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Full text of "Preussisches Wörterbuch. Ost- und westpreussische Provinzialismen in alphabetischer Folge"

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PREUSSISCHES WÖRTERBUCH. 



OST- UND WESTPREUSSISCHE PROVINZIALISIilEN 



IN ALPHABETISCHER FOLGE. 



VON 



H. FRISCHBIER. 



ZWEITER BAND. 

L — Z. Nachträge und Berichtigungen, 



BERLIN 1883. 

VERLAG VON TH. CHR. FR. ENSLIN. 

(RICHARD SCHOETZ.) 

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Coogl 









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I, Schmelzlaut, behält fm Plaltdeutsch 
an-, in- und auslautend hochdeutschen 
Klang; nur bleibt es zuweilen vor « 
weg: als oa. 

Laaky /., Strafze in Königsberg am 
rechten Pregelufer. Estn. lagge^ finn. 
laaka flach, holstein. Laah Pfütze, 
Lache; in Hafliburg in gleicher Bedeu- 
tung Lake^ in Brem. dasselbe, doch 
besonders niedrige sumpfige Wiese, mnd. 
Uxke Lache, seichte Stelle. Vor- ihrer 
Bebauung war die Königsborger Laak 
flaches Wiesenlalid. S allmann, 24. 
Schützen, 1. Richey, 146. Brem. 
Wb. III, 5. Mnd. Wb. 11, 613b. S. 
Uke. 

Lftb, Läf, Laf, n. 1. der vierte Magen 
des Rindes. 2. die sauer gewordene 
und geronnene Feuchtigkeit • in dem 
vierten Magen eines Kalbes, die Käl- 
bermagensäure, welche man benutzt, 
um frische sülze Milch gerinnen zu 
machen. Das Lab ist nur von solchen 
Kälbern brauchbar, welche gesogen und 
noch nicht gefressen haben. 3. Laf^ in 
der Danziger Qegend magerer frischer 
Käse. W.Seidel, 32. In Brem. Le66^, 
mnd. hf, holl. Uby lebbe, lubbe^ schwed. 
Kp^. Brem*. Wb. in, 28. Vgl. Bock, 
Nat.I, 260. 

Lab, m. jud. Vom., s. Leib. 

Labach, Labbacb, m,, s. Läband. 

Labagienen^ Ortsn., Fischerdorf bei 
Labiaa mit Fischguano- und Knochen- 

*PriMhbi«r, W&rtwbnch IJ. 



mehl-Fabrik; daher im Volke: Laba- 
gierten ist eher zu riechen aU zu sehen. 

Läband^ m., grofzer (langer) träger, 
unordentfi eher Mensch, Nichtsnutz, Tau- 
genichts, arbeitsscheuer Herumtreiber. 
Als Schimpfwort, namentlich auf halb- 
wüchsige Jungen. In Berlin Laban\ 
in Konitz Labaschy im Ermlande und in 
Elbing Labach; sonst auch noch Laias. 
Treiehel hat für Westpr. noch Lu- 
batsch, Labdnd wohl Anlehnung an 
den biblischen Laban. Vgl. Büch- 
mann, Geflügelte Worte. 12. Aufl. S. 5. 
Die Verwandtschaft mit Lorbas^ Lai- 
dak^ Loditfhak^ Ludschak, Leichak^ welche 
alle gleiche- Bedeutung haben, ist er- 
kenntlich. Von allen Wörtern werden 
Adjektive auf ig gebildet. 

Labas, m., s* das vor. 

Labascb, m. 1. s. v. a. Laband, 2. 
Scheltwort 'auf eiDen Jungen, der sich 
herumgetrieben. Aber^ klienei^ Labba^sch^ 
wie hotir sich wödder abgeröcht Schal tj. 
3, 4. 

labascbjg, adj, von Labasch. En gro- 
ter labascKger Bengel. Dorr, 1. Wie w., 
126. 

Labber, m, u. /., weiches, schwam- 
miges Fleisch, Hautfleisch, fleischige 
Haut. Kalbfleisch hat viel Labber — 
ist (oft) die reine Labber. Vgl. Ladder. 

labberig, adj., e. labbrig. 

labbern, sw., s. labbern und sabbern. 

labbern, Jobbern, IQbbern, libbem, sw., 
1 

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Läbberscholdeti — Lachel. 



nippend trinken, in verschiedenen Ab- 
sätzen und kleinen Zögen trinken, zö- 
gernd and mit Unlust Speise oder Trank 
genielzen; lecken, schlürfen; auch lek- 
kern. Frauen labbern das Bier^ den 
Wein. Bock, 31, u. Hennig, 147: 
löbbeim^. lubbem; Schemionek, 23: 
Jobbern. Holl. labberen schlappen, dän. 
labe lecken, schlurfen, mhd. lafien^ ahd 
laffan^ lat. lawhere lecken : labium Lippe. 
Vgl. Schade, 530b. Mühling hat 
labbern^ labbern zunächst in der Be- 
deutung: saugen; Gordack labbern u. 
lebbem schlurfend und zögernd essen. 
Sich labbern^ sich in kleinen Posten, 
kleckweise mehren. Das labbert sich 
zusammen^ aus Pfennigen werden Tha- 
ler. Kleine Schulden, die allmählich 
bei verschiedenen Gläubigem gemacht 
\vurden, sinjd Läbberscbulden^ Flick- 
schulden. Statt labbern u. in allen Bil- 
dungen auch läppern; bei Schmeller 
II, 486, u. Vilmar, 247: leppem. au8- 
läbbem, etwas labbernd ausessen. Einen 
Teller mit 'Suppe ausläbbem, M &h 1 in g 
hat noch als Erklärung für ausläbbem: 
kindisch zu sein aufhören; zu küssen 
aufhören. ' verläbbem, leckemd und für 
Kleinigkeiten sein Geld verschwenden. 

Läbberscbuiden, plur.^ s. das vor. 

labbrig, labberig, adj, 1. von Speisen: 
flau, fade, weichlich, ungesalzen, sül'z- 
lich und darum für den, der an kräf- 
tige Kost gewöhnt ist, widerlich. Dojs 
Essen ist mir zu labbrig. Bock, 30. 
Hennig, 140. Schemionek, 22. 
Nach Gordack adj. von labbern. Im 
Götting. labberigy latowerig; auch: en 
labberig Minsche^ ein schlaffer Mensch. 
Schamb., 117a. 2. von der Wärme: 
flau, mäfzig, von geringer Höhe. Das 
war ein labbriger Winter. Dän. in der 
Seemannssprache Idber schwach, leise, 
mäfzig, holl. lahber schwach, von der 



Kälte. 3. vom menschlichen Befinden: 
Mi ÖS labbtig to Mod^ mir ist flau zu 
Mute. 

labfiren, sw.^ umherschweifen, ^rum-- 
laberin^ sich umhertreiben. TreicheL 
Im Brem. Wb. HI, 2: labben plaudern 
gehen, holl. lafen; bei Frisch, Wb. 
I, 563 c: laferen^ lafem schwatzen. 

Lablau, Ortsn., Kreisstadt an der 
Deime. Er kommt an wie der Hund 
von Labiau. Sprw. I, 83. 

Lablaugken, Name eines Waldgebietes 
im Kreise Darkehmen. S. Kogge, 4. 
Vgl. Gifnig. 

Labommel, nach Treichel Labummel, 
m., von bammeln bummeln, also Bumm- 
ler; doch- zunächst grolzer, geil auf- 
geschossener, schlottriger ^nger Mensch, 
abgerissener Nichtsnutz; zur Verwandt- 
schaft der Ldbande und Lorbasse ge- 
hörig. Bock, 30. Hennig, 140. 
Sperber, 42. Schemionek, 22. 
Davon: labommeln, sw.^ bummeln, sich 
zwecklos herumtreiben, labommelig, adj.^ 
wie ein Labommel sein. 

Labskaus, m., Gericht: Stockfisch mit 
Kartoffeln. Danzig. 

Labummel, m.y s. Labommel. 

Lacbader, /. i%m ist die Lachader 
geplatzt^ sagt man scherzend von dem, 
der sich im Lachen nicht zu mäi'zigen 
vermag. Sprw. I, 2266. 

Lacbaim-taufe, jüd. - deutsch. Trink- 
spruch. Sperber, 44. Rein hebräisch : 
Vchajim tauvim zu einem guten Leben 
= vivat. Allgemein gebräuchlich« 

Lache, /., s. Lake. 

Ucbel, Lecbel, Lifchel, Ugel, Legel, 
Dem. Lächelke etc. w., Fäfzchen, das 
gewöhnlich an einem Riemen getragen 
wird. Es schickte Herr . . . einen Bohten 
mit einem Legel nach Gr.-LichtenaUj 
vor sich gute reine Butter-Milch zu hoh- 
len. Hartwich, 524. Dabey ein gut 



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lachen — Lachsangel. 



3 



Lfägel mit Bier. Pierson, Matth.Prator., 
83. Geht auch mit dem Lägel herum 
und theilt einem jeden was davon mit 
Ibid., 89. Scheinionek, 23: Lägel^ 
ein Viertelankerfalz, auf's Feld mit- 
zunehmen. Ahd. lagellä^ mhd. lagel^ 
taget, leget, mnd, lage^ lechelen^ legelen^ 
lechelken, lat.^ mlat. lagena^ lagellym^ 
aleman. logel^ lit. u. lett. legir^^ poln. 
lagiew\ dän. leget, schwed. Idgeh In 
Hessen LegeL Vilmar, 240. Brem. 
Wb. m, 36. Mnd. Wb. II, 612b. 642a. 
Vielfach ist das Leget so eingerich- 
tet, dalz es beim Trinken an den Mund 
gesetzt werden kann. Sallmann, 
36 b. 

lachen^ bw,^ in Redensarten: Er ku^ht 
wie ein Spitzbubey er freut sich über 
die Verl^enheit oder den Unfall eines 
andern. Er lacht mit dem ganzen Ge- 
sicht, ist seelenvergnügt. E* lacht sich 
die Faust voll — in^s Fäustchen, Er 
lacht sidh zum Spdnchen, er lacht ohne 
Aufhören. Er lacht sich einen Puckel 
wie eine grofze* graue Erbse, Ös noch 
wit vom Lache, sdd Jen Make on gren. 
Er hat Lachen und Weinen in einem 
Sack. Sprw. I, 2267 flf. 

Ucbengeschworener^ m., s. Lftke. 

lachem, sw., zum Lachen geneigt sein, 
lächeln, aus Wohlbehagen, innerm Gluck, 
Zufriedenheit, aber auch aus Verlangen. 
Dat lacherd mienem Ohm en- bat (dai'z 
seine Tochter schön gefunden wurde). 
Dorr, 15. Em lächert de Bart nau^m 
Posske, er hat Verlangen nach einem 
Külzchen. 

Lacherty m., lautes Lachen. Bir kriegt 
den Löchert, er bricht in lautes Lachen 
aus. y. Auer. 

Lachmann, m. jQd. Vom. Flatow. 
Schmitt, 112. 

lachrig, od;., zum Lachen geneigt. 
Mir ist UH>1 nicht lachrig, ich bin nicht 



in der Stimmung zu lachen. Soph. R. 
VI, 231. 

lächrig, adf/., s. lifcberig. 

Lachs, pltd. Las, ?n. 1. der bekannte 
Fisch salmo: Trutta solar L, Man 
unterscheidet: Silberlachs, der heller ge- 
färbte weibliche Fisch, Hakenlachs, Fisch 
mit hakenförmig gebogener Schnauze, 
Schwarzlachs, Strandlachs. Die beiden 
letzten Namen bezeichnen den dunklem, 
sterilen Lachs, der nicht in die Flüsse 
aufsteigt, sonc(ern an der Seeküste ver- 
weilt und hier ziemlich viel gefangen 
wird ; den Namen Silberlachs führt auch 
eine gleiche Form der Meerforelle (s. 
Lachsforelle). Altpr. lasasso, lit., kur., 
laszis, mas., kass. losos, laususz. Lit. 
heifzt der Jffakenlachs woszis, der ma- 
gere, vom Laichen zurückkehrende 
Lachs kargisy kleine Lachse heifzen 
gleich der Meerforelle trump, trumpis. 
ßenecke, 157 flf. Der Länge üach in 
Streifen, Streimel, geschnitten, wird der 
Lachs geräuchert und als Streimellachs 
verkauft. 2. Redensart: Der Lachs ist 
mitzunehmen, ein augenscheiulicher, 
bedeutender Vorteil. Sprw. I, 2275. 
3. Danziger Lachs, stark abgezogener 
Branntwein. Klein I^ 2(58. Er gähnte, 
sah in die Uhr^ nahm einen Schluck 
Laichs etc. Soph. R. I, 44. Nun ein 
Schnappschen Lachsf Ibid. IV, 71. Der 
danziger Lachs und sein KrambambuU 
sind beinahe in der ganzen Welt be- 
rühmt. Bock, Nat. I, 655; III, 650. 
(Der jfLachs^ war ursprünglich die 
Firma der Destillation in Danzig,) Vgl. 
Danziger. 

Lachsangel, /., Ajigel zum Lachs- 
fange; man unterscheidet an ihr drei 
Stücke: das SteIntau mit der Boje, die 
Lenkleine mit der Lenk und den Vorlauf 
mit dem Angelhaken. Beschreibung 
uud Abbildung in Benecke, 401 f, 

1* 



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•Lacbsfang — laden. 



Lacbsfang, m.y Falle, in welche def 
Lachs hineinspringen muiz und in der 
er, teils wegen der geringen Wasser- 
tiefe, teils weil er nicht stromabwärts 
springt, gefangen bleibt. In den klei- 
nen Flüssen, welche dem Putziger Wiek 
zuströmen. Benecke, 400. 

tacbsf^ren, m., s. Lachsforelie. 

Lachsforelle, /., Sifberlacbs, m,, Lacbs- 
faren, wk, die Meerforelle, Trutta trutta 
L.; lit., kur. trump, trumpis, Silber- 
lachs heifzt der ungeflectbe Fisch. Be- 
necke, 161. Bujack, 392. 
. Lacbslanke, f., s. Lacbsnetz. 

Lacbsnetz, n.y Netz, zum Fang der 
Lachse. Dreüzig solcher in gerader 
Linie vor Pricken aufgestellter Netze 
bilden eine Lacbsl^nke; jedes dieser Netze 
ist 15 bis 18 Klafter lang. Die Maschen 
der Netze und Säcke enthalten 3 Zoll 
im Quadrat. Die Lachslankenßscherei 
wird wie die Stdknetzßscherei ausgeführt. 
Fisch.-Ord. f. d. fr. Haff, § 31. Sper- 
ber, 20. 

Lachsstelle, /., Stelle, d. i. Netzauf- 
stellung aus Streichtuch und Säcken 
bestehend, zum Fang der Lachse. Be- 
schreibung und Abbildung in Benecke, 
394 f. 
* Lachstaparre, /., Fischn., s. DTbel. 

Lachswadegam, n., Wad^gam inm 
Lachsfange. S. Benecke, 355. 

lachtlg, adjektivisches Cl^rundwort in 
Zusammensetzungen , aus schlachten 
schlagen, ähneln, nacharten. Es deutet 
an, dafz die im Bestimmungswort ge- 
nannte Eigenschaft annähernd erreicht 
wird und entspricht den Endungen ^, 
lich^ licht RSdlachtig ist alles, was 
ins Rote schlägt; ebenso gelblachtig^ 
graulachMg^ grünlachtig^ weifzlachtig^ 
was ins Gelbe, Graue, Grüne, Weifze 
fallt. , . . die Land-Hdufz- Mutter sa- 
gende: Dafz die Bleyfarbe Leinwand 



ehe weifz tvürde ab die wei/zschlachte, 
Linem., Qq la. Äufzer Farben: kühl^ 
lachtig^ trüblachtig^ dicklachtig^ dünn- 
lachtig^ altlachtig, bei Mi e Icke II, 22b; 
altldchtig. Vgl. scblachten. 

Lack, m. , Siegellack; ostindischer 
Harzsaft zum Firnissen. Lit. IcJids^ 
poln. laky laka. Doch glavb ich^ wenrCs 
(das Kloster) auch war mit Lack und 
Peck versiegelt^ So schleicht des Mönchen^ 
Lieb doch durch die Seufzer ein. Carm, 
nupt. II, 170 c. Er ist im Lack — 
ist lackiert^ ist angetrunken. 

lackieren, sw,, s. das vor. 

Lädeben, n.. Dem. von Lade^ kleiner 
Kasten. 

Ladder, (?), das weiche Fleisch im 
Gegensatz zum Kernfleisch. Sche- 
mionek, 22. Vgl. Labber. 

Lade, pltd. Lad' (a =-- d), /. . 1. Kasten, 
Truhe, kistenförmiger Behälter; mhd. 
lade^ poln. lada, lit. lode^ schwed. lada, 
Gewerkslade, Lade zur Aufbewahrung 
der Dokumente, Bucher und Gelder 
des Gewerkes. Sie wird nur bei Ge- 
werksversamndungen, Quartalen, unter 
althergebrachten Ceremonien geöffnet. 
2. Decke, Deckel, Flügel, eigentlich der 
Laden: Fensterlade,/, hölzerner Flügel 
zum Verschiufz der Fenster über Nacht. 
Einem die Fensterladen anhalten^ ihm 
•die Äugen blau schlagen. Sprw. I, 
831. 

. laden, pltd. lade(n) (a = ä\ st 1. 
einladen. Ahd. laddn; laden^ mhd. Za- 
den^ goüi, lathon. Schade, 530a. Hei 
lädH de ganze Welt 6k. de witt %obbel^ 
er ladet eine groize Gesellschaft ein. 
Sprw. I, 2276. 2. aufladen, abladen, 
einpacken, auspacken. Ann^ du hest 
et nich mehr schwoar. Du hodst dat 
letzte Moal dit Joahr. Dorr, 44. Bild- 
lich: Er hat gut — er hat schief gela- 
deny er ist betrunken. 



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Ladenschwengel — Läk^. 



Ladenschwengel, m., verächtliclie Be- 
nennung eines Handlungsgehilfen, La- 
dendieners. 

Lader, pltd. Lader (« = «), -w^., von 
laäen 2, der Auflader, Ablader bei den 
Feldarbeiten, in der Ernte. 

Laderin, pltd. Laderscbe (a=^a), /., 
von Lader. Die Laderin ferkelt^ wenn 
ihr beim Einfahren des Getreides einige 
Garben vom Wagen fallen. Sprw. I^ 
2278. 

Lädings, Leidings, nach Sperber, 21, 
Leidtng u. Lttding, m., Netzwand zwischen 
zwei Säcken oder Wentem. S. Streicb- 
tuch. 

ladscbig, adj,, s. latschig. 

Ladung, pltd. Ladung (a = a), /. Seine 
Ladung voll haben^ genug getrunken 
haben, angetrunken sein. . Wenn nun 
ein jeder seine Ladung voll hat, gelten 
sie von einander und machen ein Ende 
dieses Trauermahls. Pierson, Matth. 
Prätor., 105. . . 

'Ladwich, m. Vorn., Ludwig. Hart- 
wicb, 54. . . 

Lftf, Laf, n., s. Lab. 

Lafferei,'/., albernes, dummes Wesen, 
Possen, Narrenzeug. Muhling. Grimm, 
Wb. VI, 57, hat nur einen Beleg des 
Wortes aus Herders Schriften,. ein Be- 
weis, däCz das Wort provinziell. 

lag, adj\, s. Kg. 

LMgel, n., s. Lächel. 

Lagerbruder, pltd. Lagerbröder (a=äX 
m^ Bruder vom Lager, Gelage, Säufer., 
Mühlin^, Sprw. I, 2281. 

Lagerkom, pltd. Lagerkörn (a = a),,«., 
Roggen, der sich, meist in Folge hef- 
tiger Regengüsse, legt, lagert 

Lagerstock, m., s, Lieger. . 

lahm, pltd. iSm Ca==ä)y adj.^ krank, 
beschädigt, verletzt. Man spricht vom 
lahmen Kopf,, Auge, Puckel etc.: es 
kann jeder. Körperteil lahm werden. 



lahm drückt überhaupt eine Beschädi- 
gung, einen Fehler aus. Ahd. ,u. mhd. 
lam, engl, lame, schwed., dän. u. holl. 
lam, altnord. lami lahm; lit. Imna» 
lahm (an den. Händen), altpreufz. lim- 
twei brechen, poln. lamai brechen, zer- 
brechen. Vj^. Adelung 11, 1873. 
Grimm, Wb. VI, 72. Ns^lm. Th., 
93. Scherzweise heifzt es von einem 
Hinkenden : Hei ös lahm on hinkt dabt,^ 
Bei Jeroschin bildlich: sigis lam wer- 
din 76d. Pfeiffer, 185. 

lahmen, pltd. lame(n) {a=^ä), sw., 
lahm gehen, hinken. Er lahmt auf 
ein&m Fufz. 

Labmpot', m., Mensch mit lahmer 
Pfote, gelähmter, kranker Hand. Trei- 
chel. 

Laichfisch, pltd. Lfikfifsch, m., die 
Quappe, Gadus Lota, weil die Fischer 
glauben, dafz alle übrigeri Fische sich 
im Laichen nach der Quappe richten. 
Bock, Nat. IV, 552. 

Lalchgam, pltd. Lfikgarn (a^a), n., 
Fischemetz zum nächtlichen Fang der 
Brassen wahrend der Laichzeit. * Bock, 
Nat. IV, 696, u. Hennig, 80: Leicb- 
garn. 

Laidak, gewöhnlich Leidak, m., lieder- 
licher, nichtsnutziger Mensch, Tauge- 
nichts, Bummler. Aus dem gleichbed. 
. poln. tajdak, und dies vielleicht zurück- 
zuführen auf das lit. Uidmi^ UidaUy 
leisii etc. einer Sache ihren Zug lassen; 
erlauben, zulassen, gehen lassen; flöfzen, 
und in sonst noch vielgestaltiger Be- 
deutung, woraus auch leidikkas Holz- 
flösser. S. Nsslm.Wb., 360a. Schmitt, 
107; Westpr., 166. Sperber, 38. 

Lftke, Liebe, /., plur. Laken, Lachen. 
1. die kleinen 'natürlichen Abflüsse der 
Niederungen: die Jung f ersehe Lache; 
die Seelake, wie die kleine Schwente 
anfänglieb heifzt; aber auch die zahl- 



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lakeidern — Land. 



reichen künstlich hergestellten Kanäle, 
welche nach den natürlichen Wasser- 
zügen geleitet sind. Endlich ist auch 
der Bruch in dem Damme der Jung- 
f ersehen Lache gefangen. Kgsbg. Hartg. 
Ztg. 1871. No. 89. 1. Beilage. Wenn 
toi nu (im Winter auf dem Eise) flitzen 
frank on frt Op Look on Haf, op 
Schwönt (Schwente) on. Ti (Tiege): 
Dorr, 16. Mit der Beaufsichtigung 
dieser Vorfluten sind die Laken-, Li- 
eben- oderScblickgeschworenerr beauftragt, 
welche aus dem Stande der Besitzer 
gewählt werden. Prov. Preufz., 474. 
Bei Hartwich finden sich S. 320, 
auf'zer den Ldk- und Schlickgeschworenen 
noch Scbwentgeschworene, welche ihren 
Namen wohl nach dem .Schwenteflnfz 
haben. 2. Pfütze. Ahd. lacha, rahd. 
lache Pfütze; schwed; lag Feuchtigkeit, 
Wasser, See, lat lacus^ ital. lago^ franz. 
lac. Hennig, 141, Vgl. Laak. 

lakeidern, sw,y zwecklos hin und her 
rennen, fahren; bummeln. Mühlin g. 

Laken, Laken, pltd. Lake(n) (a=^a), 
n. 1. zunächst Tuch (von Wolle), dann 
aber auch Gewebe aus Linnen und 
Seide. Ahd. lahhan, lachan, mhd. lachen^ 
alts. lacan^ mnd. laJcen^ holl. laken. 
Schade, ö31a. Ein läkener Rock., 
ein Tuchrock. Ein Schneider brauchet 
EW und Lacken. Carm, nupt I, 250. 
Da hett he lang' on körte (Röcke) vom 
schönste Laketieg Lhrztg. 4, 355 b. 2. 
Decke, Spreittuch, Betttuch. Bettlaken 
oder Leildken, Leilach^ d. i. Leiniaken, 
pr.-poln. ptachta. Der Kranz wird mit 
einem weifzen bunten Leylach bedeckt^ 
welches von beiden Seiten und hinien 
herab hanget. Pierson, Matth. Prätor., 
83. S. das. S. 87. NachVilmar, 245, 
ist Leilaken aius Uh (Leich corpus) und . 
Iake7i zusammengesetzt. Tischlaken 
Tischtuch. Henuig, 141. 



Lftk-, Läkengeschworener, m., s. Lake. 

Lakenwall, m.. Wall, Damm, der die 
Laken einschlieTzt. öck keem moalvon 
der Jagd Den LoakenwaU io goan\ 
Dorr, 24. 

lakömscb, adj.^ lecker, naschhaft wäh- 
lerisch beim Essen. Er ist ein lakom- 
scher Kerl^ ein Feinschmecker, Gour- 
mand. Westpr. Von dem poln. fafe)- 
mic si§ lecker oder gierig auf etwas 
werden oder sein, woraus das Adj. 
lakomy gierig, begierig, naschhaft, lecker. 
Mrongo V. I, 190a. Schmitt, 108, 
und Westpr., 166, hat aus gleicher 
Wurzel lakummig, adj,., geizig, gierig, 
habsüchtig. 

Läks, Ortsn., Dorf in den Laukschen, 
dem Grafen Dohna-Schlobitten ge- 
hörigen Gütern. Spott: Wenn's botterty 
denn bottert's^ on morge bottre se on 
Läks, Sprw. I,-508. 

lakummig, adj., s. lakömscb. 

lammen, sw.., zunächst ein Lamm ge- 
bären; dann überhaupt gebären. So 
schwär., OS wenn de Bock lamme wöU. 
Sprw. I, 3452. Vgl: bocken. 

LämmerbUpfen^ n.y das Hüpfen der 
Lämmer, zur Bezeijchnung des Tanzes 
der Backfische. Treichel. 

Lämmerscbwänze, plur., Pflzn., Segge- 
arten, Carea Mich. Saalfeld. 

Lampe, /., bildlich: Kehle, Hals, 
Schlund. Einen (Schnaps) auf die 
Lampe giefzen. Sprw. I, 1532. 

Land,'/». 1. neues, das sich neu bil- 
dende Terrain am Ausflusse d^r Nogat 
und Weichsel, aus Sumpf, Land und 
Wasser bestehend, mit seiner amphi- 
bienartigen Halbnatur einen scharf aus- 
geprägten Gegensatz gegen die Niede- 
rung des kleinen und grofzen Werders 
bildend. ^^Neues Land^ nennen es die 
Bewohner der altem AUuvionen und 
blicken darauf mit einer Art von Ver- 



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Landbote — lang* 



achtungj vyie die romischen Patrizier auf 
.die yyhamin^ novi\' Passarge, 204. 
2. In Redensarten: Wer Land hat^ 
mu/z eine Hand haben, sonst bringt es 
ihm keinen Vorteil. Wer Land hat^ 
hat Streit, mit den Nachbarn. Noch 
ist Land! noch ist die Gefahr nicht zu 
grofz, noch bleibe ich Herr der Situa- 
tion. Etwas ans Land ziehen. Zunächst 
wörtlich von den Bewohnern des Ost- 
seestrandea. In .manchen Sta^andkirchen 
wurde früher sogar Gott um einen „ge- 
segneten Straiid" angefleht Sprw. I, 
2284. Yon heiratslustigen Mädchen 
heifzt es: Et ös nich blofz e Hand voU^ 
et OS dat ganze Land voll. Ibid., 2286. 

Landbote, m., Titel für den Schreiber 
des Deichgräfen, 

Landbringgeldy n., es ist ein zwei- 
faches: das des Schiffers und das 
der Papiere. Ersteres wird gezahlt, 
wenn der Kapitän eines auf der Reede 
vor Anker liegenden Schifies mit dem 
Lotsen ans Land kommt (1 Thlr.); 
letzteres, in gleichem Betrage, mtifz 
entrichtet werden, wenn der Kapitän 
das Schiff nicht verlassen kann und 
dem Lotsen die Schiff und Ladung be- 
treffenden Papiere zur Aushändigung 
an seinen Mäkler übergiebt. Pillau. 
Pr. Prov.-Bl. XVH, 51. 

Landchen/ n., blaues^ Name der Kreise 
Neustadt und Berent in Westpreufzen. 
Mnhling. 

Landding, n.^ zur Ordenszeit das Land- 
gericht in Angelegenheiten des Grund- 
besitzes, mnd. lantdink Land-, allge- 
meines Gericht Es bestand als stehen- 
des Gericht aus einem Landrichter und 
gewöhnlich 12 Schoppen aus dem Stande 
der Ritter oder vornehmer Lehnsleute. 
Appellation^ - Instanz war der Hoch- 
meister. Das Land war in verschiedene 
Gerichtsbezirke geteilt, deren jeder 



ein Landding hatte. Mühling. Mnd. 
Wb.II, 621b. 

Landgarn, n., s. Wade- u. Windegarn. 

Landgarnfisclierei, /, s. Wade- u. Wind- 
garnfiscberei. 

Landkomtur, m., s. Komtur. 

landsch, adj\, ländlich, im Gegensatz 
zu städtisch. Sie ist ganz hübsch^ aber 
gräfzlich landsch^ sie haf sich an städ- 
tisches Leben und Wesen noch wenig 
gewöhnt. Substantivisch die Landschen. 
Die Landsche haben 'ne annere M6d^ 
als jenne in der Stadt. 

landtagen, sfW,^ herumlandtagen, sich 
unbeschäftigt umhertreiben, bummeln. 
Sprw. I, 2291. 

Landverzehrer, pltd. Landvertfirer^ m,, 
die Wucherblume, Chrysanthemum se- 
getum L, S. Bankrottblume. 

Landwehr, /., Wehr, Verteidigung des 
Landes; Einrichtung, Befestigung zur 
Verteidigung eines Landes. Bei Je- 
roschin'. der meistir — zusamme brachte 
ein michil her haltinde kegn in lantwer 
121a. zuhant nach disen zttin wurdin 
zu Ragntten in eine lantwer gesant dt 
brudremh. Pfeiffer, 186. Grimm, 
Wb. VI, 149. 

lang, adj. u. adv. 1. longus. Sprw.: 
Wer lang hat^ läfzt lang hängen, zum 
Wohlhabenden, der Aufwand machen 
kann. Hennig, 141, meint, dafz die 
langen Gewänder der reichen Vorvor- 
dem die Entstehung des Sprichwortes 
veranlafzt haben. Das ist so lang, so 
breit, es ist völlig gleich — wie ich 
z. B. eine Sache ausführe. 2. zähe; 
von Speisen und Getränken. Das Essen 
wurde mir so lang im Munde, 3. dünn, 
wässerig; von Brühen, Suppen. Das 
ist eine lange Suppe, 4, entlang, längs. 
di littouwsche äit gesezzin di der Memil 
lanc, Jeroschin, 139b Pfeiffer, 
186. 



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Langbaum — Lanke. 



Langbaum, pltd. Langböm, ^., Badm, 
der die Vorder- und Hinterachse eines 
(Leiter-) Wagens verbindet. ' 

Langbrot, n., nach Hennig, 142, ein 
kleines längliches Brötchen, welches 
1 SchilÜDg kostete. Jetzt als beson- 
derer Brotname nicht mehr üblich. 

längdaus, adv,^ der Länge nach. Längd- 
aus gehen — Ibauen (mähen). 

langen, sw, 1. reichen, erreichen, der 
Länge nach ausreichen. Der Rock 
langt bis ans Knie. Lan^ das Glas 
her. Ich kann nicht langen^ ich bin zu 
klein, um den hoch stehendeo Gegen- 
stand erreichen zu können. 2. aus- 
reichen, auf die Länge aushalten, zu- 
reichen. Das Tuch langt nicht zum 
Rocke ^ langt nicht aus, reicht nicht 
hin. Das bijzchen Mehl langt nicht zu 
einem Brot Das langt nicht hin, nicht 
her, ist unzulänglich. Das Geld langt, 
ist ausreichend, hält für bestimmten 
Zweck vor. Nach Treichel beim 
Kartenspiel beim Uberstechen : das längt 
= langt nicht! 

Langgassenti^ger, plvr.^ zu Hennigs 
Zeit Eckensteher, Arbeitsleute, in Kö- 
nigsberg, so genannt, weil sie sich vor- 
zugsweise in den drei Langgassen Kö- 
nigsbergs aufgestellt hatten. Hennig, 
142. 

Langhals, auch Pfeilschwanz, Tn.^Spiei'z- 
ente, Anas acuta, Drausenseö. Müh- • 
ling, Tiem., 174. 

Langhans, m,, langer Hans, auQh 
Langmann, langer Mann; in der Kinder- 
sprache der Mittelfinger. In der Ge- 
gend von ToUmingkehmen heifzt er als 
Nachbar des Goldfingers: Goldaper mit 
Hinblick auf die Stadt Goldap. 

Langkohl, m., langgeschnittener Weiiz- 
kohl, den man in Fleisohsuppen kocht. 

Langmann, m., s. Langhans. 

Langschnabel, m., s. Kneifer. 



längst, praep. u. adm, längs. Längst 
der Wand — dem Zaun gehen. 

Langstroh, pltd. Langströ, -strau, n., ' 
langes, ungeknicktea Roggenstroh, wie 
man's zum Dachdecken gebraucht, ge- 
wöhnlich Richtstroh (s. d.). 

Langut, w., von dem poln. lan Hufe, 
Lehngut in Westpreufzen und Ermland 
zur Zeit der polnischen Herrschaft, das 
bei einem allgemeinen Aufgebot einen 
völlig ausgerüsteten und in den Waflfen 
geübten Krieger zu J'ufz zu stellen 
hatte, sonst aber von allen weiteren 
Abgaben und Lasten befreit war. Zur 
Entstehung der Langüter gab die Er- 
richtung einer regulären Lifänterie un- 
ter König Stephan Veranlassung, indem 
von demselben mit ^Zustimmung des 
Reichstages verordnet wurde, dafz in 
den Königlichen Dom ainen gutem jede 
erledigte zwanzigste tarifmäfzige Hufe 
— deren jede aus einer Hufe in allen 
drei Feldern, folglich aus drei Hufen 
kulmisch bestand — unter der oben 
angeführten Bedingung vergeben wer- 
den sollte. Die übrigen 19 .Hufen 
mufzten die sonstigen Abgaben und 
Lasten übernehmen. . Später, bei Ein- 
führung eines stehenden Heeres, wurde 
dieser Naturalkriegsdienst in eine Geld- 
abgabe (^Lanowe) verwandelt, anfanglich 
100 Gulden poln., später 16 Thlr. 60 Gr. 
preulz. List, Contributions-Verf^sung * 
in Westpr. und Ermland. Beitr. z. 
Kde. Pr. IV, 342. 

Langzung, Langtung, m., Schimpfname 
für einen VerleumdeTr, Zänker, Läste- 
rer. Hennig, 142. 

Lanke,/. 1. eine Netzreihe, bestehend 
aus einem Sack, einem Tuch und wie- 
der einem Sack. Es müssen zidischen 
den sogen. Lanken, sowie zwischen den 
einzelnen Stak- und Kaulharsnetzen Öff- 
nungen von 20 RtUen zum Durchgang 



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Lapatte — läppern. 



der Fische und zur Schiffahrt offen 
bleiben. Fisch.-Ord. f. d. fr. Haff § 37. 
Nach Benecke, 376, bilden 20 Stör- 
netze, zusammengefügt, eine Lanke. 2. 
Busen des karischen Haffes^ • Fisch. - 
Ord. f. d. kur. Haff § 12. Nach Grimm, 
Wb. VI, 187, ist Lanke^ die Seite, eins 
mit Flanke^ «ahd. hlancha, lancha, mhd. 
lanchcy lanke, 

Lapatte,/., Dem. Lapatchen, Lapatke, 
Lopatke,, n. 1: Schulterblatt, Schulter- 
stück, besonders vom Hasen und Reh,- 
doch auch von andern Tieren, wie 
Hammel und Schwein; nach Hennig, 
• 142, das Vorder viertel vom gjBschlach- 
teten Vieh. „Nach dem Kulifaischen 
Privilegio mufzte eine' Lapatte jedes- 
mal an die Herrschaft gegeben werden. 
Die alten Litauer beurteilten aus den 
Knocbet der Sehweinelapatte das Wet- 
ter des künftigen Jahres." Hennig, 
a. a. O. Erl. Pr. I, 133. Lit. lapatka, 
poln. u. russ. lopatka Schulterblatt, wohl 
Dem. zu lit. lopetä, poln. u. russ. h- 
päta Schaufel; im pri'z. Voc. ist Ippto 
(548) Spaten, pette (104) Schulter und 
peUü (106) Schulterblatt. Nsslm., 
Forsch. 2; Th., 89. Schmitt, 108; 
Westpr,, 166. Pierson, Lit.-Aeq., 20. 
2. Sperber, 38: die Lopatt und Lapatt 
*der Lauf des Hasen. Schemionek, 
23: Lapattken di^ Vorderbeine vom 
Hasen oder Wild. Hier das franz. la 
patte 'Pfote. Daher auch übertragen 
die Hand. Enem bt de Lapattkes nehme^ 
ihn bei den Hunden ergreifen. 

Lapitschkeschwenker, m., Slovake, der 
mit Mausfallen etc. umherzieht, Töpfe 
mit Draht bestrickt. Aus dem poln. 
lapica Falle, Mausfalle, und dem deutsch. 
9chwenken\ letzteres wohl besonders in 
Bezug au^ den Draht. Westpr.; sie 
heifzen hier nach Treichel auch La|^ki. 



Man nennt diese Leute häufiger: Rat2l- 
faller, Mausefaller. 

Lapitzer, m., s. Lappjuch. 
- Lapki,- m., s. Lapitschkeschwenker. 

Läppchen, pltd. Lappke, n.. Dem. von 
Lappen^ ein biCzchen, ein wenig. En 
Lapke Heu. Treichel. 

läppen, sw,, schwatzen, albernes Zeug 
reden, wobei Aufschneiaerei und Löge 
mit unterlaufen. Summa, welcher Na- 
tivitetsteller am hurtigsten läppen kan, 
ist der beste und wertheste Mann. 
Linem., T la. Schmeller II, 486, 
führt aus dem Jahre 1618 das Sprich- 
wort auf: Thaler klappen^ Wort läppen^ 
dicta non sonant 

Lappen, m., in der Jägersprache die 
Zeugflicken, welche an langer Schnur 
ein Jagdrevier umschliefzen, um das 
Wild voii dem Durchgange abzuhalten. 
Bricht es dennnoch aus dem Revier, 
so ist es durch die Lappen gegangen. 
Lost Tner nich des memste Wild dorch 
de Lappes gehn! Hott, Driewjagd. 
Hiervon bildlich^ von einer Person, die 
entkommen, oder einer Sache, die ver- 
loren gegangen: sie ist durch die Lap- 
pen gegangen. Gegenteils im eigentlichen 
wie bildlichen Sinne: belappen, belapsen. 
Hennig, 142. Sprw. I, 2300. Sper- 
ber, 20. Schemionek, 23. 
. Lappen jagdy/., Jagdreiten ähnlich der 
Schnitzeljagdy wobei die Wegstationen 
durch LappcA bezeichnet sind. Trei- 
chel. 

Lapperei, /., von Lappen, 1. das Zer- 
lappte, in Lappen Au%elöste, Plunder. 
2. eine unwichtige, unbedeutende Sache, 
Kleinigkeit. Mancher .möchte wol sehr 
weitlich lacjicn, warumb ich mit solcher 
läpperet/ zu marckt käme.- Linem., 
Uu4b. 

läppern, sw., s. labbern. 



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10 



Lappjuch — lassen. 



Lappjuchy m., abgerissener, in Lappen^ 
Lumpen, gehender Mensch, Herumtrei- 
ber; ein solcher, der überhaupt nichts 
auf sein ÄuTzeres hält. Auch Lapiber, 
m. Mühling. Lctpitzer könnte wohl 
von poln. iapica Falle abgeleitet sein. 
Vgl. Lapitschkeschwenker. 

Lappländer, v»., ein in Kleidern her- 
untergekommener Mensch, der in Lap- 
pen umhergeht; von dem Bewohner 
Lapplands ist nur des Scherzes halber 
der Name geliehen. Sperber, 44, 
schreibt LappUnder. 

Lappsack, nn., annseliger Mensch; 
nach Mühling auch ein alberner, also 
soviel wie LapB. 

Laps, m., läppischer, alberner, un- 
gehobelter Mensch; nach Treichel 
auch Laphans, in den Gedanüm. Flaps. 
Es ü ein rechter Lapa. Du wärscht e 
Laps^ du bo8t e Laps on warscht e 
Läpske bliwe, Sprw. I, 2304. He, rep 
de SpeJ'zmann: Oler Laps, nomm^ doch 
e Schnaps! Firmenich III, 116a. Bei 
Bernd, 153: der Läppsch; bei S all- 
mann, 18b: Laps Kind. Davon lap- 
sig, ac^\, läppisch, albern, unreif an 
Gestalt und Wesen. Er ist lapsig — 
sieht lapsig aus. 

lapsen, sw., entwenden, stehlen; auf 
Exekution kommen. Davon Lapser, m., 
Dieb, im Ermlai^de mehr noch Exeku- 
tor, lapsersch, a(^\y diebisch; im Erm- 
lande mehr abdringend, quälend, zwin- 
gend. Mühling. 

Lapshans, m,, lapsig, ^adf., s. Laps. 

Larbe, /., Larve. Man kennt den 
Falcken an der Färb So hat sein (des 
Bräutigams) Wahdel keine Larb, Carm, 
nwpt I, 262. 

Lärm, m., zunächst Lärm, dann, da 
es auf Hochzeit oder Eindtaufe mun- 
ter und laut herzugehen pflegt, Uoch- 
zeits- oder Eindtaufsschmaus. Will bei 



solchen Fest^ die Munterkeit nicht 
recht aufkommen, so fiagt man: Ös 
hier Zarm oder Lärm f Samland. Zarin 
(s. d.) = Festmahl beim Begräbnis. 

Lärmstange, /., grofzer Mensch, na- 
mentlich grofzes Frauenzimmer. Sie 
ist eine wahre Lärmstange, 

Las, m., s. Lachs. 

lasch, adj., lässig, träge; feige, mut- 
los, schlaff, matt; mnd. la>s, lasch; franz. 
lache. En lascher Lakai g§ft *nen 
frischen Tapper (Zapfer). Dorr, 1. 
Wiew., 18. Sperber, 44. 

Lasclie, Latsche, /. 1, ein als Keil, 
Streifen oder Zwickel angesetztes Stück, 
besondeis an Kleidungsstücken. Die 
Latsche im Hemd, Keil im untern Teile 
des Ärmels; sie heifzt auch WInnlatsche, 
weil durch sie die Weite des Ärmels 
gewonnen wird. Mühling. Klein 
II, 233, hat für Danzig Windlatsche. 
Die Latsche am Rock, die Platte an 
der Seitentasche. Vgl. Adelung II, 
1910. Grimm, Wb. VI, 210. 2. Strei- 
fen, Lappen, Fetzen überhaupt, er wart 
alsS zuhouiüin, daz man mochte schou^ 
win im hengin von dem libe bloz man- 
chin vleischis laschin gröz. Jeroschin, 
99c. Pfeiffer, 186. Vgl. latschen. 

laichftr, adj,, leicht, bequem, unge-. 
zwungen, das franz. Uger. Sperber, 
44. 

Lasker, m. jüd. Vom. Lascaris. Fla- 
tow. Schmitt, 112. 

lassen, pltd. late(n) (a = a), st. 1. 
sinere. 2. mögen, sollen.* Lafz er man^ 
mag er doch! Lajz er man kommen! 
Lafz ihn man reden! Lafz er das 
nicht noch einmal ihuni Lafz er doch 
gehen! Ldt em manrtde. Volksr., 38, 
^147. 3. kleiden, aussehen, sich machen, 
sich geziemen, scheinen, das Ansehen 
haben. Dat lett em e mal stramm, das 
kleidet ihn einmal schön! 4. aulzer 



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Last — Latsche. 



11 



sich sein; sich nicht bergen, retten 
können, öck wüst mt nich to lote ver 
Lache. Dat measchte hicckt he (der 
Späfzemacher) dem Lehra op^m Ledda^ 
de sock ganich to löate tcust Boldt, 
7. Ahd. Idzan^ Idzeriy mhd. lazen. Vgl. 
Sprw. n, 1658 f. * 

Last, /., Zusammenfassung von 60 
Scheffehi (Getreide) zu einer Einheit. 
Bjin Schiff von x Last^ zur Bezeich- 
nung der Gröfze des Fahrzeuges Vgl. 
Wispel. 

LastadiC, Lastadje, /., Ladeort an den 
Flulizufem von Handelsstädten. Die 
LastcuUe {Lästadiengasse) in Königs- 
berg — in Danzig. Mnd. lastadie^ holl. 
lastadje. Nach Adelung 11, 1919, aus 
dem von Last geformten mit. lastadium 
und lastagium Ballast, Schiffsfracht, 
frnz. lestage^ engl lastage. 

Lasterbalg, m.^ Schimpfwort schon zu 
Jeroschins Zeit. . . . ein engistliche 
vahcheit^ in der sich mit gelübede walk 
zuzin sus der lasfirbcdk 41b. kegn des 
tuvik lastirbalc 46 c. Pfeiffer, 186. 
In jetziger Zeit ist Balg in diesem 
Sinne sachlichen Geschlechts. 

Lafzbauer, tn., Bauer, dem Land und 
Inventarium seiner Besitzung nicht 
eigentümlich gehörten, sondern von 
der Gutsherrschaft nur belassen wa- 
ren; er konnte mithin sie auch nicht 
vererben. Die weitere Vergebung der 
Besitzung an einen der Angehörigen 
blieb ein Vorrecht des Gutsherrn. Im 
öffentl. Anzeiger des Amtsblattes der 
Eönigl. Regierung zu Königsberg, 1840, 
Nr. 35, S. 280, wird von Seiten des 
Land- und Stadt-Gerichtes Wormditt 
der adliche Lafzbauerhof ThaWach 
Nr. 4, zum geistlichen Stifte Krossen 
bei Wormditt gehörig, zum Verkaufe 
ausgeboten. Muhling. 



Lafzbauerhof, m., Hof eines Lafzhauem. 
S. das vor. 

LafzdUnkel, w., eingebildeter Mensch. 
Dieses sei zu gefallen dem Einfältigen^ 
auch wol vielleicht einem und dem an- 
deren La/zdünkel angezeiget. Linem., 
S2b. 

tat, adv.^ spät. En bei to lat^ is vel 
to lat^ ein bilzchen zu spät^ ist viel zu 
spät. Gr. Werder. Free^' op de Been^ 
on lat pit Bedd. Dorr, ]. Wiew., 27. 
Leewer dree Stunden to free}^ as eene 
Minut to lat Ibid,, 50. In Hessen . 
Ute spät am Tage^ zur Abendzeit. 
Vilmar, 237. Vgl. löt* 

|.atallitZy m., dämonisches Wesen, dem 
Alf (s. d.) gleich^ schwarz mit feurigem 
Schweife, der den Seinen durch den 
Schornstein die Kisten und Kasten mit 
Schätzen füllt. Er hat den Latallitz^ 
ihm gedeiht alles. Mewe. Berent. 
Carthaus. Treichel. Vgl. Parok. 

Latke, Latkeblatt, Pflzn., s. Lottchen- 
btatL 

Latsch, f. Bei Pr.-Eylau Name für 
ein Wäldchen : die krumme Latsch. Mnd. 
fo», laschcj keil- oder zwickeiförmiger 
Streifen; Gehre. Mnd. Wb. H, 630a. 
Vgl. Lasche. 

Latsche, LAtsche, /. 1. plumper, 
grofzer Fufz; Latschen, plur., auch weij 
ausschreitende Beine. Sperber, 42. 
2. schlechter . niedergetretener aus- 
schlüpfender Schuh. In Hessen Datsche, 
Latschen, Latsche der aus Lumpen oder 
Salbenden zusammengenähte oder zu- 
sammengeflochtene Schuh (wohl unsere 
Wu^cfien) ärmerer Leute, zumal der 
Frauen; von Tatze. Vilmar, 66. 238 
In Posen Latsche in ihrem Anzüge 
nachlässige Person, namentlich weib- 
lichen Geschlechts. Ich bin ein Loht- 
schel gewesen, desto besser kann ich jetz • 



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12 



latschen — laufen. 



wirihschaften, Sophi R. .1, 634. 3. 
Federbüschel an den Füfzen der llüh- 
ner und Tauben: Latschfüfze^ Latsch- 
kühner , Latschtatiben. • 

latschen, sw.^ auch Ifttechen, in Lat- 
schen gehen; schlürfend, schleifend 
gehen, als trüge man Latschen. In Est- 
land litsch-latsch lautnacbahmend vom 
schleppenden Gang. Sallmann, 70a. 
veriatechen, Schuhe schief treten, aus- 
treten, zu Latschen machen; auch aU8- 
latschen, henimlatechen, latschend um- 
hergehai, in latschigem Schuhwerk 
gehen. Marold hat für latechen und 
die Komposita laiitschen, Treichel 
.IA$chen; auch: Eine'runtei*lätschen^&\VL^ 
Ohrfeige austeilen. 

latschig, Ifttschig, adj, von latschen, 
nachlässig, ohne Halt; von der Klei- 
dung, vom Gange. Südlich und Iaht- 
schig bei zunehmendem Mangel. Soph. 
R. III, 231. Die des morgens recht 
lahischig aussehen. Ibid. VI, 477. 
Schemionek, 23: Jadschig. Vgl. 
schludrig. 

Lattenzaun, pltd. LattetOn, m.^ Zaun 
aus Lattenstäben oder Staketen, daher 
auch Staketenzaun. 

Latze, /., Klappe oder auch (neuer- 
dings) Spalte an der Männerhose; sonst 
allgemein der Latz. Vgl. Brustlatz. S. 
Grimm, Wb. VI, 282. 

lau, adj.y mild. Laues Wetter; lauer 
Winter, Schoil bei Jeroschin: Nu 
was der vAnür cUso Id 70b. Pfeiffer, 
185. 

Lau, ?7i., der Leu, Löwe. In Danzig 
heifzen Speicher: der goldene, der rote 
Lau (Pas&arge, 112); in Königsberg 
.giebt es einen Latcen-Krug: 

Laube, im Ermland LSwde, /, be- 
deckter, vorn und an den Seiten offe- 
ner Vorbau, von Säulen getragen. Bei 
den Häusern um den Markt in Marien- 



burg und in' den ermländischen Städ- 
ten, wo die an einander hängenden 
Lauben einen . verdeckten . Gang die 
ganze Marktstrafze entlang oder den 
Markt umschliefzend bilden. In den 
Lauben, im Volksmunde Lewen^ Löwen, 
Lewden, bieten Kleinhändlerinnen ihre 
Waren feil. An den vereinzelt stehen- 
den Landhäusern nennt man di^e Vor- 
hallen Vorlauben (s. d ). Schlecht ver- 
hochdeutscht von dem altpr. lubboj 
Zimmerdecke, Bretterlage über den 
Balken, lit. lubä, gew. im Plur. liibos; 
im Lett. ist luhba wie oben Laube. 
Zu vergleichen poln: lub Wagendecke, 
'russ. pa-luba Schiffsdeck. Nsslm. 
Thes., 97. In Posen Lowe, Lobe. Bernd, 
158. 

Lauben, m,, Fischn., s. Häsling. 

Laubenkraut, n., gemeiner Teufels- 
zwirn, Lycium . barbarum L., weil es 
als Zierstrauch zu Lauben herangezo- 
gen wird. Treickel, Volksth. IL 

Lauchel, Pflzn., Knoblauche-Hederich, 
Erysimum aUiaria L. Hagen, 694. 

Lauenbetg, Wald zwischen- Herms- 
dorf und Zinten. Gd na Laueberg Zege 
hede. Zum alten Junggesellen, zur alten 
Jungfer. Sprw. I, 1146. 

Lauend, /, s. Leinwad. 

lauem, pltd. IQre(n), sw., harren, war- 
ten. Lät ons nich lang Iure, Det Bor 
vmrd ons versure! Volksr., 225, 12. . S. 
belauem. 

laufen, pltd. löpe(n), st 1. in Redens- 
arten: Ihr läuft sich die Beine ah — 
lauft sich das Genick ab — er bemüht 
sich eifrig, namentlich durch' viele Gänge 
um eine Sache. Er läuft, dafz ihm 
die Hacken fliegen, sehr schnell. -&* 
läuft vne ein Fafzbinder '- — wie die 
Katz von Sinnen (?). He lept mot de 
Las öm € Wedd. Wer läuft, ist gut 
jagen. Hei lept ivie de Filzlm op de 



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Laufschwarke — Lauser. 



13 



geteerte Presenning, Lat em Upe, os 
nick ans Foss. Vgl. Sprw. I, 2318 fif.; 

II, 1661 ff. 2. von Gefafzen, die leck 
sind: der Eimer — die Wassertonne 
lauft, 

Laufschwarke^ /., die laufende, d. i. 
schnell ziehende Schwarke (s. d.) = 
Regenwolke. Hennig', 142. 

Laiifspule, pltd. Löf-, Löp8pöl(e% /., 
grol'ze Spule^ worauf das* zur Scherung 
gehörige Garn von der Garnwinde mit- 
tels des Spulrades (mit breitem Lauf) 
gewunden wird. Die Zahl d^r Lauf- 
spulen betragt gewöhnlich 20, oft noch 
einmal so viel. Auf jede Spule mufz 
das gewisse Garn, die bestimmte An- 
zahl Stücke, Gebinde kommen. Das 
Wirkgesteil, 126. 

Lauftagel, m., bei Stein, Peregrinus 

III, 7, unter res nauticae. Tagel (s. d.) 
s. V, a. Strick. - 

Laura, blaue, Pflsjn., Winde, ConvoU 
vutu8 tricolor L. ' Weichseldelta. Trei- 
chel,.Volksth. m. 

Laurin, Pflzn., gemeines Tausend- 
güldenkraut, Eftyihraea centaurium L. 
Hagen, 255. Hennig, 143. 

Laus, pltd. LQs, /. Vielfach in Sprich- 
wörtern und Redensarten. Er hat sich 
eine Laus in den Pelz gesetzt Wenn 
de Las ut em Schorf gehawe ward, denn 
ward se schäftig, E Lm ön e Körnst 
os beter als gär kein Flesch, Wenn der 
Junge die Mütze abzunehmen vergifzt 
(beipi Grnfz oder Eintritt ins Zimmer): 
Jung^ hast Angst, dat di de Lues ter- 
trete. Vgl. Sprw. I, 2324 ff. Studen- 
tischer Ausdruck: Nicht die Laus, rn^^i 
. das Geringste. Der Mensch, verglichen 
mit der Lavjsx Wie eine Laus kriechen ; 
— geschäftig — karsch — lustig — 
schäftig sein; wählig sein wie eine Laus 
ini Schorf; — sich pflegen — den eige- 
enn Willen haben tvie eine Laus im 



Schorf; — karwendig - — luchter sein 
toie eine Kleiderlaus; — einem auf dem 
Hake sitzen wie eine LaUs. Korrespbl. 
Ili, 52. • 

Lausangel, pltd. LQsangel, tt»., Schimpf- 
wort; dem eigentlichen Sinne naeh zer.- 
lumpter, lausiger Kerl, „gleichsam eine 
Angel für die Läuse". Spetber, 20. 
Das Brem. Wb. I, 18, weist für die 
Herleitung auf die. alten Angeln hin, 
„welche (ihrer Seeräubereien wegen) 
vielleicht bei den übrigen Sachsen im 
Übeln Ruf gewesen als heimtückische 
und garstige Leute..., so dafz man 
einen verhafisten Menschen einen An- 
gel genannt hat''. Da auizer Laus-- 
angel (hier übrigens Lau-sangel ge- 
sprochen) anderweitig noch "weitere Zu- 
sammensetzungen mit Angel auftreten, 
wie: Netangely der Nisse, Lauseier hat, 
Fretangel Fresser, Fletangel Grobian, 
Zotenreifzer, Glür^ oder Lurangel heim- 
tückischer, lauernder Mensch^ Spudd- 
angel Schmutzfink u. al, so deutet das 
Mnd. Wb. I, 88b an, dafz An>gel sich 
vielleicht auf oäighe (j=hanghe) Natur, 
Wesen, Gewohnheit (bei uns auch 
Angewohnheit) zurückführen lasse. 

Lausbart, pltd. LQsbart (a = a), m., 
Kerl, der im Bart Läuse hat; Schimpf- 
wort 

Lauschenknicker, pltd. LAskeknttcker, 
Läuseknicker, in der Kindersprache der 
Daumen. Volksr., 32, 124. 

lausen, pltd. IQse(n), m. 1. nach Läu- 
sen suchen. 2. einen züchtigen, durch- 
prügeln. Öck V?ar dt luse! als Drohung. 
3. betrügen, ausbeuteln. Se' hebbe mt 
göt gelust • 

Lausepulver, n., s. Kuckuckssaat. 

* Lauser, pltd. LQser, m., Mensch, der 

»Läuse hat. Bei Stein, Peregrinus 

XIII, 88, unter den Schimpfwörtern 

neben Lausbart Das. 90: Laushund, 



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14 lausern — lawen. 

Lauspungel als Schimpfwort unter Ehe- wie Boldt dm Landgräwe^ er kommt 

leuten. W. Mtsbl. VI, 159. 173. nicht zum Ziel. Danzig. Sprw. I, 2339. 

lausern, pltd. UMerOy 8u?., lauernd zö- Hennig, 143. 
gern, zaudern, verziehen, saumselig Lftwä, /., s. Lftwe. 
warten, langsam sich fördern^ langsam Lftwe, Lftwd, Lobe, Löbde, LOwd, /. 

arbeiten. Latiser nicht so lang! 1. Verlobung, die im Ermlande feier- 

Lausetag, pltd. LQsdag, m., Tag, an lieh durch den Geistlichen geschieht, 

dem den Kindern die Läuse abgekämmt Item^ WannLobde geschieht^ dazu sollen 

werden, der Sonnabend. Vgl. Kamm- personen vber fünf nicht komenj den 

tag. Breütigam mit ein gerechent Kleider- 

Lausharke^ /., Harke, Rechen, für Ordnung in Königsberg. N. Pi:. Prov.- 

Läuse, Umschreibung für Kamm. Volks- Bl. a. F. VH, 374. De Lowd on de 

ausdruck? Kesting koste foats e poa Hundat Ermld. 

Laushundy m., Schimpfwort, s. Lauser. Freisch., 10. 2. der Schmaus nach der 

lausig, pltd. IQsig, adj., mit Läusen Verlobung. Ermland. Mnd. lovede, 

* behaAiet. Beliebtes Schimpfwort: lau- lovete^ lofte. Nsslm., Forsch. 2, fuhrt 

siger Keti — Hund etc. die Formen Ldwe^ Löbe^ Lobde auf 

Lauskamm, m., Kamm für Läuse, das Altpr. zurück; sie gehören nach 

dichter Kamm. Vgl. klatterrt u. Nm(z- seiner Angabe augenscheinlich der Wur- 

kamm. zel an, *yon der wir im Katechismus 

Lauspungel, m., Schimpfwort, s. Lau- Ipbnigs^ lubeniks der Kopulierer, lyü- 

ser. laiskas Traubuch, Trauformular, sa-lu- 

Lauswenzel y m.^ schlechter Rauch- ban^ salauban Ehe, sa^lubsna Trauung 

tabak, Tabak, an dessen Rauch selbst haben. Lit litibyju^ liübyti gern haben, 

Läuse zu Grunde gehen. He schockt lieben, stisi^liubyti sich lieben, Neigung 

mt na e Packke vom dtre LuswenzeL haben einander zu heiraten. Vgl auch 

Kgsbg. Firmenich I, 102b. Nsslm. Th., 97. 

laut, pltd. IQty adj. laut werden — . Lftwegeld, Lobegeld, n., Abgabe, welche* 
vom Hunde, der auf der Fährte des bei der Verlobung eines Paares zu 
Wildes anschlägt. Wenn §k dittmal entrichten war. Wir heben auf und 
lud warr^ on §k heww keene Spar (Spur, todten in ganz Preussen alle üngelde^ 
Fährte), denn trut mi miendag nich Accisen, Läwegelde etc. Begnadigungs- 
' meh\ Dorr, 1. Wiew., 101. scferift des Polenkönigs Wladislaw Ja- 
lauten, pltd. Ittdde(n), »t(?., läuten. Die gello v. J. 1410. Verschieden im Sinne 
Glocken lauten: ist das Lobegeld der älteren dputschen 

lautschen, mo.^ s. latschen. Rechtssprache, lat. laudemium. Vgl. 

lavieren, pltd. Iaw6re(n), b/w. 1. hin Adelung II, 2082. Nsslm., Forsch, 

und her segeln, um gegen Wind vor- 2. • Hennig, 143. 
wärts zu kommen. 2. bildlich: widri- Lawelbler, pltd. LawelbSr, n., mnd.- 

. gen Verhältnissen durch Abwarten und hveJber^ Gastmahl bei der Verlobung, 

geschicktes Entgegenwirken vorbeugen, Verlobungsfeier. In der Landesordnung 

entgegen arbeiten, Umwege, Umschweife des Siegfried von Feuchtwangen, Art. 

machen, wenn man auf geradem Wege 12. Hennig, 143. Vgl. Klndelbier. 
picht zum Ziele gelangt. He lawert Iftwen, sw, 1. loben, preisen. 2. dem 



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Lebas — Lebenskraut. 



15 



Werte nach schätzen, veranschlagen^ 
den Preis angeben. Wat läwe se dat 
Topgike^ was loben sie das Töpfchen, 
was soll es kosten? 3. verloben. , Das 
ahd. lob&n^ lopön u. loben^ wie das mhd. 
loben haben auüzer der Bedeutung un- 
ter 1, auch noch die von geloben und 
versprechen. Ygl. LAwe. 

Lebas, m., fauler, träger Mensch. 
Treichel. Wäre das Wort gleichbed. 
mit Dummkopf, so würde es zurück- 
zuf&hren sein auf das poln. leb Eopf 
in verächthchem Sinn. Mrongov. I, 
193a. Vgl Lorbas. 

lebbem, aw.^ s. labbern. 

leben, pltd. Iewe(n), «to., in zahlreichen 
volkstümlichen Redensarten und Sprich- 
wörtern: Er lebt auf Regiments Un- 
kosten — vogn Winde — von Essen und 
Trinken — vne Gott in Frankreich — 
ufie die Made im Speck — vne ein Ma- 
tador. He lewt üt Solt on Wäter^ sehr 
elend — wie Forschte Suon e Sesswäke^ 
es geht ihm sehr gut. Er lebt wie der 
Bauer auf seinen Hufen — vne der 
Bauer Kiewit in Lohherg — vne der 
Papst von Lenzen — he lewt so as Bo- 
napat cm (am?) Heckeposte. Jerrento- 
witz. Er lebt auf seine eigne Hand und 
kocht sich selber. Je länger da/z man 
lAty je mehr einem widerfahrt. Pannke 
fett leben. Wi lewe rtw on nich e Jahrke 
so lang. Warscht lewe^ warscht sehne — 
war wie lewe^ war wi sehne u. a. Se 
lewe vom Profit on fbhre Stät vom Be- 
drSge. Dönh^ Vgl Sprw. I, 2346 «F.; 
n, 1674 ff. 

Leben, pltd. Lewe, in der Dzg. Nhrg. 
LBwen, n. Viol^t, 102. 1. in Sprich- 
wörtern und Redensarten: E Lewe ohne 
Lew ÖS wie e Hund ohne Zdgel — vjie 
e Hund fer e Orosche. He freU sock 
dat Lewe af er verzehrt sich in Gram. 
Fer solk Lewe schon lewer verheiratet 



sön, Dat ÖS e Lewe vne öm Lehm. Das 
Leben ist jetzt Gras^ es geht damit zu 
Ende, ist in Gefahr; auch als scherz- 
hafte Drohung. Vgl. Sprw. I, 234Öff.; 
II, 1671 ff. 2. lautes, unruhiges We- 
sen, Lärm. Mach nicht solch ein Le- 
ben! ruft man dem lärmenden Knaben 
zu. Fjt macht von der Geschichte ein 
so grofzes Leben, d. i. Aufheben, spricht 
viel darüber. 

Lebensbaum, m., wuchernder Stein- 
brech, Saaifraga sarmentosa L., auch 
Schusterblume, (?). Treichel, Volksth., 
II, 20. 

Lebensgeist, pltd. Lewensgeist, m., Zu- 
sammensötzung aus Geist und Ldfen. 
He heft Lewensgeister^ er ist ein geistig 
begabter, geweckter Kopf. 

Lebenskraut, pltdi LewenskrOt, n., Fett- 
henne, Sedum telephivm L. Der Name 
rührt daher, dal'z die Pflanze, in fi'eier 
Luft hängend, zu vegetieren fortfahrt 
und, nach der Volksmeinung, Leben 
und Tod anzeigt; daher heilzt sie nach 
Mühling in der Gegend von Rössel 
auch Leben und Sterben. Hagen, 478: 
Wenn sie in einer Stube, worin ein 
Kranker ist, unter den Balken gescho- 
ben, auswächst, so zeigt dieses die 
Wiederherstellung des Kranken an; ge- 
schieht dieses nicht, so hält man ihn 
für verloren. Nach Hagen, a. a. O. 
schleicht sich auf dem Lande das un- 
verheiratete Gesinde in der Johannis- 
nacht, wenn der Hahn zum erstenmal 
kräht, auf das Feld und sucht die 
Pflanze auf. Diese wird den folgenden 
Tag zwischen 11 und 12 Uhr mittags 
unter einen Kreuzbalken versteckt und 
täglich besehen. Hält sie sich bis den 
zwölften Tag frisch, so bekommt die 
Dirne in dem Jahr einen Mann und 
der Knecht eine Frau. Verdorrt sie 
dagegen, so bedeutet dieses Böses 



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16 



Leben — Lecks. 



und wohl gar den Tod dessen, der eine - 
fröhUcliere Vorbedeutung erwartete. 
In ^er Gegend von Saalfeld wird als 
Lebenskraut Sedvm maocvmum unter 
die Stubendecke , gehängt „f ör jeden, 
wo (den) man will: für Vater, Mütter, 
Schwester etc." Abgekochtes Sedum 
max. liefert einen heilsamen Ti^nk. 
Auch benutzt man nach Treichel im 
Weichseldelta als* Lebenspflanze den 
Gartenkohl, Brassica oleracea L., indßm 
man am Johannisabende einzelne Pflan- 
zen fär die Angehörigen einpflanzt. 
Weil die Pflanze in der Johannisnacht 
gesammelt wird, heifztsie auch Johahnb- 
kraut Vgl. Volkskal., 113. 
. Leben und Sterben, Pflzn., s. das vor. 

Leberwurst, pltd. LSwerworscht, /. 1. 
Wurst von Leber. 2. Name im Volks-, 
witz: Hans Hans Lcwerworschtj Uwt 
dtn 61 Wtw nochf Ja^ ja, se lewt noch^ 
liggi öm Bed on zabbeli noch. 

Lechel, n., s. LächeL 

lecken, pltd. Hicke(n), sw. 1. rinnen, 
triefen, tropfenweise flieizen. Der Eimer 
leckt, er hält nicht dicht, ist verspakt. 
Hennig, 144. Die Nase leckt ihm, 
er hat starken Schnupfen. Das Blut 
leckte ihm man so aus der Nase, ihm 
blutete die Nase heftig. Bildlich: Es 
leckt ihm in die Bude, er hat Schaden, 
Unglück. 2. wenig, oder mit Unlust, 
langen Zähnen essen. Vom Lecken wird 
keiner fett, 3. trinken. Hestu mt sehne 
locke!' d,i. mit Begierde und Wohl-^ 
behagen trinken. Carm, nupt I, 282, 
15. 4. küssen. In ihrem (der Nadrauer) 
Ehestande wird man aber nicht g^ajir, 
dass sie sich so of entlich leöken, als man 
wohl bei den jungen deutschen Eheleuten 
stehet. Pierson, Matth. Prätor., 93. 
Das viele . Lecken setzt blau£ Flecken, 
die Zärtlichkeit während der Braut- 
schaft schlägt in der Ehe oft in ihr ■ 



Gegenteil um. Wenn man en Possken 
von crem Fell on Leppen leckt, Carm. 
nuptl, 298. 5. sich sauber und-rein- 
lich »kleiden. Sie ist wie vom Bullen 
geleckt, namentlich, wenn das Haar glatt 
und glänzend gemacht ist. 

Lecker, m, 1. Appetit, lebhafite Be- 
gierde, heftiges Verlangen. Sich den 
Lecker stillen — vergehen lassen. Der 
Schmecker verdirbt den Lecker, zu Kiii- 
dem, wennsie sich etwas „zuschoaecken" 
erbitten. 2. die Zunge.' Sich den Lecker 
verbrennen. Sprw. I, 2379. 

leckem, sw., naschen, für Süfzig- 
keiten das Geld verthun; liebeln. S. 
lOffeln. 

teckgut, n. t%er die Schweinsborsten 
haben die Konigsbergische Bürstenbinder 
ein Privilegium, dafz kein sogenanntes 
Leckgut, welches weifze auserlesene Bor- 
sten sind, ohn ihre Marke im Handel 
vertrieben werden kann. Bock, Nat. 
IV, 248. 

Leckkuchen, m., Lebkuchen, Honig- 
kuchen. Thomer Leckkuchen. Bock, 
Nat. I, 269. 

leckmaulen, pltd. liickmQle(n), sw., das 
Maul, die Lippen lecken, nach etwas 
starken Appetit haben. He leckmült 
as Lemke's Bock ncÜm Arftestroh. He 
löckmillt wie de Domnausche StadtboU. 
In Domnau hat man einst den Stadt- 
bullen an einer um den HaJs gelegten 
Schlinge aufs Stadtthor ge.wunden, da- 
mit er das dort wachsende Gras ab- 
weide. Als das in der Luft schwebende 
Tier, dem Ersticken nahe, die Zunge 
zum Rachen herausstredkt, schreien, die 
Domnauer fröhlich: Seht, seht, nun 
leckmault er schon nach dem Grase! 
Vgl. Sprw. I, 2381. 

Leckmeritzensaft, m. , Lakritzensaft, 
su^cus 



Lecks mir am langen Widerhaken, Me- 



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. Leckwerk — leg. 17 

dikament. Eliadr ad longam vitam. mlat* leudum Währgeld. Vgl. Lein- 

Konigsberg. kauf. 

Leckwerk, n., Med., Electuarium e Lftdwasser, n., Wasser im L<?d, Glied, 

Senna, Gliedwasser, Eiterwasser unter der Haut 

LM, n. 1. Lied. 2. Leid. Mtn's bei Wunden. Ln Brem. Wb. III, 64: 

ffröten Leds! ist nach Bock, 31, und Ledewater. 

Hennig^ 144, durchgängig die Aus- ISdwSg, KdwSgig, adj\, in Königsberg 

rufungsformel bei Schreck oder Ver- auch ISgwClig, wackelig, gebrechlich, 

wunderung, oder auch, wenn man etwas ohne Festigkeit und Halt in den Glie- 

Ubles befürchtet. Nach dem Preufz. dern oder Fugen. Von Möbeln und 

Archiv I, 530, lautet der Ausruf: Meins anderen Sachen, aber auch vom Men- 

gro/ze Leds! Er hat sich ein Leid ge- sehen. Das Rad am Wagen ist led- 

thatiy er hat sich ums Leben gebracht, wegig. Ein ledwegiger Stuhle Tisch — 

3. Glied. Vgl. LSdwasser. ein ledwegiger Mensch^ ein lang auf- 

L6de, /., wüst liegendes Land, na- geschossener Mensch ohne Festigkeit, 

mentlich in Niederungen ; von Z^^ (s. d.). Halt und Kraft. In Hamburg und 

Es ist sehr wahrscheinlich^ dafz hieselbst Bremen ledeweek, Brem. Wb. III, 64. 

nach 20 oder 30 Jahren keine Brücher ^ Der erste Teil des Wortes ist Led^ 

Leeden und ungebauete Felder dürften Lid, Glied, der zweite in dem ham- 

angetrofen werden; die wenigen aus- burg-bremischen ledeweek: wek weich. 

genommen, so einer Verbesserung un^ Hennig, J44. 

fähig sind. Bock, Nat.I, 639. Grimm, Leffel, pitd. L6pel, m.y s. Löffel. 

Wb. VI, 537: Lehde. leffeln, pltd. ISpeln, sw., s. Ittffeln. 

Leder, n, Haut des Menschen. Einem Kg, lag, adj, 1. niedrig, seicht; ahd. 
Ott/« L^cfer^^A^w, ihm mit Prügel drohen, ^^, mnd. lech, lege, ags. Iah, hoU. 
ihn durchprügeln. Sprw. I, 1. Enem laag, heg, dän. lao. Der Stuhl ist lag, 
op^m Ledder hucke^ ihn belästigen mit niedrig. Der Bach ist lag, seicht. Det 
Besuchen, Aufträgen, Späl'zen etc. laje Föld öm Woater steit Dorr, 18. 
Ledering, /., s. Gadder. In Elbing giebt es eine hohe und eine 
Ledermab, pltd. Leddermatz, tw., fe^^rg Brücke, letztere stromabwärts von 
Schimpfwort: er ist ein rechter Leder- erste rer gelegen, in Danzig ein hohes 
matz, Gedanism. und ein Uges Thor, auch eine lege Stadt, 
Lederung, /., s. Gadder. * Niederstadt, als Stadtteil. Als Sub- 
ledig, pltd. leddlg, adj. 1. ledig, leer, stantiv LSg, /., niedrige Fläche, Thal. 
De Buk ÖS leddig, der Bauch, d. i. der Der Weg in der Leg ist recht schlecht 
Magen, ist leer, ich bin hungrig. 2. Saalfeld. Auch auf Personen ange- 
on verheiratet öck st noch leddig. Se wandt: Hoch on Leeg bedreegen, Rick 
ÖS en leddget Fruenzömmer. Schon bei on Arm^ hoch und niedrig betrügen, 
Jeroschin: do quam ein ledic vroutoil reich und arm. Dorr, 1. Wiew., 22. 
gdn 64 b. Pfeiffer, 186. Ludewig Napolejohn, so'n Kerl, so leg 
LMkauf, LTdkauf, m., eigentlich Leidr on wenig. Volkslied: Dat Danziger 
kauf, das festgesetzte Reuegeld, das VoUblod. 2. abgeschrägt, abfallend zur 
beim Rücktritt you einem Kaufe zu Niederuug. lAn Gtrabenufer ist leg, es 
zahlen ist. Hinzuweisen ist auf das schrägt sich zur Tiefe ab. Vgl. Brem. 

PriMbbUr, Wörterbacb IL ■ * 2 



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18 



Legan 



lehren. 



Wb. III, 4: laag. Schützeil, 19 u. 
Dä4iii., 271a: leeg. Hennig, 144. 
Sperber, 21. Schemionek, 23. 
Grimm, Wb. VI, 58. 

Legan, d. i leg ai^, macl^e Halt, Name 
für Gast- und Wirtshäuser. Yor dem 
Stemdammer Thor Königsbergs gab es 
ein Wirtehaus Legan^ das durch den 
Festungsbau beseitigt ist, während das 
benachbarte Sprechan^ d. i. sprich an, 
noch heute besteht. In Danzig ein 
Legan an der Weichsel. Hennig, 
144. 

Ugde, /., s. Uge. 

Lege, pltd. Legg, Legge, /, von legen, 
der Hintere der Hühner, weil sie aus 
demselben die Eier legen. De Legg 
heft sock schon ganz verändert, de Höh- 
ner wäre bald' legge. Übertragen auf 
den Podex des Menschen. Er hat eine 
gute Lege, Ihm reifzt die Legge aus, 
er läfzt einen fahren. Samland (Eor- 
kehnen). 

L6ge, LSgde, /., von leg, lag, niedrig 
gelegene Stelle, Vertiefung in flacher 
Gegend. Mühling. 

LSgel, n., s. Lächel. 

ISgwSlig, adj,, s. IgdwCg. 

Lehmblätter, Pflzn., grol'zblättriger 
Huflattich, Ttissilago petasites L, S. 
Lottchenblatt u. Pestilenzwurzel. Hagen, 
867. 

Lehmdiele, pltd. Lehmdei, /., Scheu- 
nendiele, Tenne, weil der Fufzboden 
aus festgeschlagenem Lehm besteht. 

Lehmkaule, /, s. Kaal. 

Lehmpatze, /., Ziegel aus Lehm, iu 
der Luft getrocknet, also ungebrannt. 

Lehmstftke, /., Fachwerk mit hölzer- 
nen Sprossen (Stäken), welche mit Lehm 
ausgeklebt sind. * Mühling. Nach 
Treichel Füllung in Wänden, wozu 
Stücke Ziegel nebst Lehm und Stroh 
verwandt sind ; auch Klebstäken. Nach 



dem Mnd. Wb. H, 662b, lemstaken 
Flechtwerk von Zweigen und Pfähjen 
mit Lehm dazwischen. 

Lehne, /., Pflzn., s. Leinbaum. 

lehnen^ lenen, leinen, sw., leihen, bor- 
gen. Lehn mir doch dein Messer! 
Ebenso in Liv- und Estland. Hupel,. 
141. Mnd. lenen, lehenen, leinen. Da- 
von ablehnen, weglehnen. 

Lehnsleute, plur., Bezeichnung für 
alle diejenigen, welche in der. alten 
Verfassung bei den Anstalten, ^m Han- 
del beschäftigt waren, .als die Korn-, 
Holz-, Herings-, Gewürz-, Flachskapi- 
täne, die Messer, Braker etc. Sie 
wurden mit ihremi Amte vom Magistrate 
belehnt und eingeschworen, bildeten 
eine Körperschaft und konnten ihr Lehn 
auch an andere Personen verkaufen. 
Danzig. W. Seidel, 32. Vgl. Be- 
lehnter. 

Lehr, f.^ Lehre. 1. Unterweisung in 
den Fertigkeiten eines Handwerkes. 
Er ist beim^ Uhrmacher in der Lehr, 
2. Unterricht der Konfirmanden in der 
Religion durch den Geistlichen, und 
dann gewöhnlich Kinderlehre (s. i). 
Sie geht in die Lehr, Oberland. 3. 
Unterricht überhaupt. Hei ös schlecht 
ön e Lehr, vom Schüler, der Lehre 
und Unterricht nur schwer zu fassen 
vermag. 

lehren, pltd. I6re(n), oberländisch ITren, 
sw,, Verwechselung mit lernen, wie 
lernen mit lehren. De Jung lehrt nuscht 
ön e Schdl, der Junge lernt nichts in 
der Schule* De Mansch ward ölt wt 
e K6 on lehrt (lernt) ömmer mehr dato. 
Sprw. I, 44. Gä ön de Schul on lehre 
wat Volksl., 25, 16, 3. Zum Lehrer, 
dem die Mutter das Söhnchen zuführt: 
Lernen sie ihm doch inan gut. Wer 
hat dir das gelernt? Ebenso schwed. 
löra lehren und lernen, holl. leeren. 



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Lehrkind — Leibstuck. 



19 



Bei Jeroschin (3070. Strehlke): Di 
Juddn — bt in (den Heiden) strtUn 
lerten urfd dt lere kertin vurbaz ouch 
an ire kint ' S. ablehren. 
Lehrkindy n., Eonfirmande. 
Leib, pitd. Uw, n., Leib, Bauch, Ma- 
^«n.^ Ins Leib schlagen^ essen. E 
Schdlche (Schälchen) was Warmes ins 
Leib. Das Leib thut mir weh. Ich 
h<ä> ein schlimmes Leib^ Durchfall mit 
Leibschmerzen verknüpft. Die schmerz- 
lose Diarrhöe bezeichnet man mit 
böses, offenes Leih, Sie hat sich den 
Leib vollgeärgert, ist schwanger gewor- 
.den. In der Zusammenfügung mit Le- 
ben: Bei Leib und Leben nicht, durch- 
aus nicht. Es frw mich über Leib 
und Leben, am ganzen Leibe. Dat ös 
hei mot Ltw on Lewe, das ist er, wie 
er leibt und lebt. Hebb eck mtns Ltwsr 
Lews Dag solk Tttoerdrtw gesöhne! 
Carm. nupt. I, 282, 9. Hennig, 144. 
Leib, m. jüd. Vom., Levi. Auch 
Leibusch, Lab^ Löbel. Flatow. Schmitt, 
112. 

Leibchen, pltd. Llwke, n., Dem. von 
Leib,, pltd. Ltw, Frauen jacke ohne 
Ärmel, Mieder, Weste, Joppe. 

Leibchenkraut, pltd. LTwkekrüt, Pflzn., 
domige Hauhechel, Ononis spinosa L., 
also Leibeskraut, Kraut für den Leib. 
Es dient mit vielen anderen Pflanzen 
präpariert als Mittel gegen Schwind- 
sucht. Der Name hängt wohl zusam- 
men mit der poln. Bezeichnung babie 
drzewo = Frauenbaum. Treichel, 
Volksth. ' 

Leibgericht, pltd. Ltwgeriicht, n., Ge- 
richt, das man gern ifzt, das dem Leibe 
lieb ist Beute hat die Mutter mein 
Leibgericht gekocht Gliek bringt em de 
Afutschke ok hiede sien Liewgeröcht 
Boldt, 19. Das Leibgericht wird dem 



Kinde gewöhnlich zum Geburtstage be- 
reitet. 

Leibkuchen, pltd. LTwköke, m., kreis- 
runder, aus Butterteig gebackener Keu- 
chen, der vorzugsweise an Festtagen 
beliebt ist. Zu Bocks und Hennigs 
Zeit pflegte man am Neujahr recht 
groize Leibkuchen zu bereiten. S. auch 
Bock, Nat. 1, 270. Bock, 30, erzählt 
noch, dalz abergläubische Leute auf die 
Neujahrs-Lei bkuchen vor dem Backen 
die Namen der Personen kleben liefzen, 
an welche sie dieselben verschenken 
wollten. Derjenige, dessen Kuchen ge- 
borsten war, mufzte, nach ihrer Mei- 
nung, in dem Jahre sterben. Der Stamm 
des Wortes ist wohl das goth. hiaifs, 
hlaibs Brot, ahd. leib^ leip und hlaiba, 
laiba, mhd. leib Laib, geformtes Brot; 
ags. hldfy engl, haf, schwed. lef, böhm. 
chleba, poln. chleb, serb. hlab. Schade, 
404b. S. Adelung H, 1997.« Hen- 
nig, 144. Sperber, 20, erklärt L^ii- 
kuchen als Lebkuchen, was, wenn da- 
mit der Pfefferkuchen gemeint ist, we- 
nigstens für Königsberg unrichtig ist. 
Sperbers Erklämng als berechtigt an- 
genommen, wäre das Wort auf das lat. 
libum Kuchen, Opferkuchen zurückzu- 
führen. 

Leibrock, pltd. Llwrock, m., Frack. 
Zieh den Leibivck an, zieh den Leib- 
rock an, am Sackrock sind nicht Knöpfe 
dran. Dönh. Sprw.H, 1693. S.Sper- 
ber, 20. 

Leibschneidung, pltd. LTwschnTdung, /. 
u. n., Leibschneiden, Schneiden, Schmerz 
in den Eingeweiden. Öck hebb so'n 
Ltv)schntdung. 

LeibstUck, pltd. Ltwstttck, n., Rumpf, 
torso; Kleidungsstück, Weste. Rock 
on kein Liefstöck dran. Volksl., 87, 
22. Junge Frü möt dem öle Ltwstöck, 

2* 



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20 



Leibtage — Leinkäfer. 



als neckender Zuruf an Mädchen und 
Frauen, ist doppelsinnig. 

Leibtage, jpZwr., Tage meines Leibes; 
in* der Zusammenziehung mit Lebtage^ 
Tage meines Lebens. Gedrungen! 7nein 
leibundlebtagef Soph. R. YI, 325. 

Leibwehtage, /., s. Wehtage. 

Leichentrilger, pitd. LTkedräger, m. Er 
üt besoffen wie ein Leichenträger. Königs- 
berg. 

Leichterkahn, m,, s. Lichter. 

Leidak, m., s. Laidak. 

Leiden, n. Er ist im Leiden^ er hat 
einen Rausch. Tiegenhof. 

leiden, sw, L leiten, führen. 2. ge- 
leiten, begleiten. In erster Bedeutung 
pltd. ledde(n)^ ahd. leitan^ mhd. Uiten^ 
alts. Icdjanj in zweiter pltd. leide(n)^ 
ahd. Itdan^ Uden Itdin^ mhd. Itden einen 
Weg nehmen, gehen, fahren. Schade, 
545 a. 553 a. Dat Perd to leid^ spanne^ 
das Pferd als leitendes spannen, als 
Leitpferd, Leinenpferd, Sattelpferd. 

leidem, sw.^ klagen. Hei leidert noch 
emmer dm das schöne. Geld^ das er dum^ 
mab (damals) verlor, Saalfeld. 

Leidings, m,, s. Lädings. 

Leidomassis, (?), Zugnetz. Zu dem 
Ende (Fischerei mit Kähnen) können 
sie einZugnetz^Leidomassis oder Tinklas- 
Leidzamaszis) und ein Vorstellnetz {Ate- 
tomage oder Tinklas^-Mettomaszis) zu 
Hülfe nehmen. Fisch -Ord. f. d. kur. 
Haff §23. Sperber, 40. 

Leie, w. jüd. Vom., Lea. Flatow. 
Schmitt, 114. 

leiern, sto., von Leier ^ zunächst die 
Drehorgel, die Leier, spielen. Von 
deren stetem Einerlei: I. dasselbe fort 
und fort wiederholen, ein Musikstück, 
ein Lied, eine Rede, einen Vers, einen 
Satz. etc. Leier' nicht immer dasselbe! 
Das ist ja die alte Leier. 2. langsam, 
schläfrig fahren. Er leiert so langsamche 



fort. Ebenso: langsam arbeiten. 3. 
ohne gute Betonung reden, namentlich 
deklamieren. In ähnlicher Bedeutung 
in Liv- und Estland und weiter. Hu- 
pel, 141. Grimm, Wb. VI, 686. 

Leim, w., Lehm, Töpferthon. Der 
geObte Bawherr giebt auch wol Acht^ 
dafz auch der Leim aus seiner Gruben 
nicht anders als bey oder neben dem 
Newen Licht möge gegraben werden. 
Linem., Mm 2a. Soll sich attch keiner 
unterstehen, Leim oder Sand . . . zu 
graben. Hart wich, 331. . . ein sehr 
strenger Leime tregt nicht leichüich 
Rocken^ Gersten^ Heydenkom etc. H e n -• 
nenberger, \. 
Leim'd, /., Leinwand, s. Leinwad. 
leimen, sw.^ gliemen, stänkern, sich 
unmanierlich auffuhren; betrugen. 

leimem, adj. von Leim^ lehmem, thö- 
nern. Das ,,Kind der Sorge" nennt 
Herder ein leimemes Bild. 

Leinbauär, m., Bauer, der vorzugs- 
weise Lein oder Flachs anbaut. Die 
Leinbquern im Ermlande. 

Leinbaum, LTnbaum, Linbaum, m.^ spitz- 
blättriger Ahorn, Acer platanoides und 
campestre //. Der Baum heifzt auch 
Lehne^ Lenne^ Lönne. Hageo, 1075. 
Hennig, 330. Vgl. Brillenbaum, 
leinen, sw., s. lehnen. 
Leinenochse, m., s. das folg. 
Leinenpferd, pltd. LTnepSrd, n., eigent- 
lich leitendes Pferd, das, weil es vom 
Kutscher gefuhrt wird, das Nebenpferd 
leitet; daher gewöhnlich Leitpferd. 
Wird das Gespann vom Wagen aus 
durch die Leine dirigiert, so ist das . 
Pferd links vom Fuhrmann in eigent- 
lichem Sinne das Leinenpferd. Ebenso 
Leinenochse. Vgl. leiden. 

