender Sekret&r: Hr. £ Dn Bois-Reymond. 
I. Hr. y. Sjrbel las über Preußens deutsche 
Politik im Anfange des Jahres 1849. Die Mit- 
teilung wird später erscheinen. 2. Hr. Anwers legte 
die mit Unterstützung der Akademie heraosgegebenen 
„Photometrischen Beobachtungen von Fixsternen aus 
den Jahren 1876 bis 1883 von J. Th. Wolff, Berlin 
1884 (G. Reimer), vor. 8. Derselbe überreichte im 
Auftrage des Verfassers, Hrn. Prof. Dr. Helmert in 
Aachen, den zweiten Band von dessen Werk ,,Dic 
mathematischen und physikalischen Theorien der 
höheren Geodäsie*. 4. Hr. Kronecker überreichte 
das 1. Heft des XIV. Bandes der unter besonderer 
Mitwirkung der HH. Fei. Müller und Alb. Wagner 
von Hm. Carl Orihnunn herausgegebenen Fort- 
schritte der Mathematik. 5. Hr. Walte überreichte 
einen neuen Teil der Monumeota Germaniae historica. 
Diplomatum Regum et Imperatorum Germaniae T. I. 
P. ni. Ottonis I. Imperatoris Diplomata. 6. Zu den 
folgenden Bewilligungen ist die Genehmigung des vor- 
geordneten Ministeriums erfolgt: von 750 Mark an 
den Dozenten in der hiesigen medizinischen Fakult&t, 
Hm. Dr. Georg Salomon, zur Fortfühmng seiuer 
Untersuchungen über die XanthinkOrper; von 500 
Mark an Hm. Dr. Georg Volkens hierselbst zur Er- 
forschung der Vegetationsverbältuisse in der ägypti- 
schen Wüste; von 500 Mark an Hm. Prof. Greeff in 
Marburg zu einer Reise nach den Guinea- losein; von 
180 Mark an die G. Belmersche Verlagsbuchhandlung 
hierselbst als Beihülfe zur Herausgabe des 2. Heftes 
des V. Bandes der Etmskischen Spiegel von Gerhard. 

XLIIL XLIV. 6. November. Sitzung der pbilos.- 

bist Klasse. 
Vorsitzender Sekretär: Hr. Mommsen. Hr. DIU« 
mann las: Die Kriegsthaten des Königs Amda-Sion 



gegen die Muslim. Die Abhandlung ist in dem Hefte 
mitgeteilt. 

XLV. 13. November. Gesamtsitznng. 
Vorsitzender Sekretär: Hr. E. da Bols-Reymond. 
1. Hr. Anwers las über Bestimmung eines fun- 
damentalen Meridians durch absolute Metho- 
den. 2. Hr. ConEO le^te vor: Band II. der antiken 
Terrakotten, im Auftrage des archäologischen Instituts 
des Deutschen Reichs herausgegeben von Reinhard 
Keknl^ enthaltend die Terrakotten von Sizilien, be- 
arbeitet vom Herausgeber, mit LXI Tafeln in Radie- 
rungen von Ludwig Otto (Berlin und Stuttgart, Ver- 
lag von W. Spemann, 1884). 

XLVII. 20. November. Philos.-hist. Klasse. 
Vorsitzender Sekretär: Hr. Mommsen. Hr. Tobler 
las Beiträge zur französischen Grammatik. 

XLVIIL 27. November. Gesamtsitzung. 
Vorsitzender Sekretär: Hr. £. dn Bols-Reymgnd. 
1. Hr. Conze legte eine Mitteilung des Hrn. Richard 
Bohn über den Tempel des Dionysos zu Per- 
gamon vor. Die Mitteilung wird in den Abhand- 
lungen erscheinen. 2. Hr. Schwendener legte eine 
Mitteilung von Hrn. Dr. Max Westermaier vor: 
Untersuchungen über die Bedeutung toter 
Röhren und lebender Zellen für die Wasser- 
bewegung in der Pflanze. 3. Hr. von Sybei 
las Fortsetzung und Schluß seiner am 30. Oktober 
begonnenen Mitteilung über Preußens deut- 
sche Politik im Anfang des Jahres 1849. 
4. Von dem korrespondierenden Mitgliede der Aka- 
demie, Hrn. O. Wiedemann in Leipzig, lag dessen 
mit akademischen Mitteln ausgeführte Bestimmung 
des Ohm vor. 5. Hr. Weierstrafl» überreichte den 3. 
Band von G. G. J. Jacobis gesammelten Werken 
(Berlin, Druck und Verlag von Georg Reimer. 1884. 4). 

XLIX. 4. Dezember. Philos.-hist Klasse. 
Vorsitzender Sekretär: Hr. Mommsen, Hr. Wat- 
tenbaeh las: Die Translatio Alexandri et 
Justini. Die Mitteilung ist in dem Hefte (S. 1127 
—1141) abgedruckt. 



Blätter fftr das Bayer. Gyanasialsehnlwesen. 

20. Band. 8. Heft. 1884. 

(S. 349—856) N. Wecklein, Bemerkungen zur 
Taurischen Iphigenie des Euripides, bietet 
eine Reibe von Verbesserungsvorschlägen. — (356 f. ) 
A, Sehlensslnger, Zur Rheinbrücke, erklärt 
Eisners Vorschlag ,ybiois utrimque fibulis als Dat. zu 
fassen und zu dem Partizip immissis zu konstruieren" 
als sprachlich unmöglich. ^ (357—860) J. G. Lanrer, 
Zu Caes. b. G. V 44, 11 und III 21, 10, Uest an 
erster Stelle illum vero minus curant ut ocdsum, an 
der zweiten aerariae salinaeque. — (360—362) 
G. Landgraf, Zwei neue Gäsarlexika, kündigt 
das Merguetsche und das Menge-Preußsche Unter« 
oebmen an. — (362 f.) Übers, von Hör. Od. I 8 von 
Jos. Angsberger. — (364—368) B. Sepp, Die Ab- 



i 



87 



[No. 3.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [17. Januar 1885.] 88 



fassungszeit der Kapitolinischen Fasten, 
stellt fest, daD die Eonsnlar- und Triumpbalfasten 
im J. 742, nicht wie B. Borgbesi wollte, 724, herge- 
stellt wurden. — (368-372) H. Kttnfsbergr. Über 
eine mathematische Stelle bei Theon, be- 
spricht den Kalkül des Mathematikers Theon, durch 
welchen derselbe den Einwand zurückzuweisen ver- 
sucht, als ob durch hohe Berge und tiefe Thftler die 
Kugelgestalt der Erde beeinträchtigt werden könnte. 
— (372 f.) Euripides' Medea . . . von W. Bauer, 
2. Aufl. von N. Weck lein, wird von K. Metjsger 
empfohlen. — (373 f.) Piatons Apologie u. Kriton 
. . von Ed. Göbel. Die summarischen Inhaltsan- 
gaben bieten des Guten zu viel, die Anmerkungen 
könnten kürzer sein, die Textgestaltung verdient An- 
erkennung (L.]Iaa8).— (374— 376) Egger, Katharsi s- 
studien. Anz. von Steinberger. — (376—378) 
Vollbrecht, Griech. Lesebuch für Untertertia 
aus Xenophons Kyropädie und Hellenika, 
Meurer,' Griech Lesebuch mit Vocabular. 
IL T. Für Obertertia. Erafft bezeichnet es hin- 
sichtlich des erstcren Werkes als nicht richtig, dem 
Schüler einen Lesestoff zu bieten, der bereits die ge- 
samte Formenlehre voraussetzt, bevor dieselbe auch 
nur zur Hälfte gelernt ist Das zweite empfiehlt er 
warm. — Luber, Die Vögel in den historischen 
Liedern der Neugriechen. Erotas. Neugrie- 
chische Liebesdistichen übers, von A. Luber. 
Empfohlen von Kmmbaclier. — (379 f.) 'H 'Ojit^p'/t; 

ZavvsTou. Ders. rügt als Hauptschwäche die un- 
genügende Scheidung des allgemein Menschlichen und 
des speziell Homerischen. — (380 f.) IIaio»xa Sir^pj^iai« 
lizi 'Ap. II. KoüpTiooü. Ders. erklärt diesen ersten 
Versuch einer neugriech. Jugendschrift für beachtens- 
wert.— (381— 391) Schöner, Ober die Titulaturen 
der röm. Kaiser. Inhaltsangabe der in kultor- 
ge schichtlicher sowie sprachlicher Beziehung sehr 
wertvollen Arbeit nebst Zusätzen und Berichügungeu 
von A. Köhler. — (391 f.) Bednar z. De universo 
oraüonis colore et syntaxi Boethii. Stangl vermißt 
Vollständigkeit und erklärt die Hülfämittel und 
Gesichtspunkte, nach denen B. seine Arbeit aufge- 
faßt hat, für unzureichend. — (392 f.) Meißner, 
Kurzgefaßte lat Synonymik. Empfohlen von 
Gerstenecker. 



Bnilettino di eorrispondenza archeologiea. 

1884, No. 7—9. 

p. 145-153: R. Lanciani, Suir Atrium Vestae, 
lettera al Prof. H. Jordan. Entgegen der Behaup- 
tung Jordans : das Atrium der Vestalinneo sei bereits 
unter Hadrian von grund aus neu hergestellt worden, 
beharrt Lanciani auf einem späteren Termin. Dazu 
bestimmt ihn die technische Konstruktion des Ge- 
bäudes (Netzwerk, während die Hadrianischen Archi- 



tekten nur in cortina bauten), ferner die geschicht- 
lich feststehende Thatsache, daß beim Stadtbrand vom 
J. 191 die Vestalinnen aus ihrem Hause nach dem 
Kaiserpalast flüchten mußten. Der abgebrannte Stadt- 
teil wurde aber bekanntlich von Sept Severus wieder- 
hergestellt. Doch könne zngegeben werden, daß im 
J. 191 nicht der ganze Gebäudekomplex der Vesta- 
linnen verheert wurde: so ist vielleicht die angebaute 
Aedicula mit ihrer unbestreitbar vorseverianischen 
Epistylinschrift verschont geblieben. Die von Jordan 
als Beweismittel angeführten gestempelten Ziegel aus 
den Ruinen des Atriums beweisen nichts; sie tragen 
allerdings nebst vielen anderen auch Stempel der 
Konsuln aus Hadrians Zeit i^Petinus und Apronianus); 
das erklärt sich aber aus der Verwendung von alten 
Abbruchs teinen und aus dem Umstände, daß die 
einmal vorhandenen Ziegclformen noch viele Jahre 
weiter zur Fabrikation benutzt wurden. Den Ziegel- 
stempeln sei überhaupt in chronologischer Beziehung 
kein blinder Glaube zu schenken. — p. 154—156: 
H. Dessau, Iscrizione di un Hymnologus 
Matris Deum. Der Stein selbst ist nicht mehr 
vorhanden. Die Abschrift findet sich in einem von 
„Hartmann Schedel*^ geschriebenen Konvolut der 
Münchener Bibliothek und lautet: 7«. Claudio Veloci, 
hymnologo primo M, D. I. et Attinis pMico Atnerimnus^ 
lib. patrono optimo h. m. d. m. a — p. 156; 
G. Oddiy Iscfrizione d'un antico ponte presse 
Viterbo. Die noch stehende kleine Römerbrücke 
spannt sich im Zuge der antiken Straße über einen 
Graben. Der kürzlich wiedergefundene Dedikations- 
stein nennt als Erbauer der Brücke den Kaiser 
Claudius, als Restaurator den Vespasian. — p. 157— 
160: I. S. Meier^ Dei monumenti rappre* 
scntanti gladiatori. Behandelt die Frage der 
Ausrüstung der ^Provocatores*. — p. 161—175: 
W. Heibig, Scavi di Vulci. — p. 176: E. Kroker, 
L Magazzeni di Villa Borghese. luden Kellern 
des Casino der Villa Borghese befindet sich eine auf- 
gehäufte, noch niemals katalogisierte Masse antiker 
Skulpturen, allerdings meist nur Fragmente, doch 
auch Büsten von Kaisern und Kaiserinnen. 



BaUettino di eorrispondenza arclieologiea. 

1834, No. 10. 

p.177— 182:W. HelbIg,Viaggionell'Etruria, 
bringt nur dürftige etruskische Inschriftenfragmente. — 
p. 182-189: A. Man, Scavi di Pompei. Ein 
jüngst vollständig aufgedecktes Lupanar wird be- 
schrieben. In den schön erhaltenen Manerkonstruk- 
tionen finden sich keine Kunstgegenstände und Ge- 
räte, desto mehr Graffiti im bekannten pompejanischen 
Gassenstil, wie: »Miximus in lecto, fateor peccavimos; 
hospis si dices quare nulla matella fuit". 



89 



[No. 3.] 



BERLINER PBILOLOGISCHE WOCBBNSCHRIFT. [17. Jaaaar 1885.] 90 



Mnemosyne« Nova ßeries. Vol. XII, 2. Lugd. 
Bat. 1884. 

(113^128) U. von Herwerden, Adnotationes 
ad Iliadem. Scr, A 655 jt/j 32 rotpijX&sv B 237 
vj pa -2 oi TJitsi; A 470 ixsi-a öl If^pv £"0*/^ 
E 770 f^sposi^i' (= )jgpoeiÖ£i, zu sx(izC(^ gehörig) 
e 349 o|i^aV (Zenodot) M 285 Tcpoa xXuCov 289 ßaXXo- 
jiivcuv Tilyo^ OS N 131 ^po^iXüjtv a 618 pivo; üxsp 
trpüjiv^; 754 xipxu» ipr^xi ioixio; 3 90 ji>i ti^ si' 
aXXo; r 74 ot o' ojiaoY^oav 0397 ffsXoipiov rf/.^; 
T 475 "i T'ap' üj; KaßpEüsc/i ^40 ^,xa os oivr^asv 
ü 725 <f>x£o Schol. Yen. ad P 746 ss. st; t« yu^picr. 
DeL A 47-55 (Dontzer; vor der iDterpolation lautete das 
folgende etwa: <'^; ot jiiv xctpd vr^ua». xoptuviot 
»lopTjaoovTo,] Tpcwg; o'aob' ss.), H 304-6 (Zenodot), 
P 453—55. ^ 397 steht xpocj/ai euphemistisch wie 
bei den Späteren acpavtCeiv. — (128) I. P. Postgate, 
Sallustianum. lug. 78,2 sor. alta alias. — (129— 
170) C. ö. Cobet, Herodotea (Forts, aus XII p 107). 
Ad librum quintum (129—148). Scr. 2 hzi 
Ilaioviuv [hpr^txr^v xaxaaxpifso&ai] 4 Taoia xoTai 
ö7vXoi3i öpTii£«. e:r'.TTjo£üOü3i pvo^svov ai:o"( svöjtevov 
dT:rj*o|iv/oi 6 "«<; [os] zapf^svoo; [xat] toviov-o [xai] zo 
^sv ioTi/ftai 12 [r^v] HiYpi^s x. M. d. Iloiovs; [oi], 
13 st [xctl] xdaai 15 aüva/aa&svxa; 16 toos sj^'.pss'.v 
EOTiQxs xaTöp pctxTjj; xaxap poxTTJv xaxici 18 x ifro|jLSviü)v 

22 [u)^ siol *'E>wXr|V£;] ßouXo^svou jdp AXs^dvopoi» ds^>.«y siv 

23 [ji'.a&ov] 23 iyxxTJoaaÖ^'zi 24 xaxep]fd3£3^ai aol 
chtix. 27 xs)^üxd <C|tiosüjuvo<; Dro Äcfvx«»v> M:ro3xp«- 
xiou [xov] ctüo Sxüftsojv ouvajtiv, Iva [xoi] [sxsKsüOv] 
31 [iS ctüxtJc] 36 vauxoxpctxopsi; [xfj; ^>wdxxT;';] i/siv 
sXn'Öct; 41 xuiouoav Ss oder i^^oüsav os — 'kd'^i\i iv 
|oaxpi [xai xo osüxspov sxsXB^oaso Y'jvyj] 46 MivuitTjv 
50 <dv>o?ioc 52 [xf^; 'Apji*vir,;] 57 0X17 wv xsäv 
6:^ Ai'^üJpiov aü][XEi|isvov 63 irpo^aivsiv 3cp». ^stvou^ 
'AjxilioXioü <^xai xtt>v jux'aüXoD> 65 zotjjasa&a». 69 
'Al>r;valo; [KXsia^lvr,;] iro»r,as xai otj xai 72 'A&r;- 
vaicuv -^][£vö|t£voc 7cpü>xo^>> op&cM^ 74 [ßot/Xo'jisvo;] 
77 SV iTf^aii; 81 iai[xv£]ovxo 82 xaxd <xov>' ypovov 
excTvov [^ SV 'A^v^3i] 83 [xyj; xs Aa^itr^; xai xfj; 
AüS^iOirj;] iXa'iißavov [oi AiYtvyJxai] 84 oixaioi [;rp>jo3c- 
afrai ixsXsyov] 86 o'.ctvaujiayj^aai [Aljivi^xai Xs^ouai] 

91 Z£tpr^30|isf^d 3<p£a dji« ujiTv dx?o|iv£vo'. [xiaaat^ai] 

92 <^i;> fiX^iOat s o'exi xXsDva^ r^ Eijidxuiv 93 ixs- 
jtrzpx ü povxo 94 [ßaoiXs'j;] 97 dp/sxaxoi £(svovxol04£<py'f£ 
106 £xo6a?o»ai 109 [?^ nipaf^a» f^ <|)o{vi2i] 119 oxoxspa 
[i'J. Aus dem vorzüglichen Zustande, in welchem 
B. V überliefert ist, schließt C. p. 147 f., daß es aus 
einer älteren, besseren Hs abgeschrieben ist als die 
übrigen Bucher, und findet eine Bestätiguog in 
der am Schluß dieses Buches (wie auch in dem 
von C. lY u. VIII) in den Codd. A B erhaltenen alten 
Süchometrie. — Ad librum sextum (149—170), 
2 xaxspjdasaftai [w; zo>i|i'o; str^ p^aiXii] 6 RlXtxs; 
[x«J 8 xaai<i)v ZI xo'jxituv 9 i<p'jfov 11 ::i^£aÖ£ 
*^£5£xovxo xo'jc Xo][0'j;> xs'vou^ xo'j; rpöxzpov s-sn^s 
'f^o'^ou:, ix xÄv 'lujvtüv [iSixovxo xou; Xojoy;] 14 [ij 



dya^ol] [xd oüxd xauxa] 19 r^jisxspou <'v> Aioujaok;. 
20 iSist 22 xoiovos [^] 23 äi^o|1£vo)v 25 xax>j <7a> yov 
28 ii£xisi; <dv>dx^j 31 w; ixdaxTjv atpsov 36 xaxisxTj- 
aav 37 ditztka 38 [TcaiSl] sxYtvsxai 39 ^XaoTj irevftswv 
aü>vX'ji:yj30|isvoi 41 opjxrj^ 7:£ifts3^ai [xsXsytov] 52 <o'j> 
ßoüXojiivrjv 3X>53a3ftaipa3iXia;xü)vi:aioiüJv 53'Av^^i'p!>'ov- 
<^o;> 55 xaxdXaßov 66 £$(5oo'.ai 57 xajiouyou xs zap^svou 
58 xaxaxd p£3i)a'. 61 [tpopsst] 65 <p9^d; öüxos 68 i; xd; 
ysTpa; [oi] 69 ißoüXso Tcu&ssÖai diSpir; «t (tjvavA^i 
[Tcatoa;] 70 «pd; [6j;] zo('ySü£3dat drcxovxai 72 ystpISi 
75xaxriYa7ov [i; 2::dpxT,y] ^lavid; vÖ3o; 76 dyavs; 77 

£V [XO'JXUJ] Xtj) ItC £330{X£VIOW dv9^pO)Zü)V 80 '1^0J1£V0)V 81 

6 tpsu^d^isip-fs 84 oüxoa; ^£v [xo'j; Xxüftac] [xou; S^afniTJ- 
xa; x^Xsüs'v] 85 Osapior^; 86 op]i.i^firi 90 <sv>oix;j3at 94 
'Epsxpiav dfsiv 97 vDv cuv xdxixs 98 u^o xd)v Ilspoiiov 
b%* oüxwv 99 3xpax£ü3£3&ai 100 [ßoüXsüjio] 103 ür- 
(savxs; 104 [aOxov] «-(oyövxs; 106 stvdxr^- ot os oux 
107 jiiCov }^ 6i; 109 [XsiTroü3i] dpxTjxai iaxai tjv 
<|)L£v> -jdp 9^v U xTj X. a. x. o. [sX^J 111 ai <osxa> 
cpüXal 112 auxoü; < £Övxa;> oX''you; [xou;] dvopa; 
116 [xdyi3xa] 117 [sv Mapa^iovi] loo xai svsvTJxovxa 
xai ixaxüv 119 opü33ovxai xo os iXaiov (dann eine 
Lücke) <£Xaiov o» Hipsai 124 sx y£ otj xoüxwv 128 
3UVS3X0 1 129 TCi&ojtsvo'j opy>J3axo dp'^ssxo opy>J3axo 
d7:opyT»J3ao 132 [itap] ioosav 136 [xi^v A/jpou aips3iv] 
136 3cpaxsXi3avxo; [x£] xoO ^r^pou [xai aazsvxo;] 137 oi; 
losiv [xou; 'A^r^vaiou;] rpoisyojisvou; [xou; 'Ab-yjvaiou;] 
139^ixaitt>3i 140s-ifrovxo. — (148) Cobet, Olympiod. 
ad. Plat. Ale. p. 50 d'/63r^ <xat> Paus. I 14,5 
Mapat>wvi<ov> dX3o;. — (171—185) Badham, Piato- 
ni s d e 1 e g. l. XII. 954 E 030 |i>ixTjp 0ü3a >j y?j ^poc x p o cp r; v 
X. ß. ^ipsiv, xauxa 967 A ^aujia ozoj; xox* dc}*uya 
xsxxTj^isva xai utcwxxsusxo x. v. o. ^sSoy^svov 968 C 
ffplv dv xaxaxo3^rj^^ xo xd xoiouxa xaxa3xsüdCov, xdx£ os 
xüpiou; auxoü; -fi-^vizbai cov Zsx voiioJ^£X£tv. dXX' ^S'i^ 
Bioay_>j 967 C vswxspov <ov> co; sxo; simv xwv -^oip 
£cpdv/j xd slvai, ixsXt^stv aKka xVxxa D ^tjxoiv 
dpyovxa xaoxa ouvÖuo ^vx>iv xs dpjsi <d^avdxa)v> 
ou)^ccxu>v ztX xs xouxot; tSi(] xo vuv xoXXdxi; x'sipr^jisvov^ 
vouv xiv' ovxa ^xfj;>' xaxd xtjv Mousav xoivwvia; 
auv^sasdjisvo;, xocixoi; 3uvapjioxxui, o:ü<u; r]3a y* 968 A 
<vüv> rfir^' d xai vojiov xdptv stoxr^pia; xoDxov 
Xp030i30|isv tb; cpuXaxi^v £3Öjicvov 941 A xps3psü^ XI ; 
mxdjsi; zopaß^vxoiv B xXTinjtsXwv 942 A ^rfiz xivo; 
s^iCs^ai '-J'U'/rjv <jAr^^sv> |i>j xs srouodCovxa C 
[oiödjat] 943 A y,p>;v d3xsiv [irEpl] C £i^d3i E ovxto; s3xi 
oder ovxo); <£ax'v oia^ stpr^xai 944 B sx ysi^uDvmv sv 
xoi; uXoi; D [pi<5p&svx«>v] x>J; 5's|xi:p03ftsv sipr^iisvTj; 6 
o'xdCü)v T^^^v d. [3X0X£lv] djiuvxrjpiav si; <^xf^v> xouvov- 
xiou [y«vs3i;] st; y« ^« «• jisxaßdXXoü3a x, [xoux«j) y*vo« 
^svYj] xaxo; lov <xax(o;> 945 B T^po^Z'^ "^; ouvdjisui;, 
x^ S'aoxou D jisjixxij) xs xai djis^xxtj) <d^ta> xauxfj 
946 B aux^; ['HXit|)] C xoüxou; — dxo5si$ai nach 
]£vo{isva zu stellen. D nach xpoxov Lücke. 947 A 
0301 dv sxspol [xfj; Ö-swpia;] B dpiftjioD <3i> xou; ^po'vou; 
sxax£pol3iv üjivov [iicaivov si; xou; upsa;] £ü5. cuos D 
xaBapstiovxa; 948 C^ixa; xäv 949 A [$id «opd; 6yJ(&tov] 



91 



[No. 8.] 



BERUNBR PHILOLOGISCHB WOCHENSCHRIFT. [17. Januar 1885.] 92 



7ei&o|L£vou^ evsyupwaat [toutoi;] 950 A Jeyojiivou; t'ev 
aüTot; B «Ypiot; xal dxrjvrj^ 6 vojioiai xs ^aXsroT; 
•/ptüjuvo^ C sl -Tovripoi i^ )rprjoxot E cqopEÖeiv, a>c 
TOüToiv <?5'> oüaac Ilü^uiJs 951 B Co* 5v a^'.ccop&api* 
Q xapaXiXeiicxat [xol Ci^TTJasu);] jtsvei iIXso; D [ist- 
oiasiv E exgita <x«poq[ipsadoi Izl^- x, v. oiTcsp 
x^^ IC. ;r. iznisXr^xai 952 A [aüji^epsiv o] ivapjsaxap'ov 
[oüxoT; «paiv, xal] E [BwxsXäv] [otcncopeuö^svot x. x. oi] 
[xsx<in6voi] 958 A avio^sv ^apsox. C ^ xol xaXXovac 
Bstjai [xi] xaxaxaüxa [xXoüaiuov xai] D [x«; fsvy^X. 
■jcoiouiisvoüc] 965 A axeXfiT E xfj; oui^asü); xcr/xtwv 
^8Äv <oüoa, xoi; ^eoi; £axiv> Upd xasi 956 A otoXw- 
Xsxdxo^ Oü>|iaxo; <ji£po;> xXsov <^>i> C [^ixaaxAv] 
E [xoictüxa] [ovcqpta;] 957 B <^u); <»vx'>dx(vrjxa C 
[Taov] 958 A dveipr^jiivov al [xtwv] D os st. Btj elx' 
cifppTjv o Es ytopia 659 A xo ü-dpyov jisv tjh<wv 
B [«frctvaxov slvoi] E [vojiov] hyvo^evov [vojjli})] 960 
A ^ (lyj (?|top^ov B 3)r£$ov <cB2> <ia> a*i D sitrsp 
eaxtv, <i}^:> xal — -jftpoix' crv, z, x. 961 A iv xaip^ 

C <xo>X£y&2v D tue xtp p Ct}><p '^^ '^^ '^^ JA£T''^'4* [^^^i] 
E £v x£ ^cijLdiai [ic£pl axpoxoTüiEuiv voijawjisv] 962 A ['.«- 
xpmv X. X. üXr^pEXÄv] D vuv J' ß^t' \io^O|i£&a E [sU] 
ery [xoi;] 968 B oü E' ü> oia<p6pu*v ö>; C icpo^ü^ista&ai ]f s 
D [«psxr;v] [ir£pl «pößov] [xfj^ dyZpla;,] 964 A aol oetS«» 
xo £v xov -jvdvxa j' ix£evo ß xoüxtov 5yj<osi> [xw 
0£0|iEV(p] *H x^ Eso|i£V({) xoXdaaa&ai xiv' t^ot^t^xözo:, D 
<:oy7>' Xft][oyLey aüX7;v -cxifi^» xoioyxip xd»v os «yXot- 
xajv<xoü vot>> 965 A n£xd GU|ißooXia; [xou veoi;] 
d|if oxspou^ [^vxu);] o5xtu 8>j x. a. x. z. o. D [iv] E 
<dXX'>d|i(üc 966 B [xaXdi;] C xov jitj o s v i $ i ^ z£xovT,x(5xa 
jiTjE' idv xÄv X, d. ixxpixtüv £ cp p xivr^ai; 967 A od? 
oiovxoi ßouXYjoEuiv d][a&<uv £Xix£Xoü|i£va 969 A wv crv Ö-so; 
B oüx fioxai X£pl xaDxoc ooZ, ouE. xuiv vDv w^ l, si. v. 
ovfitpaxo; «o; <5vxo;>. — (185) Cobet, Zenob. IV 12 
C% «piXia ha xo ofiixvov. Diod. Sic XII 10 ^i'p^> uZvip 
xivovxEc. — (186 — 214) S.A. Naber^ Homerica 
posteriora. « 87 xpo£€ko|i£v 97 cpipsi (ebenso £ 
45 Q 841) [189—143] 171 roirj; xsu x' irl 190 xdo- 
X£i 220 fTjoi [292] 313 ^(Xot; 850 xouxov 892 ß-zai 
X^' iltfiv 414 dnsXiTj; Ixi x£6ao|iai ß [181-3] [188- 
146] [228] 838 dxoXfitxai f 60 xpjjgovxs 81 siX^Xu^jiev 
216 dxoxiojai eX^wv; [217] 230 TTiXBjioyo; 348 xeuij 
[279] 839 joinpr^X^ai 0£ xoi3iv 368 dXoni£vo<; 506 
£X«uv 788 xoxctXigfit £ 185 xicpauoxov 292 l/tuv C 38 
ivxüviai 68 oi 5ao xaT5' ovxe 296 öoxü dvsX&u)|i£v rj 182 
ixipvT] 181 xpo; &oXov ü^y^X^Jv b 264 X£lov 408 
xGtxijp 565 aqdoiobai i 14 xi Ixsixct, xi yoxaxiov 97 
Xd^vxo 122 ouxoi jdp roip^oi xaxtayExai 866 ovo |i* 
lob' 512 d^£p&7jas3&ai x 198 qiu oe y' dio)iai 801 
dxo^jKD&svxa 841 piu)&ivxa 893 l^usav [394] 498 
d^Xado 565 ypr^aöjisvo»; X 102 Xija«iv<a'> 421 ox' 
cUoüoa «piXr^;> x. b, 484 ixiov y. 48 xapiaxavx' 114 
XTjv ^' dxct^yvo(|L7jv oivTiXoi ixaipouQ 222 ixsoaiv l^olox 
250 d^vüjiEvov 264 xovxoxopÄv v 14 ayx' ixa^fEtpdjiE- 
vot 72 dxaaiv 94 dyYEXiwv [152] [158] 178 oydgsa&ai 
[192—8] 889 ^XayxÄxi; g 898 si %i xsv oyx [479-80] 



477 6. ijyxs Xdx>^ ^^eBvtJ o 21 oixov ßoy>^x' 373 
aixiCoyaiv 444 yjiiv Zz (ppdaasx' 545 |iipT[j<; x 70 oyxsx' 
E-puYs 71 <3'> i^djir^v |77] 195 »eX^si; 386 EAiu«^ 
dxyiT(; 459 axotj^EXsiuv p ivfra t'Eov xaXrjv 'EXsv7;v 232 
xXsypd x' dxoB p y '}oy3i 327 wxa iSdvx' o 49 aixiosovxa 
122 xox/;p 160 ixdaEU 223 ojc vyv x 7 iiExi^r^xa 109 
X£yy; 138 oxYjaaviEvr^v [529] cp [127] 159 oyos oti vr^xai 
211 £^3<7'> (ebenso sind durch Einsetzung von 7^ 
üiato und andere Verderbnisse zu beseitigen A 574 
146 o^lof A 393 Y 205 ay^' T 288 Z 151 osf 
ui 328 <ay>Y' A 333 B 105 T^ 230 £ 1 f \ 236 o;f 
E 350 ft 3£f di(ü n 386 os oi 7' ivddÖE T ^30 as Si 
p O^irjvBc X 86 oy 3£y' s^io^e v 818 oy od 7* EXEixa) 
239 ji£V£^£v 293 xpy:i y 77 fEVTjxoi 104 xsxeyyioftcn 
175 oavioo; 252 xpmxot U' 124 xayxa ob Xsöooe 337 
dXXdot tu 30 i^oxsp £y£ox£; 374 oy' djiEivova. — 
(214) Cobet, Alex. Polyh. (fr. bist. Gr. III 218) ysvsi;; 
s£ sy/sxaf. — (215—225) J J. Corneliseen, Ad 
Taciti annales, teilt nach einer Halms Verdienste 
feiernden Einleitung folgende Vorschläge mit: II 31 
ezsuscitatus III 59 genitale 46 volaptatibus affin- 
entes 52 suscepta 67 proprio impetu 76 iniurias 
resarciret IV 72 Drusos iniunxerat VI 85 sume- 
rent XI 4 <portendi> iussisset 15 viderent p. de 
— hamspicum <di8ciplina> 24 sct totae gentes 
XII 38 pro<ximis> missis 47 foedus artum 61 multis 
extrinsecus XIII 39 tutionbus vadis 46 pervioax XIV 
9 resciverat Agr. 14 tal<ar>ique 19 hilariorem 
24 cinguntur 31 fortunas pessundabant 56 orba* 
tomque 58 solito augeb. XV 5 omitteret protinos 
42 adrectos 43 urbis quae combusta perierant 
57 consumptus 65 quasi <ex> 67 vulgata ex staut 
78 compositam aut obliteratam mansuetudinem. — 
(225) Cobet, Zenob. IV 11 <'0> Zsy;. — (226-7) 
H. W. ran der Mey, Ad Caesarem, BG I 46 [usus] 
VI 32 reducerent[ur] VII 35 mlsit sie apertia qui- 
dem cob. BCI 1 ad certam gratiam. — (228—232) 
J. J. Hartmann, Ad Odysseam, 507 Zid 0* 
ioyioiv 682 r^ fd xi loxov 651 alxiCoi 665 si xoooävV 
£ 221 paiosi |is X 194 xaxXijuvtp ^yXXuiv |i 43 xapt« 
oxavx' 383 V iv vsxyEooi g 88 87 zu stellen x 806 
);|uv öxu ^oy y 20 ^fp^ \it V^^t^^^ 38 dXX' ix», jioi 
80 d'^o^iEvr^ tp 179 Ofpa viov 407 vir^v Tspi x. y. 
(o 349 EtXxsv. 



IV. Nachrichten über Ausgrabungen 
und Entdeckungen. 

Die Seitenflügel der PropylKen der AkropoÜB 

Ton Atlien. 

Über die Ausgrabungen auf der Akropolis von 
Athen, über welche wir zuletzt in No. 50 (1884) eine 
Nachricht brachten, wird weiter berichtet, daß bei Frei- 
legung der Fundamente der Propyläen eine Ansah! 



[No. 8.] 



DERLINBR PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [17. Jurnar 1SS5.] 94 



alter Oeisa aus Poroa gefuDden wurden, «eiche bei 
ErbaDimg der Propyllen ioi &. Johrh. v. Chr. in die 
Funduneotc hiaeiDgebant vordea siad. Einige der- 
selben Bind tadelloi erhalten nnd leigen ihre frühere 
Bemaluug fast in Toller Lebhaftigkeit. Die ange- 
wendeten Farben sind blas, rot nnd geEb. Es kann 
kaum einem Zweifel nnterliegen, daß diese GelM 
den Utereo Propyläen angehörten, welcho von Hne- 
Biklea bei Errichtung ■ des stattUcben Hannorbanes 
abgebrochen wurden. Dies ist ein weiteres S«spiet 
für das schon mehrfach beobachtete Verßilireo der 
Griechen, daß sie bei einem Neobaa die fiauateino 
des älteren Baues ohne jede Bearbeitung lur Punda- 
mentierong verwendeten. Durch den Abbruch der 
mittelalterlichen Baurest«, welche noch oben auf den 
MarmorwSnden der Propyläen erhalten waren, hat 
sich femer gezeigt, daß die beiden von Bobn in 
seinem vonüglichea Werke über die Propyläen an- 
genommenen Giebel der beiden «estlichen Flügel- 
bauten nicht ezistieit haben. Die Geisa, aus welchen 
Bobn auf die Existeni der Giebel erschlossen hat, 
wsren die Abseht nDgesimse der südlichen Wand des 
SfidBügels. Der östliche Teil dieses Oesimsee lag, 
den Dachfirst bildend, horitontal auf der Südwand, 
der westliche lief, der Dachoeioang entsprechend, 
nun Hauptgesimse herab. Die beiden westlichen 
Flügel der PropylSen waren also mit Walmdfichern 
versehen, nnd zwar hatte der vielumstrittene Süd- 
fl&gel im Norden nnd Westen ein horizontales Trauf- 
goinn, im Süden dagegen ein gebrochenes, der Dacb- 
linie folgendes Gesimse. Diese durch die i 
fundenen Bausteine vollkommen gesicberte Anord- 
uuDg ist einEacber als die bisher vorgeschlagenen 
Relconstruktionen und zeigt ans wieder einmal, daß 
die griecbiscbenBaomeister bei komplizierten Aufgaben 
stets die einhchste Lttsong w&blteo, wenn dieselbe 
aneb den von ons aufgestellten Regeln der Baukunst 
nicht entsprach. — 2— 

Ein befreundeter Architekt hat uns zo dieser Be- 
scbreibuDg eine vorlGufige Skizze gezeichnet, welche 
wir uneern Lesern nicht vorenthalten wollen; sie 
zeigt den SfidBügel von Südwesten ans gesehen. 



V. Kleine Mitteilungen. 

Beitrftge lor GeicUcbte der Pblloloerle. HL 

AusMoriz Haupts RedeDeLachmanno critico. 
(Schluß ans No. 3.) 

Latinoram poetarnm versus Lachmaonus et 
studio plane aingolari et snccesau folicissimo per- 
vestigaverat, cuios studii multa et eximia docamenta 
in praeclaro illo commentario Lucretiano edidit, ut 
ita quidem nt simul receotiorum Italorum poetarum 
artem, quam diligentissime didicerat aliquotiens 
eiemplo plane novo et utili conparaiet. Deulque 
versuum faciendorum artem, qua veterea poetae 
Tbeotisci usi sunt, subtilem illam et elegantem sed 
a Oraecorum arte prorsus diversem, primae et solus 
accuratissimc exploravit partimque ragulis descripsit, 
partim emendatis a se multonim poetarum carminiboa 
fecit, ut cognoBcere eam possent, qui non fuginnt 
laborem disccndi. Memini autem virum qnendam 
praeclarum aliquando dicere videri LachmanoDm in 
investigandavetemm poetarum Theotiscorum arte nimis 
fuisse subtilem. Non puto vere dictum esse.- nam 
baec mctricae artis praecopta, quae Lachmuinas ad- 
mirabili sagacitate invenit, ita unum ex alio pendent, 
ita omnia inter se nexa et coningata sunt, nt demere 
nihil possis, addi posse videantur paucisatma ; sed illnd 
aane verum est, non omnium poetarum eandem 
fuisse in veraibus faciendia elegantiam. Ne- 
que id ignorabat Lachmannus, sed in hac quoque re 
ad poetarnm diversitatcm diligentiseime attendit. 

Ad banc accnratissimam linguarum et metricae 
artis scieutiam moltiplicem addiderat eru- 
ditionem: neque lieri aliter potoit ab homine, qoi 
tot libros lanique diversis et temporibus et lingnis 
scriptos diligent«r legisset memoriaque esset admodum 
tenaci. Sed illud memorabüe est, virum acerrimae 
diligentiae, ubi ad criticam artem recte factitandam 
opus esse videbat cognitione rerom, quaa antea minua 
attigerat, intento labore etiam earum rerum peritiam 
necessariam et non vulgarem tempore baud ita longo 
aibi cooparaese. Itaque cum amlcitia, qua cum 
Goescheno coniunctus fuit, eum ad emendandaa Gai 
institutjones traduxisset, in addiscendo iure Romano 
operam consumpsit valde fructuoaam, ut mox in bac 
quoque litterarum parte philologorum vnlgus longo 
superaret. Pariter cum gromaticos veteres, neglectum 
scriptorum genus et propter inmanem librorum 
depravatiooem pacne ei uau et conspectu bominnm 
remotum, emendaodos sumpsisset, difficillimam mate- 
riem adsiduo atque accorate exploravit. Adiutas qui- 
dem erat in utroque negotio doctissimi hominis, 
Adolfi RudorfBi, sollertia, sed nt eundem Rudorffium 
doctrinae, quam Lachmannus sibi conparavit, copiam 
et subtllitatem aaepe admirari meminerim. 

Itaqne hac accnrata et muitiplici eruditione, hoc 
prompto et acri neccssaria addiscendi studio inatrnctas 
Lachmannus totum se ad criticam artem conver- 
tit, erltlMB ant«ii artem t«t*m «d reriUten 



95 



[No. 3.] 



BERLINER PeiLOLOGISCDE WOCHENSCHRIFT. [17. Januar 1885.] 96 



rettulit. Miramini fortasse, auditores, me boc com- 
memoraiione dignum habere, quod LacbmaoDas artem 
criticam totam ad vcritatein rettulit, cum ipse aotea 
dixerim Deque quiequam^aut hodic neget aut umquam 
negaverit critici artem in restituenda vera antiquorum 
libroium forma versari. Sed si paullsper cogitaveritis, 
qua ratione prioribus saeculis vel doctissimi et in- 
geniosißsimi bomincs aitem criticam exercuennt et 
nonnulli etiam bodic eam exerceant, concedetis, 
opinor, constans illud et nullis neque acuminis 
fallaciis neque gloriae illccebris corruptum veritatts 
studiom, quod in Lacbmanno plane erat singulare, 
in summa eius laude ponendum esse. Nam priores 
critici pierique in emendandis veterum scriptorum et 
maxime poetanim libris elegantiam multo magis 
cnptaverunt quam studuernnt veritatl, et dura anti- 
quorum carminum venustatem restitnere sibi videntur, 
a vera eorum forma saope longissime aberiavcrunt. 
Nam elegantiae sensus fallax est et, nisi sub- 
tili iudicio ad monumentorum fidem exigitur, critici 
artem in iusum et lubidinem convertit; deinde qui 
venustatem ubique unice spectant, scriptorum varie- 
tatem commenticia aequabilitate saepe numero ob- 
scurant; denique eidem in rebus, quae sine elegantiae 
discrimine non uuo modo dici possunt, neglegunt fere 

quaerere; 

cum tamen 

critica ars non consummatur nisi ab eo, qui ne parva 
qnidem et specie exilia accurata aestimatione indigua 
habet. Quae omnia cum Lachmannus mature non 
sensisset tantum, sed explorate percepisset et ad 
certas legcs exegisset, iuvenis annorum duorum et 
viginti, id est ea aetate qua pierique nihil mcmorabilc 
efficere possunt, emendatis a se Propertii car- 
minibus praeclarum artis criticae spccimen 
edidit: qui über, etsi non statim ea quam merebatur 
adprobatione exceptas est, tamen non dubitamus quin 
Latinorum carminum tractationi insigne emolumen- 
tum attulerit hominumque doctorum studia pauilatim 
in meliorem viam duxerit Remotis enim Italorum 
commentis ac fallaciis melioribusque libris 
accuratissimo aestimatis certum et stabile 
fundamentum iccit, quo carminum emcnda- 
tioncm superstruerct. Atque haoc rationem per 
omnem vitam constanter tenuit multisque praeclaris 
operibus secutus est, ita ut emendatis ab co post 
quinque et triginta annos Lucretii libris adgnoscamus 
quidem cruditionem copiosiorem, iudicii et sensus 
acumen multo usu excultum, sed idem tamen nobis 
adpareat Lachmannus. 

Itaque in critica arte exercenda nihil 
antiquius babebat quam ut recensionem (utar 
enim vocabulo hodie usitato et perspicuo) ab emen- 
datione accurate distingueret atque utrique 
quod proprium ei esset reservaret, neque ad 
emendationem antca accederet, quam recen- 
sendo firmumfundamentumposuisset, in quo 
opus tuto exaedificare possct. Ac de Novi 



quidem Testamenti et recensione et cmendatione prae- 
claris Ulis praefationibus luculenter disputavjt, plura 
de emendatione addituruF, nisi quorundam calumnüp. 
aliorum stnporc alacritas eius quodammodo fuissct 
immin Uta; sed vel sie tarn eximie disputavit, ut quod 
ad sacros libros attinct satis dtxerit intellegenübus, 
pleraquc autem eorum quae exposuit ad omnem 
artem criticam accommodari possin t. 

Usus est auteu) Lachmannus in recensendi 
labore, id est in explorandis eis quae bonorum 
librorum fide tradita sunt removendisquc deterioram 
commentis, ea iudicii severitate atqne constantia, 
quae illo tempore, quo prima artis documenta edidit, 
paene erat nova nullisque exempiis rooubtrata. Nam 
inter eos qui prioribus aetatibus vixerunt unum novi, 
qui librorum fidem simili adsiduitate atque coostantia 
examinaverit, Ricardum Bentleium: curus viri 
artem ac praestantiam qui coniecturis tantum eias 
metiuntur, magnopere errant et ostendunt se neque 
Bentleii Horatium umquam cum optimorum librorum 
fide comparassc, neque ea iegisse, quae de novo 
Testamento scripsit. Verum tamen Lachmannus in 
hac recensendi arte etiam accuratius versatus est, 
sed ita versatus est, ut in perquirendis necessarils 
nulium laborem fugeret, cxilem atque inutilem in- 
dustriam iure contemneret. Nam cum hodie pierique, 
qui criticam artem studiose et cura legitima tractant, 
in aestimando codicum pretio laborem iropendere 
soleant (id quod praeclara Lachmanni, Bekkeri pao- 
corumque aliorum exemplo effeceruut), vidcmus non 
nullorum industriam nimis esse anxiam atque inutilem. 
Ita memini ante aliquot annos quendam iuvenem 
exemplaria Germaniae Taciti, quae constat omnia ex 
uno codice (saecolo qninto decimo invento) deducta 
esse, in Septem classes describere, similiterque alii 
codicum stcmmata depingunt anxia diligentia, sed 
inutili et fiallaci. Nam ut bonorum librorum auctori- 
tas curiose exploranda atque a multitudine rcliquorum 
(qui quae habent bona esse possunt et vera, sed ut 
nulla Sit eorum auctoritas, nisi quam veritas habet 
coniciendo inventa) accurate disceruenda est, ita cos 
libros, quorum nulla est auctoritas, pari diligentia in 
genera et classes describere rarissimo aliquam habet 
utilitatem, saepissime specie veritatis fallit, quam 
vcritatem is demum posset adsequi, qui omnia exem- 
plaria, quae umquam fuerunt, inter se posset cod- 
parare — itaque Lachmannus cum necessaria unice 
spectare soleret, mcrito satis esse putavit, si eos 
libros, qui fidem atque auctori tatem habercnt, accu- 
rate cognosceret atque inter se conferret, cosque a 
reliquis libris distingueret Sed in bonis libris aesti* 
mandis et inter se conparandis versatus est acuminc 
et artificio plane singulari'. 

Der übrige Teil der Rede fuhrt die hier aus- 
gesprochenen Gedanken im einzelnen, zum Teil mit 
scharfer Polemik aus. Wir begnügen uns mit den 
Darlegungen über die Methode. 



INo. 3.J 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. 



[17. Jaouar 1885.] 



von Tacitus, Saetonios, Pliniajs d. J. and von Seneca, 
Alle drei Brüder wurden auf Befehl von Kaisern er- 
mordet: 1) CneJQB Poropejas MagnoB anf Befehl des 
Kaisers Claudios; 2) Markus Licinius Crassus auf 
^Befehl des Kaisers Nero und 8) Piso Licinianus, auf 
Befehl des Kaisers Otho. Abgesehen von der allge^ 
meiuen historischen Wichtigkeit dieses Fundes setzt 
die römische Gelehrtcnwelt ganz besonders in Er- 
staunen, daß auf dem Epitaphium des Cnejus Pompejus 
Magnus ausdrücklich der Kaiser Claudius als Mörder 
aufgeführt ist Diese Entdeckung ist von eben so 

f roßer historischer Wichtigkeit wie die Auffindung 
es Grabdenkmals der Scipionen an der Porta Capena 
im Jahre 1780. (Voss. Z.) 

Jnnotempel in CiTlta Lavlnla bei Bom. 

Die Ruinen eines Junotempels worden ia diesen 
Tagen in Civita Lavioia, in der Nähe von Rom, frei- 
gelegt Man fand Fragmente von Skulpturen an 
einem viereckigen Parosmarmorblock, welche ihrer 
Feinheit wegen für Arbeiten eines griechischen Künst- 
lers gehalten werden. Auch der Kopf einer Göttin, 
sechs Torsi von Kriegern, mit einem Brustharniscb 
bekleidet, und ein sehr gut erhaltener Jupiterkopf 
wurden zu Tage gefördert Die Ausgrabungen werden 
fortgesetzt 

Bdmisehe Altertümer in Eining (Abusina). 

In Eining, wo man mit großer Wahrscheinlich- 
keit das alte Abusina ansetzt, sind neuerdings 
wichtige Funde verzeichnet Nachdem Sicherungs- 
und Konservierungsmaßregeln zur Erhaltung der frü- 
her gefundenen Reste getroffen waren, Arbeiten, die 
sich als dringend notwendig herausgestellt hatten, 
schritt man zur Fortsetzung der Ausgrabungen. An 
der schon lange beachteten großen Villa, dem Amts- 
gebäudo, zu Füßen des Kastrum, wurde weiter in die 
Tiefe gegraben und das Mau-^rwerk vier Meter unter 
die jetzige Bodenerhöhung hinabreichend gefunden; 
femer zeigten sich die Spuren eines zweiten großen 
Gebäudes. Außer den technisch interessanten An- 
lagen (Fenerungen, Badelokalen mit ganz erhaltenen 
Wänden und mit teilweise konservierten Böden aus 
Solenhofener Platten, indem man auf einer einge- 
ebneten Schutt- und Brandschicht eine neue Feuerung 
angelegt hatte) kamen ganze Reihen von Fundgegen- 
ständen ans Tageslicht: ein Frauenskelett mit Krug, 
Glasume und Thränenflaschen, als Begräbnisbeigaben, 
mit Haarnadeln, Glasperlen und Armreif als Schmuck; 
femer zwei Monumentüberreste: ein Frauenkopf mit 
hübscher Frisur und ein Denkstein zu Ehren der 
Dea Fortuna Augusta Faustina mit vierzeiliger In- 
schrift, eine Reihe von Waffen und Münzen, Ringe, 
Fibeln, Nadeln, Löffelcben und allerhand anderer Ge- 
räte, ferner Ziegel mit dem Zeichen der dritten ita- 
lischen Legion u. s. w. 



Bibliographie. 

Bei Vandenhoack L Ruprecht, Göttingen:' 
Die lllaa in der ursprünglichen Sprachform wieder- 
hergestellt von A. Flok. ca. 20 Bogen. Preis: ca. 

ErsdüoMeMo ÜTerke. 

Oiniy, V., Histoire des Romains depuis lee temps les 
plus recul^ jusqu'A Tinvasion des Barbares. T. 7 
et demier: De Tav^nement de Gonstantin a la 
mort de Thöodose, commencement de Tlnvasion des 



Barbares, (gr. 8. 740 o. avec 4 cartes, 7 planches 
et 500 grav.) Paris, Hachette. 25 fr. 

Euripides' Iphigenie in Taurien. Teztausgabe für 
Schulen v. Cb. Ziegler. 2. Aufl. Mit Anh., entb» 
neue Vergleichungen des codex Laur. 82, 2 u. Vati- 
canus Pal. 287 u» krit Bemerkungen, (gr. 8. 

VI, 74 S.) Freiburg 1884, Mohr. 1 M» 
Farcnhammer, P. W., Erklärung der Ilias auf Grund 

der in der beigegebenen Orig.* Karte v. Spratt u. 
Forchhammer dargestellten topischen urd physi- 
schen Eigentümlichkeiten der Troischen Ebene. 
Ein Beitrag zur Erledigung der homer. Frage. 
(4. XI, 163 S.) Kiel 188i, v. Maack in Comm. 10 M. 

Homers Odyssee. Erklärt v. J. U. Faesi. 2. Bd. 
Gesang VII— XIL 8. Aufl., besorgt v. G. Hinrichs. 
(gr. 8. 236 S.) Berlin 1884, Weidmann. I M. 80 

Kiepert, H., Karte von Lykia. Nach den Ergebnissen 
der in den J. 1881—1882 ausgeführten Österreich. 
Expeditionen, namentlich der Messungen und 
Zeichnungen der Herren 0. Benndorf, E. Petersen, 
G. Niemann, F. v. Luschan, E. Löwy, m. Ergän- 
zungen durch die Itiaerare frühei-er Reisenden, 
namentlich die Karte von Spratt, redigiert u. ge- 
zeichnet. 1:300,000. 2 Blatt Chromolith. gr. Fol. 
Mit Eriäuterangen (gr. 8. 52 S.) Wien 1884, 
Gerold's Sohn. In Garton. 12 M 

Klotz, R., Studia Aeschylea. (4. 36 S.) Leipzig 1884 
(Hinrichs). 1 M. 60 

Sallusti bellum Catilinae. Rec A. Seh ein dl er. 
(8. VIII, 33 S.) Leipzig, Freytag. 85 Pf. 

— bellum Jagurthinum. Rec. A. Scheindler. (8. 

VII, 64 S.) Ebd. 50 Pf. 
Sohäfler F., Die sogenannten syntaktischen Graecismen 

bei den augusteischen Dicntern. (8. 95 S.) Am- 
berg 1884, PohK 1 M. 60 

SophocTIs Philoctetes Scholarum in usum ed. Fr. 
Schubert. (8. XV, 47 S.) Leipzig 18S4, Freytag. 

40 Pf. 

Tadtl opera quae supersont. Rec. J. Müller* Vol. I. 
Libros ab excessu divi Augusti continens. (8. 
VI, 336 8.) Leipzig 1884, Freytag. 1 M. 60 

— Germania antiqaa. Post M Hauptium cum alio- 
rum auctorum locis de Germania praecipuis ed. 
K. Muellenhoffius. (8. IV, 170 S.) Berlin 1883, 
Weidmann. 2 M. 

Tibulli Elegiae cum carminibus pseudotibuUiams. 

Ed. E. Hiller. Accedit index veiborum. Ed. ster. 

(8. XXIV, 105 S.) Leipzig, Tauchnitz. 60 Pf. 

Vergils Gedichte. Erklärt v Th. Ladewig. 2. Bdchn. 

Aeneide Bach I— VL 10. AufL v. C. Schaper. (8, V, 

171 S) Berlin 1834, Weidmann. 1 M. 80 

Zelt«elu*lflleii« 

Deutsche Litteratarseitong. 1881, No. 52. 

p. 1906: Andronici xspi icc(&iüv,rec.X. Krenttner. 
Kurz angezeigt von E. Weltmann. — p. 1907 : Ed. Müller 
Die Hochschule Bern. Inhaltsangabe« — p. 1911: 
Ch. Wirth, Die ersten drei Kapitel der Meta- 
physik des Aristoteles. Rez. v. Susemihl Das 
Programm bringt Text, Übersetzung und Kommentar. 
Die Litteratar ist unvollständig benutzt; Verf. kennt 
nicht einmal Sasemihls Jahresberichte zu Aristoteles. — 
p. 1911: Paaoker, Vorarbeiten zur lat. Sprach- 
geschichte. Die Dlspositions weise Pauckers miß- 
allt dem Referenten IL Jordan. — p. 1912: Plaut- 
Trinummus; Poenulus, ed. Scholl, Götz, Löwe. 
Ehrende Kritik von P. Langen, — p. 1916: J. Beloch, 
Die attische Politik. *Des Verf. Urteile über die 
leitenden Staatsmänner sind nicht immer unbefangen. 
Man dürfte finden, daO Beloch nicht durchweg mit 
gleichem, gerechtem Maßstab mißt.' W, NUsche» — 
p. 1918: Ffingk-Harttung, Perikles als Feldherr. 



[No. 80 



BBRLINBR PHILOLOQISGHE WOCHENSCHRIFT. 



[17. Januar 1885.] 



Zustünmende RezcDsion von H, Landwehr, — p. 1919: 
Boths Römische Geschichte findet eine lobende Be- 
sprechung durch L. Müller — p. 1919 : Pflusk-Harttonir« 
Iter italicuni, II. Iteicber, fesselnder Inhalt 
JEL Bemheim. — p. 1920: Veyries, Lesfigures crio- 
ph ere s, Nützlich und förderlich/ IL KekuU. — p. 1923 : 
uandolle, Ursprung der Kulturpflanzen, übers, 
von E. G e z e. 'Empfiehlt sich gegenüber der bisherigen 
rein philologischen Methode in der Heimatsbestimmung 
durch Beuutzung der naturiorschenden Methoden.^ 
0. Drude. 

Deutscba Literaturzeitang. No. 1. 

p. 5: H. D« Mfillef, Sprachgeschichtliche 
Studien. 'Beharrt auf einem überwundenen Stand- 
punkt.* Q, Mahlow. — p. 6: A. Fick, Die Odyssee 
in ihrer ursprünglichen Sprachform. 'Wichtig 
als Dialektstudie; gegen die Rekonstruktion muß ein 
philologisch-methodisches Gewissen lauten Eiospruch 
erhebea* O, Hmrichs, — p. 9: Livius, von MiuAwig 
und Ussiog. Kurze Anzeige von A, H, Müller, — p. 13: 
Wledemann, Ägyptische Geschichte. Nichtfach- 
leute werden vor Benutzung dieses Buches gewarnt. 
A, Ermann. — p. 14: Ed Meyer^ Geschichte des 
Altertums. 'Unübertrofifen.* A, Ennann. 

Wochenaehrift f. klass. Philologie. 1884, No. 52. 

p. 1683: Thukydides, ed. J. Stahl. 'Eine ratio- 
nelle Ausgabe.* H. Schütz. — p. 1646: Auszüge aus 
der Zeitschrift Ilapvaaoö;. — p. 1647: W. Schlegel. 
Vorlesungen überLitteratur. Haben vorwiegend 
historischen Werth.* 

Academy No. 661. 8. Jan. 1885. 

p. 9—10: £dw. A. Freeman« Destructions at 
Athens. In Übereinstimmung mit seinen früheren 
Ansichten (vgl. Ph. W. 111, No. 23. Sp. 725.) beklagt 
Verf. die .Zerstörung der AkropoUs^ zu dem Zwecke 
der Aufdeckung einer vermeintlichen Glanzperiode 
der Kunst. «Die Geschichte ist einheitlich und jeder 
Fleck bewohnter Erde üSgt die Spuren alter Zeiten, 
die sie berührt haben; so auch die Akropolis: sie ist 
ein Zeugnis, daß die griechische Geschichte nicht 
838 V. Chr. oder 146 v. Chr oder 1453 n. Chr. en- 
dete, sondern daß sie heute noch fortlebt und noch 
laoRO nicht enden wird.* Und in diesem Sinne müßten 
auch die Denkmäler der Geschichte erhalten werden. 

— p. 10—11: Custom and Myth. Von A. Lang, 
Ig. Taylor, Roh. Brown Jr. Die verschiedenen Ver- 
treter der symbolisch-mythologischen Richtung treten 
hier für ihre Ansichten gegen die Desceodenztheorie 
ein. — p. 11-12: Whitley Stokes, Valerius Flac- 
cuB Gegen die Ansicht Ramsays, daß Valerius Flac- 
cus im Mittelalter unbekanut gewesen wäre, bringt 
Verf. eine Stelle aus dem Book of Armagh, wo sich 
bei Muirchu (fol. 8 a coL 2) eine Parallelstelle zu 
Val. Fl. Arg. VI 752 und Verg. Aen. VllI 369 findet. 

— p. 14—15: The Empire of the Hittites. Von 
Th. Tyler und W. Uright Der Streit über den 
semitischen Charakter der Hittiten wird jetzt lediglich 
auf dem Boden der Formenlehre geführt. — p. 15: 
Ch. 6. Leland, The Soma Plant Verf. findet Max 
Müllers Argumentation, daß diese Pflanze Hopfen ist, 
mit den Oberlieferungen der Zigeuner übereinstim- 
mend. — p. 15—16: Lecoy de la Marche, Les Ma- 
nuscrits et la Miniature. Von J. W. Bradley. 
,Man kann über Texte und Illustrationen, wenn man 
nicht tiefer eindringen will, keinen besseren Führer 
finden, als diesen.** — p. 17: B. Stuart Poole, Egypt 
Exploration Fund. Die am 5. Dezember v.J. be- 
gonnenen Ausgrabungen von Flinders Petrie bei Ne- 



bireh haben bereits am 6. ein Resultat gehabt; ein 
Inachriftetein bestätigt, daß hier die griechische Pflaoz- 
stadt Naucratis gewesen ist. Es ist ein Stein mit 
drei Inschriften des 8. Jahrb. v. Chr., welche lauten : 
(1) H nOAlS II NAYKPATlT((i>v) | HAIOAQPON AQ- 
PIQN02 OIAO ... I TON lEPEA TI12 AOHNAS: AIA 
Bloü... I SriTPAOOOrAAKA APETUl KAI suvoio^J 
ENEKA TWl Eli: AYTHN. 1 (2) BASIAEA | NEON 
A10vü3ov ! nrOAEMaioü. | (3) NEIAOVSSHS AAOXOT 
THN A EIKONA nAPOENOIIAIou | MHTPOS AHME- 
TEFAS STHÜAMEN EN TEMENEIjOT OPONOS 
AAAA ZUAOS EN ANAPAII TINETAI ANAPÖN| 
Ol STHÜAN rONEQN EIKONAS AM<l>0TEPi2N. | - 
p. 17: F. Hsverfleld, The West Park bust. Vert. 
berichtigt seine Angabe im Journal of Phil. XII p. 296 
dahin, daß diese Büste eine Athene mit dem Löwen- 
helm, wie in der Villa Albani ist. 



'EpSojtd;. No. 41. 9 (21). Dez. 1884. 

p. 821— 322:r. N. XatgiJc^xTj;, 'Ap^ij :c|><5oio; 
xai 3r|ji.sp(vTj xoxdataau "cfj; 7>^u>3aix5^ ixtsTTJ- 
Vti[j;' In dieser am 10. November gehaltenen Er- 
Gnnungsvorlesung seines Kursus der vergleichenden 
Sprachwissenschaft giebt Professor Ghadzidakis einen 
Überblick über die Entwickelungsgeschichte der 
Sprachwissenschaft: schon Homer deutet den Zusammen- 
hang zwischen Namen und Dingen an; in späterer 
Zeit suchten die Philosophen den Zusammenhang 
zwischen Sprache und Oeist; die Kenntnis fremder 
Völker und Sprachen entwickelte das Studium, die 
Romer nahmen die grammatischen Forschungen auf, 
und das Christentum benutzte die Sprachkenntuis als 
Zweck der Propaganda. Am meisten that zur Ver- 
tiefung der Kenntnis der Aufschluß der indischen 
Litteratnr: die 1783 in Galcntta gegründete Asiatische 
Gesellschaft und namentlich ihr Gründer W. Jones 
eröffneten neue Gesichtspunkte, der Zusammenhang 
des Sanskrit mit dem Persischen und den Sprachen 
des Abendlandes ward aufgedeckt und seit 1788 ist 
eine neue Ära dieser Studien zu rechnen. — AsV.'ciov. 
K. Kovtoxo'jKoc, At T^i{*\ ^XmaoTj; aoCTjTTJasi;. Die 
Arbeiten von K. S. Kontos haben in Athen einen 
Zwiespalt hervorgerufen: G. Bemardakis unterwarf 
in der Nsa 'H^spa in Triest in einer Reihe von Be- 
sprechungen das Werk desselben einer ausführlichen 
Untersuchung, in welcher er die synthetischen For- 
schungen des Schülers Gobets als unlogisch und 
deshalb unhaltbar hinzustellen suchte, indem er sich auf 
die Klassiker bezog und den auf Dialekten beruhenden 
Gebrauch der heutigen Volkssprache bestritt; diese Ar- 
tikel stellte er in einem Buche (^süoaiTtxi-jjioü zKtxi'*'^ 
f^Toi K. 2. KovTOü "jXu>3aixu»v icapaxTjpTJa«ü>v ava^«fo- 
aivciiv £i; Tijv vsov *EXXrjVur;v -jXwaaov dvasxiUTj, 
Triest 1884. 4^5 S. 8.) zusammen. Ihm trat in 
jüngster Zeit Ghadzidakis mit einer ausführlichen 
kritischen Rezension entgegen, in welcher er die 
vollkommene Unföhigkeit seines Gegners, in historischen 
Fragen der Sprachwissenschaft ein Urteil zu f&Uen, 
nachzuweisen sucht. Ref. steht auf des letzteren 
Seite. —Auch die Fortsetzung derrXoj3auairorpaTij(iir;3i*.; 
von Kontos in diesem Blatte (die vorliegende Nummer 
bringt § 15) gestaltet sich mehr und mehr zu einer 
Verwerfung der Rezension des Bemardakis. 



'EpSojta;. No. 42. 

p. 329—830: F. N. XaxCi^axrjQ, 'A^xr;, icp<$o«o; 
xal ainjtspivTj xa-cdaxaoic X)}; ^XuiaaixTj; exiotTJ- 
jtr,; (Schluß). Verf. fuhrt die Entwicklung der ver- 
gleichenden Sprachforschung von Bopp bis zur Gegen- 
wart, indem er namentlich die Sprach formen berück- 
sichtigt 



VtrU« Ton 8. CaUary a Co. in BerUo. — Druck der Berliner Bnchdruckerei- Aktien -OeseUielurt 

(Setierinnen-Sebnle dei Lette- Vereini). 



BERLINER 





Bnebeint jeden SonoAbend. 



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Q. Postimter entgegen. 



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Litterariscbe Anzeigen 

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ft Mark. 



CHR. BELGER, 0. SEYFFERT raiD K. TfflEMANN. 



Prela der dreigespaltenen 
Petitzeile 26 Pfennig. 



5. Jahrgang. 



24. Januar. 



1885. M 4. 



Inhalt. 

I. Orlipinalarbeitent Seite 

W. H. Ro8eher, Beiträge zur griechischen 

Mythologie (IV.) 97 

II. Rezensionen und Anzeigen: 

6. Uhfig, DioDjrsii Thracis Ars grammatica 

(L. Cohn) 99 

N. Fritsch, Des Qu. Horatios Flaccos lyrische 

- - Gedichte (G. Faltin) 104 

H. Walther, Caesar de beUo GaUico, Üb. I— IV 

(R. Schneider) 105 

F. Ramorino, I commentarii de hello Gallico 

(R. Schneider) 106 

J Oberdick, Kritische Stadien (P. Dettweüer) 107 
H. Haupt La marche d^Hanoibal contre Rome 

en 211 (G. Schepfl) 108 

M. pQuIlfn, L^ödacatioo et la discipUne mlli- 

taires chcz les anciens (Th. Steinwender) 109 
A. Baumeister, Denkm&ter des klassiscüen 

Altertums. I. (Chr. B.) 111 

ni. Aoflzflge aus Zeitschriften: 

Hermes XIX, 4. Heft 116 

BulIetiQ 6pigraphique IV, No. 4 u 5 . . 118 
Mitteilungen des deutschen archäologischen 

Instituts in Athen IX, No. 1 .... 119 
Programme und Dissertationen der Aka- 
demie zu Münster i. W. (A. Martini)L . 121 
Iw. Malier et A. Luchs, Acta Seminarii Phi- 
lologie! Brlaugeosis (E. Popp) .... 124 
IV. Mitteiinngen fiber Versamminngen: 

Acad^mie des Inscriptions, Paris .... 126 

Cambridge Philologie*! Society 127 

Society of Antiquarieb in London .... 127 
Royal Arehaeological Institute in London . 128 
Beilage: 

Persenaliea (Ernennungen. Offene Stellen. Todes- 
fälle). 
Kleioe mtfeilungeB (Ausgrabungen bei Horburg im 

Ober-Blsaß. — Ausgrabuogen auf Capri). 
Bibliographie (Angekündigte u. erschienene Werke. 

Antiquarische Kataloge). 
Zeitschrifteil: Deutsche Litteraturzeitung No. 2. — 
Literarisches Centralblatt No 1^3. — Wochen- 
schrift für klass. Philologie No. 1-3. — Philo- 
logische Rundschau No. 1 — 3. — Revue critique 
No. 62 u. No. 1 u. 2. — Academy No. B62. 



Titel, Inhaltsverzeichnis nnd Re- 
gister des vierten Jahrganges der 
Berliner Philologischen Wochenschrift 
(20 S.) liegen der heutigen Nnmmer bei. 



Verlag von S. Calvary & Co. in Berlin. 

Soeben erschien : 

Calvarys philologische u. archäologische 

Bibliothek. 

Sammlung neuer Ausgaben älterer klassischer Hulfs- 
bücher zum Studium der Philologie, in jährlichen 
Serien von ca. 16 Bänden. Subskriptionäpreis für 
den Band 1 M. 50 Pf. Einzelpreis 2 M. Jeder 
Band wird einzeln abgegeben. 

Neneintretende Abonnenten erhalten die erste bis 
dritte Serie (50 Bde.) statt für 75 M. für 86 JH. 

Bisher erschienen: 

I. Serie. 15 Bände nnd 1 Snpplementband. 

Band 1: Wolf, F. A., Prolegomena ad Homerum. 2 M. 
Band 2—6: Mfiller, K. 0., Kunstarchftologische Werke. 

5 Bände. 10 Mk. 
Band 7—15: Niebuhr, B. 6.9 Rämisohe Gesohichts. 

3 Bände iu 9 Teilen. 18 M. 

II. Serie. 18 Bände. 

Band 16-20: Dobree, P. P., Adversaria oritica. 

2 Bände in 6 Teilen. 12 M. 
Band 21—24: Bentley, R«, Dissertation upon the letters 

of Phalaris Ein Band in 4 Teilen. 8 M. 
Band 25: Dobree, P. P., Observatlones Aristophaneae. 

IM 50 Pf. 
Band 26— 31, 33 u. 48: Humboldt^ W. v.. Ober die 

Versobiedenbeit des nenscblichen Sprachbaues. 2 

Bände in 8 Teilen. 16 M. 

m. Serie. 15 Bände und 1 Snpplementband. 

Band 32 u. 43: Hudemann, E. E., Geschichte des 
römischen Postwesens während der Kaiserzeit. 4 M. 

Band 34—42: Becker, A. W., Charikles. Neu be- 
arbeitet von H. Göll. 3 Bände in 9 Teilen. 18 M. 

Band 44—47: Rangabä, A. R., Prids d*uae histoire 
de la Uttirature n6o-hell6nique. 4 Bände. 8 M. 

Supplementband: Lucian Müller^ Friedrich RitscbL 
2. Aufl. 3 M. 

IV. Serie, ca. 10 Bände. 

Band 49 ff.: Reisig, K., Vorlesungen Ober lateinisobe 
Sprachwissenschaft. Neu bearbeitet von H Hagen, 
F. Heerdegen, J.H.Schmalz u. G Landgraf, 
ca. 10 Bände. 

Band 56 ff.: Meier, M. H. E., und G. F. Scboemann, 
Der attische Prooess. Neu bearbeitet von J. EL 
Lipsius. ca. 8 Bände. 

V. Serie, ca. 16 Bände. 

Band 62—70: Becker, A.W., Gallus, neu bearbeitet 

von H. GGlL 9 Bände. 18 M. 
Band 71 ff.: Holm, A., Geschichte Griechenlands, ca. 

8 Bände. 
Über die Fortsetzung behalten wir uns Mitteilung vor. 



} 



[Ko. 4.] 



BBRLIKBR PflILOLOGISGHB WOCHENSCHRIFT. 



(24. Janaar 1885.] 



PersonaiiM. 



An Hochschulen: Privatdozent Dr. 6. Floren- 
tlni zum a. o. Prof. des röm. Rechts an der Univ. 
Innsbruck. — Dr. H Grauert Privatdozent an der 
Univ. München, zum o. Prof. der Geschichte da- 
selbst — Dr. £• Zamcke habilitierte sich an der 
Univ. Leipzig als Privatdozent der klass. Phil. 

An Gymnasien etc.: Dr. Nttgrele in Waiblingen 
zum Vorstand des dortigen Gymn. — Prof. J. Zahrad- 
nlk zum Dir. des Gymn. in Pisek. — Dr. Kohts, 
L am Lyceum II in Hannover, zum Dir. der höh. 
Töchterschule dort. — Dr. R. Heubaaer, Oberl. am 
Grauen Kloster in Berlin, zum Prof. ernannt. 

Oflfbne Stellen. 

Dortmund, am städt. Gymn. Ostern eine ord. 
Lehrerst mit Aofangsgeh. von 1800 M. und 432 M. 
Wohnung8geld. Bewerber mit Beföhig. für Unterr. 
im Lateinischen u. Griechischen für alle Klassen 
wollen sich bis Ende Januar beim Gymn.-Curatorium 
(gez. Lindemann) melden. 

Todesfftlle. 

Dr. Stochow, Dir. der Kgl. Ritterakademie in 
Liegnitz, f 8. Jan., 68 J. alt — Oberl. H. Samen, 
f in Zwickau. 

Rlelne MlMellunseBi« 

Ansgrabongen bei Horbnrg im Ober-Elsass. 

Seit der Mitte des Dezember 1884 sind in Horburg 
bei Ausgrabungen eines Fundaments Sarkophage ge- 
funden worden. Einer derselben enthielt einen goldenen 
iUng mit braunem Granatstein, sowie ein 30 gr wiegen- 
des goldenes Büchschen. Ein andrer, wohl der schönste 
von allen und 2 m lang, war voll Erde und barg mehrere 
Gerippe. Auch wurde ein aus Backsteinen geloildeter 
Wärmeleiter, vermutlich aus dem Prätori um her- 
rührend, gefanden und wieder zugedeckt Auf der 
Mauer — der alten Kirche vermutlich — war ein 
Stein mit den Buchstaben M B eingemauert, sowie 
noch andere Stücke römischer Hausteine. Schöne 
Stücke von GeflU)en waren die weitere Ausbeute, sowie 
auch eine zweite Fibula aus Bronze und von ge- 
fiUliger Form. Auf der mit Patina überdeckten Scheibe 
sieht man auf der einen Seite die Träger und die 
Falze der abgerosteten Nadel, auf der anderen Seite 
die zwei bronzenen Stifte und den Kitt, mit welchen 
die Camee einst befestigt war. An die besprochene 
Kirch enmauer lehnte ein Sarkophag, der bis auf den 
Boden leer war, wo sich Erde mit HoLzfasem vermischt 
und ein bronzener mit Patina überdeckter Ring be- 
fanden. Der Deckel und die beiden Seitenplatten 
bestehen aus einem Stück und messen nur 1,62 m. 
Die südliche Seite enthielt nach innen gekehji; fol- 
gende Inschrift: 

D. M. 

IPRITTILLIVS BA 

NVONIS NAT 

ALIS LVTON 
I S D . S . DONA 
VIT 

Ansgrabnngen auf Capri« 

In Capri wurde eine Reihe wichtiger Entdeckungen 
gemacht Man hat bei Gelegenheit von Anpflanzungen 
von Olivenbäumen die Oberreste eines großartigen, 
aus der ersten Kaiserzeit stammenden Palastes ge- 
funden. Man stieß zunächst auf ein sehr schönes, 
aus kostbaren Marmorplatten hergestelltes Mosaik. 



Ein Nebenraum war mit dem gewöhnlichen römischen 
Mosaik bedeckt. Die Wände, obgleich nur in geringer 
Höhe erhalten, zeigen doch noch Spuren sehr schöner 
und schätzbarer Malerei; von anderen zahlreichen 
Räumen, die noch in der Erde verborgen liegen (ein 
Bergsturz vom Monte Turro Grande scheint die Villa 
verschüttet zu haben), sind wenigstens sichere Spuren 
aufgefunden. Zu der Villa führt ein Weg, welcher 
auf Bogen angelegt war, einige Spuren der letzteren 
sind noch sichtbar; auch Reste eines Aquädukts, der 
die Villa mit Wasser versah, sind aufgefunden worden. 
Um die Aushebung der Mosaikfußböden zu verhindern, 
von welcher die Ruinen bedroht waren, hat die Re- 
gierung sie wieder bis auf Weiteres mit Erde zu- 
decken lassen. Man hofift, daß gründliche Nachfor- 
schungen angestellt werden, um den ganzen Ruinen- 
komplex an das Licht zu bringen. Sie liegen auf 
der Tragara, nach der Bai von Salerno zu, an 
einem Punkte, den man wohl als einen der herrlichsten 
der ganzen Insel bezeichnen kann. (N. A. Z.) 



Bibliographie. 

Hertzberg, 6. A., Athen. Historisch- topographisch dar- 

gestellt (8. VL 243 S.) Halle, Buchh. d. Waisenh. 
[it Plan. 2,70 M. 
Sophokles Tragödien, erklärt v. C. Sohnelzer, Bd. L 
König Ödipus. Berlin, Habel. c. I,b0 M. 

Erscliieneiie MTerUe« 

Aristophanes Werke. Die Wolken. Die Frösche. Ober- 
setzt, mit Einleitung u. Anmerkungen v. J. Mählj. 
Stuttgart, Spemann. 2l2 S. Lwbd. 1 M« 

Mensel, H, Lexicon Caesarianum. Fase. U. (p. 193—384. 
gr. 8.) Berlin, Weber. a 2 M. 

Piatonis opera quae feruntur omnia. Ad Codices 
denuo collatos ed. M. Schanz. Vol. IX: Hippiaa 
major, Hippias minor, lo, Menexenus, Clitopho. 
(8. XXIV, 103 S.) Leipzig, Tauchnitz. 3 M. 

Richter, Otts, Rekonstruktion u. Geschichte der rönu 
Rednerbühne. Mit 2 Taf. (8. 64 S.) BerUn 1854, 
Weidmann. l M. 60 

Stern, E. v., Geschichte der spartanischen u. theba-. 
nibchen Hegemonie vom KönigsMeden bis zur 
Schlacht bei Mantinea. In.-Diss. (8. X, 248 8.) 
Dorpat 1884, Karow. 4 M. 80 

Weil, Rnd , Die KfUistlerinschriften der sicilischen 
Münzen. Mit 3 Tat 44. Programm zum Berliner 
Winckelmannsfest (gr. 4. 31 S. m. Fig. u. 8 BL 
ErklSrungen.) Berlin 1884, G. Reimer. 2 M. 40 

Antlquarteelie Katal^ir^ 

Rndolphi, Klimm, Zürich. N. 133. Elassifiche Philo- 
logie. 57 S. 2142 N. 

Deutsche Lltteratnraeitang. No. 2. 

p. 40: H. Meyer, Gandharven-Kentanren. 
Findet warme Anerkennung yon A, Kaegi — p. 46: 
J. GIrard, Essai sur Thucydide, 'Kann unge- 
lesen bleiben.' WilamowiU. — n. 47: H. Merket» 
Lexikon zu Cäsar. Recht lobende Kritik von 
O. Andreren, Ref hat das Lexikon dergestalt ge- 
prüft, daB er sämtliche in der 1. Lieferung erschei- 
nende Stellen des VII. Buches (ca. 1300) collationierte ; 
er vermißte nur eine einzige Stelle und fand drei 
Konstruktionsfehler; ftdsche Ziffern seien in diesem 
ersten Hefte leider nicht selten. — p. 51: G. Berts- 
berg, Geschichte der Byzantiner. ^Vortrefflich.* 



97 



[No. 4.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOGHENSCHRIPT. [24. Januar 1885.] 98 



I. Originalarbeiten. 

Beiträge zur griechischen Mythologie. 

YoD W. H. Rosoher in Warzen. 
Kentauren. 

(Portsetzung aus No. 8.) 

5) Der Mythus von Nessos (ätolische 
Sage). Ansfuhrliches darttber s. einstweilen bei 
Jacobi, Handw. d. gr. u. röm. Myth. unter Nessos, 
Deianeira und Herakles. Hier nur so viel, daß 
die älteste bekannte Schilderung des Nessosaben- 
teuers dem Archilochos verdankt wird, „dessen fast 
dramatisch ausgeführtes Gedicht Sophokles in seinen 
Trachinierinnen vielleicht benutzte". (Vgl.Schneide- 
win im Philol. I 148 ff. u. Einl. zu Soph. Trach.® 
p. 6. Schol. Ap. Rh. I 1212. Bergk P. L. Gr. fr. 
40 u. 146. Dio Chrys. Or. 60 T. H 666. Schol. 
II. 237. Vgl. Soph. Tr. 557 ff. 1241 f. etc.). 
Für die Deutung des Kentanrenmythus ist die Sage 
von Nessos insofern wichtig, als daraus deutlich 
eine Beziehung zu einem Flusse, dem Euenos 
(dessen ropdjiieuc Nessos war), und zu den übel- 
riechenden Schwefelquellen des ätolischen Taphi- 
assosberges (offenbar von dem Ta<poc des Nessos so 
genannt; vgl. d. Fluß Ozon b. Schol. H a. a. 0.), 
in der Nähe des ozolischen Lokris, hervorgeht 
(vgl. Strab. IX 427. Plnt. Q. Gr. 15. Paus. 
X 38, I. Myrsilos b. Autig. bist. mir. 129 (117 
Westerm.). Schol. II. B 527. Bursian, Qeogr. 
I 134, 3. Forchhammer Hellen. 17. Übrigens 
war Nessos auch Name eines Flusses in Thrakien, 
den Curtius Grdz' 243 f. von Wurzel veö brüllen 
ableitet 

6) Die Kentauren in Verbindung mit 
Dionysos und Eros (spätere Sage). 

a) Die Verknüpfung der Kentaurensage mit 

dem Mythus des Dionysos läßt sich wohl am besten 

aus der schon in der uralten Lapithen- und Pholos- 

legende ausgesprochenen Anschauung von der 

Trink- undZechlust der Nephelesöhne erklären. 

Diodor (IV 12) erzählt, daß das gemeinsame Faß 

der Kentauren, das Pholos in Verwahrung hatte, 

diesem von Dionysos gegeben worden sei, was 

Schol. Theoer. VII 149 mit dem Schiedsspruch, 

den jener Kentaur in betreff der Insel Naxos zp 

gunsten des Dionysos gegeben hatte, zu begründen 

sucht. Die erste Andeutung des bakchischen Ken- 

taurenthiasos giebt uns vielleicht Eurip. Ipb. Aul. 

1G58 ff. in der Beschreibung der Peleushochzeit auf 

dem KentaurengebirgePelion (1046) mitden Worten: 

dvot S* iXotTaiJi TTStpavtü^Ei tc x^? dtajoc SpLoXev Jirito- 

^ocTOt« Kevtaupwv iid öarta toIv Oetov xparr^pdf te 

ßax/oo. So wurden die Kentauren schließlich 



zu ständigen Begleitern des Dionysos, wie das 
namentlich Nonnos Dion. XIV 49 ff. 143 ff. 193 ff. 
ausgeführt hat Doch scheint dieser späte Epiker 
in diesem Falle weniger aus litterarischer als 
aus monumentaler Überlieferung geschöpft zu 
haben (Welcker Götterl. III 152). Zu den 
früheren bildlichen Darstellungen dieser Art mag 
das bei Müller-Wieseler D. a. K. II 589 gegebene 
Yasenbild gehören, welches einen mit Schale und 
Fackel ausgestatteten schreitenden Kentauren dar- 
stellt, dem ein Satyr (oder Silen?) vorausgeht. 
Ebendort ist unter No. 588 ein schreitender Ken- 
taur mit Fichtenzweig und Trinkgefäß abgebildet 
(vgl. ib. 596). Noch bedeutend älter als diese beiden 
Darstellungen scheint das bei Jahn, Vasensamml. in 
München, unter No. 957 beschriebene schwarzfiguri- 
ge Vasenbild zu sein: »Ein bärtiger ithyphallischer 
Satyr . . verfolgt . . zwei bärtige Kentauren mit 
vollständigem Menschenleib, welche die Linke er- 
heben und in der Rechten eine Tanne halten''. 
Plin. n. h. XXXTTT 154 f. führt von Akragas, 
einem der berühmtesten Toreuten, als zu Rhodos 
im Tempel des Dionysos befindlich, Becher mit 
der Darstellung von Kentauren und Bacchantinnen 
an (vgl. Müller- Wieseler U 596). »Auf dem Friese 
des Dionysosheiligtums zu Teos, der um 200 v. Chr. 
gearbeitet sein wird, prangt der ganze moderne 
bakchische Olymp. Neben dem gewöhnlichen Ge- 
folge des Weingotts, dem Pan und Silen , den Sa- 
tyrn und Bakchanten, erscheint das Kentauren- 
volk, Männer und Weiber in friedlichen Gruppen, 
mit Trinkgefäßen und Fichtenzweigen ausgestattet. 
Ein Kentaur spielt die Leier- (Arch. Ztg. XXXIH 
28 T. 5). Sehr häufig werden in der späteren 
Zeit Kentaurengespanne, welche den Wagen des 
Dionysos oder der Ariadne ziehen (vgl. Müller- 
Wieseler II T. X 115 f. T. XXXin 377, T. XXXVI 
422, 423. T. XXXVIII 437. Dütschke, Ant. BUdw. 
in Oberit. 12. 23. 26. 114. Arch. Ztg. XXII 
162. XVII 97. Meyer, Gaudharven 80 f. Müller, 
Hdb. 358, 6 u. 7). Die hierher gehörigen Attribute 
der Kentauren sind der Thyrsos, die Lyra, Flöte, 
das Tympanon und die Fackel (vgl. die Schilderung 
der Kentauren als xo>|JLa(rrat bei Ael. V. H. XIII 1). 
So kommt es wohl auch, daß mehrere der von 
Ovid in seinen Metamorphosen überlieferten Ken- 
taurennamen sich auf Fackeln oder Feuerbiilnde 
beziehen: FpovEü; (von 7püv<$c XII 260), Oüpatdo; 
(ib. 449) und nupaxjio; (v. 460), vielleicht auch 
OXe^paioc (v. 378.). S. auch Diod. IV 12. Von 
besonderer Anmut und Schönheit der Komposition 
sind einige schon vonWinckelmann bewunderte Grup- 
pierungen von Kentauren und Mainaden oder Bak- 



99 



[No. 4.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [24. Januar 1885.] 100 



chanÜBnen auf pompejanischen Oemälden (Müller 
Hdb. 389, n Müller-Wieseler 2 T. 47. no. 594 f. 
Dütschke a. a. 0. 168). Der Kopf der Kentauren 
des Aristeas und Papias (Müller- Wieseler II T. 
XLVH 598) gleicht ganz dem eines Satyrs. 

b) Ganz ähnlich wie die Beziehungen der Ken- 
tauren zu Dionysos aus der Trink- und Zechlust 
erklärt sich ihre Verbindung mit Eros aus ihrer 
ebenfalls in sehr alten Sagen (s. oben) hervortreten- 
den Lüsternheit. Doch scheint diese letztere Ver- 
bindung ausschließlich der späteren monumentalen 
Tradition anzugehören, welche namentlich durch 
Werke der Kunötschule in Aphrodisias repräsentiert 
wird (Brunn, Künstlergesch. I 592 f.). Am be- 
rühmtesten sind die beiden Kentauren des Aristeas 
und Papias, wahrscheinlich Kopien eines älteren 
bedeutenden Werkes (Brunn a. a. 0.). „Dem 
älteren von beiden sind von einem Eros . . . (Welcher 
in dem Pariser Exemplar erhalten ist) die Hände 
auf den Rücken gebunden; er ist wehrlos gemacht, 
und seine sonstige Wildheit erscheint zu schwer- 
mütiger Trauer umgestimmt. Aber wie die Fessel 
nicht hindert, in seinem Körper die volle natürliche 
Kraft zu erkennen, so schimmert anch durch die 
augenblickliche Melancholie die angeborene Wild- 
heit überall durch Der jüngere jubelt und höhnt 
das Schicksal seines Genossen, ohne zu bedenken, 
daß Gleiches ihm selbst bevorsteht; und wir glauben 
schon in seinem Jubel die Ungefügigkeit und Un- 
bändigkeit zu erkennen, die sich seiner im Gegen- 
satz zu der schwermütigen B^signation des älteren 
bemächtigen wird, sobald das Geschick ihn ereilt''. 
(Vgl. Müller -Wieseler D. a. K. H 597 und 598. 
Baumeister, Denkm. I 127). Weitere hierher 
gehörige Bildwerke , sogar mit päderastischen 
Darstellungen (an Hesych. Kevraupot . . . xal ol 
iratd£pa9Tai, iizb tou oppou und an den knaben- 
raubenden Kentauren des olympischen Giebelfeldes 
erinnernd) s. b. Meyer, Gandharven 81 f. Müller- 
Wieseler n 596. 671. Arch. Ztg. 1848. N. F. 
U 353 ff. Welcker A. D. I 318 ff.J. 

(Fortsetzung folgt.) 



IL Rezensionen und Anzeigen. 

Dionysii Thracis Ars grammatica, 
qnalem exemplaria vetnstissima exhibent, snb- 
scriptis discrepantiis et testimonüs, quae in 
codicibas recentioribus, scholiis, erotematis, 
apad alios scriptores, Interpretern Armeniam 



reperiontur. Edidit Gastavus Uhlig. Lipsiae 
1884, B. G. Teubner. C, 224 S. gr. 8. 8 M.*) 

Habent sua fata libeUL Wenige Büclier haben 
ähnliche Schicksale aufzuweisen wie die Tijiyr^ ifp^i*-" 
jjLaTtxiJ des Thrakers Dionysios, das älteste gram- 
matische Kompendium des Abendlandes. YerfaGt 
gegen Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr., hat das 
unscheinbare Büchlein in den folgenden Jahrhun- 
derten und das ganze Mittelalter hindurch in einem 
Ansehen gestanden und bis in unsere Zeit einen 
Einfluß geübt wie kaum ein anderes Buch: die 
Techne des Dionysios kann gewissermaL^en als die 
Grundlage aller europäischen Grammatiken be- 
zeichnet werden. Aber ihre Herrschaft i*eicht 
noch weiter, selbst nach Asien erstreckt sich ihr 
Einfluß, auch orientalischen Grammatikern hat die 
Grammatik des Dionysios als Vorbild gedient. In 
den griechischen Schulen war die Grammatik des 
Dionysios die Grundlage des Unterrichts, bis zum 
12. Jahrhundert führte sie dort eine unbestrittene 
Herrschaft. Am Ende des byzantinischen 2ieit- 
alters wurde sie verdrängt durch die katechismus- 
artig abgefaßten EptüTTQiJLaTa ^patjAiiaTixa eines Moscho- 
pulos und Neilos, die aber im wesentlichen nur 
Bearbeitungen der Dionysianischen Techne sind. 
Auf diesen Erotcmata beruhen dann die gramma- 
tischen Arbeiten der nach Italien ausgewandeiten 
griechischen Gelehrten Emanuel Chry soloras. Theo- 
doros Gaza, Konstantinos Laskaris u. a., die Vor- 
läufer der modernen Gi-ammatiken. Auch in Rom 
fand Dionysios früh Eingang. Varro entlehnte ihm 
einzelne Definitionen, und die späteren römischen 
Grammatiker haben ganze Teile der lateinischen 
Grammatik nach dem Muster der Dionysianischen 
Techne gestaltet. Ana den Schriften der römischen 
Grammatiker (Donat, Priscian u. a.) sind dann 
Dionysianische Lehren in die grammatischen Werke 
der italienischen Humanisten und aus diesen auch 
in die Grammatiken der neueren Sprachen über- 
gegangen. Im 5. Jahrhundert n. Chr. verfaßte 
ein Armenier mit Benutzung des Dionysios eine 
Grammatik der armenischen Sprache, indem er das 
Buch des griechischen Grammatikers ins Armenische 
übersetzte unter entsprischender Verwendung der 
Wörter und Flexionsformen seiner Sprache an Stelle 
der griechischen. Und ungefähr um dieselbe Zeit 
entstand in ähnlicher Weise eine syrische Über- 
setzung der Techne des Dionysios. 

Mit dieser welthistorischen Bedeutung des 



•) Vgl. unsere Wochenschrift IV. Jahrg. No. 5u 
p. 1566-1571. Anzeige von R. Schneider. 



101 



[No. 1] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT [24. Januar 1885.] 102 



Buches steht die geringe Aufmerksamkeit, die 
man ihm bisher gewidmet hat, nicht im rechten 
Einklang. Die Techne bietet viel Stoff zu kri- 
tischen Erörterungen, und es knüpft sich an dieselbe 
eine Reihe von Fragen, die für die Geschichte der 
Grammatik von. nicht geringer Bedeutung sind. 
Einzelne dieser Fragen sind bereits in gelehrten 
Arbeiten behandelt worden oder in Angriff ge- 
nommen. Aber es fehlte bisher an einer kritischen 
Grundlage, um diese Untersuchungen in der 
richtigen Weise führen zu können. Eine solche 
erhalten wir jetzt von der Hand eines berufenen 
Forschers. G. Uhlig bietet uns in dem vorliegen- 
den Buche eine neue Ausgabe der Techne des 
Dionysios mit einem kritischen Apparat, wie er 
vollständiger und reichhaltiger nicht gedacht werden 
kann. Und die Ausgabe enthält noch nicht alles, 
was der gelehrte Herausgeber ursprünglich geben 
wollte. Ein schweres Augenleiden (das glücklicher- 
weise wieder gehoben ist) zwang ihn vorläufig, nur 
den Text der Grammatik in der Gestalt zu geben, 
wie ihn die besten und ältesten Handschriften 
bieten, und eine zweite Ausgabe mit emendiertem 
Text sich vorzubehalten. Bedauerlich ist diese 
Trennung der emendatio von der recensio aller- 
dings. Aber die vorliegende Ausgabe bietet so viel 
des Guten und enthält ein so reiches Material für 
alle auf Kritik und Exegese bezüglichen Fragen, 
daß auch trotz des erwähnten Mangels dem Ver- 
fasser der wärmste Dank der Fachgenossen ge- 
bührt. Es ist ein Werk von wahrhaft staunens- 
wertem Fleiße, dessen Studium allen, die sich für 
Geschichte der Grammatik interessleren, aufs ange- 
legentlich(»te zu empfehlen ist. 

Die Prolegomena (p. V — LVI) geben eine 
ausführliche Beschreibung der Handschriften und 
die nötigen Nachweisungen über die andern im 
kritischen Apparat benutzten Hülfsmittel. Die 
handschriftliche Grundlage des Textes ist eine 
andere als die der beiden früheren Ausgaben. Die 
von Fabricius und von Bekker benutzten Hand- 
schriften sind jünger und schlechter als diejenigen, 
nach welchen Uhlig den Text konstituiert. Es 
sind dies ein Monacensis (saec. IX oder X) und 
ein Leidensis (saec. XI). Der Monacensis (M) 
ist nicht vollständig erhalten, er wird in den 
fehlenden Teilen ersetzt durch den Leidensis (L), 
der, wie Uhlig überzeugend nachweist, aus dem 
damals noch vollständigen Monacensis abgeschrieben 
ist. Eine dritte Handschrift, welche Bekker noch 
nicht kannte, ein Grottaferratensis (im Kloster 
Grotta Ferrata bei Frascati) stimmt häufiger mit 
den schlechten Handschriften als mit ML. — Eine 



wichtige Quelle für den Text der Techne sind die 
alten Schollen: ihre Lemmata und Citate sind 
tür die Kritik sehr wertvoll, da die Verfasser der 
Schollen älter sind als die Handschriften. Uhlig 
hat alle vorhandenen Schollen in den verschiedenen 
Handschriften verglichen oder vergleichen lassen 
und mit peinlichster Sorgfalt alles, was auf den 
Text der Techne Bezug hat, daraus exzerpiert und 
für den kritischen Apparat verwertet. Dasselbe 
gilt von den Ei'otemata, über welche Uhlig in 
einer besonderen Schrift gehandelt hat (Appendix 
artis Dionysii Thracis ab G. U. recensitae, Lips. 
1881). — An die Pi'olegomena sclüießt sich eine 
Abhandlung von AdalbertMerx über die arme- 
nische Übersetzung der Dionysianischen Techne 
(p. LVHI— LXXHI). Die auffallende Disharmonie 
zwischen dem eleganten Latein der Prolegomena 
und dem stellenweise sehr bedenklichen Latein des 
Orientalisten erklärt Uhlig selbst (p. XLIH). 
Schließlich folgen noch Addenda et Corrigenda 
(p. LXXVH— C), Ergänzungen und Berichtigungen 
zum kritischen Apparat nebst den Lesarten der 
syrischen Übersetzung. 

Der Text der Techne mit dem kritischen 
Apparat füllt gegen 100 Seiten (p. 3—101). Der 
Text ist durchweg nach der Überlieferung in ML 
gestaltet, von der Emendierung desselben ist, wie 
bereits erwähnt, gänzlich Abstand genommen: 
einzelne Stellen, welche dem Herausgeber korrupt 
oder verdächtig scheinen, sind mit einem Kreuz 
bezeichnet. Der AnschluB an ML geht so weit, 
daß selbst offenbare Fehler und Versehen dieser 
Handschriften aufgenommen sind, wie p. 11, 2 
(=631, 13 Bekk.) Xe-^ovrai für Xe7eTat, p. 19, 3 
(= 633, 6 B.) tU om., p. 28, 1 (= 635, 10 B.) 
xaöap6; für xaöaprSv, p. 32, 1 (= 636, 6 B.) xat 
aktaxixv für xar aWav, p. 43, 3 {^ 637, 22 B.) 
I8i%6^ für tldiyL6y. Eine Inkonsequenz möchte man 
darin erblicken, daß gewisse Zusätze der übrigen 
Handschriften, welche in L von erster Hand fehlen 
und erst am Rande von zweiter Hand hinzugefügt 
sind, in den Text aufgenommen sind, z. B. p. 15, 1 
(= 632, 10 B.) die Worte dveTtcxTaxtüv xax säOeiav 
yal evtx^v rrtüjiv. Der Text weicht, wie man sich 
leicht denken kann, vom Bekkerschen vielfach ab. 
Einige der wichtigeren Lesarten der codd. ML 
mögen hier eine Stelle finden: p. 6, 15. 7, 1 
(-- 629,26. 630, 1.2 B.) ^ für ^. p. 9, 8 (- 631, 3B.) 
oiov a, ^ om. p. 10, 7 (-=631, 10 B.) uJoc xal 
(Iv) Totc 6|jLorot; om. p. 22, 5 (=634, 3 B) re 
xal i|i|i.£Tpou om. p. 25, 8 (= 634, 27 B.) xb xuptoi; 
für xopifoc t6. p. 29, 1 (- 635, 18 B.) ^ «b; ü 
evo|i.aToc om. p. 36, 3 (-= 636, 28 B.) 6 MXtoic für 



1 



103 



[No 4.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [24. Janaar 1885.] 104 



4 'Oaicoc. p. 42, 1 (=- 637, 17 B.) ti irepteyipisvov 
für To ir. p. 46, 5 (=- 638, 4 B.) irapiTra^a für 
TcapwTüiaa. p. 51, 4 (= 63S, 19 B.) irptotov oiov 
Tüirrtü — Tüircei om. p. 86, 4 (= 642, 23) ötjXouaa 
für itXrjpooaa. Auch die ParagrapheneinteiluDg 
ist eine andere geworden : die Zahl der Paragraphen 
ist von 25 auf 20 reduziert, die (Bekkerschen) 
Paragraphen 4 und 5, 12 und 13, 16. 17. 18, 21 
und 22 sind zusammengezogen unter Tilgung der 
hetreffenden in ML fehlenden Uherschriften. — 
Der kritische Apparat ist in 3 Ruhriken ge- 
teilt: die erste Rubrik giebt die Lesarten der 
Handschriften, die zweite die Citate und Varianten 
aus den Schollen und den Erotemata und aus andern 
Schriftstellern, die dritte die Lesarten des arme- 
nischen Übersetzers. Von diesen nimmt die zweite 
Rubrik den größten Raum ein: die Nachweisungen 
von Lesarten aus den einzelnen Scholiensammlungen 
und späteren Schriftstellern, griechischen wie la- 
teinischen, sind so reichhaltig, daß auf den meisten 
Seiten nur 1 — 2 Zeilen auf den Text kommen. 
Die Vermutungen über den Text, den die betreffen- 
den Scholiasten oder Grammatiker vor sich gehabt 
haben, wird man in den meisten Fällen wohlbe- 
gründet finden, wenige fordern zu Widerspnich 
oder zu erheblichen Zweifeln heraus. In betreff 
der Definition von jjilffa a^cuva (p. 13, 1 — 631, 23 
Bekk.) ist U. im Zweifel, ob Melampos (schol. 
p. 809, 14 Bekk.) sie bereits vorgefunden habe 
oder nicht: mir scheint Melampos so wenig wie 
Stephanos die Stelle gelesen zu haben; denn er 
bemüht sich selbst, die Ausdrücke <J;iXqc da^ea \Li^oL 
zu erläutern. Auch daß Melampos die Definition 
von rpoTaxTixal (pcovr^evra (p. 10, 4-- 631, 7 B.) 
bereits vorgefunden habe, wie U. behauptet, möchte 
ich bezweifeln; anders stände die Sache, wenn die 
Worte &Q aoT^c (pTjji (p. 801, 17. 18 B.) am Ende 
nach at 6t^0o77ot «JiroTeXouvTai gesetzt wären. 

Auf den Text der Techne folgen einige Supple- 
mente, 4 Traktate, welche in den llandschriften 
gewöhnlich mit der Grammatik des Dionysios ver- 
bunden sind (p. 105— 132): I. ein Traktat ::£pl 
rpojcpöiuiv (^Bekk. An. II 674—675); II. eine 
Definition von teyvT); ID. ein metrischer Traktat 
::epl roSoiv; IV. Flexionsformen des Paradigma 
TUTTcoj. Den Schluß bilden zwei ausführliche und 
sehr wertvoUe indices, ein griechischer und ein 
lateinischer (p. 135—210). Der griechische giebt 
ein erläuterndes Verzeichnis aller in der Techne 
und in den Supplementen vorkommenden Wörter 
und der im kritischen Apparat erwähnten Aus- 
drücke mit Nachweisungen aus der sonstigen 
grammatisch -technischen Litteratur. Der latei- 



nische Index ist nicht bloß ein Register zu der 
Techne selbst und zum kritischen Apparat, sondern 
auch zu den Prolegomena und Addenda und zn 
den andern Schriften Dhligs über Dionysios. Die 
letzten Blätter geben eine Übersicht über den In- 
halt, ein Verzeichnis der Abkün^ungen und zwei 
photolithographische Facsimilia vom Monacensis 
und vom Leidensis. 

Möge es dem Verfasser vergönnt sein, recht 
bald den zweiten Teil der Ausgabe folgen zu lassen. 
Bi*eslau. Leopold Cohn. 



N. Fritsch, Des Qu. Horatius Flaccus 
lyrische Gedichte in neuer Weise über- 
tragen und geordnet. Trier 1884, Fr. Lintz- 
sche Buchhandlung XIV, 260 S. 8. 3,60 M. 
„Seines Fleißes darf sich jeder rühmen**. Es 
fordert in der That große Achtung, daß der Ver- 
fasser vorliegender Übersetzung 19 Jahre lang an 
seiner Arbeit gefeilt hat, ehe er sie der Veröffen^ 
lichung wert gehalten hat. Es war ihm darum zn 
thun, ein Kunstwerk zu liefern. Die Forderun- 
gen, die er an sich selbst gestellt hat, waren 
nicht klein. Es genügte ihm nicht, die Rhyth- 
men des Originals nachzubilden, sondern er 
hielt es für notwendig, damit den Reim zu ver- 
binden. Ich gebe dem Verf. gern zu, daß modern 
rhythmisierte Übertragungen antiker Poesie, selbst 
wenn man die schönsten Formen und die größte 
Abwechselung modemer Rhythmik anwendet, der 
mannigfaltigen und einheitlich gemessenen Bewegung 
entbehren, die zur Eigentümlichkeit des Originals 
gehören. Es ist ohne Zweifel richtig, daß man 
mit dem Verzicht auf die äußere Gestaltung und 
Bewegung einen Teil der Seele des Dichtei*8 daran 
giebt und nur eine fast gleichmäßig gestimmt« 
Reihe leichter Liedchen liefert. Auch denke ich, 
daß die Frage endgültig entschieden ist, ob die an- 
tiken Rhythmen in deutscher Sprache nachgebildet 
werden können; aber damit bin ich auch an der 
Grenze meiner Zustimmung angelangt. Niemals, 
glaube ich, darf man zugestehen, daß die antiken 
Rhythmen eine natürliche und entsprechende Kunst- 
foi-m der deutschen Sprache sind; sie werden immer 
innerhalb der deutschen Poesie eine künstliche und 
fremdai'tige Gestaltung bleiben. Ich kann mich 
auch nicht überzeugen, daß die antiken Rhythmen 
noch ein starkes Mittel zur Erhöhung ihrer mu- 
sikalischen und plastischen Schönheit bedürfen, und 
noch viel weniger die Meinung teilen, die Gott- 
schall in seiner Poetik vertritt und Fritsch zu der 
seinigen mächt, daß der Reim ihnen diesen ver- 
meintlichen Mangel der Plastik und Harmonie er- 



105 



[No. 4.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [24. Januar 1885.] 106 



setzen könnte. Ich denke, man pfropft damit auf 
eine ünnatürlichkeit die zweite: man nimmt damit 
dem antiken MaBe noch mehr seinen nrsprüng- 
lichen Charakter, ohne es damit deutsch zu machen. 
Die quantitierende Sprache hat ehen ganz andere 
rhythmische Formen geschaffen als die accentnierende; 
hat letztere noch den Reim nötig, nm die geringere 
Kraft der metrischen Form zu erhöhen, so fällt 
dies Bednrfiiis fort, sohald man die accentnierende 
Sprache in die Kunstform der quantitierenden 
zwingt. 

Wenn mir also das Prinzip der Übertragung 
nicht annehmbar erscheint, so muß ich doch zu- 
gestehen, daß trotz der enormen Schwierigkeiten, 
mit denen der Verf. zu arbeiten hatte, er sich in 
Beziehung auf Ehythmus und Auswahl des Keimes 
die sti*eng8ten Gesetze auferlegt hat Es sind mir 
nur wenige Fälle eines nicht ganz reinen Reimes 
aufgestoßen; auch nur in seltenen Fällen hat mich 
der Rhythmus nicht befriedigt. Oft sind die 
Strophen bei sinngemäß genauer Übertragung gerade- 
zu vollendet zu nennen. Freilich muß ich nach 
einer Seite auch eine Ausstellung machen. Auch 
Horaz gehört ja zu den Dichtem, denen der Born 
der Poesie nicht ursprünglich und frisch aus der 
Seele springt, er ist sentimental und ein mühsamer 
Künstler im Ausdruck; aber die Übei'setzung geht 
in dieser Beziehung noch weit über das Original 
hinaus. Im Ausdruck und in der Wortbildung, 
auch nicht ganz selten im Aufbau des Satzes zeigt 
sich geschraubte Künstelei und Manier. Es fehlt 
der Übertragung Frische und Originalität. Sehr zu 
bedauern ist die Willkür, die sich F. in Änderung 
der Namen. Neuordnung der Gedichte, Entfernung 
von Strophen und Eindichtimg eigener erlaubt hat. 
Barmen. G. Faltin. 



Caesar de bisllo Gallico. Für den Schal- 
gebrauch erklärt von H. Walthep, 1. Heft: 
Lib. I a. II nebst einer Einleitung and drei 
Karten. 2. Heft: Lib. III a. IV nebst zwei 
Karten and einer Abbildung. Paderborn 1882 
n. 1883, Schöningh. IV, 99 a 59 S. 8. 2,10 M. 

Ein Vergleich mit der Kranerschen Ausgabe 
zeigt so geringe Neuerungen dieser Arbeit, daß 
dieselbe überflüssig erscheinen mu(l Im Texte ist 
mir nur I 11,4 Eodem tempore <atque> Aedui 
Ambarri aufgefallen. Die Anmerkungen schießen 
oftüber das2iiel hinaus z.B. II 3, 1 *celerius onmi opi- 
nione nachdrucksvoller als omnium opinione, 
welches wir sonst in ähnlichen Wendungen bei 
C. finden*, und 30, 4 ^homlnibus Qallis. Die 



HinzufUgung von homo zum Völkemamen soll das 
Wesen und die Beschaffenheit des Volkes 
mehr hervorheben'. Diese Spitzfindigkeiten finden 
sich leider bei den Herausgebern sonst schon viel 
zu häufig, und gerade auf ihre Ausmerzung müßte 
ein neuer Bearbeiter denken. Statt dessen schreibt 
aber W. ruhig nach Schneider zu I 1, 1 *aliam 
/hebt die Verschiedenheit der einzelnen Teile 
mehr hervor ,^vährend das bei Aufzählungen viel 
häufigere alter einem zweiten Gegenstand von der- 
selben Art und mit denselben Eigenschaften dem 
ersteren anschließt'. Dabei sind gute Bemerkungen 
bei Schneider dem neuen Herausgeber entgangen, 
so I 40, 5 : quos tamen aliquid usus ac disciplina, 
quae a nobis accepissent, sublevarent; es muß 
nach Cäsarischem Sprachgebrauch durchaus quam 
(ß) geschrieben werden, wie eben Schneider 
längst gefunden hat. Überhaupt ist auf den Text 
nicht die genügende Sorgfalt verwendet; sonst 
hätte W. wohl bemerkt, daß III 9, 7 die her- 
kömmliche Schreibweise falsch ist: ac longo aliam 
esse navigationem in concluso man atque in 
vastlssimo atque apertissimo Oceano perspi- 
ciebant. Es muß einer von beiden Ausdrücken 
gestrichen werden, wie Oudendorp bereits anmerkt; 
freilich ist zwischen in vastissimoA' und in apertissimo 
ß die Wahl schwer. Aber B', woraus obige Ijesart 
stammt, sind Mischhandschriften, die hier wie oft 
die Überlieferung beider Klassen vereinigen. 

Die Ausgabe, deren Vollendung wohl in naher 
Zeit zu erwarten ist, hat keine Aussicht, die be- 
währte Kranersche zu verdrängen. 

Berlin. Rudolf Schneider. 



I commentarii de belloGallico diC.Giu- 
lioCesare illustratidaFelieeRamorino. Con 

una carta della Gallia e 11 incis. in legno. 
Torino 1884, E. Loescher. XXXIV, 380 S. 8. 
3,50 1. 

Eine italienische Schulausgabe, die ganz auf 
den deutschen Vorarbeiten fnßt, wird die Leser 
dieser Zeitschrift wenig interessieren; ich erlaube 
mir darum auch nur ein paar Bemerkungen 
darüber, die zugleich für die Grundlagen dieser 
Arbeit, für den Text von Dinter und Kraner oder 
für die zugehörigen Anmerkungen, Geltung haben. 

