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Full text of "Plautus. Spätere Bearbeitungen plautinischer Lustspiele. Ein Beitrag zur vergleichenden Litteraturgeschichte"

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Plautus. 



Spätere Bearbeitungen plautinischer Lustspiele. 



Ein Beitrag zur vergleichenden Literaturgeschichte 



Karl Ton Reinhardstoettner. 




S-H M ft 



9;0. 



Leipzig, 

Verlag von Wilhelm Friedrich, 

K. R. Hofbochhüiuller. 

1886. 



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6585 
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Alle Rechte vorbehalten. 



Yor-wort. 



Als ich vor fünf Jahren meine kleine Abhandlung über 
den Amphitruo des Plautus und seine späteren Bear- 
beitungen 1 ) hinausgegeben und eine Reihe günstiger Be- 
sprechungen erzielt, sowie zahlreiche Aufforderungen, die 
Arbeit fortzusetzen, erfahren hatte, da waren es gerade die 
wohlwollenden Kritiken im Zusammenhalte mit meinen in- 
zwischen neu gewonnenen Resultaten, die mich in der Ab- 
sicht bestärkten, die begonnene Arbeit nicht mehr weiter 
zu führen. Denn konnte der eine oder andere Rezensent 
mich auf ein Paar übersehene Amphitruobearbeitungen hin- 
weisen, so hatte ich selbst von der Drucklegung des 
Schriftchens bis zum Erscheinen der Besprechung desselben 
vielleicht deren dreissig gesammelt, und es schien mir zwei- 
felhaft, was beschämender war, die Hinausgabe oder die 
Kritik der Arbeit, deren überreiches Material Autor und 
Rezensent in gleichmässig unvollkommener Weise be- 
herrschten oder, besser gesagt, beherrschen konnten. 
Aus einzelnen kleineren Versuchen und Programmen, die 
unendlichen Fleiss und Liebe zur Sache verraten, ersah ich 
erst recht die Unmöglichkeit meines Vorhabens. Es ist 
für einen einzelnen Forscher nicht durchführbar, die ge- 
samten Nachahmungen z. B. der plautinischen Lustspiele 



') Die plautinischen Lustspiele in späteren Bearbeitungen. I. Amphitruo. 
Leipzig 1880. (W. Friedrich.) 77. S. 



VI Vorwort. 

nicht allenfalls bei den Kulturvölkern Europas, sondern nur 
bei einem einzigen, etwa Italien, nachzuweisen. Sein Ver- 
such muss aus vielen Gründen lückenhaft bleiben. 

Diese schon bei dem ersten Stücke gewonnene Er- 
fahrung musste entmutigend wirken; führte sie ja zu der 
Überzeugung, dass das Werk, ein Nachweis aller Nach- 
ahmungen plautinischer Komödien, niemals vollendet 
werden könne. Wie viele für das Thema wichtige Angaben 
hat mir nicht systematische Forschung, sondern ein reiner 
Zufall, oft ein einem andern Buche beigebundenes Büchlein, 
geliefert! Konnte nun auf Erschöpfung des Werkes nach 
dieser Seite hin nicht gerechnet werden, so ergab sich 
doch ein anderer Gesichtspunkt, von dem aus es vielleicht 
gerechtfertigt erschien, das gesammelte Material als erste 
Grundlage fernerer Forschungen hinauszugeben — 
es war die Rücksicht auf die vergleichende Lite- 
raturgeschichte. Hier mochten die zahlreichen Lücken 
eher verzeihlich erscheinen; handelte es sich ja doch nicht 
um einen Katalog aller irgendwo einmal erschienenen 
Plautusnachahmungen, als vielmehr darum, zu zeigen, w T elche 
von den Komödien des alten römischen Lustspieldichters 
hat die Teilnahme der modernen Völker am meisten für 
sich beansprucht, welches Volk hat sich der Antike am 
meisten, welches am wenigsten genähert, was ist unter ver- 
schiedenen Himmelsstrichen, zu verschiedenen Zeitaltern 
und unter dem Einflüsse verschiedener religiöser, politischer, 
sozialer Strömungen aus dem gleichen Stücke geworden — 
kurz: wie hat sich dasselbe Samenkorn unter den 
einander entgegengesetzten Zonen zu einer mehr 
oder minder bedeutenden Pflanze entwickeln 
können? Wie könnte sich die poetische Fähigkeit, das 
dichterische Gestaltungsvermögen, die sittliche Anschauung 
einzelner Nationen zutreffender mit einander vergleichen 
lassen, als wenn allen so zu sagen eine gleiche Aufgabe 
gestellt ist, deren Bearbeitung ergeben wird, wie die einen 



Vorwort. VII 

ängstlich am Wortlaute des Originals haften blieben, andere 
sich mit der Lokalisierung des Stoffes begnügten, wieder 
andere, die Freiheiten des alten Dichters verabscheuend, sein 
Stück zu einem Moralexempel zu gestalten suchten, indessen 
andere gerade hierin ihr Feld fanden und die dem Römer 
kaum mehr verzeihliche Unmoralität einzelner Vorwürfe in 
üppigster Form erweiterten; wie die einen sich von der 
leitenden Hand des Meisters nicht losrangen, während 
andere, ihm treu zwar im Grossen und Ganzen, Meister- 
werke für alle Jahrhunderte schufen, wie Moliere mit seinem 
„Geizigen"? 

Diese vergleichende Literaturgeschichte, auf welche 
die g-leichen Stoffe in ihrer mannigfachen Bearbeitung hin- 
weisen müssen, gestaltet sich zu einem Stück Kulturge- 
schichte und findet hierin ihre höchste Bedeutung. 

Einen derartigen Versuch, den ersten Baustein 
zu einem solchen, soweit es Plautus betrifft, zu 
liefern, war mein bescheidenes Ziel. Je mehr ich mich über 
den Entgang des einen oder andern Stückes trösten musste, 
und je leichter ich es angesichts des geringen poetischen 
Wertes so vieler konnte, um so mehr musste ich das 
Augenmerk auf den Vergleich der bedeutendsten Bear- 
beitungen richten, stets die vergleichende Absicht vor- 
kehrend. Damit war mir auch die Art der Durchführung 
vorgezeichnet. 

Es handelte sich vorerst darum, ein Bild des plau- 
tinischen Stückes zu geben. Das Original musste so 
genau analysiert werden, dass es dem Nichtkenner der 
Komödie, ja selbst jenem, der sich mit ihrer Lektüre nicht 
beschäftigen will, klar vor Augen liegt. Dabei musste 
vielfach der Wortlaut gegeben werden. Es musste auf ein- 
zelne Figuren ein besonderer Nachdruck gelegt werden, und 
selbst Stücke, die wenig Nachahmung fanden, ein Pseudolus, 
Stichus u. dgl., mussten vornehmlich in jenen Charakteren 
nicht kürzer behandelt werden, welche in den späteren Nach- 



VIII Vorwort. 

ahmungen ständig sind, in ihren Kupplern und Parasiten, 
in ihren grosssprecherischen Soldaten, Pedanten 
und verschlagenen Sklaven; denn alle diese Gestalten zu- 
sammen aus den sämtlichen Stücken sind die ruf- 
fiani und arlecchini, die capitani und famigli u. s. w. der 
späteren Komödie geworden; ihr Gesamtbild ist aus allen 
jenen Stücken gewonnen, in welchen sie bei Plautus spielen, 
und darum schien ihre Charakteristik, wo immer sie vor- 
kamen, unentbehrlich. 

Nicht anders glaubte ich bei den nachgeahmten Stücken 
verfahren zu müssen. Schon beim Amphitruo ist gelegent- 
lich bemerkt worden, dass die fremdsprachlichen Zitate 
fast zu viele seien, während von anderer Seite eine Über- 
setzung derselben verlangt oder doch als praktisch bezeich- 
net wurde. Ich habe mir zahlreiche Gutachten erholt und 
bin, gestützt auf diese und auf eigene Überlegung, meinem 
alten Grundsatze treu geblieben. Einmal war es des Ver- 
gleiches halber unbedingt nötig, besonders in den roma- 
nischen Sprachen, den vollen Wortlaut anzuführen, wo er 
sich mit dem Originale völlig deckte oder wesentlich von 
demselben unterschied. Ich habe gesucht, die Schlagwörter 
zunächst zu geben, meist so, dass der Sinn der Rede 
deutsch vorlag; nur etwa im Französischen habe ich mehr 
zu zitieren gewagt. Und wenn hin und wieder die Schön- 
heit oder Eigenart einer Stelle ein Paar Verse zu viel ver- 
anlasste, so mag dies verzeihlich sein. 

Ein anderer Grund aber zwang fast zu reichhaltigeren 
Zitaten; es war die grosse Seltenheit einzelner angeführter 
Werke. Wenn die Herbeischaffung eines Buches mit 
grossen Opfern für mich und mit mancher Belästigung für 
andere verbunden war, so musste man den einmal gewon- 
nenen Schatz doch so verwerten, dass einem andern die 
gleiche Mühe erspart bleibt, dass er aus meinen Angaben 
so viel entnehmen kann, als er zu seinem Zwecke braucht. 

Ich habe mit den Angaben meiner Vorgänger die 



Vorwort. IX 

meiste Zeit verloren. Die seltsamsten Mitteilungen über 
Nachahmungen plautinischer Lustspiele finden sich hier und 
dort; mit allem Scharfsinn vermöchte man nicht, wenn man 
sich mit tausend Opfern das Buch zu verschaffen wusste, 
eine solche darin aufzuspüren. Darum glaubte ich, gerade 
bei seltenen Werken, dem Nachfolger den grössten Dienst 
zu thun, wenn ich ihn, und sei es selbst in breiterer Form, 
darüber aufkläre, ob und in wie weit eine Nachahmung 
des Plautus vorliegt, an welcher Stelle dieselbe sich findet, 
ja sogar unter Umständen die Szene angebe, die man irr- 
tümlicherweise oder mit wenig Berechtigung bisher als 
eine solche bezeichnet hat. So nur kann er sich selbst ein 
Urteil über die aufgestellten Behauptungen bilden. 

Wenn ich meine Arbeit einen bescheidenen Beitrag 
zur vergleichenden Litteraturgeschichte nenne, so liegt hierin 
zugleich die Entschuldigung stilistischer Mängel. Es wäre 
leicht gewesen, die einzelnen Stücke ihrem Inhalte nach 
zu beschreiben, von der Fabel ein abgerundetes Bild zu 
geben und am .Schlüsse in langen Worten aus den ge- 
gebenen Thatsachen ein Resultat zu ziehen. Das hielt ich 
diesmal noch nicht für meine Aufgabe. Obwohl es zu 
mancher Monotonie führen musste, deren Vermeidung ein- 
fach unmöglich war, zog ich es vor, jedes analysierte Stück 
nach Akten und Szenen wiederzugeben. Damit ist auch 
hinsichtlich der Technik der betreffenden Stücke 
Plautus gegenüber stets der Vergleich ermöglicht. Diesen 
zu ziehen, habe ich meist, wenige Worte ausgenommen, dem 
Leser überlassen; denn es handelte sich in diesem Buche 
vorerst nur darum, die Bausteine zu weiterem zu sammeln. 

Der Erinnerungen sind gelegentlich meines Amphitruo 
verschiedene geschehen, die auch diesmal unberücksichtigt 
geblieben sind. Um nur eine herauszugreifen, wurde der 
Textkritik von einzelnen Rezensenten gedacht. Ich habe 
nach den besseren mir erreichbaren Ausgaben des Plautus 
zitiert und dieselben stets genannt. Die Berücksichtigung- 



X Vorwort. 

di r Resultate der neueren Textkritik kann hier niemand 
fordern; denn es handelt sich ja nur um die ästhetische 
Seite der plautinischen Komödien. Lagen ja doch den 
meisten Nachahmern keine kritischen Ausgaben vor, und 
nahmen sie so manchen Prolog als echt, dessen Unechtheit 
heute die Wissenschaft anerkennt. 

Behörden, Anstalten und Kollegen haben mich während 
meiner Arbeit zu höchstem Danke verpflichtet. Sie alle zu 
nennen wäre zu weitläufig. Neben den reichen Schätzen 
der Münchener Hof- und Staatsbibliothek durfte ich in aus- 
gedehntem Masse die königliche öffentliche Biblio- 
thek in Dresden benützen und verdanke der allseits ge- 
rühmten Liebenswürdigkeit des Herrn Oberbibliothekars 
Dr. Förstemann und des Herrn Bibliothekars Prof. Dr. 
Schnorr von Carolsfeld die nachhaltigste Unterstützung. 
Nicht minder unterstützte mich das freundliche Entgegen- 
kommen der kgl. Bibliothek zu Berlin. 

Besonderes Verdienst hat sich mein ehemaliger Schüler 
und nunmehriger Kollege Herr Dr. Karl Trautmann in 
München um meine Arbeit erworben, der, selbst in der 
Geschichte des Theaters mit so schönem Erfolge arbeitend, 
nichts unbeachtet vorübergehen Hess, was in einiger Be- 
ziehung zu meinem Unternehmen stand. 

Möge die Arbeit wenigstens die Teilnahme so vieler 
bedeutender Kräfte in etwas lohnen! 

Villa Lixenried, Herbstferien 1885. 

Professor Dr. Karl von Reinhardstoettner. 



INHALT. 



Seite 

Vorwort V— X 

Erster Teil. 

Einleitung. Plautus und Terenz und ihr Einfluss auf 

die späteren Litteraturen 1 — 111 

(I. Bedeutung des Altertums für die späteren Littera- 
turen. Einleitendes. II. Plautus. Terenz. Ansichten 
der Alten über sie. Anerkennungen des Mittelalters. 
Terenz dem Plautus gegenüber bevorzugt. Gründe 
hierfür. Terentius christianus. Fortgesetzte Pflege 
des Terenz. Beispiele der Aufführung von Komödien 
des Plautus und Terenz bis in die neueste Zeit. 
Nachahmungen des klassischen Lustspieles in den 
Schulkomödien. Bearbeitungen und Nachahmungen 
des Plautus und Terenz in Italien, in Spanien, in Por- 
tugal, in Frankreich, in England, in den Nieder- 
landen, in Dänemark, in Schweden, in Ungarn, 
in Deutschland. Ständige Figuren aus den alten 
Dichtern. Der Sklave. Die Soubrette. Der" Päd a- 
gog. Der Parasit. Der Prahler. Umgestaltung ein- 
zelner Komödien. Einfluss des Pönulus. Plautus 
selber dramatisiert.) 

Zweiter Teil. 

Die plautinischen Lustspiele und ihre hervorragend- 
sten Bearbeitungen. 

1. Amphitruo 115—229 

(Der Geta des Vitalis Blesensis. Seine weite Ver- 
breitung. Ins Französische übersetzt von Eustache 
Deschamps; Italienische Bearbeitung. — Der spanische 
Amphitruo des Villalobos, des Perez de Oliva. 
— Amphitryon eines Anonymus von 1554. — D. San- 
tos Diez Gonzalez. D. Jose de Canizares. D. Sal- 
vador Constanzo. — Camöes. Jose da Silva. — 
Amphitruo in Ferrara, übersetzt von Pandolfo Colle- 
nuccio. — Dolces II Marito. — Groto Cieco di Ha- 
drias La Calisto. — M. Angelo Buonarroti, II 
Natale d' Ercole. — Pariati. — Sellori. — N. Forti- 



Xll Inhalt. 

Seite 

guerra. — P. Piareta. — Gasparini Francescos 
Oper Aufitrione. — Meschinots Übersetzung. — Ch. 
Fe aus Brusquet. — Rotrou. — Sein Lustspiel; sein 
Ballet. — Benserades Ballet de la Nuit. — Venard 
de la Jonchere. — Beauchamp. — Raguenet. — 
Pellegrini. — Moliere. — Ein Amphitruo von 1681. 

— Gr£try und Sedaine. — Interlude von Jack Jug- 
gler. — Anthony Munday, John a Kent and John a 
Cumber. — Tomkins Albumazar nach dem Italienischen 
des della Porta. — John Crownes The countiy wit. 

— Ben Jonsons Idee. — Thomas Heywood, the 
silver age. — Amphitruo in Dresden von englischen 
Schauspielern [162GJ gespielt. — Drydens Lustspiel mit 
Purcells Musik. — Echard. — Coocke. — Englische 
Oper Alcmena von Michel Arne und Battishill. — 
Dr. Hawkesworth. — Wolfahrt Spangenberg. — 
Johannes Burmeister. — J. G. Schochs Comödia 
vom Studentenleben. — Historie vom Herkules in Nürn- 
berg 1549. — Amphitruo in Dresden. — Die in 
Lorbeer verwandelte Daphne. — Juppiter und Alc- 
mena, zwei Opern von 1696 und 1704. — Amphitruo 
in Tzschimmers Festbericht. — Amphitruo 1716 in 
Wien nach Lady W. Montagues Bericht. — Falks 
„Die Uhu". „Amphitruon." — H. v. Kleist. — Am- 
phitruogeschichte im Neuen Blatt.) 

Asiuaria 229-255 

(Aufführungen in lateinischer und italienischer 
Sprache in Born. — Jakob Lochers ludicrum drama. 

— A. Beolco Ruzzantes Vaccaria. — Cecchis II 
Martello. — Joh. Burmeisters Bearbeitung. — 
R. Lenz, Das Väterchen.) 

3. Aiilnlaria (Querolus) 255—324 

(Vitalis Blesensis Aulularia [Querolus]. — Gellis 
La Sporta. — Lorenzinos de' Medici Aridosio. — 
Paride Ceresara. — Carlo M. Maggi. — Gius. M. 
Stampa. — Lisimbo Oristoniano Pastor Arcade 
u. a. Übersetzer. — Lariveys Les Esprits. — S. Chap- 
p uze au, le riche vilain. — Moliere, l'.Avare. — Con- 
greves Love for love. — Zahlreiche Übersetzungen 
von Molieres Avare. In Deutschland zu Frankfurt 
1670; Neuber in Hamburg; Zschocke in Weimar; in 
Spanien D. M. de Iparraguirre; D. L. F. Colmella; 
in Dänemark 1722; in Holland Pluismer; in Un- 
garn Simai; Döbrentcy; Kacinczky. — Der Philo- 
chrysus des Jesuiten Lejay. — Hoofts Warenar. — 
Shadwells The Miser und seine französische 
Übersetzung. — Ben Jonson in The Devil is an Ass. — 
Wycherlys Geizhals [?] — Steeles The tender Hus- 
band. — Henry Fieldings The Miser. — Deutsche 
Übersetzungen von J. Gref'f, Zenckfrey, Kayser 
u. a. — Steffens, der Geldtopf. — R. Lenz, die Aus- 
steuer. [Doppelte Bearbeitung.] — Juan Claudio de 
la Hoz y Mota, El castigo de la miseria. — B. Sousa 
Mejia „0 avaro". — Angely. — K. v. Holtei. — 
Goldoni [P avaro; il geloso avaro ; 1' avaro fastoso; il 
vero amico.] — Opern.) 



» 



Inhalt. XIII 

Seite 

4. Capthi 324—355 

(L. Ariosto, I suppositi. — Ihre Nachahmungen im 
Französischen von Jacques Bourgeois, Jean Pierre 
de Mesmes, Godard; im Englischen von George 
Gascoigne. Anklänge in Massingers A new way to 
pay old debts. — Abbe Voisenon, l'heureuse ressem- 
blance. — G. P. Clerici, I prigionieri. — Rotrou, les 
Captifs. — P. Duryer. — Jean Roy. — Coste u. a. 

— Ben Jon so n, The case is altered [und The Devil 
is an Ass]. — Hayneccius. — Lipsius. — Lenzens 
verlorne „Algierer".) 

">, Cnrculio 355—365 

(Massinger, A very woman. — Aug. Teod. Villa. — 
PL Lenz, Die Türkensklavin.) 

6. Casina 365-390 

(G. Berrardo. — Machiavellis Clizia. — Gelli, Lo 
Errore. — Brunamonti. — Larivey, le laquais. — 
Dolce, il Ragazzo. — della Porta, la fantesca. — 
Regnard, les folies amoureuses. — Dominique, la 
folle raisonnable. — Ben Jonson, Epicoene.) 

7. Cistellaria 390-400 

(Cecchi, gl' Incantesimi. — Lo specchio, Canevas.) 

8. Epidikns , . . . 401-426 

(Beolco Ruzzantes Brigella. — Moliere, l'Etourdi. 

— Les fourberies de Scapin. — Riccoboni, les four- 
beries de Scapin. — W. C. S. Mylius, So prellt man 
Füchse. — Th. Otway, The cheats of Scapin. — Cail- 
hava, le mariage interrompu. — Th. Middleton, No 
wit [help] like a woman's. — Echard. — Parmindo. 

— Alticozzi. — Dacier. — L. G. Cieco di Hadria, 
1' Emilia. — N. L. Lemercier, Piaute, ou la comedie 
latine.) 

9. Bacchides 426—444 

(Alb recht vonEybe. — Niccolb Barbieri, 1' inav- 
vertito. — Philippe Quinuult, Tamant indiscret. — 
J. Dryden, Sir Martin Mar- all. — Cailhava, le ma- 
riage interrompu. — L. Domenichi, Le due cortigiane; 
französisch von Hieröme d'Avost de La Val.) 

10. Mostellaria . 414-489 

(Berrardos Mustellaria. — Ercole Bentivoglio, I 
fantasmi. — Montfleury, le comödien poete. —Reg- 
nard, le retour imprevu. — Gaveaux' Oper. — Th. 
Heywood, the English traveller. — H. Fielding, the 
intriguing chamber-maid. — L. Holberg, Huus-Spögelse. 

— Ariostos Cassaria. — Cecchi, i Sciamiti. — L'Ari- 
dosia. — Addissons the d rummer. -- Desto uch es, 
le tambour nocturne; deutsche Ausgaben desselben. — 
Opern von Paisiello, Schack, Ditters, Grätz u. a. 

— Desto uches, le dissipateur. — Ben Jonson, the 
Alchemist. — Ramon de la Cruz Cano y Olmedilla.) 

11. Meiiaeohini 490—594 

(Anonyme spanische Menechmos, Antwerpen 1555. — 
Juan de Timoneda. — Calderon, Hombre pobre 



XIV Inhalt. 



todo es trazas. — Cibber, tbe double gallant. — Er- 
cole I. — Giov. Falugi. — Gir. Pentio da Lecco. — 
Anonimo von 1530. — Gli Omodolfi des Niccolö 
Griffo da Valcapraja. — Bibbienas Calandria. — 
P. Buonfanti da Bibbiena, Errori incogniti. — Gl' In- 
gannati von einem Mitgliede der Intronati zu Siena. 
— Charles Estienne, les Abusez. — G. B. della 
Porta, 1' Olimpia. — Porta, la f'antesca. — G. F. Lo- 
redano, la Tnrca. — Calrno, il Travaglia. — J. de 
Montemayor, La Diana enamorada. — Lope de Rue- 
<ia, los Engaiios. — Medora. — Calderon, la Espanola 
en Florencia. — ■ Shakespeare, the twelfth-night, or 
what you will. — Tugend und Liebesstreit. — Secchi 
[Secco], Gl'Inganni. — Larivey, les tromperies. — Cur- 
zio Gonzago, Gl' inganni. — D. Cornacchini, Gl'In- 
ganni. — Sforza d' Oddi, la Prigione d' aniore. — 
Trissino, I siuiillimi. — A. Firenzuola, I Lucidi. — 
Cecchi, la moglie. — Pietro Aretino, Lo Hipocrito. — 
Commedia dell' arte [Flaminio Scala]: li due vecchi ge- 
melli; li due capitani simili; li fintiservi; la gelosa Isa- 
bella. — Lelio, la fille crue garcon. — Giancarli Rho- 
digino, la Cingana. — Porta, i fratelli simili. — Fr. 
Toretti, gli schiavi gemelli. — G. Pianelli, le due 
sorelle simili. — Andreini, i dno Lelii simili. — N. 
Amenta, la somiglianza. — B. d'Azzi, le due Fran- 
cesche. — Chiesa, i quatro simili. — G. Cenci, gli 
•errori. — G. Gilbert, les intrigues amoureuses. — 
Goldoni, I due gemelli Veneziani. — Colalto, les 
trois jumeaux veuitiens; deutsch von Bonin. — Gol- 
donis Zwillinge; deutsch von Heubein. — Florian, 
les jumeaux de Bergame mit Musik von Desauguers. — 
Opern von Tritto, Guglielmi, Niccolini, Gagli- 
ardi u. a. — Rotrou, les Menechmes. — E. Bour- 
sault, les Nicandres, ou les menteurs qui ne mentent 
point. — Eustache le Noble, les deux Arlequins. — 
P. Biancolelli, les quatre semblables. — Li due Leli 
u. a. ■ — Regnard, les Menechmes. — Ihre deutschen 
Bearbeitungen. — Cailhava, les Menechmes grecs. — 
Palissot, Clerval et Cleon, ou les r.ouveaux Menech- 
mes. — Picard, Encore des Menechmes. — Schillers 
Neffe als Onkel. — Historie of Error 1577. — William 
Warner. — Shakespeare, Comedy of Errois. — Oper 
von Bishop. — Farqhvar the twin rivals. — Vol- 
taire, l'enfant prodigue. — Schillers Räuber. — 
A. v. Eybe. — Hans Sachs. — Jakob Ayrer. — 
Klingers Zwillinge. — H. Peter Sturz. — Ad. Öhlen- 
sch läger, Die Drillingsbrüder.) 

Miles gloriosus 595—680 

(Spanischer Anonymus, Antwerpen 1555. — Celio 
Calcagnini, il soldato millantatore. — L. Dolce, il 
capitano. — A. Carmeli. — 0. Bianchi. — Distichi- 
sches Gedicht (Traso). — Matthieu de Vendome, 
comoedia de milite glorioso. — Ba'ff, le Brave. — 
P. Corneille, l'illusion comique. — Mareschal, le 
veritable Capitan Matamore; le Railleur. — Cailhava, 
le tuteur dupti. — Cecchi, il corredo. — Hoibe-rg, 



Iahalt. XV 

Seite- 
Jacob von Tyboe; deutsch von Detharding. — 
Holbergs Ulysses von Itbacia und den Ellefte Junii. 

— Kotzebues Gimpel auf der Messe. — Herzog Hein- 
rich von Braunschweig, Yincentio Ladislao; der- 
selbe metrisch bearbeitet durch Eli am Herlicium 
Cicensem. — A. Gryphius, Horribilicribrifax. — 
R. Lenz, der grosspralerische Offizier [die Entfüh- 
rungen]. — S. A. Gock, der grosssprecherische Offizier. 

— K. F. Mally, der prahlerische Krieger. — Falk im 
Amphitruo. — Personen des Capitano in verschiede- 
nen Stücken. — Spavento, Mondor, Spezzafer. — Gui- 
seppe Bianchi. — Commedia dell' arte. — Scala, 
teatro delle fauole rappresentative. — Orazio Yecchi, 
Anfiparnasso. — Secondo Tarentino, il capitan bi- 
zarro. — Andrea Calmo, la Spagnolas. — Cecchi, il 
Martello, I Rivali. — L. Groto Cieco di Hadria, 
T Emilia. — Della Porta, la fantesca, la Trappolaria, 
Olimpia. — Pietro Aretino, la Talanta. — Vergilio 
Verucci, il servo astuto. — Fabrizio de' Fornans, 
l'Angelica. — Goldoni, l'amante militare; la guerra. — 
Ff. Andreini, le bravure del Capitano Spavento, zwei 
Teile; französisch von Jean de Fönten y. — Ballets. 

— Lope de Rueda, Medora. — Dr. Ant. Ferreira, 
Bristo. — Joaquim Manoel de lacedo, fantasma 
branco. — F. Villon [?], Monologue du Franc Archier 
de Baignollet, — Odet de Tournebu, Les Contens. 

— Scarron, les boutades du Capitan Matamore; Jo- 
delet ou le maitre valet; le Jodelet duelliste. — S. Cy- 
rano Berger ac, le pedant joue\ — Mo Her e, les four- 
beries de Scapin, l'amour mödecin. — La Comedie 
des Proverbes. — Boyron [Baron], 1'honime a bonne 
fortune, le militaire fanfaron. — Pal ap rat, le muet. 

— Destouches, le glorieux. — Interlude Thersytes. 

— N. Udall, Royster Doyster. — Shakespeare, Fal- 
staff, Pistol, Poins, Parolles, Armado. — W. H. Brömel, 
Hannibal von Donnersmark, Gideon von Tromberg. — 
P. Meurice, Falstaff. — A. Vacquerie, le capitame 
Parolles. — J. Lilly, Endimion. — BenJonson, Every 
man in his humour; Every man out of his humour; 
the Poetaster. — Dekkers Captain Tucca. — G. Chap- 
man, May-day. — Beaumont k Fletcher, A lang 
and no king; The custom of the country. — W. Con- 
greve, the old batchelor.) 

13. Mercator • • • 68 °- 689 

(A. Murphy, the Citizen. — Orazio Bianchi, il mer- 
cadante. — Cecchi, la Stiava. — Ercole Bottri- 
garo, il mercadante.) 

14. Pseudolus • • 690—714 

(Vergilio Verucci, il servo astuto. — Regnard, la 
se'renade. — S. Gays Oper, Musik von Gail. — Hol- 
berg, Diderich Menschenskräk. — Lessing, Justin. — 
Della Porta, la Trappolaria, l'Olimpia, la Carbonana. 

— Ital. Übersetzung von Torelli.) 

15. Poeuulus •..• • • 714-718 

(Aufführungen des Poenulus. — Italienische Überset- 
zungen von 1520 und 1526. — Ariostos Cassaria.) 



XVI Inhalt. 

Seite 

16. Persa . . ' 719-722 

(High life below stairs.) 

17. Rudens . 722—736 

(L. Dolce, il ruffiano. — Goldhagens Anthologie. — 
Leo Lipsius. — Dacier. — Hei. Baletti Ricco- 
boni, le n au frage.) 

IS. Stichus 737—745 

(Lessing, Weiber sind Weiber. — Brunamotti, lo 
Stico.) 

15). Trinuiniiiiis 746—767 

(Uecchi, la dote. — Alticozzi. — N. Destouches, 
le tresor cache, le dissipateur. — Andrieux, le tre"sor. 
— Ant. le Bret, l'epreuve indiscrette. — Lessing, 
der Schatz. — Goldhagens Anthologie. — Leo Li- 
psius und andere Übersetzer.) 

20. Truculentus 767—776 

(R. Lenz, Die Buhlschwester.) 

Register ' 777—793 



ERSTER TEIL. 

(Einleitung. Plautus und Terenz und ihr Einfluss 
auf die späteren Litteraturen.) 



I. Einleitung. 

Mit wenigen, aber trefflichen Worten kennzeichnet Benfey 1 ) 
das Verhältnis der Nachwelt zur klassischen Litteratur: „Die Er- 
kenntnis und Aneignung 1 der klassischen Welt ward und blieb 
bis auf den heutigen Tag ein Hauptbestreben der folgenden 
Zeiten; wesentlich auf dem Boden der klassischen Bildung hat sich 
die moderne erhoben; und was sie in ihrer weiteren Ent- 
wicklung geleistet hat, verdankt sie zu einem nicht ge- 
ringen Teil dem Geiste des klassischen Altertums, der 
sie belebt." 

Es ist eine unwiderlegbare Tbatsache, dass an den grossen 
Vorbildern der klassischen Periode Griechenlands und Roms die 
Nachwelt sich herangebildet bat; und mag sie auch aiif die Pflege 
derselben verhältnismässig viel Zeit, Fleiss und Mühe verwendet 
haben, der Lohn, den sie daraus zog, war ein unberechenbarer; 
er stand völlig im richtigen Verhältnisse zu dem aufge- 
wandten Studium. 

Vor uns entfaltet sich die Geschichte der Litteraturen Euro- 
pas. So wie sie heute vor uns liegen, könnten wir uns dieselben 
ohne den Einfluss des klassischen Altertums nicht denken; zum 
mindesten müsste ihre ganze Entfaltung, ihr Aufbau, ihre Blüte 
eine vollständig andere geworden sein, wären sie nicht durch 
die Antike angeregt, gehoben, gebildet, zu neuen Idealen ge- 
leitet worden. 

Tief im Abgrunde lagen mehrmals die litterarischen Zustände 
der Kulturvölker ; es schien, als ob ihre poetische Scliöptüngskratt 
erlahmt, der Genius der Dichtkunst verschwunden wäre; da hob 
ein Blick auf das Altertum eine verfallene Litteratur, und ein 
neues Schrifttum rankte sich empor an der Stütze der Alten, 
befruchtet von der nie versiegenden Quelle der Griechen und 
Römer. 

Man kann die klassischen Autoren des Altertums niemals 
gänzlich erschöpfen. Es keimt in ihnen eine ewig frische Jugend 



') Geschichte der Sprachwissenschaft. (München 18G9.) S.207. 

1* 



4 Bedeutung des Altertums 

und Triebkraft, es quillt ein nie vertrocknender Born stets neuer 
Anregung aus ihnen; immer wieder bieten sie neue Gesichtspunkte, 
ohne dass man Neues in sie hineinzulesen brauchte. P. Albert 1 ) 
sagt in richtiger Weise: „Ils s'imposent ä nous, ces grands ecri- 
vains, nu'iiie encore aujourd'hui, dans ce souci accablant des 
choses materielles, ils rayonnent, ils ^chauffent, ils fbrtifient. 
De leur commerce on sort plus aguerri, plus droit, plus pret au 
sacrifice. " 

Die glückliche äussere Entwicklung jener Völker, ihr ge- 
sundes Verständnis des Realen, das, eben weil es auf voller 
Wahrheit beruhte, zum Idealen führte, jene durch keine schwär- 
merische Askese, durch keine grübelnde Intuition gestörte rein 
menschliche Entfaltung hat in den Schriften der Alten wahre 
Wunder gethan und auf Jahrtausende gewirkt. 

Es hat nicht an solchen gefehlt, welche diese Hingabe an die 
längst vergangenen Tage der klassischen Zeit mit schelem Auge 
betrachteten: kühner als je erhebt heute eine feindselige Partei 
ihr Haupt, die da lehren will, diese Verehrung vor Jahrtausend 
alten Vorbildern habe die organische, freie Entwicklung neuer, 
zeitgemässer litterarischer Richtungen beeinträchtigt oder auf 
fälsche Bahnen gelenkt. 2 ) Abgesehen von der Unzulässigkeit der 
Frage, was unter anderen Verhältnissen hätte geschehen können 
— Geschichte ist ja eben das Geschehene — beweisen gerade 
jene, welche die klassische Litteratur dafür verantwortlich machen 
wollen, dass die litterarische Entfaltung einzelner Kulturvölker so 
und nicht anders sich gestaltete, so z. B. ein anonymer Essai sur 
la litterature romantique, 3 ) ohne es zu wollen, für die hohen 



') La litterature fran§aise des origines ä la fin du XVP siecle. 
Paris, Hachet (1875). S. 117. 

2 ) So klagt Mercier in seinem Buche über Rousseau (II, 209): 
„Nous serions bien au dessus de ce que nous sommes, si les produetions 
meme des anciens se fussent tout ä fait ensevelies sous les ruines de 
ces empires qui ont disparu. Limitation arrete les elans du genie." 

3 ) Paris (le Normant Pere. N. Pichard 1825). Dort heisst es: 

(S. 72): Si l'Europe alors, dans les developpemens progressifs de 
la pensee et de l'imagination füt restee livree ä ses seuls elemens de 
eulture, si nulle influence etrangere n'en eüt modine l'action, on auroit 
vu naitre partout sur son sol une litterature vraiment nationale, comme 
celle des anciens et oü se seroient retrouves sans addition et sans me- 
lange tous les traits qui caracterisent sa civilisation. Des avant le quin- 
zieme siecle la France en avoit donne l'exemple. Les poesies de ses 
Trouveres, ses anciens fabliaux, ses anciens romans de chevalerie y com- 
posoient des lors une litterature basee sur des traditions populaires, sur 
la peinture des usages nationaux, surtout sur l'esprit galant et militaire 
du moyen äge. Denuee sans doute de ce genre de variete et de pro- 
fondeur que donnent seule l'abondance des lumieres et l'habitude de la 
reflexion eile etoit du moins en pariaite harmonie avec le genie de la 
nation. Si, corrigeant ses imperfections sans changer son principe, la 
France füt restee fidele ä ces premiers essais de son talent litteraire, 



für die neuere Litteratür. 5 

Verdienste und den segensreichen Einfluss der Kenntnis und Nach- 
ahmung der Antike. Wenn in der genannten Abhandhing auf 
die hohe Entwicklung der Trouveres hingewiesen und die Mei- 
nung vertreten wird, dieselben hätten, ohne das Dazwischen- 
kommen der klassischen Litteratür, sich noch weiter verbreitet, 
so wird verschwiegen, dass die Poesie der Trouveres ihr Ende 
nicht nur durch das Eintreten gänzlich veränderter sozialer Zu- 
stände fand, sondern in sich selber lange schon den Todeskeim 
trug. Glücklich vielmehr traf es sich, dass nach dem Versinken 
dieser Dichtungen, welche in den meisten Ländern nur Treibhaus- 
pflanzen waren, man sofort an der Antike Muster fand, an welchen 
man sich zu der so stark misskannten wirklichen Poesie begeistern 
konnte. Freilich möchte man wünschen , dass die lateinische 
Sprache auf nicht allzu lange Zeit die Erzeugnisse in der 
Muttersprache verdrängt hätte; doch aber ist man längst davon 
abgekommen, jene Perioden, wo sie das Übergewicht hatte, als 
gänzlich unfruchtbare zu bezeichnen. Man weiss jetzt zu wür- 
digen, wie viel die Litteratür selbst den lateinischen Sekulkomödieu 
zu danken hat, und dass sie in einer poetisch ziemlich unpro- 
duktiven Zeit, wie solche in der Geschichte aller Litteraturen 
eintreten, nicht nur die Form und äussere Gestalt des Dramas ge- 
funden, gepflegt und erhalten, sondern auch Gedanken und dichte- 
rische Stoffe auf die kommenden Generationen verpflanzt haben. 
Der Geistesgang der einzelnen Völker ist durch den 
Einfluss der klassischen Litteratür nur gefördert, nie- 
mals gehemmt worden. Wenn die Dichtkunst des Aristoteles 
heute noch in den meisten Stücken giltig ist, so mag dies nur 



eile jouiroit aujourd'hui des avantages trop peu sentis d'ime litterature 
nee et perfectionnee sur le sol de la patrie. Mais on entroit alors dans 
le quinzierae siecle, epoque ä janiais memorable par cette invention de 
l'imprirnerie qui devoit desorniais influer si puissamment sur la civilisation. 
(S. 75): Sans doute les ouvrages des anciens se distinguent par des 
beautes d'un ordre superieur, et nieritent la place que leur ont de tout 
tems assignee les nations eclairees. Mais ces ouvrages, fruits d'un genie 
etranger, furent ecrits pour le siecle qui les vit uaitre, ou plutut sont 
l'iuspiration de ce siecle. Appropries ä l'ordre de choses qui existoit 
alors, ils en portent l'empreinte et lui durent leurs anciens succes. Si 
la Grece entiere applaudissoit ä ses orateurs ou ä ses poetes , si la re- 
presentation de leurs productions y excitoit des transports, dont aucun 
autre äge n'a reproduit la vivacite c'est que ces productions offroient 
ä la masse de la nation l'image de ses mceurs, de ses sentimeus, de ses 
croyances; c'est qu'elles etoient populaires. dans tonte l'etendue de cette 
expression. Mais en les transportant dans les langues modernes, chez 
des peuples qui n'avoient presque que le nom d'liommes commun avec 
ceux de l'antiquite, devoit-ou leur accorder autre chose que l'admiration 
qui est due au genie sous quelque forme qu'il se presente? Et falloit-il 
citer comme des modeles pratiques, et imposer comme tels ä l'imitation 
des modernes, des productions aussi etrangeres ä leurs mceurs, ä leurs 
lois et ä leur culteV 



g Bedeutung des Altertums 

als ein Beweis ihrer richtigen Vorschriften angesehen werden; 
und wenn die Werke der alten Künstler und Dichter uns heute 
noch begeistern, wenn sie zwei Jahrtausende lang zu neuem 
Schaffen anzuregen vermochten und eine wetteifernde Nachahmung 
hervorriefen, so zeugt das eben von der ihnen innewohnenden, 
unverwüstlichen Kraft. 

Litterarisch tiefgesunkenen Epochen haben die alten Autoren 
als Leitstern gedient. 1 ) An ihrem Lichtglanze haben sie sich, 
und war es auch lange nur auf dem Wege der Nach- 
ahmung, zu neuem Schaffen herangebildet. Von diesen Nach- 
ahmern haben einige nur dadurch Ruhm und Ansehen erlangt, 
dass sie sich strenge an die grossen Alten hielten. Wahrlich ge- 
ring war die poetische Kraft eines Pope oder Boileau, dennoch 
hat der eine seinen hohen Ruhm der strengen Nachahmung 
der antiken Vorbilder zu danken, indessen der andere, ebenfalls 
von diesen ausgehend, sich zum „Gesetzgeber des Parnasses" 
emporschwang. 

Wo immer es an selbstschaffenden Geistern fehlte, da hat 
die Hinneigung zur klassischen Litteratur die Völker vor jenen 
grauenhaften Undingen bewahrt, von denen jede Litteratur trau- 
rige Proben aufzuweisen hat. Sie allein hat die litterarische 
Lehrzeit der Nationen mit Werken ausgestattet, welche, ob ihnen 
auch das grosse, selbstschöpfende Moment mangelte, sich doch 
zu ganz anerkennenswerten Leistungen gestalteten. Wo aber 
einmal ein bedeutender Genius es verstand, sich die den Alten 
abgelernte Kunst zu nutze zu machen, da entstanden jene ge- 
waltigen, einzig dastehenden Dichterwerke, welche, wie Shake- 
speares Comedy of Errors, wie Goethes Iphigenie auf Tauris 
u. a. nicht bloss mit Stolz ihre antike Abkunft zur Schau tragen, 
sondern auch die Vorbilder, denen sie entwuchsen und nachstrebten, 
kühn zu einem Vergleiche herausfordern durften. „Der deutsche 
Homer von Voss, Goethes Iphigenie, Hermann und Dorothea, 
Pandora, zweiter Faust, Schillers spätere Dramen sind die Früchte 
der Verbindung des deutschen Geistes mit dem der An- 
tike .... Nur in der innigsten Verbindung mit der 
Litteratur des Altertums konnten wir Hingebung und 
Selbständigkeit mit einander verbinden." 2 ) 

Es atmet für alle Kulturvölker in den antiken Schöpfungen 



') Mit Recht fragt der Ab. Carlo Deniua (Discorso sopra le vi- 
cende della letteratura. Venezia 1780. II, 5): Senza gli studj delle 
liugue antiche e degli autori greci e latiui e senza le cognizioni delle 
antiche storie, che cosa sarebbesi fatto che portasse pregio in 
questi secoli? 

2 ) Max Koch. Über die Beziehungen der englischen Litteratur 
zur deutschen im XVIII. Jahrhundert. Lpz. 1883. S. 40. 



für die neuere Litteratur. 7 

etwas, das sie kosmopolitisch vereint; sind ja Griechisch und La- 
teinisch Gemeingut aller geworden. Hier liegen die allen gleich- 
massig zugänglichen grossen Werke, eine Art gemeinsamen Be- 
sitztums aller Erdbewohner. Andere gewaltige Schöpfungen der 
verschiedenen Völker, das prächtige Beöwulflied, das grossartige 
Nibelungenepos sind nur einzelnen zugänglich. Homer ist die 
poetische heilige Schrift aller Völker, soweit das Griechentum 
drang, bekannt und geschätzt, und wohin hat sich diese Sprache 
nicht den Weg gebahnt, von der Rabelais mit soviel Recht sagt 
„sans laquelle c'est honte qu'une personne se die scavant?" ') 

Die Eindrücke der einfachen und doch so erhabenen bibli- 
schen Darstellungen verwischen sich niemals wieder. Genau so 
steht es mit den Erinnerungen des klassischen Altertums. Sowie 
uns die Erzählungen der heiligen Schriften nie aus dem Gedächt- 
nisse schwinden, so vergessen wir niemals jene einfach naiven 
Anekdoten, jene trefflichen Aussprüche, deren innersten gold- 
haltigen Kern weder ihr zwei Jahrtausende zählendes Alter, noch 
ihre vielfache Abnützung als Gemeinplätze hat irgendwie vermindern 
können. Sie stehen vor den Augen unseres Geistes wie die gleich- 
altrigen Fabeln, deren Einfachheit sie unversehrt durch ein Welt- 
alter gebracht hat, und die überall da herabsanken und an Gehalt 
verloren, wo man glaubte, ihr herkömmliches bescheidenes Kleid 
irgendwie ändern oder ausschmücken zu können. 

„Das Altklassische ist so verwachsen mit unserem ganzen 
Leben, dass es den Anschein hat, als ob wir es gar nicht ent- 
behren könnten und nur zum Nachteil für uns entbehren wür- 
den. Wir würden Gefahr laufen, Rückschritte zu thun, wenn wir 
mit dem Altertume nicht in steter Verbindung blieben. " 2 ) 

Im Altertume finden wir die Schatten alle, die uns durch 
unser ganzes Studium geleiten, die in unserm heutigen Leben 
noch spielen, auf unsrer dermaligen Szene noch erscheinen. Wir 
kennen sie alle diese ständigen Figuren, den schlauen Sklaven, 
der zum „valet" der französischen Bühne wurde; den geizigen 
Euklio, der mit seiner Magd schilt, sehen wir wieder in Har- 
pagon, wenn er la Fleche zu Rede stellt, der prahlerische 
miles gloriosus in seinen mannigfachen Spielarten ruft uns 
überall, ob er als Falstaff auftritt, ob er uns als Horribili- 
cribrifax ergötzt, die Figuren des Plautus und Terenz vor 
Augen. Und so begegnen uns aller Orten jene wohlbekannten 
Freunde der Jugend wieder, welche, ob sie auch unter dem wan- 
delnden Geschmacke verschiedener Jahrhunderte bisweilen ein 
anderes Gewand angelegt haben, doch immer und überall laut 



') Pantagruel. I, 8. 

2 ) Teutsche Vierteljahrsschrift. 1843. No. 23. (Bedeutung der Philo- 
logie für Europa.) 



8 Bedeutung des Altertums 

für ihre Herkunft aus dem klassischen Altertume zeugen. Die 
erhabenen Gestalten der Tragiker, eine Iphigenie und Antigone, 
liaben fortgelebt in den zahlreichen nachgebornen Dramatikern; 
die Gestalten des Aristophanes, Plautus, Terenz, selbst wieder 
älteren nicht mehr bekannten Meistern entnommen, bevölkern 
heute noch die Szenen unsers Lustspiels. Den Epikern und Ly- 
rikern der Alten sind zahlreiche spätere Schöpfungen entwachsen, 
und wie anregend wirkten nicht die Historiker! Hat doch Shake- 
speare, der z. B. Plutarch nur aus der Übersetzung 1 ) kannte, 
sich an ihm zu einer Reihe der grossartigsten Tragödien be- 
geistert, und, was in noch höherem Masse für die rhetorische 
Kraft dieses Autors spricht, er fand die in demselben eingefloch- 
tenen Reden so wirksam und so gelungen, dass er sie für wert- 
voll genug hielt, dieselben oft kaum verändert seinen herrlichen 
Trauerspielen einzuverleiben. 

Für das Epos war Jahrhunderte lang die Form in Vergils 
„Arma uirumque cano" stereotyp gegeben; die Satiriker 
glaubten, über die Alten nicht hinauskommen zu können. Ihnen 
nahegerückt zu sein, galt als Vollendung, und es war es auch, 
wenigstens schon insoferne, als es vor argen Missgriffen schützte und 
Horazens Wort 2 ) zur Wahrheit machte: uirtus est uitium fugere; 
hätten nur alle Imitatoren auch jenes andere 3 ) 

„In uitium ducit culpae fuga, si caret arte"' 

oft nicht gänzlich ausser Acht gelassen! 

Aber nicht bloss die Dichtkunst zehrte von der Antike, auch 
die Prosaiker haben sich an ihr gebildet, und die hohe Vollendung, 
die erhabene Stufe geistiger Kraft, zu der sich z. B. unter den 
Franzosen Montaigne, la Boetie, Rabelais u. v. a. emporge- 
schwungen haben, ist nichts als eine köstliche Frucht ihrer Hingabe 
an das klassische Altertum, das heute noch genug der Anregung 
und Stoff zur Nachbildung bietet. 4 ) 

Es ist in hunderten von Schriften auf die hohe Bedeutung 
der Antike für die Kultur Europas hingewiesen worden. Ein 
arger Feind des römischen Militärstaates und der Eroberungskriege 
hat sich doch einst nur darum für ausgesöhnt mit den Römern 
erklärt, weil sie der Kanal geworden, durch welchen uns die 



*) North von 1595. Vgl. Four Chapters of North's Plutarch . . . 
Edited by Prof. Dr. F. A. Leo. London (Trübner). 

Epist. I. 1. 41. 

Epist. H, 3. 31. 

So griff erst unlängst Robert Hamerling in seiner Dichtung 
Amor u. Psyche zu dem Märchen des Apuleius. — Schon früher hat 
der Goldesel des Apuleius die Komödie Formicone des Publio Philipp o 
Maatouano (gedr. 1537 in Venedig bei Francesco Bindoni) veranlasst. 



für die neuere Litteratur. 9 

künstlerischen und litterarischen Schätze Griechenlands zugeflossen 
sind. Wieder in hunderten von Schriften ist dargethan worden, 
wie oft und wie nachhaltig der Humanismus der sinkenden Welt 
zu Hilfe geeilt ist. Alle dagegen ins Treffen geführten Gründe 
— und auch an den lächerlichsten fehlte es nicht 1 ) — zerfallen 
in sich seihst. 

Der segenspendende Einfluss der klassischen Litteratur auf 
das gesamte Schrifttum Europas, die üppige Befruchtung, die von 
ihr ausgehend, seihst auf dürrem Boden verhältnismässig schöne 
und reiche Saaten reifte, ist nur im allgemeinen, nur in ihren, 
freilich ohnehin schon greifbaren Hauptzügen, oder da, wo sie 
Kunstwerke ersten Ranges hervorrief, verfolgt worden. Und doch 
ist ihre heilbringende Wirkung auch da nicht zu verachten, wo 
sie einer völligen Stagnierung oder entsetzlichen Missgriffen Ein- 
halt that. Diese zu verfolgen, sei die Aufgabe nachstehender 
Blätter, und zwar richtet sich unsere Aufmerksamkeit zunächst auf: 

I. Plautus. 
IL Terentius und Aristophanes. 

III. Die griechischen Tragiker: Aischylos, Sophokles, 

Euripides. 

IV. Seneka. 

V. Epiker, Elegiker, Lyriker. 

VI. Satiriker, Epigrammatisten, Didaktiker, Fa- 
beldichter. 
VII. Prosaiker. 

Aus einer solchen Darstellung wird sich, woferne sie ge- 
lingt, ergeben müssen, dass die klassische Litteratur mehr denn 
anderthalb Jahrtausende den thätig und stille wirkenden 
Sauerteig bildet, welcher die geistige Masse der europäischen 
Kulturvölker durchdringt; es wird sich ergeben müssen, dass nicht 
nur die grossen, den Alten nachgeahmten Universalwerke von 
hoher Bedeutung auf diesen wurzeln, sondern dass auch kleinere 
Dichtungen, ja sogar die zahlreichen Übersetzungen klassi- 
scher Werke für die Entwicklung der sprachlichen Fähigkeit, der 



') Wie wenn einst in einer Sitzung der französischen Deputierten- 
kammer (29. Mai 1835. No. 149 u. 150 in le Moniteur universel.) Ms. 
de Tracy die französische Revolution demselben in die Schuhe schiebt, 
oder Charles Nodier in seinen Erinnerungen (I, 89) meint, Livius u. 
Tacitus hätten an der Untergrabung des monarchischen Prinzips in 
Frankreich grossen Anteil. Vgl. Einige Bemerkungen über die fort- 
dauernde Abhängigkeit unserer Bildung von der klassischen Gelehrsam- 
keit. (Maximilianstag 1825, gelesen in der bair. Akad. d. W. zu Mün- 
chen) von Friedrich Roth. (16 S.) 



10 Bedeutung des Altertums 

dichterischen Anlage einer Nation von ungeahntem Werte sind.') 
Es wird sich ergeben müssen, dass der Einfluss, den Lotheissen 2 ) 
den Klassikern für eine gewisse Periode der französischen Litte- 
ratur (1600 — 1636) zuschreibt, auf alle Völker und Zeitab- 
schnitte sich gleichmässig erstreckt, so dass es sich für alle Jahr- 
hunderte als giltig erweist, was er von jener Epoche schreibt: 
,,Der Einfluss der altklassischen Litteratur ist kaum 
abzumessen. Er formte die Sinnesart der Menschen und 
ihr ästhetisches Gefühl um, Avobei anfangs eine gewisse 
Verwirrung nicht immer vermieden werden konnte; er 
machte sich nicht minder in der Ausbildung der Sprache, in der 
Weiterentwicklung der Litteratur fühlbar. 

Die Versuche, die Werke der Alten zu übersetzen, machten 
die Unbeholfenheit der Muttersprache klar; aber sie ermunterten 
auch, derselben grössere Geschmeidigkeit zu geben, um sie den 
feinen Wendungen der ausgebildeten Sprachen von Hellas und Rom 
anzupassen. " 3 ) 

Grossartig waren die Wirkungen der Antike. „Ce fut donc 
par son propre charme," urteilt P. Albert, 4 ) „par la vertu 
qui etait en eile que l'antiquite agit sur les intelligences; ä ceux 



') Dass man auch hierin des Guten zu viel thun kaun, zeigt ein 
Programm von Münnerstadt. „Antike Charakterbilder in Schillers Teil 
von Hieron. Schneeberger. 1875. (19 S.) Wenn der Verfasser zeigen 
will, dass Gertruds Worte: Er setzt sich kummervoll auf eine Bank — 
so ernst mein Freund — ich bin dein treues Weib, und meine Hälfte 
fordr' ich deines Grams — des edlen Iberg Tochter rühm' ich mich, 
wörtlich, und wie sie sind, ihre Entstehung Plutarch verdanken: ivdvo- 
jusvoq zw Xoyiaiup ovz' ikdv&ave zijv yvvalxa — /j.eazoq zaQayjjq ätföovq 
— xoivcDvdq fiev üyad-öJv eivcu xoivcovöq 6h dviaQÜiv — Käzojvoq eivai 
d-vyartQa xal zö Bqovzov yvvalxa tiqöosozii'' , oder dass Gertruds Entschluss: 
die letzte Wahl steht auch dem Schwächsten offen, ein Sprung von dieser 
Brücke macht mich frei, mit Porcias Selbstmord zusammenhängen soll, 
so heisst das, jedes dichterische Schaffen verleugnen. Gegen einen sol- 
chen Einfluss der klassischen Litteratur müsste man Protest einlegen; 
wahrlich wenn Schiller, wie der Verfasser meint, Gertrud und Hedwig 
aus Plutarch und Homer (Porcia und Andromache) geholt hat, dann 
stand es schlimm um sein dichterisches Vermögen. — Vgl. dagegen 
LudwigHirzel, Schillers Beziehungen zum Altertum. (Aarau 1872.) — 
Stets zu beherzigen sind bei ähnlichen einfachen Parallelstellen die 
Worte, mit welchen Oskar Bro sin seinen Artikel „Anklänge an Vergil 
bei Schiller" (Schnorrs Archiv VIE. Bd...S. 518 — 533) schliesst: „Wie 
aber, wenn trotz alledem in allen jenen Übereinstimmungen das blosse 
Spiel des Zufalls waltete. So bliebe wenigstens das eine Resultat, das, 
so trivial es ist, aufs neue bestätigt zu sehen, vielleicht doch interessiert, 
dass gewisse dichterische Schönheiten in Anschauung. Empfindung, Ge- 
danken, Bild und Ausdruck nicht das Eigentum einzelner Völker und 
Dichter sind, sondern den verschiedensten Nationen, Individuen und 
Zeiten gemeinsam angehören." 

2 ) Geschichte der franz. Litteratur im 17. Jahrh. (Wien 1877.) I, 29. 

3 ) Vgl. auch Rigault Hist. S. 42. 

4 ) A. a. 0. S. 117. 



für die neuere Litteratur. \\ 

qui se donneren t ä eile, eile donna ce qui est en eile, ce que rien 
ne pouvait leur donner alors." 

Und wenn Werke nach fast zweitausend Jahren solcher 
Wirkungen fähig sind, wer dürfte, wer könnte ihnen selbst den 
Wert absprechen, den sie in anderen so glänzend Widerscheinen 
lassen? Und wenn sie so gewaltig, so grossartig sind an sich 
und durch ihren Einfluss , wer möchte es wagen , die Welt von 
diesen Studien abzuziehen? Es hiesse gewaltsam die Axt an die 
Wurzeln der allgemeinen Veredlung legen, die Quelle verschütten, 
die wohlthätig tausende von Generationen erfrischt hat, die einen 
mit einem Labetrunk, den sie unterwegs dankbar zu sich nahmen, 
die andern durch reiche Erquickung, die sie ihnen ihr Leben 
lang bot, — alle aber gleichmässig stärkend, „alles segnend, 
allgesegnet". 1 ) 



') Siehe eine reiche Litteratur über die klassischen Autoren bei 
Sulzer: Allgemeine Theorie der schönen Künste etc. (Lpz. 1792.) Bd. I, 
S. 123b. — Vgl. zum Ganzen von neueren Erscheinungen: Histoire de 
la querelle des anciens et des modernes par M. Hippolyte Rigault. 
Paris (L. Hachette). 1856. 



IL Plautus und Terenz und ihr Einfluss 
auf die späteren Litteraturen. 

Einen unerschöpflichen Stoff für die Lustspieldichter 
der kommenden Jahrhunderte hahen die römischen Ko- 
möden Plautus 1 ) und Terenz 2 ) hinterlassen. 3 ) Oh auch 
die Meinungen üher den künstlerischen Wert heider zu verschie- 
denen Zeiten andere waren, 4 ) wurden sie doch stets mit besonderem 



*) T. Maccius Plautus aus Sarsina in Umbrien, um 254 v. Ch. 
(500 a. u. c.) geboren, 184 v. Ch. (570 a. u. c.) gestorben, war von nie- 
derem Stande, jedoch ein Freier. Nachdem er in Geldspekulationen sein 
Vermögen verloren hatte, lebte er von der Bearbeitung griechischer 
Lustspiele für die römische Bühne. S. W. S. Teuf fei, Geschichte der 
römischen Litteratur. Vierte Auflage bearbeitet von Ludwig Schwabe. 
Leipzig (Teubner). 1882. S. 144—160. — Bernhardy, Grundriss der 
römischen Litteratur. 5. Bearbeitung. Braunschweig 1872. 455 — 463. — 
Bit sc hl, Parerga zu Plautus und Terenz. Lpz. 1845. T. I.* — Über 
den Namen Maccius, den Bitschi (aus M. Accius) hergestellt hat, 
vgl. Bitschi Parerga p. 3; M. Hertz, T. Maccius Plautus oder M. Ac- 
cius Plautus? Berlin 1854. — T. Maccii Plauti comoediae. Becensuit 
et enarravit Joannes Ludovicus Ussing. Havniae, suniptibus libra- 
riae Gyldendalianae 1875. I. Bd. S. 141. De Plauti poetae nomine. 

2 ) Publius Terentius aus Karthago, Sklave und später Frei- 
gelassener des Senators Terentius Lucanus, geboren 185 v. Ch. (569 a. 
u. c), war einer der vollendetsten Nachbilder griechischer Komödien. 
In einem Alter von sechsundzwanzig Jahren starb er auf der Bückreise 
von Griechenland i. J. 159 v. Ch. (595 a. u. c). — Vgl. Teuf fei a. a. 0. 
S. 169—179. — Bernhardy a. a. 0. S. 465—472. 

3 ) Denina, (Vicende della lett. LT, 19). Plauto e Terenzio erano 
piü conosciuti e piü letti che Sofocle ed Euripide ed anche per 
questa ragione era piü facile che si pensasse a compor com- 
medie che tragedie. 

4 ) Vulcatius Sedigitus „de poetis" (bei Gellius, noct. att. XV, 24) 
nennt Plautus unter zehn komischen Dichtern Borns als den zweiten, 
Terenz als den sechsten: 

Multos incertos certare hanc rem uidimus: 
Palmam poetae comico cui deferant. 
Eum, meo iudicio, errorem dissoluam tibi. 
Ut contra si quis sentiat, nihil sentiat. 
Caecilio palmani Statio do miinico. 
Plautus secundus facile exuperat caeteros. 



Plautus im Urteile der Alten. 13 

Lobe genannt. Cicero 1 ) rühmt an Terenz die „elegantia ser- 
monis" und gedenkt anerkennend des Terentianus Chremes. 2 ) 

Des Plautus thut Cicero einige male Erwähnung ] 3 ) ja an 
einer Stelle 4 ) setzt er ihn auf dieselbe Stufe wie die Attiker: 
„Duplex omnino est iocandi genus, unum illiberale, petulans, 
flagitiosum, obscenum, alterum elegans, urbanum, ingenio- 
sum, facetum. Quo genere non modo Plautus noster et Atti- 
corum antiqua comoedia, sed etiam philosophorum Socraticorum 
libri referti sunt." 

Minder günstig hat bekanntlich Horatius in seiner Epistel 
an die Pisonen 5 ) über Plautus geurteilt: 

At uestri proaui Plautinos et mvmeros et 
Laudauere sales, nimiuni patienter utrumque, 
Ne dicam stulte, mirati, si modo ego et uos 
Seimus inurbanum lepido seponere dicto 
Legitimumque sonum digitum callemus et aure. 

Mit Unrecht also habe Plautus das Lob der Ahnen besessen; auch 
an einer andern Stelle 6 ) wird ihm das „ad exemplar Siculi pro- 
perare Epicharmi" zum Vorwurfe gemacht. 

Dies Urteil des Horatius, das verschieden ausgelegt wurde, 7 ) 
hat Jahrhunderte lang die Freunde des Plautus in Erregung ver- 
setzt; 8 ) eigentlich unbegründet; denn an Anerkennung des Dich- 
ters hat es keine Zeit fehlen lassen. 



Dein Naevius qui servet, pretio in tertiost. 
Si erit quod quarto detur, dabitur Licinio. 
Post insequi Licinium facio Attilium. 
In sexto consequetur hos Terentius. 
Turpilius septimum, Trabea oetavum optinet. 
Nono loco esse facile facio Luscium, 
Decimum addo causa antiquitatis Ennium. 
Vgl. Ladewig: Über den Kanon des Volc. Sedig. Neustrelitz 1842. — 
H. Iber De Volc. Sedig. canone. Münster 1865. Gegen dies Urteil des 
Vulcatius eifert Guillaume Lugans de S. Geal, gentilhomme li- 
mosin in einem Sonette, das in der Ausgabe von 1567 der frz. Terenz- 
übersetzung steht: 

Je te pry (6 Lecteur) n'approuuer la censure 
De Volcat deuisant de la gloire Comique, 
Lequel messeament par vn vers Jambique 
Veut fruster vostr' autheur de son loz et droieture u. s. w. 
') Epist. ad Atticum. VIT, 3. 10. 
2 ) De fin. I, 3. 
8 ) So im Brutus § 73; Brut. 60; de oratore DZ, 12. 45. 

4 ) De offieiis I, 29. 104. 

5 ) Epist. II, 3. 270. 

6 ) Epist. n, 1. 57 u, .170. 

7 ) Th. Ladewig. Über den Kanon u. s. w. 19. u. im Philologus 
I, 276. — Linge „De Plauto properante ad exemplar Epicharmi". Ka- 
tibor 1827. 

8 ) Besonders verteidigte Plautus L. Lipsius; Daniel Heinsius 
suchte Horaz zu stützen in „Dissertatio ad Horatii de Plauto et Terentio 



14 Plautus im Urteile der Alten. 

Ciceros Freund, M. Terentius Varro, der sich mit der 
dramatischen Litteratur und besonders mit Plautus eingehend be- 
schäftigte, 1 ) urteilte nach Quintilians Bericht' 2 ) sehr günstig über 
Plautus. „In comoedia maxime claudicamus, licet Varro Musas, 
Aelii Stilonis sententia, Plautino dicat sermone locuturas 
fuisse, si latine loqui vellent," ein Ausspruch, welchen später 
Melanthon im Prologe zum Miles (V. 15) wieder verwertete: 

Germana Plauti est quam modo exhibebimus 
Cuius ferebant ore facundissimo 
Musas fuisse libenter usuras, probe 
Si quando decressent latine dicere, 

was auch in die Verse gefasst wurde: 

Si Musae vellent uti sermone latino, 

Eligerent numeros, Piaute, salesque tuos. 

Gellius 3 ) bezeichnet Plautus als „homo linguae atque ele- 
gantiae in uerbis latinae princeps", als „linguae latinae decus" ; 
als „uerborum latinorum elegantissimus" u. s. w. 

Der hl. Hieronymus nahm gerne den Plautus zur Hand, 
was er in seiner Schrift von der Bewahrung der Keuschheit (ad 
Eustochium de virginitate servanda) 4 ) erzählt: „Post noctium cre- 

judicium". (Amstelod. 1618.) — Dagegen Bened. Fioretti Apologia 
pro Plauto opposita saevo judicio Horatiano et Heinsiano. Francof. 1647 
und früher schon in italienischer Sprache. — Vgl. Ussing I, 146 ff.; 
und Handbuch der klassischen Litteratur oder Anleitung zur Kenntnis 
der griechischen und römischen klassischen Schriftsteller von Wilhelm 
David Fuhr man. Eudolstadt 1809. III, 65. — Älter ist die Schrift 
des Franc. Flor. Sabinus adversus calumniatores Plauti. Basil. 1540. 8. 
— Bitter äussert sich Scaliger gegen Horaz. Josephi Scaligeri, 
Julii Caesaris filii, animadversiones in chronologica Eusebii im The- 
saurus temporum (Lugduni Batavorum 1606) S. 94: „Sed non mirum de 
Choerilo ita sensisse, cui sales Plautini et Laberiani sordere visi. At 
quis non illa miretur potius? quis adeo aversus a musis, ut eorum lepore 
non tangatur ? . . . Haec satis sunt eludendo iudicio hominis libertino 
patre nati, cui in huius poetae versibus satis lippiebant oculi." — Gleich- 
falls mit dem Urteil des Horaz beschäftigt sich Bich. Hurd, Commen- 
tary and notes on the art of poetry of Horace (London 1766); deutsch 
von Jos. Joach. Eschenburg. Lpz. 1772. (S. 196 — 204.) Hurd ver- 
tritt die Ansicht, Horaz habe nur als Gegner der Verehrer der alten 
Dichter so gegen Plautus gesprochen. — In seinem Bomane Kl aas je 
Zevenster ('s Gravenhage 1877. I. Bd. S. 46) ergreift auch J. van 
Lennep (1802 — 1868) in beredter Weise Partei für Plautus: Ik wil met 
u het gemis betreuren der blijspelen van Menander en van die voor- 
treffelijke Latijnsche blijspeldichters, waaronder Terentius — in de 
schatting der Bomeinen ■ — niet dan den zesden rang bekleede en Plau- 
tus niet eens genoemd werd — wat ons, in 't voorbijgaan gezegd, een 
siechten dunkgeeftvan den Bomeinschen smaak: At uestri u. s.w. 

») Teuf fei. G. d. r. L. S. 277. 

-) M. Fabii Quintiliani institut. orator. X, 1. 99. 

3 ) VI, 17; 4; XIX, 8; 6. I, 7; 17. 

4 ) S. das Zitat bei H. P. de Limiers, les Oeuvres de Piaute. 
Amsterd. 1719. Bd. I. S. 20. A. q. 



Plautus im Urteile der Späteren. 15 

bras vigilias, post lacrimas, quas mihi praeteritorum recordatio 
peccatorum ex imis visceribus eruebat, Plautus sumebatur 
in manus." 

Eusebius lobt ihn nicht minder. 1 ) Appollinaris Sido- 
nius 2 ) äussert sich: 

Et te tempore qui satus seuero 
Graios, Piaute, sales lepore transis. 

Was Wunder, wenn jene Zeit, zu welcher die Wissenschaften 
neu aufblühten, wenn die hervorragendsten Humanisten sich be- 
geistert für die lateinischen Komiker aussprechen. Montaigne, 3 ) 
der im College zu Guyenne sich viel mit den Komikern beschäf- 
tigte, 4 ) findet, dass in den neueren Komödien immer der Stoff von 
drei bis vier antiken verarbeitet sei: „II m'est souvent tumbe en 
fantasie comme, en nostre temps, ceulx qui se meslent de faire 
des comedies (ainsi que les Italiens qui y sont assez heureux) 
employe'nt trois ou quatre arguments de celles de Te- 
rence ou de Piaute pour en faire une des leurs: ils 
entassent en une seule comedie cinq ou six contes de Boccace. 
Ce qui les faict ainsi se charger de matiere, c'est la desfiance 
qu'ils ont de se pouvoir soustenir de leurs propres graces: il faut 
qu'ils treuvent im corps oü s'appuyer: et n'ayants pas, du leur, 
assez de quoy nous arrester, ils veulent que le conte nous amuse. 
II en va de mon aucteur 5 ) tout au contraire: les perfections et 
beaiitez de sa facon de dire nous fönt perdre l'appetit de son 
subiect; sa gentillesse et sa mignardise nous retiennent par tout; 
il est par tout si plaisant, liquidus, puroque simillimus amni, 6 ) 
et nous remplit tant l'ame de ses graces que nous en oublions 
celles de sa fable." 

Auch pädagogischen Wert fand man in den lateinischen Ko- 
mödiendichtern. Der Amsterdamer Humanist Kaspar Barlaeus 
schreibt im Jahre 1641 an einen Prinzenlehrer: 7 ) „Ich rate, Ihren 
Zöglingen .... in die Hände zu geben die Lustspiele des Te- 
renz, sowohl um durch ihre Anmut ihre zarten Gemüter milde 
zu machen und ihnen daraus Kenntnis der bürgerlichen und häus- 
lichen Sitten des Altertums beizubringen, als hauptsächlich damit 



') Vgl. bei Villalobos, Bibliot. de autores espanoles Bd. 36. S. 461. 

2 ) Caii Sollii Apollinaris Sidonii Arvernorum episcopi opera. 
Carmen XXIII. 147. Hanoviae 1627. 

3 ) Essais. II, 10. 

4 ) Sainte-Beuve, Port Royal II, 140. „II enfile d'un train, nous 
dit-il, l'Eneide, Terence, Piaute et les comedies italiennes." 

5 ) Terenz. 

c ) Hör. Epist. II, 2. 120. 

7 ) H. Grotii et aliorum dissertat. de studiis instituendis. (Ainst. 
1645.) S. 340 ff. 



\Q Plautus im Urteile der Späteren. 

sie sich an die Schönheit und Feinheit der Sprache im hesten 
Zeitalter der römischen Litteratur gewöhnen. Ich würde diesem 
wegen seiner muntern und witzigen Antworten den Plautus 
beifügen. . . . Machen Sie z. B. aufmerksam in Terenz auf 
Thrasos Kühnheit, in Plautus auf den prahlerischen Soldaten 
oder im Amphitruo auf das Gespräch des Juppiter und Amphitruo 
von grossen Kriegsthaten, Siegen und Wunden; im zweiten Akte 
des Pönulus auf das Gespräch der beiden Soldaten (?) Lyells und 
Anthemonides; im Truculentus auf das des Stratophanes , in den 
Bacchides auf die Reden des Kleomachus." 

Zwar hat man sich hin und wieder an der freien Ausdrucks- 
weise des Plautus gestossen; allein durfte sie schon bei dem 
Kenner der Antike kein allzustrenges Urteil hervorrufen, so muss 
doch auch auf einige andere Lustspiele des Plautus hingewiesen 
werden, die ein solcher Vorwurf nicht treffen kann. 

Einer der bedeutendsten Nachahmer des römischen Lustspiel- 
dichters, der Däne Ludwig Holberg, äussert sich hierüber: 
„Des Plautus Mercator kann ebensowenig verteidigt werden, als 
es dem eifrigsten Sittenrichter möglich sein wird, seine Captivi 
zu verdammen. . . . Freilich lesen Männer und Kinder z. B. den 
Plautus auf verschiedene Weise; Amphitruo und Menaechmi 
können allerdings nur zum Zeitvertreib dienen, während die 
Aulularia voll der gewichtigsten Moral ist. . . . Plautus' Am- 
phitruo und sein Geiziger sind noch heute musterhafte Stücke, 
weniger empfehlenswert sind die übrigen Komödien des Plautus 
und noch weniger Terenz und Aristophanes. " a ) 

Bekannt ist, welchen hohen Wert unter den Deutschen 
Lessing 2 ) dem Plautus zumass. — A. W. v. Schlegel findet 
zwar: 3 ) „beim Plautus geht alles in die Breite" und „seine ge- 
rühmten Spässe [in ihrer derben Keckheit] schmecken nach seinem 
Umgange mit den niedrigen Ständen," dennoch aber rühmt er 
„die Gefangenen, die man ein rührendes Drama nennen kann, 
[die Schwiegermutter des Terenz, ein wahres Familiengemälde], 
während der Amphitruo an die kühne Willkür der alten Ko- 
mödie hinstreift und die Zwillingsbrüder ein wildes Intriguen- 
stück sind." 4 ) 

Plautus zeichnet seine Figuren ganz der Natur gemäss. 
Sehr geschickt berührt diesen Punkt der Epilogus zu M. Job. 



') Ludwig Holberg, sein Leben und seine Schriften von Robert 
Prutz. Stuttgart (Cotta) 1857. S. 214. 

2 ) Vgl. seinen Vorbericht zu den Captivi. Über Plautus, Schluss. 
(Lachmann ILT, 29.) 

3 ) Über dramatische Kunst und Litteratur. Vorlesungen. (Siebente 
Vorlesung.) 

4 ) Vgl. hierzu: M. Rapp, die plautinischen Lustspiele im Trimeter 
übersetzt, (Stuttg. 1838.) S. 1489. 



Plautus und seine Stoffe. 17 

Sebastiani Mitternachts, des Reuss-Plauischen Gymnasii zu 
Gera Rectoris, Trauerspiel „der Unglückliehe Soldat und 
Vorwitzige Barbier", 1 ) wenn es dort heisst, dass es schwer 
sei, für die Bühne zu schreiben, da ja jede Person anders zu 
reden pflege. „Welches alles Plautus wohl beobachtet, 
und dannenhero von vielen dem Terentio vorgezogen wird, weil 
dieser fast alle Personen mit gleicher eleganz reden lasset, jener 
aber einem Knechte oder Magd viel andere Red-Arten zu leget, 
als einem vornehmen Manne. " 2 ) 

Freilich haben wir in der römischen Komödie wenig Origi- 
nale vor uns. 3 ) Aber mit ganz besonderer Kunst hat es Plau- 
tus verstanden, ob er auch fremde Stoffe wählte, dieselben zu 
nationalisieren 4 ) und zu lokalisieren; und hierin übertrifft er Te- 
renz. 5 ) Bei der Wahl derselben „zog ihn, den komischen Volks- 
dichter, Philemon mehr an als der feinere Menander". 6 ) 
Cäcilius Statius verfolgte mit Plautus das gleiche Ziel, die 
Griechen in Rom einzuführen; allein der Weg, den er einschlug, 
war ein anderer. Obwohl auch Cäcilius aus gemeinem Stande 
war und sich zunächst in den Kreisen und der Redensart der 



1 ) Leipzig bey Joh. Wittigauen (1662). 

2 ) Vgl. auch Le Brun, Discours sur la comedie S. 90. 91. „On ne 
peut douter que ce poete comique (Piaute) ne soit tres-reprehensible; 
mais aussi faut-il reconnaitre qu'il n'y a plus d'obscenites dans teile 
comedie de Dancourt et de le Grand qu'il n'y a dans les dix-neuf co- 
medies de Piaute. On peut voir lä-dessus un livre anglais de M. Collier, 
traduit par le Pere de Courbeville, jesuite." 

3 ) Vgl. Herder, Ideen zur Geschichte der Menschheit (14. Buch V): 
„Als eine Sklavin war die szenische Muse bei den Römern eingeführt, 
und sie ist bei ihnen immer auch eine Sklavin geblieben; wobei ich 
indes den Verlust der hundert und dreissig Stücke des Plautus und 
die untergegangene Schiffsladung von hundert und acht Lustspielen des 
Terenz . . . sehr bedauere; denn im einzigen Terenz hätten wir, nach 
Cäsars Ausdruck, wenigstens den halben Menander wieder." 

4 ) W. A. Becker, De comoed. rom. maxime Plautin. quaestiones. 
(Lpz. 1837.) — Ritschi, Parerga 271. — F. V. Pritzsche, De graecis 
fbntibus Plauti. I. (Rostock 184.5.) — Schröder, De romanis moribus 
palliatae fabulae immixtis. (Marienwerder 1853.) — G. Boissier, Quo- 
niodo graecos poetas Plautus transtulerit. (Paris 1857.) — F. Schultz, 
Plautus in seinem Verhältnis zur mittleren und neueren griechischen 
Komödie. (Neustadt in Pr. 1866.) — L. Ussing, Den yngre attiske ko- 
medie og dens latinske bearbeidere. (Kjöbenh.) — Bagnato, Plautus in 
seinem Verhältnisse zu seinen griechischen Originalen. (Tübing. 1878.) 

5 ) S. Theätre de Piaute, traduction nouvelle, accompagnee de 
notes par J. Naudet. Paris (Panckoucke) 1831. I. Bd. S. HI: „II y a 
quelque chose de sympathique pour les spectateurs dans les personnages 
de Piaute; c'est un de ses grands avantages sur Terence. Celui-ci fut 
le copiste elegant et poli de la comedie grecque, l'autre latiuisa ses 
imitations par les ressorts dramatiques, par l'esprit du dialogue, par 
une foule de dessins originaux. II presentait aus Romains le miroir de 
la societe romaine. 

6 ) Teuf fei a. a. 0. S. 152. 

2 



18 Einfluss des Plautus. 

Plebejer bewegte, hatte er doeli mehr gebildete Männer im Auge, 
„während Plautus ans dem volkstümlichen Idiom ein reines 
und durchsichtiges Latein zog- und seine komischen Mittel ein 
dem gemeinen Manne geniessbares Lustspiel bezweckten. " *) So 
wurde es des Plautus besonderes Verdienst, „in der fabula 
palliata 2 ) den Römern ein ziemlich reiches Repertoire geliefert 
zu haben." Bei allen diesen Stücken erwies sich Plautus stets 
als einen originalen Genius, selbständig trotz der fremden Quellen, 
als einen Meister in Kunst und Form, „erfindsam und frisch", 3 ) 
mit eigenem Witze, der „häufig derb, nicht leicht aber fad" 4 ) ist, 
ausgestattet. In hohem Grade anziehend ist „seine leichte, feine 
Umgangssprache, selbst auf Kosten der Metrik". 5 ) 

Als ein Dichter von so gewaltigen Vorzügen hat Plautus 
(mit Terenz) den späteren Bühnendichteiai aller Jahrhunderte als 
Vorbild gedient. „Seit dem Wiederauf blühen der klassischen 
Studien," sagt Stiefel, 6 ) „bis in die neueste Zeit empfingen 
grosse und kleine Dichter aus den Werken jener beiden Alten 
nicht bloss die Form, sondern auch überaus häufig den 
Inhalt ihrer komischen Erzeugnisse." In der Geschichte 
des Dramas nimmt Plautus eine hervorragende Stel- 
lung ein. 7 ) 

Leider sind zahlreiche Komödien des Plautus nicht mehr 
erhalten. Unter Kaiser Hadrian (117 — 138) kannte man noch 
einhundert dreissig Stücke des Dichters. 8 ) Die Vidularia 
ging erst im Mittelalter verloren. 9 ) Acht seiner Stücke — Amphi- 



») Bernhardy a. a. 0. S. 219. 

2 ) Komödie nach griechischem Stoffe und griechischem Originale, 
insbesondere der neuen attischen Komödie. Sie beherrscht das ganze 
sechste Jahrhundert der Stadt; zu ihr gehören Andronikus, Nävius. 
Plautus, Ennius, Terentius. (Teuf fei a. a. 0. S. 21.) 

a ) Bernhardy a. a. 0. S. 454. 

4 ) Teuf fei a. a. 0. S. 152. 

5 ) Vgl. J. Brix, de Plauti et Terentii prosodia. (Bresl. 1841.) — 
E. Kärcher. Prosodisches zu Plautus und Terenz. (Karlsruhe 1841.) — 
K. Enger, Zur Prosodik des Plautus. (Ostrowo 1852.) — C. F. W. Mül- 
ler, Plautinische Prosodie. (Berlin 1869 — 71.) — Über einzelne Vers- 
arten des Plautus, sowie die cantica s. die Litteratur bei Teuffei 
a. a. 0. S. 156. (9. u. 10.) 

6 ) „Die Meuächmen des Plautus" in den Blättern für das 
bairische Gymnasial- und Bealschulwesen. XV. Band 1879. (S. 309 — 318.) 

7 ) Klein, J. L., Geschichte des Dramas. (Lpz. 1855.) II. Bd. 
S. 492 — 566. — Das Fortleben des Plautus auf der Bühne vou R. Stein- 
hoff. Jahresbericht über das herz. Gymnasium zu Blankenburg. 1880 81. 
(23 S.) 

■*) Gell. III, 3. 11. Feruntur sub Plauti nomine comoediae cir- 
citer centum atque triginta; secl... L. Aelius quinque et uiginti 
eius esse solas existimauit. 

,J ) W. Studemund, De Vidularia Plautina. (Gryphiswald. 1870.) — 
Beste der Vidularia enthält der Mailänder Palimpsest. 



Plautus auf der Bühne. 19 

truo, Asinaria, Aulularia, Captivi, Cureulio, Casina, Cistellaria, 
Epidicus — waren stets bekannt; die übrigen fand Nikolaus 
von Trier um das Jahr 1428 und 1429. *) Im Jahre 1472 
erschien die editio princeps (cura Georg. Alex. Merulae) zu 
Venedig. 2) (1482. 1490.) 

Die plautinischen Stücke erhielten sich bis ins siebente 
Jahrhundert der Stadt auf der Bühne. 3 ) Dass sie aber im 
vierten und fünften Jahrhunderte der christlichen Zeit- 
rechnung' noch aufgeführt worden seien oder wenigstens Amphi- 
truo noch gespielt wurde, wie hin und wieder angenommen 
wurde, 4 ) ist nicht erweislich. Diese Annahme gründet sich auf 
zwei Stellen des Arnobius, auf eine des Prüden tius und eine 
des Augustinus. 

Bei Arnobius (ums Jahr 295) heisst es IV, 35 : 5 ) „Quin 
et ille in fabulis maximus ipse regnator poli sine ulla nominis ma- 
iestatisque formidine adulterorum agere introducitur partes, atque 
ut fallere castitatem alienarum possit familias matrum, 
ora immutare pellacia et in species coniugum subditivi 
corporis simulatione succedere," was freilich an den Amphi- 
■truo subditiuos (F. 497) erinnern mag; ferner VII, 33: „Ponit 



') Vgl. Dr. Georg Voigt, Die Wiederbelebung des klassischen 
Altertums oder das erste Jahrhundert des Humanismus. Berlin, Keimer 
(1859). S. 140. 

2 ) Vgl. hierüber bei Teuffei (a. a. 0.) S. 157. 158. 7—12. — Bern- 
hardy a. a. 0. S. 458. — Manuel du libraire et de l'amateur de livres. 
Paris 1842. 1843. Band m. S. 766—769. — Handbuch der klassischen 
Bibliographie von Dr. F. L. A. Schweiger. Lpz. 1834. H, 2. 758 ff. — 
Bitschi, Opuscul. H, 1. 

3) Kitschl, Parerg. S. 89. — Bernhardy a. a. 0. S. 220. 

4 ) Discours sur la comedie ou traite historique et dogmatique des 
jeux de theätre . . . par le B. P. Pierre le Brun, (Paris 1731), pag. 90: 
II est vrai que dans la suite on a aime les Comedies de Piaute, & qu'on 
les representait encore sous Diocletien, comme le dit Arnobe . . . 

Beiträge zur Historie und Aufnahme des Theaters. Stuttgart 
(J. Ben. Metzler) 1750 [von G. E. Lessing] S. 47. „Aus einer Stelle des 
Arnobius erhellet, dass dieses Lustspiel noch zu Zeiten des Diokle- 
tians, das ist dreihundert Jahre nach Christi Geburt, zu Born sei 
aufgeführt worden." 

Auger, ceuvres de Moliere VI, 358: „La piece de Piaute amusa 
longtemps l'ancienne Borne et s'il en faut croire Arnobe, plusieurs 
siecles apres la mort de l'auteur, on la jouait dans le temps de la ca- 
lamite publique, afin d'apaiser la colere de Jupiter." 

Auch bei Teuf fei (a. a. 0. S. 147): „Aufführungen vielleicht 
noch im vierten und fünften christlichen Jahrhundert." 

, Ebenso Ch. Magnin im ersten Bande der 15i 1> 1 iothßque de 
l'Ecole des Chartes, (Paris 1839. 1840), pag. 518: Des textes formeis 
prouvent que jusqu'au quatrieme siecle on jouait, rarement sans 
doute, mais entin que l'on jouait en certaines occasions, des pieces 
d'Euripide et de Flaute. 

6 ) Arnobii adversus aati ss libri VII. ed. Dr. G. F. Hildebrand 

(Halis Saxonum 1844). S. 401 u. 573. 

2* 



20 Terenz bekämpft. 

animos Juppiter, si Amphitryon fuerit actus pronuntiatus- 
que Plautinus." 

In dem Gedichte Peristephanon X (Romani martyris 
supplicium) des Prudentius Clemens 1 ) (348 — cc. 410) steht 

(7. 226): 

Cur tu, sacrate, per cachinos solueris, 
Cum se mar i tum fingit Alcmenae deus! 

und Augustinus (354 — 430) sagt: 2 ) „Tot locis pingitur, funditur, 
tunditur, sculpitur, scrihitur, legitur, agitur, cantatur, saltatur 
Juppiter adulteria tanta committens." 

Diese letztere Stelle des Augustinus ist ganz allgemeiner 
Art, die für eine gleichzeitige Aufführung des plautinischen 
Amphitruo gar nicht beweisen kann. Die Verse des Pru- 
dentius sind aber gleichfalls nicht strenge auf eine Aufführung 
des Amphitruo des Plautus zu beziehen. 3 ) 

Ein äusserst interessantes Denkmal hat Charles Magnin 4 ) 
im Jahre 1839 veröffentlicht. Es ist ein Dialog zwischen einem 
Theaterunternehmer (Hieronymus), einem Zuschauer (delusor) und 
Terentius, geschrieben, wie Magnin vermutet, entweder, um 
die Aufführung einer terentianischen Komödie einzu- 
leiten oder als Vorspiel zu irgend einer neuen Farce zu 
dienen. Der delusor ist gegen die alte Komödie. Da der 
Theaterdirektor von Terenz beginnt, unterbricht ihn der delusor: 

Vade, poeta vetus! 
Vade, poeta vetus, quia non tua carmina curo. 

Terenz tritt selbst zu seiner Verteidigung auf: 

Tene, süperbe, meas decuit corrumpere musas? 

Dadurch lässt sich aber der delusor, „der Romantiker des sie- 
benten Jahrhunderts", wie Magnin sagt, nicht zum Schweigen 
bringen. Er erwidert ihm selbstbewusst: 

te ruelior sum: 
Tu vetus atque senex: ego tiro Valens, adulescens. 
Tu sterilis truncus; ego fertilis arbor, opimus. 
Si taceas, vetule, lucrum tibi quaeris enorme. 

Darauf entgegnet Terenz bescheiden aber geschickt: 



') Aurelii Prudentii Clementis Carmina recensuit et expli- 
cavit Theod. Orbarius. Tubingae (Laupp) 1845. S. 255. 

2 ) Epist. 202. 

3 ) Ehe ich die Gründe bei Steinhoff (das Fortleben des Plautus 
S. 7, Anm. 48) las, war ich bereits zu dieser Annahme gekommen. , 

4 ) Auf S. 517 — 535 des ersten Bandes der Bibliotheque de l'Ecole 
des ('hartes. (Paris 1839. 1840.) 



Plautus im Mittelalter. 21 

Quid tibi sensus inest? numquid melior nie es? . . . 
Nunc vetus atque senex? quae fecero, t'ac adulescens. 
Si bonus arbor ades, qua fertilitate redundas? 
Cum sim truncus iners, fructu meliore redundo. 

Der delusor muss Terenz im Stillen recht geben, ob er es auch 
nicht gestehen will. Der alte Dichter fahrt fort: 

Hactenus antiquis sapiens venerandus ab annis 
Inter et egregios ostentor et inter honestos. 

Der Wortwechsel wird heftiger; der delusor weiss Terenz nichts 
vorzuhalten als sein Alter: 

Verba latrando, senex, cum sis vetus, irrita profers, 

worauf ihm Terenz versetzt: 

iuvenis, tumidae nimium ne crede iuventae! 
Saepe superba cadunt et bumillima saepe resurgunt. 

Hier bricht das Manuskript, das nur einige sechzig Verse 
enthält, ab. Magnin setzt es in das Ende des siebenten Jahr- 
hunderts. 

Dem Mittelalter stand Plautus sehr ferne, 1 ) ob sein 
Name auch nicht völlig vergessen war. Dante gedenkt seiner 
mit Terenz u. a. : 2 ) 

Dimmi dov' e Terenzio nostro antico, 
Cecilio, Plauto e Varro, se lo sai. 

Eine Plautushandschrift des Britischen Museums soll nach 
Du Meril ins zehnte Jahrhundert gehören, 3 ) während freilich 
Manuskripte des Terenz bis in die Karolingerzeit und noch 
weiter zurückreichen. 4 ) 

Nach der Wiederauffindung der Stücke des Plautus ging 
man ernstlich wieder an das Studium des Dichters. Man fing 
sogar an, ihn zu spielen; es waren „die in und ausserhalb Rom 
häufigen Aufführungen der Komödien des Plautus und Terenz, 
welche für die Mitspielenden eine unvergleichliche Übung des 
Lateinischen als Umgangssprache abgaben. Schon unter Paul IL 
wird der gelehrte Kardinal von Theanum (wahrscheinlich 
Niccolö Fortiguerra von Pistoja) gerühmt, weil er sich an 



') R. Peiper, Archiv für Literaturgeschichte V, 495. — Rhei- 
nisches Museum XXXII, 516. 

2 ) Purgatorio XXII, 98. 
, 3 ) Origines latines du theätre moderne publiees et annotees par 
M. Edele stand du Meril. Paris (Franck 1849). S. 32. [Auch Theatri 
liturgici quae latina superstant mouumenta edita recensuit, inedita vul- 
gavit adnotationibus illustravit E. d. M.] 

4 ) Ebenda. 



22 Plautus' Bühnentechnik. 

die schlechterhaltenen, der Personenverzeichnisse beraubten plau- 
tinischeu Stücke wage und dem ganzen Autor um der Sprache 
willen die grösste Aufmerksamkeit widme, und von ihm könnte 
wohl auch die Anregung zum Aufführen jener Stücke ausge- 
gangen sein. Dann nahm sich Pomponius Latus der Sache 
an, und wo in den Säulenhöfen grosser Prälaten Plautus über 
die Szene ging, war er Regisseur." 1 ) 

Indessen nicht bloss sprachlicher Übung halber, gewiss 
auch ihrem Inhalte und ihrer Form zu liebe, spielte man die Lust- 
spiele des Plautus. Was schon zu seiner Zeit reichen Beifall 
errang, war der grosse Reichtum an Sentenzen. Darum sagt 
Gripus im Rudens (F. 1249): 

Spectaui ego pridein comicos ad istum modum 
Sapienter dicta dicere atque is plaudier. 
Quoni illos sapientis mores monstrabant poplo. 

Nicht minder bietet Plautus eine ganze Fundgrube von 
Sprichwörtern und sprichwörtlichen Redensarten.-) Darum wurde 
er bald auch in Übertragungen aufgeführt. „In Ferrara spielte 
man Plautus wohl meist in italienischen Bearbeitungen von 
Colenuccio, dem Jüngern Guarino u. a. um des Inhaltes 
willen, und Isabella Gonzaga erlaubte sich, diesen langweilig 
zu finden. " 3 ) 

Die ganze Art und Weise der plautinischen Stücke, die mit 
so bescheidenen Mitteln so grosse Wirkung erzielen, 4 ) ist ange- 
tban, die Teilnahme des Publikums in Anspruch zu nehmen. 
Schon mit den Titeln erregt Plautus meist die Neugierde des 
Zuschauers, 5 ) nicht minder mit den Namen seiner Persönlich- 
keiten. 6 ) Dadurch ist er mit Terenz von jeher von ganz be- 
deutendem Einflüsse auf die Weiterentwicklung des Lustspiels 
gewesen, und seine Beziehungen zur neueren und neuesten Ko- 
mödie sind mannigfache geworden. Es ist vollauf berechtigt, 
wenn Bernhardy 7 ) sagt: „Plautus [hat] eine Fülle glänzender 
Kunstmittel genial vereinigt, die man um so höher anschlägt, als 
er dem Ideal und den Ansprüchen des feinen Geschmackes fremd 
war, und nicht nur die Poesie seiner Zeit mit einer anmutigen 
Schöpfung bereichert, sondern auch an die moderne Komik wirk- 



') Die Kultur der Renaissance in Italien. Ein Versuch von Jacob 
Burckhardt. (Basel 1860.) S. 250. 251. — Prölss I, 2; 91. 

2 )J. Schneider, De proverbiis Plautinis Terentianisque. (Be- 
rol. 1875.) 

3 ) Burckhardt. a. a. 0. S. 251, Anm. 1. 

') Mor. Schmidt, Die Zahl der Schauspieler bei Plautus u. Terenz. 

5 ) Lessing, Hamburgische Dramaturgie (9 Stück). 

6 ) Lessing a. a. 0. (90 Stück). 

7 ) A. a. 0. S. 456. 



Terenz mehr gelesen als Plaut us. 23 

same Themen und Motive vererbt, welche niemals völlig altern." 
Fast alle Völker schulden ihm etwas. „Moliere, Reg- 
nard u. a.," sagt Binder, 1 ) „bildeten ihm nach: in Stoff und 
Form schwebte er dem Ariosto vor; Goldoni lebte in ihm, 
und selbst die Originalität eines Shakespeare verschmähte es 
nicht, Goldkörner aus Plautus zu entlehnen." 

Mirabeau las während seiner Gefangenschaft in Vincennes 
den Plautus gerne und zitiert ihn. 2 ) 

Allerdings ist nicht zu leugnen, dass Terenz sich einer 
grösseren Beliebtheit und Verbreitung zu erfreuen hatte, 
als Plautus. Otto Francke 3 ) erörtert diese Frage dahin: 
,,Terenz war ihre Losung. Und Plautus? War dieser denn 
ihnen ganz unbekannt'? 4 ) In der That, es scheint so, wenn wir 
ihm auch da und dort in den Schulen begegnen, so z. B. bei 
Melanthon. Es hatte diese Zurücksetzung wohl einen drei- 
fachen Grund. Erstens scheint Plaiitus das ganze 
Mittelalter hindurch fast unberücksichtigt geblieben 
zu sein, und man weiss, wie abhängig noch die neue Zeit vom 
Mittelalter war. Zweitens mochte er wegen seiner alter- 
tümlichen Formen 5 ) in den Schulen mehr oder weniger 
unverstanden bleiben, und drittens musste der Inhalt 
seiner Komödien zum Teil doch recht sehr anstossen, 
während ein grosser Teil die ,castitas Terentii' nicht genug- 
sam preisen konnte." 

Inhaltlich und für die Schule mochten sich hinsichtlich ihrer 
grösseren Dezenz allerdings die Stücke des Terenz besser eignen. 
Dass die grössere Freiheit des Plautus eine Hauptursache seines 
geringeren Vorkommens war, wird auch durch den Umstand be- 
wiesen, dass man jenen Lustspielen des Plautus, welche in diesem 
Punkte reiner sind, z. B. den Captivi, überall mit denen des 
Terenz begegnet. 

Die Reinheit des Terenz wird von einzelnen besonders hervor- 
gehoben. Melanthon lässt sich bei Gelegenheit einer neuen Aus- 
gabe des Terenz (1525) an die Pädagogi, wie folgt, verneh- 
men: 6 ) Chrysostomum ferunt tantopere delectatum esse Aristophanis 



•) T. M. Plautus Lustspiele, deutsch von Dr. Wilh. Binder. Stutt- 
gart (Krais u. Hoffmann 1862—1869). 20 Bdchen. I, 11. 

2 ) Sainte-Beuve, Causeries du hxndi. IV, 30. 

3 ) Terenz und die lateinische Schulkomödie in Deutschland. Wei- 
mar 1877. S. 12. 

4 ) Vgl. auch bei Francke a. a. 0. S. 31. 

5 ) Schon Cicero (de orat. III, 44) findet „Plauti oratio antiqui- 
tatem re dolens". 

8 ) Vgl. Dr. Lud. Koch. Philipp Melanthous schola privata. Ein 
historischer Beitrag zum Ehrengedächtnis des praeceptor Germaniae. 
Gotha (Perthes) 1859. S. 65. 



24 Terenz mehr gelesen 

leetione, ut sempcr in manibus haberet, dormiens etiam pro pul- 
vinö uteretur. Nee dubium est, quin alendae loeupletandaeque 
faeundiae causa tarn sedulo legerit. Quanto plurius Te- 
rentius fieri meretur, cums fabulae, cum obscenitate va- 
cant, tum sunt aliquanto quam Aristophanicae, nisi valde fallor, 
QY]TioQixtoT€Qca. Proinde paedagogos omnes adhortor, ut hunc 
auctoreni summa fide studiis iuventutis commendent. Nam et ad 
iudicium formandum de communibus moribus mihi quidem plus 
conferre, quam plerique pbilosopborum commentarii videtur. Et 
non alius auetor loqui elegantius docebit aut utiliore genere orationis 
puerilem linguam imbuet. ') 

„Alle sechs Stücke des Terenz, von Plautus jedoch nur 
vier oder fünf der anständigeren Schauspiele," hatten seit dem 
Anfange des (sechszehnten) Jahrhunderts in den Strassburger Lehr- 
anstalten Aufnahme gefunden und waren, mit Anmerkungen 2 ) ver- 
sehen, erschienen. " 3 ) 

Der Vorsteher der Strassburger Schule, Otto Brunfels, 
hatte (schon 1529) die terentianischen Komödien als anständiger 
denn die plautinischen bezeichnet; 4 ) „auch Sturm hielt die 
terentianischen Komödien für moralisch unschädlich und wollte 
sie ohne Ausnahme von seinen Schülern aufgeführt wissen; 
von Plautus hingegen veranstaltete er selbst eine Auswahl von 
sechs Stücken, 5 ) die ihm minder anstössig vorkamen, und auf 
die sich der Anteil dieses Dichters an den Vorstellungen in seiner 
Schule beschränken sollte. " 6 ) 

In ähnlicher Weise lässt sich der Regensburger Rektor Hie- 
ronymus Osius (1567) 7 ) vernehmen: „Varro scribit consenta- 



') Er schrieb selber zu vier Lustspielen des Terenz (Andria, Eu- 
nuchus, Adelphi, Pliormio, zu diesem sogar zwei) Prologe; ebenso zum 
Miles des Plautus, zur Hecuba des Euripides und zum Thyestes des 
Seneka. 

2 ) Grüninger 1496. 1511. — Plautus vollständig. 1508. — Aulu- 
laria von Job. Prüss. Plauti comd. quinque. Scbürer 1513. — Vgl. 
Schmidt, Histoire litteraire de l'Alsace ä la fin du XV C et au com- 
mencement du XVP siecle. Paris 1879. II, 401.407.409. 150. 151. 152. 

3 ) Die dramatischen Aufführungen im Gymnasium zu Strassburg von 
Dr. August Jundt. Strassburg 1881. (Progr. des protest. Gymn.) S. 18. 

«) Jundt. S. 15. 

5 ) Siehe bei Jundt S. 19. „In der Vorrede zu seinem Plautus (M. 
Accij Plauti comoediae sex: Aulularia, Menaechmi, Triuummus, Captivei, 
Miles gloriosus, Amphitruo pro schola Argentinensi mit Holzschnitt. 
Argent. 1566. Josias Kihel) nennt er Plautus und Terenz ,poetas duos 
latinos, sermone puro, Deus annos nobis prope bis mille reliquit' . . . 
Terenz hat sich aufs sorgfältigste aller unsaubern Spässe enthalten; führt 
er doch ,bonas meretriculas' vor. Bei Plautus sind hie und da recht 
schmutzige Zoten anzutreffen, doch auch anständigere Stücke aufzuweisen." 

6 ) Jundt. S. 18. 

7 ) Scriptvm | Continens | Ceu Oeconomiam quandam Lectionvm, 
et exercitiorvm, qvae | publice ac privatim adole | scentiae literariae 



als Plautus. 25 

neum esse Musas, si Latine loqui, voluissent, Plautino sermone 
locuturas fuisse. Ea quidem magna Plaxitinae orationis laus est. 
Quanquam autem nihil detraho iudieio Varronis scriptoris sapien- 
tissimi: tarnen hoc magnificum iy/M/tiiov multo rectius Terentio, 
quam Plauto tribui posse vel Erasmi Roterodami doctorum. nostro 
seculo facile principis suffragio conuincam, qui alicubi non veretur 
adfirruare plus exacti iudicij in vna eoruoedia Terentiana esse, 
quam in onmibus Plautinis. Idem & de dictione seu oratione 
eius vere dici posse, qui neget eruditorum, reperiri. neminem 
existimo. Quae enim puritas, quae elegantia & suauitas sermo- 
nis Terentiani, quae in sententijs sapientia & grauitas sit, nemo 
qui intelligit, quid vere nominet Latinam orationem, ignorat. 
Quanquam enim & Plautiuae fabulae magnam ingenii sagacitatem 
& industriam indieant, nequaquam Terentianis , & quod ad 
inuentionem argumentorum, & ad filum orationis attinet, compa- 
rari ac conferri possunt. 

Cum igitur nullus Latinae linguae seriptor sit, quem tauto- 
pere cognosci, ediscique ad vnguem referat, atque Terentium, 
quo meliorem formandi Latini sermonis artificem nulluni liabemus, 
quem Quintilianus Comicorum argutissimum & elegantissimum 
vocat: eius Comoedias ita scbolae nostrae proponemus, vt, cum 
duae fabulae eius euarratae & publice actae fuerint, antequam 
redeamus ad eiusdem interpretationem, elegantior aliqua Fabu- 
larum Plautinarum enarretur, & vt Terentianae publice exhibeatur. " 

Noch öfter (E4, H4, 13) figuriert Terenz im Lehrplan des 
Regensburger Gymnasiums. 

Neben anderen 1 ) beschäftigt sich Gottsched 2 ) mit der 



in Gy mnasio Ratisponensi proponvntvr. j Avtore | Hieronymo Osio 
Scbolae j Eiusdem Rectore et | Professore. \ Ratisponae excvdebat | 
Henricus Geisler. | Anno, M. D. LXV1I. (E.) 

') Vgl. z. B. Le Brun, Discours S. 92: On a toüjours fait plus de 
cas des comedies de Terence et nous pouvons dire, qu'elles etaient 
j)lus tolerables durant les premiers siecles que ne le sont ä present 
celles de Moliere. Eine ganze Reihe von Gegnern des Plautus findet 
sich S. X— XII bei Leonel da Costa, As primeiras quatro comedias 
de P. Terencio, traduzidas em verso Portuguez. Lisb. 1788. 1789. 

2 ) Nöthiger Vorrath zur Geschichte der deutschen dramatischen 
Dichtkunst oder Verzeichniss aller deutschen Trauer-, Lust- uud Sing- 
spiele, die im Druck erschienen von 1450 bis zur Hälfte des jetzigen 
Jahrhunderts gesammelt und an's Licht gestellet von Johann Chri- 
stoph Gottscheden. (Leipzig 1757.) — Des nöthigen Vorraths zur 
Geschichte der deutschen dramatischen Dichtkunst, zweiter Theil, oder 
Nachlese aller deutschen Trauer-, Lust- und Singspiele, die vom 1450. 
bis zum 1760. Jahre im Druck erschienen. (Lpz. 1765.) — Dazu: Ibrni 
Gottfried Christian Ereieslebens kleine Nachlese zu des berühm- 
ten Herrn Professor Gottscheds nöthigem Vorrathe zur Geschichte der 
deutschen dramatischen Dichtkunst. (Lpz. 1760.) 



26 Gründe hierfür. 

Frage, warum PI au tu s weniger geachtet war, als Terenz, und sich 
wenigerer Nachahmungen erfreute. „Es ist merkwürdig," sagt er, 1 ) 
„dass unsere alten Komödien sowohl als vorhin die geschriebe- 
nen in lateinischer und deutscher Sprache, mit den Nachahmungen 
und Übersetzungen des Terenz anfangen, nicht aber mit dem 
Plautus, der doch ungleich lustiger und komischer ist. 
Auch hierin zeigt sich souder Zweifel der gute Geschmack unserer 
Vorfahren, die sich eher in die wahren Schönheiten der feinsten 
Schaubühne als in das possierliche Wesen der plautinischen 
Stücke haben verlieben können. Wir werden hierinnen noch 
mehr bestärkt werden, wenn wir im Folgenden eine Menge 
terentianischer Übersetzungen, allein nur wenige Stücke aus dem 
Plautus antreffen werden, die man im Deutschen bekannt ge- 
macht hat." 

Ahnlich erklärt Mahrenholtz, 2 ) warum Moliere Plautus 
gegen Terenz zurücksetzte. „Nicht zufällig war es nun, dass 
Moliere von der Nachahmung italienischer Komödien zu Te- 
renz, nicht zu Plautus überging. Zu dem Tone, den seine 
ersten Komödien anschlagen, stimmte die bei aller leicht ver- 
hüllten Frivolität feine Darstellungsweise des Terenz besser als 
die derbere Form der Plautin'schen Komödien." 

War nun aber den Anschauungen dieser Zeit Terenz 
„geradezu einem Lehrbuch der Moral gleichgeachtet, an das man 
sich nur zu wenden brauchte, um zu erfahren, was gut oder böse 
sei," 3 ) so war er doch, und gewiss berechtigt, 4 ) streng sittlich 
denkenden Schulmännern nicht ganz unbedenklich, und der gyni- 
nasiarcha Harlemensis C. Schonaeus sah sich veranlasst, einen 
Terentius Christianus 5 ) herauszugeben, dessen Erscheinen er 



') Nöth. Vorr. I. 37. 

2 ) Moliere. S. 119. 

3 ) Melantlions Brief an Peter Kitter. 29. Januar 1526. Frag- 
mentum epistolae ad amicum quendam. (Corpus Reformatorum IV, 956. 
X. 101.) — Interessant ist es zu höreu, wie der Ingolstädter Professor (1522) 
Job. Alex. Kphlberger, genannt Brassicanus, den Auftrag erhielt, 
er solle, um Ärgernisse zu vermeiden, den Terentius keusch lesen. 
(C. v. Prantl, Geschichte der Ludwigs-Maximiliansuniversität. Mch.1872. 
I. Bd. S. 209.) 

4 ) Vgl. z. B. The comedies of Terence, translated into familiär 
blank verse by George Colin an. London 1765. Preface p. XXXI. 
„Notwithstanding the acknowledged chastity of Terence, there are many 
things iu these plays irreconcilable to modern notions of delicacy." 

5 ) Terentius Christianus seu comoediae sacrae tribus partibus 
distinctae, Terentiano stylo a Cornelio Schonaeo Goudano conscriptae. 
1620. — Fraucofurti ad Moenum sumpt. .Toh. Adamii Jungii, anno 1712. — 
Schon aus schrieb: I. Bd. Naaman; Tobaeus; Nehemias; Saulus; Jo- 
sephus; Juditha. IL Bd. Susanna; Daniel; Triumpbus Christi; Typhlus; 
Pentecoste; Ananias. III. Bd. Baptistes; Dyscoli; Pseudostratiotae; Cunae; 
Vitulus. 



Gründe hierfür. 27 

in seiner Praefatio motiviert, 1 ) sowie auch Louis Isaac Saci 



') In der Praefatio candido Lectori (Bd. I) heisst es: „Non pauci 
cum politiorum litterarum insigni peritia celebres, tum spectatae sancti- 
moniae, eximiaeque pietatis opinione suspiciendi hac tempestate repe- 
riuntur, qui Plauti veteris scriptoris comici lectione studiosos avocant, 
eiusque fabulas parum commodas esse censent, idque propter obscaeniores 
sales, turpes facetias iocosque inverecundos, quibus ille populärem gra- 
tiam sibi demereri studens, delicatas lascivorum hominum aures identi- 
dem demulcet, et vanum ineptorum spectatorum risum captat. Atque 
liorum opinioni quivis prudens numquam quidem magnopere refragatus 
est. Verum plerique non ita facile se in illorum sententiam adduci 
patiuntur, qui Terentium quoque uti spurcum quendam poetam e 
puerorum manibus excutiendum arbitrantur. Nam hoc ut nihil lima- 
tius, nihil te^sius, ac latinius est: ita ab indecora turpique veteris 
comoediae licentia quam longissime eius abesse orationem dicunt. Fa- 
tentur et facile concedent omnes, in Plautinis actionibus frequenter legi, 
quod scurrile potius quam facetum videri queat: quodque castae merito 
aversentur aures. At nihil istiusmodi in Terentio agnoscunt: qui ut 
ahmt, cum iocatur niaxirne; verecundiae tarnen limites numquam trans- 
greditur. Adeo ut urbanus lepidusque optimo iure, obscaenus vero aut 
turpiloquus nullo modo appellari mereatur." Dies widerlegt nun Scho- 
naeus und will den heidnischen Terenz durch seinen Terentius Christianus 
ersetzen. „Quapropter hoc unum persuasum velim studiosis adules- 
centulis, ut bis Terentii Christiani comoediis evolvendis bonam temporis 
partem impendant, has numquam e manibus deponant, sed quocunque 
eunt, secum in sinu circumferant nee quiescant, donec ad unguem omnes 
edidicerint." (!) 

Ganz anderer Meinung war man in pädagogischen Kreisen Würt- 
tembergs; dort sollten selbst zweifelhafte Stellen des Terenz be- 
lehrend wirken. (Vgl. Dr. Karl Pfaff, Versuch einer Geschichte des 
gelehrten Unterrichtswesehs in Württemberg in älteren Zeiten. Ulm 1842. 
Beilage XLJI.) Hora duodeeima et prima in tertia Classe: Zu disen 
Stunden soll nach der Musica den Knaben der Terentius gelesen werden. 
wölehen sie auch auswendig lernen, und des andern Tags, in der repe- 
tition auswendig recitieren sollen. Und weil der Terentius gar proprie 
und pure geschrieben, Sollen dieselbigen phrases mit den Knaben vil 
und fleissig geübt, auch in gut teutsch gebracht, darmit das Lateinreden 
und schreiben dardurch gefürdert werde. 

Es sollen auch die Praeceptores, in enarratione Terentij, dise pru- 
dentiam haben, das sie consilium authoris wol anzeigen, wie er nit alle 
Ding ex sua persona rede, sonder diuersa vitia et ingenia in diversis 
personis abmale, ut in Demea, nimiam seueritatem in corrigendis delectis, 
in Mitione vero nimiam ad condonandum facilitatem. 

Item da Mitio sagt: Non est flagitium (crede mihi) adolescentem 
scordari, neq; potare neq; fores effringere etc. ist der Jugent anzuzeigen, 
das Mitio dise Wort nit aus ernst rede, wie ers dann gleich in eadem 
Scena widerrufft, und den Spectatoribus huius dissimulationis ursach 
anzeigt, da er also sagt: Nee nihil, neq: omnia haec sunt, quae dicit, 
tarnen nonnihil molesta haec sunt mihi: sed ostendere me aegre pati 
illi nolui, nam ita est homo: quum placo aduersor sedulo et deteres etc. 

Item es sollen auch an diesen und dergleichen locis die Praecep- 
tores anzeigen, wie die blinden Ethnici von Gott und seinem Wort nichts 
gewisst, wie dann die Rochlosen Christen auch nichts darumb wissen. 
Darumben ein exemplum und testimonium sacrae Scripturae anzeigen, 
wie Gott der HERR dise Laster grewlich straff, und sich in allweg be- 
fleissen, das die unverstandene zarte Jugendt, nit geeivrl werde. 



28 Vorzüge des Tereuz 

le Maitre 1 ) (1613 — 1684) drei Komödien des Terenz „tres- 
honnetes" machte (1647), allerdings „en y changeant fort peu 
de chose". 

Den Gelehrten galt Terenz als Evangelium. Der franzö- 
sische Terenz von 1567 2 ) fasst die grossen Vorzüge des Terenz. 
in nachstehenden charakteristischen Versen zusammen: 

Qvi voudra fair plusieurs vices damnables, 
Moyennement au monde se tenir, 
Et veoir ä loeil les choses conuenables 
Lise Terence pour soy bien coutenir. 
C'est vn autbeur, pour clarement veuir 
Au lieu ou fait vertu sa residence, 
Sans point auoir du pervers l'acointance, 
Qvi ne peut point ä ce bien paruenir. 
C'est le guidon droit, facile & plaisant, 
De bonnes mceurs & miroir euident 
Qve Fabius, l'orateur Ciceron, 
Erasme aussi, trois flambeaux immortelz 
Ont imite & tenu pour patron, 
En leurs escripts docts & eternelz. 

Für die Achtung der gelehrten Welt war die vollendete Form 
imd regelrechte Sj) räche des Terenz massgebend, obwohl man 
die Eintönigkeit seiner Lustspielvorwürfe Plautus gegenüber nicht 
leugnen kann. 3 ) Montaigne führt wohl den richtigen Grund 
der Bevorzugung des Terenz vor Plautus an, wenn er sagt: 4 ) 
„Pour l'estimation et preference de Terence, faict beaucoup que 
le pere de l'eloquence romaine l'a si souvent en la houche, seul 
de son reng; et la sentence que le premier iuge des poetes romains 
donne de son compaignon. " 

Thatsache ist, dass sich die gelehrte Welt an Terenz 
hielt. 5 ) „Sie fuhren fort, die lateinischen Muster und die Nach- 



') Vergleiche über ihn Voltaire, Ecrivains du siecle de Louis XV. — • 
Die Lustspiele sind: l'Andrienne, les Adelphes, Phormion. S. Sainte- 
Beuve, Port-Koyal. III, 505. 

2 ) Les | six Oomedies | de Terence, tres excel ent poete comiqve j 
mises en fraucoys, avec le j latin en favevr des ieunes | enfans desireux 
de la j pvrete et intelli'gence de la lan gve latine. i A Paris (par Estieune 
Doartj. 1567. 

3 ) Vossius, Inst. Poet. Lib. II, cap. 25. sect. 5: „Hac sane parte 
(sc. : vi comica) videtur superior Plautus ; uti et varietate tum argumen- 
torum, tum dictionis. Nam Plautus semper studet esse novus, suique 
dissimilis; seu rem spectes, seu verba. In Terentio vero magnoi:>ere con- 
veniunt argumenta fabularum: et quando de eadem re, aut simili, est 
sermo, plurimum nee absimilis est dictio." 

4 ) Essais, livr. II, cap. 10. 

'') Vgl. Francke a. a. 0. S. 13. 15. — Es fehlte indessen nicht an 
Verehrern des Plautus. Man vergleiche z. B. die Widmung, welche 
Jean-Adelphus Müling seiner Plautusausgabe (1508) vorausschickt. 
(Ob. Schmidt, Histoire litteraire de l'Alsace. II, 141. 142.) Jeröme 



Plautus gegenüber. 29 

ahmung des Terenz mehr im Auge zu haben als den Beifall 
des Volkes." *■) Allerdings war, wie Francke (a. a. 0.) zeigt, auch 
das Volk den terentianisehen Stücken sehr zugeneigt. „Die 
Aufführungen terentianischer Komödien . . . müssen wohl im 
ganzen beim Publikum ausserordentlich beliebt gewesen sein, be- 
sonders in Sachsen, wo eine schon 1540 erlassene und 1580 
wiederholte Verordnung es den Lehrern zur Pflicht machte, die 
Komödien des Terenz und einige des Plautus von den Knaben 
spielen zu lassen. " 2 ) 

Es war aber nicht nur die feinere Form des Terenz, was 
die Gelehrten besonders anzog, 3 ) die Latinität des Dichters 
liess sie denselben immer und immer wieder der Jugend als Vor- 
bild und Lektüre empfehlen, und man möchte mit Herder 4 ) aus- 
rufen: „Auch euch, ihr Mönche, sei Dank, dass ihr, um Latein 
zu lernen, uns den Terenz aufbewahrtet." — Der Kur- 
fürst Friedrich III., der Weise von Sachsen (1463 — 1525), 
berief einen eigenen Professor für Terenz an die neu (1502) ge- 
gründete Akademie Wittenberg. 5 ) Es folgten fortgesetzt Über- 
tragungen des Dichters, die ihm allerdings nicht immer zum Vor- 
teile gereichten; denn „je paraphrastischer . . . die deutscben 



Oebwiler (geb. cc. 1473, gest. 1545) hielt Plautus hoch. „II trouvait 
Piaute superieur ä Terence autant que le soleil est superieur aux etoiles." 
Ebenda. II, 162. 

') Gervinus, G. G. Geschichte der deutschen Dichtung. 5. Aufl. 
(Lpz. 1871—74.) DI. Bd. S. 94. 

2 ) Vgl. Kaunier, Pädag. II, 284. — Dr. Straumer, Beiträge zur 
Schulkomödie in Deutschland. Progr. des Gymnasiums Freiberg 1865 
(vornehmlich über Zwickau). — Känimel, Ein Beitrag zur Geschichte 
des Zittauer Gymnasiums. (Progr. 1856.) 

3 ) Stephanus Doletus formuliert seine Ausstellungen an Plau- 
tus gegenüber Terenz in nachstehenden Versen: 

Graecos poetas comicos mitto libens; 
De latinis quid sentiam, iam iam eloquar. 
Plautum Terentio qui obstinate praeferunt, 
Graviter videntur mihi errare. Siquidem 
Nemo negat Plauto sermonis Latii 
Proprietatem supremam. Sed nee ea deest 
Terentio vel maior. Atque praeterea 
Servile Plauti ingenium et plebeium nimis; 
Terentius liberali stilo, et extra sales 
Vulgares posito non vulgariter superat. 
In hoc, latinae Musae, parcite Sedigito, 
Qui prineipi latinae comoediae abstulit 
Meritam hercle laudem, si comico cuiquam alii. 
(Bei Leonel da Costa, As primeiras quatro comedias de P. Terencio.) 

4 ) Ideen zur Geschichte der Menschheit. XIV, 5. 

5 ) S. De linguae latinae in Germania per XVII saecula amplius 
l'atis ab ipso tempore, quo Romanorum arma et commercia nonnullum 
eius usum intulerunt, ad nostram usque aetatem commentarii auetore 
Jacobo Burckhardt, Sulzbacho-Palatino. Hannoverae (Förster) 1713. 



30 Terenzbearbeitungen. 

Terenze wurden, desto schaler wurden sie auch und verloren 
den alten Kern. Man konnte gleichwohl nicht satt werden , ihn 
zu übersetzen. " ' ) Freilich befürchtet ein Diakon von Tübingen 
(1567): „Ein anderer Vorwurf könnte sein, dass er es 2 ) überhaupt 
deutsch übersetzte, das Latein werde dadurch verachtet." 3 ) In 
solchen Ehren stand die lateinische Sprache; so allgemein war 
ihr Gebrauch. 4 ) 

Eine reiche Anzahl von Terenzausgaben und Übersetzungen 
zeugt von dieser besonderen Vorliebe für diesen Dichter. So er- 
schienen in raschen Zwischenräumen im Jahre 1613 eine neue Auf- 
lage von Harns Andria, 1614 dieselbe Komödie neu übersetzt von 
einem Lyniberger; 1620 gab die im Jahre 1617 vom Fürsten 
Ludwig von Köthen gestiftete Fruchtbare Gesellschaft 
in Köthen den ganzen Terenz deutsch und lateinisch heraus. 
Im selben Jahre erschien der Terenz von Michael Meister in 
Halle; 1624 von David Höschel und Martin Schenk; 1626 
von einem Ungenannten (Weimar bei I. Mieschner); 1627 von 
Job. Rhenius (noch zweimal im siebzehnten Jahrhundert aut- 
gelegt) u. s. w. 

Mit diesen fortgesetzten Übertragungen des Terenz gingen 
Aufführungen desselben Hand in Hand. Terenz wurde „das 
ganze siebenzehnte" und „auch im achtzehnten Jahrhundert in 
Sachsen und nächstdem in Schlesien" gespielt. Ja noch in 
unserm Jahrhundert in den vierziger Jahren zu Hamburg 
wurden von Schülern des Johanneunis Stücke des Terenz aufge- 
führt. 5 ) Jene drastischen Figuren, wie z.B. der Selbstpeiniger, 



Zweiter Teil: Wolfenbuttelii (Freytag) 1721. — Dort heisst es (IL 217): 
Terentii vero elegantia inde ab adulescentia ita captus fuerat, ut in 
recens condita sua Academia singularem Professorem constituerit , qui 
studiosae iuventuti eum explicaret illustraretque. (Jo. Jac. Mülleri 
Staatskabm. II, S. 432. — Vgl. auch Francke a. a. 0. S. 8 — 13; Räu- 
mer, Gesch. der Päd. I, 96.) 

') Gervinus. HI, 100. Vgl. auch ebenda II, 614. 

2 ) Ein Lustspiel des Terenz. 

3 ) Gottsched, Not. Vorr. H, 81. 

4 ) Otto Brunfels in Strassburg hatte das Lateinsprechen bei Ver- 
meidung der Stockprügelstrafe eingeführt. S. Catechesis puerorum in 
fide, in litteris et in moribus. 1529. (Fol. 76 ;i ): Vernacula lingua loqui 
in ludo nostro piaculum est atque non nisi plagis expiatur. Vgl. 
auch die Notiz bei R. Prölss. Geschichte des Hoftheaters zu Dresden. 
(Dresden 1878.) S. 8. „In einem Lobgedichte auf den Goldberger Schul- 
rektor Trotzendorf wird es rühmend hervorgehoben, er habe die rö- 
mische Sprache allen so eingegossen, dass es für Schande gelte, deutsch 
zu sprechen und selber Knechte und Mägde Latein sprächen." — Man er- 
wäge auch, welche Schwierigkeiten u. a. Martinus Balticus in Ulm (1585) 
fand, als er neben lateinischen Komödien auch deutsche spielen Hess, bis 
ihm der Rat der Stadt dies gewährte. Doch wurde es ihm (freilich mit 
anderen Ursachen) Quelle ewiger Anfeindungen. S. K. Pf äff a.*a. O. S. 52. 

D ) Francke a. a. 0. S. 32. 



Verhalten des Klerus. 31 

erzielten noch den gleichen Erfolg' wie im Altertume. ') Dem fort- 
gesetzten Studium der Komiker verdankt die Entwick- 
lung des Theaters Unendliches. 2 ) 

Zwar verhielt sich der Klerus häutig feindselig gegen 
Terenz; 3 ) doch obsiegten diese Studien. Die ganze Polemik 
jedoch wirft manches Streiflicht auf den etwas problematischen 
Charakter des oft überschwänglich gepriesenen klerikalen Huma- 
nismus. 4 ) Wachsmuth 5 ) äussert sich hierüber: „Die Glaubens- 
verschiedenheit hatte wesentlichen Einfluss auf die Art des Studien- 
betriebs. Seitdem die Jesuiten im Gebiete des Katholizismus 
dominierten, bekam er eine von dem italienischen Humanismus 
abweichende Richtung; von ihnen wurde mehr gehindert 
als gefördert." 6 ) 

Vorzüglich gegen Plautus und Terenz eiferten die Je- 
suiten 7 ) und stellten sich dadurch würdig den älteren Zeloten und 
Ignoranten an die Seite. 8 ) Ein klares Bild der Hindernisse, die 
teils „ungelehrte und verwöhnte Theologen" teils Beschränktheit 
anderer Art den humanistischen Bestrebungen in den Weg legten, 
giebt eine Stelle in der Widmungsepistel „an den edlen und 
vesten Fritz Jacob von An weil" vor der Terenzübersetzung: 



') Cicero, Disput. Tuscul. m, 27. 65. 

2 ) Vgl. Prölss, Eob. Geschichte des neueren Dramas. (Lpz. 1881.) 
I. Bd., zweite Hälfte. S. 100. 

3 ) Francke a. a. 0.. S. 7. — Vgl. auch Charles Schmidt, His- 
toire litteraire de l'Alsace. Paris 1879. I. S. 220. „Wimpheling qui 
dans son indignation contre la poesie pai'enne, le (Terence) rangeait 
parmi ceux qu'il fallait exclure et que Dieu lui-meme avait chäties 
en les faisant perir d'une niort miserable. (Contra turpem libellum 
Philomusi defensio theologiae. 1510.) Vgl. auch ebenda S. 64. A. 166. 

4 ) Vgl. zur Bildung des Klerus und seiner lateinischen Kenntnisse 
ßurckhardt, de linguae latinae fatis etc. I, (55. 68.) 79. 83. 443.444. 

3 ) Allgemeine Kulturgeschichte. (Lpz. 1851.) DIL Bd. S. 413. 

e ) In der Anweisung zum Unterricht Maximilians von Baiern (1598 
bis 1651) war verboten, die alten Autoren, die heidnischen Schwätzer 
und Fabelhanse zu traktieren. Raumer, Geschickte Europas. III, 339. 
Vgl. ferner zur Sache: rMZMOAOriKON EAAHNIKOAATINON: Mi- 
chaelis Neandri. (Basileae 1564.) Epistol. S. 11. (Vnä etiam planum 
facere facile esset, quod multorum optimorum librorum amissionem 
monachis ignavis debeamus.) — H. Schreiber, Matthaeus Hummel im 
Bach (geb. 1425, gest. 1477). Freiburg 1833. S. 16. 17. 18. — Wenzel 
Wladiwoj Tomek, Geschichte der Prager Universität. (Prag 1849.) 
S. 290 ff. — S. 292: „Die Studien der alten Klassiker, welche den Stolz 
des sechszelmten Jahrhunderts ausgemacht hatten, waren [unter der 
Herrschaft der Jesuiten] von der philosophischen Fakultät ausge- 
schlossen." — S. auch das Urteil des Herman Busch (1468 — 1534) in 
seinem Valium lmmanitatis. — ■ .1. F. Schröder, Das Wiederaufblühen 
der klassischen Studien in Deutschland. (Halle 1864.) S. 214. 

7 ) Francke a. a. O. S. 55—60. 

8 ) Vgl. Jundt a. a. Ü. 8. A. 2. Allerdings lese man auch Räumer, 
Gesch. der Pädag. 1,245. — Vgl. auch Joh. Sturmij de exercitatjionibus 
rhetoricis über academicus. Argent. Nie. Wyriot 1572. Fol. g 2 a . 



32 Boltz von Ruflachs Terenz. 

des Valentin Boltz von Ruffach (1539). *) Dort heisst es: 
„Darab werden sich onzweiffel auch etliche vngelerte, 
verwänte Theologi streüssen, das ich als ein kireken- 
diener, mich solcher weltfreydiger, schhnpffiger, fleisch- 
licher matery vnd er nimm. Denen gib ich dise antwort: das 
ich auss Virgilio, Terentio, Plauto vnd andern beiden, hab das 
lateinisch Enangelium lernen verstau, sacra ex prophanis, vnd 
drumb nit jren glauben vnd leichtfertigkeit angenommen. Nun 
hat vns ye gott die freien künst durch die beiden geben, vnd 
welcher die künst verachtet, der verachtet vnd verschmächt Gott 
selbs, dann durch dise werden Gottes wunderwerck erkent. Was 
sind sie nun anders die gelerten heiden, dann vnsere knecht vnd 
diener, die uns vorgearbeitet haben, & praemansum in os in- 
seruerunt; sie haben vns fürgekewet wie den jungen kindern. 
Aber das ist das alt gifft vnd pestilentzisch übel, das wir Teutschen 
nie vil acht auff vnser mutterspraacli gehabt haben, wie sie ge- 
pflantzt vnd auff bracht werd. Die ja gleich jr facundiam vnd 
zier so wol hat, als andere spraachen. Wer das erfaren wöll, 
der besehe vnd lese den verteutschten Josephum, Senecam, Officia 
Ambr. vnd vil treffelicher authores: die der hochbereedt man 
teutscher nation Doctor Caspar Hedio zu Strassburg verteutscht 
vnd in wunderbarlichen wolstandt teutscher zungen bracht hat. 
Darab werden auch vil stoltz gelerten murren, vnd 
sagen, es sey nit loblich, das man alle ding also in teutsche 
spraach bring, das Latein werd dadurch verachtet. Ich sag 
nein darzu. Es ist der Lateinischen spraach ein treffelicher rum 
vnd hoher preiss, das sie so hohe wund erparli che ding hinder jr 
verborgen hat gehan, vnd macht vns teutschen, das wir erst 
anfahen, vnsere eygen spraach regulieren vnd wolstellen." 

Auf das nachdrücklichste empfiehlt M. Luther, welcher 
den Terenz in acht Wochen zweimal ganz in seinen Erholungs- 
stunden gelesen hatte, " 2 ) das Schauspiel in der Vorrede zum 
Buch Judith und Tobias. In den Tischreden 3 ) äussert er sich 
auf die Anfrage des D. Johannes Cellarius, ob man die heid- 
nischen Poeten spielen dürfe: „Comödien zu spielen, sol man 
vmb der Knaben willen in der Schuel nicht wehren, sondern ge- 
statten vnd zulassen: Erstlich, dass sie sich vben in der latei- 
nischen Sprache: Zum andern, dass in den Komödien fein künst- 



J ) Publij Terentij Aphri ] sechs verteutschte Comeclien, auss j eygen 
angeborner Lateinischein spraach | auffs trewlichst transferiert | durch 
Valentin um Boltz von Ruffach. | Anno M. D. XXXIX. | — Am Schlüsse 
steht: Getruckt zu Tübingen von Ulrich Morhart. Anno MDXL. 

2 ) Koch, Schob S. 65. 

3 ) Luthers Tischreden und Vorreden auf die Bücher Judith und 
Tobias. Asg. von J. K. Irmischer. Erlangen und Frankfurt. 1854. 
LXII. 336. LXXHT. 92. 98. 



Urteil Luthers, Keuchlius u. a. 33 

lieh erdichtet, abgemalet vnd fürgestellet werden, solche Personen, 
dadurch die Leute vnterrichtet vnd ein jeglicher seines Ampts 
und Standes erinnert vnd vermahnet werden, was einem Knechte, 
Herren, Jungen Gesellen, vnd Alten, gebühre, wohl anstehe, vnd 
was er thun solle: Ja es wird darinnen fürgehalten, vnd für die 
Augen gestellet, aller Digniteten Grad, Ampter vnd Gebühr, wie 
sich ein jeglicher in seinem Stande halten sol, im äusserlichen 
Wandel, wie in einem Spiegel. 

Zudem werden darin beschrieben vnd angezeiget, die listigen 
Anschläge vnnd Betrug der bösen Bälge. Desgleichen was der 
Eltern vnnd jungen Knaben Ampt sey, wie sie jhre Kinder vnnd 
junge Leute zum Ehestande ziehen vnd halten, wenn es zeit mit 
jhnen ist, vnd Avie die Kinder den Eltern gehorsam seyn vnd 
fragen sollen etc. Solches wird in Comödien fürgehalten, welches 
denn sehr nütz vnd wol zu wissen ist; denn zum Regiment kann 
man nicht kommen; mag auch dasselbige nicht erhalten denn 
durch den Ehestand. Vnnd Christen sollen die Comödien nicht 
ganz vnd gar fliehen, darumb dass bissweilen grobe Zoten und 
Bulereien darinnen seyn, da man doch umb dieser willen auch 
die Bibel nicht dürfte lesen. Darumb ist's nicht, dass sie solches 
fürwenden vnd vmb der Vrsache willen vorbieten wollen, dass ein 
Christen nicht solte Comödien mögen lesen vnnd spielen. " *) 

Reuchlin (1455—1522) und Frischlin (1547—1590) weisen 
auf die alten Komödiendichter hin, und ihre Stücke zeugen von 
dem Studium des Plautus und Terenz selbst in echtdeutschen 
Stoffen. 2 ) — Erasmus von Rotterdam (1467 — 1536) versteigt 
sich in seiner Begeisterung zu einem wenig gelungenen Wortspiel. 
Terenz heisst er „quod manibus esset terendus". George 
Rollenhagen (1542 — 1609) wollte, „dass er wie Theer den 
Schülern an den Händen kleben solle." Er liess i. J. 1592 an 
seiner Schule zu Magdeburg alle sechs Stücke des Terenz 
aufführen. 3 ) 

Alles gefiel sich in begeistertem Lobe des Terenz. 4 ) Me- 
lanthon, der gegen „krittliche und mürrische Censoren" eiferte, 



^Luthers Tischreden, ed. Förstemann u. Bind seil. Berlin 1848. 
IV. S. 592. — Vgl. auch Dr. E. A. Hagen, Geschichte des Theaters in 
Preussen, vornämlich der Bühnen in Königsberg u. Danzig. Königsb. 1854. 
S. 22. — In ziemlich ähnlicher Weise empfiehlt Baco von Verulam 
(gest. 1626) in seinem Buche „de augmentis scieutiarum" (VI, 4) die 
theatralischen Übungen wegen ihres günstigen Einflusses auf das Ge- 
dächtnis, die Sprache und den Ausdruck. (Schwarz, Geschichte der 
Ki-ziehung. II, 317 ff.) 

.. 2 ) Gervinus a. a. 0. HI, 97. 

3 ) Gervinus III, 115. 

4 ) Vgl. z. B. ein Gedicht des Johannes du Eins Attrebates 
(bei L. da Costa, as quatro primeiräs comedias u. s. w.): 

3 



34 Aufführungen der Alten 

veranlasste die fleissige 1 ) Aufführung der Komödien des Terenz 
mit Ausnahme der Hecyra und des Heauton timorumenos. 
Von Plautus nahm er nur den Miles Grloriosus in sein Re- 
pertoire auf, obwohl er im Schulplan seines Visitationshüchleins 
auch aululariam, 2 ) trinummum, pseudolum für rein erklärte. 3 ) 

Hatte C. Schonaeus sich schon an Terenz gestossen, so 
konnte er natürlich mit Plautus noch weniger sich befreunden; 
besonders zog er gegen den Amphitruo und den Miles Glo- 
riosus in seinem Prologe zum Tobaeus 1 ) los. 

Indessen hat sieh kaum eine deutsche Stadt trotz aller 
Kämpfe für und wider die alten Komödien der Aufführung der- 
selben gänzlich 5 ) entschlagen wollen oder können. Nur einige 
wenige zufällig gewählte Beispiele mögen dafür zeugen. 

„In Wien gingen hierin die Universitäts-Gymnasium- und 
Schottenschulen, sowie zu St. Stephan und St. Michel, dem 
Jesuitenorden vor, da dieser erst im Jahre 1551 hierher berufen 



Quem sermone iuvat loqui erudito 
Et docto simul et simul faceto, 
Volvat perpetua manu Terenti 
Versus, quo melior poeta nullus. 
Nullus tarn vario lepore plenus. 
Nullus quo melius putet iuventus 
Linguam reddere posse se disertam 
u. s. w. — Kromayer führt uoch ein ius Deutsche übersetztes Lobverslein 
des Johanuis Murmellii (1470 — 1517) an (S. 6), in dem alle Vorzüge 
des Terenz gepriesen sind: 

Wilstu zugleich Dein Zung wol ausspoliren, 
Dein Hertz vnd Sinn mit schöueu Sitten zieren, 
Wiltu auseheu, wie im Spiegel, die Welt, 
So thu mit Fleiss in diesem Buch studiren, 
All Menschlich Thuu es Dir für Augen stelt. 
') Besonders des Phormio. (Koch, Schob S. 65.) — Vgl. auch 
Burckhardt, de linguae latinae fatis. I. S. 353. 

2 ) Corpus Beformatorum, ed. Bretschneider u. Bindseil. X. Bd. 
(1834.) S. 101. Si norunt Terentium, potest proponi aulularia Plauti. 

3 ) Francke a. a. 0. S. 22. 

4 ) (S. 59): Nee fabulosus quispiam Deus, viri 

Mentitus formam, amantem fallet coniugem, 
Nee miles adversa ostentabit vulnera, 
Nee servus argento emunget senem. 
Ahnlich auch in den Prologen zu Saul, Judith, Nehemia. (Vgl. Francke 
a. a. 0. S. 133.) — Doch aber sagt er in einem Epigramme an Jaco- 
bum Brassicanum (III, 244) von sich: 

Comica dum levibus percurro pulpita soccis, 
Plautinum seetatus opus, numerosque Terentii. 
"') Verhältnismässig wenig geschah z. B. in Frankfurt a. M. für 
Plautus und Terenz. (Vgl. Geschichte der Schauspielkunst in Frank- 
furt a. M. etc. von E. Mentzel, Frkf. 1882, S. G. u. 7, wornach bereits 
1591 Plautus und Terenz verdrängt waren und auch lat. Schulkomödien 
nicht (?) stattfanden.) 



in Wien, Augsburg, Olmütz u. s. w. 35 

wurde. Die frühesten bisher bekannten von diesen Wienerschul- 
komödien sind Eunuchus von Terenz und Aulularia von 
Plautus, dann der rasende Herkules und das Abendmahl 
des Thyestes von Seneka in der aula universitatis reprä- 
sentiert, welche Conrad Celtis i. J. 1486 in Druck legen liess." 1 ) 

Ebenso war es in Augsburg. „Kaum hatte der Uliner 
Bürger Hans Nydhart 1486 oder 1488 eine Übersetzung des 
Eunuchen von Terenz erscheinen lassen, als ein Augsbiirger 
1497 auch hier ein Paar Komödien drucken liess. I. G. Boivarii 
Comedie utilissime omnem latini sermonis elegantiam continentes 
(I. G. Bayers äusserst nützliche Komödien, welche die ganze 
Zierlichkeit der lateinischen Rede entfalten), die von der „hiesigen 
ehrbaren Jugend" — vornehmen Knaben aus hiesigen patrizischen 
Familien — wirklich aufgeführt worden sind, und die wenigsten 
von einer guten Portion Einbildungskraft des Verfassers zeugen. 
Professor Hans in seinem Aufsatze über das Schulwesen (Histor. 
Vereinsschrift 1875) nennt den Verfasser Grüpeck." 2 ) 

„Die feierliche Stiftung des Olmütz er Seminars (durch die 
Jesuiten) verherrlichte die mit grossem Beifall gegebene Komödie 
Aulularia von Plautus." 3 ) 

Zu Fasching 1518 wurde in Zwickau bei einem Turniere, 
das Herzog Johann von Sachsen veranstaltete, unter anderm 
der Eunuchus des Terenz „ordentlich und wohl" gespielt. 4 ) 

Überhaupt spielte man in Zwickau zu dieser Zeit die 
Stücke des Terenz häufig mit deutschen Einleitungen und 
Einschaltungen zu besserem Verständnisse. 5 ) Gottsched 6 ) giebt 
Proben dieser Zurichtung. Da wird z. B. Thais eingeführt mit 
den Worten: 

Itzt trit daher dasselbig weyb, 

Gar wohl geschmückt vnd gradt vom Leyb, 
Von aussen scheint schon vnd gladt 

Ein schlamsack sonst vnd rechter vnflat. 
Sie schwantzt herein in eyteler pracht 

In sammet vnd seyden das einer dacht 
Es war gantz lauter gülden als 

Was sie an armen vnd am halss 
Vom golde tregt, ich dorft wohl wetten 

Der mehrer teyll sind kupfern ketten 
u. s. w. 

Auch wird Einzelnes, und nicht immer das Passendste, ein- 



J ) Schlager, Wienerskizzen aus dem Mittelalter. Neue Folge. 1839. 

2 ) Witz, Versuch einer Geschichte der theatralischen Vorstellungen 
in Augsburg. 1876. S. 9. 

3 ) Geschichte des Theaters in Mähren und Ustcrr.-Schlesien. Vom 
K. K. Fiuanzrate Christian d'Elvert. Brunn 1852. S. 21. 

4 ) Vgl. Germania. Band XXII. (1877.) S. 19. 20. 

5 ) Gottsched, Nöth. Vorr. I, 28. 
°) Ebenda. I, 32. 

3* 



36 Aufführungen der Alten 

geflochten, so im Heanton timorumenos die anus nntrix inter 
cundnni venatur pulices. 

Ich halt, die flöhe haben winter vnd sommer 
Gemiett bey mir ein gast kamer 

u. s. w. Et paulo post: Ey peyss, das dich alle plag u. s. f. 

Schon i. J. 1523 bestimmt die Zwick au er Schulordnung, 
„dass Mittwochs nach geschehener Repetition und Sonntags nach 
der Kirche eine Komödie aus dem Terentius zur Stärkung des 
Gedächtnisses und zur Übung in der Aussprache und in der Ge- 
schicklichkeit des Leibes gespielt werden soll. " ] ) 

Im Jahre 1530 führten die Alumnen der Universität Löwen 
die Adelphi in lateinischer Sprache mit einem Prolog von Adriano 
Barlando auf. 2 ) 

„Wie Job. Reuchlin seine Scenica progymnasmata im 
Hause des Kämmerers Johann von Dalberg (1445 — 1503) zu 
Heidelberg hatte aufführen lassen, so wurden zu Augsburg 
durch die Schüler Komödien aus dem Terenz und Plautus ge- 
geben; so zu Zürich (schon 1531) auf dem Saale des Kirchen- 
und Schulrats der Plutus des Aristophanes in der grie- 
chischen Ursprache vorgestellt, mit Musik in den Zwischenakten, 
Avelche vom Reformator Zwingli komponiert war." 3 ) 

Über eine Aufführung des Miles Gloriosus in Prag be- 
richtet Leo Blass: 4 ) „Im Fasching des genannten Jahres (1535) 
wollten die Studenten (der Prager Universität) ein Lustspiel von 
Plautus (Miles) aufführen und bemühten sich um Auffindung 
eines passenden Lokales. Der damalige Bürgermeister der Neu- 
stadt Prag, Jakob Strnadt, erlaubte die Aufführung in dem 
Neustädter Rathause, wo sich ein vollkommen tauglicher Raum 
hierzu vorfand. Doch der Altstädter Magistrat verklagte deshalb 
die Universität, dass sie eine von ihm nicht bewilligte Versamm- 
lung veranstaltet habe, der Bakalar Modry, der den „Soldaten" 
spielte und wahrscheinlich das Hauptverdienst um diese Vor- 
stellung hatte, wurde vorgerufen, eingesperrt und erst infolge 
eines scharfen Rekurses des Universitätsrektors nach drei Tagen 
strenger Haft entlassen." 



') Gödeke, Einleitung zum zweiten Bande der deutschen Dichter 
des XVI. Jahrhunderts, pag. XVm. 

2 ) Leonel da Costa. As primeiras quatro comedias . . . pag. XV. 

3 ) Beiträge zur Geschichte Basels, herausgegeben von der histo- 
rischen Gesellschaft zu Basel. I. 1839. IL 1843: Darin Bd. I. S. 169— 212. 
Geschichte der dramatischen Kunst in Basel von C. Aug. Burckhardt. 
U. J. D. S. 197. 

4 ) Das Theater und Drama in Böhmen bis zum Anfange des XIX. 
Jahrhunderts. 1877. S. 9. 



in Zwickau, Prag, München u. s. w. 37 

Im Jahre 1537 führt der „latheinisehe schullmayster Hanns 
Binder" in Nor düngen „mit den Knaben ain comödj auss 
dem T h e r e n c i u m " auf. *) 

Bekannt ist die Teilnahme, welche die Güstrowsche 
Schulordnung-, die ungefähr in das Jahr 1552 (oder 1553) 
fällt, der alten Komödie widmet. Von ihr wird in Reichards 
Theaterkalender von 1787 nach einem alten Manuskripte Fol- 
g-endes mitgeteilt: „Cap. X. De ludis scenicis. Es soll auch 
alle halbe Jahre eine lateinische Comoedia aus dem 
Plauto oder Terentio für die Knaben, dass sie gut La- 
tein lernen mögen, von den Schülern in der Schule, 
jedoch extra habitum, agiret werden, denn es heisst: 

Continet kumanae speculum Comoedia vitae 
Turpiaque urbano facta lepore notet. 

Es wehre auch unter den grossen Schülern, die der griechischen 
Sprache erfahren sind, ein fein Exerzitium, dass sie bisweilen 
einen Dialogum Luciani mit agirten, der allezeit ein lateinisch 
Argument bette, umb der gemeinen Schüler willen. - Teutsche 
Gomedien oder Tragedien sollen für denn gemeinen Mann noch 
sonsten von den Schülern nicht agieret werden, es sei denn, dass 
ös mit Unserm Vorwissen und auf unser Gutachten geschehe. " 2 ) 

Über Aufführungen in München (in den Jahren 1557, 
1562, 1566) verdanke ich den gefälligen Mitteilungen des Herrn 
Dr. Karl Traut mann aus den Münchener Stadtkammerrech- 
nungen die nachstehenden Daten: 

1557: zahlt dem Poetn Martino Baltico: An 12 talern 
erung von wegen zweyer Comedj ex plauto so er ainem erbaren 
Batk zugefallen vnd den Discipuln zu guet auffm Rathhaus ge- 
halten, nemlich Sme dem poetn 10 vnd seinen Discipuln 2. 

Ad 27. februarij (1562) ditto zalt dem poeten gabriele 
Khasstner Eerung von wegen der Coinedi zwayer zwidling- 
Ex Plauto so Err auff dem Rathhaus gehallten 10 Taler. V und 
den Discipeln 2 Taler thuet ... 13 fl 5 ß 

Ad 19. aprilis [1566] (ditto) zalt dem poeten Gabriele 
Casstner von wegen der Comedj so er durch seine Khnaben 
halten lassen Ex Plauto Trinummum genannt Teutsch vnnd 
Lateinisch 14 Taler zu einer Vererung. 

Die im Jahre 155!) von Herzog Christoph in Württem- 



*) Dr. K. Traut manu, Arckivaliscke Nachrichten über die Theater- 
zustände der schwäbischen Reichsstädte im XVI. Jahrhundert, in 
Schnorrs Archiv. Bd. XIII. S. öl. 

2 ) Versuch einer Geschichte des Theaters in Mecklenburg-Schwerin 
Von H. W. Bärensprun»-. Von den ersten Spuren theatralischer Vor- 
stellungen bis zum Jahre 1835. Schwerin 1837. S. 7. — Vgl. Gervinus III, 118. 



38 Aufführungen der Alten 

berg erlassene „Ordnung- der latein. oder Particularschulen und 
des Pädagogiums zu Stuttgart" erwartet von Terenz viel für 
den Unterricht. ') 

In Königsberg treffen wir die Aulularia des Plautus 
in den Jahren 1560 und 1599 aufgeführt; 2 ) Darstellungen des 
Terenz in Breslau im Jahre 1562. 3 ) 

Der Strassburger Rektor Job. Sturm 4 ) (1538—1581) er- 
innert sich, im Jahre 1565, einer Aufführung des Phormio in 
der Klosterschule der Hieronymianer oder Brüder vom gemein- 
samen Leben zu Lüttich, wo er als vierzehnjähriger Jüngling 
im Jahre 1521 den Geta spielte. Seine Anschauung war, dass 
schon Tertianer die Komödien des Plautus und Terentius auf- 
führen sollten. 5 ) 

Von Aufführungen aus dem Jahre 1567 am Gymnasium zu 
Regensburg berichtet Chr. H. Kleinstäuber: 6 ) „Schon unter 
Osius (von 1565 — 1568 Rektor) wurden 1567 von den Schülern 
der obersten zwei Klassen zwei Komödien des Terenz und dann 
eine von Plautus, nachdem sie in der Schule gelesen und er- 
klärt worden waren , öffentlich aufgeführt. (Hieronymi Osii 
Scriptum continens ceu Oeconomiam quandam lectionum et exer- 
citationum.) Dazu taugliche Jünglinge mussten die Rollen aus- 
wendig lernen und in unterrichtsfreien Stunden einüben. (Ibid. L. 
3 b.) Bisweilen wurde auch, wenn die Scholarchen die Erlaubnis 
dazu gaben, eine Tragödie des Seneka oder eines andern nicht 
klassischen Dramatikers vorgetragen. (Ibid. L. 4 a.)" 

Die Anleitung des Osius „De comoediis pvblicis agendis" 
lautet: „De Comoedijs dictum est supra, requiri ä scholae guber- 
natoribus, vt quotannis duae publice exhibeantur, sintque eae aut 
Terentianae aut Plautinae fabulae. Hac etiam in re, quantum 
fieri potest, propter multiplicem vtilitatem, quam haec res affert 
studiosis linguae latinae , scholae praefectis morem geremus. 
Instituetur autem res hoc modo: Comoediam publice agendam 



') Vgl. Johannes Kepler. Von Dr. Edm. Eeitlinger. Stuttg. 
1868. Bd. I. S. 52. 

2 ) Gödeke a. a. 0. Einl. p. XXXII. — Hagen. S. 32. 

3 ) „Die erste Erwähnung einer biblischen Komödie [in Breslau] 
findet sich bei Nicol. Pol, der zum Jahre 1562 erzählt, dass das neu 
erbaute Elisabetan mit einem deutschen Stücke, Abel und Kain, und 
einem lateinischen aus dem Tereuz eingeweiht worden sei." Palm, Dr. H. 
Beiträge zur Geschichte der deutschen Litteratur des sechszehnten und 
siebenzehnten Jahrhunderts. (Breslau 1877.) S. 119. 

4 ) La vie et les travaux de Jean Sturm. (Strasb. 1855.) 

•') Koch, Schul, priv. S. 91 und Eeitlinger, Kepler. I, 92. 

6 ) Ausführliche Geschichte der Studienanstalt in Regensburg 
(1538—1880) auf Seite 1—152 des XXXV. und S. 1—142 des XXXVI. 
Bandes der „Verhandlungen des Historischen Vereines von Oberpfalz 
und Regensburg". (Stadtamhof 1880.) S. 141. 



in Breslau, Regensburg, Basel u. s. w. 39 

etiam ante, quam integra enarrata & exposita fuerit, personis 
idoneis exacte ediscendam proponemus, vt ita eö firmius earum 
memoria haereat, cum prius edidieerint & publice interpretationein 
ipsarum audiuerint adolescentes. Illud enim ita se habere, sclio- 
lasticis experientia ostendet. Non autem nisi diebus, quibus 
alias cessant publica studia, ad actionem publicam priuatim agendo 
fabulas personati adolescentes praeparabuntur, ne occasionem buic 
summant alia studia temere negligi." 

Die kursächsiscbe Schulordnung verordnet 1580 die alljähr- 
liche Aufführung der Komödien des Terenz und Plautus, 1 ) und 
noch später verordnete Kurfürst Christian IL (1601 — 1611) 
eine zweimalige Aufführung im Jahre, doch privatim und ohne 
Verkleidung. (Schulordnung Cap. IX, § 5.) „Sie sollten die 
Komödien aus dem Plautus und Terenz wählen, auch 
griechische, damit sie ihnen zur Wiederholung dessen dienten, 
was sie in den Stunden gehört hatten. " 2 ) — Der codex latinus 
No. 578 der Münchener Staatsbibliothek enthält Plauti Pseu- 
dolus, exhibita Ingolstadii a. 1589. 

In Basel begegnen wir im Jahre 1589 Aufführungen des 
Terenz nach dem Schulplan unter dem Rektor Beat Heel. Am 
7. August 1592 hatte eine solche statt; es wurde auf einer über 
dem Garten des Gymnasiums errichteten Bühne gespielt. 3 ) — Anno 
1569 nach Vollendung zweier Doktorpromotionen spielte man die 
Aulularia des Plautus. 4 ) 

In Coburg treffen wir im Jahre 1599 den Pseudolus. „Da 
es den 11. Mai (1599) am Gregoriusfeste sehr geregnet, habe der 
Rektor auf dem Rathaus pseudolum Plauti (der Betrüger) ein 
Lustspiel des Plautus achieret u. s. w., und seien ihm 5 fl. ver- 
ehret worden. " 5 ) 

Am Mittwoch den 9. Oktober 1583 wurde das neue Theater 
in Strassburg mit einer (nicht genannten) Komödie des Plau- 
tus eingeweiht; 6 ) i. J. 1608 wurde dort der Amphitruo gespielt, 7 ) 

Im Ottoneum zu Kassel wurden Nachahmungen des 



') Hase, Pas geistliche Schauspiel. S. 114. — K. Schmidt, Gesch. 
der Pädagogik. 2. Aufl. (1870.) HI, 136. 

-) Versuch einer vollständigen Geschichte der Chursächsischen 
Fürsten- und Landschule zu Meissen von Joh. Aug\ Müller. Leinzio- 
1787. I. Bd. S. 53. l ° 

3 ) Lib. director. Acad. Basil. Msk. in Beiträge zur Gesch. von Basel. 
I, 199. 

') Wurstisisches Diarium. Msk. Ebenda. I, 201. 

5 ) Das herzogliche S. Hoftheater zu Coburg-Gotha. Am 1. Juni 1877, 
dem Tage des fünfzigjährigen Bestehens. (S. 9.) 

li ) .Tun dt a. a. O. S. 32. 

7 ) Jundt a. a. 0. S. 44. 



40 Aufführungen der Alten 

Terenz, ja sogar die Antigone des Sophokles griechisch, 
gespielt. ' i 

Die Geschichte der Stadt Blinzlau (zweiter Band, 1787) be- 
richtet von verschiedenen theatralischen Aufführungen, darunter am 
21. September 1612, dass „eine lateinische Komödie aus dem Te- 
renz, ingleichen eine deutsche von einem Grosssprecher handelnde 
agiert worden vom rector seholae et factore Val. Senftleben. " 2 ) 

Im Jahre 1624 spielte man in Nürnberg die Aulularia 
des Plautus und die Adelphi des Terenz; 3 ) aus 1618 führt 
Will*) Menächmen an. 

Weniger freundlich nahm man eine am 10. September 1629 
von den Schülern des Berlinischen Gymnasiums gespielte 
Komödie auf. Ein kurfürstlicher Erlass sprach seinen Tadel aus, 
welcher sogar den Magistrat, der den Saal dazu lieh, traf. Welches 
Stück dies war, ist allerdings nicht bekannt. 5 ) 

Alsbald nach den ernsten, schweren Zeiten des dreissig- 
jährigen Krieges, in den Jahren 1652 und 1660, Hess man die 
Schüler des Frankfurter Gymnasiums, „um die ingenia bei der 
Schuljugend zu excolHren", im Schulhofe lateinische und deutsche 
Komödien aufführen. 6 ) 

Das Münchener Seminar spielte im Jahre 1679 Chremes 
nach Terenz. Von diesem Stücke sagt das Tagebuch, „es 
habe so grosses Aufsehen erregt, dass es fünfmal wiedergegeben 
und auch bei Hof aufgeführt werden musste, worauf der Kurfürst 
den Seminaristen fünf und vierzig Gulden geschenkt habe." 7 ) 



') Geschichte des Theaters und der Musik iu Kassel von Lynker. 
1865. S. 248. 

2 ) Palm a. a. 0. S. 1'24. 

3 ) Nach Mitteilung des Herrn Dr. K. Traut mann, aus dem Nürn- 
berger Katsmanual, Jahrgang 1624, No. 7, Fol. 2S A (Sitzung vom 22. Sep- 
tember 1624): „M. Sophoniae Hasenmuller Ist Zwor erlaubt mit seinen 
diseipuln, Aululariam Plauti vnd Adelphos Terentij Zu agiren, doch Jn 
einem Priuathaus, dabey auch befohlen hiufuro Niemand Comoedias 
agirn Zu gestatten, Er kab dann Zuuor dessen erlaubnus von den Herrn 
Scholarchen erlaubt." — Über die Nürnberger Schulkomödie, deren An- 
fänge sich schon in den ersten Jahren des XVI. Jahrhunderts finden, 
vgl. Genee, Lehr- und Wander jähre des deutschen Schauspiels, S. 124. 125. 

4 ) Georg Audr. Will, Bibliotheca Norica oder Kritisches 
Verzeichnis aller Schriften, welche die Stadt Nürnberg angehen . . . 
Fünfter Band (Altdorf 1775). S. 255: „Menoechmi M. A. Plauti in 
publ. theatrum produeti in incl. Nor. Acad. Alt. Panegyri XLII. 
Alt. 1618 (unter 21. Scenica S. Dramatica). 