Leinentänzer, pltd. LTnedanzer, m., 
Tänzer auf der Leine, Seiltänzer. 
Leinkäfer, m., Maikäfer. Oberland. 



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Leinkauf — Lelek. 



21 



Leinkauf y pltd. Lfnköp, m., Trunk, 
Schmaus nach abgeschlossenem Ver- 
kauf, Kauf-, Vertragstrunk, den in der 
Regel der Verkäufer bezahlen mufz.. 
In manchen Gegenden pflegt man bei 
Viehverkäufen die Neige des Trunkes 
rückwärts über den Kopf zu giel'zen, 
damit das Gekaufte gedeihe. Statt 
Leinkauf hört man auch MagrieUch 
(s. d.). Das polu. liiikup ist ein Ger- 
manismus und hat auch die Bedeutung 
von Handgeld, mnd. Istkop^ likop. Vgl. 
über Leinkauf Haupts Zeitschr. f. 
deutsch. Altei:th. VI, 269 ff. Der Lein- 
kauf wird schon im pomesanischen 
Recht etwa um die Mitte des 14. Jahrh. 
erwähnt La band, Jura Prutenorum 
1866, p. 12. Altpr. Mtsschr. HI, 691. 
— Im Ravensbergischen heiizt nach 
Klein H, 232, das Handgeld Wim- 
koop^ Weinkauf. Das Wort ist zurück- 
zuführen auf die allgemeine deutsche 
Sitte, erst nach dem Gelage wichtige 
Beschlüsse zu fassen, ja selbst die be- 
deutendsten Kaufverträge abzuschliei'zen. 

Leinwad, Linwad, Linwand, /., Lein 
wand. Alle Ausdrücke sind veraltet, 
dagegen hört man im Ermlande Leim'd, 
Leiwind, Leiend, Leuend, und überall 
pltd. Lfinwand. Die beiden letzten 
Namen und Lauend auch in der Elbin- 
ger und Danziger Gegend. Jle hadd 
'nen langen Mantel von witter Lauend 
omnamen. Dorr, Driewjagd. Bre- 
misch-nds. Lewend. Brem. Wb^ HI, 
60. , . , da die Stadt-Frawe verdrufz 
hatte über ihre schwartze oder BUyfarbe 
Linwad, . . . Nun ists bekand^ je stär- 
cker die Sonne wircket auf der Linwand 
je geschwinder wird sie trocken. L i n e m. , 
Qqla. 

Leinwandsbaum, pltd. Ltfnwandsböm, 
m., im Webestuhl der Querbaum, vom 
unten gelegen, auf den das fertige Ge- 



webe, die Leinwand, gerollt wird, in- 
dem sie über Brustbaum und Kni^- 
baum sich hinwegzieht. Vgl. Das'Wirk- 
gestell, 124. 

Leinwebergasse, pltd. LVnnewewergass', 
StraCzenname in Königsberg, Straf'ze, in 
der Leinweber wohnten. 

Leis, Leise, n., Gleis, Geleise, Spur. ' 
Gewöhnlich in der Zusammensetzung: 
Wagenleis, Ahd. leisa, mhd. leise^ leis. 
Schade, 543b. Hennig, 331. 

leisen, sw.y fest im Leise^ Geleise, 
bleiben. Zunächst vom Wagen, der 
in seinen Rädern fest ist, nicht schwankt. 
Mühling. 

Leiser, m. jüd. Vom., auch Lesser, 
Loser ^ Löser^ Less, Les-che, Elieser. 
Flatow. Schmitt, 112. 

Leisten, LiestSn, ListSn, Ortsn., Löwen- 
stein, Kirchdorf im Kreise Gerdauen. 
Dönh. 

Leifzienen, Ortsn., Dorf im Kreise 
Wehlau. Vgl. Schallen. 

leit, 3. Person des Präsens von 
liegen und legen, Ermland. Ober- 
land. Da leit er^ da liegt er, der Ge- 
fallene. He leit (legt) sick längs de 
Awebank. Volksl., 32, 21, 2. 

Leiter, Leitfisch, pltd. Ledder, Ledd- 
fttsch, w., ein Rastard des Brassen oder 
des Gieben; von den Fischern des 
frischen Haflfes so genannt. S. Be- 
necke, 125. 

Leitpferd, n., s. leiden und Leinen- 
pferd. 

Leiwind, /, Leinwand, s. Leinwad. 

ICIcen, sw., laichen, schwed. leka. De 
Schölmeister leke^ sie gehen in der Fe- 
rienzeit auf Reisen. Sprw. I, 3421. 

Lelek, w., nach Mrongov., Wb. I, 
194a, der Waldkauz, Stria aluco; nach 
Treichel der Tagschlaf oder Ziegen- 
melker, Caprimulgus europaeus. Der 
Name ist rein polnisch. 



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22 



lölos — lesen. 



I6I08, adj,^ wackelig, von altem Haus- 
gerät, s. y. a. ISdwSg. 

Lemmel, m. jüd. Vom., Lemael. Fla- 
tow. Schmitt, 112. 

L6n, w. Vom, Helene, Magdalene. 
Hartwich, 55. 

lenen, m,^ s. lehnen. 

L6nei% m. Vom., Leonhard. Hart- 
wich, 54. 

Lenewen, (?),. alter Kleiderstoff. Vio- 
l^t, 178. 

Lenk, /., s. Lenkleine. 

Lenkleine, pltd. Lenklfn, /*., Leine mit 
Flotthölzera, am pberen Ende des Stein- 
taues befestigt und in die Lenk, einen 
als Boje dienenden Holzklotz, endigend; 
sie lenkt, leitet, führt und hält die 
eigentliche Angelschnur mit dem Lachs, 
der daran gebissen. S. ßenecke, 402.. 
Vgl. Lachsangel. 

Lenne, /., s. Leinbaum. 

Lenör, w. Vom., Eleonore. Hart- 
wich, 55. 

lensen, sw.^ Schifferausdruck, ein 
leckes Schiff durch pumpen flott er- 
halten. Treichel. Dan. lense^ holl. 
lenzen leeren. 

Lenzen, Ortsn., Dorf, ly, Meilen 
nordöstlich von Elbing, in der Nähe 
des frischen Haffes, bekannt und. be- 
sucht wegen der weiten und herrlichen 
Aussicht von den dortigen Höhen. Der 
Name ist eine Verstümmelung des altpr. 
lansania^ lanzania^landesanum^landesen. 
S. Nsslm., Thes, 89. 

Lenzstange, /., s. Lindstock. 

L6pe,./., Milchnapf. Dönh. 

Lepek, ?»., penü. Sperber, 38. 

Lerchen, plur. von Lerclie^ bildlich 
für Geld. ^Er läfzt Lerchen fliegen^ er 
giebt viel Geld aus. Vgl. LCwark. 

Lerchenklau', Pflzn., Feld-Rittersporn, 
Delphinium conaolida L, Pritzel, 132. 



Lerchentriller, ?n., ^Benennung für einen 
süfzen Schnaps. 

Lerke, /., s. LSwark. 
■ lernen, sw.^ s. v. a. lehren (s. d). 

Lesbrett, Lesebrett, n., etwa drei Fin- 
ger breites Brettchen mit Handgriff, 
das an jeder Seite 20 Löcher hat, durch 
welche beim Abwinden des Games von 
der Scherleiter die Fäden der einzelnen 
Spulen geführt werden, wodurch beim 
Scheren das Verlesen der Fäden er- 
leichtert wird. Vjgl. Das Wirkgestell, 
127. 

Leichak, m., Faulenzer^ zu allem un- 
lustiger Mensch. Poln. lezuch Faulen- 
zer, laz^ga fauler Schleicher, Land- 
streicher, langsamer Kriecher, leiak 
Lagerholz, liegender Bienenstock, Lager- 
stock.' Vgl. Nsslm., Forsch. 3; Th., 
93. Altpr. Mtsschr. XV, 582. Nach 
den Gedanüm. soll poln. l^'ctk der 
Pfahl heilzen, den maix auf Weiden 
einschlägt, damit daran das Vieh sich 
reibe; gewöhnlich heil'zt dieser Pfahl 
Schubbjak (s. d.). Die Annahme von 
Schmitt, 107 (Westpr. 166), dafz Le- 
schak nach d^ra Poln. Leichtfulz be- 
deute, ist nicht nachweisbar. Nach 
dem Wb. von Mrongov. H, 483b, 
heil'zt Leichtfulz trzpiot^ rozstrzepaniec. 

leichaken, s^., von Lekhak^ sich fau- 
lenzend iherumtreiben , unbeschäftigt 
die Zeit verbringen. Westpr. Sprw. I, 
2291. 

L6s-che, m. jüd. Vom., s. Leiser. 

Lesebrett, n., s. LesbretL 

Lesebuch, pltd. LSsbök, n., kirchliches 
Gesangbuch. Westpr. Hintz, JBl. 

leselkes, ad}., s. Iftslich. 

lesen, s^., sammelnd aufheben, nach- 
einander aufnehmen. Ähren, Kartof- 
fein etc. vom Felde lesen. Er kanr^ 
Erbsen atis der Schüssel lesen, der un- 



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löslich — Letzte. 



23 



tüchtige Leseschüler, — belesen, das 
Fleisch mit dem Munde vom Enoöhen 
abnagen, den man in den Fingern 
hält. Sperber, 21. Vgl. pQien. 

Itolich, Kselkes, adj, u. adx^.^ leise, 
behutsam, sanft, gelind.. Gah loslich, 
Fat et man leselkes an^ behutsam, da- 
mit es nicht zerbrochen werde. Er 
ist leslich mit ihm umgegangen^ er hat 
ihn sanft, milde, schonend behandelt. 
Hennig, 148, schreibt ittslich; mnd. 
losUken, adv. Bei Jeroschin: dazwas 
bl der sumirzit als das wetir toarmin 
pfltt und dt kelde wesit Its 138a. Pfeif- 
fer, 189. 

Lespler, m.^ Lispeler. Bei Stein, 
Peregrinus XII, 82, als Ekelname und 
Schimpfwort. W. Mtsbl. V, 191. 

Less, Lesser, m. jüd. Vorn., s. Leiser. 

Lesung, /., s. v. a. Eknlesung (s. d.). 

leterbängig, adj.^ lehmig, thonhaltig, 
zäh ; vom Acker. la der ersten Hälfte 
des Wortes Anklang an Letten, 

I§terb8nig, adj,^ gedrückt, trübselig. 
Uastenbnrg. In Hessen letterbenig eigen- 
sinnig, übel zu lenken, störrig, unge- 
horsam, zumal von heranwachsenden 
Knaben, welche in die sogen. Flegel- 
jahre getreten sind. Vilmar, 248. 

LStharl, Ltttharl, -hardei, Pflzn., aus- 
dauernder Lolch, Loliv/m perenne L, 
Mühling. 

Lettauen, n., s. Litauen. 

Lettauer, m., s. Litauer. 

lettisch, adj,^ von Lette^ zur Bezeich- 
nung der Sprache. Die lettische Sprache 
ist von der litauischen nur unwesent- 
lich unterschieden, daher lettisch oft 
gleichbed. mit litauisch. Auf der ku- 
rischeq Nehfung nennt man das Let- 
tische kurisch, LetSsch Farkel^ Dftsch- 
terdarwer^ zu einem das Deutsche rade- 
brechenden Litauer. Sprw. I, 836. 



Letz, w., Lektion. Ahd, Jictjd^ mhd. 
lecze,, letze,, f. 

O lieber Meister und tnein Herr^ 
Möcht ich doch allen Flei/z ankehm^ 
Di/z Letz die ist mir viel zu schwär,, 
Ich lehr (lerne) sie nicht in Hundert 

Jahr, 
Hart wich, 299, aus einem Gesprächs- 
liede. Vgl. Fftm. 

Letzte, m. 1. in Sprichwörtern und 
Redensarten: Den Letzten btten deUuing. 
Elbingc Ndrg. Allgemein hchd. : Den 
Letzten beifzen die Hunde Der Letzte ' 
der Fettste. De letzte Schwtn krtge den 
dickste Drank, 2. als Kinderspiel. Wenn 
die Kinder aus der Schule oder vom 
Spielplatz nach Hause kehren, so giebt 
dieses oder jenes mit dem Rufe: Den 
Letzten! dem andern einen Schlag und 
läuft davon. Der Geschlagene eilt dem 
Gegner nach, um diesem ^den Letzten^ 
zurückzugeben, was sich so lange wie- 
derholt, bis einer y^den Letzten^ zu- 
frieden mit nach Hause nimmt : er hat 
den Letzten, Zu seiner Beruhigung und 
dem Gegner zum Hohn ruft er diesem 
zu: 

Letzte — fettste Duweschlag, 

Biet de Katt de Zägel af! 
otler: (Oberland.) 

Letzte — fettste Awendschlag^ 

Scheller mttcker Dcw! (Samland.) 
In Königsberg ruft der Schlagende: 

Letzter — fettster Kringeldieb! 
Der Geschlagene antwortet: 

Ich nshni den Letzten vorlieb. 

Du bist ein Kringeldieb! 
oder: ' 

Wer den Letzten giebt, 

Ist ein Kringeldieb! 

{Ist dem Bäcker sein Kringeldieb!) 
Als triumphierende Rückantwort hört 
man noch: 



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24 



Letzthol er — Lewark. 



Wer den Letzten geben kann, 

das ist ein braver Mann! 

Vgl. Sprw. I, 2404. Volksr , 91, 385, 

In Berlin heifzt dies Kinderspiel Zeck 

Letztholer, pltd. Letzthaier (a = a), m,. 
Holer des Letzten. Bei den Mälzen- 
bräuem in Königsberg derjenige, welcher 
das Letzte von den Trabern abholt und 
dafür nicht nur das nasse Stroh, son- 
dern auch eine Viertel tonne Tafel bier 
obenein bekommt. Hennig, 145. 

Leuchterknecht, m., s LichterknechL 

Leuchting, /., s. Lichting. 

Leuend, /., Leinwand, s. Leinwad. 

Leute, pltd. LU'd, plur., Dem. LU'dkes. 

1. in gewöhnlicher Bedeutung in Sprich- 
wörtern und Redensarten: Alte Leuf 
sind wunderlich. Ole Lüed sönd wun- 
derlich^ wenn se ete, wolle se ok kacke 
— wenn se kacke, wolle se ok pösse — 
wenn se gegete hebbe^ wolle se ok drinke. 
Junge Lüed de speie g(rn, ohle LOed 
de bromme gem. Junge Landburschen, 
welche gern zur Stadt mit möchten, 
fragt man zurückweisend: Wat wölkt 
da, wölUt Lüed' grrte (grü(zen) on 
St^ner stPtef Schöne Leute haben sclione 
Sachen; auch mit dem Zusätze: wenn 
sie sie nicht luiben, lassen sie sich machen. 
Öck von Lüedkes on Lüedkes von mi, 
eine Hand wäscht die andere. Einen 
mank (unter) die Leute bringen, ihn 
ins Gerede bringen, schlecht machen. 
Vgl. Sprw. I, 2406 ff.; Sprw. H, 1705 ff. 

2. Gesinde. Ldt »de Lüed tom Ete 
käme. De LUedstftw, Leutestube. Bat 
LUedbrot, das Brot für die Leute. 3. 
das Brautpaar, junge Ehepaar. Nu, 
Gott behöd ju junge Lüed. Carm. nupt. 
I, 282, 17. 

Leute , plur. , kalte , kleine , • farbige, 
weifze, nach dem Volksglauben Wür- 
mer, Kobolde, welche den Menschen 
in seinem Innern plagen, quälen und 



allmählich verzehren. Den Frauen 
ziehen diese Würmer bisweilen während 
ihrer Periode in den Unterleib. Streut 
man Asche — Zwölftenasche, d. h. in 
den Zwölften gebrannte Asche — um 
den Kranken, so weichen sie aus dessen 
Körper, ja man sieht dann sogar ihre 
Fufzspuren. Li der Wehlauer Gegend 
nennt man kleine Leute Schmerzen im 
Kopfe, mit denen ein Stechen verbun- 
den ist. Poln. kraszno lutki u. biale 
ludzie. Genaueres über diese Leute, 
wie deren Erkennung und Vertreibung 
s. Toppen, Abergl, 22 ff. Hexspr., 
74 ff 

Lewark, Lewerk, Lewrik, Lewrink, LVrk, 
Lttrke, Lerke, nach Treichel Lewak, 
in Westpr. auch Lorch, im Oberlande 
Lirch, /. u. w., Lerche, Alauda arven- 
sis. Ahd. lerahha, amhd. lewerch, mhd. 
lerche, mnd. lewerike, lewerke, ags. Za- 
verce, schott. laveroc, engl, lark, hoU. 
lewerik (auf leeuw Löwe gedeutet), dän. 
larke. S. Schade, 549b. Hennig, 
144. So lange die Lerche vor Licht- 
mel'z (2. Februar) singt, so lange mufz 
sie nach Lichtraefz schweigen. Wenn 
de Lewark singt ver stne Ttd, so mot 
he schwige ön stne Ttd. v. Au er. 
Samland. Wenn die Lerche vor Petri 
Stuhlfeier (22. Februar) singt, so mufz 
sie nach diesem Tage unter dem 
Schlitten singen (der „Gesang" des 
unter dem Schlitten pfeifend knirschen- 
den Schnees soll damit angedeutet wer- 
den), und zwar für jeden Tag vorher 
eine Woche. Dönh. Wenn aber die 
Lerche dauernd sin^, so will die Ar- 
beit in der Stube nicht mehr behagen: 

De Lewark singt, 

De Wocke stinkt. 
Li Natangen auch: Der Lewark singt. 
On Icwd (das Schneiderlein) mot e (der 
Prinzessin) vagnegt wi e Löwrik'un^am 



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L^wd — lichten. 



25 



Himmel. Rastenbtirg Firmenich I, 
110b. Den Gesang der Lerche hat 
das Volk mannigfach in Worte über- 
tragen. Er lautet: 

Drtwy Peterke^ drtw drtw! . 

Hast e gode Wertlt,^ denn bltw bliw^ 

Ös hei scfilömm denn teh wtt wU wtt 
weg weg weg! Samland. 
Weitere Varianten des Gesanges s. 
Volksr., 68, 260. Der Mensch, ver- 
glichen mit der Lerche : Wie eine Lerche 
munter sein; — vtsene wt e drachige 
Lörch. Korrespbl. 111, 52. Brem. Wb. 
III, 59 auch: Leverke. . 

Uwd, /., s. Löwd. 

Uwde, /., s. Laube. 

LSwen, in der Dzg. Nhg. Löwen, n., 
Leben. 

Lewendel, m., Lavendel, Lavandula. 

Lewerengs, Lttwerenz, /., Korrumpie- 
rung 'von Reverenz. Eck maakt en 
l.&werengs^ on böckd mi qua7it8wis dep. 
Cann, nupt I, 282, 10. So mahckt eck 
lAmcerengcks on hoeckt mie schrecklich 
doehp. Ibid. 111, 77c. S. Lorenz. 

LÄwerk, LSwrik, L^wrink, /'., s. Lewark. 

Iftwthulig, iöwthuiig, adj.^ in Liebe zu- 
gethan, zuthunlich, anhänglich. Sche- 
mionek, 23. 

libbem, sw.^ s. labbern. 

licht, ad/., hell, offen, frei und un- 
behindert in der Aussicht. So dan£ 
wt bei tom lichte Morge. Volksl. 45, 
28, 6. E lichte Staw^ eine helle, freund- 
liche, der Sonne zugekehrte Stube. De 
Schtoaw (Stube) Ö8 man e böske licht. 
Boldt, 14. Ein lichter Wald^ ein we- 
nig bewachsener Wald. Eine lichte 
Stelle im Walde. Vgl. Lichtung. 

Lichtchenschwemmen , pltd . Lieh tke- 
SChwemme, n., Sylvesterbelustigung. Für 
jedes Familienglied wird ein Endchen 
Wachsstock auf ein Eartenblatt oder 
in eine Walnnrzschale geklebt, ange- 



zündet und in eine Schale mit Wasser 
gesetzt. Wessen Licht zuerst erlischt 
oder untergeht, der mui'z im kommen- 
den Jahre sterben. Auch werden nur 
zwei solcher Lichtschiflehen auf das 
Wasser gesetzt, das eine nach einem 
Jüngling, das andere nach, einem 
Mädchen benannt. Treffen die Schiff- 
chen zusammen und schwimmen ver- 
eint, so wird sich das Paaf heiraten. 
Samland. Volkskal., 28. 

Lichtchenträger, pltd. Lichtkediüger, m., 
Irrlicht. Natangen. Et ös eene grote 
Sing (Sünde), kleene Kinga ongedeept 
(ungetauft) schtoarwe to late. De Geista- 
kes (Geisterchen) motte sea lang as 
Lichtkedrdgasch oppe Sörnp römhöpse 
(ailf den Sümpfen umherhupfen). Boldt, 
10. 

Lichtchentröpfen, pltd. Lichtkedrttppe(n), 
-drippen, n., als das Schicksal befra- 
gende Belustigung .in der Sylvester- 
nacht. In das Wasser einer Schussel 
läl'zt ein Braut- oder Liebespaar Talg- 
oder Wachstropfen eines brennenden 
Lichtes fallen. Kommen die nach dem 
Paar benannten Tropfen zusammen, so 
vermählt sich dasselbe in dem neuen 
Jahre. Vgl. Lichtchenschwemmen, s. 
GlUck. 

Lichtdieb, pltd. LichtdSw, m., in frühe- 
rer Zeit, als Talglichte gebrannt wur- 
den, übUcher als heute: Dochtknoten, 
der starker und mit Funken brennend, 
den übermäfzig geschmolzenen Talg 
zum Uberfliel'zen brachte. 

Lichtdrippen, n., s. Lichtchentrttpfen. 

lichten, sw. 1. leichter machen, ent- 
lasten. Ein Schiff lichten^ es ausladen. 
Oft geschieht dies nur teilweise, damit 
das Schiff geringem Tiefgang erhalte 
und auch den FluCz befahren könne; 
so wurden Seeschiffe, welche nach Kö- 
nigsberg sollen, in Pillau gelichtet. 



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Lichter — licken. 



Kähne^ mittels deren man Seeschiffe 
lichtet-, heifzen Lichtet' oder Lichter- 
kähne. Bei Jeroschin: sich der Sün- 
den entlichten, ich mac nicht irsterben 
— ich enhabe e gebtcht und allir sun- 
din mich inütcht 112 B,, Pfeiffer, 144. 
(Wir sprechen: bichten — entlichten), 
2. leuchten. Ldcht em de Trepp ^run- 
der. Bildlich: Enem e ^rütlichte^ — 
ihm heimlhcchten^ ihn mit harten Wor- 
ten oder gar Schlägen zum Hause hin- 
ausweisen. 3. blitzen, engl.' to lighten, 
' S. Lichting. 4. im Kchten: a) zur Be- 
zeichnung der Weite eines umgrenzten 
Raumes. „Eine Stube hat 12DFurz 
im lichten^ d. h. sie ist 12 Fufz lang 
und ebenso viel Fufz breit,, die Mauer 
mag übrigens so viel Fufz einnehmet, 
als sie will^. Hennig, 145. HolL 
ligten^ von ligt leicht, hello, b) Sich 
im lichten stehen^ sich irren, unerwartet 
Nachteil haben. 

Lichter, Lichterkahn, auchLeichterkahn, 
w., im Weichselgebiet Lidgan, m., klei- 
neres Fahrzeug zum Lichten gröfzerer 
Schiffe. Engl. lighter\ lighterboat, holL 
ligter^ poln. lichtan, lichten. 

Lichterknecht, m., Knecht, der die 
Lichtstümpfchen trägt, Einsatz für den 
Leuchter, auf dessen Zacken der Stumpf 
gespiefzt wird; er heii'zt auch, recht 
bezeichnend, Profitchen, poloüisiert pro- 
filka, Bock, 24. Hennig, 126. . . 

lichtfärig, acj?., leichtfahrig, wie ein 
leicht gehender Wagen, leicht zu Fufz, 
schnell, leicht fertig, leichtfertig. M ü h - 
ling. 

Lichting, t/i., in der Saalfelder Gegend 
auch Leuchting, /., der Blitz; der Teu- 
fel. Gott» Ldchting! nu ginget avUt 
Schmerlexen. Parad., 49. Dat dt de 
Lichting! Fluch: dafz dich der Blitz 
erschlüge! Rol ihn der Lichting! im 
Sinne von: Hol ihn der Kuckuck, der 



Teufel. Fahr^ zum Lichting! Das 
Wort tritt auch adjektiv auf, go in dem 
Fluche: lichtingsch Owedder (Unwetter), 
wobei an Blitz und Donner zugleich 
gedacht ist. Westpr. Donner on Lich- 
ting^ wenn §k noch mal jung iceer^ dat 
Schwert suU mi helpen, D o r r , 1. Wiew., 
4. Schlag on Lichting^ dat da §k. Ibid., 
6. .Lichting noch eent^ wat heww §k 
vergeten! Ibid., 29. 50. Botts Lichting 
= Gottes Blitz: Ibid., 78. Hai em de 
Lichting! Ibid., 69. Du Lichting! auch 
als Scheltwort. Treichel. — Lichting 
a. s. ü'.'Lichtujig (s. d.). 

lichtingsch, adj,, von Lichting, blitz- 
artig, teufelmäfzig. Für die erstere Be- 
deutung s. Belegstelle unter flitzen. He 
es ganz lichtingsche kasprat daräwer, 
dat se §m §nt Water schmeeten. Dorr, 
1. Wiew, 88. 

Lichtingszeug, pltd. Lichtingsttg, n., 
Blitzzeug, Teufelszeug; als Schimpf- 
wort. Dat Ldchtingstieg schmeet mi. §n 
dat Water, Dorr, 1. Wiew., 81. 

lichtlich, adj. u. adv,, auf leichte Weise. 
J«roschin:dA burc sövestewas, duz man 
in lichtlicher Schicht ir gewinnin Tnochte 
nicht 53 b. want er nu Itchtlick hefte 
n£min da das huis gewunnin 157 a. 
Pfeiffer, 189. 

Lichtschwemmen, n., s. Lichtchen- 
schwemmen. 

Lichtung, /., lichte, ausgehauene Stelle 
im Walde, Aushau, Waldblöfze; auch 
Lichting. Vgl. licht 

licken, sw,, ostpr. pltd. glike(n), glei- 
chen, gleichkommen, ähneln, nach- 
schlagen (s. schlachten). Send uk noch 
andre scheen^ Wer lickent dif Dorr, 
37. Dat lickent nich na em, nich nä 
er, Einlage bei Elbing. Sprw. II, 
1716. Das likentihm nicht, kommt ihm 
nicht gleich. Schemionek, 23. Dat 
ji dem Kneebands-Ring denn lichten ganz. 



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liddern — Lilach. 



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Dorr, 1. Wiew., 121. Im Brem. Wb. 
JII, 70: liken, bei Schamb., 124b: 
Itken, 

liddern, si«7., s. beliddern. 

Itden, 8ty dulden, ertragen, aushalten. 
Se mot dat alles Itden. Bei J eros c h i n : 
cUt von er diz nicht lange leit IIb. 
Pfeiffer, 189. 

Lidgan, m., s. Lichter. 

Liebe, pitd. Lew', /. 1 . amor. 2. Name 
eines FlüJ'zchens bei Marienwerder. Die 
IJebe geht durch Sorgen in die Not. 
Wortspiel. Das Flüfzchen. Liebe geht 
durch den Sorgen-See in die alte'No- 
gat (Noacht, fast wie Not gesprochen). 
In gleichem Wortspiel sagt man auch: 
Bei Marienwerder hört die Liebe auf, 
3. w. jüd. Vorn., auch Lippe, Flälow. 
Schmitt. 114. 4. brennende LUhe^ 
eine Verbenenart mit brennend schar- 
lachroten Blumen. 

Liebhaberei, /., Liebe. Abei^ habt ihr 
auch Liebhaberei für da» Mäche f Dorr, 
1. Wiew., 13. S. Uebiichlceit. 

Liebldnd, pltd. L6fl(ind, n., nicht Kind 
der Liebe, sondern Kind, das geliebt 
wird. Sich Liebkind machen^ sich durch 
Schmeichelei bei jemand in Gunst 
setzen. Bock, 31. Hennig, 145. 

Uebiichlceit, pltd. LIflichkeit, /., Liebe. 
Ihr möfzt ons heilig vers§chern^ ob ihr 
Leeflichkeit fai* er ibbrig habt. Dorr, 
L Wiew., 13. S. Liebhaberei. 

liebstes, pltd. Ifiwstet, Superl. von 
lieb^ adj.^ Zärtlichkeitsausdruck, Schmei- 
chelwort. Liebstes, goldensteSj rosenstes 
Mutterche! 

Liebstock, Pflzn., gebräuchlicher Lieb- 
stöckel, Levisticum oßicinale Koch. 
Weichseldelta. Der provinzielle Name 
ist ans dem allgemein deutschen und 
dieser aus dem lat. Leoisticum entstafi- 
den. Treichel, Volksth. ID. 

Liederjftn , m, , wörtlich . liederlicher 



Johannes; zur Bezeichnung eines lieder- 
lichen, durchtriebenen Menschen, aber 
auch eines Taugenichts. Vgl. Ausbund. 

liederlich, od;., aufzer den gewöhn- 
lichen Bedeutungen: fröhlich, munter, 
durchtrieben, zu Scherzen geneigt. 
M uhling. Er ist ein liederlicher Strick 
— liederlich vne ein Strick. Das ist 
'Tnal eijie liederliche M arg eil! aber das 
Wort hat, lächelnd ausgesprochen.^ gar 
keine üble Nebenbedeutung, Rosen- 
kranz, Kgsbg. Skizzen I, 145. 

liegen, pltd. ligge(n), st 1. sich zeit- 
weise, vorübergehend an einem Orte 
in der Provinz aufhalten, wie das von 
fremden Kaufleuten geschieht. Davon 
Lieger, w., Vertreter einer auswärtigen 
Firma, der auf gewisse Zeit d^ese in 
einem Orte vertritt. Für solche Lieget' 
stellte die Weit- und Ltegerordnung 
in betreff des Handeln das Genauere 
fest. S. wetten. Vgl. Hirsch, 227. 2. 
verweilen, die Zeit zubringen. Viel 
auf der Ldndstra/ze liegen. 

Lieger, m. 1. s. das vor. 2. lagern- 
der Bienenstock, liegende • Klotzbeute ; 
daher auch Lagerstock. Ist der Stock 
aufrecht gestellt, so heiizt et Ständer. 
Bock, Nat. V, 205. 

Liegerordnung, /., Ordnung, (besetz 
für die Liege)\ S. Wettordnung. 

Liepe, Dorf in der Nähe von Königs- 
berg. Einem etwas vom Liepschen 
Schmied erzählen^ ihn durchprügeln. 
Sprw. I, 1. 

Liepmann, m. jüd. Vom , auch Lipp- 
mann a. Uppme. Flatow. Schmitt, 
112. 

Liestln, Ortsn., s. Leistin. 

Lietke, m. Vom., Elias, s. Elies. 

Lilach, w., Voc 491: Lylach deut- 
scher Ausdruck für das altpr. Ploaste 
Betttuch, Bettlaken. Nsslm., Thes:, 
132. 



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28 



Lüge — lindem. 



Lilge, Lilje, rein pitd. Lttige, /., Lilie. 

Lilienkonfalge, Liiienkafalge, -kumfalge, 
pltd. Lttigekaf aige, Maiblume, Convallaria 
majalis L. Korrumpierung des syste- 
matischen Namens; ebenso poln. kon- 
walia. V. Auer deutet lilia cumJoliöQ) 
Ruf der Landfrauen in den Stralzen: 
Frffsy Lölgekafalge! Gegenruf der 
Stralzenjungen: Du Rackerkanalge (Ka- 
naille)! Kgsbg. 

liiia, ITia, *adj, 1. zur Bezeichnung 
der Farbe läa. 2 bildlich: Er ist et- 
was Ulla — fo'/a, er ist angetrunken. 
Mt ÖS ganz liUa^ mir ist unwohl, katzen- 
jämmerlich zu Mute. Bartenstein. 

Limone, /., Kürbis, Cucurbita L. 
Weichseldelta. Treichel, Volksth., 

m. 

Limpe, /. Eine Ldmpe ziehen^ die 
Unterlippe vorscbieben als Übergang 
zum Weinen; namentlich von kleinen 
Kindern. Westpr. Treichel. Mud. 
eine lipe (Lippe) machen. Mnd. Wb. 
n, 701b. Vgl. SchUbbchen. 

LTn, /., Leine, langer Strick aus llanf 
oder Flachs. Jagltne, -leine, /., Leine 
zum Jagen, Fahren, namentlich bei 
vierspännigem Fuhrwerk die Leine, 
mittels deren man die Vorderpferde 
regiert; Leine am Jagnetz, KiSderitn, 
WaschlTn, Kleider-, Waschieine, /., Leine, 
woran man Kleider und Wäsche zum 
Trocknen aufhängt. Ahd. Und^ mhd. 
Un£. 

Lina, hchd. Linau, Flülzchen im groi'zen 
Werder. Ahd. u. mhd. d als zweiter 
Teil von Flufznamenj aus aha^ afie, /. 
Passarge, 351. Schade, la. 

Ltnbaum, Linbaum, m., s. Leinbaum. 

lind, fing, adj. 1. gelind, mild. Et 
ÖS lind Loft 2, lose,, wenig dicht. 
Vgl. lindem. Bei Jeroschin: mild, 
nachsichtig, nachgiebig, den undirtä- 



nin swvnde und kegn den vtnden linde 
112d. Pfeiffer, 189. 

Lind, /., Linde. Hei ös nakt mt e 
Ldndy welcher die Rinde abgezogen 
ist. 

Linde, /., gewöhnlicher Heilige Ldnde, 
ehemaliges Kloster im Kr. Rastenburg, 
in der Nähe der Stadt Rössel. Was 
ich var dem vortrefflichen Marienbilde 
im Kloster Linde empfand. Soph. R. 
VI, 526. Über die heilige Linde s. 
Näheres Preufz. Land- und Volksk., 
509 f. 

Lindendraschke, m,y s. Draschke. 

Linderende, n., s. lindern. 

lindem, ungern, sw,^ hlngem, ver- 
längern. Der Aufzug eines Gewebes 
(die SchenTig) endet in dem sogenann- 
ten Linderstock, Lingerstock, der durch 
die Enden der aufgezogenen Fäden 
geht. Die.ser Stock ist mit dem Linder- 
Strick, Lingerstrick, verbunden, welcher 
sich um den Garnbaum windet. Reicht 
der Aufzug nicht mehr vom Garnbaum 
bis zum Kamm^ so mufz er gelinderty 
gdingert^ d h. durch Abwinden des 
Ldngerstricks verlängert werden. Statt 
des L>ingerstrickes näht man oft auch 
ein Tuch an den Aufzug, das Lindei^- 
tuch, Lingertuch, oder zieht mehrfach 
Schnüre um den Linderstock; diese 
ganze Verlängerung des Aufzuges heilzt 
das Linderende oder Lingerende. Auch 
nennt man das nach dem Lindem ge- 
webte Endje eines Leinwandstuckes das 
LinderendCy Lingeretule^ weil es linder, 
linger, loser^ nicht so dicht in der Fa- 
denlage ist als das übrige Gewebe. 
Der Aberglaube fordert, dal'z das Lin- 
derende sofort abgewebt werde; bliebe 
die Leinwand, nachdem nachgelindert 
ist, noch über Nacht auf dem Web- 
stuhle, so würde das nächstgebor eue 



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Linderstock — Lis. 



29 



Kind sich einst aufhängen. Vgl. Hexspr., 
126. Das Wirkgestell, 127. 

Linderetock, -strick, m., -tuch, n., s. 
lindem. 

Liirdstocky tti., langer Stock, Stange, 
ruhend auf der Wagenachse. An den 
Lindstöcken werden die largen Leitern 
der Erntewagen befestigt. Kr. Berent. 
Sie heilzen im Ki:. Neustadt Lenzstan- 
gen, und wird dort die Fertigstellung, 
das Langmachen des Erntewagens das 
Auslenzen genannt. Treichel. 

fingen, sw^ tauen, abtauen; von be- 
frorenen Fensterscheibeo. Die Fenster 
lingen^ sie tauen ab^ das Eis auf den 
Scheiben löst sich in Wasser auf/ Ling 
= lind (s. d.). Ermland. 

linger, comp, von lang u. ling (lind)^ 
länger^ linder, loser, lockerer. S. lin- 
dem. 

Ungerende, -stock, -strick, -tuch u. lin- 
gem, sw.^ s. lindem. 

Ltnje, /., Linie, 

Ltnjai, n., Lineal. 

Linkpöt, m , einer, der die linke Pfote, 
Hand, zur Arbeit gebraucht. Schimpf- 
und Scheltwort. Ebenso in Liv- und 
Estland. Hupel, 143. 

Linksanwalt, m., im, Gegensatz von 
Rechtsanwalt zur Bezeichnung eines 
schlechten Katgebers. 

linksctl, adj,y von links. Er ist linksch^ 
arbeitet mit der Linken. 

Linnen, pltd. LVnnen, n., Leinwand. 
Auch Linnenzeug, pltd. Lttnne(n)tTg, n. 
Sie hat schönes Linnen, Se. heft scho- 
net Lönnettg. Lit. Unnas ein Flachs- 
stengel, linnai Flachs, Lein. Nsslm. 
Wb., 369b. Hennig, 146. 

Linnenschaff, n.. Schaff, Schrank^ zur 
Aufbewahrung von Linnenzeug. Hen- 
nig, 146. 

Unnenzeug, n., s. Linnen. 

Unnewille, /., Zusammensetzung aus 



Linnen und WolU^ Gewebe aus Leinen 
und Wolle, woraus ärmere Leute ihre 
Kleider verfertigen. Hennig, 146. 

Ilnsch, adj,, s. lUnisch. 

Lint, Linte, /. 1. leinenes Band, auch 
seidenes Hut- u. Armband, Zier band 
der Platzmeister bei Hochzeiten, Schleiff , 
Bandende. Lettst du recht lang dei 
Linte flattre. Nowack, 61. Mnd. Zm^ 
plattes Band, holl. lint Band, Borte, 
lit. linta Zierband, Hutband. Nsslm. 
Wb, 370a; Forsch. 2. Hennig, 146. 
2. Quersaum, Quarder, Querdel. 

Lintrock, m , Rock mit Linten besetzt. 
He heft sine Moder ehr' Lintrock an^ 
,Ös keen HaaU noch Öse dran, Volksr., 
275, 961. 

Linwad, /., s. Leinwad. 

Lipp, m. Vorn., Gottlieb. In der Dzg. 
Nhg. Lieper. Viol^t, 102. 

Lippe, w. jüd Vorn., s. Liebe. 

Lippiz, Lippit, m., weifzer Met, der 
aus Lindenblutenhonig gekocht wird. 
Bock, 31. Hennig, 146. D^ hdl- 
gelbe Meih^ so von dem wei/zesten Honig 
bereitet wird^ Jieifzet Lippitz und mrd 
vorzüglich in und um Kauen gehrauet 
Bock, Nat. I, 276. Auch jetzt noch 
kennt man hier Lippiz- Honig ^ der aus 
polnischen Lindenwäldern eingeführt 
wird Der Stamm des Wortes ist altpr. 
lipe (Voc. 601), poln. lipa, lit. Upa^ 
lett. leq>a Linde. Nsslm. Forsch., 2; 
Th., 94. Lit. Aeq., 20: Uppit 

Lippmann, Lippme, m. jüd. Vom., s. 
Liepmann. 

lirumlarum, interj,^ zurückweisend, in 
dem Sinne: dummes Zeug. Er kann 
nicht lateinisch lesen, Lirum larum, 
versetzte Hen* Puf, er wird sie deutsch 
curiren, Soph. R. I, 362. 

LTS, LTse, w. Vorn., Elisabeth. 

Lis, LOfz, /., auch Lisstock, LVfzstock, 
m., am Leiterwagen eine der* vier ge- 



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Lisch — Lischke. 



krümmten starken Stwigen, Stämm- 
leisten, welche auf den Achsen in dem 
Achsennagel ruhen und mittels des 
Lisringes oder der LiswMe die Leitern 
tragen. Ihnen parallel gehen aus den 
Achsenpolstern oder Krängein durch die 
Leitern diö vier Rungert, Wagenlehnen; 
sie tragen den zweiten King des Lm- 
nnges, Grimm, Wb. VI, 1020: Ldese^ 
aus mhd. liuhse. 

Lisch, w., Pflzn., stinkender Schwer- 
tel, Iris foeUdisfdma L, Hagen, 46. 
Lische, /., s. das folg. 
Uschke, pltd. LOschke, /. 1. Kober 
oblonger Gestalt, aus Bast, gespaltenen 
Weidenruten, Rohr, Wurzeln etc. ge- 
flochten, in welchem Feldarbeiter und 
Reisende ihren Mundvorrat mit sich 
zu fahren pflegen. Die Lischke .wird 
an einer durch die hervorragenden Ran-* 
der der schmalen Seiten des Hauptkör- 
pers und des Deckels gezogenen Schnur, 
an welcher der Deckel auf- und nie- 
dergeschoben werden kann, über der 
Schulter getragen. Nsslm. Th., 95. 
Dmmach gehen sie in* einen Krug^ der 
ihnen gelegen ist, die Männer setzen sich 
sonderlich^ die Weiher dergleichen, und 
haben Paudeln und Lischken mit Fischen^ 
Gebratenes und Gesottenes, Von den 
alten Sudauen etc. Erl. Pr. V, 718. 
Jn einer Urkunde der Haushaltungs- 
visitatoren des Oberlandes von 1615 
(im Magistrats-Archiv zu Passenheim) 
wird der Herrschaft „das kleine Markt- 
recht, als hölzerne Eimer, Schaufeln, 
Töpfe, Lischken und Besem und an- 
dere dergleichen kleine Waare in's 
Amt Ortelsburg zu nehmen" Vorbehal- 
ten. Toppen, Altpr. M. IV, 149. Bg 
dem Hüttel' onn Pqlmschen Eochtiets- 
feste wuü dat Brut-Paar onn gesammte 
Gäste so good als he vermocht beehm 
onn dit 'klon Löschkke Riem verehm. 



• Carm. nupt V, 220 a. In Westpreufz. 
(Schmitt, Westpr., 166. Klein 1, 
248 für Danzig) Luschke; es treten 
dort auch die Namen Lusch, Lische u. 
Liske auf. Möt Pannkook ward de Lusch 
geföllt. Dorr, 19. 2. Lischke und. 
Liske auch Namen von Ansiedelungen 
um eine Ordensburg, welchen, noch 

* nicht das Stadtrecht beigelegt war. Sie 
bestanden zum grofzen Teil aus sogen. 
Kretzem (Voc. 382 kccixzemo\ d. i. aus 
Schank- und Höker wirtschaften, aus 
welchen die Burgbewohner sich ver- 
proviantierten. Der Name in diesem 
Sinne hat sich noch erhalten in Lisca- 
Schaaken^ Dorf in der Domäne Schaa- 
k^n, Kr. Königsberg, Liesken, Vorwerk 
bei Bartenstein, Lisken, zwei Dörfer 
in den Kreisen Lyck und Johannis- 
burg, u. in Lieskendorf bei Nprdenburg. 
La Urkunden begegnen wir dem Namen 
öfter: Barthen die lyschke hat 9 krecze- 
mer, iczlicher czinset 3 mark, die zu 
Limenburg (Leunenburg) vs der lyske, die 
gehören dem pfleger, Rat, scheppen und 
die gemeyne der lyschken czur llaw (Pr. 
Eylau) . . . huldigten . , , am Sontage 
nach Petri ad vlncida etc. Vgl. die 
ausführliche Abhandlung von Toppen: 
Über preufzische Lischken, Flecken u. 
Städte. Altpr. M. IV, Sil ff. u. 621 ff. 
Nsslm. Forsch., 2; Th., 95, macht 
darauf aufmerksam, daiz beide Bedeu- 
tungen des Wortes Verwandtschaft zei- 
gen, indem Lischke 1. für das Lidivi- 
duum dasselbe ist, was Lischke 2 für 
die Bewohner einer Ordensburg war, 
nämlich der Verwahrsam für den Mund- 
vorrat. Toppen (Altpr. M. IV, 149) 
wie Nessel mann (Altpr. M. VI, 317) 
weisen für die Ableitung des Wortes 
auf das altpr. listis (Voc. 412) Lager, 
Heerlager hin, ersterer mit Hindeutung 
aut' das lit. lizdas Nest, letzterer mit 



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Lischkener — Litauer. 



31 



der Annahme einer falschen Schreibung 
statt liscis. Mit dieser Annahme wäre 
jedoch nur Lischke 2 erklärt; für 1. 
bietet sich das von Toppen a. a. O. 
genannte lisa^ liska^ lisicuy das in ver- 
schiedenen slavischen Sprachen in der 
Bedeutung von crates^ a^aticula ge- 
flochtener -Korb, Hürde, Gitterkasten 
vorkommen soll, und das poln. luszczka 
Hülse, Samenbehältnis, hohles Behält- 
nis, Schale bedeutet. Mrofigov.- H, 
415b; I, 202b. N. Pr. Prov.-Bl. a. F. 
VII, 108. — Scherzweise bezeichnet 
man mit Lischke 1 auch den Bauch, 
Magen: Er hat seine Ldschke gut voU- 
gepackt^ er hat tüchtig gegessen. Sprich- 
wörtlich : Kopp af^ Zägel ön de Losch, 
Elbinger Ndrg Öck Herr^ du Eerr^ 
2cer ward Löschke drdgef Wat Gott 
gofty dat stock ön e Löschke. Sprw. I, 
1586. 1354. Bock/ 32^. Hennig, 
148. Schmitt, 108. Sper.ber, 40. 
Schemionek, 23. 

Lischkener, ?n., pltd. LOschkener, nach 
Uennig, 149, Postbote, weil ein sol- 
cher die Briefe und kleineren Pakete 
in einer Lischke mit sich trug. Nsslm. 
Th , 95. 

Lischkenkicker, pltd. LOschkekicIcer, m., 
dex in die Lischken kuckt, sie revidiert, 
der Steuer -Kontrolleur. Vgl. Sack- 
spicker. 

LTse, /., w. Vorn., Elisabeth, als 
dumme Ltse das Seitenstück zum dum- 
men Hans. 

Ltsen, Ft\S$en, plur.f, Fett des Schvjfei- 
nes am Bauche, s. v. a. Schmer. Müh- 
ling. 

Liske, /, s. Lischke. 

Lisring, ?/»., gebogenes Eisenband mit 
zwei Endringen, in welchem an Lis- 
stock u. Runge die Wagen leiter ruht. 
An einfachen Leiterwagen, naqientlich 
in Masureu, ist das Band aus festen 



Wurzdn gedreht und heil'zt dann Lis- 
W§de, /., Lisvveide; Weide ^ Rute. 
Letzterer Name vielfach auch über- 
tragen auf den (eisernen) Lisring. 

Lisse, w. Vorn., Elisabeth. Engeseg- 
net' lieft de Paster Jan on Lissen en de 
Tru. Volksl , 42, 27, 2. 

Lisstöck, m.y s. Lis. 

ListSn, Dorfname, s. Leisten. 

Li8w6de, /., s. Lisring. 

Lit, Litt, pltd. L»tt, n. 1. .Schenk- 
bank, Ladentisch, . Kmmertisch, ge- 
wöhnlich Tonbanky T&mbänk^ /. In 
ihr befindet sich eine Klappthür^ 
welche den Verkehr zwischen Verkäu- 
fer und Käufer ermöglicht. Ouch alte 
dy do byi' schenken^ dy sullen einen ke- 
gyl*vff ir lyt setczen by XXXV l schit. 
Willkür der Stadt Marien bürg von 1365. 
Voigt, Gesch. Maiienburgs, 528. Bei 
Jeroschin auch in der Bedeutung von 
GUied, Teil, Abteihing: -al stne lit ir- 
qudmin 54 a. cfe?^ lidir ardenuTige 2 c. 
Pfeiffer, 189. 2. Gelenk am Deckel 
eines Trinkgeschirres. • Hennig, 146. 
Ahd. lity lith^ lid^ mhd. lit Deckel oper- 
cuLwm^ ahgs. hlid^ n. Deckel, Thür, 
engl, lid Deckel, altfr. AZwjZ, lid dass., 
altnord. hlidh Thür, dän. led Zaunthür. 
Schade, 4Ö7a. 

Litauen, Uttauen, pltd. Lettaue(n), n., 
Ländername. Das preul'z. Litauen um- 
fafzt d^s Gebiet zwischen den Flüssen 
Deime, Pregel, Angerap und Goldap. 

Litauer, Littauer, phd. Lettauer, ?n., 
Bewohner von Litauen. Ausführhches 
über ihn enthalten: Lepner, Der 
preusche Littauer etc. Danzig 1744. 
Pierson, Matthäus Prätorius' Delicia^ 
Prussicae etc. Berlin 1871. Bock, Ver- 
such einer wirtlischaftlichen Natur- 
gescMchte etc. Dessau 1782. 1, 154 ff. 
Preuiz, Preulzische Landes- u.- Volks- 
kunde. Kgsbg. 1835. S. 224 ff. Ihre 



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32 



Litewka — Lob. 



eigentumlichen "Volkslieder, Dainos^ fin- 
det man in: Dainos oder litthauische 
Volkslieder, gesammelt etc. von L. J. 
Rhesa. Kgsbg. 1825. Nesselmaun, 
Littaaische Volkslieder, gesammelt, 
bearbeitet und übersetzt Berlin 1853 
Lit. Volkslieder und Mitteilungen über 
deren Wesen bieten ferner die N. Pr. 
Prov.-Bl. I, 230. II, 261. 321. HI, 80. 
V,59. 88. 344. VI, 16. 190. 199. VIII, 
401.411.416. X, 321. 323. XI, 88. 
97. 240. N. Fr. Prov.-Bl. a. F. XII, 
356. 421. Ebenso enthalten dieselben 
vielfache Mitteilungen über lit. Sprache, 
Sagen, Sitten und Gebräuche. Vgl. III, 
367. IV, 144. 209. 173. V, 232. VII, 
456. 463. VIII, 73. 75. 469. Die 
Sprache der Litauer fixierten die V^^ör- 
ter bucher von Ruhig, Königsberg 
1747; Mielcke, Königsberg 1800; 
Nesselmann, Kgsbg. 1851; Kur- 
schat, Deutsch-lit. Wb. Halle 1870 ff. 
2 Bde.; Kurschat, Grammatik der 
lit. Sprache. Halle 187(). A. Bezzen- 
bergers lit. u. lettische Drucke des 
16. Jahrh. Göttingen 1874 ff. u. dessen 
Litauische Forschungen. Ebd. 1882. 
Von beachtenswerter Bedeutung sind 
auch die Mitteilungen der (1879 ge- 
stifteten) litauischen litterarischen Ge- 
sellschaft. Heidelberg 1880 ff. — Der 
Litauer im Sprichwort: Der Litauei* 
ist keinem Deutschen treu und wenn er 
bis Mittag schläft — und wenn er mit 
ihm in einem Bett schläft Der Litauer 
läfzt seine Nicken nicht. Der Litauer 
kommt Tfiit dem Zaume auf die Welt, 
ist ein guter Reiter. Der Litauer rei- 
tet in den Wald und kommt zu fahren 
heraus^ er ist ein guter Schirrarbeiter. 
Vgl. Sprw. I, 2442 ff. Der Litauer 
nennt sich einen Ochsen^ den Szameiten 
einen Pfahle den Juden einen Strick 
(zum Anbinden des Viehes)^ den Polen 



grünes Gras^ den Deutschen eine Rose. 
Passarge, Balt, 140. 

Litewka, /., kurzer Männerrock, 
Waffenröck der Invaliden aus den 
Freiheitskriegen. Tapiau. Poln. litewka 
Litauerin. 

Litt, n., s. Lü 

Littauen, n., s. Litauen. * 

Littauer, m., s. Litauer. 

Litter, /., Leiter. Oberland. Erm- 
land. 

Litze, /., dünne runde Schnur. Ver- 
gnUgte mich an der künstlichen Ver- 
schränkung dei* Lizen in der Decke des 
obem (Kutschen-) Bodens. Soph. R. 
IV, 441. Vgl. Grimm, Wb. VI, 1072. 

Litzenpulver, auch Mützen-, MUtzchen- 
puiver, n., Medik Pulvis albißcans. 

Lizent, m, 1. Abgabe für ausgeführte 
Waren, Seezoll, Zoll, Accise überhaupt. 
Von dem lat. licentia, 2. Gebäude, 
worin derLizent erhoben wird. . . . dafz 
die Visitators im Thor und auf dem 
Licent jedermann durchsuchen. Soph. 
R. II, 16. Wer die ganze Einrichtung 
des Licents nv ht leiden kann^ der kann 
auch keinen der beim Licent angesetzten 
Officianten ausstehn. Ibid., 315. 

Lizentschreiber, m., Schreiber auf dem 
Lizept. Herr Licenischreiber^ lassen Sie 
ihn doch rufen . . . Herr Licentschr eiber ^ 
sie soll atich kommen. Soph. R. VI, 
536. 

Lizentträger, pltd. Lizentdräger, m., 
Arbeiter auf dem Lizen t-Packhofe. 

böb, pltd. Lob, n.. Ruf, Führung; das 
den Dienstboten ausgestellte Zeugnis, 
es sei lobend oder tadelnd, ja sogar 
in der Verbindung schlechtes Lob. Sich 
nach dem Lob erkundigen; — ncu^h dem 
Lob fragen, bei der bisherigen Herr- 
schaft des Dienstboten über dessen Be- 
tragen und Aufführung Erkundigung 
einholen. 



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Lobatech — Loddert. 



33 



Lobat8€hy m., roher^ uDgeschlachter 
Mensch. Treichel. Vgl. Labasch. 

ISbbem, sw., s. labbern. 

Lobde, Lobe, /., s. Uwe. 

Ubenicht, pltd. LVwnicht, LOwnick, m,, 
Stadtteil von Königsberg, früher selb- 
ständige Stadt Der Lobenicht hat 
wahrscheinlich seinen Namen von dem 
Flüfzchen Lobe mit der Endung nich 
welche zar Bezeichnung der an einem 
Orte wohnenden Ansiedler oft vorkommt 
(Wolittnick an der Wolitte). Der Or- 
den und die deutschen Einzöglinge 
mochten die neu erbaute Stadt im 
Gegensatz zur Altstadt Neustadt nennen 
(Hennig, 147); man wäre aber kaum 
auf den Gedanken gekommen, für diese 
Neustadt den Namen Lobenicht zu er- 
finden, wenn Qicht schon vorher eine 
Ansiedelung gleicher Benennung an 
dieser Stelle vorhanden gewesen wäre. 
Das Flüfzchen Liebe bei Marienwerder 
hie(z altpr. lywa^ li/va^ lyve (Nsslm. 
Th, 95), von den Deutschen in den 
für Flüsse sinnlosen Namen Liehe um- 
gewandelt. (Flüfzchen mit dem Namen 
Liebe giebt es noch bei Liebemühl^ 
Liebstadt, Barten). Einen solchen Na- 
men hat nun wohl auch das Flüfzchen 
geführt, welches von oben her an der 
Stelle des später angedämmten Schlofz- 
teiches flofz, und sodann an der Grenze 
des Lobenicht» (heute der Ka^bach) in 
den Pregel mündete. Der daran liegende. 
Ort hiefz nun Lywenick^ Löwenick^ 
vhchd. Lobenicht Hoffheinz, Strafzn., 
599 £ 

Uchel, n., s. Uchel. 

LVchelbinse, /., Waldbinse, Scirpus 
$ilvaticu$ L. Hagen, 58. 

Wcherig, gewöhnlich Ittchrig, lächrig, 
adj.y kritisch, bedenklich, verwickelt. 
De Sach os löchrig^ sie hat ein Loch. 
Mühling. Nach Treichel l»€l(erig 

PrlMkU«, WSrtorbaeh U. 



löcherig. Mir ist so löckerig im Magen^ 
ich fühle Appetit: lockerig im Magen 
und leckerig auf der Zunge. 

Locke,/., Flocke von Wolle, s. Flusch, 
Treichel. Ittckerig, adj., s. löcherig. 

Lockrinskiy m., von locker mit poln. 
Endung, lockerer, leichtfertiger Mensch. 
Schemionek, 23. 

Loddchen, Pflzn., s. Lottchenblatt 

lodderig, gewöhnlich loddrig, adj. 1. 
von hddemy in allen Bedeutimgen. 2. 
unordentlich in der Kleidung, schlotte- 
rig, ohne Halt, lose, nachlässig; nach 
Gordack auch unzuverlässig. Ahd. 
fotor, mhd. tofer, htter locker, leichtfer- 
tig; nichtsnutzig; gauklerisch. Schade, 
571b. In Hessen noch lotterig u. hd- 
dericht. Vilmar, 254. Bock, 31. 
Hennig, U7. Nsslm. TL, 218. Sper- 
ber, 21. 

Lodderjftn, w., wörtlich loddriger Jo- 
hannes, S. Loddert. 

loddem, sw, 1. mül'zig gehen, fau- 
lenzend die Zeit totschlagen. Er lod- 
dert den ganzen Tag umher, 2. ohne 
Anstrengung, träge, mangelhaft, lang- 
sam und schlecht arbeiten. Hiervon 
das Subst. Gelodder, n. Das ist ein 
reines Gehdder und keine Arbeit, 3. 
mit dem Seinigen unwirtlich umgehen, 
es verbringen, verkommen lassen: ver- 
loddem. Es ist bei ihm alles verloddert. 
Er ist ganz verkoddert und verloddert^ 
in Kleidern und Wesen herunterge- 
kommen. In Hessen laddem. Vi 1 m ar , 
234. Für Liv- und Estland bei Hu- 
pel, 144. Sallmann, 74. Vgl ver- 
ludern, ioddrig. 

Loddert, m.y schmutziger, unordent- 
licher, verlodderter Mensch, Taugenichts, 
MuTziggänger. Unter den Schimpf- 
wörtern bei Stein, Peregrinus XII, 82. 
W. Mtebl. V, 191. Mhd. loter, htter, 
lockerer, leichtfertiger Mensch, Tauge- 

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34 



Loden — löfsch. 



nichts; lit. Idtras^ Spitzbabe. Schade, 
571b. Ebenso Lodderjan. In Hessen 
Ladderham. Vilmar, 234. Vgl. Lie- 
derjan. 

Loden, plur.^ alte, wertlose Kleider. 
Sie hatte nur die paar Loden auf dem 
Leibe, Treichel. Ahd. lodo, ludo^ 
ags. häay altn. lodi grober Mantel, zot- 
tiger Überwurf. Vgl. Weigand I, 
960. Grimm, Wb. VI, 1116. 

loden, 9w,^ BettfederD in die Ein- 
schüttung (s. Mnlatt) füllen. 

Lodiksblatt (o kurz), n., Pflzn., ge- 
bräuchliche Klette, Lappa of/icinalis 
AU,; wohl von dem poln. lodyga Sten- 
gel. Die Pflanze heil'zt auch Pfaffen- 
knOpfe, j^Zur. Kr. Carthaus. Im Weichsel- 
delta Kiettenbusch, Klattbosch, von Klette 
oder Klatten = Klunkern (s. d.). Trei- 
chel, Voiksth. I u. m. 

Lodichak, m., verlodderter Mensch, 
ohne Haltung, in unordentlich hängen- 
den Kleidern. Davon iodichakig, adj. 
Nsslm. Th., 96. Vgl. lodderig, Loddert, 
Leichak, Laband. 

Lodiche, /., Weichselkahn, flaches 
Flulzschiff, nach Schemionek, 23, 
offenes flachgehendes Frachtschiff für 
den Drausensee. Poln. tod£^ russ. hd'ja, 
böhm. lodj Boot, Kahn, Schiff; in Est- 
land ^Lodge Lichterschiff. Nsslm 
Forsch. 3. Pierson, A. W., 24. Sall- 
mann, 13. Nsslm. schreibt auchLod- 
dije, S. Lit-Aeq., 20. 

Lttffel, Leffel, pltd. LSpel, m. Bei 
Jeroschin: leffil. Pfeiffer, 186. 1. 
in Redensarten: Den Löffel fallen lassen 
— hinlegen — weglegen — umdrehen^ 
sterbeu. Et heft weddei* ener den L'epel 
hengeleggty sagt man, wenn die Sterbe- 
glocke geläutet wird. Einen über den 
Löffel barbieren, ihn betrugen. Sie 
essen mit (aus) grofzen Löffeln, es geht 
bei ihnen hoch her. Er ifzt heute mit 



dem grofzen Löffel, befindet sich in 
voruehmer Gesellschaft. Er ist dicht 
beim silbernen Löffel, ist seinem Ziele 
sehr uahe. Den Löffel umkehren, hat 
aber auch eine rein wörtliche Bedeutung. 
Wer bei der Mahlzeit, namentlich bei 
einem Gastmahl, den Löffel umgekehrt 
auf den Teller legt, deutet damit an, 
dafz er von der genossenen Speise zur 
Genüge habe. 2. Ohr, zunächst des 
Hasen, dann aber auch des Menschen. 
Es ist ihm auf die Löffel gefallen, er 
ist schwerhörig, taub. Vgl. Sprw. I, 
2453 ff.; II, 1734 f. 

LOffelgardist, LSpelgardist, m., Spott- 
name für einen, der sich mit Unrecht 
rühmt, Soldat gewesen zu sein; auch 
scherzhafte Benennung für einen Knar 
ben. 

UffelkOSt, pltd. LSpelkost, /. (in der 
Dzg. Nhg. mit kurzem e), Speise, die 
mit dem Löffel zu essen ist: Vorspeise, 
Suppe. Ejs war nichts als Löffelkosty 
zur Bezeichnung einer dürftigen Mahl- 
zeit. Hennig, 147 f. Scherzweise: 
Flcsch ÖS de beste L^peUcost Sprw. I, 
904. Für Liv- und Estland bei Hu- 
pel, 144. Vgl. hö Janen. 

löffeln, leffeln, pltd. lüpeln, sw. 1. mit 
dem Löffel essen. Ist es nicht geschef- 
felt, so ist es doch geUffelt, als Aus- 
druck der Genügsamkeit. Übertragen: 
Es löffelt sich so sachtche fort^ man 
kommt allmählich vorwärts. Treichel 
hat noch vor- und nachlVffeln, im Trin- 
ken vor- und uachkommen. 2. schmei- 
cheln, schön thun. Sich gelöffelt füh- 
len, sich geschmeichelt, geehrt fühlen. 
Erinnert an Löffel = Ohr (Hase). Eu- 
len, Löfflen^ schertzen. Leckem, schos- 
siren, coi'tesiren, kützeln, streichlen. Rei- 
sen, küssen, Possen. Stein, Peregrinus 
Xm, 1. W. Mtsbl. VI, 111. 

Ittfsch, l§f8Ch, IVpsch, I»w8ch (Vokal 



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löften — Lomse. 



35 



lang), adj.^ läofisch, brünstig; von der 
Höndin; übertragen auf mannstolle 
Frauenzimmer. De Zock ös löfachy die 
Hündin verlangt nach dem Hunde. 
Bock, 32. Hennig, 148. 

IVften, 9w,^ s. lüften. 

ISflig, adj., von laufen, pltd. I6pe(n), 
lofen^ flink, schnell, munter. Leute^ 
sdd he, heite seid mer mal hipach löftig 
ze Bein, Dorr, Driewjagd. 

lohnen, sw. 1. befriedigenden Ertrag 
gewäliren. Der Roggen hat in diesem 
Jahr gut gelohnt 2. von Erfolg be- 
gleitet sein. Das lohnt schon. Dem 
ein gutes Wort zu geben, lohnt nicht, 
es wäre vergeblich. Im ersten Sinne 
aach bei Hupel, 144. 

Lohnhofmann, -hömann, m., s. Hof- 



loi, adj.y lau, saumig, lalz, träge. 
Dönh. Friedland Ostpr. HoU. lui 
trage. Davon loien, sw. Von Pferden, 
welche nicht mehr ziehen wollen oder 
können, sagt man, sie loien. 

loien, 9w., s. das vor. 

Leilattch, m., aus loi und latsch von 
latschen (s. d.) zusammengesetzt , trä- 
ger, matter, abgespannter Mensch, der 
nicht vorwärts will oder kann. 

LAk, Pflzn., Sumpf- Brachsenkraut, 
Isoetes lacustris L,, wohl nur der pltd. 
Lauch, mit welchem das Brachsenkraut 
Ähnlichkeit hat. Treichel, Yolks- 
thümliches U. 

|j5iapp(olang), 97}., Nichtsnutz, Leicht- 
fufz. Lafz den Lohlapp, den Schuh, 
fahren. Soph. R VI, 123. 

UHge, /., LiUe, s. Ulge. 

Lomme, kurz Lomm, auch wohl Lumme, 
/., nach Nsslm. Forsch. 3, und Th., 
218, kleiner flacher Handkahn, Boot, 
dessen sich die Jäger bei der Enten- 
jagd bedienen, dann Entenlomm ge- 
nannt. Der Jäger legt sich der Länge 



nach in das Boot, die Flinte neben 
sich, und sucht sich mittels ganz kur- 
zer schaufelartiger Handruder dem En- 
tenvolke unbemerkt zu nähern. Der 
Name tritt jedoch allgemein für Boot, 
Kahn auf. Nach W. Seidel, 32, ist 
Lomme ein Flu(zfahrzeug, dessen sich 
die Nehrunger zum Transport von Ge- 
treide und Vieh bedienen. Auf dem 
frischen Haff heifzt Lomme ein flach 
gebautes kleines, offenes Segel- und 
Ruderboot, ja selbst ein grölzeres Fahr- 
zeug zum Transport von Steinen, die 
es selbst mittels Hebevorrichtung aus 
der Tiefe emporhebt. De Lomm ward 
tdrt (geteert) on värgesocht, zur Zeit 
des Eisganges. D orr, 18. Vgl. Sicke u. 
Angelsicke. 

Lommenreeder, m., Spitzname für einen 
Fischer, der ein kleines Boot oder einen 
kleinen Kahn besitzt und sich daher 
mehr dünkt als seine Nachbarn; über- 
haupt ein reicherer Fischer. 

LVmpen, plur., unterer Teil der Bein- 
kleider, etwa von der unteren Wade 
abwärts. Hosen hadd^ he ohne Lompen. 
Dorr, 63. VolksL, 16, 8, 6. Nicht 
bloi'z unten zerzauste und abgerissene, 
sondern auch aufiaUig kurze Bein- 
kleider nennt man Hose ohne Lompen. 

Lomse, /., Stadtteil in Königsberg auf 
dem westlichen Ende der Insel zwi- 
schen dem alten und neuen Pregel. An- 
fänglich war diese Gegend mit Baum-, 
Hopfen-, Kohl- und Küchengärten, 
Scheunen, Speichern und Ställen be- 
deckt, und noch im Jahre 1535 ver- 
pflichteten sich die Einwohner der Alt- 
stadt durch einen Vergleich mit den 
Kneiphöfem, hier keine Wohnhäuser 
und Keller zu erbauen. Faber, 138. 
Eine Deutung des Namens Lomse ist 
bis jetzt nicht gelungen. Die mir aus 
kaufmännischen Kreisen gemachte An- 



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36 



LönDe — Loröl. 



gäbe, dalz Wittinniker, Schimken, von 
Lomza an dem Narew, welche Stadt in 
alter Zeit mit Königsberg lebhafte 
Handelsverbindang hatte, hier ihre Ge- 
treidelager aufgeschichtet, ihre Quaran- 
täne gehalten und sich eine ähnliche 
Stätte hergerichtet, wie die Flissen auf 
der Przerahka in Danzig, läl'zt sich 
nicht begründen. 
Lttnne, /., s. Leinbaum. 
Lopatke, /., s. Lapatte. 
Lttper, m., Läufer, Zugleine mit Stroh- 
wiepen oder Strohbündeln besetzt, zum 
Aufscheuchen der Fische. Putziger 
Wiek. Vgl. Wischleine. 

Loppen, m.y Haufen; vom Heu in der 
Menge, wie man es den Pferden in die 
Raufe wirft. De Peerd gehregen fresche 
Streu Un enen degen Loppen Heu, 
Viol^t, 102. 194. 
IVpsch, adj., s. fOfsch. 
Lbrbas, m., Lieblingsschimpfwort in 
Ostpr., besonders in Kgsbg., auf einen 
rohen, rüden, flegelhaften Menschen, 
namentlich auf einen ungeschlachten, 
halbwüchsigen, bengelhaften jungen 
Burschen, in dem Sinne von Lümmel, 
Taugenichts. Aus dem gleichbed. lit. 
lurbas^ lett. lurbU dummer^ gedanken- 
loser Mensch. Li Estland Lurjes Schlin- 
gel, Lotterbube, Lümmel, lurfus 
Taugenichts, von lurjama unnütz um- 
herschlendem ; isL Zwrt, schwed. lurk 
Schlingel; erinnert sei an das pltd. 
lüren^ lauem, lungern, faulenzen. In 
der Saalfelder Gegend auch L^basch, 
Im Brem/ Lobbea, Nsslm. Wb. 376a; 
Forsch. 2; Th., 96. Pierson, A. W., 
24. Lit-Aeq., 20. Brem. Wb. IH, 
77. Sperber, 21. Schemionek, 23. 
Hupel, 147. Sallmann, 53b. Da- 
von das Adj. forbassig. Tgl. Laband. 
Lorbe, /., Keil, den die Brettschnei- 



der von den Stützen ihres Gerüstes in 
die Erde einschlagen, damit diese nicht 
ausgleiten. Ermland. In der Gegend 
von Nordenburg Lork, Mühling, N. 
Pr. Prov.-Bl. a. F. III, 440. Lork, m., 
Lorke, /., ist zunächst der Keil, mit 
welchem die Brettschneider den Schnitt 
erweitern, um der Säge leichte Bahn 
zu machen. Die Lorke schlagen^ den 
Keil weiter auf die Säge zu treiben. 

Lorchy /. u. m., Lerche, s. Lftwark. 

Lore, Ldr, /., Dem. Lärchen^ w. Vorn., 
Leonore, Eleonore. Ich that Lorchen 
meinen Antrag. Soph. R. 11, 170. 

Lorenz, m. Vom,, Laurentius. Hart- 
wich, 54. 

Lorenz, m., krummer^ Reverenz, und 
wohl nur Korrumpierung dieses Wor- 
tes, Visite. Einen krummen Lorenz 
mcLchen, einen Glückwunsch darbrin- 
gen, durch einen Besuch Ehrerbietung 
bezeugen. Sprw. I, 2460. Op der du 
Feu' an Brochmansche Kesting wuU 
sienen krommen Lorentz maacken ön 
truhartger Buhr. Titel eines Hoch- 
zeitskarmen. Königsberg, 1722. Carm, 
nupt I, 282. Vgl. Uwerengs. 

Lorenzer, Sandy plur.^ Bewohner von 
St. Lorenz^ Kirchdorf im Samlande, 
Kr. Fischhausen. Der Volkswitz nennt 
sie Schnodderschmiter (-schmeifzer), 
spricht ihnen also den Gebrauch des 
Taschentuches ab. Vgl. Sprw. I, 2461. 

Lork, m., Lorke, /., s. Lorbe. 

L»rk, LBrIce, /., Lerche, s. Lewaric. 

Lorice, Lurice, /., Schelte, Verweis. 
Er hat Lorken bekommen. Einem Lor- 
ken anhängen, Bock, 32. Hennig, 
148. Poln. burka dass. In Bayern lurken 
auch : verächtlich reden. S ch m eller II, 
489. 

LorVI, LorVlje, n., Lorbeeröl, mhd. 
lorole. Hennig, 148. 



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lorpsen — lossen. 



37 



Ittrpseriy sw,^ rülpsen, wohl nur Eor- 
rtunpienmg dieses Wortes* Friedland 
Ostpr. 

los, adj, 1. locker. Bei Jeroschin 
auch noch in der Bedeutung von ver- 
änderlich: want vü veste und nicht los 
was 8in seligir wüU 64d. Pfeiffer, 
190. Er Idfzt nicht loa und hcker^ er 
ist ein fester, energischer Charakter. 
Vgl. Losbäcker. 2. unangebunden, frei. 
Er hat ein loses Maul^ redet unumwun- 
den, rücksichtslos. 

losackem, sw.^ etwas durch anhalten- 
des^ bestürmendes Bitten erlangen. Das 
hat was gekostet, bis ich das losgeackei*t 
habe. Vgl. loseisen unter eisen. 

Losbäcker, m., Bäcker losen, lockeren 
Brotes, des Weifzbrotes, im Gegensatz 
zu Fastbäcker (s. d.). Hennig, 148. 

losbändig, adj,^ ungebunden, unver- 
heiratet, locker. Sehern ionek, 23. 

Losbrot, m. 1. losgebackenes Brot, 
Brot vom Losbäcker. 2. Spitzname 
fär einen schwachen und schlechten 
Arbeiter. Er ist ein Losbrot^ eigent- 
lich Losbrotesser, Sprw. I, 2465. 

Lösch,/., Laterne. Mühling. 

LSsch (o lang), n., das Schilf, wel- 
ches von den Böttchern zum Verdich- 
ten der FaCzdauben gebraucht wird. 
Muhling. 

loich§re(n), sw.^ pltd., wohnen, frz. 
loger. Wo Mchert de Herr? Du h- 
scherst ganz nett, 

LBschke, /., s. Uschke. 

LSschkener, m.^ s. Lischkener. 

loseisen, sw,^ s. eisen u. losackem. 

Loser, Liiser, m. jud. Vom., s. Lei- 
ser. 

Losgänger, m,y der los geht, frei und 
nicht gebunden, unverpflichtet ist, un- 
abhängiger und unverheirateter Arbei- 
ter. Uennig, 148. Vgl. Losmann. 

Losleder, m., beliebtes Schimpfwort. 



Nach Klein I, 286, der nur den Plur. 
anführt, in Danzig Leute, welche sich 
mit keinem ordentlichen Gewerbe be- 
schäftigen, Umtreiber; scherzweise auch 
unverheiratete Personen. Sperber, 21, 
der für die Etymologie auf hs u. ledig 
hinweist, erklärt: sanguinischer, leicht- 
sinniger Mensch; Schemionek, 23: 
„Mensch, dem die Kleider vom Leibe 
fallen", also los auf dem Leder sitzen. 
Du Losleder^ wie kannst du so faul 
sein! Davon 

loslederig, adj,^ unordentlich. Als 
Schimpfwort: losled'riger Hund! 

Losleiite, plur, von Losmann (s. d.). 

lOslich, adj, n. adv,^ s. I§8lich. 

Losmann, m., plur, Losleute, Leute, 
die los = frei sind, Tagelöhner, die in 
keinem dienstlichen Verhältnis stehen 
und unabhängig zur Miete wohnen. 
Nach Hennig, der nur die Mehrzahl 
hat, sind die Losleute unverheiratet, 
also auch nach dieser Richtung hin los 
und frei, was jetzt nicht stets der Fall 
ist. Sie werden auch Losgänger ge- 
nannt. Von den Handwerkern ^ Po- 
wirpen^ Hirten^ Loosgängem und Ge- 
sinde soll der Decem treulich eingebracht 
werden, Insterbg. Kirch.- Visitat.-Ord- 
nung II, §6. Hennig, 148. Li Liv- 
und Estland nennt man Lostreiber bäuer- 
liche Tagelöhner, Häuslinge. Hupel, 
144. Sallmann, 70a. Mnd. lösjun- 
gere Hörige, die in keiner Genossen- 
schaft stehen. Mnd. Wb. H, 729a. 
Vgl. Freimann, Hochmieter u. Inglleute. 

losschielzen, sw,^ plötzlich hervor- 
brechen; mit der Rede herauskommen. 
Schief ze hs! zum Kinde, das reden soll. 

lossen, sw, 1. entlasten, ausladen, 
lichten. Ein Schiff lossen^ jetzt löschen. 
2. s. V. a. aufmerken, achten, hören. 
Kommt, last uns eilig lossen (: Possen) 
Und sehn, wer Bräutgam ist, Carm, 



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38 



Losshaken — luchsen. 



nupt. II, 280 d. 3. kaufen und ver- 
kaufen, also lo9en, Vonn Füchtrogenen 
zu lassen. Es soll kein Mann umb die 
Fischtroge auf der Füchbrucken ge- 
legen^ lassen^ es sey den das er ein Mit- 
bürger ist und habe der Fischer Guide. 
Kgsbg. Willkür von 1394. Benecke, 
272. Vortmehr soll niemandt anders uf 
der Fischbrücke loszen vmb die Fisch 
tröge und um die Lachs bencke^ den die- 
ser Aldenstadt eintoohner und mitbürger 
und die dieser Fischer gilde haben. Der 
Kgsbg. Fischer Rolle 1538 § 6. Be- 
necke, 287. 

Losshaken, m., Haken am frischen 
Haff. Eine Laichstelle in demselben 
reicht vom Losshaken quer über die 
Bucht bei Haffstrom. 

lossprechen, pltd. losspr6ke(n), st, frei- 
sprechen. 1. Lehrlinge werden losge- 
sprochen, d. h. vor der Gewerkslade 
aus der Jnngenschaft entlassen und zu 
Gesellen erklärt. 2. Konfirmanden wer- 
den vom Unterricht durch die Einseg- 
nung losgesprochen, befreit. Danzig. 
Klein 1,286. E. Förstern. Anton, 
9, 18. 

lost Es lost nichty es lohnt nicht. 
Ermland. Sperber, 21. Der Infinitiv 
losten tritt nicht auf. 

L»(z, /., Ufzstock, m., s. Lis. 

löty adj. u. adv., spät. Marienbg. 
Ndrg. 

Lot, n., Richtung, Ordnung. Es alles 
§m Loth, ist alles in Ordnung? Dorr, 
l.Wiew., 126. 

IStabengig, IStarbengig, ISterbengig, adj., 
nach Mühling in der Gegend von Bar- 
ten s. V. a. unbändig, aus Rand und 
Band; bei Schippenbeil u. Bartenstein 
weichmütig, nachgiebig, gleich zu Thrä- 
nen gerührt. In der Gegend von Döoh. 
blöde, ängstlich, weichmütig. bengig 
würde die Doppelbedeutung bängig (von 



Band u. bange) haben; Mühling deu- 
tet die erste Hälfte des Wortes Iota etc. 
= los.(?) 

Uthardel, -hari, Pflzn., s. Uthari. 

Lött, n., s. Litt 

Lottchenblatt, pltd. Lottkeblatt, n., ge- 
wöhnlich im plur, Lottchenblätter, nach 
Mühling auch Loddchen, Pflzn. 1 . Huf- 
lattich, Tussikigo farfara und petasites 
L. IjOttcken, auch Latke, ist Korrum- 
pierung von Lattich, In der Gegend 
von Friedland und Saalfeld Ostpr. auch 
Latkeblatt und Brandlottchenblatt. Die 
Blätter des gemeinen Huflattichs dienen 
den Kindern als Sonnenschirme, die 
von T, petas, gebraucht man als Haus- 
mittel auf Wunden und Geschwüre. 
Hagen, 867. Sperber, 21. 2. grol'zer 
Wegerich, Plantago major L. Die Blät- 
ter werden als kühlendes u. zusammen- 
ziehendes Wundkraut gebraucht. Dat 
Lottkeblatt helt, kelt on titt de Hott af, 
es heilt, kühlt und zieht die Hitze ab. 
S. Leunis, 896. 956. Vgl. Lehm- 
biatter. 

IVtwenig, adj,, los, locker, ein wenig 
los. Pillau. Mühling. 

LVwd (o lang), /., s. Uwe. 

löwen, sw., zieren, besonders beim 
Essen Low dt man nich, ziere dich 
nur nicht! Samland. 

LSwen, n., s. Leben. 

LVwenhagen, Ortsn., Dorf (Bahnhof) 
im Kr. Königsberg. Schimpf: Ön Lowe- 
hage ös e Knäke to gnäge fer e Hund. 

LSwerengs, LVwerenz, /., s. Lewerengs. 

ISwsch (p lang), adj., s. ISfsch. 

LowTs(e), w. Vom., Luise. 

Hfwthulig, adj., s. lewthulig. 

luchsen, luxen, auch lugsen, sw., wie 
ein Luchs verfahren, scharf lauernd 
sehen, im günstigen Moment schnell 
zufahren und stehlen, stehlen überhaupt. 
In Zusammensetzungen: abluchsen, be- 



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Lubatsch •—• Lüedbrot. 



39 



luchsen. In der SchreibuDg lugsen ist 
an lugen gedacht Vgl. Grimm, Wb. 
VI, 1223. 

Loibatsch, m., s. LAband. 

Lubbe, /., Pflzn., Gartenmalve, Lava- 
tera trimestrü L. Mühling. Dönh. 

lubben, sw.^ verschneiden, entmannen, 
kastrieren; schinden, abschinden. Mnd. 
u. holl. Itibben dass. ; lit. Itippu^ Iwppau^ 
lüpsUy lüpti schälen, schinden. Bock, 
32. Hennig, 149. 331. Nssim. Wb., 
S76a. 

lUbbem, sw., s. labbern. 

Lucht, /., Bodenraum, Söller. Ostpr. 
In Westpr. ßon, Bän. Liccht = hviit ; 
dän. u. engl, loft Boden, Söller, in Liv- 
und Estland Lucht und Luft Fenster, 
Fensteröfinung. Auf der luftigen Lucht 
wird Wäsche getrocknet. Auf der Lucht 
wohnen^ im höchsten Stockwerk woh- 
nen. Er ist von der Lucht gefallen^ 
hat sich die Haare verschneiden lassen. 
Brem. Wb. UI, 31. Bock, 32. Hen- 
nig, 149. Sallmann^ 37. 

Luchte, f.y s. LQke. 

Luchtenknaster, m.^ Knaster, nur auf 
der Lucht zu rauchen, zur Bezeichnung 
einer schlechten Sorte Rauchtabak. 
Auch Loichtländer, aus dem Luchtlande. 
Vgl. Drängsel. 

■lichtem, adj. 1. munter, freundlich, 
hell, leuchtend, lebhaft, keck, feurig. 
Bjin luchtemes Mädchen. Was hat die 
für luchteme Augen ! Diese guten Eigen- 
schaften in der Entartung: durchtrie- 
ben, pfifSg, listig, verschlagen (Müh- 
ling), leichtfertig (Schemionek, 24), 
begehrlich, lüstern (Sperber, 21). Se 
pUnkt mi to on kickt mi von der Sied 
so luchtem (begehrlich) an. Dorr, 1. 
Wiew., 20. Der Stamm des Wortes ist 
Licht ^ goth. liuhtjany ahd. liuhtan^ 
mhd. Uuhten leuchten, Licht verbreiten. 
Schade, 566a. 



Luchtländer, m., s. Luchtenknaster. 

Loicke, /., s. LQke. 

lUcke, lücky adj.y glücklich. Je sehe- 
wer je lücke^ je me' (mehr) de lAied 
dana kicke. Jerrentowitz. Im Brem. 
hiky im Götting. Ulcke^ im Rein. Vos 
lucke^ Tl., das Glück, holl. luk, engl. 
luck. Brem. Wb. III, 96. Schamb., 
127 b. 

Ludd, m. Vorn., Ludwig. 

Luder, n. 1. Fleisch. Das Pferd be- 
kommt Luder auf die Knochen.^ es wird 
fett. 2. Aas. Das stinkt unterm Lu- 
der, ärger als Aas. 3. altes, mageres 
Pferd. 4. Schimpfwort, auch in scher- 
zendem Tone: Er ist ein dammligeSy 
ein verdrehtes Luder. Sprw. I, 2471. 
5. Bei Jeroschin Spiel, Verlockung, 
Nachstellung, Lockfalle. Pfeiffer, 
190. 6. Haut, zur Bezeichnung der 
Faulheit. Dingsdag lig ock op dem LS- 
der {Luder) y auf der faulen Seite. 
Sprw. I, 2653. 

Luderbude, /., im Volksmunde Bude, 
in der abgekochtes kaltes Fleisch feil 
gehalten wird. Eine solche stand in 
Königsberg an der Holzbrücke. 

Luderjftn, LUderjftn, m., verluderter, 
verlodderter Mensch. Vgl. LodderL 

Luderkaule, pltd. LQderkOI, /., Grube 
für das Luder, Aasgrube. Dat stinkt 
mi ön e Luderkül. 

lodern, sw. 1. faulenzen, tagedieben. 
Er ludert den atcsgeschlagenen Tag herum. 
Mhd. luoderen, hiodem schlemmen, ein 
lockeres Leben führen. Schade, 578a. 
2. Luder fressen; von Tieren. Bei 
Jeroschin: verlocken, reizen, da mite 
st in lüderin (ibrüderin) woldin vf des 
todis ds 84 d. Pfeiffer, 19L 

LUding, m., s. Lädings. 

Ludichak, m., Taugenichts^ s. v. a. 
Letehak. 

Lüedbrot, n., LUedstftw, /., s. Leute. 



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40 



lüften — LuUeL 



lUften, pltd. Ittfte(n), 9w. 1. befreien, 
öffnen, aufmachen und dadurch der 
Luft Zugang verschaffen. Das Zimmer 
lüften. Schoten lüften — auslUften, 
aufmachen, enthülsen, die Erbsen aus 
den Hülsen nehmen. Engl, to lif% 
schwed. lyfta^ dän. hfte^ franz. Uter^ 
lat. u. itaL Uvare, Sperber, 21. 2. 
Platz machen, Bahn dfhen. Eck achreg: 
Wech! Platz gelöft! Cann. nupt I, 
282. 

LUfUing, m., windiger, leichtfertiger 
Mensch. 

Liittpulver, pltd. Loftpolver, n., graues, 
pulverisierte Radix ipecacuanha, M u h - 
ling. 

Lufttropfen, pltd. Loftdroppe, plur.^ 
Medik. Spiritus aethereus. 

lugen (u kurz), sw.j lugen, lauem, 
ahd. luogen^ mhd. luogen aus einem 
Verstecke hervorsehen. In Masuren 
(Bialla) nennen die Kinder im Versteck- 
spiel das verstohlene Sehen durch die 
Finger der die Augen bedeckenden 
Hände luggen. Du mufzt luggen! d. h. 
dir die Augen zuhalten, sagen die 
Kinder, welche sich verstecken wollen, 
zum „winkenden^ Kinde. Vgl. plinzen. 

LUgensacky pltd. Legesack, m., zur Be- 
zeichnung eines Menschen, der gleich- 
sam einen Sack voll Lügen mit sich 
fdhrt, eines grol'zen Lugners. 

lugsen, sw.^ s. luchsen. 

LukafZy m., Klotz, auf den ehemals 
die Verbrecher behufs der Auspeitschung 
gelegt wurden. Von dem lit. iükoszus. 
Sie (Wahrsager u. Zigeuner) sollen von 
Anfang zum wenigsten mit dem Ge- 
fängnis und der Lukafzen gezüchtigt 
und gestraft werden, Insterb. Kirchen- 
Visit.-Ordg. Hennig, 149. Nsslm. 
Forsch. 2; Th. 97. 

Luke, hin und wieder auch Lucke, /., 



fensterartige, jedoch unverglaste Öff- 
nung in Speichern und Bodenräumen, 
die mit einer Lade geschlossen werden 
kann, auch in Kellern, die jedoch meist 
offen bleibt und als Luftloch dient; 
Eingangsloch in den Verdecken der 
Schiffe, das eine Fallthur schlielzt. 
Vgl. ahd. luog^ luak, mhd. luoch, luoc 
Loch etc. Schade, 578b. Die Luke 
zumachen^ sie mit der Lade schliefzen. 
Kickst du mt üt de Lukef wenn man 
die Schliche eines andern duichschaut 
Treichel. Der Tod safz auf dei* 
Keüerlak\ d. h. in der Öffnung selbst 
auf dem Lukenbrett. Volksr., 121. 511. 
In Hessen der Luken. Vilmar, 254. 
Brem. Wb. HI, 97. Dähn., 288a. 
Danneil, 129a. Hupel, 147. Sall- 
mann, 37. Hennig, 150. Vgl. LuchL 
Lukfichte, /., Pflzn., schlechte Fichte, 
vom poln. wlokno Faser. Schmitt, 
We8tpr.,166. Treichel, Volksth. Vgl. 
Fichte. 