V 39, 4 Aegre is dies sustentatur heißt nicht 
^dieser Tag mit dem, was an demselben geschieht, 
die Belagerung' (Kraner«) und auch nicht, wie 
Ramorino erklärt: 'si passa a stento questo giomo 
sostenendo Timpeto dei nemici', sondern ist nur 
der passive Ausdruck für die geläufige aktivische 
Wendung; der sogenannte Akkusativ der Dauer 



107 



[No. 4.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [24. Januar 1885.] 108 



ist eben einfach Objekt, wie Kühner II § 72, 4 A. 10 
richtig bemerkt, von diesem Nominativ spricht er 
nicht. — IT 10, 1 hat Ramorino mit allen seinen 
Vorgängern den Fehler: omnem eqnitatum . . . 
pontem traducit tibersehen, es mnß nattlrlich 
ponte gelesen werden. lY 28, 2 nt . . aliae ad 
inferiorem partem insolae, qnae est propins solis 
occasnm . . deicerentar hat auch E. stehen lassen; 
der Relativsatz ist aber zu streichei^denn propins 
esse ist nicht lateinisch, und das Ganze ist nur 
Glosse zu inferior in der Hedeatung westlich. 
Vgl. V 13, 1 Hains lateris alter angolos . . ad 
orientem solem, inferior ad meridiem spectat und 
IV 36, 4 onerariae dnae . . panlo infra delatae 
sunt. Ein Glossem, vielleicht eine lexikographischo 
Randnotiz, hat sich wohl anch V 26, 4 ein- 
geschlichen, anf jeden Fall ist in den Worten 
Tum sno more conclamavemnt, uti allqoi . . pro- 
diret der Zusatz sno more unpassend, derselbe 
Ausdruck steht sehr gut V 37, 3 Tum suo more 
victoriam conclamant. VI 5, 3 bemerkt R. zu 
Ambiorigem proelio non esse concertaturum richtig : 
^concertatumm solo in questo luogo'; damit hat er 
sich beruhigt, wie alle andern auch gethan haben. 
Cäsar, kennt aber nur zwei Wendungen, proelio 
decertare oder proelio contendere: es mnß auch 
hier eins von beiden geschrieben werden; decerta- 
turum (aus concertaturum a) oder ohne Konjektur 
contenturum ß. Endlich kann ich auch IV 34, 2 
die Worte ad lacessendum et ad committendum 
proellum trotz Schneiders langer Auseinandersetzung 
nicht ftir richtig halten; Cäsars Sprachgebrauch 
zwingt uns nach ^ zu schreiben: ad lacessendum 
<hostem> et ad committendum proelium. 
Berlin. Rudolf Schneider. 



J. Oberdick, Kritische Studien. 
1. Bändehen. Münster 1884, Coppenrath. VI, 
91 S. 8. 1 M. 60 Pf. 

Der durch seine Ausgabe von Aesch. Schutz- 
flehenden rühmlichst bekannte Verf. hat in diesem 
Bändchen verschiedene kleinere Abhandlungen und 
Rezensionen gesammelt und dadurch einem weiteren 
Kreise zugänglich gemacht. Neu sind nur einige 
Zusätze und Ajimerkungen, welche sich auf die 
seitdem erschienene Litteratur über den behandelten 
Gegenstand beziehen. Näher auf den Inhalt ein- 
zugehen, verbietet mir leider der zugemessene 
Raum. Ich muB mich daher auf nackte Aufzählung 
beschränken. Das Büchlein enthält: L Commen- 
tationum Aeschylearum specimen (Glatz 1876). 
Behandelt: Ag. 1459-1461. 1547—1550. Sept. 
926 fif. Suppl. 826—842. Eom. 1032—1047. - 



IL Quaestiones Aeschyleae (Münster 1878). Be- 
handelt: Pers. 840 ff. 162 ff. Aurührungszeit der 
Suppl. Die Redaktion des Pisistratus. Die Pro- 
metheusfrage. Prosodisches. — III. Kritisch-exege- 
tische Bemerkungen zu Aesch. 1) Sept. 576 ff. (Z. 
f. österr. G. 1871). 2) dieselbe Stelle, ib. 848—859. 
(ebendaselbst 1872). 3) ib. 225. 233. 239 (Jahrb. 
f. klass. Phü. 1876). — IV. Rezensionen. 1) Karl 
Frey, Äschylus-Studien (Jen. Litteraturz. 1875), 
2) De Aeschylo G. Hermanni F. V. Fritzschius 
praefatus est (Philolog. Rundschau 1881). 3) F. 
Hüttemann, Die Poesie der Ödipussage (ebenda- 
selbst). 4) Remarks on Prof. Mahaffy's account 
of the rise and progress of epic poetry in bis 
history of classical greek literature. By F. A. 
Paley (ebendaselbst). — V. De stasimo primo fa- 
bnlae Aeschyleae quae Septem adversus Thebas 
inscribitur commentatio (Münster 1878). Der Be- 
quemlichkeit dient ein Verzeichnis der behandelten 
Stellen sowie ein Wort- und Sachregister. 
Giessen. P. Dettweiler. 



Herman Haupt, La marched'Hannibal 
contra Rome en 211, Aus: Melanges 
d'^mdition classique d(^di6s ä la memoire de 
Charles Graux. Paris 1884, Thorin. 
S. 23-84. 

Die uns vorliegende Schrift bildet einen Ab- 
schnitt der umfangreichen Sammlung philologischer, 
historischer und archäologischer Abhandlungen, 
welche von den hervorragendsten Philologen Frank- 
reichs, denen sich aber auch Angehörige fast aller 
übrigen europäischen Staaten angeschlossen haben, 
dem Gedächtnis des so früh verstorbenen genialen 
Gelehrten Charles Graux gewidmet worden ist. 

Die Aufgabe, die sich der Verf. gestellt hat» 
ist eine doppelte, einmal das gegenseitige Verhält- 
nis der Quellen über den Zug Hannibals gegen 
Rom im Jahre 211 festzustellen, zweitens aber auf 
grund der Resultate dieser Quellenuntersuchung 
den Thatbestand zu rekonstruieren. — Der Bericht 
des Livius (XXVI 7—11), als dessen einzige 
QueUe Frühere den Colins Antipater bezeichnet 
hatten, ist nach H. aus den unter sich verwandten 
Berichten des CöL und Valer. Ant. kontaminiert; 
dem Liv. ist wiederum Cass. Dio gefolgt. Dagegen 
weisen die verschiedensten Momente daitiuf hin, 
daß die entsprechenden Angaben des Appian, sei 
es direkt, sei es indirekt, aus C51. Antip. herüber- 
genommen sind. Zur Beurteilung der Glaub- 
würdigkeit der Berichte des Cöl. und Valer. Ant. 
und der ihnen entgegenstehenden Darstellung des 



109 



[No. 4.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [24. Janaar 1885.] UO 



Polybius (9 3—7) sich wendend zeigt Verf., daß 
Cöl. seine Quellen, welche oifenbar dieselben wie 
diejenigen des Pol. waren, höchst willkürlich be- 
nutzte, so namentlich den Quellenbericht über das 
Nacbtgefecht, das Hannibal den Eömern auf seinem 
Rückzuge von Rom nach ünteritalien lieferte. 
Angesichts dieses Quellenbefundes hält es H. für 
höchst unmethodisch, mit Ihne und Neumami der 
bei Liv. und App. vorliegenden Version des CöL 
vor der Darstellung des Pol. den Vorzug zu geben. 
Die ganz unwahrscheinliche Erzählung von dem 
Uülfszuge des Prokonsuls Q. Fulvius Flaccus auf 
der appischen Straße beruht wahrscheinlich auf 
Verwechslung mit dem Konsul Cn. Fulvius Centi- 
malus, und ist aus der mündlichen Tradition wohl 
zuerst von Cöl. herübergenommeu worden, dem als- 
dann die spätere Annalistik gefolgt ist. Verf. 
schließt seine Beweisführung mit der Bemerkung, 
daß das leichtsinnige Spielen mit selbsterfundenen 
Motiven, das in dem Berichte des Cöl. über den 
Zug Hannibals nach Rom sich kundgiebt, als ein 
Charakteiistikum der ganzen Cölianischen Ge- 
schichtschreibung bezeichnet werden müsse, die sich, 
so weit wir sie zu kontrollieren vermögen, nur 
wenig über das Niveau unserer modernen histo- 
rischen Romane erhebe. Wo wir die aus Cöl. ge- 
schöpften Abschnitte des Liv. mit Pol. vergleichen 
können, da werde es meist gelingen, die bei Cöl. kon- 
taminierte römische und punische Tradition von den 
zahlreichen Fälschungen und Übertreibungen ihres 
gewissenlosen Bearbeiters zu befreien; wo uns aber 
die Fragmente des Polybius im stiebe lassen, da 
fehle uns jedes Kriterium und jede Gewährschaft 
für die Glaubwürdigkeit des Cöl. und der von ihm 
abhängigen Annalistik. 

Würzburg. G. Schepß. 



Harcel PoalliD, L'^ducation et la dis- 
cipline militaires chez Ips auciens. Paris 
et Limoges 1883, Charles - Lavaazelle. XII, 
128 S. 12. 30 c. 

Die engen Grenzen, welche Verfasser sich in 
diesem zur „Petite biblioth^ue de Tarmöefrangalse** 
gehörigen Buche zieht, resultieren aus folgendem 
Gedankengange: Der dregährige Dienst im Heere 
ist nicht ausreichend, um tüchtige Soldaten zu bil- 
den; man möge deshalb die Jugend schon vor ihrem 
Eintritte an diejenigen Seiten des Kriegsdienstes 
gewöhnen, welche nicht unbedingt an den Auf- 
enthalt in der Armee gebunden sind. So stellt 
Autor das ihm bekannt gewordene Material über 
die Disziplin und die auf militäriBche Ldstungs- 



fähigkeit zieleude Gymnastik der Ägypter, Lace- 
dämonier und Römer zusammen, „afin que chacun 
puisse en tirer les conclusions et le profit qu'il 
jugera ä, propos** p. 12. Er überläßt es mithin 
dem Leser, das für die Jugenderziehung Brauch- 
bare darin selbst zu finden, während man doch 
eine Prüfung des Stoffes von jenem Gesichtspunkte 
aus und bestimmte Vorschläge erwartet hätte. Die- 
selben durfte Verfasser um so weniger schuldig 
bleiben, als er selbst zugiebt, „que les institutions 
militaires d'un peuple, pour etre durables et effi- 
caces, doiveut toujours etre en parfaite harmonie 
avec son ^tat social et politique" p. 14, und daß 
es demnach „ridicule" wäre, wollte man Einrich- 
tungen, welche vor Jahrtausenden zweckmäßig er- 
schienen, kritiklos auf unsere modernen Verhält- 
nisse übertragen. Da Autor sich dieser Mühe 
gleichwohl nicht unterzogen hat, so wäre es viel- 
leicht besser gewesen, nur auf die einschlägigen 
Partien in schon vorhandenen guten Werken zu 
verweisen, als durchweine neue Darstellung längst 
bekannter Dinge die Geduld derjenigen auf die 
Probe zu stellen, „qui daigneront prendre la peine 
de le lire" p. 3, und wegen etwaiger Mängel um 
Nachsicht zu bitten p. 4. Daß uns deren auch sonst 
noch begegnen, hat Verfasser also, wenn nicht ge- 
wußt, so doch gefühlt. Wir nehmen dazu in 
Buch I und II die ausführliche Behandlung 
der Heeresorganisation , welche mit dem Plane 
des Werks nichts zu thnn hat; andernfalls mußte 
ihr wenigstens in III die nämliche Berücksichti- 
gung zuteü werden, und die Notizen über den- 
selben Gegenstand II 3 p. 54—57 würden nicht 
hierher, sondern nach 11 1 (Constitution) gehören. 
In ähnlicher Weise sollte man den Bericht über 
die militärischen Exerzitien der Griechen 11 2 
p. 51 - 54 erst unter 11, 3 (service) erwarten; noch 
anderes steht mit der Aufgabe des Buchs in gar 
keinem Zusammenhange, so I 3 p. 27 — 31. Nicht 
mehr als die Komposition befriedigt die Form der 
Darstellung. Sätze wie „car ce n'est ni en un an 
ni meme en trois ans qu'on en peut faire'' p. 9, 
verwickelte und nicht enden wollende Perioden wie 
p. 128, Wiederholungen desselben Gedankens wie 
p. 40, überflüssige und störende Digressionen wie 
p. 130 und andere Mängel des Stils trifft man 
häufig. Dabei entschlüpfen dem Verf. bisweilen ganz 
wunderbare Bemerkungen. Nach ihm wäre die 
macedonische Phalanx ägyptischen Ursprungs p. 24, 
hätten erst seit 104 v. Chr. regelmäßige Waffen- 
übungen der Legionen stattgefunden p. 83, ist der 
barditus eine altrömische Sitte gewesen p. 95. 
Über die Ansicht, daß in der preußischen Armee 



111 



[No. 4.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [24. Januar 1885.] 119 



die Fußtritte „n'importe oü*' eine große Rolle 
spielten p. 33, die Plündern ng daselbst offiziell und 
reglementarisch geordnet sei, Bismarck gegen die 
Elsaß-Lothringer unmenschlich verfahre, und andere 
wollen wir mit dem Autor nicht rechten;, keines- 
wegs aber sind sie geeignet, den ungünstigen Ein- 
druck, welchen die Lektüre auf uns gemacht hat, 
zu mildem. Fügen wir hinzu, daß ein nicht unbe 
deutender Teil der Darstellung von neueren Schrift- 
Btelleni, deren zwölf genannt und in kürzeren oder 
längeren Partien ausgeschrieben sind, entlehnt ist, 
so wäre damit alles Wesentliche hervorgehoben, 
und wir könnten unser Referat mit dem Urteile 
schließen, daß die vorliegende Arbeit auf den 
Namen „6tude" keinen Anspruch hat p. 129. Inter- 
essant ist sie jedoch für uns insofern, als Autor 
wieder einmal den Beweis liefert, wie in manchen 
Kreisen der gebildeten Gesellschaft Frankreichs der 
Gedanke an eine Abrechnung mit Deutschland, 
„quand le moment en sera venu" p. 11, noch immer 
lebendig ist. Wenn die zwölf Seiten lange Einlei- 
tung den heranwachsenden Generationen ans Herz 
legt, sich vorzubereiten „au röle immense et sacr6 
qne leur r^serve l'avenir" p. 7, und Verfasser im 
Hinblick auf seine eigne Stellung zu dieser Ten- 
denz begeistert ausruft: „A nous en effet d' Clever 
et d'instruire dans leur devoir les futurs Champions 
de ces lüttes gigantesques, ä nous enfin de faire les 
Boldats de la France nouvelle" p. 7, so können 
wir über die Gesinnung, welche ihn gegen uns be- 
seelt, ebenso wenig im Zweifel sein wie über den 
Endzweck, welchem auch vorliegende Schrift dieüt 
Marienburg. Th. Steinwender. 

Denkmäler des klassischen Altertums 

zur Erläaterung des Lebens der Griechen 
und Römer in Religion, Kunst and Sitte. 
Lexikalisch bearbeitet von B. Arnold, 
H. Blümner, W. Deecke, K. von Jan, 
L. Julius, A. Milchhöfer, A. Müller, 
0. Richter, H. von Rohden, R. Weil, 
£. Wölfflin und dem Herausgeber A. Baa- 
meister. Mit etwa 1400 Abbildungen, 
Karten und Farbendrucken. Lieferung 1—13, 
München und Leipzig 1884, R. Oldenburg, 
a Lieferung c. 48 S. 4. mit c. 50 Abbildungen 
1 M. 

Als wir die erste Lieferung des groB ange- 
legten Werkes sahen, wurde uns nicht recht klar, 
welcher von den beiden Bestandteilen seines Titels, 
ob die Denkmäler selbst oder das Leben der Grie- 
chen und Römer in den Vordergrund treten, kurz ob 



das Werk mehr die Richtung von Müller -Wieselers 
Denkmälern oder Guhl und Koners Leben der 
Griechen und Römer einschlagen würde. Auch 
das Prinzip, nach welchem sowohl die Stichworte 
als die erläuternden Denkmäler ausgewählt seien, 
wurde nicht klar. Die technische Ausführung 
des wertvolleren Teiles der Bilder ließ manches zu 
wünschen übrig, daher hielten wir mit unserem 
Urteile zurück, bis ein genügender Teil des 
Werkes vorliegen würde, um von dem ganzen eine 
richtige Anschauung zu gewähren. 

Nachdem nunmehr 13 Lieferungen mit 553 Ab- 
bildungen und 11 Tafeln außer Text in der 
Stärke von 512 Quartseiten erschienen sind, dürfen 
wir sagen, daß unsere anfangs gehegten Besorgnisse 
angenehm enttäuscht worden sind. 

Für die Beurteilung sind drei Gesichtspunkte 
maßgebend: 1. die Anordnung, 2. die Auswahl 
der Artikel und der zu erläuternden Kunstwerke, 
3. die Ausführang derselben. Nach dem Haupt- 
titel sollte man erwarten, daß die Denkmäler 
selbst die Hauptsache, der Text die Nebensache 
wäre ; doch finden wir auch lange Artikel mit sehr 
wenigen Denkmälern, z. B. den Artikel Chor, 
ja Artikel über Künstler, von welchen überhaupt 
kein Werk erhalten ist, selbst solche, deren Kunst- 
charakter nicht einmal ganz sicher zu beur- 
teilen ist, z. B. über Agorakritos. Dem Hanpt- 
titel entspricht es auch nicht, wenn der Lao- 
koon oder der Borghesische Fechter und viele 
andere Statuen nicht einen eigenen Artikel unter 
den Buchstaben L oder F haben, sondern bei den 
Künstlernamen Agesandros und Agasias uns vor> 
geführt werden; andrerseits findet sich die be- 
rühmte Sosiasschale, welche darstellt, wie Achill 
den verwundeten Patroklos verbindet, nicht unter 
Bosias, sonder als Illustration zu dem Artikel 
Achilles. 

Bei den mythologischen Artikeln führt diese 
Inkonsequenz zu der Notwendigkeit, sich die kunst- 
mythologische Entwicklung eines Götterideals in 
dem ganzen Buche zusammenzusuchen. Beispiels- 
weise fehlen in dem Artikel Athena die auf 
Phidias zurückführbaren Gestalten und die 
Dresdner archaistische Athena Promachos, weil 
die ersteren unter Phidias, die letztere unter dem 
Stichwort archaistische Bildhauerkunst besprochen 
und dargestellt wird. Wer also nicht schon von 
vornherein ungefähr Bescheid weiß, wird manchmal 
in Verlegenheit geraten, wo er jede Sache suchen 
soll. Die jetzt schon reichlich vorhandenen Ver- 
weisungen wünschten wir darum noch etwas dent* 
lieber, z. B. gleich zu Anfang jedes Artikels. Es 



113 



[No. 4.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [24. Januar 1885.] 114 



wird wohl nicht zu umgehen sein, daß am Schiasse 
des ganzen Werkes ein Register diesem Lexikon 
beigefügt wird. 

Doch wir wollen nicht ungerecht sein und an- 
erkennen, daß der geschilderte Übelstand keines- 
falls ganz zu umgehen war, wenn einmal die rein 
historische oder rein kunstmythologische An- 
ordnung nicht befolgt werden konnte, und für die 
Praxis ist ja zuweilen eine kleine Inkonsequenz 
nützlicher als die schönste Schablone. Bei Bau- 
meister finden wir so einerseits zusammenhängende 
kunstmythologische Artikel, andrerseits aber auch 
abgerundete Künstlerbilder: von dem Artikel 
Phidias erwarten wir viel. 

Die Auswahl scheint uns bisher eine ganz 
passende, wenn vielleicht auch noch der eine oder der 
andere einen unerfüllten Wunsch übrig behalten wird. 
Die Greographie ist z. B. prinzipiell zwar ausge- 
schlossen, aber die Topographie der bedeutendsten 
Stätten, wie Athen, Rom, Olympia, Pergamon wird 
gegeben. Hier hätten wir gern einen Artikel über 
Delos, Epidauros, die Asklepieia gesehen; bei 
dem Artikel über Arzte wäre die Abbildung des 
Reliefs mit chirurgischen Instrumenten, welches beim 
Asklepieion zu Athen gefanden ward und in 
Curtins und Kauperts Atlas von Athen publiziert 
ist (Tafel XI), angebracht gewesen, bei dem Ar- 
tikel Athen hätten wir gern aus demselben Atlas 
von Athen einige Detailansichten gesehen, z. B. 
die des Areopagfelsens, oder der Panshöhle, zumal 
dieser lange (er umfaßt mehr als zwei Lieferungen), 
dem Inhalte nach so vortreffliche Artikel durch 
seine Bilderleere in der Fülle der ringsum ver- 
breiteten Abbildungen äußerlich einen sehr öden 
Eindruck macht. 

Was nun die Ausfuhrung der Artikel betrifft, 
so sind sie freilich, wie dies bei einer Eeihe von 
Mitarbeitern nicht anders möglich ist, verschieden ; 
doch bürgen die Namen der Verfasser, welche in 
ihren Gebieten Autoritäten sind, für die Trefflich- 
keit derselben. Wir hätten aber gewünscht, daß 
der Herausgeber selbst etwas mehr in seiner 
Dirigentenrolle geblieben wäre, als selbst so häufig 
die Bühne agierend zu betreten. Denn ohne seinen 
Pleiß und seine Kenntnisse gering anzuschlagen, 
ist doch ersichtlich, daß er nicht aus dem Vollen 
und Eigenen schöpft, sondern namentlich die kunst- 
mythologischen Artikel allzusehr als Mosaikarbeiten 
behandelt. Er hat sich darüber freilich gleich in 
der Vorrede des Werkes offen ausgesprochen; in* 
dessen war doch bei diesem Bewußtsein eine 
größere Zurückhaltung zu empfehlen. Seine Artikel 
fallen dann auch öfter zi lang aus. 



Hinsichtlich der Abbildungen hat sich der 
Herausgeber und die Verlagsbuchhandlung in sehr 
dankenswerter Weise ein möglichst hohes Ziel ge- 
steckt, um namentlich mit Hülfe der Photographie 
durchaus stilgetreue Darstellungen zu liefern und 
das Werk zu dem am besten ausgestatteten unter 
seinesgleichen zu machen. Zum guten Teile ist 
die Absicht auch gelungen ; doch leidet namentlich 
in den ersten Lieferungen die gewählte Methode 
der sogenannten Autotypie an einem beträchtlichen 
Mangel. Bei plastischen Werken scheinen die he^ 
schatteten Partien zum Teil völlig schwarz, so- 
daß der Anblick der Detailausführung an diesen 
Teil völlig verloren geht und das Kunstwerk wie 
schwarz angestrichen aussieht; deutliche Beispiele 
bieten der Borghesische Fechter, dessen linkes 
Bein zur Hälfte, der Laokoon, dessen Hals und 
Achselhöhle, die Venus von Melos, deren Bimst 
zum großen Teile, die Köpfe Alexanders des 
Großen, auf p. 40, deren beschattete Teile völlig 
schwarz sind. 

An den hell beleuchteten Partien hingegen 
verschwindet öfter die Rundung, und es vnrd an 
ihrer Stelle der Eindruck einer ebenen Fläche 
nahe gebracht So wird z. B. der Leib des Eros 
(p. 497) fast flach, und an dem Gefallenen im 
Westgiebel von Aigina (p. 334) der Ansatz der 
Beine an den Körper völlig verwischt. 

Bei der Darstellung von Landschaften aber 
verschwindet alle Schärfe, und die so behandelten 
Gegenden sehen aus wie aus der Schule der 
französischen Impressionisten. Deutliche Beispiele 
liefern die Ansicht von Athen (Tafel H, zu S. 146). 
Die Form des Hadriansthores z. B. ist hier für den, 
welcher sie nicht schon kennt, nicht mit Sicherheit 
zu bestimmen; welcher Spezies von Gesträuch der 
Pflanzenwuchs im Vordergrund angehört, wird 
schwer zu sagen sein. Ähnlich ist es mit Tafel VIH, 
der großen Ansicht der Oberfläche der Akropolis mit 
dem Erechtheion und den Propyläen. Es ist, als ob 
ein feiner Gazeschleier zwischen uns und dem ge 
sehenen Objekte ausgespannt wäre, oder als ob 
ein Kurzsichtiger gezeichnet hätte! Wir lieben 
auch sonst nicht diese verwischende Art der 
Landschaftsmalerei, in einem Werke aber, dessen 
Darstellungen auch im einzelnen belehren sollen, 
erst recht nicht; wären Gegenden aus dem ne- 
blichten Norden dargestellt, so könnte man die 
Methode noch etwa billigen, aber die sonnige 
Klarheit Attikas verträgt sie nicht. Auf 
demselben Bilde prangt übrigens noch der vier- 
eckige Steinkoloß am südlichen Propyläenflügel in 
voller Größe, derselbe, welcher Mher unter dem 



115 



[No. 4.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [24. Januar 1885.] 116 



Namen des fränkischen Tnrmes ging; hier ist er 
als türkischer Festungstarm bezeichnet; wer die 
Taufe vollzogen hat. weLC ich nicht, aber sie ist 
sehr zweifelhaften Wertes. Da nun aber dieser 
Turm, wer ihn anch erbaut haben mag. schon seit 
längeren Jahren durch Schliemann entfernt ist, 
und da nie ein antikes Auge ihn gesehen hat. so ist 
nicht zu verstehen, wozu er hier noch einmal er- 
scheint: ein unerfreulicher steinenier Gast: es 
mußten sowohl für diese Ansicht wie für die oben 
genannte der ganzen Akropolis neuere und bessere 
Aufiiahmen gewählt werden; daran fehlt es nicht, 
und sie sind leicht zu erreichen. Es giebt z. B. 
eine Aufnahme von Philopappus aus, welche zugleich 
das ganze Ausgrabungsterrain des Asklepieions an 
der Südseite der Akropolis trefflich darstellt; diese 
wäre viel instruktiver gewesen. 

Aber genug der Ausstellungen, findet sich doch 
des Löblichen ungleich viel mehr. Vortrefflich ist 
namentlich die Wiedergabe von Kupferstichen ge- 
lungen, auch die ümrißzeichnungen sind von aller 
nur wünschenswerten Schärfe, und manche der 
Autotypien sind ebenfalls gut gelungen, z. B. die 
Athenaiiguren und die zu dem Artikel über 
archaische Bildhauerkunst gehörigen Darstellungen. 

An den bisher gegebenen Plänen vermissen wir 
auf der Karte des Peiraieus (Karte II) bei der 
Mauer um die Akte die nötige Schärfe; denn die 
Türme lassen sich nicht mit Sicherheit zählen. 
Auf dem Plane von Athen waren die angegebenen 
Wasserleitungen entweder durch Beiscbriften oder 
etwa durch blaue Farbe zu kennzeichnen, damit 
man sofort beim Anblick der Karte über die Be- 
deutung dieser punktierten Linien im Klaren sei. 
Der Plan der Akropolis hätte auf demselben 
Blatte etwas größer gegeben werden können, da- 
durch hätte die Schärfe gewonnen, z. B. bei dem 
Nikepyrgos und bei der Klepsydra; die jetzt 
vor den Propyläen liegenden Marmorstufen sind 
gamicht verzeichnet, ebensowenig die kleine 
Treppe, welche zum Tempel der Nike führt, und 
doch lehrt eine Vergleichung mit dem nur wenig 
größeren Plane der Akropolis in Bädekers 
Griechenland, daß diese Dinge sich sehr wohl 
hätten darstellen lassen. Beide Pläne sind nach 
Kaupert, aber der im Bädeker gegebene ist be- 
deutend besser. Milchhöfer, der Verfasser des 
vortrefflichen Aufsatzes über die Topographie von 
Athen, hätte beide Pläne zurückweisen sollen. 

Läßt sich aber hier noch zur Entschuldigung 
sagen, daß ja Spezialpläne für einzelne Teile der 
Akropolis den Schaden wieder gut machen werden 
(z. B. für die Propyläen), so ist der Plan von 



Eleusis überhaupt nicht mehr zu gebrauchen, 
sondern muß, vielleicht nach Beendigung des 
Werkes, durch einen neuen, nachzuliefernden er- 
setzt werden. Auch hier trifft wohl den Verfasser 
des Artikels über Eleusis, Julius, die Schuld. Er 
giebt den alten Plan der Dilettanti, auf welchem 
der große Tempel nur vier Eeihen von Säulen zeigt 
und welcher die beiden Seitenwände thürlos darstellt, 
während doch bereits die von Julius selbst citiertcn 
Ilpaxtixa der griech. archäol. Gesellschaft für das 
Jahr 1882 im Tempel sechs Reihen von Säulen 
und in der ausgegrabenen linken Seitenwand eme 
Thür aufweisen, der Felsstufen im Innern und ver- 
schiedener sonstiger Abweichungen nicht zu ge- 
denken. Soeben aber sind die neuen IlpaxTixa für 
1883 erschienen und bieten noch mehr. Am 
besten ist es. noch ein Jahr bis auf die OpaxTixa 
füi' 1884 zu Mrarten, und darnach einen neuen 
Plan zu geben. 

Wir erlauben uns, die Bearbeiter der künf- 
tigen Artikel über Tholos- und Theaterbauten 
schon jetzt auf die IlpaxTixi für 1883 aufmerksam 
zu machen, da sie die von Dörpfeld rekonstruierte 
Tholos des Polyklet und einen genauen Plan von 
desselben Meisters Theater, in specie vom Bühnen- 
gebäude enthalten, welche unsere Denkmälerkundc 
beträchtlich bereichem. 

Wir blättern jetzt noch einmal die erschienenen, 
bereits einen stattlichen Band bildenden Liefemnge4i 
durch, freilich ohne uns auf eine eingehende 
Kritik der einzelnen Artikel einlassen zu können. 
Nur was uns gerade unterwegs auffällt, wollen 
wir bemerken. 

Der Artikel über die Alphabete ist ein Muster 
gedrängter Zusammenfassung eines überreichen 
Stoffes; es scheint uns aber, daß die italischen 
Alphabete den Verfasser noch mehr interessiert 
haben, als die griechischen. 

(Schluß folgt). 



III. Auszüge aus Zeitschriften, Pro- 
grammen und Dissertationen. 

Hermes XIX. 4. Heft. 

I-VIII Verzeichnis der Mitarbeiter. — (473-85) 
G. Robert, Alkyoneus, sucht nachzuweisen, daü 
in der Vasendarstellung von Herakles im Kampf 
mit Alkyoneus (Tal 3 bei Kopp) letzterer, nach- 
dem er den ersten Angriff des Herakles surückge- 
schmettert, von Hypnos, den die jüngere Kunst durch 
Hermes ersetzt, auf Athenas Befehl eingeachlftfert 
wird. Wenn sich hiermit Pindars DarstellungeD 
I VI (V) 32 und N IV ?5. nicht \n Einklang bringen 



117 



[No. 4.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [24. Januar 1885.] 118 



lassen, so bat es schon zwei verschiedene Versionen 
des Mythos gegeben. Die Erzählung des Schol. zu 
N. lY 25 bildet nach Aussonderung einiger mit 
Rücksicht auf Pindar eingeschobener Sätze ein wohl- 
geordnetes Ganze und ist für echt zu halten. Die 
ganze Alkyoneussage ist von Kolonisten vom ko- 
rinthischen Isthmus nach Pallene mitgebracht und 
hat vier Wandlungen durchgemacht. — (485—633) 
H. Dessaa^ Der Steuertarif von Palmyra. Der 
griech.-aram. Teit, den Fürst Simon Abamelek- 
Lasarew in Palmyra 1881 entdeckt hat, umfaßt 4 
große quadratische Felder und enthält den Wortlaut 
eines Dekrets der BojAtJ von Palmyra aus 137 n. Chr. 
über die Verwaltung der Finanzen der Stadt. Indem 
Verf. eine wörtliche Abschrift der in Feld III u. IV 
enthaltenen 5 griechischen Kolumnen giebf, versucht 
er die einzelnen Bestimmungen des Dekrets über 
Ausfuhr- und Einfuhrzölle, die besteuerten Hand- 
werker und Händler und die Steuerverwaltung PaU 
royras im allgemeinen klarzustellen. Den Schluß 
bildet die Darlegung, daß eine derartige von Rom 
ganz unabhängige Steuerverwaltung eines Gemeinde- 
wesens nicht ohne Parallelen dasteht. — (534—75) 
E. Maafs, Die Iliasscholien des Codex Lei- 
densis, weist an Ilias XXII nach, daß der den Text 
und die Scholien bis ö 17 enthaltende Codex 
Vossianus 64 der Leydener Universitätsbibliothek dem 
Scholieninhalt nach mit dem Ven. B im Gegensatz 
zum Ven. A und Townl. übereinstimmt. B ist dem- 
nach eine direkte oder indirekte Vorlage des Leid., 
die wenigen Abweichungen sind wertlos, die ver- 
schiedenen Zetemata stammen von Porphyrios. Zu- 
sammen mit dem Leid, gehören der Mosquensis, ein 
Harleianus und der Etonensis. Bei dem Versuch, 
die drei in B ausgerissenen und notdürftig von dritter 
Hand ergänzten Blätter aus dem Leid, herzustellen, 
erweist sich dieser als wertlose Kompilation. Die 
Redaktion "der Scholia minora, die nur der Exegese 
dienen, hat mit keiner der erhaltenen Iliashss etwas 
zu schaffen. Den Nachtrag (p. 565 ss.) bildet eine 
Besprechung der Irrtümer in Ludwichs Didymos. — 
(576-95) Fr. Susemihl, Drei schwierige Stellen 
der Aristotelischen Politik, verteidigt seine 
früher dargelegte Ansicht über Pol. 1255 a 1—25 
gegen Jackson, Postgate und Ridgeway und berichtigt 
dieselbe in unwesentlichen Punkten. 1260 a, 8—24 
giebt Verf. in der Gestalt, die ihm nunmehr die 
wahrscheinlichste dünkt In 1335 a, 32 — 35 kann 
^ta^oyr] nur das Eintreten der Söhne in die Rechts- 
sachfolgerschaft der Väter heißen und ist die Zahl 
70 mit Spengel zu halten, aber Z. 29 sxid in 
xsv-6 zu verwandeln. — (596—643) Br. Keil^ De 
Isocratis papyro Massiliensi, kommt nach ein- 
gehender Besprechung des Papyrus Massiliensis 
der Rede des Isocrates ad Nicoclem, der auf 16 zum 
Teil stark lädierten Kolumnen 30 Paragraphen ent- 
hält, zu dem Resultat, daß derselbe zwischen dem 
Urbina« und der sog. Volgata, aber näher an dieser 



steht. Nach allem ist der Papyrus für älter als das 
4. Jhd. zu halten, vielleicht schon ins 2. zu setzen. 
Den Schluß bildet der Nachweis, daß die in der Ni- 
coclea aus der Antidosis gemachten Zusätze inter- 
poliert sind. — Miszellen. (644—48) Th. MommBeD, 
Ein ein Schrift d es älterenPiinius, ergänzt das in 
Arados gefundene Inschtiftenfragment C. I. G. 111 n. 
4536 f. und sucht auf grund desselben die einzelnen 
öffentlichen Stellungen, welche der ältere Plinius be> 
kleidet hat, in der Zeitfolge festzustellen. ^j[649) 
Br. Kelly Ad orationem quae inscribebatur 
'AXsg'zvopoc, sucht zu erweisen, daß in Aristot. 
Rhet. III, p. 1414 b. 30 ss. unter oa-o; der vorher- 
genannte *A>iSavBpo; zu verstehen ist, indem der 
nach des Verfassers Ansicht wahrscheinliche Autor 
der Rede, Gorgias aus Leontini, seinen üeros selbst 
redend einfuhrt. — (650) d. Wissowa, Ps. Lys. 
A'v'fo; sTTiTCt^io; § 28. scr. oü Ko^iaji«}) SeStÖTs;. 



Bulletin ^pigraphlque, IV No. 4. 

p. 153—159: U^ron de Viliefosse, Remarques 
sur des inscriptions d^Afrique. Erläuterungen 
zu einigen Inschriften aus dem Ruinenfelde von 
Maktar. Viel besprochen ist die Basis der Säule, 
welche die Colonia Mactaritana ihrem Mitbürger C. 
Sex. Martialis errichten ließ. Der Genannte trägt 
die Titulatur: proc. Aug. ab actis ürbis, [proc] 
Aug. inter mancip. XL Galliarum et negotianti (sie), 
proc. Macedoniae. In epigraphischer Beziehung 
sind die Ämter eines kaiserlichen Prokurators ab 
actis Urbis und eines kaiserlichen Kommissars zur 
Schlichtung der Streitigkeiten zwischen den Kauf- 
leuten und den Zollpäcbtern vollkommene Nova. 
— p. 160-167: J. B. Mispoulet, Des S purii. In den 
Zeiten der Republik war Spurius ein Vorname wie 
jeder andere, was aus vielen Inschriften erhellt, 
z. B. PoUa Spuri /(iUa), Später kam der Name außer 
Gebrauch; man löste das alte Sigel SP als S(ine) 
P(atre) auf, und wofern man nun das Wort in Epi- 
taphien verwandte, geschah es zumeist (nicht immer) 
mit der Bedeutung „natürlicher Sohn*. — p. 167—180: 
Gelegentlich der Mitteilung einiger Grabinschriften 
von Thenae, Mauretania, kommt Hr. C. JaUlan auf 
die Verdoppelung gewisser epigraphischer Formel- 
zeichen zu sprechen, z. A. DD. MAf. S oder VV. CC, 
Coas.y Augg, etc. Wie Hr. JuUian bemerkt, soll kein 
Beispiel solcher Duplikation vor der Zeit des Tiberius 
bekannt sein (?}. Sie deutet in der Regel den Plural 
an, der Buchstabe wird so oft wiederholt, als die 
Anzahl der zu bezeichnenden Personen beträgt, 
Brinc. kk, wäre zu lesen Principes (duo) kastrorum, 
777 sind drei Centurionen, FF kann AUi duo oder 
fecerunt bedeuten, wie DD domini duo und dedicaverunt. 
In dem ersterwähnten Beispiel DD. MM liest J. dis 
manihus duobus, wobei er den Kult des Genius und 
jenen der Manen auseinanderhält. — p. 181 — 189: 
B. Cagnat, Cours d'^pigraphie latine. Etwas 
elementare, aber durchaus praktische Anleitung zum 



119 



[No. 4.] 



BERUNER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [24. Janaar 1885.] 130 



Lesen und Datieren römischer Inschriften. Der 
vorliegende Teil beschäftigt sich mit den Namen der 
Sklaven und Freigelassenen sowie mit den Titulaturen 
der Kaiser. — Den Rest des Heftes bilden Er- 
örterungen über klebere gallorömische Inschriften 
und eine günstige Rezension R. Cagnats ubn das 
Buch JuUians: Les transformations politiques de 
ritalie sous les empereurs. 



Bulletin ^pigrapbique. IV No. 5. 

p. 203^231: E. Bourciez, Observations 
phon^tiques et orthographiques sur les in- 
scriptions de Rome. Die grammatikalischen Be- 
sonderheiten in den stadtrömischen Sepulkralin- 
schriften sind von einiger Wichtigkeit far die Kennt- 
nis des YulgSrlateins. Es kommen da volkstümliche 
Barbarismen vor, wie omniorum für omnium, vivixit 
statt vixit, oder Oenuswechsel : qai statt qnae, moni- 
mentns, hoc titulum etc. Aus alter Zeit hat sich der 
Gebrauch erhalten, die langen Vokale durch Ver- 
doppelunganzudeuten: faato, naatam. Ahnlicherweise 
wird betontes e und i gern durch ie oder ei bezeich- 
net, z. B, castriensis, eidus, heic, auch aeius=eius. 
Das betonte u geht zuweilen in o über: colonma, 
orna. Dagegen verflüchtigt sich tonloses e zu i: 
dicembris, iorum, dipositus. Am beweglichsten ist i: 
es kann nach den Inschriften so ziemlich durch jeden 
andern Vokal substituiert werden: cubecularia, vir- 
ginebus, bendet = vendit, bizet ^= vixit, cubuclarius. 
Unbetonte Vokale fallen aus: maldictu, minstrator, 
depostus. Auch das tonlose u fällt oft fort: fistlatori. 
Das et sowie das x scheint vom Volk wie einfaches 
t resp. s gesprochen worden zu sein, da Formen wie 
santissima, defunta, felis = felix, visit = vixit zahl- 
los vorkommen. Bemerkenswert ist die Wandelung 
des b in v: vene ^= bene, eredivus, sivi-sibi, acervo; 
wogegen o leicht in b übergeht: bivo = vivo, bibus 
= vivus, bobis = vobis. Schloß t schwindet: feceruo, 
sun. M fEUt am Ende der Silben aus: locu, colubaria, 
oder wird in n verwandelt: loqun = locum. Auch 
n lassen die Epitaphien gern schwinden: coservo, 
impesa, atriesis. — p. 249—251: C. Jnllian) Origine 
des Ugions palatines. Die palatinische Legion 
der Lanciarii (unter Diokletian zum erstenmal auf- 
tauchend) ist nach JuUian aus der Legio XI Claudia 
hervorgegangen, ohne daß die Mutterlegion einging. 
Solche Filiationen sind in der späteren Kaiserzeit nicht 
selten ; in der Regel trägt dann die abgezweigte Legion 
dieselbe Nunmier wie die alte mit dem Zusatz iuniores 
und wird in den Orient geschickt, während die leg. 
sen. im westliehen Teile des Reiches bleiben. 



Mltteilnnireii des deutschen arcbäologischen 
Institiits in Athen. IX, N. 1. 

p. 1—5: U. KOhler, Eine Illustration zu 
Theognis. Als seltenes Spedmen einer Stofifent- 
lehnung ans der lyrischen Poesie ist eine Tanagra- 
schale beachtenswert, welche im Museum der Arcbäo* 



logischen Gesellschaft zu Athen aufbewahrt wird ; auf 
den Grund der Schale ist (rot auf schwarz) die 
Figur eines auf der Kline lagernden singenden Gastes 
gemalt, dessen Munde die Worte entströmen: & laihm 
xcfXXiaxs. Hr. Köhler hält diesen Ausruf für ein 
Citat des bei Theognis 1365 f. sich findenden, mit 
denselben Worten beginnenden Distichons. Zu be- 
merken ist, daß die Schale bestimmt aus dem An- 
fang des fünften Jahrhunderts stammt — p. 5—15: 
D. KorolkoWy Inschriften aus Akraipha. Meist 
einfache Namensangabe in sehr altertümlicher Schrift. 
Einer jüngeren Zeit (dem Ende des 3. vorchristl. 
Jahrhunderts) gehört ein mitgeteiltes Verzeichnis der 
Epheben und Tbjrreophoren von Akraipha an. — 
p. 15-36 und 58—78: G. Lolling, Inschriften 
vom Hellespont und der Propontis. Von reit* 
tivem Interesse ist ein 32 zeiliges Fragment von 
Eski-Manyas (auf dem Wege nach Pergaroon), in 
welchem mitgeteilt wird, daß der Proprfitor (hier 
Gv^tizoTo; genannt) der Provinz Asien im Jahre 80 
V. Chr. zum Schutz der Stadt Ilion (gegei^ See- 
räuber) eine Abteilung Soldaten entsendet habe, 

— p. 36-49: B. Koldewej, Das Bad von Ale- 
xandrela Troas. Mit 2 Tafeln. Messungen. ^ 
p. 49-54: ü. Köhler, Inschrift des Glaukon. 
Konjekturen zu dem bereits mehrfach publizierten 
Epitaph. — p. 54-58: L. v. Sybel, ''Exxopo; >.ut|>«, 
Relieffragment zu Athen. Bespricht einen Ifingst be- 
kannten Stein auf der Akropolis von Athen; die 
rätselhafte figurative Darstellung will Sybel als 
„Hektors Lösung* deuten, analog dem kapitolinischen 
Relief mit demselben Thema. — p. 78—83: ü. Köhler, 
Praxiteles .der filtere." Die Existenz desselben 
stellt Köhler in abrede. Die einzige Stelle, aus der 
man auf einen älteren Praxiteles schlieDen kann, ist 
in des Pausanias Schilderung des Götterbildes von 
Eleusis enthalten; neben dem Bild an der Wand soll 
der Name des Künstlers in altattischen Buchstaben 
eingraviert gewesen sein; aus den jpainiaaiv 'Axtixot; 
hat man geschlossen, daB das Bildwerk schon im 
5. Jahrhundert aufgestellt sein müsse und folglich 
nicht von dem berühmten Praxiteles herrühren könne. 
Hr. Köhler hält von dieser Argumentation nichts; 
Griechenland war der Zielpunkt zahlreicher römischer 
Touristen, welche die Heiligtümer des Landes schon 
wegen der darin befindlichen Kunstwerke besuchten. 
Auf den Schwann machten die Namen der Künstler 
mehr Eindruck als die Werke selbst. Es schdnt 
daher wohl möglich, daß man in der ersten Kaiser- 
zeit der Gruppe eine Etiquette mit dem Namen des 
Künstlers beigefügt hat; diese Inschrift, in dem zur 
Kaiserzeit für sakrale Zwecke wieder beliebten ar- 
chaischen Alphabet, mag Pausanias gesehen haben. 

— p. 83—94: £. Fabricius, Inschriften aus 
Lesbos. In den Mauern des türkischen Kastro zu 
Mytilene sind mehrere bisher nicht veröffentlichte In- 
schriften von einigem archäologischen Wert verbaut, 
so das groBe Brudistück einer Urkunde zur Beglaubi- 



121 



[No. 4] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [24. Januar 1885.] 122 



guDg der Aatonomie, welche die Mytilenäer durch 
die Gunst des Pompeius zurückerhielten. Dieses 
Fragment enth&lt auch Teile der Vertragsbedingungen, 
leider läßt sich der Zusammenhang nicht mehr her- 
stellen. — Eine andere eingemauerte Inschrift ist dem 
Tvaiü) Ilo|iinfjtc|) 'Ispo'xa 0so<pocvr] o<üxfj()i xal euepffca 
gewidmet und bezieht sich wohl auf den berühmten 
Historiker selbst. — Als eine Art Unikum stellt sich 
eine weitere lesbische Tafel aus vorrömischer Zeit dar ; 
sie enthält eine Reihe von Aufzeichnungen über Wein- 
berge und sonstige ländliche Besitztümer. Jede ein- 
zelne Aufzeichnung zeigt den Namen des eponymen 
Prytanen, die Namen des Eigentümers, den Ort und 
endlich den Umfang sowie die Bepflanzung der be- 
treffenden Ländereien. Bei den Weinstöcken und 
Feigenbäumen ist die Zahl der Stöcke und Bäume 
angegeben, wobei ein neues Flächenmaß, Mopo; (Loos), 
erscheint Man darf die Tafel für das Stück eines 
Grundbuchs halten, in das jeder Mytilenäer verpflichtet 
war, seine Güter eintragen zu lassen. 



Programme und Dissertationeil der Akademie 
zn Mfinster i. W. 1883 bis Ostern 1884. 

Von Dr. Avg. Martini in Münster. 

1. P.Langen,AnalectorumPlautinorumpart.lII. 
SommerproOm. 14 S. 

Verf. stellt fest, daß decet bei Plautus noch nicht 
wie schon bei Terenz nur die beschränkte Bedeutung 
,,es ziemt sich, paßt steh** hat, sondern auch noch 
„es ist zweckmäßig, vernünftig** bedeutet; ferner daß 
antehac nur stehe, wenn die ganze Vergangenheit bis 
zur unmittelbaren Gegenwart bezeichnet werden soll 
(=-= »bisher, bis jetzt**). 

2.6. Spiciser, De dicto quodam Anaximandri 
philosophi disputatio. Winterproöm. 6. S. 
Verf. erklärt den von Siroplicios überlieferten Aus- 
spruch des Anaximander „'Eg wv o£ >5 ifsvea»; iati tot; 
ougi, xal TTjv (D&opav it; TdDxa ^iveol^ai xo"a t6 ypsojv 
Jioovai -^ap flüT« Tiaiv xai ZoLr^\f ttJc «Bixia; xaxa xyjv 
xoO )^pövou To^tv". Insbesondere sucht er im Gegen- 
sätze zu Zeller und Schwegler klar zu machen, daß 
ooixia nur bildlich = inaequabilitas aufzufassen sei. 
Er interpretiert dann folgendermaßen: „ Alles Seiende 
kehrt naturgemäß wieder dahin zurücft, woraus es 
entstanden, sodaß ein Ausgleich der Gegensätze kon- 
tinuierlich stattfindet, and die Differenz zwischen dem 
Absoluten und Endlichen beständig sich ausgleicht**. 

3. Bern. Westhoff^ Quaestiones grammaticae ad 

Dracontii carmina minora et Orestis tra- 

goediam spectantes. Diss. inaug. 53 S. 

Die Frage, ob Dracontius der Verf. der sogen. 

Orestis tragoedia sei, welche F. v. Duhn, Bährens, 

Peiper und zuletzt Roßberg bejaht haben, sucht W. 

dadurch endgültig zu entscheiden, daß er Stil und 

Sprache des Urhebers der Orestis trag, mit denen des 

Dracontius vergleicht Die bis ins einzelnste geführte 

Untersuchung erweist eine Ähnlichkeit und Verwandt- 1 



Schaft beider Autoren, welche die Identität derselben 
außer allen Zweifel setzt 

4. Jos. Henwes, De tempore quo Ovidii Amores, 
Heroides, Ars amatoria conscripta atque 
edita sint. Diss. inaug. 57 S. 

Verf. unterscheidet zwischen Abfassung und Heraus- 
gabe der einzelnen Werke und gewinnt folgende Re« 
sultate : I. Ars amatoria ist herausgegeben kurz nach 
dem 1. August 2 v. Chr., sicher noch innerhalb dieses 
Jahres. Der Anfang des ersten Buches und zwar 
die Verse 1—266 sind, wie schon aus dem Inhalt 
derselben hervorgeht, als prooemium anzusehen und 
geschrieben, als das Werk schon ganz oder doch zum 
größten Teile fertig war. Das dritte Buch hat der 
Dichter nach 7 v. Chr. begonnen. Ober die Ab- 
fassungszeit der übrigen Teile, also I 267—772 und 
üb. II ist nichts ermittelt — II. Nicht nur die erste, 
sondern auch die zweite Ausgabe der Amores ist 
von Ovid vor der Veröffentlichung der Ars amatoria 
besorgt worden. Die erste Ausgabe (in 5 B.) ist kurz 
nach 14 v. Chr. herausgekommen. Mit der Anferti- 
gung derselben war der Dichter ungefähr 8 Jahre 
beschäftigt Die zweite Ausgabe (in 8 B.) ist besorgt 
während er an der Ars amatoria arbeitete, wahrschein- 
lich nach Vollendung des zweiten Buches. Im wosent- * 
liehen waren es formale Rücksichten, welche zu einer 
neuen Bearbeitung und Herausgabe des Werkes be- 
stimmten. — III. Heroides. Die Briefe l— 11 sind 
von Ovid als iuvenis verfaßt und vor der Veröffent- 
lichung der Ars am. herausgegeben worden, 12—20 
aber sind geschrieben, als er schon in höherem Alter 
stand, wahrscheinlich in seinen letzten Lebensjahren 
zu Tomi. 

5. Pbil. Bastgren, Quo tempore et consilio Pin- 
darus Carmen Olympicum secundum et 
tertium composuerit Diss. inaug. 86 S. 

Die Resultate der vorliegenden Arbeit lassen sich 
in folgende Punkte zusammenfassen: 1. Beide Gedichte 
beziehen sich auf ein und denselben olympischen Sieg 
Therons von Agrigent 2. Dieser Sieg fällt in die 
76. Olympiade (also 476). 8. Beide Gedichte sind in 
Griechenland, nicht in Sizilien verfaßt, und zwar das 
dritte olympische noch während der Feier zu Olympia, 
das zweite später. 4. Beide haben keinen anderen 
Zweck als die Verherrlichung des Sieges Therons. 

5. Sie waren dazu bestimmt, in Agrigent vorgetragen 
zu werden, und zwar wahrscheinlich das dritte im 
Palaste Therons, das zweite bei der öffentlichen Feier 
vor versammeltem Volke. Zu verwerfen ist die An- 
sicht Boeckhs, daß eins der beiden Gedichte zur 
Aufführung am Theoxenienfeste zu Agrigent bestimmt 
war. 

6. Jos. Hnndertmark, De imperatore Pertinace. 
Diss. inaug. 84 S. 

Eine ausführliche Biographie des Helvius Pertinax, 
welcher nach der vom Verf. aufgestellten chronolo- 
gischen Tafel vom 1. Januar bis 28. März 198 n. Chr. 



198 



[No. 4.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [24. Januar 1885.] l24 



regierte. Den Schluß bildet eine Übersicht über die 
Quellen zur Geschichte des Pertinax. 

7. Jos. Loebrer, De C. lalio Vero Maximino Ro- 
man or um imporatore. Diss. inaug. 44 S. 

Die beiden ersten Kapitel geben eine Lebensbe- 
schreibung des Maximin; daran schließen sich Be- 
trachtungen über die geistigen Anlagen und Cha- 
raktereigenschaften des Kaisers. Das dritte enthält 
chronologische Untersuchungen über die Regierungs- 
zeit des Maximinus: danach regierte derselbe 3 J. 
4 M. 2 T. und starb am 10. Juni 238 n. Chr. 

8. Joh. MQUer, De M. Antonio GordianoIU. Ro- 
manorum imperatore Diss. inaug. 49 S. 

Die chronologischen Untersuchungen des Yerf. 
ergeben, daß Gordian HI. 6 J. 8 M. 8 T. regiert bat 
und zwischen 23. Februar und 13. März 241 von Phi- 
llppus ermordet ist. Eine den Schluß der Disser- 
tation bildende Untersuchung sucht durch Ver- 
gleichung des Capitolinus mit Zosimus, der bekanntlich 
im Anfange seines Werkes den Dexippus als Quelle 
benutzt hat, zu erweisen, daß Capitolinus bei der 
Lebensbeschreibung des Kaisers zwei Quellen vorge- 
legen haben, nämlich Cordus und die ypovixyj hzopia 
des Dexippus. 

9. Aag* Martini, Quaestiones criticae de rebus 
ad historiam Aureliani pertinentibus in- 
stitutae. Pars I: De hello Palmyreno. Diss. 
inaug. 35 S. 

Verf. sucht 1) die bei den widerspruchsvollen 
Nachrichten der Schriftsteller schon oft besprochene 
Frage zu entscheiden, wie viele Schlachten im Pal- 
myrenischen Kriege und wo dieselben stattgefunden 
haben (zum besseren Verständnis sind 2 geographische 
Karten von den Ländern des Orontes und der Um- 
gebung von Antiocbia beigelegt), 2) die Chronologie 
der Ereignisse des Krieges gegen Palmyra festzu- 
stellen. Der ganzen Abhandlung geht eine Unter- 
suchung über die Quellen zur Geschichte Aurelians 
voraus, worin namentlich die Glaubwürdigkeit des 
Vopiscus und die Echtheit einer Anzahl der von ihm 
überlieferten Briefe in frage gestellt wird. 
10. Alb. Wulff, Quaestiones in Xenophontis de 

republica Lacedaemoniorum libello insti- 

tutae. Diss. inaug. 64 S. 
Die Abhandlung zer^lt in 4 Abschnitte. In 1 
und II will Verf. an einer Anzahl von Stellen zeigen, 
daß die Schrift über den Staat der Lacedämonier 
unvollständig und lückenhaft auf uns gekommen ist. 
Zu verwerfen sei die Ansicht derjenigen, welche in 
derselben ein unversehrt überliefertes Werk Xeno- 
phons erblicken, ebenso die Annahme, daß es ein 
Auszug aus einem größeren verlorenen Werke (Koechly, 
Bergk, Rüstow u. a.) oder daß es ein erster Entwurf 
Xenophons sei (Sauppe). Verf. glaubt, daß der Arche- 
typus unserer Schrift, bevor er abgeschrieben und 
vervielflUtigt worden, in einen sehr verderbten und 
disparaten Zustand geraten sei, und daß wahrschein- 
lich schon den Alexandrinern die Schrift nur in der 
jetzigen Gestalt vorgelegen habe. — III. Xen. hat 



die Schrift mit Ausnahme von cap. 14, bevor er 
nach Sparta kam, verfaßt, wahrscheinlich in Asien 
396 oder 395 v. Chr. — IV. Cap. 14 ist später ge- 
schrieben als der übrige Teil des Werkes und zwar 
zu einer Zeit, als Xen. seine Ansicht über das treue 
Festhalten der Lacedämooier an den lykurgischen 
Gesetzen geändert hatte. Wahrscheinlich ist dasselbe 
iu seinem Nachlasse gefunden und mit dem Werke 
verbunden herausgegeben worden. 
11. Franz Fassbaender, De optativo foturl. 
Diss. inaug. 60 S. 
Verf. untersucht den Gebrauch des optativus fu- 
tun in der griechischen Litteratur bis auf Alexander 
d. Gr. und gelangt nach sorgfältiger Prüfung 
der sämtlichen zusammengestellten Fälle zu folgen- 
den Resultaten: Der opt. fut. wird nur in der in- 
direkten Rede für den indic. fut. der direkten Rede 
gebraucht. Derselbe begegnet in Haupt- und Neben« 
Sätzen, häufiger aber in ersteren. Er kommt zuerst 
bei Pindar einmal vor, wird dann im 5. Jahrhundert 
mehr gebraucht und endlich in den Werken des 
Xenophon weitaus am meisten angetroffen. Dort 
finden sich mehr Beispiele als bei allen anderen 
Schriftstellern zusammen. Nach Xenophon ninunt 
die Häufigkeit seines Gebrauches wieder ab. Einen 
optat. futuri mit av giebt es nicht. 



Acta Seminar!! PhUologici Erlangensis edd. 
Iw, Müller et Aog. Lachs. Vol. IIL Erlangae 1884, 

1. Ed. Stroebel, Giceronis de oratore librorum 
Codices mutilos antiquiores examinavit. 
p. 1—74. 

Auf grund neuer Vergleich ungen wird das Ver- 
hältnis der drei ältesten Codices mutili von Cic. de 
erat. (Abrinc , Harl., Erlang. I) zu einandei und zu 
einigen jüngeren codd. mutili und integri festgestellt 
und darnach über eine Anzahl kritisch zweifelhafter 
Stellen Entscheidung getroffen. 

2. G*Zink| Adnotationes ad Demosthenis ora- 
tionem in Cononem. p. 75—102. 

Verf. bestimmt den Begriff und die Arten der 
ßo6>.s'j3i; und unterscheidet darnach, wann eine 
hierauf bezügliche Klage vor dem Areopag und wann 
sie im Palladium verhandelt wurde; daran schließen 
sich einige Bemerkungen über die 7f>«f>i Gß^oso);; den 
Schluß bilden sprachliche und sachliche Erörterungen 
zu der bezeichneten Rede. 

3. L. Bauer, Das Verhältnis der Panica des C. 
Silius Italiens zur dritten Dekade des Li- 
vius. p. 103-160. 

In dieser Abhandlung wird die von M. Heynach er 
verfochtene Ansicht, daß nicht Li vius die Hauptquelle 
des Silius gewesen, sondern daß vielmehr Fabias 
Pictor oder ausschließlich Ennius von ihm benutzt 
worden sei, durch ausführliche Zusammenstellung der 
zahlreichen Übereinstimmungen beider Schriftsteller 
in Ausdrücken und Wendungen bekämpft, während 
die zwischen dem Dichter und Geschichtachreiber 
eich findenden Differenzen aus der Verschiedenheit 






125 



[No. 4.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [24. Januar 1885.] 126 



des beiderseitigen Standpunktes erklärt werden; daß 
nebenbei auch Ennius von Silius zu rate gezogen 
wurde, wird von Heynacher zugegeben. 

4. €. Burkhard, Observationes criticae ad Pa- 
negyricos Latinos. p. 161—187. 

Im Anschluß an die Ausgabe von Baehrens be- 
handelt Burkhard eine Reihe von Stellen aus den 
lateinischen Panegyrikern , wobei er sich in den 
meisten Fällen gegen die von Baehrens getroffenen 
Entscheidungen wendet und entweder die handschrift- 
liche Lesart verteidigt oder die Konjekturen anderer 
vorzieht oder auch eigene Vorschläge macht. Ein- 
geflochten sind einzelne Untersuchungen über den 
Sprachgebrauch der Panegyriker. 

5. A. LachS| Emendationes Livianae. p. 188. 

Aus dem Sprachgebrauche des Livius wird nachge- 
wiesen, daß XXIV 4 Dicht, wie 0. Riemann glaubt, 
auctorüate eomm zu lesen sei, sondern entweder ex 
autorüate eorum oder et ex auct, eor, 

6. A. Rosehatt, Ober den Gebrauch derParen 
thesen in Ciceros Reden und rhetorischen 
Schriften, p. 189—244. 

Nach einer allgemeinen Übersicht über das, was 
griechische und römische Rhetoren und Grammatiker 
sowie die neueren Stiltheorien und Grammatiken 
über die Parenthese lehren, wird untersucht, in 
welchen Sätzen mehr oder minder häufig Parenthesen 
vorkommen, wie dieselben eingeleitet werden, welchen 
Einfluß sie auf die weitere Gestaltung der betreffen- 
den Sätze oder Satzteile üben, welche Stellung sie 
den zugehörigen Gedanken oder Wörtern gegenüber 
einnehmen und in welchem Verhältnis der Inhalt der 
Parenthese zum unterbrochenen Gedanken steht 

7. £• Popp) Ciceronis de officiis librorum Co- 
dices Bernensem 104 eique cogoatos exami- 
na Vit p. 245—298. 

Diese Abhandlung zeigt, daß der von Luchs ver- 
glichene cod. Harl. 2716 zu Cic. de off. mit dem 
Graev. I identisch ist, daß er mit Bern, c und Palat p 
eine Familie bildet und den Archetypus derselben 
mit größerer Treue wiedergiebt als die beiden anderen ; 
sodann werden, so weit der Harl. erhalten ist, alle Stel* 
len, an denen dieser Archetypus von dem der anderen 
(besseren) Familie abwich, aufgezählt und so das gegen« 
seitige Wertverhältois beider darzulegen gesucht. 

8. Gull. Brnnco, De dictis VII sapientium a De- 
metrio Phalereo coUectis. p. 299-397. 

Verf. erörtert das Abhängigkeitsverhältnis, in 
welchem die im Eingang seiner Abhandlung namhaft 
gemachten Sammlungen der Sprüche der sieben 
Weisen zu der des Demetrius Phalereus stehen , und 
sucht unter Heranziehung sonst noch vorkommender 
Citate sowohl den Wortlaut als auch den Autor der 
einzelnen Sprüche festzustellen. 

9. C. Wanderer, De Pol yb. H ist XII 12 b, 2 (ed. 
Hultsch). p 398. 

Wunderer schlägt vor , an der bezeichneten Stelle 
statt xopo^i zu lesen xöi^joa^v. 



10. J. Hanssleitcr, De versionibus pastoris Her- 
mao latinis. p. 399^-477. 
Verf. untersucht das Verhältnis der beiden Über- 
setzungen des Pastor Hermae, der vulgata und der 
palatina, zu einander und zu dem griechischen Texte; 
er kommt hierbei zu dem von der bisherigen Ansicht 
abweichenden Resultate, daß die palatina die ältere, 
die vulgata die jüngere sei, und zieht die hieraus für 
die Kritik sowohl des Originals als der Übersetzungen 
sich ergebenden Folgerungen. Auf grund einer Reihe 
von sprachlichen Erörterungen sucht er dann Alter 
und Heimat der beiden Übersetzungen zu ermitteln. 
Erlangen. E. Popp. 



IV. Mitteilungen über Versammlungen. 

Acadömie des Inscriptions, Paris. 

Sitzung vom 26. Sept. 1884. 

Zuerst kommt eine Abhandlung des Herrn 
A. Maitre über den gallischen Tumuius von Gaor 
Inis und dessen Menhirs zur Verlesung. — Hierauf 
giebt Herr S* Reinach Bemerkungen zu dem Wort^ 
Aretahgus (bei Juvenal). Gewöhnlich interpretiert 
man diesen ßegriff als einen Spaßmacher, der zur 
Belustigung der Gäste karrikierte Vorträge über 
Tugend (opsTTJ) hält; Herr R. bemerkt, daß von Dolos 
zwei Inschriften (ex-voto) bekannt sind, in welchen der 
Stifter sich aretalogus und Traumdeuter nennt; 
die lateinische Bezeichnung für ä^izi^: virtus habe 
im Bibellatein auch den Sinn wie „Wunderkraft'' und 
schlechtweg .Wunder'', und Aretalogus dürfe daher 
richtig nur mit , Märchenerzähler'' übersetzt werden. 

Von der Sitzung vom 3. Oktober ist nichts zu 
berichten. 

Sitzung vom 10. Oktober 1884. 

Herr Br^al schlägt eine neue Lesung der os- 
kischen Inschrift auf dem neuerlich ins Museum 
zu Vienne gekommenen Bronzehelm vor. Die Inter- 
pretation ist schön von Prof. Buche 1er versucht 
worden, der jedoch eine unrichtige Stelle als An- 
fangspunkt gewählt habe. Richtig geordnet lautet 
der Spruch: Spedis: Mamerckies: Saipine: anasaket, 
und das soll heißen: Spedis Mcmercius Saepinas con- 
secravit, (Büchelers im Bhein. Museum XXXIX N. 4 
mitgeteilte Interpretation ist folgende: Saepina praeda, 
egit Spedius Mamercius.) 

In der Sitzung vom 17. Oktober beschäftigte sich 
die Versammlung mit Preisverteilung, und am 24. Ok- 
tober fand aus Anlaß der Totenfeier für den Aka- 
demiker Regnier keine Sitzung statt. 

Sitzungen vom 81. Oktober und 7. November 18S4. 
Anknüpfend an die berühmen Kurberichte von 
Epidauros, in welchen "Tempelhunde eine gewisse 
sanitäre Rolle spielen, erinnert Herr H. Gaidoz an 
viele bis auf die Gegenwart reichende Volksüber- 
lieferungen bezüglich der heilsamen Wirkungen, 
welche das Lecken eines Hundes auf kranke Augen 



127 



INo. 4.] 



BBRLINBR PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [24. Januar 1885.] 128 



oder auf schwSrende WaDden ausüben soll. Selbst 
zu medizinischen Abhandlungen habe die Sache Anlaß 
gegeben. — In betreflf der eifrig fortgesetzten Aus- 
grabungen auf der Stätte von Karthago berichtet 
Herr Renier, daß das Hauptresultat in der Bloß- 
legung von umfangreichen vorrömischen Substruktionen 
bestehe. Das alte Karthago liege in einer Tiefe von 
5—8 Meter viel besser erhalten, als man bisher 
ahnte. 

Am 7. November las Herr B. Perrot ein Memoire 
„Sur le r61e historique des Ph^niciens" und berichtete 
Herr Benan über neue Inschriften des Kaisers Ha- 
drian, gefunden im Libanon, jedoch belanglos. 



Cambridge Philologieal Societj. 

Donnerstag, 28. Oktober 1884. 

MagDÜtson las über Hävamöl w. 2 u. 3; 
Whitelaw über einige Stellen des Oedipus Ty- 
rannus. 

Donnerstag, 13. November 1884. 

Henry Sweet sprach über ,prak tisch es Sprach- 
studium*, indem er von dem Gedanken ausging, 
daß alte wie neue Sprachen durch Konversation am 
besten zu erlernen seien. In der Diskussion wurde 
hervorgehoben, daß nur ein systematisches Fort- 
schreiten in den Methoden eine Klärung der prak- 
tischen Einrichtung engebeo könne, und Dr. W alds tei n 
u. a. fand, daß die Philologie lebender Sprachen der 
Schule, die der toten der Universität angehöre , wo- 
gegen der Vortragende einwandte, daß Schullehrer 
im allgemeinen ohne Hülfe der Universitätsleitung 
keinen Unterricht fruchtbar erteilen könnten. 



Society of Antiqnaries in London. 

Sitzung vom 27. November 1884. 
Middleton berichtet über die neuen Ausgrabungen 
am Forum, den Tempel der Vesta und die Regia in 
Rom. Er nimmt an, daß der Yestatempel seine 
Form von den runden Hütten erhalten habe, in 
welchen die Latiner das heilige Feuer aufzubewahren 
pflegten; im übrigen schließt sich der Bericht an 
imsre schon früher gegebenen an. 

Sitzung vom 4. Dezember 1884. 
Eine Mitteilung von Middleton betraf die Aus- 
grabung der RostraundOraecostasis inRom. 
Die Rostra bestanden aus einer beinahe rechteckigen 
Plattform 79 Fuß lang und 44 Fuß breit aus Tuff 
konstruiert, die Wälle ohne Fenster und mit Mauer- 
steinen bekleidet Die Fläche war durch Säulen in 
Quadrate geteilt und trug die Rednerbühne; wozu 
der Innenraum diente, ist unklar, da er ganz dunkel 
gewesen sein muß. Die Front der Rednerbühne war 
außen mit grünem Marmor bekleidet, und hier waren 
die Schiffsschnäbel in zwei Reihen befestigt, neunzehn 
in der einen, zwanzig in der andern. An der Front 
war eine Oallerie mit einer Öffnung in der Mitte, wo 
der Redner stand. Dahinter war die Oraecostasis, 
eine Erhöbung, auf welcher die fremden Gesandten 
standen, um die Rede zu hören. Sie ist aus massivem 



Tuff mit keiner Mischung eines härteren Steins, dn 
Zeichen früher Konstruktion; auch sie war außen mit 
Marmor geziert Hinter ihr befand sich ein dreieckiges 
rundes Gebäude, der Umbelicus Romae, eine Nach- 
bildung des Omphalos in Delphi, und auf der andern 
Seite das Miliarium aureum; dieses hatte Augustos 
im Jahre 25 v. Chr. errichtet mit einer Inschrift, 
welche die Namen und Entfernungen der Stadttbore 
aufwies. Die Rostra waren mit Statuen der Gesandten 
geschmückt, welche fern von Rom gestorben waren, 
und in der Front waren die Gesetzestafeln ange- 
bracht Im Jahre 44 v. Chr. errichtete lulius Cäsar neae 
Rostren auf der Nordostseite der früheren und ließ 
die alten Schiffsschnäbel dahin überführen, und später 
baute Augustus noch eine Rednerbühne, welche er 
mit SchiffiBschnäbeln von Actium schmücken licO. 
Middleton bemerkt, daß die Zahl der Ziegel an der 
Basis einen Schluß auf das Datum der Erbauung nicht 
erlaube, wie es einige angenonunen haben. Alte römi- 
sche Ziegelwälle sind in der That massive Wälle, 
welche mit Ziegeln ausgemauert sind; er ist der An- 
sicht, daß die Stützbögen zu keinem konstruktiTeo 
Zwecke bei diesen Wällen angebracht sind. 

Rojal Archaeological Institute in London. 

Sitzung vom 4. Dezember 1884. 
Rev. Joseph Uirat berichtete über die Aufräu- 
mungsarbeiten auf der Akropolis*) nach eigenen 
Anschauungen ; er rühmt die Thätigkeit des Direktors 
der Ausgrabungen K, Stamatakis und des gegen- 
wärtigen Unterrichtsministers K. Vulpiotis, welche 
mit Energie die Herstellung der altgriechischen Akro- 
polis unter Fortschaffung aller späteren Bauten be- 
schlossen haben und letztere nur in Aufnahmen und 
Abbildungen erhalten wollen. Die Archäologische Ge- 
sellschaft in Athen sowie die drei fremden archäo- 
logischen Schulen beteiligen sich lebhaft an diesem 
Unternehmen und überwachen mit Sorgfalt den Fort- 
gang. Zunächst ist eine riesige Cisterne, welche zn 
Justinians Zeit erbaut sein soll, abgebrochen worden; 
15*/, m lang und lOVt ^ breit, war sie mit einem 
doppelten gewölbten Dache bedeckt, die Tiefe der 
Cißteme, von dem Dache, das sich auf die Mauer der 
Pinakothek stützte, bis zum Boden, beträgt 5 m. 
Nach der Abräumung konnte man schon die Grund- 
mauern der Tempelbauten des Perikles erkennen; es 
sind zwei Lagen gutbearbeiteter Steinquadern, mit 
einem vorspringenden Rande, wahrscheinlich um das 
Regenwasser abzuleiten. Der Baustein ist der poröse 
Tuff vom Piräus, welcher dem Pariser Kalkstein ähn- 
lich sieht In der Cisterne selbst sind nur einige 
Inschriftenfragmente und ein kleiner Marmorkopf ge- 
funden worden. Das Deutsche Archäologische Institut 
hat beim Abräumen des Tempels der ungeflügolten 
Nike ein Stück der schöngemeißelten Balustrade ge- 
funden, welche die Nordseite des Pyrgos nach den 
Propyläen hin abgrenzte. 



•) Cfr. unsere Wochenschrift 1884, No. 60, Sp. 1529. 



[Na. 4.J 



BBRLINBR PfllLOLOGlSCHB WOCHENSCHRIFT. 



[24. Januar 1885.] 



LambroB, — p. 55: K. Th. Rfiokert, Nach Nord- 
afrika. Tagebuch. Besprochen von Ph. Wolf. 
Entbftlt auch kritische Beiträge zur Topographie des 
alten Karthago. 

Literarisolies Centralblatt. No. 1. 

p.7:6.Solineider,DiePlatonischeMotaphy8ik 
aufÖrund des Philebus dargestellt Sehr lobende 
Kritik von Wohk-ab, — p. 7: 8. Brack, Quae veteres 
dePelasgis tradiderint. 'Erwünschte Zusammen- 
stellung.' Beweisführung nicht ganz sicher. (F. R,) 
p. 18: SoltaQ, Gültigkeit der Plebiszite. Etwas 
unfreundlich gehaltene Rezension von L. L{ange), — 
p. 22: L. Cohn, De Heraclide Milesio. 'Sorgfältig 
und wertvoll.' P. (Xauer). — p. 22: G. Löwe, Glossae 
nominum. 'Klar.' — p. 24: Appel, De genere 
neutro inte rennte. Die kurze Anzeige rühmt die 
staunenswerte Belesenheit des Verfassers. — p. 28: 

E. KÖhnert, De cura statuarum. 'Fleißige Disser- 
tation, et^as umständlich.' r.ö.— p.28: Th. Schreiber, 
Die Athena Parthenos. Empfehlende Anzeige 
(voo E. Th[räm\r.) 

Literarisches Gentralbiatt. No. 2. 

p 55: H.Usener, Philologie und Geschichts- 
forschung. 'Geistreiche Skizze.' — p. 57: Fr. Krebs, 
Präpositionsadverbien in der spätem bist. 
Gräcitftt. Die Entwicklungsgeschichte der grie- 
chischen Präpositionen sei recht einleuchtend dar- 
gestellt. P. Cauer, — p. 59: Beim, Wandtafel 
von Olympia. Lobend angezeigt von Th. S^chreiber), 

Literarisches Centralblatt. No. 3. 

p. 83: D. PeiperSy Ontoiogia Platonica. 'Er- 
schöpft seinen Gegenstand in einer Weise, dafi auch 
die angrenzenden Gebiete die iwesentlichste Förde- 
rung fahren.' Woklrab, — p. 88: Opsimathes, 
Fvcuiiat. Wohlgesinnte Anzeige von Or{unus)\ doch 
trete der Dilettantencharakter des Buches wenig ver- 
hüllt hervor. 

Woclienschrift fttr Uass. Philologie. No. 1. 

p. 1: J.A.Wolf, Prolegomena ad Homerum, 
ed. R. Peppmüller. R. VoÜcniann wünscht eine 
kommentierte Ausgabe der Prolegomena, die passend 
1895 als Säkularfestgabe erscheinen könnte. — p. 4: 
Ciceronis opera ex rec. C. F. W. MüUeri. I. Ad 
Herennium; De inventione, rec. W. Friedrich. 
Der Neubearbeiter scheint, nach Th. Stangls Rezension, 
der älteren wie jüngeren Konjekturalkritik arg skep- 
tisch gegenüberzustehen. — p. 8: Otto, Versum- 
stellu ngen bei Properz. Anzeige von H. Draheim. 
— p. 10: Kmmbaoher, Beiträge zu einer Ge- 
Bchichte der griech. Spracne. Anzeige von 
W. Meyer. ~ p. 12: Manitius, Anonymi de situ 
orbis libri. 'Geringwertig.' W, Sieglin. — p. 14: 

F. Bamorino, Gontributi alla storia critica di 
Antonio Beccadelli detto il Panormitano. Be- 
sprochen von B. Kubier, Im weiteren Sinne berühmt 
oder berüchtigt wurde Beccadelli| dieser Geistesgenosse 
Foggios, durch seinen famosen «Hennaphrodit'', in 
Humanisten kreisen aber durch seine Plautuskommen- 
tare, von denen wenig Thatsächliches bekannt ist, die 
Jjedoch durch zahllose schlechte Ergänzungen und 
Änderungen viel Unheil in die Oberlieferung der 
Plautustezte gebracht haben sollen. So behaupten 
wenigstens deutsche Philologen, Ritschi und Voigt, 
gegen deren wegwerfende Urteile das auch Ramorinos 
sieb hauptsächlich wendet 

Woehensohrift für klass. Philologie. No. 2. 

p. 58. K. Sittl, Adler und Weltkugel als Attri- 
bute des Zeus. Angezeigt von H. Bkimner. ~ p. 34: 
A. Lndwiob, Aristarchs hom. Textkritik. Die 
Rezension R%bbeck$ erhebt sich zu einem selbständigen 



Exkurs über die beregte Frage. — p. 43: Tzenos, 
xä 'Avoapeövxeia. 'Nicht ohne Umsicht gemachte lexi- 
kalische Zusammenstellung.' — p. 43: G. Dilthey, 
Observationes in epistolas Heroidum. Analyse 
von O. Wartenberg. — p. 48: €1. Götz, De Statu 
silvis emendandis. Prof. Götz behauptet, daß 
weitaus die meisten Varianten, welche PoUtianus 
in sein Handexemplar der Silven eintrug, keineswegs 
aus der von PoUtianus kollationierten Sangallenser 
Handschrift herrühren, sondern unbegründete Kon- 
jekturen, mitbin zur Wiederherstellung eines Arche- 
typen wertlos seien. Die ganze Ausführung hält 
Ref. H. Nohl für hinfälüg. - p. 50.- Cor neu i 
Nepotis vitae, ed. G. Andresen. Herausgeber sei 
in der Textgestaltung (die sich der Cobetschen 
nähere) ebenso glücklich als kühn vorgegangen. 

Wochenschrift für klass. Philologie. No. 3. 

p. 65: A. Herzog, Die olympischen Götter- 
vereine. Bietet nichts Neues. H. Blümner. — p. 66: 
Homeri Odyssea I— VI von Faesi-Hinrichs. Be- 
sprochen von F. Cauer. Diesem Rezensenten ist 
der Kommentar nicht populär ^enug. — p. 72: 
£. Abel, Scholia in Pindari epinicia. Durchaus 
zustimmende Kritik von 0. Schröder. — p. 77 : B. Jonas, 
Verba frequentativa und intensiva bei Livius. 
^Schätzenswert' Hauptergebnis sei die merkwürdige 
Beobachtung, daß der Gebrauch der genannten Ver- 
balverbindungen bei Livius von Dekade zu Dekade 
abnimmt G. Andresen. 

Philologische Rnodschau. No. 1. 

p. 1: M. Hecht, Zur homerischen Semasio- 
logie. Rezension v. F Weck. Die Selbständigkeit 
des jungen Philologen, der sich nicht dem großen Gänse- 
märsche hinter berühmten Meistern anschließe, gefällt 
dem Referenten; unbedingt Recht habe Hecht, wenn 
er g^en die einseitigen Grundsätze Aristarchs und 
seiner Jünger entschiedenen Einspruch erhebt; mit 
seiner Hauptthese jedoch (Definition der juicr) werde 
H. den Rückzug antreten müssen. ~ p. 7: W. Luthe, 
Begriff der Ilo^ia bei Aristoteles. ^Ist eine 
lichtvolle Einführung in diese schwierige Partie.' 
Rettig. — p.lO. Cicero, Laelius, ed. by James Beid. 
Lobwürdige Ausgabe. Kreiert. — p. 18: W. Gemoll, 
UntersucbunKen über die Geoponica. Die Re- 
zension H. Beckhs wendet sich gegen die kritlscben 
Ausgangspunkte des Verfassers. — p. 20: W. Deeoke, 
Btruskische Beamtentitel. Rezensiert von C. PauÄ*. 

— B. Meister^ Böotische Inschriften. An- 
zeige von G. Meyer. — p. 25: L. Grasberger, 
Griechische Stichnamen. 'Wertvoll und inter- 
essant* 0. Kahler. 

PbUologische Randschaa. No. 2. 

p. 33: Aeschyli Hiketides et Choephori, 
cur. F. A. Paley. 'Die Ausgabe ist auch für Lernende 
bedtinunt, welche aber der Kommentar wohl öfter in 
Stich lassen wird; andrerseits ist der Apparat zu unge- 
nügend, um als Grundlage einer textkritischen Lek- 
türe zu dienen.' M. Sorof. — p. 38: A. Harpf, 
Die Ethik des Prota^oras. Harpf nimmt an, 
daß nach Protagoras die atduüc und Bixt) als ursprüng- 
liche Naturanlagen des Menschen erscheinen. O. F. 
Rettig als Referent konmit zu anderen Konklusionen : 
der Hermes, welcher im Auftrage des Zeus die ge- 
nannten beiden sittüchen Prinzipien bei den Menschen 
einführe, sei der 'Ep^ii); Xf^^io;, d. h. der Personifikation 
entkleidet: die Gabe der Rede, durch welche die 
minder Verständigen von den Verständigen vermocht 
werden, an Stelle des Faustrechtes Milde und Achtung 
der Rechte anderer (at$u>; u. Zixri) eintreten zu lassen. 

— p. 43: G. LSschke, Die Enneakrunosepisode 
bei Pausanias. 'Oberraschende, ja verblüffende Re- 



fNo. 4.] 



BERLINER PHILOLOQISGHE WOCHENSCHRIFT. 



[24. Janoftr 1886.] 



Bultate. Wird man aber das alles glauben dürfen?' 
(C) — p. 49: G. GrÄber, Untersuchungen über 
Ovids Briefe. Günstige Kritik von A. Zingerle, 

— p. 5J: Fr. Roch, De Cornificio et Cicerone. 
Anzeige von W. Friedrich. — p. 54 : P. MttUeiisiefeii, 
De titulorum laconicornm dialecto. Durch 
Rdhls Inscr. gr. ant überholt. — p. 56: W. Heine, 
Gesetzgebung in Athen. Referat von R. Schnidt, 

— p. 68: J. SchrammeD, Bedeutung der Formen 
des Yerbums. ^Für die Schule ohne Bedeutung, 
jedoch FachgenoBsen zu empfehlen.' Vogrim, 

PhfloIoKische RundPchaa. No. 3. 

S. 65: K. Franke, De hymno in Cererem. 
t günstig beurteilt von E, Eberhard — p. 70: 
Ausonii opuscula rec. C. Schenkl. Anzeige von 
P. Mohr, — p. 75: 1) G. Karsten, De titulorum 
ionicorum dialecto. 2) £. Schneider, De dia- 
lecto Megarica. Ersteres schlecht, das zweite eine 
sorgfältige Arbeit A. Führer, p. 77: Perrot et 
ChipieSy Histoire de PArt, IL Analyse — p. 81: 
R. KekuU, Zur Deutung des Laokoon (1883). 
Kekul^ habe Reicht; nur sei zu bedauern, daß er zu 
einer gewissen Unterscbfitzupg der Laokoonffruppe 
gedrängt worden sei. P. PTet^^acXrer. — p. 90: L. Lange, 
De sacrosanctae trib. pot natura. Verf. halte 
leider mit großer Zähigkeit an Vorurteilen fest; als 
solches bezeichnet der Ref. ( W Soltau.) besonders die 
Ansicht, daß die saciosancte Gewalt der Tribuuen 
nicht auf der lex sacrata der Plebs beruhe*, da die- 
selbe niemals legitimiert wurde, sondern auf einen 
bloßen Vertrag zwischen Plebs und Patriziat hinaus- 
laufe. —p. 94: A. Kohr, Lat Übungsbuch. *Sehr 
brauchbar.' Homburg, 

Revne critique, 1884, No. 52. 

p. 512: Les Plaidoyers politioues de Do- 
rn osthene, avec commentaire par H. V?eil. Selbst- 
verständlich schmeichelhafte Kritik, von J. Kicoli — 
p. 514: Longmon, Atlas historique de la France. 
Zweierlei Neuerungen hebt der Ref. J. Havet als 
sehr glückliche hervor: einmal blickte durch die an- 
tike Grenzbezeichnung durchgän^g die moderne De- 
partemental und Provinzialeinteilung durch , zweitens 
enthalte der Begleittext eine vollständige Parallelisierung 
sämtlicher histOTischer Crtsiiamen mit den gegen* 
wärtigen; eine derartige, überaus nützlich«^ Nomen- 
klatur fehle selbst dem trefflichen Atlas von Sprooer- 
Menke. (In der Karte des Reiches Karls des Gr. 
erscheint die Zuidersee und der Dollart in der heu- 
tigen Gestalt!) 

Bevae critiqne. No. 1. 

p. 1: £. Ferri()re, Paganisme des H^breux 
jusqu'ä la captivit^ de Babylone. Nach Hrn. 
Verne's Urteil vage Träumereien ohne Grund. Der 
Verfasser teile die altsemitische Theologie ganz par- 
lameutarisch ein in 1) einen „Dieu absolut", 21 eine 
^Triade abstracto**, und 8) eine ,, Triade concreto et 
particuliere*. 

ReTne critiqne. No. 3. 

p. 26: Dnmont et Chaplain, C^ramiques de la 
Grece. Rezension von M. Collignon. — p. 32: 
Bericht über die Promotionsschritten von M. DnboiB: 
De Co insula, und: Les ligues ^tolienne et 
ach^enne. In der lateinischen Abhandlung erOrtert 
Dobois u. a. die Lage des Asklepieions ; entgegen 
der Annahme Rayefs, welcher das berühmte Heiligtum 
8 kilom. entfernt von der Stadt ansetzt, fiodet Dubois 
seine Spuren dicht vor dem Thore der Stadt Einen 



Znsammenhang des Namens der Insel mit den köl- 
schen Krebsstempel ihrer Münzen stellt Dubois in 
Abrede. Die Bildhaucrschule von Cos hält er für 
verhältnismäBig jung, keinesfalls über das 2. Jahr- 
hundert hinausreichend. — Tendenz der zweiten Ab> 
handlung ist nachzuweisen, daß die beiden genannten 
politischen Bünde sich nicht so schroff gegenüber- 
standen als gewöhnlich angenommen wird, d«ß der 
ätolische Bund ebenso wenig stets rein demokratiflcb, 
als der achäische immer streng konservativ war. — 
Übrigens habe Dubois die löbliche Gewohnheit, deo 
Inhalt jedes seiner Kapitel in Thesenform zu resu* 
mieren, so daß man sich die Mühe ersparen könne, 
die Kapitel selbst durchzulesen. 

Academj. No. 662. 10. Jan. 1885. 

(19—21) J. B Mallinger, The University of 
Cambridge from the Royal Inj unctions of 1536 
to the accession of Charles the First. Von 
J. B. Ward. Dieser zweite Band der Geschichte der 
Universität Cambridge stellt das Werk immer mehr 
zu den monumentalen Denkmälern der Gelehrtenge- 
schichte: „Sowohl vom litterarischen, wie vom histo- 
rischen Standpunkte ist in letzter Zeit kein Buch er- 
schienen, das so wertvoll für die allgemeine Bildung 
ist, als dieses." — (22) Travels in the Bast; in- 
cluding a visit to Egypt By the Crown Princ« 
Rudolph. Von Amelia B Edwards. Mitten zwischen 
den Jagdabenteuern, welche Reterent grausam upd 
nutzlos nennt, findet derselbe eine von ßrugsch mit- 
§reteilte und erläuterte unbekannte Inschrift Amen- 
hotep II. — (28) A. H. Sajoe, Letter from Egypt 
Verf. hat mit Flinders Petrie topographische Unter- 
suchungen in Naukratis vorgenommen und die tod 
Herodot angeführte Lage des Altars und Temenos 
bestätigt gefunden. Die neuen Aufstellung<'n in Bulaq 
machen für den Führer Masperos bereits ein Suppig 
meut nötig; dieser hat bereits die AusgrabunReo bei 
Medinet- Abu in Theben wieder aufgenommen. Brugscb- 
Bey bereitet ein Buch über die Lage von Ow vor, 
welches vielfach Controvcrsen hervorrufen wird. Bio« 
von Lausing zwischen Küs und Koft gefundene Id- 
Schrift lautet: TÜKP AIAMC (sie) NUC KAI AlÜNlOf 
N ... I [KirPlüNArTOKPATOPÜNCEOrUProrKAll 

AN] TüNlNOr ETCKBQN I [KA]! 101- 

AlAC AOMNAC MHTPOC A [KA]! TOT OIKOr 

AlTÖN Eni C I ..APXÖ Am I 

KPA TICTÜ [sie] Eni CTPATHTLiN . . . . j [A?1N- 

APiAC TOT KTPior TiBOHorrc] ... I . . .rc rior 

TPllCEÜC APX1EPE2C j [n?]eOHOrC KAI AM- 

MQNOC eEÜ[N] . . I [Il]ArAei2 CAPAHIÖNOC OIE- 
TIAN [OT] . . . I . . . ONTOC LIH || <DAPMOVBl K. - 
(29) A Lang^, Custom and myth. Verf. will die 
Verehrung von Pflanzen und Tieren aus dem Za- 
sammenhange zwischen Menschen und Landschafleo« 
in denen jene Naturprodukte heimisch waren, her- 
leiten. — (29 30) J. Hoskyns-Abrahall, Valeriui 
Fl accus. Verf. findet den Zusammenhang der P&- 
rallelstellen aus Val. Place, und Armagh nicht geno^ 
übereinstimmend. — (30-31) R. Ellis, Fröhners 
Kritische Analekten. „Gehören zu den bedeoteod- 
sten kritischen Studien der letzten Zeit* — (81> 
W. Honghton, The empire of the Bittites. Da^ 
Symbol des Pferdes auf dem Knopfe von Parkondeioof 
läDt auf eine Pferdezucht treibende Völkerscbtf) 
schließen. — (34) Robert Mowat erklärt in der tod 
Tb. Watkins Roman Lancashire p. 182 mitgeteilt^ 
Inschrift das rätselhafte umgekehrte ^ als Kastris 
uud nimmt an, daß Lancaster einfach Castnun g^ 
heißen habe. 



VerUg Yon 8. CaWary a Co. in Berlin. ~ Drnck der BerUner Bnchdrackerei- Aktien -OeteUicIuft 

(Setxerlnnen-Schnle det Lette- Verelni). 



BERLINER 





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Petitzeile 85 Pfennig. 



5. Jahrgang. 



31. Januar. 



1885. M 5. 



Inhalt 

L Originalarbeiteni ^ite 

W. H. Rotcher, BeitrSge zur griecbischen 

Mythologie (V.) 129 

IL Rexensionen lud Anzeigen: 

F. Susemihl, AriBtotelis Ethica Eademia (M. 
Wallies) 184 

Ph. Kohlmann, P. Papimi Statu Aciiilleis et 
Tbebais (R. Bitschofisky) 138 

K. TOcking, Titi Livii ab arbe condita Über 
XXI (— a-) 141 

A« Baumeister, Denkmäler des klassischen 
Altertums. IL (Chr. B.) 142 

G. Bapst, Etudes sor Potain dans Tantiquit^ 

(0. KeUcr) 146 

N. Kruschewski, GrondriB der Sprachwissen- 
schaft (H. Haupt) 149 

E. B^noist et J. Favre, Lexique latin-frangais 

(P. Dettweüer) 151 

IIL Aaszfige ans Zeftschrlften : 

Philologischer Anzeiger 1884, No. 8—11 . 

Jahresbericht &ber die Fortschritte der klass. 

Altertumswissenschaft, XII, 1. u. 2. Heft 

Wiener Studien, VL 1. Heft 

Journal des Savants, Oktober 1884 . . . 
IV. Kachriebten über Entdeckungen: 

W. M. Ramsays neueste Reise in Kleinasien 
V Mitteilungen fiber Versammlungen: 
Archaeoloffical Institute of America . . • 
Society of Biblical Archaeology in London 
Beilage: 

Pertenalien (Ernennungen. Auszeichnungen. Todes- 
fälle). 
Erwiderung von F. Harnecker. 
Kleine Mitteilungen (Erhaltungsarbeiten an der Saal- 
burg bei Homburg. — Das Motiv des Praxiteli- 
sehen Hermes auf einer Vase. — Ausgrabungen 
in Böotien). 
Bibliegraphie (Erschienene Werke). 
Zeittchrihen: Deutsche Litteraturzeitung No. 3. ~ 
Literarisches Centralblatt No. 4. — Wochenschrift 
für klassische Philologie No. 4. — Philologische 
Rundschau No. 4. — Academy No. 663. ~ Eoxiot 
No. 470. 

Neneingetretenen Abonnenten 

stellen wir iBhaltswerselelmUi und Rei;lster 

des Jahrgangs 1884, welche die Reichhaltigkeit unserer 
Wochenschrift bestätigen, gratis und franko zur Ver- 
fügung. 

Berlin. S. Calwary ^ €•• 

(Verlag). 



I 



153 

155 

156 
157 

158 

159 
160 



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CUM LECTIONIBUS ET 8CH0LIIS CODICIS MEDICEI 
ET IN AGAMEMNONEM CODICIS FLORENTINI 

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HIERONYMO VITELLI 

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EDIDIT 

N. WECKLEIN. 

2 Volumina gr. 8. 

Volumen Primulki: Textus. Scholia. Apparatus cri- 

tictts. XVI, 471 p. 
Volumen Secundum: Appendix coniecturas viro- 

rum doctorum minus certas continens. 316 p. 

PireUi: SO Mark. 

Dasselbe in 7 Teilen: 

I: Prometheus. IV, 59, 19 S. 2 M. 50 Pf. — II: Persae. 
IV, 58, 30 S. SM.— UI: Septem adversus Thebae. 
IV, 74, 50 S. 4 M. -- IV: Supplices. IV, 59, 47 S- 
3 M. 50 Pf. — V: Agamemnon. IV, 88, 76 S. 5 M. 
— VI: Choephorae. IV, 67, 53 S. 4 M. — VH: Eu- 
menides. IV, 58, 42 S. 3 M. 50 Pf. 

Nach der von R. Merkel veranstalteten Wieder- 
gabe des Codex Mediceus(1871) schien es, als ob die 
Textesgestoltung eine abschließende Form gewonnen 
hätte; aber schon R. Scholl wies im Hermes (1876) 
nach, daß eine neue Vergleichung der Handschrift 
notwendig war. Diese ist in muster^ltiger Weise 
von Hrn. Vitelli sowohl für den Text wie die Schollen 
ausgefilhrt worden und hat zu bemerkenswerten 
Resultaten, positiven wie negativen, gef&hrt, welche 
für die Ausgabe Weckleins eine Grundlage bildeten. 
Nicht weniger von Belang erwies sich eine Durch- 
arbeitung der gf'samten Äschyluslitteratur; hier 
ergaben sich nicht nur für die Geschichte der 
Textgestaltung wesentlich neue Resultate, sondern 
CS war auch möglich, positive Verbesserungen und 
Reioigungen des Textes zu gewinnen. Somit ist die 
vorliegende Ausgabe als eine vollständige Encyklo- 
pädie der Äschyleischen Text^estaitung zu 
betrachten und zugleich als eine abschliießende 
Grundlage fQr den Autor selbst Ein vollkonunenes 
Bild der Arbeit der beiden Herausgeber gewinnt 
man ans der Vorrede wie auch aus dem in der Berl. 
Philologischen Wochenschrift 1884 No. 29/30 
S. 897—910 mitgeteilten Aufsatze Weckleins: »Über 
die Textkritik des Äscbylus". 



Mit einer Beilage der Norddeutocben Verlagsanstalt (P. CItfdel) in Hannover. 



Personalien. 



Ad Hocbschuleni Dr. Freiherr SSlerT.RftTeuB 
hnrg, Doz. der Kunetgeaehichte ao der KOd. Kunat 
BchuJe in Berlin, lom Dir.-AsaistenteD an d. Kgl. 
Nfttiocal-Galerie in Berlia. — Prof. Dr. 0. Lenel 
in Uorburc zum ord. Prof. in der stsatswisBenscliaftl. 
FakultCt der Univ. StraDbarg. 

An Gymnasien etc.: Prof. Dr. Schütze vom 
Oymn, in Dresden-Neustadt lum Rektor des Realgymn. 
iü Zittau. — Ober). Franz Graul am Oymn. in 
Soest, lum Professor. — 0. Kalmus am Gymn. in 
Treptow a. R. und Dr. Brnncke in Wolfcnbüttcl 
IQ Oberlehrern. 

A vaselelmanseii. 
Beim diesjährigen Kiünungs- und Ordcnsfest haben 
erhalten; den Roten Adlerorden IL Kl.: Die Geb. 
Oberreo. • Rite Bahlmtuin , BArtsch n. Beinert, 
sowie Prof. E. Cnrtlog, sfimtlicb in Berlio; Dr. 
S " " der Dniv. Halle. — Den Roten 

i Prof Adler, Geh. Oberbaurat in 

E in Balle. — Den Roten Adier- 

Ablckt. Oela; Dr. Albrecht, 
C Qburgi.E.; Dir. Anton, Naum- 
b irlin; Dr. Dlttmar, Regieruoga- 
u Jen; Prof. Laas, StraDburg; 

1 rlehrer zu StraDburg; Prof 
X ; Dir. Scblee, Altona: Dir. 

> . nr. — Den Krone norden 111. Kl.: 

Dr. Altboff, Geh. Regierungsrat, Berlin. — Den 
Elauaorden von Qoheniollem , Adler der Ritter: Dr. 
Kllx,Geh.Regierungs-u. ProTiniialscbnlrat zu Berlin. 
— Prof. H. T. Treittcbfce in Berlin lat cum Geh. 
Regierungsrat ernannt. 



Graf Alexander OnwarofT, geb. 1834, f H- Jan. 
— F. Fiorentino, Prof. der Philosophie in Neapel, 
-f S3. Dez. — L. SuBenber^, Gytnn-L. in Emden, 
-f- 13. Jan. 3S J. alt. — Konrektor em. Helnr. Heyer, 
i 14. Jan. in Vahlbioch bei Pollc, 8d J. alt. 

ErwideroRg.*) 

Wenn ich ans d^er „Berichtigung" io No. 3 dieser 

Wochenschrift die ÜberieuguDg gcwiDoen kSonto, daß 
llr. K. P. Schulze, dr~ ■-'^ — — '■'-Bioho mehr oder 
minder grobe — Yen Iseu die bSchst 

unerquickliche Pflicht ich einmal gegen 

mich im Rechte wSre. dies anstandslos 

und gern einräumen. i icb schlechter- 

dings nicht glauben, and, der es mit 

dem deutschen Äusd lermaOen genau 

nimint, aus Hrn. Scbi g etwas anderes 

beraaaiesen kann, als daQ sich ,Ageu8 von der Akro- 
polis in die See gestürzt habe'. Denn zu dem V. 241 
,at pater, ut anmma pro^pectum ex aico petebat', der 
also nur meldet, dsQ Ageua einen Ott sucht, von wo 
eine weite Ausschau auf das Heer mSglicb ist, macht 
Hr. Seh. folgende Anm.: ,ex arce] von der Akropolie; 
nach andern Sagen stürzte er Hch von Sunium in 
die See hinab, die nach ihm das Agfiische Heer hieD,' 
Wollte Seh. dem Leser und insbesondere dem Schüler 
klar machen, daß Ägeus sich bei Catull von der Akro- 
polis in die Tiefe stürze und nicht, wie joder 
Schiller von früher her weiß, in diu See, entweder 



*) Durch ein HiQverstBndnis hat dieEc Erwiderung 
erst in dieser Nummer zum Abdruck kommen kijnnen. 
Die Red. 



von Sunium oder gar von der ütoMlii m m^i^i. 
er doch jllermindeh.«,d«wX;iÄ, 
gespent drucken und sUtt ,hiefl' t\w:^Uil^Z 
setzen, etwa .genannt worf™ «i'. VotriUn. ifW. 
eine solche Anm, zu V 24^ ,o ent ,«, ZCZ 
die Rede ist, and da »» icopnlorom e ^nW w 
erklären; und nif t war z« ,a hm, d„ a^„ u^ 
etwas von .Herabsturzen' und ,11««' bsiMbtiown 
DieEntsehnIdigungdes Hm.Sch.tditwlwBdiwKliM 
Grundlage, daß er sich söar sclbBt io leinet Be- 
richüguDg' das Urteil spricU, indem « «lÄrt M 
er .den Schüler auf die »«rbceiieters Form im 
Sage habe aufmerksam macheii wollen', Dm vv 
doch wahrhaftig nicht setue ÄufgnliE; londetn fem 
Schüler das Verständnis der Worte de; Dicbtnn m 
ecleichtern, das war seine PBiclit k dem tör ihn 
güoatigsten Falle ISge also dn durch sein eii«. 
nea, fast nnbegreiflicbes Dngeachick verschnldeUa 
U iß Verständnis meinerseits vor. 

Mir gegenüber aber macht Hr. Seh. daraus üne 
^irekte Unwahrheit', — ja er setzt aoR»r d«n 
Plural — zu der ich mich .in meinem Eifet vtim 
zu schaden habe hinreißen tissen''.'. Ich kenne 
weder Hrn. Schulze noch Hrn. Jscoby penäuUcb, 
noch habe icb jemals darao gedanbt. mich lu einem 
ähnlichen Unternehmen zu versteigen. Darum ^g 
offenbar ,bin ich auch gar nicht Ahig, Hrn. Scbuiz« 
Elegiker aine ira et studio zu besprectaeu.' — Uerk- 
würdie, als Schulzes Unternehmen noch ohne wesent- 
liche Konkurrenz war und icb es rückhaltaloa au«- 
kenuen konnte , ging es doch — ich darf sogar mit 
Genugthuung sagen, nicht ohne reichen Erfolg für 
die Sache selbst, für Schulzes und Jacobya ArbeWeii. 
Und auch hier freue icb mich, wieder den AnstoD zu 
einer Verbesserung gegeben zu haben; denn In einer 
dritten Auflage wird Hr. Schulze seine Notizca auc^ 
zu den besprochenen Versen ganz sicher anders 
lauten lassen. 0. H&rnecker. 



Kleine mittel In ncen. 

Erb zltnuK Bärbel t«n nn der Saalbarg bei Hombnrg. 
Für die Renovierunga- rcsp. ErhaltungaacbeU«^ 
der aas der Rümerzeit stammenden Sa&lburg bei 
Homburg v. d. Hübe hat der Kaiser eine Summe 
bis SU 16 400 Hk. bewilligt. Die Saalbarg ^««,1 wo 
der Stelle des Taunus, wo derselbe oördlicb von 
Hombui^ eine schon von fernher sichtbare tiefe Ein- 
senkung bildet, zu welcher das Gelände sanft aosteigl 
und von welcher es jenscita noch schärfer geneigt 
abffillL Die Natur hat hier einen PaD Resch&ff««. 
auf welchen der Verkehr zwischen dem waldigoii uo< 
thalreichcn Lafaogebiete aus den fruchtbaren Kbene' 
längs der Nidda und dem Hain angewiea«^ ''*'^^ 
Als die Römer von letzterem Besitz ergriffen und da 
Land sowohl sich als auch der LandesbevOlkeraa^ 
den Hattiaken, nutzbar erhalten woUten, muBtcn s 
es sichern gegen die EinMe der wilden Chattei 
weiche beutelustig aus Hessen und von der L.».d 
herüberkamen. Die römischen Schriftsteller sage 
daß Drosus toerat ums Jahr tl n. Chr. ajn Rbe 
und zwar in Uunz festen Fuß faßte, nnd daü , ^ 
er am Niederrhein das Kastell Aliso weit segoo o 
Cherusker vorgeschoben, er hier auf dem 'Taunueg 
birge, in monte Tauno, eine Befestigung gesell d 
Chatten angelegt habe. Ptulsmäus nannte daa K&ste 
Hitte des 2. Jahrhunderts Artauaon. InfolK«» d< 
Teutoburger Schlacht ging es verloren, wurde oix 
bald darauf im Jahre 15 n. Chr. von Germanien» »i 
den Überresten der Gründung aeioes Vater« ^iodi 
aufgerichtet und zur Schutzwehr g^cn die Chatt« 
bestimmt. Wie zu Anfang so blieb sein ScblcküJ 



129 [No. 5.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE W0CHEN8CHRIPT. [31. Januar 1885.] 130 



L Originalarbeiten. 

Beiträge zur griechischen Mythologie. 

Von W. H. Rosoher in Worien. 
Kentauren. 

(Fortsetzung aus No. 4.) 

7) Die Kentauren im Orcus (italisch-etms- 
kische Sage?). Vergil (Aen. VI 286 ff.) nnd dessen 
Nachahmer Statins (Silv. V 3, 277 ff.) versetzen die 
Kentanren zusammen mit andern Ungeheuern*), 
der Skylla, dem Briareos, der Lemäischen Schlange, 
der Chlmaira, den Gorgonen, Harpyien und dem 
Geryoneus an den Eingang der Unterwelt. Einen An- 
klang an diese Vorstellung könnte man einerseits in 
der Sage von der Gorgo, die nach Odyss. X 634 (vgl. 
auch Ar. Ran. 475) ebenfalls in der Untei'welt 
weilt, andrerseits in dem Mythus von den Erinyen 
nnd von Cheiron, welcher seine Unsterblichkeit auf- 
gab nnd an Stelle des Prometheus in den Hades hinab- 
stieg (Apollod. n 5, 4), erblicken; doch findet sich, 
so viel ich weiß, bei keinem griechischen Schrift- 
steller irgend eine bestimmte Nachricht über den Auf- 
enthalt der Kentauren im Hades. Dagegen scheinen 
mehrere, zum Teil alte, etruskische Bildwerke, welche 
Kentanren entweder mit Skylla allein oder mit 
der Chimaira und einer geflügelten Frau (Gorgo 
oder Artemis?) zusammen darstellen, auf italischen 
oder etruskischen Ursprung dieser Vorstellung hin- 
zudeuten (vgl. Müller -Wieseler, D. a. K. I 283. 
II 593). Vgl. darüber Röscher, Gorgonen 28 ff. 
Anm. 53. Meyer a. a. 0. 8. 82 f. Noch rätsel- 
hafter ist eine etruskische Buccherovase, abgebildet 
bei MilchhGfer, Anf. d. Kunst in Gr. 76, welche einen 
raenschenbeinigen, mit Lanze nnd Fichtenstamm 
ausgerüsteten Kentauren zeigt, der hinter zwei 
ebenfalls speerbewaffneten, nackten Männern her- 
gehend, sich einem bekleideten, auf einem Thron 
sitzenden Herrscher (der Unterwelt? vgl. Milch- 
höfer a. a. 0. 229 u. Meyer a. a. 0. 60) naht. 
Vgl. auch die oben erwähnten italischen und etrus- 
kischen Kentaarendarstellungen, die viel Eigentüm- 
liches, auf verlorenen Mythen Beruhendes, z. B. auch 
Beflügelnng und Gruppierung mit Pegasos zeigen. 
8) Kentaur als Sternbild (spätere astro- 
nomische Sage der Alexandriner?). 

Die erste Erwähnung eines Sternbildes namens 
Kevtaupo; findet sich bei Aratos Phaen. 431 ff. 

') Aus der allgemeinen Auffassung der Kentauren 
als Uugebener erklärt sich wohl auch ihre Verwendung 
aU chcoTpoTota z. B. aaf Schilden. Vgl. Meyer, Gand- 
banreo 74 Anm. 1. S. auch Hom. Ka^ivo; f^ xcpc(|i!; 
17, wo die Kentauren in einem Fluche als verderb- 
liche Ungeheuer erscheinen. 



Hermippos in den Schollen z. v. 436 identifiziert 
ihn mit Cheiron (vgl. auch Hyg. P. Astr. II 18), auf 
dessen Jägerei er auch ein in der Nähe befindliches 
Sternbild 97)p{ov bezieht. Nach Schol. Arat. 436 und 
Hyg. P. Astr. II 38 wurde Cheiron wegen seiner Tu- 
gend und Gerechtigkeit von Juppiter unter die Sterne 
versetzt. Derselbe soll nämlich an einem Pfeile 
des Herakles gestorben sein, der ihm, als dieser 
ihn besnehte, in den Fuß fiel. Dieselbe Erzählung 
s. bei Ov. Fast. V 379 ff. Erat. Kat 40, mit ein- 
zelnen Zusätzen Schol. Germ. p. 419Eyss. (v. 417); 
vgl. p. 410 Eyss. (v. 291). Das Tier, welches das 
Sternbild des Kentauren zu halten scheint, wird 
von Hygin nicht als Jagdbeute, sondern als Opfer- 
tier (hostia) gedeutet, welches Cheiron über einem 
Altare zu halten scheint. Nach andern ist, wie 
Hygin hinzufügt, unter dem Sternbild nicht Cheiron, 
sondern Pholos zu vei*stehen. Dies erklärt sich 
einfach aus dem oben angeführten Mythus, wonach 
der Pfeil des Herakles nicht dem Cheiron, sondern 
dem Pholos in den Fuß fiel (vgl. auch Serv. 
z. V. A. Vm 294). Ein Sternbild in Gestalt 
eines Kentauren erscheint auch auf ägyptischen 
Zodiakalbildem ans der Zeit der Ptolemäer. 
„Der jugendliche, unbärtige Kentaur mit vollem 
Haupthaar und Haai- an Bug und Beinen trägt 
einen Hasen als Jagdbeute in der Hechten, 
einen Bogen, von dem nur ein Stück erhalten ist, 
in der Linken (J. Overbeck, Gr. Kunstm. I 252 ff). 
Vgl. auch Meyer a. a. 0. 82. MüUer Hdb. 400, 5. 
Müller-Wieseler D. a K. I 407. H 554. 785. 
Fröhner, Notice de la Sculpt. ant. du mus. nat. 
du Louvre Paris 1878 p. 17. 25 (vielleicht dient 
letzteres Bildwerk, das nach Fröhner ein Wesen 
halb Löwe (?), halb Kentaur darstellt, zum Ver- 
ständnis von Müller -Wieseler 11 599). Wenn in 
diesen Bildwerken der Kentaur mit einem Bogen 
erscheint (den nach Hyg. P. Astr. II 27 u. Erat. 
Kat. 28 keiner der Kentauren führt, und der auch 
auf sonstigen bildlichen Darstellungen nur äußerst 
selten vorkommt, vgl. die von Meyer a. a. 0. 81 an- 
gefühi*ten Monumente), so scheint das, wie auch 
überhaupt die Versetzung des Kentauren in den 
Tierkreis, auf einer schon von Hygin, Eratosthenes 
und Schol. Germ. p. 410 Eyss. erwähnten Ver- 
wechselung des Sternbildes des Schützen mit dem 
des Kentauren zu beruhen (vgl. Sen Thyest. 863). 