5 ) A. E. Brachvogel, Geschichte des königl. Theaters zu Berlin. 
Berlin 1877. S. 27. 

6 ) Deutsches Bürgertum im Mittelalter von Dr. G. L. Kriegk. 
•Frankf. 1868. (S. 436.) — (Vgl. auch Fichards Abhandlungen im Frankf. 
Archiv, LTL 131.) 

7 ) Stubenvoll, Geschichte des k. Erziehungsinstitutes für Stu- 
dierende in München. (München, Lindauer 1874.) S. 211. 



in Bunzlau, Nürnberg u. s. w. 41 

Die Chronik des Hoftheatei-s zu Hannover 1 ) berichtet: ,.Die 
Lustspiele des Terentius gelangten natürlich in der Original- 
sprache zur Aufführung; so im Jahre 1690 der Phormio 
und der Eunuchus. Letzteres Stück wurde im Saale des 
städtischen Kathauses aufgeführt, und seit der Zeit ist dieser Saal 
(der nachher unter dem Namen Lotteriesaal bekannte Raum) auch 
zu andern theatralischen und nichttheatralischen Schaustellungen 
benützt worden. Der Konrektor der Schule war auch hier noch 
immer der sachverständige Leiter des Ganzen, und die Schüler 
luden den Rat der Stadt, die Lehrer und sonstige Respektsper- 
sonen in eleganten lateinischen Versen zu ihren Spielen ein." 

Am 11. März 1693 fand in Rudolstadt eine Aufführung 
der Andria statt. Siehe bei Gottsched (II, 261): „Einladung zu 
dem terentianischen Freudenspiel, Andria genannt, welches 
nebst andern Instigen Aufzügen, auf des hochgb. Grafen zu Ru- 
dolstadt Geburtstag den 11. Mart. auf dem dazu bereiteten Sehul- 
theater nachmittags um 2 Uhr wird vorgestellet werden von M. 
Job. Ernst Müllern, Conr." (Rudolstadt bei Löwen in 4°.) 

Samuel Chappuzeau (1625 — 1701) wohnte manchen la- 
teinischen Aufführungen bei, von denen er erzählt: 2 ) Aussi voyons 
nous qu'ils ne sont pas tous bannis de nos Colleges, oü i'ay veu 
representer des ouurages de Piaute & de Ter e nee aussi bien 
que de Seneque . . . Dans les premiers on ne parle que Latin . . . 
mais le Latin est entendu & des Acteurs & des Spectateurs. 

Diese wenigen Beispiele mögen zeigen, wie in allen Städten, 
wo eine Universität, ein Lyzeum oder Gymnasium, eine Aka- 
demie u. dgl. war, die Stücke der lateinischen Komiker gespielt 
wurden. 3 ) 

In seltsamer Weise hat zunächst die Andria des Terenz 
eine Behandlung erfahren in dem Buche: „Terenz zum Lehr- 
buch für Schauspieldichter und Schauspieler mit Donats Commen- 
tar übersetzt und mit eigenen Anmerkungen begleitet." (St. 
Petersburg bei Logan. 1782. Erster Band.) Der ziemlich stark 
selbstbewusste Verfasser stellt in der Vorrede auch einen ähnlich ver- 
ballhornten Plautus in Aussicht. Der an sich schon eigenartigen 
Behandlung der Andria ('210 S.) sind Auszüge für den Dichter, 
den Schauspieler u. dgl. beigegeben. 

Wo wir später, ja selbst noch in unserm Jahrhundert, 
antiken Komödien begegnen, werden sie zwar in deutscher 



') Müller, Chronik des Hoftheaters zu Hannover. (Hann. 1876.) S. 2. 

2 ) Le theätre Erancais par Samuel Chappuzeau, aecompagne 
d'une preface et de notes par Georges Monval. (Paris 1875.) S. 27. 28. 

3 ) Wie die Jesuiten seihst in protestantischen Städten noch spät 
diese Schulstücke pflegten, s. bei J. F. Hautz. Geschichte der Universität 
Heidelberg. Mannheim 1863. II, 237 ff. 



42 Goethes Teilnahme an 

Sprache gespielt, zielen aber auf ein gelehrtes, zum mindesten 
sehr gewähltes Publikum ab. Franz Romanus (1731 — 1787) 
verbreitete die „Brüder" des Terenz über die deutsche Bühne. x ) 
Über acht bis neun Aufführungen des terentianischen Stückes 
berichtet auch J. D. Falk.-') Grüner in Darmstadt hat „das 
nicht sehr gelehrige Parterre bis zu Terenz und Holberg ge- 
führt." 3 ) Vor allem aber zeigte sich Goethes nicht ermüdende 
Teilnahme für die Alten, zunächt für Plautus und Terenz, in 
wiederholten Vorstellungen des Weimarischen Theaters. 4 ) A. W. 
von Schlegel berichtet hiervon: 5 ) „Ich habe einer Vorstellung 
der Brüder des Terenz ganz im antiken Kostüme in Weimar 
beigewohnt, die unter Goethes Leitung einen wahrhaft attischen 
Abend gewährte. " 6 ) 

Am 24. Oktober 1801 wurden in Weimar „Die Brüder" 
des Terenz in der Bearbeitung des Kammerherrn von Ein- 
sie del und zwar in Masken aufgeführt: 7 ) derselbe Kammerherr 



') Vgl. Lessing, Hamburg. Dramaturgie. (96 — 101 Stück.) 
' 2 ) Kleine Abhandlungen, die Poesie u. Kunst betreffend. (Weimar, 
Hoffmann 1803.) S. 114. 

3 ) Gervinus. V, 619. 

4 ) Dr. E. AV. Weber, Zur Geschichte des Weimarischen Theaters. 
Weimar .(H. Bchlau) 1865. 

5 ) Über dramatische Kunst und Litteratur. Siebente Vorlesung. 

6 ) Vgl. Gervinus. V, 620. 

7 ) Weber a. a. 0. (S. 56.) Die grosse Liebe Goethes für das Alter- 
tum, dessen einfachen und geläuterten Geschmack er damals hinzustellen 
und weiter zu verbreiten suchte, sowie sein Bestreben, die Schai^ieler 
in ihrer Kunst zu fordern, sollten den Zuschauern, besonders dem ge- 
bildeten Teile derselben, einen Begriff von dem Maskenspiel der Alten 
geben und den Schauspieler dahin führen, dass er den darzustellenden 
Charakter, der sich in der Maske aussprach, in seinem Spiele völlig aus- 
füllte. Es war dies eine Folge von der idealen Lichtung, welche die 
Bühne genommen hatte; denn die Masken, das platte Kopieren der Na- 
türlichkeit hindernd, beförderten die Darstellung der idealen Wahrheit. 
Auf diese Weise sollte das Spiel einen Stil gewinnen. 

Dieses Stück, wie Goethe sagt, verlangte eine derbe, charakte- 
ristische, sinnlich-künstliche Darstellung. Diese wurde auch zum Teil 
erreicht, wenn auch nicht das erste Mal, doch nach und nach, da es in 
Weimar neunmal aufgeführt wurde, und auswärts, wie in Lauchstcdt. 
den Hallensern grosse Freude bereitete. Voss als Micio, ein wohlhaben- 
der atheniensischer Bürger, stellte in seiner Maske einen würdigen, schon 
durch äussere Züge imponierenden Alten dar und sprach die leicht- 
fliessenden fünffüssigen Jamben in Ruhe und edler Haltung vortrefflich. 
Demea, dessen Bruder, ein vermögender Landmann, von seinem Besitz 
in die Stadt gekommen, wurde von Malkolmi in einem polternden Tone, 
in einem eckigen und heftigen Wesen, welches der Stil des Ganzen for- 
dert, gespielt. Seinen ältesten Sohn Aeschinus, in Pflege bei Micio, gab 
Cordemann, den zweiten, Ctesiphon, spielte Haide, an dem zu sehr das 
Klagende bemerkbar war, während Aeschinus etwas Keckes und Muntres 
hatte. Sostrata, die Mutter der Geliebten von Aeschinus, war Madame 
Teller, ihre Vertraute, Canthara, Demoiselle Malkolmi. Eine Sklavin, 
Ctesiphons Geliebte, gab Demoiselle Götz, kurz und leicht, wie eine 



Aufführungen des Plautus und Terenz. 43 

von Einsiedel bearbeitete den Eunuchen unter dem Titel 
„Die Mohrin", als welche er am 19. Februar 1803 die Bühne 
betrat. 1 ) Niemeyers Andria 2 ) und der Heauton timorume- 
nos 3 ) folgten in kurzer Zeit. 

Am 23. April 1806 wurden „die Gefangenen" des Plautus, 
von Einsiedel übersetzt, gegeben und fanden reichen Beifall. 4 ) 



Bakchantin gekleidet, mit einem Schleier nach griechischer Sitte um das 
Haupt ; die weiblichen Figuren waren ohne Masken. Die beiden Brüder 
erschienen angezogen wie die griechischen Jünglinge auf den alten Mo- 
numenten. Der Verwandte und Freund von Sostrata, Hegio, von Graff 
dargestellt, bildete einen schönen Greisenkopf; er sprach mit Ruhe und 
Anstand. Heftiger Natur war Geta, der Diener Sostratas, Schall; den 
Sklavenhändler Sannio gab Genast; die drei Sklaven Strato, Dromo, 
Parmeno wurden von Benda, Ehlers und Eilenstein gegeben. Am meisten 
trat hervor Becker (vgl. ebenda S. 207) als Syrus, der Diener des Aschi- 
nus, ein lustiger Bruder, pfiffig und gefrässig, mit Hängebacken. Das 
Stück Hess alle die kalt, die den Terenz nicht kannten. Masken und 
Costüms sind in der Ausgabe von Einsiedel angegeben. 

') Weber a. a. 0. (S. 80.) Es konnte nur umgeändert auf die 
Bühne kommen; Karl August verlangte es, (S. Briefwechsel zwischen 
Goethe und Schiller No. 884. Düntzers Erläuterungen S. "259 unten.) 
„da es mit unsern Gewohnheiten und Begriffen zu sehr iu Widerspruch 
stehe," und Einsiedel, darauf eingehend, änderte mit Mühe, wie er sich 
ausdrückt, bis „die Mohrensklavin ganz weiss gewaschen war". Aber 
trotz der Veränderungen wollte es nicht recht gefallen, und doch thaten 
die Schauspieler ihr Möglichstes. Malkolmi gab den Laches, einen Alten, 
Cordemann den ältesten Sohn desselben, Phädria, den Liebhaber der 
Thais, welche Mad. Miller (Amalie Malkolmi) darstellte, Unzelmann den 
Chärea, den jüngsten Sohn; Haide als Thraso, ein reicher Kriegsmann, 
Nebenbuhler des Phädria, und Becker als Gnatho, des Kriegsniannes 
Schmarotzer, erhielten ausgezeichneten Beifall. Parmeno, der Vertraute 
beider Söhne, wurde von Ehlers mit grosser Gewandtheit gegeben. Auf 
seinen Anschlag kommt Chärea als Mohrensklavin verkleidet in das Haus 
der Thais und spinnt dort mit der Pamphila, welche Demoiselle Götz 
darstellte, einer Mohrensklavin, ein Liebesverhältnis an, erhält sie dann 
zum Weib, da sie die Schwester des Chremes, eines jungen Mannes von 
edler Abkunft ist und als eine Bürgerstochter angesehen wird. In Lauch- 
stedt wurde die Mohrin den 25. Juli gegeben. 

2 ) Weber a. a. 0. Zu diesem terenzischen Stücke kam den 6. Juni 
1803 Niemeyers (Ed. Genast, 1. Teil, 142, teilt diese Bearbeitung dem 
Kammerherrn von Einsiedel zu; nach dem Briefwechsel hatte Niemeyer 
in Halle die Fremde aus Andros für die Weimarische Bühne bearbeitet. 
Briefwechsel No. 903. Düntzers Erläuterungen S. 245 unten, 253 u. 2G1) 
Schauspiel in fünf Aufzügen „Die Fremde aus Andros" als Bearbeitung 
der Andria des Terenz, welche auch bald darauf, den 23. Juni in Lauch- 
stedt und den 7. September in Rudolstadt, gegeben ward, ohne Beifall 
zu erlangen; in Weimar kam sie noch zweimal vor. (VgL.Gervinus V,619.) 

3 ) Weber a. a. 0. Auch der Heauton timorumenos oder der Selbst- 
peiniger, ein Lustspiel in fünf Aufzügen, wurde in Weimar später ge- 
geben. Becker spielte in der Freunden aus Andros den Davus und in 
dem Selbstpeiniger den Syrus meisterhaft. Dieser kam auch iu Lauch- 
stedt auf die Bühne und in Weimar noch zweimal. Aber keines von 
diesen Stücken erhielt die Geltung als das, was zuerst von den teren- 
zischen auf die Bühne kam, die Brüder. 

4 ) Ebenda. S. 168. 



44 Neueste Plautusaufführung 

Am "20. April 1807 erschien, gleichfalls in Einsiedeis Bearbei- 
tung, „Das Gespenst 1 ' des Plautus; es „gefiel aber wenig und 
verschwand wieder." 1 ) Am (3. Juni 1807 gab die Weimarer Truppe 
in Leipzig „Die Brüder" in Masken; sie „gefielen aber nicht so 
wie trüber in Lauchstedt, den Hallensern, den Studenten und 
Professoren. " - 1 

Am 9. April 1866 erprobten die Adelphi (in Einsiedeis 
Bearbeitung) als Festvorstellung für die Philologenversammlung 
ihre dramatische Kraft an der Münchner Hofbühne, und noch in 
unsern Tagen finden in Meppen regelmässige Aufführungen der 
Komödien des Terenz und einiger des Plautus statt, 3 ) was 
Kobert E. Prutz missbilligte. 4 ) 

Von einer lateinischen Aufführung des plautinischen Tri- 
nummus durch Universitätsstudenten zu Berlin am 17. Februar 
1859 im Konzertsaale des kgl. Schauspielhauses unter Leitung des 
um Plautus hochverdienten Professors Geppert berichtet Koch:') 
„Das sehr zahlreiche, aus der Elite der gebildeten männlichen Be- 
völkerung zusammengesetzte Publikum folgte der in fast allen 
Teilen höchst gelungenen Darstellung mit gespanntester Auf- 
merksamkeit und äusserte vielfach seine Zufriedenheit: nament- 
lich erweckten die Figuren des Sklaven und Sykophanten viel 
Interesse. " 

Dem Vorbilde der Berliner Studenten folgten sogar ameri- 
kanische Damen. Die Ladies' Literary Society of Wa- 
shington University in St. Louis führte am 23. Mai 1884 
den Rudens des Plautus in lateinischer Sprache in Memo- 
rial Hall auf, 6 ) wobei auch englische Übersetzungen ausgegeben 

>) Weber a. a. 0. S. 179. 

-) Ebenda. S. 193. 

3 ) Francke a. a. 0. S. 32. — Jährest) er icbt über das Gymnasium 
31 eppen 1870. 

') Vorlesungen über die Gesctffbhte des deutschen Theaters (Ber- 
lin 1847), S. 121: „Ja. und was spreche ich von der Vergangenheit?! da 
ja in diesen allerjüngsten Tagen, in dem Augenblick beinahe, da ich 
dies ausspreche, iu der berühmten Metropole deutscher Bildung, zu an- 
dern! Schutt und (Irans, den man hier ausgräbt, auch die akademischen 
Aufführungen des Terenz, des Plautus u. s. w. in der That ausgegraben 
w orden sind." 

5 ) Schob priv. S. 86. 

'■) Die Notiz verdanke ich der freundlichen Mitteilung des Profes- 
sors der romanischen Sprachen der Johns Hopkins University zu Balti- 
more, Herrn A. M. Elliot. Den mir zur Verfügung gestellten Zeitungs- 
ausschnitten zufolge galt die Aufführung als Ereignis. Alle Bollen 
wurden von Damen gespielt: (Daemones — M. Jennie Henderson; 
Plesidippus — M. Lizzie Carr; Labrax — M. Ella Smith; Charmides — 
M. Mary Ittner; Palaestra — M. Anna Chandler (auch als Arctu- 
rus): Ampelisca — M. Callie Curtis: Grripus — M. Delpha Dowler; 
Trachalio — M. Katie Arner.) Der Post-Dispatch betitelt seinen 
eilenden Artikel: A strong success — the large audience delighted 



von amerikanischen Damen. 45 

wurden. 1 ) — Auf diese Weise beschäftigten sich Jahrhunderte damit, 
die alten Komiker auf die Bühne zu bringen. Bei dem lebhaften 
Interesse, das man dem römischen Lustspiele entgegen- 
brachte, ist es selbstverständlich, dass man nicht bei 
der blossen Aufführung und Übersetzung stehen blieb; 
man ahmte es vielmehr überall nach, teils zu blossen 
Schulzwecken, teils auch, um wirklich neue Dich- 
tungen zu schaffen; und wenn nun auch zugestanden werden 
muss, dass an Stelle dieser Verskünsteleien Dichtungen in der 
Muttersprache von ungleich höherem Werte gewesen wären, so ist 
doch unbestreitbar, dass diese Imitationen wenigstens auf die 
Form von sehr günstigem Einflüsse waren,-) oft auch den 
ganzen Charakter des Stückes bestimmten. 3 ) ..Erst seit der 



— English accentuation — Costums and details almost perfect — The 
actors in love with their work — A pleasing surprising; und beginnt: 
„The great success which attended the presentation of Plautus' comedy, 
.Rudens', last night at the Memorial Hall indicates beyond doubt that 
there is to be a renaissance of the Latin drama, and that St. Louis is 
to be its chief theater. The talent is here, the culture is here, and the 
interest is here, and nothing more is necessary to an assurance that 
here after the Latin drama will be a principal among the inany forrns 
of intellectual recreation which the more scholarly. of St. Louisians in- 
dulge in." Auch der Eepublican spricht von einem „success hardly 
anticipated by the projectors of the idea" und glaubt „The play will 
undoubtedly give the classics a boom when they are presented in all 
their beauty by such an array of beauty as graced the stage at Memo- 
rial Hall". Gerne aber glauben wir dem Globe-Democrate: „Only a 
small number of the audience could understand the lines." Doch aber 
findet er: „Some of the Latin phrases were very pretty and had a deci- 
dedly musical ring to even those unfarniliar with the beauties of that 
tongue." — ■ Die Szene war für das ganze Stück die Seeküste mit dem 
Altar der Venus. Prof. Jackson war derjenige, welcher mit den Damen 
das Stück einstudierte. 

J ) Rudens : A Comedy. As represented in the original Latin, by the 
Ladies' Literary Society of Washington University, May, 23, 1884. Trans- 
lated by Members of the Society. St. Louis: Nixon -Jones Printing Co. 
1884. (44 Seiten.) Der Prolog ist in ungereimten Versen, das Stück 
in Prosa. 

2 ) Jundt a. a. 0. S. 5. „Akte, Prolog, Epilog waren von den Rö- 
mern" (u. S. 57). — E. Riedel, Schuldrama u. Theater. (Hamb. Voss 1885.) 

3 ) Jundt, a. a. 0., giebt Beispiele dieses Einflusses. (S. 54.) Der 
Messias in der Krippe des Georg Calaminus hat die Diener Dromo, 
Congrio, Philergus, Syrus, Soscia, Parmeno . . . nach Plautus 
und Terenz. (S. 5(5.) Einen echt römischen Charakter tragen an sicli dir 
drei Komödien Anabion sive Lazarus redivivus (1541) des Joh. Sapidus 
(Witz) (1520— 1526 Rektor in Schlettstatt, gest. 1561); Nabal des Ru.l. 
Walther (1562) und Plagrum, der Prinzenraub von Dan. Cramer (1605). 

— Eine jede beginnt mit einem Prolog nach plautinisch-terenzischer 
Art. Im Lazarus ist der Prolog eine Verteidigungsrede des Dichters 
wider seine mürrischen Gegner, wie dies durchgängig auch der Fall ist: 
in den beiden andern Stücken hat er einen mein' plautinischen Zuschnitt 
und besteht aus einer spasshai'ten Ansprache an das Publikum . . . Der 
Prolog zum Nabal steht mit dem der Captivi in Beziehung u. s. w. — 



46 Lateinische Schulkoniödien. 

Übersetzung des Terenz, - ' sagt Gervinus, 1 ) „treffen wir in 
Deutschland ordentlich in Akte und Szenen abgeteilte Stücke. " 2 ) 
Lebhaft war die Beteiligung der Gelehrten an diesen 
Schulkomödien. Konrad Celtis (geb. 1. Febr. 1459, gest. 
1508) 3 ) dichtete solche lateinische Stücke; 4 ) berühmt geworden 
sind Reuchlins progymnasmata scenica (z. B. Sergius, Henno), 
von denen Gottsched 5 ) ausführlich handelt. In wie hohen 
Ehren Reue hl in ob seiner Dichtungen stand, bezeugt die Pane- 
gyris des Jacobi Dracontii Praemonstratensis, in welcher es heisst: 

Primus adest Reuchlin nostris & solus in orbe, 

Qui parat ad theatruni iam nova plectra novum. 

Demissum superis nobis hunc censeo Vatem 

Quo comicam stupida coepimus aure lyrani, 

Dictam Caecilii dignam Plautive Cothurno. 

Schon vor und mit Reuchlin hatten Schulen und Universi- 
täten lateinische Stücke aufgeführt; 6 ) später folgten Jakob 
Locher, genannt Philomusus 7 ) (De sene amatore, filio corrupto 
et dotata muliere 8 ); de Turcis et Suldano; de iudicio Paridis), 
H. Bebel, Hegendorf, Melanthon, Nikol. Frischlin u. v. a., 
die einen grossen Einfluss auf die deutschen Dramen ausübten. 9 ) 

Einzelne Stücke, z. B. des bereits genannten Schon aeus 
Tobaeus, wurden auch wieder ins Deutsche übersetzt: Tobaeus, 
das ist eine schöne nützliche vnd biblische Comödia von dem 
heiligen und Gottfürchtigen Mann Tobaeo: Erstlich Terentiano 
Stylo lateinisch beschrieben, durch Cornelum Schon aeum Gou- 



Man vergleiche auch des Joan. Burmeister Plauti renati s. sacri Mater 
virgo (1621) als Beweis dieses Einflusses. 
!) Gesch. d. d. L. II, 604. 

2 ) Wie sehr die römische Komödie in der Form die Schulkomödie 
beinflusste, zeigt unter anderm auch das von Seuffert (Schnorrs Archiv, 
Tm. Bd. (1878 79), S. 361—393) veröffentlichte Jesuiteudrama Genovefa 
(1673). Seuffert vergleicht u. a. mit Becht z. B. V. 420: Et ecce Prin- 
ceps ipse prodit, alloqmar, mit Amphitruo V. 881, nunc hanc allo- 
quar, das auf die nächste Szene überleitende Schlusswort alloquar. 
(S. 362.) 

3 ) C. Zell, De vita et scriptis Conradi Celtis. Friburgi 1827. — 
Aschbach, Geschichte der Wiener Universität. (Wien 1877.) II, 189. 

4 ) R. v. Raum er, Geschichte der germanischen Philologie, vor- 
zugsweise in Deutschland. (München 1870.) S. 14. 

5 ) Nöth. Vorr. 14, 142—166, wo auch Reuchlins Henno (1498), 
den Hans Sachs deutsch gab, abgedruckt sich findet. — ■ Vgl. Johann 
Reuchlin. sein Leben und seine Werke von Dr. Ludwig Geiger. 
Lpz. 1871. S. 78-92. 

6 ) Vgl. oben S. 35: Boioarii comoediae u. s. w. 

') Zapf, Jakob Locher, genannt Philomusus. Nürnberg 1803. — 
Allgemeine deutsche Biographie 1884. (S. 59—63, Heft 91.) 

8 ) Siehe unter Asinaria. — Gottsched, Nöth. Vorr. II, 170. 
3 ) Siehe Palm a. a. 0. S. 51. 52. 



Lateinische Schulkornödien. 47 

daimm, Gymnasiarcham scholae Harlemensis, jetzo aber in Teutsche 
Rhytlimos vertiert und mit wenigen vermehrt durch den Edlen 
vnd Ehrenuesten Bartliold von Gadensted. (Gedr. durch Joh. 
In verl. Ambr. Kirchners 1605 in 8 .) 1 ) 

Einige dieser lateinischen Dichter gelangten zu hoher Aner- 
kennung. Wimpfelings (geb. 27. Juli 1450, gest. 17. Nov. 
1528) „Stilpho" ist allbekannt; 2 ) es ist eine Nachahmung des 
Terenz. 3 ) 

Ein gefeierter Imitator der Alten war Christoph Hegen- 
dorf, dessen 1520 erschienene Comoedia nova Christophori 
Hegend orffini salibus non omnino insulsis refertissima Lipsiae 
non raro in doctissimorum virorum corona acta, obwohl sie in 
Prosa geschrieben ist, nach Gottsched 4 ) „eine starke Nachah- 
mung des Terenz" ist; „ja sogar die Fabel ist der Hecyra 
dieses Dichters gewissermassen ähnlich." 

Von nicht minderem Einflüsse war Paul Rebhun. Er ver- 
fasste u. a. im Jahre 1545 „Latine dicendi formulae ad infor- 
mandam puerilem linguam ex Terentio collectae per Paulum 
Perdicem, die aber erst 1580 in Görlitz gedruckt wurden. 5 ) 
Sein Hauptverdienst bestand zunächst darin, dass er auf Wechsel 
des Metrums drang, „wobei ihn nicht bloss sein richtiges Gefühl, 
sondern auch das Vorbild der wechselnden Metra des Plautus 
und Terenz leiteten." 6 ) 

In Strassburg erreichte die lateinische Schulkomödie ihren 
Höhepunkt. Hier war Terenz, Plautus und die Griechen 
ständig. 7 ) „Die ältesten theatralischen Darstellungen (zu Strass- 
burg) im sechszehnten Jahrhundert waren nichts anderes als 
akademische Spiele, historische, geistliche oder Gelegenheitsstücke 
und griechische oder lateinische Komödien aus den Klassikern. 
Die Vorstellungen fanden viele Jahre lang unter freiem Himmel 
auf dem sogenannten Grasboden vor dem Gymnasium oder dem 
Wilhelmitanerkloster statt unter den Benennungen dramata thea- 
tralia, actiones comicae oder tragicae, comoediae academicae. Es 
befindet sich auf der Stadtbibliothek eine Sammlung: von mehreren 



1 ) Gottsched, Nöth. Vorr. I, 157. 

2 ) Stilpho Jacobi Vymphelingii Sletstadini. 1495. — Ch. Schmidt. 
Histoire litteraire de l'Alsace ä la fin du XV e et au commencement du 
XVI e siecle. 2 voll. (Paris 1879.) I, 168. 

3 ) P. v. Wiskowatoff, Jakob Wimpfeling. Berlin 1867. — Schuorrs 
Archiv. VII. (1878.) S. 157—163. Jakob Wimpfelings Stylpho von 
Gödeke, ebenda S. 164 — 176. — Jakob Wimpfeling als deutscher 
Schriftsteller. (Vgl. auch II. 321—389.) - Schröder, Das Wiederauf- 
blüheu der klass. Studien. Halle 1864. S. 88—97. 

'•) Nöth. Vorr. II, 174. 

5 ) Palm a. a. 0. S. 88. 

6 ) Ebenda. S. 95. 

7 ) Jundt a. a. O. S. 17. 



48 Die alten Komiker in Italien. 

Bänden solcher Theaterstücke, die zu Strassburg herauskamen 
und gespielt wurden.-' 1 ) 

Auch der lateinische Lyriker Jacobus Bälde (1603 — 1668) 
hat Lustspiele im Stile des Plautus und Terenz verfasst, 
die zwar nicht auf uns gekommen sind, vom Dichter jedoch er- 
wähnt werden. 2 ) 

Der Lehrer Franz L, Quinziano Stoa, A r erfasste vierzehn 
Tragödien weltlichen Inhalts in klassischer Form und lateinischer 
Sprache. 3 ) Obwohl diese lateinischen Spiele von den deutschen 
Hochschulen ihren Ausgang genommen zu haben scheinen, 4 ) lin- 
den Avir sie doch bei allen Völkern mit humanistischen Stu- 
dien. Wie in Italien und Frankreich, so spielte man auch in 
England an den Akademien lateinische Stücke. War ton 5 ) be- 
merkt: At length our universities adopted the representation of 
plays, in which the scholars by frequent exercice had undoubtely 
attained a considerable degree of skill and address. So waren 
besonders die Schüler des St. John College in Oxford wegen 
ihrer lateinischen Kenntnisse berühmt. 6 ) 



Überblicken wir den Gang, Avelchen die Nachahmungen und 
die Bearbeitungen der plautinischen und terentianischen Komö- 
dien bei den verschiedenen Kulturvölkern genommen haben, so 
ist es billig, bei Italien zu beginnen. Hingen doch die Italiener 
der klassischen Sprache 7 ) und Litteratur mit gänzlich anderen, 

') J. F. Lob stein, Beiträge zur Geschichte der Musik im Elsass 
und besonders in Strassburg. (Strassb. 1840.) 

2 ) G. Westermayer, Jakobus Bälde, sein Leben und seine Werke. 
München (Lindauer) 1868. S. 239. 

3 ) Prölss. II, 1. S. 15. 

4 ) Ernest Boysse (le theätre des jesuites, Paris 1880) sagt S. 11: 
La tragedie latine n'apparait qu'au commencement du XVI e siecle. Si 
l'on juge par la date de Pimpression des recueils, c'est dans les uni- 
versites d'Allemagne qu'elle se montre d'abord. — Vgl. Mon- 
taigne, Essais I, 25. 

5 ) Hist. of Engl. litt. III, 305. 
c ) Ebenda. IV, 249. 

7 ) Storia della litteratura italiana di Adolfo Bartoli (Firenze, 
Sansoni 1880). III. vol. pag. 7: II latino si considerava in Italia come 
in casa sua propria ; . . . il latino era per gl' Italiani lingua nazionale, e 
per conseguenza erasi come legato non all' uso soltanto, ma al senti- 
mento degl' Italiani; c' era questo gran fatto che scrivendo latiuo, i nostri 
padri si ricordavano di essere stati i padroni del mondo, e quindi ama- 
vano quella lingua perche la sentivano come cosa che faceva parte della 
loro vita nazionale e non sapevano distaccarsene; ed avendo pure oramai 
smarrita tutta o gran parte della civiltä che era da quella lingua rap- 
presentata, si afferravano alle parole, si tenevano strettamente abbrac- 
ciati ail im poA T ero segno, senza accorgersi ch' esso era vuoto,, e che 1' idea 
che giä rap]n'esentaA - a era irrevocabilmeute fuggita dalla terra italiana. 



Die alten Komiker in Italien. 49 

ungleich wärmeren Gefühlen an, als alle übrigen Nationen. Denn 
sie sahen in ihrer Litteratur nichts anderes, als die Weiterent- 
wicklung der altklassischen. Sie hatten zu einer gewissen 
Zeit wenig Auswahl, und so griff man zum Klassischen. 1 ) 

In richtiger Weise deutet auch Räumer-) darauf hin.:« 
„Schon oft hat man auf eine wesentliche Verschiedenheit 
zwischen der Wiederbelebung des klassischen Altertums in Italien 
und in Deutschland hingewiesen. Man fand diese Verschieden- 
heit mit Recht darin, dass sich in Deutschland mit der Wieder- 
belebung des klassischen Altertums die Richtung auf das vollere 
Verständnis und die unmittelbare Aneignung der Bibel und auf 
die Erneuerung der Kirche verband, während in Italien das 
biblisch-christliche Element den meisten Vertretern des Humanis- 
mus sehr fern liegt und nur in ganz vereinzeinten Erscheinungen 
zu Tage tritt. Neben diesem schon oft besprochenen Unterschied 
aber giebt es einen zweiten," der bisher noch nicht genug hervor- 
gehoben worden ist. Als die antiken Klassiker im vier- 
zehnten und fünfzehnten Jahrhundert in Italien ihre 
Auferstehung feierten, betrachteten sich die Italiener 
als die geraden Nachkommen der alten Römer. Sie 
sahen die Werke der grossen Alten als einen Teil ihrer 
eigenen Litteratur an, der nur durch die Ungunst der 
Zeiten in Vergessenheit geraten war, und behandelten 
die Thaten der antiken Römer als die ruhmreichste 
Seite ihrer eigenen Geschichte." 

Ihre Nachahmung der Alten schloss sich darum unmittel- 
bar an diese an. Sie „gingen in dieser Gattung", wie 
Schlegel 3 ) sagt, „anfangs von einer nicht genugsam auf den 
Unterschied der Zeiten und Sitten Rücksicht nehmenden Nach- 
ahmung der Alten aus." 

Leicht erklärt sich aus dem allgemeinen Zustande Europas, 
zur Zeit der Renaissance, die ungeheuere Begeisterung für die 
alte Welt. Guizot 4 ) äussert sich treffend hierüber: „L'antiquite 
etait, il en faut convenir, sous le rapport politique, philosophique, 
litteraire tres-superieure ä l'Europe des XIV e et XV e siecles. II 
n'est pas donc etonnant qu'elle ait exerce un si grand empire. " 
Italien schritt in seiner Begeisterung für das Altertum 
dem übrigen Europa voran. Hier „begann man schon frühe 
die alten Tragödien, besondei'S die des Seneka, daneben die 



') F. Gregorovius, Lucrezia Borgia. Nach Urkunden und Korre- 
spondenzen ihrer eigenen Zeit. (Stuttgart 1874.) 2. Bd. I, 232. 

2 ) Gesch. der germ. Philol. S. 5. 

3 ) Über dram. Kunst u. Litt, (Achte Vorlesung.) 

'■) Histoire generale de la civilisation eu Europe par M. Guizot, 
Bruxelles. Onzieme lecon. p. 277. 

4 



50 Ercole I. von Ferrara. 

Lustspiele des Plautus und Terenz in der Ursprache aufzu- 
führen, bald auch zu übersetzen und nachzubilden. Nur langsam 
drang' diese Sitte nach Frankreich vor. Populär konnte diese 
Dramendichtung nicht werden; dem grossen Publikum war sie 
•unverständlich, und die Aufführung dieser mehr oder weniger 
ängstlich den antiken Vorbildern sich anschliessenden Werke blieb 
auf Hoffeste oder auf Schulen und Universitäten beschränkt. " l ) 

Von Italien her kam der Impuls zu Aufführungen 
des Terenz. 2 ) In Rom wurden die lateinischen Komiker zuerst 
gespielt. 3 ) Am thätigsten für sie war Pomponius Latus, 4 ) und 
die Päpste sahen gerne diesen Vorstellungen zu. 5 ) 

Hervorragende Verdienste um Plautus hat sich besonders 
Ercole I. von Ferrara erworben. 6 ) Ihm lag unendlich viel 
daran, diese Aufführungen in seiner Residenz mit gleichem Glänze 
zu sehen, wie sie in Rom stattfanden. Er reiste mit seinem 
ganzen Gefolge nach Mailand, 7 ) um den Aufführungen des 
dortigen Hofes beizuwohnen und sich ein Bild derselben machen 
zu können. 

Er führte am 25. Januar 1486 in seinem neuen Theater die 



x ) Geschichte der französischen Litteratur im XVII. Jahrhundert 
von Ferdinand Lotheisse n. (Wien 1877.) I, 263. 
*) Francke a. a. 0. S. 19. — Ruth. II, 498 ff. 

3 ) „Primorum antistitum atriis pro theatris usus, in quibus Plauti, 
Terentii, recentiorum etiam quaedam agerentur fabulae." Marcantonio 
Sabellico im Leben des Pomponio Leto. — Vgl. Storia della lette- 
ratura italiana del Cav. Abate Girolamo Tiraboschi. Nuova edi- 
zione. Firenze (Molini, Landi e Co.) 1809. Tomo VI. Parte III. pag. 872. 

4 ) Vgl. The Life and Pontificate of Leo the Tenth in four volumes 
by William Roscoe (Liverpool 1805). I, 47. 48. 

5 ) Muratori, Scriptor. Rerum Italicar. Bd. III. p. 2. fol. 1143. 

6 ) Roscoe a. a. 0. I, 79. By Ercole ... a süperb theatre was 
erected for the representation of dramatic Performances, in which the 
first piece acted was the Menaechmus of Plautus, which is said to have 
been translated into Italian for that purpose by the duke himself. — 
Über Ercole belichtet Gregorovius (Lucrezia Borgia I, 229): „Er war 
einer der leidenschaftlichsten Begründer des Renaissancetheaters. Er 
hatte schon viele Jahre zuvor von Dichtern an seinem Hofe Stücke 
des Plautus und Terenz in terza rima übersetzen und dann auf- 
führen lassen. Guarino, Berrardo, Collenuccio, selbst Bojardo, 
haben für ihn zu diesem Zwecke gearbeitet. Schon im Jahre 1486 waren 
die Menächmi, das beliebteste Stück des Plautus, in einer italieni- 
schen Umarbeitung zu Ferrara aufgeführt worden. Im Februar 1491 
(vom 13. an), wo Ercole die glänzenden Feste der Vermählung seines 
Sohnes Alfonso mit Anna Sforza gefeiert hatte, waren dieselben 
Menächmen dargestellt, dann an den folgenden Tagen eine Komödie 
des Terenz und der Amphitruo gegeben, welche Collenuccio für 
die Bühne eingerichtet hatte." (Vgl. Klein, Gesch. des Dr. IV, 250.) 

7 ) Ludwig der Mohr liess in Mailand viele übersetzte alte Stücke 
aufführen. 



Collenuccio u. a. 51 

Menaeclimi, die er selbst übersetzt baben soll, auf, 1 ) wofür er 
tausend Dukaten aufwendete. 2 ) Am 22. Mai 1493 wurden sie in 
Gegenwart des Schwiegersohnes Ercole I., des Lodovico il 
Moro, zum drittenmale aufgeführt. Dem Amj)bitruo begegnen 
wir gleichfalls öfter; so am 26. Januar 1487 und am 12. Februar- 
1491 in der Bearbeitung des Pandolfo Collenuccio. 3 ) Ebenso 
arbeiteten Niccolö da Correggio und Battista Guarino an 
Übersetzungen plautinischer Stücke. 

Ein Epigramm des Battista Guarino (aus dem Jahre 1496), 
auf die ludi scenici Ducis Herculis, in quibus Plauti fabula Me- 
nechmi acta fuit, rühmt von Ercole I. : 

Plautini manes, numeri gaudete, salesque, 
Cum simili exulta fratre Menechme tuo. 

Quae fuerit Latus olim celebrata in theatris, 
Herculea vobis scena revixit ope. 

Die Vorliebe des Vaters für die antiken Komödien vererbte 
sich auf seinen Sohn Alfonso I., auf dessen Befehl Celio Cal- 
cagnio den Miles gloriosus übersetzte. 4 ) Auf diese Weise ist 
Ferraras Bedeutung für die Pflege des altklassischen Lustspieles 
von hoher Bedeutung geworden, 5 ) und Muratori 6 ) berichtet an 
verschiedenen Stellen 7 ) über solche Aufführungen in Ferrara. 8 ) 

„Als 1543 der Papst Paul III. Ferrara besuchte, mussten 
die jungen Familienglieder des Herzogs (Alfonso von Este), unter 



') II Duca Ercole da Este fece fare una festa in suo cortile ; fu una 
facecia diPlauto, che si chiamava il Menechio. (Muratori, Script, rer. 
Ital. Toino XXIV, pag. 278.) — PrÖlss. I, 2. 92. 

2 ) Nap. Signorelli, Storia critica. HI, 71. — Tiraboschi. VI, 895. 
— Apostolo Zeno lett. V. (2. ed.) p. 362. — Ruth. II, 116. — Über wei- 
tere fünf Stücke desPlautus, welche Ercole aufführen Hess, s. Gre- 
gorovius a. a. 0. I, 259 u. Ruth a. a. 0. 

3 ) Siehe über den im Juli 1504 erfolgten Tod des Collenuccio 
bei Giulio Perticari. Op. Bol. 1839. Bd. H. (Intorno la morte di Pan- 
dolfo Collenuccio) uud über den Hergang bei Gregorovius (a. a. 0. I, 269). 

4 ) Argelati, Bibl. dei volgarizzatori. IV, 360. Auch Ariosto über- 
setzte auf Befehl des Herzogs plautinische und terentianische Stücke, die 
alle bis auf den Namen verloren sind. Giraldi nennt die Andria und 
den Eunuchen, Prospero den Phorrnio. (Prölss. I, 2. 107.) 

5 ) Leop. v. Ranke, Die römischen Päpste, ihre Kirche, ihr Staat 
im 16. und 17. Jahrhundert. 5. Aufl. Lpz. 1867. H, 258. 

6 ) Script, rerum Italicarum. Mediolani 1738. 

7 ) Bd. 8. 15. 18. 24. 

8 ) Z. B. XXIV, 283. (1493.) Marti. Si fece im' altra Festa di Me- 
nechmio & li furono tutti li predicti Signori. — XXIV, 278 (1487) addi 
XXI di Zenaro. II Duca Hercole fece fare una Festa in lo Cortile con 
uno Tribunale che parea uno Castello, che tenea da uno muro all' altro, 
& fu una facezia di Plauto chiamata Cefalo, la quäle fu bella & di 
grande spesa. — Vergl. jedoch über diese Cefalo des Niccolö da Cor- 
reggio, die kein Stück des Plautus, sondern ein Pastoral ist, Tira- 
boschi. VI, 848. 



52 Poliziauo. P. Leto. 

ihnen seine drei Töchter, in Verbindung mit der sechszehnjährigen 
Olympia Morato, der klassisch gebildeten Tochter des Fulvio 
Peregrino Morato, eine lateinische Komödie, die Adelphi des 
Terenz, 1 ) zum besten geben. — Auf Befehl des Kardinals 
Hippolyt des Jüngern, welcher die prächtige Villa d'Este in 
Tivoli erbauen Hess, wurde der Phormio des Terenz, zur Er- 
heiterung jenes kunstsinnigen Herren, von vornehmen Jünglingen 
aufgeführt. Julius Pogianu's dirigierte diese Aufführung und 
schrieb einen Prolog dazu. " 2 ) 

Allmählich versank Ferraras Glanz. Ein alter Diener, dessen 
handschriftliche Chronik vorliegt, jammert in wehmütigen Worten: 
Sic transit gloria mundi! 3 ) Allein die Teilnahme an den rö- 
mischen Komikern nahm darum nicht ab. Die zeitgenössischen 
Schriftsteller widmeten den Alten eine besondere Aufmerksamkeit. 
Angelo Poliziano begleitete eine im Mai 1488 erfolgte Me- 
li ä c h m e n aufführung mit einem Prologe. 4 ) Der Hof zu Man tu a 
förderte das antike Drama mit aller Hingabe, und in Rom, wo 
„die Geistlichkeit seit Sixtus IV. die Studien des Altertums fast 
ganz an sich gerissen hatte," 5 ) fand es eine Stätte. Pomponio 
Leto und seine Schüler — die Pompomancii — pflegten dasselbe 
dort vor allem. 6 ) Mit besonderer Pracht wurde der erste Tag- 
des neuen Jahres 1502 in Rom gefeiert. Am 2. Januar war ein 
Stiergefecht auf dem St. Petersplatze; am Abend spielte man die 
Menächmen des Plautus. Über diese Aufführung schreiben 
Pozzi und Saraceni an den Herzog Herkules von Rom aus: 
„Questa nocte in la Camera de Nostro Signore 7 ) e stata recitata 
la comedia del Menechino et con bona di quellui ch'havea la 
persona del servo, et del parasito, et similmente del scorto, et de 
la dona de Menechino, ma li menechini non dixero con multa 
gratia, erano senza maschare, et non gli era scena alcuna: perche 
la Camera non era capace: et in quello loco dove Menechino fu 
preso per ordine del socero credendo chel fosse impacito cridando 
che li fosse facto violentia, dixe essere maraviglia che se usasseno 
tale violentie, sospite Cesare, Jove propitio, et votivo Hercule." 8 ) 

Es Avar also keine Szene da, wohl aber wenige Einlagen, und 



') Francke a. a. 0. S. 19. — Dr. Karl Schmidt, Geschichte der 
Pädagogik. 2. Aufl. von Dr. Wichard Lange. (Cöthen 1869.) II, 175. 

2 ) Koch, Schob priv. S. 59. Dieser Prolog steht ebenda S. 83. 

3 ) Ranke a. a. 0. II, 277. 

4 ) Prölss. I, 2. S. 68. — Vgl. Dr. H. Alt, Theater und Kirche 
in ihrem gegenseitigen Verhältnis historisch dargestellt. (Berlin 1846.) 
S. 522 eine. Menächmen aufführuug in Este. 

Prölss. I, 2. S. 91. 

Burckhardt, Die Kultur der Renaissance. S. 277. 
'•) Also im Gemache des Papstes selbst. 
s ) Gregorovius a. a. 0. I, 199. 200. 201. II, 97 (Beilagen). 



Leo X. Cherea. 53 

man sieht, dass es den Gästen, die an Ferraras Prunk gewöhnt 
waren, nicht eben gefiel. 

Papst Leo X., dessen ausgesprochener Wunsch seinem 
Biographen Jovins gemäss war, „ut lingua latina nostro pontifi- 
catn dicatur facta auctior, " ') that viel für die alten Komödien 
und pflegte sie mit besonderer Vorliebe, da er ja selber ein 
grosser Kenner der klassischen Litteratur war 2 ) und am Theater 
viel Vergnügen fand. 3 ) „Leo X.," berichtet War ton, 4 ) „de- 
scended so far from bis apostolical dignity as to be a spectator 
of the Poenulus of Plautus, which was performed in a tempo- 
rary theatre in the court of the Capitol by the flower of the 
Roman yonth, with the addition of the most costly decorations. " 5 ) 

Dass man seit etwa 1520 aufgehört hatte, in Rom Plautus 
und Terenz — denn auch dieser wurde dort eifrig gespielt 6 ) — 
aufzuführen, zählt Jovius mit unter die Ursachen des Verfalles 
der Eloquenz. Wehmütig klagt er: „Die Aufführungen des Plau- 
tus und Terenz, einst eine Übungsschule des lateinischen Aus- 
drucks für die vornehmen Römer, sind durch die italienischen 
Komödien verdrängt!" 7 ) 

Wie beliebt diese Darstellungen der antiken Stücke waren, 
zeigt der Umstand, dass der von einigen 8 ) als Erfinder der 
commedia deH'arte genannte Francesco Cherea, ein von Leo X. 
besonders geschätzter Komiker, den Namen Terenziano Cherea 
trug, weil er den gleichnamigen Charakter des jungen Chaerea 
(im Eunuchus) so trefflich darstellte. 9 ) Derselbe spielte auch im 
Jahre 1508 den Menächmus. l0 ) Es waren also schon ziemlich 
frühe nicht mehr bloss Hofkavaliere, sondern Berufsschauspieler, 
welche sich mit der Aufführung antiker Dramen beschäftigten, 
die in italienischen Übersetzungen gespielt wurden. So bedauert 
Herzog Herkules in einem Briefe an Franz von Gonzaga (vom 
5. Februar 1496), ihm die Kopien der plaxitinischen und terenti- 



') Burckhardt, Die Kultur der Renaissance. S. 250. 

2 ) Vgl. Ranke a. a. 0. I, 64 u. 71. — Dr. Heinr. Leo, Geschichte 
der italienischen Staaten. (Hamb. 1832.) V. Band. S. 307. 

3 ) W. E. Hart pole Lecky, Geschichte des Ursprungs und Ein- 
flusses der Aufklärung in Europa. Deutsch von Dr. H. Jolowicz 1868. 
IL Bd. S. 251. 

^) History of Engl, litt, DJ, 326. 

5 ) It was in 1513 on occasion of Juliano de Medicis, Leo's brother, 
being made free of Ronie. P. Jovius, Vita Leonis X. Lib. LTI, p. 145. 

°) Dr. W. Wachsmuth, Allgemeine Kulturgeschichte. Lpz. 1851 52. 
H. Bd. S. 393. 

■) Burckhardt a. a. O. S. 236. 251. 

8 ) Franc. Sansovino, Venetia. Ven. 1581, p. 168. — Quadrio DU, 
part. LT, p. 235. 

9) Klein a. a. 0. IV, 903. — Ruth. II, 491. 

10 ) Prölss a. a. ü. I, 2. 209. 



54 Keaktion gegen die Alten. 

anischen Stücke nicht schicken zu können, weil die Schauspieler 
sie zerstreut hätten. ') 

Es fehlte darum nicht an solchen, welche sich den klassischen 
Komödien gegenüber feindlich verhielten. Antonio Francesco 
Grazzini, genannt Lasca, der Plotzfisch (1503 — 1583), pole- 
misiert gegen dieselben. Er findet, dass die Darstellungen der 
Antike unsern Sitten und Anschauungen zuwiderlaufen; 2 ) so be- 
sonders im Prolog zu seinem Lustspiele la Strega. 3 ) Dort 
äussert sich der Argomen to dem Prologo gegenüber: „Aristo- 
tile, e Oratio uiddero i tempi loro, ma i nostri sono d' un' altra 
maniera, habbiamo altri costumi, altra religione, e altro modo 
di uiuere; e perö bisogna fare le Comedie in altro modo: In 
Firenze non si uiue, come si uiueua gia in Atene, e in Roma; 
non ci sono schiavi, non ci usano figliuoli adottiui, non ci uengono 
i Ruffiani a uender le fanciulle, ne i Soldati dal di d' hoggi, ne i 
sacchi delle Cittä, ö de i Castelli pigliano piu le bambine in fascia, 
e alleuandole per lor figliole fanno loro la dote, ma attendono a 
rubare quanto piu possono, e se per sorte capitasse loro nelle 
mani 6 Fanciulle grandicelle, ö donne maritate (se gia non pen- 
sassero cauarne buona taglia) torrebbero loro la Virginitä, e 1' ho- 

nore Questi tuoi Dottori, e Artefici fanno un guazza- 

buglio d' antico, e di moderno, di vecchio, e di nuovo, a tal che 
le loro compositioni riescono sempre grette, secche, stittiche, e so- 
üstiche, di sorte, che eile non piacciono quasi a persona, come s' e 
veduto mille volte per esperienza." 

In ganz ähnlicher Weise polemisiert Grazzini in seinem 
Prologo (agli huomini) zu dem Lustspiele „La gelosia" 4 ) 

') Prölss a. a. 0. I, 2. 98. 

2) Klein a. a. 0. IV, 738. — Prölss. I, 2. 133. 

3 ) Commedie di Anton Francesco Grazzini detto il Lasca, ris- 
contrate sui migliori codici e postillate da Pietro Fontani. (Firenze 1859.) 
— La | Strega | Comedia | d' Anton Francesco | Grazini, Academico 
Fio-|rentino detto il | Lasca. | Nuouamente data | in luce, e non recitata 
mai | Con Priuilegi. | In Venetia. ( Appresso Bernardo Giunti, e Fra- 
telli. | 1582. (59 foL). f. 12 sqq. 

A ) La Gelosia | Comedia | D' Anton. Francesco Grazini | Fiorentino. | 
Detto il Lasca | Becitatasi | In Firenze publicamente il Carnouale | Del- 
l'Anno 1550. | In Firenze 1551. | (52 fol.) - Ein weiterer Abdruck ist Ve- 
netia (B. Giunti e Fratelli) 1582. (66 fol.) In dieser Ausgabe ist der 
Prolog wesentlich gekürzt; dort (a gli huomini) heisst es nur, er habe 
sich zweimal gegen den heiligen Geist verfehlt: l'una per non hauere 
egli tolto ä gli Antichi, ö rubato ä i Moderni, e niassimamente il sog- 
getto, e l'Inuenzione . . . l'altra perche in essa non sono ritrouamenti, ne 
ricognizioni : la quäl cosa e tanto venuta ä noia, e in fastidio ä i Popoli: 
che come ei senton nell' Argomento dire; che nella presa d' alcuna Citta, 
ö nel sacco di qualche castello si siano perdute, ö smarrite, Bambine, 
ö Fanciulli, fanno conto d' hauerle vdite, e volentieri se potessero con 
loro honore si partirebbero. — Dies die einzige Polemik. — Beachtens- 
wert ist, wie Sulz er (Theorie etc. I, 227 a ) die Art der Alten bespricht, 



Grazzini. 55 

gegen die Nachahmer der alten Komödie: E peggio anchora che 
essi accozzano il uecchio col nnouo, e 1' antico col moderno: e 
fanno un guazzabnglio, e una mescolanza che non ha ne uia ne 
uerso: ne capo ne coda e facciendo la Scena Citta moderne, e 
rappresentando i tempi d' hoggi ui introducono nsanze passate, 
e uecchie: e costumi antichi, e tralasciati: e si scnsano poi col 
dire cosi fece Plauto, e cosi nsarono Terenzio, e Menandro: non 
si accorgendo che in Firenze, in Pisa, in Lucca, non si uiue, 
come si facena anticamente in Eoma, e in Atene: Tradnchino in 
mal' hora, se non hanno hraenzione, e non rattopino, e guastino 
1' altrui e il loro insieme: il senno, e la prndenza de gli huomini 

e sapersi accomodare a i tempi Nella Comedia sna dunqne 

non sono ritr ouamenti : poi che ne i giorni nostri non si sono 
ueduti accadere giamai: e particolarmente nella Toscana: come di 
que' Ruffiani anchora, ö Mercatanti che fanno incetta di Fanciulla: 
e uanno uendendo feminine u. s. w. 

Ferner berührt er dies sein Lieblingsthema wieder, wenn 
auch kurz, im Prologo zu seinem Lustspiele „La Spiritata", a ) 
wo er erklärt, che in questa sua Fabula non saranno di quei ragiona- 
menti hmghi, e rincresceuoli; ne di quei ritrouamenti, ne i 
tempi nostri, impossibili & sciocchi; di che 1' altre Commedie 
sogliono essere quasi tutte piene. 

Es enthält diese Klage Grazzinis manches Wahre; allein es 
ist nicht zu leugnen, dass selbst bei jenen Dichtern, welche sich 
strenge an die klassischen Vorbilder hielten, ein Losringen von 
denselben nicht zu verkennen ist, dass die Übersetzung sich 
zu einer Lokalisierung, allmählich zu einer Nachdich- 
tung und endlich zu einer ganz freien Arbeit empor- 
schwang, in welcher nur mehr die klassische Form einen bis- 
weilen recht heilsamen ZAvang auferlegte. 2 ) 



ihre Lösungen herbeizuführen. „Plautus und Terenz finden oft ihre Auf- 
lösung dadurch, dass ein längst vergessener oder für todt gehaltener 
Mensch plötzlich wieder erscheint; dass ein Vater sein Kind erkennet, 
das er längst vergessen hatte. Dergleichen Auflösungen sind zwar noch 
it/t möglich; sie müssen aber, um wahrscheinlich zu seyn, mit mehr 
Vorsicht behandelt werden, als jene Alten nöthig hatten, bey denen der- 
gleichen Zufälle durch die damals gewöhnliche Aussetzung der Kinder, 
durch die Sclaverey, in welche man durch den Krieg oder Menschenraub 
fallen konnte, durch die wenigere Verbindung der Völker unter einan- 
der, durch Mangel der Mittel, die man gegenwärtig hat, einer verlohrnen 
Person nachzufragen, viel natürlicher waren, als sie itzo sind." — Vgl. 
indes über die Zulässigkeit mancher hier getadelter Dinge, (z. P>. der 
Piraten) bei Prölss. I, 2. 134. 

1 ) La Spiritata, | Commedia | di Antun Francesco | Grazini, | detto 
il Lasca. | Recitatasi in Bologna, e in Firenze al pasto del Ma gnifico 
Signore, il S. Bernardetto de | Medici, il Carnouale dell' anno | MDLX. | 
In Fioreuza appresso i Giunti 1561. | (62 Seiten.) 

2 ) Vgl. Riccoboni, Re'flexions historiques et critiques sur les diffe- 



5(5 Übersetzer der Alten. 

Schon die ersten Bearbeiter plautinischer und terentianischer 
Lustspiele suchten, sich etwas freier zu halten. Collen uccio 
erreicht eine fliessende Metrik; Girolamo Berrardo, der für 
Ercole I. die Menächmen (1486), den Amphitruo (1487), 
die Casina und Mostellaria bearbeitete, 1 ) versucht eine ganz 
geschickte Lokalisierung seiner Stoffe. Andere Dichter begnügen 
sich mit der Benützung einzelner Episoden oder der Kontami- 
nation mehrerer Stücke. So ist Niccolö Machiavellis (geb. 
3. Mai 1469; gest. 22. Juni 1527) Clizia nach der Casina, des 
Kardinals Bibbiena, Bernardo Divizios (geb. 4. Aug. 1470; 
gest. 9. Nov. 1520), Calandra (Calandria) nach den Menächmi 
gearbeitet. Lodovico Ariosto (geb. 8. Sept. 1474; gest. 6. Juni 
1533) wohnte frühe schon den Aufführungen plautinischer Stücke 
bei Herzog Herkules bei, 2 ) übersetzte später selbst für diesen 
klassische Stücke 3 ) und steht mit seinen Suppositi sowohl, als 
mit der Cassaria, deren erstere an die Menächmen, letztere 
an (die Mostellaria oder) Pseu dolus sich anlehnt, völlig auf 
dem Boden der Alten. 4 ) Während Gio. Giorgio Trissino 
(1478 — 1550) in seinen Simillimi sich von Plautus' Menäch- 
men fast nicht entfernt, verflicht Lorenzino de' Medici Szenen 
der Adelphi, der Aulularia, Mostellaria und des Querolus 
zu einer freien Komödie ,,L' Aridosia". Wenig über sein Ori- 
ginal wagt sich Agnolo Firenzuola (1493 — 1543) hinaus in 
seinen I Lucidi, lokalisierten Menächmi. Giovanni Battista 
Gelli (1498 — 1563) steht ganz auf den Alten. 5 ) Seine Sporta 
ist auf der Aulularia aufgebaut, sein „Lo Errore" hat weniger 
von der Casina, als Klein 6 ) annimmt. Deshalb brauchte er 
es nicht in die „Vorhölle des Unbesprechlichen" zu verweisen. 
Die Form der Alten, ohne sie sklavisch dem Inhalte nach zu plün- 
dern, weistauch Pietro Aretino (geb. 20. April 1492; gest. 1557) 
in seinen Lustspielen auf; ebenso Jac. Nardi. 

Angelo Beolco, genannt Ruzzante (geb. 1502; gest. 17. 
März 1542), war nach Bernardino Scardeoni 7 ) in Padua das, 



rens tkeätres de l'Europe. Paris 1738. S. 145. „Les Italiens dans lcurs 
premiers ouvrages de theätre ont ete des imitateurs peut-etre un peu 
trop serviles de Piaute et de Terence. Ils furent cependant obliges 
d'ecarter de leurs ouvrages les mceurs des anciens Romains, qui ne con- 
venoient poiiit ä lern' siecle." 

») Prölss. I, 2. S. 92. 

s ) Klein. IV, 278. 

3) Ebenda. S. 294. 

4 ) Vgl. Ebenda. S. 307. — Ruth. II, 499. 

•'■) Prölss. 1,2.113.114. — Crescimbeni,Ist. della volg. poes. IV, 41. 

6 ) IV, 842. 

7 ) De antiquitate urbis Patavii 1560. II, 256. — Vgl. Sand, Masques 
et bouftbns. II, 77. 



Dolce. Cecclii. 57 

was Plautus in Rom. Er hat die Asinaria zur Vaccaria 
gestaltet. Ercole Bentivoglio (geb. 1506: gest. 1573)') hat 
in seinen I fantasmi die Mostellaria lokalisiert. 

Ein besonderes Verständnis für die alte Komödie 
und ihre Modernisierung legten Dolce und Cecchi an 
den Tag. 

Lodovico Dolce (um 1508 zu Venedig geboren) 2 ) starb 
ebenda im Jahre 1568 in grösster Armut. Er hat Verschiedenes 
aus römischen Klassikern (Ovid, Cicero, Seneka, Katull, Horaz, 
Vergil) übersetzt. Von seinen zahlreichen Arbeiten berichtet 
vielfach Argelatis Bibliothek. 3 ) Sein II Marito ist dem 
Amphitruo, II Capitano dem Miles gloriosus, II Ruffiano 
dem Rudens des Plautus nachgedichtet, vielmehr lokalisiert 
und modernisiert. Aber auch da, wo er nicht direkt ein antikes 
Stück überträgt, ist Form und Idee den Alten nachgebildet. So 
in II Ragazzo, einer Art Casina, und in der Fabritia,*) deren 
Naivetät jener der Römer nicht nachsteht. 5 ) 

Ist an Dolce eine gewisse Frivolität mit Recht beklagt 
worden, so hat es Cecchi verstanden, selbst schlüpfrige Stoffe in 
anständige Form zu kleiden. 

Giovammaria Cecchi (geb. 14. April 1518 zu Florenz; 
gestorben an Katarrh in seiner Villa Gangalandi am 28. Oktober 
1587) hatte bei allen seinen Lustspielen 6 ) die Alten im Auge, 7 ) 
und weitaus seine meisten Stücke fliessen aus römischen Quellen. 8 ) 



') Xacli Crescimbeni, Ist. della volg. poesia (IV, 36), starb Benti- 
voglio im Jahre 1570 bereits sieben und siebenzig Jahre alt. 

2 ) Prölss. I, 2. 126. 

3 ) Z. B. HC, 55. 92. 124. 125. 126. 159. 195. IV, 122 und öfter. — Vgl. 
auch Denina, Vicende della lett. II, 14. 

4 ) Vinegia 1560. (65 fol.) 

5 ) Vgl. z. B. die Szene, wo der Kuppler (Luppo) und Lisettas Schick- 
sal (f. 12): „io giacqui due sole fiate con quel giouane (den sie gar nicht 
kennt) & per la mala uentura ingrauidai", zur SjDrache kommen. 

°) Commedie di Giovammaria Cecchi, notaio fiorentino del se- 
colo XVI. pubblicate per cura di Gaetano Milanesi. Vol. I. IT. (Firenze, 
F. le Monnier 1856.) Bd. I: II figliuolo prodigo. II Diamante. I Rivali. 
GH Sciamiti. Le Pellegrine. Morte del Re Acab. LT. Bd. II Martello. 
L' Ammalata. Le Cedole. La Maiana. Lo Sviato. La Conversione della 
Scozia. — Crescimbeni, Ist. della volg. poes. V, 125. 

7 ) Co mm. (HI.): Lesse con grandissima intensione e pigliandone ma- 
raviglioso piacere, Plaut o e Terenzio. (IV.) II nostro Cecchi, segui- 
tando le orme de' comici latini, e massimamente di Plauto, compose un 
gran numero di commedie, di farse ecc. ... So beruft er sich auf den 
Pönulus im Prolog zu „I Rivali" (p. 184); im Prologe zu Gli Scia- 
miti (p. 290) sagt er: 

Una commedia nuova, alla quäl Plauto 
Ha dato non so che . . . 
mit Beziehung auf die Mostellaria. II, 1. — Vgl. Prölss. I, 2. 131. 

8 ) Biccoboni. U, 251. — C. F. Flögel, Geschichte der komischen 
Litteratur. (Liegnitz u. Leipzig 1787.) IV, 139. 



58 Cecchi. Groto Cieco cli Hadria. 

Er verstand es, „die Formen der eommedia erudita auf die bürger- 
lichen Verhältnisse des Florentinevlebens umzusetzen. " Sein Lust- 
spiel ,, I dissimili" ist nach den Adelphi des Terenz, la 
Majana nach dem Heauton timorumenos gearbeitet. „Doch 
auch in vielen seiner freier empfundenen Komödien spielen Mo- 
tive der römischen Dichter hinein; so in il Martello (die Liebes- 
pein) Motive der Asinaria." 1 ) Direkt benutzt hat Cecchi die 
Cistellaria (Gl' Incantesimi), Mostellaria, den Mercator (la 
Stiava), Trinummus (la Dote) und die Menächmi (la Moglie) 
des Plautus. Riccoboni 2 ) urteilt über diesen „grand amateur 
des Latins" : „Les com^dies de Cecchi ont un grand merite; 
l'auteur les a enrichies de toutes les beautes de Piaute et 
de Terence qüil a scü accommoder si parfaitement ä nos moeurs 
qu'elles ont perdu entre ses malus tout ce qui pourroit nous 
deplaire dans l'Antiquite. C'est ce que doit se proposer tout 
imitateur des Anciens; si l'on veiit donner sur notre theatre leurs 
ouvrages traduites exactement il ne faut pas esperer de reussite; 
nous en avons un bei exemple dans l'Andrienne de Terence, c'est 
une des plus parfaites Pieces de l'Antiquite; on en voit sur le 
theatre frainjois un traduction hdelle; mais eile ne fait plus d'effet; 
le Spectateur souffre impatiemment les Esclaves et les Loix Ro- 
maines. Des moeurs si eloignees des nötres nous rebutent. II est 
donc plus prudent de ne prendre que des beautes detachees des 
Auteurs qui nous ont precedes. C'est ä quoi nos Modernes n'ont 
point manque. " 

Auch Luigi Groto Cieco di Hadria (1541 — 13. Dezbr. 
1585) steht auf den Alten. Eine Amphitruonachahmung birgt 
sein Pastoraldrama La Calisto. Seinen Epidicus (l'Emilia) hat 
Riccoboni nach Paris verpflanzt. 3 ) 

Domenichi gab eine gute Lokalisierung der Bacchides in 
seinen Le due cortigiane; Benedetto Varchi (1502 — 1565) 
versetzte die Hecyra des Terenz als La Suocera auf die ita- 
lienische Bühne; er wehrt sich entschieden gegen den etwaigen 
Vorwurf einer blossen Übersetzung. 4 ) 



') Prölss. I, 2. 13L 

2 ) Hist. I, 135. 

3 ) Ebenda. I, 72. J'ai fait usage moi-meme du Canevas de cette 
comedie que Luigi Groto avait imitee de l'Epidicus de Piaute et 
je l'ai representee ä Paris avec succes sous le nom des Fourberies de 
Scapin. — Crescimbeni. IV, 113. 

4 ) Im Prologe (S. 8 der Ausgabe Firenze, Bartol. Sermartelli 15(39. 
130 Seiten) heisst es: Una comedia, la quäle non e ne del tutto antica, 
ne moderna affatto, ma parte moderna e parte antica, e benche ella sia 
in lingua fiorentina e perö cavata in buona parte dalla latina: cavata 
dico e non tradotta, se non se in quel modo che traducevano i La- 
tini da' Greci. 



Die alten Komiker in Spanien 59 

Die Übersetzungen und Nachahmungen der klas- 
sischen Komödien sind im fünfzehnten und sechszehnten 
Jahrhundert zahllos, 1 ) und auch später hörten sie nicht völlig 
auf. 2 ) Immer wieder griffen einzelne (z. B. Pariati in seinem 
Anfitrione) zu den lateinischen Komikern, und auch Goldoni ist 
nicht spurlos an ihnen vorübergegangen. 

Noch jetzt finden sich in Italien vereinzeinte Vorstellungen 
antiker Stücke. 

G. P. Clerici, der die Gefangenen neuestens 3 ) für Auf- 
führungen bearbeitete, erzählt, wie er als Student solchen latei- 
nischen Stücken beigewohnt 4 ) und jüngst erst die Aulularia in 
lateinischer Sprache gespielt gesehen habe. 5 ) Ein weiterer Be- 
weis dieser nicht erloschenen Teilnahme an der Antike ist z. B. 
auch die am 4. Oktober 1882 im Teatro Manzoni zu Mailand 
erfolgte Aufführung des Plutits des Aristophanes in der freien 
Bearbeitung von Goffredo Franceschi. 

Von neueren italienischen Übersetzungen des Plautus sind 
jene von Perluigi Donini (1844) und Gius. Rigutini e Te- 
mistocle Gradi (1878) anzuführen. — Dem vorigen Jahrhundert 
gehört die Übersetzung von Eug. Argelio (Nap. 1783) an. 



Auch in Spanien fehlte es nicht an Nachahmungen, Über- 
setzungen und Aufführungen der Alten. Der bekannte Marquis 
de Santillana erzählt, dass ein angesehener Ritter aus der Zeit 
des D. Pedro des Grausamen (1357 — 1367), namens Don 
Pedro Gonzalez de Mendoza, spanische Gedichte in der Weise 



1 ) Ginguene. VI, 312. Les anciens etaient alors l'objet d'une etude 
assidue et d'une imitation constante . . . On copiaPlaute et Terence. 

2 ) Tiraboschi. VII, 1329. Di Terenzio e di Plauto ancora non 
vennero in luce tai traduzioni che si possano ramnientare con lode ; ma 
niolte particolari commedie ne furono tradotte da diversi poeti. — Vgl. 
Dr. E. Kuth, Geschichte der italienischen Poesie. (Lpz. 1847.) DI, 496. 
Die Gründe hierfür s. ebenda S. 505. — Vgl. Denina, Vic. della lett. 
II, 188. Tuttavia a' tempi di demente XDT. si fecero commedie con 
cmalche regola e conformi al gusto di Plauto e di Terenzio. 

3 ) Parma 1881. 

4 ) Pag. VDII. IX. Mi sovenne allora che quand' ero studentello del 
ginnasio avevo sentito a recitarla (= die Captivi) nella sua integritä 
e nella sua lingua, dai convittori di un collegio. 

5 ) Pag. Vit. Assistetti, non e molto, a una rappresentazione della 
Commedia di Plauto che s' intitola l'Aulularia, ridotta per la Com- 
pagnia drammatica Zerri e Lavaggi dal Prof. Trambusti. II suc- 
cesso ch' ella ottenne, non clamoroso, ma pur sempre lusinghiero, e la 
soddisfazione prodotta in me e in parecchi altri studiosi delle cose plau- 
tine per cpiesto fatto, mi fecero pensare che altre commedie dcllo stesso 
Autore avrebbero potuto ottenere una migliore accoglienza perche piü 
conformi al gusto moderno. 



60 und Portugal. 

des Plautus und Terenz schrieb. 1 ) Nicht minder wurden hier 
in Klöstern und höheren Schulen bei feierlichen Gelegenheiten 
lateinische Stücke gespielt, so z. B. Nineusis, comoedia de divite 
epulone, die dem Juan de Valencia aus Loja zugeschrieben 
wird. „Dem Terenz nachgeahmt, enthält es die Parabel von La- 
zarus und dem reichen Manne. " 2 ) Diese Art blühte vornehmlich 
unter Karl V. 

Ovid war hier einer der beliebtesten Klassiker. Von seinen 
Metamorphosen erschienen schon vor Calderon' sechs Übertra- 
gungen. 3 ) Mosen Antonio Vilaragut (geb. am Ende des vier- 
zehnten Jahrhunderts) übersetzte Stücke des Seneka (Medea und 
Herkules), die er dem Könige von Aragon, Juan L, widmete. 4 ) 

Im Jahre 1554 wurde von einem Ungenannten in Toledo 
eine prosaische Übersetzung des plautinischen Amphitruo ge- 
druckt. In der kurzen Vorrede sagt der Verfasser, er habe sich 
bei seiner Arbeit auf Villa lobos und Meister Fern an Oliva 
gestützt. 5 ) Die Amphitruoübersetzung des Villalobos stammt 
aus dem Jahre 1515. 6 ) Ungefähr um 1530 entstand die Über- 
setzung des Amphitruo des Fernan Perez de Oliva. Ihr 
Einfluss, sowie der vieler meist ungedruckt gebliebener Versuche 
dieser Art auf die dramatische Litteratur ist nichtig. Dem 
nationalen Drama blieb aus allerlei zum Teil sehr naheliegenden 
Gründen die Antike völlig ferne. 7 ) 

Im Jahre 1555 erschien anonym in Antwerpen eine Über- 
setzung des Miles gloriosus, 8 ) der auch die Menecmos beige- 
druckt sind. 

Pedro Simon de Abril von Alcaraz (geb. um 1530; 
gest. nach 1589) übertrug im Jahre 1577 die sechs Komö- 
dien des Terenz 9 ) ins Spanische; ebenso den Plutus des 



') Ad. Fried, von Scliack, Geschichte der dramatischen Litteratur 
und Kunst in Spanien. Berlin 1845. I. Bd. S. 125. — ■ Sanchez, Poesias 
anteriores. I, LIX. — Geschichte der schönen Litteratur in Spanien. Von 
Georg Ticknor. Deutsch mit Zusätzen von Nikolaus Heinrich 
Julius. Neue Ausgabe. Lpz. 1867. Bd. I. S. 211. 

2 ) Ebenda. Bd. II. S. 790. 

3 ) Ebenda. II, 47. A. 1. 

4 ) Catälogo bibliogräfico y biogräfico del Teatro antiguo espanol 
desde sus örigenes hasta mediados del siglo XVIIL por D. Cayetano 
Alberto de la Barrera y Leirado. Madrid (Rivadeneyra) 1860. S.477. 

5 ) Ticknor. IL 772. 

«) Ebenda. I, 240. — Klein. IX, 123. 

') Klein. IX, 124. — Ticknor. 1,207: Ein spanischer Bischof von 
Barcelona wurde im siebenten Jahrhundert abgesetzt, weil er in seinem 
Sprengel gestattete, dass Schauspiele mit Anspielung auf heidnische 
Götterlehre gegeben wurden. (Mariana, Hist. VI, Cap. 3.) 

8 ) Ebenda. II, 772. 

9 ) Las seis comedias de Terencio escritas en Latin i tradueidas en 
vulgär Castellano por Pedro Simon Abril, professor de letras hu- 



Die alten Komiker Q\ 

Aristophanes. Der Übersetzung steht der lateinische Text zur 
Seite. „Dem , Prologo' nach scheint es, dass sie in der Hoffnung' 
verfasst wurden, dass sie unmittelbar zur Reform des spanischen 
Theaters beitragen — vielleicht sogar öffentlich aufgeführt werden 
würden. " *) 

Noch ist der Buchhändler von Valencia Juan de Timo- 
neda 2 ) (gest. bald nach 1597) zu nennen, der 1559 seine pro- 
saische Übersetzung der Menächmen herausgab. Er hat sich 
mancherlei Änderungen des Originals erlaubt und die Szene nach 
Sevilla verlegt. „Das Stück besteht nach dem Vorbild des 
Lop e de Rueda aus vierzehn Auftritten, und die Sitten sind 
ganz spanisch. Indem von einem jungen gewissenlosen Diener 
die Rede ist, Avird sogar der Lazarillo de Törmes genannt. 
Es herrscht aber in diesem Stücke oft das nämliche freie und 
natürliche Gespräch des gemeinen Lebens, wie in den Stücken 
Lop es, des Vorbildes des Timoneda, und man kann es mit 
Vergnügen von einem Ende zum andern, als eine neue Ausgabe 
des P 1 a u t u s , lesen. " 3 ) 

So ziemlich in der Art des Terenz 4 ) sind die acht Stücke 
des Bartolome de Torres Naharro, die er in den ersten zwei 
Dezennien des sechszehnten Jahrhunderts in Italien schrieb. 5 ) 

D. Jose [Jusepe] Antonio Gonzalez de Salas (geb. um 
1588) übersetzte im Jahre 1633 Las Troyanas des Seneka. 
Nicht lange vor dem Jahre 1788 spielte man an der Universität 
Salamanca die Andriä des Terenz lateinisch. H ) 

Jorge de Montemayor und Lope de Rueda streifen die 
Menächmi, letzterer auch den Miles gloriosus in seiner Me- 
dora. Bearbeitungen des Amphitruo finden sich später bei D. 
Santos Diez Gonzalez und D. Jose de Canizares. 

In Portugal pflegten, besonders in Evora, die Jesuiten 
das lateinische Schauspiel, das vornehmlich gegen das Theater 
des Gil Vicente (1460 — 1536) gerichtet war. 7 ) In der Re- 



manas i Filosofia, natural de Alcaräz. Zaragoza 1577. Alcalä 1583. 
Barcelona 1599. (4.Aufl. 1762 in 2Bde.) —Vgl. Barrera, Catälog. S. 3. — 
Ticknor. 1,462. — Pellicer, Bibl. de traductores espanoles IT, 145. — 
Bibl. esp. (Rivadeneyra Bd. II, 207), wo auch Proben der Hecyra sich 
finden. — Klein. IX, 126. 

") Supplementband zu Ticknor von Adolf Wolf. (Lpz. 1866.) S. 76. 

2 ) Ticknor. 1,454.455. II, 190. 240. — Schack. 1,236. — Klein. 
IX, 186. 

3 ) Ticknor. I, 455. 456. 

4 ) Siehe dagegen Ticknor. I, 241. 

5 ) Bapp, Span. Theater. I, 10. 

6 ) „Como affirma o grande D. Gregorio May ans e Siscär." Leonel 
da Costa, „As prirneiras quatro comedias de P. Terencio." pag. XV. 

7 ) Braga, theoria da historia da litteratura portugucza, 3 edicäo. 
Porto 1881. (p. 165.) 



62 i' 1 Spanien und Portugal. 

naissance wurde Terenz das allgemeine Vorbild. 1 ) Der 
berühmte und von Montaigne 2 ) so hoch gepriesene Humanist 
Andre de Gouvea — Andreas Goveanus 3 ) — (der Engoulve 
Moutarde des Rabelais) brachte die klassischen Studien in 
Schwung, und mit ihnen hängt die Erhebung des klassischen 
Theaters, zunächst unter Dr. Antonio Ferreira (1528 — 1569), 
dessen Vorbild die Adelphi waren, 4 ) zusammen. 

Es geschah nicht ohne Kampf; 5 ) doch gelang es Ferreira, 
ein Lustspiel nach klassischem Muster auf die Bühne zu bringen 6 ) 
und sich ganz auf den Boden der Alten zu stellen. 7 ) 

Die praktischen Bestrebungen der Jesuiten, die auf Erlernung 
des Lateinischen abzielten, und von denen deshalb vornehmlich 
lateinische Aufführungen gepflegt wurden, 8 ) unterstützte haupt- 
sächlich der Schotte Georgius Buchananus (1506 — 1582), so 
lange er akademischer Lehrer in Coimbra war. 9 ) 

Mit grösserer Vorliebe hing man auch in Portugal an Te- 
renz, als an Plautus; 10 ) doch aber entwuchs der Schule von 
Coimbra des Camöes „Auto dos Emphatrid es", 11 ) der plauti- 
nische Amphitruo. 



') Braga (p. 168): „As comedias de Terencio . . . serviram 
de typo para o renasciniento do theatro classico; os typos que Sä de 
Miranda trac,ou näo existiarn ein Portugal, e querendo parodiar as 
hetairas e o miles gloriosus, teve de localisar a aegäo na Italia e 
retratar as cortegianas e condottieri." 

2 ) Essais. I, 25: J'ay soustenu les premiers personages ez tragedies 
latines de Buclianan de Guerente, et de Muret, qui se presenterent en 
nostre College de Guienne avecques dignite: en cela Andreas Goveanus, 
nostre prineipal, comnie en toutes aultres parties de sa charge, feut sans 
comparaison le plus grand prineipal de France. 

3 ) S. Berriat Saint-Prix, Nouvelle biograph. generale. 

4 ) Braga a. a. 0. (S. 170): „Que obedeceu a essa influencia sob a 
direc^äo de Diogo de Teive; os'Adelphos de Terencio lhe servi- 
ram de molde." 

5 ) Braga, Theoria S. 170. Pelos prologos das suas comedias se 
conhece a grande lucta que houve para compor este theatro sem con- 
di^öes de vida. 

6 ) Vgl. Braga, Manuel da Historia da Litteratura. Porto 1875. 
p. 275: „A comedia Bristo j>ertence ä (mesma) iruitacjio classica teren- 
ciana, em que os personagens säo o Miles gloriosus ou o fanfarräo 
italiano, a heteira grega ou a cortigiana italiana, e os filhos- 
familias pervertidos entre estas duas forcas dissolventes." 

7 ) Parnasso lusitano (5 voll. Paris 1826). I, p. XX: copiou-os 
(d. h. die Alten), näo os imitou. 

8 ) Visconde de Juromenha, Obras de Luiz de Camöes. Lisboa 
1860 — 69. 6 Bde. I, 24: „Em latim para exercitar e desembaragar os 
estudantes naquella lingua." 

9 ) Braga, Historia do Theatro Portuguez. Porto 1870. II, 13 und 
Introduccäo, p. 327 ff. 

10 ) Ebenda. I, 192. H, 342. 
"j Braga, Theoria p. 166. 



Die alten Komiker in Frankreich. 63 

Später griff das unglückliche Opfer des gemeinsten Fanatis- 
mus, Antonio Jose da Silva (1705 — 1739), nochmal zum 
Amphitruo. ') Weiter hat unter den Portugiesen der durch 
Pomhal vernichtete Pedro Antonio Correa Garcäo (1724 
bis 1772) Komödien im Geschmacke des Terenz geschrieben, 
die „längere Zeit als Muster klassischer Gefeiltheit und Korrektheit 
galten. " 2 ) 

An Übersetzungen hat Portugal wenig hervorgebracht. In 
der Vorrede des Herausgebers zu: As primeiras quatro comedias 
de Publio Terencio Aphricano, traduzidas do Latim em verso solto 
portuguez por Leonel da Costa. Lisboa (Simäo Thaddeo 
Ferreira) 1788, heisst es (p. VI): „Lembrava-nos depois disto, 
que tendo todas as Gentes cultas familiarizado a Terencio nos 
seus Idiomas so Portugal o näo tinha." Leonel da Costas 
Übersetzung, deren Verfasser im Jahre 1570 in Santarem ge- 
boren wurde und ebenda am 28. Januar 1647 starb, 3 ) blieb 
bis 1788 Manuskript, wo der Buchhändler Jorge Bert r and sie 
herausgab. 



Als einen Grund, weshalb in Frankreich Plaut us und 
Terenz gerne gespielt wurden, bezeichnet Emile Chasles 4 ) 
ihren grossen Reichtum an Sentenzen. „II se mele, " sagt er, 
„aux recherches de l'erudition un goüt qui appartient a l'adules- 
cence des litteratures, le goüt de sentences. Les premieres tra- 
ductions de Terence sont offertes aux lecteurs comme des recueils 
de belles pensees plutöt que comme des modeles de bonne comedie, 
temoin celle de maitre Gilles Cybile: 

II s'est montre tres-fort habile, 
Car il a tout traduit Terence, 
Oü il a mainte sentence. 

Le grant Therence d'Antoine Verard se recommande par le 

meme merite: • 

Ne craignez point ä acheter ce livre, 
Car maints propos d^cents y trouverez, 
Les mots dores pes^s en juste livre 
Sentencieux que chacun peut ensuivre, 
La sont caches comme bien prouverez. 



») Wolf, Wienersitzungsberichte 1860. S. 277. 

2 ) S. Bouterwek, Geschichte der Künste und Wissenschaften. 
(Gott. 1805.) IV, 380, und Simonde de Sismondi, De la litterature 
du midi de l'Europe. IV, 539: Pedro Antonio Correa Gar§äo s'est 
aussi efforce de reformer le thöätre et de donner ä sa patrie quelques 
pieces dans la maniere de Terence. 

3 ) Leonel da Costa, pag. XVI. 

4 ) La comedie en France au seizieme siecle. Paris 1862. S. 10. 



64 Die alten Komiker in Frankreich. 

Dans la seconde edition du meine ouvrage on forme un 
recueil special des fleurs, phrases, sentences et maximes de parier 
de Terence." 

Italienische Schauspieler waren es, welche die Fran- 
zosen noch weiter mit den Alten bekannt machten. Die 
Calandra wurde in Lyon am 27. September 1548 von Italienern 
gespielt; 1 ) ebenso der Capitano Spavento; 2 ) ferner i duo Leli 
simili, 3 ) welche dem Herzog von Nemours gewidmet sind. 4 ) Als 
„die beiden Lelio" führten sie die Menächmen ein. 5 ) Eine 
solche Vorstellung fällt (nach Malherbes' Mitteilung) auf den 
15. September 1613. 

Wie in Italien fehlte es auch in Frankreich nicht an 
Gegnern der Antike. Heftig eifert Tralage 6 ) gegen die „ma- 
nieres grossieres" der Alten. So (S. 11): Les anciens sont fort 
grossiers dans leurs amours; il n'y a point de delicatesse ni de 
sentimens tendres et passionnez; il debutent par uiie fille grosse. 
II n'y a qu'a lire les comedies de Piaute et de Terence. 
Leur Jupiter n'estoit amoureux d'une belle qu'autant de tems 
qu'il en falloit pour lui faire un enfant; il ne se piquoit point de 
constance. A peine 1' enfant estoit-il venu, qu'il avoit une nou- 
velle maistresse. II n'y a qu'a lire les Metamorphoses d'Ovide. 
Dans rAmphitryon de Moliere, l'amour d'un amant et celui d'un 
mari y sont traitez d'une maniere bien differente, mais en mesme 
tems ingenieuse, spirituelle et vraisemblable. Les anciens ne 
connoissoient point ces finesses. Comparez l'Amphiti-yon de 
Piaute et celui de Moliere et par lä vous jugerez du goust 
different de ces deux auteurs, et combien les manieres des siecles 
oü ils ont vecu estoient differentes; ferner nochmal (S. 49): Grande 
dispute contre les anciens et les modernes. Piaute soutient que 
son Amphitryon et son Avare valent beaucoup mieux que Moliere 
a fait lä-dessus. Ce dernier, saus se deffendre, soutiendra que la 
copie vaut mieux que l'original, remarquera la maniere grossiere 
dont Piaute a traite ces deux sujets, fera voir la maniere fine et 
delicate, dont il a fait parier Jupiter ä Alcmene; il soutiendra que 



') Les comediens Italiens ä la cour de France sous Charles XL, 
Henri III., Henri IV. et Louis XIII. par Armand Baschet. Paris 
(Plön & C. 1882). S. 7. 

2 ) Ebenda. S. 129. 173. 

3 ) Ebenda. S. 319. 
«) Ebenda. S. 320. 
5 ) Ebenda. S. 244. 

ß ) Notes et documents sur l'histoire des theätres au XVn e siecle 
par Jean Nicolas du Tralage, extraits, mis en ordre et publies par le 
Bibliophile Jacob. Paris 1880. — Vgl. auch Lotheissen, LV, 278, 
und Hippolyte Rigault, Histoire de la quereile des anciens et des 
modernes. Paris 1856. 



Übersetzer des Terenz. Bai'f. 65 

les anciens ne savent pas traiter tinement ce qui doit etre Farne 
des pieces, l'amour et l'ambition. 

Dieser sein Widerspruch kömmt ziemlicli spät; denn bereits 
hatten sich die Formen der antiken Komödie und diese selbst in 
Frankreich eingebürgert. Auf Bonaventure Desperiers (gest. 
1514) und Octavien Saint-Gelais folgte Charles Estienne 
mit seiner Übersetzung der Andria des Terenz im Jahre 1540. a ) 

Jean Bourlier übersetzte 1560, Jacques Bourle 1584 
den ganzen Terenz. 2 ) 

Weitere vollständige Übersetzungen des Terenz stammen 
neben anderen von 1567. Les | six Comedies | de Terence, tres- 
excel | ent poete comique | mises en Fraucoys avec le | latin en 
favevr des ievnes | enfans desireux de la pvrete et intelli|gence 
de la lan'gve latine. | A Paris (Par Estienne Doart); aus 1681 
und 1686 jene von Paul Rogier Sibour (Strasbourg), der 1699 
eine weitere in Strassburg folgte. 

Einzeln erschien im Jahre 1555 die Andria. Premiere | Co- 
medie de | Terence, appel|lee l'Audrie. Nouvellement traduite 
& mise en ryme Francoyse. \ A Lyon (Par Thibavld Payan). 

In der Art der klassischen Lustspieldichter arbeitete auch 
Antoine de Bai'f (1532 — 1589). Gewandt in Form imd Aus- 
druck 3 ) übertrug er frei 4 ) den Eunuchus und Heauton timo- 
rumenos des Terenz und den Miles gloriosus des Plautus, 5 ) 
die uns erhalten sind. 6 ) Einiges andere ist noch nicht veröffent- 



') Chasles a. a. 0. S. 47. Eniin Estienne lui-meme avait dejä 
traduit en 1540 l'Andrienne de Terence, malgre la ce.lebrite acquise ä 
cette piece parmi nous depuis que Bonaventure Desperiers et Octavien 
Saint-Gelais l'avaient fait passer dans notre langue. — Beauchamps, 
Kecherches. I, 153. 

2 ) Ebenda. II, 36. 55. 

3 ) Poesies choisies de J. A. de Bai'f suivies de iitodsies inedites ed. 
Becq de Foucquieres. Paris 1874. Einleitung p. XXXI. „Dans la co- 
medie de Terence on remarquera, avec quelle aisance il (= Bai'f) con- 
duit le dialogue, avec quelle francliise il aborde sans effort le ton de la 
bonne coniedie et avec quelle legerete il nianie le nietre raj)ide qu'il a 
choisi." 

4 ) A. a. 0. S. 219 — 224. Cette comedie est imitee du Miles glo- 
riosus tres-librement. (Periplecomenus = Bontams; Pleusides = 
Finet; Palestrion = Constant.) 

5 ) A. a. 0. p. XVI. II traduisit l'Eunuque de Terence en 1565 
et le 28 janvier 1567 faisait representer le Brave, imite de Piaute en 
l'hötel de Guise et devant le roi s'elevant avec plus de succes que Re- 
myBelleau au style tempere de la comedie. — Beauchamps, B,e- 
cherches sur les theätres de France (1735). II, 38. 

6 ) Le manuscrit 867 (anc. 7229 3 Colbert 1291) entierement de la 
main de Bai'f contient „L'Eunuque de Terence par Bayf". II a 
52 ff. et se termine par la mention: Acheve lendemain de Noel devant 
jour. 1565. 

5 



66 Greviu. Larivey. 

licht,') oder nicht melir vorhanden. 2 ) — Bai'f war ein begeisterter 
Verehrer der Alten; ob auch nicht der erste und einzige. 3 ) Von 
Terenz sagt er: 

Terence, auteur romain, que j'imite aujourd'hui, 
Et comme il suit Menandre en nia langue j'ensuis. 

Auch Jacques Grevins (geb. 1538; gest. 1570) 4 ) Ideal 
war die Komödie „en teile purete qu'anciennement Aristophane la 
baillait aux Grecs, Piaute et Terence aux Romains". Vor 
allem Plautus war sein Vorbild. 5 ) 

Einer der feinsten Nachahmer der Alten ist der Domherr 
Pierre de Lar(r)ivey (1550 — 1612) (Giunti). Er bezeichnet 
seine Stücke als „comedies facetieuses ä l'imitation des anciens 
Grecs, Latins et modernes Italiens". Den Alten sind sie nach- 
gebildet, wie er von seinem Lustspiel „les jaloux" (Fol. 226) 
sagt: Comme eile est d'argument double, aussi la plus grande 
partie de son subject a este prinse des deux premieres 
de Terence: ä scavoir l'Andrie et l'Eunuque. Die „Esprits 
gelten als sein bestes Stück;" 6 ) doch ist das Lustspiel fast wört- 



') A. a. 0. XXXIX. Les seules ceuvres qui soient iuedites et dont 
les manuscrits soient ä retrouver sont la Medee, les Trachiniennes, 
le Plutus et l'Heauton timorumenos. 

2 ) Chasles a. a. 0. S. 75. De toutes ses productions la majeure 
partie est aujourd'hui perdue; il nous reste pourtaut deux comedies 
completes: le Brave et l'Eunuque. 

3 ) Chasles a. a. 0. S. 84. Nous ne pretendons pas que l'intro- 
duction de Terence aupres du public francais date de si tard. Baif ne 
fut pas le seul au XVI e siecle qui travailla ä nous faire goüter le charme 
du vieil auteur; mais il n'est que juste de lui marquer une place hono- 
rable parmi ceux qui familiarisaient nos peres avec l'esprit de la litte- 
rature antique. Ce fut son ambition et l'objet de son long travail. 
Quaud il rappelait ses titres ä la faveur royale et priait Charles LX. de 
ne pas les oublier, il se faisait gloire d'avoir uaturalise la comedie 
romaine. 

4 ) Nach Beauchamps Recherches. I, 27. Vgl. Bd. IV des Ancien 
theätre francais. S. 225, gegen 1540. 

5 ) Chasles a. a. 0. S. 129. Piaute surtout le charmait; il 
admirait en lui l'homme autaut que le poete. Piaute, poete comique 
d'un commun sentiment estime en son temps surtout plus excellent, ayant 
dependu tout son bien en habillements sceniques devint, comme recite 
Crinitus, en teile extre"niite qu'il fut coutraint se louer ä un meunieur 
pour tourner les meules d'un moulin ä bras. Et lä etant en perpetuel 
travail continua son oeuvre jusques ä cent cinquante comedies comme 
racconte Aulus-Gelle. 

6 ) Lotheissen. I, 277. — Vgl. auch Chasles a. a. 0. S. 120. La 
plus cölebre (comedie de Larivey) sous tous les rapports est l'Aridosia 
de Lorenzino de Medicis. Elle est en quelque sorte d'une vieille 
famille de comedies; eile se rattache par ses origines ä des comedies 
grecques qui sont perdues et ä deux celebres comedies latines: la 
Mostellaria de Piaute et les Adelphes de Terence. Elle est 



Rotrou. Scarron u. a. Moliere. 67 

lieh aus Lorenzinos Aridosia übersetzt und zunächst nur der 
„vielfachen Anregung-" ') halber, die es später, selbst Moliere 
und Regnard, gab, bedeutsam. 

Besondere Begeisterung schöpfte aus Plautus Jean Rotrou 
(1609 — 1650), der den Arnphitruo, die Captivi undMenächmi 
nachahmte. — Paul Scarron (1610 — 1660) lehnt sich an den 
Miles gloriosus in einigen Szenen seines Jodelet und seines 
Capitan an; dieselbe Komödie wirkte auf Savinien de Cyrano 
Bergeracs 2 ) (1620 — 1655) „Le pedant joue"; Mareschal 
schrieb nach dem Miles seinen Capitan Fanfaron; Samuel 
Chappuzeau 3 ) (1625 — 1701) ist ein Vorläufer Molieres in Be- 
nützung der Aulularia; der grosse Moliere (geb. 15. Januar 
1622; gest. 17. Februar 1673) endlich selbst steht in mannig- 
fachen Beziehungen zur alten Komödie. 4 ) Treffend nennt Sainte- 
Beuve Plautus „un des plus legitimes ancetres" 5 ) des Moliere 
und sagt von Terenz: „il y a tout un Terence dans Moliere." 6 ) 

Was er direkt aus Plautus zog, sein Amphitryon und 
l'Avare (Arnphitruo und Aulularia), wird gelegentlich be- 
leuchtet werden. „Die salon- und hoffähige Richtung, welche die 
Komödie Molieres ursprünglich nahm, musste ihn mehr auf 
Terenz weisen." 7 ) So ahmte er die Adelphi nach in seiner 
Ecole des Maris. 8 ) Er hat den Phormio vor sich in seinen 
„Fourberies de Scapin". 9 ) „Die hochkomische Szene, in der 
Pourceaugnac (1670 Ribou) von den Ärzten und dem Apo- 
theker drangsaliert wird, zeigt die Benutzung . . . einer Stelle 
aus Plautus' Menächmi. Das offenherzige Selbstbekenntnis der 
N er ine und des Sbrigani ist ein Passus der plautinischen Asi- 



parente chez nous de plusieurs pieces tres-connues : le Retour im- 
prevu de Regnard, le Comedien poete de Montfleury et l'A- 
vare de Moliere. Larivey au XVP-siecle en a fait les Esprits. 

') Lotheisse n. I, 279. Anm. 

2 j Ebenda. LT, 451. Siehe dort auch die Beziehungen des Stückes 
zu Molieres „Fourberies de Scapin". (Ebenda. IV, 55.) 

3 ) Ebenda. IV, 109. 

4 ) S. Moliere und die römische Komödie von R. Mahrenholtz. 
S. 241 — 265 im 56. Band (1876) von Herrigs Archiv. 

5 ) Portraits litteraires. II, 2. 
G ) Ibid. n, 38. 

7 ) Molieres Leben und Werke vom Standpunkte der heutigen For- 
schung von R. Mahrenholtz. Heilbronn 1881. S. 225—237. 

8 ) Parfaict, Histoire du the"atre franeois, XIV, 346: M. Moliere a 
pris daus les Adelphes le fond du sujet de sa piece intitulee „L'Ecole 
des Maris". A l'article de cette comedie (tom. LX de cette Histoire 
page 42 et suivantes), en rendant ä Terence la justice qui lui est due, 
nous avons remarque l'art du poete francais et ce qu'il a ajoute pour 
embellir son original. 

J ) Mahrenholtz a. a. O. S. 247. 255. — Humbert, le Phormion 
de Terence et les Fourberies de Scapin. (Elberfeld 1859.) — Dziatzko 
zum Phormio. S. 14, Anm. 3. 

5* 



68 Moliere und die alten Komiker. 

naria. (Sie ist vielleicht schon in Ecoles des Fe mm es III, 2 
nachgebildet worden. 1 )" Desj^ois findet im Depit nmoureux 
neben vielem auch Parallelstellen ans Plautus' Amphitruo: 2 ) 
Rapp erinnert die Asinaria, „besonders in der Katastrophe, 
ziemlich deutlich an Molieres Bourgeois gentilhomme". 3 ) In 
den Femmes savantes sind ..noch viele klassische und un- 
klassische Stücke für einzelne Stellen und Züge benützt worden. 
Es sind Plautus' Asinaria und Cistellaria . . . ausgebeutet 
worden. " 4 ) 

Das Verhältnis Molieres zu Terenz hat schon Tralage 
in seinem Dialoge zwischen Moliere, Terence und Corneille be- 
rührt. 5 ) Der Schauplatz des Dialogue critique ist in die ely- 
säischen Gefilde verlegt. Dort sagt Terence: 

Vous etes un ingrat, Moliere, de vouloir critiquer mes Adelphes : 
vous devriez vous souvenir que c'est une de mes plus helles 
pieces; eile vous a servi ä votre „Escolle des Maris" qui est 
"une piece que je scais que l'on voit encore avec plaisir sur le 
theätre fräncois. 

Moliere erwidert : 

II est vrai que j'ai pris quelques choses de vos Adelphes. 
Si vous en voulez ä ceux qui comparent l'un ä l'autre, ils vous 
diront que je vous fais honneur et que ma copie vaut mieux 
que votre original. 

Gerne wird man Lotheissens Worte 6 ) anerkennen: „Mo- 
liere mit Plautus und Terenz in Hinsicht ihrer komischen Kraft 
und ihrer dramatischen Begabung vergleichen zu wollen, ist ein 
ziemlich massiger Versuch. Man vergleicht nicht, was so von 
Grund aus verschieden ist." 

Richtig lässt eine sonst unbedeutende Komödie von Guil- 
laume Marcoureau de Brecourt (gest. 1685), „L'Ombre de 
Moliere" (1674) Pluton über Molieres Rang entscheiden: 

Entre Terence et Plante oecupe le milieu, 

und poetisch fein bringt La Fontaines Grabschrift auf Moliere 
diesen Gedanken zum Ausspruch: 

Sous ce tombeau gisent Plante et Terence 
Et cependant le seul Moliere y git: 

Leurs trois talents ne formaient qu'w« esprit 

Dont le bei art rejouissait la France. 



') Mahrenholtz a. a. 0. S. 242. 

2 ) Ebenda a. a. 0. S. 54. 

3 ) Die plautiniscben Lustspiele. S. 921. 

4 ) Mahrenboltz a. a. 0. S. 272. 

5 ) Notes et documents sur l'histoire des theätres, ed. le Biblio- 
phile Jacob. Paris 1880. S. 50. 

6 ) Lotheissen. IV, 69. 



P. Corneille u. a. Regnard. 69 

Pierre Corneille (1606 — 1684) bringt die Gestalt des 
prahlerischen Soldaten in seiner „Illusion comique" auf die 
französische Bühne: der Fabeldichter Jean de la Fontaine 
(geb. 8. Juli 1621; gest. 13. März 1695) gab 1654 eine freie 
Bearbeitung 1 ) des Eunuchen heraus, „die aber nicht viel be- 
merkt wurde und auch die Begabung la Fontaines nicht er- 
kennen liess. " 2 ) 

Wiederum ein grosssprecherischer Soldat spielt in Denian- 
villes Komödie „Le Capitan ou le Miles gloriosus" (1639); 
ebenso weist das Lustspiel „Le Parasite" 3 ) (Fripesauces, der 
ewig Hungrige) des Francois Tristan l'Hermite (1601 — 
1655) mit seinem Capitan und Parasiten auf die Alten hin. 4 ) 
An seiner Hand wandte sich Philippe Quinault (1635 — 1688) 
zur Dichtimg, der in seinem l'amant indiscret (nach Niccolö 
Barbieris „l'Inavvertito" 1629) auf den Bacchides steht, wäh- 
rend Edme Boursault (1636 — 1701) in seinen „Menteurs qui 
ne luentent point" die Menächmi im Sinne hatte. Mont- 
fleury (1640 — 1685) kompilierte im ersten Akte seines Come- 
dien poete die Mostellaria, Baron (1653 — 1729) bearbeitete 
die Andria 5 ) und die Adelphi 6 ) des Terenz für die franzö- 
sische Bühne. 

Vollständig auf dem Boden des Plautus steht Mo- 
lieres bedeutendster Nachfolger, Jean Francois Regnard 
(1656 bis 5. Sept. 1710). 

E. Fournier bemerkt hierüber: 7 ) „Mais nous le repetons, 
Piaute est, avec Catulle, celui dont Regnard s'inspire le 
plus volontiers. Si Catulle est son poete, Piaute est son 
comique. Moliere s'etait frotte ä lui avec grand profit, en lneme 
temps qu'avec plus de profit encore il s'impregnait de Terence. 
Regnard ne s'en prit qu'ä Piaute, et Terence n'a laisse que 
je sache aucune trace sur son theätre. On ne le retrouve un 
peu, par rettet, que dans les elegances de son style, oü les rudesses 
de Piaute, au contraire, n'ont rien ä voir. 

„C'est assez qu'il fournisse le fond, et il le fournit souvent. 



') Chefs- d'ceuvre des auteurs comiques. I, 144: „. . . avait iinite 
l'Eunuque de Terence en 1654.'' 

2 ) Lotheissen. III, 180. 

a ) Herausgegeben (1G54) von Aug. Courbe und auf S. 1 — 67 des 
dritten Baudes von Les Contemporains de Moliere, ed. Fouruel. 
(Paris 1875.) 

4 j Ebenda S. 7. Le type du Parasite est uu emprunt fait ü la co- 
medie latine et c'est lä surtout qu'il laut chercher sou origine tbeätrale. 

5 ) Siehe Ausführliches bei Parfaict, Hist. du theätre. Baud XIV. 
S. 312. — Aufgeführt am 16. November 1703. 

'') Ebenda. Bd. XIV. S. 346. 

7 ) Oeuvres completes de Regnard, nouvelle edition par 31. Edouard 
Fournier. Paris (Laplace, Sanchez et Comp.) S. X. 



70 Regnard und Plautus. 

„Les M^nechmes viennent de lui en droite ligne. 
Regnard, qui tient, ce qui est d'une belle et louable franchise, a 
ne dissimilier rien de son emprunt, ne deguise meme pas le nom 
des deux jumeaux. II leur laisse celui que Piaute leur avait 
donne ä Rome, et dont la forme grecque prouverait qu'il aurait 
dejä ete porte dans quelque comedie atbenienne, ancetre probable 
de la piece latine, comme celle-ci l'a ete de la piece fi-ancaise. 
Disons pourtant que, si le nom est reste, le sens en a cbange, 
et cela gräce a Regnard. Dans la comedie antique, Menechme 
(menaicbmos) voulait dire un brave, un vaillant, ,qui attend sans 
palir la pointe des lances'; depuis que la comedie de notre poete 
l'a popularise, il ne signifie cbez nous qu'une personne de res- 
semblance parfaite avec une autre. Comme bien des gens, qui 
ne savent pas aller au fond des etymologies, s'imaginent qu'il 
n'avait pas d'autre signification cbez les anciens, on ne nous en 
voudra pas d'avoir indique le premier sens sous le second. 

„Deux autres pieces de plus mince importance, la Serenade 
et le Retour imprevu, doivent aussi beaucoup ä Piaute, qu'on 
y attendait moins, et que rien, a premiere vue, n'y laisse pressentir. 
Regnard en etait si bien rempli, ä ce qu'il semble, depuis les classes 
qu'il le laissait deborder partout. 

„La Serenade, oü il s'essayait — on verra que c'est une 
de ses premieres pieces ä, la Comedie Francaise — et pour la- 
quelle, l'experience propre lui manquant encore, il lui fallait 
d'autant plus de celle d'autrui, s'est echappee avec ses vingt ou 
vingt-cinq scenes, d'une scene unique de Piaute. La broderie 
du moins ajoutait singulierement au canevas, et les fioritures au 
tbeme! Elles le couvrirent meme si bien qu'on ne l'apercut 
pas d'abord. 

„Quarante ans seulement apres la mort de Regnard, Roy, 
poete trop siffle et trop bätonne pour n'etre pas jaloux, füt-ce a 
longue distance, des poetes jadis applaudis, depista l'innocent em- 
prunt et le denonca dans une lettre ä Freron: ,L'intrigue de la 
Serenade, ecrivit-il, est presque entiere dans le Pseu dolus 
(scene II, acte 4). Le billet escamote par la meme adresse 
opere le meme jeu. On a substitue le vol d'un collier au vol 
d'un esclave.' Tout cela est vrai, mais sans que Regnard y 
perde. Le comique et l'esprit qui sont la vie de sa jolie piece, 
et qui en firent le succes, ne restent-ils pas ä son compte? 

„Roy, pendant qu'il tient le tbeätre de Piaute, et qu'il le 
depece pour en jeter les morceaux ä la tete de Regnard, ne 
manque pas de lui reprocber l'autre dette que nous avons 
annoncee, ce qu'il doit ä Piaute pour le Retour imprevu: ,Le 
vieillard ci-edule, dans le Retour imprevu, dit-il, est le meme 
ä qui l'on persuade, dans la Mostellaria, que sa maison est 



Regnard und Plautus. Destouches. 71 

oecupee par des esprits. La peur qu'on lui fait est le stratageme 
pour l'empecher d'y entrer, de la voir demeublee et d'etre temoin 
de la debauche qtii y regne. ,Rien de plus vrai encore, mais 
qu'inrporte!' Lors meme que Roy ajouterait qne le premier acte 
de Piaute est l'esquisse des premieres scenes de Regnard et que 
le röle de Calfimadates est une ebauche de son marquis, Regnard 
n'en serait pas plus eoupable. En fourrageant dans cette piece 
il n'avait fait qu'aller sur des pistes, qui lui indiquaient une 
cbasse permise: il suivait Pierre Larivey, qui au seizieme siecle 
avait dejä braconne par la pour sa comedie des Esprits, et 
Montfleury qui, plus tard, n'y avait pas menage ce qui lui 
seniblait de bonne prise pour le premier acte de son Come- 
dien poete. 

„Je m'etonne que Roy, si bien en train de crier au plagiat 
sur les trousses de Regnard, ne lui ait pas fait un gros crime 
de ce que le Crispin du Legataire, pour finir la piece, invite le 
public ä applaudir, comme un des acteurs du Pcenulus de Pla^^te, 
en y terminant le Prologue; cette chicane-lä aurait valu les autres. 

„Ces reminiscences de Regnard, qui toutes lui vinrent des 
lectures faites dans les classes, semblent assez surprenantes, 
lorsqu'on songe aux longues annees qui s'ecoulerent pour lui 
entre le temps de ces classes et l'epoque, ou, beaucoup moins 
prompt que Moliere, il se mit enfin au tbeätre; lorsqu'on se 
rappelle aussi tout ce qu'il y eut, pour les lui faire oublier, de 
distractions et de dissipations dans la jeunesse. Ce qu'on a su, 
par une decouverte assez recente, sur sa facon de fixer les 
Souvenirs et de preparer, pour ainsi dire, les ressources, les 
materiaux de son esprit, a fait qu'on s'est moins etonne." 

Wie Regnard die Menäcbmi, Mostellaria und Pseudo- 
lus, so benützte Destoucbes (1680 — 1754) den Trinummus 
zu seinem Lustspiele „le tresor cache" in gescbickter Weise. 

Nocbmal nach Moliere griö' der Pater Lejay (1697) ziir 
Aulularia. 1 ) Der Inhalt des Philochrysus seu Avarus be- 
titelten Dramas ist nach E. Boysse: 2 ) 

Philochrysus, riebe et avare, avait enfoui un tresor dans un 
bois voisin de sa maison. II avait mis dans la confidence de 
cette cachette son ami Panurgus. Celui-ci deterra le tresor et 
s'en empara. Desespoir de Philochrysus en voyant la cassette 
enlevee. Son esclave lui suggere alors une ruse pour la recouvrer. 
L'avare va chez son voisin, il lui annonce 'qu'il vient d'heritcr 



') Vgl. E. Boysse, lc theatre des Je'suites. Paris 1880. S. 212. 
Le 15 de"ceinbrc (1G97) ä une heure apres-midi: Philochrysus seu Avarus 
(drame). 

2 ) A. a. 0. 



72 Sedaiue. Riccoboni. Cailhava u. a. 

une somme considerable et qu'il se propose de la joindre ä celle qui 
est dejä dans la cassette. Panurgus approuve ce projet et se häte 
d'aller reporter la cassette se reservant de la reprendre, quand eile 
aura öu' enrichie d'un nouveau depot. Philochrysus rentre ainsi 
en possession de son tresor, et revenu a de ineilleurs sentiments, 
il donne la liberte ä son esclave et de l'argent ä "ses enfants. 

Lejay, dessen Komödie im Karneval 1708 nochmal aufge- 
führt wurde, 1 ) bezieht sich selbst auf Moli er e (und damit Plau- 
tus), sodass seine Erwähnung an dieser Stelle gerechtfertigt 
erseheint. 2 ) 

Unter den Operntexten des Sedaine (1719 — 1767) findet 
sich auch ein Amphitryon; Helena Balleti Riccoboni hat 
den Rudens als „le Naufrage" (1726) auf die Bühne ge- 
bracht; Cailhava die Menächmi und den Miles gloriosus. 
Nepomucene Lemercier (1771 — 1840) legte seiner Komödie 
Piaute den Epidicus desselben Dichters zu gründe. 

Eine Art neuen Schonaeus sah Frankreich noch i. J. 1751. 
Dort erschien zu Paris (apud fratres Guerin & Lud. Fr. Delatour) 
in den Selecta Latini Sermonis Exemplaria e scriptoribus pro- 
batissimis (colligebat P. Chompre in utroque iure L.) die Prima 
poeticae orationis excerptio seu Plauti et Terentii fabulae ad 
Christianae iuventutis usum contraetae. Editio altera — 
also die antiken Komiker christianisiert. Plaut us und Terenz, 
sagt der Herausgeber, müssen zugeschnitten werden aus 
Rücksichten auf die Sittlichkeit. 3 ) Selbst „le fond des co- 
medies " 4 ) ist schlimm genug. So ist eine durchgreifende Ent- 
stellung, 5 ) ja sogar eine Zerstörung des Metrums 6 ) in dieser 
Sammlung 7 ) nötig geworden. 



') E. Boysse a. a. 0. S. 239. 

2 ) A. a. 0. S. 212: „Cette piece est du Pere Lejay, qui, dans sa 
preface s'excuse de traiter ce sujet apres Piaute et apres Moliere, le 
prince de la come'die francaise." II croit cependant que la matiere est 
assez abondante pour fournir ä un poete des traits nouveaux. 

3 ) S. a. a. 0. Avertissement (V): Piaute est souvent insupportable 
par ses mauvaises plaisanteries. Tous les deux connoissent assez peu le 
respect qui est du aux bonnes moeurs. 

■i Kbenda, p. VII. 

■ 5 ) Ainsi ce n'est ni Piaute ni Terence que nous donnons, et c'est 
cependant l'un et l'autre tout pur pour le langage. (A. a. 0., p. IX.) 

6 ) On a rompu saus sc ru pule la mesure d'un petit nombre de 
vers, par l'interposition de quelques mots et meme de quelques phrases. 
L'oreille. qui sent fort peu (!!) le mechanisme des vers de Piaute et de 
Terence, pardonnera aisement ces licences. 

7 ) Sie enthält von Plautus: Amphitruo (1 — 25), Aulularia (25 
—49), Capteivei (49—81), Mostellaria (81—119), Menächmei (119 
—149), Pseudolus (149—171), Persa (171—187), Rudens (187-203), 
Triuummus (203—223); von Terenz: Auclria (223—245), Heauton 
timorumeuos (245—257), Adelphi (257—277), Phormio (277—293). 



Prevost. Pelisson u. a. ; Übersetzungen. 73 

Zu dieser Textausgabe gehört die französische Übersetzung, l ) 
von welcher es der Übersetzer nicht für unmöglich hält, dass 
sie in Kinderkreisen aufgeführt würde. a ) 

Als Charakteristikum, statt jeder weiteren Analyse, mag 
erwähnt werden, dass sich im Amphitruo keine Alcumena 
findet, sein Inhalt demnach stark gekürzt und geändert wer- 
den musste. 3 ) 

Die französische Lustspieldichtung basierte lange 
Zeit vollständig auf -der antiken. Mannigfach sind auch 
die Beziehungen späterer Autoren zu den Komikern. Der 
Abbe Prevost (1697 — 1763) bietet mancherlei Berührungs- 
punkte mit Terenz; 4 ) der Sekretär Ludwig des XIV., Pelisson 
(1624 — 1693), war ein grosser Verehrer des Terenz; 5 ) ein 
neueres Lustspiel, „le jeunes gens", von Leon Laya (1855) 
ist eine Nachahmung der Adelphi des Terenz. 6 ) Auch an 
Aufführungen altklassischer Stücke fehlte es im modernen 
Frankreich nicht. So gingen am 30. Nov. 1844 im Odeon die 
Wolken des Aristophanes in der Bearbeitung von Hippolyte 
Lucas über die Bühne. 7 ) 

Das Verhältnis der alten Komiker, Plautus und Terenz, 
zu den neueren behandelt eingehend das Werk des Abbe d' Alibi - 
gnac „la pratique du theatre" (Amsterdam 1715). 

Durch Übersetzungen ist Plautus in Frankreich durch 
Mad. Dacier (1651 — 1720) (1683. 1691), Michel de Marolles 



') Traduction des modeles de latinite tires des meilleurs ecrivains. 
Premier recueil de poe"sie ou petites comedies extraites de Plante et de 
Terence ä l'usage de la jeunesse chrötienne. (Paris, Louis Francois de 
La Tour 1751.) 

2 ) Ebenda, Avertissement p. VIII: Dans les maisons particulieres 
oü l'on enseigne aujourd'hui communement le Latin aux jeunes Demoi- 
selles on peut aisement assembler cinq ou six petits Acteurs, freres et 
soeurs, taut enfans de la Familie que de Parens et d'Amis et leur faire 
apprendre quelques-uns de ces petits Drames, pour en amuser innocem- 
ment des Peres et Meres, et pour les delasser apres des occupations 
serieuses. 

3 ) A. a. 0. (S. 1 u. 2.) Jupiter sous la figure d'Ampbitrion fait 
semblant d'etre de retour, apres avoir vaincu les ennemis et paroit 
horame parmi les hommes. II joue le personnage de Citoyen, et se 
pr<5pare de ipioi rire, pendant qu'Amphitrion fait la guerre contre les 
Telebeeus. Mercure prend la forme de Sosie, qui est aussi absent. 
Lorsque les veritables Amphitrion et Sosie paroissent, od so moque d'eux 
d'une facon siuguliere. II arrive de lä que tonte la niaison est dans la 
confusion. Ce qui dure jusqu'ä ce (pie Jupiter, diaparoissant, fait con- 
noitre avec im coup de tonnerre dans l'air, qu'il est l'auteur de ce ba- 
dinage. So ist alles Übrige. 

4 ) Sainte-Beuve, Causeries du lundi. IX. 131. 

5 ) Ebenda. XIV, 196. 

6 ) Sainte-Beuve, Ebenda. XII, 512. 
') H. Lucas, Histoire. EU, 365. 



74 Di e alten Komiker und 

(geb. 22. Juli 1600; gest. 1681) (1658), Phil, de Limiers 
(1719), Gneudeville (1719), I. B. Levee et le Monnier 
(1820), Naudet (1831), Sommer (1876) u.a. bekannt geworden. 
Zahlreicher und meist auch von grösserer litterarischer 
Bedeutung sind die T er enz Übersetzungen, worüber nachzusehen 
ist bei Brunet, Manuel de l'amateur ... IV. Bd. 412—423, 
und Schweiger, Handbuch der klass. Bibliographie II, 2. 



Nicht anders erging es im allgemeinen in England. Schon 
im Jahre 1178 und 1180 begegnen wir den Übersetzungen des 
Ter enz, welche der Benediktinermönch Henry und der Abt 
von Peterborough veranstalteten. 1 ) Terenz wurde in England 
überhaupt oft übersetzt, und wenn Price von einer fast vollstän- 
digen Unbekanntheit des Terenz im Mittelalter spricht, so ist er 
leicht zu widerlegen. 2 ) 

„Gegen 1490 beginnt man die Klassiker wieder zu lesen. 
Zwischen 1550 und 1616 werden die Werke aller römischen und 
griechischen Geschichtschreiber und Dichter von Belang ins 
Englische übersetzt." 3 ) So übertrugen z. B. Alexander Ne- 
vyle, Jon Studley, Thomas Nuce, Jasper Heywood 
(1559 — 1581) den Seneka.*) (Herkules 1561. Troas 1559. 
Thyestes 1560.) Die Übersetzungen des Terenz sind 
zahlreich. 5 ) 



') War ton. I, 213: Henry a Benedictin monk of Hyde abbey 
near Winchester transcribed in the year 1178 Terence . . . Bene- 
dict abbot of Peterborough, author of the latin chronicle of King 
Henry II . . . transcribed Terence . . . about the year 1180. 

2 ) Ebenda. IT, 217. M. Price 's assertion as to the almost total 
obliviscence of Terence in the middle ages is not founded on fact. No 
classic author is offener quoted by monkish writers, and in the Bri- 
tish Museum alone there are above thirty Mss. copies written 
between the tenth and fifteenth centuries. 

3 ) H. Taine, Geschichte der englischen Litter atur. (Leipzig 1877 
bis 1880.) Deutsch bearbeitet von L. Katscher (Bd. 1) und GL Gerth 
(Bd. 2. 3). I, 241. 

4 ) A history of English dramatic litterature to the death of Queen 
Anne by Adolphus William Ward. London 1875 (Macmillan & Co.). 
S. 106. - Collier. HI, 13. 14. 

5 ) Ebenda. S. 141: An English version of the Andria of Terence 
was printed in 1530, and seems to have intended for representation. 
(Collier. I, 88.) Another translation of the Andria was printed in 1588. 
„Old Chremes in the play" is mentioned in the Death of Robert Earl 
of Huntington. — Das Dictionary of Old English Plays existing 
either in print or in inanuscript from the earliest times to the close of 
the seventeenth Century, including also notices of latin plays written 
by English authors during the sanie period by James 0. Halliwell 
Esq. F. R. S. London (John Russell Smith 1860) führt an: S. 17. Andria. 
Terens in Englysh. or the translacyon out of Latin into Englysh of the 



Tragiker in England. 75 

Collier 1 ) nennt auch ein interlude „Jack Juggler", das 
zehn his fünfzehn Jahre nach der Andria des Terenz erschien 
und auf dem Amphitruo des Plautus heruhte. 

Jocasta, nach den Phönissen des Euripides, wurde 1566 



first comedy of Tyrens, callyd Andria. [Black letter, but tlie text, by 
the side of the translation, is printed in Roman cliaracters. No dated. 
Supposed to be printed by Kastell.] — Andria. Comedy by Maurice 
Kyffin. 4to. 1588. [Tbis appears to be tbe second translation in our 
language of any of Terence's works. It is printed in tbe old black let- 
ter and bas tbe following füll title: „Andria, tbe first Comoedie of Te- 
rence, in Englisb. A Furtherance for tbe Attainement unto the right 
Knowledge and true Proprietie of tbe Latin Tong."] Dieses Buch bat 
zwei Widmungen. In der zweiten beisst es, dass Kyffin vor sieben 
Jahren das Meiste dieser Komödie in Versen übersetzte, jetzt aber Prosa 
vorzog. ■ — • Andria, comedy translated from Terence by Richard 
Bernard. 4to. 1598. 1607. 1614. 1629. — Andria, Comedy translated 
from Terence, by Thomas Newman. 8vo. 1627. [This translation was 
made for scholar's private representation in their schools.] — The first 
comedy of Pub. Terentius, called Andria; or the Woman of Andros. 
English and Latin; claused for such as would write or speake the pure 
language of this author after any method whosoever, by specially after 
the method of Dr. Webbe. 4to. 1629. — Ferner findet sich die Andria 
bei Charles Hoole, six comedies of Terence 1663 und in Comedies 
made English by L. Echard (1694). — (S. 88.) Eunuchus. A trans- 
lation of one of Terence's comedies by Richard Bernard. 4to. 1598. 1629. 
— The Eunuch, a comedy translated by Thomas Newman 1627. (Ferner 
bei Hoole 1663 und Echard 1694.) — Die Tragödie The Eunuch von 
William Heminges (4to. 1687) hat nichts mit Terenz gemeinsam. — 
(S. 114.) Heauton timorumenos. A comedy by Terence, translated 
by R. Bernard. 4to. 1598. 1629.— (S. 194.).. Phormio. A comedy by 
Richard Bernard. 4to. 1598. Weitere Übersetzungen von Hoole, 
Patrick, Echard u. a. — (S. 115.) Hecyra, a comedy translated from 
Terence by Richard Bernard. 4to. 1598. 1629. — Bernard (1598. 
1607. 1614. 1629. 1641), Hoole (1663. 1670. 1676), Echard (1694) u. a. 
lieferten auch Übersetzungen der Adelphi. — Collier. I, 89. DI, 363. 
DU, 13. — Über Echard s. Voisenon, Oeuvres. IV, 144. — Ganz mecha- 
nisch sind die Bearbeitungen nach Dr. Webbes System, z. H. The | 
second comedie | of | Pvb. Terentivs | called | Eunvchvs, | or, | The Eu- 
nuche | English and Latine: | Claused for such as would write or speake ] 
the pure Language of this Author, after any Method | whatsoeuer but 
especially after the Method | of Dr. Webbe. London 1629. (237 S.) Dort 
ist z. B. die Einleitung des ersten Aktes, wie folgt: 



"TVThat shal — — 

' » I doe — 1 there- 

— — fore ? 


2. 1. 1. 1. 


r\uid igitur 
W> faciam 


should I not goe? 


2. 1. 1. 2. 


Non eam 


what, not now, 


2. 1. 1. 3. 


ne nunc quidem 


when I am sent for 


2. 1. 1. 4. 


Cum accersor 



u. s. w. Man hat es also hier mit keiner Kunstübersetzung, sondern 
nur mit einem Schulversuch zu thun. 

') A. a. 0. DJ, 16. „Founded upon a play by Plautus." 



76 Aufführungen alter Komiker 

gespielt in der Bearbeitung von Gascoigne, Francis Kinwelmarsh 
und Christopher Yelverton. ') 

In den Klöstern spielte man häufig Plautus und Terenz. *) 
Studierende spielten wahrscheinlich in lateinischer Sprache vor 
König Heinrich VIII. in Greenwich Plautus (1528), 3 ) die 
Andria des Terenz in Oxford (1559), 4 ) die Aulularia (1564) 
iu Gegenwart der Königin Elisaheth, 5 ) unter deren Regierung 
die lateinische Schulkomödie besonders blühte. 6 ) Indessen, das 
Volk sich seines Theaters freute, spielten die Studierenden ihre 
Komiker 7 ) und waren so „almost the only, certainly the most 
rational companies of players that existed 1 '. 8 ) Ihre Lehrer ver- 
sahen sie dabei mit den nötigen Stücken. 9 ) 

Selbst griechische Lustspiele gelangten zur Aufführung, 



') A. a. 0. ITC, 6. 16. — Warton (IV, 323) bezeichnet dieses ano- 
nyme interlude, „licensed and prob ably printed in 1563", als „the ear- 
liest adaptation from Plautus in the English language". 

2 ) Ebenda (IV, 3): Robert Barnes, prior of the Augustins at 
Cambridge, at Louvain, with the assistance of bis scholar Thomas 
P am eil, explained within the walls of his own monastery Plautus, 
Terence . . . (um 1530). 

3 ) Ebenda (III, 289): ... in 1528 a goodly comedy of Plautus pro- 
bably in Latin was played before Henry VUI. at Greenwich. (Holin- 
shed. LH, 850.) — Flögel, Gesch. d. kom. Litt. IV, 211. — Nach Klein. 
XIII, 116 im Jahre 1§20. 

4 ) Ebenda (III, 304): In an audit-book of Trinity Colledge Ox- 
ford (I think for the year 1559), I find the following disbursements 
relating to this subject „pro apparatu in comoedia Andriae VII 1. 
IX s. IV d. pro refectione praefectorum et doctorum magis illustrium 
cum Bursariis prandentium tempore comoediae IV 1. VII d." that is for 
dresses and scenes in acting Terence's Andria. 

5 ) Ebenda (IU, 306): In the year 1564 Queen Elizabeth had ho- 
noured the University of Cambridge with a royal visit. Here she was 
present at the exhibition of the Aulularia of Plautus and the tra- 
gedies of Dido . . . and Hezekiel. — Klein. XUI, 178. 

c ) A History of English literature by Thomas B. Schaw. London 
1878. (S. 111): The times of Elizabeth and James were particularly fer- 
tile in Latin dramas composed at the universities and these sovereigns . . . 
were entertained by the students of Oxford and Cambridge with Latin 
plays. — Collier. III, 13 A classical taste began to be generally ap- 
parent very soon after Elizabeth came to the crown, and it produced 
its effects upon our national drama. 

T ) AVarton (HI, 310). The scholars of the times 'were coinposing 
and acting plays on historical subjects and in imitation of Plautus 
and Terence. 

*) Ebenda. 

9 ) The learned school-master Udall (-{• 1556) did not deem it un- 
worthy to provide amusement for his boys by writing comedies after 
Plautus and Terence, for theni to perform. (Gorboduc, ed. L. 
Toulmin Smith. Heilbronn 1883, S. VI.) — Vgl. auch zur Sache: 
S. Payne Collier, The History of English Dramatic Poetry to the 
time of Shakespeare; and annals of the sta^e to the restoration. Lon- 
don 1831. H. Bd. 



in England. Boister Doister. 77 

so der Plutus des Aristophanes in Cambridge. 1 ) Im Prologe zu 
Udalls Roister Doister werden Plautus und Terenz aus- 
drücklich genannt-, 2 ) Shakespeare erwähnt im Hamlet 3 ) Plau- 
tus und Seneka: „Seneca cannot be too heavy, nor Plautus 
too light;" 4 ) Skelton lässt in seiner allegorischen Dichtung 
Garland of Laurel alle ,,poets laureate" vor Pallas erscheinen, 
darunter auch Mai st er Terence, „the famous comicur with 
Plautus." 5 ) In William Cartwrights (geb. zwischen 1611 
und 1615; gest. 1643) ..The lady errant" (1651) ist eine Szene 
dem Aristophanes entnommen. 6 ) 

Freilich fehlte es auch in England nicht an Agitationen 
gegen die klassische Litteratur. Um frühere zu übergehen, müsste 
man auf den berüchtigten Histriomastix des William Prynne 7 ) 
hinweisen, dessen allgemein theater feindliche Stellung sich auch 
gegen die Alten kehrt. Alle Christen, meint er, hätten dahin 
zu wirken, die Verbreitung der heidnischen Autoren zu verhin- 
dern, vornehmlich „Ovids wanton Epistles and Bookes of love, 
Catullus, Tibullus, Propertius, Martiall, the Comedies of Plau- 
tus, Terence and other such amorous bookes savouring either 
of Pagan Gods, of ethnicke rites and ceremonies or of scurrility 
amorousnesse and prophanesse. " 8 ) 

Allerdings war der Einfluss der lateinischen Komödiendichter 
auf die Theaterentwicklung auch in England von ganz besonderer 
Macht, 9 ) und nicht mit Unrecht griff darum Prynne auch diese 
an. Zu welch herrlichen Figuren die antiken Gestalten gerade. 



') Ward a. a. 0. S. 141. It may be worth remembering that a 
comedy of Aristophanes, the Plutus had been performed at Cambridge 
in the original Greek about the same time (um 1588). (Morley, first 
sketch. p. 301.) 

2 ) Ebenda. 

3 ) Akt 2. Szene 7. 

4 ) Dazu bemerkt Warton (III, 309): I believe, the frequency of 
these school-plays suggested the name of Seneca and Plautus as dramatic 
authors, where Hamlet speaking of a variety of theatrical Performances 
says: Seneca u. s. w. — Man bemerke jedoch die ganz richtige Charak- 
terisierung beider als heavy und light. 

5 ) War ton. HI, 281. 
fi ) Halliwell. S. 140. 

7 ) Histriomastix, the Player's Scourge or Actor's Tragedy. Lond. 
1633, doch schon 1632 erschienen. (Collier. H, 39.) 

8 ) Warton. IV. 232. 

!1 ) Ward a. a. 0. S. 146. „Comedy sprang more easily from the 
lnoralities through the transitional phase of the interludes and with the 
aid of the examples of Plautus aud Terence and secondarily of the 
Italian comic dramatists." — Man vgl. unter anderm auch z. B. George 
Gascoignes (gest. 7. Okt. 1577) „tragicall comedie" — The Glasse 
of Gouernement — wo sich ganz in römischer Art Kuppler, prah- 
lerische Krieger, Parasite, Sklaven u. dgl. finden. (S. Collier, Hist. 
Dram. Poet. HI, 7.) — Child, Four Old Plays. Introduction XXIX. 



78 Shakespeare. Th. Heywood. 

in England sich ausgebildet haben, wird die weitere Darstellung 
zu zeigen haben. 

Die direkten Nachahmer des Plautus sind in Eng- 
land weniger, als anderswo; unberechenbar jedoch ist 
der Einfluss, welchen gerade hier die römischen Ko- 
miker geübt haben, zahllos die Szenen, unzählbar die Stellen, 
welche die an ihnen herangebildeten Dichter denselben ent- 
nommen haben. 

Shakespeare hat in seinem Lustspiele „the Comedy of 
Errors" — gleichviel, woher er den Stoff schöpfte 1 ) — die 
Menächmi des Plautus verewigt. Während die einen hart- 
näckig dem grossen Dichter die Fähigkeit absprechen, die antiken 
Komiker zu lesen, suchen und finden andere bei ihm zahlreiche 
Stellen, welche eine Kenntnis des Plautus 2 ) und Terenz 3 ) be- 
weisen sollen. 

Thomas Heywood (1582 — 1640) dichtete nach Plautus 
die Sage vom Amphitruo in seinem „The silver age"; er be- 
nützte einen guten Teil der Mostellaria in seinem „The 



J ) Siehe hierüber unter Menächmi. — Vgl. Paul Stapfer, Shake- 
speare et l'antiquite. (Paris 1879.) Bd. I, S. 125. „De quelque maniere 
que Shakespeare ait connu l'oeuvre de Piaute, les Mänechmes sont 
la source classique de la comädie des Mäprises." 

2 ) G. Colmau, der Übersetzer des Terenz (1765) äussert sich 
hierüber (XXI): Besides the ressemblance of particular passages, scat- 
tered up and down in different plays, it is well known, that the whole 
Comedy of Errors is in great measure founded on the Menaechmi 
of Plautus; but I do not recollect ever to have seen it observed, that 
the disguise of the Pedant in the Taming of the Shrew, his assuming 
the name and character of Vincentio together with his encountering the 
real Vincentio, seem to be evidently taken from the disguise of the 
Sycophanta in the Trinummus of the same author: and there is a 
quotation from the Eunuch of Terence also, so familiarly introduced 
into the dialogue of the Taming of a Shrew, that I think, it puts the 
question of Shakespeare's having read the Roman comick 
Poets in the original language out of all doubt. 

Tranio: Master, it is no time to chide you now. Affection is not 
rated from the heart. If love hath touch'd you, nought remains but so. 

Bedime te captum quam queas minimo. 

Lorenz (Ausg. des Miles) S. 262: „Dass W. Shakespeare den Plau- 
tus kannte und schätzte, ist aus verschiedenen Thatsachen ersichtlich; 
namentlich aus seiner Comedy of Errors; es ist auch möglich, dass 
ihn bei den verschiedenen Katastrophen in Merry wives of Windsor 
zuerst die Erinnerung an die Schlussszene im Miles gloriosus leitete; 
er verdankt jedoch weder ihr noch überhaupt den plautinischen Schil- 
derungen irgend etwas für jene unvergleichlichen prahlerischen und 
feigen Wüstlinge und Spitzbuben." 

3 ) Anklänge Shakespeares an Terenz bemerkte Colman: Preface 
p. XX; XXIL S. 115. 150. 156. 274. 375. 380. 484. — Vgl. die Abhand- 
lung (2) „Einflüsse des Altertums" bei Max Koch, Shakespeare 
(Stuttg. 1885), S. 145 — 159, und die Einleitung zum ersten Bande 
bei P. Stapfer. 



Dryden. Shadwell. Fielding u. a. 79 

English traveller". — Jolin Dryden (1631 — 1700) ahmte den 
Amphitruo nach, welchen später Hawkesworth überarbeitete. 
Shadwells „Miser", sowie Henry Fieldings (geb. 22. April 
1707; gest. 8. Oktober 1754) „The Miser" verdanken ihre 
Entstehung' weniger der Aulularia als Molieres „Avare"; sowie 
auch des letzteren Vaudeville „The intriguing chambermaid" 
zwar der Stoff der Mostellaria ist, jedoch zunächst auf Reg- 
nard beruht. 

Die Ausgaben der hervorragendsten englischen Bühnendichter 
weisen zahlreiche Reminiszenzen an die alten Komiker auf. Nicht 
bloss der gelehrte Ben Jonson (geb. 11. Juni 1574; gest. 16. 
August 1637) steht in seinem Stücke The case is altered auf 
dem Boden der Aulularia und Captivi und streift die 
Mostellaria in seinem Alchemist, die Casina in seiner 
Epicoene, den Miles mit seinem Kapitän Bobadill, auch 
andere zeigen allenthalben die Spuren der Alten. 

Der Verfasser des Stückes Timon 1 ) ist sehr vertraut mit 
den Lateinern und insbesondere mit Plautus. Die Namen 
seiner Personen — Gelasimus, Philargurus, Grunnio — 
weisen auf diesen Dichter hin; einzelne Stellen sind ihm wörtlich 
entnommen. So weist z. B. (S. 9) „her gowne is rent" auf den 
Truculentus (V. 53): „Aut aurum periit, aut conscissa est 
pallula", hin. 

Die Stelle (S. 52): 

Grunnio: He teils 

How many spyders are about his house, 

Leaste any one of vs steale one of them; 

And in a vessell cliarily does keepe 

The vrine of his hungry faniily, 

And sells it to the diares; when he sleepes, 

Ties a pair of bellowes to his winde pipe. 

Obba: Why soe? 

Grunnio: Leaste in his sleepe he lose parte of his breathe 

ist natürlich der Aulularia (V. 295) entnommen: 

Strobilus: Quin, quom it dormitum, follem [sibi] obstringit ob gulani. 

Congrio: Cur? 

Strobilus: Ne quid animae forte amittat dormiens. 

Die ganze an Erinnerungen an lateinische, ja sogar griechische 
Autoren reiche Komödie beweist, dass ihr Verfasser „in Athen 
wohl zu Hause [ist]; seine Hauptquelle ist Plautus; aber 
auch Lucian und Aristophanes kennt er". 2 ) 



') Timon, a play. Now first printed. Edited by the Rev. Alex- 
ander Dyce. London (Shakespeare Society) 1842. 
2 ) Rapp, Studien. S. 127. 128. 



80 Massinger. Middleton. Lilly u. a. 

Philip Massinger (geb. 1584; gest. 17. März 1640) ist 
überreich an Stellen, die Juvenal, Horaz, Sophokles entnommen 
sind; sein „A very woman" hat eine Szene ans dem Curcnlio. 
— Thomas Middleton (gest. 1628) hat zu seinem „No wit 
(help) like a woman's" beim Epidicus des Plautus geborgt. 
Eine ganze Reihe plautinischer Erinnerungen bietet das nach dem 
Italiener de IIa Porta gearbeitete Stück Tomkins' Albuinazar. 
John Lillys „A pleasant conceited comedie" : Mother Bombie 
(gedr. 1594 und 1598) ist nach Rapp 1 ) „im Sinne des Terenz" 
geschrieben. Ebenso beruht der Gedanke von John Marstons 
„The Parasitaster or the Fawn" (1606) 2 ), auf Terenz' 
Adelphi „und ist nachher von Moliere in der Ecole des Maris 
methodischer entwickelt worden". 3 ) Wieder nach den Adelphi 
des Terenz ist „the scornful lady /J ) (1616) des Dichterpaares 
Beaumont (1585—1615) und Fletcher (1576— 1625) 5 ) gear- 
beitet. Das Lustspiel des Thomas Sh ad well „The squire of 
Alsatia" (1688) beruht gleichfalls auf den Adelphi des Te- 
renz. 6 ) Ein grosser Verehrer des Terenz ist William Con- 
greve (1672 [?] — 1729), der sich diesen Dichter, den er „the 
most correct writer in the world" nennt, zum Vorbild 
nimmt. 7 ) Auch George Colman (1733 — 1794) benützt die 
Alten. 8) 

Ob in Anthony Mundays „John a Kent and John a Cum- 
ber" (1595) wirklich ein Einfluss des Amphitruo thätig war, 
wie Rapp 9 ) annimmt, ob auf Addisons Gespenst mit der 
Trommel die Mostellaria, auf Drydens Sir Martin Mar-all 



') Studien. S. 37. 

2 ) Haliwell. S. 188. 

3 ) Rapp, Studien. S. 41. 

A ) Im zweiten Bande von „The works of Beaumont and Flet- 
cher". Ausg. von Weber in vierzehn Bänden. Edinburg 1812. 

5 ) Rapp, Studien. S. 65. 

6 ) Haliwell a. a. 0. S. 236. „This play is founded on the Adel- 
phi of Terence, the characters of the two eider Beifonds being 
exactly those of the Mincio and Demea and the two younger Bel- 
fonds, the Aeschinus and the Ctesipho of that celebrated comedy." 

7 ) In der Widmung seines Lustspieles, „The way of the world" 
an Ralph, Earl of Montague, sagt er: Some of the coarsest strokes of 
Plautus so severely censured by Horace, were more likely to affect the 
multitude; such who come with exspectation to laugh at the last act 
of a play and are better entertamed with two or three unseasonable 
jests than with the artful Solution of the fable. Alsdann folgt ein 
grosses Lob des Terenz. 

8 ) So bemerkt z. B. der Herausgeber von „The jealous wife", a 
comedy of George Colman (London 1792), S. 3. „The short scene of 
Charles's intoxication at the end of the third act is partly an imitation 
of the behaviour of Syrus muck in the same circumstances, in the 
Adelphi of Terence." 

9 j Studien. S. 55. 



Die alten Komiker in den Niederlanden. Q\ 

die Bacchides, 1 ) auf Murphys „The Citizen" der Mercator 
eingewirkt hat, 2 ) mag dahingestellt hleiben. Mit besonderer Vor- 
liebe aber bearbeiteten englische Lustspieldichter die Gestalt des 
prahlerischen Thraso und Pyrgopolinices. Voran schreitet 
Udall mit seinem Royster-Doyster, dem Miles gloriosus, 
der in zahlreichen englischen Stücken, in Lillys Endimion, 
Chapmans May-day, Beaumonts und Fletchers: A king 
and no king und the custom of country, in W. Congreves 
„Old batchelor" und vielen andern eine hervorragende Rolle 
spielt, der Verbreitung, die er als Bobadill des Ben Jonson, 
und der Verklärung, die er als John Falstaff bei Shakespeare 
samt seinem Gefolge erreicht, nicht zu gedenken. (S. S. 106.) 
Eine Übersetzung des Plautus lieferte 1767 Bonnel 
Thornton. 3 ) 

In den Niederlanden treffen wir im Jahre 1615 eine 
Nachahmung des Eunuchen des Terenz in dem Lustspiele 
„Moortje" (das Mohrenmädchen) des Gerbrand Adriaanse 
Brederoo (1585 — 1618). 4 ) Ein Jahr später schrieb Pieter 
Cornelisz. Hooft (1581 — 1647), durch Brederoos Moortje ver- 
anlasst, sein Lustspiel Warenar, eine Nachahmung und Lokali- 
sierung der Aulularia des Plautus, die sich hohe Anerkennung 
errang. 5 ) Das Moortje wurde später von Dr. Coster nachge- 
ahmt. 6 ) Jonckbloet zeigt übrigens, aus welchen Gründen 
diese lateinischen Komödien den Niederländern nicht besonders 
anstunden. 7 ) — Eine holländische Terenz Übersetzung stammt 
(aus 1596) von Cornelis van Ghistele, eine weitere (aus 1633) 
von Jacob Westerbaen (1599—1670). 

In Dänemark entwickelte sich im sechszehnten Jahr- 
hundert eine besondere Vorliebe für die antike Litteratur und 
speziell die Komiker. Es erschienen Übersetzungen des Ovid, 
Terenz u. a. Klassiker. 8 ) König Friedrich IL (1559 — 1588) 



*) T. Maccii Plauti comoediae, recensuit et enarravit Joannes 
Ludovicus Ussing. (Havniae, sumptibus librariae Gyldendalianae 1875.) 
Bd. IL S. 370. 

2 ) Rapp, Studien. S. 170. 

3 ) The Comedies of Plautus translated into familiär blank verse. 
2 voll. London 17(37. (2. Ausg. 1769.) 

4 ) W. J. A. Jonckbloet, Geschichte der niederländischen Litteratur. 
Deutsche Ausg. von W.Berg. 2 Bde. (Lpz., Vogel 1870. 1872.) IL Bd. S. 129. 

s) Ebenda. LI, 132. 

6 ) Ebenda. II, 131. 

*) Ebenda. IL, 133 ff. 

8 ) Alberti Thura . . . | Conspectus | Danorum, | qui | partim com- 
mentariis j suis eruditis, | partim quoque versio uibus Danicis, | de | lin- 
guäe Romanae | et Graecae | scriptoribus | meruerunt . . . Hafniae 1740. 
Eine Reihe von dänischen Humanisten siehe bei Graesse, Allgemeine 

6 



g2 Holberg und die alten Komiker. 

liess den Terenz übersetzen und in prachtvoller Ausstattung vor 
dem versammelten Hofe spielen. ') 

Der bedeutendste Interpret der alten Komödiendichter ist in 
Dänemark Ludvig Holberg (geh. 1684 in Bergen; gest. 
28. Januar 1754) geworden. Mit Bewunderung hing er an den 
Komikern Terenz und Plautus, besonders an letzterem, dessen 
„Amphitruo, Aulularia und Menächmi noch immer die 
schönsten Stücke sind, die wir haben."' 2 ) 

Bei dieser Anschauung von den Alten ahmte ihnen Holberg 
eifrigst nach. Sein glücklicher Schiffbruch ist nach den 
Wolken des Aristophanes. 3 ) Sein Abracadabra oder das 
Hausgespenst basiert auf der Mostellaria des Plautus. 4 ) 
Der Dietrich Menschenschreck, oder wie Holberg das Stück 
in der Lebensbeschreibung (H. S. 177) nennt, „Der listige 
Heinrichs," ist dem Pseu dolus und stellenweise dem Curculio 
nachgeahmt. Im Jacob von Thyboe hat er hauptsächlich den 
Miles gloriosus des Plautus und den Thraso des Terenz 
vor Augen gehabt. 5 ) Auch in anderen Dingen verleugnet Hol- 
berg seine Vorbilder nicht, deren Gestalten er insgesamt auf die 
Bühne bringt, und deren er sich unwillkürlich oft erinnert. 6 ) 



Litteraturgeschichte. II, 2. S. 934; bei Marinier, Histoire de la litte- 
rature en Danemark et en Suede. Paris 1839. S. 27 — 39. — Vgl. Lud- 
vig Holbero-. Sein Leben und seine Schriften. Von Robert Prutz. 
Stuttgart 1857. S. 32. 

') Marinier a. a. 0. S. 95. Souvent ä Copenhague, il (Frederic LT) 
faisait venir les etudiants au chäteau pour representer des pieces dra- 
matiques, et le jour de la naissance de son fils Chretien IV., il les appela 
pour jouer une tragedie (!) de Terence. — Prutz. S. 33. 

-) Verm. Briefe. Bd. HI, Brief 7. S. 37. — Prutz. S. 151. 

3 ) Ebenda. S. 191. 

<) Verm. Briefe. Bd. V. Brief 9. S. 72. - Prutz. S. 169. 190. 205. 

5 ) Ebenda. S. 131. 190. 

6 ) So gedenkt er in „Henrich og Pernille" des Amphitruo. 
(Ludvig Holbergs Comedier udgivne for det Holbergske Samfund af 
F. L. Liebenberg. [Kjöbenhavn 1849.] Fj erde Bind, p. 34.) Har jeg 
mine dage hört magen til saadant? Her spilles jo samme historie 
med mig som med Amphitrion. Mine huusfolk tar mig for een der 
löber med limstangen. Jeg befaler. de svare at jeg har intet at befale. 
Jeg spör om min Tiener, de sige han gik ud med Herren for en halv 
tiime siden. Jeg siiger dem, at jeg er herre i huuset, de svare: ikke i 
dette, men maaskee i et andet. Jeg giör mig vreed, de viiser mig dör- 
ren, og truer mig med deres herre. 0m jeg stod paa mit hoved, saa 
kan jag ikke begrübe det ringeste deraf. Men der ser jeg Arv. Hör 
Arv. (Die dänische Schaubühne, geschrieben von dem Freyherrn Lud- 
wig von Holberg und nun in die deutsche Sprache übersetzet. Dritter 
Band. (Copenhagen u. Leipzig, verlegts Gabriel Christian Rothe 1750.) 
Seite 217: Hab ich mein Lebtag dergleichen gesehen oder gehört? Hier 
spielt man ja eben dieselbige Historie mit mir, wie mit Am- 
phitrion. Mein Gesind will mich nicht erkennen. Ich befehle, und 
meine Leute antworten, ich hätte nichts zu befehlen. Ich frage nach 
meinen Laqvaien; so heissts: Er seye von einer halben Stunde mit sei- 



Die alten Klassiker in Ungarn. 83 

So verdient er wohl, von Gottsched als der „dänische 
Terenz", 1 ) von Prtitz 2 ) als der „dänische Plautus" bezeichnet 
zu werden, und in der Vorrede zur deutschen Schaubühne (1740) 3 ) 
heisst es mit Recht: „dieser berühmte und sinnreiche Mann hat 
in Dänemark dasjenige geleistet, was Plautus in Rom oder 
Moliere in Frankreich gethan haben." 

Weniger gepflegt waren die lateinischen Komiker in Schwe- 
den, da noch im Jahre 1865 Henning Wendell in seiner 
Übersetzung der Andria 4 ) seine Arbeit als die erste derartige 
in Schweden bezeichnen kann. 5 ) 

In Ungarn enthielt die reiche Corvina 6 ) Handschriften aller 
plautinischen und terentianischen Stücke. 7 ) Johannes Sambucus 
(Zzämboki) gab im sechszehnten Jahrhundert den Plautus, 8 ) 
Esaias Budai (1685) den Terenz heraus. 9 ) Schon früher finden 
sich vereinzeinte Übersetzungen der Klassiker, wie die von Bartho- 
lomaeus Frankfurter gefertigte Übertragung der Batracho- 
myomaehie, sowie die in plautinischer Form und Stil 
abgefasste Komödie „Gryllus". 10 ) Später (1782) übersetzte 



nem gnädigen Herrn ausgegangen. Ich sage ihnen, ich sey der Herr im 
Haus, so ist ihre Einwendung: nicht in diesem, vielleicht in einem an- 
dern. Ich zürne, und sie weisen mir die Thür und drohen mir, es ihrem 
Herrn zu klagen. Ohnmöglich kann ich diese Begebenheit begreifen. 
Aber hier sehe ich Hansen." — .Der plautinische Amphitruo war im 
Jahre 1723 in dänischer Übersetzung in Kopenhagen aufge- 
führt worden. Hierüber berichtet Alb. Thura (I.e. S. 5): „Cornoedia 
vero Plautina. Amphitruo dieta. Danice translata est, & in Theatro 
Hafniensium Danico publice an. 1723 exhibita, moxque Hafn. aliquoties 
edita in 8." — Der erste Band einer dänischen Übersetzung des 
Plautus von Guldberg erschien 1812 in Kopenhagen. 

•) Die dänische Schaubühne. S. V. — Prutz. S. 201. 

2 ) A. a. 0. S. 222. 

3 ) Vom Jahre 1740. (IL Teil Lpz. 1746.) 

4 ) Flickan frän Andros. Lustspei af Publius Terentius Afer, af 
H. Wendell. (Lund 1865.) 

5 ) „Den öfersättning af Terentii Andria är, sävidt jag har mig be- 
haut, den första i sitt slag pä svenska spräket." Dagegen 
spräche allerdings eine Notiz in Schweigers Handbuch (LI, 2; S. 1083), 
wo angeführt wird: Terence Comedier, pä svensk öfversatt. 3 tom. 12. 
Stockholm 1699—1708. 

u ) Vgl. Litterarische Berichte aus Ungarn, herausgegeben von Paul 
Hunfalvy. Zweiter Band (Budapest, Knoll 1878). S. 556—581. Die 
Bibliothek des Königs Matthias Corvinus von Dr. Eugen Abel, wo 
S. 581 berichtet wird, die Corvina sei den grösseren gleichzeitigen ita- 
lienischen Bibliotheken (Laurentiana, Vaticaua, Marciana u. a.) gleich- 
gestanden. 

7 ) Ebenda. S. 569. 

8 ) Ebenda. S. 238 — 262. Die klassische Philologie in Ungarn von 
Dr. Eugen Abel. S. 247. 

9 ) Ebenda. S. 249. 

10 ) Ebenda. S. 247. „Andrerseits können auch die von Bartho- 

6* 



84 Die alten Komiker in Deutschland. 

Alexander Kovasznay in ungenügender Weise Stücke von 
Plantus und Terenz in Prosa (Mostellaria, Andria);') im 
Jahre 1828 übersetzte Johan Kis die Andria und 1831 den 
Eunuchus. -) Ob Georg Fejers, „der alte Geizhals", der nach 
einer lateinischen Handschrift ins Ungarische übersetzt wurde, 3 ) 
auf der Aulularia beruht, vermag ich nicht zu bestimmen. 



Hinsichtlich seiner Vorliebe für die klassische Litte- 
ratur und des Verständnisses derselben darf sich Deutsch- 
land mit Italien messen. 

Frühe begegnen wir hier der Gandersheimer Nonne Hrots- 
witha (=Clamor validus), gegen 980(967), welche in ihren sechs 
Stücken, dramatisierten Legenden, 4 ) der Freiheit der terentianischen 
Komödien einen Damm entgegensetzen wollte. Das überschweng- 
liche Lob, das ihr Gottsched, 5 ) bei welchem sich Gallicanus 
übersetzt findet, gespendet hat, kann man nicht teilen. Ihre 
Stücke sind vielmehr nichts weiteres als verunglückte Nach- 
ahmungen des terentianischen Stiles; 6 ) Plautus kannte sie 
nicht. 7 ) Übrigens lässt selbst die äussere Form dieser Spiele 
keinen Vergleich mit Terenz zu". 8 ) Ihre Stücke waren trotz 
der Annahme einiger Gelehrter 9 ) für die Aufführung nicht be- 



lomaeus Frankfurter verfässten Übersetzungen der homerischen Ba- 
trachomyomachie und die in plautinischem Stile gehaltene Komödie 
,Gryllus' als Zeichen dienen, dass die klassische Philologie auch bei 
uns eine ernstere Richtung genommen hätte, wenn nicht die unglück- 
liche Schlacht bei Mohäcs (15^6) mit Einem Schlage auf lange Zeit alles 
wissenschaftliche Leben in Ungarn vernichtet hätte." 

') Geschichte der ungrischen Dichtung von den ältesten Zeiten bis 
auf Alex. Kisfaludy von Toldi. Übersetzt von Gustav Stein- 
acker. Pest (Heckenast) 1863. S. 373. 

2 ) Litterarische Berichte u. s. w. LT, 252. 

3 ) Toldi. S. 449. 

4 ) Abraham; Callimachus; Dulcitius; Fides et Spes, die Töchter der 
Sapientia; Gallicanus; Paphnutius. (Ft. Koepke. Ottonische Studien. 
II. Hrotsuit von Gandersheim.) (Berlin 1869.) 

5 ) Nöth. Vorrath. IL 6-39. 

6 ) K. Gödeke, Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung 
aus den Quellen. 2. Aufl. (Dresden 1884.) I, 32. 486. — Ward. S. 3. 
Hroswitha borrowed nothing but the outward form of Terence. — Ed. 
du Meril, Origines lat. S. 16. 

7 ) „Plauti comoedias Hrosuitham legisse Rudolphus Koepkius 
in docto, quem de ea scripsit libro p. 142. 143. 145 existimat; sed ut 
dubitanter loquatur." S. die Widerlegung inMauricii Hauptii opus- 
cula. (Lipsiae 1876.) Vol. HI. S. 587. — Hase, Das geistliche Schau- 
spiel. S. 9. 

8 ) H. Kurtz, Geschichte der deutschen Litteratur mit ausgewählten 
Stücken. (Lpz. 1873.) I. 715. 

9 ) Z. B. Charles Magnin (1845) und W. E. Hartpole Lecky, 



Hrotswitha. Notker Labeo. Nythart. 85 

stimmt und kamen auch nie auf die Bühne. a ) Sie waren nur auf 
die Lektüre berechnet. 2 ) 

Schon am Beginne des elften Jahrhunderts übersetzte ein 
Mönch von St. Gallen, Notker Labeo (gest. am 22. Juni 
1022), die Andria des Terenz. 3 ) Die Arbeit, über welche er 
an den Bischof von Sitten berichtete, ist verloren gegangen. 

Bekannt ist auch, welchen Sinn der deutsche Kaiser Otto 
der Grosse (936 — 973) für die Schönheit der Dichtungen des 
Terenz besass. 4 ) 

Mit der Veröffentlichung der Komödien der Hrotswitha durch 
den allenthalben 5 ) thätigen Konrad Pickel (M eis sei), genannt 
Celtis, aus Wipfeld (1459 — 1508), wurde auf Terenz nachhaltig 
hingewiesen und dessen Nachahmung gefördert. 

Das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts brachte in Deutsch- 
land verschiedene Terenzübersetzungen. Aus dem Jahre 1486 
stammt der Eunuchus des Nythart aus Ulm: Hernach volget 
ain Maisterliche vnd wolgesetzte Comedia, zelesen vnd zehören 
lüstig vnd kurtzwylig, die der Hochgelert vnd gross Maister vnd 
Poet Tberencius gar subtill, mit grosser kunst vnd hohem flyss 
gesetzt hat, darin man lernet die gemuet aigenschaft vnd sitten 



Geschickte des Ursprungs und Einflusses der Aufklärung iu Europa. 
Deutsch von Jolowicz. Lpz. 1868. II, 243. — Genee, Lehr- u. Wander- 
jahre des deutschen Schauspiels. Berl. 1882. S. 7. — Glaser, Gesch. 
des Theaters in Braunschweig. 1861. S. 3. 

') Gottsched, Nöth. Vorr. I, 4 ff. — E. M. Plümike, Entwurf 
einer Theatergeschichte von Berlin. (Berlin u. Stettin 1781.) S. 5 u. 6. — 
Gervinus. II, 564. — Grimm, Latein. Gedichte des X. und XI. Jahr- 
hunderts. — A. Koberstein, Grundriss der Geschichte der deutschen 
Nationallitteratur. 6. Aufl. Lpz. 1884. I, 399. — Klein. III, 648—754. 

— G. Frey tag, De Hrosuitha poetria. Vratislav. 1839. 

2 ) Im Jahre 1501 hat Konrad Celtis diese Stücke herausgegeben 
(vgl. Ch. Schmidt, Histoire litteraire de l'Alsace. I. S. 207. Anm. 47); 
fernerhin Barack, Nürnb. 1858. — Vgl. Roswitha u. Conrad Celtes 
von Jos. Aschbach. (Wien 1868.) — Hroswitha von Gandersheim. 
Comödien, übersetzt und erläutert von J. Bendixen. Altona 1850, Lü- 
beck 1858. — Flöge 1. IV, 281 ff. 