Lukrinski, m.^ aus lukrieren mit poln. 
Maskulinendung gebildet, ein Mensch, 
der seinen Vorteil zu ergattern ver- 
steht. Gortzitza. 

Lulch, m.j PflzD., Schafschwiugel, 
Festuca avina L. Bock, Nat. IH, 279. 
Auch Lolch, Lolium perenne L. 

Lullchen, pltd. Lullke, n. 1. kurze 
Tabakspfeife. Dat ös geroad genog^ 
mien Lullke antostöcke. Carm, nupt I, 
282, 3. On ok mien körtet Lullke (nam 
eck mie mot). Ibid. VI, 242 b. Auch 
Lull, Lulle, /., im Flatowschen Lulk, 
korrunip. Nulk, von dem gleichbed. poln. 
lulka. Soll nach Förstern ann türki- 
schen Ursprungs sein. Schmitt, 108. 
2. Säugling. Beides von lullen sau- 
gen. 3. Nach Bock, 32, auch Schimpf- 
name. Hennig, 150. 

Lullei, m., Tölpel, den man zum besten 



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lallen — Luntrus. 



41 



hat . . . TTMkt mi to^m LuUei on drieft 
hmenSpa/z m§t mi. Dorr, 1. Wiew., 
71. 

lullen, 9w, 1. saagen, an der Brust. 
2. rauchen, weil der Rauchende saugt. 
Davon einlullen, ein saugendes Eind in 
den Armen schaukelnd einschläfern, 
wobei man sein Gesicht auf das des 
Kindes druckt und dabei leise singt. 

Lumme, /., s. Lomme. 

LUnunel, m, 1. zur Bezeichnung eines 
unnützen Knaben, nichtsnutzigen Jun- 
gen. Unterdessen liefz sich der Lümmel 
im Hause herumtragen und schrie aus 
Leibeskräßen. Soph. R. VI, 525. LOm- 
mel ab flegelhafter Mensch, Tauge- 
nichts, ist allgemein. Vgl. Grimm, 
Wb. VI, 1289 f. %penis. Seinen Um- 
mel anbringen, coire. 

Lumps, m.y schlechter, grober Mensch, 
Lump. Treichel. 
- Lundris, Loindrus, m., Taugenichts. 
In Danzig und in Westpr. überhaupt 
ist Lundris ein ebenso beliebtes Schimpf- 
wort, wie in Königsberg u. in Ostpr. 
Larbas. 

Lungerbank, /., Bank, auf der man 
lungert^ Faulbank. Mühling. 

Lungerer, m.y Faulenzer. 

hingem, sw. 1. faulenzen, muizig 
gehen. 2. bettelnd etwas zu erlangen 
suchen, s. v. a. lunkem (s. d.). Davon 
benimlungem, sich bettelnd herumtrei- 
ben* 

IHnisch, lUnsch {ü lang), ITnsch, adj,, 
und meist in letzterer Form auftretend, 
tückisch, versteckt, falsch, hinterlistig; 
in der Bedeutung verwandt mit glupsch. 
Es ist das im BegrifP verstärkte Zau- 
nisch^ pltd. lunisch^ und wird von heim- 
tückischen Hunden und Menschen ge- 
braucht. Nach Marold in der Gegend 
von Kreuzburg dummdreist, von einem. 



der, dickhäutig, sich überallhin erst 
treiben läTzt. Bock, 32. Hennig, 
150. Schemionek, 24: lunsch (wohl 
lünsch). 

lunkem, sw., mit Augen und Gebär- 
den nach etwas lugen und langen, 
streben, begehren, gierig verlangen; 
durch Schmeichelwort das Erstrebte zu 
erlangen suchen: das verstärkte lungern. 
Pierson in den Lit Aeq. weist auf das 
lit. lunginti schmeicheln hin; Nsslm., 
Forsch. 3, bezeichnet als näher liegend 
lüngurti in derselben Bedeutung, und 
das substantivische lunguro zödzei 
Schmeichelworte, lett. lunkis Schmeich- 
ler, Fuchsschwänzer, lunkains gelenkig, 
schmeichlerisch, und mit Übergang des 
k in z lunzinaht sich anschmiegen wie 
eine Katze, ee- und pee-lunzinatees sich 
einschmeicheln. In Zusammensetzun- 
gen: ablunkem (s. d.), durch Scbmeichel- 
wort und Schmeichelblick oder durch 
List etwas erlangen, gewinnen, abneh- 
men ; in Posen abluchem. In gleichem 
Sinne eriunkern. Bock, 33. Hennig, 
150. Brem. Wb. UI, 99; Yl, 189. 
Sperber, 5. Nsslm» Forsch. 3; Thes., 
218. Bernd, 2. Anton, 9, 19. 

lUnsch (ü lang), adj., s. lUnisch. 

Hinsehen, sw., nach Mühling bos- 
haft, mürrisch aussehen. Wohl mit 
lünisch verwandt. 

Lointenpuster, m., Anblaser der Lunte, 
Spitzname für einen Artilleristen. 
Mühling. 

Lointer, m., unter den Schimpfwörtern 
bei Stein, wohl = Luntrus, Pere- 
grinus XH, 82. W. Mtsbl. V, 191. 

Luntrus, m., Schimpfwort in dem Sinne 
von Lorbas (s. d.). Lit. Idtras Tauge- 
nichts, Spitzbube. Auch in gemüt- 
lichem Sinne: /, he kleener Luntru/z, 
he! vyie hot Iie sech wedder zugericht! 



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42 



luntrassig — Machandel. 



Schaltj., 1, 437. Ermland. Elbing. 
Pierson, A. W., 25. Lit. Aeq., 20. 
Sperber, 42. Schemionek, 24. 

luntrussig, adj.^ von dem vor. 

Lunz, m,^ Lappen, Lumpen; als 
Schimpfwort, üt miener Dar, ji Hex^ 
ji Aa»^ ji Lanz^ ji Elk,ß Flerr! Dorr, 
1. Wiew., 100. 

LQr, m,f hinterlistiger, tückischer 
Mensch. Eck «y on gooder Btmr^ findst 
du dat nick by my^ so seggi eck sy ön 
Lahr, Carm. nu/pt, V, 190 b. Von dem 
pltd. lüren lauern, hinterlistig auf- 
passen, sich tückisch zurückhalten; da- 
her Lürangel tückischer Mensch. Brem. 

Wb. m, 101 f. 

Lurche, /., schlechter KaflFee. Trei- 
chel. 

lare(n), sw., s. lauem. 

Lurke, /., s. Lorke. 

Luseh, /., s. Lischke. 

Luiche, w. Vom., Luise. Davon das 
Dem. Luschcfien. GordackhältZ/w«^A- 
clien für Abkürzung von Karltischchen^ 
Dem. von Karl, Danzig. In Ostpr. 
ist Luschchen Tändelname für Personen 
beiderlei Geschlechts. 

Luschke, /., s. Lischke. 

Lust, pltd. Lost, /. Sie ifzt mit Lust^ 



ist schwanger, nach der Wahrnehmung, 
dal'z Frauen in diesem Zustande ab- 
sonderlichen Appetit empfinden. Bock, 
33. Sprw. I, 2490. 

Lustbude, pltd. LostbÖd, /., Uarten- 
haus, Gartenlaube. Mühling. 

Lustgärtnierer, m., s. Gärlnierer. 

lustig, pltd. festig, adj. Er ist lustig, 
ist angetrunken. 

lutschen, sw.y anhaltend, ausdauernd 
saugen. An einem Stück Zucker — an 
der Mutterbrust lutschen. Vgl. ablut- 
schen. 

Lutschpummel, m., s. das. folg. 

Lutschpungel, n., Lutsch-, Saugbeutel 
zur Stillung kleiner Kinder. In Westpr. 
auch LutschpummeL Treichel. Vgl. 
Pungel. 

Lutter, m.j der durch Feuer abgetrie- 
bene Branntweinstoff. Mühling. Von 
lüttem. Vgl. Grimm, Wb. VI, 1354. 

lüttem, sw. 1 läutern, abklären, ab- 
gielzen. Mühling. 2. lodern. Ver- 
grabenes Geld luttert zuweilen, es lodert, 
brennt. Treichel, Volksth. III. 

Lux, m. Vom., Lukas. Hartwich, 
54. 

luxen, sw., s. luchsen. 



M. 



m, Schmelzlaut, hat als Anlaut im 
Plattdeutsch gleichen Klang mit hchd. 
m, als Auslaut tritt es oft statt n auf: 
Fadem Faden, Bessern Besen, Bossem 
Busen, Spadem Spaten, Jumfer, Jam- 
/er Jungfer. Lehmann, Volksmd., 
29. 

mä, adj., s. mär. 

Mäagt, /., Magd. Dzg. Nhg. Vio- 
l^t, 102. 



Machandel, m., Wachholder, Junipe- 
rus; Wachholderbranntwein, holl. Ge- 
never^ engl. GHn. Er wird oft mit 
Zucker versüCzt getrunken und dann 
in einem Glase mit einem Stäbchen 
zum Umrühren vorgesetzt. Daher for- 
dert man : Machandel mit dem Knüppel 
und M. ohne Knüppel. Danzig. El- 
binger Ndrg. Sprw. I, 1532. P as- 
sarge, 220. Auch in Bremen Machan- 



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M&che — maddern. 



43 



&/ Wachholder, MachandelbeerenWsLch' 
holderbeeren. Das Wort ist durch 
Wechsel des M mit W gebildet, ßrem. 
Wb. m, 108. Ebenso bei Schatze 
in, 70. Danneil, 130a. In Göttin- 
gen itfacÄawrf^feij.JtfacÄoW^^. Scham b., 
128a. 

Mftche, Mäche, Mächen, pltd. Make, n., 
Mädchen. Ennland. Elbing. Nu wäar es 
doch och Zait, dafz wa^s Mache wo kunne 
unjahränge, Ermländ. Freisch., 5. An 
der See sack he en Mächen. Elbing. 
Schaltj.^ 3, B. Könnt ihr verspreche 
dem Mäche Gutts ze thue? Dorr, 1. 
Wiew., 13. 

Macheier, m., wollener Kleidersto£P 
alter Zeit. Kleider-Ordnung v. 1529. 
Frisch I, f;30c. Vgl. Durant 

MachSle, /*., cunma^ vulva. Friedland 
Ostpr. Vgl. MechTle. 

macheln, 8w,y aufhetzen, verleumden; 
betrugen; betteln. Mühlin g Davon: 
Machler, tw., Ränkeschmied, Verleum- 
der, Betrüger. Machlerei, /., Verleum- 
dung , Klatscherei , D urchstecherei. 
machlerisch, adj.^ zum Hetzen geneigt etc. 
Nach Treichel hat macheln auch die 
Bedeutung essen, wohl von dem hebr. 
ochal essen, ma-achol Speise, also Speise 
zu sich nehmen. 

machen, pltd. makeCn) (a = ä\ sw. 1. 
ccujore^ in der Kindersprache. Mach 
doch! Mast schon gemacht? A-a ma- 
chen, 2. atcs sich etwas machen, auf 
sich halten, sich geltend zu machen 
wissen ; gcgenteils : atcs sich nichts ma- 
chen. Sich breit machen, hoffartig thun. 
* Hennig, 320 f. 3. sich machen, pltd. 
sock make, sich darstellen, ausnehmen. 
Es macht sich gut, sieht gut, d. h. ge- 
fallig, ansprechend aus. 

Mächen, n., s. Mftche. 

machhaftig, adj,^ angänglich, möglich, 
ausführbar. Das §s nich machhaftig, 



dafz das Concü von einem Ofrohr ze 
höre kriegt. Dorr, 1. Wiew., 4. 

Machhurtig, m,, Diarrhöe, s. DUnne. 

Machfle, m., s. MechTle. 

Machler, m,, Machlerei, /., machlerisch, 
adß., s. macheln. 

mächtig, adj, u. arft?., aufzer der üb- 
lichen Bedeutung: sehr, ausnehmend, 
besonders : mächtig grofz, mächtig reich, 
mächtig kalt. Hennig, 151. In gleichem 
Sinne früher grofze Macht, Das Auf- 
gebot zur Heeresfolge an die Freien 
auf Samland vom Jahr 1464 schliefzt, 
nachdem alle Forderungen genau ge- 
stellt und die Mahnung, denselben mit 
FleiCz nachzukommen, ausgesprochen, 
mit den Worten: denn unserm ganzen 
Orden und uns allen mit einander ist 
grofze Macht daran gelegen. Beitr. z. 
Kde. Pr. I, 352. 

Mächtiger, m., nach Klein II, 4, ein 
Danziger Ausdruck für Advokat, gleich- 
sam Bevollmächtigter. Scheint in die- 
ser Bedeutung untergegangen. E. 
Forst em. In Pommern ebenfalls in 
der Bedeutung: Bevollmächtigter. 
Dähn., 292b. 

mack, adj,, s. mak. 

mackeln, sw., wohl Dem. zu machen, 
daher etwas im geheimen thun. Klein- 
liches vorhaben. Marold. 

Mädchenmutter, /., s. Mägdemutter. 

Mädchens, im Ermlande Mäches, pltd. 
Makes, plur, von Mädchen. Die Mäd- 
chens vom Hofe, Vgl. illa. 

maddern, sw. 1. unbefugt mit einem 
Gegenstande sich zu thun machen. 
Man ruft Kindern, welche sich mit 
Sachen viel zu schafiPen machen, die 
sie verderben könnten, zu: Lafz stehn, 
madder nicht! Was madderst du an der 
ührf 2. probieren, versuchen, mit 
dem Nebenbegrifife des Ungeschicks, 
stümperhaft mit einer Sache umgehen. 



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44 



Madel — Magritsch. 



Wie lange maddert er denn! Maddem 
koaft Geld. 3. etwas stümperhaft aus- 
führen, arbeiten, obenhin verrichten. 
Das ist man gemaddert und nicht gear- 
hdtettBock, 33. Hennig, 151. 289. 
Davon Madderei, /., annütze und un- 
befugte Beschäftigung, schlechte, stüm- 
perhafte Arbeit, Stümperei. In Pom- 
mern Madderij u. Afaddtoark. Dähn., 
291b. Madrak, m., Madderer, Stüm- 
per etc. Sperber, 38. vermaddem, 
durch ungeschickte Behandlung ver- 
derben, in Unordnung bringen. Es ist 
alles vermaddert. Lit madaröti raad- 
dem, imnütze Dinge vorhaben, mada- 
r&nka^ m, u. /., Nichtsnutz, Sudeler, 
madaras schlechte Arbeit, Sudelei; poln. 
Tjiadrowac pfuschem. In Hamburg u. 
Bremen maddeln für martern und übel 
handhaben. Nsslm.Wb., 378a; Forsch. 
3; Th., 218. Altpr. M. VIII, 366. 
Pierson, A. W., 25. Mrongov. II, 
580a. Brem. Wb. III, 108. Für Liv- 
und Estland Hupel, 148. S allmann, 
37a. 

Madel, m. j üd. Vom. Flato w. Schmitt, 
112. 

Madenscheifzer, pltd. Madeschtter (a=a), 
m. 1. grofze Fliege, Schfüeii'zfliege, 
Aasfliege. Nach Mühling, Tiern-, 174, 
auch Madenträger. Wt e Madeschtter 
bromme — kräle. Korrespbl. HI, 52. 
2. ein Reicher. Ös wedder e Mädescht- 
tet* (auch MädesacK) gestorwe, Kgsbg. 
Vgl. Bratenfresser. 

madig, adv.^ in madig machen^ aus- 
schimpfen. Du half emal den Mundy 
so madig lafz ich mich nicht machen, 

Madrak, m., s. maddern. 

Maffetchen, n., kleiner Witz, Streich. 
Mafettchen macfien^ Streiche machen. 
Sperber, 46. 

Magantsch, m., s. Magrltsch. 

Magd, pltd. Magd (a = a), in der Dzg. 



Nhrg. Mäagt, plur. Mägdl^ im Gegen- 
satz zu Knecht jeder weibliche Dienst- 
bote. Von dem, der einen fettigen 
Mund hat, sagt man: Du kannst got 
Magd mede (mieten). 

Mägdemutter, /., früher Bezeichnung 
für eine Gesindevermieterin. Danzig. 
W. Seidel, 32. Klein II, 4, hat: 
Mädchenmutter. Auf der Dzg. Nhg. 
Mägdmöder. Viol^t, 102. 

mägen, Präs. mag{ch\ Imperf. mogt^ 
muchty Part, gemocht^ mögen, können, 
wollen, begehren. Wet^t mach^ de 
machte wert nich mach^ de mach't vx>l 
nich mögen. Dorr, 79. Wat öck nich 
mach^ dat drägt de Schlag. Sprw. I, 
2646. Mach et att, sei es! 

Magenschraper, pltd. Mageschraper^ 
m.y was den Magen schrapt, den ver- 
dorbenen Magen wieder in Ordnung 
bringt. Alter Wein ist ein guter Ma- 
genschraper. Hennig, 246. Vgl. schrft- 
pen u. Schrflper. 

Magenwehtage, /., s. Wehtage. 

Magerkraut, n., wohlriechender Wald- 
meister, Aspei'tda odorata L. Uagen, 
156. 

Magge, /., s. Nage. 

Magistratsdroschke, /., Deckelwagen, 
in welchem Trunkene oder Renitente 
von der Stralze fortgeschaflFt werden; 
auch Nasenquetscher. Königsberg. 

maglich, adj., s. maklich. 

Magrltsch, MagarTtsch, Margrttsch, m., 
Vertragstrunk, Kauftrunk, Schmaus, 
den nach abgeschlossenem Kaufgeschäft 
gewöhnlich der Verkäufer dem Käufer 
und den Zeugen des Handels giebt. 
Etwas zum Magrttsch geben. JNu mot 
wt 6k noch Magrttsch drinke. Hennig, 
leitet es von merga Maid, Magd, her 
und meint, anfanglich sei das Geld da- 
runter verstanden, welches man den 
Mägden beim Mieten auf die Hand 



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mablen — mak. 45 

gab. Lit. magaryczos^ magryczosj russ. Weide, Salix amygdalina L. Hagen, 

mogarycZy magarycz. Nsslm. Forsch. 1015. Pritzel, 354. 

2;Tli., 98. Hennig, 151. 331. Sper- Maikaize, pltd. Maikatt, /., Katze im 

ber, 41. Vgl. Leinkauf. Mai geworfen. Die MaUcatzen ersäofb 

mahlen, part, gemahlen^ wühlen, gra- man, weil sie nicht gut mausen und 

bend Erde aufwerfen. Der MoUumrm viel schreien. 

(Maulwurf) mahlt Maikiick, Maikreck, m, u. /., Eiiäk- 

Mahlgasty pltd. Malgast, m., Kunde ente, Anas querquedula, Bujack, 388. 

in einer Möhle, der daselbst regel- Mühling. 

mäfzig sein Getreide mahlen läfzt. In Malte, w.jüd. Vom. Flatow. Schmitt, 

früheren Zeiten waren gewisse Dörfer 114. 

gewissen Mühleli durch obrigkeitliche Maizauken, /., Pflzn., gemeine Mai- 
Anordnung zugeteilt; es bestand somit blume, GonvaUaria majalü L. Hagen, 
Mahlzwang, Vgl Grimm, Wb. VI, 368. In Schwaben Maienzacken. 
1456. Pritzel, 107. 

Mahipfennlg, m., Zins, den der Orden Mftk, Mike, /. 1. die Mache, das 

von den Mühlen einzog, von 5 bis auf Machen, Fertigschaffen eines Dinges. 

60 Mark. Mühling. Dat Kled ös ön e Mdk^ ebenso hchd. 

Mahlzeit, pltd. MaltTd (a => a), /., Hoch- das Kleid ist in der Mache. 2. bildlich: 

zeitsroahL Zur Hochzeit bist du doch Einen in der Mdk haben — t&n in die 

nicht geladen^ sondern nur zur Mahl- Make nehmen, ihm zusetzen mit Hieben, 

zeity sagt man zweideutig scherzend, Verweisen, Spott etc. Er sieht aus, 

wenn jemand von seiner Einladung als hatten ihn die Blähen in de Mdk 

zor Hochzeit spricht. gehabt, abgerissen, unordentlich in den 

MBhr, Mähre, /., Möhre, gelbe Rübe, Kleidern. Sprw. I, 194. Hennig, 

Daucus carota L, 150. 

Maiaffe, pltd. Maiflp, m., Schimpf- mak, mack, adf. 1. matt, abgemattet, 

wort. Na solke Maidpe! müde, abgetrieben, erschöpft, verzagt, 

Maibaum, Maien, m.y weiize Birke, geduldig, fiiedsam, zahm; von Tieren 

Betula alba L. Hagen, 1002. und Menschen und namentlich von sol- 

Maiblltter, pltd. Maibotter, /l I.Butter, chen, die zuvor wild und unbändig 

die im Monat Mai bereitet ist. Ka- waren. Nur abei' Aug und Haupt im 

rauschen mit Maibutter, Karauschen in NoihfaU gut verhüllet. So wird das 

Maibutter zubereitet 2. Medik. Un- Thierchen mack, das sonsten rüllt und 

guentum Majoranae. brOUet. Carm. nupt. I, 264. Ihr^ und 

Maie, /. u. m., junger Ast vom Map- die so mack und kirre^ Die so verliebt 
bäum, Birkenzweig. Zu Pfingsten dort stehn im Kranz. Ibid. II, 232 f. 
werden Häuser, Zitnmer, Baugerüste, Engl, meek^ isl. miuk, in Bremen, Dit- 
Pferde etc. mit jungem Birke^ube, mars., Osnabrück, Holstein mak. Brem. 
den sogen, itfat^, geschmückt. Volks- Wb. IH, 113. Schütze 111,72. Dan- 
kalender, 101. neil, 130a. Hennig, 152. 2. wohl, 

Maien, m.y s. Maibaum. behaglich, zufrieden; Gegensatz unmak, 

Maihob, n., Pflzn., mandelblättrige onmak. Et os gewefz keen dommer 



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46 



mäkeln - — malen. 



Schnack, Ek fehl mi hier (in der Neh- 
rung) gewaltig mack Viol^t, 194. 

mäkeln, sw, 1. Kleinigkeiten tadeln, 
Fehler aufsuchen, namentlich an den 
Speisen einen Makel finden. Er hat 
immet was zu mäkeln. S. bemäkeln. 
2. sich mit dem Verkauf geringer Dinge 
abgeben, Kleinhandel treiben, oder auch 
das Amt eines Mäklers verwalten. Hen- 
nig, 153. Vgl. Grimm, Wb. VI, 
1489. 

makhaft, adj.y machhaft, d. i. vortreff- 
lich. He w<yrd fm Drunk gemakt, §s 
dat nich en makhafter Humor? Dorr, 
1. Wiew-, 19. 

Mäkler, m. 1. Tadler, tadelsiichtiger 
Mensch. 2. Kommissionär, Unterhänd- 
ler, Verkäufer. 

maklichy adj. u. adv. 1. mächlich, 
gemächlich, bequem, leicht, muhelos. 
Maklich sitzen^ bequem, unbeengt sitzen. 
Maklich geseten pn langsam gegeten^ ji 
glewen nich^ Li'dkes^ wat de Mensch 
denn verdragen kann. Eibin ger Ndrg. 
Das kann er maklich verrichten^ damit 
kann er ohne grofze Anstrengung fer- 
tig werden. Wir können maklich hivr- 
komm£n^ bequem, bei guter Zeit ück 
weer de Anbarg nich to steil, an so kann 
ek ganz macklig opwarts stiegen. Dorr, 
Driewjagd. Auch vom Winde: ein 
mäkliger Wind, ein leichter, gelinder 
Wind. Marienbgr. Ndrg. onmaklichy 
unbequem; unwohl. Dzg. Nhg. Vio- 
l^t^ 103. 2. behaglich, gemütlich, woh- 
lig, lieblich. Ein reicher Bauer sagte 
zu seinem Grast: Wenn se sech nu was 
metgebracht hädde, konnte wt da^ ganz 
m^iklich verzehre. Den Schhappölz an, 
de Piep öm Muul, Wenn't buten stormt, 
dais maklich fuul. Dorr, 16. Wenn 
wiet de Schwoan trock äwert Land, 
Wat weer dat maklich scheen Ibid. 48. 



Vgl. Richey, 73. Brem. Wb. IIF, 
114. Hennig, 153. 

mäklig, adj. von mäkeln, wählerisch. 
JEr ist sehr mäklig im Essen. 

Makuwken, ^^Zt^r., Mohn; Mohnkuchen. 
Flatow. Schmitt, 108; Westpr., 166. 
Treichel, Volksth. Poln. mak der 
Mohn, makowka Mohnkopf, makowy 
placek Mohnkuchen. MrongoviusI, 
205b. 

Mal, pltd. Mal (a = a), n. 1. Flecken, 
besonders Zeichen auf der Haut; wenn 
angeboren, so heifzt es Muttermal. 2. 
bezeichneter Mark-, Grenz- u. Sicher- 
heitsort bei Knabenspielen. Von. dem 
Male wird ausgelaufen, wer das Mal 
unbehindert erreicht, dftrf nicht mehr 
angeschlagen, ergriffen werden. Hier 
ist das Mal! Ich bin im Med! In Po- 
sen heifzt es: Hier ist Pax! wohl noch 
das übrig gebliebene Latein der Eloster- 
schulen. Bernd, 204. Hennig, 153. 

malaasig, adj., rein pltd. mäläsig, von 
dem franz. malaise Unbehäglichkeit 
spüren. Mt ös so mäläsig to MSd, mir 
ist übel zu Mute. v. Au er. 
. mal auf mal, pltd. mal op mal, ein- 
mal nach dem andern. So auch in 
Estland. Sallmann, 70a. 

Maldeninker, Maldininker, m., s. Surin- 
klmininker. 

Maldeuten, Ortsn., Dorf bei Saalfeld 
Ostpr. Spott: Von Maldeutenf Leck 
mir im A. von aW beid^ Seiten. Sprw. 
I, 2524. 

Maie, pltd. Male {a^ä). Dem. Mal- 
cheny Molke, w. Vorn., Amalie. Neck: 
Male, Male, Pepermähl, Dine Kinder 
freie veel. Alle Dag* e Dittkebroty Nömm 
e Kiel on schlag' se dot! Königsberg. 
Volksr., 79, 313. 

malen, pltd. male(n) (a = a), siw., pin- 
gere. MaP dir was, siehe zu, wo und 



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MlUgen 



mang. 



47 



wie du etwas herbekommst! Häafig 
die Verwechselung mit molere. Der 
MüUer hat gemalt — der Maler ge- 
mahlen. Der kleine Junge hat eine Lo- 
komotive gemahlen, 

Mftigen, plur,, die silbernen Hefte, 
womit man ehemals in Preofzen die 
Halsbinden zosammenknapfte. Hen- 
nig, 153. 

Malinchen, n., Fischn., s. Moderlies- 
ch6n. 

Malinenbaum, m.^ wilder Schneeball, 
Vtbumum optdus L. Hagen, 341. 
Vgl. Kalinchenstrauch. 

Maiinne, /., Frucht von RiUms idaeus^ 
Himbeere. Von dem gleichbed. poln. 
malina. 

Malke, w. jud. Vom., Fem. zu Mei- 
lechy Königin. Flatow. Schmitt, 114. 

Mallftr, n., Unannehmhchkeit, das frz. 
malheuT, 

Malm, 7n., zerriebener, in Staub zer- 
witterter Körper, Grus, Stauberde. Bei 
Jeroschin Malm^ nds. mnd. m£lm 
Staub, schwed. malm Sand, ital. melma 
Kot Vgl. Molm u. MUH. Wurzel von 
Malrn^ Molm^ Mull ist mahlen molere^ 
woraus malmen, zermalmen, zu Malm 
werden, machen. Vgl. Adelung UI, 
39. Frisch I, 637c. S. ausbicken. 

Malter, n, u. m., gröfztes Getreide- 
mafz, 12 Scheffel umfassend. 2 Malter 
= 1 Wispel, 5 Malter = 1 Last. 

Malutcben, Malutschchen, n., Kosewort, 
Kleinerchen, von dem poln. maty klein. 
Nach Sperber, 38, sowohl von Per- 
sonen wie Sachen gebrauchlich. 

mälzen, »w,j Malz bereiten, Gerste 
zu Malz machen. Vilmar, 268, sehreibt 
melzen, 

MUzenbräuer, pltd. MSItebrUer, m.y aus 
Malz und brauen zusammengesetzt, 
Bierbrauer. Bei Frisch I, 638 a, Mal- 
zen- Brauer. Die Mälzenbräuer ge- 



hörten zu den Grofzbürgern u. hatten 
auf ihren Grundstücken die Brau- 
gerechtigkeit. In Königsberg wohnen, 
mehr noch wohnten, sie gröGztenteils 
im Löbenicht. Von ihnen galt das 
Sprichwort: Aut miles, aut monachus, 
aut Mälzenbräuer im Löbenicht Vgl. 
Sprw. I, 2634. Die Zünfte, 8 ff. Hen- 
nig, 153. 

Malzer, Mälzer, pltd. MVHer, 7n., Be- 
reiter, Dörrer des Malzes, Brauknecht 
Kgsbg. Nach Hennig, 153, bildeten 
sie eine besondere Zunft. Mhd. mal- 
zaere Brauer. In Danzig die Mälzer" 
ga^sse. Förstemann, Stral'zn. VgL 
SchmellerH, 574. 

Malzsack, m., s. Moltwurm. 

mammedrachtig, mammeldrachtig, adj. 
u. adv. Ick scUa (schlage) di mam- 
Tnedrachtig. Schippenbeil. 

man, adv, u. conj,^ nur, allein; aus- 
schliefzlich; aber. Komm man her! 
Lafz man sein! Ich hab^ man wenig 
gegessen, öck mhi man so. Kommen 
sie doch man recht gut nach Hause! 
Man nich zu viel! Das ist man nichts! 
ist gar nichts, wertlos, dummes Zeug. 
Öck wöU tidlewens dinem Name man 
före. VolksUeder, 62, 40 IH, 8. Ich 
wei/z wohly man ich sag^ es nicht. Hei 
woü woüy man Iiei kann nich. Zur 
Verstärkung tritt bei und bhfz hinzu: 
Das ist man bei gut^ das ist nur gut, 
dal'z es so ist. Man blo/z so tkun. Es 
ist man blofz einer. Vgl. Brem. Wb. 
III, 121. Schütze m, 75. Dan- 
neil, 13la. Mi, 53. Hupel, 149. 
Sallmann, 37a. S. bei. 

Mandel,/., polnische. Sie hat 16 Stück. 
Treichel. 

Mandelblume, /., Ackerwinde, Ctm- 
volvulus arvensis L, Sie heÜ'zt in der Ge- 
gend von Saalfeld auch Gotteshemdchen. 

mang, mank, prcg[>, u. adv.y unter, 



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48 



Mangel — Mann. 



darunter, zwischen, mit dem Begriff 
des Vermengtseins; zur Verstärkung 
damank, darmank, dermank (s. d.), mank- 
ander. mengen ist die Wurzel, daher 
die Schreibung mang die richtigere, 
wenngleich stets mank gesprochen wird ; 
mnd. mank^ manket^ mankent^ mangen^ 
alts. mengian^ angs. amang^ ^Qgl- cmumg. 
Bei Jeroschin mang^ mancy inmanc, 
Pfeiffer, 178. 193. Mang die Füfze 
kämmten. Er klemmt den Zagel mang 
die B^ne und schiebt ab. Sprw. I, 4133. 
Einen mang die Leute bringen^ ihn ins 
Gerede bringen. Sich manck die an- 
dren Geste setzen. Die Zünfte, 11. Brot 
ess' ich nichts da is Mehl mang. War 
de Wulf mank de Schopf iVa, de 
Schdp wäre doch nich mank de Wulw' 
sön. Litauen. Firmenich III, 118a. 
A stungd mangk e Karassta. Ermländ. 
Freisch. N. Pr. Prov.-Bl IX, 398. Es 
war viel Krdkzeug mankander^ viel Pö- 
bel danmter. Hennig, 154. 331. 
Sperber, 21. Brem. Wb. III, 128. 
Schamb., 130a. Danneil, 131. Sall- 
mann, 37a. Mi, 53a. 

Mangel, /., Mange, Glättrolle für 
Wäsche; zunächst grofzer mit Steinen 
beschwerter Kasten, der von mehreren 
Personen über zwei Glättrollen hin und 
her gezogen wird. Sie ist zum grofzen 
Teil verdrängt durch die Drehmangel, 
ihehroUe. Wird das Mangelbrett von 
einer Person über eine Rolle hinweg- 
geführt, so heifzt die Mange Hand- 
mangel. Davon: mangeln, sw.y Wäsche 
auf einer J/aTi^^i rollen, glätten. Mangel 
ons beide nett de Eemde. Volksl., 45, 
28, 2. Wer Gott vertraut, der mangelt 
nichts sagte ein witziger Faulpelz, den 
man an eine Mangel stellen wollte. 
Mangelfrau, /., Frau, die Wäsche glät- 
tet. 

Mangel, m., inopia^ defectus, nach 



Hennig, 154, vom Volke im „gegen- 
seitigen Verstände" gebraucht, beson- 
ders wenn von Krankheiten die Rede 
ist. Er hat Mangel am Fieber, er ist 
mit dem Fieber behaftet. Er hat Man- 
gel am Höchsten, er hat die Epilepsie. 
Ist in diesem Sinne von mir nicht ge- 
hört. 

mangeln, sw., s. Mangel. 

man ichts, adv.y nur soeben. On 
wie de beed Verliebte das man ichts 
merkten^ da fallen se zehof dem Kenik 
vor de Fi/z. Schalt]., 3, 7. In der 
Gegend von Saalfeld man krads soeben, 
nur gerade noch zur Zeit. Vgl. ac- 
crftd. 

ManM, Menist, m., Mennonit. plur. 
Manisten, Manister, Manistersch, Me- 
nisten,Menistery Menistersch, Mennonisten. 
Die Mennoniten wohnen vorzugsweise 
in den Niederungen und Werdern. Sie 
unterscheiden sich im Werder in grobe 
und feine. S. Hartwich, 276 flf. Vgl. 
Kldrken. Rtk wt e Monist. Dat geit 
so sacht, as wenn de Monist ön de 
Dragkip fakrt^ wenn eine Sache luig- 
samen und unmerklichen Fortgang hat. 
Mockrau. Wo de Queckstert kann stane^ 
kann de Menist wäne. Sprw. I, 3109. 
2608. 

mank, mankander, präp. u. ad^., s. 
mang. 

Mänkekapp, Pflzn., Männchen-, viel- 
leicht auch Mönchenkappe, Sturmhnt, 
Eisenhut, Aconitum Toum. Weichsel- 
delta. Treichel, Volksth. III. 

mankig, adj.^ nebelig, trübe, bewölkt. 
Mühling. 

man krads, adv.y s. man Ichts. 

Mann, m. 1. vir. Hur. Manns, Män- 
ner, besonders Landarbeiter, Instleute. 
Sind die Manns schon alle daf Aue 
Manns siUle op't Fold! Den Mann», 
gewöhnlich verheiratet, steht entgegen 



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Manna — Mantelgeld. 



49 



das Welbercolk. S. Sperber, 21. Vgl. 
Knecht^ Jung^ Margell. 2. m, jüd. Vom. 
Flatow. Schmitt, 112. 

Manna, n. 1. flutende Schwaden, 
Glyceria fluitans R. Br, Hagen, 91. 
2. Schwadengrutze. Poln. u. Ut. eben- 
falls manna. Nach Bock, Nat. I, 262, 
wird aus dem preiifzischen Manna „ein 
sehr woiilschmeckendes Backwerk" be- 
reitet Manna als Handelsartikel: 
Bock, a. a. 0., 580. S. auch Bock, 
Nat ni, 282. Hennig, 154. 

Männchen, Männchen, pltd. Mannke, n. 
1. Dem. von Mann, 2. possierliche 
Gebärde. Er macht allerhand Mann- 
chen^ auch Männchens^ er macht selt- 
same Bewegungen mit dem Kopf und 
denH&nden. Der Hase macht ein Mann- 
cheny wenn er sich aufrichtet. Hen- 
nig, 154. 

Nttnning, m,^ der verschnittene Kater. 

Manns, plur.^ s. Mann. 

Mannsarbeit, /. 1. Arbeit, die dem 
Manne z\x\Lommi.2. Mannsarbeit machen^ 
Männerkleider anfertigen, daher Manns- 
arbeiter, TT»., Schneider, der nur Männer- 
kleider arbeitet 

Mannsbild, m,y Mann./ Da/z es vor 
eine grofze Sünde daselbst geachtet werde^ 
so ein Manns-Büd einer Jungfrauen 
Gesichte sehen looUte, Carm, nupt IV, 
92c. Vgl. Weibsbild. 

mannsdoil, adj.^ männertolL 

Mannsieute, plur., s. Mannsvollc 

Mannstage, plur,, Arbeitstage der 
Männer, im Gegensatz zu den Frauen- 
tagen; es wird an ihnen ein höherer 
Lohn gezahlt MQhling. 

Mannstreu, Seemannstreu, Pflzn., Meer- 
strands - Männertreu , Eryngium mari- 
timum L. Auch Meerwurzel, Meerbrack- 
cBsiel Hagen, 301. Pritzel, 146. 

Mannsvoilc, auch Mannsleute, pltd. 
Mannslü'dy sing. u. plur., mnd. man- 



volk^ Mannsleute, Männer, im Gegen-: 
satz zu Weibervolk^ pltd. Wtwervolkj 
Fruenslüedy Frauen. Mehr Glocken lau- 
teten jetzt, und das Mannsvolk ging zur 
Kirche hinab, Soph. R. IV, 451. Wenn 
twe Mannsvolk (Mannslüed) tosamTne 
danzCy dat sit ut, als wenn söck twe 
Bare ränge. In Pommern u. Mecklbg.- 
Vorpommern: Mannsminsch; Manns- 
lüde u. Mannsvolk nur im Plur. D ä h n., 
298a. Mi, 53. 

Mansch, m.. Mansche, /., s. manschen. 

manschen, sw, 1. mit den Händen 
in einer Flüssigkeit spielend röhren; sie 
durcheinander rühren. 2. mengen, mi- 
schen. Ebenso in Bayern: durchein- 
ander mengen, besonders flüssige Spei- 
sen; schlecht kochen, also s. v. a. un- 
ser matschen — daher auch manischen^ 
mauntschen. Schmeller II, 600. Da- 
von: Mansch, m.. Mansche, Manscherei, 
/., das Durcheinandergerührte von Spei- 
sen, Getränken, Flüssigkeiten. Von 
Manscherei im Essen wufzte man nichts, 
denn man wufzte ja nichts von frarir- 
zosischen CHßmischem. Soph. R. I, 
391 f. Gordack erklärt manschen: mit 
vollen Backen kauen, so dafz ein schnal- 
zender Ton entsteht (vgl. schmatzen). 
Nach Treichel, Mansch u. Mansche 
auch flüssiger Straizenschmutz. S. 
Matsch u. MotL 

Manschette, /. Er hat Manschetten, 
— das Manschettenfieber^ er hat Furcht. 

Mantel, m., spanischer, Strafinstrument 
früherer Zeit. „Ein starkes rundes Ge- 
fafz von Eichenholz, unten ganz offen, 
oben aber mit einem engen Loch, so 
dafz man den Kopf durchstecken kann. 
Es wird dieses Gefafz zur Strafe je- 
mandem wie ein Mantel angelegt, und 
mui'z er solchen durch einige Strafzen 
hindurch tragen.** Hennig, 155. 

Mantelgeld, n., noch zu Hennigs 
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mantechen — Märchen. 



Zeit das Geld, ,,wa8 einem Kandidaten, 
wenn er zum Predigtamt kommt, von 
der Kirche, wohin er berufen wird, 
zur nothdurftigen Kleidung ausgezahlt 
wird**. Es betrug gewöhnlich 33 Thb. 
30 Gr. Hennig, 155. 

manischen, sw., s. matschen. 

Manze, /., Fischemetz, s. Herings- 
manze. 

Mftr, Mart (a = a), m. u. /., Alp, Dä- 
mon, incubus. Es giebt Menschen-, 
Pferde- u. Vogelmäre. Der Mar plagt die 
Geschöpfe, indem er sie nachts drückt, 
und so das sogen. Mär- oder Alp- 
drücken verursacht, daher auch Nacht- 
mir. Em drockt de MäH. Werder. 
Elbinger Ndrg. Wenn einen der Mär 
druckt, so sage man: „Komm' morgen 
zum Frühstuck und bring' dir einen 
Löffel mit!*^ Wer dann am Morgen 
zuerst ins Zimmer tritt, ist der Mar. 
Man kann ein Kind zum Mar machen, 
wenn man als Taufzeuge, während der 
Geistliche den Taufnamen des Kindes 
verkündet, leise Mar sagt. Masuren. 
Gordack. In Bremen mocr^ nagt- 
moor^ mnd. Twar, ags. u. schwed. war«, 
engl nigkfrmare^ holl. nagt-^marrie, frz. 
cauchemar. Brem. Wb. III, 184. Im 
Götting. Tndrte^ nachtmarte, Schamb., 
131a, in Pommern nagtmare. Dähn., 
322b. Hennig, 152. Hexspr., 71. 

mär, mä, mttr (Vokale lang), ac^. u. 
iwfo., mürbe, weich, morsch, locker. 
Das Fleisch ist mär, es ist weich ge- 
kocht. Das Eis ist mär^ es ist mürbe, 
bricht leicht. Der Kuchen ist märy er 
ist locker gebacken. Ich werde ihn 
dbch endlich mar kriegen^ ihn mürbe 
machen, nachgiebig stimmen. Ahd. 
maro^ mara/wi^ mhd. mar; angs. maerwa^ 
mearUy mearwa^ franz. meur, holl. 
morw, murw; bei Jeroschin mwrwe: 
hl von d6 der Memlen is was murwe 



unde dunne^ 138a. Pfeiffer, 198; in 
Bayern mar^ maf\ marw. Schmeller 
II, 608, in Bremen mm (aber auch, 
wie holl, mofe). Brem. W. IQ, 186. 
121. In Göttingen mJor. Schamb., 138a. 
Hennig, 152. 

Mara, /., dummer, unbeholfener, zag- 
hafter Mensch, unentschieden wie die 
„weifze Salbe**. Sperber, 38. 

marachen, sfw,^ angestrengt arbeiten, 
sich abquälen, durch harte Arbeit ent- 
kräften. In der Altpr. M. VIII, 366: 
marachden. Stamm ist das alts. und 
ahd. marg^ marag^ marc Mark. Hen- 
nig, 156, und das Brem. Wb. lU, 129, 
leiten es von marahj mar ach Pferd ab; 
es bedeutete dann: durch schwere Ar- 
beit, Pferdearbeit, ermüden. In Ham- 
burg und Bremen maracken, im Hol- 
steinschen marachen, ebenso in Pom- 
mern, Posen etc. S. Brem. Wb. HI, 
129. Schütze, III, 80. Dähn., 298a. 
Bernd, 2. Danneil, 132. Hupel, 
150. Sali mann, 48a. Hennig, 156. 
In Zusammensetzungen: abmarachen: 
ich bin ganz abgemaracht^ entkräftet 
zermarachen, sich, sich bis zur Auf- 
lösung abquälen. Wie abmarachen auch: 
abmergeln. 

Marakel, n., Mirakel. On wtM sock 
ansehri dxU grote Marakel, Volksl , 38, 
25 H, 1. 

Marast, m.^ Morast. Davon marastig, 
adj. 

Maraun, m., Pflzn., Mutterkraut, Py- 
reihrum parthenium Sm. Auch Mar- 
tern, Mertem, Mettram. Hagen, 892. 

Märbraten, m., s. Märchen. 

Märchen, n., Märbraten, 7/1., Lenden- 
braten, mehr noch das zarte Fleisch, 
welches unter den Nieren am Rück- 
grate der Rinder und Schweine sitzt; 
daher Rindermärchen, Schweinemarchen. 
In Bremen, im Holsteinischen und in 



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Marcht — Marginne. 



51 



Pommern Morbrade. Von mar mürbe. 
Das Märchen wird aach Häschen Häs- 
chen genannt. Brem. Wb. III, 187. 
Schützern, 111. Dähn.,311a. Hen- 
nig, 152. 

Marcht, Mftrcht, m., Markt, Markt- 
platz und Marktverkehr. Der Marcht- 
\b%j Tag an dem der Markt abgehalten 
wird, ist in kleinen Städten ein halber 
Feiertag. 

Marczeczank, m,^ Pflzn., Feldkümmel, 
Thymus serpyUum L. Mühling. Von 
dem poln. macierzanka. Hagen, 633. 
mAren, sw, 1. wühlen, herumkramen 
and dabei das Geordnete in Unordnung 
bringen. Sie mdrt in der Kommod- 
schiAlade herum. Sei heft dat alles 
vermärt on vei^mdsert, 2. sich unruhig 
bewegen, zwecklos umherirren; nament- 
lich von Kindern. Wat märt dei doch 
Smmer herom, 3. Nach Mü.hling auch 
unermüdlich in der Wirtschaft arbeiten 
und schafiPen. Der Stamm ist Mär. 
MaretiW, /., s. MftrzHze. 
Margell, auch, jedoch seltener Mer- 
geil, /., plur. MargelleSy Margeüen(s). 
1. Mädchen; meistens in geringschätzi- 
gem Sinne von dienenden Mädchen, 
aber auch in zutraulichem und herz- 
lichem von Kindern als Deminutiv. 
Das Jungfervolk ^ die man Margellen 
nennetj haben statt der Hauben schlichte 
SammetimgeL Pierson, Matth. Prätor., 
113. Gvtts Schlang! §s dat en Margell- 
ken^ dat Annken. Dorr, 1. Wiew., 29. 
Es ist eine tüchtige Ma/rgeU — eine 
trautste — eine hübsche Ma/rgeU! Mein 
einiges Margeüchen! Von dem lit. mer- 
gile^ Dem. von merga Jungfrau; im 
al^)reuiz. merga^ tw^^o Jungfrau (Vocab. 
192), mergü^ (Katedi.), mergus (Grü- 
nau) Magd. Nsslm., Forsch. 2; Th. 
101. 103. Pierson, A. W., 25. Sind 
die Margellen ländliche Dienstbotinnen, 



so stehen sie im Gegensatz zu den 
Knechten und Jungen. De Knechts on 
de Mergelles mäkte sock äwer den Späfz^ 
utgekammde Här önH Ftr to schmite. 
Samland. Firmenich I, 104a. In 
Zusammensetzungen : DIenstmargell, 

Dienstmädchen, Kindermargell, Kinder- 
mädchen, Milchmargell, Mädchen, das 
Milch zum Verkauf herumträgt In 
Posen MargeUe schimpfende, spottende 
Efenennung eines alten Weibes. Bernd, 
168. 2. nach Bock, 33, u. Hennig, 
155, in Brauhäusern „das Hölzchen, 
auf welches man das Licht zu stecken 
pflegt, vielleicht, weil es die Dienste der 
Magd verrichtet, die sonst das Licht 
halten mülzte." 

Margen, Marjen, in Zusammensetzun- 
gen = Marien^ daher die unten ge- 
nannten Pflanzennamen im Yolksmunde : 
Margenblume j -gras^ -nessel^ -röslein^ 
'Schuhchen^ -spark. In Bayern Margen^ 
Mergen. SchmellerU, 615. 

Margenblatt, n., Marienblatt, Morgen- 
blatt, Tanacetmn balsamita L. 

Margenburg, Ortsn., Marienburg. Bim- 
der^ sist (siehst) de Margeborg nichf 
Sprw. I, 3465. 

Margendreher, Pflzn., Nestwurz, Neot- 
tia {Epipactis) nidus avis L. Hagen, 
926. 

Margengras, Mariengras, n., wohl- 
riechendes Honiggras, Holcus borealis 
(pdoratus) L. Hagen, 1061. 

Marginne, /., ein National-Kleidungs- 
stück der Litauerinnen. Es besteht aus 
einem rotgestreiften wollenen Gewände, 
welches von der linken Schulter bis zu 
den FüTzen herabhängt und an den 
Hüften von einem Gürtel zusammen- 
gehalten wird, während der rechte Arm 
frei bleibt Von dem lit margas bunt, 
buntgestreift Nsslm.Wb.,383b. Liebe 
Tochter y Simonene^ Worin wirst du ihn 

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Margritsch — Marmel. 



(den Knaben) einhüllen? Mutter^ Mut- 
ter y meine Ehre^ In den Flügel der Mar- 
ginne. Rhesa, Dainos, 243. Vgl. 
auch das. S. 322. Marginne dient 
auch zur Bezeichnung des bunten Wei- 
berrockes überhaupt. MeleteUe der Far- 
bengott über die Farbenkräuter^ damit 
sie ihre Marginnen^ d, i, ihre Kittel 
färben, Pierson, Matth. Prätor., 32. 
Die eigentliche Marginne kommt immer 
mehr aus dem Gebrauch. Hennig, 
155. 

Margrttsch, m., s. Magrttsch. 

Marie, krause, Pflzn., gemeiner Sinau, 
AlchemiUa vulgaris L. Saalfeld. 

Marieige, /., Margellchen, Name eines 
alten Tilsiter Bieres. Vgl. Bier. 

Marienblume, /., ausdauernde Mafz- 
liebe, Bellis perennis L. Hagen, 888. 

Mariengras, n., s. Margengras. 

Mariennessel, /., gemeines Eatzen- 
kraut, Nepeta cataria L. Bock^ Nat. 
m, 442. Hagen, 601. 

Marienrttslein, -chen, n., gemeine Licht- 
nelke, Lychnis dioica L. Hagen, 
485. 

Marienschuh, m., -chen, n., gemeiner 
Frauenschuh, Cypripedium calceolus L. 
Hagen, 933. 

Marienspark, n., Pflzn., Feldspark, 
Spergula arvensis L. Hagen, 492. 
Pritzel, 385. 

Marjen, Gen. von Maria, s. Margen. 

Markenthor, n., das Marktthor, der 
Uhrturm in Elbing. Schemionek, 
24. 

Mftrklatt, Märiclatte, /., Weichselzopf, 
plica Polonica. Zusammensetzung aus 
Klatte und Mary also das von dem Mar 
verwirrte Haar. Vgl. Mftrzopf. Nach 
Treichel, Volksth., auch Pflanzen- 
name. 

Markopeczei, Markopeten, plu/r., Nacht- 
gesponster. Hennig, 156, leitet es 



her von dem wend. mrok Abenddäm- 
merung und pece Geschäftigkeit; das 
Wort bezeichnet also Wesen, „die des 
Abends zu wandern anfangen und ge- 
gen Morgen wieder in ihre Wohnung 
zurückkehren." Bock, Nat. I, 111: 
Martopeten, Martoputen, kleine Erd- 
menschen. Vgl. Untererdschken. 

Marks, m. 1. Mark; Gehirn. 2. Bild- 
lich: Verstand; Kraft. Er hat Marks 
im Kopf, er ist ein verständiger Mensch. 
Ei* hat Marks in den Knochen, er ist 
ein stai*ker, kräftiger Mann. 3. Pflzn., 
kriechender Hahnenfuiz, Ranuncuius 
repens L. Weichseldelta. Vielleicht, 
weil der Genufz der Pflanze beim Vieh 
Marky Kraft, erzeugt, oder weil sie im 
Futter das Mark ist. Treichel, 
Volksth. ni. 4. Kürzung des m. Vom. 
Markus. Hartwich, 54: Marx. 

Markt, /. 1. Marke, Zeichen. Geben 
Sie mir sechs Markten. Ebenso schwäb.- 
augsb. Birlinger, 329a. 

Marktgroschen, m., beschönigende Be- 
nennung für das von Dienstmädchen 
bei Einkäufen auf dem Markte unter- 
schlagene Geld. Sie hat sich einen 
schönen Marktgroschen gemacht. Dzg. 
Klein n, 7. Auch Knipsgroschen. 

marktsgang, odf;., mittelmäf'zig, ziem- 
lich. Mühling. Zusammensetzung aus 
Markt und gehen, also wohl von Gegen- 
ständen, die auf dem Markte als Durch- 
schnittsware noch Abgang finden. 

Mariein, Mariing, Meriein, pltd. Maritn, 
m,y starke hänfene Schuur zum Binden, 
starker Bindfaden. Mnd. marlink^ hoU. 
mariing, in Bremen Mariinen, MarreU 
linen. Brem. Wb. IH, 133. Hennig, 
156. Vgl. SchnUriing. 

Marmel, Murmel, m. u. /., kleine runde 
Schnellkugel, als Kinderspielzeug, ur- 
sprünglich Schusser. Der Stamm ist 
Marmor. Vgl. Weigand H, 28 f. 



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Marmoos — Mdrzaum. 



53 



Marmoos^ n., Bärlapp, s. Morzeböb. 

marmdlsch, murmdl8ch,murmüli8ch, adj,^ 
unfreundlich, verdriei'zlich. Lit. mur- 
rneti brummen, murmulys mürrischer 
Mensch, Brummbart. Bock, 34. Hen- 
nig, 156. Nsslm., Wb., 411a. Pier- 
son, A. W., 27. 

Maropeten, -pQten, plur., s. Markopeczei 
u. Untererdschken. 

Mftrsch, pltd. Marsch u. Menchy wi., 
Arsch, Podex. Ebenso Ndrsch (s. d.). 

MarschraL „Dieses Wort kommt vor 
in der Begnadigungsschrift, welche [den 
Preufzen Anno 1410 von dem Könige 
in Pohlen angeboten worden, wo es § 4 
heilzt: „Die Schazzung Marschrat ver- 
bieten wir ganz und kein gut Mann 
soll das mehr fordern noch geben zu 
ewigen Zeiten.* Der bekannte Preul'zi- 
sche Schriftsteller Grunow macht da- 
bei folgende Anmerkung: Marschrat 
war eine Geldgebung von jeglichem 
Uberhandel, als liel'z sich ein Burger 
einschreiben in die Zech der Schuster 
und wollte gleichwohl mit zulegen im 
Kauftnannshandel y so mulle er ein 
Jahr geben 50 Mark der Stadt. Allein 
Hesius in seiner lateinischen Anfuhrung 
dieser Stelle nennt es porcarium^ auf 
deutsch Schwein- oder Saugeld. In 
dem Hauptvergleiche der Preui'zen mit 
den Pohlen vom Jahre 1454 wird da- 
her auch dieses Geldes in folgenden 
Worten gedacht: item in terra Ponie- 
ranicte exactionem^ quae porcm^ alias 
Narzafzj veteri institutione ducum Po- 
hniae vocabatur^ regia munificentia toi- 
limus. Ebenso heiil es auch in einer 
alten Urkunde vom Jahr 1175 in Ma, 
Rangonis Originibus Pömeranids S. 155, 
da die Geistlichen zu Camin freige- 
sprochen werden ab omni exactione^ 
insuper Naraz etc. Eben daher scheint 
auch die Leseart: Das Ungeld Nar- 



zafz, welche in einer alten Abschrift 
gefunden worden, die ächte zu sein, 
woraus andre Abschreiber Marschrat 
gemacht haben. Siehe Pr. Sammlun- 
gen, S. 244 u. 752.« Hennig, 156 f. 

Martche, w. Vom., Dem. von Martha, 
verstummelt aus Marthachen. 

Martern, m., Pflzn., s. Maraun. 

martig, adj.^ faul. Du bösi so mao^^tig, 
Elbing. Dzg. Nhg. Viol^t, 102. 

Martin, m. Vom., aus Mars (Pott, 
45); Tag des h. Martinus, 11. Novem- 
ber. Der Martinstag ist der Tag des 
Dienstwechsels für das ländliche Ge- 
sinde. 

Martlnspungel, n., Pungel, Bündel, das 
das Gesinde amMartinstage beim Dienst- 
wechsel schnürt. Nimm dein Martins- 
pungel und geh zum Geiei*! Da geht 
er (der Knecht) mit seinem Martins- 
pungel, mit dem Bündel, das sein Hab 
und Gut enthält. 

Martzsche, /., Braut, doch mehr noch 
die Neuvermählte im Hause der Schwie- 
gereltern, die Schwiegertochter, die 
Schwägerin. Hennig, 157, schreibt 
Marzsche, Von dem gleichbed. lit. marti, 
Nsslm. Wb., 384b. 

Maruschken, Maruschke, w. Vorn. 1. 
Mariechen, poln. Marysza. Marie^ Marie^ 
Maruschkaka! Volksr., 40, 152. 2. 
nach Klein n, 8, Maruschke in Dzg. 
Bezeichnung für die polnischen Weiber, 
welche kommen, um den Bauern in der 
Ernte zu helfen. In Westpreufz. auch 
Maruske. 

Marx, m. Vom., s. Marks. 

Mftrzaum, pltd. Mftrtöm, m., Zaum der 
Mar, Die Mar drückt auch die Pferde 
und flicht dabei aus den Haaren der 
Mähne eine Art Zöpfe, welche man 
Mdrzäume nennt. Die Haare sind der- 
art durcheinander gezogen und ver- 
wirrt, dafz man sie nicht auseinander 



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54 



Märzblume — Masseln. 



zu lösen vermag und den ganzen Mar- 
zäum wegschneiden mufz. Samland. 

Märzblume, /. 1. Leberblume, Hepa- 
tka triloba GUI. 2. gelbe Osterblume, 
Anemone ranunculoides L. Mühling. 
S. Aprilblume. 

Marzene, /., nach Simon Grünau, 
Tract. I, cap. III, eine in Preufzen vor- 
kommende Fischart; vielleicht Marane? 
Benecke, 285. 

Märzhase, m., Hase, der im März ge- 
boren ist. Er üt verrückt icie ein März- 
hase. Hei ös e Märzhäske^ ein schwäch- 
licher, kränklicher Mensch. Vgl. Herbst- 
kelchel. 

Marzipanblume, /., fleischige Porzellan- 
blume, Hot/a camosa R, Br.^ wegen 
des sülzen Tropfens in der Blüte. 
Weichseldelta. Treichel, Volkth. III. 
MftrzHze, pltd. MftretStt, /., Brustwarze 
der Jl/or, der Donnerkeil, Teufelsfinger, 
ein bekannter Belemnit. Die Litauer 
nennen ihn Laumis pdpas Brustwarze 
der Laume (Mär). N. Pr. Prov.-Bl. II, 
380. 

Märzkater, t^., Kater, im März ge- 
worfen. I}r ist verliebt wie ein März- 
kater. Sprw. I, 3905. 

Marzopf, Marezopf, pltd. Märzopp, m., 
Weichselzopf, poln. koitun. Auch Mar- 
flechte, Mdrklatte, Mahrlocke (Hupel, 
148), Mahrflocke (Sallmann, 37a). 
Vgl. Ad elu n g III, 35. Es schlich sich in 
meine Familie die Weicliselzopfkrankheit 
— Mahrezopf ^ kottun — ein. Aus dem 
Briefe eines Lehrers im Kreise Alien- 
stein. Marzopf ist die Verfilzung des 
Menschenhaares und wird hier, ebenso 
wie die unlösliche Verwirrung des 
Pferdehaares beim Märzaum der Mär 
zugeschrieben; doch auch der Märzaum 
hieihi Märzopf . Gordack teilt folgen- 
des Heilmittel mit: Nimm zwei Steine 
von dem Rasenstück, welches durch* die 



Kreuzung der Wege in der Mitte 
bleibt (?), lege einen Stein unter den 
Zopf und mit dem andern klopfe auf 
den Zopf, bis er abfallt Masuren. 
Märzschaf, n., s. Merzschaf. 
Marzsche, /., s. Martzsche. 
Märzschein, pltd. MarzschTn, m., klarer 
Sonnenschein von Mitte Februar an. 
Dönh. 

Maschlaber, Pflzn., sprossender Bär- 
lapp, Lycopodium annotinum L, Hen- 
nig, 158. Hagen, 1086. 

maserig, adj, 1. von Maser ^ fleckig, 
wolkig im Holze. 2. fleckig, finnig im 
Gesichte. 3. in Westpr. kränklich, ver- 
kommenjämmerlich aussehend,sch wäch- 
lich, angegriffen. On das jüngste^ das 
Mächen, wo7*d ganz masrig vor Betritt- 
heit Schaltj. 1, 441. Mühling. Sche- 
mionek, 24. 

Maskopie, Maschkopie, /., Maskopei, 
Gesellschaft, Handelsverbindung, welche 
gemeinsam Gewinn wie Verlust des 
Unternehmens teilt. Schwed. matsköpi, 
hoU. maatschappye^ mnd. mätschop^ ma- 
schop^ (matschopie)^ maschupie^ maskopeiy 
in Bremen Maatskuppijcy MaskuppijCy 
in Pommern Maschopij^ bei Frisch I, 
647b, Maschopey. Mnd. Wb. IH, 45 f. 
Brem. Wb. HI, 136. Dähn., 300b. 
Es stammt also von Mät^ Geselle, Ge- 
nosse und Mätschaft^ Gesellschaft, Ge- 
meinschaft. Maschkopl os Schtteriy ist 
nicht viel wert Sprw. I, 2552. Hen- 
nig, 158. 

Masse, /., langer Stab in Gestalt 
einer Schaufel, um damit beim Billard- 
spiel den Ball fortzustofzen. Lassen 
Sie uns Billard spielen, mit der Masse 
kann ich noch ohn Unbequemlichkeit 
spielen. Soph. R. IV, 373. Hier ward 
sie so vmihend, dafz sie die Masse gegen 
ihn aufhob. A. a. 0. 

Masseln, plur.^ Masern, Einderkrank- 



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Massüfzel — Matkrillis. 



55 



heit mit Ausschlag und roten Flecken. 
Hennig, 158. 331. Das Kind hat ge- 
packt und gemasselt^ die Einderkrauk- 
beiten überstanden. Scbemionek, 24. 
Abd. mdsdy mhd. mase, /., Wundmaul, 
Narbe, entstellender Flecken, mnd. mase; 
engl, measles Masern, Finnen, scbwed. 
jnassel Kratze, Mäsling Blattern; in 
Bremen Masel, MaasseU mnd. masele^ 
massele, rrmselen, massein, Adelung 
m, 93. Brem. Wb. IH, 135. Mnd. 
Wb. in, 41. 

MassUfzel^Pflzn., gemeine Kugelblume, 
OlobtUaria vtügaris L. Hagen, 148. 

Mast, /., Eicheln, als Schweinefutter. 
Es gäbe dies Jahr keine Mast (d. h. 
doch^ une Sie wissen: keine Eicheln für 
die Schweine). Soph. R. VI, 230. 

Mastelle, /., schlanker Baum als Trä- 
ger des Baugerüstes, Fahnenstange. 

Mastschabander, m., Mastochse. Dan- 
zig. Mühling. 

MafZy n, 1. Zu Mafz kommen, zu rech- 
ter Zeit kommen. Wer langsam gekt^ 
kommt auch zu Mafz, Zum Essen zu 
Ma/z kommen^ in fremder Haushaltung 
erscheinen, wenn gegessen wird; man 
sagt dann scherzweise: Da komm ich 
zu Ma/z. Der ist cmch zu Ma/z ge- 
kommen (als die Nasen ausgeteilt wur- 
den), sagt man von dem, der eine grofze 
Nase hat Wer unbeabsichtigt in eine 
Schlägerei gerät, kommt eben zu Ma/z. 
Ee kommt so to Mdt vne jenne txfm Vir 
8Üpe. Sprw. I, 2556. Wer zu einem 
Termin, einer Andacht etc. zu spät 
kommt, kommt nicht mehr zu Ma/z. 2. 
Mit Malzen trinken, mäfzig trinken; aber 
auch scherzweise: viel trinken, indem 
darauf hingewiesen wird, dafz der 
Trunkenbold mit (d. i. aus) Ma/zen 
trinkt. Hennig, 158. 3. Das Mafz ver- 
lieren. Krankheit. Unter Ma/z wird 
hier die Übereinstimmung der Dimen- 



sion von Fingerspitze zu Fingerspitze 
bei gerade ausgebreiteten Armenjmit 
der Länge des Körpers vom Scheitel 
bis zur Sohle, oder von der linken 
Schulter zum rechten Fufz, mit der von 
der rechten Schulter zum linken Fufz 
verstanden. Bei Krankheiten, welche 
man nicht sofort erkennen kann, heifzt's: 
Er hat gewi/z das Ma/z verloren^ imd 
beginnen sofort die Messungen. Ver- 
lust des Mafzes deutet auf Verlust des 
Lebens. Das verlorene Malz, oft durch 
„Verbrechen" beim Heben schwerer 
Lasten erzeugt, kann wiederhergestellt 
werden durch das sogenannte Ziehen 
oder durch Verbrennen des Mafzunter- 
schiedes unter gewissen Spruchformeln. . 
Vgl. Hexspr., 78. Sprw.1,2555. Hintz, 
118. Bock, Nat. I, 278. — Der Schnei- 
der hal^sr Ma/z verloren, wenn er ein 
Kleidungsstück zu weit oder zu enge 
gefertigt hat. 4. kulmisches Mafz^ s. 
kulmisch. 

Maty m., Geselle, Genosse, Gehilfe 
bei einer Arbeit, Kamerad. HoU. maat^ 
engl. mate. Davon das Dem. Mdtke, 
nach Bock, 34, holländischer Schiffer. 

Mat, /., Metze, als Mafz. E Mat 
Grupj eine Metze Graupe. Samland. 

Mater, Materkraut, Pflzn., Mutterkraut, 
Matricaria parthenium L. Mühling. 
Treichel, Volksth. IIL 

Materialsalbe, Med., Merkurialsalbe, 
Läusesalbe, Unguentum mercuriale di- 
lutum. Ungt, pedicuiorum. 

Materie, /., Eiter in Geschwüren und 
Wunden. 

Matgetreid, Metzgetreide, rein pltd. 
Matgeträgd (ä lang), n.y Koggen und 
Gerste durcheinander gemengt; von den 
Metzen, welche der Müller von dem 
Getreide der Mahlgäste nehmen darf. 
Samland. 

Matkrillis, m., Wassertreter, Wasser- 



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56 



Matsch — Matz. 



läufer, Totanus Bechst, Nsslm. Th., 
219. 

Matsch, Matsche, m, u. /. 1. durch 
Zerquetschung oder Fäulnis entstande- 
ner dickflüssiger Brei. Die Birnen 
sind eine Matsch, Einen zu Matsch hatten. 
2. breiig gewordener Strafzenkot. Das 
ist ein rechtei* Matsch. Vgl. MotL 3. 
die durch Gehen und Fahren zer- 
quetschte wässrige Schnee- u. Schmutz- 
masse. Man nennt sie gewöhnlicher 
Patsch; Quatsch, m. Ebenso in der Alt- 
niark. Danneil, 133a. 

Matsch, m. Matsch maclien, im Kar- 
tenspiel sämtliche Stiche machen. 

Mfttschaft, /., Gesellschaft, Gemein- 
• Schaft im Handel, Maskopie. Von MdL 
Dafei'n nach Verfliefzung der Dienst- 
jähre ein Gesell bei seinem Broihenm 
länger bleiben und mit ihm in Matschaft 
ti'eten wollte^ stehet solches zu beider Ver- 
gleich, Wettordnung von 1715. Art. 
XVII. Hennig, 158. Auf Heia heilzt 
eine Genossenschaft der Fischer Mftt- 
schappie. Benecke, 425. 

matschen, sw, 1. durcheinander men- 
gen, mischen, manschen; besonders Ge- 
tränke. Bier^ Wein vdrd gematscht^ 
d. i. durch Zusätze von Wasser ge- 
fälscht. 2. im Wasser oder in einer 
andern Flüssigkeit, im Strafzenkot man- 
schen, wühlen; dieses aber auch pat- 
selten, Matsch nich ön e süre Komst, 
de Mutter heft em gekäkt^ lafz' die Sache 
auf sich beruhen. Sprw. I, 2559. Matsch 
nich^ ÖS Mos (Mus). Vgl. manschen. 3. 
sich nafz, schmutzig machen. Ich mu/z 
immer im Kot matsclien und patschen. 
In Zusammensetzungen: abmatschen, 
eine Speise übel zubereiten. Bildlich: 
eine Rede, einen Vortrag schlecht und 
unverständlich, obenhin halten, be- 
matschen, sclmiutzig, unsauber, nafz 
machen; auch reflexiv, zermatschen, 



zu Matsch machen, zerquetschen; zer- 
fetzen, verwunden, übel zurichten. Da^ 
Fleisch zermatschen. Der Verwundete 
war zermatscht. Für diese Bedeutung 
pafzt das holl. matsen matzeln, worauf 
H e n n i g rücksichtlich der Abstammung 
hinweist. Bock^ 34. Hennig, 4. 
159. 

matschig, adj, von Matsch. 1. halb 
flüssig, breiig, zergangen, kotig. Die 
Ütrafzen sind matschig, 2. regneiisch, 
feucht^ nafzkalt. Das ist ein tnatschiges 
Wetter. Ebenso patschig. 

Matschkedeiser , ( ? ) , Heuschrecke. 
Mühling. 

Matte, /., Decke, gewöhnlich aus Fa- 
denbast geflochten, daher meist Bast- 
matte^ Bastematte. In Danzig heifzt 
eine StraCze Mattenbuden ^ weil man 
hier früher die Matten, mit welchen 
das aus Polen gekommene Getreide be- 
deckt war, oder die hier von Matten- 
bindem eigens angefertigt wurden, zu 
verkaufen pflegte Lösch in, Danzig, 
43. 

Matterwendel, m., auch Natterwendel, 
Wendehals, Jynoj torquilla. Mühling. 
Vgl Drehhals. 

Matth6s, m. Vom., Matthäus u. Mat- 
thias. Vom Aposteltage Matthäus 
(24. Februar) heilzt es: Matthes Bricht 
Es^ Hat er ke*s^ Macht e Es. Hennig, 
159. Sprw. L 2558. Im Werder: Mat- 
thies Brecht fs, Fingt he keens^ Meckt 
he eens. Böbel, Haus- und Feld- 
weisheit etc., 14. Je zum schweren 
MattJiys^ rief er, hier ist was zu Fabeln! 
Soph. R. m, 221. 

Matz, 1. m. Vorn., Matthäus, Mat- 
thias. 2. einfältiger Mensch, Mensch, 
den man hänselt. Von dem mlat. mat- 
tus, ital. matto Narr. Er ist ein rechter 
Matz. Er ist Matz in aüen Gassen. 
Äs mienen Matz war §k ju emmer an- 



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Mau — maulen. 



57 



sehnen. Dorr, 1. Wiew., 123. Ich 
wol Matz hei/zen^ loo dieses zu ent- 
decken jemand^ der sonsten Wei/zheit 
Eymer-weise von sich schwitzen kann^ 
sich unterstehen dörfe, Linem., D4a. 
In Zusammensetzungen: Hampel-j Plun- 
der ot atz. Vgl. Sprw. I, 2560. Anton, 
10, 6. Adelung III, 113. 3. Name 
und Lockruf füi* Schaf und Lamm; 
für letzteres mehr noch das Dem. Mätz- 
chen. Volksr., 64, 242d. 

Mail, Maue, plur. Mauen, Dem. Mau- 
chen^ pltd. Mauke und so in Königs- 
berg und Ostpreufzen überhaupt meist 
genannt. Kurzes Yorärmelchen zur 
Warmhaltung des Pulses und daher 
^ auch Pulswärmer, eine Art Manschette 
aus Wolle gestrickt, seltener von Pelz- 
werk. Die Mauchen werden bei Kälte 
über die Hand gestreift und umschliefzen 
wärmend die Handwurzel u. den vordem 
Teil des Unterarmes. In Westpreufzen 
MaUy Mauen, {Mäuschen ist mir dort 
nicht entg^engetreten) Ärmel, Hemd- 
ärmel; auch (Gegend von Marien werder) 
Magen, So reiten die Frauen Mit ihren 
weiten Mauen! Volksr., 36, 187. Jack 
fuxdd he ohne Mauen, Dorr, 63. Volks- 
lieder, 16, 8, 5. In Brem. Moue, in 
Hamburg Maue, mhd. mouve^ mnd. 
mauwe^ mowe^ mau?e Ärmel, besonders 
der weite Ärmel, hoU. mouw, mou Är- 
mel, Manschette, plmr. mouwtjes, woraus 
Mufe entstanden. Lit. ist mdujuy mduti 
streifen, aufstreifen, worin Nsslm, 
Forsch. 2; Th. 219, die Wurzel des 
ostpr. Mauchen vermutet. In Liv- und 
Estland Mav£^ wie unser Manchen^ ein 
Handmüffchen und ein Halbärmel oder 
Überärmel von feiner Leinwand, auch 
Haibfnaue genannt Hupel, 150. Bei 
Stein: maulschmiren ^ ermel ansetzen^ 
auf die mawen binden = Lügen auf- 
binden, Nasen drehen, betrügen. Pe- 



regrinus XH, 14. W. Mtsbl. V, 188. 
S. Hennig, 159. Frisch I, 649b. 
Grimm, Kleine SchriftenHI, 108. Eine 
zweite Bedeutung s. Puichmau. 

Mauchen, n., s. das vor. 

mauen, sw.^ miauen. 

Mauerblume, /, gewöhnlich im Dem. 
Mauerblümchen, Dame im Tanzsaal^ 
welche zum Tanze nicht aufgefordert 
wird u. die Mauer ziert Treichel, 

mauern, sw,, mit guten Karten passen. 

Mauersalat, m., Mauer- Lattich, Lac- 
tuca muralis Less. Hagen, 809. 

Mauerschirck, pltd. MQ'rschSrk, m., 
Holzwurm, der pickt und zirpt. Wer 
den Mauerschirk schreien hört, stirbt 
bald. Nach der Volksmeinung ist er 
der Tod selber. Saalfeld. Vgl. Schirk. 

Maul, pltd. MQI, n., Mund. Einem das 
Matd vei^gonnen^ ihn um etwas bitten. 
Vgl. Hund, Fettes^ blankes Mavl^ zu- 
nächst wörtlich, dann aber auch zur 
Bezeichnung eines Schmauses, Festes. 
Hide gofft et e blanket MüL Öck hadd 
noch nuscht gekrägCy ock mend doch 6k 
davon en fettet Mal to drdge. Carm, 
nupt I, 282, 13. Wt he sock frl en 
blanket Mül vml maken. Ibid., 298. 

Maulchekoser, m., maulchekosen, sw.^ 
s. maulkosen. 

mauldrang, pltd. mOldrang, adj.y maul- 
faul. Von einem, der sich drängen 
lälzt, das Maul zu gebrauchen. Müh- 
ling. 

maulen, pltd. mQle(n), sw.j das Maul 
aufsetzen, schmollen, mucken, verdrießs- 
lich sein Ungezogene Kinder^ denen 
das abgeschlagen wird^ was gesittete be- 
kommen^ und die jetzt matden und ihre 
glücklichem Brüder lächerlich machen. 
Soph. R. I, 37 f. Und ich unleidliche 
Creatur — prügeln möchte ich mich! — 
ich maulte. Ibid., 163. Elent geew dem 
andre na^ muhlt jo keinmahl tohop. 



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58 



Maulgesperr — Mauseschwänzchen. 



Carm.nuptY,264:C. Bock, 34. Hen- 
nig, 159. Sperber, 21, hat matden 
in der Bedeutung: das Maul gebrau- 
chen, widersprechen. Wortspielend sagt 
man in Königsberg von einem schmol- 
lenden Kinde: Es ist nach Maulen ge- 
fahren. Maulen, Dorf bei Königs- 
berg. Sprw. I, 2580. 

Maulgesperr, pltd. MQlgesparr, n., Auf- 
sehen, Aufheben. Das macht ein zu 
gro/zes Maulgesperr, Mach nicht solch 
ein Maulgesperr von der Geschichte! Aus 
Maul und sperren gebildet; Neugierige 
pflegen den Mund aufzusperren. 

maulkosen, maulchekosen, pltd. mOlke- 
kösen, sw,^ zu Maul, zu Munde reden, 
schmeicheln. YgLkösen. Ein Schmeich- 
ler heil'zt Maulkoser, Maulchekoser, pltd. 
MQIkeköser. Hennig, 159. 

maullos, pltd. mOllos, adj., abgemattet, 
entkräftet, namentlich von Pferden, 
wenn die Zügelführung wirkimgslos 
wird, sodann von Tieren überhaupt. 
Friedland Ostpr. 

Maulschelle, /., Gebäck aus Weizen- 
mehl, etwa 3 Finger breit und 6 Zoll 
lang, viereckig imd dickblätterig. 

Maultachtel, f.y Maulschelle, Ohrfeige. 
Davon das Verb. 

mauliachteln, pltd. mQltachfle(n), sw. 
Mutdtachtelt rechts y stömöckselt links 
(von der Ostsee ist die Rede), Dat ös 
denn doch e ander Dings. Reusch, 
Pltd. Ged., 21. 

Maulwerk, pltd. MQlwark, n. Sie hat 
ein gutes Maidwerk^ sie ist gewandt im 
Sprechen. In Pommern Mundtüg^ Mund- 
ledderj Mundwark. Dähn., 316 a. 

Maus, pltd. MOS, /. 1. Geschwulst an 
der Seite tragender Kühe in der Gröfze 
einer Maus^ die sich schnell hin und 
her bewegt. Kommt die Maus bis an 
den Hals, so mufz die Kuh sterben. 
Mittel: Man durchsteche die Maus mit 



einem Pfriem. Man ziehe dem kran- 
ken Stück Vieh schnell die Zunge aus 
dem Maul und beifze die Spitze ab. 
Dönh. 2. cunnuSy vtdva. Kleinen Kin- 
dern, welche sich das Rockchen auf- 
gedeckt haben, schlägt man dieses schnell 
zurück und ruft: De Mus, de Mus! 
Sprw. I, 2586. 3. Geschichten, Hän- 
del, Sorge, Kummer. (Sie) macht den 
Elteim so viel Mäuse^ da/z sie sie ins 
Kloster sperren. Soph. R. HI, 138. Vgl. 
Pogge. 

Maus, /., Mehlsuppe, s. MQs. 

Mausbraten, rn., in Sahne aufgebrate- 
ner Schinken. Mühling. 

Mausch, w.Vom., Kosename für Marie. 
Treichel. 

Mauschel, auch Mausche, m., Jude; 
von Mosche Moses. Vgl. Bernd, 172. 
Davon mauscheln, m. 1. jüdisch, oder 
so unverständlich und wortreich wie 
ein Jude reden. 2. handeln, schachern, 
mit dem NebenbegriflP der Unredlich- 
keit. Daraus Mauschelei, /., in beiden 
Bedeutungen, vermauscheln, verkaufen, 
verschachern. Mensch^ was willst du 
dann nun noch vermauschelnf Soph. R. 
I, 397. 

Mausefaller, m., Slovake, als Verfer- 
tiger der Mausefallen. Vgl. Lapitschke- 
schwenker. 

Mäuseholz, Pflzn., Nachtschatten, So- 
lanum. Treichel. 

mausen, pltd. mQse(n), sw. 1. Mäuse 
fangen. Die Katze Id/zt das Mausen 
nicht. 2. heimlich und mit List steh- 
len. Sie haben ihm alles gemaust Bei 
Jeroschin müsen: mit dem vuchse 
konde ermusen^ 112d. Pfeiffer, 198. 
ausmausen, auslesen, aussuchen. 

Mausepeter, m., Katze, namentlich je- 
doch Kater, der ein guter Mauser ist 

Mauseschwänzchen, n., Pflzn., s. Peri- 
blUmchen. 



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Mausezahn — Mehlbaum. 



59 



Mail$ezahn, pltd. MOstan, m.^ Milch- 
zahn. Die Kinder werfen den aus- 
gezogenen Zahn auf den Ofen und 
sprechen dabei : Nüske^ Mvske^ göf mt 
e tseme Tän^ öck gew dl e knäkeme! 
Volksr., 94, 397. 

mausig, pltd. mOsig, adj,, keck, grofz, 
stolz thun. Er macht sich mausig. Cu- 
pido kanns nicht leiden^ dafz dieser 
Kriegesgott sich hier so mausig macht 
Carm, nupt II, 277 b. 

Mauskopf, m., s. Klosterwenzel. 

mauskopfig, pltd. mOskäpsch, adj., die- 
bisch. Egsbg. Vgl. mausen. 

Mauzenkraut, n., stinkender Gänse- 
falz, Chenopodium olidum Gurt Ha- 
gen, 287. 

Mayen, plur.^ Krieger, welche im 
14. Jahrh. dem deutschen Orden von 
den Städten gestellt wurden. Ihre 
Hauptleute wurden aus dem vorneh- 
mem Bürgerstande gewählt. Müh* 
ling. 

Mayerke, /., Meine Mütze. Auf dem 
Haupt eine Mayerke (Mützchen) von 
Filz mit rauhen Fasern durchstochen, 
Pierson, Matth. Prätor., 112. 

Mazze, /., plur. Mazzen, Mazzes^ un- 
gesäuerter Osterkuchen der Juden; 
hebr. mazzo, Schmitt, 110. Sper- 
ber, 44. 

Mechtle, Mechtio, m., der Hintere, 
Podex; von dem hebr. w^cAiWb Höhle, 
Höhlung. Vgl. Machele. 

Meckerziege, /*., Pleonasmus für Ziege, 
weil sie meckert Treichel. 

medäl, adv.y gar nicht. Der Tag ist 
medal licht, er ist gar nicht hell, er 
ist trübe. Dönh. Mühling schreibt 
medcUl und erklärt: mein Lebtag, alles 
mit allem. 

Medaschke, Pflzn., Nachtviole, Hespe- 
ris matronalis L, Dönh. 

I, Pflzn., Windhalm, Apera 



Spica venti P. B. Treichel, Volksth.: 
Meddeln, wohl aus dem poln. mieüica, 
und daraus verplattet in Merdel. 

Medder, /. 1. Mutter. Im Oberlande 
Anrede Unverheirateter an verheiratete 
Frauen. Vgl. Moder und Vedder, Zur 
Medder werden^ zur Mutter werden, zu 
Falle kommen. Bock, 34. 2. Fru 
Medder^ /., Libelle. Sie heifzt auch 
verwünschte Jungfer. Die Kinder sin- 
gen sie an: Fru Medder, Seit ju 
nedder! Volksr., 60, 230. N. Pr. Prov.- 
Bl a. F. I, 69. Vgl. Feddernedder. 

Medenau, Ortsn., Kirchdorf im Kr. 
Fischhausen. Die Bewohner verspottet 
man mit dem Zuruf: Drink ut on göf 
noch ene! 

Meder, w., Mieder, Frauenjacke. So 
vermak öck gegen dt: . . . miner Modersch 
Meder. Volksl., 15, 7, 3. 

Median, m., der Milan, FoUo müvusf 
Vgl. Kohl. 

Medicinapotheke, /., s. Apotheke. 

Medritze, /., s. Metritze. 

Meerbrackdistel, /., s. Mannstreu. 

Meergans, /., als Ekelname u. Schimpf- 
wort bei Stein; ebenso Meerkatz. Pe- 
regrinus XII, 82. W. Mtsbl. V, 191. 

Meergrasblume, -nelke, /., gemeine 
Grasnelke, Armeria vulgaris WiUd. 
Auch Seegrasblume. Hagen, 346. 

Meermannstreu, /., s. Mannstreu. 

Meersalzkraut, n., krautartiges Glas- 
schmalz, Salicomia herbacea L. Ha- 
gen, 1. 

Meerschwein, n., Fischn. bei Hennen - 
berger, Anhang, 29. 

Meerwurzel, /., s. Mannstreu. 

m6gen, sw.^ söck^ s. mlihen. 

Megerkraut, n., s. Meierkraut. 

Mehlbaum, m., nach Hennig, 160, 
Hagedom, gemeiner Weilzdom, Mespi- 
lus oayacaniha Gärtn. Hagen, 515, hat 
noch Mehlbeere^ -dom, -platten. 



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60 



Meier — Melk» 



Meier, roter^ auch rote Mtre, Acker- 
gauchheil) AnagalUs arvensis L, Ha- 
gen, 221. Vgl MlPe. 

Meier, m. jüd. Vor- und Mannesn., 
der Leuchtende, hebr. Mdr. Flatow. 
Schmitt, 112. 

Meier-, Megerkraut, n., Pflzn., Wald- 
meister, Asperula odorata L. Hagen, 
156. Vgl. Meske. 

meiern, ßw.j anführen, übervorteilen, 
zum besten haben. Den haben sie gut 
gemeiert Sperber, 21. 

Meilech, m. jüd. Vom., von dem hebr. 
7?i^fecA König. Flatow. Schmitt, 112. 

Meinchen doch, Beteuerungsformel. Ei 
Meinchen doch! Sie sind doch nicht 
etwa der Prediger^ dem sie , . . das Körb- 
chen gegeben hat? Soph. R. IV, 266. 

meindag, rein hchd. meintage, pltd. 
mtnddgy doch stets verneinend: meindag 
nichts adverbial im Sinne von niemals, 
nimmer. Das geschieht meindag nicht, 
d. i. so lange meine Tage währen, 
mein Leben dauert. Sticht man sie 
(Vergleich ungen), so tatigen sie mein 
Tage nichts. Soph. R. I, 371. Predi- 
gen habe ich meintage nicht gewollt. 
Ibid. II, 482. Wenn ihr ein gut Ge- 
loissen habt^ tveint ihr fneintage nicht. 
Ibid. VI, 217. Rätsel: Ver Jungfre 
gripe sock on krtge sock mtndag nich. 
Die Wagenräder. Nach dissem Stocks- 
ken tߧll §k mi miendag nich mehr be- 
supen. Dorr, 1. Wiew., 11. 

meiner, meine, Fron, poss., Manu, 
Frau. Dat tvär minem stne Mutter^ 
das war die Mutter meines Mannes. 
Dat OS mtner ehr Doky das ist meiner 
Frau Tuch. Ebenso in der Oberlausitz. 
Anton, 2, 11. In der Gegend von 
Saalfeld meiner auch gleich mein. Mei- 
ner Mann is krank, 

meins, pltd. mlns, statt meinet ^ in 
meinshalben, -wegen, -gefallen, meinet- 



halben etc. Miens/ialwe kann dei Scfidn- 
derie Op ons nu gohne toie nach nie! 
Nowack, 67. MeinsgefaUen kann er 
dableiben. 

meinst, adv.^ meistens. Saalfeld. 

Meiran, w., Majoran, Origanum tna- 
jorana L. 

Meiser, ?»., Mörser. Dzg. W. Sei- 
del, 32. 

meist, adv.y wohl, vielleicht; beinahe, 
fast. Das konnte meist wahr sein. Das 
ist meist zu grofz. Im Engl, repräsen- 
tiert most den ursprünglichen, almost 
den späteren Begriff; auch das deutsche 
fast in seiner Lutherschen Bedeutung 
(fast schön = sehr schön) und in seinem 
jetzigen Sinne ist ein ziemlich analoger 
Fall. E. Förstern. Vgl. sacht 

melden, sw. 1. verraten, angeben, an- 
zeigen. So schon bei Jeroschin: da 
melte er bi namin alle dt da hdten uf 
dt valscheit geraten 141b. Pfeiffer, 
196. Wer meld't, der prellt. Volksr., 
116, 484. 2. sich melden, anmelden. 
Nach dem Volksglauben zeigt der Ver- 
storbene fernen Verwandten und Freun- 
den seinen Tod an, indem er ein auf- 
fallendes Geräusch verursacht, einen 
Gegenstand auf unerklärliche Weise zu 
Falle bringt etc. Dat kann de Jung 
bt Gott 6m Himmel nich afbede (ab- 
beten), dat hei sock nich gemelkt heft! 
Es knackste so in der Wand. Herr GoUy 
es mel^t sich wer an! In Hessen nennt 
man dieses Melden sich äugen (eigen). 
Vilmar, 19. 

Mfilhafter, m., Möwe, Haffmöwe. Na- 
tangen. 

Melk, /., Milch. Bock, 34, ver- 
zeichnet den Strafzenruf: Melk kep! 
den in Egsbg. die Milchmägde er- 
schallenlassen; heute YfivdmxrrSchmand! 
Schmand! zum Verkaufe ausgerufen, 
und die Milch nebenbei verkauft. 



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Meli — Merzschaf. 



61 



Meli, m. u. /., PflzD., s. Mill. 