9) Wesen und Charakter der Kentauren. 
Ihre ursprüngliche Bedeutung. 

a) Die ursprüngliche Bedeutung der Kentau- 
renkämpfe. Zu den charakteristischsten Merk- 
malen des griechischen Bodens gehöi*t es, daß 
„die große Mehrzahl der griechischen Flüsse Gieß- 



131 



[No. 5.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [31. Januar 1885.] 132 



oder Wildbäche sind (xetjidfppot, yapdfÄpat, IvauXoi, 
tarrentes\ die sich im Winter mit reiBendem Un- 
gestüm von den Bergen herabstürzen und alles, 
was ihnen in den Weg kommt, mit fortreiten, 
wogegen man in den helBen Sommermonaten, 
während welcher es in Griechenland mit wenigen 
Ausnahmen nie regnet, nichts von ihnen erblickt als 
ausgetrocknete nnd zerklüfteteSchluchten; 
oder wenn sie wirkliche Quellen haben, ist der 
Wasserschatz derselben so ärmlich, daß kaum 
wenige Tropfen davon im Sommer das Meer er- 
reichen* (Bursian, Geogr. v. Griechenl. I 7). 
Fast dieselbe Erscheinung gewahren wir in Sizilien 
und Italien, dessen meiste Wasseradern ebenfalls 
nur Gießbäche (fiumare) sind. Im Sommer sind 
dieselben völlig trocken und bilden in ihrem untern 
Teile treffliche Fahrwege, die sich allmählich, je 
höher man hinaufsteigt, immer mehr zu Saumwegen 
verengen und tief ins Innere des Gebirges hinein- 
reichen. In tiefen Spalten, den gewaltigen Bj^llen 
eines Ungeheuers gleich, reißen in der Regen- 
zeit die Regengüsse das lose Gestein von den 
steilen Hängen. Ganze Berglehnen setzen sich 
dann in Bewegung und strömen, flüssig geworden, 
mit furchtbar verwüstender Kraft dem Meere zu, 
die Dämme und Mauern zerbrechend und die Felder 
und Gärten mit Schutt und Geröll füllend (Nissen, 
Ital. Landeskunde I 295. Fischer, Beitr. p. 8). 
Zu allen Zeiten haben daher die Bewohner solcher 
von wilden Bergwassem heimgesuchten Gegenden 
ihre Flnren durch Erbauung von Schutzdänmien 
und Mauern oder durch Anlegung von Abzugs- 
kanälen zu bekämpfen und zu bändigen gesucht, 
so die alten Römer im nördlichen Sizilien und 
die Lombarden in der Poebene (Nissen a. a. 0. 300). 
Auch in Hellas läßt sich die Bekämpfung der 
Wildbäche und ihrer Überschwemmungen seitens 
der Menschen schon in den ältesten Zeiten nach- 
weisen. So kennt schon Homer Flußdämme und 
Schutzmauem, welche die Verheerungen der yet- 
ixdtppoi abwehren sollten; vgl. IL E 88 yeijjiappci), 
oc T uixa fecov Ixeöotjje ^ecpupac (Dämme vgl. 
irpox/tüffEic 7) 76^üpü>j£i; b. Strab. I 59 ; ib. 458), xov S" 
O'JT ap^ TS 7e<pupai iep^jxevai lx/av6o)jiv, out apa Ipxea 
ir/ei aXtüdfüiv ipi^^Xeoiv u. s. w. Man denke ferner 
an die Thatsache, daß bereits in der Blütezeit des 
Reiches von Orchomenos die Minyer die farcht- 
baren, ganze Städte zerstörenden Überschwemmungen 
des Kopaissees, welche durch die in diesen ein- 
mündenden Wildwasser herbeigeführt wurden (vgl. 
H. M 18 ff.), durch sorgfältige Reinigung der 
Abzugskanäle und Deichbauteu bedeutend einzu- 
schränken gewußt haben, und daß noch Alexander 



d. Gr. durch Bohrung großartiger Stollen die ge- 
fährlichen iJberschwemmuugen jenes Sees zu be- 
seitigen versucht hat (Bujsian a. a. 0. I 198 ff. 
Forchhammer, Hellenika 160). Femer erinnere ich 
an den Kampf des Herakles mit Acheloos, in 
welchem man schon längst eine mythische Symbo- 
llsiemng des uralten Kampfes der Kulturarbeit 
gegen die verheerende Macht der Stromnatur er 
kannt hat (Nissen a. a. 0. S. 300. Preller, Gr. M.* 
n 245. 0. Müller, Orchom.' 66 f.; vgl. Strab. 
458. Diod. IV 35), an die Dammarbeiten des 
Herakles zu Pheneos (Vischer, Erinnerungen ans 
Griechenland 494 f.), an den Kampf mit der Hydra 
u. s. w. (vgl. K. F. Hermann, Privatalt. II 23). 
Zu denjenigen Landschaften Griechenlands, wel- 
che am meisten durch solche im Winter und Früh 
jähr von den Gebirgen herabkommenden Wildbäche 
zu leiden haben, gehört der weite, rings von Ge- 
birgen umschlossene Thalkessel Thessaliens, der 
Wohnsitz der sagenberühmten Lapithen. Von 
den zeitweilig daselbst vorkommenden Über- 
schwemmungen, die ebenso plötzlich eintreten wie 
aufhören (Vischer, Erinnerungen etc. 478), sagt 
Strabon 430: toot« S iorl Tot [iwa t^c BsTraXtac. 
EuoatjxovejTöfTTj /u)pa, icXf^v offT) itOTafioxXuor^^ lonv. 
6 Yap IItjvei^c öta jisttjc petov xal tcoXXouc ^e/^" 
{levoc TCOTajxoüc (iKtpyziTai «roXXaxic. to ^l 
itaXaiiv xal iXijivalsTO, Ac X'^yoc, to iteStov Ix tc 
Tüiv aXXo)v {j.£p(ov opejt Tcepieip^^fievov x. t. X. Im 
folgenden schildert Strabon die Verheerungen des 
Peneios, weicherden Larissäem regelmäßig gutes 
Ackerland wegriß, wogegen sie sich durch 
Dammbauten (rapa/wjxaTa) zu schützen suchten 
(440). Von der Pelasgiotis am Fuße des Pelion 
heißt es 441: oiv 6 ^otTjrfjC <5Xi7ü)v jxeji.v7)Tat 5iaL to 
ji-?) o^xuD^vat TCü) xäXXa ^ ^aoXtoc oixtu&^vai 6ta 
Tou; xaxaxXujfioüc aXXoi aXXouc ifevo jjievooc .... 
IleirovÖe 6e xi toioüto xal r^ MaTv^tic x. t. X. (in 
betreff der zahlreichen Gießbäche des Pelion vgl. 
Bursian G^ogr. v. Gr. I 97). Dasselbe ist nach 
Forchhammers Hellenika 9 f. auch in dem die 
südliche Grenze Thessaliens bildenden Thale des 
Spercheios der Fall, wo nach Steph. Byz. (s. v. 
<I>ptxiov) der Kentaur <I)pixioc hauste: „Im Winter 
ergießen sich nicht nur die unzähligen Quellen, 
welche in den Spercheios ihren Abfluß haben, 
reichlicher, sondern es häuft sich auch durch den 
mehrere Wochen, ja Monate hindurch herab- 
stürzenden Regen und durch den Schnee der das 
Thal umgebenden hohen Gebirge die Wassermasse 
des Flusses in dem Grade, daß er nicht nur die 
Sümpfe an seiner Mündung überfüllt, sondern auch 
einen großen Teil des im Sommer festen Erdbodens 



183 



[No. 5.J 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [31. Januar 1885.] 134 



flberachwemmt , sodaß sich der antere Teil des 
Thaies in Meer verwandelt". Bei dieser außer- 
ordentlichen Bedeutung, welche die /ei}iappot für 
viele griechischen Landschaften, namentlich aber 
jür Thessalien haben, dürfen wir wohl auch in 
der griechischen Mythologie, besonders aber in den 
Lokalsagen der von Gebirgen umschlossenen und 
durch die Überschwemmungen der Wildbäche heim- 
gesuchten fruchtbaren Thalebenen , vor allem in den 
Mythen Thessaliens, deutliche Reflexe der soeben 
im aUgemeinen geschilderten wichtigen und augen- 
flüligen Nnturerscheinungen suchen. Wäre es doch 
geradezu wunderbar, wenn eine so häufige, wenn 
auch bisher von mythologischer Seite nqph nicht 
gebühi-end gewürdigte Erscheinung in den grie- 
chischen Mythen keine Spur zurückgelassen hätte, 
zumal da die Schilderungen der Wildbäche in der 
Litteratur 'eine so hervorragende Rolle gespielt 
haben. Wir finden sie unverkennbar wieder in der 
Sage von den Kentauren, die entschieden am 
reichsten in Thessalien (vgl. Eur. H. für. 373) 
ausgebildet worden ist und an sämtliche dieses 
Ijand emschlieflende Gebirge, den Pelion, Ossa, 
Pindos, Homole und Othrys geknüpft erscheint, 
dann aber auch in Atollen (Euenosthal, Taphiassos- 
gebirge), Elis und Arkadien (Pholoe. vgl. die Pho- 
loB' und Atalant^^sage), also ebenfalls in Gegenden, 
welche durch Überschwemmungen heimgesucht 
wurden (vgl. in bezug auf das Euenosthal Isam- 
bert, Itin^raire de Y Orient 202 f., in bezug aut 
Pholoe Vischer, Erinnerungen etc 471—473, in 
bezug auf Arkadien ib. 478, 495, 497. Bursian, 
Geogr. II 185. 195 ff.), heimisch ist. Es liegt 
durchaus in der Natur der /etfideppot, gegen welche 
die menschliche Kulturarbeit zu allen Zeiten an- 
gekämpft hat, daß sie, einmal personifiziert, ähn- 
lich den Dämonen der Wetterwolken (Giganten, Ky- 
klopen, Gorgonen, Chimaira; vgl. Rapp b. Boscher, 
Lex. der gr. u. röm. Myth. unter Bellerophon), des Wir- 
belsturmes (Typhon) u. s. w. zu gewaltigen Un- 
geheuern werden mußten, über welche jedoch nach 
heftigem Ringen die personifizierten Mächte der 
Kultur, Heroen (Herakles, Atalante) und Menschen 
(Lapithen) triumphierten. In der kurzen Dauer 
ihrer verderblichen Thätigkeit, welche nur auf die 
Winter- oder Regenzeit beschi*änkt ist (vgl. Sen. 
Nat. Q VI 7, 2: ad tempus collectos torrentium 
impetus, quorum vires quam repentinae tam breves. 
ib. Dial. X 9, 2. de Benef. VI 31, 7. Ov. Am. 
lll 6, 105 f.), liegt natüriich auch ihre Kurz- 
lebigkeit begründet: alle Kentanren, selbst Chei- 
roD nicht ausgenommen, sind sterblich, ähneln also 
auch in dieser Beziehung entschieden den Repräsen- 



tanten anderer rasch vorgehender Naturphänomene, 
wie z. B. den Giganten, Kyklopen; der Gorgo, 
der Lemäischen Hydra und der Chimaira. Ver- 
suchen wir es nun im folgenden kurz alle wesent- 
lichen Züge des Kentaurenmythus auf die schon 
von den Alten an die ^(eijxappoi oder }(apadpai 
(torrentes) gemachten Beobachtungen zurückzu- 
führen. 

la) Daß die x£(p>>«ppoi von den Bergen plötz- 
lich niederströmen, wenn starke Regengüsse 
aus den Wolken niederfallen, erhellt namentlich 
aus mehreren herrlichen Gleichnissen Homers: 
A 492: ü>cff 01:6x1 itXtJOcdv roiajjLoc TceStovöe xateiatv 
•/eijxappoüc xaT ope^^tv, ^TCaCojievoc Aioc ojißpcp. 
A 452: a*c 5' ote }(eijjLappot Tuotafiol xat ope'Kpt feovTC? 
lg [itJ7a7xetav (jujjißaXXcTOv oßpijiov uöoip 
xpoüvaiv ix jxeYaXwv xoiXtjc IvTocjöe ^orpaSpTjc. 
E 87 : Olive -yotp Sji TreÖiov iroxajxco icXiJÖovrt ioixa>c 
)(ei[iappcj), og X (üxa p£ü>v ixeöawe Ye<p6pac, 
Tov §^ OUT ap T£ •]fe9üpat lep^fiivat 2cj/av6a>aiv, 
9 1 iXO^vT i 5 a Tc i V Tj c . Sx iTnßpijT) Atöc (i. ß p c. 
Vgl. auch n 390 ff. /apadpat . . . ^eou^ai ii ^peu>v« 
Lucr. I 281 : quam (aquam) largis imbribus äuget 
montibus ex altis magnus decursus aquai. 
Verg. Aen. II 305: rapidus montano flumine 
torrens. Von den Wildbächen des Pelion, an 
welche sich der uralte lasonmythns knüpft, han- 
delt Apoll. Bh. m 69: 

. . . vi^erüi Ö^ iTCaXüvero irdcvta 
oupea xotl «ntoirtal irepifiijxeec, o\ 8k xat auxcSv 
)^&i(i.appoi xava^T)6a xuXtv$6[i£voi ^opeovxo. 
Der berühmteste unter diesen Bächen war der 
"Avaüpo; (Ap. Rh III 67 u. I 9), welcher Name 
öfters auch geradezu im Sinne von x^i\kippo\ig ge- 
braucht wird (vgl. auch Hesiod. scut Herc. 477). 

(Fortsetzung folgt.) 



II. Rezensionen und Anzeigen. 

(Aristotelis Ethica Endemi a) Eademi 
Rhodii Ethica adiecto de virtntibns et 
vitiis libello recognovit Franciscus Suse- 
mihi. Lipsiae 1884, ß. G. Teubner. XXXVII, 
199 S. 8. 1, 80 M. 

In der äuBeren Einrichtung entspricht Suse- 
mihls Ausgabe der Endemischen Ethik ganz der 
ihr vorausgegangenen großen Moral. Sehr will- 
kommen sind auch hier die vor dem kritischen 
Apparat befindlichen Angaben der Parallelstellen 
ans der Nikomachischen Ethik, der großen Moral, 
der Politik und anderen Aristotelischen Schriften. 
Die in Appendix I gesammelten Stellen der Eu- 



135 [No. 6.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [31. Jannar 1885.] 136 



demischen Ethik, auf welche in dieser selbst Be- 
ziehungen stattfinden, wären wohl besser hiermit 
verbunden worden. Der Apparat selbst enthält 
dem Zweck der Teubnerschen Aristotelesausgabe 
entsprechend nur eine Auswahl alles dessen, was 
S. für die Berichtigung und Erweiterung des 
handschriftlichen Materials auch dieser Schrift ge- 
leistet und in aller Vollständigkeit bereits in 
seiner Abhandlung »De recognoscendis Magnis 
Moralibus et Ethicis Eudemiis" (Greifs wald und 
Beriin 1882) veröffentlicht hat. S. teilt die 
Codices der Eudemischen Ethik wie die der Niko- 
machischen und der großen Moral in zwei mit 0* und 
n' bezeichnete Klassen. Zur ersteren rechnet er 
die beiden ältesten, Bekkers P^ (Vatic. 1342), 
welchen er selbst von neuem in Rom nicht ohne 
Nutzen verglichen hat, und den, wie eine Probe- 
kollation (p. 1214, 1215) Jacksons zeigt, völlig mit 
ihm übereinstimmenden Cantabrigiensis C^ , beide 
aus dem 13. Jahrb., den von Heylbut gleichfalls 
p. 1214, 1216 und an einigen späteren Stellen 
verglichenen Bx)mano-Palat. D^ und einen mit 
C^ bezeichneten codex, dessen Lesarten Yettori 
am Rande einer jetzt der Münchener Bibliothek 
augehörigen Aldina eingetragen hat. Zwei Hss 
des 15. Jahrb., Bekkei-s M*> (Marcianus 213) und Z 
(Oxon. Coli. Corp. Christi 112), bilden mit der 
Aldina und im ganzen auch der bei Bekker ab- 
gedruckten lateinischen Übersetzung eines ge- 
lehrten Anonymus die zweite, meist geringere Klasse. 
M^ ist durch Vitelli au vielen Stellen einer Re- 
vision unterzogen und die von Bekker angefangene 
Kollation des Oxoniensis bis zum Schluß des ersten 
Buches fortgeführt worden. Diese zuerst von S. 
aufgrund eines reicheren handschriftlichen Materials, 
als seinen Vorgängern zu Gebote stand, klar er- 
kannte und durchgeführte Scheidung der Textquellen 
ist ein wichtiges Moment für die methodische 
Konstituierung des Textes. Als zuverlässigste 
.Quelle gilt Susemihl P*> , dessen Wert teilweise 
schon Bekker und im höheren Grade Fritzsche und 
Spengel erkannt hatten. Der subjektive Charakter, 
welchen die Bevorzugung dieser Hs bisher viel- 
fach hatte, schwindet bei S., welcher hierin mit 
Recht noch weiter geht, mehr und mehr durch 
Hinzuziehung der anderen Codices derselben Gattung. 
Dass S. alle nennenswerten Beiträge neuerer 
Gelehrten zur Verbesserung des schwerverderbten 
Textes mit Sorgfalt gesammelt und umsichtig be- 
nutzt hat, braucht kaum erwähnt zu werden. Die 
Zahl derselben ist in den dreiunddreißig Jahren 
seit dem Erscheinen der Ausgaben von Bussemaker 
und Fritzsche so angewachsen, daß schon dadurch 



eine neue Ausgabe der Eudemischen Ethik not- 
wendig geworden wäre. "Wenn S. von fremden ^ 
und eigenen Konjekturen diesmal eine verhältnis- 
mäßig größere Zahl in den Text aufgenommen hat, 
so erklärt und rechtfertigt sich dies aus der heil- 
losen Textzerrüttung.*) — Nicht wenig hat S, 
schließlich durch berichtigte Interpunktion zum 
Verständnis beigetragen. 

In der umfangreichen Einleitung begründet der 
Herausgeber nach den textkritischen Erörterungen 
eingehender seine schon in der Praefatio zur großen 
Moral ausgesprochene Ansicht über die ursprüng- 
liche Stelle des jetzigen Schlusses der Endemischen 
Ethik (p. 1246 a 26— 1249 b 25). Daß der ur- 
sprüngliche Schluß derselben, welche wie die Niko- 
machische abschließend zur Glückseligkeit zurück- 
gekehrt sein wird, mit dem Ende der in Buch VH 
bebandelten r^CkioL verloren gegangen ist, kann kaum 
bezweifelt werden. Den drei jetzt den Schluß 
bildenden Kapiteln wies Spengel, gestützt auf 
Magn. Moral, p. 1206a 36— 1208a 39, ihre Stelle 
nach den drei der Nikomachischen und Eudemischen 
Ethik gemeinsamen Büchern an, also vor Buch VII. 
Doch auch hierhin passen sie nicht; es scheint 
vielmehr, als ob schon der Verfasser der großen 
Moral dieselben nicht mehr an ihrer ursprünglichen 
Stelle gelesen hat. Größere Wahrscheinlichkeit 
hat Susemihls Annahme für sich, nach welcher 
diese drei Kapitel ein Bestandteil des fünften 
Buches gewesen sind: 'de intellectualibus et po- 
tissimum quidem de prudentia in quinto egerat, 
adiecerat problemata quaedam prudentiac et mo 
ralibus virtutibus communia (P- 1246 a27~b36), 
deinde prudentiae compensationem, quam sibi in- 
venisse videbatur in bona fortuna, et virtutem uni- 
versalem xaXoxivaOiav et accuratiorera prudentiae 
normam descripserat, tum temperantiam et volnpta- 
tem in sexto' (p. XVII). — Im letzten Teile der Prae- 
fatio finden wir eine größtenteils von Heitz her- 
rührende Sammlung der Citate der drei Ethiken im 
Altertum und bei den Byzantinern; derselben 
vermag ich nur einige Anführungen aus meinem 
Alexander in Analytica priora und aus desselben 
Kommentar zur Topik hinzuzufügen, welcher dem 
Herausgeber zur Zeit noch nicht zu Grebote stand. Im 
Index (p. 125 — 158), welcher sich mir überall als 
zuverlässig erwiesen hat, sind die nicht bei Aristo- 



*) Vielleicht ist die Verderbnis nicht immer so 
tief, als angenommen wird. Sollte z. B. p. 1918 a 8, 
wo S. eine größere Lücke ansetzt (icpöTspov. ••. — "si), 
nicht die so gewöhnliche Verwechslung der Abschreiber 
von :i und r^ vorlieg en und letzteres einzusetzen sein? 



137 



[No. 5.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [3U Januar 1885.] 138 



teles vorkommenden Wörter mit einem Stern be- 
zeichnet; mehreren derselben fügt S. ein *deest 
apud Bonitzinm' hinzn ; ich vermisse diesen Zusatz 
bei Ä7vo7)Tix<k. Das Fehlen von iirnj'eüöeaöai im 
Bonitzschen Index erklärt sich daraus, daß im 
Bekkerschen Text p. 1229 b 22 öia<|;eu$ovTat ohne 
jede Variantenangabe steht. Auf den Index folgen 
zwei Appendices, deren zweite reichhaltige und 
schätzenswerte Nachträge zu den Ausgaben der 
Nikomachischen Ethik und Politik enthält Über 
Appendix I ist bereits gesprochen. 

Das der Zeit des Eklektizismus*) entstammende 
Schriftchen ittpX dpsTolv %ol\ xaxitov, welches noch 
Bekker und Bussemaker mit geringen Änderungen 
nach der zweiten Baseler Aristotelesausgabe ab- 
drucken ließen, erscheint hier zum erstenmal 
mit vollständigem kritischem Apparat. Stobäus 
bat dasselbe in sein Florilegium aufgenommen und 
Piseudo-Andronicus im zweiten Teile seiner Schrift 
irepl iraÖuiv mit Weglassung des letzten Abschnitts 
und einigen Umstellungen abgeschrieben. Dieser 
zweite Teil ist 1883 von C. Schuchhardt (Audronici 
Bhodii qui fertur libelli irepl raöwv pars altera 
de virtutibus et vitiis, Heidelberger Doktordisser- 
tation) unter Benutzung eines reichen handschrift- 
lichen Mafceriales herausgegeben worden. S., welchem 
vier von Schuchhai*dt noch nicht benutzte Hand- 
schriften und von dem Hauptkodex des Pseudo- 
Andronicus, einem Coislinianus des 10. Jahrb., 
eine neue, von Diels gelieferte Kollation zu Gebote 
standen, mußte sich daher begnügen, eine recognitio 
dieses Büchleins zu geben. Sie ist die erste Text- 
rezension desselben als eines pseudo-anstotelischen. 
Diesem Schriftchen ist gleichfalls ein Index ange- 
fügt, in welchem die dem Aristoteles fremden 
Ausdrücke durch * hervoi-gehoben worden sind. 
Auch in diesem Index finden wir mehrmals (bei 
dlva*/aüvoi>^dai, ä^tXavÖpcDirta, ^evvai^f, iiriSa^iXsustv, 
TDzpaitiov) die Bemerkung: 'deest in Bonitzi Ind. 
Arist.", was leicht wie eine Verdächtigung der 
Zuverlässigkeit dieses Musters aUer Indices klingen 
könnte. Das Fehlen jener Wörter erklärt sich 
aber ganz einfach aus der Beschaffenheit des 
Bekkerschen Textes, welcher, wie schon gesagt, 
im wesentlichen nur ein Abdruck aus der zweiten 
Baseler Aristotelesausgabe ist, und in welchem 



an allen fünf Stellen anderes steht. Diese Zusätze 
wären daher besser fortgelassen worden. Beide 
Indices sind vielmehr ein Zeugnis für die Voll- 
ständigkeit des großen Index; denn im ganzen 
bieten sie nur vier in jenem wirklich fehlende 
Ausdrücke. 

Zum Schluß noch ein Wort über die äußere 
Beschaffenheit des Textes. Nach des Herausgebers 
Erklärung war dieses Heft bereits gedruckt, als 
er Blass' und meine Rezension seiner Ausgabe der 
großen Moral las, welche über die große Zahl der 
Druckfehler Klage führen. Doch scheint Suse- 
mihls Befürchtung, daß der Text der Endemischen 
Ethik nicht minder durch Druckfehler entstellt 
sei, nicht zuzutreffen. Abgesehen von den auch 
hier zahlreichen Versehen in der Accentuation sind 
mir nur p. 1250a6 §ü[jlo£i$ouc und 1251 b33 Jü77vtü- 
vtx<$v aufgefallen. Einiges hat der Herausgeber 
selbst bereits in den Addenda berichtigt. 
Berlin. M. Wallies. 



*) Ich bemerke, daß wir in Giceros Topik § 90 
eine an dieses Scbriftchen anklingende Einteilung der 
aequitas finden : una ad superos deos, altera ad maoes, 
tertia ad homines pertinere; ganz ähnlich heißt es 
hier p. 1250 b 20 eori ^s -npGy'zoL täv Bixaioiv za rpo; 

■jovii;, %ha xpo; tou; xaxoi-^ojiivou;. 



P. Papinii Statii Achilleis et Thebais. 
Recensait Phiiippas Kohlmann. Fase. II. 
Thebais. Cum indice nominnm. Lipsiae 
1884, Teubiier. XVIII, 475 S. 8. 4,80 Mk. 

Ein merkwürdiger Zufall hat das Erscheinen 
einer kritischen Gesamtausgabe des Statins so 
lange verzögert. Die in großem Stile angelegte 
Rezension der Thebais und Achilleis cum scholiis 
von Otto MüUer (Lipsiae 1870) ist leider Torso 
geblieben, indem nur die ersten sechs Bücher der 
Thebais erschienen sind. Seither hat bekanntlich 
Baehrens die Silvae ediert (1876) und als fasci- 
culus I. des 2. Bandes erschien 1879 die Achilleis 
von Kohlmann. Nun ist endlich auch für die ge- 
samte Thebais eine sichere kritische Grundlage 
geschaffen. Auch von diesem Gedichte gab es 
wie von der Achilleis bereits vor den Zeiten des 
Scholiasten eine doppelte Rezension. Haupt- 
vertreter der einen „eiusque optimae" ist wieder 
der Puteaneus (P), zugleich die beste der bisher 
verglichenen Handschriften. Als Vertreter der 
anderen Rezension standen dem Herausgeber zu 
Gebote der Parisinus 13046 (San Germanensis 
1 170) S, der Gudianus 54 G* und der Bambergensis 
N IV 11 B, (Vgl. praef. VIU— X). Weiter folgt 
eine Reihe minder wertvoller sowie nur teilweise 
oder mittelbar benutzter Manuskripte, ein paar 
Fragmente verloren gegangener Codices, endlich 
Notizen einzelner hervorragender Gelehrten wie 
J. J. Scaliger, H. Grotius, N. Heinsius, Joannes 
Peyraredus, Bentley, Schrader, Lachmann und 



139 



[No. 5.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [31, Januar 1886.] 140 



Menke (p. X — XVII). Ist schon dieses summa- 
rische Yerzeicbnis ein Beweis der Emsigkeit nnd 
des Fleißes, die der neuen Ausgabe zustatten 
kamen, so zeigt auch eine Durchmusterung des 
kritischen Apparates, daß die einschlägige, in 
allerletzter Zeit reichlicher angewachsene Litteratur 
auf das gewissenhafteste benutzt ist: manchmal 
freilich ist dies nur dem Eingeweihten ersichtlich, 
wie IV 109, wo nach des Unterzeichneten Dar- 
legung in J. J. das tiberlieferte aegresamt durch 
den Hinweis auf XII 712 f. gesichert wird. 
Es weist zwar die adnotatio critica gegen Möller 
eine gewisse Beschränkung auf; doch hat die Über- 
sichtlichkeit dadurch andererseits gewiß nur ge- 
Wonnen. Überhaupt scheint der Grundsatz beob- 
achtet zu sein, nur solche Konjekturen aufzunehmen, 
die einigermaßen Berechtigung haben. Ich wüßte 
es sonst nicht zu erklären, daß die Vennutungen 
Sandströms, dessen „studia critica" fleißig ver- 
wertet sind, namentlich auch zur Verbesserung 
der bisher vielfach vernachlässigten Interpunktion, 
nur teilweise und die von B. Deipser (in 
den Dissertationes philol. Argentor. V 198—226) 
gar keine Berücksichtigung gefunden haben.*) 
Als Kritiker hat sich Kohlmann, wie schon von 
seinen früheren Arbeiten, namentlich der AchiDeis, 
her bekannt ist, von der extremen Richtung eines 
Baehrens glücklich ferne gehalten und einen ge- 
mäßigten Mittelweg eingeschlagen. Verdächtige 
Worte sind nicht durch unsichere Konjekturen 
vorschnell verdrängt, sondern zwischen Sternchen 
gesetzt und dadurch besonderer Beachtung und 
weitei'er Erwägung empfohlen. Um das Verhältnis 
der vorliegenden Ausgabe zu Müllers Texte zu 
charakterisieren, sei erwähnt, daß z. B. in den 
921 Versen des zufällig von mir herausgegriffenen 
6. Gesanges sich Ober 40 Abweichungen finden. 
Ich will nun diejenigen Stellen, welche der Henius- 
geber als korrupt bezeichnet hat, im ganzen 14, 
einer kurzen Besprechung unterziehen. 

I 227 dürfte mens tmposta wohl bedeuten: »der 
in sie gelegte Sinn** nach Analogie von nomen 
alicui imponere. Bands Erläuterung durch infixa, 
firma, non mutabilis ist offenbar nur der Parallel- 
stelle aus Vergil (Aen. IV 449) zuliebe heraus- 
geklugelt. — V. 517 bin ich von der üuhaltbar- 
keit des übeii. tenues nicht überzeugt. Tori ostro 



^) Erwähnen muß icb, daß die von Kohlmann nicht 
angeführte Vermutung 0. Müllers (Bl. Stat 18), II 680 
sei an Stelle des überl. A'rit zu schreiben tent^ von 
Karl Scbenkl durch den Hinweis auf Valer. Place. 
UI 589 gestaut wird. VgU Philo!. Anz. Xin 835. 



tenue« = ostro tenut sind solche von feinem Pur- 
pur. Müllers Koi^ektur tinctos stimmt nicht zur Be- 
deutung, welche ostmm hier neben aurum hat: 
Purpur Stoff, nicht Purpurfarbe. Ich verweise 
nur auf II 806 f. satis ostro dives et auro conspi- 
cuus; vgl. noch XI 398. Sonst könnte man auch 
an nitidos denken nach Ovid. Met. X 211 Tyrioque 
nitentior ostro. — II 638 sind die in P stehenden 
Worte et adhuc wohl nur durch ein Abirren des 
Schreibers nach V. 640 eingedrungen. — HI 379 
audüusqwe iterum revocet socer hat sein Analogon 
V 93 f. cum Sacra vocant Idaeaque suadet buxas 
et a summis auditus montibus Euhan. Auditus 
findet sich wiederholt: II 54. 441. 455. LH 551. 
VII 486. IX 1 und sonst. Die Verbindung iterum 
revocAre erinnert an iterum remittere X 717. — 
V. 522 war an astra nicht zu rütteln. Es sind 
die Erscheinungen, die sich unter den astra 
zutragen V. 493 f. hatte es ja geheißen : tunc 
omnis in astris consonet arcana volucris bona 
murmura lingua, und V. 499 : Postquam rite diu 
partiti sidera cuncta. Vergleichen läßt sich auch 

IX 27 f. Non aliter subtexunt astra catervae 
incestarum avium; vgl. noch Deipser a. a. 0. 210. 
Die Verbindung sidera notare gebraucht Cic. de 
div. II 43,91. Wie au unserer Stelle prodigiosa, 
heißen die astra VI 322 (nach alter Zählung) 
insidiosa. Vgl. übrigens K. Schenkl iui Philol. 
Anz. Xin 836. — IV 170 wage ich die Worte 
arte r^erta (= wohl ersonnen) nicht anzutasten. 
Analog scheint mir in Bedeutung und Form der 
Versschluß fraude reperta VI 894 (n. a. Z.) und 

X 392. Ovid. Pont. H 9,44 heißt es: Quive 
repertoretn torruit arte sua. — V. 665 sind die 
Worte et solem radiis ignescere ferri sicher richtig 
tiberliefert. Gegen Madvigs Konjektur muß erinnert 
werden, daß es von vornherein keine Probabilität 
hat, d^ß die am nächsten liegende Fassung des 
Gedankens von einer auffälligeren sei verdrängt 
worden. „Die Sonne erglüht in den strahlenden 
Waffen* ist ein ganz ähnlicher Gedanke wie 
II 532 Flammeus aeratis Innae tremor errat in 
armis oder VI 578 f. (n. a. Z.) Sic ubi tranquiDo 
perlucent sidera ponto vibraturque fretis caeli 
stellantis imago. — IX 769 und XII 510 ist 
die Entscheidung äußerst schwierig, indem hier 
Eigennamen vorliegen. Auch X 174 fällt es mir 
schwer zu sagen, ob Baehrens mit seiner Ver- 
mutung guttis das Richtige getroffen hat. — Eine 
verwickelte Stelle ist auch X 527 f. Die Vermutung 
von Peyraredus wäi'e nur möglich, wenn ariete 
sein 1 in der Aussprache vollständig eingebüßt 
hätte. Zu gunsten der Konjektur desHerausg. spricht 



141 



[No. 6.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [31. Januar 1885.] 143 



aerisonns IV 298, aera sonant VlU 221, aeris 
sonitns S. I 1, 68 und dgl. Trabibusqne aut findet 
sich auch X 114. Die einfachste Erledigong der 
Stelle wäre es, die beiden Ablative als Ganzes 
(trabes) und Teil (aries, der Widderkopf) ohne 
et zu verbinden nnd zn konstruieren: Sie reißen 
dorcii Balken mit dem Widderkopfe die Steine 
los. Vgl. Haase- Peter, Vorles. n 203. Die 
trabes sind ja so wie so vom aries kaum zu 
trennen. Vgl. Val. Flacc. VI 383. Das lange e 
in ariete ist durch II 492 gesichert. — XI 59 
haben mich Sandströms Gründe gegen das überl. 
tuba nicht überzeugt. — V. 274 halte ich tellus 
für gesichert durch Sil. Ital. III 653 Nos paene 
aequoribus tellus violentior hausü, — V. 646 ist 
mit volvere wohl das Richtige getroffen. Sand- 
ströms Interpunktion halte ich für unzulässig 
(vgl. XI 318 f.). Über die Bedeutung des 
Verbums kann man zweifelhaft sein. Sollte es 
nicht auch den Sinn haben können: die Schlinge 
(rollend, drehend) bilden oder machen, wie analog 
sich findet orbem volvere? 

Der beigegebene Index nomtnum in Statii 
Silvas, AchiUeida, Thebaida erhöht den Wert 
der Ausgabe noch um ein Bedeutendes. Druck- 
fehler sind mir folgende aufgefallen: rV 143 I. in- 
g^nti f. ngenti. VIII 701 1. consumitur f. ^onsumitur. 
IX 351 1. sororum f. soromm. X 374 1. fulgure 
f. fnlgere. 
Wien. R. Bitschofsky. 



Titi Livii ab urbe condita über XXI. 
Für den Schulgebrauch erklärt von Karl 
Tficking. Dritte verbesserte Auflage. Pader- 
born 1884, Schöningh. 118 S. 8. 1,20 M. 

Manchen gilt es heute als Empfehlung für eine 
Schulausgabe, wenn der Lehrer nichts daraus 
lernen kann. Noch bevor solche Schülerausgaben, 
wie man sie genannt hat, in Mode kamen, begann 
K. Tticking verschiedene Schriften des Cicero und 
Tadtus und einige Bücher des Livius mit An- 
merkungen, die ausschließlich für Schüler bestimmt 
waren, herauszugeben. Der augenscheinliche Er- 
folg ist gewiß nicht allein der Gunst der päda- 
gogischen Zeitströmung zuzuschreiben, sondern auch 
der bewährten Gteschicklichkeit des Herausgebers. 
Philologische Akribie ließen seine Ausgaben freilich 
vermissen; aber die späteren Auflagen wurden 
auch nach dieser Seite hin vervollkommnet. Für 
die dritte Dekade des Livius Jiaben in den jüngsten 
Jahren so viele, zum Teil ausgezeichnete Forscher 
gearbeitet, daß ein guter Text des XXI. Buches ohne 



Schwierigkeit herzustellen war. Ein vier Seiten 
langer Anhang giebt Nachweise „Jur Peststellung 
des Textes", die jedoch weniger bieten und mehr 
voraussetzen als die Variantensammlung der Ausgabe 
von Weißenbom-J. H. Müller. Als Arbeit aus 
zweiter Hand verraten sich dieselben schon durch 
die an der Spitze stehende Erklärung einer Abbre- 
viatur (Mog. = c. Moguntinns!), von welcher 
weiterhin gar nicht Gebrauch gemacht wird. Kleine 
Ungenauigkeiten fehlen nicht; so wird zu 22,4 
Frigell mit Madvig verwechselt, 22,5 Jacob Gronov 
nicht von Johann Friedrich geschieden, 56,1 als 
Lesart Madvigs angeführt, was dieser selbst auf- 
gegeben und durch Besseres ersetzt hat. Der 
Druck des Textes ist sehr gefällig; störende Druck- 
fehler begegnen nur selten, wie 5,7; 8,10; 22,4; 
44,5; 63,5. Hinter dem Texte, nicht unter dem- 
selben, stehen „Sprachliche und sachliche Er- 
klärungen". In diesen ruht der Wert der Aus- 
gabe; sie bieten das Nötige in verständlicher 
Fassung, sind aber noch weiterer Verbesserung 
fähig. So ündet sich zu den Kapiteln 40 und 41, 
welche die Rede Scipios enthalten, eine kritische 
Note über paene 40.7, die in den Anhang gehört, 
eine SteDensammlung für die Verbindung von 
quantus mit maxime 41,4, die zu dem Charakter 
des Kommentars überhaupt nicht paßt, eine An- 
merkung zu vectigalis stipendiariusque 41,7, die 
von vectigalia und tributum, aber nicht von 
Stipendium redet, eine Erklärung des Futurum 
habebitis 40,10, das im Texte durch das Präsens 
verdrängt ist. Doch ist die Ausgabe, auch wie 
sie vorliegt, mit Recht als verbesserte bezeichnet 
und wird in den Kreisen, in welchen sie bisher 
beliebt war, auch fernerhin schätzbar bleiben. 



<y — 



Denkmäler des klassischen Altertums 

zur ErläuteruDg des Lebens der Griechen 
und Rom er in Religion, Kunst und Sitte. 
Lexikalisch bearbeitet von B. Arnold, 
H. Blümner, W. Deecke, K. von Jan, 
L. Julias, A. Milchhöfer, A. Mfiller, 
0. Richter, H. von Rohden, R. Weil, 
E. Wölfflin und dem Herausgeber A. Bau- 
meister. Mit etwa 1400 Abbildungen, 
Karten und Farbendrucken. Lieferung 1 — 13. 
München nnd Leipzig 1884, R. Oldenburg, 
ä Lieferung c. 48 S. 4. mit c. 50 Abbildungen 
1 M. 

(Schluß aus No. 4.) 
In dem Artikel „Ammon" ist die Abbildung 



143 



[No. 5.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [31. Januar 1885.] 144 



in den Stil des vorigen Jahrhunderts übersetzt, 
also für nns nicht mehr zu brauchen. 

Daß von Zeus Ammon kaum eine einzige 
sichere Statue sich finde, ist zuviel gesagt; 
das Britische und das Berliner Museum besitzen 
(letzteres aus Pergamon) zwei zweifellose Statuen. 

Das Relief des Amphiaraos (p. 69) ist jetzt 
mit der Sammlung Saburofif nach Berlin gekommen. 

Über Anakreons Bild wird das Urteil nach 
den neusten Untersuchungen von Wolters (archäol. 
Zeitung 1884, Heft III p. 150 ff.) sich wohl etwas 
anders gestalten. 

Von Antinous ist zwar das beste Bild gegeben, 
doch hätten wir ihn gern auch idealisiert als Gott 
gesehen. 

Der Kopf des Apoll vom Belvedere zeigt den 
verflachenden Einfluß der Autotypie. 

In dem Artikel über Aristoteles stoßen wir 
melirfach an. Er beginnt mit einer antiken 
Charakteristik, nach welcher der Philosoph wenig 
Haare hatte, und doch zeigt die abgebildete Statue 
einen vollbehaarten Kopf. Der Widerspruch 
löst sich, wenn wir erfahren, daß der Kopf gar 
kehl Aristoteles ist. Ernst Curtins hat in der 
Archäol. Zeitung von 1880 (Band 38) p. 107 be- 
richtet, daß der Kopf des sogenannten Aristoteles 
im Palazzo Spada »sich als gamicht zu dei* Statue 
gehörig, auch aus auderm Marmor gefertigt er- 
weisen lasse". — Wenn wir ferner lesen, daß 
„Alexander dem Aristoteles in Athen eine Bild- 
säule errichten ließ, deren Inschrift wir noch be- 
sitzen", so ist das Faktum an sich schon zweifel- 
haft, von den zwei erhaltenen Inschriften aber 
ist die eine (C. I. A. in 1, no. 946) aus Ha- 
drianischer Zeit, die andere, nur von Cyriacus 
mitgeteilte (ibidem 947, bei Kaibel in der Sammlung 
metrischer Inschriften no. 847 und 848) ein Pro- 
dukt schwülstiger Rhetorenpoesie. Beide sind 
fingiert. — Von der großen Abhandlung Milchhöfers 
über Athen haben wir bereits gesprochen; es ist 
die beste der jetzt vorhandenen Topographien und 
könnte ein in sich abgeschlossenes Buch bUden. 
Wir beklagen nur noch einmal die Bilderöde. 

Die neue i^r^piepU dipx^toXo^txi] der Archäol. 
Ges. zu Athen ist den Veriassem der Artikel über 
Arzte , Asklepios sowie über Astragalen unbekannt 
geblieben, sonst hätte z. B. unter Astragal die 
folgende reizende Geschichte einer Kur im As- 
klepieion zu Epidaurus mitgeteilt werden müssen. 
Es heißt daselbst ^Jahrgang 1883 Tsuyoc xetaprov 
Sp. 230): „Eö^avr^; ^E::iöaüpioc itat;. oüto; Xt^tuv 
evsxaOsüSe * Idolt 8^ auT<j> 6 öeoc im^rac eJiretV 
ti {101 6u)9Cic, OLi Tuxa 671?! iroti^9ui ; adtoc 81 ^apiev* 



„8 ex' dlaxpaf QtXou«**. täv 8^ Oe^v ifeXa^avTa ^ot- 
jxev viv iraujeiv, apLepot; 81 ^evopieva; o^i^c i^^XOc.*) 

Vortrefflich ist der Artikel R. Weils, des vor- 
züglichen Kenners antiker Numismatik, über 
Augustus und seine Familie; er hat auch die 
übrigen römischen Kaiser behandelt und zwar so, 
daß er stets von den besten Münztypen ausgeht 
und uns dann erst die Statuen vorführt Der Text 
ist kurz und knapp, und mit Recht; denn hier 
sprechen Abbildungen deutlicher als viele Worte. 

Der Artikel über Baukunst von L. Julius 
verdient ein gleiches Lob; kurzer, klarer Text, 
mit sehr reichlichen Abbildungen. Durch seine 
Untersuchungen über Agonal- und Kulttempel, über 
den Südfiügel der Propyläen, das Erechtheion hatte 
er sich als vorzüglich geeignet für diesen Gegen- 
stand gezeigt. Die Ansicht über den Ursprung 
des dorischen Stiles wäre vielleicht etwas geändert 
worden, wenn J. den Artikel Dörpfelds über den 
antiken Ziegelbau und seinen Einfluß auf den 
dorischen Stil (aus dem Sammelbande: Historische 
und philologische Aufsätze Ernst Curtias ge- 
widmet 1884) gekannt hätte. Doch erscliien der- 
selbe erst, als der Artikel über Baukunst bereits 
gedruckt war. Der Giebel des Zeustempels von 
Akragas (No. 269, p. 273) hätte lieber leer 
gelassen als mit einer erdichteten Darstellung des 
Gigantenkampfes ausgefüllt werden sollen, welche an 
Kühnheit weit über die Pergamener hinausgeht. 
Der Artikel ist insofern noch nicht abgeschlossen, 
als Privatbauten mancherlei Art, z B. die Basi- 
lika, daiin noch nicht aufgenommen sind. Schon 
um der Tholos zu Epidaurus willen sollte auch 
noch ein besonderer Artikel über solche Rimd- 
tempel kommen, wiewohl hier schon ein Gi-ändriß 
des Philippeions von Olympia mitgeteilt ist. Ganz 
notwendig muß auch noch ein Artikel über die 
Brückenanlagen der Alten nachkommen. 

Sehr instruktiv und mit gut ausgewählten Ab- 
bildungen reich ausgestattet ist der Aufsatz des- 
selben Verfassers über die archaische Bildhauer- 
kunst. Da über die allerältesten Zeiten die 
Meinungen noch im Fluß sind (cf. Brunns letzte 
Abhandlung über architektonischen Stil in den Ab- 
handlungen der Münchner Akademie), und da 
das Material noch fortwährend wächst, war die 
beobachtete Zurückhaltung durchaus am Platze. 
Die Abbildung der sog. Tyrannenmörder nach 
einer 1859 in der Archäol. Zeitung erschienenen 



*) Wir haben über die Wunderkuren des Aa- 
klepios von Epidauros ausführlich in unserer Wocheo- 
schrift (1884, No. 31/32, Sp. 1010 ff.) berichtet 



145 



[No. 5.J 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [31. Jaauar 1885.] 146 



Lithographie gentigt heute nicht mehr, am aller- 
wenigsten in der nächsten Nähe der auf photo- 
graphischem Wege hei^estellten Bilder der Ägi- 
neten. Vermißt haben wir eine Abbildung zum 
SchOd Achills: eine der kyprischen Silberschalen 
z. B. hätte der Anschauung sehr gedient. 

Blüraners Artikel sind meist sehr knapp, ja 
zu knapp gehalten, wenn auch aus voller Sach- 
kenntnis das Hauptsächlichste bietend ; doch mtiüten 
sie weit reicher illustriert sein. 

Chor und Choregie behandelt ein ausführlicher 
Artikel. 

Zu Dionysos ist der Text zu lang; lieber hätten 
wir noch ein paar Abbildungen gesehen. Der Bronze- 
kopf aus Neapel, der früher fälschlich so benannte 
Piaton, hätte bei seiner hohen Schönheit eine 
größere Abbildung verdient, und die kleine ist noch 
dazu sehr schlecht geraten. 

Der Artikel Blümners „Eingelegte Arbeit" erman- 
gelt jeder Dlustration. Warum sind die im Texte er- 
wähnten Mykem'schen Schwertklingen nicht abge- 
bildet? Sie dürften in unserem Werke auf keinen 
Fall fehlen; vielleicht kommen sie unter „Mykenae". 

Eleusis läßt wieder die Kenntnis der icprjjispU 
dlp/aioXoYixi] vermissen. 

Bei dem Artikel „Elfenbein« fehlt jede Ab- 
bildung; Böttichers vortrefiliche Auseinander- 
setzungen über die Entstehung eines Goldelfenbein- 
kolosses (in seinem Werke über Olympia, das Fest 
und seine Stätte) hätten verdient erwähnt zu werden. 

Die Erklärung der berühmten Erzgießervjise 
(p. 506) scheint uns in einem wesentlichen Punkte 
berichtigt werden zu müssen; doch können wir 
nicht garantieren, ob wir etwas Neues vorbringen. 
Dargestellt ist das Innere einer Erzgießereiwerk- 
Btatt mit thätigen Künstlern : zwei ciselieren einen 
aufrechtstehenden Koloß, weitausschreitend, die 
Lanze zum Stoße erhoben, ^anz ähnlich wie die 
Speerkämpfer der Ägineten ; an einer andern Stelle 
der Werkstatt liegt ein nackter Mann von denselben 
Dimensionen auf einem Postament, welches deut- 
lich als die bloße Erde charakterisiert ist; es ge- 
hört zu ihm, wie der Vergleich mit der stehenden 
Figur beweist; nun steht in unserem Texte 
(Blttmner): „die auf einer Unterlage liegende 
jQnglingsfigur hat beide Arme erhoben vor sich 
ausgestreckt (wie der Adorant des Berliner 
Museum s)**. Diese Worte erwecken die Vor- 
stellung, als läge die Figur nur zeitweilig an der 
Erde, damit die Arbeiter bequemer daran arbeiten 
können, und sollte erst später nach beendigter Cise- 
liemng aufgestellt werden, um dann etwa so da- 
zustehen wie der Berliner Adorant Unmöglich 
wird diese Annahme durch Betrachtung der Füße. 



Diese sind so gestreckt, wie dies nur bei einem 
plötzlichen Fall vorzukommen pflegt, sodaß die 
Fußspitzen in die Verlängerung der Schienbeine 
zu liegen kommen und der Fuß mit dem Schien- 
bein einen außerordentlich stumpfen Winkel bildet. 
Aufigestellt aber würde die Figur nur auf den 
Spitzen der Zehen stehen können und dann noch 
eine gekrümmte Haltung annehmen müssen. Die 
Schwierigkeit hebt sich von selbst, wenn wir an- 
nehmen, daß die beiden Erzfiguren von gleichen 
Dimensionen zusammengehörten. Der Krieger hat 
seinen Gregner zu Fall gebracht, und dieser streckt 
haltlos und hülflos daliegend die Arme um Gnade 
flehend gegen ihn aus. Die Gruppe ist ähnlich zu 
denken wie das Mittelstück des Ostgiebels vom 
Tempel zuÄgina. Der falsche Vergleich mit dem Ado- 
ranten sollte nunmehr definitiv aufgegeben werden. 
Wir schließen unsere Wanderung; die Rezension 
betont ja an sich freilich immer mehr die djjwzpTTQ- 
jAaxa als die xaTopOcüiia-ca, wir wollen daher nochmals 
wiederholen, daß das Werk auch eine Menge des 
Treftlichen bietet. Für Gymnasialbibliotheken ist es 
fast unentbelirlich. Viele der bedeutendsten Artikel 
stehen noch aus, z. B. der von Richter über Rom ; 
möchten die mythologischen Aufsätze etwas kürzer 
werden und die technologischen weit reicher illu- 
striert! Auf die Stadtpläne und die landschaftlichen 
Ansichten wird mehr Sorgfalt verwendet werden 
müssen, wenn andei-s das Urteil der Leser nicht 
ein sehr geteiltes bleiben soll. Wir sagen dem 
Herausgeber unseren Dank und wünschen seinem 
Werke den besten Fortgang. Chr. B. 



Germain Bapst, Etudes sar l'etaiu 
dans l'antiquite et au moyen-äge, orffe- 
vrerie et Industries diverses. Paris 1884, 
G. Massen. X, 330 S. mit 10 Tafeln Abbil- 
dungen. 10 fr. 

Der Verf. hat sich in der Geschichte des Kunst- 
gewerbes durch mehrere Spezialschriften bereits 
einen Namen gemacht (z. B. üeux öventails du 
Mus^e du Louvre, Paris 1882. L'imprimerie et 
la reliure, Paris 1883). Hier erhalten wir nun 
ein großes, mit einer Reihe von Tafeln ausge- 
stattetes Buch über das Zinn im Altertum und 
Mittelalter. Vom kunstgewerblichen Standpunkte 
aus betrachtet ist der zweite weit größere Teil 
ohne Frage auch der weit wichtigere und lohnen- 
dere; wir haben uns jedoch hier nur mit der 
magereren ersten Hälfte zu befassen. 

Im ersten Kapitel erklärt sich der Verf wie 
auch der von ihm nicht gekannte K. B. üofmann 
im XLL Jahrgang der Berg- und Hüttenmännischen 



147 [No. 5.] 



BERLINER PaiLOLOGlSGHE WOGBBNSGQRIFT. [31. Jaauar 1885] 148 



Zeitung für die Bedeutung des Homerischen xadoir 
xepoc^Zinn: gewiß mit Recht; an Zink oder 
Werkblei darf nicht gedacht werden. Hinsichtlich 
des Namens xaajtxepoc kommt B. zu keiner klaren 
Auffassung. Das eiüe Mal ist es ihm das semitisch- 
ägyptische Kaspa-Khespet (S. 2), das andere Mal 
leitet er das Wort und die Entdeckung des Metalls 
aus Indien, sanskr. Kastira, her (S. 11). Das 
altindische Kastira ist spät beglaubigt, erweist 
sich nach dem Petersburger Wörterbuche als ein 
Fremdwort, und die Geschichte selbst zeigt uas 
die richtige Wortauffassung. Das semitische Kaspa 
(hebr. Kesep, chald. Kaspä) bedeutet Silber, mit 
dem Sufüx bedeutet es eine Modiiikation des Silbers, 
häufiger eine Art Talmisilber. Sehr schön ist die 
Übersicht des Verf. über den Zinnhandel im Alter- 
tum, obgleich er hierbei leider die wichtigen Unter- 
suchungen Mtillenhoffs in seiner deutschen Alter- 
tumskunde übersehen hat, gerade wie dies auch 
C. £. V. Baer in seiner Abhandlung über das Zinn 
(Histor. Fragen IV. Abschnitt) gegangen ist. B. 
findet zuerst im grauesten Altertum eine Epoche 
des Zionimports aus dem Innern von Centralasien 
nach dem Occident: aus den uralten Zinngruben 
von Korassan brachten die Karawanen das zum 
Bronzeguß unentbehrliche Metall an das Mittelmeer. 
So war es bis zur Gründung von Sidon und Tyrus. 
Jetzt kam das Zinn auf den phönikischen Schiffen 
aus Indien. Diese Idee, welche beim Verf. mit 
der eben zurückgewiesenen Auffassung des Wortes 
xa99iTepo; als eines Lehnworte aus dem Sanskrit 
zusammenhängt, erscheint uns weniger plausibel. 
Jedenfalls wird doch wohl daneben der Karawanen- 
handel aus Centralasien mindestens die gleiche Be- 
deutung wie der indische Zinnhandel gehabt haben. 
Die dritte Periode des Zinnhandels ist die Zeit 
des Importe von den westeuropäischen Ländern 
nach dem Mittelmeer: aus Galläcien in Spanien, 
aus Britannien — von den berühmten Zinninseln 
Kassiteriden — und aus der Bretagne; doch 
scheinen die Gruben in Frankreich, wo jetzt noch 
ein Zinnkap (Kap Pennestin) existiert, nicht vor 
dem J. 200 v. Ch. ausgebeutet worden zu sein 
(Bapst S. 17). Über den Transport des Zinns 
auf Maultieren quer durch Ghdlien hindurch nach 
den Endpunkten des Handels, Massilia und Narbo, 
haben wir bekanntlich genaue Überlieferung. 

Die alten Kulturvölker brauchten das Zinn, 
welches sie in rohem Zustande von den Barbaren 
kauften, erstens zur Bronzefabiikatiou, wie sie 
selber oft genug erwähnen, zweitens zum Schmuck 
der Rüstungen (so bei Homer), drittens zur Her- 
stellung von 21innfiguren und Zinngeräten. Auch 



die Barbaren der Pfahlbauten und der vorrömischen 
Grabhügel erfreuten sich manchmal an zinnernen 
Gegenständen (S. 23—27). B. meint (S. 29), die 
Industrie sei wohl schon aus der indogermanischen, 
gemeinsamen Heimat in Asien mitgebracht worden ; 
dagegen spricht aber die Verschiedenheit der Be- 
nennungen im Deutechen (Zinn), Lithauischen 
(alvas), Griechischen, Lateinischen. Das lateinische 
Wort lautet, wie ich hier gelegentlich bemerken 
will, richtig geschrieben und gesprochen stagnnm, 
nicht stannum: dies ist eine nachklassische 
Form. Die handschriftliche Tradition der alten 
Autoren, soweit sie mii* bekannt ist, bietet stagnum, 
und diese Form, nicht stannum, wird auch von 
den romanischen Sprachen: Italienisch, Spanisch, 
Portugiesisch, Proven^alisch, Französisch vorausge- 
setzt (Diez, Romanische Wortechöpfung S. 62). 
Stagnum kommt nicht von stak = starr, woher 
,,Stange, Stengel, Stahl* (Fick, Vergleichendes 
Wörterbuch S. 209), sondern, wie ich bestimmt 
glaube, von stak = tax (ttJxco) schmelzen, tropf- 
bar werden; denn das Zinn ist das am leichte- 
sten schmelzende Metall. 

Abgesehen von den homerisch-hesiodischen In- 
krustationsarbeiten aus Zinn auf den Schilden 
Achills, Agamemnons, Henüdes' lesen wir von 
Spiegeln aus einer Verbindung von Kupfer mit 
(sehr viel) Zinn; der Hauptfabrikationsort war 
Brundisium (Bapst S. 35). Zu ViteUius' Zeit er- 
setzte man die goldenen und silbernen Kunstwerke 
der Tempel durch messingene und zinnerne. Bapst 
hat aber keine derartigen Objekte in den Museen 
entdecken können. Viel gebräuchlicher war das 
Metall zu einfachen Grebrauchsgegenständen , za 
Ktichentöpfen und Tafelgeschirr. Als besonders 
gesundes Metall nahm man es mit Vorliebe zur 
Aufbewahrung und Bereitung von Medikamenten. 
Ich füge zu den von ^. angeführten Stellen noch 
Cassius Felix c. 42 und Dioskorides mat. med. 
I 33 und 38 hinzu. Auch zum Eiokochen von 
Obst und Weinmost und zu gewissen chirurgischen 
Instrumenten wird Zinn verwendet. Die sehr 
wenigen erhaltenen antiken Zinnobjekte — das 
Zinn ist ja eines der wenigst haltbaren Metalle — 
sind aufgezählt bei Bapst S. 41—46; sie sind auch 
zum Teil abgebüdet auf Taf. ü. Unter den litte- 
rarischen Zeugnissen habe ich vermißt die „5 zin- 
nernen Ohrgehänge" unter den Weihgeschenken 
auf der athenischen Akropolis (Dittenberger, Sylloge 
inscr. Gr. No. 366 b p. 506). Schade, daü der 
Verf. nicht die Zinnfiguren eines Kinderlarariums 
von Pesaro hat abbilden lassen; ähnliche Figuren 
findet man in den Gräbern von Euvo. Es wurde 



149 



[No. 5.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [31. Januar 1885.] 150 



also das Zinn gleich dem Blei auch za funerären 
Zwecken verwendet. 

Die Kupst des Verzinnens sollen nach Plinius 
dieBitnriger entdeckt haben; Bapst will ihnen ihr 
Verdienst schmftlern, indem er (S. 52) zu beweisen 
versucht, daß die Europäer diese Fertigkeit schon 
aus ilirer asiatischen Heimat mitgebracht haben, 
da ja auch die einwandernden Germanen sich auf 
diese Kunst verstanden. Dieser Beweis scheint 
uns nicht g^enügend Warum sollen die Gallier 
nicht jene Kunst wirklich auf französischem Boden 
erfunden haben? Es liegen doch etliche Jahr- 
hunderte zwischen der Zeit, wo die Bituriger jene 
Eründong gemacht haben soileU; und zwischen dem 
Einrücken der Allemannen und Franken — Der 
übrige Teil des Buches ist dem Mittelalter ge- 
widmet. 

Im allgemeinen können wir unumwunden dem 
fleißigen und vielgereisten Verf. unsern Dank für 
die fast erschöpfende Monographie aussprechen. 
Eine wirkliche Ausstellung jedoch können wir ihm 
nicht ersparen; sie betrifft die Menge ungenauer 
oder unpassender Citate. So lesen wir M. Van 
Baer (S. 8) statt M. von Baer, G^rard Jean Voscius 
(S. 10) statt G. J. Vossius, S. 14 Pith^as statt 
I^rtheas, S. 23 PoUua, onosmaticum statt Pollux, 
onomasticon — darauf eine Blumenlese falsch ge- 
schriebener griechischer Worte; S. 24 Joseph Boer 
statt Baer, S. 33 f. wird Aristoteles, dem „großen 
Phüosopben*, eine abgeschmackte Notiz der mi- 
rabiles auscultationes zugeschrieben; S. 35 citiert 
Verf. Johnstons Übersetzung von Beckmanns Ge- 
schichte der Erfindungen als aus dem J, 1546; 
S. 40 figuriert Carolus Gottloh. Rühn (sie) als 
Editor der Medici graeci. Ganz unverständlich ist 
ebenda das Citat : Plinius Valerianus, C. Plinii se- 
cundi (sie) cap. XXI. Es ist schade, daß sich 
der Verf. nicht bei der Korrektur von einem Phi- 
lologen hat unterstatzen lassen; doch sind die 
Fehler, wie man sieht, so auf der Oberfläche 
liegend, daß sie dem Altertumsforscher von Fach 
wenig schaden können: der reelle Wert der Mono- 
graphie wird dadurch kaum beeinträchtigt. 

Prag. 0. Keller. 



N. Kmschewski, Otscherk nauki o 
jaanikje. (Grundrifsder Sprachwissenschaft.) 
Kasan 1883, Eaiserl Uuiversitätsdrackerei. 
II, 148 8. 8. 

Der Verfasser des uns vorliegenden gehalt- 
vollen ^Grundrisses der Sprachwissenschaff*, Dozent 
an der Universität Kasan, betont in der Einleitung 



mitB^cht die Mängel, welche die die sprachgeschicht- 
liche Foi'schung bisher fast ausschließlich be- 
herrschende experimentelle Methode der gegen- 
seitigen Vergleichung der einzelnen Sprachen und 
Sprachformen aufweist. Von seinem Lehrer 
Baudouin de Courtenay zu sprachwissenschaft- 
lichen Untersuchungen angeregt, stellt sich der 
Verfasser die Aufgabe, durch das Studium der 
lebenden Sprachen und unter Berücksichtigung 
ebensowohl der psychologischen wie der physio- 
logischen Momente die Gesetze aufzuzeigen, welche 
die Entwicklung und die Veränderungen der 
Sprache bestimmen. Er beginnt seine Unter- 
suchung mit einer Analyse der verschiedenen 
Elemente der Sprache bis auf die das Wort 
bildenden Lautkomplexe und die einzelnen Laute. 
Auch der scheinbar unzerlegbare Laut ist nichts 
weniger als ein einfaches, scharf und allseitig zu 
bestimmendes, unter allen Umständen sich gleich- 
bleibendes Element der Sprache, sondern vielmehr 
das Resultat von höchst komplizierten, von den 
verschiedensten Organen auszuführenden Bewe- 
gungen, und als solches von mannigfach wech- 
selnden physiologischen Bedingungen abhängig und 
unendlich variabel. Wenn gleichwohl die von uns 
gesprochenen einzelnen Laute in akustischer und 
physiologischer Hinsicht annähernd die gleichen 
sind, so ist dies nur aus dem den physiologischen 
Vorgang begleitenden „Muskelgefühl" („Bewegungs- 
gefühl" nach Steinthal und Paul) erklärlich; indem 
dieses uns ein Bild der früheren Aussprache des 
betreffenden Lautes einprägt, wird es uns er- 
möglicht, die mit jenem Erinnerungsbilde assoziierten 
Bewegungen in annähernd gleicher Weise wieder 
hervorzubringen. Dennoch wird im Laufe der Zeit 
eine allmähliche Veränderung in der Aussprache 
der einzelnen Laute erfolgen, weil die zeitlich 
späteren Lautbilder, zusammen mit ihren zufälligen 
Variationen, im Gedächtnisse ungleich fester und 
nachhaltiger haften bleiben als die früheren. So 
kann es geschehen, daß unbedeutende Variationen 
in der Aussprache, nach einer bestimmten Richtung 
fortschreitend, Bestand gewinnen und das Lautbild 
mehr und mehr verändern. Von dem Gedanken 
ausgehend, daß diese Lautveränderungen nach fest- 
stehenden und für alle Sprachen maßgebenden 
Normen erfolgen, sucht der Verfasser in den 
folgenden Kapiteln jene Gesetze in der Ent- 
wicklungsgeschichte der Sprache und namentlicii 
in den phonetischen und morphologischen Verän- 
deningen des Wortes nachzuweisen. Ein näheres 
Eingehen auf die in anziehender und übersicht- 
licher Darstellung vorgetragenen Ausführungen 



151 



[No. 5.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [31. Januar 1885.] 152 



des Verfassers müssen wir nns hier versagen. 
Was dessen allgemeine Auffassung der sprachge- 
schichtlichen Probleme anlangt, so berührt sie sich 
zum Teil sehr eng mit H. Pauls „Prinzipien der 
Sprachgeschichte" , denen sie jedoch durchaus 
selbständig gegenübersteht. Die uns vorliegende 
Schrift bezeichnet sich im Übrigen als einen 
nur vorbereitenden Grundriß einer für künftig in 
Aussicht gestellten, ausführlichen und erschöpfenden 
Behandlung der Geschichte der Sprache; es wäre 
zu wünschen, daß der Verfasser dieses Werk, das 
sicherlich nicht allein von der Spezialforschung 
mit Interesse aufgenommen w^erden wird, gleich 
seiner früheren Schrift „über die Lautabwechslung" 
(1881) in deutscher Sprache erscheinen ließe. 
Würzburg. Herman Haupt. 



E. B^noistet J.Favre, Lexique latin- 
frauvais ä Tusage des examens du bacca- 
laur^at fes lettres. Paris 1883, Garnier- frferes. 
XVI, 1006 p. 4. Lwdbd. 5 fr. 

Die Verfasser haben die in diesen Blättern 
schon besprochene französische Examensordnung mit 
Freuden begrüßt und versprechen sich von einem 
Wörterbuche, welches, wie jenes Edikt verlangt, 
möglichst knapp gehalten ist, die besten Erfolge. 
Lexika wie unsere größeren Werke von Georges, 
Freund, Klotz müßten mit ihren vielen Kategorien 
bei jedem Worte, ihren Stellenangaben mindestens 
störend wirken, wenn nicht geradezu verdummend, 
da die Verf. in dem Nachschlagen und Suchen 
nach der richtigen Bedeutung nur etwas rein Me- 
chanisches erblicken, wobei die eigentliche Thätig- 
keit des Geistes minimal sei. Dafür werden hier 
nur die hauptsächlichst vorkommenden Bedeutungen 
aufgezählt, ohne daß gerade sparsam damit ver- 
fahren wird, und der Gebrauchende soll seinen Esprit 
nun am Herausfinden des Passenden bewähren. 
Nun sind wir zwar weit entfernt davon, unseren 
bis ins Unzählige und Unselige angeschwollenen 
SpezialwörterbücheiTi das Wort reden zu wollen; 
aber methodisch richtig kann doch nur ein Wörter- 
buch sein, welches von der Grundbedeutung aus- 
geht und die verschiedenen Gebrauchsweisen ge- 
wissermaßen daraus hervorwachsen läßt. Die 
Schüler an ein solches Aufschlagen zu gewöhnen, 
ist eben Sache eines richtig geleiteten Unterrichts. 
Nur auf diese Weise wird ein klares Bild von dem 
Gebrauche zum Weiterbauen entstehen. Im anderen 
Falle aber wird man bei jeder Gelegenheit stets 
wieder zum Wörterbuche greifen müssen. Im 
übrigen werden wir uns hier überhaupt nicht mehr 



auf ein Wörterbuch in einem Examen einlassen 
wollen, nachdem wir es glücklich beseitigt haben. 
Der Examinand muß bei uns eben ein gewisses 
Maß auch von Wortkenutnis haben, sodaß er, 
wenn er genügen soll, eine vorgelegte Stelle for- 
mell wie materiell versteht. Und ob die darin vor- 
kommenden Vokabeln dem Wissenskreise des 
Schülers nahe oder fem liegen, das zu beurteilen 
dürfte doch auch nicht auf so viele Schwierigkeiten 
stoßen, als die Verf. befürchten. 

Die angegebenen Bedeutungen sind durchweg 
reichhaltig und präzis. Die Formen, auch die sel- 
teneren, sind aus Neue ausgeschrieben. Die Quan- 
titäten sind richtig angegeben; aufgefallen ist 
mir colöbra. In der Orthographie ist das Be- 
streben erkennbar, die neueren Arbeiten zu ver- 
werten, wenn auch kein bestimmtes Prinzip 
durchgefühlt ist. Immerhin ist es z. B. als unter- 
scheidend von ähnlichen Arbeiten in Frankreich 
hervorzuheben, daß describo und discribo, despicio 
und dispicio richtig ausemander gehalten weixien. 
Dabei sind stets die verschiedenen Schreibweisen, 
die noch im Gebrauche sind, angegeben. 

In bezug auf den Wortschatz sind die Verfasser 
wie in zahlreichen anderen Dingen ausgesprochener- 
maßen der neuesten Auflage des Georgesschen 
llandwörterbuchs gefolgt Sie halten nicht mit dem 
Lobe zurück, dies sei das Beste, was in Europa 
auf dem Gebiete der Lexikographie geleistet sei 
Wenn dies auch recht anerkennenswert ist, so 
dürfte man doch von jemandem, der ein Wörter 
buch herausgiebt, etwas weniger sichtbare Abhängig- 
keit verlangen. Auf irgend welche Selbständigkeit 
kann aber das Buch keinen Anspruch machen. 
Sobald ein Wort sich bei Georges findet, auch 
wenn es für den Sondergebrauch, den Verf. beab- 
sichtigt, ganz überflüssig ist, trifft man es auch 
hier an. AMes, was darüber hinaus liegt, Dinge, 
die doch wenigstens vereinzelt dem einigermaßen 
selbständigen Forscher hätten aufstoßen müssen, 
wird man vergebens suchen. Ungemein bezeichnend 
ist hierfür z. B. cerineu8=cerinus C. I. L. VIII 212, 
88. Da es bei Georges st^ht, haben es auch dessen 
französische Kollegen. Dagegen albaris ib. VIII 73, 
6. 1141. 1310, 3 ist nicht aufgenommen. Und so ifl 
vielen hier nicht näher nachzuweisenden Fällen. 
Wir empfehlen den Verfassern die schon 1878 er- 
schienene Straßbnrger Doktordissertation von Max 
Hoffmann, Index grammaticus ad Africae provin- 
ciarum Tripolitanae Byzacenae proconsularis titulos 
latinos Wer die neuesten Ausgaben des Plautns 
oder Petronius benutzt, würde ebenfalls anerkannte 
Lesarten in diesem Lexikon nicht finden. — Originell 



153 



[No. 5.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [81. Januar 1885.] 154 



ist, daß die Yerf. Sorge getragen haben, de n'y 
introdoirc ancnn terme qni blesse la d^ence. — 
Der Drnck ist deutlich und korrekt. 

GiesAen. P. Dettweiler. 



III. Auszüge aus Zeitschriften, Pro- 
grammen und Dissertationen. 

Pbilologifleber Anzeiger 1884. No. 8. n. 9. 

(421—422) A.Rzaoh,BeiträgezuHe8iodos, Die 
«tüchtige» methodische Aibeit'' wird im wesentlichen 
anerkennend besprochen. (R Peppmüller). — 
(429—431) I. GUbert, Meletemata Sophoclea, 
, zeigt selbständiges Nachdenken und macht hie und da 
auf Schwierigkeiten aufmerksam, die bisher über- 
sehen sind, wenn man auch die Emendationen nicht 
bUIigen wiU« (F. Kern). — (431-432) E. Müller, 
Beiträge zur Erklärung und Kritik des 
Königs Ödipus des Sophokles. „Die ganze 
Ausführnng bleibt in der bekannten Königsrede 
216 ff. stecken; manches von dem Vorgebrachten ver- 
dient Beachtung und ist geeignet, denjenigen, der 
anderer Ansicht ist, stutzig zu machen^. Dennoch lehnt 
Rez. das Resultat der Arbeit ab. (N. Weck lein). 
— (433—435) M. A. Martin, Les scolies du ma- 
nuserit d' Aristophane ä Ravenne. «In gewissem 
Sinne eine Vorarbeit für eine Ausgabe der Ari- 
slophanesscholien; doch hat der anerkennenswerte 
FleiB nicht die versprochenen Resultate geliefert" 
(L, Cohn). — (435— 438) W. Gemoll, Unter- 
suchungen über die Quellen, den Verfasser 
und die Abfassangszeit der Geoponica. Im 
wesentlichen anerkennendes Referat über die nach 
ihren Ergebnissen gelongene Untersuchung (Gg. 
Helmreich). — (438-442) T. Macci Plauti 
comoediae rec. J. L. üssing IV. 2. (Pseudolus 
et Poenulus.) Auch dieser Band ist, wie seine Vor- 
gänger, nicht geeignet, als Grundlage für kritische 
Studien zu dienen; die Textkritik der beiden Stücke 
ist nur wenig gefördert. Der Kommentar ist ebenso 
uagründlich und oberflächlich wie zu den früheren 
Stücken (0. Seyffert). — (442 - 450) A. Gellii 
Noctinm Atticarum libr. XX ex rec. et cum 
app. crit. Martini Herz L «Für langes Harren 
werden wir durch die Gediegenheit und Reichhaltig- 
keit des Werks entschädigt, das einen großen Fortschritt 
gegen die Textausgabe von 1883 bezeichnet'' (Th. 
Vogel). — (450—455) 6, Landcrraf, CicerosRede 
für Sex. Roscius. Mit den Testimonia vetcrum 
and dem Scholiasta Gronovianus. I. Hälfte. 
A« Eberhard rügt manche Fehler in der Einrichtung, 
erkennt aber FleiD, Gründlichkeit und Besonnenheit 
in der Textrezension an. Er selbst fügt einige Be- 
merkungen zu den Schollen hinzu. — (455 — 458) 
0. Landgraf, Ciceros Rede für Roscius. Für 
den Schulgebrauch erklärt , Beruht auf selb- 



ständigen, tüchtigen Sprachstudien von weiterer Aus- 
dehnung: die Auswahl ist mit verständigem Takt ge- 
troffen, die Fassung wäre manchmal anders zu 
wünschen, dem logischen Element größerer Raum zu 
gewähren" (A. Eberhard). — (458-463) H, Rubner, 
De oratoris Tulliani codice Laurentiano. 
Eine sorgfältige Arbeit, doch fällt Verf. über die codd. 
mutili ein zu günstiges Urteil (H. Deiter). — 
(463—467) L. Lange, De sacrosanctae potestatis 
tribuniciae natura eiusque origine commen- 
tatio. Trotz seiner abweichenden Ansichten ge- 
steht Ref. zu, daß die Abhandlung neben der gründ- 
lichsten Erörterung der Hauptfrage auch anderweitige 
Belehrung mannigfacher Art enthält (E. Herzog). — 
(467 — 468) A. Eisenlohr, Die Anwendung der 
Photographie für Monumente und Papyrus- 
rollen. „Die in dieser dankenswerten Schrift nament- 
lich empfohlenen Platten können auf der Reise mit- 
geführt werden, ohne vor dem Gebrauch eine noch- 
malige chemische Behandlung zu erfordern". Zum 
Schluß giebt Ref. ein von ihm beim Photographlercn 
von Papyri mit Erfolg eingeschlagenes Verfahren an 
(H. Landwehr). 



PhUologischer Anzeiger 1884. No. 10 u. 11. 

(489— 497) Leo Meyer, Vergl. Gramm, d. griech. 
u. lat. Sprache. I 1. 2. Aufl. C. Angermann 
vermißt in der Lautlehre eine echt wissenschaftliche 
Darstellung; zur Rekonstruktion des gräco-italischen 
Lautbestands ist das Latein zu ausschließlich ver- 
wandt, die einschlägige Litteratur nicht ausgiebig be- 
nutzt, störend wirkt die geringe Übersichtlichkeit. — 
(497-499) C. Paneker, Supplementum lexi- 
corum lat fasc. I — IV, bietet eine große Fülle von 
neuen Wörtern und von neuen Belegen. Die Schlüsse, 
die sich ziehen lassen, sind ebenso mannigfaltig als 
interessant (Ph. Thiel mann). — (499-503) Chro- 
nikon Parium rec. J. Flach, und £. Dopp, 
Quaestiones de marmore Pario. „Beide Arbeiten 
hätten am zweckmäßigsten eine einzige gebildet. 
Ober Dopps Untersuchungen hinaus bietet Flachs 
Ausgabe wenig Neues, ihr größter Wert liegt in 
A. von Gutschmidts Notizen** (U. Landwehr). — 
(503 — 509) G. Ellger, Die Zusätze zu dem Pro- 
oemium der liesiodischen Theogonie. R. 
Peppmüller erkennt trotz abweichender Ansichten 
dieser Untersuchung Besonnenheit und Methode zu. 
— (509—510) Xenophons griech. Geschichte 
erklärt von B. BiiehBenschfitz. L H«ft 5. AufL 
W. Studemund bezeichnet die Unsicherheit über 
die Lesarten der codd. in dieser wie in anderen Aus- 
gaben der üellenica als peinlich berührend und giebt 
Winke für die Herstellung einer kritischen Ausgabe. — 
(510—514) C. F. Arnold, Untersuchungen über 
Theophanes von Mytilene und Posidonius 
von Apamea. „Lfißt sorgföltiges Studium und eine 
gewisse Sicherheit in methodischer Behandlung quellen- 
kritischer Fragen erkennen* (L. Cohn). — (514—522) 



155 



[No. 5.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [3t. Janaar 1885.] 156 



Appiani Historia Romana I. IL ed. L. Mendels* 
8obn. Die Ausgabe hilft einem driogeDden Bedurfuis 
ab; die Hss sind sorgfältig verglichen, die Ver- 
besserungen empfehlen sich durch ihre Einfachheit 
(Loesch). - (522-524) W. Halbfass, Die Be- 
richte des Piaton und Aristoteles über Prota- 
goras mit besonderer Berücksichtigung 
seiner Erkenntnistheorie. H. v. Kleist kann 
bei aller Anerkennung der Gelehrsamkeit and des 
vom Verf. verwandten Scharfsinns nicht finden, daß 
es ihm gelungen sei, seine These wahrscheinlich zu 
machen.— (524— 531)OltoCnifliuB, Analecta critica 
ad paroemiographos Graecos. „Eine aufgründ- 
lichen Studien und umfassenden Kenntnissen beruhende, 
soi^f&ltige und ergebnisreiche Arbeit" (L. Cohn). 
— (581 — 548) A. Schlenssingrer, Studie zu Cä- 
sar s Rh ein brücke. Die Arbeit hat die Erklärung 
des Cäsarschen Brückenbaus um nichts gefordert, wohl 
aber eine Menge von Irrtümern zu tage gebracht 
(H.J. Heller).— (548- 554)P.Natorp, Forschungen 
zur Geschichte des Erkenntilisproblems im 
Altertum. Protagoras, Demokrit, Epikur und 
die Skepsis. „Sehr beachtenswerte Beiträge zur 
nShereu Erkenntnis eines Gebietes, welches neuer und 
eingehender Forschung immer noch in hohem MaDe 
bedürfüg ist- (H. Siebeck). - (554-562) H. Matzat, 
Römische Chronologie. L Bd. Grundlegende 
Untersuchungen. IL Bd. Rom. Zeittafeln von 
506 — 219 V Chr. „Macht den Eindruck einer Diiet- 
tantenarbeit , die über das von andern bereitete Ma- 
terial nirgends hinaus geht und eine große Prätension 
zur Schau trägt; dem Verf. fehlt zum röm. Chrono- 
logen fast alles* (B. Niese). — (562-567) B. Herzog:, 
Geschichte und System der röm. Staatsver- 
fassung. I. Bd.Königszeitund Republik. „Selbst 
die klare und anziehende Darstellung hinterläßt (am 
meisten in der älteren Periode) ein gewisses Gefühl 
mangelnder Befriedigung infolge der vielfachen Zer- 
reißung des Stoffes. In Methode und Ansichten viel- 
fach von Mommsen ausgehend und in vielem an diesem 
festhaltend, trennt sich der Verf. doch in wesentlichen 
Punkten von demselben** (H. Genz). 



Jahresbericht fiber die Fortschritte der klass. 
AltertamswiBsenschaft. XII. Jahrg. 1884, Heft 
1 u. 2. 

Bd. 40 p. 1 — 50 : M Curtze, Bericht über die in 
betreff der exakten Wissenschaften im Altertum 1879 
bis Schluß 1 883 erschienenen Werke, Schriften und Ab- 
handlangen. Nebst Nachtrag: Fr. Haltsch, Über 
Uenry Martins Memoires sur l'histoire des hy- 
potheses astronoroiques chez les Grecs et les Romains 
(p. 50a— 50 A). — p. 51—87; Th. Paschmann, Be- 
richt über die Medizin bei Griechen und Römern. 
— p. 82—140: K. Georgres, Bericht über lateinische 
Lexikographie. — p. 141—182: Uangr, Die Litteratur 
über römische Epigraphik. — p. 183-192: H. Schiller, 
Jahresbericht über die römischen Staatsaltertümer. 



Wiener Studien. Zeitschr. f. klass. Philologie. 
VI. Jahrg. 1884. 1 Heft. Wien, (Gerold 1834. 

(1—22). H. Swoboda, Die Überlieferung der 
Marathonschlacht Für die Kenntnis der Schlacht 
von Marathon, der ihr voraufgehenden Ereignisse und 
ihres Verlaufes müssen wir allein von Uerodots Bericht 
als Grundlage ausgehen. — (23—29) J. Zycha, Ist 
die 16. und 20. Rede des Isokrates ver- 
stümmelt überliefert? Beide Reden sind vollst&ndig 
erhalten.— (29-50) A. Kaoz,Über die Echtheit 
zwei-er Psephismen in der pseudoplutarchi- 
schen Schrift »Leben der zehn Redner*". Es 
handelt sich um die beiden Bittgesuche des De- 
mochares und des Laches. Nach dem Abdruck des 
Textes wird zuerst die Form besprochen, dann 
der Inhalt des ersten. Schluß folgt — (59 —73) 
A. Zingerle, Zu Ovids Metamorphosen. Verf. 
bring.t neue Beispiele für AllitteraÜon und Assonanz 
bei Ovid und behandelt dann eine Reihe kritisch 
schwieriger Stellen aus den Metamorphosen, VII 741. 
IX 416. I 840. II 313. 376. III 52. VI 605. 660. XV 464. 
VII 464. 777. Vni 117 f. 145. IX 74. 492. X 687. 
XI 637. XIII 51. 851. f. XIV 588 ff. 765. IX 7 12. XIII910. 
XV 122. II 11 ff. XIV 739 f.— (73-97) H, Sohenkl, 
Z ur Textesgeschichte der Belogen desCalpur- 
nius u. Nemesianus (Schluß). Das Resultat der 
Erörterungen ist S. 95 in Gestalt eines graphischen 
Schemas gegeben. Anhangsweise folgen die Lesarten 
des Ambros. sup. u. des Vatic. 3152. — (97)A» Bauer, 
Plut. Them. c. 4. Ist nicht mit Koraes u. van 
Herwerden zu ändern — (98 — 120) W. v. Harte!, 
Analecta. Behandelt eine große Anzahl Stellen aus 
Frontins Strateg. — (121-127) 0. Hirschfeld, Be- 
merkungen zu der Biographie des Septimius 
Severns. Behandelt c 1, 3. 2, 2. 6. c. 6. 13. 19,5. 
22, 1. — (127 f.) 0. Hirschfeld, Die Annalen 
des C. Fan nius. Das ganze Werk wird eine ziem- 
lich große Zahl von Büchern umfaßt haben; ob der 
Geschichtschreiber Fannius mit dem Schwiegersohn 
desLaelius identisch sei, ist sehr fraglich. — (129— 135) 
Fr. StohB, Angeblicher Ausfall des intervo- 
kalischen s im Lateinischen. Intervokalisches s 
wurde im Italischen tönend gesprochen und verfiel 
daher teils dem Rhotazismus (umbrisch, lateinisch), 
teils ward es in der Schrift durch z bezeichnet 
(oskisch); tonlos gesprochenes intervokalisches s und 
somit Aasfall desselben in den lateinischen Sprachen 
ist nicht nachweisbar. — (136-141) Fr. Stola, Zur 
lat. Deklination. 1. Zu den i Stämmen. Es 
bleibt nichts übrig, als der histor. Grammatik ein- 
zuräumen, daß die Priorität der Formen des Akk. Plur. 
auf es alle Wahrscheinlichkeit für sich hat 
2. Flexion des Komparativs. Wie im Griech. 
neben dem starken Stamm :cX£io/a- der schwache 
z>v;£-j- erscheint, so muß im Lat. maions-neben maies- 
bestanden haben. — (142-148) H. St. Sedlmayer 
Beiträge zur Geschichte der Ovidstudien im 
Mittelalter. Notizen über den Dichter und seine 



157 



[No. 5.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [31. Jaouar 1885.] 158 



Werke aus meist italieDischen HaDdfcbriften and Ab- 
druck zweier Gedichte de quattuor hoiDoribus und de 
lamaca sowie eines Stückes aas einem mittelalterlichen 
Kommentar lu den Heroiden. — - (158) W. v. Hartel, 
Pbaedras I 16, 1. Für videre scr. indere. 
Wien, R. Bitschofsky. 



Journal des Sarants, Oktober 1881 
p. 557: A. Graf, Roma nclla memoria del 
medio evo. Analyse von G. Paris. Die Republik 
hat im Gedächtnis des Volkes keine Erinnerung hinter- 
lassen. Von den Vorstellungen, welche sich das 
Mittelalter über Roms Kaisergeschichte machte, 
enthalten die verschiedenen „Gesta Romanorum^' 
eine Quintessenz, so die ums Jahr 1130 abgefaßte 
deutsche Reimchronik und die ein Jahrhundert 
jüngeren französisch geschriebenen Gesta des Calendre. 
Die Namen der hier erwähnten römischen Kaiser sind 
reine Phantasioi und wenn ausnahmsweise ein reeller 
Kaisemame vorkommt, so hat die damit verbundene 
Geschichte keinen Zusammenhang mit der wirklichen 
Historie. Die merkwürdigste Romsage, die schon im 
7. Jahrhundert auftretende Wundergeschichte von der 
Salvatio Romae, ist nicht original, sondern eine 
durch byzantinische Vermittlung importierte Um- 
wandlung eines echt orientalischen Märchens. Die 
verbreitetste Form der „Salvatio'^ war folgende. Im 
Kapitol standen rings um das goldene Kolossalbild 
der herrschenden Roma die Statuen der unterworfenen 
Provinzen, jede mit ihrem Namen auf der Brust; 
sobald eine Provinz mit Aufruhr drohte, wendete sich 
ihr Steinbild im Kapitol von der sie beobachtenden 
Rofba ab und eine Glocke ertönte; alsbald wurde 
das stets marschbereite Heer in das bedrohte Land 
gesendet und die Rebellen überrascht und bezwungen, 
bevor sie Zeit zur Verteidigung gewonnen. Auf 
einen arglistigen Rat ließ einst ein Kaiser das 
warnende Romabild umstürzen, da unter ihm ein 
Schatz vergraben sein sollte. Seitdem war es mit 
der Salvatio Romae zu Ende. — Zum letzten, in- 
teressantesten Teile des Buches, welcher die Sagen 
über die römischen Poeten behandelt, bemerkt Hr. 
Paris, daß sich der Verf. wohl irre, wenn er den 
Boethius für einen Christen aus christlicher Familie 
halte; hier sei ihm die entscheidende Uütersuchung 
Useners (Über das Zeugnis Cassiodors, 1877) unbe- 
kannt geblieben. — p. 593: Victor Coasin, Histoire 
g^n^rale de la Philosophie, 12. Auflage. 'Die 
beste aller Geschichten der Philosophie'. — p. 594: 
Kurzes Referat zu Cros et Henry^ L*encaustique 
chez les anciens. Histoire et technique. Wird 
sehr gerühmt — p. 594: G, Scblamberger^ Si- 
gillographie byzantine. 'Diese bisher gänzlich 
unbeachteten Siegel verdienen Berücksichtigung wegen 
ihrer fast stets sehr ausführlichen Legenden, in 
welchen gewöhnlich der cursus bonorum der Aus- 
steller angegeben ¥rird ; sie haben eine bestimmte Wich- 
tigkeit für byzantinische Archäologie und Geographie\ 



IV. Nachrichten über Ausgrabungen 
und Entdeckungen. 

W. M. Ramsays neaeste Reise in Kleinasien.*) 

Nach einer Mitteilung Ramsays an das Londoner 
Athenaeum (N. 2982 p. 812—813) hat er in Ver- 
binduDg mit A. H. Smith auf seiner vorjährigen Reise 
vom 28. Mai bis zum 4. Jali die Grenzen von Karlen, 
Pisidien, Lycien, Pamphylien und Phrygien besucht 
und folgende neue topographische Fände gemacht: 
1. Colonia lulia Augusta Fida Gomama, südwest- 
lich vom Kestelsee, eine pisidische Kolonie des Au< 
gustus, nach drei Inschriften, welche Ramsay fand, 
vollständig und selbst nach dem Gründungsjahr be- 
stimmt; sie hat selbst Münzen geschlagen, welche bis- 
her dem kappadokischen Comama zugewiesen wurden ; 
in der Liste des Ptolemäus findet man die Kolonie als 
Kojijiaxov. — 2. Sagalassus westlich vom Buldursee, 
durch einen von Petronius Umher als Legatus undPupius 
Praesens als Proknrator errichteten Meilenstein genau 
bestimmt. Ein anderer von Smith bei Elles gefundeoer 
Meilenstein ermöglicht das ganze römische Wegenetz 
dieses Distrikts in die Karte einzutMigen und den 
Marsch des Manlius genauer zu bestimmen. — 3. Die 
Grenzbestimmung dieser Distrikte ergiebt, daß ein 
Teil von Pisidien im ersten Jahrhundert n. Gh. zu 
Galatien gehörte und erst in der Mitte des 2. Jahrb. 
zu Lycia-Pamphylia geschlagen wurde. — 4. Takina, 
in dem Geogr. Ravenn. Tagina genaont, früher nach 
einer Inschrift Lakina verlesen; die Römer hatten 
nach Antritt der Erbschaft des Attalus auch hierhin 
eine Straße gebaut ~ 5. Eine andere Straße 
führte über Golbusa, Comama, Cretopolis nach Perga. 
— 6. Eine dritte Straße ging von Laodicea ad 
Lycum über Themissonion , Cibyra, Lagbon und 
Termessos nach Perga. Cibyra war überdies der 
Ausgangspunkt einer Straße über Ormelion oder Maxi- 
mianopolis und Olbasa nach Colbasa. — 7 Die 
Lage des von Waddington bereits in den Münzlegen- 
den Aci(ßrjvu>v, Aa]f(v(Dy richtig erkannten Lagen (von 
Livius bei der Marschroute des Manlius erwähnt) 
wb:d bestimmt. — 8. Neben dem von Kiepert ge- 
fundenen Pogla fanden sich Andeda und Ouerbis 
(Berbed); beide sind etwas verderbt in der Notitia 
und von Uierokles angeführt. — 9. Die verschiedenen 
Städte namens Isinda oder Sinda sind schwer 
richtig anzusetzen. — 10. Cretopolis und Pane- 
mou Teiches dürften identisch sein. — 11. Die 
Grenze zwischen Pamphylia I und II liegt in den 
Bergen, welche die Flußthäler des Cistros und Eury* 
medon trennen. — 12. Einige Zeit nach Uierokles 
scheint ein Teil von Pamphylia II von der Herrschaft 
des Metropolitan von Perga abgetrennt und unter 
eigene Botmäßigkeit gestellt worden zu sein. — 13. 
Olbasa erscheint in späteren Quellen als Adriane. 



♦) Vgl. unsere Wochenschr. 1884, No. 10, Sp. 316 ff. 



159 



[No. 5] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [31. Januar 1885.] 160 



— 14. Nach zwei von Ramsay und Smith gefun- 
denen Inschriften muß der von Hierokles Mendenei 
genannte Volksstamm Permi nodei heißen. — 15. Noch 
bleiben AriassoSyPalaiopolis oder Alieros inPam- 
phylien zu bestimmen ; doch ergiebt sich immer sicherer, 
daß für diesen Distrikt die Notitiae sehr zuverlässig sind. 

— 16. In Phrygien ist Phylakaion bei Elles nnd 
Takina bei Tarishli zu suchen; statt der früheren 
Bestimmung von Ceretapa dürfte Sanaos (bei Herodot 
""Avctua) bei Sari Kavak zu suchen sein. Themissonion 
lag bei Karayuk Bazar und Trapezopolis etwa bei 
Kayadibi. — 17. Der Marsch des Manlius ist somit 
genau bestimmbar und von Livius ziemlich treu dar- 
gestellt; in der Bestimmung der südlichsten Punkte 
des Marsches weicht Ramsay von Hirschfeld ab. Die 
Routen berührten sich mit der österreichischen Ex- 
pedition in Lagbon. Kunstwerke wurden nicht ge- 
funden. 



V« Mitteilungen über Versammlungen. 

Archaeological Institute of America, 5. an- 

nuai report Sf the executive Committee and 
3. annual report of the Committee on the 
American School of Classicai Studies at 
Athens. 1883-84. 

Die Ausgrabungen von Assos*) waren vom 
Februar bis zum 1. November 1884 zu Ende zu 
fuhren. Mit den geringen Mitteln, welche dem 
leitenden Komitee zur Verfügung standen, wurden die 
Agora und die Nekropolis ausgegraben und die Stoa, 
das Heroen und ein Bad aufgedeckt; die Resultate 
an architektonischen Fragmenten, an Inschriften 
und Kunstwerken sind höchst bedeutend und haben 
namentlich zum erstenmal AufischluD über die Civil- 
baukunst bei den Griechen gegeben. Die von Sterret 
gesammelten Inschriften, sowie eine große Anzahl von 
Haymcs aufgenommener Photographien können als 
die eisten Resultate der Expedition angesehen werden; 
außerdem hat nach dem Übereinkommen mit der türki- 
schen Regierung, nach welchem der dritte Teil der Kunst- 
werke an die Gesellschaft fiel, das Museum in Boston 
einen bedeutenden Zuwachs an Originalwerken grie- 
chischer Kunst gewonnen, unter denen ein Herkules 
im Kampfe mit Kentauren und die heraldische Sphinx 
von der Ostfront des Tempels der Athene Polias die 
Hauptstücke sind. Die Gesamtkosten haben sich 
vom November 1880 bis zum Mai 1884 auf 19 121 D. 
16 c. belaufen. Jetzt sind die Leiter der Expedition, 
die Herren Clarke, Bacon und Koldeway, mit der Aus- 
arbeitung des Gesamtberichts beschäftigt. — Im 
Drucke befindet sich eine Arbeit von W. J. Still- 
man: .Die prähistorischen Mauern in Italien und 
Griechenland", mit Abbildungen nach Photographien, 
in welcher derselbe den Beweis für die pelasgische 



•) Vgl. unsere Wochenschr. 1884 No. 5, Sp. 155 ff. 



Wanderung finden will. — Die American School of 
Classicai Studies in Athen ist im dritten Jahre 
aus dem provisorischen Stadium nicht herausgetreten ; 
die Leitung war aus den Händen des Prof. Goodwin 
in die des Prof. Packard übergegangen, welcher 
krankheitshalber sich Dr. Sterret zur Hülfe hinsuzog. 
Die Anstalt zählte in ihrem dritten Jahre nur zwei 
Schüler. — An Arbeiten sind bisher eingeliefeii: Die 
Pnyx von Dr. Crow mit einer Untersuchung von 
J. T. Clarke über die Pnyx zu Athen. ^ Das 
Erechtheum, von Fowler. — Leben, Sprache 
und Werke Theokrits mit Proben eines 
Kommentars, von Shorey. — Die von der Ex- 
pedition des Amerikanischen Archäolo- 
gischen Instituts in Assos entdeckten In- 
schriften, von Dr. Sterret — Der Wert des 
heutigen Griechisch für das klassische Stu- 
dium, von Taylor. — Das Theater des Dionysos 
zu Athen, von Wheeler. Die besten dieser Ar- 
beiten sollen gedruckt werden und als Zeitschrift der 
Schule erscheinen. 



Society of Biblical Arebaeology in London. 

Sitzung vom 2. Dezember 1884. 

Dr. Birch las über den Glauben der Ägypter 
an die Totenschatten. Er nimmt an, daß man 
an wirklich sichtbare, wenn auch nicht greifbare 
Schatten glaubte; sie standen mit den Göttern, 
den Geistern und Seelen in Verbindung; sie aßen 
zwar nicht von den Totenopfern, aber tranken das 
dem Toten geweihte klare Wasser. In der Bilder- 
schrift ist der Schatten als Schirm mit dem ga oder 
Idol der Seele verbunden; in der Lautsprache heißt 
er yaby yaibt oder yaibit. Jeder Geist oder jede Seele 
hatte nur einen Schatten, die Sonne dagegen vier- 
zehn ga oder Idole, zu jeder ihrer sieben Seelen zweL 
Schon in den ältesten Denkmälern kommen Schatten 
vor, z. B. in der 6. Dynastie auf den Pyramiden von 
Unas bei Sakkarah und auf den von Lepsius publi- 
zierten Särgen der 11. Dynastie. In der Zeit von 
der 18. bis zur 20. Dynastie haben die Schatten nach 
den Inschriften an Tiau oder der Unterwelt einen 
hervorragenden Anteil. Auch im Ritual erscheinen 
sie. — Dann sprach der Vortragende über die Strafen 
der Schatten. Sie kommen in den Darstellungen der 
Uekta und bei den Totenböten vor, wo sie die Seelen 
auf der Oberfahrt begleiten. — Eine andre Mitteilung 
des Dr. Birch betraf einige ägyptische Rituale 
der römisichen Zeit; sie sind auf Stücken Pa- 
pyrus von zehn Zoll Breite und acht Zoll Höhe in hiera- 
tischer Schrift geschrieben; die Handschrift ist atta 
späterer Zeit und von eigentümlicher Form; mao 
findet sie unter den Binden der Mumien und deshalb 
gut erhalten; nur durch die Einbalsamierung sind zu* 
weilen Stellen unleserlich geworden. Der Text ist 
älteren Schriften entnommen, meist den von deHorracli 
und Brugsch mitgeteilten. 



[No. 5.J 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. 



[31. Janaar 1885.] 



auch wfthreDd der fast drei Jahrhunderte dauerndeo 
Römerherrschaft ein wechselndes, von den Germanen 
erobert und zerstört und von den Römern wieder ge- 
nommen und aufgebaat zu werden. Es sind min- 
destens fünf Anfbaatcn und ebeoso viele Zerstöruagen, 
welche die Geschichte verzeichnet hat. Sicher war 
die Saalbarg bei allen Kriegen mit den Chatten, bei 
dem Vorstoß des C. Silios im Jahre 16 n. Chr. wie 
bei den Kriegszügen des Caligula oder des Galba 
Salpicius im Jahre 41 nnd denen des Kaisers Clau- 
dios im Jahre 51 beteiligt Aus der Zeit des Cara- 
calla, der gegen die Alemannen kämpfte, ist ein im 
Jahre 213 ihm gewidmeter, 1723 dort gefundener 
Votivstein im SchloDturm von Homburg eingemauert. 
Zu Ende des 8. Jahrhunderts erobert und zerstört, 
sind die Trümmer der Saalburg zusammengesunken; 
Wald und Haide hat sich darüber ausgebreitet, bis 
im Jahre 1243 in der Nähe das Kloster Maria Thron 
gegründet wurde, zn dessen Bau man die beim Suchen 
nach Steinen aufgefundenen Legionsziegel verwandte. 
Auch zur Anlage der Straße von Homburg nach 
Usingen gab das Kastell die Steine her. Zu Anfang 
des vorigen Jahrhunderts wurde man auch in höiie- 
ren Kreisen auf die alten Tr&nmer aufmerksam, und 
nachdem man bei Anlage der erwähnten Straße im 
Jahre 1817 in Gegenwart des Landgrafen Friedrich 
Ludwig und des fhrinzen Wilhelm von Preußen einen 
dem syrischen Juppiter Dolichenus geweihten Stein 
gefunden und gleichfeills in das Schloß zu Homburg 
gebracht hatte, erging 1818 die Verordnung, daß keine 
Steine mehr von der Saalburg genommen werden 
dürften. Nach Vereinigung der Landgrafschaft mit 
Preußen wurde 1870 der Oberst v. Cohausen mit den 
Unterhaltungs- und Untersuchungsarbeiten der Burg 
beauftragt. Der Kaiser hat die Saalburg zu wieder- 
holten Malen besucht und bereits im Jamre 1875 die 
Summe von 10 200 Mk. zur Herstellung des gesamten 
Mauerwerks des Kastells bewilligt. In der ^egszeit, 
wo die Kaiserin und die Kronprinzessin längere 
2^it in Homburg weilten, hat Letztere mit ihren 
Kindern «ranze Nachmittage auf der Saalburg zuge- 
bracht. Auch Feldmarscball Graf M o 1 1 k e , mit einem 
zahlreichen Stabe auf einer Generalstabsreise be- 
griffen, bat das Kastell am 6. Oktober 1877 mit 
großem Interesse besichtigt, ebenso auch kürzlich der 
König von Sachsen während der Manöver des 
9. Korps im Herbst 1883. In des Letzteren Gegen- 
wart wurden mehrere römische Münzen und Ziegel- 
steine mit dem Stempel der einzelnen Kohorten auf- 
gf'funden. (N. A. Z.) 

Das Motiy des Praxitellschen Hermes anf 

einer Tase. 

Mit einiger Reserve geben wir eine Mitteilung der 
.presse* wieder: „Welch wichtige und hocMnter- 
essante Entdeckungen in Carnuntum (bei Petro- 
nell in Nieder Österreich) zu gewärtigen sind, 
beweist ein vor kurzem gemachter Fund. £s wurde 
dort ein kleiner, bemalter Thonscherben, wahrschein- 
lich das Bruchstück einer Vase, gefanden, auf welchem 
das schwarz eingebrannte Bilonis nichts geringeres 
darstellt als eine Reproduktion der vollen Figur des 
berühmten Hermes von Praxiteles. Bekanntlich ist 
diese Statue aus der Zeit der Blüte der hellenischen 
Plastik, das wertvollste Kunstwerk unter den kost- 
baren Funden von Olympia, im Originale leider ver- 
stümmelt. Es fehlen beide Beine bis zu den Fuß- 
knöcheln herab sowie der rechte Arm. Wie an der 
Ergänzung der Venus von Milo haben die ersten 
Künstler vergebens sich mit der befriedigenden Re- 
stauration des Praxitellschen Hermes abgemüht Der 
8cberl>en von Camnntum, welcher gegenwärtig im 



Besitze des Herrn Dr. Rollet in Baden sich be- 
findet, zeigt nun, wie unsere modernen Nacheiferer 
des Praxiteles die Sache hätten anstellen sollen. Auf 
dem Scherben hält der rechte Arm des Hermes nicht 
eine Traube, wie bei der restaurierten Statue, sondern 
einen Thyrsusstab. 

Aosgrrabungren in Böotlen. 

Zu Akraiphion (heute Karditza), am Ufer des 
Kopaissees, uoterhalb des Ptoomgebirges, sind von 
zwei Mitgliedern der französischen archäologischen 
Schule, Diehl und Alaux, neuerdings Ausgrabungen 
begonnen worden, die nach dem Athenäum schon zu 
hübschen Resultaten geführt haben. Ea ist vorläufig 
gelungen, den alten Tempel aufzufinden; darin hat 
man einen zerbrochenen Altar, verschiedene Säulen 
und einen schönen Zeuskopf entdeckt. Auch aus 
Oropos, an der Grenze von Attika und Böotien 
gelegen, meldet man neue Funde; man ist auf den 
Altar dieses berühmten Orakelortes gestoßeo, und 
zwar hat man ihn, was wesentlich ist, noch an der 
ursprünglichen Stelle gefunden; vor dem Altar waren 
Reihen von Sitzen für die Verehrer oder Zuschauer 
angebracht 



Bibliographie. 

Ei^clilenene ^IVerl&e. 

Horatlns, Les oeuvrcs, traduction par Jules Janin 
6. Edition. (18. 424 p.) Paris, Hachette. 3 fr. 50 

Hugues, L, Storia della geografia e detle scoperte 
geografiche. Parte I.: Storia della geografia antica 
aai piü remoti tempi air anno 400 deir^ra volgare. 
(1« XV, 94 p ) Turin, Loescher. 1 L. 50 

Malosa, F., La dottrina del hello in Piatone. Saggio. 
Parte I. (8. 78 p.) Venezia, tip. dell'Ancora. 2 L. 

Perthes, H., Lateinische Wortkunde im Anschluß an 
die Lektüre. Für Gymnasien und Realschulen. 
1. Kurs. f. Sexta. Das Wort nach seiner grammat. 
Enduog m. Unterscheidung der zu lern. Primitiva u. 
der zunächst nur zu les. Derivata. 3. Aufl., besorgt 
V. W. Gillhausen. (8. IV, 89 u. VII, 64 S.) 
Berlin, Weidmann. 1 M. 60 

Sohnidt, Erast, De Ciccronis commentario de consulatn 
graece scripto a Plutarcho in vita Ciceronis ex- 
presso. Diss. (8. 44 S.) Jena, Leistung. 60 Pf. 

Verfall, A. W., Uterary and historical studies in the 
days of Horace. (8. 194 p.) London, Macmillan. 

8 sh. 6 

Zeltsclarlftoii, 

Deutsche Litteratnrzeitiingr. No. 3. 

p. 75: Themistii et Anonymi in Arist. 
paraphrases, edd. Wallies et Hayduck. Kurz 
angezeigt von E, UeUz. — p. 76: Statu Thebais, 
ed. Ph. Kohlmann. Sehr schlimme Rezension von 
Otto Müller ', Klarheit und Übersichtlichkeit fehle über- 
all; die Textkritik sei unzuverlässig, unselbständig, 
den unsinnigsten Lesarten des Puteanus gebe der 
Herausgeber den Vorzug. Lachmann und Lncian 
Müller kenne er nicht, tische aber allerlei wertlose 
Einfälle des von ihm angestaunten £. Baehrens auf. 
— p. 78: G. Becker, Catologi antiqui. Nicht 
besonders zweckmäßig angelegt (^p). — p. 84: 
A. Cohn, Quibus ex fontibus S. Aurelii Vic- 
toris libri fluxerint. Wichtig durch den mitge- 
teilten Fund einer neuen Handschrift (aus der Bod- 
leiana). E, Klebs, — p. 86: A. Horawitz, Johann 
Heigerlin, genannt Faber. ^Etwas schnell zu- 
sammengeschrieben.* V. Druff eL — p. 90: KSstUn, 



(Mo. 5.] 



BERLINER PBILOLOOISCHE WOCHENSCHRIFT. 



[8t. JaDuar 1885.] 



Geschichte der Masik. Im Gebiet der antiken 
Masik seien des Verf. Ansföhrangen meist dürftig 
und unverständlich. H, Bellermann, 

Literarisches Centralblatt. No. 4. 

p. 105: TL Nadrowski, Ein Blick in Roms 
Vorzeit Der Yerfosser will aus den Gentilnamen 
feststellen, welcher Art die ersten Ansiedler Roms 
waren. — p. 112 ff. : 1) Leist, Gräco-italische 
Rechtsgeschichte; 2) Merkel, Geschichte der 
klassischen Appellation. Über beide Werke in- 
differente Anzeigen. — p. 118: Hoffory, Prof. 
Sievers and die Sprachphysiologie« Diepe 
Streitschrift stehe auf sehr schwachen Füßen. Hofforys 
Hauptweisheit, die er gegen Sievers zu Felde führe, 
sei Flodströms Schrift „Zur Lehre der Konsonanten**. 
{W, ß.) — p. 124: 1) Teyries, Les figures crio- 
phores; 2) Pottier, Les l^cythes attiques. 
Beide Bücher bespricht Th, Sj^chreiber) sehr aner- 
kennend: insbesondere sei Pottiers Schrift eine der 
besten Monographien auf dem Gebiete der Vasen- 
kunde. 

Woobenschrift (Or klass. Philologie. No 4. 

p. 97: E. Snbnert, Statue und Ort. 'Tüchtige 
Vorarbeit zu einer Eunsttopographie.' H,B luntner. — 
p. 98: K. Hammer 9 Demetrius Tttpl kp^r^v^ia^, 
*Ein probus über.' Sieittberger. — p. 101: Catullus, 
herausg. und erklärt von A. Riese. In seiner rüh- 
menden Anzeige erinnert K, P. Schuhe an die seltsam 
klingende Thatsache, daB hier die erste deutsche er- 
klärende Ausgabe des Catull vorliege. ~ p. 112: 
Symmachi quae supersunt ed. 0. Seeck. 'Wahrhaft 
treffliche Leistung.' K, SchenkL 

Philologische Randschao. No. 4. 

p. 97: S. Gflntber, De genuini dativi usu 
Homerico. 'Bedarf einer gründlichen Umarbeitung, 
einer strengeren Sichtung des Stoffes und Klärung 
des Urteils'. F. Weck. — p. 104: G. Stier, Hora- 
tiana. Angezeigt von //. Schutz. — p. 106: 1) J. 
Sohinkel, Quaestiones Silianae; 2) Yan Veen, 
Quaestiones Silianae. Die Schinkelsche Arbeit 
biete eine schätzenswerte Charakteristik. Ansprechend 
sei die Motivierung, daß Sülus, nachdem Yergil den' 
Ursprung Roms, Lucanus den Untergang der Repu- 
blik episch behandelt hatten, für sich die Blütezeit 
der Republik gewählt habe, sodaß die drei Epen 
auch drei Marksteine der römischen Geschichte um- 
fassen. Die zweite Schrift beschäftige sich im Gegen- 
satz zu der ersten mit der Quellenfrage; sie bringe 
nichts neues, diene jedoch dazu, die Verkehrtheit 
der Heynacherschen Resultate' zur Evidenz zu er- 
weisen. L, Bauer. — p. 110: H. D. MfiUer, Sprach- 
geschichtliche Studien. Ablehnende Kritik von 
Gr. Meyer; die Theorie eines ursprünglichen indoger- 
manischen a- Lautes, aus welchem erst später die 
übrigen Vokale flössen, sei unmöglich aufrecht zu 
halten. — p. 113: Pdlümann, Übervölkerung der 
antiken Großstädte. Ausführliches Referat von 
E. Ziegeier. — p. 123: Lateinische Eleroentar- 
bücher von Sioda, RheiDS und 0. Keller, ange- 
zeigt von B. Lehmann. Die beiden ersten, besonders 
das von Sioda, seien praktisch, Kellers Buch sei 
überflüssig. 

Academy No. 663. 