3 ) Grimm, Göttinger Gelehrte Anzeigen 1835. Nr. 92. S. 911— 913. 

— K. Gödeke, Deutsche Dichtung im Mittelalter. 2. Aufl. Dresden 1871. 
S. 40. — Ward a. a. 0. S. 4. — Kehrein. Die dramatische Poesie der 

•Deutschen. (Lpz. 1840.) I, 47. — Schnorrs Archiv. VII, 158. — Gö- 
deke, Grundriss. (2. Aufl.) I, 26. 485. — Koberstein. (6. Aufl.) 1,87. 

'') v. Giesebrecht, Geschichte der deutschen Kaiserzeit. I. Bd. 
S. 322. „Als er (Otto) dann später die Lust spiele des Terenz las, sah 
man ihn bei den ausgelassenen Stellen keine Miene verziehen; kein 
Lächeln kam über seine Lippen; er empfand die Schönheit der Form; 
sie nahm seine Aufmerksamkeil ganz gefangen." 

5 ) Über Celtis' humanistische Thätigkeit in Ungarn s. Dr. Eug. 
Abel, „Die gelehrte Donaugesellschaft des Konrad Celtes in Ungarn." 
S. 321—349 des vierten Bandes der Litterarischen Berichte aus Ungarn. 
Herausgegeben von Paul Hunfalvy. 1880. 



86 Nythart. 

der Menschen des gemainen Volks erkennen. Darumb ain yeden 
so durch lesen oder hören dess wissen empfachet sich dester bass 
vor aller Betrügnuss der bösen Menschen mag hütten vnd wissen 
zebewaren. 

Am Ende (fol. 93) steht: Dise Comedia hat Hanns Nythart 
zu Vlm lassen trucken den Cunrad Dinekmut, in fol. Nach 
Crists gebürt m. cccc. Ixxxvj Jar. 

Das Werk liegt auf der Zwickauischen Bibliothek und ist 
ein Foliant von vier und neunzig Blättern. Das Ganze enthält 
überall Erklärungen zur Sache, so z. B. zum Titel „Eunuchus, 
das ist in teutsch Hamling". 1 ) 

Im Jahre 1499 erschienen in Strassburg alle Komödien 
des Terenz in Prosa von einem unbekannten Verfasser. „Te- 
rentius der hochgelert vnd allerbruchelist Poet von Latin zu 
Tütsch transferirt, nach dem Text vnd nach der gloss. In sinen 
VI büchern vss dem ein yeglicher mensch erkennen mag die sitten 
vnd gemüt der andern menschen. " 2 ) 

Die Vorrede beweist, wie beliebt einzelne Stücke des Te- 
renz damals waren. Die Teilnahme, welche einige derselben 
fanden, veranlasste die Übersetzung weiterer. Das Titelblatt hat 
einen Holzschnitt. Auf der zweiten Seite steht: 

Zu Carthago in der Stat so hoch 

Ward geboren ich Therencius, doch 
Zu dem Römschen rieh kam ich gerobt 

Von miner Vernunft vast hoch begobt 
Aller menschen sytten beschriben hab 

Gar von iugent an biss in das grab. 
Wie auch die knecht die herren betriegen 

Wie ein schnöd fraw und frihard lugen 
Ein yeglicher der das lesen ist, 

Der macht sich sicher zu aller frist. 

Alsdann folgt die Vorrede: „allen vnd y ecklichen Erbern 
frumen vnd redlichen Tütschen ist daz Buch getütscht vnd gedruckt 
durch rat vnd angeben hochgelerter Kit, doktor vnd meister, die 
das nützlich sie allen tütschen erkannt haben" u. s. w. 

Jede Komödie hat ihre Holzschnitte. Das Bild zur Andria 
findet sich in Gottscheds „Nöthigem Vorrath". Die Akte 
heissen Übungen; die Auftritte Szenen; die Sprache ist sehr 
ungewandt. Der ganze Band hat einhundert acht und sechzig 
gezählte Blätter. Am Ende (Fol. 168) heisst es: Getruckt in 



') Gottsched, Nöth. Vorr. I, 37. — Panzer, Annalen 1, No. 235. 
— Koberstein. I, 399. — Gervinus. II, 60G. — Gödeke, Grundriss. 
2. Aufl. I, 444. — R. Gene"e, Lehr- und Wanderjahre des deutschen 
Schauspiels. Berlin 1882. S. 29 ff. 

2 ) Gottsched, Nöth. Vorr. I, 3. 



Albrecht von Eybe. 87 

der keiserlichen vnd fryen statt Strassburg von Hanss grünynger. 
Vnd seliclicli geendet vff zynstag vor sant Gregorientag. Nach 
Christi geburt 1499. 

Proben finden sich am angeführten Orte bei Gottsched; 1 ) 
ebenso bei Gödeke 2 ) zu den Übersetzungen von 1486 und 
1499. Die ersten Worte mögen als Muster der Arbeit hierstehen: 

I. Auftritt. Symo. Sosia. 

Jr die Ding hynnyn, nementz kynweg, gond darvon. Oder also 
secundum donatum» Jr neinent bin b die Ding hynnyn c ganzen hinwegk. 
Sosia näher dich mir d , mit wenigem ich dich will. 

»Mit versag mangelt, das er nit anfacht mit dem eygen namen. 
Desglichen das Virgilius anfacht mit dem eigen namen. 

b Er meldet ein Vrsach den andern hinwegk zu zon, so er spricht. 
Nemet hin die Ding synyn, das er mit argkwon ynstosse den Sosiam 
blyben sin, vss vrsach im teilhafftig machen seiner heymligkeit u. s. w. 

Im Jahre 1511 erschienen Albrechts von Eybe (geb. 24. 
August 1420; gest. 24. Juli 1475) Menächmen und Bacchides 
in Augsburg, 3 ) von seinem Neffen, dem Bischof von Eichstädt, 
Gabriel von Eybe, herausgegeben. „Spiegel der sitten im latein 
genant Speculum morü. Von guten vnd bösen sitten. Von sünden 
vnd tilgenden dargegen. Von ständen vnd ämptern mancherlay per- 
sonell (bis hierher in rotem Drucke). Dabey auch nachvolgklich Co- 
medien Plauti in Menechino et Bachide vnd Philegenia Vgolini. 
kurtzweilig vn schimpflich zu lesen. Darauss man nemen mag leere 
vnd vnderschied guter sitten und pöser dargegen. Die guten zu 
begreiffen vnd die bösen zu vermeiden: Nach vermuttuiig des 
Edeln hochgeleertn vnd wirdigen herrn Albrechts von Eybe. in 
baiden rechten doctor der diss buch auss vil gütlicher leerer vnd 
haidnischer natürlicher maister büchern arbaitsamlich getzogen vn 
vom latein in teutsch gewendt hat." Auf sechs nicht numerierte 
Blätter folgen einhundert ein und neunzig numerierte in klein 
Folio. Auf Folio 190a heisst es: „Mit lob des allmechtigen ist 
angefangen, volfürt vnd glücksäligklich geEiidet diss löblich buch 



') Auch Kehrein a. a. 0. I, 74 führt (aus Ristgräf f, Hist. Antiq. 
Wien 1815) Sprachproben als von Eybe stammend an. Wie er den Text 
zitiert, geht daraus hervor, dass er die Anmerkungen abc zum Texte 
schlägt und z. B. a und d ganz auslässt, statt hyn b hynb, statt hyn c 
hync u. s. w. schreibt. Allerdings spricht Kehrein (S. 71) auch von 
Nachahmungen der (!) Phädria des Terenz. 

2) Gödeke. (1. Aufl.) I. 139. 

3 ) Den vollen Titel der Ausgabe von 1511, welche in der Augs- 
burger Bibliothek sich findet, verdanke ich der freundlichen Mitteilung 
des Herrn Bibliothekars Dr. Dobel dortselbst. Die Ausgaben von 1537 
und 1550 besitzt die Münchener Bibliothek. — Proben finden sicli in 
der deutschen Litteraturgeschichte von G. und F. Scholl. I, 50i> sqq. — 
Biographisches bei Gödeke, Grundriss zur Geschichte der deutschen 
Dichtung aus den Quellen. Zweite Aufl. 1884. S. 370. Die Ausg. von 
1537 führt Gödeke nicht an. 



88 Albrecht von Eybe. 

(der Sittenspiegel genannt) in der Kaiserlichen Statt Augspurg. 
durch angehen vnd Verlegung des fürsichtigen herren Johaii 
Rynman von öringen, in der teutschen Nation fürtreffenden buch- 
fürers. In dem jar do man zalt tausent fünfhundert vnd aylff jar. 
Am ahent Mathei des hayligen Apostels vnd Ewangelisten. " ') 
Die Ausgabe von 1518, 2 ) welche sich in Augsburg nicht be- 
findet, besitzt nach Claus 3 ) die Meusebachsche Sammlung der 
kgl. Bibliothek zu Berlin. 4 ) Die dritte Ausgabe ist vom Jahre 
1537; 5 ) die vierte endlich vom Jahre 1550 ist einem andern 
Werke 6 ) beigedruckt. 

Albrecht von Eybe freute sich, mit etwas Neuem auftreten 
zu können. In seiner Vorrede 7 ) zur Bacchis heisst es: „Plau- 

tus der poeta hat gemacht VIII bücher in latein, die 

man gemaincklich hat, aber dieses (die Bacchides) hernach ge- 
schriben püchlin mit sampt andren aylffen, die sein lange zeyt 
wol bey fünff hundert jaren oder mer verlorn vnd verporgen 
gewesen, vnd neylich im Concilio zu Basel wider gefun- 
den, also dz die materi wider neyw ist bey gelerten vnd vnge- 
lerten, vnd darumb desteer lustiger vnd girlicher zu lesen." 



') S. Gottsched a. a. 0. — Ge. Willi. Zapf, Augsburgs Buch- 
druckergeschichte nebst eleu Jahrbüchern derselben. Augsb. 1791. II, 49. 
— (Panzers Annalen, S. 327. Bibl. Solgeri, tom. I. pag. 36.) — Ger- 
vinus. H, 607. — Koberstein. 1,418. — Gödeke. Gdr. I, 140. 

2 ) S. Zapf a. a. 0. II, 108. — (Pauzers Annalen, S. 421.) — Diese 
Ausg. von 1518 hat Pareus zur Hand, da er „Eyben" zitiert, qui anno 
Christi MDXIIX sie vernaculo sermone scripsit. (II. Ausg. p. P22.) 

3 ) Über die Menächuien des Piautas und ihre Nachbildungen 
besonders durch Shakespeare. Stettin (Progr. der Realschule I. 0.) 1861. 
S. 20. 

4 ) Nach Gottsched (Ncth. Vorr. DZ, 191) ist der Titel dieser 
zweiten Auflage: Two Comedien des syunreichen poeten Plauti, näm- 
lich in Menechmo vnd Bachide. Nachvolgeut ain Comedia Vgolini, 
Philegenia genannt. Getewtscht durch den wirdigen vnd hochgelerteu 
herrn Albrecht von Eybe, Doktor u. s. w. Augsjmrg 1518, in Quart. 

5 ) Ihr Titel ist: Comedien Plauti | Teutsch. | Zwo Comedin des synj 
reychfi. poeten Plauti, nämlich in Menechmo | vnnd Bachide. Nach- 
uolgent ain Comedien | Vgolini Philegenia genannt. Geteütscht | durch 
den wirdigen vfi hochgelertn herru | Alb recht von Eybe, Doktor etc. 
(Vignette.) M. D. XXXVII. 

Der. Schluss berichtet: Getruokt vnd vollendet in der Kaiserlichen | 
Statt Augspurg, durch Haiurich | Steyner am V. tag Julij | MDXXXVII. 

6 ) Schimpff vund | Ernst, durch alle Welthänndel. | Hiebei sein auch 
die Comedien Plauti, imn Menechino, Bachi'de vnnd Philogenia Vgolini. 
Kurtzweylig vnnd schimpfflich zu | lesen. Durch den Edlen, Hochge- 
lerten vund wirdigen Hern | Albrechten von Eybe. Beyder Rechten 
Doctor | auss dem Latein ins Teutsch gebrach. | Gedruckt zu Franckfurt 
zum Bock | Bey Cyriaco Jacobo. | 1550. Folio XCV— CVI enthält die 
Menächmen; dann folgt die Philogenia und dann erst Fol. CXV — CXXVI 
Comedie in Bachide: alle ohne Bilder. 

7 ) Ausgabe von 1537. F. IIJ b . 



Joachim Greif. 89 

Die ersten beiden Jahrzehnte des sechszehnten Jahrhunderts 
brachten einen kleinen Stillstand in den Übersetzungen der Ko- 
miker. *) Doch aber war es die grösste Empfehlung, in ihrer 
Manier gedichtet zu haben. Christoph Wirsung (1500 — 1571) 
preist seine Celestina „ain hipsche Tragedia von zwaien lieb 
habenden Menschen, ainem Ritter Calixtus und ainer edlen 
Junkfrawen, Melibia genannt" (Augsb. 1520. 1534), ausdrücklich 
als „plautinisch" an. 

Johannes Agricola richtete (um 1520) den Terenz zu 
leichterem Schulgebrauche ein. 2 ) Der Thätigkeit der Reforma- 
toren ist bereits gedacht worden. 

Besondere Verdienste um die Verbreitung des Plautus und 
Terenz erwarb sich Joachim Greff von Zwickau. Selbst als 
Dichter thätig — - er schrieb Judith (1536), Abraham, Isak, 
Moses (1540), Lazarus (1545) — dachte er daran, den ganzen 
Terenz zu übersetzen. Als aber Harns Übersetzung der Andria 
erschienen war, behielt er seinen Plan nur mehr für die übrigen 
fünf Komödien des Terenz bei. 3 ) 

Joachim Greffs Übersetzung der Aulularia des Plautus, 
Avelche als sein Erstlingswerk gilt, 4 ) erschien im Jahre 1535. 
Sie führt den Titel: 5 ) „Eine schöne Lü|stige Comedia des Poejten 
Plauti Aulularia ge|nannt, durch Joachinum Greff von Zwickaw 
deudsch | gemacht vnd jnn reim | verfasset, fast lüstig | vnd kurtz- 
weilig I zu lesen. | Quisquis es, ö faueas, nostrisque labojribus 
adsis | His quoque des ueniam | Magdeb. Sechs und siebenzig 
Blätter in 8°. Am Schlüsse: Gedruckt zu Magdeburg, [ Anno 
1. 5. 35. 

Über diese Aulularia Greffs berichtet W. Seh er er: 6 ) „Greff 
hat die Aulularia mit der Ergänzung des Codrus Urceus im 
ganzen ohne Zusätze oder auffallende Veränderungen übertragen. 
Aber Sittenschilderung reizt seine Produktionslust. In der Szene 
III, 10 (III, 5), wo Megadorus seine Sparsamkeitsrede hält, 
welche Euklio bewundert, ist das Bild römischen Frauenlebens 
durch ein deutsches ersetzt. Der Wagen fällt weg, an die Stelle 



') Gottsched (N. V. I, 45): „Da nun im vorigen fünfzehnten Jahr- 
hundert die beiden letzten Zehnden sich durch terenzische Übersetzungen 
hervorgethan, so ist es allerdings ein Wunder, dass das erste Zehend 
dieses neuen Jahrhunderts so ganz unfruchtbar erscheint, dass ich auch 
nicht ein einziges Stück davon aufzuweisen habe oder anzuführen weiss." 

-) Gervinus. II, 606. 

3 ) Deutsche Studien von Wilh. Scherer. III. Dramen und Drama- 
tiker. (Wien, Gerold 1878.) S. 16. (XC. Bd. S. 185 der Abh. der phil. 
hist. Klasse der kais. Akad. Wien.) — Koberstein. I, 412. (6. Aufl.) 

*} Ebenda. S. 15. 40. 

5 ) Gottsched. I, G5. — Scherer. S. 16. 

6 ) A. a. O. S. 41. 



90 Joachim Greff. 

von belagernden Handwerkern ist das beliebte unerschöpfliche 
Thema des Putzes und der Moden getreten. Die reiche Frau 
braucht ..gülden stück, seiden gewandt": 

Seht, schmückt sich doch Jens Schneiders weib 

Sie kaufft so wol auff jren leib, 

Als eben ich, vnd offt vielleicht 

Vil besser kleider, viel schöner gemeiht, 

Von perln gestickt, von sammet vnd seidt 

Von kettn vnd anderen silber geschmeidt. 

Die reiche Frau macht Anspruch auf das beste von Silber 
und Gold, Ketten, Gürtel, Borten, Ringe: 

Ob sie wol hat zehn rock im Haus 
Vom besten gewandt, das machts nicht aus, 
Erst will sie haben von Damasck ein rock 
Dazu ein gebrehm von gülden stück, 
Noch ist es nichts, dann will sie han 
Noch zweymal mehr von jrem man 
Von Adlas gut vnd auch Karteg 
Bringt sie noch viel mehr rock zu weg. 

Aber sie will noch mehr: Schleier, Stirntuch, eine goldene 
Haube, eine Pfaffenschaube, „eine newe kürsch". Damit nicht ge- 
nug; sie braucht reichlich Dienerschaft, wie bei Plautus: zwei 
Mägde, Knechte, „die sie zuweilen fürn aufm schütten". Mega- 
dorus fasst seine Ansichten dahin zusammen: 

Wo aber das geld der freyher ist 
Da ist nichts guts zu aller frist, 
Und wo auch Doktor Sieman regiert 
Kein gut Regiment da nimmer wird. 

Auch sonst hat Greff seine Vorlage nationalisiert und loka- 
lisiert. Bei Plautus will Megadorus guten alten Wein schicken. 
Euklio aber trinkt nur Wasser (III, 6). Bei Greff bietet Me- 
gadorus „ein gute lagel Maluasier" an, itnd Euclio zieht „Hellisch 
Bier" vor. Lyconides verlangt die von ihm verführte Tochter 
Euclio s zum Weibe, „nachdems all Kaiserliche recht beschreibn". 
Die Fides, die für Euclio Schatzhüterin sein soll, wird durch St. 
Nikolaus ersetzt, der sich aber ebenso wenig bewährt: 

Ich meint S. Niclaus wer ein frommer man 
Fürwar es ist kein wert nicht dran 
Und hat er noch so ein grawen bardt 
So ist er doch ein schalk von art. 

„Die Beteuerung des Lyconides ,ita me eiiciat Diespiter!' etc. 
ist ersetzt durch ,So schlag mich todt S. Mertens pferd'. Die 
Heiligen werden natürlich nicht ohne protestantische Tendenz so 
verwendet. " 



Muschler. Harn. 91 

Ungefähr um das Jahr 1530 *) erschien Muschler s Über- 
setzung der Hecyra des Terenz. „Die sechste und letzte Co- 
media Terentii Ecyra genannt, aus dem Latein in teutsche reymen 
gebracht, auch durch doct. Jo. Muschler zu Leipzig auf dem Rath- 
hauss öffentlich gespielt, gedruckt zu Nürnberg durch Kunegund 
Hergotin." Ohne Jahreszahl. Nach Gottsched 2 ) wäre dies das 
erste Stück, das Leipzig hervorgebracht, und das öffentlich von 
einem Rektor der Niklasschule aufgeführt wurde. 3 ) 

Gleichzeitig mit Joachim Greffs Aulularia (1535), d. h. 
hinter derselben, erschien die Andria des Terenz in der deutschen 
Bearbeitung von Heinrich Harn. Ob sie vordem selbständig ge- 
druckt wurde, ist nicht bekannt. 4 ) 

Der Titel (Bl. F. 4) lautet: Andria des | Terentii Comedia | 
Deudsch gemacht vnd inn reim verfasset, Durch | Magistrum 
Heinricum | Ham, | Fast lüstig vnd kurtzjweilig zu lesen. Zu 
dieser Übersetzung Harns hat Greff Zusätze gemacht, welche 
sämtlich J. G. gezeichnet sind. 5 ) Er führt selber die Übersetzung 
seines Freundes Ham (Bl. F. 4) 1 ) mit einer Empfehlung bei den 
Lesern ein und sagt: „dass er diese Andria seines Freundes Ham 
schier on seinen willen" mit seiner Aulularia habe drucken lassen, 
um zu zeigen, dass er nicht bloss seine eigenen Arbeiten „wert 
halte", und dass andere Leute auch etwas verstehen. 6 ) 

Ham, der im Jahre 1553 als Prediger abgesetzt worden 
war, weil er gelehrt hatte, dass Maria Christum mit Schmerzen 
gebar, 7 ) beschäftigte sich noch weiter mit Terenz. Im Jahre 
1602 erschien die Andria des Ham zu Wittenberg unter dem 
gleichen Titel, wie die erste Ausgabe; 8 ) schon im folgenden Jahre 
(1603) gab sie Stephan Riceius wieder heraus; 9 ) ebenso wurde 



') Gödeke. Gdr. I, 288. 

2 ) Nöth. Vorr. I, 65. 

3 ) Diese Aufführung- fand im Jahre 1535 im Rathaussaale zu Leip- 
zig durch Nikolaischüler statt. (Dr. Emil Kneschke, Zur Geschichte 
des Theaters und der Musik in Leipzig.) Lpz. 1864. S. 1. 

'■) Scherer a. a. 0. S. 16. 

5 ) Ebenda. S. 17. 

6 ) Ebenda... S. 16. — Gödeke. Gdr. I, 288. — Proben dieser Andria 
giebt Degen, Übers, der Bömer. II, 181. — (Vgl. Gervinus. IL 607; 
HI, 100.) 

7 ) Kordes, Agricolas Schriften. Altona 1817. S. 304-308. 

8 ) Gottsched, Nöth. Vorr. I, 150. 

9 ) P. Terentii Comoedia Andria in vsum studiosae iuventutis ger- 
manice reddita Ä^suis argumentis, phrasibus latini sermonis &c, edita 
a Stephano RieTÄo. Accessit eadem Comoedia rhythmis germanicis 
composita a M. Heinrico Ham. — Addita etiam sunt scholia in eandeni 
Comoediam M. Z. Agricolac Islebii olim, edita 1600. Lipsiae impensis 
Jac. Apelii in 8°. — (Gottsched. Nöth. Vorr. 1,64. 11,243. — Gödeke. 
Gdr. I, 288.) 



92 Hans Sachs. 

sie im Jahre 1613 neu aufgelegt. Das Jahr 1614 brachte eine 
neue Übersetzung von einem Lymberger. 

Des Einflusses, den diese Beschäftigung mit den lateinischen 
Lustspieldichtern mit sich bringen musste, ist bereits gedacht 
worden. Selbst der urdeutsche Hans Sachs konnte sich desselben 
nicht erwehren. Er schrieb die Menächmen im Jahre 1548 ') 
und 1563 2 ) den Eunuchen, Von der Buhlerin Thais und ihren 
zwei Buhlen, dem Ritter Thraso und Phädria, die freilich völlig 
lokalisiert und seinem Publikum angepasst wurden. 3 ) Hans 
Sachs bearbeitete übrigens mehrere Stücke nach antiken Vor- 
bildern, so die Elektra des Euripides, den Plutus des Aristo- 
phanes, 4 ) eine Jokaste, eine Klytämnestra. 5 ) „Doch kannte 
er die Originale natürlich nicht, sondern arbeitete nach früheren 
Übersetzungen, oder wohl auch zum Teil nach Andeutungen, die 
er in andern Schriften gefunden haben mochte. " 6 ) 

Trotz der Unkenntnis der Originale warf sich „Hans Sachs 
mit augenscheinlicher Freude auf alles, was er von den Schriften 
der Alten erreichen konnte, und teilte in einer Reihe von Jahren 
eine Unzahl von verschiedenen Erzählungen und Gedichten mit, 
deren Stoff er aus Diodor (übersetzt von Herold 1554), aus 
Herodot, Herodian, Plutarch, Justin, Xenophon (alle ganz oder 
teilweise von Boner zwischen 1532 und 1540 übertragen), aus 
Livius (von Schäferlein 1505), aus Plinius (1565 übersetzt), 
aus Ovid, Vergil, Lucian, Homer, Apulejus, Musäus, Valerius 
Maximus, Seneka, Cicero u. a. entnahm. " 7 ) 

Man erblickt in Hans Sachs genau den Fortschritt. „Er 
versuchte es schon in seinen frühesten Jahren, namentlich die 
Gesprächsform Lucians und ähnliches noch in der Art des Rosen- 
blüt und Hans Folzens zu bearbeiten; bald griff er die klassischen 
Formen auf nach dem Muster des Terenz." 8 ) 

„Hans Sachs und nach ihm jeder Dramendichter nahm von 
Terenz den Akt und die Szene und benannte sie höchstens 



^ Gottsched a. a. 0. I, 91. 92, hält dies für die erste plaut mische 
Komödie, die man ins Deutsche gebracht hat. Dies ist aber nicht ge- 
nau; vgl. z. B. Greffs Aulularia. 

2 ) So Koberstein. 1,403. — J. L. Hoff mann, Hans Sachs. Nürn- 
berg 1847. S. 134, Anm. „Sein letztes Drama ist von 1564, die populäre 
Bearbeitung des Eunuchen von Terenz." 

3) Vgl. Hoffman. S. 105, Anm. — Gottsched a. a. 0. I, 112. 

4 ) Gottsched, Nöth. Vorr. I, 61. 

5 ) Wahrscheinlich diese Klytämnestra des Hans Sachs hat der an 
deutschen Universitäten gebildete Humanist Peter Bornemisza nach 
Ungarn gebracht. Toldi (übersetzt von Steinacker). S. 205. 

c ) Kurtz a. a. 0. II, 109. 
') Gervinus a. a. 0. II, 708. 
8 ) Ebenda. II, 714. 






Jonas Bitner. 93 

verdeutschend 1 ) Handlungen, Ausfahrten, Fürtragen, Gespräche 
u. s. w. " 2 ) 

Bei seiner Popularisierung musste Hans Sachs natürlich die 
Gestalten der Originale umtaufen. So nannte er den Ehemann 
im Menächmus Lutz, den Knecht Heintz u. s. w., 3 ) wovon später 
zu handeln ist. 

Ehen diese Umgestaltung und Popularisierung aber erregte 
ihm heftigen Widerspruch und scharfe Gegner. Ein solcher war 
Jonas Bitner, der im Jahre 1570 seine gegen Hans Sachs 
gerichteten Menaechmi „erst newlich verdollmetschet" erscheinen 
Hess, 4 ) damit man spüren möge, „dass Plauti Komödien viel ein 
ander Werk seien, als die Komödien von Hans Sachsen. " 5 ) 

In der Vorrede heisst es: Jonas Bitner, dem bilichen Leser: 
„Lieber Leser, als ich mich nechstmal in vergangenem Jar durch 
den achtbaren Herrn Josiam Eichel, Buchtrucker hab bewegen 
und überreden lassen, dass des hochgelehrten Buchanan latei- 
nischer Jephthes öffentlich in truck ausgienge, obgleich solcher 
allein einer löblichen Bürgerschaft zu Ehren vnd Gefallen, dass 
sie desto bass verstund und sich erinnert, was die lateinisch 
tragödi wer, war in der teutschen Sprach verdolmetschet gespielet 
worden, so teyl ich dir yetz von mir selbs mit, ein Comödi des 
alten hochverständigen römischen Poeten Accii Plauti, die genannt 
wärt: Menächmi, von zwey Zwillings Brüdern, auf dass du den 
Vnterscheid lernest verstahn, der zwischen einer Comödi vnd Tra- 
gödi ist. Vnd wiewol ich dir gegen einander halt, ein christliche 
Tragödi vnd heydnische Comödi: so würstu sie doch bey der 
Eigenschafft vnd ein jedes in seiner Arth woll wissen zu erkennen 
vnd verteylen — — — ■ 

Ich hab aber die Comödi Plauti desto lieber lassen 
teutsch werden, vnd im truck ausgehen, damit mennig- 
lich spüren vnd sehen könnte, dass des sinnreichen vnd 
hochverständigen Plauti Comödien viel ein ander Werk 
seyen, den die Comödi von Hans Sachsen zu Nürnberg' 



*) So heisst der Diakonus von Tübingen seine Akte Übungen, die 
Szenen Hüttin; Thomas Kirchmayer (1541) den Akt Aussfahrt, 
die Szene Gespräch. 

2 ) Gervinus. EU, 98. — Vergl. das S. 45 Gesagte. 

3 ) Gottsched a. a. 0. I, 91. 92. 

4 ) Menächmi. Ein schöne lustige vnd schimpfliche Comödi des 
alten vnd hochverstcndigen Poeten vnd römischen Comödischreibers 
Marci Accii Plauti. Erst newlich aus lateinischer Sprach in die tewtsche 
verdolmetschet. Getruckt zu Strassburg bei Theobald Berger am 
Weinmarckt. Anno 1570. 8°. — Gottsched a. a. 0. 11,225. — F. Lob- 
stein, Beiträge zur Geschichte der Musik im Elsass, besonders in Strass- 
burg. (Strassb. 1840.) S. 126. 

5 ) Gervinus. III, 101. — S. Weiteres von ihm bei Weller, An- 
nalen. II, 250. 



94 J- Ayrer. Boltz u. a. 

ist an Tag- gebracht, da er gleichwol dieser Comödi ihren 
Namen lasset, aber aus beyden Zwillingsbrüdern Menaechrais 
zween Lutzen machet. Die fürnehmsten Schimpf reden, läster- 
lichen vnd wunderlichen Irrthumb vnd schönsten Spruch vnd Lehre 
vergizt vnd ausslasst, welche doch der Comödi eine rechte Ge- 
stillt, Scheyn vnd Glantz bringen." 

Auch unter Jakob Ayrers (gest. 26. Mtärz 1605) Dramen 
findet sich eine Bearbeitung der Menächmen. ') 

Im Jahre 1539 erschien Publij Terentij Aphri | sechs ver- 
teutschte Comedien auss | eygen angeborner Lateinischen spraach | 
auffs trevlichst transferiert | durch Valentinum Boltz von 
Ruffach: Anno MDXXXIX, in Tübingen gedruckt. Der Über- 
setzer nennt sich Diakonus zu Tübingen und sagt, er habe 
es „den armen Schülerlin zu gute gethan, so nit allerwegen 
mögen Interpretes haben. " 2 ) Der Verteidigung gegen die Vor- 
würfe ungelehrter Theologen ist oben (S. 32) Erwähnung ge- 
schehen. Die Übersetzung erschien noch öfter, so 1546 und 
1559 in Tübingen. 

Aus dem Jahre 1582 stammt des Martin Hayneccius 
(1544 — 1611) aus Borna Übersetzung der Captivi 3 ) „in meist 
guten Quaternarien", 4 ) die zugleich mit dem Allmansor und Hanso- 
framea erschien. 5 ) 

Der Pfarrer von Mohren ,Bapst von Rochlitz' 6 ) hatte im 
Jahre 1584 die Iphigenia in Aulis übersetzt; im Jahre 1590 
folgte die Andria des Terenz in Versen und die Rithmologia. 7 ) 

Clemens Stephan von Buchaw übertrug im Jahre 1554, 
dem Pfalzgrafen Otto zu Ehren, den Eunuehus und die Andria 
in Versen. 8 ) 



') Gervinus. III, 150. „J. Ayrer hat fünf Stücke aus der rö- 
mischen Urgeschichte nach Livius, Bearbeitungen nach Frischlin und 
PI auf us." — Vgl. Bibliothek des litter. Vereins in Stuttgart. 80. Band. 
(18(55.) S. 3421. 

2 ) Gottsched, Nöth. Vorr. I, 81. — Siehe Weiteres von ihm bei 
"Well er, Annalen. II, 290. 

3 ) Captivi, Der gefangenen Leute Treu, aus dem Marco Actio 
Plauto übersetzt durch M. Mart. Hayneccium. 

4 ) Palm. S. 100. 

5 ) Gottsched. II, 235. — Gödeke. I, 288. 

6 ) Gervinus. IT, 607. 

7 ) Rithmologia in die sechs Comedien Terentii, darin eines jeden 
Actus und Scenae summarischer Inhalt, neben vielen nothwendigen 
Lehren der Jugend zum Unterricht, dessgleichen ein kurtzweiliges Spiel, 
der Bawren Fassnacht genannt, durch Michel Bapst von Rochlitz. 
MDXC in 8°. — Im Jahre 1596 wieder gedruckt. — Gottsched. I, 126. 

8 ) Vgl. L. Rockinger, Die Pflege der Geschichte durch die Wit- 
telsbacher. Akademische Festschrift zur Feier des Witteisbacher Jubi- 
läums. München (Verlag der Akademie). Beil. S. 12. S. Weiteres über 
ihn E. Well er, Annalen. II, 248. 



Poner. Agricola. Zenckfrey. 95 

Im Jalire 1566 erschien: Sechs Cornedien dess Pnblii Terentii 
Aphri dess hochuerstendigen wolberedten vnd libliclien Poeten, 
bührtig aus der statt Carthago (welcher vor vnsres Herrn Christi 
geburt 132 Jar gelebt), jetzund new auss lateinischer spraach in 
artig vnd künstlich rbeymen durch M. Johannem Episcopiuni 
von Würzburgk verfasst, darin der Welt Stand, arth und We- 
sen jetziger Zeit als in einem klaren Spiegel für die Augen gestellet 
wirt, jederman sehr lustig vnd lieblich zu lesen. Frankfurt am 
Mayn 8 . 1 ) 

Josua Poner übersetzte (1586) den Eunuchen. 2 ) Auf die 
Vorrede folgt Dr. Luthers Zeugnis für dieses Lustspiel, welches 
der Auslegung des hundertsten Psalmes entnommen ist. 3 ) 

Agricolas (1492 — 1566) bereits genannte Ausgabe der 
Andria, 4 ) 1602 gedruckt, ist lediglich ein Schulbuch, das Schul- 
zwecken dient. 5 ) Am Ende heisst es, das Stück sei von 
Agricola 1544 gemacht und 1585 in vielen Stellen verbessert 
worden. 6 ) 

In deutsche Reime brachte Heinrich Zenckfrey (1607) 
die Aulularia als „Euclio", das ist Ein sehr Lustig figment, 
Von einem alten Geitzhals, wie derselbige einen Topff voll Goldt 
findet, welchen er niemandt, Ja seinen selbst eignen Henden nicht 
trawen will, vnnd doch endlich vnversehener weyse darumb 
kompt . . . newlich in deutsche Reym gebracht durch M. Henri- 
cum Zenckfrey. Lygio-Sihr. Poetam Caes. (Theol. Cand. et 
illustris apud Berolinensis Gymnasii Collega.) Gedruckt zu Frank- 
furt a./d. Oder. Durch Nicolaum Voltzen. Anno 1607. (60 Fol.) 7 ) 

„Moritz (Landgraf von Hessen in den ersten Jahren des 
siebenzehnten Jahrhunderts) liebte den Genuss des Theaters, wie 
sich dasselbe sparsamer an andern Höfen fand. Er vervornehmte 



>) Gottsched. I, 120. 

2 ) EVNUXVS. Des Poeten P. Terentij andere Comödia, deutsch 
gemacht und in Keim verfasset durch M. JosuamPonerum, dieser Zeit 
zu Arnstadt, Pfarrherrn und Superattendenten. Mit einer Vorrede M. 
Stephani Riccii des Eidern. Hinter der Vorrede steht die Jahreszahl 1586. 
(44 fol.) Weimar. 

3 ) Gottsched, Nöth. Vorr. I, 121. — Gödeke. Gedr. I, 288. 

4 ) P. Terentii Cornoedia Andria gernianice reddita et scholiis illu- 
strata Joanne Agricola Islebiensi Autore. MDXLHI. denuo recognita et 
a pluribus mendis purgata Wittebergae ex typogr. Sim. Gronenbergii. 

5 ) Z. B. Poeta, dieser Fabeln Meister, cum primum appulit animum, 
im Anfang, da er ihm hat fürgenommen, ad scribendum, Comödien zu 
schreiben u. s. w. — Ebenso ist Steph. ßiccius' oben angeführte Aus- 
gabe der Andria Hams: Cum poeta primum adpulit animum ad scri- 
bendum. da der Port Terelit ins sich zum erstenmale unterstanden hat, 
oder ja fürgenommen hat, Comödien zu schreiben . . . 

6 ) Gottsched, Nöth. Vorr. II, 242. — Gödeke. I, 288. 

7 ) Breslau, poet. lat. rec. II. ad. 478. — Gödeke. I, 288. — 
Schweiger (Handbuch) zitiert Zenckert. 



96 Die fruchtbringende Gesellschaft. 

das Mysterienspiel, die Fastnachtsschwänke und die herkömm- 
lichen Komödien der gelehrten Schulen, indem er meist 

lateinische Komödien im Geschmacke des Terenz dichtete und 
durch die Hof- und Ritterschüler aufführen Hess. " ] ) 

Auch die Mitglieder der fruchtbringenden Gesell- 
schaft veranstalteten im jähre 1620 eine neue Übersetzung 
des Terenz, 2 ) die, obwohl in Prosa, ihre Vorgänger doch weit 
übertrifft. 3 ) 

Von dieser erschien im Jahre 1670 eine neue Auflage in 
Hamburg. 

Vor dem ersten Lustspiel steht von Terenzens Leben 
und Schriften: 

Carthago gross hat mir mein Vrsprung erst gegeben, 

Der Römer Raub bin ich worden, nach Krieges-Recht, 

Der Menschen jung vnd alt Sitten, Gebrauch, vnd Leben 

Zeig ich, sampt wie berückt seinen Herrn mancher Knecht, 
Und mit was Tück ein Hur vnd Kopier sey umbgeben, 

Wers list vnd hüt sich nicht, bleibt vom Verstand wol schlecht. 4 ) 

Im Jahre 1623 folgte Michael Meisters Übersetzung; 5 ) im 
nächsten Jahre der Terenz des Höscheln und Schenck; 6 ) im 
Jahre 1626 eine Terenzausgabe des durch seine Weimarsche 
Schulmethode bekannten Hofpredigers Job. Kromayer, 7 ) mit 
einer Vorrede, in welcher die Frage, ob man in den Schulen 
Terenz lesen dürfe, erörtert und mit Beziehung auf Luthers 
Tischreden bejaht wird. 

„Es ist zwar offt vnd viel darvon geredet vnnd gerathschlaget 
worden, ob man in vnsern Christlichen Schulen diesen Autorem, 
den Terentium, mit gutem Gewissen brauchen vnnd behalten 



J ) Barthold, Geschichte der fruchtbringenden Gesellschaft. Ber- 
lin 1848. S. 48. 

2 ) Publii | Terentii. | Sechs Frewden | Spiel | zur Lehrart. | In deut- 
sche Sprach | versetzet. | Cöthen | Im Fürstenthumb Anhalt. MDCXX. 

3 ) Gottsched. I, 180. — Gödeke. I, 288. 

4 ) Gottsched, Nöth. Vorr. I, 225. Dieselben sechs Verse stehen 
S. 6 bei Kromayer. 

5 ) Sechs Frewdenspiel, in gute reim, vbliche deutsche Sprache ver- 
setzet, Vnd der studirenden Jugend zum besten, die lateinische Sprache 
desto besser und füglicher zu erlangen in offenen Druck gegeben durch 
Michaelcm Meisterum Zittaviensein Lusatium, Scholae Hallensis 
Collegam & Cantorem ad D. Ulrici. Magdeb. in 8°. (Gottsched. I, 182.) 

ü ) Terentii Sechs Comedien lateinisch und deutsch durch David 
Höscheln und Matth. Schenckium. Augsp. (Gottsched. I, 184.) 

7 ) Publii Terentii | Sechs Frew den Spiel, | In die teutsche Sprache 
versetzet. | Sind darzu gethan die Summa rien, Item, kurtze Moralische 
Erinnerungen | von den Lastern, dafür sich j die Jugendt hüten, vnd 
von den Tulgenden, derer sie sich befleissi gen sol. | Mit sonderbahrem 
Privilegio. | ZuWeymar | bey Johann Wirschnern | Im Jahr | M.DC.XXVL 
(495 S.) 



Kromayer u. a. Übersetzer. 97 

könne, weil er nicht allein ein Heyde ist, vnnd auch Exempel 
darinnen fürkommen Heydnischer Abgöttischer Anraffungen, Sondern 
auch von vnzüchtiger Lieb vnd Bulscbafft, vnd andern Lastern, 
als der Kinder wider jhre Eltern, vnd der Knecbte vnd Gesindes 
wider jhre Herren, vnd dergleichen darinnen fürlauffen, dadurch 
zu besorgen, dass die Jugend geärgert vnnd vielmehr zum Bösen 
entzündet vnnd gereitzet, als zum Guten vnterrichtet vnnd ange- 
trieben werden möchte." 

Dagegen wendet Kromayer ein, dass man dann auch die 
Bibel nicht lesen dürfte, ferner, dass „der Terentius in seinen Co- 
moedien mehr von den Tugenden vnd Ehrbarkeit handelt, als von 
den Lastern". 

Den einzelnen Szenen sind sorgfältige Nutzanwendungen 
beigedruckt. So z. B. vor der Andria zehn Punkte: Spiegel der 
Laster in diesen Comödien, welche zu fliehen sind; dann achtzehn 
Punkte: Spiegel der Tugenden in dieser Comödi, denen man 
nachstreben sol. Dann drei Punkte, auf welche diese Comödi 
darauff geht. 

Und so bei jeder Szene und bei jedem Akte. 

Von einer weiteren zu Weimar erschienenen Terenzübersetzung 
in Prosa 1 ) vermutet Freyesleben, 2 ) dass sie etwa gar von Kro- 
mayer stamme. 

So ging die Übersetzung terentianischer und, wenn auch ver- 
einzelnter, plautinischer Stücke fort. Es kam im Jahre 1627 der 
Terenz von Job. Eenio, 3 ) 1674 von Wilh. Lymbergern, 4 ) 

1691 ein neuer Abdruck der Ausgaben von 1620 und 1670, 5 ) 

1692 Terentius italienisch und deutsch durch Anton Guagli- 
ardi, 6 ) 1743 des M. Accius Plautus Schauspiel Aulularia, 
übersetzt und mit nötigen Anmerkungen versehen (Zelle); 7 ) im 
Jahre 1753 ein neuer Terenz auf der Ausgabe der Mad. Dacier 
beruhend 8 ) von Patzke u. s. w. 



*) Publii Terentii sechs Frewden Spiel, in die teutsche Sprache ver- 
setzet. Sind darzu angethan, die Summarien, Item, kurtze, Moralische 
Erinnerungen, von den Lastern, darfür sich die Jugendt hüten, vnd von 
den Tugenden, derer sie sich befleissigen sol. Mit sonderbahrem Privi- 
legio. Zu Weymar bey Johann Wirschnern. 8°. 

2 } S. 25. 

3 ) Publii Terentii Afri comoediae VI, superstites Latino germanice 
editae a Joh. Renio. Diese Übersetzung erschien dann zu Leipzig 1(346 
u. 1673 u. öfter. (Freyesleben 25. Gottsched. I, 199.) 

4 ) Rinteln 1674. (Gottsched. I, 235.) 

5 ) Publii Terentii Sechs Freuden-Spiel zur Lehr-Art. In die Hoch- 
Deutsche Sprach versetzet. Hamburg. (Gottsched. I, 253.) 

6 ) Gottsched. I, 254. 
A Ebenda. I, 316. 

8 ) Des Publius Terentius Lustspiele aus dem Lat. übersetzt und 
theils mit wichtigen Anmerkungen der Frau Dacier, theils auch mit 

7 



98 Gruter. Pareus. Weise. 

Gegen die Mitte des siebenzelmten Jahrhunderts fällt der 
Streit Grnters mit Pareus. Opitz hatte hei Gruter plauti- 
nische Kollegien in Heidelberg gehört. Dieser Gruter kam in 
Streit mit dem Philologen Pareus, der 1648 starb. Pareus 
gab Electa plautina heraus, wogegen Gruter „Asini cumani 
fraterculus e Plauti electis electus" schrieb. Erst Ritschi hat 
sich des verkannten Pareus wieder angenommen 1 ) und die „ge- 
hässige Leidenschaftlichkeit und bodenlose Gemeinheit der Invek- 
tiven gegen Pareus'' aufgedeckt, besonders die Vorrede als 
„Schandstück" bezeichnet. Auch Opitz (1597 — 1639) hatte Par- 
tei gegen Pareus ergriffen. 2 ) 

Man kann nach alledem, was sich natürlich vielfach ergänzen 
und erweitern Hesse, nicht in Abrede stellen, dass die lateinischen 
Komiker überall bekannt und studiert waren und darum nicht 
ohne Einfluss auf die deutsche Litteratur sein konnten. Sie 
waren z. B. Christian Weises (1642 — 1708) Muster für das 
Lustspiel; 3 ) ja Ussing 4 ) geht sogar noch weiter und leitet von 
den Captivi des Plautus die sogenannte „comedie lar- 
moyante" ab. „Nee iniuria," sagt er, „ab hoc fönte duetum 
putatur genus illud, quod Galli ,1a comedie larmoyante' ap- 
pellarunt et in Germaniam translatum Ifflandii et Kotzebuii 
ingenia exeoluerunt. " 

Ganz aus den Studien der Alten erwuchs G. E. Lessing 
(1729 — 1781). Theophrast, Plautus und Terenz waren „seine 
Welt". 5 ) „Lessings ernstes Studium des Plautus und Terenz 
hatte nicht allein einen nachhaltigen Nutzen für seine allgemeine 
Bildung-, dasselbe erweckte in ihm auch eine leidenschaftliche 
Liebe für die Komödie." 6 ) Vor allem beschäftigte er sich mit 
Plautus, 7 ) und diese seine Hingabe an die alte Komödie bricht 



eigenen Anmerkungen begleitet von Job. Sam. Patzken. Mit säubern 
Kupfern. Halle im Magdeburgischen. 8°. 

') Hallesche Allgem. Litteraturzeitung 1834. S. 539. 

2 ) Palm a. a. 0. S. 179. 

3 ) Dr. C. Le nicke, Geschichte der deutschen Dichtung neuerer Zeit. 
Lpz. 1871. I. Bd. S. 349. 

4 ) A. a. 0. H, 459. 

5 ) „Theophrastus, Plautus und Terenz waren meine Welt, die ich 
in dem engen Bezirke einer klostermässigen Schule mit aller Bequem- 
lichkeit studierte." (Werke, Ausg. Lachmann. IV, 2. — Koberstein. 
DI, 974. — Danzel-Guhrauer, Lessings Leben und Werke. Berlin 1881. 

5. 128 — 162. — G. E. Lessing, Ein Lebensbild. Nach Jame Simes 
Lessing, his life and writings, frei bearbeitet von Ad. Strodtmann. 
Berlin 1878. S. 21. — Lessings Verhältnis zur altroni. Komödie von 
Dr. K. Seidner. Mannheim 1881. S. 5. — Adolph Stahr, G. E. Lessing. 

6. Aufl. 18G9. I. S. 23 u. 41. 

6 ) Ad. Strodtmann a. a. 0. S. 22. 

7 ) Danzel-Guhrauer. I, S. 142. Die ersten, von denen ein we- 
sentlicher Einfluss auf Lessings Lustspieldichtungen erwartet werden 



Lessing und sein Verhältnis 99 

überall durch. 1 ) — Zeugen der Beschäftigung Lessings mit 
Plautus sind vorerst seine „Beiträge zur Historie und Auf- 
nahme des Theaters", 2 ) in welchen sich eine Abhandlung von 
dem Leben und den Werken des Marcus Accius Plautus (S. 14 
— 53), dann die Übersetzung der Captivi (S. 143 — 211), die 
Kritik über die Gefangenen des Plautus (S. 369 — 435) und 
der Beschluss der Kritik über die Gefangenen (S. 573 — 592) be- 
finden. Ritschi hält diese Schrift zwar für Lessings nicht würdig. 3 ) 

Als Dichter schuf Lessing, gestützt auf Plautus, das 
Lustspiel „Der Schatz", eine reine Frucht seiner Plautus- 
studien. 4 ) Seine Grundsätze bei dieser Bearbeitung des Tri- 
nummus waren: Mehr Handlung durch Verkürzung der Originale, 
psychologische Motivierung durch Individualisierung der Cha- 
raktere. 5 ) 

Sein Lustspiel „Justin" sollte auf dem Pseudolus be- 
ruhen, 6 ) der Stichus sollte das Stück „Weiber sind Weiber" 
geben. „Es sollte ein fünf aktiges Stück werden, wie das plauti- 
tinische, aber das Motiv wird dort viel weiter ausgeführt. Die 
Sprache ist frisch und ganz plautinisch. " 7 ) 



kann, sind die römischen Komödiendichter, welche bei der Erneuerung 
des deutschen Lustspiels noch nicht berücksichtigt waren, von denen 
aber Lessings Interesse für das Drama zuerst erweckt worden war. Und 
zwar scheint hier Plautus besonders in Betracht zu kommen. (Vgl. da- 
gegen Koberstein. ILT, 3042.) — Adolph Stahr. I, 68. Lessing be- 
gann mit den Alten und zwar mit den römischen Dichtern Plautus 
und Seneka, über welche er die meisten Studien gemacht hatte. — ■ 
Ebenda. I, 129. Diese Jugendversuche waren erweckt worden durch 
sein Studium der römischen Lustspieldichter, zumal des Plautus, und 
der kernige Witz, der lebendige Dialog dieses Dichters waren nicht 
ohne Einfluss auf Lessings dramatischen Stil geblieben. 

') Vgl. z. B. das Lustspiel „Der junge Gelehrte", UI, 4, wo Damis 
ausruft: „Ah. verberabilissime, non für sed trifur. Himmel! dass ich vor 
Zorn sogar des Plautus Schimpfwörter brauchen muss. — (Vgl. Erich 
Schmidt, Vorgeschichte der Jugendlustspiele Lessings in der Allgeni. 
Zeitung vom 30. März 1883.) — Eugen Sierke, E. G. Lessing als 
angehender Dramatiker, geschildert nach einer Vergleichung seines 
„Schatzes" mit dem Trinummus des Plautus. Königsberg 1869. (Ge- 
druckt bei H. Härtung.) 

2 ) Stuttgard (J. Ben. Metzler) 1750. 

3 ) Seidner a. a. 0. S. 13. Seidner verteidigt dieselbe. 

'') Am Schlüsse der plautinischen Abhandlungen in den Beiträgen 
zur Historie und Aufnahme des Theaters verspricht Lessing, den 
„Schatz" hier zu veröffentlichen, aber es kam nicht dazu. Das hier 
versprochene Stück ist der Schatz, nicht Minna von Barnhelm, wie 
man aunahm. — S. Boxberger in Schnorrs Archiv. X. Bd. Heft 1. 

5 ) Seidner a. a. 0. S. 9 u. 28. 

< ; ) Ebenda. S. 11. 

7 ) Ebenda. S. 11. — Vgl. Strodtmann a. a. 0. S. 57. „Das viel- 
versprechende Fragment ,Weiber sind Weiber' ist eine freie Nach- 
ahmung des Stichus von Plautus. Er zeichnet einen alten Murrkopf 
von Vater, der sich über seine beiden Töchter beschwert, weil sie ihre 

7* 



100 zu Plautus. Linz. 

Die Alten haben Lessing von Anfang- an auf eine neue 
Bahn geführt. 1 ) Die Neuhersche Gesellschaft, welche damals in 
Leipzig spielte, wurde für Lessing „das praktische Konyersatorium 
für seine früheren plautinischen und terentianischen Studien". 2 ) 

Lessing zunächst, und zwar sein „Schatz", 3 ) führte Jo- 
hann Michael Reinhold Lenz (geb. 1750; gest. 24. Mai 
1792) 4 ) auf Plaiitus. Im Jahre 1774 erschienen in Leipzig und 
Frankfurt seine „fünf Lustspiele nach dem Plautus fürs 
deutsche Theater", nämlich das Väterchen (Asinaria), die 
Aussteuer (Aulularia), die Entführungen (Miles gloriosus), die 
Buhlschwester (Truculentus) , die Türkensklavin (Curculio). 5 ) 
Eine Bearbeitung der Captivi ist verloren gegangen; 6 ) vielleicht 
dachte Lenz auch an die Menächmi. 7 ) Ob diese von Goethe 
durchgesehenen 8 ) Stücke aufgeführt wurden, ist zweifelhaft. 9 ) 

Männer, von denen sie verlassen worden sind, nicht aufgeben und die 
ihnen von ihm zugedachten Bewerber nicht heiraten wollen. Der frühere 
Abscheu der Töchter gegen ihre Eheherren bildet einen humoristischen 
Kontrast zu ihrer jetzigen Treue, und es macht einen drolligen Effekt, 
dass der Vater sein zorniges Schelten für sanfte Vorstellungen hält." 

') Gervinus (IV, 112): „Das Vorbild des .Schatzes' (Trinummus) 
zeigt schon, dass der junge Mann ganz andere Wege gehen wollte, als 
Gottsched." 

2 ) .T. Hillebrand, Die deutsche Natiouallitteratur etc. I, 208. 

3 ) Dramatischer Nachlass von K. Weinhold. 1884. S. 7 u. 17. 

") Nicht wie Tieck (I. Bd. CXX) vermutet 1780. — S. Aug. Stöber, 
Der Dichter Lenz. Basel 1842. S. 41. 

5 ) S. Gesammelte Schriften von J. M. R. Lenz, herausgegeben von 
Tieck. Berlin (Reimer 1825). — Vgl. Kritik Lenzscher Plautusstücke 
von Wieland. Teutscher Merkur, Septemberheft 1774. — Schirach- 
sches Magazin der deutschen Kritik. LT. Teil des 3. Bds. 1774. — 
Eschenburg, Allgemeine deutsche Bibliothek. 1775. XXVI. Bd. 2,470 
bis 474. — Lenz schrieb selbst gegen seine Rezensenten .Verteidigung 
der Verteidigung des Übersetzers der Lustspiele". S. bei Weinhold 
S. 14—21. 

6 ) Siehe bei Weinhold und hier unter Captivi. 

7 ) Weinhold a. a. O. S. 28. „Wir haben endlich noch Spuren der 
Beschäftigung von Lenz mit den Menächmi des Plautus. Auf ein Quart- 
blatt, Notanda überschrieben, das allerlei Notizen und Aphorismen ent- 
hält, hat er, an Menächmi Akt 2, Szene 3 anknüpfend, Betrachtungen 
über das Verhältnis der Römer zu den Hetären niedergeschrieben und 
über den Unterschied der römischen von der christlichen Ehe. Nur die 
christliche Religion hat den Begriff eingeführt, dass die Ehe das Band 
der höchsten Liebe sei, das heisst, dass man so lange wählen müsse, bis 
man in der Wahl keine Grenzen mehr kennt, und alsdann erst sich auf 
ewig verbinden. Diese Idee ist aber den Christen selber noch nicht 
deutlich und bekannt genug, weil sie kein Exempel hat." 

») Gödeke. Gdr. DZ, 1048. — Vgl. Hillebrand a. a. 0. I, 413. 
— Kurz. LU, 124. „Lustspiele nach Plautus, die Lenz auf Goethes 
Antrieb bearbeitete. Es sind im Ganzen die Stoffe und Situationen des 
römischen Dichters beibehalten, die nur auf moderne Verhältnisse ange- 
wendet sind. Doch hat der Dichter manche neue Einfälle hinzugefügt, 
die sich an die Anlage des Plautus glücklich anschliessen." 

9 ) „Ob je eines davon in Deutschland aufgeführt wurde, ist mir 



Falk. Übersetzungen. 101 

Daniel Falk (1770 — 1826) griff über Moliere hinweg- zum 
Amphitruo des Plautns in einer Schöpfung von' weniger Be- 
deutung, die auch der Miles beeinflnsste; ebenso Heinrich von 
Kleist (1786—1811). 

Auch in diesem Jahrhundert fehlt es nicht an Übersetzern 
und Bearbeitern des Plautus und Terenz. 1 ) 

Von Übersetzungen des Plautus sind jene von Chr. Kuff- 
ner (Wien 1806), J. T. L. Danz (Leipzig 1806 — 1809), 
M. Rapp (Stuttgart 1838), W. Binder (Stuttgart 1862), Donner 
(Leipzig 1864) anzumerken, sowie einzelne Stücke in „Komi- 
sches Theater der Römer" 1 — 2 (Quedlinburg 1826). — 
Einige lateinische Texte mit deutschen Bühnenweisungen 
gaben Schulz und Heusinger (Braunschweig 1790). Die Qued- 
linburger Übersetzung enthält den Pönulus, das Hausgespenst, den 
prahlerischen Krieger, den Geizhals. 

Ein Lustspiel, „Der Winkelschreiber" von Adolphi, 
nach einer Idee des Terenz, gelangte am München er Hoftheater 
am 8. Juli 1862 zur Aufführung. 



Dieser belebende, in allen Kulturländern sich äussernde Ein- 
ihiss auf die litterarische Produktion ist indessen nicht der einzige, 
welchen die klassische Litteratur hervorgebracht hat. Eine 
Reihe ständiger Figuren der früheren Komödie, ja ein- 
zelne, welche noch der unsrigen angehören, leiten vom 
Altertume ihre Herkunft ab. 

Vorerst begegnen wir dem Sklaven. In wie vielen For- 
men und Gestalten tritt er uns entgegen! In der commedia del- 
1' arte sind sie zu Hauptfiguren geworden. „Man bezeichnete sie 
unter dem allgemeinen Namen der Zanni (der Spassmacher oder 
Clowns). Zu ihnen gehörte Pulcinella, der aus Venedig, 
Arlecchino, der aus Bergamo stammte, sowie die andern, Bri- 
ghella, 2 ) Scapin, Franca-Trippa. Es sind die Sklaven der 
antiken Komödie, die sich nur wenig verändert haben; 3 ) auch in 



nicht bekannt." Koberstein. I, 1648. —Vol. Morgenblatt 1838, No 3G. 
Den Brief an Salzmann vom 6. März 1773. — Koberstein. II. 1516. 
>) Vgl. Fuhrmann a. a. O. III, 80—86; 130—137. — Gödeke. 
III. 217. 1297. 

2 ) Masques et bouffons, texte et dessins par Maurice Saud. Gra- 
vures par A. Manceau. 2 voll. Paris (Mich. Levy Freies 1860). II, 206. 
(Brighella) ne songe qu'a voler comme l'Epidique de Piaute dont il 
descend en ligne directe. 

3 ) So bemerkt Fournel (Les contemporains de Moliere) II, 5 zu 
(i. (iilberts lntrigues arnoureuses: Les intrigues amoureuses appartiennent 
au genre de la comedie latiue, ou les valets sont la cheville ouvriere de 



102 D er Sklave. Der Paedagog. 

dem französischen Lustspiel werden wir ihnen begegnen. Sie lehen 
hei Moliere als Scapin oder Scaramouche, zivilisieren und 
modernisieren sich immer mehr, his sie ihren letzten Triumph als 
Figaro feiern." 1 ) „Wie auf die Sklaven in der alten Komödie 
regnete es auf die Zanni Ohrfeigen und Prügel." 2 ) 

Christian Weise meint, „der Pickelhäring sei in der 
Komödie nicht nötig, aher jede Nation habe solche Figuren, wie 
ja schon im Plautus und Terenz die leichtfertigen Knechte 
nichts anderes als unsere Pickelhäringe seien." 3 ) 

Aus gleichen Vorgängerinnen hat sich die Colomhina ent- 
wickelt. Maurice Sand sieht in der Philematium der plau- 
tinischen Mostella ria ihr Vorbild. 4 ) Aus der schmeichlerischen 
Sklavin ist die vertraute, vorlaute Dienerin, die Soubrette der 
Franzosen geworden. 5 ) 

Der Paedagog, Ludus, der plautinischen Bacchides ist das 
Vorbild der Dottori und Pedanten, wie des Archiprotaco 
in der Atalanta, und vieler anderer, die hier vorgeführt werden 
und der italienischen Komödie unentbehrlich sind, geworden. 
Besonders in den Lustspielen des Giovanni Francesco Lore- 
dano spielt der Pedant eine hervorragende Rolle, eingreifender 
als bei den meisten übrigen Komödiendichtern. So als Alfesi- 
beo in „Li vani amori" (Nuovamente posta in luce, Venitia 1588, 
all' Insegna della Speranza, 136 S.), als Agrimonio in „La 
Turca" (Ebenda 1597, 64 fol.) u. s. w. — Der Pedant spricht 
zum Teil lateinisch, zum Teil in italianisiertem Latein, und ist reich 
an Zitaten aus lateinischen Klassikern. Häufig hat er die Schluss- 
worte zu sprechen, z. B. in „la Turca": „Spectatores, la Fauola 
e finita, & per non hauere in ea trouato la licenza, putabä 
l'Autore essersi scordato di poruela, qxio circa, egli fuit a me 
interrogatus de causa. Respondit, non essere necessaria. 
Interrogatus perche? Dixit quotiescumque; tu tacerai, 



la piece et menent toute l'action. Marot descend des Dave et des Syrus, 
comme le Mascarille et le Scapin de Moliere. So Corbineli in le pe"dant 
joue des Cyrano de Bergerac u. a. 
') Lotheissen. I, 271. 

2 ) Ebenda, Anm. 

3 ) Palm a. a. 0. S. 56. — Wie der spanische gracioso so manche 
Berührungspunkte mit dem italienischen Arlecchino hat, siehe bei 
L. Riccoboni, Re'flexinns historiques et critiques sur les differens the- 
ätres de l'Europe. Paris 1738. S. 80 ff. 

4 ) A. a. 0. I, 205 u. 208. „De l'esclave flatteuse cynique et cor- 
rompue est nee sur le theätre italien la Servetta ou Fantesca, servante 
confidante, plus tard en France la Soubrette, emploi qui se confond 
avec celui des villageoises eveillees et malicieuses. (212.) Ce type de 
la Soubrette est toujours le meme; depuis Piaute jusqu'ä Gherardi et 
depuis Gherardi jusqu'ä nos jours il a peu varie." 

5 ) Prölss. I, 2. 221. 228. 



Der Parasit. Der Miles gloriosus. 103 

eglino si piglieranno il congiedo sua sponte. Hoc tantum 
superest. Se la Comedia vi e piaciuta, datele il plauso amba- 
bus manibus." 

Der Pedant Fauonio in Giaconio Cencis Lustspiel „Gli 
Errori" (Venet, olme Jabreszahl und Paginierung') spricht Sizi- 
lianiscb mit Lateinisch untermischt; der Pedant Archibio in An- 
drea Calmos „II Travaglia" Bergamaskisch und Lateinisch. 

Ebenso erging es mit dem Parasiten. 1 ) Er führt meist 
bezeichnende Namen, z. B. Panfago, Edace, 2 ) wie bei 
den Alten. Gaster, in der Komödie Les Napolitains des 
Franeois d'Amboise (des Freundes Lariveys), ist der Gnatho 
des Terenz und sein Monolog dem Gnathos im Eunuchen 
nachgeahmt. 3 ) Mathew Merrygreek des Roister-Doister 
ist der plautinische Artotrogus. 4 ) Viele Dichter lebten als 
Parasite; man kannte Montmaur, und an ihn dachte Tristan 
l'Hermite, als er seinen Parasiten Fripesauces, eine in Re- 
den und Handlungen plautinische Parasitengestalt, schuf. 

Am verbreitetsten aber ist die Figur des prahle- 
rischen Soldaten, die Spielarten des Miles gloriosus bei 
allen Völkern 5 ) geworden — „Eisenfresser, die sämtlich in 
Plautus' Miles gloriosus ihren Urahn verehren". Der Grundton 
dieses prahlerischen Kriegers ist derselbe, gleichviel, was sein 
Name ist, ob er Capitan Cuerno de Cornazon, Sangre y 
Fuego, Matamoros, 6 ) Rodomonte, 7 ) Esgangarato, Coco- 



') Theater und Kirche in ihrem gegenseitigen Verhältnis historisch 
dargestellt von Dr. Heinrich Alt. (Berlin 1846.) S. 526. — Vgl. Les- 
sing, Hamb. Dramaturgie. Achtzehntes Stück. „War ihr (der Römer) 
Parasit etwas anders als der Harlekin. Hatte er nicht auch seine eigene, 
besondere Tracht, in der er in einem Stücke über dem andern vorkam?" 

2 ) So in Raffaelle Borghinis „La donna constante" (1582). 
— Ruth. II, 594. 

3 ) Chasles a. a. 0. S. 179. 180. 

4 ) Ward a. a. 0. S. 157. Mathew Merry-greek is the Artotrogus 
of Plautus. 

5 ) Sand a. a. 0. I, 191. Aucun type n'eut autant de succes en 
Europe au XVP et surtout au commencement du XVlL e siecle que celui 
du capitan, tant dans la comedie improvisee que dans l'autre genre. En 
Italie, en Espagne, en France, en Angleterre, le nombre des pieces oü 
le capitan sous des noms tres-differents joue le premier röle, est con- 
siderable. — Alt a. a. 0. S. 526. 

6 ) Dieser spielt noch in Charles Lecocques Operette Girofle"- 
Giroflä (Text von Alb. Vanloo und Eug. Leterrier) als der „weltbe- 
rühmte Admiral." 

„Ja, Matamoros, Held der Meere, 
Wiid retten dieses Hauses Ehre, 
Er hat gesiegt noch jedes Mal, 
Dieser tapfre Admiral." 
(No. 13 und Finale 20.) 

7 ) Pro 1 ss. I, 2. 227. Vgl. diesen z. B. in der Komödie les Con- 
tents (cc 1580) des Odet de Turnebe. 



104 Der Miles gloriosus 

drillo, Grillo, Spavento, Spezzafer, Fracassa, Spavento 
da Vall' Inferna, Spezza Monti (frz. Tranclxe Montaigne), 
Giangurgolo, Taglia-Cantoni, Rogantino, il Vappo, 
Escobombardon della Papirotonda, Zerbino, Ceriruonia, 
Mala Gamba, Bella Vita, Cardoni, Babeo, Rinoceronte, 
Taille-Bras, Engoulevent u. s. w. beisst, oder sieb mit bisto- 
riseben Namen, wie Cacciadiavolo in Ceccbis Martello, 1 ) 
einfuhrt. 

Alle gleichen sich 2 ) in der Tapferkeit, die sie an sich rüh- 
men , 3 ) in dem geringen Mute , den sie an den Tag legen, 4 ) in 
ihrem überwältigenden Eindrucke, den sie auf die Damenwelt 
machen, in ihrem bombastischen Auftreten. 5 ) 

Lotheis"sen 6 ) entwickelt die Gestalt des Renommisten, wie 
folgt: 

„Das Original findet sich schon völlig ausgebildet in dem 
Miles gloriosus des Plautus. Die Spanier verwandelten ihn 
zuerst auf ihrer Bühne in einen Landsmann, einen Vetter Don 
Quijotes, um die Prahlereien ihrer stolzen Hidalgos zu verhöhnen. 
Die noch nicht lange beendigten Kämpfe gegen die Mauren 
lieferten dem Renommisten den hauptsächlichsten Stoff zu seinen 
Prahlereien, wie schon sein Name Capitan Mat amoros (Mauren- 
töter) anzeigt. Nach Italien verpflanzt, behielt er seine spanische 
Tracht, die ihn schon von weitem als Kriegsmann kenntlich 
machte. Es versteckte sich wohl auch ein Stückchen nationaler 
Rache in dieser Betonung des spanischen Charakters. Der Witz 
des Unterdrückten verfolgte den stolzen Sieger. Italien stand 



*) Ein Korsar aus den Jahren 1540 — 1550. 

2 ) Fournel, les contemporains. IH, 22. Anm. „Tous les mata- 
mores de notre vieille comedie ne peuvent tourner leur regard sur un 
simple mortel sans le faire pour le moins fremir jusqu'ä la moelle des 
os, quand ils ne le reduisent pas en poudre immediatenient. Du reste 
ils sont tous jetäs dans un moule tellement uniforme qu'il 
est inutile de relever ces continuelles analogies." 

3) Sand a. a. 0. I, 175. 

Ce capitan plein de boutades, 
Estalant, en rodomontades 
Sa grand' valeur aux assistants. 
«) Ebenda. I, 183. 

Ce capitan fait grand e"clat: 
Et sa valeur est si parfaite 
Qu'il est des derniers au combat 
Et des premiers ä la retraite. 

5 ) So im Parasite des Tristan l'Hermite (I, 5). 

Voicy ce Capitan qui fait trembler la Terre 
Et qui parle si haut qu'il semble d'un tonnere. 
Weitere Beispiele s. unter Miles. 

6 ) A. a. 0. I, S. 270. 271. 



in späteren Lustspielen. 105 

damals zum grossen Teile unter spanischer Herrschaft und hatte 
viel von den Soldatenhaufen zu leiden. Der spanische Soldat 
galt im sechszehnten Jahrhundert als der heste der Welt, um so 
mehr Veranlassung fand die commedia dell' arte, eine Karrikatur 
desselben zu gehen. Da kamen die Helden, der Capitan Spa- 
vento della Valle Infernale (zu deutsch etwa , Ritter Schreck 
von Höllenthal'), die Capitani Cocodrillo, Fracassa, Rodo- 
monte, Rinoceronte, und wie sie alle heissen. Schon der 
Name sollte Schrecken einflössen. Aber die Träger dieser furcht- 
baren Namen entpuppten sich sehr bald als armselige Helden; 
schwachmütig, erwiesen sie sich nur da herzhaft, wo sie glaubten, 
ungestraft zu bleiben; nur mit Schwachen fingen sie Händel an, 
und sobald sie Widerstand fanden, wussten sie tausend Ausflüchte, 
um die Heldenkraft ihres Armes für diesmal nicht zu zeigen. Ihre 
Hauptstärke bestand in den Aufschneidereien und prahlerischen 
Reden. Der eine rühmt sich, den Gegner mit dem blossen Blick 
seiner Augen durchbohrt zu haben; der andere hat alle Fürsten 
des Orients bezwungen; wieder ein anderer erglüht bei der Ver- 
folgimg einer Seeräuberflotte in solchem Zorn, dass der Hauch, 
der sich seiner Brust entringt, einem Sturmwind gleich, über die 
Flut hinbraust, die Segel der feindlichen Schiffe schwellt und diese 
somit rettet. 

Der Capitan ging auch in das französische Theater über; 
noch Corneille braucht ihn in seinem Lustspiele ,1'Illusion 
comique'. !) Aber Moliere kennt ihn nicht mehr. Zu seiner 
Zeit hatte sich die Gesellschaft soweit verfeinert, dass sich für 
bramarbasierende Lanzknechte kein Platz mehr fand, und an 
Stelle des plumpen Kriegsmannes erscheint bei Moliere der gecken- 
hafte, hohlköpfige Marquis." 

Dieser trefflichen Schilderung des Capitan, für welche wir 
seinerzeit die hervorragendsten Beispiele liefern werden, ist nur 
noch die alte Erbschaft des Pyrgopolinices anzufügen — seine 
herzgewinnende Grossmut und seine überwältigende Schönheit, die 
ihm alle Weiber gewinnt. Er wird belästigt von dem schönen 
Geschlechte, das vor ihm zu Füssen liegt. Prinzessinnen und 
Königinnen senden aus den fernsten Ländern nach ihm, und wie 
ihn überseeische Fürsten zum Schutze ihrer Throne rufen, so 
mächtige Fürstinnen, um von ihm Heldensöhne zu bekommen. Und 
doch ist er in der Wahl der Geliebten meist sehr bescheiden und 
erntet selbst mit diesen geringen Ansprüchen nur Hohn, wenn nicht 
gar Schlimmeres. 



') Ja dieser Taillebras rettete das schwache Stück. Vgl. Sand 
a. a. 0. I, 189. La tradition du theätre nous apprend que ce röle 
de Matamore fit la f'ortune de l'Illusion comique. (Vgl. Lotkeissen. 
n, 174. 175.) 



206 Horribilicribrifax. 

Die Figur des Capitan hat sich noch lange in Italien bei 
Volksbelustigungen erhalten. a ) 

Wie im alten Rom und in Italien 2 ) die Zeitverhältnisse den 
Capitan schufen und ausschmücken halfen, so war dies allent- 
halben, z.B. auch in Deutschland, der Fall. „Im Horribilicri- 
brifax 3 ) ist der Miles gloriosus des Plautus nach den Erschei- 
nungen des dreissigjährigen Krieges verarbeitet." 4 ) Gryphius 
schildert in demselben das „bramarbasierende Wesen der 
Söldner und überhaupt die Sitten der verschiedenen Stände nach 
dem dreissigjährigen Kriege in ihrer ganzen Ehrlosigkeit und 
Verdorbenheit " . 5 ) 

Der Hauptmann Horribilicribrifax von Donnerkeil auf 
Wursthausen und der Kapitän Daradiridatumtarides Windbrecher 
von Tausendmord, der von allen Weibern geliebt zu werden 
glaubt, findet sich auch in Jos. Aug. Adams „der Aben- 
teuer er." 6 ) 

Ehe in der englischen Komödie der Miles seinen unerreichten 
Höhepunkt in Shakespeares Falstaff fand, hatte er verschie- 



*) S. Lorenz zum Miles S. 255. „Fast bis auf die letzten Dezen- 
nien erhielt sich bei den Redouten und Karnevalslustbarkeiten der Ita- 
liener (vgl. Goethe, Rom. Karn. XIX, 474 der Ausg. in 30 Bd.) eine 
solche ruhmredige Figur, die schon früh im Volksmunde mit dem Namen 
Rodomonte belegt worden zu sein scheint." 

Aristophanes hat diese Art des Bramarbas noch nicht, ob auch 
der sonst zwar verdienstvolle Feldherr Lamachos in den Acharnern 
etwas prahlend und lächerlich auftritt. 

Vgl. V. 572. IIöB-ev ßoijg ijxovoa TiotefiiGzrjQlag; 

TIol xq?) ßotj&siv, nol xvdoifidv £(ißaXetv\ 
Tig PoQyöv' elsqysiQSV ex xov oüyfiaxog; 

V. 620. kP.A' ovv tyoj (ihv tcüoi IIe/.o7iovv>]6ioig 
Asl TtolsßTjGoj xccl zaoä<~a) itavruxfl 
Kai vaval xccl nttpioi xaxä xb xccqxsqöv. 

Komische Wirkung erzielt schon sein Auftreten. Müller (Aristophanis 
Acharnenses. Edidit Albertus Müller. Hannoverae, Rümpler 1863), S. 105, 
schildert ihn „Lamachus, bene armatus, maxiniam cristam in casside, 
Gorgonis imaginem in clypeo gerens, e domo sua prodit. Totam eius 
armaturam ridiculam fuisse cogitandum est". Dem Auftreten 
entspricht die Rede. „Wer hat den Schlaf der Gorgone im Futterale 
gestört?" möchte es Müller übersetzen. 

2 ) Riccoboni a. a. 0. I, 56. La domination des Espagnols en Italie 
attira quelques com£diens de leur nation dans le pays et cela donna 
au theätre des capitains qui parlaient purement la langue espagnole ou 
un nielange des deux langues. De ces capitans nous en avons d'excel- 
lents. La memoire subsiste encore des capitans Spavento, Matamore e 
Sangre e Fuego. Dort ist (No. X) einer abgebildet. 

3 ) Ein Spavento. Ed. Tittmann, p. 20. 

4 ) Lemcke a. a. 0. I, 316. 

5 ) Kurz a. a. 0. DZ, 390. — Bouterwek, Geschichte der Künste 
und Wissenschaften. X, 165. 

G ) Deutsches Theater für 1819. — Kehr ein a. a. 0. n, 337. 



Falstaff. Pistol u. a. 107 

dene Vorstufen durchgemacht. Roister-Doister beruht ganz 
auf Plautus, 1 ) nicht minder Sir Tophas in Lillys „Endi- 
mion". 2 ) Neben Shakespeares Falstaff stehen noch würdig 
Parolles, 3 ) Don Armado und „der Superlativ des Miles 
gloriosus", der Fähnrich Pistol. 4 ) 

Nach dem Shakespeareschen Falstaff 5 ) brachten Beau- 
mont und Fletcher in a king and no a king und the Custom 
of the country, sowie Ben Jonson 6 ) (Every man in bis hu- 
1110111') die Figur des Braggart, sogar mit Berufung auf 
den Stammvater Plautus, allerdings mehr oder weniger mit 
Beibehaltung der typischen Färbung des plautinischen Charakters 
auf die Bühne. 7 ) 

Eine neue Gestalt des Miles (nach dem Thraso) schuf 
L. Holberg in seinem Jacob von Tyboe; in Deutschland kam 
noch ein Enkel desselben in der Preziosa (1811) des Pius 
Alexander Wolff (1784—1828) im Schlossvogt Pedro: 

Ich beschützte die Bagage, 
Stets den Feind dicht hinter mir. 
Mit dem einen Beine lief ich, 
Mit dem andern wehrt' ich mich. 

(III, 2) und seinen Heldenthaten „auf der grossen Retirade". 

Übrigens auch in anderen Formen trat die Gestalt des gross- 
sprecherischen Soldaten auf. Fäneste ist nichts anderes. „Der 



') Ward. I, 140. Ralph Royster Doyster, the work of an English 
scholar and schoolmaster, is descended directly from the Miles gloriosus 
of Plautus. 

2 J Ebenda. I, 154. Sir Tophas in „Endimion" has far more assu- 
redly a prototype in the Miles gloriosus of Plautus, than Falstaff has 
one in Sir Tophas. 

3 ) Vgl. Klein. IV, 571. Der Ruffo in Bernardo Accoltis Virginia 
ist ein Parolles. 

4 ) Ward. I, 553. Ancient Pistol is a mere modification of the 
regulär italian (and new comedy) type of the Thraso; in Falstaff the 
military element is only incidental; the conception of Bobadill has been 
well defined as „the coward assuming the dignity of calm courage". 
(Vgl. T. Davies, Dramatic Miscellanies, II, 54, where it is remarked, 
that from Bobadill Congreve formed his Captain Bluffe in the old 
Batchelor.) — Klein, IV, 741, bemerkt: Taddeo Scaliscenti in der 
Strega des Ant. Francesco Grazzini sei ein Pistol. „Er könnte gar 
wohl zu einigen Pinselstrichen des Fähnrich Pistol gesessen haben." 

5 ) S. Jahrbuch der deutschen Shakespearegesellschaft, herausge- 
geben durch Karl Elze. (Weimar 1878.) „Der Miles gloriosus bei 
Shakespeare" von J. Thümmel. — Vorträge über Shakespeare-Charak- 
tere von Jul. Thümmel. (Halle, Niemeyer 1881.) S. 257—276. „Der 
Miles gloriosus bei Shakespeare." 

6 j Ward. I, 553. The immortal Bobadill a military braggart of 
quite peculiar species, wholly distinet e. g. from Falstaff or from an- 
cient Pistol. 

7 ) Thümmel a. a. 0. S. 262. 



103 Notwendige Umgestaltungen 

Baron von Fäneste (cpaivsG&ai) [des Th. A. d'Aubigne] i) ist einer 
jener widrigen, geldbedürftigen schmarotzenden Junker, -svie sie 
nach den Religionskriegen so häufig zu sehen waren. Feig und 
doch prahlerisch erinnern sie an den ,Capitan' der italienischen 
Stegreifkomödie. Ihr Hauptgedanke ist zu renommieren; sie 
wollen gross thun, vornehm erscheinen, für tapfer gelten. Der 
Schein ist ihnen alles ; daher der Name des Barons. " 2 ) 

Einige Stücke, vor allem die Andria des Terenz und die 
Menächmi des Plautus, 3 ) sind wahre Fundgruben für die späteren 
Dichter geworden. Shakespeare freilich hat die Menächmi 
wieder zur höchsten Vollendung gebracht. 

Vielfach freilich waren die Umgestaltungen, die je nach 
den Zeitanschauungen mit diesen antiken Komödien vorge- 
nommen werden mussten. Hegendorf ahmte (1520) in seiner 
comedia nova die Hecvra nach; 4 ) der Landgraf Moritz von 
Hessen, der 1592 zur Regierung kam und in Kassel so viel 
für die Kunst wirkte, schrieb eine „Anglia" „als Nachahmung 
der Andria des Terenz, worin er seiner Vorliebe für England 
Ausdruck geben wollte"; 5 ) B. Varchi (1502 — 1565) hatte in 
seiner Suocera die Hecyra, 6 ) als Vorbild zugleich auch mit 
dem Versuche, „dem Lustspiele einen anständigeren Inhalt zu 
geben;" Beolco Ruzzante machte aus der Asinaria seine 
Vaccaria; 7 ) „aus der Kurtisanne hat er die reizende Fiori- 
nitta gemacht." 8 ) 

Einschneidendere Änderungen machten besonders einzelne 
Stücke nötig. So hat der Eunuch des Terenz viel zu denken 
gemacht, das Stück war wohl vorzüglich, allein die Persön- 
lichkeit passte nicht. Schon einfache Übersetzer glaubten An- 



') Les aventures du Baron de Faeneste par Theodore Agrippa 
d'Aubigne. Nouvelle Edition revue et annotee par M. Prosper Merimee. 
Paris (P. Jannet 1855). Bibliotkeque ElzeVirienne. 

2 ) Lotheissen. I, 130. 

3 ) Riccoboni. 11,252. Les Me"nechmes de Piaute en tout teins 
ont suffi aux poetes comiques modernes pour leur donner matiere süffi- 
sante pour en faire une comedie parfaite et remplie. L'Andrienne de 
Terence de meme n'a pas eu besoin qu'on lui ajoutät des scenes etant 
assez complete dans son original pour une action de tke'ätre. 

*) Francke a. a. 0. S. 123. 

5 ) Deutsche Dichter des sechszehnten Jahrhunderts. Herausgegeben 
von K. Gödeke u. Julius Tittmann. Vierzehnter Band. (Lpz. 1868.) 
S. XIV. — Geschichte des Theaters und der Musik in Kassel. Bearbeitet 
vom verstorbenen Hof-Theater- Sekretär W. Lynker. Herausgegeben 
von Dr. Th. Köhler. Kassel (Th. Kay) 1865. S. 248. 

6 ) La suocera. Comedia di Benedetto Varchi, in Fiorenza ap- 
presso Bartolomeo Sermartelli 1569. 

7 j Prölss. I, 2. S. 113. 
s) Ebenda. S. 221. 



antiker Bühnenfiguren. 109 

deruugen treffen zu müssen; 1 ) um so mehr freie Bearbeiter. Im 
Ottoneum zu Kassel wurde er z. B. als Cassandra gespielt. 2 ) 

Der Holländer Brederoo konnte nicht Lateinisch; man 
empfahl ihm Terenz, und aus sehr mittelmässigen französischen 
Übersetzungen des alten Dichters gewann er die nötige Kenntnis 
desselben, um den Eunuchus umzuarbeiten. 3 ) Die Person bei- 
zubehalten ging nicht an; so wählte er eine „mooris", eine 
Negerin. So gefiel das Stück recht wohl und wurde noch nach 
achtzig Jahren aufgeführt. 4 ) 

In gleicher Weise machte Catarino Dolce aus dem Eu- 
nuchen ein Lustspiel „La Mora", das im Jahre 1643 in Köln 
erschien. 5 ) 

Ähnlich manipulierten Brueys (1640 — 1723) und Palaprat 
(1650 — 1721). Sie machten aus dem Eunuchen einen Stum- 
men in ihrem Lustspiel „Le Muet" (comedie en prose en 
cinq actes). 6 ) 

Im Jahre 1703 versuchte Baron die Andria der franzö- 
sischen Bühne entsprechend umzudichten in seiner „l'Andrienne", 
comedie en vers en cinq actes. 7 ) 

Hinter dem Titel der im Jahre 1777 erschienenen Ko- 
mödie 8 ) „Die Engländer in Berlin" würde kaum jemand „eine 
moderne Übersetzung der Andria des Terenz" vermuten. 9 ) 

Selbst die Eigentümlichkeit des Poenulus, in welchem 
Plautus in punischer Sprache reden lässt, soll andere Schrift- 



*) Z. B. La Fontaine. S. bei Colman a. a. 0. S. 105. „There is 
extant in the works of the celebrated Fontaine a comedy entitled l'Eu- 
nuque being like Baron's Andria, founded on Terence witli such 
alterations as tlie modern Poet thought adviseable in his 
age and country." 

a ) Lynker a. a. O. S. 248. 

3 S Jonckbloet. n, 129. 

4 ) S. Co mm elin, Beschrijving der stad van Amsterdam. H.Teil. S.863. 

5 ) Nach Allacci. S. 220 in Colonia per Pietro Heningio, in 8°. 

6 ) Vgl. die lange Abhandlung bei Parfaict. XIH. Bd. S. 247. 
Die erste Aufführung war am 12. Juni 1691. 

7 J Parfaict. XIV, S. 312. „II falloit assujetir Terence ä nos mceurs, 
& aux bienseances de notre theätre, & en meme temps conserver son 
genie, son caractere, & ses beautes inimitables. C'est ce que l'auteur a 
ose faire avec autant de bonheur que d'habilete : & l'on peut dire que 
cet ouvrage seroit parfait dans son genre, si M. Baron avait pu aussi 
bien imiter l'elegance du stile de son original." 

8 ) Berlin, bei Arnold Wewer (in 8°). 

9 ) S. das Theater- Journal für Deutschland vom Jahre 1777. (Gotha, 
bey Carl Wilhelm Ettinger). Zweytes Stück. (S. 160, VIII.) „Moderne 
Übersetzung heisst hier das, was die Herausgeber des Hamburgischen 
Theaters verdeutscht nennen. Noch nie ist uns ein Stück vorgekommen, 
wo diese Modernisierung, diese Umschaffung ausländischer Sitten und 
fremden Sprachgenius in vaterländische, so glücklich und doch dem Ori- 
ginal so treu bewerkstelligt worden wäre u. s. w." 



HO Plautus selbst 

steiler veranlasst haben, in fremden Idiomen sprechende Personen 
auftreten zu lassen. Von Angelo Beolco Ruzzante vermutet 
dies Riccoboni; 1 ) Giovammaria Cecchi aber beruft sich in 
seinem Prologe zu seinem Lustspiele „I Rivali"-) wegen seines 
Spanisch sprechenden Soldaten Ignico ausdrücklich auf 
Plautus. 3 ) 

Auch gegen diese Sitte führt Grazzini im Prolog zu seiner 
Komödie „La Spiritata" (S. 55) Klage, indem er von ihr rüh- 
mend hervorhebt: „Ne ci si udiranno ne Tedeschi, ne Spa- 
gniuoli, ne Franciosi cinguettare in lingua Pappagallesca, 
odiosa, e da uoi non intesa. " 

Plautus und seine Lebensverhältnisse sind selber 
Gegenstand dramatischer Behandlung geworden. Nepomucene 
Louis Lemercier hat in seinem Lustspiel „Piaute ou la co- 
medie latine", 4 ) auf dem Epidicus aufbauend, ein Stück aus 
dem Leben des Plautus zu geben versucht (1808); Pietro 
Chiari (1700 — 1788), bekannt als Egerindo Criptonide, Pastor 
Arcade della Colonia Parmense, schrieb (1755) einen Marco Accio 
Plauto, (1754) II Terenzio. 5 ) In neuerer Zeit (1876) hat in 
ungleich genialerer Weise 6 ) Pietro Cossa (geb. 29. Januar 1834; 



') I, 51. Je crois que Ruzante (cc. 1530) a pris de Piaute l'ide'e de 
mettre ses differents dialectes dans la comedie . . . Piaute dans sa co- 
medie du Poeuulus iutroduit uu Carthaginois qui parle sa langue et qui 
fait des jeux de mots avec la langue latine: ce qui devait produire un 
plaisant admirable. Ruzante en a fait autant, en mettant dans la bouche 
d'un de ses personnages la langue grecque vivante qui donue lieu ä des 
jeux de mots avec l'italienne." — Auch Fl ö gel a. a. 0. IV, 142. „Es 
ist sehr wahrscheinlich, wie Riccoboni glaubt, dass Ruzante die Idee zu 
dieser Erfindung („die verschiedenen italienischen Dialekte aufs Theater 
zu bringen") aus dem Plautus genommen." S. dagegen Pro lss. 1,2.217. 

2 ) S. 148 des ersten Bandes der Commedie di Giov. Cecchi, 
pubblicate da Gaetano Milanesi. (Firenze 1856.) 

3 ) Eccetto uno Spagnuolo, il quäl, per essere 
Un bravazzon, non ha trovato, credomi 
Chi gli dia lingua; ond' e la sua restatagli: 
Forse per farvi ancor con essa ridere. 

Ne e questo peccato; poiclie Plaulo 
Fece questo medesimo ttel Penolo. 

4 ) Siehe unter Epidicus. 

5 ) In den Commedie rappresentate ne' Teatri Grimani di Venezia, 
coniinciando dall' anno 1749. D' Egerindo Criptonide Pastor Arcade 
della Colonia Parmense. (Venezia 1752, Angiolo Pasinelli.) Bd. 1. 2. 3 
sind diese beiden Stücke nicht enthalten. 

u ) Levin Schücking schreibt hierüber (Allgemeine Zeitung 1877, 
No. 149 vom 29. Mai, S. 2256) in seinen Römischen Briefen X.: „Cossa 
hat sich in die Kultur- und Sittenzustände der Römerwelt in einer Weise 
hineingelebt, dass er in diesem „Plautus" ein höchst frappantes dra- 
matisches Gemälde derselben zu geben im stände war; dazu bedarf es 
nicht grosser psychologischer und gemütlicher Vertiefung, sondern nur 
der rasch und leicht arbeitenden Phantasie und der gi-üncllichen Kennt- 



dramatisch bearbeitet. 111 

gest. 31. August 1881) in seinem Lustspiele „Plauto ed il suo 
secolo" die gleiche Idee verfolgt. 

Ja selbst als komische Figur hat Plautus herhalten 
müssen. Weste rmayer erzählt im Leben J. Bälde s 1 ) ge- 
legentlich einer Aufführung des regnum veterum poetaruin von 
einer Szene: „Plautus und Martial balgen sich, als die lustigen 
Personen des Stückes, in grobkörnigem Gassenlatein herum." 



nis der Zeit. Mit grossem Geschick ist der arme Plautus, der, ein Lust- 
spielmanuskript in der Tasche und eine Schauspielertruppe um sich, 
aus seinem Umbrien in die ewige Stadt einzieht, um dort sein Glück 
zu machen — mit grossem Geschick ist er in Situationen gebracht, 
welche ihn mit den unvergänglichen Typen seiner Werke, dem Miles 
gloriosus, Grumio, dem Wucherer Balio, dem Davus, dem Ritter Cäcilius, 
dem Urbild des Aniphitruo in Berührung bringen und uns diese in ihrer 
Urgestalt in Fleisch und Blut zeigen. Ein Philologe müsste seine Freude 
daran haben, und ein Lateinschüler könnte dadurch in drei Theater- 
stunden mehr als in zwanzig Schulstunden lernen." 

*) Georg Westermayer, Jacobus Bälde, sein Leben und seine 
Werke. München (Lindauer 1868). S. 34. 



ZWEITER TEIL. 



(Die plautinischen Lustspiele und ihre hervorragendsten 
Bearbeitungen.) 



I. Amphitruo. 

Unter den plautinischen Lustspielen ist der „Amphitruo" 
nach mehr als einer Seite hin hemerkenswert. Die Komödie, 
welche sich stets unter den acht 1 ) bekannten fand, ist die einzige 
dieses Dichters „mit mythologischem (komisch- wunderhaftem) 
Stoffe, der etwas ethisch Bedenkliches hat, aber mit formeller 
Meisterschaft und heiterster Laune behandelt ist". 2 ) „Bedenklich 
ist das frevle Spiel, welches mit der Tugend der treuen und edlen 
Alkmene getrieben wird." 3 ) 

Der (übrigens unechte) Prolog 4 ) deutet die Eigenart des Stückes 
am besten an. Er bezeichnet es (V. 50 — 63) als „Tragikomödie" 
wegen der Mischung göttlicher und menschlicher Charaktere: 

50. Nunc quam rem oratum huc ueni, primum proloquar: 

Post argumentum huius eloquar tragoediae. 

Quid contraxistis frontem? quia tragoecliam 

Dixi futuram hanc? si uoltis, faciam ego ex tragoedia 

55. Comoedia ut sit omnibus isdem uersibus. 

Vtrum sit an non uoltis? set ego stultior, 

Quasi nesciam uos uelle, qui diuos siem: 

Teneo quid animi uostri super hac re siet. 

Faciam ut conmixta sit haec tragicomoedia : 
60. JSam me perpetuo facere ut sit comoedia, 

Reges quo ueniant et di, non par arbitror.' ) 

Quid igitur? quoniam hie seruos quoque partis habet, 

Faciam sit, proinde ut dixi, tragicomoedia. 6 ) 



') Amphitruo, Asinaria, Aulularia, Captivi, Curculio, Casina, 
Oistellaria, Epidicus. (Vgl. S. 18.) 

2 ) W. S. Teuffels Geschichte der römischen Litteratur. Vierte 
Auflage bearbeitet von Ludwig Schwabe. Lpz., Teubner 1882. p. 147. 

3 ) Teuf fei, 1. c. p. 147. — S. dagegen Grundriss der römischen 
Litteratur von G. Bernhardy. Fünfte Bearbeitung. (Braunschweig, 
Schwetschke u. Sohn) 1872. S. 455 „die stark gezerrte Posse Amphitruo". 

') Vgl. F Martius, Quaestiones Plautinae. De captivorum, Am- 
phitruonis, Poenuli, Rudentis prologis. Berol. 1879. 

b ) Dasselbe berührt Lope deVega, s. LessingsHamb.Dram. G9.Stück. 

6 ) Nach T. Macci Plauti Amphitruo. Ex recognitione Alfredi 
F leckeisen i. Lipsiae (Teubner) 1879. — Spezialausgaben F. Ast (Lands- 
hut 1818); Th. Verwaijen (Utrecht 1827): F. Lindemann (Lips. 1834); 
F. W. Holtze (Lips. 1846). 



116 I. Amphitruo. 

Auch Lessing (Hamb. Drara. 55. Stück) handelt davon, indem 
er Voltaires Erklärung' der Tragikomödie abweist. 

Der Stoff ist gewiss der neuen Komödie entnommen. 1 ) Es 
ist ein dem Altertume geläufiger Vorwurf, dessen Bearbeitung 
mehreren alten Dichtern (Archippos, Epicharmos) zugeschrieben 
wurde; auch plastische Darstellungen aus der Amphitruosage 
fehlen nicht; 2 ) indessen ist es kein Stück der alten attischen Ko- 
mödie, ebensowenig des Archippos oder des Rhinthon, wie Binder 
(Übers. S. 5) sagt. 3 ) 

Der Text des plautinischen Amphitruo ist verstümmelt auf 
uns gekommen. 4 ) Nach der zweiten Szene des vierten Aktes 
(V. 1043) findet sich eine ziemlich bedeutende, durch das Fehlen 
einer Blätterlage verursachte Lücke, die etwa vier Szenen von un- 
gefähr dreihundert Versen vermissen lässt. Als das Stück im 
fünfzehnten Jahrhundert zu Rom und Florenz gespielt wurde, 5 ) 
versuchte Hermolaus Barbarus, der Kardinal von Aquileja, 
(1464 — 1493) ein Freund des Angelo Poliziano, der aus einem 
altedlen venetianischen Geschlecht stammte, die fehlenden Szenen 
zu ergänzen. Diese Nachdichtung ist nach Form und Inhalt 
nichts weniger als gelungen zu nennen; Barbarus thut, als ob er 
den Versuch selbst 6 ) für nicht vorzüglich halte. 



') S. Frd. Schultz, Plautus in seinem Verhältnisse zur mittleren 
und neueren griechischen Komödie. Neustadt in Pr. 1866. — Ritschi, 
Parerga, p. 271. 

'-) Winckelmann, Gesch. d. K. S. 187. W. A. — Vgl. auch An- 
nali dell' Istituto 1872. — 5 — 18. (Engelmann) in abweichender 
Auffassung. — D'Hancarville, Antiq. Etrusc. IV. pl. CV. — Winckel- 
mann, Monum. ined. n. 190. — C. 0. Müller, Denkmäler der alten 
Kunst. II, 19. — Wieseler, Theatergebäude u. Denkmäler des Bühnen- 
wesens. IX, 11. — Heydemann in Arch. Zeit. n. F. I, 34. — A. Bau- 
meister, Denkmäler des klassischen Altertums. München u. Leipzig 
(Oldenhourg) 1884. S. 48, und Ausführliches Lexikon der griech. und 
röm. Mythologie von W. H. Röscher. Lpz. (Teubner) 1884. 

3 ) Vgl. J. Vahlen, Rhein. Museum. XVI. S. 472, wo vermutet 
wird, dass vielmehr Atellanen mit mythologischem Stoffe Rhinthonicae 
seien, possenhafte Travestierungen mythisch-tragischer Gegenstände. — 
Die Rhinthonicae sind so genannt von dem Phlyakograpken Rhinthon 
aus Tarent, der tragische Stoffe lächerlich machte (tu TQayixa fxeva^QvS- 
[a!l,ü)v elg ytlolov), auch V/MQOTQuyiuöiu oder Ixahxfj, wogegen Amphitruo 
xü)(ji(i)6oTQayo)äla. (Teuffei, 1. c. pag. 30.) — Ladewig, Über den Ka- 
non des Volcacius Sedigitus', Neustrelitz 1842. S. 23 ff. — S. W. Teuf fei, 
Studien und Charakteristiken zur griech. und röm., sowie zur deutschen 
Litteraturgeschichte. Lpz. (Teubner) 1871. S. 255. — Bernhardy, 1. c. 
pag. 462. 

4 ) Em. Hoff mann, De Plauti Amphitruonis exemplari et frag- 
mentis. Vrat, 1848. 

5 ) Oeuvres completes de Moliere. Nouvelle edition etc. par M. 
Louis Moland. (Garnier Freres 1864.) Der fünfte Band der chefs- 
d'ceuvre de la litterature francaise. Notice preliminaiiv. pag. 7. 

6 ) Vgl. Politian, Epistol. XII, 25. 



Charakteristik desselben. 117 

Diese bei Plautus fehlenden Szenen haben der Phantasie 
nachfolgender Bearbeiter freien Spielraum gelassen. 

Der Inhalt des plautinischen Amphitruo, der zu so manchem 
Anstoss Veranlassung wurde, A ) fällt in einigen Stücken mit jenem 
der Menaechmi zusammen, nur ist in letzterer Komödie der 
freie Zufall das herrschende Element, während der Amphitruo 
eine Wunderkomödie, eine göttliche Intrigue ist. Wohl liegt im* 
Amphitruo eine beabsichtigte Geisse lung des Juppiterglau- 
bens. 2 ) Es ist nicht mehr die Naivetät des Dichters und seines 
Zeitalters, noch ist es ein erhabenes Bild, das Mercurius von dem 
Vater der Götter und Menschen (in den angefochtenen V. 26 — 
31) entwirft: 

„Etenim ille, quoius huc iussu uenio, Iuppiter 
JSon minus quam uostrum quiuis formidal malvm : 
Humana matre natus, humano patre, 
Mirari non est aequom, sibi si praetimet. 
Atque ego quoque etiam, qui Iouis sum filius, 
üontagione mei palris metuo malum." 

oder, wenn er ihn ( V. 138) als Ausfluss seiner Allmacht stehlen 

lässt: 

Ea dona, quae illic Amphitruoni sunt data, 
Apstulimus: facile mens pater quod uolt facit. 

Die Fabel an sich ist nicht gerade sehr viel wert, vor allem 
ist sie gewiss alles eher, als poetisch: dennoch aber zeichnet sich 
die Gesamtarbeit durch Feinheit des Dialogs und eine wohlgefeilte 
Diktion aus. Ganz besonders sind die Situationen einzelner Szenen 
von hochkomischer Wirkung. 3 ) 

Wir haben nun den Gang der Handlung und die Gestalten des 
plautinischen Lustspiels näher zu verfolgen, um zu ersehen, was 
die zahlreichen späteren Bearbeiter ihrer Quelle verdanken. 



') So findet Eapp (Span. Theat. I, 17) „El diablo predicador" des 
Belmonte lasse sich „in der Frivolität etwa dem Amphitruo an die 
Seite stellen". 

2 ) J. Naudet (Theätre de Piaute, traduction nouvelle. Paris 
[Panckoucke] 1845) urteilt hierüber (I, 24): L'Amphitryon de Piaute est 
uu des plus insignes exemple des inconsequences de l'esprit humain. 
CVsf peiit-etre au sortir du Capitole, oü ils venaient d'adresser au tres 
Bon et tres Grand des actions de gräce ou des supplications que les 
Romains allaient applaudir les histrions qui bafouaient Jupiter avec son 
fils sur le proscenium; contradiction d'autant plus etrange, que les jeux 
sceniques ne se donnaient qu'aux fetes solennelles, et que toutes ces 
fetes etaient religieuses. 

3 ) F. Osann, Über den Amphitruo des Plautus (Rhein. Museum 
von Welcker und Näke. II, S. 305—335). — Welcker, Griech. Trag. 
S. 1478—1481. — R. Steinhoff, Prologomena zu Plautus' Amphitruo. 
Jahresbericht, über das herzogl. Gymnasium zu Blankenburg. Halber- 
•~la.lt 1879. — H. Köstlin, Phil. 36, 358. 



1 ] g I. Amphitruo. 

Mercurius tritt auf und giebt im Prolog (V. 1 — 153) den 
Inhalt der Komödie. Amphitruo, der Gatte der Alcumena 
und Feldherr der Thebäer, ist abwesend im Kriege mit den 
Teleboern. Juppiter, der von Liebe zur schönen Alcumena ent- 
brannt ist, benutzt diesen Umstand zur Befriedigung seiner Lei- 
denschaft. Er nimmt die Gestalt des fernen Amphitruo an, sowie 
"Mercurius in jener des Sklaven Sosia auftritt, und täuscht auf 
diese Weise Alcumena. 

Mit dem ersten Akte erscheint Sosia. Amphitruo hat 
ihn vorausgesandt, um seiner Gattin Alcumena seine siegreiche 
Rückkehr anzukündigen. Mercurius, in der Gestalt des Sosia, 
bewacht bereits das Haus, in welchem sich Juppiter in einer 
eigens verlängerten Nacht Alcumenas freut. Mercurius tritt 
dem Sklaven entgegen, verwehrt ihm den Eintritt in Amphitruos 
Haus, jagt ihn mit Schimpfen und Schlägen von dannen und 
macht ihn vollständig verwirrt, da Sosia in dem Fremdling un- 
leugbar sein Ebenbild erblickt. — Juppiter tritt mit Alcumena 
auf; er nimmt mit dem Grauen des Tages zärtlichen Abschied 
von ihr; er habe sich, sagt er, nur vom Lager zu ihr herge- 
stohlen; niemand dürfe seine Abwesenheit wahrnehmen. Schei- 
dend schenkt er ihr die Trinkschale des Königs Pterelas, die 
er nach dessen Besiegung als Lohn seiner Tapferkeit erhalten 
hatte. Es wird Tag, und zwar ein viel kürzerer, auf dass die 
lange Nacht ausgeglichen werde. (V. 550.) 

Am Beginne des zweiten Aktes erzählt Sosia seinem 
Herrn Amphitruo, was ihm begegnet sei. Ein anderer Sosia, 
sein treuestes Ebenbild, habe ihn geprügelt und nicht in das Haus 
eingelassen. (V. 632.) Indessen Amphitruo den Bericht nicht 
verstehen kann, naht Alcumena, in einem sehr hübschen Mo- 
nologe die wiederholte Trennung von ihrem teuern Gatten be- 
klagend, doch aber des Ruhmes seines Heldensinnes sich freuend. 
Plötzlich erblickt sie Amphitruo vor sich. Da sie seine Fragen 
nicht verstehen, vielmehr ihm nur versichern kann, dass er diese 
Nacht bei ihr gewesen und soeben erst geschieden sei, kömmt es 
zu einer aufgeregten Szene, in welcher Amphitruo seiner Ge- 
mahlin schwere Vorwürfe macht. Diese zeigt ihm den Becher 
des Pterelas, den nun Amphitruo vergeblich in seinem Etuis 
sucht, da ihn Mercurius gestohlen hat. In höchstem Unmute 
verlässt Amphitruo Alcumena, um ihr durch das Zeugnis 
ihres Verwandten Naucrates zu beweisen, dass er diese Nacht 
bei ihm verbrachte. (V. 860.) 

Der dritte Akt führt Juppiter ein, bedacht, Alcumena 
keinen Schaden zuzufügen: denn (V. 871): 

Nam mea sit culpa, quod egomet contraxerim, 
Si id innocenti (inmerito damnosum) expetat. 



Charakteristik desselben. 119 

eine Gerechtigkeitspflicht, der schon früher (F 492) Mercurius 
mit den Worten Ausdruck verlieh: 

nemo id probro 
Profecto ducet Alcumenae: nam deum 
IXon par uidetur facere, delictum snum 
Suamque ut culpam expetere in mortalem sinat. 

Juppiter besänftigt, als Amphitruo die schmollende Alcu- 
mena, indem er ihr förmlich Abbitte für seine früheren Reden 
leistet, worauf sie sich versöhnen. Sosia, der dazu kömmt, sieht 
mit Freude und Staunen diesen Friedensschluss (V. 957): 

Iam pax est (facta) uos inter duos? 

Nam quia uos tranquillos uideo, gaudeo et volup est mihi. 

Er geht mit ihnen ins Haus. Mercurius aber, als Sosia, bleibt 
wieder als Wache vor demselben. Vergeblich hat mittlerweile Am- 
phitruo überall nach Naucrates gesucht; er will in seine Wohnung, 
um Weiteres von Alcumena zu erfahren, Mercurius aber zieht 
ihn, auf dem Dache stehend, auf. (F. 1034.) Hier ist die Lücke. 

In dem Fragmente des vierten Aktes hören wir von 
Blepharo, dass Alcumena eben entbunden werde. Erregt, mit 
allen Drohungen, will Amphitruo ins Haus dringen; ein Donner- 
schlag erfolgt; er stürzt zusammen. (F. 1052.) 

Beim Beginne des fünften Aktes findet die Amme Bromia 
ihren Herrn, Amphitruo, am Boden liegend; „sepultust quasi sit 
mortuos." (F. 1074.) Sie berichtet ihm, der langsam zum Leben 
erwacht, von Alcumenas schmerzloser Entbindung, und dass 
sie zwei Knaben zur Welt gebracht habe, deren einer ein ihn 
bedrohendes Schlaugenpaar getötet habe. Juppiter sei der Vater 
des einen Knaben, worauf sich Amphitruo mit den Worten 
tröstet (F. 1124): 

Pol me hau paenitet, 
Si licet boni dimidium mihi diuidere cum Ioue. 

Zur Bestätigung des Gesagten erscheint noch Juppiter 
selbst. Alcumena ist schuldlos und rein; denn (F. 1142): 

Mea ui subactast facere. 

Auch Amphitruo ist befriedigt; denn begrüsste er schon 
bei der ersten Kunde die Geburt der Zwillinge als günstiges 
Zeichen (F. 1089), so ist er mit Juppiters Versicherung, dass 
der eine der beiden wirklich sein Sohn sei (F. 1135 — 1140), 
und dass der andere ihm Ruhm und Ehre bringen werde, völlig 
beruhigt: und das Stück schliesst mit einer Aufforderung an die 
Zuschauer, Juppiter zuliebe zu klatschen (F. 1145): 

Spectatores, nunc louis summt causa clare j)laudite ! 



120 I. Amphitruo. 

Die Handlung des Stückes ist gewiss keine ganz befrie- 
digende, 1 ) indem der „denx ex machina" dieselbe gewaltsam 
löst. Andrerseits lässt sieb nicht leugnen, dass selbst ein mytho- 
logisch so bedeutsamer Vorgang, wie die Zeugung des Herkules, 
nicht wichtig genug erscheint, um ihm die glückliche Ehe zweier 
liebender Gatten so gewaltsam aufzuopfern. Mehrfach hat man 
daraus auf die niedrige Anschauung jener Zeit vom Weibe 
geschlossen. 2 ) 

Die Feinheit jedoch, welche im Dialoge herrscht, und die 
herrliche Komik, vor allem die überraschende Ähnlichkeit der 
beiden Amphitruo und Sosia, auf welche in der Komödie wieder- 
holt hingewiesen wird, 3 ) und welche dem Zuschauer nur durch 
die Flügelchen (pinulae) des Mercurius und das goldene Hutband 
(torulus aureus) des Juppiter etwas aufgeklärt wird, 4 ) muss des 



') Vgl. indessen, wie Mercurius der abgedroschenen Motive spot- 
tet, wie sie im Trinummus und in der Mostellaria gebraucht sind 
{V. 986): 

Nam mihi quidem hercle qui minus liceat deo minitarier 
Populo, ni decedat mihi, quam seruolo in comoediis? 
Ille nauem saluam nuntiat aut irati aduentum senis. 

2 ) Vgl. Benoist,De personis muliebribus apudPlautum. Mars. 1862, 
und auch den Vorwurf, dass das Weib den Schwur nicht achte (/'. 836): 

Mulier es, audacter iuras, 
den in ähnlicher Weise im „Miles gloriosus" Sceledrus der Philocomasium 
macht (V. 456): 

„Muliebri fecit fide." 

3 ) V. 120. Nam meus pater nunc intus eceum Iuppiter 

In Amphitruonis uortit sese imaginem, 
Omnesque eum esse censent serui qui uident. 
V. 441. Certe edepol, quom illuni contemplo et formam cognosco 

meam, 
Quem ad modum ego sum (saepe in speculum inspexi): 

nimis similist mei. 
Itidem habet petasum ac uestitum: tarn consimilist at- 

que ego. 
Sura, pes, statura, tonsus, oculi, nasum, uel labra, 
Malae, mentum, barba, collus: totus. quid uerbis opust? 
Si tergum cicatricosum, nihil hoc similist similius. 
V. 457. Nam hie quidem omnem imaginem meam, quae antehac 

fuerat, possidet. 
V. 600. Tum formam una apstulit cum nomine. 

Neque lac lacli magis est simile quam ille ego similis 

est mei. 

4 ) V. 142. Nunc internosse ut nos possitis facilius, 

Ego has haOeo usque hie in petaso pinulas: 
Tum meo patri autem torulus inerit aureus 
Sub petaso: id Amphitruoni signum non erit. 
Ea signa nemo horunce familiarium 
Videre poterit, ueruni uos uidebitis. 
Siehe hierüber R. Steinhoff. II, 7, Note 22. 



Charakteristik desselben. 121 

Erfolges auf der Bühne sicher sein. Sie führt zu so trefflich 
ausgebeuteten Situationen, dass man gerne auf einige Zeit ver- 
gisst, wie arg bedenklich vom moralischen Standpunkte aus dieses 
Quiproquo ist. 

Der Vergleich der Arbeiten der Nachfolger nötigt uns, die 
Hauptzüge der Charaktere des plautinischen Stückes in Kürze zu 
betrachten. Sie sind insgesamt scharf ausgeprägt. 

Juppiter, der „Amphitruo" subditiuos" (F 497), ist nach 
den Darstellungen seines eigenen Sohnes ohne sittlichen Halt in 
seinen Anschauungen (F 104): 

Nam ego uos nouisse credo iam ut sit meus pater, 
Quam Über harum rerum et multarum siet 
Quantusque amator, si ei quid conplacitumst semel. 

Seine Gottheit giebt ihm zu allem, auch zum Diebstahl, wie wir 
sahen, volle Macht. Er ist ein abscheulicher Lügner (F 506): 

Nimis hie scitust sueophanta, qui quidem sit meus pater. 
In seiner Lüsternheit teilt er des Sklaven Sosia Ansicht (F 287): 

Vbi sunt isti scortatores, qui soli inuiti cubant? 
Haec nox scitast exercendo scorto condueto male, 

worauf Mercurius sagt: 

Meus pater nunc pro huius uerbis recte et sapienter facit, 
Qui conplexus cum Alcumena cubat amans, animo opsequens. 

Noch klingt uns, wenn er sich in der letzten Szene pathe- 
tisch als den Gott Juppiter zeigt (Iuppiter supremus, F. 1127; 
quom sum Iuppiter, V. 1134; ego in caelum migro, F 1142), 
sein Monolog vom dritten Akte, „qui interdum fio Iuppiter, quando 
libet" (F 864), nicht ohne arge Beeinträchtigung seiner Göttlich- 
keit im Ohre. 

Auf derselben Stufe steht Mercurius, der sich schon im 
Prologe als den Gott nicht gerade des schönsten Handels und 
ehrlichsten Gewinnes und als Helfer „in omnibus rebus" einführt. 
Er hat mit der Sklavengestalt den niedrigen Sklavensinn ange- 
nommen (F 266): 

Et enimuero quoniam formam huius cepi in me et statum, 
Decet et facta moresque Indus habere me similis item. 
Itaque me malum esse oportet, callidum, astutum ad modam 
Atque hunc telo suo sibi, malitia, bis a foribus pellere. 

Gegen diese beiden Göttergestalten heben sich Amphitruo 
und Alcumena durch besondere Reinheit des Charakters ab. 
Amphitruo („der unermüdliche Kriegsmann") ist kühn und tapfer 
als Feldherr (F. 191): 



122 I- Amphitruo. 

Id ui et uirtute niilitum uictuin atque expugnatum oppidumst, 
Imperio atque auspicio niei eri Amphitruonis maxume, 
Qui praeda agroque adoreaque adfecit popularis suos 
Regique Thebano Creoni regnum stabiliuit suum. 

Milde gegen seinen Sklaven, will er ihn nicht mit Arbeit 
überlasten (7 674): 

Alium ego isti rei adlegabo: ne time! 

Wahrheitsliebe ist ein Grundzug seines Charakters (7. 687): 
„Quia uera didici dicere", 

und so bringt er seiner Gattin, von der er überzeugt ist, dass 
Theben kein besseres Weib hat, aufrichtige Liebe und Verehrung 
entgegen. (7. 676): 

Amphitruo uxorem salutat laetus speratam suam, 

Quam omnium Thebis uir unam esse optumam diiudicat, 

Quamque adeo ciues Thebani uero rumificant j^robam. 

Gewiss ein Gegenstück zu Juppiter! 

Die verführte Alcumena („die Starke") ist nicht minder mit 
allen guten Zügen ausgestattet. Diese „uxor usuraria" Juppiters 
(7. 498) ist eine vortreffliche Hausfrau, die sich der „res com- 
munis" ernstlich annimmt (7. 499) und voll Liebe zu ihrem 
Gatten ist. (7 640): 

Sola hie mi nunc uideor, quia ille hinc abest, quem ego amo praeter omnis. 
Plus aegri ex abitu (mei) uiri quam ex aduentu uoluptatis cepi. 

Sie ist auch voll Teilnahme an seinem Ruhme, und dies ist 
ihr einziger Trost gegenüber der Trennung von ihrem Gemahle; 
ein Trost, den sie in jenem herrlichen Monologe des zweiten 
Aktes, den alle Nachahmer von Geschmack sich angeeignet haben, 
in so zarter Form zum Ausdruck bringt (7 642): 

Set hoc me beat saltem, quoniani (ille) uicit 
Perduellis et domum laudis conpos reuenit 

und so weiter. 

Sie ist sittsam (proba 7 678), keusch und treu, wie ihr 
Schwur (7 831) bezeugt: 

Per supremi regis regnum iuro et matrem familias 
Iunonem, quam te uereri et metuerest par maxume, 
Vt mi extra unum te mortalis nemo corpus corpore 
Contigit, quo me inpudicam faceret. 

und darin sucht sie ihre einzige Ehre. (7 839) :*) 



') Vgl. Sulzer, Theorie etc. III, 702-'. 



Charakteristik desselben. 123 

Non ego illam mihi dotem esse duco, quae dos dicitur, 
Set pudicitiam et pudorem et sedatum cupidinem, 
Deum metum et parentum amorem et cognatuni concordiam, 
Tibi morigera atque ut munifica sim bonis, prosim jjrobis. 

Beleidigt in ihrer weiblichen Ehre, keiner Schuld sich be- 
wusst (V. 885: „Quae neque sunt facta neque ego in nie— admisi, 
arguit"), will sie Amphitruos Haus verlassen. Als ein Muster 
weiblicher Denkart tritt sie mit dem ganzen Selbstbewusstsein der 
Unschuld auf, da Juppiter sie versöhnen will (V. 925). 

ALC. Ego istaec l'eci uerba uirtute inrita. 

Nunc quando factis sum inpudicis apstinens. 

Ab inpudicis dictis auorti uolo. 

Valeas, tibi habeas res tuas, reddas meas. 

Iuben mihi comites? 
IV. Sanan' es? 

ALC. Si non iubes, 

Siuito: Pudicitiam egomet comitem ihixero. 

u. s. w. in einer meisterhaften Szene. 

Noch bleibt uns die Figur des Sosia — für die Nachfolger 
eine der verwertbarsten. 

Sosia ist das Muster eines Sklaven, wie ihn V. 266 — 269 
schildert. Köstlich ist sein Auftreten. Er räsonniert über das 
Sklavendasein und die Befehle des Herrn, der nicht ahnt, was ihr 
Vollzug alles erheischt. (Vgl. F. 172): 

Non reputat quid laborist. 

Als echte Bedientenseele formt er sein Gesicht nach dem seines 
Herrn (F. 959): 

Atque ita seruoni par uidetur frugi esse instituere : 
Proinde eri ut sint, ipse item sit: uoltum e uoltu conparet: 
Tristis sit, si eri sint tristes, hilarus sit, si gaudeant. 

Feige, wie kein zweiter, schneidet er dennoch gewaltig auf 
(F. 199): 

Nam quom pugnabant maxume. ego tum fugiebam maxume. 
Verum quasi adfuerim tarnen simulabo atque audita eloquar. 

Mercurius meint (F. 293): 

Nullust hoc meticulosus aeque. 

Beim Anblicke des Gegners weiss er nur den Schreckensruf 
auszustossen: ,.Perii, dentes pruriunt!" So wird Sosia zu einer 
höchst wirksamen komischen Figur, und die Szene, wo er zum ersten- 
male mit Mercurius zusammentrifft, sowie die zweite Szene des 
zweiten Aktes sind wahre Kabinetsstücke. 

Das also ist das Vorbild der kommenden Bearbeitungen des 



12-4 I- Amphitruo. 

Ämphitruo, *) einer ziemlich weitverbreiteten Sage des Altertums, 2 ) 
die nach der Anschauung einzelner Forscher 3 ) in verschiedenen 
Erzählungen des Mittelalters wieder spielt. 

Ed. Dumeril glaubt 4 ) zwar, gestützt auf eine Stelle im 
.,C armen p aschale" des (Caelius?) Sedulius, 5 ) eines christ- 
lichen Dichters aus der zweiten Hälfte des fünften Jahrhun- 
derts, der sich stark über die profane, heidnische Bühne be- 
schwert und dabei von „Ridiculove Greta" spricht, dass es schon 
seit dem fünften Jahrhundert lateinische Bearbeitungen des plau- 
tinischen Amphitruo gab, wie uns eine solche in dem Amphi- 
tryon (oder besser dem Geta und Byrrhia) des Vitalis Bie- 
sen sis 6 ) (Vital de Blois) aus dem zwölften Jahrhundert vorliegt. 
Richtig indessen hat A. Chassang 7 ) die Unnahbarkeit dieser 
Ansicht aus dem Umstände nachgewiesen, dass Geta einer der 
gewöhnlichsten Sklavennamen war. Der genannte Vital de Blois 
nun ist einer der hervorragendsten Klassizisten jener Zeit, in 
welcher man viel nach klassischen Mustern, und besonders 
nach Plautus , arbeitete. 8 ) 

Der lateinische Text „Geta", 9 ) dessen auch Jeremias von 
Padua am Ende des dreizehnten Jahrhunderts in seinem „Epitoma 



') Über Neubearbeitungen des Amphitruo handelt: Nyere 
Digteres Bearbeidelser af Plautus „Amphitruo" af Emil Gigas auf 
S. 113—140 von Det philologisk-kistoriske Samfunds Mindeskrift i an- 
leduing af dets femogtyveaarige virksomhed 1854 — 1879. Udgivet med 
Understöttelse fra Carlsberg-Fondet. Kjöbenhavn. Forlagt af Rudolph 
Klein 1879. — Gigas kennt: Collenuccio, Villalobos, Perez de Oliva, 
Dolce (il marito), Camöes, Rotrou, Moliere, Dryden, Jose da Silva, Kleist, 
Falk. — Von einem im Winter 1878 79 im Breslauer wissenschaft- 
lichen Vereine gehaltenen Vortrag über die modernen Bearbeitungen 
des Amphitruo von Dr. A. AVinter berichtet R. Steinhoff (Das Fort- 
leben des Plautus auf der Bühne 1881). S. 1. Anm. 3. 

2 ) Moland, 1. c. pag. 3. 

3 ) Ebenda, pag. 8. 9. 

4 ) Ed. Dumeril. Orio\ lat. du theätre moderne, pag. 15. 

5 ) Ausgaben von Chr. Cellarius (Halle 1704. 1739), Grüner (1747), 
H. J. Arntzen (Leovard. 1761). F. Arevalus (Rom. 1794j. — Vgl. 
Teuffei, pag. 1122 ff. — Bernhardy, pag. 1000 ff. 

6 ) Vital de Blois, auch Gallus oder Galliens beioenannt, blühte 
gegen das Ende des zwölften Jahrhunderts und ist in Blois geboren. 
Er war ein Zeitgenosse des Matthieu de Vendome. Von seinem 
Leben weiss man nichts Näheres. Vgl. Histoire litteraire. XV. Bd. 
S. 428. 429. — Biographie universelle. Paris 1816. — Fabric, Bibl. Lat. 
cura Em. 1. 29. 

7 ) A. Chassang, Des essais dramatiques imites de l'antiquite au 
XTVe et au XV f siecle, Paris (Durand 1852), pag. 7. 

8 ) M. Magnin, Cours inedit. Conf. Journal de l'instruction publique 
vom 8. fevrier 1835. 

9 ) Vgl. Histoire litteraire de la France (1852). Band XXH. Seite 
41—48. - Teuffei, S. 147.1037. — Osann. 1. c. pag. V— XV1TI; auch 
J. L. Klein, Geschichte des Dramas. (Lpz. 1866. in. pag. 638.) 



Der Geta des Vitalis Blesensis. 125 

sapientiae" Erwähnung thut, ohne jedoch den Dichter zu nennen 
(„auctor libelli, qui incipit: Grecorum stiidia"), und den auch 
War ton an der Bodleianischen Bibliothek zu Oxford gesehen 
hatte, wurde im Jahre 1833 zum erstenmale von Angel o Mai 
(Classicorum auctorum e Vaticanis codicibus editorum etc. curante 
Angelo Maio. Romae 1828—1833, 10 voll, in 8°), in tomus V, 
p. XLVH, S. 463 — 478, herausgegeben und zwar ohne Namen 
des Verfassers. 

Im Jahre 1836 teilte St. Endlicher (in seinem Catalogus 
codicum philologorum latinorum bibliothecae palatinae Vindobonensis, 
Vindobonae 1836 in 8°, S. 162) das in der Wiener Bibliothek befind- 
liche Manuskript 277, n. 21, das er „Carmen de Amphitryone 
et Alcmena" betitelt, obwohl es in demselben „Incipit Geta, 
Explicit Geta" heisst, dem Matthieu de Vendome zu (Aucto- 
rem esse Matthaeum Vindocinensem persuasum habeo). — 
Im gleichen Jahre gab Frd. Osann den Text nach einer Hand- 
schrift von Rom und zweien von Darmstadt heraus (Vitalis Ble- 
sensis Amphitryon et Aulularia Eclogae. Edidit Fridericus 
Osann. Darmstadii [Heil 1836], wobei er die Autorschaft des 
Amphitryon und des Querolus (Aulularia) richtig dem Vital 
de Blois zuteilte. Auch in zwei Manuskripten des vierzehnten 
Jahrhunderts (aus Neapel und Florenz) wird Vital als Autor 
genannt, nicht minder in einer Getahandschrift in Leyden (Ca- 
talogus librorum manuscriptorum , qui inde ab anno 1741 biblio- 
thecae Lugduno-Batavae accesserunt. Descripsit Jacobus Geel. 
Lugd. Batav. 1852, S. 100), wo es heisst: Carmina Vitalis fer, 
fama, parentibus ') alis. 

Den Text Osanns hat im Jahre 1838 Thomas Wright 
in Early Mysteries and other latin poems of the twelfth 
and thirtheenth centuries (London 1838), S. 79—90, S. 127 
— 133, abgedruckt, — Im Jahre 1840 erschien die Ausgabe von 
C. W. Müller im Lektionskatalog der Universität Bern (Carol. 
Guil. Mülleri Analectorum bernensium particula II: Vitalis 
Blesensis Geta comoedia. Bernae 1840 in 8°, 48 Seiten). In 
derselben sind drei Berner Handschriften mit jenen der Vaticana, 
von Paris, München 2 ) und Darmstadt verglichen. 

Einen nochmaligen Abdruck bieten S. 486—505 des IV. 
Bandes, 2 ser. (1848), von Anatole de Montaiglon, Bibliotheque 
de l'Ecole des Chartes, receuil pcriodique paraissant tous les deux 
mois. Paris seit 1839. 3 ) 



') Wohl patentibus. Hist. litt. S. 947. 

2 ) Cod. lat. Mon. 19463. Geta poema, saec. XII. — Cod. lat. Mon. 
19473. saec. XII. Fol. 29—37. Poema de Amphitrione. — Cod. lat. 
Mon. 18910. Fol. 201—214. über Geta, saec. XV. 

3 ) Vgl. Bd. V, S. 425. — F. Bücheier, lat. Deklifl. 3 20. 



126 I- Amphitruo. 

Nur eine Abschrift von Vitals Geta, und zwar eine mangel- 
hafte, ist der im „Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche 
Geschichtskunde, hrsg. von Georg Heinrich Pertz (Hann. 1820 
— 1852, X voll, in 8°)", Bd. IX, S. 7, genannte Joh. Mussae 
Amphitruon, der auch schliesst: 

Explicit hie Geta, deeeptus ab Archade summo; 
l'ilalis Blesis explicit Amphitruon. 

„Explicit liher Amphitruonis per me Johann em Martinum 
de Mussa in Bergolio, " einer Vorstadt von Alessandria in Piemont. 

Der Amphitryon des Vital de Blois verdankt allerdings 
nur die Hauptidee dem Lustspiele des Plautus. *) Es ist 
weniger der eheliche Eingriff Juppiters, 2 ) Alkmene tritt ganz 
in den Hintergrund; 3 ) Vitals Tendenz ist gegen die um 
sich greifende Scholastik gerichtet. 4 ) 

Den Hauptinhalt gieht uns der Dichter in seiner Einleitung: 

Graecorum studia nimiumque diuque secutus 

Amphitryon aberat, et sibi Geta comes. 
Iutrat ad Alcmenam ficto Saturnius ore, 

Cui comes Areas erat. Credidit esse virum. 
5. Geta redit t andern praemissus ab Amphitryone. 

Arcadis ille dolis se putat esse nihil. 
Se dolet esse nihil, et ab Arcade lusus abibat; 

Visa refert domino ; vir dolet; arma parat. 
Laetus abit socio Pater Arcade; quaeritur illis 
10. Moechus; abest; gaudent; lis cadit; ira tepet. 



') Chassang, 1. c. pag. 23. Le Geta de Vital ne conserve de 
1' Amphitryon que l'idee generale. — Vgl. hierüber auch die Prae- 
fatio bei A. Mai. 

2 ) Chassang, 1. c. pag. 24. Ce n'est comme dans Piaute le 
tableau des inquietudes d'Amphitryon trompe puis averti et apaise 
par Juppiter. Les maris ne sont pas en cas dans cette ceuvre, 
dirigee contr e le goüt de scolastique qui commengait ä se repandre. 
Amphitryon et Alcmene, relegues sur le second plan, sont effaces par 
leurs esclaves; et toute la piece est dans le contraste entre le bon sens 
im peu lourd de l'un et la sottise de l'autre, pauvre esprit infatue 
de dialectique." 

3 ) Hist. litt. XXII, 43. „Amphitryon, qui n'est plus ici un gene- 
ral Thebain, mais un philosophe et qui acheve ses etudes aux ecoles 
d'Athenes, est servi par Geta, philosopbe comme lui, et tres-habile en 
argumentation scolastique, tandisque Byrrhia n'est qu'un grossier paysan." 

4 ) Diese Tendenz beweisen vornehmlich V. 453 — 460: 

Byrrhia subridens: aeeepit Graecia sanos 

Hos, ait, insanos illa remisit eos. 
Insanire facit stultuni dialectica quemvis, 

Ars ea sit nunquam, Byrrhia, nota tibi. 
Arte carere bonum est, quae per phantasmata quaedam 

Aut asinos Jiomines, mit nihil esse facit. 
Sic loqicus quivis, tu, Byrrhia, sis homo semper: 

His Studium placeat: uneta popina tibi. 



Der Geta des Vitalis Blesensis. 127 

Schon der Prolog- zeigt die Tendenz. Dem Geta soll nicht 
bewiesen werden, dass der andere Geta sei, sondern durch 
Schlüsse und Scholastik dargethan werden, dass er nichts ist. 

Das Gedicht beginnt mit Juppiters Plan, seine Liebe zu 
Alkmene zu kühlen, indessen ihr Gatte Amphitryon zu Athen 
(natürlich Paris) Philosophie treibt. 

31. Juppiter Alcmenae studeat thalamo, vir Athenis 
Pkilosopketur: amet Juppiter, ille legat. 
Disputet Amphitryon, et fallat Juppiter; artes 
Hie colat, Alcmenam Juppiter ipse suam. 

Alkmene hört, dass ihr Gemahl zurückkehre. Freudig schickt 
sie ihm ihren Sklaven Byrrhia ans Ufer entgegen, der murrend 
den Befehl vollzieht. Unterdessen kömmt Juppiter als Amphi- 
tryon, Mercurius als Geta heim. Nach herzlichster Begrüssung 
Alkmenens werden die Thore geschlossen, vor welchen Mer- 
eurius (Arkas) als Geta Wache hält (F 106). Indessen der 
faule Byrrhia „lento pede claudus" dahinzieht und über den 
Weg brummt, sieht er Geta herankommen, der eine gewaltige 
Last Bücher vor seinem Herrn Amphitryon herschleppt. Da 
er voraussichtlich dieselbe mit Geta teilen müsste, versteckt er 
sich in eine Höhle, um diesen vorüberziehen zu lassen. Geta 
jedoch hat ihn bereits erblickt. Er setzt sich vor die Höhle und 
beginnt so laut zu sprechen, dass es Byrrhia hören muss. Er 
könne als Logiker beweisen , dass ein Mensch ein Esel ist. 
(F 167): 

Simi logicus, faciam quaevis auimalia eunetos: 
Byrrhia, qui nimis est lentus, asellus erit. 

Diese Logik des Geta entsetzt den in der Höhle versteckten 
Byrrhia (7. 169): 

„ . . . qui Byrrhia fiat asellus? 

Quod natura dedit, auferet iste mihi? 
Byrrhia sie Getae quaeeunque problemata solvet; 

Bespondebit, erit Byrrhia semper homo." 

ruft er, sodass es Geta hört. ..Quid in hoc strepit et submur- 
murat autro?" fragt er und wirft so lange Steine in die Höhle. 
bis Byrrhia, sein lautes Plaudern bedauernd, hervorkriechen 
muss. Er hat nun alle Bücher heimzuschleppen, indessen Geta 
davoneilt, stolz, der Schrecken der Logiker zu werden. (F. 36): 

Terrebit eunetos Hominis umbra lm-i. 

Zu Hause aber findet er die Thür verschlossen. Geta und 
Amphitryon, heisst es, sind längst eingelassen. Es folgt ein 
langes logisches Räsonnement zwischen Mereurius und Geta, 



128 I- Amphitruo. 

wobei der erstere diesen streng logisch überzeugt, dass er Geta 
sei. So geht denn Geta als „nichts" fort 5 denn, sagte ihm der 
Gott (V. 279): 

Oiune quod est, unum est; sed non sum qui loquor unus. 
Ergo nihil Geta est, nee nihil esse potest. 

Laut klagt nun Geta (V. 413): 

Cum didicit Geta logicam, tunc desiit esse. 

..Wehe den Logikern, wenn es allen so ergeht!" ruft er aus, 
da naht Amphitryon mit Byrrhia. Ist er wohl auch nichts? 
Er erzählt seinem Herrn den ganzen Vorfall; dieser bewaffnet, 
voll Zorn über seinen Stellvertreter, sich und die beiden Sklaven. 
Dadurch will Geta beweisen, dass er doch vorhanden sei. Mittler- 
weile hat Juppiter Alkmene verlassen; Amphitryon dringt 
bewaffnet ein und fragt nach dem Ehebrecher. Da aber Alk- 
mene sieht, dass ihr Gatte ernstlich böse wird, sagt sie rasch 
besonnen: „Es war ein Traum; ich glaubte nur, dich zu sehen." 

(7. 525): 

Vos equidem vidi, vel vos vidisse videbar; 
Luserunt animos sompnia saepe meos. 

Mit einer witzigen Bemerkung Byrrhias endet das Gedicht. 

Diese fünfhundert zwei und dreissig Verse umfassende Dich- 
tung, in ziemlich ungelenkem Latein geschrieben, jedoch ausge- 
zeichnet durch satirische Schärfe, ') brachte bis zum Ende des 
vierzehnten Jahrhunderts die plautinische Komödie förmlich in 
Vergessenheit. Die Schriftsteller des dreizehnten und vierzehnten 
Jahrhunderts sind reich an Anspielungen und Zitaten aus Vit als 
Amphitryon, und von seiner grossen Beliebtheit zeugen zahlreiche 
Handschriften. 2 ) 

ImBarlaam und Josaphat des Rudolf von Ems (Sp. 251, 
Z. 24 der Asg. von Pfeifer) heisst es: 

und Geta was Archas. 

Diese Stelle, von der Pfeifer sagt: „Diese Zeile verstehe 
ich nicht," hat Reinhold Köhler (Germania, Vierteljahrsschrift 
für deutsche Altertumskunde, Wien, XXII. Jahrgang, 1877, 
S. 285) trefflich erklärt, indem er darauf hinwies, dass dies der 



') Zu weit geht doch Chassang, wenn er 1. c. pag. 27 es „sans 
contredit plus ingenieux que celui de Piaute et de Moliere" nennt. — 
Bernbardy (Grdr.), S. 374, bezeichnet die Masse als „gut versifiziert". 

2 ) Wrigbt kennt ihrer siebenzehn; davon vier in der Pariser 
Nationalbibliothek. (Early mysteries. Praef. p. XVI sqq.) — Osann, 
1. c. p. XI sqq. 



Eustache Deschamps. 129 

falsche Geta, nämlich Archas (d. i. Mercurius), ist. — Schon 
Matthieu de Vendome erwähnt in seinen Aequivoca, vielleicht 
vor dem zwölften Jahrhundert, den Vers ans Geta: Byrrhia, qui 
nimis est lentus, asellus erit. - — Um das Jahr 1215 gedenken die 
heiden Verse des Everard de Bethune: 

„Ludit Geta gemens, qnia captus Mercuriali 
Arte Jovem lectus Amphitryonis habet" 

des Geta. — Der italienische Dichter Garn b in o ans Arezzo 
(Versi di Gambino d' Arezzo, Bologna 1878, pag. 22) erwähnt 
ihn wieder : 

Non stette mai Gieta in tanto dubbio 

Si 1' era dess' o diventato zero. 

Gegen das Jahr 1421 übersetzte Eustache Deschamps 1 ) 
das Gedicht Vit als ins Französische. Das Manuskript befindet 
sich in der Bibliotheque nationale zu Paris. (Mss. fr. n. 7219, 
fol. 455.) ä ) 

Verschiedene Gelehrte haben im vorigen Jahrhundert der 
Handschriften des Deschamps Erwähnung gethan, Crapelet hat 
im Jahre 1832 dieselben sogar näher beschrieben; jedoch allen 
entging dieses Gedicht, das erst der Marquis de Queux de 
Saint-Hilaire im Jahre 1872 zum erstenmale herausgegeben hat. 3 ) 
Die sonstigen Ausgaben der Werke des Eustache Deschamps 4 ) 
enthalten darum das Gedicht nicht. 

Die Übersetzung ist ziemlich getreu, nur etwas 
breiter geworden. Queux de St. Hilaire sagt (Introd. VII): 
„Ce poeme n'est cependant pas une oeuvre originale d'Eustache 



') Nach P. Tarbe zwischen 1345 — 1350 geboren. Recherches sur 
la vie et les oeuvres d'Eustache Deschamps. p. I — XLI in den 
Oeuvres inedites d'Eustache Deschamps. Paris (Techener) 1849. 

2 ) Les manuscrits franyais de la Bibliotheque du Roi, leur histoire 
etc. par Paulin Paris. Paris 1836—1848. I— VHI in 8°. Band VI, 
S. 436. — Hist. litt. XX, 46—48. 

3 ) Le traicte de Getta et d'Amphitrion. Poeme dialogue du 
XV e siecle traduit du Latin de Vital de Blois par Eustache Des- 
champs. Publie pour la premiere fois d' apres le manuscrit de la 
Bibliotheque de Paris avec une Introduction et des Notes par le Mar- 
<[uis de Queux de Saint-Hilaire. Paris (librairie des Bibliophiles, 
1872). XXIV und 60. In 330 Exemplaren gedruckt. — Vgl. Revue cri- 
tique 1873. LT, 148. 

4 ) Poesies morales et historiqucs d'Eustache Deschamps, ecuyer, 
huissier d'armes des rois Charles V. et Charles VI., publiees par Gr. A. 
Crapelet. Paris 1832 in 8°. — Oeuvres completes d'Eustache Des- 
champs, publiees d'apres le manuscrit de la Bil)liotheque nationale par 
le Marquis de Queux de Saint-Hilaire. Paris (Firmin Didot 1878), 
als zwei Bände der Societe des anciens textes franc.ais. 

9 



130 ■"■■ Ampbitruo. 

Deschamps. II n'est que la traduction amplifie^e d'un 
poeme latin." 

Man vergleiche z. B. das Argumentum: 

Ampkitrion estudioit 

Et l'estude des Grieux sivoit, 

Et Geta lui tint compaignie; 

N'i avoit plus de sa niaisgnie. 

Jupiter, qui Almeue ama, 

En son mari se trausforma. 

Archas aussi com Geta forme. 

Celle cuida veoir lern* forme. 

Geta devant des nefs s'en vient : 

Archas li preuve qu'il est nient. 

Dolens retourne. S'encontra 

Son seigneur, et tout li compta. 

Moult dolens fu. Tantost s'armerent; 

Et li Dieu aussi s'en alerent. 

Kiens ne treuvent, tant saichent querre. 

Si revint joie, et failli guerre. 

So der Eingang: 

Ardet in Alcmenam Saturnius atque beatum 
Amphitryona probans, se dolet esse Jovem 

bei Deschamps: 

Jupiter en l'amour ardoit 
D'Almene, qui ne s'en gardoit, 
Et prisoit la prosperite" 
Assez plus que sa deite 
D'Amphitrion qui femme estoit; 
Et d'estre Dieu se repentoit. 

ähnlich V. 31, Jnppiter Alcmenae (vgl. S. 127 oben). 

Or lise bien et estudie 

A Atbenes pbilosoj)hie, 

En sa cbambre estudieray, 

A Almene me deduiray. 

Or pense Acbas de disputer 

Et je penseray d'emputer 

Et de prandre tout mon deport. 

ferner V. 167, sum logicus (vergl. S. 127 oben). 

Logicien suy; si feray 

D'eux telz bestes que je voulray. 

Birrea qui est pareceux 

Feray amer un asne entr' eixlx. 

und dann weiter ausgeschmückt (S. 20.): 

Piez rons ara, teste cornue, 
Pour esprouver ä ma venue 
Si j'ay riens aprins ä Athenes. 
Mal n'ay pas employ^ mes penes. 



Eustache Deschamps. 131 

worauf Birrea die Verse 169 sqq. ausdrückt (S. 21.): 

Voy, pour le sang que Dieu raya. 

Sei*as-tu asnes, Birrea? 

Me touldra cilz, par s'escripture, 

Les mains que m'a donne uature. 

Les doiz, les piez, la teste ronde? 

Est-il li plus saiges du nionde 

Eu si pou d'eure devenus? 

Je voy par ce tro qu'il est nus 

Et qu'il porte un pesaut fardel; 

Faire deust un cheval morel 

Qui le portast, s'il feust si saiges. 

Je ne croy pas touz ses langaiges. 

Ja ne scara taut arguer 

Qu'il te puisse faire muer; 

Ains [tu] lui respondras en somnie: 

Birrea sera tousjours homme. 

Das einfache Schlusswort: Cimet a placent wird zu vier Versen: 

A chaseun et ä tous ensemble 
Plut la sentence, ce me senible. 
Que Birrea determina. 
A tant la riote fina. 

Diese wenigen Beispiele mögen zeigen, in welcher Weise 
E. Deschamps, der nicht überall das Original ganz verstand 
(vgl. Queux de St. Hilaire, p. 56 — 60), die lateinische Dich- 
tung paraphrasierte. Seine sprechenden Personen sind Almene, 
Birrea, Amphitrion, Geta, Archas, Jupiter; den beschrei- 
benden und erzählenden Teil hat der Acteur zu sprechen. 

Auch ein italienischer Geta und Byrrhia ist erschienen. 
Von wem jedoch die Bearbeitung in italienischer Sprache stammt, 
ist streitig. Von einzelnen wird sie dem Boccaccio, 1 ) von andern 



') Eilippo Argelati in seiner Biblioteca degli volgarizzatori, o sia 
Notizia dall' Opere volgarizzate d'autori che scrissero in lingue ruorte 
prima del secolo XV. Tomi IV. Milano (Federico Agnelli) behandelt im 
dritten Band (1767) auf Seite 229 die Autorschaft des Boccaccio ein- 
gehend. Man hielt die Übersetzung für Boccaccios Arbeit, weil sie 
die Verse enthielt: 

Incliti e venerandi cittadini 

Miser Znano bochazo huom luminoso 

In fra gli altri poeti Fiorentini 

Quest' Opera compose il viro famoso 

Vulgarizzando di versi latini 

Con 1' aiuto dapollo glorioso 

Et io Lorenzo Amalagiso Frate 

Stampare lo fatta perche idacer n' abbiate, 
und weil auch Antonio Maria Salvini ein geschriebenes Exemplar 
mit dem Titel hatte: Liber Gietae & Birriae traduetus de Latino in 
vulgare per Dominum Joannem Bochatium poetam Florentiuuni. 
eine Angabe, welche der Abschreiber auch am „Schlüsse (am 9. Dezem- 
ber 1443) wiederholt. Vermutungen über den Übersetzer siehe a. a. 0. 
u. auch bei Queux de St. Hilaire Getta et Amphitrion, Intr. IX u. XIX. 

9* 



132 I- Amphitruo. 

teils dem Ghigo (Federigo) di Ottaviano Brunelleschi. oder 
Pippo (Filippo) di ser Brunellesco, teils dem Acquettino 
und ser Domenico da Prato zugeschrieben. 1 ) Was Boccaccio 
betrifft, so tbut er im achtzehnten Gesänge seiner „Amorosa 
Visione" (novamente ridotta in luce ecc. In Vinetia appresso 
Gabriel Giolito di Ferrari 1549) des Geta und Birria, sowie 
der Geschichte der „Algmena di gratia ornata e piena 
d'onestate" u. s. w. allerdings Erwähnung, 2 ) doch gehört ihm 
diese Schrift nicht, 3 ) die bei den italienischen Litteratoren 4 ) wenig 
Lob gefunden hat, und die Quadrio 5 ) ein „assai dozzinale e 
scipito poema" nennt. 

An Ausgaben 6 ) dieser selten zu findenden Schrift verzeich- 
nen Brunet, Passano und Arlia die folgenden sechs: 

1) El libro del Birria e del Gieta in 4°. — Es endet: 
Finisce el libro del Birria e del Gieta compo [sto in rima da 
Filippo Brunelleschi e da Sei - ] Domenico da Prato. Laus 
deo] Amen. Bandini (Catalogo de' Codd. Laurenz. , pag. 50) 
bemerkt hierzu: prodiit primum Florentiae ante annum MD. Da- 
gegen versetzt Fossi (Catalog. Magliab. III, 23) es ins Jahr 
1483 und glaubt, dass es bei S. Jacopo di Eipoli gedruckt ist. 

2) Incomincia el libro chiamato Geta e Birria. Aus dem 
Ende des XV. Jahrhunderts, in Folio. 

3) Geta e Birria in 4°. Gotischer Druck. Aus dem Ende 
des XV. Jahrhunderts. 

4) Geta e Birria. Novella tracta dall' Amfitrione di 
Plauto. Wohl aus Florenz und dem Anfange des XVI. Jahr- 
hunderts. 

5) Dasselbe. In Venezia per Gio. Antonio e Fratelli di 
Sabbio. 1516 in 8°. 

6) Geta e Birria. Novella riprodotta da un' antica stampa 
e riscontrata co' testi a penna da C. Arlia. — Bologna presso 1' edi- 
tore Gaetano Romagnoli 1879 (als 169. Lieferung der Scelta 
di curiositä inedite o rare dal secolo XIII. al XVü. in 
appendice alla Collezione di opere inedite e rare). XL Seiten 
Einleitung; 82 Seiten Text. 



') Vgl. G. B. Passano, I Novellieri italiani in poesia. 

2 ) Von den plautinischen Komödien zitiert Boccaccio auch den 
Amphitruo (neben der Aulularia und Cistellaria); s. G. Körting, 
Boccaccios Leben und Werke. Lpz. 1880. S. 390. 

3 ) Hist. litter. XXII, 48. Faussement attribue ä Boccacce. — 
Vgl. bei Arlia X— XXIII. 

'') Vgl. Giov. Mar. Oreschnbeni, Istoria della volgar poesia. 
Roma 1698. III, 252. 

5 ) Fr. Saverio Quadrio, Della storia e della ragione d' ogui 
poesia volumi quattro. Bologua e Milauo 1739 — 1752. 4 voll. IV, 363. 

11 ) Über die Lesarten der Texte s. bei Arlia XXVII -XXVIII. 



Geta e Birria. 13$ 

Das in sechs Abschnitte zerfallende Gedicht zählt hundert 
sechs und achtzig achtteilige Stanzen. ') 

I. Aller Orten pries man Athen als den Sitz der Weisheit, 
weshalb Anfitrione sich mächtig dorthin gezogen fühlt: 

(4) Anfitrione alla sua donna Almena 

Un giorno aperse tutta la sua irttenza. 

(5) „Ad Atene vogl' ir sanza soggiorno: 
Et infin ch' i' non so ben filosofia 
A rivederti giä mai non ritorno." 

Die reizende Almena, schöner „che pietra Orientale o chiara 
Stella (6)", betrübt sich darüber gar sehr. Wäre sie doch lieber 
gestorben, als einem Manne anverheiratet zu sein, der Weib und 
Kind verlassen kann! Doch er tröstet sie: 

(9) Onesto e 1' andar niio, po' ch' io n' acquisto 
Senno, che sai ch' avanza ogn' altra cosa. 

Ungern nur fügt sich Almena, und man rüstet sich zur Reise. 
Im Hause waren zwei liebe Diener, Geta und Birria. Von Geta 
wird ein seltsames Bild entworfen: 

(12) Geta era divisato di persona, 

Nero com' etiopo o indiano, 

Sentie di tigna, e pure avie Corona 

Di capei radi, e di colore strano; 

Le gote e '1 naso, se '1 ver si ragiona, 

Coprieno il mento, e con atto villano 

Guardava altrui con gli occhi rossi e molli 

Arrovesciati e di mosto satolli. 

(13) AI volto rispondea ciascuna parte 

XL. s. w. : dazu : 

Pien di vizii era, e con ardente furia 
Come porco era vinto da lussuria. 

Aber er war treu und seinem Herrn ergeben und darum bei An- 
fitrione sehr beliebt (15). 

Nicht schöner Avar Birria; dazu aber: 

(16) ... di pigrizia fu carnal fratello 

Lentissimo oltramodo in ogni fatto. 

Geta reist mit Anfitrione, worüber sich Birria innig freut: 

(19) dolcissima amica, 

Fortuna, or arö io pur men fatica! 

Der Abschied fällt beiden Gatten schwer, doch segelt der 
wissensdurstige Gemahl ab, „lasciando in terra Almena, e '1 



! ) Fälschlich bei Sulzer, Theorie der schönen Künste. III, 407 b 
zweihundert sechs und achtzig. 



134 I- Amphitruo. 

figlio". Indessen Almena untröstlich ist, hat Anfitrione Athen 
erreicht und mit Feuereifer seine Studien begonnen: 

(31) Quivi, cercaudo la Vera ragione, 
Studiando vi sofferse molta pena, 
E si fervente allo studio s' attenne, 
Che presto buon filosofo divenne. 

Mehr als sieben Jahre waren verflossen, da will er wieder 
nach Hause zurückkehren (32). Er schreibt seiner Gattin, „per 
un corriere" (33), dass er das Studium aufgeben wolle, und 
bestimmt genau den Tag seiner Abfahrt. 

IL Unterdessen hat Almenas himmlische Schönheit Juppiter 
so sehr gefesselt, dass er seinem Vater Saturnus sein Liebesleid 
klagt (41). Sein Leben schätzt er keine Drachme hoch, wenn Al- 
mena seine Liebe nicht erwidert (42). Da rät ihm der Alte (44): 

Va', mena Arcade per Geta famiglio, 
E tu d! Anfitrion piglia la forma; 
Cosi sanza vergogna di tal dama 
Avrai ciö che '1 tuo cuor disia e braina. 

Diesen Rat befolgt Juppiter (45). Almena und ihr Haus 
freut sich ai\f Anfitrions Heimkehr. An den Hafen hat sie 
einen eigenen Boten gestellt, der ihr sofort die Ankunft des Gatten 
melden soll (50). Sobald die Nachricht von seinem Hiersein ein- 
trifft, weckt sie den schlaftrunkenen Birria (52), der nicht glauben 
will, dass sein Herr im Hafen sei (55). Erst, da ihm Almena 
droht, geht er ihm entgegen, „pien d' ira e d' ogni mal talento" 
(56). Juppiter und Merkur klopfen am Thore, Almena 
lässt sie freudig ein; sie küssen sich hundertmale und pflegen 
der Liebe. 

III. Juppiter schickt den Sohn ab (61) und giebt Befehl, 
niemanden einzulassen. 

Serrö la porta, e quindi non partia: 
Giove et Almena a letto se ne gia. (62) 

Brummend ist Birria nach dem Hafen gegangen. 

„Guai a colui ch' e sottoposto al giogo, 
Come son' io, d' una femmina vana; 
S' i' fussi porco, e mangiassi nel truogo, 
Me' mi sarebbe ch' aver forma umana." (65) 

Gewiss, sagt er, hat sie mit einem Geliebten eine Zusammen- 
kunft, und nur deshalb ward Birria zum Hafen geschickt (66). 
Er will umkehren, doch reut es ihn wieder. Anfitrion würde 
ja doch der Gattin eher glauben und Birria sich so mit beiden 
verfeinden (68). Doch will er einen Umweg machen, um mit 
Geta nicht zusammenzutreffen und das Gepäck mit ihm tragen 



Geta e Birria. 135 

zu müssen. — Ant'itvions Schiff ist eingelaufen. Sofort wird 
Geta an Almena geschickt (70); er bringt für sie gekaufte Ju- 
welen und trägt einen Teil der Bücher (71, 72). Birria kömmt 
des Weges; Geta thut jedoch, als sähe er ihn nicht (73). Da 
eilt Birria in eine Höhle, aus welcher er erst hervorzugehen 
gedenkt, wenn Geta vorüber wäre (74). Geta hat dies wohl 
bemerkt. Er ruht sich aus und beginnt über Birria, der nun 
zu Hause liege, zu schimpfen (75). Während sich Birria freut, 
nicht gesehen zu werden (76), führt Geta einen langen Mono- 
log. Viel hat er in Griechenland ausgestanden, doch nicht 
ohne Erfolg. 

Sommo loico son, onde si prova 

Che 1' asino sia uom mostro per prova. (79) 

Er spricht nun so weiter, wie er aus jedem Geschöpfe ein 
anderes machen könne: 

E Birria, perche e lento e poco vale, 
Asino vo' che sia, perche si domi 
La schiena sua. 

Ungläubig äussert Birria für sich: 

Ma non mi to' quel che mi die natura (80) 

und auf Getas Aveiteres Selbstgespräch: 

Dunque sarö io senrpre il Birria. (82) 

Nach einiger Zeit thut Geta, als bemerke er Geräusch in 
der Höhle. Er wirft Steine hinein, sodass Birrias Gesicht, 
,,ch' era prima pel her rossa" (87) bleich wird und dieser end- 
lich ruft: 

Geta, non gittar, ch' i' sono 
II Birria, e viver voglio per tuo dono. 

Geta jedoch erwidert ihm (88): 

Anima stolta, 
Tu non se' il Birria . . . 

Nach einigem Hin- und Herreden schickt Geta den Birria 
an den Hafen, um das Gepäck zu holen; er selbst geht nach 
Hause, indem er sich die Freuden des Empfanges ausmalt (94). 

IV. Niemand aber kömmt ihm entgegen. Er li.t für Almena 
reiche Geschenke (90): 

Una nobil cintura iu drappo d' oro, 

Di pietre prrziose nna Corona, 

Con im fermaglio, che. val gran tesoro, 

Ho qui con meco per la tua persona. 



136 I- Amphitruo. 

Da niemand öfthet, wirft er einen Stein an die Thüre (99). 
Are ade (Merkur) ruft hinaus, Anfitrione liege bei Almena, 
er (Geta) halte Wache (101). Darüber wird Geta stutzig. „Ich 
bin ja Geta!" ruft er, worauf ihm Merkur erwidert: 

„Anfitrion e 'n zambra, e io Geta sono." (104) 

Nach einem Längeren Monolog wünscht Geta seinen Doppel- 
gänger zu sehen (112) und bittet, er möge sich wenigstens zeigen. 
Merkur will nicht hei'ausgehen, worauf Geta in Schimpfen aus- 
bricht und vergeblich nach Almena ruft, um ihr die Ankunft des 
Gatten mitzuteilen. 

Nach langer Zwischenrede bittet Geta Merkur, ihm zu 
sagen, was er in Griechenland getrieben habe: 

Se tu questo saprai, piü non m' affanno, 
Ma dirö che tu sie Geta et io zero . . . (124) 

Nun erzählt Are ade seine Streiche in Griechenland; er habe 
dort ein Mädchen geliebt, über seines Herren Geld verfügt, ,.come 
se fussin miei" (126), überhaupt Anfitrione so viel gestohlen, 
,,ch' a scrivere mancheria carta ed inchiostro" (127). In sehr 
derber "Weise erzählt er (128), warum ihn alle Mädchen suchten, 
und eine Reihe ausgeführter Schurkereien (130 — 134). Entsetzt 
ruft Geta aus: 

Non dir piü: tu se' Geta, i' nulla sono. (134) 

und eilt traurig von dannen. Die Reden sind äusserst witzig. Es 
sind also zwei Geta da und demnach: 

Esser dovrie la parte men ch' el tutto. (137) 
Endlich bricht Geta in den Fluch aus: 

Loica! maledetto sia chi prima 

Mi disse che tu eri il fior d' ogni arte! (140) 

Durch die Logik ist er nichts geworden (142). Er 
sieht Anfitrione kommen und wartet nur noch, „se per Geta il 
saluta" (145). 

V. Kaum hat Anfitrione seinen Diener erblickt, als er ihm 
fast weinend zuruft: ..Geta! Was fehlt, dass Du noch hier bist?" 
Geta fasst wieder Mut. Tornato m' e speranza (151)! sagt er. 
Ich bin doch noch Geta; er heisst mich noch so (152). Anfi- 
trione forscht besorgt weiter, und nun beginnt Geta das Uner- 
hörte, zu erzählen. Anfitrione sei zu Hause; Geta gleichfalls, 
was Birria zu den Worten veranlasst: 

Savi eravate, ma or chiaro cornprendo 
Che siate pazzi. (156) 



Geta e Birria. 137 

Besser blieb ich in der Küche daheim, ,,armando il corpo con 
forza divina" (156), als ihr nach Athen ginget. Anfitrione 
wird aufgebracht. Der bei meiner Frau ist, sagt er, ist ihr 
Liebhaber, und der sich für Geta ausgiebt, ist in alle Schlechtig- 
keit eingeweiht (160). Sie eilen bewaffnet nach ihrem Hause 1 ) 
(161). Nun glaubt auch Birria, man habe ihn deshalb zum 
Hafen geschickt, und selbstgefällig meint er: 

Vedi quant' e ignorante 
Ciascun di loro! (162) 

Anfitrione, Geta und Birria gehen nun auf das Haus 
los, letzterer in seiner Weise teils spottend, teils sich feige zu- 
rückziehend. 