Mendel, id. jüd. Vorn., Emanuel. 
Flatow. Schmitt, 112. 

mengelleren, pltd. mengeKre(n), sw., 
mengen, mischen, vermischen, und in 
letzterem Sinne auch vermengelieren. 
Tabak mengelieren. Wa;8 soll ich mich 
in die Geschichte mengelieren. Die Worte 
vermengelieren^ verworren reden. Vgl. 
Danneil, 136b. Anton, 2, 11. Mi, 
54 a. 

menger, pronominales Adj., mancher. 

Meniet, m., s. Manist. 

Mennig, 7n., dünner viereckiger Honig- 
kuchen, Pfefferkuchen. Ist er mit Ge- 
würz vermischt, so heifzt er GewUrz- 
mennig. ßock, 34. Hennig, 160. 
Hennig hält Mennig für eine Zusam- 
menziehung aus mengen und Honig^ 
oder für eine Korrumpierung yon Manna^ 
und weist auf das poln. minija hin, das 
jedoch nur die Mennig-Farbe bezeich- 
net Das Wort ist für Honigkuchen 
heute wohl kaum noch im Gebrauche. 

mennigmal, cufo., manchmal. 

Mennonitenblume, /., s. Teerblume. 

Mensch, pltd. MSnsch, 1. m., Knecht, 
Diener, Kutscher, Magd, Dienerin. 
Möhling. Vors erste dem Mensch (so 
nandte er auf schlesisch eine Magd) 
fünf Ghroschen für Papier, Soph. R. I, 
628. Schleufzerin heißt ein Mensch, 
Ibid. HI, 248 (es ist von S*n — Schle- 
sien — die Rede). 2. n., plur, Men- 
scher^ Frauenzimmer, in gutem und 
verächtlichem Sinn. Von der Euphrasia 
wird folgendes geschrid>en: Es vmrddifz 
iunge Mensch . . . dahin getrieben etc. 
Carm. nupt U, 143b. Will einem Gott 
zur EK ein schönes Mensch zuschantzen^ 
So ist es Danckens werth. Ibid. III, 
86 c. Et ose abscheulich, kübschet Monsch^ 
ein sehr hübsches Mädchen. Wa;s das 
Mensch sich einbildet! Das Mensch geht 



wol gar in Seidef Soph. R. V, 568. 
Als Schimpfwort auch in der Ver- 
stärkung: Saumensch, namentlich, wenn 
die so benannte Person zugleich sich 
unsauber hält. Vgl. Frauensmensch. 

Menschenfett, n., Medik., Walrat. 

Menschenfresser, pltd. MSnschefrfiter, 
w., Fischn., Gründling, Gobio fluviati- 
lis Cuv, 

Menschenhilf,/.^ zur Bezeichnung eines 
Kindes, das sich mitzählt, wenn die 
Zahl der Menscheo in einer Gesellschaft 
festgestellt werden soll: Du bist man 
Menschenhilf. Dönh. 

menschenmSglich, pltd. mSnschemäg- 
lich, adj. Ist das menschenmöglich^ ver- 
mag das ein Mensch? 

Menschheit,/., Menge von Menschen. 
Nei^ was da für e Menschheit war! 
Danzig. W. Seidel, 32. Schemio- 
nek, 25. Danneil, 137b. Anton, 
2, 11. 

Mentel, w., Mantel. Danzig. 

Merakel,(?), Plackerei, Quälerei, Um- 
stände. Marold. Vgl. Marakel. 

Mer6ns, w. Vom., Emerentia. U art- 
wich, 55. 

Mergeil, /., s. Margell. 

Meritz, /., s. Metritze. 

Merlein, m., s. Mariein. 

Merreddig, Merreth'g, w., MeerretticL 

Mfirsch, m., s. Marsch. 

merstenteils, pltd. merschtendfils, adv,^ 
meistenteils. 

Mertern, m., Pflzn., s. Maraun. 

Merlin, Martin, M«rten, m. Vom., Mar- 
tin; Kalendertag: 11. November. 

MerUnsgans, /., Martinsgans. Gans- 
braten, der am Martinstage auf den 
Tisch kommt. Dat Gänsken . . , dat 
stnen Namen as man sieht^ von dem 
Sanct Mertenfohret, Carm. nupt 1, 298. 

Merzschaf, falschlich Märzschafy n., 
das ausgemerzte Schaf. 



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62 



Mesch — Met. 



Mesch, m. Vorn., Michael. Hart- 
wich, 54. 

meschant, adj.y bösartig, boshaft, 
schandlich, niederträchtig; das franz. 
mSchant 

meschugge, meschugger, adj,^ verrückt; 
von dem gleichbed. hebr. mesckuffa, 
Aoch betrunken. Frisch, gesund und 
meschugge. Sprw. I, 998. 

Mtee, M88e, /. 1. Mütze, Mine Mos 
ÖS weg. 2. cunnus^ vulva. Diese im 
Kr. Neustadt auch Mos. Treichel. 

Meselain, m.^ Kleiderstoff älterer Zeit 
Violöt, 178. 

Mteke, MVske, Mtek, M88k, m., /. u. 
n. 1. Meise, Parus, Volksreim: Es 
sa/z ein Meske an jenem Sprink; es war 
kein Meske, es war ein Fink. Dönh. 
Angs. masa, mnd. mese, me8eke(n\ hoU. 
meeSy meeze, engl. UtmousCy franz. m^- 
sangcy holstein. Meesch, in Pommern 
Meseke. Brem. Wb. ÜI, 149. Schütze 
111,93. D ahn., 304b. 2. w.. Schwäch- 
ling. Hei os en echter Meske. 

Mtoke, Pflzn., Waldmeister, A^eruia 
odorata L. Bock, Nat. IIl, 310: 
Meeskcj mnd. mdseke. Hagen, 156: 
Mee/zke. 

Mtekefeuer, MVskefeuer, n. 1. kleines 
Feuer, von nur wenigen Stückchen Holz 
unterhalten. 2. Lichtschein des faulen 
Holzes in der Finsternis. Bock, 35. 
Hennig, 163. Bock schreibt auch 
Mäuschenfeuer und deutet rücksichtlich 
der Herleitung auf Maus, irrms; Hen- 
nig dagegen leitet es von Mos „Ge- 
müse, Mehlsuppe, wegen Ähnlichkeit 
der Farbe, weil ein solch kleines Feuer 
nur blafz brennt. Daher nennt man 
ein blal'zes Gesicht irgend eines kränk- 
Uchen Menschen MSskengesicht^. Im 
Brem. Wb. IH, 189, dem Hennig 
hier folgte, ist Moskengerigt ebenfalls 



unter Moaken, Dem. von Moos, Mehl- 
suppe, Pappe für Kinder, gestellt. Die 
Aussprache des Wortes ist jedoch all- 
gemein Meske, und könnte man wohl 
an die weifzen (leuchtenden, bleichen) 
Backen des Vögleins denken, vielleicht 
mehr noch an eine Verwandtschaft mit 
miSrig (s. d.). 

NKskeirVster, m,, von Meske Meise, 
elend aussehender, leidender Mensch. 
Davon das Adjektiv mfesketrösterig. 
Natangen. 

Messekom, n., Abgabe an Korn und 
Hafer, je ein Scheffel von der bebau- 
ten Hufe, für die vom Orden neu- 
errichteten Pfarreien. Mühling. 

Messepfennig, m., zur Ordenszeit Ab- 
gabe von 1 Schilling von jedem Hin- 
tersassen an den Geistlichen. Müh- 
ling. 

Mestel, /., Mistel, Viscum alJbum L. 
In Natangen WSsp, Wespe, im Samlande 
Wispe; auch Unruh. S. NisteL Unter 
den Bäumen, auf welchen die Mistel 
wächst, ruhen, der Volksmeinung nach, 
grofze Schätze verborgen. Mühling. 
Reusch, Sagen, 66. 

mestnafz, adj., s. mistnafz. 

mlTzig, adj. 1. mäTzig. 2. freundlich. 
Hei ÖS mefzig, er ist freundlich wie 
ein Meske. 

Mefzkere,/., nach Mühling Aalangel, 
bestehend aus langen Schnüren mit 
zal^eichen Angelhaken; nach der 
Fisch.-Ord. f. d. kur. Haff § 36 Mefz- 
kern die Haken an der Aalschnur. Lit. 
miszkere die Angel. 

Met, m., Honigtrank. Über die Be- 
reitung dieses in Preuizen einst sehr 
beliebten Getränkes, das auch jetzt 
noch gebraut wird, s. Bock, Nat. I, 
275 ff. und Der pr. Sammler I, 509. 
Mhd. mite, mit, ahd. mitu, mito, mnd. 



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metche — Mietefrau. 



63 



mede; lit. medüs^ altslav. med'^ russ. 
miod der Honig. Weigand II, 83 f. 
HeDnig, 331. 

metche, plur. des pronominaleD Ad- 
verbs manche. Metche Menschen. Saal- 
feld. 

Metke, m. 1. Wann am Angelhaken. 
2. penü^ namentlich in gewöhnlichem 
Zustande. 3. kleiner Gegenstand über- 
haupt Treichel. 

Nletofflage, (?), s. Leidomassis. 

Metritze, Medritze, /., trichterförmiger 
Netzsack, daher aoch blofz Sack, 
kass. maeia; auch Meteritze^ Mettritze, 
and der MetritZy lit. metrizes, metfryczia. 
Welcher an sein Windgajm eine un- 
gewöhnlich enge Medritzen gd/raucht^ 
dem soll die Medritz genommen und 
dazu um 30 Mark gestraft werden. 
Fischerordnung v. J. 1640. Hennig, 
159. Bock, Nat IV, 696. Die Fisch.- 
Ord. £ d. kar. Haflf vom J. 1845 schreibt 
stets Mettritze. Am Meteritz sind un- 
ten Leinen angeschürzet^ und wird die- 
ses von bastenen Leinen gedrehete Stack 
des Netzes Spann genannt. Bock, 
a. a. 0. 714. Nsslm. TL, 104, fahrt 
noch die Metritz oder Metritz-Kampe 
an der Nogat, oberhalb Marienbarg, 
an. 

Mette,/., Frühpredigt in evangelischen 
Kirchen an Sonn- und hohen Feier- 
tagen. Jetzt nicht mehr üblich. Ahd. 
nuUtinaj metttna, mhd. metttnCy lat 
(Aoro) matutina. Schade, 596b. 

Mettomaseis, (?), VorsteUnetz. Sper- 
ber, 41. S. Leidemassis. 

Mettram, m., Pflzn., s. Maraun. 

Mettritze, y., s. Metritze. 

Metz'y /., im Oberlande Anrede der 
Mädchen unter einander, ohne die ent- 
ehrende oder beschimpfende Bedeutung 
von Metze «» Hure. Sperber, 21. 
Über die ursprünglich reine Bedeutung 



dieses Wortes s. Weigand H, 85 f. 
In dem deutschen Brevier des 14. Jahrh. 
in der Giefzener Handschrift (s. Haupt, 
Zeitschr. VI, 484) liest man: Wer ditz 
buch lese der bite (bitte) vor einer metzen 
s^le. 

Meusch, (?), s. Hahnchenbier. 

Michel, Micheiis, m. Vorn. 1. Michael. 
2. Michaelis, Kalendertag (29. Septem- 
ber). 

Michel, m.y scherzweise Benennung 
für ein grol'zes Trinkgefäl'z. Adh michü^ 
michel^ mhd. michel^ goth. miküs^ angs. 
mikä groiz. Schade, 698b. Hen- 
nig, 332. 

mickem, mlickem, auch miggem, mlig- 
gern, muckern, sw. 1. kränkeln, ver- 
kümmern, im Wachstum, in der Ent- 
wickelung zurückbleiben. 2. krank- 
haft wimmern, stöhnen. De Kltne 
(Kleine) is so elendiglich auf de Zdhnche^ 
se mickert den ganzen Tag. Saalfeld. 
Davon vermickem etc., und als Adj. 
mickrig, mUckrig, muckrig, migg'rig, miigg'- 
rig, kranklich, verkümmert, elend; in 
der Saalfelder Gegend auch mockrig. 
He hefft en kleenet mv^ckriget Ges§chtken. 
Dorr, 1. Wiew., 23. S. Sperber, 22. 
W. Seidel, 32. D&hn., 314a. Vgl. 
misem und muggem. 

mickt, präs. 3. Pers. sing, von mäken 
machen. Denn mickt (macht) dir das 
nichts. Gordack. 

mienen, sw.^ bieten auf Auktionen. 
Wahrscheinlich daher, dalz man, an- 
statt laut zu bieten, solches durch eine 
Miene, Gebärde that, wie das auch 
jetzt noch beim Ausrufe oft genug ge- 
schieht. Dzg. W.Seidel, 31. Klein 
n, 16, hat nur: etwas im öffentlichen 
Ausrufe an sich bringen. 

Miete, /., s. Mite. 

Mietefrau, pltd. MfitsfrO, /., Vermieterin 
weiblichen Gesindes. Ygl. Mägdemutter. 



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64 



Mietsgärtner — minder. 



Mietsgärtner, m., s. Gärtner. 

Mietspfennig, m., Mietsgeld. 

Mietsvater, pltd. Metsväder^ w., Ver- 
mieter männlichen Gesindes. 

mtfen, sw, 1. winseln, verhalten hen- 
len; zanächst vom Hunde, dann aber 
auch von Kindern. 2. hinterher sein, 
nachgehen , umschwänzeln : vorzugs- 
weise Mädchen, um deren Gunst zu 
erlangen. Sperber, 22. Schemionek, 
25. 

miffem, sw.^ den Wind lassen. Sper- 
ber, 46. 

Migg',Migge, MUgge,/, Mücke. Migge- 
spritsclier, Mückenspritzer heifzen die 
Bewohner von Fischhausen (s. d.). 

Migge, Mfge, plur.^ Mädchen. Miffge 
{Mtge), gilt ligge! Volksr., 122, 515. 

Miggengreifen, pltd. Miggegrtpe(n), n. 
Er hat das Miggengreifen^ das Greifen 
nach Mücken, zur Bezeichnung eines 
hohen Grades von Trunkenheit, Deli- 
rium. Sprw. I, 445. 

migg'rig, adj., s. midcern u. miirig. 

MTlce, /, w. Vom., Dem. Mikchen^ 
Marie. Hartwich, 55. Geh mit der 
Miekey geh. Soph. R. V, 459. Miekgen^ 
die um ein Jahr oder so dUer war als 
Carl, Miekgen blieb. Ibid., 595. Vgl. 
MTtscIi. 

Milciiblume, /., gemeine Kreuzblume, 
Polygala vulgaris L, Hagen, 731. 

milciien, sw., melken. Ebenso in Liv- 
und Estland. Hupel, 153. Sall- 
mann, r26a. 

Milclifrau, pltd. MellcfrO, /. Frau, 
welche Milch zum Verkauf nach der 
Stadt bringt Vgl. Sclimandmann. 

Milciigras, Pflzn., Wollgras, Eriopho- 
mm polystachyum L. Spec. Plant, im 
poln. mlodketa; giebt Milch (poln. mleko) 
den Kühen vor J ohanni, wenn's scholzt. 
Treichel, Volksth. Nach Hagen, 



61, ist der poln. Name webuanka szero- 
kolüciowa, 

Milciilculi, pltd. MelldcÖ, -Icau, /., scherz- 
hafite Bezeichnung für einen kathoL 
Priester. Man sagt von dem, der einen 
solchen zum Verwandten hat: Eir hat 
eine schwa/rze MUchkuh, Sprw. I, 2633. 

milgebrig, mildgebrig, adj., aus geben 
und mild gebildet, mild und zum Geben 
bereit, weichherzig. He schenk gleich 
was den Armen, denn he war sehr miU- 
gebrig. Schaltj. 3, 8. Saalfeld. 

mtlings, aJj., sanft, lieblich, hold, 
angenehm. Lit. mielas, poln. mdio. 
Mühling. 

Mill, MUH, pltd. Meli, m. u. /., Pflzn^ 
guter Heinrich, Chenopodium bonus Hen- 
ricus L., und die Gattung Gänsefofz, 
Chenopodium j überhaupt; ebenso die 
Gattung Melde, Atriplea Toum. Die 
schmalblättrige Melde, Atr. angusti- 
folium Sm.j heifzt in der Gegend von 
Friedland Ostpr. MVII, auch ScheirzmBli, 
pltd. SchftmVIl. In Natangen ist Schei/z- 
mell Atr. hastatum L. S. Lhrztg. 1880, 
S. 243b. Nach Hagen, 1068, ist 
Müll die Gartenmelde. Nach Hagen, 
280, heifzt der Gute Heinrich auch 
Stolzer Heinrich, Schmerbel, Hacken- 
schar j Wilder Spinat 

Mill, n., s. MUn. 

milzen, sw., sich die Milz durch äuTzem 
Druck beschädigen und daher kraftlos, 
atemlos werden. Der Hirsch war auf' 
gelaufen und hatte sich gemilzt 

mind, adj., billig, gering, wenig. Na- 
tangen. Im Ermlande der Eompar. 
minder, billiger, geringer, weniger. Ein 
Scheffel minder eine Metz, also 15Metzen. 
Sperber, 22. 

Mindel,w.jüd.Vom. Flatow. Schmitt, 
114. 

minder, adj., s. mind. 



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mindern — Mi8ekatz(e). 



65 



mindern, pltd. mingem, at^., munter 
werden, zu Kräften kommen, aas einer 
Ohnmacht erwachen; .gewöhnlich re- 
flexiv 9ich ^-, tennindem^ er-, termin- 
gem. Hei Urmingert sock aUwedder^ 
ermuntert sich, giebt Lebenszeichen, 
erholt sich. Sanüand. Hennig, 161, 
hat: Man hat ihn gemindert^ er ist 
wieder zu sich selbst gekommen. 

Mtne, /., w. Vom., Wilhelmine. Min\ 
steck Schwtn! S. Volksr., 79, 314. 

minen, «ü., s. mienen. 

Minutenkraut, Pflzn., Adler-Saumfam, 
Pteris aqaiUna L., weil es nur eine 
Minute blühen soll Treichel, Volks- 
thOmliches. 

Minutensalbe, /., Medik., Emplastrum 
MeUloti. 

mtr, adj,^ mehr. Saalfeld. 

Mlrey/., gemeines Yogelkraut,/S^22arm 
media Vill. Auch Vogelmeier, Hühner- 
darm. Hagen, 344. S. Meier. 

niMg, adj. 1. schmutzig, elend, er- 
b&rmlich, gemein, unanständig, ekel, 
geizig. Ein miriger Kerl. Er sieht 
fmrig aus. Es geht ihm mirig. 2, Einen 
mtrig machen , ihn ausschelten, be- 
schimpfen, ihm derbe Wahrheiten sa- 
gen. Engl, mire Schmutz. Vgl. mis- 
rig. Sperber, 22. Schemionek, 
25. 

nrirksen, mr., in Absätzen, Pausen 
aa£seu&en und wimmern. Saalfeld. Im 
Samlande blinzen. 

MlrlyW.jöd. Vom. Flatow. Schmitt, 
114. 

mimieln, atü., marmehi, marmorieren, 
bunt wie Marmor machen. Mnhling. 
Davon das Adj. gemirmeU. Dönh.; in 
Königsbg. gemarmorierty pltd. gemar- 
merert. 

mir nicMt dir nicMt, geradezu, ohne 
weiteres, selbstverständlich; teilnahm- 

Priiebblcr, Wftrurboeh U. 



los, gleichgültig. Das scheint gut Glück 
genug zu sein^ da/z ich das Engelkind, 
die Sophie, vneder hier habe: dafz sie 
aber thut als mir nichts dir nichts, das 
ist der Kukuk! Soph. R. V, 581. Für 
Liv- und Estland bei Hupel, 153. 

Mirsemau, Mirichemau, MVrsemau, Mur- 
ichemau, m. 1. Pflzn., Tannen-Bärlapp, 
Lycopodium selago L. Hagen, 1088. 
Nsslm. TL, 219. Pierson, A. W., 
27. Nach Bock, Nat. I, 281: Mwrse- 
m^au, Lycop. clavatum, poln. morzybob. 
Vgl. Treichel, Volksth. IL S. Morze- 
l>6b. 2. MiricfiemaUy in der Farbe un- 
bestimmt, gemischt, auffölhg. Ein der- 
artig gefärbter Kleiderstoff ist Mirsche- 
mau mit Bremsen besetzt 

mls, adj.j wohl Kürzung von miser, 
betrübt, traurig, schlecht, unwohl, weh. 
Mir ist recht mts zu Mute, In Est- 
land mts vom Wetter: schlecht. Sall- 
mann, 126a, fragt: Abkürzung von 
miserabelf 

Mts, MtZ, /., Name und Lockruf für 
die Katze, nach ihrem Geschrei, na- 
mentlich in der Kindersprache; span. 
mizy ital. muccia. Frisch I, 667a. 
Dem. Mischen, Mtzchen, Mizel; die bei- 
den letztem aber auch Schmeichelnamen 
für Marie. Auch MTselcatz. Im Gott, 
ist der Lockname der Katze Minse, 
Minseken u. MOseken. Schamb., 136a. 
140b. Vgl Danneil, 138a. Anton, 
2, 12. Sperber, 22. 

mis, prdp., mit. Dönh. 

Mischpöch', Mischpölce, /., auch Musch- 
pölce, von dem hebr. mischpocho, Fa- 
milie, Verwandtschaft; übertragen auch 
Gesellschaft. Die ganze MischpSche. 
Sperber, 44. 

misdrStschy adj., falschgedreht, wider- 
haarig; von Fäden, vom Haar. 

Mt8el(afa(e), /., s. Mts. 

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66 



Miser — Mistkäfer. 



Miser, m., elender, yerkommener, ver- 
kümmerter Mensch. Polonisiert Mise- 
rinski. Sperber, 42. 

miierig, adj,^ s. miirig. 

Miserinski, m,, s. Miser. 

Miserist, 7n., derjenige, der im Boston- 
spiel misere ansagt. Sperber, 44. 

misem, sw,j sich^ sich quälen. Er. 
Neustadt. 

misern (i kurz), sw.^ kränkeb, ver- 
kümmern, s. V. a. mickem (s. d.); von 
dem lat miser. Selbst die Lampe mi- 
sertj wenn sie trübe brennt. Davon 
vermisem, verkommen etc. Vgl. mu~ 
sem. 

mtskeprTstrigy adj.y elend, kränklich 
aussehend. Dönh. Pr. Holland. Vgl. 
miirig. 

Mispel, /., Mistel, Vücum album. So 
schon Voc. 646. 

miirig, miierig, adj., von müem^ ver- 
kümmert^ kränklich, schwächlich, elend, 
erbärmlich, jämmerlich, miserabel; von 
Tieren und Menschen, üt em mi^ge 
Farkel ward manchmal e däger Borg. 
Sprw. I, 825. In gleichem Sinne auch 
mickrig etc. unter mickem^ mtUlig und 
nach Schemionek, 25, mtserig mit 
der Nebenbedeutung verdriefzlich. Sper- 
ber, 44. 

MisrUck, n., Ackerbeet, das beim Säen 
irrtümlich ausgelassen wurde. Müh- 
lin g. . Der Sämann, der ein Misrück 
hinterläizt, stirbt in demselben Jahr. 
Hexspr., 136. 

Miss, /., Messe, missa. Regnet es un- 
ter der Dliss, regnet es Wach' über ge- 
m/z. Sprw. I, 3105. 

Miss, /., Bodenvertiefung, selbst wenn 
sie mit Wasser gefüllt ist. Westpr. 
Tn Hoch-Paleschken : dieweifze^ schwarze^ 
die Pavel-y die Fichtmiss. Treichel. 

Mist, pltd. Mest, m. 1. Nebel, Nebel- 
dunst. Ebenso engl. u. hoU.; angs. 



mist Dunkelheit. Brem. Wb. HI, 167. 
Schütze in, 103. Schamb., 136a. 
Vgl. Dftk. 2. Dünger. Den Mist auf 
den Acker fahren. 3. Gemischtes, 
Mengsei, Zusammengebrachtes und 
kaum Zusammengehöriges , mixtum ; 
auch Durcheinander, Unsinniges in 
That und Rede. Er spricht lauter Mist. 
Treichel. 

Mist, pltd. Mest, n., vom vorigen, be- 
liebtes Schimpfwort auf ein Frauen- 
zimmer. Ölet Mest^ altes Mist! 

Mistadel, m., s. Misisftdel. 

Mistelfuhr, /., s. Mistfuhr. 

Mistelzeit, /., Zeit des Mistfahrens, 
s. Mistfuhr, Ein Taglöhner soll haben 
in der Mistel-Zeit 6 bis 7 Gr. Hart- 
wich, 353. 

misten, sw.j cacare. Klein Vieh mist' t 
auch gut. 

Mistfink, m. 1. Bauer, Gutsbesitzer; 
auch Mistkäfer. 2. unsauberer Mensch; 
in diesem Sinne auch Mislhammel, 

Mistforke, /., s. Forke. 

Mistfuhr, pltd. Mestför, im Ermlande 
Mistelfuhr, /., Zeit des Mist--, Dünger- 
ausfahrens. Op Föschhauser Mestför 
von sewe Hüper^ scherzhafte Antwort 
auf die Frage nach dem Alter. Doch 
lett Gott mihnen Sohn de Mestfohr man 
erlehwen^ eck Scheck em en de Schohi, 
dat he darop stodehrt. Carm. nupt. HI, 
50 d. On de Gritche woa on a Mostel- 
fua (Mestelfu^) von fünbezwanzig. Ermld. 
Freisch., 9. 

mistig, pltd. mestig, adj. von Mist. 1. 
nebelig, trübe, feucht. Vorzugsweise 
in der Fischer- und Schiffersprache. 
. . . bei gelindem Wetter so stehet die 
Stadt im Rav^ch^ gleichsamb in einem 
mistigen Dunstrevier ^ oder im Nebel. 
Linem., Yylb. Vgl. dUdg. 2. dfin- 
gerartig, schmutzig: ein mistiger Weg. 

Mistkäfer, m., s. Mistfink. 



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Miötkaule — Mitsch. 



67 



MMkaule, pltd. MestkQI, /., DOnger- 
grabe. S. Kaui. 

mislnalz, pltd. mestnatt, auch zur Hälfte 
pltd., zur Hälfte hchd. mestnafz, adj.^ 
nebelig, feocht, stark angefeuchtet; vom 
Wetter, von der Wäsche. Hennig, 
160. Vgl. misfig. 

Miabfldel, Miatadel, pltd. Mest&ädel, m., 
Mistwasser, Mistjauche. S. Adel. 

Mistus, m.y LatinisieruDg von Müt^ 
Dünger. Wo Mistus^ da Christus^ wo 
Dünger im Acker ist, da ist auch Se- 
gen. Sprw. I, 2635. Wo ni ü Mütua^ 
«8 ok ni Christus, Eonitz. 

MMwetter, n., von Mist 1, Nebel wetter. 
Vgl. mistig, mistnafz. 

mtewringrig, adj.^ aus mts (weh) und 
wringen (winden, drehen), übel, wehe. 
Ml OS so miswringrig^ mir ist so un- 
wohl zu Mute^ als wolle sich alles in 
mir umdrehen. Elbing. Die Aussprache: 
mimoTvngrig erinnert an Mü^s Maus, 
womit das Wort selbstverständlich nichts 
zu thun hat. Im Brem. Wb. Hl, 200, 
findet sich eine ähnliche Zusammen- 
setzung: muuhorängisch^ unwillig zum 
Reden. 

mit, pltd. mVt, 1. präp. im Accus. 
Mit die Kinder. 2. nach Hennig, 332, 
auch adj, = recht gelegen, wohlgefällig. 
Es ist ihm nicht mit^ es ist ihm nicht 
gelegen. 3. mit oder ohne? Gekürzte 
Frage: Trinken Sie den Kaffee, Thee, 
mit oder ohne Schmand? 

mitdniitter, pltd. mVtdrunder, ado. 1. 
mitten darunter, vermengt, gemischt, 
doch mit dem Nebenbegriff der Ver- 
einzelung. In der Mus ist hin und 
wieder ein Spirkelchen mitdrunter. 2. 
mitunter. Afitdrunter ins Theater gehen. 
Vgl. mittendamanic 

HTte, /., kegelförmig aufgeschichteter 
Haufe von Getreidegarben, Heu, vor- 



zugsweise jedoch von Kartoffeln. West- 
preufzen. Das angs. mtthan bedecken 
dürfte die Wurzel sein; in der Bedeu- 
tung überein stimmt das lat. meta^ das 
jede pyramidenförmige Höhe bezeich- 
net. Ebenso in Bremen u. Pommern. 
Brem. Wb. HI, 168. Dähn., 308b. 
Im Holsteinschen bez. Mite einen vier- 
eckigen Misthaufen. Schütze UI, 99. 
Sonst nennt man in der Provinz diese 
Haufen auch Stftken. 

Mite, Miete, /., Milbe, acarus. Franz. 
u. engl. mite. Das Wort ist verwandt 
mit Made u. Motte. Ebenso im Brem.^ 
im Holsteinschen. Brem. Wb. HI, 168. 
Schützein, 99. Hennig, 160. 

Miteban, (?), Gefängnis. Kulmisches 
Recht, Buch H, Kap. 21. In den Lit. 
Aeq., S. 20, wird die Vermutung aus- 
gesprochen, daiz das Wort vielleicht 
zusammenhängt mit der lit. Wurzel 
met werfen, von welcher uzmetiklis der 
Riegel an der Thür. Hennig, 161. 

mithalten, pltd. mVthöle(n), st., an 
einer Sache sich beteiligen, teilnehmen. 
Vgl. Gill. 

mithecliten, sw., mithalten, gleich- 
kommen. Er mochte §em mithechteny 
aber der Geldbeutel {die Gesundheit) ver- 
bietefs ihm. Treichel. 

mttig, ad^.y voller Mieten. Der Käse, 
das Mehl, das trockne Obst ist mttig. 
Hennig, 161. 

mitrig, adj,, elend. Saalfeld. Vgl. 
miirig. 

mitsamts, pltd. mVtsamts, adv,, mit- 
samt. Ich schmeifz dich mitsamts der 
MargeU ins Wasser. 

MTtschy /., w. Vorn., Dem. Mitschr 
chen, Marie. Hartwich, 155. Dzg. 
Nhg. Viol^t, 102. 194. Dorr, 42: 
On Mitsch Marie, Nu bliew bi mi! 
Auch Spottname für eine einfaltige 



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68 



mitschen — Modder. 



Frauensperson. Geh^ du dumme Mitsch. 
Ndmke ös Nämke^ wenn dat Jungke 6k 
MiUchke het Vgl. Mtke. 

mitschen, sw.^ mantschen, patschen. 
Ygl. matschen. 

Mttschört, w. Yorn.^ Zusammenziehang 
der Namen Mttsch (Marie) und Ort 
(Dorothea). Dönh. 

Mittag, pltd. MVddag, n, 1. Mittags- 
essen, -mahlzeit. Das Mittag üt schon 
mehrmals kalt geworden^ sagt die Haus- 
frau zum verspätenden Manne. 2. Mit- 
tag essen^ zu Mittag essen. Wir woUen 
Mittag essen. Ebenso in Estland . S a 1 1 - 
mann, 126a. 

Mittelbauch, pltd. MVddelbQk,m., zweite 
Abteilung in einem Sack oder Wenter. 

mitteldamank, adv,^ s. mittendamank. 

Mittelknecht, m., s. Knecht 

Mittelkranz, pltd. MVddelkranz, m.^ die 
mittlere Abteilung der Metritze des 
kurischen Wadegams. 

Mittelmagd,/., analog nach Atittelknecht 
gebildet, ältere und in der Stellung be- 
vorzugtere Magd. Wo ÖS denn de Mod- 
delmägdf de den Foss von de Gänse 
jagtf Volksr., 44, 169 u. S. 278. Volksl., 
46, 29, 2. 

Mittelrock, pltd. MSddelrock, m., die 
mittlere Abteilung des Keitelgams, lit. 
middraks. S. Keitel. 

Mittelschlag, pltd. MVddelschlag, m., 
das die Mitte Haltende, die mittlere 
Art oder Gattung. Die Leinwand ist 
Mittekchlag^ sie ist weder fein, noch 
grob. Pferde, die weder vorzüglich 
grof'z, noch sonderlich klein sind, sind 
guter Mittelschlag, Hennig, 161. Ade- 
lung HI, 248. 

mittendamank, gewöhnlich mittelda- 
mank, adv,, mitten darunter. Die Mar- 
gell ist immer mitteldamanky sie ist viel 
und gern unter den Knaben. 

Mittfach, pltd. MSdfach, n.. Mittelfach 



der Scheune^ Raum über der Dresch- 
tenne, dessen Grundlage Querbäume 
oder Querstangen bilden. Dat Mfd ös 
em wt e Schoppehch on de Möge wt e 
Mödfach^ er ist unersättlich. Me rekt 
vom Mödfaxih to frete^ ein Mensch, der 
besonders grolz gewachsen ist. Sprw. 
I, 2571. 3112. De Buk e Schtn, de 
Mdge e Mödfach, Wunsch eines starken 
Essers. Sprw. II, 271. Hennig, 332. 

Mtz, f., s. Mts. 

mVbeln, sw.y s. vermVbeln. 

Mocke, Name und Lockruf für das 
Kaninchen. Volksr., 64, 242 f. Vgl. 
Tnisch. 

Mockerau, Ortsn., Kirchdorf in der 
Nähe von Graudenz. Nach Mockerau 
reisen y sterben. Vielleicht hangt die 
Redensart mit den Revuen zusammen, 
welche unter Friedrich H seit 1772 in 
jener Gegend öfter, und unter seinen 
Nachfolgern noch von Friedrich Wil- 
helm n (zweimal) und Friedrich Wil- 
helm ni (dreimal, zuletzt 1804) ab- 
gehalten wurden. Pr. Land.- u. Volksk., 
421. Sprw. I, 115. 

mödbarschen, gewöhnlich zer- u. ter- 
mödbarschen, sw.^ sichy sich abquälen, 
abmüden, auCzer Atem arbeiten, meist 
mit dem Nebenbegriff der unnützen 
Thätigkeit; auch abmödbarschen. Das 
Wort ist aus mod Mut und barschen, 
barsten bersten zusammengesetzt. In 
Hamburg und Bremen moodbarsten. 
Brem. Wb. III. 172, im Holsteinschen 
moolbarsten, Schütze III, 115. 

Moddel, n. 1. das Modell. 2. das 
Obstlager im Heu oder Stroh zum Nach- 
reifen des Obstes. Dönh. 

M Vddelenttwei , m, , Mittelentzwei . 
Mensch ohne Haltung, Labommel 

(8. d.). 

Modder, m,, Moder, Schlamm, Sumpf, 
Morast, Strafzenkot. Davon moddrig, 



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Moder — Möglichkeit. 



69 



adj,^ modrig, was aus Moder besteht, 
Moder enthält, nach Moder riecht. 
Hennig, 161. Vgl MolL 

Moder, MSder, Medder, /. 1. Mutter, 
wie hchd. Frau, Gattin, Hausfrau, da- 
her auch Hausmutter, pltd. HQsmöder. 
Sihn Huufz'Moder sehd: Mann! dat 
motst du nich lüden. Carm, nupt IH, 
50b. Mooder^hüP nich! Elbing. Spook, 
471. 2. Anrede des Gesindes an die 
Hausfrau; auch Herzmöder, neuerdings 
gens Frflke. Vgl. Vader. 

Müder {ö lang), n., Mieder, leinenes 
Wams, kurzes Halbhemde. In der Ge- 
gend von Konitz: Meidet Bock, 35. 
Hennig, 161. Mhd. muodei*, altnd. 
müder, S. Genaueres Weigand H, 
90. 

Moderlieschen, n., Fischru, Spierling, 
LeucaapiiLS delineatus Lieb. (Ch/printts 
aphya L.) auch Name für junge Fische 
aller Art. Das Fischchen heil'zt auch 
Afutterloseken^ AJuUlosen (Voc. 580), 
Mudchen^ Muttchen^ Modke^ Malinchen^ 
alipr. blingo. Benecke, 131. Bujack, 
339. Bock, Nat IV, 662: Die Mm- 
gen gemeinen Leute nennen ein Meines^ 
längliches^ gründelartiges ^ imncUiches 
Fischchen, das sich unter dem eigent- 
lichen Stint einfindet und mit demselben 
gefangen wird, ein Moderliefzken. Der 
Name Mutterloseken, pltd. Moderloseken, 
Mut(ter)losen, Moderlieschen, rein pltd. 
Moderltsken, soll, nach Mühling, Tiem., 
175^ daher kommen, weil man ehemals 
glaubte, der Fisch entstehe ohne Vater 
und Mutter, allein durch Fäulnis. Die 
Namen Mudchen und pltd. Modke, viel- 
leicht auch Malinchen = Mutterchen. 
Im Holsteinschen ehenisHs Moderloseken, 
Moderli/chen, mit gleicher Erklärung 
über die Entstehung des Namens. 
Schatze IH, 105. In Pommern Mo- 
derloseken. Dähn , 310a. In Estland 



Moderlieschen Schlammpeizker, Cobitis 
fossilis. S allmann, 126 a. 
moderselig, moderwind allein, s. mutter- 



modes, adj., vernünftig, gut. Dat ös 
e Tnodesser Monsch. Natangen. Von 
modestus? 

Mödge, Ortsn., Modgen, Dorf im Kreise 
Pr.-Eylau. Es heil'zt von den Be- 
wohnern neck weise: Hei os üt Mödge, 
wo de Lüed M6d (Mott?) UTidre Näs 
hebbe. 

Modke, n., Fischn., s. Moderlieschen. 

mOffig, adj., s. mllffig. 

mttg (p lang), 3. Fers. sing. präs. von 
mögen: er mag. Er mog wohl reich 
sein? Oberland. 

Mogelike, /., s. Mogille. 

mögein, sw., übervorteilen, betrügen, 
durch Betrug überlisten, namentlich 
beim Kartenspiel, daher häufig bemo- 
geln. Sperber, 22. Danneil, 138b. 
In Estland mogeln heimlich aus dem 
Wege räumen, meucheln. Sallmann, 
37a. Von mogeln: Mögelant, Mögeier, 
771., Betrüger, Fälscher, namentlich fal- 
scher Spieler. Mogelei, /., Betrug etc. 

mögen, sw.^ sock, s. mühen. 

Mogille, /., Dorfkirchhof, Nebenkirch- 
hof, verschieden von dem für ein Kirch- 
spiel gemeinsamen Friedhof des Kirch- 
dorfes. Lit. mogilla, poln. mogiia Hü- 
gel, Erdhügel, Grabhügel, aber auch 
Steinhaufe, russ. mugilni. Es steht 
jeder Ortsgemeinde frei, eine Mogille 
anzulegen; auch tritt der Name nicht 
ausschliei'zlich in Litauen und Masuren, 
sondern auch sonst in der Provinz auf. 
Vgl. Hintz, 70. Nach Treichel Mo- 
gelike, altpreuf'zischer Grabhügel, sogen. 
Hünengrab. 

Möglichkeit, pltd. Mäglichkeü, /. Is 
das die Möglichkeit! als Ruf des Er- 
staunens. Bis in die aschgraue Mog- 



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70 



Mohnkanne — molsch. 



lichkeit^ zur Bezeichnung des Unbe- 
grenzten. 

Mohnkanne, pltd. Mänkann^ f,y der 
wie eine Kanne gestaltete Mohnkopf. 
Mohnkeilchen, pitd. Märüctlke, plur.^ 
Keilchen in Milch mit geriebenem Mohn. 
Fastnachtsgericht. S. Keilchen. 

Mohnnudeln, pltd. Mdnnüdle, plw\, 
Nudeln in mit geriebenem Mohn abge- 
kochter Milch. Fastnachtsgericht. 

Mohnsens, m., kleiner Mohnkuchen, 
der vorzugsweise in der Fastenzeit ge- 
backen wird. Nach Bock, 35, und 
Hennig, 162, die Mohnaanse schrei- 
ben, auch „kleine Fladen, die mit Ho- 
nig bestrichen und mit fein geriebenem 
Mohn bestreut sind." Wenn öck war 
na Guttstadt käme^ war eck di e M&n- 
sens kepe. 

Mohnstritzel, pltd. Mänstrotzel, w., 
Stritzel mit Mohn. Der Mohn wird 
zur Entfernung des bittem Geschmak- 
kes gebrüht, gerieben und unter Zuthat 
von Eiweil'z und Citronenöl auf den 
ausgerollten Teig gethan, wodurch er 
in dem fertigen Gebäck eine reihen- 
weise Lage erhält. Fastnacht und Pfing- 
sten. Ostpr. Treichel, Volksth. HI. 
Mohring, Ortsn., Mehrungen. Herder 
ist in Mohring geboren. 
Meidet, n., s. MVder. 
Mokkakäfer, m, Mit der Geschwindig- 
keit eines Mokkakäfers, Treichel. 

mölen, sw.^ in Unordnung bringen, 
durcheinander werfen; auch vermttlen. 
Treichel. 

MolkebrOch, m., Bröch, Bauch, der 
von Molken stark geworden. Wat stdl 
se mot dem Molkebrochf VolksL, 60, 
40 1, 6. Vgl. BrSch. 
Molkenschubber, m., s. das folg. 
Molkentewer, pltd. Molketewer, m., 
Kohlweifzling, aber auch jeder andere 
Schmetterling, jede gröfzere Motte, 



jeder Nachtschmetterling. Aus Molken^ 
mhd. auch Milch, und tewem hexen, 
zaubern, zusammengesetzt, also wört- 
lich: Milchverhexer. Sie heifzen auch 
Molkendfive, Molkendiebe, nach Muh- 
ling, Tiern., 174, auch Molkenschub- 
ber; in Elbing Molkenzfiber. En Mächen 
so sehen . . . vne so'n recht bunter Mol-- 
kenzeber, Schaltj., 3, 6. Schemionek^ 
25, schreibt Molkenzöber^ in Bremen 
Mtdkentdve7\ Brem. Wb. III, 144; in 
Pommern Molkendeev, Dähn., 311b. 
Die Volksjugend singt den Schmetter- 
lingen zu: 

MolketeweTy seit dl, 
Gew dt e Stöckke Butterbrot! etc. 
Vgl. Volksr., 60, 233. N. Pr. Prov.-Bl. 
a. F. I, 69. Bock, 35. Hennig, 162. 
Moll, Molle, /., s. Mulle. 
MVII, n.y s. Müll. 

mollen, sw., sichy sich wohlbehaglich 
wälzen, rollen, sich einnisten. 

mollig, adj.^ weiche wohl, behaglich. 
Es ist hier ganz mollig. 
MSIIHz, Fischn., s. Forelle. 
Molm, Mulm, m., trockene, lockere 
Stauberde, Fäule im Holz, Wurmmehl. 
Ahd. molt^ molta^ mhd. molte Staub, 
Erde. Schade, 619b. HoU. mx>lm. 
Bei Jeroschin: der michs — ofte scha- 
din groz vorsieht dt vM er schirrit in 
dem molt Pfeiffer, 197. Vgl. Malm. 
Sali mann, 37 u. 75, yerzeichnet das 
Adjekt. mulmig. Vgl. olmig. 

molsch, adj,j morsch, angefault, wund. 
Molsches Holz — Obst Molsche Fü/ze, 
Fufze, die stark schwitzen, wund sind. 
Bayr. maischet. In der Saalfelder Ge- 
gend molsch auch sumpfig. Vgl Mulscfi. 
und mär. 2. faul, trage, unlustig zur 
Arbeit, übermüdet, angegrifiPen. Öck 
st hOde ganz molsch. molsch und mar 
sind wohl gleichen Stammes; ob dieser 
jedoch, wie Bock, 35, und Hennig, 



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molscheii — Moorente. 



71 



162, meineD, das lat. mollis weich, 
bleibe dahingestellt. Nach Sperber, 
22y nennt man, wohl in studentischen 
Kreisen, den, der an Katzenjammer lei- 
det, ihn ironisch adelnd, MoUch von 
Gestern. 

mobchen, mulschen, »w. 1. molsch 
werden, anfaulen, faulen. 2. faulenzen. 
3. prQgeln. WennH nich pi der Kiark 
wesen weer^ so hadd §k em gemoUcht^ 
oder he hadd mi gemolscht Dorr, 
1. Wiew., 126 f. 

Molt, n., Malz. Ags. mealt^ engl. 
malt, hoU. mout. Brem. Wb. III, 182. 
Im Götting. Malt Schamb., 129b. 
An dem ös Hoppe on Molt verl&i'e. 
Sprw. I, 1653. 

Moltdieb, m., Malzdieb. Schimpfwort 
auf den Muller: De Melier, de Meiler, 
de Moltkedew. Volksr. 14, 65. 

Molterbeere, Multbeere, /., Sumpf- 
brombeere, Rubtia chamaemorus L. 
Hagen, 529. 

Moltsacky m., Malzsack; auch zur Be- 
zeichnung eines korpulenten Menschen. 
Vgl Mdlzsack unter Moltwurm. 

MoHwurm, Moltworm, MoHwurf, Mftlz- 
sack, m,, Maulwurf, talpa. Der Molt- 
wurm malt In dem ahd. molt, molta 
Staub, Erde, ist der Stamm zu suchen ; 
es tritt noch heute auf in MoU, Mull, 
Molm, Mulm. Der Moltwurm ist also 
der Erdwurm, der Moltworf der Erd- 
werfer, Erdauf werfer, Erdwuhler. In 
Mdlzsack ist deutlich malen, wühlen, zu 
erkennen. Ahd. multumrf, ebenso mhd., 
aber auch moltworf, moltwerf u. molt- 
werfe. Vgl. Schade, 625 a. In Bayern 
Mälwurf, Mdlvmlf, Maurafy Moltwerf, 
Modwerf Schmeller 11, 566. 609. 
572. Birlinger, 332a. 337b. InHam- 
borg und im Holsteinschen Mviworp, 
in Bremen Winworp, holl. molworp, 
moUcorm. Brem.Wb.III, 199. Schütze 



m, 118; in Pommern Mullworm. Dähn., 
315 b, im Göttingenschen MuUworp, 
Schamb., 139b. Mühling, Tiem., 
174. 

molum, adj., lustig, angetrunken. Er 
ist molum. 

Mommel, /., Pflzn., s. Mummel. 
Monat, n. Er hat das Monat 15 Thaler 
Gehalt 

MSnch, 9n., schmaler, überliegender 
Hohlziegel, der den unten liegenden, 
die Nonne, an den Kanten überdeckt. 
Hennig, 162. S. Adelung IH, 267. 
mUnchen, sw., verschneiden, kastrieren, 
besonders Tiere männlichen Geschlechts. 
Vgl. nonnen. Hennig, 162. 
MSnchenhof, m., s. Münch. 
Mondschein, m. 1. früher Name für 
eine ünterhaube,, die von ihrer Form, 
welche dem Halbmond glich, den Namen 
führte. S. Schauer. 2. Glatze. Hen- 
nig, 332. 

Mönkengasse, pltd. Mänkegass, f., 
Strafze in Königsberg, nach Hennig, 
162, eigentlich Mönchengasse, „weil un- 
weit davon im Papstthum ein Mönchen- 
kloster soll gestanden haben." Ebenso 
Faber, 134. Hoffheinz, Stral'zn., 604, 
hebt hervor, dalz auf dem Behring- 
schen Plane von Königsberg 1613 diese 
Sti'afze gar nicht vorhanden: „Wenn 
nun, wer weifz um wie viel später, das 
Bedürfnis einer StraTsenanlage entstand, 
so war die Erinnerung an ein Kloster, 
selbst wenn ein solches vor der Refor- 
mation dort gestanden hätte, viel zu 
sehr erloschen, als dafz man davon 
hätte Änlafz zur Namengebung nehmen 
können." Hoffheinz meint, die Strafze 
habe ihren Namen von irgend einem 
Manke (Personenname, der hier häufig 
auftritt), woraus Manke- und nhchd. 
Mönkengasse entstanden. 

Moorente, /., weifzäugige Ente, Ana» 



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12 



Moorkrick — Morgengratzchen. 



leucophihalmu». Drausensee. M ü h - 
ling, Tiem., 174. 

Moorkrick, Pfeifente, Anas Penelope. 
Mühling, Tiern., 174. 

Moosblume, /., s. Kuhblume. 

Moosbude, /., s. Mostbude. 

Moppchen, pltd. Mopke, n. u. m., hart- 
gebrannter Ziegelstein, sonst Klinke)* 
genannt; Ziegelmehl als Putzpolver: 
Putzpulver üt^ vde^ wo^ wenn man nicht 
huty nimmt man Mopke, In Danzig 
Moppe. Holl. mop. Der Sorquittische 
T/um giebt Iiolldndische Ziegel oder 
Moppen, Bock^ Nat. 11,57. Altpr. M. 
VIU, 366. 

mopsen, sw.^ von Mops, 1. Ich werde 
dir was mopsen^ als Zurückweisung. 

2. übervorteilen, betrügen, stehlen. 
Westpr. Treichel. Ygl. bemopsen. 

3. sich mopsen^ sich langweilen. Ei* 
mopst sich^ wie der Furz im Tisch- 
kasten. 

mBr {ö lang), ad/., s. mär. 

morasten, sw. He mot noch ön e 
Welt moraste lehre^ stark arbeiten, aber 
auch Gutes thun lernen. Für die Ab- 
leitung wäre sowohl Morast^ als das 
lat. mores zu beachten. 

morben, sw,^ mürbe werden, faulen; 
vom Obst. Er verhindert, da/z Baum 
noch Apfel mögen morben, Carm. 
nupt n, 32. 

Morche, /., eine in Preufzen vor- 
kommende Fischart. Simon Grünau 
Tract, Ij cap, III, 

morcheln, sw,^ mit den Händen viel 
und stark betasten, durch handgreifliche 
derbe Liebkosungen quälen. Kinder 
morcheln gern junge Tiere, Vögel etc. 
Morchel nicht die Katz! Bock, 36. 
Hennig, 163. Treichel hat murcheln, 
Marold norcheln, wohl nur abweichende 
Schreibung von nörgeln (s. d.). In der 



Altmark in gleichem Sinne madddn^ 
maggeln, Danneil, 130a. 

Mord, w., wilder, wüster Lärm, der 
schlimmstenfalls zum Morde führen 
könnte. Da giebis Mord wnd Totschlag! 
Sein sie ruhig^ Tod und Mordschlag 
tüird^s nicht geben, Soph. R. IV, 556. 

Mordax, Murdax, m., kleiner Hund. 
Saalfeld. 

mOrdern, »w, 1. totschlagen, toten. 
2. stark schlagen, so dafz der Tod er- 
folgen könnte. Sie haben ihn rein ge- 
mordert. Bei Jeroschin das adj, mort- 
lieh, Pfeiffer, 198. 

mordiönsch, 0(2;., s. mords. 

mords, adj,, auizerordentlich, gewaltig, 
stark, grolz, ungewöhnlich, tüchtig, aus- 
gezeichnet. Mn mords Kerl — Tnords 
Frauenzimmer — mords Hase etc. Ein 
mords Fresser sein, mords Hunger haben, 
Mords Heu batien, vorzügliches Heu 
und reichlich davon ernten. In weiterer 
Ausgestaltung und Bildung: mordiönsch, 
mordsmäfzig, ersteres auch in der Be- 
deutung martialisch: ,,.'ne mordionsche 
Positur önnehme. Dorr, Driewjagd. 
Ygl.pomale. ImGötting., inMecUbg.- 
Vorpom. mordsch, in Hessen mordsch, 
Schamb., 138a. Mi, 56a. Vilmar, 
271. Auch bei uns tritt mordsch au^ 
jedoch mehr in der Bedeutung martia- 
lisch, wie denn auch in Hessen mor^ 
dalisch als Bezeichnung der gröfzten 
Verwunderung gebraucht vnrd. Sau 
maackt noch grötre Ärgemos my noch 
darto ons mortscher Teppei\ Carm. nupt, 
V, 216 b. m^yrds auch substantivisch 
in: Mordskerl^ Mordsluxse^ MordsheUj 
Mordshafer etc. 

Mordschlag, m., Totschlag, s. Mord. 

mordsmäfzig, ad^'., s. mords. 

Morgengrätzchen, n., die blaue Libelle. 
Dönh. 



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morgenl&ndeni — Mo8ke(o)bade. 



73 



morgenländem, sw.^ betrugen im Kar- 
tenspiel; auch mit guten Karten zum 
Nachteil des Mitspielers passen, also 
gleich matieim (s. d.). Treichel. 

Morgensegen, m., Schelte der Haus- 
frau am frühen Morgen. Das davon 
betroffene Gesinde sagt: Se trampelt 
den Morgesegen. Im Holsteinschen 
heifzt es: Nu himmt dat Morgengebedd. 
Schütze, m, 112. 

Morgensprache, /., die durch Gesetz 
geregelte Zusammenkunft der zünftigen 
Bürger aus dem Kaufmanns- und Mälzen- 
brauerstande unter Assistenz von De- 
putierten des Rates und Gerichtes auf 
dem Junkerhofe. Eigene Angelegen- 
heiten der Zünfte bildeten den Gegen- 
stand der Verhandlungen, und selb- 
ständig strafte die Morgensprache Ver- 
gehen gegen die gesetzlich feststehende 
Ordnung in Hof und Garten. Der 
Name erklärt sich aus dem Umstände, 
dafz die Versammlungen am Vormittage 
(Morgen) stattfanden. Aufzerordentlich 
einberufene Morgensprachen hiefzen 
Beimorgensprachen. Vgl. Die Zünfte, 
41 ff. Hennig, 163. Frisch I, 
670b. 

Morichey /. Nach Simon Grünau, 
Tract. I, cap, UI, ein Fisch in Preufzen. 

Moritz, m. Vom., Mauritius. Hart- 
wich, 54. 

Moritz, korromp. aus dem lat. mores. 
ök war di Moritz lere^ ich werde dich 
Sitte lehren. Bei Mi, 56a: Moritzen 
Uhren. 

MVnnelmaiis, auch Würmelmaus, pltd. 
-mflS, /., der Maulwurf. Natangen. 
Mormel wie Würmel sind wohl Aus- 
gestaltungen von Moll^ Molm, Mulm. 
Vgl. Moftwurm. 

mfirschen, (o lang), sw.y von Morsch^ 
Marsch^ Arsch^ unruhig sitzen, auf dem 



Sitz hin- und herrücken; auch liebkosen, 
da Liebkosende selten ruhig sitzen. 
Se tnörsche sock. Kgsbg. 

mttrschlig, adj'.^ auffällig bunt mar- 
moriert. Mühling. S. Mirichemau 2. 

MOrsemau, m., s. Mirsemau. 

Mortche, Motje, m. jüd. Vorn., von 
Mardochai, Flatow. Schmitt, 113. 

mortiälsch, odf;., martialisch. 

mörtig, adj., faul, s. mottig. 

Morzeböb, Pflzn., Tannen -Bärlapp, 
Lycopodium selago L., poln. morzybob. 
Dem Klange nach aus dem Deutschen 
ins Polnische herübergenommen und aus 
Mdrmoos =Hexenmoo8 verderbt. Trei- 
chel, Volksth. II. Vgl. Mirsemau. 

Mö8, /., s. MQs. 

Mos, /., s. Mfise. 

Mösbude, /., s. Mostbude. 

Mosch, n., Fünf blatt, Kartenspiel, bei 
welchem 5 Blätter in der Hand des 
Spielers sich befinden. Man darf die 
nicht ansprechenden Karten weglegen 
und andere dafür yfzaufen^. Es wird 
oft um hohen Einsatz gespielt. Nach 
Sperber, 38, kommt der Name von 
dem poln. moze er kann. Auch: Flipp- 
chenziehen (s. d.). 

Mosch, Mosche, /., s. Musch. 

Mo§che, /.^ altes Mädchen. &e ös *ne 
olle Molche. Friedland Ostpr. Sonst 
Mttschey YPeibsperson, die sich hingiebt. 
S. Weigand, II, 159. 

MVse, /., s. M6se. 

MSsel, (?), wohl Dem. von Mas^ Mus, 
Milchmus aus einem flüssigen Teig von 
Weizenmehl und Eiern. Litauisches 
Gericht in der Gegend von Memel. 
Bock, Nat. 1,264. 

mo§ig, adj.^ krafüos, matt, schwach. 
Ein momger Kopf. Vgl. mo§lig. 

MSsky MVske, m.y f. u. n., s. M§ske. 

Moske(o)bade, /., s. Muskebade. 



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74 



Möskengesicht — Muckel. 



MSskengesicht, n., s. Mtekefeuer. 

moslig, adj.^ klein, unaDsehnlich. Ein 
mosliger Junge, Vgl. Gno§el u. mo§ig. 

Mostbude, /., Bude, in der Most ge- 
schenkt wurde, Landhaus, Gasthaus bei 
Königsberg vor dem Sackheimer Thore; 
jetzt verschwunden. Wir fuhren nicht 
nach der Kirche^ sondern — nach der 
Mostbude. Soph. R. V, 272. In meiner 
Enabenzeit Moshude und Moosbude, 

Möt, w. Vom , Erdmut. Dzg. Nhg. 
VioUt, 102. 

Moteres, /, s. Muturas. 

Motje, m. jud. Yom.^ s. Mortche. 

MVtke, n., s. HStke. 

Motty m.^ Strafzenkot, zäher Schmutz, 
Moor, Moder. Bei Jeroschinst. Neu- 
trum: und da dt heidin durch das mot 
(: 6t) wolhab gehrochin hdtin sichy 48 c. 
so lange treib s^t disin strtt um er stürzte 
in daz mot {:got) lOOd. Et ös aller 
en Mott on Blott. Mnd. mode^ mudde^ 
engl. TWttrf, holl. modder^ dän. mudder^ 
schwed. modd^ modder^ ital. mota. In 
Bayern Mott Moorerde, die, ausgegraben, 
in Häufchen ausgebrannt und mit zum 
Dungen der Felder und Wiesen be- 
nutzt wird. Schmeller II, 653. Vgl. 
Adelung III, 256. Frisch I, 671a. 
Bock, 36. Hennig, 163. Pfeiffer, 
198. S. Modder. 

Mott, /. Es darf nur auf der Tiefe 
des Haffes^ in dem Strom oder der Mott 
mit dem Rerbstgam gefischt werden^ ohne 
die Seh aar en und fia^hen Stellen zu be- 
rühren. Benecke, 344. 

Mottblume, /., s. Kuhblume. 

Mottet, (?), Einhüllung, Bedeckung, 
Verwahrung, Versteck, worin Obst oder 
andere El'zwaren vor Kindern oder 
Dienstboten heimlich aufbewahrt wer- 
den. Muhling. In Baiem maucken, 
f. u. m., mauten^ /., Schmeller II, 
548. 647. 



Mottenkraut, n., Schabenkraut, Verbas- 
cum blattaria L. Hagen, 245. 

MottflUgel, m., Lederflugel über den 
Hinterrädern des Wagens, welche das 
Aufspritzen des Mottes verhindern. 
Mühling. 

Motthund, m.^ Schimpfwort auf einen 
schmutzig geizigen Menschen. Müh- 
ling. 

motUg, adj, von Mott^ kotig, schmut- 
zig, schlammig. Nach Mühling auch 
faul. In letzterem Sinne in der El- 
binger Gegend mörtig (das 6 = od). 
In Hessen motig. Vilmar, 278. 

mottkalt, adj.^ nafzkalt, s. v. a. dreck- 
kalt{s.i.). Bock, 36. Hennig, 163- 

mucheln, sw.^ vermucheln, abthun^ um- 
bringen; eine Karte im Spiele stechen; 
mehr können, wie ein anderer. Trei- 
chel. Verwandt mit meucheln. 

muchlich, adj.^ s. munklich. 

muchtig, adj.^ modrig, stinkend, ver- 
dorben. Mühling. Vgl. mllfflg. 

Muck, auch Mucks, m., vereinzelter 
Laut, der sich halb unterdrückt, als 
Y^iderspruch hören läfzt; von Menschen, 
Hunden. Und sagt er Muk^ so werde 
ich noch einmal den Pukel ihm aus- 
walken. Soph. R. I, 508. Noch unter- 
wegs kam immer der Muk. Ibid. IV, 
349. Vgl. mucken und mucksen. 

Mucke, /., üblicher der Plur. Mucken, 
s. mucken. 

MUcke, /. Mücken fangen, Grillen 
fangen; eine gewöhnliche Sache, ge- 
mein wie die Mücke; auch ironisch eine 
seltene Sache: die Mücke, ein rares 
Insekt. Treichel. 

Muckel, m., kleiner Mensch, auch 
Dummkopf. Verwandtschaft mit mü^ 
ckem, 8. mickem; vielleicht auch An- 
klang an Michel. Treichel. Beliebter 
zur Bezeichnung der Kleinheit ist 
Nickel und Nuckel. 



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muckelke — muffeu. 



75 



Muckelke, n., Kürzeben. 
mucken, sw., in halblaaten, verein- 
zelten Tönen übele Laune zeigen, 
trotzig, nickisch sich gebärden, maulend 
und grollend im Eigensinn beharren. 
Kinder, die ihren Willen nicht bekommen, 
mucken. Ebenso mucksen, doch nähern 
die trotzigen Töne sich mehr dem 
Schluchzen. Davon das Subst Mucken, 
p/ur., dessen Einzahl kaum gebraucht 
wird. Er hat Mucken im Kopf. Einem 
die Mucken vertreiben^ ihn durch Hiebe 
zur Raison bringen, muckisch, mucksch, 
€uij. Er ist mucksch. Vgl. Schütze 
III, 118. Schamb., 139a. Anton, 
10,11. Danneil, 140a. Hupel, 156. 
Sperber, 22. Weigand II, 142. 

MUckenfetL n., Medik., Schweinefett. 

MUckenkraut, w., Wasserpfeffer, Poly- 
ffonum hydropiper L. Hagen, 424. 
Pritzel, 298. 

MUckenpritscher, -Spritzer, m., einer, 
der nach Mücken spritzt. 1. Schimpf- 
wort auf Kahnschiffer, weil sie sprit- 
zend die Segel netzen. Spitzname auf 
die Bewohner von Fischhausen (s. d ) 

Mucker, m., der Hase. 

muckem, sw,, s. muggem. 

mOckem, sw.^ s. mickem. 

RMickisch, adj., s. mucken. 

muckrig, adj., s. mickem. 

mucjcscli, adj.^ s. mucken. 

mucksen, sw.^ s. v. a. mucken (s. d.). 

mudtftill, adj.y still darz man auch 
nicht einen Muck hören läl'zt. Bh* ist 
muckstUL Schemionek, 25. 

MOckus, (?), von Prätorius imter den 
Fischen Preul'zens aufjgeführt. Pier- 
son, Matth. Prätor., 15. Vgl. Mulkus. 

Mudchen, (o kurz), n.^ s. Moder- 
liasdien. 

HMiddeln, «u?., schmutzig sein, im 
Schmutze arbeiten. Treichel. Vgl. 



MUesög,n., Kellerassel, Oniscus aseUus. 
He krüpt as eMües6g (Mausauge). Ko- 
nitz. Sprw. II, 1595. 

Muff, /., Muffe, s. Mau. 

muff, interj.y zunächst zur Bezeich- 
nung des kurzen Hundeanschlags. Er 
kann nicht muf sagen, er vermag aus 
Dummheit, Befangenheit oder Schuld- 
bewufztsein nichts zu sagen. Sprw. I, 
2668. Verwandt mit Muck (s. d.) 

muffelig, adj., s. muffeln. 

muffeln, mUffeln, sw. 1. mit geschlos- 
senen Lippen mühsam und langsam 
kauen, besonders mitdenYorderzähnen. 
Von alten zahnlosen Leuten sagt man : 
Sie mufeln ihr Stückchen Brot. Doch 
auch mit Behagen trocken Gebäck essen. 
Da sötzt je der kliene Jung on muffelt 
am Franschbrot. Schalt). 3, 4. Nach 
Hennig, 163, auch heimlich, unbemerkt 
essen. In Hamburg, im Holsteinschen 
und im Göttingenschen muffeln^ in 
Bremen mummeln. Schütze III, 177. 
Brem.Wb.III, 194.201. Schamb.,139b. 
In Bayern murfein, morfeln, mumpfeln. 
Schmeller II, 615. 576. Birlinger, 
340 a. In Pommern muffen. Dähn , 
315a. Bei Bernd, 183: mum/eln. In 
Hessen Mumfel, /., ein Mundvoll. 
Vilmar, 274. S. noch Anton, 10, 
12. Sallmann, 37b. Weigand II, 
145. 2. vor sich her brummen, murren, 
maulen, ein abstöfziges Wesen zeigen. 
Hiervon muffelig, adj., unliebenswürdig. 
Treichel. Vgl.pUffelig. S. Weigand II, 
145: muffen. 

mUffen, sw., übel riechen, wie ver- 
dorbenes Fleisch; nach Schimmel oder 
Moder riechen. Es mufft. HoU. muffen, 
bayr. muffen, mOecheln, maucken und 
ähnlich, in Bremen muffen, im Götting. 
und in Posen muffen. Brem. Wb. IH, 
195. Schamb., 139a. Bernd, 182. 
In Hessen der Muff Schimmel, Moder; 



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76 



muffig — Muhme. 



Mordgerach; muffen^ muffen^ nUffen^ 
müffzen^ müfem^ müffzening, V ilmar , 
273f. Hennig, 163. 

muffig, mSffig, auch mufflig, adj.^ dum- 
pfig, angekommen, stockig, nach Ge- 
ruch und Geschmack; von Fleisch, 
Getreide, Getränken. Hennig, 163. 
Schemionek, 25. Sperber, 22. 
Vgl. Dähn., 313f. Danneil, 140a. 
Mi, 56b. 

Muffmuff, m.^ schlechtere Sorte Rauch- 
tabak. Treichel. Auch Muffmaff und 
dann Zusammensetzung aus muff und 
maff^ Interjektionen nach der Bewegung 
der Lippen beim Rauchen, ähnlich ge- 
bildet, wie fiff'paff^ kliffklaff etc. Nach 
Weigand II, 146, bezeichnet Muff- 
maff einen unfreundlichen, brummenden 
Menschen. 

MUgge, /., Mücke, s. Migg'. 

Mugger, //<., verkommenes Geschöpf, 
Mensch oder Vieh, besonders elendes 
Fohlen. Treichel. S. Muckel. 

muggem, muckem, m.y stolz weise 
schmerzen; von den Zähnen. Der Zahn 
mu^ckert immer noch. Treichel. Vgl. 
mickern. 

Muh, /., Name und Lockruf für die 
Kuh, nach ihrer Stimme; auch Mu§che- 
muh. Vgl. Mu§ch. 

mUhen, pltd. mfigen, mOgen, m. 1. 
Schmerz, Mitgefühl empfinden, be- 
dauern. Wl mt de Männkes mege! 
Samland. Firmenich III, 499a. Ahd. 
muojan^ mhd. müejen^ mOewen, rnüen 
beschweren, quälen, beunruhigen, be- 
kümmern, ärgern, verdriefzen. Bei 
Jeroschin müunn: iz müwit im und tet 
im we, 90a. Pfeifer, 198. Schade 
Wb., 627b. 2. »ich mühen^ megen^ 
mogen^ sich grämen, härmen. Dem 
Schuster os de Kobbel dot^ Hei darf sock 
gar nich mege etc. Volksr., 83, 337. 
Hennig, 332. 



MUhlchen, pltd. M6lke, n,, Einderspiel, 
bei welchem in den 9 Räumen der 
nachfolgenden Zeichnung # Nullen 
und Striche oder kleine „Holzsteinchen^ 
von zwei Spielenden wechselweise so 
lange hin und her gesetzt, oder hin und 
her geschoben werden, bis einer 3 in 
eine Reihe gebracht hat Sie sprechen 
dabei : Ich lösch' mein Nullchen (Strich- 
chen — Einschen) ab und setz' es hier 
hin! oder: Ich heb' mein Steinchen 
auf etc. Nach Bock, 36, heifzt das 
Spiel anderwärts Tripp trapp trulL 
Ilennig, 164. 

MUhlenjunker, m., ehemalige Bezeich- 
nung für den Inspektor der groEzen 
Mühle. Dzg. W. Seidel, 32. 

MUhlhausen, Ortsn., Städtchen an der 
Ostbaha, das zweite Abdera der Pro- 
vinz Ostpreul'zen neben Domnau. Die 
MOMhausener haben einen großen Krebs 
im Teiche an einer grossen Ketten liegen^ 
der ihnen die Stadtmawren VTnbgefressen 
habe. Es werden aber ins wasser ge- 
worffen,^ die ihn sehen looüen, H enn en - 
berger, 321. In Mühlhau^en^ wo sie 
die grofzen Keilchen koclien und die 
lange Suppe machen. In Mühlhausen^ 
wo sie mit dem Langholz querüber her- 
einkommen. Dat gölt (gilt) ön Mül- 
huse. Sprw., I, 2670—72. 1225. Die 
Mühlhdusener schieben ihr Rathaus im 
Winter auf Erbsen^ im Sommer auf 
dem Pelz umher. Sprw. H, 1881. 

MUhlkoppe, MUllerkoppe, m., Fischn., 
Eaulkopf, Cottus gobio. Benecke, 68, 

Muhme, /., Dem. Mumche^ Muhmke. 
1. Tante; aber auch Cousine und Seiten- 
verwandte überhaupt. De Muhm lät 
de Muhm grüsse on de Muhm fräge^ op 
de Muhm to Hus ös^ wenn de Muhm 
to Hus blifty ward de Muhm de Muhm 
besike. Sprw. I, 2673. . . . hergegen 
mufz die Braut den Bräutigam auch 



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Muiche — muUem. 



77 



nicht kränken, wenn er mit Schwester- 
chen und Muhmchen schone thut Carm, 
nupt I, 128. Meine liebste Jungfer 
Muhm, Gott allein gebührt der Ruhm, 
Ibid. in, 65d. Ahd. muomd, mhd. muo- 
mCj im Bremischen maie, moje, holl. 
moei^ moeye. Schade, 628a. Brem. 
Wb. III, 180. 2. Frü Muhmke, Anrede 
för die Hausmutter. Üblicher Moder, 

Ulriche,/., plwr. MuicheSy kleine Fliegen, 
die in die Augen fliegen. Mühling, 
Tiem., 174. Von dem poln. mucha 
Fliege, altpr. musa, muso^ lit muse, lett. 
muicha. Nesslm. Forsch. 3; Th., 
107. 

muMig, adj.^ s. munklig. 

Mttl, n., und Zusammensetzungen, 
8. Maul. 

Mulkus, Fischn. MtUckus unter den 
preufzischen Fischen bei Hennenb er- 
ger, Anhang, 20. Vgl. MUckiis. 

Mull, m. 1. Staub, Erde. S. Molt- 
wurm. 2. Maulwurf, der Mull auf wirft. 
Flatow. Dat di de Mull abasst, dafz 
dich der Maulwurf anbellt. Dat dt de 
Mnü basst (\>t\üi)\ Firmenich 1, 119. 
3. Mühling, Tiem., 174, hat: MuU, 
Rotbart, eine Meerbarbe (?). 

Mull, Dem. MuUchen^ weibl. Vom., 
Emilie. 

MDIi, Pflzn., 8. Mill. 

MBH, pltd. MSII, Gemüll, pltd. GemttJI, 
n. 1. Staub, Schutt, Kehricht, zer- 
riebener Unrat aller Art, lockere Erde, 
Strafzenschmutz. Üblicher ist GemOU, 
Fleddermvs fegd! üt dat Eüs On drog 
6k dat Gemöll kerut Volksr. 4, 13. 
Ahd. molt, moltay goth. mulda, ags. 
imfl, mold, isl. mal, moldy engl, mould^ 
dän. muldy holl. mul, molm, gemul. 
In Baiem müllen zerreiben, zerquet- 
schen, GemüU, das durch Zerreiben, 
Zermalmen Entstandene; ebenso 9?}u//i?m, 
mülfem, Gemvlfer. Schmeller II, 



569. 570. In Bremen, im Holsteinschen 
und in Pommern MvlL Brem. Wb. HI, 
198. Schutzein, 118. Dähn.,315a. 
Hennig, 83. Weigand II, 150. 
2. auf der Dzg. Nhg. auch die vom 
Meere zusammengespülten und aus- 
geworfenen Holzstuckchen, Schilf- und 
Wurzelreste, Tangföden etc., worin sich 
Bernstein findet. Man fischt nach die- 
sem MüU mit Eäschem. Violöt, 
94. 

Mulle, Mull, pltd. Moll, /. 1. Mulde. 
Im Brem. Wb. III, 182: Molde und 
Molle, bei Schamb., 137b: MoUe, bei 
Danneil, 139: MoU, Es regnet {^ieJzC) 
wie mit MuUen (Mollen). Backmull, 
Mulde, worin das Mehl angeteigt, und 
der Teig zum Bäcker getragen wird. 
Fleischmulle, Mulde, worin Fleisch ge- 
tragen wird. 2. Schnur mit 600 Haken / 
der Aal- und Dorschangeln. S. Aal« 



mullen, »w., wie der Mull, Maulwurf, 
wühlen, MuU aufwerfen. Nach T rei- 
ch el auch eine muldenf5rmige (s. Mulle) 
Vertiefung herstellen, einmullen, sich, 
sich einwühlen, einnisten, z. B. in die 
Betten. 

MUller, phd. Meiler, m. 1. In der 
Kindersprache der Maikäfer, wenn er 
mit weiizlichen Haaren bedeckt ist und 
wie mehlbestaubt aussieht Mühling. 
Er heü'zt auch MUllergesell. Vgl. Rot- 
gerber und Schuster. 2. Name eines 
Fisches inPreufzen. Hennenberger, 
Anhang, 29. 

MUllerkoppe, Fischn., s. MUhlkoppe. 

mullem, sw., sich, sich einwühlen, 
in die Erde, ins Lager. Das Schwein 
muUert sich in den Schmutz. Davon: 
aufmullem, den Schmutz aufwühlen, auf- 
rühren. Das Wasser aufmullem, es 
trübe machen, mit einem Stecken den 
Grundschmutz aufrühren. Treichel. 



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78 



MuUgeld — Mummeltäucher. 



MUllgeld, n.^ Abgabe, welche f&r die 
Wegfuhrimg des Strafzenschmutzes ent- 
richtet wird. Dzg. Klein II, 16. 

MUllhaufen, GemUllhaufen, pltd. RMII-, 
GernttllhOpe, m., Haufen von Müll, zu- 
sammengefegt oder au%eschüttet. 

RHUlkasten^Tn., MUllkist, /., Gemüllkasten, 
m., Kasten oder Kisten, in welche das Müll 
geschüttet wird. In gröf'zeren Haus- 
haltungen heiizt ein kastenartiger Ver- 
schlag auf dem Hofe so. Für Danzig 
Klein n, 17: Mülki&% -häufen. 

mQllos, adj.^ s. maullos. 

Mulm, m,, s. Molm. 

Multbeere, /., s. Molterbeere. 

multem, sw,^ (s. mullen^ mullern)j 
wühlen, besonders in der Erde. Saal- 
feld. Nach Mühling auch verfaulen, 
in Staub zerfallen, zu Muü werden. 

muHrig, adj.^ verfault, schimmelig 
(Mühling), s. V. a. müßige dumpfig. 
Auch als Schimpfwort: Er ist ein mul- 
triger Kerl! In der Oberlausitz eben- 
falls mtUterig. Anton, 10, 12. In Bre- 
men, in Estland, in der Altmark mul- 
sterig. Brem. Wb. III, 200. S all- 
mann, 37b. Danneil, 140a. Bernd, 
183. 

muKum^ acfo., viel, reichlich; das lat. 
multum. Es gab Hiebe multum. Eben- 
so in Hessen. Vilmar, 274. 

MuluSy m., das lat. mvlus Maulesel; 
studentisch : Abiturient, noch nicht im- 
matrikulierter Student. 

mumy interj.j zur Bezeichnung unent- 
schiedener, unklarer, murmelnder Rede. 
Niemand will mit der Wahrheit herauss^ 
sondern nur unter dem bart mit mum^ 
mum^ mum. Stein, Peregrinus XV, 
23. W. Mtsbl. VI, 186. 

Mumm, ?»., s. v. a. Gimm (s. d.). 
Verlangen, Begehr, Appetit etc. T rei- 
ch el. 

Mumm, /., Muhme. S. Knftsterbart. 



Mummatsch, m.^ von mwmmen^ der 
Vermummte als Kinderschrecker. Trei- 
chel. 

Mummel, pltd., Mommel, /., weiTze und 
gelbe Seerose, Nymphaea^ alba und 
lutea L. Hennig, 164. 

MUmmel, /., MemelfluTz. Da/z du 
verlast den schonen Pregel Und an der 
Mümmel streichst die Segel Carm, nupt 
I, 232. 

mummeln, sw.^ auch, jedoch selten, 
bloi'z mummen, einhüllen, bekleiden, ver^ 
mummen; von Mumme (verlarvte Per- 
son) Verkleidung. Hiervon bemu/mmdnj 
einmummeln (s. d.). In gleichem Sinne 
mutteln, pummeln, pumpein, und hiervon 
wieder be-, ein-, vermutteln, -mummeln 
etc. Mühling hat als Gegensatz von 
einmummeln: ausmummeln, enthüllen, 
ablegen^ worin man eingemummelt 
war. In allen Formen auch reflexiv. 
Vgl. Weigand II, 151: die Mumme. 

mummeln, sw.^ leise, undeutlich spre- 
chen, unter dem Barte reden, murmeln, 
nicht recht mit der Sprache heraus- 
wollen. Er verga/z auch tool sein Ver^ 
bum und mummelt oho das erste beste 
in den Bart. Soph. R. IV, 309. Man 
mummelt so lang von einem ding bis es 
ausbricht. Stein, Peregrinus XHI, 113. 
W. Mtsbl. VI, 174. HoU. mommelen, 
bayr. auch müemeln. In Bremen auch 
mumpeln; in erster Bedeutung ist dort 
mummeln was unser muffeln. Brem. 
Wb. HI, 201. Vgl. Danneil, 141a. 

mummelstutzig, adj.^ widerspenstig, 
widerhaarig, unwirsch, aufsässig. Müh- 
ling. Schemionek, 25. Aus mum- 
meln (s. d.) und stutzen: mit kurzem 
Stofze vriderstofzen (Weigand H, 
851)^ also zunächst mit murrendem 
Wort widerstreben. 

Mummeltäucher, m.^ geöhrter SteiTz- 
fufz, Podiceps auritus; auch kleiner 



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mummen — munstern. 



79 



Steifzfdfz, P. minor. Er heifzt auch 
Zerrbein. Mühlin g, Tiern., 175. 

mummen, m,^ s. mummeln. 

Mummenhaus, n., Hurenhaus. 

Mummerlle, /., die Vermummte, Un- 
bekannte, den Kindern Holde; eine 
mythische Person, die den Kindern 
„etwas mitbringt"; daher oft auch die 
gute ,,Tante". Treichel. Allem An- 
scheine nach Gegenperson zu Mum- 
matxch, 

MommpHz, m., Spai'z; vielleicht ver- 
munmiter (verhüllter) SpaCz. Mache 
doch nicht solchen Mummpitz! Trei- 
chel. 

MOnchenhof, m., Platz und Strafze im 
Löbenicht zu Königsbergs so genannt^ 
„weil ein Mönchenkloster dicht am 
Thurm zum heUigen Geist gestanden". 
Hennig, 162. Hoffheinz, Strafzn., 
600. Die Münchenhofgasse hiefz früher 
und heifzt auch jetzt noch im Yolks- 
munde krumme Grube (s. d.). Vgl. 
Rlonkengasse. 

Mond. m. Einem den Mund vergön- 
nen^ ihm von einer Sache Mitteilung 
machen, ihn um Rat fragen, um etwas 
bitten. 

Munde, MUnde, Ortsn., früher Bezeich- 
nung für den Ort der Mündung der 
Danziger Weichsel; derselbe heilzt jetzt 
gewöhnlich vollständig Weichselmünde. 
Wir sind seit einer Stunde von der 
Münde (der Weichsel) zurückgekommen. 
Soph. R. IV, 589. In Pommern eben- 
Ms Münde. Dähn., 314 a. 

Mundlack, m., Oblate zum Briefver- 
scblufz. Mit roihem MundrLack fest 
verschUefzen. Carm. nupt H, 171b. 
Nach Treichel auch Mundleckerchen. 

Mundloch, n., das Rauchloch des Ofens. 
Dönh. 

m.j das für den Mund, zur 



Nahrung Geraubte. Mundraub ist kein 
Diebstahl. Dönh. 

Mundvoll, n, u. m., so viel Speise, 
dal'z davon der Mund voll ist, auch 
übertragen zur Bezeichnung eines ge- 
ringeren Quantums. Obwol ich damals 
ein Mundvoll Latein weggekrigt hatte. 
Soph. R. m, 215. WeigandU, 155. 

Munk, n., dickes Zeug. 

Munkefufz, m., Dickfuiz, Alensch, der 
angeschwollene Füi'ze hat. 

munkeln, sw. 1. heimlich, versteckt 
mit andern sprechen, von einer Sache 
leise, verblümt sprechen. Die haben 
imTner etwas mit eirw/ader zu munkeln. 
Im Dunkeln ist gut munkeln. Die Ma- 
trone ßng auch an, davon zu munkeln 
(da/z mir dann und wann einige Verse 
entfahren sind), und ich hoffte kräftig- 
lieh, da/z er mich bitten würde^ sie ihm 
zu singen. Soph. R. IH, 305. 2. ver- 
dächtig und gerüchtweise laut werden. 
Es munkelt, es will verlauten. Davon 
ist lange schon gemunkelt Aus beiden 
Bedeutungen: Gemunkel, n. 3. merken, 
erkennen: De Sesswekasche, de woal 
mungkeld, wat de Mönsche so vei^stömmcC 
makf, säd etc. Natangen. Firroe- 
nich I, 111b. 

munklig, adj., angekommen, dumpfig; 
zur Bezeichnung der besondern, durch 
dumpfigen Geruch und Geschmack her- 
vortretenden Verderbnis der Speisen 
für Menschen und Vieh. Getreide, Mehl, 
Grützen, Heu, Futter etc. werden mit- 
unter munklig. Angekommenes Ge- 
treide riecht muffig (s. d.) u. schmeckt 
munklig. Auch muMig; in Dzg. nach 
W. Seidel, 32, muchlich. In Bayern 
munkeln (vom Fleisch) übel riechen. 
Schmellerll, 600. Hennig, 164. 

Munkrock, m., Rock aus Munk. 

munstern, sw., mustern, sich zur 



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80 



Munter — Musch. 



Musterung behufs Anwerbung, Heuer, 
stellen. Ebenso schon mnd. Mnd. 
Wb. m, 134b. S. Belegstelle unter 
Heier. 

Munter, m., Hundename. 

Munterbach, gewohnlich Schloß Mun- 
terbach^ Name für ein schnell und leicht 
gebautes Haus als Arbeiterwohnung. 

Murdax, ^n., s. Mordax. 

Murks, m. 1. unartikulierter gnurren- 
der, grunzender Ton. 2. kleiner, un- 
ansehnlicher, auch mürrischer Mensch. 
S. Adelung HI, 320. Brem. Wb. HI, 
205. 

murksen, 8t(7. 1. vonifur^s, gnurrende, 
mürrische Tone hören lassen, aus Un- 
willen heimlich brummen. Hennig, 
164. 2. mühsam arbeiten. Ich habe 
den ganzen Tag murksen müssen. S. 
nurksen. Im frank. Bayern murksen 
grob schneiden. SchmellerH, 617. 
InHessen mwrzeln kurz und ungeschickt, 
mit stumpfem Instrument abschneiden. 
Yilmar, 276. 3. nach Mühlingauch 
schlachten, morden, ermorden, gewöhn- 
lich abmurksen (s. d.). 4. nicht recht 
gedeihen, so daTz Ungeziefer und Schmutz 
sich einfindet. Davon murksig, adj.^ 
schmutzig. Mar o Id. 

Murmel, m. u. /., s. Marmel. 

murmdlisch, murmdlsch, adj.^ s. mar- 
mdlsch. 

Murr, /., Kraft (Mark?). Er hat noch 
Murr in den Knochen. Treichel. 

Murrian, Murrjan, tt»., mürrischer 
Mensch. Treichel. Öfter noch Murr- 
kater. 

murrsch, od;., mürrisch. Doch mufz 
die Frau nicht mursch^ noch wie Xan- 
tippe sein. Carm. nupt. U, 22 c. 

Murichemau, Mursemau, m., s. Mirse- 
mau. 

MQs, pltd. MOS, /. u. 971., Dem. MQs-che, 



pltd. MOske, das Mus, eine Mehlsuppe. 
Mus ohne Klunkern heifzt Schlicbfmfts, 
mit Klunkern KlunkermQs. In We^tpr. 
(Eonitz) Maus. In der Gegend yon 
Saalfeld grtser Mus^ Mus aas grobem 
Mehl. Vgl. Kleckermus u. Klttermus. 
Vielfach in Sprichwörtern u. Redens- 
arten: M6s makt lästig^ äwer schwach 
op de Ben. Mos makt dat Ledder los. 
Schwarte Mos on Bohne wäre oK nu;scht 
done. M6ske öm Därmelj on Solwer 
op em Ärmel Sprw. I, 2680 i. Er ist 
80 dumm wie Mus. Ibid , 647. Eck 
woer do so vergnogt^ as wen eck Mohs 
plegdh ehte. Carm. nupt. HI, 77 c. Et 
wd't 6k on onse Schal MSs regne^ auch 
unser Glück wird blühen. Wehlau. 
Bei Jeroschin tritt mus als Bestim- 
mungswort in der Zusammensetzung 
müshiis Speisehaus, Refektorium auf: 
drte brudre stünden vf dem mushuse zu 
Cristmemü, 182 d. Pfeiffer, 198. 

MQsbauch, pltd. MOsbQk, m. 1. her- 
vorstehender wohlgenährter, oder aut- 
getriebener Leib, vorzugsweise bei Kin- 
dern; man schreibt ihn der Ernährung 
durch Mus zu. S. Volks!., 61, 40 H, 
6. 2. übertragen auf eine starkleibige 
Person. B}r ist ein Mvsbauch. 

Mufeh, Muiche, auch Moich, Mofohe, 
/., Dem. Muichche^ Moichche^ pltd. 
Mukhke^ Moichke^ Schmeichelname und 
Lockruf für die Kuh. Die Zärtlichkeit 
in der Benennung verstärkt sich, na- 
mentlich im Kindermunde, zu Musche^ 
kuhy Muichekuhche. Mühling hat noch 
den Lockruf Muscher. S. Volksr., 63, 
242b. Schwäb.-Augsb. Mutschel, Bir- 
linger, 341a; Motschen^ Motschelein 
das Kalb. Schmeller H, 658. 

Musch, Muscha, Dem. Muschchen, w. 
Vom., Marie. Liebes Muschcha^ gieb a 
Kuschcha^ Dafz nich die Mutter sitt! 



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Maschelmüs — mustern. 



81 



— „Wenn die Mutta nick wät sdne^ 
Wa ich dt a Kuschcha gdne (geben)." 
Gattstadt. 

MuichelmOs, /., ordinäre, aus gröb- 
stem Mehl, das man zusammenmuschelte 
(-kratzte), bereitete Mus. Vgl. Pracher- 



muicheln, 9w. 1. arbeiten ohne be- 
sondern Zweck, zweckwidrig arbeiten. 
MQhling. 2. mischen, mengen, un- 
sauber zusammenpatschen. 3. heimlich, 
in der Absicht zu betrögen, verfahren. 
Beim Kartenspiel wird gemuschelt. Vgl. 
fuchem. In diesem Sinne auch in Hessen. 
Vilmar, 277. 

Muscber, /., s. Muteh. 

MOich(e)rong, 9n. I.Pflaumen-Blätter- 
pilz, falschlich Musseron, Agaricua pru- 
nulus Scop. 2. cunnus^ vtUva. 

muicheÜtern, mo., umhersuchen, um- 
herschnüfieln. Was muichetitent du 
dat TreicheL Vielleicht von dem 
firans. mouche^ da die Fliege sich ja 
gern auf alle Gegenstande setzt. 

Muscbkebade, Miiskebade,Mo8ke(o)bade, 
/., MoskoTade, Rohzucker, frz. mos- 
couadej brauner Puder-, Streuzucker. 