(46) Custom and Myth. Von J* Bhys und 
H. Ifager. Ersterer erklärt sich in bezug auf Odin 
gegen die Naturerklärung; letzterer giebt Beispiele 
griechischer Kolonienamen aus den Pflanzenarten, 
welche dort wuchsen. — (47—48) A. !?• Yerrall, 
studies, literary and historical in theOdes of 



H orace. Von H. Nettleship. Das Buch enthält so viel 
Konjekturen, daß Ref. sich auf die über die ersten drei 
Bücher der Oden beschränken muß, namentlich solche, 
welche die Chronologie derselben betreffen ; Verf. hält 
die ersten drei Bücher von der Verschwörung des 
Murena abhängig und legt sie in die Jahre ^ bis 
19 V. Chr.; nach ihm ist I 2 die älteste, 1 3 die 
jüngste Ode; er gkubt, letztere betreffe die von Sueto- 
nius erwähnte letzte Reise des Virgil, während Ref. 
annimmt, daß Virgil öfter in Griechenland war, 
worauf z. B. der Anfang des dritten Buches der 
Georgica hindeute. Unerwiesen ist femer, daß der 
Murena des Horaz der Verschwörer des Jahres 22 ist, 
zumal die von Verrall hauptsächlich angezogene 
Ode n 10 in den besten Handschriften den Namen 
Murena nicht trägt Immerhin ist das Buch höchst 
interessant. — (48-49) Th. Tyler, The reien of 
the Hittites. Verf. kann in dem Siegel vonTarku- 
timme kein Pferd erkennen. — (52) Beginald Stuart 
Poole teilt mit, daß Herr Nävi 11 e nach reiflichen 
Voruntersuchungen seine Ausgrabungen in Kataoeh 
begonnen bat; er glaubt dort eine neue biblische 
Or^cbaffc gefunden zu haben. — Yi. Thompson 
Watkin teilt mit, daß in der von Hübner C. L L. 
VII 1268 mitgeteüten Inschrift 7 CL. AVG | VIC 
das C ein G ist und schließt daraus auf die in der 
Not. Dign. erwähnte Abteilung der Vigiles von Con- 
cargium. 



'EcjTia. No. 470 {S* No. 1). 

Der neue Jahrgang dieser im besten Sinne volks- 
tümlichen Zeitschrift beginnt im Beiblatte (No. 418) 
mit einer Obersicht der Begebnisse auf dem Gebiete 
der schönen Wissenschaften und Künste in Griechen- 
land während des Jahres 1884. Es starben G. Za- 
riphis, H. BraTlas, J. Oikonomides, J. Schmidt, 
A. Mamukas und D. Pantazis. Die Bewegung, welche 
durch die y^^'^^s^^^ xopa-nrjpifjaei; von Kontos hervor- 
gerufen wurde, haben auch wir berührt. Das Er- 
scheinen des 6. Bandes der p^juia 'E>vXr|Vix»ic ircopia; 
von K. Sathas, des 1. Bandes der ixzXr^aiasiuy? laxopia 
von Ph. Bapheidos, des 1. Bandes ^ea 'AXsgavooivo^ 
Biöxosuo;, Biographien der Griechen und Griecnen- 
freunae Alezandrias, von D. Oikonomopulos und der 
ß'o][oa^ud a^soapia tcuv Xofituv K£(>xuf>aiu)v von L. Bro- 
kims zeugt von den Fortschritten der historischen 
Wissenschaften. Pappadopulos Kerameus gab eine 
systematische Beschreibung der griechischen Hand- 
schriften kleinasiatischer Bibliotheken, A. Miliarakis 
eine Schilderung von Amorgos heraus, P. Kabbadias 
den zweiten Band seiner bxopfa xf^; dpyata; xoXXixtx* 
viGt;; anch die Ausgrabungen in Epidauros und auf 
der Akropolis sind von uns regelmäßig verfolgt wor- 
den. In lateinischer Philologie ist einzig zu erwähnen 
die vea »vxißoXfj xou xciuevou xoü a* ßißKioü de oratore 
von S. Vassis. Auf dem Gebiete der Altertumsforschung 
hat Agathonikos rspt 'Af>£''ou Hoqou xai 'E^sxdiv and 
Momferratos rspl xpo^a^iaia; ^tupsi; geschrieben ; über 
letzteres werden wir demnächst eine ausführliche An- 
zeige bringen. Die übrigen Bemerkungen bezieben 
sich auf Gebiete, welche außerhalb unseres Kreises 
liegen; nur sei noch des Eingehens der Triester 
Zeitschrift KXetw und des Erscheinens der beiden 
(auch von uns mehrfach angezogenen) Zeitschrifteo 
'ApxaioX.oi»x>; itpTjjiepi; und 'Eß^ojtcfc erwähnt. — Die 
Zeitschrift selbst bringt eine Reihe glänzender Bei- 
träge berühmter Schrirtsteller in Prosa und Versen, 
welche zwar nicht die Altertumskunde angehen, aber 
den Beweis liefern, daß in dem neuen geistigen Leben 
des Volkes ein von dem historischen und ästhetischen 
Geiste des Hellenentums ausgehender Hauch weht. 



VarUs ▼on 8. CtlTtry a Co. in Berlin. ~ Drnck dtr Berliner Bnchdnickerei- Aktien -GetdlBeluft 

(Setzerinnen -Sehnle des Lette •Vereint). 



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5. Jahrgang. 



7. Februar. 



1885. M 6. 



Inhalt. 

I. Originalarbeitens Seite 

W. H. Roseber, Beiträge zur griechiBcfaen 

Mythologie (VI.) 161 

n. BeieDsionen UDd Anzeigen: 

A. LwKlfich, Aristarchs üomerisciie Text- 
kritik. I. (M. Schmidt) 165 

K. F. V. Nägelsbach, Homerische Theologie 

(K. Thiemaon) 170 

6. F. lliMier, Zur Geschichte der Pythagoreier ; 
Die Zeitverhältnisse des Anaxagoras und 
Empedokles; ApoUodor über Xenophancs 

(F. Lortzing) 175 

K. C. Vfilker, Conielü Nepotis vitae (Gemfi) 179 
A. Draeger, Tacitus. Das Leben des Agri- 

cola (A. EoÜDer) * . 180^ 

J. Centeüaral^ Julianus afiMlingen (L. B. Ste* 

oersen) 181 

C. Paucker, Sapplementiim lexicoram Lati- 

norum (K. E. Georges) 1S2 

m. Anssüge aus ZeitsobrUten: 

Sitzongsberichte der Bayr. Akademie der 

WissenschafteD, No. 3 185 

Zdtschrift für die österr. GymnasicD, 1884, 

Heft 5—7 186 

Revae arch^ologiqae, 1884, Juli — Oktober 188 

Balletin de cbrrespoDdance afnc, No. 2 .191 

Melusine. Revae de mythologie, No. 1—6 191 

Beilage: 

PersoDalien (ErneanaDgen. Aaszeichnungen. Offene 

Stellen. Emeritierang. Todesföüe). 
Beriehtiguag von S. Reioach. 
Bibllf grapbki (Angekündigte u. erschienene Werke). 
Zeitschlitten: Deutsche Litteraturzeitong No. 4. — 
Literarisches Gentralblatt No. 5. — Wochenschrift 
für klassische Philologie No. 5. — Philologische 
Rondschau No. 5. — Revue crit No. 8. — Academy 
No. 664. — Nt« 'Hviepo No. 527 n. 528. — "EßSoiiäc 
No. 45 u. 46. 

Verlag von S. Calvary & Co* in Berlin* 

Soeben erschien: 

Oentscbe Olmetziuip Uassisciler SchUnsMer 

ans dem 

Heidelberger Humanietenkreiee 

von Maurl Hartfelder. 

34 S. 4. 1 M. 60 Pt 

Früher erschien von demselben Verfosser: 

Konrad CTeltese 

Ftknf Saolier Spisraznine. 
VIII, 125 S. gr. 8. 8 IL 



Verlagsbericht von S. Calvary & Co. 

Anecdota Laurentiana et Vaticana in qoibns 
praesertim Godicis Instiniani summae ab 
Anatolio confectae plarima fragmenta con- 
tineutur. Edidit, recensuit, prolegomenis, 
notis, indicibns, versione latina instnixit 
E. C. Ferrini. 52 p. fol. 2 M. 40 

Asbach, J., Nekrolog für Arnold Schäfer, vorm. 
Dr. phil., Geh. Regierangsrat, ord. Prof. der 
Geschichte u. Direktor des histor. Seminars 
an der Univ. Bonn. HS. gr. 8. 1 M. 20 

Becker, Wilhelm Adolph, Gallns, oder römische 
Scenen aus der ZejUJ^ifi^sts. Neu bear- 
beitet von Hermann h-.^- Elegante Minia- 
turausgabe. 112 S. 

2 M. 40, in eleg. Leinwandband 3 M. 

Bibliotheca philologica classica. Verzeichnis 
der auf dem Gebiete der klassischen Alter- 
tumswissenschaft erschienenen Bacher, Zeit- 
schriften, Dissertationen, Programmabhand- 
lungen, Aufsätze in Zeitschriften und Re- 
zensionen. Zehnter Jahrgang 1883. 398 S. 

gr. 8. 6 H. 

Von Jahrgang 1 — 10 sind noch einige Exemplare 
vorhanden. Die Bibliotheca philologica classica er- 
scheint vierteljährlich. 

Calvarys philologische u. archäologische Bi- 
bliothek. Sammlung neuer Ausgaben älterer 
klassischer Hülfsbücher zum Studium der 
Philologie, in jährlichen Serien von ca. 16 
Bänden. Bd. 52. 59,2. Hälfte. 60. Bd. 52: 
Reisig, K., Vorlesungen über lateinische 
Sprachwissenschaft. Neu bearbeitet von 
H. Hagen, F. Heerdegen, J. H. Schmalz u. 
G. Landgraf. 3. Bd. 1 Heft S. 1—96. — 
59, 2. Hälfte. 60: Meier, M. H. E.. u. G. H. 
Schoemann, Der attische Prozefs. Neu bear- 
beitet von J. H. Lipsius. (2. Bd. 469— 
628). Subskriptionspreis fär den Band 1 M. 50. 

Einzelpreis 2 H. 
Neoeintretende Abonnenten erhalten die erste 
bis dritte Serie (50 Bde.) statt für 75 IL für 86 H. 

(Fortsetzung folgt.) 



[No. 6.J 



BERLINER PHILOLOQISGHB WOCHENSCHRIFT. 



[7. Februar 1885.) 



Personalien. 

Enieiiiiaii0eii. 

An Hochschulen: Privatdoz. Dr. A. Ermann, 
Dit.-Abs. d. Kgl. Museen, u. Privatdoz. Dr. Hans 
Delbrttek in Berlin zu auOerord. Prof. — A.-G. 
Prof. A. Eisenlohr in Heidelberg zum Prof. hon. 
— Geh. Justizrat 6. Hartmann, Prof. in Göttingen, 
znm Prof. an d. Univ. Tübingen. — Prof. Staender, 
Vorsteher der Universitätsbibl. in Leipzig, zum Gber- 
bibliothekar. 

An Gymnasien etc.: Oberl. Dr. S. Hfilsenbeck, 
am Gymn in Münster, zum Professor. — Prof. 
A. Fänlhammer von Graz zum Dir. des Staatsgymn. 
in Bozen. — Uül&l. Heringr zum ordentl. L. am 
Gymn. in Bnnzlau. — L. Wacrenknecht am Sem. 
in Franz bürg zum ordentl. L. daselbst 

Ansselclinaiiscii. 

Lnclan MttUer, Professor an dem K. Historisch- 
Philologischen Institut zu St. Petetsburg, ist zum 
Wirklicnen Staatsrat mit dem Prädikat Ezcellenz er- 
nannt worden. 

Offene Stellen. 

Breslau. Stadtschulratstelle auf 12 Jahre, 7200 M. 
Gehalt, welches von 3 zu 8 Jahren um 300 M. bis 
8^M) M. steigt Bewerber, welche sich noch im 
höheren Schulamte oder im Schulverwaltuogsamte be- 
finden, wollen ihre Meldung bis 15. Febr. an Stadt- 
verordnetenvorsteher Beyersdorf richten. 

EanerltleFun^. 

Stadtschulrat Thiel in Breslau. 

Todesmie. 

Dr. Kekr, Senunardir. in Erfurt. 



Berleiitlsiu>ff* 



Die erste Nummer der Wochenschrift dieses 
Jahres (3. Januar 1885) entbfilt eine Rezension des 
Herrn Z^liqzon überD. Nisard, Discours acad4- 
miques, welche manche subjektive Urteile ausspricht, 
auf deren Widerlegung ich mich nicht einlassen werde. 
Es seien hier nur ganz kurz die objektiven Irr- 
tümer und Ungenauigkeiten des Rezensenten erwähnt. 

1. Noch keinem gebildeten Franzosen war H. Ni- 
sard jemals »der größte Latinist Frankreichs". Höch- 
stens könnte man etwa Humanist statt Latin ist 
schreiben. 2. Die Collectioo des auteurs latins 
wurde unter Nisards Leitung herausgegeben, und er 
selber arbeitete nur an zwei Schriften dieser Samm- 
lung. Dieselbe erschien nicht 1838—1850, da sie 
nocn heutzutage nicht abgeschlossen ist und ein neuer 
Band, Venantius Fortunatus enthaltend, jeUt (1885) 
im Drucke fast vollendet vorliegt — 3. Hr. Z. schreibt: 
,N. erhielt den Posten des directeur de Töcolc 
normale und wurde zuletzt Mitglied der Akademie*. 
Nun wurde Nisard Mitglied der Akademie schon 1850, 
und Direktor der Normalschule 1857. — 4. Daß Ni- 
sard ein „warmer Republikaner'* ft^er gewesen sei, 
ist falsch ; dies hat Herr Z., wie viele andere Irrtümer, 
dem Grand Dictionnaire von Larousse (einem, 
wie jeder weiß, elenden Machwerke) entnommen 
(Bd. ZI, S. 1016). Falsch ist es zu sagen, daß Nisard 
i^uuter Louis Philippe streng königlich" wurde, da er 
nicht vor 1828 im Journal desDebats debütierte, 
einem Blatte, das bis 1873 streng orleanistisch geblieben 
ist. — 5. Der Satz „durch die Revolution von 1848 
verlor er die eintrfigUche Stellung eines ministeriellen 



Abgeordneten und die Professur der Beredsamkeit am 
GolUge de France* ist wörtlich dem genannten Die- 
tionnaire de Larousse entnommen, ist aber ein 

froher Irrtum, da die Professoren des College de 
rance inamovibles sind. Nisard hat diese Professur 
niemals verloren. — 6. „Der Staatsstreich vom De- 
zember 1852* (anstatt 1851) ist ein gar grober Fehler! 
•::- 7. Er wurde von Napoleon „zu noch höheren 
Ämtern befördert*. Welchen?? — 8. Daß Nisard „vom 
Katheder herab seine geradezu schamlose Theorie 
über die kleine und große Moral vorgetragen" habe, 
ist reine Erdichtung. Die Legende bildete sich 
vor Jahren in einem Kaffeehaus dos Quartier Latin: 
ein Student fand es recht witzig, eine nie gehaltene 
Rede zu ersinnen, worin Nisard die GrundsHUe vortrug, 
die man in der damaligen Opposition als die Regel 
seines Lebens betrachtete. Die Fabel Ist zehnmal als 
nichtig erklärt und erwiesen worden. — .9. Daß Ni- 
sard die Steile des directeur de l'Ecole nor- 
male „nach dem Sturze seines kaiserlichen Gönners 
verloren habe", ist wieder unrichtig, da Nisard schon 
1867 diese Stelle niederlegte, infolge eines Mißver- 
ständnisses mit dem Minister. — 10. Nach Nisard, 
(d. h nach Hrn. Z) sollen die Werke der neueren 
Schule „sinnlose üirngespioste" sein. Dies ist wieder 
eine Unwahrheit, vgl. Histoire de la litt^rature 
fran(;aise, IV, S. 520 flg. (7. Ausgabe), wo M La- 
martine, Müsset, Böranger und Barbier mit 
Enthusiasmus -gelobt werden. Mehr darüber noch im 
„Pr^cis de Phistoire de la litt&rature fran^ise", welches 
im „Dictionnaire de la conversation^ zuerst veröffent- 
licht wurde. — 11. Daß die „Histoire de la litt^ra- 
ture firauQaise" für Mädchenpensionate bestimmt sei, 
klingt einem gebildeten Franzosen etwa wie folgen- 
des: „Lessings Laokoon ist ein Werk fürObertertianer*. 
Selbst die Analyse der Reden Nisards, welche Hr. Z. 
geliefert hat, ist dem „Dictionnaire de Larousse" ent- 
nommen. Daß Nisard zwei schöne Werke geschrieben 
hs^t, die der klassischen Philologie angdiören, die 
„Etudes sur les poetes latins de la d^cadence** nod 
„les quatre grand!s historiens latins^, das weiß Hr. Z. 
natürlich nicht, da das letztgenannte Werk von seinem 
Gewährsmann Larousse nicht einmal erwähnt wird. 
Also, 11 sachliche Irrtümer in anderthalb Spalten; 
Benutzung einer wertlosen Quelle und Nichter- 
wähnung derselben Ich rate dem Hm. Z., wenn 
er sich es auch in der Zukunft zumuten will, über 
französische Verhältnisse zu schreiben, sich ein 
Exemplar von Yapereau „Dictionnaire des Con- 
temporains" zu verschaffen. Wenn er Vaperean 
ausschreibt, wird er wenigstens nichts Falsches ab- 
schreiben. 
Paris. Salomon Reinach. 



Bibliographie. 

Bei S. Calvary &, Co. in Berlin: 
Carolas Aemilius llling. De antidosl 87 S. 8. a 2M. 
Selmar Peine, De ornamentis triumphalibus. c 50 S. 
c. 8 M. 

In der Caabridge Ualveraity Press: 
Waldsteifli C, Essays on the art of Pheidias. roy. 8. 
m. Abb. 

Bei Carl Habel in Berlin: 
Sophokles' Tragödien, erklärt von C Schmelisr. L 
König Oedipus. c. 1 M. 80. 

Bei Robert Oppenheim, Berlin: 
Gustav Meyer, Essays und Studien zur Sprachge- 
schichte und Volkskunde. VUI, 413 S. 8. 



161 



[No. 6.] 



BERLINER PÜILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [7. Februar 1885.] 162 



I. Originalarbeiten. 

Beiträge zur griechischen Mythologie. 

Von W. H. RoBcber in Würzen. 
Kentauren. 

(Fortsetzung aus No. 5.) 

Schon jetzt mache ich auf die Parallelen Kevr- 
aupoc, av-aupoc, eir-aopo;, lir-auXoc (Hesych.), sv-aoXoc 
(Hom.) (Hesych.) = yetfjiappouc, /apaöpa aufmerk- 
sam. Von den Wildwassem des Pindos handelt Sil. 
It. IV 522. 

Eines der sichersten Vorzeichen der Eegengüsse, 
aus denen die ycijiappot entstehen, ist die Wolken- 
bildung an Berggipfeln (vgl. Cornelius, Meteor. 
545). Das gilt besonders vom Pelion nach Theophi*. 
IT. {n;pL. 22; iotv iizl to HijXtov ve^eXTj irpoaijTj . . . 
55(op tn)jiatv£t. Genau dasselbe gilt auch von den 
Berggipfeln Aginas, vom Hymettos n. s. w. (vgl. 
Tbeophr. a. a, 0. 20. 24. Archil. fr. 56 B. Momrasen, 
Delphika 88, 1). Man kann sich daher wohl 
denken, wie ängstlich die Bewohner Thessaliens 
beim Beginn der Regenzeit nach der Spitze des 
Pelion auszuschauen pflegten, um zu wissen, wann 
die verdei'blichen Wildbäche (vgl. neugr. xax^ppeo- 
jxa) auf ihre Fluren herabbrausen würden. Mythisch 
gedacht mußte nati'u'lich die Wolke zur Mutter 
der •/etfiofppot werden. Vgl. Pind. Ol. X 3: ööa- 
Tuiv ^pißptcov, t: a 1 ü) V N e <p e X a c. ib. Pyth. VI 1 1 : 
yeijxepioc oji^po;, epi^popioo vscpeXac TTpaio; ajxet- 
Xtyoc. Vgl. auch Soph. Tr. 1095 ss. Hesych. s. v. 
yapadpai. 

Ib) Den vorstehenden Darlegungen entspricht 
es nun genau, wenn die Kentauren als Söhne der 
Ne^eXrj galten und ausschließlich auf Ge- 
birgen, vor allen auf den Grenzgebirgen Thessa- 
liens: Pelion, Pindos, Othi-ys, Ossa, Homole, ferner 
auf Oite, Pholoö und Maleia heimisch gedacht 
v^Tirdeu (vgl Fleckeisens Jalirb. 1872 S. 424). 
Schon die llias (A268) nennt sie <pr^pec «Jpejxijioi, 
ebenso Hesiod. fr. 110 Göttl. Vgl. Eur. Iph. A. 
705. 1046. II. für. 364. Seu. Herc. f. 974 ss. Hierher 
gehören die zum Teil uralten Kentaurennamen Oupcioc 
fi)p£io;, '( ^poajiioc), lUTpaioc, TXaio; (^TXtjc), lUo- 
xsi^iae, ipoaXoc, "EXaToc etc., welche den Wohnsitz 
der Kentauren in Bergen und Bergwäldern andeuten. 
Zu der Deutung der Kentauren als Wildbäche paßt 
es ferner vortrefflich, wenn in der alten Sage bei 
Diod. IV 12 er/ählt wird, daß Nephele, die Mutter 
der Kentauren, diese im Kampfe mit Herakles 
dnrch starke Regengüsse nnterstützt habe. 
DeutUch blickt der natürliche Hintergrund des 
Mythus auch noch dnrch folgende Schilderung 
Vcrgils durch, Aen. VII 674: 



Ceuduo nubigenae qnom vertice montis ab alto 

descendunt C e n t au r i Homolen Othrynque nivalem 

linquentes cursu rapide, dat enntibus ingens 

Silva locum et magno cedimt vii*gulta fragore. 

Vgl. auch Ap. Rh. I 553. Gv. Met. HI 79 etc. 

Wie wunderbar stimmen doch solche Schilderungen 

mit den Homerischen Schilderungen der -/etpiappoi 

überein ! 

2 a) Häufig wird in den Schilderungen der 
Wildbäche hervorgehoben, daß sie mit gewaltiger 
Kraft (vgl. n. ^ 453. Gv. Met. HI 79. I 278) 
große Felsen und ausgerissene Bäume, ja 
ganze Wälder und Hänge mit sich herabreißen, 
Dämme und Mauern durchbrechen und Men- 
schen und Tieren, namentlich Rinderherden, siche- 
ren Untergang bereiten. Vgl. B. A 494 f. N 137 ff. 
E 87. 0) 282. Arist. Ritter 526 ff Theokr. XXII 
49. Dion. Per. 1075. Lucr. I 283 ff. Verg. Aen. 
n 305. XII 524. Gv. Met. VJH 548. I 286. Hör. 
C. m 29, 33 ss. etc. Ein bekannter Wildbach 
in Attika führte den charakteristischen Namen 
KuxXo3<5po;, weil er die Ringmauern der Land- 
güter (xuxXoi) gewissermaßen fraß. Em anderer 
in Arkadien hieß 80090170;. 

2 b) Diesen Schilderungen von der Felsen 
schleudernden und Bäume entwurzelnden Kraft der 
Wlldbäche sind diejenigen Zeugnisse aus dem Ken- 
taurenmythus gegenüberzustellen, aus welchen her- 
vorgeht, daß man sich die Kentauren Felsen und 
Bäume schleudernd dachte: Hes. scut. Herc. 188. 
Apoll. Rh. I 64. Apollod. II 5,4. Diod. IV 12. Q. 
Smyra. VI 273. VII 109 etc. Hiermit stimmen die äl- 
teren Vascnbilder, in denen die Kentauren durch- 
weg Steine und Baumstämme schwingen, auffallend 
überein (Meyer, Gandhaiven QQ, Milchhöfer, Auf. d. 
gr. K. 75. Arch. Ztg. 1884. Tf. 8, L. Tf. 9, 1 etc.). 
Wer erkeimt nicht in dem Mythus von der Über- 
schüttung des Kaineus mit Steinen und Bäumen 
ein prächtiges Bild der furchtbaren Anhäufungen 
von Felssteinen und Baumstämmen, welche die 
natürlichen Folgen der zu Thale gehenden Wild- 
wasser sind! W^enn Kaineus (Gv. M. XII 524 ss.) 
in einen yapa^pto; (Regenpfeifer) verwandelt wird, 
der durch sein Geschrei die bevorstehende Füllung 
der yapaopai mit Regenwasser anzeigt, so stimmt 
das gut zu unserer Deutung der Kentauren als 
yapaöpat. Vgl. Gott. gel. Anz. 1884 S. 155 f. 
Rinderjagende Kentauren (vgl. den Wildbach Bou- 
90170;) erblickt man auf dem alten Relief von 
Assos im Louvre. Als Zerstörer eines Töpfer- 
ofens treten die Kentauren auf Hom. epigr. XIV 
19: TUTTToiev totSe ^p7a xaxwc, tiitttoi 51 xoc- 
jxtvo;, wo Ttlnro trefflich die zerstörende Stoß- 



163 



[No. 6.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCÜRIPT [7. Februar 1885.] 164 



kraft des Wildwassers bezeichnet Als mordlnstige, 
wilde Gesellen, welche einsamen Wanderern in 
wilden Bergthälem auflanem, nm sie zu töten 
und ro^ zu verzehren (daher iiijio<pa7oi bei Theogn. 
541), erscheinen die Kentanren in der alten Pe- 
leossage. Ihre Gegner, die Lapithen, sind natür- 
lich als die Vertreter der in den geftlhrdeten Ort- 
schaften und Burgen der Ebene seßhaften Be- 
wohner zu denken. Herakles aber ist auch hier- 
wie sonst ein Sonnengott, da er die Kentauren 
(wie auch die Hydra!) mit Pfeilen und Feuer- 
bränden*), den Symbolen der die ya^d^pon 
(torrentes von torrere!) rasch austrocknenden 
Sonnenstrahlen, vernichtet Vgl. Antiphil. b. Brunck, 
Anal. II 177, 31: 

tteJov dTTOxXetcov Tyvoc 6öotzopir)c; 

o^J/ojiat f^eXitp 3e xexaojxevov, ostic iXiy/ta 
xa\ 7<5viji.ov TTotapL^v xal v6öov**) olöev u^top. 

Ov. Am. III 6, 105: 

At tibi pro meritis, opto, non candide torrens, 
Sint rapidi soles siccaqne semper hiems! 
Auch der Zug des Kentaurenmythus, daß die 
9T;p£; op£9x<poi ohne Ausnahme sterblich sind und 
trotz ihrer StUrke bald überwunden werden, ist in 
der Natur der yeijAappoi wolü begründet, deren 
plötzliches Erscheinen und rasches Verschwinden 
(Forchhammer, Erkl. d. IliaslS), wie aus zahlreichen 
Zeugnissen erhellt, einen tiefen Eindruck auf die 
dichtende Volksseele machen mußte. Vgl. II. E 91. 
Fest 352 s. v. Torrens. Sen. Nat. Q. VI 7, 2. 
Wenn Hom. ep. XIV die Kentauren als Zer- 
störer eines Brennofens gedacht werden, so gilt Ahn- 
liches von den Wildbächen: Herodian. III 3, 7. 

3) Die oft hervorgehobene Trinklust und 
Trunkenheit der Kentauren (Hom. Od. XXI 295. 
Piiid. fr. 147 B. Apollod. II 5, 4 etc.), die sich zu 
völliger Käserei steigert (Hom. Od. XXI 297 ff. 
jxaiv<$|i£vo; xotx* Ipe^e. Verg. G. 11 455 furcntes 
Cent.), erklärt sich einfach aus den Ausdrücken 
-Xi5i)eiv, jAEÖuetv, furere, saevire u. s. w., die man 
von dem scheinbar trunkenen, rasenden Wesen der 
Wildbäche gebrauchte. Vgl. Pind. fr. 90 B: cjuv 
yeijiappco {leOuco. Antiphil. b. Brunck Anal. II 
177, 31: [yei|iappe] f^ {jieBuetc oji^ipoio. IL A 492: 
rXr^{)cüv roT«}!^; . . xaxeKJtv yeiptappooc. ü. E 
87. Ov. Met. in 571 (saevior ibat). Verg. Aen. 



*) Über Waldbiände als Büttel gegen Wildbache 
s. IL 342 SS, Auch die Lapithen kämpfen hier 
und da mit FeuerbrSnden : Arcb. Ztg. 1883 Tf. 18. 

•*) Dieser Ausdruck erklärt trefflich die vo^sia 
der Kcntaureo. 



X 603 (torrentis aquae .... more furens). ib. 

II 496 etc. 

4) Die Streit- und Kampflust der Kentau- 
ren erklärt sich einfach ans mehreren sch()Den 
Vergleichen gewaltiger, unaufhaltsam vordringen- 
der, alle Gegner vernichtender Krieger mit den 
Xei|iappoi Vgl II. A 492. A 452. E 87. Verg. Aen. 
XU 524 ff. u. s. w. 

5) Oft wird dasLärmen, Tosen und Schreien 
der Kentauren hervorgehoben. Ich erinnere nur 
an die Namen Aouttcov, 'Epf^Souiro;, TrjXeßia;, Bpo- 
jioc, ''OfJwtöo;, Neaaoc (Curtius Grdz.* 244) und an 
die Schilderung des Kentaurenkampfes bei Diod. 
IV 12. Damit vergleiche man Stellen wie B. A 455: 
Twv öe T£ [yeiji-appcDv] tyjX^js ooüttov iv orjpeTiv 
IxXue TioijAT^v. N 140: xtoiteei öe \f dr^ autou 5Xt^ 
IL O 237. Od. X 515: iroTapitüv Ipioou^cov. Ap. Rh. 

III 71. Verg. Aen. II 308. VH 566. XII 524 etc. 
Artemidor Oneir. II 27. PoUux On. VI 129 etc. 
Ein bekannter Wildbach in Arkadien heißt Ke- 



aöcüv. 



6) Das Epitheton wpio^a^o; bei Theogn. 541 
(vgl. Apollod. n 5, 4 und den Wildbach KuxXo- 
Ji<$poc) wird sofort verständlich, wenn man bedenkt, 
daß die Wildwasser häufig lebende Rinder (vgl. 
die Namen Boü^a7oc, Booö^poc), Pferde (vgl. den 
'iTTTio^f^pac), wilde Tiere und Menschen verschlingen. 
Vgl. 11. 0) 282 ff 312 ff Ov. Met. VIII 553. Ilor. C. 
m 29, 37. SU. It. IV 523 ff. So erklärt sich die 
troische und jedenfalls auch griechische Sitte (GemoU, 
Einl. L d. hom. Ged. 3), den /EiiJLappot, wenn sie 
angeschwollen und gefährlich waren, lebende 
Tiere (z. B. Pferde) und Kuchen in die W^ogen 
zu werfen (vgl. z. B. IL <^ 132, vom Skamandros, 
der ganz als /£i)i.appouc zu denken ist, Paus. X 
8, 10). 

7) Die ßoßgestalt*) der Kentauren erklärt 
sich wohl am besten aus dem Vei-gleiche des 
schnellen, ungestümen, sich bäumenden, 
schnaubenden und schäumenden Pferdes mit 
den yeipiappoi, welche ebenfalls schäumen, schnauben 
und ungestüm mit hochgehenden Wogen (da, wo Un- 
ebenheiten im Bette sich finden) raschen Laufes zu 
Thale strömen. Man denke einerseits au den 



*) Sicherlich wurde man sich die Kentauren als 
reine Rosse gedacht haben, wenn nicht das ihnen zu- 
geschriebene Schleudern von Felsen und Baumstäm- 
men sowie ihre Geschicklichkeit im Heilen von Wun- 
den (y.ßiptMv von yiip; s. u.) mit Notwendigkeit die 
Vorstellung menschlicher Arme und Hände erseugt 
hätte, welche natürlich wiederum auf die Vorstollong 
eines menschlichen Vorder- oder Oberleibes führen 
mußte. 



165 



[No. 6 ] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [7. Februar 1885.] 166 



bekannten Vergleich der Wogen mit Rossen 
(ital. cavalloni), andererseits an Gleichnisse, in 
denen schnaubende, rasch dahinsprengende Eosse 
mit den yeijiappoi zusammengestellt werden: B. 11 
389 flf. Vgl. auch spumosi amnes Verg. Aen. XII 524. 
C)v. Met. ni 571 spumens et fervens [torrens]. ib. 
1 280 ff. VaL Fl. VI 390 f. Hierzu kommt noch, 
daß angeschwollenen Wildbächen Pferde geopfert 
wurden, zumal da diese Tiere twv üöaxwv xa OoXepa 
rivoüai und tpiX<$XoüTpa xal ^iXuöpa sind (Aristot. de 
an. h. Vin 24). Dieselbe Opferaitte ist auch von 
den Persem (Herod. VII 113), Parthem (Tac. ann, 
VI 37), Indem (Phüostr. v. Ap. Ty. n 19) und 
Germanen (Grimra, Deut. Myth.» 41. 89. 558 f.) über- 
liefert. Die deutschen Wassergeister nehmen so- 
gar Eoßgestalt an (Simrock, D. M.* 469. Müller, 
Gesch. d. altd. Rel. 370 f.). Wie die Eosse und 
yeijxcrppot (Bmnck, Anal. 11 177, 31 Xa^poTro^r; 
ycijiapps. Sen. Dial. X 9, 2. Verg, Aen. 1317. Sil. 
It. n 74. III 307), so sind auch die Kentauren 
schnellfüßig (Hymn. in Merc. 225). 

8) Wenn in dem uralte Anschauungen ent- 
haltenden Hymnus auf Hermes v. 224 die sonder- 
baren Fußspuren des Hermes den ungeheuren 
Fußstapfen eines Kentaiu'en verglichen werden 
(oJTtc Tor« reXmpa piJJot ttojI xapi:aX(|JLOiJiv), so 
brauclit man nur au die furchtbaren Löcher und 
Anfwtihlungen des Bodens zu denken, welche 
stets den Weg der Wildbäche bezeichnen (Polyb. 
IV 41). 

(Schluß folgt). 



II. Rezensionen und Anzeigen. 

Arthnr Lndwicb, Aristarcbs Ho- 
merische Textkritik nach den Fragmenten 
des Didymos dargestellt und beurteilt. Erster 
Teil. Leipzig 1884, B. (J. Teubner. VIII, 635 S. 
12 M. 

Während wir von Krates aus Mallos, dem 
geistvolleu Gegner Aristarcbs dank Ed. Lübberts 
Arbeit im Rhein. Mus. XI p. 428 ss., bereits eine 
gute Charakteristik besitzen , feblt uns eine 
solche Aristarcbs nicht nur augenblicklich noch, 
sondern es dürfte auch die Zeit, in welcher der 
Versuch, diesem Bedürfnis zu entsprechen, gewagt 
werden kann, noch in ziemlich weiter Ferne liegen. 
Wenn wir also jede Bemühung, welche uns diese 
Zeit um etwas näher rückt, mit Dank begrüßen 
müBsen, haben wir mit ganz besonderer Freude 
eine Vorarbeit entgegenzunehmen, für deren meister- 
hafte Durchführung uns schon von vornherein der 



Name ihres Verfassers Bürgschaft leistet. Freilich 
ist, was wir zunächst empfangen, streng genommen, 
selbst wieder erst die Vorhalle, durch welche wir 
in einen bis zum Erscheinen des zweiten Bandes 
uns noch verscblossenen Bau einzutreten haben; 
allein gerade dieser Umstand ist so recht geeignet, 
uns die unendlichen Schwierigkeiten, mit denen die 
Lösung der wichtigsten Aufgabe, eben der Charak- 
teristik Aristarcbs, verknüpft ist, zu vollem Be- 
wußtsein zu bringen. So wenig Umfang, Tiefe, 
Ertrag und Eigentümlichkeit der philosophischen 
Studien Aristarcbs auf andern Gebieten, wie Exegese 
und Kritik Hesiods, der lyrischen und dramatischen 
Dichter, Grundlegung der formalen Grammatik, 
sein Eingehen in sprachphilosophische Unter- 
suchungen u. a. richtig verstanden und gewürdigt 
werden können, ohne daß man vorher ein klares Bild 
seiner Bemülmngen und Verdienste um die Sicher- 
stellimg des Homerischen Textes gewonnen hat, 
ebensowenig ist wieder ein gesichertes Urteil über 
den letzten Punkt möglich, ehe uns sein Text in 
möglichst verläßlicher Rekonstitution selbst vorliegt; 
auf welchem anderen Wege aber vermöchten wir 
uns eben \vieder diese Vorlage zu schaffen als 
durch eine — soweit unsere Mittel reichen — 
möglichst vollständige Herstellung der Didymeischen 
Arbeit irspl tt^c 'AptdTotpyoü oiopOtojsüi?, als der ein- 
zigen für diesen Zweck reichlichen und am klarsten 
fließenden Quelle? Wenn uns also Ludwichs Müh- 
waltnng diese Quelle in einer bisher ungeahnten 
Reichlichkeit einschließt und klärt, — denn seine 
Sammlung ex twv i\iöu|xoü xxX. umfaßt die S. 175 — 
631, wovon 175—506 auf die Ilias, S. 507—631 
auf die Odyssee entfallen — wenn uns derselbe 
überdies in einer stoffreichen (S. 1—174) Einleitung, 
die er bescheidentlich nur als eine orientierende 
Einfühi-ung in die nachstehenden Fragmente be- 
zeichnet, die ausreichenden Mittel an die Hand 
giebt, die Sicherheit seiner Zuweisungen an das 
Didymeischc Werk nachzuprüfen, so ist leicht zu 
ermessen, ein wie hohes Verdienst er sich als 
Förderer Aristarchischer Studien um unsere Kenntnis 
des Aristarch überhaupt erworben hat und welch 
bedeutender Schritt dem eigentlichen Endziele, einer 
Charakteristik dieses gefeierten alexaudrinischen 
Schulhauptfi, näher gethan Ist. 

Ich muß es mir vorbehalten, auf hier nur 
Angedeutetes nach dem Erscheinen des zweiten 
Teiles ausführlicher zurückzukommen: für diesmal 
begnüge ich mich mit einem einfachen Referat 
über den Gang, welchen der Verfasser in seiner 
orientierenden Einleitung eingeschlagen hat. 

Die erste Frage gilt dem Apparate, mit 



167 



[No. 6.] 



BERLINER PHTLOLOOISCHE WOCHENSCHRIFT. [7. Februar 1885.] 168 



welchem Arißtarch ans Werk zu gehen vergönnt 
war (§ 1—3). Wie Herr L. durchweg darauf aus- 
geht, das Sichere vom Ungewissen, wenn gleich 
vielfach als sicher Geltenden, zu scheiden, so schon 
hier. Sicher ist also, daß ihm 1) sechs (wenn 
Philetas wirklich eine Ausgabe besorgte, sieben) Aus- 
gaben xaT avöpa in je einem Exemplare zu geböte 
standen, mehrere nur von der Rezension Zenodots 
(to^ Z7jvoS«5T6iot), 2) ebenso viele etwa xarot i:6X£ic, 
deren Entstehungszeit, Verfasser und Zweck jedoch 
völlig unbekannt sind, 3) die alte, in großer Anzahl 
von Exemplaren vertretene Vulgata (trapdf^ioji; 
9 162. xoivT^, xotvai, xoivÄrspat*), orijjtiuosf;), welche 
indes Pisistrateisch zu nennen kein Anhalt vor- 
handen ist. Dagegen ist nicht zu sagen, ob die 
-oXuTTiyoc, die xuxXtxr^, t] Ix Mooisiou zu seinem Appa- 
rate gehörten, und vollends dürfte es ein völlig 
vergebliches Bemühen sein, nach der Urquelle 
dieser voraristarchischen Ausgaben zu forschen. 
Ein zweiter Abschnitt ist dann den eigenen 
Schöpfungen Aristarchs auf dem Gebiete der 
Homerischen Kritik und Exegese gewidmet. Es 
sind seine beiden, bei übereinstimmender Lesait 
unter dem Ausdruck ai \AptJTapyou zusammenge- 
faßten und, wie aus 11613, T 365, K 397 erhellt, 
beide mit kritischen Randzeichen versehenen Aus- 
gaben: die erste SiopBwji; und die eT:£x5oBetja $if$p- 
öcüJi; (jjL^j rXetovac SC. tcüv 5üo K 392), i\ exepa; 
sowie die in ihren Titeln schon den mehr polemischen 
Charakter andeutenden jüY7pa|xji.aTa und die dem 
Gange der Gedichte folgenden, au Alter, Wert und 
I>giebigkeit verschiedenen (rjxp'.^wjjieva, eJr^tajpLeva 
B 111 H 130) u-ojxvT^ixaTa. Da nun die beiden 
Ausgaben sowohl unter sich abweichen — leider 
ist nur in den wenigsten Füllen klar, welche unter 
Tj £T£pa gemeint ist — als auch von den uropivT^pLaTa, 
da ferner auch die au77paf|i.|i.aTa Lesarten folgten, 
die in keiner der beiden Ausgaben standen und 
endlich auch die ü7ro|xvTj|xaTa wieder unter sich 
diffenerten, so ist der Sclüuß gerechtfertigt, daß 
Anstarchs Homerkritik eine werdende war. Doch 
ist dies, wenn auch das wichtigste, so doch nicht 
das einzige belangreiche Resultat der in § 4—9 
augestellten Untersuchungen. Wir dürfen noch 
folgende hervorheben: 1) es ist nicht sicher zu 
stellen, ob Aristarch in seiner Diorthose auf Aristo- 
phanes oder Zeuodot weiter baute ; die üTropLVTJjjLaTa 
dagegen, die der Zeit nach doch wohl älter als 



*) Erwünscht wäre ein Aufschluß über die Be- 
deutung dieses Komparativs. Verringert er jenen 
kritischen Wert selbst der /.oiv^^ oder nur den anerkannt 
besseren Führern gegenüber? 



die Ausgaben sind, dürften sich an Aristophanes 
Ausgabe angelehnt haben (B 133 ''ApiTTo^dfvTjv. 
iraXaiuiv); 2) polemische und exegetische Schriften 
hat er nach Abschluß der zweiten ^x^ojt« kaum 
mehr verfaßt (Z 4} ; 3) die zwei Ausgaben können 
dem Didymos nur in je einem Exemplar vorgelegen 
haben, wogegen die u-o|xvr^|xaTa (für Vorlesungen 
niedergeschriebene Notizen) in mehreren Ausgaben 
verbreitet waren; 4) die sechs zum Teil schon von 
Aristophanes von Byzanz verwendeten Randzeichen 
6iT:Xf^, die nur gegen Zenodot gerichtete SiTrXTJTrepisjn;- 
pi£VT), ^3sX<$c (aXo^o;?), d^TSp(jxoc, dtvxtfyiYjJia, TCiTinj 
dienen alle ohne Ausnahme neben der Exegese der 
Textkritik; 5) wenn auch Aristarchs Gewissen- 
haftigkeit oft Grund zu schwanken fand, dürfen 
doch nicht alle mit Sr/oic eingeleiteten Scbolien 
auf ihn bezogen und in oiyu»; ein Kennzeichen 
Bidymeischen Ursprungs gefunden werden, wie es 
denn in ganz sicheren Herodianscholien völlig 
anderen Zwecken dient (auch Tpiycu; tritt auf) und 
oft bloß abkürzendem Verfahren beim Exzerpieren 
seinen Ursprung verdankt. 

Die weiteren §§ des Ludwigschen Buchs hahen 
es ausschließlich mit Didymos zu thun, der sich 
das hohe Verdienst erwarb, gerade noch zu rechter 
Zeit, ehe die Aristarch-Homeriscbe Überlieferung 
allzuunsicher wurde, — waren doch die zwei 
Originalausgaben Aristarchs bereits verloren — 
in seinem Werke irspl 'AptTcap/ou 8topd(u7eü>c alles, 
was mit den erhaltenen Mitteln noch zu gewinnen 
war, mit gewissenhaftem Fleiße etwa in der Weise 
dmchweg zusammenzutragen und mit eigenen knapp 
gefaßten Ui*teilen zu begleiten, wie sie durch einen 
glücklichen Zufall in dem längeren Scholion zn 
Bill noch ersichtlich ist. Welches nun diese er- 
haltenen Mittel waren, ht eine nicht leicht zu be- 
antwoitende Frage, deren Beantwortung in den 
§§ 11—19 vei-sucht wird. Wenn er schon die 
Originale der Zeuodoteischen (Düutzer S. 17), 
Aristophanischen (T 327 <I> 130)undAristarchi8chen 
Ausgaben, deren eine er den <ipyarat (I 657), die 
andere den -/apuTrepai (B 579 5 727) zurechnet, 
nicht mehr einsehen konnte, so ist dies noch weniger 
von den Städteausgaben und denen xat av<5pa (^' 80) 
zu erwarten: er wird derartige Notizen vielmehr 
den Schriften Aristarchs und anderer Uomeriker 
verdanken imd sein eSpopisv (II 630) in demselben 
Sinne wie das in B 131. 516. A 3 zu deuten sein. 
Diese Homeriker selbst aber werden wir am schick- 
lichsten in voraristarchische Gegner und Anhänger 
des Aristarch zerlegen und aus der ersten Gruppe 
Apollonios von Rhodos -po; Ztjvoöotov, Philetas und 
Athenokles hervorheben, der zweiten Kallistratijs 



169 



[No. 6.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [7. Februar 1885.] 170 



(rpO€ ric dÖsTT^aeic, SiopÖcüTixa, irepl MXiaöoc, Ptole- 
mäos, Epithetes (Ji xd« Zt)vo86xoü ^potJpac ixti^pLevoc), 
den Demetiios Ldon (Z 437) und den merk- 
würdigerweise 80 selten citierten Erates (O 558 
Q 253) zuweisen, der dritten in erster Linie 
Ammonios, Aristarchs Nachfolger anf dem Katheder, 
welchen Didymos offenbar am höchsten schätzt, 
während er Dionysios Thrax. der wie Parmeniskos 
irpoj KpaTTjta (0 513) schrieb, doch mit Reserve 
benntzte, in zweiter Dionysodor, Ptolemäos Oroandu, 
Dionys von Sidon, Chäris, Diodor, in dritter die 
als ol xa^ ^iV-^^y oi ^^^ '^i^ oyoX^c B 865, 
K 225 bezeichneten Zeitgenossen; dagegen scheint 
Didymos Schriften von Sophisten, Philosophen und 
Geographen nicht benutzt zu haben, da er als Feind 
jeder Konjekturalkritik am wenigsten Neigung ver- 
spüren konnte, aus stupidem Lokalpatriotismus 
entsprungene Einfälle zu berücksichtigen. 

Man wird in der Aufzählung der von Didymos 
benutzten Anhänger Aristarchs vielleicht den 
Aristonikos vermißt haben. Gerade ihn aber aus 
deren Liste ausgeschieden zu haben*) und den 
Beweis für die Richtigkeit dieses Verfahrens evident 
erbracht zu haben, ist einer der Glanzpunkte**) in 
diesem Abschnitt der Ludwigschen Untersuchungen 
(§§ 14—18). Der Verf. ist völlig im Rechte, 
^enn er eine Benutzung des Aristonikos durch 
Didymos ebenso entschieden in abrede stellt wie 
Benutzung des Didymos durch Aristonikos. Ge- 
setzt anch, wir kennten Aristonikos' 2ieit, und 
dieselbe gestattete ims einen der einen oder der 
andern Annahme günstigen Schluß, so würde doch, 
wie L. treffend ausführt, schon die einfache 
Erwägung, daß die Werke beider ganz verschiedene 
Zwecke verfolgten und höchstens auf den zwei 
Grenzgebieten der Zenodoteischen Kritik und 
Aristarchischen Athetesen sich streiften, uns von 
so voreiligen Voraussetzungen zurückhalten müssen 
Was hätte einer dem andern nützen sollen? 
Während Aristonikos, der überhaupt in Anführungen 
andrer übeimäßig sparsam war und sich auch dann 
gern mit einem nichtssagenden xtvec begnügte, sich 
auf dem einen dieser Gebiete eben nur um Zenodot, 
um Aristophanes von Byzanz gar nicht kümmert, 
also dem Didymos wenig hätte bieten können, hatte 
andrerseits Did>Tnos, wenn er auch die Athetesen 
berücksichtigen mußte und wirklich berücksichtigte 

*) Ich benutze diese Gelegenheit, meine früher auf 
H 535 86 gestützte Ansicht ausdrücklich zurück* 
zunehmen. Die Stelle zu H 255: looxäp xal 'Api^xovuo; 
ixxt^r^gtv, ijv x*p».xxov ivop.(3ct^3y -^pof'^ai war mir damals 
leider nicht gegenwärtig. 

•*) Bin anderer § 17. 



(I 23 O 130 e 535 Yj. s.), wieder keinen Anlaß, 
in der Schrift tcepl x^c'ApiTcdfpyou 5iop&ü)jea*; auf eine 
umständliche Begründung derselben einzugehen, 
da ihm die GT:ojjLVTQ|jwtxa hierzu ausreichende Ge- 
legenheit boten, und konnte somit für Lösung 
der Aufgabe, welche sich Aristonikos gestellt hatte, 
kaum etwas beisteuern, was derselbe nicht besser 
in andern Quellen fand. — Wenn sich also hie 
und da, in Erklärungen und Widerlegungen, 
welche Didymos allerdings auch nicht ganz aus- 
geschlossen hat (B 111. S 208. T 327), selbst 
wörtliche Übereinstimmungen zwischen beiden 
finden, so sind sie eben von beiden direkt und 
unabhängig aus den Schiiften Aristarchs selbst 
geschöpft, und es werden beide ihre Werke etwa 
zu derselben Zeit und mit einem teilweise gleichen 
Apparate geschaffen haben. Doch verdient dabei 
zweierlei bemerkt zu werden: 1) daß dem Didymos 
entschieden das Lob größerer Zuverlässigkeit ge- 
bührt, dagegen dem Aristonikos manche Ungenauig- 
keit nachgewiesen werden kann (S. 66), welche 
vielleicht seiner geringeren Vertrautheit mit 
der Aristarch- Homerischen Litteratur (so den 
üzoiJLvi5p.axa B 133 E 857 ^' 169) zur Last zu 
legen ist; 2) daß andrerseits Aristonikos das 
Verdienst hat, den Aristarch vollständiger und wort- 
getreuer exzerpiert zu haben, und daher dem 
Restaurator des Didymeischen Werks wertvolle 
Fingerzeige geben kann, wenn er auch dem Didymos 
selbst nichts hätte nützen können. Wie dies ge- 
meint ist, darüber belehrt die in der Fragment- 
sammlung getroffene bequeme Einrichtung des * 
und t» worüber S. 173 das Nähere beigebracht ist. 
Jena. M. Schmidt. 

(Schluß folgt). 



Karl Friedrich von Nägelsbacbs Home- 
rische Theologie. Dritte Auflage bearbeitet 
von Georg Antenrieth. Nürnberg 1884, 
Konrad Geiger. V, 482 S. gr. 8. 8 M. 50. 

Der berühmte Verf. der ersten Auflage vor- 
liegenden Werkes hatte sich die Aufgabe gestellt, 
den Inhalt, Umfang und Gehalt der Homerischen 
Gotteserkenntnis darzustellen, nicht den Ursprung, 
die Ausbildung und Umgestaltung der Homerischen 
Mythologeme. Auch für den Verf. der dritten 
Auflage blieb es Hauptaufgabe, das Wissen der 
homerischen Menschen von der Gottheit und die 
Bethätigung dieses Wissens in Glauben und Leben 
darzulegen ; daneben aber erschien es ihm als wissen- 
schaftliche Pflicht, nunmehr auch die Resultate 
der fortschreitenden Forschung und „die Neben- 



171 



[No. 6.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [7. Februar 1885.] 179 



beziehungen und Schlaglichter, welche auf Urspruag- 
und Wesen dieses Glaubens ein helleres Licht 
werfen**, zu berücksichtigen. Der litterarische 
Apparat, welcher in den Anhang verwiesen ist, 
enthält in mehr als zweihundert Anmerkungen eine 
Fülle philologischen, besondei-s aber auf die ver- 
gleichende Mythologie bezüglichen Stoffes. (Vor 
allem erfahren die Arbeiten von Kuhn, Sonne, 
W. Schwartz, Bergaigne, Le Page Renonf, Asmus, 
Kaegi, Pott und Röscher fortwählende Beiück- 
sichtigung und Beleuchtung, ohne daß von selten 
des Verf. der Anspruch erhoben vnrä, durch 
seine Beurteilung der verschiedenen Ansichten die 
Forschung abgeschlossen zu haben.) Dennoch 
scheint es nicht in der Absicht des Verf. gelegen 
zu haben, in den Anmerkungen einen auch nur 
annähernd vollständigen litterarischen Apparat zu 
bringen; es ist jedoch nach meiner Ansicht für 
die folgenden Ausgaben, da nun einmal schon circa 
100 Seiten auf denselben verwandt sind, eine 
größere Vollständigkeit, besonders nach der philo- 
logischen Seite hin zu erstreben. Andererseits 
könnte der Apparat in bezug auf das mytholo- 
gische Element eine Beschränkung erfahren, wenn 
wir mit Asmus igR I 183 zugestehen, daß bei 
den Griechen wegen der größeren Entwicklung 
und geistigen Ausbildung der Göttcrgestalten deren 
natnrlieher Ursprung dem V^olksbewußtsein in 
weiter Feme lag (vgl. unter anderm die Volks- 
etymologie des uralten Epithetons dp7ei^vTTjC, 
welche bei Homer schon in der Analogiebildung 
dvöpetipovTr^; vorausgesetzt wird). Nicht ein- 
verstanden darf man meiner Ansicht nach sein 
mit der Anführung der meisten Homercitate in 
deutscher Uberaetzung; mag das Buch in seiner 
neuen Gestalt auch „mehr für Forscher in der 
Religionsgeschichte und für Theologen bestimmt* 
sein, 80 wird dennoch dem gewissenhaften Forscher 
bei Benutzung des Buches eine Prüfimg des 
grieclüschen Textes niclit erspart werden können 
trotz der sachgemäßen und gewandten Übersetzung 
des Verf. Es kann hier nicht unsere Aufgabe 
sein, über die zahlreichen Erweiterungen und ver- 
änderten Behandlungen, welche einzelne Artikel 
erfahren haben, im einzelnen zu referieren. Man 
vergleiche in I § 22 den Zusatz über „Ambrosia**, 
§ 28 über den „Zauberstab Athenes**, über „Ga- 
nymedes", § 48 die Erörterungen über oaipL«>v 
und oai}iovioc; im zweiten Abschnitt die Einleitung, 
die Artikel „Helios und Eos", •Poseidon**, „die 
Musen**; im dritten Abschnitt „die Götter und 
die Moira**. — Über den Proteus bemerkt der 
Verf. I § 10 im Anschluß an Nägelsbach folgendes: 



„Sonst (d. h. abgesehen von der dem Menelans 
gegebenen Verheißung) sagt Proteus nichts anderes, 
als was ein weit gereister Schiffer eben- 
falls zu berichten vermag, nimmt man hinzu, 
daß er zugleich auch alle Tiefen des Meeres 
kennt, so kann man sich des Gedankens nicht 
erwehren, Proteus sei ein Bild der Schiffahrt, die 
ihren Ausgangspunkt im Osten hat*'. Paßt schon 
die von Proteus dem Menelans ge>gebene Ver- 
kündigung, daß er in das elysische Geülde kommen 
werde, sehr wenig für einen Schiffer, so kann 
noch wehiger der zweite Grund (oc t£ OaXaijr,; 
rajTTj; ^^vftea oldt) als Stütze für die ausgesprochene 
Ansicht dienen; denn ein Schiffer kennt im 
günstigsten Falle die Untiefen des Meeres, nicht 
aber die Tiefen desselben, welche dagegen dem 
auf dem Grunde des Meeres wohnenden Meergotte 
(vgl. ö 450 6 7epwv ^W i? aX<5c) bekannt sein 
müssen. Ferner ist eine Kenntnis der Schicksals- 
bestimmung, wie sie der Meerdämon besitzt (vgl. 
ö 475), wohl kaum selbst bei einem weitgereisten 
Schiffer vorauszusetzen. Auch würde die Möglich- 
keit der Beantwortung der Frage, welche EiootHr, 
an den Gott zu richten auffordert (5 423 Octi)>» 
^c Ti; j£ '/aXiiz'zC), kaum in dem Bereiche eines 
Seefahrers liegen. Ebensowenig kann Atlas, „der 
Repräsentant der tragenden Kraft des Meeres*', 
als Symbol der Schiffahrt angesehen werden; denn 
wenn er auch wie Proteus die Eigenschaft be^tzt, 
die Tiefen des Meeres zu kennen, wenn sich anch 
in dem Namen KaXu<{/(o eine Beziehung zu dem 
schlauen Handelsvolk der Phoiniker auftinden läßt 
ebenso wie in dem Epitheton oXofS^pcuv, so läßt 
sich dennoch die an einen bestimmten Punkt ge- 
bannte Thätigkeit des Atlas (lysi 6s xiova; x. t. X.) 
kaum mit einer solchen Auffassung vereinigen. 
Proteus sowohl wie auch Atlas dienten eher dazn, 
die äußersten Grenzen der Schiffahrt d. h. des 
bekannten Meeres zu bezeichnen, worauf auch die 
Columnae Protei (Verg. Aen. X 262) hinweisen, und 
beide sind eher Symbole der Grenzen der 
Schiffahrt als der Schiffahrt selbst, wenn man sie 
nicht lieber als Naturgottheiten und als vöUige 
Persönlichkeiten, wie sie bei Homer erscheinen, 
anerkennen will. — Im dritten Abschnitt, welcher 
über das Verhältnis der Götter zu der Moira 
handelt, gelangt der Verf. abweichend von dem 
in der zweiten Auflage sich ergebenden Resultate 
zu der Schlußfolgerung, daß Zeus nirgends der 
Moira entschieden (!) untergeordnet erscheine, und 
daß die Moira nicht eine dunkle, unfaßbare Gewalt 
im Hintergrund neben und über Zeus sein könne. 
Zur Begiündung seiner Ansicht giebt der Verf. 



173 



[No. 6.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [7. Februar 1885.] 174 



folgende Dentung: der sonst als Beweis gegen die 
£inhcit des Zens nnd der Moii*a angesehenen 
ipot To^avra li6^: „Mit diesem Zeichen (so heißt 
es pag. 125) kündet Zens den Göttern an, daß 
nnn der Moment der Entscheidung da sei, Zeus 
signalisiert damit, daß er seinen Beschluß voll- 
strecke". Zum Signab'sieren würde nach meiner 
Ansicht Zeus sich eine^ andern Mittels bedient 
haben (vgl. Tepaa, Blitz u. s. w.), wenn es 
überhaupt für die Götter eines besondem Signale- 
ments bedurfte. In der Anwendung der xaXavra 
vielmehr giebt Zeus unbedingt der Anerkennung 
eines andern Willens neben dem seinigen 
Ausdruck, der von ihm befragt wird, sobald er 
selbst schwankt, ob der entscheidende Augenblick 
gekommen sei, den Beschluß des Schicksals aus- 
zuführen. Diese Unentschiedenheit des Zeus in 
bezug auf die Wahl des richtigen Zeitpunktes 
ergiebt sich aber aus verschiedenen Stellen vgl. 
II 646 |i€pji.Y)ptCu>v ^ 7;ör) (schon jetzt) und die 
weiter unten behandelten Stellen II 433, X 174. 
Für die Ansicht des Verf. scheint zu sprechen 
der Ausdruck: T 223 iir?jv xXivTjat TaXavra, doch 
dienten diese Worte wohl nur als verkürzter, 
zusammenfassender Ausdruck zur Bezeichnung des 
in 9 72 und X 212 geschilderten Vorgangs des 
Wagens. — Zu n 433 bemerkt der Verf.: Zeus 
überlegt, ob er den der Moira längst verfallenen 
Sarpedon derselben überlassen oder entreißen solle, 
„damit wird ihm offenbar die Macht zu- 
getraut, das letztere zu thun, Zeus giebt nach, 
ft^ilich nicht wegen einer diesmaligen Üherordnung 
der Moira, sondern wegen der Konsequenzen den 
andern Göttern gegenüber**. Nach meiner Ansicht 
ist Zeus nicht zweifelhaft darüber, ob er denSarpedon 
überhaupt seinem Geschick entziehen, sondern ob 
er schon jetzt ihn der überlegenen Macht seines 
Feindes preisgeben solle (^ tj 5 r) uir^ y epdl Mevoitiaöao 
6a|juzwoj). Von einem Einschreiten gegen den 
Schicksalsbeschluß ist gar keine Rede, wie sehr 
Zeus auch denselben beklagt (oS }xoi l^cuv), sondern 
nur von einem Aufschub desselben. Ganz ebenso 
verhält es sich mit X 174: Die Gatter „beraten 
nicht über ein etwaiges Einschreiten gegen die 
Moira, wie der Verf. meint, sondern wiederum 
darüber, ob der geeignete Zeitpunkt gekommen 
«ei (vgl. 175 f^e jiiv tjÖyj . . 'AytX^t 5a|jia<jffO|i.sv), 
schon jetzt die Bestimmung auszuführen. — Im 
Gegensatz zum Vorhergehenden heißt es pag. 128 
wörtlich: «Darin daß die Götter (auch Zeus) der 
Moira nicht gern entgegentreten (11 441), liegt 
hinwieder eine Überordnung der Moira über 
die Götter*', und weiter unten: „noch deutlicher 



sprichtdie Unterordnung der Götter wenigstens 
in bezug auf die Moira öava-rou Athene selbst 
aus" (7 236), femer pag. 129: „die Götter 
(auch Zeus) erscheinen in ihrem Handeln unter- 
geordnet als Vollstrecker und Werkzeuge''. 
Vergleichen wir hiermit pag. 131 : „aus allem 
Bisherigen ergiebt sich kein Beispiel, wo Zeus 
entschieden (!) der Moira untergeordnet wäre; denn 
wenn er die Moira ausführt, so ist das nicht so zu 
deuten. „Zeus giebt ein Zeichen für die Götter, 
ein anderes für die Mensclien, worauf die Voll- 
streckung durch Götter, Menschen oder beide 
erfolgt", so wird sich schwerlich jemand mit 
diesen Schlußfolgerungen einvei*standen erklären. 
Außerdem ist es nach meiner Ansicht einleuchtend, 
daß, wenn Zeus ein Zeichen gie^t, er eben damit 
den Beschluß der Moira ausführt Ebensowenig 
kann ich dem folgenden Satze beistimmen: „Wenn 
Zeus hie imd da zu zweifeln scheint, so ist der- 
selbe Fall gegeben, als wenn einen Menschen 
ein früher gefaßter Beschluß reut". Ich habe bereits 
oben darauf hingewiesen, daß sich dieser Zweifel 
des Zeus niemals darauf bezieht, ob er dem Willen 
des Schicksals entgegentreten solle, sondern darauf, 
ob der entscheidende Zeitpunkt zur Ausführung 
des Schicksalsbeschlusses gekommen sei. Es ist 
unmöglich, auf alle einzelnen Punkte hier näher 
einzugehen; doch soviel scheint festzustehen, daß 
die Ansicht des Verf.: Zeus sei nirgends dei* 
Moira entschieden untergeordnet, keineswegs aus- 
reichend begründet ist. — Zum Schluß seien mir 
nur noch ein paar Bemerkungen gestattet. Die 
in der Anmerkung 85 gegebene Erklärung von 
dp7ei<p<$vTric findet sich bereits in der Odysseeausgabe 
Hinrichs-Faesi (zu a 38), dieselbe erhält ihre 
Bestätigung außerdem auch noch durch das -rop^v . . . 
dp7i?p<5vTav (Alkman Fr. 34). Pag. 84 ist nach 
Curtius GZ* abzuteilen aXoj-tJövyj. Undeutlich 
ist pag. 82 der Satz: „Helios . . . Vater des 
Äetes und der Kirke, die ihm Perse gebar; 
sowie der Neäre, der Phaethusa und Lampetie" 
(vgl. |x 133). Auch einige Druckfehler sind mir 
aufgefallen: pag. 128 Moria statt Moira; pag. 388 
r 351 statt T 351; pag. 84 Poesidon statt 
Poseidon; pag. 416 dfei^^Svrrjc. 

Mag nnn auch der Verf. der Ansicht sein, das 
vorliegende Buch sei „seinem Inhalte nach mehr 
für Forscher in der Religionsgeschichtc und für 
Theologen" bestimmt, so wird dennoch kein Philo- 
loge es sich nehmen lassen, es auch als das seinige 
zu betrachten. Nägelsbach erklärte, indem er sein 
Buch eine Homerische Theologie nannte, daß es 
hier vor allem darauf ankomme, zu betrachten, 



1J5 



[No. 6.] 



BERLINER PHILOLOGISCOE WOCHENSCnRlFT. [7. Februar 1885] 176 



nicht sowohl was der Homerische Mensch von den 
Göttern, als was und wieviel er von Gott wisse, 
nnd hat es deshalb unterlassen, sich der Arbeit 
eines Mythologen, der historischen Entwicklung 
mythologischer Vorstellungen zu unterziehen. Je 
mehr nun der Verf. in den künftigen Auflagen 
dieses Buclies diesem Prinzip getreu bleiben wird, 
um so mehr wird sein Werk den Namen einer 
Homerischen Theologie beanspruchen können, um 
so geeigneter wird es sein, im Sinne Nägelsbachs 
die Wissenschaft fördern zu helfen und sein An- 
denken frisch zu erhalten. Trotz der in manchen 
Punkten differierenden Ansichten meinei*seits haltev 
ich es dennoch für meine Pflicht, dem gelehrten 
Verf. für seine Leistung unsern Dank auszusprechen : 
seine Arbeit wird auch in diesem neuen Gewände 
wolil geeignet erscheinen, dem Forscher nach 
vielen Seiten hin Ajiregung und Unterstützung zu 
gewähren. 



Berlin. 



K. Thiemann. 



G. F. ÜDger, Zur Geschichte derPy- 
thagoreier. Sitzungsber. d. K. Bayer. Akad. 
d. Wiss. 1883. Heft H. S. 140—192. 

Derselbe: Die Zcitverhältnisse des 
Anaxagoras und Empedokles. Philologus 
SuppL-B. IV. Heft 5 (1883). S. 511-550. 

Derselbe: ApoUodor über Xenopha- 
nes. Philologus B. XLIII (1884). Heft 2. 
S. 210—218. 

Der scliarfsinnige und geleluie Verf. der oben 
bezeichneten Abhandlungen sucht die Chronologie 
der vorsokratischen Philosophen auf neuer Grund- 
lage aufzubauen und gelangt durch eine Fülle von 
Kombinationen zu Folgerungen, welche von den 
jetzt üblichen Datierungen erheblich abweichen. 
Wir können hier nur die wesentlichsten Ergebnisse 
seiner Untersuchungen zusammenfassen, wobei zur 
besseren Orientierung den Ansätzen Ungers nach 
Möglichkeit diejenigen von Zeller (-^ Z.) bez. Diels 
(= D.) beigefügt werden sollen. 

1. Pythagoras, geb. um 568 (Z. 572), tritt 
zuerst in Samos als Lehrer auf 532 (meist wird 
in dieses von Apollodor als dixjAiQ bezeichnete Jahr 
seine Auswanderung nach Italien gesetzt), wird von 
Polykrates (seit 547 Teilfürst, 530 AUeinheiTscher) 
nach Ägypten zu Amasis geschickt, siedelt nach 
der Rückkehr 528 infolge des zunehmenden Druckes 
der T3rrannis nach Kroton über und begiebt sich 
509, nachdem er dem Aristaios die Leitung der 
Schule übertragen, nach Metapont, wo er bald 
nach einer mit Austreibung der Pythagoreer in 



Kroton verbundenen Umwälzung, wahrscheinlidi 
493 (497 Z.), stirbt. — Es folgt eine hauptsächlicli 
nach dem Berichte des Apollonios bei lam* 
blichos entworfene, überraschend genaue und chro- 
nologischpräzisierte Geschichte des Pythagoreischen 
Bundes. Nach dem großen Blutbade zu Kroton, 
das wahrscheinlich 470 stattfand (Z. frühestens 
440 wegen der Zeitverhältnisse des Lysis nnd 
Epaminondas, deren Geburt U. dementsprechend 
auch bedeutend früher setzt, als man bisher an- 
nahm, nämlich um 430 bez. 490), wurde der 
jüngere Sohn des Pythagoras, Mnesarchos, iden- 
tisch mit dem anderwärts genannten Arimnestos (?), 
Schulhaupt Die durch die Achäer bewirkte 
Aussöhnung zwischen und in den unteritaiischen 
Städten fällt wahrscheinlich in 453 (Z. frühestens 
419/414). Mnesarchs Nachfolger, Bulagoras, kam 
in der großen Niederlage um, welche die 
Krotoniaten von den Thuriem erlitten, kurze Zeit 
vor der Einführung der demokratischen Achäer- 
verfassung i. J. 425. Die folgenden Schulhäupter 
waren Gortydas, Aresas, Philolaos, Eurytos und 
Xenophilos, der hochbetagt etwa 320 starb, nach- 
dem die Schule sich um 340 aufgelöst hatte. 

2. In der Chronologie des Empedokles sagt 
sich IT. von der bisher geltenden Autontät des 
Apollodor und Eratosthenes, deren ünzuverlässig- 
keit auch sonst betont wird (S. 524 und 544 ; vgl. 
No. 3 S. 218), los und stützt sich namentlich anf 
Timaios, dessen Zeugnis er sogar mehr Gewicht 
beilegt als dem des Aristoteles. Empedokles, geb. 
521/20 (492 Z. und jetzt auch D., der früher 484 
annahm), widmete sich nach Abfassung seiner 
philosophischen Schriften von 472 an (Sturz der 
Tyrannis in Akragas) ganz dem sehr bewegten 
öffentlichen Leben seiner Vaterstadt, in der er 
einige Jahi*e eine glanzvolle Rolle spielte, bis er 
467/6 verbannt wurde. Seit 461 war er ver- 
schollen und galt als tot. Nach dem Zeugnis des 
Glaukos von Rhegion jedoch, der vielleicht noch 
sein Zeitgenosse war, vsrurde er 444/3 in Thurioi 
gesehen und ist daher frühestens in diesem Jahre 
gestorben (Z. 432, D. früher 424 ). Im Verlanf 
der Untersuchungen über Empedokles wird auch 
die Lebenszeit des Gorgias bestimmt und zwar in 
507/500 — frühestens 499 (483/375 Z. D.) ge- 
setzt. — Bei dem bekannten Altersverhältnis des 
Empedokles und Anaxagoras mußte nunmehr 
auch in betreff des letzteren die Vulgata auf- 
geg^eben werden. Im Anschluß an K. F. Hermann 
rückt U. seine Geburt in 533 (500 Z. D.), seinen 
Tod in 462 (428 Z., 430 D.), seinen Aufenthalt 
zu Athen in 495/465 (462/432 Z.) hinauf und läßt 



177 



[No. 6.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [7. Februar 1885] 178 



ihn seine Schrift 466, unmittelbar nach dem Meteor- 
fall von Aigospotamoi, abfassen, worauf dann 4G5 
die Anklage ei*folgte. (Aber konnte dann wirk- 
lich Sokrates i. J. 399 so von Anaxagoras reden, 
wie ihn Piaton Apol. S. 26 D. reden läßt?) So- 
krates hat ihn nicht gekannt: dagegen konnte 
Themistokles (514/13—449!) in jungen Jahi'en ihn 
hören, wie dies Stesimbrotos bezeugen soll (?). 
Da letzterer auch den Melissos als Lehrer des 
Themistokles nennt, so wird auch von ihm be- 
wiesen, daß er ebenso wie Zenon dem Empe- 
dokles gleichaltrig war und nur aus Mißverständnis 
einer Aristotelischen Notiz mit dem gleichnamigen 
samischen Feldherm verwechselt worden ist. Na- 
turlich konnte nun auch Perikles den Umgang des 
Anaxagoras nur vor 465 genießen. Mit der Zeit- 
bestimmung des Anaxagoras steht im engsten Zu- 
sammenhange die des Demokrit, dessen Leben 
demgemäU nach Diodor in 493/404 (460/370 Z. D.) 
gesetzt wird. Schließlich wird, um den vielfach 
von Späteren bezeugten (aber s, Theophrast. phys. 
op. fr. 4 T). in. xotvo)vr]5a; tr^c Ava$t|jLsvou; 91X0- 
30 9 (a;) persönlichen Verkehr des A. mit Anaxi- 
menes als möglich erscheinen zu lassen, des letzteren 
Blüte bis 525 (545 Z. D.) und sein Tod bis 498 
(525 Z. D.) vorgeschoben. 

H. Xenophanes, geb. 570/69 (580 D. nach 
Apollodor), lebte mindestens bis 479, vielleicht 
noch bis nach Hierons Tod (468). Apollodor hat 
ihn nicht 580, sondern infolge einer irrtümlichen 
Datierung 620/16 geboren werden und 529,8 sterben 
lassen. Diese ganze künstliche Konstruktion steht 
und fallt mit der von ü. in der Schrift: Kyaxares 
und Astyages behaupteten, von Schradcr und Evers 
,Das Emporkommen der persischen Macht unter Ky- 
ros", Berl. 1884, S. 5 (vgl. Keiper in dieser Wochen- 
schrift No. 21 S. 662 f.) stark bezweifelten Iden- 
tität des Dareios mit Astyages. Seine Sclu-ift- 
»tellerei fällt nach IT. wahrscheinlich in die letzten 
Jahrzehnte seines Lebens, eine Ansicht, die, 
wenigstens für sein philosophisches Werk, kaum 
zutreffen dürfte. 

Diels bezeichnet in der jüngst erschienenen Ab- 
handlung über Empedokles und Gorgias (Sitzungs- 
berichte d. preuß. Akad. d. W. 1884 S. 345 Anm.) 
die Zeitbestimmungen Ungers als ,»eine bedauerliche 
Verirrung des scharfsinnigen Gelehrten". Mag auch 
dieses Urteil, so unbedingt ausgesprochen, zu weit 
gehen, da manche Abschnitte, wie die fast ur- 
kundlich zu nennende (:Jeschiehte des Pythagoreischen 
Bundes, sicherlich Beachtung verdienen, so er- 
scheinen doch die Ergebnisse in ihrer Gesamtheit 
ebenso wie die Art der Beweisführung, durch 



welche sie gewonnen sind, höchst bedenklich. 
Verf. bestreitet die Richtigkeit der von Diels auf- 
gestellten Hypothesen von gewissen Lieblings- 
epochen der griechischen Chronologen und von der 
Identität der öixp^T^ roit dem 40. Lebensjahre 
bei Apollodor (No. 2 8. 535, No. 3 S. 210 ff.), 
während er die letztere bis zu einem gewissen 
Grade selbst als berechtigt anerkennt, und erhebt 
gegen D. den Vorwurf, er habe zu gunsten seiner 
Annahme sich öfters willkürliche Textanderungen 
erlaubt. Dieser Vorwurf aber trifft ihn selbst in 
weit höherem Maße. Wie schon die obige Zu- 
sammenstellung erkennen lässt, stützt Ij. vielfach 
eine Hypothese durch eine andere und zwar oft 
recht angreifbare. So tritt in der Begründung 
der Chronologie des Anaxagoras durch die von U. 
vorausgesetzte des Empedokles die petitio principii 
klar zu tage (vgl. bes. No. 2 S. 539 Z. 8 ff.), und 
die Auffassung der politischen Wirksamkeit des 
Empedokles beruht hauptsächlich auf der Kon- 
jektui''l£ptovo; statt MItwvo; bei Diog. L. VIII 72 
(No. 2 S. 528), die ihrerseits erst durch eben jene 
Auffassung gerechtfertigt wird. Eine eingehendere 
Prüfung der Ausführungen Ungers würde die Grenzen 
dieser Besprechung weit überschreiten, und ich 
begnüge mich daher, zum Schluß ein, wie mir 
scheint, für die Beurteilung aller derartigen Unter- 
suchungen sehr wichtiges Kriterium hervorzuheben. 
Wenn wir Ungers chronologische Hypothesen in 
ihre Konsequenzen verfolgen, so erhalten wir ein 
Bild von dem Entwicklungsgange der vorsokra- 
tischeii Philosophie, das sich von der herrschenden 
Auffassung wesentlich unterscheidet Während 
die drei auf gemeinsamer Grundlage stehenden 
milesischeu Philosophen nach U. ihre Systeme in 
mindestens 60 Jahren (von 585/525) ausgebildet 
haben und dann in naturgemäßer Folge, etwa 
gleichzeitig mit Anaximenes, sich der Pythagoreis- 
mus zu entfalten beginnt, tritt plötzlich um die 
Wende des Jahrhunderts ein rapider Aufschwung, 
ein wahrer Wettlauf der Systeme ein. Parmenides, 
dessen Blütezeit gegen 500 fällt, muß sein Lehr- 
gedicht unmittelbar nach dem des doch ohne 
Zweifel viel altertümlicheren Xenophanes verfaßt, 
und etwa 20 Jahre später (480) bereits Zenon 
und Melissos ihre eine lange Schule dialektischer 
Übung voraussetzenden Bearbeitungen der elea- 
tischen Lehre geschrieben haben. Ziemlich gleich- 
zeitig mit ihnen würde auch die philosophische 
Thätigkeit des Empedokles zu setzen sein, während 
etwa 10 Jahre später Anaxagoras mit seinem 
Werke an die Öffentlichkeit getreten wäre. Wo 
bleibt da noch Raum für Heraklit, der wahr- 



179 



[No. 6.] 



BERLINER PBILOLOGISCflE WOCHENSCURIFT. [7. Februar 1885.] 180 



scheinlich zwischen Xenophanes und Parmenides 
eingeschoben werden muß, wo für Leukipp, der, 
selbst auf den Schultern des Heraklit und Parme- 
nides stehend, wiederum den Empedokles xmä 
Anaxagoras beeinflußt liat? Die ganze reiche 
Entwicklung von fünf Systemen wird in einen 
Zeitraum von höchstens 40 Jahren (etwa 507/467) 
zusammengedrängt, in eine Zeit noch dazu der 
nationalen Kämpfe ^ in der die Griechen Klein- 
asiens wie des Mutterlandes um ihre Existenz 
rangen. Und eben damals sollte sich Anaxagoras 
30 Jahi'e lang in der hart bedrängten, für höhere 
geistige Interessen kaum Raum bietenden Stadt 
Athen aufgehalten haben? Für die folgenden 
Jahrzehnte aber des staunenswerten materiellen 
wie geistigen Aufschwungs würde, von dem ein- 
samen Demokrit abgesehen, nichts übrig bleiben 
als die Ausbildung der Sophistik, deren Stimm- 
föhrer, Gorgias und Protagoras, überdies erst um 
440 als philosophische Schriftsteller aufgetreten 
sind. Es liegt auf der Hand, daß eine solche 
Auffassung aller geschichtlichen Wahrscheinlich- 
keit widerspricht. 

Berlin. F. Lortzing. 



Cornelii Nepotis de excellentibns du- 
eibns exterarnm gentium über. Zum 
Sehulgebrauch aus Herodot, Thukydides, 
Pinta rch u. a. Schulschriftstellern berichtigt 
und ergänzt von K. C. K. Völker. Zweite, 
teilweise umgearbeitete Aasgabe, besorgt von 
W. Crecelios. Elberfeld 1884, Fassbender. 
120 S. 1 M. 

Nach dem im Jahre 1875 erfolgten Tode des 
ersten Herausgebers war, auch noch infolge anderer 
Umstände, ein rechtzeitiger Nachdruck unterblieben, 
sodaß längere Zeit hindurch die Exemplare vergriffen 
waren. Da sich aber allmählich das Bedürfnis 
herausstellte, hat der Amtsgenosse des verstorben en 
Verf. die Neubearbeitung unternommen. Wenn 
dieselbe sich auch im wesentlichen an die ursprüng- 
liche Bearbeitung hält, so sind doch einige 
Änderungen hinzugekommen, die, wenn man über- 
haupt die Tendenz derartiger Überarbeitungen 
anerkennt, Billigung verdienen. So ist z. B. des 
Nepos eigentümliche Anwendung von hie konsequent 
auf das Maß des klassischen Sprachgebrauchs 
zurückgeführt; auch hat der Neuherausgeber sich 
in den aus Herodot entnommenen Stellen enger 
an die Übersetzung des Laurent ius Valla ange- 
schlossen. In sachlicher Beziehung hat die Vita 
des Aristldes eine große Erweiterung erfahren, 



indem aus Herodot in möglichst genauem AnschlnO 
an die genannte Übersetzung die vollständige 
Beschreibung der Schlacht von Platftä ein- 
gefügt ist. Von einer Benutzung der Playgers- 
Cobetschen Emendationsvorschläge spricht der Neu- 
herausgeber in dem Vorwort nirgends, und anch 
bei der Durchsicht des Textes, selbst des Dion. 
Datames und Eumenes, ist Ref. nichts Derartiges 
aufgefallen; vielmehr läßt gerade der Umstand, 
daß S. 120 di^ Einschiebung antea numquam 
Ale. 4,5 (bei Cr. Ale. 5) auf Andresen und nicht 
auf Cobet, desgl. Thras. 4,1 (Cr. Thras. 5) die 
von causa nicht auf Pluygers als die eigentlichen 
Urheber zurückgeführt werden, die Nichtbenutzung 
der Arbeiten jeuer Männer vermuten, die aller- 
dings gerade in einem solchen lateinischen histo- 
rischen Lesebuch, das im Anschluß an Nepos mit 
Benutzung von Herodot, Thukydides u. s. w. ver- 
faßt ist, Verwunderung erregen muß. — Wünschens- 
wert erscheint für künftige Auflagen die Zerlegung 
der Kapitel in Paragraphen und die Bezeichnung 
der Jahreszahlen am Rande. Die am Ende an- 
gehängte Tabelle könnte schon wegen der Übersicht 
über die gleichzeitigen Ereignisse bleiben. 
Berlin. Gemß. 



Tacitas. Das Leben des Agricola, 
Schulausgabe von A. Draeger. Vierte Auf- 
lage. Leipzig 1884, B. G. Teubner. IV, 
50 S. gr. 8. 60 Pf. 

Draegers erklärende Schulausgabc des Tacito- 
ischen Agricola hat Ref. seit ihrem ersten Er- 
scheinen mit Teilnahme begleitet, und er begrüßt 
auch die vorliegende vierte Auflage als eine in 
vielen Einzelheiten verbesserte. Der Text bat 
durch den Anschluß an die letzte Rekognition 
Halms einige Änderungen erfahren; so steht jetzt 
9,9 et statt sed, 28,7 ad aquandum . . egressi 
statt ad aquam . . exeuntes, 33,6 virtute vestra . 
opera nostra statt >irtute et . . opera vestra, 42,1 
Africae et Asiae statt Asiae et Africae, leider andi 
36,17 aequa nostris statt equestris. Nach Kraffert^ 
Voi'schlag liest Draeger 10,24 multum flactunm 
statt flnminuui; 18,23 ist mare spectabant statt 
expectabant geschrieben; 34,5 wird nach Bährens 
das vor Britaunorum fugacissimi überlieferte cete- 
rorum vor tam diu superstites gestellt. Durch 
Druckfehler steht 14,9 quaeretur statt quaereretor, 
28,5 adacti statt adactis, 45,19 excepissimiis statt 
excepissemus. Bei einigen Änderungen der Inter- 
punktion kann man zweifeln, ob sie nicht aof 
Versehen beruhen. In den Anmerkungen ist za 



181 



[No. 6.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [7. Febroar 1885.] 182 



G,13 dasCitat ausCic. leg. agn 2,^7 in n 37,102 
za verbessern, za 10,11 die Jahreszahl 67 in 64 
zu vei*wandeln. Zu 17,8 sollten nicht „die vier 
Bücher strategematon" als Werk des Frontinus 
bezeichnet sein. Unter den im Kommentar vorge- 
nommenen Änderungen und Zusätzen, die sich auf 
etwa vierzig belaufen, mögen beispielsweise heiTor- 
gehoben werden: die Erklärung von igitur 13,3, 
von divus 15,15, von immortalibus 46,5, die erste 
Belegstelle zu expugnare mit persönlichem Objekt 
41,8 (wo jedoch VII 10, 1 st 11 zu lesen ist). 
Zu 42,17 famam fatumque war früher be- 
merkt, die Allitteration sei „bei Tac. überhaupt 
selten", jetzt heißt es richtig, sie sei „bei Tac nicht 
selten**. Gekürzt und gestrichen ist an etwa 
zwanzig Stellen des Kommentars, der dadurch ge- 
wonnen hat und überhaupt nur in historisch-anti- 
quarischer Beziehung noch der Erweiterung bedarf. 
— 38,18 hält Draeger an der Überlieferung fest, 
während Halm unde proximo anno, Britanniae 
litore lecto omni, reditura erat nach Madvig 
schrieb, wofür dieser in dem soeben erschienenen 
IIL Bande seiner Advorsaria 8. 247 rediret 
empfiehlt. Die ebenda aufs neue empfohlene 
Änderung von nave prima 24,1 in Sabrinam, 
deren Vernachlässigung durch Halm Madvig be- 
klag hat auch Draeger nicht aufgenommen. 
Wüi-zburg. A. Eußner. 



Julius Centerwall, Juli an us affäl- 
1 logen: en bild frau den döende antiken. 
Stockholm 1884, C. E. Fritze. 236 S. 8. 
3 kr. 50. 

Das Buch Centerwalls „Julianus der Ab- 
trünnige; ein Bild aus dem absterbenden Altertum" 
— wahrscheinlich die erste, in Schweden ei-scliie- 
neue Behandlung des Stoft'es — giebt eine auf ein- 
gehenden Quellenstudien beruliende Darstellung der 
Lebensgeschichte und Weltanschauung Julians. 
Die Schilderung seines Chamkters und die Moti- 
vierung seines Abfalls ist jedoch dem Verf. die 
Hauptsache. Schon wiihrend seines lichrkursus in 
Konstantinopel, der bis zum zwölften, höchstens 
vierzehnten Lebensjahre dauerte — für die Chrono - 
l(»gie der Jugendgeschichte lullt Verf. sich an 
Teuffei und Rhode — entstand bei Julian die 
Neigung zu einer heidnisch geftlrbten Weltan- 
schauung; mitgewirkt hat dabei, doch nicht als 
Hanptfaktor, sein Haß gegen Constantius, dou 
Mörder seiner Verwandten. Diese Neigung und 
sein Interesse für den „Hellenismus*' wurde dann 
weiter entwickelt in Kleinasien durch das Studium 
des Neuplatonismns nnd den Verkehr mit den neu- 



platonischen Philosophen, bis sein Abfall von 
Maximus veranlaßt erfolgte. Wie Julian im Neu- 
platonismns die Einheit zwischen den verschiedenen 
heidnischen Religionsformen, zwischen den philo- 
sophischen Systemen und zwischen Religion und 
Philosophie fand, führt Verf. ausführlich aus haupt- 
sächlich nach Naville, Julien FApostat et sa Philo- 
sophie du polyth^isme. 

Im ganzen verteidigt Verf. eifrig den Julian. 
Seiner Wirksamkeit als Regent wird das höchste 
Lob gespendet wie auch seinem Privatleben; die 
Lichtseiten seines Charaktere werden von Schatten- 
seiten wenig verkümmert. Sein tragisches Schick- 
sal war die Folge davon, daß er den Strom der 
Zeit zurückzuhalten suchte. 

Verf. hat nicht nur die Spezialquellen zur Ge- 
schichte des Julianus studiert, sondern ist auch mit 
der Litteratur der ganzen Periode gut bekannt. 
Auch die neuere einschlägige Litteratur hat er 
fleißig benutzt. 
Christiania. L B. Stenersen. 



Carolns Pancker, Sapplementum 
lexicorum Latinorum. Volumen prias 
(A— L). Berol. 1883-1885, Calvary et soc. 
464 S. 8. 15 M. 

Dieses Werk soll nach der Ankündigung alle 
die Wörter enthalten, welche als Ergänzung der 
lateinischen Wörterbücher in zwanzig und mehr 
Abhandlungen in verschiedenen Zeitschriften und 
besonderen Broschüren von Paucker mitgeteilt 
worden sind. Paucker selbst hat in seinen Mele- 
temata lexistorica altera als Pars II einen Index 
derjenigen Wörter abditicken lassen, welche er in 
seinen Addenda lexicis Latinis und vielen andern 
Schriften bisher veröff'entlicht hatte. Die in dieser 
Pars II vei^zeichneten Wörter sind a) teils in dem 
Supplementum gar nicht wieder abgedruckt, teils 
b) nur mit bloßer Angabe des Fundorts verzeichnet 
worden. Zu No. a gehören abacinus, abdite, ab- 
horrescere, abiegneus, ablegatio, abluvium, aborti- 
vus und hundert andere mehr; zu No. b: abarti- 
culamentum, Placit. medic. ex anim. 23, 2. ab- 
blandiri, Hilar. Pict. in psalm. 140, 6; cf. c. 
(d. i. Meletemata lex. alt ) p. C, wo man nur 
diese Stelle aus Ililarius und eine Verweisung 
auf Forcellini ed. De- Vit findet; dort wird noch 
Auetor elegiae de fortun. viciss. 21 angeführt, 
abdicabilis, Verecund. exhort. poenitendi v. 78. 
ablingere, Marc. Emp. 8 p. 276 E. (ed Steph ) . 
abstersio, Vindician. ep. ad Valent. imp. p. 248 
Steph. (tantis sudoris eius abstersionibus laborant). 



183 



[No. 6.] 



BERLINER PfflLOLOGISCDB WOCHENSCHRIFT. [7. Febrnar 1085.] 184 



accidia, Plin. Val. 2, 4. adaecpitare, Amin. 15, 
13, 3 (wo aber Gardthansen statt 'adaequitabat' 
liest 'adaequabat'). addivinare, Interpr. Iren. 2, 13, 8. 
adhumeralis, Itala exod. 35, 27 apnd Rufia. Orig. 
in exod. hom. 13, 7 (lapides adhumerales). ad- 
inspiratio, Interpr. Iren. 2, 31, 3 (adinsp. apostolica). 
adintellegere, Mar. Victorin. adv. Arinm 1, 42 und 

4, 23. adinnctive, Interpr. Iren. 3, 8, 1. admo- 
nitiuncula, Cassian. collat. 18, 11. Gild. Sap. 
de excid. Britann. praef. adversim, Cland. Mamert. 
de ßtat. anim. 1, 25, 2. adunatrix, Chaldic. 
Tim. 17- adunitio, Interpr. Ii^en. 4, 38, 11; 5, 6, 1. 
allectorius, Plin. Val. 4, 29 (catapotia allectoria). 
alphita vel aphita, ae, Marc. Emp. 20 Theod. 
Prise. 1. 10; 1, 21; 1, 23; 1, 24. Plin. Val. 2, 26; 

5, 12. amandnla (amygdala), Plin. Val. 5, 30 und 
43. ambisinister, Rufin. Orig. in lud. 3, 5. am- 
plectibilis, Panlin. Diac. adv. Coelest. 2. ancoratus, 
Compend. Vitr. 17 (catenae ancoratae). apomcli 
[Genet.- litis], Plin. Val. 5, 6 (Abi. apomelite); 
Nebenf. apomel, Abi. apomelle, Plin. Val. 5, 13. 
apostema, Isid. 4, 7, 19. argentile, Anecd. Helv. 
p. 109. assolitus, Faust Rhcg. de grat. dei 17 
(assolita attrahentis benivolentia). balsamaria berba, 
Plin. Val. 3, 15. bellificare, Tlieod. Prise. 4. fol. 
310, a buccellago, Plin. Val. 1, 20. bulimiacus, 
Theod. Prise. 2 chron. 16. campanella, Anecd. 
Helv. p. 182, 29. cautelitas, Ennod. ep. H, 8. 
centennis, Gild. Sap. 2 [ep ], 2 (von einer Pers.). 
cerio, Th Prise. 1, 5. cibulla, Plin. Val. 2, 3. 
circumfinire, lnten)r. Iren. 2, l, 4 (aber Solin. 
1, 36 jetzt Mommsen *circuitum liniebat'), circum- 
splendere, Hilar. Pict in Matth. 17, 2 (toto cla- 
ritatis suae habitu circumsplendet). citrinus (= ci • 
treus), Firm. math. 2, 12 extr. (color viridis ci- 
trinus). clavellus, Marc. Emp. 34. claviculus, S. 
Placit. de medic. anim. 15, 3. clavulns, Marc Emp. 
33. Th. Prise. 4. fol. 312, a. coactio, Mar. Victorin. 
adv. Arium 1, 50 (coactio actuosa). coemittere, 
Interpr. Iren. I, 11, 1; 1,29, 2; 2, 13, 1 (Ausgelas- 
sen sind die A. p. 6* und 7* nach diesem Wort aus 
demselben Werke angeführten coauspicari 5, 5, 1, 
coerudire 1,6, I, coincipere 1, 30, 13, coinfantiari 
4, 38, 2.) coexnlare, Hilar. Pict. trin. 10, 4. co- 
gnoscentia, Mar. Victorin. de generat. verbi divini 
13 und 18; adv. Arium 1, 57 und 4, 17. coin- 
nascibilis. Mar. Victorin. trin. 9, 57. collaudatio 
(fehlt aus c. p. 7) Hilar. Pict. in Matth. 27, 8. 
commaerere, Hilar. Pict. in psalm. 68, 18. com- 
paginator, Anecd. Helv. p. 300. compassum, Plin. 
Val. 1, 37. compastoralis, Eugipp. thes. praef. 
concaptus, Hilar. Pict. in psalm. 125, 10. con- 
ditorius, Marc. Emp. 11. conformabilis, Hilar. Pict. 



in psalm. 129, 4. confragositas, Chalcid, Tim. 37. 
coniugabilis, Chalcid. Tim. 17. coasecntor, Firmic. 
math. 2, 10. consegregatus, Potam. ep. ad Äthan, 
extr. (trinitatis unitate consegregata). constitutivus, 
Mar. Victorin. de gener, verbi divini 19. consub- 
stantiatus, Mar. Victorin. adv. Arium 1, 47. con- 
teraperamentum, Interpr. Iren. 2, 14, 8. coutra- 
distare, Chalcid. Tim. 124 (wo aber Wrobel 
trennt: *contra distantiuma sestellarumpositionem'). 
Es fehlt das in den Addend. darauf folgende Wort 
contraglutire, Euang. Matth. 23, 24 ap. Lucifer. 
ad Athanas. II p. 914 Patrol. ed. Migne (camelnm 
autem contraglutientes). contramilitare, Itala Ro- 
man. 7, 23 ap. Hilar. Pict. in psalm. 98, 3. con- 
trariari, Th. Prise. 2. ehr. 1 . conversia, Anecd. Hdv. 
p 98. convolutus, US, Gild. 1, 14 (woPlur.) corrigium, 
Marc. Emp. 10 und 15. cubitatio. Rufin. Orig. in 
ep. ad Roman. 9, 33 (wo Plur.). custodiarins 
(Adj.), Rufiu. Orig. in num. hom. 20, 3 (casa 
custodiaria). debullire. Rufin. Orig. in exod. hom 
4, 1. decamyrum, Marc. Emp. 35. deceptivus, 
Firmic. math. 5, 3. depressor, Gild. 2 (epist.), 6. 
desociare, Sedul. carm. pasch. 5. p. 729 Migne. 
diarriioicus, Th. Prise, 2, 13. doctiiuatus, Cato 
leoninns v. 264 (4. dist 27) ed. Zamcke (in 
Berichten der sächs. Ges. der Wiss. 1870). duode- 
ciformis, Interpr. Iren. 2, 15, 3. (Das Add. p. 10* vor- 
hergehende duodecastylus, Interpr. Iren. 4, 21, 3 
[duodecastylum tirmamentum ecclesiae] fehlt.) ef- 
ftilgenter, Mar. Victorin. adv. Arium. 1, 64. effol- 
gentia, Candidi Arriani de generat. divin. 4. Mar. 
Victorin. adv. Arium 1, 27; 3, 1 u. ö. effolsio, 
Mar. Victorin. adv. Arium 3, 1. Chalcid. Tim. 70. 
71. 87. 109. 124. 248 ed Wrobel. effutilis, Anecd. 
Helv. p. 74, 16 (utor, utilis, effutio, effutilis). 
emadescere, Th. Prise. 1, 15. errollns (erronulus?), 
Euagr. altere. Theoph. Christ, et Himon lud. 
p. 1178. tom. XX Migne. experimentare, Marc 
Emp. 5. Th. Prise. 4. fol. 312, a und b. Plin. 
Val. 1, 3 und 58; 3, 14. exsequenter, Mar. Victorin. 
adv. Arium 4, 19. facia, Anecd. Helv. p. 131, 20. 
favillatim, Verecund. in cant. Uabacuc 27. foetosus, 
Th. Prise. 1, 21. geusia (joue?), Marc. Emp. U. 
glarare, Plin. Val. 4, 14. glycy (glicy) -^ /Xu/j, 
vinum passum, Plin. Val. 1, 51 in. (gliceos cotyla). 
gruinus, Marc. Emp. 18. Plin. Val. 5, 33. g)'nae- 
cia (sc. medicina), Th. Prise. 3. praef. fol. 308, b. 
herinus (-= hesternus), Plin. Val. 2. 30. historiola, 
Gild. Sap. praef. holochrysus, Marc. Emp. 20. 
hortative, Porphyr, ad Hör. epod. 16, 24. (Hier 
>^irft mir Paucker vor, ich hUtte ihn falsch korri- 
giert, indem ich 23 setzte. Ich citiere nach ed. 
Meyer; Paucker citiert nach ed. Hauthal.) illuci* 



I 



185 



[No. 60 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [7. Februar 1885.] 186 



dare. Victorin. Coeperitne a vespera dies 1; imme- 
dicatos, Apnl. apol. 76. Hilar. Pict. trin. 6, 3. 
improbosns, Ps. Cypr. de sing. der. 1. incolatus, 
Plin. Yal.2, 30. incorporatns, Cland.Mam. stat. anim. 
2, 3, 2. incnrvitas, Chaicid. Tim. 62. indesecabilis, 
Hilar. Pict trin. 10, 34, Von Heft 5 an, welches 
Herr Archidiakonus Dr. Rönsch besorgt hat, hören 
diese bloßen Verweisungen auf. Ich fOge noch 
einige Berichtigungen bei. S. 83 steht coalitus 
*(coalerey statt *(coalescere)\ S. 85 heißt es: 
Goctor, transL, L e. dccoctor, Sen. Ben. 2, 26 
(schreibe 4, 26, 3), wo aber Gertz wohl mit Recht 
'dccoctorr aufgenommen hat. S. 86 unter *codia* 
schreibe Isid 4, 9, 9' statt *4, 9, 4\ S. 107 
concavare, Ovid., Sen. apoc. 4, 3 (wo aber *conca- 
cavit' steht). Daß *concavare' kein Druckfehler ist, 
zeigt das *Ch1d.\ da Ovid. met. 2, 195 concavat steht 
S. 172 steht falsch *defioratiuncula' statt *deflora- 
tiuncula\ S. 234 ist wohl elndificari u. s. w. zu 
streichen, da Meyer bei Porphyr, ad Hör. ep. 2, 
2, 125 *ludificantur' liest S. 239. Z. 7. v. u. zu 
'pyramida' ist Chaicid. Tim. 20 zu streichen, denn 
dort ist *pyramidis' Genetiv von *pyramis\ S. 289 
Üictari, Amob. 4, 24; aber dort liest Reiffer- 
scheid mit Sab. *afflictatur\ S. 295 formatilis, 
Chaicid. A. (aber Chaicid. Tim. 225 liest Wrobel 
*fonnabilem' : vgl 203). S. 448 laxus, us (V), 
Plin. Val. 2, 49: *vitulinus item fimus laxui et 
tortls aliquo casn(talis) continuo impositus'; schreibe 
*luxi8\ d. i. *auf die verrenkten und verdrehten 
(Knöchel)'. In einigen Fällen hat Paucker bei 
Wörtern, welche schon in der VII. Auflage meines 
Handwörterbuches *(r. G.)\ d. i. recepit Georges, 
hinzugefügt, in sehr vielen Fällen aber nicht. Über- 
haupt hätte eine ganze Reihe Wöiler, welche schon 
im Forcellini ed. De -Vit und in meinem Hand- 
wörterbuch stehen, wegbleiben können. Druck und 
Papier sind splendid. 

Gotha. K. E. Georges. 



III. Auszüge aus Zeitschriften, Pro- 
grammen und Dissertationen. 

SItxougsberichte der Bayer. Akademie der 
Wissenschaften. 1884, No. 3. 

(507-541)T.Brnnn, „Über tcktonischcnStil." 
Olcicb der ältesten dekurativen Kunst war auch die 
bclleDiscbo Skulptur in ihren Uranfängen von tekto 
Dischen Forderungen abhängig und von tek toniseben 
Priozipi^D durchdrungen. In beiden Kunstzweigen 
bestimmte anfangs der bearbeitete Stoff die formale 
BrschciDuog Man übte sieb naturlich zuerst an dem 
weicheren Material, dem ilolz, und als die Kunstler 



sodann zum Stein übergingen, blieb zunächst noch 
diejenige Tecbnik maßgebend, die man sich bei der 
Bearbeitung der Baumstämme und Holzbalken er- 
worben hatte. War dem Künstler ein vierkantiger 
Balken gegeben, so bestand die Hauptaufgabe dann, 
diesen Balken durch Abarbeiten so weit umzugestalten, 
daß er den Eindruck einer bekleideten menschlichen 
Gestalt hervorrief. Für Steinskulptur blieb lange 
Zeit dieselbe Methode und Auffassung bestehen. 
An zwei Mannorstatuen, die den französichen Aus- 
grabungen auf Delos entstammen, tritt diese Holz« 
tecbnik in besonderer Deutlichkeit hervor. Es sind 
stehende, bekleidete Frauengestalten. Von unten nach 
oben bis zur Achselhöhle verjüngen sie sich analog 
einem schlanken Baumstamm. Die Rundung des Leibes 
verschwindet völlig in der Fläche; der Effekt ist 
genau so, wie wenn die Kanten eines rechteckigen 
Holzbalkens abgearbeitet, die zwischenliegenden 
Flächen aber unberührt geblieben sind. Nicht einmal 
die Rundung der Brüste scheint sich hervorgehoben 
zu haben. Dieser tektonische Stil, das Heraus- 
arbeiten aus vierkantigen Grundformen, ist als pelo- 
ponnesischer Formencharakter zwar dem atti- 
schen archaischen Stil (Statuen von Samos etc.) sowie 
der ^ägyptisierendeu** Richtung bestimmt entgegenzu- 
stellen; dennoch zeigt sich (im Gegensatz zur echt- 
ägyptischen und zur assyrischen Kunst) auch an den 
alten attischen Voll Skulpturen der tektonische Ur- 
sprung der Kunst darin, daß sie an das Herausarbeiten 
aus einem runden Stamm erinnern. 



Zeitschrift fflr die österreicbisohen Gymnasien. 

35. Jahrg. 1884. 5. Heft. 

Erste Abteilung. Abhandlungen. Reim 
und Allitteration in der griech. Poesie. Von 
J. La Roche in Linz, n Nackte Aufzählung von 
Beispielen." S. 321—327. — Zweite Abteilung. 
Litterarische Anzeigen. 1. G. Ennius. Von 
L. Müller. St. Petersburg 1881. J. M, Stoirasser 
bespricht das Verdienstliche sowie die Mängel der 
Schrift und läßt einige kritische Kleinigkeiten folgen. 
S. 328-333. — 2. P.Vergili Maronis Aeneis. Er- 
klärt von Dr. 0. Brösln. 1. Bdchen. Wien 1883. 
Nach E, Eichlcr eine tüchtige Leistung. S. 334—338. 
— 3. Horaz und seine Zeit. W. A. Detto. Berlin 
1883. Das Buch bedarf nach F. Ilaima einer noch- 
maligen Durchsicht und teilweisen Umarbeitung. 
S. 338 f. — 4. Adiumenta Latinitatis. Von 
Dr. £. Schulze. Leipzig 188^ „Für die angegebenen 
Zwecke v5i*züglich geeignet.* J. Golling, S. 340 f. — 
5. Origines ariacae. Von K. Penka. Wien und 
Teschen 1883. Alles Linguistische in dem Buche ist 
auf den mangelhaftesten Kenntnissen aufgebaut und 
wird von einer durchaus unwissenschaftlichen Me- 
thode getragen nach Gust. Meyer, S. 341—346. — 
Dritte Abteilung. Zur Didaktik und Päda- 
gogik. Überdie Hausaufgaben, insbesondere die 
lateinischen und gncchischcn. Von Dr. A. Scbeindler« 



187 



[No. 6.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [7. Februar 1885.] 188 



S. 380—391. — B, J., Die Irrwege der Gymna- 
siallehrmethode. Wien 1883. — Dr. H. Lacher, Die 
Schulüberbürdangsfrage sachlich beleuchtet 
Berlin 1883. Angez. von E, Hochreiter. S. 391-394. — 
0. Willmann, Lesebach aus Herodot Leipzig 
1880. J.Loos, Lesebach aus Livias. Leipzig 1881. 
Angez. V. Toischer. S. 895—398. — Vierte Ab- 
teilung. Miszellen. H. Strimmer, Der röm. 
Sklavenstand. Dargestellt nach den Gedichten des 
Horaz. Programm von Meran 1883. Angez. von 
F. Hanna. S. 400. 



Zeitschrift fttr die österreichischen Gymnasien. 
6. Heft 

Erste Abteilung. Abhandlungen. 1. Lexi- 
kalisches. I. Wörter und Wortbedeutungen. 1. Aus 
des Optatus Milevitanus sechs Büchern De schismate 
Donatistarum. 2. Anderweitiger Provenienz. S. 401 
—407. — 2. Der Schild des Abas. Betrifft 
Aen. in 286. Von Th. Maurer. S. 407-412. — 
Zweite Abteilung. Litterarische Anzeigen. 
1. Chronicon Parium rec. et praefatus est 
J.Flach. „Flachs eigene Thatigkeit beschränkte sich 
hauptsächlich auf eine Anzahl von Textergänzungen.*' 
Engelbrecht. S. 413—419. — 2. Cruindmeli sive 
Fulcbarii ars metrica. Herausgegeben von 
J. Huemer. Wien 1883. „Die philol. Welt ist dem 
Herausgeber zu Danke verpflichtet Stoitasser. S. 420 
— 423. "— 3. De genere neutro intereunte in 
lingua latina. Scr. E. Appel Erlangen 1883. 
Nach /. QoUing bietet das Buch mehr als es ver- 
spricht S. 424-426. — 4. Vergleichende Syntax 
der indogerman. Komparation v. Dr. H. Ziemer. 
Berlin 1884. Eine tüchtige Leistung nach Qust, Meyer. 
S. 427-432. — Vierte Abteilung. Miszellen. 
CorneL Taciti libri rec. Halm. 1883. Latein. 
Sentenzen- und Sprichwörterschatz. Von 
Dr. H. Hempel. Bremen 1884. Angez. v. J. Qolling. 
— W. GemoH, Untersuchungen über die Geo- 
ponika. Berlin 1884. Humanistische Studien 
von P. Friedrich. München. Angez. von Stoitasser. 



Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien« 

7. Heft 

Erste Abteilung. Abhandlungen. 1. Zur 
Erklärung von Horazens Epistel II 1. Von 
J. N. Fischer in Feldkirch. S. 481-497. — 2. Zu 
Tacitus. Von Ig. Prammer. S. 497—498. — 
Zweite Abteilung. Litterarische Anzeigen. 

1. Sophoclis tragoediac ed F. Schubert. Prag- 
Leipzig 1883. 1. Antigene IL Oedipus rex. 
Rappold begrüßt freudig den Index metrorum. — 

2. Über einige neuere Liviana. A. Zingerk zeigt 
an Ausgaben von Wölfflin, Luterbacher, Welßenborn, 
H. J. Müller, M. Müller, Friedersdorff, Emeodationes 
Livianae von A. Luchs, Prolegg. in libr. XXII von 
FrigcU, IIb. XXIII erklärt von Egelhaaf und giebt 
eigene Beiträge. S. 502—520. — 3. Dr. F. F. Rothe, 



Griech. Denksprüche. Magdeburg 1882. Dr. 
H« Menge, Repetitorium der griech. Syntax. 
Wolfenbüttel 1882. Dr. G. Helmreich, Griech. Yo- 
cabular. Augsburg 1882. Angez. von Fr. Stoh. 
S. 521—524. — 4. Lat. Lesebuch v. Dr. H. Menrer. 
Weimar 1883. Ferd. Bands lat. Obungsbacb. 
Jena 1883. Angez. von A. Siess. S. 524-526. - 
Dritte Abteilung. Zur Didaktik und Päda- 
gogik. Die Verordnung des K. K. Mioisteriums 
für K. und ü. vom 26. Mai 1884, Z. 10128. Von der 
Redaktion. S. 550—557. — J. Rappold, Gymnasial- 
pädagogischer Wegweiser. Wien 1883. Angez. 
von H. Fuss. — Vierte Abteilung. Miszellen. 
Die principes der Gallier und Germanen bei 
Cäsar und Tacitus. Berlin 1883. Lexicoo 
Taciteum edd. Gerber et Greef. Angez. von 
Jg, Prammer. S. 559 f. 