Juppiter hat seine Leidenschaft gekühlt und sagt, er wolle 
nun zu den Schiffen, worauf er mit Merkur abzieht (160). Mit 
Entsetzen erblickt Almen a den bewaffneten Anfitrione (173); 
er legt das Schwert ab; Geta sucht (175): 

Colui che Geta si facea, 
Dicendo pur ch' era io. 

Als Almena von Anfitrione spricht, der eben bei ihr 
lag, reisst sich dieser schmerzlich von ihr los (177); Almena 
kann dies nicht verstehen; Birria aber freut sich (179): 

II Geta e pazzo e cid si vede aperto, 

Che si tenia de' loici il piü felice, 

L' arte il fa piü pazzo, e questo e sperto. 

Indessen beruhigt sich Anfitrione und (180): 

Ambo in zambra spogliarsi i ricchi panni 
Per ristorar i perduti sett' anni. 

Seines Originals, d. h. des Plautus, vergisst der Dichter nie. 
So sagt er Str. 173: 

Col nome seguo, col quäl cominciai, 
Litteralmente come Plauto pone 
Quest' operetta. 



und in Str. 182: 



II mio degno poeta Plaulo, il quäle 
Fu d' esta commedia primo 'nventore, 
Mostra colla sentenzia sua morale, 
I famigliari ingauni, e '1 vano errore 
A jircsso a quel che puö. 



') Insino a qui (1G1) misse in rima Pippo Brunelleschi e da qui 



inanzi ser Domenico da Prato. 



138 I- Amphitruo. 

Später erst verlor der „Geta" alhnählich seine Verbrei- 
tung- und machte einer andern Geschmacksrichtung Platz. 1 ) Es 
folgten allenthalben direktere Nachahmungen der antiken 
Komiker. 2 ) 



Der erste spanische Übersetzer des Amphitruo ist Don 
Francisco Lopez de Villalobos, der Leibarzt Ferdinands des 
Katholischen, Karls des V. und Philipps IL, vor seiner Thron- 
besteigung (1556), dessen Geburtsort streitig ist. 3 ) Sein Amphi- 
trion erschien zuerst in Zaragoza im Jahre 1515; 4 ) eine ver- 
besserte Ausgabe (Zamora) stammt von 1543, 5 ) eine weitere von 
Zaragoza 1544, von Sevilla und Zaragoza 1550, von Sevilla 1574. 6 ) 

Die Übersetzung findet sich im 36. Bande der Biblioteca 
de autores espanoles desde la formacion del lenguaje hasta 
nuestros dias (Madrid, Kivadeneyra 1855). S. 461 — 493. 7 ) 

Drei Gründe 8 ) bewogen Villalobos zur Übersetzung des 



J ) Chassang, 1. c. pag\ 33. Le Geta avait fait oublier Piaute: 
bientöt le triomphe de la scolastique, des mysteres, des moralite's fit 
oublier en France le Geta. 

2 ) Chassang, 1. c. pag. 61. Au XV e siecle Seneque n'est pas 
oublie, mais les imitations de Piaute et de Terence sont les plus 
nombreuses. 

3 ) Vgl. Catälogo bibliogräfico y biogräfico del Teatro antiguo espa- 
nol desde sus origenes hasta mediados del siglo XVH1. por D. Caye- 
tano Alberto de la Barrera yLeirado. Madrid (Rivadeneyra) 1860. 
pag. 478. 479. 

4 ) Ad. Fried, von Schack, Geschichte der dramatischen Litte- 
ratur und Kunst in Spanien. Berlin 1845. I. S. 207. — La eomedia de 
Plauto llamada Amphytrion, que traducio el doctor Villalobos. 
La quäl glossö eu algvnos pasages obscuros. Zaragoza 1515. 

5 ) Libro intitulado: Los problemas de Villalobos, que tracta 
de cuerpos naturales y morales, y dos diälogos de medicina. y el trac- 
tado de las tres grandes. y una cancion. y la eomedia de Amphytrion. 
— Colofon: Fue impresso el presete libro . . . en Zamora. Por el honrrado 
varö Juan picardo . . . Acaböse ä nueue dias del mes de Febrero. Ano 
del naeimieto de nuestro saluador .Jesuchristo de M. D. XIJJj Anos 
(Folio in gotischen Lettern). 

6 ) La eomedia de Plavto llamada Amphytrion que traduzio el 
doctor Villalobos. La quäl glossö en algunos passos obscuros; nueua- 
mente impressa y emendada por el niesmo Author. En Sevilla, en casa 
de Hernando Diaz, en la calle de la Sierpe. Ano de M. D. LXXlili. 

7 ) S. 405—460 enthält los Problemas. 

8 ) Tres provechos principales se siguen de la traducion desta eo- 
media: el primero es, que por ella los estudiantes de la poesia enten- 
derän el latin del Plauto en Anfitrion, sin doetrina de maestro, y 
no lo tengan en poco; porque, como este poeta es vetustisimo, el estilo 
suyo es inusitado, muy fragoso y muy äspero ... El segundo es, que 
todos los que quisieren pasar tiempo en leer la eomedia, verän en ella 
que dioses eran aquellos que adoraba la gentilidad, y cuän lejos de razon 
y de humanidad se fundaban sus ritos y religiones y cuäles eran las 



Villalobos. 139 

Amphitruo: einmal sollten die Studenten Lateinisch lernen, ohne 
Anweisung eines Lehrers: zweitens soll die Hinfälligkeit der alten 
Götter gezeigt werden, und drittens fand er seihst Gelegenheit 
zu einigen Noten. 

Über die Übersetzung selbst bemerkt Villalobos: Aqui se 
vuelve de latin en romance la primera comedia del Plauto, cuyo 
nombre es Anfitrion. La trasladaeion es fielmente hecha, 
sin anadir ni quitar, salvo el prölogo que el poeta hace 
en nombre de Mercurio y sus argumentos que esto era 
bueno para representar la comedia en piiblico y hacer 
farsa della. porque los miradores entendiesen bien los pasos todos. 
Aqui 110 se pone aquello porque seria cosa desabrida y sin gusto. 
Bastan los argumentos que yo pongo, porque dan mejor ä enten- 
der la comedia y son mas sabrosos para los leyentes. 

Die Übersetzung ist in Prosa und sehr genau und wird von 
den spanischen Litteratoren hochgeschätzt. 1 ) Nur sehr weniges, 
was zur Aufführung geborte, blieb weg. Vor jeder Szene steht 
eine Inhaltsangabe von ein paar Zeilen. Als Beleg der Arbeit 
mögen einige Stellen dienen; z. B. 

V. 153. Qui me alter est audacior homo mit qui confidentior, 

luventutis mores qui sciam, qui hoc noctis solus ambulem? 

Que hombre hay [en el mundo] mas osado que yo, 6 quien 
es mas confiado, que conozco las eostumbres de los mancebos 
desta tierra y voyme solo de noche [por aqui]'? 

V. 1009. Naucratem quem conuenire uolui u. s. w. 

Naucrates, en cuya busca yo iba, no estaba en el navio ni 
en casa, ni he hallado en la ciudad quien le haya visto; porque 
yo he andado arrastrado todas las plazas, las escuelas, las tiendas 
de los aceites olorosos, al mercado y ä la canieceria, y adö hacen 
las luchas, y adö libran los pleitos, ä los boticarios y ä los bar- 
beros, y por todos los templos he andado. 



doctrinas y los ejemplos que los dioses daban ä sus vasallos y servidores; 
y maravillarse han, cömo podian creer tan vana bestialidad unos varones 
tan säbios y tan illustres, que de su profunda sabiduria y claros hechos 
dejaron inmortales memorias; y por eso juzgarän, cuänta es la sotileza 
de! demonio para enganar, y cuänta merced nos ha hecho Dios en 
desenganar; que nos ha mostrado la verdad por tan ciaras sentencias, 
qur cd Camino que agora sahen los hoinbres rüsticos para salvarse, era 
tenido en Ins tiempos antiguos por sciencia muy escondida y muy cer- 
i'adn secreto. El tercero es, que en esta comedia hay algunos pasos y 
dichos notables, segun por el discurso della se verän por mi mano nota- 
<lns en la in argen. 

') Bibl. esp. II, 183. La traduccion esta muy bien hecha ä ex- 
cepcion de uno ü otro pasaje mal entendido por el traductor. — Vgl. 
auch Catälogo bibliogräfico, pag. 478. 



140 !■ Ampliitrun. 

Eine Einteilung- in Akte und Szenen ist nicht getroffen. 
Die Rede Juppiters, V. 861 — 882, fehlt; dafür findet sich die Be- 
merkung: ,,Junto con esto se siguen ciertas palabras que habla 
Jupiter con los miradores para cuando se representare la comedia 
en piiblieo; no se ponen aqui, porque no valen nada." Auch 
V. 1145 fehlt. 

Als „ complimento de la comedia, sacado de otro 
original" ist noch eine Szene zwischen Anfitrion, Alcumena, 
Sosia, Bromia und Tesala angefügt. 

Die Anmerkungen des Villalobos sind meist moralisierender 
Natur. So bemerkt er z. B. zu V. 180, „Sum uero uere u er- 
ber o," dass auch dem schlechten Menschen, wenn er etwas, was 
nicht sein soll, sagt oder thut, ein göttlicher Wink zu teil wird. 
„Esta es una de las maneras en que habla Dios con los hombres, 
y llämase habla interior." 

Der angefügte Prologo in zehn Kapiteln, datiert de Cala- 
tayud, en 6 de octubre de 1515 afios, handelt noch „sobre ciertas 
sentencias del autor". 

Einschneidendere Änderungen erlaubte sich der Professor der 
Theologie und Philosophie zu Salamanca , Maestro Fernan 
Perez de Oliva, der um 1494 in Cordoba geboren und 1530 
gestorben 1 ) ist. Um das Jahr 1530 übersetzte er mehrere antike 
Stücke, 2 ) darunter den Amphitruo des Plautus, der viel- 
fach von dem Werke des Villalobos abweicht. Zahlreiche 
Kürzungen des Originals werden durch mannichfache 
Einschiebungen, die meist sehr unglücklich geraten 
sind, ersetzt. Sie. schaden fast überall dem Fortschritt der 
Handlung und sind auch durch ihren Stil bedenklich. Es ist jene 
unnatürliche, in allen Figuren sich bewegende Sprache, welche, 
durch die Celestina veranlasst, damals als besonders schön galt. 3 ) 

Die kgl. Hof- und Staatsbibliothek zu München besitzt die 
ziemlich seltene erste Ausgabe von Olivas Amphitruobearbeitung. 
(A. lat. a. 509.) Das Exemplar umfasst vierzig Seiten und ist 
in gotischen Lettern, ohne Angabe des Verfassers, der Jahreszahl, 
des Druckortes hergestellt. Der Titel ist: f Muestra de la 
lenjgua castellana en | el nascimiento | de Hercules. 
f O Comedia de | Amphitrion . : . 

Der nächste Abdruck des Amphitrion findet sich in den 
Obras del maestro Fernan Perez de Oliva natural de 



') Über sein Leben s. Rezabal yUgarte, Biblioteca de los Escri- 
tores, que han sido individuos de los seis Colegios Majores. Madrid 1805. 
p. 239. 

2 ) La venganza de Agamemnon ist die Electra des So- 
phokles; Hecuba triste die Hekabe des Euripides. 

3 ) Schack a. a. O. I, 207. 



Perez de Oliva. 141 

Cordova, aus dem Jahre 1586 (En Cordova por Gabriel Rainos 
Bejarano), auf fol. 38 — 74. In diesem mit lateinischen Lettern ge- 
druckten Exemplar, das ich der Güte der k. Dresdener Bibliothek 
verdanke, fehlt der Prologo des Mercurio, dagegen ist ein 
A r g u m ento angefügt. 

Ein dritter Abdruck des Amphitrion steht in der zwei- 
bändigen Ausgabe der Werke des Oliva vom Jahre 1787, in 8 . 1 ) 

Im Vorworte, das El maestro Fernan perez de oliua an 
seinen Vetter August in d : oliva richtet, sagt er, er habe diese 
Geburt des Herkules geschrieben, um zu zeigen, dass Spanisch 
nicht unter dem Lateinischen stehe. „He te pues escrito el 
nascimiento de Hercules: que primero escriuieron griegos: y 
despues Plauto en latin: y he lo hecho no solamente a 
imitacion de aquellos auctores: pero a conferencia de su 
inuencion y sus lenguas: porque tengo yo en nuestra castellana 
confianca: que no se dexara uencer. •' 

Das ganze Stück ist nicht in Akte und Szenen geteilt: es 
ist fortlaufende Prosa. Mercurio tritt als Prologo auf. Vor 
langer Zeit habe sich Juppiter, ein mächtiger Mensch, als Gott 
anbeten lassen: „muchos tiempos ha, que Jupiter, hombre muy 
poderoso, entre gente vana se hizo adorar por dios: este tue mi 
padre." Auch er war ein Gott, und ihre Macht währte, solange 
die Menschen ohne religiöse Unterweisung waren; jetzt aber seien 
sie soweit, „con la verdadera sabiduria de Dios," gekommen, dass 
sie nur mehr zur Bühne, ,, por las fiestas, " passen. Eine der 
drolligsten Geschichten (la mas agradable) sei die Geburt des 
Herkules. Sodann erzählt er den Inhalt der Komödie. 

Natürlich ist es nur die Furcht vor der Inquisition, die ihn 
zu dieser Erklärung nötigt, wie die Venus des Camöes in den 
Lusiaden-) gleichfalls von sich sagt, sie sei nur ein Trugbild. 



') Dahin zu berichtigen ist die Notiz bei Georg Ticknor (Ge- 
schichte der schönen Litteratur in Spanien. Deutsch mit Zusätzen heraus- 
gegeben von Nikolaus Heinrich Julius. Leipzig, Brockhaus 1867), 
wo es 1,417, Anm. 2 heisst: „Olivas Schriften sind mindestens zweimal 
gedruckt worden, das erste mal durch seinen Neffen Ambrosio de Morales, 
Cordoba 1585, 4° und wiederum Madrid 1787, 12° in zwei Bänden. Im 
Verzeichnisse zu reinigender Schriften von 1667, S. 424 wird ihre Lesung 
untersagt, bis sie gereinigt seien, wodurch denn auch die zweihundert- 
jährige Unterbrechung ihres Abdrucks erklärt zu sein scheint. In der 
Ausgabe von 1787 ist ein Bogen unterdrückt worden, um eine Anmerkung 
des Murales wegzubringen. Man sehe den Index von 1790." — Vgl. 
Catälogo bibliogräfico, S. 301 — 303. — Bibl. de aut. espaö., H, 
S. 158 und 192. wo es gleichfalls irrtümlich heisst: sus obras easte- 
llanas en prosa y verso permanecieron manuscritas hasta que su sobrino 
Ambrosio de Morales las diö ;'i la prensa en el ano 1585. 

2 ) Camöes, Lusiad. X, 82, enthält denselben Gedanken. — Vgl. 
Reinhardstoettner, Luiz de Camöes, der Sänger der Lusiaden. Eine 
biographische Skizze. 2. Aufl. (Lpz. 1879.) pag. 64. 



142 I- Amphitruo. 

Alcumena tritt auf und klagt um ihren fernen Gatten. 
Sie begreift nicht, wie andere Frauen heiter sein können, da ihre 
Männer abwesend sind. ,,Zeige Dich, Vater," ruft Mercurio, 
worauf Juppiter vortritt. Nach einer kurzen Begrüssung findet 
sie ihn schwarz und bartig (que fiero, quan negro y quan bar- 
bado!). Sie erblickt auch Mercurio als Sosia (aqui estas, Sosia? 
Seas bien ,uenido, no te auia uisto!) Juppiter berichtet ihr vom 
Tode des Königs Phterela und schenkt ihr den Becher des- 
selben fsu tac.a con que el beuia). Das Übrige will er ihr 
drinnen erzählen. Sie treten ein. 

Merkur philosophiert nun, man könnte seinen Vater für 
..indigno de su magestad" halten, weil er menschliches Geschlecht 
annahm, allein das Menschengeschlecht sei ja der Schmuck der 
Welt. „Ciertamente el genero humano es el mejor ornamento del 
mundo. " 

Um sich die Langeweile zu vertreiben, sucht er ein Ver- 
gnügen, da naht Sosia mit der Laterne. Das Dunkel, meint er, 
ist schlimm, und wohl hat die Natur daran gethan, uns nachts 
den Schlaf zu geben. Er betrachtet die Sterne und macht sich 
den Bericht zurecht, den er Alcumena erstatten will. Dies zu- 
nächst nach Plautus. Nach dieser langen Rede stellt sich ihm 
Mercurio in den Weg, so ziemlich nach dem Vorbilde des 
römischen Dichters. Sosia geht, um das Erlebte seinem Herrn 
zu erzählen. Trotz seines Zitterns glaubt er noch immer: en mi 
nunca vuo tanto esfuerco! 

Juppiter scheidet von Alcumena und spricht dabei über- 
mässig viel von einem wohl organisierten Staat, dem nationalen 
und Diplomaten Kriege, 1 ) dem Entstehen des Adels u. s. w. Die 
Stelle ist bezeichnend genug, um hier Platz zu finden. IV. : 
plazeme: porque te amo releuarte: lo que para mi solo juyzio 
tenia reseruado. Has primero de entender, que la republica bien 
instituyda ha de ser como el cuerpo sano, do todos los miembros 
siruen cada vno en su officio. Enla primera hetad que los 
hombres se ayuntaron en vna comun morada seguian este exemplo, 
imitando las hormigas y las auejas, que primero que ellos tuuieron 
republica. Los inuidiosos de aquellos comenearon despues a loar 
el ocio y llamarlo libertad, y la solicitud de aprouechar enla re- 
publica vileza y seruidumbre. Quando esta pestilencia primero 
comen<;o a corromper los animos, los principes que entonces eran 



') Assi que si los hombres no pudiessen ser enganados: no auria 
quien fuesse ala guerra. Digo a aquella: que los principes fazen por 
su arnbicion: porque do el descuydo y el reposo es mayor peligro: ver- 
dadera fortaleza es entonces ponerse el hombre ala muerte: como quando 
su terra peligra: o teme injuria: o rescibe detrimento su hazienda: o la 
religion. 



Perez de Oliva. 143 

distrayan estos hombres dela republica: o por fuerca los oeupauan 
en grandes edificios, que de aquellos tiempos quedaron. Pero 
despues aqueste vicio entro en los mayores: los quales no queri- 
endo guardar la ley comun de todos pusieron nombre de nobleza 
ala esencion. Esta nobleza como vees por la mayor parte es 
acompanada de soberuia: de tirania: de cacas: des juegos: de 
persecucion de virgines: de disfamias: de injurias qne se bazen 
alos buenos. No los vees estos nnestros nobles passar la vida 
como suefio: contando qnanto passos ay enla cibdad: vertiendo 
siempre por la boca las vanidades qne enla cabeca tienen: bur- 
lando delos qne en bnen exercicio veen: loando el arreo y locuras 
de ningeres perdidas: y palauras de trubanes: comemorando 
aquellos becbos de sus antecessores: demuestran quan malos 
sucessores ellos son. Estos tales: con todos los perdidos que en 
su defensa biuen los sacamos de entrela gente que merescen paz: 
y los lleuamos do hagan guerra. Esto entenderas no de todos 
los nobles: porque los buenos son padres y defensores de todos: 
dignos del gouierno y del amor de la republica. Digo aquellos en 
quien ay amor para los buenos: afabilidad para los prudentes: 
sufriiniento para los ignorantes: ayuda para los pobres: castigo 
para los malos. Pero esotros criados en suenos de amor: y solo 
cuidados de ceuar sus bestias y componer sus vestidos: y mollir 
sus carnes: mugercillas los aprueuen: que en mi juyzio no bau 
parte. Pues delo que he dicho veras, quanto ama su tierra: y 
quan bien faga quien por limpiarla de gente perdida: se pone en 
gran trabajo y peligro. Muchas cosas te he dicho: por Ventura 
mas que quisiera , pero tu amor nie engana y nie haze ser 
prolixo. 

"Wie ferne steht dieses eitle Gerede dem Originale; dennoch 
ist die freilich sehr bedächtige Kritik des Perez de Oliua, der 
den Krieg eingerichtet hält, „para limpiar la republica de los hom- 
bres danosos", und für eine „justicia universal que dellos se faze" 
ansieht, sehr interessant. 

Amphitrion und Sosia treten auf. Der Herr schenkt dem 
Diener keinen Glauben; denn wenn jemand die Macht besässe, 
sich in andere Gestalten zu verwandeln, so würde er sicherlich 
eine andere, als die des Sosia wählen. Alcumena erscheint in 
einem auf Plautus fussendem Monolog. (Todos los plazeres desta 
vida no son sino aparejo u. s. w.) Sie erblickt ihren Gatten. 
Die Verwirrung beginnt. Höchst eigentümlicherweise erzählt 
Sosia als Intermezzo eine „gar wunderbare Geschichte (hystoria 
muy marauillosa) von fast zwei Seiten von einem Manne, der sieb 
für tot hielt, keine Speise mehr nahm und begraben sein wollte, 
bis Alcumena den Becher als Beweis für die Wahrheit ihrer 
Aiissage bringt. Der weitere Verlauf der Szene stützt sich auf 



144 I« Amphitruo. 

Plautus. .,Io ynocente soy" wiederholt sie nachdrücklichst. 
Amphitrion geht, um Naukrates zu holen. 

Juppiter versucht es nun, Alcumena zu versöhnen, (a 
deshacer las injurias que le dixo amphitrion.) Anfänglich weist 
sie ihn ah, „no has menester de perdon de quien no quieres 
amistad". 

Juppiter aber wird (fast wie hei Moliere) sentimental. 
Er will sterben, und wenn einst sein Sohn (que en ti encerrado 
queda) nach seinem Vater fragt, so soll er erfahren, dass ihn 
die Grausamkeit seiner Mutter in den Tod getrieben hat. Dem 
kann Alcumena nicht widerstehen. Sie treten ein. Mercurio 
bewacht das Haus. 

Vergeblich hat Amphitrion seinen Verwandten Naukrates 
gesucht; er will ins Haus, Mercurio hält ihn ab. „Du bist 
nicht Amphitrion/' ruft er ihm zu, „sondern irgend ein Zauberer. 
Klopfe weiter nicht, sonst mache ich es mit Deinem Kopfe, wie 
Du mit der Thüre!" „Que essa puerta nola toques: sino quieres 
que yo haga de tu cabeca como tu hizieres della. " 

Sosia und Blefaron besprechen den Vorfall. Blefaron 
wendet sich an Amphitrion, der ihn zu Tische lud; dieser 
klagt, dass sein Haus ihm und seinen Freunden verschlossen sei; 
Sosia wehre ihm den Eintritt. Blefaron erwidert, Sosia könne 
es nicht gewesen sein, da er ja bei ihm war. Juppiter zeigt 
sich. „Valame Dios del cielo: o duermo o estoy velando: dos 
amphitriones!" ruft Blefaron, worauf sich Sosia sofort für 
Juppiter entscheidet: „Blefaron, aquel que sale de casa, es el 
verdadero: estotro es algun encantador. " Juppiter ruft Sosia 
und Blefaron zu sich, Amphitrion wird hitzig, Blefaron warnt 
wiederholt vor Beleidigungen, da sie sich so ähnlich sehen, dass 
„de quien las oye: a quien las dize: reduciran las injurias". Sie 
begeben sich ins Haus. Amphitrion, aufs höchste erbittert, 
will alle Freunde zusammenrufen. Das Feuer, das in ihm glüht, 
kann nur Blut löschen; er will sein Haus anzünden, um alle zu 
vernichten. Da kömmt Naukrates. Er hält von ferne Amphi- 
trion für wahnwitzig („ciertamente en sus meneos muestra que 
esta loco"). Amphitrion erzählt seine Erlebnisse. Naukrates 
verlangt Eintritt und wird zugelassen. Indessen Amphitrion 
seine traurige Lage beklagt, kehrt Naukrates entsetzt zurück. 
Er hat Alcumena zwei Knaben gebären sehen; „der Vater des 
ersteren ist Juppiter, der des zweiten Amphitrion," rief eine 
unbekannte Stimme. „Y nascido el primero oymos una boz 
clara de no se quien: que nos dezia: Jupiter es el padre del que 
es nascido, nascera otro luego: que sera de Amphitrion. El vno 
manifestara su padre en el gesto: y el otro en la virtud." Es 
wird nun in wenig Worten die Erwürgung der zwei Schlangen 



Oliva. Anonymus. 145 

durch den kleinen Herkules berichtet. Amphitrion ist nicht 
befriedigt. Er fällt, wieder der Inquisition zuliebe, aus 
der Rolle und sagt, albern genug, „Naukrates, ich glaube, diese 
Leute beteten Juppiter an, weil sie an ihren Göttern Vorbilder 
des Lasters haben wollten, um sich zu entschuldigen; denn unter 
den Guten wird er mit solchen Thaten für einen Tyrannen ge- 
halten werden, da er seine Macht benützt, um seinen schnöden 
Listen zu dienen. Gehen wir zu Alcumena, die ich nicht für 
verdorben, sondern für betrogen halte." — „Und nun wird es 
gut sein, dass wir davon nicht weiter sprechen," meint Naukrates, 
und das Stück schliesst: „Hispania plaude!" 

Vom Dialoge des Plautus hat Oliva wenig benützt, ob 
auch die Szenerie im allgemeinen auf dem römischen Dichter be- 
ruht. Sein Stück steht stilistisch unter dem des Villalobos; 1 ) 
wo er sich von Plautus weiter entfernt, wird es albern. 2 ) 
Aus der heiteren, lebensfrischen römischen Komödie hat Oliva, 
trotz der Lobsprüche, welche sich in der Einleitung zur Ausgabe 
von 1586 finden, einen matten Abklatsch geschaffen, der poetisch 
wertlos, doch eine Tendenz — die Verhöhnung der antiken Gott- 
heiten — in sich schliesst, eine Idee, die mehrere Dichter jener 
Jahrhunderte — man denke an Francesco Bracciolinis 
„Scherno degli Dei" — zu schauderhaften Leistungen verleitete. 
In der ganzen Arbeit Olivas ist nicht ein Fünkchen jenes 
reichen Witzes, den die plautinische Komödie so üppig sprüht. 

Man darf wohl bestimmt annehmen, dass weder des Villa- 
lobos, noch des Oliva Stücke auf die Bühne gekommen sind. 3 ) 
Trotzdem waren beider Männer Bestrebungen „als blosser littera- 
rischer Vermittler der Bekanntschaft mit dem alten Drama" 4 ) nicht 
gänzlich bedeutungslos. 

Gestützt auf Villalobos und Oliva, schrieb ein Anonymus 
in Spanien nochmal einen Amphitryon: 5 ) Comedia de Plauto 
llamada Amphitrion, traducida de latin en lengua castellana. 
Agora nueuamente impresa en muy dulce, apacible y sentencioso 
cstilo 1554. — Nach dem Catälogo bibliogräfico S. 528. Colofon 
final: Fue impresa la presente obra en la imperial ciudad de 
Toledo, en casa de Juan de Ayla, en el ano de MDLIIII in 4° 
tmd gotischen Lettern. 



') Bibl. de auf. csjian. II, 158. La Version que hizö de Plauto 
rs inferior ä la de Villalobos. 

-) Bibl. de aut. espaü. II, 192. Oliva cada vez que se separa de 
lo que Plauto escribiö, desatina; und Catäl. bibliogr. p. 302. 

3 ) Ibid. II, 158. Estas piczas nunca se representaron. 

*) Schack a. a. 0. I. 208. 

5 ) Catälogo bibl. S. 528. ..El autor anönimo dice en un breve pro- 
logo haberse aervido il<- las traducciones de Villalobos y Oliva." 

10 



146 I- Amphitrun. 

Einen späteren spanischen Anfitrion von D. Santös Diez 
Gonzalez (neben dessen El casamiento por fuerza) nennt 
Leandro Fernandez de Moratin. 1 ) Ich habe ihn nicht be- 
kommen können. — Barrera führt' 2 ) eine Komödie, Amor es 
todo invencion: Jupiter y Anfitrion des Don Jose de 
Canizares (1676 — 1750), auf. 3 ) — Aus dem Jahre 1859 stammt 
..El Anfitrion y la Andriana de Terencio," traducidos del 
latin al castellano por D. Salvador Constanzo. Madrid (Cuesta). 



Auch der grosse portugiesische Epiker Luiz de Caraöes, 
der unsterbliche Dichter der Lusiaden (geb. 1524; gest. 10. Juni 
1580), schrieb unter dem Titel: „Os Enfatriöes" (die Amphi- 
truonen) ein Lustspiel, das eine Nachdichtung des plautini- 
schen ist und erst später, im Jahre 1587, mit den Autos des 
Antonio Prestes aufgefunden wurde. Es ist in der Art des 
Gil Vicente (gest. 1536) abgefasst. Eine alte Sitte verband 
mit den akademischen Festlichkeiten zu Coimbra die Aufführung 
irgend eines Autos, oft nur einer Tragödie des Seneka oder 
irgend einer anderen lateinischen Szene. Zu einer solchen soll es 
nach einigen Annahmen gedichtet sein. 4 ) Gewiss ist es ein unbe- 
streitbares Verdienst des jungen Dichters, dass er in dieser Komödie 
zu seiner Muttersprache und zu einem volkstümlichen Metrum 
griff, selbst wenn es die Verherrlichung eines gelehrten Festes 
gegolten haben soll. 

Gegenüber dem plautinischen Originale hat sich der Dichter 
bemüht, einiges zu mildern, was seinem Zeitalter denn doch zu 
derb sein musste. Diese Rücksicht hat ihn zu mancher Änderung 
veranlasst, die jedoch dem Stücke nicht immer zum Vorteile ge- 
reichte. 



') Obras dramäticas y liricas. Paris (Bobee 1825). Band I. S. 62 
des (S. 45 — 47 stehenden) Catälogo de piezas dramäticas publicadas en 
Espana desde el principio del siglo XVIII. hasta la epoca presente. — 
Bibl. esp. n, 332. 

2 ) p. 69. 

3 ) Unter den Comedias escogidas de D. Jose de Canizares. (Ma- 
drid imprenta de Ortega y Comp.) Bd. I, 1829. Bd. II, 1833, findet sieh 
dieses Stück nicht. — Siehe über ihn Ticknor. II, 77 und 396. — 
Bouterwek, Geschichte der Künste und Wissenschaften. III, 55f). 

4 ) Theophilo Braga, Canv es. — Th. Braga, Manual pag. 245. — 
Reinhardstoettner, Luiz de Camöes. pag. 11. — Die Annahme, dass 
Camöes das Lustspiel im Jahre 1542 während seiner Studienzeit (Vis- 
conde de Juromenha, Obras de Luiz de Camöes. Lisboa 1860 — 1869. 
6 Bde. I, 24) oder in den Ferien (Braga, Historia do theatro Portuguez. 
Porto 1870. I, 37) geschrieben habe, widerlegt Storck (Amphitryo S. 324. 
325) mit gewichtigen Gründen und versetzt die Dichtung nach seine 
Uuiversitätszeit. 



Luiz de CamÖes. 147 

Hören wir den Inhalt. 1 ) 

I. Akt. Alkmene klagt der Bromia über die lange Ab- 
wesenheit ihres Gatten, ein Motiv, das Camöes vielleicht aus 
Oliva entnahm, und befiehlt ihr, Feliseo zu schicken, um von 
ihm zu erfahren, ob im Hafen keine Neuigkeiten einliefen. Feliseo 
macht sich nach einigen neckischen Gesprächen mit Bromia auf 
den Weg nach dem Hafen (1 — 5). Juppiter tritt mit Merkur auf 
und erzählt ihm von seiner hoffnungslosen Liebe zu der keuschen 
Alkmene. Da erteilt ihm Merkur den Rat, sich in Amphitruos 
Gestalt zu verwandeln und sie auf diese Weise zu überlisten. 
Er folgt diesem Vorschlage. Unterdessen meldet Kallisto von 
der noch diese Nacht zu erfolgenden Rückkunft des siegreichen 
Feldherrn Amphitruo (5 — 6). 

IL Akt. Juppiter als Amphitruo, Merkur als Sosia treten 
auf. Die Nacht soll verlängert werden. Nach herzlicher Be- 
grüssung Alkmenens treten beide ins Haus, und Merkur hält 
vor demselben Wache. Sosia, Amphitruos Diener, kömmt singend 
auf die Bühne. Merkur tritt ihm entgegen, gebärdet sich als 
Sosia und jagt den wirklichen Sosia, der bereits über seine eigene 
Identität verwirrt ist, von dannen (1 — 7). 

III. Akt. Juppiter nimmt von Alkmene Abschied. Amphi- 
truo und Sosia treten auf. Letzterer erzählt seinem Herrn, was 
ihm widerfahren sei (1 — 3). Klagend über ihres Gemahls frühes 
Scheiden erscheint Alkmene; sie gewahrt Amphitruo und Sosia, 
und da sie sich über ihr Hiersein wundert, beginnt die Ver- 
wirrung. Sie schildert die Begegnung dieser Nacht und lässt zur 
Bestätigung der Wahrheit ihrer Worte den ihr eben geschenkten 
Becher des Pterelas durch Bromia holen. Amphitruo geht, um 
Belferrao als Zeugen zu holen, dass er nicht bei seiner Gattin 
gewesen sein könne, indes Alkmene nach ihrem Vetter Aurelio 
schickt (3 — 6). 

IV. Akt. Juppiter versöhnt Alkmene und geht mit ihr ins 
Haus. Merkur hält vor demselben Wache. Er fertigt den heran- 



') An selteneren Ausgaben sind zu verzeichnen nach Theophilo 
Braga: „Bibliographia Camoniana." Lisboa 1880: Primeira parte dos 
autoa e comedias portuguezas por Antonio Prestes e por Luis de 
Camöes u. s. w. (Andre Lobato 1587 in 4°.) In dieser äusserst selte- 
nen Sammlung finden sich die „Enfatriöcs" auf Seite 86. — Comedia 
dos Enfatriöcs composta por Luis de Camöes. Lisboa (Vicente Al- 
van.'s) 1615 in 4° zu zwei Kolonnen. — Hier zu Grunde uelegt ist: (»Inas 
completas de Luiz de Camöes, correctas e emendadas pelo cuidado e 
dili^encia de J. V. Barreto Peio e J. G. Monteiro. Hamburg (Lang- 
hofij 1834. — Os Amphitriöes finden sich im dritten Bande S. 299 
— 382. — Vor kurzem erschien # die erste deutsehe Übertragung des 
Amphitriio, die vorzügliche Übersetzung von Wilhelm Storck auf 
S. 1 — 105 des sechsten Bandes von „Luis' de Caiuüens sämtliche Ge- 
dielite." Paderborn (Schöningh) 1885. 

10* 



148 I- Amphitruo. 

kommenden Amphitrno in sehr grober Weise ab, indem er ihm 
den Eintritt in seine Wohnung verweigert. Belferrao und Sosia 
kommen herbei, was eine komische Situation verursacht, da sich 
Sosia eines unehrerbietigen Benehmens gegen seinen Herrn nicht 
bewusst ist (1 — 4). 

V. Akt. Die beiden Amphitruo stehen einander gegenüber. 
Beide berichten von ihren Siegen , beide zeigen die gleichen 
Wunden, sodass sich Sosia für die Echtheit Juppiters entscheidet 
und dieser wieder ins Haus zurückkehrt, das für Amphitruo ver- 
schlossen bleibt (1 — 3). Aurelio ist auf Alkmenes Wunsch her- 
beigeeilt und trifft den jammernden Amphitruo vor seiner Schwelle. 
Um sich endlich klar zu werden, dringt er ins Haus ein (4 — 7) 
und kömmt alsbald wieder heraus, um von einer überirdischen 
Erscheinung zu berichten. Die Stimme Juppiters lässt sich von 
innen vernehmen. Er sei der in seinen Werken grosse Gott; er 
habe Amphitruos Gestalt angenommen, um das Geschlecht des- 
selben zu ehren. Alkmene werde den Herkules gebären, von 
dessen zwölf Arbeiten die Geschichte ruhmreich berichten werde. 
Mehr sagt er nicht. 

Emfim a razäo me obriga, 
Que täo pouco delle diga, 
Porque o tempo dirä muito. 

Ohne ein Wort der Erwiderung von Seiten Amphitruos endet die 
Komödie. 

Camöes hat sich, wie bemerkt, bemüht, das Anstössige des 
Originals nach Kräften zu mindern. Allein Plautus stand auf 
dem Boden der Sage. Ist auch Juppiter, den Tendenzen des 
Lustspieldichters entsprechend, bei Plautus mehrfach nicht gerade 
von der Würde des höchsten Gottes umstrahlt, so war sein ganzes 
Abenteuer doch gewissermassen ein grosses Werk, das er be- 
absichtigt und überlegt ausführte (vgl. V. 873 — 879 Nunc 
memet u. s. w.) — nämlich die gewollte Zeugung des grössten 
Heroen der alten Welt, zu der sich Juppiter nach der Mythologie 
eine dreimal längere Nacht wählte, wodurch schon symbolisch die 
Bedeutung dieses Werkes und des Herkules selbst angezeigt 
wurde. 1 ) Da die Geburt des Herkules überdies an sich zur 
Lösung des plautinischen Stückes führt, so könnte dies geradezu 
„die Geburt des Herkules" heissen. Jenes gewaltige mytholo- 



') L. Preller, Griechische Mythologie. 3. Aufl. von E. Plew. 
Berlin 1875. II. Bd. pag. 177. — J. S. Er seh und J. G, Gruber, All- 
gemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste. Lpz. 1819. HI, 403. 
— Storck (a. a. 0. S. 322) findet allerdings, es werde bei dieser meiner 
Auffassung Plautus „in eine ideale Sphäre gehoben, w'elche ihm 
nicht eignet ". 



Luiz de Camöes. 149 

gisehe Ereignis wird bei Camöes nur die Folge von Juppiters 
Liebesdrang, obne dass bierbei des Heroen gedacht würde. 
Juppiter, ernstlicb in Alkmene verliebt, klagt, dass der Pfeil des 
kleinen Liebesgottes mächtiger als er selbst sei und ibn, den 
höchsten der Götter, zwinge, jener zu dienen, welche ihn als 
Gott anbetet (I, 5): 

Oh grande e alto destino! 
Oh potencia täo profunda! 
Que a setta d' um menino 
Fa^a que meu ser divino 
Se perca por cousa humana! 
Que m' aproveitam os ceos, 
Onde minha essencia mora 
Com tanto poder, se agora 
A quem me adora por deos, 
Sirvo eu como a senhora? 

u. s. w. 

Vergeblich hofft er, die ,, tugendhafte Frau" für sich zu ge- 
winnen. Den Ausweg bietet erst Merkurs List, die Gestalt des 
fernen Amphitruo anzunehmen. 

Es ist also das Ganze nicht Juppiters Werk und 
Erfindung. 

Bei seiner Liebesqual sagt ihm Merkur (a. a. 0.): 

Senhor, tudo pode ser; 

Que para quem muito quer, 

Sempre a affeicäo e manhosa. 

Seu marido estä ausente 

Na guerra longa daqui. 

Tu qu' es Jupiter potente 

Tomaräs sua figura em ti; 

Que o faräs mui facilmente. 

E eu me transformarei 

Na de Sosea, criado seu. 
u. s. w. 

Freudig ergreift Juppiter den ihm gebotenen Vorschlag und 
gesteht später, dass einzig Amor wirke, indem er auf Merkurs 
Worte (II, 1) 

Muito mais faräs, senhor, 
erwidert: 

Näo o faz senäo o Amor 
Que n' isto pode mais que eu. 

Merkur ist es auch, der ihn (a. a, 0.) über die Vorgänge im 
Lager unterrichtet, der somit alles ins Werk setzt, und dem 
Juppiter dies auch mit den Worten: 

Pois tudo tens ordenado 

Por täo nova e subtil arte ... 



250 I- Ampliitruo. 

gerne zugesteht. Nur der Befehl an Phöbns, die Nacht auszu- 
dehnen (II 1): 

Que faca mais devagar 

Seu curso neste Hemispherio, 

geht direkt von Juppiter aus. 

Merkur übernimmt nun die Rolle des plautinischen Merkur, 
nachdem beide in ihrer Umgestaltung den Originalen aufs ge- 
naueste gleichen. 1 ) Mit Sosias Gestalt hat er auch dessen 
spanische Sprache angenommen 2 ) und hält auf Juppiters Geheiss 
Wache vor dem Hause. Wie dieser, prahlt er bei dessen Heim- 
kehr (II, 2): 

Pues tambien yo no crei 

Que en rni vida te viese 

Segun las muertes que vi. 

Amphitruo ist, wie bei Plautus, der tapfere heldenhafte Sieger 
(II, 2). Wehmütig stimmt ihn, wie den Mohren von Venedig, 
der ganze Vorgang hauptsächlich darum, weil er seine Ehre für 
verloren hält. Er klagt (V, 2): 

Porque e roubada 
Minha honra sem temor, 
E minha cara tomada, 
E vossa prima enganada 
Por um grande encantador. 

Sein Schicksal rührt ihn zu Thränen. Weinend gedenkt er 
(V, 6) seines einstigen ehelichen Glückes: 

E quando vejo a verdade 
Do nosso amor e amizade 
Desfeita com tanta mägoa 
Encbem-se-me os olhos d' ägoa 
E a alma de saudade. 

Das ist der letzte Monolog, den er spricht, und (die Zwischen- 
fragen „que vai lä? que cousas väo?" ausgenommen) seine letzten 
Worte. So sehen wir ihn erschüttert und innerlich vernichtet, 
bis Juppiter spricht und sich als Gott zeigt. 

Auch der Amphitruo des Plautus ist tief erschüttert durch 



') Mercurio: Quem täo proprio se transforma 
Tenho por opiniäo, 
Que na tal transformacäo 
Lhe prestou natura a forma, 
Com que fez Amphitriäo. 
Jupiter; Pois tu no gesto e na cor 
Estäs Sösea, escravo seu. 
2 ) So sprachen in den portugiesischen Komödien jener Zeit Leute 
aus dem niedern Volke. Diener u. dgl. 



Luiz de Camöes. 15 1 

die Störung seines häuslichen Glückes; er ist bemitleidenswert, 
wenn er (V. 1082) Bromea fragt: 

Sein nie tuum esse erum Amphitruonem? 

Aber wir sehen ihn wieder langsam aufleben und zufrieden, 
ja nicht ohne Stolz, des Vorgangs gedenken. Ob wohl der 
Amphitruo des Camöes ähnlich wie der des Plautus mit Juppiters 
Schlussworten zufrieden ist? Er selbst spricht es mit keinem Worte 
aus, und der Leser hat nach seiner Stimmung in der vorletzten 
Szene kaum einen Grund, dies anzunehmen. Der Schluss bringt 
eine Versöhnung nicht zum Ausdrucke. 

Wie im Originale ist auch hier Alkmene das edle Weib, 
dem sein Gatte alles ist. 

Ah, Senlior Amphitriäo, 
Onde estä todo meu bem 

seufzt sie (I, 1); er wohnt in ihrem Herzen; sie spricht: 

Co' cora^äo 
Que dentro n' alnia vos tem. 

Sie fragt, ob er im Felde oder sie zu Hause mehr geduldet 
habe. Sie hat ihn stets geliebt und als treue Gattin gepflegt: 

Sempre de mi foi amado, 

Tanto quauto em mi se sente, 

Co' o corayäo liado, 

Que se de mi era ausente, 

Nelle via figurado. 

E pois mulker, que cumprisse 

Melhor qu' eu fidelidade, 

Näo a vi, nem quem me visse 

Que dos limites sahisse 

Um poueo da honestade. 

Als ausnehmend tugendhaft rühmt sie auch Juppiter (I, 5): 

Mas que remedio hei de ter 
Contra mullier täo terribil, 
Que se näo pode vencer? 

Tu hjo ves qu' esta mullier 
Se preza de virtuosa? 

Ihre innige Liebe zu ihrem Gatten leuchtet besonders beim 
Wiedersehen (II, 2) hervor: 

Oh presenga mais querida 
Que quantas formou Amor! 
Isto r verdade. SenliorV 
Acabe-se aqui a vida, 
Por näo ver prazer maior. 



152 !• Amphitruo. 

Der Sklave Sösea, der spanisch spricht, steht tief unter dem 
des Plautus. Nur die Feigheit und das Prahlen hat er mit 
diesem gemein (II, 5): 

Yo como muerto le vi 
Juro ä mi fe, que le di 
Mas de dos mit cuchülazos. 

Gerade in dieser Szene ist er ganz und gar eine Gestalt der 
damaligen Bühne geworden. 

Die übrigen Personen des Stückes, der dichtende 1 ) Feliseo, 
Belferräo, Alkmenes Vetter, Aurelio, endlich Kallisto sind 
zum grössten Teile Zuthaten des Dichters. Bromia hat im all- 
gemeinen dieselbe Aufgahe, wie bei Plautus, nur berichtet bei 
Camöes Aurelio von der göttlichen Erscheinung. 

Hat somit der portugiesische Dichter im grossen Ganzen 
manches ändern zu müssen geglaubt, manches andere, wie die 
gewiss glückliche Gegenüberstellung der beiden Amphitruo in der 
ersten Szene des fünften Aktes, nach den Supposita zu Plautus 
glücklich verwertet, wobei stets eine verschiedene Grund- 
idee vorlag . — bei Plautus die beabsichtigte Zeugung des 
Herkules, die immer (vgl. z.B. auch V. 479 sqq.) hervorgehoben 
wird, bei Camöes das Quiproquo der beiden Amphitruo, 
was schon der Titel (Os Amphitriöes) sagt — so hat er sich doch 
in vielen Stücken wieder engstens an das Original angeschlossen. 

Wir sehen die Szene, wo Juppiter Alkmenen den Becher 
des Königs Ptereläs übergiebt. Amphitruo bekam ihn als Ehren- 
geschenk (II, 1): 

Como em sinal da victoria, 
Esta copa lhe foi dada, 
Por ella bebia el Rei . . . 

Bei Plautus (7. 534): 

Nunc tibi hanc pateram, quae dono mi illi ob uirtutem datast, 
Pterela rex, qui potitauit condono. 

Der Abschied Pseudoamphitruos von Alkmene (III, 1): 

Vos me vereis cä, Senhora, 
Primeiro do que cuidais, 

erinnert an Juppiters Wort (V. 545): 

Prius [enim] tua opinione hie adero. 

') Derartige Dichter, welche ihre Liebespoesien jedem, der des 
Weges kommt, zum besten geben, mit der Versicherung, dass sie selbst 
ohne fremde Beihilfe dieselben verfertigten, wie Feliseo auf Kallisto s 
Frage: „Senhor, vös so o fizestes?" emphatisch erwidert: „Si que ninguem 
me ajoudou!" (I, 6) waren ständige komische Figuren der damaligen 
Bühne. - Vgl. die höchst gelungene Farce „De quem tem Farelos" 
des Gil Vicente. 



Luiz de Camoes. 



153 



Die treffliche Szene, in welcher der plautinische Mercurius 
den Sklaven Sosia in Angst versetzen will, hat sich Canaöes ge- 
wandt angeeignet; „aher er hat sie selbständig benutzt und vor- 
trefflich lungestaltet." 1 ) Dem (7. 309): 

Quisquis homo huc profecto uenerit, pugnos edet 

entspricht bei Camoes (II, 6): 



No veo pasar ninguno, 

En quien yo nie pueda hartar. 



Dem (F. 321): 



das: 



Ölet homo quidam malo suo 

La carne de algun humano 
Me seria mui sabrosa. 



Dem (7. 325): 



genau: 



Vox mi ad auris aduolauit 

Ina roz de hombre ahora 
A la oreja me rolö. 



So auch die Weigerung, seinen Namen zu nennen: 



343. M. 

S. 

M. 
362. M. 

S. 



364. M. 

S. 
366. M. 



370. 

390. S. 
M. 
S. 
M. 

S. 



)/. 



Seruosne es an liber? 
Vtquomque animo conlubi- 

tumst meo. 
Ain tu uero? 
Quis erus est igitur tibi? 
Amphitruo, qui nunc The- 

banis praefectust legio- 

nibus. 
Quid ais? quid nomen ti- 

bist? 
Sosiam uocant Thebani. 
Ne tu istic bodie malo tuo 

conpositis mendaciis 
Aduenisti . . . 
Nunc profecto vapula ob 

mendacium. 
Non loquar nisi pace facta. 
Non nocebo. 
Tuae fide credo? 
Meae. 
Animum aduorte . . . Am- 

phitruonia ego sum ser- 

uos Sosia. 
Etiam denuo? 



3J. i Quien? ,;Quieres hablar? 

S. Soi quienmi voluntad quiere. 

M. ,;Piensas que puedas hablar? 
M. ;Di! ,; Quien eres? 
iS'. Un criado 

Del Senor Amphitrion. 

M. ,;Como te Hamas, mal hombre? 

iS'. Sosea soi, se non me oiste. 
M. Con tan nueva falsedad 

Andais por esta ciudad. 

jPues, si sois Sosea, tomad! 



S. Tregoas me has de prometer, 

Dirtelohe siu profia. 
M. Prometo. 

S. Pues,. hermauo, tu sabräs 

Que mi amo Amphitrion. 
M. ; Tu amo? ;Pues Uevaräs? 



ferner die Erzählung von seinen kriegerischen Erlebnissen und 



seiner Weinprobe : 



') Storck a. a. 0. S. 338. 



154 ■"■• Amphitruo. 



427. iS. Legiones quoin pugnabant 
ruaxurne, 
Quid in tabernaclo fe- 
cisti ? 
M. Cadus erat uirii; inde in- 
pleui hirneam. 



S. <;Empero, tu que hacias, cuando 
la batalla vias? 

.)/. Cuando mi Senor andaba 
Peleando y derramaba 
La sangre de algun mezquino; 
Con una bota de vino 
Yo la niia acrescentaba. 



u . s. w. 

Der Monolog Alkmenes (III, 3) ist nach dem des Plautus 
(V. 633 sqq.) gearbeitet, doch stark zusammengezogen; 
ebenso die Szene mit dem Becher, die Schilderung, wie der 
Pseudoamphitruo sich zu Hause benahm, diese letztere nur etwas 
verhüllter u. dgl. mehr. 

Camöes hat in dieser Komödie schon hu Ausseren die 
Schule des Gil Vicente vertreten, was, wie Th. Braga treffend 
bemerkt, 1 ) an einem Manne Wunder nehmen muss, welcher die 
klassische Renaissance kannte und sich an der italienischen 
Litteratur begeisterte. Die Arbeit des Camöes ist von 
hohem poetischen Werte; 2 ) die Redondilhenform ist 
prächtig gelungen. Es ist ein klassisches Produkt, aber 
echt national, antik, aber völlig dem Geiste und Geschmacke 
der Zeit angepasst. 

Von allen Amphitruobearbeitungen ist die des Camöes durch 
Formvollendung die berechtigtste, sich der Molieres hinsichtlich 
der metrischen Eleganz an die Seite zu stellen. Es ist. reine 
Musik, was des Camöes Verse aussprechen. 

Auch F. Bouterwek 3 ) fällt über die Dichtung des Camöes 
ein sehr günstiges Urteil. „Eine wahre Bereicherung des portu- 
giesischen Theaters war der Aniphitryo . . . . Das Verdienst 
der Erfindung dieses echt komischen Stückes gehört zwar dem 
PI a\i tu s, dessen Aniphitryo von Camöes nur frei bearbeitet 
ist. Aber eben diese Bearbeitung hätte in der Geschichte des 
portugiesischen Theaters Epoche machen müssen, wenn die Nation 
geneigt gewesen wäre, sich eine so glückliche Verschmelzung der 
nationalen Formen des Schauspiels mit den antiken gefallen zu 
lassen. Wer den Aniphitryo des Plautus nicht kennt, muss 
das Lustspiel gleiches Namens von Camöes für ein Originalwerk 
halten. Die ganze Fabel des Stückes ist modernisiert, ohne die 



1 ) Manual da Historia da litteratura portugueza. (Porto 1875.) 
pag. 245: „Admira por certo ver Camöes, que conhecia intimamente a 
Renascenca classica, e que se inspirava da poesia italiana, seguir no 
theatro a eschola de Gil Vicente." 

2 ) Ibid. „Bastaram estes tres Autos de Camöes (sc. Os Amphitriöes, 
El Bei Seleuco, Filodemo) para revelarem um grande poeta em 
nada inferior a Gil Vicente." 

3 j Geschichte der portugiesischen Poesie und Beredtsamkeit. (Göt- 
tingen 1805.) S. 207. 



Jos§ da Silva. 155 

komische Kraft der Situationen zu schwächen. Juppiter musste 
zwar bleiben, wer er war, aber Merkur, der den verkleideten 
Juppiter begleitet, macht den Bedienten ganz in portugiesischem 
Stil. Amphitryo stellt einen Schiffskapitän nach portugiesischen 
Begriffen vor. Aus dem Sosia, dem Bedienten des Amphitryo, ist 
ein netter Gracioso geworden, der Spanisch spricht, ob er gleich 
den Namen Sosia beibehalten hat. Die burlesken Szenen, in 
denen dieser Sosia figuriert, sind noch dadurch erhöhet, dass 
Merkur, der gewöhnlich Portugiesisch spricht, sogleich Spanisch 
zu sprechen anfangt, wenn er als Pseudososia seine Rolle spielt." 
Fast zwei Jahrhunderte nach Camöes griff nochmal ein 
genialer portugiesischer Dichter , das Opfer schändlichster In- 
toleranz,') zum Amphitruo — der „Jude" Don Antonio 
Jose da Silva (S. 63), dessen geschickte Behandlung des 
Stoffes ziemlich viele neue Seiten bietet.' 2 ) Das Stück 3 ) ist in 
zwei Teile zu je sieben Szenen gefasst und in Prosa ge- 
schrieben; nur die Arien und Chöre sind in Versen gedichtet. 
Es führt den Titel: Amfitriäo, ou Jupiter, e Alcmena, 
Opera que se representou no Theatro de Bairro Alto de Lisboa, 
no mez de Maio de 1736. Aus der „Advertencia do Collector" 
(S. 9) erfahren wir, dass die hier gesammelten Stücke zwischen 
1733 — 1738 sehr gefielen; doch wird der Name des Verfassers 
als eines der Inquisition verfallenen Juden nirgend genannt, 4 ) 

') Vgl. über dieses traurige Opfer der Inquisition F. Ho ff mann, 
Geschichte der Inquisition. Bonn 1878. II. Bd. S. 88 ff. — Simonde 
de Sismondi, De la litterature du midi de l'Europe. IV, 538. 

2 ) Le Bresil litteraire par Ferd. Wolf. (Berlin, A. Asher&Co. 1863.) 
S. 39. „Pour se faire une idee du talent d'invention et de la verve co- 
mique dAntonio Jose, on n'a qu'ä comparer par exemple son Arnphi- 
tryito avec ceux de Piaute et de Camöes, et l'on sera surpris du parti 
conipletement nouveau que le poete bresilien a su tirer de ce sujet, 
surtout des scenes entre Alcmene et son epoux." 

3 ) Es findet sich im ersten Bande des Theatro comico Portuguez 
ou Colleccäo das Operas portuguezas que se repentäräo na Casa do 
Theatro publico do Bairro Alto de Lisboa. Lisb. 1744—1746. 4 voll, in 8°. 
— Ein zweiter Abdruck der zwei ersten Bände (in der k. Bibliothek 
zu Wien) ist von 1747, Lisb. na regia officina Sylviana, e da Academia 
Real. — Ein dritter in 4 Bd. von 1759 — 1761. — Vor mir liegt der 
vierte Abdruck (quarta impressäo) von 1787 (na officina de Simäo Thad- 
deo Ferreira), dessen erster Band, S. 298 — 427, unser Stück enthält. — 
Vgl. Wolf, Bres...litt. S. 36 und Varnhagen, Florilegio. I, 206—208. 

4 ) Von der Ängstlichkeit des Herausgebers zeugt seine bornierte 
am Schlüsse angebrachte Protestacäo do Collector: „As palavras Deoses, 
Nurnen, Fado, Divindade, Omnipotencia e Soberania se devem 
somente entender no sentido Poetico, e näo de nenhuma outra maneira ; 
porque somente se usa dellas nestas Obras como necessarias para adorno 
da composicäo Dramatica, e expressäo dos Episodios Comicos e näo com 
intencäo de offender em cousa alguma aos dogmas da Santa Madre 
Igreja, a quem como obediente filho, nie sujeito em tudo o que ella 
determina." — Wem kömmt nicht des Camöes Entschuldigung (IX, 90 ff.) 
in den Sinn, der seine Lusiaden freilich 1572 nicht 1787 hinausgab! 



156 !• Amphitruo. 

weshalb z. B. bei Barrera (Catäl. bibl. S. 528) da Silvas 
Amphitruo als „manuscrita" angeführt wird. 

Erster Teil. — 1. Juppiter, von den himmlischen Chören 
umgeben, klagt, dass er zu Alcmena heisse Liebe fühle: 

De amor todo abrazado 

Mi sento quasi louco. (S. 303.) 

Mercurio schlägt ihm vor, Amphitruos Gestalt, der eben 
im Kriege mit den Thelebanern (!) und ihrem Könige Terela 
liegt, anzunehmen; er selbst wolle sich in die „mais vil creatura", 
den Sklaven Amfitriäos, der hier Saramago heisst, verwandeln. 
Juppiter nimmt diesen Vorschlag gerne an. 2. Alcmena jammert 
mit ihrer Sklavin Cornucopia, der Frau Saramagos, über die 
lange Abwesenheit ihres Gemahls; nach einem Menuett Alcmenas 
kömmt Cornucopia mit der frohen Botschaft, dass ihr Sara- 
mago, und also auch Amfitriäo, zurückgekehrt sei. Alle Zweifel 
lösen sich, da wirklich Juppiter und Merkur in den Gestalten 
beider eintreten. Nach einer herzlichen Begrüssung findet Alc- 
mena, dass ihr Gatte, entgegen seinem gewöhnlichen Wesen, 
zärtlicher vom Kriege zurückgekehrt sei, als er ging, und auch 
Merkur sah Juppiter nie so zerflossen („täo derretido" S. 310). 
Juppiter erzählt die Geschichte seines Sieges und schenkt Alc- 
mena ein Schmuckstück vom Helme des Königs Terela. Als- 
dann begeben sie sich zur Euhe. Merkur hat alle Mühe, seine 
Cornucopia los zu werden. Auch sie hat während seiner Ab- 
wesenheit Anfechtungen ihrer Treue erfahren, selbst Geld ist ihr 
angeboten worden. Mercurio findet es ungeschickt, dass sie es 
nicht angenommen habe. 3. Saramago tritt auf; er kömmt vom 
Kriege. Erst tritt ihm ein Hund entgegen, alsdann Merkur, der 
sich als den richtigen Saramago gebärdet. Nun fragt ihn 
Saramago: Conheceo vossa merce em casa de Amfitriäo hum 
criado esgalgado, cara de piolho ladro, corpo de parafuso, pernas 
de disciplina, com hum pe de cantiga, e outro pe de vento? 
(S. 319.) Nach einigem Streiten entfernt sich Saramago, da ihm 
Mercurio eine Tracht Prügel (hum diluvio de pancadas S. 321) 
in Aussicht stellt. Mit den Worten: Pois a Deos, Senhor Sara- 
mago, eilt er ab, die Mercurio (fast wie Geta): „A Deos, Senhor 
cousa nenhuma!" erwidert. 4. Waldgegend. Amfitriäo mit 
Polidaz klagt, wie lange ihm die dreimonatliche Abwesenheit 
von Hause vorkam. Tiresias begrüsst namens der Republik 
den siegreichen Oberfeldherrn und teilt ihm mit, dass man ihm 
einen grossen Triumph (hum notavel triunfo S. 322) vorbereite. 
Saramago naht. Sein Gespräch ist unklar. Er ist nicht er; 
von Alcmena weiss er nichts, da er von sich selbst nichts weiss 
(S. 323). Nun erzählt er, zuerst sei ihm ein Hund entgegenge- 



Jose da Silva. 157 

kommen, der mit dem Schweife seine Freude bekundete, „donde 
inferi que ha creaturas que tem a lingua no rabo, " dann sein 
Ebenbild. Man geht nach Hause, um zu sehen, in wie weit 
Saramago die Wahrheit sprach. 

Juno mit Iris tritt auf. Sie weiss bereits von Juppiters 
Metamorphose und den Plänen ihres treulosen Gatten, dem sie 
Rache schwört. Er soll erfahren, wie wehe es ihr thut : 

Que de zelos a impiedade 

Ate os ceos ha de chegar. (S. 327.) 

5. Juppiter trennt sich von Alcmena. „Ai, Alcmena, se 
tu mi disseras essas finezas näo como a Amfitriäo senäo como a 
Jupiter" (S. 328) sagt er ihr bedeutungsvoll. Ebenso scheidet 
Mercurio von Cornucopia mit den Worten: Vale, vel, valete, 1 ) 
wie einer „quem se despede em latim" (S. 330). — Juno tritt 
mit Iris ins Haus und bittet Alcmena knieend um Entschuldi- 
gung für ihre Freiheit. Unter dem Namen Felisarda will sie 
ihr eben ihre traurige Geschichte erzählen, da klopft Amfitriäo 
draussen und wird eingelassen und von Alcmena begrüsst. Er 
findet aber den Empfang etwas frostig, bis ihm Alcmena sagt, 
dass er ja diese Nacht schon bei ihr gewesen sei. Juno ahnt 
sofort, dass der Pseudoamphitruo ihr Gatte Juppiter war. Am- 
fitriäo jedoch stutzt und Saramago fällt ein: Näo te disse eu 
que havia cä outro Saramago? Pois por forca havia de haver 
outro Amfitriäo (S. 334). Alcmena erzählt umständlich, was er 
bei seiner Ankunft that, und wie er ihr das Kleinod überreichte, 
woraus Juno zur Gewissheit entnimmt „que este he o verdadeiro 
Amfitriäo" (S. 336). Dieselbe Szene wiederholt sich zwischen 
Saramago und Cornucopia. Auch er sagt zornig: „näo fui 
eu com quem te emsamaragaste." Eben als sie Frieden 
schliessen wollen, kömmt Mercurio dazu, und, um Saramago 
ganz toll zu machen, verändert er mehrmals Cornucopias Ge- 
siebt. Nach verschiedenen Missverständnissen naht Iris unter 
dem Namen Corriola, der Saramago ohne Erfolg den Hof 
macht. 

IL Juppiter dankt Merkur, da ja alles von ihm aixsging 
(sendo a idea tua S. 347). Er will sich bei Alcmena noch 
länger freuen, obwohl ihn Mercurio an Juno erinnert. Polida/, 
meldet, dass der Triumphzug bereit sei, worauf Juppiter geht, und 
(7) als Amphitruo von den Matronen bekränzt und unter dein 
Vivatrufen des Volkes denselben mitmacht. 



') Lateinische Stellen finden sich öfter, /.. B. S. 319 inter am- 
bobus (!) errasti, 325 heu mihi! 340 chibarritum nie feeit, 34.". quoad 
ine. 345 propter unumquodque fcale ei illud magis u. ö. 



158 I- Amphitruo. 

Zweiter Teil. — 1. Juno und Iris beraten sich; letztere 
will sich mit Sararnago einlassen, um den rechten Amphitruo zu 
entdecken. Tiresias, der um Amfitriäo zu sprechen kam, 
wird hingerissen von Junos Schönheit, „que mais parece divina do 
que htunana" (S. 353), und Juno beschliesst ihrerseits, auch ihn 
zu benützen. Sie erzählt ihm, sie sei die unglückliche Prinzessin 
von Teleba, Flerida, die hier unter dem Namen Feiisa r da 
lebe. Sie sei gekommen, um sich an Amfitriäo, dem Mörder 
ihres Vaters, zu rächen und auch Alcmena zu strafen. Tiresias 
möge ihr behilflich sein, was er auch verspricht. 

2. Noch immer träumt Sararnago von Corriola; da naht 
Iris. Cornucopia belauscht sie. Iris gesteht ihm ihre Liebe, 
doch seiner Frau halber wolle sie ihm entsagen. Cornucopia 
stürzt vor, um ihren Mann zu retten. — Während Alcmena mit 
Cornucopia über ihres Gatten Benehmen klagt, zeigen sich 
Juppiter und Mercurio. Letzterer geht sofort, um Amfi- 
triäo s Ankunft zu verhindern. Juppiter will die beleidigte 
Alcmena versöhnen. Nur Sararnago kann nicht begreifen, 
,.quem era aquelloutro eu que cä esteve primeiro do que eu 
viesse" (S. 361). Zweifelnd geht er ab, da er nach Polidaz 
gesandt wird. Während Juppiter Alcmena wieder besänftigt, 
tritt Juno ein. Sie ist 'in Zweifel, ob Juppiter oder Amphi- 
truo vor ihr stehe, aber: se eile, como Deidade sabe enganar os 
meus olhos, eu que tambem logro a mesma prerogativa, usarei 
do mesmo engano (S. 362). Juno-Felisarda ist der Ansicht, 
Amfitriäo habe keine Verzeihung verdient, obwohl Juppiter- 
Amfitriäo sie bittet, bei Alcmena seine Partei zu vertreten. 
Dennoch gelingt es ihm, Alcmena wieder zu gewinnen, und er 
geht mit ihr. 

3. Vorsaal. — Merkur wird des Wartens überdrüssig und 
in der ganzen Sache ungeduldig. Wann soll dies enden? Mit 
Europa, Danae, Leda u. a. hat Juppiter nicht so viel gemacht. 
Amfitriäo tritt ein. „Sararnago, kennst Du mich?" „„Soll 
ich die ganze Welt kennen?"" „Mich, Deinen Herrn?" „„Mein 
Herr ist nur Amfitriäo."" Er kehrt ihm den Rücken und 
sperrt die Thüre ab. Unmittelbar darauf kömmt Sararnago 
mit Polidaz. Amfitriäo prügelt ihn wegen seines ungebühr- 
lichen Betragens, was Polidaz nicht begreifen kann. Es sei un- 
möglich, erklärt er, dass Sararnago eben seinem Herrn die 
Thüre versperrt habe, da er nicht von ihm weggekommen sei, 
vielmehr in seinem Auftrage ihn geholt habe. „Schickte ich 
etwa um Polidaz?" fragt Amfitriäo. „„Gewiss! Vor einer 
Viertelstunde."" Amfitriäo wird ruhiger; er ahnt einen 
schlimmen Streich. Sie schicken sich an, die Thüre einzurennen, 
da tritt Juppiter heraus, und die beiden Amphitruo erblicken 



Jose da Silva. 159 

einander staunend. Auch Alcmena kömmt dazu. Sie kann nur 
fragen: „vos rogo me digais, quäl de vos he o meu esposo?" 
(S. 370), worauf heide rufen: „sou eu!" „Dann ist es keiner!" 
stammelt Alcmena. Auch Juno, die dazutritt, kann beide nicht 
unterscheiden, so ähnlich sind sie (S. 371); nicht minder Cornu- 
copia. Jeder der beiden Avill Alcmena gewinnen, jeder be- 
schwört: „o fingido he este!" (S. 373.) Es entspinnt sich ein 
Kampf; Alcmena sinkt in Junos Arme, die gerne wollte, 
dass sie nicht mehr erwachte. Die Amphitruo sind gegangen, 
dafür ist Mercurio aufgetreten, und so stehen sich nun zwei 
Saramago gegenüber. Saramago holt einen Spiegel und be- 
schaut sich in demselben: 

He verdade! Eu sou aquelle; 
E tambem aquelle e eu! 
Esta boca he couio a delle, 
nariz he como o seu. (S. 384.) 

Die Szene der beiden Amphitruo wiederholt sich. Jeder 
will Cornucopia haben, die nun glaubt, es könne wie mit 
Alcmena durch eine Ohnmacht gelöst werden. Sie sinkt zu- 
sammen, doch ohne Erfolg, und wird in einen Zwerg (anao) ver- 
wandelt. 

4. Noch immer ist Juno trostlos über ihres Gatten Untreue. 
Dieser kömmt und fragt nach Alcmena. Juno hetzt ihn nun 
gegen Alcmena und Amfitriäo: denn seine Ehre sei beleidigt. 
Mit dem gleichen Gefühle verletzter Mannesehre kömmt Sara- 
mago. Er belauscht Tiresias, der Juno als Flerida (statt 
Felisarda) begrüsst und von ihr aufgefordert wird, Alcmena im 
Garten zu töten. Saramago will eiligst Alcmena von dem 
Mordanschlag in Kenntnis setzen, wird aber von Juno in einen 
Baumstamm verwandelt, als welcher er übrigens an allem Folgen- 
den Anteil nimmt. Mercurio und Cornucopia schlagen an 
den Baum, der schreit. Sie gehen ab, um zu sehen, wer schrie. 
Juppiter schneidet mit einem Dolche in den Baum Alcmenas 
Namen, worauf dieser blutet. Der Gott merkt, dass dies Sara- 
mago sei, und verwandelt ihn in seine alte Gestalt; so wird 
Saramago „desarvorado" (S. 396). — Iris will ihr Verhältnis 
zu Saramago benützen, um zu erfahren, wer der wahre Amphi- 
truo ist, bald aber steht wieder Mercurio vor ihr und ver- 
spricht ihr, sie aufzuklären. 

5. Alcmena setzt sich, ihr Los betrauernd, an der Quelle 
nieder. Juppiter naht mit gezogenem Degen. Kein Baum, in 
den er nicht ihren Namen geschnitten ! Er sieht sie an der 
Quelle eingeschlafen. Da kömmt von einer Seite Amfitriäo 
mit dem Schwerte, von der andern Tiresias mit einem Dolche 



160 I- Amphitruo. 

Jeder will Alcmena töten; der eine ans Eifersucht, der andere, 
um sein Wort einzulösen. Juppiter schützt sie, indem er mit 
Amfitriäo hart aneinander gerät. Auf Alcmenas Hilferuf eilen 
Mercurio, Polidaz, Juno, Cornucopia, Iris und ein Soldat 
herbei. Wer ist nun der wirkliche Amfitriäo, wer Saramago? 
Amfitriäo wird als der falsche erklärt und auf des Tiresias 
Befehl in den Kerker geführt; Juno ahnt indes, dass die Strafe 
den Unschuldigen ereile. Um Juno gefällig zu sein, möchte 
Tiresias auch Alcmena im Kerker wissen: „pois näo negas, 
que admittiste os dous Amfitriöes, sempre violaste a pureza do 
thalamo" (S. 400). Juppiter jedoch erklärt, solches stehe nur 
ihm, dem Gatten, zu. Da nun Tiresias verkündet, auch die 
Republik sei beleidigt, rät Juppiter Alcmena, sie möge ge- 
trost gehen und sich Juppiter anheimstellen. Auch Saramago 
wird abgeführt. 

6. Kerker. — Zu drei Gefangenen kömmt Saramago, 
alsdann Amfitriäo, in dessen Arie (S. 415): 

Sorte tyranna, estrella rigorosa 

Ferd. Wolf) wohl nicht mit Unrecht da Silvas eigenes Un- 
glück besungen sieht. Saramago und sein Herr suchen sich 
wieder über das Vorgefallene zu verständigen, da treten Juno 
und Iris verschleiert ein, um den unschuldig Eingekerkerten die 
Freiheit zu geben. 

7. Juppiters Tempel. — Tiresias, von Juno fortge- 
setzt getrieben, will Alcmena opfern; nun glaubt Juppiter, es 
sei an der Zeit einzugreifen, umsomehr als Amfitriäo mit 
Saramago hereinstürzt, um, wenn niemand sie opfern wolle, 
dies selbst zu thun. „Halt ein!" donnert Juppiter gegen 
Tiresias. „Ich bin unvei'letzlich ! " (quanto a mim, ninguem me 
pöde castigar S. 423). „Wer bist Du denn?" lautet die Frage. 
Verwandlung. Das Empyreum, wie in der ersten Szene, und 
die Worte (S. 424): 

Sabei que Jove sou omnipotente 
Que abrazado de amor da bella Alcmena 
Vendo ser impossivel o alcancalla 
Tomei de Amfitriäo a forma humana 

erklären alles. Amfitriäo darf nicht ungehalten sein: 

Pois desse passatempo que aqui tive 
Hercules nascerä u. s. w. 



') Le Bresil litter. S. 33. „On riait ä la representation de ses 
pieces, mais il ne manquait pas de personnes qui rapportaient p. e. ili's 
passages de l'Ampbitriäo aux souffrances qu'il avait endurees dans les 
cachots de l'inquisition." 



Jose da Silva. 161 

Er ist vielmehr beglückt und ruft aus: „Oh mil vezes feliz eu 
que tive a fortuna de que o mesmo Jupiter quizesse divinizar o 
meu venturoso thalamo - ' (S. 424), und auch Alcmena will be- 
glückwünscht sein: „Esposo Amfitriäo , de-me os parahens de 
tanta felicidade. " Selbst Juno erklärt sich zufrieden, und 
Mercurio und Iris geben sich zu erkennen. Juppiter ge- 
währt Amfitriäo einen neuen Trhimph als Sieger über die 
Telebaner, da er an seiner Statt den ersten durchgemacht habe. 
Der Chor (S. 426): 

Que pasmo! che assombro! 
Que voe täo alta 
A setta do amor? 

schliesst das Stück. 

Da Silvas Oper — eine Art von Märchenspiel oder Zauber- 
posse — zeigt , wie wenig es vom ästhetischen Stand- 
punkte geraten war, vom Original abzugehen. Die 
Arien und Rezitative sind mit grossem Geschick den Italienern, 
zunächst Apostolo Zeno und Metastasio, nachgeahmt, die 
prosaischen Szenen oft an witzigen Wortspielen reich , oft in 
liebenswürdig einfacher und volkstümlicher Sprache geschrieben. 
Im Ganzen genommen aber, scheint doch Ferd. Wolfs begeistertes 
Lob (S. 155) etwas zu weit zu gehen, wenn auch keineswegs 
geleugnet werden soll, dass da Silva eine ganze Reihe neuer 
Intriguen und Verwechslungen zu schaffen gewusst hat. Da- 
durch freilich, dass der mythologische Hintergrund zu- 
rückgeschoben und selbst die einstige Geburt des Her- 
kules nur ganz kurz angedeutet wurde, ist das Ganze 
zu einem blossen Abenteuer Juppiters, des „mancebo 
muito galhardo, e juvenil morador do monte Olympo", wie ihn 
Juno (S. 424) nennt, herabgesunken. 

Plautus gegenüber ist das Stück nicht nur um Cornucopia 
(wie bei Moliere um Cleanthis) erweitert, sondern auch die 
Verwechslungsszenen durch Junos und Iris' Verkleidungen noch 
wesentlich vermehrt worden. 

Genau zu Plautus stimmt szenisch äusserst wenig, dem 
Texte nach fast nichts. 



Unter den romanischen Völkern haben sich be- 
sonders die Italiener für Plautus interessiert. Der Herzog 
von Ferrara, Herkules L, Hess am 26. Januar 1487 den 
Amphitruo 1 ) aufführen (S. 51), der auch am 12. Februar 1491 bei 

') Addi XXVI di Zenaro 1487 il Duca Hercole fece i'are in dicto 
Cortile a tempo di notte la Festa di Amphitrione & di Sosia cou 

11 



162 I- Amphitruo. 

der Hochzeit seines Solines Alfonso I. mit Anna Sforza wieder 
auf die Bühne kam. ') Diese Übersetzung des Amphitruo stammt 
von Pandolfo Collenuccio 2 ) (S. 51). Sie ist betitelt: „Comedia 
di Plavto | intitolata l'Amphitriona, tradotta dal la tino al 
uolgare , per Pandolfo Colon 1 nutio, & con ogni diligentia 
corretta & nuouamente stampata" 1530, mit einer hübschen Vignette, 
Plautus darstellend (in Vinegia per Nicolo d'Aristotile detto 
Zoppino. 64 Fol.). Sie ist in der von Collenuccio mit besonderer 
Leichtigkeit 3 ) gehandhabten terza rima und im engsten An- 
schluss an Plautus gearbeitet, z. B. Alcmenas Monolog: 

Tutti i piacer che 'n questa uita s' anno, 
Son poca cosa in compavatione 
De fatiche infinite e molto affanno, 
Nel quäl esser si trouan le persone. 
u. s. w. 

Das ganze Szenarium stimmt mit Plautus überein; 



uno Paradiso con stelle & altre rode, che fu una bella cosa; ma non si 
pote finire, perche cominciö a piovere & bisognö lasciare stare a höre V 
di notte, «Sc dovea durare fino a le IX. (Script, rer. ital. Tom. XXIV. 
pag. 279.) 

') In meggio de la sala ghe era uno Paradiso, e dopoi dicta Festa 
feceno la Comedia di Amphitrione. (Script, rer. ital. Tom. XXIV. 
pag. 282.) — „Wie man sich vollends die Aufführung des plaut inischeu 
Amphitruo daselbst (1491, bei Alfonsos erster Vermählung mit Anna 
Sforza) zu denken habe, ob vielleicht schon mehr als Pantomime mit 
Musik, denn als Drama, bleibt zweifelhaft. (Strozii poetae pag. 232 im 
IV. Buche der Äolosticha des Tito Strozza.) Das Eingelegte überwog 
jedenfalls das Stück selber; da sah man, von einem rauschenden Or- 
chester begleitet, einen Chortanz von Jünglingen in Epheu gehüllt, iu 
künstlich verschlungenen Figuren; dann erschien Apoll, schlug die Lyra 
mit dem Piektrum und sang dazu ein Preislied auf das Haus Este; zu- 
nächst folgte gleichsam als Intermezzo im Intermezzo eine bäurische 
Genreszene oder Posse, worauf wieder die Mythologie mit Venus, Bacchus 
und ihrem Gefolge die Szene in Beschlag nahm und eine Pantomime — 
Paris auf dem Ida — vorging. Nun erst kam die zweite Hälfte der Fabel 
des Amphitruo mit deutlicher Anspielung auf die künftige Geburt eines 
Herkules aus dem Hause Este." (Burckhard-t, S. 316. 317.) 

2 ) L' Anfitrione fu opera di Pandolfo Collenuccio da Pe- 
saro che fu per qualche anno iu Ferrara, e si ha in fatti alle stampe 
questa commedia da lui tradotta iu terza rima e stampata poi in Ve- 
nezia.nel 1530. (Drammaturgia di Leone Allacci, diuisa iu sette iu- 
dici. In Roma (Per il Mascardi 1666), pag. 28. — Argelati, Bibl. degli 
volgarizzatori, Tom. m, pag. 228. IV, 357. 358. — Fontanini, Biblio- 
teca dell' eloquenza ital. colle note del Zeno. Tomo I, pag. 202. — Vgl. 
Tiraboschi. VI, p. 878. — Dr. E. Ruth, Geschichte der italienischen 
Poesie. (Lpz. 1847.) II, 116. 

3 ) So auch seine: Comedia Dilettosa raccolta uel vecchio testamento 
miovamente ristampata, nella quäle si ragiona de Jacob et de Joseph, 
composta dal MEagnifico Caualiero & Dottore, Messere Pandolpho Col- 
lenutio da Pesaro ad instantia dello Illustriss. & Eccellentiss. Signor 
Duca Hercole de Ferrara. Iu terza rima liistoriata. Stampata in Vi- 
negia 1547 (ohne Paginierung). 



Colleuuccio. Dolce. 163 

nur in den Supposita waltet er freier. Mit dem Beginne des 
fünften Aktes liegt Amphitruo nicht vor seinem Hause, viel- 
mehr klopft er an die Thüre: 

Aprite, aprite, aprite, o uui di drento, 

Se non ch' io stello 1' uscio in un mornento. 

Bromia erzählt die Geburt der Kinder und das Weitere 
nach dem Originale. Die Rede Juppiters (bono aninio es 
V. 1131) ist, um die Thaten des Herkules zu erzählen, von den 
dreizehn Versen des Originales auf einhundert drei und 
zwanzig ausgedehnt worden. Eigentümlich ist der Schluss. 
Amphitruo erwidert Juppiter, wie bei Plautus {V. 1143, 
1144); dann aber, man hat wohl anzunehmen, als Juppiter 
verschwunden ist, spricht er etwas anders. Der Gott hätte ihm 
seine Gnade in andrer Weise als durch den Umgang mit seiner 
Frau erzeigen können, wohl ein Apart an das Publikum (Fol. 64): 

Di tanta humanita, che 1' immortale 

Giove m' ha usata, contento seria, 

Se pur fatto m' hauesse altro signale 
D' amor, che usar con la mogliera mia: 

Che tal domestichezza manifesta 

Non mi ua molto per la fantasia, 
E a dire il uero, non me piacque in testa 

Portar 1' insegna de le corna mai. 

Ma pur lä sorte mia dogliosa e mesta 
Portaro in pace, e gli miei affanni e guai 

Ch' io non son solo eletto a tali honori 

Et ho per tutto de i compagni assai. 
Ma uui, presenti e chari spettatori, 

Ridendo e giubilaudo fate segno, 

Se la comedia piace a uostri cuori. 
Dio ue conserui ne lo eterno regno. 

Ohne Zweifel zählt die Bearbeitung des Collenuccio zu 
den formell vollendetsten dieser Komödie. 

Vollständig auf dem Amphitruo beruht, 1 ) obwohl äusser- 
ten von ihm unabhängig scheinend, die Komödie „II marito" 
(der Gatte) des Lodovico Dolce (S. 57). Venedig 1545. Der 
mir vorliegende Abdruck ist betitelt: „II marito. Comedia di 
M. Lodovico Dolce. Di nuouo corretta e ristampata. In 
Vinegia appresso Gabriel Giolito de' Ferrari. 1560. 24 Fol. — 
Im Prolog setzt Dolce die Gründe auseinander, die ihn zur Be- 
arbeitung dieses Stückes veranlassten: 



x ) Zeno in den Annotaz. zu Fontanini. Tom. I, pag. 371. — 
Argelati (IV, <3G1): Questa commedia, diceilZeno, esser tolta intiera- 
mente dall' Anfitrione di Plauto. — Ruth. II, 499 u. 585. 

11* 



\Q4: I- Amphitruo. 

Poi, che '1 mondo ha cangiato aspetto, et uedesi 

Ogni di uariar costumi & huomini, 

E leggi, e Signorie, e linguaggi, & habiti; 

Marauiglia non e, se le Comedie 

Si fan diuersamente al nostro secolo, 

Qual con uoci legate, e quäl con libere. 

E se 1' autor, che gia ui diede il Milite 

Di Plauto ; ') hora ui da quest' altra fauola 

Fatta con altri uersi & altri numeri 

Da 1' uso de' moderni assai dissimili. 



Hör, se grato u' e ognihor ueder si uarie 
Mutationi; e renouar effigie 
Saria a ciascun di uoi, penso, gratissimo, 
S' ei si potesse : spettatori. piacciui 
Feder /' Anfitrio trasformato in Mutin. 

Sehen wir nun, wie Dolce, dem als Übersetzer 2 ) und 
Dramatiker 3 ) Bühnengewandtheit nicht fehlte, die Umgestaltung' 
zu Stande brachte. 

I. Akt. Die erste Szene des ersten Aktes führt uns in 
die Situation ein. Mutio, der Gatte Virginias, ist nach zehn- 
oder zwölfmonatlicher Abwesenheit im Kriege mit den Türken 
mit seinem Diener Nespilo zurückgekehrt. Unterdessen hat be- 
reits einige Monate lang Fabritio bei Virginia die Stelle ihres 
Gatten vertreten. Er sieht dem abwesenden Mutio völlig ähn- 
lich, und sein Diener Roscio gleicht aufs genaueste Nespilo, 
sodass niemand sie unterscheiden kann (I, 1): 

. . . come e simile 
II mio padrone a questo Messer Mutio: 
Et io del tutto m' assemiglio a Nespilo. 
Non uider mai tutte le etä de gli huoruini 
Aspetti piü conformi; ne miracolo 
Uguale a questo. 4 ) 



') In seinem „II Capitano". 

2) Vgl. S. 57. 

3) Tiraboschi. VII, p. 1326 u. S. 57. -*- Allacci (p. 448) führt 
von ihm fünf Lustspiele und achtzehn Tragödien auf; Riccoboni 
(DI, 45) sechszehn Tragödien. 

'*) Dolce findet diese Voraussetzung selbst so unwahrscheinlich, 
dass er (DU, 2) nochmal darauf zurückkommt: 

e tanto simile 
II mio Fabritio a Mutio che fu ageuole 
A lui condursi del marito in cambio 
(II che pare ad udir cosa impossibile) 
E goderla piu mesi in pace e in ocio: 
S' aggiunge che '1 famiglio di Fabritio 
E simile al famiglio di quel Mutio 
Per modo tal. che non fe Michel Angelo, 
Titian, e Rafael, ch' e tanto celebre, 
Ritratto mai, ch' al uiuo piu assomiglisi, 
Di quel, che fan tra lor. 



Dolces „H Marito". 165 

Der Diener Roscio hat Mutio landen sehen. ' Nespilo 
tritt auf, um seiner Herrin die Ankunft ihres Gatten zu melden; 
vor dem Hause jedoch jagt ihn Roscio mit Schlägen weiter und 
behauptet, er sei selber Nespilo, was diesen bei der grossen 
Ähnlichkeit völlig verwirrt macht. Fabritio nimmt von Virginia 
Abschied, da er auf des Kaisers Geheiss zu Feld ziehen muss. 

IL Akt. Nespilo berichtet seinem Herrn Mutio, dass ein 
Doppelgänger ihn abhielt, seinem Befehle gemäss seiner Gattin 
die Botschaft zu überbringen. Dieser schenkt seinen Worten 
keinen Glauben; da tritt Virginia, über die so plötzliche Ab- 
reise ihres Gatten klagend, auf. Sie erblickt Mutio, der auf sie 
zueilt und sie voll Liebe umarmt; sie versichert ihm aber, dass 
er soeben erst von ihr weggegangen sei und auch sonst bei ihr 
gelebt habe, und dass sie gesegneten Leibes sei, was eine allge- 
meine Verwirrung veranlasst. 

III. Akt. Fabritio ist zurückgekehrt , um die entsetzte 
Virginia zu beschwichtigen. Er erzählt ihr, er sei deshalb so 
sehr aufgeregt gewesen, weil sich hier in Padua ein Nekromant ') 
aufhalte, dem es möglich sei, sich in alle Gestalten, besonders in 
jene von Ehemännern, zu verwandeln und die Weiber zu be- 
rücken. Er geht alsdann mit Virginia ins Haus, Roscio er- 
hält Auftrag, zu schliessen und niemand einzulassen.. — Emilio, 
Fabritios Freund, und Celio treffen sich und unterhalten sich 
über Fabritio, der nun doch, da Mutio zurückgekehrt sei, von 
Virginia werde lassen müssen. 

IV. Akt. Mutio kömmt zu seinem Hause zurück und 
findet es verschlossen. Roscio verwehrt ihm den Eintritt, da 
Mutio eben gespeist habe und mit Virginia der Ruhe pflege. 
Indessen Mutio hierüber laut klagt, kömmt Nespilo, mit Giulio 
über die Vorgänge im Hause seines Herrn sprechend. Mutio 
zieht seinen Diener wegen seiner soeben gegen ihn bewiesenen 
Unart zur Rechenschaft; doch Giulio beweist für den staunenden 
Diener, dass dieser schon seit einer Stunde bei ihm sei, also hier 
nicht gewesen sein könne. Auf Mutios stürmischeres Pochen 
treten Fabritio und Roscio aus dem Hause. Giulio eilt ab; 
denn es ist ihm unmöglich, die rechten beiden zu bestimmen. 

V. Akt. Fabritio klagt, Emilio gegenüber, dass nun leider 
die Stunde gekommen sei, um für immer von Virginia zu 
scheiden. Wie aber soll es sich lösen? Emilio erzählt ihm 
nun, dass Fra Girolamo da Pesaro, ein schlauer Mönch, es 



') Über den Nekromanten dieser Zeit siehe J. Burckhardt, 
Die Kultur der Renaissance. Basel 1860. S. 544. — In Cecchis „I 
Sciämiti" (DI,5) wird ein Nekromant Malagigi genannt. — Ariost 
schreibt eine eigene Komödie, die (1573) Jean de la Taille ins Fran- 
zösische übersetzte. 



166 I. Amphitruo. 

auf sich genommen habe, Mutio zu beschwichtigen. Bald tritt 
der Möncb mit Mutio auf. Er setzt dem staunenden Mutio 
auseinander, dass ein Poltergeist — spirito folletico — , deren 
es in der Luft eine Million gebe, seine Stelle vertreten habe; 
das sei aber kein Teufel; denn diese könnten kein Weib be- 
fruchten : 

Che i Demoni non possono concipere; 
per dir meglio ingrauidar le femine: 
Perche non hanno senie: ne 1' altissimo 
Permetteria, che Donna con battesimo 
Ingrauidata fosse dal Dimonio. 

Das wollte er ihm, wenn er gelehrte Studien hinter sich hätte 
(se hauessi lettere), aus Skotus und Laktantius beweisen. 
Auf Mutios kritische Frage, ob seine Frau von einem solchen 
Geiste gesegneten Leibes sei: 

Dunque; mia moglie e d' un Folleto grauida? 

erfährt er die Antwort, sie sei es von ihm, was er zwar gerne 
annehmen möchte, dennoch aber nicht glauben kann. 

F. Gir. E di te stesso. , 
Mut. E di me stesso? 

F. Gir. Mutio, 

M' intenderai, se m' odi con patientia. 
Mut. Caro 1' haurö: ma mi par impossibile. 

Bruder Girolamo erwidert ihm, das komme davon, dass er 
von Theologie nichts verstehe. Ein solcher spirito folletico 
habe ihn eines Nachts vom Lager nach Padua im Schlafe ge- 
tragen : 

Cosi avien che tua moglie e di te grauida. 

Mutio glaubt dies zwar nicht geradezu: 

Padre, lasciamo andar si fatti termini : 

Ch' io non so quel che me ne dica o credami. 

Es lässt sich nicht mehr ändern; so will er Avenigstens in sein 
Haus zurück. 

Bruder Girolamo nimmt ihm den Eid ab, dass er das Kind 
seiner Frau als das seinige anerkennen werde, und so tritt er 
schliesslich anscheinend versöhnt mit seiner Gattin ins Haus ein. 

Ohne Zweifel ist dieses Stück eine schamlose Karrikatur 
der plautinischen Komödie, die erbärmlichste Ent- 
stellung derselben. Je weiter wir uns eben von dem mytho- 
logischen Hintergrunde entfernen, desto sittlich bedenklicher wird 
der Stoff. Dazu kömmt noch Dole es brutale, derbe Durch- 
führung, so gewandt auch die Sprache sein mag. Ein infolge 



Dolces „II Marito". 167 

eines schwer anzunehmenden Zufalles dem Gatten aufs Haar 
gleichender Wüstling, dessen Diener jenem des Gatten nicht 
minder ähnlich ist, herückt die ehrsame Ehefrau des im Kriege 
weilenden Kämpfers. Das schnödeste Motiv des ganzen Stückes 
ist der Umstand, dass der gewissenlose Verführer triumphiert. 
Den gerechtfertigten Schmerz und die innere Folter des unglück- 
lichen Mutio findet Fahritio komisch (DU, 3): 

Hai uisto e inteso tutto; a pena possomi 
ßitener da le risa. 0, come arrabia 
II pouerin; per certo non fu fauola 
Giamai si bella d' ascoltarsi, o legger 
Quanto parrä a ciascun si fatta historia. 

Der Beschwichtigung des bethörten Gatten durch den 
namens der Religion handelnden Mönch hört Fabritio 
mit seinem Freunde Emilio zu, und dieser sagt, als sie vorüber 
ist, in zynischer Weise (V, 4): 

Hör uedi, come il Bue lasciato ha uolgersi 
Dal santo Padre. 

Und nicht minder frech sind die Worte, mit welchen sich 
Fabritio an die Zuschauer wendet und sie fragt, ob sich unter 
ihnen nicht auch einige finden, die ein ähnliches Schicksal ruhig 
erdulden : 

Ne ui marauigliate: che ben trouansi 
Molti tra üoi, che tal costume seguono 
Senza noia o disturbo. 

Gerade der Umstand, dass die Religion Mutio beruhigen 
soll, dass ein Mönch, so heilig wie Girolamo (V, 1): 

in tutta Padoua 
Non c' e frate piu santo ne piu pratico 
Ne la scrittura . . . 

freilich zugleich nicht minder schlau (ibid.): 

e fra Girolamo 
E ghiotto, & ha a le man tutte le astutie, 
Che puote hauere im frate dotto e pratico 
De le cose del mondo .... 

die Religion benützt, um einen so unsaubern Knoten zu 
lösen, dem getäuschten Ehemann die Hölle androht, falls er 
anders als versöhnlich handle (V, 2): 

Che in ueritä tu ti uedresti misero 
E in uita e dopo im nie, 

dass er ihn schwören lässt und, wie ein echter Jesuit, sogar den 
Fall der reservatio mentalis vorsieht: 



168 I- Amphitruo. 

cio dico; perche gli huomini 
Spesse fiate con la bocca giurano, 
Ma il cuor parla altramente, 

dass er ihm Geld fürs St. Antoniuskloster abnimmt und ihn für 
den andern Tag zur Beichte zitiert, ist das Schändlichste an der 
ganzen Komödie. 1 ) Allein Dolce gesteht ja in seinem Prologe 
zum „Ragazzo" zur Charakteristik seines Auditoriums, dass, um 
zu gefallen, „jedes Wort und jede Handlung unanständig sein 
muss." Er schrieb also mit Berechnung für den Kitzel des 
Publikums! 2) 

Man vergegenwärtige sich Mutios verhängnisvolle Lage, 
seinen wahren Schmerz, die Schilderung, welche (III, 3) Celio 
von ihm entwirft: 

io P ho veduto, e uditolo 
Per istrada doler, gridar, distruggersi 
D' hauer trouata la mogliera grauida: 
E uuol saper chi e quel, che con 1' imagine 
Sua, come mostra hauere inteso, gli liabbia 
Tolto 1' honor. Tu sai come per picciolo 
Sospetto i Padouani amazzar sogliono 
Gli huomini e le mogliere. 

wie er selbst daran denkt, sich den Tod zu geben (IV, 3): 
Che tardi piu? che non t' amazzi? 

und stelle dagegen den Triumph des sittlich verkommenen 
Fabritio, so haben wir das Bild jener schändlichen Komödie, 
die späterhin in verschiedenen Ländern Sitte wurde, und deren 



! ) Freilich erinnert man sich hierbei des Paters Timoteo in Ma- 
chiavellis „Mandragola" und seines Einflusses auf Lucrezia, so wie 
manches andern Mönches der italienischen Komödie. 

2 ) Bekannt und öfter zitiert (Ginguene VI, 293. Kuth II, 509) 
ist Dolce s Prolog zum „Ragazzo", wo er (Ausg. von 1550, S. 4) schliesst: 
„Ma se forse parrä ad alcuno, che in lei (sc. commedia) si esca alcuna 
uolta fuore de' termini della honesta, douerete pensare, che a uoler 
bene esprimere i costumi d' hoggidi, bisognerebbe, che le 
parole & gli atti interi fossero lasciuia." — Ähnlich sagt Gio. 
Batt. della Porta von seiner Komödie Olimpia: Se fusse un poco vana, 
o lasciuetta, iscusatela, che il hello e '1 buono non pottero mai 
imparentarsi insieme (!) — • Nur ganz vereinzelt finden wir eine 
Reaktion gegen diese Unsittlichkeit der Bühnendichter. So wird im 
Prologe der Komödie La Balia [La | Balia | Comedia | di M. | Girolamo 
Razzi. | Nuouamente stampata. \ In Fiorenza | Appresso i Givnti, | 1560. 
(55 Fol.)] dieser Punkt berührt. Man macht der antiken Komödie den 
Vorwurf, dass sie weniger sittliche Figuren vorführe. direte uoi, fährt 
Razzi weiter, si ueggiono pure nelle Comedie antiche, cosi fatti per- 
sonaggi, & somiglianti azzioni. Si ueggiono; ma altrimenti, che nella 
maggior parte delle moderne; nelle quali sono introdotti solamente 
per dire, & fare mille sceleratezze , & non per ammaestrar gl' huomini, 
e incaminargli ä uirtuosamente operare. 



Dolces „II Marito". 169 

Witz einzig darin lag, dass jeder ehrliche Mann dem Gelächter 
der Zuschauer preisgegehen wurde, jeder Schurke als Sieger von 
dannen ging. 1 ) 

Die Charaktere des Lustspieles sind nicht scharf ausgeprägt. 
Dem leichtgläubigen, dummen 2 ) Mutio, der seine Gattin über 
alles lieht, 3 ) dem es aber an persönlichem Mut zur rechten Zeit 
gehricht, 4 ) steht die keusche, 5 ) überaus schöne 6 ) Virginia zur 
Seite, das unschuldige Spielzeug 7 ) Fahritios. 

Ein Anlauf zu etwas Charakterdarstellung ist im ersten 
Akte an der Figur des feigen 8 ) Nespilo gemacht worden, wo 
dieser über die Fürsten als die Anstifter der Kriege schmäht und 
seiner Philosophie vom ewigen Frieden Worte verleiht; 9 ) aher es 
ist nur ein Anlauf, eine Reminiszenz des vom Kriege heim- 
kehrenden plautinischen Sosia, der über Herren und Knechte 
philosophiert. 

Hat nun Dolce so das Stück wesentlich geändert und aus 
dem mythologischen Faktum der plautinischen Komödie ein ah- 



*) Über die grenzenlose Unsittlichkeit der damaligen italienischen 
Bühne siehe bei Kuth II, 505—515. 

2 ) , Questo Mutio 
E sciocco, & ama la consorte. Facile 
Cosa sarä, ch' ogni nouella e frottola 
Del frate creda come il Credo: massima 
Mente c' ha in lui deuotion plenaria, 
Come dimostra hauerla. 

3 ) Er nennt seine Frau (IV, 1): 

Mutio, la moglie tua, la tua Virginia; 

Ch' era il tuo bene, il tuo cuor, la tua anima. 

4 ) HI, 4. Mutio, 

Ancor ch' ei sia soldato e nato in Padoua, 

E . . . piu sciocco e timido 

Che non fu '1 Calandrin di Gian Boccaccio. 

5 ) I, 4. s' io credessimi, 

Signor mio caro, ch' in uoi qualche dubbio 
Fosse de la mia fe, ch' e chiara e lucida, 
Hora io farei quel che gia fe Lucretia. 

6 ) III. 4. Virginia e bella . . . 

7 ) L' innocentia 
Difenda Dio di questa bella giouane: 
Che, s' ha meco peccato in adulterio 

Col corpo suo, non peccö gia con 1' animo. 
Giacer credendo col marito proprio. 

8 ) I, 2. Non e huom piu timido 

Di questo sciocco. 
,J ) I, 2. Maledetti sian 1' armi, i Duchi, e i Prencipi. 
Che '1 mondo spesso sottosopra uolgono. 
che uiuer saria dolce e pacirico, 
Se ognun si stesse nel suo stato a godersi 
Cio che possede; e non cei*casse togliere 
Quel che e d 1 altrui, spingendo a morte gli huoniini. 



170 I- Amphitruo. 

scheuliches Gemälde sittlichen Verfalls gemacht, 1 ) so sind doch 
der direkten Anklänge an Plautus zu viele, um einen kurzen 
Vergleich mit dem Originale gänzlich ahzuweisen. Inshesondere 
die ersten Akte sind, wie schon die Inhaltsangabe zeigte, auf 
Plautus aufgebaut, oft mit wörtlicher Benutzung des Originales. 
So z. B. Merkurs Bramarbasieren. 

V. 302. Agite pugni: iam diust quom uentri uictum non datis. 

Iam pridem uidetur factum, heri quod homines quattuor 
In soporem conlocastis nudos. 
I, 2. pugna mie durissime 

Piu che dianiante; perche state a cintola? 
Parui egli si gran tempo che a quattr' huomini 
La terza notte uoi faceste correre 
La ceruella in sugli ochi? 
V. 306. Quattuor uiros sopori se dedisse hie autumat: 
Metuo ne nunierum augeam illum. 
I, 2. Ei dice eh' a quattr' huomini 

Ha spezzato la testa. Io resto in dubbio 
Che me ne faccia il quinto e aecresca il numero. 
V. 343. Merc. Seruosne es an über? 

Sos. Utquomque animo conlubitumst meo. 

I, 2. Io son quello che mi piace d' essere . . . 

Sei famiglio o huomo libero? 
V. 389. Merc. Immo indutiae parumper fiant, siquid uis loqui. 
Sos. Non loquar nisi pace facta. 
Merc. Die, siquid uis: non nocebo. 
Sos. Tuae fide credo? 

Merc. Meae. 

I, 2. Rose. Tregua facciasi 
Fin che tu parli. 
Nesp. Pace io chieggio, domine, 

Altrimenti io non parlo. 
Rose. Paria che licentia 

Ti do di dir, senza ch' io t' habbia a offendere. 
Nesp. Io credo a la tua fede. 
Rose. Le poi credere. 

V. 394. Amphitruonis ego sunt seruos Sosia. 
I, 2. Nespilo io sono, e seruitor di Mutio. 
V. 402. Hie homo sanus non est. 

I, 2. Infine, tu sei pazzo. 
V. 403. Sos. Quod mihi praedicas uitium, id tibist. 

Quid, nialum, non suni ego seruos Amphitruonis Sosia? 
Nonne hac noctu nostra nauis huc ex portu Persico 
Venit . . . 
Nonne ego nunc sto ante aedis nostras? 



') Vgl. Ginguenes Urteil über die Komödie VI, 291. „L'exacte 
ressemblance de Jupiter avec l'epoux d'Alcmene et de Mercure avec 
Sosie, etant l'effet d'un pouvoir surnaturel, est mythologique- 
raent vraisemblable : celle de deux bourgeois italiens et de leurs deux 
valets, si entiere que toute une ville s'y meprend, et qu'une femme 
honnete, mais sensible, y est trompee de jour et de nuit, est hors de 
toute vraisemblance." 



u. s. w. 



Dolces „II Marito". m 

Non loquor . . . 

Quid igitur ego dubito? aut quor non intro eo in nostram 
m n . . domum? 

Merc. Omma ementitu 's: equidem sum Amphitruonis Sosia 



I, 2. Nesp. , Questo uitio 

E tuo. Hör non son' io seruo di Mutio? 
Non son uenuto io seco di Vinegia? non e 
Questa la casa nostra? . . . 

io pur parlo . . . 

. . . perche rimango adunque e dubito 
D' entrar in casa? 

C ' n,, • • • • Non Pessar d' entraruici, 

Lh ella e mia casa: mio padrone e Mutio: 
Io Nespilo suo seruo . . . 

So der Beginn des zweiten Aktes: 

V. 551. Am. Age i tu secundum. 

S° s - Sequor, supsequor te. 

Am. Scelestissunmni te arbitror. 

^ os - Nam quaniobrem? 

Am. Quia ld quod neque est neque fuit neque futurumst 

Mini praedicas . . . 
Am. . . . iam quidem hercle ego tibi istam 

Scelestam, scelus, linguam, apscidam. 
Sos - „ . J Tuus sum 

froinde ut commodumst et lubet, quicque facias. 

Tarnen quin loquar baec uti facta sunt hie, 

Nunquam ullo modo me potes deterrere. 
Am. Scelestissume, audes mihi praedicare id, 

Domi te esse nunc, qui bic ades. 
os ' Vera dico u. s. w. 

II, 1. Mut. Camina pur. 

flesf- Camino. 

Mut. Temerario ! 

Nesp. Percbe mi dite temerario? 

Mut- . . Bestia, 

Ardisci tu di raecontarmi fauole 

Mai non piu intese al mondo & impossibili? 

se tu non taci, Asino, cauoti 

Quella linguaccia. 
Nesp. Uoi padron potetemi 

Amazzar, se uolete: ma il contrario 

Non diro mai s' ho detto il uer. 
*■**■ Tristissimo, 

Ancor uai repheando; e affermi d' essere 

Ne la mia casa: e tuttauolta ueggoti 

Su questa strada inanzi gli occhi propra? 
Nesp. S' io dico uer . . . 

Ganz ähnlich ist auch Virginias Monolog (II, 2) dem der 
Alcumena (V. 633): 

Satin parua res est uoluptatum in uita atque in aetate a°-unda 

rraequam quod molestumst? . . . 

Nam ego id nunc experior domo atque ipsa de me scio . . . 



] 72 I- Amphitruo. 

Certo tutti i diletti, che si godono 

Nel mondo, a paragon le molestie 

Si ponno addimandar pochi e breuissimi. 

In me ueggo 1' esempio, e sento e prouolo . . . 

Alcumena glaubt, als sie ihren Gatten wieder sieht, er 
wolle ihre Liebe prüfen: 

( V. 661.) An ille me temptat sciens 

Atque id se uolt experiri, suum abituni ut desiderem? 

ebenso Virginia (LI, 2): 

Forse uole ispiar, s' io mi ramarico 
De la partita sua. 

Solcher Reminiszenzen ergeben sich im Stücke noch viele, z. B. 

( V. 1031.) Merc. Prodigum te fuisse oportet olim in adulescentia. 

Am. Quidum? 

Merc. Quia senecta in aetate a me mendicas malum. 

Io uoglio creder che sii stato prodigo 
Quand' eri giouanetto: c' hör limosina 
Cerchi da me di pugna e calci. 

Sie beweisen, wie sehr Dolce stets sein Original vor Augen 
schwebte: was zugleich den Unterschied jener so oft ge- 
rühmten klassischen Unbefangenheit gegenüber dem 
beabsichtigten Kitzel späterer Zeiten — Natur und 
Raffiniertheit — in ihren Gegensätzen deutlich zu er- 
kennen giebt. 

Wieder auf den Amphitruo, doch in gar eigentümlicher 
Form, griff Luigi Groto Cieco di Hadria (1541 — 1585) zu- 
rück in seinem Pastoraldrama La Calisto. 1 ) einem höchst lasziven 
Werke, das seit 1561 gespielt und in umgearbeiteter Form am 
24. Februar 1582 aufgeführt wurde. Die Grundidee ist aus den 
Metamorphosen Ovids (II, 400 sqq.), die Inszenierung aber nach 
dem Amphitruo. 

Juppiter, von Liebe zu Kailist o brennend, nimmt die 
Gestalt Dianas an, Mercurius jene der Isse, jener Nymphe, 
welche Diana nach Kallisto am meisten liebt. Mercurius hat 
zu wachen, damit die Dazwischenkunft Dianas oder Junos 
Juppiter nicht überrasche. Mercurius benutzt gleichfalls 
seine Maske, um die Nymphe Seluaggia zu überlisten. Es 
folgen dann dieselben Verwechslungen, wie im Amphitruo, und 



') La Calisto, nuoua fauola pastorale di Luigi Groto Cieco di 
Hadria. Nuouamente stampata. In Venetia (appresso Fabio e Agostin 
Zoppini Fratelli) 1583. — Eine Pastorale „Jupiter et Calisto" (1770) 
schrieb auch der Abbe Yoisenon. (Oeuvres complettes. Paris 1781. 
IH. Band. S. 97—113.) 



Groto Cieco. Pariati. 173 

Missverständnisse aller Art, da Apollo als Schäfer der Nymphe 
Isse seine Gefühle ausdrücken will und hald diese bald Mer- 
curius in ihrer Gestalt vor sich hat. Endlich entdecken sich die 
drei Götter vor einander, nnd das Schäferspiel endet zu allge- 
meiner Zufriedenheit. Die Nymphen können zwar nicht mehr 
als solche Dianen dienen; sie erhalten jede einen ihrer früheren 
Verehrer (Siluio und Gemulo), die trotz dessen, was vorging, 
überglücklich sind, ähnlich Amphitruo, der sein Gut mit dem 
Gotte teilte. 1 ) 

An Seltsamkeiten ist hier vieles zusammengetragen. Die 
Szene ist in „Parrasia, che si chiamo poi Arcadia''. Schon 
der Prolog weist auf Plautus hin: 

Qui parleran gli Dei, come giä in Plauto. 

Am Schlüsse des ersten Aktes singen die drei Grazien, am 
Schlüsse des zweiten vier Schwäne, am Schlüsse des dritten alle 
Bäume, am Schlüsse des vierten die Wolken. Am Ende (V, 3) 
löst Juppiter gewaltsam die Verwirrung, wie im Amphitruo: 

Horsü Diana per trarti di dubbio, 

Io son Gioue tuo -paare, <$• e Mercurio 

Quesli . . . 

La cagion del uenir nostro in Parrasia 

Fu 1' anior verso due de le tue uergiui, 

Ver Calisto, e Seluaggia. A queste pouere 

Ninfe ingannate dal uiso, e da 1' habito, 

Indi da noi con forte uiolentia 

Sforzate, da perdon. Verso lor placati, 

Poich' eile non ne ban colpa, anzi ramarico. 

Hin und wieder findet sich noch in der italienischen Litteratur 
ein Spiel von der Geburt des Herkules, wie z. B. das von 
Riccoboni (I, 160) angeführte „II Natale d'Ercole" (1605) 
des Michel Angelo Buonarroti, il giovine (geb. 1563), 2 ) des 
Neffen des grossen Meisters. Eine spätere Bearbeitung des Amphi- 
truo von Pariati (geb. 1665 in Reggio; gest. 1733 in Wien 
als „kaiserlicher Kammerdichter") erwähnt Vapereau. 3 ) Es ist. 
dies wohl nur ein Operntext, wie seine übrigen „tragicommedie 
per musica". 



') Ginguene. VI. 363. — Ruth. DZ, 615. 

2 ) Nach Allacci (S. 223): II Natal d' Ercole di Michelagnolo 
Buonaroti. Fauola rappresentata al Serenissimo D. Alfonso <r Este 
nella venuta sua ä Firenze. In Firenze nella stamperia de' Giunti. 
1605. 4°. — Vgl. Pro 1 ss. I, 2. 190; Crescimbeni, Ist. della volg-. poes. 
IV, 154. 

3 ) Vapereau, Diotionnaire universcl des Ktteratures. Tom. I, 
pag. 83. „Amphitryon, comedie de Piaute, imitee sous le meme 
titre par Moliere, Dryden et Pariati." — Es ist der bei G. Maffei, 



174 I- Amphitruo. 

An Übersetzungen nennt Argelati 1 ) jene von P. Don 
Mauro Sellori, anagrammatisch Romolo dal Seri, (Roma, 
Orazio Campana 1702) und zwei Manuskripte, deren eines von 
Mons. Niccolö Fortiguerra. Eine andere Übersetzung stammt 
von Pietro Piareta. 2 ) Eine Oper „ Anfitrione", Musik von 
Gasparini Francesco, wurde nach Clement 3 ) zu Rom im 
Jahre 1707 aufgeführt. 



In Frankreich war der Amphitruo des Plautus seit 
dem Jahre 1500 durch die Übersetzung von Jean Meschinot 
(f 1509) 4 ) in seinen poesies diverses (Brug. 4) bekannt. 
Charles Feau (geb. 1605 zu Marseille) griff in seinem Lust- 
spiele, „Brusquet I. Busquet II," zu einigen Szenen des 
Amphitruo 5 ) (um 1634.) Im Jahre 1638 erschien die erste 
vollständige Bearbeitung des Amphitruo für die französische 
Bühne von Jean Rotrou (S. 67) unter dem Titel „les 
Sosies." 6 ) 

In der Reihe der Szenen, im Dialoge, kurz durchweg 
folgt Rotrou fast wörtlich dem Plautus; nur einige Zu- 
thaten sind von ihm, so der etwas steife Prolog der Juno, in 



storia della letteratura italiana (Milano 1825) III, 163 genannte „Pietro 
Pariati, poeta di mediocrissimo merito". Er war einer der Gelegen- 
heitsdichter am kaiserlichen Hofe zu Wien, wo sein „Creso" (1723) 
und München, wo seine „la pubblica felicitä" (1722) erschien. Die 1752 
in Leipzig und Frankfurt erschienenen „Sechs Lustspiele nach dem 
neuesten Geschmack" enthalten als No 6 „Archelaus von Kappadozien 
aus dem Italienischen des Pariati". — Sein Amphitruo war mir 
nicht zugänglich. Auch Dr. Marcus Landau, der in seinem Buche 
„Die italienische Litteratur am österreichischen Hofe" (Wien, Gerold 1879) 
auf S. 44 — 47 von Pariati handelt, nennt seinen Amphitruo nicht. 
') S. 230. 231. 

2 ) Fabritius (Bibliothec. lat. medii aevi) I, 6. — E. Sommer, Les 
Comedies de Piaute. I. Bd. S. 4. 

3 ) Dictionnaire lyrique ou histoire des operas par Felix Clement 
et Pierre Larousse. Paris. Seite 40. 

4 ) Nach Sulz er HI, 192 & und LH, 704 b. Eine spätere Übersetzung 
von 1761 ist von Girauld. 

5 ) Siehe Beauchamps, Recherches n, 137. Comedie imitee du 
Sosie de Piaute, & tiree de l'eloge de Strozzi de Brantome vers 1634. 
Das Stück hatte einen kolossalen Erfolg nach den Mitteilungen des 
P. Bougerel. — Über Brusquet s. Oeuvres completes de Pierre de 
Bourdeilles, abbe et seigneur de Branthöme ed. Prosper Merimee 
et Louis Lacour. Paris 1858. Zweiter Band. S. 246 — 292. 

6 ) Die Jahreszahl 1638 trägt das „les Sosies" titulierte Exemplar. 
Paris (chez Antonie de Sommaville, au Palais, dans la galerie des 
Merciers ä l'Escu de France). Ebenso (aber les deux Sosies) bei Mo- 
land V, 9 und Ussing I, 231. — • Dagegen 1636 iu der Ausgabe von 
Th. Desoer. Paris 1820. III, 352—456. 



Jean de Rotrou. 175 

welchem sie ihrer glühenden Eifersucht Luft macht und ihrem 
Gatten in Herkules einen gefährlichen Nebenbuhler prophezeit. 

Lui-meme contre lui servira ma colere. 

Der erste Akt stimmt Szene für Szene mit dem Originale 
überein. Merkur hält vor dem Hause, als Sosia, in der dreifach 
langen Nacht Wache und jagt den verwirrten Sosia von dannen. 
Juppiter trennt sich von Alkmene. Ebenso ist der zweite 
Akt mit Plautus übereinstimmend; die thessala ancilla heisst 
hier Cephalie. In den dritten Akt ist als sechste Szene ein 
Gespräch Merkurs mit Cephalie eingeflochten. Der vierte 
Akt führt zum Streite Amphitryons mit Merkur. Sosia 
kömmt mit den Hauptleuten, die er auf Juppiter s Geheiss zum 
Mahle geladen hat. Er behauptet Amphitruo gegenüber, da 
ihn dieser zur Rede stellt, dass er ja selbst so befohlen habe, 
worüber dieser in heftigen Zorn gerät. Unterdessen tritt Juppiter 
aus dem Hause und begrüsst die Hauptleute. Beide Amphitryonen 
stehen sich gegenüber und berichten in sehr gelungenen Er- 
zählungen (IV, 4) von ihren Heldenthaten. Die Hauptleute ver- 
mögen nicht, den richtigen zu unterscheiden, sie folgen aber 
Juppiter, da der erste meint (IV, 4): 

L'avis oü je m'arrete 
Est de suivre celui chez qui la table est prete; 

und der zweite: 

Point, point d'Amphitryon, oü Ton ne dine point. 

Amphitryon wird aus seinem Hause hinausgesperrt. 

Im fünften Akte prügelt Merkur Sosia aus dem Hause, 
weil er sich in die Küche gewagt hatte. Diese schmähliche Be- 
handlung veranlasst ihn, sich in einem längeren Monologe für 
seinen Herrn, den wirklichen Amphitryon, zu entscheiden. Mit 
dem heroischen Entschlüsse (V, 1): 

Cherchous le malheureux et suivons sa fortune, 
Compaguon de son sort partageons son souci; 
S'il perit, perissons, s'il vit, vivons aussi. 

geht er, ihn zu suchen. Juppiter nimmt von Alkmene Ab- 
schied, um zum Könige Kreon zu gehen. Ahnungsvoll sagt ei- 
serner Gattin , dass ihr künftiger Sohn einmal für ein Kind 
Juppiters gelten könne (V, 2): 

Adieu, conserve-toi pour ce fruit precieux 
Qui va aaitre ä la terre ä la honte des cieux, 
Et dont j'osois predire et non sans conuoissance, 
Que Jupin sera cru l'auteur de sa uaissance. 



176 I- Amphitruo. 

Indessen die drei zurückgebliebenen Hauptleute über das 
Wunder der beiden Amphitryonen sprechen, naht Amphitryon 
mit Sosia und den Wachen des Königs Kreon, um gewaltsam 
in das Haus zu dringen. Ein mächtiger Donnerschlag schleudert 
sie zu Boden. Cephalie tritt aus dem Innern des Hauses und 
berichtet, wie Alkmene schmerzlos zwei Knaben geboren habe. 
Unter wiederholtem Donner öffnet sich der Himmel, Juppiter 
klärt alles auf. Amphitryon, der anfangs noch sehr wenig er- 
baut schien und (V, 5) äusserte: 

Je plaindrois mon homieur d'un affront glorieux, 
D'avoir eu pour rival le monarque des Dieux! 
Ma couche est partage, Alcmene est infidele, 
Mais l'affront en est doux, et la honte en est belle. 
L'outrage est obligeant ; le rang du suborneur 
Avecque mon injure accorde mon honneur. 

fügt sich trotz des bedenklichen Wortes (V, 6): 

Alcmene . . . 

Peut entre ses honneurs conter un adult'ere ; 

Son crime la releve, il accroit son renom . . . 

wobei „adultere" und „crime"' spitzig genug klingen; auch der 
erste Hauptmann sagt ihm: 

Vous partagez des biens avecque Jupiter. 

Nur Sosia meint, wohl im Einklang mit dem Zuschauer, : 

Cet honneur, ce me semble, est un triste avantage : 
On appelle cela lui sucrer le breuvage. 

Wie schon die Inhaltsangabe zeigt, hat Rotrou Plautus 
vollständig kopiert. Man könnte den lateinischen und franzö- 
sischen Text neben einander stellen; der letztere ist nur eine 
poetische Übertragung des Originals. Selten, dass er eine 
etwas zu derbe Stelle des Urtextes (z. B. V. 666 ff.) unterdrückt 
oder einige Worte des Dialogs halber einflickt. Stets schliesst er 
sich aufs engste an Plautus an, selbst in minder verständlichen 
Ausdrücken, wie z. B. (I, 3): 

Toi qui portes Vulcain en cette corne esclave . . . 

nach 7. 341: 

Tu, qui Volcanum in cornu conclusum geris. 

mit Hinweis auf die Hornlampe, welche Sosia trägt. 1 ) 



') Diese Hornlampe, die wohl auch Aulularia III, 6 unter la- 
terna Punica gemeint ist (vgl. Rapp, Die plaut. Lustsp., S. 875), gehörte 



Jean de Rotrou. 177 

Freier waltet Rotrou da, wo die Lücke des Originals ihm 
das Recht zu völlig selbständiger Arbeit einräumte, in den ein- 
leitenden Worten Junos und, wo er einige Zwischenreden Mer- 
kurs, wie die Einführung in die erste Szene, die vierte 
Szene des ersten Aktes u. a. m., wesentlich zusammenzog und 
ans dem erläuternden Prologe des plautinischen Merkur zum 
grossen Teile bühnengerechte Monologe machte. So ist es 
Rotrou gelungen, ein ganz vortreffliches Bühnenstück moderner 
Gestaltung zu schaffen, das mit grossem Beifälle aufgenommen 
wurde. 1 ) 

Amphitryon hielt sich auf der Bühne und vorzüglich als 
Ballet. Im Jahre 1(350, kurz vor seinem Tode,-) setzte Rotrou 
selbst ein grossartiges Maschinenstück „laNaissance d'Hercule" 
für das Maraistheater in Szene, dessen Beschreibung sich bei 
Rene Baudry 3 ) findet, und in welchem, dem Originale zuwider, 
einige Erweiterungen der Handlung vorkommen. Im vierten 
Akt macht Juno Lärm unter den Unsterblichen, und im fünften 
kömmt, statt der mythologischen zAvei Schlangen, ein ganzer 
Schwärm gegen das Kind Herkules, dem Juppiter seinen 
Adler zu Hilfe schickt, um die Schlangen zu vernichten. Man 
sieht die Absicht, zunächst Maschinen zu verwenden. 

Am 23. Februar 1653 wurde das grossartige „Ballet de 
la Nuit" von Benserade, 4 ) in Szene gesetzt von Torelli, 
vor dem Hofe zur Feier des glücklichen Feldzuges von 1652 
aufgeführt. In diesem findet sich die Pantomime (comedie 
muette) des „Amphitryon" als sechste ., entree" der zweiten 
„veille". 

M. Hesselin als Juppiter leitete das Ballet mit folgenden 
bezeichnenden Versen ein: 



zu den unentbehrlichen Requisiten der Amphitryonenauf'führungen. Iü 
der Bibliotheque nationale zu Paris findet sich (Man. Fol. 24, 330) ein 
Register mit dem Titel: „Memoire de. plusieurs decorations qui servent 
aux pieces contenues en ce present livre, comence par Laurent Ma- 
helot et continue par Michel Laurent en l'annee 1673. Dort finden 
sich als Requisiten zu (Molieres) Amphitryon: „Le theätre est une 
place de ville. II laut im balcon, dessous une porte; pour le prologue, 
une machine pour Mercure, un char pour la Nuit. Au troisieme acte, 
Mercure s'en retourne et Jupiter sur son char. II faut une lanterne 
sourde, une hatte." S. Despois, le theätre francais sous Louis XIY. 
(Paris 1874), pag. 414. 

') Lotheissen. H, 184. 

-) Guizot (Corneille et son temps), pag. 373. On a aussi le des- 
sein du poeme de la grande piece de machine de la „Naissance d'Her- 
cule", deruier mivrii^e de M. Botroii, represcnte sur le theätre du Marais 
et imprime eu 1649. C'est probablement un ballet d'Amphitryon. 
i Bioland. V, 9. 

4 ) Moland. V. 10.11. Siehe Fournel, Les Contemporains de ftfo- 
liere. Bd. II. S. 353—406. Vgl. auch ebenda S. 219. 281. 

12 



178 I- Amphitruo. 

Daus le ciel oü je suis, regne une paix profonde; 

La donnant ä nies sens ce qu'ils veulent d'abord, 
Sans trop m'inquieter des affaires du monde, 
J'en laisse la conduite au sort. 
Assez commodenient, de crainte qu'il m'ennuie. 
Je prends les passetenips les plus delicieux 
Et pour mes Danaes j'ay toujours de la pluie, 
Ce que n'ont pas les autres dieux. 
Je gouste le nectar bien mieux qu'ils ne le goustent, 
Et, plaignant les mortels qui s'attachent au bien, 
Quand ce n'est que de l'or que mes plaisirs me coustent. 
Mes plaisirs ne nie coustent rien. 
Je scais vivre ä ma mode, et rien ne m'importune ; 
A tout ce que je veux, on ne dit jamais non, 
Et sgavez-vous quelle est ma meilleure fortune? 
C'est que je n'ay point de Junon. 
Personne dans mon ciel ne me cliante ma gamme, 
De foudre et de tonnere il ne m'en faut point lä; 
Mais si je m'avisois d'epouser une femme, 
J'aurai bientost de tout cela. 

Konnte man Ludwig 1 XIV. greifbarer zeichnen? 

Über die weiteren Personen des Ballets führt Fournel 1 ) 
an: Outre Jupiter, Alcmene et Bromia, dont les costumes n'ont 
rien de particulier, le dessinateur a reproduit ici Amphitryon 
avec la physiognomie et l'habit d'un Sganarelle, ptiis So sie en 
casaque de valet, semee de plaques rondes de diverses couleurs. 
On voit aussi le docteur, ealque sur le type de la comedie 
italienne. 

Die Pantomime hat vier Akte. Der erste behandelt den 
Abschied Amphitruos, der mit seinem Diener Sosia abreist. 
Der zweite Akt erinnert vollständig an Camöes. Hier klagt 
Juppiter dem Merkur seine Liebe zu Alkmene und erhält 
von ihm den Rat, sich in Amphitryqns Gestalt zu verwandeln. 
Alles Übrige ist nach Plautus gearbeitet. Verwickelung und 
Lösung ist in den vierten Akt gelegt. 

Diese Amphitryon ballets wurden im achtzehnten Jahr- 
hundert ziemlich häufig. So findet sich z. B. Amphitryon, 
hallet hero-comique en trois actes en vers libres par M. (Venard) 
de la J(onchere); 2 ) früher schon wurde ein Ballet Amphitrion 
im Jahre 1680 aufgeführt. 3 ) Oft auch sind es Vaudevilles 
gewoi - den, wie der Amphitryon, parodie de piece en musique 
en trois actes avec prologue en pantomime et couplets de vaude- 



') A. a. 0. S. 382, Amn. 

2 ) Im ersten Bande S. 179—228 des Tlieätre lyrique de M. de 
la J. in 8°. Paris, veuve Duchesne, Jombert fils. 

3 ) Beauchamps, Kecherches HE, 82. „Amphitrion avec des 
entrees de ballet. Composees par le sieur Beauchamp, & des recits 
chantes par les demoiselles de S. Christophe, Reber & les sieurs 
Morel et Lange ais, represente ä l'hötel de Condö . . . 



Molieres Amphitryon. 179 

villes par M. Raguenet: dargestellt auf dem Theater von Lille 
am 11. Januar 1713 1 1 ) oder der ungedruckte Amphitryon, ou 
les deux arlequins piece en trois actes., tonte en vaudeville par 
l'abbe Pellegrini, dargestellt von der „troupe de Pellegrini" ä 
la foire Saint-Germain den 3. Februar 1714. 2 ) 

Rotrous „les Sosies" waren, ob sie auch noch „dem 
Plautus in höchst mechanischer Weise nachgedichtet" 3 ) waren, 
ein gerne gesehenes Stück, bis sie durch Molieres (S. 67) 
Meisterwerk von der Bühne verdrängt wurden. Am 13. Januar 
1668 4 ) kam die Neubearbeitung Molieres „Amphitryon" auf 
die Bretter und wurde neun und zwanzigmal nach einander auf- 
geführt. 5 ) Mit Molieres Bearbeitung war der Amphitruo 
ein Stück für die ganze Welt geworden. Über das Ver- 
hältnis Molieres zu Plautus kann man sich kürzer fassen, 
da es vielfach schon Gegenstand eingehender Erörterung ge- 
worden ist. 6 ) 

Molieres Lustspiel umfasst drei Akte. 7 ) Mercure und 
die Nacht führen den Zuschauer in die Situation ein. So sie 
tritt auf, um seiner Herrin Alcmene Kunde von ihrem Gatten 
zu bringen; er wird jedoch von Mercure mit Schlägen fern- 
gehalten. Juppiter nimmt von Alcmene Abschied. Den Schluss 
des Aktes bildet die Begegnung Mercures mit Cleanthis, einer 
Gesellschafterin Alcmenes, die an So sie verheiratet ist. Sie hält 
Mercure für ihren Gatten und ist über seine Kälte stark erzürnt. 

Mit dem Beginne des zweiten Aktes erzählt So sie seinem 
Herrn Amphitryon, was er erleben musste. Dieser ist sehr 
zornig über den Bericht, dem er keinen Glauben beimisst. Noch 
während er den Sklaven schilt, naht Alcmene. Die beiden 
Gatten können sich nicht verständigen und scheiden aufgebracht 
von einander. Dieselbe gelungene Szene wiederholt sich zwischen 
So sie und Cleanthis, welche ihrem Manne in der gleichen 
Weise sein voriges Benehmen und die kalte Begrüssung bei 



') Gedruckt in 12° zu 23 Seiten ohne Angabe des Druckorts. 

2 ) S. für alles die Nachweise im Dictionnaire universel du 
Theätre en France von Gaizet uud Burtal. Erster Teil. S. 141. 

3 ) Mahrenholtz. S. 65. 

■i Irrtümlich ist der 16. Januar genannt in C. Humbert, Ge- 
schichte des Tartüffe in „Zeitschrift für neufz. Sprache" 1881. JJJ, 1. 56. 

5 ) Moland V, 16. 

Vgl /.. B. Rapp, Die plant. Lustspiele. VI, pag. 810—816. 
Mahrenholtz, in Herrigs Archiv, ">i>. Bd., S. 250 ff. — Mahren- 
holtz, S. 225-230 u. 351—355. - - Moliere, Sein Leben und seine 
Werke von F. Lotheissen. Pkf. ;i M. 

7 ) Der erste Druck von 166s bei Ribou. — Ausgabe von Moland 
1864, s. S.116, Anm.5 — Oeuvres de Moliere, uouvelle edition par Eugene 
Despois et Paul Mesnard. Paris (Hachette) 1881. Sechster Band. 
S. 309—172. 

12* 



1 80 I. Amphitruo. 

seiner Ankunft vorwirft. Juppiter gelingt es indessen, Alc- 
mene wieder zu versöhnen, während Cl6"antliis bei So sie 
weniger Erfolg hat. Er . will sich nicht beschwichtigen lassen, 
vielmehr ruft er (II, 7): 

Je veux etre ä raon tour en colere. 

Im dritten Akte hält Mercure den Amphitryon in 
grober Weise von seinem Hause ferne, indem er ihm wiederholt 
die Versicherung giebt, Amphitryon sei bereits drinnen bei 
Alcmene. Unterdessen hat Sosie auf Juppiters Befehl die 
Offiziere des Heeres eingeladen, von denen zwei — Naucrates 
und Polida s — eben recht kommen, um Sosie vor dem gegen 
ihn Avütenden Amphitryon zu schützen. Juppiter tritt aus 
dem Hause und steht so Amphitryon gegenüber. Die Offiziere 
gehen mit Juppiter zur Tafel, Amphitryon eilt ab, um seine 
Freunde zu versammeln. Eine Szene zwischen Mercure und 
Sosie giebt ihm hierzu Gelegenheit. Alsbald kömmt er mit 
Offizieren des Heeres — Argatiphantidas und P au siel es — 
zurück. Cleanthis, die aus dem Hause tritt, sieht zu ihrem 
Entsetzen vor sich ihren Herrn, den sie soeben erst innen sah. 
Endlich giebt sich Mercure zu erkennen, worauf auch Juppiter 
aus seiner Verwandlung tritt und die Geburt eines „Hercule" 
in Aussicht stellt. 

Die Worte, die Juppiter gebraucht (IH, 11): 

Un partage avec Jupiter 

N'a rien qui deslionore; 
Et, sans doute, il ne peut etre que glorieux 
De se voir le rival du souverain des dieux, 

sind eigentlich dasselbe, was Mercure dem Sosie als Trost für 
seine ausgestandenen Prügel sagt (III, 10): 

Et les coups de bäton d'un dieu 
Font honneur a qui les endure. 

Der ganze Vorgang verdient die witzige Bemerkung des 
Sosie, die sprichwörtlich geworden ist und fast bei allen Zeit- 
genossen Moli er es wiederkehrt: 

Le seigneur Jupiter sail dorer la pilule 

und sein Schlusswort : 

Sur telles affaires toujours 

Le meilleur est de ne rien dire. 

Hat Moliere auch das Sujet des Plautus benützt, so hat er 
dabei doch etwas völlig Modernes geschaffen. Vielfach hat man 
(z. B. Paul Lindau) in Juppiter den König Ludwig XIV., in 



Molieres Amphitryon. 181 

Alcmene die Madame de Montespan und im Amphitryon 
ihren Gatten sehen wollen, 1 ) wogegen allerdings die letzte Szene 
zu sprechen scheint. 2 ) 

Bei der Modernisierung des alten Stoffes ist Moliere mit 
aller ihm eigenen Feinheit und Bühnenkenntnis zu 
Werke gegangen und hat so ein reizendes Stück geschaffen. 3 ) 
Sein Juppiter ist der galante, feine Franzose, der Mann seines 
Zeitalters, so zwar, dass er sich den Tod gehen wollte, gelänge es 
ihm nicht, Alcmene umzustimmen (II, 6): 

He bien! puisque vous le voulez, 
II faut donc me charsrer du crime. 



S'il n'est point de pardon que je doive esperer, ■ 
Cette epee aussitöt, par un coup favorable, 
Va percer ä vos yeux le coeur d'un miserable. 

Einige Zwischenreden des plautinischen Merkur mussten ge- 
kürzt werden, andere Szenen erforderten eine Erweiterung; an 
Stelle des Bechers des Pterelas erschienen hier: 

Cinq fort gros diamants en nceud proprement mis, 
Dont leur chef se paroit, comme d'un rare ouvrage. 

(I, 2; II, 1.) 

Jedenfalls eine der glücklichsten Ideen Molieres 
war es, auch dem Sosie eine Frau in Cleanthis zu 
geben, ein Punkt, um den auch Shakespeare in seinem „Comedy 
of Errors" die plautinischen Menaechmi erweiterte. Zweifel- 
haft mag es allerdings bleiben, ob wie, Rapp 4 ) und Auger 5 ) 
vermuten, hierzu der Vers des Plautus (F. 659): 

Quid? me non rere expectatum amicae uenturum meae? 

dem Dichter Veranlassung gab. Sollte einem so bühnengewandten 
Lustspieldichter wie Moliere nicht vor Augen geschwebt haben, 
wie drastisch das Verhältnis des Dieners Sosie zu seinem Weibe 



1 ) Roederer, Memoires pour servir ä l'histoire de la societe polie 
en France. 1835. (Cap. XXII.) — Moland, Bd. I, pag. 202. Diese An- 
nahme hat sogar ein neueres, hübsches Lustspiel veranlasst, „Moliere 
• t .Montespan", comedie en un acte et en vers von Frangois Fabie, 
am 15. Januar 1879 aufgeführt. Der Marquis de Montespan will 
Moliere prügeln, weil er seine Gemahlin biossgestellt habe. (Vgl. 
Molieriste. DJ, 371. 372.) 

2 ) Moland. V, 123, Anm. 1. — Gerusez, Histoire de la litt, frang., 
pag. 338. — Mah renholt z. S. 226. 227. — Ausg. von Despois. S. 316 
—326. — Lotheissen. IV, 49. 

3 ) Vgl. ein Urteil von Alex. Dumas über Amphitryon im Mo- 
lieriste. II. S. 343. 

4 ) Rapp. VI. S. 812. 

5 ) Moland. V. S. 57. 



182 I- Amphitruo. 

sich von dein des Herrn Amphitryon zu seiner Gemahlin ab- 
heben würde? Besonders wo so hübsche Gegensätze, wie die 
feurige Cleanthis und der kalte So sie, den Moli er e selbst 
spielte, den liebesglühenden Gatten Amphitryon und Alcmene 
einander gegenüber standen. 

Zur Klage der Cleanthis über So sie (II, 3): 

Enfm ma flamme eut beau s'emanciper, 
Sa chaste ardeur en toi ne trouva rien que glace; 
Et dans un tel retour, je te vis la tromper 
Jusqu'ä faire refus de prendre au lit la place 
Que les lois de Thymen t'obligent d'occuper, 

(und ähnlich I, 4) passt der feurige Juppiter, und die Ver- 
söhnung Juppiters und A lernen es (II, 6), die Folge leiden- 
schaftlicher Liebe, hat ihr Gegenbild bereits in der nächsten 
Szene (II, 7) an dem Trotze des So sie. 

Ebenso wie Rotrou musste Moli er e nach den Erforder- 
nissen seiner Bühne einiges dem Zuschauer in veränderter Gestalt 
vorführen. Eine „Alcumena satura" (F. 666) entsprach den 
ästhetischen Anschauungen jener Tage nicht mehr: 

L'hymen ne les a joints que depuis quelques jours, 
erzählt M er eure der Nacht im Prologe; und da es galt: 

sans cesse 
Garder le de'corum de la divinite, 

wie sich die Nacht ausdrückt, so durfte die Handlung an sich 
keinen Anstoss geben. 

Moliere hat mit Plautus und Rotrou frei geschaltet. 
Der wörtlich dem römischen Dichter entnommenen Reden sind 
nicht viele , wie z. B. : 

V. 388. Sos. Opsecro ut per pacem liceat te adloqui, ut ne uapulem. 
Merc. Immo mdutiae parumper flaut. 
I, 2. Sos. Mais promets-moi, de gräce, 

Que les coups n'en seront point. 
Signons une treve. 
Merc. Va, je t'aecorde ce point. 

oder die bekannte Szene mit dem Weine, mit der Äusserung: 

V. 431. Mira sunt nisi latuit intus illic in illac hirnea. 
I, 2. Et l'on n'y peut dire rien, 

S'il n'etoit dans la bouteille. 
oder : 

F. 603. Prius mnlto ante aedis stabam quam illo adueneram. 
I, 2. J'etois venu, je vous jure, 
Avant que je fusse arrive. 

und dergleichen. 



Molieres Amphitryon. Ig3 

Dagegen dankt Moliere seinem Vorgänger Rotrou fast den 
ganzen Aufbau und die Szenerie, ja sogar den Dialog des 
Stückes, wenn man auch mit Mahrenholtz (S. 355) zugeben 
muss, dass dies „auf das gemeinsame Original zurückzu- 
führen" ist. Gemeiniglich nehmen sich in solchen Fragen die 
Literarhistoriker ihrer Lieblingsschriftsteller mit besonderer Wärme 
an. Während der Herausgeber Rotrous (1820) sogar vermutet, 
Moliere habe seinen Amphitryon in freiem Metrum geschrieben, 
um sich des Vorwurfes des Plagiates zu erwehren, 1 ) wie ihn 
Grimarest vorbrachte, glaubten andere, Rotrou herabsetzen zu 
müssen, was Despois (Ausg. S. 334) genügend zurückgewiesen 
hat. Moliere hat auch sonst Rotrou benützt, 2 ) vor allem aber 
ist dies im Amphitryon geschehen, 3 ) wo besonders witzige 
Worte passend verwertet wurden. 4 ) 



') Oeuvres de Jean Rotrou. 111,357: „Ces imitations seroient en- 
core plus remarquables, si la piece de Moliere eüt ete ecrite en grauds 
vers comme celle de Rotrou. Peut-etre meme Moliere n'a-t-il 
ecrit son Amphitryon en vers libres qu'afin de pouvoir s'em- 
parer plus facilemeut des idees de son predecesseur sans se 
faire accuser de plaglat." 

2 ) Vgl. Lotheissen. II, 361. 

3 ) Vgl. dagegen Mahrenholtz S. 351. „Moliere hat Rotrous Stück 
jedenfalls gekannt und einzelne ganz ungefähre Reminiszenzen und 
Anklänge gebe ich namentlich bei I, 3 u. V, 1 (Moliere I, 2; III, 7) zu. 
Von einer geflissentlichen und bewussten Nachahmung kann aber 
nicht die Rede sein." — ; Vgl. auch Despois (Ausg.) S. 332. 

4 ) Guizot (Corneille et son tempsj pag. 381. „On a beaucoup 
parle de ce que 1' Amphitryon de Moliere avait du aux Sosies de Rotrou, 
mais sans faire attention, que les principaux traits de la ressemblance 
qu'on apercoit entre les deux ouvrages se trouvent egaleraent dans l'ori- 
ginal de Piaute. Ce que Moliere a pu emprunter ä Rotrou, ou, comme 
lui, ä quelque auteur plus moderne, se borne ä deux ou trois vers*) et 
ä l'idee de la scene oü Mercure chasse de la maison Sosie, qui s'est in- 
troduit pour diner. Dans le reste de la piece, Rotrou suit pas ä pas 
le poete latin en elaguant quelques details sans interet pour nous et en 
rendant d'une maniere assez plaisante, ceux qui peuvent nous convenir; 
mais il ne se les approprie point, comme Moliere, par ce tour de plai- 
santerie vif et naturel, et par ces heureuses additions qui fönt d' Amphi- 
tryon im ouvrage original qu'on ne peut disputer ä la scene frangaise; 
Rotrou s'est contente de traduire, avec assez de goüt, ce que Moliere a 
depuis imite avec genie." 

*) Tels que celui-ci: 

Si l'on niangeoit des yeux, il m'auroit devore (Sos. IV, 2) 
Si des regards on pouvoit inordre, 
XI m'auroit dej'a devore. (Ampliit. III, 2.) 
et celui-ci que Rotrou met dans la bouche de l'un des capitaines invites par Jupiter, au noni 
d' Amphitryon: 

Point, point d'Amphitryon, oh l'on ne dine point (Sos. IV, 4) 
ce qui est beaucoup plus convenablement dans la bouche de Sosie: 
Le vdrituble Amphitryon 

Est l'Amphitryon oü l'on dine. (Ampli. III, 5.) 
La re'rlexion du Sosie de Moliere: 

Le seigneur Jupiter sait dorer la pilule (III, 11) 
est encore imite"e de celle-ci du Sosie de Rotrou, qni ne l'a point trouve'e dans Piaute: 

On appelle cela lui sucrer le brcuvage. (Sos. V, 6.) 
Vgl. auch Mo Und. V, 2ti. 38. 118. — 



184 I- Amphitruo. 

Allous, mais que les coups, s'il se peut, n'en soient plus 

bittet So sie (II, 1). 

Point, point d'Amphitryon oü l'ou ne dine point. 

ist die Entscheidung des Hauptmanns (IV, 4). 

On appelle cela lui sucrer le breuvage (V, 6), 

was wiederkehrt bei Moliere: 

Mais promets-nioi de gräce, 

Que les coups n'en seront point (I, 2). 

Le veritable Amphitryon 

Est 1' Amphitryon oü l'on dine (III, 5). 

Le seigneur Jupiter sait dorer la pilule. (III, 11.) 

Die ausserordentlichen Vorzüge des Moliere'schen Amphitryon 
haben ihn bis auf den heutigen Tag der Bühne erhalten. Am 
15. Januar 1871 zur Zeit der Pariserokkupation wurde er dort 
zu Molieres Gedächtnis gespielt; am 2. April 1878 gab Sarah 
Bernhardt die Alcmene. 1 ) 

Die Versifikation Molieres in diesem Stücke ist 
ein Meisterwerk ohne Gleichen.' 2 ) Die Zeitgenossen sahen 
im Amphitryon eine hervorragende Bühnenleistung, 3 ) bald auch 
folgten Übersetzungen desselben in die fremden Sprachen. 4 ) 



l ) Despois (Ausg.) S. 345. 346. 347. 

-) Vgl. u. a. Voltaire, Ecrivains du siecle de Louis XIV. (Moliere.) 
L' Amphitryon est un recueil d'epigrammes et de madrigaux faits avec 
un art qu'on n'a point imite depuis. — A. Vinet, Poetes du siecle de 
Louis XIV. (Paris 1861), nennt (pag. 387) den Amphitryon Molieres „une 
merveille sous le rapport de la versification". 

3 ) De Vise, ein Freund des Thomas Corneille, rühmt von sei- 
nem „Bacchus et Ariadne", „d'avoir su joindre le comique au serieux: 
ce qu'il n'etait vu que dans Amphitryon". — M. Hippol. Lucas, 
Histoire philosophique et litteraire du theätre francais. (Paris 1862.) 

4 ) Dr. Heinr. Schweitzer, „Moliere und seine Bühne", I. Heft 
(Lpz. Thomas 1879), pag. . XXXV. „Den Ruhm, zuerst die einzelnen 
Stücke übersetzt zu haben, teilen wir allerdings mit den Holländern. 
Von 1670 datiert auch ihre Übersetzung des Amphitryon von Ab r. 
Peys, der auch Corneille und Rotrou übersetzt hat." — Die Holländer 
haben indes den Amphitruo sonst nicht nachgeahmt. — Despois (Ausg.). 
S. 351, führt an Übertragungen des Amphitryon auf: deux hollandaises 
(1670. 1679?), deux suedoises (1745. 1786), deux danoises (1724. 1879?), 
trois russes (l'une fut representee ä la cour de Pierre le Grand ä la fin 
du XVH e siecle, les deux autres sont de 1768 et de 1874), deux polo- 
naises (1783. 1818), une roumaine (1835), une en grec moderne (1836). 
Dazu wäre anzufügen die imgarische von Kernen y Käroly, Amphi- 
tryon 1879. (Schweitzer a. a. 0. IH, 88.) — Molieriste. I, 350: 
„M. Richard Kauffmann, ecrivain danois des plus spirituels et des 
plus lettres, vient de publier une traduction danoise de 1' Amphitryon de 
Moliere. Cette traduction a ete representee pour la premiere fois sur 
le theätre royal de Copenhague par les comediens ordinaires du roi le 
10 septembre 1878. Voici le titre danois du livret de M. Kauffmann: 
Amphitryon, Komedie paa rimede vers af Moliere. Oversat af Richard 
Kauffmann. Kjöbenhavn. C. A. Reitzels Forlag 1879. (Vgl. auch 
Schweitzer a.' a. O. II, 210.) 



Molieres Amphitryon. 135 

Die Frage, ob Plautus, ob Moli er e Bedeutenderes ge- 
leistet habe, bat viele beschäftigt. 1 ) Madame Dacier und nach 
dem Zeugnisse des Monchesnay Boileau 2 ) traten für Plau- 
tus ein, Bayle und Auger für Moliere. Treffend bemerkt 
J. Naudet, der Übersetzer des Plautus über die beiden Lustspiele: 
„Ce sont deux spectacles tout divers sur un seul fond comique. 
Les deux auteurs ont bien fait chacun pour le goüt de son temps 
et de son pays;" 3 ) und Lessing in den „Beiträgen": ..Wenn 
ein Meister, wie Moliere war, einen Plautus zum Vorgänger 
hat, so ist es ja kein Wunder, wenn er ihn übertrifft. Wo man 
auf das Gute nicht sinnen darf, da kann man leicht auf die Ver- 
meidung der Fehler denken." 

Bei Plautus steht oben an die religiöse Mythe. Er glänzt 
durch mehr Witz, ob dieser auch oft derber wird. Moliere hat 
ein treffliches Intriguenstück geschaffen, wenn auch der Schluss 
vielfach seltsam berührt. Ohne dem Originale etwas zu ent- 
ziehen , ohne irgend welche tiefer einschneidende Änderungen 
schrieb Moliere eine feine Komödie, die nur unter der Hand 
eines solchen Meisters so biegsam und geschmeidig werden konnte. 

Welcher Amphitryon es war, dem im Jahre 1681 der 
Dauphin und seine Gemahlin beiwohnten, lässt sich nicht fest- 
stellen. In der Correspondance de Roger de Eabutin, 
comte de Bussy, avec sa famille et ses amis . . . par Ludovic 
Lalaune. V. Band (Paris 1859), S. 245, heisst es in einem 
Brief des Marquis de Bussy vom 6. März 1681: ,.De lä ils (der 
Dauphin und seine Gemahlin) allerent chez M. M. Malo, pres des 
Jesuites de la rue Saint-Antoine (in Paris) voir un petit opera 
de la comedie d'Amphitryon avec des entr'actes en 
musique." 

Es scheint also, die Bühne den Amphitryon bereits lange 
als Oper gesehen zu haben, ehe der bekannte Komponist des 
Richard Löwenherz ihn in Musik setzte. Am 15. März 1786 4 ) 
liess Andre-Erneste-Modeste Gretry (geb. den 11. Februar 
1741: gest. 1813) zum ersten Male aufführen: Amphitryon, 
opera en trois actes. Der Text hierzu ist von dem Dichter Ch. 
S^daine (geb. 2. Juni 1719; gest. 17. Mai 1797), der u. a. auch 
den Text zu Richard Löwenherz lieferte. Sein Amphitryon 
ist indessen den Ausgaben seiner Werke nicht beigegeben, und 



') Siehe darüber auch M. Hipp. Lucas. 1. c, pa<>\ 190. 

2 ) Moland. V. 11. 

3 ) Ebenda. V. 124. 

4 ) Diese Aufführung hatte vor dem Hofe von Versailles statt; eine 
weitere am 15. Juli 1788 in der Akademie. (M. L. Moland, Theätre 
de Sedaine. Paris (Garnier Freres) 1878. Iutroduetion pat»-. XIX. — 
Despois (Ausg.) S. 351. — Schweitzer a. a. 0. f. XXXVII, 2: 



186 I- Amphitruo. 

auch der Recueil general des operas bouffons qui ont 6t6 
representes ä Paris (Lieges 1777) enthält ihn nicht, obwohl 
sich in ihm viele Operetten und Singspiele Sedaines finden. Die 
schwache Arbeit Gretrys 1 ) errang wenig Erfolg 2 ) und zählt zu den 
vergessenen Tondichtungen, was wohl Ursache ist, dass auch die Par- 
titur der Oper schwer zu bekommen und mir nicht zugänglich war. 
Noch am 5. April 1875 wurde in Paris eine Oper „Amphi- 
tryon" aufgeführt (paroles des. Mss. Beaumont et Nuitter, 
Musik von Lacome), die indessen keinen Beifall errang. 3 ) 



Der englischen Litteratur ist der Amphitruo gleichfalls 
nicht fremd geblieben. Spuren desselben finden sich in mehreren 
älteren Stücken. Das oben (S. 75) erwähnte Interlude von 
Jack Juggler, 4 ) das wahrscheinlich unter Edward VI. (1547 
— 1553) gespielt wurde, 5 ) beruht auf Szenen des Amphi- 
truo. 6 ) Zwar hat sich der unbekannte Dichter wenig an das 
Original gehalten, 7 ) doch aber gesteht er im Prolog seine 
Abhängigkeit von Plautus: 



') F. Crozet, Revue de la musique dramatique en France (Gre- 
noble, Paris 1867), pag. 44. C'est une des faibles produetions de Gretry; 
eile contient cependant plusieurs airs remarquables, notamment l'air: 
„C'est au plus grand des immortels" et celui-ci „Jupiter dans le ciel 
meme". S. auch pag. 469. — Clement, dict. lyrique, p. 38. 

-) Crozet, 1. c, pag. 413. Ces ouvrages ont eu peu de succes et 
n'ont rien ajoute ä la reputation de leur auteur. 

3 ) Vapereau, Les annales du theätre et de la musique. I. annee 
(1875). Paris 1876. S. 423. 

■i A uew Enterlued för | Chyldren to playe, named Jacke Jugeler, 
both | wytte, and very playsent. Newly | Imprented. | The Players names.j 
Mayster Boungrace. A galant | Dame coye. A Gentelwoman. | Jacke 
Jugler. The vyce. | Jenkin careaway. A Lackey. | Ales trype and go. 
A mayd. — Herausgegeben von Joseph Haslewood. Kent 1820, und 
auf S. 1 — 49 der Four old Plays. Herausgegeben von Francis James 
Child. (Cambridge, George Nichols 1848.) 

•') Klein. XHI, 113. — Child, Introd. VIII, IX. 

«) Collier, Hist. Dram. Poet, n, 366. 

7 ) Child, Introd. XI. Jack Jugler can hardly be called an imi- 
tation of the comedy of Plautus. It is the play ofAmphitryon 
without the part of Amphitryon, and resembles more than any 
thing eise one of those pieces made up of the comic portions of plays, 
which used to be called „drolls". In fact, Jack Jugler is a caricature 
even of the comic parts. All dignity is stripped from the characters, 
every ridiculous feature is much exaggerated, and the language and 
ineidents are ingeniously vulgarized to reduce every thing to the gro- 
tesque, the quaintness of the expressions greatly heightening the enect 
to a modern reader. The amiable Alcmena becomes „a verie cursed 
shrew". General Amphitryon sinks into Master Boungrace, a common- 
place „gentilman", somewhat subjeet, we suspect, to being imposed upon 
by his wife and servants. Bromia, the insignificant and well-conducted 
attendant, is changed into the smart and malicious Aulsoon tripe and goo. 



Interlude von Jack Juggler. 187 

And for that purpose onlye this maker clid it write 
Taking the (/räumt therof of Plautus first commedie 

And the first sentence of y c same for higher things endite 
In no wise he wold, for yet the time is so quesie 
That he that speaketh best, is lest thanke worthie 
Therfore . . . 

u. s. w. Die Rolle des plautinischen Merkur spielt Jack Juggler. 
Er hat sich in die Kleider des Jenkin Careaway, des Dieners 
des Mai st er Boungrace, gesteckt, um diesem einen Streich zu 
spielen : 

I passed by, and then called vnto my mynd 

Sartayne old rekeaninges that were behynd 

Betwin Jenkine & nie, whom partlie to reconrpence 

I trust by gods grace, ere I goo hence 

This garruents, cape, and all other geare 

That now you see, apon me here 

I have doon oon, all lyke vnto his 

For the nons, and my purpose is 

To make Jenkine byliue yf I can 

That he is not him seife, but an other man 

U. s. w. 

Careaway, der Soi-genlose: 

„My name is Careawaie, let all sorow passe,'' 

tritt auf. Er hat von seinem Herrn Boungrace einen Auftrag 
an seine Herrin, Dame Coye, zu überbringen: er hat sich aber 
unterwegs verhalten. Während er über die Lüge nachsinnt, die 
ihm hinaushelfen soll (hie cogitabundo similis sedeat), und dann 
an die Thüre seines Hauses klopft (hie pulset ostium), tritt ihm 
Jack Juggler entgegen, und es folgt eine dem Plautus nach- 
geahmte Szene, bei welcher Jenkin Careaway den Sosia des 
Amphitruo spielt. Wie Merkur beginnt Jake Jugler: 

Knoke at the gate handelye agayne if thou dare 
And seing thou wolt not bye faire words beware 
Now fistes, me thinks yesterdaye. VII. yers past 
That four men a sleepe at my fete you cast 
And this same day you did no maner good 
Nor were not washen in warme blöd. 

worauf Jenkin Careaway mit Sosia erwidert: 

What whorson is this that washith in warme blöd 
Sum diuell broken loose, out of hell for wood 
Four has he slayne, and now well I see 
That it must be my chaunce the fift to bee. 
u. s. w. 

Das ,, pugnos edes" des Plautus ist wörtlich überge- 
gangen : 

Now handes bestur you aboul Ins lyppes and face 
And streake out all his teth without any grace 
Gentleman are you disposed to eate any fist mete. 



188 I- Ampbitruo. 

was Careaway mit den Worten abweist: 

I have Bupped I thanke you syr and lyste not to eate 
Gene it to them that are haungrie if you be wyse. 

Jacke Jugler erklärt seinem Rivalen den Zweck seines 
Hierseins : 

For I am coruniaunded for to watche & giue diligence 
Tbat in my good maister Boungraces absence 
Noo misfortune may happen to bis house sertayue. 

Careaway beansprucht die Stelle des Dieners des Hauses: 

Marye I defye tbee, and planly vnto tbee teil 

That I am a seruaunt of tbis bouse, and bere I dwelb 

Boungrace ist sein Herr: 

My maisters iiame is maister Boungrace 
I bave dwelled witb bim a longe space 
And I am ienkin Careaway bis page, 

so ganz Sosia. Nun rückt ihm Jake Jugler schärfer zu 
Leibe : 

Darest tbou too my face say tbou art I. 
[Tun te audes Sosiam esse dicere, 

Qui ego sunt. ( V. 373.)] 

und mit Merkur ..Hie homo sanus non est" (F. 402) ruft er: 
Tbis bedlem kuaue witbout dougbt is mad. 

Wiederholt wird wie bei Plan tu s die Frage nach dem Herrn 
gestellt, stets muss Careaway, wie Sosia, Maister Boungrace 
als den seinigen bezeichnen: 

/. J. Wbo is tby maister V 

Care. Mayster Boungrace. 

J. J. I woll make tbe cbaung y' song, ere we pas tbis place 

For be is my maister, and a gaine to tbee I saye 

Tbat I am bis ieukiu Careawaye 

Wbo art tbou now teil me plaine. 
Care. Noo bodye, but wbom please you sertayue. 

Der Bitte Sosias (F. 388): 
Opsecro, >n per pacem liceat te adloqui, ut ne uapulem u. s. w. 

entspricht das Fernere: 

Care. But syr mygbt I be bolde to say on tbyng 

Witbout any bloues, aud without any beatynge. 

J. J. Truce for a wbyle say one wbat tby lust. 

Care. May a man too your boneste by your woord trust 

I pray you swere by tbe masse you woll do me no yll. 

J. J. By my faitb I promise pardone tbee I woll. 



189 

Cure. What and you kepe no promise. 

J. J. Tken vpon cai 

I praie god light as much or more as hath on y e to daye. 
Care. Now dare I speake so mote I tkee 

Maister boungrace is my maister, and tke name of mee 

Is ienken careaway 

das ganz mit dem Original übereinstimmt. 

Wie Merkur erzählt nun Jack Juggler, was ihm von 
seinem Herrn befohlen wurde, und wie er den Befehl vollzog. 
Wie Sosias muss Careaway sagen: 

How the diuell should they name there 
For I dyd them all in my owne sleue bere 
He lyeth not a worde in all this 
Nor doth in any one poynt myse . . . 