Miitchkedonner, m., Musketen, Mus- 
kete, Flinte, namentUch älterer Art. 
ön minem Müs lach 6k so en oüer 
Aftuchkedonner, 

Mlltchketier, m., Musketier. 

inuichlich, adj,^ schmutzig, unordent- 
lich. Danzig. W. Seidel, 32. S. 
nnfoheln. 

Mutchpöke, /., s. Mischpöch'. 

Muiel, m. u. n., kleines, verkümmer- 
tes Wesen — Tier oder Mensch. S. 



l l i a m (u kurz) au?., sich^ sich er- 
holen, kräftigen; gewöhnlich ausmuiem, 
heraus-, rausmuiem. Er hat sich gut 
auMgemuSertj ist nach seiner Krankheit 
wieder zu neuen Kräften gekommen, 



hat sich tüchtig ausgefüttert, sich aus 
bescheidenen oder zerrütteten Verhält- 
nissen emporgearbeitet. Das Wetter 
hat sich ausgerrmiert^ aufgehellt, der 
zuvor bewölkte Himmel ist klar ge- 
worden. Davon muirig, adj,^ schwach, 
elend, vor Frost zitternd, verkommen. 
Das Gegenteil ist vermuiern, elend wer- 
den, kränkeln; leiblich und geistig ver- 
kommen; im Wachstum zurückbleiben; 
in der Kleidung unordentlich u. schofel 
werden. Mhd. sich müzen die Federn 
wechseln; mausern; aus dem lat. mu- 
tare. Schade, Wb., 633a. Müh- 
ling, Proben, 436. Sperber, 22. 
Bock, 36. fiennig, 164. 

Musik, /., zur Bezeichnung irgend eines 
aus verschiedenartigen Teilen bestehen- 
den* Ganzen, immer in der Verbindung: 
die ganze Musik; synonym: die ganze 
Prostemahlzeit Wie dem letztern Aus- 
drucke der Gedanke an die verschie- 
denen Gerichte einer Mahlzeit zu Grunde 
liegt, so mag man bei dem ersteren 
an die mannigfaltigen Melodien einer 
Musik denken. Die Herleitung von 
3/o8at^ ist mehr als fraglich. E. Förste- 
mann. 

Musikantenknochen, m., Ellenbogen- 
spitze. Treichel meint, weil man 
leicht weint (Musik macht), wenn man 
sich daran störzt. S. KUmmeleckclien. 

Muskebade, /., s. Muschkebade. 

muslig (s weich), adj,^ klein, unan- 
sehnliche verkümmert; von Tieren, aber 
auch von Menschen. Ein musliger Kerl. 
Vgl. miirig. 

mOspekerig, adj,y s. pfikerig. 

muirig, adj\y s. mutem. 

mustern, sw,<, putzen, mit dem Ord- 
nen des Anzuges sich viel zu scha£fen 
machen. Er mustert in einem fort an 
seinen Kleidern. S. ausmustern. 

mflstem, atr., heimlich besondere 

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82 mSswringrig — mutterseelenallein. 

Dinge treiben, murmeln, flüstern, lie- t^acA^klingtpoln. Bildung durch; Nsslm. 

beln. TreicbeL Im Brem. Wb. III, Forsch. 3; Th., 107, hält Muttermch- 

209: mustern^ lat. mussitare, chen für eine Verhochdeutschung von 

mUswringrig, adj.^ s. mtswringrig. Moter-, Moderuschke und führt, nach 

mOfzen, pltd. möfzeCn), aw.^ mit Mus Hennig, 165, an lit moterüzke Ehe- 
überziehen. Betteinschüttungen werden weib, plur. moterüzkes die verheirateten 
gemvfzt, d. i. mit einem bündigen Kraft- Weiber im Gegensatz zu den Männern 
mehlkleister überstrichen, damit ihre auf der einen, und zu den Mädchen 
Dichtigkeit verstärkt werde. Ermland. auf der andern Seite. S. Lit. Aeq., 20. 

Mutka, m., der Stint, Osmertis eper- Sperber, 22. 42. Klein 11, 24. 2. 

lanus; kass. Mutter vertrauliche Anrede des üe- 

Mutsch, m., Kui'z. Dem. Mut&chchen^ sindes an die Hausfrau, vgl. Moder; 

pltd. 'ke^ Küfzchen. CHeb mir ein ebenso an alte Frauen, an diese auch 

MtUschcfien! Im Lett. giebt es eine Mutsch, Saalfeld. 3. die Mutter zur 

härtere Form mutte Mund, muttite Schraube^ Schraubenmutter. 

Mäulchen, Küfzchen, muttikt küssen, Mutterche(n), /., Mütterchen, s. das 

und eine weichere muicha Mund, wiw- vor. 

schin^ch Mäulchen, muschot küssen. MutterfUllen, -fohlen, n.. Füllen weib- 

Nsslm. Th., 108. liehen Geschlechts. Hennig, 164. 

Mutsch, /., s. Mutter. Muttergroschen, m.^ Groschen von der 

mutschen, sw.^ von Mutsch^ küssen. Mutter, Reisegeld, Zehrgeld, Aasstat- 

Mutschken, plur,^ zur Bezeichnung der tung, welche dem Sohne bei seinem 

kleinsten Fische. Mühling, Tiem., Scheiden aus dem Elternhause mit- 

175. S. auch Mutsch, m. u. /. gegeben wird. Er hat Mutterg^'oschen 

Muttchen, /. u. n., s. Mutter u. Moder- zu verzehren. 

lieschen. Mutterkraut, n., Chrysanthemum par- 

mutteln, 8t^., einhüllen, sichmutteln^ ihenium Pers. Bock, 36. Hennig, 

sich warm anziehen. Mühling. Vgl. 164. Auch echte Elamille, Matricaria 

mummeln. chamomiUa L. Nsslm., handschriftl. 

Mutter, /., ebenso pltd., aber auch Nach Hagen, 274, auch Glaux mari- 

Moder, Möder^ Medder (s. d.), plur. tirna L. 

Mutters^ch). 1. maier; in mehrfacher Mutterlamm, n., Lamm weiblichen Ge- 

Deminution und Schmeichelform: Jl/t^^- schlechts. Hennig, 164. 

chen^ pltd. Muttke; Mutterche, pltd. -ke, Mutterloseken, n., s. Moderlieschen. 

Mutsch^ Mutschche^ pltd. -A^, Mutte- Muttermal, n., s. Mftl. 

ruschche^ pltd. -ke, Mutt(^a)ru8chcfien^ mutterseelenallein, adv., zur Yerstär- 

Mutterusche^ MuttruUchen^ alle zunächst kung des Begriffes allein: ganz allein, 

/. Muttchen^ gieb doch e Stikkchen ohne jede Gesellschaft, verlassen, allein 

Brot! Die Mutterche pucht^ schilt. Ein mit der Seele der Mutter, der seligen; 

altes Mutterchen zvm EhgemaU zu neh- auch mutterseoligallein. Doar troUd ock 

men. Carm. nupt. H, 85b. Mutterke mieenmoalganzmutterseelnaUeen.'DoTT^ 

heft e flassenet Hemd an, ist sonntäglich 26» Hei dravd sonst keinem nick, <ds 

gestimmt, traktiert Sprw. I, 2690, In Mooder seeUch mie. Carm. nupt. IV, 

den Schmeichelnainen auf sch^ usch^ 324c. Da neben der seligen Matter 



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Mutterteil — Mütze. 



83 



oft auch der Wind dem Verlassenen 
Gesellschaft leistet, auch mutterseelen- 
windallein, miitterwind(8eelen)allein, pltd. 
m6dermnd(ig)aUein. Wie der Prinz 
80 muUerwindseelen alleen metten drein 
(im Walde) wa)\ verbiestert he. Schaltj., 
3, 6. Vgl. Hennig, 164. Brem.Wb. 
ni, 173. Schützern, 104. Dähn., 
309b. Bernd, 187. Danneil, 142b. 

Mutterteil, pltd. Mutter-, MSderdel, n. 
1. £rbteil von der Hinterlassenschaft 
der Mntter. 2. wortspielend cunnus: 
Se ÖS e riket Make, se heft er Mutter- 
dcl. 

Mutteruschchen, /. u. n., s Mutter. 

mutterwindallein, adv,, s. mutterseelen- 
allein. 

muttig, adj,, abelriechend, dampfig. 
Muhling. Treichel. Aach schmutzig 
= mottig (s. d.). 

MutUosen, n., s. Moderlieschen. 

Muttrullchen, -ruschchen, /. u. n., s. 
Mutter. 

Muturas, /, Kopftuch der Litauerin- 
nen, das sie fest und tief um den Eopf 
gebunden tragen. Nsslm. Wb., 413a: 
muturis, f., weifzleinencs Tuch, das der 
jungen Frau am Tage nach der Hoch- 
zeit um den Kopf befestigt wird, so 
dafz der eine Zipfel hinten herabhängt; 
auf dem Kopfe werden mehrere Wulste, 
d h. Ausstopfungen von Hede ange- 
bracht. Muhling hat für dieses Tuch 
Moterei. Vgl. Passarge, Balt., 248. 

Mutz, m., Schlag, Hieb, namentlich 
der naturwüchsige: der Hieb an den 
Kopf, Mutzkopt\ die Ohrfeige. Vgl. 
Mz. 

MUze, pltd. MVtz, Metz, /., bekannte 
Kopfbedeckung, zunächst für Männer, 
dann aber auch für Frauen. Unter den 
Männermützen treten hervor: die Litaui- 
sche Mutze (s. Kappe) und in der Dzg. 
Nhg. die Verwatmetz (Viol^t, 172), 



eine Art Pelzmütze, vom mit Pelz 
verbrämt. Der Volksmund nennt jede 
Frauenhaube Mütze; unter den Frauen- 
mützen zeichnen sich aus: die Erm- 
ländische Mütze, und in früherer Zeit 
in der Dzg. Nhg. der Glvhskopei% die 
hohe Mütze, das Kavaüierchen, die Kar- 
nette. Violöt, 173 f. Die Ermiandische 
Mutze ist aus wertvollem, oft kostbarem 
Goldbrokat gefertigt; selbst die ärmste 
Magd ersteht diesen ihren grölzten 
Schmuck kaum unter 20 bis 30 Mark. 
Der Bodeo, von breit ovaler Form, 
bildet den grölzten Teil der Mütze und 
trägt, je nach dem Werte, mehr oder 
minder schön und reich ausgeführte 
Stickereien. £ine rings um die Mütze 
laufende, etwa handhohe, zierlich ge- 
faltete, aufstehende Borte von Gold- 
lahn, mit Spitzen überkleidet, giebt der 
Mütze ihre Originalität. Feingefaltete, 
meist weifzseidene Seitenbänder sind 
unter dem Kinn in eine grofze Schleife 
gebunden und flattern, gleich einer zwei- 
ten, an dem Hinterteile der Mütze an- 
gebrachten Schleife rauschend im Winde. 
Vgl. das vom Prof. J. Heydeck ge- 
zeichnete Bild eines ermländischen 
Bauermädchens in meinen „Ansichten 
aus demErmlande." (Der Feierabend. 
Volks- und Familienblatt. Gotha 1857 f. 
Bd. II, S. 21.) Die Mütze kommt mehr 
und mehr aus der Mode. — Der Glubs- 
koper war eine Art Kapuze, welche 
sich eng um den Kopf schloi'z und nur 
einen engen Qlvb (Ritze, ;Si)alte, zu- 
nächst in der Wand. Birlinger, 197a.) 
für Augen, Nase und Mund lieCz; sie 
gewährte auf Reisen Schutz gegen 
Schneegestöber und Staub. S. Abbil- 
duDg bei Viol^t, 174. — Das Kaval- 
lierchen, vielleicht von dem franz. cava- 
lier kavaliermäl'zig, auch ungezwungen, 
mit Uold und Silber und kostbarem 

6* 

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84 mutzen — Nabelkraut. 

Pelzwerk verbrämte Mütze. — Die mutzen, sw.^ von Mutz. 1. stofzend 

Kornette war beliebt bei den Frauen schlagen, an den Kopf schlagen^ ohr- 

der Nehrung. Sie war eine kleine feigen. 2. mit stumpfer Schere gnap- 

Mütze von schwarzem Sammet oder pend, struppig und ungleichmäfzig die 

Seide, mit roter Ein&ssung, oben mit Kopfhaare verschneiden. In Hessen 

schwarzen Spitzen und an den Seiten mutzen maulen, den Mund aufwerfen; 

mit einem weifzen Spitzenstriche be- faulen, in Verwesung übergehen. Vil- 

setzt. Von dem franz. comette Haube, mar, 278. 

Spitzenhaube. — Tritt ein Gast in ein MUtzen> MUtzchenpulver, pltd. Mtttzke- 

Haus^ worin eine Wöchnerin liegt, so potver, n., s. Utzenpulver. 

nimmt die Hebamme diesem die Mütze mutzig, adj.^ au^enutzt, abgenutzt, 

weg, welche er durch ein Geschenk aufgebraucht, kurz, stummelhaft. 

einlöst. Wer die Mütze schief auf dem Mlitzkopf, pltd. Mutzkopp, m., Mutz, 

Kopfe trägt, dem ist der Weizen gut Hieb mit flacher Hand an den Kopf, 

geraten. Dem Übelgelaunten steht die Kop&uTz, Ohrfeige. Oi^ ihm doch 

Mütze nicht recht. Einem auf die einen Mutzhopf! Davon 

Mütze geben^ ihm die Wahrheit sagen^ mutzkopfen, sw.y wiederholt Mutzkopfe 

ihn derb abführen. 0, bei meiner Mütze^ austeilen. 

ich bin das Dings müde! Soph. R. VI, 

208. Weitere Redensarten über Mütze 

s. Sprw. I, 2693 ff.; II, 1905 ff. 



N. 

n, Schmelzlaut, klingt pltd. wie hchd. eine dringende Aufforderung ausdrük- 

Es fallt in den Beugungssilben und kend, oft auch nur zur Markierung des 

namentlich bei den Infinitiven weg: Anhaltens im Urteil, viel£Ekch auch An- 

Qäwe Gaben, gewe geben, hSlCy hole fangswort in Ausrufen. Naf Na! Na 

halten; in Westpreufzen, soweit hollän- vorwärts! Na so! JVa, wcts soll dasf 

discher Einflufz reicht, besonders in Na Plümey wat 06ds^ na Pflaumen, 

Danzig und Umgegend, wird es da- etwas Gutes! Vgl. Sprw. II, 1907. 
gegen, wenigstens bei den Infinitiven, nft, präp.^ nach. Nah dree verflatfne 

regelmäfzig beibehalten. Auch in an- Doge Schhg he sine Oge op. Werdersch. 

dem Fällen fehlt das n am Ende: hinge Buur, 14, 5. 
hinten, na nein; vor Konsonanten: os nä (a lang), ado,^ nein, 
(aber auch on») uns. Über seine Ver- nabbelig, adj,y schmutzig. NahVlige 

tauschung mit m im Auslaute s. m. MargeU^ schmutziges Mädchen. 
Der Mehrzahl fügt es sich hin und nabbeln, sw.^ nagen. Wohl nur eine 

wieder iberü^ssig an: Messemy Fenstern^ Kürzung von gnabbeln. Vgl. gnagen. 
Stiefeln statt Messer etc. Lehmann, Nabelkraut, n., Pflzn., epheublättriger 

Volksmd., 29. Gortzitza. Frauenflachs, Antirrhinum cymbalaria 

na, interj., Verwunderung, Unwillen, L. Hagen, 652. 



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Nabelloch «— NachhocEzeit. 



85 



Nabelloch, n., GesehlechtsoffiiaDg des 
weiblichen Karpfens. Benecke, 492. 

N&ber, N&wer, Nakver, Nokber, Nokwer, 
fi>., Nachbar. Im Ermlande auch Nftkva: 
Näk/a, ea könnt doch sckreme on laset 
Firmenich III, 103a. De Nabersch 
Friedy de Sckrtwer^ säd so to onse Wt- 
wer: Der Wind jetzt anders bläst! 
Lhrztf?. 4, 355 d. Ahd. ndhcapur^ mhd. 
ndchgebur (auch nach dem adj. ndhj 
mhd. nach: näher), bei Jeroschin 
näkebur (Pfeiffer, 199), wendisch no- 
her, aogs. nechebttra, nehbur, engl, neigh- 
bourj schwed. nabo, Island. nacbuTy holl. 
nabuur (zunächst kurz buur), abo 
Nahebauer, Nahewohner. Schade, 
635b. Brem. Wb. m, 211. Schamb., 
143b. Adelung III, 365. Im Marien- 
burger Werder reden sich die Bauern, 
Hofbesitzer, gegenseitig Näber an. In 
Bayern Nachpe. SchmellerU, 689. 

NSber, m., s. Nftbger. 

Nftberin, /., von Näber , Nachbarin, 
doch üblicher NäwerCy Näbersche, und 
so in allen Formen: Näwersche, Noh- 
bersche, NokwerschCy Näkvasche. 

nftbem, nftwem, nokbem, nokwern, w., 
den Nachbarn besuchen. Ich homni 
ein bifzchen nähern, fireundschafUich 
plaudern. Am liebsten geht man wäh- 
r^d der Dämmerzeit nähern. 

Nabtrsche (a ^ a), /., s. Nftberin. 

NIbger, Näber, Nebiger (s. Yoc. 535), 
1»»., grofzer Bohrer, den man zur Aus- 
bohrung der Nabe (ahd. naba, napa) 
gebraucht; auch Bohrer überhaupt 
DönL In dem hochmeisterlichen Auf- 
gebot zur Heeresfolge „an^die Freyen 
auf Samland vom J. 1464 wird unter 
anderm angeordnet, dafz bei einem 
itadichen Wagn sey ein guter Spaten, 
ein Nebiger etc.^ Beitr. z. Ede. Pr. 
I, 352. Ahd. nahagfrj napager, mhd. 
nabegir, nebeger, verstellt nageber, um- 



gedeutet negbor Bohrer, Nagelbohr. 
Schade, 633 a. Im Ermlande nach 
MüLling Nebia, Nfibiar, NAwia; in 
Bayern Näbiger, Näbinger, Näber, Nei- 
her, Nepper. SchmellerU, 669. Im 
Bremischen Näviger, Neviger, Brem. 
Wb. III, 225 ; in Pommern Näwiger. 
Dähn., 321b; in der Altmark Neber, 
Danneil, 145b. Ein kleinerer Boh- 
rer heifzt Näwger. 

nach, pltd. nfl. Er ist sehr nach sich, 
pltd. Hei OS sehr nä sock, er sucht das 
Gute und Meiste sich zuzuwenden. 

nachbabbeln, pltd. nababble(n), sw., 
nachsprechen, die Worte eines andern 
wiederholen. Wie ruichkatien. Vgl. bab- 
beln. 

nachdem, pltd. n&dem, acte., später, 
nachher, sodann. Komm nachdem ! Erst 
essen, nachdem trinken. 

Mache, w. jüd. Vom., /. zu Nahum, 
auch Noche, Nüeche, Nüechesch, Flatow. 
Schmitt, 114. 

nachgehn, pltd. n&gane, st, nahe gehn, 
zu Herzen gehn, Trauer empfinden; 
anstrengen. Der Todesfall geht mir 
sehr nach. Die Arbeit geht ihm sehr 
nach, sie erschöpft seine Kräfte. Hen- 
nig, 165. 

nachgerade, adv., s. gerade. 

Nachharksel, pltd. Nftharksel, n., das 
nachgeharkte Getreide, d. h. die Über- 
reste an Getreide, welche, nachdem 
abgeerntet, mittelst der Harke zusam- 
mengebracht sind. Mühling. 

Nachhochzeit, pltd. Nfthochttt, /., Nach- 
feier der Hochzeit. In den Werdern 
findet diese am Sonntage nach der 
Hochzeit statt. Zu derselben werden 
auf der Danziger Nehrung alle die- 
jenigen eingeladen, welche wegen Man- 
gel an Raum oder aus sonst einem 
Grunde bei der Hochzeit nicht zugegen 
sein konnten. Passarge, 216. Viol^t, 



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86 



nachkauen — Nachtag. 



107. In Nalangen heifzt diese Nach- 
feier auch Nachkl&tsch. S. Kl&tsch. Ygl. 



nachkauen^ pltd. nftkaue(n), sw.^ die 
Worte eines andern wiederholen, na- 
mentlich zum Spott. Ebenso in Pom- 
mern. Dähn., 322 b; im Göttingen- 
schen nakaulen, nakawweln. S c h a m b., 
142b. Vgl nachbabbeln. 

nachkicken, pltd. nakicke(n), sw., nach- 
sehen. Substantivisch in der Redens- 
art: Er hafs Nachkicken^ er hat nichts 
von der Sache. 

Nachklatsch, pltd. Naklfttsch, /., Nach- 
fest, Nachhochzeit; wenn in unmittel- 
barer Folge, verwandt mit dem studen- 
tischen „Katerfrühstück", oft aber einige 
Tage später. S. Klfttsch und Nachhoch- 
zelt. 

nachknftstern, sw., nachlaufen. S* 
knastern 4. 

nachlälzig, adj\, die ursprünglich rich- 
tige Form des modernen nachläm^^ 
das hier nur selten gehört wird. 

nachpfeifen, pltd. napTpe(n), st, ver- 
loren geben. Kannst em naptpe, er 
wird nicht wiederkommen. Wohl her- 
genommen von dem vergeblichen Pfeifen 
nach einem verlaufenen Hunde. 

nachschlachten, pltd. näschlachteCn), 
«tt?., nacharten. Dem Vater — der Mut- 
ter nachscfdacfUen, die Eigenheiten des 
Vaters — der Mutter haben, zeigen. 

Nachschmack, m,, Nachgeschmack, 
doch stets mit der Nebenbedeutung des 
Unreinen, Herben. Das Bier — der 
Kafee hat einen Nachschmack, Hen- 
nig, 165. 

Nachschräp, m., Nachschrapsel, n., das 
Nachgeschrapte. Vgl. schrdpen, pltd. 
schräpe(n). 1. Speisereste, die an dem 
Innenrande der Kessel und Töpfe kle- 
ben bleiben und sich nur durch Schra- 
pen herausbringen lassen. In Pommern 



NaschrapeU. Re kriggt man dat Na- 
schrapels, das Beste haben andere be- 
reits weg. Dähn., 324b. 2. Reste, 
Überbleibsel einer Mahlzeit, eines Gast- 
mahls. 3. Figürlich das — verspätet 
eingetroffene — letzte Kind in einer 
Familie. Das ist unser Na/ihschrdpset 
4. geringere oder jüngere Personen, 
welche aus verwandtschaftlichen oder 
politischen Gründen in eine Gesellschaft 
Vornehmerer gezogen worden sind. 
Bock, 36. Hennig, 165. 

nachschrftpen, sw.y nachkratzen, nach- 
arbeiten, was ein anderer schlecht vor- 
gearbeitet hat. Einer unordentlichen 
Magd mufz man alles nachschrapen. 
Hennig, 245. 

Nachschrapsel, n., s. Nachschräp. 

nachsich, pltd. näsVck, adj,, habgierig, 
eigennützig. Er ist sehr nachsich^ er 
sucht alles nach (an) sich zu reifzen. 

nächst, adv.y zur Zeit, damals; bald 
darauf, nachdem. Neckst, als der erste 
Schnitt sich an die Halmen machte . . ., 
da dacht ich, Carm, nupt, 125. 

nachstäpeln, sw. 1. aus stappen, stapfen, 
nachlaufen und zwar in unberufener 
Weise. 2. in Westpr. nachgraben : Er 
stielt Kartofeln nach, er gräbt auf 
dem bereits abgeernteten Felde nach 
den noch zurückgebliebenen Kartoffeln. 
Mühling. 

Nacht, /., freie, zur Bezeichnung freier 
Weide für ein Stück Vieh. ^In vielen 
Privilegien heifzt es: Das Grundstück 
hat vier freie Nächte, es hat freie Weide 
für vier Stück Grolzvieh. Solche Pri- 
vilegien ruhen nur auf kleinen Grund- 
stücken. Der vierte Theil dieser Nutz- 
niefzung wird im Ermlande durch Fufz 
bezeichnet." Mühling. 

Nachtag, pltd. Nädag, m., Tag nach 
der Hochzeit, oder acht Tage nach der 
Hochzeit. Nachtag geben. Stein, Pe- 



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nacht^isch — nackendig. 



87 



regrinu8 XIII, 1. W. Mtsbl. VI, lll. 
Der Nachtag wird feierlich begangen 
and ofib ,,ist die Gesellschaft alsdann 
zahlreicher und das Gastmahl feier- 
licher, als am Hochzeitstage.*' Hen- 
nig, 165. Man unterscheidet lustigen 
und stiUen Nachtag *^ auf ersterem wird 
getanzt, auf letzterem nicht. Im Schwä- 
bisch-Augsburgischen heifzt der Tag 
nach der Hochzeit NaMwf, Birlin- 
ger, 347 a. Vgl. Nachhochzeit, Nach- 
kiatsch. 

nachtSisch, richtiger pltd. nftttisch, adj.^ 
habgierig, eigennützig; also dasselbe 
wie nachsich. Von ndteen nachziehen, 
nach sich ziehen, an sich reifzen. Bock, 
37. Hennig, 166. 

nächtigen, nachtigen, sw,^ über Nacht 
bleiben. Ich vjerde hiernachtigen. Ebenso 
in Estland. Sallmann, 70b. 

NachUcrailt, n., Pflzn., gebräuchliches 
Glaskraut, Parietaria offidnalisL. Auch 
PetersIcrauL Hagen, 1067. 

Nachtliegegeld, n., Geld, das der Lotse 
f&r jede Nacht, die er am Bord eines 
Schiffes auTzerhalb des Hafens zubringt, 
erhalt In Pillau beträgt dieses 3 Mk. 
Pr. Prov.-Bl. XVH, 51. 

Nachtiilie, /., zweiblättriges Knaben- 
kraut, Orchis bifolia L. Auch Nacht- 
schatten. Pritzel, 255. 

Nachtmär, m. u. /., s. Mär. 

Nacbtposten, m., Hure, die sich nachts 
fiuf der Strafze herumtreibt. Bock, 
37. Hennig, 167. In gleichem Sinne: 
NacMvegel, m. 

Nachfatüie, m. 1. Rohrdommel, Ardea 
steUaris. Drausensee. Mühling, Tiem., 
175. 2. nach Hennig, 167, Nacht- 
schwärmer. 

nachtragerig, nachtragerisch, adf. von 
nachtragen^ grollen, Beleidigungen nicht 
vergessen können, bei passender Ge- 
legenheit sich daför rächen. 



nachtrecken, pltd. natrecke(n), »u?., 
nachziehen. S. trecken. 

Nachtrecksel, n., das Nachziehende, 
letztes Gefolge bei pomphaften Be- 
gräbnissen. Gewöhnlich bildet das Ge- 
sinde das Nachtrecksel: Nun kommt 
das Nachtrecksel, Hennig, 279. S. 
Trecksei. 

Nachtrose, /., Pflzn., zweijährige Nacht- 
kerze, Oenothera biennis L. Auch Nacht- 
schlUsselblume. Hagen, 407. 

Nachtschatten, m., weifzer^ zweiblättri- 
ges Breitkölbchen, Piatanthera bifolia^ 
wegen der besonders des Abends wohl- 
riechenden Blüten. Treichel, Volksth. 
n. S. auch Nachtlilie. 

nachtschlafend, adj^ zur Nachtzeit oder 
doch spät am Abende. Einen bei nacht- 
schlafender Zeit besuchen, 

NachtschlUsselblume, /., s. Nachtrose. 

Nachtskann', /., Kanne, Topf für die 
Nacht, Nachtgeschirr. Die Na/:htskanne 
hat zwei Ohren bekommen^ sagt man, 
wenn jemand die Arme in die Seite 
stemmt. Sprw. I, 2708. 

Nachtvogel, m,^ s. Nachtposten. 

NachtwSrtke, -wVrtke, Pflzn., nach 
Hennig, 167, Orchis bifolia L., nach 
Mühling Orchis Tnorio, Natangen. 

Nachtzeche, /., Reihe, Ordnung der 
Viehhut während der Nacht. VgL 
Zech(e). 

nachwesen, pltd. n&w§se(n). Das 
Fleisch nachwesen^ Wasser nachgiefzen, 
wenn die Suppe eingekocht ist. 

nachzageln, mv.^ wie einZagel, Schweif, 
nachschleppen, nachziehen, nachfolgen. 
Kinder zagein der Mutter ncuih, Dürre 
Äste, die sich in Frauenkleidem fest- 
gehaftet^ zagein nach. S. zageln. 

nachzoddeln, -zoddem, sw,^ nachzotteln, 
s. zoddem. 

nackendig, a(f;,. nackt. Er geht fast 
nackendig^ ist schlecht gekleidet. 



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88 



Nadeld68(e) — Nahrstelle. 



Nadcld«8(e,\ /., Nadelbüchse. 

Nadelfisch, m., s. Homfisch. 

NadelkSrfel, ^n., PAzd., Ackersinau, 
Alchemüla arvensis Scop, Hagen, 178. 

nadeln, st^., mit Nadeln heften, ge- 
nadelt aeittj adrett und ehrbar in Hal- 
tung und Miene. Welche Gründe hatten 
Sie^ in der Frau E. Gegenwart immer 
so — wie zage ich? — genadelt zu sein, 
da/z die gute Frau Sie dann nur zum 
erbaulichen Beispiel vorstellte f Soph. 
R. IV, 37 f. 

NadolMe, m,^ der Nächsttollste, I^est- 
starkste. Er ist immer noch der Na- 
dollste, Samland. Er. Neustadt, in 
dem ein Dorf Nadolle belegen ist 
Treichel. Das erste Glied der Zu- 
sammensetzung na kann auch als die 
poln. Vorsilbe zur Bildung des Super- 
lativs angesehen werden. 

Nage (a kurz, g nach j hinklingend), 
auch Nage, Naginne, /., Schuh aus Eg- 
gen^ Tuchecken; mit grober Leinwand 
Qberzogener, besohlter Strumpf als 
Schuh (Friedland Ostpr. Muhling); 
nach Hennig, 166, Naginen^ Nagin- 
nen besondere lederne Schuhe, welche 
die Litauer nach Art der Paresken 
(s. d.) anfertigen. Nach Rogge heifzen 
die Schuhe Maggen; doch ist unter 
allen Namen der erste der üblichere. 
Von dem altpr. nage Fufz (Voc. 145), 
poln. u. rass. n>oga; lit. nägint\ nagine 
Sandale, wohl aus dem preufz. entlehnt. 
Nsslm. Forsch. 2; TL 109. Pierson, 
A. W., 27. Lit. Aeq., 20. S. Beleg- 
stelle unter Bierhol. Seit 1724 wird 
diese Mode {Paresken zu trafen) seltener 
gesehen^ da durch eine königliche F^'- 
ordnung sowol die Pareesken^ als auch 
die Naggen oder lederne Riemen^ zu 
(ragen verboten toorden, Bock, Nat. I, 
132. Vgl. Wutehe. 

Nagel, pltd. Nagel {a^ä), tti., die 



Namen der verschiedenen Arten Nägel 
s. unter Klammspeicher. 

Nägelchen, pltd. Nagelke(n), n. 1. Dem. 
von Nagel, Die Ta^ldnge auf ein Nä- 
gelchen demonstriren^ auf das genaueste. 
Linem., A3a. 2. Nelke, Nägelein. 
Wenn Tulp, Bos\ Negelcke an Ihrem 
Haupte stehn. Carm, nupt II, 165 b. 
Ebenso Geumrzndgelchen, . 

nagebi, sw.y coire, 

nagelneu, pltd. nagelnil (a = ä), adj,, 
neu, wie ein eben gefertigter Nagel. Ein 
nagelneues Kleid. An de nagelnOe Brut^ 
Junfer Thrien Liefzke Bobindin. Carm, 
nupt, V, 264d. Bock, 36. Auch nig- 
gel- und nuggelnagelneu. Vgl. fiinkel- 
hagelnagelneu. 

Nagelwunn,m.,Finger-,Nagelgeschwür, 
Umlauf, panaricium; auch blofz Wurm. 
Mühling. 

Nägerchen, plur.^ von nagen^ die an 
den Knochen haftenden Fleischreste, 
welche abgenagt werden. Sperber, 
22. 

Nag't (a -^ a), Flufzname, Nogat S. 
Noacht 

Nagwart, m., Pflzn., gemeiner Stech- 
apfel, Datura stramonium L.; auch Igel- 
kolbe. Hagen, 246. 

Nftheit, /., Nähe, Nachbarschaft. . . . 
so in der Naheit uH>hnen. Hartwich, 
485. 

nahrhaft, adj. Er ist nahrhaft^ er 
versteht sich zu nähren. 

nährig, ad/., nach der Nahrung, dem 
Erwerbe sein, dem Verdienste nach- 
gehen, haushälterisch leben. Ebenso 
im Brem., Holstein., Götting, in Pom- 
mern; in Estland dagegen s. v. a. wohl- 
häbig. Brem. Wb. HI, 218. Schütze 
III, 136. 140. Schamb., 144b. Dähn., 
320b. Sallmann, 75b. 

Nahrstelle, Nahrungsetelle, /., Stelle, 
die gute Nahrung, ein gutes Auskoxn- 



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Nahrung — Narbe. 



89 



men gewährt. Eia stark besuchtes 
Wirtshaus ist eine gute Nahrsielle, 
Nahrungsstelle, 

Nahrung, /. 1. Unterhalt, Auskom- 
men. Er ist sehr nach der Nahrung, er 
geht mit Eifer dem Verdienste nach. 
Bei he/t sine gvde Nahrung^ sein gutes 
Auskommen. Hennig, 166. 2. Be- 
sitztum, Ackerland. In Bergshofehen 
waren schon alle Nahrungen beurbart, 
. . . Wenn Hausväter ihren Kindern die 
Nahrungen übergaben . . . keiner der jun- 
gen Matnner hatte eine eigenthümliche 
Nahrung . . Geschunster^ die nach dem 
Tode der Eltern ihre Nahrungen an- 
genommen hatten. Anhang z. Soph. R., 
14. 

Naht,/. Eine gute Naht saufen. Sprw. 
I, 445. Er sitzt ihm auf der Naht^ er 
beobachtet ihn scharf. Vgl. Heiduck. 

naja, adv.^ meinetwegen, das kann 
so sein. 

näjfiy adv.^ nein. 

Nftkver, w., Nachbar. Oberland. S. 
Ndber. 

NftI, NW, w. Vom., Komelia. Hart- 
wich, 55. 

Nälbaum, pltd. NälbAm, m., von nälen 
zögern, warten. Vom Wählbaum fäUt 
man auf den Nälbaum^ zu Mädchen, 
die in betreff der Freier anfanglich 
wählerisch sind, und später warten 
müssen. Vgl. Sprw. I, 3961. 

nälen (a lang), sw. 1. zögern, zau- 
dern, saumselig und langsam eine Ar- 
beit fordern, eine Sache zustande- 
bringen. Herr Oott, wie lange näht 
du bei der kleinen Arbeit ! In der Rede 
ncUen, sehr langsam und mit grolzem 
Umschweif reden. Bei der Arbeit nälen^ 
faul und langsam arbeiten. In der Ge- 
gend von Saalfeld auch nillen. Davon: 
NUer, m,y Zauderer, Zögerer, Faulpelz. 
NBIerei, /., Saumseligkeit, näierfg, adj. 



saumselig. In Zusammensetzungen : Nat- 
hans, Nälpeter, Nälltse, Nältrtn. 2. lang- 
sam trinken. In Bayern noUen^ nullen 
saugen, trinken. Schmeller II, 689. 
S. bcnälen. Das Brem. Wb. m, 233 ff., 
hat für zaudern neteln, notein u. nolen^ 
für Zauderer Neteler^ im Holstein.^ in 
Pommern u. im Götting. nolen^ so auch, 
nach Treichel, im Kreise Neustadt. 
Schütze III, 152. Dähn., 330a. 
Schamb., 146a. S. noch Sallmann, 
37. Hupel, 169. Danneil, 144b. 
Bernd, 188. Hennig, 166. Sperber, 
23: neeUn. Vgl. banalen. 

Name, NQme, w. jud. Vom., Naöma. 
Flatow. Schmitt, 114. 

namkilndig, adv.^ namhaft, dem Namen 
nach bekannt. Eis soll hinfort keine 
Beichte sein^ dadurch man schuldig wäre^ 
alle Sünden nahmkündig zu rnachen^. 
(Aus einer Predigt des Bischofs Queis 
in Riesenburg v. J. 1526.) Hartkn. 
Hartwich, 65. 

nanft, interj.y abwehrend und drohend. 
Nana, man nich so heutig! 

nanQ, intery., verstärktes na (s. d.). 
Nanu, was soU dasf! Nanu — fahr du! 
Elbing. Auch adverbial in der Be- 
deutung: jetzt, nun eben. Nanu kann*s 
losgehn! Nanu ne, jetzt eben nicht! 
Dat war vehl behter (besser) als nanu. 
Nowack, 5. Vgl. Sprw. I, 2721 f. 

Napoleon, umgewandter, pltd. omge- 
wendt Napoljum, auch angewandter N., 
Medik., Unguentum poptUeum. 

Narbe, pltd. Narw, /., leichte Kruste^ 
die sich über sandigem, auch feuchtem 
Boden, oder auf einer Wunde bildet, 
in letzterm Sinne jedoch entschiedener 
Rab. Man spricht von der erdartig 
verhärteten (^Sandr) Narbe auf den 
Dünen, von der Moosnarbe auf den 
Brüchem. — Hiervon sich benarben. 



sw. 



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90 



närgeln — Nasenpdpel. 



närgeln, nergeln, nörgeln, sw., ver- 
wandt mit nörgeln und nurgeln^ mäkeln, 
kleinlich hadern, wiederholt kränken, 
ärgern, quälen, verfolgen mit Tadel, 
Schelte, Witzen, Neckereien, Spott, 
durch wiederholtes Beruhren einer ab- 
gethancn Sache. Sie haben so lange 
genärgeU (y^turlupinei*^)^ bis der liebe 
selige Mann darüber ins Crras beifzen 
mufzU, SophKV, 588. NachGort- 
zitza auch nirgeln; ebenso in der Saal- 
felder Gegend, im Oberlande. 

narnich, adv,, s. nSmich. 

Narr, m. Mach dich nicht zum Nar- 
ren, als Zurechtweisung an den, der 
die Grenze des Hergebrachten und 
Schicklichen überschreitet. Er hat einen 
reckten Narren an ihm gefressen, ist 
ihm in blinder Neigung zugethan. Hen- 
nig, 168. S. Sprw. I, 2726 ff. 

narren, sw. 1. narren, täuschen. 2. 
sich nairen, lieben, auf Freiers Fufzen 
gehen. Ameng (am Ende, vielleicht) 
krtge wir bald Hochzeit ins Dorf, Seile 
Tochter narrt soch all lang mot Schä- 
fers Atcgtist. 0ns Herr geht auf die 
Frei, er narrt sich all seit zejakr (vori- 
gem Jahr). Saalfeld. 

Narrenkolben, m., breitblältriges Kol- 
benrohr, Typha latifolia L. Hagen, 
944. S. Duderkeule. 

Narrenzeug, pltd. NarretTg, Narrentäg, 
n., dummes, albernes Zeug, närrische 
Streiche. Vgl Schose. 

Nftrsch, Narsch (a = ä), NArsch, Nftrsch, 
Närs, m, 1. Arsch, Podex. Die reiche 
Anwendung des Wortes in Sprichwort 
und Redensart s. Sprw. I, 118 ff.; U, 
119 ff. Vgl. Mftrsch. 2. Öhr der Na- 
del. 

narsch, adj\ 1. närrisch, komisch. Ein 
nofrscher Kerl. Wollen wi noch eenmal 
dat narrsche Wiefstöck de Hurtig, to 
em schfcken. Dorr, 1. Wiew., 73. 2. 



nett, niedlich, lieblich. Ein narsches 
Kind, ein niedliches, liebliches Kind. 
Dat let (liefz) ehr recht narsch, sah 
niedlich aus, kleidete lieblich. Ebenso: 
Dat ÖS narsch — os e narschet Ding 
{Kind). Nach Gortzitza auch närrsch. 
Vgl. pQdelnarsch. 

nftrschen, sw., von Narsch, mit dem 
A. rühren, sich röhren, thätig sein. 
Man mot närsche, wenn man vorwärts 
woll. herumnftrschen, unruhig sitzen. 

Narzafz, s. Marschrat 

naicheln, sw., naöchllg, adj., s. nuicheln. 

Naschwerk, n., SOfzigkeiten, Konfekt 
Brin^ den Kindern etwas Naschwerk 
mit. 

Nase, /., Fischn., Chondrostoma nasus 
L. Im Yolksmunde NSsling, m., Quer- 
maul, Erdfisch, Schwarzbauch, bei Heils- 
berg Asche; mas. nos. Benecke, 142. 

Nasedrippche(n), pltd. NäsedrSppke, n., 
das Tröpfchen an der Nase. Volksr., 
32, 122. Sperber, 22. 

Nasenbaum, Nasenkneif erbaum, m., s. 
Brillenbaum. 

NasendrUcker, pltd. Näsedriicker, m., 
einfacher Brettersarg mit glattem 
Deckel, der recht oft die Nase der Leiche 
drücken mag. Auch Nasenquetscher, in 
Bayern auch Nasenpatscher. Seh mel- 
ier II, 706. Hennig, 168. Vgl. Not- 
sarg. 

Nasenfärber, Pflzn., Feuerlilie, Lilium 
bulbiferumL. Weichseldelta. Treichel, 
Volksth. III. 

Nasenklemmer, m., Brille ohne Sche- 
ren (Flügel), die man auf die Nase 
klemmt, Pincenez. Nach Mühling 
auch Nasenquetscher. 

NasenpApel, m., verdickter Schleim im 
lonem der Nase, den man durch pdpdn 
(s. d.) herausfingert; auch bloiz PApei. 
Nasenpopel auch zur Bezeichnung von 
etwas Wertlosem. Um Nasenpopel spie- 



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Nasenquetscher — Natterzagel. 



91 



fcn, um nichts, nur des Vergnügens 
wegen, spielen. Treichel. Sperber, 
23. 25. 

Nasenquetscher, m., s. Nasendrttcker u 
-Uemmer. 

nasheberig, pltd näshSwerig, adj,, hoch- 
mutig, stolz. Aus Nase und heben zu- 
sammengesetzt. 

Näskeknlperböm, m., s. Brillenbaum. 

ndslang, pltd. näslang, adv., von der 
Lange einer Nase, z. Bezeichnung eines 
mehr oder minder längeren Zeitraums. 
Alle ndslang ist er da. Alle ndslang 
raticht er einen Zug. 

Nasling, m., Fischn., s. Nase. 

nassauern, sw,^ auf anderer Leute 
Kosten leben. Studentisch. 

Nastuch, pltd. Näsedök, Näsdök, n, 
Taschentuch, Schnupftuch. Hennig, 
168. 

nafz, adv. fvT najz^ vor nafz = für 
umsonst, frei. Er geht heute vor nafz 
ins Theater. Treichel. Ygl. nassauern. 

nalzkaK, pltd. nattkölt, adj.^ yom Wet- 
ter bei kaltem Regen und schlaggigem 
Schnee. 

natänlsch, adj.^ eigennützig, habsüch- 
tig. Mühling. Ebenso im Holstein- 
8chen, auch neidisch, hinterhältisch. 
NachRichey, 172, \onnateehn^ nach 
sich ziehen. Schütze III, 135. In 
Pommern natägsch. Dähn., 324b. 

natansch, natangsch, adj,^ natangisch, 
aus Natangen (s. Abkürzungen in I). 
Ein natanscher Bauer. 

Nate, Dem. Natchen^ w. Vorn., Re- 
nate. 

Nftfel, /., Nadel. Ich sitze wie auf 
Nateln^ habe dringende Geschäfte und 
mufz wider Willen sitzen. Das ist mit 
der heifzen Natel genäht^ wenn ein 
Kleidungsstück in den Nähten schnell 
trennt Op Natle sitten on e Ptp To- 



bak roken. Elbinger Ndrg. Hennig, 
168. 

Nation, /., Schimpfwort: Gesindel, 
Pack. Auch Nationszeug. Es ist eine 
rechte Nation — ein rechtes Nations^ 
zeug. On weil das Nationszeig docht^ 
der jingsten Schwester was zem Possen 
ze thun, da nammen se de Hex gutt of. 
Schaltj. 3, 11. Auch adjektivisch na- 
tionsch: naHonsche Krätl Sprw. I, 2762. 
Sperber, 44. Vgl. Gesipp. 

Nätklas, w., Rias, Nikolaus, der Nät^ 
Nüsse, trägt, der Weihnachtsmann, heil. 
Christ; auch Nikolaus. Westpr. Denn 
drecht he Htu^kepack 'non groten Sack 
voU Woary De NätKloas heft etschwoar. 
Dorr, 4S. Vgl. Nickel. 

Nätler, m. 1. Nadler. Die NeteUr zu 
Lübeck haben ihre Statuten y. Jahre 
1356. In Danzig die Nätlergasse, 
Forste mann, Strafzn. 2. kleiner Krä- 
mer, Hakenbüdner. In gleichen Be- 
deutungen auch in Pommern. Dähn., 
321b. 

Nätsch, ?n., Pflzn., steifes Borsten- 
gras, Nardus stricta L.; auch Wolf. 
Hagen, 62. Ibid., 981: spitzkantige 
Segge, Carex acuta L. 

Natterknotehen, n., Pflzn., Wiesen- 
knöterich, Polygonum bistorta L. Müh- 
ling. Nach Hagen, 422, NatterknVte- 
rieh. 

Nattermilch, pltd. Nattermelk, nach 
Pritzel, 368, in Ostpr. auch Netter- 
milich, /., Pflzn., niedrige Schwarzwurz, 
Scorzonera humilis L. Auch Sohlen- 
genmord. Hagen, 800. 

Natterwendel, m., vielleicht verderbt 
aus Nackenwender y Wendehals, Jynx 
torquiUa. S. Drehhals. 

Natterzagel, Pflzn., gemeine Natter- 
zunge, Ophioglossum vulgatum L. Hen- 
nig, 168. 



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92 NaUirfagot — Negc. 

Naturfagoty n. Er bläst Naturfagott^ euch nie!) eine schwere Krankheit ge-- 

entJäfzt hörbare Winde. habt S. Sprw. I, 2763. 

Natzchen, pltd. Nafzke, n., Tröpfchen, Nebel, pltd. N(wel, m., litauischer^ 

Neige, kleiner Rest, ein weniges von scherzhafte Bezeichnung fQr einen all- 

einer Flüssigkeit. Es ist nur noch ein gemeinen Landregen. 

Natzchen im Glase. Neme se noch e Nebeneisen, n,, s. Zoch. 

Natzke Kaffee; beim Nötigen. Nebenpferd, pltd. NSweperd, n., Hand- 

nau, odv., gekürztes genau. Nau be- pferd, Pferd, das neben dem Sattelpferde 

dingen on richtig betdien. Gr. Werder, geht. Mühling. 

Nau namen (genau genommen) 6^f c^u Nebenverdienst, 7n., Nebendienst, durch 

mien Bedeenter. Dorr, 1. Wiew., 15. den man neben seiner Haaptbeschäfli- 

Auch im Dem. navJces. As ek mi dat gtmg noch etwas verdient, gewinnt, er- 

ganz naukes bekickt hadd. Dorr, Driew- arbeitet, 

jagd. NSbiger, m., s. N&bger. 

Nauds, n., Gutes. An dem Menschen nSche, acfo.. Dem. von nr' (s. d.). 

ist nichts Naudsy nichts Gutes. Lit. Saalfeld. 

naudä Nutzen, Gewinn. Das s an Neckel, m. u. n., s. Nickel. 

Nauds ist wohl deutsche Neutral- necksch, oc^'., s. nicksch. 

endung. Hennig, 332 Nsslm. Forsch. nedden, adv.^ unten, niederwärts, cia^ 

3; TL, 110. warts. Dzg. Nhg. Viol^t, 102. Dat 

nauen, »w.y s. v. a. knauen (s. d.); Is funk r^edden an to goanen. Dorr, 

auch beengen etc. gleich benauen (s. d.). 19. In der Heilsberger Gegend nedda. 

Hennig, 168. Ahd. nidana^ mhd. niden^ alts. nithanoy 

naunehmend, adj.^ s. genaunehmend. hgs. Tieodhan^ altnoTä. nedhan. Schade, 

näweddrig, adj., s. neweddrig. 648b. In Bayern niden. Schmel- 

Nftwer, m.^ nftwem, sw.^ Nftwersche, /., 1er II, 681. Im Bremischen, Holstein- 

s. Naber, nftbem^ Nftberin. sehen, in Pommern nedden. Brem. Wb. 

Näwger, m,, s. Nftbger. lU, 227. Schütze III, 138. Dähn., 

nflzVcksch, adj.^ nachtragend; aus 325b. 

Zock= Töck Tücke und na nach. Er nedder, octo., nieder. Neddermot em! 

ist sehr ndzocksch. Elbing. De dltste Frü Medder^ sett jü nedder. Volksr., 

war ser häfzlich on von schlechtem Oe- 60, 230. In Bayern nider. Schmel- 

mitt^ se war nahzocksch. Schaltj. 3, 6. 1er H, 681. 

nS, adv.y nein, in Westpr. noch mit Nedd'fung, /., s. Niederung. 

voraufgehendem Dem. neche ne. Es Nedd'runger, m., s. Niedeninger. 

vondag (heute) keene School? Neeche Neden, plur.^ Netz als Eop^utz fQr 

nee! Dorr, 1. Wiew., 88. Neke ne^ Frauen, alts. netti. Eauben^ Koller^ 

Herr Präger (Prediger)^ awerscht doch! Meder^ Hembd^ Krencken^ Neden u. a. 

nebbig, oefe., jud.-deutsch, Ausdruck Hofart. Stein, Peregrinus XUI, 86. 

des Bedauerns, der Teikahme, Wunsch; W. Mtsbl. VI, 159. S. Mnd. Wh. HI, 

entstanden aus dem deutschen nie bei 180 a. 

euch. Eine Herleitung aus dem He- Nfige, /., Dem. Negchen^ Negerchen^ 

bräischen ist nicht festgestellt. Ich Neige, Rest, besonders von Nahrungs- 

hab\ nebbig (sie sei nie bei euch, treffe mitleln. Et geit op de NSg\ Das 



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negedrahtsch — Nehrung. 



93 



Nehgchen toiU ich noch versüfzen. Soph. 
R. VI, 317. Im Schwäbischen Neigele, 
in der Oberlaus. Negel. Birlinger, 
351a. Anton 2, 13. 

nftgedrahtsch, adj., neundrähtig; über- 
tragen: schlau, auf den eigenen Vor- 
teil bedacht. Schemionek, 26. Vgl. 
dreihärig. 

nSgeklAky adj\, s. neunklug. 

ii§ge(n), mo. 1. nähen. Du (PSchke- 
tlraht)y Du negst so manche falsche 
Naht Volksl., 25, 16, 2. Im Bremi- 
schen naien^ neien^ im Göttingenschen 
nefeny neieuy holl. naaijen. Der Stamm 
ist das keltische nei% neut Faden. Brem. 
Wb. m, 214. 229. Schamb., 144a. 
2. neigen, ein Gef&fz beim Trinken etc. 

NSge(n)6g, n., Neunauge, s. Pricke. 

negem, adv, Saget^ dajz sie dero Ur- 
sachen halber auf sie bekannt^ dafz sie 
kennte zanzlen^ toeü sie am negem^ wie 
ein Edelmann aUhier begraben worden. 
Eonitzer Hexenproz. v. J. 1623. Pr. 
Prov.-Bl.II, 117. 

NeguSy m., Wein mit heilzem Wasser 
and Zucker, genannt nach einem eng- 
lischen General. Sallmann^ 126b. 

nehmen 7 st. Einen nehmen^ einen 
Schnaps trinken. 

Nehmerche, pltd. NSmerke, m., der 
Nehmende, im Gegensatz zu Oeberche 

(8. d.). 

Nehrung, /., durch wechselnde Schrei- 
bungen Neringa, Neringia^ Nerigia^ 
Nergia^ Neria^ Nergie^ Nerige^ Nerge^ 
Nergya, Nerie^ Nerga^ im Volksmunde 
Nehrbig, Nedderung, Name der langge- 
streckten Halbinsek, welche die Ost- 
see vom frischen und kurischen HafF 
trennen, daher frische und kurische 
Nehrung. Bei Jeroschin: man sach 
ztn wol achthundirt man van Littouwin 
dnurch ir erge ubir di kurische Nerge. 
120d. er buite ungespart üf der kur- 



schin Nerge vart einre vestin bürge clus. 
P f e i f f e r , 201 . Die ursprüngliche Form 
ist wahrscheinlich Nerie^ Neria. Das 
Wort wird neuerdings (Nsslm., Forsch. 
2; Th., 111) ausschlielzlich von der 
Wurzel des lit. neriu^ n^rti tauchen, 
untertauchen, isz-nh*ti, issfirnkrti hervor- 
tauchen, abgeleitet; darnach wäre Ne- 
ria^ Nergia soviel wie das abwechselnd 
Auf- und Niedertauchende, das ver- 
änderliche Land, welches, wie ein 
Schwimmer, bald über dem Wasser 
sichtbar, bald unter demselben ver- 
schwunden ist. Das Verdienst die Be- 
deutung des Wortes iVi^Arun^ als „Tauch- 
land^, als ein durch flache Landforma- 
tionen unterbrochenes Gewässer, gegen- 
teils als ein der Zerschneidung und 
teilweisen Uberdeckung durch Wasser 
unterworfenes Land, zuerst dargethan 
zu haben, gebührt F. Neumann. Vgl. 
dessen gründliche Abhandlung über 
den Namen Nehrung in den N. Pr. 
Prov.-Bl. a. F. VI, 385 ff. (falsch pagi- 
niert: S. 370—382). Als Ausgangs- 
punkt seiner sprachvergleichenden Un- 
tersuchung bietet sich ihm das sanskr. 
ndra Wasser dar, dem sich zunächst 
er. vaQog nafz, feucht, vrjQog fliefzend, 
neugr. yij^ov Wasser anschliel'zen; doch 
fehlen in seiner reichen Zusammen- 
stellung von Namen auch die lit. naras^ 
narünas^ neras Taucher, nh'ti tauchen, 
und die slaviscben gleichbedeutenden 
Wörter nicht: poln, norek, nwrek^ russ. 
nuirok^ böhm. noreky nurek^ norzec 
Taucher, als Person und als Vogel; 
lett. nirra Taucher oder Wasserhuhn; 
russ. nuirfafy nuimuf^ serb. noriti sich 
untertanchen; dass. lit. nardyUy poln. 
nurzat^ nurzyc etc. — Durch diese 
gründlichen Feststellungen sind die äl- 
teren Erklärungen des Wortes Neihrung 
antiquiert. Sie sollen hier der VolU 



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94 



Nehmnger — Neschintinnis. 



standigkeit wegen dennoch aufgefohrt 
werden. Nehrung wird (Voigt, Gesch. 
Preufz. V, 190) für ein altprealiz. Wort 
gehalten, so dafz neriga Zeme soviel 
bedeuten soll, als ausgewühltes, von 
den Meereswellen aufgeworfenes Land, 
und daher Nering oder Nehring ge- 
schrieben; oder es wird für eine deutsche 
Bezeichnung angesehen. Als solche 
leiten es die Einen ab von ner^ d. i. 
zusammengezogen das Wort nieder y nd. 
nedder und von inge^ ingen Erde, Land 
(wie Groningen = Grönland, Bingen = 
Inland), und schreiben es Neddering^ 
iVmn^ = Niederung (Wedicke, Be- 
merkungen auf einer Reise durch einen 
Theil Preufzens), oder von ner und 
der Nachsilbe ing «= ung. Andere wol- 
len den Stamm des Wortes im deut- 
schen nähern (nahe kommen) finden, 
und den Namen Nahrungen = An- 
näherungen als eine passende Bezeich- 
nung für Gegenden ansehen, welche 
nur durch eine schmale Landzunge die 
Vereinigung zweier grofzen Gewässer 
verhindern und bei abnehmender Breite 
das wechselseitige Nähertreten der- 
selben befördern. (Pr. Prov.-Bl. V, 
121. Preufz, Pr. Land.- u. Volksk^ 
10.) Hennig, 166, teilt noch die von 
Bock (Vom preulzischen Bernstein, 
S. 78) gegebene Ableitung von Neh- 
rung mit; er meint: „diese Erdstriche 
wären ehemals Sandbänke gewesen, 
hätten sich aber nachher über die 
Fluth erhoben und einigen Einwohnern 
durch den neuen Land- und Ackerbau 
Nahrung geliefert." Über die frische 
Nehrung vgl. noch: M. Toppen, Die 
frische Nehrung. N. Pr. Prov.-Bl. a. F. I, 
81 ff: Passarge, 336. Viol^t, Ne- 
ringia, über die kurische Nehrung: L. 
Passarge, Die kurjsche Nehrung. Zu- 



stände und Wandelungen. Altpr. M. 
VIII, 20 ff. Passarge, Balt., 94. 

Nehrunger, m.^ Bewohner der Neh- 
rung. 

nei, ddv.y nein ; auch ne^ nu (s. d.). 

neien, sw,^ wiehern. Engl, to neigh] 
im Holsteinschen neitem. Seh ütze III, 
144. 

neinei, in der Kleinkinder- u. Idioten- 
sprache = schlafen. Dritter Jahres- 
bericht der Idioten- Anstalt zu Rasten- 
burg, 1872. S. 29. 

nein noch, nei noch, adv,^ noch nicht, 
Ut. dar ne. Man hört auf die Frage: 
Bist du schon dagewesen? die Ant- 
wort: Nein noch. Hennig, 333. 

Nei, w. Vom., s. NU. 

Nelkenschmele, /., Pflzn., nelkenblättri- 
ger Hafer, Avena caryophyUea Web. 
Hagen, 83. 

neppen, m,^ s. nippen. 

•ner, Pluralendung: En Stuckner fünf, 
En Tagner acht. En Wochner sechs. 

n(re, nfirens, adv.^ nirgend^ nirgends. 
Oberland. Ermland. S. nfimich. 

nergeln, sw.y s. närgeln. 

nerlcen, sw.^ necken. Schemionek, 
26. 

nernich, nfiming, narmich, ado.^ nir- 
gend, nimmer, niemals. In der Dzg. 
Nhg. narnich. Hastig gespoty ös nemig 
— neming gSt. Sprw. I, 1497. Mi 
wer narnich t6y mir war nirgend wohl, 
recht behaglich. Dzg. Nhg. Violit, 
195. Dat fr§schret Green man narr- 
nich mehr kann sehnen. Dorr, 1. Wiew., 
121. 

nerr, (r lang ausgehalten). Ruf, mit 
dem bissige Hunde gereizt werden. 

Neschintinnis, /., Wadegarn von un- 
gleicher Flügelläoge (der kürzere Flü- 
gel heiizt KrastegaUiSy /., der längere 
Gebisses^ aüisy /., zum Fischfang in dei) 



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N^schken — Neuesor^. 



95 



schnell strömenden Ausflüssen der Me- 
mel, namentlich im Athmath- und Skir- 
wiethstrom. Beschreibung und Abbil- 
dung in Benecke^ 350 f. 

Ntechken, NIschkes, plur.^ nichtswerte 
Neigen^ dürftige Überreste; zusammen- 
hängend mit ne und mischt Er ifzt 
immer das Beste^ uns giebt er die Neschr- 
kes. Treichel. 

Nesselfeiier, pltd. NetteHUer, n., Nessel- 
fieber, wobei stark gerötete Erhöhun- 
gen auf der Haut hervortreten, als ob 
sie mit Nesseln gebrannt wäre. Hen- 
nig, 169. 

Nesselhopfen, m., gemeiner Hopfen, 
Humulus luptdus L. mos. Hagen, 
1040. Vgl. Fimmelhopfen unter Flm- 
lueL Nach Pritzel, 185, in Ostpr. 
auch Hopfenkuhn. 

NesselkVnig, m., Zaunkönig, Troghdytes 
panmlus. Bujack, 373. Mühling, 
Tiem., 175. 

Nesselranken, plur., Fflzn., gemeine 
Flachsseide, Cuscuta europaea L, Ha- 
gen, 180. 

Nesteling, NesUing, m., Fischn., Ucke- 
lei, AÜmmus lucidus Heck. Mubling, 
Tiem., 175. S. Ickelei. 

Nester, m., der Nister, Nistende. Bei- 
name für den Storcht Hadebär^ du 
Nester^ bring* mt e junge Schwester! 
Volksr., 50, 191. Rochholz, 87. S. 
ROder u. Steiner. 

Nesterpflanzungen, plur.^ die Anpflan- 
zungen Ton Weidengesträuch zur Be- 
festigung des Vorlandes (s. d.) der 
Weichsel; sie bestehen aus kleinen im 
Kreise gesteckten Ruten (den Nestern)^ 
welche meist schon nach wenigen Jah- 
ren ein dichtes Gestrüpp bilden und 
das Material zu den Faschinen liefern, 
durch deren Legung man ein Abspülen 
and Unterwaschen des Ufers oder Vor- 
landes zu verhindern sucht. Passarge, 



188; Balt, 101. Preufz, Pr. Land.- 
u. Volksk., 25. 

Nestkeichel, pltd. Nestkikel, Nestkuck- 
chen, Nestkilken, auch Nesthäckchen und 
Nesthuck, n. 1. das letzte u. schwächste 
Küchlein. Oho ! warm (sitzen) toie ein 
Nestküken. Soph. R. VI, 557. 2. das 
jüngste Kind. 3. ein schwächlicher, ver- 
weichlichter Mensch; daher auch ein 
verzärteltes Kind. Er ist ein Nesir 
keichel. Er ist ein rechtes Nestkuckchen, 
Hennig, 169. Sprw. I, 2772. Vgl. 
Keichel. 

Nestiing, m., s. Nesteling. 

Nftt, w. Vorn., s. Agn^ 

nett, adj. u. ado. 1. gut, lieb. Ein 
netter Mensch; aber auch ironisch in 
gegenteiliger Meinung. 2. sicher. Etwas 
nett verwahren^ so, dafz man es selbst 
schwer, der Fremde gar nicht zu fin- 
den vermag. 

Nettermilich, Pflzn., s Nattermilch. 

Neubruch, m. u. n., der neugebrochene 
Boden, die gerodete, urbar gemachte 
Pakoe (s. d.). Vgl. Rode. 

Neuesorge, /., früherer Name der Kö- 
nigsstral'ze zu Königsberg, welche auch 
die Gumbinnsche Stralze hiel'z. Die 
Neuesorge ist erst zu Anfang des 
17. Jahrhunderts zu bebauen angefiEui- 
gen. Nach dem Erl Pr. I, 547, hat 
sie ihren Namen daher erhalten, „weil 
Bogislaus Uadzivil, Statthalter inPreufz., 
zu dessen Zeiten sie bebaut worden, 
auf die Frage, wie die Stralze heü'zen 
sollte, geantwortet haben soll: Aber- 
mals neue Sorge, bei welchem Na- 
men es denn auch nachgehends ge- 
blieben*'. Hennig, 169. Faber, 119, 
erklärt, dafz die Benennung Neuesorge 
älter als die Anstellung des Fürsten 
Radzivil als Statthalter; ebenso werde 
die Annahme anderer, daiz ein FlüTz- 
chen, die Sorge^ sich daselbst ergossen, 



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96 



Neuhänser — Neateich. 



durch Akten, Urkunden oder Abrisse 
nicht bestätigt. 

Neuhäuser, See-Badeort auf der Pil- 
lauer Halbinsel, in der Nähe von Pillau. 
Der Name ist aus „neue Häuser" ge- 
bildet. 

Neujahr, pltd. NUejar (a = ä\ n., Dem. 
Nü^ärke. Hei ös munter vne e Nüe- 
järke. Sprw. H, 1892. 

Neujahrgreifen, n., s. GlUckgreifen. 

Neujahrsbock, m.^ eine maskierte Per- 
son, welche am Sylvesterabende von 
Haus zu Haus geht zum Schrecken und 
Jubel von jung und alt. Das Haupt- 
requisit der Maske ist gewöhnlich ein 
umgekehrter Schafspelz. 

Neujahrsheilgenabend, pltd. NUejars- 
hVllgeawend, m.^ Sylvesterabend. An 
diesem Abend herrschen mancherlei 
früher abergläubische Gebräuche, die 
jetzt vielfach nur den Charakter der 
Belustigung tragen. Diese, an betrefFen- 
der Stelle abgehandelt, sind folgende: 
GlUckgreifen^ Zinngiefzen; Sc/dorrchen- 
9€hmei/zen ; Lichtchenschwemmen; Haber- 
schwemmen; Rosemock/agen. Weitere 
Gebräuche, deren Anfuhrung aufzer 
den Grenzen dieses Buches liegt, s. 
Volkskal., 31—67. Über die F^ier des 
Abends im Natangenschen s. Boldt, 
16 f. 

Neunaugenreuse, /., Reuse zum Fang 
der Neunaugen. Beschreibung u Ab- 
bildung in Benecke, 397 f. S. auch 
Aalreuse. 

Neunaugensack, m.,Sacknetz zumFange 
der Neunaugen. S. Wenter. 

Neunaugenwarte, /., Warte (s. d.) zum 
Fange der Neunaugen. S. Benecke, 
388. 

Neunerlei Blumen, — Kraut, s. Kraut 
— Gewürz, Medik., Tragea aromatica. 
Pulvis aromaticus. Neunerlei Gewürz^ 
wie neunerlei Kraut wird beim Aus- 



treiben des Viehes unter die Stallthür- 
schwelle gelegt; das Vieh ist dann ge- 
gen Behexen gesch&tzt. 

Neunheil, n., Pflzn., keulenförmiger 
Bärlapp, Lycopodium clavatum L. Ha- 
gen, 1084. 

neunklug, adf.^ üblicher pltd. nfige- 
klAk, klug wie neun, überklug, altklug, 
gerieben, pfiffig, vorlaut. Sprw. 1, 2777. 
Bei Schemionek, 26: neegenkJug. 
Davon 

NeunMuger, pltd. NSgekMker, m., Pfiffi- 
kus, Schlauberger etc. 

Neunkraft, /., Pflzn., gebräuchliche 
Pestwurz, Petasites officinalis Mnch. 
Ostpr. Pritzel, 268. 

Neunmal des Teufels, pltd. nege mal 
det Diwels, Medik., Tinctura Asa foe- 
tida, 

Neunmannskraft-Tropfen, fJwr.y pltd. 
Nigemannshraft - Droppe{s ) , Medik., 
Tinctura aromatica. 

Neunspitzen, Pflzn., roter Gänsefulz, 
Chenopodium rubrum L. Hagen, 282. 

neuschTrig, rein pltd. ntschtrig, nttschtrig, 
adj,^ neugierig. Ntschtrig wie e Nachts 
gäl. Om se recht muschirig to meaken^ 
Bracht he eck Breaden. Dzg. Nhg. 
Parad., 46. Ntschtrig war de Moder 
drop. Samland. Firmenich III, 498b. 
,..uis nigschtgy efte (ob er) nü de 
Diwel seie wdt Konitz. Ibid., 637a. 
Davon: der Neuschtr'ge und die Neu- 
schtrigkeiL Väl NiescMage koame noa 
Hus on hebhe nuscht geseene. Boldt, 
12. Hennig, 170. Brem. Wb. HI, 
240: nifsgirig; Dähn., 329a: nyUck; 
Schamb., 145a: ntferig; Vilmar, 283, 
und Anton, 10, 15: neuschierig; Dan- 
neil: nischirig^ nitschirig. Sperber, 
23, hat noch niglig. 

Neu-StonupVhnen, Ortsn., s. Stonu» 
pöhnen. 

Neuteich, pltd. NUe^lTk, Ortsn., Stadt 



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Neuzeugmacher — nichts. 



97 



im grofz. Werder. 6n Nüedik send de 
arme Lüed nich rtk. 

Neuzeugmacher, m., Yerfertiger fran- 
zösischer (neuer) Tuche. Das Neu- 
zeugmctchergewerk hat 1714 durch den 
französischen Fabrikanten Neuville sei- 
nen Anfang genommen. Bock, Nat. 
V, 409. 

nSweddrig, adj. 1. widerhaarig, wider- 
setzlich, widerstrebend, widerspenstig, 
ungehorsam, unliebenswürdig, einer, der 
toedder on wedder ne (wieder und wie- 
der nein) sagt. In dieser Bedeutung 
auch ntweddersch und n6wenderig. 2. 
verstimmt übel gelaunt, grämlich, ver- 
driefzlich, unzufrieden, unlustig. Dzg. 
W.Seidel, 32. Dzg.Nhg. Oberland. 
Wer^noch so sehr nöwed'rich es, On- 
mackUch on verstommt^ De ward glick 
froh^ dat es gewefz^ Wennt Kwe Fer- 
johr kemmt. Violöt, 197. So best ok 
du (Napoleon) bt onsem Glock nckoedd- 
rig stets gewese. Dat Danziger Voll- 
blod. Schemionek, 26: neewiderig. 
Vgl. Pierson, A. W., 28, wo auf gäl. 
nuoidarrach hingewiesen ist. 

Newod, nach den verschiedenen Schrei- 
bungen noch Newot^ Niwad, Niwod^ 
Nnoat, Nywat^ Niewaty Niewody Nie- 
woty Nisaty m, Name eines Fischer- 
netzes, dessen Gebrauch bei Verleihung 
von Fischereigerechtigkeiten häufig un- 
tersagt wird. Nach Hennig, 171, das 
gra&e Wintergam, womit in Preulzen 
unter dem Eise gefischt wird; nach 
Benecke, 360, das grolze Wintei^arn 
der Binnengewässer, masur. nievxyd, 
Niewod oder grofze Zuggame^ deren et- 
liche 5, 6 bis 800 und mehr Klafter 
hauen. Pierson, Matth. Prätor., 117. 
Bei Hartknoch, 667, Newot; in dem 
Privilegium der Stadt Elbing von 1248: 
Niwad. Mm. hist Warm. I, 20. In 
andern Urkunden Nywod, Nach Hen- 

FrtechMw. WÖrurboch U. 



nig wird das Netz in Waifzels pr. 
Hist., löO, Nisat genannt; in einer ge- 
schriebenen Chronik steht bei demsel- 
ben Worte am Rande: Nywod heifzt 
Liewad, ist ein grofz Wintergam. Man 
findet es auch durch Störgam über- 
setzt, weil damit die Störe gefangen 
werden. Pisanski, De lingtui Polo- 
nica Jwrisconsulto Prusdco utiUssimay 
S. 4 u. 5. Lit. ist newddas das grofze 
Netz, das von zwei Kähnen gezogen 
wird; rass. nhoody ^poln. niewod iQi ehea- 
falls das grofze Zaggam, die Wathe. 
Nsslm. Forsch. 2; Th. 112. Lit. Aeq., 
20. 
nibbeln, sw.y s. nippern. 
nibber, adf., emsig, thätig, hurtig. 
Dönh. Samland. 
nibbem, sw.y s. nippem. 
Nibrus, m.y Nashornkäfer, Oryctesnor 
sicomis, lit. nibras. Mühling, Tiem., 
175. 

nich, adv.y nicht. Noch nich. 2. wohl, 
vielleicht, etwa. Kann ich nich(t) mit- 
kommen? Kann ich nicht för 3 Pfen- 
nig Zucker kriegen? 

Niclitenschaft, /, Verwandtschaft im 
weitesten Sinne des Wortes, von Nichte. 
Wt son Nichte tohöp, wir sind Nichten 
zusammen, zur Bezeichnung einer Ver- 
wandtschaft, die sich nicht mehr nach 
Graden bestimmen läfzt, bei Frauen 
sowohl, als auch bei Männern. Pas- 
sarge, 214. 

Nichts, pltd. Nuscht, n., wei/zes, Me- 
dikament, Nihil albumy Tutia alba 
farinacea. Die bäuerischen Hausmütter 
auf der Elbingischen Höhe bedienen sich 
eines rothgelblichen Thons anstatt des 
wei/zen Nichts bei den Kindemy wenn 
dieselbige wund sind. Bock, Nat. H, 
69 f. Auch wei/z Augennichts. 

nichts. Schweinkraut fressen die 
Schweine wie nichts — zu ergänzen 

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98 



Nicke — Niederung. 



wäre: anderes gern = sehr gem. Saal- 
feld. 

Nicke, NUcke, /., plur. Nicken und 
fast allein gebräuchlich, pltd. NScke, 
üble, mürrische, boshafte Laune, Mucke; 
Tücke, Groll. Er hat Nicken tvie ein 
altes Postpferd. Sprw. I, 2780. Denn 
du hast auch deine Nucken. Soph. R. 
VI, 214 f. Hermes weist auf das frz. 
petite tete hin. Er la/zt nicht von sei- 
nen Nicken. Einem die Nicken aus- 
treiben — vertreiben^ ihn durchprügeln. 
Richey, 175. Brem. Wb. III, 251. 
Vilmar, 286. Hennig, 172. 

Nickel, Neckei, m. u. n., leichtsinniges, 
feiles Frauenzimmer. Kommifznickel, m., 
Soldatenhure, gemeines Frauenzimmer 
überhaupt. Zunächst ist Nickel ein 
kleines Pferd, engl, nag^ holL negge^ 
die Bedeutung Hure würde übertragen 
sein. Vgl. Brem. Wb. HI, 240. Ade- 
lung ni, 489. In Pommern Hure. 
Dähn., 329 b. Als wegwerfende Be- 
zeichnung für ein Mädchen bei Her- 
mes: Was der Nikel für ein ascendant 
Ober die alte Frau gehabt hatf Soph. 
R. V, 569. Bock, 37. Hennig, 168. 
Bernd, 190. Anton, 10, 15. 

Nickel, Nitteklas, woraus Nätklas, auch 
kurz KI&8, Klaus, m. Vom., Nikolaus. 
Hartwich, 54. Vgl. Nätklas. 

Nickelsnih, /., Medik., s. Nicklasruh. 

nickkSpfen, pltd. n8ckkoppe(n), sw.^ 
mit dem Kopfe nicken, sitzend schlum- 
mern. 

Nicklasruh, Nickelsnih, /., Medik., Re- 
quies Nicolai^ Schlaftränkcheo, Ruh- 
pulver, Beruhigungssäftchen, Opium 
enthaltend. Vgl. Adelung lU, 480: 
Neunerlei. Das sagt man überall, da/z 
die Wärterin in der Doctorapotheke am 
Ro/zgarten eine Dosis Nikekruh geholt 
und . . . dem sei. Kinde als ein Schlaf- 



tränkchen beigebracht hat, Soph. R. V^ 
488 u. 486. 

Nicknelke, /., Pflzn., nickender Tau- 
benkropf, Silene nutans L. Hagen, 
464. 

nicksch, nilcksch, pltd. necksch,nScksch, 
adj.j nickisch, mit Nicken behaftet, 
eigensinnig, launisch, heimtückisch. He 
ÖS necksch as Kungen Kcbbely de wuU 
nich Häwer freten. Sprw. I, 2782. 
Hennig, 172. Im Bremischen miksk. 
Brem. Wb. III, 251 ; in Pomm. näcksch^ 
nücksch. Dähn., 320a. 332a; im 6öt- 
tingenschen nucksch^ nücksch. Schamb., 
146b. 

Niedau, Ortsn., Dorf im preufz. Wer- 
der, ön Niedau steht de KUvitt Sn de 
Stakcj to März Idte se em herut, Sprw. I, 
2784. 

Niederholder, m., Zwergholunder. S. 
Ackerholunder. 

niederMchtig, adj. u. ado., herab- 
lassend gegen Ärmere, leutselig. Da£s 
enmäl en niederträchtger Herr^ ein Herr, 
der mit dem Mann aus dem Volke 
wohlwollend und leutselig verkehrt 
tvie so niederträchtig kommst dUy Herr 
Jesus Christ. Gesangbuchlied. Soph. 
R. HI, 27. Ebenso bei Schütze HI, 
147. Schamb., 145a. Vilmar, 283. 
Danneil, 147a. Anton, 2, 14. Mi, 
58 b. Vgl. gemein. 

Niederung, pltd. Nedd'rung, f., das 
Marschland des Weichseldeltas, w^en 
der niedrigen Lage, der geringen Er- 
hebung über den Meeresspiegel; auch 
Werder (s. d.). In entschiedenem Ge- 
gensatze zur Niederung rücksichtlich 
der Erhebung wie des Ertrages steht 
die HShe, nach den beiden Hauptorten 
der Niederung unterschieden in Dan- 
ziger u. EUnnger Hohe. Lewer an de 
Neddrung vasüpe^ as op de Hög vadrege^ 



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Niederanger — Nilling. 



99 



lieber in der Niederang — bei den hin 
and wieder sicK ereignenden Über- 
schwemmungen — ertrinken, als auf 
der Höhe vertrocknen — Not leiden 
vor Dürre. Lieber in der Niederung 
venaufen^ als auf der Höhe verhungern. 
Sprw. I, 2787. Passarge, 238. — 
Man bildet von Hohe das Adjektiv hS- 
hitch (s. d.). Das Marschland des Del- 
tas der Memel(Niemen) heilzt dieZ/ttom- 
sche oder TUsiter Niederung. Vgl. 
Nehrung. 

Niederunger, Nedd'runger^^t., Bewohner 
der Niederung. 

niedlich, adj.^ freundlich, liebenswür- 
dig. Das ist niedlich! also wollen Sie 
bei der Frau E. ein gutes Wort s^echenf 
Soph. R. II, 286. Aber auch, ironisch, 
das GegenteiL Das (JJwrecht) soll ich 
mir gefallen lassen? Nun, das wäre 
niedlich! 

Nierenkalb, m.y Fehlgeburt beim Rinde. 
Der mit nierenartigen Knoten versehene 
Fruchthalter kommt umgestülpt aus der 
Scheide. Das nierenartige Aussehen 
der Geburt hat zu dem Namen ge- 
führt Mühling. 

Niesekraut, Nieskraut, n., Pflzn. 1. 
Sumpfgarbe, AchiUea ptarmica L. 2. 
Sumpfwurz, Epipactis latifolia L. und 
Serapias rubra L. Hagen, 899. 921. 
925. 

niesen, sw.^ hin und wjeder mit star- 
kem Particip genossen. Treichel. be- 
niesen, SU7., bestätigen, mit Eop^ Nase 
and Hand, welche beim Niesen th&tig. 
Er hat es beniest^ folglich mufz es wahr 
sein^ wenn jemand eine unwahrschein- 
liche Sache erzählt, und er selbst zu- 
fallig oder ein Zuhörer boshaft dazu 
niest Hennig, 170. 

Nieskraut, n., s. Niesekraut 

niet- und nagelfest, adj.^ das fest Ge- 
nietete und Genagelte; daher in Woh- 



nungen die Immobilien. Vor dem ist 
nichts niet- und nagelfest. Im Bremi- 
schen need' un nagel-vast Brem. Wb. 
III, 226. Hennig, 171. 

Niewod, m., s. Newod. 

ntfen, sw.^ der eigentümliche pfeifende 
Atem ton bei verschnupfter Nase. Müh- 
ling. 

Niff, NSff, auch Nui, /., Nase. Öck 
gäw dt ent op e Niff — op e Nui. Hei 
haud mie vor de Nöff^ dat mie de 
Schvnem anquom. Carm. nupt. I, 282. 
Angs. nd>b, engl. nt6, dän. näv^ holl. 
neb Schnabel, Nase; im Bremischen 
Nibbe. Brem. Wb.m, 236. iVi/is da- 
selbst, 237, eine Naseweise; in Hamburg 
Nüffe^ Nase; ebenso im Holsteinschen, 
in Pommern. Schütze III, 155. Dähn., 
331b. Vgl. vemifflig. 

nlfribldsch, oc^'., korrumpiert von neu- 
fränkisch, 

niggelnagelneu, ad^\^ s. nagelneu. 

ntglig, adj.^ neugierig, s. neuschtrig. 

Nignag, 9n., sehr schmutziger Mensch. 
Mühling. 

Nikolaiken, Ortsn., Städtchen in Ma- 
suren, im Kr. Sensburg, das sich durch 
Fischfang (Stinte) auszeichnet. Lokal- 
spott: In Nikolaiken liegt ein Stint- 
hengst an der Kette. Mühling. Sprw. 
I, 2789. Vgl. Arys. 

nTkonune, adj. De niekomme Zepter^ 
der neu angekommene Lehrer. Dzg. 
Nhg. Viol^t, 98. 

Nilk, m., s. Nilling. 

Nill(e), /., auch Niller, m., penis. 
Ebenso in Posen, in der Altmark. 
Bernd, 191. Danneil, 147a. 

nillen, sw.^ s. nälen. 

Nilling, m., nach Treichel auch Nilk, 
ntis. Ebenso in Posen und Oberlaus. 
Bernd, 191. Anton, 10, 16. Bernd 
weist für die Herleitung auf das schwed. 
Uly illeTy isl. ilia, Ulr böse, woraus 

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100 



Nimm — nischt. 



üUngr lU-ing^ nebub. Dieselbe Her- 
leitang s. auch Brem. Wb. II, 695. 
Wird» dich denn bdfzen^ aufr^sen^ an- 
Jumchen wie ein Nülling oder Wiesel? 
Soph. R. I, 374. Vgl. Duck. 

Nimm, von nehmen^ als EigeoDame. 
Er ist vom Stamme Nimm, er ist ein 
Geistlicher. Sprw. I, 2790. Von einem 
Unverschämten sagt man: Hei ös vom 
Stamm Nömm^ stn Väder het Drist 
Kgsbg. 

Nimmerdaun, pltd. NSmmerdOn, m.y 
einer, der nimmer daun wird, ein Nim- 
mersatt. Vgl. dOn. 

nimmermehr = ganz und gar, rein. 
Das ist nimmermehr wie Gold^ das ist 
rein wie Gold. Marold. 

Nimmermehrstag, Nimmerstag, m., Nim- 
mertag. Er bezahlt s am Nimmermehrs- 
tage, Mühling. Auf den heiligen 
Nimmerstag. Mewe. Vgl. Pfingsten. 

Nimmerstill , Pflzn. , Pfennigkraut, 
Thlaspi; auch Schillinge, Taschendieb. 
Saalfeld. 

nTp, ebenso pltd., aber auch nep, 
nepkes, adj. 1. genau; vom Sehen und 
Hören. Er kann ntp sehen, scharf 
sehen — ntp hören, scharf hören. 
Hohe ma neppkes to. Jerrentowitz. 
Volksr., 87, 366. 2. nahe. Sieh nicht 
so ntp, du verdirbst dir die Augen, Ge- 
wöhnlich vermischen sich beide Be- 
griffe beim Sehen, und heifzt ntp sehen 
mit Anstrengung und Aufmerksamkeit, 
genau und nahebei mit niedergebeug- 
tem Kopfe sehen. Ich habe mir zwar 
den Kerl . . . nicht so nipp angesehn. 
Soph. R. VI, 255. Hermes zieht das 
frz. fixer quelqu'un an. Hennig, 176, 
weist für die Ableitung auf das niederl. 
nibben, nipken den Schnabel einstecken, 
uneigentlich die Nase, das Gesicht nahe 
an etwas bringen, was diejenigen thun, 
die etwas genau besehen wollen. Im 



Bremischen, in Hamburg, im Holstein- 
seben, in Pommern nipp, nippe. Brem. 
Wb.in,241. Richey, 174. Schütze 
III, 149. Dähn., 329b. Danneil, 147a. 

Nippchen, Nips, n., ein klein wenig, 
ein Neigchen, ein bifzchen, ein kleines 
Stück. Ein Nippchen — e Nips Brot 

nippein, sw., s. nippem. 

nippen, pltd. neppen, nSppe(n). sw., 
sitzend schlummern, wobei der Eopf 
oft unfreiwillig nippt nickt; auch schlum- 
mero überhaupt. Ich will noch ein bifz- 
chen nippen. Bei Jeroschin nucken: 
nü sul wir ht vorzuckin, dt rede Idzin 
nuckin und abir her in vUchtin ein teil 
von den geschichtin 39c. Pfeiffer, 201. 
Mit dem Kopfe nicken heifzt in Bayern 
gnavpen, bei Tage schlummern nau- 
neln, leicht schlummern nwren, nardn^ 
nafzen. Schmeller, 699. 696. 704. 
683. Birlinger, 348a. Im Göttin- 
genschen ebenfalls nippen und Nip, m., 
ein Schläfchen. Schamb., 145 b. 
Bock, 37. Hennig, 169. Davon ab- 
nippen. 

nippern, nibbem, sw., nippen, in wie- 
derholten kleinen Zügen trinken. Hen- 
nig, 172. Auch nibbeln und nippein. 
benibbeln, sich, sich allmählich benip- 
pen, betrinken. In Bayern nipfen, 
nipfeln, Schmeller U, 700. Ebenso 
in der Oberlaus. Anton, 10, 16. In 
Mecklbg.-Vorpom. niwweln. Mi, 59b. 
Vgl. labbern. 

Nips, n., s. Nippchen. 

nirgeln, sw.y s. nttrgeln. 

Nts, m. Vom., Kürzung von Diony- 
sius. Hart wich, 54: Nyfz. Vgl 
Tennis. 

Nisat, m., s. Newod. 

NTs-chen, w. Vorn., Dionysia. Uart- 
wich, 55. S. NTs. 

nischlrig, adj,^ s. neuschtrig. 

nischt, nichts, s. nuscht 



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Nistel — Norce. 



101 



Nistely /., Pflzn., Mistel; Vücum aU 
bum L. Vgl Mestel. 

Nttelchen, Ntdelohen, pltd. Nltelke, Nf- 
delke, n., zur Bezeichnang eines nied- 
lichen Mädchens. Eck sack en Nie- 
telcke von der Ddhr wegschUecke, Carm. 
nupt. 1, 282, 2. S. Fiamiedel unter 
fix. 

nitsch, ad^. m ctdv,^ eifrig, tapfer. Efr 
haut nttsch drauf los. Stamm ist das 
ahd. nidy mhd. nit^ m., Anstrengnng, 
Eifer; feindseliger Eifer, Erbitterang, 
Unwillen^ Zorn, Ingrimm. S. Schade, 
Wb., 648b. 

Nittekias, m. Vom., s. Nickel 

nitten, aw.^ netzen, spritzen und zwar 
im Strahle. Kinder nehmen den Mund 
voll Wasser und nitteriy d. i. yerspritzen 
es durch die zugespitzten Lippen in 
weitem Strahl. Treichel. Vgl. schnirk- 
seiL 

ntwer, o^'., lustig, munter, freund- 
lich; artig, niedlich. Dönh. Friedland 
Ostpr. Verwandt mit ahd. nim^ nmwi, 
mhd. niwey ntuwe neu, frisch; ohne 
Alter und Erfahrung^ sich immer wie- 
der erneuernd, nie veraltend. S. Schade, 
Wb., 655 b. 

Niwod, m., s. Newod. 

Niwolly /., Not, Elend; von dem poln. 
niewola Zwang, Not, Knechtschaft. 
Sperber, 38. 

nix, nixt, unbestimmtes substanti- 
visches Zahlpronomen, nichts. Was 
hast du dal Nix. Daraus das Dem. 
Niache, das Nichts-chen. Zu Mittag 
ffiebfs ein silbernes Nixche und ein goldr 
nes Warteweüche, Im Holsteinschen 
ebenfalls nio;. Schütze III, 149. Vgl. 



Nixe, /., kleine Kugel, mit welcher 
die Kinder spielen. Gedanism. VgL 



nixt, s. nix. 



Noacht, Nagt (oa u. a = a), /., Flui'zn., 
Nogat. Dat Is ging af en Noacht on 
Haff. Dorr, 41. Twoschen Wiessei on 
Noacht Titel von Dorrs Plattdeut- 
schen Gedichten. S. die Abkürzungen 
im 1. Bande. Über die Herleitung des 
Namens Nogat vgl. Neumann, Die 
Namen Nogat und Weichsel. N. Pr. 
Prov.-Bl. a. F. VI, 411 ff. S. ebend. 
noch Vn, 301 ff., Vm, 55 ff. und 
Nsslm., Th., 114. 