Revne arch^ologiqne, 1884, Juli-August. 

p. 1—6; M. DelochCy Anneau-cachct m^io- 
vingien d' Armenti^rcs. — p. 7-37: H. Gaidoc, 
Le Dieu gaulois du soleil et le symbolc de la 
roue. Ziemlich zahlreich sind die auf galliscbem 
Boden (bis Trier und bis an den Po) gefundenen Dar* 
Stellungen des Sonnengottes mit dem Rade. Bei 
älteren echt gallischen Stücken, sowohl Statuetten wie 
Altarreliefs, hält der Gott mit der rechten Hand ein 
plumpes Speichenrad auf der Schulter and stutzt die 
Linke auf ein sitzendes Tier, Wolf oder Hund. Nach 
der Invasion romanisierte sich der Typus: der Kopf 
erhielt zuweilen etwas Jopiterartigcs, eine Hand hält 
den traditionellen Donnerkeil, die andere das symbo- 
lische Rad. Auf einer großen Statue von Regart 
(Vaucluse) erscheint die Figur völlig im Stil eines 
römischen Genturio, mit Kiiraß und Paludamentum, 
die Rechte hält das Rad, statt des Wolfs figuriert eio 
Adler. — Das Rad war in Indien schon in vorbad- 
dhistischer Zeit ein passendes Symbol der Sonne. Als 
das Christentum sich auszubreiten begann, hielten 
manche Heiden diese gleich dem Mithradienst aus 
dem Orient stammende Religion für einen SooDen- 
kultus, und die fiarche leistete dieser Konfusion sogar 
Vorschub, indem sie das Geburtsfest ihres Stifters 
auf den offiziellen Dies natalis invicti Solls (25. Dez.) 
verlegte und, die Reminiszenzen des Mithradienstes 
noch weiter verfolgend, als Gegensatz zu dieser 
Wintersolstitiumsfeier noch einen kirchlicbeo Festtag 
zur Zeit der Sommersonnenwende einführte oder viel- 
mehr dem bereits vorhandenen Sonnenfeste am 
24. Juni (Geburt Jobannis) einen christlichen An- 
strich gab. Bemerkenswert hierbei ist der Umstand, 
daß auch das Sommersolstitium gleich dem winter- 
lichen mit einem Geburtstage gefeiert wurde, währood 
die christliche Kirche sonst nur den Todestag ihrer 
Heiligen im Andenken hält Am Johannistag tritt 
dann noch heute das uralte heidnische Sooneni>ymbol 
aus seiner Vergessenheit; am Rhein, in England, in 
vielen Gegenden Frankreichs wird unter Lärm und 



_ y _ 



189 



[No, 6] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [7. Fobraar 1885.] 190 



Tanz ein Rad darch die Ortschaften gerollt, oder es 
werden, wie in der Schweiz und in Tirol, runde 
Scheiben durch die Luft geworfen, — p. 33—53: 
£. Mfintz, Les monuments antiques de Rome 
ä r^poque de la Renaissance. Während in einem 
^uhcm Artikel die Akte des römischen Vandallsmus ge- 
schildert wurden, ist hier das erfreulichere Kapitel 
der Erhaltung antiker Kunstwerke behandelt Herr 
Mtintz teilt eine Anzahl unedierter oder wenig be- 
kannter Dokumente zur Fundgeschichte des Laokoon 
etc. mit, darunter die päpstlichen Breven, durch welche 
dem glücklichen Finder Felix de Fredis als Beloh- 
nung die Zolleinkünfte der Porta s. loannis und 
später als Ablösung das Amt eines Scriptor arcbivii 
Romanae curiae zuerkannt wurden. — p. 54—72: 
Chodzkiewicz, Fers de lance avec inscriptions 
runiques. — p. 72—75: Danicoiirt, Hermes et 
Dionysos. Die 18 Cent, hohe Bronzestatuette von 
vorzüglicher Erhaltung wurde zwar bereits 1863 bei 
Marche Allonarde im Dep. der Somme gefunden und 
seither öfters beschrieben; sie gewährt aber erneutes 
Interesse, weil ihre Büste und besonders der Gesichts- 
ausdruck große Analogien mit dem olympischen 
Hermes des Praxiteles aufweist. Letzteres Werk ist 
bekanntlich nur das Bruchstück einer Vollstatue. 
Geht die französische Bronze in der That auf einen 
Archetypus des Hermes zurück, so ließe sich das 
Fragment von Olympia mit eioiger Authentizität re- 
konstruieren. — p. 76— 102: S. Reliiach, Chronique 
d* Orient. Kommentierte Reproduktion in extenso der 
Inschrift vom Äskulaptempel in Epidauros. Über- 
Bicht der neueren Funde in Griechenland. — p. 
124—128: E. Meyer, Gandharven-Ccntauren. 
Rezension von J. Darmostetter. Die vergleichende 
Mythologie hat nicht gebalten, was sie versprach. 
Es gab eine Zeit, wo man vermeinte, die Ilias mit 
Hülfe der Rigveda erläutern zu können, wo Kuhn 
und Benfey durch die Mythen der Indier Licht 
in das Chaos der hellenischen Phantasie bringen 
wollten. Sie hatten keinen Erfolg. Die einzige 
reelle Errungenschaft der vergleichenden Mythologie 
ist die Erkenntnis, daß einst zwischen den Ariern 
Asiens und jenen Europas eine Gemeinsamkeit des 
religiösen Glaubens bestanden hatte. Das ist viel und 
wenig, viel als Prinzip für die Forschung, wenig als 
Resultat derselben. Zwischen Griechenland und Indien 
giebt es keine direkten Beziehungen! Von diesen 
Grundsätzen aus beurteilt Hr. Darmestetter das ge- 
nannte deutsche Buch. 



Revue archcologiqoe. 1884, September. 

p. 129-135: 8. ReiiiAcb, Les chiens dans le 
cult d^Bsculape et les kelabim des stelesde 
Citium. Eine schon seit Jahren bekannte phönikische 
Tempelstele von Citium auf Cypern zählt neben den 
Baumeistern, Dienern etc. an vorletzter Stelle auch 
die „Kelabim*^ aU zum Bestand des Tempels gehörig 
auf. Die Orientalisten sahen hierin Scorta virilia, 



was allerdings zu einem phönikischen Kultus passen 
würde. Halevy interpretierte die Kelabim als be* 
wachende Hofhunde; Hr. Reinach jedoch will nach- 
weisen, daß diesen Tempelhunden eine weit wichtigere 
Rolle zukam. In den interessanten Wunderberichten 
des epidaurischen Äskulaptempels werden zweimal 
gelungene Kuren mitgeteilt, welche die Kov*; oi y.0L\ä 
xö i(zpdv durch Lecken erzielt hatten. Nicht nur die 
Schlange, sondern auch der Hund ist ein Attribut 
des Heilgottes, und es ist sogar möglich, daß der ur- 
sprüngliche Zoomorphismus der Hellenen den Äsku- 
lap ebensowohl unter der Gestalt eines Hundes wie 
unter der einer Schlange sich dachte. Freilich muß 
zugestanden werden, daß den Griechen der späteren 
verfeinerten Zeit dies Verhältnis nicht mehr zusagte: 
das unreinliche Quadruped ziemte sich nicht als Sinnbild 
einer so vornehmen Gottheit wie Äskulap. Zu be- 
achten ist, daß die Stelen von Epidaurus, wenngleich 
erst in nachmakedonischer Zeit angefertigt, doch zum 
Teil uralte Geschichten aus der Periode vor den 
Perserkriegen überliefern. Diese griechischen Tempel- 
hunde dürfen als erklärende Analogie zu den Kelabim 
von Cypern dienen. — p. 136—149: H. Gaidoz, 
Le Dieu gaulois du Soleil et le symbolisme 
de la roue. Im weiteren Verlauf der Untersuchung 
wird ein Zusammenhang des gallischen Jupiterrades 
mit den Glücksrädern des Mittelalters und der Neu- 
zeit und selbst mit den architektonischen Rosetten 
der gothischen Kirchen behauptet. In der Bretagne 
waren früher in vielen Wallfahrtskirchen Räder auf- 
gehängt, die ringsum mit Schellen besetzt waren und 
von den Pilgern mittels eines Seiles in Bewegung ge- 
setzt wurden. Man mußte dafür zwei Sous auf die 
Basis einer daneben stehenden Heiligenfigur opfern, 
und dieser Heilige hieß Santic ar rod, der Radheilige. 
Hr. Gaidoz selbst sah ein solches Schellenrad in 
einer Kirche, wo es an einem Festtag im Verein mit 
den Glocken funktionierte. Und daß die Steinrosetten, 
z. B. die prachtvolle Rose am Portal von Notredame 
zu Paris, nichts anders sind als Darstellungen des 
heidnischen Glücksrades, haben verschiedene Gelehrte 
schon vor langer Zeit evident nachgewiesen. 



Revne arch^ologique, 1884, Oktober. 

p. 217: H. Gaidoz, A propos des chiens d'Epi- 
d a ur e. Hr. Gaidoz erinnert an einige alte Texte, welche 
gut zur Illustiierung der epidaurischen Mirakelinscbrift 
passen, so Plutarch Quaest. rom. §68 u. 111, wo der Ge- 
brauch erwähnt wird, der Hekate kleine Hunde als 
Reinigungsopfer darzubringen. — p. 237: F. Saurel, 
Nouvelle inscription gallo-grecque: PJvsXoj; 
yl»|i'axo; — p. 247 fif. Rezensionen. Zu Bischoffs 
Dissertation „De fastis Graecorum" bemerkt S. Rel- 
nach, das kleine Buch repräsentiere einen wahrhaft er- 
schreckenden Aufwand von Gelehrsamkeit Sum- 
marisch angezeigt werden E. Bormanns Programm- 
abhandlungen „Variae observationes de antiquitate 
rom.** u. „Bemerkungen zum Mon. Ancyranum*', Eine 



191 



INo. 6.] 



BBRLINBR PHILOLOGESCHB WOCHENSCHRIFT. [7. Februar 1885.] 192 



sehr eingehende BesprechuDg findet seitens des Herrn 
P. Giraud das Bach von Gros und Henry 
^L'encaustique;** dasselbe sei im technischen Teil ge- 
wissenhaft und hoch interessant, den historischen 
Abschnitten fehle es aber an Kritik. 



BnUetin de correspondance afric. Vol. HI No. 2. 

p. 136—146: B. de La Blanch^re, Malva, 
Mulucha, Molochath, ötude sur un nom geo- 
graphique. Der FluHname Mulucha (so bei Sali., 
Mela, Plin., MoXoxa^ bei Ptol. u. Strabo) bedeutet 
Königsfloß und bildete die ethnographische Grenze 
zwischen denMauren und den numidischenMassaesylen, 
ebenso die politische zwischen den Reichen des Jugurtbas 
und des Bocchus. In derKaiserzeit tritt ein Fluß Malva 
als Grenze zwischen Maur. Tiogitana u. Caesariana 
auf; es ist der heutige Oued Mlouia. So nahe es 
liegt, beide Flüsse f&r identisch zu halten, so stehen 
dieser Annahme die Texte der alten Geographen ent- 
gegen, die deutlich zwei Flusse unterscheiden. La 
Blanch^rc nimmt im Texte des Plinius (V 2, wo 
fluvius Malvane dem amnis Mulucha entgegengesetzt 
wird) eine Interpolation an, tilgt die auf die Mulucha 
bezügliche Stelle als Glosse und kommt dadurch zu 
dem Resultate, daß Mulucha und Malva in der That 
ein und derselbe Fluß seien. In bezug auf Ptole- 
mäus genügt der Hinweis, daß er aus Plinius (und 
Mela) geschöpft hat. — p. 146—150: V. WaUle, 
Recents travaux italions sur la Cyrönaique. 
Bespricht die einschlSgigen Arbeiten von Brunialti 
(Algeria, Tunisia e Tripolitana, Mailand 1883), 
Hai mann (La Cirenaica, Rom 1882) sowie ähnliche 
Aufsätze in italienischen Zeitschriften, in welchen 
letzteren die Frage wegen „Wiedererwerbung* (Italien 
als Erbe des römischen Imperiums gedacht) der Penta- 
polis sehr aktuell ist. — p, 158 ff.: Kritik von Le- 
normants „Monnaies et mödailles* von R. de La 
Blanchere. 



Melusine. Revue demythologie, litt^rature 
populaire, traditions et usages, dirigee par H. Gaidoz 
et E. Rolland. Tome II, No. 1-6. Paris 1884. 

Das Interesse, welches man gegenwärtig gerade in 
den romanischen Ländern der Erforschung der volks- 
tümlichen Überlieferungen entgegen bringt, ist be- 
kannt und für uns Deutsche etwas beschämend. In 
Frankreich hat es unter anderm zur Wiedererweckung 
der vor einigen Jahren nach ihrem ersten Jahrgang 
entschlafenen Monatsschrift Melusine geführt, welche 
seit dem April vorigen Jahres unter der vortrefflichen 
Leitung des Kcltologen Gaidoz und des Folkloristen 
Rolland von neuem erscheint Mit vollem Rechte 
darf auch die Thilologische Wochenschrift' von dieser 
Publikation Notiz nehmen. Die breitere Basis, auf 
welche man in jüngster Zeit die Altertumswissenschaft 
stellt, — Nissens Italische Landeskunde ist ein 
glänzender Beweis dafür, welche Resultate wir davon 



erwarten dürfen — muß auch das Studium der Volks- 
Überlieferangen, der allgemeinen sowohl wie derjenigen 
der beiden klassischen Völker^ mit umfassen. In ge- 
wissen Disziplinen wie z. B. in der der Mythologie, 
ist ein fruchtbares Arbeiten ohne fortwährende Rück- 
sichtnahme darauf nicht möglich ; die trefflichea Unter- 
suchungen des verstorbenen Mannhardt und neaer- 
diogs die Schrift E. H. Meyers über Gandbarven 
und Kentauren haben dies zur Genüge dargetban. 
Ein solches möglichst umfassendes Studium de6 
Folklore wird auch ein vortreffliches Gegengewicht 
bilden gegen die einseitige Überschätzung des Veda, 
deren Erkenntnis sich allmählich Bahn zu brechen 
beginnt und gegen welche auch einige beachtenswerte 
Artikel der vorliegenden Zeitschrift (im 3., 4. nndS. 
Hefte) gerichtet sind. Als eine hauptsächliche Ten- 
denz der Melusine ergiebt sich das Bestreben, über 
verschiedene einzelne, besonders wichtige Punkte dca 
Volksglaubens in systematischer Weise Material ans 
verschiedenen Zeiten uud Gegenden zusammen zu 
bringen; und es muß mit Freude konstatiert werden, 
daß die Unterstützung hervorragender Gelehrten aller 
Länder dem Unternehmen bis jetzt nicht gefehlt hat 
Wir finden in den bis jetzt erschienenen Heftco 
eine Reihe nach bestimmten Gesichtspunkten ge- 
ordneter Mitteilungen über den Regenbogen, den 
großen Bären, das Elmsfeuer, über Gespensterschiffe. 
Überall sind die klassischen Sprachen uud Litteia- 
turen in gebührender Weise berücksichtigt, ebenso 
das Ne'igriechische, wo, wie kaum anders zu erwarten 
war, Ben* Politis in Athen die betreffenden Samm- 
lungen veranstaltet hat. So erscheint z. B. der lie- 
siodische Mythus, daß Iris in den Hades geht, am 
das Wasser der Styz zu holen, in einem ncaen Lichte 
durch Berücksichtigung des im Altertum wie allent- 
halben verbreiteten Volksglaubens, daß der Regen- 
bogen das Wasser der Erde trinkt. Von besonderem 
Interesse ist ein Artikel von Herrn Gaidoz (im 5. 
Hefte) über vergleichende Mythologie, welcher gewis«e 
allgemeine Gesichtspunkte für diese Wissenschaft lu 
gewinnen sucht und hauptsächlich gegen die ety- 
mologisierende oder „vedisierende" Richtung in der- 
selben polemisiert. In scherzhafter Form wird der- 
selbe Zweck erreicht durch den Wiederabdruck eines 
älteren Aufsatzes, welcher durch den in die kommen- 
den Jahrhunderte verlegten Nachweis, daß Max Müller 
niemals wirklich gelebt habe, sondern nur eine Hy- 
postase des Sonnengottes sei, eine beliebte Art der 
Mytbenforschung zu diskreditieren sucht. Mitteilungen 
von Märchen (z. B. sehr interessanter Nogerraärchen) 
und Volksliedern fehlen nicht, und jedes Heft wird 
durch Rezensionen aus dem Gebiete dieser Stadien 
abgeschlossen. Wir werden den Lesern unserer Zut- 
sch rift regelmäßigen Bericht über den Fortgang dieser 
Zeitschrift erstatten. 
Graz. Gustav Meyer. 



- -— — ' 



[No 6.J 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. 



(7. Febraar 1886.) 



Bei E. Thorin in Paris: 
IL Ctgnat, Manad d'^pigrapbie latiue. 
A. €roi8et et M, Croiset, HiBtoire de la litt^ratore 

greeqae. 4 toIs. 8. 
— Pr^cis de rhistoire de la litt^ratare greeqae. 1 vol. 

12. 
Hauvette-Besnaalt, Des strat^ges athdoiens. 8. 

Za Rev. J. B. Mayors Guide to tbe cboice of 
classical books, der aDerkannten Bearbeitong von 
H übners GrondriB der klassiscben Pbilologie, wird 
ein Supplement erscbeinen, welches die neaen Pa- 
büekationen enthalten soll. 

In Corcyra soll eine neue Zeitung unter dem 
Titel ,'U l^ufi -{Kvijja* erscbeinen, in welcher die 
Herausgeber Polylas, Markoras, Manesis, Cbryso- 
naallis, Kalosguros, Kepballinos, Kogebinas und Ma- 
biüs gegenüber der jetzigen antikisierenden Richtung 
die systematische Ausbildung des „firänkischen Atti- 
zismus*' anstreben wollen. 



Beiträge zur historischen Syntax der griechischen 
Sprache. Herausg. v. M. Schanz. 2. Bd. 2. Heft 
[der ganzen Reihe 5. Hft] gr. 8. Würzburg, Stuber. 

4 M. 
Inbftlt: EntwickloDKSgescliichte der Absichtssitxe. Von 
Ph. Weber. 2. AbtU: Die atttacbe Prosa und Scblossergeb- 
Hisse. (V, 124 8) (cplt: 7 M.) 

Benndorf, 0. u. 6. Niemann, Reisen im südwestlichen 
Kleinasien. 1. Bd.: Reisen in Lykien u. Karlen, 
ausgeführt im Auftrage 'des K. K. Ministeriums f. 
Kultus U.Unterricht, unter dienstl. Förderg. durch 
Sr. Maj. Raddampfer „Taurus", Kommandant Fürst 
Wrede, beschrieben. Mit 1 Karte v. H. Kiepert, 
49 Taf. u. zahlreichen JUustr. (Fol. 158 S.) Wien 
1884, Gerold, kart 150 M. 

BlOmer, H., Das Kunstgewerbe im Altertum. 2. Abtl : 
Die Erzeugnisse des Rriechisch-ital. Kunstgewerbes. 
Mit 143 Abb. (8. )^IÜ, 234 S.) Leipzig, Freytag. 
Lwbd. 1 M. 

Christ, W., Homer od. Homeriden. 2. rev. Ausg. (Aus 
den Abhandl. der bayr. Akad. d. Wiss.] (gr. 8. 
115 S.) München, Franz. ^M. 70 

Cieert, Discours contre Verr^. Secoüde action. 
Livre 5: De suppliciis. Texte latin, publik d'apres 
lee travaux les plus r^cents, avec commentaire, in- 
trodoction et index, par £. Thomas. (8. 173 p.) 
Paris, Hachette et C. 4 fr. 

H6fUiln|S, P. D. Ch., Elementarbuch zu der lateinischen 
Granunatik v. EUendt-Seyffert 2. Abtlg. Zur Ein- 
übong der unregelmäßigen Formenlehre u. einiger 

Smtakt Vorbegriffe. 6. verb. Aufl. (8. VII, 168 S.) 
alle, Waisenhaus. 1 M. 20 

SebSnbtob, A. E., Die Brüder Grimm. Ein Gedenk* 
blatt zum 4. Jan. 1885. (8. 60 S.) Berlin, Dümmler. 

75 Pf. 



Nene mssische Bficher. 

(Die mts. Titel deutscb übertragen.) 

Bofejtwteiisklj, A., das Kriegswesen bei den Römern 
bis Gftsar. Mit Illustrationen. Tiflis (Michelson). 

80 Kop. 
Cietaris commentarii de hello Gallico. Text mit er- 
klärendem Wörterbuch u. einer Karte von Gallien. 
* Von G. Bljus« Petersburg (Lissner- u.- Roman), 

1 Ruh. 40 
GM, C, Über die bosporanischen Münzen mit den 

Monogrammen. Petersburg, Akademie. 
JanbllolH de vita Pytbagorica liber ad fldem codicis 
Florentini rec. A. Nauck. Petersburg, Akademie. 

1 Ruh. 80 



Isocrates, Euagoras. Text mit Wörterbuch u. Anmer- 
kungen von Tb. Petruschenko. Petersburg 1885, 
Salajew. 

LeziuSy J., De Plutarchi in Galba et Othone fontibus. 
Diss. inaug. Dorpat 1884. 

Plato. Apologie und Krito. Griech. Text mit russ. 
Anmerkungen und einer Abhandlung über die alt- 
griech. Philosophie vor Plato, von A. 0. Pospi-' 
sc^il. Kiew 1884, Universitfttsdruckerei. 1 Ruh. 20 

Sailuatius. Verschwörung des GatiUna; Jugurthinischer 
Krieg. Text mit Wörterbuch u. Kommentar v. 
M. Hof mann. Odessa 1884, Typ.Isakowitsch. 1 Rub. 

Schäffer, W., Grundriß der griechischen Historio- 
graphie. 1. Lief.: Die Logographen, Xanthus, Heca- 
taeus, Acusilaus, Charon und Pherekydes. Kiew, 
Universitätsdruckerei. 

SinowjefT, A., Römische Altertümer. Beschreibung des 
öffentlichen und privaten Lebens der alten Römer . 
Moskau, Universitätsdrackerel. 1 Ruh. 25 

Sophociia tragoediae. Text mit Wörterbuch u. Anhang 
über Tragödie und Theater Altgriechenlands, von 
J. Kremer. 2Theile. Moskau, Salajeff. a 1 Rub. 10 

Zeltflehrlfton. 

Deutsche Litteratarzeitniig. No. 4. 

p. 118: £. Stapfer, La Palestine au temps 
de J6sus-Christ. ^Enthält biblische Geographie, 
Archäologie etc. für Bibelfreunde' PA. Wo^. — 
p. 115: 6. Toepke, Matrikel der Univ. Heidel- 
berg. Giebt reiche Ausbeute auf biographischem, 
genealogischem und geofoaphischem Gebiet » p. 119: 
Actaseminarii phiL£rlangensis,in.Ammeisten 
interessieit den Ref. (W. DUtenberger) Hauftileiters 
BeitragDe versionibusPastorisHermaelatinis ; 
den hierin aufgestellten Thesen, daß die versio jiala- 
tina älter als die Vulgata sei und daß letztere einen 
Italiener zum Urheber habe, die Palatina dagegen in 
Afrika entstanden sei, möchte Dittenberger gern 
beistimmen. ~ p 122: Imhoof-Blamer, 1) Monnaies 
grecques; 2) Choix de monnaies grecoues. 
*Die reichhaltigste und vielseitigste Publikation (ueser 
Art.' R, Weil. — p. 124: Adolf 8eh$U, Gesam- 
melte Aufsötze zur klassischen Litteratur. 
Verständig und lehrreich. Schölls Bildung falle in 
jene glückliche Zeit, worin die Teilung der Arbeit, 
wie sie jetzt verstanden wird, noch nicht an der 
Tagesordnung war; die vorliegenden zehn Abband- 
lungen reichen von Pindar bis Hebbel, und man 
könne nicht sagen, daß der feine Kritiker auf einem 
Gebiet weniger zu hause sei als auf den andern. 
ürlichs, ~ p. 127: A. Gaspary, Geschichte der 
italienischen Litteratur. ^Streng wissenschaft- 
liches Werk mit anziehender Darstelluogsweise.* 
B, Wiese. Der Anfang enthält die Schicksale der 
spät lateinischen Litteratur bis zum Auftreten der 
neuen Sprache. ~ p. 128: £. t. Stern, Geschichte 
der spartanischen und thebanischen Hege* 
monie. 'Das Buch macht mit seinem gesunden 
Realismus dem Autor alle Ehre.' B. Niese, — p. 134: 
Theophili Institutiouum ^raeca paraphrasis, 
instr. £. G. Ferrlni. *Handhche Ausgabe.' In der 
Theophilusfrage ist J. Merkel anderer Meinung als 
Ferrini. 

Literarisches Gentralblatt No. 5. 

p. 135: Hamack, Lehre der zwölf Apostel 
Harnack wird die Quellenfirage kaum zum Abschluß 
gebracht haben. Die Zeit der Diadoche (140-^165) 
mag richtig angegeben sein. Eine montanistlBche 
oder sonstige häretische Tendenz der Apostellehre 
stellt der ungenannte Referent in abrede. — p. 138: 
P. Natorp, Erkenntnisproblem im Altertum 
Eine bedenkliche Seite der Abhandlung sei die Pa- 



INo. 6.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. 



[7. Febraar 18S5.] 



rallelisieraDg der Demokritiscben Lebreo mit dem 
PlatoDischen Idefdismas. — p. 146: £. Zarncke, 
Symbolae ad JnliiPoUiicis tractatum de par- 
tibus corporis bumani. Verf. meint, daß PoUux 
ein TolIst&Ddigeres Werk des Rufos benutzte als das 
ans erhaltene. — p. 152: Osthoff, Geschichte des 
Perfekts. ^Gedankenreich, aber auch wortreich'. 

Wochenschrift ffir klass. Philologie. No. 5. 

p. 129: Max Dnneker, Geschichte des Alter- 
tums, Bd. VIII. Rez. y. K, Schulten, Ein besonderer 
Vorzug dieses Bandes sei, daß neues Licht in die 
yerworrene Chronologie der Zeit nach den Perser- 
kriegen gebracht werde. — p. 137: M. Planck, 
Feuerzeuge bei Griechen und Römern. *£iu 
neues Thema sorgfältig bearbeitet*. M. Schmidt, — 
p. 139: A. Keseberg, Quaestiones Piautinae 
ad religionem spcctantes. ^Gewisseohafte Zusammen- 
steliQng\ F. Schlee. — P. 140: Wartenberg, Quae- 
stiones Ovidianao. Enthält Chronologisches; Wert 
gering. H. SchuU. — p. 142: Cicero pro Roscio 
Am., Schulausgabe von 6« Landgraf. Zeichnet sich 
durch Bündigkeit und gute Ausstattung aus; das Ent- 
decken von Druckfehlern sei fast unmöglich. A. Stein- 
berger. 

Philologische Rundschau. No. 5. 

p. 129: Fr. Dittmar, Prolegomenon ad hym- 
num in Cererem. Der Verf. spricht sich für eine 
relative Echtheit des Hymnus aus, ein Resultat, 
welches E» Eberhard nicht geradezu ablehnt ~ 
p. 134: A. Joost, De Luciano (ptXo^7jp({>. Aus 
dieser Untersuchung ergebe sich die Thatsache, daß 
Lucian sich streng an den homerischen Text halte 
und nie willkürlich ändere, woraus folge, daß jene 
Schriften Lucians, welche schlechte Homercitate ent- 
halten, hinsichtlich ihrer Echtheit Bedenken erregen. 
E, Ziegler. — p. 135: J. Bmna, Lukrezstudicn. 
'Nicht ganz sichere Resultate.' Lohmann, — p. 139: 
Werther, De Persio Horatii imitatore. 'Er- 
gebnis ist, daß Persius etwa den dritten Teil seiner 
Verse dem Horaz nachgebildet hat' H. Schütz, — 
D. 142: 1) Wagler, De Aetna poemate; 2) Krnoz- 
kiewicz, Poema de Aetna monte Yergilio 
tribuendum. An Wagler tadelt der Ref. (E, B,) 
den Widerspruchsgeist; die These der zweiten Ab- 
handlung sei schwach begründet — p. 147: Fr. Fröh- 
lich, Die römischen Gardetruppen. Ablehnen- 
des Urteil ^von ff. Troster, Die Belegung antiker 
Einrichtungen mit modernen Namen sei überhaupt 
nicht gut zu heißen; was ist das OardemSßige an 
den Extraordinarii? — p. 153: H. Kiepert, Atlas 
antiquus. Anzeige von R, Hansen, — p. 157: 
BonnellsLat Übungsstücke. 'Sehr gut' Homburg, 

Revne critiqne« No. 3. 

p. 41: S Schwicker^ Kritische Erörterungen 
zuPindar. 'Regen zum Nachdenken auf.' A. Croiset 
— p. 41: J. Ortolan, Histoire de la l^gislation 
romaine, 12. Vitien, par E. Labb^. Der Haupt- 
wert des Buches liege in der weit zurückgreifenden 
Darstellung der historischen Entwicklung der ita- 
lischen Rechtsverhältnisse. — p. 46: G. Lafaye, De 
poetarum certaminibus. Macht den Eindruck 
einer exakten archäologischen Monographie. Dem Buche 
ist eine Abbildung des inscbrifüicb überaus reich- 
haltigen Denkmals des Wundvrknaben Sulpicius bei- 
gefügt, und da sei es etwas wunderlich, daß zu diesem 
zur Sache gehörigen Epitaphium gar keine Erläute- 
rung, nicht einmal eine Umschrift gegeben werde. 
G. LaconrGajet. — p. *7: 0. t. Heinemann, Die 



Handschriften derBibliothek zuWolfenbüttol 
Schmeichelhafte Anzeige von £. Chatelain. — p. 49: 
J. Denis, La philosophie d'Orig^ne. 'Uöefast 
ansehnliches und wichtiges Werk.' ^ p. 65: R^ponte 
de M. S. Reinach a M. Rouire. Hr. Rouire bitt« 
vor nicht langer Zeit in der Academie einen Vor- 
trag über ein supponiertes Binnenmeer (Lac Triton) im 
Süden der Syrtea gehalten. Wie mancher aoaere 
Gelehrte, hat auch Hr. Reinach gegen die vorgesehlt- 
gene Hypothese Einspruch erhoben und wiederholt 
hier seine gegnerischen Ansichten mit der Bemerkuog, 
daß die Rouireschen Paradoxen mit ihren falschen 
Übersetzungen klassischer Belege garoicht wert waren, 
in der Imprimerie nationale gedruckt zu werden. 

Academj No. 664. 

(67) £. R. Wharton, A law of latin aeeen- 
tuatiou. Verf. glaubt aus Analogien mit dem Gn^ 
chischeu, daß eine Anzahl lateinischer Wörter auf der 
letzten Silbe betont war. — (70) W. Th. Watkii, 
Traces of a roman firebrigade at ehester. 
Verf. trägt seiner Notiz in vor. Nummer die Bemer- 
kung nach, daß auch in Konstantinopel und RaveDoa 
Vigiles waren. 

Nsa 'Huspa. No. 527 (1515). 

T-aT»« Vj 'AXsgavBptvTj «piXdao^o;. I. Voo 
den antiken Schriftstellerin neu ist uns wenig mehr 
als der Name erhalten, nur von wenigen sind nos 
Werke überkommen; von der Hypatia ist uns einlas 
ziemlich sicher bekannt, besonders sind ans eiotge 
griechische Schrifteo und ein lateinischer Brief voo 
ihr erhalten. Geboren 355 n. Chr. als Tochter eines 
angesehenen Gelehrten, Theon, welcher unter der Re- 
gierung des Theodosius blühte, wurde sie hauptsfich* 
lieh voQ ihrem Vater, welcher Philosoph, Mathema- 
tiker und Naturforscher war, unterrichtet, besuchte 
Athen, kehrte aber wieder nach • Alexandrien zurück, 
wo sie in das Museum aufgenommen wurde, und starb 
in ihrem 61. Lebensjaiu*e. Sie schloß sich der sen- 
platonischen Schule an und trieb in dem Sinne der- 
selben Mathematik und Musik. 

Nsa 'Hu-spo. No. 528 (1516). 

It.. K. Ilaxö^stüpf lo;, T^aTio i6 'AXsgavoptvr, 
f iX 3 © ;, II. Unter den Lehrern der Hypatia war 
Synesios* der bedeutendste. 

'EßBovi(/c. No. 45. _ 

(1—3) X. T. Ai SV 'OXüjixi^ dvaaxafou Über- 
sicht der seit 18*21 in Olympia vollführten AoBgra- 
bungen. — (8) 'I. SaxsXViwv, Hepl tuO livou; 
Moxiioüx xoö Mixa>»o-(Xoü. Die erste Erw&hnong 
des Machmut Michaloglos findet sich bei Kritobalos: 
der ihm hier gegebene. Beiname Pbilaninos ist wah^ 
scheinlich unrichtig und müßte Philanthropinos heißco« 
welcher später der Geschlechtsname der Familie woide. 
— K. X.KÖVTO;, r>cü33txaixaf)ax>}pTj3«i; 3'->*'** 
|iu)C ex^spöiisvflti yapivTÄv ttoXKäv. §1. Xü8bu- 
oTspo;; nach seinem ursprünglichen Gebrauche 
(Orig. HI 64; Ann. Comne. H 305, 1 ; Georg. Acropol. 
p, 46, 1. Schol. Piüd. p. 83) xüBaioTfipo; — § 2. ?• 
lo-ovsaxaxo;; eigentlich (cf. Diog. Laert V 36; Greg. 
NysB. m 49. Schol, IL m 430, 19) oiXwcovtDXoxo;. - 
§ 3. djis^oSsoxspo;, nach Galen. I 27;^ 383; 421 i^' 
ftootoxspo;, cf. Georg. Acrop. 48, 18 jojif^Beutaxo;. 

'EßBoiia';. No. 46. 

(20) K. 2. K'>vxo;,^ TXwoaixai i:ap«x>ipt)3«t;« 
$ 4. 'Apxs'iT:spo; xal op^^aieTcctxo; finden sich »w*^^ 
in Xen. Memor. und Fiat Gorg. Die gebrftuchlic^ 
Form ist indes op-^eioxspo;, dp)rai<5xaxo;. — $ 6. ^^' 
Xtssxspo; xat a^Xiiaxaxo;, 



V«rUc von 8. Calfary A Co. In BerUn. — Drnck der Berliner Bncbdmckerei- Aktien -OetAUaeHaft 

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CHR. BELGER, 0. SEYFFERT ühd K. TfflEMANN. 



Preis der dreigespaltenen 
Petitseile S5 Pfennig. 



5. Jahrgang. 



14. Februar. 



1885. M 7. 



Inhalt 

L Orlirinalarbeiteni Seite 

W. H. Rosobtr, Beiträge zur griechischen 

Mythologie (VU. SchiuB.) 198 

U. Keseosioiieii und ABxeigi)n: 

A. Ludwich, Aristarchs Homerische Text- 
kritik. IL (M. Schmidt) 197 

L Colli, De Uoraciide Milesio grammatico 

(P. Cauer) 201 

L Bnmel, De tiagoedia apud Romanos circa 

principatum Augusti corrapta (A Riese) 204 
H. Maitsol, Lexicon Caesarianum ü. (Schneider) 205 
Ck. Tissot, Geographie comparee de la pro* 
▼ince romaine d Afnqae (11. P.) . . . . 206 
UL Aussage ans Zeitschriften: 

Rhein. Moseum für Philologie, Heft 1 . . 21d 
BJfttter f^ das Bayrische Oymnasialscho)- 

wesen 10. Heft 214 

Bericht über die im Jahre 1883 erschienenen 
Jenenser Uuiversitätsschriften L (P. Feine) 216 
IV. Nacbricbteii über Entdeokuugen: 

Die neaesten Ausgrabungen in Pompeji I. 

(Kroker) 218 

Beilai^: 
PersoatliM (Ernennungen. Emeritierungen. Todes- 
fälle) 
Kloise HHtbeibiagoa (Die Ausgrabungen in Horbur^;. 
Bin Tempel des Kodros im Süden der Akropolis 
von Athen. Max Ohnefalsch -Richter gegen L. 
Palma di Gesnola). 
Praisayfgabe. 

Bibll«graphi« (Angekündigte n. erschienene Werke). 
ZaÜtebriftaii: Dentsche Litteraturzeitang No. 5. — 
Literarisches Centralblatt No 6. ~ Wochenschrift 
für klassische Philologie No. 6. — Academy 
No. b65. — Litteranscher Handweiser No. 1. — 
AthenaeumNo. 2984—2987. ~ Näa 'Hjispa No. 529. 

Verlag von S. Calvary & Co. in Berlin, 

Soeben erschien: 



Jahresbericht 



über die 

Fortscliritte ter classisclieii AltertnMwissenscliaft. 

IL Jabri^ani^. 
U. Hta 2. Hllfta 1. AbteUuag. 

(26 Bogen.) 
^ Die Verzögerung in der Einlieferung der Nekro- 
loge hat eine nochmalige Teilung des SchluDheftes 
dieses Jahrgaugs bedingt. Voraussichtlich erscheint 
das abschließende Heft Ende dieses Monats. 



Verlagsbericht von S. Calvary & Co. 

1884. 

(Fortsetzung aas No. 6.) 

Cauer, Fridericus, De fabulis graecis ad Ro- 
mam conditam pertinentibus. 36 S. gr. 8. 

2 H. 

Cohn, Leopoldus, De Heraclide Milesio Gram- 
matico scripsit,Fragmenta collegit, disposnit, 
illustravit. IV, 111 S. gr. 8. 4 M. 

Fischer, Hermanfl, Nekrolog für Adalbert 
Keller, vorm. ord. öflf. Professor an der Uni- 
versität Tübingen, Präsident des Litterari- 
schen Vereins etc. 18 S. gr. 8. 1 M. 20 Pf. 

Gemoll, Wilhelm, Untersuchungen über die 
Quellen, den Verfasser und die Abfassungs- 
zeit der Geoponica. 280 S. gr. 8. 8 M. 

Götz, Georg, Nekrolog für Gustav Löwe, wei- 
land Kustos an der Göttinger Bibliothek. 
17 S. gr. 8. 1 M. 20 Pf. 

Hirschfelder, Wilhelm, Nekrolog für Alfred 
Schottmüller, Direktor am Humboldt-Gym- 
nasium in Berlin. 9 S. gr. 8. 1 M. 20 Pf. 

Horatius Flaccus recensuit atque interpretatus 
est Jo. Caspar Orellius. Editionem minorem 
sextam post Jo. Georgium Baiterum curavit 
Guilelmus Hirschfelder. 2 voU. VI, 456 

und 559 S. 8. 9 M. 

Einzeln: 

Odae L IL VI, 194 S. 2 M. 26 Pf. 

Odae III. IV. Epodi. Carmen saeculare. 262 S. 

2 M. 25 Pf. 
Satirae. 247 S. 2 M.' 25 Pf! 

Epistolae. Ars poetica. 312 S. 2 M. 25 Pf. 

Horawitz, Adalbert, Griechische Studien. I. Bei- 
träge zur Greschichte des Griechischen in 
Deutschland. 42 S. gr. 8. 2 M. 

(Fortsetzung folgt.) 



[No. 7.J 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. 



[14. Febroftr I8S5.J 



Personalien. 

Ernemiaiii^ii. 

Re¥. Isaac Taylor, Verf. von EtruscaD reaearches, 
the Alphabet etc., bisher Rector in Sittrington, ist 
zom Canon und Prebendary von York ernannt worden. 

An Hochscbulen: Prof. Hartwig Derenbourg 
ist in die Stelle Guyons an der Ecole des Haates- 
Etudes zu Paris eingerückt. 

An Gymnasien etc : Prof. A. Zeche von Wiener- 
Neustadt an das Gymo. in Villach als Dir. versetzt 

— Dr. Brösaer am Gymn. in Eutin u. Dr. Stein- 
hlnser am Gymn. in Birkenfeld zu Prof. ernannt. — 
Dr. Heinae in Stettin zum ord. L. am KneipbGfischen 
Gymn. in Königsberg. 

Emeritieransen. 

Hr. Velndo, Bibliothekar en chef der Marciana in 
Venedig, tritt nach 43 Dienstjahren in den Ruhestand. 

— ProL K. Zettel in Regensburg (auf 2 Jahre). 

Todeafftlle. 

Proi K. Stoy, t 23. Jan. in Jena, 70 J. alt. — 
Prof. Th. Cnnae, Dir. a. D. in Helmstadt, t 25. Jan. 

— Prof. B. Wlldte, Oberlehrer am Gymn. in Hamm, 
f 88. Jan. 

Mleine niitellaiiffeiB. 

Die Anggrabnngen In Horbnrg.*) 

Horburg, 19. Januar. 
Unsere Ausgrabungen haben durch den heurigen 
Winter keinen Eintrag erlitten Es wird ohne Unter- 
brechuDg fortgearbeitet, und es fol^ Schacht auf 
Schacht, zwei bis drei Meter tief, im Garten Ittel 
Mathias, welcher bis in etwa drei Tagen gänzlich 
wird durchforscht sein. Besonders wichtig sind für 
Horborgs Geschichte die klassischen Fundamente 
eines rGmischen HaoptRebftudes, sei es nun Prätorium, 
Quästoriom oder auch Tempel, dessen Eingangs- 
schwelle mit Einschnitten für eine doppelte Flügel- 
thür noch wohl erhalten ist. Von den mächtigen 
Sftulenresten und den vierzehn Sarkophagen, von 
welchen fünf an der Stelle der einstigen Eingangsstufen 
sich befinden, war bereits früher die Rede; mehrere 
Wagenladungen sind die Ausbeute, womit vom alten 
Argentovaria das Museom von Colmar neulich be- 
reichert worden ist Auch in Horburg haben wir 
ein kleines Museum angelegt, in welchem der gol- 
dene Ring mit braunem Granat^), und das 30 
Gramm schwere goldene Büchschen voll wohl- 
riechenden Harzes die Ehrenstelle einnehmen. Seit 
unserem letzten Bericht sind zu verzeichnen: Rand- 
ziegel, tegula, 0,82 m breit und 0,44 m lang; Hohl- 
ziegel, imbrex, 0,22 m 0,18 m breit und 0,44 m lang; 
unter einer Menge von schwarzen, gelben und roten 
Scherben befindet sich eine dritte terra samia sigillata; 
sie trftgt die Buchstaben CINTVGENI (Cintugeni, 
firüher waren es Melausus fec und Surdonis off.); 
eine vierte Fibula, die dritte in Bronze, von origineller 
Fonn, in der Mitte hohl, drum herum wie ein Zifferblatt 
mit acht I, abwechsehid in weissem und blauem Email; 
mdirere römische Münzen. Durch die Auffindung der 
vierzehn Sarkophage wird ein Licht auf die fränkische 
Zeit, zwischen der römischen und der carolingischen, 
geworfen; und da auch später bis zum Jahre 1594 
hier der Friedhof war, sind die aufgefiomdenen, wohl- 
erhaltenen Gerippe mindestens 800 nnd die älteren 
sogar bis 1800 Jahre alt! Die erstaunliche Erhaltung 
dieser Gerippe ist teils dem »guten Material", aus 
dem dieselben gebildet waren, teils dem Schutt 

•) Vgl B. PhiL Woch. No. 4 Beüage. 
^) So hatten wir bereits richtig geschlossen. 



(Kalk), in welchem dieselben begraben liegen, zu- 
zuschreiben. Es sind hier Schädel, deren Unterkiefer 
0,10 bis 0,15 m länger ist, als beim größten Kopf 
der Jetztzeit, und es haben diese Schädel eine Dicke 
zum Erstaunen. 

Auch auf einen ausgemauerten Brunnen sind wir 
gestofien, dessen Öffnung einen Meter Durchmesser 
hat. Er wurde sofort bis auf eine Tiefe von vier 
Meter ausgeputzt, wobei unter anderem ein Raodziegel 
mit den Buchstaben TEClMR(Tecimr) gefunden wurde. 
Als aber die Arbeiter auf dem Boden einige Schaofeln 
Schlamm weggenommen und heraufbef5rdert hatten, 
drang plOtzlicn das Wasser von unten her und von 
den Seiten herein, sodaß die Arbeit eingestellt werden 
mußte. Es wurde hierauf der Brunnen rand mit einer 
steinernen Platte zugedeckt 

Die in unserem früheren Bericht wiedergegebene In- 
schrift, welche wir neulich auf einem schaftartigen 
Denkmal, Stele, aufgefunden haben, welcher später 
zur Rückwand eines Sarkophages gebraucht worden 
war, ist nun durch einen Fachmann, Dr. Zangemeister 
von Heidelberg, folgendermaßen gedeutet worden; 

D . M. 

PRITTILUVS BA 

NVONIS NAT 

ALIS LVTON 

IS D . S . DONA 

VIT 

Es ist auch in der letzten Zeit gelungen — der 
Ort war nicht zugänglich gewesen, — Ausgrabungen 
nach dem Mittelturm vorzunehmen, welcher zwischen 
dem westlichen Thor und dem südwestlichen fick- 
turm steht. Es fand sich derselbe richtig am ver- 
muteten Ort. Somit ist denn der neunte und letzte 
der Türme entdeckt, welche einst Argentovarias 
Castrum zu schützen bestimmt waren. Von den zwölf 
einst vorhandenen Türmen haben, wie früher gesagt, 
drei <lem • mittelalterliehen Grafenschloß weichen 
müssen. 

Das Museum von Colmar ist auch mit schönen Grab« 
steinen bereichert worden, die wir in Weier aufgefunden 
haben. Sie enthalten deutsche und lateinische In- 
schriften, Wappen und wohlgelungeoe ganze Figuren 
des «ehrenhaften und fimehmen" Pairisschaffners, 
Abtei Pairis in Orbey, hinter Kaysersberg gelegen, 
Ebeihaxt Gerlach von Beblingen und seiner „tagend- 
reichen"^ ehelichen Hausfrau Elisabetha Malerin« 
denen beiden „Gott gnad*. Beide nahezu in Haut- 
relief kunstvoll ausgehauen, zwischen ihnen zwei 
Kiudlein, knieen vor einem ebenfalls kunstreich ge- 
bildeten Kruzifix. Auf der Rückseite befindet sich, 
sowie auf drei anderen Steinen die schöne Inschrift 
mit Wappen von Colmarer vornehmen Familien. 
Das Komit6 des Museums sagt in einem Dank» 
schreiben, daß diese vier Grabmäler durch ihre schöne 
Ausführung und das historische Interesse, welches 
sich daran knüpft, immer zu den merkwürdigeren 
Monumenten des Museums von Unterlinden zählen 
werden. (Straßb. Post). 

Ein Tempel des Kodros Im Süden der Akropolii 

von Athen. 

Dem Athenäum wird berichtet, daß vor kurzem 
in Athen während der Fuodamentierungsarbeiten für 
ein neues Privathaus im Süden der Akropolis, zwischen 
dem Tempel des Zeus Olympios und dem neuen 
Militärhospital (letzteres genau südlich vom Dionyaos- 
tboater) eine wichtige Entdeckung gemacht wurde. 
Die jetzt fast gänzuch unbet)aute Ebene war die 
Stelle der Stadt Athen, ehe Themistokles dieselbe 
weiter weg vom Phaleron zu gunsten des Peiraieos 
veriegte. Die Entdeckung besteht aas einer völlig 



193 [No. 7.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [14. Fobraar 1885.] 194 



L Originalarbeiten. 

Beitrftge zur griechischen Mythologie. 

Von W. H. Rosoher in Würzen. 
Kentauren. 

(ScbluD aas No. 6.) 

9} Vielfach dachte man sich die Kentauren 
als Räuber (XiQTTat); vgl Diod. IV 70: xobc Kev- 
Taopouc . . opjicöjjLevoüc ^x t^c OoX6yjc X-ijCedfrat xouc 
irapi^vTsc Tüiv 'EXXt^vojv xal iroXXouc tcuv T7epto(xu>v 
ivtXeiv. Vgl. auch Hesiod. fr. 110 GöttL und Hom. 
Kd[{JKvoc V. 17 ff., Hesych. s. v. Kevraupot XT^orat. 
Wahrscheinlich gehört hierher der Kentaurenname 
Aatpsüc (= latro), wie ich bereits in Fleckeisens 
Jahrb. 1872 S. 426 vermutet habe. Um diesen 
Zug des Mythos zu verstehen, brauche ich nur an 
die zahlreichen DichtersteUen zu erinnern, in denen 
vondem räuberischen Charakter der Wildbäche 
die Rede ist. Vgl. z. B. Hör. C. IH 29, 37: 
stirpesque raptas et pecus et domus volventis 
una. Verg. Aen. 11499. XII 525. Ov. Met. 1286: 
Cumque satis arbusta simnl pecudesqne virosque 
Tectaque cumque suis rapiunt penetralia sacris. 
Ib. Vm 550: nee te committe rapacibus undis. Ib. 
552: Vidi contermina ripae cum gregibus stabula 
allatrahL Inc. poet. b. Wernsdorf P.min. III p. 245 
V. 25: Saepe domos etiam saepe addita moenia 
raptat SU. It. IV 522 ff. Der von Herakles ge- 
bändigte Räuber Sauros (Paus. VI 21, 3 f.) scheint 
auch einen Wildbach zu bedeuten. 

10) Die Lfisternheit der Kentanren nach 
Weibern, die schon in den ältesten Sagen hervor- 
tritt und spätei' die Beziehungen der Kentauren 
zu £ros (s. ob.) und zur Päderastie zur Folge 
gehabt hat, dürfte sich ursprünglich aus ihrem 
natürlichen Verhältnisse zu den Dryaden, den 
Nymphen der von den iti\Ld^pot so oft bedrohten 
und fortgerissenen Bäume und Wälder, erklären. 
Vgl außer Stellen wie H. A 494. Soph. Ant. 712 f. 
Antiph. HI 138 Mein. Lucr. I 284. Arr. An. VI 
25, 5 n. 8. w. auch die alte sinnige Sage von 
der Errettung einer solchen von einem xei)jLappou; 
bedrohten Dryade durch Arkas (Eumelos b. Tzetz. 
Lykophr. 480. Kinkel, Ep. gr. fr. 1 194). S. auch 
Brunck Anal. II 177, 31, wo unter den von dem 
'/£t)iappou( bedrohten Nymphen offenbar Dryaden zu 
verstehen sind. Solche Stellen dienen zum Ver- 
ständnis der zahlreichen Sagen von den Beziehun- 
gen der Nymphen (z. B. der Philyra, Chariklo, 
Helle) zu den Kentauren. Auch die germanischen 
Wassergeister rauben Jungfrauen und halten sie 
bei sich zurück oder überfallen sie mit Gewalt 
(Müller, Gesch. d. altd. Rel. 374, 2). 






11) Daß die d7pi6tYic (Eur. Herc. £ 364; vgl. 
xevraupixwc* ä'^poUtoi, d^pfioc Hesych. Arist. ran. 38), 
die Sßpic, dlvo}jL{a (Eur. ib. 181), endlich die ßia der 
Kentauren (vgl. Soph. Tr. 1096) sich trefflich aus 
dem natürlichen Charakter der Wildbäche (vgl. 
den Boa^pio; in Lokris) erklärt, braucht nicht erst 
im einzelnen bewiesen zu werden. 

12) Sehr merkwürdig ist es endlich, daß auch 
die milden und liebenswürdigen Züge im 
Charakter einzelner Kentauren, namentlich des 
Cheiron, sich sehr wohl aus der Natur der xap<^Öpat 
erklären lassen: ich meine dessen Beziehungen zur 
ärztlichen Kunst und zur Jagd, als deren Er- 
finder und Verbreiter er in vielen alten Sagen 
auftritt. Die Funktion des Cheiron als Arzt und 
Rhizotom (vgl. Müller, Hdb. d. Arch«. § 389, 4. 
Mannhardt, A. W. u. F. K 47 f.) hängt offen- 
bar mit den Heilkräutern zusammen, welche im 
Bereiche der Kentauren, namentlich auf dem Feilen 
(vgl. Dikaiarch fr. 60 Müller, Fr. bist. Gr. H 
261 £ Plin. N. H. XXV 94. XH 31), besonders aber 
in der Pelethronischen Schlucht (Nik. Th. 505. 
Anon. in Didots Ausg. des Opp. Nie. etc. 115 ff.) 
und überhaupt in den /apadpat wachsen. Das gilt 
namentlich von der Wurzel des Cheiron (Xe(pcDvoc 
fi'Ca Diosk. HI 57 (50). Nik. Th. 500 u. Schol.), 
auch Travaxeiov genannt (Nik. a. a. 0. 508), aber 
auch von anderen Heilkräutern, von denen Nik. Th. 
499 ausdrücklich sagt, daß sie gerade an denselben 
Stellen wüchsen, wo sich giftiges Gewürm aufzu- 
halten pflege, d. h. in den 8pu)jio(, Xa^tcuvec und 
Xapaöpat (vgl. ib. 389 u. 489 ff.). Dasselbe ist der 
Fall beim Elichrysos, der nach Diosc. IV 57 iv 
Tpa^^ji xal ^apaSpiüÖEot x^itotc wächst, beim Tris- 
phyllon (^e ttoo h TpiJ^ovTt ra^ip ^ iicoo^a^t ^rp(rq 
Nik. Th. 521), beim Strychnos (6|jl(üvü|jloc tt} na- 
vaxT)), der sich nach Theophr. h. pl. IX 11, 5 
(vgl. Nik. Th. 878) iv -/apaSpau xal toic livijiiaoiv 
findet, beim Agnos (Chion. fr. H 6, 2 Mein. Diosc 
I 134), beim Halimon (Antiph. fr. UL 87 Mein. 
Diosc. I 120) u. s. w. Das Kevraopiov wächst eben- 
falls in der Pelethronischen Schlucht (daher ireXe- 
Op^vtov genannt) oder auf der Pholo6, dem Sitze 
der Kentauren (Diosc. lU 8 (6)). Die Jagdlust 
der Kentauren, die besonders häufig in Vasen- 
bildern (vgl. z.B. Jahn, Vasens. in München 573. 155. 
380 etc. Meyer Gandharven 72. 78. 80 ff.), aber auch 
auf den alten Reliefs von Assos (Meyer, 64; vgl. 
66) und in Gemälden (z. B. desZeuxis; vgl. Brunn, 
Künstlerg. H 78. Müller Hdb.« § 389, 4) dargesteUt 
ist, hängt nicht bloß mit ihrem Aufenthalte in 
einsamen Bergwäldem, den Sitzen der jagdbaren 
Tiere, und der oft zu machenden Beobachtung zu- 



195 



[No. 7.] 



BfiRLINBR PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [14. Februar 1885.] 196 



sammen, daB solche Tiere in den yetp-appot nnd 
ihren Überschwemmungen den Tod finden (vgl. 
Vogt in Üb. Land u. Meer Bd. 51 S. 287. lUnstr. 
Ztg. 1884 Bd. 82 S. 285 f.), sondern erklärt sich 
auch aus der großen Bedeutung, welche die 7a- 
pa^pai im trockenen Zustande für den Jäger haben; 
denn einerseits sind sie die natürlichen, gebahnten 
Pfade, auf denen der Hirte zu den Alpen (SchoL 
Nik. Th. 28), der Jäger zu den Schlupfwinkeln der 
Jagdtiere emporsteigt (s. oben die Sage von Ar- 
kas), andrerseits dienen sie diesen selbst zum 
sichern Versteck (vgl. Hom. hym. IV 124. Xen. 
de ven. V 16 u, VI 5). 

Gesamtnamen und Einzelnamen der 
Kentauren. Um den vielbehaudelten (vgl. Ben- 
seier, 6r. Eigenn. s. v. Buttmann LexiL 11 221. 
Meyer, Gandharven 165), aber immer noch nicht 
endgültig erklärten Namen Kevraupot richtig zu 
verstehen, muß man, glaube ich, von der Erkennt- 
nis ausgehen, daß die Kentauren Dämonen der 
Wildbäche sind. Da diese schon bei Homer Iv-aoXoi 

• 

heißen, neben welcher Fonn auch lic-aoXoc (Hesych.) 
und Siw-aupoc (vgl. auch av-aüpoc) (Hesych.) er- 
scheinen, so könnte der Name Kevxaupoc recht 
wohl mit aäX-wv (vgl. §i-aüX-oc) = Schlucht, Hohl- 
weg etc. (also einem Synonymen von /apaöpa) ver- 
wandt und mit xevTetv, stechen, durchstoßen, zu- 
sammengesetzt sein, so daß xeviaupoc eigentlich 
einen durch das Stoßen nnd Drängen seiner Wellen 
Schluchten hervorbringenden Bach bezeichnen v^ürde 
(vgl. die Ausdrücke ötax^irco), Siappi^oacD u., (ix) '/a- 
paSpoüv, die von Wildbächen gebraucht werden*). 
Die Einzelnamen der Kentauren (vgl. Ov. Met XII 
220 ff.) habe ich ausführlich in Fleckeisens Jahrb. 
1872, 421 ff. behandelt. Sie lassen sich in folgende 



*) Vgl. xurcciv von den ein Gebäude zerstörenden 
Kentauren bei Hom. epigr. 14. Xapalpobobai Herod. 
cxyapaopoDv u. oiaxöir:£iv b. Polyb. IV 41, 9: x^-" 
|Ldpp ou V ev ßpoyaxpovu). .. ixyapaopouvxa xai oia- 
xöxTovTa toxoü; ^^Xtpcrrou;, (pspovia ZI rav Y2vo;5Xtj(; 
xal ][f[; xol Xi^tuv, ixiyo^asi; $5 xoioüjisvov TTjXwaÜTa;, 
(oat' «öwXoioDv ivioTs xai ^rfii jivwaxsiv ev ßpotyei 
ypovcj» ToL; gütoü; toroo;. Plut. C. Oraccb. 7 ys'l- 
jiflrppot SisxorTov. Schol. Eur. Or. 1377: x^v ^^v 
ö ». a p p t5 3 3 ü a i. Vgl. Forchbammer, Erkl. d. lUas 9 f. 
Hinsichtlich der obigen Etymologie von Kdvx-oupo; 
ist noch SU bemerken, daß 0ü>.u>v nach Gurtios Qrdz.* 
S87 u. 646 ebenso wie auXo; von Wurzel au oder av ab- 
Euleiten ist Da nun nach G. Meyer, Gr. Gr. § 160 ff. 
p gewöhnlich in X (nicht umgekehrt!) übergebt, so ist 
in KivTaupo;, s::aupoc u. ovaupo; entweder die ältere 
Form -or:/po; für -auXo; erhalten, oder dieses -oupoc 
ist mit Sufüx -po; ; IvaoXo;, aOXcuv etc. aber mit Suffix 
-Xo; (Xiov) gebildet. 



Gruppen teilen : 1) direkt auf Flufinatur hinweisende 
(Eurytos, Bhoitos, Rhoikos, Klanis, Krenaios), 
2) solche, die sich auf die BoBgestalt beziehen 
(Hippasos, Chromis, Monychos, KyUaros), 3) solche, 
die das lärmende und geräuschvolle Wesen der 
Kentauren oder Wildbäche bezeichnen sollen (Da- 
pon, Erigdupos,Teleboas,Bromos,Nesso8), 4) Namen, 
die sich auf ihren Wohnsitz in ßergen, Wäldern 
oder an bestimmten Orten beziehen (Hyles, Hy- 
laios, Hylonome, Petraios, Chthonios [vgl. Hesych. 
aÖTÖxötov eoTta. Theocr. id. VIT 149], Peukeidai, 
Elatos, Daphnis, Dryalos, Oreios, Orosbios, Phlc- 
graios, Abas, Elops, Elymos, Pholos, Thaumas, 
Argeios, Phrikios, Pylenor), 5) Namen, die sich 
auf den wilden, rohen Charakter der Kentauren be- 
ziehen und zum Teil von wilden Tieren entlehnt 
sind : Demoleon, Lykotas, Lykabas, Lykos, Lykidas, 
Ophion, Bianor, Iphinoos, Mermeros, Apheidas, 
Styphelos, Latreus (vgl. Xi^anj«), Arktos, Agrios, 
Phrixos(-= Phrikios?), Mimas. 6) Kriegerischen Sinn, 
Kampf und Jagdlust deuten an: Antimachos, Areioe« 
Dorylas, Amykos, Nedymnos, Bhipheus, Diktys, 
Thereus. Einige gehen vielleicht auf die Bewaffnong 
der Kentauren mit Feuerbränden oder auf das diony- 
sische Attribut der Fackel (vgl Meyer (Gandharven 
78. 80. Ad. V. h. 13, 1): Gryneus, Pyrakmos, P3'- 
raithos (Pyretos). 7) Auf individuelle Eigenschaften 
gehen: Asbolos (wohl einen dunkelhaarigen Ken- 
tauren bezeichnend, vgl. Ov. Met. III 218), Mela- 
neus, Melanchaites, Phaiokomes, Pyrrhos, Imbreos, 
Aphareus, Peisenor, Omeios, Perimedes, Dexame- 
nos (?), Cheiron (vgl. xetpiCoi jioXox^xetp und 3Eüxe*p)- 
8) Gewöhnliche Namen sind: Eurynomos, Medtn, 
Echeklos (Ov. Met. Xll 450) Für Hodites (Ov. Met 
XII 457) ist wohl Orites (vgl. Oreios) zu schreiben. 
Litteratur. In erster Linie ist hier die reich- 
haltige, von mir in den ersten Abschnitten viel 
benutzte Schrift von El. H. Meyer, Gandharven- 
Kentauren, Berlin 1883, zu nennen (vgl. meine 
Rezension in den Gott, gel Anz. 1884 S. 144 ff.), 
außerdem Kuhn, Z. f. vgl. Spr. I 513. Mannhardt, 
Wald- und Feldkulte S. 88. Die Stromnatur der 
Kentauren vermutete zuerst Klausen, Aeneas 495 ff. 
(vgl. auch Preller, gr.M.MI 16. Wieseler in Ersch 
u. GrubersEnc. I 67 S. 183^, Röscher in Fleckeisena 
Jahrb. 1872, 421 ff.), während Meyer nnd Mannhardt 
die Kentauren als Winddämonen erklären, eine 
Deutung, bei welcher freilich viele Zl\ge des My- 
thos unverständlich bleiben, (mehr b. Meyer a, a. 
0. S. 2 f). 
Würzen. Röscher. 



197 



[No. 7.J 



BERLINER PUILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [14. Februar 1885.] 198 



II. Rezensionen und Anzeigen. 

Arthur Lndwich, Aristarcbs Ho- 
merische Textkritik nach den Fragmenten 
des Üidymos dargestellt und beurteilt. Erster 
Teil. Leipzig 1884, B. G. Teabner. VIII, 635 S. 
12 M. 

(Schloß aas No. 6.) 
Leider ist nns nnn das Werk des Didymos 
uaheza verloren, da selbst bei eigentlichen Studien - 
genossen das Interesse für den Stoff kein recht 
lebendiges mehr war. Wenn selbst ein Manu wie 
Apollonios Dyskolos sich nicht entfernt um Didymos 
Aibeit kümmerte (s. S. 71, 91), so kann es kaum 
befremden, daß bei Schriftstellern niemals und 
selbst in Fachkreisen selten auf sie bezug ge- 
nommen wird (Nikanor <I> 110 Ilerodian A 441 
ü 517 A 168) und, wenn es ja preschieht, in ver- 
dächtiger, wo nicht alberner oder geradezu trüg- 
licher Weise, wie uns die aus Athcnäus, Plutarch 
und Alexander Korüaeoc beigebrachten Stellen zui* 
genüge beweisen. So haben wir es denn einem be- 
sonders glücklichen Zufall zu danken, daß jenes Werk 
uns nicht so ganz verloren ist, um den Versuch 
einer Bestauration nicht als ein immerhin noch 
lohnenden Ertrag vei*sprechende8 Unternehmen zu 
wagen. Denn während sogar Apollonios Sophista in 
schien Ae;. 'ü|x. niemals weder des Aristonikos noch 
des Didymos gedenkt, so wußte wenigstens ein ge- 
lehrter Mann in der Zeit zwischen Herodian und 
Porphyrios den Wert beider für die Aristarch- 
llomerischen Studien noch so wolil zu schätzen, 
daü er lant der Subskriptionen im cod. Venet. A 
die Mühe nicht scheute, seinem fortlaufenden 
Kommentar zu Homer die Werke des Aristonikos 
wid Didymos vollständig emzuverleiben , während 
er sich ans Herodians ripoacüö. '0|jl. und Nikanors 
flepl <m'(lLr^i mit bloßen Exzei-pten (xtva) begnügte, 
ans andern (Telephos Nemesio Pios?) aber um- 
gelegentliche Notizen beibrachte. 

Läge nns also diese Arbeit, das sogenannte 
Viormännerbuch , die Kontrolle, welche er seiner- 
zeit noch über seine Gewährsmänner üben konnte, 
in der That übte, und dabei selbst noch einzelne 
beachtenswerte Berichtigungen einflocht, noch in 
Peiner Integrität vor, so würden wir um einen 
kostbaren Schatz reicher sein. So aber hat dies 
Buch, von andern Zerstörungen abgesehen, in eben 
dem Maße Einbuße erlitten, als es durch weitere 
Einverleibung Porphyrianischen Gutes anschwoll, 
nnd es fällt daher der Philologie die schwierige 
Aufgabe zu, sich zuei-st ein deutliches Bild von 
den Schicksalen zu machen, welche das Viermänner- 



buch in der Tradition des Venetus A (und andern 
Scholiensammlungen) erfuhr. So viel darüber auch 
früher bereits Gutes geschrieben wurde, deutlicher 
kann es uns nicht dargestellt werden, als es in den 
§§ 22—31 der Einleitung Ludwichs geschieht. 
Danach liegt die Sache so: Im cod. A sind 
4 Scholienschiehten zu unterscheiden: 1) Haupt- 
scholien, 2) Textscholien , 3) Interlinearscholien, 
von derselben Hand, die den Text schrieb, 4) Rand- 
scholien jüngerer Hand. Die ersten drei Schichten 
sind jedoch keineswegs eine einheitliche Arbeit, 
sondern lassen bereits eine doppelte Überlieferung 
durchschimmern, indem die zweite und dritte teils 
nur kurze Exzerpte aus der ersten, teils aber 
auch ebenso kurze Bereicherungen derselben ent- 
halten. Mit andern Wollten: aus dem Vier- 
männerbuche wurde ein doppeltes Exzerpt gemacht, 
das eine qualitativ besser d. h. mit inhalti*eicheren, 
aber minder zahlreichen Artikeln, das andere mit 
zahlieicheren, aber desto kürzeren Notizen. Bei 
der Zusammentragung in eine Handschrift traf 
das Schicksal, zuei'st eingetragen zu werden, das 
qualitativ bessere Exzerpt, während das numerisch 
reichere ei-st nachträglich von andrer Hand ge- 
bucht wurde. Eine Kopie dieser Handschrift 
(nicht diese selbst) ist cod. Venet A von einem 
christlichen, ungelehrten Sclireiber des 10/11 Jahrh. 
geschrieben, eine Hs, welcher der cod. V an Güte 
noch am nächsten kommt: denn im allgemeinen 
ist der Wert der übrigen Scholiensammlungen A 
gegenüber gering (§ 52), und sie haimonieren mehr 
unter sich und mit Eustathios als mit A, obgleich 
damit nicht gesagt werden soll, daß nicht sogar 
Eustathios hier und da (B 865) unsere Kenntniß 
des Didymeischen Buches ergänzen könne (§ 52). 
Schema: 

Didymos 

I 

Epitome (Vierminnerbach) 

BLV East&thios 



Exzerpt Exierpt 

weniger, aber bessere SchoUcn. zahlreichere, aber kürzere ScboUen 

I I 

1 Hand im Arcbetypos des Venet. A, 2 Hand 



A At Ai 

Auch bei dieser Sachlage würden wir den 
Restitutionsvei-such auf der Basis einer leidlich ge- 
sicherten Tradition noch mit mehr Zuversicht wagen 
dürfen, wenn uns nicht aus der Neigung des 
Schreibers A, die gesondert vorgefundenen Noten 
zu verknüpfen*), neue Schwierigkeiten erwachsen 



*) Von den Editoren ist dies Prinzip dann auch 
gegen die Oberlieferung noch übertrieben worden; 



199 



[No, 7.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHBNSGHRIFT. [U. Februar iSSä] 200 



wären, über deren Natur der Verf. § 32 ff. die 
nötigen Winke giebt. Die verknüpfenden Flick- 
worte möcliten wohl noch hingehen; mißlicher aber 
sind Änderungen im Ausdruck, welche die, wie 
aus den Hauptscholien ersichtlich ist, doch ziemlich 
konstante und originelle Terminologie (vgl. S. 119) 
alterierten, und die der Kiirzungspassion ent- 
springenden materiellen Änderungen, bei denen 
zwar Aristarch immer in den Vordergrund tritt, 
aber ein schiefes Verständnis der Berichte unmög- 
lich verhütet werden kann. Ein 'Aptcrcapyoc (A*') 
wird durch die dreifache Deutungsmöglichkeit al 
(fj 'AptTcap/ou, iv T1Q erepa, Iv üT:o|JLvi5|i.aTt nahezu 
entwertet und trägt doch immer noch ein weit be- 
stimmteres Gepräge als die § 36—42 besprochenen, 
ihrer Durchsichtigkeit nach geordneten, formelhaften 
Kürzungen: 1) ootcüc = oStcüc at 'Aptorap/oü, wie 
Didymos in der Regel schrieb, wenn er nicht selbst 
schon (5 117.^130) mit der Kürzung voranging. 
Wäre es nur nicht auch für Exzerpte aus Herodian 
( A 1 75) und Nikanor (<I) 1 10) verwendet und schließ- 
lich selbst weggeworfen worden (0 741 A 464. 
BL. K 505 At)! 2, 3) iraaat GtTraaat als Kollektiv- 
bezeichnung für alte Ausgaben, inkl. der aristar- 
chischen, welche die genannte Lesart anerkennen, 
N 485 oüTcüc iv dirasatc, T 95 at «rXeioi^ u. dgl., 
den Aristarch hin und wieder ausschließend (t 130 
r 292) ; doch spricht wohl meist Didymos. 4) aXXot 
oe (selten ol ^e), eine Kürzung, die uns die schlimmste 
Einbuße brachte. Wenn es in A* heißt "Apicrcap- 
/o; — SXkoi öe, läßt sich schon in den seltensten 
Fällen (E 293 Z 54 H 451) noch ermitteln, wer 
darunter geroeint ist; tritt solches oXXoi de aber 
nicht einmal in Gegensatz zu Aristarch (Z 478 
E168), so wird die Sache noch schlimmer. 5) Ivioi 
— schon von Aristarch selber eingeführt (A 424 
I 159. 401. a> 172) — bUdet auch bei Didymos 
den Gegensatz zu Aristarch; ebenso Ivtai (sc. ix- 
oo<j£i;); desto unklarer bleibt Ivta, sofern es ebenso 
gut aviqpa^a wie üirojjLVT^jJiaTa meinen kann. 6) rtvec 
— von Aristarch selber (A 593) schon vei^wendet, 
von Aristonikos bevorzugt, — schließt in A wenig- 
stens immer den Meister aus, nicht so in V, wo 
unter tivec auch Aristarch mit begriffen wird. 
7) Minder streng ist (M 435) die grundsätzliche 
Ausschließung Aristarchs bei Iv xtdi beobachtet, 
dessen Gebrauch sich übrigens auch von Airistarch 



auch Dindorf hat es nur in der Theorie, aber nicht 
in der Praxis aufgegeben. ^ Auch in willkürlicher 
Behandlung der Lemmata trifft die Neueren mancher 
Vorwurf, da die Notwendigkeit der Änderung nicht 
überall so klar ist wie A 109. 



selber (11 105) auf Didymos (H 176) vererbte. Der 
Kürzer suppllerte aber nicht bloß £x$&ieo>v oder 
dvTi7pa^u)v, sondern H 95 sogar tiov ^AptTtapyoo 
ui:o}JLvir)}JLaT(i>v. 

Fügen wir nun hinzu, daß auch die abweichende 
Lesart bald in den Haupt-, bald in den T^tscholien, 
bald in beiden (A 273) entweder verstümmelt oder 
weggelassen ist (B 278 A 161); daß die Wichtig- 
keit der Lemmata ebensowenig zum Bewußtsem 
kam, daß andrerseits auch doppelte Lemmata be- 
gegnen (B 192) oder erst später aus einem be- 
liebigen Vulgärkodex zugeschrieben worden (I 214) 
imd daher Fälle eintreten, in denen die abweichende 
Lesart weder aus den Schollen noch dem Lemma 
entnommen werden kann; femer, daß sich zwar 
im allgemeinen das kritische Notat an den dem 
Scholiasten vorliegenden Homertext zu schließen 
liebte, indessen wohl auch hier XJngenauigkeiten 
unterliefen (P 139) und vor allem nicht vergessen 
werden darf, daß weder die Didjrmeischen von 
Haus aus einem Aristarchischen Homertexte bei- 
geschrieben waren, noch Venet. A einen solchen 
bietet; daß sogar verschobene Schollen begegnen, 
wie N 460 zu N 485 gehört — so erhellt, wie 
unendlich viele Umstände im Laufe der Jahr- 
hunderte zusammengewirkt haben, um das Geschäft 
einer Restitution des Didymeischen Werkes trotz 
der doppelten Rezension, in der es uns fragmenta- 
risch erhalten ist, möglichst zu erschweren, und 
wie es eines geschulten und feinfühligen Ohres be- 
darf, um in dem Durcheinander von Stinunen mit 
Sicherheit die des Didymos herauszuhören. 

Das Maß der Verlegenheiten voll zu machen, 
konunt hierzu noch eins, daß es keineswegs gentigt 
mit der besondem Entwicklungsgeschichte der Hanpt- 
und Textscholien bekannt zu werden, sondern daß 
auch die des in A vorliegenden Homertextes selbst 
vorweg verfolgt sein will, wenn sich die Forschung 
nicht auf bedenkliche Abwege verirren soll, welche 
mir in meinen Didymeis aus d. J. 1854 nicht zu 
vermeiden gelungen ist. Die Hauptfn^ge dabei ist: 
war dieser Text nicht vielleicht schon mit Varianten 
versehen, ehe die Exzerpte aus Didymos ic. 'A. o. 
beigeschrieben wurden? (§ 48—52). Lud wich be- 
antwortet sie unbedenklich und mit Recht bejahend. 
A giebt eine nicht geringe Anzahl solcher Varianten, 
die mit den Formeln 7pa<peTai xat, -{pdftxii, h aUq» 
eingeführt werden. Daß sich der ersten Fonnel 
schon Didymos und Aristonikos oder gar Aristarch 
selbst bedient hätten, kann nicht nachgewiesen 
werden; sie werden also Oberhaupt nicht in Frage 
kommen. Aber dasselbe gilt auch von den durch 
ein bloßes ^pa^erai eingeführten Varianten; Mch 



201 



[No. 7.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [U. Februar 1885.] 202 



sie stehen selbst in A* in keinem bestimmten Ver- 
hältnis zn Aristarch, sondern sind einfach gleich- 
falls Varianten eines Vnlgärtexts, die schon notiert 
waren, als A^ eingetragen nnd damit verknüpft 
wnrde, wie O 446 (von Hoffmann beigebracht, and 
M44 ^''206 (nach Ladwichseigner Observation) zeigen. 
Nicht minder beweisend ist die dritte Orappe, da 
sie selbst Aristarchische Lesarten mit iv oXXoi 
einführt (A* Y 62, wo erst an „iv aXXw ix Opövou 
ttipTo* sich die Notiz oStojc xal ^ MadoiXttoTtxTQ 
ansetzte), ihre größten ans A' zn entnehmenden 
Massen aber (gesammelt S. 161—167) für Didy- 
mos ganz wertlos sind nnd nur eine Kollation 
des cod. A mit allen möglichen Handschriften dar- 
stellen. 

Jena. Moriz Schmidt. 



De Heraclide Uilesio grammatico. 
Scripsit fragnoenta collegit disposuit illastravit 
Leopoldns Cohn Berolini 1884, S. Cal- 
Vary & Clo. 111 pp. 4 Mk. 

Eastathias hat die Schriften eines Grammatikers 
üerakleides benatzt nnd in den Mitteilungen, die 
er daraus macht, mancherlei Notizen über mand- 
artllche Formen der griechischen Sprache erhalten. 
Diesen Herakleides nennt denn anch Ahrens Dial. 
aeol. p. 165 an erster Stelle unter den alten Ge- 
währsmännern für die Kenntnis der griechischen 
Dialektologie. Über seine Person und die Zeit 
seines Lebens war bisher nichts bekannt. Auch 
ein so scharfsinniprer und gerade in der Litteratnr- 
geschichte der alten Grammatik so bewanderter 
Gelehrter wie Richard Meister verzichtete (Gr. 
Dial. I S. 27) darauf, die Zeit des Herakleides 
zu bestimmen. Um so willkommener, daß jetzt 
von zwei Seiten zugleich die Frage von neuem in 
Angriff genommen und in ziemlich gleichem Sinne 
gelöst worden ist. Die Dissertation von Wilhelm 
Frye, De Heradidae Milesii studiis grammaticlB 
(Iieipz. Stud. VI [1883] S. 95-188) erschien be- 
reits, während Leopold Cohn mit der Herausgabe 
des hier zu besprechenden Buches beschäftigt war. 
Frye giebt nach einer Untersuchung über Alter 
und schriftstellerische Thätigkeit des Herakleides 
eine zusammenfassende Darstellung und kritische 
Würdigung semer Leistungen; Cohn hat mit Back* 
sieht auf die Arbeit seines Vorgängers die ent- 
sprechenden Abschnitte kürzer behandelt, S. 1 — 36 
(zugleich Habilitationsschrift bei der philosophischen 
Fakultät der Universität Breslau). Den übrigen 
Baam nimmt die Sammlung der Fragmente, im 
ganzen 62 Nummern, ein. 



Der Verfasser kommt in Übereinstimmung mit 
Frye zu dem Resultat, daß Herakleides aus Milet 
oder, nach seinem späteren Aufenthaltsort, aus 
Alexandria, wohl zu unterscheiden von Herakleides 
Pontikos, zu Ende des ersten und vielleicht noch 
zu Anfang des zweiten Jahrhunderts n. Chr. ge- 
lebt hat. Von seinen Werken lassen sich zwei 
aus den Fragmenten erkennen: irepl xaöoXtxrjc 
rpootpöiotc und Tuepl SujxXtTtov pY)p.aTa)v (d. h. „über 
Verba anomala**). Anderweitige Vermutnngen 
über Schriften des HerakleiJes, namentlich die, 
daß er einen kritischen Kommentar zum Homer 
geschrieben habe, werden zurückgewiesen. Cohn 
zählt dann die Schriftsteller auf, welche uns Frag- 
mente des Herakleides erhalten haben: zuerst 
ApoUonius Dyscolus und sein Sohn Herodian, der 
von Herakleides den Titel für sein eigenes be- 
rühmtes Werk entlehnt hat; dann Herennius Philo, 
über dessen Verhältnis zu seinem Exzerptor Ammo- 
nius in einem Exkurse (S. 9—13) ausführlich ge- 
handelt wird. Es folgen die Byzantiner, als letzter 
Eustathius, dem wir die größte Menge der er- 
haltenen Fragmente verdanken. Daß diese zum 
größeren Teile nicht dem Buche irspl xaftoXt- 
x^c TCpojtpöiac, sondern dem ntpl SüaxXittuv fT)p.ata>v 
entnommen seien, sucht Cohn (S. 13 f. und S. 17, 
wo in der Mitte durch ein Versehen im Druck 
der erste der beiden Titel statt des zweiten ge- 
setzt ist) gegen Frye (S. 104 f.) zu beweisen und 
zwar, wie ich glaube, mit Erfolg. Der Grund für 
seine Annahme liegt hauptsächlich in dem Inhalte 
der Fragmente, insofern sie eben die Erklärung 
auffallender Koivjugationsfonnen enthalten. Daß 
die Benutzung des Buches irepl xaöoXtxTJc irpoaw- 
otac durch die allgemeine Geltung, welclie das 
jüngere, gleichnamige Werk von Herodian gewann, 
beeinträchtigt worden sei (S. 14), erscheint sehr 
plausibel. Aber der daraus gezogene Schluß, 
daß Eustathius das genannte Buch des Herakleides 
nur in unbedeutenden Exzerpten gekannt habe, ist 
kein zwingender. S. 18—20 wird geschildert, wie 
nachlässig Eustathius die von ihm benuzten Stellen 
behandelt hat; er führt sie gewöhnlich nicht mit 
den Worten des Originals, sondern mit seinen 
eigenen an und mischt oft ganz Verkehrtes und 
Unverstandenes hinein. — Im zweiten Teile seiner 
Abhandlung giebt Cohn eine Charakteristik der 
durch Herakleides verti*etenen wissenschaftlichen 
Richtung; er bezeichnet ihn als einen strengen 
Anhänger der Analogie (im Gegensätze zur auvi^öeia). 
Ausführlich beschreibt er (8. 24 ff.) das Verfahren, 
welches Herakleides in der Behandlung der Verbal- 
formen beobachtet habe. Alle Mittel, deren sich 



203 



[No. 7.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [14. Februar 1885.] 201 



die alten Grammatiker bedienten, um die eine 
Form aus der anderen entstehen zu lassen, hat er 
in reichem Maße angewandt: TrXsovaajioc, eTiEvOeaic, 
IXXei^tc, dTTo^oXiQ, auvatpeai;, ao-pcoTri], öidtXujt;, 
jjieTof&edtc, uirepßißacjjJL^c n. a. Aus ^Xettoj wird 
pXeTrxü), daraus durch äolische Verwandlung ?Xeajü), 
daraus durch Abfall des ^ Xejao), endlich durch 
Einschub von o Xsujaw. Indem womöglich jeder 
einzelne dieser Übergänge durch Beispiele aus 
irgend einer Mundart erläutert wird, kommt es 
vor, daß drei, ja vier verschiedene Dialekte zur 
Entstehung einer einzigen Form zusammengewirkt 
haben sollen. Das böotische Verbum iXotw wird 
durch äolische irposeXeuji; tou ü zu iXauci), dieses 
durch dorischen 7:X£ova5|xo; -roü v zu lXauvo> (Fr. 20). 
Die homerische Form eJXTQXoüöfjiev ist aus vier Dia- 
lekten zu Stande gekommen: attisch IXt^Xuö«, dazu 
böotisches o und ionisches i, also elXiQXouBa, eUr^- 
Xoüöafjiev, daraus mit äolischer Synkope £IXtqXoüi^p.£v 
(Fr. 31, wo in Z. 14 doch vielleicht i-swOap-sv 
statt £i:e7ctdo|jLev zu schreiben ist trotz des von 
Herodian gegebenen r(5|X£v aus iI5ofi.£v; denn in 
dieser Erklärung wich ja Herodian von seinem 
Vorgänger ab, wie Cohn zu Fr. 42 hervorhebt). 
Grammatische Theorien wie die, von welcher 
soeben Proben mitgeteilt wurden, lassen an Bar- 
barei nichts zu wünschen übrig. Trotzdem ist die 
Lektüre der von Cohn gesammelten Fragmente 
nicht unfruchtbar. Manche bemerkenswerte dia- 
lektische Form wird doch erwähnt, und der Heraus- 
geber hat in seinen Anmerkungen Sorge getragen, 
Zugehöriges aus anderen grammatischen Schriften 
zur Vergleichung herbeizuschaffen und den Leser 
zur vorsichtigen Benutzung des von Herakleides 
überlieferten Materials anzuleiten. Zu einer Stelle 
möchte ich eine Bemerkung hinzufügen. Bei Eu- 
ripides heißt es Hec. 260 : iz&z&pa t6 ypf^v arf iizrfia'f 
dv&pü)7:ojtpa7£tv; Herakleides erklärte ypr^v für den 
Infinitiv, und dies scheint durch einen Vers im 
Herc. für. bestätigt zu werden, 828: to ypr^v viv 
ilhoilt^. Neuere haben daran Anstoß genommen: 
Nauck verlangt die Korrektur in ypiQ, Ahrcns 
(Beitr. z. griech. u. latein. Etymol. S. Gl) meint, 
ypr^v könne ans yp£<uv durch Kontraktion entstanden 
sein. Cohn entscheidet sich nicht. Sollte es aber 
nicht möglich sein in yp^v die regelmäßige Imper- 
fektform (aus yp^ f^v, nach der unzweifeDiaft ricli- 
tigen Erklärung von Ahrens) zu erkennen, sodaß 
TÖ yp^v etwa zu übersetzen wäre: „der Gedanke: 
es war nothwendig* ? In den Zusammenhang würde 
solcher Sinn an beiden Stellen passen, und an 
Beispielen ähnlicher Substantivierung eines ganzen 
Satzes fehlt es nicht. To £^ So'jX£i {trfih Xu£t röfvta 



(poßov ixajTwv Tzipi, sagt Plato Phil. p. 20 B. An- 
dere Beispiele giebt K. W. Krüger, Griech. Sprachl, 
§ 50, 6, 10. — Beigegeben ist dem Buche ein 
Index vocabulomra und ein Verzeichnis der bei 
Herakleides citierten Dichter und SchriftstelltT, 
von denen natürlich Homer bei weitem am häutig- 
sten vorkommt. 

Kiel. Paul Cauer. 



L. Brunei, De tragoedia apnd Roma* 
DOS circa prineipatum Augusti corrupta. 
Thöse de doctorat. Paris 1884, Hachetle. 
115 p. 8. 

Noch selten hat Referent eine Schrift gelesen^ 
die in einem so erbärmlichen Latein geschrieben 
wäre wie die liier zu besprechende. Sätze wie 
„Haec popnli romani crassa, ut ita dicam, de rebns 
scenicis Minerva in ipsis fere artis illius incuna- 
bulls deprehenditur" (S. 6), „Senecae opera tota 
possidemus** (S. 2), „Qnidlibet exiraii poetarnm 
ingenium excogitaret, penes vulgus scena erat" (S. 3) 
mögen dem Leser einen Begriff von dem Ver- 
gnügen geben, welches das Durchlesen dieses Buches 
gewährt. Und wenn doch der Ai'beit wenigstens 
ein bescheidener Nutzen lohnte! Aber wir finden 
keine einzige „novitas** (mit dem Verf. zu reden), 
keinen neuen Gedanken, keine neue Kombination 
oder Beweisführung von irgend welcher Tragweite : 
fast nichts als Darlegung altbekannter Dinge, die 
sich in bekannten Büchern alle viel besser be- 
handelt finden. Im ersten Kapitel „Quaenam in 
vetere Romanomm ti'agoedia propinquae miuae 
Signa dignoscantur* wird auf den Tanz, auf die 
Musik, besonders aber auf die Pracht des scenischen 
Apparats Gewicht gelegt, im zweiten werden die 
Tragiker aus Ciceros und Augustns' Zeit durch- 
genommen, im dritten die Urteile des Horaz, 
der dem römischen Geiste Kraft genug ftJr die 
Tragödie zutraute, wiedergegeben. Die letzton 
Kapitel handeln „De tragica saltatione ac de sal- 
ticis fabulis*, „De tragocdiamm cantoribus, de 
citharoedis", und „De tragoediamm recitationibus, 
de Pomponio Secundo". Die Ursache des Veri^alls 
der Tragödie seit der Zeit bald nach Attins sieht 
der Verf. im wesentlichen in dem Ubei*wiegen des 
Pöbels und dem Einflüsse seines Geschmackes im 
Theater, ohne deshalb aber deutlich zu madien, 
weshalb das zweite vorchristliche Jalirhundert, 
welches doch auch den Pöbel im Theater sah und 
unter seinem Geschmack zu leiden hatte (vgl. den 
Prolog zur Ilecyra), dennoch die Blüte der Tjh- 
gödie hervorbringen konnte. In den Kenntnissen 
des Verf. zeigen sich auch Lücken : ob er sich z. B. 



205 



[No. 7.] 



BERLINER PHILOLOGlSCflE WOOBENSCHRIFT. [14. Pebraar 1885.] 206 



die Zoschauer sitzend oder stehend dachte, ist aus 
S. 14 f. schlechterdings nicht klar zu entnehmen, 
oder vielmehr es ist zu erkennen, daß er sich 
darüber unklar blieb. Ebenso verhält es sich mit 
dem Verständnis mancher Stellen der Autoren. 
Wenn z. B. Cicero seinem Bruder schreibt: „sine 
Ulla mehercule ironia loquor: tibi istius generis 
in scribendo priores partes tribuo quam mihi^ 
(ad Q. fr. III 4, 4), so schließt Herr Brunei 
S. 32 daraus, daß die Dichtungen des Q. Cicero 
*minimi pretii' waren. Warum? Weil der Redner 
selbst ein so schlechter Dichter war, könne das 
Lob, ein anderer sei besser als er, doch nur ironisch 
aufgefaßt werden! Aber hielt sich denn — darauf 
allein kann es natOrlich hier ankommen — M. Cicero 
etwa selbst für einen schlechten Dichter? Was 
Quellenkritik angeht, so führe ich nur an, daß Br. 
S. 41 eine ausdrückliche Angabe des Porphyrie 
durch das Stillschweigen des »Acro^ zu entkräften 
sucht! Die einzige eigene Vermutung des Verf. 
— es seien die bei Quintilian IX 3, 57 überlieferten 
tragischen Verse auf Fomponius Secundus zurück- 
zuführen, — ist ebenso ungenügend motiviert, wie 
68 an sich unmöglich ist, diese in alter italischer 
Art spondeischen Senare jenem Tragiker der 
Kaiserzeit zuzuweisen. — In Kürze lautet unser 
Urteil dahin, daß dieses Buch im einzelnen sehr 
viele Mängel hat und im ganzen nichts Neues 
bietet, daß seine Veröffentlichung daher weit besser 
unterblieben wäre. 
Frankf^ a. M. A. Riese. 



H. Mensel, Lexicou Caesarianum. Fa- 
scicnlus II. Berolini 1885, W. Weber. Spalte 
193-384. Imp. 8. 2,40 Mk. 

Nach genauer Durchsicht zweier Bogen habe 
ich mich überzeugt, daß dieses Heft (advolo-aut) 
mit derselben musterhafteuGenauigkeit ausgearbeitet 
ist wie das erste (vgl diese Wochenschrift 1884 
No. 42). In zwei Punkten hat Verf. wesentliche 
Verbesserungen angebracht: er hat die Citate 
strenger gekürzt und verweist die Konjekturen in 
einen Anhang, wo man auch die litterarischen No- 
tizen dazu finden wird; hierdurch haben die ein- 
zelnen Artikel entschieden an Übersichtlichkeit ge- 
wonnen. 

Ein Hauptvorzug von Meusels Arbeit ist und 
bleibt die stete Berücksichtigung der Überlieferung; 
dies möchte ich gegen den Bez. in der Dtsch. Littzt 
1885 No. 2 noch einmal hervorheben. Zwischen 
aste und antea z. B. kann Nij^rdey nicht ent- 
scheiden; da muß vielmehr jedesmal die Über- 
lieferung beider Handschriftonklassen vorgelegt 



I 



I 



werden; und wenn Merguet dies nicht thut, so be- 
geht er einen Fehler, den ihm die Lexikographen 
mit Hecht vorrücken. Ohne die stete Yergleichung 
der sogenannten 'interpolati' kann man kein rechtes 
Cäsarlexikon abfassen; das zeigt gleich eine Stelle 
desselben Artikels ante (relinqno): easdem copias, 
quas ante, praesidio navibus reliquit QV 11, 7, 
so citiert Merguet (8. 79 r.) ohne jeden Zusatz. 
Mensel fügt in Klammem die Lesart von ß hinzu : 
quae ante praesidio navibus fuerant. Beide Les- 
arten halten einander völlig die Wage, wie Schneider 
ganz richtig anmerkt, er irrt nur darin, daß er 
einen Bedeutungsnnterschied sucht, um quas ante 
für die Kommentarien, quae ante . . fuerant für 
die Ephemerides zu wählen. Eine bestimmte Ent- 
scheidung für a oder ß ist unmöglich, also müssen 
beide Lesarten in einem Lexikon stehen, hier 
um so mehr, als dies die einzige Stelle ist, wo 
ante im verkürzten Satze sich findet; denn VI 24, 4: 
in eadem inopia . . , qua ante, Germani permanent 
ist ante erst von Heller hinzugefügt. 

Dies nur als Beispiel. Je weiter Meusels Lexi- 
kon foi*tschreitet, desto deutlicher wird sich zeigen, 
daß die Handschriftenklasse ß mit Unrecht von den 
Herausgebern ganz in den Hintergrund gedrängt 
worden ist. 

Berlin. Rudolf Schneider. 



Charles Tissot, 66ographie compar6e 
de la province romaine d'Af rique. Tome L 
Geographie physique, göographie historique, 
chorographie. Paris 1884, Hachette. VI, 
697 S. 4. 15 fr. 

«Obgleich Kairouan nur sechs Tagereisen von 
London entfernt ist", schrieb H. Broadley 1882'), 
„war es vor einem Monate noch eine terra in- 
cognita wie viele der großen Städte von Central- 
afrika". Dasselbe könnte man fast von dem 
ganzen inneren Teile der Regentschaft Tunis be- 
haupten. Von vielen durchwandert, wurde sie 
noch von niemand methodisch untersucht und be- 
schrieben. Die Unsicherheit war noch in den 
letzten Jahrzehnten eine solche, daB Männer wie 
Guärin und Wilmanns es für unmöglich hielten, 
in manchen der interessantesten G^enden einen 
längeren Aufenthalt zu wagen.«) Auch lag keine 
Karte vor, die man mit Zuversicht benutzen konnte. 
Bereits 1857 hatten zwei Offiziere, der Franzose 



') The last punic war. London 1882, Bd. II, 
S. 142. 

*) Vgl. WiUnanns, G. I. L Vm, zu No. 25; 
Gu^rin, Voyage en Tunisie, I, 8. 220. 



207 



[No. 7.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [U. Pebraar 1885.] 908 



Pricot Sainte Marie und der Däne Falbe 
eine Karte der Regentschaft im Maßstab von 
VotM« entworfen, und dieselbe wurde im D{p5t 
des cartes des französischen Kriegsministerinms 
gestochen. Auf diese Karte stützen sich alle späteren 
Versuche, ein annäherndes Bild des Landes in 
kleinerem Maßstäbe zu verfertigen. Aher die 
Karte von Fr i cot und Falbe wurde größtenteils 
nicht durch Autopsie, sondern vermittels ein- 
heimischer Erkundigungen zu stände gebracht; 
doch wer die Araber kennt, weiß auch, wie g^- 
f^Uirlich es ist, ihrer Auskunft in topographischer 
Hinsicht zu trauen. Das ganze orographische und 
hydrographische System der Regentschaft ist auf 
der Pricotschen Karte entweder gar nicht oder 
grundfalsch dargestellt*); da diese Karte die Basis 
der Kiepertschen (im YIII. Bande des C. I. L.) 
gewesen ist, so versteht es sich von selbst, daß 
auch die genannte Leistung den Beisenden und den 
Geographen nur irre führen kann.^) Man glaube 
auch nicht, daß die Kflste der Regentschaft in 
genügender Weise bekannt war: die englischen 
Seekarten von 1879 schreiben noch das Wort 
unsurveyed auf manchen Punkten, die doch nur 
zwei Tage Wegs von Marseille oder von Malta 
liegen.*) Eine kleine Insel, welche Bezila ge- 
nannt und nicht weit südlich von Sfax in den 
Karten angegeben wird, ist überhaupt nicht 
vorhanden.*) Dieses einzige Beispiel genügt, um 
den nichtkundigen Leser zu überzeugen, daß die 
Regentschaft Tunis selbst nach Gu^rin und Wil- 
manns einen fast unerforschten Stoff der Qeo- 
graphie und der Kartographie darbieten mußte. 
Seit der französischen Okkupation der Regent- 
schaft haben sich die Verhältnisse bedeutend ge- 
ändert. Eine große Karte im Maßstabe von 
ViM«M ist von den französischen Offizieren ent- 
worfen worden, und obgleich zur Zeit nur Proben 
derselben vorliegen^), zeigen dieselben zur genüge, 



*) So besonders das südliche Ufer des Gbott el 
Djerid, die Hydrogn^hie der Gegend um Kairouan, 
das Gebirgsnetz an der Greose der Provinz Gonstan- 
tine u. 6. w. 

^) Dies haben auch, nach vielen andern, Wil- 
manns und Kiepert selbst erkannt; vgl. G. I. L. VIII, 
S. 1182. Der französische Feldzug von 1881 ist durch 
den Mangel an guten Karten bedeutend erschwert 
worden. 

*) Z. B. in der Meerenge zwischen Djerba und 
dem Festlande. 

*) Siehe Tissot, Geographie de la province 
d*Afrique, I, S. S08. 

^ Diese Proben finden sich natürlich nicht im 



daß die Eegentschaft anders aussieht, als man nach 
Pricot und Falbe noch allgemein glaubt. Die 
große Sammel karte, welche der rühmlich bekannte 
Geograph Colonel Perrier bearbeitet, soU im 
Laufe des kommenden Jahres erscheinen: daim 
wird die Wissenschaft eine zuversichtliche Gmod- 
lage für die vergleichende Topographie erhalten 
— eine Grundlage, welche ihr bisher durchaus ge» 
fehlt hat. 

Es ist ein wahres Glück für die nordafrikanische 
Geographie, daß das große Werk Charles Tissets 
erschienen ist, welches auf persönlichen topographi- 
sehen und archäologischen Studien beruhend, der gc* 
nannten Karte als wertvoller Kommentar dienen soll. 
Tissot, dessen früher Tod im Juli des vorigen 
Jahres ein nicht zu ersetzender Verlust gewe- 
sen ist, war bereits 1852 als 61dve consnl 
nach Tunis gewandert und hatte von 1852 bis 
1858 die noch unbekannten Gegenden der inneren 
Regentschaft durchreist und durchforscht. Als er 
damals in Tunis die Übersetzung las, welche die 
Herren Marcus und Duisberg von Mannerts 
Afrika 1842 herausgegeben hatten, erkannte er. 
daß die geographischen Thatsachen in stetem 
Widerspruche mit den Angaben jenes Werk« 
ständen, und er entschloß sich als fünfundzwanzig- 
jähriger Jüngling, etwas Besseres und Vollständigeres 
zu leisten. Dreißig Jahre lang hat er gesammelt 
und geschrieben, auch in den entfernten Gegenden 
des Orients, wohin ihn sein diplomatisches Wirken 
ftthrte«); 1883 konnte er endlich anfangen, mit 
Hülfe seines Sekretärs den ersten Band seine^i 
großen Werkes drucken zu lassen. Er war aber 
schon damals schwer erkrankt und starb vor dem 
Erscheinen des ersten Bandes. Derselbe wnrde 
nach' dem Manuskript von seinem Sekretär zu ende 
geführt, mit einem alphabetischen Index und einigen 
Zusätzen versehen und steht heute vor uns u 
herrlicher Ausstattung — das Werk eines ganzen 
Lebens und ein Musterwerk. 

Der 1. Band enthält die ph3rsische, ökonomische 



HandeL Einiges ist veröffentlicht in den Archives 
des Missions scientifiques et litt^raires, 1SS8, 
S. 331. 

*) Kleinere Beiträge zur vergleichenden Geographie 
der Regentschaft bat Tissot in den Gomptes-rendni 
de la Soci^tä de Geographie (1879) und den 
Archives des Missions (1883) veröffentlicht In 
den Memoiren der Akademie erschien 1881 seine 
ausgezeichnete Untersuchung le Bassin du Bagrtdi. 
YgL die biographische Notiz in Bursians Biogr. 
Jahrbuch, 1881 S. 10. 



209 



[No. 7.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [14. Febraar 1886.] 210 



und ethnographische Geographie der Eegentschaft, 
die Chorographie des punischcn Zeitalters und 
zwei Stadien über die Topographie Karthagos 
in panischer und in römischer Zeit. Der zweite 
Band, die politische Geographie der römischen 
Provinz und die vergleicliende Darlegung der 
Itinerarien, liegt im Manuskript fertig und wird 
Ende 1885 erscheinen. Kleinere eingeklammerte 
Zusätze werden das Werk, wo nötig, mit dem 
heutigen Standpunkte der Wissenschaft in Einklang 
bringen. 

Es wäre geradezu unmöglich, den Inhalt eines 
80 umfassenden Bandes wie des vorliegenden, auch 
in einer weitläufigen Rezension anzugeben. Wir 
werden uns damit begütigen, das Interessanteste 
und Neueste mit kurzen Worten zu bezeichnen, 
vor aUem die diei Karten, welche Tissot 
selbst nach unedierten Quellen verfertigt hat: 
1 ) die Gegend der Chotts, welche er zweimal be- 
sncht und zum Gegenstand einer Doktordisser- 
tation geroachthatte*); 2) der Meerbusen von Kar- 
thago; 3) ein Plan von Karthago, nach den un- 
edierten Messungen des Ingenieurs Daux. Der 
bereits vor neun Jahren verstorbene Daux war 
von Napoleon Ilf. nach Afrika gesandt worden, 
um topographische Studien dem Schauplätze des 
afrikaniscben Feldzuges Cäsars zu widmen. *•) 
Daux hat längere Zeit in Hadrumetum (Soussa) 
und in Karthago Ausgrabungen geleitet; das Un- 
glück hat aber gewollt, daß seine Papiere durch 
den Brand der Tuilerien (1871) vernichtet wurden, 
und das wenige, was übriggeblieben ist, unter an- 
derm zwei gro(]e Karten von Karthago und Utika, 
harrt noch der Veröffentlichung in der Manuskripten- 
Sammlung des Grafen d'Herisson. Dieser aber 
liat Tissot gestattet, die unedierten Karten 
Daux' zu benutzen, und obgleich Tissot sich ver- 
pflichtet glaubte, diese Erlaubnis mit vieler Be- 
scheidenheit zu benutzen, hat er doch das Wesent- 
lichste aus der Karte Daux' in seinem Plane ver- 
werten können. Wir meinen, daß er vielleicht 
gut gethan hätte, das Dauxsche Material mit noch 
größerer Sorgfalt zu brauchen; denn das Straßennetz 
von Karthago, welches Daux angiebt, beruht gewiß 
mehr auf Einbildung als auf strengen, wissenschaft- 
lichen Forschungen. Immerhin ist es nicht zu 



•) De Tritonide lacu, Divione, 1863 Qeizt ver- 
griffen und überaus selten). 

'*) Daux, Los Emporia Ph^uiciens, Imprimerie 
nationale, 1869. Auch hat er eine Scbildcrung der 
Raines von Uüka im Tour du Monde (1873) ver- 
öffentlicht 



leugnen, daß Daux in der That während langer 
Monate in Karthago ausgegraben hat, zu einer 
Zeit, wo der arabische Vandalismus bei weitem 
nicht so vieles zerstört hatte, als seitdem der Fall 
gewesen ist. 

Die Urographie der Regentschaft wird hier 
zum erstenmal nicht nur in eingehender Weise 
geschildert, sondern überhaupt verständlich ge- 
macht; wer aber die Kiepertsche Karte ansieht, 
wird nie ahnen können, wie die angedeuteten 
Gebirgsketten mit einander zusammenhängen. 
Tissot verfährt bei dieser Arbeit wie überall, 
nach der Methode der Vergleichnng: er giebt zuerst 
an, wie das Land wirklich ist, dann wie es die 
alten Schriftsteller beschrieben haben, wobei nie 
vergessen wird, daß die Angaben eines Ptolemäus 
im höchsten Grade der Präzision und sogar der 
Wahrscheinlichkeit ermangeln; endlich kommt er 
dahin, so viel als möglich die alten Namen mit 
den neueren zu identifizieren. Besonders können 
wir hier heiTorheben, daß die Ausgleichung des 
OuaiaXerov opo^ mit dem Djebet Ouslet ein für 
allemal beseitigt wird. 

Das zweite Kapitel handelt von der inneren 
Hydrographie, den Flüssen und den Seen. Tissot 
hatte längst erkannt, daß die palus Tritonis 
nichts anderes sein kann als der Chott el Djerid; 
die Frage ist neuerdings wieder aufgenommen 
worden von einem Militärarzte, der behauptet, 
die Tritonis palus habe bei Kairouan, zur Stelle 
des heutigen Sees Kelbiat, gelegen. Auf die 
Widerlegung dieser Hypothese hat sich Tissot 
nicht eingelassen; wir meinen, er habe Recht ge- 
habt, sie als unhaltsam zu übei*gehen.") 

Die folgenden Kapitel sind dem Küstenlande und 
den Inseln gewidmet; die Insel Djerba wird mit 
größerer Sorgfalt beschrieben als von irgend einem 
seiner Vorgänger, wenn auch die neueren Aus- 
gi'abungen in Meninx erlauben würden, nicht Un- 
bedeutendes hinzuzufügen. Der erste Teil des 
Bandes endet mit einer eingehenden Studie über 
die natürlichen Produkte und das Klima der Re- 
gentschaft. 

Im zweiten Teile fiilden wir zuerst di^ei lange 
Kapitel über die afrikanische Ethnographie, wo 

*') Man vergleiche zur Litteratur der genannten 
Hypothese: Nouvelie Revue, 1. Mai 1884; Revue 
Scientifiquo, 19. April 1884; Bulletin de la 
Society de Geographie, 1884, No. 13; Bulletin 
de Gorrespondance africaine, 1881, 151. 169. 
255. 325. 317; Revue de g^ographie, Januar 1884; 
Academie des Inscriptlons, Sitzung des 29. Aug. 
1881; Revue critique, 1885, No. 3. 



211 [No. 7.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [U. Februar 1885.] 212 



die EoUe der berberischen Bevölkernng in frappanter 
Weise hervorgehoben wird. Auf eigenen An- 
schauungen beruhen die Vergleichungen, welche 
Tissot zwischen den Sitten der von den Alten be 
schriebenen Völkerschaften und der heutigen 
Stämme aufs überzeugendste angestellt hat. 
Meltzers Hypothese (Geschichte der Kartha- 
ger, I, S. 62), daß die Libyphönizier eigentlich als 
Bevölkerung nie existiert haben, wird von Tissot 
als eine Übertreibung zurückgewiesen. Eine lin- 
guistische Untersuchung wird der libyschen Sprache 
und dem libyschen (berberischen) Alphabet nach 
den Arbeiten der Herren Letourneux, Judas, Hal6vy 
und den eigenen Forschungen des Verfassers ge- 
widmet. Auch werden die Beste der libyschen 
Kunst, bez. die eingekratzten Zeichnungen, welche 
als bas-reliefs Trupestres bekannt sind, in 
guten Zeichnungen wiedergegeben. Von besonderem 
Interesse sind in kunstarchäologischer Hinsicht die 
hier zum erstenmal veröffentlichten Reliefs eines 
libyschen Mausoleums, welche, in Fezzan gefunden, 
jetzt im Museuro von Tchinli-Kiosk zu Konstanti- 
nopel aufbewahrt werden und auf die ihm übliche 
toUeWeisevonDr.D^thier beschrieben wordensind.") 

Die letzten Kapitel des Bandes sind der puni- 
sehen Chorographie und der Topographie Kar- 
thagos gewidmet. Hier beschreibt Tissot nichts, 
was er nicht selber gesehen und geprüft, und 
seine bekannte topographische Gewandtheit sichert 
seinen Zeugnissen den höchsten Wert In der That 
glauben wir sagen zu dürfen, daß künftige Ent- 
deckungen seinen Ausgleichungen zwar viel zu- 
fügen werden, aber keine der von ihm festgestellten 
erschüttern können. 

Tissot hatte immer die Hoffnung gehegt, größere 
Ausgrabungen auf dem Boden Karthagos zu leiten; 
noch einige "Wochen vor seinem Tode waren diese 
beabsichtigten Ausgrabungen das Lieblingsthema 
seiner G^espräche. Wenigstens hat er so viel ge- 
leistet, daß jetzt für künftige Arbeiten eine sichere, 
wenn auch bescheidene Grundlage vorliegt. Wer 
die Topographie Karthagos studieren will, der 
kann jetzt getrost die Werke von Falbe, Dureau 
de la Malle, Beul6 und besonders das schlechte 
Buch von Nathan Davis (Topography of Car- 
thage) beiseite legen. Seit dem Tode des Ver- 
fassers hat Herr Sainte Marie, der Sohn des 
Kartographen Pricot Sainte Marie, in einem 



*^) D^thier, Etodes arch^ologiques (oeuvre 
posthame), Gonstantinopie 1881, S. 127. Vgl. Reinach, 
Gatalogue du Mas^e de Gonstantinopie, Gon- 
stantinopie, 1882, S. 58. 



stattlichen Bande das Resultat seiner eigenen For- 
schungen auf dem Boden Karthagos zur Kenntnis 
de« Publikums gebracht*'); man wird aber ans 
diesem Buche keine neuen Ansichten über Topo- 
graphie, sondern nur spezielle Thatsachen über 
punische Funde und dgl. erlernen, welche die An- 
gaben Tissots in keinem wesentlichen Punkte be- 
reichem. 

Wir wollen hier nur noch erwähnen, daß im 
Appendix des ersten Bandes zwei kleinere Ab- 
handlungen der Frage der Atlantis und dem Bau 
des antiken Kriegsschiffes (nach neuen Berechnungen 
eines französischen Ingenieurs) gewidmet shid. 

So ausgezeichnet und im wahren Sinne des 
Wortes epochemachend diese Arbeit Tissots 
auch sein mag, so ist nicht zu leugnen, daß sie 
infolge der Umstände, unter denen sie geschrieben 
worden ist, zuweilen den Anschein der Oberflächlich- 
keit, besonders in bibliographischer Hinsicht, trägt. 
Denke man doch, daß das Werk zwar in Paris 
gedruckt, aber in Marocco, in Adrianopel, in Sa- 
loniki, weit von allen Bibliotheken und andern 
Hülfsmitteln, oft auch mitten in den störendsten 
diplomatischen Angelegenheiten verfaßt wurde. 
Auch ist die Bibliographie der nordaMkanischen 
Altertümer eine so umfassende und zur Zeit noch 
80 zerstreute, daß es sogar in Paris oder in Berlin 
einem Gelehrten schwierig werden dürfte, das 
ganze Cognituro in dieser Hinsicht zu beherrschen. 
An Versehen und Lücken sei folgendes vorläufig 
erwähnt. S. 221, Z. 18: points anstatt puits. 
S. 316, Z. 24: bois anstatt baies. S. 663 ist 
seltsamerweise ein ganzer Paragraph über die 
römische Nekropolis von Karthago (Djebel Khaoni) 
ausgelassen worden; er soll in den Addendis 
des zweiten Bandes nach Tissots Handschrift ge< 
druckt werden. S 500, n. 2. Der erwähnte 
Dolmen existiert nicht; vgl. la Blanch^re, Voyage 
d'Etudes en Maur^tanie, 1883, S. 40—41, 
Taf. VII, 4, 6, a, b, c. S. 510, Z. 14. Die Wörter 
«ces cellules fun^raires n'offrent ni sculp* 
tures ni inscriptions'' sind zu tilgen. Vgl 
La Blanchere, Voyage d'Etudes, append. B. 
S. 515. Das Kamel in den Zeichnungen von El 
Hadj Mimoun gehört einer sehr späten Zeit an, 
wie noch manche der genannten Grafitten. 

Ausstattung und Holzschnitte sind vorzüglich. 
Paris. 2. F. 



I*) SainteMarie, Mission aCarthage, Paris 1884. 



sid 



[No. 7.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [14. Februar 1885.] 214 



III. Auszüge aus Zeitschriften, Pro- 
grammen und Dissertationen. 

Rheinisches Musenm fiir Philologrie. Bd. 40. 
1885. Heft 1. 