Endlich zweifelt Careaway an seinem eigenen Selbst: 

J. J. How now art thou Careawaye or not? 

Care. By the lorde I doubt, by sayest thou nay to that. 

und er muss gestehen: 

I haue sene my seife a thousand tinies in a glasse 

But soo lyke myselfe as he is neuer was 

He hath in euerye poynt my clothing & mi geare, 

My hed, my cape, my shirt and notted heare 

And of the same coloure, my yes, nose and lyppes 

My chekes cbine, neake, feete, leges and hippes 

Of the same stature, and hyght and age 

And is in euery poynt maister Boungrace page 

u. s. w. und findet: 

There was neuer Ape so lyke vnto Ape 
As he is to me in feature and shape. 

Dennoch tröstet er sich mit der Hoffnung, dass nun sein 
anderes Ich (that other I) auch für ihn die Prügel aushalten 
werde, die er durch seine Fahrlässigkeit verdiente; doch darin 
täuscht er sich. Dame Coye ist sehr ungehalten, dass sie um 
ihr Abendessen kam. Careawaye berichtet ihr, wie Sosia 
seinem Herrn, seine Erlebnisse: 

. . . the faulte is neither in mi maister nor in me nor you 
But in an other knaue that was here euen now 
And his name was ienkin Careawaie, 

so dass sie zu dem Urteil kömmt: 

Truely this wage pastie is either drunken or mad, 

und auch der dazugekommene Maister Boungrace ist der Meinung: 

I durst a good mede, and a wager laye 

That thou laiest doune and sleppest by the waie 

And dremid all this that thou haste me tolde. 



190 I- Amphitruo. 

Careaway erhält die Prügel und kann sich nur wundern: 
How he 1 escapid. / me beat me thus. 

In längerer Rede sehliesst er das Interlude, auf das eine 
Art Epilog folgt und der Schluss: Finis. | Imprinted at London 
in Lothbury by me | Wyllyani Copland. 

Dieses äusserst seltene 1 ) Stück, von dem auch Hasle- 
wood 1820 nur fünf und dreissig Exemplare für den Rox- 
burghe Club drucken liess, ist eines der ältesten in der engli- 
schen Litteratur, das auf einem klassischen Vorbilde beruht. 2 ) 

Ferner vermutet Rapp, 3 ) dass auf den ,. John a Kent and 
John a Cumber" des Anthony Munday 4 ) (geb. 1553; 
gest. 1633), herausgegeben von Collier 1851 nach einer Hand- 
schrift von 1595, „auch Plautus' Amphitruo gewirkt habe, an 
der Stelle, wo je ein Zauberer des andern Gestalt annimmt und 
namentlich, da beide in Einer Gestalt einer oben auf der Mauer, 
der andere unten auftreten, ganz wie die beiden Sosia". Indessen 
zwingt nichts in dem Stücke, mit Rapp anzunehmen, dass es 
Beziehungen zum Amphitruo hat. Die beiden berühmten 
Zauberer John a Kent (a man whom all this Brittishe Isle 
admires for bis rare knowledge in the deepest arts S. 27) und 
John a Cumber (the only man renownde for magick skill S. 28) 
erscheinen allerdings ein paarmal (S. 35. 45) in gleicher Ge- 
stalt und veranlassen eine vorübergehende Überraschung. 

Powesse. My Lordes, see one appeareth on the walles. 

Tis John a Kent! How? John a Kent is beere. 

Soine sly magitian hath usurpte tliy shai)e, 

An this day made us all infortunate. 
John (a Kent). What ere thou be, I charge thee teil thy nainc 
Cumber. My name is John: what sayst thou to the same? 
John. I would thou wert the John that I could wishe! 

Cumber. If John a Kember, then, the same it is. 

Hierzu bedurfte es aber des Amphitruo gewiss 
nicht. Auch weist sonst im Stücke nichts auf die alte 
Komödie. 5 ) 



') Haslewood Preface. 

2 ) Collier, Hist. Dram. Poet. II, 366 nach Chile! , Introd. VIII: 
Jack Jugler is one of the very oldest pieces in our language fouuded 
upon a classic original. 

3 ) Studien. S. 55. 

4 ) John a Kent and John a Cumber; A Comedy by Anthony 
Munday. Printed from the original manuscriiit . . . by J. Payne Collier. 
London 1851. S. 1—63. 

5 ) Wir geben den summarischen Inhalt des Stückes am besten mit 
den Worten des Herausgebers (Introduction XVn): „John a Cumber is 
the competitor of John a Kent in supernaTural power andmagical de- 
lusion, and all we know of him is that he is represented as a native of 



Tomkins' Albumazar. 191 

Wiederum Berührungspunkte mit dem Ampliitruo, wenn 
auch entferntere, hat der Albumazar des Tomkis 1 ) (Tomkins), 
dessen Quelle wohl das italienische Lustspiel Lo Astrologo, | Co- 
media | Nuoua ] di Gio. Battista | Dalla Porta | Napolitano. 
Con Privilegio. | In Venetia 1606. | Appresso Pietro Ciera (64 
fol.), ist. Nur wenige Namen (Guglielmo, Vignarolo) sind in der 
englischen Komödie geändert worden. Das italienische Stück 
stimmt fast wörtlich zum englischen, doch ist es in Prosa 
geschrieben. 

Das englische Stück ist nicht vor 1614 vollendet und im 
gleichen Jahre Donnerstag den 9. März von den Studenten zu 
Cambridge in Trinity College Hall vor dem König Jakob 
gespielt worden. 2 ) Die allseitig hervortretenden Anklänge an die 
Alten und die gelehrten Reminiszenzen, denen man allenthalben 
begegnet, berechtigen zu der Annahme, dass dem schriften- 
kundigen Verfasser wirklich mehrmals Plautus vorgeschwebt ist. 3 ) 

Der alte Pandolfo verzehrt sich in Liebe zu Fla via, der 



Scotland, and a wigard, who is called in by the Earl of Morton, a peer 
of that country, and by tlie Earl of Pembroke, to assist theni in their 
designs upon Sidanen and Marian. These designs are perfectly honou- 
rable, and are zealously seconded by the fathers of the ladies; but in 
the end they and their coadjutor are outwitted and defeated: the wea- 
pons employed by John a Cumber are turned against himself and he 
becomes tkrough the instrumentality of John a Kent, an object of con- 
tempt and ridicule with the very persons who expected to profit by his 
success." — Doch wohl kaum ein Anklang an Amphitruo; oder es giebt 
deren zahllose. Wenn im Amis et Amiles (ed. Konrad Hofmann, 
2. Aufl. Erlangen 1882) die beiden Freunde sich so ähnlich sehen, dass 
das Volk sie nicht unterscheiden kann (tant sont li conte yngal et d'un 
sanblant V. 3124), und die Gattin des Amiles selbst (F. 3139) sagt: 

je sai de voir et croi a enc'iant, 

l'uns de vos dous a en moi part moult graut 

et s'est Amiles li hardis combatans; 

mais je n'en sai faire connoissement, 
so müsste man auch hierbei der beiden Amphitruo gedenken, „eme les 
dous contes ne desseverroit hom, qui est Amiles ne Amis lis barons." 
(F. 3104.) 

') Albumazar, a comedy. London, printed by Nioholas Okes 
for Walter Burre. 1615. 4*°- — Albumazar, a comedy. Newly revised 
and corrected by a speciall hand. London, printed by Nicholas Okes. 
1634. 4 t0 - — A select collection of Old Plays in twelve volumes. Lon- 
don (Septimus Prowett) 1825, enthält im siebenten Bande, S. 101 — 215. 
den Albumazar ... — Vgl. Collier. I, 393. III, 325. 

2 ) Old Plays. VII, 104. 

3 ) Eapp, Studien S. 15. „Feine Arbeit eines Gelehrten. Das Haupt- 
motiv, der durch einen l!< -trüber nachgeäffte Verlnreugeglaubte kommt 
selbst wieder, ist aus drei p 1 autinischen Stücken abstrahiert: Tri- 
nummus, Mostellaria und Amphitruo; noch aus andern Reminiszenzen. 
Diese Nachahmung ist aber fein versteckt und motiviert durch eine der 
italienischen Komödie nachgemachte Mystifikation durch einen Astro- 
logen." — Das Stück ist ja eben italienisch! 



192 I< Amphitruo. 

Tochter des fernen Antonio, von dem man glaubt, er sei zur 
See zu gründe gegangen. Da er Flavias Herz nicht gewinnen 
kann, lässt er sich von Gaunern vorspiegeln, der Astrolog Al- 
bum azar könnte Pandolfos Farmer Trincalo in Antonios 
Gestalt verzaubern. Als solcher würde er dann seiner Tochter 
befehlen, Pandolfo ohne Widerrede zu heiraten. Unter vielen 
Zeremonien nimmt Albumazar diese Metamorphose vor. Flavia 
hat aber unterdessen bereits von der Thorheit des Alten ver- 
nommen. Da alles richtig vorbereitet ist, kömmt der tot ge- 
glaubte Antonio von seiner mühevollen Seereise zurück. Sein 
Monolog (IV, 1): 

Thus by great favour of propitious stars 

From fearful storms, shipwreck and ragirig billows, 

Merciless jaws of deatk am I return'd 

To th' safe and quiet bosom of my country. 

u. s. w., erinnert an des Theuropides Auftreten in der Mo- 
stellaria. ') 

Zuerst begegnet ihm Pandolfos Diener, Cricca, der ihn 
für den umgestalteten Antonio hält. 

wond'rous power of stars, 
And skill of art t : apply it! You that are marry'd 
May justly fear lest tnis astrologer 

Cloath your wives' servants in your shape, and use you 
As Jupiter (lid Amphitryo. 

meint Cricca, und dem dazukommenden Pandolfo ruft er zu: 

Sir, here 's your farmer Trincalo transform'd 
So just, as he were melted, and new cast 
In the true mould of old Antonio, 

worauf Pandolfo freudig einstimmt: 

Just so he look'd, 
And thus he walk'd; this is his face, his hair. 
His eyes and countenance. 

Dies führt natürlich zu fortgesetzten Missverständnissen, da 
Pandolfo glaubt, seinen Diener Trincalo vor sich zu haben, 
was sich bald ernster gestaltet, als auch die Tochter Flavia 
ihren Vater, von dem sie glaubt, das Meer habe ihn ver- 
schlungen, von der Thüre weist und sein Sohn Lelio ihn 
von der Schwelle jagt, ja Trincalo sich Antonio gegen- 
über als Besitzer des Hauses gebärdet. Endlich sehen Lelio und 
Cricca mit Bewundern Antonio und Trincalo neben einander. 



') Vers 431 sqq. 



Tomkins' Albumazar. 193 

Didst thou not inform me 
That Trincalo was turn'cl to Antonio? 

fragt Lelio erstaunt, und alsbald erkennt er aucli in Antonio 
seinen Vater. Pandolfo ist noch entzückt über Albumazar: 

there 's Trincalo 
Antoniated, or Antonio Intrinculate; 1 ) 

bald aber wird er enttäuscht. Doch findet sich zur glücklieben 
Lösung (wie im Trinummus) ein vorher gestohlener Schatz 
wieder, welchen dann Eugen io, Pandolfo s Sohn und Bräutigam 
Flavias, als Aussteuer erhält. 

Auch in dem im Jahre 1675 aufgeführten Stücke „the 
country wit" des John Crowne 2 ) will man 3 ) einige Szenen 
auf dem Amphitruo nach Moli er es Bearbeitung beruhend finden. 
Gleichwohl wird eine engere Verwandtschaft der beiden 
Stücke kaum nachgewiesen werden können. 

Indessen fehlt es nicht an vollständigen Durchführungen 
des Amphitruo in England. Ben Jonson hatte die Idee, 
einen Amphitruo zu schreiben; gab sie jedoch auf, weil 
er an der Möglichkeit, sie wahrscheinlich zu gestalten, ver- 
zweifelte, 4 ) 

Dagegen griff Thomas Heywood (S. 78.) zum Amphitruo. 
Er schrieb vier zusammenhängende Stücke auf Grundlage der alten 
mythologischen Erzählungen: The golden age 1611 in 4°; the 
silver age 1613 in 4°: the brazen age 1613 in 4° und the 
iron age 1632 in 4° die sich einer grossen Volkstümlichkeit er- 
freuten. 5 ) The silver age enthält die Geschichte von 
Juppiter und Alkmene. The | Silver Age | inclvding | The 
loue of Jupiter to Alcmena: | The birth of Hercules, | and | the 
rape of Proserpine | conclvding | with the Arraignment of the 
Moone. | Written by Thomas Heywood | London | Printed by 
Nicholas Okes etc. 1613. 6 ) 



') Man erinnert sich an Drydens „unsosiated" u. a., wovon im. 
Weiteren (S. 228, A. 1) die Kede ist. 

'-) Enthalten auf S. 1 — 131 des dritten Bandes von The dramatic 
works of John Crowne. With prefatory memoir and notes. Edin- 
burgh, London 1874. (Dramatists of the Restoration.) — ■ Die Einleitung 
(3) sagt: A large portion of the plot as well as of the language has been 
taken from Moliere's Comedy „Le Sicilien; ou l'amour peintre". 

3 ) Molieriste. ILT, 59: Les scenes entre Ramble et Merry sont 
basees sur quelques scenes d'Amphitryon. 

4 ) Ben Jonson, Ausg. von Gifford. Bd. I. S. CXTX. „that he had 
au intention to have made a play like Plautus's Amphitruo, but 
left it off, for that he could never find two so like one to the other 
that he could persuade the spectat or, that they were one." 

5 ) Ausg. Collier. S. V. The popularity of the works is undoubted 
and is testified, among other things, by the author bimself. 

6 ) Im zweiten Bande von: The dramatic works of Thomas Hey- 

13 



194 I- Araphitruo. 

Homer leitet das Stück ein. Nachdem alle möglichen mytho- 
logischen Personen (Bellerophon, Acrisius, Perseus, Andromeda, 
Danaus) aufgetreten sind, führt Homer (II, 1) die Personen des 
Amphitruo ein. 

Üur scene is Thebes; here fair Alcmena dwells: 

Her husband in bis warfare tbrives abroad, 

And by bis cbivalry his foes expels. 

He absent, now descends tb' Olympic god, 

Enamour'd of Alcmena, and transshapes 

Himself unto her busband: Ganimede 

He makes assistant in bis amorous rapes, 

Wbilst be prefers tbe eartb' before Juno's bed. 
Lend us your wonted patience, witbout scorn, 
To find bow Hercules was got and born. 

Amphitrio tritt mit zwei Hauptleuten und Socia auf. Er 
erhält einen Becher, den er einschliesst und seiner Gattin schickt. 
Bei ihm ist Blepharo, the master of the ship. Dies alles ist 
hloss Pantomime, die Homer erklärt: 

Creon, tbat now reigns bere, tbe Tbeban king, 
Alcmena's busband, great Amphitrio, made 
His general, wbo to bis lord dotb bring 
His enemy's head, tbat did bis land invade. 
Tbink bim returning bome, but sends before 
By letters to acquaint his beauteous wife 
Of bis success .... 

Unter Blitz und Donner erscheint Juppiter in einer Wolke. 
Mag Juno toben, so viel sie wolle, Alcmena, „the fair Alcmena, 
like the seaman's star shooting her glistering heautyupto heaven," 
ist jetzt sein einziges Ziel. Ganimede ist in Socias Gestalt 
ahgeschickt worden und kehrt ehen zurück. Juppiter hat aus 
drei Nächten eine einzige gemacht: 

to take our fill 
Of dalliance with tbis beauteous Tbeban dame. 

Die Antipoden nahen infolge davon drei Tage lang Licht. 
Ganimede klopft an der Thüre luid wird von drei Dienern ein- 
gelassen, welche sofort in ihm Socia erkennen und ihre Herrin 
von seiner Ankunft benachrichtigen. Alcmena mit Thessala 
von der einen Seite, Juppiter-Amphitruo und Ganimede- 
Socia von der anderen hegegnen sich. AI cm e na s Freude ist 
gewaltig. Juppiter beginnt von seinen kriegerischen Thaten: 

I, as a great General to tbe Tbeban King 
Marcbed 'gainst tbe Teleboans .... 



wood, with a life of tbe poet and remarks on bis writings by J. Payne 
Collier Esq. London (printed for the Shakespeare Society) 1851. 



Thomas Heywood. ;[95 

Er überreicht seiner Gemahlin den Becher des Pterela, von 
dem uns Ganimede sagt, dass ihn „Mercnry stole out of Amphi- 
trio's casket". Juppiter verlangt, zu Bette zu gehen. Gani- 
mede sieht ihn mit Alcumena abtreten, nicht ohne Amphitrio 
zu bemitleiden. 

Xun tritt Socia mit einem Briefe auf. Er findet, dass diese 
Nacht ,.as long as two nights already" sei, „and I think 't is 
now entering in the third." Ganimede tritt ihm in den Weg, 
indessen sich Socia noch über die lange Nacht wundert. „He 
that hired a wench to lie with bim all this night, has time 
enough, I think, to take bis pennyworths. " Da er pochen will, 
wehrt es ihm Ganimede. „Klopfe nicht, oder du wirst geklopft.'- 
Es folgen dann die von den Engländern so meisterhaft behandelten 
Wortspiele, z. B. : 

Soc. If thou be Socia . . . where dost thou lie? 
Gan. Where I do lie? Why, in the porter's lodge. 
Soc. You are deceived; you lie in your throat. There 's but one 
Socia belongs to this house and that am I. 

Nach mannigfachem Hin- und Herreden meint Ganimede „the 
fellow 's mad". Vergeblich erzählt Socia von seinen Erlebnissen. 
Das Gespräch kömmt auch auf den Becher Pterelas. „Where did 
I put it?" fragt Socia, und ruhig versetzt Ganimede: „That I 
know not; but I p\it it into a casket, sign'd by my lord's signet. ■• 
..Und als die Schlacht anhub," fragt Socia, „was thatst du da?" 

Gan. As soon as they began to fight, I begun to run. 

Soc. Whither? 

Gan. Into my lord's tent, and there hid me under a bed. 

„Und mein Brief — ?" zögert Socia. „Den habe ich 
bereits übergeben," lautet die Antwort. Da stürzt Socia ver- 
zweifelt von dannen, und Ganimede hält weiter Wache. 

Fair Alcmena, 
Is great already by Amphitrio, 
And near her time; and if she prove by Jupiter. 
He by his power and god-hood, will oontract 
Both birth in one, to make her throws the less, 
And at one instant she shall cliild two issues. 
Begot by Jove and by Amphitrio. 

Juppiter und Alcmena nein neu Abschied von einander. 

We generals 
Cannot be absent from our charges long, 

entschuldigt sich der Gott und o-eht mit Ganimede: 



Come, Ganimede, 't is done 
And fair Alcmena sped with a younu son. 



13 * 



}96 !• Amphitruo. 

Amphitrio mit Socia und Gefolge tritt auf. Niemand 
will Socias Berichte glauben. Vergeblich erzählt er nochmal die 
ganze Begebenheit; alle rufen ihm „Fie, Socia, fie!" zu. — Alc- 
mena mit ihren Dienerinnen kommt zu ihnen und wird von 
Amphitrio „return'd a conqueror" begrüsst. 

„Glad to enfold in his victorious arms 

The nine-month absent body, whose ripe birth 

Swells with such beauty in thy constant womb." 

Alcmena aber spricht von „yesternight". Umsonst ver- 
sichert Amphitrio, er sei soeben erst in Theben gelandet, und 
halb befriedigt, fast schadenfroh bemerkt Socia: „We have found 
one Socia, but we are like to lose an Amphitrio. 1 ' Amphitrio 
aber befürchtet, die Verrücktheit seines Dieners habe sich seiner 
Frau mitgeteilt. Einer der Hauptleute meint, man könnte die 
generals part als Zeugen aufrufen, Alcmena aber führt ihre 
Dienerinnen vor, und schon die erste erklärt „you were here 
yesternight", was die übrigen mit ,,'t is most certain" bestätigen. 
Alcmena schildert den Abend weiter, „you slept in these my 
arms," worauf Amphitrio heftig auffährt. Alcmena liefert den 
Schlüssel zum Futterale des Bechers ab, was den ersten Haupt- 
mann zu der Frage veranlasst, wie sie darum wissen könne. 
Amphitrios Verdacht kehrt sich gegen Socia. Thessala 
bringt den Becher; das Siegel ist unversehrt, doch das Kleinod 
ist weg. Wütend und seine Leute prügelnd eilt Amphitrio ab. 
Da kömmt Juppiter. Er wird von Alcmena mit Vorwürfen 
empfangen, und nur schwer gelingt es ihm, sie zu beschwich- 
tigen. Socia kömmt mit Blepharo. Ganimede geht an Socia 
musternd vorüber. „I should have seen your face, when I looked 
myself in a glass: your sweet phisnomy should be of my acquain- 
tance," meint Socia. 

Amphitrio ist zurückgekehrt und will sich den Eingang in 
sein Haus erzwingen, wobei er von Ganimede mit beleidigenden 
Worten zurückgetrieben wird. Als nun Socia mit Blepharo 
dazukömmt, stürzt er auf jenen los, sodass Blepharo, von des 
Sklaven Unschuld überzeugt, anfängt, an Amphitrios Verstand 
zu zweifeln. Bei Juppiters und Ganimedes Auftreten findet 
sieh Blepharo gar nicht mehr zurecht. Two Socias! two Am- 
phitrios! ruft er und der erste Hauptmann: Conjurrng! Witch- 
craft! Nach Juppiters Rede entscheiden sich alle für diesen. 
There can be but one Amphitrio and this appears to be he by his 
noble carriage, sagt der zweite Hauptmann. Zu ihm stellt sich 
Ganimede mit den Worten: „The true Socia must go with the true 
Amphitrio." Es ist eine köstliche Scene, da Amphitrio und 
Socia allein zurückbleiben: 



Thomas Heywood. Dryden. 197 

Amph. What art thou? 
Soc. Nay, what art thou? 
Amph. I am not myself. 

Soc. You would not believe me, when I said I was not myself, 
why should I believe you? 

Amphitrio schläft, auf Socia gestützt, ein. Da steigt Juno 
mit Iris vom Himmel herab; sie hegt, wie bei da Silva, Rache- 
gedanken gegen Alcmena. Unter Donner aber und in Regen- 
bogenglanz zeigt sich Juppiter und zwingt alle zu knien. Er 
befiehlt Amphitrio: 

. . . peace 
With fair Alcmena, she that never bosomed 
Mortal save thee . . . 

So wie Amphitrio hört, dass seine Frau Lucinas Hilfe be- 
dürfe, sagt er: 

Jove is our patron and his power our awe, 
His majesty our wonder, his will our law. 

Im dritten Akte (S. 131) erfahren wir von der Hebamme 
Galant his, dass Alcmena entbunden wurde, und zwar von zwei 
Knaben, „one like my lord Amphitrio, but the other the bravest 
chopping lad." Der junge Herkules erdrosselt die beiden 
Schlangen (snakes); es tritt alsdann König Eurystheus auf, und 
die Geschichte entfernt sich von Amphitruo, um auf die Thaten 
des Herkules überzugehen. 

In dem Verzeichnisse der Vorstellungen, welche englische 
Komödianten im Jahre 1626 am Hofe zu Dresden gaben, heisst 
es:') Junius 4. Ist eine Comoedia von Amphitrione gespielt 
worden. Colin 2 ) sagt von dieser Aufführung: „The comedy of 
Amphitryon was probably one based on Plautus. " Sollte es 
die Episode von Hey wo od gewesen sein? (Vgl. S. 214.) 

Im Jahre 1690 erschien John Drydens (1631—1700) 
Amphitryon: or the two Socia's, a comedy 3 ) in 4°. Die 
Widmungsepistel (The Epistle Dedicatory to the honorable Sir 
William Levison Gower, Baronet) ist vom 24. Oktober 1690 da- 
tiert. Er sagt in derselben, die Namen des Plautus und Mo- 



') A. Cohn, Shakespeare in Germany. London 1865. S. CXV. 

2) A. a. 0. S. cxvn. 

3 ) Die nächsten Ausgaben nach James 0. Halliwell (A dictionary 
of Old Plays, London 1860), S. 16. sind von 1691 u. 1694. — Ferner ist 
der Amphitryon enthalten im ersten Bande von „The English The- 
atre in eight Volumes, containing the most valuable Plays which have 
been acted on the London Stage". London 1765, pag. 157 — 239. — In 
der Ausgabe von Dryden, London 1762. VI. Bd., S. 161; im VIII. Bd. 
der Werke Drydens 1821 (Edinb.), einem Abdrucke der Londoner Ausg. 
(1808) von Walter Scott. 



198 I- Amphitruo. 

liere seien mit seiner Arbeit verknüpft: ,,'t is trne, were this 
Comedy wholly mine, I slionld call it a Trifle, and perhaps not 
tliink it wortli your Patronage; but when the Names of Plau- 
tus and Moli er e are join'd in it, that is, the two greatest Na- 
mes of ancient and modern Comedy, I must not presume so far 
on tlieir Reputation to tliink their best and most unquestion'd 
Prodnctions can be tei'in'd little." Er sagt ferner über die von 
ihm gemachten Änderungen und Znsätze: „I will not give you 
the Tronble of acquainting yon what I have added, or alter'd in 
either of them, so much, it may be, for the worse, but only 
that the Difference of our Stage from the Roman and 
the French dit require so. But I am afraid, for my own 
Interest, the World will to easely discover, that more than 
half of it is mine; and the Rest is rather a lame Imi- 
tation of their Excellencies, than a just Translation. 'T is 
enough, that the Reader know by you that I never deserve nor 
desire any Applause from it." 

Im Weiteren verbreitet er sich über Plautus und Moliere und 
wünscht, „at least not to compare him (den Amphitryon) too 
strictly with Moliere's." 

Zu dem Stücke, in dem Dryden geschickt Poesie und 
Prosa 1 ) wechseln lässt, hat Heinr. Pur cell eine sehr gerühmte' 2 ) 
Musik geschrieben, mit welcher es in London 1691 aufge- 
führt wurde. 

Der Inhalt der Dry denschen Komödie ist folgender: 

I. Akt. Mercury und Phöbus treten auf. Ersterer erzählt 
von einem Streite (a devilish quarrel), den soeben Juppiter mit 
Juno gehabt, und von den Absichten, welche der Gott auf ein 
irdisches Weib habe: 

Some Mortal we presume of Cadmus' Blood; 
Some Theban Beauty; some new Semele, 
Or some Europa, 

wie Phöbus vermutet. Juppiter erscheint und schilt die beiden, 
dass sie über seine Handlungen Kritik üben. Er liebe, weil es 
das Fatum so verlange: 

I love, because 't was in the Fates I should. 



') Halliwell, 1. c. „Our author, as Thornton observes, has thought 
proper to distinguish the serious from the comic parts, by giving the 
Erst in verse and the other in prose, which it may feared in the latter 
part has too offen lead him into such low and farcial stuff as neither 
his Latin nor his French original betrayed him into." 

2 ) Halliwell, 1. c. The music of the songs was composed by 
Pu reell. — Clement, Dict. lyr., S. 38. C'est un des meilleurs ouvrages 
de ce compositeur distingue. 



John Dryden. 199 

Nach einer breiten Auseinandersetzung über das Fatum 
gegenüber dem moralisierenden Phöbus teilt er ihnen mit, 
dass diese Nacht zum Besten der Menschheit Herkules erzeugt 
werden soll: 

yet, thus t'ar know. 
That, for the good of human Kind, this Night 
I shall heget a future Hercules; 
Who shall redress the Wrongs of injur'd Mortals, 
Shall conquer Monsters, and reform the World, 

worauf Mercury spöttisch bemerkt: „Ay, Brother Phoebus; and 
our Fatlier made all those Monsters for Hercules to conquer, and 
contriv'd all those Vices on purpose for him to reform too, 
there 's the Jest on 't." 1. Da nun der tapfere Thebanerfeld- 
herr Amphitryon morgen früh ankommen soll, erhält Phöbus 
den Auftrag, die Nacht zu verlängern, und Mercury den, sich 
in Socias Gestalt zu hüllen. Die Nacht erscheint auf ihrem 
Wagen und hält ein höchst langweiliges Zwiegespräch mit Mer- 
cury. 2. Der über die lange Abwesenheit ihres Gatten klagen- 
den Alcmena bringt Phädra die Nachricht von Amphitryons 
Heimkehr. 3. Juppiter als Amphitryon empfängt Alcmena. 
Die Weiber bestürmen ihn mit Fragen; Alcmena will Nach- 
richten vom Kriege, Bromia von ihrem Manne Socia, Phädra 
von ihrem Geliebten Gripus. Aber er hat nur Worte für Alc- 
mena und betritt mit ihr das Haus. 

IL Akt. 1. Socia tritt mit der Laterne auf. Sein Mo- 
nolog stimmt genau zu Plautus. Er beklagt den Dienst bei 
einem grossen Herrn: „the greätest Plague of a Serving-Man, is 
to be hir'd to some great Lord" (vgl. V. 166, Opulento ho- 
mini dura hoc magis seruitus est u. s. w.). Mercury vor 
dem Hause tritt ihm entgegen. Die ganze Szene entwickelt 
sich nach Plautus. — 2. Juppiter nimmt Abschied von 
Alcmena in einer Moliere nachgebildeten Szene. Mercury 
macht nun der Phädra eine Liebeserklärung, worüber ihn 
Bromia, die ihn für ihren Socia hält, ertappt. Da sie ihn 
prügeln will — a type of Juno — berührt er sie mit seinem 
caduceus, worauf sie in Schlaf sinkt und Mercury mit den 
Worten abgeht: 

For two such Tongues will break the Poles asunder; 
And, hourly scolding, make perpetual Thunder. 

III. Akt. 1. Socia berichtet seinem Hei-rn Amphitryon, 
was er erlebte. Dieser glaubt es nicht und schimpft ihn heftig. 
— Alcmena tritt mit Phädra auf; sie wollen zum Tempel 
gehen. Das Missverständnis zwischen ihr und Amphitryon hat 
zur Folge, dass sie mit den Worten scheidet: 



200 I- Amphitruo. 

Oh! Nothing now can please me: 
Darkness and Solitude, and Sighs, and Tears, 
And all th' inseparable Train of Grief, 
Attend niy Steps for ever . . . 

Phädra fordert nun von Socia das ihr von Mercury ver- 
sprochene Geschenk, den goldenen Becher (Gold Goblet), wovon 
er natürlich nichts weiss; ebenso kömmt Brornia, ihn zu schelten, 
dass er sie in Schlaf versetzt habe. 

Juppiter naht in der Absicht, Alcmena zu versöhnen. Er 
schickt Socia ab, um die Kriegsgefährten Polidas, Tranio, 
Gripus u. a. zum Festmahle zu laden. Alcmena erscheint auf 
dem Balkon. Juppiter winkt der Musik; es folgt Gesang und 
Tanz. Alcmena aber zieht sich mit düsteren Blicken zurück. 

IV. Akt. 1. Juppiter besänftigt Alcmena und geht mit 
ihr ab; ebenso begütigt Mercury Phädra, indem er ihr den 
versprochenen Becher, den er mittlerweile dem Gripus stahl, 
als Geschenk überreicht. Da Mercury Amphitryon herannahen 
sieht, steigt er rasch auf den Balkon und schmäht auf ihn von 
oben herab, obwohl er sich selber gestehen muss: This is no very 
charitable Action of a God, to use bim ill, who has never offended 
me, but my Planet disposes me to malice; oder wie sich Moli eres 
Mercure ungleich feiner ausdrückt (III, 2): 

Ce n'est pas d'un dieu plein de charite; 
Et je me sens, par ma planete, 
A la malice un peu porte. 

Amphitryon gerät in heftigen Zorn. Polidas, Tranio 
und Gripus nahen mit Socia, der seinem Herrn gegenüber 
aufrecht erhält, er habe den Befehl erhalten, sie zu Gast zu 
laden. Zornig eilt Amphitryon um Soldaten, welche ihm das 
Thor gewaltsam öffnen sollen. Da zeigt sich Juppiter auf dem 
Balkon. Obwohl die unten Stehenden nicht begreifen können, 
wie er hinaufkam, treten sie doch zum Mahle ein. Socia, der 
gleichfalls hineingehen will („My Ticket is my Hunger," sagt 
er), wird von Mercury fortgewiesen. Während seines Streites 
mit Mercury tritt Phädra auf und ist entsetzt, zwei Socia vor 
sich zu sehen. „What have we here? a Couple of you, or do I 
see double?" — Mercury treibt den hungrigen Socia weiter und 
giebt Phädra, auf den Boden stampfend, ein Ballet mit Gesang 
und dem Hirtenspiel Thyrsis und Iris. (Pastoral Dialogue be- 
twixt Thyrsis and Iris.) 

V. Akt. 1. Phädra zeigt dem staunenden Gripus den 
Becher, welchen sie von seinem Rivalen bekam; er erkennt ihn 
sofort als den seinigen. Mercury ist herbeigeeilt und zwingt 
nun Gripus, alle Ansprüche auf Phädra aufzugeben. Amphi- 






Jolm Dryden. 201 

tryon naht mit Waffen und befiehlt Phädra, sofort seine Gattin 
zu holen, worauf ihm diese erwidert, der echte Amphi tryon 
sei bereits im Hause. Zornigen Mutes will Amphitryon gegen 
dasselbe losstürmen, da tritt Juppiter mit Tranio und Polidas 
heraus. Beide sind nicht zu unterscheiden. (Two Amphitryons 
— both shine out alike — two Drops of Water cannot be more 
like — They are two very sames.) 

Amphitryon zieht sein Schwert und will Juppiter nieder- 
stechen, Tranio und Polidas halten ihn zurück. Niemand wagt 
es, eine Entscheidung zu treffen. Alcmena schlägt sich auf die 
Seite Juppiters. 

Thy Words, thy Thoughts, thy soul is all Aniphitryon; 
Th' Impostor has thy Features, not thy Mind, 

ruft sie. Juppiter lädt nun alle zu einer Aufklärung ins Haus. 

Come in, my Friends: and thou, who seemest Amphitryon; 
That all who are in Doubt, may know the true. 

In der Zwischenzeit giebt sich Mercury der Bromia und 

Phädra, sowie dem Gripus und dem dazukommenden Socia 

als den Gott Merkur zu erkennen. Donnerschläge folgen. 

Aniphitryon und Alcmena eilen aus dem Hause, Juppiter 

erscheint („in a Machine") und löst das Rätsel, alles nach 

Moliere. 

Our Sovereign Lord Jupiter is a sly 
Companion; he knows how to gild a bitter Pill, 

sagt Socia. Alle beglückwünschen Amphitryon, nur Mercury 
enthält sich dessen; ,,'t is a nice point!" meint er. Amphi- 
tryon wird Juppiters Gunst gerne dulden — ,.he 's a good 
Heathen!" 

Noch fügte Dryden einen von Phädra gesprochenen Epi- 
log bei, welcher die schöne alte Zeit preist. Wie schön hatten 
es die Heidendamen! 

Adult'ry was no Sin ; 
For Jove the good Example did begin. 

Dryden hat in seiner Vorrede recht. Seine Arbeit ist 
halb Plautus, halb Moliere. 1 ) Moliere ist aber immer- 



') Hawkesworth, sein späterer Bearbeiter (S. 79. "204) sagt (VIII) 
von ihm: Dryden in whom sometbing great and something little unhappily 
kept Company at most times, in the course of bis stage eontract f'ound 
it easier to new model old materials than to create w\\: 1 n ■ arcordingly 
took up this play as Moliere had lct't it, and added, besides its English 
dress, much that was strictly bis own. 



202 I. Amphitruo. 

hin seine Haupt quelle, die er meist wörtlich übertrug. Dem 
Plautus nähert er sich darum an jenen Stellen zunächst, wo 
ihm Moli er e am treusten blieh, so z. B. II, 1 in dem ersten 
Auftreten des Socia, in seiner Begegnung mit Merkur und die 
ganze Szene hindurch. Was Moliere kürzte, nahm auch Dryden 
nicht auf; dagegen hat er die Dialoge übermässig erweitert 
und die ganze Fabel entsetzlich gedehnt, besonders einzelne 
Szenen mit ganz schalen, nichtssagenden Reden ausgestattet und 
eine Unmasse seichter Witze über mythologische Dinge einge- 
flochten. l ) Darum hat er gerade von dem frischen Duft der Mo- 
liereschen Komödie nicht das Geringste in sich. Während 
bei Moliere vornehmlich in diesem Werke die hohe Kunst der 
Versifikation Bewunderung erzwingt, hat Dryden sein Lustspiel 
prosaisch gemacht und eine grosse Anzahl sehr derber, vom mo- 
ralischen Gesichtspunkte aus höchst zweifelhafter Stellen in das 
ohnehin schon so freie Sujet verlegt. 2 ) Sehr berechtigt ist darum 
Hippol. Taines Urteil 3 ) über ihn. „Wenn er ein etwas freies 
Stück übersetzt, den Amphitryon zum Beispiel, so findet er es 
noch zu zahm xmd züchtig. Alles Schonende und Zarte streift 
er ab, und gerade das Anstössige verschärft er. So sagt 
Juppiter: 

For Kings and Priests are in a manner bound 
For Reverence sake, to be close hypocrites. 

Darauf legt er offen und unumwunden seinen Despotismus dar. 
Im Grunde dienen ihm seine Sophismen und seine Schamlosigkeit 
nur dazu, um die Theologen und ihre unumschränkte Gottheit in 
Verruf zu bringen. 

Fate is what I, 

By Virtue of Omnipotence, have made it, 

Ana Power omnipotent can do no Wrong, 

Not to myself, because I will it so; 

Nor yet to Men, for what they are, is mine. 

This Night I will enjoy Amphitryon's Wife; 

For when I made her, I decreed her such 

As I should please to love. 

') Bisweilen auch mit satirischer Färbung, wie V, 1 gegen die 
Priester: „Our Jupiter is a great Comedian, he counterfeits most ad- 
mirably: Sure bis Priests have copy 'd their Hypocrisy froni their Master." 

2 ) Man vergleiche z.B. Phädras Bemerkung 1,2: My Lady's Eyes 
are pinking to Bedward too; now is she to look very sleeply counter- 
feiting yawning . . .; Juppiters Wort (JJ, 2): Teil me and sooth my 
Passion, ere I go . . .; und dann: No, no, that very Name of Wife and 
Marriage is Poison to the dearest Sweets of Love u. s. f. Dies findet 
sich allerdings (I, 3) auch bei Moliere, aber in wie unendlich feiner 
Wendung. Ygl. hierzu die Bemerkung bei Mol and, V, 53. 

3 ) Geschichte der englischen Litteratur von H. Taine. Autorisierte 
deutsche Ausgabe. Zweiter Band. Das klassische Zeitalter der eng- 
lischen Litteratur. Bearbeitet von Gustav Gerth. Lpz. (Günther) 1878, 
S. 35. 36. 



John Drydeu. 203 

..Diese offne Pedanterie wird zur offenen Begierde, sobald er 
Alkmene erblickt. Kein Detail ist übergangen. Juppiter 
spricht sich gründlieh aus, und zwar in Gegenwart der Dienerin; 
und als er am andern Morgen fort will, da umfangt sie ihn, sie 
will ihn nicht fortlassen und überbietet ihn noch in den vertrau- 
lichsten Andeutungen. J ) All die edlen Formen feinster Galanterie 
sind hier abgelegt, wie ein lästiges Gewand; der ungenierteste 
Zynismus ist an Stelle aristokratischer Dezenz getreten. Der 
Dichter hat bei dieser Szene sich nicht Ludwig XIV. und Frau 
von Montespan, sondern Karl IL und die Castlemaine zum Vor- 
bild genommen." 

Diese prickelnden Beisätze zeigen genau den Geist jener 
Zeit, dem Dryden so sehr nachgab, Dryden, der ja noch stark 
von jenem sittenlosen Lustspiele seiner Vorgänger infiziert ist, 
von dem sich loszureissen er sich allerdings später bemühte. 2 ) 
Ganz nach dem Geschmacke jener Zeit sind auch die von ihm 
neu geschaffenen Gestalten, so z. B. die beiden Schwätzerinnen 
Phädra und Bromia, steif, mit einer Art von Witz, die, da sie 
nicht aus dem Herzen kömmt, nicht zum Herzen spricht, man 
möchte sagen, voll akademischen Geredes, wäre es nicht zum grössten 
Teile inhalts- und geschmacklos. 3 ) 



') Als Juppiter gehen will, darauf hinweisend, dass der Morgen 
graut, sägt Alkmene zu ihm: 

But you and I will draw our Curtains close, 

Extiuguish Daylight, and put out the Sun. 

( 'ome back, my Lord . . . 

You have not yet laid long enough in Bed 

To warm your widowed Side. (II, 2.) 
Mau vergleiche die römische Matrone des Plautus und das tugend- 
hafte Weib bei Moliere mit dieser mitteilsamen Persönlichkeit. 

2 ) Vgl H. Hettner, Geschichte der englischen Litteratur. 3. Aufl. 
1872, pag. 94. 

3 ) Treffend urteilt Francis James Child in seinen oben (S. 186 A. 4.) 
angeführten Four Old Plays (Introd. IX), wo er Walter Scotts Wort 
anführt,- der Drydens Amphitryon als „one of the happiest effusions 
of Dryden's comic muse" bezeichnet: „This is not the place to expatiate 
im the merits of the Latin play: but the assertion may be hazarded 
without much risk, that both the original and Thorton's Version are, 
taken as wholes, considerably superior to any of the imitations. Indeed, 
tln- cliaracter of Alcmena. as drawn by Plautus, so truly innocent. simple 
and loving, her distress on being suspected by her husband, and bis 
agony at finding her, as he believes, dishonest, immediately suggest. as 
the accomplishf j d translator has observed, a not discreditable comparison 
witli our Othello. We may add, too, that the conclusiüii of the fourth 
act, where Amphitryon, „perplexed in the extreme," and defying the 
gods in the intcnsitv of Ins despair, rushes to the house to wreak liis 
vinneance on his family and is Struck down by lightening rises to gran- 
deur, ahuost to sublimity, and niust produce immense dramatic effect 
in the representation. Very Little of this »öri of thing appears 
in the modern play. Wliat Dryden has made of Alcmena will 



204 I- Ampkitruo. 

Ins Jahr 1694 fällt L. Echards Übersetzung des plau- 
tinischerj Amphitruo 1 ) in 8°, der 1746 jene von Th. Coocke 
in 120 folgte.-) 

Im Jahre 1764 wurde im Drury-Lane Theater eine Oper 
Alcmena von Michel Arne und Battishill gespielt. 3 ) 

In einer späteren Zeit, als man an die Bühne vom Stand- 
punkte der Sittlichkeit höhere Anforderungen zu stellen begann, 
musste, wenn Drydens Amphitryon sich auf derselben halten 
sollte, so manches unterdrückt werden. Diese Neubearbeitung 
des Drydenschen Amphitryon übernahm Dr. Hawkesworth im 
Jahre 1792. 4 ) 

Die Gründe dieser Neubearbeitung und einzelner Änderungen 
werden in der „Preface", wie folgt, auseinandergesetzt: The 
abilities of Dryden, as a writer, are so generally and so justly 
acknowledged to be of the first class, that it would be something 
worse than impropriety to alter any of his productions without 
assigning the reason. For the alteration of his Amphitryon, 
indeed, the reason is evident; for it is so tainted with the pro- 
faneness and immodesty of the time in which he wrote, that the 
present time, however selfish and coiTupt, has too much regard 
to externa! decorum, to permit the representation of it upon the 
stage, without drawing a veil, at least over some inaccuracies, 
which were remarked on the examination, which these alter- 
ations made necessary, also are removed, of which the following 
are the chief. 

In the scene between Sosia and Mercury in the second 
act, Amphitryon is supposed to have seilt a buckle of diamonds 
by Sosia, as a present to Alcmena; fort Sosia first asks Mercury, 
if Amphitryon did send a certain servant with a present 



be unterstood, when we observe that he adapted her to the 
Standard of contemporary taste. Yet Scott has strangely said, 
that „in the scenes of higher cast, Dryden far outstrips both the French 
and Roman poet" ! 

Im zweiten Band der Memoirs of John Dryden (Paris 1826), 
S. 55, spricht Walter Scott vom Amphitryon „in which Dryden 
displays his comic powers to more advantage than anywhere". 

! ) Halliwell, pag. 16. Amphitryon. Comedy translated front 
Plautus, by L. Echard. 8°. 1694. 

2 ) Sulz er. III, 704b. 

3 J Clement, Dict. lyrique, page 19. 

4 ) Amphitryon; or, the two Socias. A comedy, as altered 
from Dryden by Dr. Hawkesworth. Adapted for theatrical represen- 
tation, as performed at the Theatres-Royal, Drury-Lane and Covent 
Garden. Regulated from the Prompt -Books. By permission of the 
Managers. London. Printed for the proprietors under the direction of 
John Bell, British library, Strand 1792. 



Dr. Hawkesworth. 205 

to bis wife; 1 ) and soon af'ter asks liim ,,what tbat present was", 
whieh by Mercury's answer appears to be tbe diamond buckle; 
yet in tbe scene between Ampbitryon and Alcmena in tbe tbivd 
act, Avben Alcmena asks bim, as a proof of bis having been witb 
her before, from whose bands she bad tbe jewel, be cries ont: 
..Tbis is amazing; bave I already given you those diamonds? tbe 
present I reserved". — And instead of supposing tbat Sosia 
bad delivered tbem as part of his errand, whieh be pretended, 
be could not execute, be appeals to him for tbeir being in safe 
cnstody reserved to be presented by himself. Tbis is an incon- 
sistency pecnliar to Dryden; for neitber Plautus nor Moliere any- 
where mention tbe present to bave been sent by Sosia. 

Tbere is anotber inaccnracy of tbe same kind, whieh occurs 
botb in Plautus and Moliere. It appears in tbe second act, tbat 
one part of Sosia's errand was to give Alcmena a particular 
account of tbe battle; and Sosia's account of his being prevent- 
ed, is so extravagant and absurd, tbat Ampbitryon cannot believe 
it: yet, when Alcmena, in tbe tbird act, asks Ampbitryon, bow 
she came to know what be bad sent Sosia to teil her, 
Ampbitryon in astonisbment, seems to admit tbat she could know 
the particulars only from himself, and does not consider her 
question as a proof tbat Sosia had indeed delivered his message, 
though for some reasons he had pretended the contrary, and for- 
ged an incredible story to account for his neglect. As it would 
bave been much more natural for Ampbitryon to bave supposed 
tbat Sosia had told him a lie, than tbat Alcmena bad, by a 
miracle, learned, what only he and Sosia could teil her, witbout 
seeing either of tbem, tbis inaccuracy is removed, by introducing 
such a supposition, and making the dialogue correspond witb it. 

In the second act, Jupiter, in the character of Ampbitryon, 
leaves Alcmena witb much reluctance, pretending haste to return 
to tbe camp, and great solicitude to keep his visit to her a 
secret from the Tbebans: yet when he appears again in tbe tbird 
act, wbich he knew would be taken for tbe tbird appearance of 
Anipbitryon, just af'ter his departure, wbich seems to be absolu- 
tely necessary to maintain his boiTOwed cbaracter consistontly: 
and witbout dropping the last bint of liis being no longer soli- 
citous to conceal his excursion from the camp, he sends Sosia 
to invite several of tbe Citizens to dinner. 

Many other inaccuracies less considerable and less apparent, 
bave been removed, whicb it is not necessary to point out: 



') Über solche Inkonsequenzen s. bei Sauppe, Wanderungen auf 
dem Gebiete der Sprache und Litteratur, S. 222. (Geppert. Plautin. 
Studien. I, 61.) 



206 !■ Amphitruo. 

whoever shall rliink it worth while diligently to compare the play 
as it stood with the altered copy, can scarce fail to see the reason 
of the alterations, as they occur. 

Auch sonst findet Dr. Hawkesworth vieles zu tadeln, vor 
allem das etwas zu freie Benehmen, mit dem sich Amphitryon 
und Alcmena vor ihrer Dienerschaft geben. Nochmal fasst er 
seine Verbesserungen in den Worten (V.) zusammen: If, after all, 
it be asked, why this play was altered at all, I answer, because 
it might otherwise have been revived, either by other managers, 
or at another house, without being altered, otherwise than being 
maimed; some parts, indeed, would have been left out, but as 
nothing would have been substituted in the stead, it would have 
become imperf'ect in proportion as it became less vicious; and 
would still have been so vicious in the very constituent parts, 
as to sully, and, perhaps, corrupt almost every mind, betöre 
which it had been represented. But though I should have been 
sorry, to see the Joint work of Plautus, Moliere and Dryden so 
mutilated as to lose that proportion of parts, by which alone 
those parts can constitute a whole; yet my principal view was 
effectually to prevent the exhibition of it in a condition, in which 
it could not be safely seen: and this, I hope, will be admitted 
as a sufficient apology for my having thus employed some 
hours of that time, which shall return no more, by those avIio 
have little regard for Amphitryon as a piece of ancient humour, 
retouched and heightened by two of the most eminent masters 
that modern times have produced. 

Dem Prolog Drydens ist ein neuer beigegeben, der wieder- 
holt den Zweck der Neubearbeitung deutlich ausspricht: 

(X) The scenes, which Plaulus drew, to-night we shew 

Touch'd by Moliere, by Dryden taught to glow. 
Drydeu! — in evil days bis genius rose, 
When wit and decency were constant foes. 

Freed froni bis faults we bring bim to tbe fair. 
And urge once more bis claim to beauty's care. 



(XI) Yet not on wbat we give, our fame must rise: 

In what we take away, our merit lies. 

To make wit bonest was our only claim: 
If we succeed, some praise we boldly ask — 
To make wit bouest is no easy task. 

Unter den Personen ist Tranio unter den „dramatis per- 
sonae" als Traneo, im Stücke aber wieder als Tranio bezeich- 
net. Die Kürzungen sind sehr zahlreich. Das lange' Gespräch 
zwischen Mercury und Phöbus (I, 1) beschränkt sich auf drei- 



Hawkesworth u. a. 207 

zehn Zeilen. Juppiter erzählt ganz kurz seine Absicht; weniger 
zugeschnitten ist Mercurys Gespräch mit der Nacht. Auch in 
der nächsten Szene — Juppiter-Amphitryons und Alcmenas 
Begrüssung — haben nur einige etwas, anstössige Worte fallen 
müssen. In dieser Art ist das ganze Stück gehalten. 

Ausser den oben angeführten Änderungen hat sich Hawkes- 
worth keine Zuthaten erlaubt, als hin und wieder einige durch 
Auslassungen nötig gewordene Verse und Stichworte. Unterdrückt 
sind auch die Gesänge am Schlüsse des dritten Aktes (Celia, 
that I once was blest), Mercury's song, das Pastorale Thyrsis und 
Iris (IV.); dafür findet sich neu eingelegt ein „song by a person 
who enters in the character of Plutus" (S. 88) und dann ein Ge- 
sang einer Nymphe „in the character of Wit". 

Sosias Schlussworte sind andere, als bei Dryden. Statt 
der Drydenschen : 

For, let the wicked World say what they please, 

The fair Wife makes her Husband live at Ease; 

The Lover keeps him too; and but receives, 

Like Jove, the Remnants, that Amphitryon leaves: 

'T is true the Lady has enough in störe 

To satisfy those two and eke two more: 

In fiue, the Man, who weighs the Matter fully, 

Wou'd rather be the Cuckold than the Gully. 

hat Hawkesworth die folgenden: 

But — down ambition! let me not complain — 
Enough that I am Sosia once again! 
Though not a cuckold, yet content I '11 be; 
The great nian's happiness is not for me. 
But of niyself shall I be robb'd no more? 
Your voice „ye learned Thebans" I implore — 
Give me your suffrage, I'll be Sosia still; 
Let bully Merc'ry there do what he will. 

Phädras Epilog fehlt. 

Dass Drydens Amphitryon auch in dieser Gestalt kein 
Glück machen werde, ahnt der Bearbeiter selbst. „In the present 
age a mythological play will rarely find a very splendid fortune, " 
sagt er. Dazu bedurfte es der Feinheit und Vollendung eines 
Moliere. Dryden war diesem Probleme nicht gewachsen; ja 
es scheint fast, als hätten ihn Nebenzwecke zu diesem Stoffe 
veranlasst. 

An die Hawkesworthsche Bearbeitung Drydens hat 
sich späterhin der Schauspieler Wo od ward angelehnt und noch- 
mal, wohl durch Moliere angeregt, von dessen Amphitryon 
1714 die Übersetzung von Ozell und 1732 eine andere in 



208 I- Anrphitruo. 

England erschienen war, 1 ) John Oxenford (geh. 1812; gest. 
21. Febr. 1877). 2 ) 



Eine deutsche Bearbeitung des Amphitruo lieferte im 
Jahre 1608 Wolfahrt Spangenberg: 3 ) Comödia, inhaltend die 
Empfengknüss vnd Geburt Herculis, auss dem Lateinischen 
Maccii Accii Plautii, verteutscht durch M. Wolfahrt Span- 
genberg. 

Es war mir nicht möglich, irgendwo ein Exemplar dieses 
Stückes aufzutreiben. 

Eine der seltsamsten Paraphrasen des Amphitruo ist des 
Johannes Burmeister Stück Sacri Mater Virgo, 4 ) eines der 
seltensten Bücher, dessen Kenntnis ich der Freundlichkeit der 
kgl. Bibliothek zu Berlin verdanke. Hier ist in einer manchmal 
fast bedenklichen Weise die Geburt Christi in den Amphi- 
truo verlegt. Den Inhalt des Stückes mag uns am besten des 
Dichters eigenes Argumentum Germanicum Matris Virginis 
(S. 99 ff.) geben. 

Hören wir ihn selber: 



') Le Molieriste. EU, pag. 61. 62. 

2 ) Le Molieriste. I, 318. LAinphitryon de M. John Oxenford, 
d' apres Dryden est copie sur celui de Moli er e. — Despois (Ausg.), 
S. 351. Parmi les versions separees d'Amph,itryon nous citons . . . une 
autre egalement d' apres Dryden faite aux Etas unis par John Oxen- 
ford. — Ob dies etwa die Komödie des J. Oxenford: I and my Double. 
A farce in two acts . . . as performed at the Theatre Royal English 
Opera (zu Ende der dreissiger Jahre gedruckt), ist, habe ich nicht eru- 
ieren können. In F. Bornmüllers Schriftsteller-Lexikon, Lpz. 1882, 
S. 545, ist keine Komödie Amphitruo aufgeführt, wohl aber erwähnt, 
dass Oxenford mehrere seiner Stücke dem Französischen und 
Deutschen entnahm. 

3 ) Er war aus Mansfeld (geb. um 1570, Sohn des Cyriacus Sp.), 
lebte aber später in Strassburg (gest. wahrscheinlich 1637). Er 
nannte sich auch Lycosthenes Psellionoros Androp ediacus und 
gab unter diesem Namen in Nürnberg seine „Singschul", eine Art 
Geschichte der Meistersänger, heraus, die Gottsched (I, 186) ins Jahr 
1630 setzt. Er übersetzte griechische und lateinische Dramen und schrieb 
eigene Stücke (Simson 1604; Mammons Sold 1614). (Koberstein. I, 427. 
Kurz. II, 104. Schnorrs Archiv. XI, S. 319. Anzeiger für deutsches 
Altertum. I, S. 159. Strassburger Studien. I, S. 374— 379.) 

4 ) M. A. Plauti | Renati | sive | Sacri | Mater-Virgo | Comoedia prima 
ex Am Iphitruone | Ad ] Admirandvm Conjceptionis et Incarjnationis Filii 
Dei | Misterium | inversa. | Joan. | Burmeistero Lu nae-burg. P. L. Caes. 
Recen sente | Ignobilis Bura Lucratur | Invidia Bucca Lacrumatur | Lune- 
burgae | Excudebat, Andreas Michaelis | M. DC. XXI. | 108 Seiten. — 
S. Gödeke, Grundriss. I, 138. — Nach freundlicher Mitteilung des 
Herrn Stadtbibliothekars W. Görges in Lüneburg enthält die dortige 
Bibliothek von Burmeister nur: Martialis Renati Parodiarum sacra- 
i'iiin pars prima, media, ultima. Goslaviae (Stern) 1612. 12°. 



J. Burmeister. 209 

Als in Jerusalem der Stadt 

Joseph ein newn Tempi gebawt hat, 

Auff König Herodis befehl: 

Wird gesendet auss dem Himmel 

Der Engel Gabriel von Gott, 

Gen Nazareth mit dem Gebot: 

Das Maria die Jungfraw rein, 

Würd ohn Manns zu thun schwanger sein, 

Durch Krafft des heilgn Geists gebärn 

Der Welt Heyland, Christum den HErrn. 

Welchs dem Asmodi gefeit nicht, 

Daher grossen Betruch anrieht: 

Herodes hat Joseph verehrt 

Ein güldn Pocal, den offeriert 

Asmodes Jungfrawn Mariae 

Vntr der gestalt des Sosiae. 

Treibt von der Thür den Sosiam, 

Verwirrt Joseph vnd Mariam. 

Als Joseph Mariam schwangr sieht, 

Vnd jhrem bericht trawet nicht, 

Vermeint er ohn allen scheu 

Das sie ihm gewordn sey vntreu, 

Gedenckt derwegn billicher massn, 

Nach dem Gesetz sie zu verlassn. 

Der Engel thut Joseph bericht, 

Ihn im Geheimbnuss vnterricht, 

Joseph trawet des Engels Wort, 

Nimpt Marian an also fort, 

Vnd werden eins in ihrem Sinn, 

Gen Bethlehem zu reisen hin, 

Des Keysers Gebott nach zu lebn, 

Vnd von jhrn Gütern schätz zu gebn. 

Asmodes aber Buhet nicht, 

Zu Bethlehem vnruh anrieht, 

Bringt auss durch ein falsches Geschrey 

Das Maria geschwengert sey, 

Wiedr das Gesetz, für der Hochzeit, 

Ein Priester begert darvon bescheidt 

Zu wissn, denselben mit vngebuer 

Treibt Asmodes ab von der Thür. 

Der Priester meint, dz durch den Knecht 

Joseph diss alles angelecht, 

Maria vnd Joseph geben bericht, 

Der Priester aber wils glauben nicht, 

Das die sach so geschaffen sey, 

Endtlich verbleibet es darbey: 

Da sich in der Geburt rechtr massn, 

Wurdn Zeiclm der Jungfrawschafft findn lassn, 

Vnd die Wehmuttr bröcht Zeugnus dar 

Wolt er gleubn das es were wahr. 

Darauff den Hirten auff dem Fehlt, 

Der Engl Christi Geburt vermeldt. 

Die Wehmuttr, mit verwundrung sehr 

Sagt, dz vnverletztr Jungfrawn Ehr, 

Maria geborn ein Wundr Kind, 

Darzu der Hirtn Zeugnus sich findt, 

Joseph Erfrewt sich der Geschieht, 

Vnd wird alls mit Frewdn aussgericht: 

14 



210 I- Amphitruo. 

Argumentum actus | primi: 

Josejdis Knecht Sosia bericht 

Wie des Templs gebäwt sey verriebt. 

Und das wegn angewantem fleiss, 

Joseph erlanget Ehr vnd Preiss, 

Sey dem König wordn lieb vnd werth. 

Mit einem Güldn Pocal verehrt, 

Wie er abr solches in der still 

Des Josephs Braut verkündigen will, 

Steht Asmodes dar für der Thür, 

Vnd treibt jhn ab mit vngebuer, 

Gibt für das er sey Josephs Knecht, 

Sosia muss jhm geben recht, 

Wird geschlagn, muss betrübt weg gehn, 

Vnd lassn jhn für der Thüre stehn, 

Asmodes meint durch seine List, 

Zu verhindern was vorhanden ist, 

Kans abr zu wege bringen nicht. 

Gabriel sein Werbung aussricht, 

Das auss des heilign Geistes Krafft, 

Ohn Verletzung der Jungfrawschafft 

Maria schwanger soll gebarn 

Der Welt Heyland, Christum den HErrn, 

Wordurch Asmodes sehr erschreckt 

Jedoch seinen betruch bedeckt. 

Argumentum actus | seeundi: 

Im andern Act Joseph kompt herein 
Mit Sosia dem Knechte sein, 
Welchr bericht das er gleichr Figur, 
Am Gesicht, Kleidung vnd Statur, 
Ein andern Sosiam gesehen, 
Zu Nazareth für der Thür stehn, 
Joseph vermeint es sey erlogn, 
Odr Sosia sey wordn betrogn. 
Maria find sich schwangr zu handt, 
Als Joseph erfahrt jhrn zustandt, 
Ist jhm die sach verdechtig sehr, 
Will jhren Wortn nicht glauben mehr 
Gedenckt auff mittl sie zuverlassn, 
Maria ist betrübt vbr die massn, 
Das jhr beweist wird solche schmach. 
Doch thut sie GOtt befehlen jhr sach. 

Argumentum actus | tertii: 

Im Traum der Engel Gabriel 
Trost des trawrigen Josephs Seel, 
Entdeckt ihm das Geheimbnuss gross, 
Vnd macht sein Hertz des argwohns loss, 
Des Propheten Zeugnüss erklert, 
Vnd drauff ferner an jhn begehrt, 
Weil Maria Ehr: vnd Tugent voll, 
Er sie billig annemen soll, 
Joseph bald auff des Engels Rhat 
Sich mit Maria versühnt hat, 






J. Burmeister. 211 

Verreisen beid gen Bethlehem. 
Asm ödes erschreckt in geheim 
Erdenckt ein ander Bubenstück, 
Sie zu bringen in Vngelück. 

Argumentum actus j quarti: 

Im virdten Actu werd jhr hörn 
Wie Asmodes erfüllt die Ohrn 
Des Priesters mit einm falschn Geschrey, 
Als wann Maria schwanger sey 
Durch Hurerey, will wissen grund, 
Vnd fordern abtracht für die Sund. 
Asmodes hat verschlossn die Thür, 
Lest den Priestr verspot stehn dafür. 
Der Priestr an Sosia rächet sich, 
Weil Asmodes jhrn war einlich, 
Mariam vnd Joseph zur red stelt, 
Das Geheimbnus jhm wird vermeldt, 
Mit der Schrifft zeugnus bewehrt ebn, 
Noch will er jhnn keinn glauben geben : 
Es sey, den das die Jungfrawschafft 
In der Geburt sehn lass jhr Krafft. 

Argumentum actus | quinti: 

Der Engl verkündigt auff dem Feldt 
Denn Hirtn, das der Heyland der Welt 
Zu Bethlehem geboren sey. 
Die Wehmutter bezeuget frey, 
Das Maria das Kindt geborn, 
Vnd jhr Jungfrawschafft nit verlorn, 
Die Hirten bringen Newe Meer, 
Joseph frewt sich vbr die mass sehr, 
Danckt Gott, sie verfügn sich zu haus, 
Vnd geht das Spiel mit Frewden auss. 

Die Personen des Stückes sind: Gabriel, Prologus; Sosia, 
Servos; Joseph; Maria, Virgo; Asmodes; Flamen Judaicus; Obste- 
trix; Pastores, tres. 

Der Text ist wörtlich, soweit es der Inhalt zulässt, mit dem 
plautinisclien Originale übereinstimmend. 

Gabriel als Prologus hat sich die Worte des Mercurius angeeignet: 

Vt vos in vostris voltis caerimoniis 
t/horo, foro, toröque me laetum sacris 
Afficere atque adjuvare in rebus Omnibus: 
Et ut res prece'sque vestrorum omnium 
Beue, exaudiri voltis, peregreq; & domi 
Bonoque atq; amplö auctare perpetuö lucrö 

u. s. w. bis V. 12: 

Mihi esse ab ahnd Jehova, ut praesim nuncüs. 

(V. 15.) Ita lmic facieti^ Uistoriae silentium, 

14* 



dann : 



212 I- Amphitruo. 

bis die mythologischen Berichte (V. 19) weitere Änderungen 
nötig machen: 

Bei jussu venio: GABR1ELIS est mihi 
Nomen. Me huc misit ad vos oratum Dens 



( V. 24.) Verum profectö hoc petere me precariö 

A vobis jussit CHRISTUS Qtüv&QomoQ. Licet 
Etenim il/e essentiä aeterno aequalis patri, 
Quia tarnen carnem vostram, sine labe, induit, 
Humana matre natus divinö patre: 
Mirari non est aequum, si sibi praetimet, 
Ne capti ab ASMUÜE hoste, Adami ut filii, 
Contagione Uta detis turbas novas. 
Propterea face advenio, & pacem ad vos adfero. 
Verum rem, at inauditam ante, vobis nuncio. 
Nam ver'e ä verö sum vobis nuncius datus. 
Nam falsa verum nnnciare non decet 
Falsa autem ä vero petere insipientia 'st. 
Quippe ille falsum, är vanum ignorat, neque tenet. 
Nunc jäm hüc animum ad ea, quae loquar, advortite. 
Debetis velle quae velim: mcruit enim 
Qui me misit de vobis, atque Ecclesiä. 
Nam quid ego memorem (ut alios in tragoediis 
Vidi heroas Josephum, Mosen, Josuam, 
Samsonem, Jsaidem, commemorare quae bona 
Suis fecissent) queis benefactis unicus 
Deum regnator, architectus omnibus? 
Set mos is nunquäm tri-uni fuit DEU 
Ut exprobraret quod bonus faceret bonis 

und so geht es fort, meist sich an das Original anschliessend bis 
zur Exposition der Lage (V. 97): 

Haec urbs est NAZARETB. In hisce habitat aedibus 
MARIA virqo, nata ex JEBOLAK IM patre, 
JOSEPBl sponsa fahrt de DA V IBIS tribu. 
Is nunc JOSEPH profectus est Hierosolymam. 
Nam rex HERODES templum slrui curat novum: 
Is prius quam hinc abiit ä rege conductus ad opus 
Hüne virffinem MARI AM despondit sibi: 
Sed non usuram cepit ejus corporis. 
Jam ego vos novisse credo, ut sit bonitas DEL 

Es folgt ein weiterer theologischer Abschnitt über den 
Sündenfall und die Erlösung; der Schluss nähert sich wieder dem 
plautinischen Wortlaut. 

Das Zusammentreffen des Sosia und Asmodes schliesst sich 
enge ans Original an. 

Qui me alter est audacior homo? 4' simul impru/l entior? 
Qui militareis mores sciam, qui hoc noctis solus ambulem? 
Quid faciam nunc, si latrocinatis manus me apprehender/t? 

beginnt Sosia seine Rede. Was der plautinische Sklave vom 
Teleboerkrieg sich zurecht richtet, gilt hier für den Tempelbau: 






J. Burmeister. 213 

Id. su>/>]>tt< regio atque opificüm operä sfructum est aedißcium, 

Arte atq; industriä heri uiei J0SEPH.1 maxume, 

Qui. pro discretione, operi praefecit artifieeis, suä 

Regiq : sie HER0D1 Magno reguum stabilivit suum. 

Me ab urbe praemisit douium, haec ut sponsae nunciem suae. 

Ut struxerit /c//t/>/i arcam duetu, imperio, auspicio suo. 

Ea nunc meditabor, quo modo Uli dicam, quum illo advenero. 

Si dixero mendacium. solens: meo niore fecero. 

Xam quom struebanl Uli, ego laborem fugiebam maxume. 

u. s. w. Hinsichtlich der langen Nacht meint Sosia (nach V. 271): 

Certe edepol scio. si quiequam : st quod credam certo sciam 
Credo ego hac noctu MESSlAM promissum adfore, 
Xam ecce Libra horoscopat cum spica virginis, 
Et cum praesepi Cancer alte in coelo culminat ! 

vl. s. w. Asmodes freut sich des Dunkels wie Merkur (V. '277 i: 
Perge. nox ut oecoepisti; gere fraudi morem meae. 

In dieser Weise ist das ganze Stück durchgeführt. Weniges 
ist vom Dichter neu eingesetzt: so die dritte Szene des ersten 
Aktes zwischen Gabriel, Maria und Asmodes nach Lucas I, V. 23, 
31, 35, 36, sowie auch sonst Stellen aus den heiligen Büchern 
häufig sind. 

Die Hirten auf dem Felde tragen die klassischen Namen 
Mopsus, Menalcas, Tityrus. Die Rolle der Bromia hat hier die 
obstetrix. Joseph schliesst das Stück: 

Nunc ibo intro ad Infantem & puerperam. 
Vos, speetatores, CHRISTI nati caussä, etare plaudite. 

Es folgt „Ein Geistlich Hirten Gesang von der Geburt Christi, 
welches zum besehluss der Comoediae von den Hirten kau gesungen 
werden", das nicht ohne poetischen Schwung ist. 

Noch enthält das Stück drei Szenen, welche beliebig ein- 
geschaltet werden können: „Tres sequentes Scenae parerga traetant, 
nee inversö Plauti stylo constant, poterunt igitur, proactoris ar- 
bitrio, sine Comoediae dispendio, vel notatis locis inseri, vel pror- 
BUS omitti." Sie bandeln zwischen Asmodes. Moj)sus, .Menalcas, 
Tityrus; Menalcas, Tityrus, Mopsus: Mopsus, Martha, Flamen. 

Zahlreiche Epigramme, die vor dem Stücke stehen, das Bur- 
meister in seiner Widmung an den Herzog Adolph Friedrieh 
von Mecklenburg als ..ex Plauto ad Christum inversam comoe- 
diam" bezeichnet, zeugen von der Aufmerksamkeit, die man dem- 
selben wi '.niete. Burmeister selbst bezeichnet in seiner Vor- 
rede an den Leser die Arbeit als eine mühevolle. ..Tantum opus 
(d. h. den ganzen Plaut us so zu bearbeiten) requirit multum 



214 I- Amphitruo. 

temporis, nee parum laboris." Er steht aber schon bei der sechsten 
Komödie, der Casina, die er Susanna 1 ) betitelt hat, und hofft 
das ganze Werk vollenden zu können. 

Wohl zu weit ist es gegangen, 2 ) wenn man bei Johann 
Georg Schoch, Comedia vom Studentenleben, Leipzig 1618, 3 ) 
Beziehungen zum plautini sehen Amphitruo finden will. 

Es ist dort keinerlei Reminiszenz an Amphitruo, 
als dass Mercurius das Stück einleitet; er kümmere sich nun 
auch um die Studenten: „Ihr wundert euch, woher ich, ein Schutz- 
Herr sonsten der Kauffleute und Diebe, anietzo auff die Stu- 
denten komme. Ich bin so wol der freyen Künste als der Kauff- 
manschaft ihr Gott und Patron, beydes wil ich euch in diesem 
lustigen Schau-Spiel für Augen stellen." Ebenso tritt er wieder in 
der fünften Handlung auf. Man darf wohl sagen ohne jede Be- 
ziehung zu Plautus. 

Ob das Spiel „auss ainer alten Römischen historj vom hercu- 
les", um dessen Aufführungsbewilligung im November 1549 ita- 
lienische Wandertruppen in Nürnberg baten, 4 ) ein Amphitruo 
(oder das Stück Senekas) war, ist zweifelhaft. 

Ein Amphitruo wurde im Jahre 1626 und öfter in Dres- 
den gespielt (vgl. oben S. 197). Hierüber berichtet Fürstenau: 5 ) 
.,Vom Jahre 1626 liegt uns das erste Verzeichnis der von den 
, Engländern' während der Monate Januar, Februar, Mai, Juni, 
Juli, September, Oktober und Dezember in Dresden am Hofe ge- 
spielten Stücke vor. Dasselbe enthält das ganze damalige Re- 
pertoir der Engländer, worunter viele Stücke Shakespeares . . . 
Ausserdem kommen vor die Tragikomödien und Komödien vom 
Hamman und Esther . . . vom Amphitrione" : und nochmal 6 ) 
„Im Komödienhause (zu Dresden) kamen an neuen Stücken zur 
Darstellung . . . das Freudenspiel von Juppiter und Amphitryonen . . . 
Von diesen Schauspielen wurden kurze gedruckte Inhaltsanzeigen 
verteilt. " 

An weitem Bearbeitungen nennt Gottsched: 7 ) „Die in Lor- 



») „Jam enim in sextä CASINA laboro, quam SUSANN AM voco." 

2 ) Grässe (Handbuch III, 617) sagt nur: „Merkur spielt wahr- 
scheinlich nach dem Muster des plautinischen Amphitruo die 
Holle eines Vor- und Zwischenredners." 

3 ) Mir zur Hand war Joh. G. Schochs | Comoedia | Vom ] Studenten- 
Leben | LEIPZIG | zu finden bey Johann Wittigauen. 1658. — Grässe 
a. a. 0. nennt (wohl irrtümlich) eine Ausg. von 1668. — C. W. Böt- 
tiger, Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen (Hamb. 1831) 
H, 217, führt 1657 als Entstehungsjahr der Komödie an. 

4 ) Dr. K. Trautmann in Schnorrs Archiv XUI, S. 67, Anm. 1. 

5 ) Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe zu Dresden. 
Dresden 1861. Bd. I, S. 97. 

•) A. a. 0. I, 229. 
') Nöth. Vorr. I, 232. 



Amphitruo in Dresden. 215 

beer verwandelte Daphne. Musical. Schauspiel. Dresden; dabei 
sind aucli zugleich aufgeführt worden: 1. Nimrod in einem 
Quintan Rennen. 2. Der keusche Joseph, theatralisch. 3. Saul 
und David. 4. Jupiter und Amphitryon. 5. Die heilige 
Märterinn Dorothea. 

Eine weitere Oper „Jupiter und Alcmene" nennt Gott- 
sched 1 ) (Lpz.) im Jahre 1696: wiederum 2 ) Jupiter und Alc- 
mena (Lpz.) aus dem Jahre 1704. 

Auch sonst fehlt es in Deutschland nicht an Mitteilungen, 
dass Amphitruobearbeitungen gespielt wurden. Ein Festbericht 
aus Dresden (Februar 1678) von Gabriel Tzschimmer, 3 ) 1680 
in Nürnberg gedruckt, schildert als neunte Nummer eine Am- 
phitruoaiifführung. Dort heisst es auf Seite 303: 

„Nach selbiger (d. h. nach der Tafel) aber, die Comoedia 
von Amphitryone im Comoedien-Hause agieret. 

Inhalt der Comoediae von Jupiter | und Amphitryo. | 

„Sobald als Jupiter auf die Alcmena ein Liebes-Aujge ge- 
worfFen, verstellet er sich in die Gestalt ihres | Ehemannes, des 
Amphitryonis, eben zu der Zeit, | da derselbe wider die Feinde 



') A. a. 0. 1,263. — Emil Weiler. Annalen der poetischen National - 
litteratur im XVI. und XVII. Jahrhundert, (Freiburg i. B., 1862—1864.) 
H, 280. 

2 ) Gottsched, a. a. 0. I, 275. 

3 ) Der Titel des Prachtwerkes ist: Die | Durchlauchtigste | Zusam- 
menkunft, | Oder: | Historische Erzehlung, | Was | Der Durchlauchtigste 
Fürst und Herr, | Herr Johann Georg der Ander, | Herzog zu Sachsen, 
Jülich, Cleve, und Bergk, des | Heiligeu Römischen Reichs Ertz-Marschall, 
und Churfürst, Landgraf in Thüringen, Marggraf zu Meissen, auch Ober- 
und Nieder-Lausitz, | Burggraf zu Magdeburgk, Graf zu der Marck und 
Ravens- bergk, Herr zum Ravenstein | Bey | Anwesenheit | Seiner Ckur- 
fürstlichen Durchlauchtigkeit Hochgeehrtesten Herren | Gebrüdere, dero 
Gemahlinnen, Prinzen, und Princessin'nen, zu sonderbahren Ehren, und 
Belustigung, in Dero Residenz und | Haubt-Vestung Dresden im Monat 
Februar io, des | MDCLXXV1TI sten Jahres | An allerhand ] Aufzügen, 
Ritterlichen Exercitien, Schau-Spielen, | Schiessen, Jagten, Operen, Co- 
moedien, Balleten, Mas queraden, Königreiche, Feuerwercke, und 
andern Denkwürdiges aufführen und vorstellen lassen, | Alles | Auf gnä- 
digsten Befehl, und Anordnung Höchstermeldter Sr. Churfürstl. | Durchl. 
genau bemercket, und das vornehste nach dem Leben in unter[schie- 
dene Kupffer gebracht,] Nebenst etlichen hierzu gefügten | Erläuterungen, | 
Nachdenklichen Geschichten, heilsamen Sitten-Lehren, Politischen Er- 
innerungen, | und gef asten Sprüchen; wie nicht weniger Religions-Estats- 
Kriegs-Jagt- | und andern diessfalls dienlichen Sachen. | Allen Edlen Ge- 
müthern zu fernerer Aufmunterung Heroischer Tugenden, Anführungen 
kluger | Welt- und Staats -Händel, und dann zur Bespieglung Mensch- 
licher Glückseeligkeit, Ehre, I Hoheit, Fälle, Anstösse, Mängel und Ge- 
brechen herfür gegeben, | und zum Drucke befördert [ Durch | Gabriel 
Tzschimmern. | Nürnberg. | In Verlegung Johann Hoffmauns, Buch- und 
Kunsthändlers. | Gedruckt daselbst bey Christian Siegmund Froberger. 
ANNO MDCLXXX. — (Vgl. auch Gottsched ä. a. 0. I, 244. Freyes- 
leben 51.) 



216 I- Amphitruo. 

des Vaterlandes, auf | Befehl des Königes Creontis, zu Felde ge- 
zogen. Alc'mena empfäliet ihn mit grosser Liebe und Freund- 
lichkeit, und | meinet nichts anders, als oh es ihr Mann sey. 
Mercurius nimht | des Amphitryons seines Knechts Sosiä Gestalt 
an sich, und betreugt [ (S. 304) heydes den Herrn und Knecht, 
nachdem Sie wieder | nacher Hause kommen. Amphitryo geräth 
deswegen mit | seinem Weibe in einen Zanck, und beschuldiget 
Eines das Andere des Ehebruchs. Als derowegen Blepharo, der 
vornehmste | Schiffer über dasjenige Schiff, worauf Amphitryo 
zu Hause | gekommen, desswegen zum Schiedesmann verordnet, 
kau er | nicht, wer der rechte Amphitryo sey, entscheiden, sondern 
die | Verwirrung, wird die länge je grösser, so-gar, dass auch 
Amphitryo wegen seiner Ungedult, von allen seinen Dienern ver| 
lassen, und Jupiter vor dem rechten Amphitryo gehalten wird. | 
Inmittelst mercket die Eiffersüchtige Juno des Jupiters heimliche 
Liebe, kommet dannenhero in Gesellschaft der Göttin Iris | herunter, 
und will sich, vermittelst der Zauberey, wodurch beydes | die 
Mutter und Frucht ümbkommen sollte, an der Alcmena | rächnen. 
Jupiter aber hintertreibet solches, und nachdem J der Handel 
offenbahr, gebiehret die Alcmena Zwillinge, dar unter einer Hercu- 
les genannt, wormit die gantze Action ihr | Ende, und darauf 
ein Engländischer Tantz gehalten." 

Interessant ist, wie in den meisten Bearbeitiingen Juno und 
Iris mitspielen und erstere einen Racheplan gegen die unschuldige 
Alcmena hegt. 

Eine andere Mitteilung über eine deutsche Amphitruo- 
aufführung im Jahre 1716 zu Wien verdanken wir der Lady 
Wortley Montague (geb. um 1690 als Lady Mary Pierre- 
pont; gest. 1762). Sie berichtet von einer solchen in einem 
Briefe 1 ) an Pope von Wien, datiert vom 14. September 1716. 
Es muss bei derselben sehr derb hergegangen sein.-) Juppiter 
fällt aus einem Guckloche in den Wolken, betrügt Alkmenes 
Schneider um ein besetztes Kleid und einen Juden um einen 
Diamantring; ja selbst der freilich damals sehr übliche Witz, dass 
die beiden Sosia ihre Hosen verloren, erregte lauten Beifall. 

Nachdem sich Lady Montague über das Opernhaus und 
eine Aufführung der Alcina sehr günstig geäussert hat, fährt 
sie fort: But if their operas are thus delightful, their comedies 
are in as high a degree ridiculous. They have but one play- 



') The letters and works of Lady Mary Wortley Montague, 
edited by her great grandson Lord Wliamcliffe. Second edition, 
revised in three volumes. London (Rieh. Bentley 1837). I. Bd., S. 286 ff. 

2 ) Vgl. auch E. Devrient, Geschichte der deutschen Schauspiel- 
kunst. Lpz. 1848. Bd. I, S. 336, und in Bonnel Thornton's englischer 
Übersetzung des Amphitryon. 



Wiener Aufführung. Falk. 217 

house, where I liad a curiosity to go to a German comedy , and 
was very glad it happened to be the story of Amphitrion. 
As that subject has been already handled by a Latin, French 
and English poet, I was eurious to see, what an Austrian antlior 
would make of it. I understand enongb of that langnage to 
compreliend the greatest part of it; and besides, I took with nie 
a lady, who had the goodness to explain to nie every word. The 
way is, to take a box, which holds four, for yonrself and Com- 
pany. The fixed price is a gold dncat. I thought the honse 
very low and dark; but I confess, the comedy admirably re- 
compensed that defect. I never langhed so much in my 
life. It began with Jnpiter's falling in love out of a peep-hole 
in the clouds, and ended with the birth of Hercules. But what 
was most pleasant, was the use Jupiter made of bis metamor- 
phosis; for you no sooner saw him under the figure of Amphi- 
trion, but instead of flying to Alcmena with the raptures Mr. 
Dryden puts into bis mouth, he sends for Amphitrion's taylor and 
cheats him of a laced coat, and bis banker of a bag of money, 
a Jew of a diamond ring, and bespeakes a great supper in bis 
name; and the greatest part of the comedy turns upon poor 
Amphitrion's being tormented by these people for their debts. 
Mercury uses Sosia in the same manner. But I could not easily 
pardon the liberty the poet has taken of larding bis play with not 
only indecent expressions but such gross words as I don't think 
our mob would suffer from a mountebank. Besides, the two So- 
sias very fairly let down their breeches in the direct view of the 
boxes, whieh were füll of people of the first rank, that seemed 
very well pleased with their entertainment, and assured nie this 
was a celebrated piece. 

Der Umstand, dass Johann Daniel Falk (S. 101) später 
einen Amphitruon schrieb, legt die auch von H. Kurz 1 ) be- 
merkte, sonst nicht gerade zwingende Annahme nahe, dass ihm 
schon in seinem „Uhu" eine Szene aus Mo Her es Stück vor- 
schwebte. Im „Taschenbuch für Freunde des Scherzes 
und der Satire, hrsgb. von J. D. Falk" (Leipzig in der 
Sommerschen Buchhandlung 1797), findet sich im ersten Bändchen, 
S. 215 — 316, „Die Uhu". Eine dram[a]tisch- satirische Rha- 



') Kurz. III, 284. Die dramatische Szene „Die Uhu"..., in wel- 
cher er die pfäffischen Umtriebe eines Woller und Konsorten persiflieren 
wollte. Allein es tritt dieser Hauptzweck kaum hervor ... Es fehlte 
ihm überhaupt an Erfindungsgabe, und die beste Stelle des Stückes 
ist gerade dem Amphitryon des Moliere abgeborgt, dessen 
Stoff er später selbständig bearbeitete, wobei er freilich bei seinem 
gänzlichen Mangel an dramatischem Talent unendlich weit hinter seinem 
Vorbild zurückblieb. 



218 I- Amphitruo. 

psodie, mit Chören von Uhu'n, Raben und Nachteulen; dazu eine 
Musikbeilage (zu S. 243) von Dittersdorf (Rabenchor). 1 ) 

Im ersten Auftritt des dritten Aktes treffen sich die Geister 
Friedrichs des Grossen und Voltaires. Letzterer besitzt von 
Pluto selbst einen Ring. 

In Mann und Weib, Low' oder Mücke, 
Kurz in beliebige Gestalt 
Umformt er uns im Augenblicke. 

Und so nehmen Voltaire und Friedrich die Gestalt von 
Johann, dem Diener des Trismegistus, an. Die nun folgenden 
Szenen erinnern allerdings an die Vorgänge mit Sosia. Wenn 
Johann Voltaire in seiner Maske sieht (S. 208): 

Was seh' ich? Alle guten Geister! — — 
Der Schurke gleicht mir ganz und gar, 
Von Kopf zu Fuss bei einem Haar. 

und später (S. 306): 

Und wie ein Ei dem andern Ei, 
Sahn wir uns ähnlich alle drei, 

wenn Voltaire alsdann die häuslichen Verhältnisse und seine 
Personalien so genau schildert, wie Merkur im Plaut us jene des 
Amphitruo, und Johann das Geständnis abzwingt (S. 301): 

Der Kerl weiss alles! 

so erinnert dies wohl an die Parallelszene beiPlautus undMoliere. 

Der dritte Auftritt führt die Verwirrung allerdings noch 
weiter, wenn auch Friedrich in Johanns Gestalt erscheint und 
diesem die angemasste „Livrey" abziehen will. 

Wieder an Plautus erinnert der fünfte Auftritt, in welchem 
Johann seinem Herrn, dem Doktor Trismegistus, den ganzen 
Voi'gang erzählt (S. 305): 

„Mein Nichts-Ich trat sogleich hervor 
Und schalt mich Lümmel, Bärenhäuter, 
Halunke, und was weiss ich weiter? 
Der Schimpf verdross mein Ich, und drob 
Ward es zuletzt gewaltig grob. 



') Kehre in. H, 319. Sein satirisches Stück „Die Uhu" bezieht 
sich auf den damaligen Religionszustand in Preussen, wo einige die 
alte Finsternis und den Gewissenszwang einführen wollten. — Schlimmer 
urteilt Hillebrand (H, 507): „Die Uhu nicht ohne aristophanischen 
Anstrich" . . . „Übrigens hatte Falk fast von Anfang an selbst in sei- 
nem freidenkenden Skeptizismus den Keim des Pietismus' geborgen und 
gehest." 



J. D. Falk. 219 

Mein Nicht-Ich log- mir ins Gesicht, 

Als sei ich Euer Diener nicht. 

Es sei das reine Ich allein, 

Und Ich, ich inüsste Nicht-Ich sein." 

Die weitere Verwandlung Voltaires in einen Apfelbaum u. a. 
verlässt dann das Original. 

Sieben Jahre später erschien: Amphitruon. Lustspiel in 
fünf Aufzügen von J. D. Falk. Halle, in der Ruffschen Verlags- 
handlung 1804. Erste Abteilung (292 S.); zweite Abteilung (202 S.); 
jede mit einem Bilde geziert. ') 

„Der Vorbericht (Weimar, den 8. März 1803) bezeichnet den 
Amphitruon als aus dem Studium zu den Abbandlungen aus dem 
Gebiete der Poesie und Kunst hervorgegangen. Seine Tendenz ist 
klar in folgenden Worten (S. VI) dargelegt: „Die Fragmente der 
beiden Hauptkomiker, Menander und Pbilemon, sollen mir dabei 
zum Leitfaden dienen. Vorläufig nur so viel, dass gegen hundert 
Berührungspunkte der Deutschen mit dem gemütvollen Griechen, 
sich kaum einer und ein halber mit dem espritreichen, nach Witz, 
Schimmer und Pointen haschenden Franzosen vorfinden dürfte. 
Von der ganzen Galerie von Charakteren, dem Trupp von Origi- 
nalen, den die neuere Komödie, selbst in ihrer Ausartung 
ins Individuum, auf den Platz gebietet, giebt uns Tereuz nur 
einen äusserst unvollständigen und sehr schwachen Begriff. Selbst 
auf die Gefahr, modern gescholten zu werden, will ich es daher 
versuchen, nicht das Leben aus den Fragmenten, sondern die 
Fragmente aus dem Leben zu erläutern: ein frischer Griff in die 
Umgebungen der Mitwelt wird mir dabei zum Kommentar dienen. 
Der Geizige, der Abergläubische, der Weiberhasser, der Menschen- 
feind, der Griesgram, der genialische Lügner und Aufschneider, 
der Prahler, der Muhmenhans, der Stock (Niais-Margites), der 
Strick, der Gauner, der Superklug u. s. w. leben noch zu unsern 
Zeiten, wie zu denen des Menander. Auch die verschiedenen 
Stände, der Stand des Landmanns, des Fischers, des Kochs, des 
Bäckers, des Mundschenken, des Schmarotzers, des Soldaten, des 
Bettlers, des Priesters, der Philosophen, der Spinnerinnen, der 
Korbträgerinnen, der Begeherinnen heiliger Vorabende - - alles 
Typen, die häufig in den übriggebliebenen Fragmenten vor- 
kommen — sind keineswegs ausgestorben, sondern nur in andern 
Verkleidungen auch unter uns vorbanden." 

Nach diesen Grundsätzen hat Falk das Personal wesentlich 
erweitert. Da finden sich, neben den Hauptpersonen der Komö- 
die, der Oberkoch Dorisens, die beiden Parasiten Licht 
und Schatten, der grosssprecherische Soldat Thraso, eine 



Eine weitere Ausgabe erschien 1826. 



220 I- Amphitruo. 

Reminiszenz des Miles Gloriosus, der Bader Bybachides, der 
Oberhirte Melantlios, ein Paar Fischer, noch ein Paar Fischer; 
Meister in Erz; Meister des Beils; Schneider, Färber, Töpfer, Hir- 
ten, Köche und Sklaven. 

Erster Aufzug-. Juppiter „in einer griechischen Feldherrn- 
kleidung'" tritt auf. Juno hat nicht bemerkt, wohin er ging, da 
ihn eine Geschäftsreise vom Olymp ferne hält. Sein Sehnen gilt 
Amphitruons Weibe (S. 7): 

Indes im Lager er den Feind bekämpft, 
Will ich von ihm Gestalt und Stimm' erborgend, 
Sein Weib bethörend, mir den süssen Lohn 
Verstohlner Liebe zu gewinnen suchen. 

Damit verbindet er aber noch eine andere hier zum erstenmal e 
auftretende Absicht: 

So straf ich, während ich in meiner Brust 
Geheimen Wunsch befriedige, zugleich 
Auch seine, des Gemahles, Eifersucht, 
Die oft Alkmenen unerträglich quält. 

Die Nacht hat Auftrag, länger zu währen. Merkur, in 
Sosias Sklaventracht, bringt Juppiter die Botschaft, dass vor 
Telebois ein Sieg erfochten wurde (S. 9): 

Und eingedenk der zärtlichen Alkmene 
Schickt ihr Gemahl aus reich erworb'ner Beute 
Ihr einen kostbar'n, goldgestickten Schleier. 

Auf die Mitteilung hin, dass Amphitruon noch diese Nacht 
eintreffen werde, will Juppiter sofort „unverrichtetes Gewerbs" 
zum Olymp zurück Merkur aber setzt ihm seine Pläne aus- 
einander. Alkmene soll einen zweiten, jenem ganz ähnlichen 
Schleier erhalten, Amphitruon aber werde er (als Sosia) derb 
abweisen. Dabei bedauert Merkur nur, dass er Sosias Weib, 
Andria, in seiner Verkleidung nicht losbringen werde. 

Noch ehe er geht, legt er die eingelaufenen Bittgesuche vor. 
Die Megarer bitten um Regen, die Phönizier um Wind u. s. w. ! ) 
— Die dritte Szene führt ins Innere des Hauses. Alkmene 
ist umgeben von Sklavinnen und ihrem Sohne Amyntichus; sie 
erfährt, dass Thraso und die Parasiten angelangt seien, und lässt 
sie rufen. Unterdessen erweist sich Amyntichus in seinen Spielen 



') In Versen, welche den Spott des alten Schartenmeyer (Nörd- 
lingen 1873, Strophe 238) herausfordern würden, geht das Gesuch an 
Aolus hinüber: 

(S. 18.) . . . jegliche Supplik gelang' 

An ihr bestimmt Departement. 



J. P. Falk. 221 

als einen jungen, seines Vaters würdigen Helden. Amphitruons 
Heldengeist (S. 39): 

„Er lebt aufs neu in diesem Knaben auf." 

Damokleia, die Schaffherin, bringt Doriscus und die 
beiden Parasiten, denen bald Sosia (Merkur) folgt. Er erzählt 
vom Kriege. Durch ihn lässt Amphitruon reiche Opfer, und 
was ganz gegen seine frühere Gewohnheit ist, eine üppige Tafel 
bestellen. Eine launige Darstellung des Koches, wie er in 
Theben, durch die Parasiten gehoben, zu Ehren und Ansehen kam, 
schliesst den Akt. 

Der zweite Aufzug beginnt mit einem Zwiegespräch 
Juppiters und Merkurs. Letzterer hat den Schleier über- 
bracht. „Die Nacht verlängert sich zu süsser Ruh" (S. 87); 
Juppiter geht zu Alkmene. Da naht Sosia mit der stereo- 
typen Laterne. Er übt den Bericht ein, den er Alkmene ab- 
statten soll, und will eben ins Haus eintreten, als er Merkur 
gewahr wird. Nach kurzem Wortwechsel überzeugt er sich von 
der genauen Ähnlichkeit seines Gegners mit ihm (S. 102): 

„Er ist's! Mein Wuchs, mein Gang, dieselbe Zierlichkeit, 
Dasselbe Ebenmass im Bau der Glieder. 



Wie angebrannte Stoppeln rotes Haar 

Auch an den Zähnenlücken — eins, zwei, drei — 
Fehlt keine — soviel schlug mir Andria entzwei! 
Du bist's, ja ich erkenn' Dich, Sosia! 
Dahier ist meines linken Backens Warze." 

Sosia geht, um Amphitruon zu holen. Es folgt eine Szene 
ehelichen Zwistes zwischen Merkur (Sosia) und Andria mit 
ihren drei Kindern, die Merkur nicht als echt anerkennen will. — 
Elektryon, Alkmenes Vater, ist gekommen, um seinen zurück- 
gekehrten Schwiegersohn zu begrüssen. Merkur jedoch weist 
ihn ab (S. 139): 

Und wenn Amphitruon auch selbst erschien', 
So lautet mein Befehl, ihn abzuweisen. 

Beleidigt, 

..Der berühmt gewordne Feldherr schämt 
Sich jetzo wohl des ländlichen Verwandten," (S. 141) 

eilt er zu seinem Gastfreund Eteokles. — Der Bader By- 
bachides wird von Merkur auf den nächsten Morgen bestellt, 
da dem Amphitruon „im Kniegelenk ein Pfeil zusamt dem 
Widerhaken" (S. 148) sitzt. — Die Parasiten mit Doriscus 



222 I- Amphitruo. 

nahen mit Thraso. Merkur, welcher das Dach bestiegen hat, 
jagt sie weg und verpflichtet alsdann den Oberkoch Dorisens, 
die von ihm im Namen Amphitruons befohlene Gasterei zu ver- 
anstalten. - — Sosia, noch immer unklar über seinen Doppelgänger, 
trifft wieder mit Merkur zusammen, der ihm einige Züge aus 
seinem Privatleben vorhält. Es kömmt zum Streit, dann zu 
Schlägen, bis Sosia endlich findet, er sei hier entbehrlich, und 
Merkur umarmt mit den Worten: 

Somit entbietet Sosia. der Zweite, 
Hier Sosia, dem Ersten, Lebewohl. 

Der dritte Aufzug führt Amphitruo und Sosia zusam- 
men. Letzterer erstattet ausführlichen Bericht: Amphitruo 
jedoch argwöhnt, es sei ihm unterwegs der Schleier abhandenge- 
kommen, und er habe sich deshalb das ganze Märchen ersonnen. 
Er schickt ihn darum ins Haus. Unmittelbar darauf erblickt er 
Merkur auf dem Balkon; dieser beschimpft ihn und wirft Ziegel- 
steine gegen ihn, sodass Amphitruon forteilt, um zwei Fischer 
zu holen, die ihm behilflich sein sollen, in sein Haus zu ge- 
langen. Vergeblich hat sich unterdessen Sosia bemüht, dem 
Befehle seines Herrn gemäss über den Zaun zu steigen; er ist 
zu hoch. Der Bader kömmt des Weges. Sosia lässt sich von 
ihm auf der Bühne zur Hälfte rasieren, da tritt Amphitruo 
mit den Fischern auf. Sosia wird gebunden und in einen Sack 
gesteckt, um so, zur Strafe für sein Benehmen gegen seinen 
Herrn, ins Meer geworfen zu werden. Als er bereits abgeführt 
ist, bereut Ampitruo den strengen Befehl. — Der Bader ist zur 
Exekution hinzugekommen. Er erzählt Merkur unter gewaltigem 
Aufschneiden, wie er eben einem, den man ersäufen wollte, zu 
Hilfe kam. Seine prahlerischen Reden, die an Falstaffs Schlachten- 
berichte erinnern, unterbricht Merkur (S. 245): 

Wie, Ihr erkanntet sie an ihren roten Mützen; 
Und konntet keine Hand vor Angen sehen? 
Zehn Kerle waren's nur, womit Ihr fochtet, 
Und vierzehn sind hernach entflohn? 

Unterdessen erblickt Bybachides mit Entsetzen Merkurs wieder 
„zollbreit angewachsenen" Bart. — Amphitruon, der die Fischer 
nicht mehr erreicht hat, kehrt zurück und erblickt Merkur, den 
er staunend fragt: „Zuerst — wie kamst du aus dem Fluss?" 
..Ich war nie drinnen" (S. 251), lautet die Antwort. Die Fischer 
kommen gleichfalls, ihres Auftrags ledig, zurück und erblicken un- 
begreiflicherweise Merkur, der alle beschwichtigt. — Noch führt 
uns der Dichter eine Liebesszene zwischen Juppiter und Alkmene 
vor, in welcher er ihr die bedeutungsvollen Worte spricht (S. 264): 



J. D. Falk. 223 

Du magst Dir den Gemahl, wie billig, loben. 
Ich zieh' ihm dennoch den Geliebten vor. 

Vierter Aufzug-. Das Opfer ist vollbracht. Juppiter 
und Alkuiene sitzen bei der reichen Tafel; der Sänger Da mo- 
do kl es singt zur Leier das Lied von Danae und Juppiter. 
Alkmenes Rede bringt Juppiter zum Nachdenken. Sie hat 
vor Juppiters Altar nur die Eine Bitte vorgebracht (S. 19): 

„Gieb nicht zu, dass eine fremde Liebe 
Den schönen Bund uns stören möge, der 
Amphitruon, mich und dies Kind vereinigt." 

und der Gott schien sie ihr gewährt zu haben. „Er hat's!" 
(S. 20), ruft er nach kurzer Überlegung (S. 21): 

Du? — Ein Schutzgott dieses Hauses? 
Du könntest — wolltest — Nimmer — nimmermehr. 

Vergangen sei dies Blendwerk! Tag soll sein! 

So bricht der Morgen an. Juppiter reisst sich rasch von 
Alkmene los; sie eilt ihm nach. Amphitruo sieht beide und 
belauscht mit Entsetzen ihr Gespräch. Vergeblich sucht er sich 
zur Ruhe zu bereden, da sie fort sind. Er tritt ins Haus zu 
Alkmene. Diese aber, um ihn für die Kälte, mit der er sich eben 
losriss, zu strafen, behandelt ihn ein wenig nachlässig. Sie bejaht 
auf seine Fragen, dass sie im Garten war, und findet an Damo- 
kleia eine eifrige Verteidigerin. Amphitruon sucht Alkme- 
nes Vater, Elektryon, auf. 

Unterdessen fasst Juppiter den Plan, Amphitruon mit 
einem Landgute, das er sich längst wünschte, zu beschenken. Er 
soll erfahren (S. 65): 

„Dass er und Juppiter heut' Nebenbuhler waren." 

Sosia, der durch andere Fischer glücklich gerettet wurde, 
begegnet Juppiter und ergeht sich mit ihm in einen endlosen 
Dialog, wie er an Juppiters Stelle die Welt regieren würde. 
Die Stelle, wo er von Amphitruons Sklaven, Sosia, spricht (S. 75): 

Ich habe viel von ihm vernommen 



Ich muss euch sagen, dieser Mensch gefällt mir; 

Er hat so was Grundehrlich's im Gesicht, 

Was gleich beim ersten Anblick für ihn spricht. 

u. s. w., erinnert wiederum an Falstaff und jene köstliche Szene 
(I, 2, 4), wo er den König Heinrich spielt und von dem „virtuous 
man ... of a cheertül look, a pleasing eye and a most noble 



224 I- Amphitruo. 

carriage" spricht. — Juppiter verschwindet, imd ein mit Speisen 
wohl besetzter Tisch steigt für Sosia ans der Erde empor. Eben 
schickt er sich jubelnd an zu essen, da kommt Amphitruon 
mit Elektryon, und erzürnt lässt er Sosia Fussschellen anlegen. 
Fünfter Aufzug. Elektryon hat das Haus betreten, um 
zwischen Amphitruon und seiner Tochter zu vermitteln. Zwei 
Fischer, die in ihren Netzen Sosia aus dem Asopus zogen, und 
deren Fischerzeug dabei zerriss, verlangen Ersatz, den ihnen 
Amphitruon gewährt. Das Volk drängt sich heran, um an den 
durch Sosia öffentlich versprochenen Gastmählern teilzunehmen. 
Der Oberhirt Melanthos berichtet, dass alle bestellten Stiere, 
Schafe u. dgl. bereit seien. Amphitruon begreift alles dies 
nicht. Alkmene erzählt, ihm von seiner Heimkehr aus dem 
Felde und ihrer Begrüssung, da naht Juppiter und Merkur 
und nun — „Zwei Amphitruonen! Zwei Sosien!" Alkmene 
entscheidet sich für Juppiter (S. 134): 

„Du bist Amphitruon, und jener ein Betrüger." 

Elektryon wagt es nicht, für einen Partei zu ergreifen; sie ha- 
ben beide die gleiche Narbe am Arme; nur der Steuermann 
Nausikrates entscheidet sich für Juppiter. Dieselbe Szene 
wiederholt sich zwischen Andria und den beiden Sosien. Am- 
phitruo gewinnt nur Thraso und die beiden Parasiten für 
sich. Als das thebanische Volk zusammenströmt, zeigen sich die 
beiden Amphitruonen und Sosien. Juppiter wehrt sich 
gegen Amphitruons Angriffe. Nach kurzem Zaudern ruft der 
Parasit Licht, da Juppiter sie zu Tische lädt (S. 177): 

. . . Thebaner, nun wird's klar! Ich dächte, 
Wer uns zu essen giebt — 
Volk: Ja, ja! das ist der rechte. 

In einer Unterredung beschwichtigt Juppiter Amphitruon. 
Damokleia wisse am besten um Alkmenes Unschuld. Amphi- 
truon ahnt, dass er es mit einem höheren Wesen zu thun habe 
(S. 182); er wird zufrieden. 

„Der Argwohn schlägt nicht mehr mir um das Haupt die Schwingen ; 
Ich fühle Ruh in meine Seele dringen: 
Das dank' ich Dir!" 

sagt er zu Juppiter. Damokleia versichert: 

„Nicht hat er die Gemahlin Dir berührt." 

Der „reiche Gutsbesitzer Hasdrubal" überbringt Amphi- 
truon ein Inventar seines neu erstandenen Landgutes, das dieser 



J. D. Falk. 225 

denn anch freudig „als ein Geschenk der Götter 14 annimmt. 
Merkur und Juppiter verabschieden sich in ihrer wahren, gött- 
lichen Gestalt: 

„Ich kam, ich sah, ich fand weit mehr, als ich gesucht: 

Nur — dass ich wieder ging, sowie ich kam. 

Dass ich Alkmenes stille Bitt' erhörte, 

Ihr nicht des Hauses schönen Frieden störte — 

War wohl natürlich. Könnt' ich minder thun?" 

sagt (S. 200) der scheidende Juppiter. Und das Volk hegrüsst ihn: 
„Der ist's, durch den die Linsen und die Bohnen wachsen." 

Molieres reizendem Lustspiele gegenübergestellt, kann 
Falks Amphitruon kaum jemand begeistern. Indem er die 
mythologische Grundidee verrückt, wird Juppiter in eine eigen- 
tümliche Situation gebracht, die zwischen Schwäche und Edelmut, 
Lüsternheit und Entsagung schwankt. Er hat höchstens Juppiters 
Wort (II, 179) zur Geltung gebracht: 

Mag die Fabel von den zwein Amphitruonen 
Noch eine Fabel für die spät'ste Nachwelt sein. 

Um wirksam zu sein, mussten die Charaktere in ihrer Zeit- 
anschauung verbleiben. Der Gott des Himmels und der Erde, der 
erst in Liebe für eine Sterbliche glüht, sich selbst aber, gleich- 
kam beschönigend, vorredet, er strafe nur Amphitruons unbe- 
gründete Eifersucht (I, 7, 64), der dann in einen Kampf mit sich 
selbst als Alkmenes Schutzgeist gerät, der nirgend Entschie- 
denheit zeigt, sich erst von Merkur Pläne schmieden lässt, dann 
aber doch wieder meint (II, 65): 

Noch soll, eh' wir zurück uns zum Olymp verfügen, 
Erst die Verwirrung hier ein wenig uns genügen, 

verdient nicht viel mehr, denn als der gepriesen zu werden, „durch 
den die Linsen und die Bohnen wachsen." 

Fast alle Motive Molieres finden sich bei Falk ver- 
\\ er t et; allein die überschwängliche Breite, mit der es der Dich- 
ter versucht, Charakterbilder zu entwerfen, wenn er Fischer und 
Gewerbemeister halb antik, halb modern zeichnen und durch ge- 
wisse allgemeine Züge charakterisieren will, schadet dem Ganzen 
merklich. Es fehlt nicht an schönen Stellen, doch finden sich 
dieselben nur zu oft im unrechten Munde. Es ist kein Mangel 
an Bildern, die an sich wohl gelungen sind, allein sie passen 
häufig nicht in den Rahmen der Geschichte. Es mangelt fast immer 
das dramatische Leben, und die oft sehr seltsame Sprache mindert 
bisweilen selbst den Erfolg des Satirischen. 

. 15 



226 I- Amphitruo. 

Heinrich von Kleists (1776—1811) „Amphitryon" er- 
schien 1807 in 8° zu Dresden; die neue (wohlfeilere) Ausgabe 1 ) 
von 1818 (Dresden, Arnoldi) von Adam H. Müller mit einer 
schwer verständlichen Vorrede des Herausgebers scheint nur eine 
Titelauflage zu sein. Adam H. Müller sagt (11): ,. Eigentümlich 
und im edelsten Sinne des Werks (Wortes?) original ist diese 
Bearbeitung des Moliere . . . (V.) Mir scheint dieser Amphitryon 
weder in antiker noch moderner Manier gearbeitet: Der Autor 
verlangt auch keine mechanische Verbindung von beiden, sondern 
strebt nach einer gewissen poetischen Gegenwart, in der 
sich das Antike und Moderne — wie sehr sie auch ihr unterge- 
ordnet sein möchten, dereinst, wenn gethan sein wird, was Goethe 
entworfen hat — dennoch Wohlgefallen werden." 

..Erwägt man," fährt Müller weiter, „die Bedeutung des 
deutschen und die Frivolität des Moliereschen Amphitryon, erwägt 
man die einzelnen von Kleist hinzugefügten komischen Züge, so 
muss man die Gutmütigkeit bewundern, mit der die komischen 
Szenen dem Moliere nachgebildet sind: der deutsche Leser hat 
von dieser mehrmaligen Rückkehr zu dem französichen Vorbilde 
den Gewinn, kräftig an das Verhältnis des poetischen Vermögens 
der beiden Nationen erinnert zu werden." 

Im ersten Akte tritt Sosias (hierl und as) auf. Merkur, 
in der Gestalt des Sosias, jagt ihn unter Prügeln weiter. 
Juppiter nimmt von Alkmene Abschied, nicht ohne durchblicken 
zu lassen, wer er sei, wenn er (I, 4) sagt: 

Versprich mir denn, dass dieses heit're Fest, 

Das wir jetzt frohem Wiedersehn gefeiert, 

Dir nicht aus dem Gedächtnis weichen soll; 

Dass Du den Göttertag, den wir durchlebt, 

Geliebteste, mit Deiner »-eitern Ehe 

Gemeinem Taglauf nicht verwechseln willst. 

Versprich, sag' ich. dass Du an mich willst denken, 

Wenn einst Amphitryon zurückekehrt*) — 
Alk. Nun ja. Was soll man dazu sagen? 
Jupp. Dank Dir! 

Es hat mehr Sinn und Deutung, als Du glaubst. 

Charis, welche bei Kleist dieRolle von Molieres Cleanthis 
spielt, bespricht sich mit Merkur, den sie für ihren Gatten Sosias 
hält. Sie scheiden, ohne sich zu verständigen. 



J ) In der Hempel ausgäbe Bd. I, 199 ff. 

2 ) Weniger bedeutsam bei Moliere nach dem Gespräche über Ehe 
und Liebe (I, 3): 

Jup. Mais, belle Alcmene, au moins quand vous verrez Ve'poux, 

Songez ä l'amant, je vous prie. 
Ate. Je ne separe point ce qu'unissent les Dieux. 



H. von Kleist. 227 

Am Beginne des zweiten Aktes erzählt Sosias dem Aniphi- 
tryon, was ihm widerfahr. AI knien e tritt mit Charis aus dem 
Hause: es folgt die Szene der Verwicklung. Alkmene zeigt zum 
Beweise der Wahrheit das Diadem des Lahdakus vor, den Amphi- 
tryon erschlug, und das er ihr schenkte. Sie kann das Benehmen 
ihres Gatten nur für Verstellung (II, 2) nehmen, wie auch Mo- 
lieres Alkmene thut (II, 2): 

„Abscheulich ist der Kunstgriff, er empört mich. 

Wenn Du Dich einer andern zugewendet, 

Bezwungen durch der Liebe Pfeil, es hätte 

Dein Wunsch, mir würdig selbst vertraut, so schnell Dich, 

Als diese feige List zum Ziel geführt." 

Eine ähnliche Szene entwickelt sich zwischen Charis und 
Sosias. Die vierte Szene gehört Kleists Erfindung. Alkmene 
kömmt mit Amphitryons Diadem, auf dem sie die Buchstaben 
J statt A findet. Sie wird darüber verwirrt : 

Nicht nur entblosst bin ich von jedem Zeugnis. 
Ein Zeugnis wider mich ist dieser Stein. 

Da naht Juppiter. Er sagt ihr: 

Es war kein Sterblicher, der Dir erschienen. 
Zeus selbst, der Donnergott, hat Dich besucht. 



— — Juppiter, sagt' ich 

Und wiederhol's. Kein anderer, als er, 

Ist in verfloss'ner Nacht erschienen Dir. 

Diese Mitteilung veranlasst Charis, auch in ihrem Sosias einen 
Gott zu suchen (II, 6): 

Und der sich für Sosias hier mir giebt, 
Der wäre einer der Unsterblichen, 
Apollon, Hermes oder Ganymed? 

eine Vermutung, welche der plumpe Sosias nur zu schnell mir 
den Worten enttäuscht: 

Apollon, ich" Inst Du des Teufels? — Der eiue 
Macht mich zum Hund, der andre mich zum Gott? — 
Ich bin der alte, wohlbekauute Esel 

Sosins. 

In der ersten Szene des dritten Aktes klagt Amphitryon 
über sein Schicksal: doch glaubt er noch an die Unschuld seiner 
Gattin. Merkur besehimpfl ihn vom Altan herab und warnt ihn, 
„das Glück der beiden Liebenden- drinnen nicht zu stören. 
Sosias kömmt mit den Feldhcrrn zurück, die er nach Juppiters 

15* 



228 I- Amphitruo. 

Willen eingeladen hat, worüber ihn Amphitryon heftig ausschilt. 
Juppiter tritt ans dem Hause hervor, die Feldherrn entscheiden 
sich für ihn, wie Sosias sagt (III, 5): 

Der ist der wirkliche Amphitryon, 

Bei dem zu Mittag jetzt gegessen wird. 

Amphitryon zieht sich zurück, um „eine Schar von bewaff- 
neten Freunden" zu holen. Juppiter geht mit den Feldherrn 
zu Tische, den hungernden Sosias jedoch hält Merkur heraussen, 
indem er ihm ausmalt, dass ihm sein Weib Charis ein präch- 
tiges Mahl zubereitet habe, das er jetzt für ihn einzunehmen 
gedenke. 

Amphitryon ist mit Obersten und Volk zurückgekehrt, die 
treu zu ihm stehen. Ebenso bittet Sosias (III, 10) um Schutz: 

Und kurz ich bin entsosiatisiert, 
Wie man Euch entamphitryonisiert. 1 ) 

Wieder tritt Juppiter seinem Rivalen entgegen; auch 
Alkmene entscheidet sich für den Gott; doch will sie gehen; 
denn ihre Ehre ist verletzt. Da nimmt Juppiter seine wahre 
Gestalt an; er löst die Verwirrung und verspricht die Geburt des 
Herkules, nachdem ihn Amphitryon gebeten hat: 

Was Du dem Tyndarus gethan, thust Du 

Auch dem Amphitryon: Schenk einen Sohn, 

Gross wie die Tyndariden, ihm. , 

Alle sind zufrieden und sprechen von Ruhm und Triumph. 
Nach keiner Seite hin fällt, wie bei vielen andern Bearbeitern, 
eine spöttische Rede, wenn man nicht etwa der früheren Worte 
des Sosias über diese Himmelsehen (II, 6) noch gedenkt: 

Sos. Dergleichen Heirat war mir stets zuwider. 
Char. Zuwider? Warum das? Ich wüsste nicht — 
Sos. Hm! Wenn ich Dir die Wahrheit sagen soll, 

Es ist — ein Pferd und Esel. 
Char. Pferd und Esel! 

Eiu Gott und eine Fürstin! 

Kleist ist wieder auf den rein mythologischen Boden zurück- 



') Dies Wortspiel hat schon Moli er e (H, 8): 
Et l'on me des-Sosie enfin, 
Comme on vous des-Amphitryonne, 
wobei die Herausgeber auf den Trinummus des Plautus {V. 977): 

Proin tute itidem ut charmidatu 's, rursum te decharmida 
hinweisen. — Auch Dryden (HE, 1): 

„and also Unsosiated me". (Vgl. S. 193, A. 1) 



H. von Kleist. 229 

gegangen und hat ihn in manchem Stücke veredelt und verfeinert. *) 
Von Moliere hat er sich nur da losgesagt, wo er glauhte, ein- 
zelnes noch mehr idealisieren zu können , darum besonders im 
zweiten Teile. Alkmene ist etwas selbstthätiger und unabhängiger 
bis zum Schlüsse, als inf anderen Bearbeitungen, weil sie seit dem 
zweiten Akte den ganzen Vorgang ahnt. So sind also beson- 
ders die vierte und fünfte Szene des zweiten Aktes Kleists 
eigene Arbeit. Moliere hat er freilich, trotz stellenweise engsten 
Anschlusses, bei weitem nicht erreicht. 2 ) 

Auch das „Neue Blatt" 1881, Nr. 10, 11, 12, enthält eine 
Amphitryon-Geschichte. 3 ) 

Eine deutsche Übersetzung des Amphitruo stammt von 
A. C. Borheck (Köln 1803)*) und Rost*) (Leipzig 1829, Progr. 
58 Seiten). 



IL Asinaria. 6 ) 

Es ist ein durchaus unsauberer Stoff, 7 ) den uns Plautus in 
seiner Asinaria vorführt; dazu gesellt sich ein fühlbarer Mangel 
dramatischer Gestaltung. Ein Sohn, der, um seine Geliebte sich 
auf ein Jahr zu sichern, dieselbe seinem Vater auf eine Nacht 
überlassen muss, da dieser sie ihm um das Geld, um welches er 



1 ) Gödeke, Gdrss. DT, 1. Abt., S. 48. „Amphitryon, der ihn 
nicht der Possen, sondern des eigentümlichen Problems halber anzog." 

2 ) Koberstein. III, 3152. „Amphitryon ist eine keineswegs 
geglückte Umarbeitung von Molieres gleichnamigem Stücke." — 
Kurz. III, 465. Der Amphitryon kann nicht in Anschlag gebracht 
werden, da er nur nach dem Französischen des Moliere bearbeitet ist, 
den er zudem in keiner Weise erreicht. — Gervinus. V, 750. „Den 
Amphitryon des Moliere hat er verzerrt." 

3 ) St ein ho ff, Das Fortleben des Plautus etc. S. 14, Anm. 5. — 
Wollte man freilich aller irgendwie ähnlicher Auftritte gedenken, so 
dürfte man in erster Linie die wirksame Szene in Karl Gutzkows 
(1811—1878) Lustspiel „Das Urbild des Tartüffe" (S. 139 des vier- 
ten Bandes der dramatischen Werke, Leipzig, Lorck) nicht vergessen, 
wo (V, 4) Lionne, Delarive, Dubois, Lefevre, dann (V, 5) Ludwig XTV. 
den Präsidenten Lamoi»iion für den als Tartüffe verkleideten Moliere 
haltfii, und wo (V. t>i Moliere in seiner Maske Lamoignon gegenübersteht. 

*) Gödeke. DI, 217. 

5 ) Schweiger. EE, 2. S. 775. 

6 ) Ausgabe von E. J. Richter, Nürnberg. 1833. — Hier zitiert nach 
A. Fleckeisen. 

7 ) Teuffei (G. d. r. L.), S. 147, nennt die Asinaria „von possen- 
haftem Stoffe, aber mannigfaltiger und lebendiger Charakterzeichnung 
und mit Szenen von grosser komischer Wirkung". 



230 H. Asiuaria. 

die Mutter betrogen hat, von der kupplerischen Mutter loskauft, ist 
gewiss kein anziehender, geschweige denn ein ästhetischer Vorwurf. 

Vnum hunc diem perpetere, quoniaui tibi potestatera dedi, 
Cum hac annum ut esses atque amanti argenti feci copiam 

meint (V. 847) der Vater, worauf dem Sohn nichts mehr zu er- 
widern bleibt, als: 

Hern, 

Istoc me facto tibi deuinxti. 

Es ist wohl dem Zuschauer aus der Seele gesprochen, wenn Arte- 
mona ihrem liederlichen Gatten zuruft (V. 932): 

Istoscin patrem aequomst mores liberis largirier? 

Nilne te pudet? 

Cano capite te cuculum uxor ex lustris rapit. 

Das Stück ist zum mindesten ein Sittenbild trauriger Fami- 
lienverhältnisse, die um so düsterer aussehen, wenn wir aus dem 
Munde der caterua zum Schlüsse hören müssen, der alte Sünder 
habe nichts Ungewohntes oder Seltsames gethan, vielmehr würde 
es jeder ebenso machen (V. 942): 

Hie senex siquid clam uxorem suo animo fecit uolup, 
Neque nouom neque mirum fecit nee secus quam alii solent. 
Nee quisquamst tarn ingenio duro nee tarn firmo pectore, 
Quin, ubi quieque occassionis sit, sibi faciat bene. 

Inmitten solcher sittlicher Verkommenheit überrascht nichts 
mehr, als die, man darf sagen, moderne Sentimentalität des Argu- 
rippus und der Dirne Philenion, „eine leidenschaftlich-sentimen- 
tale Geschlechtsliebe", wie Rapp (d. pl. L., S. 919) bemerkt, wie 
man sie dem Altertume zuzugestehen sonst nicht geneigt ist. Sie 
erreicht in der dritten Szene des dritten Aktes ihren über- 
raschenden Höhepunkt. Philenion hält ihren Geliebten noch 
länger bei sich zurück, und auf die Frage (V. 591): 

Quor me retentas? 
erwidert sie die leidenschaftlichen Worte: 

Quia tui amans abeuntis egeo. 

Seinem aufmunternden „salue" entgegnet sie (V. 593): 

Saluere me iubes, quoi tu abieus adfers morbum? 

Der Honig scheint ihm nimmer süss, seit er sie liebt (V. 614): 

melle Julei dulcior tu 's, 



Charakteristik derselben. 231 

worauf sie nicht minder glühend antwortet: 

Certe enmi tu mihi uita 's: 
Complectere. 

Freudig umarmt er sie (facio lubens), mid sie stösst den Wunsch 
aus, der fast an Egmonts Klärchen erinnert: „So lass mich sterben! 
Die Welt hat keine Freuden auf diese 1 ' (HL. Akt): 

Vtinam sie eeferamur! 

Argurippus meint bei dem Gedanken einer Trennung von ihr 

(F. 620): 

„oculi sunt tibi lacrumantes." 

Philenion spricht von dem sichern Tode, den ihr ihre Mutter 
durch Auflösung dieses Liebesverhältnisses bereitet (F. 595): 

Acerbum funus filiae faciet, si te carendumst, 

und er hat sich mit dem Gedanken des Selbstmordes vertraut ge- 
macht. Mit tragischen Worten reisst er sich von ihr los (F. .606): 

Bene uale: aput Orcum te uidebo: 
Nam equidem me iam quantum potis a uita abiudicabo. 

Ganz modern und völlig zu unsern Liebesszenen passend ist 
Philenions Einwurf (F. 608): 

Quor tu opsecro inmerito meo me morti dedere optas? 
und des Argurippus tiefempfundene, liebevolle Antwort (F. 609): 

Egon te? quam si [egol intellegam deficere uita, iam ipse 
Vitam meam tibi largiar et de mea ad tuam addam. 

In elegischer Stimmung preist er — gewiss seltsam im Munde 
eines römischen Bürgers! — die Sklaven glücklich (F. 629): 

Vt uostrae fortunae meis praecedunt, Libane, longe 
Hodie qui numquam ad uesperum uiuam. 

Sie haben ihn verloren (F. 621): 

Patronus qui uobis fuit futurus, perdidistis. 

Derartig ist die ganze Szene. Unter wie vielen Schmeichel- 
worten und Kosenamen bittet Philenion den Sklaven Leonida, 
sich ihrer anzunehmen, bis sie mit den tiefgefühlten Worten 
(F. 665): 

„ne nos diiunge amantis" 



232 II. Asinaria. 

schliesst. Es ist ein vollendetes Bild modernen Liebesleids, eine 
Bestätigung des Ausrufes, der sich dem zusehenden Leonida. 
( V. 616) entringt: 

Libane, ut miser [is] est homo qui amat! 

Es sind in der That die „egtotsg vtczq {ikv ayav el&6vTeg u , 
und zwar in einer Form, wie wir sie im Altertume sich selten 
äussern sehen. 

Der erste Akt beginnt mit einer Unterredung des Haus- 
vaters Demaenetus mit seinem Sklaven Libanus. Der Sklave 
soll irgend einen Streich ersinnen, um dem Haussolme zn Geld zu 
verhelfen, das er für seine Geliebte braucht (7 102). 

Fabricare quiduis, quiduis conminiscere : 
Perficito [id] argentum kodie ut habeat filius, 
Amicae quod det. 

Die nächste Szene bringt das Zwiegespräch des Argurippus mit 
der schändlichen Mutter Cleaereta, die ihre Tochter Philenion, 
als gute Ware (7 172), 

Par pari daturn liostimentumst, opera pro pecunia, 

an denjenigen verkauft, der ihr zuerst bar zwanzig Minen erlegt 

(7 230): 

uigiuti minas: 
Atque ea lege: si alius ad me prius attulerit. tu uale! 

Argurippus hat sie eben nicht zur Hand und schwebt nun in 
höchster Gefahr, seine, wie wir gesehen haben, so heiss geliebte 
Philenion an einen pünktlicheren Zahler, den jungen Diabulus, 
zu verlieren. Keine Vorstellung beugt den niedrigen Sinn der kupple- 
rischen Mutter. Bei dieser Szene entfaltet sich uns ein hochinter- 
essantes Sittenbild. Das Kupplerwesen der alten Metropole wird hier 
in einer Weise beleuchtet, wie es derber nicht in Shakespeares 
„Perikles" geschieht, als die (7 133) 

pellecebrae, pernicies, adulescentuni exitium. 
Das Meer ist nicht räuberischer als die Kuppler: 

Nam mare haut est mare: uos mare acerrumum: 
Nam iu ruari repperi, hie elaui bonis. 

Rücksichtslosigkeit kennzeichnet die Kupplerin (7 173): 

Quid me aecussas, si facio officium meum? 
Nam neque fictum usquamst neque pictum neque scriptum -in poematis, 
Vbi lena bene agat cum quiquam amante. quae frugi esse uolt. 



Charakteristik derselben. 233 

Den Liebhaber behandelt die Kupplerin wie einen Fisch, der nur 
frisch etwas taugt (V. 178): 

Quasi piscis itidemst amator lenae: nequamst nisi recens. 
Is habet sucum, is suauitatem: eum quouis pacto condias 
Vel patinarium uel assum uorses quo pacto lubet. 

Des Kupplers Thüre gleicht dem Handelshafen; ohne Zoll giebt es 
keinen Durchgang (V. 240). 

Portitorum simillumae sunt ianuae lenoniae : 

Si adfers, tum patent: si non est, quod des, aedes non patent. 

Später setzt sie dann dieselben Grundsätze ihrer Tochter aus- 
einander (F. 536): Non uoto ted amare qui dämmt, qua amen- 
fcur gratia. Den hast du zu lieben, der dich dafür bezahlt. 
Alles dies kehrt in den italienischen und französischen 
Komödien wörtlich an unzähligen Stellen wieder. 

Verzweifelt: „Interii, si non inuenio ego illas uiginti minas' : 
(F. 243), eilt Argurippus ab, um das Geld irgendwo auf- 
zutreiben. 

Am Beginne des zweiten Aktes tritt der Sklave Liba- 
nus auf. Das Geld muss geschafft werden. In gleicher Absicht 
kömmt sein Nebensklave Leonida. Er weiss einen Ausweg. 
Demänetus hat an einen Handelsmann aus Pella einige arka- 
dische Esel durch Saurea, den atriensis (F. 582), verkaufen 
lassen. Soeben schickt der Kaufmann durch einen Handlungs- 
diener das Geld, damit es Saurea übergeben werde. Der Diener 
keimt Saurea nicht, und so giebt sich Leonida für denselben 
aus. Der Mercator, der mit dem Gelde angekommen ist, 
fragt Libanus, wie Saurea ungefähr aussehe. Dieser schildert 
ihn natürlich mit Leonidas Zügen, und Leonida tritt nun als 
Saurea auf. Obwohl Saurea handelnd nicht erscheint, sehen 
wir doch in dieser Szene ein treffliches Bild dieses übermütigen 
atriensis in seiner ganzen Brutalität, zu der ihm seine Stellung 
als Dotalsklave der Hausfrau das Recht einräumt (F. 85). 

Dotalem seruom Sauream [ne] uxor tua 
Adduxit, quoi plus in manu sit quam tibi. 

Der Bedientenwitz des Leonida macht sich hier Luft gegen 
den verhassten, stets mit Prügeln bereiten Saurea, bei dem 
selbst Juppiters Fürbitte für einen Sklaven vergeblich wäre 
(F. 414): 

Si quidem hercle nunc summüm Iouem te dicas detinuisse 
Atque is prceator atlsiH. nialam rem ecfügies numquam. 



l>;54 II. Asinaria. 

Allein der Handelsdiener will niemand sein Geld geben, 
den er nicht kennt. Er erwidert auf alle Versicherungen des 
Pseudosaurea „hau negassim" (V. 503) und geht mit den Skla- 
ven, die ihn vergeblich überreden wollen, ihnen die Summe ein- 
zuhändigen, ab. 

Die erste Szene des dritten Aktes führt Cleaereta im. 
Gespräche mit ihrer Tochter Phile nion ein. Vergeblich bittet 
das Mädchen um Aufschub. Libanus und Leonida kehren vom 
Markte heim; der alte Demänetus hat Leonida als seinen 
..atriensis" Saurea bestätigt, dem der Mercator hierauf die 
zwanzig Silberminen ausgeliefert hat. Argurippus und Phile- 
nion spielen die oben erörterte zärtliche Liebesszene, welche 
Libanus und Leonida ungesehen belauschen. Endlich treten 
beide vor. Libanus richtet an den jungen Herrn die Frage, ob 
denn die Frau, die er da in den Armen halte, Rauch sei, weil ihm 
Thränen in die Augen kämen. Lange halten die beiden Sklaven die 
Liebenden hin, indem bald Libanus, bald Leonida sagt, er ver- 
füge über die geforderte Summe; endlich liefert Libanus das 
Geld aus (7. 734): 

uigmti minae bonae mala opera partae, 

als eine Spende des Vaters, doch mit der Bedingung (F. 736): 

Noctem huius et cenam ut sibi dares. 

Drinnen wartet der Alte bereits, der, um seiner Frau zu entgehen, 
durch ein Hinterpförtchen hereingeschlüpft war. 

Im vierten Akte sehen wir den Parasiten, der in dieser 
Komödie, wie öfter, keinen Namen hat, mit dem Nebenbuhler 
des Argurippus, Diabulus, wegen Philenion unterhandeln. 
Er hat ihm einen ausführlichen, von der Kupplerin zu unterzeich- 
nenden Kontrakt auf ein Jahr entworfen. Hier ist im Lustspiele 
eine Textlücke. Diabulus sieht im Hause Demänetus, Argu- 
rippus und Philenion bei Tische. Voll Zorn, dass er zu spät 
gekommen, will er zur Frau des Demänetus eilen, um ihr selbst 
die Schandthaten ihres Mannes darzustellen, was dann der Parasit 
für ihn übernimmt. 

Der fünfte Akt führt uns eine geteilte Szene vor. Wir 
erblicken das Gelage in Cleaeretas Haus und die Vorgänge auf der 
Strasse. Der Vater fragt den Sohn, ob es ihm nicht „molestunr' 
(F. 830) sei, dass seine Geliebte bei ihm liege. Die seltsame Ant- 
wort des Sohnes lautet: 

Pietas, pater, oculis dolorem prohibet. 
Indessen im Hause gezecht wird, hat der Parasit Demä- 



Charakteristik derselben. 235 

netus' Frau, Artemona, herbeigeführt. Sie sieht das schänd- 
liche Treiben ihres Gatten und hört, was noch mehr, seine ge- 
meinen Reden und frivolen Witze über sie. Endlich (F. 891) eilt 
sie hinein, der Parasit zieht sich zurück, und drinnen entwickelt 
sich eine leicht erklärliche, häusliche Szene. 

So schliesst das Stück, gewiss in nicht befriedigender Weise. 
Wenn etwas daran wohlthuend wirkt, so ist es höchstens der Um- 
stand, dass der Alte nicht zur Erreichung seines Zweckes mit Phi- 
lenion kam. Trotz der geringen Befriedigung aber, welche das 
Stück bietet, verkündet uns doch der Prolog: 

(V. 13.) Inest lepos ludusque in liac comoedia: 

Ridicula res est. 

Ist nun allerdings der Totaleindruck kein günstiger und 
der Schluss ein ziemlich unvermittelter, so bieten doch die vorge- 
führten Personen als Bilder der Gesellschaft und lebende Typen 
mannigfaches Interesse. 

Der alte Demänetus, ein Greis mit dem Stabe {V. 124), ist 
eine traurige Erscheinung. Sein Vater hatte ihm eine elende Er- 
ziehung zukommen lassen; er hatte ihm, dem Jüngling, vom 
Kuppler selbst die Mädchen geholt (V. 68): 

Volo me patris mei similem, qui caussa mea 

Nauclerico ipse ornatu per fallaciam 

Quam amabam abduxit ab lenone mulierem. 

Auch sein Vater hatte sich in alten Tagen seiner Schelmenstreiche 
nicht geschämt: 

„Neque puduit eum id aetatis sucophantias 
Struere," 

denn ihm lag daran: 

„beneficiis me emere gnatum suum sibi." 

Und dies Vorbild will er nachahmen (F. 73). 

Eos me decretumst persequi mores patris. 

Er hat nur den Wunsch, es möchten alle Eltern so mit ihren 
Kindern verfahren (F 64): 

Omnes parentes, Libane, liberis suis, 

Qui mi auscultabunt, facient opsequentiam. 

Dadurch glaubt er, die Liebe der Seinigen zu erringen (F 67): 
„uolo amari a meis." 



236 H- Asinaria. 

Allerdings sind derartige Charaktere nicht mir dem alten Rom 
eigen gewesen! 

In seiner Blindheit rechnet er es sich zur Ehre an, dass ihn 
sein Sohn in alle Geheimnisse einweihe (F 80) : 

quom is me dignum quoi concrederet 
Habuit, me habere honorem eius ingenio decet: 
Quom me adiit, ut pudentem gnatum aequomst, patrem 
Cupio esse amicae, quod det argentum suae. 

Sowie er seinen Sohn verzieht, zittert er vor seinem Weihe. Sein 
Sklave beschwört ihn nur bei ihr (F. 19): 

Perqxtc illam, quam tu metuis, uxorem tuam. 

Er ist ohne jegliche Autorität in seinem Hause; er hat sie längst 
schon um die Mitgift seiner Frau hingegeben (F. 87): 

Argentum accepi, dote inperium uendidi. 

Er selbst hat nichts, als was er seiner Frau stiehlt (F. 92): 

Nudo detrahere uestimenta me iubes. 

Tene ego defraudem, quoi ipsi nihil est in manu, 

Nisi quid tu porro uxorem defraudaueris 

hält ihm sein Sklave vor. Von ihm etwas haben wollen, hiesse zu- 
gleich: piscari in aere et uenari . . . reticulo in medio mari (F. 99). 
Er ist ein grundverdorbener Mensch („omnium pol nequissuraus, " 
F. 922), oder wie ihn seine Frau bezeichnet (F. 870): 

Ego censeo 
Eum etiam hominem [aut] in senatu dare operam aut cluentibus: 
Ibi labore delassatum noctem totam stertere. 
Opere illic foris faciundo lassus noctu [ad me] aduenit: 
Funduni alienum arat, incultum familiärem deserit. 
Is etiam corrumptus porro suum corrupit filium. 

Er hat etwas von dem verliebten Falstaff an sich, der 
alte Sünder (decrepitus senex, F. 863), wenn er (F. 883) gesteht: 

Me ex amore huius [esse] corrumptum oppido, 

wenn er bei Liebeslust, Wein und Würfelspiel ( F. 904) alle Rück- 
sicht bei Seite setzt, den Plan fasst, seiner Frau den Mantel zu 
stehlen, um ihn der Philenion zu schenken (F. 885). Wir glauben 
ihm, dass er, Philenion mit seiner Frau vergleichend, jene schö- 
ner findet (F. 893), und die Gattin am liebsten hat, wenn sie nicht 
da ist (F. 899): 

Egone illam *? nunc amo, quia non adest; 



Charakteristik derselben. 237 

aber es ist empörend, wenn er laut ihren Tod wünscht (F 905): 

Te, Philenium, mihi atque uxori mortem, hoc Veneriumst, 

in Gegenwart seines Sohnes, und da der Zuschauer die Frau zu- 
hören sieht. 

Mag immerhin Artemona etwas „inportuna atque incom- 
moda" (F 62) und die Ehe mit einer dotata uxor (F 903) er- 
fahrungsgemäss nicht immer die glücklichste sein, er hat verdient, 
was sie ihm droht (F. 869): 

ne [ego] illum ecastor miserum habebo. 

Des verliebten Argurippus, den seine Mutter um so viel knapper 
hält, als ihn sein Vater verwöhnt hat (F. 78): 

illum mater arte contenteque habet, 

der seiner Teuern sein Herz zu Füssen legt (F. 141): 

amans meum animum isti dedi 

und ausgezogen (despoliatus, F. 204) von der Kupplerin scheidet, 
ist bereits mehrfach Erwähnung geschehen, ebenso seiner Phile- 
nion, der „satis dicacula amatrix" (F. 511), der ihre Mutter den 
Vorwurf macht (F. 526): 

Vitro amas, ultro expetessis, ultro ad te arcessi iubes: 
Illos qui dant eos derides: qui deludunt deperis. 
An te id expectare oportet, siquis promittat tibi 
Te facturum diuitem, si moriatur mater sua? 

nicht minder der schmutzigen Cleaereta, welche Laster verkauft, 
wie ein ehrlicher Kaufmann seine Ware (F. 200): 

Quom a pistore panem petimus, uinum ex oenopolio, 
Si aes habent, dant mercem: eadem nos discipulina utimur: 
Semper oculatae manus sunt nostrae, credunt quod uident. 
Vetus est „nihili coctiost", scis cuius: uou dico amplius. 

und die nicht zu befriedigen ist (F. 169): „numquamne expleri 
potes?" 

Der schlaue Handlungsdiener, der dennoch betrogen wird, 
ebenso Diabulus, sind nebensächliche Figuren. Mit den üblichen 
Farben ist auch der Parasit gezeichnet, der Mann ohne eigene 
Ansicht, der zu seinem „rex" (F. 919) steht und sein Faktotum 
ist (F. 748): 

tu pöeta 's prossus ad eam rem unicus, 



238 H. Asinaria. 

der die Frau des Demänetus lieimlicli aufhetzt (F 868) oder 
durch Spott ihren Zorn steigert (F 900): 

Amat homo hie te, ut praedicat 

und dann zur gelegenen Zeit den Rückzug anzutreten weiss 
(F. 912): 

Tempus est subducere hinc me: pulcre hoc gliscit proelium, 

in der Hoffnung, Argurippus werde sich zu einem Kompromisse 
mit Diabulus verstehen (F. 917): 

Argurippus exorari spero poterit ut sinat 
Sese alternas cum illo noctis hac frui. 

Der Schwerpunkt fällt auf die beiden Sklaven Libanus und 
Leonida, zwei Muster von Schurken. Nach Argurippus' Wor- 
ten sieht Libanus ehrlicher aus (F. 681): 

„Virum quidem pol optumum et non similem furis huius." 

Sein Herr hat ihn ins Vertrauen gezogen, und so ist sein Wort 
(F. 114): 

Quin te quoque ipsum facio hau magni, si hoc patro 

gerechtfertigt. Sein Herr sagt von ihm, es gebe keinen gewand- 
teren Menschen, als er; er setze alles durch (F. 118): 

Non esse seruos peior hoc quisquam potest 
Nee magis uorsutus nee quo ab caueas aegrius. 
Eidem homini, siquid recte curatum uelis, 
Mandes: moriri sese misere mauolet, 
Quam uou perfectum reddat quod promisserit. 

Ebenso zu jedem niedrigen Streiche bereit ist Leonida. Er 
sagt (F. 313): 

• Tantum facinus modo ego inueni, ut nos dicamur duo 
Omnium dignissumi esse quo cruciatus confluant. 

In der Not muss man Stand halten (F. 323): 

Hern, ista uirtus est, quando ussust, qui malum fert fortiter. 
Fortiter malum qui patitur, idem jiost potitur bonum. 

Trefflich zeichnet Libanus sein äusseres Auftreten (F. 400): 

Macilentis malis, rufulust, aliquantum uentriosus 
Truculentis oculis, commoda statura, tristi fronte. 

Eine äusserst gelungene Schilderung ihrer Charaktere und ihres 



Charakteristik derselben. 239 

ganzen Wesens geben sich die beiden Sklaven im dritten Akte, 
wo Leonida von Libanns erzählt (F 561): 

Vbi fidentem fraudaueris, ubi ero infidelis fueris, 
Vbi uerbis conceptis scieus lubeuter periuraris, 
Vbi parietes perfoderis, in furto ubi sis praehensus. 
Vbi saepe caussam dixeris pendens aduorsus octo 
Artutos audacis uiros, ualentis uirgatores 

und ihm Libanus erwidert (F. 567): 

Verum edepol etiam tua quoque male facta iterari multa 
Et uero possunt: ubi scieus Meli infidus fueris, 
Vbi praeusus iu furto sies mauufesto et uerberatus, 
Vbi periuraris, ubi sacro manus sis admolitus, 
Vbi eris damuo molestiae et dedecori saepe fueris, 
Vbi creditum quod sit tibi datum esse pernegaris, 
Vbi amicae quam amico tuo fueris magis fidelis, 
Vbi saepe ad languorem tua duritia dederis octo 
Validos lictores ulmeis adfectos lentis uirgis. 

Und beide sind mit der gegenseitigen Schilderung einverstanden 

(F 577): 

„Vt meque teque maxume atque ingenio uostro decuit. 

Im übrigen leuchtet allenthalben die jammervolle Stellung 
der Sklaven durch. Eutenschläge und Geisseihiebe sind ihre 
ständigen Reminiszenzen. „Gumnasium flagri", „catenarum Co- 
lone" (F. 297), betitelt Leonida den Libanus, „custos car- 
ceris", „uirgarum lasciuia", entgegnet ihm dieser. „Etiam de 
tergo ducentas piagas praegnatis dabo" (F. 276), sagt Leonida, 
„Largitur peculium: omnem in tergo thesaurum gerit", erwidert 
ihm Libanus u. s. w. 

Ausserdem bietet das Lustspiel hier und dort satirische An- 
spielungen, wie die Auspizienparodie des Libanus (F. 258 ff.), 
den Spott auf die Aushilfsgottheiten (F. 723 ff.) u. ä. 

Hinsichtlich der Herkunft des Stückes sagt der Prolog') 

(F. 10): 

. . . buic est uomeu Graece Onar/o fabulae: 
Demophilus scripsit. .. \laccius uortit barbare." 

Riccoboni (I, 281) hält auch in diesem Stücke die Einheit 
des Ortes fest: „On ouvroit une de ces deux portes laterales et Ton 
decouvroit dans le Peristile de la maison une Table avec les acteurs 
qui mangeoient. " 



!) Ritschi. Opusc. II, 683. 



240 II. Asinaria. 

Die Asinaria des Plautns zählte zu denjenigen Komödien, 
welche die Römische Akademie auf dem Qnirinal aufführen 
liess. Wir wissen durch Paolo Cortese von einer um das Jahr 
1480 in lateinischer Sprache zu Rom veranstalteten Darstellung, 
sowie von einer in italienischer Sprache aus dem Jahre 1514. ^ 
Weitere Übersetzungen und Aufführungen in Italien folgten. 2 ) 
In den späteren Bearbeitungen ist manches mit der Casina und 
den Bacchides zusammengeflossen, wovon dort die Rede sein wird: 
vor allem ist der schwache Vater Demänetus eine häufig 
auftretende Figur geworden. 

Zu einer eigentümlichen dramatischen Szene des be- 
kannten Humanisten Jakob Locher, genannt Philomusus, 3 ) 
hat, wie C. Bursian zuerst bemerkt hat, 4 ) die Asinaria Veran- 
lassung gegeben. Es ist das „Ludicrum drama: plautino 
more | fictum: a Jacobo locker Pliilomuso: de sene ama- 
to|re: filio corrupto: & dotata muliere". Mit Titel und 
Brief acht Seiten ohne Jahreszahl und Druckort. Nach dem Bilde 
folgen die vier Verse: 

Curue senex naso fluido: rügosoque vultu 
Qui nocuo pueros ledis amore bonos 

Vilia scorta colis lustrans geniale lupanar 
Hinc merito pateris tu muliebre iuguni. 

') T. Maccii Plauti comoediae recensuit et enarravit Joannes 
Ludovicus Ussing. Havniae (suniptibus librariae Gyldendalianae) 
1875. Band I, S. 348. „Quare iis teniporibus, quibus in Italia renatae 
sunt litterae et latino sermone agebatur, velut Romana academia Pom- 
ponio Laeto praeside c. annum 1480 scena structa in Quirinali Monte 
Asinariam Plauti Latine egit et Italicis versibus translata Ve- 
netiis acta est a. 1514 et in Monasterio S. Stephani et alibi." — ■ Tira- 
boscbi. VI, 873. — Nach Brunet (Manuel III, 767) am 11. Februar 
1514 gespielt. 

2 ) L' Asinaria Comedia ridicolosa di Plauto, intitolata Asi- 
naria, tradotta di Latino in volgare in terza rima e rappresentata nel 
Monasterio di Santo Stepbano in Venezia. — L' Asinaria, Comedia di 
Plauto, tradotta in terza rima. In Venetia per Bencio da Lecco. 1528, 
in 8°. — (Argelati. 11,231. Allacci, Drammaturgia, pag.59.) — L' Asi- 
naria, Comedia di Plauto, traducta de Latino in Vulgär, rappresen- 
tata adi XL Febraro del MDXLV in Vinetia nel Monasterio de Sancto 
Stefano, (nachZeno 1545 in Venedig gedruckt; nach Riccoboni (I, 139) 
im Jahre 1528 dort selbst gespielt: Le tems de l'Impression de 1' Asi- 
naria et la Singularite du lieu oü on en a donne la representation 
meritent qu'on y fasse attention.) — L' Asinaria di Plauto, tradotta 
da Francesco Brunamonti in versi sciolti. ( Argelati. II, 232.) 

3 ) Geb. zwischen 23. und 31. Juli 1471 in Ehingen aD.; gest. am 
4. Dezember 1528 zu Ingolstadt. (Allgemeine deutsche Biographie. 
91. Lieferung. 1884.) (Lpz., Dunker & Humblodt.) S. 59 - 63. „Fünf 
Dramen . . . das fünfte endlich ist eine kurze Nachahmung des Plau- 
tus (speziell der Asinaria) mit prosaischer Diktion." (Hehle.) — 
Gödeke, Gdr. (2. Aufl.) 1,426. — Peter Paul Finauers Versuch einer 
bäuerischen gelehrten Geschichte. München 1767, S. 89. — Schröder, 
Das Wiederaufblühen der klassischen Studien (1864), S. 271—278. (S. 46.) 

4 ) Francke a. a. 0. S. 122. 



Lochers Ludicrum Drama. 241 

Das Argumentum besagt: 

Corripit insanum niulier dotata maritum 
Factaque libratis uerbis scelerata lacessit. 
At tandem seruus pacem componit amicam; 
Sic letum fineni spectabile drama tenebit. 

Es ist also eine Episode der Asinaria, so weit es das 
eheliche Leben des Demaenetus und der Artemona be- 
trifft, doch spielen wohl auch Stalino und Cleostrata aus der 
Casina herein. Das Ganze ist ein witzloses, geistesarmes Ding, 
das nur in wenigen Worten, wie der dotata uxor u. ä., an das 
Original erinnert. Immerhin aber mag die Seltenheit des 
Textes 1 ) und die Kürze des Stückes den Abdruck desselben 
rechtfertigen. 

lnterlocution.es: Eriphila vxor. 
Gerontius maritus. Staphilus seruus. 

Eriphila. Salue, amator diacule: iam ne sat est, quod tuo 
cum cano vertiee, hirtaque fronte: prostibulis, sordulentis lustris: 
olentibus lupis tantopere studuisti? non mihi ecastor licuit: in 
meretricis spurcissimeque edibus lene: tibi insanienti turbas publi- 
citus eiere: aut te manifesto eriminarier? At at nunc licebit 
cum te intra parietes domesticos: ubi nemo homo ex insidiis: 
facta tua sordida, clanculum aueupare possiet: vti permeritus es: 
probe castigabo: Prob dij immortales, quantam marito meo veeor- 
diam infudistis: quem per cerito necessum est circumferre: ut 
expiatus resipiscat: qui nunc 2 ) honestatis ciuiliumque morum 
nblitus. Munus scortatoris: Haneonis: ac perduetoris pessumi 
füngitur: et abiectissimi lenonis meritoriam conducit tabernam. 

Gerontius. Heu miserum me! exanclata prima est pugnä 
in propatulo! rursus advorsum me: meis in edibus dotalis vxor, 
seeundarn instaurat pugnam: o estro percita palladio: scutum ha- 
stamque pugnacis bellone: cum impetu demens vibrat: et facie 
gorgonis anguinea: toruiorem frontem ostentat. Heu oppido mihi 
metuo: ne facinus predicet meum: et istuc in curia martis, ad 
areopagitas deferat: meque quoi fides auetoritasque magistratuum 
aftatim habebatur: famosum ac contemptibilem faxit: vt miser 
etatem malam: malo cum dolore viuam. 

>Staphilus. Quidnam est here: quod rain male te angit: 
quod tarn mestum vultum prae te 3 ) fers? age sis ego pol faxo 
meis (4) sycophantijs : dolis: illecebris: blandiusculis: vt vxor tua 



') Nach dem Exemplar diT Miinchuer Universitätsbibliothek 
P. lat. rec. 24. (Zapf, Jakob Locher. Nürnberg 1803, S. 139.) 

2 ) Orig. num. 

3 ) Or. se. 

IC. 



242 IL Asinaria. 

apprime imperiosa, silentium faciat: convitiis parcat: teque: vt 
prius solebat: in amplexum admittat. Iva in feminis nil nisi 
breuis fnror est: quem facile possunt lenia uerba atque parasy- 
tica mitigare. Face tu si sapis pro maledictis bona duis verba : 
et multa spondeas que nee dij seruare velint. Ut cicada, ita pol 
mulier est: que cum semel clamare verbis: strepere dentibus 
oeeepsit: vix modum: ad lassitudinem etiam: litibus ac iurgijs 
imponit. 

Eriphila. Quid te mi vir: amator belle: senectutis speci- 
men? ab animo alienauit, vt relicta coniuge? ad scortum ires: 
prob 1 ) pudor! quam insignis lambecula tue fronti inusta est: qui 
te publicitus vna nostro cum gnato in lustra fetida, confers: in 
conspectuque gnati meretricem amplecteris: oscularis: impudiceque 
traetas? talos iacis: 2 ) mustum potitas: baebique et cei*eris agitas 
certamina. Hoccine est officium patris? heccine pietas? biccine 
sunt mores? quos unico nostro gnato tradis. turpem patrem! 
turpiorem filium! qui se ab sene delyro seduci perpetitur. Offi- 
cium parentis, vt etbici 2 5n il° S0 P n<cintes tradunt. Gnatum inge- 
nuum bonis artibus: liberalibusque diseiplinis erudire: sanis mori- 
bus instituere: ad virtutis munera, ac maiorum illustria facta 
cobortari: ad sapientie professores ducere: ad templa, atque 
deorum sacrifitia. Sed tu decrepitus: in cuius corpore ossa vix 
ossibus coberent: et cutis laxa, et maxille dissute sunt: qui fuste 
inambulas: et quasi sepulcbralis vmbra pollinctorem cum vespillonibus 
prestolaris. qui quidem lippitudine pressa geris lumina. Gnatum ad 
scortorum lustra abditumque ganeum duetitas: vt dignos patre suo 
mores imbibat. 

Gerontius. Nunquid oblectandi gratia: senibus interdum las- 
ciuiendi licentiam concedere fas est? 

Eriphila. Fateor quidem lusus et iocos posse senibus con- 
cedi: retinendus tarnen modus est, ne immoderata voluptate elati: 
in sordulentam dilabantur turpitudinem. 

Gerontius. Philosopbi mebercle soeratici o mea mai'ita: et 
attici nostri prineipes, lusibus et apopbtegmatis operam dedere! 
band tarnen usque eorum facta exprobrata fuere! 

Eriphila. Hern insipidum senem! neque pre metu mussare: 
neque scelus suum occultum habere potest, causam nempe suam 
futilibus, ac anilibus fabulis purgare annititur. queso te ecastor! 
Estne simile? cum honestis ciuibus ludere iocarique, dictis et 
factis urbanis: elegantibus: ingenio (5) sis, facetis, et scortari: 
lustra querere: vxori sue palam et uestes suppilare: 3 ) corruptele 



') Or. procli. 

2 ) Asinar. V. 904. 

3 ) Asinar. F. 885 und 888. 



Lochers Ludicrum Drama. 243 

simul et luxui surnptus suppeditare. Tollerabile istuc pol fores! 
nisi etiam gnatum contaminares. cui opem atque suppetias fers ad 
turpissimaui obscenitatis libidinem saturandam, nisi multuna loqua- 
ces nos omnes mulieres haberenmr: vt equum esset te durms ca- 
stigarem: nam pol misera discrutior animi cum mihi tanta viri probra 
ante oculos adlata conspicio. 

Gerontius. Parce precor vxor: pauxillum est quod leci quid 
si mores, quos turpiter institutos ais: emendauero: frugique et conti- 
nentem, et sophrona: eastumque me facio, et solius vxoris amantem: 
alieniqne amoris osorem. 

Eriphila. Creduat istuc dea fides: quam totiens ') fiderupa 
periurijs tuis polluisti ego pol vix credere ausim. quid si propter 
etatem languidam: in te libido extinguitur: tu tarnen post cineres 
heredem filium, tui similem, relinquis non didicisti, quid iuuenilis 
etatule inscitia et petulantia nimis licentiosa procliuisque in res 
vetitas lasciuia senum constituenda et regenda prudentia siet? Nonne 
hec etas a libidinibus arcenda est: tute gnatum ad ignein adductitas 
proprius vbi plus calescat sumptus clanculum subministras: vt pec- 
candi lasciuiendique licentia: otius crescat: istanc etatulam in la- 
bore: in patientia: in algore in media: et animi et corporis, exer- 
cendam censeo: vt eorum in bellicis, ciuilibusque officijs industria 
excellentius enitescat. 

Gerontius. Staphile quam egre audio vxoris conuitia: 
que sua vociferatione me exanimatum facit: et tergum ex- 
dorsuat. nisi dea muta obstrepenti mulieri silentium iusserit: 
elinguandamque dederit: et tu istanc placabilem mihi feceris, 
hodie pre dolore nimio, Acherontis 2 ) mortuas ad vndas, exani- 
mis rapiar. 

Staphilus. Os comprime: vbi bilem vitream excreauerit: 
grauedinem capitis expuerit et salsam pituitam excoxerit: diccaculis 
sycophantijs iratam serenabo. 

Eriphila. Quid hij consilij seorsum capiunt: de me? vt 
puto: loquitur: non compesco labellum: pritist][tiani coniugis mei 
malefacta tota protulero. 

Gerontius. Agedum illisce turbis tandem face finem: peccaui 
fateor: dictis tuis audiens ero: teque dijs cunctis! et me hercule 
mortalibus feminis omnibus anteponam: dies et noctes te vnicam 
amplectabor! te animam meam: cor iiieiun medullam meam: vitam 
meam, spem atque solatium meum esse dicam. si quid verum est 
arpagatum 3 ) et clam argenti subductum: propediem (6) restituctur: 
sine me queso durius obiurgare. 



') Ol*, totians. 
-) Or. Achorontis. 

3 ) Nach Aulularia, V, 200, aurum mihi intus harpagatum est. 

16* 



244 n. Asinaria. 

Eriphila. Jam blandiris; pessume: cum spurcas tuas per- 
lecebras amplius tegere nequis. infelicem, mobilemque rempnbli- 
cam! que tuis consiliis gubernanda committitur. delo insula insta- 
bilior erit : in qua natus fertur latone [natus] Apollo, mobilior itidem 
instilis Lyaneis quas quidem Gv{i7tkr)yddag appellant: tu qui tarn 
stulta facis : non regis : sed lacessis reipublice statum : Miror si clinia 
cherestratus : Demosthenes, callistratus, in partem senatus te ad- 
mittunt! luxuria: qua lumbi tni salaces exastnant: cum omni etatisit 
turpis: tum senectuti foedissima est. At in te tritum grecorum adagium 
compleri video, quo dicitur „xat ov ysQtov iL Kai [iiüQog" hoc: et 
tu senex es atque insanus. 

Stapbilus. Et in te male mulieris adimpletur ') prouerbium. 
que ianua est diaboli: ictus scorpionis pelagus innauigabile : quod cum 
semel tempestate: ac procellis concitatust: tristia parit naufragia: 
melius est enim: vt sapiens canit: in terra deserta: vepribus in- 
eulta: inbospitali ac desolata, virum bonum habitare quam cum 
vxore iracunda, ac litigiosa: facili enim ex causa irritata: crabrones 
imitatur: et discordiarum semina passim iactitat. Hern quid 
queror? faxo iam vt manus iungantnr: paxque in edibus inter 
herum et vxorem interueniat: letumque nostris atticis cinibns: 
qui in theatro exitum rei operiuntur: harum turbaram finem ex- 
bibeamus. 

Gerontius. Accede, queso, ad eam blandis verbis ani- 
mnm mulce. 

Stapbilus. Specta nie ad tutum portum tranquillum ad- 
nauigabimus: et ex muliere omninm pessuma tibi optumam, 
ex penitissimo corde amabilem reformabo matronam. mea hera! 
paucis te volo: noli moleste f'erre: si verna tecum verba funditat. 

Eriphila. Quid est? eloquere quod iubet. ausculto. 

Stapbilus. Rogo te per deos coniugales: ne denuo aduorsum 
herum excandescas: vite sue metuo: nisi pacem feceris. 

Eriphila. Quid tum? 

Staphilus. Quod et laqueum emit, quem in femore sinistro sub 
pallio gerit quo gulam frangere tendit: et se pensilem facere haud 
dubitat: aut si istuc non fecerit! de transenna se dare precipitem ait: 
nisi tute senem ludificatum mitius tractaris. 

Eriphila. Verum ne istuc est: Quid ais? cesso igitur vi- 
mm-) obiurgare: at Syngraphum durum faciam, quem ni serua- 
uerit mihi dotem recipere licebit: res meas rehabere et diuortium 
celebrare. 

Staphilus. Recte feceris. Non temerariust istuc, quod antici- 
pas: presagacem (7) habes animum: ixbi malam malitiam ariolaris. 



') Or. adimpletus. 
2 ) 0. vir. 