Noahkasten, m., alte Kutsche. Müh- 
ling. 

Nobelskrug, m., richtiger wohl Nobis- 
krug^ Schenke oder Wirtshaus des 
Teufels, Hölle. Nach Nobelskrug rei- 
sen^ sterben. Tilsit. Sprw. 1, 115. Über 
Nobiskmg vgl. Grimm, Deutsche 
Mythol. II, 954. Schwartz, Der heut. 
Volksglaube. 1862, 125. Vilmar, 284. 
Weigandll, 283. Mnd.Wb.ni, 190b. 
Korrespbl. V, 28 f. 

Noche, w. jüd. Vorn., s. Nache. 

nScksch, adj.y s. nicksch. 

N»ff, /., s. Nlff. 

Nokb(w)er, m., nokb(w)ern, sw., Nok- 
b(w)er8che, /., s. Nftber, nftbern, Nftberin. 

Nonne, /. 1. eine verschnittene Sau. 
2« wahrscheinlich die Eisente, Anas 
glacialis. Mühling, Tiem., 175. 3. 
eine Art tief gehöhlter^ schmaler Dach- 
pfannen, wie man sie noch auf ganz 
alten Kirchdächem findet. Die über 
zwei Nonnen liegenden convexen Pfan- 
nen heifzen Mönche (s. d.). 

nonnen, sw.^ eine Sau verschneiden, 
zur Begattung untauglich machen. Hen- 
nig, 172. Vgl. mönchen. 

nopper, adv., Kürzung des pltd. hin- 
opper hinauf, nach oben zu. Müh* 
ling. 

Norce, Norcye, /., eine Art Pflug. 
Stannen hat dV, Dienste und giebt vom 
Dienste 1 Pfund Wachs . . . und pßu-- 



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102 



norcheln — Nowia. 



gen mit der norce. Prustenik hat 2 
Dienste und giebt . . . und pßuget mit 
der norcye, Zinsregister von Sehesten 
1437. Toppen, Altpr. Mon. IV, 152. 
Pierson in den Lit. Aeq., 20, hält 
Norce für gleichbedeutend mit Norgel- 
eisen und dem lit. nordgas Pflugschar; 
später in Altpr. W. weist er auf das 
estn.norX:^ Winkel bin, liest nor^^, wor^/ö 
und erklärt es als Hakenpflug. Vgl. 
Nsslm., Forsch. 2; Th., 114. 

norcheln, sw.^ s. morcheln u. nörgeln. 

Nordenburg, Ortsn., Stadt im Kreise 
Gerdauen. Spott: Ftf os üt^ segge de 
N6deborgef\ Bezieht sich auf ein Kar- 
tenspiel, in welchem die Partei, welche 
fünf Stiche macht, gewonnen hat. Sprw. 
I, 1024. 

Norderfahrt, /., der eigentliche, ab- 
gedämmte AbfluTz der Weichsel nach 
Norden. Passarge, 158. VgLWesler- 
fahrt 

Norgau, Ortsn., s. Klein-Norgau. 

Norgel, Norgeleisen, n., Pflugschar^ 
das Spitzeisen am Pfluge, womit die 
Erde aufgerissen wird; lit. nordgas, S. 
Bock, Nat. ni, 665; Y, 514 (mit Ab- 
bildung). Hennig, 172. . Nsslm , 
Forsch. 2; Th. 114. Pierson, A. W., 
28; Lit. Aeq. 20. Vgl. Norce. 

nörgeln, «eo. 1. säumen, langsam bei 
einer Sache sein. Bock, 38. 2. durch 
vielen Gebrauch abnutzen, zerarbeiten; 
daher auch abnorgeln (s. d). Hen- 
nig, 172. Schemionek, 26. 3. durch 
handgreifliches Liebkosen ermQden und 
abquälen, durch ruhelose Einwirkung 
bearbeiten, m&rbe machen, zu gewin- 
nen suchen, unaufhörlich schieben und 
drängen; lit. niürkytiy su-niürkgH quä- 
len, zerquälen. Nsslm., Th., 219. Vgl. 
morcheln. 4. brummen, knurren, ver- 
driei'zlich sein; in Hamburg u. Bremen 



nurken. Richey, 175. Brem. Wb. IH, 
252. 5. s. V. a. ndrgeln (s. d.). 

nSrgeln, sw.^ s. närgeln. 

NSrgelpeter, -hana, m.y Krittler. 

norkeln, «tc., s. nurgeln. 
' nSrksen, sw.y s. nurksen. 

nOrschy adv.y wenigstens, in dem Sinne 
von bei 2. (s. d.). Marold. 

no8 kennimus, warnender Zuruf: Deine 
Gesinnnngsart ist mir bekannt! Sper- 
ber, 46. 

No8S-che, NOIzen, m. jQd. Vom.^ s. 
NOfzen. 

Not, w. Vom., Renate. Dzg. Nhg. 
Viol^t, 102. 

nSt (5 kurz), adj.^ nütze. Dat os 
nuscht noty das ist nichts nütze, wert, 
ist untauglich. ÄUa (EartofTeln) nuscht 
not In der Gegend von Friedland 
Ostpr. wird nuscht not zusammengezo- 
gen zu nschtnSt 

NOtel, /., schriftlicher Vertrag, Hei- 
ratSYertrag; daher auch Helratsnötel. 
Vom lat. noton^ notula. Ebenso in Bayern, 
dort aber auch das Verb notdn. 
Schmeller II, 720. Hennig, 172. 

Notfi8Ch, 9a, die Schmerle, Ccintis 
barbatuloy weil man sie nur in der Not, 
d. h. wenn keine anderen Fische zu 
haben sind, ifzt. Gegend von Fisch- 
hausen, Grünhof, Zinten, Mehlsack. 
Bujack, 395. Muhling, Tiem., 175. 
S. Schmargel. 

Notgroschen, ?n., Geldersparnis für 
Notfalle. Li gleichem Sinne hier und 
in andern Gegenden Notpfennig, Not- 
schUling. Vgl. Brem. Wb. HI, 243. 
Dähn., 331a. 

NOts, substantivisches Adjektiv, in 
Zusammensetzungen wie Nötafunge, 
Junge, mit dem man seine Not hat 
Ndtskerl Vgl. mords. 

NOwia, m,y s, Nftbger. 



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nschnot — nurksen. 



103 



nsehnOty adj,<, Abkürzung von nuscht 
not e= nichts nütze, wertlos; s. nSt 

nOy ndü.^ nan. Na nv! Wa£$ nü 
wedder losf Ygl. na. 

Nucke, Lockruf^ s. Nuckel. 

NUcke, /., s. Nicke. 

Nuckel, Dem. Nuckelchen, n. 1. zur 
Bezeichnung eines kleinen Kindes, Tie- 
res, namentlich herzliche Benennung 
des kleinen Lieblings; auch kleines 
Frauenzimmer. Mein trautstes Nuckel- 
chen! Das ist ein Ntcckel — ein NuJu- 
kelehe. Ygl. Kleinnutsch. 2. Lockruf zum 
Schwein, namentlich zum Ferkel; auch 
Nucke. 

nuckelig, nucklig, adj. von Nuckel^ 
klein, zierlich, lieblich. Ein nuckliges 
MargeUchen. 

nOcksch, o^., s. nicksch. 

nucksen, sw.^ Iterativ von nicken^ von 
Pferden, die bei schwerer Arbeit bei 
jedem Schritt mit dem Kopfe eine 
nickende Bewegung machen; auch von 
Manschen, die beim Ziehen von Lasten, 
beim Gehen oder sonst mit dem Kopfe 
nicken. Marold. 

nudeln, sw. 1. mit Nudeln futtern, 
mästen. Die Gans nudeln. 2. einen 
reichlich pflegen, ihn hegen. M ühlin g. 
Im Schwäbischen: ein Kind liebkosend 
herumbalgen. Birlinger, 356a. 

Nieche, w. jüd. Vom., s. Nache. 

nüel, adj. u. adv.^ nieder, abwärts. 
Wenn eine Nadel oder sonst anderes 
kleines entfallenes Ding aufm floor oder 
Bodem gesucht wird, mag solches niclu 
MO behende gefunden werden, wenn man 
nach selbigem gleich nieder ab oder nüd 
scJucwet; denn ersiMch, so kan das Licht 
van gesuchter Nadel in die Augen nicht 
fallen oder reflectiren, angemercket dafz 
einschräge einfallendes Licht auch schräge 
von der Nadel weg prallet, fället also 



bei solchem nilelen sehen die Nadel ins 
Auge ohne Licht, we/zwegen sie nicht 
mag gemercket werden, Line mann, 
Bbbla. 

nuggelnagelneu, adj., s. nagelneu. 

nuggern, sw., Iterativ zu nagen, na- 
gender Schmerz in den Zähnen. Der 
Zahn fängt an zu nuggern, Trei- 
chel. 

Nui, /., Nase. Vgl. Hui u. Niff. 

nuien, sw., zögern. Nui nich so lang! 
Dönh. 

Nulk, /., Tabakspfeife, s. Lullchen. 

nullen, sw,, von = Null, ein neues 
Jahrzehnt des Lebens beginnen. Wie- 
viel mal hast du genuUtf hört man 
oft bei Aufiiahme der Klassensteuer- 
Rollen fragen; auch als Frage an junge 
Leute, um sie in Verlegenheit zu setzen. 
Man nimmt in letzterem Falle nullen =^ 
coire. Vgl. Sprw. I, 2807. 

NUlling, m., s. Nilling. 

NOme, w. jüd. Vom., s. Name. 

Nummer, /. Nummer sicher, Polizei- 
gefangnis. Sie brachten ihn nach Num- 
mer sicher. 

nummem, sw., coire. Treichel. 

Nuppen, n., s. Dreb. 

Nurgel, m., Stock im Butterfasse; auch 
Sturgel. 

nurgeln, sw. 1. rütteln, wackeln an 
einem Gegenstande, etwas hin und her 
reiGsen, schieben, drehen, um es los 
zu machen. Davon abnurgeln. Am 
Schlosse nurgeln, daran zerrend arbeiten 
um es zu öffiien. Mühling hat noch 
norkeln, mit der Thür hin und her wak- 
keln. 2. mit stumpfem Messer sägend 
schneiden. Brot nurgeln. Vgl. murk- 
sen. 

nurksen, sw. 1. ab und zu ein Eiiur^ 
ren hören lassen. Marold. InWestpr. 
nSrksen, zur Bezeichnung des ruckweisen 



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104 



Nurreck — Nufzschale. 



Grunzens der Schweine. T reiche!. 
2. angestrengt arbeiten; in beiden Be- 
deutungen mehr wohl murhen (s. d.). 

Nurreck, m, Nurrecks machen^ wie- 
derholt beim Schwimmen untertauchen; 
von dem poln. nurek Taucher, Colym" 
bu8 L. Neidenburg. Gortzitza. 

Nuichel, m., unsaubere, träge, un- 
ordentliche Person. Couleur de Nuichely 
Schmutzfarbe, Durcheinander von Far- 
ben; nach den Gedanism,: Couleur de 
Muschel. 

nuteheln, 9w. 1. mit der Nase, poln. 
no8, w&hlen; in Bremen nusselriy in 
Pomm. nüscheriy in Bayern nueschen 
(Nusch Schwein), engl, nuzzle. Brem, 
Wb.m,252. Dähn.,332a. Schmel- 
1er n, 712. 2. zaudernd, säumig, ohne 
rechten Zweck arbeiten, eine Arbeit 
unvollkommen, unordentlich, oberfläch- 
lich verrichten. Sie nuschelt das so ab^ 
da/z es nach gar nichts aussieht Sie 
nuschelt den ganzen Tag rum und bringt 
nichts vor sich. Lett knuschinät^ nur 
schellt nicht recht arbeiten. Pierson, 
Altpr. M. Vm, 367; A. W., 29. Vgl. 
nälen. 3. schmutzig, unsauber arbeiten, 
Flecken in eine Arbeit bringen; in die- 
sem Sinne auch naicheln und ab-, be- 
nuicheln. Eerrjes-che^ vne hast du dein 
Nähzeug benuichelt! Die Kleider he- 
nuScheln. Auch leAexiv: sich benuscheln, 
Sperber, 42^ hat in diesem Sinne auch 
niicheln, beniicheln. 4. undeutlich, mit 
Yerschluckung von Lauten sprechen. 
Wer so liest vemvAchelt die Wörter. 
vernuicheln auch verwischen, ver- 
wuhlen. Im Götting. nuseln^ nuseln 
näseln. Scham b., 146b. Vgl. Bock, 
38. Hennig, 172. Danneil, 148b. 
Anton, 2, 13. Hupel, 161. Sall- 
mann, 37b. — Davon: nutehlig (naich- 
lig), adj.y in allen Bedeutungen. Sie ist 
ein nu4chliges Frauenzimmer. Nuichel- 



nase, /., zur Bezeichnung einer säumi- 
gen^ unfertigen, unsauberen und nicht 
sorgfaltigen Arbeiterin. Hennig, 173. 
Ebenso Nuichellise, -lotte; Nuichelhans, 
-peter; Nutehler. 

nltechlrig, adj.^ s. neuschtrig. 

nuschnSfZy adj., s. nuschtnötz. 

nuichrig, adj.^ nach Bock, 38, und 
Hennig, 173, unsauber, unreinlich, 
also s. V. a. nuschlig; nach Mühling 
aber auch unansehnlich, elend. 

nuscht, ni8chty nixt, nix, das unbe- 
stimmte substantivische Zahlpronomen 
nichts; auch als Substantiv. Zur Ver- 
stärkung nuscht nichy hchd. nichts nich. 
Es ist (im Glase) nuscht mehr ^ drin. 
Nuscht on nei ös tweierlei. Von nuscht 
OS nuscht. Keen Voagel^ keen nuscht 
lett sock heare. Boldt, 10. Dat ös 
man nuscht. VolksL, 7, 5 I, 2. 2ju 
Mittag gid)€s bunte Nuscht mot gele 
Feikes. — Nuscht mot ne on Salat dartö. 
Sprw. I, 2640. Hei gew mt nuscht nich. 
Ach dat schaät nuscht^ macht nichts 
aus. Spook, 470. Peterke^wat schadet 
dtf Rein nuscht nich. Volksr., 88, 370. 
Vgl nfoc 

nuschtnStz, adj.^ nichts nQtze, unnutz, 
untauglich; auch nuschnSfz. Schemio- 
nek, 26. Vgl. n8chnSt 

nllssen, sw.j nach Nüssen suchen. 
Wenn de Huingd maise (mausen) on 
de Jägasch nösse, dann os es mot da 
Jagd geschosse, Ermland. Sprw. I, 
1741. 

NOfzen, NOfzen, Noss-che, m. jüd. Vom., 
Nathan; auch Attan. Flatow. Schmitt, 
113. 

Nufzkamm, pltd. NStkamm, m., enger 
Kamm zum Abkämmen der Nisse und 
Läuse; daher auch Lauskamm. 

Nufzkopf, pltd. NStkopPi und nur pltd. 
als Schimpfwort, Kopf mit Nissen. 

Nufzschale, pltd. Netschal, f. Er geht 



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Nufz6chei(üzer — ö. 



105 



me auf Nufzichaien^ langsam, unsicher, 
vorsichtig. Wie de Katt op Nätschäle 
gäne^ so gehen wie die Katze, wenn ihr 
NoTzschalen auf die Falze gesteckt wä- 
ren, also unsicher. 

Nufzscheiber, gewöhnlich nur pltd. 
NSIschtter, m.^ Knauser, Geizhals. In 
Pommern Netemchiter. Dähn., 328 a. 

Nufzstrauch, pltd. NStstrOk, m., Hasel- 
nuTzstrauch, Nul'zstaude, Haselstaude, 
Coryliis aoeUana L. Hagen, 1007. 

Nut, w. Vorn., Anna. Hart wich, 
55. 

Nttt, Nim, /., der Bedarf; das Not- 



dürftige. Zur NüU haben, das Not- 
durftige haben, zum eigenen Bedarf 
haben, aber auch nichts darüber. Na- 
tangen. 

nutsch, adj.y klein, unansehnlich; auch 
nutschig und als Substantiv Niltsch, n. 
Aus mischt nichts. In der Zusammen- 
setzung mit /dein: Kleinnutsch (s. d.). 
In Westpr. Nutsch Name für ein klei- 
nes Schwein u. Lockruf für Schweine 
überhaupt. 

nOzundy adv.^ jetzund, jetzt; Bildung 
wie jetzund aus nun und und. 



0. 

Oy YokaL Das gedehnte o klingt 
pltd. grol'zenteils gleich hchd. : Ndt Not, 
Ros' Rose, wo wo, BSn' Bohne, grSt 
grofz, rSt rot; seltener verkürzt es sich: 
Hcn{n)ig Honig, Mos Moos, Bod(d)em 
Boden. In Natangen und in Danzig 
nebst Umgegend (sogar bei gebildeten 
Danzigem) geht es in ein bald ver- 
steckteres, bald ganz offenbares au 
über: mu so, wau wo, frau froh, draue 
drohen, während es in anderen Provinz- 
teilen ein gedehntes ä {läwe loben, 
bäwe oben, Äft Obst, Säl Sohle) und 
auf der Danziger Nehrung sogar ein 
offenes a wird (ßän, auch San Sohn, 
wdne wohnen, Mdnd Mond) oder ein 
a mit vorgeschobenem e (verleame ver- 
lorne, he€u;h hoch). Li Samland, Li- 
tauen und im Oberlande wird es häu- 
fig ein « oder ä: Sen, San Sohn, vär 
oder värr vor. In der Endung or wird 
es ebenfalls e: Kanter Kantor, Pro^ 
fe$$er Professor, Rekter Rektor etc. — 
Das geschärfte o bleibt pltd. häufig 
das'^lbe: Dochter Tochter, Holt Holz, 



Nord Nord (doch auch Ndrdemoind)^ 
grof grob, Sonri Sonne, oder dehnt 
sich: Kn6p, Knöf Knopf, WoH Wort, 
KnSke Knochen (solche Dehnung tritt 
selbst hchd. auf: Osten, Ort [0 = <J]); 
wird aber in einigen Gegenden ein a 
(kurz oder lang): Dachter (Kulmerland) 
oder Tachta (Ermland) Tochter, sali 
soll, Kneake (Nehrung) Knochen, Glack 
(Ermland) Glocke, oder wenigstens 
ein äy besonders in Samland u. Litauen: 
käme kommen, Knäke Knochen, äpe 
offen, koke kochen, und dann sogar ein 
tiefes u: TFwZ/Wolf, swH»^ sollst, kann 
konnte. Es geht aber auch in die Um- 
laute und ä über, in den ersten be- 
sonders bei den Samländem: wäUe, 
wolle wollen, Wäk Woche, dräg, drog 
trocken. Lehmann, Yolksmnd., 20 f. 
S, Umlaut, klingt pltd. meistens wie 
ein gedehntes e, mit Neigung zum a, 
oder übergehend in ei (Danzig) und 
ai (Natangen): sehen, schein, schain 
schön, schwere schwören; Läpel Löffel, 
Käksche Köchin, twelf zwölf, Krät, oder 



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106 



Obacht — Ocbß. 



mit dem beliebten nachschleppenden 
e\ jBrdi^ Kröte. Lehmann, Yolksmd., 
26. Die hchd. Aussprache des b ist 
fast durchweg, und nicht blos von 
weniger Gebildeten, e\ Kenig König etc., 
auch a: Es üt ein kastlich (köstlich) 
Ding^ da/z das Herz fest werde. Soph. 
R. VI, 144. 

Obachty /., Acht, Achtung, Aufsicht, 
Obhut. Obackt geben^ beaufsichtigen, 
auf etwas achthaben. Etwas in Ob- 
acht nehmen. Ebenso in Bayern, Meck- 
lenburg- Vorpomm. Schmellerl, 21. 
Mi, 60a. 

oben, pltd. bawe(n) (a = a), adv,^ zur 
Bezeichnung der ersten Etage im Hause. 
Er toohnt oben. Gehe oben hinauf gehe 
eine Treppe höher hinauf ! Vgl Hupel, 
162. 

Oberfischmeister, m. Es giebt deren 
zwei; sie fuhren die Oberaufsicht über 
die Fischerei in den HafPen und Haff- 
Flüssen, sehen darauf^ daiz die Vor- 
schriften der Fischerordnungen pünkt- 
lich befolgt und Beeinträchtigungen der 
Gerechtsame der Fischereiberechtigten 
vermieden werden. Sie führen eine 
rote Flagge, in deren weifzem Schilde 
sich der preufzische Adler befindet, und 
an ihrem Kahne einen Wimpel mit dem 
preulz. Adler. Fisch.-Ord. f. d. kur. 
Haff, §§ 61. 62; f. das fnsche Haff, 
§§ 66. 67. 

Oberkehr, /., Oberkehricht, die beim 
Worfeln des Getreides von oben weg- 
gefegten Spreuteile. Voc. 280: Ober- 
ker^ altpr. aukleates. Nsslm., Thes., 
11. 

Oberland, n, 1. OstpreuTzische Land- 
schaft, s. die Erklärung in den Ab- 
kürzungen. 2. im Weichseldelta die 
Hohe im Gegensatze zur eigentlichen 
Niederung. 

Oberstauer, m.^ s. stauen. 



Oberstübchen, n.. Dem. von Oberstube^ 
bildlich der Kopf. Es ist bei ihm im 
Oberstübchen nicht richtig. Er hat das 
Oberstübchen zu stark eingeheizt. Er 
hat sein Oberstübchen verpachtet — ver- 
mietet. In allen drei Redensarten ist 
der Sinn: er ist irre oder betrunken. 
Sprw. I, 2818 f. ... dafz wenn einer 
verliebt toird^ es im Oberstübchen immer 
ein bischen laut zu sein pflegt, Soph. 
R. m, 36. Hennig, 173. 

Oberwart, m,, s. WarL 

Objekt, n., lat. objectum. Je mehr 
Objekty je mehr et treckty das Gericht 
nämlich: je grölzer die Hinterlassen- 
schaft, je mehr zieht das Gericht an 
Kosten. Alt-Pillau. 

obmacken, sw,^ plätten, glätten. Ob- 
macMser, n., Plätteisen. Dzg. Nhg. 
VioUt, 102. 

Oborre, /., Schweinezaun; von dem 
poln. obora Gehöft, Viehhof. Flatow. 
Schmitt, 180; Westpr., 166. 

obschtemftt, adj,, s. obstemfttsch. 

obsternfttsch, obschtemftt, adj,y wider- 
spenstig, aufsätzig, eigensinnig, hart- 
näckig. Auch obstimfttsch, obstinfttsch. 
Von dem lat. obstinatus, frz. obsüni^ 
engl, obstinate. Ebenso im Holstein- 
schen. Schütze HI, 159; in Berlin 
obschtinat; in Hessen obstemdt. Vi 1 mar, 
289. Vgl. Mi, 60a. Hupel, 163. 
Wenn de Vater ehr was befahl^ denn 
war se obstematsch on gab sehr brasiige 
Wedderred. Schaltj., 1, 439. 

Obststand, m., Obstgarten. Litauen. 
Gehy Tochter^ in den Garten^ Geh in 
den grünen Obststand. Nsslm., Dai- 
nos, 23. 194. 

och, interj,^ ach. Och ne, ach nein. 

Ochs, pltd. Os, m, 1. bos. In Sprich- 
wörtern und Redensarten: Den Ochsen 
vor den Pßug^ den Schelm vor die Karre. 
Jeder Ochs an seinen Strick Man kann 



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ochsen — Ofenpäsrick. 



107 



vom Ochsen nicht mehr verlangen als 
ein Stück Rindfleisch. Es verschlagt 
ihm soviel wie dem Ochsen eine Blau- 
beere u. a. Vgl. Sprw. I, 2822 £f.; II, 
1971 ff. Dem Osse kann man wat ver 
e Zagd legge^ dem Starken kann man 
eine schwere Arbeit zumuten. Das 
ist, als wenn man dem Ochsen ins Hom 
kneift, vom unempfindlichen Menschen. 
Schemionek, 26. 2. i&r bunte Ochse^ 
ehemals der mit Kränzen und Bändern 
geschmöckte Jahrmarktsochse in Kö- 
nigsbergs der nach feierlichem Umzüge 
durch die Stadt im altstädtischen Jun- 
kergarten ausgewürfelt wurde. Erl. Pr. 
n, 504. Sprw. I, 1227. Bock, 38. 
Hennig, 173. Er hieCz auch Jahr- 
markbochsey Pfingstochse. 3. der Mensch 
yerglichen mit dem Ochsen: Wie ein 
Ochse dumm sein — arbeiten (doch auch 
ironisch: arbeiten toie ein angebundener 
Ochse); — kicken wie dei* Ochs in die 
Bibel; — d^rop kicken as de Os op e 
Dale; — bewundere as de Os de nOg* 
Dissel; — sick bequeme as de Os op 
dem Morgen Land; — tUsene wt e Jär* 
marktsos. 4. Schimpfwort. Du Ochs! 

ochsen, sw. 1. arbeiten wie ein Ochse. 
2. studentisch: fleifzig studieren. 

Ochsonbrech, Pflzn., domige Hau- 
hechel, Ommis spinosa L. Hagen ^ 
736. 

Ochsenbremse, /. 1. Rindsbremse, Ta- 
banus bovinus. 2. Dasselfliege, Oestrus 
bovis. Vgl. Biiwurm. 

Ociisengedanl(en,j>;ur. Er hat Ochsen- 
gedanken^ er verrat weniger dumme, 
ab ungewöhnliche, mutwillige Neigun- 
gen. Sprw. I, 283h Ochsengedanken 
kriegen^ wild werden, weglaufen. Hei 
krSg Ossegedanke on rennd ön e WSld. 

Och so nge wo nde, pltd. Ossegeweng, n., 
Gewende, das durch Ochsen gepflQgt 
ist; auch zur Bezeichnung einer kur- 



zen Wegstrecke. Et os man e Osse- 
gewend. Hennig, 174. Vgl. Hundo- 
blaff. 

OchsenjOn, n., s. Mn. 

Ochsenkalb, n., s. Kalb. 

Ochsenklau, /., Ochsenklaue, Ochsen- 
fui'z. Dei sengd (sengte) en Ossenklau. 
Cai^. nwpt I, 282, 7. 

Ochsenkopf, pltd. Ossekopp,^., Schimpf- 
wort. 

Ochsenpantoffel, m., Schimpfwort. Und 
der Ochsenpantoffel steht und sperrt das 
Maul auf. Soph. R. H, 356. 

Ochsenpesrick, m., s. Pesrick. 

ochsig, pltd. OSSig, adj. u. adv. 1. 
plump, wie ein Ochse. 2. zur Steige- 
rung des Begrifl^es: grofz, bedeutend. 
Er ist ochsig dumm. Er kann ochsig 
laufen. 3. grob. Das war ochsig. 

Ochskroks, Ochsenkroksenpflaster, auch 
Huxfrux, Medik., Emplastrum oxycro- 
cewm, 

Ockerasche, /., s. Okras. 

Ookling, t»., von Ochs, zweijähriges 
Ochskalb. Oberland. 

Odel, m. jQd. Vom., s. Eitel. 

oder, adßD.^ aber. Oder die Körbe, 
too hast dief Oder so lafz mich in 
Ruh! Die gleiche Yertauschung in 
Hessen, in der Oberlausitz. Vilmar, 
289. Anton, 3, 3. Schemionek^ 
26. 

Oderkahn, m.^ flachgebautes langes 
Flufzfahrzeug. Weichsel. Pregel. Vgl. 
Dllbas u. Jadwige. Scherzweise sagt man 
von groizen Überschuhen: das sind ja 
reine Oderkähne. 

of, präp.,^9XLi. Of e Lacht, auf dem 
Boden. S. op. 

Ofebänk, /., Ofenbank. Oberland.^ 

Ofengraps, m., pltd. Awegraps (A = Ä), 
Striezel, den arme Leute backen. Gr. 
Werder. 

OfenpMsrick, m., s. päsem. 



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108 



Ofenstopeel — Ohr. 



Ofenstopsel, m. 1. Stöpsel zum ScUofz 
des Rauchloches ia alten Öfen, Bauch- 
Stöpsel. 2. korpulenter, kleiner Mensch, 
nach Hennig, 333, in Deutsch-Litauen 
auch ein Mensch, der verräuchert aus- 
sieht. 

offenbar, od/., offen. Die offenbare 
See. Eur. Nehrung. 

Offizier-Komickel, w., wenige Stücke 
Holz, wie man sie vom Höker für 10 
Pfennige kauft. In Berlin 0;ö&t^-ri^- 
tel Vgl. Komickel. 

OgenSnzig, adj,y s. augeneinzig. 

Oggaganten, plur,^ Falten in den Är- 
meln früherer Frauenjacken, den sog. 
Foderhemden. Dzg. Nhg. Viol^t, 
172. 

Ogl(e (0 ^ 6\ n.. Augchen, willfahrige 
Geliebte. Treichel. 

Ohm, w., gen. u. plur. Ohms, Dem. 
Ohml(e. 1. Oheim, Onkel, des Vaters 
oder der Mutter Bruder. Erseht Ohm^ 
danau Ohms San, der Oheim geht dem 
Vetter vor, gewöhnlich zur Abweisung 
der Kinder, die von einer Speise zuerst 
verlangen. Ahnhch: Erseht Ohmke, denn 
Ohms Sänke, denn du, min Jungke. Vgl. 
Sprw. I, 2839. Suschen bleibt über Nacht 
bei einem alten Herrn Ohmke, den sie 
hier gefunden hat Soph. R. I, 66. 2. 
wie Onkel Benennung der Kinder für 
jeden Erwachsenen, der zum Besuche 
kommt. Gof dem Ohm de Hand — e 
Posske. 3. vertrauliche Benennung des 
mennonitischen Gemeindelehrers. Isaak 
Ohm seggt: Pause, stakt de Licht an, 
de lewe Ohmkes käme. Die Gemeinde- 
lehrer treten gemeinsam in die Kirche^ 
nachdem der Gottesdienst schon be- 
gonnen hat. Sprw. I, 2840. 4. Herr 
Ohm, Herr Ohmke, Anrede an den 
Hausvater. Üblicher ist jedoch Väder. 
In der Marienbg. Ndrg. auch Benen- 
nung für einen bekannten, alten und 



ehrwürdigen Herrn. 5. Dat bs en dick- 
rigg^ger Ohm, ein Ohm mit dickem 
Rücken, d. h. ein reicher Ijaudbesitzer. 
Tiegenhof. Sprw. II, 1979. Dat os 
Ohm Plüm, zur Bezeichnung eines 
Menschen, den man nicht mit Namen 
nennen kann. Sprw. I, 2838. 6. der 
Abdecker, Racker. Da käme dem Onike 
Sine Duwe, die Krähen. Sanüand (Wil- 
gaiten). 7. nach Treichel früher in 
Danzig die Abführer der Kloake. 

Ohmlcraut, Pflzn., Feld-Sinau, Alche- 
müla arvensis Scop. Hagen, 178. 

Ohnblatt, Pflzn., s. Anblatt und Blatt- 
los. 

ohne, €uiv. Das ist nicht ohne, die 
Sache macht sich, Iftfzt sich hören. 

ohnig, Onig, adj. u. adv., von ohne^ 
frei, los, ledige s. v. a. dnig (s. d.). S. 
Frisch II, 30c. Damach soll gleicher 
massen genau observiret werden der Son- 
nen Mittags Hohe in beyden Solstitiis, 
da man aller refraction könne ohnig 
sein. Linem., Ela. Ein Alter aber, 
der gern ein Stück des Bartes allezeit 
wollte geohniget sein, kan sein profyt- 
liches Bartabnehmen erlangen, wenn der 
Mond in abnehmendem Licht. Ibid., 
Mm 3a. Von solcher Hitze wissen nun 
die Hennen nichts, als welche solcher 
(lebhaften) bewegung (wie sie der Hahn 
hat) geohniget seyn, und also auch nickt 
eines Leschtrunckes durfftig werden. Li- 
nemann, Bbb4a. Sie mufzte soviel 
geben, dafz sie ganz ohnig (entblöfzt) 
wurde. Mühling. 

oho, interj. des Staunens, der Ver- 
wunderung, Bewunderung. Klein, aber 
oho, tüchtig. Treichel. 

Ohr, n., auris. In Redensarten und 
Sprichwörtern. Er ist hinter den Ohren 
noch nicht trocken, zur Bezeichnung der 
Unreife. Einen Oberes Ohr hauen, ihn 
betrügen. Er hat Schlauben vor den 



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Ohrbommel — Ökelname. 



109 



Ohren ^ er will nicht hören. Bhr hafs 
hinter den Ohren. Er haiz faustdick 
hinter den Ohren. Im Werder : He heft 
et füstendick hinger de Ohren sitten. 
Das kann er sich hinteres Ohr schreiben. 
Es geht ihm zu einem Ohre hinein^ zum 
andern heraus. Tauben Ohren predig 
gen. Die Ohren spitzen. Ganz Ohr 
sein. Die Ohren ankneifen^ Unbill still 
ertragen. Die Ohren zeigen — sehen 
lassen^ domm, eselhaft handeln. Einem 
ein Loch ins Ohr schneiden^ ihm einen 
Denkzettel geben. Sich bis über die 
Ohren versaufen^ stark in Schulden ge- 
raten. Auf dem Ohr hov^ ich nichts die 
Sache beachte ich nicht, in die An- 
gelegenheit mische ich mich nicht. He 
kann sock sollest wat onH Ohr segge^ er 
hat einen groizen Mund. Sich aufs 
Ohr legen, schlafen gehen, aber auch 
sterben. Vgl. Sprw. I, 2841 ff., II, 
1980 ff. In welchem Ohr klingt sf Frage 
beim Ohrenklingen. Erfolgt die rich- 
tige Antwort, so ist das Gedachte wahr, 
trifft das Gewünschte ein. Einem eins 
vor die Ohren geben ^ ihn ohrfeigen. 
Einem die Ohren rüffeln — die Ohren 
Icmsen, ihm harte Vorwürfe machen, 
Verweise erteilen, ihn ohrfeigen. Hen- 
nig, 174. 

Ohrbommely m. u. /., Ohrring mit 
baumelndem Gehänge; in Danzig Ohr- 
bockel. Gedanism. Bock, 39. Hen- 
nig, 174. Vgl. bommeln. 

Ohrbommelbaum, m., Fuchsienbaum; 
nach den baumelnden Blüten. Saal- 
feld. 

Ohrenkneifer, m., s. Kntper. 

Ohrfei(g), /., Ohrfeige. Er hat eine 
gute Ohrfeig bekommen^ er hat im Ge- 
schäft einen herben Verlust erlitten. 
Bock, 39. Hennig, 174. 

OhrpatMh, /., Ohrfeige, s. Patsche. 
I mo.^ einem die Ohren riffeln, 



ihn riffeln überhaupt, durch empfindliche 
Verweise strafen. Hennig, 174, 

Ohrtachtel, /., Ohrfeige, s. Tachtel. 

OhrwUrmchen, n., Dem. von Ohrwurm. 
Er ist so freundlich wie ein Ohrwurm- 
chen^ er ist gegen jedermann dienst- 
ergeben und dienstbeflissen, sucht sich 
einzuschmeicheln, ohne aufrichtig zu 
sein. Von den lebhaften Wendungen 
des OAr^fei^/i?r« hergenommen. Bock, 
39. Hennig, 175. 

Ojanen, sw.^ gähnen, s. hOganen. 

Okel (0=«o), /., gewöhnlich nur im 
plur. Okeln. 1. der Raum unmittelbar 
unter dem aufliegenden Dache, Boden- 
winkel. Hei (ein Kobold) satt omm^ef* 
op e Lucht under de Okle. 2. Lucht, 
Bodenraum. 3. der höchste Raum im 
Hause überhaupt. Er wohnt ganz un- 
ter den Okeln, er wohnt im höchsten 
Stockwerke. In den Lit. Aeq. Oken^ 
lit. auksztaSy in Bremen Oker. Brem. 
Wb. ni, 261 ; im Holstein. Oke, 0km. 
Schütze III, 171; in Pommern Oken. 
Dähn., 336b. Bock, 39. Hennig, 
175. 

Okeln, sw. 1. nach einer Sache lan- 
gen, reichen. Man dkelt mit einer 
Stange nach einer hängen gebUebenen 
Baumfrucht, nach einem zurückgescho- 
benen Gegenstande unter Bett oder 
Schrank. Von Okel^ also etwas aus 
den Okeln hervorholen, daher hervor- 
holen aus einem Schlupfwinkel. 2. in 
der Verstärkung stehlen. Das hat er 
geokelt — weggedkelt 3. nach Marold 
auch humoristischer Ausdruck mit der 
Bedeutung: prügeln. 

ökelname, Ekelname, m.^ Spitzname, 
Beiname als Schimpf oder zum Spott. 
Mnd. ökelname^ im Bremischen Oeker- 
name. Brem. Wb. III, 261. Hennig, 
175. Stattliche Reihen solcher Namen, 
meist wohl unserer Provinz angehörig. 



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110 Okrae — Omacht. 

sammelte Stein (Peregrinus Xu, 82; Olewnpopoleum, Medik., Unguentum 

Xin, 88). Sie mögen hier, an be- poptdeum, 

treffender Stelle besonders aufgefährt, ölgStze, m., dummer, tölpischer, witz- 
vereint ihren Platz finden: ZitzematL- loser Mensch. Er sitzt da wie ein öl- 
ger^ Enerps^ Knusel, kleine unnütze gotze. Ebenso in Pommern, im Götting.^ 
Krot^ Putzmänlein, Knießirtz, Glwper^ in der Altmark. D ahn., 334a. Seh am b., 
Glepaug, Schehmp, Schnufer, Schnofler, 147 b. D an n e i 1 , 149 b. 
Lespier ^ Garrer^ Stamler, Stammerbock, öl je, /. u. n., öl, oleum, Baum-, 
RotzVyffel, Schmodbot, MauLaf, Meer- Leinolje. Hennig, 175. Auch ölicht. 
katZy Meerganss^ Krickendt, Hauskater, Saalfeld. Öljeglas, de Lamp geit ut! 
Hausmauser y Hausotter , Glomsneckel, Ausruf der Verwunderung. Kgsbg. 
HausschUngel, Bengel, Rekel, Hauslüm- 0% m., lustiger Schmaus, Tanzver- 
mely Pomochel, Wochentölpel, KnoU, gnugen. Das war ein gemütlicher Olk, 
Rültz, Fütz, Tiltz, Ochss, Flegel, Esel, Jetzt wohl allgemeiner Ulk. 
Enebel, Hans üngelenck, ungeschliffener olken, sw,, einen Olk mitmachen. 
ungebackener ungesaltzener Kerl, Lauser, ölkohl, englischer, Pflzn., Feldkohl, 
Lausbart, Lauspungel, Laushund, Schorb, Brassica campestris L. Hagen, 701. 
Dreckharcker, Gnock, Schurck, Gnisck, Olle, m., auch blolz der OW, der Alte. 
Gnuser, Gnegel, Gnorrer, Drückpfennig, S. Alter. 

Schüsselpfennig, GritzenzeUr, HoUunck, Ollsch, /., auch die Oüsche, Olsche, 

Hundsruias, Loddert, Lunter, Saalbader, die Alte, die Mutter. Doch siene Ohkche 

Aalbander, Großsprecher, Brascher,Pra- (Mutter) quald em däglich. Nowack, 

ler, Windhawer, Sechsgröscher, Schcerr- 30. On toi de Olsche dat vanem (ver- 

hanss, Schindhund, Bluthund, Brotdieb, nahm). Volksl., 14, 6, 5. Grö/z' de 

Feder außeser, Federn auffieser, Knap- Olsche, als Abfertigung. S. Alte. 

Speiser, Knochenbeifzer, Krippenbeifzer, olmig, adß., faulig, in Verwesung über- 

Gnatzer, Weäbergnager, Kinderplager, gegangen, vermorscht, verfallen. Dönh. 

Hertzenfresser, Doddemaas, Kakehnatz, Das Stammwort Obn Holz, das anfängt 

Plappermatz, Dreckhans, Misthammel, in Fäulnis überzugehen (Danneil, 

Unflath. W. Mtsbl. V, 191; VI, 149b), Fädnis (D ahn., 338 a), vermag 

159. ich für unsere Provinz nicht nachzu- 

Okras, m,, eine Lauge oder Eraft- weisen; vgl. jedoch Molm, Mulm, 

brühe, mittels welcher aus der gemeinen ölsamen, m,, Pflzn., s. Kpe. 

Asche die Pottasche bereitet wird. In Olsche (0 ^ 6), /., s. Olbch. 

der Gilgenburger Gegend, wo früher öbk, Ölske, m., Iltis, s. Duck. 

Pottasche vielfach hergestellt wurde, Olt, adj., alt, und Znsammensetzungen 

die Okrosa. Aus dem poln. okrasa, /., s. unter att. 

Abmachsei, Fett zum Abmachen der Olwftde {0 = 6), /., Fischemetz, s. 

Speisen. Nach Bock, Nat. HI, 189, Aalwftde. 

auch Ockerasche, wohl nur Eorrump. ölwen, plwr., s. Hewelten. 

aus Okrojsa. Hennig,' 175. S. Nsslm. ^m^präp., um, und Zusammensetzan- 

Forsch. 3; Th., 115. gen s. unter um. 

ölben, plur,, s. Hfiwelten. Omacht (0 = 6), f^ Ohnmacht Da^ 

OlelOrVI (0 = o), n., s. v. a. Alteloröl. von Omächtig. 



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Omama — Ort. 



111 



Omamay /., Grorzmutter^ in der San- 
dersprache; ebenso Opapa Grofzvater. 

Omskeboll, m.y Bezeichnung für ein 
Thalerstäck. Gegend von Elbing. 

Onbandy Unband, m.^ wilder, unbän- 
diger, zügelloser Mensch, namentlich 
Junge. 

Ondocht, vhchd. Undocht, m., Tauge- 
nichts; doch auch in milderm Sinne: 
Wüdfang, Unband. S. Sprw. I, 3865. 
Ygl. dOgen. 

Anig, adj. u. adv.^ s. ohnig. 

Onkel, 9n., Oheim; aber auch jeder 
Erwachsene den Kindern gegenüber: 
Cfieb dem Onkel die Hand. S. Ohm 2. 

onmak, onmaklich, oc^'., Gegensatz von 
mak u. maklich. 

OnnOsal, Onnflsel, m.^ unsauberer, un- 
ordentlicher Mensch. Er ist ein rech- 
ter OnnSsel Yhchd. UnOsel, Unflsel, in 
Westpr. auch Unnus(8)el, holl. onnoozel, 
adj.^ unschuldig, einfältig, ungestalt, 
welches die ursprüngliche Bedeutung 
des Wortes zu sein scheint. Sche- 
mionek, 26: Onosel, Sperber, 32. 
Hennig, 283. Vgl. bemussen. 

onndselig, adj. u. adv.j unsauber, 
schmutzig, unordentlich; in Dzg. auch 
unnii8(8)lig. üennig, 283, hat das 
hchd. untelich schändlich, einfaltig. Er 
redet lauter unäslich Zeug^ d. s. grobe 
Zoten. 

Ofitfg, n., Unzeug, s. Unlust 

Onwedder, n., onweddem, m.^ s. Un- 
wetter. 

op, präp.^ auf. Op em^ auf ihn! 
Hetswort. Wenn op^ denn satt, Sprw. 
I, 162. 155. Zusammensetzungen mit 
ap suche unter auf. 2. nach: Man woü 
tom Sinndag op SuUmien, zum Sonntag 
nach Sullmin. Dzg. Bauernep , 2. 

Opapa, m., s. Omama. 

öpfel, plur. von Apfel. Kaufen Sie 
doch schöne Öpfel! Kgsbg. 



Spperscht, Spperst, adj. u. ado., oberst, 
äuCzersL öch war ommer der öpperschte. 
Denn s§nd ji op^t öpperste beschfmpt 
Dorr, 1. Wiew., 94. 

opstuings, adv.y zur Stunde, gegen- 
wärtig, jetzt Sonst kunn ji opsttdngs 
dorcKt Gitter kuckelwren. Dorr, l. 
Wiew., 39. Ji s§nd s§lw8t en groter 
Haudegen west^ wenn ji uk opstuings en 
Fredensmann 8§nd. Ibid., 53. 70. 

-or, Endung, wird er: Assesser ^ Doh- 
teTy Kanter, Professer^ Rekter etc. 

Orate, j^Zt^r., Morgenandachten in eini- 
gen Gegenden Westpreufzens, welche 
in der Adventszeit des Mittwochs, Don- 
nerstags und Freitags bei hell erleuch- 
teten Kirchen früh um 6 Uhr gefeiert 
werden. Mewe. Hintz, 39. 

Orban, m. Yom., Urban. H artwich, 
54. 

Order, /*., das frz. ordre. He wuM 
partu nich Order parere, er wollte 
durchaus (partout) nicht gehorchen, 
auch: he umU rüch hore^ horche. 

Orduine, /., „eine Pfeife von bieg- 
samem russischen Holz^. Er schlug 
mich mit seiner langen Orduine so ge- 
waltig auf den Rücken, da/z ich die 
Schwiele noch fühle. Soph. R. VI, 106 £ 

Organist, m., das Geld, als nervus re- 
rum. Wo du nicht bist^ Herr Organist, 
da schweigen alle Flöten — aUe Pfeifen — , 
da brummet keine Pfeife. Sprw. I, 2854. 
Travestie des Liedes : Wo du nicht bist, 
Herr Jesu Christ etc. 

orgeln, sw. 1. die Oi^el spielen. 2. 
coire. Im Augsburgischen txwn^«. Bir- 
linger, 365a. 

omdlichy adj., ordentlich. 

Orscheit, m., s. Ortscheit 

Ort (o kurz und lang), m.j Ecke, vor- 
stehende Spitze, äuTzerster Punkt In 
die5;em Sinne schon bei Jeroschin: 
er buwete an des (gartins) orte eine kirch 



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112 



Ort — Osemnnd. 



und ein spiUäly 7b. gip mir wäre totse 
worty daz dich miner zunge ort lobe mit 
getichte, Ic. Pfeiffer, 202. Oe als 
Spitze, lebt in den Ortsnamen : Bruster- 
ö7% Landsort ^ Schwarzort ^ Steinort. 
Alle diese Ortschaften, deren Namen 
mit langem hellen o gesprochen wer- 
den, liegen auf einer in die See oder 
das Haff geheoden Landspitze. Pas- 
sarge, Bali., 156. Auch die Land- 
spitze, welche durch zwei sich vereini- 
geude Flösse gebildet wird, heüzt Ort (0 
lang). Vgl. Birlinger, 365b. Brem.Wb. 
m, 268. Schützern, 180. Dähn., 
339a. Vilmar, 292. Frisch II, 33b. 
Hennig, 175. 

Ort, Dem. Ortchen (beide = S), w. 
Vom., Dorothea, s. DorOt. 

Ortband, n., Metallbeschlag um die 
Spitze einer Degenscheide. Hennig, 
175. Mnd. orlbant Mnd. Wb. IH, 
239b. Bei Dähn., 339a. 

Ortscheit, Orecheit» 9n., Schwengel an 
der Bracke, kleine Bracke über der 
Gabeldeichsel für einen Einspänner. 
Westpr. Werder. Poln. orczyk; in Voc. 
252: Orschyt für das altpr. walis, 

Ortsschwager, pltd. Ortschwager (0=o), 
m., Zuchteber; in manchem Dorfe wird 
nur ein solches Tier gehalten. Elbing. 
Vgl. Sprw. I, 2855. 

Ortstein (0 = o), m., s. Eisensand. 

Ortswftl(e, /., Wune (ausgehauenes 
Loch) im Eise, End- und Wendestelle 
beim Garnzuge unter dem Eise. S. 
Winterfischerei. 

tts, Sse, Sst (o lang), es, est, adj,, 
weifz, zart, fein; von der Wäsche, vom 
Brot, vom Mehl, vom Teint, von der 
Leinwand etc. Dat ös öset — ostet 
Mehl etc. So ös on rot wt Melk on 
Bist. Sprw. 1,684. Nach Klein II, 
39, in Danzig auch vom Fleisch^ be- 
sonders Kalbfleisch, wenn es recht 



weifz aussieht. "Von einem groben und 
plumpen Menschen sagt man: Es ist 
kein oser Bissen an ihm. Hennig, 56. 
174. 

ösbrot, Ösebrot (Ö lang), n., Brot 
aus fein gebeuteltem Roggenmehl, im 
Gegensatz zu Grobbrot Aus os und 
Brot. Schemionek, 9: -EßsÄro^. Vgl. 
Brot u. Wecl(. 

Osch, adj.j schwer zu behandeln, aasig 
(in schimpflichem Sinne), garstig, häfz- 
Uch. Ästiges Holz, das sich schwer 
spalten läfzt, ist osch. Ermland. Ver- 
wandt mit ai/z (s. d.). Mühling, 
Proben, 435. 

Osche, Oschft, Osoher, Oschelce, /., in 
der Kindersprache Grofzmutter. M u h - 
ling hat Osche u. Oscher. 

Oschfosch, m.y Phosphor. 

Öse,/., Dem. ös'Chen. 1. Drahtöhr, 
-Ringlein, in welches der Haken fafzt. 
Haken und Ösen halten z. B. die Taille 
eines Frauenkleides zusammen. 2. öhr- 
artige Schlinge in Band, Schnur oder 
Strick. 3. Knopfloch. S. Einosel. Im 
Holstein. Oesche^ in Hamburg Oegeske, 
Oeske. Schütze HI, 168. Richey, 
176. Ahd. Örd, mhd. 6re, 6r Ohr, Öhr, 
lat. auris, lit. atuiis^ poln. ucho. VgL 
Schade, 666b. Hennig, 174. 

8se, adv. u. adj.^ barsch, dem Ge- 
schmacke nach. Es schmeckt ose. Müh- 
ling. 

ösebrot, n., s. Ösbrot 

Oseln, sto., wühlen, sich balgend um- 
herwälzen und dabei verunreinigen. Se 
speie (spielen) öm Sand und dseln da 
^rommer (undier). In gleichem Sinne 
auch Ottern. beOseln, sich^ sich durch 
Oseln beschmutzen. Na Jung^ du hast 
dich wedder gut beoseU! Saalfeld. 

Osemund, mnd. osemunt^ schwedisches 
Eisen. 15. Jahrh. Danzig. Hirsch, 
257. Mnd. Wb. HI, 242b. 



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Ösen — Osterwaßser. 



113 



Bsen, 9W.J den Faden in die Öse, in 
das Öhr ziehn, einfädeln, gewohnlich 
einosen (s. d.). Hennig, 174. 

Ssen, 9K7., den 'Abtritt reinigen. Dzg. 
W. Seidel, 33. Mnd. osen schöpfen, 
ausschöpfen. Mnd. Wb. III, 243 a. In 
Bremen ist Oese die Dachtraufe ohne 
Rinne, das unterste Ende des Daches; 
oesen das Wasser ausschöpfcD. Brem. 
Wb. ni, 273. 274. Holl. ist oose ein 
Giefzer, Giefzschaufel. In Bayem Ösen 
leer machen, aufbrauchen, erschöpfen. 
Schmeller I, 121; in Ditmarschen 
einenBrunnen reinigen, Wasserschöpfen. 
Schützern, 161. 

ösfafz, pltd. ösfatt, n., schaufelartiges 
Schöpfgefafz zum osen, in Böten, auf 
Kähnen; nach Schemionek, 26, Hand- 
schaufel. Vgl. PBH. 

Ssnasig (o lang), adj., feinnasig, em- 
pfindlich; von ÖS, 

OssepQper, w., der Wiedehopf, Upupa 
Epops. V. Auer. Klingt wie eine 
Korrumpierung des systematischen Na- 
mens. 

öster, /, plur. Östers, Auster, Ostrea 
edulü, Holl oester, engL aister,, franz. 
huttrey poln. ostrzyga, ost/ryga. Im Hol- 
steinschen Auster, aber auch zäher, 
dicker Auswurf. Schütze lU, 161. 
Hennig, 175. 

Osterblume, /., Wiesenkuhschelle, PuJr 
satäla pratensis MilL Hagen, 566. 

Osterei, n., Ei, das zum Osterfeste 
farbig gekocht wird. Man kratzt den 
Kindern kleine Bilder, Namen, Sinu- 
spruche etc. in die Schale, oder ätzt 
solche mit Scheidewasser aus. Volks- 
tümliche Ostereier-Reime s. Volksr., 
227, 798. Nach Hennig, 176, sind 
Ostereier die Eier, welche dem Pfarrer 
und andern Kirchenbeamten zur Oster- 
zeit als Kaiende gebracht werden. 

PrUehbier» W$rt«rbaob II. 



Osferfladen, 97»., Fladen, der zum Oster- 
feste gebacken wird. 

Osterkalb, n., s. OsterwoK. 

Osteriakzie, Pflzn., Osterluzei, Ärisix>- 
lochia clematitis L, Weichseldelta. 
Treichel, Volksth. UI. 

Osteiiamm, n., Lamm, aus Butter ge- 
formt, in liegender Stellung, mit dem 
die Handelsfrauen zu Ostern umher- 
gehen, um Gaben einzusammeln. Yolks- 
kalender, 95. In Bayern ist das Oster- 
Icmblein Eierkäse in Form eines Lämm- 
leins, welcher nebst den Ostereiern etc. 
am Ostersonntag zur Weihe in die 
Kirche gebracht wird Schmeller I, 
126. Bei uns, wie auch in der Ober- 
lausitz (Anton, 11, 6), sieht das Volk 
das Osterlamm in der aufgehenden Sonne 
hüpfen. 

Osterlilie, /., gemeine Narzisse, Nar- 
cissus pseudonarcissm L., weil die 
Pflanze zur Osterzeit blüht. Sie heifzt 
auch gelbe Narzisse. Treichel, Volks- 
thümliches IH. 

Osterlinge, plur,, alter Name für die 
Bewohner Preufzens, als Volk, das ge- 
gen Osten wohnt. Hart kn och. Hen- 
nig, 176. 

Ostern, n., üblicher Schmackostem 
(s. d.). 

Österschale, /., Austerschale, s. öster. 

Osterwasser, n., Wasser, das in der 
ersten Ostemacht vor Sonnenaufgang 
aus einem Flusse geschöpft ist. Es 
wird aufbewahrt und zum Waschen für 
das ganze Jahr benutzt. Es soll die 
Schönheit nicht allein erhalten, sondern 
auch erzeugen, Sommersprossen und 
alle Ausschläge vertreiben, auch gegen 
alle Krankheiten dienen und nie fau- 
len. Dafz Letzteres wirklich der Fall, 
glaubt Mühling entschieden. Diese 
Wunderkraft hat das Wasser jedoch 

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114 



Osterwolf :— paaren. 



nur dann, wenn bei dem EBn- und 
Rückgange, wie während des Schöpfens 
kein Wort gesprochen wird; geschieht 
dies, so verliert das Wasser seine heil- 
same Kraft. Die Schöpfenden werden 
von Mutwilligen und Schadenfrohen oft; 
auf harte Proben gestellt Volkskai., 
84. Hennig, 176. 

^erwolf, pltd. OsterwuK, m., grol'zer 
alberner Mensch; in gleichem Sinne auch 
Osterkalb, pltd. -kalw. Samland. 

(Milzken, Ortsn., Dorf bei Tilsit. Es 
ist ein Osti/zker^ er hält den Mund offen. 
Er ist aus Osti/zken^ wo sie die lange 
Kobbel haben. Man sagt den Bewoh- 
nern des Dorfes neckcDd nach, dafz sie 
ehemals nur eine Stute zum gemein- 
samen Gebrauch gehalten. Sprw. I. 
2857 a. 

Ostrow, 9n., Insel in Flössen u. Land- 
seen, Holm; ebenso poln. Westpr. 



Schmitt, 165. In Masuren auch Halb- 
insel. Gortzitza. Nach Sperber, 
38, Ostruffy w., das Werder. 

Ostseehering, m., s. StrBmIing. 

öfzer, adv.^ als Beteuerung in dem 
Sinne von wahrlich nicht; von dem 
hebr. oswr verboten. VgL Sprw. I, 
2851. 

Otem (0 = o), m., Odem, Atem. 

Otscb, m. Vom., Otto. Sperber, 
23. Otsche, Dem. Otschchen, w. Vom., 
Ottilie. 

Ottern, sw, 1. erwischen ^ erlangen, 
erreichen; aber auch stehlen, öck heW 
et endlick terottert^ ich habe es endlich 
erreicht. Dat heß hei geottef% das hat 
er gestohlen. Samland. 2. s. v. a Sseln 
(s. d.). 

OtterzHze, pltd. OttertBtt, /., Belemnit, 
wie die Zitze der Euh gestaltet. Sam- 
land. Vgl. Donneri(eii u. Pillerstein. 



P. 



p, Lippenlaut, bleibt anlautend im 
Plattdeutschen: Probe Pr6wy Paar Pär^ 
Peitsche Pitsch; das auslautende (in 
der Schrift b) geht gem in ein to oder 
/ über : ab a/, gab gaf, Grab Graf, 
blieb blew, grob grof; das inlautende 
bleibt p oder wird b: Lappen Lappe, 
Rippe Ribbe, doppelt dobbelt Lehmann, 
Volksmund., 29. 

paar, pltd. par {a = a), adj, u. adv.y 
paarweise, gleich, in gerader Zahl; im 
Gegensatze zu unpaar, Spiel um die 
Zeche: Paar oder unpaar f in betreff 
von Geldstücken, Schwefelhölzchen etc., 
welche man ungezählt ergreift. Für 
Liv- u. Estland Hupel, 166. Sall- 
mann, 50b. 

Paarchen, pltd. Parke (a » a), n. 1. 



Pärchen. Sie ist von einem Paarchen 
entbunden worden, On schenk en Poorcke 
ju op one hole Huhpe, Carm. nupt III, 
77 d. 2. Brautpaar. Ich alter Narr 
dachte, das müfzte und mufzte ein Pahr- 
chen werden. Soph. R. Ü, 454. Was 
unrd denn also aus euch beiden werden f 
Ein Pahrchen, wie ich hoffe. Ibid. III, 
167. Damit dies ein Pahrchen werdef 
Ibid. IV, 346. Es hätte das können 
ein gliickliches Pahrchen werden. Ibid. 
V, 146. 

Paarchentopf, m., s. Paartopf. 

paaren, sw,, paarweise, je zwei und 
zwei, zusammenthun. Paaren, wie der 
Bauer die Drosseln, Die Drosseln wur- 
den früher nur paarweise zum EAuf 
angeboten, wobei stets eine grofze und 



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Paarsemmel — Pademdonnek. 



115 



eine kleine zusammengebunden war. 
Kgsbg. sich paaren^ sich paarweise 
ordnen; sich geschlechtlich zu einem 
Paare verbinden, verloben, verehelichen. 
Steit frie^ dat eck en Dangs na miener 
Buurart hömpelf Sa fraagd eck erseht^ 
dama paard eck mie met der Greet 
Carm. nupt I, 282. 16. Ehrwürdiger 
Bräutigam^ der sich heut paaren kann. 
Ibid., I, 120. Die Vögel paa/ren sich. 
Kinder^ paart jü ! Sprw. I, 2859. Hen- 
nig, 178, hat die Redensart: Er ist 
heute nicht gut gepaart^ ist bei übler 
Laune, mürrisch u. unfreundlich. 

Paarsemmel, /., Semmel, Weil'zbrot, 
aus zwei Stücken zusammengesetzt, die 
durch Bruch sich leicht teilen lassen. 
Bock, 41. S. Pftmel. 

Paartopf, auch Paarchenfopf, pltd. Par- 
topp, Parketopp (pltd. a=^ä)y m., irde- 
ner Doppeltopf mit Bügel, worin das 
Essen den auswärts Arbeitenden zu- 
getragen wird. Samland. Saalfeld. Dzg. 
Nhg. Viol^t, 164. Sperber, 23. 

Pachin', /., Marke, welche Chaussee- 
oder Bahnarbeiter zur Bestreitungaugen- 
blicklicher Bedür&isse als Yorschuiz- 
zeichen auf ihren Arbeitslohn erhalten. 
Sperber, 42. 

Pacbiner, ^., Bettler, Landstreicher. 
Sperber, 42. 

Pachlander, m.^ Diener, der auf dem 
Gefährt hinten aufsteht; von dem poln. 
pachol§ Bedienter, Aufwärter, Bursche. 
Schmitt, Westpr., 166. 

Pachthofmann, -hömann, m.^ s. Hof- 



Packamor, m., 8. Pakmör. 

Packttche, /., Bagage; von lack in 
doppelter Bedeutung: Gepäck; Gesin- 
del, Pöbel. In Zusammensetzungen: 
Huren-y Schelmenpackd^che. 

PackmAr, m,, s. Pakmftr. 

Packrant, /., die Böschungslinie im 



Boden des kurischen HafFes, ehemaliges 
Haffufer; auch (zwischen Memel und 
der Windenborger Ecke) Krantas, m. 
Nach Nsslm., Wb. 223b, ist lit kran- 
tas Rand, Ufer eines Flusses, nicht 
des Haffes oder der See; pakrantas « 
Stelle oder Gegend am Ufer. S. Be- 
necke, 223. 

Padde, /., nach Sperber, 23, eine 
Art Frosch; nach Treichel in Westpr. 
Frosch überhaupt. In Ostpr. heifzt der 
Frosch allgemein Pogge (s. d.). 

Paddelboot, n., Boot, das durch Pad- 
deln bewegt wird, Räderboot, dessen 
Schaufeln durch die Hand gedreht wer- 
den. 

paddeln, sw. 1. mit kurzen Schritten 
gehen, trippeln, watscheln. Im Brem. 
padjen^ putjen^ im Osnabr. padken mit 
kurzen Schritten laufen; Päd Fufzsohle. 
Brem.Wb. III, 279. Lit. pddas, lett. 
pehda Fulzsohle, Fufz, altpr. peadey 
Socken. Voc. 482. Nsslm. Th, 122. 
Danneil, 150b, bezeichnet als Stamm 
Päd (Pfad), das Weg und Wasser zu- 
gleich bedeutet, bepaddeln, betreten, 
tretend beschmutzen, verpaddeln, zer- 
paddeln, durch Paddeln etwas zertreten, 
zerstören. Die Hühner — die Hunde 
verpaddeln die Beete, Die Stube voU- 
paddeln^ mit dem Schuhwerk Schmutz 
hineintragen« 2. im Wasser gehen oder 
hantieren, plätschern. Badende Knaben 
paddeln im Wasser. Bock, 39. Hen- 
nig, 176. 

paddeln, peddeln, sw.y treten; begattend 
treten; coire. In Westpr. auch pedden. 
Ein dreger Hahn paddelt göt Dat die 
de Hahn hackt on de Hang (Henne) 
paddelt. Sprw. I, 1445 f. Die Enten 
peddeln sich. Vgl. das vor. 

Pademdonnek, m., Fulzfall. Eorrump. 
aus dem poln. upadac do nög einen 
Fufzfall thun. TreicheL 

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116 



padolscli — Pakulks. 



padölsch, podötecby oc^'., ungeschickt, 
schwerfällige uDgefagig, grofz u. plmnp, 
linkisch. Ein padoUacher Kerl bi 
Mecklenburg p^do&cA. Mi, 62b. Von 
podolüch, aus Podolien stammend: po- 
dolüche Ochsen, 

paffelhaftig, adj. n. adv. . . . sehet aufs 
genaueste^ obs mügUch sei noch zur Zeit, 
da/z man so genau und geuns den Effec- 
tum oder das Gewitter (Wetter) treffen 
konne^ ah wol mancher ihm (sicli) pafel- 
hafftig einbildet, Linem., D4b. 

paffen, sw.^ wiederholt einen Paff 
(Knall) hören lassen, knallen; schnell 
und hörbar rauchen. In der Verstär- 
kung paffzen. Er paffzt die ganze Stube 
voll, der starke Raucher, der scherz- 
weise Paffzer genannt wird. Hennig, 
176. 

Paise, /., s. Peise. 

Pajatz, Pojafz, nach Sperber, 44, 
auch Pujafz, m., Bajazzo, Clown, Hans- 
wurst. Jetzt komm ich^ sagt der Pajatz 
— auch mit dem Zusätze: und springt. 

pajen, sw.^ bepajen, mit grofzen, un- 
förmlichen Händen jemand über das 
Gesicht fahren. Elbinger Ndrg. 

päkem, sw,, s. pekem. 

Pakmör, Packmör, Packamor , in Ur- 
kunden Podkamor^ Potkamo7\ m., Amts- 
diener, Kämmerer auf den ehemaligen 
Amtshöfen, der im Amtsbezirke die 
niedere Polizei ausübte, die mündlichen 
und schriftlichen herrschaftlichen Be- 
fehle auf den Dörfern bekannt machte, 
Gerichtsdiener, Landreiter. Lit. paka- 
mörCy vom poln. podkomorzy Unter- 
kämmerer, nach Mrongo V. I, 345a, 
wohl nicht genau Kämmerer, Kammer- 
herr. Toppen, Altpr. M. IV, 141, 
bemerkt, dafz auf die beiden Formen 
Podkamor und Packamor sich die be- 
kannten Familiennamen Puttkamer und 
Packmohr stützen. Nsslm. Th., 134; 



Wb. 276a. Pierson, A. W., 34. Der 

packmohr^ da/z ist der kmdtreuter. Aus 
1520. Grünau, Prlz. Chron. XHI, 4. 
§ 3. (In der gedruckten Ausgabe von 
Perlbach steht, S. 627, im Texte, 
wohl infolge falscher Lesung, „landt- 
rickter^y in der Note „landtreuter^,) 
Der Hochmeister Ulrich von Jungin- 
gen zahlt zu Wohnsdorf : „/7 scot dem 
packamar^^ desgleichen in Barten „//77 
scot dem potkamor'^ und bei Leunenburg 
y^Ifirdung dem poikamor mit synem com- 
pan,"" 1409. Treslerbuch, 275d. 276a. 
Es soll ihnen (den Litauern) zu ihren 
Verlobnissen nicht mehr als eine Tonne^ 
zu den Hochzeiten aber nur vier Ton- 
nen Aüaus zu brausen und auszutrinken 
verstattet sein. Darauf denn die Land- 
Schoppen durch die Pakmohren gute 
flei/zige Aufsicht haben sollen. Inster- 
burger Kirchen- Visit-Ordng. H en n i g , 
177. In Pisanskis Nachtr. Park- 
mohr Landesbote, der von der Herr- 
schaft mit Briefen verschickt wurde. 
Es wird ihrer und der ihnen zu ver- 
schaffenden öffentlichen Sicherheit ge- 
dacht in der Willkür, die unterm Hoch- 
meister Conrad von Jungingen abgefafzt 
wurde. Pr. Landr. von 1685, Lib. I, 
Tit. I, § 1, wo sie Packmohren heilzen. 
Vgl. Freigut 

Pakulks, Pakuls, Pokul8, Pokulks, auch 
Pikeilus, m. In diesen Formen lebt 
noch das altpr. pycuU Hölle (Voc. 10), 
pickuls^ Gen. pickuUas Teufel, lit pg- 
kulas Zorngott. Bock, 45: Man höret 
noch zuweilen aus dem Munde der ge- 
meinen Leute: Der Pokuüks (Pokuls) 
toird dich nicht holen. Aus Korkehnen 
im Samlande erhielt ich die Redensart: 
HoFs der Pakulks. Sprw. H, 1225. 
Auch hört man an einem Unglücks- 
tage: Hü' de regert de PakuU. Heß m£ 
denn nu de Pokulls Hia na Schoppen^ 



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Pakullas — Palme. 



117 



pöUgedroffef Volksl., 67, 44, 10. Nach 
Sperber, 41: Der PikeUus kommt. 
Man schreckt mit diesem Rafe die 
Kinder; in der Weihnachtszeit ver- 
kleidet man sich in vielen Gegenden 
als PikeUus^ um die Kinder zur Artig- 
keit zu mahnen. Auch Gortzitza 
kennt aus seiner in Neidenburg ver- 
lebten Kinderzeit den PikeUus {Pik- 
jeUus) als Knecht Ruprecht. 

PakullaSy m.^ ein aus Klunkern ge- 
drehter Strick. Mühling. Lit. pd- 
kullay gew. im plur, pähUlos grobe 
Hede , Schwingeihede , Klunkern. 
Nsslm. Wb., 208b. 

PakulSy m., s. Pakulks. 

Päl, Dem. Pälchen, pltd. Pälke, n., 
Pfühl, Kopfkissen für zwei Personen. 
In Bremen Pöl^ angs. pyle, engl. piUow^ 
holL peuluw. Brem. Wb. HE, 351. In 
Pommern Pal u. Pol, Dähn., 342a. 
Hupel, 169: Pe/Ue. 

palabinken, sw.^ den Trank segnen. 
Nadrauen: pdioftmft?. Vgl. das Genauere 
bei Pierson, Matth. Prator., 52. 150b. 
Kaum dass er einen Schluck gethan^ 
hebt er wieder an zu palabinken i, e. 
den Trunk zu segnen und zu beten. 
Ibid., 53. 

Pälchen^ m. u. n., s. Pälke. 

Paicbenkuchen, m., Kuchen für ein 
Pälchen (s. Pälke). 

palern, sw., reden^ schwatzeu. Einem 
etwas vorpcdem. Mnd. palleren parlie- 
ren, frz. parier. Mnd. Wb. III, 294 b. 

Palttsch, /., s. Politsch. 

Palke, /. 1. Prügel, Stock, Knüttel; 
von dem poln. paika Keule, Schlägel, 
Knüttel. Flatow. Schmitt, 108. 2. 

a. Palken y «n., grofzes and einzelnes 
Stück, ein Grofzes. Das ist ein Palken. 

b. plur. von 1, längliche Spielmarken, 
die nur 1 Point gelten. Treichel. 

Paike, Pälchen, PUke, PBIke, PSIchen, 



PBIcher, 7n., ehemalige Kupfermünze, 
2 Pfennige an Wert; in Preufzen und 
Polen. Vgl. Erl. Pr. V, 282. Öck heW 
noch en kromnC Pelke, Dat wöll öck 
gewe dL Kromni Pelke ös to wenig, E 
Groschke ös to vel! Volksr., 238,840. 
Die Bäcker sollen ein Pfund Speisebrodt 
um einen Pelchen^ zwey Pfund aber um 
einen Ghroschen geben und verkaufen. 
TaxorduuDg vom J. 1633. Hennig, 
190. Lit. peVÜcas, pellkis; nach Hen- 
nig poln. pidki (bei Mrongo vius nicht 
zu finden). Nsslm. Forsch. 2; Th., 
123. Pierson, A. W., 31. Vgl. Drei- 
pBIcher. 

Pälke, plur., nach Mühling über- 
jährige Schweine. 

Pälkekuchen, m., s. Pälchenkuchen. 

Pälkelicht, n., Licht, das 1 Pälke 
kostet, jedes dünne Talglicht überhaupt. 
Er giebt keinem Deiwel ein Pälkelicht, 
er ist sehr geizig. Er ist so dünn wie 
ein Pälkelicht. Sprw. I, 1068. 670. 

Palken^ m., s. Palke. 

Pälkenagel, m., Nagel, der 1 Pälke 
kostet. S. Klammspeicher. 

Päiketopf, m, grolzer Topf. Der Vor- 
satz ist hier wohl nicht Bestimmung 
des Preises, sondern unbestimmte Be- 
zeichnuDg der Gröfee. Marold. 

Pälkezwerg, m., Zwerg (s. Dwarg), 
der 1 Pälke kostet. 

Pftikom, n., Rundgetreide. 

Palmchen, n., Knöterich, Polygonum 
Orientale L. Weichseldelta. Treichel, 

Voiksth. m. 

Palme, /., Zweig der Salweide (Sa- 
lia caprea L.) mit Schäfchen, Blumen- 
kätzchen, welcher in Stelle des wirk- 
lichen Palmenzweiges am Palmsonntage 
vom Priester geweiht wird (Ermland); 
auch das Schäfchen allein. Wer am 
Palmsonntage nüchtern drei (Sperber, 
23: neun) solcher Palmenschäfchen ganz 



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118 



Palme — pämeln. 



verschluckt, ist fCLr das folgende Jahr 
gegen das kalte Fieber geschützt. S. 
Treichel, Volksth. IH. Um die Pal- 
men für den Palmsonntag zu haben, 
stellt man Weidenzweige in Wasser 
auf den wannen Ofen. In Bayern der 
Palm. Schmellerl, 281. 

Palme, /., Fischn., Barbe, Cyprinus 
barbus L, (Barbus ßuviatilis Cuv.). Gu- 
ber. Mühling. 

Palme, /., s. Palwe. 

pftisch, Zuruf an Zugvieh, wenn es 
rechts gehen soll. Gumbiunen. 

Palte, /., gew. plur. Palten, kantige 
Rasenstücke. In Hamburg, im Hol- 
steinschen, in Pommern sind Palten 
abgerissene oder abgeschnittene Lap- 
pen, Stücke, z. B. vom Kleide, vom 
Brote, vom Fleisch. Richey, 180. 
Schütze in, 188. Dähn., 343a. Im 
Gottingenschen Palten^ Palken^ w., eine 
groGze Schnitte, ein groJ'zes Stück. 
Schamb., 151a. Vgl Kampe u. Pal- 
ken2, 

Paltrock, w., grober Überrock, Regen- 
rock, mnd. palt-y pakrock. Mnd. Wb. 
III, 295 b. Das Brem. Wb. lU, 287, 
erinnert an das lat. paUa langes, wei- 
tes Oberkleid, Mantel. Dähn., 343a, 
erklärt: Rock mit Falten. Hupel, 
167. 

PaltrockwindmUhle, /., Windmühle, die 
sich vollständig auf Walzen dreht, die 
auf einem gemauerten Eranzfundament 
auf Bohlen gehen. Ich beabsichtige 
meine neue Paltrock^ Windmühle nebst 
12 Morgen Land etc. zu verkaufen. 
Kirchdorf Orlowen^ Kr. Lötzen. Kem- 
mesies. Egsbg. Allg. Ztg. vom 12. April 
1882. Beilage. 

Palwe, /., ürland, Heideland, mit 
moosigem Gras und oft noch mit nie- 
drigem Gestrüpp, meist Kaddig, be- 
standen, nur als (dürftige) Viehweide 



benutzbar. Den Charakter der „aus- 
gerodeten Waldfläche" (Nsslm.) zeigt 
die Pahoe wohl höchst selten. Nament- 
lich reich an Palwen ist das Samland. 
Gebauer, Kde., 8. Bock, Nat. III, 
767. Hennig, 177, hat in erster Reihe 
Palme, welcher Name gegenwärtig fiir 
Palwe nicht mehr gebraucht wird, je- 
doch in Ortsnamen noch lebt: Palm- 
nicken im Kr. Fischhausen, früher Pal- 
weniken d. i. Leute auf der Palwe; 
Palmnicken heifzt auch ein Etablisse- 
ment bei Fürstenwalde in Brandenburg. 
Hoppe, Altpr.M.XV, 582. Pierson, 
Altpr. M. Vni, 367, weist auf lett. piawja 
Wiese hin; Passarge, Balt., 29, auf 
püvis Moorerde; Nsslm., Forsch. 3, 
auf poln. pohwy, russ. polewyi^ adjek- 
tivische Ableitungen von pole Feld, 
Ebene, später, Th., 118, auf kslav. 
pljewq, pljetiy poln. plewig, plewic aus- 
roden, jäten, kslav. pljewelü, russ. pU- 
web/, plur. Unkraut. 

Palze, /., Zehe, poln. palec, plur. 
palce. Sperber, 39. 

Pftmel, Pommel, /., Dem. Pamelchen, 
Pdmelkcy Semmel. Nach Bock, 40, 
Brot aus Weizen und Butter, welches 
entweder in Reihen an einander ge- 
backen (also Senmiel) oder auch stück- 
weise verkauft wird. Schemionck, 
29:' Pohmel Butterstriezel mit Rosinen. 
Pdmel dürfte eine Zusammenziehung 
aus Paarsemmel sein. In Pommern 
ebenfalls Semmel. Dähn., 343a. Kin- 
derreim: Puschpusch, min Käterke, wo 
wärscht duf „Ön Qrofzmuttersch Kä- 
merke^. Wat deedst du daf y^Eet seete 
Melk mot Pdmelke.'' Volksr., 31, 119. 
De Kenik trunk just ZeffraJmsthee (Thee 
mit etwas Saffran gemischt) on ds en 
Pohmel derzu. Schaltj., 3, 7. 

pftmeln, (a auch = ä), sw., mit vollen 
Backen kauen, essen. 



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pämmeln — Pankedorf. 



119 



pammelny sw.^ zimperlich thun, sich 
zieren; verzärteln, verwöhnen. Wenns 
(das Aufgebot) die ganze Gemeine mit 
Ohren gekört hat: was hilft das päm- 
melnf Soph. R. III, 220. Sorglose Er- 
ziehung und das Pämm^ln und Hät- 
scheln der Weiber thut dazu (daiz die 
Empfänglichkeit fiir den Schmerz mit 
den Jahren wächst) viel. Ibid. lY, 
337. 

pammlichy adj., dicht, dick, voll. Da- 
foT es sien Bart uck pammUch^ Dei er- 
sett dem käle Kopp, Nowack, 11. 

Pampe, Pampel, /. u. m., Farns, m,, 
Brei, dickes Mus; dicke Suppe, Breii- 
ges überhaupt Die Erbsen('Suppe) sind 
heute eine Pampe. Et ös reiner Pams. 
In Bayern Pampf^ m, Schmeller I, 
285. S.Sperber, 23. Danneil, 151b. 
Mi, 61a. 

pampelig, adj.^ breiartig, weich, dick- 



PampelmQSy /., dicke Mus, s. v. a. 



paropeln, sw. 1. zur Pampe machen, 
feste Speisen mit flQssigen mischen, 
mengen. Brot in die Suppe pampeln^ 
einbrocken. Semmel oder Kuchen ein-- 
pampeln^ in den Kaffee oder Thee tau- 
chen. Bock, 40. Hennig, 177. 
Schemionek, 26. 2. viel essen; dies 
jedoch gewöhnlicher pampsen (s. d.). 
3. verstärktes ampeln: im Schmutz pam- 
peln. Vgl. paddeln. 

pampsen, mo., viel essen; einstopfen: 
zunächst in den Magen, aber auch in 
Tasche oder Sack, dann einpampsen. 
Lit Wurzel pamp schwellen, papampu 
ich schwelle auf. Pierson, Lit. Aeq., 
9. In Bayern pamp/^m stopfen. Schmel- 
ler I, 285. 

Pampssattely Pamssattel, m., ordinärer, 
hochgepolsterter Sattel, lit pampsas. 
Vgl. das vor. 



PampQiche, PapOiche, /., grofzer Filz- 
schuh, Eggenschuh (s. Egge), beque- 
mer und warmer Hausschuh überhaupt. 
Schemionek, 26: Pammpuhsen. Poln. 
paptU,, plu/r, papu^cie Oberschuh; in 
Bayern Papotschen^ ungar. papvts (por 
putsch),, im Holsteinseben Pampu^hers^ 
plur. Schmeller I, 291. Schütze 
n, 188. 

Pams, m, 8. Pampe. 

Pamssattel, m., s. Pampssattel. 

Pamuchel, m,, Dorsch, s. DBscb. 

panibratsch, adj,^ s. panjebratsch. 

Panitschken^ n., Herrchen. T reich el. 
Im Fr. -Poln. panic junger Herr. 

panjebratsch, panibratsch, adj., ver- 
traut, familiär, du und du sein, sich 
gemein machen. Er ist mit allen gleich 
panjebratsch. AusMem poln. za panie 
bracie z Jwm bic mit jemand vertraut, 
wie Bruder und Bruder, leben; bracie 
sich verbrüdem, Brüderschaft machen, 
pan Herr. Mrongov. I, 320a. Sper- 
ber, 39. 

Pank, n., grofzes StQck, z. B. Brot, 
Ladung Stroh, Holz. Treichel. 

Panke, n., plur. Panken^ Herrchen. 
In Masuren Anrede für den Hausherrn. 
Aus dem poln. pan Herr, mit der pltd. 
Dem.-Endung ke. In dieser Bedeutung 
hat auch die Bezeichnung der kleinen 
westpreufz. Edelleute als Panken ihren 
Grund. Droysen, Leben Yorks!, 5: 
Pancken, Hintz, 114. Nach Sper- 
ber, 39, Panie^ Herr, als scherzhafte 
Anrede auch bei den Deutschen der 
halbpolnischen Gegenden gebräuchlich. 

Pankedorf, n., Dorf, dessen Areal 
Pankeherren besitzen. Es zerfallt in 
zahlreiche kleine Anteile, die je als 
besondere adliche Güter in dem betr. 
Hypothekenbuche eingetragen stehen. 
Diese Anteile haben oft kaum die Grölze 
eines Bauernhofes. Pankedorfer findet 



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120 



Pankeherr — P&pesacL 



man in Eassuben, speziell in den Krei- 
sen Neustadt, Eartbaus, Berendt, Star- 
gard, Eonitz und in Pommern hinein 
bis Bütow. Mühling. 

Pankeherr, m., wörtlich Herrchenherr, 
kleiner westpr., namentlich kassubischer 
Edelmann, oft so ärmlich, dafz er selbst 
auf seinem kleinen Besitztum mitar- 
beiten muüz und seine Einder die Herde 
hüten. Erwachsen, dienen viele Ein- 
der der Pankeherren als Knechte und 
Mägde. Daher das kassubische Sprich- 
wort: Ich bin Herr und du bist Herr, 
wer wird aber die Schweine hüten, ja 
pan i ty pan, akto z nas b§dzie Zwirne 
paslf Mrongo V. I, 320a. Vgl. Panke. 

pankritsch, adj.y listig; schadenfroh; 
engherzig. Saalfeld. 

panknitt, o^^'., bankrott. 

panksen, sw,^ dumpf tönen bei einem 
Stolze oder Schlage; schallnachahmend. 
Das pa/nkste man so! Poln. p§kac knal- 
len. Treichel. 

Pann, Panne, /., Pfanne. Altpr. pant- 
weko Tiegel (Voc. 352). 

pannkefett, adv,^ aus fetter Pfanne. 
Pannkefett leben^ schmausen, viel drauf- 
gehen lassen, schwelgerisch, verschwen- 
derisch leben. Auch: Pannkefett spie- 
len. Sprw. I, 2356. In Hamburg und 
Bremen bankefett speien schmausen^ 
lustig drauf los zechen. Richey, 
355. Brem. Wb. I, 48. In Hessen 
Pännchen fett. Vilmar, 294. Weitere 
Znsammensetzungen mit Pann«, Pannke^ 
s. unter Pfanne etc. 

Panse, ?n., erster Magen des Rind- 
viehes; verächtlich auch vom Men- 
schen: Hei mot den Panse ömmer voU 
hebbe. 

Pant, Pante, lit. j?anto, /., Verbindung 
von zwei Säcken oder Wentem. Je 
nach den Fischen, die mit der Pant 
gefangen werden, giebt es Aal-, Hecht- 



u. Schnäpelpanten. Nach Sperber, 23, 
ist Pante der Stock an der Lachswehr. 
Vgl. Sack u. Wenter. 

Pantoffelwerfen, n., s. Schlorrchen- 
schmeilzen. 

Panisack, m., s. v. a. Pant^ Pante. 

Pantsche,/., pantschen, sw.^ s. Patsche. 

Pap, pltd. Pap (a = a), w., Geist- 
licher, Pfaffe. De Pap es e Vaterunser- 
krämer. Jerrentowitz. Wenn de Pap 
lachtj es en de Hell Jahrmarkt. Dzg. 
Nhg. Sprw. 1,2862. DaliggtdeDreck, 
säd de Pap on let dat Kind falle. Ebda., 
2435. 

Paparz, Pflzn., WurmfEum, Pdystir 
chum filix mas Rth.^ poln. paprocz^ 
^t. papa/rtis. Hagen, 1098. Treichel, 
Volksth. 

Pap^ngelchen, n., Reim wort zu Enr- 
gelchen: Engelke Papengelke^ Wer wat 
göfft 08 Engelke ^ Wer nuscht göft, ös 
Diewelke! Engelchen Popengelchen etc. 
Volksr., 93, 393. 394. 

pftpem, sw. 1. plappern, schwatzen. 
Davon Gepftper, n. Paper paper! wcts 
ist das gesagt? Soph. R. IV, 93. Pa- 
per^ Paper, lederne Weisheit! Ibid. V, 
11. Wccs Herr Puf das Paperpaper 
der Gänse nennt Soph. R. V, 481. 
Dafz man ihnen vom hübschen jungen 
Bräutigam vorpapert. Ibid. VI, 418. 
Julchen, wie wirst du also, alles dies 
Gepaper kurz zusammengefafzt, deine 
Kinder erziehen? Soph. R. H, 410. 2. 
Nach Mühling im Ermlande: betteln, 
bitten. 

Pftpersch, auch PapSrflfige, Papfirflie- 
gen, plur.y ganz kleine Mucken. Sam- 
land. 

Pftpesack, m., Pfaffensack. Pdpesack 
hat keinen Bodden. Päpensa^ck on Mei- 
lers Mät waren nich voU. Vgl. Sprw. 
I, 2899 f. Paupesack wat nimme satt. 
Eonitz. 



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Papke — Pardel. 



121 



Papke, Pupke, m., Wasserhuhn, s. 
Hurdel. 

Pappe, /., Einderbrei, Mus, womit 
man kleine Kinder, denen die Mutter- 
milch versagt bleibt, ernährt. Ital. 
papa, engl, pap^ in Bayern Papp^ m. 
Schmellerl, 290; in Hessen Papp^ 
Bapps^ Piraps. Vilmar, 294. Anton, 
3, 6. Mi, 61b. 

päppeln, sw.y viel sprechen, ungereimt 
und sinnlos sprechen, unverstaadlich 
sprechen. Actij pappel nicht! Er päp- 
pelt in einem fort. Hiervon: Gepappel, 
n. In Bayern noch: pappelen^ pappem. 
Schmeller I, 290. In Posen auch 
popeln. Bernd, 199. Danneil, 152a. 
Mi, 61b. Vgl. pdpem. 

Pappelpoten, plur.^ s. Poten. 

pappen, 9w. 1. ein Kind mit Pappe 
speisen. Ebenso päppeln. Das Kind 
majz auf gepappt (Hennig, 177), auf- 
gepäppelt werden^ es erhält keine Mut- 
termilch, wird mit Pappe genährt. 2. 
ein Greschwar pappen, es durch warme 
Umschläge von Pappe, Grützbrei etc. 
erweichen. 3. essen. Pappe goty ddne 
nusckty essen gut, thun nichts. Sprw. 
1, 2864. Papp' BrStke mot, Üz das (in 
die Milch) gebrockte Brot mit. Vgl 
TiitU. 

P^yphahn, m., Silbermünze, 8 poln. 
Groschen an Wert (20 alte Pfennige). 
Westpr. Thorn. 

Pappstoffel, m., ungeschickter, unbe- 
holfener, eckiger Mensch, Stoffel (Chri- 
stoph), der eigentlich noch gepappt wer- 
den müTzte. Treichel. 

papsten, au?., cacare. Einen Papst 
setzen. Treichel. 

PapOiche, /., s. PampOiche. 

Paradies, n., preu/zischesy ehemals die 
Pillauer Halbinsel. Ist aber irgendwo 
eine angenehme^ und mit unzehlichen 
Veränderungen ausgeschmückte Gegend 



in Preufzen anzutreffen; so ist es die, 
in einem Haken von zwey Meilen be* 
griff ene HaJh-Insuly welche den Weg von 
PiUau nach Fischhatcsen ausmachet. 
Nicht nur die unvergleichliche Lage die- 
ser Oegendy sondern auch der ÜAerflufz 
aller Sinn und Oemüth ergetzender Dinge 
rechtfertigen ihre Benennung^ da man 
sie absonderlich das Preuf zische Paradies 
heisset. C. H. Rappolt, Von dem sog. 
Preufz. Paradiese. Erl. Pr. V, 583. 
Wöchentl. Königsbergische Frag- und 
AnzeiguDgs-Nachrichten. 1738. No. 27. 
Bock, Nat. I, 550. Sprw. I,* 2865. 