(S. 1—24) F. Bloss, Zu BcrgksPoetac lyrici, 
ed. IV vol. IIL 1. Alkman. Verf. bringt als Frucbt 
eines erneuten Pariser Aufenthaltes, nachdem er die 
Berichtigung seines «kleinen Aufsatzes im Hermes 
XIV 467 ('Nachträgliches zu Alkman') mit der 
Dorchstreichung" vollzogen, eine Reihe von Emen- 
dationsvorschlägen.— (25— 29)L, Schwabe, Juvenals 
Geburtsjahr, bekämpft die von L. Friedländer, 
»aus Juv. 13, 17 gezogene Folgerung, daß der Dichter 
im Jahre 820 d. St. (67 n. Chr.) geboren sei", und 
schticBt ans der Stelle nur, daß Juvenal „ziemlich 
so alt oder besser noch älter als Calvinus ist". — 
(30-37) E. Wellmann, Codex Hamilton 329 
(Galenos), giebt eine Beschreibung dieser Hs (H), 
^welche die Schrift des Galenos ITspt twv 'l-xoxpcfTou; 
z^l U/vciTtDvo^ oo^iia-tov enthält", und eine Untersuchung 
über ydais Verhältnis von H zu den übrigen bisher 
benutzten Hss" mit Hinzufügung einiger bemerkens- 
werten Lesarten. — (38—65) H. Nissen, Über 
Tempel-Orientierung. Dritter Artikel. Verf. will 
nur «die Prinzipien der ägyptischen Orientierungslehre 
feststellen, wozu eine beschränkte Zahl von Fällen 
genügt*. 1. Amon von Karnak (Theben). 2. Amon- 
Chnura von Kasr-Kärön. 3. Hathor von Dendera. 
4. üorus von Edfu. 5. Osiris von Abydos. 6. Arhes 
von Tüka (Antaeopolis). 7. Neit von Esne. 8. Chnum 
von Esne. 9 Sebak-Ra von Ombos. 10. Montu 
von Erment. — (66—113) Erwin Rohde, Zu Apu- 
Icius, bandelt „über die Zeit Verhältnisse des Lebens 
und der Schriftstellcrei des Apuleius" und läßt eine 
Nachlese von kritischen Bemerkungen zu den in den 
IIss F? erhaltenen Schriften" desselben folgen. -— 
(114— !.?2) Friedrieh Koepp, Über die Galater- 
kriege der Attaliden, behandelt „die Überwindung 
der Galater" durch Attalos I. und die Kämpfe Eumenes' II. 
gegen dieselben. — (133—144) W. Deecke« Zur 
Entzifferung der messapischen Inschriften 
IIL Verf. tritt mit diesem Artikel in die Einzel- 
betrachtnng der wichtigsten Inschriften ein. Die 
große Inschrift von Basta. — (145—160) Miszellen: 
(H5— 148) Er. Nahe, Zu Sophocles' König Oi- 
dipus, vermutet 329 act^Jj; dn'izm und verteidigt 
die Oberlieferung v. 1447 durch Umstellung des 
Komma vor ctü-o;, 1448 durch Erklärung von o^oJVvTi; 
mit 'richtig, ordentlich', 1152 durch Auffassung des 
„{101 als eines dat eth.". — (148) R. Mnenzel, An- 
tisthenis fragmentum. — (148—150) F. B., Nae- 
vius' bellum Punicum bei den Grammatikern, 
sacht zu erweisen, daß, „wo Nävius' Epos mit Buch- 
zahl auftritt, das Citat seinen Ursprung erst den 
Gelehrten der Kaiserzeit verdankt". — (150-153) 
En. Hoffmaan, Zu Ovids Ibis v. 447 f. — (153 
— ITiOj L. Tranbe. 1. Demetrios der Kyniker. 



2. Zu Florus. 3. Zu Granius Licinianus. — 
(155) J. van der Vliet, Coniectanea, macht Emeu- 
dationsvorschläge zu Petronii Satirae p. 71 v. 35 
Buch. ed. 2, zu Mio. Fei. Oct VI u. XXVHI. — (156 
—160) G. Bnsolt. Zur Schlacht bei Himera. — 
160) Th. Aufrecht, ojivujn, vergleicht „dem o^x ein 
sanskritisches am" und vermutet als „ursprüngliche 
Bedeutung der Wurzel: hart sein und transitiv hart 
machen, erhärten". b. 



Blätter für das Bayr. Oymasialschalwesen. 

20. Band. 10. Heft. 1834. 

(S. 477 f.) A. Kellerbauer, Übers, von Hör. 
Carm. I 20. 23. 24. 31. — (479—485) A. Kiene, 
Die Pflicht der persönlichen Blutrache in 
der Odyssee, rechnet die Teile der Odyssee, aus 
denen sich das Bestehen dieser Pflicht nachweisen 
l§ßt, zu den ältesten; dieselbe erlosch erst nach längcrem 
Bestand der Blutgerichte. — (485—487) C. Meiser, 
Kritische Bemerkungen zu Sallusts Catilina. 

— (487) Tb. Stangl, Zu Cic. Epist. VHI 3, schreibt 
plane qui (st. ubi) delectem otiolum meum. — (488 

— 489) C. Meiser, Zur Vita Heinrici IV. Im- 
peratoris, teilt Verbesser ungs vorschlage zu der auch 
sprachlich interessanten Schrift mit. — (491—492) 
Sophoclis Electra ed. Frid. Schubert und 
Sophoclis Philoctetes ed. Frid. Schubert. 
Metzger findet die Gestaltung des Textes zu radikal 
und subjektiv. — (493) Sophokles, erkl. von 
F. W. Schneidewin. 8. B., Oedipus auf Kolonos 
8. Aufl. besorgt von A. Nauck. Empfohlen vou 
Metzger. — (493 f.) Aristophanis Pax. Anno- 
tatione critica... instruxit F. U. M. Blaydes, 
Nach Weckleius Urteil ist für einen künftigen Heraus- 
geber des Aristoph. viel brauchbares Material in dieser 
Ausgabe enthalten; doch wird die eitle und z. T. 
gedankenlose Jagd auf Konjekturen streng getadelt. 

— (495—499) Q. Ennius. Von Lucian Müller. 
Inhaltsangabe von Domhart. Derselbe rügt den ver- 
letzenden Ton, den M. gegen Mommsen und Vahlen 
angeschlagen, und verwirft die auf die subjektive 
Empfindung sich stützenden Argumente. — (499 f.) 
H. Merguet, Lexikon zu den Schriften Cäsars 
und seiner Fortsetzer, und H. Meusel, Lexikon 
Caesarianum. Landgraf empfiehlt besonders das 
letztere. An dem ersteren rügt er, daß der Text 
lediglich nach Nipperdey ohne Berücksichtigung der 
neueren Kritik gegeben wird. — (500). Sturm, 
Quae ratio inter tertiam T. Livi decadem et 
L. Coeli Antipatri historias intercedat. Enss- 
ner nennt die Beweisführung des Verf. fiir die Ansicht, 
daß Livias in der 3. Dekade den Coelius nicht benutzt 
habe, wenn auch nicht durchaus zwingend, so doch 
geschickt — Cornelii Taciti annales erklärt 
von W. Pfitzner. Eussner charakterisiert das 
kritische Verfahren des Heraasgebers und bezeichnet 
den Kommentar als wertvoll für den Philologen. — 
Eutropii breviarium ab urbe condita ed. 



215 



[No. 7.] 



BERUNER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [14. Februar 1885.] Sl6 



C. Wagen er. Enssner erklftrt diese Ausgabe für 
bedeutend wegen der gewissenhaften Benatzang der 
Vorarbeiten, der besonnenen Konstituierung des Textes 
und der sorgfältigen Sammlung der neuesten 
Emendationsversuche. — (602—507) K. Meiser, 
Studien zu Tacitus. Walter weist dio Ver- 
besserungsTorschläge zu den Historien, welche der 
zweite Teil der Abhandlung enthält, bis auf wenige 
zurück. -- (507—509.) Röscher, Ausfuhrliches 
Lexikon der griechischen und römischen 
Mythologie. Fngger billigt es namentlich, daß die 
Deutung der Mythen in den Hintergrund tritt. — 
(509 f.) Baumeister, Denkmäler des klassischen 
Altertums. Kurze Anzeige von Fogger, der das 
Verfahren der Autotypie bei Herstellung der Abbil< 
düngen mangelhaft findet — (510 f.) F. Willeros. 
Le droit public Romain. 5 ^d. Rottmanner 
heißt besonders die Umgestaltung des Kapitels über 
die Prätur sowie dio Anfügung des Registers der 
lat Tennini willkommen. — (511 H. Schiller, 
Gesch. der röm. Kaiserzeit. Clerstenecker 
findet nameotlich die Beurteilung des Tacitus zu wenig 
maßvoll, auch rügt er den Gebrauch gewisser moderner 
Schlagwörter. — (513 f.) Vict. Duruy, Gesch. 
des röm. Kaiserreichs, übers, von Hertzberg. 
Die geistreiche und anziehende Darstellung: sowie die 
vortreffliche Ausstattung werden gelobt — (514.) 
Heinichen, Übungen im lat Stil für obere 
Gymnasialklassen. 8. verb. Aufl. Die Ver- 
weisungen auf Zumpts Grammatik sind vervollständigt, 
in den Cbungsstücken kommen die wichtigsten sti- 
listischen und syntaktischen Fälle in geordneter 
Stufenfolge vor. Die deutsche Ausdmcksform aber giebt 
oft zu Ausstellungen Anlaß. — (514 f.) Heinichen 
deutsch-lat Schulwörterbuch. 4. Aufl. von 
Drag er. Zweckmäßige Anlage und Brauchbarkeit 
für den Schüler werden gelobt, einzelne Er- 
gänzungen gewünscht, umständliche Verweisungen 
getadelt (gr.) — (515 f.) Goldbacher, Lat 
Grammatik. In der Formenlehre zumal sind die 
Ergebnisse der neueren Sprachforschung berücksichtigt, 
die Syntax zeichnet sich durch Klarheit aus. — (516) 
Nahrhaft, Lat. Übungsbuch zu der Grammatik 
von Goldbacher. T. I. u. II. Sorgfalt und Sach- 
kenntnis werden anerkannt (n). — Barth^lemy, 
Voyage du Jeune Anacharsis en Gr^ce. Im 
Auszuge, erkL von Kühne. Wallner empfiehlt 
dies Lesebuch besonders wegen seines stofflichen 
Interesses. — Bischof^ Ober bayer. Gym- 
nasialwesen. Es wird gegen die Anschauungen 
des Verf., daß die Titelfrage eine untergeordnete sei, 
und daß der grammatisch • stilisÜsehe Gesichtspunkt 
auf den Gymnasien überwiege, sowie gegen seine 
Auffassung der Stellung des Rektors — der Vorsitz 
soll unter den Lehrern wechseln — polemisiert (i). 
— Mehlis, Archäologische Karte der Rhein- 
pfalz und der Nacbbargebiete. Anzeige von 
Schmitt 



Berieht fiber die Im Jahre 1883 ersehlenenen 
Jenenser UnlTersitätsschriften. 

Von Paal Feine. 

1. Georg GStZy Observationes criticae (Sommer- 
proömium 1883). 8 S. 4. 

Zuerst wird über eioe schlechte Handschrift des 
Serenus Sammonicus gesprochen, dann folgdn Koa- 
jekturen zu Cic. ad Att VI 6, 1, Tib. I 3, 69 f.; im 
Anschluß an die Auseinandersetzung, daß bei Piautas 
noch oft die Ausdrücke seines griechischen Vorbildes 
durchblicken, Konjekturen zu Poen. 135 Gepp. nod 
Fragment 9 des Amphitruo, ferner eine Konjektur zu 
Poen. prol. 43. Vor v. 75 desselben Prologs wird eine 
Lücke statuiert Zuletzt folgt eine Bmendation von 
Apollin. Sid. VH 1. 

2. Georg Götz, De compositionePoenuliPlau- 
tinae (Winterproömium 1883). 8 S. 4. 

Ausgehend von der Zurückweisung der Ansicliten 
L. Reinhardts und C. M. Franckens, welche die schon 
längst gefühlten Mängel in der Komposition des 
Plautin. Poenulus durch die Annahme zu erklären 
suchen, Plautns habe das Stück aus zwei griechischen 
Fabeln zusammengearbeitet, führt Verf. den Nach- 
weis, daß die Schwierigkeiten beseitigt werden, wenn 
die erste und zweite Scene des vierten Aktes vor den 
zweiten Akt gestellt werden. 

Der zweite Band der Gommentationes philo- 
logae Icnenses, Lipsiae 1883, enthält folgende 
Dissertationen : 

3. Gaalt. BOhme^ Dexippi fragmenta ex lolio 
Gapitolino, Trebellio PoUione, Georgio Syncello 
collecta. 89 S. 8. 

Die Dissertation zerfällt in drei Teile. Im ersten 
wird gehandelt über Dexipps Leben und Schriften, 
deren wir nach Photius drei kennen. Dann zeigt Verf^ 
daß vieles aus Syncellus darch Vermittelnng des Ps* 
nodor auf Dezipp zurückgeht. Lampridios, Gapito- 
linus und Trebellius haben nicht Herodian, die Quelle 
Dexipps, sondern Dexipp selbst benutzt. Auch Zosi- 
mus hat I 1—46 Dexipp aasgeschrieben, desgleichen 
hat Dions Fortsetzer den Dexipp benutzt. Im zweiten 
Teile behandelt Verf. die Fragmente Dexipps, die sich 
auf die röm. Geschichte beziehen und zwar 1. die 
Fragmente über die Binfälle der Skythen und Gotben, 
8. die in den Viten des lul. Capit, 8. die in den 
Viten des Treb. PoUio stehenden, 4. andere aus Syn- 
cellus zusammengetragene. Im dritten Teile bespricht 
Böhme einige andere auf die griech. Geschichte, auf 
die Geschichte der maked. Könige, auf asiatische und 
syrische Geschichte bezügliche Fragmente des Dexipp. 

4. Aug. Becker^ De Rhodiorum primordiis- 
46 S. 8. 

Zuerst werden die scriptores rerum Rhodiacarom 
besprochen, dann die von Diodor erzählten Sagen nach 
ihren einzelnen Bestandteilen auseinandergelegt und 
im dritten Abschnitt näher über die einzehien rbo- 
dischen Sagen gehandelt, nämlich 1. über die von den 



217 



[No. 7.J 



BERUNBR PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [14. Februar 1885.] 218 



Telchiaes, 2. über dio von Poseidon und seinen Söhnen 
and der Vertreibung der Aphrodite durch dieselben, 
3. über die von Zeus Kronios und Kytos, 4. die von 
Helios und den Heliaden, 5. die von der Athena von 
lindos, 6. über den Heros Phorbas, 7. den Heros 
Althemenes, 8. den Heros Tlepolemos, 9. die Sagen 
von Phalantos and Iphiklos, 10. über die Kolonien 
der Rbodier. 

5. Rieh. Solbisky, De codicibus Propertianis. 
59 8. 8. 

Nachdem Verl die Ansichten über Wert und Ver- 
hältnis der Properzcodices zu einander von Lach- 
mann an kurz vorgeführt hat, behandelt er, veranlaßt 
durch die Baehrensschen Untersuchungen und die 
gegen denselben von einigen Gelehrten erhobenen 
Bedenken, die Frage von neuem und kommt nach 
Besprechung einer ganzen Reihe von Stellen zu dem 
Resultat, daß der beste cod. der Ncapolitanus ist. 
Die zweite Stelle nehmen ein der Ottoboniano-Vati- 
canus (V) und der Daventriensis (D). Entbehrlich ist 
dio Familie A (Vossianus) und F (Laurenüanus). 

6. Ed. Leidolph, De Festi et Pauli locis Plau- 
tinis. 55 8. 8. 

Verf. konstatiert, daß Paulas auch die Plautus- 
citate gekürzt, Festus dagegen seine Citate unverän- 
dert aus Verrius herübergenommen hat. Die Plautus- 
citate des letzteren sind nicht alle aus codd. entlehnt, 
sondern auch zum Teil aus Grammatikern. Dann 
wird nachgewiesen, daß die Fundamente der doppelten 
Rezension der Plautusstücke schon vor Verrius Flaccus 
zu setzen sind. Hieran schließen sich eine Reihe 
Kombinationen, die auf das Verhältnis der beiden 
Rezensionen zu einander und die älteste Geschichte 
des Plautinischen Textes Licht werfen. 

7. Paul Feine, De Aristarcho Pindari inter- 
prete. 75 S. 8. 

Im ersten Teile wird auf grund einer Reihe auf 
Aristarch und seine Schule zurückgehender Stellen 
aus den Pindarscholien nachgewiesen, daß Aristarch 
den Pindar nach ganz gleichen Grundsätzen und 
Schemata erklärte wie den Homer. Im zweiten Teile 
wird an den Scholienstellen, in denen Aristarch direkt 
genannt ist, dargethan, daß seine Leistungen im 
Pindar weit hinter denen im Homer zurückstehen. 

Von den Dissertationen des dritten Bandes der 
Commentationes lenenses sind bis jetzt er- 
schienen: 

8. Guido Uertzsch, De scriptoribus rerum im- 
peratoris Tiberii ConstantinL Lips. 1882. 
40 8. 8. 

Es werden hauptsächlich zwei Klassen von scrip- 
tores renun Tiberii Const. unterschieden, 1. syrische, 
2. byzantinische. Von Syrern haben wir drei, loannes 
Epbesius aus der Zeit der Kaiser Justin und Tiberius, 
Michaelis Ifagnos aus dem 12. und Bar-Hebraeus ans 
dem 13. Jahrb. Michael folgt großenteils dem loannes 
Epb., auch Bar-Hebraeus hat nur sekundäre Bedeutung, 



da er fast alles aus noch vorhaudenen Quellen schÖpfL 
Von Byzantinern sind außer den Fragmenten einiger 
Chronographen zu nennen Euagrius, der ziemlich 
selbständig gearbeitet hat, und Theophylakt, der durch 
ein Mittelglied auf loannes Epiphanius zurückgeht. 

9. Otto Knott, De fide et fontibus Polyaeni. 
Lips. 1885. 49 S. 8. 

Die Arbeit konunt zu folgenden Resultaten: Den 
Frontin hat Polyän nicht benutzt, dagegen gehört 
Sueton zu Polyäns Quellen, ebenso Herodot und Thu- 
kydides. Xenophon ist nicht benutzt. Zu den strate- 
gemata mulierum ist Plutarchs Schrift 7ava»xu)v apsxat 
nicht herangezogen; überhaupt ist Plut. nicht benutzt, 
sondern die bei beiden übereinstimmenden Steilen 
gehen auf eine gemeinsame Quelle zurück. Auch aus 
Diodor hat Polyän nichts entiehnt. Die lides Polyäns 
hängt ganz von seinen Quellen ab. Seine direkten 
Quellen sind wohl meist Kompendien über res mc- 
morabiles gewesen, NamenÜich im ersten Buch 
scheint manches in letzter Instanz auf Ephoros zurück- 
zugehen; auch Spuren von Theopomp finden sich. 

(Schluß folgt.) 



IV. Nachrichten Über Ausgrabungen 
und Entdeckungen. 

Die neuesten Ansgrabongen in Pompeji. 

Dio scavi, welche die italienische Regierung in 
den Jahren 1883 und 1884 in Pompeji ausführte, 
haben in zwei verschiedenen Stadtteilen verschiedene 
Resultate gebracht. Die Ausgrabungen in der noch 
nicht ganz zu tage liegenden Reg. VIII. (im Süden 
der Stadt zwischen Forum civile und Forum trian- 
guläre) sind wenig erfolgreich gewesen. Im Sommer 
des Jahres 1884 war man eben dabei, eine Gärtnerei 
auszugraben; wenigstens dürfte der große Garten- 
raum, in welchem man die Umrisse der regelmäßig 
angelegten Beete noch deutlich erkennt, schwerlich 
zu einer gewöhnlichen Privatwohnung gehört haben. 
Der BUderschmuck, welcher in den offengelegten 
Räumen zum Vorschein kam, ist wenig bedeutend. 

Bedeutender und erfolgreicher waren die Aus- 
grabungen in dem nordöstlichen Stadtteile, in der 
2. lusula der V. Regio. Die Grenzen dieser Insula 
werden gebildet im Süden durch den Decumanus 
maior (Strada di Nola) und im Westen durch eine 
schmale Gasse, welche in nicht ganz regelmäßigem 
Zug von S. nach N. führt und unsere Insula von der 
1. Insula der V. Regio trennt. Im N. und im 0. 
decken noch die Auswurfsmassen des Vesuv den 
Boden. 

Die Ausgrabungen begannen zur Feier der An- 
wesenheit Ihrer Majj. der Königinnen von Italien 
undPortugal am20.Juni 188dimEckhause(naohSW.);*) 



*) Vgl. Notizie degll scavi di antichita 1883 p.215. 
p. 284 SS., p. 424 ss. 




219 



[No. 7.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [U. Februar 1885.] 220 



seitdem hat man das Nebeohaus und einige andere 
Wohnungen und Läden der in Angriff genommenen 
Insula blosgelegt Das Hauptinteresse verdienen die 
beiden nebeneinander liegenden und ziemlich gut er- 
haltenen Häuser der Südwe&tecke. Der beigefügte 
Grundriß wird, wenn er auch auf peinliche Genauig- 
keit keinen Anspruch erheben kann, wenigstens dazu 
dienen, die Lage der einzelnen Räumlichkeiten zu 
einander zu verdeutlichen. 




Das Eckhaus A scheint auf den ersten Blick von 
der Anlage, welche wir gewöhnlich bei den pom- 
pejaniscben Wohnhäusern antreffen, bedeutend abzu- 
weichen. Dies liegt besonders in den hier der ganzen 
Länge der Front vorgebauten Läden 20—27. Durch- 
schreiten wir diese, so finden wir eine wenigstens in 
allen Haupträumen regelmäßige Anlage. Das einfach 
dekorierte Ostium [1], welches an seinem Ende ver- 
schließbar war, fuhrt uns direkt in das geräumige, 
ebenfalls sehr einfach dekorierte Atrium [2]. In dem- 
selben sehen wir das Impluvium (a) mit seinem Tra-. 
vertinputeal (ß), dessen Rand starke Spuren der 
Benutzung zeigt, und zwei nnterirdischen Ablauf- 
rinnen (i und l). An der Südseite des Atriums öffnen 
sich zu beiden Seiten des Eingangs die verschließ- 
baren Cubicula [3] und [4], das auf der West- Seite 
des Atrium liegende Cubiculum [5] scheint unver- 
schließbar gewesen zu sein. Unter diesem Zimmer 
lief der Abfluß (o) nach außen, und ursprünglich 
führte ein später vermauertes Fenster dem Räume 
mehr Licht zu. 

Es folgt dann auf dieser Seite ein Nebeneingang 



[6] (an der Stelle der linken Ala); in das opus 
Signinum des Fußbodens sind in weißem Mosaik am 
Anfange des Eingangs die Buchstaben OAEP (?), an 
der Mündung eine wohl der Abwehr des bösen Blicks 
geltende Figur [ >3 ] eingelassen. Gleich links neben 
der Hausthür führt eine schmale Tbür in einen engen, 
unter der in das Obergeschoß führenden Treppe [7] 
ausgesparten Raum. Gegenüber dieser Treppe öffnet 
sich an der Ostseite des Atrium der Eingang zu 
einem schmucklosen Cubiculum [8], welches die 
Stelle der rechten Ala einnimmt In die Nische («) 
zwischen diesem Raum und dem Tablinum ist daa 
Lararium gemalt. Von den Malereien desselben bt 
gegenwärtig fast nur noch eine Schlange zu erkennen; 
die darüber befindliche Gestalt der Fortuna ist nicht 
mehr sichtbar. Uinter der Schlange war, wohl für 
die Opferspenden , eine Platte in die Nische einge- 
lassen. 

Das äußerst geräumige Tablinum — denn als 
solches haben wir doch wohl den Raum [9] anzu- 
fassen — ist durch eine Marmorstufe vom Atriom 
geschieden und hat einen einfachen schwarzweißen 
Mosaikboden und über einem 1 m hohen roten Sockel 
gelbe Wände. An seiner Westseite sind die Ein- 
gänge zu zwei Räumen, zunächst zu einem triclinium- 
artigcn Gemach [10], welches sich fast in voller 
Breite auf das Tablinum öffnet und durch ein kleines 
Fenster mit dem Atrium in Verbindung steht. Die 
Decke ist über einem bunten Stucksims gewölbt. 
Die Dekoration des Zimmers erscheint unvollendet: 
denn die Nordwand hat überhaupt noch keinen Stuck- 
bewurf und der Boden zeigt noch den natürlichen 
Erdgrund: in der Südwestecke ist ein Abflußlocb. Die 
Süd- und Westwand sind im IV. Stil gemalt, über 
niedrigem, roten Sockel mit phantastischen Archi- 
tekturen auf weißem Grunde. Im Mittelfelde befindet 
sich je ein Gemälde. Auf der Südwand (a; H., 034 m; 
B. 0,33 m) Poseidon mit einer Geliebten, Tyro. Der 
kräftige Meergott stürmt mit gewaltig ausschreitendem 
rechten Bein nach links hin, ein vom Wind zorückgebläh- 
tes, blaues Gewand flattert hinter seiner Gestalt und ^It 
mit einem Zipfel über den rechten Oberschenkel; in der 
Linken erhebt er den Dreizack, von dessen Spitzen ein 
Wasserstrom herabfließt, mit der Rechten erfaßt er die 
verzweifelt erhobene Rechte des jungen Mädchens, 
das mit nacktem Oberkörper vor ihm in die Knie ge- 
sunken ist und mit der Linken das nur ihre Beine ver- 
hüllende, bogenförmig hinter ihrem Körper zurück- 
flatternde, rosafarbene Gewand gegen den Schoß druckt. 
Wir nennen das Mädchen Tyro, weil wir bei dem 
vom Dreizack herabströmenden Wasser der Erzählung 
Homers gedenken, daß Poseidon die Wogen des 
Enipeus zum azurnen Brautgemach der Tyro wölbte. — 
Das zweite Gemälde stellt Leda dar [b, H. der Leda 
0, 45 m] Die Geliebte des Zeus steht mit etwas 
eingebogenem rechten Bein auf einem bläulich ge- 
malten Pfeiler, also doch wohl als Statue gedacht. 



I 



281 



[No. 7.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [14. Februar 1885.] 222 



Mit der LiDken drückt sie dea Schwan, der ihre 
Lippen sucht, an ihre Seite, mit der Rechten erhebt 
sie den mit einem Zipfel über ihrem rechten Ober- 
schenkel liegenden, in weiten Falten hinter ihrem 
Körper herabfallenden Mantel, von dessen rosafarbenem 
Gnind sich ihre nackte Gestalt glänzend abhebt. Der 
Kopf ist nach links gewendet, und zwischen den 
schmachtend geöffneten Lippen blitzen die weißen 
Zfthne hervor. Die Ausführung ist besonders bei 
der Leda ganz flott und virtuos. 

Noch reicher dekoriert ist das zweite Gemach [U], 
dessen aus rohem opus Signinum gebildeter Boden 
durch eine Stufe über das Tablinum erhöht ist Es 
war ein geräumiges Cubiculum (in der Nordwestecke der 
Platz für das Bett) und durch eine Thür verschließ- 
bar. Auch dies Zimmer scheint nicht vollständig 
dekoriert gewesen zu sein, als der Ausbruch des 
Vesuv die Stadt verschüttete; denn wie im vorigen 
Zimmer die Nordwand, so wird hier die Südwand durch 
das rohe, unbestuckte Mauerwerk gebildet. Die 
Maiereien der drei übrigen Wände zeigen im letzten 
Stil phantastische Architekturen auf schwarzem Grund. 
Die Mitte einer jeden Wand wird durch ein größeres 
Gemälde geschmückt, und zwar die Westwand durch 
die in Pompeji häufig wiederkehrende Darstellung des 
Marsyas und Olympos (a). Der Lehrer, auf dessen 
halbtierische Natur nur die Spitzohren hinweisen, 
sitzt auf einem Felsblock, nackt, über den rechten 
Oberschenkel und den Sitz einen gelben Mantel ge- 
Beblagen. Er hebt die Rechte und wendet den Kopf 
zu dem zu seiner Linken sitzenden Olympos. Dieser, 
eine jugendlich weichliche Gestalt (in den Ohren 
goldne Ohrringe), hält in den halb erhobenen Händen 
die Flöte und lauscht mit erhobenem Haupt den 
Unterweisungen seines Meisters. Er sitzt auf einem 
roten Mantel, von welchem ein Zipfel unter seinem 
rechten Arm über den linken Oberschenkel des 
Marsyas fällt Den Hintergrund des Gemäldes scheint 
eine Felslandschaft zu bilden. — Das Gemälde der 
Nordwaod (b) stellt Zeus und Danaö dar, und zwar ist 
fthniich wie in dem Gemälde Reg. VII Ins. 2 nr. 16*) 
der Gott nicht nur in dem Goldregen, sondern auch 
in menschlicher Gestalt anwesend. Den Hintergrund 
bildet die Wand eines Zimmers, dessen Decke durch 
eine Säoie gestützt wird. Davor sitzt auf dem linken 
Ende einer Kline en face ein Jüngling (Zeus), bekränzt 
(mit Lorbeer?), um den Unterkörper einen roten 
Mantel geschlagen; er hält in der Rechten ein Szepter 
aufgestützt und erhebt die Linke wie erstaunt oder 
öberrascht nach der linken Seite. Der Kopf ist nach 
rechts gewendet; aber der Blick der Augen ist mit 
einem schwer beschrciblichen Ausdruck, fast schalk- 
haft von der Danaö abgewendet Diese sitzt rechts 
▼on ihm auf derselben Kline, en profil, halb sitzend, 
halb knieend, oberwärts nackt, um den Unterkörper 



*J SogUano, Pitt Mur. nr. 75. 



einen bläulich -weißen, inwendig roten Mantel ge~ 
schlagen , den sie mit beiden halberhobenen Armen 
ausbreitet, um den goldenen Wunderregen aufzufangen. 
Ihr linkes Handgelenk schmückt ein Armband; in dem 
einfach am Hinterkopf geknoteten Haar, aus welchem 
sich vor dem Ohr ein Löckchen kokett loslöst, liegt 
eine weiße Binde; den Busen gürtet ein rosafarbenes 
Mamillare. Der Typus des Kopfes ist realistisch, 
der Ausdruck des Gesichtes begehrlich — das Vor- 
bild dieser Danaö lebte vielleicht in einem Hause der 
Reg. VII. Ins. 12. — Das dritte Gemälde (c) ist leider 
so beschädigt, daß es genügt, Soglianos Deutung*) 
auf Meleagros und Atalante zu erwähnen. — Auf den 
Nebenfeldem waren schwebende weibliche Gestalten 
gemalt, von denen fast nur noch die weißen Linien 
erhalten sind, mit welchen der Künstler die Umrisse 
leicht skizzierte, ehe er ans Malen ging. Auch in 
die Architekturen des breiten Frieses sind männliche 
und weibliche Figuren eingemalt 

Gegenüber dem Zimmer [U] gelangen wir durch 
eine breite Thür in das prächtige, ebenfalls durch 
eine Stufe erhöhte TricliDium fenestratum [12]. Das- 
selbe empfängt sein Licht durch ein weites, nach 
dem Viridarium [13] gehendes Fenster. Den Boden 
schmückt ein weißes Mosaik mit schwarzem Band, 
die Wände sind im letzten Stil bemalt Über einem 
schwarzen Sockel bilden auf weißem Grunde ge- 
malte Architekturen auf jeder Wand drei Felder, 
von denen die drei mittleren auf blauem Grund ein 
größeres Gemälde enthalten, die mit gelbem Grande 
gemalten Nebenfelder dagegen durch schwebende 
Eroten und Psychen belebt sind. Das Gemälde der 
Ostwand (a) stellt Narkissos dar. Der weichlich ge- 
bildete Jüngling sitzt auf einem Steinsitz am Rande 
des Quells, um den Unterkörper einen Mantel ge- 
schlagen, im reichen Haar ein in der Mitte mit einem 
Smaragd geschmücktes Diadem, in der Rechten den 
Jagdspeer haltend, die Linke auf den Schenkel 
legend. Hinter demselben blickt ein Eros hervor; 
ein zweiter sitzt links von dem Jüngling, hinter 
dem zu seinem Herrn aufblickenden Jagdhund, über 
dessen Rücken er sein Beinchen gelegt hat Rechts 
unter Narkissos erscheint der Quell mit dem Spiegel- 
bild, und in dem nach rechtshin fließenden Wasser 
eine Nymphe, von hinten gesehen, oberwärts nackt, 
um den Unterkörper einen gelben, rot gefütterten 
Mantel, im Haar einen Schilfkranz; sie stützt sich 
mit der Rechten auf einen Fels und wendet den Blick 
und die Linke dem Narkissos zu. Über dieser Gestalt 
sehen wir auf einem Felsen zwei weitere, ebenfalls 
mit Schilf bekränzte Nymphen in kleineren Maßen 
gemalt. Die eine sitzt am Rande des Felsens, um 
den Unterkörper ein grünes Gewand ; ihre Linke liegt 
auf einer Urne, die Rechte ist über die Stirn er- 
hoben (im Gestus des aTcooxoTcsoatv?) Von ihrer hinter 



*) In den Notizie 1. 1. 



223 



[No. 7.] 



BERUNBR PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [U. Februar 1885.] 284 



ihr stebendcn Geföhrtin ist nur der nackte Oberkörper 
sichtbar; sie berührt den linken Unterarm der Ge- 
nossin mit der Hand. — Die beiden anderen Gemälde 
sind leider arg zerstört, das Bild (b) stellt wohl die 
von Theseus verlassene Ariadne dar, das Gemälde (c) 
nach Soglianos Deutung den vor Lykurgos flüchten- 
den Dionysos. — Auch in diesem Zimmer sind in 
den mit Architekturen geschmückten Fries männliche 
und weibliche Gestalten eingemalt, so ein jugendlicher, 
tanzender Satyr, Dionysos mit Thyrsos und Kan- 
tharos u. a. 

Wir kehien in das Tablinum zurück und wenden 
uns in das durch eine hohe Stufe von demselben ge- 
trennte und durch eine Thüre verschließbare Vir!- 
darium [18]. Ein Peristyl war wohl nie vorhanden, 
da an der West- und an der Südseite des Viridarium 
eine Travertinrinne für das Regenwasser hinläuft; in 
dem westlichen, verbreiterten Teil der südlichen Rinne 
öfi'nen sich zwei groBe Löcher, von denen das rechte 
noch das niedrige Marmorputeal mit Deckel hat. 
Der Boden des Viridarium zeigt noch die Spuren der 
Bepflanzung. 

Zwischen dem Viridarium [18] und Cubiculum [U] 
führen die schmalen Fauccs [14] in die Küche [15]. 
In derselben sehen wir den gemauerten Herd (a), 
über demselben eine kleine Nische (ß), vor demselben 
an der Wand (7) das gemalte Lararium (der Genius 
familiaris mit verhülltem Haupt, Füllhorn und Opfer- 
schale vor eiaem Altar, zwischen zwei Laren; darunter 
die Schlangen). Neben dem Herd ist ein Abflußloch 
(0) und, wie gewöhnlich, der ziemlich geräumige 
Abtritt [16], welcher mit der unter dem Hause hin- 
fließenden Schleuse in direkter Verbindung steht 
Hinter der Küche liegen noch die schmucklosen 
Wirtschafts- oder Vorratsräume [19] und [18] (18 durch 
den Gang [17] zugänglich). Auf dieser Strecke öffnen 
sich in der Viridariumwand drei kleine Fenster. 

Wir wandern durch die beschriebenen Räume in 
die vor dem Eingang liegenden Läden zurück. Der 
Laden [26] mit Hinterzimmer [27] steht mit dem 
Inneren des Hauses in keiner Verbindung, war also 
vermietet Dagegen scheint in den Räumen [20 ff.] 
der Hausherr selbst irgend ein Geschäft betrieben zu 
habeu. Der große Laden war wohl in der Linie ßaj 
geteilt; aus der vorderen Abteilung [20] gelaugt man 
in das kleine Nebenzimmer [21], in der hinteren Ab- 
teiluDg [22] ist die Öffnung einer Cisteme ß) und 
der Eingang iu den kleinen Raum [23], welcher mit 
[21] durch ein Feuster in Verbindung steht; außerdem 
mündet hier ein Nebeneingang [24] von der Gasse 
her, und gleich beim Eingang linka führt eine Thür 
in den Raum [25] mit Abtritt (a). 

Welches Geschäft der Hausherr iu den vorderen 
Läden trieb, ist nicht mehr zu entscheiden, da die 
Funde keinen Aufschluß geben. Diese sind gering- 
fügiger Natur: einige Amphoren mit Stempeln, ein 
Satyrköpfchen aus Giallo mit Löchern in den Obren 



für Ohrringe und andere Kleinigkeiten. Doch kann 
uns dies nicht wundem denn das Haus ist — wie 
z. B. deutlich im Cubiculum [11] zu sehen ist — 
nach der Verschüttung wieder aufgesucht und seiner 
kostbaren Einrichtung beraubt worden. 

Das Nebenhaus B*) hat die gleiche Tiefe wie 
A. Neben dem Eingang [1] sehen wir zwei LädeD, 
einen einfachen rechts [24], und einen Doppelladen 
[22/^3] ; aus dem letzteren fahrte eine Treppe in das 
Obergeschoß, wo also wohl einige an den Abmieter 
dieses Ladens vermietete Zimmer waren. 

Das ziemlich breite, mit einem roten Sockel vor- 
zierte Ostium [1], welches vom verschließbar war 
und an seiner Hinterwand bei (a) eine kleine Nische 
enthält, führt uns in das geräumige Atrium [2]. In den 
rohen Mosaikfußboden desselben sind unregelmäDige 
Marmorstücke eingelegt; die Wanddekoration wird 
über einem roten Sockel durch abwechselnd gelbe 
und rote Felder gebildet, an der linken Wand sehen 
wir außerdem das Brustbild einer bekränzten Bak- 
chaotin. Die Mitte des Atriums nimmt wie gewöhnlich 
das Travertinimpluvium (a) ein ; in demselben stehen 
(0) die beiden Marmorfnße eines Tisches, davor (0 
ein marmornes Monopodium; (ß) ist das rohe thöneme 
Puteal; ursprünglich scheint noch ein zweites Puteal 
(() dagewesen zu sein. Bei (C) befindet sich in der 
Wand in Mannshöhe eine kleine Nische, auf deren 
Hinterwand Jupiter gemalt ist, sitzend nnd bekränzt, 
um den Unterkörper einen Mantel, in der Rechten 
den Blitz, in der Linken das Scepter; neben seinem 
rechten Bein der Adler. Die sternengeschmückte 
Wölbung der Nische schmückt ein vor einen Halb- 
mond gemaltes kleines Dianaköpfchen. 

Vom Atrium aus öffnen sich links die Treppe [8], 
welche in 16 Ziegelstufen zum Obeiigeschoß führt, 
das Cubiculum [9] und ein zweites Cubiculum [10], 
in welchem wir iu der Südwand den Platz für das 
Bett, darüber die Spuren zweier Eckbretter erkennen. 
Dies Cubiculum steht mit dem durch eine zweite Tbur 
auch auf das Tablinum [11] mündenden Zimmer 
[10a] in Verbindung. Auf der rechten Seite des 
Atriums finden wir das in voller Breite sich öffnende 
und in gleicher Weise wie das Atrium dekorierte 
Zimmer [3], dann deu schmalen Raum [4], wdcfaer 
als Aufbewahrungsort für Geräte u. dgl. gedient haben 
mag; es folgen das Cubiculum [5] und der Raum [6], 
welcher verschließbar war, ^ich in einem Fenster 
nach dem Atrium öffnete und, wie die Reihen von 
Löchern in der Wand beweisen, als ein Schrankzimmer 
diente, während wir den schmalen und nur durch 
eine sehr niedrige gewölbte Thür zugänglichen 
Raum [7] als Sklavencubiculum bezeichnen dürien. 



*) Vgl. Sogliano in den Notizie von 1884 Januar^ 
und Februarheft 

(Schluß folgt.) 



fNo. 7.J 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. 



[14. Februar 1885.] 



erhaltenen Insehrift, welche dem Anfang des fünften 
Jahrh. vor Chr. angehört und die Hersteliang einer 
Umxäanang far den Kodrostcmpel, und die Anpflan- 
snn^ von ca, 200 Olivenbfiumen anordnet. Das hi- 
storische Interesse der Inschrift liegt dann, daß bis- 
her niemand von der Existenz eines Kodrostempels 
in Athen wuBte. Der Inschriftstein wurde von der 
griechischen archäologischen Gesellschaft erworben 
und soll demn&chst in der scpmspl; dp)^atoXojtxiJ ver- 
öffentlicht werden. [Die Nachncht von einem „Tem- 
pel** des Kodros ist mit Reserve aufzunehmen.] 

Max Obaefalsch-Ricbter gegen L.Palma diCesnola. 

Herr Max Ohoefalsch-Richtcr bereitet eine Beweis- 
führung vor, welche die mannigfaltigen Iirtümer und 
Pbantasiesprünge nachweisen soll, welche L. Palma 
di Cesnola bei dfr Veröffentlichung neuer Ausgrabungen 
sich habe au schulden kommen lassen, a».B. sei der so- 
genannte ,» Tempelschatz von Curium" eine bloße 
Eifindnng Oesnolas. 

Der italienische Unterricbtsminister hat den Preis 
der Aceademia dei Lincei für eine Darstellung der 
lateinischen Dichtkunst in Italien im 11. und 12. Jahrh., 
da sich bisher kein Bewerber gefunden hat, bis zum 
Sa April 1888 verlfiogert 



Bibliographie. 

H. P. Wbartoa, Sappho. Mit einem Medaillonportrait 
nach Alma Tadema. 



ErseUemeiae ÜTerlie, 

AeMbyll fiabnlae, cum lectionibus et scholüs codicis 
Medieei et in Aeamenmonem codicis Floreoldni ab 
Hieron. Vitelli denuo collatis, ed. N. Wecklein. 
2 partes, (gr. 8. XVI, 471 u III, 816 S.) Berüo, 
Calvary & Co. 20 M. 

Beehlaa« I., Quaestiones de re vestiaria Qraecorum. 
(8. 87 8. mit Abb.) Weimar 1884, Böhlau. 2M.40 

HiMMMT, J^ Cruquius n die Horazkritik. (4. 54 S.) 
Leipzig 1884 (Freytac). 1 M. 60 

Hartfelder, K., Deutsche Uebersetzungen klassischer 
Schriftsteller aus dem Heidelberger Humanisten- 
kreis. (4. 34 8.) Heidelberg 1884. (Berlin, Calvary 
d Co.) 1 M. 60 

Kieptrt, H., Wandkarte des Römischen Reiches. 
1 : SOOOOiK Neue Ausg. 9 Blatt Imp.-Fol. Berlin, 
D. Reimer. . 12 M. 

UUMff C.f De tempestatis, necyomanteae, inferorum 
descriptionibus, quae apud poetas romanos primi 
p. Cb. saeculi leguntur. Dissertatio inauguralis. (8. 
28 S.) Leipzig 1884 (Grftfe). 1 M. 

LMtekifce, 8., Vermutungen zur griech. Kunstge- 
schichte u. zur Topographie Athens. (4. 24 B.) 
Dorpat 1884 (Scbnakenbur^). 1 M. 20 

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£igennamen aus der alten, mittleren u. neuen Geo- 
graphie, xunftcbst f. den Schulgebraucb. (8. XII, 
788 8p.) Leipzig, Winter. 4 M. 

Dentiehe Litteratnrzeiton^. No. 5. 

p. 155: A.B.€.Dre8eher [„Lehrer an der Schule 
lu Strohmarkt*], Die Arreststunde im licht der 
Herbtrt-Ziller-Stoyschen Ideen. 'Witsige Spottschrift' 
Zu bedauern sei, daB Herbart und Stoy herbeigesogen 
sind, die nichts mit den Zillerschen Yerrenkunigen so 



schaffen haben. — p. 156: B. Beitsenatein, De 

scriptorum rei rusticae libris deperditis. 
Lobende Anzeige von H. Jordan, — p. 157: Catul- 
lus, Gedichte, erklärt von A. Biese. 'In der Er- 
klärung schwankende Urteile.' F. Leo. 

Literarisehes Centralblatt. No. 6. 

p. 182: Aristophanis Ecclesiazusae, ed A. y. 
Telsen. Bringt recht scharfsinnige Verbesserungs- 
versuche. — p. 188: H. Lfibke, Qbservationes 
criticae in bist. Qraecorum comoediae. Kurze 
lobende Erwähnung. 

WoehensGhrift fflr klass. Philologie. No. 6. 

p. 161: W. DSrpfeld, Der antike Ziegelbau. 
Referat von L. v. SybeL — p. 164: B. Baffay, Mo- 
moiren der Agrippina. ^Hochinteressant, aber zu 
phantastisch.* Fr. VioleL — p. 167: Homers Ilias, 
von Ameis-Hentse. Sehr lobende Kritik v. R, Dah/m, 
— p. 170: H. J. IfftUer, Dispositionen zu Plo- 
tinos. Wertvoll {R, Voüanann.) — p. 171: Fr. Hilde- 
I brandt. De Hecyrae origrioe. 'Verfehlt das Ziel.' 
F. Schüe. — p. 172: K. Meissner, Lat Phraseo- 
logie. Der Ref. (W. Nitsche) giebt viel Material zu 
einer künftigen Verbesserung des Baches. 

Aeademv No. 665. 

(76) Aioayf^ t&v ^uiocxa 'AkOotoXcuv with 
notes by Canon Spenee. Von Bob. B« Dmmmont. 
Gut ausgestattet imd mit guter Übersetzung, die No- 
ten fast durchgängig vorzüglich. - (80—82) Aeschyli 
Fabulae ed. N. Wecklein. Von Lewis GampbelL 
Als Frucht eines langen Studiums bildet das Werk 
die Grundlage der künftigen Kritik des Aescbylus. 
Die Lesarten können nach dw vorliegenden Ausgabe 
zum erstenmale mit Vertrauen benut/.t werden, wäh- 
rend die mitgeteilten Konjekturen alles umfassen, was 
bisher in der Bearbeitung des Dramatikers geleistet 
wurde. Einige Hauptvorzüge der Ausgabe sind die 
Anwendung einer neuen, gründlichen Zeilenlesung in 
den lyrischen Partien, die außerordentlich sichere 
und sorgfilltige Kolkitionierung der Florentiner Hand- 
schriften seitens VitelUs, welche für manche Stelle 
einen neuen Sinn erschUeßt; die Mäßigung in der 
Anwendung von Konjekturen und die höchst sorg- 
fältige Zusanunenstelluog des kritischen Apparats. 
So bildet die Ausgabe den Ausgangspunkt einer neuen 
Art des litterarischen Zusanunenwirkens vom inter- 
nationalen Standpunkte, indem nur durch das vereinte 
Wirken zweier bedeutender Gelehrten an verschiedenen 
Orten diese monumentale Ausgabe ermöglicht worden 
ist — (83) A. Hontum-Sehindler, The Soma plant 
Verf. glaubt in dem Saft des in Persien heimischen 
Hümstrauches den von deu Indiern bezeichneten Soma- 
saft zu erkennen. — (86) Zwischen dem Egypt Ex- 

Eloration Fund und der Hellenic Society in 
ondon ist ein Abkommen dahin getroffen worden, 
daß letztere Gesellschaft sich an den Kosten der Aus- 
grabungen Plinders Petries in Nebireh beteiligt. 

Litterarischer Handwelaer. 1885, No. (1) 375. 

p. 5. Aristotelis opera omnia brevi para- 
phrasi et litterae perpetuo inhaerente expositione ill. 
a Silv. Mauro S. J., edd. Fr. Ehrle. 4 voll. Paris 
1884, Lethellieux. {BO fr.) Dieser Aristoteles (eigent- 
lieh nur der Konunentar des Jesuiten Maurus) hat 
ausschließlich scholastische Tendenz. Der biblio- 
graphischen VolLstäodigkeit halber und um einen Be- 
griff des Ganzen zu geben, mögen hier einige An« 
deutungen aus der Besprechung (von MorgoU) im 
Litt. Handw. platzfinden. Das Werk ist ein nur in 
bezug auf Orthographie und Interpunktion verbesser, 
ter Abdruck der ersten römischen Ausgabe v. J- 
1668. Der griechische Text fehlt; statt seiner sind 
ältere lateinische Übersetzungen gewählt, für die 



[No. 7.] 



BERLINER FBILOLOGISCHB WOCHENSCHRIFT. 



(U. Febraar 1885.] 



Rhetorik and Poetik die von Riccoboni (f 1599), f&r 
das Organon die des Pados (f 1626). Der vor- 
liegende 1. Bd. enttiält in dieser Weise die Kommen- 
tar<B des Maunu sur Einleitung des Porphyrius, femer 
die zur Logik, Rhetorik Und Poetik. Der zwdte 
Band wird die Ethik und Politik umfieissen. Von den 
naturhistoriscben Schriften des Aristoteles ist vor 
läufig abgesehen worden. 

Atheaaemn No. 2984 (8. Januar 1885). 

(24) Joseph Hirst, Notes from Athens. Die 
Eisen bahn zwischen Athen und Korinth und Patras 
soll bis zum April fertig gestellt sein; der Felsen 
von Skiroo, der bekannte Riesenweg, f&Ut dem Unter- 
nehmen zum Opfer. Der nftchste Kongreß für Anthro- 
pologie und Archfiologie soll im April unter R. Ran- 
gabes Vorsitz in AÜien abgehalten werden, doch 
stimmen die meisten Griechen f&r eine Vertagung bis 
1886. Im Tempel des Amphlaraos in Oropos sind der 
Altar und die Sitze der Andächtigen aufgedeckt wor- 
den. (No. 2985 enthält nichts auf die Altertumskunde 
Bezügliches.) 

Athenaeam No. 2986. 

(86) Rez. von Flaeh, Geschichte der grie- 
chischen Lyrik. ^Das Buch wird unzweifelhaft als 
das grundlegende Werk f&r den Gegenstand anerkannt 
werden.' — (87-88) J. Theodore Bent, Notes from 
the Greek Island. The Sun. Noch in vielen Über- 
lieferungen lassen sich Sonnenmythen erkennen; so 
wird die Jungfrau Maria wie Eos als die Erschließe- 
rin des Tages bezeichnet; bei Sonnenfinsternissen die 
Vertreibung der bösen Geister durch Lärmen ange- 
strebt u. a. — Survising customs. Aus den Ober- 
lieferungen von Namen läßt sich der nicht-siavisehe 
Ursprung nachweisen, so haben sich das homerische 
aö-|aXiov (Od. r^ 24), oüXo;, a^upo^svo;, 37Covo?J, xs^'Aa 
(Hom. Od. S 23) erhalten. 

Athenaenm No. 2987. 

(128) J. Hirst, Notes from Athens. Kodros- 
tempel (vgl. oben). Unter Leitung von Alezander 
Beruches ist eine neue Gesellschaft für christliche 
Altertümer gegründet, welche für Erhaltung der 
Denkmäler ein Museum unter T. Bisbizis einrichten 
will. Der von Italien auf Forschungen in Griechen- 



land ausgesandte Dr. Holtherr hat in Kreta fftof 
Monate verweilt und dort Inschriften gesammelt; Dr. 
Fabricius vom deutschen archäologischen lostitat bat 
die Arbeiten fortgesetzt; eine bei Goriyna gefandeoe 
dorische Inschrift des 5. Jahrb. ist smne beoeutendste 
Ausbeute. [Auch in Athen ist es ihm geglückt, ein« 
Inschrift von der Insel Keos lu entziffern. Diese 
Inschrift, deren genaue Kopierung eine außerordentlich 
mühevolle Arbeit war und eine hochverdiensttiche 
Leistung ist, hat c. 600 Zeilen, bustrophedon ge* 
schrieben! bietet eine Art von Corpus iuris KreUs 
und ist eine der bedeutendsten Entdeckungen der 
letzten Jahrzehnte. Sie wird in den Mitteilungen dos 
Deutschen archäologischen Instituts von Athen ver- 
öffentlicht wetden.] (128—129.) The Victory of 
Samothrace at the Louvre. Zu der 186S voo 
Champoiseau in Samothrake entdeckten Victoria ist 
jetzt auch die Basis mit einer Inschrift gefdadeo, 
welche sie als Denkmal eines Seesieges des Demetrios 
Poliorketes 805 v. Chr. bezeichnet. Einige gleichzeitig 
gefundene Fragmente sind unter Ravaissons Leitong 
der Statue angefügt worden. Derselbe Gelehrte glaabt 
von der Statuette des Herkules von Lysippus, welche 
Statins und Martial beschreiben, vier Kepllkea ge* 
funden zu haben. 

Nsa HvLspa. No. 629 (1517). 

A. Öspeicfvo;, 'IcuavvT|C N. OixovojilSr,;. Verf^ 
mit dem Ordnen der Papiere des verstorbenen Sprach- 
forschers zur Veröffentlichung derselben beschäftigt, 
giebt hier einen ausführlichen Lebensabriß, welcher 
den von Pervanoglu (Biogr. Jahrbuch für Altertums- 
kunde. Jahrg. VU) in manchen Einzelheiten ergäoit 
Nach ihm sind die etymologischen Forschungeo des 
Oikonomidis in folge einer litterarischen Fehde swifcbeo 
Asopios und Philobergis entstanden, indem derselbe 
für Asopios Partei nahm. Die ganze Diskussion, 
soweit sie hier mitgeteilt ist, behandelt den Gebraoch 
der Partikeln und ihrer Umschreibung durch Verbtl* 
Sätze. Wir erfahren femer, daß Oikonomidis deo 
litterarischen Mittelpunkt des Verkehrs zwischen deo 
griechischen Gelehrten und den Forschem des Abend- 
landes bildete, namentlich aber zwischen Ibüien und 
den ionischen Inseki. (Forts, folgt) 



Neuer Verlag von Wilhelm 
Koebner in Breslau. 

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leitendeil philologischen Zeitsohriflen; Kritiken von FaohminBenis Bibttt* 
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5. Jahrgang. 



21. Februar. 



1885. M 8. 



Inhalt 

L Origrinaljftrbeiteiit Seite 

SprachflMChichtliche Bemerkungen zur Lehre 
von den Präpositionen (6. Vogrinz) ... 225 
11. Rexensionen und Anzeigen: 

Bernhard Hell, Logographis qui dicuntur Dum 
Herodotus usos esse videatnr (Hugo Land- 
wehr) 230 

H. R. GnindmanOi Quid in elocatione Arriani 

Uerodoto debeator (August Boohner) . . 232 
Hugo Grollt, Der Wert des Gescbicbtswerkes 
des Gassius Dio als Quelle für die Ge- 
schiebte der Jahre 49—44 v. Chr. (Herman 

Schüler) 225 

H. Th. PfOrt, Vergil und die epische Kunst 

I. (K. Schaper) 236 

Aodreao Frigell, Proiegomena ad T. Livii 

Jibrum XXIL (—3-) 241 

Meler-ScMmain^DerAttiscbeProzeBCG.Faltin) 241 
FMei FIta, Estudios Historicos (F. üaug) . 244 
ni. Anasfige ans Zeüseliriften: 

Bericht über die im Jahre 1883 erschienenen 

Jenenser Uoiversitätsschriften II. (P. Feine) 245 
Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung 
auf dem Gebiete der indogermanischen 

Sprachen, 4. and 5. Heft 247 

IV. Hacbrichten ttber Entdeckungen: 

Die neuesten Ausgrabungen in Pompeji. II. 

(Kroker) 250 

V MitteUnngen über Versammlungen: 
Das Winckelmannsfest der archäologischen 
Gesellschaft zu Berlin am 2. Dezember 1 8S4 254 
Beilage: 
Portonalion (Ernennungen. Auszeichnungen. Emeri- 

tierungen. Todesfälle). 
Vomiaeliio Nachrichten. 
Entflogovng von L^on Zeliqzon. 
Boriehtigung. 

Progranme aus Otterroich-Ungam, 1884. 
^Uiegraphie (Angekündigte n. erschienene Werke). 
Zoiteciiritten: Revue critique No. 4. u. 5. — Academy 
Mo. 666. — 'EßBoad; No. 47. — Philologische Rund- 
scbau. No. 6. u. 7. — Wochenschrift für klassische 
PbUologie. No. 7. 
Uttararlseho Anzoigon. 

Verla g von S. Caiva ry & Co. in Be rlin. 

Soeben erschien: 

JTabresberlcbt 

ober die 

Fortttliritte ier claisisclien Altertnmsviiseiucliait. 

iL Jalurgang. 12. Heft. 2. Hftifto L Abteilung. 

(96 Boffta.) 



Verlagsbericht von S. Caivary & Co. 

(Fortsetzung aus No. 7.) 

Jahrbuch, Biographisches, für Altertumskunde, 
begründet von Conrad Bursian, herausge- 
geben von Iwan MQIIer. 6. Jahrgang. 1883. 
127 S. gr. 8. 3 M. 

Conrad Bursian (Richard Richter) —Florian 
Vallentin — Wilhelm Clemm (Hermann Schiller) 

— Ch. F. Wentrup (G. St.) — Emil Wilhelm 
Brentano (Thormann) — Eduard Gustav Adolf 
Roche (R. Boche) — Gustav Badstübner (Bern- 
hardt) — - A. Boucherie (E. Chatelain) — Ernst 
Wilhelm Fischer (R. Roche) — Edouard-Rene 
Lefebvre de Laboulaye — Aemilius Wagler 
(H. I.) — Hugollberg (Hermann Peter) — Pietro 
Mattel (KarlJülg) — Arnold Schäfer (J. Asbach) 

— Adelbert von Keller (Hermann Fischer) — 
Karl Bayer (G. Schepß und H. Haupt) — Gustav 
Löwe (Georg Götz) — Alfred Schottmüller 
(W. Hirschfeldor) — Franz Theodor Adler 
(Christian Muff) — Ludwig August Klemens 
(R. R.) — Karl v. Paucker (Hermann Rönsch) — 
Christoph Theodor Schwab (Hermann Fischer) 

— Evangelinus Apostolides Sophocles — 
Justus Olshausen (Spiegel) — Ernst Siegfried 
Köpke (0. R.) — Otto Philipp Hermann Brau- 
müller — Theodor Hartnick (C.) — Karl Emil 
Opitz (H. Anton) — Johann Immanuel Apitz 

— Otto GJoel a.) — Atto Vannucci. (L M.) — 
Giambattista B. Barco. (I. M.) — Karl Wil- 
helm Dindorf — P. D. Luigi Brusza (I. |M.( 

— Dagobert Böckel (E. Böckel). 

Jahresbericht über die Fortschritte der klassi- 
schen Altertumswissenschaft, begründet Von 
Konrad Bursian, herausgegeben von Iwan 
INQIIer, ord. Off. Professor der klass. Philo- 
logie an der Univ. £rlangen. 10. Jahrgang: 
1882. Hit den Beiblättern: Bibliotheca 
philologica classica, 10. Jahrgang: 1883 
und Biographisches Jahrbuch für Alter- 
tumskunde. 6. Jahrgang: 1883. 4 Bände 
gr. 8. Nene Folge Bd. 9—12. (Band 30— 
33. VIII, 284; IV, 271; VIII, 572; VI, 398; 
IV, 127; 12 S., zusammen 1694 S.) 36 M. 

(Fortsetzung folgt.) 



[No. 8.J 



BBRLINBR PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. 



[21. Febmar I885.J 



Personalien. 



iS^m. 



An Hochschulen: Dr. Leaz, a.-o. Prof. a. Dir. 
des bistor. Sem. in Marburg, zum ord. Prof. da- 
selbst. — Dr. J. V. Schey zum ord. Prof. des röm. 
Rechts an der Univ. Graz. — Dr. Thiel, Stadtschulrat 
a. D. in Breslau, von der dortigen philos. Fak. zum 
Ehrendoktor. 

Von der K. Sachs. Gesellschaft der Wissen- 
schaften sind zu ord. Mitgliedern ernannt: Prof. 
Maarenbrecher, Dr. LIpslns, Dr. v. Gabelents, in 
Leipzig, Dir. Prof. Hnltech in Dresden, u. Prof. Del- 
brück in Jena. 

An Gymnasien etc.: Prof K. Frle» vom Gymn. 
in Bayreuth zum Rektor von St Anna in Augsburg. 
— Die Oberlehrer Dr. Jahn u. Dr. Lorenz am KöUn. 
Gymn. in Berlin, sowie din Oberlehrer Dr. Homnng 
an dor Ritterakademie zu Brandenburg u. Dr. Wahner 
am Gymn. zu Oppeln zu Professoren. — Die Studien- 
lehrcr Ch. Wirth in Bayreuth u. J. Heindl am Neuen 
Gymn. in Regensburg zu Professoren. — E. Grofs 
in Nürnberg zum Prof. am Wilh-Gymn. in München. 
J. Wimmer am Ludw.-Gymn. in München zum Prof. 
am Gymn. in Landshut. — A. y. Mantey-Dittmar am 
Max. Gymn. in München zum Prof. in Kempten. — 
Dr. Ansehttts an der Ritterakademie in Liegnitz 
zum Oberlehrer befördert. — Dr. Merkel zum ord. 
Lehrer am Dorothcon - Realgymn. in Berlin. — Ver- 
setzt: W. Brnnco, Studienlehrer in Pirmasens, nach 
Bayreuth; Dr. £. Reiehenbart von Frankenthal an 
die Studicnanstalt in Nürnberg; Fr. Jakobi von 
Speyer naeh Kempten; J. Fink von der Präparanden 
schule in Rosenheira an das Neue Gymn. in Regens- 
burg. 

Aa0zelclimiiiis«n. 

Geh. Rat Dr. L. r. Ranke erhielt den Kön. Serb. 
Orden des b. Sabbas 1. Kl. ~ Prof. E. Richter in 
Salzburg den Orden vom Zähringer Ldwen 1. Kl. 

Emerltlerams^ii« 

Prof. €h. Cron, Rektor von St Anna in Augsburg 
(mit dem Titel eines Oberstudienrats) — Pro£ 
K. Schelle in Kempten (auf 1 Jahr). — Tk. An- 
racher, Studienlehrer am Max.- Gymn. in München. 

Dr. G. ▼. Binder, vormals Vorstand der Abteilung 
füi' Gelehrteuschttlen im württ Staatsministerium, 
t 22. Jan. in Stuttgart 78 J. alt — Pro v. - Schulrat 
Dr. Vogt in Koblenz, f 3. Febr., 46 J alt. — Dr. 
Andr. Bauer, Dir. des deutschen Staatsgymn. in Prag- 
Neustadt — Prof. J. £. Kraus in Münncrstadt — 
R. Kflbnloin, Studienlehrer in Neustadt a. H. — 
Seminardir. Kehr, f 18. Jan. in Erfurt 



bekannten Archäologen AI. Symmackna Masxoc^M 
gefeiert worden, nachdem die Feier im vorigen Jahr 
wegen der Cholera verschoben war. 



Termlaclite Muclirlchteii. 

Nach dem englischen Blaubuche bestanden im 
M&rz 1884 in Cypern 163 griechische Schulen mit 
6400 Schülern. 

Prof. Maspero hat die Klarlegung des großen 
Tempels von Luxer begonnen und hofft diese Arbeiten 
bis zum MSrz zu beendigen. Er hat in letzter Zeit 
ein koptisches Manuskript gefunden, welches nach 
einer Mitteilung un Herrn Miller auch Griechisches, 
darunter wie es scheint, Bruchstücke aus dem Homer 
enth&It. 

In Capua ist am 35. Jan. c der zweihundertjährige 
Gedenkt'^g der Geburt des am 2?. Okt 1684 geborenen 



Entgegnung. 

Es ist wohl kaum zu verlangen, daB man jedes 
einzelne Lebensdatum über einen jeden Schriftsteller 
der Gegenwart prfisent im Kopfe habe. Das Nach* 
schlagen wird von selbst geboten, ohne daO es nötig 
sei, die Quelle über die Aufsäblung von Thatsachea 
anzusehen. Daß ich dieselben in Larousse fand, ist 
ZuMl. Wenn in diesem Lexikon, das ich doch nicht 
ganz als «elendes Machwerk* verurteilen möchte, 
einige Irrtümer in bezug auf die Genauigkeit der Daten 
sich befinden, so ändert dies nicht viel an der Sach- 
lage. Nisard war zuerst Republikaner, dann RoyalLst, 
später Anhänger Napoleons. Ob dieser Wechsel in 
seiner Gesinnung einige Jahre früher oder später 
eingetreten ist, ist kein großer Unterschied. — Hier- 
durch verlieren mehrere Punkte in der Berichtigung 
von Hr. S. Reinach an Gewicht — Wenn auch Ni- 
sard in seiner Litteraturgcschichto die Musset u. s. w. 
nach einer Seite hin anerkennen muß, so verhindert 
es nicht, daß er in derselben die klassische Dicht- 
kunst als die einzig richtige anerkennt und die der 
Romantik verdammt — Den Vergleich zwischen 
Leasings Laokoon und Nisards Litteraturgeschichte 
finde ich nicht sehr glücklich. — Daß in der Analyse 
der Inhalt einiger Reden sich mit Angaben in Larousse 
decke, ist erklärlich, wenn über die Reden berichtet 
werden sollte. Leon Zöliqzon. 

Berlehilffans» 

In N. 6 S. 176 Z. U v. o. sehr. 490 bez. 430 st. 
430 bes. 490 und Z. 8 v. u. 399 st 499. 



Programme ans Österreich-Ungarn, 1884 
von Jos. F. Wagner in Brunn. 

1. Job. Placek, Prispevkv k vykladu zzpi^ v (lomerove 
Iliade (Beiträge zur Erklärung des 'zp\ in üomers 
Ilias). K. k. Obergymn. in Junebunzlau. 30 S. 8. 

Nach kurzen Bemerkungen allgemeinen Inhalts 
bespricht Verf. a) rspl als volles Adverb., b) -spi als 
präpositionales Adverb, oder in der Tmeais, c) "zzp* 
in der wirklichen Zusammensetzung mit Zeitwörtern ; 
D) Bemerkungen über den präpositionalen Gebrauch 
von xipL 

2. Frledr. ZakeU, Homerische Euphismen für «Tod* 
und «Sterben**. K k. Obergymn. zu Laibach. 58 S. 8. 

«Gleichwie das Verhängnis in unzähligen Gestalten 
den Sterblichen bedroht (IL XII 326 f.), so hat aach 
Homer unzählige euphemistische Bezeichnungen für 
^Tod' und ^Sterben* geschaffen". Den reichen Stoff 
sucht Verf. nach bestimmten Gesichtspunkten zu son« 
dern, das dem Grandgedanken nach Zusammengehörige 
zu vereinigen und die so entstandenen Gruppen durch 
entsprechende Aneinanderreihung zu einem mehr 
oder weniger übersichtlichen Ganzen zu gestalten. 
8. A. Skoda, Metricky preklad 18. zpevu Iliady 

(Metrische Übersetzung des 18. Gesanges der liias). 

Mit einer bildlichen Darstellung des Schildes des 

Achilleus. Obergymn. in Taus. 
4. Jos. Pokomy, Die Amphibolie bei Aschylos and 

Sophokles. K. k. Real- und Obergymn. zu üng. 

Hradisch. 35 S. 8. 

Nach einigen allgemeinen Bemerkungen über dlo 
Anwendung der Amphibolie uud ihre Behandlung im 
Altertum und bei den Neuem wird besprochen: A« 
Das Allgemeine des Ausdruckes in seinem Verhält* 
nisse zur Amphibolie, Seher- und Orakelsprache. 
I. Die in ganzen Sätzen liegende Amphibolie, a) vom 



S36 



[No. 8.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [21, Februar 1885.] 226 



L Originalarbeiten. 

Spracbgeschichtliche Bemerkungen zur 
Lehre von den Präpositionen. 

VoQ G. Vogrlnz iD BrÜQn. 

Als Ergebnis der historischen Sprachbetrachtuug 
über die Präpositionen kann etwa folgendes gelten. 
Die Präpositionen sind ursprünglich Adverbien. 
Sie traten zum Verbum, um die Richtung der in 
demselben ausgesagten Thätigkeit zu bestimmen 
und zu verdeutlichen. Allmählich mochte man 
rüiilen, daß die Person oder der Gegenstand, der 
mit der Thätigkeit des Verbums in besonderem 
Konnex steht, der Verdeutlichung seines Verhält- 
nisses zur Handlung vor allem bedürfe, und so 
entwickelte sich der Gebrauch, jene Adverbien 
vor das Beziehungswort zu setzen, nicht ohne auch 
fernerhin die Grenze zwischen adverbialer Natur 
und präpositionaler Verwendung derselben Sprach- 
teile unsicher zu lassen. Als abgethan ist die 
Vorstellung zu betrachten, daß die Präposition, 
sofern sie echt ist, d. h. insofern ein nominales 
Element in ihr gai* nicht mehr gefühlt wird, einen 
Kasus regiere. Vielmehr ist der Kasus, unab- 
hängig von der Präposition, der Beziehungsausdruck 
zwischen Verbum und Substantiv. Was ich über 
die Präpositionen in meinem Pi'ogrammaufsatze 
Leitmeritz 1882 besonders S. 7 und 8. 11 vor- 
getragen habe, erfährt Bestätigung durch die Äuße- 
rungen Delbrücks, Synt. Forsch. IV S. 126 und 
134, T. Mommsens, Progr. Frankf. a. Main 1874 
8. 28 und 40, Monros, Grammar of the homeric 
dialect § 178, H. Ziemers, Vergl. Syntax d. indog. 
Koroparation S. 92. Die Bedeutung der Präpo- 
sition für sich wird, wenn überhaupt, sicher nur 
aus ihrem adverbialen Gebrauche erkannt, die 
Bedeutung des Kasus aus seinen Verwendungen 
ohne Begleitwort. Betrachtet man theoretisch das 
Werden des Präpositionalausdruckes, so kann man 
gemäß den geläuterten Vorstellungen, die wir heut- 
zatago von sprachlicher Entwicklung haben, an- 
nehmen, daß, unbeschadet der vollen formalen 
und Bedeutungskraft des Kasus, dasselbe Verhält- 
nis, welches durch den Kasus allein ausgediückt 
wurde, in der Präposition resp. in dem adverbialen 
Zusätze entschiedener zum Ausdruck gebracht 
wurde. Bei dieser Fülle und diesem sozusagen 
pleonastischen Ausdruck konnte es aber nicht 
bleiben. Der weitere Gang war der, daß die 
Präposition deutlicher ins Bewußtsein der 
Sprechenden trat als die Endung des Kasus, 
mochte letztere auch lautkräftig sein und noch 
lange durch günstige Verhältnisse, zu denen z. B. 



in der Ilomerischen Poesie eben der gebundene 
Ausdruck gehörte, geschützt sein. (Dort hat nicht 
die Präposition dem <pt und dem Öev den Unter- 
gang bereitet.) Sobald wir uns das Bewußtsein 
von dem Werte der Präposition gekräftigt denken, 
war ihre revolutionäre Arbeit die, daß dort, wo 
die Lautgesetze eine Verwitterung und ein Ver- 
klingen der Kasusendung zwar nicht begünstigten, 
gegen die Endung des Kasus doch eine Gleich- 
gültigkeit einriß, die es möglich machte, daß ein 
Kasus die Funktionen eines oder zweier anderer 
übernehmen konnte. Dieses Ergebnis ist folge- 
richtig abgeleitet und wäre gewiß möglich ge- 
wesen; der Homerische Kasus auf «pt erweist es 
zunächst; die Synkretisten strenger Observanz 
müssen der Pi'Uposition auch diese Wirkung zu- 
sprechen. Doch kann von einer Durchführung 
dieser Regel nicht die Bede sein. Gewiß, die 
Gleichgültigkeit gegen die Endung lag im Zuge 
der Sprache und hat beizeiten der Sprache schon 
Verluste eingetragen; aber zu einer umgestaltenden 
Macht gelangte sie auf griechischem und latei- 
nischem Sprachgebiete erst in jener Zeit, wo wir 
von der Existenz eines antiken Geistes nicht mehr 
reden können. Daß sie in den Dialekten viel 
früher ihre Wirksamkeit äußerte, ist begreiflich. 
Was Delbrück a. a 0. S. 129 über dir6 und ü 
mit dem dativus localis im arkadischen und ky- 
prischen Dialekt anführt, gehört hierher. Anders 
ist es in der Litteratnr. Hier macht sich ein 
Gefühl für den durch seine Form gekennzeichneten 
Kasus noch fühlbar, sodaß z. B. zU mit dem Akk. 
und ev mit dem Dativ zusammen erst einen adver- 
bialen Ausdruck geben, in welchem der Kasus 
ebensoviel Anteil an der Bedeutung des Ganzen 
hat als die Präposition. Wenn nun für die Litte- 
ratursprache von Homer an als wahi'scheinlich 
gilt, daß der Kasus nicht bedeutungslos war, so 
ist nach dem oben Bemerkten, daß die Präposition 
das in dem Kasus schon enthaltene Beziehungs- 
moment gewissermaßen pleonastisch verdeutliche 
und auf die lokale Anschauung zurückführe, 
anzunehmen, daß die erkundete Bedeutung 
der Präposition mit der Bedeutung des je- 
weiligen Kasus, vor den sie tritt, harmo- 
niere. Das ist auch in der That im großen Um- 
fange der FalL Besonders beim dativus localis er- 
giebt sich keine Schwierigkeit, iv, jist«, Tiapot, 
im, (izCy Trepi, ^\>.^i, irp^» (iroxt) fügen sich olme 
weiteres, luv, ajxa beim dativus Instrumentalis, be- 
ziehentlich sociativus, gleichfalls, ferner eu (U) 
mit dem Akk., der, wie Curtius Erl.« 178 richtig 
lehrt, daher erst in den Ruf, Richtungskasus 



227 



[No. 8.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. (21. Februar 1885.] 22d 



za sein, kam. Nicht minder aber, den Begrifif der 
Erstreckung veranlassend, im, Grcep, §ia. Was 
den Genitiv mit echten Präpositionen anlangt, 
so geht die Meinung der Sprachforscher dahin, daß 
die Präposition das ablativische Moment, welches 
der griechische Genitiv in sich im Laufe der Sprach- 
entwicklung aufgenommen habe, exponiere und ver- 
deutliche. Aber diese etwas bequeme Theorie hält 
kaum stand gegenüber von Beispielen, wo die Prä- 
position z. B. II oder ir.6 mit einem partitiven 
Genitiv erscheint, und auch nicht in den Füllen, 
wie bei öia, Gt:^, im mit Genit.» bezüglich derer 
Mo uro a. a. 0. mehrfach bemerkt, daß hier der 
Genit. als der des Ortes, des Raumes, innerhalb 
dessen sich etwas befindet, zu begreifen sei. Sicher- 
lich, wenn wir nicht eine andere Erklärung durch- 
setzen können, wovon gleich nachher. Belege 
brauchen e5 und dr6. Also Xayuiv oltJj Xr,i8oc 
awav, ijATjC e^EtJt 7eveÖXT);, Tpoirjc iir^^oL-: '()öu35£'j;. 
Auch Tiapa bei den Verben des Hörens, Er- 
fahre ns, dxoueiv und 7rüvi)aveai>at, gehört hierher, 
wenn man den bloßen Genitiv so auffaßt, wie 
denselben Hübschmann in seinem Buche *Znr 
Kasuslehre' darlegt. Diese Betrachtung aber 
wurde angeregt durch das Studium des Buches 
von H. Ziemer *Vergl. Syntax der indoger. Kom- 
paration\ der von dem allerdings durch das ganze 
Buch zu erweisenden Grundsatze ausgehend, der 
Genit. comparationis im Griechischen, der Abla- 
tivus comp, im Lateinischen seien ursprünglich 
von separativer Bedeutung gewesen, ans der 
Vertretung des Kasus durch Präpositionen separa- 
tiver Bedeutung, z. B. im Latein durch ab, später 
de, im Slav. od, ein gewichtiges Ai^ment für 
jene Auffassung zu gewinnen glaubt. Es ergiebt 
sich nun die Fragestellung: Ist eine innere sprach- 
liche Tradition anzunehmen, welche mit sicherem 
Takte vorschreibt, daß die ehemalige Grundbe- 
deutung gewahrt bleibe, oder daß bei einer Kon- 
kurrenz der Bedeutungen durch gewisse Mittel, in 
dem Falle durch die Präposition, auf die ehemalige 
Art der Bedeutung zurückgewiesen würde? Diese 
Frage ist aber zu verneinen. Weder braucht eine 
Grundbedeutung sich dauernd im Sprachgefühl zu 
behaupten, noch läßt die Sprache Bedeutungen, 
die durch die Form nicht geschieden sind, gern 
nebeneinander, wie durch eine Isolierung getrennt, 
heriaufen. So wird für den Griechen Genitiv 
und Dativ je als ein Kasus gegolten haben, füi* 
den Lateiner der Ablativ ebenfalls, mögen auch 
wir ihre Funktionen aus der Vermischung mit 
oder richtiger aus der Verdrängung von anderen 
Kasus herleiten. So lehrt uns die gewiß auch 



bei den Präpositionen zu verwendende Thatbache 
von der Anziehungskraft der Gruppen das 
Assoziationsbestreben der Spmche kennen. Das 
Sprachlebeu bewegt sich iro allgemeinen zwischen 
den zwei Polen, dem der Anähulichungund dem 
der Differenzierung. Demnach wiiJ sich be- 
sonders für so späte Einehen der Sprache, wie 
z.B. das Neugriechische, in welchem erst airo sich 
für den gen. com parat. ünJet, nur sagen lassen, 
daß sich aus den vielen Verwendungen des einheit- 
lich gefühlten Gcnitivs einzelne Fälle durch Prä- 
positionen, die eine den Sprechenden eben damals 
geläufige Auffassung der realen Welt wiedei-gaben, 
abheben, aussondern ließen. Da aber für die neu- 
griechische Volkssprache der Genit. bei Prä- 
positionen vei^schwunden und im Latein der Ablativ 
in jener Zeit, in welcher er mit ab oder de versetzt 
wurde, um den alten Abi. comparationis zu er- 
setzen, als Kasus deutlich nicht empfunden worden 
ist, so wird man jenen Präpositionalausdrücken 
nicht nachgehen dürfen, um zur separaüven 
Funktion der ehemaligen reinen Kasus zu gelangen. 
Mit diesen Erwägungen soll nur ein Argument in 
dem imponierenden Beweisverfalu-en Ziemers als 
nicht unbedingt auf gleiches Gewicht mit anderen 
Ansprucli erhebend hingestellt und sozusag'cn 
die Warnungstafel gegen einen Vorgang aufge- 
richtet werden, nach welchem in der Sprache nach 
gewissen einheitlichen Prinzipien verfahren wird, 
statt daß man bedenkt, daß gai* viele Wege zu 
demselben Ziele fühlten. 

Für eine richtige Betrachtung der Präpositionen 
in ihrem Verhältnis zum Kasus scheinen folgende 
Gesichtspunkte abwechselnd ins Auge gefaßt werden 
zu müssen: 

1. Die Präposition hat jeweilig die Be- 
deutung, welche auch der Kasus hat. 

2. Bei mannigfacher Bedeutung des Kasus, wie 
in dem Falle der Mischkasus, kann die Präposition 
der jeweiligen Sonderbedeutung des Kasus ent- 
sprechen : dro beim separativcn Genitiv, aov beim in- 
strumentalen Dativ. Es kann sich aber durch spon- 
tane Auffassung eines Vorganges eine Verschiebung 
dieses normalen Verhältnisses herausbilden. S« 
würde man zum Dat. instr. o^da\\i.om jtiv ei*waiteii; 
aber die Auffassung kann sich lokal gestalten, und 
so kommt ev ^^d. zuwege. Vgl. auch lAqvujDai mit 
ev. Der Dativ auctoris bei passiven Verben ist 
ein echter Dativ (und selbst wenn er ein instni- 
mentalis nach Delbrück wäre!); aber uno weist auf 
eine lokale Auffassung der Sachlage. 

3. Die Kasus werden nach und nach bloß 
formelhafte monumenta scripta, welcher Umstand 



229 



[No. 8.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [21. Febraar 1885.] 230 



zunächst zur Folge hat, daß die Präposition die 
ganze Aufgabe, die Beziehung auszudrücken, über- 
nimmt, später eine VerwiiTung im Gebrauche der 
Kasus und volle Entbehrlichkeit derselben herbei- 
fuhrt. Für letzteres sind die Zeiten des Über- 
gangs aus der lateinischen Volkssprache in die ro- 
manischen Dialekte ein Beispiel; das erstere Phä- 
nomen ist schon zu beohachten im homerischen 
Dialekt, wo der Kasus mit 91 formelhaft geworden 
ist und nur mehr metrischem Bedürfnis dient. 

4. Unter den Kasus selbst zeigt sich mit Bei- 
httlfe der Präpositionen schon von Homer au ein 
Vordrängen eines derselben, des Akkusativs, 
eine Beobachtung, die wir Tycho Mommsen 
verdanken. Wohin dieser Umstand führt, erkennt 
man aus den neugriechischen Volksmnndarten. 
Vgl. auch meinen Programmaufsatz. 

5. Wir haben oben bemerkt, daß der Genitiv 
bei ßta, ü;co, im vielleicht eine andere Erklärung 
zuläßt als die, daß die Pi'äposition das im Genitiv 
aoBgedrftcktc Orts Verhältnis verdeutliche. Es 
ist nun hier der Platz, sich darüber zu äußern. 
Wenn wir die anderweitig gemachte Beobachtung 
von dem Durchkreuzen sprachlicher Gruppen 
auf die Präpositionen anwenden, so wird sich daraus 
folgendes ergeben. Da nicht ausgemacht ist, was 
im Griechischen und Latein als echte, was als un- 
echte Pi^position angesehen werden müsse, die 
unechten Präpositionen aber prinzipiell mit dem 
Genitiv verbunden werden, so liegt dieMöglichkeit 
zu der Vermutung keineswegs fem, daß ein Aus- 
tausch der Konstruktion eingetreten sein könnte, 
zumal da der Genitiv mit dem Adverbium, an das 
er sich anlehnt, in beiden Fällen etwas Kompo- 
niertes, ein komponiertes Adverb bildet, dessen 
Aussehen in beiden Fällen das gleiche ist. (Vgl. 
im Deutschen ohnedem neben zweifelsohne.) 
Daß der Genitiv, wie wiederum T. Mommsen er- 
wiesen hat, bei echten Präpositionen vorzugsweise 
den philosophischen und rhetorischen Ele- 
menten in Poesie und Prosa angehört, würde ja 
ganz gut zu dem etwas gemachten und künstlichen 
Ursprung, der dieser Verbindimg zukommt, stimmen. 
Aber auch der Fall ist möglich, daß eine unechte 
Präposition die Konstruktion einer echten an- 
nimmt. Im Deutschen: jenseit(s), zufolge mit dem 
3. Fall. Ob auch im Griechischen und Lateinischen, 
läßt sich nicht ohne weiteres behaupten. Aus dem 
letzteren möchte man aber coram, palam, clam c. 
abl. hierher rechnen. 

6. Die Präposition kann vor einen ihrem Wesen 
sonst widersprechenden Kasusausdruck treten, falls 
dieser hypostasiert erscheint, sich zu einer festen 



Bedeutung gewohnheitsmäßig eingerichtet hat. 
Vgl. Deutsch: von alters her; Griechisch: zk 
AXxtv(5oio, irpoc [le JEfi-ppiac , irpoc e<nrepac; Latein: 
ad Vestae, a Martis (bezüglich letzterer Ausdrücke 
vgl. E. Ho ff mann Jahrb. f. klass. Philol. 1878. 
Bd. 117 im Aufsatze über opus est, usus est, 
refert, interest). 

Wie weit es gelungen ist, die sprachlichen Vor- 
gänge bei den Präpositionen zu erhellen, mögen 
diejenigen entscheiden, die einst eine historische 
Darstellung der Präpositionen zu liefern sich be- 
rufen fühlen.*) 



II. Rezensionen und Anzeigen. 

Bernhard Heil, Logographis qai di- 
cuntur num Herodotus usus esse vide- 
atur. Diss. inaug. Marpurg. Leipz. 1884, 
Fock. 61 S. 8. 1,20 M. 

Das Resultat der Untersuchung ist im wesent- 
lichen ein negatives. Im Schlußwort stimmt Heil 
Dahlmauns Urteil bei; „Herodot selber war von 
Grund aus der Bürge seines Werkes, dessen Urquell 
und Gestalter; die Mystik, in welcher seine Vor- 
gänger ihr Verdienst begruben, mochte ihm nicht 
frommen, die rohe Historie derselben, dürr zwischen 
eiugestreut, ihm nicht genügen; auch in der 
Geschichte hätte er gern selbst gesehen, gleichwie 
in den mancherlei Ländern, die sein helles, be- 
dächtiges Auge durchspäht hatte *". Nun ergiebt 
sich dem Verf. aus aUgemeinen Betrachtungen, daß 
Herodot schwerlich die Logographen kompiliert 
hat; denn er reiste viel und berichtete somit nach 
Hörensagen oder aus Autopsie. Dazu haben seine 
Vorgänger die Geschichte ihrer Zeit zu wenig 
berührt. Um nun diese Allgemeinheit zu speziali- 
sieren, werden in 10 Paragraphen die Logogitiphen 
Hekataeus, Xanthus, Hellanikus, Charon, Skylax, 
Kadmus, Akusilaus, Dionysius vonMilet, Pherekydes 



*) Herr Dr. Ziemer schreibt in einem Briefe an 
den Verf. : «Bezüglich der Präpositionen will ich gern 
zugeben, daß einzelne derselben, soweit sie der Um- 
schreibung des Komparationskasus dienen, nicht not- 
wendig durch das Sprachgefühl erzeugt sind, daß sio 

spontane Neubildungen involvieren können 

Ich meine indes nur, daß das Sprachgefühl mit dazu 
beigetragen hat, den umschreibenden Ersatz einzu- 
bürgern und ihre definitive Aufnahme zu sichern, das 
Sprachgefühl, welches mit der Wahl gerade jener Prä- 
positionen beweist, daß es auf der richtigen Fährte 
war, wenn es gerade diese und nicht eine beliebige 
andere Präposition einführte*. 



231 



|No, 8.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [21. Februar 1885.] 282 



und zum Schluß weniger bekannte ^ic Bion und 
Deiochns behandelt. Jeder Paragraph ist in zwei 
Abschnitte geteilt, deren erster die Lebensumstände 
und Schriftwerke des betr. behandelt, während der 
zweite die Benutzung bei Herodot erörtert. 
Bcüeffs des erstem hat H. ohne Zweifel mit 
Eecht den Grundsatz aufgestellt, daß es bei dem 
Stande unserer Überlieferung unmöglich sei, überall 
zu einem festen Resultat zu kommen. Am aus- 
führlichsten ist Hekataeus p. 5-27 behandelt. 
Daß Kallimachus die Echtheit der 7?^? Trspiooo; 
in Frage gestellt habe, glaubt H. nach Athen. 
II p. 70 u. IX p. 410 auf den Abschnitt über 
Asien beschränken zu müssen. Dem wäre beizu- 
stimmen, da auch Arr. Anab. V G, 5 die Be- 
Schreibung Ägyptens dem Hekataeus abspricht. 
Doch fehlt uns darüber alle Kenntnis, ob auch 
hier nicht die fälschende Hand Späterer einge- 
griffen hat, sodaß statt des echten Hekataeus, 
der verloren gegangen war, ein späteres Machwerk 
eintrat. Daß Hekataeus auch Asien behandelt 
hat, geht nur aus dem unten Gesagten hervor. 

Ohne Zweifel hat Herodot den Hekataeus 
benutzt, ja in viel weiterm Maße als H. annimmt; 
aber an ein direktes Ausschreiben ist nicht zu 
denken. Herodot spricht gern davon (II 15. 17. 
IV 36. 42 45.), daß er geographische Werke 
benutzt hat Auf grund derartiger Studien hat 
er seine Reisen angetreten und durch Naclifragen 
die Angaben seiner Vorgänger kontrollieren wollen. 
Wenn er nun gegen diese an einzelnen Stellen 
ohne Namensnennung polemisiert, so ist es uns 
heute nicht mehr möglich, den Oegner für jeden 
einzelnen Fall zu ermitteln. Ja wir müssen an- 
nehmen, daß der versteckte Tadel nicht gegen 
einen einzelnen, sondern überhaupt gegen die 
herrschende Meinung gerichtet sei. Damit fällt, 
was H. p. 16 ff. ausführt. Wenn nun andererseits 
Herodot über das Nilpferd, das Krokodil und den 
Phönix dieselben Mythen erzählt wie Hekataeus, 
so war der letztere wohl insofern Quelle, als 
Herodot, veranlaßt durch die ihm bekannten 
Notizen des Hekataeus, an seineu Fremdenführer 
diesbezügliche Fragen stellte. Dieser antwortete 
mit Ja entweder aus Unwissenheit, oder um den 
unbequemen Frager zu befriedigen. — Nun be- 
richtet Porphyrius auf grund des Pollio von Tralles 
:r£pi T^c 'HpoöoTOü xXoTrf^c, Herodot habe vieles aus 
Hekataeus entlehnt. Die bei beiden sich zeigende 
Übereinstimmung sncht H. dadurch zu beseitigen, 
daß er annimmt, der Text des Hekataeus sei aus 
Herodot interpoliert. Dies soll von Kallimachus 
geschehen sein. Niemandem, der die Geschichte 



der grammatischen Studien und der Textüber- 
lieferung kennt, wird dies glaublich erscheinen. 
Dui'ch eine so vage Hypothese wird ein fest- 
stehendes Faktum nicht beseitigt. Vielmehr sind 
wohl auch Hei-odots Notizen über die Nilüber- 
scbwemmungen II 21, über die Insel Chemmis 
II 156 und über die Sitten der Ägypter II 77 
auf Hekataeus zurückzuführen. — Daß Herodot 
den Xanthus nicht benutzt habe, wird mit Recht 
hervorgehoben; aber daß Nikolaus von Damaskus 
denselben einsah, erscheint mehr als zweifelhaft. 
Nikolaus wählte sich bequemere Hülfsmittcl. £me 
Einsichtnahme des Hellauikus ist ebenfalls ansgc- 
sclüossen. Auch was von Chai'on erhalten, weicht 
von der Herodotischen Darstellung ab. Mit Unrecht 
schreibt H. dem Charon neben den u>po( noch 
llepTixa und xtijsi; ir^Xetuv zu vgl. Hermes XIX 
p. 443. Aus dem Abschnitt über Skylax von Ka- 
ryanda mag hervorgehoben werden, daß der von 
Her. IV 44 erwähnte nach Heils Ansicht nichts 
geschrieben hat. Vergebens versucht H. in längerer 
Auseinandersetzung den apoktyphischen Milcsier 
Kadmus der Wirklichkeit zu erretten. Strabo, 
Diodor, Dionysius von Hai. kennen ihn nur dem 
Namen nach, erst der Allwisser Suidas weiß Werke 
von ihm aufzuzählen. Nicht beachtet H. die 
Ausdrucksweise des Strab., Dion., loscph. 01 irepl 
Ka6p.ov. Dem Dionysius von Milet schreibt 11. 
p. 56 mit Recht nur die Persika zu. Bezüglich 
der Behandlung der übrigen Logogi-aphen bemerke 
ich, daß H. bei Behandlung des Melesagoras nicht 
das beachtet hat, was über denselben v. Wilamo^itz 
(Antigonos von Karystos) gesagt hat. Daß eine ein- 
gehendere Behandlung der altern Logographen 
noch manches zu Tage zu fordern im stände ist, 
hat V. Wilamowitz' neueste Untersuchung über 
Hippys von Rhegium gezeigt. 

Noch einige Berichtigungen. Daß p. 3 n. 1 
ü. Curtius' Abhandlung über die Bedeutung 
von XoYOYpd^oj (Abh. d. sächs. G. d. W. 1866) 
nicht erwähnt ist, muß großes Verwundern erregen. 
Wenn p. 14 behauptet wird, Stephanus habe den 
Hekataeus eingesehen, so wird das bei niemandem 
Anklang finden, der die Arbeitsweise der griechischen 
Lexikographen kennt. 
Halberstadt. Hugo Landwehr. 



H. R. Grundmann, Quid in elocatione 
Arriani Herodoto debeatur. Beriin 1884, 
Calvary. 88 S. 8. 3 M. 

Arrian hat hinsichtlich seines Sprachgehrauche« 
! lange als Nachahmer Xenophons gegolten; noch 



233 



[No. 8] 



BERLINER PU1L0L0GI8CHE WOCflBNSCHRIFT. [21. Februar 1885.] 234 



Nicolai sagt in seiner griech. Litteraturgesch. II- 
8. 564: „Sein erklärtes und hochgeschätztes Vor- 
bild in Stil nnd Darstellnngsweise ist Xenophon**. 
Mit Recht hat aber Sintonis in der Einleitung zur 
Anabasis Arrians darauf liingewiesen, daß die Ver- 
anlassung, durch die Arrian den Namen des jün- 
geren Xenophon erhielt, nicht auf sprachliche Ähn- 
lichkeit, sondern anf Übereinstimmung der Neigun- 
gen nnd Beschäftignngen beider Schriftsteller 
zurückzuführen sei. Zwar erinnern viele Stellen 
bei Arrian an die Xenophonteische Schreibart*), 
nicht weniger aber als von Xenophon ist sein Stil 
von Thucydides**) und besonders auch von Herodot 
beeinflußt; vielfach finden sich auch bei ihm, wie 
überhaupt bei den Schriftstellern der späteren 
Gräzität, poetische Wörter und Strukturen. Nun 
hat Gmndmann in sehr ausführlicher Weise nach- 
gewiesen, inwiefern auf Arrian Herodot einge- 
wirkt habe. Der Behandlung des Themas schickt 
er 2 Abschnitte voraus: 1. de Xenophonteae ora- 
tionis imitatione pag. 4 — 12 und 2. de Thucydideae 
orationis imitatione pag. 12—18, welche Ergän- 
zungen zu den genannten Dissertationen von Renz 
und Meyer enthalten. Das Thema selbst behandeln 
3 Teile: K de verborum ubertate pag. 19—33; 
2. de orationis gcnere, quod Xe£»c e?f)o|xevT) vocatur 
pag. 33 — 52; 3. de ionismis et singularibus struc- 
turis, locutionibusj vocabulis pag. 52 — 76. An nicht 
wenigen Stellen wird sich nun freilich mit dem 
Verfasser streiten lassen, und man wird ihm nach- 
weisen können, daß vieles, was er als einen dem 
Herodot eigentümlichen Sprachgebrauch hinstellt, 
sich auch nicht selten bei anderen griech. Schrift- 
stelleini findet. So wird, um einzelnes anzuführen, 
das Verb, finit. mit dem Partiz. entweder desselben 
Verbs oder eines Verbs verwandter Bedeutung 
(pag. 21) auch von anderen griech. Prosaikern 
häufig verbunden; vgl. Kuehner G. G. IV pag. 
1089, 6; ein mit einer Präpos. zusammengesetztes 
Verb mit einem Adverb von gleicher Bedeutung 
mit der Präpos. verbunden, z. B. Ix^epeiv l^m 
(pag. 20), findet sich nicht selten bei den griech. 
Schriftstellem, vgl. Kuehner II* pag. 1087, 4; 6 5e 
(pag. 25) gebraucht im Nachsatze auch Homer, 
vgl. Krueger Dial. § 50, 1, 11; nicht allein bei 
Herodot geht die Partizipialkonstruktion in eine 
Form des verbi finiti über (pag. 45), vgl. Kuehner 
II' pag. 657, 4; das pleonastische {xe^^^ei }jL&7ac 
(pag. 20) wird auch aus Aristoteles nachgewiesen 

*) Vgl. Renz, Arrianus quatenus Xenophootis Imi- 
tator Sit Rostocker Dissert. 1879. 

•^ Vgl. E. Meyer, De Arriano Thucydidio. Ro- 
Btocker Dissert 1877. 



von Lobeck Paralipp. pag. 528, vgl. Krueger zu 
Herod. I 51, 1; der Plural des Pron. o3 (pag. 52 f) 
findet sich in refiex. Bedeutung auf das nächste Sub- 
jekt bezogen auch sehr häufig bei Thuc. und seinen 
Nachahmern, wie Polyb., Appian u. a., vgl. Kuehner 
n- pag. 492, adn. 9; ff5e, tok^jSs, toj^jSs, «Lös 
(pag. 54) werden allerdings in der Prosa selten 
auf schon Erwähntes bezogen, häufig aber von den 
Dichtem, vgl. Kuehner II- pag. 557, 7; ^c und 
oTctc (pag. 55), ohne Unterschied gebraucht, finden 
sich allenthalben bei den späteren Schiuftstellern, 
die sich, wie Kuehner 11- pag. 906 adn. 1 bemerkt, 
der ursprünglichen Bedeutung nicht mehr klar be- 
wußt waren und stärkere Formen den schwächeren 
vorzogen ; Ix mit passiv, oder intransit. Verben statt 
(>7z6 (pag. 57) lesen wir öfters auch bei den Tra- 
gikern, vgl. Kuehner II« pag. 399, c; di|x(pf c. dat. 
räumlich gebraucht (pag. 57 f.) ist vorzugsweise 
dichterich, vgl. die zahlreichen Belege bei Kuehner 
IF pag. 424, 11; ebenso ist <5atvü|jLt (pag. 73) ein 
bei Dichtem sehr häufiges Verbum, vgl. W. Veitch 
in dem gründlichen Werke : greek verbs irreg. and 
defect Oxford 1 879, und denselben über die Verba 
ösifiatvetv, i7xüpeTv, IJavoetv, xepatjetv (pag. 73 u. 74); 
auch dxpexTJc, dTpexüic, axpexeia (pag* 75) finden 
sich häufig bei Dichtem, vgl. Kraeger zu Herod. 
I 57, 1. 

Im allgemeinen wird man aber dem Verfasser 
beistimmen müssen; er weist nach, daß Aman eine 
ganze Reihe von Wörtern, Redensarten, Pleonasmen, 
epanaleptischen Wendungen aus Herodot entlehnt 
hat, und daß sich besonders in vielen koordinieren- 
den Satzfügungen bei Arrian Anklänge an die 
Herodoteische Schreibart finden. 

Beachtenswert sind folgende Koiyekturen: pag. 
41 zu an. U 16, 5 iizl v^jov xtva 'Epuöeiav t^c 
ISio T^c jie7aXT)c daXdfaffr);; pag. 77 zu an. V 24, 2 
h TttüTtp Ol Te aaXirqxTal iai(5|JLa»vov aÖTto xal etc. 
statt iv TOüTip etc., pag. 5 zu an. VI 26, 2 xal totS- 
TOü yaXeiTtüc ouXXsSavxac statt xal touto ou Yjxh ooX., 
mit Recht wird die Lesart der Handschriften ge- 
schützt gegen Andemngen Kraegers pag. 15 zu 
an. IV 17, 3 u. IV 30, 6, pag. 24 zu an. VII 16, 5, 
pag. 46 zu an. VII 22, 5, pag. 22 zu an. VH 27, 1 . 

Am Schlüsse seiner Arbeit behandelt der Verf. 
(pag. 76—83) noch einige Spracheigentümlichkeiten 
Arrians (daß an. IV 13, 5 mit Kmeger u. Ind. 2, 2 
mit Herch. ^Tce im statt lots u. Ind. 41, 8 l<rce 
im statt Itrre ic zu schreiben sei, habe ich in den 
acta senL philol. Erlang. II pag. 504 u. 505 
aus dem Sprachgebrauche Arrians nachgewiesen; 
(p&e(ps9&at pag. 76 erklärt richtig durch „sich ver- 
lieren" Bergler zu Alciphr. 1, 13) und sucht zuletzt 



235 



[No. 8.] 



BERUNBR PHILOLOQISGHB WOCHENSCHRIFT. [21. Febraar 1885.] 836 



(pag. 83—88) zu beweisen, daß die von Köchly 
dem Arrian abgesprocbene und dem Alian zuge- 
sprochene erste Hälfte der ars tact. (1—32, 2) ein 
Werk Arrians sei (vgl. Förster im Herrn. XU 
pag. 426 ff. und meine Bemerkgg. in den acta sem. 
phil. Erl. II pag. 506 u. 507). AUerdingfS finden 
sich in dem von Köchly verdächtigten Teile der 
ars tact viele Arrian eigentümliche Wörter und 
Wendnngen; volle Beweiskraft erhalten sie aber 
doch wohl erst, wenn nachgewiesen ist, daß sie sich 
bei Alian nicht finden. 

Unser Urteil über die vorliegende Arbeit fassen 
wir dahin zusammen: der Verf. hatte gediegene 
Vorarbeiten in den Kommentaren Kruegers; wäh- 
rend aber Renz und Meyer in den oben genannten 
Dissertationen wenig Neues beibrachten und das 
meiste aus den Kruegerschen Anmerkungen zu- 
sammenstellten, finden sich in der Grundmannschen 
Arbeit viele neue Beobachtungen, und man sieht, 
daß der Verf. den Sprachgebrauch Herodots wie 
den Arrians und nicht nur in der Auab. sondern auch 
in den übrigen Schriften, völlig beherrscht. 
Öttingen. August Boehner. 

HngoGrobs, Der Wert des Gescbicbts- 
werkes des Cassius Die als Quelle für die 
Geschichte der Jahre 49—44 v. Chr. Berlin 
1884, S. Calvary & (3o. 140 S. gr. 8. 3 Mk. 

Die Ähnlichkeit zahlreicher Stellen des Dio mit 
den Kommentarien Cäsars ist längst bekannt, die 
Erklärung aber dieser Erscheinung ist ziemlich 
verschieden ausgefallen. Während Heimbach mit 
Böttcher und Gloede vermutet, daß Dio dem Livius, 
dieser dem Cäsar gefolgt sei, hat Nissen ('Der Aus- 
bruch des Bürgerkriegs' in v. Sybels Hist. Z. N. F. 
X 51) die Berichte Dios als eine Verschmelzung 
von Livius und Cäsar bezeichnet. Die vorliegende 
Schrift will klarstellen, welche Quellen Dio seiner 
Darstellung für die angegebene Zeit zu gründe ge- 
legt und auf welche Weise er aus denselben ge- 
schöpft hat. Sicherlich hat der Verf. vor vielen 
seiner Vorgänger voraus, daß er eine eng um- 
schriebene kurze Peiiode gewählt und diese einer 
sehr minutiösen Untersuchung der Detailnachrichten 
unterzogen hat. Ich halte das Besultat, daß Dio 
Cäsar nicht selbst benutzt hat, für sehr wahrschein- 
lich, und ebenso scheint der Beweis gelungen zu 
sein, daß Livius für Dio Hauptquelle war. Neben 
dieser soU er noch nach Grohs' Ansicht das grie- 
chische Exzerpt des Polio Trallianus benutzt und 
für die innere Geschichte die Geschichte Suetons 
und die Acta publica eingesehen haben. Bezüglich 
d«r Benutzung des Livius würden die Resultate 



genügender geworden sein, wenn der Verf. auch 
die sämtlichen Ausschreiber des Livius heran- 
gezogen hatte; denn nur durch eine minutiöse 
Feststellung des Ausdrucks wird sich die Abhängig- 
keit von Cäsar feststellen lassen. Herrn. Haupt 
hat an wenigen Stellen gezeigt, wie hierbei ganz 
überraschende Resultate zu gewinnen sind. Viel 
weniger sicher scheint mir die Benutzung der „Ge- 
schichte des Sueton" zu sein, deren Existenz der 
Verf. mit Reifferscheid für erwiesen hält, während 
die vita des Divus Julius unzweifelhaft benutzt ist; 
ob aber direkt oder indirekt, ist durch die Unter- 
suchung nicht klargestellt, vielleicht auch nicht 
klar zu stellen; denn auch Sueton hat Livius für 
seine Arbeit herangezogen. In der reichhaltigen 
Schrift werden noch viele Quellenfragen erörtert, 
die von großem Interesse sind, wenn ich auch nicht 
alle Resultate für unzweifelhaft halten kann, so 
z. B. daß Livius in der Geschichte der betr. Zeit 
Asinius Pollio gar nicht benutzt habe. Ob man 
mit dem Veri. annehmen wird, daß Dio in den 
Worten airoüö-pjv l^^cn ou'fYpa^at icavJf S<jol xoU 'P®- 
p.aiotc xal e^Tjvoooi xal iroXe|JLoü ji d^uoc }jLvi)p.T)c iirpaydr; 
etc. und Travxa ü>c e?:retv tä repl autcov xiai 7r]fpa|i- 
lirsva, jove^pa^ dl ou izirza ä}X 09a i^cxptva „nicht 
die Zahl seiner Quellen, sondern nur den Stoff, den 
eine einzelne Hauptvorlage bot**, habe bezeichnen 
wollen, ist mir sehr zweifelhaft, und ob man die 
Quellen auf die von G. gefundene kleine Zahl be- 
schränken kann, nicht minder. Aber das ist ja 
bei allen diesen Quellenuntersuchungen der Fall, 
daß sie häufig zu apodiktisch entscheiden, wo man 
nicht entscheiden kann. Jedenfalls muß an der 
Arbeit das Verdienst der Gründlichkeit und eines 
bedachten und methodischen Verfahrens anerkannt 
werden, und keine Untersuchung dieser Fragen 
wird dieselbe unbeachtet lassen dürfen. Auch das 
wird man als einen sicheren Gewinn der Arbeit 
bezeichnen dürfen, daß der Wert Dios für die 
äußere G^chichte dieser Zeit, soweit dabei selb- 
ständige Forschung in betracht kommt, nur gering 
angeschlagen werden dari. 
Gießen. Herman Schiller. 



H. Th. Plttfs, Vergil und die epische 
Kunst. Leipzig 1884, B. G. Teubner. 366 S. 
gr. 8. 8 M. 

Wenige Dichter werden so viel und so genan 
gelesen als Vergil, und doch hat er nur im Mittel- 
alter ungeteilte Bewunderung genossen, in alter 
und neuer Zeit dagegen nicht selten erbitterte 
und unbillige Kritik erfahren. Im Altertum war 
die Verteidigung vielleicht nötig; denn seine 



287 



[No. 8.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [21. Februar 1885.] 238 



Dichtung war neu. Aber sein Erfolg war schon 
im ersten Jahrh. so durchschlagend, daß seine 
Stellung durch die Grammatiker weder erschüttei-t 
noch befestigt werden konnte. Dasselbe gilt von 
der neueren Zeit. Merses profundo, pulchrior eve- 
uit. Spurlos, wie von einem stählernen Panzer, 
prallen die Pfeile der Kritiker ab. Es mag daher 
bezweifelt werden, ob es nötig war, „die Würdi- 
gung der epischen Kunst Vergils (p. 1— 6)"* zum 
Gegenstand der Untersuchung zu machen. Aber 
unzweifelhaft war es des Versuches wert, von dem 
wohlbefestigten Boden der philologischen Interpre- 
tation ans in die Tiefen der Vergilischen Dichtung 
einzudringen, welche ihre Unsterblichkeit der Ver- 
einigung ethischer Kraft und umfassender Gelehrsam- 
keit und dem wunderbaren Zusammenwirken einer 
mächtigen Phantasie und eines groBen Verstandes 
verdankt. Diesen Versuch hat Plüß in dem vor- 
liegenden Buche gemacht. Seine Absicht war, die 
epische Dichtung Vergils auf ihren dichterischen 
und epischen Gehalt zu prüfen (vgl. p. 257). An 
wenigen Stellen von nicht zu großer Ausdehnung, 
aber hervorragender Bedeutung, wollte er die 
Kraft des Dichters in der Erzählung und Schil- 
derung, die Zwecke und die Gliederung seiner 
Komposition, die Kraft seiner durch die Mittel 
metrischer Effekte gehobenen Sprache darlegen 
und nach dem Resultat der Untersuchung den Wert 
seiner Dichtung bestimmen. Man kann die Wahl 
der Abschnitte nur glücklich nennen. Es sind 
fönf : die Landung der Trojaner in der libyschen 
Bucht A. I 157—222, Laocoon A. II 199-234, 
der Schuß des Acestes A. V 519—544, die Hel- 
denschau A. VI 679 ff. 703 ff. 752—853, der 
SchUd des Äneas A. VHf 625-731. 