Lochers Ludicrum Drama. 245 

Si herum ad mortem compuleris omnes attice nurus te vti vesauam 
ac crudelem, detestarentur: et viduam etatem: annosque mestos 
longo tempore victitares: te omnes mortales contemnerent, nemini 
tecum foret commertium. Sed iam specta: adduco virum propiua: 
vt astans auribus arectis syngraphum accipiat. Hem tu Geronti 
accede: pacem adfuturam tibi spero. fac (vt lubens) legibus, 
quas lectitabit ac quiescas: sponteque polliceris: perlege sis 
eriphila: vt finem spectatores hilarem tandem sortiantur. Tenor 
syngraphi. 

Eriphila. Eristrati filia cum Gerontio stratonis filio marito 
reconciliata durabit: si huiusce syngraphi tenorem seruassit: vt 
ante diluculum e lecto surgat: salute prius data, deorum phana 
ingrediatur! dein curiam martis visitet: ex officio ciuilibus nego- 
tiis satisfaciat: domum sine mora remeet: prandeat cum vxore: 
potitet, lauet: cenet: nusquam ad conuiuia pergat: nisi vxorem vna 
ducat: nihil argenti nummorum: annulorum habeat: nullius rei ex- 
positor siet: cuncta sint sub vxoris imperio, omnium rerum arbi- 
tratus vxoris sit, nunquam rideat nisi me ridentem videat. Actus 
et mores suos e vultu meo formet: et si omnino negotiari velit: 
lanam purget: operas aranearum emaculet: telum in stamine fingat: 
aut alijs domesticis negocijs diem conterat. nullam aliam feminam 
salutet: nee hirquis ocellis intueatur : ad res cupidas omnes aditus occlu- 
sus siet: me bis noctu osculetur: basia mollia prebeat: semel legibus 
coniugalibus satisfaciat: meque sibi semper charissimam, ac ioeun- 
dissimam esse autumet: quas leges ni seruauerit: iam deos coniu- 
gales: pronubam iunonem, lucinam: hymeneum, venerem, plutoniam 
persephonem, laresque ac focos obtestor: secum diuortium agam: 
et sese desertum relinquam. 

Gerontius. mea uxor Utorj xal ipu/^] anima et vita 
mea: illasce leges non transgrediar. Da mihi basium: sine 
vt te amplecter: que dulei melle dulcius suauius ori meo pre- 
bere potes. 

Staphilus. Jungite manus: pacemque atque fidem, iunetis 
manibus, iunctoque complexu firmate. 

Eriphila: Intro mi vir. obliuio omnium rerum obfirmata 
•sit: cena est apposita: et mulsum compotitemus: tristisque placa- 
bitur etas. 



Da plausum manibus, docilis speetator, acutum: 

Pectore si memori dieta iocosa tenes. 
Exemplar vite, res comica dicitur esse: 

Que mores hominum, faetaque praua notat. 
Concita per totas vxor discurrit athenas: 

Lustra 2>i'ocax iutrat cum lutuleata senex, 
Euellit canos turpi furiosa marito: 

Imponitque Lugum, quod patienter agit. 



246 II. Asiuaria. 

At Staphilus taudem dextras coniungit: et acres 

Componit motus, connubiumque nouat. 
Esse nihil peius (fateor) muliere proterua: 

Que propriam turbat seditione domum. 
Odit ubique senis pruritum luxuriantis, 

Mens mea: tentigo quem medicata rapit. 
Quilibet etatis rectos consideret actus 

Usque sue: finem prospitiatque bonum. 
Inter uirtutem statuat diuortia prudens 

Et vitium: pueris sit pia norma senex. 
Non semper castos facit indulgentia patrum, 

Filiolos: prodest ruga seuera magis. 
Da plausum leuibus palmis spectator ouantem: 

Si tibi ridiculi perplacuere sales. 

Dij bene vortant! 

Man sieht, wie unendlich wenig „Plautino more Actum" 
an dieser Szene ist. Eigentlich ist sie ein Nachspiel zur Asi- 
naria, der letzte Auftritt; denn Libanus hat immerhin die 
Pflicht, um das Lustspiel befriedigend zu lösen, die beiden 
Gatten wieder zu versöhnen. Der „syngraphus" der Eri- 
phila ist ohne Zweifel aus dem des Parasiten (V. 746) ent- 
standen, worauf die Einleitung (F. 751) und einige Einzelnheiten 
hinweisen. 



Des Plautus „Eselskomödie" wurde zu einer „Vaccaria" *) 
in der Bearbeitung des bekannten Angelo Beolco, 2 ) genannt 
Ruz(z)ante aus Padua (S. 56), welche wohl die nicht lange vor- 
her erschienene Übersetzung der Asinaria veranlasste. 3 ) Es ist 
eine geschickte Modernisierung der antiken Komödie, 4 ) ohne 



') Weil vacche (Kühe) an die Stelle der plautinischen Esel 
traten. 

2 ) Tvtte | le opere | Del Famosissimo | Evzante. | Di nuouo con dili- 
genza riuedute, & corrette. | Et aggiuntoui un Sonetto, & una Canzone 
dell' istesso Auttore. | AI M. Mag. Sig. Vespasiano Zogiano | Gentilhuomo 
"Vicentino. | In Vicenza | Per gli Heredi di Perin Libraro MDXCVIEL — 
Die Widmung des Druckers (Vicenza, 20. September 1584) sagt von den 
Stücken des Ruzante „egli racconti tutto il buono, & il bello, 
che ha detto Terentio, & Plauto". — Die mir vorliegende Samm- 
lung enthält. Piovana 1598. 54 fol. (Eine andere mir bekannt gewor- 
dene Ausg. der Piovana, Comedia, overo Noella del Tasco di Ruzante 
erschien im Jahre 1548 in Vinegia appresso Gabriel Giolito de Ferrari, 

54 fol.) ; Anconitana 1598, 40 fol. ; Rkodiana 1598, 63 fol.; Vaccaria 1598, 

55 fol.; Fiorina 1598, 16 fol.; Moschetta 1598, 31 fol.; und Due Dialoghi 
di Rvzante. In lingua Rustica. Sententiosi, Argvti, Et ridiculosissimi 
1598, 22 fol. Dialogo facettissimo Et Ridiculosissimo di Rvzante. Reci- 
tato ä Fossön alla caccia. Del MDXCVIDI, 10 fol. Tre Orationi di Rv- 
zante. Recitate in lingua rustica, ohne Jahreszahl, 31 fol. 

3 ) Sand, Masques et bouffons. U, 156, Anm. 1. 

4 ) Sand, 1. c. U, 168. Cette Vaccaria de Ruzante est exces- 



Ruzzantes Vaccaria. 247 

dass sich der gewandte Dichter 1 ) weit von derselben ent- 
fernt hätte. 

Den Prolog- übernimmt der spirito foletto, indem er das 
Verhältnis des Dichters zu Plautus aiiseinandersetzt. Auch 
PI au tu s könnte heutigen Tages nicht mehr anders denn der 
Dichter der Vaccaria schreiben: Vno che di lä Actio, & di qua 
Plauto e nominato, manda a dirui, che, douendosi questa sera 
recitare una Comedia, non uogliate biasmarla se ella non e latina, 
6 in uerso, 6 di lingua tutta polita, perche s' egli fosse fra' uiui 
a questi tempi, non farebbe le sue Comedie d' altra maniera, che 
di questa medesima, di cui sete spettatori. Et soggiunge, che 
non uogliate far giudicio di questa alle sue, che scritte lasciö, 
che ui giura per Hercule & per Apolline, eh.' eile furono recitate 
altramente che non sono stampate hoggidi, perche molte cose 
stanno bene nella j>enna, che nella Scena starebbon male. Hör io non 
ho da dir, ne aspettar alla risposta, se uplete, che saluti aleuno di 
lä. Mi parto. 

Einen zweiten längeren Prolog spricht der Diener (faini- 
glio) Truffo. 

I. Akt. (1.) Der alte Placido, der Demänetus des Plau- 
tus, bespricht sich mit seinem Diener Truffo (Libanus) über 
die Verhältnisse seines Sohnes Flavio. Dieser bedarf fünfzig 
Gulden, um seine Geliebte, Fiorinetta, von der Kupplerin loszu- 
kaufen. Wie Demänetus will Placido ein Freund der Jugend 
sein. Wie jener (V. 49): 

Aut quor postremo filio suscenseam, 
Patres ut faciunt ceteri? 

sagt er: „Pensitu forse ch' io uoglio essere come e la maggior 
degli altri padri che son tali contra i ngliuoli, che fanno de- 
siderarsi la morte trent' anni avanti la morte?" Wie Demäne- 
tus (7. 52): 

Equidem scio iam filius quod amet meus 
Istanc meretricem e proxumo Philenium, 

kennt Placido das Vorleben dieses Mädchens. „Non creditu 
eh'io sappi, che Flavio ama Fiorinetta? colei che pur questo anno 
cominciö a diuentar cortigiana. " Aber das thut nichts „perche 



sivement remarquable d'autant plus que laissant de cöte toute l'ordure 
antique de l'Asinaire, il a su en tirer une piece romanesque, diver- 
tissante et d'un comique plus naif et plus vrai . . . Jbid. II, 155. La piece 
de Ruzante est meilleure que celle de Piaute. 

') Sand, Le. II, 165. Euzante est un realiste aussi, il appelle les 
choses par leur nom et ne farde point les meeurs brutales et licen- 
cieuses de son temps. 



248 II. Asinaria. 

costei non e monaca." Wie der alte Vater des Demänetus, so 
hat auch jener des Placido ihm einst seine Geliebte seihst zu- 
geführt. (F 68, oben S. 235): „Io mi ricordo che mio padre, 
uedendomi innamorato di una giouinetta . . . si uesti in forma di 
mercante, & tolse con inganno al ruffiano colei ch' io amauo & 
la menö fino al mio letto, " ja (F 71 neque puduit u. s. w.) „ne 
hebbe rispetto, uecchio, in quell' etä far una bareria si fatta non 
per altro, se non perch' io lo ricontracambiassi dell' amore che 
mi portaua. " Truffo soll also die fünfzig Gulden auf irgend 
welche Weise schaffen. Das kann nur geschehen, indem die 
Frau betrogen wird, worauf Truffo bereitwilligst eingeht. (V. 109): 

Siquid te uolam, 
Vlri erisl 
Quando ti uorrö, doue sarai tu? 

Truffo ist zufrieden mit dem Handel: A sere don piaserä a i nie 
parön, ch' a no stago pi con uü dasche a m' hai dö licientia ch' 
a faghe sta noella de sti dinari u. s. w. 

(2.) Der nun folgende Monolog des Truffo findet sich bei 
Plaut us nicht. Truffo will seinen Mitsklaven Vezzo für seinen 
Plan gewinnen und geht, ihn zu suchen. 

(3.) Flavio (Argurippus) ist eben aus dem Hause der 
Kupplerin gewiesen worden und beschwert sich bitter über die ihm 
widerfahrene Behandlung. Dem 

(V. 127.) Sicine hoc fit? foras aedibus me eicier? 

Promerenti optume hocin preti redditur? 

u. s. w. entspricht genau: 

A questo modo si fa? cosi mi cacciate di casa? questo e '1 merto 
del bene ch' io ui ho fatto; dann unter Auslassung einiger speziell 
Rom betreffender Reden (F. 131, Ibo ego ad trisuiros u. s. w.) fährt 
er wieder so ziemlich mit Plautus (F. 145) 

Reddam ego te ex fera fame mansuetera, 

weiter: „Io ti farö ritornare piaceuole, come si fanno le tue pari 
bestie, con la fame." 

(4.) Celega, die kupplerische Mutter Cleaereta, tritt aus 
dem Hause. In energischer Rede hält sie Flavio sein Betragen 
vor: Pensi tu, che le carni di mia figlia, che tu hai goduto tanto 
tempo, non uagliano trenta, ouer quaranta desgratiati fiorini, 
che tu hai speso in casa mia? Flavio bittet, sie möge bis zum 
Tode seiner Mutter warten, „vedrai a quell' hora chi sarä Flauio." 
Aber hierzu hat Celega wenig Lust. Sie gebraucht (nach Plau- 
tus, F. 215) den Vergleich mit dem Vogelsteller und erklärt, 



Ruzzantes Vaccaria. 249 

nicht warten zu können. Polidoro (Diabnlns) bitte sie schon 
seit einem halben Jahre, „per hauer mia fig-lia. " Wer also zuerst 
bezahlt, soll sie haben. „Dunque chi di uoi piü tosto uerrä, harä 
il pallio & V altro, la uesica." Das Geld muss demnach geschafft 
werden, und das plautinische (F. 248): 

Nam si mutuas non potero, certmnst sumam faenore, 

drückt Flavio zeitgemäss aus: „ilprimo viaggio ch' io faccio, uoglio 
che sia allo heb reo." 

II. Akt. (1.) Die beiden Diener Truffo imd Vezzo (Leo- 
nida) verabreden ihren Plan. Vezzo hat sich als „Fattore" 
zu verkleiden und als solcher die „tresento liere" in Empfang zu 
nehmen, welche der „mercante" an die gekauften Kühe noch 
schuldet. Der „mercante" tritt auf, wie im Original (V. 381): 

Vt demoustratae sunt mihi, hasce aedis esse oportet, 
Demaenetus ubi dicitur habitare. 

„Se colui me ha ben insegnato, questa e la contrata oue stä quel 
Placido, al quäle io ho da esborsar questi danari." Das Geld 
darf er nur dem Fattore einhändigen, den er aber nicht kennt. 
Er will sich nun informieren. Hier hat Beolco einiges hinzu- 
gethan; doch ist er alsbald wieder zum Original zurückgekehrt 
(F. 384): 

Quis nostras sie frangit foris? ohe, inquam, siquid audis. 

„Chi sbatte a quell' usso? la, no aldiuü an? 

Dem sich aufdrängenden Truffo erwidert der mercante 
die Worte des mercator (F. 385): „Nemo etiam tetigit, sanun 
es?" mit Hinzuziehung von F. 387 : l ) „Tu sei molto amico di 
queste tue porte, io non le ho ancor tocche, che tu rispondi. " 
Der mercante lässt sich nun, wie bei Plautus, den Fattore 
schildern und verlangt, zum Herrn zugelassen zu werden. Da 
tritt (2.) Vezzo, als Fattore verkleidet, auf. Er zankt im Hause, 
wie Leonida (F. 407): 

neminem meum dictum magni facere? 

„Non fanno stima delle mie parole." Wie der mercator (F. 410): 
„Nimis inperiosust, " fragt der mercante, „che diauolo di lingua 
e questo?" Truffo stellt nun dem Fattore den Fremden vor: 
„Messier Fattore, sto hom da ben ha portö dinari e perque el 
uorrae tornar sta sera a Vicenza el ue priega, ch' al desbratte 



') Den dort Libanus spricht: saue ego sum amicus uostris. 



250 II- Asinaria. 

ananzo quh a naghe." Während des Handels aber kömmt der 
wirkliche Fattore und bereitet den beiden Sklaven eine gewaltige 
Verlegenheit. Um dies hat Beoleo sein Stück erweitert 
und in einer der italienischen Komödie geläufigen 
Weise die Beigabe durchgeführt. Trnffo zieht den über 
Vezzos Verkleidung staunenden Fattore beiseite und erzählt 
ihm eine Geschichte. . Soeben sei dieser Mensch gekommen mit 
der Versicherung, dass im Hause ein Schatz zu heben sei, „questü 
si sä cattar tresoro sotterö, sconto sotto terra." Vezzo habe, 
um den Betrug, den er vermute, zu entlarven, die Kleider des 
Fattore angelegt, „perche el no poesse me tornare a redoman- 
darue i danari ne a vü ne al parön." (3.) Der mercante wendet 
Vezzo gegenüber alle Vorsicht an, wie bei Plautus; dagegen 
gelingt es, dem Fattore zehn Dukaten abzulocken, um dem Schatze 
gehörig nachzugehen. 

III. Akt. (1. 2.) Celega unterrichtet ihre Tochter Fiori- 
netta, 1 ) wie sie sich Polidoro, ihrem neuen Herrn, gegenüber 
zu verhalten habe. Sie giebt sich alle Mühe, ihre Tochter zu 
gewinnen, der sie stets die Wahrheit gesagt habe. „Tu sai pur 
che io ti dico sempre il uero, che la prima uolta che tu dormiste 
con Flauio, perche tu non haueui mai piu dormito con aleuno 
& haueui tanta paura, e credeui che el fusse si gran cosa dormir 
con un huomo, & io ti confortai che non temessi che la mattina, 
te ne troueresti contenta, & cosi fü. Non e. vero?" Warum 
glaubst du mir jetzt nicht? Flavio hat nichts mehr; so ist 
keine Liebe mehr denkbar. Umsonst wendet Fiorinetta gegen 
Messer Polidoro ein: „Egli ha il mal francese, " und möchte 
lieber verheiratet sein, als so leben; die Mutter befiehlt ihr, sich 
für Polidoros Ankunft zu schmücken. (3.) Truffo und Vezzo 
freuen sich ihrer Errungenschaft, als (4.) Flavio und Fiorinetta, 
um Abschied zu nehmen, auftreten. Wie Philenium will Fiori- 
netta ihren Geliebten nicht lassen. Aber die Mutter stösst ihn 
ja weg. Perche non mi lascitu andar cuor mio? Perche mi 
ritientu? fragt er mit Argurippus (V. 591, Quor me reten- 
tas?). Sie versichert ihn ihrer treuen Liebe, wozu, wie bei 
Plautus, die beiden Sklaven rückwärts ihre Bemerkungen 
machen. Ihre Liebeserklärungen sind etwas breiter gehalten, als 
im Originale. Endlich treten die Sklaven vor. In langen Wor- 
ten berichten sie, wie sie zu dem Gelde kamen; lange halten sie 
den gepeinigten Flavio und die zitternde Fiorinetta hin. Endlich 
legen sie das Geld in seine Hand, und stolz kann nun Flavio 



') Sand, Masques et bouffons. II, 155. Cette Fiorinetta, c'est 
la Pliilenie de Demoplrile et de Plante, remise en lumiere au seizieme 
siecle et transforme'e selon le sfoüt de la renaissance. 



Ruzzantes Vaccaria. 251 

sagen: „Chiama dunque tua madre, Fiorinetta, che numeremo li 
danari!" 

IV. Akt. (1.) Polidoro hält seine Sache für gewonnen, da 
er hört, sein Nebenbuhler Flavio könne das nötige Geld nicht 
auftreiben, um sein Mädchen loszukaufen. Er ruft einen Notar, 
und dieser errichtet eine Urkunde, dass heute, im Jahre 1533, 
Donna Celega ihm ihre Tochter auf ein Jahr überlasse „per 
scudi cinquanta d'oro." Sie darf niemand empfangen, keinen 
Brief, kein Sonett annehmen, nicht ans Fenster treten, keinen 
Ball besuchen, ja nicht einmal ausgehen „ad udir comedia." 
Niemanden darf sie durch Husten u. dgl. ein Zeichen geben u. s.w., 
im allgemeinen nach dem syngraphus des Parasiten, doch 
mit Bedingungen, welche auch dem Notar zu hart erscheinen. 
Indessen kommt Polidoro zu spät und ärgert sich gewaltig über 
den Alten, der seinem Sohne zu dem Sündengeld verhalf und nun 
sogar ein flottes Abendessen giebt. — Placido macht, wie De- 
mänetus, seinem Sohne den berüchtigten Antrag (V. 830): 
„Da questa sera inanzi Fiorinetta sia tua, ne ti dei dolere, ch' io 
la godi una sera, douendola tu godere tiitto quest' anno," ganz 
nach Plautus. Auch hier erwidert Flavio (vgl. V. 840) auf 
Placidos Verlangen: „Guardami ridendo, ch' io ti crederö", 
ruhig: „Vedete, s' io rido." — Unterdessen (8. Sz.) hat der Pa- 
rasit Loron die Gattin Placidos, Rospina (Artemona), von 
allem in Kenntnis gesetzt. Soll Placido wirklich ihrem Sohne die 
Summe verschafft haben? Loron bestätigt es ähnlich dem Para- 
siten (7. 854): 

Neque diuini neque mi humani posthac quicquam adcreduas, 
Artemona, si kuius rei me mendacem esse inueneris, 

mit den Worten: „Nö me tegni, ne turco, ne moro, ne pagän, 
ne zodio, ne Christian, s' a me catte in bosia." Sie soll nun ihren 
Gatten sehen: „Voliu ueere el uostro zogiello assento a desco 
ape d' una bella putta?" Ihn belauschend, überzeugt sie sich 
von seiner Galanterie gegen Fiorinetta, oft will sie losfahren, 
immer hält sie Loron noch zurück. Darum also, klagt sie mit 
Artemona (F. 840), ist er abends müde, dorme tutta la notte 
come un tasso, & io, niisera, credo che nel palazzo, nelle corti, di- 
nanzi ä Giudici faccia quelle fatiche. Zornig dringt sie ins Haus 
ein. Loron aber eilt zu Polidoro, „dirghe, eh' a he guagno 
el disnare. " 

Den fünften Akt hat Beolco, in richtiger Weise 
fühlend, dass ein Abschluss fehlt, selbst erfunden. 
Rospina ist versöhnt; Placido voll des Glückes, dass seine 
Gattin aus einer „aspera, superba, avara" eine „mansueta, lm- 
mile e liberale" geworden sei. Rospina sieht ein, dass sie zu 



252 II. Asinaria. 

viel den Mann gespielt habe. — Celega sucht durch ihre Not 
ihr schändliches Gewei-be zu beschönigen. Fiorinetta ist ihre 
Tochter nicht, und Ro spina beendet nun die ganze Sache zur 
Befriedigung aller Beteiligten. 

Mit strengstem Anschluss an sein Original hat Beolco eine 
frische, heitere, ganz in ihrer Zeit und in ihren Lokalitäten spie- 
lende Komödie zu schaffen verstanden. Schwieriger zu lesen sind 
nur die in bergamaskischem Dialekte geschriebenen Szenen. 1 ) 
ohne dass sie jedoch für den einigermassen Sprachkundigen 
„Babeltürmchen" oder „Hieroglyphensärge", wie Klein'-) 
meint, wären. 

Eine weitere italienische Bearbeitung der Asinaria ist 

die Komödie „II Martello" 3 ) des Florentiners Giovammaria 

Cecchi 4 ) (S. 57). Im Prologe sagt Cecchi, er habe sich eine 

plautinische Komödie (che fu da lui chiamata 1' Asinaria) 

„rimbusta a suo dorso" und „su composto ui sua fauola", so 

jedoch: 

Aggiuugnendo e leuando, come. raeglio 

Gli e parso, e cid non per corregger Planta. 

Ma per accomodarsi a' tempi e gli huomini. 

Fabio ist der Liebhaber des Stückes. Wie Demaenetus 
versteht sich sein Vater Girolamo dazu, das ihm nötige Geld 
zu verschaffen, indem er seine Frau Paper a, Fabios Stief- 
mutter, um eine Summe (80 Scudi) prellt, die ein Pächter ihr 
abzuliefern hat. Girolamo spielt selber den Verwalter seiner 
Frau, Gualfredi, und lässt sich von dem Pächter Ton di 
Bartolo das Geld aushändigen. Er verlangt für sich nur den 
ersten Anteil an Angelica, der Kurtisane, die fälschlich als 
Fabios Geliebte gilt. Papera stört ihn im Genüsse dieses ihm 
gerne zugestandenen Glückes und treibt ihn nach Hause: A casa, 
uecchio matto, a casa! (V, 3.) Der treue Diener Fabios, der 
ihm zur Flucht mit seiner Geliebten Selvaggia verhilft, ist 
Nebbia. Aus den Enthüllungen, welche Angelica der belei- 
digten Gattin Papera macht, ergiebt sich, dass Selvaggia die 
geraubte Tochter Paperas aus erster Ehe ist. — Neben diesen 
Figuren spielt der „bravo di Mantova", der Capitan Lan- 
franco Cacciadiavolo und die übliche Parasitengestalt 
des Sparecchia, der (genau nach den Vorgängen im miles 



') Darüber klagt auch Riccoboni. I, 52: II est difficile de les 
goüter par la difficulte qu'il y a d'entendre taut de differentes langues. 

2 ) IY, 907. 

3 ) Vgl. Ussing. I, 343. — Klein. IV, 646—657. — Lorenz zum 
Miles gloriosus. S. 255. 

4 ) Vgl. Ariosto, Commedie, herausgegeben von Tortoli. S. 50. 



R. Lenz: Das Väterchen. 253 

gloriosus) die Grosssprecherei seines Herrn durch sein ständiges 
Beistimmen nährt. 



Meines Wissens zum erstenmale findet sich bei Sulz er 
(Theorie d. Seh. K. 1793) III, S. 704h, über die Asinaria die 
Mitteilung-: „Im Deutschen hat Job. Burmeister, Lüneburg 
1625, 8°, eine sonderbare, auf die Geschichte von den Vorhäuten 
der Philister gegründete Nachahmung' davon gegeben." Diese 
Notiz wiederholt wörtlich Wilhelm David Fuhrmann in 
seinem „Handbuch der klassischen Litteratur" oder An- 
leitung zur Kenntnis der griechischen und römischen klassischen 
Schriftsteller. Rudolstadt 1809. III. Bd., S. 40. — Alle meine 
Bemühungen um das, wie es scheint, äusserst seltene Buch 
waren erfolglos. (Vgl. S. 214). 

Wohl die letzte Bearbeitung des plautini sehen Stückes 
ist die von Reinhold Lenz (S. 100) in dem Lustspiele „Das 
Väterchen". ') 

I. Akt. (1.) Herr Negoziant Schlinge ist ein guter Mann 
und schlechter Pädagog. Er ist „nicht von der gewöhnlichen 
Air Väter". Darauf ist er stolz, und es freut ihn, dass sein 
Diener Johann seinem Sohne Ludwig bei allen seinen Streichen 
so behilflich ist. „Wollte Gott," meint er, „alle Väter dächten, 
wie ich, so würden sie mit ihren Kindern nicht anders umgehen, 
als mit ihren guten Freunden. Das ist mein einziger Ehrgeiz, 
hör' mal, mein seliger Vater hat mir's ebenso gemacht. Es ist 
kein Schelmstück gewesen, wo er mir nicht mit Rat und That 
an die Hand ging, wenn ich's ihm entdeckte. Damit gewann er 
mir denn das Herz ab; ich hätte mich vierteln für ihn lassen, 
und das möcht' ich von meinem Sohn auch gern." Nun 
braucht der Junge Geld. Er soll der Jungfer Klär eben, viel- 
mehr ihrer alten Mutter, zweihundert Gulden Hauszins schaffen, 
..und wenn er ihr das Geld nicht schaffen kann, soll er ihr den 
Fuss nicht mehr ins Haus setzen." Die Mutter aber hält den 
Jungen zu streng; er selber kann nichts machen; denn um die 
Aussteuer seiner Frau — also auch einer uxor dotalis — hat 
er seine Hosen verkauft. Johann soll nun um jeden Preis das 
Geld schaffen. (2.) In der zweiten Szene werden wir Zeugen 
eines heftigen Streites zwischen Ludwig und Klärchens Mutter, 
Frau Gervas. Sie hat ihm die Thür gewiesen, „diese Pest 
der jungen Leute. Das Meer ist nicht so falsch," klagt er mit 



') Im zweiten Bande, S. 3 — 37 von „Gesammelte Schriften von 
J. M. R. Lenz". Herausgegeben von Ludwig Ti eck. Berlin 1S2S Ge- 
druckt und verlegt bei G. Reimer. 



254 n. Asinaria. 

Argurippus (V. 134), „wie ihr; jenes hat meinem Vater Geld 
gebracht, ihr habt's verschlungen. Aber ich will dich mit Hunger 
dressieren, wilde Bestie," droht er Frau Gervas, die sich in 
ihrer ganzen Niedrigkeit zeigt und sich endlich mit dreihundert 
Gulden begnüg-en und auf die Bedingung eingehen will, dass ein 
Jahr lang keine andere Mannsperson über ihre Schwelle komme. 
Ludwig will das Geld, und sei es um neun und neunzig Prozent, 
sich verschaffen. 

II. Akt. (1.) Johann, der den Auftrag seines Herrn über- 
nommen hat, hat sich mittlerweile verschlafen. Zu ihm kömmt 
(2.) der zweite Diener Bertrand, mit dem er sich nun bespricht. 
Die Hilfe kömmt unerwartet rasch. Der Haushofmeister der 
Frau Schlinge, Herr Koller, hat an den Amtmann aus Dill- 
hofen ein Reitpferd verkauft, und nun ist ein Bauer da, der dem 
Herrn das Geld aushändigen soll. Herrn Schlinge kennt er 
wohl, nicht aber den Haushofmeister. Da nun Herr Schlinge 
alles im vornhinein gestattet hat, so gilt es, den Bauer zu 
prellen. (3.) Der Bauer wird von Johann empfangen; auf seine 
Frage, wie Herr Koller aussehe, schildert ihn Johann: „Er hat 
rotes Haar, eingefallene Backen, boshafte Augen, eine niedrige 
Stirn." Der Bauer erinnert sich, ihn bereits gesehen zu haben. 
(4.) Unter heftigem Schimpfen tritt Berti- and als Haushofmeister 
ein; der misstrauische Bauer jedoch zahlt ihm das Geld nicht aus, 
sodass ihn Berti- and zu Herrn Schlinge führen muss. 

III. Akt. (1.) Frau Gervas ist mit ihrer Tochter Klärchen 
Ludwigs halber in bösen Konflikt geraten. „Heut Abend um 
sieben, das ist der letzte Termin, da Herr Reich versprochen, 
zu mir zu kommen, wenn dein Ludwig nicht eher bei der 
Hand ist," so lautet ihr letztes Wort. (2.) Unterdessen hat der 
alte Herr Schlinge mit Freuden die dreihundert Gulden von 
dem Bauer in Empfang genommen und sofort seinem Sohne ge- 
schickt; jedoch' nicht so ganz bedingungslos. „Ich soll ihm 
(Ludwig) sagen," erzählt Berti- and seinem Kollegen Johann, 
„dass der Alte sich dafür heute Abend mit seiner Liebsten was 
zu gute thun will." (3.) Klärchen kann sich trotz des Gebotes 
ihrer Mutter von Ludwig nicht trennen. Endlich liefern unter 
allerlei Scherzen die Bedienten Ludwig das Geld aus. Auch die 
Konkurrenz seines Vaters nimmt Ludwig ruhig hin. „Er ist 
doch besser als Reich," tröstet er sich. 

IV. Akt. Der vierte Akt umfasst nur drei Seiten. Herr 
Reich setzt mit einem Bakkalaureus einen Kontrakt auf, dem- 
zufolge er an Frau Gervas dreihundert Gulden zahlen wolle, 
wogegen sie und ihre Tochter eine Reihe anderer Bedin- 
gungen, vor allem seine alleinigen Rechte auf Klär eben, ein- 
zugehen haben. 



R. Lenz: Das Väterchen. 255 

V. Akt. (1.) Zu seinem grossen Verdrusse hat Herr Reich 
von Herrn Schiinges Einmischung erfahren. Seine Frau soll 
nun alles wissen, und der Bakkalaureus übernimmt es, sie 
mit den Vorgängen vertraut zu machen. (2.) Bei Frau Gervas 
findet eine kleine „Kollation" statt, an welcher Herr Schlinge, 
Ludwig und Klärchen teilnehmen. Während bei derselben 
Vater und Sohn bereits auf einander eifersüchtig werden und 
fast an einander geraten, erfährt (3.) Frau Schlinge durch den 
Bakkalaureus die Streiche ihres Gatten. Sie sieht, an der 
Thüre des Hauses der Frau Gervas stehend, „wie er's an die 
Brust drückt," hört, wie er zu Klärchen sagt: „Ich könnte 
meiner Frau mit guter Manier das neue Mäntelchen stehlen, das 
ich ihr habe machen lassen, das neue, atlassene, mit Gold durch- 
wirkt;" sie ist Zeugin, wie er sie küsst und ausruft: „0 was das 
für ein süsser Atem ist gegen meiner Frau ihrem!" Endlich wird es 
Frau Schlinge zu bunt; sie fährt unter die erschreckte Gesellschaft 
und führt ihren Mann nach Hause, der ihr mit den Worten folgt: 
„Weh, welch ein Souper wird das geben." 

Ob das Lustspiel trotz genauen Anschlusses an Plautus und 
der völligen Modernisierung im stände wäre, auf unsrer Bühne 
sich zu halten, erscheint mehr als zweifelhaft. 

Ins Deutsche übersetzte die Asinaria A. C. Bor heck*) 
(Köln 1803). 



III. Aulularia. 2 ) (Querolus.) 

Unglücklicherweise ist die Aulularia, „eines der ausge- 
zeichnetsten Stücke des Plautus, nach Anlage wie Ausführung" 3 ) 
nicht vollständig auf uns gekommen. Gerade die Lösung 
fehlt. Die alten argumenta deuten zwar darauf hin, wie dieselbe 

stattgefunden haben mag: 

Laetusque natam collocat Lyconnli 
sagt das eine: 

Ab eo donatur auro, uxore, et filio 



>) Gödeke. III, 217. 

2 ) Ausgaben: Güller (Köln 1825); E. J. Richter (Nürnberg 1833): 
Deenik (Leiden 183;")); J. Hildyard (London 1839); Thom. Vallauri 
(Turin 1853); W. Wagner (Cambridge 1876); E. Benoist (Paris 1878); 
C. M. Francken (Groningen 1877). — Hier ist zitiert nach Plauti Co- 
moediae, ed. Carol. Herrn. Weise, Quedlinburg 1837. Bd. I, S. 91 — 129. 
— Vgl. C. M. Francken, Hct origiueel van PL Aulul., Versl. en Mede- 
deel. d. Konigl. Akadem. II. 1882. 

3 ) Teuf fei (G. d. r. L.), S. 147. 



256 HI. Aulularia. 

das andere. Demgemäss hat Antonius Codrus Urceus, Pro- 
fessor zu Bologna, der unter den Kaisern Sigismund und 
Friedrich III. lebte, das Stück ergänzt (s. hei Danz); allein 
Lessing sagt (Beiträge 48): „seine und des Plautus, Arbeit 
unterscheiden sich allzusehr." Kürzer ist das Supplement von 
P. Pareus. Auch M. Rapp (Die pL L., S. 902 — 909) hat einen 
Schluss zu dem Stücke gedichtet, ist aber (S. 827) der Meinung, 
dass man denselben „nicht besonders plautinisch", sondern 
„ einigermassen modern" finden wird. 

Die Aulularia (Topfgeschichte), so genannt von dem Gcld- 
topfe — olla — den Euklio auffindet, ist von jeher als eines 
der hervorragenderen Stücke des Plautus angesehen worden. 
Schlegel sagt: „der Schatz des Euklio sei wie ein unsichtbarer 
böser Geist, der das Ganze beherrscht und den Zuschauer in fort- 
währender Spannung erhält." 

Der Hausgott (Lar fa miliaris) eröffnet das Stück mit 
einem Prologe. Diesen (sowie den zum Rudens) möchte Teuf fei 
„von dem Verdammungsurteile ausgenommen" wissen. Diese 
beiden und der von Ritschi schon als echt verteidigte zum 
Trinummus haben „die positive Eigentümlichkeit mit einander 
gemein, dass sie alle einem göttlichen Wesen in den Mund ge- 
legt werden: beim Trinummus der Luxuria und Inopia, beim 
Rudens dem Arcturus und in der Aulularia dem Lar fami- 
liaris". Auch bestehen sonst keine direkten Verdachtgründe. 

Der Hausgott sagt, er beschütze dieses Haus schon viele 

Jahre (7. 3): 

Hanc dorn um 
Iam multos annos est quum possideo et colo. 

Der Grossvater habe ihm einmal einen Schatz in Gold (auri 
thesaurum, V. 7) übergeben, den, unter dem Herde vergraben, 
dieser seither bewachte. Sein Geiz hielt ihn ab, seinem Sohne 
hiervon Mitteilung zu machen; um den Hausgott aber kümmerte 
sich der Sohn wenig und ebenso wenig der Enkel, des Hauses 
dermaliger Besitzer. Die Tochter aber dieses Mannes ehrte ihn 
reichlich mit Opfern und ihr zuliebe (eius honoris gratia, V. 25) 
fügte es der Lar so, dass Euklio den Schatz entdeckte. Noch 
giebt er einige Andeutungen über den Fortgang der Handlung. 
Im ersten Akte schmäht Euklio seine Magd, die alte 
Staphyla, die „circumspectatrix cum oculis emissitiis" [V. 41), 
die alles auszuspionieren suche. Er fürchtet, sie möchte von dem 
Schatze erfahren, dessen Entdeckung er niemand anvertraut, den 
er vielmehr vergraben hat. Während er, wie öfter in dem Stücke, 



Studien und Charakteristiken u. s. w., S. 25G. 



Charakteristik derselben. 257 

auf einige Augenblicke die Bühne verlässt, um nach seinem Geld- 
topfe zu sehen (F. 65): 

Nunc ibo, ut uisam, estne ita aurum, ut condidi, 
Quod me sollicitat plurimis miserum modis. 

erzählt uns Staphyla von ihrer Verlegenheit. Euklios Tochter, 
Phädra. ist daran, jeden Augenblick niederzukommen (F. 75): 

propinqua partitudo quoi appetit. 

Der Alte kömmt beruhigt zurück, da er alles in Ordnung 
fand (F 79): 

Nunc defaecato demum animo egredior domo, 
Postquam perspexi salua esse intus omnia. 

Er wiederholt seine Warnungen, ja niemand einzulassen, selbst 
die Göttin Fortuna nicht (F. 100): 

Si Bona Fortuna ueniat, ue intromiseris 

und schickt seine Dienerin ins Haus. Aus seinem Selbst- 
gespräche erfahren wir, dass er zum ..magister curiae" (F. 107) 
gehe, um bei der Geldverteilung sich einen Sesterz zu holen, da- 
mit ja niemand in ihm einen vermöglichen Mann vermute. 

Im zweiten Akte tritt der alte Megadorus mit seiner 
Schwester Eunomia auf. Er vertraut ihr, dass er willens sei, 
Euklios Tochter, die er liebgewonnen habe, zu freien. Eunomia 
verspricht ihm, obwohl sie über die Weiber im allgemeinen nicht 
eben günstig urteilt, 1 ) ihre Beihilfe. Euklio kömmt eben des 
Weges, um nach Hause zu eilen, wo sein Herz weilt (F. 180): 

„nam egomet sum hie, animus dornt est." 

Da eröffnet ihm Megadorus seinen Wunsch. Euklio aber 
vermutet, Megadorus wisse um den gefundenen Schatz (F. 215): 

„aurum huic ölet" 

und werbe nur deshalb um seine Tochter. Er hält ihm seine Ar- 
mut entgegen; als aber endlich Megadorus erklärt, er wolle das 
Mädchen ohne jede Mitgift heiraten, wodurch Euklios Ein- 
wurf (F. 237): 

At nil est dotis quod dem 



') V. 123. Quamquam haud falsa sum, nos odiosas haberi. 
Nam multum loquaces merito omnes habemur: 
Nee rautam profecto repertam ullam esse 
Eodie mulierem dieunf ullo in saeclo. 
V. 136. Decet equidem aera proloqui. 

Nam optima nulla potest eligi; alia alia peior, frater, est. 

17 



258 IH- Aulularia. 

gegenstandslos wird, giebt er es zu, nachdem er vorher noch schnell 
ins Haus gelaufen war, um nach dem Golde zu sehen. — Von 
S t a phy 1 a erfahren wir noch, dass Phädras Niederkunft unmittelbar 
bevorstehe (F. 269): 

„probrum atque partitudo prope adest ut fiat palam." 

Im dritten Akte 1 ) erblicken wir den Sklaven Strobilus, 2 ) 
Köche (Anthrax, Congrio) und andere mit den Vorrichtungen 
zur Hochzeit des Megadorus beschäftigt, wobei Strobilus 
einige Anekdoten von Euklios Geiz zum besten giebt. Die 
Szene mit den Köchen wird etwas ausgedehnt. 3 ) Von Pytho- 
dikus erfahren wir einiges über die üblichen Diebstähle der 
Köche, die er als „rapaeidae" (F. 363) bezeichnet. Euklio tritt 
auf und entwickelt sein Sparsystem. Auch er wollte heute zur 
Hochzeit seiner Tochter etwas heimtragen und ging deshalb auf 
den Markt, allein (7. 366): 

rogito piscis; indicant 
Caros. agninani carinii, carinii bubulam, 
Vitulinam, cetum, porcinam, cara omnia; 
Atque eo fueruut cariora: aes non erat. 



1 ) Nach. Rapps Einteilung. 

2 ) Hier tritt der Sklave Strobilus als dem Megadorus gehörig 
auf (F. 273 ff.) uud schafft für diesen; später ist er Eigentum seines 
Neffen Lykonides, ja er spricht sogar, als wisse er von des Mega- 
dorus Hochzeit nichts. Darum haben einzelne Kritiker zwei Stro- 
bilus angenommen. Rapp (S. 910) findet diese Trennung in einen 
Strobilus geminus noch „viel lächerlicher, als jene kleinen Inkonse- 
quenzen, und wenn Köpke in seiner Einleitung zum Stücke bemerkt, 
Plautus habe diesen beiden Sklaven lieber einerlei Namen gegeben. 
um sie durch Einen Schauspieler spielen lassen zu können, so glaub' 
ich, hat er der Wahrheit näher geraten". Rapp (S. 911) glaubt, Stro- 
bilus, als „die lustige und verschlagene Person unseres Stückes", sei 
vom Dichter zwiefach verwendet worden. „In den ersten Akten braucht 
er einen Sklaven, der das Küchenregiment führt und den Hochzeitschmaus 
anordnet; er nennt ihn Strobilus und lässt ihn bei dem Oheim Me- 
gador dienen. In den letzten Akten braucht er einen verschlagenen 
Sklaven, der dem Herrn in seiner Liebschaft hilft und gelegentlich dem 
Geizigen den Geldtopf wegstiehlt. Da er jenen ersten Strobilus nicht 
mehr nötig hat, so steckt er ihn jetzt in die Livree des Neffen Lyko- 
nides." Vgl. Binder, S. 68. — In ähnlicher Weise äussert sich Wil- 
helm Wagner (T. M. Plavti Aulularia, with notes critical and 
exegetical and an introduction on Plautian prosody, Cambridge 1866), 
S. 138. One of the greatest difficulties in the Aulularia (if it be not 
the greatest) consists in the name and character of the slave Stro- 
bilus, who makes bis appearance in the first scene of this (IV) act. 
That the Strobilus of the first scene of the third act cannot 
be the same person with this, I have shown de Aulularia, 
pag. "24 sqq. Vgl. Brix, Jahrbücher 1865. S. 56. 

3 ) Vgl. die Acharner des Aristophanes nach Rapp, S. 859, Anm. 



Charakteristik derselben. 259 

So ging er denn heim mit einem „Weihräuchlein" und ,. Blu- 
menkränzchen'- für seine Tochter (F. 378): 

Ximc tusculum emi et has Coronas floreas. 

Das möge genügen, denn seine Absicht ist (F 377): 

Quam minumo sumptu filiam ut nuptum dareni. 

Plötzlich hört er ein Geräusch im Hause; Congrio ruft um 
einen grössern Topf (F. 383): 

Aulam maiorem, si pote, ex uicinia 
Pete: haec est parua: capere non quit. 

Das bringt ihn zur Verzweiflung (F. 385): 

Peru liercle! aurum rapitur: aula quaeritur, 

da er es mit seinem Topf in Zusammenhang bringt. Ins Haus 
geeilt, prügelt er die Köche und wirft sie zum Thor hinaus. 
Sein Streit mit Congrio setzt sich auf der Strasse fort; er jagt 
ihn weiter. Euklio ist ohnehin aufgeregt, weil Staphylas 
Hahn 1 ) an der Stelle scharrte, wo der Topf vergraben 
liegt. Mit einem Schlage streckte er ihn zu Boden. — Mega- 
dorus tritt auf mit einem Monologe über Ehen ohne Mitgift, in 
denen er gewissermassen die Lösung der sozialen Frage findet 
(F. 472): 

Nam, meo quidem animo, si idem faciant ceteri, 

Opulentiores pauperiorum filias 

Ut indotatas ducant uxores domuni: 

Et multo fiat ciuitas concordior, 

Et inuidia nos minore utamur, quam utimur. 

Die modernen Weiber mit ihrer reichen Mitgift brauchen 
zu viel und sind in ihren Ansprüchen zu unbescheiden. Darum 

(F. 485): 

Quo lubeat, uubant. dum dos ue fiat comes. 

Hoc ita si fiat, mores meliores sibi 

Pareut. pro dote quos feraut, quam nunc ferunt. 

Diese Grundsätze begeistern den lauschenden Euklio, und 
gerne würde er das Weitere hören, vermutete er nicht in einzelnen 
Worten seines künftigen Schwiegersohnes wiederum Anspielungen 
auf seinen Geldtopf, von dem er nun doch scheiden muss, da er 
zu viele Feinde hat (F. 575 j: 



') Eine Szene, deren Rabelais iPantagruel Prolog zum d ritten 
Buch) Erwähnun»- thut, wenn er spricht von dem coeq d'Euclion laut 
celebre par Piaute en sa Marmite. 

17* 



9(50 III. Aulularia. 

Edepol nae tu, aula, multos inimicos habes. 

Nunc hoc mihi factu est optumum, ut ted auferam, 
Aula, in Fidei fanum. 

Also zum Tempel der Fides (7 581): 

Ibo ad te, fretus tua, Fides, fiducia. 

Den vierten Akt leitet Strobilus ein. Er spi'icht von 
den Verpflichtungen des Dieners, hier aber als Sklave des Lyko- 
nides (7 582): 

Hoc est servi facinus frugi, facere quod ego persequor; 
Nee morae molestiaeque inperium herile habeat sibi. 
Nam qui hero ex sententia servire seruus postulat: 
In herum matura, in se sera condecet capessere, 
Sin dormitet, ita dormitet, seruom sese ut cogitet. 

Er setzt sich dann an den Altar (7. 601): 
iu ara hie adsidam sacra. 

Euklio tritt aus dem Tempel, wo er seinen Geldtopf ver- 
steckte. Strobilus belauscht ihn; er tritt nach ihm in das 
Heiligtum ein. Rabengekrächze ruft Euklio zurück; er eilt 
nochmal in den Tempel und zerrt aus demselben Strobilus her- 
vor. Er untersucht ihn, was er geraubt habe: 

(7. 635.) Euch Ostende huc manus! 

Strob. Hem tibi! 

Euch Ostende! 
Stroh. Eccas ! 

Euch Video. Age, ostende etiam tertiam! 

Strob. Laruae hunc atque intemperiae insaniaeque agitant 

senem; 

und dann nochmal: 

( V. C>44.) Euch Age, rursum ostende huc manum 
Dexteram ! 
Strob. Hem ! 

Euch Nunc laeuam ostende! 

Strob. Quiu equidem ambas profero. 

Euch Iam scrutari mitto. 

Der Fides traut er nun nicht mehr. Er holt seinen Geld- 
topf, um ihn im Haine des Sil van Tis zu vergraben (7. 662): 

Fidei censebam maxumam multo fidem 
Esse : ea subleuit os mihi penissume. 



— Siluano potius credam quam Fidei. 



Charakteristik derselben. 261 

Auch dies hat Strobilus gehört und eilt ihm nach, um ihn 
von irgend einem Baume herab zu beobachten. 

Im fünften Akte hören wir den jungen Lykonides seiner 
Mutter gestehen, dass er im Rausche mit Phädra gefehlt habe. 
Alsbald vernehmen wir auch den Schmerzensruf des kreissenden 
Mädchens. Er eilt hinein (7. 696): 

ubi de capite meo sunt comitia. 

Strobilus tritt auf mit dem Geldtopfe, den er nach Hause 
schleppt. Er schwimmt in Wonne {V. 697): 

Pices diuitiis, qui aureos niontes colunt, 

Ego solus supero. — — — — — 

Ego sum ille rex Philippus. lepidum diem! 



— Ibo, ut hoc condam, domum. 

Alsbald stürzt Euklio herein, der den Diebstahl entdeckt hat. 
Er ist in Verzweiflung, sein Lebensglück ist dahin. Seiner ent- 
setzlichen Stimmung macht er in dem berühmten, so oft nach- 
geahmten Monologe Luft (V. 709 ff.): 

Peru, interii, occidi! Quo curram? quo non curram? Tene, tene! — 

Quem quis? 

Nescio: nil uideo: caecus eo, atque equidem, quo eam, aut ubi sira, aut 

qui sim, 

Nequeo cum aninio certum inuestigare. Opsecro uos ego, mihi auxilio, 

Oro, obtestor, sitis et hominem demonstretis, qui eam apstulerit. 

Quid est? quid ridetis? Noui omnis: scio lüres esse hie conplures, 

Qui uestitu et creta oecultant sese atque sedent, quasi sint frugi. 

Quid ais tu? Tibi credere certumst: nain esse bonum, e uoltu cognosco. 

Hern, nemo habet horum? — Occidisti! Die igitur, quis eam habet! Nescis? 

Heu ine miserum! misere perii! Male perditu', pessume ornatus eo: 

Tantum gemiti et malae maestitiae hie dies mihi optulit, 

Famem et pauperiem. Perditus penissume sum ego omnium 

In terra. Nam quid mihi opus est uita, qui tantum auri perdidi, 

Quod custodiui sedulo? Egomet me defraudaui 

Auimumque meum geniumque meum. Nuuc meo alii laetificantur 

Damno et malo. Pati nequeo. 

Lykonides hört den rasenden Alten schreien und glaubt, 
er tobe wegen seiner Tochter. Er bittet ihn um Verzeihung 
(V. 730): 

quia istuc facinus, quod tuom 
Sollicat animum, id ego feci et fateor. 

Wein und Liebe vermochte ihn zu der That (F. 742): 

„quia uini uitio atque amoris feci," 

und so obwaltet längere Zeit das Missverständnis, indem Euklio 



262 HI- Aulularia. 

„ea, illa" als seine „aula", Lykonides als Phädra versteht. 
Endlich klärt es sich auf, da Enklio direkt seinen Geldtopf ver- 
langt (7 760): 

Aulam auri. inquam, te reposco, quam tu confessus 's mihi 
Te apstulisse. 

Lykonides erzählt nun, dass Megadorus auf das Mädchen 
Verzicht leisten wolle, dass er sie, selbst am Ceresfeste berauscht, 
entehrt habe, jetzt aber zu seinem ehelichen "Weibe machen werde, 
wenn Euklio sie ihm gäbe. Dieser eilt ins Haus, um sich von- 
allem zu überzeugen. 

Strobilus, noch entzückt von seinem Funde, tritt auf 
(7. 806): 

Quadrilibrem aulam auro onustam ego habeo: quis nie est diuitior? 

Zu ihm kömmt Lykonides, und damit endet unser Text. 

Die wahrscheinlichste Lösung ist wohl, dass Euklio durch 
des Lykonides Vermittlung sein Gold wieder erhält und hierüber 
selig zu allem Andern sein „Ja!" spricht. 

Den Schluss der Supposita des Urceus bilden Nutzan- 
wendungen über Freigebigkeit und Geiz; der alte Euklio wird 
mit einemmale freigebig — welch ein Unding! 1 ) — • Zum Teile 
wird er es auch bei Rapp, indem er dem Brautpaar ein Fünftel 
seines Gutes als Mitgift schenkt (S. 908): 

„Ihr hochgeehrten Gäste, seid gegrüsst; euch naht 
Der arme Euklio, der durch seines Hausgotts Gunst 
Zu einem kleinen Reichtum kam. Staphyla mag 
Mir Zeuge sein, dass ich dem jungen Paare heut' 
Ein Fünftel meines Guts zur Mitgift zugelobt," 

was Megadoriis dankend ablehnt, da er für seinen Erben 
sorgen werde. 

Auch Binder (S. 8) meint, „der Schluss kann kein anderer 
gewesen sein, als dass Euklio von Lykonides durch List oder 
Überredung dahingebracht oder in einer ungewohnten Anwandlung 
von Freigebigkeit oder noch wahrscheinlicher, um die ewige Angst, 
seinen Geldtopf endlich doch noch zu verlieren, los zu werden, 
dem jungen Manne diesen als Mitgift bei der nun vollzogenen 
Vermählung mit seiner Tochter überlässt. Dies geht auch aus 
dem wahrscheinlich sehr alten Argumentum hervor, welches 
als Akrostichon dem Lustspiele voransteht, und dessen letzter Vers 
also lautet: 

„Ab eo donatur auro, uxore et filio." 

') Rapp. S. 912. 



Charakteristik derselben. 263 

Das Hauptinteresse konzentriert selbstverständlich der übrigens 
von manchen getadelte') Geizhals Euklio auf sich, der sich 
tiberall belauscht und betrogen wähnt. Jeder Blick eines andern 
gilt seinem verborgenen Sehatze, jedes Wort hat Bezug auf sein 
geheim gehaltenes Gold: nur Verräter schaut er um sich. Selbst 
von rückwärts sieht seine Schaffnerin (F 64): 

„quae in occipitio quoque habet oculos, pessuma." 

Sie hat das Gerede von der Aussteuer seiner Tochter unter die 
Leute gebracht (F. 266): 

deblaterasti iam uicinis omnibus. 
Meae me filiae daturum dotem. 

Ja selbst der Haushahn ist sein Feind. Ihn haben die Köche 
bestochen, damit er ihnen die Stelle zeige, wo sein Schatz ver- 
borgen liegt (V. 464): 

Credo ego edepol illi mercedem gallo pollicitos cocos, 
Si id palam fecisset. 

Da ihn der Schmerz um sein geraubtes Gut überwältigt, ver- 
mutet er sogar unter den Zuschauern den Dieb (F. 713), eine 
Äusserung, die ihm mit Unrecht von allzudelikaten Kritikern ver- 
dacht wurde.-) Alles will er dtirchsuchen , die zwei Hände sind 
ihm noch nicht genug. In seiner Überreizung und Gier verlangt 
er selbst (F. 636) die dritte. 3 ) 



») Vgl. z. B. Hurds Urteil bei Lessing (Hamb. Drain., 92. Stück): 
„Hierin haben Moliere und vor ihm Plautus gefehlt; statt der Ab- 
bildung eines geizigen Mannes haben sie uns eine grillenhafte Schil- 
derung der Leidenschaft des Geizes gegeben. Ich nenne es eine 
grillenhafte Schilderung, weil sie kein Urbild in der Natur hat. Ich 
nenne es eine widrige Schilderung; denn da es die Schilderung einer 
einfachen unvermischten Leidenschaft ist, so fehlen ihr alle die 
Lichter und Schatten, deren richtige Verbindung allein ihr Kraft und 
Leben erteilen könnte. Diese Lichter und Schatten sind die Ver- 
mischung verschiedener Leidenschaften, welche mit der vornehmsten 
oder herrschenden Leidenschaft zusammen den menschlichen Cha- 
rakter ausmachen u. s. w." 

2 ) W. Wagner, 1. c. zu Vers 709. 

3 ) Zu dem „ostende etiam tertiana", das mehrere Nachahmer 
darunter auch Hooft) haben, macht der englische Übersetzer der Aii- 

lularia, Thornton, eine interessante Bemerkung, in welcher dieselbe 
Stelle auch bei dem gelehrten Verfasser des Albumazar (s. S. 1!»1) nach- 
gewiesen wird (s. hei \Y. Wagner, 1. c. S. 144 1: This lias heen ceu- 
sured as being to extravagant and entirely out of aature; but con- 
sidering the very ridiculous humour of the Miser as drawn by our 
Author, it will not perhaps appear out of character. Euclio talks in 
•the same strain ni' the cooks being all of Geryon's race and having six 
hands a piece. Midiere, however, who has imitated this scene, has not 



264 III. Aulularia. 

Nach Staphylas Worten (F. 67) war er früher nicht so; 
es nvuss ihm erst ein Unheil begegnet sein. Überall giebt er 
sich für einen armen Mann aus (F. 185): „Pol ego haud perbene 
a pecunia;" er brüstet sich, wie Megadorus sagt, seiner Ar- 
mut (F. 205): 

Neque illo quisquam est alter hodie ex paupertate parcior. 

F. 226 nennt er sich „pauperum pauperrumum" ; so F. 538; und 
auch Strobilus heisst F. 598 Phädra „filiam hnius Euclionis 
pauperis". 

Damit rechtfertigt er der Welt gegenüber seinen schändlichen 
Geiz, der sich in schmutzigster Weise äussert. Niemand darf sein 
Haus betreten; weder Feuer noc% Wasser, noch Axt (F. 91 ff.) 
hat er für einen Nachbarn. Den Rauch lässt er nicht zum Dach 
hinaus, ja wenn er nachts zu Bette geht, schnürt er sich einen 
Blasbalg vor den Mund, damit keine Luft unnütz zu gründe geht 
(F. 292): 

Quin diuum atque hominum clamat continuo fidem, 

Suam rem periisse, seque eradicarier, 

De suo tigillo fumus si qua exit foras. 

Quin, quom it dormitum, follem [sibi] opstringit ob gulam. 1 ) 

Wenn er sich die Hände wäscht, reut ihn das Wasser (F. 301): 
Aquam hercle plorat, quom lauat, profundere. 



ventured this seemingly absurd joke, as undoubtedly he thought i- 
would appear too outre to a modern audience; and our own countryt 
meu Shadwell and Fielding have copied his example, probably for 
the same reason. But there is a discret imitation of this whole passage 
in the old play of Albumazar (Act III, scene 8), where Trincalo (who is 
made to fancy himself Antonio), questions Konca about his purse, which 
the latter has stolen from bim: 

Trine. my purse! 

Dear master Ronca. 

Rone. What 's your pleasure, Sir? 

Trine. Show me your band. 

Rone. Here 't is! 

Trine. But where 's the other? 

Rone. Why, here. 

Trine. But I mean, where 's your other band? 

Rone. Think you me the giant witb an bundred bands? 

Trine. Give me your rigbt! 

Rone. My rigbt? 

Trine. Your left. 

Rone. My left? 

Trine. Now botb! 

Hone. Tbere 's botb, my dear Antonio! 

*) Die erstaunte Frage des Congrio „Cur"? wird (V. 296) beant- 
wortet: „Ne quid animae forte amittat dormiens." 



Charakteristik derselben. 265 

Die Nägelabfälle, die ihm der Barbier zuschnitt, sammelte er 
jüngst (V. 305): 

Quin ipsi pridem tonsor unguis deniserat: 
Collegit omnia, apstulit, praesegmina, 

und noch viele andere Streiche erzählt Strobilus den Köchen. 

Der wackere Sklave Strobilus ist oben schon aus V. 582 
charakterisiert worden; ebenso hat sich Megadorus als ein guter 
Alter durch seine Anschauungen über Arm und Reich gezeigt, 
dem an Eunomia eine gute Schwester 1 ) und dem Lykonides, 
der sich rühmen kann, seine Mutter nie belogen zu haben, 2 ) eine 
brave Mutter 3 ) zur Seite steht. 

Neben der Aulularia stand, besonders im Mittel- 
aitor, den Nachahmern eine andere, ungleich wertlosere 
Quelle zur Verfügung in dem Lustspiele Querolus („Der 
Unzufriedene"), welches man allenthalben als plautinisch ansah. 4 ) 
Thatsächlich ist das Stück, dessen Verfasser 5 ) und Ent- 
stehungszeit 6 ) unbekannt sind, auf der Aulularia des Plau- 
tus aufgebaut und oft auch so benannt worden. 7 ) Es ist 



') V. 127. Verum hoc, frater, unum tarnen cogitato, 
Tibi proximam me, niihique esse item te. 

2 ) V. 685. Egone ut te aduorsum mentiar, mater mea? 

3 ) V. 681. Scis tute facta velle me, quae tu velis. 

4 ) Teuf fei, G. d. r. L. S. 148. 1036. — Haupt, Opusc. HI, 587. 

— Du Meril, Origines latines du theätre moderne, pag. 14. 15. — 
J.J.Ampere, Histoire litteraire de la France avant le douzieme siecle. 
I. Bd. S. 260. — Maurice Meyer, Etudes sur la comedie latine. 
S. 108 — 114. — Klinckhamer, pag. XXIEE. — Jubinal, Mysteres ine- 
dits. 1837. — L. Quicherat, Melanges en phüologie. Paris 1879, pao. 158. 

— W. Wagner im Litt. Centr.-Bl. v. 1875. S. 752. — Klein. DJ, 638. — 
Histoire litter. XV, 428—434. — Weitere bibliographische An- 
gaben s. bei Havet S. 22 — 32. 

5 ) Barthius (Advers.) u. a. glauben, der Querolus stamme von 
Gildas (geb. 520 in Somerset); dagegen s. b. Klinckhamer XXV. — 
Andere nennen fälschlich den Axius Paulus. Vgl. R. Dezeimeris, 
Sur l'auteur de Querolus. Bord. 1876. — R. Dezeimeris, Etudes sur 
le Querolus. Bord. 1881. 

6 ) Über die Entstehungszeit des Querolus s. bei Havet S. 2 
— 11. — Klinckhamer. XXVII. — Orelli, Epist. ad Madvigium, in 
Edit. Cic. Rhetor. Tur. 1830. S. 68. — Lessing (Beiträge S. 51. 52). — 
Du Meril, Origines. S. 13 ff. 

7 ) Die Überschrift iu den Msk. ist: Plauti aulularia. — Praef. 
5, 22. Querolus an Aulularia haec fabula dicatur, vestrum (specta- 
tores) iudicium erit. — M.Haupt, Opusc. (Lpz. 1876. III. S. 587. 588.) 
„In Monumeutürum Boicorum voluminia XXVIII, parte II, edita est Bur- 
chardi Episcopi Pataviensis et Madalwiui chorepiscopi complacitatio 
facta anno MCCCCIV; inter libros, quos Madalwinus in manum Bur- 
chardi tradidit, pag. 202 Plauti Aulularia commemoratur. Puto nou 
fuisse Plauti fabulam, sed Querolum, qui Lllo nomine in codi- 
cibus dicitur veluti in Vaticano, de quo Adolphus Michaelis in Mela 
Partheii j>ag. X exposuit." 



266 in. AuMaria. 

eine ziemlich wertlose und unbedeutende 1 ) Produktion, in welcher 
die christliche Anschauung unverkennbar ist. 2 ) Der Querolus, eine 
Art von Misanthrop, 3 ) war im Mittelalter viel gelesen und ver- 
breitet. 4 ) Der Text ist in der Handschrift in Prosa; Klinckhamer 
hat die Herstellung von Versen übernommen; ebenso, aber in der 
Form anders, L. Havet mit einer unter dem Texte stehenden 
französischen Übertragung. 5 ) 

Der Querolus ist fünfmal herausgegeben worden; die 
erste Ausgabe von Pierre Daniel erschien zu Paris 1564 
in 8°. Querolus, nunc primum a P. Daniele luce donata; 
Daniels Ausgabe findet sich abgedruckt im Plautus des 
J. Cominus, Padua 1764. P. Daniel wollte nochmal eine 
kritische Ausgabe des Querolus veranstalten, starb aber darüber 
im Jahre 1603. — Die nächste Ausgabe besorgten Rittershuis 
und Gruter, bei H. Commelinus (Heidelberg) 1595; dann 
Pareus 1610, 1616, 1619, 1641. Der Text des Pareus ist 
abgedruckt in der Collectio Pisaurensis von 1766, tom. IV., 
S. 201. — Eine beabsichtigte Alisgabe des Johann Christian 
Wernsdorf (gest. 1793) blieb Manuskript; ebenso die Notizen 
des holländischen Gelehrten Herman Cannegieter (gest. 1804). 
Im Jahre 1829 erschien Querolus sive Aulularia incerti 
auctoris comoedia togata. Reeensuit et illustravit S. C. Klinck- 
hamer. Amstelod. (Gartman). Klinckhamers Prosatext findet 



1 ) Bernhardy (Grundriss), S. 458, nennt den Querolus „ein geist- 
loses Lustspiel . . . gezogen aus der vielleicht schon vor dem vierten 
Jahrhundert aufgelösten Aulularia". — Binder (S. 9) heisst ihn „ein 
geistloses Machwerk". Lobender spricht sich Ch. Magnin über den 
Querolus in der Revue des deux mondes 183f>, II, S. 656, aus. 

~) Adolphus William Ward, A history of English dramatic lit- 
terature to the death of Queen Anne. London 1875. (Macrnillan & Co.) 
S. 2. „The Querolus, variously dated as composed in the fourth or 
the seventh Century, distinctly announces itself as an imitation of 
the Aulularia of Plautus. It is a comedy with a sufficiently in- 
genious plot, conveying the familiär moral of the ,biter bit'; but the 
influence of the Christian doctrine of charity is perceptible 
in the management of its close." 

3 ) Gervinus. I, 563. 

4 ) Havet. S. 31. Le Querolus a ete tres-lu au moyen-äge, 
comme le prouvent les nombreux extraits qu'en presentent divers ma- 
nuscrits. Chez les modernes il est reste singulierement ignore. Dans 
tout le Moliere il n'y a pas im trait qui derive de Querolus. — Die 
wichtigsten Handschriften sind Leid, und Par. S. X. Über eine in 
Wolfenbüttel von den Franzosen entwendete s. Haupt, Opusc DU, 
588: „Erat olim in bibliotheca Guelferbytana liber Gudianus 319, qui 
Querolum ex codice antiquo Remensi a Samuele Sciassio excriptum 
continebat. Eum librum Galli rapuerunt annoque MDCCCXV reddere 
iussi non reddiderunt, supposito fraudulenter exemplari impresso Coni- 
meliniano." 

5 ) Vgl. zur Metrik des Querolus bei Teuffei. S. 1036. 



Der Querolus. 267 

sich im Plautus von Lemaire (1832), Bd. III, 543 und ist ins 
Italienische übersetzt worden. „Querulo ossia Aulularia di 
autore incerto, commedia togata. tradotta per la prima volta. 
Venezia 1851 in 8"." Aus 1875 (Lpz.) stammt die Ausgabe 
von R. Peiper und von 1880 die letzte von L. Havet. (Le 
Querolus. Comedie latine anonyme. Texte en vers restitue 
d'apres im principe nouveau et traduit pour la premiere f'ois en 
francais. Precede dun examen litteraire de la piece par L. Havet. 
Paris [Vieweg] 1880, 363 S. als der 41. Band der Bibliotheque 
de l'Ecole des Haute s E tu des. 

Der Inhalt des Querolus ist (nach Klinckhamer) folgender: 
I. Akt. (1.) Der Lar familiaris tritt auf: „Queroli nunc 
sortem administro, huius non grati, non mali." Aus seiner Rede. 
erfahren wir: Pater huius Queroli Euclio fuit, avarus et cautus 
senex. Hie enorme pondus auri olim in ornam condidit. Sic 
quasi paterna venerans aurum celabat palam. Peregre vadens 
ornam domi sepeliit ac reliquit ante aras meas. Tumulum suis, 
mihi thesaurum commendavit. Abiit neque rediit senex. Peregre 
moriens uni tantummodo rem indicavit, fraudulento et perfido. 
C'ui tarnen, sive oblitus, sive supervacuum putans, de busto et 
titulo nihil exponit. Querolo iuxta fatum hoc cecidit. Nunc ergo 
thesaurus habetur Omnibus ignotus et notus tarnen. Erat sane 
facile nobis aurum domino ostendere aut responso aut somnio. 
Sed ut agnoscant homines nemini auferri posse, quod dederit 
deus, aurum, quod fidei malae creditum est, furto conservabitur. 
Für ergo iam nunc aderit, per quem nobis salva res erit. Iste 
ornam cum reppererit, hustum putabit: sie ille prospexit senex. 
Praedam qui abstulerit, reportabit totumque reddet, parte con- 
tentus fuit. Itaque bene perfidus alteri fraudem infert, damnum 
sibi. Tarnen ne frustra memet videritis, exponere quaedam volo. 
Querolus iste noster, sicut nostis, omnibus est molestus, ipsi, si 
fas est, deo: bomo ridicule iraeundus, itaque ridendus magis. Dis- 
serere cum isthoc volupe est, et confutare vanam hominum scien- 
tiam u. s. w. 

Nach dieser Einleitung tritt (2.) Querolus jammernd auf: 
..0 fortuna! o fors fortuna! o fatum sceleratum atque impium!" 
Der Lar, durch seinen tridens geschützt, begrüsst ihn: »Ego sum. 
Lar familiaris, fatum quod vos dicitis." — ..Te ego iamdudum 
quaero," versetzt Querolus. Nach einigem Hin- und Herreden 
lässt sich der Lar endlich vernehmen: ..Pennovet Qosmet, Querole, 
tua quamvis inanis quaerimonia. Idcirco itaque veni, ut ratio 
tibi ex integro redderetur, quod nemini antehac contigit. " Quero- 
lus soll denn die Gründe seiner ewigen Unzufriedenheit aus- 
einandersetzen, und, obwohl er damit nicht ans Ende zu kommen 
glaubt, stellt er doch die erste Frage: „Quare iniustis bene est 



268 III. Aulularia. 

et iustis male?" — Die alte Geschichte! „Nun," meint der Lar, 
„ehe ich mich auf eine Antwort einlasse, sprich, in wessen Na- 
men redest du? für dich oder für die Welt?" „Et populo et 
mihi." Der Lar nimmt nun Querolus scharf ins Examen und 
endet: „Immo, nihil est actum, Querole, nisi sequantur haec duo: 
primnm contra meritum tuum miserum non esse ut comprobem, 
secundo etiam felicem tete esse iam nunc ipse intellegas". Du bist 
durch eigene Schuld unglücklich. Querolus erwidert allerlei; das 
Gespräch wird unendlich langatmig. Überraschend ist nur, wie von 
dieser ganzen, den Kirchenvätern entnommenen Exposition 
Havet (p. 2) sagen kann: „Sans doute, il ne contient aucune 
trace de doctrine chretienne, quoiqu' on en ait pu dire." 
(3.) Ein Monolog des Querolus beendigt den ersten Akt. 

IL Akt. (1.) Der „parasitus et magus" Mandrogerus 
tritt auf. Viele rühmen sich, wilde Tiere zu jagen. „Quanto 
mihi maius est ingenium et hierum, qui homines venor publice? 
Divites et potentes et litteratos maxime. Mandrogerus ego sum, 
parasitorum omnium long-e praestantissimus. " Der syeophanta 
erzählt, es habe ihm geträumt, in ihre Hände sei ein ansehnlicher 
Schatz gelangt; Sardanapalus aber: „insomnis fundus vidi". 
Aber auch Mandrogerus weiss von einem „somnium prorsus 
manifestissimum" zu berichten. Jemand sagte ihm „nee cuiquam 
alteri concessum esse aurum illud invenire nisi mihi" ; freilich 
fügt er hinzu „hoc tantummodo mihi profecturum, quod consump- 
sisset gula". „Doch, da stehen wir ja vor des Querolus Haus!" 
Querolus tritt aus demselben (3.) und lauscht, wie Sardana- 
palus und der syeophanta über einen mächtigen Zauberer sich 
besprechen, dessen Weisheit alles übertrifft. „Ubi te aspexerit 
primum, tuo te vocat nomine, dein parentes, servos, atque omnem 
familiam exponit u. s. w. Das reizt Querolus; er gesellt sich 
zu den Sprechenden: „Salvete amici! Ihr unterhieltet euch da 
von einem Zauberer?" „„Ja."- „Verlasst mich doch nicht so 
schnell. Wie heisst er denn?" „ „Mandragerontus." " Die 
Idee des Querolus steht fest: „Adgrediamur hominem, atque a 
publico sevocemus, ut secreto disserat." 

(3.) Mandragerontus erscheint auf der Bühne. Er wird 
vom syeophanta um allerlei befragt und erteilt über die An- 
wesenden die gewünschten Personalberichte zum grossen Staunen 
des Querolus, den er zuletzt entspricht „Querole, mala fortuna 
te premit", worauf dieser „agnosco" erwidert. Der Zauberer 
nennt ihm nun die Namen seiner SklaA'en und schildert ihm sein 
ganzes Haus, was Querolus veranlasst, die Fremden, da sie es 
wünschen, in seine Wohnung einzulassen. (4.) Pantomalus, der 
Sklave des Querolus, bleibt allein zurück und schildert in einer 
hübschen, freilich viel zu gedehnten Rede das Sklavenleben, von 



Der Querolus. 269 

dem Obersatze ausgebend: „omneis quidem dominos malos esse 
constat et manifestissimum est.'' Diese Szene hat Havet (gegen 
Klinckbamer nnd Peiper) zum ersten Auftritte des dritten 
Aktes gemacht. 

III. Akt. (1.) Mandrogerus und Querolus tragen einen 
Koffer aus dem Hause; damit hat Querolus „sein Unglück selbst 
aus dem Hause getragen. Das ganze Haus ist jetzt davon frei." 
Aber „mala haec fortuna, quam abstulimus, redire temptabit do- 
mum", deshalb hat Querolus drei Tage und drei Nächte einge- 
seblossen in seiner Behausung zu verweilen. Querolus ist mit 
allem zufrieden; er schliesst die Thore fest ab. Seras et catenas 
adhibe! ruft ihm Mandrogerus nach. ..Tanquam pro memet 
fecero", versichert ihm Querolus. (2.) Mandrogerus ist mit 
dem Erfolge sehr zufrieden. „Inventus, spoliatus, clausus est homo!" 
jubelt er. „Wo soll nun aber die Urne geplündert werden?" 
fragt er seine Genossen. „Sed ubinam ornam respicimus?" Doch 
genug! wir haben sie. Sie ziehen sich mit ihr zurück, um den 
Schatz herauszuholen. 

IV. Akt. (1.) Der Nachbar des Querolus, Arbiter, fragt, 
was der alte Brummer Querolus mache, worauf ihm Panto- 
labus sagt, es gehe etwas besser mit ihm. (2.) Unterdessen 
haben die Strolche die Urne weggeschafft und erbrochen. Sie 
enthielt aber laut Aufschrift nur Asche. „Plus est quam homi- 
n em perdidisse, damnum vere plangitur . . . Aurum in cinerem 
versum est." So hat mich also, klagt Mandrogerus, der alte 
Euklio betrogen. Die Aufschrift lautet nur: Trierinus Tricipitini 
filius conditus et sepultus hie iacet. Ärgerlich veranlasst Man- 
drogerus seine Kameraden, die Aschenurne durch das Fenster 
hineinzuwerfen, was diese auch sogleich vollziehen. 

V. Akt. (1.) Der Lar familiaris berichtet von den Vor- 
gängen. „Tandem urna peperit auri gravida pondera, vilisque 
mater grande puerperium dedit, indigna quae frangeretur. " Aber 
Mandrogerus soll für seinen Betrug gestraft werden. „Sed 
Mandragerontem illiam furem ac perfidum nunc illaqueari volo; 
qui, ubi primum hoc audierit, remque omnem agnoverit, continuo 
rediturus est, ut thesaurum dividat. Codicillos enim proferre 
audebit, quibus ita coheres scriptus est, si aulam Querolo sine 
fraude ostenderet." (2.) Querolus erzählt hocherfreut seinen 
Nachbarn die ganze Geschichte. Da sieht er Mandrogerus 
kommen: „Fraudulentn isti magnam iniciamus calumniam; thesau- 
rum mostrum ab hoc ereptum poscamus modo, atque adstruamus 
ab ipso nobis alienum mortuum esse coniectum domi. ■' (3.) Man- 
drogerus tritt auf, als ob nichts vorgefallen wäre: Ave, nii 
Querole! Sofort fährt ihn Querolus hart an: Etiam salutas, 
fureifer, quasi hodie me non videris. Mandrogerus aber stellt 



270 III. Aulularia. 

sich auf den Rechtsboden und verlangt von Querolus Anteil 
am Schatze: „coheres ego sum, non frater tibi." Er produziert 
nun wirklich einen Brief des verstorbenen Euklio an seinen Sohn 
Querolus, dessen Hauptinhalt lautet: „huic tu medium thesauri 
dabis, si fides ipsius atque opera expostulat." Querolus fasst 
die Sache anders an. „Age, " sagt er, „amice, quoniam institutus 
es heres, da, quod possit dividi. " „„Ich habe ja den Schatz ent- 
deckt und ausgehändigt. " " Darüber entspinnt sich ein Wort- 
wechsel, bei welchem Mandrogerus besonders seine Redlichkeit be- 
tont. „Du hattest also mein Geld?" — „„Ja."" — „So gieb es mir!" 
— „ „Es ist ja bereits geschehen, als es zum Fenster hineingeworfen 
wurde."" „Der Schatz ist nicht da; also her damit!" Da fängt 
Mandrogerus pathetisch an: „0 tempora, o mores! o pater 
Euclio! Hanccine mihi tu domi fidem praedicabas!" „Ei!" ruft 
Querolus, „sieh, Arbiter, dieser Mensch ist noch bei weitem 
schlechter, als ich annahm. Er hat am Ende gar die Urne durch 
das Fenster geworfen. Kennst du die Scherben?" „ „Gewiss." - 
Panto malus bringt einige, welche Mandrogerus anerkennt. 
„So hast du also auch die Toten geschändet! Thesaurum abstu- 
listi, violasti sepulcrum, perdite; domum meam non solum compi- 
lasti, verum etiam polluisti, sacrilege!" Verzweifelnd will sich 
Mandrogerus davon machen, aber Querolus hält ihn fest; er 
gehört vor den Prätor, sodass er nur mehr fussfällig bitten kann: 
Nil nisi veniam expostulo. Hinsichtlich der Beleidigung der 
Asche des Toten will Querolus auf Arbiters Fürbitte nach- 
sehen; wo aber liegt der Schatz? Nach langer Folter erst 
tröstet Querolus den Mandrogerus: „Nil praeter sacrilegium 
perpetrasti; aurum autem ibi non fuit. " Auf des Mandrogerus 
Frage, warum die Urne trotzdem so schwer wog, erwidert Que- 
rolus die witzigen Worte: „Nescis, magus, nihil gravius esse 
fortuna mala?" Alles war nur ein Scherz des alten Euklio; 
„niulta haec laeta habuit senex. " 

(4.) Noch treten die Genossen des Mandrogerus auf: Et 
nosmet scimus, Querole, sagt der sycophanta, quoniam tres 
edaces domus una non capit. Verum quaesumus, viatici nobis ali- 
quid ut adspergas, quoniam spem omnem amisimus. 

Eine Lücke im Texte beraubt uns des übrigens leicht denk- 
baren Schlusses. 

Vitalis Blesensis (S. 124) hat wie den Amphitruo, so 
auch den Querolus — oder wie er ihn nannte, Aulularia — 
in elegischem Versmasse bearbeitet. 1 ) Seine Aulularia umfasst 



*) Der Querolus des Vitalis Blesensis ist zuerst herausgegeben 
worden als Anhang zum Lustspiele Querolus in der Ausgabe von 
K. Kittershuis (Commelinus). Heidelberg 1595. Weiteres s. S. 125. 



Die Aulularia des Vitalis Blesensis. 271 

mit dem ..arg- um ent um" von zehn Versen und dem Prologus 
von achtzehn Versen im ganzen siebenhundertneunzig in vier 
Bücher abgeteilte Verse. Das Argumentum besagt: 

„Committens oleae fragili Queruli pater aurum. 

fecerat in titulo funeris esse ndeni. 
It peregre. Servo moriens secreta recludit; 

in Querulum rediens cogitat ille dolum. 
5. Fit magus utque donium Queruli expiet hanc subit.- Olla 

tollitur; in titulo fallitur: ossa putat. 
Redditur; iniicitur laribus; coufringitur : aurum 

f'undit. Adest Querulus; fusa talenta legit. 
Mentitur servus, quod reddidit ultro, fidemque 
10. invenit in fraude. Creditur. Acta placent. 

Über sein Verhältnis zu Plautus sagt der Prologus unter 

anderem : 

— — Plautum sequor et tarnen ipsa 

materiae series exigit alta sibi. 
Haec mea vel Plauti conioedia nomen ab olla 
traxit; sed Plauti quae i'uit illa mea est. 
25. Curtavi Plautum: Plautum haec iactata 1 ) beavit : 
ut placeat Plautus, scripta Vitalis emunt. 
Amphitryon nuper, nunc Aulularia tandem 
senserunt senio pressa Vitalis opem, 

im guten Glauben an die Abstammung des Querolus von 
Plautus. 

Liber I. In langen Versen beklagt sich Querulus über 
sein Schicksal: alle Leiden der Welt treffen ihn (V. 43): 

Natus ego ut quererer, semper Querulusque vocatus, 
ut vivam querulus et mea lata queror. 

Der Vater des Querulus, der alte Geizhals Euklio, 



') "Wohl iactura. — Vgl. auch Histoire litteraire de la France. 
XXEL S. 40. „Plusieurs editions ont multiplie le texte de l'ancien 
Querolus en prose, ecrit dans les Gaules, dit-on vers le quatrieme 
siecle, et dont Vital de Blois ä la fin du douzieme reproduisit 
la fable avec une extreme liberte. Lorsqu'il mettait en vers ele- 
giaques ou la piece meme qui nous reste ou peut-etre quelque autre plus 
moderne encore, comme l'a suppose dorn Liron (Bibliotheque chartraine 
ou Traite des auteurs et hommes illustres du diocese de Chartres par 
dorn Jean Liron. Paris 1718) il parait qu'il croyait faire une imitation 
de l'Aululaire de Piaute comme il en avail nagnere imite 1' Amphitryon . .. 
Ce Querolus de Vital de Blois. qui n'esl point l'Aululaire quoiqu'on lui 
en (lonne aussi le titre, tnais qui en est du nioins, comme l'ancien 
drame, une espeee de continuatiou, a ete pour uns predecesseurs 
l'objet d'une complßte analyse d'apres L'ödition donnee ä Heidelberg par 
Commelin. en 1595, ei qui 3 ete reproduite par M. (»saun en 1836." — 
In der Bibliothek zu Douai (ygl. Catalogue des manuscrits de la Biblio- 
theque de Douai 1848, S. 137) ist Hdsch. n. 46t Vitalis Gallici Blesensis 
Aulularia. 



272 HL Aulularia. 

kommt in der Fremde zum Sterben. Er ruft seinen Sklaven 
Sardana, dem er nicht Herr, sondern Vater war (V. 192), und 
gesteht ihm, dass an der Stelle des Hauses, wo der Lar steht, 
(7. 200): 

„olla fidelis habet mille talenta mihi," 

zehn derselben sollen Eigentum des Sklaven werden (V. 238): 
„Mille talenta feret; tu tibi sume decem." 

Da der Greis begraben ist, fasst Sardana treulose Pläne. Er 
gedenkt, den ganzen Schatz für sich zu behalten, tmd malt sich 
die Zukunft schön aus CV. 278,: 

Non ultra dicar Sardana, Paulus ero. 

Liber II. Sieben Tage nach dem Tode des Alten kömmt 
der Sklave Sardana in der Heimat an (V. 299): 

„Romani genus et linguam praeponit Achivae." 

Dort gewinnt er Gnatho und Clinia für sich (F. 304): 

„per quos dispensat, quem parat ille dolum." 

Sie sollen ihm zur Hebung des Schatzes behilflich sein und ihn 
bei Querulus als Zauberer einführen (V. 326): 

magica qui sit in arte potens; 

qui piet aduersam sortem quique imperet astris, 

carmina qui superis imperiosa facit. 

Wie durch Zufall wollen sie ihrer Verabredung gemäss sich vor 
dem Hause des Querulus treffen und (V. 337): 

advenisse magum dicatur, ut audiat ille 
arte tarnen, ne res arte putetur agi. 

Gehörig über alles unterrichtet {V. 379): 

hie est modus ille, 
haec via, qua Querulus deeipiendus erit, 

machen sie sich an das Unternehmen. 

Liber III. „Dicta placent" (7. 381). Gnatho begiebt 
sich vor das Haus des Querulus und lobt vor allem die Stadt 
Rom. Wacker sekundiert ihm der dazu gekommene Clinia 
(V. 421): 

Die, ait, o Gnatho. quis sit, quem laudibus effers, 
et cur Romanum nomen ad astra feras. 



Des Vitalis Blesensis Aulularia. 273 

Gnatho thut sehr geheimnisvoll; instat ei Clinia (V. 431), und 
dies Spiel setzen sie eifriger fort, da sie wahrnehmen, dass Que- 
rulus sie, wie sie es erwarteten, belausche (V. 469): 

et postibus applicat aurem, 
Totus in auditu, ne sibi verba labent. 

Gnatho erzählt nun von den "Wunderthaten des Paulus, worauf 
ihnen Querulus erstaunt nacheilt (V. 535): 

et dextra Gnathone manu Cliniaque sinistra 

arreptis orat multiplicatque preces. 
Sie quoque particrpem non invideatis, amici, 

cui mea calliditas omnia scire dsdit. 

Liber IV. Man geht zu Sardanas Aufenthalt mit Querulus. 
Sardana spricht ihn, mit seinen Verhältnissen wohl vertraut, an 
und macht ihm die überraschendsten Mitteilungen (V. 600): 

Divino Querulus stupet et putat ore loquutum 
et, tibi suni melius quam mihi notus, ait. 

Sed rogo te, Paule, Romanae gloria gentis 
arte tua Querulus desinat esse miser. 

Endlich lässt sich Sardana erbitten (F. 604): 
„viucitis, inquit eis," 

und beginnt seine Zauberkünste (V. 635): 
Sors inimica, fuge! 

Die „arca" wird ausgegraben; leer kann sie nicht sein; 
denn (7. 649): 

Nil vacuum est; levitate sua circumfluus aSr 
non patitur vacuum vel semel esse locum 

ii. s. w. Fenster und Thüren werden verschlossen und Querulus 
fortgeschickt. Sardana imd seine Gefährten wollen den Topf 
wegschleppen, da entdecken sie mit Entsetzen die Aufschrift des- 
selben: ,,ossa". Er enthält also nichts als Gebeine (V. 687): 

Ossa Tipericii Tiperi patris haec tenet olla, 
condita cum nituit Caesare Roma suo. 

Sardana ist ausser sich (V. 701): 

Vae mihi, qui spatia terrarum immensa cucurri, 
ut labor iste daret ossa legenda mihi. 

Da klirrt Metall. Wirklich rollen tausend Talente hervor. 

18 



274 HI. Aulularia. 

Decepta est fraus mea fraude mea! 

ruft (V. 746) Sardana, ärgerlich, dass er sich durch den Titel täu- 
schen Hess. Querulus kehrt zurück, als wisse er nichts [V. 763): 

Se facit ignaruin Querulus, quasi nesciat aururn, 

und alles löst sich zur Befriedigung' (F. 789): 

Vera putat Querulus; in partem Sardana venit. 
Fert lucra ficta fides. Lis cadit. Acta placent. 

Der Verse mit scholastischer Tendenz sind, wie im 
Amphitruo, auch hier zahlreiche, und in geschwätziger Breite 
werden philosophische Punkte erörtert. Auch an Wortspielen ist 
die Ekloge reich. 

Aus diesen beiden Quellen haben Jahrhunderte lang- 
bedeutende Schriftsteller den Stoff zu ihren „Geizigen" 
geholt. 1 ) Die feinere Komödie hielt sich an Plautus; 
andere (besonders Italiener) griffen gerne zum Teile 
nach dem Querolus. 



Als Hauptgrundlage seiner Komödie la Sporta 2 ) (1543) 
hat Gio. Battista Gelli (S. 56) die Aulularia des Plautus 
genommen. 3 ) 

Allerdings ist auch Terenz benutzt worden: 4 ) doch 



1 ) Gr. Claus, De Aulularia Plauti fabula iisque scriptoribus , qui 
eam imitati suut. Stettin 1862. 73 S. — Klapp, L'avare ancien et mo- 
derne tel qu'il a ete peint dans la litterature. Parchini. Gymn. Prog. 
1877. 19 S. 

2 ) Ausg. La Sporta, commedia di Giovanbattista Gelli, Acca- 
deniico fiorentino. In Firenze 1543 in 8°, ohne Drucker; sehr selten; 
ebenda 1548 in 8°, ohne Drucker (sie stammt von Torrentino); ebenda 
1587 (presso Giorgio Mar es co tti); ebenda 1550 in 8° (appresso Bernardo 
Giunta, 41 fol.) selten; ebenda 1556. 156(3. 1593. 1596. 1602 (di Crusca, 
ina posta in dubbio da molti). Venezia 1552 (Gio. Griffio) in 12°; 
ebenda 1553 (Bartol. Cesano) in 8°; Trevigi 1601 (Fabr. Zanetti) in 8° 
(edizione castrata come alcune altre moderne; non giä quella del 1566 
di Firenze che e intera benche si asserisca altrimenti). Firenze 1602 
(appresso i Giunti) in 12° (perö e di Napoli). Senza luogo, stampatore 
ed anno in 12° con altre di varj antichi: il luogo e Napoli e 1' anno 1731. 
— Milano 1807 (societä tipografica). S. 1 — 103 (vgl. hier pag. XVIII). 

3 ) Ussing. II, 272. Ex Aulularia Johannes Baptista Gelli 
in fabulam, quae la Sporta dicitur, Fiorentiae anno 1543 actam non 
pauca transtulit. — Wie einige diese Komödie dem Machiavelli zu- 
schreiben wollten, siehe bei Allacci, S. 301. 302. 

4 ) Ausg. von 1807: S. VLU. La Sporta e giudiziosameute imitata 
in parte da Plauto e da Terenzio. — Quadrio, Storia e Rag. d' ogni 
poesia III, part. II, sagt: „Dalla Sporta del Gelli egualmente che dal- 
I' Aulularia di Plauto trasse pure il Moliere il suo Avaro." 



Gellis Sporta. 275 

weist der Dichter selbst auf Plautus hin, Ausg. von 1807 
(S. 4): „Plauto, il quäle io ho il piü ch' io posso imitato," und 
verteidigt sich (S. 8) gegen jene: „che dicessero che egli ha tolto 
da Plauto e Terenzio la maggior parte delle cose che ci sono," 
mit dem allen Plautusnachahmern üblichen Hinweise, dass 
Plautus und Terenz dasselbe mit Menander, Cäcilius 
u. a. thaten. 

Über den Inhalt der Sporta heisst es (S. 9): II nome della 
Commedia e la Sporta ed e cosi detta da una sporta di danari 
che im certo Ghirigoro de' Macci trovö giä nel disfare im suo 
casolaroccio, e temendo, come fanno il piü de' vecchi che chiunche 
ei vedeva non gliela togliesse, in varj luogi la nasconde. La 
quäle alfin trovata da Franzino servitore d' Alamanno Cavicciuli, 
che aveva ingravidato al detto vecchio una figliuola, e datale la 
fede di torla per moglie, serve per dota di quella, e scopresi il 
parentado con soddisfazione di ciascuna delle parti. 

Die Durchführung ist die nachfolgende: 

I. Akt. (1.) Der alte Ghirigoro de' Macci treibt seine 
Magd, Brigida, aus dem Hause. Sie sieht und hört zu viel. 
Fuora, fuora, Brigida, dich' io . . . Deh pon mente come la spi- 
ritata guarda altrui a traverso, e come ella strabuzza quegli occhi 
di struzzolo che credi tu vedere? Voll Verdacht geht er ins 
Haus, worauf wir von Brigida hören, seit etwa einem Monate 
sei der Alte ganz toll geworden. Wäre er nicht ganz ausser 
sich, so hätte er längst sehen müssen, come la sua figliuola e 
grossa, e non passerä forse domani che ella partorirä, che di giä 
eil' ha cominciato a nicehiare (S. 13). Zudem lässt sie der Alte 
fast verhungern, und wenn die Nachbarin Mona und ihr Geliebter 
Alamanno sie nicht heimlich unterhalten würden, so wäre sie 
längst Hungers gestorben. (2.) Ghirigoro hat sich wieder beruhigt. 
Oh io son tutto scarico ch' io ho trovato la Sporta, dove io nascosi. 
Brigida tornati a tua posta in casa, e serra 1' uscio, e abbia cura 
che e' non ci sia tolto nulla, sjn-icht er mit dem plautinischen 
Euklio (F. 79 und im folgenden). Nochmal erhält Brigida 
den Auftrag, alles gut zu versperren, nachdem ihre Bitte um etwas 
Kost für die kranke Tochter mit dem Hinweise auf die wohl- 
tl tätigen Folgen des Fastens abgewiesen wurde. Erst da Bri- 
gida sich entfernt hat, vernehmen wir, mit welch ängstlicher 
Sorgfalt Ghirigoro seine „sporta" hütet. (3.) Die Gevatterin 
Mona Lald omine, die gerne zu gunsten Alamannos sprechen 
möchte, liegt Ghirigoro an, seine Tochter zu verheiraten. Er 
aber giebt ihr die entschiedene Antwort: „io vi dico per ultimo, 
che se voi trovate uno, che voglia moglie e non dota, io gliela 
darö." Nach seinem Abgange erfahren wir von Mona Lald li- 
mine, dass Alamanno nichts sehnlicher wünsche, als Ghirigoros 

18* 



27G HL Aulularia. 

Tochter zu heiraten; aber er fürchte seine Mutter Lisbetta, 
deren Geiz niemals zugeben würde, dass er ein Mädchen ohne 
Mitgift heimführe. 

II. Akt. (1.) Wir lernen Mona Lisbetta so kennen, wie 
sie Mona Laldomine in der letzten Szene des vorigen Aufzugs 
geschildert hat. Ihr Sohn verwendet zu viel auf die Kleider, ') 
auch hätte er nicht studieren sollen; denn „la maggior parte di 
questi che v' attendono son poveri" (S. 24). Nach alledem hat 
Alamanno wenig Aussicht auf Erfolg. (2.) So bespricht er sich 
mit seinem Diener Franzino, und diesem kömmt, um nur etwas 
Geld zu machen, eine eigentümliche Idee. Frau Lisbetta hat 
,.calze rosate" und „quella spada fornita d' argento" in Verwahr. 
Alamanno soll nun seine Tante, die Nonne suor Domitilla 
bitten, sie möge sich durch ihren Fattore diese Requisiten zu 
einer theatralischen Aufführung im Kloster ausbitten. Die Sachen 
wollten sie dann versetzen, um zu Geld zu kommen. Alamanno 
ist völlig damit einverstanden. 

(3.) Unterdessen ist Lapo Cavicciuli, Alamannos Onkel, 
durch sein vereinsamtes Leben auf die Idee geraten, noch in 
seinen alten Tagen zu freien. Er trifft seine Schwester Ginevra 
und Mona Lisbetta, die eben von der Kirche kommen. (4.) 
Lisbetta klagt über ihren Sohn und giebt nicht die geringste 
Schuld seines Betragens Lapo, der sein Vormund war. (5.) Da 
dieser mit seiner Schwester allein ist, lenkt er das Gespräch auf 
seine Heiratsgedanken. Da er reich ist und keiner Aussteuer 
bedarf, . so dürfe seine Braut ja auch ein armes Mädchen sein, und 
die beste in Florenz, meint Ginevra, wäre Ghirigoros Tochter. 
Wenn er sich erböte „di torla senza dote" (S. 67), so gäbe sie 
der Alte mit Freuden her. Lapo macht sich nun auf, um das 
Mädchen zu freien. (6.) Mona Laldomine berichtet Alamanno 
noch von Fiamettas Zustand. ..Questa cosa non si puö piü teuer 
segreta." Es inuss sich entscheiden. 

III. Akt. (1.) Ghirigoro argwöhnt, dass Brigida und 
andere Leute um seine „Sporta" wissen „tale mi ha riso in 
bocca e inchinatomi che un mese fa faceva vista di non mi vedere," 
ganz wie Euklio (V. 113): 

Nam nunc quom celo sedulo omnis, ne sciant, 
Omnes uidentur scire, et me benignius 
Omnes salutant, quam salutabant prius 

u. s. w. Noch mehr steigert sich sein Verdacht, als Lapo seine 



') In Molieres Avare (1,5) ist dies ein Vorwurf, denHarpagon 
seinem Sohn C'leante macht: Je voudrais bien savoir ä' quoi servent 
tous cos rubans u. s. w. 



Gellis Sporta. 277 

Werbung um Fiametta vorbringt, die er nicht begreifen kann. 
„Io non vorrei, " sagt er, „che tu credessi che io avessi trovato 
qualche tesoro/' worauf ihm Lapo entgegnet: „Io non penso che 
tu abbi trovato tesoro, io . . . e quando tu 1' avessi trovato, 
credo che tu lo renderesti" (S. 45). 2 ) Nochmal schärft ihm Ghiri- 
goro ein: Senza dote, intendi bene! Lapo ist es zufrieden. 

(2.) Ghirigoro teilt Brigida mit, dass er eben die Verhei- 
ratung seiner Tochter abgemacht habe. Diese findet zwar, dass 
ein Mädchen, wie Fiametta, mit achtzehn Jahren nicht mehr 
für einen Fünfziger passe; aber er erwidert ihr: Ed io ti so dire 
che ella lo torrä o io la caccerö in un munistero (S. 48). -) 
(3.) Der Fattore des Klosters, Gherardo, tritt mit einer sehr 
schlimmen Schilderung der Klosterfrauen auf. Dort herrscht nur 
Zank und Uneinigkeit. (4.) Mona Lisbetta giebt dem Fattore 
die erbetenen Gegenstände zur Theatervorstellung, wobei Ala- 
in anno thut, als sei er mit seiner Mutter ungehalten, die den 
Nonnen soviele Gefälligkeiten erweise. Unmittelbar darauf aber 
wird Franzin o abgeschickt, die Effekten aus dem Kloster abzu- 
holen. (5.) Lapo glaubt, seinen Neffen Alamanno mit der Mit- 
teilung zu erfreuen, dass er sich mit Fiametta verlobt habe; 
der Neffe kömmt aber darüber in so heftige Aufregung, dass ihn 
Lapo, gleichfalls erzürnt, mit den AVorten entlässt: „non far piü 
conto ch'io ti sia zio!" (S. 57.) Szene 6 und 7 sind von neben- 
sächlicher Bedeutung. 

IV. Akt. (1.) Alamanno erzählt Franzino, was ihn be- 
drohe. Nun gilt es, sich offen zu erklären. Nur eines fehlt 
noch: „se noi trovassimo un modo da darli (seiner Mutter) ad 
intendere che questa fanciulla avesse dota presso che ragionevole. 
Di lei e del parentado, so io ch' ella si contenterebbe" (S. 66). 
Franzino gerät nun auf den Gedanken, dass sein Vetter, der 
Frate del Carmine, ein sehr gesuchter Beichtvater, viel Geld 
„in deposito" habe. Vielleicht wird er auf zwei Monate das 
Nötigste leihen. (2.) Polo und Berto sind von Lapo beauf- 
tragt, für das Souper zur Verlobung zu sorgen. Sie sprechen, 
wie bei Plautus, über Ghirigoros Geiz. (3.) Brigida lässt 
die Köche ein, da (4.) kömmt Ghirigoro vom Markte heim; er 
wollte kaufen, doch alles war zu teuer. „Io vengo di mercato 
vecchio e sommi aggirato, aggirato per torre qualcosa da cena, 
e in fine ogni cosa vale un occhio d' uomo" (S. 72). Wie 
Euklio den Ruf nach einer „aula" vernimmt, so hört Ghiri- 



') Nach Plautus J'. 239: 

Eucl. Eo dico, ne nie thesauros reperisse ceiisi-as. 

Met/. Novi: lic tloccas. 
2 ) Dieselbe Drohung bei Molieres Avare (V, 4). 



278 III. Aulularia. 

goro von einer „Sporta" reden. „Ohime! che sent' io dire di 
sporta? egli aranno trovato e' mia danari? ohime, ohime, io sono 
spacciato." (5.) Er schleift mm Polo und Berto heraus: „Fuora, 
fuora, assassino, ladro, io ti farö impiccare. Si che e' si va cosi 
per le case d' altrui eh? di che cercavi' tu sotto qtiella scala, che 
non vi sta se non spazzatura. " Nachdem diese Sache erledigt ist, 
erfahren wir, weshalb er von allen Seiten für seine „sporta" fürchte, 
sodass ,, inline io ho deliberato di cavarmela di casa", sowie der 
eben nahende Lapo vorüber ist. 

(6.) Lapo tritt auf mit der Rede des Megadorus (V. 469): 
„Io ho riscontro di molti amici miei e tutti mi dicono per una 
bocca che io ho fatto bene e che se gli altri cittadini, quando e' 
voglion tor moglie cercassino di avere una fanciulla lor pari, ben 
allevata, e di buone brigate, e non andassero dreto a roba, co- 
m'ho fatt' io, e' si viverebbero molto piü in pace che e' non si 
fa" u. s. w. Nach kurzer Unterredung mit Ghirigoro geht er, 
und dieser holt seine „Sporta", die „so viele Feinde hat", um 
sie in eine abgelegene Kirche zu tragen. Dann mag die Hochzeit 
ruhig gefeiert werden. 

V. Akt. (1.) Weitläufig setzt Ghirigoro dem Zuschauer 
auseinander, wie er seine „Sporta" vergrub, „sotto quello ingi- 
nocchiatojo, che e drento alle porta appie di quel San Martino, e 
a lui accesi una candela." Aber es kam ihm vor, als sei er 
beobachtet worden; deshalb nahm er die „sporta" wieder heraus, 
um sie jetzt, „fra la Porta alla Croce e Pinti," zu verstecken. 
Aber hinter ihm her schleicht Franzino; denn sein Geld würde 
alles lösen. „Che se io gli potessi torre quella sporta, ella po- 
trebbe, essere quella che acconcierebbe ogni cosa" (S. 82). (2.) 
Mona Laidom ine berichtet, dass Fiametta eines Söhnleins 
genesen ist. Sie lässt durch Lucia, Lisbettas Magd, diese 
rufen, erzählt ihr Fiamettas Niederkunft, sowie, dass ihr Sohn 
AI am anno der Vater des Knäbleins sei. Lisbetta ist trostlos. 
Wenn sie aber Geld hätte? E quando 1' avesse la dota che se 
gli conviene? forscht Mona Laldomine, worauf Lisbetta er- 
widert: Non so, pensarevi allora. (3.) Lucia spricht nicht das 
Beste von ihrer Herrin. (4.) Franzino hat sein Ziel erreicht. 
Jubelnd bringt er den Schatz: Ecco la sporta che il vecchio andö 
a nascondere lungo le mural triumphiert er (S. 89). (5.) Lapo 
erfährt durch Ginevra, was mit seiner Braut vorging. Er 
tröstet sich, dass er so wegkam und das Glück ihm wohlwollte, 
„io veggo che la fortuna ha tenuto piü conto di me ch' io non 
faceva di me stesso" (S. 93). (6.) Indessen AI am anno über die 
Geburt seines Söhnleins spricht, stürzt Ghirigoro rasend herein. 
Der überall verwertete Monolog Euklios, „perii, interii, occidi!" 
ist hier auffallenderweise nicht verwendet. Er klagt nur: „Oh 



Gellis Sporta. 



279 



sciagurato me! io sono rovinato!" Dagegen folgt die komisch 
wirksame Verwechslung mit der Sporta und Fiametta nach dem 
Originale. 

Alain. Ghirigoro, non vi lamentate piü, state cli buona voglia! 

Ghir. Come di buona voglia? 

Alam. Di buona voglia, si; che quello cli che voi vi dolete, 1' ho fatto io. 

Ghir. Tu eh? 

Alam. Messer, si, io. 

Ghir. Oh ribaldo! e perche hai tu voluto cosi rovinar me e la fa- 

miglia mia? 
Alam. La gioventü fa di queste cose: abbiate pazienzia. 
Ghir. Che gioventü? tu te n' avvedrai. 
Alam. Io so ch' io ho errato: ma io vi priego che voi mi perdoniate: 

perche io non 1' ho fatto per farvi male ed enne stato causa 

1' amore. 
Ghir. guarda che scuse! credevi tu che send' ella mia, io non gli 

avessi amore anch' io? 
Alam. Credevolo. 
Ghir. E sapevi ch' ella era mia? 
Alam. Sapevolo. 

Ghir. Perche dunque la toccasti senza la voglia mia? 
Alam. Per tormela per me: e per me la voglio. 

Ghir. Se tu non me la rendi . . . 

Alam. E che volete voi ch' io vi renda? 

Ghir. Quello che tu m' hai tolto, io me n' andrö agl' Otto, e farö che 

tu me la renderai a ogni modo. 
Alam. E che? 
Ghir. La mia sporta 



u. s. w. Fr an z in o kömmt dazu, und die Sache wird zur allge- 
meinen Zufriedenheit gelöst. 

Seltsam freilich ändert sich der alte Geizhals: Mi vo' mutar 
al tutto, sagt er, di natura ch' io conosco ora che Iddio m' ha 
fatto questo solamente perche io discacci da me V avarizia, nella 
quäle io son vivuto insin qui (S. 101), eine Unnatürlichkeit, 
welche Gelli nur wenig mit folgenden Worten modi- 
fiziert: E massimamente poi che io trovai questi danari 
smurando un mio casolaraccio; e veggo che Iddio me li 
mando perche io maritassi questa mia figliuola, perche egli non 
abbandona mai persona nelle cose necessarie, und so noch weiter 
moralisierend. 

Gelli beruht auf Plautus und offenbar auf Lorenzinos 
de' Medici Aridosia. Vielfach erinnert Moliere an ihn. 
Gellis Sprache ist rein und fliessend und seine Komödie reich an 
Einzelnheiten, die ein Licht auf die Zeitverhältnisse werfen. Wir 
hören vom Theater, wo die Nonnen spielten und sich „veston da 
xiomo con quelle calze tirate, con la brachetta e con ogni cosa che 
eile pajon proprio soldati" (S. 52). Wir sehen den Aberglauben 
oder Betrug der Mönche gegeisselt, welche den Leuten vormachen, 



280 III- Aulularia. 

dass die Seelen ihrer Wohlthäter jedes Jahr am 17. September 
aus dem Fegfeuer entkommen und manches andere. 

Der Zeit nach vor Gellis Sporta gehört zwar die Ari- 
dosia des Lorenzino de' Medici, der oft irrtümlich der 
Vater Leos X. genannt Avird; 1 ) aber sie ist keine so reine Nach- 
ahmung der Aulularia, wie die Sporta. Hier spielt die Asi- 
naria, die Mostellaria, der Querolus und eine Reihe 
klassischer Reminiszenzen mit. Über den Titel sagt uns der 
Prologo (S. 3): Comedia, intitolata Aridosia, da Aridosia detta. 
Aridosio chiamato per essere piü arido che la pomice; er ist 
also mit Beziehung auf V. 290: 

Pumex non aeque est aridus atque hie est senex 

gewählt. Von den verschiedenen Ausgaben 2 ) ist der neueste Druck 
von Triest 1858. 

I. Akt. (1.) Marcantonio, der Bruder Aridosios, be- 
spricht sich mit seiner Frau Mona Lucrezia über Familienver- 
hältnisse. Der Geiz seines Bruders wachse von Tag zu Tag. Er 
erreiche aber damit seinem Sohn Tiberio gegenüber sehr wenig. 
So strenge er ihn auch halte, sei dieser doch in die Sklavin des 
benachbarten Ruffo verliebt. Marcantonio, der Demänetus 
der Asinaria, ist der Ansicht, man müsse der Jugend Freiheit 
gewähren, und verfolgt diesen Grundsatz bei seinem Adoptivsöhne 
Erminio nur zu viel; weshalb ihm seine Frau auch vorhält, 
dass Erminio in eine Nonne von Santa Osanna verliebt sei. 
(2.) Lucido, Erminios Diener, Avird nun \*on Marcantonio 
eingehend wegen des Liebeshandels befragt. Er gesteht die Sache 
zu; aber die Liebe kennt kein Gebot, „ed ella e una bellissima 
figliuola. " Zudem ist sie noch nicht eingekleidet. Die Nonnen 
haben nur von ihrem Reichtum erfahren und sie deshalb zu fangen 
gesucht und Avohl bewacht. Der Vater hofft das Beste für seinen 
Sohn, und Lucido hat alle Veranlassung A r on ihm zu rühmen, 
„oh che padre dabbene e questo! io credo che s' ei potesse, che 
di sua raano la caA*erebbe del monistero per metterla a canto a 
Erminio-' — so ganz der Alte der Asinaria. Die dritte 
Szene ist AA^ieder der Asinaria entnommen, sie ist das 
Liebesverhältnis des Argurippus und der Philenium. 
Tiberio und Livia, die Sklavin des Ruffo, hängen in zärt- 
lichster Liebe an einander. Der Ruffo aber verlangt ungestüm 
sein Geld — fünfzig Scudi — für ihre Loskaufung, „che questa 



') Vgl. Ancieu thöätre francois. Band V. AA-ert. pag. XVIII. 
— Prölss. II, 1. 29. — Auch Larivey teilt diesen Irrtum. 

2 ) Lucca 1549. — Hier ist zitiert nach: Aridosio | Commedia I 
Del Signor j Lorenzino | De' Medici. In Firenze | Appresso i Giunti 1605. 



Lorenzino de' Medici. 281 

e la mia possessione e la mia bottega, senza la quäle vivere non 
posso." Tiberio will ibm beute die Hälfte, morgen den Rest 
bezahlen; der Ruffo aber will beute nocb sein Geld bar aufge- 
zählt. Lange beschwört ihn Tiberio, er wolle ihn morgen, ,.a 
ventiquattro ore," befriedigen; das Äusserste, worauf sich der 
Ruffo einlässt, ist „infino a venti ore". Nun soll Lucido (wie 
Libanus in der Asinaria) Rat schaffen. (4.) Lucido spricht 
von dem Unheil der Liebe. „Non e cosa che faccia piü im- 
pazzar gli uomini che lo amore. " Wenn der alte Aridosio 
davon eine Ahnung hätte, würde er rasend werden, „perche ne 
maggior misero ne maggior ipocrito fu mai, e non vuol che Ti- 
berio guardi non che tocchi una donna. " Lucido hat aber den 
strengsten Auftrag von seinem Herrn Erminio, Tiberio in 
allem dienstbar zu sein, obwohl er selbst eben sich in arger 
Verlegenheit befindet. (5.) Lucido belauscht das Selbstgespräch 
seines Herrn. Non credo ch' egli accada in cento anni ad uno 
che alla prima volta 1 ) ingravidö una donna (S. 18). Seine Lage 
ist trostlos. Lucido ruft ihn zum Essen, an welchem Tiberio 
und seine Li via teilnehmen wollen; jetzt gerade allerdings „stanno 
nel letto e fanno le maggior bravate che voi sentissi mai: lui 
vuole ammazzar suo padre, se torna di villa, lei il Ruffo, come 
verrä per il resto de' danari". 

II. Akt. (1.) Cesare leitet die Szene mit einer langen 
Rede ein, deren Grundton ist: „Ungleich verteilt sind die Güter 
des Lebens." Er liebt Aridosio s Tochter aufs innigste; ihr 
Vater aber giebt ihr keinen Heller Mitgift, und der seinige be- 
steht hinwiederum auf tausend Golddukaten Aussteuer. Wohl 
meint Cesare: lo cereo lei e non la dote, e lei ignuda, non che 
senza dote mi bastava. Ma mio padre mi comandö che senza 
mille ducati d' oro mai concludessi il parentado (S. 24). Lucido 
bringt ihm die Nachricht, dass Aridosio von seinem Landgute 
nach Florenz gekommen sei. Er ruft nun auch Tiberio und 
Erminio (2) und macht ihnen die gleiche Mitteilung. Zugleich 
schlägt er Tiberio vor, mit seiner Geliebten im Hause Arido- 
sios zu bleiben, und so oft er sich aussen schneuze, drinnen 
einen Höllenspektakel zu veranstalten. „Quand' io mi spurgo, 
fate il maggior romor che sia possibile, con la panca e con il 
letto, e gittate giü qualche tegolo, quaudo sentite brigate intorno 
all uscio; e non uscite un jota di questa commissione che voi 
e me rovinereste a un tratto" (S. 28). Tiberio erklärt sich ein- 
verstanden, Cesare zieht sich zurück, und der alte Geizhals 
Aridosio tritt auf. 

Die Idee der dritten Szene ist der Mostellaria ent- 

•) Vgl. S. 57. A. 5. 



282 ni. Aulularia. 

nommen. Lucido teilt dem Alten mit, dass sein Haus von 
Teufeln besessen, „piena di diavoli", sei. So oft er sich schneuzt, 
bricht drinnen Verabredetermassen gewaltiger Lärm los. Arido- 
sio ist trostlos über die Geister, die nicht einmal Miete bezahlen, 
„almanco ne pagassin la pigione!" (S. 30.) Nur Tiberios Sün- 
den, klagt er, haben dies verschuldet. Von Lucido hört er, 
dass die Geister Nächte lang singen und lärmen. Was soll ich 
nun, fragt er sich, mit meinen zweitausend Dukaten machen? Wo 
sie unterbringen? Das hört der im Hintergrunde der Bühne alles 
beobachtende Cesare; er sieht, wie Aridosio nach Lucidos 
Abgang seine Börse unter dem Pflaster vor dem verhexten Hause 
vergräbt, wo er sie früher schon öfter verborgen und immer 
wieder unberührt gefunden hatte. „Ma non ti lassar trovare, 
borsa mia, animä mia, speranza mia! In manus tuas, Domine, 
commendo spiritum meum" J ) (sie!), murmelt er (S. 34). Kaum 
ist er weg, holt sich Cesare den Schatz aus dem Verstecke. 
(4.) Lucido kömmt mit Aridosio zurück. Ein Priester hat sich 
zur Aussegnung, des Hauses bereit gefunden. Er wird alsbald 
kommen. (5.) Erminio tritt mit Lucido auf und versetzt 
Aridosio in eine Höllenangst, da er mehrmals die Stelle betritt, 
wo seine Börse vergraben liegt, ja einmal sogar dort seinen 
Handschuh verliert und sich bückt, ihn aufzuheben. Aridosio 
entfernt sich unruhig, worauf (6.) eine Nonne erscheint und be- 
richtet, dass Fiametta ihrer Entbindung nahe, trotzdem aber 
nicht zu hoffen sei, dass die Priorin sie freigebe. 

III. Akt. (1.) Lucido freut sich der dummen Leichtgläu- 
bigheit des alten Aridosio; er würde am Ende noch an fliegende 
Esel glauben, „i putti farebbero oggidi lor credere chi gli asini 
volassero" (S. 42). Auf sein Pochen „tic toc tic toc! u öffnet Ti- 
ber io das Haus, muss aber alsbald, da der Alte herankömmt, 
wieder in dasselbe zurücktreten. (2.) Aridosio hat stets das 
Pflaster im Auge. Da kömmt Lucido mit dem Priester Ser 
Ja com o. Dieser trägt eine Kerze und beginnt seine Exorzismen: 
.,Hanc tua Penelope lento tibi mittit, Vlixes; Nil mihi rescribas, 
attamen ipse ueni!" worauf die „Geister" drinnen rumoren. Be- 
fragt, unter welchen Bedingungen sie das Haus verlassen wollten, 
verlangen sie Aridosio s Ring, was er in seinem Schrecken zu- 
gesteht, falls er bei Abnahme desselben nicht gekratzt würde. 
(3.) Auf solche Weise erhält Tiberio den auf dreissig Scudi 
gewerteten Ring und kann seine Li via loskaufen. Lucido 
übernimmt mit dem Priester die Verhandlung mit den Teufeln; 



') Ein noch gröberer Missbrauch heiliger Worte findet sich in 
Pietro Aretinos „Cortigiana" (V, 8), wo in das Paternoster eine 
Ehebruchsanleitung eingefügt ist. 



Lorenzino de' Medici. 283 

worauf (4.) Aridosio dem Geistlichen für seine Hilfe dankt; er 
hätte ihm ans Erkenntlichkeit den Ring geschenkt, wenn er ihn 
nicht an die Geister hätte abgehen müssen. „Vi ginro per questa 
croce, che, se io non avessi dato quel rubino agli spiriti che io 
ve lo donerei." (5.) Unterdessen hat der Kuppler gehört, dass 
Aridosio wieder in Florenz sei. Er eilt herbei, um über seinen 
Sohn Klage zn führen, der ihm noch den Rest einer Summe 
schulde, um die er ein Mädchen freikaufte. Zwar habe ihm 
Tiberio einen Rubin angeboten, doch hege er an seiner Echt- 
heit grosse Zweifel. Glücklicherweise (6.) kömmt Lucido noch 
rechtzeitig dazu, und es gelingt ihm, dem bereits stutzig ge- 
wordenen Alten einzureden, dass der Kuppler ein Narr sei. In- 
dessen Lucido im Auftrage Aridosios zu Marcantonio geht, 
um für seinen Herrn ein billiges Frühstück zu bestellen, sucht 
der alte Geizhals nach seiner Börse und (7.) findet sie zu seinem 
Entsetzen leer: Ohne, 1' e si leggieri: ohne ch' e drento? ohne 
eh' io son morto: al ladro, al ladro! tenete ognun che fugge, 
serrate le porte, gli usci, le finestre. Meschino a me, dov' e il 
mio cuore? misero me, dove vad' io? dove sono? a chi dico? Mi 
raccomando, mi raccomando, ch' io son morto: insegnatemi, chi 
m' ha rubato la vita mia, 1' anima mia. Avessi io almanco un 
capestro da impiccarmi: ella e pur vota: o Dio, chi e stato quel 
crudele, che m' ha tolto ad un tempo la vita, 1' onore e la roba! 
sciagurato a me, che questo di m' ha fätto il piu infelice 
uomo del mondo. E che ho io piü bisogno di vivere? che ho 
perduto tutti i miei danari, quelli ch' io aveva adunati, e ch' io 
amava piü che gli occhi propri, quelli ch' io aveva accumulati, 
fin col cavarmi il pan di bocca. An Wirksamkeit steht dieser 
Monolog wohl weit unter jenem des Euklio. Lucido (8.) 
kömmt dazu. Er muss der Räuber sein. ..Tu m' hai rubati i 
miei danari, ladroncello, rendemeli qua!" Auf Lucidos Erwi- 
derung: „Io non so quello che mi vogliate dire" (S. 60), eilt 
er trostlos ab mit dem Rufe: „0 borsa mia! o borsa mia! ohne!" 
IV. Akt. (1.) Cesare erzählt Er mini o, Avie er in den 
Besitz des Geldes gekommen sei, worauf ihm dieser als ehrlicher 
Mann sagt, dass ihm ja doch nichts übrig bleibe, als dasselbe 
seinem rechtmässigen Besitzer zurückzuerstatten. (2.) Erminios 
Pflegevater will mit seinem Adoptivsöhne sprechen. Auf Ermi- 
nios Frage: „Che volete comandarmi," erwidert ihm der gute 
Alte: ..Tu sai che sempre bench' io potessi comandarti, ti ho 
pregato, ne adesso voglio cominciare; ma ti voglio awertire" 
S. 63). Er rät ihm nun wohlwollend, obgleich ex selber erfahren 
habe, was es heisse, verliebt zu sein, von seiner Nonne zu lassen, 
da selbst dem verworfensten Mensehen ..Y iisare con monache" 
als eine Sünde erscheint. Erminio hört nicht ohne Eindruck 



28-1 III. Aulularia. 

diese Vorstellungen. (3.) Jammernd tritt Aridosio auf. Er 
ahnt bereits, dass Lucido seine Leichtgläubigkeit arg missbraucht 
und ihm von Geistern vorgeredet habe, sodass er nun der Spott 
von ganz Florenz sei (S. 67). Vergebens versucht Erminio, 
ihn für Tiberio und Li via, die sich als Tochter des Messer 
Alfonso herausgestellt hat, zu gewinnen. (4. 5.) Von der 
lustigen Nonne Mona Pas quin a erfahren wir Neues vom Kloster 
und Fiametta. (6.) Messer Alfonso ist von Tortona ange- 
langt und hat hier seine fünfzehn Jahre vermisste Tochter ge- 
funden. Dass er sie im Hause des Kupplers fand, hat ihm freilich 
wenig Vergnügen bereitet. In der letzten (7.) Szene berichtet 
Mona Pasquina dem alten Marcantonio, dass die Geliebte 
seines Sohnes ein prächtiges Knäblein geboren habe. Anfangs 
versteht Marcantonio die Sache nicht. „Che ha fatto Erminio?" 
fragt er die Nonne. ,.Un figliuolo," ist ihre Antwort. Er will 
nun die weiteren Schritte thun, um die Angelegenheit zum Besten 
aller zu ordnen. 

V. Akt. (1.) Messer Alfonso unterhandelt mit dem 
Kuppler wegen seiner Tochter. Er ist zwar ziemlich ungehalten, 
dieselbe, „vituperata" zu finden, allein er erhält die Versicherung, 
dass mit einer Aussteuer, die er ja leicht gewähren kann, Ti- 
berio sie sofort heirate. In der nächsten (2.) Szene hat der 
Dichter in ähnlicher Weise, wie Plautus und andere Nach- 
ahmer, ein Missverständnis angebracht. „Sie ist gefunden," ju- 
belt der Kuppler, mit Beziehung auf Li via; Aridosio aber 
meint seine Börse. 

Ruf. Aridosio, buone nuove! 

Ar. Che e trovata? . . . 

Ruf. Trovata e . . . i segni tutti si riscontrano. 

Ar. ringraziato sialddio! io ho paura di non mi venir manco per 

1' allegrezza. 

Ruf Vedete voi che farä ciocche voi vorrete. 

Ar. Pensal tu se mi e grato. E chi 1' avea? 

Ruf Oh! non sapete che io 1' aveva io? 

Ar. Non io. Ma che facevi tu delle cose mie? 

Ruf. Iuanzi ch' io la dessi a Tiberio era mia e non vestra. 

u. s. w., und so klärt sich der Irrtum mit „figlia" und „borsa" 
auf, was den Geizhals bitter enttäuscht. (3.) Messer Alfonso 
will nun seine Tochter sehen. Auf die Frage, wo Tiberio und 
Li via seien, versichert ihm Lucido „nel letto", was Alfonso 
wiederum nicht gerne hört. — Marcantonio (5.) teilt seinem 
Adoptivsöhne mit, dass er Vater eines Knaben geworden sei, und 
dass er bei der Priorin Fiamettas Freilassung und Heiratsbe- 
willigung durchgesetzt habe. Die frohen Nachrichten häufen 
sich. Lucido (6.) berichtet, dass Alfonso seinem künftigen 
Schwiegersohne, „dappoi ch' egli ha avuto la verginitä della figliuo- 



Italienische Übersetzungen derselben. 285 

la" (S. 84), sechstausend Scudi Mitgift ausgesprochen habe, wo- 
gegen geAviss auch Tiberios Vater nichts mehr einzuwenden 
habe. Aridosio wird von seinem Bruder Marcantonio ge- 
wonnen, der ihm den von Cesare entwendeten Schatz zurückzu- 
stellen verspricht. Aridosio spricht mit den Worten der Bibel: 
Ich glaube nicht daran, s' io non li vedo e non li tocco (S. 87). 
Da er nun wieder im Besitze des geraubten Goldes ist, wird der 
alte Geizhals selig. „Tu mi hai reso la vita, 1' onore, la roba 
e T essere che insieme con questa aveva perduta" (S. 88). Mit 
einer dreifachen Hochzeit endet das Lustspiel. 

Die hochfeine Sprache und der klassische Ton der Komödie 
Lorenzinos machten es wohl begreiflich, dass sie auf die Littera- 
tur der nächsten Jahrzehnte nicht ohne Einfluss blieb. Die Cha- 
raktere, die uns der Dichter vorführt, sind insgesamt gut ausge- 
prägt, Alle Personen, z. B. der alte Aridosio „quel mostro 
d' Aridosio (S. 22) . . . egli avaro, invidioso, ipoerito, superbo, 
dappoco, bugiardo, ladro, senza fede, senza vergogna, senza amore 
e insomma e un mostro ingenerato da' vizi e dalla sciocchezza-' 
(S. 23), seine Tochter Cassandra, „la piü bella, la piü gentile 
non dico di Firenze, ma di tutta Italia" (S. 83), die lustige 
Nonne, „vorrei star quegli Otto di sempre nel letto con qualche 
mio innamorato" (S. 71), die Priorin, „piü superba che un toro" 
(S. 82), u. a. sind, ob sie handelnd auftreten, oder ob ihrer nur 
Erwähnung geschieht, trefflich gezeichnet. 

Aridosio ist eine der geschicktesten Kontami- 
nationen plautinischer Komödien, bei der indessen der 
Schwerpunkt doch auf dem Geizhalse und seinem ge- 
stohlenen Schatze — immerhin also auf der Aulularia 
— bleibt. 

An italienischen Übersetzungen der Aulularia hat es 
nicht gefehlt. Paride Ceresara übertrug das Lustspiel; 1 ) 
Carlo Maria Maggi gab es in Versen, in Mailänder Dialekt, 
heraus im ersten Bande seiner Commedie e Rime. Milano 
1701 in 12°. Eine weitere handschriftliche Übersetzung, in 
versi toscani von P. Giuseppe Maria Stampa, liegt nach Ar- 
gelati' 2 ) als Manuskript in Como; wiederum in versi toscani ist 
die Übersetzung (II vecchio avaro) von Lisimbo Oristoniano 
Pastor Arcade. 3 ) Firenze 1747 und 1750 bei Andrea Bon- 
ducci. Im Jahre 1763 erschien eine weitere von einem Unge- 
nannten in Pisa in 4°. 4 ) 



J ) Tiraboschi. VII, 179. 

2 ) II, 232, wo auch die übrigen nachzusehen sind. 

3 ) Nach Sulz er. III, 704 1 '. Lor. Guazzesi (in 8°). 

4 ) S. ebenda. 



286 HI. Aulularia. 

Lorenziiios de' Mediei Aridosio führt zu den Franzosen 
hinüber. Larivey (S. 66) hat sich des italienischen Stückes 
bemächtigt und dasselbe in seiner Komödie „Les Esprits", 1 ) 
deren Titel mehr auf die Mostellaria hinweist, so benützt, 
dass er oft nur eine ganz wörtliche Übersetzung des 
italienischen Stückes gab. 2 ) Nur Feliciane, die Livia 
des Lorenz ino de' Mediei, tritt in diesem Lustspiele, von dem 
der Prolog (Fol. 111) sagt: „II a faicte ceste Comedie a Limi- 
tation & de Piaute & de Terence ensemble," nicht als han- 
delnde Person auf. 

I. Akt. (1.) Der alte Hilaire bespricht sich mit seiner 
Frau Elizabet über seinen Adoptivsohn Fortune. Er huldigt 
milden Erziehungsprinzipien, damit die Söhne ihren Vätern in 
Liebe anhangen. Sein alter, geiziger Bruder Severin halte 
seinen Sohn Urbain sehr streng und zwinge ihn, immer auf dem 
Lande zu leben, doch aber sei er nicht besser, als andere. Dem 
envidert seine Frau, die zwar nachsichtig, aber doch nicht 
schwach sein möchte, von Fortune „qu'il est deuenu amoureux 
d'vne nonnaine que ie ne veux nommer pour ceste heure". Der 
Alte will hierüber Gewissheit haben und wendet sich an den 
eben kommenden (2.) Diener Frontin. Von ihm erfährt er, 
dass sein Pflegesohn wirklich eine Nonne liebe, aber „eile n'est 
religieuse et ne voudroit pas estre, aussi n'a eile faict profession". 
Hilaire findet es „excusable, puisque eile n'est professe". Doch 
aber ist die Sache bedenklich; denn ,,elle est grosse de son fäit 
& si preste d'enfanter quelle n'attend que l'heure. " (3.) Urbain 
ist in Streit mit dem maquerau (Kuppler) Ruffin. Der letztere 
will sein Geld — dix escus — unverzüglich. Die Geliebte er- 
scheint, wie bereits gesagt, im Stücke nicht. (4.) Frontin phi- 
losophiert über die Liebe genau so wie Lorenziiios Lucido. 
„II n'y a chose qui face plus raffolir les hommes que l'amotir." 
Zudem beklagt er Fortunes Schicksal, „grossir vne fille du pre- 
mier eoup." (5.) Fortune will Nachrichten von seiner Geliebten 
Apoline, Frontin weiss aber leider nichts. Nur von Urbain 
und seiner Feliciane kann er, wie bei Lorenzino, berichten: „Ur- 
bain & Feliciane sont au lict ou ils fönt brauades; l'vn veut 



! ) Les six | premieres | comedies | facecievses | de | Pierre de. Lari- 
vey | Champenois. | A l'imitation des anciens Grecs, Latins | & modernes 
Italiens. A Paris j chez Abel l'Angelier, tenant sa | boutique au pre- 
niier pillier de | la grand' salle du Palais. 1579. Fol. 111 — 166 enthält 
Les Esprits. — Ancien theätre Francois. Bd. V. S. 199—292. Die Stücke 
werden bei Hipp. Lucas (Hist. d. theätre), LTI, 270, als im Jahre 1578 
gespielt aufgeführt. 

2 ) Lariveys Les Esprits als Quelle zu Molieres Avare unter 
Berücksichtigung der Aulularia des Plautus von R. V. Me lirer. Jena 
(Dissertation) 1873. 35 S. 8°. 



Lariveys Esprits. 287 

tuer son pere, s'il retoiirne dxi vilage. Et l'autre Ruffin, s'il 
vient demaiider de l'argent. 

II. Akt. (1.) Desire, der Liebhaber von Severins Toch- 
ter, Laurence, hält die gleiche Rede wie Cesare in der italie- 
nischen Komödie. Sein Vater gestattet ihm nur eine Frau mit 
Geld, Severin aber, „ce monstre qui n'est digne de uiure, " giebt 
ihr keine Aussteuer. „Mon pere voyant la cruelle auarice de ce 
vilain nie deffendit espouser la fille qu'elle ne m'apportast pour 
le nioiiis mille escus sinon que ie ne me presentasse iamais devant 
luy. " Fr on tin meldet ihm, dass Severin in die Stadt zurück- 
gekehrt sei, ebenso ruft er Urbain aus dem Hause (2.), um ihm 
dieselbe Mitteilung zu machen. Er giebt ihm nun den Rat: 
„Fermez la porte aux verrouils par dedans & n'y laissez entrer 
personne du nionde . . . quand vous m'entendez cracher, alors 
faictes le plus grand tintamarre, qu'il vous sera possible & iettez 
mesmes des tuilles en la rue." Urbain kehrt ins Haus zurück. 
(3.) Da Severin in dasselbe eintreten will, hält ihn Frontin 
auf, fast mit den Worten Tranios in der Mostellaria (V. 446): 
„Qui est ce fol qui touche ä ceste porte?" Er darf nicht 
klopfen; denn ,.la maison est plaine de diables". Alsdann ..il 
crache & ceux du logis fönt bruict". Wie sein Vorbild Arido- 
sio hätte auch Severin zunächst den Wunsch „au moins s'ils 
en payoient les louages". Alles andere ist genau, wie in der 
italienischen Komödie; Severin vergräbt seinen Schatz. (Inmanus 
tuas u. s. w.) Desire holt ihn. Nur die Szene (6.), wo die 
Nonne im Aridosio auftritt, fehlt hier. 

III. Akt. (1.) Alles ist genau nach dem Italienischen, 
nur dass die Stelle des Priesters der sorcier M. Josse vertritt, 
dessen Zaubersprüche etwas anders sind. „Barbara piramidum si- 
leat miracula memphis, " und da Severin befürchtet, dass die 
Geister kein Latein verstehen: 

Esprits niaudits des infernalles ombres 
Qui repairez ceans soir et matin, 
Je vous commande au nom de Severin 
Qu'en deslogiez, sans nous donner eucombres 

u. s. f. Die Bedingungen der Geister (erst „nous ruynerons ceste 
maison", endlich „l'anneau du doigt de Severin") sind wie im 
italienischen Originale. Urbain hat nun (3.) den Ring; Seve- 
rin dankt M. Josse für seine Dienste (4.); Ruffin dringt zu 
Severin mit dem Ringe (5.) und wird noch rechtzeitig von 
Frontin als Narr erklärt. (6.) Severin entdeckt den Diebstahl 
und bricht in die Klage aus: „Jesus! qu'elle est legere! vierge 
Marie, qu'est cecy qu'on m'a mis dedans? helas, ie suis destruict, 
ie suis perdu, ie suis ruyne! Au volleur, au larron, au larron! 



288 ITI. Aulularia. 

prenez-le, arrestez tons ceux qui passent, fermez les portes, les 
lmys, les fenestres. Miserable que ie suis. On cour-ie? a qui 
le dis-ie? ie ne s<jays, oü ie suis, que ie fais ny ie vas. helas, 
nies amys, ie nie recommande a vous tous, secourez-moy, ie vous 
prie, ie suis mort, ie suis perdu. Enseignez-moy qui m'a des- 
robbe' mon ame, ma vie, raon coeur, & toute mon esperance; que 
n'ay-ie un licol pour me pendre? car i'aime mieux mourir que 
viure ainsi. helas eile est toute vuyde. vray dieu qui est celuy 
qui tout a vn coup m'a rauy mes biens, mon honneur, et ma vie? 
Ali cbetif que ie suis que ce iour m'a este" malencontreux ! A 
quoy veux-ie plus viure, puisque i'ay perdu mes escus que i'auois 
si soigneusement amassez & que i'aimois & tenois plus cliers que 
mes propres yeux? mes escus, que i'avois espargnez retirant le 
pain de ma boucbe n'osant manger mon Saul? Et qu'vn autre 
ioyt maintenant de mon mal & de mon dommage." Front in 
trifft ihn über seinem Jammer. „Tu m'as desrobbe mes escus, 
larron que tu es; 9a ren les moy, ren les moy ou ie t'estrangle- 
ray," fährt er ihn an. „Ie ne scays que vous voulez dire," ver- 
setzt Frontin. Ma bourse, helas, ma pauvre bourse! ruft er 
im Gehen. 

IV. Akt. Alles entwickelt sich, wie im italienischen 
Stücke. (1.) Der ehrliche Fortune (2.), der gutmütige, für die 
Leiden seines Sohnes so empfängliche Hilaire (Mon fils, i'ay 
pitie de toy pour auoir moy-mesme autre fois essaye que c'est de 
l'amour), der sich nur an der „Nonne" etwas stösst, der trost- 
lose Severin, Pasquetta, die Nonne Mona Pasquina, die 
hier als „seruante" auftritt, (4.) der glücklich zurückgekehrte 
Vater Felicianes, Gerard, Pasquetta, als Berichterstatteriii über 
Apolines Entbindung an Hilaire (5.), sind uns lauter wohlbe- 
kannte Figuren. 

V. Akt. (1.) Ebenso genau kennen wir Gerards Unter- 
handlung mit dem Kuppler Ruffin wegen seiner Tochter und die 
Szene mit dem komischen Missverständnis (2.). 

Ruff. Seigneur Severin, bonnes nouvelles! 

Sev. Quoi? est-elle trouuee? 

Ruf. Oy! 

Sev. Dieu soit loue, le coeur me saute de ioye. 

Ruft'. Voyez, il fera ce que vous voudrez. 

Sev. Pense, si ces nouuelles me sont agreables . . . Qui l'auoit? 

Ruff. Le sgavez-vous pas bieu, c'etait moy. 

Sev. Et que faisois-tu de ce qui m'ai"»partient? 

Ruff". Deuant que ie la liurasse a Vrbaiu, ie I'ay eue quelque peu 
en ma maison 

u. s. w., bis sich die Sache auf klärt. Auch hier sind Urbain und 
Feliciane „au lict" (3.); Hilaire bringt seinem Sohne die frohe 



Lariveys Esprits. 289 

Botschaft, „TAbbesse veut que tu l'espouses (5.); Frontin mel- 
det, das Gerard seinem Schwiegersöhne fünfzehntausend Franken 
Mitgift zahle (6.): Severin erhält sein Geld wieder, da er an 
sein Glück nicht glauben kann, „si ie ne les voy & les touche." 
Und da er es hat, ruft er mit Aridosio: „Vous m'auez rendu la 
vie, l'honneur & les biens que i'auois perduz avee cecy." 

Obwohl Lariveys Arbeit eigentlich nur eine Übersetzung 
aus dem Italienischen ist, ist sie doch litterarisch von Be- 
deutung geworden. 1 ) Lotheissen (I. Bd., S. 277, 278) urteilt 
hierüber: „Severins Geiz zu schildern, ist aus der Aulularia 
des Plautus die bekannte Szene herübergenommen, in welcher 
der Geizhals den Topf mit Gold vergräbt und bald darauf zu 
seiner Verzweiflung die Entwendung desselben wahrnimmt. Auch 
Severin vergräbt einen Beutel mit Goldstücken und wird dabei 
belauscht, ganz wie später Harpagon bei Moliere. Die Charak- 
teristik Severins bietet jedoch Züge, welche sich weder bei Plau- 
tus noch bei Moliere finden, die aber vortrefflich sind. So z. B. 
in der Szene, in welcher Severin immer wieder zu dem ver- 
grabenen Schatz zurückkehrt, um ihn zu bewachen, wie er jedem 
misstraut, der in seine Nähe kommt, und ganz ohne Grund ..au 
voleur!" (II, 5) ruft. Ebenso drastisch ist auch seine Verzweiflung 
geschildert bei der Entdeckung des Diebstahls (III, 6) , obwohl 
man hier vielfach an Plautus erinnert wird. Derjenige, der ihm 
das Geld entwendet hat, ist der Liebhaber seiner Tochter, der 
seinen Raub benützt, um vom Alten die Einwilligung zur Heirat 
zu erzwingen, weil derselbe nur dadurch wieder in den Besitz 
seines Schatzes gelangen kann. Auch muss er gestatten, dass 
Urbain heiratet, was er gerne thut, als er hört, dass dessen Ge- 
liebte reich ist. Sie bekömmt eine Mitgift von fünfzehntausend 
Franken. ,Fünfzehntausend Franken!' ruft Severin neidisch aus, 
,dann wird er ja reicher, als ich!' — ein feiner Zug, der von 
den Späteren nicht benützt worden ist, sowenig wie das bezeich- 
nende "Wort, mit dem Severin seine Goldstücke wieder begrüsst. 
(, Götter, es sind dieselben,' ruft er liebevoll aus und enthüllt 
damit seinen ganzen Charakter.) Doch sind alle diese Züge schon 
in dem italienischen Stück enthalten. Lariveys Verdienst liegt 
also nicht in der Konzeption der Stücke, sondern vielmehr in der 
Behandlung der Sprache. Sein Dialog ist knapp, kräftig und 
klar, alter auch ohne Scheu. Dennoch können seine Lustspiele, 
trotz seines Bestrebens, sie dem französischen Leben anzupassen, 
den fremden Ursprung niemals ganz verbergen." 

Noch ehe in Prankreich Moliere die Krone aller Nachah- 



') Vergleiche die abfällige Kritik in den Oeuvres compldtea <1 e 
Regnard. (Paris, Delahays 1854.» S. 592. 593. 

19 



290 m. Aulularia. 

orangen der Aulularia schuf, griff Samuel Ghappuzeau 
(S. 67) zu derselben Quelle in seinem Lustspiele Le riche vilain, 
011 la Dame d'Intrigue, en trois actes. 1 ) 72 S. Hierüber be- 
richtet Monval: 2 ) „C'est le titre, sous lequel füt represente, en 
(Irccinbre 1663 sur le theätre royal de l'Hotel de Bourgogne 
,1'avare dupe ou l'homme de paille' acbeve d'imprimer pour 
la premiere Ibis le 23 novembre 1663 s&ns nom d'auteur. 3 ) La 
reimpression faite vers 1664 ou 65 sous le titre ,1a dame d'intri- 
gne ou le riebe vilain', est dediee ä S. A. R. M me la Ducbesse 
de Savoye, reine de Chypre." 

..Dans cette comedie Chappuzeau parait avoir fourni a Mo- 
liere, qui ne negligeait ou dedaignait aueune source d'inspiration, 
quelques traits de l'Avare. Harpagon n'est pas sans rapports 
avec son Crispin, vieillard soupconneux et mefiant, avare et ladre 
au dernier point; 4 ) sa dame d'intrigne, Ruffine, deviendra aise- 
ment Frosine sous la plume de Moliere, qui la qualifie ,femme 
d'intrigne'. Quant au valet Philipin, ce sera la Fleche cinq ans 
plus tard. — Chappuzeau s'est servi de Juvenal, de Piaute 5 ) 
et d'un auteur espagnol qu'il ne nomine pas et qu'il a ,babille 
ä nötre mode.' II decouvre ingenüment ses larcins et eite ses 
sources. " 

Direkt bat Chappuzeau freilich Plautus fast nicht 
benützt. 

Die Rede des Geronte über die Mitgift (I, 3) erinnert in 
manchen Stücken an den p 1 au tini sehen Megadorus: 

Un grancl clot est suivy d'une grantle arrogance; 

Femrae qui n'en a point n'ose faire depense. 

Elle est souple. eile est hjimble, ou a toujours la paix 
n. s. w. 

Dies findet sich umgekehrt bei Moliere im Munde Fro- 
sines: nicht minder das Missverständnis mit Tresor (II, 3) bei 
Moliere (V, 3), und vieles andere. 



J ) Enthalten iu „Les oontemporains de Moliere, reeucil de 
eomedies rares ou peu connues jouees de 1(>50 — 1680", ]»ar Victor Fnur- 
nel. Paris 1863. I. Bd. S. 355—400. 

2 ) Le theätre franeois par Samuel Chappuzeau, aecompagne 
d'une preface et de notes j^ar Georges Monval. Paris 187f>. 

3 ) Le privilege etait du 28 septeinbre 1G6"2, et la piece parut sans 
dedicace, ä Paris, chez Guillaunie de Luyne, in 12°, en 1663. 

A ) Moliere et Chappuzeau ont puise ä la meine source 1' Aulu- 
laria de Piaute (acte IV, scene 4) oü Euclion examine les maius de 
Strobile, qu'il soupgonne de lui avöir derobe" quelque objjet. „Tertiam" 
demandait le personnage de Piaute; „l'autre?" dit Chappuzeau; „les 
autres?" osera Moliere. 

5 ) „Piaute m'a aussi un peu aide dans Le portraii que je fais 
d'un riche vilain," saut Cliappuzeau im A;vertissement. (Xzl. Mahren- 
holtz, Moliere. S. 205.) 



Chappuzeau. Moliere. 291 

Speziell auf Plautus, nur mit Umgehung des „etiam 
tertiam", weist die Szene, wo Crispin den Diener des Lycaste 
Pliilipin untersucht: 

Crisp. Ca, montre-moy la main! 

Phil. Tenez! 

(II tend la main droite ouverte, puis toutes les deux ensemble.) 
Crisp. L'autre! 

Phil. Tenez, voyez jusqu'ä demain. 

Crisp. L'autre! 
Phil. Allez la cherclier, en ay-je une douzaine? 

Molieres herrliche Schöpfung „l'Avare", comedie en cinq 
actes, stammt aus dem Jahre 1667, der erste Druck von Ribou 
aus 1669, von dem Ch. L. Livet im Jahre 1883 (Paris) einen 
Abdruck veranstaltet hat. 

Die allgemeine Verbreitung des Moli er eschen Stückes ge- 
stattet, über dasselbe in kürzeren Worten hinwegzugehen. 1 ) 

I. Akt. (1.) Valere ist in Elise, die Tochter des Geiz- 
halses Harpagon,-) verliebt, eine Leidenschaft, die auch Elise 
erwidert, umsomehr, als Valere sie einst aus den Fluten ge- 
rettet hat. Um bei ihr sein und den Alten für sich stimmen zu 
können, hat er sich in seine Dienste begeben und sich sein Ver- 
trauen zu erringen verstanden. (2.) Aber auch Cleante, Har- 
pagons Sohn, hat zu Mariane, einem braven, aber armen 
Mädchen, Liebe gefasst und entdeckt eben seiner Schwester sein 
Geheimnis; beide sind zwar ohne Aussicht auf Erfolg, aber ..nous 
joindrons apres nos forces pour attaquer la durete de son humeur". 
(3.) Harpagons Misstrauen trifft vor allem la Fleche, den 
Diener seines Sohnes, den er in seinem Argwohn als „mattre 
jure filou, vrai gibier de potence", bezeichnet. Er durchsucht 
ihm die Taschen, lässt sich die Hände weisen und jagt ihn dann 
zum Hause hinaus. (4.) Harpagon weiss im ganzen Hause sein 
Geld nicht zu bergen; „les coffres-forts, " meint er, „me sont su- 
spects, et je ne veux jamais m'y her." Sein Misstrauen steigert 
sich, da er seine beiden Kinder (5.) leise miteinander sprechen 
siebt: er versichert sie seiner Armut und teilt ihnen dann mit, 
«lass er im Sinne habe, Mariane zu beiraten, was Cleante ver- 



l ) Vgl. Schlegel. Vorlesungen über dram. Kunst und Litteratur. 
11,237. — Herrigs Arohiv. Bd. XVEL S. 376 (Artikel von Eumberl : 
Bd. LVI. S. 2f>4 (Artikel von Mahrenholtz). — Mahrenhöltz, Mo- 
liere. S. 230-237.* 

-j CTssing. II, 272. Molierii autem „Avarus" vulgo nota est, 
qui i|ini(| avaro honiiui aomen imposuit Earpagonis Ihm; ex Codri 
Urcei supplementis sumpsit, ubi vs. 26 sqq. haec leguntur: 
Tenaccs niniiuui dominos nostra aetas tulit, 
Quos Harpagones Harpyies ei Tantalos vocare soleo. 

Vr 



292 HI. Aulularia. 

anlasst, sicli vor Entsetzen davon zu machen, (ß.) Elise erhält im 
weiteren Kunde von seinen sonstigen Plänen. Beide sollen heiraten, 
Cleante ..une eertaine veuve" und Elise den alten „seigneür 
Auselme, un homme mür, prudent et sage, qui n'a pas plus de 
cinquante ans, et dont on vante les grands biens - '. Vergebens 
weigert sich Elise einer solchen Verheiratung. Valere (7.) 
wird von dem Alten als Schiedsrichter aufgerufen, wobei Har- 
pagon den Schwerpunkt darauf verlegt, dass Anselme seine 
Tochter ohne Mitgift heirate. Dieses „sans dot", das Har- 
pagon immer wieder vorkehrt, findet auch Valere scheinbar für 
einen mächtigen Grund: „cela ferme la bouche ä tout. Sans 
dot!" Harpagon eilt ab, da er einen Hund bellen hört (8.), 
worauf Valere die ungehaltene Elise über seine Absichten, den 
Alten immer mehr zu gewinnen, aufklärt; was ihm auch so sehr 
(9.) gelingt, dass ihn Harpagon (10.) sogar bittet, auf seine 
Tochter weiter einzuwirken und sagt: „heureux qui peut avoir un 
domestique de la sorte!-' 

IL Akt. (1.) Cleante erfährt von seinem Diener la Fleche, 
unter welchen Bedingungen ihm ein Wucherer Geld zu leihen sich 
hei'beiliesse. Ausser den hohen Zinsen hätte er noch eine Beihe 
wertloser Utensilien an Geldesstatt anzunehmen. Die Xot zwingt 
ihn, auf alles einzugehen: da stellt es sich heraus (2.), dass der 
Wucherer sein eigener Vater Harpagon ist, 1 ) und es kömmt 
.''■. zu einer heftigen Szene zwischen Vater und Sohn, die nur 
durch Frosines Ankunft und die Sorge des Alten, der nach 
seinem Gelde sieht (4.), unterbrochen wird. Unterdes schildert 
la Fleche in einigen Zügen den Geiz Harpagons „de tous les 
humains, l'humain le moins humain, le mortel de tous les mortels 
le plus dur et le plus serre ... et donner est un mot pour qui il a 
tant d'aversion qu'il ne dit jamais ,je vous donne', mais ,je vous 
prete le bon jour'." Frosine hat alsbald (6.) Gelegenheit, diese 
Wahrnehmung selbst zu machen. Alle ihre Schmeicheleien über 
sein blühendes Aussehen und seine Hoffnungen bei Mariane 
vermögen ihn nicht, ihr mit etwas Geld auszuhelfen. 

III. Akt. (1. — 6.) Harpagon will seiner Braut zuliebe ein 
Souper veranstalten, weshalb er seine ganze Dienerschaft zu- 
sammenruft und ihr die nötigen Verhaltungsmassregeln giebt. 
Sparsamkeit ist das erste Gebot. Valere unterstützt ihn hierbei 
treulichst und erregt dadurch das besondere Missfallen des 
Kutscher-Kochs maltre Jacques. Mariane wird durch Fro- 



1 Diese Szene findet sich ähnlich in der Belle Plaideuse (1655) 
von Franeois le Metel, sieur de Boisrobert (gest. 16i>2). Vgl. Loth- 
eissen. IV, 51. — Beauchamps, Becherehes. II. 134. — ' Rigault, 
Hist. S. 77. 



Molieres Avare. 293 

sine bei Harpagon eingeführt (7. 8.) und von diesem freund- 
lichst begrüsst (9.), was sie aber durchaus nicht für ihn ge- 
winnt (10.) Cleante macht an Stelle seines Vaters die Honneurs 
(11.) in einer Weise, die für den letzteren unerträglich wird, da 
ihm Cleante einen prächtigen Diamant vom Finger zieht und 
ihn Mariane, trotz allen Widerstrebens des Vaters, verehrt. (12.) 
Harpagon wird abgerufen (13. 14.) und überträgt Valere die 
Aufsicht. (15.) 

IV. Akt. (1.) Cleante, Mariane, Elise und Frosine 
beraten sich über die weiter zu ergreifenden Schritte. Harpa- 
gon kömmt (2.) noch eben recht, um zu sehen, Avie sein Sohn 
seiner künftigen Stiefmutter die Hand küsst. Da er mit Cleante 
allein ist (2.), sucht er ihn auszuforschen und erfährt denn auch, 
dass sein Sohn Mariane liebe (3.), und dass „toutes vos menaces 
ne feront rien". Maitre Jacques wird als Schiedsrichter 
gerufen (4.) und versteht sich trefflich aus der unangenehmen 
Sache zu ziehen, indem er mit jedem vereinzeint verhandelt und 
jeden glauben macht, der andere gebe nach. Kaum ist maitre 
Jacques fort, (5.) so geraten sie beide heftig aneinander, und mit 
allen Flüchen eilt der Alte ab. La Fleche hat die Kassette Har- 
pagons im Garten erspäht und ausgegraben (6.) und überbringt 
sie nun Cleante mit den Worten „voici votre affaire". Harpa- 
gon hat den Diebstahl sofort entdeckt und giebt (7.) seinem 
Schmerz in dem trefflichen, stellenweise Plaut us entlehnten 
Monologe J ) Ausdruck. 

„Au voleur! au voleur! a Tassassiii! au meurtrier! Justice, juste 
ciel! Je suis perdu, je suis assassine; on m'a coupe la gorge: ou m'a 
derobe mon argent. Qui peut-ce etre? Qu'est-il devenu? Oü est-il? Ou 
se cache-t-il? Que ferai-je pour le trouver? Oü courir? Oü ne pas cou- 
rir? N'est-il point lä? N'est-il point ici? Qui est-ce? Arrete. (A lui 
meme, se prenant par le bras.) Rends-moi mon argeut, coquin . . . Ah! 
c'est moi! Mon esprit est trouble, et j'ignore oü je suis, que je suis et 
ce que je fais. Helas! mon pauvre argent! mon pauvre argent! mon 
eher ami! on m'a prive de toi; et puisque tu m'es enleve, j'ai perdu 
mon support, ma consolation, ma joie: tout est fini pour moi et je u'ai 
plus que faire au nionde. Sans toi, il m'est impossible de vivre. C'eu 
est fait; je n'en puis plus; je nie meurs; je suis niort; je suis enterre. 
N'y a-t-il personne qui veuille me ressusciter, en me rendaut mon eher 
argent, ou en m'apprenant qui l'a pris? Euh! que dites-vous? Ce n"est 
personne. II faut qui que ce soit qui ait fait le coup, qu'avec beaueoup 
de soin on ait epiä l'heure; et l'on a choisi justement le temps que je 
parlais ä mon traitre de fils. Sortons. Je veux aller querir la justice, 
et faire donner la question ä toute ma maison, ä servants, ä valets, ä 
fils, ä fille, et ä moi aussi. Que de gena assembles! Je ne jette mes 



') Willi. Wagner (Ausg. der Aulularia) bemerkt zu /'. 7n."> 
(Peru u. s. w.) (S. 148): „Moliere's masterly Imitation of this sceue 
should be compared with Plautus, though it is difficult to deeide, 
which is the better, the original or the imitatiou." 



294- ni. Aulularia. 

regards sur personne, qui ne me donne des soupgons, et tout nie semble 
iiion voleur. He! de quoi est-ce qu'on parle lä? de celui qui m'a Ae- 
robe? Quel bruit fait-on lä-liaut? Est-ce mon voleur qui y est? De 
gräce, si l'on sait des nouvelles de mon voleur, je vous supplie que l'on 
m'en dise. N'est-il point cache lä parmi vous? Ils me regardent tous, 
et se mettent ä rire. Vous verrez qu'ils ont part, saus doute au vol 
que l'ou m'a fait. Ällons, vite, des commissaires, des archers, des pre- 
vots, des juges, des genes, des potences, et des bourreaux. Je veux 
faire pendre tout le monde; et si je ne retrouve mon argent, je me 
pendrai moi-meme apres." 

V. Akt. (1.) Der Gerichtskommissär ist zur Unter- 
suchung gekommen. Diesen Umstand benützt maitre Jacques (2.), 
seine Rache an V alere zu kühlen, indem er den Verdacht des 
Diebstahls auf diesen lenkt. Valere (3.) glaubt, Harpagon 
habe seine Liebe zu Elise entdeckt: und obwohl er vor dem 
Vater etwas reiner dasteht, als Lykonides und seine Nachfolger, 
sagt er doch: ,.il est vrai que j'ai commis une offense envers 
vous". Und was konnte ihn hierzu veranlassen? ..Die Liebe." 
..Bei amour, bei amour, ma foi, l'amour de mes louis d'or!" Ver- 
geblich versichert Valere, dass ihn nicht die Rücksicht auf eine 
reiche Aussteuer dazu führte: das Missverständnis ist hier lange 
fortgesponnen. 

Val. Je ne Tai point enlevee; et eile est encore ckez vous. 
Harp. (apart) ma chere cassette! (Haut) Elle n : est point sortie de 

ma maison? 
Val. Xon, Monsieur. 

Harp. He, dis-moi donc un peu; tu n'y as point touche? 
Val. Moi, y toucher . . . 

u. s. w., bis es sich endlich aufklärt. Elises Liebe bringt Har- 
pagon von neuem zum Wüten (4.); er macht ihr die heftigsten 
Vorwürfe. (5.) Um sich zu rechtfertigen, erklärt in Anselmes 
Gegenwart Valere, dass er nicht gewöhnlicher Abkunft sei. Er 
sei der Sohn des Don Thomas Alburci, und so stellt es sich 
heraus, dass Anselme der Vater Val er es und Mari an es ist. 
Nun hält sich Harpagon an den Vater des Diebes. Cleante 
aber (6.) beendet den Schmerz Harpagons, indem er ihm ver- 
spricht, sein Geld ihm zurückzuerstatten, wenn er ihm Mariane 
giebt. Für den alten Geizhals hat sonst nichts auf der Welt 
Wert. Gleichgültig gegen das Schicksal seiner Kinder lässt ei- 
nlies geschehen, da er seine „chere cassette" erhält und Anselme 
den Kommissär bezahlt. 

Wenn man Moli er es unmittelbarste Vorgänger, von dem 
antiken Dichter Plautus ganz abgesehen, 1 ) ins Auge fasst, so 



') Brom ig, Vergleich, der Aulularia und des Avare'. Burgstein- 
furt 1854. — Saegelken, De Molierii fabula avari nomine inscripta. 



Molieres Avare. 295 

kann man nicht rühmend genug anerkennen, wie anständig Mo- 
liere den Stoff gestaltet hat, der ursprünglich mit so der- 
ben Szenen ausgestattet war: und wie er trotzdem keine der- 
selben gänzlich aufgegeben hat, ob er auch nicht gerade sehr 
vieles direkt aus Plautus zog 1 ) und besonders wörtlich 
wenig in den „Avare" überging. 2 ) 

Trotz abwerfender Urteile über Moliere 3 ) und des Tadels, 
der verschiedenen Einzelheiten, zum Teile mit Recht, geworden 
ist, 4 ) muss man sich doch auf die Seite jener 5 ) stellen, die M o - 



Bremae 1856. — H. König, L : Avare de Moliere et l'Aululaire de 
Piaute. Corback (Gym. Progr.) 1871. 11 S. 4°. — J. Scheltz, L'Avare 
de Moliere et l'Aululaire de Piaute. Eisleben (Realschul-Progr.) 1872. 
— Wi Klingelhöf fer, Piaute iinite par Moliere et par Shakespeare, 
üarrnstadt 1873. — H. Groon, Comparaison entre l'Avare de Moliere 
et l'Aululaire de Piaute. (Programm des k. Domgymnasiums.) Verden 
1874 75. (S. 2— 32.) — Vgl. Lotkeissen. IV, 51 und 69. 