Paradiesvogel, m,y Fichtenkernbeiizer, 
FringiUaenucleatorM.Mahlingy Tiem., 
175. 

parat, porat, adv,y bereit, fertig. Öck 
st aU parat. Moak di OWr toW Reis* 
poroat. Dorr, 41. 
. Parcham, 7/^., Wallgang um das rechte 
Haus der Marienburg, zugleich Be- 
gräbnisstätte der entschlafenen Bruder. 
Passarge, 267. 

Parchem, m.^ Parchent, Barchent. In 
Pommern Parcham^ n, Dähn., 344b. 

pardauks, interj.y s. pardauz. 

pardauz, pardauks, perdauks, perdauz, 
perduz, pordauz, porduz, interj,^ schall- 
nachahmend; zur Bezeichnung eines 
Falles, namentlich eines Falles von der 
Höhe. PardauZy da lag er, PerdautZy 
so lach (lag) eck da, Carm. nupt, V, 
190 d. Hioby hiob — perdauJssch! Volksr., 
35, 136; 37, 140. Porduz fiel es her- 
unter.'^ ^, brdZy bumSyplaukschy schmauksy 
schnipps, schnurr, schwapps. In Bremen 
perduus! Brem. Wb. in,309. In Pom- 
mern perduuz. Dähn., 347a. Lit. 
4 padaukus eiti in Trümmer gehen. Lit. 
Äeq., 20. 

pardauzen, porduzen, sw.y fallen mit 
Geräusch umstürzen. Hennig, 191. 

Pardel, m. 1. gemeiner Kiebitz. Bu- 



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122 



Pardömpel — Parowe. 



jack, 382. S. Kiwü 2. ein kleiner 
Hering, eigentlich die Sprotte. Dzg. 
Mühling. 3. Pflzn., Flachsseide, Cus- 
cuta. Wohl von Pardel^ Perdel == Perle, 
da die Bluten Perlknöpfchen gleichen. 

PardVmpely m,^ Dümpel, Pfütze mit 
schmutzigem Wasser. Da weer en 
grofzer Pardempel met lauter Klieter- 
Wasser^ an da mo/zt eck dorch. Schaltj. 
1, 438. 

PardOn, m., das frz. pardon. Pardon 
gcwBy Quartier geben, das Leben des 
Feindes schonen; verzeihen. 

par§re(n), «w?., gehorchen, dem Be- 
fehle Folge leisten, parieren, lat. parere, 
S. Order. 

parfisischy adj.^ von Pareske. 

Partske, m.^ Bastschuh, Sandale aus 
Lindenbast, auch heute noch von den 
polnischen Flöi'zknechten vielfach getra- 
gen. Litauen. Masuren. Schon die 
alten Preufzen haben Paresken getragen, 
V7enn das Bild eines Preulzen bei 
Hartknoch zuverlässig ist. Markgraf 
Albrecht pflegte scherzv^eise zu sagen, 
er wäre so reich an Schustern, dalz 
er allein im .Listerburgischen Sprengel 
15000 habe, d. h. Leute, die ihre Schuhe, 
Paresken, selber fertigen. Act. Bor. I, 
549. Ein Edikt d. d. 1. August 1724 
untersagte die Abschälung und Ver- 
stümmelung der Bäume behufs Gewin- 
nung des Bastes zur Anfertigung der 
, Paresken. Auf die Reizken- Pilzken- 
und Nüsseleser und Paresischen Bast- 
holer sollen die Kirchenväter fleif zig Ach- 
tunggeben. Insterburg. Kirch.-Yisitat.- 
Ordnung. Die Strümpfe und Schuhe 
oder Parrosken der Leute läfzt bald die 
Wvrihin wegnahmen und aufheben. Pier- 
son, Matth. Prätor., 55. Wo hast 
du deine Paresken gelassen f Frage an 
solche, die sich aus niedrigem Stande 



emporgeschwungen und nun im Glucke 
übermütig sind. Hennig, 78 f. Wenn 
aus dem Paresken ein Schuh unrd^ dann 
weifz er nichts wie er sich anstellen soll. 
Über eine zu „dick" geratene Vorspeise, 
Grütze, Mus etc., kann man mit Pa- 
resken gehen — sie ist so dick uAe Pa- 
reske. Sprw. I, 2866 f. In der Saal- 
felder Gegend nennt man jeden be- 
quemen, alten oder häfzlichen Schuh 
der, ^uch die Paresk. Nach Mühling 
heiizen diese Schuhe in Livland Pas- 
sein; in Litauen heif'zen sie wyzios. Die 
Wurzel liegt in dem preui'z. Verb rwf, 
reist binden, im preulz. Katechismus 
sen-rists^ part. verbunden, per-reist, inf 
verbinden. Dem entsprechend hat das 
Lit. m^M, rrszti^ auch paa^zH binden. 
Nsslm. Forsch. 2; TL, 120. Bock, 
40. Bock, Nat. I, 131; IH, 31. 126. 
Vgl. Wuichen. 

Par§8kenmacher, ?n.. Verfertiger von 
Paresken. KomrfC mit mir nach Tilsit 
herrain^ Allda wo die Pareeskenmacher 
sain! Volksl, 65, 43, 7. 

parforsch, perforsch, adv.^ aus par 
force^ mit voller Kraft Fafzt e mal 
alle mit parforsch an! Vgl. forsch. 

PariskVrner , plur'. , Paradieskömer, 
Grana paradisi. Mühling. 

ParkmOr, m., s. PakmOr. 

Parienke, /., s. Perlenke. 

Parok, m., koboldartiges Wesen, wie 
Alf und LataUitz (s. d.). Litauen. Ma- 
suren. Treichel. Parok = Diener, 
wie T. angiebt, nicht nachweisbar; da- 
gegen poln. parobek Knecht. 

Parowe, Porowe (zweite Silbe kurz), 
/., Schlucht, Thal, Regenschlucht, Grund 
im Walde, Waldschlucbt Von dem 
poln. paroWy w., parowa, /., hohler 
Grund, Schlucht, Defilee. Sperber, 39, 
erklärt: längliche Bodensenkung im 



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Parpel — p^em. 



123 



Acker. Schmitt, 108; Westpr., 166. 
Pierson, Altpr. M. VIII, 367. Nsslm. 
Forsch. 3; Th., 120. 

Parpel, m,j der Perpel, Älosa finta 
CW., bei Hennenberger, 29, Porpel, 
lit perpebj perple^ perpele. Benecke, 
167. Pierson, Matth. Prätor., 15. 

ParschbUchse,/., Pirsch-, Birschbücbse, 
Jagdgewehr. . . . wenn beyde Augen das 
Korn auff einer Parschbückien sehen, so 
tsts unmügUch, da/z mit beyden Augen 
der Zweck mag gerade ersehen werden 
in einem Punct. Linem., Y la. 

Parsche, /., Käsepreese. Werder. 

parschen, sw., müi'zte, da Parsche die 
Käsepresse ist, zunächst das Auspressen 
des Eäsewassers bezeichnen; sodann: 
Wasser heftig aosgieizen, vergielzen; 
auch in der ZusammeusetzuDg: auspar- 
SCben. Werder. 

pirschen, sw., s. pfirschen. 

Part, w»., Teil, Anteil, pars. Op min 
Part keme iOO Däler, Wegen mein Part 
kann er kommen oder dableiben = mei- 
netwegen etc. Anpart, n., Anteil, Erb- 
teil. Daran heft hei kein Anpart, dar- 
an hat er keinen Anteil, darauf darf 
er keine Ansprache erheben. Samland. 

Partie, /., Partei, auch Teil. Auf 
meine Partie. Bei Jeroschin: imjdre 
1228 begundin in Italid dt parihten we- 
sin sd OeJfin unde Gibbeltn 10 d. eine 
partte (:drie) er kegn Masow sante 100a. 
Pfeiffer, 203. 

partA, adv., durchaus, uuter allen Um- 
ständen, schlechterdings, frz. partout 
Dat do ock partu. He wuU partu Sol-- 
ddt speUj er wollte durchaus Soldat 
werden. 

paniiehelig, a(f;., unordentlich, nament- 
lich in den Haaren. Ein parv4chelges 
Frauemirmner^ auch kurz Paruichel, 
PaniseL Treichel. 

Panisel, m,, Fladen, Flammwecke^ 



meist mit Schmalz abgemacht und für 
gewöhnlich auf dem Herde und nicht 
im Backofen gebacken. Mühling. 
Nsslm. Forsch. 3; TL, 219. Vgl. 
Flammfiaden, Flammwegg', Platz. 

paschen, sw, 1. mischen, die Karten; 
auch verpaschen. Sperber, 23. 2. 
kein sicheres Spiel in der Karte haben, 
nicht mitspielen, passen; frz. passer y 
ital. passare. Nei! Nei, öck pasch daby^ 
öck wöU gar kein Gewonn. Carm. nvpt 
IV, 59c. 

Paschntr, w, Spange, Gürtelspange. 
Wir wünschen dem Fräulein ein goldÜ- 
nes Paschnir, Aufs andre Jahr 'nen 
jungen Offizier. Aus einem Brumm- 
topflied im Kr. Neustadt Treichel. 

pascholl, adv,, vorwärts, weiter, fort! 
als Zuruf. Russisch. Sperber, 45. 
Sallmann, IIb. 

Paschur, f., bedeckte Vorhalle an den 
litauischen Wohnhäusern. Labiau. 

Paserjunge, m,^ s. pftsem. 

pftsem, päsem, pteem, pösern, pVsem, 
sw. 1. mit Feuer spielen, im Feuer 
wühlen, oder schüren, in einer Licht- 
flamme „maddern". Se pesert mank 
de Kohlen, Päser nicht immer im Lichty 
du vnrst noch einpissen! Nach der 
Volksmeinung pissen Kinder, wenn sie 
mit Licht oder Feuer spielen, ins Bett. 
Ich habe den ganzen Tag pdsem müssen^ 
am Feuerherd stehen müssen; nach 
Hennig auch: in der Sonnenhitze ver- 
brennen müssen. 2. Feuer anmachen 
(Kohlen brennen?) auf dem Herd, im 
Walde und auf dem Felde. Sintemal 
auch aus dem ungebräuchlichen (unge- 
bührlichen?) Posem viel Schaden ge- 
schehen , und dadurch die Weide samt 
den Heyden leztUch verwüstet werden^ 
so befehlen wir^ da/z sich hinfort nie-- 
mand nach PhtUppi und Jacobi amu- 
fdhen^ bis auf Michaelis an einigen Ort 



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124 



Päslack — Piissenheim. 



2U posem unterstehe. Landes -Ordg. 
des Herzogth. Preufzen v. Jahre 1640. 
Hennig, 179. 3. das Feuer schören 
und unterhalten, heizen. In der Niede- 
rung ist dazu ein besonderer Dienst- 
junge: Paserjunge, der die Strohbundel- 
chen, mit denen man das Feuer unter- 
halt, einzehi in's Feuer, zu werfen hat. 
Passarge, 220; auch OfenpMsrick, pltd. 
Aioepäsrick^ wenn er das Geschäft des 
Ofenheizens hat. 4. böswillig Feuer 
anlegen. Er hat gepäsert Davon ab- 
pOsern niederbrennen; in der Lötzener 
Gegend abpftsern auch im Gesicht ver- 
brennen, anpfisern, anbrennen, in Brand 
stecken, verpteem, verbrennen. Sie 
verpesert unnötig Höh. 5. einräuchem. 
Em Schorsteen hangen se em (die Be- 
wohner von Lichtenau den Mönch) op 
On mooken Fiei' an bold derop^ Se pee- 
serden em gruuUch sehr, as wenn hei 
Worscht on Schinken weer. Dorr, 32. 
Poln. pozar die Feuersbrunst, altpr. 
panno das Feuer (Voc. 33): entstellt 
liegt panno in lit. püszkinU verbrennen, 
deutlicher in pdsem^ p6sem. Lit. Aeq., 
8. Nsslm., Th., 219, weist daraufhin, 
dafz pdsem nahe anklingt an lit. pä^ 
zeriu, pazirti, Simpl. zeriü, zSrti in den 
Kohlen, im Feuer schüren, womit auch 
altpr. passortes Schürstange (Voc. 334) 
zusammenhängt. Sperber, 24, erklärt 
abweichend und im ersten Teile wohl 
kaum zutreffend: pesem mit dem Fin- 
ger oder einem anderen Glied hin- und 
herfahren, namentlich sich in dieser 
Weise mit Licht oder Feuer zu schaffen 
machen. Vgl. Bock, 41. Hennig, 
179. Schmitt, 108; Westpr., 166. 
Pierson, A. W., 35. 

Pftslack, m. 1. Mensch, der pdslackty 
freiwilliger Diener, Dienstbeflissener, 
dessen Hilfe andere gern und viel bean- 
spruchen^ Packesel. Was fällt dir einf 



Denkst du, ich bin dein Pdslack? Li 
der Gegend von Saalfeld auch Passlack; 
nach Mühlin g Passlack aufzer Diener:, 
Aufpasser, Spion. Davon Pftslackerei, 
/., beschwerliche Arbeit ohne Elntgelt; 
nach G o r d a c k auch Lumpenwirtschaft, 
Schlunzerei. Poln. poslac schicken, hin- 
schicken, senden, poslaniec; poslannik 
Bote, lit. pdslas. Schemionek, 27. 
Sperber, 39. — 2. Anschnitt (Köpf- 
chen) und Endrest des Brotes. Müh- 
ling. 

pftslacken, sw., umsonst und ohne 
eigenen Nutzen sich für andere ab- 
mühen, andern oft und ohne Dank Ge- 
fälligkeiten erweisen, für andere gern 
und meist ohne genügende Belohnung 
kleine Arbeiten verrichten. Er pds- 
lackt den ganzen Tag hei ihm herum. 
Er mu/z für jeden pdslacken. In Pom- 
mern in ähnlichem Sinne pdsein, posein. 
Dähn., 356 a. Vgl. Pdslack. 

Pasorren, plur., s. Pisorren. 

passen, sw. 1. messen, im Mafz zu- 
treffen. Die Schuhe passen nicht, sie 
sind zu klein oder zu grofz. Das pafzt 
auf ein Haar. Das pafzt wie die Faust 
aufs Atige — toie der Hamen auf den 
Nagel — tme Pint op Gret. Dat pafzt 
wie fer Annke toWMötz. Sprw. I, 2870f. 

3. reflexiv: sich schicken. Das pafzt 
sich nicht, verstöfzt gegen die Sitte. 

4. merken, aufmerken. Pafz Achtung! 
Hennig, 179. 2. gefallen, anständig 
sein. Das pafzt mir nicht, das sagt 
mir nicht zu. Pafzt ml nich mdt aUer^ 
hand Mansche to verkehre, öck verdarw 
mt de Kundschaft Sprw. I, 2876. 

Passenheim, Ortsn., Stadt im Kreise 
Orteisburg. Die Bewohner werden 
spottweise Passenheimer Rüben genannt, 
weil in der Umgegend djr Stadt von 
Feinschmeckern geschätzte Rüben ge- 
baut werden. Sperber, 27. 



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Passlack — Patsche 



125 



Passlacky m., s. Pftslack. 

Pasteln, plwr,^ eine Art Schulie, ähn- 
lich den Paresken^ aber von Leder- 
riemen geflochten; lettj^o^^o^. Nsslm. 
ForscL 3; Th., 121. 

Pasternak, m,^ Pastinak, Pastinaca 
sativa L., poln. pastemak^ lit. paster- 
nokas. Hagen^ 333. So nackt wie e 
Pasternak. Sprw. I, 2710. Pasternak 
auch als Familienname. Sperber, 39. 

paswälken, mr., arbeiten. 

pafZy a(ft7., recht, passend, zur Be- 
zeichnung des Mafzes, der Zeit, des 
Erfolges. Die Stiefel sind mir pa/z^ 
sie passen. Er kommt zu pa/z, er 
kommt eben zu rechter Zeit. . . . wel- 
ches aber der Nördlichen Dorfschaft 
besser zu paskomet^ zu grofzerm Nutzen 
und Vorteil gereicht. Linem., Zzla. 
Vgl. pafzmat 

Pafz, m, 1. Gurt, Leibgürtel, früher 
die bei den Bauern übliche lange grüne 
Schärpe um den Leib. Von dem poln. 
pas Gürtel. Eine Pafz- oder Leibgür- 
telfabrik ist 1777 in Stolzenberg an^ 
geleget, Bock, Nat. I, 680. Ist der 
Gürtel bandartig, so heifzt er Pafzband, 
n. 2. jeder gürtelartige Saum, nament- 
lich der ÄrmelschluTz im Hemde am 
Handgelenk, an Plätthemden die Man- 
schette. Der Rockpafz^ Gürtel, Taillen- 
band am Frauenrock. Sperber, 38. 
Nsslm. Forsch. 3; Th., 120. Hennig, 
159. Vgl. Querdel. 

PafzglaSy n., hohes cylindrischesTrink- 
ge&Tz mit gleich weit von einander 
angebrachten Reifen als Mafz. Aus 
dem mnd. pcus^ m. MaTz. Vgl. Wei- 
gandU, 311. Bock, 4L Hennig, 
179. 

pafzmtt, adv,^ eben recht, rechtzeitig 
und genügend, zumafz, zupafz. Zur 
Bezeichnung der rechten Zeit und des 
rechten Malzes. Da kam ock pajzmat^ 



sagt man, wenn man während der 
Mahlzeit in eine Stube tritt. Aus passen 
und messen oder dem mnd. pas u. mät 
Ebenso in Pommern. Dähn., 346 a. 

Patengeld, pltd. PadegVId (a = a); n., 
das von dem Paten für den Täufling 
eingebundene (dargebrachte) Geldge- 
schenk, Pateugeschenk. 

patern, sw.^ s. praten. 

Paterswalde, Ortsn., Kirchdorf im Kr. 
Wehlau. Vgl. Schallen. 

Patron, 9n., Schimpfwort auf einen 
durchtriebenen, verschmitzten, unnützen 
Kerl oder Knaben. Warf er^ Patron, 
ich werde ihn kriegen! Oft auch im 
Dem.: Patronchen, ich kenne dich! 

Patsch, m, 1. schlammiger Boden, 
Schmutz, Strafzenkot, Blott (s. d.). 
Aufbauender Schnee bringt grofzen 
Patsch. Vgl. Matsch. 2. Patsch, /., Band, 
s. Patsche. 

Patsche, /. 1. unsauberes Wasser, 
unreine Flüssigkeit, die man weggiefzt, 
verdorbenes Getränk. Zur Aufnahme 
der Patsche steht in der Küche als Pen- 
dant zur Dranktonne, welche die noch 
als Schweinefutter brauchbaren Speise- 
reste aufnimmt, der unappetitliche Patsch- 
elmer, dessen Inhalt in Königsbg. ge- 
wöhnlich in den Rinnstein, die Gosse, 
entleert wird. 2. mürbe Gewordenes, 
stark Erweichtes, Verfaultes. Die Bir- 
nen sind eine Patsche. Davon zerpat- 
schen, sw., zu Patsche machen, zer- 
drücken, zerquetschen, zerwühlen. 3. 
bildlich: Verlegenheit, Verwirrung 
(Bredouille), Verwickelung, Elend, Not, 
üble Lage überhaupt Einen in die 
Patsche bringen. Er steckt tief in der 
Patsche. 

Patsche, /., Dem. Patschchen, pltd. 
Patschke. 1. Hand. Doch wie eck 
em de Patsch wöU rehke. Nowack, 
25. Grieb mir dein Patschchen! Geben 



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126 



Pat8cheiiTier — patzig. 



Sie das PaUchgeriy geben Sie! Soph. 
R. ni, 193 u. öfter: IV, 155; VI, 341. 
527. 2. übertragen: Tatze, Fu(z. 3. 
schallender Schlag mit flacher Hand, 
nnd dann gewöhnlich Patsch, 

Patscheimer, m., s. Patsche. 

patschen, sw, 1. durch den Patsch 
gehen; in der Patsche^ aber auch im 
Wasser mit den Händen rühren; in 
Speisen übersatt oder suchend herum- 
wühlen. In Bayern bätzen^ in Hessen 
bätscheUj im Holstein, patschen, in Po- 
sen panschen^ in Estland panschen und 
pantschen; so auch in der Niederlaus. 
Schmeller I, 228. Vilmar, 27. 
Schütze III, 187. Bernd, 199. Sali- 
mann, 37b. Anton, 11,8. Hennig, 
180. 2. mit den Händen schallend zu- 
sammenschlagen, mit flacher Hand 
schlagen, auf die nackte Haut klatschen. 
Patsch in't Handke! Volksr., 29, 114. 
3. mengen, mischen, manschen, Speisen 
unappetitlich und unreinlich bereiten. 
Vgl. matschen, 4. etwas in schlechter 
Weise ausführen, schlecht herstellen, 
fertigen. Sperber, 23. Über die ur- 
sprüngliche Bedeutung von patschen 
(fünfe zählen) s. Grimm, G. D. Spr., 
244. Rochholz, 136. Vgl. kttern. 
In Zusammensetzungen: auspatschen, 
5«^., Flüssigkeiten durch Patschen ver- 
schütten; nach Mühling auch: aus- 
baden, entgelten, was man verschuldet; 
sich selbst aus einer Verlegenheit her- 
aushelfen, also aus der Patsche ziehen. 
bepatschen (s. d.). durchpatschen, durch- 
wühlen, durchrühren; durch Schmutz 
patschen, einpatschen, durch Patschen 
mit den Händen vollschmutzen; zur 
Patsche werden, verpatschen, wie am- 
patschen in gewöhnlicher Bedeutung; 
dann aber auch verderben, überflüssig 
gebrauchen. Das ist alles verpatscht. 



Butter verpatschen — Papier verpat- 



patschenafz, adj,, ganz nalz, so nafz, 
dafz man den patschenden Laut hört. 
Ebenso in der Niederlaus. Anton, 11, 
8. Auch patschnafz u. pKschenafz. 

Patscherei, f, 1. Wühlerei in der 
Patsche^ in Wasser überhaupt, und da- 
durch Schmutzerei. Mache nicht solche 
Patscherei! 2. Schmiererei; von schrift- 
lichen Arbeiten, Malereien. 3. nach 
Mühling ein ungesittetes, unpassen- 
des Verfahren. 

Patschfufz, m., Fufz der patscht; im 
Tierräts., 80, Name der Gans: Patschr 
fotke geit äwer de Brtyg, S. Plattfufz. 

Patschhand, /., eigentlich Hand-Hand. 
Dem. Patschhändchen^ n. Zu Rindern: 
Gid) mir ein Patschhändchen! Vgl. 
Patsche. 

patschig, adj, 1. von Patsch, schmutzig, 
kotig. 2. regnerisch. Das ist ein pat- 
schiges Wetter, Ebenso matschig; vgl. 
auch quatschig. 

patschnafz, adj,,' s. patschenafz. 

Patschwasser, n., patschiges, unsau- 
beres Wasser; schlechter Kaffee. Vgl. 
Kiichel- u. Ktterwasser. 

Patweide, /, Weide an den Land- 
wegen, deren Aste zu Zäunen und Fa^ 
schinen abgehauen werden. Westpr. 
Niederung. Mühling. Pate^ f, « 
Pfropfreis, junger Stamm, womit man 
die Deiche bepflanzt; die abgehauenen 
Äste dürften also mehr als Stecklinge 
benutzt werden. Frisch, Wb. H, 41c 

Patze, /., backsteinartiger Baustein 
aus einem Gemenge von Lehm und 
Grand zum Aufbau von Wirtschafts- 
gebäuden; auch Lehmpatze. Treichel. 

Patzern, m., alles, die Gesamtheit 
Da hast dem ganze Patzern. Vgl. PrÄZ. 

patzig, adj, u. ado,, kühn, keck, wich- 



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Paudel — pauken. 



127 



tig thaend, übermütige aufgeblasen; 
grob, trotzig, aufsätzig, widerstrebend. 
Patzig gehen^ stolz, forsch einherschrei- 
ten. Ich sah^ wie ich vor dem Johann 
pazig wie ein umringter BeuteUchneider 
vorbeiging. Soph. R. I, 449. Patzig 
thun^ sich durch Gebärde nnd Wort 
ein Ansehen geben. In Hamburg ^afei^, 
in Augsburg und Hessen bazig^ batzig^ 
in Pommern paddsig. Richey, 192. 
Brem. Wb. HI, 301. Birlinger, 50. 
Vilmar, 27. Bernd, 204. Anton, 
3, 6. Mi, 62a. Hupel, 169. Hen- 
nig, 181. Vgl. Weigandn, 316. 

Paudel, /., aus dem ursprünglichen 
pltd. PQdel vhchd., Dem. Paudelche, 
pltd. Pudelke. 1. kleine ungenagelte 
Eiste, Schachtel, gewöhnlich aus Lin- 
denrinde und Bast und alsdann Bast- 
paudel; scbachtelartiges Gefafz von Holz 
oder Blech überhaupt: Teerpaudel. Pob. 
pudh^ lit pücUas; ahd. pütil Beutel, 
Korb, Schachtel. 2. in früherer Zeit 
Trinkgef&Tz, Bierglas. Stephan Schütz 
wirdy weil er „ati88 mutwillen mitt den 
feusten etliche paudeln zvirochen^ zu 
ein halb last bier^ verurteilt (Morgen- 
gensprache vom 19. Mai 1595.) Es 
ketten die Eiter- und GarÜeuihe schon 
den 10. Maß mit kannen vff die gösse 
vnd mit pudeln zuschencken angefangen 
. . . dass sie ehe vnd wann der Garten 
recht geöffnet^ drittehalb wochen lang 
mit Kannen auf die Gasse vnd mit 
Pudelgläsem geschencket etc. (Morgen- 
sprache Yom 13. Juni 1670.) Die Zünfte, 
33. 29. 3. ehemals Gefäfz zum Wasser- 
tragen bei Feuersbrünsten, Feuereimer. 
Da/z ein jeder^ welcher Haus und Hof 
halt, wenigstens zwei Paudeln bei der 
Stadt Bu/ze haben^ und jeglicher Haus- 
umih, wenn ein Haus anfängt zu bren- 
nen, bey drey Schillinge Strafe Paudeln 
mit Wasser das Haus zu loschen, dahin 



bringen soll. Königsbergische Willkür 
von 1394. Hennig, 180. In der 
Landesordnung des Hochm. Eonrad 
von Erlichshausen pawdelkromere. Ja- 
cobson, Gesch. der Quellen des Kir- 
chenrechts I, Anh. 293. Nsslm, Forsch. 
2; TL, 144. Hupel, 181. Sallmann, 
50b. Bock, 41. Hennig, 180. Vgl. 
PQdel. 

Paudel, (?), Fischerkahn mit Bebälter. 
Drausensee. M ü h 1 i n g. 

Paudelkrilmer, Paudelträger, m., ehe- 
mals Händler, welcher Galanteriewaren 
in kleinen Kasten (Paudeln) umher- 
trug, Hausierer. Spottweise heifzt auch 
ein kleiner Kaufinann Paudelkrämer. 
Vgl. Putchenkrämer. Wir befehlen und 
wollen auch, da/z sich aus Königsberg 
und andern Orten unsres Herzogthums 
keine Bömsteindrehery Krämer, Paudel- 
träger an den Seestranden und dazu 
gehörigen Dörfern auf Sarrdand an ir- 
gend einem Orte finden lassen. Böm- 
steins-Ordnung v. J. 1641. Hennig, 
180. 

Paudelmacher, m., Yerfertiger von 
Paudeln. 

Paudetechwarz, n., Kienrufz. Müh- 
ling. 

Paudelträger, m.^ s. PaudelkrHmer. 

Pauer, m,, Bauer. 

pauerklug, adj, u. adv., klug wie ein 
Bauer, klüglich. . . . werden die grosse 
Erdgewächs, ah obgedachte rothte Rü- 
ben etc. mächtig starck ins Kraut schiessen^ 
we/zwegen sie leicht ins schassen gerathen, 
wo ihnen nicht Paurklüglich begegnet 
wird. Linem., Bbb3a. 

Pauke, /., Schläge, Hiebe. Es giebt 
Pauke, Hiebe, als ob auf die Pauke los* 
geschlagen würde. 

pauken, sw., auf die Pauke schlagen; 
dann schlagen überhaupt, prügeln, und 
dies auch in Zusammensetzungen: auf- 



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128 



Paukerei — Pechfister. 



pauken, auspauken, durchpauken. Hen- 
nig, 16, hat för aufpauken noch: je- 
mand hart anlassen, ihm widersprechen ; 
M ü h 1 i n g , för auspauhen ausschwatzen ; 
duTckpauken auch: mit einem Schüler 
eine Lektion grandlich durchnehmen. 
einpauken ähnlich: eine Lektion ge- 
dächtnifzmärzig feststellen. &ich zum 
Eaamen einpauken. Fähnriche ein- 
pauken^ zum Fähnrichexamen vorbe- 
reiten. 

Paukerei, /., Schlägerei, Prügelei. 
Studentisch. 

Pause, /., Absatz, der durch zwei 
wirkliche Pausen (Ruhepunkte) begrenzt 
ist. In drei Pausen läuten^ dreimaliges 
Geläute. Marold. Vgl. Puls. 

paustrig, adj., s. pQstrig. 

Pauten, plur,^ die Hoden; lit. pautas 
Hode, Ei. Marold. 

Pautkenbeere, /, Fracht der falten- 
blättrigen Brombeere, Rubus fructicosus 
L. Die Lit. Aeq. versuchen die Zu- 
rückführung auf das lit. pautas Ei; nach 
Nsslm. handschr. Bemerkung ist das 
Wort deutsch. Hennig, 180. 

Paw, Bftw, m. u. /. 1. Pfau. Lat 
pavo^ angs. pawa^ pawe, altpr. pcywis 
(Voc. 773), poln. paw^ lit. pöwas^ lett. 
pahws^ bayrisch Pfaw^ Pf ab, holl. paauw, 
pomni. Pageluun, im Göttingenschen 
päwelüney päwelüneke, pdgalün, pdge- 
lüne, Schmellerl, 326. Schamb., 
152b. 2. Frosch. Die Kartoffeln sind 
schorfig wie e Päw. Vgl. Pogge. 

Pftwedtttke. Dat Pawedötke schlok sick 
ömmer nöger her, Carm, nupt I, 282. 
10. En Pawedetcken quam (aus der 
Schaar der geputzten Hochzeitsgäste), 
moackt my ön Lowerentz, Ibid. V, 
190 d. 

PftwefTst, Poggeffst, m., Bovist, Bo- 
vista. Sperber, 44: Puhfiest. 



Pawel, m. Vom., Paul. Hart wich, 
54. Poln. pawel, 

Pawese, (?), Schild, scutum. Müh- 
ling. 

Pawesen, Ortsn., Dorf im Kirchspiel 
Niebudfzen, Kr. Gumbinnen. Ee 5s 
üt Pawese, wo de Hund op Schlorre 
gäne an mot 'n Arsch belle. Na nü 
wird Tag in Pawesten — nü os Dag 
ön Pawesel jetzt kommt er endlich zur 
Einsicht. Sprw. I, 3697. Vgl. Per- 
wutehe. 

Pawirpen, plur., s. Powirpen. 

Pawluner, ungeschicktes, zerflickertes 
Schuhwerk, oder dergl. Handschuhe. 
Marold. 

PawnutZy (?), Dickmaul, angelaufene 
Lippe. Mühling. 

pawupps, intefj, zur Bezeichnung 
schneller Bewegimg. Pawupps ön^tBedd, 
Volksr., 92, 389. Vgl. wupps. 

Pazuren, Pazoren, plur., verächtlicher 
Ausdruck für die Finger; poln. pazur 
Klaue, Kralle, Fingernagel. Sperber, 
39. 

Pechboden y m. An den Ufern der 
Weichsel finden sich in grqfzerer Aus- 
dehnung die schwereren Thonabtagerun- 
gen vor, welche mit mehr oder weniger 
Grand- und Sandbeimischung oft in 
einem wenig humusreichen, sterilen und 
deshalb schwer ackerbaren Lehmboden an 
die Oberfläche treten und unter der orts- 
üblichen Bezeichnung PecUboden bekannt 
sind, Prov. Preufz., 470. 

Pechftster, pltd. PSchftster, m., Spott- 
name für den Schuster. Schuster, Poch- 
fister, Drahtklemmer — schnwrrts! Kö- 
nigsberg. Sprw. I, 3430. Schusta, Ka- 
pusta, DrahtdreUa, Pochftsta — schnurz! 
Samland. Schoste, Klaboste, Peckftste etc, 
Jerrentowitz. Volksr., 82, 334. In 
Augsburg Pechfisel, im übrigen Schwa- 



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Pechhaube — Pedker. 



129 



ben Pechfidla^ im Hokteinschen jF^- 
fiester. Im GötÜDgenschen Pekefkt^ Pek- 
/hty in der Altmark Peckfister. Bir- 
linger, 89a. Schütze III, 209. 
Schamb., I53a. Danneil, 153b. In 
Bremen heifzt der Schuster Pekedrcuiihü 
and Meister Pekedraat. Brem. Wb. HI, 
312. 

Pechhaube, /., Perücke, welche die 
jüdischen Frauen tragen. Wenn de 
Hoor em ganz utgähne^ Seit hei sock e 
Pechhaub op. Nowack, 11. 

Pechhütte, /. Dein Freund bis in die 
Pechhütte^ bis zum äufzersten, letzten. 
Treichel. 

Pechh'cht, n., Pechkerze, Kerze von 
schwarzem ünschlitt, welches zu aller- 
letzt aus den Grieben gebrannt wird. 
Brem. W. III, 312. Er giebt keinem 
Teufel ein Pechlicht — ein Endchen 
Pechlichty er giebt auch nicht das G-e- 
ringste, ist geizig. Sprw. I, 1068. In 
Pommern Picklicht. Dähn., 349 a. 

Pechtanne, /., s. Tanne. 

pechteerechwarz, adj,^ zur Bezeichnung 
tiefer Schwärze. Vgl. kohlrabenschwarz. 

Peckel, m.y s. Pickel. 

PM, Peed, Pflzn., Quecke, Triticum 
repemL. Hoch-Paleschken. Treichel, 
Volksth. 

peddeln, sw.^ s. paddeln. 

Pedder, m.^ Puder. 

peddem, 9to., streuen, pudern. Sche- 
mionek, 27 ipeddem stochern im Licht 
oder Feuer, wohl Verwechselung mit 
pdsem s. pdsem. 

Peddig(k), Pedding, m. 1. Eiterstock, 
Eiterstamm in Geschwüren. On schon 
ömmer schAnt e Peddik 'rut (aus dem 
Geschwür). Königsbg. Firmenich I, 
102 a. Den Peddig herausdrücken. 2. 
Mark, innerer weicher Eem^ Seele der 
Pflanze, des Baumes. HoUunderpeddig. 
Wie ein solches der poddick oder Marck 

FrlMhbier, W6rterbach TL 



des Baumes . . . augenscheinlich klar 
machen. Linemann, Aaa4b. Lafz^ 
gro/zer Gott^ . . . dem Peddig^ Saftes 
voü, der stärkste Frost nicht schaden. 
Carm. nupt. II, 91 d. Man erfähret auch^ 
da/z sie (die alten Nadrauer) auf son- 
derliche Art solche Lichte machen^ nemr- 
lieh sie nehmen anstatt der Dacht den 
Pöddig von dem Klettenstiel. Pierson, 
Matth. Prätor., 83 f. 3. die röhren- 
artigen Füllungen in faulen Kartoffeln. 
Auch Pesrik; angs. pitha^ engl, pith^ 
holL pit^ in Osnabrück Piek^ im Hol- 
steinschen auch Peddke und Petfk^ in 
Pommern und Mecklbg. Paddik. Brem. 
Wb.ni,301. Schützern, 199. Dähn., 
341b. Mi, 61a. Danneil, 154a. 
Hupel, 169. Hennig, 18L 185. 

P8de, /., Wassertrage, Eimertrage, 
Tragholz auf den Nacken und über die 
Schultern zu legen, mit herabhängenden 
Stricken und Haken auf beiden Seiten, 
um Eimer und Körbe zu tragen, sonst 
Schanne. Ostpr.; in Westpr. Schande. 
In Preufz.-Polen pedy^ sonst poln. na- 
biodrki und sqdy. Wurzel das altpr. 
ptd tragen. Nsslm. Forsch. 2; TL, 
122. 128. Schade weist in den W. 
Mtfibl. V, 56 ff. nach, dafz das ostpr. 
Pede goth. paida ist. S. auch Schade, 
Wb., 671b. Vgl. auch altpr. pette^ 
pÜCy lit. peüs Schulter. Pierson, A. 
W., 32. Bock, 42. Hennig, 184. 

PSdehaken, m. 1. der eiserne Haken 
an dem Strick der PSde. Mtne Mut- 
ter schleit mt Mot de Pedhäke langst 
dem Krizknäke. Volksr., 266, 927 f. 
2. bildlich eine krumme Nase. Der 
hat einen guten Pedhaken im Gesicht. 
Schimpfwort: Pedhakennase, pltd. Ped- 
häkends. 

pSdern, sw.y s. v. a. pasem^ päsem. 
Oberland. Mühling. 

Pedker, m. Stein m, 3 unter Nau- 
9 

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130 



P^asus — Pichen. 



tica: . . . Ober oder Hochbot»mawn^ Un^ 
terbotsmann^ Schrewein^ Constabel, Pedr 
ker^ Schiffszimmerniann etc. 

Pegasus, m,^ in der alten Scbulsprache 
das Gestell, auf welchem ehedem in 
den Schulen die Exekutionen stattzu- 
finden pflegten. Auf dem Pegasus rei- 
ten^ Prügel bekommen. N. Pr. Prov.- 
Bl. VI, 146. 

Pegftuter, m., s. Pijauter. 

Peikatz, /., s. Ptkafz. 

Peike, m.^ Kaulbarsch^ s. Pukis. 

Peikethran, m., Thran aus Peiken^ 
Stinten u. a. kleinen Fischen. Eur. 
Hafi". Mühling. 

Peilchen-, Peilketafel, /, s. Pllketafel. 

Peis, (?), Freiheit zu thun und zu 
lassen, was man will. Nun hat er 
recht Peis^ er kann nun thun, was er 
will. Danzig. W. Seidel, 33. In 
Bremen Peisy Pais Friede, Freundschaft 
— das franz. paia^ engl, peace. Brem. 
Wb. m, 283. 

Peise, Palse, /., eckig gedrehte Haar- 
locke am Vorderkopfe, wie sie na- 
mentlich von polnischen Juden in Aus- 
führung einer biblischen Anordnung 
getragen wird. Allgemein jüd. Pai-^, 
rein hebr. peia Ecke, plur. peiaus^ vulg. 
peies Ecken, jetzt auch Locken. Sper- 
ber, 44: Paissen. 

Peisker, Fischn., s. Ptsker. 

Peitschenstock, pltd. PKschestock, m., 
der dem Peitschenstock, der Peitsche 
ähnliche Stab in einem Falz des Gam- 
baumes, über den der Aufzug oder die 
Scherung vor dem Aufbringen gezogen 
wird. Die Schnur des Peitschenstockes 
wird wechselweise durch die einzelnen 
Fäden des Aufzuges gezogen, zur er- 
sten Andeutung des Gewebes. Das 
Wirkgestell. 

Peitschschmand, m., gepeitschter 
Schmand, Schlagsahne. Gedanism. 



Peizker, m.y s. Ptsker. 

Pek, /., die vorderste Spitze im Schiffe, 
jetzt Vorspiek. Hirsch, 265. 

P&kel, m. 1. Pökel, das Salzwasser 
über dem eingesalzenen Fleisch, den 
eingesalzenen Fischen. 2. bildlich: das 
Kranken- oder Faulbette. Er Uegt im 
Pekel. Sie liegt im Pekel^ sie liegt im 
Wochenbette. Engl, pickle^ holl. pekeL 
Bock, 42. Hennig, 181. 

Pfikelhering, m., gepökelter Hering. 
Vgl Sprw. I, 2641. 

pSkeln, 8w.^ pökeln, einsalzen. 

Pfikelzant, m., gepökelter Zander. Sei- 
ner wird in der Fischerei-Ordnung v. 
Jahre 1589 gedacht. Bock, Nat. IV, 
696. 

pSken, sw.^ picken, stechen, mit der 
Gabel aufheben, klauben, kratzen. Er 
lies sich nicht nothigen^ pehkte auch dann 
und wann ein Schnittchen vom Salat 
auf Soph. R. I, 377. Doch vielleicht 
pehkt (hier höhnisch in Bezug auf den 
Degen) auch das Jüngken wol zuf Ibid. 
n, 483. In Hamburg pöken^ puken. 
Richey, 190. 194; in Hessen und 
Mecklbg.-Vorpomm. pecken. Vilmar, 
295. Mi, 62a. 

pfikerig, adj.^ genau, geizig, habsüch- 
tig. Das ist ein pekriger Mensch. In 
der Verstärkung mOspSkerig, mauspeke- 
rig, filzig, in Kleinigkeiten peinlich 
genau. 

pfikem, pttkem, sto., Frequentativ von 
peken. 1. mit etwas Spitzigem stochern, 
wühlen, wiederholt stechen. Sich in 
der Nase, in den Ohren, in den Zähnen 
pekem; ein Oeschioür aufpekem. Engl. 
topoke umrühren; mit Stecken, Sonde etc. 
untersuchen, fühlen. In Pomm. pOkem. 
Dähn., 362a. 2. coire. Ön Gedanke 
pekWe söckde Müs\ Bock, 42. Hen- 
nig, 181. Vgl. bakem. 

Pfilchen, n., 8. PHIke. 



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Pelk — Pelzmütze. 



181 



Pelk, /*., eine Art Obertorf. Kreis 
Heydekrug. Mühling. Lit. peUcos 
Torf; alt))r. pelky Bruch, Sumpfstelle 
im Felde oder im Walde (Voc. 287), 
lit. peUce dasselbe, lett. peJMs^ pelze 
Wasserpfutze. Es treten heute noch 
die Ortsnamen auf: Pelkeninken im Kj. 
Wehlau, PelMack im Kr. Friedland 
Ostpr., Popelhen im Kr. Labiau. Nsslm. 
Th., 123. Altpr. M. IV, 154. 

P8lke, m., s. Pälke. 

Pelkegras, n., schlechtes, saures, kur- 
zes Gras, das im Bruch, pelhy^ wächst 
und vom Vieh nicht sonderlich gesucht 
wird. Mühling. 

Pellbulwen, plur.^ Kartoffeln in der 
Pelle, Pellkartoffehi. Westpr. Mühling. 
Ygl. Bulwe. 

Pelle, /., Schale, ablösbare Haut, 
namentlich von Kartoffeln, Äpfeln, Erb- 
sen. Westpr. Einem nicht von der 
Pelle gehen^ ihm stets zur Seite blei- 
ben, nicht aufhören mit Antragen und 
Bitten. 

pellen, sw.^ schälen, die PeJle ent- 
fernen, schinden^ das Fell abziehen, 
abledern ; mhd. vUlen^ ahd. fiUen^ fiUan 
die Haut abziehen, schinden. 

PeHer. PeUer kriegen^ Schelte bekom- 
men. Gedanhm. 

Pelterelen, plwr., Pelze, Bälge. Alle 
(Frauen) zogen mit dem Manne auf die 
Jagd (bei den alten Preuizen), und 
war der Handel mit Peltereyen inson- 
derheit mit Marderfellen sehr einträglich. 
Der preufis. Sammler II, 1245. In Bre- 
men PeUerije. Brem. Wb. IH, 315. 

Pelttche, f.y Pfizn., kicherartige Bä- 
renschote, Astragalus cicer. Mühling. 

Peluck, /., nach Mühling Peluch, 
schlechtes Bette. Danzig. 

Pelud, f.y kleiner Anbau neben de'r 
Scheune. Öck ujSnschy dat mtn Mäge 



e ScMnke war' ok noch e Peludd. Til- 
sit. Sprw. I, 2514. 

Pelull, m.y schlafmütziger^ beschränk- 
ter Mensch, langsam in Gang, Rede 
und bei der Arbeit. Er ist ein rechter 
Pelull 

Peluschke, /., ausgeartete polnische 
Erbse. Treichel, Volksth. H. 

Pelz, m. Einem auf den Pelz fahr- 
reuy — steigen^ — ihm den Pelz aus- 
Hopfen — auswaschen, ihn durchprü- 
geln. Sprw I, 1. Myns grooten Pelszl 
wat wart seck da ver Lärms erhewen^ 
als Beteuerung. Carm. nupt. HI, 133d. 

Pelzblume, /., Wollgras, Eriophorum 
L. 

PelzbUrger, m., Kleinbürger, der als 
Städter Landwirtschaft treibt. Früher 
sah man die Pelzburger fast beständig 
in Pelzkleidung (Jacke und Hosen); 
daher sagte der Volkswitz von ihnen: 
den Tag vor Johann ziehen die Pelz- 
bOrger den Pelz aus und den Tag nach 
Johann ziehen sie ihn wieder an. Müh- 
ling. 

PelzbUxen, plur.^ Pelzhosen. Von einer 
Frau, welche leicht empfangt, sagt man: 
Se brvkt hlofz möt e Paar Pohboxe ver 
e Närsch to krtge^ denn ös se fertig. 
Sprw. I, 2888. 

pelzen, pltd. p9lze(n), sw. 1. den Pelz 
bearbeiten, prügeln. In Bayern: Einen 
pelzen^ ihm eins versetzen, ihn treffen 
mit Schlag, Wurf oder Schufz; engl. 
to pelt. Schmeller I, 283. 2. Es mag 
sich so dahin flicken^ läppen und peltzen 
biss an den jüngsten Tag. Stein, Pe- 
regrinus IV, 13. W. Mtsbl. V, 95. 

Pelzkosak, pltd. Pttizkosak, m., Kosak 
im Pelz, scherzende Benennung kleiner 
munterer Jungen. Kgsbg. 

Pelzmütze, pltd. PSIzmStz, /., Mütze 
von Pelz. Von einem, der nicht bei 

9* 



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132 



Pelznelke — Perlenke. 



vollem Verstände ist, sagt man: Er üt 
mit der Pelzmütze geschossen und nicht 
recht getroffen. Sprw. I, 2830. In 
Hessen: Mit der Pelzkappe geschossen 
sein: in lächerlicher Weise mutwillig 
sein, sich närrisch anstellen. Yilmar, 
295. 

Pelznelke, /., echte Kranzrade, Vexier- 
nelke, C!9r(maria<07»^w&)«a^.J5r. Weich- 
seldelta. Treichel, Volksth. III. 

Pemke, Pimke, m.^ Steinpilz, s. Glatt- 
ling. 

Pems (« weich), m., ordinärer Eäse. 
Gordack. 

Penk, m., Moorbruch. Ermland. Durch 
Lautverschiebung aus PeÜc. 

Pennunske, m,^ Pfennige lit. pinnin- 
gas^ auch penningas^ poln. pieniqzeL 
Ön dat Kodderke os e Pennunske. Pom- 
merellen. Volksr., 265, 925. 

penschen, pinschen, sw.^ anwerfen mit 
ausgehöhlten (ausgebutterten) Knöpfen 
oder Stückchen Stahlblech. Danzig. 
Westpr. Kinderspiel. Von pantschen 
anschlagen, anklatschen. Rochholz, 
427, 45. S. anschmeifzen. 

Penter, w.. Peitsche, Strick, ein wei- 
cher Prügel überhaupt Er hat mit 
dem Penter gekriegt Im Holsteinschen 
heifzt ein rundes glattes Hölzchen mit 
einem Stiele, womit in einigen Winkel- 
schulen Hamburg^Altonas die Knaben 
in die flache Hand geschlagen wurden, 
Panter. Schütze HI, 191. Ebenso in 
Pommern. Dähn., 844 a. 

pentern, sw. 1. mit dem Penter schla- 
gen, prügeln. 2. nach Treichel auch 
coire, 

pepeln, «to., sprechen, päppeln (s. d.). 
Treichel. 

PepSy m,, s. Pips. 

P8r, /., Birne. Ermland. Sperber, 
24. 



perband, a<^\ u. adv.., schlecht. Gor- 
dack. 

perdauks, perdauz, interf.y s. pardauz. 

Perdel, Fischn., Parpel, Pardel lit. 
perpels, perple, perpele^ Alosa finta Cu/v. 
Mühling, Tiem., 175. 

perdeln, «w?., treten. Der Bahn per- 
delt die Herme, Nehmt Vemonft an^ 
Herr^ on perdelt nich mienem goden 
Humor op de Heehnerogen. Dorr, 
1. Wiew., 10. Wie ek nu awer grad op 
de Schneedeck medden tweschen de dree 
Locher perdel. Dorr, Driewjagd. S. 
Kofebock. 

Perdickel, m., kleiner, untersetzter 
Mensch. Natangen. Davon 

perdicklich, adj.^ klein, untersetzt 

Perdulge, /., s. Bredulge. 

perduz, interj.^ s. pardauz. 

P&rebÖm, m.y Birnbaum. Ermland. 
Sperber, 24. 

perforsch, adv.^ s. parforsch. 

Pergamott(e), Pergemott, /., Bergamott- 
bime, Pmis hergam/oüa Ruel. 

Pergel, m.^ Kienspan zum Anzünden 
des Feuers. Lit. pirksznis glühende 
Asche, lett präuls Feuerbrand, von 
prduUt glühen. Pierson, Altpr. M. 
7ni, 367. 

Pergemott, /,, s. Pergamott(e). 

PerlblUmchen, n., Perlhyacinthe, /., Bi- 
samhyacinthe, Muscari botryoides L.; 
auch Mauseschwänzchen. Treichel, 
Volksth. n. 

Perlen, Perdeln, plur.^ Pflzn., rund- 
blättriges Wintergrün, Pirola rotundi- 
folia L. Auch Pflänzchen. Hagen, 
439. 

Perlenke, m. u. /. Der Danziger Co- 
dex des kulmischen Rechts (s. Altpr. 
M. IV, 137; Vn, 318) enthalt die äl- 
teste Erklärung des angeblich altpr. 
Wortes: Perlencke^ Ist ein gewohnheit, 



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Perlenke. 



133 



der man nicht wiederstehen soll. Diese 
rätselhafte Erklärung wird deutlicher, 
wenn man ans späteren Belegen er- 
kennt, daiz mit P^J^nA^ordnungsmäfzige, 
resp. herkömmliche Benefizien bezeich- 
net werden, die im Laufe der Zeit bis 
zum Trinkgelde herabsinken. In dem 
Ämterbuche des Hauses Marienburg 
aus den ersten Jahren des 15. Jahrh. 
(Provinzial-Archiv zu Kgsbg. A. 31, 
fol. 137 a) bescheinigt der Gartenmeister 
folgendes: Item habe ich im garthen 
gelassen 17 tonnen czwebeln uffem soUer 
und habe beczalt des meisters kochmeister 
1 tonne und des conventes kochmeister 
auch 1 tonne vor erer porlencken. In 
den geschriebenen Amtsartikeln v. J. 
1584, No. 140, heifzt es (Hennig, 
191): Der Hattptm^ann^ Amtsschreiber 
und alle Diener sollen sich keine Per- 
lenk oder Zugänge zueignen. Das Pro- 
tokoll der Eneiphöfschen Morgensprache 
vom 21. Januar 1597 verzeichnet fol- 
genden Beschlufz: Es hat die Morgen- 
sprach auch geschlossen, da/z nur ein 
Schenk, vmbzech an den die Ordnung 
kompt 2 stof hier zu seinem perlencke, 
vnd nicht mehr haben soU. Doch schon 
am 30. April 1603 beschliefzt die „Er- 
bar Morgensprach, da/z die perlencke 
so die schenken biss anhero geruymmen, 
gentzlich sollen abgeschafet sein, vnd an 
jhrer besoldung sich genUgen lassen.^ 
In dem Protokoll der Morgensprache 
vom 18. Februar 1713 findet sich fol- 
gender Passus: Hierauf doliren die 
Verwalter, da/z durch die vielen Per- 
lencken und andere desordres, die Leute 
abgehalten werden, Hochzeiten auf dem 
Hofe zu halten^ bitten alle dergleichen 
abusus abschaffen, auch zu veranstal- 
ten, da/z die Diener des hervmbtragens 
des Handwassers, in den winckeln sich 
enthalten mögen; . . . Ward geschlossen: 



Die Perlencken sollen von dato an, in 
totum gehoben vnd abgeschaffet sein^ E. E, 
Rahts Diener aber, das herumbtragen 
des Handwassers, alter Gewohnheit nach^ 
gelassen werden. Die Zünfte, 32 f. 
Toppen führt noch, Altpr. M. IV, 138, 
aus dem Zinsbnche der Eomturei El- 
hing aus der Mitte des 15. Jahrh. (El- 
bmger Stadt-Archiv, Sehr. C. No. 18) 
eine umfangreiche Notiz an, nach wel- 
cher Perlenke auch die Verköstigung 
war, welche bei grofzen herrschaftlichen 
Gastereien der Dienerschaft verabfolgt 
wurde, und welche namentlich bei Ge- 
lagen des Hochmeisters gesetzlich ge- 
nau bestimmt war; auch hier ist mit- 
hin Perlenke = Beneficium. Dieser 
Deutung widerstreben auch nicht die 
von Bock, 45, und Hennig, 191, 
gegebenen Erklärungen. Bock: „Por-- 
lenck, der Überrest von den Gastmalen, 
die voi*mals bey den Collegien hier 
Mode gewesen, davon einem jeden von 
den Gästen sein Theil nach Hause ge- 
schicket worden;" Hennig: y,Porlenk, 
oder auch Perlenk, der Überrest von 
den Gastmalen, den die Gäste mit nach 
Hause bekoumien." Bocks Annahme, 
Porlenk solle Portion heifzen, entbehrt 
jeder Begründung; Hennig dagegen 
leitet es wohl richtig von dem lit. per- 
lenkis was einem zukommt, Gebühr, 
gebührender Anteil, ab, und dies ist 
ja eben das observanzmäfzige Bene- 
ficium. Die in Urkunden vorkommen- 
den Wortformen Pw^lenk, Porlenke sind 
fehlerhaft. — Verwandt ist Parlenke, /., 
Zutrunk. Das ist einem eine gro/ze 
Schaale zutrinken und wenns schier ausse 
ist, das übrige in die Augen und die 
Schaale ime auf dem köpf und darvon 
mu/z keiner zomen. Mühlin g nach 
den N. Pr. Prov.-ßl. ohne genauere 
Angabe. Viol^t, 164, hat mit über- 



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134 



Pennochel — perzeln. 



einstiinmender Erklärtmg: einen Par- 
lenke zutrinken. Vgl. Toppen, Altpr. 
M. IV, 137 f. Nsslm. Forsch. 1; TL, 
125. Pierson, A. W., 32. 

Permochel, m., Dorsch, s. Dttsch. 

permucksch, acj^'. u. adv.y muckisch, 
mürrisch, maulend. Wenn von der 
bessern Kinderzuckt geredet wird., dann 
sitzen die Frauen und sehn so permuksch 
aw5, da/z man das Herz verliert, weiter 
zu reden, Soph. R. III, 192. Vgl. 
mucken. 

permufZy adv., mit mufz, mit Gewalt. 
Er kommt mit permu/z. 

pemen, sw., j&R^n- P<?m' de Katt 
'ruty jage die Katze hinaus. Samland. 

Perpel, m,y Fischn., Alosa ßnta (Juv. 
Benecke, 167. S. Perdel. 

PerpelHze, /., Wachtel. Russ. p^e- 
pel, perepWca, poln. przqnorka, przepo- 
reczkaj illyr. perpelica. Nsslm., Thes., 
126. 

Perpetuan, m., alter ordinärer Kleider- 
stoff. Viol^t, 178. 

Pfirechy 971., Barsch, Dem. PSnchke. 
Hartwich, 44. S. Barsch. 

pSrschen, pSrechen, sw., sich, sich 
brüsten; sich viel dünken und einbilden 
und dies zur Schau tragen, sich auf- 
blähen, aufspielen, prahlen, prunken, 
sich wichtig machen, „dicke thun". Na 
persch dich man nich so! He peerscht 
sik OS Finke Märten ön der Perddeck 
— a» de Pogg on e Teerpudel, Dorr, 
79. Sprw. I, 2881. Dregt (dreht) he 
nich den Kopp §m Gngck on peerscht 
sik bt^rn Gähnen. Dorr, L Wiew., 24. 
Hennig, 181, leitet es von Persch, 
Bersch Barsch, perca, ab, der seine 
stachligen Flossen aufrichtet Piers o n, 
Altpr. M, VIU, 367, weist auf lit. jj^s^;- 
lys, pirszlys Brautwerber hin; ein sol- 
cher mulzte, nach Lepner, sich aufs 
Prahlen verstehen. In Posen porschen 



emporstehen machen, sträuben, das 
Bernd, 216, von por empor ableitet. 
Bock, 42. Sperber, 25. 

Perechke, m,, s. PSrech u. Barsch. 

Pere&l, früherer Name für die bei 
einem Ausrufe unter den Hammer kom- 
menden Gegenstände. Dzg. W. Seidel, 
33. 

Perst, Pflzn., gemeine Bärenklau, He- 
racleum SphondyUum L, Hagen^ 318. 
Vgl. Bartsch. 

Perwellberg, m., Name eines der fünf 
grolzen Sandberge auf der kurischen 
Nehrung bei Rossitten. Altpr. M. IV, 
301. Vgl. Plick. 

perwupps, interj,, s. wupp. 

Perwutehe, Ortsn., Dorf Perwissau 
im Kirchspiel Postnicken, Bj*. Königs- 
berg. He ÖS üt Pervmiche, wo de Hun£ 
op Schlorre gäne. Sprw. I, 2892. 

Perz, m.. Dem. Perzke, Furz, Fürz- 
chen. Samland. De Märzke lett 6k 
noch sin Perzke. 

Perzel, PUrzel, m. 1. Bürzel, Steilz, 
Podex. Mühling. 2. Gangart, nament- 
lich des Pferdes; auch Krankheit des- 
selben. Vgl. perzeln 2. 3. das viele 
Hin- und Herlaufen, und daher auch 
Diarrhöe. Er hat den Perzel. Er läuft 
als ob er den Purzel hätte. Sprw. I, 
2893. Bock, 42. Hennig, 183. Vgl. 
Purzel. 

Perzellaiche, /., Perzelage, von Per- 
zel, afifektierter schwänzelnder Gang 
eines Frauenzimmers. Schemionek, 
27. 

perzelriy pirzeln, pSrzeln, pUrzeln, sw. 
1. oft aus der Stube gehen, geschäftig, 
aber unnötigerweise im Hause hin- und 
herrennen. In Posen und in der Nie- 
derlausitz auch förzeln. Bernd, 65. 
Anton, 1, 11. 2. mit Geziertheit, mit 
kurzen Schritten gehen, dabei den Per- 
zel hin- und herwenden ; von Menschen 



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pe^chien — Pestilenzwurzel. 



135 



und Pferden. Pferde, welche nicht von 
der Stelle wollen, statisch sind, perzeln^ 
haben den Perzel, Das in Grimm, 
Wb. IV 2, 1579 angeführte hirzeln (des 
Hundes) gehört wohl unter diese Be- 
deutuDg. Davon: ausperzeln, auspirzeln^ 
die Stube durch vieles Pirzeln aus- 
kühlen, perzelich, pirzelich, adj., zum 
Hin- und Herrennen geneigt^ geziert 
gehend; vom Pferde statisch. Wenn 
ein Nachbar ein schnuppicht, krätzigt 
oder pertzelicht Pferd hat und es ihm 
im SchtUtzen- Gericht untersaget mrd, 
dasselbe abzuschaffen , . . sondern last 
es gehen^ so soU der Schultz Macht ha- 
ben . . . dojs Pferd zu versäuffen oder 
zu erschossen.^ Hartwich, 327. In 
betrefif der Herleituug liegt Perzel am 
nächsten^ auch für f orzein = den Hin- 
tern (Förzer) oft aus- und eintragen; 
68 wird jedoch auch porzeln^ portsein 
(Anton, 3, 7) gesprochen und ge- 
schrieben, und so erscheint auch, da 
in dem Worte der BegriflP des öftem 
öffiiens der Thür eingeschlossen ist, 
die Herleitung von porta Pforte (Bernd, 
206. Anton, a. a. O.) annehmbar. 
Bock, 42. Hennig, 183. Sperber^ 
24. Vgl übrigens pttrten. 

peichfen, sw,, s. pitehen. 

Peichull, m,, s. Piichull. 

Pesdricl^ Pesek, m., s. Pesrick. 

Pesel, 971., Einfaltspinsel, langweiliger, 
beschränkter Mensch. Gedanism. Ebenso 
in Estland; eigentlich s. v. a. Pesrick. 
Sallmann, 37b. 

Peserbilte, /., Rohrkampe, die nach 
der Ernte behufs eigener Düngung ab- 
gebrannt wird. Zusammensetzung aus 
pesem (s. pdsern) und Büte. Sche- 
mionek, 27, 

Peserick, m., s. Pesrick. 

pSsem, sw.j s. pftsem. 

Peslacky m., s. v. a. Pesel. 



Pesrick, Peserick, Pesrich, Peserich, 
Beserick, m. 1. Ochsenziemer, das Mem- 
brum des Stiers, das getrocknet als 
Peitsche dient, daher auch Bolle-, Ochsen- 
peserik. 2. jede Peitsche, namentlich 
die von Leder, die Earbatsche. Eck 
bring denn met e Pdsrick m% On Pro- 
gel krögst du wie noch nie. Nowack, 
19. Nach Preulz, Lehrgang 221, be- 
zeichnet Peserik ursprünglich den Stock 
zum Nacbschüren des Feuers {pesem) 
und, da man diesen auch zum Züch- 
tigen gebrauchen kann, auch jedes an- 
dere Züchtigungsinstrument. Aufi^lig 
ist die Erklärung Gordacks: Rute 
zum Bestrafen, auch Strauchbesen. 3. 
penis. Er hat einen guten Peserik. Sprw. 
I, 2894. Hoffheinz (Nsslm. Forsch. 
2) giebt folgende Erklärung des Wor- 
tes: pyza i. e. cunnuSj rik = riks i. e. 
rea; peserik ergo est rex cunn% germa- 
nice Mauskonig, quia penis cunnum in 
potestate habet. Nsslm. a.a.O. fragt: 
Sollte es etwa einem lit. pyzorrykszte 
entsprechen, aus pyza cunnus u. rt/kszte 
Rute? Pierson, Altpr. M. VIH, 367, 
unterstützt Hoff heinzs Erklärung, in- 
dem er darauf hinweist, dafz -^k das 
hchd. -rieh (ursprünglich Herrscher, 
Oberster, Fürst) ist, das übrigens auch 
in dem Worte selbst auftritt, in Ver- 
bindung mit lit. pyza cunnus. In Westpr. 
und auch sonst noch in Niederdeutsch- 
land Pesel, nach Gortzitza auch Pes- 
drick, nach Sperber, 39, auch Pesek, 
von dem poln. pezekj das sich bei 
Mrongovius nicht findet; holl. pees^ 
engl, pizzle^ im Osnabrück. Pitte. Vgl. 
Richey, 184. Brem. Wb. IH, 309. 
Schützein, 205. Schamb., 154a. 
Bock, 43. Hennig, 183. Sperber, 
24 

Pesrik, 7n., s. Peddig(k). 

Pestilenzwurzely/., grcdzblättriger Huf- 



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136 Petchen — Pfaffenrohrchen. 

lattich, Tussäago petasites L. S. Lott^ womit Kleider zugeknöpft werden. N. 

chenblaU. Hagen, 867. Pr. Prov.-BL a. F. II, 437. Poln. pfir 

Petchen, n., penü des Knaben, lica^ p§telka Schleife, Schlinge, russ. 
Gortzitza. pjeüja^ peüja Strick, Schlinge, Knopf- 
Petenetten, j?fo«r., Kleinigkeiten; von loch, Y\i. pdnUs^ altpr. panta^ panto 
dem frz. petdt Davon (Voc. 542) Fessel. Nsslm. Forsch. 2; 

Petenettenkram, m., Ki^am mit Pete- Th., 127. Vgl. Podlitzen. 
netten; auch Pipenet-, Puttenutten-, Putte- PStsch, m. Vom., Peter. Dzg. Nhg. 

luttenkram. Viol^t, 103. 

Petenettenki4mer, m., Händler mit Petscha, Petscher, (?), Weifzbrot 

Petenetteny Hausierer. Vgl. Putchen- Ilastenburg. Mühling. 
krämer. petschen, petscheln, pitscheln, petscht- 

Peter, m., zur Bezeichnung eines nen, auch potschen, sw.y mit leisem, 

dummen und gutmütigen Menschen, langsamem Stofze rudern, um das Boot 

Knaben mit dem Vornamen Peter wer- nur schwach zu bewegen. DasRuder feilt 

den geneckt: Pete^ scheet en e Wete^ leise patschend ins Wasser. Westpr. 

scheet en e Kom&t^ dait so plompst! Treichel. Vgl. Potschfne. 
Volksr., 76, 295. 2. der senkrechte petschfnen, ««?., s. das vor. 
Fensterbalken, das Fensterkreuz; auch: Pettelkau, Ortsn., Dorf im Kr. Brauus- 

Fensterpeter, Rätsel: Von bönne blanko berg. Spott: In Petteücau bellen die 

von bute blanko ön e Modd e kolteme Hunde mit dem ZageL Vgl. Kraxte- 

Peter damank. Das Fenster. pellen, PrObbernau. 

Petermännchen, n., Fischn., der Stein- Petz, /., Hure, 
picker, Cottus cataphractus L. Danzig. petzen, sw.^ angeben, anklagen, an- 

Muhling. Nach Benecke, 67, 2Va- zeigen, denunzieren, wiedererzählen, 

chinus draco L. einen auf den andern hetzen. Es ge- 

Peterninken, Ortsn., Dorf bei Pillkal- schiebt vorzugsweise in der Schule, 
len. Gä na Peteminke^ da krigst io pf ist pltd. ganz verschwunden und 

ete on to drinke. Sprw. I, 1147. wird fast immer ein p : Perd Pferd, 

Peterskraut, n., s. Nachtkraui Kopp Kopf, Topp Topf, kloppen klopfen, 

Petersttl, n., Steinöl, oleum Petri. PZanfe Pflanzen; seltener ein/; Knof 

Mühling. (und Enöp) Knopf, Far Pfarrer. Leh- 

Peterzttlge, Peterzilg, /, Pflzn., Peter- mann, Volksmd., 30. 
siüe, Petroselinum sativum Roffm, Kö- pf, Laut zur Bezeichnung des Blasens, 

nigsberg. Im Ausruf der Gemusehänd- Hauchens. Pf^ Federchen ! sagte er^ in- 

lerinnen: Petetzuljick. VgL Sprw. U, dem er blasend Jtdchen ihn (den Brief) 

1636. hdnwarf. Soph. R. YI, 464. 

Petetschen, plur.^ s. Potatschen. PfaffenknSpfe, plur.^ Pflzn., s. Lodiks- 

Petitlon, /., nach Hennig, 183, in blatL 
einigen Gegenden von Preufzen der Pfaffenläuse, plur.^ Pflzn., s. Pracher- 

Kalendebeitrag, der von den Einge- läuse. 

pfarrten abgefordert wird. Yon dem PfaffenrShrchen, n., Pflzn., Löwenzahn, 

lat petitio. Leontodon taraxacmnL. Hagen, 110. 

Petlltzen, plur,^ eme Art von Hefteln, Vgl. Butterblume. 



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Pfahlgeld — Pfeflferstadt 



137 



Pfahlgeld, n., die yon eingebenden 
Schiffen zu entrichtende Hafenabgabe. 
Danzig. Passarge, 134. Hirsch, 
213. 

Pfahlkammer, /., in der alten Danziger 
Verfassung die Behörde, bei welcher 
die Seezölle erhoben wurden. W. Sei- 
del, 33. Hirsch, 213. 

Pfahlknechty ^n., Beamter älterer Zeit, 
der mit dem Rafemjoärter das hölzerne 
Bollwerk an der WeichselmünduDg in 
stand zu halten und das Fahrwasser 
oder Tief zu beaufsichtigen hatte. Die 
P&hlknechte wurden aus den Einkünf- 
ten des Pfahlgeldes bezahlt. Danzig. 
Hirsch, 213. 

Pfannchenfirtsch, m., s. Pfannchen- 
schascher. 

Pfannchenlecker, pltd. PannkelScker, m, 
1. Lecker der Pfanne, Tellerlecker, 
Schmarotzer. Brem. Wb HI, 290. 2. 
in der Eindersprache der Zeigefinger, 
mit dem man Teller oder Pfanne aus- 
wischt u. ausleckt Yolksr., 32, 124. Im 
Holsteinschen Puttjenlicker Töpfchen- 
lecker. Schütze HI, 249. 

Pfannchenschascher, pltd. Pannkescha- 
tcher, m., Fladen aus Roggenmehl, in 
einer mit Fett ausgeschmierten Plinsen- 
p£anne gebacken. Auch Pfannen-, Pfann- 
chen-, pltd. Pannkef utsch. Dönh. In Na- 
tangen PfannenrSster. 

Pfanne, pltd. Pann, /. 1. Abkürzung 
für Dachpfanne, Dachziegel. 2. cunnus^ 
vuloa. Onse Hanne heft e Panne, Sam- 
land. 

Pfannenfutsch, -rOeter, m,, s. Pfann- 
cbenschascher. 

Pfannkuchen, pltd. Pannkoke, m., flacher 
Kuchen, der in der (Pliusen-) Pfanne 
gebacken ist, Plinse, Eierkuchen, also 
Yöllig verschieden von den Pfannkuchen 
der Konditoreien. 

Pfannkuchspredger, m., Bezeichnung 



für einen, der gern und viel über Sachen 
spricht, die er nicht versteht. He ob e 
PannkShspredger, Samland. 

Pfarr, 1. /., Pfarre. 2. m., Pfarrer. 
Sie geht zvm Pfarr^ sie erhält Kon- 
firmationsunterricht. Saalfeld. Kann 
denn der Herr Pfarr nicht steuemf . . 
Ldeher Herr Pfarr ^ ich mochte gern fwr 
das Begräbnis» dieses Mannes sorgen. 
Soph. R. III, 64. 65. 

Pfarre, /., in Danzig niemals eine be- 
liebige unter den Pfarrkirchen der Stadt 
oder Umgegend, sondern immer nur 
die Oberpfarrkirche zu St. Marien. E. 
Förstem. 

Pfarrgebet, n., s. GebeiverhSr. 

Pfarrwidem, /., s. Widern. 

Pfeffer, m. Aus dem Pfeffer bekom- 
men^ starke Hiebe erhalten. Vgl. Salz. 

Pfefferklops, m., Scheiben von Rind- 
fleisch in gepfefferter Sauce geschmort. 
Vgl. Zodderklops. 

Pfefferkraut, n., Gartenkölle, Satwrqa 
Aor^^nsts L. ; auch Wurstkrairt. Hagen, 
599. Pritzel, 364. 

Pfefferkuchen, pltd. PSperköke, 9n., Leb- 
kuchen. Unter die preufzischen Lecker- 
bissen zählen mr die in Thom zuberei- 
teten Pfefer- und Leckkuchen' Bock, 
Nat. I, 269. 

pfeffern, pltd. p8pre(n), sw, 1. mit 
Pfeffer würzen, 2. bildlich: mit un- 
angenehmen Empfindungen verbunden, 
ubermäfzig teuer. Das ist gepfefef*t. 

Pfeffersack, m.. Sack zur Ai^ewah- 
rung des Pfeffers; bei Stein, Peregri- 
nus XVI, 8, verächtliche Benennung 
eines Adligen; in gleichem Sinne 
Pfefferrtofzer. W. Mtsbl. VI, 187. 

Pfefferetadt, /., in alten Handschriften 
Pfefferetrafze, Stadtteil in Danzig, wohl 
von der Niederlage ostindischer Ge- 
würze, unter denen der Pfeffer obenan 
zu stehen pflegte. Nach einigen auch 



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138 



Pfefferstofzer — Pfenniggras. 



von den Pfeifern oder Musikanten, 
welche hier gewohnt haben sollen. 
Löschin, 44. 

Pfefferstofzer, m., s. Pfeffersack. 

Pfeffershibe, /., früherer Name für ein 
Zimmer im dritten Stock auf der Nord- 
seite des Schlosses zu Königsberg ^zur 
Aufbewahrung ansehnlicher Verbrecher". 
Hennig, 183. Bock, Nat. I, 61: die 
Ffefferstube ein Gefängnüs fOr condi- 
tionirte Personen. 

Pfeife, pltd. P!p, /. 1. Pfeife; Tabaks- 
pfeife. E lange Ptp on e schnoddrige 
iVois, wenn unreife junge Leute den 
Grofzen spielen. Em geit de Ptp ut^ 
die Geduld, das Leben geht zu Ende. 
Sprw. I, 2907 f. 2. röhrenartiger Aus- 
gufz an einem Gefaiz, namentlich an 
einem irdenen; Brunnenröhre; Röhren- 
brunnen. Der Röhrenbrunnen auf dem 
alten Markte zu Elbing heil'zt Pfeife^ 
im Volksmunde Feif^ in Urkunden 
Pfeifenbom , Pfeifenbrunnen. (Die 
Schmerlen&nger müssen mit ihrem 
Fange) J)ey dem Pfeifenbom umb bil- 
ligen preifz markt halten^, Schmerlen- 
fanger -Ordg. aus dem Anfange des 
17. Jahrh. im Archiv der Stadt Elbing. 
B e n e c k e , 300. Bayerisch Pipen^ engl. 
pipe. Schmellerl, 291. Hupel, 170. 
Schemionek, 27. 50. Hennig, 183. 

pfeifen, pltd. pTpe(n), st, trinken, Spi- 
rituosa. Einen pfeifen, einen Schnaps 
trinken. Er pfeift gut — pfeift einen 
Outen. Kgsbg. S. pTpen. 

Pfeifenborn, -brunnen, m., s. Pfeife. 

Pfeifengesteli, pltd. Pfpegestell, Ptpe- 
stell, 7»., im Samlande, sonst auch SchSr- 
leiter, pltd. SchSrledder, leiterartiges Ge- 
stell mit wenigstens 20 beweglichen 
Sprossen, worauf die Laufspulen (s. d.) 
aufgesteckt werden, wenn das auf ihnen 
befindliche Garn behufs der Schenmg 
abgewunden werden soll. 



Pfeifenkanne, pltd. PTpel(ann(e), /., 
Eanne mit einer Pfeife. Hennig, 183. 

Pfeifenstäbe, plur., s. Ptpenstäbe. 

Pfeifenstiel, pltd. PTpestSi, m., beim 
Kegelspiel der einzeln fallende Eck- 
kegel nahe der Bande. Der Kegel- 
junge ruft: Pipestel, kosft nich vel! 

Pfeiferbanic, /, Bank für die Pfeifer, 
die Musikanten, Orchester. S. Die 
Zünfte, 10. 

Pfeifsacl(, m., Benennung für ein Kind, 
das viel weint. Muhling. 

Pfeiischwanz, m., s. Langhals. 

Pfennig, m., zur Zeit der Kreuzherren 
in den Privilegien Nummus. Drei 
Pfennige gingen auf einen preufz. So- 
lidum oder Schilling. ^60 Schillinge 
machten eine Silbermark aus, die Mark 
zu 16 Loth oder 24 Schottgewicht ge- 
rechnet. Wenn nun ein damaliger 
Schilling nach unserm jetzigen Gelde 
ungefähr 12 hiesige Groschen ausmacht, 
so würde ein solcher Pfennig 4 hiesige 
Groschen gelten." Hennig, 183. Der 
Pfennig galt also 1 Sgr. 4 Pfg., etwa 
15 Pfg. nach heutigem Gelde. — Hei 
Schott op en Pfennig on goß en fer e 
Düttke ut, er ist sehr geizig. In gleichem 
Sinn: Er scheifzt auf den Pfennig. 
Auch mit dem Zusätze: dafz keine Zahl 
zu kennen ist. Sprw. I, 2910 f. Bei 
Jeroschin: üf den pfenninc sikoer = 
habsuchtig, geizig. Pfeiffer, 204. — 
Kuimischer Pfennig, s. kulmisch. Vierter 
Pfennig, Abgabe, Zins, die sogenannte 
Quarte. Vgl. StarosL 

Pfennigblume, /., preuf zische, spitz- 
früchtiges Silberblatt, Lunaria rediviva 
L. Ostpr. Pritzel, 222. 

Pfennigfuchser, m., Geizhals, Knicker, 
Knauser. Davon pfennigfiicbserig, ad^., 
geizig. S. Fucliser. 

Pfenniggras, n.^ Feld -Pfennigkraut 
Thlaspi aroense L. Hagen, 668. 



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Pfennigzins — Pflaster. 



139 



PfennigzinSy m., in der Danziger Ge- 
richtsyerfassung das Kapital, welches 
zur ersten Stelle auf ein Grundstuck 
geliehen wurde und für welches nur 
das Grundstock allein und nicht auch 
das sonstige Vermögen des Schuldners 
haftete. W. Seidel, 33. Nach Klein 
II, 50, die Interessen eines Kapitals, 
welches für ein dafür verpfändetes 
Grundstück ausgeliehen ist: Auf dem 
Hause stehn 12 000 Gulden zu Pfennig- 
zins, 

Pferdy pltd. P&rd, n. In Redensarten: 
Ein gutes Pferd findet sich wieder. Ein 
schlechtes Pferd^ das den Hafer nicht 
frifztj der ihm vorgeworfen mrd. Wer 
das Pferd kauft^kauft auch den Schwanz, 
Auf die magern Pferde setzen sich die 
meisten Mücken. Wer sich als Pferd 
verdungen^ mu/z auch als Pferd ziehen. 
Wenn de Perd got stäne on de Fruens 
afgäne^ denn kann de Bür rtk wäre. 
Sprw.I,2915ff;II,2031fiF. Der Mensch, 
yerglichen mit dem Pferde: Wie ein 
Pferd dumm — eigensinnig — statisch 
sein; eigensinnig sein wie ein Droschken- 
pferd — Kutschpferd; — ein Gedacht- 
nis haben wie ein Pferd; — Nicken 
haben wie ein altes Droschkenpferd; — 
wie ein Pferd arbeiten; — gehen wie 
ein Kürassierpferd; — einen Arsch haben 
wie ein Achtzigihalerpferd. Korrespbl. 
m, 53. 

Pferddreckskafer, Pferdskäfer, m., Rofz- 
käfer, gemeiner Mistkäfer, Scarabaeus 
sterccrarius. In der Gegend von ßischof- 
stem Scheib-, pltd. Schltwabbel. Muh- 
ÜDg, Tiem., 175. Sprw. I, 2921. Vgl 
Wabel. 

Pferdefischerei, /., Fischerei in kleine- 
ren Flössen, bei der die Fische durch 
Reiter allmählich in ein quer ausge- 
spAontes Netz getrieben werden. S. 
FMzfiedierei. Vgl Benecke, 409. 



Pferdeschwanzy pltd. Pfirdszagel {a-^ä\ 
m.^ Pflzn., gemeiner Tannenwedel, Hip- 
puris vulgaris L. Hagen, 2. 

Pferdezahn, m., weifzer^ Pflzn., Mais, 
Zea mais L., weil die Fruchte pferde- 
zahnähnliche Gestalt haben. Treichel, 
Volksth. II. 

Pferdsdreck, pltd. Perdsdreck, m., Ex- 
krement des Pferdes, Pferdeapfel, ge- 
meiner PfirdschiL Als ablehnende Ant- 
wort: Ja, Perdschit! 

Pferdseile, -eule, pltd. Pfirdsfl,/., Rofz- 
egeL, Hirudo sanguisuga. Vgl. Eule. 

PferdskHfer, m , s. PferddreckskBfer. 

Pferdskastanie, pltd. Perdskastanje, /., 
Rofzkastanie, AcscuJms hippocastanumL. 
Hagen, 405. 

Pferdsliebe, /., plumper, ungeschliffe- 
ner, zudringlicher Liebesbeweis. So 
sagt man bei einer plump-zärtlichen 
Umarmung : Dat os e Perdslew^ möt de 
Bene öm e Hab. Vgl. Sprw. I, 2923. 

Pfifferling, m. 1. der PfefiFerschwamm, 
Agaricus piperaius. Nach Klein II, 
51: Eot, Erdschwamm. 2. zur Be- 
zeichnung von etwas völlig Wertlosem. 
Das ist keinen Pfifferling wert. Auch: 
Er ist etc. Er giebt keinen Pfifferling. 
Ebenso in Bayern. Seh melier I, 307. 
S. Frisch II, 53a Birlinger, 93a. 

Pfingsten, plur.^ weifze^ zur Bezeich- 
nung des Nimmertages. Vgl. Nimmer^ 
mehrstag, Pfiaumenpfingsten. 

Pfingstochse, t»., s. Ochse. 

Pfingstvogel, m., der Pirol. Ifingst- 
vogel heilizt er, „weil er sich hier selten 
eher als um Pfingsten sehen lallet^. 
Hennig, 184. Vgl. Bierhol. 

Pfiänzchen, n., Pflzn., s. Perlen. 

Pflaster, n., goldenes, Menschenexkre- 
mente. Auf ein goldenes Pflaster treten. 
Ein goldenes Pflaster auflegen^ — ge- 
schieht wirklich, indem man die Ex- 
kremente in Leinwand schlägt und das 



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140 



Pflasterkasten — Pfandbude. 



Präparat so auf die Wunde legt; die 
flüssigen Teile sind das Heilende. 

Pflasterkasten, m., Heilgehilfe, Chirar- 
gas, aber auch scherzweise Bezeichnung 
für einen Arzt überhaupt. 

Pflatz, m. Und dafz zu Gottes Ehr 
der Auffwacki Tnög gedeyen und jeder 
Zweig und Pflatz sich wol gebildet zeig! 
Carm. nupt, I, 39. 

Pflaume, pltd. PIQm, Dem. Pflaum- 
chen^ pltd. Plumke^ f, 1. Zwetsche, 
Prunus domestica L.; auch Pflaum-^ 
Pfiawmenbavm^ pltd. Plümebom. 2. cun- 
nus, Vulva, 

Pflaumenkreide, /., s. Kreide. 

Pflaumenpfingsten, /., zur Bezeichnung 
des Nimmertages. Op Plumepingste. 
Vgl. Pfingsten, wei/ze^ Nimmermehrstag. 

Pfiaumenschlarze, /., Neck- u. Schimpf- 
wort Du Plumeschlarze ut de Neddring. 
Jerrentowitz. In der Niedenmg wach- 
sen bekanntlich viel Pflaumen. Vgl. 
Schlarze. 

Pfl^O? /•> Pfl^^ Pension. Er ist bei 
mir in I^leg^ in Kost, Pension. 

Pfiicht, /., Tracht. Eine Pflicht Was- 
ser. Marold. 

Pfiinz, f.y 8. Flinze. 

Pfiömen, m.^ s. Flöm. 

pfiUcken, sw.j abzwacken. Sie haben 
ihn gut gepflückt, er hat die gekauften 
Waren sehr teuer bezahlen müssen; er 
hat um eines geringen Vergehens willen 
eine hohe Geldstrafe erlegen müssen. 
Die tollen Federn sind ihm ziemlich 
ausgepflückt^ er ist in strenger Zucht 
gewesen. Ich habe noch ein Sühnchen 
mit ihm zu pflücken, ich habe ihn zur 
Bede zu stellen, zur Rechenschaft zu 
ziehen. Bock, 43. Hennig, 184. 

Pfiug, pltd. PIftg, m. Dat ös mtn Acker 
on Plög — min Egf on Plög, mein 
Beruf^ meine tagliche Beschäftigung. 

Pfiuggewende, pltd. PIftggeweng, n^ 



Ackerstrecke von einer Pflugwende bis 
zur andern, gewöhnlich ein Morgen 
Ackerland. Natangen. En Ploggeweng. 
Dzg. Nhg. Viol^t, 103. Keen Plog- 
geweng (sal) mehr leddig liggen, See- 
lenw., 112. 

Pfiugkom, n., hämisches^ s. kulmisch. 

Pfiugmann, pltd. Plögmann, m.. Pflüger. 
Doch dePloochmann scAnar^(schnarcht) 
nu schwoar. Dorr, 54. 

Pfiugmarien, Maria Verkündigung, 
25. März. In Westpr. beginnt an vie- 
len Orten mit diesem Tage das Rech- 
nungsjahr. Mühling. Ob an diesem 
Tage dort zuerst gepflügt wird, ist nicht 
angegeben. 

Pfiugochs, Eggochs, m., in beiden Be- 
deutungen =£gdochs. Mühling, Tiem., 
175. 

pfiUmen, sw., s. v. a. fisten (s. d.). 
Treichel. 

pfropfen, pltd. prope(n), sw,, coire. 
Treichel. 

pfropfendig, pltd. proppendig, adj.^ ge- 
pfropft. Es war pfropf endig voU, ge- 
drängt voll. Von Pfropf Kork. Ebenso 
im Holsteinschen und im Hollandischen. 
Schützern, 235. 

Pfuhlschnepfe, Mittelschnepfe Scolopax 
media. Bujack, 383. Mühling, 
Tiem., 175. 

Pfund, pltd. Pund, n. 1. Gewicht die- 
ses Namens. Rhetorisch: €rot gebe rf«r 
czwey hundirt unde czwey phunt gudir 
nacht. Liebesbrief eines Ritters aus 
dem 15. Jahrh. Beitr. z. Kde. Pr. V, 
184. 2. ein Quart Branntwein. Wir 
hatten verschiedene halbe Pfundchen ge- 
trunken. Kgsbg. 

Pfundbude, /., ehemals Zollhaus un- 
weit Pillau, wo, da die Tiefe noch bei 
Alt-PiUau und dem Dorfe Wogram 
vorbeiging, der Zoll von den einkom- 
menden Schiffen gezahlt wurde. In 



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Pfunde — piddlig. 



141 



der Pr. EammerordniiDg von 1648 wird 
es das Pfundhaus zu Pillaa genannt. 
Hennig, 184. Der Name rührt wohl 
daher, dal'z die Waren nach Pfunden, 
Schiffspfonden, in Berechnung kamen. 
Vgl. Bock, Nat I, 551. 

Pfunde, A Pflzn., Quellen-Ehrenpreis, 
Veranica beccabunga L, Hagen, 19. 

Pfundhaus, n., s. Pfundbude, 

Pfundkirsche,/., s. Pungelkirsche. 

Pfundschreiber, Pfundverwalter, m., 
Zolleinnehmer in einem PfundJum&e. 

Pfundzoll, m,^ Zoll, welcher von den 
Schiffsfrachten entrichtet wird. Nach 
Mühling auch eine alte Abgabe an 
den Orden, welche vom Lande bewilligt 
wurde zur Säuberung der See von 
Räubern. Sie betrug y, «/^ vom Werte 
der eingehenden Waren und Ve Vo ^on^ 
Schiffe, das diese geladen hatte. 

Phelp, m. Vom., s. Felp. 

Phtchen, w. Vom., s. Rehen. 

Phlipp, m., s. Flibb. 

Pf, Lockruf für die Katze, der auch 
neben: PTpt, Pichen, PTptchen, Name 
für die Katze ist. Nach Klein II, 66, 
heifzt in Danzig die Katze IH (wohl 
nur Schreibfehler für Pm), verkleinert 
Puike. Der lit. Schmeichelname für 
die Katze ist jniüe. Vgl. Pikatz, Puich, 
Mts, Mtz. 

Piasek, m., Sand, das pohi. piasek. 
Es üt der reine Piasek^ ein Landgut 
mit sandigem Boden. Sperber, 39. 

Piaten, Ortsn., Dorf im Kr. Inster- 
borg. Qä na Fiate^ Dag anbreke. Geh 
nach Piaten, Tage anbrechen! Sprw. 
n, 2049. 

Piauter, m., s. Pijauter. 

Pichel, m. u. n., leinenes Yortüchlein, 
das man kleinen Kindern unter das 
Kinn bindet, damit sie sich beim Essen 
und Trinken nicht beschmutzen. T rei- 
ch eL Vgl. Schiabbe. 



picheln, sto., trinken, saufen; vielfiEtch 
mit dem Nebenbegrifi^ dafz solches mit 
gewissem Eifer, unvermerkt und in der 
Stille geschieht. Er pichelt ganz ge- 
hörig. In Hamburg und Bremen auch 
pegeln. Richey, 182. Brem. Wb. HI, 
303. In Pommern pechein und pegeln, 
Dähn., 346a. 347 a. In Posen: picheln 
mit anhaltendem Fleifze und mit Ge- 
duld etwas vorhaben, arbeiten; da- 
g^en heiizt stark trinken pietschen^ 
von dem poln. pic trinken. Bernd, 
207 f. 