Die Besprechung der ersten Stelle (p. 7 — 56) 
beginnt mit einer Erzählung des Inhalts, welche 
die Gedanken des Dichters nicht glücklich wieder- 
giebt. Das Streben, sinn- und tongetreu (vgl. p. 8) 
zu erzählen, hat den Verf. zu weit geführt. »Wir 
strecken uns nach dem verheifjenen Ziele Latium <" 
(p. 8) wird der vielleicht erträglich finden, welcher 
gewohnt war, tendimus in Latium zu lesen; aber 
wer kann aus den Worten: „Leidensgefährten — 
denn das sind wir ja — ja, ihr Leidensgefährten 
in schweren Leiden, Gott wird auch das gegen- 
wärtige Leiden beendigen" (p. 8) — die schöne 
Anrede des Äneas heraushören: o socii (ne()ue 
enim ignari snmus ante malorum), o passi gravioi*a 
dabit deus his quoque flnem? Man erkennt in 
diesen Verdeutschungen kaum den Be¥rundei*er 
des Vergil wieder, der uns an anderen Stellen 
z. B. p. 150 und 288 so lebensvolle und kräftige 



Sciüldemngen im Tone des Originals gegeben hat. 
Die Schilderung der Cyklopenschmiede , um nur 
ein Beispiel anzuführen, beginnt p. 288 mit fol- 
genden Sätzen: „Die rauchenden Felsen, das don- 
nernde Dröhnen in unterirdischen Höhlen, das 
Zischen siedender Massen, die brausende Glut oben 
aus den Schlünden hei*ausschlagend, das alles weckt 
Vorstellungen riesenhaften Schaffens in der un- 
sichtbaren, geheimnisvollen Tiefe. Da erscheinen 
einem jeden leibhaft die eisenreckenden Cyklopen 
in der wildweiten Höhle, die nackten Gestalten 
mit dem riesenhaften Gliederbau. Ihre Namen 
klingen wie Hammerschlag, Blitzschlag und Feuer- 
stein" u. s. w. Aber je größer die Kraft der An- 
empfindung ist, die sich in solchen tlbertragungen 
zeigt, desto mehr muß man mit dem Verf. darüber 
rechten, daß er in der Einzelerklärung nicht 
immer, wie es doch seine Absicht war, der Sub- 
jektivität des Dichters g^enüber das erreichbare 
Maß der Objektivität gewahrt hat (p 5). W^nn 
man glaubt, so viel wie er aus den Worten des 
Dichters schließen zu können, dann ist philologische 
Genauigkeit und Strenge in der Prüfung des Ein- 
zelnen doppelt geboten. Man kann Zusätze wie 
z B. p. 7 „und verdrossen'* zu „müde" (fessi re- 
rum A. I 178) schön und malerisch nennen; sie 
geben aber dem Gedanken eine von den Worten 
des Dichters abweichende Färbung und bieten 
später (p. 15—20) den Anhalt zu sehr weitgehen- 
den Folgerungen über das Verhältnis des Äneas und 
Achates zu ihren Gefährten. A. II 204 wird im- 
mensis orbibus als adverbiale Bestimmung eines zu 
ergänzenden Zeitworts „sie kommen" gefaßt (vgl. 
p. 60). Dieser Erklärung zu liebe wird die fast 
allgemein angenommene Interpunktion des Satzes 
geändert und incumbunt von tranquilla per alta 
getrennt, weil „man doch die Schlangen nicht von 
Tenedos her auf die Flut sich auflegen« sieht (p. 61) 
— eine Begründung, die nur dann stichhaltig 
wäre, wenn per überall die Ausdehnung durch den 
ganzen Baum hin bezeichnete, was nach A. Vin 
82 f.: Candida per silvam cum fetu concolor 
albo procubuit — sus nicht richtig ist. Daß 
ille A. Yl 760 die Feme andeutet (p. 174), er- 
scheint zunächst unverfänglich. Aber auf diese 
und ähnliche Deutungen der Demonstrativprono- 
mina werden später Urteile über die Beziehungen 
der einzelnen Gruppen der Heldenseelen zu ein- 
ander gestützt, obgleich der Verf. selbst diesen 
Fürwörtern an anderen Stellen der Aufzählung 
eine ganz andere Bedeutung zuschreibt. So heißt 
es p. 200: ;,Da huius bei Romulus, der zur Gruppe 
der albanischen Könige gehört, nicht die räumliche 



289 



[No. 8] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [21. Februar 1885] 240 



Nähe bezeichnen kann, so weist es ebenso wie 
vorher bei den vier Albanern das „hi tibi Noraen- 
tum" auf die vorangehende Charakteristik zurück**, 
und nach p. 236 soll hie v. 819 «nicht von räum- 
licher Nähe, sondern sozusagen nur von der logischen 
Nähe^ verstanden werden. Man kann das Streben, 
die letzten Gedanken des Dichters zu erraten, auch 
tibertreiben. Wenn esz. B. p. 9 zu A. 1 158 heißt: 
;,die Verbindung mit *et' ist wohl geeignet, den 
überraschenden Kontrast zwischen dem mensch- 
lichen Denken oder Nichtdenken und dem göttlichen 
Lenken spüren zu lassen", so muß entgegnet werden, 
daß der Kontrast nicht zwischen den durch *et' 
verbundenen Handlungen, sondern zwischen dem 
augenblicklichen Erfolg und dem Endziel der Tro- 
janer besteht. Manche ähnliche Bemerkungen mögen 
nur überflüssig sein : z. B. p. 14 die Äußerung über in 
litore ponunt (A. 1 173): diese „Worte sind wohl ge- 
eignet, ein Niederlassen und Ruhenlassen auf dem 
Ufergrunde zu bezeichnen**, oder p. 175 f. die Unter- 
suchung daiüber, ob proxima loca VI 761 räum- 
lich oder zeitlich zu verstehen ist — eine Erörterung, 
die nur zu dem Resultate führen konnte, daß „der 
allgemeinen örtlichen Bezeichnung die zeitliche 
parallel geht* (p. 176). Aber jedenfalls wird 
durch solche müßige Betrachtungen, die zuweilen 
ganze Seiten einnehmen, der Leser ermüdet und 
die Aufmerksamkeit von dem Ziele der Unter« 
suchung abgelenkt. Nicht selten wird eine Ansicht 
mit einem großen Aufwand auch rhetorischer 
Mittel verteidigt und nach dem Schluß der Erör- 
terung so sehr eingeschränkt, daß das Resultat 
zu der aufgewandten Kraft nicht in dem richtigen 
Verhältnis zu stehen scheint. Wer z. B. nach 
der ausführlichen Darlegung auf p. 59—62 tiber- 
zeugt ist, daß hinter angues (Au II 204) ein 
Doppelpunkt zu setzen ist, wird enttäuscht, wenn 
er p. 62 liest, daß v. 205 «doch logisch eng'' mit 
den beiden vorangehenden Versen verbunden ist. 
Denn diese enge Verbindung hat eben dazu ge- 
führt, eine größere Interpunktion erst hinter ten- 
dunt V. 205 zu setzen. Es wäre unmöglich, alle 
Stellen anzuführen, deren Erklärung gesucht, ge- 
waltsam oder wenigstens zweifelhaft erscheint. Doch 
mag es gestattet sein, durch einige Beispiele den 
Beweis zu führen, daß die Interpretation nicht 
immer an dem festhält, was Überlieferung und 
Worterklärung fordern: p. 12 ist coruscus gegen 
den Sprachgebrauch, welcher den Begriff der 
schwankenden Bewegung fordert, mit «wildzackig'' 
übersetzt. Nach p. 29 f. soll die in I 213 durch 
die Worte flammasque ministrant ausgedrückte 
Handlung auf die in v. 212 geschilderte Thätig- 



keit bezogen werden, obgleich der volle Satz 
litore aena locant alii, mit dem flammas mmi- 
strant grammatisch eng verbunden ist, dazwischen 
steht. A. I 299 können die Worte fati nescia 
nicht von der Handlung dos Finalsatzes getrennt 
und auf die Zukunft bezogen werden, was ge* 
schehen müßte, wenn man wie PL p. 47 erklären 
wollte: , damit Dido nicht etwa das Verhängnis 
nicht an sich erfahre''. Da das Imperfekt die 
unvollendete Handlung der Vergangenheit be- 
zeichnet, so können die Worte : iamque arva tene- 
bant (A. II 209) nicht nach p. 67 heißen: „nnd 
nun waren sie auch schon mitten in dem bebauten 
Lande". Arva sind bei Vergil nicht immer 
„Pflugland**; vgl. A. I 246 pelago prerait arva 
sonanti. Die Schlangen haben die Brandung durch- 
brochen (üt sonitus spumante salo). Ein TeU 
ihres Körpers ist schon auf dem Lande. Diesen 
Moment schildern die drei Worte. Es ist nicht 
richtig, daß Anchises in der A. VI 756 „begin- 
nenden und sich anktindigendcn Rede durchaus 
ui cht von den persönlichen Schicksalen des Aneas, 
sondern nur von den Helden des Aneasgeschlechtes 
und des römischen Volkes'* spricht (vgl. p. 173). 
Die Verse 890 ff. kann man nicht anders als auf 
das persönliche Schicksal des Aneas beziehen, und 
daß von diesem Teil der Rede nur der Inhalt an- 
gegeben wurde, bedingte die Ökonomie des Epos. 
Da die Charakteristik, welche von v. 760—853 
an die Erscheinung der Heldcnseelen geknüpft 
wird, sich nur auf die Thätigkeit bezieht, zu der 
sie auf Erden berufen werden sollen^ so kann auch 
iroperum in v. 780 nur auf das irdische Leben des 
Romulus bezogen werden. Daß die Verse 815 £. 
quem iuxta scquitur iactantior Ancns, nunc quoqne 
iam nimium gaudens popnlaribus auris „kein po- 
litisches Urteil, keinen moralischen Tadel"* enthalten 
(vgl. p. 229), widerspricht dem Wortsinn. Gewiß 
stellt Vergil „dar, wie sich das römische Wesen 
in seinen Vertretern typisch gestaltet hat". Er 
wahrt sich aber sein eigenes, fieies Urteil nicht nnr 
hier, sondern auch an anderen Stellen z. B. 834 f. 

Wenn hiemach der Boden der Erörterung durch 
die Einzelerklärung nicht tiberall so befestigt ist, 
wie es für die Sicherheit der zu gewinnenden Resul- 
tate nötig erscheint, so kann es nicht bef^mden, 
daß auch die Untersuchung der Komposition 
und ihrer Zwecke, auf welche der Verf. mit Recht 
das größte Gewicht legt, nicht immer dem That- 
bestande entspricht 

Berlin. K. Schaper. 

(Schluß folgt.) 



i 




241 



[No. 8.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [21. Februar 1885] 242 



Andreas Frigell^ Prolegomena ad T. 
Livii librum XXIL Gothae 1883, F. A. 
Perthes. LXIV S. 1,20 M. 

In dieser Wochenschrift 1884 No. 1 1 ist Prigells 
Ausgabe des 21. Buches des Llvins mit den dazu 
gehörigen Epilegomena besprochen; inzwischen er- 
schien als Fortsetzung der Textausgabe das 22. 
Buch, welchem Prolegomena beigefügt sind. Indem 
wir über diese in Kürze berichten, haben wir aufs 
neue die Vertrautheit des Verf. mit dem Liviani- 
schen Sprachgebrauche anzuerkennen wie seine um- 
sichtige Sorgfalt in der Kritik und Interpretation. 
Die konservative Richtung seiner Kritik bringt 
ihn vielfach in Gegensatz zu den neueren Heraus- 
gebern, namentlich zu Madvig (z. B. 5, 4; 13, 6; 
60, 21) und Wölfflin (z. B. 1, 1; 12, 5; 45, 4), 
die eben am meisten für die Emendation gerade 
des 22. Buches geleistet haben. Die Erklärung 
führt bisweilen zu umfassender Beobachtung sprach- 
licher Erscheinungen, so des zweigliedrigen Asyn- 
deton bei Substantiven (zu 6, 6), Adjektiven oder 
Partizipien (zu 9, 5) und ganzen Sätzen (zu 18, 10), 
des objektiven Genetivs (zu 5, 4), des einen Gene- 
tiv vertretenden Adjektivs (zu 26, 4), des wieder- 
holten nt (zu 11, 4), des konsekutiven ut ohne 
adeo (zu 45, 4), der Konstruktion von similis (zu 
J2. 5), der Bedeutung von spectare alqd und ad 
alqd (Nachtr. z. 22, 21) u. s. w. Solche Bemer- 
kungen haben für das Verständnis des Livianischen 
Werkes überhaupt Bedeutung. Wenigstens für den 
größten Teil der dritten Dekade wichtig sind auch 
manche Bemerkungen über die handschriftliche 
Tradition und besonders den Puteaneus, den der 
Verf. selbst benutzt hat und aus welchem er von 
K. Wablund nachträgliche Mitteilungen empfing. 
Gewisse Eigentümlichkeiten des Put. wie die Ein- 
schiebung von que, die Ilinzufügung eines s, die 
Metathese einzelner Buchstaben, die Transpositiou 
der Worte sind zwar längst bekannt, durften aber 
immerhin wieder an Beispielen nachgewiesen werden. 
Daß der Verf. in dem eifrigen Bestreben, die Über- 
lieferung zur Geltung zu bringen, bisweilen zu weit 
gegangen ist, thut dem Verdienste seiner Schrift 
wenig Eintrag. Wenn ihm die Kritik des Livius 
auch nicht überallhin folgen kann, so wird sie doch 
von ihm erheblich gefördert. — j — 



Meier-Schömann, Der Attische Prozefs. 
Vier Bücher. Neu bearbeitet von J. H.Lipsius. 
1-5. Lief. Berlin 1883—84, Calvary & Co. 
628 S.8. 10 M. 

Im Jahre 1824 war der Attische Prozeß von 



Meier und Schömann als gekrönte Preisschrift der 
Berliner Akademie erschienen. Bekanntlich hatten 
sich die Verfasser in die Arbeit derart geteilt, 
daß Schömann die Einleitung und das 2. und 
4. Buch, Meier das 1. und 3. übernahm. Das 
1. Buch handelte von den Vorständen des G^erichts, 
das 2. von den Gerichtshöfen, das 3. von den 
Klagen, das 4. von dem Prozeßgange. Das Werk 
wurde sogleich bei seinem Erscheinen als hochbe- 
deutende Leistung begrüßt. Die umfassende Be- 
herrschung des Materials und die wissenschaftliche 
Exaktheit der Arbeit fanden große Anerkennung. 
Die Resultate der damaligen Forschung waren nicht 
bloß zusammengefaßt, sondern noch erheblich 
gefördert und vertieft. Als ein ganz besonderer 
Vorzug mußte die knappe und klare Form gerühmt 
werden. Zuverlässige Ergebnisse waren von un- 
sicheren klar gesondert und die Grenze des Wissens 
bestimmt gezogen. So hat das Werk eine grund- 
legende Bedeutung für die folgende Zeit gewonnen 
und als der zuverlässigste Führer auf diesem 
Gebiet gegolten. Doch schon lange war es bei 
dem Verleger vergriffen und nur für hohe Preise 
hie und da antiquarisch zu erlangen, als sich 
Calvary entschloß, es in neuer Bearbeitung seiner 
philologischen Bibliothek einzuverleiben Es war 
ein besonderer Wunsch des greisen Schömann, daß 
sich J. H. Lipsius, dessen Gelehrsamkeit sich beson- 
dersauf dem Gebiet der griechischen Altertümer eines 
hohen Rufes erfreut, der mühvollen Neube- 
arbeitung unterzogen hat; denn nicht weniger 
als die gelehrte Arbeit von sechs Jahrzehnten war 
hierfür nutzbar zu machen. Es ist darum nicht 
zu verwundern, daß das Werk langsamer vorrückt, 
als man im Interesse der Sache wünschen könnte; 
aber um so höhere Anerkennung verdient einerseits 
die eindringende Gründlichkeit und umfassende 
Gelehrsamkeit, mit welcher die Umgestaltung des 
Werkes sich vollzieht, andererseits die pietätvolle 
und zarte Rücksicht, mit welcher das Eigentum 
und Verdienst der Urheber des Werkes hervorge- 
hoben und kenntlich gemacht ist. 

Es standen Lipsius Meiers und Schömanns 
Handexemplare zur Verfügung, ebenso Schömanns 
Handexemplar der Antiquitates iuris publici 
Graecorum, aus deren Randbemerkungen er 
eine Reihe von Zusätzen entnehmen konnte. 
Doch sind die darauf zurückgehenden Änderungen 
im Verhältnis untergeordnet gegenüber den Um« 
formungen, die Lipsius auf grund eigener Einsicht 
getroffen hat. Mit gewissenhafter Sorgfalt hat er 
diese Umgestaltungen bezeichnet. Was mit Be* 
nutzung der alten Fassung geändert ward, ist durch 



243 



[No. 8.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [21. Febraar 1885] 244 



Sterne angedentet; alle eigenen Zusätze sind durch 
eckige Klammem hervorgehoben, sodaß für alle 
Zeiten der Anteil, der den drei Verfassern zukommt, 
klar vorliegt. So ist die Anlage des Werkes im 
großen und ganzen gewahrt worden; die Bücher 
und Kapitel sind in dem alten Rahmen gebliehen. 
Um den Vergleich mit der ersten Auflage 
zu erleichtem, ist die Seitenzahl der 1. Auflage 
am Rand angemerkt. Der Inhalt freilich ist 
vielfach ein neuer und anderer. Nur gegenüber der 
historischen Eiuleitcng, welche die dunklen Zeiten 
vor Solon behandelt, Aber die bei der kontroversen 
Natur des Gegenstandes die Meinungen am stärksten 
auseinandergehen, hat Lipsius ein anderes Ver- 
fahren eingeschlagen. Er hat es vorgezogen, ab- 
gesehen von geringen Änderungen, Schömanns 
Auseinandersetzung zu belassen, wenn auch in den 
Anmerkungen stärker eingegriffen worden ist; 
dafür hat er seine eigene Auffassung in einem 
längeren Zusätze (S. 28—38) ausgeführt. Über- 
sieht man nun die Summe der neuen Zuthaten und 
Umgestaltungen, so muß man bekennen, daß das 
Buch in seinem Oehalt ein anderes geworden ist, 
ohne doch seinen Charakter verändert zu haben. 
Es giebt auch nicht eine Seite in dem Y^erke, 
welche nicht von der durchdringenden Thätigkeit 
des neuen Herausgebers Zeugnis ablegte Und 
doch ist Form und Ausdmck der Umgestaltung 
so ganz im Geiste der ursprünglichen Verfasser 
gehalten, dieselbe Durchsichtigkeit und Bestimmt- 
heit der Darstellung erzielt, daß die Einheitlichkeit 
der Fassung in der Neubearbeitung nicht gestört 
worden ist. — Lipsius beherrscht die einschlägige 
Litteratnr in erstaunlichem Maße. Ist es ihm 
aber doch bei manchen entlegenen Einzelheiten 
nicht gelungen, sich in ihren Besitz zu setzen, so 
giebt er genau hiervon Bescheid. 

Es wird Lipsius stets als ein großes Verdienst 
angerechnet werden, daß er mit unermüdlicher 
Sorgfalt das vortreffliche Werk wieder in den 
Zustand gebracht hat, als Grandlage und Ausgangs- 
punkt der Studien auf diesem Gebiet gelten zu 
können. Hoffentlich wird es ihm vergönnt sein, 
das Werk bald zu Ende zu führen. Es war eine 
Freude zu hören, daß er auch Schömanns Alter- 
tümern seine Kraft gewidmet habe. Vielleicht 
findet auch Boeckhs Staatshaushaltung der Athener 
an ihm den kundigen Erneuerer. 

Barmen. G. Faltin. 



Fidel Fita, Estadios Historicos. Co- 
leccidn de articulos escritos y pnblicados en 
el fioletin de la Real Academia de la Historia. 
Madrid 1884, Fortanet. 96 S. 8. 

Unserer Anzeige der'EpigranaRomanaMes Pater 
F. Fita in Jahrg. IV, No. 41 dieser Zeitschrift lassen 
wir hier einige Bemerkungen über eine ähnliche 
Schrift desselben Verfassei's folgen, Sie enthält 
ebenfalls eine Sammlung kleinerer Abhandlungen 
verschiedenen Inhalts. 

1. Römische Inschriften, namentlich ans dem 
Thal von San Millan und aus Denia. Die von 
uns a. a. 0. erwähnte Inschrift liest der Verf. 
jetzt anders: Segontius Olnone s(olvit) a(nimo) 
l(iben8) m(€rito) ^ wobei er Obione — Obanae 
(cf. Eph. epigr. I n. 142) = Eponae^ der Pferde- 
göttin, erklärt, was uns übrigens unwahrscheinlich 
dünkt. Von Denia, dem alten Dianium (cf. CIL.II 
p. 484 ff.), führt er als noch vorhanden auf em 
kleines Bruchstück einer Kaiserinschrift, welches 
aber nicht ein Rest von n. 3581 sein kann; so- 
dann giebt er eine vollständigere Lesung der In- 
schrift n. 3586, woraus erhellt, daß das von Hühner 
bezweifelte imbribus (=^ Wasser) doch richtig ist; 
ferner führt er zwölf neue Inschriften von dort an, 
meist Orabschriften, worunter eine mit einem un- 
vollständig erhaltenen Distichon 

Toto sum compoSf supe 

Coniugis ut yolui sum 

und die emeTTermi(ia) Doryphoris,S€x(ti)fih'a(nidX 
Sextus, wie Fita liest), der Tochter des aus n. 3597 
bekannten Sextus Terentius Lemnaeus des älteren. 

2. veröffentlicht Fita die von Hübner vergeblich 
gesuchte Abhandlung von Ag. Sales zu der In- 
schrift n. 3730, worin auch Kopien einiger anderer 
spanischer Inschriften sich befinden. 

3. teilt er neue Inschriften aus der Diocesis 
de Barbastro (in Aragonien, nördlich vom Ebro) mit, 
ebenfalls meist Grabschriften, auf welchen u. and. 
die zwei neuen Ethnika Barb(utanus? so Fita) 
oder vielleicht eher Barb(astre7isis) , d. h. von 
Barbastro, und BoletanuSy d. h. von Boltana, sich 
finden. Letzteres Wort ist ausgeschrieben auf der 
in Facsimile mitgeteilten Inschrift L, Val(eno) 
Oal(eria) Matemo Boletano M. Cor(nelnis) Pow- 
peianus amko optima ob merita. Die Inschrift 
S. 92 hat schon Hübner Eph, IV n. 28 mitge- 
teilt. — Als solche Namen, welche in CIL II nnd 
den Nachträgen bis jetzt nicht vorkamen, nennen 
wir DuctuSf Pammon und Tannq^aeseri (Dat) 
und die Frauennamen Doryphoris (s. o.) nnd 
Asterdu (Dat.). 



215 



[No. 8.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [21. Febroar 1885.] 246 



4. £ine andere Abhandlang bezieht sich auf 
die Schrift yon Wentworth Webster, Basqne Le- 
gends collected (2. A. 1879), speziell auf die Le- 
genden über den Tartarus. 

5. Endlich dürfte für Liebhaber mittelalter- 
licher lateinischer Poesie interessant sein ein aus 
zwei Handschriften des Archivs von Roncesvalles 
und der Münchener Bibliothek veröffentlichtes la- 
teinisches Gedicht ans dem 13. Jahrlinndert zum 
Preise des Hospizes im Thal von Roncesvalles. 
Mannheim. F. Hang. 



III. Auszüge aus Zeitschriften, Pro- 
grammen und Dissertationen. 

Berieht über die im Jahre 1883 erschienenen 
Jenenser üniversitStsschriften 

von Paul Feine. 

(Schluß aus No. 7.) 

10. Ose. Streicher, De Ciceronis epistolis ad 
familiäres emondandis. Lips. 1883. 117 S. 8. 

Die Frage, auf welchen Handschriften die Kritik 
der epistolae fam. aufzubauen sei, nach dem Vor- 
gänge verschiedener Gelehrten von neuem aufnehmend, 
weist Verf. nach, daß neben dem Mediceus noch eine 
andere wichtige Oberlieferung existiert, über deren 
Zweige (Harldanus alter, Turonensis, Parisinus) und 
Beziehung zu einander näher gebandelt wird. Der 
palimpsestus Taurinensis hat nur mittelbare Bedeu- 
tung, keine haben der cod. Wrampelmeieri und die 
fragmenta Freieriana. Der cod. Graevianus ist iden- 
tisch mit dem cod. Uarl. alter. Im zweiten Teile 
werden eine große Anzahl Stellen aus den ersten acht 
Büchern der ep. fam. auf grund von Lesarten des 
Turonensis, Parisinus und üarleiauus alter emendiert. 
Bin parergum enthält eine Reihe Konjekturen zu den 
ersten acht Büchern. 

11. Frlder. SIgrismandy De haud negationis apud 
priscos scriptores usu. Lips. 1883. 47 S. 8. 

Nachdem Verf. über Ursprung und Schreibweise 
gehandelt und die Ansichten der verschiedenen Ge- 
lehrten über die Bedeutung von haud vorgeführt hat, 
weist er nach, daß haud bei Plautus und Terenz nicht 
vorkommt in Konditional-, Konsekutiv- und Interro- 
gativsätzen, selten in Relativsätzen und bei Infinitiven. 
Dagegen hat es, da es eigentlich einen einzelnen Be- 
griff negiertf seine Stellung bei Adjektiven, Adverbien 
and beim Verbum. Zum Schluß wird über die Stellung 
von haud gesprochen und einiges über den Gebrauch 
dieser Partikel bei den scriptores aureae latinitatis 
angeführt 

Dazu kommen noch folgende Dissertationen: 

12. Ang, BXtLXkf De Aristarchi discipulis. Jenae 
1888. 78 8. 8. 

Ausgebend von der Angabe des Suidas , daß die 



Zahl der Schüler Aristarchs ungefähr 40 betragen 
habe, stellt Verf. diejenigen Grammatiker zusammea, 
die wir noch heute als Schüler Aristarchs aufzuweisen 
vermögen und behandelt sie einzeln. Er gewinnt 22: 
Dionysius Thrax, Ammonius, Apollodor von Athen, 
Ptolemaeus Pindario, Demetrius Ixion, Moschus, 
Aristarch und Aristagoras, die Söhne Aristarchs, 
Ptolemaeus Ascalonita, Aristodemus, Menecrates, Po- 
sidonius, Satyrus, Dionysodör von Trözen, Euergetes II. 
Physkon, Dionysius Sidooius, Parmeniscus, Apollonias, 
Chaeris, Euphronius, Aretades, Neoteles. 

13. Ant D. Boreades, Aiop&iuxixa st; la TraXccfz 
£i; xov öoüxuoi^v oyoXia. Lips. 1883. 40 S. 8. 

Die Dissertation enthält eine Reihe Konjekturen 
' zu den alten Thukydidesscholien. 

14. Petrus N. Papageorgias, Beiträge zur Er- 
klärung und Kritik des Sophokles. Pars 
prima. Jenae 1883. 40 S. 8. 

Verf. giebt, gewissermaßen als eine Fortsetzung 
seiner 1880 bei Teubner erschienenen xpixixd xai ip. 

xoir^x<I)v eine Anzahl Konjekturen und neue Erklärungs- 
versuche zu Stellen aus Soph. Ocd. Col., Oed. Tyr., 
Antig. und zu einigen Sophokleischen Fragmenten. 

15. S.A. Olkonomos, 'H vjjao; IIsTrapTj&o;. Jenae 
1883. 32 S. 8. 

Zuerst wird über die geographischen Verhältnisse 
der Insel Peparethos gehandelt, dann das vorgeführt, 
was über die Geschichte der Insel bis auf die neuere 
Zeit bekannt ist. 

16. Ose. Christ, De ablativo Sallustiano. Jenae 
1883. 101 S. 8. 

Die drei Gruppen, aus denen der lateinische Abla- 
tivus zusammengeflossen ist, der eigentliche Ablativus, 
der Localis und der Instrumentalis, werden einzeln 
behandelt und die Belegstellen aus Sallust angeführt. 
Aus dem großen Bereich des abl. instr. wird nur ein 
Teil der Stellen beigebracht Dann spricht Verf. über 
den Sallustianischen Gebrauch der einzelnen Präpo- 
sitionen, die den Abi. regieren. 

17. Christ. Clasen, Untersuchungen über Ti- 
maeos von Tauromenion. Kiel 1883. 97 S. 8. 
Verf. untersucht die Berechtigung des noch heute 

vielfach maßgebenden, sehr ungünstigen Urteils des 
Polybius über Timäus und kommt zu folgenden Resul* 
taten: Manche der dem Timäus vorgeworfenen Fehler 
und Mängel haften ihm wirklich an; sie haben ihren 
Grund teils in der rhetorisierenden Richtung der 
Geschichtsschreibung seiner Zeit, teils in seinen per- 
sönlichen Lebensumständen. Aber er sucht immer 
nach Wahrheit und erzählt die Thatsachen selbst 
getreu; in der Interpretation derselben ist er jedoch 
oft subjektiv. Diouys beurteilt er zu ungünstig, Ti- 
moleon zu günstig. Stets hat Lob geerntet sein un- 
geheurer Fleiß. Er unternahm Forschungsreisen nach 
dem Westen und nach Griechenland und studierte 
überall Länder und Völker, Denkmäler und Urkunden. 



247 



[No. 8.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [21. Februar 1885.] 218 



Er benutzte auch mit großem FleiOe die Bibliotheken 
Griechenlands und namentlich Athens. Seine geogra- 
phischen Kenntnisse und chronologischen Forschungen 
sind sehr anerkennenswert. Seinen Quellen folgt er 
nicht kritiklos, sondern forscht immer mit selbstän- 
digem Urteil. 

18. Paul Hoehn, De codice Blandinio anti- 
quissimo. Jenae 1883. 55 S. 8. 
Gegen die Ansicht Kellers auftretend, der in 
neuerer Zeit die Wertlosigkeit des cod. Blandinius 
antiquissimus (Y) darzuthun gesucht hatte, untersucht 
Verf., l, auf welchem Wege man aus den Anmerkungen 
des Cruquius die Lesarten von V herausfinden könne, 
stellt 2. die Lesarten von Y zusammen und kommt 
3. nach Zurückweisung der Einwände Kellers zu dem 
Resultat, daß cod. Y in mancher Hinsicht der beste 
der Horazcodices sei. 



Zeitgchrift für yergleichende Spracbforsehang 
auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen 

von £. Kuhn und J. Schmidt. Berlin, Dümmlcr. 
Bd. XXYU (N. F. Bd. Yll). 1883. 

Heft lY. 1. Chr. Bartholomae, Die altin- 
dischen e-Formen im schwachen Perfekt 
(S. 337— 3G6). Den zahlreichen altindischeo Perfekt- 
formen mit e, welche S. 338-347 aufgezählt werden, 
scheinen lat, got. und irische Perfecta völlig gleich- 
artig, z. B. lat. üd-imus\ aind. sed-imä^ got. s'etum 
(Barthol. schreibt setun): aind. tkdur^ air. metiar: aind. 
mene. Früher entschied man sich für Zufälligkeit dieser 
Übereinstimmung; nach Delbrück aber wurde von 
Job. Schmidt und Bloomfield die Ursprachlichkeit 
des e behauptet. Bartholomae hält diese Formen da- 
gegen für sekundäre Neubildungen der altind. Sprache 
und untersucht, nach welchem Muster sie gebildet 
sind. Lat. vent, iigi^ emi und vielleicht auch edi sind 
nach dem Muster sedi, /ect ist aber nicht durch Über- 
tragung zu Stande gekommen, sondern mit Or^x-, 
im Aorist i^xs direkt gleich zu setzen.*) Nach dem 
lautgesetzlich gewordenen Yerhältnis von facio, factus 
zu fed schuf man zu capio, captos ein cepif zu fractus 
ein fregi^ zu pactus ein pegi. Wahrscheinlich ist 
auch osk. hipust^ hipid und sipus so mit i (aus e) 
gebildet — 2. Clir. Bartholomae, Indogerm. k*h 
in den arischen Dialekten (S. 366—369). — 
3. Joh. Sclimidt, Indogerm. ö aus öi in der 
Nominalflexion (S. 369-397). Bei der Betrach- 
tung der Flexion von skr. panthäs, welches dem gr. 
sovTo; zu giunde liegt, erklärt Yerf. ro'vxo; als Me* 
taplasmus aus einem alten *rovTu);, vgl. 7^X10;, ^sXov ; 
tpoj;, Ipo;, ipov, Dat l^w 3 212; att xa)*o);, hom. acc. 

*) Dagegen beweiBt Osthoff in seinem soeben er- 
schienenen umfansreichen Werke „Zur Geschichte 
des Perfekts im Inaogennanischen", welches auch den 
von Bartholomae hier behandelten Gegenstand all- 
seitig beleuchtet, auf S. 176, daß f^ci ebenso wie chn^ 
üci und fregi^ pegi nach egi und epi (Perf. oes 
alten apioj apere) analogisch gebildet sind. D. Ref. 



pl. z'Aoy; £ 260 vgl. Uerod. II 28; 96; 36. - Die 
griech. Nominative auf -6* haben entgegen verschie- 
denen anderen Erklärungen sicher einen Stamm auf 
ojt, cj) oder öi , wie schon der Yokativ Top ^m, 1'jz%'4'. 
(ähnlich verkürzt wie *Azok>.ov, z6izi(j) beweist. Die 
Nominative schwanken zwischen -tu und -»u, -on ist 
Neubildung aus dem Yokativ auf -01.**) Die Akku* 
sative lauten dialektisch auf -ujv wie sanskr. panthäm, 
attisch auf -o') und -">. Ar^-üS ist gut vet bürgte Be- 
tonung, aber nicht ans Ar^Toa entstanden ; -(o an Stelle 
von -uiv im Akk. findet sich auch sonst Die griecbi- 
sehe Flexion dieser Nomina, welche weiter verfolgt 
wird, ist so eigenartig, daß ihre Ausbildung io die 
Ursprache zurückdatiert werden muß Es folgt eio 
Exkurs über die Bildung des Nom. Sing.; u. s. 
wird o:po)v, Xaßwv, ^spow, neben ooä;, t>sic, a-a;, oü; 
u. s. w. betrachtet: gr. -o>v ist hier nicht aas ♦-ovt; 
entstanden. Im Griech. kommen sigmatische Nomi- 
native ursprünglich fast nur den geuannten Aorist- 
partizipien, ferner <pcr;, lesb. dor. st; und *<z; za. 
Yon hier wurde diese Nominativbildung auf die zuge 
hörigen Part praes. und so weiter auf andere Parti- 
cipia und Nomina übertragen. Die Bildung von 
-it^3t3», oioouat att "il^söeai, oiooaoi wird erklärt — 
cpspnjv etc. aus «pipovT-, sowie ooou; aus ooovt- als 
einzige Ausnahme (ooovx- altes Part aor. assimi- 
liert aus iof/vT- von W. Gd essen), bestätigen die 
Regel , daß die Wahl zwischen der sigmatischen 
und asigmatlschen Nominativbildung einst lediglich 
durch die Silbenzahl des Stammes bedingt war, also 
einsilbige Stämme -; erhalten. — 4. K. Brn^man, 
Zur Bildung des Genitivus sing, der Personal« 
Pronomina (S. 397—418). Während dio Abhandlaog 
J. Schmidts ein dunkles Kapitel der griech. Formeo- 
lehre aufhellte, ist Brugmans Aufsatz ein wichtiger 
Beitrag gleichzeitig zur Klärung der lat. Formen mei, 
tui, sui, nostri, vestri neben nostrum und vestrum; 
letztere sind alte Genitivformen für nostrorum und 
vestrorum. Nach einem Blick auf die entsprcchendeo 
Formen im Skr., Lit., Slav. wird aus dem Griecb. 
erwiesen, daß der Genitiv der Possessiva für den 
substantivischen Genitiv gebraucht wurde. Tsolo io 
e 37. 468, ioD in Hesiod. Theog. 401 und T 384 o. ö. 
werden als richtig erkannt, der Formen auf -'^t'> 
neben -sio, -in beiderseitiges Yerhältnis klarge- 
stellt, die ersteren auf -sto definitiv allein gebilligt, 
zum Schlüsse noch die dor. und böot. Genitivformeo 
des Pron. pers. auf -; beurteilt. — 5. K. Brngmaa, 
Altbulg. beretu etc. 6. W. Schulze, Indog. äi- 
Wurzeln (S. 420—430). — 7. J. von Fierlioger, 
Zur deutschen Konjugation (S. 430 — 441). 
8. CPlnmmer (Oxford),Note8 on the Stowe Missal 
(S. 441—448). 

Heft Y. 1. H. Zimmer, Keltische Studien 
8) Bclipsis destituens im Altirischen (S. 449 



••1 



') Der gleichen Ansicht ist W. Schulze auf S. i2i 
desselben Heftes (lY). 



Si9 



[No. 8 ] 



BERLINER PHILOLOGISCUB WOCBENSCHRIFT. [21. Februar 1885.] 250 



-168). Noch einmal altir. biu (S. 468—474). — 
2. J. V. Flerlinger, MiszelleD^ u. a. über ^il/savo; 
^der umlagernde'^, gebildet mit alter Praepos. oi = 
iodo -iran. i, welche auch vorliegen dürfte in (i)(36op.ai 
bruile, topy^Tj das Heulen, («ypo; Blässe, 'Q^u^ia von 
W. 707 verbergen, daher lu-fy^i« vfjoo; „die verborgene, 
geheimnisvolle Insel", vgLTufri; „der sich verbergende** 
und den Namen dcrKalypso; ferner über slaw. Visla 
(475—480) Weichsel. — 3. Karl Krambacher, Bei- 
träge zu einer Geschichte der griech. Sprache 
(S. 481 - 546). In dieser umfangreichen, später fort- 
zusetzenden Abhandlung beginnt Er., ein ausgezeich- 
neter Kenner der neugriechischen Sprache, mit einigen 
prinzipiellen Bemerkungen, um die Methode darzu> 
legen, nach welcher das Neugriechische zu behandeln 
ist Er mustert die bisherigen Anläufe, eine Geschichte 
der neugriech. Sprache herzustellen, zeigt die Unvoll- 
koromenbeit dieser Bestrebungen (Maurophrydcs, Dan. 
Sanders, Brandes, Boltz, Blackie, Jules Blancard, 
Mullach, Christopulos, Chalkiopulos), die Mängel der 
Methode Deffners, Nik. Dossios', Kinds u. a. Es 
fehle vor allem an einer urkundenmäßigen Erforschung 
der Entwicklungsgeschichte des Neugriechischen. 
Krombachers Grundanschauung beruht in folgenden 
Sätzen: Das Neugriechische ist in der That ein 
neues Griechisch, d. h. eine Sprache, die nach eigen- 
tomlichen Gesetzen sich gebildet hat; für die rich- 
tige Erkenntnis derselben ist die Untersuchung der 
koDstloseo Sprache des griech. Volkes in allen ihren 
Phasen vom Beginn der xoivTJ durch das Mittelalter 
hindurch bis zur Neuzeit notwendig. Gänzlich zu 
verwerfen ist die bisher von den meisten angewen- 
dete Methode, nach welcher man neugr. Wörter und 
Formen als solche, losgelöst von ihrem historisch- 
genetischen Zusammenhange, unmittelbar mit alt- 
griechisehen oder gar mit urgriechischen in Ver- 
bindung setzt. Das Neugr. ist mit dem Altgr. nicht 
identisch. Besonders nötig ist eine genaue Unter- 
suchung der bis jetzt nicht erkannten und sogar ge- 
leugneten Entwicklung des Griech. vom frühsten 
Mittelalter bis auf den heutigen Tag. — Das sind in 
der That Fnndameutalsätze, die lebhafte Zustimmung 
vordienen. Wir begrüßen daher die offene Aussprache 
des Münchener Gelehrten mit großer Freude und 
sind überzeugt, daß die neugriechische Philologie, 
welche durch DefiFner und Hatzidakis besonders schon 
hier und da in bessere Bahnen geleitet ist und auch 
Gust. Meyer manches verdankt, durch Herrn Krum- 
bacher fortan einen wesentlichen Aufschwung er* 
fahren wird. Eine Probe davon bieten bereits die 
Krumbacherschcn Aufsätze über ax|i>)v — axojia (S. 498 
—521), über ^jvij, 7jv>;; etc. (S. 529—545) und der 
Exkurs zur Geschichte des griech. Accentes (S. 521 
—529). Kr. verfolgt die Geschichte des Adverbs 
oxyirjy von seinem ersten Auftreten in Xeo. An. IV 3, 26 
and Isokr. ad Demon. 3 durch alle Denkmäler der 
verschiedenen Jahrhunderte, rezensiert die Erklärung 
Lobecks, giebt die Belegstellen für oxö^itj und findet 



so, daß im Altgr. ox^ijv für Ir. als unfein galt, im 
Mgr. dasselbe mit seinen Nebenformen a<o|i>J, oxo^xt], 
cexo^a j,noch'' oder „noch dazu*' bedeutet, welche Be- 
deutung (neben «noch nicht*' in der Antwort) sich 
noch jetzt erhalten hat. Nach Erklärung des epen- 
thetischen in dxo|i.7] wird auch die Verschiebung 
des Accentes aufgeklärt, und der oben erwähnte Ex- 
kurs dient dazu, zahlreiche Beispiele für die regressive 
und progressive Bewegung des Accentes (Tonver- 
setzungen) in neugr. Worten zu geben und zu deuten. 
Was von der Flexion 70V7J, juv^; zu halten, welche in 
Komikerstellen des Altertums und in Elementarbüchern 
dos frühesten Mittelalters gefunden wird, stellt Kr. 
durch eine eingehende Untersuchung fest, welche 
zugleich manche andere wundersame Formen der 
Volkssprache heranzieht und auf ihre Existenzbe- 
rechtigung hin prüft. — 4. W. Sobulze, Zum Part 
perf. activi (S. 547—549). Handelt über die En- 
dungen -(u;, -ul(x. — 5. Felix Uartmann^ Ein merk 
würdiger Fall von Verbalenklise im Lat. 
(S 549—558). Agitur ist durch Enklise zu igitur ge- 
worden, welches gern in Frage -und Aofforderungs- 
sätze eingeschaltet wird, um das hervorzuheben, um 
was es sich eigentlich handelt; in derselben Bedeutung 
lehnt es sich an temporales und konsekutives tum 
und an iatn dem um an, leitet vom Vordersatz zum 
Nachsatz über, immer rekapitulierend und präzi- 
sierend. Die Bedeutung „es handelt sich* tritt be- 
sonders scharf in der Formel <juid igitur und an den 
Stellen hervor, wo igitur kausal gebraucht wird me 
„nämlich'^. Igitur ist also eine Verbalpartikel wie 
vis, übet, licet und seine Komposita, forsitan, vel, age, 
cet. Es folgt eine Statistik des Vorkommens von 
igitur in seinen verschiedenen Verwendungen. Ge- 
wissermaßen Analoga dazu sind sodes, ergo (aus arguo ?), 
die, ducj facy fer^ inger hinsichtlich ihrer Schwächung 
durch Enklise. — 6. J. v. Fierlinger, Abulg. imami 
(S. 559—560). hn. zr. 



lY. Nachrichten Qb^r Ausgrabungen 
und Entdeckungen. 

Die neaesten Ausgrabangen in Pompeji. 

(Schluß aus No. 7.) 

Die Dekoration des Tablinums [11] bilden gelbe 
Felder; die Mittelfelder der Ost- und Westwand sind 
rot gemalt und mit einer kleinen Landschaft ge- 
schmückt. Rechts vom Tablinum führen die Fauces 
[12], die sich zu dem wohl zu Wirtschaftszwecken 
verwandten Raum [12a] erweitern, zu der kleinen 
Treppe [13]; unter dieser und zwischen ihr und der 
Wand ist ein schmaler Raum, ähnlich wie [7] und 
wohl demselben Zweck dienend. Gegenüber führt 
eine Thür in das Peristyl. Dieses wird vom Tablinum 
durch eine Stufe geschieden und war verschließbar. 



251 



[No. 8.] 



B£KLIN£R PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [21. Februar 1885.] 252 



Das Peristyl ist kein vollkommenes, sondern umgiebt 
das Viridarium [14] nur auf drei Seiten, und zwar 
im S. mit einem Pfeiler und der runden Ecksäule, 
im W. mit drei weiteren Säulen und dem Eckpfeiler 
und im N. mit zwei weiteren Pfeilern. Die Dekora- 
tion der Sftulen ist einfach gelb; aus zahlreichen 
Graffiti, in denen ein Cresces bald den Sorrentinern, 
bald den Pompejanem, bald den Walkern, vielleicht 
seinen Zunftgenossen, seinen GruD zuruft, lernen wir 
vielleicht den Namen des Besitzers dieses Hauses 
kennen. Das Gebälk über den Säulen ist mit Pflanzen 
auf gelbem Grunde bemalt. In der Südostecke des 
Viridariums sehen wir bei (a) die beiden Schlangen, 
im Peristyl bei (ß) eine kleine Nische; neben dieser 
ist der Eingang zu dem einfachen kleinen Cubiculum 
[15]. Vor den Säulen läuft eine Regenrinne hin. 

Der interessanteste Raum des Hauses ist das 
große Triciinium fenestratum [16], welches sich durch 
ein weites Fenster mit grüner Umrahmung auf das 
Peristyl öffnet. Den Boden bildet ein einfaches opus 
Signinum, in welches mit weißen Steinchen ein 
Muster eingelegt ist, dessen Mitte ein sechseckiges 
Stück Alabaster einnimmt. Der Grund der Wände 
ist rot; auf dem Sockel sind Blattpflanzen gemalt, 
darüber werden durch Architekturen auf gelbem 
Grund Felder abgeteilt, die auf schwarzem Grunde 
je ein Gemälde idgen. Die Hauptbilder stellen 
Scenen dar, wie sie einem als Triciinium dienenden 
Zimmer ganz angemessen sind: Scenen fröhlichen 
Gelages. 

Das erste Bild (a) ist 0,68 m hoch, 0,66 m breit. 
Den Hintergrund bildet die Wand eines Zimmers; 
davor steht das mit gelben Polstern und Decken be- 
legte Triciinium. Hinter dem mittelsten Lager steht 
en fiace und nur mit dem Oberkörper sichtbar ein 
älterer Mann, in weißer Tunika und grünlichem 
Mantel, den er über den Hinterkopf gezogen hat; auf 
seinem kahlen Haupte liegt noch der festliche Kranz. 
Er legt die Linke auf die Schulter des neben ihm 
stehenden und ihm beim Ankleiden behül flieh ge- 
weseneu Sklaven, welcher durch die braune Farbe 
und sein lockiges Haar, als Mohr charakterisiert ist, 
und schaut mit ernstem, fast etwas verdrießlichem 
Ausdruck anf seine dem Gelage noch nicht entsagen- 
den Genossen. Zwar hat sich auch sein jugendlicher 
Nachbar zu seiner Rechten zum Fortgehen angeschickt, 
indem er seinen anderen Freunden bereits den Rücken 
zukehrt und, den alten Herrn anblickend, mit der 
Rechten ein weißes, von der linken Schulter über 
seine Tunika herabhängendes Mäntelchen erfaßt, um 
es ordentlich umzuwerfen. Aber während wir so in 
der Bütte das löbliche Prinzip der Solidität vertreten 
finden, sehen wir rechts und links nur die unersätt- 
liche Lust am Trinken. Auf dem rechten lectus tri- 
cliniaris liegt unerschütterlich fest ein Mann in grüner 
Tunika, um den Unterkörper einen braunen Mantel, 
in der Hand ein weniger schönes als inhaltreiches 
TrinkgefU); er blickt mit weinseligem Grinsen aus 



dem Bilde heraus, und das über seinem Kopf einge- 
kritzelte Graffito BIBO verrät uns, daß schon ein 
alter Pompejaner angesichts dieses Gemäldes diesen 
Manu für einen unverbesserlichen Trinker hielt 
Und von gleichem Schlage sind auch die beiden Gäste 
zur Linken. Der eine, in grüner, etwas in Unordnung 
geratener Tunika macht einem soeben erst Einge- 
tretenen, wie es scheint, freundliche Vorwürfe über 
seine schlechte Verehrung des Weingottes, während 
der späte Ankömmling in seiner weißen Tunika und 
seinem braunen Mantel auf dem Rande des Lagers 
sitzt und sich von einem kleinen Sklaven in weißer, 
rotbesetzter Tunika die Schuhe lösen läßt*); ein etwas 
größerer Sklave in gleicher Tracht bringt ihm den 
Willkommbecher. Rechts davon sehen wir bereits die 
Folgen des Trinkens. Ein silenartiger Zecher, der 
sich in löblicher Absicht, wenn auch in sehr un- 
ordentlicher Weise den Mantel zum Fortgehen über- 
gehängt hat, ist einem Sklaven in die Arme gesunken 
und besudelt, vornüber wankend, den mit Blumen be- 
streuten Boden des Zimmers. — Während wir in 
diesem Gemälde in ein antikes Männergeiage eiogc- 
weiht werden, führt uns das zweite Büd (b) in ge- 
mischte Gesellschaft, wie sie wohl gar manchmal 
in der lebenslustigen Stadt der Venus Fisica zu- 
sammenkommen mochte (H. 0,64 m B. 0,60 m). 
Das Gelage scheint im Freien, vielleicht in einem 
Garten vor sich zu gehen ; denn von der Säule, welche 
die Mitte einnimmt, hängen nach beiden Seitco 
schattenspendende Baldachine herab. Auf den Lagern 
liegen grüne Decken, in der Mitte steht auf blumen- 
bestreutem Boden ein zierliches Tischchen, dessen 
Füße durch Tierbeine gebildet werden und auf dessen 
Platte einige Geföße stehen. Von rechts her tritt 
ein junger Sklave in brauner Tunika heran, in beiden 
gesenkten Händen je eine Prochoos haltend. Auf 
dem linken Bett liegt das erste Paar. Das Mädchen, 
oberwärts nackt, am Halse ein Halsband, um den 
Unterkörper einen braunen Mantel geschlagen, stützt 
mit der Rechten ihren schlanken Leib auf dem Rand 
des Lagers in die Höhe, schwingt in der hoch er- 
hobenen Linken ein zierliches goldenes Rhyton und 
fängt den dünnen herabfließenden Strahl mit zurück- 
gebogenem Kopf auf. Ihr Nachbar hält in der Linken 
eine gläserne Schale, legt die Rechte auf die Schulter 
seiner schönen Genossin und blickt etwas weinsclig 
aus dem Bilde heraus; um seinen Oberleib, der wie 
derjenige aller seiner Freunde nackt ist, Ueg^ eine 
Guirlande. Hinter dem Mädchen tritt eine (doch 
wohl weibliche) Gestalt in grünlichem Gewand heran, 
in den Händen ein Kästchen, welches Salben oder 
Gewürze für den Wein enthalten mag. Auf dem 
mittelsten Lager liegt ein Jüngling allein; ob er eine 
Freundin gar nicht bei sich hatte? oder ob wir die- 
selbe in dem grüngekleideten Mädchen zu erkennen 
haben? Er wendet der vorigen Gruppe den Rücken 



*) Ober seinem Kopf ein Graffito SOIO (?) 



S53 



[No. 8.] 



BERLINER PBILOLOGISCBB WOG BEN SCHRIFT. [21. Februar 1885.] 254 



zu, iBdem er sich mit der Rechten auflegt und die 
Linke bequem über den Kopf legt , und wendet den 
BKck za den Zechenden des rechten Lagers. Auf 
diesem ruht ein Mädchen, welches, wohl ebenfalls 
oberwärts nackt, die linke Hand um die Hüfte des 
vor ihr gelagerten Mannes legt. Dieser ist unbärtig, 
bat eine ziemlich hohe Stirn und kurz geschorenes 
Haar; um seinen Unterkörper ist ein branner Mantel 
geschlagen. Er blickt den vorigen Jüngling an, hält 
in der Linken einen gläsernen Becher und erhebt die 
Rechte mit ausgestrecktem Zeigefinger zu der In- 
schrift, welche in dieser Höhe mit schönen weißen 
Buchstaben quer über das Gemälde aufgeschrieben ist: 

FACITIS. VOBIS. SVAVITER. EGO. [c]ANTO. 

EST. ITA. VALEA.(8) 

Ein treffliches Latein, das die Pompejaner redeten ! 

Das dritte Gemälde (c, H. 0,69 m, B. 0,67m) ist 
leider durch Abblätterung der Farben arg beschädigt. 
V^ie in dem vorigen Gemälde, sehen wir Männer und 
Frauen zu einem Gelage vereinigt; vor den Polstern 
steht wieder ein Tischchen, zu dem ein Sklave von 
rechts her herantritt. Die Vergnügungen der Gesell- 
schaft sind jener Art, von denen Martialis sagt, daß 
Turanius sie bei ihm nicht finden werde. Links am 
Boden hocken zwei Männer und blasen die Doppel- 
pfeife; der eine blickt den andern scharf an, als habe 
dieser eben einen falschen Ton geblasen. Zu ihrer 
Musik fuhrt ein ganz nacktes Mädchen einen wenig 
anständigen Tanz auf; sie steht in einer Stellung da, 
welche einigermaßen im Motiv, aber nicht in der reiz- 
vollen Darstellung an die Aphrodite Eallipygos er- 
innert. Ihre Vorstellung findet verschiedenen Beifall. 
Den Zecher des mittelsten Lagers hat die Schwere 
des Weins vornüber auf das Polster niedergedrückt, 
dagegen folgt sein Nachbar mit vergnügtem Grinsen 
den Bewegungen der Tanzenden und klatscht mit 
beiden Händen den Takt dazu. Die Bewegungsmotive 
der anderen Zechenden sind infolge, der schlechten 
Erhaltung des Gemäldes nicht recht deutlich, dagegen 
ist sehr interessant eine Gestalt rechts im Vorder- 
grund. Dieselbe ist durch die Basis als Statue, 
durch die Farbe als Bronzestatue charakterisiert und 
trägt auf beiden Händen eine gelbe Platte, auf 
welcher Trinkgefäße stehen. 

Diese drei Gemälde verdienen in mehr als einer 
Hinsicht unsere Beachtung. Ganz abgesehen von 
ihrer antiquarischen Bedeutung sind sie auch für 
unsere Vorstellung von der kampanischen Wand- 
malerei nicht ganz unwichtig. 

Sie führen ans Sccnen aus dem römischen, speziell 
aas dem kampanischen Leben vor, gehören also unter 
jene Klasse von Darstellangen, welche Heibig als 
römisch - kampanisches Genre zusammenfaßt; und 
unter diesen nehmen sie trotz mancher Verzeichnungen 
die erste Stelle ein durch ihre im ganzen treffliche 
Zeichnang, darch die Komposition und durch die Er- 
findung. Interessant ist die wohlgelangene Charak- 



teristik der Köpfe, von denen einige, wie der Alte 
in dem ersten und der mit dem kurzgeschorenen 
Haar in dem zweiten Bilde wirkliche Porträts zu 
sein scheinen. 

Auch die Nebenfelder sind prächtig dekoriert, mit 
den schwebenden Personifikationen der Jahreszeiten 
und mit anderen weiblichen Gestalten, deren Be- 
wegungen zum Teil von dem höchsten Reiz sind. 

In der Nordwand führt eine schmale Thür zu dem 
sehr engen schmucklosen Raum [17], dessen Be- 
stimmung ich nicht zu ahnen wage. 

Rechts neben dem Triclinium verbindet der schmale 
Gang [18] die Küche [20] mit dem Viridarium; ein 
zweiter Gang führt am Abtritt [21] vorbei ebendahin. 
Von [18] aus gelangt man rechts in das kleine 
Sommercubiculum [19], das sich in einem Fenster 
auf das Peristyl öffnet und dessen Wände mit zwei 
zierlichen, aber wenig bedeutenden Geuredarstellungen 
geschmückt sind. 

Auch in diesem Hause waren die Funde außer 
einer mehrmals gebrochenen 0,32 m hohen Aphrodite 
Anadyomene von griechischem Marmor unbedeutend. 

Die weiteren Ausgrabungen brachten in dieser 
Insula eine Schenke ans Tageslicht, ferner ein Haus 
mit drei Gemälden : Polyphemos von Eros den Brief 
der Galateia erhaltend, Aphrodite und Narkissos, 
sämtlich in älteren Exemplaren bereits bekannt. Ein 
Unicum sind dagegen drei bronzene, gewundene 
Trompeten, wie sie bei den Spielen im Amphitheater 
gebräuchlich waren. In ihrer Form entsprechen sie 
fast genau der Trompete, welche wir auf einem der 
Gemälde, welche die Brüstung der Arena des Pom- 
pejanischon Amphitheaters schmückten,*) in der Hand 
eines Gladiatoren sehen. Diese Trompeten sind von 
gewaltiger Größe, 4,t2 m lang, von 1,20 m Durch- 
messer. 

Leipzig. E. Kroker. 



Y. Mitteilungen Ober Versammlungen. 

Das Winckelmannsfest der archäologischeii 
Gesellschaft za Berlin am 2. Dezember 1884. 

Das von Herrn E. Well verfaßte vierundvier- 
zigste Winckelmannsprogramm: „Die Künstlerin- 
Schriften der sizilischen Münzen'' war schon 
im Laufe des Tages den Mitgliedern zugestellt wor- 
den, es konnte also sofort in die Tagesordnung ein- 
getreten werden. Die Reihe der Vorträge eröffnete 
der Vorsitzende, Herr Curtius, mit einem Nachruf 
an die im Laufe des Jahres verstorbenen Mitglieder 
der Gesellschaft, die Herren K. MüUenhoff, R. Lepsius, 
J. G. Droysen, Lord Ampthill, Geheimrat Kießling, 
K. F. Meyer, and gab dann einen fiberblick über die 
Fortschritte, die das verflossene Jahr in der 



^ Abgebildet bei Overbeck-Maa Tompei' S. 182 
Abb. 107. 



255 



INo. 8.] 



BERLINBR PÜILOLOGISCHB WOCHENSOHRIFT. [21. Februar 1885.] 256 



Erforschung dor klassischen Welt gebracht 
bat Neu aus dem Dunkel hervorgetreten ist das 
Uocbland von Lyklen, das eine österreichische Expe- 
dition unter Benndorfs Leitung erschlossen hat; in 
Pergamon ist die Forschung über die Altarterrasse 
weit hinausgegangen und vervollständigt mehr und 
mehr das Bild der berühmten Hochbarg; in Athen 
hat die Aufdeckung dos antiken Bodens der Akro> 
polis begonnen und Denkm&ler und Staatsurkunden 
aus der Pisistratidenzeit ans Licht gezogen ; über die 
Kunstschulen auf den Kykladen gewährt das durch 
französische Forscher gebildete Museum delischer 
Altertümer auf Mykonos neue Aufschlüsse; in Kla- 
zomenä sind die ersten Denkmäler altionischer 
Thonmalerei zum Vorschein gekommen; die Trümmer- 
stätten von As SOS sind durch Amerikas Bemühungen 
neu durchforscht worden, und mit Spannung darf man 
der bald zu erwartenden Publikation der Ergeb- 
nisse entgegensehen; eine von griechischen Gelehrten 
in Olympia gehaltene Nachlese hat das letzte Viertel 
der Palästra freigelegt und kleinere Fragmente der 
Giebelgruppen und Metopen, Statuenbasen, altertüm- 
liche Werke in Erz und Stein u. a. zu Tage geför- 
dert Das merkwürdigste Ergebnis des verflossenen 
Jahres ist jedoch die Aufdeckung der Burg von 
Tiryns durch H. Schliemann, deren Anlagen in 
kurzem ein Plan von Dörpfeld zur Anschauung 
bringen wird. Wir haben dadurch ein lebendiges Bild 
einer Herrscherburg aus homerischer Zeit gewonnen, 
und von neuem ist hierdurch der historische Gehalt 
griechischer Heldensage glänzend bestätigt worden. 
Die Durchforschung des Asklepieion beiEpidauros 
ist außerordentlich fruchtbar an den interessantesten 
Inschriften, Bauresten und Bildwerken gewesen. Unsere 
Kenntnis der wichtigsten Gattung monumentaler Plastik, 
der Giebelskulptur, ist durch die Auffindung der 
bemalten Porossteinreliefs von der Akropolis mit 
Heraklesdarstellungen, sowie durch Giebelbildwerke 
aus Epidauros und italienischerseits ausLuni bereichert 
worden. Mit dem Finden hält die Verarbeitung des Ge- 
fundenen gleichen Schritt: ein Hauptstück der pergame- 
nischen Gigantomachie ist seit kurzem in richtiger Höhe 
mit seiner ganzen architektonischen Umrahmung aufge- 
stellt worden, und die 21 Kolossalfiguren des Ostgiebels 
von Olympia sind in voller Größe mit Sicherheit ergänzt 
worden, sodaß jetzt das Giebelfeld in seinen ur- 
sprünglichen Maßen uns vollständig vor Augen steht. 
— Herr Fnrtwängler besprach ein Hauptstück der 
jüngst vom Königlichen Museum erworbenen Sabu- 
roffschen Sammlung, die lebensgroße Bronze- 
statue eines nackten Jünglings, welche, bis auf den 
Kopf völlig erhalten, auf dem Meeresgrunde bei Sa- 
lamis gefunden wurde, die einzige große Bronze aus 
der Blütezeit des Brzgusses, welche auf griechischem 
Boden zum Vorschein gekommen ist. Nach einer aus* 
führlichen Erörterung über die verschiedenen Typen 
der ruhig stehenden, unbekleideten Jünglingsfigur in 
der antiken Plastik kam der Vortragende zu dem 



Resultat, daß die Saburoffsche Bronze etwa dem An- 
fange des 4. Jahrhunderts v. Chr. angehöre und aus 
dor argivischen Erzgießerschule stamme. Sie stelle, 
worauf Reste laogei* Locken auf den Schultern führten, 
wahrscheinlich Apollo dar. ~ Herr Mommsen las über 
den Begriff des römischen limes und über den 
jetzigen Stand der Forschungen über den germa- 
nisch-rätischen Grenzwall. Bei dem Kreuz- 
schnitt, auf dem die römische Meßkunst beruht, be- 
deutet cardo die Sehlinie des Messenden, limes (später 
limes decimanus oder decimanus schlechtweg) die 
diese schneidende Querlinie. Da diese Linien die 
Ackerstücke begrenzten, so bildeten sie auch die 
Wege. Während nun für cardo in dieser Beziehung 
via (llauptweg) eintrat, bezeichnete limes den Quer- 
weg oder auch den Nebenweg. Dies ist der Gebrauch 
des Wortes in der Sprache der republikanischen Zeit 
Auf die Grenzen bezogen findet sich das Wort zuerst 
bei Velleius. Auch in diesem Sinne bedeutet es zu- 
nächst die Querstrasse, welche die Verbindung von 
einem Grenzposten zum anderen herstellt. Eine solche 
befestigte Querstraße ist z. B. der Hadrianswall in 
Britannien. Der obergermanische limes ist ein Erd- 
wall mit vorgelegtem Graben, in den Wachttürme und 
ca. 50 Kastelle eingefügt sind ; der sich anschließende 
rätische limes ist eine einfache Steinschüttung ohne 
Kastelle. In ihrer ersten Gestalt gehört diese Anlage 
der flavischen Zeit an. Sie ist ca. 70—80 deutsche 
Meilen lang, wovon zwei Drittel auf den obergerma- 
nischen Teil entfallen. Zweck derselben kann nicht 
eine fortifikatorische Umwallung gewesen sein; denn 
die ganze Besatzung der Provinz (30000, im zweiten 
Jahrhundert sogar nur 20 000 Mann) hätte nicht ein- 
mal für eine Besetzung der Kastelle, geschweige denn 
des dazwischen liegenden Walles ausgereicht Sie 
kann für gewöhnliche Zeiten nur zur Sicherung der 
Grenze gegen Räuber und Schmuggler gedient haben. 
— Zum Schluß legte Herr Cartias einen von Herrn 
Kaupert entworfenen Grundriß des attischen Kera- 
meikos im Maßstabe von 1 : 1000 vor und zeigte, 
wie der Kerameikos sich auch von Natur in zwei Ab- 
teilungen gliedert, eine sudliche, welche bis zor 
Hermenreihe noch dem Terrain des Areopags ange- 
hört, und eine nördliche, die eigentliche Niederung, 
von der Attalosstoa im Osten begrenzt Für die Rich- 
tung des Dromos nach dem Dipylon konnte die Fand- 
stätte des Eubulidesdenkmals als fester Punkt an« 
gesetzt werden. Bei Erörterung der Amtslokale und 
Verkehrsplätze konnte der Vortragende auf den neu 
aufgedeckten Stadtmarkt von Assos Rücksicht nehmen, 
von welchem eine Skizze des Herrn Koldewey vor- 
lag. Die Anlagen von Athen sind für alle ähnlichen 
Anlagen von vorbildlicher Bedeutung gewesen. 



[No. 8.] 



BBRLINBR PHILOLOGISGHB WOCHENSCHRIFT. 



[21. Februar 18ö5.| 



ßprechor od beabsichtigt, b) vom Sprecher beabsichti&^t. 
IL Amphibolie In eibzeloeD Ausdrücken. B) Amphibolie 
in eioer Interpolation. Unrichtig amphibolisch ge* 
deatete Stellen. (Schloß folgt) 

5« FraniE Lonkotka, Promctheas spoutany, droha 
cast, T. 555—1092 (der gefesselte Prometheos, 2. 
Teil. V. 555-1092;. K. k. akad. Gymn. in Prag. 

(Fortsetzong folgt.) 



Bibliographie. 

Der 48. Band der Archacologia wird enthalten Rob. 
Brawa jr. «The Oryphon, heraldic and mythological'', 
und Hearv Bradley, Ptolemy's gcography of the 
British Isies. 

Das 1. Heft der 2. Serie der Facsimilea ilcr Paläo- 
irapMscben Geaalisohaft in London wird enthalten 
a. and. 2 Tafeln griechischer Ostraka aus Ägypten 
mit TaxeiDnahmen aus verschiedenen Steuern unter 
römischer Herrschaft von 39—168 n. Chr.; Proben 
des Palimpsests des Homer von Cure ton aus dem 
6. Jahrb.; den griechischen Psalter der Bodleiana 
von ca. 950 n. Gh.; die griechischen Evangelien 
des 10. Jahrh , Cod. F^ und andre griechische 
Bandschriften. Von iateimscheo Handschriften sind 
Proben des Psalters und andrer Manuskripte der 
Asbburuham- Sammlung vom 5. Jahrb. an mitge* 
teUt. 

Von dem Kataioga der flfrentllcliea BIbliethek zn Athen 
wird demn&chbt das zweite Heft des ersten Bandes 
ausgegeben; dieser Band soll das Gesamtge()iet 
der griechischen schönen Littcratur umfaßen und 
aus etwa 800 Seiten gr. 4. bestehen. 
Bei S. HIrzel in Leipzig: 

Aristetells de arte poetica liber. Receosuit et adno- 
tatione eritica auxit Johannes Yahlen. Edltio 
tertia. gr. 8. ca. 6 M. 

Curthia, 6eer|, Zur Kritik der neusten Sprachforschung, 
gr. 8. c. 8 M. 

Marqvardt, j., und Th. Momiiiaea, Handbuch der rö- 
mischen Altertümer. Sechster Band: J. Mar- 
qnardt« Römische Staatsverwaltung. Dritter 
Band. 2. Auflage» besorgt von G. Wissowa. 
gr. 8. Preis ca. 12 M. 

Ersdüeneiie IPFcrk«, 

Cleereaie Orationes selectae, adootationibus auctae 
in osum scholarum, curante Thoma Vallaurio. 
Torino 1884, Paravia. 16. 230 p. 1 L. 60 

— Settanta lottere sceltc, commentate da A. Corradi. 
Torino, Loescher 8. XXIV, 197 p. 2 L. 50 

— Le Orazioni Catilinarie, commentt^ da A. Pasdera. 
Torino, Loescher. 8. LH, 145 p. 2 L. 50 

Heaeri Iliadis praecipua; curante H. Ottino. Torino 

1884, Paravia. 16. VUI, 178 p. 1 L. 40 

Heraliue, Ödes, book 3. Edited, for the Use of Schools, 

by T. £. Page. New edit with Vocabulary. (18. 

158 p) London, Macmillan. 1 sh. 6 

Uvlite, Römische Gcscbichtc. Deutsch von Fr. D. 

Ger lach. 4. Aufl. 23. Lfg. (3. Bd. S. 49-96.) 

Berlin, Langenscheidt. a 35 Pf. 

Leeertli, J., Grundriß der allgenleincn Geschichte f. 

Obergymnasien, etc. 1. Tbl. Das Altertum. 3. verb. 

Aufl. (8. HI, 248 S.) Wieo, Graescr. geb 2 M. 64 
Ladaae Werke. Deutsch von T. Fischer. 2. Aufl. 

2. Lfg. (8. 49- 96.) Berlin, J^angenscheidt 35 Pf. 
SelMritft, Ladw., Zur Geschichte der Langobarden. 

(a 80 8.) Leipzig, Fock. 1 M. 20 



Zeltflelirlftoii. 

Reyoe critiqae. No. 4. 

p. 61: Martials Bach der Schauspiele, comm. 
von L. Friedländer. Wird sehr rühmeod angezeigt. 

— p. 62: E. Pottier, Quam ob causam Graeci 
in sepulcris figlina sigilla deposuerint Der 
Verf. will den in den Gräbern von Myrina gefundenen 
Terrakotten keine eigentlich foneräre oder sakrale 
Bedeutung beimessen; sie seien willkürliche ex-voto 
für die Toten. Hr. J. Martha ^ welcher dies Buch 
recht anerkennend bespricht, sieht dagegen in dem 
Beigeben dieser Statuetten einen symbolischen An- 
klang an prähistorische Gebräuche; wie man in der 
Urzeit den Verstorbenen mit seiner ganzen Habe, 
seinen Waffen etc. bestattete, so gab man später dem 
Toten einen ganz kleinen Teil seines Hausrats mit 
in das Grab, wozu die Statuetten am geeignetsten 
erschienen. 

Revue critiqae. No. 5. 

p. 88: Clermont-Ganneaa, LMnscriptiou na- 
bat^enne de D'meir et T^re des Seleucides, 
dite öro des Romains. Eine im vorigen Jahr ent- 
deckte (auch von Sachau eingehend gewürdigte) sy- 
rische Inschrift ist durch ihre Doppeldatierung merk- 
würdig. Der Stein ist zu Ehren eines Freigelassenen 
namens Häni errichtet im Jahre 410 römischer 
Rechnung (beminyam arhomaya), welches ist das 
24. Jahr des Köugs Dabal. Die letztere Zeitangabe 
ist mehrseitig als das 99. Jahr n. Chr. konstatiert, 
woraus erhellt, daß die hier sogenannte römische 
Zeitrechnung nichts anderes ist als die in Syrien 
herrschende seleukidische Ära, welche aber von den 
Juden Ära der Verträge und von den hellenisierten 
Syrern griechische Ära genannt wurde. Den national 
gesinnten Stiftern des betreffenden Denksteins ^alt 
wahrscheinlich griechisch und römisch ziemlich gleich. 

Academy No. 666. 

(101— 102)Classical8choolbooks:Xenophoiia 
Oeconomicus by H. A. Holden. ^Sehr vollständig 
und nützlich, sowohl in bezug auf das Wörterbuch 
wie den Kommentar*. — Thacydldla lib. IV by A. 
J» Barton and A. S. Chavasse. „Ausgezeichnete 
Ausgäbet — SaUasts Catilina and Jugurtha 
by G. Long, 2. cd. by J. E. Fräser. Der guten 
Ausgabe von Long (1860) hat Frazer manches Gute 
hinzugefügt — (104) The proposed British 
School of Archaeology in Athens. Eine am 
2. Febr. in London abgehaltene Versammlung der 
Unterstützer dieses projektierten Instituts für Förde- 
rung der griechischen Archäologie und der khissi- 
schen Studien beschloß die unmittelbare Inangriff- 
nahme des Baues eines Gebäudes auf dem von 
der griechischen Regierung geschenkten Grunde nach 
einem Plane F. C. Penroses. Die Mittel reichen zur 
Errichtung des Gebäudes, zur Einrichtung der Biblio- 
thek und zur Austeilung eines Direktors aus; die zu 
den Ausgrabungen und Publikationen nötigen Mittel 
hofft man noch aufzutreiben. 

'EßBoji«;. No. 47. 

(25) A. II. K., 'H iopa -oD Kopa^. In der Vor- 
halle der Universität Athen ist ein Stuhl des bekannten 
Korais aufgestellt, ein Geschenk von E. N. Prasakokis. 
Verf. knüpft daran patriotische Gedanken au die 
Wiedererweckung des griechischen Lebens. — (25—27) 
M. I. Mouaato;, To AsißTJaiov xij; Auxi«;. Topo- 
graphische Schilderung eines griccnischen Städtchens 
in Lvkien, in welchem sich griechisches Leben und 
griechische Sprache noch ziemlich rein erhalten haben. 

— (32—33) M. Eüa77sKior,;, B*«ipia-:^; yviooso»;. 
Einleitu^ zu einer allgemeinen Philosophie, den 
EinfluB Kants auf die Erkenntnislehre behandelnd. 



Ti IM 



fNo. 8.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. 



[21. Februar 1885.] 



Philologische Rondschaii. No. 6. 

p. 161: A. LayeSf Beiträge su Xen. üellenika. 
^BeacbteDSwerte KoDJektoren'. W. Voübrecht, — 
p. 166: Cicero, Cato maior, cd. by J. Bold. Der 
Kommeotar zeicbnet sieb darcli prSzise FasAuDg und 
Jogiscbe Scbärfe aus'. H. Schutz. — p. 172: Peters* 
dorir. Neue HauptqucUe des Curtlus Rnfus. 
'Die Benutzung des Trogus durch Curtius bat der 
Verf. sehr wabrscbeinlicb gemacht*. Ilaerst. — p. 174: 
1) H. Ulbrich, Der lit Streit über Tacitus* 
Agricola; 2) H. LSwner, Der lit Charakter 
dos Agricola. Während Ulbrich nur eine unpar- 
teiische Übersiebt über jenen Streit giebt, will Löwner 
das Problem selber lösen, ebne den Zweck zu er- 
reichen. E. Wolf. — p. 179: W. Brunco, De dictis 
VII sapientium. 'Umsichtige Untersuchung*. J, SUzkr, 
— p. 180: Ch.Ti8S0t, Geographie de la province 
romaine d'Afrique. Wird von J, Jung hoch ge- 
rühmt — p. 186: G. A. Koch, Wörterbuch zu 
Cornelius Nepos, 5. Aufl. 'In dieser neuen Ge- 
stalt das beste Nepos - Lexikon'. C. W(agener). — 
p. 188: G. Becker, Catalogi bibliothecarum 
antiqui. ^Entbehrt der Wissenscbaftlicbkeit". J. 
Huemcr. 

Philologische Rundschau. No. 7. 

p. 193: Ciceronis pro Sulla oratio, ed. 
Janes Reid ^Wenige Punkte möchten sich finden, 
über die der Verfasser eine genügende Auskunft ge- 
geben hätte.' H. Schutz, — p. 199: Taciti bist 
üb. I ed. €. Meiser. E. Wolf rühmt die besonnene, 
maßTolle Weise, in welcher der Herausgeber bei Fest- 
stellong des Textes vorgebt. Im Kommentar sei nichts 
aus den neuesten Hilfemitteln unbeobachtet ^blieben, 
aber auch nichts unbesehen und unkontroUiert über- 
nommen worden. — p. 211: Th. Koppel, Die An- 



sichten der Alten von der Gestalt und Größe 
der Erde. 'Sehr willkommenes Scbriftchen.' IL 
W. Schäfer. — p. 218: E. Bardej, Das sechste 
Konsulat des Marius. 'Voll Irrthümer.' Scharf- 
sinn besitze der Verfasser, nicht aber die übrigen Be- 
dingungen eines Historikers : Akribie, Quellenkenntniß, 
Beherrschung der modernen Literatur. R. v. Scala, 

— p. 219: 1) E. T. Stern, Catilina; 2) B. Lang, 
das Strafverfahren gegen die Catilinarier 
(Progr. von Heilbronn, 1884). Hr. v. Stern ist 
durchaus abhängig von Mommsen, Wirz u. A., doch 
habe er stilistische Anlagen und verrate gesundes 
Urteil. Längs Abhandlung sei gut geschrieben and 
treffe zuweilen das Richtige, ohne es zu beweisen. 
John. 

Wochenschrift fttr klass Philologie. No. 7. 

193: T. Reimers, Zur Entwickelung des 
dorischen . Tempels. Tlausible Erklärung der 
Front- und Ecktriglypben (die sonst der Eotrichtaag 
des Tempels aus der Holzkonstruktion entgegen stehen) 
aus der Annahme eines Walmdaches.* S. v. Sffbti 

— p. 195: Herodotus, cd. Dietsch-KaUenberg. 
Die Textkritik fuße, nach Cobets Vorgang, auf der 
römischen Handschrift (R^Vaticanns 123), und dss 
sei keine gesunde Basis. W. OtmoU. — p. 199: 
Detto, Horaz und seine Zeit. ^Empfehlensweiies 
Werkchen.* J. Häussner. Eine scharfe Zeichnung der 
literarischen Richtungen im damaligen Rom vermisse 
man ungern. — p. 202; A. Nies, Zur Mineralogie 
des Plinius. Referat von Max Schmidt. — p. 203: 
A. T. Bamberg, 1) Griech. Scbulgrammatik; 
2)Seyirerts, Griech. Syntax; 3) Desselben Hom. 
Formenlehre. Rezension von H. Heller. Das erst- 
genannte ist eins der praktischesten Lembücher; die 
neuen Auflagen der Seyffertschon Werkchen wenig 
von den früheren verschieden. 



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sicht unterworfen; in Bezug auf 
Korrektheit, strenge Auswahl und 
übersichtliche Anordnung des ge» 
gebenen Stoffes sind wesentliche 
inderungen Torgenommen; auch 
ist wieder, wie in den ersten Auf- 
lagen, ein AbrlTs der homerischen 
Formenlehre beigegeben. Für den 
deutschen wie den griecliischen 
Druck sind große, geftliige, dem 
Ange wohitbuende Typen gewählt 
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Preis der dreigespaltenea 
Petitzeile 25 Pfennig. 



5. Jahrgang. 



28. Februar. 



1885. M 9. 



Inhalt 

I. Rezensionen und Anzeigen: Seite 
Gottfried Semper als Archftolog. I. (R 

BorrmaoD) 257 

Julet Girard, Essai sur Tbucydlde (J . M. Stahl) 265 

A. Lavee, Kritische Beiträge za Xenophons 
Helleoika (W. Nitsche) 267 

W. Abraham. Studia Plautina (0. Seyffert) 268 
Tli. PlOfSy vergil und die epische Kunst. 

n. (K. Schaper) 236 

P. Glrard, De Locris Opuntüs (R. Weil) . . 276 
Y. Dnniy, Geschichte des römischen Kaiser- 
reichs übers, v. Hertzberg (H Schiller) 277 
V. Dorsa, La tradizione greco-latina negli 
usi e oelie credenze popolari deUa 
CaJabria Citeriore (G. Meyer) .... 277 

B. Gartii, Kurzgefaßte griechische Schul- 
graromatik (W. Vollbrecht) 279 

II. AassUge ans Zeitsebriften: 

Die f^ogramine und Dissertationen der Uni- 
Tersitüt Oreifswald i. J. 1S83 (G. Knaack) 282 

III. Vacbrichten über Entdeckungen: 

Neues vom Berliner Museum 285 

IV. Mitteilnngen über Versammlungen: 
Archäologische Gesellschaft zu Berlin, den 

2. Januar 1885 286 

Beilage: 

Partonalian (Ernennungen. Offene Stellen. Todes- 
fälle). 

Berichtigung zu Beilage No. 7. 

Profranime aus Österreich -Ungarn 1884. IL 

Ausgrabungen In Griechenland bis Sommer 1884. L 

BibHagraphie (Erschienene Werke). 

Zeitschriften: Revue critique No. 6. — Deutsche 
Littemturzeitung No. b u. 7. — Litterarisches 
Ccntralblatt No. 7 u. 8. — Wochenschrift für 
klassische Philologie No. 8. — Academy No. 667. 
— 'Eß3o|ia; No. 48. — Nia 'Hjispa No. 530. 531. 

Litterarischo Aozeigea. 

Verlag von S. Calvary & Co. in Berlin. 

~BffiLIOTHECA 
PfflLOLOGICA CLAS8ICA. 

Elfter Jahrgang: 1884. 
391 S. gr. 8. Preis: 6 Mark. 



Verlagsbericht von S. Calvary & Co. 

1884. 
(Fortsetzung aus No. 8.) 

Kuhnert. Ernestus, De cura statuarum apud 
Gratjos. 56 S gr. 8. 2 M. 50 Pf. 

Leidenroth, F. P., Indicis grammatici ad 
Scholia Veneta A exceptis locis Herodianis 
specimen. 65 S. gr. 8. 3 M. 

Müller Lucian, Lnciliana. Über einige Bei- 
träge zur Litteratur des Lucilius. 24 S. 
gr. 8. 1 M. 20 Pf. 

Paucker, Carl von, Vorarbeiten zur lateinischen 
Sprachgeschichte, herausgegeben von Her- 
mann Könsch. 3 Teile in einem Bande. 
[1. Teil: Materialien zur lateinischen Wörter- 
bildungsgeschichte. 2. Teil: Übersicht des 
der sogenannten silbernen Latinität eigen- 
tümlichen Wortschatzes. 3. Teil: Kleinere 
Studien (Lexikalisches und Syntaktisches).] 
VII, 143, 80, 117 S. gr. 8. 15 M. 

— Materialien zur lateinischen Wo rterbildungs- 

geschichte. 143 S. gr. 8. 6 M. 

L Die mit PrSpositionen zusammengesetzten Verba. 

28 S. gr. 8. 1 M. 50 Pf. 

n. Die Adjektiva auf orius. 18 S. gr. 8. 1 M. 20 Pf. 

III. Die Adjektiva auf büis. 28 S. gr. 8. 1 M. öO Pf. 

IV. Die Adjektiva auf osus. 28 S. gr. 8. 1 M. 50 Pf. 
V. Die Adjeküva auf icius. 18 S. gr. 8. 1 M. 20 Pf. 

VI. Die Adjektiva verbalia auf ivus. 20 S. gr. 8. 

1 M. 20 Pf. 
VII. Die Adverbia auf im. 18 S. gr. 8. 1 M. 20 Pf. 

— Übersicht des der sogenannten silbernen 
Latinität eigentümlichen Wortschatzes. 80 S. 
gr. 8. 3 M. 

— Kleinere Studien. 117 S. gr. 8. 6 M. 

I. Über die LatioitSt des Grammatikers Diomedes. 

28 S. gr. 8. 1 M. 50 Pf. 

II. Die Latinität des Grosius. 42 S. gr. 8. 2 M. 40 Pf. 

III. De latinitate Sulpicü Severi. 40 S. gr. 8. 2 M. 

IV. Eustathius. 18 S. gr. 8. 1 M. 20 Pf. 

— Supplementum Lexicorum Latinonun. Vo- 
lumen prius. A-L. 464 S. Lex. 8. 15 M. 

(Fortsetzung folgt.) 




[No. 9.] 



BBRLINBR PHILOLOQISGHS WOGHBNSGHRIPT. 



(28. Febraar 1885.] 



Personalien. 



W. M. Bamsay hat die vom Lincoln College neu 
gegründete Professar der Archäologie in Oxford er- 
halten. 

An Hochschulen: Prof. Rud. Schdll in Straß- 
barg zam ord. Prof. der klass. Phil, an der Univ. 
München and zam Leiter des phil. Seminars. 

An Gymnasien etc.: Dr. Sieroka) Oberlehrer 
am Gymn. in Gambinnen, zum Dir. des Gymn. in 
AUenstein. — Dr. Nftgele in Waiblingen zum Prof. 
und Vorstand des Päd. in Geislingen. — Prof Ludwig 
in Geislingen zum Prof. am Gymn. in Hall. — Dr. 
FeÜeisen in Weinsberg zum Prof. am Gymo. in Hall. 
— Dr. Eisner an der Lateinschule in Tuttlingen zum 
Hauptlehrer am Gymn. in HalL 

OflTene Stellen. 

Breklamy Prov. Schleswig-Holstein: amMartineum 
Ostern mit Eröffnuug der Untersekunda ein neuerer 
Philologe als fünfter wissenschaftl. Lehrer, 1000 Mk. 
und fireie Station in dem mit der Anstalt verbundenen 
Alunmat. Aussicht auf definitive Anstellung nach 
1 Jahr. Gefordert wird facult. im Franz. und Engl, 
für alle, in Deutsch, Geschichte, Geographie oder 
Latein für Mittelklassen, sowie Absolvierung des 
Probejahrs. Meldungen bis 25. Febr. an Dr. Graeber, 
Dirigent des Martineum in Breklum. 

Todesffftlle. 

Prof. Fr. Köhler 9 Gymnasiallehrer a. D. und 
herzogl. Bibliothekar in Altenburg, t 7. Febr., 76 J. 
alt. — Hefs, Oberlehrer a. D., f 4- Febr. in Crinunit- 
schau. — iS'of. Gnttmamiy früher Dir. in Bromberg, 
t 6. Febr., 78 J. alt. 

Berichtigiiiig zn Beilage No. 7. 

In dem Bericht über die Entdeckung einer großen 
Bustrophedoninschrift aus Kreta (im Anschlüsse an 
Athenäum No. 2987) ist eine Satzverschiebung ein- 
getreten, welche zu Mißverständnissen Anlaß geben 
kann. Auf der letzten Spalte muß es heißen: „eine 
bei Gortyna gefundene dorische Inschrift des 5. Jahrb. 
ist seine bedeutendste Ausbeute*, und darauf un- 
mittelbar: Diese Inschrift, deren genaue Kopierung 
etc. Der Satz: „Auch in Athen ist es ihm geglückt, 
eine Inschrift von der Insel Keos zu entzmem**, 
gehört nicht hierher, und ist überhaupt zu streichen. 
Er muß nach dem neuesten Hefte der Mitteilungen des 
Deutschen archäologischen Instituts zu Athen (p. 271) 
dahin berichtigt werden, daß Fabridus «einen Ab- 
klatsch und eine sorgföltige Beschreibung des Steines*' 
zum Zwecke der Herausgabe der Inschrift durch 
Uhich Köhler geliefert hat 



Programme ans Österreich-Ungarn, 1884. 
Von Jos. F. Wagner in Brunn. 

(Fortsetzung aus No. 8.) 

6. Friedr. Schubert, Textkritische Bemerkungen 
zum Phüoktet des Sophokles. K. K. Obergymn. 
der Kleinseite in Prag. 26 S. 8. 

Besprochen werden V. 5 ff. 22 f. 29. 33. 41 f. 
43 f. 60 ff. 67. F6 88-85. Ud. 90 ff. 104. 108. 126 ff. 
188 f. 227 ff. 257 f. 276 ff. 285. 292 ff. 300. 304. 
305 f. 424 f. 477 f. 533 f. 611 f. 624 f. 627. 628 ff. 
761. 833 ff. 849 ff. 1029. 1092 f. 1411 f. 1450 f. 

7. Hans Leiter, Über Sophokles' Antigene V. 905 ff. 
Bericht des akad. Philologenklubs zu Innsbruck. 
25 S. 8. 

Durch sachliche, logische, ästhetischsiramatische 
und sprachliche Griinde sehe man sich vor die Alter- 



native gestellt, entweder dem Sophokles die Meister- 
schaft in der tragischen Kunst und speziell d^ An- 
tigene die Preiswürdigkeit abzusprechen, oder aber 
diese Verse für unecht und spflter eiogeschoben zu 
erklären, was doch zweifellos vernünftiger sei. 

8. Rud. Bnby, Nonnulla de Aiacis Sophoclei iote- 
gritate. K. K. Gymn. in Mähr.-Weißkirchen. 10 S. 8. 

Verf. sucht Bergks Ansicht, daß Aias das enite 
Glied einer Trilogie bildete, das von lophon in der 
Weise erweitert worden sei, wie uns gegenwärtig die 
Tragödie vorliege, zu widerlegen und die Integrität 
der Tragödie nachzuweisen. 

9. Joh. Gallina, Über die Tradition des Prozesses, 
welchen lophon gegen seinen Vater Sophokles an- 
gestrengt haben soll. K. K. Untergymn. za Trebitsch. 
7 S. 8. 

Verf. sacht, gestützt auf Naekes Konjektur und 
die Ausführungen Henses, zu erweisen, daß in der 
Überlieferung des Bios des Soph. (vita Sopb. p. 11. 
58 Dind.) von einer ^ixr^ 'ai^avoia; eigentlich garnicht 
die Rede sei; nicht einmal in der Komödie sei m 
solcher Prozeß durchgeführt worden, viel weniger habe 
er in Wirklichkeit stattgefunden. Die vom Biographen 
als allgemein verbreitet angeführte Sage von einem 
Prozeß des lophon wider seinen Vater sei nichts 
anderes als eine Fabel, die aus einer mißverständlicben 
und kritiklosen Verwertung der Komödie ihren Ur- 
sprung genonmien. 

(Fortsetzung folgt.) 



Ausgrabungen in Griechenland bis Sommer 1881 

In dem TsD/o; T:(>anov xol oi'Jts^oov, dem ersten 
Doppelhefte des Jahrgangs 18S4 der z^r^^zpi^ dpia'/»- 
Xo^ixTJ zu Athen wird Sp. 89—99 eine Obersicht über 
die Ausgrabungen von 1884 gegeben. 

An der Piräusstraße zu Athen nahe der Gas- 
anstalt wurden mehrere Grabstellen mit Inschriften 
und Totenuroen gefunden. 

Im Piräus stieß man bei den Fundamentierungs- 
arbeiten für ein neu zu erbauendes Theater auf zahl- 
reiche antike Mauern. Herr Gymnasiallehrer Dragatiis 
machte die griechische Regierung rechtzeitig auf den 
Fund aufmerksam, worauf das ganze antike Gebäude 
beigelegt und ein Plan desselben durch DGrpfeld und 
Fabricius aufgenommen wurde. Man hitt/6 nach 
den anfangs gefundenen Inschriften gehofft, einen 
Tempel des Dionysos freizulegen, doch ist diese 
Hoffnung nicht in Erfüllung gegangen. Man fand 
weder Fundamente noch Bauglieder eines Tempels, 
sondern nur ein wohnhausäbnliches Gebäude und 
einen großen von Säulenhallen umgebenen Hof. Der 
Plan des Ganzen and Detailzeichnungen der ge- 
fundenen architektonischen Reste ist auf S Tafeln 
im letzten (dritten Hefte) der Mitteilungen deä 
deutschen archäologischen Instituts zu Athen von 
Dörpfeld veröffentlicht worden. Der Kieseleatrich 
des Atriums ist noch sehr gut erhalten; an seinem 
östlichen Rande befand sich eine Gisteme, in der 
südwestlichen Ecke ein sehr tiefer Brunnen. Über 
die Bestimmung des Bauwerkes spricht Dörpfeld selbst 
p. 286 sich also aus: „Aus den Ruinen können wir 
nur entnehmen, daß der Bau aus einer Vorhalle, einem 
Atrium und mehreren Sälen and Zimmern bestaoi 
und daß sich an die letzteren ein großer, von Säulen- 
hallen umgebener Hof anschloß. Die aufgefundenen 
(von Köhler in demselben Hefte p. 288 - 298 pobü- 
zierten) Inschriften lehren aber weiter, daß in der 
Nähe unseres Gebäudes wahrscheinlich ein Tempel 
des Dionysos gestanden hat und daß es hier einen 
Ort gab, wo sich die Genossenschaft dieses Gottes ver* 
sammeln konnte. Diese Angaben lassen sich mit dem 



257 



[No. 9.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [28. Februar 1885.] 258 



l. Rezensionen und Anzeigen. 

Gottfried Semper als Archäolog. 

Von Th. Borrmann. 

Gottfried Semper, Kleine Schriften, 
herausgegeben von Manfred und Hans 
Semper. Stuttgart 1884, Spemann. XII, 
516 S. gr. 8. 12 M. 

Als im Frühjahr 1879 die Trauerkunde vom 
Tode Gottfried Sempers zu uns gelangte, hat es 
alsbald nicht an Anregung gefehlt, dem genialen 
Gelehrten und Künstler ein Denkmal zu setzen. 
Wenngleich diese Anregungen anfangs auf Schwierig- 
keiten stießen, schon wegen der verschiedenen, die 
Wahl des Ortes betrcflfenden Interessen, — dürfen 
doch neben Dresden auch außerdeutsche Städte 
wie Zürich und Wien ihn den ihrigen nennen, ohne 
daß jedoch eine derselben als der wirkliche Mittel- 
punkt seiner Wirksamkeit angesehen werden könnte 
— so sind doch bereits Sammlungen im Werke, die, 
und zwar, wie uns dünkt, mit vollem Rechte, 
zunächst für Dresden die Errichtung einer Semper- 
statue bezwecken. Neben diesem Prospekte war 
mittlerweile noch ein anderer Vorschlag zur Reife 
gediehen, nämlich durch eine vollständige Publika- 
tion von Sempers künstlerischen Schöpfungen, ein- 
schließlich solcher, die nur Entwürfe geblieben, 
seinem Namen als Architekten ein würdiges Anden- 
ken za stiften. Doch hat über diesem Werke, von 
dem bisher nur ein kleiner Anfang erschienen, ohne 
ganz den gehegten Erwartuugcn zu entsprechen, 
wie es scheint hauptsächlich wegen ünanzieUer 
Schwierigkeiten, ein Unstern gewaltet und seine 
Fortführung behindert. So muß man es denn mit 
Freude begrüßen, wenn durch Herausgabe seiner 
Schriften, d. h. einer Sammlung seiner kleineren, 
gelegentlich entstandenen litterarischen Arbeiten 
die Erinnerung wenigstens au den Gelehrten 
Seroper von neuem wachgerufen wird. Diese 
Sammlung ist von den beiden Söhnen desselben, 
dem Architekten Manfred Semper und Dr. Johannes 
Semper, Professor der Kunstgeschichte an der 
Universität Innsbruck, gemeinsam besorgt und 
unter dem Titel: , Kleine Schriften von Gott- 
fried Semper* bei Spemann (1884) in ange- 
messener Ausstattung und bereichert durch Illustra- 
tionen erschienen. 

Seine Laufbahn als Schriftsteller eröffnete 
Semper durch die vielbesprochene, 1834 erschienene 
Abhandlung: „Vorläufige Bemerkungen über 
bemalte Architektur und Plastik bei den 
Alten**, eine Arbeit, die trotz des Widerspruchs 



und der Angriffe, die sie erfuhr, doch vermöge 
der Entschiedenheit, mit der hier Semper sowohl 
vom künstlerischen wie wissenschaftlichen Stand- 
punkte zu der Frage der Polychromie der antiken 
Kunst Stellung nahm, als wahrhaft Epoche machend 
bezeichnet werden muß. Die Schrift sollte nur 
eine Vorstudie, eine Ankündigung dessen sein, 
was er als Ergebnis seiner ausgedehnten, auf einer 
längeren Heise durch Italien und Griechenland 
gesammelten Untersuchungen und Beobachtungen 
in einem größeren Werke gleichen Inhalts zu ver- 
öffentlichen gedachte. Dieses Werk, obwohl be- 
gonnen, ist niemals erschienen, vielmehr erlitten 
Sempers litterarische Arbeiten damals eine Unter- 
brechung zunächst durch Bauaufträge in seinem 
Geburtsorte Hamburg, dann durch seine Berufung 
als Professor der Architektur nach Dresden, in 
eine Stellung, die ihm durch Schinkels Vemiittelung 
zu teil wurde. Hier bot sich ihm zuerst Gelegen- 
heit zur Entfaltung einer lange ersehnten bau- 
künstlerischen Thätigkeit. Seine Dresdener Bauten, 
obenan das herrliche, 1869 durch Feuer zeratörte 
Theater und sein nicht minder bewunderter Museums- 
bau am Zwinger begründeten seinen Ruf als des 
neben Schinkel unstreitig bedeutendsten Architekten 
Deutschlands. Als er sodann infolge seiner Be- 
teiligung an den unseligen Maitageu von 1849 
flüchtig wurde, begab er sich zunächst von Dresden, 
der Stätte seiner reichsten und glücklichsten Wirk- 
samkeit als Künstler, nach Paris, wo er die ihm 
aus Mangel an Baiiaufträgen gewordene Zeit un- 
freiwilliger Muße zur Wiederaufnahme seiner kunst- 
wissenschaftlichen Studien benutzte. Auch in 
Dresden hatte es ihm infolge seiner Lehr- 
thätigkeit an der dortigen Architekturschule an 
Anregung zu derartigen Studien nicht gefehlt. 
Dort schon müssen in ihm die Ideen und Grund- 
züge zu einer „vergleichenden Baulehre ^ gereift 
sein, wie er sie in der den damaligen Stand seiner 
Anschauungen repräsentierenden Studie „Die vier 
Elemente der Baukunst" (Braunschweig, Vie- 
weg, 1851) veröffentlichte und nachmals in dem 
leider nie erschienenen dritten Bande zum „Stil'' 
weiter auszuftlhren gedachte. Der citierte Aufsatz 
konnte bedauerlicherweise ebensowenig wie die 
Abhandlung „Wissenschaft, Industrie und Kunst*" 
in die vorliegende Sammlung mit aufgenommen 
werden, weil mit dem Verleger keine Einigung 
zu erzielen war. 

Zur Zeit der Weltausstellung vom Jahre 1851 
finden wir Semper in London, wo er mit dem 
Arrangement der Spezialausstellungen Schwedens 
und Dänemarks, sowie der anglo-amerikanischen 



259 



[No. 9.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [2S. Februar 1885.) 260 



Kolonien beschäftigt war, bald auch mit einer 
Anstellung an dem neuen Museum — and schol 
for practical art — , dem spUteren Soutb-Kensington- 
Museum, betraut wurde. Hier war er nicht nur 
als Lehrer thätig, besondei-s in der Abteilung für 
Metallotechnik, sondern griff auch, weil man seine 
reichen Kenntnisse zu schätzen wußte, in die 
Museumsverwaltung mit Ratschlagten für die An- 
ordnung und Vermehrung des Kunstmaterials ein. 
Es ist bekannt, welch segensreichen Einfluß gerade 
dieses Kunstinstitut auf die Umbildung des Ge- 
schmacks und die Praxis des Kunstgewerbes in 
England gewonnen und welch reiche Früchte die 
nach diesem Muster gegründeten Anstalten in Wien, 
Berlin und an anderen gewerhtreibenden Oiten 
auch auf dem Kontinent getragen haben. Die 
Ideen aber und Lehren, die von diesen Bildungs- 
stätten vertreten werden, und die nichts anderes 
bezwecken, als durch ein Zurückgreifen auf die in 
der Kunstproduktion aller Zeiten und Völker eut- 
lialtenen stilistischen Vorbilder eine Hebung und 
Erziehung des Stilgefühls und Geschmacks in unsrer 
Zeit zu erzielen, sind von niemand früher und 
tiberzeugender dargethan als von Semper. Diese 
Pariser und Londoner Zeit ist übeihaupt für 
Semper trotz mancher Enttäuschungen, die sie 
ihm brachte, von größter Bedeutung geworden. 
Denn einmal kam er in Paris in engere Beziehungen 
zu einem reicher als irgendwo entwickelten Kunst- 
leben, sodann gewann er bald darauf während der 
Weltausstellung in der englischen Metropole einen 
umfassenden Überblick über die künstlerischen und 
industriellen Ei-zeugnisse fast aller Länder der 
Erde, — trat doch gei-ade damals zuerst auch der 
Orient in bedeutsamer Weise hervor — und schließ- 
lich boten ihm die Bibliotheken und Museen heider 
Weltstädte wie nirgends anders die Möglichkeit, sich 
in die Kunstthätigkeit der Vergangenheit und des 
auf uns gekommenen Materials aus derselben zu 
vertiefen. Nur an diesen Centralpunkten des Welt- 
handels der Kunst und Industrie konnte er femer 
jenen vorurteilslosen, universellen Standpunkt, jene 
umfassende Kenntnis der vei*schiedensten Kunst- 
zweige und Techniken gewinnen, die wir in seinen 
Schriften bewundem. Sein Buch ^Der Stil in den 
technischen und tektonischen Künsten" ist die 
langsam gereifte Frucht seiner damaligen Beob- 
achtungen und Erfahrungen, in seinen „Kleinen 
Schriften*, die grofienteils aus jener Zeit datieren, 
erkennen wir die verschiedenen Etappen seiner 
fortschreitenden kunstwissenschaftlichen Bildung 
und Erkenntnis und damit die direkten Vorstudien 
zu seinem Hauptwerke. Sie sind deshalb auch 



besonders geeignet, uns in den reichen Inhalt dieses 
letzteren einzufuhren. Bringen sie uns doch den ge 
waltigen, dort niedergelegten Stoff gewissennaßcii 
in verkleinertem, tibersichtlicherem Maßotabe vor 
Augen und müssen uns zum Teil Ersatz bieten 
für das, was ihm auszugestalten und zu voll- 
enden nicht mehr vergönnt war. Auch bot dem 
Autor die zwanglose Form der Darstellung iu 
Briefen oder Vorträgen Anlaß, sich freier iü 
seinen Gedanken und bestimmten, mit seinen 
früheren Lieblingsstudien zusammenhängenden Kei* 
gungen zu ergehen, sodaß uns hier besonders 
auch seine Persönlichkeit mit der ganzen Ursprün^- 
lichkeit ihrer Eingebungen und Anschauungen, der 
Frische und Originalität seiner AusdmckswcibC 
lebendig cntgegentiitt. Dieser Umstand verleiht 
seinen 'Kleinen Scliriften' einen ganz besonderea 
Reiz, ja in manchem Betracht einen Vorzug vor 
dem Hauptwerke selber. 

Die Sammlung von Abhandlungen, über die wir 
zu referieren haben, ist von den Herausgebern 
nicht nach chronologischen Gesichtspunkten, son- 
dern dem Stoffe nach in vier Gruppen geschieden. 
1. Kunstgewerbliches. 2. Archäologie der Archi- 
tektur. 3. Urelemente der Architektur und Poly- 
chromie. 4. Reisebriefe, Berichte und dergleichen. 
Dem Inhalte nach gehören aber unseres Be- 
dünkeus die Aufsätze der ersten und dritten Gruppe 
aufs engste zusammen, indem der Autor selbst in 
Fragen anscheinend rein kunstarchäologischer Natur, 
80 in der über die Polychromie der alten Kunst, 
wie in allen andern überall auch die praktischen 
Seiten des Gegenstandes und deren Bedeutung für 
die Kunst der Gegenwart betont hat. Sein Buch 
„Der Stil" hat er mit Recht eine praktische 
Ästhetik betitelt. Dieselbe Bezeichnung verdienen 
auch die Aufsätze der genannten beiden Grupi)cn 
zum überwiegenden Teile, wie denn Semper schon 
in der bereits erwähnten Erstliugsarbeit semen, 
des Verfassers, Standpunkt in dieser Hinsicht aufs 
unzweideutigste kennzeichnet: „Eine rein antiqua- 
rische Abhandlung zu liefern, kann nicht ui seiner 
Absicht liegen, sondern er wünscht seinem Berufe 
als Architekt durch Hinweisung auf das Pi-aktische 
getreu zu bleiben. Denn so allein treten lang- 
bestrittene Ansichten ins Leben und können un- 
mittelbaren Nutzen schaffen". Seine Londoner 
Studien und Veröffentlichungen, mit denen wir es 
in seinen kleinen Schriften gi'oßeuteils zu thun 
haben, charakterisiert Semper einmal in einem 
Briefe an einen Freund in folgender Weise, dit 
auch uns einen Maßstab für ihre Beurteilung «Q 
die Hand giebt: „Mein Kopf steckt überhaupt toU 



361 



[No. 9.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [28. Febraar 1885.] 262 



von Dingen, die sich zu einem znsamnienhängenden 
Ganzen gestalten wollen, und fnr welche auch schon 
die BabrikcD gefanden sind. Aber ehe das Ganze 
in Linie auftritt, mag einzelnes davon in anf- 
gelöstcr Ordnung ins Treffen gehen und vorplänkeln ". 
Schon damals aber hatten sich in ihm thatsächlich 
die in den verschiedenen Abhandlungen unseres 
Sammelbandes niedergelegten Anschauungen zu 
einem vollständigen Ideenkreise abgerundet, hatten 
ihm die eingehenden SpezialStudien der verschiede- 
nen Zweige des Kunstgewerbes nicht nur einen 
deutlichen Einblick in die Lebensbedingungen jeder 
einzelnen sowie der ihr angewiesenen Schranken 
ergeben, sondern sich auch zu einer überzeugenden 
Vorstellung von dem inneren organischen Zusammen- 
hange und der Entwicklungsgeschichte aller Künste 
gestaltet. Dadurch aber, daß seine Ideen nicht 
auf dem Boden bloßer Spekulation erwachsen, 
sondern einzig von der Entstehung der künstle 
rischen Schöpfungen und den dieselbe bedingenden 
Momenten ausgingen, gewinnen sie neben ihrer 
historischen auch eine eminent praktische und 
darum ftlr unsere Zeit und ihre Kunstproduktion 
vorbildliche Bedeutung. Denn nur durch die 
Kenntnis und Befolgung der bei jeder Kunstaufgabe 
und der Wahl des dazu nötigen Materials zu be- 
rficksichtigenden Stilgesetze wird der Künstler 
vor Willkür und Geschmacklosigkeit bewahrt und 
befähigt, etwas Stilgemäßes zu schaffen. 

£s kann nicht die Aufgabe unseres Eeferats 
sein, die einzelnen Abhandlungen genauer zu be- 
sprechen und zu analysieren, zumal sich manche 
vpn ihnen, weil aus gleichem oder ähnlichem An- 
lasse, wenn auch zu verschiedenen Zeiten ent- 
standen, inhaltlich sehr nahe berühren, ja zum 
Teil im Gedankengange wiederholen. Einige sind 
überdies gar nicht ausgeführt, machen vielmehr 
den Eindruck rasch hingeworfener Skizzen, andere 
sind Abdrücke öffentlicher, teilweise in fremden 
Sprachen gehaltener Vorträge, die von den Heraus- 
gebern in möglichster Anlehnung an die Ausdrucks* 
weise ihres Vaters ins Deutsche übertragen sind. 
Wir dürfen uns vielmehr darauf beschränken, zu- 
nächst die leitenden Grundanschauungen in den 
Abhandlungen ästhetischen und kunstwissenschaft- 
lichen Inhalts darzulegen, und zwar ohne uns an 
die Beihenfolge oder an den Gedankengang der 
einzelnen zu binden, von den übrigen Schriften 
aber nur die vrichtigsten ihrem Inhalte nach kurz 
zu charakterisieren. 

Unter den Abhandlungen der ersten Gattung 
verdienen hauptsächlich hervorgehoben zu werden 
der geistvolle Versuch : »Entwurf eines Systems 



der vergleichenden Stillehre" (nach einem 
Vortrage, gehalten in London 1853), dem sich am 
besten die Studie: „Über die formelle Gesetz- 
mäßigkeit des Schmuckes und dessen Be- 
deutung als Knnstsymbol*" (zuerst erschienen 
bei Meyer und Zeller in Zürich 1856) sowie die 
Abhandlung „Über Gefäßteile" aus seiner Lon- 
doner Zeit und schließlich der Vortrag „Über 
Baustile" (Zürich 1869) anreihen. In dem zu- 
erst genannten Aufsatze, der als eine direkte Vor- 
studie zum Stil anzusehen ist, wird zuvörderst die 
Frage, was unter »Stil« zu verstehen sei, behandelt 
Den Prinzipien einer „empirischen Kunstlehre** 
gemäß geht hier Semper davon aus, die „bei dem 
Prozesse des Werdens und Enstehens von Kunst- 
erscheinungen" heiTortretenden Momente zu unter- 
suchen. Für die Entstehung eines Kunstwerkes 
sind in erster Linie maßgebend die in der Natur 
der gegebenen Aufgabe liegenden, aus einem Be- 
düiihisse hervorgehenden Anforderungen, als weitere 
bestimmende Momente treten hinzu die Eigenschaften 
des Materials und die technische Herstellung, 
drittens lokale und ethnographische Verhältnisse 
sowie die persönlichen Eingebungen der Künstler 
und Auftraggeber. Es ist ohne weiteres klar, daß 
die beiden wichtigsten, auf die Gestalt und auf 
den Stil des Kunstgegenstandes influierenden Fak- 
toren der Gebrauch, für den er bestimmt, und 
zweitens der Stoff, aus dem er hergestellt wird, 
bilden. Ein Kunstwerk hat „Stil", wenn es eine 
künstlerisch schöne, seiner Bestimmung, der Natur 
des Materials und dessen Behandlungsweise ent- 
sprechende Form gewonnen hat. „Stil ist" dem- 
nach, wie sich Semper an einer anderen Stelle 
(über Baustile p. 402) ausdrückt, „die Überein- 
stimmung einer Kunsterscheinung mit ihrer Ent- 
stehungsgeschichte, mit allen Vorbedingungen und 
Umständen ihres Werdens." Aus dem Bedürfhisse, 
aus ihrer praktischen Bestimmung ergiebt sich zu- 
nächst das, was wir bei Kunstgegenständen Motive 
nennen. Dieselben enthalten gewissermaßen den 
Kern, die Idee eines Kunstwerkes und zwar oft 
durch Jahrhimderte hindurch; sie finden ihren 
reinsten Ausdruck in der Natur selber sowie in 
wenigen einfachen Formen, die ihnen von den ' 
Menschen im Anfange aller Kunsttechnik gegeben 
wurden. Denn ebenso wie in der Natur die un- 
endliche Varietät der Einzelbildungen sich für den 
forschenden Geist auf verhältnismäßig wenige 
Fundamentalformen zurückführen läßt, so erscheinen 
auch in den Schöpfungen unserer Hände von Anfang 
an gewisse stilistische Urtyi)en. Lehrt uns doch 
noch heute die Beobachtung, daß in den Produk- 



268 



[No. 9.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [28. Febraar 1885.] 964 



tionen der wilden Natarvölker meist ein instinktives 
Stilgefühl waltet, das auf dem richtigen Gebrauche 
der denselben zu geböte stehenden, allerdings nur 
beschränkten Mittel beruht. „So schützt die Natur 
sie gfegen die Sünde ""f während bei uns gerade der 
Reichtum unserer Mittel und Kenntnisse so oft 
den 8inn für das Einfache, Natürliche und Eichtige 
verdunkelt. 

Als Basis einer Lehre vom Stil betrachtet nun 
Semper die Ermittelung und das Studium dieser 
Urmotive künstlerischer Gestaltung. In höchst 
geistvoller« für die Methode seiner Untersuchungen 
besonders charakteristischer Weise werden zwei 
derartige primäre, aber in ihrer Art künstlerisch 
vollendete Bildungen, der heilige Nileimer der 
Ägypter und die Hydria der Griechen einander 
gegenübergestellt Bei beiden entspricht die Form 
dem Bedürfnisse und dem Gebrauche des Geräts 
auf das Vollkommenste, beide dürfen daher als sehr 
bezeichnende Beispiele für derartige typische Ur- 
motive gelten. — Es liegt in der Natur des 
Menschengeistes, bei seiner Hände Werk über die 
einfachen Anforderungen der Notwendigkeit, des 
reinen Bedürfnisses hinauszugehen. Die erfindende 
Thätigkeit bekundet sich nicht allein in dem Er- 
sinnen von Mitteln zum Schutze gegen die 
Witterung, zur Abwehr feindlicher Angriffe, 
sondern auch in dem Streben nach Ordnung, 
Zierat und Schmuck. „Das Schmücken gehört zu 
den Privilegien des Menschen und ist vielleicht 
das Alteste, wovon er Gebrauch machte** (über 
Baustile p. 404). „Es ist der erste und be- 
deutsamste Schritt zui* Kunst"*. Einen tiefen 
Doppelsinn birgt das zwei Begriffe: Ordnung und 
Schmuck umfassende griechische Wort xo9^o;; über 
diese kosmische Bedeutung des «Schmuckes'* 
handelt Semper im besonderen in dem schon er- 
wähnten Aufsatze: „Über die formelle Gesetz- 
mäßigkeit des Schmuckes und dessen Bedeutung 
als Kunstsymbol "*. 

Die Bestimmung eines Kunstgegenstandes muß 
sich nicht allein in seiner Form, sondern auch in 
seinem Schmucke, seiner Omamentation aussprechen. 
Die Ornamente werden dadurch zu Symbolen des 
praktischen (tebrauchs desselben, insofern sie uns 
»eine klare Auffassung von der dynamischen 
Funktion eines Teiles oder eines Ganzen an einem 
Kunstwerke erwecken** (über Gefäßteile p. 36). 
In besonders lehrreicher Weise veranschaulicht 
Seroper diese Ausftlhrungen durch den Hinweis 
auf bestimmte Teile an Gefäßen und deren formale 
Ausbildung. Im Gegensatze zu den soeben be- 
zeichneten werden andere, mehr accessorische 



Verzierungen «phonetische Ornamente"* genannt. 
Solchergestalt sind z. B. »die schönen Malereien 
auf griechischen Vasen, welche Heroenkämpfe 
und Gegenstände darstellen, die sich auf die Be- 
stimmung der Vasen beziehen **; sie dienten bei 
den Griechen aber nur „zur Bereicherung jener 
Teile eines kunstgewerblichen oder architektonischen 
Werkes, welche ein neutrales Gebiet zwischen 
anderen, mehr aktiven und struktivcn Teilen der- 
selben bilden" ; bei Gefäßen also beispielsweise der 
Bauch im Gegensätze zum Fuüe, Halse und Henkel, 
bei Bauwerken z. B. die Wandfelder und Friese, 
also nicht die tragenden, raumgliederndeu, sondern 
die rauinfüllenden Teile. Diese Auffassung des 
Ornaments, als des sinntlUigen Ausdrucks, des 
Symbols der statischen und konstruktiven Funk- 
tionen eines Kunstgegenstandes, berührt sich be- 
kanntlich mit den Ideen der Bötticherschen Tektonils. 
Gleich Bötticher verlangt Semper, daß auch die 
Formen der Architektur nicht blolie Wcrkfonnen 
seien, nicht nur dem materiellen Bedürfnisse der 
Konstruktion Genüge leisten, sondern auch ihre 
ideelle Bestimmung innerhalb und in Beziehung ' 
zum Ganzen zur Anschaunng bringen. Nur haben 
diese ästhetischen Prinzipien nicht, wie jener will, 
in dem fertigen Schema des Dorischen Stils ihren 
ersten und höchsten Ausdruck gefunden, sie ent- 
wickelten sich vielmehi* — und dies ist einer der 
Hauptgrundsätze der Semperschen Stillehre. - 
lange bevor es eine Architektur gab, mit den 
ersten Erzeugnissen der Kunstindustrie. Diese 
wurden die Vorbilder der architektonischen Grund- 
formen und die Quelle der für die Baukonst 
geltenden Stilgesetze; sie hatten bereits eine 
traditionelle Bedeutung erlangt, als sie in den 
Dienst der Architektur eintraten. Denn gleichwie 
in der Sprache die einzelnen Worte und Wort- 
formen zur Bezeichnung der verschiedenen Gegen- 
stände und Thätigkeiten bereits im Gange waren, 
ehe die erste Rede, das erste Gedicht entstand, 
ebenso waren gewiß auch die Elemente der technisch- 
künstlerischen Formeuwelt, die als solche ein der 
Sprache ebenbürtiges Denkmal des menschlichen 
Genius bilden, hinlänglich entwickelt, ja zu einem 
allen verständlichen Ausdrucke der ihnen zufallenden 
Funktionen gestaltet, bevor sie sich zu einem so 
komplizierten Ganzen, wie ein architektonisches Mo- 
nument es ist, zusammenschlössen. .^Die Architektur 
ist also die letztgeborene der Künste, zugleich 
aber die Vereinigung aller Zweige der Industrie 
und Kunst zu einer großen Gesamtwirkung nnd 
nach einer leitenden Idee**. Hierin hat Sempcw 
Theorie vor derjenigen Böttichers, dem alle diese 



365 



[No. 9.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [28. Februar 1885 J 266 



Wunder, wie die Ausbildung der symbolischen 
Kunstformen, zugleich mit der Konzeption des 
Tempelbaues in Erscheinung: traten, jedenfalls den 
Vorzug historischer Auffassung voraus. 