') Ussing. I, 272. Molierii autem act. I, scen. 3. compares, si 
placet, cum Plauti v. 40 sqq. et 622 sqq.; act. IV, scen. 7. cum v. 705 
sqq.; act. V, scen. 3. cum v. 723 sqq. — Groon, 1. c. pag. 28. Aulul. I, 1 
u. IV, 4 = Mol. I, 3; Aulul. IV, 9 = Mol. IV, 7; Aulul. IV, 2 = Mol. V, 3. 

-) Etwa V. 41. Circumspectatrix u. s. w. = I, 3 „im traitre dont 
les yeux maudits assiegent toutes mes actions". V. 45. Tibi ego ratio- 
nem reddam stimulorum meorum = ebenda: C'est bien ä toi, pendard, 
ä me demander des raisons; V. 52. At ut scelesta sola secum murmurat 
= ebenda: Tu murmures entre les dents; V. 636. Ostende etiam tertiam 
= les autres; V. 653. Euch Juppiter te dique perdant. Strob. Haud 
agit male gratias = I, 3.. Harp. Va-t-en & tous les diables! La Fleche: 
Me voilä fort bien congedie; das „sans dot" stammt aus V. 237. At nil 
est dotis quod dem. V. 290. Pumex non aeque aridus = II, 5. II n'est 
rien de plus sec et de plus aride que ses bonnes gräces et ses caresses; 
und natürlich V. 709. Peru u. s. w. 

3 ) Vgl. Hurds Urteil oben S. 263, A. 1. Auch Schlegel kritisiert 
den „Avare" so scharf, dass Taschereau (Hist. de la vie et des ouvr. 
de Moliere) meint, es geschehe nur aus Rache „ä venger son pays de 
l'oppression de Napoleon". (!) 

') Vgl. z. B. Kreyssig (Gesch. der frz. Nationallitteratur): „Ein 
erfahrener Wucherer, der seinen Geldkasten vergräbt, ein Mann, der 
nicht zwei brennende Lichter im Zimmer leiden mag (V, 5), der ohn- 
mächtig wird, wenn sein Koch ihm den Küchenzettel eines massigen 
Abendbrots vorträgt — und dieser seltene Mann im Besitz von Kutsch- 
pferden, eines Intendanten und zum Überfluss sterblich in ein armes 
Mädchen verliebt und ein Nebenbuhler seines Sohnes — das siud Farben, 
die sich in dem Porträt einer einzigen Person nicht vertragen, möge 
der Glanz jeder einzelnen immerhin nichts zu wünschen übrig lassen." 
S. gegen diesen letzten Einwurf bei Sulzer I, 4SÜ- 1 „der Misanthrop 
niuss," wie Diderot sagt, „sich in eine Kokette, Harpagou in ein armes 
Mädchen verlieben." — Groon, 1. c. pag. 24. erklärt sieh auch gegen die 
Szene zwischen Harpagon und Frosine, und jene, wo das Souper bestellt 
wird, und fiudet (pag. 26) Plautus gegenüber, dass dort die aula, liier 
aber Cleante und Valeres Liebe die Hauptsache sei. 

: >) Fuhrmann (Ildbch. III. 11): .. I »er (iei/.iev des Moliere übertrifft 
jedoch das Plautussche Original weit." — W. Wau'ner. De Plauti Au- 
lularia (Bonn 1864), zweifelt nicht, „quin Molierius Plautum lonue 
superaverit". 



296 IH- Aulularia. 

Her es grossen Fortschritt gegenüber Plautus anerkennen und 
mit Malirenlioltz zugestehen, 1 ) dass er ..tiberall sein Vorbild 
verschönert und verbessert" habe. Welche Fülle neuer Szenen 
hat Moli er e geschaffen! Welch vollendetes Lustspiel hat er zu- 
stande gebracht, ohne die Grundlinien zu verwischen! Jede 
Figur, jedes Wort lässt sich noch aus dem Urbilde heraus ent- 
wickeln, ob sie auch zu dem sittlichen Anstände gehoben 
ist, den die moderne Bühne verlangt. Wahrlich der alte. 
Dichter darf es dem französischen Autor danken, dass er eines sei- 
ner Lustspiele so populär gemacht und auf Jahrhunderte hinaus der 
Bühne aller Nationen in so klassischer Form wiedergeschenkt hat. 
Nach dem Erscheinen des Moliereschen „Avare" hatten die 
direkten Nachahmungen der plautinischen Aulularia so ziem- 
lich ihr Ende genommen. Rein hold Lenz ausgenommen, war 
für alle späteren Moliere die Quelle, und vielleicht nur ein 
flüchtiger Blick traf das Original. Congreves Lustspiel 
„Love for LoA^e 1 ' 2 ) basiert auf dem Avare 3 ) und andern Mo- 
liereschen Stücken. In zahlreichen Übersetzungen ging der 
übrigens auch in der Heimat mannigfach umgestaltete 4 ) Avare 
durch die Welt. In Deutschland finden sich in einer älteren 
Sammlung übersetzter prosaischer Stücke (Frankfurt 1670, 8°, 3. T.,) 
schon Molieresche Stücke, z.B. der Geizige; 5 ) nachher spielte 
man im Jahre 1735 in Hamburg nach Job. Neubers 6 ) Über- 
setzung den Geizhals, später in der Bearbeitung von Heinrich 
Zsc hocke, die in Weimar im Jahre 1806 keinen Beifall errang. 7 ) 
In Spanien ist aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts ..El 
Avariento" des Don Manuel de Iparraguirre 8 ) und ..El 
Avaro" des Don Luciano Francisco Cornelia 9 ) zu nennen. 



') Moliere. S. 235. 

2 ) London (H. Scheurleer, F. Z. 1752). 126 S. 

3 ) Malirenlioltz a. a. 0. S. 324. 378. 

4 ) Clans, 1. c. S. 69: LAvare, comedie de Moliere en cinq actes, 
mise en vers avec des changeniens, par M. Mailhol. Bouillon, de 
l'imprimerie de la societe typographique 1775, zuerst im Odeon 1813 
dargestellt. — Harpagon, comedie en trois actes d'apres Moliere. 
arrangee pour im divertissement de jeunes gens, et adoptee au theätre 
du College de Cambrai par Alteyrac (Cambrai, Hurez 1806). — L'Avare, 
comedie en cinq actes et en prose de Moliere, mise en vers blancs . . . 
par le comte de St. Leu. Korne 1825. — ■ L'Avare, comedie en cinq 
actes de Moliere, mise en vers, par Antonie Eastoul. Avignon 1836. 

5 ) Haniburgische Tlieatergescliichte von Joh. Fried. Schütze. 
Hamburg 1794. S. 39. 

6 ) Schweitzer. S. 126. 

7 ) Weber (Zur Gesch. des Weim. Theat.). S. 165. ..In Weimar 
gefiel Molieres Geiziger in der Bearbeitung von Zschocke nicht. 
Er wurde am 13. Nov. 1806 und nur uoch einmal gegeben." 

8 ) Barrera y Leirado, Catäl. S. 196. — Moratin.l. c. S. 50. 
•') Moratin, 1. c. S. 62. 



Molieres Avare. 297 

In Dänemark war 1722 das Theater zu Kopenhagen mit einer 
Übersetzung- von Molieres Geizigem eröffnet worden. 1 ) In 
Holland hatte man den Geizhals des Pluismei;' 2 ) in Ungarn 
die Bearbeitung von Christoph Simai, der sich mancherlei nicht 
gerade zweckmässige Änderungen erlaubte; 3 ) ferner die neueren 
Übersetzungen von Gabriel Döbrentey 4 ) und Gabriel 
Kazinezky. 5 ) 

Einer späteren Umgestaltung des Moliereschen Lustspieles 
zu dem lateinischen Stücke Philoehrysus seil Avarus des 
Jesuitenpaters Leja) 7 (1697) ist schon oben (S. 72) gedacht 
worden. Der Monolog des Avarus, der den Diebstahl entdeckt 
hat, mag am besten zeigen, in welchem Verhältnisse das Stück 
zu seinen Quellen steht, weshalb er hier in der Übersetzung 
Boy ss es 6 ) folgt: 



') Prutz, Holberg. S. 146. 

2 ) Molieriste. 1,155. En Hollande toutes les traduetions publiees 
vers la fin du XVH e et le commencenient du XVIII e siede sout eu vers. 
Je ne citerai que la traduetion de l'Avare par Pluismer. (Bibliog. Mo- 
lieresque n°- 703.) 

3 ) Molieriste. I, 184. La premiere comedie importante du po&te 
traduite en hongrois a paru aussi dans le courant de la meine annee: 
Christophe Simai, de l'ordre des Peres pies a traduit l'Avare. Sa 
traduetion a paru dans le premier volume du „Magyar Jatekszin", edite 
par Jean Endrödi. La traduetion avait pour titre „Zsugori, telhetetlen 
fosveny ember" (Harpagon, l'avare insatiable). Simai n'a pas traduit. 
mais il a remanie cette comedie ce que beaueoup d'ecrivains ont 
fait dans presque toutes les litteratures de l'Europe. II a change les 
noms des personnages en noms hongrois ; il a transporte la scene ä Rt'v- 
Komärom. Mais le tradueteur ne se contenta pas de changer les noms 
et la scene. Simai voulut rendre le sujet plus iuteressant et il fit pre- 
ceder sa comedie de cette exposition singuliere: ,.Au temps de l'Empe- 
reur Leopold, dit-il, les revoltes ont ruine la maison d'un noble; son 
fils, ainsi chasse de la maison paternelle fut eleve par des gens com- 
patissants. Plus tard il se mit ä la recherehe de son pere. Apres l'avoir 
cherche en maint endroits il suivit l'indication d'un marchand et se 
rendit ä Rev-Komärom. Avant de retrouver ses parents et sa scbut il 
y prit service dans la maison d'un homme riebe nomine .Lencses', le 
meme que nous appelons dans la jüece .Zsugori' ( v Haiq)agon) ä cause de 
son avarice sordide. Plus tard, il epousa Christine, la fille de son maitre, 
qu'il avait sauvee au peril de sa propre vie des mains de quelques va- 
gabonds." Le tradueteur a invente cette histoire pour donner uue cer- 
taine actualite ä sa piece et pour exciter l'interet des lecteurs. Les 
changements de Simai, comme bien on pense, ne furent pas avautageux 
ä 1' original. — Vgl. Schweitzer. 3. S. 84. 

') Molieriste. I, 186. L'Avare de Döbrentey (1821) n'esl plus 
une imitation, c'est une traduetion fidele et consciencieuse de l'origimil. 
Döbrentey a siqiprime la XU e scene du IIP acte et la scene V de 
l'acte IV, dans lesquelles — ä son avis — s'etait egare le genie de Me- 
liere. — Schweitzer. S. 86. 

5 ) Im Jahre 1863. — Molieriste. L 187. — Schweitzer. S. 87. 

r ') A. a. 0. S. 213. 



298 HI. Aulularia. 

„Par Lei! Pur Lei! Au secours! Arretez les fuyards! Tuez-les! . . . 
i II entre en scene.) Malheur ä moi! Oü aller? Que faire? Tout nie man- 
que, Les forces, l'äme, la voix. Quoi? Qu'est-ce? J'entends, je vois des 
voleurs ici. lä, partout. Ils s'eufuient de ce cöte . . . Ali! je les tiens . . . 
Miserables! Rendez-moi mon argent ou bien . . . Mais non, mes yeux me 
tronvpent ... Tis s'echappent de mes mains. Je n'ai plus qu'ä mourir. 
A quoi bou vivre. si la joie, l'honneur de ma vie, si mon or m'est en- 
leve? (Ses enfants, sou frere, son esclave aecoureut.) Ali! voilä les 
traitres, voilä cette bände de voleurs. Quel supplice leur inniger? 
Courez! courez! que l'on prepare les cbaines, les prisons, le l'er, les 
croix, que toute cette infame maison perisse! Ah! detestables enfants 
qui avez commis ce crime! Et vous neu avez point de honte? (On lui 
demande, de quel crime il s'agit.) Quel crime? Vous deniandez quel 
crime vous avez commis; alors que vous depouillez votre pere. Rendez- 
moi mon argent, ou vous perirez. (II menace son fils aine qui proteste.) 
C'est donc le plus jeune qui est le coupable. Viens ici! Avoue ton 
crime, ou je te corrigerai si bien que tu rendras ton äme sous les coups. 
(Le plus jeune sc defend, montre ses poches. A son neveu.) C'est donc 
le fils de Pamphile qui a conseille ce crime. (Celui-ci reclame. A son 
esclave.) Je t'attendais, voleur; par quel sortilege as-tu reussi jusqu'ä 
present ä eviter la mort de mes propres mains . . . Mais rien n'est perdu. 
Cette main frappera ta tete criminelle. (II le frappe. Son frere inter- 
vient.) Toi aussi, tu es leur complice; tu ue rougis pas de tremper dans 
de pareilles machinations. Helas! que devenir! Toute ma maison con- 
spire contre moi. Domestiques, frere, enfants, tout le monde en veut 
ä ma vie. (II s'attendrit.) Vous tous, par ces genoux que j'embrasse, 
que j'inonde de mes larmes, rendez-moi mon argent si vous l'avez." 

Eine Übersetzung der Aulularia lieferte 1761 Grirauld. 1 ) 



Direkt aus der lateinischen Quelle schöpfte der 
Niederländer P. C. Hooft (S. 81). Sein „Warenar",' 2 ) der 
im Jahre 1617 in der Amsterdamschen Akademie aufgeführt 
wurde, ist genaii nach der Aulularia gearbeitet und hat 
das Lob, das ihm Hugo de Groot, 3 ) der grosse Dichter 



') Schweiger, Handbuch. II, 2. 

2 ) Cluchtighe Comedy van Ware-nar, dat is, Aulularia. nae 's 
lants gelegentheit verduitscht. Die Ausg. von 1617 (C. L. van der Plassen, 
Amsterdam, 4°) ist selten und in drei Exemplaren auf der Haarlemer 
Stadtbibliothek; 1626 (Amst,, W. J. Wijngaerts, 4°); 1630 (Rotterdam, 
J. van Waesbergen, 4°); 1634 (Amst., 4°) (fälschlich oft als erste Ausg. 
zitiert); 1638 (Amst.. D. C. Hout-Haeck, 4°); 1657. 1661 (Amst., Lescailje, 
8°); 1667, 8°; 1678 (Amst.. J. Boumann, 8°); 1695 (Amst., Lescailje, 8 U ); 
17l9 (Amst., Lescailje, 8"); 1724 (Amst., 8°); 1726. 1729. — Im Jahre 1841 
hat die Letterkundige Paculteit der Hochschule Leiden eine philo- 
logische Erklärung Warenars und einen Vergleich mit Plautus und 
Moliere als Preisaufgabe gestellt, die M. de Vries löste, und deren 
Bearbeitung sich in der vortrefflichen Ausgabe findet: P. C. Hoofts 
Waren ar, met eene inleiding en aanteekeningen door M. de Vries. 
Leiden (H. W. Hazenberg & Co.) 1843. 

3 ) Hugo de Groot schreibt in einem Briefe an P. 'C. Hooft vom 
24. Januar 1617: ..Ik zende VE. wederom de Aulularia, een trans- 



Hoofts Warenar. 299 

Vondel, 1 ) Janus Broekhousius, -) u. a. reichlich spendeten, 
treulich verdient. 

Das Stück leitet ein Prolog- (voorreden) der Miltheit und 
Gierigheit ein, und noch zum Schlüsse berichtet uns die 
Miltheit: 

Dit spei zal Pottery heeten, zoo gy 't meught veeleu, 

Spraekinakende gemeent. Plautus heeft het doen speien 

Voor burgers en eelen van 't Roomsche bloet. 

'T is een Huis-got die by hem de voorreden doet; 

Maer om dat gy van zulk got niet veel hebt hooren zeggen, 

Zoo heeft de Overzetter diens rol my, Miltheit, toe gaen leggen: 

Plautus stelt de geschienis al hat inen ze 't Athen bespeurt, 

Maer wat is 'ver ook dat 't Amsterdam niet en beurt? 

Dus nemen wy best behende plaeten en straetjens; 

Niemant trek hem iet aen, 't zyn maer hoofde lozose praetjens. 

Eerste Bedryf. (1.) Der Geizhals Warenar hadert mit 
seiner Magd Reym, dass sie stets als Aufpasserin herumstehe. 
Aus seinem Selbstgespräche entnehmen wir, dass er befürchtet, 
sie möchte ihm seinen Schatz „aus dem Neste nehmen". 

Krijght ze de snof van de pot mit gelt iu de neus, 
Ik bin armer man as de gevangen slaven. 
Nu moet ik de vloer ieus weer op gaen graven, 
En zien of ze noch staet zoo ik ze heb esteld. 

Er eilt ah, um nach seinem Schatze zu sehen, und wir er- 
fahren nun von Reym, dass Warenar ein böser Herr sei. 
Nächte lang wache er: man wisse den Grund nicht. Noch mehr 
Sorge aber bereite ihr die Tochter des Alten, „die op haer 
uiterste gaet, beladen niet kint, en haest zal moeten baeren. •' 
(2.) Befriedigt kehrt Warenar zurück; dem Schatze fehlt nichts. 
Seine Vorschriften an Reym haben zunächst seine Armut im 
Auge. „Arm ben ik, dat weet ik wel." (3.) Frau Gertruid 
redet ihrem Bruder Rijkert zu, sich eine Frau zu nehmen und 
empfiehlt ihm nachdrücklichst Warenars Tochter. (4.) Warenar 

laat, 't welk, mijns ordeels, het origineel in veele de eleu 
overtreft. Ik heb het zelve niet eens, maar meermaal overlezen, met 
zonderling plaizier, zulks dat ik het mede stel onder de instrumenten, 
gedient hebbende tot herneeminge van mijne gezoudtheit." 

') fPoe'zy D. II. bl. 234. 1G70.) Ein eigenes Epigramm: op In f 
kluchtspel vau Warenar met zynen pot: 

Den Eidder Hooft beving een zucht 
Te volgen Phallus nutte klucht, 
Op Warnars naem een vrekke zot, 
Beangst, bekommeri vom- zyn' pot u. s. w. 
2 ) Ad Tibulliuin, pag. 128: „Noli commjttere, quin inspicias 
Hoofdii nostri Aululariam, expressissim'äm verissimamque 
imaginem antiquae ac vernaculae festivitatis." 



300 III. Aulularia. 

kömmt eben recht. Nach kurzem Gespräche mit Rijkert kömmt 
er wieder auf seine Armut zu klagen. 

Ik klaegh over de armoed' die ik moet lyen; 
Ik heb daer een eenige dochter te vryen, 
Daer ik niet mee geven kau, myn lieve maet, 
Zoo komt het toe datier ook niemant nae staet. 

Da ihm nun Rijkert sagt, er habe ihm etwas zu sagen, be- 
fürchtet Warenar bereits, er habe es auf seinen Sehatz — 
het katshooft 1 ) — abgesehen und macht sich schnell fort, um 
nach demselben zu sehen. Es ist alles in Ordnung. Rijkert 
verlangt nun Warenars Tochter zur Ehe. Er beansprucht keine 
Mitgift, und so soll noch diesen Abend die Hochzeit beschrieben 
werden. Immerhin aber vermutet Warenar noch, dass Rijkert 
um den Schatz wisse und darum das Mädchen freie. (5.) Er macht 
darum Reym arge Vorwürfe, dass sie überall Gerüchte von seinem 
Reichtum verbreite und 

„dat ik myn dochter met groot goet ten huwelijk gae besteden". 

Endlich teilt er ihr mit, dass sie diesen Abend verlobt werden 
soll. Reym meint zwar, das würde Kosten verursachen, „dat 
zel wat kosten;" aber Warenar fällt erfreut ein: „Im Gegen- 
teile, der Bräutigam hält mich frei!" „de bruigom houdt me vry." 
— Reym ist selbstverständlich über die Mitteilung stark betroffen. 
Braut — in diesem Zustande! 

De bruit, de bruit te worden! en z' is op hei uitersle zweier! 

Tweede Bedryf. (1.) Das Mahl zur Verlobung wird be- 
reitet. Lekker, der Diener (jongen), Casper (hoofmeester) und 
der Koch Teeuwes wollen in Thätigkeit treten, wobei ihnen 
Reym die Versicherimg giebt, dass Holz und sonstiges Brenn- 
material nicht zu ünden sei. (2.) Warenar ist unterdessen auf dem 
Markte gewesen, hat aber seine Einkäufe beschränkt: 

„'T wordt zoo liebt niet ewonnen as verslempt of verzopen." 

Da hört er drinnen im Hause Teeuwes dem Küchenjungen von 
einem kleinen Topfe etwas zurufen: 

„deze pol is te klein!" 

Sofort stürzt er ins Haus, sein Herz klopft aus Angst um seinen 
Geldtopf. 

') Mit „Katzenkopf" bezeichnet er ein nach oben sich erwei- 
terndes Gefäss von der Gestalt eines Katzenkopfes, dessen Henkel die 
Ohren der Katze vorstellen sollen. 



Hoofts Warenar. 30l 

Derde Bedryf. (1.) Teeuwes klagt über die schmähliche 
Behandlung, die er von Warenar erlitten habe. (2.) Alsbald 
setzt dieser seine Beschimpfungen fort, da die Köche ohne seine 
Erlaubnis und in seiner Abwesenheit in sein Haus gedrungen 
seien. Wieder sieht er nach dem Schatze und schickt (3.) dann 
den Koch in die Küche zurück. (4.) Rijkerts Verlobung be- 
schäftigt ihn noch fortgesetzt; er glaubt noch immer, er habe es 
auf sein Geld abgesehen. Selbst als er Zeuge eines langen 
Monologes (5.) wird, in welchem Eijkert die Vorzüge aus- 
einandersetzt, die darin liegen, wenn einer ein armes Mädchen 
heiratet, da die reiche Frau auch in ihren Ansprüchen weit- 
gehe und so ihre Mitgift wieder verbrauche, freut er sich zwar 
momentan dieser Anschauungen seines Schwiegersohnes, doch aber 
glaubt er, im ferneren Gespräch wieder Anspielungen auf seinen 
Schatz zu finden: 

..Hy weet van de Pot; de meit heeft me verraen - 

Eijkert entfernt sich, um abends mit dem Notar wiederzukommen. 
Warenar aber fasst den Entschluss, seinen Geldtopf auf dem 
Armensünderfriedhof (het Ellendige kerkhof) zu verscharren. 

Vierde Bedryf. (1.) Lekker hat nach langem vergeh- 
lichem Suchen den Liebhaber von Warenars Tochter, Klärchen, 
den jungen Ritsert, gefunden und erzählt nun, welchen Eindruck 
auf den Jüngling die Nachricht machte, dass sein Oheim seine 
Geliebte heiraten wolle. Da er Warenar heranschleichen sieht, 
tritt er zurück, um ihn zu beobachten. (2.) Warenar kommt 
mit seinem Topfe zu dem Armensünderfriedhof. Sein Herz: 

„deeunt in nie lijf. of 't ien danskaemer was ;" 

Da entdeckt er Lekker; erzürnt prügelt er ihn und jagt ihn mit 
dem Befehle weiter, sich nicht mehr umzusehen. — Die nächste 
(3.) Szene spielt vor Warenars Hause. Ritsert gesteht seiner 
Mutter, dass er Klaartje, Warenars Tochter, liebe, und dass 
sie von ihm guter Hoffnung sei; sie möge doch mit dem Onkel 
darüber sprechen. — Lekker hat mittlerweile Warenars Rat, 
nicht umzusehen, schlecht befolgt. Er hat den Alten belauscht 
and kommt nun mit dem entwendeten Geldtopfe, sich seines 
Reichtums freuend: 

..im bin ik /im rijk as 't waeter diep is." 

Kaum ist er weg, so stürzt Warenar, der sein Geld ver- 
misst. herein: 



302 HI. Aulularia. 

Ocli hadd' ik hei weer m waer slechts esturven dan. 

Wat l<i im i m\ over, ik bin ien bedurven mau. 

Houdt den dief! houdt den dief! Wat dief? 'k wel niet, liy is al deur. 

Heeft 'er niemant de dief ezieu? niemant niet? niemant niet? 

Of ky gaet, of liy staet, of hy loopt, of liy vliedt, 

Ik zel hem nae schrijven in alle langden. 

Vroome burgers, ik hidd' 'et je mit gevouwe hangden. 

Vroome burgers, stae< by, helpt mijn op deze tocht 

Wal grinnikje? onder jou luv is al mee versckiet van dieven 

Ja wel, verlies ik het gelt, ik verlies mijn zinnen. 

Auf sein Angstgeschrei läuft Ritsert herzu. Was ist zu thun? 
Er muss es denn eingestehen: 

,,'T groote woord moet'er uit!" 

Er glaubt nämlich, Warenar habe von dem Zustande seiner 
Tochter erfahren. Er tritt denn hin vor ihn: „Ik heb't ge- 
daen, ik ken 't. „„Wat zeghje daer?"" ruft der Alte. „De 
waerheit. " 

Auf Warenars weiteren Vorhalt erwidert Ritsert: 

'k was 'er toe gedrongen, het heeft zoo willen zijn. 

— Ik beken 't, ik heb groffelijk misdreven, 

En bidd' jou, neemt het dus euvel niet. maer wilt het my vergeven. 

Im Trünke und aus Liebe ist es geschehen, und es muss und 
wird nun wohl so bleiben. „Was! So bleiben? Her damit!" dounert 
Warenar, worauf Ritsert naiv entgegnet: 

Wat wilje van mijn hebben? jou dochters maeghdom? 
Hon zoud : ik je daer aen helpen, 't is immers te laet. 

Doch will er alles gut machen: niemand anderm soll sie mehr ge- 
hören. „Geefje niet weer?" „„Was denn?"" „De Pot mit het 
gout." ..„Ich weiss von keinem C4olde. "" „Du hast es aber ein- 
gestanden." „„Wie? ein Dieb soll ich sein?"" Nun erst wird alles 
klar. Um die Tochter handelt es sich. 

Ik heb liaer onteert, 

En z' is rechtevoort op 't uiterste zwanger. 

Noch mehr jammernd geht Warenar ins Haus, Ritsert 
bleibt vor demselben stehen. 

Vyfde Bedryf. (1.) Hier wartend, belauscht Ritsert Lekker, 
der, noch seines Glückes voll, auftritt: 

Grien keuningh mijns gelijk, 't zy Turk of Karsten. 



Hooi'ts Warenar. 303 

Da er sich entdeckt glaubt, gesteht er Ritsert seinen ge- 
lungenen Diebstahl, ist aber sehr enttäuscht zu hören, dass Rit- 
sert Warenars künftiger Schwiegersohn ist. — Zu Reym (2.) 
gesellt sich Gertruid (3.), und im Gespräche mit ihr giebt Reym 
eine prächtige Schilderung von Klaartjes Persönlichkeit und 
ihrer häuslichen Geschicklichkeit. (4.) Lekker redet Ritsert 
zu, den Schatz noch nicht zurückzugeben. 

..*T weer geven körnt vroegh genoegh." 

Ritsert aber will kein unrechtes Gut; er begrüsst (5.) den auf- 
tretenden Warenar mit der freudigen Nachricht: 

„Jon Pot is bekouwen mit al het gout." 
Warenar ist wohl befriedigt: allein er hat sich geändert. 

Pot, wat hebje nie hertzeer ekost! 
k wil niet weer an den dangs, 'k heb 'er qualijk by ervaeren; 
; k zel mijn leven gien potten mit gelt meer bewaeren; 
Ik bin dat spul al moe, dat 's rain nit ezeit. 

Er hat genug, um für seine Person zu leben, und schenkt 
die Summe den Verlobten. Selbst Lekker (6.) erhält für sich 
noch fünfhundert Gulden. 

H'ooft hat sich genau an Plautus gehalten, ohne 
gerade ein knechtischer Übersetzer desselben zu blei- 
ben. 1 ) Vor allem hat er den Schluss selbständig er- 
funden,-) worüber Jonckbloet (Gesch. d. nied. Litt., deutsch 



') Ausg. von de Vries, S. XXIV. ..Hij kende de blijspelen van 
Plautus enTerentius, hij bragt er uren van kunstgenot mede door . . . 
Zelfs eene oppervlakklige vergelijkiug zal toonen, dat Hooft meer is 
geweest dan een bloot vertaler, dat hij oordeelkundig uagevolgd en het 
stuk met nieuwe vindingeu verrijkt heeft." 

2 ) Ibid., S. XXrX. „Zoodanig eu verschil (von Plautus) heeft plaats 
in de voorrede, die het blijspel voorafgaat, en sterker nog in het gansche 
laatste bedrijf ... In het laatste bedrijf van het blijspel moest eene 
grootere afwijking van het oorspronkelijke den oordeelkundigen navolger 
noodzakelijk voorkommen. Dit gedeelte hing te naauw met de Eomein- 
sche zeden te zamen, dan dal hei op een Hollandsch töoneel gepasl 
zoude geweesl zijn. De slaaf bij Plautus, den scliat bemagtigd hebbende, 
deell dit gelukje terstond aan zijnen meester Lyconides mede. Wal 
toch zou een slaaf mel eene zoo groote som gelds kunnen aanvahgen? 
De strenge tucht, waaronder hij gebukl ging, maakte hem hei bezil van 
goud even lastig als autteloos, en de onverhoopte vnnd kon hem niet 
anders opbrengen, dan de hoop op bei verkrijgen zijner vrijheid. Maar 
Lyconides weigert hem die. Welnu. hij geeft voor hei geheele berigl uit 
scherts te hebben verzonnen, en niel eerder komt hij toi de bekentenis 
der waarheid, niet eerder stell hij zijnen heer den gevonden schal ter 
band, dan nadal hij daarvoor zijne vrijlating bedongen heeft. Maar 
geheel anders zou een hedendaagsch Loonbediende in een dergelijk geval 



304 III. Aulularia. 

von W. Berg) II, 134 sieh äussert: „Hooft hat auch den 
Schluss geändert. Da sich bei Plautus der Sklave des Schatzes 
bemächtigt, zeigt er es sogleich seinem Herrn an, indem er da- 
durch seine Freiheit zu erhalten hofft. Als ihm das nicht ge- 
lingt, giebt er vor, das Erzählte nur ersonnen zu haben; schliess- 
lich wird er freigelassen und stellt seinem Herrn den Schatz 
wieder zurück. Für diese Szene hatte natürlich die Amsterdamer 
Welt keinen Boden: deshalb liess Hooft den geraubten Topf 
mit Geld von Lekker verbergen, der den Inhalt zu seinem 
eigenen Vorteil verbrauchen wollte. Ritsert überfallt ihn, ent- 
deckt sein Geheimnis und zwingt ihn, den Schatz dem Eigen- 
tümer zurückzugeben. Diese Veränderung erhält in allen ihren 
Einzelnheiten eine echte Amsterdamer, aber zugleich auch eine 
echt komische Färbung. Auch die andern Szenen des letzten 
Aktes sind Hoofts Erfindung. ... Er dichtete einen neuen 
Schluss hinzu, in welchem unter anderm der Magd Reym Lob- 
spruch auf Klaartjen vorkömmt, der wirklich ganz eigen- 
artig ist.-' J ) 

Wie bei Plautus, ist die Strasse die Szene geblieben; doch 
ist die ganze Handlung lokalisiert. Wie genau indessen sich 
Hooft an Plautus hielt, und wie geschickt er die richtigen 
Worte fand, um das Original deckend wiederzugeben, mögen 
einige (meist schon von Prof. Vries in seiner Ausgabe bezeich- 
nete) Stellen erweisen. 

V. 40. Exi, in quam', age u. s. w. 

Her uit. zegh ik. her uit: ik zegh je fluks her uit. 

Zij wroet mit heur oogen as ien varken mit zijn snuit. 
V. 71. TSescio pol, quae illunc hominem intemperiae tenent. 

Me dmickt dat jou de Bolwurm quelt. 
V. 150. Lapides loqueris. 

Stien veur mijn pot. 
V. 215. Aurum huic olel. 

Hij heeft de pot gerooken. 
V. 237. At nil est dotis quo l dem. 

Ik kan 'er niet mee geven 
V. 238. du in in Kilo morata 

Ik trouw ze om haer goed manieren. 
V. 269. niam probrum atqua partitudo prope adest 

en z' is op het uiterste zwaer. 

handelen. Hooft gevoelde dit, en daarom laat hij Lekker den ont- 
vreemden pot verbergen, ten einde hij van den inhoud, na aftrek der 
door hem zoek gemaakte gelden van zijnen heer. eens regt vrolijk en 
lustig zijn mögt, Doch Ritsert overtalt hem, ontdekt zijn geheim, en 
zijne hoop is verijdeld. Hij moet den schat aan den eigenaar afstaan, 
en mag zieh gelukkig rekenen. er op het laatst nog niet een ruim ge- 
schenk af te komen . . . (XXXI) Zo heeft dan Hooft in het laatste ge- 
il'. 'lt.- van het stuk zijn voorbeld verre overtroffen." 

■) Vffl. Bakhuizen van den Brink. Gids. 1843. S. 571. 



Hoofts Warenar. 305 

V. 218. sed erus nuptias 

Mens hodie faciet. 

Mijn miesters kylik gaet t' aevout voort. 
V. 415. Res ipsa testis est. 

Den kemel zij myn tuych! 
V. 469. Narraui amicis multis u. s. w. 

Somma, daer heb ik esproken mit al de vrienden, 

Zij pryzen de vryster, zij pryzen de vaer. 

3Iij dimkt ook, dat 'et wel dapper orber waer. 

Dat de rijke vrijers alteinet een arme dochter gingen trouwen, 

'T zou dienen om de stat in beter eendraght te houwen, 

Voorzeker, wy zouwen min gequelt zijn van de nijt. 
T. 492. Nulla ergo dicat u. s. w. 

Dan waer uit. bet geen men nu daegelijks boort snappen: 

Waerom zon ik niet? 't zijn mijn sckijven die 'er klappen, 

Ik beb 'er zoo viel ingebrocbt. of mier as jy: 

'k wil Sondaegbs in 't tamast gaen, en 's werkedaeghs in ar- 
mozy u. s. w. 
V. 546. Quid sit, me rogitas u. s. w. 

Dat meugbje wel vraegen, je zoudt me daer 't huis vol dieven. 

Wat bad ik daer ien krioel, wat was 'er gewauwels, 

En biele galgb mit koks en drie vier bondert krauwel, 

AI eerlooze scbelmen. overgeven en st out. 

Elk mit twie paer banden, nae mijn beste onthout. 
V. 575. Edepol nae tu, aula, multos inimicos habes. 

Pot, wat gaet 'er mennigb man op jou lijf! 
V. 635. Osteiide huc manus u. s. w. 

War. War zijn jou bangden? 

Lekk. Daer is de een. en daer is de aer. 

War. Fluks de derde mee ! 
V. 742. Quia nun uilio atque amoris feci. 

Ik beb bet uit een dronkenscbap en uit liefden gedaen. 

Ebenso ist die Rede des Strobilns (Y. 697: Pices diuitiis) 
und jene des Lykonides mit Enklio (Y. 724 ff.) genau beibe- 
halten. Wenn Strobilus (P. 750) sagt: 

„Ego sum ille rex Philippus," 

so denkt Hootts Lekker zunächst an Philipp von Spanien und 
dünkt sieh: 

Ik bin de koningh van Spanjen. 

Die Charakteristik der einzelnen Personen ist dieselbe ge- 
blieben. Hooft hat „den Fehler des Originals - : 1 ) ein Armer, 
der einen Geldtopf findet, wird eher verschwenderisch, als geizig. 
Richtiger hat darum Molieres Harpagon sein Geld erworben, 
nicht gefunden. Ein weiterer Fehler Hoofts ist es. dass er sei- 
nen Geizhals sich so schnell bessern läs^t. Auch (lies tli.i! Rtoliere 
nicht, weshalb ihm de Vries den Vorzug giebt. 

Hoofts Lustspiel, auf dessen Abfassung der Dichter nur neun 



') de Vries. S. XXXV; Jonckbloet, 1. c. II, 184. 

20 



306 III. Aulularia. 

Tage verwendete, 1 ) fand eine vorzügliche Aufnahme und wurde 
noch 1670 gespielt. 



Was sich hei den Engländern an Nachahmungen der 
Aulularia findet, ist durch Molieres Avare veranlasst, nicht 
direkt aus Plan tu s geschöpft worden. 

Im Jahre 1672 erschien „The Miser: a Comedy acted hy 
His Majesty's Servants, at the Theater Royal. Written hy Tho- 
mas Shadwell. London. Printed for Thomas Collins and 
John Ford." 

In dem preface erklärt er seine Abhängigkeit von Moliere 
mit folgenden Worten: The foundation of this play I took from 
one of Moliere's called L'Avare, hut that having too few per- 
sons, and to little action for an English Theatre, I added to 
both so much that I lnay call more than half of this play 
my own. 

Eine zweite Auflage erschien im Jahre 1691 : 2 ) A comedy 
called the Miser. Acted at the Theatre Royal. Written hy 
Thomas Shadwell. London. Printed for H. H. & T. C. and sold 
hy Francis Sannders &&. 

Auf keinem der beiden Titelblätter wird Molieres Name 
genannt. 

Der Freundlichkeit der k. Bibliothek zu Berlin verdanke 
ich die Kenntnis einer französischen Übersetzung Shadwells 
in ..Lettre sur le theatre anglois, avec une traduetion de 1' Avare, 
Comedie de M. Shadwell, et de la femme de Campagne, Co- 
medie de Wicherley. 1752." (Bd. I, S. 71—408.) Die alberne. 
Verballhornung des Moli er eschen Avare, der hier als der 
reiche Goldingham der Schrecken seiner Kinder Theodore und 
Theodora ist, weicht ziemlich stark vom Originale ab, obwohl 
wieder lange Szenen fast wörtlich mit demselben übereinstimmen. 
Es ist leicht begreiflich, dass Shadwells (1640 — 1692) Arbeit 
ihm keine Anerkennung eintragen konnte. 3 ) 



>) Jouckbloet. n, 132. 

- Nach Haliwell, S. 171; wo es ferner heisst: „by the author's 
own confession (it) is founded on tlie Avare of Moliere which is itself 
also builted on tlie Aulularia of Plautus. Shadwell, however, has hy 
no means been a niere translator, but also added considerably to bis 
original." — Le Molieriste. I, 150. L'Avare tres-connu des Anglais 
par les traduetions, imitations, adaptations ou alterations de Shadwell 
(et de Fielding). 

3 ) Mahrenholtz in Herrigs Archiv. Bd. LXI. S.. 349. — M. de 
Muralt urteilt in seinen Lettres sur les Anglois j(pag. 26) über 
Shadwell: „Ces nouveaux personnages, dont parle Shadwell, jouent une 
espece de farees entre eux qui se passent ä enivrer un jeune homnie, ä 



Shadwell. Wycherley. Steele. 307 

Die Aulularia, deren lateinische Aufführung 1564 in 
Cambridge bereits (S. 76) erwähnt wurde, hat auch Ben Jonson 
in „The Devil is an Ass" (F. 91, Quod quispiam ignem quaerat 
— - ne intromiseris, V. 100) im Ange gehabt. *) 

Fuhrmann (Hdb. III, 41) giebt an: „Desgleichen Wicher- 
lys 2 ) Geiziger sind Nachahmungen dieses Stücks." Ein solches 
Stück Wycherlys ist mir nicht bekannt geworden. In The 
dramatic works of Wycherley, Congreve, Vanbrugh and Farquhar, 
with biographical and critical notices by Leigh Hunt (London, 
Routledge, Warne 1860), finden sich nur die bekannten vier 
Stücke: (Love in a wood or St. James's Park. The gentleman 
dancing-master. The country-wife. The Piain Dealer.) Hettner 
und Taine führen kein weiteres an, Rapp kennt es nicht. Auch 
in der biographischen Einleitung von Leigh Hunt (IX — XIX) 
ist keine Nachahmung der Aulularia oder des Avare, wobl 
aber der Misanthrope Moli eres erwähnt: 3 ) und weder Pope, 
wo er von der Chronologie der Stücke Wycherlys handelt (S. X), 
noch ein Artikel des Athenaeums vom 27. Jan. 1841 (S. LXXXII) 
kennen ein solches Stück. 

Eine flüchtige Reminiszenz 4 ) des Moliereschen Avare 
rindet sich auch in Steeles (gest. 21. Sept. 1729) Lustspiel 
..The tender husband, or the accomplished fools", das 
1704 erschien, 5 ) im fünften Akte, in der zweiten Szene. Das 
übrige Stück hat mit Moliere nichts zu thun. In wenig Wor- 
ten wird (S. 19) von einem ..unnatural longdived father" oder 
(S. 25) „a fellow that drolls on the strength of fifty thousand 
pounds- gesprochen, und Sir Harr}* Gubbins Anschauungen 
über Aussteuer (Girls are drugs, Sir, mere drugs) entsprechen 
mutatis mutandis jenen Harpagons. Die Moliere direkt 
nachgeahmte Szene beruht auf der Schilderung des Inventars 
(Avare II, 1), das der Wucherer an Geldesstatt absetzen will. 
(S. 83): 



le filouter et ä lui faire epouser une fille de joie. C'esi La moitie de la 
]'!<<•<' que l'auteur reclame si modestement, et que jamais personne ne 
confondra, je crois, avec l'autre moitie.- (Bei Rigault, Eist, de la 
querelle etc. S. 312.) 

'i Vgl. auch Ben Jonson, eil. Gifford. V. 50 u. liier S. :l!s. 

-) Auch Wicherley, Wycherlj ; geboren um L640; gestorben 1715 
(nicht 1705). 

3 ) Sein j,Plain-Dealer is an English version, in it^ principal cha- 
racteristics, of the Misanthrope "I' Moliere". (Ed. Leigh Hunt. 

pag. xvn.) 

') Vielleicht besser gesprochen mit Rapp (Stud.) S. 269 ..ein viel 
zu plumpes Plagial an- Molieres A.vare". 

5 ) Das Lustspiel finde! sich „adapted for theatrical representation 
as performed at the Theatres-royal, Drurj baue and Covenl Garden". 
London 1791 (John Bell). Nach dieser Ausgabe ist hier zitiert. 

20* 



308 III. Aulularia. 

Sir Harry: Nay, if yo come to your Iteras — Look ye, Mr. Tipkirt, 
this is an Inventory of such Goods as were left to my Xiece Bridget by 
her decessed Father, aud which I expect shall be forth -Coming at her 
Marriage to my Son. — Imprimis a golden Locket of her Mother's, with 
something very ingenious in Latin on the inside of it. Item, a Couple 
of Musquets, with two Shoulderbelts and Bandeliers. Item, a large 
silver Caudle-cup. with a true Story eugraven on it. 

Pounce. But, Sir Harry — 

Sir Harri/. Item, a base Yiol. with almost all the Strings to it, 
aud only a small Hole on the Back. 

Pounce. But, nevertheless, Sir — 

Sir Harry. This is a Furniture of my Brother's Bedchamber, that 
follows — A Suit of Tapestry haugings, with the Story of Judith and 
Holofernes, torn only where the Head should have been off — an old 
Bedstead curiously wrought about the Posts, consisting of two Load of 
Timber — a Hone, a Bason, three Bazors, and a Comb-case — — Look 
ye, Sir, you see I can Item it. 

Vollständig- auf Moliere beruht Henry Fieldings 
(S. 79) The Miser, 1 ) a comedy taken from Plautus and 
Moliere as it was aeted at the theatre - roval in Drury- 
Lane 1732. 2 ) 

In der Widmung an den Herzog von Richmond and Le- 
nux wird Moliere erwähnt und bemerkt: the theatre hath 
declared loudly in favour of the Miser. Der Herausgeber erklärt 
über den Miser: „originally Plautus, secondarily Moliere, 
thirdly Shadwell, and fourthly our ineomparable Henry Fiel- 
ding, have dramatised this subject. The present play is that 
of the latter of the gentlemen. It is a free-spirited translation, 
and keeps possession of the stage. To the mere translator of 
foreign productions but slender praise can be afforded — but 
when translation is performed by original genius it acquires a 
native charaeter, differing mueh from the unnatural fiavour of 
forced exotics." 

Ähnlich spricht sich der ..Prologue, written by a friend", aus: 

To-night the author treats you with Moliere; 

Moliere! who Nature's inmust secrets knew, 

Whose justest pen like Kneller's pencil drew. 

In whose strong scenes all characters are shewn, 

Not by low jests. but actions of their own. 

Happy our English bard if you applause 

Graut he 's as mit mjur'd the French author's cause, 

From that alone arises all his fear: 

He must be safe, if he ha- sav'd Moliere. 



') Franckhen. Auluh. pag. XXI. 

- Hier ist zitiert nach der Ausg. von 1791, London (John Bell), 
„adapted for theatrical representation etc. : ' — Ferner findet sich die 
Komödie auf S. 959 — 981 in „The works of Henry Fielding. Complete 
in one vokrme. With Memoir of the author". By Thomas Roscoe. 
London 1840. 



H. Fieldings Miser. 309 

I. Akt. (1.) Lovegolds (Harpagons) Haus. — Läppet, 
maid to Mariana, the glory of all ehambermaids (S. 58), hat einen 
kleinen Liebesstreit mit Fredericks Diener, Raniilie (la 
Flecke). Wheedle kömmt dazu, und ihr erzählt nun Läppet 
einige Familiengeheimnisse ihrer Herrin Mariana. Sie sei im 
vorigen Sommer von einem jungen Mann aus dem Wasser ge- 
zogen Avorden (Avare I, 1; V. 4), also den Vorgang zwischen 
Valere und Elise. (2.) Clerimont und Harriet, Lovegolds 
Tochter, entsprechen hier Valere und Elise. Der Dialog ist 
ziemlich wörtlich beibehalten. „Why are you melancholy, my 
dear Harriet? do you repent that promise of yours, which has 
made nie the happiest of mankind?" *) Elises Worte jedoch: 
Helas, cent choses ä la fois u. s. w., hat hier Clerimont: „And 
dost thou not for me hazard the eternal anger of thy father, 
the reproaches of a family, the censures of the world, u. s. w." 
— Harriets Bruder, Frederick, tritt auf; er eilt auf seine 
Sclrwester zu: Dear Harriet, good morrow, I am glad to find you 
alone, for I have an affair to impart to you, 2 ) und teilt ihr dann, 
wie Cleante, sein Geheimnis mit: In a word — I am in love. 3 ) 
Frederick ist noch glühender, als Cleante; er kann nicht drei 
Tage mehr leben. Auf die Frage, wer seine Liebste sei, er- 
widert er: she is a most intolerable coquette — she is almost 
eternally at cards — her fortune is very small, kurz, sie heisst 
Maria na. Unterdessen hört man draussen den alten Lovegold 
schimpfen. Es folgt eine ziemlich getreue Kopie von Moliere I, 3 
(Harpagon und la Fleche): 

Lovegold. Answer nie not, sirrah, but get you out of my house. 
Kam. Sir, I am your son's servaut not yours, 

eine energischere Antwort, als sie la Fleche hat, der nur in 
„mon maitre, votre fils" auf sein Verhältnis zu Harpagon hin- 
weist. Das Weitere ist wie bei Moliere. „I will have no spy 
lipon my affairs, no rascal continually prying into all my actions, 
devouring all I have, and hunting about in every corner to see 
what he may steal, " ohne dass Ramilie das köstliche „etes-vous 
im komme volable?" erwidert. Wie Harpagon über die „grands 
hauts-de-chausses" urteilt, so Lovegold "these bootsleeves were 
certainly intended to be the receivers of stolen goods". Während 
der Alte von seinen „three thousand guineas- spricht, kommen 



') Avare. I, 1. He quoi, charmante Elise vous devenez melan- 
colique . . . vous repentez-vous de cet engagemenl . . . 

2 ) Avare. I, 2. Je suis bien ;iis<- ilc vous trouver seule, ma sceur; 
et je brülais de vous parier, pour m'ouvrir ü vous d'un secret. 

3 ) Avare. I. 2. ... dans un mot. J'aime. 



:5|0 III. Aiilularia, 

seine Kinder, Frederick und Harriet. Die folgende Szene 
schliesst sich engstens an Moliere (I, 5) an. „I was saying to 
myself in this great scarcity of money, what a happiness it would 
be to have three thousand gnineas by one u. s. w. " Alsdann 
rückt er mit seiner Liebe zu Mariana hervor. Frederick ent- 
fernt sich, wie Cleante: „a sndden dizziness has seized nie, " ohne 
dass ihn der Alte, wie Harpagon, auf „im grand verre d'eau 
claire" verwiese. Harriet erfährt nun, dass sie Mr. Spindle 
(Spindel) heiraten soll. Während ihres Protestes kömmt Cleri- 
rnont, und die feine Szene „sans dot!" — hier „without aportion!" 
— spielt sich nach Moliere (I, 6) ab. 

II. Akt. (1.) Ramilie erzählt seinem Herrn, welche Ge- 
schäfte er mit dem Wucherer gemacht habe. Auch Frederick 
soll verschiedenes alte Zeug, darunter „several valuable books, 
amongst which are all the Journals printed for these five years 
last past, handsomely bound and lettered", anstatt Geld annehmen. 
Das Fernere entwickelt sich, indem Decoy (== Fallenfänger), mit 
dem Alten sprechend eintritt und Frederick als den erkennt, der 
die fünfhundert Pfund borgen will. Wie bei Moliere tröstet 
sich Lovegold: I am not sorry for this accident; it will make me 
henceforth keep a stricter eye oyer bis actions. — (2.) Harriet 
und Mariana führen ein höchst oberflächliches Gespräch, wobei 
die der Zeit eigenen Seitenhiebe auf die Medizin und ihre Ver- 
treter (wohl nach Moliere) nicht fehlen. 1 ) Harriet erzählt 
Mariana, dass ihr Vater sie heiraten wolle, was sie mit Spott und 
lautem Lachen aufnimmt. (.3.) Garten. — Läppet und Ramilie 
sprechen von dem Alten. Läppet hofft, von ihm etwas zu be- 
kommen, wozu ihr Ramilie wenig Hoffnung macht. Lovegold 
gegenüber spielt nun Läppet die Rolle der Moliereschen Fro- 
sine. Sie setzt ihm, wie im Avare, den Wert einer armen, 
aber sparsamen Frau auseinander und rühmt Marianas Vorliebe 
für die alten Herren. (S. 45): „None of your smock-fac'd young 
fellows, your Adonises, your Cephaluses, your Parises and your 
Apollos: no Sir, you see nothing there but your handsome figures 
of Saturn, king Priam, old Nestor and good father Anchises 
upon bis son's Shoulders." Bei alledem gelingt es ihr aber nicht, 
das bischen Geld, das sie brauchte, ihm abzulocken, und mit ähn- 
lichen Verwünschungen, wie Fr os ine, schliesst sie den zweiten Akt. 
III. Akt. (1.) Lovegold findet seine Kinder bei Cleri- 



') Mar. I have had such an intolerable cold, ehikl, that it was a 
miracle I have recovered; for, ray dear, would you think, 
;i had uo less than three doctors? 
Har. Nay, then it is a miracle, you recovered, indeed. 
Mar. Oh, child, doctors will never do me any llarm; I uever 
take any thing they prescribe. 



H. Fieldings Miser. 311 

mont, was ihm ganz recht ist. „This is a prudent young man, 
and vou cannot converse too miich with liim: he will teach yon 
. . . better sense than to horrow money at fifty per eent." 
Lovegold hat sich entschlossen, ein Souper zu geben; James 
vertritt Kutscher und Koch: Clerimont stellt sich auf Love- 
golds Seite, indem er den „ verschwenderischen " James prügelt, 
wie hei Moliere. (2.) Läppet erzählt Ramilie, wie der 
Alte hei Mariana Fredericks Rivale sei. Lovegold ver- 
handelt mit Msr. Wisely, Marianas Mutter, und Mariana 
seihst. Weniges ist hier nach Moliere, wie etwa Lovegolds 
Anrede: It is not that your charms do not sufhciently strike the 
naked eye, or that they want addition; hut it is with glasses, we 
look at the stars, and I '11 maintain you are a star of heauty, 
that is the finest, hrightest and most glorious of all stars (Avare 
III, 9). Im Folgenden äussert hei Moliere Mariana ihren Ab- 
scheu vor dem Alten Frosine gegenüber, und diese berichtet 
Harpagon fälsch; hier aber ist es verletzend und an- 
stössig, da ss Mariana ihre Bemerkungen, wie: oh nauseous 
filthy fellow! ah wliat an animal, what a wretch! u. a., der 
eigenen Tochter Lovegolds macht und diese hinwiederum 
ihren Vater scherzhaft über Marianas Äusserungen belügt. Wie 
bei Moliere, spielt Freder ick den Brillantring seines Vaters in 
Marianas Hand. — Lovegold wird hinausgerufen, und unter- 
dessen wickelt sich eine Fielding angehörige Szene ab. 
Mariana leugnet in Fredericks Gegenwart, ihn jemals geliebt 
oder Liebe zu ihm bekannt zu haben, und beschwert sich heftig- 
über das von den Geschwistern gegen ihren guten Ruf unter- 
nommene Komplott. Als Lovegold zurückkehrt, beklagt sich 
Msr. Wisely ernstlich über die ihr widerfahrene Kränkung, so 
dass dieser in Zorn über seine Kinder gerät. Mariana schmeichelt 
ihm auf alle Weise. ..If you were five years younger, I should 
utterly detest you" (S. 70). — Clerimont giebt Auftrag, das 
Souper möglichst sparsam einzurichten. Da aber Lovegold 
darauf besteht, sofort zu heiraten (let us be married immediately), 
um seinen Kindern zu trotzen, macht Clerimont einige vergeb- 
liche Versuche, ihn davon abzubringen. Aber die Liebe geht 
über den Geiz, und im Gefühle dieses Zurücktretens der einen 
Leidenschaft bemerkt Clerimont (S. 72): „I thought it im- 
possible for any thing to have surmounted bis avarice; but I 
Hnd, there is one little passion, whicL reigns triumphant in every 
mind it crecps into, and wbether a man be covotous, proud or 
eowardly, it is in the power of a woman to make bim liberal, 
humble and brave. - ' — Frederick ist tief betrübt über Marianas 
Verhalten gegen ihn. Mit den üblichen, jeden Akt schliessemlen 
Reimen <reht er ab. 



312 in. Aulularia. 

IV. Akt. (1.) Ramilie teilt seinem Herrn Frederick 
mit, dass hauptsächlich Läppet die Ehe seines Vaters mit Ma- 
riana betreihe. Deshalb habe er sie verlassen: freilich nicht 
ohne Hoffnung, hier belohnt zu werden. 

Rom. I have another plot; I don't question but, before you sleep. I 
shall put you in possession of some thousauds of your Fatner's 
mouey. 

Fred. He has doue all iu bis power to provoke nie to it : but I am 
afraid tbat will be carrying tbe jest too far. 

Nun, meint Ramilie, man kann es ja nachderhand immer 
wieder hergeben, und geht seines Weges. Auch Clerimont 
kommt, um seinem Freunde Frederick zu bestätigen, dass 
Mariana diesen Abend seinen Vater heiraten werde. Der dazu 
kommenden Läppet macht Frederick schlimme Vorwürfe 
über ihr bisheriges Treiben. Clerimont gewinnt sie um Geld, 
und sie verspricht, alles rückgängig zu machen. Vergeblich ver- 
sucht sie zuerst ihre Kunst an Mariana. Es gelingt ihr nicht, 
sie umzustimmen. Sie wendet sich in derselben Absicht an den 
Alten. Alles, was sie ihm bisher von seiner Braut erzählt habe, 
sei falsch. Sie sei eine vermögenslose, gewöhnliche Person. Sie 
könne seinen Ruin nicht mit ansehen. Lovegold, der alles 
glaubt, schickt sogleich den Lawyer, der mit dem fertigen Ehe- 
kontrakt kommt, fort. Unglücklicherweise tritt Ramilie auf: im 
guten Glauben, so alles wieder schlichten zu können, stellt er 
Läppet als eine lügenhafte Betrügerin hin, deren Reden alle 
falsch sind. Er beschwört Lovegold, ihr nicht zu trauen. 
Gerne schenkt ihm der Alte Glauben; er verzeiht ihm alles 
Frühere, und geht sogleich zum Lawyer, um nun die Ehe defini- 
tiv ahzuschliessen. (3.) Frederick hat mit Entzücken Lappets 
Bericht gehört, er dankt ihr herzlichst für ihre Mühewaltung. 
Gelingt es noch, Mariana umzustimmen, dann „I '11 coin myself 
into guineas". Da kömmt auch Ramilie, um mit seinen Er- 
folgen zu prahlen. Er wird arg enttäuscht; alles ist verloren. 
Läppet macht ihn ernst herunter. „Never see my face again!" 
Ramilie verfügt sich nun in den Garten, wo er vermutet, dass 
Lovegold Geld vergraben hat. Nach einem kurzen Gespräch 
Fredericks mit Mariana, die ihn stets mit der ..mother-in-law" 
neckt, kehrt Ramilie wieder mit dem Schatze, den er richtig 
gefunden hat, um. Unmittelbar nachher erblicken wir Lovegolds 
Verzweiflung: 

„Tbieves! tbieves! assassination! murder! I am uudoue! all my 
money i- gone! AVho is tbe thief? wbere is tbe villain:' where shall I 
find bim? Give me my money again. villain! (Catching himself by tbe 
arm.) I am distracted! I know not where I am, nor what I'do. Ob my 
money! my money! Ha! what say von? Alack-a-day! here is no one. 



H. Fieldings Miser. 313 

The villaiu rnust have watched his time carefully; he must have done 
it, while I was signing that damu'd contract. I will go to a justice, 
and have all my house put to their oaths, niy servants, niy children, my 
mistress and myself too: all the people in the house, and in the street, 
and in the town, I will have them all executed: I will hang all the 
world, and if I don't find my money, I will hang myself afterwards." 

V. Akt. James und einige Diener rüsten zum Souper. — 
Mari an a giebt reichlich Befehle. Der Speisesaal soll frisch 
tapeziert, alles soll trotz der Gegenrede ihrer Mutter völlig neu- 
gestaltet werden. Eben unterbandelt sie mit dem Modehändler 
Satin und dem Juwelier Sparkle, als der trostlose Alte auf- 
tritt. ,.It 's lost, it 's gone, it 's irrecoverable. I sball never see 
it more." Sparkle bandelt auf dreitausend Guineas aus. Love- 
gold meint, es beziehe sich auf ihn; da hört er, dass seine Braut 
eben Ohrringe und Geschmeide kaufe. Er lässt sich dazu nicht 
herbei, sie aber erklärt: ,,I sball insist on all the privileges of an 
English wife . . . The world will know, it is your wife, that 
makes such a figure" (S. 104). Er will nun von der Ehe nichts 
mehr wissen, Msr. Wisely aber fordert zehntausend Pfund für 
den Kontraktbruch. Nun kömmt auch noch der Tapezierer 
Charles Bubbleboy und der Schneider List, damit er „may 
appear like a gentleman". Die Diener schleppen feine Weine 
herbei, drinnen bringt man Toaste auf Squire Lovegold und 
seine Gattin aus. Das alles wird dem Alten zu viel. Alles muss 
zurückgeschickt werden.. Läppet erinnert ihn ihrer so schnell 
sich bewahrheitenden Warnungen. — Da tritt Clerimont in 
reicher Kleidung ein. Er will sein Unrecht gestehen, und es 
folgt nun die Verwechslung mit dem Worte Schatz (treasure). 

Lac. Well, well! let nie delight my eyes at least; let nie see my 

treasure, and perhaps I may give it you. perhaps I may. 
Cler. Then I am blest . . . 
Lar. Go, go, fetch it hither: perhaps I may give it you. 

Er geht nun, um Harri et, seinen Schatz, zu holen. Läppet 
dringt neuerdings in den Alten. Die ganze Stadt spreche von 
seiner Heirat: er möge sich doch dies Weib vom Halse schaffen. 
Ihre Gläubiger drängen sich in Massen heran. Jammernd eilt 
Lovegold von dannen. Unterdessen erfährt der Zuschauer 
Marianas geheimes Einverständnis mit Läppet. Lovegold 
kehrt zurück. „I am undone! I am undone! I am eat up! I am 
devoured! I have an army of cooks in my house!- Mariana 
giebt nicht nach. Sie fährt fort, Befehle auszuteilen und Be- 
stellungen zu machen, ja sie lässt sogar eine Mauer umlegen, um 
aus zwei Zimmern eines zu machen. Endlich entschliesst sich 
Lovegold, die Kontraktsumme zu zahlen, um ihrer los zu werden, 
,.all the money I am worth in the world." Clerimont bringl 



314 III. Aulularia. 

den versprochenen Schatz — Harriet — und erklärt, dass auch er 
aus bester Familie sei. Grimmig- ruft der Alte: „I resign her 
over to you entirely , and may you both starve together!" 
(S. 121). Mariana händigt Frederick die Summe ein; drohend 
geht Lovegold von dannen, indessen Frederick Eamilie und 
Läppet seines Dankes versichert. Clerimont schliesst in den 
üblichen Versen mit einer Moral über den Geiz. 

Es ist ein weiter Schritt von Plautus und Moliere 
zu Fielding und ein Schritt tief herab. Fieldings Lust- 
spiel hält keinen Vergleich mit dem Mo Her es aus. Vor allem 
fehlt ihm der Abschluss. Die reizende Mariane Molieres ist 
hier ein schlau intriguierendes Weib. Hat man schon Moliere 
vorgeworfen, dass sein Geizhals zu viel Aufwand mache, so haben 
wir hier zu allem noch Lovegold im Besitze einer Bildergalerie 
(S. 65). Molieres Ausgang befriedigt. Harpagon freut sich 
des neu gewonnenen Schatzes und lässt gerne alles Weitere ge- 
schehen. Lovegold scheidet im höchsten Zorn, ein Opfer des 
Betruges. Alle von Fielding neu geschaffenen Szenen sind ein 
Ballast von sehr problematischem Werte, gegen welche die von 
Moliere geborgten, wie Oasen in der Wüste, abstechen. Cleri- 
mont ist wie hereingeschneit, während er bei Moliere als In- 
tendant motiviert ist. Lovegolds Geiz tritt weit zurück. Alles 
ist stark aufgetragen, stark intriguiert. Es ist diese Komödie ein 
üppig getriebener, aber nicht gerade hübscher Zweig aus dem Baume 
des alten Lustspiels des römischen Dichters. 



Der deutschen Übersetzung der Aulularia von Joachim 
Greff (Magdb. 1535), Heinrich Zenckfrey (Fkf. a. 0. 1607), 
u. a. ist bereits (S. 89. 95) Erwähnung geschehen. 

Im Jahre 1743 erschien eine Bearbeitung der Aulularia 
von M . . . (Kays er) in Zelle, 8°, ') und zweiundzwanzig Jahre 
später: Der Geld topf, ein Lustspiel in einem Aufzuge, nebst 
dem lateinischen Text, aus der Aulularia des Plautus zusam- 
mengezogen, von J. H. Steffens, Eektor der Zellischen Schule. 
Zelle 1765 (bei George Conrad Gsellius). 60 Seiten. 2 ) 

Den Zweck dieser Arbeit sieht man nicht recht 
ein. 3 ) Für die Bühne ist sie wohl nicht geschaffen worden, der 



') Nach Sulz er. III, 704 b . 

2 ) Und in H. Schirachs Magazin der deutschen Kritik. Halle 1774. 

3 ) Allerdings Hess derselbe Eektor Lessings Emilia Galotti von 
seinen Schülern lateinisch spielen und gab 1778 „Emilia Galotti, pro- 
gymnasmatis loco latine reddita", heraus. Hagen, Gresch; des Theaters 
in Preussen. S. 302. 



Steffens' Geldtopf. 



315 



lateinische Text weist auf Schulbenutzung bin. Sie umfasst im 
g-anzen neunzehn Auftritte, die sieh zu Plautus, wie folgt, ver- 
halten: Erster Auftritt (Euklio, Stapbila) = Plautus I, 1.; 
Zweiter Auftritt (Stapbila) = Plautus I, 2.: Dritter Auf- 
tritt (Stapbila, Euklio) = Plautus I, 3.; Vierter Auftritt 
(Euklio) = Plautus, V. 103 (Occlude, sis etc.): Fünfter Auf- 
tritt (Megador, Eunomia) = Plautus II, 1.; Sechster Auf- 
tritt (Megador, Euklio) = Plautus II, 2.; Siebenter Auf- 
tritt (Euklio, Stapbila) = Plautus II, 3.; Achter Auftritt 
(Euklio, Congrio und etliche Sklaven, die etwas tragen. Einer 
hat ein Fass auf dem Kücken) = Plautus III, 2., III, 6.; Neun- 
ter Auftritt (Lykonides, Eunomia) = IV, 7.: Zehnter Auf- 
tritt (Euklio, Congrio) = Plautus III, 2.; Elfter Auftritt 
(Euklio und Strobilus) = Plautus III, 4., IV, 2., IV, 3., IV, 4., 
IV, 5., IV, 6.: Zwölfter Auftritt (Eunomia und Lykonides) und 
Dreizehnter Auftritt (Eunomia, Lykonides, Staphila) sind von 
Steffens eingeschaltet; Vierzehnter Auftritt (Lykonides, Eu- 
nomia, Strobilus, hernach Euklio) = Plautus IV, 9., IV, 10.; 
Fünfzehnter Auftritt (Strobilus, Lykonides) = Plautus V, 1.; 
Sechszehnter Auftritt (Strobilus) und Siebenzehnter Auf- 
tritt (Lykonides, Strobilus) sind von Steffens frei behandelt 
worden; ebenso der achtzehnte (Lykonides) und neunzehnte 
(Lykonides, Strobilus, hernach Euklio, Eunomia, Megador), in 
welchen der Geizhals sich bessert. Strobilus hat das letzte Wort: 



Herr! erinnern Sie sich nun auch, 
dass ich frei bin. — Solte maus 
wol gedacht haben, dass der alte 
Geizhals sich auf einmal so um- 
kehren würde? 



Quod restat. here, nunc memento, 
ut sim über. — ■ Quis putasset, kirne 
avarum tarn subito mutasse natu- 
ra m ? 



Als Beleg der eigenartigen Arbeit Steffens' mögen zwei Sze- 
nen, die erste und vierzehnte, der berühmte Monolog, folgen: 



(S. 3.) Auftritt I. 

Euklio. Staphila. 

Euklio. 

Schier dich hinaus, sage ich, du 
alter Spürhund, die du die Augen 
allerwerts haben musst. 

S. Sachte! sachte! Was stosst ihr 
mich arme Frau? 

E. Ich will dich alten Satan! 

5. Aber was stosset ihr mich 
iezzo aus dem Hause? 

E. Soll ich dir davon Rechen- 
schaft geben, du altes, abgepeitsch- 
tes Fell? Fort, weg von derThür! 
Dorthin! — seht, wie sie schleicht! 



Scena I. 

Euclio. Staphila. 

Euclio. 

Exi, inquam. age, exi. circum- 
speetatrix cum oculis cmissii ii^. 

S. Quid me miseram propulsas? 

E. Quam ego te vetulam! 

S. Qua nie nunc causa extrusisti 
ex aedibus? 

A'. Tibi ego rationem reddam, 
stimulorum seges! Illuc regredere 
ab ostio! — illuc sis! — • vide. ut 
incedit! At si fustem cepero, aut 



316 



III. Aululavia. 



Soll ich erst den Stock, oder die 
Peitsche brauchen, so will ich dir 
den Schneckengang anstreichen. 

S. Ich wollte mich lieber er- 
hängen, als auf diesem Fuss länger 
in euerm Dienste bleiben. 

/'.'. Wie dies alte Fell noch brummt ! 
Die Augen will ich dir aus dem 
Kopf reissen, so sollst du es wol 
vergessen, mir immer auf die Hän- 
de zu sehen und mich zu belau- 
schen. — Packe dich! — weiter! — 
noch weiter! — so — da bleib 
stehen! und wofern du einen Finger 
breit, oder nur einen Strohhalm 
breit von der Stelle gehest; oder 
dich nur umsiehest, bevor ich es 
dir nicht ausdrücklich befehle: so 
will ich dich auf der Stelle auf- 
henken lassen. — Alle meine Leb- 
tage habe ich keinen solchen Ab- 
schaum von alten bösen Weibern 
gesehen. Ich muss mich nicht we- 
nig fürchten, dass sie mich betrüge, 
ehe ich nichts versehe, und sogar 
den Ort ausspüre, wo ich den Topf 
mit dem Gelde verscharret habe. 
Die alte Hexe mag auch wol gar 
hinten am Kopfe Augen haben. Was 
für Angst und Sorgen macht mir 
dieses nicht? Tag und Nacht habe 
ich keine Ruhe ; ich muss doch hin, 
und noch einmal zusehen, ob der 
Topf noch auf seiner alten Stelle 
stehet. 



stimulum in manum, testudineum 
istum tibi ego grandibo graduni. 

S. Utinam me divi — adaxint ad 
suspendium potius, quam hoc pacto 
apud te serviam. 

E. Ut scelesta sola secum mur- 
murat! Oculos, hercle, ego istos, 
improba, effodiam tibi, ne me ob- 
servare possis, quid rerum gerain. 
Abscede — etiam nunc — etiam — 
ohe! istic adstato! si hercle tu ex 
isto loco digitum transversum aut 
unguem latum excesseris, aut si 
respexeris, donec ego iussero, con- 
tinuo hercle ego te dedam disci- 
pulam cruci. — Scelestiorem hac 
anu vidi nunquam. Nimis male 
eam metuo, ne mihi imprudenti 
verba det, neu persentiscat, aurum 
ubi est absconditum. Quae in oc- 
cipitio quoque habet oculos pes- 
simal Nunc ibo, ut visam, sitne 
ita aurum, ut condidi; quod me 
sollicitat miserum plurimis modis. 
Nee noctu nee die quietus unquam 
esse possum. 



(S. 37.) Auftritt 14. 

Euklio, Ich armer, unglücklicher 
Mann! Nun bin ich ganz zu Grunde 
gerichtet. Es ist aus mit mir. — ■ 
Wo soll ich hin? Wo muss ich 
bleiben? ■ — — Haltet, haltet den 
Dieb! — Wen? wo ist er? Ach, 
ich weiss es selbst nicht; ich sehe 
nichts; ich bin blind, stockblind. — 
Wo soll ich hin? Wo bin ich? Was 
ist aus mir geworden? Um des Him- 
mels willen kommt mir zu Hülfe! 
stehet mir bei! zeiget mir den 
Dieb. (Zu Lykonides und der Eunomia.) 
Was sagt ihr? Darf ich euch wol 
trauen? Nach dem Gesichte scheint 
es so. — Was ists? Was lachet ihr? 
- — Ich kenne euch, ich weiss, dass 
hier sehr viel Diebe sind. Hats 
kein einziger von euch? — Du 
bist unglücklich! (geht dem Lykonides 



Scena XIV. 

Euclio. Peru, interii, oeeidi, quo 
curram? quo non curram? — Te- 
nete, tenete! Quem? quis? nescio, 
nihil video, coecus eo, atque equi- 
dem quo eam, aut ubi sim, aut 
qui sim nequeo certum animo in- 
vestigare. — Obsecro vos, mihi 
auxilio oro, obtestor, sitis & homi- 
nem demonstretis, qui eam abstu- 
lerit. — Quid ais tu ? vobis credere 
certum est? Nam esse honos e vultu 
cognosco. Quid est? quid ridetis? 
Novi vos, scio fures hie esse com- 
plures. Hern! nemo habet vestrum? 
Occidisti — Die igitur, quis habet? 
Nescis ? Heia me miserum , mise- 
rum! perii male perditus. Tantum 
gemitus & malae moestitiae hie 
dies mihi obtulit, faniem & pau- 
periem. Perditissimus ego sum 



R. Lenz: Die Aussteuer. 



317 



zu Leibe.) So sag es doch! wer 
hats! Du weist es nicht. Ach ich 
armer, armer Manu! wie unglück- 
lich biu ich! Dies ist wol ein rech- 
ter unglücklicher, ein recht trau- 
riger Tag für mich. Hungern und 
darben werde ich müssen. Ich bin 
der elendeste auf dem ganzen Erd- 
boden. Was soll ich in der Welt, 
da ich das verlohren habe, was mir 
am liebsten war? Wie sorgfältig 
verwahrte ich es nicht? wie wenig 
habe ich mir davon zu gute ge- 
than? Mein Schatz! mein Leben! 
mein Gott, mein Alles! Nun werden 
sich andre damit lustig machen, 
mir zur Schande, mir zum Schaden. 
Das ist nicht auszustehen. 



omniuni in terra. Nunc quid mihi 
opus est vita, qui eam perdidi! 
quam custodivi sedulo? Egomet nie 
defraudavi, animamque meam, ge- 
niumque meum. — ■ Nunc alii laeti- 
ficantur meo malo & damno. Pati 
nequeo. 



Das Albernste an dieser Rede Euklios ist gewiss, dass 
Steffens dem Geizhälse in Lykonides und Eunomin Zu- 
schauer giebt und so das Plautinische Quid ais tu? (F. 715) 
u. s. w., als an eine mitspielende Person gerichtet und ge- 
sprochen, annimmt. 

Eine Übersetzung der Aulularia von Ch. Bemh. Kays er 
veröffentlichte (1784) C. H. S. Mylius. 

Eine Bearbeitung für die deutsche Bühne erfuhr die Aulu- 
laria durch Reinhold Lenz (S. 100) in seinem Lustspiele „Die 
Aussteuer" 1774. 1 ) 

I. Akt. (1.) Ein Gnome umschwebt das Haus Kellers, des 

Geizigen, : 

„Schätze zu hüten, ist mein Beruf, 
Darbenden Tugenden zum Behuf . . . 
Keller entdeckte den Schatz im Kamm, 
Aber der Tochter verheelt' er ihn, 
Und für das Mädchen hütet' ich ihn. 
Denn in's Kloster verlangt sie zu gehu, 
Weil sie nichts dem zukünftigen Mann, 
Als ihr Herz, zubringen kann. 
Und sie ist schön, zärtlich und schön, 
Und Leander betet sie an, 
"Weil er sie einst im Bade gesehn, 2 ) 
Und sich vergessen — und sie erlaubt, 
Dass er die Uuschuld ihr oeraubt." 



(2.) Eerr Keller ist in Streit mit dem Mütterchen Re- 
benscheit. Er hat sie im Verdacht, dass sie seine Geheimnisse 
ausspioniere. Frau Rehenscheit kann ihn nicht begreifen; „es 



1 ) In der Aus-, von Tieck. (Berlin 1825.) S. 37-75. 
-) Sollte Moli er es Erfindung (I, 1). dass Vn lere Klise dm Wo-en 
■utriss. Lenz zu solcher Wendung veranlasst haben? 



318 HI. Aulularia. 

muss ihm jemand was angethan haben, oder er ist von Binnen 
gekommen." Dies kömmt sie jetzt doppelt schwer an, da die 
Jungfer, Kellers Tochter, jeden Augenblick gebären soll. (3.) 
Keller, der nach seinem Schatz gelaufen ist, kehrt erleichterten 
Herzens zurück; „es war doch alles noch in der Ordnung." Die 
Alte bekömmt ihre Aufträge eingeschärft. „Und wenn des Nach- 
bars Hans kommt, hörst du, seine Pfeife in der Küche anzu- 
zünden, so lösch das Feuer aus, verstehst du, lösche es aus, da- 
mit er keine Ursach hat, zu kommen" u. s. w. 

II. Akt. (1.) Frau Heup rät ihrem Bruder, dem reichen 
Splitt er! ing, sich zu einer Heirat zu entschliessen. Sie möchte 
ihm ein kränkliches Mädchen kuppeln, das „es nicht länger als 
zwei Jahre höchstens machen kann". Sein Geld würde durch 
eine Verehelichung mehr zusammengehalten, sie selber aber doch 
schliesslich seine Erbin. Herr Splitt er ling aber hat bereits ge- 
wählt. Er will Herrn Kellers Tochter, ob sie auch vermögens- 
los ist, zu seiner Frau machen (3.) und teilt diese seine Absicht 
dem des Weges kommenden Keller mit. Doch noch heute 
Abend soll die Hochzeit stattfinden. Keller wird anfangs be- 
denklich; Splitt er ling* weiss wohl um den verborgenen Schatz. 
Doch giebt er die Verlobung zu, nicht jedoch ohne Frau Re- 
benscheit im Verdacht zu haben, dass sie von seinem Vermö- 
gen etwas ausplauderte. Diese ist in hohem Grade entsetzt: 
..Ihre Geburtsstunde ist da: ich soll die Hebamme machen, ich 
soll zur Hochzeit aufräumen. " (3.) Crispin, Leanders Diener, 
und ein Koch besprechen sich über das Hochzeitsmahl, wobei 
Crispin, wie der plautiniscbe Strobilus, des alten Kellers Geiz 
drastisch schildert. Er gehe soweit, dass er eine Ochsenblase sich 
abends vor den Mund binde, „damit ihm nichts von seinem Atem 
verloren gehe, wenn er schläft," und „dass er helle Thränen wei- 
nen kann, wenn er sich die Hände wäscht, weil ihm das Wasser 
so verschüttet wird;" ja den Bart lässt er sich nie scheren, „wo 
er nicht die Stoppeln davon sorgfältig aufhebt." (4.) Herr 
Keller war auf dem Markte. Er wollte Einkäufe für den Hoch- 
zeitsabend machen, da er „doch die Last jetzt auch vom Halse 
bekomme"; aber es war „alles teufelmässig teuer". So kaufte er 
einen Blumenstrauss. Plötzlich erblickt er die Thüre seines Hauses 
offen und eilt ängstlich in dasselbe. 

III. Akt. (1.) Der Koch stürzt aus dem Hause; hinter ihm 
mit einem Beile Keller, der den Eindringling mit blutigem 
Schädel davonjagt. (2.) In seinen Mantel gehüllt, trägt er als- 
dann einen Topf mit Geld fort, um ihn sicherzustellen. Erst 
wenn dieser geborgen ist, mag der Koch seine Arbeit wieder 
aufnehmen. Dazu kömmt (3.) Herr Splitterling. ' Alle seine 
Freunde billigen seine Verheiratung mit dem armen, aber braven 



E. Lenz: Die Aussteuer. 319 

Mädchen. Wenn mehrere Eeiche sein Beispiel befolgen wollten, 
„wie würde die allgemeine Glückseligkeit in der Stadt zunehmen 
und der Neid mit dem übermässigen Aufwand verschwinden." 
Vergeblich versucht Splitterling, seinen künftigen Schwieger- 
vater auf ein Glas Wein zu gewinnen ; da geht er, um sich noch 
frisieren zu lassen. Nun ist Keller wieder frei. Nun steht er vor 
seinem Geldtopfe. „Armer Geldtopf! Wie viel Freier hast du? 
Ich weiss da nichts Besseres bei anzufangen, als — gerade in unsere 
Kirche ... da will ich ein Paar Dielen aufheben." Dort ist ..eine 
grosse Frau Gerechtigkeit . . . Ich vcrlass mich auf deine Ge- 
rechtigkeit, Gerechtigkeit! Ich vertrau es dir auf dein Gewissen — " 
IV. Akt. (1.) Crispin, Leanders Diener, ist von seinem 
Herrn auf Kundschaft ausgesandt. Er setzt sich auf die Treppe 
von Kellers Haus und hört (2.) diesen mit sich sprechen. ,.Hei! 
der würd' einen schönen Fund machen, der dich fände, schwerer, 
schwerer Geldtopf — aber ich bitte dich, Gerechtigkeit! Sorge 
du dafür!" Da sich Crispin in die Kirche schleichen will (3.), 
fasst ihn Keller. ..Weise mir deine Hände!" — ....Warum 
denn?"" — „Deine rechte Hand!" — ....Da ist sie."" — „Weise 
her!" - — ....Da ist sie ja."" — „Nein, nein, die andere." — 
„„Da ist sie.-- — ..Nein, nein, die dritte!" — „„Sie sind nicht 
gescheidt"" u. s. w. Keller hält sein Geld in der Kirche nicht 
mehr sicher: er holt den Schatz wieder, um ihn anderswo zu 
vergraben. „Dort auf der Nordseite der Kirche, da steht das 
Beinhaus und dicht dabei ein fürchterlicher, alter Eichenbaum." 
Crispin folgt ihm in gemessener Entfernung. (4.) Leander hat 
imterdessen seiner Mutter, Frau Heup, sein Verhältnis zu 
Kellers Tochter gestanden. Sie ist nicht gerade ungehalten, ja 
sie freut sich gewissermassen desselben, denn ihr Bruder Split- 
terling soll um jeden Preis „die Jungfer Inselimien" heiraten. 
Sie verspricht ihrem Sohne gerne, alles Weitere zu regeln. 1 5. ) 
Crispin hat den Geldtopf geholt. Auf dem Kopfe trägt er ihn 
herein. „Glückseliger Tag! Glückselige Mutter, die mich gebar! 
Glückseliger Biersieder, der von mir lösen wird. Was sind Kö- 
nige und Prinzen gegen mich?" Alsbald kömmt auch (6.) 
Keller, verzweifelt über den Diebstahl. ..Ich bin todt , ich 
sterbe, ich bin erschlagen. Wohin lauf" ich, wohin lauf ich 
nicht? Haltet auf! Wen? Wen? Ich sehe nichts, ich weiss 
nichts, ich bin blind, ich weiss nicht mehr, wo ich hin, ich bitte 
euch, helft mir, ich hitt' und beschwöre euch, hellt mir und 
zeigt mir den Menschen, ders weggetragen hat, sagt mir, wie 
ging er, was für Eaat hatt' er. -.igt mir, sagt mir, sagt mir — 
was sagst du? Weisst du's? Du hast ein ehrlich Gesicht, ich will 
dir glauben, sage mir nur — was lacht ihr? Ich weiss, dass ihr 
alle Spitzbuben seyd, ihr seyd alle Diebe, hat's Niemand unter 



320 HI. Aulularia. 

euch? Ich schlag euch todt, wer hat's?" Wisst ilir's nicht? ich 
Elender, Elender! Wie geht man mit mir um? -Ich schlag euch 
alle todt, wenn ihr mir's nicht sagt. — Was für Jammer muss 
ich heut erlehen, o weh mir, was ist das für ein Tag! Was ist 
das für ein Tag! Verhungern muss ich, verschmachten muss ich, 
ich hin der unglücklichste Mensch auf dem Erdboden. Habt ihr 
kein Mitleiden, ihr Gott'svergessenen, was für Freud' hah ich, noch 
länger zu leben, da mein Geld verloren ist? Was hah ich dir 
gethan, Geld, hah ich dich nicht bewacht, du gott'svergessenes 
Geld! Warum bist du mir denn untreu geworden? Ich habe 
selber Schuld, ich hätt' dich nicht sollen ausgraben, ich habe 
mich selber bestohlen: nun sollen sich andere Leute mit meinem 
Gelde lustig machen, nun sollen andere Leut' es durchbringen, 
es durch die Gurgel jagen — ich kann es nicht länger aushalten." 

In dieser Stimmung findet Leander Herrn Keller. (7.) Er 
wirft sich ihm zu Füssen, um ihm alles zu gestehen. „Das Ver- 
brechen , das Ihnen so viel Kummer macht — ich bin der 
Thäter .... die Liebe, der Wein ... da ich's aber einmal 
berührt habe, ich beschwör Sie, so lassen Sie mich's ewig be- 
sitzen. " Langsam erst löst sich das Missverständnis. 

V. Akt (1.) Leander hat seinen Onkel Splitterling für 
sich gewonnen: er will gehen, Herrn Keller zu besänftigen, da 
tritt (2.) Crispin betrunken auf Etwas dummdreist und brutal 
will er den Dienst kündigen, sieht sich aber sehr bald verraten. 
Anfänglich besteht (3.) Keller darauf, dass Splitterling seine 
Tochter heirate, „und wenn sie dreiunddreissig Kinder gehabt 
hätte;" Splitterling aber lässt den Geldtopf hereinbringen und 
zwingt Keller, die Hälfte seiner Tochter als Aussteuer mitzu- 
geben. Früher, meint Keller allerdings, sei Splitterling ein 
grosser Gegner der Mitgift gewesen, auf der er jetzt für seinen 
Neffen so dringend bestehe. Wohl, erwidert Splitterling, sei 
dem so: allein ..vorhin haben Sie mir für die Tugend Ihrer 
Tochter Bürgschaft geleistet". So löst sich das Stück. 

Bei seinem engen Anschluss an Plautus und der leichten 
Art seiner Arbeit hat Lenz den Strobilus zum Crispin ge- 
macht, lässt ihn aber, wie Plautus, im ersten Teile bei der 
Bereitung des Hochzeitsschmauses für Splitterling, im zweiten 
Teile für Leander thätig sein. 

Später ging Lenz an eine Umarbeitung der „Aussteuer' - , 
worüber Weinhold ') mitteilt: „Die Ausstellungen, welche 
Lenz zu hören und zu lesen bekam, wirkten doch auf ihn. Er 



') Dramatischer Nacklass von J. M. R. Lenz. Zum ersten Male 
herausgegeben und eingeleitet von Karl Weinhol d. Frankfurt a M. 
(Litter. Anstalt; Rütten & Lönnig. 1884.) S. 21. 



R. Leuz: Die Aussteuer. 321 

versuchte sich an einer tiefer gellenden Veränderung' des Originals, 
welche die Ökonomie und die Charaktere der Personen anging. 
Wie weit er damit kam, wissen wir nicht, ich glaube aber, aus 
seiner ganzen Art schliessen zu dürfen, dass er in den Anfängen 
stecken blieb. Vorhanden ist nur der Anfang des zweiten 
Aktes der Aussteuer (Aulularia), zugleich das einzige mir be- 
kannte Beweismittel für die neue Bearbeitung. Das Verhältnis 
von Keller und Splitterimg ist hier umgekehrt, Brigitte entspricht 
der Frau Heup, Crispin hat sich in einen schlingelhaften Laurenz 
gewandelt. Am obern Rande des Folioblattes, auf dessen beiden 
Seiten diese Szenen von Lenzens eigener Hand geschrieben sind, 
steht ausser einem französischen Satz der Vermerk: , Bürgerfreund 
mitnehmen für Deinet.' Die Schrift ist mit der der Szenen gleich- 
zeitig. Da eine Reise Lenzens nach oder über Frankfurt selbst als 
Absicht erst vom Winterende 1776 bekannt ist, könnte auch jenes 
Fragment der umgearbeiteten Aussteuer in den Winter 1775/7(3 
gehören. Dafür könnte auch sprechen, dass wir Lenzens Inter- 
esse für Plautus in jener Zeit durch seine Algierer noch lebendig 
bezeugt linden. Andrerseits freilich muss man geneigt sein, die 
Umarbeitung der Aussteuer in eine Zeit zu setzen, in der die Aus- 
stellungen der Kritik auf Lenz noch frisch wirkten, also in den 
Winter 1774/75 oder in die erste Hälfte des Jahres 1775." 

Das Fragment der Umarbeitung enthält Weinhold a. a. 0., 
S. 21 — 24. — Eine deutsche Übersetzung der Aulularia findet 
sich bei G. G. S. Köpke (geb. 4. Okt. 1773) (Berlin 1809V) und 
bei H. Norrmann, „Klassische Dichterwerke aus allen Litera- 
turen." 

Zahlreich sind in allen Litteraturen die Schauspiele und 
Lustspiele, welche sich die für den Darsteller so dankbare Figur 
eines Geizhalses nach ernsten und heiteren Gesichtspunkten 
als Stoff nahmen. Man darf wohl sagen, dass sie von 
Plautus unabhängig sind und Moliere kaum streifen. 

Unter den Spaniern erwähnt man vor allem des Don 
Juan Claudio de la Hoz y Mota 2 ) Komödie „El castigo 
de la miseria", 3 ) von der Ticknor II, 70 urteilt: „Jenes ist in 



») Im ersten Bande seiner plautinischen Lustspiele. Mehr erschien 
nicht. Gödeke. III. 217. 

2 ) Er wurde 1653 Ritter des hl. Jakobus und lebte 1689 noch. 
Vgl. Schaek. III. 382—387. Barrera, Ca1 äl. S. 186, wo es auch heissl : 
Entre las conocidas (comedias) sobresale y le ha dado renombre la titu- 
lada: El Castigo de la Miseria. 

3 ) Mein Exemplar ist von: Valencia, eu la Ini|ireuta de la Viuda 
de Joseph de Orga; calle de la Cruz Nueva, en donde se hallarä esta y 
otras de diferentes Titulos. 1 7('»s. \',,. 138.) Vgl Simuude de Sis- 
mondi. De la Litterature du midi de L'Europe. IV. 216. 

21 



322 III. Aulularia. 

der That eine der besten Charakterzeichnungen auf der spani- 
schen Bühne und hält in vielfacher Hinsicht wohl den Vergleich 
mit der Aulularia des Plautus und mit dem Geizigen 
Molieres aus." Dies Wort fordert zu einem solchen heraus. 
In diesem nach der dritten Novelle der Maria de Zayas 1 ) 
gedichteten Lustspiel ist es wieder der von Schlegel getadelte 
Geizhals, der in der Liehe macht. Das Stück hat von der 
Aulularia gar nichts, wohl aber hinsichtlich des Zaube- 
rers Reminiszenzen an den Querolus. 

Don Marcos Gil de Almodovar 
el fidalgu mas ambrientu, 
que se halla en Espaüa toda, 

wie ihn der gallego Toribio (4.) nennt, und dessen jammervolles 
Leben Don Alonso (4. 5.) erzählt, ist der Held. Er gönnt sich 
gar nichts: 

su comida es tan escasa 

que si se pesa con onzas, 

und mit dem plautinischen und Moliereschen Vorbilde hat 
er es gemeinsam, die Diener schlecht zu behandeln. Chinchilla 
und Don Agustin beschliessen, ihm einen Streich zu spielen. 
Chinchilla schildert ihm Isidoras Reichtum (6.): 

la belleza y la riqueza 
le pintare de Isidora 
y de este cavallo griego 
serän sus talegos Troya: 

er glaubt, dass sie von der Habana und unendlich reich sei, und 
berechnet schon, wie er das Geld anlegt. (15.) Isidora ent- 
scheidet sich wirklich für ihn (48.): 

antes de una hora 
hemos de quedar casados. 

Chinchilla und Agustin schleichen in Marcos' Schlafzimmer, 
da Agustin für den Augenblick Geld bedarf (28.): 

Con ese caudal iuteuto 

lucir con ostentacion 

nii boda; y en conclusion 

en haciendo el casamiento 

mi padre fuerza serä 

que haya de tenerlo ä bien, 

y Don Alonso tambien, 

con que el dote servirä 

de poder restituir 

a Don Marcos su dinero. 



') Zaragoza. 1637. 4°. — Abgekürzt von Sparren (Nouvelles 
tragicomiques, Paris 1752. I. 165j. 



J. ('. de la Hoz y Mota. 323 

und holen sicli einen Geldsack. Mit Entsetzen gewahrt Marcos 
den Diebstahl. So etwas wagt man in Madrid (32): 

habiendo una horca en la Plaza 
an Verdugo, mil mmistros. 

Lucia bringt nun Marcos die Idee bei, sich durch einen 
Zauberer helfen zu lassen: 

sabe el allä por sus libros 
lo que pasa en Dinamarca, 
en Fez y Marruecos. 

Die Rolle dieses Zauberers übernimmt Chinchilla, der nun alle 
möglichen Formeln spricht und Räucherungen vornimmt, worauf 
man unter Kettengerassel eine Katze mit Ratten hereinlässt. 
Marcos fürchtet sich zu Tode, da löst sich die Sache. Agustin 
bringt den Geldsack (36): 

aqui el talego 
teneis sin que falte un quarto. 

,,Und der Zauber?" fragt der erschütterte Marcos. „Den," 
lautet die Antwort, „machte 

Chinchilla, poniendo 
Ueno de coheres un gato 
que va por esa ventana. 

Dies das Stück, das nach Ticknor mit Plautus' und 
Moli er es Geizhals den Vergleich aushält!! 

Der Rico Avariento, der sich in der spanischen Litteratur 
sonst öfter findet (z. B. Rojas y Zorrilla, Tellez), ist die 
biblische Erzählung von Lazarus und dem reichen Prasser. 

Von Bartolome de Sousa Mejia aus Lissabon (geb. 1723) 
führt Barrera Leirado 1 ) eine Komödie „0 avaro" (Msk.) auf. 

Von deutschen Autoren sei Angelys (1788 — 1835), „Der 
Geizige und seine Tochter," Drama in zwei Akten, 2 ) und 
Karl von Holteis (1797—1880), „Erich der Geizhals," 
Originallustspiel in fünf Akten, erwähnt. 3 ) 

Unter den Italienern hat Carlo Goldoni (1707 — 1793) 
viermal den Geiz zum Gegenstande seiner Lustspiele gemacht. 
Obwohl Goldoni Plautus und Terenz wohl studierte, 4 ) be- 
ruht keines auf der Aulularia des Plautus. Der einaktisre 



•) Catäl. bibliogr. S. 378. 
2 ) Claus, 1. c. S. 69. 
8 ) Ibid. S. 68. 
'') Pro las. I, 2. 312. 

21 ! 



324 IV. Captivi. 

.. I/Avaro" 1 ) erinnert in keinem Worte daran. II Geloso 
avaro 2 ) - 1755 gespielt — lässt nur zufällig bisweilen an 
Moli er e denken. So S. 136, da er das Geld ausschüttet: „Ohne! 
el mio oro, el mio cuor, le mie viscere, me sento morir, non posso 
piü! Ajnto!" oder S. 135: „Caro el mio scrigno che tu me costi 
tanti spasimi, tanti suori, dovro lassarte." 

Noch weniger Plautinisches enthält Goldonis, „L'avaro 
fastoso 3 )", und seihst in „II vero amico", 4 ) den Claus 5 ) als 
der Aulularia am nächsten stehend bezeichnet, ist nur äusserst 
weniges zu finden, was auf Plautus oder Moliere hinwiese. 
Zwar ist der alte Ottavio stark in seinen „scrigno", verliebt und 
spricht seine Dukaten (III, 1) an: Oh belli zecchini! Oh cari i 
miei zecchini! Er hat sie in schändlicher Weise zur Zeit einer 
schweren Hungersnot zusammengerafft. Auch die Frage der Mit- 
gift, das Molieresche sans dot, begegnet uns hier (III, 4): 
„Volete maritar la figlia senza dote?"; dennoch ruft nicht einmal 
die Szene, da er sich seines Schrankes beraubt sieht, Plautus 
ins Gedächtnis, und hier lag es gewiss am nächsten (III, 18). 
Povero il mio scrigno . . . Povero il mio scrigno! . . . Presto! 
ajuto ! Dabei ist er noch so besonnen , dass er (wohl nach 
Moliere V, 5) beim Abeilen die Kerze auslöscht. 

Auch eine Reihe von Opern „L 'Avaro" werden aufge- 
zählt^) so von Anfossi (1775), Sarti (1777), Rutini (1789), 
Orlando (1801), Bianchi (1804), Fioravanti (1804), Cordella 
(1810); Ant. Graf von Milari (cc. 1810), Savi (1810) u. a. 



IV. Captivi. 7 ) 

Bekanntlichst bezeichnet Lessing (Beiträge S. 48) die Captivi 
des Plautus als „das vortrefflichste Stück, . . . welches jemals 



') Collezione completa delle commedie di Carlo Goldoni. Prato, 
per i F. Giachetti. 1821. Bd. 21. S. 5—40, u. ediz. Pasqu. vol. 4. 

2 ) Collez. compl. Bd. 21. S. 43—137, u. ediz. Venez. 1789. t. 18. 
— Barrera, S. 28, führt auch einen spanischen El Celoso avaro des 
D. Antonio Bazo (aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts) an. 

3 ) Collez. compl. Bd. 6. S. 95— 169 (1819), u. ediz. Venez. 1789. t. 9. 

4 ) Ed. Parigi, 1852, u. Monaco (Giog. Franz. 1852). 

5 ) Claus, 1. c. S. 55: „proxime accedit ad Aululariani." 
c ) Vgl. Clement, Dict. lyrique. S. 70. 

') Ausgaben: Avellino (Neapel 1807); Bosscha (Amsterd. 1817); 
F. Lindemann (Lpz. 1830); Geppert (Berl. 1859); Ussing (Kopenh. 
L869); Brix (Lpz. 1876); Edward A. Sonnenschein (London 1880).— 
Hier ist zitiert nach Fleckeisen. 



Charakteristik derselben. 325 

auf den Schauplatz gekommen ist", und führt das Urteil des be- 
rühmten niederländischen Forschers Johann Dousa an: „Quoties- 
cunque manum Plauti captivis inectare libet, me sibi prorsus 
consimilem, hoc est captivum, reddunt. '■' 

Rapp') findet zwar, dass Lessings Ausspruch „mehr Enthu- 
siasmus als ruhiges Urteil zu erkennen" gebe, dennoch aber nennt 
er das Stück „schon darum merkwürdig, weil es das einzige 
seiner Gattung ist, das aus dem Altertum auf uns gekommen. 
Gleichweit von der Erhabenheit der Tragödie, wie von der über- 
mütigen Lust der Komödie, spielt es in den Regionen der weichen 
Rührung, des Edelmuts und der Aufopferung, kurz in allem, was 
uns gewöhnlich das Modernsentimentale auszumachen scheint. Man 
möchte fast sagen, wie Aristophanes die pathetische Komödie, 
so hat dies Stück das pathoslose ernste Drama der alten Kunst 
vor uns aufgestellt." 2 ) Auch Rapp gesteht, 3 ) dass es ein Stück 
sei, das „keinem modernen Theater Schande machen sollte". 

Unter den plautinischen Komödien ist dieses „Rührstück 
(vgl. S. 98) ohne erotische Verwickelung und spannendes Interesse" 4 ) 
jedenfalls durch seine Eigenart abstehend von den übrigen und 
ihnen geradezu entgegenstehend. Diese Eigenart seines Stückes 
drückt der Dichter selber zweimal — im Prologe und im Epi- 
loge — aus. Er rühmt die Keuschheit seines Vorwurfes (F. 54): 

Profecto expediet fabulae huic operam dare: 
Non pertractate factast neque item ut ceterae. 
Neque spurcidici iusunt iiersus imnemorabiles: 
Hie neque periurus lenost nee meretrix mala 
Neque miles gloriosus, 

und am Schlüsse (7. 1029): 

Spectatores, ad pudicos mores facta haec fabulast. 
Neque in hac subigitationes sunt neque ulla amatio 
Nee pueri suppositio aut argenti circumduetio, 
Neque ubi amans adulescens scortum liberet clam suum patrem. 
Huius modi paucas poetae reperiunt comoedins, 
Vbi boni meliores fianl, 

xmd alle werden (F. 1036) zum Beifall eingeladen: 
„qui pudicitiae esse uoltis praemium." 

Es ist in der That ein erhebendes Drama, das vor unsern 
Augen sich abspielt. Rapp, in seiner weitumfassenden Kenntnis 



') Die pl. Lustsp. S. 459. 

A Ibid. S. 4:.!». 

A Tbid. S. 460. 

«) Teuffei (G. <l. r. L.). S. 148. — Kapp. S. 4(31. 



326 IV. Captivi. 

der dramatischen Litteratur, erinnert mit vollem Rechte an die 
spanischen Tragödien, zunächst Calderons „Principe constante", 
und sagt, 1 ) man ist versucht „zu glauben, der spanische Dichter 
habe sich entschieden unser Stück zum Vorbild genommen". 

Der prologvs führt uns in die Situation ein. Wir sehen 
[V. 1), „captiuos duos" und erfahren, dass der alte Hegio (in 
Ätolien) zwei Söhne hatte. Den einen stahl im Alter von vier 
Jahren (quadrimum F. 8. 760. 876. 1011) ein Sklave und ver- 
kaufte ihn nach Elis. Der andere, Philopolemos, wurde im 
Kriege, welchen eben die Einwohner von Elis mit den Atolern 
führen, kriegsgefangen und von einem Arzte Menarchos ge- 
kauft. Hegio handelt nun Gefangene aus Elis in Massen ein, 
um gegen diese vielleicht einmal die Loskaufung seines Sohnes 
bewerkstelligen zu können. 

Den ersten Akt leitet der Parasit Ergasilus ein, dessen 
Aufgabe in diesem ziemlich ernsten Stücke die Aufheiterung der 
Zuschauer nach Szenen düstereren Charakters ist. 2 ) Sein „rex" 
(F 92) ist in Elis gefangen und das Haus für ihn „aedes 
lamentariae" (V. 96). Hegio mit Sklaven tritt auf; er hat gestern 
zwei Kriegsgefangene (Philokrates und Tyndarus) gekauft. 
Da Philopolemos in der Ferne gefangen sitzt, macht sich der 
Parasit an seinen Vater Hegio und wird auch von diesem zu 
Tische geladen. 

Im zweiten Akte erbittet sich Philokrates von dem 
lorarius die Vergünstigung, einige Worte mit seinem Mitge- 
fangenen Tyndarus wechseln zu dürfen, was ihm gewährt 
wird. Die beiden Gefangenen verabreden nun, dass Tyndarus 
den Herrn, Philokrates den Sklaven spielen solle. Hegio 
kömmt, sie wegen ihrer Herkunft zu befragen, und Tyndarus 
(als Philokrates) sagt, er stamme aus dem reichen Hause der 
Polyplusier (7. 277): 

Quod genus illist unum pollens atque honoratissumum. 

Hegio verspricht beiden die Freiheit, wenn sie das Ihrige thun 
wollten, ihm seinen Sohn zu verschaffen. Sobald Tyndarus 
den Namen Menarchos hört, schöpft er Hoffnung, die Sache zu 
ermöglichen; denn dieser ist ein Klient des Philokrates (F. 335): 

Pol is quidem huius est cluens: 
Tarn hoc quidem tibi in proeliuist, quam imber est, quando pluit. 

Er rät Hegio, den Sklaven (Pjhilokrates) an seinen Va- 
ter zu schicken; er bürge für seine Rückkehr. Sofort entsendet 



') 1. c. S. 460. 

2 ) Ob der Parasit reine Zuthat des Plautus? E. Herzog, J.J. 113,363. 



Charakteristik derselben. 327 

Hegio den vermeintlichen Sklaven, indessen Tyndarus zurück- 
bleibt. Hegio begiebt sich zu den übrigen Sklaven, um zu 
forschen, ob sich dort keiner findet, dem Tyndarus bekannt ist. 

In der ersten Szene des dritten Aktes tritt der Parasit 
auf. Er will womöglich irgendwo ein fettes Mahl finden, um der 
„cena aspera" (F. 497) des alten Hegio zu entgehen; denn erst, 
wenn er im Hafen, der „una spes cenatica" (V. 496), niemanden 
entdecken kann, will er zu Hegio zurückkehren. 

Hegio führt den Aristophontes, einen Gefangenen, 
herbei, der erklärt hatte, dass ihm Philokrates aus Elis wohl 
bekannt sei. Mit Entsetzen sieht ihn Tyndarus nahen. Nun 
ist alle Hoffnung dahin, nur ein toller Streich kann ihn noch 
retten (F. 529): 

Neque Salus seruare, si uolt, me potest; nee copiast 
[Me expediimdi], nisi si astutiam aliquam corde machinor. 
Quam, malum? quid machiner, quid couminiscar, haereo: 
[Nisi] migas ineptiasque iam ineipisso maxumas. 

Hegio stellt Tyndarus und Aristophontes einander gegenüber; 
dieser erkennt ihn als Sklaven Tyndarus, nicht als Philokrates. 
Tyndarus versucht nun das Ausserste. Dieser Mensch, sagt er, 
war in Elis toll. Vater und Mutter hat er mit Spiessen verfolgt; 
er selber leidet an Epilepsie. (F. 550): 

Et illic isti qui sputatur morbus iuterdum ueuit. 

Der hierüber heftig erzürnte Aristophontes bringt durch seinen 
Zorn Hegio wirklich auf einige Zeit diesen Glauben bei. Er 
tritt von ihm weg, und es folgt eine in der Darstellung ungeheuer 
wirksame Szene. Tyndarus winkt dem Aristophontes ab. 
„Quid mi abnutas?-' ruft dieser (F. 611). Schüchtern versetzt 
Tyndarus: „Tibi ego abnuto?'' Allein es ist zu spät. Hegio 
ist aufmerksam geworden und ruft, gewaltig erzürnt, Sklaven. 
Tyndarus kann sich nicht mehr helfen; er gesteht, dass er seine 
Pflicht gethan und seinen Herrn gerettet habe (F 707): 

At erum seruaui, quem seruatum gaudeo, 
Quoi me custodem addiderat erus maior meus. 

Hegio lässt ihn gefesselt abführen. 

Hier muss nun eine längere Pause angenommen werden, nach 
einigen eine solche von mehreren Tagen oder Wochen. 

Über diesen gegen die Pegeln der aristotelischen Poetik ver- 
stossenden Punkt hat Lessing 1 ) umfassend gehandelt. 



») Werke, 3, 77. 127. 



328 IV. Captivi. 

Den vier ton Akt eföfihet der Parasit. Er hat eine freu- 
dige Nachricht für Hegio (V. IIA): 

Ita hie me amoenitate amoena amoenus onerauit dies. 

Hegio tritt auf, und nach langem Hin- und Herreden und unter 
den üblichen Parasitenwitzen erzählt Ergasilus dem Alten, er 
habe am Hafen seinen Sohn Philopolemos gesehen, zugleich 
mit Philokrates und jenem Sklaven Stalagmus, der ihm vor 
Jahren sein vierjähriges Söhnchen gerauht habe. Indessen 
Hegio voll Erwartung zum Hafen eilt, versieht Ergasilus das 
ihm übertragene Amt eines Küchenmeisters, die „rem summam 
eibariam" (7. 901) in einer Weise, von der uns ein Sklave be- 
richtet (7 921): 

[In hoc], ut hie quidem adornat, aut iam nihil est aut iam nihil erit. 

Im fünften Akte tritt Hegio mit Philopolemos, Philo- 
krates und Stalagmus auf. Philokrates hört, was sein 
Sklave für ihn erduldet habe. Stalagmus gesteht, dass er das 
geraubte Kind an Theodor omedes in Elis um sechs Minen ver- 
kauft habe, und so ergiebt sich denn, dass Tyndarus der Sohn 
Hegios ist. Die Fesseln, die ihm abgenommen werden, werden 
Stalagmus angelegt. 

Das Hauptinteresse der gesamten Handlung in den Captivi 
fällt auf die Heldengestalt des Tyndarus. Es ist wirklich ein 
Charakter, wie er uns in den spanischen Dramen entgegentritt. 
Die unverbrüchliche Treue gegen seinen Herrn, dem er seit 
seiner Kindheit als „peeuliaris", von Jugend auf ,.quia quasi una 
aetas erat" (7 20) diente, zeigt sich in kleinen, wie in grossen 
Dingen. Da Philokrates ihm den Plan der Rettung entwickelt, 
erwidert er ihm nur mit einem einfachen (7 228) ,,Ero ut me 
uoles esse", oder (7 40) ..Audio": und mit der Versicherung 

(7. 229): 

tu nunc uides pro tuo caro capite 
Carum offerre [me] meum caput uilitati, 

welche er so glänzend rechtfertigt. Im Gespräche mit Hegio 
entwickelt er reichlich seinen Witz und manches Wortspiel, und 
gewandt bringt er es dahin, dass Hegio seinen Herrn entlässt. 
Trefflieh ist der Abschied von Philokrates gezeichnet und die 
unverkennbare Selbstschilderung mit der Hoffnung auf einstige 
Freilassung, da, wo er seinen Herrn als treuen Sklaven lobt 

(7. 402): 

Nos fuisse ingenio hau discordabili, 
Xeque te conmeruisse culpain neque me aduorsatum tibi. 
Beneque ero gessisse morem in tantis aernmnis tarnen, 



Charakteristik derselben. 329 

Neque med umquam deseruisse te neque factis neque fide 
Rebus in dubiis, egenis. haec imter quando seiet, 
Tyndare, ut fueris animatus erga suum gnatuni atque se, 
Numquam erit tarn auarus, quin te emittat gratiis manu. 

Zur Höhe eines Helden aber erhebt sich Tyndarus, wo der 
Ernst der Lage an ihn herantritt, wo er sich für seine Thaten zu 
verteidigen hat. Als er gefesselt werden soll, bietet er seine 
Hände auch zum Abhauen dar (V. 668): 

Tuns sum, tu lias quidem [mihi] uel praeeidi iube. 

Er begreift nicht, worin sein Verbrechen liegen soll, und spricht 
selbstbewusst aus (V. 690): 

Qui per uirtutem perit, at nou [is] interit. 

Ihn erwartet nur Ruhm; denn es ist keine Schandthat, um derent- 
halben er fallen soll (7. 682): 

Dum ne ob malefacta, peream: parui [id] aestumo. 

Si ego hie peribo, ast ille, ut dixit, non redit: 

At erit mi hoc factum mortuo memorabile, 

[Me] meum erum captum ex seruitute atque hostibus 

Reducem fecisse liberum in patriam ad patrem, 

Meumque potius me caput periculo 

[Hie] praeoptauisse quam is periret ponere. 

Nur eine Lüge konnte seinem Herrn von Nutzen sein; darum 
log er (V. 705): 

Quia uera obessent illi, quoi operam dabam: 
Nunc falsa prosunt. 

Der Tod, den er hierfür erleiden muss, Avährt nur kurze Zeit (F. 740): 

Periclum uitae meae tuo stat periculo. 
Post mortem in morte nihil est quod metuam mali. 
Etsi peruiuo usque ad summam aetatem, tarnen 
Breue spatiumst perferundi quae minitas mihi. 

Es ist ein schönes Wort, mit dem er von Hegio scheidet 

(V. 744): 

Vale atque salue, etsi aliter ut dicam meres, 

und sein letzter Protest ( V. 750): 

Vis haec quidem hei'clest, 1 ) et trahi et trudi semul, 



') Naiv ist GL Schwabs Bemerkung zu Rapp, S. 528, Cäsar habe 
wohl an diese plautinische Stelle gedacht, :ils er, von den Verschwornen 
angefallen, „Ista quidem vis est!" ausrief. ,.Fast sollte man glauben, 
er habe mit Plautus gesagt .Vis haec quidem hercle est' — und am 
Weitersprechen des Verses, et trahi et trudi semul' sei er nur durch den 
Dolchstoss des Kassius in die Kehle, verhindert worden." 



330 IV. Captivi. 

ist die Aussprache eines Herzeus, das sich keiner Schuld be- 

WUSSl ist. 

Welche Martern der edle Tyndarus erduldete, erzählt er hei 
seiner Rückkehr aus den Steinbrüchen, dem Orte (F. 1001): 

„Vbi labore lassitudost exigunda ex corpore." 

Die erlittene Schmach und die Duldungen haben ihn etwas 
abgestumpft; kälter, als man glauben sollte, benimmt er sich bei 
der Lösung. 

Die Figur, welche viel zur Entfaltung des Knotens beiträgt, 
ist der Parasit Ergasilus, der in diesem Stücke wieder ein 
vollendetes Bild des Parasitentums entwickelt. Die Jugend hat ihn 
„Dirne" genannt, weil er inig-eladen zu Tische kömmt (F. 69): 

Iuuentus nomen indidit Scorto mihi. 
Quia inuocatus soleo esse in conuiuio. 

Allein die Jugend ist nimmer, wie sie war. Von ihr ist nichts 
mehr zu hoffen (F. 104): 

Xulla iuuentutis spes est. 

Sie lässt die Parasiten im Stiche (F. 470): 

Ita iuuentus iam ridiculos inopes ab se segregat, 

und dies Verhalten der jungen Herrn gegen die (F. 471): 

Lacones imi supselli uiros, 
Plagipatidas, quibus sunt uerba sine penu et pecunia. 

das bei Plautus öfter Grund zu bitteren Klagen wird, führt 
den Parasiten zu traurigen Schilderungen der Gegenwart. Wohl 
ist Ergasilus ein zudringlicher Mensch; die Parasiten sind wie 
die Mäuse, die ungeladen kommen (F. 76): 

Quos numquam quisquam neque uocat neque iuuocat. 
Quasi mures semper edimus alienum cibum, 

wie die Schnecken, die, bis der Tau fällt, vom eignen Safte le- 
ben (F. 80), wie die Hunde (F. 86): 

Canes sumus: quando redierunt, Molossici 
Odiosicique et multum incommodestici. 

Allein diese Aufdringlichkeit findet leicht ihre Entschuldigung. Es 
ist unendlich schwierig, für sich selbst zu sorgen (F. 461): 

Miser homost, qui ipsus sibi quod edit quaerit et id aegre inuenit, 



Charakteristik derselben. 331 

und der Bedürfnisse sind gar viele. Hegio sagt ihm (7 159): 

Multis et multigeneribus opus est tibi 
Militibus u. s. w., 

und auf seinen Magen setzt er, wenn er satt ist, sein Vertrauen 
(F. 812): 

Satur hornost, habet profecto in uentre confidentiam. 

Zu Hause schmeckt ihm nichts so, wie auswärts (7 136): 

Neque umquam quicquam nie iuuat quod edo domi: 
Foris aliquantillum etiam quod gusto id beat, 

und so ist ihm sein „rex" unentbehrlich und der .,magis unicus" 
(7 150). 

Hegio greift eigentlich selbsthandelnd wenig ein. Er ist 
ein ehrenwerter (V. 106), gutmütiger Mann (7 333, optumiis 
hominum homo); obwohl reich, ist er kein Sklave des Geldes ge- 
worden (7 325): 

Non ego omnino hierum omne esse utile homini existumo, 

ja er hasst den Reichtum (7. 327): 

Odi ego aurum: multa multis saejie suasit perperam. 

Da er aber seine Güte gemissbraucht und sich von Tyndarus ge- 
täuscht sieht, da will er keine Gnade, kein Mitleid mehr üben 
(7 764): 

neminis 
Misereri certumst, quia mei niiseret neminem. 

Auch Philopolemos, Philokrates und Aristophontes 
sind „mehr bloss als mittelbare Hebel der Handlung benützt". 1 ) 
Philokrates wird von Tyndarus (7 647): 

Macilento ore, naso acuto, corpore albo, oculis nigris, 
Subrufust, aliquantum crispus, cincinnatus 

gezeichnet. Nicht erst nach seinem Opfer liebt er seinen Sklaven, 
schon vorher möchte er ihn Vater nennen (7 238): 

Pol ego te, si audeam, meum patrem nominem: 
Nam seeundum patrem tu 's pater proxumus. 

Mag immerhin der Sklave Stalagmus etwas „plump in 
den letzten Akt hereingeschneit''-) kommen, so ist er doch 



') Rapp a. a. 0. S. 462. 
2 ) Ibid. S. 462. 



332 IV. Captivi. 

in seiner Verstocktheit trefflich geschildert. Er sagt selber von 
sieh (F. 956): 

Fui ego bellus, lepidus, bonus uir numquam neque frugi bonae 
Neque ero umquam: ne |tu in] spem ponas me bonae frugi fore. 

Er kennt keine Scham [V. 961): 

Quocl ego fatear, credin pudeat quom autumes? 

und ist nicht „inperitus" (F 963). Trotzig- erkennt er die Schwere 
seines Verbrechens (F. 969): 

Non me censes scire quid dignus siem? 

und da ihm der Schmied die Fesseln anlegt, sagt er boshaft 

(F. 1028): 

Quoi peculi nihil est. recte feceris. 

Dies der Inhalt und die Gestalten des an fesselnden Szenen 
so reichen Stückes. ] ) 



Eine der bekanntesten Komödien der italienischen Litteratur, 
..I Suppositi" des Lodovico Ariosto (geb. 8. Sept. 1474: 
gest. 6. Juni 1533), verdankt manches den Captivi des Plau- 
tus, indessen spielen auch Reminiszenzen des Amphitruo und 
der Menächmi, sowie des Eunuchus, 2 ) wenn auch ohne die 
äussere Ähnlichkeit der Verwechselten, mit. Wir haben von den 
Suppositi des Ariosto zwei Bearbeitungen, eine prosaische 
und eine poetische. 3 ) Das Stück kann nicht vor 1502 aufge- 
führt worden sein, 4 ) wegen einer Stelle (V, 6), wo Cleandro 
seine Schicksale erzählt. Otranto wurde 1480 eingenommen: 
Cleandros Sohn aber zählt bereits zwanzig Jahre. 

Der Wunsch der Zuschauer ging damals aufs Altertum. Ariosto 
sagt in seinem Prologe zur (prosaischen) Cassaria, dass ihn das 



') Histoire critique de la Re'publique des Lettres. Bd. XIII. — 
Nouvelles de la Republique litt, von 1716 (Brief von La Coste). — 
Lessing, Beiträge zur Historie u. s. w. (3. Stück). — W. Hertzberg, 
vor seiner Übersetzung. S. XIX. 

2 ) Ruth. IL 524. — Prölss. I, 2. 110. 

3 ) Commedie e satire di Lodovico Ariosto, annotate da Gio- 
vanni Tortoli. Firenze (Barberä) 1856. Die poetische Bearbeitung - 
findet sich dort S. 113—193; die prosaische S. 491—584. — Vgl. über 
das Stück Giov. Mar. Crescimbeni, Istoria della volgar poesia, Ve- 
nezia 1730. Bd. VI. S. 105. 

') Nach Giuseppe Campori, „Xotizie per la vita di Lod. Ariosto." 
Modena 1871. 2 ediz., wurden sie 1509 zum erstenmale aufgeführt. S. 
auch Gregorovius. I, 232. — Prölss. I. 2. 100. ■ 



Ariostos Suppositi. 333 

Publikum tadeln werde, wenn er nicht bei der Antike bleibe und 
Neues bringen wolle (S. 433): 

Che tale impresa non gli par suggetto 
Degli moderni ingegni, c solo stiiiui 
Quel che gli antiqui hau dctto, esser perfetto. 

Und im Prologe zu den (prosaischen) Suppositi heisst es 
(S. 493): „E vi confessa 1' Autore avere in questo e Plauto 
e Terenzio seguitato che 1' uno fece Cherea per Doro, e 
1' altro Filocrate per Tindaro e Tindaro per Filocrate, 
1' uno nello Eunuco, 1' altro nelli Captivi supponersi . . . 
Come io vi dico, dallo Eunuco di Terenzio e dalli Captivi di 
Plauto, ha parte dello argomento delli suoi Suppositi transiuito: 
raa si modestamente perö che Terenzio e Plauto medesimi risapen- 
dolo non 1' arebbono a male e dipoetica imitazione piü presto che 
di furto gli darebbono nome. " ') 

I. Akt. Polinesta, Damonios Tochter, hat, von ihrer 
Amme begünstigt, mit dem Diener ihres Vaters, Dulippo, ein 
Verhältnis angeknüpft. Auf den Vorwurf ihrer Amme kann sie 
wohl erwidern : 

Chi '1 menö alla camera 
E poi nel letto mio, se non la balia? 

Indessen ist dieser Dulippo nur verkleidet: 

Questo giovane, 
II quäl Dulippo voi riputate essere, 
E gentiluomo di Sicilia, e chiamasi 
Per vero nome nella patria Erostrato, 
Filigono e suo padre. 

Er kam zum Studium der Rechte nach Ferrara, traf dort Poli- 
nesta und vergass der Bücher, sodass sein Diener für ihn die 
hohe Schule besucht, während er bei dem Vater seiner Liebsten 
Dienste nahm. Der Diener studiert unter dem Namen Erostrato 
mit sehr grossem Erfolg: 

Alle lettere ha dato si buon' opera, 

Che in esse ha fatto im }irofitto mirabile. 

Nun ist aber Erostrato in seiner Liebe nicht ohne Nebenbuhler 
geblieben. Zunächst ist sein Rivale der Rechtsgelehrte Cleandro, 



') Ward, 1. c, S. 144, sagt von Gascoignes Nachahmung: „Its 
fable is a very ingenuous combination of Terence and Plautus and 
suggested to Shakespeare part of the plot of his Taming of a shrew 
as well as (possiblyi the name of Petrucchio." - Klein. IV, 326. — 
Pro las. I, 2. 110. — Ginguene. VI, 195 ff. — Ruth. II, 523.524. 



334 IV Captivi. 

den der Parasit Pasifilo in seinem Glauben bestärkt, er werde 
das Mädchen gewinnen. 

II. Akt. Dnlippo hat den Parasiten auf seine Seite ge- 
bracht, und durch ihn erfahren wir, dass Damonio nicht abge- 
neigt ist, dem Cleandro seine Tochter zur Ehe zu geben; nur 
auf vierzehn Tage, meint Erostrato, solle der Alte seine Toch- 
ter zurückbehalten. Bis dahin werde alles gut werden, da ihm 
sein Vater einen Besuch in Aussicht gestellt habe. Unterdessen 
hat aber Dnlippo bereits auf eigene Faust Vorsorge getroffen. 
Er fand einen Fremden aus Siena , der schon länger in Ge- 
schäftsreisen von Hause weg war. Diesem erzählt er , des 
Herzogs Ercole von Ferrara Gesandte, die von Neapel zurück- 
kehrten, seien in Siena beleidigt worden. Infolgedessen sei Er- 
cole gegen die Saneser aufs höchste aufgebracht, und auf die 

heilige Hostie: 

Ha giurato che quanti nel dominio 
Suo mai capiteran, vorra che lascino 
Tino a le brache, e che cacciati vadano 
Di qui con vituperio ed ignommia, 

was fast an den Eingang von Shakespeares „Comedv of Er- 
rors" erinnert. Ja, wer einen Saneser beherbergt, lautet sein 
Gebot, verfällt in schwere Strafe. Der Fremde glaubt es. Du- 
lippo sagt ihm, er wolle ihn trotzdem beherbergen, wenn er sich 
für seinen Vater, den Kaufmann Filogono aus Oatanea ausgebe. 
Seine Aufgabe als solcher wäre dann nur: 

che obblighi a Damonio, 
Senza suo danno, il nome di Filogono, 
Per dno inilia ducati e per tre milia 
Di sopraddote, e per quel piü che chiedere 
GH saprä a bocca egli stesso. 

Der Fremdling wird nun zu Erostrato geführt; Cleandro hat 
jedoch unterdessen in Erfahrung gebracht, dass der Parasit Pa- 
sifilo bei Damonio gegen ihn intriguiere. 

III. Akt. Damonio hat mittlerweile von der Liebschaft seiner 
Tochter erfahren. Was er aiich mit dem Liebhaber anfangs thun 

wollte: 

Non potro far perö, ch' egli non abbia 
La figliuola violata, e ingravidatola 
Fors' ancho — . 

Er hält nun Dnlippo (Erostrato) eingesperrt; das Mädchen ist 
trostlos : 

s' affligge, piange e stracciasi 
I capei . . . 

nicht ihrethalben, sondern des Geliebten und der Amme wegen. 



Ariostos Suppositi. 335 

IV. Akt. Der alte Filogono, des Erostrato Vater, ist 
im Hafen angekommen; dort hat ihn Dnlippo seihst erblickt und 
befindet sich nun in grosser Verlegenheit. Alsbald führt ein 
Ferrareser den Alten vor das Haus seines Sohnes. Filogono 
will nicht, dass dieser weiter studiere: das Studium ist zu schwer: 

potrebbesi 
morir, o impazzare, o d' altra simile 
Disgrazia darsi cagion. 

Auf Filogonos Pochen öffnet der Koch Dalio; der Alte giebt 
sich als Erostratos Vater zu erkennen, hört aber, dass dieser 
bereits hier sei, und zufällig kömmt auch der Pseudo filogono 
aus Siena und stellt sich, befragt, wer er sei, als Filogono von 
Catanea vor. Da nun der wirkliche Vater, vom Koche ernst 

zurechtgewiesen : 

Non fia ch' io tolleri 
Che al padre del padron tu dica ingiuria, 

und mit groben Worten fortgejagt, sich mit seinem Diener Lizio 
über diesen Vorfall bespricht, naht Dulippo, und der Ferrareser 
ruft ihm freudig entgegen: 

Erostrato, Filogono 

Vostro padre e venuto di Sicilia. 
JJul. Cotesto non m' e nuovo: ben veduto lo 

Ho; e son con lui stato un pezzo., 
Ferrar. E possibile? 

Per quel che dice, non par che veduto vi 

Abbia giä ancora. 

Filogono erkennt aber nicht Erostrato, sondern seinen Sklaven 
Dulippo in dem ihm Vorgestellten, während Dulippo nichts 
andres übrig bleibt, als zu thun, als ob er Filogono nicht 
kenne. Der Schmerz des Vaters ist wirklich tragisch. Von Ju- 
gend auf hat er ihn sorgsam erzogen, und nun: 

Questo perfido, 
Questo ribaldo finge non conoscermi. 

Sofort aber quält ihn ein andrer Gedanke, Dulippo habe seinen 
Sohn aus dein Wege geräumt und sich an seine Stelle gesetzt: 

Lo avrä venduto o assassinato o fattone 
Alcun contratto, alcun governo pessinio. 

Er will sich an die Gerichte wenden, und der Ferrareser empfiehlt 
ihm als tüchtigen Anwalt den Doktor Cleandro. 

V. Akt. Dulippo nimmt sich das Schicksal seines Herrn 
ernst zu Herzen. Ihm muss geholfen werden, und ihn zu retten, 
ist er zu allem bereit. Audi der Parasit findet: 



336 IV. Captivi. 

Poich' io gli ho detto che Dulippo e in carcere, 
Tutto e tornato bizzarro e fantastico. 

Tili diesen ganz zu gewinnen, giebt er ihm das Amt des Küchen- 
chefs. Wie Hegio dem Ergasilus aufträgt (F. 894): 

tu intus cura, quod opus est: 
Sume, posce, prome quiduis: te facio cellarium, 

so betiehlt Dulippo dem Pasifilo: 

Va in cucina, Pasifilo, e fa cuocere 

E dispor quelle vivande a tuo arbitrio, 

ein Amt, das Pasifilo nicht schlechter als Ergasilus ausübt. — 
Während nun Filogono den Doktor Cleandro konsultiert, 
stellt es sich heraus, dass Cleandro bei Otranto sein Vermögen 
und vor zwanzig Jahren seinen damals zweijährigen Sohn verlor, 
der von Filogono Dulippo genannt wurde, weil er weinend 
immer Dulippo rief. 

Dulippo aber war der Diener, der ihn aufzog. In solcher 
Weise klärt sich alles auf. Cleandro verzichtet auf Polinesta, 
die er nur geheiratet hätte, „per farmi nascere erede, " da er 
ja diesen jetzt an seinem Sohne gefunden habe. 

Würde sich Ariosto nicht im Prologe erklären, dass er an 
die Captivi des Plautus gedacht und seinen Dulippo an 
sie angelehnt Avissen wollte, so würde man schwerlich an die- 
selben erinnert werden, so sehr sich auch die Komödie in den 
Bahnen des Altertums bewegt, wie ja der Parasit mit seinem 
ständigen Hunger: 

che sempre nello stoniaco 
Hai dieci lupi affamati, 

eine ganz antike Figur ist. 

Die Suppositi des Ariosto haben mehrfache Nachahmun- 
gen veranlasst. Chäsles (Hist. de la comed. franc., S. 91), sagt: 
La piece des supposes fut traduite ou imitee ä trois reprises dans 
le courant du XVI e siecle; en 1545 par Jacques Bourgeois 
en vers; en 1552 par Jean Pierre de Mesmes en prose; en 
1552 par Godard, qui l'abregea, la morcela, et en fit une farce 
en cinq actes. ') 



') Das Stück des Jacques Bourgeois führt deu Titel Les 
amours d'Erostrate, fils de Philogoue de Catanie & de Po- 
lymueste, fille de Dämon, Bourgeois d'Avignon. in 16°. Paris 
1545. (Jeanne de Maruef) und noch im selben Jahre (J erosine de 
Maruef). (Beauchamps, Kecherches. I, 158.) — Sieben Jahre später 
folgte: Les supposez, Comedie de Loys Ariosto, traduite eu prose 
fraucoise. iu 8°. Paris 1552. (Estienne Groulleau.) Die Übersetzung ist 



Gascoigne. Massinger. Voisenon. 337 

Über die englische Bearbeitung Gascoignes heisst es bei 
Warton (III, 317): In 1566 tlie .,Supposes" a comedy (a prose 
paraphrase of the Suppositi of Ariosto by George Gas- 
coigne) . . . were prodnced, und III, 342. Supj>oses, a co- 
medy written in the Italian tongue by Ariosto, Englished by 
George Gascoygne of Grayes Inne Esquire and there presen- 
ted 1566 (aber erst 1573 gedruckt). Gascoygne's translation, 
which is extremely free and loose and seems rather to come 
within the category of an adaptation to an English audience, is 
in prose. (Vgl. Ward, S. 144.) — Die alte Komödie der Sup- 
poses benützte Mas sing er stellemveise in seinem Lustspiele: „A 
new way to pay old debts." 1 ) 

Gleichfalls auf Ariosto greift nach Desnoirterres 2 ) ein 
petit acte en vers „l'heureuse ressemblance" des Abbe de 
Voisenon zurück, dessen Intrigue auf der Ähnlichkeit von Bru- 
der und Schwester beruht. Indessen hat der Abbe Claude 
Henri de Fusee de Voisenon (geb. 8. Juli 1708; gest. 22. 
Nov. 1775) kaum daran gedacht, als er diese menächmen- 
artige einaktige Komödie schrieb; 3 ) denn nach dem „Aver- 
tissement de 1'editeur" ist die Geschichte wahr. Hören wir 
statt weiteren dieses: 

„(Voisenon) etoit dans la Terre d'im de ses amis pres de Ronen . . . 
parmi les personnes qui etoient ä cette campagne, il y avoit un fröre & 
une soeur jumeaux: leur ressemblance etoit si frappante, que sans les 
difference des vetemens, on ne les eüt point reconnus. La sceur du 
Chevalier etoit l'amie intime d'une jeune Demoiselle dependante abso- 
lument d'elle, dont le bien etoit considerable, & qui avoit fait une forte 
impression sur le coeur du Chevalier. II ressembloit trop ä sa sceur pour 
ne pas interesser son amie; l'interet augmentoit chaque jour d'un cöte 
& la passion de l'autre: mais pour un effet de ce meme sentiment, on 
evitoit mutuellemeut d'en parier de peur de se trahir. L'on proposa de 

von Jean Pierre de Mesmes. (Beauchamps. I, 166.) — Auf Grund 
dieser beiden Bearbeitungen entstand Jean Godards (geb. zu Paris 1564; 
gest. nach 1624) Lustspiel Les Desguisez 1594. 1624. — Das Lustspiel 
ist neu gedruckt auf S. 335 — 463 des siebenten Bandes des Ancien 
Theätre francois. Paris 1856.- (P. Jeannet.) Dort heisst es (S. 337): 
Quoiqu'il en soit, la piece de Jean Godard differe considerablement 
de celle de l'Arioste pour le plan et la conduite. Le nombre des per- 
sonnages est reduit de moitie, Taction est degagee de ses longueurs, les 
scenes memes sont coupees et disposees dans un autre ordre — dans un 
ordre plus approprie ä la scene francoise ... — Bref, Les Desguisez 
-"in um' des plus Julies comedies fran(;oises du seizieme siecle. — Vgl. 
auch Parfait, Hist. du theätre fr. UL 507. 

') Massinger, ed. Gifford (1813). III, 551. „Massinger has taken 
a few traits of the character of his Justice from Pasiphilo in the old 
Comedy of the Supposes." 

2 ) Gustave Desnoirterres, Epicuriens et lettres (1879). S. 265. 

3 ) Auf S. 5 — 57 des ersten Bandes der Oeuvres complettes de 
M. PÄbbe Voisenon. Paris 1781. 

22 



338 IV. Captivi. 

donner un bal, & pour laisser plus de liberte aux voisins, on leur donua 
le choix d'y venir niasque ou non: le Chevalier et sa soeur, sans en rien 
oommuiriquer ä personne, changerent d'habits; on ne se douta pas du 
travestissement. Ce qui d'abord n'avoit ete imagine que pour surprendre 
leur amie, eut des suites plus heureuses. Les deux amies n'avoient rien 
de cache" l'une pour lautre. Le Chevalier pris par la jeune personne 
pour sa soeur s'entendit faire im aveu qui le transporta; on lui recom- 
manda le secret le plus inviolable: nullement prevenue. la veritable 
soeur, ä quelques moments de lä s'approcha de son ami, qui reprit une 
conversation ä laquelle la soeur ne repondoit qu'avec embarras: le Chevalier 
ne l'y laissa pas longtemps, il approche, se jette aux pieds de l'aniie de 
sa soeur, & obtient sans peine le pardon d'une faute dont on lui savoit gre\" 

Gänzlich auf Plautus beruht eine moderne italienische 
Bearbeitung der Captivi, „I prigionieri" , commedia di M. Accio 
Plauto, tradotta in Italiano e ridotta per il teatro moderno con 
T aggiunta di una prefazione e di un prologhetto originale dal 
Prof. G. P. Clerici. Parma (Ferrari & Pellegrini) 1881 (pag. 
LV und 48). Über seine Bearbeitung erklärt sich Clerici 
selbst (X): ,.In quanto al modo tenuto nella riduzione dirö che 
non ho soppresso alcuna scena, e che invece le ho assottigliate 
tutte quante: di mio non c' e quindi che qualche congiunzione 
e avverbio : nell' ultima scena soltanto sono interpolate poche 
parole. " 

Clerici hat die Handlung auf drei Akte verteilt. 

I. Akt. (1.) Der Parasit leitet mit einer stark gekürzten 
Rede ein. (2.) Egione mit Filocrate und Tindaro, sowie 
Aguzzino (dem lorarius) tritt auf; der Parasit erreicht eine 
Einladung. (3.) Aguzzino gestattet den beiden Gefangenen 
eine Unterredung. (4.) Egione kehrt zurück und bespricht sich 
mit den Gefangenen, worauf Filocrate als Sklave nach Hause 
geschickt wird, um die Umwechslung zu bewerkstelligen. Egione 
hofft das Beste. Seine Schlussrede (V. 452): 

Edepol rem meam 
Constabiliui, quom illos emi de praeda a quaestoribus. 
Expediui ex seruitute filium, si dis placet. 
At etiam dubitaui hos homines emerem an non eraerem diu. 
Seruate istum sultis, intus, serui, ne quoquam pedem 
Ecferat sine custodela. [iaml ego apparebo domi, 
Ad fratrem modo [ad] captiuos alios inuiso meos. 
Eadem percontabor, ecqui hunc adulescentem nouerit. 
Sequere tu: te ut amittam, ei rei primum praeuorti uolo. 

lautet bei Clerici (S. 19): (Da se, sofFermandosi) Stavolta poi ho 
fatto dawero un buon affare! Se piace a Dio, io penso d'avermi 
giä riscattato il figliuolo ... E dire che tentennai alquanto se 
aveva o no da comperarli! Ora andro da mio fratello a vedere 
quelli altri schiavi, e da quella via domanderö se c' e'alcuno che 
conosca codesto giovinotto. (accenna alla casa). (Volgendosi brusca- 



Clerici. Rotrou. 339 

mente a Filocrate.) Andiamo se vuoi che ti sbrighi: ciö per primo 

(partono da sinistra). 

Ein Beispiel der von ihm befolgten Übersetzungsweise. 

IL Akt. (1.) Ergasilos Monolog. (2.) Egione, Tin- 
daro, Aristofonte. Tindaros Betrug wird offenkundig. Egi- 
one lässt ihn abführen. Xon voglio piü aver pietä di nessuno, 
poiehe nessuno 1' ha di me (V. 764). Die letzten zwei Verse des 
Aristofonte sind weggeblieben. 

III. Akt. (1.) Ergasilo mit froher Botschaft, die er Egi- 
one mitteilt; er erhält die Aufsicht über die Küche. (2.) Ein 
servo berichtet von seiner Thätigkeit. (3.) Egione, Filopo- 
lemo, Filocrate und Stalammo treten auf. Das Verhör Sta- 
lammos durch Egione bildet eine eigene (4.) Szene. (5.) Fi- 
locrate wird gerufen und alsbald (6.) Tindaro, mit dessen 
Ketten Stalammo belastet wird. Den Epilog an die Zuschauer 
spricht Filocrate. 



Ein treffliche französische Bearbeitung der Captivi hat im 
Jahre 1638 Jean Rotrou in gewohnter Meisterschaft geliefert. 
Sein Lustspiel „Les Captifs" 1 ) ist eine ganz vorzügliche, um 
einige glückliche Verwickelungen erweiterte" 2 ) Erneuerung des an- 
tiken Dramas. 

I. Akt. (1.) Philenie entdeckt ihrer Freundin Olympie, 
der Tochter Hege es, dass sie liebe, und zwar einen der Kriegs- 
gefangenen, die ihr Vater kaufte, Philocrate. Es besteht aber 
ein Testament ihres verstorbenen Vaters, an welches sie Olympie 
erinnert (S. 100): 

. . . le testament qu'a laisse votre pere 
A dispose de vous et vous donne ä mon frere. 
Ne le savez-vous pas et seule ignorez-vous 
Un acte si celebre et si connu de tous? 

Dagegen kann sie nur erwidern, dass der ihr bestimmte Bräutigam 
als Knabe von vier Jahren geraubt wurde. 

. . . ä peine il entroit en sa quatrieme annee 
Que son enlevement rompit notre hymenee 
Je n'avais que trois ans . . . 



') Les Captifs, ou les esclaws. < "> >m >'•>! i<- par Jean Rot rou. Paris 
lf>38. — Hier ist zitiert nach „Oeuvres de J. Rotrou. Tome quatrieme. 
(S. 89—184.) Paris 1820." (Th. Desoer.) 

2 ) Ed. von 1S20. S. 91: „La comedie des Captifs est enoore La tra- 
duction d'une piece de Piaute qui porte le meme fcitre. Le pbete latin 
s'applaudit beaucoup de ce qu'il n'entre daus sa comedie ni femme, ni 
ämour; c'est le seul changement que Rotrou se soit permia 
d'y faire, et il douue lieu ä plusieurs scenes heureuses." 

22 



340 rV> Captivi. 

Philenie lässt die unverbrüchliche Treue ihrer Liehe zu Philo- 
crate hereits durchblicken. Nach dieser, Eotrou angehörigen, 
Szene tritt (2.) der Parasit Ergazile, wie hei Plautus, auf. Sein 
Monolog gilt dem Hunger: 

cet animal avide et ravissant 
Qui ne cherche qn'a paitre et se tue en paissant. 

In freiester Weise überträgt er die plautinischen Ideen über das 
Leben der Parasiten. (3.) Hegee mit Pseudolus, dem Lo- 
rarius des Plautus, erscheint. Alles schliesst sich aufs ge- 
naueste ans Original an, doch ist nirgend eine sklavische 
Übersetzung, sondern nur eine poetische Übertragung 
bemerkbar; so z. B. Pseudolus: 

. . . Naturellement les fers sont abhorres, 

Puisqu'ils nous privent d'un bien que nature nous donne; 

bei Plautus (7. 119): 

Omnes profecto liberi lubentius 
Sumus quam seruiinus. 

Kürzer jedoch, als Plautus, greift Rotrou nur noch 
V. 125, „Set satis uerborumst: cura quae iussi atque abi, " heraus: 

„C'est assez discourir, fais ce que je t'ordonne," 
während die folgende Rede des Parasiten (V. 133): 

Ego qui tuo maerore maceror, 
Macesco, consenesco et tabesco miser. 
Ossa atque pellis sum niiser aegritudine. 
Neque umquam quicquam me iuuat quod edo domi: 
Foris aliquantilluin etiam quod gusto id beat 

zum Teil auch durch den Alexandriner wesentlich umfangreicher 

wird: 

Helas! demandez-vous, quelle douleur me presse? 

C'est de votre malheur que je suis macere, 

Triste, päle, transi, maigi'e, defigure; 

Je suis vieux ä trent ans du mal que vous afflige; 

Ne remarquez-vous pas, comme je me neglige 

Et que je ne suis plus qu'un squelette mouvant, 

Qui dedans le tombeau va cboir au premier vent? 

De moi-meme dejä je tombe de foiblesse; 

Le moindre bruit m'abat, uue moucbe me blesse. 

Jamais homme afflige ne le fut ä ce point; 

Ce que je prends cbez moi ne me profite point 

Et comme ailleurs aussi je prends fort peu de chose, 

J'ai le cerveau tout vide et jamais ne repose. 

In gleich breiter Form sind die zwei Verse („Semper sensi 
filio'', 140) und das kurze .,Egone illum non fleam?" (V. 139) in 



Kotrous Les Captifs. 341 

fünf, beziehungsweise drei Alexandrinern umschrieben; Gedanken- 
gang und Dialog jedoch schliessen sich völlig an Plautus an, 
nur dass bei Rotrou der Parasit seiner Freude über die ihm 
gewordene Einladung in weiteren fünf Versen Ausdruck verleiht. 
Der zweite Akt beginnt mit drei dem Rotrou gehörigen 
Szenen. Clelie, eine Sklavin des Hegee, bittet Pseudole, 
ihrer Herrin Phile nie eine Zusammenkunft mit Philocrate zu 
gewähren, und der in Clelie verliebte Pseudole hat nichts da- 
gegen, „si je te pouvais plaire autant que tu nie plais", (S. 111). 
Im Folgenden erörtert Phile nie ihre glühende Liebe zu Philo- 
crate. — Mit der vierten Szene geht es wieder genau auf 
Plautus über, nur wird der französische Dichter meist breiter; 
selten gelingt es ihm ganz so kurz, wie z. B. V. 210: 

Capt. Vnum exorare uos sinite nos. 

Lor. Quidnam id est? 

Capt. Vt sine hisce arbitris atque uobis locum 

Detis nobis loqui. 
Lor. Fiat, apscedite hinc: nos concedamus huc. 
Phil. Pour toute gräce au moins accordez-nous un bien! 
Pseud. Quel? 

Phil. D'avoir seul ä seul un moment d'entretien. 

Pseud. Oui, passons par ici; vous prenez cette route. 

Sie tauschen nun die Rollen: 

„Je suis donc Philocrate, et vous etes Tyndare," 

sagt Tyndare. Die Nachforschungen Hege es um seinen Sohn 
sind dem Sinne und gewöhnlich auch dem Wortlaute nach mit 
Plautus völlig übereinstimmend. Philocrate wird abgeschickt, 
um nach Hege es gefangenem Sohne zu kundschaften. 

Den dritten Akt leitet, wie im Originale, der Parasit ein 
(V. 461, Miser homost, qui u. s. w.): 

Malheureux qui court tant pour un mauvais repas! 
Plus malheureux encor qui court et ne l'a pas. 
Et qui, foible dejä de la faim qui le presse, 
A courir vainement croit encor sa foiblesse! 
jour melancolique, importun, ennuyeux, 
A qui, si je pouvois, je creverois les yeux 

u. s. f., wie es Rotrous Sprache mit sich bringt, erweiternd und 
umschreibend. — Hegee hat von Philenies Liebe durch Olympie 
erfahren. Er klagt, dass alles so kommen musste; doch hat er vor 
dem verwaisten Hegio des Plautus noch den Trost voraus, eine 
Tochter zu besitzen (S. 132): 

Malheureux en mes fils, le ciel veut qu'une fille 
Soft l'honneur et l'appui de toute ma famille. 



342 IV. Captivi. 

Indessen hat Pseudole, obgleich „fort ignorant en matiere 
d'amottr", Philenies Liebe zu Philocrate entdeckt und teilt es 
Tyndare mit. ■ — Seine Liebe zu Clelie lässt ihn sogar sich bis 
zu Versen versteigen; doch (S. 133): 

„je cherclie encore la rime du dernier." 

Lange bemüht er sich umsonst zu dichten, zuletzt giebt er die 
Poesie auf, 

„je deteste la muse, et maudis le Parnasse." 

So sehr hat sich der plautinische lorarius in Frankreich 
zivilisiert! 

Den plautinischen Aris tophont es spielt hier Crisimant,. 
ein Edler von Elis. Er ist gefangen und von Hegee gekauft 
worden. Er wird nun Tyndare gegenübergestellt. Jetzt ist alles 
verraten. Tyndare thut, als kenne er ihn wohl als einen in 
Elis gefürchteten Narren, was Hegee glaubt (V. 559): 

Credidi esse insanum eoctemplo, ubi te appellauit Tyndarum. 
J'ai bien des cet abord reconnu sa folie: 
II vous nomnioit Tyndare. 

Vergeblich bemüht sich Crisimant, den Alten aufzuklären (F. 579): 

Vt scelestus, Regio, nunc iste [te] ludos facti! 
credule vieillard, ä quel point on te joue! 

Tyndare jedoch erwidert ihm gewandt (V. 581): 

Quia tute ipse eges in palria nee tibi qui uhias domist, 

Omnis inueniri similis tui uis: non mirum facis : 

Est tniseronim, ut maleuolentes sint atqtte inuideant bonis. 

Chez toi reduit au point d'une misere extreme 

Tu voudrais bien qu'ici chaeun fut cru de meme: 

C'est un vice commun ä tous les malheureux 

De faire, s'ils pouvoient, que chaeun füt comme eux. 

Die Schilderung des Philocrate ist hier etwas kürzer gegeben: 

Chätain, de basse taille, un peu haut en couleur, 
De vingt ans ä peu pres. 

Rascher auch, als bei dem römischen Dichter, naht hier die 
Katastrophe. Lichax, Daniste, Arbax (bei Plautus Colaphus, 
Cordalio, Coi"ax, V. 658) kommen mit Stricken; Tyndare hat 
aber immer noch, Avie bei Plautus (V. 663), ein Wort des Witzes 
oder der Entschiedenheit: 

Mon maitre etoit aux fers, je les ai detaches.' 
N'est-ce pas l'action que vous me reprochez? 



Rotrous Les Captifs. 343 

Crisimant ahnt das Geheimnis (V. 697) zu spät: 

Je comprends le secret. Qu'ai-je fait, justes dieux! 

Tyndare ist erfreut, seinem Herrn gedient zu haben, und lässt 
sich willig abführen. 

Ergazile kommt zum Mahle und hört von Hegee die ver- 
nichtenden Worte: 

Je ne souperai point; pardonne ä ma tristesse. 
Mais demain . . . 

..Raillez-vous?" stammelt er, um die Bestätigung zu erfahren: 

Excuse mes ennuis. 
Adieu, je ne puis rire en l'etat, oü je suis. 

Ergazile s Worte und sein verzweifeltes: 

T'etouöe le repas, oü tu m'as invite 

Et te traite le ciel comme tu m'as traite! 

schliessen launig den Akt bei Rotrou, der bei Plautus fast ein 
tragisches Ende nimmt. 

Heiter beginnt auch der vierte Akt. Pseudole sitzt wieder 
über seinen Versen. Xoch immer hat er den Reim zu seinem 

„De geölier que j'etais, je suis ton prisonnier" 

nicht gefunden. Clelie, .,son ange, " kömmt dazu. Er liest ihr 
seine Dichtung vor, und neckisch findet sie von seinen Versen: 

„ils sont beaux et passent mon merite. - ' 

In Phile nies Namen bittet sie Pseudole, dieser eine Zusammen- 
kunft mit Tyndare zu ermöglichen. Bald kömmt Philenie; sie 
kann ihren Geliebten nicht lassen: 

„il est charmant, mais serf; il est serf, mais charmant." 

Clelie soll unterdessen Pseudole beschäftigen. 

Philenie erklärt nun Tyndare ihre Neigung. Sie wird ihn 
ewig lieben. Sein Auftreten ist nicht das eines Sklaven. Sie 
scheidet von ihm mit den Worten: 

..Mais je perdrai la vie en te perdant. Adieu! - ' 

Erst mit der siebenten Szene geht Rotrou wieder auf Plautus 

(7. 768): 

Iuppiter supreme, seruas me measque auges opes: 
Sacre pere des dieux, tu couserves ma vie 



344 IV. Captivi. 

u. s. w., über. Hegio kömmt ärgerlich über den ganzen Vorfall 
(V. 781): 

Quanto in pecfore hanc rem meo magis uoluto, 

Tanto mi aegritudo auetior est in animo. 

Plus cette trahison me repasse en l'esprit, 

Plus ma douleur s'aecroit et mon courroux s'aigrit. 

Der Parasit sebimpft für sich, wie bei Plantns; statt der Worte 
jedoch (7. 793): 

Hie homo pugilatum iueipit. 
sagt Hegee: 

Oü fuirai-je ? Quel trouble excite ainsi sa bile? 
Et quels lieux me seront im salutaire asile? 

Die im Eingange des vierten Aufzuges angefügten Sze- 
nen nötigen Rotrou hier zu einiger Kürze. Darum ist der Auf- 
tritt zwischen Ergasilus und Hegio hier zusammengezogen. 
Ergazile meldet die frohe Botschaft: 

,.Ton esclave d'Elide avec ton fils arrive." 

Freudig verlässt ihn Hegee, die Szene jedoch, wie der Parasit 
Hege es Worte: 

Prencls le soin du souper, donne ordre ä la cuisine; 
Tranches-y, coupe, taille, ordonue absolument; 
C'est ta possession, c'est ton gouvernement, 

(F. 894 bei Plautus) zur Wahrheit macht, sehen wir bei Ro- 
trou nicht mehr; ebensowenig das Weitere in Vers 900 — 922 
bei Plautus Geschilderte. 

V. Akt. Heg^e begrüsst seinen Sohn Chrysophore — 
den Philopolemus des Plautus — so ziemlich wie im Origi- 
nal, nur etwas akademischer, wie z. B. : 

,.De ce mourant Eson ta vue est la Medee." 

Stalagme, welcher den vierjährigen Knaben stahl und verkaufte, 
erscheint hier noch schuldbeladener: 

Toute la ville a droit de puuir ce perfide, 
Puisqu'il a contre nous pris le parti d'Elide. 

Wie Hegio (F. 954) ihn anspricht: 

Age tu illuc procede, bone uir, lepidum maucupiuni meum! 

so ruft ihm Hegee zu: 

Approche. bon vieillard, saint liomme. komme de bien! 



Rotrous Les Captifs. 345 

Nach den Aussagen Stalagmes, den Er im and, Hege es 
Bruder, eine bei Plautus öfter genannte (V. 126, 194), doch 
nicht auftretende Persönlichkeit einführt, erkennt man Tyndare, 
der vordem Crisale hiess, als Hege es Sohn. Tyndare tritt 
unter dem Eintritte des Erlittenen auf (F. 997): 

Vidi ego mulla saepe picta quae Acherunti fierent 
Cruciamenta u. s. w. 

J'avois bien autrefois vu l'horrible peinture 
Des lieux oü des clamnes l'äme est ä la torture, 
Mais je ne trouvois point ce noir sejour des morts 
Depeint avec l'horreur des Enfers oü je sors. 

Hegee umarmt ihn als seinen Sohn. Olympie naht; Philo erat e 
wirbt um ihre Hand und erhält sie, sodass er Hegee sagen kann: 

Vous perdites deux fils, vous en recouvrez trois. 

Auch Tyndare wird mit Philenie vereinigt. Alle Gefangenen 
erhalten die Freiheit mit Ausnahme des Stalagme (nach V. 1027): 

Qu'ä tous mes prisonniers on donne la franchise, 
Et que Stalagme seul, charge de tous leurs fers, 
Fasse epreuve des maux que mon fils a soufferts. 

Clelie imd die Köche kommen, um sich über den Parasiten zu 
beschweren, im allgemeinen nach der im vierten Akte unter- 
drückten Szene des Plautus: 

„II en de'voreroit plus qu'un autre n'en dresse, 

Et toute viande est bonne ä la faim qui le presse." 

Ergazile hat seine Stelle arg missbraucht; dennoch aber 
lässt ihm Hegee die Herrschaft an diesem frohen Tage, und die 
„rebelles sujets" haben ihm, ,.leur empereur," zu gehorchen. 

Noch folgt eine kurze Szene. Alle, meint Pseudole, haben 
eine Frau bekommen; Clelie solle denn auch ein ,.oui" sagen, 
in welches sie gerne einstimmt: 

Oui, n'en veux-tu qu'un seul? oui, Clelie est ä toi, 
Et jamais autre objet n'engagera ma foi. 

Beseligt will er einen Kuss, worauf sie erwidert: 

Oui, tiens, ne te plains plus; et prends en plutöt deux. 

Diese letzten drei Szenen gehören natürlich wieder liotrou 
an und bilden einen hübschen Abschluss Plautus gegenüber, 
der das „ewig Weibliche" aus seinem Stücke verbannt und mit 
der Strafe, und den trotzigen Worten des Stalagmus sein Lust- 
spiel endet. 



346 IV. Captivi. 

Durch diese Zuthat Rotrou s ist gewiss nichts gegen die 
.. pudici mores" geschehen, und zählt sein Lustspiel nicht minder 
zu jenen, „uhi honi meliores fiant". 

Rotrou hat ein effektvolles, in edelster Sprache fein durch- 
geführtes Stück geschaffen, halb nachahmend, halb neu schöpfend, 
mit vollem Verständnis für seine Zeit, und doch mit aller Pie- 
tät gegen das Altertum, ein Stück, das heute noch auf den 
Brettern seines Erfolges sicher wäre. ') 

Vor Rotrou hatte sich der Dramatiker Pierre Duryer 
(1609 — 1659) mit den Captivi beschäftigt; 2 ) später Jean Roy, 
dessen nicht gedrucktes Lustspiel „Les Captifs" am 28. Septb. 
1714 in Paris aufgeführt wurde. 3 ) Es ist dreiaktig in Versen 
und mit einem Prolog versehen. 4 ) 

Ehe 1713 P. de Costes französische Übertragung 5 ) erschien, 
war 1666 schon zu Paris eine anonyme Übersetzung der 
Captivi des Plautus in 12° gedruckt worden. 6 ) Sie stammt 
von Thomas Guyot, einem Lehrer von Port -Royal. 



Eine äusserst gelungene Kontamination zweier plautinischer 
Stücke, der Aulularia und der Captivi, 7 ) ist in dem englischen 
Lustspiele „The Case is altered" 8 ) enthalten, Avelches Ben Jon- 
son 9 ) zugeschrieben wird. 



*) Vgl. allerdings Les comedies de Piaute, traduites en frangais 
par E. Sommer. Paris, Hacliette, 1876. I, 194. „La piece de Kotrou 
est loin de valoir celle de Piaute." 

2 ) s. Sommer a. a. 0. „La scene francaise ä eile seule en a vu 
representer trois, l'une de du Ryer, l'autre de Rotrou et la derniere 
de Roy (1714)." 

3 ) Hipp. Lucas, Histoire philosopliique et litteraire du theätre 
francais (111,324): „Les Captifs, comedie en vers libres, en trois actes, 
avec des divertissements et un prologue aussi en vers libres, non im- 
primee de M. Roy." 

4 ) Beauchamps, Recherches. LT, 316. 

5 ) Ibid. 317. 

c ) Sulz er. III, 704 b . — Vgl. Schweiger, Handbuch. II, 2 und 
Sainte-Beuve, Port-Royal. III, 505. 

7 ) Ben Jonson, ed. Gifford. VI, 421: There is a considerable 
degree of ingenuity in the construction of tbis lively comedy. The au- 
tbor probably found the plot of the Aulularia too simple for bis pur- 
pose, and the dexterity with which he contrived to interweave that of 
the Captivi with it, so as to form a consistent whole, is very worthy of 
praise. — Dunlop, Hist. of Roman litt. I, 172. — TJ s sing. LI, 459. 

8 ) S. 319 — 423 des sechsten Bandes von Ben Jonson (ed. Gifford). 

9 ) Das Stück wird gewöhnlich ins Jahr 1598 gesetzt und dem An- 
thony Munday (nicht aber von Collier) oder von andern Stephen 
Jones zugeschrieben. Vgl. dagegen Ben Jonson, ed. -Gifford. I 

XXXIV): „In 1598 it was already a populär piece and it bears about 



B. Jonson's The Case is altered. 347 

Lassen wir alle nicht hierher gehörigen Episoden, so be- 
sonders den trefflichen Sclmhflicker Jnniper und seine Gesell- 
schaft, so vertritt uns das Haus des Geizhalses Jaques de Brie 
die Aulularia, jenes des Count Ferneze die Captivi. Die 
Szene ist nach Mailand verlegt. 

Count Ferneze hat einen Sohn verloren (I, 2., S. 343): 

I had one other, younger born than tliis 
Bat twice so many hours as would fill 
The circle of a year, his name Camillo, 
Whom in that black and tearful night I lost, 
('T is now a nineteen years agone at least) 
It was that night, wherein the great Chamont, 
The general for France, surprised Vicenza. 

Dort wurde nach seiner Annahme sein Sohn von Soldaten 
ermordet. 

Der zweite Akt führt uns in Jaques' Haus. Wir lernen 
in dem Monologe einen verbitterten Geizhals kennen, der unter 
der Maske eines stadtbekannten Bettlers seinen Reichtum verbirgt. 
Jonson hatte den Prolog des Lar familiaris im Sinne, als er 
die einleitenden Worte seinem Jaques de Brie in den Mund legte. 
Er besitzt eine wunderschöne Tochter: 

But now this maicl is but supposed my daughter; 
For I being steward to a lord of France, 
Of gi-eat estate and wealth called lord Chamont, 
He gone into the wars, I stole his treasure, 
And this his daughter being but two years old, 
Because it loved me so, that it would leave 
The nurse herseif, to come into niine arms. 