(Schluß folgt.) 



Jnles Girard, Essai snr Thncydide. 
Paris 1884, Hachette. XVI, 295 S. 8. 3 fr. 

Dieses Buch, eine neue und wenig veränderte 
Ausgabe einer bereits 1859 erschienenen, von der 
Acad^mie frangaise gekrönten Preisschrift, enthält 
keine ins Detail eingehenden kritischen Unter- 
suchungen {fiber diejenigen den Thukydides be- 
treffenden Fragen, welche die deutsche Philologie 
in letzter Zeit besonders beschäftigt haben, sondern 
Betrachtungen über den Gegenstand und die Me- 
thode der Thukydideischen Geschichtsdarstellung, 
die eingelegten Keden, die Erzählungen und Be- 
schreibungen, die Kunst der Komposition und des 
Stils und die geistige Eigentümlichkeit des Ge- 
schichtschreibers, wie sie sich aus mehr allgemeinen 
Beobachtungen ergeben. Es bietet daher, wenn- 
gleich es an einzelnen feinsinnigen Bemerkungen 
nicht feldt, doch verhältnismäßig wenig neue Er- 
gebnisse von wesentlicher und entscheidender Be- 
deutung. Im allgemeinen empfiehlt sich dasselbe 
durch eine sorgfältig ausgearbeitete gefällige Form 
und maßvolle Besonnenheit der Ansichten. Einige- 
mal jedoch hat der Verf. der naheliegenden Ver- 
suchung nicht widerstanden, mehr hinter den Worten 
des Geschichtschreibers zu suchen, als an und für 
sich in ihnen li^. So will I 10, 2 der Vergleich 
von Athen und Sparta nur an den beiden hervor- 
ragendsten Beispielen zeigen, daß aus der äußern 
Ausdehnung einer Stadt nicht geschlossen werden 
könne auf ihre Macht: was der Verf. S. 25 in den 
Worten noch weiter finden will, ist dem Sinn und 
Znsammenhang der Stelle fremd. Ebenso wenig 
ist es gerechtfertigt, wenn in der Episode von 
Pausanias und Themistokles (I 128—139) S. 193 
eine Art indirekter Beziehung auf Perikles gefunden 
wird. Bezüglich des Zustandes, in welchem uns des 
Th. Werk erhalten ist, urteUt der Verf. S. 205 ff., 
ohne sich auf eine nähere Diskussion der Frage 
einzulassen, daß die sieben ersten Bücher so gut 
wie vollendet seien (on peut les considerer comme 
acbev^s), bei dem 8. dagegen in beträchtlichem 
Maße die letzte Ausarbeitung vermißt werde. 
Daß aber durch das ganze Werk des Th. sich 
Spuren finden, daß ihm die letzte Ausarbeitung 
fehlt, und in einzelnen Partien (z. B. im 5. B.) 
sogar mehr als im 8. Buche, und daß in dieser Be- 



ziehung zwischen dem 8. und den übrigen Büchern 
ein wesentlicher Unterschied nicht besteht, hat 
meines Erachtens jüngst in gründlicher und über- 
zeugender Weise F. J. Cüppers in seiner Dissertation 
De octavo Th. libro non perpolito (Münster 1884) 
nachgewiesen. Längere Stellen, die für seine Auf- 
fassung besonders charakteristisch sind, hat G. in 
freier, der Paraphrase sich annähernder Über- 
setzung wiedergegeben, wobei freilich die herbe 
Strenge des Thukydideischen Ausdrucks durch den 
leichtem Fluß des französischen Idioms zum großen 
Teil verwischt wird. Die Hauptänderung, welche 
der neuen Ausgabe zu teil geworden ist, besteht 
eben darin, daß der Verf. diese Übersetzungen 
einer Revision unterzogen hat. Aber trotzdem 
sind einzelne ungenaue oder schiefe Auffassungen 
des Sinnes nicht beseitigt worden. So wird I 20, 1 
zavTt £?^c xexjjLT)ptcf> S. 11 wiedergegeben durch 
par une suite compl^te et d^taill^e de preuves, 
1 22, 2 dXX* oic xe ctu-oc rap^v (nämlich TjStwaa 
7pa^giv) xai TzapoL Tuiv aXXcuv ^jov ouvatov dxpißew 
TTEpl sxaaxoü £7:£?£Xf^<wv S. 30 f. durch mais j'ai 
constamment soumis mon propre temoignage comme 
celui des autres h la v6rification la plus attentive, 
als ob oU TS au7o? Trap^v von iireEeXf^cov und nicht 
von vpa^stv abhinge. I 70, 7 wird i^^v rTapa xou 
xal TTEip« 9^aXu>atv S. 61 übersetzt durch voient 
ils Schoner une tentative, obwohl so die Worte 
im wesentlichen nichts anderes bedeuten als die 
vorhergehenden S jxiv 3v ertvoijaavxsc ja9j i^sX^cojtv 
(si Texten tion fait d^faut h quelqu'un de leurs 
projets). Wie die Stelle zu verstehen ist, habe 
ich in den Jahrb. für Phü. 1863 S. 473 f. an- 
gegeben, und Classen hat sich von der 2. Auflage 
an der dort gegebenen Deutung angeschlossen. 
Vn 75, 4 wird izopia xotauTTj S. 152 durch 
r^duite ä un 6tat d'impuissance wiedergegeben, 
obgleich xoiailxY) auf das vorhergegangene ic dirop^av 
xad((JTaaav zurückweist, wo causaient la plus vive 
perplexit^ übersetzt wird. HI 58, 4 versteht 
G. iib^ioLau wie seine Übersetzungen des vetements 
et les autres offrandes d'usage S. 235 zeigt, als 
dargebrachte Gewänder, obwohl es, wie ich 
nachgewiesen habe, Trauerkleider sind. Vgl. meine 
Note in der kl. Popposchen Ausgabe und jetzt 
auch Classen zu d. St III 83, 2 kann xpei^joo; ^s 
ovxec airavxsc Xo^ujaco ic xo ivfiXiriTrov xou ßepatou 
unmöglich bedeuten et tous, voyant qu'ils avaient 
avantage h, ne pas compter sur un accord durable 
(S. 244), da, abgesehen von dem im Original nicht 
vorhandenen voyant, der ebenso willkürlich beige- 
fügten Negation in ä ne pas compter und der Aus- 
lassung des e; xo «veXiuaxov, der Genetiv xou ^ejiaiou 



267 



[No. 9.J 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [23. Febraar 1885.] 268 



so ganz unerklärlich bleibt. Die von mir gegebene 
einzig mögliche Deutnng desselben, daß er statt 
^ Tcp ßeJJau}) stehe, hat Classens Beifall gefunden. 
Aus den angeführten Beispielen scheint sich zu 
ergeben, daß G. bei der Revision seiner Über- 
setzungen weder die letzten Ausgaben des Classen- 
schen Kommentars (und bei III 83, 2 nicht einmal 
die erste) noch meine Bearbeitung der kl. Popposchen 
Ausgabe sich genauer angesehen hat. 
Münster. J. M. Stahl. 



A. Laves, Kritische Beiträge zn Xe- 
nophons Hellenika. Programm des Frie- 
drich-Wilhelmsgymnasiums in Posen 1884, 
Jolowicz. 21 S. 4. 1,20 M. 

Der Verf. bespricht, frühere Arbeiten fort- 
setzend, Stellen aus Hell. V 2 — 4. Wie schon 
andere vor ihm, giebt er 4, 17 der La. der schlech- 
teren Hss i^ETceaev den Vorzug und behält 4, 35 die 
tiberlieferte Konstruktion fo . . 3v . . ÄvTstireiv. 
4, 42 sucht er die Überlieferung tiq £1*^0X15 gegen 
die Verbesserung von G. Jacob zu halten: ohne 
Erfolg, meine ich; denn jenes kann nicht ohne 
weiteres heißen *dem Erfolge des Einfalles', und 
der von Laves in dem Satze statuierte Gedanke 
ist gesucht und matt. Für die Konjektuien anderer 
tritt der Verf. an folgenden Stellen ein: 3, 25 
f|Xov <ot> £x, 3, 27 [ota to jayjoIv . . uiro^opav], 

4, 1 Tip^Tepov (wo G. Jacob jzpb xoZ für das tiber- 
lieferte iTpcüTov vermutet), 4, 7 direxxeivav. 4, 9 
empfiehlt LaveS; Breitenbach folgend, ireßoi^^Tjaav 
(hinter dTüSTraXxsaav?) einzusetzen; als Subjekt zu 
dTTSTrdXxevav entnimmt er aus dem Vorhergehenden 
Ol xateXTjAuö^xec (wegen des hier Erzählten vgl. 
jetzt Beloch, Die attische Politik seit Pcrikles 

5. 137 f.). Was die eigenen Vermutungen des 
Verfassers betrifft, so hat 3, 17 die Worte onojoi 
•(UfAvdj£j8at i{>sXoi£v, welche Laves vor diexeXeoeto 
setzen will, schon Morus hinter dieses Verbum zu 
setzen vorgeschlagen. Nicht ohne Probabilität sind 
folgende Koiy ektui'en : 3, 12 Tüavra für Taüia, 4, 2 
ToTc [irepi 'Ap*/iav] 7:oXEp.Qfp*/otc und die Umstellung 
von 4, 14 öiSa^jxevoi . . exr£7:T(i>x6Ta>v in § 13 
hinter 01 AaxeSaifiLoviot. Anderes erscheint mir 
minder gelungen oder geradezu verfehlt; ich be- 
halte mir vor. hierauf in dem Jahresberichte über 
Xenophon zurückzukommen, welchen ich für die 
Zeltschrift für das Gymnasialwesen nach dem ü*ühen 
Tode Zurborgs wieder übernommen habe. 

Berlin. Wilhelm Nitsche. 



Gull, Abraham, Studia Plantina. Se- 
paratabdrnck ans den Jahrb. f. klass. Philo* 
logie, Bd. XIV. S. 179— 244. Leipzig 1884, 
Teubner. 1,60 M. 

Bei seiner ungemeinen Festigkeit bietet der 
Plautinische Sprachgebrauch eines der Hanptmittel 
teils zur Aufdeckung teils zur mindestens wahr- 
scheinlichen Heilung der SchJlden des überlieferten 
Textes, insbesondere aber auch zur Prüfung von 
Konjekturen auf ihre Richtigkeit resp. Wahr- 
scheinlichkeit. Wollte ein jeder Kritiker es sich 
zur unverbrüchlichen Pflicht machen, nur solche 
Vermutungen zu veröffentlichen, von deren Über- 
einstimmung mit dem Gebrauch des Dichters er 
sich hinreichend überzeugt hat, so würde die Zahl 
der jährlich zu Markte getragenen Konjekturen 
erheblich zusammenschwindeu. In den letzten 
Jahrzehnten hat die FeststeUung des Plautinischen 
Sprachgebrauches nach den verschiedemsten Eich- 
tungen hin mannigfache Fortschritte aufzuweisen: 
sehr vieles bleibt freilich noch zu thun übrig. 
Eine E^ihe schätzbarer Beiträge enthält die vor- 
liegende Arbeit, „ein Erstlingsversuch*^ auf diesem 
Gebiete, der zu den besten Erwartungen berechtigt. 
Verf. hat sem Material auf drei Abschnitte ver- 
teilt In dem ersten erweist er für drei in 
doppelter Fassung überlieferte Stellen (Ps. 523. 
Merc 983. Truc. 374) auf grund eingehender 
Einzeluntersnchungen über die in Frage kommen- 
den Wörter und Wendungen die echte Fassong. 
Ich kann nur beistimmen, wenn Verf. sich am 
Schluß dieses Abschnittes gegen die prinzipieUe 
Bevorzugung einer der beiden Rezensionen dahin 
ausspricht, daß von Fall zu Fall genau zu unter- 
suchen ist, welche von den Varianten mit dem 
sonstigen Brauch des Plautus übereinstimmt Im 
zweiten Abschnitt teilt er unter acht Nummern 
ebenso sorgföltige wie für die Emendation er- 
sprießliche Beobachtungen mit. Im dritten knüpft 
er wieder seine Beobachtungen an eine Reihe nach 
der alphabetischen Folge der Stücke geordnete 
Stellen an, um teils die Unznlänglichkeit der 
bisherigen Verbessemngsversuche zu erweisen und 
sie durch dem Sprachgebrauch gemäßere zu ersetzen, 
teils mehr oder minder verborgene Fehler der 
Überlieferung aufzudecken und auf den Sprach- 
gebrauch sich gründende Vorschläge zu ihrer 
Beseitigung zu machen, teils aber auch um die 
Überlieferung vor unbegründeten Änderungen zn 
schützen. Eine weitere Übersicht des reichen 
Inhalts zu gebeir und den Gewinn im einzelnen zn 
verzeichnen, verbietet der Raum; jedenfalls kann 



269 



[No. 9.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [28. Februar 1883.] 270 



der Verf. mit R^cht sagen, daß er „au der Mehr- 
zahl der von ihm behandelten Stellen den Sitz der 
Verderbnis richtig erkannt hat". 

Auszusetzen habe ich namentlich, daß Verf. 
mehrfach die Neignng zeigt, die Plautinische Sprache 
in zn enge Fesseln zu schnüren. Bei der großen 
8tätigkeit derselben liegt die Versuchung dazu 
allerdings sehr nahe; aber es giebt auch Ausnahmen 
von den Regeln, und manche Singularität erweist 
sieh im Zusammenhang mit andern Erscheinungen 
« nd bei näherer Erwägung als wohl begründet und 
erklärbar. So kann der Umstand, daß Pei*s. 704 
ansculto ergo, ut scias die einzige Stelle ist, wo 
auf auscultare ein Finalsatz folgt, unmöglich die 
von allen Hss bezeugte Lesart zweifelhaft machen, 
zumal neben Stellen wie Cist. II 1,44 audi, meam 
ut scias sententiam, Asin. 332. Capt. 329. Cist. 
II 1,34 animum advorte ut — scias. Es heißt 
allerdings sonst stets de via decedere, degredi, 
depnlsare; ist es aber darum undenkbar, daß 
Plautus sich auch einmal die Freilieit genommen 
hat, via decedere zu sagen Ampb. 990 Quam rem 
ob rem mihi magis pai' est via decedere et con- 
cedere*?*) Wenn Verf hier anrät, est umzu- 
stellen — er schlägt drei Möglichkeiten vor — 
oder ganz zu sti*eichen, so ist es meiner Ansicht 
nach bedenklich, in einer Formel wie par est die 
übliche Wortfolge (vgl. insbesondere Poen. 521. 
St. 512. Trin. 230) gegen die Überlieferung zu 
stören. Andererseits weist ja auch nicht jede Ab- 
weichung von der gewöhnHchen Wortfolge ohne 
weiteres auf eine Verderbnis hin. Es heißt regel- 
mäßig numquid me vis? bis auf Aul. 175 quid? 
me numquid vis? und 263 ibo igitur parabo; 
numquid vis meV — Istuc. — Fiet. — Vale. An 
letzterer Stelle geben freilich sämmtliche Hss 
numquid me vis; aber wenn B durch von erster 
Hand (so ausdrücklich Lorenz) übergesetzte Zahlen 
vis me umstellt, so ist das als eine Korrektur des 
Archetypus zu betrachten. Diesen Umstand hat 
A. bei der Behandlung der Stelle ganz außer Acht 
gelassen. Die andere Stelle führt er bei derselben 
Gelegenheit nach einer Vermutung von C. F, 
W. Muller an. Götz schreibt hier numquid me 
aliud vis?, was deshalb nicht wahrscheinlich ist, 
weil numquid (numquidpiam) aliud zusammenzu- 
stehen pflegen. Der Grund der Abweichung von 
der regelmäßigen Wortstellung ist einfach der, daß 
Plautus auf das eine Frage einleitende quid die 
Pragepartikel oder das Fragepronomen nicht un- 

*) Noch diesem Prinzip wäre auch an Most. 251 
Anstoß zu nehmen, der einzigen Stelle , wo bei loco 
auf die Frage wo? in fehlt. 



mittelbar folgen lässt.*) Die in dem anderen Verse 
von A. allerdings nach Analogie anderer Stellen 
vorgeschlagene Vermutung Num quid me visV — 
Ut valeas. — Vale ist schon äußerlich so unwahr- 
scheinlich als möglich. Ich nehme an der ab- 
weichenden Stellung keinen Anstoß, da Plautus 
sich auch sonst aus Eücksicht auf das Metrum in 
feststehenden Formeln Abweichungen erlaubt hat; 
über istuc vgl. Ba. 757, über fiet Mgi. 908. Die Art, 
wie A. Aul. 730 behandelt, — er will in der 
zweiten Hälfte non edepol quid agam scio für quid 
agam edepol nescio — könnte den Schein erwecken, 
als sagte Plautus in solchen Verbindungen nur non 
edepol, non hercle scio; aber vgl. nescio hercle 
Merc. 620. Ps. 780, nescio pol Aul. 71 , pol ego 
hau scio 426. Mir erscheint jeder nur die zweite 
Vershälfte betreffende Vorschlag bedenklich, solange 
nicht eine wahrscheinliche Heilung auch der ersten 
gefunden ist, die A. in der von Götz vorge- 
schlagenen Fassung giebt, ohne sich die Frage 
vorzulegen, ob gerade das am Anfang tiberlieferte 
Quid agam falsch ist (cf. Cure. 589). Wenn ferner 
Plautus viermal in der Arsis divom atque hominum 
sagt, ist daraus auch nur mit einem Schein von 
Notwendigkeit zu folgern, daß auch an den beiden 
Stellen, wo sich die Formel pro deum ätque hominum 
fidem findet, in der Thesis divom einzusetzen istV 
Auch Terenz sagt gewöhlich pro deüm fidem, pro 
deum ätque hominum fidem (vgl. Caecil. v. 211); 
wenn sich bei ihm (Ad. 746) wie bei Ennius (Sat. 30) 
einmal pro divom fidem im vorletzten Fuße des 
jambischen Senars findet, so ist der Grund für 
die Anwendung der spondeischen Form klar er- 
sichtlich. — Mit manchen Entscheidungen des Verf. 
bin ich aus anderen Gründen nicht einverstanden, 
so wenn er Cure. 554 der Lesart des B at tu 
aegrota das aut tu aegrota von E* und J vorzieht. 
At tu ist in solchen Gegenreden sehr gewöhnlich 
(vgl. z. B. Men. 547. Merc. 756. Most. 837. 897. 
Poen. 1234. Most. 837. 897. Trin. 606), dagegen 
finde ich kein genau entsprechendes Beispiel für 
aut tu ; die von A. beigebrachten Belege kann ich 
nicht für beweiskräftig halten. 

Ich schließe mit dem Wunsche, dem Herrn 
Verf. recht bald wieder auf diesem Gebiete zu 
begegnen. O. Seyffert. 



*) Die einzige Stelle, die in der Überlieferung eine 
Stütze hat, Mgl. 1277 Quin tuä causa excgit viram 
ab se. — Qaid? qui id facere pötait? ist offenbar zu 
schreibeo exegit virüm ab so. — Qui id f. p.? Die 

handschriftliche Lesart geht augenscheinlicb auf 

M, Py. qnl id 
folgende Schreibweise zurück: obsequit. 



271 



[No. 9.] 



BERLINER PHILOLOGISCBE WOCHENSCHRIFT. [28. Februar 1885.) 27« 



H. Th. PIttfs, Vergil und die epische 
Kunst. Leipzig 1884, ß. G. Teubner. 366 8. 
gr. 8. 8. M. 

(Schloß aus No. 8.) 
Die Analyse mancher Abschnitte — ich nenue 
z. B. die Rede des Äneas A. I 198 — 217 
(p. 23) — ist außerordentlich schön. An an- 
deren Stellen hat das Streben, alles zu erklären, 
alles zu motivieren, in jedem Worte, ja in den 
Lauten selbst eine bestimmte Absicht des Dich- 
ters zu linden nnd nachzuweisen, zu liiOgriifen 
geftthrt. Es war genug und mehr als genug, 
wenn p. 17 gesagt wurde, daß „die Dreizahl 
und dann das Beiwort oder Prädikat der Hirsche 
'errantis uns Hörer das wunderbar Glückliche 
und Uberrascliendc der Entdeckung empfinden 
läBt". Nnn heißt es aber weiter: „die Dreizahl 
giebt der Phantasie ein Bild von anschaulicher 
und anmutiger Symmetrie". Sollte Vergil wirklich 
daran gedacht haben? A. HI 537 sieht Aneas 
an der Küste von Italien vier Pferde. Wäre die 
Scene nun „anschaulicher und anmutiger*", wenn 
er drei gesehen hätte? In solchen Dingen muß 
man doch dem Dichter ein Eecht der W^illkür zu- 
gestehen. Auf S. 150 wird die Wettfahrt der 
Schiffe so kräftig und lebhaft erzählt, daß man das 
Lob, welches PI. dem Dichter erteilt, auf seine 
Schilderung anwenden kann: „Es ist ein präch 
tiges, lebendiges episches Bild freudigen öffent- 
lichen Lebens** p. 151. Den Römern aber ist, 
wenn wir ihm glauben, der Genuß, den wir bei 
dem Anblick dieses Bildes empfinden, entgangen. 
Denn die Zuhörer Vergils erleben, wie wir 
p. 153 erfahren, bei diesem Abschnitt „ästhetisch, 
rhythmisch erregt eine Begebenheit, welche sie in 
ihrem eigenen seitherigen Volksleben real erlebt ' 
haben und deren Weiterbewegung sie noch in der 
realen Gegenwart erleben". Der Konjunktiv cre- 
dant A. I 218 wird p. 33 ganz richtig „aus der 
Situation heraus" erklärt. Aber wie stimmt es 
damit Uberein, daß gleich darauf der Konjunktiv 
geeigneter sein soll, „uns die Subjektivität der 
Urteile und Stimmungen fühlbar zu machen", und 
daß „diese unsichere Subjektivität zur Charak- 
teristik der Trojaner" gehört? Danach wäre ja 
der Konjunktiv nicht „ans der Situation", sondern 
aus dem Charakter der Trojaner heraus zu er- 
klären. Ahnliche Widersprüche sind nicht selten. . 
Nach p. 37 ist Aneas nach dem Sturm „in seinem ' 
Glauben an Götterwillen und Zukunft tief er- ' 
schüttert" : nach p. 40 „klammert er sich" im 
rxeffensabs zu seinen schwächeren Genossen „an j 
den idealen Glauben fest". Nach p. 135 wird , 



Acestes von dem Dichter geehrt „durch da^enige 
Himmelszeichen, welches dem Zuhörer das wohlbe- 
kannte Zeichen der römischen Weltherrschaft unter 
dem Julier Augustus in Erinnerung bringt und 
nach der Absicht des Dichters bringen soll": anf 
p. 128 ff. wird eine ziemliche Anzahl von Facketa 
nnd Boliden erwähnt, an welche das Zeichen viel 
mehr erinnern soll als an den Kometen Cäsars, 
der doch allein hier in betracht kommen kann, 
wenn es gilt, eine allgemein bekannte und aner- 
kannte Himmelserscheihung zu finden. Die Unter 
suchungen von PI. erinnern zuweilen an die Arbeit 
der Penelope. Der Untersuchung über ^.die 
plastische Herstellung des epischen Bildes", welches 
Vei-gil in dem Schilde des Aneas gezeichnet hat, 
ist ein besonderer Abschnitt, p. 314—334, gewid- 
met. PI. geht im Anschluß an A. VDI 448 f. 
septenos(iue orbibus orbes impcdiunt davon ans, daß 
Vergil „sieben Üogen" oder, wie er es nennt, 
„Kreise" hat, und dali er diese Kreise immer einen 
in den andern „hinein wickeln" läßt. „Sollte das 
nicht deutlich bedeuten, daß Vergil sich sieben 
konzentrische Ringe dachte"? (p. 315) Auf diese 
sieben Kinge verteilt er (p. 315—319) die Figuren 
des Schildes in achtzehn Bildei'u so vortrefflich, 
daß er selbst den Beifall des Lesers vorwegnimmt 
„Und was für ein schönes Ebenmaß in der räum- 
lichen Verteilung! Der äußerete, der innerste und 
der mittelste Ring (so wie auf dem Schilde die 
Ringe aufeinander folgen) sind je in zwei Halb- 
ringe geteilt nnd enthalten je zwei Bilder; hin- 
wiederum zeigen die zwei Paare von Ringen, 
welche von jenen drei eingefaßt werden, je drei 
gleiche Teile mit je drei Bildern. Wie sinnig ist 
aber auch inhaltlich diese Gruppierung der Ringe! 
— Gewiß eine sehr einleuchtende, sinnlich und 
sinnig wohlgeftlllige Art der Verteilung" ! (p. 319) 
„Freilich, Bedenken lassen sich erheben — die 
'Andeutungen^ des Dichters sind so wenig zahlreich, 
so wenig bestimmt im einzelnen und so wenig kon- 
sequent in der Aufeinanderfolge* u. s. w. p. 320. 
Kurz nach einer längeren Erörterung jpebt PI. 
als Erstes zu: „die Absicht, ein solches Bild zn 
geben hat Vergil nicht gehabt, oder aber er hätte 
sie vollständig verfehlt", p. 323; doch noch ein 
Zweites darf er nicht verschweigen : Vergil braucht 
als epischer Dichter „nach den Gesetzen seiner 
Kunst sich selber die räumliche Verteilung nicht 
vorgestellt zu haben" (p. 333). Das wird recht 
ausführlich p. 323—333 bewiesen. „Warum", 
heilit es dann weiter, „soll ich nnn das Dritte 
nicht auch noch zugeben, daß nämlich Vergil sich 
jenes räumliche, plastische Bild seines Schildes 



273 



[No. 9.) 



BERLINER FniLOLOGlSCHB WOCBENSCBRIPT. [28. Februar 1885] 274 



aach in Wirklichkeit gar nicht gemacht habe und 
darum alle Versuche, uns die plastische Ausfühning 
zu rekonstruieren, nichts als verlorene Mühe seien*' ? 
Auch für diese Selbstwjderlegung rechnet er auf 
die Zustimmung seiner Leser (p. 334). Gewiß 
mit Recht! Weniger Beifall dürften aber die Ein- 
würfe finden, welche er gegen die Ansichten 
Lesaings, Schillers Und Goethes über den Zweck 
der Laocoonepisode erhoben hat. 

Schon »mit den einzelneu Auffassungen der 
Vergiliijchen Worte" hat Lessing nach PI p. 84 
Unrecht. ^Zunächst tritt die sinnliche Anschauung 
der Größe oder Länge der Schlangen nicht in der 
Weise von vornherein als hen-schende hervor, daß 
man eine beabsichtigte Vorbei*eitung auf ein nach- 
folgendes riesiges Umstrickungsbild spüren könnte**. 
Aber wenn es richtig ist, was PI. gleich darauf 
selbst sagt, daß „an den beiden Stellen der ersten 
Beschreibung, wo das Beiwort ^unermeßlich' ge- 
braucht ist, dasselbe insbesondere zur Vorstellung 
der Ringe und Windungen gehört", und wenn die 
Umstricknng gerade durch diese Ringe und Win- 
dungen bewirkt wird, so dürfte in diesem Punkte 
Lessing durch seinen Gegner selbst genügend ver- 
teidigt sein. Weiter heißt es dann p. 87: 
^Yom Pressen edler Teile bis zum Ersticken ist 
nicht die Rede*^. Aber wenn auch der unbestimmte 
Ausdruck 'sie haben sich um ihn in seiner Mitte 
herumgeschlagen* nicht geeignet ist, die bestimmtere 
Anschauung eines Körperteils hervorzurufen, an 
welchem die TJmschnürung lebensgefahrlich wäre", 
so reicht doch der Gedanke an die Umstrickuug 
durch eine Schlange aus, um dem Leser den Atem 
zn nehmen und ihn dieselbe Not bei dem Leiden- 
den voraussetzen zu lassen. Mit Unrecht wird 
auch p. 88 bestritten, daß der Leser die Arme 
des Laocoon sich als frei denken müsse. Denn 
ohne die Freiheit der Arme ist der Versuch der 
Abwehr (v. 220) unmöglich. Ebenso unzweifel- 
haft ist es, ndaß mit den Kindern Laocoon auch 
subjektiv leidet, oder wie Schiller sich ausdrückt, 
daß der moralische Mensch in Laocoon angefallen 
wird* (p. 91). Die Erfüllung der Vaterpflicht wird 
allerdings nur durch zwei Worte ausgedrückt: 
auxilio subeuntem (v. 210). Aber war denn zu 
einer weiteren Ausführung Zeit? Durfte sich der 
Dichter mit der Ausmalung von Gefühlen auf- 
halten, denen sich der Vater, weim er anders seine 
Pflicht erfüllen wollte, auch nicht einen Augenblick 
hingeben konnte? Denn von einer Wahl zwischen 
Flacht und Hülfe kann hier doch nicht die Rede 
sein. Freilich behauptet PI p. 91: „Der Dichter 
müßte nns die Möglichkeit, daß der Mann auch 



zu fliehen versucht sein könnte, wenigstens durch- 
fühlen lassen". Aber jede solche «Möglichkeif* 
müßte uns an der Vatertreue des Laocoon zweifeln 
lassen. Daß später nur die Leiden des physischen 
Menschen zu schildern waren, ist an sich klar. 
Um dies zu beweisen, bedurfte es nicht der Hin- 
Weisung darauf, daß „anch der Opferstier nicht 
um seiner Kinder willen, sondern um seiner selbst 
willen brüllt" (p. 92), — Worte, die in einer Po- 
lemik gegen Schiller nur peinlich berühren können. 
Dieser führt mit Recht seine Prüfung des Pathe- 
tischen am Vergilischen Laocoon, wie PI. selbst 
p. 92 sagt, „nur bis zu der Stelle, wo die Schlangen 
den Laocoon als Hülfeleistenden ergreifen". 

Es war in der That kein Grund, Vergil gegen 
die Urteile unserer drei gi'oßen Dichter in Schutz 
zu nehmen. Jeder von ihnen hebt ein Moment 
von größter Wichtigkeit heiTor: Lessing die 
künstlerische Darstellung, Schiller die ethische 
Wirkung, Goethe die Bedeutung der Scene für 
die weitere Entwicklung der Ereignisse. Keiner 
gelangt zu einer der Vergilischen Anschauung von 
der Weltregierung so widersprechenden Ansicht 
als PI., nach welchem der Zweck des Dichters 
war darzustellen, „wie die Götter, um das ver- 
hängte Geschick eines Volkes zu vollziehen, den 
edelsten und weisesten Berater dieses Volkes durch 
sichtbare G^ttermacht vernichten, durch den Schein 
eines göttlichen Strafgerichts den arglosen, blinden 
Glaubenseifer des Volkes in Aufruhr bringen und 
so den Erfolg menschlicher List und Lüge in den 
höheren, aber auch ftirchtbareren Triumph des 
Götterwülens verwandeln". Das kann nicht die 
Absicht des Dichters gewesen sein, dem wir den 
Vers verdanken: discite iustitiam moniti et non 
tenmere divos (VI 620). 

Wie der Zweck der Komposition, so ist 
auch die Form der Darstellung nicht immer 
mit der nötigen Objektivität beurteilt. Vergil ist 
ein so großer und so allgemein anerkannter Meister 
der Form, daß man nicht nötig hat, mehr in ihm 
zu suchen und in ihn hinein zu legen, als der 
Text selbst giebt. Er verwendet die Mittel der 
Tonmalerei nicht sowohl mit Virtuosität als viel- 
mehr mit einem wahren, durch Feinheit des Ge- 
schmackes gezügelten Genie. Will man diese so 
zu sagen musikalische Seite seiner Kunst in Worte 
fassen, in Regeln bringen, auf bestimmte Absichten 
zurückführen, so versucht man etwas Unmögliches. 
Richtig ist es dagegen, daß auf den Vortrag auch 
für die Interpretation der Verse Vergils sehr viel 
ankommt. Die sehr treffenden Bemerkungen, 
welche PI. über den Tonfall, die Pausen, die 



275 



[No. 9.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [28. Februar 1885.] 376 



Hebungen nnd Senkungen der Stimme an vielen 
Stellen seines Buches (vgl. p. 74, 103, 188, 194, 
213, 225, 237, 238, 240, 245, 252, 292 u. a.) 
giebt, können daher nur mit Dank als Beiträge 
zum richtigen Verständnis des Yergil angenommen 
werden. Aber weiter ihm zu folgen ist unmöglich. 
Bedenklich erscheint nameutlich die Verwendung 
des Stabreims zu den Zwecken der Interpretation. 
In der deutschen Metrik ist der Stabreim eine 
der drei Arten des Gleichklangs, welche dazu 
dienen, die einzelnen Verse enger zu einem Ganzen 
zu verbinden (vgl. Niemeyer Abr. p. 12). Nach 
PI. p. 16 ist der Stabreim „nur der Ausdruck 
lebhaften Anteils an dem Dargestellten". Dieser 
Satz wird teils als Axiom wiederholt oder voraus- 
gesetzt z. B. p. 183, 241, 260, teils durch rein 
subjektive Erfahrungen begründet vgl. p. 359: 
„Jeder kann an sich oder an andern beobachten, 
daß gewisse Naturen allitterieren, wenn sie im 
Affekte reden oder schreiben . . . Also Affekt, 
welcher die Anfangslaute besonders scharf und 
nachdrücklich bildet und diesen effektvollen Nach- 
di*uck durch "Wiederholung und Anklang verstärkt, 
augenblicklicher Affekt bei gewisser Naturanlage 
wäre das Erste; Gewöhnung und unwillkürliche 
Entwicklung einer vorhandenen Naturgabe wäre 
das Zweite, techDische Ausbildung das Dritte, 
wenn die allgemeinen Gründe der Allitteration an- 
gegeben werden sollen^. Erwägt man nun, daß 
der Boden für eine wissenschaftliche Untersuchang 
der Allitteration bei Vergil kritisch noch nicht ge- 
ebnet und befestigt ist, so erkennt man, wie bedenk- 
lich es ist, zur Erklärung schwieriger Stellen Gründe 
ans der Bedeutung des Stabreims zu entnehmen. 
Auf einzelne Bemerkungen über die Form der 
Darstellung näher einzugehen, gestattet der Baum 
nicht Nur das darf nicht verschwiegen werden, 
daß der Angriff auf Lessings Kritik des Aneas- 
schildes nach zwei Richtungen hin verfehlt ist. 
PI. leugnet p. 271 f., „daß Homer wir'klich das Ent- 
stehen der Bilder als lebendige Handlung vorführe*", 
weil auf die Übergangsformen „er verfertigte**, „er 
schuf" sofort die fertigen Bilder folgen. Er über- 
sieht dabei, daß dem Gotte wie dem Künstler 
bei der Arbeit das Gesamtbild vorschwebt, daß 
er nach diesem arbeitet und daß demnach die Vor- 
führung der Gesamtbilder zur Darstellung der 
Kontinuität seiner Arbeit notwendig ist. Auch 
an den Stellen, an welchen, wie p. 275 behauptet 
wird, „sogar das fertige Bild vor den Vorgängen 
und Scenen als solchen** zurücktritt, erkennen wir, 
wie dem schaffenden Gotte beim Anschauen der 
entstehenden Gestalten die Wirklichkeit, die er 



darstellen will, in ihrer ganzen Fülle vor Augen 
tritt Der Abstand zwischen Homer und Vergfl 
in diesem Punkte ist ebenso wenig zu leugnen ah 
das Stillstehen der Handlung während der Auf« 
Zählung der Bilder des Aneasschildes. PI. sagt 
zwar, ich weiß nicht wie oft (p. G, 304, 309, 31 2 1, 
daß der Schild eine Weissagung enthalte. Er ver 
sichert sogar p. 305, daß der Held „freilich nnr 
ahnend" die Weissagung vernimmt; aber Vergil 
sagt das Gegenteil A. VI 737 rerumque ignaras 
i magine gaudet. Das ist Lessing nicht entgangen, 
in dessen Urteil über Vergil PI. „ein zwar erklär- 
liches, aber für seine philologische Gründlichkeit 
wenig ehrenvolles und in den Nachwirkungen höchst 
schädliches Vorurteil" sieht. 

In dem letzten Abschnitt seines Buches p. 334 
bis 366 unterainmit es PI , „den Wert der epischen 
Kunst Vergils" zu bestimmen. Dem Dichter in 
der Beantwortung dieser Frage gerecht zu werden, 
ist fast unmöglich. Denn er hat sein einziges 
Epos unvollendet zurückgelassen. Über die Be- 
deutung seines Werkes aber hat die Nachwelt längst 
entschieden: sie hat ihm einen entscheidendes 
Einfluß auf allen Gebieten menschlicher Kunst 
und Gesittung eingeräumt. Auch an der schöpfe- 
rischen Kraft des Genies unseres Dichters kann 
kein Zweifel sein. Er hat die bereits hoch ent- 
wickelte Sprache seines Volkes durch Bereicherang 
des Wortschatzes und durch Erweiterung fast aller 
Gebiete der Woitfüguug nnd Satzverbindung um- 
gestaltet — ein Verdienst, das in dem Kommentar 
nur durch sprachgeschichtliche Anmerkungen zur 
wissenschaftlichen Anerkennung kommen kann. Er 
hat aus den Elementen griechischer Sage und rö- 
mischer Tradition, unterstützt durch praktische 
Erfahrung und philosophische Durchbildung, ein 
Werk von ewiger Dauer gescliaffen. Das Bild 
schöner Gesittung und heldenmütiger Kraft, welches 
die Aneis bietet, und das in seinen weiten Urnnssen 
das Leben im Diesseits und im Jenseits umfaüt. 
übt auch heute noch den veredelnden Einfluß, deo 
die früheren Jahrhunderte ihm rückhaltlos zuge- 
standen haben. Es konmit nicht sowohl darauf 
an, Vergil beredt zu verteidigen, als vielmehr 
die Fundamente klar zu legen, auf denen seine 
unvergängliche Geltung ruht. 

Berlin. C. Schaper. 



P. Girard, De Locris Opuntiis. Thesiro 
facultati litterarum Parisiensi proponebat ^^' 
risiis 1881, E. Thorin. IV, 110 S. 8. wH 1 
Karte nnd 2 Lichtdrucktafeln. 4 fr. 

Eine auf Foucarts Anregung entstandene, fleißige 



277 



[No. 9.] 



BERLINER PüILOLOGISCHB WOCHENSCHRIFT. [28. Febraar 1885.] 278 



Arbeit. Der Verfasser war Mitglied der französi- 
schen Schale in Athen und hat in dieser Disser- 
tation zugleich die Ergebnisse seiner Bereisnng 
des lokrischen Küstenlandes niedergelegt. Den 
ersten Teil bildet die tJbersicht der geschichtlichen 
Verhältnisse nnd die Beschreibung des Landes; die 
topographischen Bestimmungen haben durch in- 
schriftliche Funde nur für Thronion einige Sicher- 
heit erhalten. Opus setzt G. zweifelnd bei Atalanti 
an, Lolling sucht es wie die meisten der älteren in 
Kokkinobrachos. Der zweite Teil der Abhandlung 
handelt über Kulte, Verfassung, Dialekt nnd Kunst- 
thätigkeit der Opuntier, die letztere mit besonderer 
Berücksichtigung der Vasen- und Terrakottenfunde, 
Ton denen Proben auf zwei Lichtdmcktafeln bei- 
gegeben werden. Vier recht eingehende Indices 
machen den Abschloß. 
Berlin. R. Weil. 

Victor Dnmy, Geschichte des römi- 
schen Kaiserreichs. Aus dem Französischen 
übersetzt von Gustav Hertzberg. Mit ca. 
2000 Ulastrationen iu Holzschnitt n. einer An- 
zahl Tafeln in Farbendruck. Leipzig 1884, 
Schmidt u. Günther. In Lieferangen ä IM. 

Von dem bekannten Werke Duruys liegt hier 
eine von Hertzberg übersetzte deutsche Ausgabe 
vor. Da es in diesem Falle nicht die Aufgabe sein 
kann, den wissenschaftlichen Wert des Originals 
zu erörtern, gentigt es festzustellen, daß die Vor- 
zfige, welche dasselbe zu einem Buche für weitere 
Kreise machen, in der deutschen Bearbeitung er- 
halten sind. Die Hertzbergsche Übersetzung liest 
sich leicht nnd angenehm, die Sachkenntnis ist dem 
Übersetzer nicht abzusprechen, und der Haupt- 
vorzug der großen, illustrierten französischen Aus- 
gabe von Duruys Geschichte, eine gute und ge- 
schmackvolle Auswahl meist trefflich gearbeiteter 
Illustrationen, findet sich selbstverständlich in der 
deutschen. So dürfte sich dies Buch besonders 
den Schulbibliotheken zur Anschaffung empfehlen. 
Gießen. Herman Schiller. 



Vincenzo Dorsa, Latradizionegreco- 
latina negli usi e neue credenze po- 
polari della Galabria Citeriore. 2. edi- 
zione corretta ed accresciuta. Cosenza 1884, 
Tip. Principe. 148 S. kl. 8. 

Die erste Auflage dieser interessanten und 
lehrreichen kleinen Schrift habe ich niemals ge- 
sehen und kann darum über ihr Verhältnis zur 
vorliegenden zweiten nicht urteilen. Der Freund 



des Folklore findet hier eine reiche Zahl von Ge- 
bräuchen nnd Aberglauben aus den italienischen 
pnd albanesischen Dörfern in Galabria citerioi*e 
von einem Manne gesammelt und besprochen, der 
sich ein langes Leben hindurch liebevoll mit dem 
Volkstum seiner Heimat beschäftigt hat.*) Wer 
wollte es dem alten Herrn, der in Cosenza ab- 
geschieden von litterarischen Hülfsmitteln lebt, zum 
Vorwurf machen, wenn seine Methode nnd seine 
Deutungen sich nicht immer in Übereinstimmung 
mit der modernen Forschung befinden? Man kann 
es bedauern, daß Grimms deutsche Mythologie dem 
Herrn Verfasser, wie es scheint, unbekannt ge- 
bb'eben ist, und daß dafür ein mir sonst unbekanntes 
Buch von einem gewissen Ozanam „I Germani 
avanti il Cristianesimo^' als Quelle für deutschen 
Glauben citiert wird. Aber der Hauptwert des 
Büchleins liegt in dem mitgeteilten Material, nicht 
in dessen Deutung. Auch der klassische Philologe 
wird mit Int.eresse lesen, wie das Horazische (Ars 
poetica 417) occupet extremum Scabies noch 
heut in der kalabresischen Verwünschung a chi 
Tultimu ci resta venga la pesta wiederklingt 
Manches ist dem Herrn Verf. entgangen : so finden 
sich die Kohlen, die dem unvorsichtigen Schatz- 
gräber statt der gehofften Reichtümer — nicht bloß 
im kalabrischen Volksglauben — zu teil werden, 
bereits in der altgriechischen sprichwörtlichen 
Redensart avdpaxec 6 dr^jaop^c (Lukian Zeuxis 2) 
und im lateinischen Sprichwort carbonem, ut 
aiunt, pro thesauro invenimus (Phaedrus 
V 4, 6). Das Zurückführen eines jeden volks- 
tümlichen Gebrauches auf uralte mythologische 
Anschauungen geht ohne Zweifel bei Herrn Dorsa 
häufig viel zu weit: Seite 49 wird sogar Brahma 
angerufen, um die Ostereier zu erklären. Der- 
gleichen findet sich aber im Übermaße auch in der 
deutschen sogenannten mythologischen Wissenschaft. 
Verfehlt ist gewiß auch die mythologisch-symbo- 
lische Erklärung der Redensart Tra cane e lupo 
zur Bezeichnung der Dämmerung: aber es ist 
wertvoll, nun auch auf italienischem Boden dieser 
Metapher zu begegnen, die bisher nur aus franzö- 
sischem, provenzalischem und portugiesischem 
Sprachgebiet belegt war, auch von dem letzten, 
der sie besprochen, Herrn Cuervo, in der Romania 
XU 1 10. Es scheint fast, als ob sich eine hereits 
vulgärlateinische Redensart intra canem et 

*) Zur Ergänzung verweise ich gern auf die geist- 
vollen und inhaltsreichen Essays meiner hochverehrten 
Freundin, Frau Gaterina Pigorini-Beri in Gamerino, 
die unter dem Titel ^In Galabria^ in der Nuova An- 
tologia vom 1. Juli 1883 u. ff. erschienen sind. 



279 



[No. 9.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [28. Februar 1885.] 380 



Inpmn daraus ergäbe. Ihre Erklämng ist freilich 
streitig. Littr^ meinte, es sei die Zeit, qnand le 
jonr est si soinbre qn'on ne sanrait distinguer an 
chien d'avec an loup. Das erscheint willkürlich. 
Gegen Herrn Brinkmanns Dentang (zuletzt in 
seinem Werke *Die Metaphern* I 269) hat sich 
Schuchardt in Herrigs Archiv Bd. 47 (1871) S. 348 
gewendet: er vergleicht die Redensart *weder Fisch 
noch Fleisch', insofern vom Tag zur Nacht ein so 
anmerklicher Übergang stattfindet wie vom Hand 
in seinen Varianten and Abarten zum Wolf. Diese 
Anschaaang scheint eine Unterstützung zu finden 
in dem französischen n'etre ni chien ni loup, 
das neuerdings Herr E. Bx)lland in seiner Faune 
populaire de la France 1110 mitteilt. Auf andere 
Fährte könnte das Horazische hac urguet lupus, 
hac canis, aiunt (Satiren II 2, 64) locken, wo 
von dem Vermeiden zweier Extreme die Rede ist. 
Die Sache verdiente, daß man ihr genauer nach- 
ginge. Anderes, woran ich eine Bemerkung an- 
knüpfen könnte, übergehe ich, um bloß noch darauf 
hinzuweisen, daß das kalabresische Woit zaricchie 
„Lederschahe** nichts anderes ist als griechisches 
Tiapo'jyta, das seinerseits türkischen Ursprungs ist 
(caryk Holzschuh, Gamasche). Das Wort hat auch 
ins Serbische Eingang gefunden. Sache und Wort 
stammen im Unteritalienischen gewiß von den 
Griechen: ich finde aber das Wort in den Arbeiten 
der Herrn Morosi und Pellegrini nicht verzeichnet. 
Graz. Gustav Meyer. 

B. Gerth, Eurzgefafste griechische 
Schnlgrammatik. Im Anschlnfs an die 
Gurtiussche griechische Schulgrammatik be- 
arbeitet. Leipzig 1884, G. Freytag. IV, 191 S. 
8. 1,80 M. 

Unter „Mitwirkung** des Verfassers dieses 
Baches erscheint ja schon seit der zehnten Auflage 
die griechische Grammatik von G. Curtius, welche 
gerade diesem ^Mitarbeiter" ihre zunehmende 
„ Dickleibigkeit ^ zu danken hat. Jetzt hat sich 
nun der Verf. infolge an ihn gelangter Auf- 
forderungen entschlossen, ,.der ausführlichen 
Curtiusscheu Grammatik eine knappe Elementar- 
grammatik an die Seite zu stellen für die Bedürfnisse 
derjenigen Gymnasien, welche dem Schüler nur 
eine kurze Zusammenfassung des notwendigsten 
Lernstoffs in die Hand zu geben wünschen*^ 
Wie groß die Kürzung ist, mag folgendes lehren: 
die Laut- und Flexionslehre umfaßt bei C. (in 
der nenesten, 15 Auflage 1H82) 178 Seiten, bei 
G. 100, die Lautlehre allein bei 0. 99 §§, bei 
G. 55; die Syntax bei C. 137 S., bei G. 74. 



Gehen wir auf einiges ein, so ist ganz weg- 
gefallen der Abschnitt über die Wortbildungslehn*: 
vielerlei Vorbemerkungen, namentlich in der Syntax, 
sind als überfiüssig ausgelassen, weil sie aus dem 
übrigen sprachlichen Unteiricht, namentlich dem 
lateinischen, bekannt sind. Viele Partien sfaid 
im wesentlichen unverändert übernommen, andere 
aber auch ganz umgestaltet, sodaß dies Bach 
doch nicht ein ,, Auszug" aus der Curtiusschen 
Grammatik, sondern teilweise wenigstens ein 
selbständiges Werk ist. Während G. bekanntlich 
2 Hauptdeklinationen hat und die erste wieder 
in die A- und die O- Deklination teilt, spricht G. 
wieder von drei Deklinationen, der I A-, <ler 
II 0- und der III konsonantischen. Aber tls 
ein Beweis, daß doch nicht überall mit der nötigen 
Sorgfalt gearbeitet ist, findet sich S. 24 in den 
Vorbemerkungen zur „III konson. Deklin.*' 
folgender Satz: „Der zweiten Hauptdeklinatioo 
entspricht die latein. sogen. 3. und 4. Deklin.**. 
wörtlich aus C, wo es ja der üblichen Terminologie 
entspricht; ebenso gleich nachher: „Die zweite 
Hauptdeklination umfaßt alle drei Geschlechter." 
In den Deklinationen ist sonst die Curtinssche 
Finteilung und Anordnung meistens beibehalte», 
es werden aber teilweise andere Paradigmen ge- 
boten (seltene Worte, z. B. fU^ uni (Jvtt»7£iov, sind 
durch andere ersetzt) und bedeutend mehr aU 
bei C, viel mehr als nötig ist; z. B. in der I Dcklin. 
hat C. 3 Femin. und 3 Mask., ö. aber 11 Femin 
und 4 Mask. , namentlich wohl deshalb , weil an- 
statt der Erläuterungen und Bemerkungen Curtins' 
neue Paradigmen ohne Erläuterung gegeben 
werden. Auch unter den Subst. anomala sind 
eine Anzahl seltenerer Wörter gestrichen. — 
Eine vollständige Umgestaltung hat die Behandlung 
des Verbums erfahren. Der Verf. giebt zn, 
was ja von den Gegnern der Curtiusschen 
Grammatik immer behauptet ist, daß „bei der 
scharf durchgeführten Eint^lung der Verbal formen 
nach den einzelnen Tempusstämmen sich der Ge- 
fahr, daß das Yerbum gänzlich auseinanderfalle, 
kaum wirksam vorbeugen läßt". Daher hat der 
Verf. die alte Einteilung nach Verbalstämmen 
wieder in den Vordergrund gestellt: wobei ja 
„die Scheidung der Vokalstämme in weichvokalische 
und in Stämme auf a s o die Möglichkeit giebt 
dem Schüler rasch einen Überblick über die Ge- 
samtheit aller zu einem und demselben Verboin 
gehörigen Formen zu gewähren* *. Diese „Möglich- 
keit** ist bekanntlich immer als der wichtigsU* 
Grund gegen die von Curtius gebotene, theoretisch 
ja unzweifelhaft höchst berechtigte Ordnung nach 



981 



[No. 9.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [28. Februar 1885.] 282 



TemposstAmmeii von den Freunden der alten An- 
ordnung nach Verbalklassen angefäbi-t: es ist des- 
halb höchst erfreulich, daß hier zum guten Alten 
zarncJcgekebrt wird, und höchst charakteristisch, 
daß dies von einem so getreuen Anhänger, einem 
„Mitarbeiter", Curtius' geschieht! — Es werden hier 
also zunächst die Verba pura behandelt« a) weich- 
vokalische und diphthougische ; das Paradigma 
Auai wird allein ganz durchkonjugiert, b) Verba 
coniracta. Im § 1 45 werden zwar, übereinstimmend 
mit C, die konsonantischen Stämme nach dem 
Verhältnis des Präsensstammes zum Verbalstamme 
in 4 Klassen geteilt, dann aber § 146—154 die 
Matastftmme selbständig und allein behandelt, 
§ 155 — 159 die Liquidastämmc; das fut. atticum 
ist im Zusammenhange mit den Dentalstämmen 
abgehandelt, die Tempora 11 den Muta- und 
LiquidastämmeD eingefügt. — Die zweite Kon- 
jugation ist im wesentlichen wie bei Curtius be- 
handelt, desgl. die unregelmäßigen Verba auf co, nur 
viel kürzer, weil eine ganze Anzahl Verba fort- 
gelassen ist. 

in der ganzen Formenlehre siud auch die 
meisten „sprachwissenschaftlichen Erläuterungen, 
insoweit sie nicht dem Erfassen und Einprägen 
der Hegeln zu gute kommen, bei seite gelassen**. 
Darin ist der Verf. nach meinem Dafürhalten zu 
weit gegangen. So hätten auch in der I und 11 
Deklin. die Endungen aufgeführt, die Entstehung 
der Formen erläutert werden müssen, ebenso bei 
dem Verbum die Bildung der Formen aus Stamm, 
Bindevokal und Endung. Bei den Erklärungen, 
die er giebt, verfUhrt der Verf. auch höchst un- 
gleich; was hat es z. B. für Grund und Sinn, daß 
§ 176 wohl die Entstehung von eijjLt, «u, cov und 
£rrai erläutert wird, aber nicht die von el, thi, 
elvat, ^vV Ganz besondere aber verstehe ich nicht, 
was den Verf. veranlaßt hat, die Berücksichtigung 
Dicht nur älterer Formen, sondern auch des 
homerischen und des nenionischen Dialekts ganz 
fallen zu lassen. Damit ist die Foimenlehre doch 
nur eine solche des attischen Dialekts geworden, und 
das Buch reicht also für das Gymnasium nicht ans ; 
wenigstens zum Nachschlagen muß eine Behandlung 
der genannten Dialekte da sein, als Anhang oder 
besser bei den einzelnen Abschnitten der Formen- 
lehre in Anmerkungen und Zusätzen; ich weiß 
wenigstens nicht, wie man ohne diese fertig 
werden kann. 

In der Syntax fehlen die Kapitel „Vom Numerus 
nnd Genus", «Über einige Eigentümlichkeiten .der 
Relativsätze *" nnd «Von den Fragesätzen*" als 
selbst&ndige Abschnitte ; das Wichtigste daraus ist 



in anderen Abschnitten untergebracht. Die Reihen- 
folge der übrigen Kapitel ist nicht ganz die alte, 
auch in den einzelnen Teilen sind wieder Um- 
stellungen vorgenommen, z. B. bei den Bedingungs- 
sätzen ; sodann ist nicht bloß das »nur vereinzelt 
in der Schullektüre Vorkommende** — wie in der 
Formenlehre — gestrichen, sondern es sind auch 
viele und teilweise sehr starke Kürzungen vor- 
genommen z. B. in den Abschnitten über den Ge- 
brauch der Tempora und der Modi; und um 
größere Übersichtlichkeit zu erzielen, sind manche 
Regeln anders gefaßt als bei C, die bei C. oft 
mit der Regel zusammengearbeiteten Erläuterungen 
und Begründungen sind entfernt, sodaß das hier 
Gebotene allerdings viel lernbarer ist, z. B. die 
Regeln über die attributiven und prädikativen Ver- 
bindungen u. a. Auch in der Syntax ist fast nur 
auf die attische Prosa Kücksicht genommen, sehr 
selten auf Homer und die Sprache der attischen 
Dichter. Im ganzen aber genügt die Syntax den 
Ansprüchen der Schule, über welche ja das in den 
neuei*en Auflagen der Curtiusschen Grammatik 
von C. unter Gerths , Mitwirkung'' Gebotene weit 
hinausgeht. 

Da somit das Buch kein „ Auszug "^ aus Curtius 
Grammatik ist« so ist es nicht etwa als Vorstufe 
zu dieser zu gebrauchen; und allein genügt die 
Formenlehre, wenigstens nach meinem Dafürhalten, 
den Anforderungen des Gymnasiums nicht ganz. 
Katzeburg. W. Vollbrecht. 



IL Auszüge aus Zeitschriften, Pro* 
grammen und Dissertationen. 

^V6 Progranune und Dissertationen der Univer- 
sität Greifflwald i. J. 1883. 

1. A. Kiefsling, Coniectaneorum spicilegium 1. 
Lektionskatalog Sommer 1883. 
I. Hygin. de astr. II 27 Oriona continatum (so 
Kießiing st. continuatum) voluisse ei vim inferro . . . 
Das bisher unbekannte Verbum coniinari wird aas 
Symmachus, Apuleius u. a. belegt, resp. daselbst 
wiederhergestellt und erklärt (Ableitung von contus 
wie von coqnus coquinare). IL Zusammenstellung 
der Nachrichten des Asconius Pedianus über That- 
Sachen aus Vergils Leben und Hervorhebung ihrer 
Glaubwürdigkeit. Zum Schluß die Vermutaog, daß die 
chronologische Anordnung Ciceronianischer Reden in 
einigen Hss auf Asconius zurückgehe. OL Sueton. 
Vit. Horat wird der gewönlich als Interpolation ein- 
geklammerte Satz ut vero creditnm est salsamentario 
— emungentem mit dem gleichlautenden Witz des 
Borystheniten Bio bei Diog. Laert. IV 7, 46 verglichen 
und als eine boshafte Äußerung der litterarischeq 



288 



[No. 9.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [28. Februar 1886.] 284 



Gegner des Horaz, welche die Satireu desselben aut 
der ^iXo30(p{a i^r^vBia^LEyr^ Bions parallelisierten, auf- 
gefaBt IV. Lucil. 347 wird die alte Konjektur PanaeH 
für das aberlieferte paneri empfohlen und die Ab- 
üassungszeit dieses Fragments besprochen. 

2. U. y. Wilamowlts-Moellendorff, DeLycophro- 
nis Alexandra commentatiuncula. Lektions- 
kat Winter 1883/4. 

Für die Abfassungszeit der Alexandra wird zu- 
nächst das negative Kriterium gewonnen, daß die 
Abwesenheit jeglicher Imitation der Sprache der 
Komödie sowie das Fehlen ägyptischer Sagen auf 
eine Zeit führe, die vor Lykophrons Berufung nach 
Alexandria liegt, wo er bekanntlich die weitschichtige 
Litteratur der Komödie zu ordnen hatte. Sodann 
wird aus den Versen 1435-50 erschlossen, daß der 
o|iai|ioiv Kassandras (wenn man ihn nicht als Vertreter 
des ganzen Perservoikes auffassen wolle) Artabazus 
sei, dessen Tochter Barsine Alexander d. G. den 
Herakles gebar. Mit diesen Versen kombiniert Verf. 
801 SS., in welchen Herakles' Ermordung beklagt wird. 
Danach wird die Abfassungszeit (etwa 309—287) und 
der Ort der Abfassung (Chalkis) bestimmt Dazu 
stimmt auch die Erwähnung der römischen Herrschaft 
zu Wasser und zu Lande, die, wie manches andere, 
aus Timäus geflossen ist Es folgen Bemerkungen 
über Benutzung des L. durch Kallimachus und Do- 
siades (im ßu)|iö;): Letzterer ist vermutlich unter dem 
Pseudonym Lycida in den Thalysica Theokrits ver- 
borgen. Ebe Reihe von Emendationen (die auch 
sonst namentlich in den Noten zerstreut sind) bildet 
den Beschluß. 

3. Eugen Hom, De Aristarchi studiis Pinda- 
ricis. 92 S. 

Die in den Pindarscholien an fast 70 Stellen er- 
haltenen Citate aus Arlstarchs Kommentar zu der 
Pindarausgabe des Aristophanes von Byzanz sind 
nicht aus dem Original werke, sondern aus Didymus' 
Pindarkommentar geflossen, welcher viel Aristarchi- 
sches enthalten haben muß, und geben nur die von 
Didymus abweichenden Ansichten des Aristarch; so- 
mit erlauben sie kein abschließendes Urteil über den 
Wert dieser Leistung Aristarchs. Eine zweite wich- 
tige Quelle sind die Homerscholien, deren Überein- 
stimmung mit den Pindarscholien an einigen Beispielen 
nachgewiesen wird. Zum Schlüsse der Einleitung 
giebt Verf. ein kurzes Urteil über Aristarchs Kritik 
ab, wobei namentlich seine Unkenntnis in historischen 
Dingen hervorgehoben wird. T. II giebt die Frag- 
mente (85), wobei es sich empfohlen hätte, die nur 
durch Konjtktur auf A. zurückgeführten mit einem 
Sternchen äußerlich zu kennzeichnen. Eingestreut 
sind viele Verbesserungen der Schollen. In T. III 
stellt Verf. mit Hülfe der Homerscholien gramma- 
tische Bemerkungen über Pleonasmus, Ellipse u. a. 
zusammen, die vermutungsweise auf A. zurückgeführt 
werden. 



4. J. Bassow, Quaestiones selcctae de Euri- 
pideorum nuntiorum nariatiooibus. 74 8. 

Cap. L Do nuntiorum Euripideorom arte. In du 
Einleitung wird der Unterschied zwischen dem Äsdiy- 
Icischen Botenbericht (in den Persem) und den Eori- 
pideischen sowie Sophokleischen kurz dargelegt, die 
Normen des Enr. werden bestimmt, die erhaltenen 
Stücke darauf hin durchgegangen und die scheinbaren 
Ausnahmen besprochen. Nuntius Euripidcus 1) ab Om- 
nibus personis, qoae praeter eum a poeta inducuntur, 
discernendus est et in ea tantum scena prodit, in qat 
narrat, quae narrari vult poeta, 2) constat ex duabos 
partibus, primum dialogo quam brevissimo, ton 
longiore narratiöne, post quam fioitam plerumque abit 
nuntius : (a) in dialogo ea tantum paucis vcrbis iodi- 
cat, quae postea longins expositurus est, b) omnia 
quae narrari poeta volt, hac una longiore narrationo 
contincri debcnt, 3) semper exponit et quis ipse sit 
et quid ipso fecerit. Dazu kommen folgende neue 
Gesetze: 1) Eur. in fabulis ante a. 415 scriptis semper 
unum tantum nuntium, in fabulis post 415 nonnon- 
quam duos admittit nuntios; 2) nuntius Eur. nulli« 
verbis praemissis ab ipsis rebus in narrando incipit, 
3) in fine narrationis exponit, quid ipse sentiat de eis, 
quae narravit. Cap. II. De artiücioso temporis prae- 
sentis usu in nuntiorum Euripideorum narrationiboB, 
enthält beachtenswerte Bemerkungen über die Stil- 
unterschiede in den Stücken des E. (3ap. HI. De 
locis nonnullis interpolatis nuntiorum Euripideonuu. 
— In der klar geschriebenen Abhandlung finden sieb 
noch eine Reibe von Bemerkimgen über Rollenver- 
teilung in einzelnen Stücken, Abfassongszeit, Echt- 
heit resp. Unechtheit oder Überarbeitung mehrerer 
Botenberichte u. a. Mit Recht wird der epische Cht- 
rakter der Botenberichte bestritten. 

5. C. Gattmaim, De earum quae vocantor 
Caesar ianae orationumTuUianarumgenere 
dicendi. 79 S. 

Diese sorgföltige Arbeit vergleicht die im Atticum 
genus dicendi verfaßten sogen, cäsarianischen Reden 
Ciceros (p. Lig. u. Deiot.) mit der Milon., den Phüipp.y 
den Reden p. Quinctio u. Roscio Am., de imp. Cn. 
Pomp, und de lege agr., um den Stilunterscbied end- 
gültig festzustellen. Sie zerfällt in 4 Kap.: de el^ 
gantia, de tropis (Hauptteil, worin der geringe Pro- 
zentsatz der Tropen in den Reden p. Lig. u. p. Bei. 
im Gegensatz zu den andern dargelegt wird), de figa* 
ris, de compositione. Ein fünftes Kapitel behandelt 
die Marcelliana besonders und weist nach, daß die 
selbe dem genus Atticum ferner steht. Das Schluß* 
kapitel faßt die Resultate zusammen und giebt eine 
kurze Geschichte der Entwicklung desCiceroDiaoiscben 
rednerischen Stils. 

6. ۥ Sehfiler, Quaestiones Vergilianae. 63 S. 
I. De compositione Aeneidis animadversiones. 
n. De ablativi usu Vergiliano. 

Im ersten Teile dieser tüchtigen Dissertation sucht 
, der (inzwischen verstorbene) Verf. gegen Conrad« 



265 [No. 9.J 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [28. Febraar 1885.J 266 



(Quaest. Vergil., Trier 1865) den Nachweis zu fuhren, 
daß das 3. Buch dcrÄocis erst nach der Abfassung dos 
I. 2. und 4. entstanden ist. Sodann werden die cu- 
rac sccundao Vergils im 2. u. i. Buch an einigen signi- 
fikanten Stellen besprochen. Der zweite Teil giebt 
eino sorgföltige Zusammenstellung der Abi. bei V. 
und betont namentlich den eigentümlichen Gebrauch 
des *Abl. pur.' bei dem Dichter. 

7. Herrn. Scholz, Quaestiones Ovidianae. 40 S. 
Anknüpfend an Graebers Quaestiones Ovidianae I. 
(Progr. des Elberf. Gymn. 1881) und die Beobach- 
tungen desselben teils bestätigend, teils abweisend, 
zeigt Verf., daß die Tiistien in chronologischer Reihen- 
folge überliefert sind, und bestimmt die Abfassungs- 
zeit derselben. Die Abfassungszeit der nicht chrono- 
logisch geordneten epp. ex Pento wird im zweiten 
Teil zu ermitteln gesucht: wichtig ist dabei die sicher 
gestellte Datierung des Triumphes des Tiborius 
(16 Jan. 13), welche Verf. unabhängig von Wolters 
(De epigr. graoc anthol. Bonn 1882 p. 40) gefunden 
bat, und sehr ansprechend die Vermutung, daß die 
Briefe ex Ponte ursprünglich auf fünf Bücher ange- 
legt waren und die vorhandenen vier aus dem Nach- 
laß des Dichters in ziemlich unfertiger Gestalt heraus- 
gegeben sind. 

8. Alb. Trabandty De minoribus quae sub no- 
mineQuintiliani fcruntur declamationibns. 
42 S. 

Verf. wendet sich gegen das Buch G. Ritters 
und weist nach, daß die Deklamationen nicht von Q. 
herrühren können. Sie scheinen im ersten nachchrist^ 
liehen Jahrh. verfaßt zu sein, einzelne Konstruktionen 
weisen auf eine noch spätere Zeit. 

Stettin. G. Enaack. 



UL Nachrichten über Ausgrabungen 
und Entdeckungen. 

Neues Tom Berliner Miuseam. 

In der Werkstatt des Berliner Museums machen 
die Restaurationsarbeiten der Pergamener unter 
Preres' und Possentis Händen gute Fortschritte. 
Sollte sich eine ihrer Vermutungen bestätigen, so 
w^de sich das Gesamtbild des Altarplatzes wesentlich 
ändern; Freres meint, daß die Freitreppe, welche 
auf die Plattform des Altarplatzes hinaufführte, nicht, 
wie man bisher annahm, auf der Südseite, sondern 
an der Nordseito in den Bau eingeschnitten habe* 
Untersuchungen an Ort und Stelle werden entscheiden. 

Eino traurige Rolle spielen im ganzen die armen 
Gigantenschlangen; denn sie dürfen von ihren furcht- 
baren Zähneu gegen die Götter keinen Gebrauch 
machen: höchstens beißen sie in ein Gewandstück 
oder einen Schild; dem ausgezeichneten Scharfblicke 
Freres" ist nunmehr aber eine Zusammensetzung ver- 
einzelt unerklärlich scheinender Fragmente gelungen, 
welche eine Gigantenschlange im Kampfe mit einem 



krokodllartigeu Wassertier zeigt. Die Schlange beißt 
das Krokodil in die Kehle, sodaß der Rachen des 
Krokodils hoch in die Luft ragt Wahrscheinlich 
spielte der Kampf im Gefolge Poseidons, welches 
samt seinem Führer leider fast ganz verloren ist. 
Uier ist also den Gigantenschlangen wenigstens eine 
Genugthuung geworden: die Götter selber dürfen sie 
nicht beißen, aber die Tiere ihrer Begleitung. 

Zwei prachtvolle, riesige Kaiserköpfe, Trajan und 
Hadrian, harren nur noch einiger Ergänzungen, am 
dann als besondere Zierde unseres Museums aufge- 
stellt zu werden. Sic gehörten, wie Ann- und Bein- 
stücke beweisen, der Gattung der akrolithen Statuen 
an, deren Rumpf von Holz, wahrscheiulich mit 
bronzenem Panzer, war, während die Extremitäten 
aus Marmor bestanden. 

Neu erworben wurde aus Rom ein Sarkophag 
aus dem Palazzo Caffarelli mit einfacher Darstellung 
von Sticrschädeln, Guirlanden, Bäumchen an den 
Schmalseiten, aber von ausgezeichneter Arbeit. 

Für das Antiquarium wurde der herrliche Bronze- 
spiegel aus der Sammlung Sabouroff angekauft, welcher 
den Raub des Ganymedes in ganz analoger, hst 
identischer Weise zeigt wie unsere Terrakottagruppo, 
nur daß die Darstellung des Spiegels um vieles 
schöner ist. 

Die große Bronzestatue eines Knaben aas 
derselben Sammlung wird jetzt gereinigt 

Die sonstigen Stücke der Sammlung Sabouroff an 
Statuen und Reliefs sind in der Abteilung der Skulp- 
turen und Vasen aufgestellt, darunter eine ganze Reihe 
von attischen Grabreliefis, zum Teil völlig, zum Teil nur 
in Fragmenten erhalten. Unika sind zwei trauernd 
dasitzende Dienerinnen, von schlichtester Arbeit, aber 
von unübertrefflichem Ausdruck des ganz in sich ver* 
suukenen Schmerzes, «der sich nicht trösten lassen 
will*'. Das schönste der altertümlichen Reliefs aus 
der Umgebung Spartas ist ebenfalls in unserem Be- 
sitze. Durch die Sammlung Sabouroff ist Berlin in die 
erste Reihe der Orte getreten, an denen echt attische 
Kunst studiert werden kann. Wer sich mit ihr be- 
schäftigt, darf ungestraft die Berliner Sammlungen 
nicht übergehen. 



IV. Mitteilungen über Versammlungen. 

Archttologrische GeseUschaft in Berlin 

den 2. Januar 1885. 

Nach erfolgter Rechnungsablage und Wiederwahl 
des vorjährigen, aus den Herren Curtius, Schöne, 
Conze und Trendelen bürg bestehenden Vorstandes 
wurden neu eingegangene Schriften vorgelegt: Perrot» 
Chipiez, üistoire de Part III. ; Ueydemann, Vase mit 
Theaterdarstellungen; Richter, Rom. Rednerbühne; 
Wieseler, Geschnittene Steine des i. Jahrh. ; Kuhnert, 
Statue und Ort in ihrem Verhältnis; E. Bötücher, 
vier Aufsätze in der Zeitschrift für Museologie, in 



287 



[No. 9.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [28. Febniar 1886.] 888 



welchen Verf. für Uissarlik und Tiryos den Charakter 
der Feaernekropolc nachzuweisen sucht; Böhlau, 
De re vestiaria Graecorum. — Herr Conxe sprach 
über die Bronzefigur des betenden Knaben im K- 
Museum und ihren modernen Nachguß in der Mar- 
ciana in Venedig. Wie dieser letztere ohne Arme 
sei, so sei man bei den Untersuchungen für den neuen 
Katalog der Originalskulpturen des Königl. Museums 
unter Vorgang des Herrn Furtwängler zu der Über- 
zeugung gekommen, daß die Arme des Berliner Exem- 
plars beide modern seien. Der Vortragende nahm 
hiernach an, daß das Berliner unzweifelhaft antike 
Exemplar im Jahre 1586, wo ein Exemplar in Venedig 
beglaubigt ibt, schon existiert haben müsse, daß es 
damals nach Venedig gekommen und bei späterer 
Entfernung von dort durch einen Nacbguß ersetzt 
sei. Ober die Herkunft unseres Exemplars sei nichts 
beglaubigt, als daß es \om Vater des Marschalls 
Belleisle an Prinz Eugen von Savoycn, von diesem 
an den Fürsten Liechtenstein und endlich an Friedrich 
den Großen gekommen sei. Der Vortragende behielt 
sich vor, die Provenienz noch weiter zu verfolgen. — 
Herr Robert legte zunächst Urlichs ^Beiträge 
zur Kunstgeschichte'' und Löschkes „Vermu- 
tungen zur griech. Kunstgeschichteund Topo- 
graphie Athens* vor. Die in letzterer Schrift ent- 
haltene neue Deutung der rechten Hälfte des west- 
lichen Parthenongiebels: Herakles, bisher Aphrodite 
genannt, im Schoß der Melite, neben ihnen Demeter 
Kurotropbos mit den beiden Söhnen dieses Paares, 
erkannte der Vortragende an, jedoch stehe der- 
selben der Umstand entgegen, daß die auf Herakles 
gedeutete Figur auf Carreys Zeichnung, von welcher 
der sogen. Pariser Anonjrmus nach des Vortragenden 
Überzeugung nur eine an Mißverständnissen reiche 
Kopie sei, eher weiblich als männlich erscheine. 
Sodann machte derselbe darauf aufmerksam,, daß 
sich unter den Zeichnungen des Coburgensis auch 
eine solche des Aachener Sarkophages, den 
die Legende für den Sarg Karls des Großen hält, 
t>efinde, welche aus dem Ende des 16. Jahrhunderts 
stamme, also das älteste Zeugnis für dieses Denkmal 
sei. Die unter dem Gespanne Piutons neben dem 
Kerberos auftauchende bärtige Gestalt sei als ianitor 
orci, die drei Jünglingsgestalten der rechten Schmal- 
seite als Frühling, Sommer, Herbst, wo Köre auf der 
Oberwelt weile, zu deuten. Eine neue Zeichnung des 
Sarkophages der b. Agathe in Catania, die der Vor- 
tragende demnächst vorlegte, läßt auf demselben eine 
von den römischen Darstellungen stark abweichende 
kalydonische Jagd erkennen, die der Darstellung einer 
apoliflchen Vase in Berlin (Gerhard, Apul. Vasenb. 9) 
und in einigen Punkten auch der auf dem Grabmal 
von Gjölbaachi sehr ähnlich ist. Zum Schluß be- 
sprach der Vortragende den Madrider Achilleussarko- 
phag unter Vorlage einer Photographie und zeigte, 
daß die Stücke C und D (Arch. Zeit. 1869 XHI.) zu- 
sammengehören und die vollständige Vorderseite 



bilden, während A die rechte, B die linke Schmal- 
Seite sei. — Herr Trendelenbarg verlas einen Bn«f 
des Herrn Prof. A. Springer in Leipzig, welcher Rr- 
iäuterungen zu den von Herrn Robort in der Situiog 
vom 4. Oktober v. J. besprochenen St. Peteisbarger 
Miniaturen enthielt Herr Springer hält dieselben 
hauptsächlich aus dem Grunde für Kopien, weil die 
beiden Miniaturen ursprünglich verschiedenen Werken 
angehörten, das Bild mit dem Auszug aus Ägypten 
einem Peutatcuch^ das Davidbild einem Psalter. Hier- 
gegen wandte Herr Robert ein, daß einerseits das 
Auszugsbild sehr wohl gleichfalls einem Psalter, als 
Illustration des 114. Psalms, angehört haben könne 
und andererseits beide Miniaturen nicht notwendig 
aus derselben Handschrift zu stammen brauchten. — 
Herr Schöne legte das soeben erschienene Werk voo 
0. Benndorf und G. Niemann vor: ^ Reise in Lykien 
und Karion, ausgeführt im Auftrage des K.K. 
Ministeriums für Kultus undUnterricht Wien, 
C. Gerolds Sohn 1884**. Der Vortragende rekapitu- 
lierte die bereits durch den „vorläufigen Bericht*' von 
Benndorf bekannte Thatsache, daß die Österreichische 
Regierung im Anschluß an die früheren Ezpeditiooeo 
nach Samothrake in höchst erfreulicher Würdigung 
der Wichtigkeit einer genaueren Erforschung Klein- 
asiens für die Altertumswissenschaft auf Vorschlag 
des Professor Benndorf 1881 eine neue Expedition 
nach Lykien und Karlen ausgesandt habe, welche, 
von dem genannten Gelehrten in Gemeioschaft mit 
dem Architekten G. Niemann, dem Dr. med. F. \. 
Luschan und dem Hofphotographen Vf» Burger aus- 
geführt, zu der Entdeckung eines ausgedehnten 
Werkes altlykischer Skulptur, des Grabdenkmals von 
Gjölbaschi, geführt und sich zu einer geographisch- 
archäologischen Erforschung der lykLschen und ka- 
rischen Landschaft ausgedehnt bat Dieselbe bat als- 
dann eine zweite Expedition veranlaßt, welche die 
Überführung des Monumentes von Gjölbaschi nach 
Wien zum Ziele hatte und unter den Auspizien der 
österreichischen Regierung mit den Mitteln eines aus 
den Kreisen der Wiener Geburts- und Geistesariato- 
kratie zusammengetretenen Komitees durchgeführt 
wurde. Das vorliegende Werk beschränkt sich auf 
eine Darlegung der reichen und mit ebenso viel Sach- 
kenntnis wie Energie gewonnenen Ergebnisse der 
ersten Expedition und greift über dieselbe nur inao* 
fem hinaus, als Professor Kiepert in der beigogebenen 
Karte auch bereits den reichen geographischen Er- 
trag der zweiten Expedition verwertet hat Das durch 
die Fülle neuen Materials ebenso wie durch die ge- 
schmackvolle Darlegung desselben in Wort uod Bild 
l>edeutsame Werk legt glänzendes Zeugnis ab für die 
umsichtige Förderung, welche die österreichische Re- 
gierung den Altertumsstudien widmet, und für 6u 
verständnisvolle Entgegenkommen, welches sie dabei 
findet. 



[No. 9J 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. 



[28. Februar 1885.] 



Tbatbestand der Rainen dann am besten yereinlRen, 
wenn wir annehmen, daß der große Säulenhof der Peri- 
bo]o8 des Dionysoetempels ist und also der letstere in 
der Mitte des noch von Erde bedeckten Hofes liegt. 

(Fortsetzong folgt) 



Bibliographie. 

ErscUenene VFerl&e. 

Cicerts Werke. 102. u. 126. Hft (102: Vier Reden 
gegen Lncius Sergios Catilina. Übers, v. W. Binder. 
«• Lfg. (S. 49 — 96) — 126; Verrinische Reden. 
bers. V. W. B i n d e r. 1 1 . Lfg. (5. Bd. S. 49—96.) 
2. Aufl. 8. Berlin, Langeoscheidt. a 35 Pf. 

Judeich, W.t Cäsar im Orient. Kritische Übersicht 
der Ereignisse vom 9. Aug. 48 bis Oktober 47. 
Mit 1 Karte n. 4 Plänen. (8. Vm, 205 S. m. 1 Tab.) 
Leipzig, Brockhaos. 5 M. 

Roquette, A., De Xenophonfis vita. Diss. (8. 112 S.) 
Königsberg 1884 (Qräfe & Unzer). 2 M. 

Was, H., PJatos Politeia. Een kritisch -esthetiscb 
onderzoek. Amheim, Gouda Quint. 8. 72 S. 

Xelt«clirlfUen. 

ReTne eritiqne. No. 6. 

p. 101: J. Bmns, Lukrez-Studien. Referat 
Ton M. Bonnet: 'Nicht ganz sichere Ausführungen. 
Es ist immer geftUirlicb, in einer derartigen Materie 
alles genau präzisieren zu wollen. Die Zusammen* 
bangslosigkeit und die Widersprüche bei Lukrez, auf 
welche Bruns seine Thesen stützt, können verschiedene 
Ursachen haben und vielleicht nur auf einer bloßen 
Vergeßlichkeit des Dichters beruhen.*— p. 114: Ronire, 
Reponse k la critique de M. Salomon Reinach. 
Eine gehamischte Entgegnung, die Hr. Reinach auf 
der Steile kommentiert. Hr. Rouire stellt in dieser 
Reponse den Wert seiner Untersuchung über das 
afrikanische Binnenmeer sehr hoch; durch dieselbe 
sei in Wahrheit ein neues Land entdeckt und die alte 
Geographie dieser Gegend umgestaltet worden; die 
Lösung des tritonischen Rätsels wiege wohl die (von 
Reinach erörterte)^ Frage auf, welche Rolle die Hunde 
im Tempel des Äskulap gespielt hatten. «Die Ge- 
schichte werde das gleiche Urteil fällen.** Diesen 
Passus versieht Hr. Reinach mit der Randglosse: die 
Geschichte habe Wichtigeres zu thun, als Irrtümer 
zu registrieren. 

Oentsehe Lltteratnrzeitang. No. 6. 

p. 187: Fr. Paulsen, Geschichte des gelehrten 
Unterrichts. ^Klar und musterhaft. Verfasser 
zeige sich philosophisch geschult. Angenehme Sprache.^ 
O. Voigt, — p. 188: H. Osthoff, Zur Geschichte 
des Perfekts. Referent Q, Mahlow ist gegen die 
Janggrammatiker eingenommen; dieselben ^haben die 
Anwendung von Zirkelschlüssen zu ihrem Prinzip er- 
hoben und brüsten sich damit vor denen, die noch 
in altmodischer Weise aus Thatsachen beweisen und 
daher nicht Berge von Büchern zusanmienschreiben. 
Was schließlich dabei herauskommt, zeigt das vor- 
liegende Werk, in dem sich positive Resultate über- 
haupt nicht mehr finden.' — p. 191: Sammlung 
der griechischen Dialektinschriften; IV: 
Kleische Inschriften, v. Fr. Blafs, etc. Angezeigt 
von W, Dütenbtrger, — p. i92: Terenti Adelphoe, 
rec. Fr. Plessla. Wohlgeneigte Beurteilung von 
A, SyengtL — p. 194: L. Seineoke, Geschichte 
des Volks Israel. 'Oberflächlich.' (W. Noumck,) — 
p. 195: R. Nadrowakj, Ein Blick in Roms Vorzeit. 
^Ist auf bedenkliche Etymologien gebaut.' G, Wmowa. 

Dentsehe Litteratnrzeltang. No. 7. 

p. 219: Ch. Babany, Les Schweighaeuser. 
liotiert von F. Kraus, — p. 220: Benleken, Studien 



und Forschungen. ^Im allgemeinen verständiges 
Urteil Stil und Einrichtung sind ungenießbar.^ 
6, Hmrichs, — p. 223: P. Wagler, De Aetna poe- 
mate 'Sorgfältig, nützlich, anziehend.' F. Leo, — 
p. 228: Gregorii Turonensis bist. Francorum, 
edd. Arndt et Krasefa. Angezeigt von H. Bresslauer, 

— p. 234: A. Trendelenbnrg, Laokoongruppe 
und Gigantenfries. 0, Benndorf stimmt den Er- 
örterungen des Verf. nicht vOllig bei; ihm scheint 
vielmehr die Laokoongruppe als Mittelglied zwischen 
dem „Fortissimo^ der Gigantomachie und der akade- 
mischen Klassizität der Pasitelischen Schule zu ent- 
sprechen. 

Literarisches Gentralblatt. No. 7. 

p. 201: Symmachlquaesupersunted. O.Seeek. 
^Dle umfassenden Prolegomena bieten einen Schatz 
wichtiger Ergebnisse für den Text wie für die Historie.' 
{A. E) — p. 212: Sammlung der griechischen 
Dialektinschriften; IV: Eleische Inschriften, von 
F. Blafa, etc. Angezeigt von P. C(auer), — p. 218: 
Fr. Paulsen^ Geschiente des gelehrten Unter* 
richts in Deutschland. ^Banausisch, einseitig*' 
In der Gelehrtenschule der Zukunft würde nach dem 
Verfasser das Deutsche als Erbe des Lateinischen 
treten, das Griechische eine Stellung einnehmen wie 
jetzt das Hebräische, und die altklassische Lektüre 
durch eine Chrestomathie aus Kant, Lotze und 
Schopenhauer ersetzt werden. Der Stil des Buches 
ist zuweilen so, daß ihn ein französischer Tailleur 
geschrieben haben könnte. 

Litterarisches Gentralblatt. No. 8. 

p. 235: £• Hardy, Der Begriff der Physis in 
der griechischen Philosophie. Gründliche Ar- 
beit; besonders ergiebig im Kapitel über Aristoteles. 

— p. 236: A. Räuber, Urgeschichte des Men- 
schen. ^Unerlaubte Zusammenschreiberef. (0. Schrö- 
der.) — p. 246: Terenti Adelphoe, par F. Plessis. 
'Taugt nicht viel. Die eigenen Konjekturen des Her- 
ausgebers sind entschieden verfehlt, seine Anschau- 
ungen über Prosodik und Metrik ziemlich unklar.* (\o.) 

Wochenschrift für klass Philologie. No. 8. 

p. 225: fl. Brunn, Kunstgeschichtliche 
Stellung der Gigantomachie. Brunn nimmt in 
genannter Schrift einen subjektiven und rein künst- 
lerischen Standpunkt ein; eine Auffassung, welche 
seinem Kritiker (Peiersen) nicht recht sympathisch 
erscheint. — p. 230: Bobiou et Oelaunoy, Institu* 
tiones de Tancienne Rome. Uogünstige Rezension 
von H. Gem. — p. 232: 1) Merguet, Lexikon zu 
Cäsar; 2) Meusel, Lezicon Caesarianum. Au- 
gezeigt von H, Kletst; ersteres sei eine ungenügende, 
auf unsicherem Text beruhende Stellensammlung; 
Meusels »Musterarbeit'' wird dagegen mit vielem Lobe 
bedacht — p. 241: W. Brambach, Hilfsbüchlein. 
Eingehend besprochen von J, Oberdick, Brambachs 
Methode sei einseitig; die Etymologie dürfe man bei 
Festsetzung der lateinischen Rechtschreibung nicht 
so ganz außer acht lassen. Wie groß die Verwirrung 
werde, wenn man in orthographischen Fragen ein- 
seitig nach alten Handschriften urteile, dafür sei unser 
Virgilius ein Beweis, den man zu einem Vergilius ge- 
macht habe. Es könne keinem Zweifel unterworfen 
sein, daß zwei Namensformen Virgilius und Versilius 
(letzteres aus dem Stamme varg-) existierten und daß 
der Dichter Virgilius hieß. Nur diese Form des 
Namens kannte Horaz, wenn er mit beabsichtigter 
Wiederholung des 1-Lautes carm. I 24 schreibt: »Multis 
ille bonis flebüis occidit; nulli flebilior qaam tibi, 
Virgili*. Es müsse deshalb, trotz der griechischen 
Form Ou3,o-)(>.io;, bei der Schreibung Virgilius als des 
Namens des Dichters bleiben. 



fNo. 9.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. 



[28. Februar 1885.) 



Academy No 667. 

(107—108) T. Mozley, RemiDiscences chiefly 
of townSy villages and scbools. 2 vols. Von 
Cb. J. RoblDBon. Treffliche ErgänzaDg der Denk- 
würdigkeiten von Oriei College, welche der Verf. vor 
einigen Jahren veröffentlichte; in den Einzelheiten 
nicht fehlerfrei, ist das Bild englischen Schullebens 
in einer Zeit, welche einem schnellen Wechsel unter- 
worfen ist, wertvoll, wenn es selbst durch subjektive 
Anschauungen etwas verwischt ist. — (111) Rawlln- 
son, Egypt and Babylon. Von C. J. BaU. Eine 
Verallgemeinerung von Scbraders „die Keilioschriften 
und das alte Testament* ist das Buch in Einzel- 
heiten vielfach zu eigenmächtig und deshalb anfecht- 
bar. — (113) B. W. Emerson, The hundred grea- 
test men. Das Altertum ist nicht von den Originalen 
aus geschildert und deshalb oftmals fehlerhaft. — 
F. G. Heath, Tree Gossip. Enthusiastische Plau- 
dereien auf ziemlich unsicherer Grundlage. — (1 16 — 1 17) 
£ Strachey, Arethusa and Alpheus. In der Nähe 
der Quelle der Arethusa in Sizilien zeigt sich in dem 
Meere eine sprudelnde Süßwasserquelie , welche zur 
Sage der VerfoleuDg der Arethusa durch Alpheus 
unter der See Veranlassung gegeben haben kann; 
hier war die Stelle des Untergangs des griechischen 
Heeres im sizilischeu Feldzoge. — (117 — 119) Madvi- 
gil Adversariorum Vol. HL Von A. S. Wilkins. 
Nicht ganz so wertvoll als die beiden früheren Bände, 
bietet diese Sammlung von Verbesserungs vorschlagen 
wieder viel Anerkennenswertes, namentlich zu Cicero ; 
und bedeutend ist Madvig selbst in den anfechtbaren 



Stellen. — (120) The Soma Plant. Prof. W. P. 
Thiselton-Dyer sieht in der Pflanze die Ephedn 
vulgaris. — (122—123) Sp. P. Perceval, M. S. Ctti- 
logue of the Towneleian marbles. Percevalhtt 
diesen Katalog, welcher vom Jahr 1804 staiomt, auf- 
gefunden; er acheint eine wünschenswerte Ergfiazang 
der bisher bekannten Aufzeichnungen Qber die Samm- 
lung zu geben. 

'Eßoo|ia';. No. 48. 

(3^ — 40) I. Apa-yotTori;, Ilsipaixa: apyaioXo^ij- 
y.a-za, Verf. mißt sich Dörpfeld und Köhler gegen- 
über die Priorität in der Bezeichnung des auf dem 
Koreisplatze (welcher auf Kauperts E^irte irrtümlich 
Kapat3XGr/.72 genannt wird) aufgedeckten Gebäudes ak 
Tempel des Dionysos bei. — (44) Kwva-:. S. Kovio;, 
|Xu>aaixai xaoctxr^pTfjoit; 3jv:oji.<o; ixospo^svai 
yaptv TÄv roXXdiv. § 6, ^O.opvJ.yza'zo^ (nur aea- 
griechisch). § 7. ' Avottixo; , so Thomas Magister, 
Phrynichos, Stephanos Byzantios. § 8. T::2p<7TTuo;, 
Lucian. Lexiph. 25; Demon. 26; Diog. Laert II 19. 
(cf. Philos. Mull I p. 38). § 9. ^^uodzvjx^. Luc. 
Pseudosoph. 7; Phryn. p. 68. (cf. Athen. 1265: 
268 7. SupoTTixo;). § 10. Tst/oaidXixo;. Choirob. v, 1 

Sia 'Hp-spa. No. 530. 531. 

Ösp/ziavo;, A., 'Kzi^yV/a;. I. N. OixovojtiBr;. 
(Forts ) In Korfu wurde damals die erste philologische 
Gesellschaft ins Leben gerufen, an welcher sidi die 
jüugeren Gelehrten und Studenten lebhaft beteiligteiL 
Auch Oeconomidis war ein Förderer ihrer Zwecke; 
einer seiner dort gehaltenen Vorträge wird hier mit- 
geteilt; er betrifft den Stoiker Kleanthes. (Forts, folgt) 



Behufs PrüfoB/!^ und Einffihrung 

stehen den Herren Directoren 

und Lehrern Freiexemplare 

zu Diensten. 

Soeben erschien: 

Lateinisches Lesebuch 

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zählungen aus Herodot. 
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würdigt und von sehr angesehenen 
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Realschulen Deutschlands und der 
Schweiz zur Einfühlung gekommen 
und brechen sich, durch den Ge- 
brauch bewährt, fortwährend wei- 
tere Bahn. 

KesselriBiisclie Hoflmcliluuiilliing 

in Uildbursbaasezi. 



Litterarische Anzeigen. 

Im Verlage der Hofbuchhandlong Uerm. J. Meidinger, Berlin 
C, 22 Niederwallstraße erschienen soeben die beiden ersten Liefe- 
rungen von dem 

Buch von der Weltpost 

Entwickelung und Wirken der Post und Telegraphie im 

Weltverkehr. 

Von 

0. Veredarins. 

Prei« pra liieferanir ^ Jllark. 

Vollständig in 10 Lieferungen a 5 Bogen Quartformat, illustriert dorcb 
30 VollbUder und 10 Halbbilder in Kupferstich, Farbendruck, Helio- 
gravüre, sowie durch ca. 150 Textbilder und Vignetten in Holzschnitt, 

Autotypie, Zinkätzung etc. 

Wir geben hier eine gedrängte Skizze des Inhalts der einzelnen Hefte: 

Heft I. Das Schrifttum und die £ntwickelung des brieflichen Verkehrs. 
Heft 2. Uranfängliche und ursprüngliche Mittel des Verkehrs ; Postwesen 

im Altertum. 
Heft 3. Poslwesen im Mittelalter. 
Hefl 4, 5, 6. Mittel der Nachrichten-Beförderung in der Neuzeit 

a) Post: Fußgänger, Pferde, Wagen, Eisenbahnen, Schiffe u. 8. w. 

b) Telegraphie: Apparate, Bauten u. s. w. c) Telephone n. s. ▼• 
Hefl 7 und 8. Die Leistungen und die Organisation des Post- uDd 

Telegraphen Wesens in den verschiedenen Ländern. 
Heft 9 und 10. Entstehungsgeschichte, Organisation, Leistungen u. s. w. 
des Weltpostvereins. — Luftschiffahrt u. s. w. 

Von den obersten Postbehörden sind der Verlagshandlung Aner- 
kennungsschreiben zugegangen, welche, ebenso wie die Rezensionen der 
gesamten Presse, das Werk als ein vorzügliches und empfehlenswertes 
bezeichnen. 

Alle Bochhandlungen nehnen Bestellungen an. 



Variig Ton 8. Ca War 7 * Co. in Berlin. — Druck der Berilner Bochdradcerei - Aktien • GeteUscbAft 

(Setierinnen-Scliale des Lette -Vereins). 



BERLINER 





firMhelnt jeden Soniuibend. 



Abonnements 

B«limen alle BachbandlanKen 

B. Pott&mter entgegen. 



HERAUSGEGEBEN 



VfM 



Litterarisdie Anieigen 

werden 

von allen Insertions- 

Anstalten n. Baehliandlangen 

angenommen. 



PreU TierteUibrlich 
6 Mark. 



CHR. BELGER, 0. SEYFFERT m K. THIEMANN. 



Freia der dreigespaltenen 
Petitieile Sft Pfennig. ' 



5. Jahrgang. 



7. März. 



1885. J\S 10. 



Inhalt. 



I. Rezensionen und Inzeigen: 
Gettfried Semper als Archäolog. II. (R 

BomnaDD) 289 

L Jeep, QuellenoDtersDchuDgcD zu den grle- 

chibcbeo Kirchenhistorikern (W. Fischer) 299 
John Masson, The atomic theory of Lucretius 
coDtrasted with modern doctrines of atoms 
and evolutioü (P. v. Gizycki) .... 302 
H. Blflfliner, Das Kunstgewerbe im Altertum 

(Chr. B.) 306 

C. Mehlis, ArcbSologische Karte der Rhein- 
pfotz und der Nachbargebiete (J. J. H. 

Scbmilt) 309 

Ed. Wolter, Raäüiskanija po woprosu o gram- 
Diatitchcskom rodje. — j. W. Netuscbll, Ob 312 
aoristach w latinskom jastükje (H. Haupt) 312 
II. Anszüge ans Zeitschriften: 

MitteiluDgen des Deutschen archäologischen 
Instituts in Athen. IX, Heft 2 . . . . 316 
m. Hacbricbten über Entdecknngen: 

Eine neue Bronzestatue in Rom .... 318 
IV. Sitteilunsren über Versammlangen: 

Philologisch-historische Gebeilschaft zu Wurz- 

borg d. 2. Dez. 1884 318 

Society of Biblical Archaelogy in London, 

den 13. Jan. 1885 820 

Beilage: 

Personalien (Ernennungen. TodesföUe) 
Eine ameriliaalsehe Expedition nach den Innern Klein- 
asiens bn Sommer 1884. 
Prooramne aus Osterreich -Ungarn 1884. III. 
BiMiographio (Angekündigte Werke. Antiquarische 

Kataloge). 
Zaitschrifton: Philologische Rundschau No. 8. — 
Wochenschrift für klassische Philologie No. 9. 

— Litterarisches Gentralblatt No. 9. — Litte- 
rarischer Handweiser No. (3) 377. — Deutsche 
Litteraturzeitang No. 8. — Revue criüque No. 7. 

— Academy No. 668. — Athenaeum No. 2889. 
2990. — NsQt 'Ujispa No. 582. 

Verlag von S. Calvary & Co. in Berlin. 

Soeben erschien: 

Jahresbericht 

über die 

Fortsclintte ler dassisciien Altertuswissensciialt. 

U. Jalurgang. 12. Heft. 2. HUfte 1. Abteilung. 

(26 Bogen.) 



Verlagsbericht von S. Calvary & Co. 

1884. 

(Fortsetzung aus No. 9.) 



Seite 



Reisig, K., Vorlesungen über lateinische Sprach- 
wissenschaft. Mit den Anmerkmigen von 
Fr. Haase. Nen bearbeitet von H. Hagen, 
F. Heerdegen, J, H. Schmalz und 
6. Landgraf. Lief. 4—6. (3. Band Lief. 
1-3). S. 1-288 8. a Lief. 2 M. 

Bisher erschienen hiervon: Erster Band: 
Etymologie. Neu bearbeitet von H. Hagen. 
3 Tle. Dritter Band: Syntax neu bear- 
beitet ven J. H. Schmalz und G. Land- 
graf. Teil 1 — 3. Der zweite Band (Sema- 
siologie bearbeitet von F. Heerdegen) wird 
erst nach dem Abschlnfse des 3. Baudes er- 
scheinen. 

Richter, Richard, Nekrolog auf Conrad Bursian, 
ord. öffentl. Professor der klassischen Philo- 
logie an der Universität Manchen. 13 S. 
gr. 8. 1 M. 20 Pf. 

Schiller, Hermann, Nekrolog auf Wilhelm 
Clemm, Prof. der klassischen Philologie an 
der üniv. Giefsen. 12 S. kl. 8. 1 M. 20 Pf. 

Schoila in PIndari Epinicia ad librorum 
manuscriptorum tidem edidit Eugenius Abel. 
3 Volumina. Volumen secundum Scholia 
Vetera Pindari Nemea et Isthmia continens. 
524 S. gr. 8. 15 M. 

Soltau, Wilhelm, Die Gültigkeit der Plebis- 
cite. XII, 175 S. gr. 8. 7 M. 

Studien, Berliner, f&r klassische Philologie 
und Archaeologie, herausgegeben von Fer- 
dinand Ascherson. Erster Band. 783 S. 
gr. 8. 19 M. 

— Zweiter Band. Erste Hälfte. S. 1— VH, 
S. 1—268. 8 M. 

(Fortsetzung folgt.) 



[No. lO.J 



BERLINER PHILOLOQISGHE WOCHENSCHRIFT. 



L7. Mi« 1885.J 



Personalien. 

Am 6. Febraar hat die Acad^mie des loscriptions 
den Sanskritisten Bergtdgne an Stelle des verstor- 
benen Qoicherat znm ord. Mitglied Rewfthlt Mitbe- 
werber waren L. Gantier, H^ron de Yillefosse und A. 
Longnon. 



An Hochschulen: Prof. B. Heiti in StraOburg 
znm Rektor magn. — Dr. 0. Lorens, Vorstand des 
bist Seminars an der Univ. Wien, lum ord. Prof. an 
der Univ. Jena. — Prof. E. Bormann in Marburg zum 
Prof. für alte Gesch., Epigraphik u. Archftologie an 
der Univ. Wien. 

An Gymnasien etc.: Pastor Bfickmann in 
Gronau zum Studiendir. im Lockum. — Dr. Grofs 
am Gymn. in Spandau zum Prof. — Franc Schmidt 
am Gymn. in Gumbinnen zum Oberlehrer. — Dr. 
Knappe am Progymn. in Duderstadt zum L. am 
Earolinum in Osnabrück. — Zu ord. Lehrern sind 
ernannt die Hilfslehrer Dr. Held an der Realschule 
St. Johann in Strasburg; Nageldinger am Gymn. in 
Zabern; Dr. Post am Lyc. in Metz; Dr. Schröder 
am Realgymn. in Gebweiler; Wehmann am Progymn. 
in Altkirch. 

Dr. jur. Y. Gramlcb, f 9- Febr-, 31 J. alt — 
Oberlehrer Dr. Hermann Schmidt in Stettin. — 
Direktor a. D. Prof. Dr. B. H. Lhardy f 12. Febr. 
in Berlin (geb. 1810 in Neufcbatel). 



Eine anerikanische Expedition nach dem Innern 
Kleinasiens im Sommer 1884. 

Dr. Sterret, der jetzige Leiter der von Boston-Cam- 
bridge aus gegründeten amerikanischen Schule für 
klassische Studien in Athen'''), veröffentlichte in diesen 
Tagen einen „Preliminary Report of an Archaeological 
Joumey, made io Asia Minor during the summer of 
1884, Boston 1885.'' In diesem Berichte werden mehr 
als 60 teils griechische, teils römische Inschriften aus 
Kleinasien publiziert aus Phrygien, Galatien, Eappa- 
dokien, Pontus. Die interessantesten darunter sind 
wohl drei Felseninschriften, vom Felsen zwischen 
Khurman Ealetti und Maragos. Zwei davon können 
nicht ohne besondere und schwierig zu beschaffende 
Zurüstungen erreicht werden, der Herausgeber be- 
gnügte sich daher, sie zu photographieren. Die erste 
besteht aus 8 Hexametern, die zweite aus 2, die 
dritte ist ein elegisches Distichon. Man erfährt dar- 
aus den Namen des Gebirges, Preion, ferner 
dab eine Ortschaft in der N&he beim Zusammenflusse 
zweier Flüsse Sobagena hieß, daß die dortigen 
Bäder vorzüglich waren und daß in den Bergen 
Bären hausten, welche das Leben der Menschen ge- 
fährdeten. Als Herausgeber nennen sich William 
Goodwin, Professor für Griechisch an der Harvard- 
universität, und Thomas Ludlow. (Allg. Z.). 



Programme ans Österreich-Ungarn, 1884. 
Von Jos. F. Wagner in Brunn. 

(Fortsetzung aus No. 9.) 

10. F. Branngarten, Die sittliche Anschauung und 
die Oharakterzeichnung nach ihren Motiven und 
Tendenzen in Sophokles' Elektra. K. k. Obergymn. 
in Mies. 27 S. 8. 
Das Ziel der Arbeit ist, an der Hand der neueren 
Forschungen in erster Linie Schüler mit den charak- 
teristischen Eigentümlichkeiten der Sophok leise hen 
Tragödie bekannt zu machen. 



11. K. Cnmpfe, Prispevk^ ku soenicke nprave Enri* 
pidovy Andromedy (Beiträge zur scenischeu Ein- 
richtung der Andromeda des Enripides). K. k. Ober- 
gymn. auf der Neustadt in Prag. 10 S. 8. 

Erörtert wird L der besondere Prolog der Andro- 
meda, U. das Echo, IIl. die Befreiang Andromedas, 
IV. die Scene zwischen Perseus und Kephens, Y. dem 
ex machina. 

12. W. Sladek, Jak tragikove recü prispivali ku 
tribeni nazoru o bozstvi (Wie die griech. Tragiker 
zur Läuterung der Ansichten von der Gottheit 
beigetragen haben). K. k. erstes böhm. Real-Ober* 
gynm. in Prag. 19 S. 8. 

Nach allgemeinen Bemerkungen wird erörtert die 
Einwirkung des Aischylos und Sophokles und des 
Euripides, der in religiöser und sittlicher Richtung 
gegenüber seinen beiden Vorgängern einen besonderen 
Platz einnimmt. 

13. Jos. Klinger^ Hippias minor und Hippias maior. 
K. k. Obergymn. zu Wiener-Neustadt. 18 S. 8. 

In einer Einleitung werdeu die Ansichten der 
Platofors eher kurz registriert mit Hinzuziehung des 
Aristoteles. Da uns über die Echtheit solcher von 
Aristoteles als Platonisch nicht hinlänglich bezeugter 
Dialoge alte Zeugnisse garnicht vorliegen, spätere 
aber überhaupt keine Beweiskraft haben, so können 
bei den Dialogen, die durch kein Zeugnis des Aristot 
als Platonisch gesichert sind, es wesentlich nur die 
inneren Gründe sein, die uns instand zu setzen ver- 
mögen, über die Echtheit oder Unechtbeit oder wenig- 
stens über die Wahrscheinlichkeit eines solchen Resol 
tates ein entscheidendes Urteil zu fällen. Demgemfiß 
wird zunächst der Gedankengang und die Güederong 
der beiden Gespräche dargelegt. 

(Fortsetzung folgt.) 



Bibliographie. 

BrM et Ballly, Dictionnaire ätymologique laün. 
(Paris, Hachette.) — Caesar, de hello civih von Fr. 
Kraner. 9. Aufl. v. F. Hoffmann. — Cicero, Cato 
major v. J. Sommer brodt. 10. A. (Berlin, Weid- 
mann.) — Horatlus, Epistolae et Ars poetica bjr A. 
S. Wilkins. — Lyta, H.C.Maxwell, Historyof the 
üniversity of Oxford from the earliest times to the 
revival of language (London, Macmillan). — Masoi, Th^ 
Public and private iibraries at Glasgow (in 450 Expl* 
auf Subscription). — Merrill, S., Galüee in the um 
of Christ (London, Rel. Tract. Soc.) — MeisterbiM, 1^ 
Grammatik der attischen Inschriften (Berlin, V^'eid- 
mann). — Ovid, Metamorphosen Buch I— VII von 
M. Haupt. 7. Aufl. von H. J. Müll er. (Berün, Weid- 
mann.) — ej. books XIII and XIV by C. S immens. 
— Plato, Respublica 1. I-V by P. H. Warren. 
(London, Macmillan). — Seeck, 0., Die KalcnderUfel 
der Pontifices — Weissenfels, 0., Syntaxe Utine 
(Berlin, Weidmann). 

AnilquArlftclie liAUil#ir^* 

Bär, Frankfurt N. 157. Archäologie (BibUothek 
von Jacob Becker) 79 S. 1816 N. — Käbner, Breslau, 
N. 171. Klassische Philologie 67 S. 2101 N. -- 
Wflrzaer, Leipzig, N. b9. Philologie, 16 S.c 700 N. 

Zeltaeltrifltoii. 

PhUologische BandschAa. No. 8. 
p. 225: J. Seelmann, De nounullis epithetifi 
homericis. Besprochen von F, W^eck, Die ein- 

♦) Vgl. unsere Wochenschrift 1885, No. 5, Sp. 1^^ ^i 
1884, No. 5. Sp. 155 ff. 



889 



[No. 10.] 



BERLINER PHILOLOGISCHE WOCHENSCHRIFT. [7. März 1885.] 290 



I. Rezensionen und Anzeigen. 

Gottfried Semper als Archäolog. 

Von Bm Borrmaim in Berlin. 

Gottfried Semper, Kleine Schriften, 
herausgegeben von Manfred and Hans 
Semper. Stattgart 1884, Spemann. XII, 
516 S. gr. 8. 12 M. 

(Schluß ans No. 9.) 

Über das Verhältnis der technischen Künste 
ZOT Architektur handelt Semper ausführlich in dem, 
wie erwähnt, leider nicht in die Saromlong auf- 
genommenen Aufsätze ,,Die vier Elemente der 
Baukunst**. Das Urelement der Architektur ist 
ihm der Herd, im weiteren Sinne der Altar, der 
heilige, zum Opfer bestimmte Feuerplatz. Wenn 
aber Semper femer sagt: „Der Herd ist das einzige 
architektonische Element, welches fQr sich dasteht 
nnd eine Bedeutung hat ohne das gleichzeitige 
Vorhandensein anderer Konstruktionen, ohne den 
Schutz eines Daches, ohne Umwallnng, ohne auf 
Terrassen und Sockeln erhoben zu sein'S so läßt 
sich dagegen einwenden, daß dasselbe zunächst, wie 
er i^ter auch in seinem Hauptwerke ausführt, 
ebenso von dem Mal ((T^(i.a) gilt. Die rein ideelle 
Bedeutung eines solchen Erinnerungszeichens, sei 
es ein Grabstein oder ein einfacher Grabhügel, 
ist nicht von seiner formalen Ausbildung oder 
sonstigem Beiwerke abhängig. In der Errichtung 
derartiger primitiver, der Gottesverehrung oder 
dem Totenkult geweihten Denkmale, die allen 
kenntlich und zugänglich da liegen, möchte man 
sogar den Anfang aller monumentalen Kunst 
erblicken. Bei der Gründung des Herdes hingegen 
waltet die entgegengesetzte Tendenz der Ab- 
sonderung, der ümwährung, und diese wird aller- 
dings zu einem für die Entwickelung der Architektur 
bedeutsamen Momente, insofern der Schutz des 
Feuers erst den Anlaß zur Raumabsonderung oder, 
was hier dasselbe sagt, zur Baumbildnng abgiebt. 

Hierbei treten nun sogleich drei andere archi- 
tektonische Elemente in den Vordergrund, nämlich 
Dach, Umwähmng, Terrasse oder Fundament, von 
denen ein jedes zusammen mit dem Herde als die 
besondere Domäne einer der vier ältesten Techniken 
angesehen werden kann. Denn um den Herd, den 
Mittelpunkt des Familienlebens, gruppieren sich die 
ersten Erzeugnisse des menschlichen Gewerbfleißes, 
obenan das irdene Hausgerät; zur Abwehr gegen 
Sturm nnd Kälte dienen Matten, die ursprünglichsten 
raumnmschließenden Elemente, zugleich die Ur- 



bilder der textilen Kunst und als solche der 
Ursprung aller Wandbildungen. Das Dachgerüst 
war der Anfang aller Holzkonstruktionen, das 
Fundament des Herdes, die Terrasse und Sub- 
struktion des Altars der erste Schritt zur MaurereL 
In dieser Gruppieining fehlt scheinbar die Metallo- 
technik, der Semper in seinem Stil doch ein 
eigenes, wichtiges Kapitel eingeräumt*) hat. 
Allein diese Technik durfte hier, wo es sich zu- 
nächst um rein stilistische Fragen handelt, über- 
gangen werden, weil wenigstens in den Anfangs- 
Stadien der Kunst ihre Verwendung, sei es zu 
freien pl