Da er sich von Hause entfernen muss, giebt er seiner Tochter 
Rachel Verhaltungsmassregeln. Sie soll das Thor offen lassen 
und laut sprechen, als seien Leute im Hause, um Diebe ferne 
zu halten. Mit Euklio (7. 91) befiehlt er: 

Put out the fire, kill the chimney 's heart, 
That it may breathe no more, than a dead man, 



it the marks of juvenility ... He (Ben Jonson) was now recent from 
the Roman writers of comedy, and, in this pleasant piece, both 
Plautus and Terence are laid under frequent contribution." 
(Ibid. CCXI.) We may collect from „the Case is alte red" and. 
„Every Man in his Humour" that he was recent from the study of 
Plautus and Terence: but this was little. — (Ibid. VI, 320): „This co- 
medy, which should have stood at the head of Jonson 's works, had 
chronology only been consulted, was first printed in -4'", 1609, but must 
have been written at least ten or a dozen years before, since it is fami- 
liarly spoken of by Nash in his Leuten stuff, which appeared in 1599: 
„It is not right, oi' the merry coblcr's cutte in that witty play of .the 
Case is altered', pag. 68. : ' Vgl. auch das Weitere a. a. 0. 



348 IV. Captivi. 

ein Gedanke, der weiter ausgesponnen, in ,.The Devil is an 
Ass" (S. 79; 307) wiederkehrt. 

Die schöne Rachel hat unterdessen an dem Haushofmeister 
des Grafen, Christophero, einen neuen Verehrer gewonnen, und 
der Graf ist mit seiner Werbung gänzlich einverstanden, nicht 
ahnend, dass sein Sohn Paolo Rachel de Brie liebt. 

Der dritte Akt spielt wieder in Jaques' Haus und damit 
in der Aulularia. J ) 

Kaum sieht Jaques Leute, so eilt er ins Haus: 

He has been at my cloor, he has been in, 
In my dear cloor; pray God my gold be safe. 

Wie Euklio kömmt er alsbald wieder befriedigt zurück: 
'T is safe, t is safe, they have not robb'd my treasure. 

Bei Christoph er os Werbung vermutet er, wie Euklio dem Me- 
gadorus gegenüber, dass er Kenntnis von seinem Schatze habe: 

„My gold is in bis nostrils, he has smelt it," 

und freudig eilt er, sowie er den Freier angebracht hat, zu seinem 

Gelde. 

So, he is gone; would all were dead and gone, 
That I might live with my dear gold alone. 

Während der Graf bei Jaques ist, bringt ein Bote die 
Nachricht, dass auch sein zweiter Sohn Paolo jüngst von den 
Franzosen gefangen worden sei. Der Graf will alles thun, ihn 
auszulösen. 

Jaques vergräbt sein Gold im Dünger. Gifford in der 
ihm eigenen Verherrlichung Ben Jonsons meint (VI, 372): 



') Ed. Gifford. VI, 367: „The character of Jaques is forme d 
upon that of Euclio in the Aulularia of Plautus; and is drawn with 
that masterly expression which distinguishes the works of Jonson. The 
scene between Christophero and Jaques, with what follows between 
the coimt and him, is copied from what passes between Euclio and 
Megadorus; but with so high an improvement, as determines the palm 
of applause in favour of our author. The original here is: ,Non tenie- 
rarium est, ubi dives blande appellat pauperem.'" [Whalley.] 

The translator of Plautus does not subscribe to the alleged supe- 
riority of our author, and I am not sure, that he has not reason on Ins 
side. Whalley might commend the copy with justice, for it is truly 
excellent, but he should not have sacrificed the original to it. The spi- 
rit and arch simplicity of Plautus even when it borders on rudeness, 
is not easily outdone; and though Jonson, perhaps, is richer in cir- 
cumstance yet the critic should have recollected the admission of a very 
competent judge — facile est inventis addere — and have abated 
somewhat of bis panegyric on that score. 



B. Jonson's The Gase is altered. 349 

„This is from Plautus, where Euclio also removes his gold to 
a new hiding-place. The speaches of the two misers, however, 
have no circumstauce in common; nor has the latin poet any 
thing that can be set in comparison with this admirable and cha- 
racteristic soliloqny of Jaques. " Diesem Urteil kann gewiss nie- 
mand beipflichten. Die halbphilosophischen Reflexionen Jaques', 
gegenüber dem einfachen Enklio, der sein Geld der Fides an- 
vertraut, sind wenig wirkungsvoll. 

Das weitere Interesse nehmen die Gefangenen, ganz 
nach Plautus, in Anspruch. ') Chamont und Camillo — - 
genannt Gasper ■ — sind wie Philokrates und Tyndarus, 
aufrichtige Freunde, und Chamont kann sagen: 

How may I bless the time, wherein Chamont, 

My honour'd father, did surprise Yicenza, 

Where this my friend (known by no name) was found 

Being then child, and scarce of power to speak, 

To whom my father gave this name of Gasper, 

And as his own respected him to death. 

Die weiteren Szenen bei Jaques sind wieder der Aulu- 
laria entnommen, insgesamt dem Inhalte, oft auch dem Wortlaute 
nach ; so z. B. : 

Jaq. Shew my thy hands, what hast thou in thy hands? 
Jan. Here be my hands. 2 ) 

u. s. w. Der Geizhals eilt wieder zu seinem Schatze. 

't is safe ! 't is safe ! it lies and sleeps so soundly, 
't would do one efood to look on 't. 



') Ed. Gifford. VI, 397: „The whole incident of Paolo Fer- 
ne ze 's being taken prisoner ontheoneside, and Chamont and 
Camillo on the other, with the exchanging their names, and 
Camillo's being left for Chamont, is taken from the Captivi 
of Plautus. The son of Hegio is taken prisoner; and with a view to 
ransom his son by the exchange, Hegio buys Philocrates and Tyndarus, 
two Elian captives. Tyndarus is slave to Philocrates, and is left under 
his master's name, while the true Philocrates is sent to Elis, under the 
name of Tyndarus, to effect the liberty of Philopolemus, the son of Hegio. 
The fraud however is discovered to Hegio, before the return of Philo- 
crates; and Tyndarus is put to the torture änd sent to the mines. At 
the return of Philopolemus and Philocrates, with whom also there comes 
Stalagmus, a fugitive slave of Hegio, it is discovered that Tyndarus is 
the son of Hegio, who was carried away by Stalagmus at the age of 
four years and sold by him to the father of Philocrates. The reader 
will perceive from this account the exact similitude between 
the copy and the original; and I have been thus particular in poin- 
ting out the ressemblance, for the assistance of those, who may want 
the ability of comparing them together." [Whalley.] 

2 ) Ibid. VI, 390. This scene is an Imitation of that, in which 
Strobilus is examined by the miser. But its pleasantries are within 



350 IV. Captivi. 

Über seinem Gelde entdecken Juniper und Onion den 
Alten nnd holen sich nach seiner Entfernung den Schatz. *) 

Das Weitere mit Camillo verläuft wie in den Captivi. 
Camillo erregt des Grafen heftigen Zorn wegen seiner Treue 
zu Chamont. 

Im fünften Akte trifft frohe Nachricht ein. Paolo kehrt 
zurück. Zugleich aber entdeckt Jaqu.es den Diebstahl. 

Thou hast inade away my child, thou hast my gold. 

what hyena call'd me out of doors? 

The thief is gone, my gold 's gone, Rachel 's gone, 

und später dann: 

My gold, my gold, my life, my soul, my heaven! 
What is become of thee? 

Das Ganze endet natürlich zu allgemeiner Zufriedenheit, 
Avobei das Wort ,.the case is altered" eine grosse Rolle 
spielt. Der gefesselte Camillo erweist sich als des Grafen Sohn 
durch ein Medaillon (a fablet) mit einem „silver globe" und der 
Inschrift „In minimo mundus". Jaques bekehrt sich zu dem 
Grundsatze „Ill-gotten goods ne'er thrive". Er hiess Melun, 
und Rachel ist Isabel, Chamonts Schwester. Paolo erhält 
Rachels Hand, Chamont die Aurelias, der Tochter des Grafen 
Ferneze. Richtig ist, dass Ben Jonson die Figur der Rachel 
neu geschaffen hat; 2 ) doch wird der Schurke Jaques allzu 



the bounds of nature; and severer judgment instructed Jonson no to 
outrage Ins characters, as Plautus did before him. Jaques examines 
both the hands of Juniper, but he does not, like Euclio, bid him 
procluce his third band ... No degree of avarice could lead one to 
suppose, that a man has three hands. [Whalley.] 

') Ed. Gifford. VI, 389. This too is from the Aulularia, where 
Strobilus gets up into a tree to watch Euclio. The motive however 
is different. In Plautus the discovery of the treasure is the prime ob- 
ject, in Jonson it is merely incidental, and forms uo necessary part of 
the plot. Rachel might have obtained a husband, had Jaques been 
as poor as every one thought him; whereas the Lar kindly informs us 
in the prologue that the treasure was expressly bestowed on Euclio, that 
he might be enabled to give a marriage portion with his daughter to a 
youth of quality, who, as the stage-custom was, „eam compresserat." 

2 ) Ibid. VI, 409. The character of Rachel is exquisitely drawn: 
she is gentle and modest, yet steady, faithful and affectionate. Xothing 
less than this was requisite to justify the number of her admirers, 
Oniou, Christophero, Augelo, Paolo and the count, his father, all in 
short, who see her, solicit her love. Jouson derived no assistance 
from Plautus in this part of his plot; for the young lady who corre- 
sponds to Rachel is not seen at all, nor indeed, heard except on one 
pressing occasiou, when she utters a scream behind the scenes. One 
pretty trait of her is however given by the Lar ( V. 23) — 

ea mihi cotidie 

Aut ture, aut uino, aut aliqui semper supplicat ; 

Dat mihi Coronas u. s. w. 



R. Lenz: Die Algierer. 351 

glimpflich behandelt, da der Graf die beiden Räuber, Juniper 
und Onion, strenge bestrafen lässt: 

Keep the knaves sure, strict inquisition 
Shall presently be made for Jaques' gold, 
To be disposed at pleasure of Chamont, 

während Chamont gnädig 1 zu Jaques sagt: 

Melun, I pardon thee, and for the treasure, 
Recover it. and hold it as thine own. 



Der im Jahre 1582 erschienenen deutschen Bearbeitung der 
Captivi durch Martin Hayneccius ist (S. 94) Erwähnung ge- 
schehen, ebenso, dass auch Lessing dies sein Lieblingsstück 
(Beiträge u. s. w., 1750, im zweiten Stücke) übersetzte, worauf 
noch 1768 die Übertragung von Lipsius (Schmalkalden in 
8°) folgte. 

H. Hettner (III, 85) will auch in Lessings Philotas 
das Motiv der Captivi des Plaut us finden, was indessen 
K. Seidner (Lessings Verhältnis zur altrömisehen Komödie. 
Mannheim 1881), Seite 18, bestreitet: desgleichen auch Box- 
berger. 1 ) 

Auch J. M. R. Lenz hat sich mit den Captivi beschäftigt, 
leider ist seine Bearbeitung derselben, „Die Algierer oder 
Seeräuber," verloren gegangen. 

August Stöber (Der Dichter Lenz und Friederike von 
Sesenheim, Basel 1842) erwähnt (S. 8) unter Lenzens Arbeiten 
(4.) „Nachahmung von Plautus Captivei", die Tiecks Ge- 
samtausgabe nicht hat. Vollständiges Licht über diese unbe- 
kannte Komödie verbreitet erst K. Weinhold (Dramatischer 
Nachlass u. s. w. , 1884), der hierüber (S. 24) Nachstehendes 
berichtet: 

„Das sechste Stück von Plautus, welches Lenz bearbeitet 
hat, waren die Captivi. Jedenfalls geschah es nach dem Druck 
jener fünf. Aus dem Oktober 1775 hören wir zuerst von ihnen. 
Am 23. Oktober schreibt Lenz an Gott er Klagen über seine 
traurige Lage in Strassburg und das Verderben aller Hoffnungen 
in seinem Vaterlande durch die Komödienschreiberei und fährt 
sodann fort: ,Ich habe ein kleines Stück in meinem Schrank 
liegen, das allenfalls auch spielbar seyn würde. Fragen Sie Herrn 
Seyler, ob er mir sechs bis sieben Dukaten dafür geben möchte, 
ich bin nie gewohnt gewesen, meine Sachen zu verkaufen; die 



l ) Schnorrs Archiv. XL •_".'<;. 



352 IV. Captivi. 

höchste Noth zwingt mich dazu. Doch hoff ich, Herrn Seiler (sie) 
wird der Kauf nicht gereuen. Es ist eine Nachahmung der 
Captivei im Plautus.' 

„Gotter antwortete auf diesen Brief teilnehmend, und Lenz 
schrieb ihm darauf: ,In der grössten Eilfertigkeit kann ich Ihnen 
nur, bester Gotter, sagen, dass ich Ihr edles, liebes Schreiben er- 
halten, für Ihre Theilnehmung danke und Sie bitte, mir das 
Schicksal und die Aufnahme meiner Captivei in zwey 
Worten zu berichten. Vor allen Dingen sagen Sie aber Goethen 
kein Wort von alledem, wenn Ihnen meine Freundschaft noch 
werth ist. Ich erwarte die Missive mit der fahrenden. Oder 
das Manuskript wieder. — — Leben Sie wohl, und antworten 
Sie bald Ihrem äusserst zerstreuten , aber stets redlichen J. 
M. R, Lenz.' 

„(Auf dem Rücken von Blatt 2): ,Ihr Urtheil! Es ist hier 
in grosser Gesellschaft vorgelesen worden und hat Glück gemacht. 
— Doch ists das einzige Manuskript, das ich habe.' 

„Unter dieser Vorlesung in grosser Gesellschaft meinte der 
grossthuende Lenz die Vorlesung in der Salzmannsehen litte- 
rarischen Gesellschaft, in deren Protokoll er am 23. November 
eintrug: ,Weil derjenige, den die Ordnung traf, nichts hatte 
bringen können, las Herr Lenz eine Nachahmung der Cap- 
tivei des Plautus vor, die er aber, weil sie schon verkauft 
war, für diesmal nicht bei der Gesellschaft lassen konnte.' 

„Das Manuskript begleitete er mit folgendem undatierten 
Schreiben: ,Sie sehen, lieber Gotter, hier ein Stück, wo alle 
Charaktere gleichsam nur angedeutet sind, dem Schauspieler nur 
Winke geben, was er zu thun habe, und ihm auf keine Weise 
vorgreifen. Ich habe alles wohl überdacht, es lässt sich nicht 
anders für ein heutiges Theater einrichten, es würde sonst zu 
lang, zu gross, zu unbändig. Wollten Sie den Herren vor- 
schlagen, einen VersucETdamit zu machen, das Sujet ist wenigstens 
ganz neu und, wie mich cläucht, geschickt genug, die Talente 
eines Schauspielers zu üben. Die beyden Freunde handeln un- 
endlich mehr, als sie reden, und ihr ganzes Sjnel setzt langes 
Studium voraus. Zwei Leute, die determiniert sind, in allen 
Fälnlichkeiten einander mit ihrem Leben beizuspringen , müssen 
in jeder Bewegung, in jeder Miene Enthusiasmus für einander 
weisen, sonst wird das ganze Spiel frostig und kalt. Auf diese 
kommt nun alles an, was das Stück heben oder fallen machen 
kann. Ebenso enthusiastisch für seinen Sohn muss der Vater 
seyn, oder er wird abscheulich. Die Freude bey der Hoffnung, 
seinen Sohn wieder zu bekommen, so ausschweifend, als die Wuth 
bey Fehlschlagung dieser Hoffnung. Und das alles keine Gri- 
masse unsers gleichgültigen Jahrhunderts, sondern wahres inniges 



R. Lenz: Die Algierer. 353 

Gefühl sein (sie). Unter diesen Voraussetzungen allein kann das 
Stüek gefallen. 

„Verzeylm Sie mir meine lange Paränese, ich weiss wohl, 
da ss der Dichter viel vom Schauspieler lernen muss, aber Aviederum 
kann er doch den Schauspieler am besten in den Standpunkt 
stellen, aus dem er gearbeitet. Findt Herr Seiler es unspielbar, 
so lassen Sie es aber drucken, es möchte doch wohl auch im 
Lesen hie und da gefallen. Lenz. — Sechs Exemplare bitt ich 
mir aus. 

„Unter dem 2. Januar 1776 zeigte Gotter den Empfang der 
Algierer mit dem ersten Posttage an und schickte Lenz aus eigner 
Tasche vier Louisdor, da Seyler noch nicht geantwortet habe. 
Er versprach zugleich, was er sonst noch in Gotha oder Ham- 
burg für das Stück beim Theater erwuchern könne, ihm ohne 
Verzug zu senden, da er nicht einsehe, weshalb der Schrift- 
steller bei der geringen Aussicht auf Belohnung von dem Publi- 
kum mit den Theaterdirektoren Komplimente machen solle. 

..Mein Urteil über die Algierer? Noch kann ich nichts, als 
sie loben. Zum urtheilen muss ich erst ein wenig kälter Averden. 
Wenn dieses Stück keine Wirkung thut, so geh ich mich nie 
wieder mir theatralischer Nativitätsstellung ab. Solch ein warmes 
ungetheiltes Interesse! solche gedrängte Handlung! solche Einfalt 
in Gang und Sprache! Mich dünkt, ich höre schon Eckhof Alonzo. 
— Dass ich durch Hülfe eines mittleren Vorhanges die Akte zu- 
sammengedrückt und aus fünf drei gemacht, werden Sie mir ver- 
zeihen. LTnd dann einen einzigen Einwurf. Pieter ist seinem j 
Vater ungefähr in seinem zehnten oder zwölften Jahr entrissen 
worden. Sollte er sich so sehr verändert haben, dass Alonzo 
nicht die geringste Spur von Ähnlichkeit mehr fände — und 
wenn das wäre, auch der Vater? Pieter hört sich von seinem 
Vater nennen, und sein Herz sollte diese bekannte Stimme nicht 
wieder erkennen? — — Ihre Anmerkungen wegen des von den 
beyden Freunden zu beachtenden Spiels sind vortrefflich, und ich 
werde sie gehörigen Orts mittheilen. 

..Arn 14. Januar dankte Lenz Gottern für die Mühewaltung, 
seinen , Seeräuber' in die Hosen zu bringen, und für die vier 
Louisdor. Als Folge der Bemerkungen des Freundes fügte er einige 
kleine Einschiebsel in den ersten und zweiten Akt bei, die ich 
als einzige Reste dieser Lenzischen Bearbeitung der 
Captivi hier machen will. 

„Etwa in der ersten Szene ersten Akts, sobald Alonzo Ma- 
rianen den Anschlag entdeckt hat (wie die Stelle heisst, kann ich 
mir nicht mehr erinnern), könnte der antworten, eli er ihm noch 
den Glückwunsch thut: 

23 



354 IV. Captivi. 

Marione. Wie aber — wenn Sie alles dies nicht nöthig hätten, und Ihr 
Sohn etwa gar mit unter den Sklaven wäre, die der Ritter 
Ackton eingebracht hat? 

Alottzo. Er würde mich sogleich aufgesucht haben. 

Marione. Er vermuthet Sie aber noch in Barcellona. 

Aionzo. W'iird' ihm denn da nicht mein alter Freund Eamiro Nachricht 
von mir gegeben haben? — Hören Sie, er ist Ihr Corre- 
spondent, Sie könnten allenfalls doch, wenn Sie an ihn 
oder Jemand anders in Barcellona schrieben, Nachfrage 
thun. Sie erweisen mir einen Dienst dadurch. — Doch 
was wollen wir uns mit Schimären den Kopf zerbrechen? 
Ich weiss, dass sein Herr ihn nicht von sich lässt, wie 
sollte er denn jemals in Spanierhände gerathen? So aber 
bekomme ich ihn wieder und wenn er in Beelzebubs Klauen 
steckte. 

„Und weiter unten, etwa in der zweiten Szene zweiten Akts, 
wo die Verwechslung der Kleider geschieht, als Osmann Pietro 
fragt: ,Und was soll aus dir werden?' und dieser antwortet: 
, Kümmert's mich doch nicht — ', könnte er frostig lachend hinzu- 
setzen: ,Ich hab ja auch noch Verwandte in Spanien, die ich 
aufsuchen kann, wenns aufs höchste kommt.' 

„Zu einer Aufführung oder zum Druck der Algierer oder 
Seeräuber ist es nicht gekommen. Am 20. Mai 1776 schrieb 
Lenz von Weimar aus an Gotter: ,Wenn Sie, lieber Freund, die 
Algierer noch nicht weggegeben haben, so wollt ich Ihnen un- 
massgeblich rathen, sie Herrn Bode anzuvertrauen, der sie der 
Schröderschen Gesellschaft in Hamburg zu spielen giebt , die 
Ihnen gewiss reichlicher zahlen wird, als keine andere, und sie 
sodann auch dort kann drucken lassen, woran mir am meisten ge- 
legen, da ich keine Abschrift davon habe und sie doch Avieder 
einmal lesen möchte.' 

„Lenz nahm nun an, dass Gotter Boden das Manuskript über- 
geben habe, und Hess später diesen durch Brie daran erinnern. 
Erzürnt schrieb darauf Bode am 20. Dezember 1776: ,Ist Lenz 
toll? mir hätt' er was für Schröder mitgegeben? auf meine Ehre, 
nichts! vielleicht hat er Gotter in Gedanken gehabt. Auch das 
wird Schröder am besten aufklären können. Lenz ist ein sonder- 
bares Genie.' 

„Niemals hat der Dichter seine Algierer wiedergesehen. Sie 
sind verschollen. In Gotters Nachlass hat sich nichts davon ge- 
funden. " 

So ist die deutsche Litteratur um die einzige freie Nach- 
ahmung der plautinischen Captivi gekommen, die nach Gott eis 
Kritik vielleicht manche der übrigen Imitationen Lenzens an 
Gehalt und Durcharbeitung überragte. 



V. Curculio. 355 

Ziemlich zahlreich sind die neueren deutschen Übersetzun- 
gen der Captivi. 1 ) 



V. Curculio. 2 ) 

Der Curculio des Plautus hat eine widersprechende Be- 
urteilung bei den Kritikern erfahren. Die Romantiker haben das 
Stück ziemlich hoch gestellt, andere, vornehmlich la Harpe 
unter den Franzosen, haben es in durchaus ungünstiger Weise 
kritisiert. Rapp 3 ) findet, „schon mit dem Aufzug der Szene zeigt 
sich entschieden das romantische Element hier herrschend . . . 
Das Ständchen, das Phädromus singt, die Alte mit ihrem 
bakchischen Weindurst, endlich die ganze Liebesszene des ersten 
Aktes giebt ein reizendes Bild von lyrischer Wirkung, vollendet 
in seiner Art." Bei alledem jedoch erklärt Rapp, dass die gro- 
teske Wirkung des Parasiten (von seinem Auftreten an) den 
Mangel des Stückes decken muss, dessen Erfindung Teuf fei 4 ) 
„ziemlich dürftig" nennt. „Es ist gewiss," fährt Rapp fort, „dass 
der Mechanismus der Intrigue des Stückes über die Massen leicht- 
sinnig behandelt ist, kaum für ein Ballet oder improvisiertes Possen- 
spiel hinreichend motiviert. ... Es schliesst sentimental, wie es 
angefangen hat." 

Beim Beginne des ersten Aktes ist es Mitternacht. Der 
Tempel des Äskulap, neben ihm das Haus des Kupplers und auf 
der andern Seite das des Phädromus bilden den Hintergrund. 
Phädromus spricht seinem Sklaven Palinurus von der Liebe 
zu seinem Mädchen Planesium, welches im Hause des Kupplers 
Kap päd ox wohnt. Dieser ist krank; eine alte Frau besorgt und 
bewacht das Haus. Indem Phädromus die Trunksucht der 
Alten benützt, gewinnt er sie für sich, dass sie Plane- 
sium auf kurze Zeit aus dem Hause lässt. Es folgt nun eine 
Liebesszene, in welcher sich Planesium als das liebliche 
Mädchen in zurückhaltender Bescheidenheit, doch voll inniger Hin- 
gabe an den Geliebten, Phädromus als begeisterter Liebhaber, 
ganz in moderner Art, Argurippus (S. 230) ähnlich, kundgiebt. 

') Z. B.: A. C. Borheck (Der Gefangene, Hamb. 1804); <i. (i. S. 
Köpke; (Berlin 1809); K. W. Lorentz (Altenburg, 43stes Gymuasialpio- 
gramm 1850; Geppert (1859); B. Dom hart (Die Kriegsgefangenen, 
Baireuth 1870; Gymnasial programm). 

2 ) Ausgaben: C. E. Geppert (Berlin 1845). Hier zitiert nach 
Fleckeisen. — Deutsche Übersetzung von Rost 1830. (Progr., 36 S.) 

3 ) Die pl. Korn., S. 1411. 

4 ) Geschichte der röni. Litt., S. 148. 

23 



356 V. Curculio. 

Pariter hos perire amando uideo: uterque insaniunt. 
Videu ut misere nioliunturV nequeimt conplecti satis. 
Etiam dispertimini? 

(V. 187) meint der Sklave Palinurus. Phädromus aber 
bricht in den Ausruf aus: Ihr Könige, behaltet euere Reiche. 
Ich will nur mein Liebesglück! (V. 175.) 

Sibi sua habeant regna reges, sibi diuitias diuites, 

Sibi [illi] honores, sibi uirtutis. sibi pugnas, sibi proelia: 

Dum mi apstineant innidere, sibi quisque habeant, quod suumst. 

Mit Recht weist Rapp, 1 ) da Phädromus das Glück der 
Gegenwart preisend und nur die Anwesenheit des spöttischen 
Sklaven beklagend, in die Worte ausbricht (V. 189): 

Nullist homini perpetnom bonum : 
Iam huic uoluptati hoc adiunctumst odiuni; 

auf Faust s Seufzer hin: 

0, dass dem Menschen nichts Vollkommnes wird. 
Empfind' ich nun. Du .gabst zu dieser Wonne 



Mir den Gefährten u. s. w. 

Da Planesium Eigentum des Kupplers ist, Phädromus aber 
die Mittel, sie loszukaufen, nicht besitzt, hat er seinen Parasiten 
Curculio, den Gurgelmenschen, nach Karien gesandt, um sich 
dort das Geld zu verschaffen. 

Im zweiten Akte tritt Kapp ad ox auf; seine Krankheit 
macht ihm viele Sorgen. Zu ihm gesellt sich Palinurus und 
der Koch, welch letzterer ihm einen Traum deutet. 

Im dritten Akte ist Curculio aus Karien zurückgekehrt. 
Phädromus fragt ihn, welche Geschäfte er dort gemacht habe, 
und Curculio kann nur berichten, dass der Freund in Karien 
sich in derselben Geldverlegenheit befindet (F. 334): 

Respondit mihi paucis uerbis atque adeo fideliter. 
Quod tibist item sibi esse, maxumam argenti inopiam. 

Phädromus erschrickt; indessen hat der Parasit bereits ander- 
weitig Rat zu schaffen gewusst. Er ist mit einem Krieger zu- 
sammengetroffen. Dieser fragte ihn, ob er den Wechsler Luco 
(Luconem tarpessitam, V. 341) und den Kuppler Kappadox in 
Epidaurus kenne. Auf seine bejahende Antwort erzählte ihm 
nun der Krieger, er habe bei letzterem ein Mädchen um dreissig 

') S. 1430. 



Charakteristik desselben. 357 

und ihr Geschmeide um zehn Minen gekauft. Das Geld liege 
hei Luco, und dieser habe Auftrag, es demjenigen auszuhändigen, 
der ihm den Siegelring - des Kriegers überbrächte. Sie gingen dann 
zu Tisch, spielten Würfel, und hierbei erfuhr Curculio, dass dies 
gekaufte Mädchen kein anderes als Panesium sei. Der Krie- 
ger, etwas angetrunken, schlief ein, und Curculio zog ihm bei 
dieser Gelegenheit seinen Siegelring vom Finger. So habe man 
gewonnenes Spiel. Vor allem aber verlangt der Parasit ein 
Mahl (V. 367): 

uentris stabilimenta: pane et assa bubula, 
Poclum grande [et] aula magna, ut satis consilia suppetant. 

Den vierten Akt leitet ein Monolog des Wechslers Luco 
ein. Curculio tritt zu ihm, stellt sich als den Abgesandten des 
Kriegers Therapontigonus Platagidorus, d. h. als seinen 
Freigelassenen, den „omnes Summanum (= Stiebitz) uocant" 
(V. 413) vor, übergiebt ihm einen von Phädromus gesehi-iebe- 
nen Brief und den Siegelring des Therapontigonus, „clupeatus 
elephantum ubi machaera dissicit" (F. 424). Zufällig kömmt 
Kapp ad ox, und Luco fordert ihn auf, sein Geld zu holen und 
das Mädchen auszuliefern, wie es der Brief verlangt. 

Ein Intermezzo bildet hier das Auftreten des Choragus, 
„eine Art von Parabase, ul ) wie sie sich bei Plautus nur hier 
findet. Er rühmt die Spitzbubenart des Curculio und ist be- 
sorgt, ob er ihm die Garderobe, die er ihm anvertraute, wohl 
zurückstellen werde {V. 464): 

Ornamenta quae locaui metuo ut possim recipere. 

Alsdann folgt eine witzige Schilderung des Forums und sei- 
ner Gestalten. 

In der nächsten Szene wird Planes ium dem Curculio von 
Kapp ad ox in Gegenwart des Luco ausgeliefert, unter der Be- 
dingung (F. 490): 

si quisquam hanc liberali 
Caussa mann adsereret, mihi omne argentum redditum iri, 
Minas triginta. 

Kappadox ist mit dem Geschäfte zufrieden. 

Im fünften Akte sehen wir Therapontigonus im Streite 
mit Luco. Er weiss von dem Handel nichts; Luco aber hat 
sich auf den Ring unbedingt verlassen. In gleicher Weise reinigt 
sich Kappadox, und nun erst merkt Therapontigonus, dass 
ihn Curculio betrogen habe: auf seine Frage (F. 586): 



<) Teuf fei (G-. d. röm. Litt.), S. HS. 



358 V. Curculio. 

Vbi nunc Cui'culionem inueuiam? 

erwidert ihm Kappadox: 

In tritico facillume 
Vel quingentos curculiones pro imo faxo reperies, 

mit Beziehung auf seinen Namen. 

Curculio tritt aus dem Hause. Kaum hat Planesium 
den Ring des Kriegers erblickt, als sie stürmisch in den Para- 
siten dringt, um zu erfahren, woher er ihn habe. Der Ring 
führt nun darauf, dass der Krieger und Planesium Geschwister, 
Kinder des Periphanes und der Kleobula, sind. Therapon- 
t ig onus verheiratet nun seine Schwester an Phädromus; 
Kappadox aber ist, der Klausel des Vertrages gemäss, gehalten, 
die Verkaufssumme von dreissig Minen herauszugeben, da Plane- 
sium als eine Freie erkannt wurde. 

Die zarte Liebe des Phädromus ist oben schon besprochen 
worden. Sein höchstes Glück ist seine Liebste, sein „melculum 
dulce" (7. 11). 

— In terra, qui me erit aeque fortunatus, illa 
Si ad me bitet? 

bekennt er (F. 141). Er ist der alte nicht mehr, wenn er sie sieht. 

Quando ego te uideo inmutatis moribus esse, ere, atque ingenio, 

sagt ihm sein Sklave (F. 146). 

Planesium ist ein Wesen, das solcher Liebe wert ist. 
Kappadox hatte sie als kleines Mädchen um zehn Minen von 
einem Unbekannten gekauft (F. 528); bei einem Bakchusfeste 
war sie zu Hause während eines Sturmes von einem Manne 
geraubt worden (F 644 ff.) Nachdrücklichst wird mehrmals 
im Stücke ihrer Keuschheit und Jungfräulichkeit Erwähnung ge- 
than ; so : 

V. 51. Tarn a me pudicast, quasi soror mea sit. 

V. 518. Bene ego istam eduxi meae domi et pudice. 

V. 697. Bene et pudice me domi habuit. 

V. 57. At illast pudica neque dum cubitat cum uiris. 

und öfter. — Dem feurigen Liebhaber zur Seite, steht — wirklich 
ein „odium" (F. 190) — sein naseweiser Sklave Palinurus, voll 
Spott über die Liebe seines Herrn. Sein Rücken ist an Schläge 
gewöhnt, sodass Planesium ihrem Geliebten zuruft (F 197): 

Noli amabo uerberare lapidem, ue perdas manum. 
Von den Idealen seines Herrn denkt er kalt. Er nennt sie 



Charakteristik desselben. 359 

„nugas meras" (F 199); damnumst raerum (F. 49). Seine An- 
schauung ist vielmehr (F. 33): 

Nemo hinc prohibet nee uotat 
Qnin quod palamst uenale, si argentumst. emas. 
Nemo ire quemquam puplica prohibet uia, 
Dum ne per funduni saeptnm faciat semitam: 
Dum ted apstineas nupta uidua uirgine 
Iuuentute et pueris liberis, ama quod lubet. 

Der kranke Kuppler Kappadox ist in seinem Leiden ein 
Gegenstand des Spottes. Er sagt von sich (V. 219): 

Valetudo decrescit, adereseit labor, 

und später (F. 236): 

Lien enecat, renes dolent, 
Pulmones distrahuutur, cruciatur iecur, 
Eadices cordis pereunt, hirae omnes doleut. 

Seinen Wanst und sein schlechtes Aussehen macht Palinurus 
zum Gegenstand seines Spottes (F 230): 

Quis hie est homo 
Cum conlatiuo uentre atque oculis herbeis? 
De forma noui: de colore non queo 
Nouisse. 

Als Klippler wird er keines Mitleids gewürdigt, vielmehr 
sein Gewerbe als eine „scelesta seruitus" (F 40), er selber als 
„scelerum caput" (F. 234) bezeichnet. Der Parasit schildert 
die Kuppler ausführlich (F 494 — 505), und ihnen gleich stellt 
er nur die Geldwechsler und Wucherer (F 506 — 511), ein Urteil, 
das später (F 679) auch Kappadox bestätigt. 

Der tarpessita Luco, dessen Finanzpläne wir aus F. 371 
— 384 kennen, fühlt sich stark dabei betroffen und sagt (F. 512): 
„Tacuisse mauellem". 

Eine treffliche Gestalt ist die weinbegeisterte Alte, gewisser- 
massen ein Gegenstück zu Phädromus; denn was ihm Plane - 
sium, ist ihr der Wein. Sie hat ihn gerochen, sowie Phädro- 
mus die Thürschwelle damit benetzte (F. 96): 

Flos ueteris uini naribus meis obiectust: eius amor cupidam 

Me prolicit huc per tenebras: ubi ubist, prope mest: euax. habeo. 

Er ist ihr Alles, ihr Schatz (F. 98): 

Salue, anime mi, lepos Liberi: ut ueteris [ego] sum cupida. 

„Quam longe a me abest?" ruft sie (F. 117). Unter die Wein- 
lieder und gewiss den horazianischen an die Seite zu stellen ist 
ihr begeistertes Lob des Weines (F. 99): 



360 V. Curculio. 

Xam omuium unguentum odos prae tuo nauteast: 
Tu mihi stacte, tu cmnaniiun, tu rosa, 

Tu crocinum et casia's tu bdellium. 
Nam ubi tu profussus es, ibi ego nie perueliin sepultam. 

Ihr Durst ist massig - (capit quadrantal, V. 103); worauf der 
Sklave versetzt: „uindemia haec huic anui non satis solist." 

Die Figur des Soldaten kehrt m ganz ähnlicher Form bei 
Plautus öfter wieder. 

Es ist der gewohnte Aufschneider, dessen Thaten Curculio, 
schon ehe er auftritt, ausschmückt; der in zwanzig Tagen zahllose 
Völker besiegt hat (V. 442 — 449), imd sich nun, ,.ex auro Phi- 
lippo," 1 ) ein Denkmal seiner Thaten errichtet (F. 440), der jeden 
stets beim Leben belroht (F. 536), in Stücke für die Ameisen 
zerhaut (F. 576), von seinem Grimme spricht, „qua excidionem 
facere condidici oppidis" (F. 534), der den Königen Gesetze vor- 
schrieb (F. 555), und nun doch von einem ,.umbraticus" (F. 556) 
verlacht wird und von einem Kuppler die Worte hören muss 
(F. 577): 

At ita meae uolsellae pecten speculum calamistrum memn 
Bene me amassint meaque axicia liuteumque extersui, 
Vt ego tua ruagnifica uerba neque istas tuas magnas minas 
Non pluris facio quam aucillam meam quae latriuam lauat : 

und von dem der Parasit sagt (F. 633): ,,Vt fastidit gloriosiis 
. . . Nihil est quod ille dicit. •• 

Der Parasit — mit dem treffenden Namen Curculio — 
ist, wie Rapp* 2 ) sagt, ,,kaum irgend so reich ausgestattet. Diese 
komische Maske, grotesk, einäugig, wahrscheinlich sonst missge- 
staltet, hier besonders in seiner Gefrässigkeit unermüdet, ist wohl 
der unleugbare Prototyp des spätem italienischen 
Arlecchino; auf sein komisches Äussere ist sichtbarer Wert 
gelegt. " 

Wie allen Parasiten, ist ihm sein Herr sein ,.genius" (F. 301). 
Das Essen ist sein Höchstes; er versinkt in Schwäche, wenn es 
nicht zeitig aufgetragen wird; ,.genua media succidunt" (F. 309); 
lippiunt fauces fame (F. 318). Erst wenn er gegessen hat, ist er 
brauchbar (F. 384): 

Nil tu me saturum monueris: memini et scio. 

Sein einziges Auge, wodurch er mit den Kokles in Ver- 
wandtschaft gebracht wird (F. 393), macht den unoculus (luscus) 



') Diese Stelle hat Veranlassung gegeben, die Aufführung des Stückes 
bald nach 561 (193) zu verlegen. Vgl. bei Teuf fei (Studien u. Charak- 
teristiken), S. 262. 

2 ) S. 1411. 



Massingers A very woman. 361 

mehrmals (F. 392, 394, 505) zum Gegenstand des Spottes, 
den er aber bitter erwidert; denn er ist in feiner Weise frech 
(7. 512): 

„Hau male meditate male dicax es," 

ein Possenreisser aus Profession (F. 604), ,.nam propter eas 

(= nugas) uiuo faeilius, " und, wie ihn der Choragus zeichnet, 

(V. 462): 

Edepol nugatorem lepidum lepide lnmc nanctust Phaedromus. 
Halophantamne an sucophantam hunc magis dicam esse nescio. 

Als echter Parasit ist Curculio nicht mehr loszubringen. 
Den neu Vermählten folgt er, sozusagen, als Mitgift (F. 663): 

Cure. E°o dotem dabo. 

Ther. Quid dotis? 

Cure. Egone? ut semper, dum uiuat, me alat: 

worauf Phädromus zustimmt. 



Obwohl die einzelnen Figuren des Lustspiels, der ge- 
prellte Kuppler, der prahlerische Soldat, und vor allem 
der hier eingehend gezeichnete Parasit, ständige Figuren der 
italienischen und französischen Komödie wurden und für 
diese Vorbilder blieben, sind doch direkte Nachahmungen des 
Curculio nicht anzuführen. 

Rapp 1 ) findet, dass in Massingers „A very woman; or, 
the prince of Tarent", einer im Jahre 1634 gespielten Tra- 
gikomödie, 2 ) „die Trunkenboldin Borachia bei ihrem ersten Auf- 
treten (?) eine deutliche Reminiszenz aus Plautus' Curculio" 
verrate. Zu einer andern späteren Stelle (III, 5) 3 ) bemerkt der 
Herausgeber: „This is imitated, but with exquisite humour, from 
a very amusig scene in the Curculio of Plautus, where a 
lover draws the keeper of bis niistress out of the house, by a 
similar stratagem. " Don John Antonio besprengt die Thür- 
schwelle mit Wein. 

Now to begiu my sacrifice: she stirs and vents it. 
Oh, how she holds her nose up like a jennet 
In the wind of a grass-mare! she has it füll now, 
And now she comes. • 



■) Studien. (S. 246.) 

2 ) Auf S. 237 — 351 des vierten Bandes von The plays of Philip 
Massinger, in four volumes with notes critical and cxplanatory. By 
W. Gifford. Esq. The second edition. London 1813. 

3 ) Ebenda, S. 297. 



362 V. Curculio. 

(Vgl. V. 96 u. s. w.) Wie die alte leaena, riecht Boraehia 
die Weinspende. Sie tritt aus dem Hause (snuffing): 

"T is wine! ay, sure 't is wine! excellent strong wine! 
In the rnust, I take it: very wine! this way too. 

Antonio giesst mehr aus. Ihre Begeisterung für den „ex- 
cellent Caudy-wine" steigert sich. Der Liebhaber setzt es durch, 
zu seiner Geliebten zu gelangen. 

Eine italienische Übertragung, „II Curcullione, Commedia 
di Plauto, tradotta dalh Abbate Angelo Teodoro Villa," nennt 
Argelati (IV, 361); eine deutsche Übersetzung der beiden 
ersten Akte findet sich im 71. Stücke der „Neuen Erwei- 
terungen". 

Ein neues deutsches Lustspiel hat Reinh. Lenz aus dem 
Curculio in seinem Stück „Die Türken skia vin" J ) gemacht. 

I. Akt. (1.) Herrmann (Palinurus) trägt seinem Herrn, 
Sebastian (Phädromus), einem jungen Wiener, die Laterne vor. 
„Wohin," fragt er, „soll es gehen?" Sebastian zeigt ihm das 
Häuschen und die Thüre. „„Zieh den Hut vor ihr ab!"" — 
..Warum soll ich denn den Hut vor der Thür abziehen? In 
einem Bordell dazu." — Dort wohnt das Mädchen, das Se- 
bastians Sinne berückt und ihn völlig umgekehrt hat. Es ist 
eine schöne Türkensklavin, welche der Maqueraut Kuhlmann 
erst brachte. Ein Graf Pudewitz will hundert Dukaten für 
drei Nächte, bieten, worauf Kuhlmann eingeht. Wenn Lips 
Rustan nicht Geld aus Ungarn bringt, so ist für Sebastian 
jede Hoffnung verloren. — Um die alte Zigeunerin Feyda 
herauszulocken, macht es Sebastian, wie Phädromus: „Ich 
will Wein auf die Thürpfosten und Schwelle giessen; sobald sie 
den Geruch merkt, macht sie mir gleich auf." (2.) Wirklich 
kömmt Feyda aus dem Hause. „Geruch von altem Wein ist 
mir in die Nase gestiegen, der, der lockt mich aus meinen Kissen 
durch die finstre Nacht hieher. Wo, wo ist er? Nahe bei mir 
ist er, ich rieche ihn, ich schmeck ihn, ich fühl ihn, ach, ich 
will ihn umarmen." Hochbefriedigt führt sie Selma (Plane- 
sium) heraus, ganz, wie bei Plautus 2 ) (S. 158): „Tritt doch 
leise, Kind, lass die Thür nicht knarren, dass Herr Kuhl- 
mann nicht aufwacht — wart, ich will Wasser auf die Thür- 
angeln giessen, dass sie nicht knarren." Sowie Planesium die 



'-) Ausgabe von Tieck. iBerlm 1825.) Band H. S. 165—199. 
2 ) V. 158. Placide egredere et sonitum probibe forium et crepitum 

cardinum, 

Ne quod hie agimus erus pereipiat fieri, mea Planesium. 

Mane, suffundam aquolam. 



R. Lenz: Die Türkensklavin. 3(53 

juristische Formel gebraucht, 1 ) so auch Selma: „Wo bist du, 
der mich vor den Divan der Liehe hat laden lassen? Hier bin 
ich, hier stelle ich mich." In der folgenden Liebesszene spielt 
Herrmann, der ungeduldige Zuschauer, genau die Rolle des 
Sklaven Palinurus. 

II. Akt. (1.) Der wassersüchtige Kühl mann, „mit Tüchern 
um den Leib," beklagt seinen Gesundheitszustand. (2.) Sein Ge- 
spräch mit Herr mann unterbricht Sebastians Auftreten und 
die Ankunft des einäugigen Lips Rustan (Curculio), der mit 
dem Rufe hereinstürmt: „Aus dem Wege, Bekannte und Unbe- 
kannte, dass sich jedermann vor Schaden und Unglück hüte, 
Platz!" u. s. w. 2 ) Er will einen Stuhl, ein Glas Wasser, „wo 
..Rindfleisch drin gekocht ist" u. dgl. Nach lange gesteigerter 
Erwartung* beginnt er seine Erzählung. Der Vetter in Ofen, den 
er um Geld anging, antwortete kurz und bündig, er habe keines. 
Betrübt ging Lips ins Kaffeehaus, dort traf er einen grossmäch- 
tigen, langen Offizier, den er von Wien her kannte. Sie sprachen 
von allerlei, darunter auch von Kühl mann, und dabei erfuhr 
Lips Rustan: „Er hat hier beim Juden Hirzel vierhundert- 
zwanzig Dukaten deponiert, und die will er durch einen Expressen 
heben lassen, weil er jetzt endlich Nachrichten von dem Kauf- 
mann aus Smyrna hat, dass er ihm fünfhundert für das Mädchen 
wiedergeben will; denn kurz und gut, der Offizier war derselbe, 
von dem Ihnen der alte Kuhlmann erzählt hat." Das Mädchen 
soll nun der Bediente des Hauptmanns abholen, durch den Pe- 
tschierring des Offiziers als solcher akkreditiert, Diesen Ring 
aber zog Lips dem infolge des Punsches eingeschlafenen Haupt- 
mann vom Finger und eilte davon. Sebastians Jubel über 
diesen Streich ist unbeschreiblich. 

III. Akt. (1.) Jude Hirzel, der, wie sein Vorbild Luco, 3 ) 
von dem Grundsatze ausgeht: „Ich bin auch reich, wenn ich 
meine Schulden nicht bezahle," wird in seinen Gedanken von 
Lips, der ihn (2.) von rückwärts auf die Schulter mit aller 
Macht schlägt, unsanft unterbrochen. Nach einigen Worten gegen 
den Einäugigen, giebt sich Lips Rustan als den Abgesandten 
des Hauptmanns Gmelinskoy Budowitzky zu erkennen; er 
..soll dem krummen Juden einen Petschierring zeigen." Hirzel 
kömmt die ganze Sache nicht erwünscht. Noch weiss er nicht, 
wie er das Ding mit Kuhlmann zu Ende führen soll. 



') V. 162. Vbi tu 's, qui me conuadatu's Veneriis uadimoniis? 

Sisto ego tibi me et mihi contra itidem [tu te] ut sistaa 

suatleo. 

2 ) / '. 280. Date uiam mihi, noti ignoti, dum ego hie officium uieum 

Facio u. s. w. 

3 ) V. 373. Diues sum, si non reddo eis quibua dehibeo. 



364 V. Curculio. 

IV. Akt. (1.) Lips führt die weinende Selima ah; die 
weitere Handelschaft spielt zwischen Knhlmann und Hirzel. 
Lips schwört, er wolle Knhlmann noch „einen Lipsstreich" 
spielen; alles soll er wieder ausspeien, alle vierhundertzwanzig 
Dukaten. (2.) Budowitzky ist eingetroffen und forciert von Hir- 
zel seine vierhundertzwanzig Dukaten. Wie Therapontigonus, 
ist Budowitzky heftig ergrimmt, „nicht weniger, als vor Adria- 
nopel, da ich's zum Steinhaufen machte." Hirzel aber will 
nichts mehr schuldig sein. Das Geld hat er an den blinden Kor- 
poral, der den Petsehierring brachte, ausbezahle. Der Jude 
entflieht, Budowitzky will ihn schlagen; doch „der Löwe fängt 
keine Mäuse. Wenn der Grosssultan vor diesem Arm gezittert 
hat - — warum sollte ich ihn gegen einen Juden missbrauchen?" 
(3.) Kuhlmanns Dazwischenkunft führt die Sache weiter. „Ich 
hab, " sagt er, „das Mädchen dem abfolgen lassen, der mir Geld 
gab, nicht Worte, wie Sie thun." — „„Wie sah er aus?"" — 
„Dem bösen Feind nicht unähnlich: pokkengrübig, schwarz im 
Gesicht, ein Auge, das andere war ihm ausgelaufen." Nun er- 
innert sich der Hauptmann seines Gastes und macht sich daran, 
ihn verfolgen zu lassen. 

V. Akt. (1.) Lips erzählt, (wie V. 591—599 Curculio), 
wie ihm Selima den King des Hauptmanns entreissen wollte, 
sohald sie ihn sah. (2.) Selima eilt ihm nach. Es ist kein 
Zweifel, dass dies der Ring ist, den ihr Vater trug. (3.) Dazu 
kömmt Budowitzky. Vor allem fragt ihn Sebastian, woher 
er den Ring habe. Sein Vater gab ihm denselben, ehe er in die 
Fremde zog; eine jüngere Schwester kam in den Flammen um. 
Dies und das Bild der Mutter, das Selima an ihrer Brust trägt, 
führt die Lösung herbei. Selima erzählt, wie die alte Zigeu- 
nerin sie aus den Flammen gerettet und an Kühl mann verkauft 
habe. Budowitzky bestimmt die vierhundertzwanzig Dukaten 
seiner wiedergefundenen Schwester als Aussteuer, worauf sie 
Sebastian als ihren Gatten wählt. (4.) Kühl mann ist völlig 
ruiniert. Er hat die Summe zu bezahlen, obwohl Selima zu 
seinen Gunsten darauf verzichten will. Auch Graf Pudewitz 
wird seine hundert Dukaten zurückverlangen, „und die sind längst 
ausgegeben." 

Nach einer Moralpredigt Sebastians rät Lips Rustan: 
„Wir wollen ihn laufen lassen;" und damit endet die Komödie. 



Die Szene, in welcher der Graf Almaviva in Beaumar- 
chais' (1732—1799) „Le Barbier de Seville ou la pre- 
caution inutile" (1775) Rosine das Ständchen bringt, hat man 



VI. Casina. 365 

als der einschlägigen Szene des Curculio nachgebildet linden 
wollen. Dass dies unberechtigt ist, zeigt schon der französische 
Übersetzer des Plautus, E. Sommer. 1 ) Lieber möchte er Mo- 
lieres Etoxirdi stellenweise mit dem Curculio in Beziehung 
bringen. 2 ) 



TL Casina. 3 ) 



Casina ist mit mannigfachen Lücken, die wohl zum Teile 
auch der Inhalt verursacht hat, 4 ) auf uns gelangt. Die Sklavin 
Casina tritt gar nicht auf. 

Das Stück, das Kapp 5 ) „faunisch-erotisch" nennt, leitet ein 
Prolog ein, der zwar dem Plautus nicht angehört, nach 
Lessings Urteil aber 6 ) „gleichwohl lesenswürdig •' ist. Wir er- 
fahren in demselben, dass es ein Stück des Dipkilus ist und 
im Griechischen den Titel KhjQOi^ievoi, die Losenden, führt nach 
Vers 324, wo zwischen Olymp io und Chalinus um Casina 
das Los geworfen wird. 

Rapp hat das Lustspiel in zwei Teile geteilt, deren erster 
V. 1 — 548 umfasst. 

I. Teil. In der ersten Szene streiten Olympio, der 
Meierer (uillicus), und Chalinus, der Waffenträger (armiger) des 
jungen Herrn Euthynikus (V. 973). Olympio hat von seinem 



') Les Comedies de Piaute traduites en francais par E. Sommer. 
Paris (Hachette) 1876. 2 voll. I, 302. On a rapproche de la scene oü 
le jeune amoureux chante ä la porte de sa maitresse celle oü le conte 
d'Almaviva vient donner une serenade ä Rosine; ce rapprochement ne 
nous parait nullement Justine. — Es ist die sechste Szene des ersten 
Aktes. (Paris, Ruault 1775.) 

2 ) Ebenda: Ce qui semble beaucoup plus vraisemblable c'est que 
Moliere dans son Etourdi s'est inspire gä e lä de Piaute et lui a meine 
emprunte en partie son intrigue: 

Et l'acliat fait, ma bague est la marque choisie 
Sur laquelle au premier il doit livrer Celie. 

Des que par Truffaldin ma bague sera vue, 
Aussitöt en tes mains eile sera rendue. 

3 ) Ausgabe von Geppert (Berlin 1866). — Hier zitiert nach C. H. 
Weise. 

») Kapp 16117. — Teuffei (G. d. r. L), S. 148: „mit Zuthat von 
Unsauberkeiteu im massiv römischen Geschmacke, die wühl auch den 
Wegfall der Schlusspartien zur Folge hatten. Das Erhaltene ist näm- 
lich ohne Zweifel eine abgekürzte spätere Bühnenbearbeitung, während 
der Prologschreiber noch das vollständige Stück kannte." 

5 ) A. a. 0. S. 1698. 

6 ) Beiträge. S. 48. 49. 



366 VI- Casina. 

Herrn Stalino das Versprechen bekommen, Casina zur Frau zu 
erhalten, wogegen sie allerdings auch mit ihm leben muss; er hat 
in diese „nuptiae communes" (V. 803) eingewilligt. Chalinus 
dagegen wird von der eifersüchtigen Frau Stalinos, Kleo- 
strata, unterstützt. Sie will Casina ihm anverheiraten und so 
ihrem Sohne, den der Vater auf Reisen geschickt hat (F. 64), l ) 
Casina erhalten. 

Kleostrata tritt mit ihrer Magd Pardaliska auf; sie will 
ihrer Nachbarin Murrhina ihr Leid klagen wegen ihres ungetreuen 
Ehegatten, doch wird ihr Gespräch durch Stalinos Auftreten unter- 
brochen. Stalino ist voll von Liebe für Casina. Da er seine 
Gattin sieht, will er sie mit Schmeichelreden besänftigen; sie aber 
wirft ihm sein Sündenleben vor. Endlich sind beide dahin über- 
eingekommen, die beiden Sklaven gegenseitig zu einer Verzicht- 
erklärung auf Casina, jeden zu gunsten des anderen, zu geM'innen. 
Chalinus tritt auf; aber alle Versuche Stalinos sind vergeb- 
lich; kein besseres Resultat hat unterdessen Kleostrata mit 
Olympio erzielt. So soll es denn dem Lose anheimgestellt wer- 
den, wem Casina zuerkannt werden soll. 

Dieses entscheidet zu gunsten des Olympio. Die grösste 
Freude empfindet hierüber natürlich Stalino. Er macht mit 
Olympio aus, wie unmittelbar nach der Hochzeit dieser Casina 
gegenüber thun solle, als führe er sie auf das Landgut; dies 
Landgut jedoch ist Verabredetermassen seines Nachbars Alcesi- 
mus Haus, wo der Herr mit Casina Hochzeit halten will. 
Mit Tagesanbruch soll sie dann Olympio für immer gehören 

(7. 468): 

Tu ras uxorem duces; id rus hoc erit, 
Tantisper dum ego cum Casina faciam nuptias. 
Hinc tu ante lucem rus cras duces postea. 

Allein Chalinus hat die ganze Unterredung belauscht. 
Nicht um die dreifache Freiheit gäbe er dies Glück (V. 487): 

Tribus non conduci possim libertatibus, 

Quin ego illis hodie conparem magnum malum. 

Er eilt ab, um die Frau Stalinos hiervon in Kenntnis 
zu setzen. 

II. Teil. Stalino unterhandelt mit Alcesimus wegen 
Überlassung eines Lokales für diese Nacht, was dieser zugesteht. 
In der nächsten Szene tritt Kleostrata auf. Stalino hatte 
alles gethan, um des Alcesimus Frau, Murrhina, in sein Haus 

') Is, ne expectetis, hodie in hac comoedia 

In urbem nou redibit: Plautus noluit: 
Pontem interrupit, qui erat ei in itinere. 



Charakteristik derselben. 367 

zu bringen. Kleostrata dagegen sagt, sie wolle ihre Nach- 
barin ja nicht stören, da sie ihrer Dienste nicht bedürfe. Ihrem 
hinzukommenden Manne Stalino dagegen sagt sie, Murrhina 
könne ihrer eigenen Geschäfte halber nicht abkommen. Stalino 
erbittet sich indessen von Alcesimus den Freundschaftsdienst, 
den dieser auch gerne zusagt. Da stürzt mit einemmale Par- 
daliska aus dem Hause. Entsetzt und laut schreiend berichtet 
sie auf Stalinos längere Fragen, Casina sei rasend geworden: 
sie suche mit dem Schwerte Olympio, um ihn zu erschlagen. 
Stalino jammert über sein Los (F. 665): 

Peru hercle miser! 
Neque est neque fuit me senex quisquam amator 
Adaeque miser. 

Pardaliska wird mit allen Versprechungen abgeschickt, um 
Casina zu beschwichtigen. 

Olympio mit seinen Köchen tritt auf, beschäftigt mit der 
Herstellung des Hochzeitmahles. Mittlerweile hat Kleostrata 
einen Plan gefasst , von dem uns Pardaliska erzählt. Der 
Waffenträger wird als Mädchen angekleidet und soll in das 
Brautgeniach des Olympio, an Casinas Stelle, gebracht werden. 
Stalino freut sich bereits der kommenden Nacht. Der Braut- 
zug setzt sich in Bewegung; Sklavinnen übergeben den ver- 
kleideten Chalinus dem Olympio. Es ist eine ungeheuer wirk- 
same komische Szene, wenn Stalino, der den ersten Niessbrauch 
hat (F. 829): 

„Meus fructus est prior," 

und sich des „corpusculttm melliculum (F. 833) freut, und Olym- 
pio die vermeintliche Casina umarmen, die bald Olympio un- 
sanft auf den Fuss tritt (institit plantam, F. 835), bald Stalino 
mit dem Ellenbogen auf die Brust stösst, dass ihm der Atem 
innehält (F. 840): 

„Pectus mi agit haec cubito." 

Stalino und Olympio treten mit Chalinus ins Haus. 

Die Frauen mit ihren Sklavinnen erscheinen, um Zeuginnen 
des weiteren Verkaufes zu sein. Alsbald kömmt Olympio aus 
dem Hause: er gedachte Stalino zuvorzukommen und schloss 
sich mit der jungen Frau ins Gemach; allein ein borstenartiger 
Bart (F. 908: ,, quasi sentis labra mihi conpungit barba") zer- 
stach ihm die Lippen; dann prügelte ihn Chalinus von dannen. 
Hierauf Hess Olympio den alten Herrn hinein (F. 912): 

„Vt senex hoc eodem poculo, quod ego bibi, biberet." 



368 VI- Oasina. 

Alsbald kömmt auch dieser heraus, ohne Mantel („expallia- 
tus", 7. 921), und will nach Hause eilen. Chalinus, mit 
Stalin os Stab und Mantel, erklärt, dass er Casina gespielt 
habe. Stalino schwört für alle Zukunft seiner Frau ständige 
Treue, und so endet diese sittlich so bedenkliche Komödie mit 
einer Züchtigung und Beschämung, ja sogar mit einiger Aussicht 
auf Besserung der lüsternen Personen der Handlung-. 

Der kurze Epilog meldet uns noch allerlei. Casina hat 
sich als ein Kind des Nachbars herausgestellt", und" der junge 
Euthynikus heiratet sie. Beide Persönlichkeiten haben wir 
nicht gesehen und" über ihren Charakter weiter nichts gehört. 

Das Hauptinteresse' bietet der alte Stalkio, der „senex 
amator i£ . Als Greis, „senecta aetate" (7. 226, 243), mit grauem 
Haar (cano capite, 7 501) und verheiratet, („quoi sit uxor,") ist 
er verliebt, und zwar, wie ihm Alcesimus sagt, .(F. 503): 

Miseriorem ego ex aniore, quam te, uidi neminem, 

so zwar, dass er begeistert vom Liebesgenusse spricht (7 200): 

Omnibus rebus ego amorem credo et uitoribus nitidis anteueuire 

Nee potis quiequam conmemorari, quod plus salis plusque leporis habeat, 

— ein „hircus improbus atque edentulus" (7 533). 

Die Liebe hat den Alten zum Gecken gemacht, zur, „larua", 

wie sich Alcesimus ('7 574) ausdrückt. Er duftet von Salben 
(7. 210):. 

Myropolas omnes solicito; ubieunque unguentum est lepidum, ungor, 
Vt Uli placeam; 

und eingebildet genug sagt sich der alte Narr: 

Et placeo, ut uideor. 

Von den beiden Eivalen Olympio und Chalinus ist der 
erstere etwas skeptischer Art. Er hält auf die Götter nicht sehr viel 
(7 331): 

Nam omnes mortales ,dis sunt freti; set tarnen 

Vidi ego dis fretos saepe multos deeipi. 

Der Waffenträger wird (7. 241) schlimmer geschildeit, als: 

illi seruo nequam armigero, nihili atque mprobo, 
Quoi homini hodie peculi numus non est plumbeus. 

Hinsichtlich der Brautnachtszene der Casina hat Lade- 
wig 1 ) gefunden, dass sie atellanenartig . sei und nicht von 



') Rheinisch. Museum, in, 186. 



G. Berrardös Cassina. 369 

Diphilus herrühren könne, sondern von Plaut us stamme. Daran 
knüpft Teuf fei 1 ) eine weitere, in allen Teilen wohl zu berück- 
sichtigende Bemerkung-. Die Brautnachtszene gilt ihm nicht 
als der Schluss des Stückes, schon • deshalb, weil „alsdann 
die eigentliche Frage, wem Casina fortan gehören solle, unbe- 
antwortet bliebe - ' : ferner nach dem Prologe und Epiloge. Der 
Verlauf und • Schluss des Stückes war nach Teuf fei ursprüng- 
lich dem der KArjQOVfievoi des Diphilus «ähnlich. Doch scheint 
„bei den Aufführungen zur Zeit des Plautus der Schlussakt we- 
niger Teilnahme bei dem Publikum gefunden zu haben, weil 
ihm derselbe nach dem hautgoüt der Brautnachtposse etwas fad 
und matt vorkommen mochte - '. Deshalb schloss Plautus bei der 
Aufführung damit. 

„Jetzt erst wird die Rolle des Sohnes als nunmehr entbehr- 
lich gestrichen worden sein, trotzdem, dass der Prolog dies schon 
durch Plautus geschehen lässt." . . . 

„Im ganzen konnte der Gedanke, mit dem komischen Bei- 
lager zu schliessen, bei den Theaterunternehmern nur Beifall fin- 
den, und so kam nur diese spätere Bühnenbearbeitung auf uns, 
während " der Prologschreiber das vollständige Stück noch kannte 
und zur Erläuterung: des abgekürzten benutzte. - ' 



Eine sehr gelungene Bearbeitung der Casina erhielt Italiens 
Bühne im Jahre 1501'-) mit Girolamo Berrardös Cassina. 3 ) 
Die Form der Übersetzung ist die übliche in fliessenden Ter- 
zinen. An Stelle des langen Prologes, der die plautinische Ko^ 
mödie einleitet, trat bei Berrardo ein kurzer Argumento: 

Salute, audite ben la comedia 
Di Plauto laqual Cassina e chiamata 
u. s. w. 

Der alte Stalin eröffnet das Stück. Er ist in Cassina 
sterblich verliebt: 

pe^ Cassina io moro, e ritrouare 
Non scio alcun modo da poterla hauere 
Se al mio castaldo non la cerco dare 
Per moglie in casa doue e mia mogliere. 

Erwünscht kömmt ihm Olimpione, der castaldo, dem er 
kurz erklärt : 



') Studien u. Charakteristiken, S. 257 — 260. 

2 ) Tiraboschi. VI, 878. 

3 ) Cassina. | Comedia di Plavto, | tradotta di latino in aolgare, 
per Gi|rolamo Berrardo Ferrarese, | intitolata la Cassina nuojua- 
mente stampata 1530. 54 fol. (Mit Vignette: Plauto.) Nach fol. 54. 
Stampata in Vinegia, per Nicolo d 5 Aristotile detto Zoppino MDXXX. 

24 



370 VI. Casina. 

Ic> te parlo da uero e schiettameute 

Sol per darte moglier per te ho mandato 
Et te darö una douua sufficiente. 

Auf Olimpiones fortgesetztes Fragen nennt er sie ihm: 

Cassiua e quella 
Ch' io te uo dar, hör guarda se la uoi. 

Nun aber kömmt die Bedingung. So wie er ihm stets die 
erste Feige und Melone u. dgl. bringt, die sein Gut bietet, so wird 
er auch hier begreiflieh finden: 

Che pria che metti in Cassina la niano, 
Lasci gustar a nie il primo boccone. 

Da Olimpione noch Bedenken hegt, auf diesen Handel 
einzugehen, verspricht er ihm überdies die Freiheit. Stalin lässt 
seine Frau Cleostrata rufen, und in langer Einleitung setzt er 
ihr auseinander, dass ein Hausmeier einer Frau bedürfe, darum 
wolle er Cassina seinem Verwalter Olimpione geben. Cleo- 
strata erwidert ihm hierauf, dass sie dieselbe bereits ihrem Sohne 
für seinen Sklaven Calino zugesagt habe. Im allgemeinen ist 
die Szene nach Plautus, V. 201 u. s. w., gehalten. 

Tu la uo dar a quel ragazzon rio? 

meint Stalin, den er als „poltrone, pazzo, im huom da poco, e vile 
anzi da niente" (nach F. 241) bezeichnet. Olimpione hört dem 
Streite zu. 

La bramo piu. quanto piu me la niega. 

Stalin schickt seine Frau mit dem Befehle fort, den Sohn 
auf das Landgut zu senden. Da Cleostrata weg ist, tröstet 
der Alte Olimpione: 

Lei ne il mio figlio non potran far tanto 
Che non sia nostra Cassiua. 

Dem Alten kömmt indessen ein anderer Gedanke: 

Io credo ch' el mio figlio iuuamorato 
Sia de Cassina e a me sia concorreute. 

und darum wohl steckte er sich hinter die Mutter; darum muss er 
sofort aufs Land. Der Sohn Teilt huirinieo, der bei Plautus 
nicht erscheint, kömmt, um Abschied zu nehmen. Der Vater 
spricht lange von seinem Gehorsam und kömmt nun zur Sache. 
Es missfiel ihm, dass er Cassina seinem Diener Calino geben 
wolle: er möffe im Gegenteil darauf hinwirken, dass seine 



G. Berrardos Cassina. 371 

Mutter das Mädchen Olimpione gebe. Teuthuirinico jedoch 
erwidert, er habe es seinem Diener zu einer Zeit zugesagt, da er 
des Vaters Wille unmöglich wissen konnte. Umsonst! Der Alte 
besteht darauf. 

Von hier geht die Handlung auf den Anfang des 
plautinischen Stückes über, auf das Gespräch zwischen 
Olimpione und Calino. Alles Bisherige musste Berrardo 
voranstellen, weil ja sein Olimpione nicht von Haus aus in 
Cassina verliebt ist, oder doch, wenn er es auch war, solche 
Gedanken nicht hegen konnte, wie er sagt. Der Inhalt ihres 
Zwiegespräches entspricht genau dem Original, nur musste es, 
wie die Versart und der Beim mit sich brachte, breiter werden. 
Olimpione kann Calino nicht loswerden. Dieser geht zwar, 
aber (V. 142): 

Te sequor: 

Hie quidem pol certo nihil ages sine me arbitro. 

Et io seguir te uoglio certamente 
E cosa aleuna per dio nou farai 
Ch' io non li sia quäle arbitrio presente 

E in loco alcun senza me non andrai. 

Irrtümlich ist diese Rede in der Ausgabe von 1530 dem 
Olimpione zugeteilt, die Bezeichnung Ca. ist drei Zeilen höher 
zu streichen. Alles Folgende ist plautinisch: es treten 
auf: Cleostrata mit ihrer Magd Pardalesca, alsdann Mirina 
(== Murrhina |. 

Den zweiten Akt beginnt Cleostrata: es folgt Stalin 
mit dem bekannten Monologe (F. 201, Omnibus rebus ff.), sein 
Gespräch mit Cleostrata, alles mit dem Originale, dem Gedanken 
nach, wenn auch formell bedeutend breiter, gleichlautend: seine 
Rede mit Calino und sein Monolog (V. 286): 

Summe ego miser homo? 
Non son io un huomo misero e stracciato!' 

Er klopft nun an des Nachbars (Alcesino) Thor und 
bittet um seinen Beistand. Alles, meint dieser, kannst du ha- 
ben , nur : 

Non mi chieder dinar perch' io non ne ho. 

Stalin erzählt nun von seiner Liebe zu Cassina: 
Son cotto, essa v bramata da me, 

und bittet Alcesino: 

Me i'aecia im gran piacere e 
Vogli seruire per uua notte me 
De la tua casa che dormir aorrei 
Seco, questa grau cosa a te non e. 

24* 



372 VI. Casina. 

Ist auch sie damit einverstanden'? ist Aleesinos erste 
Frage. „Sei luioino tu a contentar colei? a Doch darauf lässt 
sieh Stalin nicht ein. Alcesino gesteht ihm ein Zimmer zu. 
Diese Szene fehlt hei Plautits. 

Es folgt nun der Auftritt zwischen Olimpione und Stalin 
(V. 292, Una edepol opera u. s. w.) Mit ihr schliesst — ■ zwar 
fehlt im Drucke von 1530 die Bühnenweisung, doch verrät es die 
Überschrift oben — der zweite Akt. 

Mit dem Beginne des dritten Aktes stehen Olimpione 
und Calino bereit: 

Noi siam de compaguia stati, o patrone, 
In piazza, ma compagui non siam stati 
A gli albarelli & a le cose bone. 

Es folgt die Verlosungsszene, des Calino verzweifelter 
Monolog: 

Che debbo io far, se hör me uado a impiccare, 
Perdero la fatica & oltra quella 
La spesa che nel laccio hauero a fare. 

( V. 407.) Si nunc me suspendam, meam operam luserim, 
Et praeter operam restim sumtifecerim ; 

ferner die Szene mit Olimpione, Calino, Stalin und Calinos 
Monolog. Stalin mahnt Alcesino an sein Versprechen; Cl eo- 
strat a bespricht sich mit Alcesino und sieht mitleidig zürnend 
ihrem Gatten zti (V. 541): 

Miseri ut festinant senes! 
Come se affrettan questi uecchi matti ! 

Ihr Plan, die beiden hinter einander zu bringen (V. 544): 

JSam er/o aliquid contrahere cupio litigii inter cos duos — 
Perche bramo & desidero grandemente 
De metterli a le mani in contentione, 

schliesst den dritten Akt. 

Den vierten Akt leiten einige Worte Cleostratas ein; als- 
dann folgt Stalins Rede (7. 546): 

Stultitia magna est mea quidem sententia 
Hominem amatorem ullum ad forum procedere . . . 
Parme che de im amante gran pazzia 
Sia il uoler gire in giudicio quel di 
Nel quäl quel che ama per lui in ponto sia. 

Alles Weitere, Cleostrata-Stalin; Alcesino-Stalin; Parda- 
lescas (sie) Erzählung, die Szene mit den Köchen stimmt völlig 
zu Plautus. 

Eingeschoben von Berrardo ist eine Szene zwischen Alce- 



G. Berrardos Cassina. 373 

sino und seinem Sklaven Dulon. Der Sklave drückt seine Ver- 
wunderung aus, dass sein Herr noch in alten Tagen ein Kuppler 
würde. Allein Ale e sino belehrt ihn, dass es nicht um Geld ge- 
schehe, dass er vielmehr aus Freundschaft Stalin das Zimmer 
abtrete , was indessen den Sklaven nicht beruhigt. Er will 
Zeuge sein und im Zimmer bei dem Alten unter dem Bette sich 
versteckt halten: 

io son certo che ei 
Yergine anckor da lui se partira. 

E qnando la gargiona li restassi 

Non contenta, io potessi uscir di iüora 
E che io fusse quel que la contentassi. 

Sein Herr verwehrt es ihm zwar ernstlich, allein Dulon will 
sein Glück versuchen. — Pardalescas Monolog (F. 746): Nee 
pol ego Nemeae credo u. s. w., führt wieder auf PI au tu s 
hinüber. Stalin geht ins Haus, unbekümmert um das Essen: 

Che im che ama, se ha ben fame, non la sente. 

Vor ihm ist aber Dulon schon ins Haus getreten, um sich 
an Cassina zu freuen. 

Im fünften Akte sehen wir Stalino bereits eine Stunde 
warten. Olimpione fordert, wie im Original, zum Brautgesang 
auf, dies und alles Folgende (Olimpione-Stalin: Mirina- 
Cleostrata-Pardalesea; Olimpione (F. 864, Neque quo 
fugiam) ist wie bei Plaut vis. 

Eingeschoben ist Dulons Bericht. Erst kam Olim- 
pione, den er gehörig durchprügelte: dann der alte Stalin, 
dem es ebenso erging. Später erfahren wir dann dasselbe aus 
dem Munde der Beteiligten. — Teuthuirinico ist dem Befehle 
seines Vaters nicht nachgekommen, sondern in der Stadt ge- 
blieben. Er weiss von dem Vorgefallenen noch nichts; erst seine 
Mutter bringt ihm die frohe Nachricht: 

ho ottenuto 
Che Cassina in Calin se faccia sposa 
E in cio sei da tuo padre compiacciuto. 

Da tritt Cassina auf. Die Worte des plautiniscben 
Epilogs (F. 972): 

Haec Casina huius reperietur film !'«!■ e proxumo, 
Eaque nubet Euthynico. nostro erili filio, 

hat sich der italienische Bearbeiter natürlich nicht entgehen lassen, 
ohne daraus die letzte Szene zu machen. Alle sind anwesend mit 
Ausnahme des Alcesino und Calino; Stalin jedoch spricht kein 



374 VI Casina. 

Wort mehr. Cassina weigert sich, Calino zu heiraten. Sie 
wurde einst von ihrer Mutter ausgesetzt und hat noch „le fasce 
e i signi" ; sie kann , da sie zweifelsohne von Freien stammt, 
keinen Sklaven heiraten. Da ergreift Mirina das Wort. Cassina 
ist ihr vor der Ehe gehorenes Kind: 

Prima che me sposasse Alcesino, esso 

Me ingrauido, che amanti erauamo noi. 

Et a chi amata cosa incontra sj>esso 
AI tempo parturi una figlia, e poi 

La mandai a espor, perche celata 

Fusse la cosa. 

Die Zeichen stimmen. Der King ist derselbe, 

Che tuo padre in quel ponto mi dono 
Che a ingenerarte fu meco congiunto. 

Nun darf Teuthuirinico frei um sie werben und erhält 
ihr Hand. Das letzte Wort hat Olimpione, indem er Teuthuiri- 
nico noch warnt, aufmerksam zu sein: 

In ueder, se essa e donna o huomo. 

B e r r a r d o entfernt sich hier weit mehr, als in der Mostellaria, 
vom Originale. Eigentlich ist es nicht mehr Übersetzung 
zu nennen, wenn auch meist die neu eingefügten Szenen auf 
plautinischen Andeutungen beruhen. Berrardos Stück ist be- 
rechtigter, „Cassina" zu heissen, als dasjenige des Plautus, das 
nur mit der Verhöhnung der beiden alten Böcke schliesst. Es 
ist so, wie Teuf fei 1 ) sich den Inhalt des ursprünglichen Stückes 
vorstellt: „Vater und Sohn hatten sich in dasselbe Mädchen ver- 
liebt, das in ihrem Hause — als Sklavin — auferzogen und 
jetzt zur Jungfrau herangereift war. Um nun freie Birsch zu be- 
kommen, schob jeder von beiden einen ergebenen Sklaven vor, 
der das Mädchen heiraten sollte. (Das muss aus dem Stücke des 
Diphilus sein, denn auf den Gedanken von ,seruiles nuptiae' wäre 
Plautus von selbst nicht gekommen, siehe den Prolog, V. 67 ff.) 
Die Frau des Hauses nimmt entschieden Partei für den Sohn und 
dessen Kandidaten, weil sie die geheime Absicht ihres Gatten 
merkt; (denn so unverhüllt, wie bei Plautus, wird er bei dem 
attischen Dichter seine innersten Gedanken nicht ausgesprochen 
haben.) Die streitenden Teile vereinigen sich dahin, das Los 
entscheiden zu lassen. (Auch dieses ist für Diphilus wesentlich, wie 
der Titel seines Stückes beweist.) Es entscheidet für den Vater 
und dessen Strohmann. Der Sohn ist untröstlich; der Alte 



') Studien u. Charakteristiken, S. 258. 259. 



Machiavellis Clizia. 375 

triumphiert, die Frau sinnt auf Ränke, um die Sache dennoch zu 
hintertreiben. Sie teilt sich einer Nachbarin mit, und bei näherer 
Erkundigung stellt sich heraus, dass das fragliche Mädchen (die 
ausgesetzte Tochter der Nachbarin tmd daher) gar keine Sklavin 
ist, somit weder einer der beiden Sklaven, noch der vermählte Stalino 
sie zur Frau bekommen kann, sondern einzig der Sohn, dem sie 
denn auch zu teil wird." 

Die Akteinteilung Berrardos als solche ist sehr geschickt 
gemacht. Seine gegen Plautus neu eingeführten Personen — - 
Cassina und Teuthuirinico - haben zahlreichen späteren 
Bearbeitern als Vorbild gedient. Kann schon der plautinische 
Olympio zu Stalin sagen (F. 952): 

natu tu maxumo 
He opsecrauisti opere, Casinam ut poscerem uxorem mihi, 

so noch Aveit mehr jener des Berrardo, da hier die Initiative 
ganz und gar von Stalin ausgeht. 

Etwa in das Jahr 1506 wäre Machiavellis Clizia 1 ) zu 
setzen, da es (I, 1) heisst: „Dirotello quando XII anni sono, nel 
1494." — Obwohl in dem Prologe keine Erwähnung des Plau- 
tus geschieht, ist das Stück doch auf der Casina des römischen 
Dichters 2 ) aufgebaut. Der Prolog berichtet nur, dass der Vorgang 
sich in Athen ereignete. „Quelli cittadini parlauano in greco & 
uoi quella lingua non intendereste, a deshalb „prendete in tanto il 
caso seguito in Firenze". 

I. Akt. (1.) Cleandro, der Sohn des Nicomach o und der 
S o fr o n i a , erzählt dem P a 1 a m e d e von seiner Liebe zu Clizia, und 
wie das Mädchen in dies Haus kam. Im Jahre 1494, als König Karl 
Florenz berührte, habe ein Edler seines Gefolges das damals sechs- 
jährige Kind im Hause seines Vaters hinterlassen. Es hiess Clizia. 
Cleandros Liebe zu dem Mädchen wuchs von Jahr zu Jahr, .,di 
modo che quando ella arriuö alla etä di 12 anni, mio padre e mia 
madre cominciorno ad hauermi gli occhi alle mani. " Heiraten 
könne er das Mädchen nie, weil sein Vater geizig und Clizia 
arm (senza dote) sei. Dazu kömmt noch, dass seit einem Jahre 
der Vater selber in sie verliebt ist und sie deshalb an seinen 
Diener Pirro verheiraten will, um sich so den Mitgenuss zu 
sichern. Die Mutter merkte es längst und möchte darum das 
Mädchen ihrem Fattore, Eustachio, geben. Da nun Pirro 
„il maggior ribaldo che sia in Firenze." ist, SO hat Cleandro 



') Clizia. | Comedia | di M. Nicolo | Machiavelli | Fiorentino. | 
Nuouamente corretta & ristampata. InFirenze 1548. (Ohne Paginierung.) 

-) Riccoboni (I. 149): La Clitia est prise de la Casina de Piaute. 
— Ginguene, VI. 238. — Euth. 11.499. — Alt. Kirche und Theater 
(1846). S. 522. — Klein. IV, 462. 



376 VI. Casina. 

Eustachio brieflich nach Florenz berufen, um das Ausserste zu 
verhüten. Palamede verspricht in allen Dingen seine treueste 
Mithilfe. (2.) Cleandros Monolog- führt den Gedanken durch, 
dass der Soldat und der Verliebte in vielen Dingen sich ähnlich 
seien. (3.) Eustachio ist vom Lande herbeigeeilt. Cleandro 
gewinnt ihn für sich; ihm, sagt er, habe er und seine Mutter 
Clizia als Frau zugedacht. 

IL Akt. (1.) Obschon der greise Nicomacho über die 
Beschwerden des Alters jammert, brüstet er sich doch noch, „non 
sono anchora si uecchio che io non rompessi una lancia con 
Clizia.' - (2.) Im Weiteren teilt er Pirro mit, dass sein Sohn und 
seine Frau Clizia an Eustachio verheiraten wollen, und hört 
von diesem zu seinem grossen Arger, dass Eustachio das Land- 
haus verlassen und in Florenz angekommen sei. (3.) Sofronia, 
Nicomachos Gattin, welcher die Aufgabe zugefallen ist, Clizia 
zu bewachen, ..guardare questa fanciulla dal figliuolo, dal marito, 
da i famigli, " bespricht sich mit ihrem Manne über des Mädchens 
Zukunft. Er meint, man müsse den Beichtvater Fra Timoteo, 
der schon Wunder gewirkt habe, 1 ) darüber befragen. (4.) So- 
fronia, allein zurückgeblieben, klagt ihr Leid über die Verän- 
derung, die seit einem Jahre mit ihrem Gatten vor sich gegangen 
sei. Einstens das Muster eines Ehemannes , sei er jetzt das 
Gegenteil davon. Wie bei Plautus (F. 89 ff.), streiten Pirro 
und Eiistachio um die Braut, wobei Pirro den Fattore, wie 
Chalinus den Olympio, begrüsst (F. 98): 

Quid in urbe restas, uilliee hie magni preti? 

Che fai tu in Firenze trista cosa? 

III. Akt. (1.) Nicomacho macht seinem Sohne Cleandro 
bittere Vorwürfe über seine Parteinahme gegen Pirro und er- 
klärt ihm, dass diesen Abend noch Clizia mit Pirro verheiratet 
werden soll. (2.) Cleandro bricht in schwere Klagen über 
sein Los aus. Alle Nebenbxihler sind bei Clizias hoher Schön- 
heit denkbar: „ma io non intesi mai che ad aleuno auuenisse 
di hauere per riuale il padre." (3.) Sofronia berät sich mit ihrem 
Sohne. Es soll alles geschehen, um die Heirat zu verhindern: vor 
allem, meint Cleandro, müsste man doch warten, ob nicht Cli- 
zias Eltern wieder gefunden würden. (4.) Nicomacho will in 
einer Plautus nachgeahmten Szene seine Frau beschwichtigen. 

(F. 212.) Blande haec mihi mala res adpellanda est. 

Io la uoglio un poco berteggiare per uedere se le buone parole 
mi giouano. 



') So fr. Quäle ? Xicom. Come quäle? uö sai tu che per le sue 
orationi mona Lucretia di M. Nicia Galtücci, cli' era sterile, ragrauidö? 



Maehiavellis Clizia. 377 

( V. 214.) Heia, mea Inno, non decet te esse tarn tristem tuo lovi. 

fanciulla mia. hai tu perö ä stare si manineouiosa. quando 
tu uedi la tua sjjeranza. 
(V. 215.) Mitte tue! — Lasciam' ire. 

Mane! — Permati dico. 

Non maneo. — Io non uoglio; tu nii pari cotto. 

At pol ego te sequar. — Io ti uerrö dietro. 

Opsecro, sanun' es? — Sei tu inipazzato? 

Samts quando te amo'l ■ — Pazzo perche io ti uoglio troppo bene? 

Nolo ames. — Io non uoglio che tu me ne uoglia. 

Non potes inpetrare. — ■ Questo non puo essere. 

ßnicas. — Tu m' uccidi al fastidioso. 

Vera dicas uelim. — Io uorrei ehe tu dicessi il uero. 

Credo er/o istuc tibi. — Credotelo. 

Respice, o mi lepos. — E guatami im poco. amor niio. 

Nempe ita, Vti tu mihi es. 

Vnde hie, amabo, unguenta adolent. 

Io ti guato e odoroti anche. tu sai di buono: ben be. tu mi riesci. 
( V. 223.) Uti te bonus 

Mercurius perdat, myropola, qui haec mihi dedisti. 

Ohime ch' ella sen e auueduta: ehe maledetto sia quel poltrone 
che me lo arrecö dinanzi. 

Onde sono uenuti questi odori di che tu sai, uecchio inipazzato? 
(F. 227.) Pol amico dedi cuidam operam, dum emit unguenta. 

E passö dinanzi di qui imo che ne uendeua, io gli stras-iuai. 
et mi rimase di quello odore ä dosso. 
Vt cito commentust! 

Ecquid te pudet? 

Egli ha gia trouata la bugia. non ti uergognitu di quello che 
tu fai da un' anno in qua? 

So hält sie ihm sein Sündenregister vor. Sie scheiden, wie 
bei Plautus, indem Nicomacho Pirro, Sofronia Eustachio 
dafür gewinnen will, auf das Mädchen Verzicht zu leisten (Y. 258): 

Nunc experiemur, nostrum uter sit blandior. 

Da hora inanzi eiaseuno di noi si proui. e chi di noi dispone il 
suo, habbia uinto! 

(5.) Eustachio wird bei seinem Auftreten von Nicomacho 
wegen seines Hierseins zur Rede gestellt; dann wendet sich der 
Herr freundlich an ihn: er zähle nun schon achtunddreissig Jahre, 
und das Mädchen sei zu jung für ihn. Eustachio aber ist der 
Ansicht: ,.In questa terra, chi ha la bella mogiie non puo essere 
pouero, et del fuoco et della mogiie si puo essere liberale con 
ogniuno, perclie quanto piu ne dai, piu te ne rimani;" und so 
bleibt er bei seinem Vorsatze. (6.) Pirro läs>t sich leichter 
verständigen, zwar hat er sich mit allen verfeindet (T r . 311): 

Verum edepol tua mihi odiosa est amatio: 
Inimica est tua uxor mihi, inimicus filius. 
Tnimici familiär es. 

Mi sarö f'atto nimico la uostra douna. il uostro figliuolo, et tutti 
ffli altri di rasa : 



378 VI. Casina. 

allein Stalino tröstet ihn im Originale (V. 313): 

Quid id refert tua? 

Vnus tibi liic dum propitius sit Iuppiter, 
Tu istos minutos caue deos floccifeceris. 

was, ins Christliche übersetzt, lautet: 

Nicom. Ch' importa a te? sta bene con Christo, et fatti beffe de' 

Santi. 
Pirro. Si. Ma se uoi morissi, i Santi nie tratterebbono assai male; 

(nach V. 318 si tu, Iuppiter, sis emortuus u. s. w.) 

und im Ferneren : 

Nie. Non dubitar, io ti farö tal parte che i Santi ti potranno dar 
poca briga, et se pure e' uolessino, i magistrati et le leggi ti 
defenderanno, purch' io habbia faculta per tuo mezzo di dor- 
mire con Clizia. 1 ) 

( V. 323.) Non her de, opinor posse: ita ut uxor aeriter 

Tua ins tat, ne mihi detur. 

Io dubito che uoi non possiate, tanto infiammato ui ueggo 
contra la donna. 
( F. 324.) At ego sie agam : 

Coniiciam sortis in siteltam et sortiar. 

Io ho pensato che sarä bene per uscir una uolta di questo 

farnetico, che si getti per sorte di chi sia Clitia, da che la 

donna non si potra discostare. 
( C. 328.) Quid, si sors aliter, quam uoles, euenerit? 

Se la sorte mi uenisse contra ? 
( V. 329.) Benedice! dis sum frelus ; deos sperabimus. 

Io ho speranza in Dio che la conuerrä. 

Gott, meint Pirro, soll die Schurkereien des alten Sünders 
begünstigen! (7.) Den auftretenden Eustachio und Sofronia 
setzt Nicomach o seinen Plan auseinander. Das Los soll ent- 
scheiden. Nochmal ruft Nicomacho die heilige Apollonia an. 
Das Los fällt zu gunsten Pirros. Nicomachos Freude ist 
gross. Vergeblich möchte Sofronia die Hochzeit noch einen 
Tag hinausziehen. Eustachio eilt zu Cleandro, um ihn zu 
benachrichtigen. 

IV. Akt. (1.) Cleandro wundert sich zunächst darüber, 
dass seine Mutter auf den Vorschlag, um Clizia das Los zu 
werfen, einging. Da Nicomacho mit Pirro auftritt, belauscht 
er ihn, rückwärts stehend, wie Chalinus bei Plautus. (2.) 
Nicomacho freut sich des Erfolges (V. 450): 

Vt ego hodie Casinain deosculabor! ut mihi 

Bona multa faciam clam meam uxorem ! 

Quando terrö in braccio Clitia, quand' io la toccherö, bacierö o stringerö . . . 



V. 322. Si huc inpetramus, ut ego cum Casina eubem. 



Machiavellis Clizia. 379 

Die ganze Sache soll so vor sich gehen: ..Io lio imposto a 
mogliama, che chiami Sostrata, moglie di Damone, perche gli 
ainti ordinär qucste nozze, & acconciare la nnova sposa, & a 
Damone dirö che solleciti che la donna ui uadia. Fatto questo 
et cenato che si sarä, la sposa da queste donne sara nienata in 
casa di Damone, et messa teco in camera, et nel letto: io dirö 
di uoler restar con Damone albergo, et Sostrata ne uerrä con 
Sof'ronia qui in casa, tu rimaso solo in camera spegnerai il lume, 
& ti baioccherai per camera faccendo uista di spogliarti; intanto 
io pian piano me ne uerrö in camera, & mi spoglierö & enterrö 
a lato a Clizia, tu ti potrai star pianamente in sul lettuccio, la 
mattina auanti giorno io mi uscirö del letto, mostrando di uoler 
ir a orinare , reuistiromi & tu enternd nel letto," eine An- 
ordnung, welche von Plautus ganz abweicht. Pirro ist 
damit einverstanden. „Io ringratio Iddio poi che m' ha dato una 
moglie in modo fatto, ch' io non harö a durar fatica, ne a iinpre- 
gnarla, ne a darle le spese." 1 Cleandro geht, um von alledem 
seine Mutter in Kenntnis zu setzen. (3.) Eben recht kömmt 
Damone (Alcesimus), der sich bereit erklärt, sein Haus zu 
räumen, worauf Nicomacho zum Droguisten um Spezereien geht. 
(4.) Sofronia hat Dämon es Zusage gehört. Nun sieht sie ein, 
wie Cleostrata, weshalb ihr Gatte ihr die Beihilfe Sostratas, 
der Gattin Damones, versprochen habe. Wie Cleostrat'a be- 
grüsst sie ihn (V. 519): 

Set eccum egreditur senali colunien, praesidium popli, 
Meus uicinus, meo uiro qui liberum praebet locum. 
Ecco Damone di qua, o specchio di questa cittä, et colouua 
del suo quartiere, che accomoda la casa sua a si dishonesta 
et uitoperosa impresa. 
( V. 522.) A. Miror, huc iam non arcessi in proxumuui uxorem meam, 
Quae iamdudum, si arcessatur, oruata expectat domi. 
Sed eccam, opino, arcessit. Salve Cleostrata. 
67. Et tu. Alcesime. 

Vbi tua uxor? 
A. Intus illa te, si se arcessas, inauet. 

Nam tuos uir nie orauit, ut eam ad te adiutum mitterem. 
Vin' uocem ? 
Cl. Sine: nolo si * * occupata est. 

A. Otiuni est. 

Cl. Xil moror; molesta ei esse nolo; post conueneru. 
A. Xou oruatis istic apud uos nuptias? 
Cl. Orao et paro. 

A. Non ergo opus est adiutrice? 
Cl. Sat domi est. 

wörtlich bei Machiayelli: 

Pant. Io mi marauiglio die Sofronia si sia ferma, & non uenga auanti 
a chiaiuar la niia donna; nia ecco che la uiene. Dio ti saluti, 
Sofronia. 



380 VI. Casina. 

Sof. Et te, Damone; doue e la tua donna? 

Dam. Ella e in casa, et e parata a uenir, se tu la chiami, perche il 

tuo marito me n' ha pregato, uo io a chiamarla. 
Sof. Nö, aö ; la debbe hauer f accenda. 
Dam. Non ha faccenda alcima. 
Sof. Lasciala stare, io non le uo dar briga, io la chiamerö, quando 

fia tempo. 
Dam. Ordinate uoi le nozze? 
Sof. Si, ordiniamo. 

Dam. Non hai tu necessitä di chi t' aiuti? 
Sof. E ui e brigata im mondo per hora. 

ferner (7. 532): 

Quid ego nunc faciam? Flagitium maxumum feci miser 
Propter operam illius hirqui inprobi atque edentuli, 
Qui hoc mihi contraxit. Operam uxoris polliceor foras 
Quasi catillatum. 

Che farö hora, io ho fatto im errore grandissimo a cagione di 
questo uecchio impazzato, bavoso, cisposo & senza denti, e' m' ha fatto 
offerire la donna per aiuto a costei che non la uole, in modo che la 
crederä ch' io uadia mendicando im pasto . . . 

(5.) Unterdessen hat Nicomacho Spezereien und Parfüm ge- 
kauft, wie es seine Frau vermutet. Die Szene ist wieder nach 
Plaut us gearbeitet. 

(F. 556.) St. Set uxorem ante aedis eccam! hei misero mihi! 
Metuo, ne non sit surda atque haec audiuerit. 
67. Auiliui ecastor cum malo masuo tuo 



( V. 560.) St. Iamne ornata res est ? 

Iamne haue traduxti huc ad nos uicinam tuam, 
Quae te adrotaret? 
Cl. Arcessiui, ut iusseras. 

Verum hie sodalis tuos, amicus optumus, 
Nescio, quid se sufflauit uxori suae: 
Negavit posse, quando arcesso, mittere. 
St. Vitium tibi istuc maxumum est: blanda es parum. 
VI. Non matronarum officiumst, sed meretricium. 
Viris alienis, mi uir, subblandirier. 

I tu atque arcesse illam: ego intus, quod facto est opus, 
Volo adeurare, mi uir. 
Nie. Io ho ueduto mogliama, ö me ch' ella m' hara sentito. 
Sof. Si ch' io t' ho sentito, & con tuo danno & uergogna, sio uiuo insin'a 

domattina. 

Nie. Sono a ordine le cose, hai tu chiamata questa tua uicina che t' aiuti. 

Sof. Io la chiamai come tu mi dicesti, ma questo tuo caro amico le 

fauellö non so che nell' orecchio in modo che la mi rispose che 

non poteua uenire. 

Nie. Io non nie ne marauiglio, perche tu sei im poco roza & non sai 

aecomodarti colle persone quando tu uuoi aleuna cosa da loro. 
Sof. Che uoleui tu ch' io la toccassi sotto '1 mento: io non son usa a 
far carezze a mariti d' altri. ua, chiamala tu, poi che ti gioua 
andare dietro alle mogli d' altri, & io andrö in casa a ordinär 
il resto. 



Machiavellis Clizia. 381 

Nicht minder stimmt die nächste (6.) Szene zn Plantns 
fast wörtlich, z. B. : 

(F. 573.) Ale. Viso huc, amator si a foro rediit domum, 

Sed eceum ante aedis! Ad te hercle ibam commodum. 
St. Atque ego hercle ad te. Quid ais, uir minumi preti? 

Quid tibi mandaui? Quid tecum oraui? 
Ale. Quid est? 

St. Ut bene uaciuas aedis fecisti mihi! 

Ut traduxisti huc ad nos uxorem tuam! 
Satin' propter te pereo ego atque occasio? 
Ale. Quin tu suspendis te? Nempe tute dixeras, 
Tuam arcessituram esse hinc uxorem meam? 
Dam. Io uengo a uedere se questo amante e tornato dal mercato: ma 

eecolo dauanti a 1' uscio, io ueniuo a punto a te. 
Nie. Et io a te huomo da farne poco conto; di che te ho io pregato? 

di che t' ho io richiesto? tu m' hai seruito cosi bene. 
Dam. Che cosa e? 

Nie. Tu mandasti mogliata? tu hai uota la casa di brigata, che fu un 

solazzo, in modo che alle tue cagioni io sono morto & disfatto. 

Denn. Va t' impicca, non me diceste che mogliata chiamarebbe la mia? 

u. s. w. Plötzlich hört man Geschrei aus dem Hause. Nico- 
macho und Daraone treten in dasselbe ein. (7.) Doria er- 
zählt, auf welche Weise der Alte geprellt werden soll, indem 
Siro, als Weib verkleidet, ihn empfangen will. Nicomac ho 
und Dam on e kommen zurück, und Doria klagt, wie Parda- 
lisca bei Plautus (7. 603): 

Nulla su/n! nulla sum! tota, tota oeeidi! 

Io son morta, io son morta; fuggite! fuggite! 

über das Vorgefallene. Clizia sei plötzlich wahnwitzig geworden. 
Diese Szene hat übrigens Machiavelli stark gekürzt. Wir hören 
nur, dass Clizia mit gezücktem Dolche alle zu töten drohe. 
Alsbald (9.) kömmt Doria mit der Botschaft wieder, Clizia habe 
sich beruhigt, sodass also die Steigerung bei Plautus (V. 673): 

iSV. Set etiamne habet Casina etiam nunc gladium? 
Pur. Habet, set duos. 
St. Quid duos? 

Par. Altero te 

Occisuram ait, altero uillicum hodie, 

nicht mehr verwertet ist. — (10.) Siro, als Braut gekleidet, hebt 
das Taschentuch vor sein Antlitz. „Sie weint!'' meint Sofronia. 
(11.) Nicomacho, der sie nur flüchtig sah, findet: „Ella ne ua 
molto maninconiosa, ma hai tu ueduto come elf e grande, la si 
debbe essere aiutata con le pianelle." (12.) Die Braut ist zu 
Bette. Nicomacho eilt ihr nach, was Sofronia zu dem Worte 
veranlasst: „Questa tua donna sarä come la mezine da Santa 
Maria in pruneta!" 



382 VI. Casina. 

V. Akt. (1.) Doria berichtet, wie es dem alten Nico- 
macho erging*. „Hora entra in camera Nicomacho , hoi'a si 
spoglia, hora si coriea al lato alla sposa, hora le da la battaglia, 
hora e combattuto gagliardamente. " Nicomacho ist aufs tiefste 
beschämt. Er spricht Olymp ios Worte (V. 864): 

Neque quo fugiam, neque tibi lateam, neque hoc dedecus quomodo celem, 

Scio . . . 

„Fratel mio, io non so, done io mi lügga, done io mi nascon- 
da, 6 done io occulti la gran uergogna, nella quäle io sono incorso. " 
Dann erzählt er, wie es ihm erging, wie er Prügel bekam. Gegen 
Morgen machte Pirro, da er Waffen fühlte, Licht, und — „in 
cambio di Clitia uedemo Siro mio famiglio ritto sopra il letto, 
tntto ignudo, che per dispregio, hu, hu, hu, mi faceua bocchi, 
hu, hu, hu & manichetto drieto". Der Erfolg aber ist allen 
lächerlich. (3.) Sofronia, der alles anheimzustellen, Damone 
rät, hält Nicomacho eine ernste Strafpredigt; er verspricht, in 
allem zu folgen, und vorerst wird Clizias Ehe mit Pirro ge- 
löst. (4.) Eustachio erfährt, dass für ihn nichts zu hoffen ist, 
und auch Cleandro muss zuwarten, da Clizia vorderhand in 
einem Kloster untergebracht werden soll. Nach einem kurzen 
Monologe Cleandros (5.) kömmt Damone (6.) mit froher Bot- 
schaft. Clizias Vater ist angekommen. ,.11 padre di Clitia nostra 
e uenuto in questa terra e chiamasi Ramondo et e gentilhuomo 
Napoletano, et e ricchissimo & e solamente uenuto per ritrouare 
questa sua figliuola." Damone (7.) stellt dem neu Ange- 
kommenen Nicomacho und seine Frau vor, sowie Cleandro 
als „tuo genero, quando ti piaccia", was Eamondo in wenig 
Worten gerne zugiebt. Und nun sollen „nuoue nozze" statt- 
finden, „le quali fiano feminine & non maschie come quelle di 
Nicomacho. " 

Zwischen jedem Akte ist eine „canzone" eingeschaltet, ganz 
nach Art eines Chores. Besonders die am Schlüsse des zweiten 
Aktes eingefügte beleuchtet hübsch die Idee des Ganzen: 

Qvanto in cor gentile e bello Amore, 

Tanto si disconuiene 

In chi de gli anni sua passato ha '1 fiore. 

Amor ha sua uirtute ä gl' anni uguale. 

Et uelle fresche etati assai s' honora, 

Et nelle antiche poco o nulla uale, 

Si che o uecchi amorosi il meglio fora 

Lasciar 1' impresa a giouinetti ardenti, 

Che per forte opre iutenti 

Far ponno al suo signor di largo honore. 

Machiavellis Stück ist einfach und klar und in gewählter 
Sprache, die selten etwas derb wird, geschrieben. Soweit es 



Gellis ..Lo Errore". 383 

anging, hat er sich, sogar bis auf den Wortlaut, an 
Plautus angeschlossen. Einige Freiheit gestatteten ihm nur 
die Lücken des Originals und der Drang, nach Kräften zu kürzen. 
Einige (oft gering-fügige) Änderungen mussten sich daraus er- 
gehen, dass der hei Plautus nicht handelnde Jüngling Euthy- 
nicus hier als Cleandro eine Hauptrolle spielt, und dass einige 
spezifisch altrömische Szenen, wie z. B. die mit dem Koche 
(in, 6., V. 700 ff.), hei Machiavelli wegfielen. 

Bei verschiedenen Schriftstellern 1 ) findet sich die Angabe, 
dass des Gio. Battista Gelli Lustspiel „Lo Errore"-) mit der 
Clizia des Machiavelli und also mittelbar mit Plautus' 
„Casina" zusammenhänge. Im Prologe (S. 9) heisst es allerdings: 
,.11 suggetto della commedia . . . e un caso solo sirnile alla 
Clizia di Machiavelli. E questo e un vecchio che innamorandosi 
in quella etä, alla quäle par che si convenga ogni altra cosa 
piü che lo amore, non ottenne solamente quel che ei desidera^, 
ma egli fu forza per ricoprir 1' error suo acconsentir che un suo 
figliuolo, all' etä del quäle non disdiceva lo innamorarsi, ottennesse 
il suo desiderio egli." 

Der Inhalt des Stückes, das nach jedem Akte intermedii, 
einige angefügte Verse, hat, wird zeigen, wie es mit Plautus 
und selbst mit Machiavelli gar nichts gemeinsam hat. Vater 
und Sohn verfolgen hier ganz andere Ziele. Die Komödie 
selbst ist recht schwach und zeigt, mit der Sporta (S. 274) ver- 
glichen, so recht, was dem Dichter der Halt an der Antike war. 
Dort, auf Plautus gestützt, gelang es ihm, ein unter- 
haltliches Stück zu liefern: hier, auf sich angewiesen, 
brachte er es nur zu einer albernen Posse mit leerem 
Geschwätz. 

I. Akt. (1.) Der alte Gherardo Amieri ist in die Frau 
seines Nachbars Averardo Tieri, Mona Ginevra, verliebt 
und glaubt, dem Alter stehen solche Exzesse nicht minder als der 
Jngend an. (2.) Er enthüllt dies Geheimnis seinem Freunde 
Bindo Bostichi, der ihn wie einen Jüngling von zwanzig bis 
fünfundzwanzig Jahren findet, doch aber mit ihm nicht über- 
einstimmen kann. Gherardo kann sich nicht frei bewegen, „che 
io ho quella diavola di mogliama e quel saccentino del mio 



') Ruth. II, 499. 

2 ) Lo Errore, Comedia del Gelli, recitata alla Cena che l'ece 
Ruberto di Filippo Pandolfini alla Cornpagnia de' Fantastichi 1' anno 
1555 in Firenze. Di Firenze (presso il Torrentino ehe la dedica al Pan- 
dolfini. 1556 in 8°. Erste, sehr seltene Ausgabe. — Lo Errore di Gio. 
Batista Gelli Fiorentino. In Firenze nella stampejia de' Giunti 1603 in 
8°. — Neben andern Ausgaben (Neapel [?] 1 731 j enthalten auf S. 1 — 73 
der Aso-b. Milano (Dalla societä tipografica de' Classici Italiani) anno 1S07. 



384 VI. Casina. 

figliuolo ehe io ti so dir che ci nii pongon ben mente alle mani." 
Deshalb hat er eine gewisse Mona Pacifica, die Witwe Acco- 
mo das, als Zwischenträgerin. Unbefriedigt verlässt ihn Bindo. 
(3.) Mona Pacifica wird von Gherardo das Haus Ginevras 
licschrieben. Sie geht hin, um dort etwas zu vermitteln, gerät 
aber (4.) in Gherardo s eigenes Haus, wo Mona Francesca, 
die Hausfrau desselben, sie empfangt und, Verdacht hinsichtlich 
ihres Mannes schöpfend, sich als Mona Ginevra ausgiebt. 

II. Akt. (1.) Mona Francesca erbittet sich Bedenkzeit, 
während welcher M. Pacifica in die Kirche St. Ambruogio 
geht, um für ihren verstorbenen Mann zu beten. Francesca 
hofft, es soll hierbei wenigstens soviel gewonnen werden, „che 
questo vecchio pazzo in cambio d' ottener la voglia e il desiderio 
suo consenta che il mio figlio e io ottegnamo il nostro lasciandolo 
tor questa figliuola di Averardo per moglie, perche ei ne e tanto 
innamorato, che io dubito, se ei non 1' ha, che noi non ce lo 
perdiamo in qualche modo.-' Sie erzählt ihrem Sohne Camillo 
die Sache. (2.) Da M. Francesca wiederkömmt, giebt sie ihr 
halbwegs Hoffnung. (3.) Sehnsüchtig wartet der Alte mit seinem 
Husten, den er sich gestern bei einer Verkältung holte. Pacifica, 
„der ein Prophet diesen Namen gab,"' erzählt ihm das Resultat. 
Ein nächtliches Zusammentreffen ist nicht möglich, so soll 
Gherardo bei Tag, „ma vestito da donna, - ' sich dort einfinden. 
(4.) In aller Eile schickt Gherardo seine Frau nach dem Kloster 
weg, um frei zu sein. 

III. Akt. Dieser enthält fast gar keine Förderung der 
Handlung, sondern nur eitles Gerede. 

IV. Akt. Gherardo, schön rasiert, treibt seinen Sohn zu 
einem Spaziergange an, nachdem er ihm schon am Ende des 
vorigen Aktes sagte, er brauche nicht zu studieren, da für ihn 
bestens gesorgt sei. Camillo erfährt von seiner Mutter, dass 
der Alte in Weibertracht kommen werde. Beide wollen sich den 
Spass mit ansehen. Mona Ginevra erscheint, und die Magd 
erhält den Auftrag, eine allenfalls klopfende Frau hereinzulassen. 
Der alte Gherardo in Weiberkleidern wird der Spott des kleinen 
Fellino, des Sohnes der M. Ginevra. 

V. Akt. Francesca schimpft den im Weiberrocke da- 
stehenden Gherardo, so wie er es verdient. Er erfährt, dass 
M. Pacifica s Irrtum das Misslingen seines Planes verui-sacht 
habe. Camillo erhält Lucrezia zur Frau, da Gherardo und 
Lucrezias Eltern endlich einstimmen. 

Von italienischen Übersetzungen der Casina nennt Argelati 1 ) 

») m. 233. 



Lariveys Le Laquais. 3g5 

jene von Francesco Brunamonti. — Von Dolces „Ragazzo*, 
in französischem Gewände, wird sofort die Rede sein. 



Eine Kontamination eines Zuges der Aulularia und der 
Hauptidee der Casina ist Lariveys (S. 66) „Le Laquais-, 1 ) 
eine Übertragung von Dolces „Ragazzo". Dass der Casina 
indessen unendlich weit mehr als der Aulularia entnommen ist, 
deutet schon der Prolog an, obwohl in demselben die ursprüng- 
liche Quelle, Plautus und Machiavelli, nicht genannt sind. 

„L'auteur," heisst es dort, „Ta voulu intituler le Laquais 
non sans cause, d'autant qu'en vn mesme tems vous verrez par 
trois diuerses tromperies deceuoir vn vieillard, lequel epris des 
beautez d'vne ieune rille de laquelle son fils estoit amoureux, 
pensant la nuict estre couche auec eile trouue entre ses bras vn 
laquais desguise, ce pendant son rils ioye de ses amours, sa rille 
propre s'enfuyt auec son amy & sa seruante le desrobbe. Le 
f'aict se descouure, & le trouble est grand & brouille. En rin tout 
succede si bien que les amans sont espousez ensemble, le laquais 
recognue pour frere de la rille amye du fils au vieillard, & la 
seruante rapporte son larcin, qui faict redoubler la feste." 

I. Akt. (1.) Der alte Symeon erzählt seinem Diener 
Valere von seiner ungestümen Liebe zu Marie. Valere 
schont ihn mit seinem Spotte nicht. ; ,Tous amoureux sont fols 
tv. les vieillards plus que les autres, " sagt er ihm und stellt ihm 
vor, wie er bereits sechzig Jahre zähle, ferner „vne femme eneor 
belle & f'resche, vn fils de dixhuict ans, et vne fille preste ä 
marier" habe. (2.) Besser versteht sich Symeon mit dem 
„maqverav' Thomas, der ihn gleich schmeichelnd empfängt, 
ob er auch in origineller Weise die Wörter verwechselt. „Oh 
quelle belle face! quel air delicat! quelle aparance Imperiale vous 
auez maintenant! par ma foy, Monsieur, vo' raieunissez comme le 
formis!" „„Ha, ha, ha!"" verbessert ihn Symeon, „„tu veux 
dire comme le foenix!"" Dieser maquereau Thomas erinnert 
an Mo Her es „Fr o sine-'. Er glaubt, dem Alten jedes Mädchen 
von vorneherein zusagen zu können, „si eile estoit fille d'Alastra- 
xerce ou d'Vrgande la descognue, vous l'auriez ayant bourse 
plaine." Als er aber erfahrt, dass Marie die Tochter des ver- 
storbenen Advokaten Pomphile ist, „la plus belle, la plus 
gaillarde ^ vertueuse fille qui öoit en tout le monde, " findet er 
die Sache etwas schwieriger: allerdings mit ,, conquibus (feilten 



') Fol. 1 — 53 der 8. 286 A. 1. genannten Asgb. — Ancien thea I re 
francais, Bd. V, S. 7—102. 

25 



38« VL. Casiua. 

des escus)" kann es gelten, da die Mutter nicht mehr viel be- 
sitzt. (3.) Nun ist aber Maurice, Syraeons Sohn, sterblich in 
Marie verliebt. Sein Los ist bitter; auch er klagt: „Qui iamais 
oyt dire que le pere fust coriual de son fils. " Auch er gesteht 
Valere, „qu'en bref ie mourray," wenn er nicht Marie erhält. 
(4.) Die Dazwischenkunft seines Lehrers, des maistre es artz 
Lncian, der meist lateinisch spricht und ihn besonders vor den 
Italienern warnt, „pour ce que les Italiens sont generatio mala," 
schiebt eine längere Szene ein. Dieser Pedant, dem wir noch 
öfter begegnen, ist der Pädagog Ludus aus den Bacchides 
des Plautus. 1 ) (5.) Valere sagt seine Beihilfe bereitwillig zu. 
Er wird das Seinige thun; nicht umsonst hat er „prins aeeoin- 
tance auec Bellecouleur seruante de Marie". 

II. Akt. Thomas sucht die Sache des Italieners Horatio, 
der in Symeons Tochter Francoise verliebt ist, sowie die 
des Maurice und des Alten gemeinsam zu lösen. Jacquet, 
Horatios Diener (le laquais), gleicht Marie, „ie ne scais comme 
deux gouttes d'eau se pourroient mieux resembler. " Er solle nun 
nachts in weiblicher Kleidung den alten Symeon empfangen, in- 
dessen Franchise in den Kleidern des laquais Gelegenheit 
finden wird, sich mit Horatio auszusprechen. Der Pedant 
Lucian kömmt wieder zur ungelegensten Zeit mit seinen latei- 
nischen Sprüchen und Zitaten. 

III. Akt. Jacquet, in weiblicher Kleidung, wird von 
Thomas unterrichtet, wie er sich Symeon gegenüber zu stellen 
habe: auch Francoise im Kostüme des laquais kömmt mit 
Horatio zusammen, der ihr in überschwenglicher italienischer 
Weise seine Liebe schildert. Unterwegs wird sie durch ein 
nächtliches Eencontre von ihm getrennt. Valere verfolgt sie 
als den „laquais de ce bougre", erkennt aber bald die auf den 
Tod geängstigte Francoise und macht ihr Vorwürfe über ihr 
Betragen, bis Horatio dazu kömmt. — Die Dienerin Catherine 
hat sich ihrerseits am Besitztume ihres Herrn vergriffen; auch sie 
will einen Nutzen aus der Sache ziehen (III, 5): „Je scays, oü 
est la vaisselle d'argent et cognois homme qui nie la changera 
en beaux escus au soleil; apres ie m'en irai ailleurs, ie seray 
autant bien venue ä Lyon qu'iey: on vit partout qui a de quoy." 

IV. Akt. Jacquet, noch immer in weiblicher Tracht, er- 
zählt Thomas peinlich ausführlich, wie er bei dem Alten lag, 
ihn lange verschämt hinhielt, bis endlich: „i'ouvre les iambes 
comme en dormant qiioy sentant le vieillard il poussa auec sa main 
jusques entre mes cuisses, oü il trouua ceste racilie qui distingue 
les hommes d'auec les femmes." Er giebt sich nun für ]\[aries 



>) Grässe. DI, 112. — Klein. IV. 906. 



Larivey. Dolce. 387 

Bruder aus, der kam in ihrem Namen, „pour l'assurer de son 
amitie." Symeon ist mit allem so ziemlich zufrieden. Erst 
Valere klärt ihn auf. Thomas habe unterdessen seinen Sohn 
Maurice mit Marie vereint, und seine Tochter Franchise sei 
entflohen, was den Alten in gewaltige Aufregung versetzt. 

V. Akt. Diesen Jammer setzt Symeon im fünften Akte 
fort. Dem Sohne könnte er noch verzeihen, aher die Schmach 
der Tochter ist zu gross. Und wenn ihr Verführer wenigstens 
etwas wäre, um sie heiraten und ihre Ehre retten zu können! — 
Der Kardinal, in dessen Diensten Horatio steht, sendet seinen 
Sekretär, Messer M. Anthoine, zur rechten Zeit, um die Ver- 
heiratung der Liebenden zu verlangen. Auch Maurice erhält 
seine Marie, was zu einem um so fröhlicheren Schlüsse führt, 
als auch Catherine in sich geht und ihr gestohlenes Zeug zu- 
rüekgiebt. „Qui peche," sind ihre Worte, ,.et s'en repent est 
sauue, disoit feu de bonne memoire frere Josse . . . ie m'en vas 
tout reporter et le metre gentiment oü ie Tay prins." 

Das Stück Lariveys ist hinsichtlich der Rivalität zwischen 
Vater und Sohn und der Unterschiebung des laquais zur Täu- 
schung des Alten natürlich eine Imitation der Casina in 
ihren Hauptzügen, was bei dem Dichter nicht Wunder nimmt; 
aber es ist, wie er sagt, „a l'imitation des anciens et modernes 
Italiens." Das antike Sujet ist (schon durch Machiavelli) 
ganz italianisiert. Wir treffen den Spanier, hier Italiener, mit 
seinen ,.doulces parolles et sucrees", den lateinisch zitierenden 
Hofmeister, den Kuppler Thomas, der sich erlaubt, Verse 
in seiner Art zu machen, „si iamais ie ne nie suis alambicjue Le 
cerveau a lire en Ronsard et Bai'f & autre qui composaient ä 
leur mode" (II, 2). — Der Alte kömmt glimpflicher als bei 
Plautus weg, auch tritt seine Frau nicht auf; denn „eile est 
malade; mais ie pense", fügt er an, damit nichts die glückliche 
Lösung störe, „qu'elle sera guerie sitost cju'elle entendra ces 
bonnes nouuelles. " 

Völlig unvermittelt, weil von niemand bemerkt, steht 
Catherines Diebstahl und Wiederersatz des Geraubten da als 
eine gänzlich unnötige, ja unmotivierte Episode. 

Lariveys Stück ist eine einfache Übersetzung, in welcher 
nur weniges lokalisiert wurde, nach Lod. Dolces „ II Ragazzo". 1 ) 
Symeon ist hier Messer Cesare, der in Livia (Marie) verliebt 
ist. Valerio ist Valere geblieben; der maquereau Thomas 
ist hier der Parasit Ciacco. Er begrüsst den Alten: che 



') II Ragazzo. Comedia di Lodovico Dolce. In Vinegia ap- 
presso Gabriel Giolito de' Ferrari 1560. (60 fol.) — Eine Ausgabe von 
1539 ist im Ancirn theätre frangois (V. Bd.) angeführt. 

25 * 



388 VI- Casina. 

bell' aria, che aspetto da Imperadore, ch' e questo uostro d'hoggi. 
A fe; signore, che uoi ringiouinate come fa 1' Helefante, was 
Cesare berichtigt: Ah, ah, tu uoi dir la Feilice! — Flammini o 
ist Maurice, der Gelehrte il Pedante. Der „laquais" ist 
Giacchetto, der Diener des Spaniers, der hei Dolce natur- 
gemäss ein Spanier, hei Larivey ein Italiener sein musste. 
„Assomiglia tanto di iätezza a quella giouane, che io non so 
come si potessero assomigliare piu fratello & sorella nati ad un 
corpo,'' sagt Ciacco von seinem Äusseren. Francoise ist hier 
Camilla, Catherine Catherina. 

Von der genauen Übertragung Lariveys mag der ur- 
sprüngliche Prolog Dole es zeugen: „Tre diuersi inganni in un 
medesimo tempo fatti a un uecchio, il quäle inuaghito d' una 
giouane, di cui s' era innamorato il figliuolo, credendo trouarsi la 
notte con lei, gli e condotto innanzi un Ragazzo in hahito di 
fanciulla tanto simile all' amorosa che eiaseuno che lunga domesti- 
chezza non haueua con lui liauuto se ne sarebbe ingamiato. II 
figliero lo gode del suo amore, la tigliuola se ne fugge con uno 
suo aniante, e la fante an cor a ella fuggendo inuola al uecchio 
certi argenti. II fatto si scopre , e i trauagli sono grandi. 
Finalmente succedendo da tutte le parti honorato matrimonio, 
conosciuto il ragazzo esser fratello di colei, tornata la fante con 
gli argenti a casa, le feste si raddoppiano da per tutto." 

An einer Reihe von Stellen war die Casina das Vorbild zu 
Gio. Battista della Portas Lustspiel „La Fantesca". 1 ) 

Essandro hat, um seiner geliebten Cleria nahe zu sein, 
weibliche Kleidung angelegt und dient ihr als Zofe. Eines 
Tages erzählte er ihr von seinem Zwillingsbruder und schilderte 
ihn so schön, dass Cleria Lust bekam, ihn zu sehen. Essandro 
kleidete sich um und, indem er unten spazieren ging, gewann er 
im Sturme Clerias Herz, so zwar, dass sie, als er wieder in 
Mädchentracht erschien, ihn umhalste und küsste, dicendo, che 
mentre baciaua me, le pareua di baciar mio fratello. Jedoch 
auch der alte Herr Gerast o hat ein Auge auf Essandro ge- 
worfen. Wie der plautinische Stalino, duftet Gerasto nach Sal- 
ben und Spezereien, was er, wie dieser, mit einem Zufall erklärt: 

Santina. Oh, come odori di muschio, mi pari una profumeria. 
Gerasto. Passando per la bottega di maestro Cesare profumiero, mi 
spruzzö un poco d' accpia nanfa su '1 uolto. 

Wie Stalino und Cleostrata, so streiten hier Santina und 
Gerasto um die Verheiratung Essau dros (II, 7."); die Gründe 
aber, die Gerasto für ihre Entfernung anführt, sind dem 



' i Vinegia, presse- Gio. Battista & Gio. Bernardo Sessa. 1597. (82 fol.) 



G. B. della Porta. Regnard. 389 

Mercator (V. 391: Nihil opus nobis ancilla u. s. w.) entnommen: 
..Non e buona per seruire, e troppo delicata, pare vna gentildonna, 
ne troueremo vna piü rustica, che possa spezzar legna, cariarle, 
far la bueata, star in cocina, & soura tutto bisognando toccar 
delle bastonate" (vapulet). 

Sein letztes Abenteuer mit der vermeintlichen Zofe erzählt 
Gerasto seiner Frau selbst (V, 4): ,,L' abbraccio, e mi sento 
pungere il mustaccio come fusse huoino. AI fin le staua inginoe- 
ehiato dinanzi; ella tira a se i piedi, e mi da vna eoppia di calci 
su ] petto, e mi fa cascar supino in terra, che mancö poco non 
mi scauezzassi il collo." — Wieder begann er den Sturm, aber 
was musste er entdecken! „Era piü maschio ch' io, tanto maschio 
che n' haresti fatto tre masehi!" 

Indessen schwebten hier, wie bei allen Stücken, ') dem 
Dichter verschiedene Komödien des Plautus vor. Abgesehen 
von dem Capitan, der sich an den Miles gloriosus in der 
üblichen Weise anschliesst, sind die Reminiszenzen an Plautus 
häufig, die Rede des Panurgo, des Dieners Essandros (I, 5): 
Horsü, lasciate che ritiri me stesso vn poco in consiglio secreto 
u. s. w., erinnert genau an die des Epidicus. Der Traum, den 
Gerasto (II, 7) erzählt: „Pareuami che fussi diuenuto vn gato 
rosso che hauemo in casa e staua innamorato d' vna gatticella 
detta Bellina u. s. w., hat trotz aller Verschiedenheit unverkenn- 
bar sein Vorbild im Traume des Daemones im Rudens, ein 
Stück, das della Porta mehrfach vor Augen g'ehabt zu haben 
scheint. 



Die Vermutung Sommers, 2 ) dass sich Regnard für seine 
,.Les Folies Amoureuses" 3 ) (zum erstenmale am 15. Januar 
1704 gespielt) an der Casina des Plautus begeistert habe, 
vermag ich nicht zu teilen. Agathes Vormund, Albert, hat mit 
dem alten Stalino nichts gemeinsam. Agathes verstellter 
Wahnsinn äussert sich völlig anders, als der Casinas. Er soll 
der Darstellerin Gelegenheit geben, ihre Virtuosität 
in verschiedenen Situationen zu zeigen. Regnards 
Lnstspjel, und was nach demselben gearbeitet ist, 4 ) beruht 



') Vgl. bei Pseu dolus, Menaechmi u. Miles gloriosus. 

2 ) Les comedies de Piaute etc. I. 236 „Rcynanl s'est heureuse« 
ment inspire en composanl ses folies amoureuses." 

3 ) Auf S. 645-61)3 des ersten Bandes der Oeuvres completes de 
Regnard. Paris 1854. (Ad. Delahays. 

'•) Ebenda, S. 630. Dominique (1680- -17:J4i, Eis du fameux Arle- 
(juiii de l'ancienne troupe, a trouve ce sujet theatral et l'a mis sur la 
scene italienne le 19 jauvier 1725, sous le titre de La tolle raison- 



390 VII. Cistellaria. 

höchst wahrscheinlich auf einem italienischen Canevas, „la finta 
pazza," 1 ) dem Plautus nicht zu gründe lag. 



Rapp 2 ) vermutet, dass auch in seiner ,, Epicoene, or the 
silent woman 3 )" (gespielt 1609), wo gleichfalls ein Knabe 
{tTtiAOivif) als Braut vermählt wird, der gelehrte Ben Jonson 
vielleicht an des Plautus Casina gedacht habe. Es soll nicht 
widersprochen werden. Die umfassende Kenntnis des Altertums, 
welche Ben Jonson an den Tag legt, mag bewusst und 
unbewusst seine Schöpfungen beeinflusst haben. Gerade dieses 
Stück ist reich an Imitationen der Alten, speziell des Plautus 
und Terenz, worauf Upton und Gifford hinweisen. 4 ) Und so 
mag allerdings Sir Dauphine Eugenies List: „You have married 
a boy, a gentleman's son, that I have brought up this half year 
at my great charges and for this composition, which I have 
now made with you," eingegeben sein von Plautus (V. 572): 

„Miserrumum liodie e^o lnmc habebo amasium." 5 ) 



VII. Cistellaria.') 



Die Cistellaria ist gänzlich defekt auf uns gekommen, ob 
auch die Handlung aus den Fragmenten ganz klar und ungestört 
vor uns liegt. „Was wir bis jetzt besitzen, kann nicht die Hälfte 
des Ganzen sein, nach der Verszahl der übrigen p 1 au tini sehen 



nable. Sa piece a beaueoup de conforrnite avec ,Les folies amoureuses'. 
M me Argante se laisse eblouir par les richesses de M. Bassemine, et lui 
promet sa fille Silvia, dejä promise a Leandre. Pour rompre ce projet, 
Silvia feint de devenir folle: eile dit qu'Apollon l'attend sur le Parnasse, 
qu'elle y doit souper avec lui u. s. w. — Beauchamps, Recherches, 
HI, 132, giebt als Datum der ersten Aufführung von Dominiques Ein- 
akter den 9. Januar an. 

') Oeuvres completes de Regnard. I, S. 628. Vgl. Beauchamps, 
Recherches, UI, 122. 

2 ) Studien, S. 228. 

3 ) Ed. Gifford, Band HI, 235— 500. Deutsch von Tieck, indessen 
Schriften, Band XH, 155—354. (1800.) 

4 ) A. a. 0., S. 341. 383. 387. 441. 494 u. ö. 

5 ) Freilich erlaubte diese Annahme dann auch anPietroAretinos 
Lustspiel ,,I1 Marescalco" zu denken (1530 aufgeführt), wo dieser mit 
dem verkleideten Pagen vermählt wird. Doch ist dies nach einer Anek- 
dote geschrieben. (Vinegia, Ag. Bindoui. 1550). 

e ) Ausg. von L. E. Benoist (Lyon 1863). — Hier zitiert nach C. H. 
Weise. — Deutsch von G. G. S. Köpke. Berlin 1809. 



Charakteristik derselben. 391 

Stücke zu schliessen; auch hat Ritschi (Parerg., S. 238, Anm.) 
die Lücke auf ungefähr sechshundert Verse berechnet. " l ) Trotz 
der Lücken erkennen wir jedoch leicht das zusammenhängende 
Gewebe des Stückes, das an wohl durchgeführten Charakteren 
und gelungenen Szenen keinen Mangel hat. 

Im ersten Akte treffen wir eine Kupplerin, eine würdige 
Vertreterin ihres Standes, mit ihrem Mädchen Gymnasium bei 
Silenium. Sie haben bei ihr ein üppiges Mahl eingenommen. 
Ehe sie scheiden, rückt Silenium mit ihrem Anliegen heraus. 
Sie muss zu ihrer Mutter (Melänis) nach Hause, die sehr er- 
bost ist, weil Sileniums Geliebter, der junge Alcesimarchus, 
von seinem Vater gezwungen wird, eine reiche Frau aus Lemnos 
zu heiraten. Gymnasium soll nun an Sileniums Stelle drei 
Tage haushalten, was die Kupplerin, obwohl es ihr Schaden 
bringt, gewährt (V. 107): 

Quamquam mi istud erit molestum triduom, et damnum dabis: 
Faciam. 

Aus dem Munde der betrunkenen, redseligen Kupplerin ver- 
nehmen wir in der nächsten Szene' 2 ) einiges, was Licht in die 
Situation bringt. Vor siebenzehn Jahren hatte sie Silenium 
ausgesetzt gefunden und ihrer Freundin Melänis geschenkt, die 
damals eben das Kind gut brauchen konnte, um ihrem fernen 
Liebhaber mitteilen zu können, sie habe es von ihm geboren 

(F. 144): 

Nam amatorem aibat esse peregrinum sibi: 
Suppositionem eius reii facere gratia. 

Der Gott der Hilfe (Auxilium) tritt auf und erzählt uns 
in der nächsten Szene 3 ) das "Weitere (F. 189): 

Nunc quod reliquom restat uolo persoluere : 
Ut expungatur nomen, ue quid debeam. 

') Teuf fei, Stud. u. Ckarakt. S. 261. — „Kaum zur Hälfte er- 
halten." (Teuffei, Gesch. d. r. L. S. 149.) 

2 ) Teuf fei, Stud. S. 260: „In der Cistellaria kann es keinem 
Zweifel unterliegen, dass Windischmann u. Kitschi (Parerg. S. 237, 
Anm.) recht haben, I, 2, 6 — 13 als unecht und aus I, 3, 42 ff. wörtlich 
entlehnt auszuwerfen. Denn in der Rekapitulation, I, 3, 3 ff , vgl. F. 22, 
wird als Inhalt der Rede der Lena einzig die Unterschiebung des Kin- 
des angegeben, dieselbe hatte sich also auf ihren eigenen Anteil an den 
früheren Vorgängen beschränkt. Auch in sich sind die Worte unhaltbar. 
Das Motiv der Trunkenheit ( F. 8) war schon F. 2 ff. da, ebenso die Worte 
quae hinc Heus abiit (F 13) in V. 4, und der Entschluss, alles herz- 
haft herauszusagen (F. 9), passt gar nicht zu F. 11 — 13, sondern einzig 
zu dem Geständnis, dass sie zu dem Betrug mit geholfen habe. Auf 
anderes hat Ritsch] a. a. 0. hingewiesen." 

3 ) „Für die Ursprünglichkeit von I, 3, des durch das Auxilium 
gesprochenen Prologs, ist es übrigens kein günstiges Zeichen, da^s F. 49 ff. 



392 "VII. Cistellana. 

Rapp 1 ) nennt dieses Auftreten „wenigstens eine sehr geist- 
reiche Wendung und des Plautus vollkommen würdig; denn 

alles sinnreiche Umgehen der gewöhnlichen Regel ist inter- 
essant." 

Der Gott holt nun weiter ans. Ein Kaufmann ans Lemnos 
sei einst zu den Dionysosfesten nach Sikyon gekommen und habe 
dort berauscht ein Mädchen vergewaltigt. Dieses gebar ein Kind 
von ihm und liess es aussetzen, worauf die- Kupplerin es fand. 
Der Kaufmann hatte sich fortgemacht, eine Verwandte aus Lemnos 
geheiratet und, als diese gestorben war, jenes Mädchen zur Frau 
genommen, das einst infolge jener Gewaltthat das Kind geboren 
hatte (F. 178): 

duxit uxorem sibi hie 
Eaudem quam olim uirginem hie conpresserat. 

Seit die beiden sich wieder fanden und verheirateten, forschten 
sie eifrig nach dem einst ausgesetzten Kinde. Das Ehepaar ist 
Demipho und Phanostrata. 

Im zweiten Akte tritt Alcesimarch, der Geliebte 
Sileniums, auf. Die Liebe hat ihn fast vernichtet ( F. 204): 

Credo ego amorem primum aput homines caruuficiuam eommeutum. 
Haue ego de me coniecturam domi facio, ne foris quaeram: 

Iactor, crucior, agitor, stimulor, uorsor in amoris rota 

Miser, exanimor, 

Feror. differör, distrahor, diripior, 

u. so lange weiter. Vergeblich bittet er die hinzukommende 
Melänis um ihre Tochter. Sie wird ihm verweigert. 






Doubletten sind, uämlich die Worte liaec res gesta est mit I, 2. 28 und 
ualete et uiueite uirtute uera, quod fecistis antidhac mit Gas. prol. 87 f.; 
ferner, dass V. 52 augete auxilia uostris iustis legibus gesetzt ist, ohne 
Beziehung darauf, dass dem Auxilium die Worte in den Mund gelegt 
sind, endlich überhaupt die Breite und Unbeholfenheit der Erzählung 
und die Fiktion des Auxilium, welche mit dem Inhalt des Stückes und 
des Prologes keinen Zusammenhang hat und völlig unmotiviert ist. Mir 
kommt es vor, als wäre dieselbe aus dem Kopfe eines späteren Prolog- 
schreibers hervorgegangen, der die Nachhilfe, welche der Prolog dem 
Verständnis der Zuschauer bietet, personifizierte und sich dabei gewisser- 
massen einbildet, die Art des Plautus, Prologe einzuführen (durch die 
Luxuria, den Lar familiaris und den Ärcturus), sehr geistreich nachge- 
ahmt zu habeu. Ich denke mir die Entstehung von I, 2 und I, 3 fol- 
gendermassen. Ursprünglich plautinisch ist I, 2, 1—5, 14 — 28 soviel, 
als für das Verständnis des Folgenden, namentlich der Nachforschung 
des Sklaven in H, 2, wünschenswert ist. Für eine nachfolgende Auf- 
führung nach dem Tode des Plautus wurde I, 3 hiuzugedichtet und noch 
später schliesslich I. 2 aus I. 3 ergänzt durch V. 6 — 13." (Teuf fei, 
Studien. S. 260, 2610 
') A. a. 0, S. 637. 



Charakteristik derselben. 393 

Lampadiscus, Demiplios Sklave, der nämliche, der 
einst Seleninm ausgesetzt hatte, hatte aus einem Hause das 
Weib gehen sehen , welches das Mädchen auf der Rennbahn 
(ab hippodromo, F. 285) aufhob. Melänis lauscht erst auf die 
Unterredung- des Lampadiscus mit Phanostrata, dann erfährt 
sie auf ihre Fragen von ihm das Weitere. Sie merkt, dass die 
Sache verraten ist, und ist entschlossen, Silenium zurückzugeben 
(F. 361): 

rem palam esse intellego: 
Nunc egomet potius hanc inibo gratiam 
Ab illis. quam illaec indicet nie. Ibo domum, 
Atque ad parentes suos ducam Silenium. 

Ganz romantisch ist die erste Szene des dritten Aktes. 
Melänis eröffnet Silenium das Geheimnis und giebt der Sklavin 
Halisca ein Kästchen mit Spielzeug, an dem Sileniums Eltern 
sie erkennen werden (F. 369): 

Nam hie crepundia insunt, quibuscum« te lila olim ad me detulit. 
Quae mihi dedit; pareutes te ut cognoscaut facilius. 
Accipe hanc cistellam, Halisca. 

Auf dem Wege zu Seleniums Eltern trifft diese und 
Halisca Alcesimarch, der sich in Liebesgram eben das 
Schwert in die Brust stossen will. Silenium eilt zu ihm, sie 
erhält ihn am Leben, worauf er Silenium auf den Armen 
davonträgt. 

Im vierten Akte tritt Lampadiscus auf. Er findet auf 
der Strasse das von Halisca verlorne Kästchen, welches die 
hinzutretende, Phanostrata sofort als das ihrige erkennt. Halisca 
eilt herbei, voll Angst und Sorge das verlorne Kästchen suchend. 
Nach längerer Forschung stellt ihr Phanostrata dasselbe zurück 
und begiebt sich mit ihr zu Melänis. 

Im Fragmente des fünften Aktes tritt der alte Demipho 
auf; er hat gehört, dass seine Tochter gefunden sei. Witzig 
wendet er des Sklaven Wort, dass er durch seine Hilfe zu einem 
Kinde gekommen sei, zu einer Verwahrung gegen solche Kinder, 
die man durch andrer Bemühung erhält (F. 515): 

Euim uou placet: 
Nil moror, aliena in i opera fieri pluris liberos. 

Er geht ins Haus, um Weiteres zu erfahren. 

Der Epilog sagt nichts zur Sache. ..Mit dem Epilog 
scheint es sich ebenso zu verhalten, wie mit dem zur Casina: 
statt die wenig unterhaltende Verhandlung, wie Alccsiniarclius 
statt der jüngeren ihm verlobten Tochter des Demipho die 
ältere , mit Phanostrata erzeugte , zur Frau nimmt , vor dem 



394 VII. Cistellaria. 

Publikum vorzunehmen, ist dieser Teil des plautinischen Stücks 
weggelassen und durch den kurzen Bericht ersetzt, ,omnes intus 
conficient negotium.' Also auch von diesem Stücke hätten wir 
- wenigstens hinsichtlich des Schlusses — das Theaterexemplar, 
nicht die ursprüngliche plautinische Bearbeitung. " *) 

Von den Charakteren des Stückes ist nicht viel zu sagen. 
..Die eigentliche Braut des Alcesimarchus schwebt wie ein 
Schatten uns vorüber; vielleicht hat Ladewig recht mit seiner 
Vermutung, dass das Verhältnis im Stück aufgelöst wurde noch 
vor Auffindung von Silenium. Was aus Gymnasium wird, 
lässt sich nicht ahnen; ein innigeres Verhältnis hat sie nicht 
(I, 1, 44 ff.),' 2 ) und so wird sie vielleicht mit der Anerkennung 
abgespeist, welche der Vater der Alcesimarchus in den Mai- 
schen Fragmenten ihren Reizen zu Teil werden lässt, wofern sie 
nicht etwa einem der schliesslich freigelassenen Sklaven zufällt. 
Das männliche Personal wird schon durch Mais Veröffentlichung* 
um den Vater des Alcesimarchus samt seinem Sklaven ver- 
mehrt; auch Alcesimarchus gewinnt durch diese Bruchstücke 
an Leibhaftigkeit ein klein wenig; im allgemeinen aber ist auf 
dieser Seite das Meiste untergegangen , namentlich über die 
frühere Geschichte des Demipho — wie sie im Prologe (I, 3) 
dargestellt wird — alles. 1 ' 3 ) 

Silenium ist Gymnasiums aufrichtige Freundin (F. 1): 

Cum antehac te amaui, et mihi amicam esse creui, 
Mea Gymnasium, et matrem tuam — — — — 

— — — — — — — — Soror si mea esses, 

Qui magis potueritis mihi houorem ire liabitum, 
Xescio; uisi ut meus est animus, fieri nou posse arbitror. 

Sie ist keine Buhlerin (F. 84): 

quia ego nolo me meretricem dicier, 

und hat ausser mit Alcesimarchus noch mit keinem Manne zu 
thun gehabt (F. 88): 

Nisi quidem cum Alcesimai'cko, nemine, 
Neque pudicitiam meam mihi alius quisquam inminuit. 

Zu ihm aber hat sie innige Liebe (F. 110): 
mihi cordi est tarnen. 

Alcesimarchus ist das Bild eines Verliebten; 



>) Teuffei, Studien. S. 261. 

2 ) Haec quidem ecastor cotidie uiro nubit, nupsitque hodie, 
Nubet mox noctu. Numquam ego hanc uiduam cubare siui: 
Nam si haec non nubat, lugubri fame familia pereat. 

3 ) Teuf fei, Studien. S. 261. 



Charakteristik derselben. 395 

Is amore proiecticiam illam deperit, 

heisst es im Prolog- des Auxilium (7 192). 

Neben Melänis, von der Lampadiscus kein schmeichel- 
haftes Bild entwirft: 

Nullam ego me uidisse credo magis anum excruciabilem, 
Quam illaec est 

| V. 386), steht die suchende Halisca, „ein Kabinetstückchen 
von Grazie". 1 ) 

Gut gezeichnet ist die Kupplerin. Sie schwärmt für die 

Eintracht des Standes (7 22): 

Decet pol, 

Mea Silenium, hunc esse ordinem beneuolentes 

Inter se, beneque utier amicitia. 

Vbi istas uideas summo genere natas, 

Summatis matronas, ut amicitiam coluut, 

Atque ut eam iunctam beue habent inter se. 
U. s. W. 

Sie vertritt die Freiheit der Frau, den Stand der Buhlerin. 
Zweckmässig (conducibile) ist es zwar, ..umim amare" und sich 
zu verheiraten; aber (7 81): 

Verum euim meretrix fortunati est oppidi similluma: 
Nou potest suam rem optinere sola sine multis uiris. 

Nach ihrem eigenen Geständnisse kann sie nicht schweigen. 
Schon das Auxilium nennt sie (7 150"): „multiloqua et multi- 
biba'' ; sie selber sagt (7 121): 

Idem mihi, magnae quod parti est uitium mulierum, 
Quae hunc quaestum faeimus, quae, ubi saburratae sumus, 
Largiloquae extemplo sumus; plus loquimur quam sat est." 

Die mannigfachen Beziehungen, welche dies Stück mit dem 
Epidiktis hat, lassen die Vermutung, dass zwischen der Ab- 
fassungszeit beider wenige Jahre liegen, gerechtfertigt erscheinen. 



Eine italienische Nachbildung der Cistellaria* 2 ) ist das 
Lustspiel Gl' incantesimi des Gio. Maria Cecchi. 3 ) 



') Rapp, S. 038. 

2 ) Ginguene. IV, 27«. — Ruth. IT. 583. — Klein. TV. 614. 

3 ) Gl' incantesimi. | Comedia | «II Gio. Maria Cerchi Fiorentino. 
In Vinc'U'ia appresso Gabriel Giolito de Ferrari e fratelli. MDL. 42fol.— 
Der Name Cerchi statt Cecchi findei sich auf den Titelblättern meh- 
rerer Stücke. Das vorliegende Exemplar enthält zahlreiche Irrtümer, 
Szenen und Seiten sind massenhaft verdruckt. 



396 



VII. Cistellaria. 



Der Prolog äussert sich hierüber: „Speramo che uoi debhiate 
dar grato silenzio alla auova comedia, alla quäl Pia uro per 
subietto dato ha la Cistellaria. Fa Plauto oggi di come far 
sogliono certi grau personaggi, i quai uolendosi ritrouare a far 
tresche con il popolo, ne possendo cio far scoperti, e in publico 
per il grado che gli hau, lo fan.no in maschera. Cosi egli oggi 
di (quantunque lacero) pur parlando lathio, non puö in publico 
uscire a uiso scoperto che intendere a pena non sapre '1 quinto 
degli huomini. Pero ua mascherato in questa fauola e in quella, 
che per noue oggi si recita. Et perche gl' ha trouato buon 
compagno sempre questo autor delli Incantesimi ha contratta seco 
una ämicizia si fatta che e non da mai fuor comedia che 
Plauto non uoglia sempre metterui la parte sua. Et egli 
che desidera imparar da chi sa glie ne ha quel obligo che hauer 
si debbe a chi ci fa seruizio, ne pensa che a ragione di cio 
riprendere lo possa alcuno se non pero qualehe inuido di chi egli 
non cura ne i fantastichi ne curono altresi perch' essi attendono 
a far quello che pensano che lor comodo torni, & dia spasso a 
personaggi simili a uoi cortesi aseoltatori, et grachino di loro le 
cornacchie quanto uogliono, che la Luna non stima i cani che 
abbaiano. " 

I. Akt. (1.) Die beiden Betschwestern (pinzochere) 
Hermellina und Barbera führen den Zuschauer in die 
Situation ein. Barbera klagt wegen ihrer Tochter Violante 
und erzählt, wie sie in ihr Haus kam. In ihren schönen Tagen 
verkehrte sie mit dem capitano Anguilla da Narni, welcher 
sie innig liebte. ,.I ti giuro, Hermellina, per questo santo liabito 
ch' io ho indosso ch' io non gli chiesi mai cosa ch' io non 1' hauessi, 
i dico in que tempi che le cose, come tu sai, ualeuano un' occhio 
d' huomo .... E perche io uedeuo che egli haueua uoglia d' hauer 
di nie figliuoli, accio che per mezo di questa occasione io facessi 
la dota alla uecchia, mi fmsi di lui grossa, facendomi il corpo 
contrafatto, al tempo partori senza doglie pero la Violante." 
Hermellina erinnert sich jener vermeintlichen Geburt noch wohl. 
Ein Mädchen, „di buone genti," hatte das Kind geboren und der 
„alleuatrice Madonna Nobile" übergeben. Von dieser erhielt es 
Barbera. Als der capitano kam, begrüsste sie ihn mit den 
Worten: „Capitano, io u' ho fatta la figliuola, fatele bor uoi la 
dota." Er kaufte ihr dies Haus, gab ihr Vermögen und starb 
alsbald. Dieses Mädchen nun, Barberas angebliche Tochter, ist 
in Gismondo verliebt. So strenge sie auch gehütet wurde und 
so ferne Barbera Gismondo hielt, einst da sie eben „la nostra 
regola" betete, erbrach Gismondo Violantes Thüre, „fece seco 
cio che gli parue" und wechselte mit ihr den Trauring. Aus 
Furcht vor Gismondos Vater that man das Mädchen in Stram- 



Cecchis Gl' Incantesimi. 397 

bas Haus und gab sie für die Frau desselben aus. Seitdem, 
volle vier Monate, hat Gismondo treulich für sie gesorgt; jetzt 
aber bestimmte ihm sein Vater Baldo eine Frau, die Tochter 
des Niccolozzo di Naldo. Man weiss nichts Bestimmtes; denn 
seit vier Tagen ist Gismondo mit Stramba nach seinem 
Landgute -San Casano gegangen, ohne dass er irgend etwas 
von sich hätte hören lassen. Barbera will nun das Mädchen, 
das unverbrüchlich auf. Gismondo baut, wieder in ihr Haus zu- 
rücknehmen. Sie macht sich nun mit Herrn eil ina auf, Viola nte 
zu besuchen. (2.) Baldo bespricht sich mit seinem Diener Sfuma. 
Sfuma ist der Ansicht, Gismondo wolle nicht viel von einer 
Heirat wissen; von dem Alten jedoch erfahren wir, dass er in 
Vi ol ante verliebt sei. „Io uoglio a questa sua Violante tanto 
bene ch' io mi consumo." (3.) Barbera und Hermellina gehen 
mit Violante vorüber, die Treulosigkeit der jungen Leute be- 
klagend. Baldo sieht Violante mit Entzücken. „Vedestu mai 
la piu bella creatura," ruft er aus und verfolgt sie. Die Alte 
zwar, meint Sfuma, „e diuentata Pinzochera; •' Baldo aber 
tröstet sich: „Ella e stata auch' ella di carne e d' ossa. " (4.) Der 
alte Niccolozzo entpuppt sich in seinem Gespräche mit seinem 
Diener Trinca als ein greiser Taugenichts. „Sono stato gli 
anni interi interi innamorato. che diauolo ho io fatto a Siena, 
quando io ero piu giouane. " Freilich ging das nur in Siena. 
Hier in Florenz — „questi Fiorentini non son gente da scherzar 
con loro' ; . Lange geht es über die Florentiner her; bis wir er- 
fahren, dass er hier sein Auge auf Violante geworfen habe. 

II. Akt. (1.) Gismondo ist mit Stramba vom Laude 
zurückgekehrt, wo er vier Tage zugebracht hat. Er ist besorgt, 
was unterdessen Violante um ihn geduldet haben mag. (2.) 
AI am anno, Gismondos Freund, ergeht sich in Klagen über 
diesen. Er will nun Fiammetta heiraten, von der er doch 
wisse, dass er sie liebe. Allerdings tröstet ihn sein Diener 
Sottile und prophezeit Gismondo: „che egli dara le spese a 
figliuoli uostri, i so ben io il ben che la Fiammetta ui uole e 
alhora si potra corre la rosa, che e non s' hara a hauer paura 
dello Lagrossare, e bastera che e nasca in casa. " (3.) Da 
AI a mann o seinen Freund erblickt, stellt er ihn über sein Ver- 
halten zu Rede. Dieser aber geht mit ihm und verspricht, ihm 
weitläufige Erklärungen geben zu wollen. (4.) Sfuma und 
Trinca sprechen von ihren Herren. Trinca führt die ganze 
Geschichte aus. Niccolozzo di Naldo di Mino da Siena, 
che cosi ha nome mio padrone pecora, fand vor Jahren, als er 
nach Florenz kam, dort ein Mädchen, si trouö con lei & la 
ingrauidö. Als die Belagerung von Florenz erfolgte, zog er 
sich nach Siena zurück, nahm eine Frau und zeugte mit ihr 



398 VII. Cistellaria. 

eine Tochter, Fiammetta. Die Plorentinerin, die er gesegneten 
Leibes verlassen hatte, gebar eine Tochter, und da sie „era nata 
senza la licentia, la madre della ginonane la dette a nna madonna 
Nobile allenatrice che la portasse a gli Innocenti". Bald darauf 
heiratete die verlassene Florentinerin einen alten Mann, mit dem 
sie bis vor zAvei Jahren glücklich lebte. Die Umstände veran- 
lassten Niccolozzo, mit der Tochter, die er von der Sieneserin 
hatte, nach Florenz zn ziehen. Da seine Frau gestorben war, 
suchte er nach jenem Mädchen, mit dem er einst hier gelebt 
hatte; er fand sie wieder, nnd da sie Witwe war, heiratete er sie. 
Das ist seine dermalige Frau Gostanza, „una sauia e ualente 
donna in uerita." Seit ihrer Verehelichung suchen sie eifrig 
ihre einst ausgesetzte Tochter, wobei besonders Trinca thätig 
ist, da er bestimmt erfahren hat, dass sie noch lebe. (5.) Gis- 
mondo ruft Sfuma. Innerhalb einer Stunde braucht er „trenta 
scudi". Von der Alten hat er nicht erfahren können, wohin sie 
Vi ol ante gebracht hat. Er muss nun Geld haben, um die 
Sache definitiv zu erledigen. Stramba setzt in langer Rede 
auseinander, welche grossen Vorteile für ihn die Scheinheirat mit 
Vi o laute hatte: „ogni uno mi fa motto, ogni uno mi saluta, 
ogni uno mi carezza. " 

III. Akt. Nach einleitenden Abmachungen Trincas und 
Stümas (1.), und nachdem Baldo und Niccolozzo sich über 
den Ehekontrakt geeinigt haben (2.), erzählt Trinca seinem 
Herrn Niccolozzo, dass ihm Violante nicht abgeneigt sei; 
ein Hindernis liege nur in der Alten. Violante frage ihm 
sogar nach. ,.0 Dio, mi uengo meno per la dolcetudine!" ruft 
der Alte. Ja, Violante will sich in den Brunnen stürzen, 
wenn sie nicht mit Niccolozzo zusammenkömmt. „Ohne, Trinca, 
uedi che non ui si getti!" fällt der Alte ein. Ein Zauberer soll 
nun die Sache abmachen. „Egli mi risohiette di fare uno in- 
cantesimo che oggi uoi trouerete con la Violante." Dem dummen 
Alten wird nun weisgemacht, Violante werde Baidos Gestalt 
annehmen, und seine zögernde Frage: „E hammi a parer sempre 
sempre Baldo?" beantwortet Trinca: „A punto ui parra sempre 
finche non iscogliete lo incantesimo, il quäle potrete sciorre subito 
che uoi sarete in casa. " Kindisch freut sich Niccolozzo dieses 
Spieles und kann den Zeitpunkt nicht mehr erwarten. 

(3.) Unterdessen haben Sottile und Sfuma ganz das 
Gleiche Baldo vorgemacht. Auch er soll Violante durch 
Zaubermittel erhalten; für ihn soll sie als Niccolozzo er- 
scheinen. Völlig mit allem einverstanden (4.), zahlt er die be- 
nötigten dreissig Scudi. „Faceta persona e questo tuo padrone," 
meint Sottile. „Sciocca uolesti dir tu, se gia tu non intendessi 
faceto, cioe da farlo fare," verbessert ihn Trinca. (5.) Gismondo 



Cecchis Gl' Incantesimi. 399 

erhält von Sfuma die gewünschten dreissig Scudi. (6.) Ala- 
in anno aber kann noch immer nicht glauben, dass sein Freund 
wirklich von Fiammetta nichts mehr wissen wolle. 

IV. Akt. (1.) Baldo erhält von Sfuma den Schlüssel zu 
Violantes Zimmer. Der Maestro hat den ganzen Zauber gut 
gemacht. Indes ist Baldo nicht ohne Angst, Stramba, 
Violantes vermeintlicher Gatte, möchte zurückkommen und ihn 
hier antreffen. (2.) Niccolozzo tritt mit Trinca auf. Er hat 
den Zauberspruch gut auswendig gelernt. Baldo hält nun 
Niccolozzo, Niccolozzo Baldo für die verzauberte Schönheit. 

Bald. Ben sia uenuta la mia sparanzina! 

Nicc. Bene stia la coratella del corpo mio. 

Bald. Andianne in casa cli' io mi sento consumare. 

Nicc. E io mi struggo come la cera al fuoco. 

Es ist eine drastische Szene, oder wie Sfuma bezeichnend 
sagt, ein „felice incontro di dua solenni pecore". 

(3.) Baldo ruft im Hause Sfuma zu Hilfe: Ohne, ohne i 
son morto, Sfuma, Sfuma! In gleicher Weise schreit Nicco- 
lozzo: Misericordia! (4.) Niccolozzo eilt aus dem Hause und 
giebt Sottile einen eingehenden Bericht, wie alles zuging. 
Alles war recht: aber Stramba kam und prügelte ihn elend 
durch. Viola nte verschwand: er selber entfloh unter Zurück- 
lassung des Mantels und der Pantoffel und fürchtet nun zunächst 
seine Frau. Sottile stellt ihm vor, er müsse sich nun Violantes 
annehmen, an der alles haften bliebe; er müsse sie in sein Haus 
zu sich führen. „Aber die Frau?" „„Gut!"" rät Sottile, „„sie 
soll als eine Verwandte aus Siena vorgestellt werden und durch 
Zaubermittel das Aussehen eines andern Mädchens bekommen. " " 
Für die Frau aber will er ihm ein Schlafpulver geben, „che 
quella notte uoi potete fax conto che la non sia in questo mondo. " 
Der Alte geht auf alles ein. (5.) Baldo, mit einem Degen be- 
waffnet, den ihm der capitano Bartolomeo gab („questo stocco 
mi donö il Capitano Bartolomeo quando i fui sua lancia spezzata"), 
will mit Sfuma gegen Stramba losgehen: doch vermittelt Sfuma 
den Handel auf friedliche Weise. 

V. Akt. (1.) Alamanno, in weiblicher Kleidung, erhält 
von Sottile Verhaltungsvorschriften. (2.) Niccolozzo kömmt 
eben recht: Alamanno begrüsst ihn als Vi ol ante, und Nicco- 
lozzo führt ihn auf Sottiles Geheiss zu seiner Tochter. ..I le 
serrero in una camera tutte adua sole sole, " meint Niccolozzo. 
(3.) Barbera und Nobile führen die schluchzende Violante 
ab. Sie haben von ihrer Herkunft gesprochen. Vergeblich er- 
regt sich Gismondo; Barbera will von ibm nichts mehr hören. 
„Le tue faccende," hält sie ihm entgegen, „sono intorno alla 



400 VII. Cistellaria. 

nuoua moglie." Er kann sieh nicht mehr verteidigen. (4.) Nicco- 
lozzo hat unterdessen eine andere Überzeugung gewonnen: „Ella 
e la mia figliuola, se fussino State sorelle non harebbon f'atto piu, 
quantunque la mia staua un poco cosi saluatichetta, come qnella 
ehe non la conosceua. Ma Violante se gli apiccö al collo e 
dettegli un bacciozzo saporito, che si sarebbe apiccato a uno 
petto di ferro." Er sperrte sie dann in ein Zimmer ein, und 
jetzt will er den Zauber lösen, „accioche io mi possa mai piu 
trouar con quella ladrina a solo a solo." 

(5.) Gostanza hat die Dummheiten ihres Mannes erfahren. 
(6.) Sie berät sich mit Nobile, welche ihr die Tochter wieder 
zuführen soll; Gismondo aber hat eben das Mädchen mit sich 
genommen. In den weiteren drei Szenen löst sich die Sache. 
AI am anno erhält seine Geliebte, Gismondo, der nicht mehr 
auftritt, seine Violante, die wiedergefundene Tochter Nicco- 
lozzos und Gostanzas. 

Wie ersichtlich, ist die Grundidee aus Plautus. Die 
„Incantesimi " sind jedoch, wie schon der Titel besagt, Haupt- 
sache geworden: sie veranlassen die heiteren und effektvollen 
Szenen des Stückes; die Geschichte mit der wiedergefundenen 
Tochter muss mehr zurücktreten. Das Lustspiel steht bei 
weitem nicht auf der sittlichen Höhe, wie z. B. Cecchis 
„La moglie". Manch zweifelhafter Witz ist hier eingeflochten 
worden. 

Einige Ähnlichkeit mit dem Stoffe der Cistellaria hat das 
Schicksal Pantalones und Olimpias in dem ital. Lustspielsujet 
., Lo specchio". 1 ) 

Wollte man alle Stücke, in welchen es sich um ein wieder- 
gefundenes und durch irgend welche Kennzeichen beglaubigtes 
Kind handelt, als dem Plautus nachgeahmt hinstellen, so wären 
die Imitationen der Cistellaria (und des Epidikus) sehr zahl- 
reich, obgleich ihre Verfasser den römischen Dichter und sein