Ptchen, n., Katze, s. Pt. 

Pichler, w., Trinker, Säufer. 

Pickel, Peckel, m., Eiterbläschen, klei- 
nes Hautgeschwur. Er hatPickel zwischen 
den Fingern^ er hat die Krätze. Da- 
von pickelig, adj.^ mit Pickeln behaftet. 
In Hessen Pickel == Knoten, besonders 
ein grofzer, aus einem stärkeren Seil 
geschlungener oder geflochtener Knoten. 
Vilmar, 302. 

pickein, mo,^ scherzen, lachen, durch 
alberne Streiche Lachen erregen. Hen- 
nig, 186, leitet hiervon Pickelhering^ 
froher die lustige Person auf der Bühne, 
dann Possenmacher Oberhaupt, her ; vgl. 
jedoch Adelung ni, 767. 

pickem, «i^., Frequent von picken. 
Indem ich dies schreibe^ ist mir das 
Pikem meiner Uhr hockst lästig. Soph. 
R. Hl, 375. NachTreichel auch von 
dem Picken des Küchleins im Ei. 

picksen, au?., Frequent. von picken^ 
stofzend picken. Einen mit dem Stocke 
picksen. Pickser, m., der Picksende; 
aber auch der Gegenstand, mit dem 
man pickst. 

Piddak, m. 1. Prügel, Knüttel, Stock; 
von dem poln. batog. Schmitt, Westpr., 
166. 2. nach Treichel auch penis. 

piddlig, adj.^ kleinlich, übertrieben 
akkurat, mühevoll. Schemionek, 27. 



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142 



Pietxker — Pilberg. 



Piddlige Arbeit miDutiöse, die ihrer 
EleiDheit wegen mühsam ist. 

Piebker, m., s. Ptsker. 

Pigg(e), PUgg(e), /., Jacke, Wams; 
Frauenjacke ohne Scholi, Joppe. Dat 
08 Jack wt Pigg'y völlig gleich. Sprw. 
I, 1777. Pug^ on keine Ärmel dran. 
Volks!., 87, 22, 2. Lit. pigffus leicht, 
geschickt zu handhaben, wohlfeil. Inder 
Dzg. Nhg. Pigk^ in Hamburg Peyy in 
Bremen Pije^ in Osnabrück Pigge und 
Pike. Brem. Wb. m, 310. In Pom- 
mern Pije und Pige, Dähn., 348a. 
Hennig, 186. 

PijatZy PipatZy m., Bajazzo, auch Kunst- 
reiter, Seiltänzer im allgemeinen. Aus 
Bajazzo; poln. figlarz^ lit, piglorus Spafz- 
macher, Possenreifzer. 

Pijauter, auch Pegauter, m. 1. Arbei- 
ter. 2. Fischer. Samland: Rauschen. 
M ü h 1 i n g hat f ür Arbeiter Piauter. Vgl . 
Plikauter u. Plauter. 

Pijauterbauer, pltd. -bQr, m., Fischer- 
bauer; Bauer, der neben der Landarbeit 
Fischerei treibt. Rauschen. 

pijailtem, sw,^ arbeiten. 

PijÖn, /., Päonie, s. Bijön. 

pTk, ddp u. adv. 1. vortrefflich, aus- 
erlesen. Der Wein ist ptk. Das ist 
pikfein. 2. scharf, heftig, strenge. Es 
friert ptk. 3. viel. Der Kerl kann pik 
saufen. HoU. puiky in Pommern pük. 
Dähn., 348a. 

Pikater, m., s. Pikatz. 

Pikatz', f.y Katze, Zusammensetzung 
mit dem Lockruf pi; auch Pipikatz, 
Dem. Pipikatzchen. Pikatz toill mich 
beifzen. Volksr., 11, 44. Pipikattke^ 
hast 6k e Zägelke^ zu dem, der nach 
der Katze ruft. Sprw. I, 2943. Ebenso 
gebildet Pikater, m. Mi eenen (Krin- 
gel), di eenen^ Onsem graue Pikater ok 
eenen. Volksr., 131, 547. Treichel 
hat auch Peikatz. Pikatz^ auch ak zu- 



rückweisendes Neckwort. Du dachest 
wohl^ es giebt heu£ Kuchen? Ja Pikatz! 
Hast du viel Geld? Ja Pikatz^ d. h. 
mir fehlt eben Geld. Saalfeld. Sper- 
ber, 24. 

PTke, Ptk, /. 1. Stange mit spitzem 
Stecheisen. 2. übertragen: Groll, Feind- 
schaft Eine Pike auf jemand haben^ 
ihm feind sein, grollen, Rache begehren. 
In Bayern: Einen Pick etc.^ in Hessen: 
EinePikeetc. Schmellerl, 277. Vil- 
mar, 301. Hennig, 184. 333. 

Pikellus, m., s. Pakulks. 

ptken, sw.^ mit einer Ptke^ in weite- 
rer Bedeutung mit jedem spitzen In- 
strument, selbst mit dem Finger, wie- 
derholt stechen, stofzen. 

pTkisch, adj., s. ptksch. 

piksch, pikisch, adj.^ feind, nachtragend, 
rachedurstig; von Pike. Er ist auf ihn 
gewaltig ptksch. Vgl. falsch. 

Pfkschlitten,m., Schlitten, der mit einer 
Pike weiter geschoben wird. Pik- 
schlitten fahren^ ein Knabenvergnügen. 

Pikuritz, m., Korrump. aus Prokurist 
Danzig. TreicheL 

Rl, m., Pille, /, Piller, m., Dem. PiU- 
chen^ Pillerchen, -ke. 1. penisy zunächst 
zu Knaben und von Knaben gebraucht 
In Masuren Pillack. Gortzitza. Über- 
tragen: 2. Klöpfel in der Glocke. Hemp 
on hott^ iseme Ptl on blecherne Kott. 
Tierräts., 12. (Lösung: Kuhglocke.) 
In Hessen die Biüe und der BiUer. 
Vilmar, 37; im Göttingenschen Pily 
Pük. Schamb., 154b. Sperber, 24. 
Vgl. Pitter, Pimmel. 

ptl, adv.y gerade, steil. Der Regen 
korrtmt ptl von oben. Treichel. Ebenso 
bei Mi, 62b. Danneil, 155a. 

Pilberg, m., Schlotzberg, Bei^ mit 
Schlofz, von dem altpr. pil^ pila^ piU, 
pHle Berg, Burg, Schlofz. Nsslm. TL, 
128. Die PUberge bei Kraam^ Lapsau. 



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Pile — Pilwitten. 



143 



Reasch, Sagen, 64fiF. Doch heifzen 
sie auch (anrichtig) PtUenberge: dei* 
Pülenberg bei Puschkaiten (Domnau), 
bei Pranüack (Schippen beil). 

Pile) Bnftiame der Ente. Lit. yyle^ 
lett. pihle zahme Ente. Nsslm. Th., 
128. Doch klingt Buf und Name auch 
kurz PiU XL. PiOe, Volksr., 64, 242 h. 
In Hessen Btle^ wo zuweilen auch der 
Enterich Btler heilzt. Vi 1 mar, 37. 

PTIke, Pllken, (?), s. PTIketafel. 

PTIketafel, /., bis 50 Fui'z lange, 2 Fufz 
breite Tafel, die früher in den Gemeinde- 
gärten aufgestellt war, worauf die Bür- 
ger runde oder viereckige (Hennig 
nennt die letztern allein; ich habe in 
meiner Jugend nur mit runden „Stei- 
nen^ spielen sehen) glatte Hölzer, 
„Steine", im Spiele hin- und herscho- 
ben. Die Spielenden standen an den 
schmalen Seiten der Tafel einander 
gegenüber. Die geschobenen Steine 
durften die ungerandete Tafel nicht 
verlassen und muTzten den Stein des 
Gegners tre£fen. NachVoigt, „Fürsten- 
leben auf den deutschen Beichstagen. 
Baumer, Histor. Taschenb., 3. Folge, 
2. Jahi^. 1850, S. 387, war die Tafel 
mit einem Bande und mit Binnen ver- 
sehen, die Steine waren numeriert und 
kam es darauf an, dafz immer ein Stein 
über (hinter, vom Werfenden aus) den 
Stein des andern zu stehen kam, und 
der Stein des Gegners so getroffen 
wurde, dafz dieser durch eine der Öff- 
nungen im Bande oder der Querleiste 
der Tafel in die Binne hindurchging. 
Hiemach entschied sich, nach mehr- 
maligen Würfen Gewinn oder Verlust. 
Es gab Tafeln von 46 — 50 FuTz Länge 
und einer Breite von 10 Zoll bis 2 Fufz; 
die Pilketafel des Altstadtischen Ge- 
meindegartens ist gegenwärtig an der 
Decke der Jubiläum-Halle in Königs- 



berg zum Andenken befestigt. Lat 
püa^ poln. püka^ lit. piUa der Ball. 
Bei Adelung und Grimm Beäketafel; 
sie heilzt auch Drucktafel^ in Nürnberg 
Schie/ztafel Adelung I, 820. Bock, 
43. Hennig, 185. Vhd. Peilke-, Peih 
chentafel. Sie haben eintrechtigklich ge- 
czeuget vnd bekant Das sie aempäich bey 
der Peylkentofel gestanden. Morgspr., 
1532. Die Zünfte, 49 f. . . . hat zuge- 
saget^ dafz er vier pilichentafeln woUe 
zahlen, Morgspr., 1604. Vgl. Shak- 
speare, König Heinrich der Vierte, 
Akt 2, Szene 4. Das Spiel hielz auch 
kurz Ptike, Ptiken. 

Pillack, m.y Pille, /., penis, s. Pll. 

Pillenberg, m., s. Pilberg. 

Pillendrechsler, m. 1. Spottname für 
den Apotheker als PiUendreber. 2. 
Pillenkäfer, der von Mist Kugeln macht, 
in die er seine Eier legt, ScarcAaeus 
L. 

Piller, 7»., penisy s. Pll. 

Pillerstein, m., Stein, wie ein PiUer 
gestaltet, Belemnit; auch Donnerkeil u. 
Otterzitze (s. d.). 

Pillkallen, Ortsn., Kreisstadt im Reg.- 
Bez. Gtunbinnen. Die PiUkcdler wer- 
den als Händelsucher u. arme Schlucker 
gehöhnt. AtM PiOkaUen ungeschlagen 
kommen^ ist ein Glücksfall. S. /n«ter- 
burg. Die PiUkaUer stochern sich in 
den Zähnen, wenn sie Mäch gegessen 
haben. Sprw. I, 2941. 

Pillkauer, 7n., in früherer Zeit Name 
für die alten Fün/schiUinger. Neiden- 
burg; entstellt aus PiUkaUer, Gort- 
zitza. 

Pilpe, /., Bückstand der Stärke. 
Treichel. 

Pilten, plur.^ s. Kampe. 

Pilwitten, plur.^ eine Art Zauberer. 
In den interpolierten Gesetzen des Hoch- 
meisters Konrad von Jungingen von 



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lU 



Pilz — Pindel- 



1394 (Jacobson I, Anh. 285) heiizt es 
unter No. 7: Atu;h tvoüen undt gebie- 
ihen wvr^ das alle Zauierer^ Weydeler^ 
Pthoüten, Schwarzkomüer undt wie diese 
Chtteslesterer mögen genandt werden^ alle 
sollen nach ernster vermahnung etc. 
Nsslm. Forsch. 3. 

Pilz, /., feiner auch die Pilze, ph/r. 
Pilzen, der Pilz. Üblicher jedoch, und 
nicht ausschliefzlich im Volksmunde, 
ist die und der Pllzke, plv/r. Püzken u. 
PUzkes. Die giftigen Pilze fafzt das 
Yolk meist unter dem Namen Fliegen^ 
pilzken zusammen. Die beliebtesten efz- 
baren Pilzken sind: der Steinpilz, 
Boletus edulis BuU,^ das Gänschen, 
CanthareUus cibarius Fr,y das Reizken, 
Agaricus deliciosus L. Saalfeld. . . . tn- 
dem ich die treuge saurre PüUzken für 
ein unJwffliches Essen auch nicht schätzen 
wiü, Linem., Sslb. Dafz aber die 
Schwämbe oder Pültzken in der Menge 
nachm feuchten Donner her für wachsen, 
mag au/z vorigem leicht vernommen wer- 
den. Ibid., Ss2a. 

pllzig, adj. 1. aufgedunsen, ungesund 
feist E}r hat ein pUziges Gesicht. S. 
aufpllzen. 2. dem Pilze ähnlich. Der 
Apfel — die Rübe ist pilzig, saftlos. 
Hennig, 186. Vgl. Bock, 44. 

Pllzke, m., s. Pilz. 

Pilzkenkrug, m., einsamer, aber gern 
besuchter Waldkrug in dem Buchen- 
walde hinter Lochstädt auf der Pillauer 
Halbinsel. Der ihm neu beigelegte 
Name Waldkrug vermag nicht aufzu- 
kommen. 

Pllzkenschneider, pltd. Pilzkeschntder, 
w., Glückspilz. He is e Pilzkeschntder. 
Tiegenhol 

Pimke, m., s. Pemke. 

Pimker, Pflzn., rauher Röhrenpilz, 
Boletus scaber Fr. Auch RotkVpfchen. 
Treichel, Volksth. H. In der Saal- 



felder Gegend PImpen. Ygl. Pemke u. 
GlatUIng. 

PImmel, m., penis des Knaben; wohl 
= Bimmely der Baumelnde. Vgl. Plller, 
Pitter. 

Pimpek, m., eigentlich Nabel, von 
dem poln. pipek, mehr jedoch penis. 
Sperber, 39. 

pimpelig, adj., PImpellTse, /., s. pim- 
peln. 

pimpeln, pltd. pSmpeln, sw., aus über- 
grofzer Verzärtelung gegen Witterungs- 
einflüsse empfindlich sein, über jede 
Kleinigkeit klagen. Mühling. Ebenso 
in Posen, in der Niederlaus. Bernd, 
208. Anton, 11, 9. Verwandt mit 
pumpein, pummeln^ mummeln. Davon 
verpimpeln, verhätscheln, verzärteln, engl. 
to pamper. Meine Kinder sind nicht 
verpimpelt. Er ist ein verpimpeltes Mut- 
tersöhnchen, pimplig, pimpelig, adj. ver- 
weichlicht, verzärtelt, verhätschelt, ver- 
wöhnt. Es ist gar nicht kalt, du bist 
nur so pimplig, pimplig auch zimper- 
lich, affektiert. Er thut so pimpelig. 
PImpellTse, /., verweichlichtes Frauen- 
zimmer; doch auch vom Mann: Er ist 
eine rechte Pimpeltse. Auch Pimperltse, 
-lotte, PVmpelpeter. 

PImpen, plur., s. Pimker. 

pimperlich, adf., nüchtern, flau, katzen- 
jämmerlich. Mir ist ganz pimperlich 
zu Mute; oft auch blofz pimplig. In 
Dzg. pimpslich. Gedanism. Vgl. pim- 
pelig unter pimpeln. 

Pimperltse, /., s. pimpeln. 

Pimperneil, Pflzn., gemeiner Stein- 
peterlein, Pimpinella saai/raga L. Ha- 
gen, 335. 

pimplig, adj., s. pimpeln. 

Ptn, w. Vom., Philippine. Hart- 
wich, 55. Vgl Feiptn. 

Pindel, Pingel, n., s. Pungel. 

Pindel-, Pingeljude, m., s. PUngeljude. 



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pindeln — pinseln. 145 

pindeln, pingeln, sw.^ s. pUngeln. pinkem, sw,^ mit Enopfen anwerfen, 

pinglig, a(^'., verdreht. Danzig. Trei- Ygl. anschmeifzen. 

chel. Pinkfeuerzeug, n., s. pinken. 

pingsem, m.^ s. pinksem. pinksen, sw,^ s. pinken. 

Pinke, /., Schälchen, worin der Ein- pinksem, pingsern, sw.^ klimpern auf 

salz bei manchem Kartenspiel gelegt dem Klavier, mangelhaft Klavier spie- 

wird. In die Pinke setzen, Pinke ur- len. 

sprünglich eine Art schneller Lastschiflfe, Pinne, /. 1. kleiner Pflock, Zapfen 
engl, pink, franz. pinqtie, altskandinav. von Eisen, Zinn, Messing; Nagel von 
jdnker. Brem. Wb. 111, 318. Ade- Holz, Schuhstift. Die Pinne an einer 
lung III, 771. Schnalle. 2. das blecherne Röhrlein, 
Pinkel, m., Urin, namentlich in der womit die Enden der Schnürsenkel ein- 
Kindersprache. gefafzt sind. In Hessen eiserner Schuh- 
pinkeln, sw.y pissen, vorzugsweise von nagel mit kurzer Spitze und breitem 
und zu Kindern. Mama^ mich pinkelt! runden Kopfe; doch auch hölzerner 
Er pinkelt alle Atcgenblick, Ins Bett Sclfühnagel. Vilmar, 302. Hennig, 
pinkeln. Davon bepinkeln, einpinkeln. 186. 

Ebenso inHamburg undPosen. Richey, Pinnholz, ^., Holz, woraus Pinnen, 

185. Bernd, 209. In Bremen pin^ Schuhstifte, gemacht werden, z. B. 

kein, inpinkeln den Bauch mit Speise Ahorn; nach Hagen, 258, auch Faul- 

foUen, alles hinein essen. Brem. Wb. bäum, Rhamnus frangula L, Vgl. 

in, 318. Hennig, 186. Vilmar, 302. 

pinken, sw.y durch wiederholten, steti- pinnig, adj, u. adv.^ fleifzig. Dzg. 

gen Schlag den Ton pink hervorbrin- Nhg. Viol^t, 103. 

gen. 1^ hämmern, Funken aus Stahl Pinsch, Pintsch, m,, Feuerschwamm; 

und Stein schlagen; in Verstärkung von dem altpr. pintys (Voc. 372), lit. 

pinksen. Erinnert sei an die früheren pintis. Nsslm. Forsch. 2; Th., 129. 

Pinkfeuerzeuge: Stahl, Feuerstein, Zun- Weil man auf den Feuerschwamm, den 

der aus verkohlter Leinwand u. Schwe- man entzünden will, schlägt (mit dem 

felfaden in einem Blechkästchen. 2. Stahl auf den Feuerstein). Pinsch auch 

hämmern; schmieden, Funken schlagen, s. v. a. Prügel, Hiebe, Schläge. WöUst 

Steinsprenger müssen das Bohrloch Pinsch f Kgsbg. 

ou^nÄi^n, pinkend aushämmern. Pinke- pinschen, sw. 1. schlagen, prügeln; 

pank, m,, Schmied. nei, o nei, vom vor. 2. s. v. a. penschen (s. d.). 

du Pinkepanky Du mäkst mt mtne Kopp pinschem, sw,, jagen, ursprünglich mit 

so h^ank, Volksl., 26, 16, 5. Pinke- einem Hunde der Pinscherrasse; auch 

panky heute noch Familienname, begeg- Mädchen nachstellen. Treichel. 

net schon in Kellers Fastnachtsspielen Pinschklopfer, pltd. Pinschklopper, m., 

1,483, 15; 484, 20. 30. Frommann, Spitzname für Füsiliere. 

d. Mundart. VII, 217. 3. in frei über- Pinsel, m., penis. Vgl. Pesel, 

tragener Weise: zechen, stark trinken, pinselig, a^\ von pinseln. 

Funken (s. d.) nehmen. S. bepinken, pinseln, sw.y stöhnen^ klagen über ver- 

stch, meintes Unwohlsein, namentlich aber 

PrfMhbier, WSmrbach U. « 10 



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146 



Pint — Pip€8tell. 



aus^Geizfdaher geizen, knickern, knau- 
sern, engherzig handeln, kleinlich um 
eine, Sache dingen, feilschen. In Bre- 
men pinsln. Brem. Wb. HI, 319. Hälh 
ten Sie den Mann besser gepflegt^ hätten 
Sie ihn nicht mit dem ewigen Pinseln 
aber sein Bücherkaufen zutode gemar- 
tert! Soph.ß.n, 177. Wollen Sie bei 
einer Ausgabe von ein Duzend Dukaten 
pinseln. Ibid. III, 208. Kannst du 
denn nie das Maul aufthun^ one vom 
Gelde mir etwas vorzupinselnf Ibid., 
599. Davon pinslig, pinselig, adj. Fina- 
ler, m. Vgl. Bernd, 209. Danneil, 
155b. Bock, 43. Hennig, 186. 

Pint, m, 1. penis, engl, pinüe^ nach 
dem Brem. Wb., 320, von Pint, Punt 
= punctus; nach Mühling auch Spitze, 
welches wohl die nächste Bedeutung. 
Vgl. das \it pysyne, pissa cunnus, vulva. 
2. scherzhafte Bezeichnung für einen 
Gegenstand, der für den vorliegenden 
Zweck unzureichend ist. Ein Topf, der 
für eine vorhandene Flüssigkeit zu klein, 
ein Kleidungsstück, , das zu kurz und 
zu eng ist, ist ein Pint. Davon pin- 
tig, pinterig, adj. Der Rock ist pintig. 
Hierher gehört wohl auch Pinter, w., 
Spottname für den Kleinkrämer. Ma- 
rold. 
Pintsch, w., s. Pinsch. 
PTp, PTps, w., piepender Ton, den 
Kinder beim Piepsspiele hören lassen; 
auch heifzt der Leiter des Spieles I^ps. 
S. Volksr., 156, 662. 
Pipatz, m., s. Pijatz. 
Ptpe, /., Flüssigkeitsmafz, spanisches 
Wein- oder Ölfafz. Brem. Wb. lU, 
321. 
PTpegestell, n., s. Pfeifengestell. 
pTpeln, sw., s. pTpen. 
ptpen, pTpeln, pTpsen, pTpseln, pTpsern, 
sw. 1. pfeifen; ruckweise pfeifen; ruck- 
weise leise pfeifen, wie es Hühner, 



Küchlein oder kranke Vögel thun. 2. 
mit hoher, schwacher und pfeifender 
Stinmie sprechen. 3. kränkeln, stöhnen, 
winseln, klagen. Er ptpelt immer, er 
kränkelt und stöhnt fortwährend. Von 
ptpen pfeifen, eine ganze Reihe adjek- 
tiver Bildungen: pTpsig, pTpserig, pTperig, 
pTplich, pTpselich, pTpslich, kränklich, 
kränkelnd, unwohl, schwächlich, ver- 
kommen im Wachstum, stets klagend 
und stöhnend. Er ist recht ptpsig etc. 
Mt OS ganz ptpserig to Mod, Öck st 
ganz ptpserig. 3. ptpen trinken. Wi 
wolle enen pipen, wir wollen einen 
Schnaps trinken. Sperber, 24. Sche- 
mionek, 27. Bock, 43. Hennig, 
185. 

PTpenbier, n., Ehrentrunk, den ein 
Hochzeitszug in jedem Kruge, dem er 
vorüberzieht, einnimmt. Samland. Müh- 
ling. 
Pipenetl(ram, m., s. Petenettenkram. 
Ptpenstäbe, vbchd. Pfeifenstäbe, plur., 
gespaltenes Eichenholz, woraus die 
Falzdauben zu den Pipen und anderen 
Fässern gemacht werden. In Bremen 
PipenstavCj Piepstave, in Pommern Pi- 
penstawe. Brem. Wb. IH, 322. D äh n., 
350 a. 1777 von Memel ausgegangen: 
eichene Piepenstäbe 3276 Stück. Bock, 
Nat I, 608. Vgl. Klappholz. 

Piper, m., von ptpen, Pfeifer. Im 
Tierräts., 30, Name für die Maus, weil 
sie pfeift: De Pipa on de Quara (der 
Frosch), De ginge op ene Barg. 
pTperig, adj., s. ptpen. 
pTperlings, pTplings, adv., in dünnem 
Strahl wie aus der Pipe (s. Pfeife) 
flierzend. Die Thränen liefen ihm pt- 
perlings. Der liegen kam pyplings von 
seinem ganz durchgeweichten Überrock. 
Soph. R. V, 96. S. Schemionek, 27. 
Danneil, 155b. 
Ptpestell, n., s. Pfeifengestell. 



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Pipgessel — Piptrürig. 



m 



Ptpgessely Ptpsgessel, n. 1. ein Gmel^ 
das pipt 2. ein kränkelnder Mensch. 
Er ist ein rechtes Ptpgessel, So ein Pihjh 
ffOssel wiü ich nicht haben. Soph. R. 
VI, 325. In Pommern PipgosseUcen, 
Pipgoos. D ahn., 350b. In Posen JVp- 
gänsel Bernd, 209. Hennig, 182. 
Vgl. PTpsack. 

Ptphacken, plur.^ verdicktes Gelenk 
an den Beinen der Pferde, ein sogen. 
Schönheitsfehler. Treichel. 

Ptphahn, pltd. Piphan (a = a), w., pe- 
nis. Ebenso in Holstein, Pommern; im 
Bremischen auch Pülhaan^ im Götling. 
Ptlhdn, PiUchdn. Schütze III, 208. 
Dähn., 350b. Brem. Wb. IE, 314. 
Schamb., 154b. 

PTpT, /., Dem. Pipichen^ Katze, s. Pt. 

PTpTkatz, /., s. Ptkatz. 

PtpT machen, za Kindern für pinkeln, 
pissen. Mach Ptpt — Ptptche! Ptpt! 
Ruf der Kinder, wenn sie das Bedürfnis 
zu pinkeln haben. 

Ptpke, n., Dem. von PTpe, Pfeife, 
V^eidenpfeife der Volksjugend. Sie 
heifzt auch Plarr, Plärr, Plärre. Ein 
möglichst starker Weidenast wird durch 
Klopfen, „Schlagen", mit der Schale 
des Messers von seiner Rinde befreit, 
und wird die Rinde mit Zuhilfenahme 
des nackten Astes zu einer Pfeife ver- 
arbeitet. Damit die Lösung der Rinde 
gelingt, sprechen die Kinder: 

Ptpke^ Ptpke^ g^räd mt^ 

öck schlä dt op dtn Pälke^ 

öck schlä dt op dtn Hinderrädke 

Bet dtn Pölzke affoUt Natangen. 
Volksr., 61, 237. 
Oder: 

Saft Saft Wide, 

Hund Schott Krtde^ 

Katt Schott Grade, 

Dat mit Ptpke stdl gerade! Tapiau. 
Vgl. Quarre. 



PTpkrecky /., Pfeifkrecke, Krickente, 
Anas crecca, 

pTplichy adj.y s. pTpen. 

pTplIngs, adv.^ s. pTperlIngs. 

PTpop, m,, Pfeifauf; im Tierräts., 30, 
die Maus. Ptpop on Quarrop Cringe op 
ene Barg Wop, Vgl. Piper. 

Pipp, /., penis, Jerrentowitz. In 
Posen Fipe. Bernd, 209. 

Pips, Pips, Peps, m, 1. Krankheit der 
Vögel, namentlich der Hühner. Durch 
Verstopfung der Nasenlöcher verhärtet 
die Zungenspitze und entsteht auf die- 
ser eine harte, weifze Haut^ der Pips. 
Den Pips abziehn^ die Haut wegreifzen, 
wodurch die Krankheit gehoben wird. 
Wenn sie (die Henne) den Pips oder 
Zips haty kan sie wol mehr zu solcher 
zeit saufen ab nicht der Hahn, Li- 
nemann, Bbb4a. Bei Adelung 
hchd. P/ipps^ Zipps, schwed. pipp^ engl. 
pip^ &anz. pepiCy span. peppita^ ital. 
pipita, mlat. pipita. Adelung III, 
732. Lit. pipsaSy in Bremen, Holstein, 
Pommern Pipp. Wurzel für alle gleich- 
klingenden Namen ist wohl p/p^Ti pfeifen, 
da der kranke Vogel viel pipt. 2. bild- 
lich von Menschen: an Gesundheit, 
Vermögen oder Verstand Schaden neh- 
men. Er hat einen Pips weg, Sprw. 
I, 2891. Einem den Pips abziehn — 
aufziehn^ ihn betrügen, ihn schlagen. 
Hennig, 182. 

PTpsack, TW., Pfeifsack, kränkelnder, 
stöhnender, winselnder Mensch. Für 
Posen: Bernd, 209. Vgl. Ptpgessel. 

pipselich, adj., pTpseln, pipsen, sw,^ 
pfpserig, adj.y ptpsern, sw.^ s. ptpen. 

Ptpsgessely n., s. Pipgessel. 

pfpsig, pTpslich, odf/., s. pTpen. 

PiptrQrIg, Pfeiftraurig, Name für 

schlechte^ unansehnliche Besitzungen; 

Spitzname für das Dorf Draupchen bei 

Insterburg. Hei kömmt ut I^ptruiig^ 

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148 



Pirack — Pirt. 



die Redensart wird zunächst zum Är- 
ger der Bewohner von Draupchen an- 
gewandt, aber auch gebraucht, um 
einen Betrübten zu bezeichnen. Sprw. 

1, 2939. 

Piräcky m, u. /., s. Piräge. 

Pirägge, Piräck, Pirogge, m. u. /. 1. 
Weifzbrot, Fladen aus Weizenmehl. 
Litauen. Hennig, 185. Lit. pyrdgas^ 
lett. pihrags^ russ. u. poln. pirog. Nsslm. 
Forsch. 2; TL, 129. He sacht (suchte) 
Pirock on heft dabt et (das) Brot ver- 
löre. Tilsit. Wi fdre na de grote Stad% 
Bringe for^t Lmschke Pirack satt. ToU- 
mingkehmen. Volksr., 16, 69. Bei 
dem Essen vnrd observiret^ da/z der Pirsz- 
lys zween Kampen von Pyragen ( Weifz- 
brot oder Stritzel) und Brot schnei- 
det etc. Pierson, Matth. Prätor., 88. 

2. Pirogge^ Pastete, Fleischklofz in Teig 
geschlagen und gebacken; nach Sper- 
ber, 39, Flinze mit gehacktem Fleisch 
oder mit Quark gefüllt. Schemion ek, 
28. In Estland: Fisch-y Fleisch-, Reis- 
pirogge etc. Sallmann, 14a. Hupel, 
172. 

PTras, m., Regenwurm. Den Pihras, 
der drauf (auf der Angel) stecken mu/z^ 
will ich besorgen. Soph. R. VI, 405. 
Aus dem hoU. pier Wurm, Regenwurm. 
Nach Treichel Ptratz. 

plren, pUren, sw., im Gesichte feurig 
rot sein, glühen. Das Gesicht ptrt ihm^ 
vor Zorn, Kälte oder infolge starken 
Trinkens. Dat Näske ptrt dt 6k nich 
vom Schemper. Hennig, 185, schreibt 
fehlerhaft pieem und püem. Vgl. ver- 
fUeren. S. pirren. 

Pirgel, m., Branntwein. Einen Pir- 
gel trinken y einen Schnaps trinken. 
Samland (Korkehnen). Davon 

pirgeln, sw., schnapsen, Branntwein 
trinken. Er pirgelt gut. 

Pirken, plu/r., frisch geräucherte Man- 



delheringe (in der Mandelzahl käuflich). 
Pohl, vulgär pirki. Westpr. Trei- 
chel. 

Pirks, m.y kleiner Eerl^ s. v. a. Knirps. 
Nach Go r dack auch dummes Mädchen, 
dumme Margell. 

pirksen, sw., kraftlos und ohne Wir- 
kung stofzen. 

pirksig, ad/., klein, winzig; von Per- 
sonen und Sachen. 

Ptriing, m., eine junge Manns- oder 
Frauensperson, die noch nicht ihr ge- 
höriges Wachstum erreicht hat. Pi- 
sanski, Nachtr. Hennig, 185, weist 
für die Abstammung hin auf das lat 
puerulus kleiner Knabe. 

Pirogge, m. u. /., s. Pirack. 

pirr, purr, interj., Ruf zum Pferde, zum 
Zugvieh überhaupt, wenn es still stehen 
soll. Vgl. burr. 

pirren, pVrren, sw., auffordernd an- 
treiben, anspornen. Kinder, welche die 
Eltern, mit denen sie auf Besuch bei 
Fremden sind, zum Aufbruche mahnen, 
pirren. Auch piren. Herrgott, wat hew 
Öck donn den Hingst gepiert, As ock 
em nu de Spoaren geef. Dorr, 23. 
Vgl porren. 

Pirschiis, m., Freiersmann, Brautwer- 
ber, der für einen andern um die Braut 
anhält. Darzu denn auch etzliche Pirsch- 
lis grofze Ursach und Anla/z geben. 
Insterburger Kirch.- Visit -Ordg. Lit. 
pirszlys. Hennig, 186. 

Pirt, Birt, f. 1. Badestube. 2. Brach- 
stube. Lit. pirtis in beiden Bedeutun- 
gen. Es ist hier so heifz wie in der 
Pirt. Sprw. I, 1555. 7Ärö (der Litauer) 
Badstuben, so Pirtis hei/zen, sind in den 
Jaugen und Gebäuden, da sie das Ge- 
treide zum guten Ausdreschen tnusknen. 
Lepner, 139. Als sie (die Nadrauer) 
noch selbige (Steino/en) in ihren Pirten 
d, i. Badstuben und Jaugen d. i. Dresch- 



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pirzeln — Pishand. 



149 



hauiem gAnmchen. Pierson, Matth. 
Prator., 109. Hennig, 187. 

pirzeln, ati?., pirzelich, o^;., s. perzeln. 

Pt8, Pjes, TTO., Hund als Schimpfwort; 
von dem poln. pies der Hand. Rol dich 
der Pis. 

ptsacken, ^eo., peinigen, placken, quälen, 
scharf zusetzen, schurigehi, ängstigen, 
plagen, oft und stark prügeln. Hen- 
nig weist f&r die Abstanunung auf das 
lit piszti pflücken^ rupfen, an den Haa- 
ren zausen. Schwed. püka peitschen; 
daher pkacken vielleicht ein Vermächt- 
nis aus dem 30jährigen Kriege, wo der 
Schwede in seinen Quartieren oft von 
der Peitsche Gebrauch machte. Maga- 
zin f. d. Lit d. A. Jahrg. 1875, 12 a. 
Eere Schwester pisackt on kUmptnigt se 
fachen. Schaltj. 3, 6. Ebenso in Ham- 
burg, Bremen, Holstein, Pommern, im 
Göttingenschen. Bichey, 186. Brem. 
Wb. m, 323. Schütze HI, 212. 
Dähn., 351a. Schamb., 155b. 

Püchan, m.y penü; von püchen pissen. 
Treichel. 

püchen, sw.^ pissen, harnen; auch 
namentlich zu Kindern : pischten^ Fischt 
machen^ Piichtche machen^ pUchuUen. 
YgL Ptpt machen u. pittern. 

Piicher, Piicherinsid, m. 1. Weichling, 
Schwächling, ein Verzärtelter, poln. 
pieszczeky pieszczoch. 2. ein gequälter, 
armer Mensch; nach Mühling auch 
ein elender, schwächlicher^ krüppel- 
hafter Mensch. 
Piichtche machen, s. piichen. 
piichten, sw.y Pitehi machen, s. pi- 
ichen. 

Pisch-, Pifzkachely /., Schimpfwort auf 
ein unreifes Mädchen. Sie ist man noch 
e Pi/zkachel 

PKch-, Pifzkaulchen, n., Kaulchen, 
kleine Grube, Loch, in das gepifzt wird. 
PUchkaulchen spielen^ Kinderspiel, wo- 



bei Knaben und Mädchen um das Kaul- 
chen sitzend in dieses hineinpissen. 

Pischke, /., Graupe, besonders grobe 
Gerstengraupe; poln. pyszka, p§cak, 
El binger Niederung. Westpr. Schmitt, 
108; Westpr., 166. Nsslm., Forsch. 
2; Th., 129. Sphemionek, 28. 

Pi8Chkei(rauf, Pflzn., Kronwicke, Co- 
roniUa varia L, Treichel, Volksth. 

Pischkenstampe, /., Handmühle zum 
Mahlen der Graupe; s. QuTre. 

Pi§chull, Pi§chulle, /*., schlechtes Bier, 
aber auch jedes andere abgestandene, 
fade, dünne, schlechte Getränk, z. B. 
sehr schwacher Kaffee. Bei Stein, 
Peregrinus (s. Bier^ Bd.I, 82 a): Pisul; 
bei Nowack, 71, für Kaffee Pe§chull. 
Nsslm., Forsch. 3, Th., 129, hält Pir 
schulte für ungenaue Aussprache von 
pywczuMej vom altpr. piwas (Voc. 383: 
piwis) lit. pywas^ poln. piwo Bier. 
Bock, 43. Hennig, 185. Nach Sehe- 
rn ionek, 28, auch wässerige Suppe. 
Sperber, 42, schreibt PizuU (z=kh\ 
erklärt das Wort zunächst als Harn 
und bezeichnet damit auch schlechte 
Tinte. 

pitehullen, sw. 1. s. v. a. piichen. 2. 
nach Sperber in übertragener Bedeu- 
tung: einen mäüzigen Schluck nehmen, 
ein wenig trinken. Trinkspruch des 
Bierkomments der Königsberger Stu- 
denten: Wie heifzt der Postmeister von 
Elbingf „Schwerin.*^ Soll er bluten oder 
piSchtdlenf Antwortet der Gefragte 
Jbluten^^ so hat Fragesteller einen Gan- 
zen zu trinken; lautet die Antwort: 
püchuHen^ so trinkt Fragesteller einen 
einfachen Schluck. Sperber, 42. 

Pisda,/., cunnus; von dem pohi. pizda^ 
lit pyzday pissa. Sperber, 39. 
Plse, /., s. Pu§che. 

Ptshund, 7/1., Schimpf- und Schelt- 
wort; wörtlich Hundhund; poln. pies 



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150 



Pisian — Piabock. 



Hund. Hol dich der Ptshund! Sprw. 
I, 2940. 

Pisian, m.^ s. Ptsjftn. 

Pfsjftn, Pisian, m., Schimpfwort: Dum- 
merjan, Dummkopf, Einfaltspinsel, wil- 
lenloser, unentschlossener Mensch ohne 
Energie und Charakter, Schwächling, 
Feigling, Memme. Wohl von dem 
lit. pyzda cunnus und zugleich Feig- 
ling. Tu pyzda ne zmogtis du bist eine 
Memme, aber kein Mann. Pierson, 
Lit. Aeq., 20. Nsslm., Forsch. 3; TL, 
129; Wb. 293b. Die oft gehörte Ab- 
leitung von dem franz. paysan^ Bauer, 
hat wohl nichts weiter als den Klang 
für sich, was wohl auch von dem Hin- 
weis aurdie Zusammensetzung aus Jan^ 
Jobann, und dem poln. pieSj Hund, gilt. 

Pisk, /. u. m.j Maul, Fresse; von 
dem poln. pysk Maul, Schnauze, Fresse. 
Hol de Pisk, halte das Maul! Der Teu- 
fel haut dem Schmied eins vor die Piesk. 
Schottmaller, 3. Vgl. Sprw. 1, 2572. 
2577. 

Ptsker, Peisker, Pfzker, Peizker, m., 
Schlammpeitzger, Cobitis fossilis L. 
Bujack, 395. Auch Schlammpiezker 
und Wetterfisch, lit, kur. piplys^ mas., 
kass. piskorz^ pchieskorz. Benecke, 
143. Mühling, Tiem., 175. Er ist 
glatt wie ein Plzker, Sie fragt viel^ 
aber ich tvickle mich so umher wie ein 
Peizker. Soph. R. Hl, 134. Nach 
Sperber, 24, Piezker auch ein kleiner, 
unansehnlicher Mensch; Familienname 
Pietschker. 

Pisorren, Pasorren, plur.^ Pantoffeln, 
Korken. Mühling. 

pi§rig, adj.^ mühselig, elend. Das 
Licht brennt piirig. Vgl. mi§rig. Nach 
Gordack: winzig, unzureichend, dünn, 
dünn bewachsen. 

Pissa, /., QuellflüTzchen des Pregels, 
woran Grumbinnen liegt. Lit. pissa^ 



pyzda cunnus. Die Gumbinner nennen 
die Pissa gern Pregel. 

Pissely m., kleiner, dünner, unbedeu- 
tender Gegenstand. Es ist nur ein 
PisseL Treichel. 

pisserig, cuij. von pissen^ das quälende 
Bedür&is zu pissen bezeichnend. Nu 
rennt a e romma vne e possaga Huingdy 
nun rennt er umher wie ein pifzriger 
Hund. Ermld. Freisch., 12. 

Pifzkaulchen, n., s. Pi§chkaulchen. 

Pifzpot, m.y Nachtgeschirr, Nachttopf. 
Mühling. 

pTtscheln, sw., s. petschen. 

Pitschen, j)Zt^r., grofze, plumpe Schuhe, 
namentlich Filzschuhe, aber auch ver- 
ächtlich von Schuhen überhaupt. Sper- 
ber, 24. 

pitschenafz, oc^'., völlig durchnäfzt 
vom peitschenden, pltd. pitschenden^ 
Regen. S. pat8chena(z. 

Pttscher, w., Trinker, von dem poln. 
pie trinken. Schmitt, Westpr., 166. 
Das Vorhandensein des Verbs pitschen 
ist vorauszusetzen. 

pitschi patschi, aus pitschen (peitschen) 
und patschen (erzählen); wenn jemand 
die Auseinandersetzungen eines andern 
wiedererzählt, im Erzählen die Aus- 
führlichkeit als unnötig erkennt und 
nun abbrechend schliei'zt: pitschi patschi. 
Kgsbg. 

Pitter, m.y penis eines Knaben. Vgl 
Piller, Pimmel. 

pittern, sw.^you Pitter, pinkeln, pissen. 
Treichel. 

Ptze, /, weibliche Brust. An die 
Pizen fassen. Poln. piers die einzelne 
Brust, plur. piersi. 

PTzker, m., s. Ptsker. 

Pjes, m., s. Pts. 

Piabock, Plebock, m., grober, püffel- 
hafter, nichtsnutziger Mensch. Kreis 
Neustadt. Treichel. Poln. plAejusz 



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Plachander — pladdern. 



151 



Plebejer, Unadliger. MrongoviusI, 
335a. 

Plachander, m. 1. Herumtreiber, 
Zwischenträger, Verleumder. 2. Lum- 
penkerl. Flatow. Schmitt, 108; 
Westpr., 166. Im Ermlande Plakander 
a. Plakftder, m, Mühling. Ein der- 
artiges Frauenzimmer Plachandersche, 
Flachanderin. Poln. ptdchta Laken von 
grober Leinwand. 

plachandem, sw.^ von Haus zu Haus 
gehen, um zu erzählen und zu hören, 
auch um hie und da etwas zu lukrie- 
ren, schänden, verleumden, Hetzereien, 
Zwischenträgereien machen. Sie pla- 
chandertj sie schändet, geht von Haus 
zu Haus, um Neuigkeiten zu bringen 
und zu holen. Nu plachandert enmal 
ene Hex an der Gegend heröm. Schalt]. 
3, 11. Davon plachand'rig, adj. Sie ist 
ein reckt placharuüriges Frauenzimmer, 

Placht,/., Taschentuch; von dem poln. 
plachta Laken. Flatow. Schmitt, 
108; Westpr., 166. Li Bayern die 
Flachen^ Stück grober Leinwand. 
Schmellerl, 333. Verwandtschaft- 
lich anklingend ist das altpr. ploaste 
(Voc. 491) Betttuch, Bettlaken, lit. 
plö$zte\ russ. poln. plaszcz Mantel. 
Nsslm., TL, 132. 

Plack, m., Schlag auf die Hand oder 
mit der Hand, daher auch Handplack. 
Lit plakü, plakU schlagen, mit Schlä- 
gen züchtigen, peitschen, pUkis Hieb; 
lett plakich zur Bezeichnung des Schal- 
les, der entsteht, wenn man mit der 
flachen Hand aufs Wasser schlägt. 
Nsslm. Forsch. 3; Th., 130. Lit. Aeq., 
20- 

Plack, Placken, m., Fleck, Flecken, 
Mal. -Er hat einen Hack im Gesicht. 
Op em Kind da ob e Flack^ Eier e 
JPlaci on da e Hack. Pflzräts. 34. 
^ach Mühling Hacken auch Fehler, 



Verstofz. Vgl. Plarr. In Bremen noch: 
Stück, sowohl abgerissenes, als ange- 
setztes oder angeklebtes (Flick) ; flaches 
Stück Land, Blachfeld, plaga. Angs. 
plaec^ plaeca. Brem. Wb. HIj 325. 

placken, sw. 1. Frequentativ von pla- 
gen^ hart plagen, quälen, zusetzen, aus- 
saugen, mit Abgaben, geforderten 
Leistungen empfindlich drücken. Da- 
von Placker, m.^ Plager, Dränger, Quä- 
ler, Leuteschinder. Bauemplacker^Leute- 
placker. Grüfzen Sie mir den Bauern- 
placker. Soph. R. VI, 342. 2. von 
Plack = Fleck, flecken, Flecken machen, 
Flecken bekommen, fleckig werden, in 
der Farbe verschiefzen ; daher ab- und 
ausplacken auch in dieser Bedeutung. 
Das Kleid plackt^ fleckt, ist in der 
Farbe nicht echt. HeM Tü'g (Zeug) 
plackt leicht. Vgl. Brem. Wb. HI, 326. 
Davon plackig, adj.^ fleckig. Die Kar- 
tofeln sind plackig ^ sie sind auf der 
Schale gefleckt, „schorfig**. Mühling 
hat plackerig; ebenso im Brem. Wb., 
327. S. blecken. 

Placker, m., plackig, adj.^ s. das vor. 

pladäuksch, plädäuksch, nach Ger- 
da ck auch pladäutsch, interj.^ zur Be- 
zeichnung des Schalles beim Wurf eines 
Steines ins Wasser, beim Fall von 
Fläche auf Fläche. On remi äwer Äcker 
on äwer Wees\ Hädauksch — do Idhg 
eck denn op de Nähs. Nowack, 12. 

Pladder, m.^ das glatt daliegende 
Flüssige, Weiche: ein Hadder Schleim^ 
Auswurf Brustkranker; der KuhpladdcTy 
Kuhfladen, Kuhmist. Für Posen bei 
Bernd, 210. 

Pladderei, /., s. pladdern. 

pladdern, sw. 1. plätschernd giefzen, 
stark regnen, dafz die Tropfen mit Ge- 
räusch aufschlagen. Es regnet, dafz es 
man so pladdert. Davon Gepladder, n. 
u. Pladderei, /. Hört der Regen auf^ 



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152 



Pläderkasch — Plarr. 



so hat es abgepladdert, S. abpladdem. 
bepladdem, beregnen, begiefzen, be- 
spritzen. Du hast dich gut bepladdert. 
verpladdem, vergiefzen, verschütten (zu- 
nächst Flüssigkeiten), eine Sache ver- 
derben. Verpladder nicht so viel Wasser! 
Das KindeVner ist verpladdert, die Frau 
hat abortiert. In der Zusammensetzung: 
pladdernafz, völlig durchnäfzt, so dafz 
das Wasser von den Kleidern pladdert. 
Vgl. Sallmann^38a. Danneil, 156a. 
Bernd, 210. In Mecklenbg.-Vorpom. 
pliddem. Mi, 63b. Bock, 43. Hen- 
nig, 187. 2. in übertragener Bedeu- 
tung: laut, viel und unnütz schwatzen, 
plappern. Davon ebenfalls Gepladder 
u. Hadderei. Vgl. plätem. 

Pläderkasch, /., s. plätem. 

plädem, sw.j s. plätem. 

Pladrätsch, m. u. /, s. Plftr. 

plagen, sw. Plagt er dich? Plagt dich 
der Teufelf Sprw. I, 2952. 

Plagge, f., flach abgestochenes Rasen- 
stück, zum Belegen der Stalle, Grä- 
ber etc. benutzt. Mühling. Ebenso 
in Hamburg, Bremen, Pommern. Ri- 
chey,186. Brem Wb. IH, 325. Dähn., 
351b. Danneil, 156b. Dan. ßagge 
Scholle, Fläche. Nach Sperber, 25. 
Eampe, Bilte. 

plaggen, sw., Haggen abstechen. 

Plakäder, Plakander, m., s Plachander. 

Plampe, /. 1. breiartiger Schmutz; 
2. Mehlbrei, dicke Suppe, s. v. a. Pampe 
(s. d.). Davon plamperig, plemperig, 
adj. Treichel. 

plampen, sw., in der Plampe, im 
Schmutze, wühlen, waten. 

Planet, m., die Nativität, die das Volk 
auf Märkten oder von Hausierern für 
wenige Pfennige als fliegendes Blatt 
kauft. 

Planke, /., Bohle, dickes Brett. Lat. 



planca, celt. plange, engl. u. hoU. plank, 
franz. planche. Brem. Wb. HI, 328. 

Plankenschreiber, m., Aufseher über 
die von den Eaufleuten aufgekauften 
und gelagerten Flanken, Stab- und 
Klapphölzer. Dzg. W. Seidel, 33. 

planschen, sw., manschen, mischen, 
mengen. Bier — Wein planschen, mit 
Wasser oder geringeren Sorten mischen. 
Sperber, 35. Vgl. patschen 3. 

pläntern, sw., in leiser, wenig hör- 
und bemerkbarer Weise mit Wasser 
spielen, spritzen; geschieht dies ge- 
räuschvoll und wird dabei Wasser ver- 
schüttet, so wird aus dem pläntern ein 

plantschen, s«^. Treichel. Marold. 
Vgl. piaischen u. patschen. 

Planwagen, m., Wagen mit einem 
Plane, einem Verdeck, von Leinwand. 

Plapper, /., Mund; von plasppem. Hol 
de Plapper, halte den Mund! In Dan- 
zig giebt es eine Plappergasse, die je- 
doch mit plappern nichts zu thun hat, 
sondern eigentlich Plappartsgasse heifzt 
{Plappart Personenname). Löschin, 
46. 

Plapperltse, -lotte, /., allgemeine Na- 
men für plapperhafte Frauenzimmer. 
Für geschwätzige Männer: 

Plappermatz, -maul, -sack, m. 

Plapperwasser, n., Wasser, das plap- 
pern macht, Branntwein. Vgl. Krftl- 
wasser. 

Plär, Plarr, m. u. /., Plärren, w., 
Ansammlung vergossener Flüssigkeit, 
grofzer nasser Schmutzfleck, kleine 
Pfütze. Bluih, Tinten-, Qualsterplarr. 
Ech stolpt den Schmandtopp öm, un da 
war gleich so 'ne grofzmach£ge Plarr. 
Saalfeld. In Natangen auch Pladrätsch, 
m. u. /.; in Hessen Plärje, m. Vil- 
mar, 30. Hennig, 333. 

Plarr, Plärr, Plärre, /. 1. Maul, be- 



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plärren — plätem. 



153 



sonders grofzes Maul, als Werkzeug 
des Plärrens. Adelung III, 782. 2. 
Weidenpfeife, welche die Kinder sich 
selbst fertigen, weil sie schreit u. plärrt. 
Vgl. Quarre, Pipke. 

plärren, sw. 1. viel und laut reden, 
fleifzig die Plärre brauchen. Hieraus 
Geplärr, n., Gerede, Geschwätze. Von 
dieser Circtäsdistantz machen die Ubelli 
Sphaerici viel geplarres. Linem., R 4a. 

2. ausfleihen, ausbreiten. Die Wäsche 
hervarplarren, die beiseite gelegte 
Wäsche wieder auflegen. 

Plärren, w., s. Plftr. 

plärren, sw.^ laut, schreiend weinen, 
singen. Gelerntes hersagen. 

pläfehfirllch, adj.y vergnüglich, lustig. 
Von dem &anz. plaisir, 

Plaschkinnis, /., ein dem Keitel ähn- 
liches, aber viel kleineres, durch einen 
runden Bügel offen gehaltenes Netz, 
lit. pldszkinnis. Die Plaschkinnisfische- 
rei ist auf dem ganzen kurischen Haff 
untersagt. Fisch.-Ordg. f. d. kur. Haff, 
§20. S. Benecke, 341. Sperber, 
41. 

Pläster, n. 1. etwas Hautartiges, dünne 
Oberhaut, z. B. die Haut, welche sich 
auf der Sahne, der Milch, einer Wunde 
absetzt. 2. lappiges, aufgeblasenes 
Fleisch, besonders vom Kalb u. Schöps. 

3. Schimpfwort für ein unsauberes, un- 
sittliches Frauenzimmer. 4. nach Müh- 
ling Schmutzflecken. Davon piftsterig, 
adj,^ häutig. Pldstriger Kaffee^ Eitffee 
mit Milchhaut; pldstriges Fleisch. 

Pläster, Pltoter, auch Pllister, n. 1. 
ungeschlacht Grofzes, Schwerfälliges, 
Monstrum, in den Gedanism. Plest Lit 
plestu^ plesti breit werden, iszpUsti sich 
ausbreiten, lett pfesfee». Nss Im. Forsch. 
3; Th., 181. Dat os en Plaster von 
Schaf (Schrank). Dafs e Ploster von 
Stock Veih. 2. ein grofzes ungeschick- 



tes, unsauberes und unsittliches Frauen- 
zimmer. Vgl. Pläster. 

plästern, sw, 1. prügeln. Tn Bremen 
plustern von plüsen, plusen faseln, zau- 
sen. Brem. Wb. III, 346. Einen durch-, 
ver-, zerplästem, ihn derb abprügeln. 
Hennig, 187. 2. ausspielen die Karte. 
Pläster em ruter^ spiele die Karte aus. 
Marienbg. Ndrg. 3. nach Mühling: 
misten; vom Vieh. Gegend von Dreng- 
furt. 4. nach Treichel auch über- 
treiben, etwas ins Grofze ausmalen. 
Der kann gut plästem. 

plästrlg, adj, von Pläster^ grofz, plump, 
ungeschlacht, ungeschickt, unförmlich, 
dick; aufgeblasen (von Fleisch). Du 
plästrigerwatriger Kerbs (Kürbis) ! Dorr, 
1. Wiew., 67. Dat he so plästrig ^ siener 
Eifersocht weer. Ibid., 73. 

PIät, /., Platte. Setz" das Essen auf 
die Plä% damit es warm bleibt^ auf die 
Platte des Herdes, auf den Herd. 

Platendienst, m., Dienst, welchen die 
Kölmer dem deutschen Orden zu leisten 
hatten. Er bestand in Ausrüstung eines 
Reiters mit Harnisch, Eisenhut, Helm, 
Schild und Speer und leichtem unbe- 
wehrten Rosse. Der Platendienst steht 
in gewissem Gegensatz zum Ro/zdienst. 
Gebauer, Kde., 60. Von JXafe Brust- 
hamisch, eiserne Brustplatte, Panzer. 
Sie gehörte mit zum Heerge wette: sine 
Platten^ sin Grusener, Schilt und Kra- 
gen, sein Brusthamisch, sein Waffen- 
rock, Schild und Kragen. Isl. plata. 
Brem. Wb. UI, 332. 

plätem, pletern, plädern, sw.^ viel re- 
den, schwatzen; schänden, Geklätsche 
machen. Im Rein. Vos (V. 4146) plei- 
teren prozessieren; vom franz. plaider. 
Im Holsteinschen, in Pommern, im 
Bremischen ebenfalls ^Za^m». Schütze 
m, 216. Dähn., 351b. Brem. Wb. 
HI, 324. Davon pläterig, adj,y schwatz- 



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154 



Platsche — Platz. 



haft, zum Schänden geneigt. Pläter- 
kasch, -iTSy /., schwatzhaftes Frauen- 
zimmer; ebenso Pläderkasch, -Its. Vgl. 
pladdern 3. 

Platsche, /., grofzer platter [Klofz, 
Eeilcben. Auch: Platschkeilchen, pltd. 
Platschktlke. Vgl. Keilchen. 

platschen y 9w. 1. klatschend, plät- 
schernd im Wasser patschen, es ver- 
giefzen, ausgiefzeu, durchwaten; auch 
putschen. Er geht durch die Pfütze^ 
dafz es Tnan so platscht. Da ös ön 
Wiefj do geit ver Ohle^ dey plitscht on 
platscht väl Water uth, Carm. nupt. V, 
216b. 2. stark regnen, dafe die Tropfen 
tonend aufschlagen. In Hessen pletschen, 
platschen. Vilmar, 304. Sperber, 
25. Ygl. plantschen u. patschen. 

Plätschken , Piätschchen , Pletschken, 
-chen, plur.y die jungen Hülsen der 
Garten- und Felderbsen, die zunächst 
nach der Blüte sich ansetzen, aber noch 
keine Kerne gebildet haben. Nsslm. 
Forsch. 3; Th., 219. Hennig, 188, 
schreibt ungenau Plezschen und erklärt 
zunächst: kleine Schoten, die noch nicht 
völlig reif sind. 

platt, ad;, u. adv. 1. ohne Umschweif, 
geradezu, schlechtweg. Der Mann ist 
ganz platte er redet und beträgt sich 
ungekünstelt. 2. völlig, gänzlich. Ich 
hob's platt vergessen. Ich hab's platt 
verloren^ — es ist mir platt von Hän- 
den gekommeriy es ist gänzlich weg. 3. 
niederdeutsch. &ie redet mit dem Ge- 
sinde platt. Hennig, 187. Franz. u. 
holl. plat flach, engl, flat^ schwed. flaa% 
isl. fla, flatur. Brem. Wb. III, 331. 

Platteis, pltd. Plattts, Scholle, Pleuro- 
nectes platessa. Auch Scholliken (bei 
Simon Grünau), Glattbutte, Goldbutte. 
Benecke, 96. Bujack, 396. 

Plätteisen, pltd. PiaddTse(n), n., Eisen 



zum Plätten, Glätten, der Wäsche, 
Bügeleisen. 

plätten, su;., platt machen, eben machen, 
glätten, die Wäsche bügeln. Engl, flat 
und plat. Brem. Wb. IH, 332. Hen- 
nig, 187. Platthemde^ Plattwäsche. 

PlattfufZy 971., im Rätsel Name der 
Gans. Dorr, 78, 14. S. Patschfufz. 

Plattmann, m.^ Schiflerknecht auf einer 
Platte, Plätte, einem Wasserfahrzeug 
mit plattem Boden. Weichsel. Würde 
ein Steuermann oder Plattmann abrün- 
stig ohne redliche Ursache so soll dem 
Steuermann der Ralfz, dem Plattmann 
die Hand abgehauen werden. „Landes- 
Wylkore zu Marienbarg" aus 1420. 
Bei Frisch H, 62c: Plaikenknecht 
Vgl. Weigand H, 360: Platte. Zer- 
necke, Thomische Chron., 39. 

Platz, m.y plur. Plätze u, Platzen. 1. 
Fladen, flacher dünner Kuchen. Altpr. 
plinxne (Yoc.342, als Erklärung Hetcze), 
lit. plyckas, plyskas, poln. placek. Nsslm. 
Th., 131. Lit. Aeq., 10. Butterplatz, 
Fladen mit Butter abgemacht. Flamm- 
platz = Flammfladen (s. d.). Kartoffel- 
platZy Flinze von Kartoffeln. Westpr. 
Vgl. Flinze. In Bayern Platz, Plätzen, 
in Hessen Blatz. Schmeller I, 340. 
Vilmar, 40. Vgl. Anton, 11, 10. 
Bernd, 212. Sperber, 24. 2.in über- 
tragener Bedeutung : unbeholfener, phleg- 
matischer Mensch, Tölpel, Klotz. Wenn 
ich denk\ ich haV einen Schatz, Hab' 
ich nur einen groben Platz. Volksr., 
242, 853. 

Platz, m., knallender SchalL beson- 
ders Peitschenknall, davon platzen. 

Platz, m. Etwas zu Platz bringen, 
etwas zuwege, zum Vorschein bringen. 
Wi weeten nich, wat alles uinger dem 
Deckmantel von dem Wahrsegergewarw 
to Platz brockt ward. D orr, 1. Wiew., 100. 



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Platz — Plauksch. 



155 



Platz, m., Fischn., s. Plötz. 

platzdrachtig, adj, 1. hoch trächtig, 
trächtig bis zum Platzen. 2. üch platz- 
dracktig ärgern^ sich bis zum Platzen 
ärgern. 

platzen, sw, 1. von dem Geräusch, das 
fallender Regen^ fallendes Wasser ver- 
ursacht. Es regnet^ dafz es platzt Platz- 
regen. In Bremen plastem. Brem. Wb. 
m, 329. 2. knallen, mit der Peitsche. 

3. schnell und mit Geräusch in eine 
Wohnung dringen, in eine Stube tre- 
ten. jEr platzte in die Stube. Bei Je- 
roschin: do platzten st ouch in daz 
hüs zu Puteninken tougenclich 183 c. 

4. feindlich auf jemand eindringen. 
Jeroschin: mit den stnen platzte er 
ungewamit üf dt schar 111b. d6 quam 
uf 8t der vinde schar geplatzit unge- 
wamit dar 115c. Pfeiffer, 205. 

Platzer, 7n., die Schmitze, das Schnür- 
chen an der Peitsche, das beim Schwünge 
platzt = knallt. 

Platzmeister , m. , Hochzeitsbitter, 
Brautführer und Festordner bei der 
Hochzeit. Die Platzmeister* sind junge, 
unverheiratete Bursche, welche auf dem 
Lande das Amt der Hochzeitsbitter 
bekleiden, dem Brautpaare das Geleite 
zur Kirche geben (Marschälle) und 
demselben während der Trauung zur 
Seite stehen; auch haben sie bei der 
Mahlzeit die Honneurs zu machen. Sie 
werden von den Brautjungfern mit 
künstlichen Blumen und bunten Bän- 
dern grell herausgeputzt^ und ebenso 
schmücken sie ihre Pferde. Bei dem 
Bitt- (Einladungs-) Umzüge reiten sie, 
wenn ii^end angänglich^ bis in die 
Stube und halten vom Pferde herab 
ihre Einladungsrede. Der Platzmeister 
von Seiten der Braut wird der erste 
oder älteste genannt. Sowohl in ihrer 
Eigenschafi als Hochzeitsbitter vne als 



Begleiter des Brautpaares führen sie 
tüchtige Knallpeitschen, in deren Hand- 
habung sie aufzergewöhnliche Virtuo- 
sität beweisen. Sie sind also Meister 
im Platzen, d. i. im Knallen mit der 
Peitsche. Doch kann man zur Er- 
klärung ihres Namens sie auch als 
Meister vom Platze ansehen. Toa Korch 
foare uta de BruÜied blosz twe Brut- 
jungfere on twe PlatzTneistaschj twe gode 
Menna on twe gode Wiewa; oawasch 
toa Moaitied weare woall an achtig bett 
nagentig Mansche geböde. Boldt, 6. 
Vgl. Hintz, 66. 67. Toppen, Abergl., 
84 f. Volksr., 244. 856. Die Platz- 
maister waren ehemals im Salzburger 
Gebirge die Vortänzer auf Hochzeiten; 
in Bayern ist der Plazmaister Regler 
und Ordner des Tanzes; er holt die 
Mädchen ins Wirtshaus, wirbt Tän- 
zer etc. Schmeller I, 340. In Hessen 
heifzen die Festordner bei der Kirmes 
Platzbursche, Platzknechte. Vilmar, 
62. 303. Hennig, 187. 

Platzmeisterspruch, m.. Rede des Platz- 
meisters, oft gereimt, doch auch viel- 
fach in Prosa, mit Reimen untermischt. 
Die Rede ist Einladungsrede oder Tisch- 
rede. Solche Reden sind mitgeteilt in: 
N. Pr. Prov.-Bl. IV, 48 (aus demErm- 
lande); V, 232 (aus Lijauen, lit und 
deutsch); a. F. XII, 105 (Natangen). 
Volksr., 244ff., 856. 857. 858. 861. 862 
(aus Westpreufzen u. Samland). Top- 
pen, Abergl., 87 (aus Masuren). 

plauksch, interj.^ schallnachahmend; 
zur Bezeichnung des Tones, den ein 
ins Wasser fallender Körper oder eine 
mit einem Gufz ausgeschüttete Flüssig- 
keit verursacht. Plauksch fiel er hinein. 
Poln. chbisty plusk. Vgl. brdz, bums, 
pardauz, schmauks, schnipps, Schwapps, 
Hennig, 238. Davon 

Plauksch, m.^ Gulz, Regengulz. Mit 



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156 



plaukschen — Pl^kott. 



einem Hauksch gie/zen. Das war ein 
gehöriger Plauksch Regen, 

plaukschen, 9w.^ mit Schall aasgiefzen, 
gafzweise spritzen, übergiefzen, stark 
regnen; poln. chlustac^ pluska6. Vgl. 
Schwauks. 

Plailter, ??»., Strandbewohner, der ver- 
pflichtet ist, bei Unglücksfallen auf der 
See Hilfe zu leisten. Strandordg. vom 
Jahre 1728. Mühling. Vgl. Pijauter. 

Plaulz, Plautze, pltd. Plüz, /., das Ge- 
schlinge, die Luftröhre eines geschlach- 
teten Tieres nebst Lunge, die Lunge 
allein. Weibern, welche andern durch 
Klatscherei schadeten, wurde im 17. 
Jahrh. das Maul mit Plauzen gedroschen. 
Notizen aus Konitz. Pr. Prov.-Bl. 11, 
209. Mir quiUt die Plautze^ hört man 
den sagen, der in Zorn gerat. Die 
Plauz lauft ihm bald Über^ er wird 
leicht zornig. Sich die Plautze voll är- 
gern, Sprw. I, 2958. Man mufz sich 
die Plauz aus dem Leih ärgern. Sich 
ärgern^ dafz einem die Plautze platzt. 
Du kannst ärbeide^ dat dt de Plüts ver 
e Fei ßUt etc. Kgsbg. Firmenich 
I, 101a. Schloog em dot^ Dat de Pluz 
em ruter flog, Volksr., 130, 546. Altpr. 
plauti Lunge (Voc. 126), lit plaüczei^ 
lett plauzes^ phrnschi^ poln. ptuca. 
Nsslm. Forsch. 2; Th., 130. Bock, 
44. Hennig, 189. In Danzig giebt 
es eine Plautzengasse, in der man früher 
die Ealdaunen geschlachteter Tiere, 
namentlich PZat^&se^i, feilbot. Löschin, 
44. 

plairtzig, pltd. piQzig, adj. von Plautze, 
aufgedunsen wie die Lunge, schwam- 
mig dick, völlig und rund im Gesicht. 
Er hat ein plautziges Gesicht — plautzige 
Ränd\ Li Hamburg plOssig^ im Brem. 
plutzig. Richey, 189. Brem.Wb. HI, 
347. 

Plairtzmauly pltd. PIQzmQI, n., Mensch 



mit dicken hängenden Lippen; aber 
auch ein unfreundlicher, mürrischer 
Mensch. 

Plawnika, /., Staknetz zum Fange 
der Heringe. Putziger Wiek. Benecke, 
380. 

Pleban, w., Pfarrer. Werder. Von 
dem gleichbed. poln. pleban. Sie schick- 
ten nach ihrem Pleban, da/z er doch 
bald zu einem Krancken in den Krug 
kommen und ihn berichten solte. H art- 
wich, 523. 

Plebb, /., eine Art efzbarer Pilze, 
den Steinpilzen ähnlich. Dönh. Nach 
Mühling auch Schlicker. 

Plebock, m., s. Piabock. 

Pleckbaum, m., plecken, sw.^ s. plicken. 

Pieckfink, m.^ Heringssalat. Danzig. 
W. Seidel, 33. 

plempen, «w?., im Wasser arbeiten, 
hantieren. Vgl. plUmpem. 

Plempern, plur., die Blätter von Me- 
nyanthes nymphaeoides L, Frische Neh- 
rung. Die Blätter werden im Sommer 
als Viehfutter verwendet. 

plempern, sw.^ s. piVmpem. 

plengen, sw,^ schänden, klatschen, ver- 
leumden, Erzähltes weiter tragen; ur- 
sprünglich wohl: mischen, rühren, durch- 
einander mengen. Mnd. Wb. UI, 345 b. 
Li Bremen schleppen, schwere Arbeit 
thun. Brem. Wb. HI, 337. Davon 
Plengerei, /., Geklatsche, Verleumdung. 
Bock, 43. Hennig, 188. 

Ple§chtr, PlesTr, pltd. PlesSr, n., Ver- 
gnügen, Lustbarkeit, gewöhnlich PU- 
ichlr- oder Plestr- Vergnügen. Das ist 
mein PUstr - Vergnügen. Das franz. 
plaisir. 

PISse, /., Öse von Schnur oder Tuch 
zum Knöpfen. Schemionek, 28. 

PlesTr, n., s. Pletehlf. 

PIfiskott, /., häfzlicher, ungeschick- 
ter Mensch, Tolpatsch. Treichel. 



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ple88ere(n) — Plickschulden. 



157 



ple886re(n), ««?., blessieren. Eei ob 
geplessert geworde. PlessQr, /., Blessur. 

Plesi, Pl§ster, n., s. Piaster. 

pletem, »w,, s. plätern. 

Pletschken, Pletschchen, pZur.^ s. Plätsch- 
ken. 

Pletüng, (?), ehemaliger ordinärer 
Kleiderstoff. Viol^t, 178. 

Pletz, m., Platze, /., s. PWtz. 

Pletzentuchgam, n., s. PIStzentuch. 

Pletzenzug, m,, s. PIStzentuch. 

Plezschen, plu/r., s. Plätschken. 

Plibischken, Pliwischken, Ortsn., Kirch- 
dorf bei Wehlau, in ostpreufzischem 
Kindermunde wohlbekannt: Unser 
Herr Kantor von JPltbüchken ht geritten 
nach det* Stadt, Graue Ei^baen in der 
(in zwei) Lischken ^ Die er selbst ge- 
droschen, hat Statt KanUyr auch Prä- 
zentOTy Pfarrer^ ja sogar Amtmann, 
Volksr., 272, 943 f. Sperber, 40. Eine 
noch ungedruckte Yariante des Kinder- 
reims lautet: Unser Herr Pfarrer aus 
Plibischken Ist gefahren in die Stadt, 
JEr hat Eier in der Lischken^ Die er 
selbst geleget hat Über ein Gewehr 
aus der ROstkammer in Plibischken, wo- 
mit schlechte Wehr und Waffe bezeich- 
net wird, s. Sprw. I, 1262. Hennig, 
215. 

PHcM,/., Tracht Schläge, Hiebe. On 
heft doch solwst en sienem Lowe So'm 
Junge manche Plicht gegäwe, Lhrztg. 
1881, S. 92a. Vgl. Pflicht. 

Piichtau, n., in Stein, Peregrinus HI, 
3 unter res nauticae. 

Plidc, bei Hennig, 188, Pllk, (?), 
Kleinigkeit, kleines Stück, Teil. Da- 
von: plickweise, pltd. plockwis, in ein- 
zelnen kleinen Posten, Partien. Pllck- 
fchlriden, phir., heute FUckschulden, ein- 
zelne kleine Schuldposten. Bei Dus- 
barg PUca Barthe, bei Jeroschin 
PUcke Bartin Klein Barten. Lit. Aeq., 



20. Nsslm. Forsch. 3; Th., 131. PUk 
Kleinigkeit ebenMls im Brem. Bi Plik 
un bi Plak bei Kleinigkeiten. Dat Geld 
kamt bi Plik un bi Plak in, in kleinen 
Posten, aber nach und nach bei Heller 
und Pfennig ein. Brem. Wb. IH, 328. 
In Pommern tritt Plick, n., in Zusam- 
mensetzungen als Bestimmungswort auf 
und drückt ebenfalls eine Verkleinerung 
aus: Plickkroog, Plickschoole, Plickschul- 
den, plickwisey adv, Dähn., 353a. 

Plick, w., Kopf. Dönh. 

Pllck, /. Lange Plick, Name eines 
der fünf groGzen Sandberge auf der 
kurischen Nehrung in der Gegend von 
Rossitten. Altpr. M. IV, 301. 

Plickaly Plickas, plur., handgrofze Fla- 
den aus einem Gemische von geriebe- 
nen Kartoffeln und Mehlteig, entweder 
gebacken oder in Wasser gekocht. Ge- 
richt am Palmsonntag. Litauen. Lit. 
plyckas, plyskas. Nsslm. Wb., 309a. 
Volkskal., 78. 

plicken, piecken, im ostpr. Pltd. plScke, 
sw. 1. pflücken, abpflücken; einen 
Baum abschälen, der Rinde berauben. 
Ein derartig abgeschälter Baum heifzt 
Pleckbaum, Hennig, 188. plicken ist 
wohl nichts weiter als verderbt hchd. 
pflücken. Nsslm., Forsch. 3; Th., 131, 
denkt an eine Abstammung aus dem 
Lit. und weist darauf hin, dalz von 
dem lit. pUkaSy kahl, sich bilden die 
Verba plik^ti, plikünti kahl machen, 
rupfen, plinkU, pVtkti kahl werden. 2. 
stopfen, zustopfen, und daher auch ver- 
plicken, Öffnungen genau und sorgfaltig 
verstopfen. Döhn. Brem.-nds. Plugge 
Pflock, pluggen mit einem hölzernen 
Nagel (Pflock) befestigen, pluggen un 
to prinen schlecht zustopfen. Brem. 
Wb. in, 341. 

ClicHcschuideHy plur., plickweise, ad}., 
s. Plick. 



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158 Plikauter — plirren. 

Plikaufer, plur,^ nach Hennig, 188, weint, heifzt Hinzkaihrin\ Da die 

armer Mensch, der wenig hat, im Nach- Kinder beim Weinen oft die Hände 

trage, 333: der wenig auf seinem Leibe über die Augen decken, was auch beim 

hat, von dem lit. pDkas kahl, nackt. Versteckspiel der thun mufz, der die 

Im Sinne von Plikauter lett. plikka- Versteckten zu suchen hat, so heifzt 

dihdis. Nsslm , Forsch. 3; Th., 131. auch dies spielende Verdecken der Augen 

Bock, 44. Mühling hat neben Hi- plinzen. Samland. Elbing. Schemio- 

kauter Pojauter, wohl ^ Pijauter (s. d.). nek, 28. In Königsberg winken, inMa- 

Vgl. auch Plauter. suren luggen. 

Plimme, /., s. anschmeifzen. PiTraffe, m., s. PItrauge. 

plimpern, m., s. plumpem. PITrauge, pltd. PiTrOg, n. 1. Auge 

Plinder, Plinger, m. n. f. u. Zusammen- mit Pltren; aber auch entzündetes, 

Setzungen s. PlUnder. rotes, triefendes Auge. In Bremen 

plinken, pllnkern, sw?., blinken, die ßfe^ogr«. Brem. Wb. I, 99. 2. Schimpf- 
Augen in schneller Wiederholung, wort auf einen, der entzündete Augen 
krankhaft oder aus Angewohnheit, hat, oder der schlecht, wenig, sieht 
schliefzen, blinzeln, mit den Augen In diesem Sinne auch: PiTraffe. 
winken, zuwinken, durch Blick zustim- pitraugig, pltd. piTrOgig, auch pltr- 
men. Ds^unzupUnkenyZuplinkem, Welche augsch, pltd. pltrögsch, arf/., triefäugig, 
wenn sie was reden oder hören mit den engf. blear-eyed. Beliebtes Schimpfwort. 
äugen plincken, die stim runtzeln^ die PUraugsche MargeU! 
nas^ das mavl krümpffen^ und gnfflachen^ PiTre, /., die zähe Schleimmasse (Ma- 
sind ge7neiniglich falsche leu% zusammen- terie), welche kranke Augen aussondern. 
heitzer und betriger. Stein, Pere- Sie sammelt sich vorzugsweise in den 
grinus XI, 84. W. Mtsblät. V, 191. Augen winkehi an. Bock, 44, u. Hen- 
Se plinkt mi to. Dorr, 1. Wiew., 20. nig, 189, schreiben PlUren. 
HoU. pinken, pinkoogen, engl, to pink, pltren, sw. 1. Pltren aussondern. 
blink j schwed. blinka, in Pommern Die Augen pltren mir. 2. Die Augen- 
plinken^ plinkem^ plinkogen, Brem. Uder zusammenziehen, um genau zu 
Wb. m, 338. Dähn, 353a. Hen- sehen; nach Bock, 45, mit halbge- 
nig, 188. schlossenen Augen sehen, zielen, mit 

Pllnke(n)fUhrer, m, s. PlUnderfUhrer. den Augen blinken, nach Hennig, 

Plinkerling,(?), Knabenspiel, s.v. a. an- 189, die Augen wegen anhängender 

plimmen. Tilsit. S. anschmeilzen. Feuchtigkeit oft zusammenziehen. In 

plinsen, st^., s. plinzen. Bremen plüren, in Hamburg* pltren^ 

Plinz(e), /., s. V. a. Flinze. Saal- engl, blear. Brem. Wb. IH, 346. Dan. 

feld. . plire blinzeln. 3. weinen. Saatfeld. 

plinzeln, ««;., blinzeln. Treichel. Nach Treichel auch in Westpr., hier 

plinzen, plinsen, sw , laut weinen; wei- auch plirren. 
nen überhaupt. Er plinzt über jede pitrig, adj. 1. mit Pltren behaftet, 
Kleinigkeit. Se plinzt seck oft de Oge pliräuglg; nach Treichel auch ver- 
roh. Nowack, 36. Mien Sähn^ doa weint, in den Augen krankhaft aus- 
wascht doch nich foaz plinse. Boldt, sehend. 2. trübe, Saalfeld. 
20. Ein Frauenzimmer, das leicht plirren, sw.^ s. pltren. 



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Plirte — plömpern. 159 

Plirte, /., schlechter Kaffee. Trei- Auch Pittholz, Plltttiolz; in Bock, Nat. 

chel. I, 585: Plytten. Vgl. Pleckbaum unter 

piTsem, 8w. 1. faseln, zupfen, abrei- plicken. 2. alter Foliant, altes un- 

fzen, zerzupfen, zerpflücken, zerzausen, brauchbares, zerlesenes Buch. Bock, 

H'ser nick das Picket (Bouquet) 2u 44. Hennig, 188. 

schänden {entzwei)! Saalfeld. Am PRtholz, w., s. Pille. 

Brot plfsem^ naschend Bröckchen da- pIKschen, siö,, s. platschen. 

von abreifzen. Der Wind pltsert das Plitte, /., s. Bleide. 

Dach, Den Weihnachtsbaum pltsem^ Plitte, PlUtte, /., kleine Pfütze, 

plündern, was den Kindern zu Neujahr, Treichel. 

hin und wieder auch zu heilige drei Plitten, plur.^ kleines Gesindel. (?) 

Könige gestattet wird. Sperber, 25. Mühlin g. 

In der Zusammensetzung ab- ver- u. Plittholz, n., s. PlTte. 

zerpITsem, pltd. a/-, ver- u. terpltsreCn). PlOggeweng, n., s. Pfiuggewende. 

Die Haare verplisem^ zerzausen. Der PlOgmann, m., s. Pflugmann. 

Sturm zerplisert das (Stroh-) Dach, plOmerant, n., plUmerant. 

In Bremen plusen, in Hamburg plüsen. Plompart, w., s. PlumparL 

Brem. Wb. III, 346. 2. mit Mühe Plumpe, /., Plempe, Plämpe, Seiten- 

auseinanderfalten, Verzaustes aufwirren, gewehr, Säbel. 

Unebenes glätten. Die zusammengefdeb- plOmpem, plempern, plumpem, plimpem, 

ten Blatter eines Bicches auseinander sw,^ giefzen, im Wasser patschend 

pUsem, Die Ohren aus einem. Bu/;he spielen, es vergiefzen; hörbar tröpfeln, 

pltsem. Vgl. aufpiTsem. plätschernd tröpfeln; giefzend und mit 

PIlBke, (?), Knöchelspiel der Kinder. Geräusch regnen; giefzend mischen, 

Dähn. Poln. pliszki^ plur.^ ein gewisses manischen. Das Ruder plömpert^ wenn 

Spiel kleiner Kinder (welcher Art nicht es ins Wasser gesenkt wird. Kinder 

angegeben). Mrongov. I, 336a. plimpem in der Suppe^ indem sie diese 

PiTske, 7»., der Übergufz auf den schöpfen und wieder aus dem Löffel 

Feiertagsfladen. Er besteht aus Butter, plimpend fallen lassen. Öm Harwst 

Mehl, Safran, Anis und Gewürz, plömpert et manchmal von bäwe raf, 

Samland. Litt, plyskas^ plyckas dünner wat vom Himmelke käme kann. Kgsbg. 

Fladen, am Palmsonntag üblich. Rag- Firmenich I, 101a. Das Bier ist ge- 

nit Vgl Nsslm., Wb. 309a. pK7wp^<=^^^aw/Tf, verdünnt, mit Wasser 

PllSkesonnabend, m., der Sonnabend versetzt. Zusammensetzungen: abpltfm- 
vor Ofttem, an welchem Pltsken ge- pern (s. d.), bepltfmpern, begiefzen, be- 
hacken werden. Samland. Vgl. Blau- regnen. Die hat sich gut beplömpert^ 
llMNltag. nafz gemacht. verplOmpem, vergiefzen. 

Pllte, /. 1. abgestandener, abge- Verplömper nicht so viel Wasser! ver- 

schälter Baumstamm; Holzfloiz. Die plömpern, verplempern aber auch Geld 

FUten kommen als mit Waren belastete verthun, durchbringen. Sichverplempem, 

Holztraften aus Polen nach Preufzen. sein Herz verlieren, sich verlieben; einen 

Pohl, ph/t Floh, pfe^Flofz, Flofzstamm, Fauxpas thun: eine falsche Karte aus- 

Flofzbaum, vonpZyM7a?n,j?iyw7acschwim- spielen und dadurch den Gewinn ge- 

men. Nsslm. Forsch. 3; Th., 132. föhrden, übereilt aus der Schule schwatz 



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160 



Plön — pluddem. 



zen etc. Bei Dorr, 65, findet sich für 
pKm/pem noch die Bedeutung: im Leibe, 
in den Gedärmen rollen, rumoren: On 
ock drink ommer Schomper (Schemper), 
Dat deit mi öm Buk rcympWmpern, 
Bock, 44. Hennig, 189. Sper- 
ber, 35. 

PlOn, m. 1. die letzte Garbe. 2. 
Emtestraufz, Erntekranz. Poln. phn 
Ertrag, Segen, litt, plönis Ernte- 
kranz. Vgl Hexspr., 16. 3. Kranz - 
hier, das den Überbringern des Ernte- 
kranzes zur Stelle gereicht wird, auch 
Emtemahlzeit, Ernteschmaus, Ernte- 
bier, Austbier. Altpr. M. VIII, 70. 
Sperber, 39. Nsslm. Forsch. 2; 
TL, 132. 

pltfrren, »w.^ plärren, schluchzend 
weinen; lat. phrare^ frz. pleurer. Vgl. 
blarren. 

PIOS, Plose (o kurz), /., plur.^ der 
besonders gebräuchlich, Plosen. 1. 
Fetzen, Lappen, Kodder und, wie letz- 
teres, auch altes Kleidungsstück. Er 
reifzt ihm die Ptosen vom Leibe^ zerrt 
ihm an den Kleidern. 2. dürftig aus- 
gestattetes Stück Federbett, in Danzig 
Pluchen (W.Seidel, 33). E Pias Bett. 
Natangen. Samland. Vgl. Nsslm. 
Forsch. 3; Th, 132, wo die Verwandt- 
schaft zwischen Plosen u. Pluchen nach- 
gewiesen, und das erstere als die echt 
preufzische ältere Form bezeichnet wird. 

PlUsch, (?) Stör on Posch, Wäter on 
Plösch, Plösch on Wäter, Mus on Kater. 
Volksr. 149, 637. 

PlOSSen. „Darumb hob ich...dreyer' 
ley meylen müssen setzen, sonsten hette 
ich einen schändlichen plossen gelegt 
Hennenberger, S. 9. 

PlOt, (?), ausgehöhlter Baumstamm, 
der als Kahn benutzt wird. Tiegen- 
hof. 

PISter, m.j ärmlicher Mensch. Er 



ist man so'n Hoter. Davon pltffrig, 
od/., ärmlich, elend. PWtrig sein — 
sich pWtrig machen. Pltfterei, /., Ar- 
mut, Elend. Da herrscht grofze Plö- 
terei. plOtern, sw., wie ein PWter leben, 
wirtschaften. Treichel. 

Plotz, m., s. Plutz. 

Pl»tz(e), /., Leuciscus (JJyprinus) ru- 
tHus. Auch Platz, Pletz, Pletze, lit 
bruiszis, brunszis, kur. brunscha, brunsze, 
mas. kass. ptotka, ptoc, ploczieczka, ph- 
cica. Simon Grünau, Tract, I, cap. 
III, hat im Plural: phczenn. Benecke, 
136. Bujack, 394. Schmitt, 108; 
Westpr., 166. Mühlin g, Tiem., 176. 

PIStzentuch, Pletzentuch, Pletzentuch- 
garn, pltd. Pletzendok, -gäm, n., auch 
Pletzenzug, m., Abteilung am Flügel des 
Herbstgams mit Maschen weite von 1cm. 
Es heiizt auch Staggerhich. Das Pletzen- 
dooksgam wird von der schlecktesten 
Heede, au^h dicker wie das übrige, ge- 
wonnen. Bock, Nat. IV, 716. Sper- 
ber, 25. S. Windegam. 

PlOtzenzeug, n., s. PIStzentuch. 

PIStznetz, w., a. bewegliches. Netz zum 
Fang von Plötzen und ähnlichen Weife- ^ 
fischen, aus nur einem Flügel und einer 
Metritze bestehend. Es heiizt auch 
Drehnetz, weil der Flügel im Kreise 
um die mit einer Pricke befestigte 
Metritze geführt wird. Lit. svMnn^, 
bristinnis. Beschreibung und Abbildung 
in Benecke, 344. b. Staknetz ohne 
Gaddem, lit. bristinnis, bruiszinnia. 
Benecke, 375. 

Pluchen, plur., s. Plos. 

Pludderhose, /., Pluderhose, weites, 
faltiges Beinkleid. Im 15. Jahrh. plo- 
derhosen, im 16. u. 17. Jahrh. Bluder-^ 
Bioderhosen. Weigand II, 364. Poln. 
pludry, weite, bis auf die Ferse gehende 
Hose. S. pluddem. 

pluddem, sw., weUig, bauschig herab- 



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pluddrlg — plums. 



16] 



fallen und dabei raaschend tonen. Das 
Wasser phiddert aufs Mühlrad, Die 
wehende Fahne pliidde9't Die pluddemde 
Hose, s. Hudderhosen. Davon pluddrig, 
o^*., lose, weit; von Kleidungsstücken. 
Aach abgetragene Kleider nennt man 
pluddriff, und klingt das Wort in die- 
ser Bedeutung an Plunder an. In wei- 
term Sinne: dünn, wässerig. Die Suppe 
ist pluddrig. In Bayern phdem^ plu- 
dem nicht anschliefzen, Falten werfen; 
von Kleidern. Schmellerl, 334. Nach 
Treichel piudem eine Sache ohne 
eigentliche Aufmerksamkeit behandeln. 
pluddrig, adj.y piudem, sw.j s. das vor. 
PlOm, /. 1. Pflaume. 2. cunnus. 
PlOmeflp (a^ä)^ m., PflaumenafPe 
Schimpfwort. 

plUmerant, pISmerant, blümerant, blü- 
merant, adj,^ unwohl, schwindelig, zur 
Bezeichnung des Zostandes, in dem es 
bunt vor den Augen flimmert Mir ist 
ganz plümerant vor Augen — zu Mute, 
mir ist es „grOn und gelb" vor den 
Augen, ich bin einer Ohnmacht nahe. 
Von dem franz. bleu-mourant blafzblau, 
wasserblau; dän. plumre trüben, trübe 
machen. Bei Danneil, 21a, blomrant 
auch: bunt, blnmenartig gezeichnet. 

Plumpart, Plompart, m. (von plum- 
bumf). Bleibe doch nicht allein bei 
einem dickriechendem Physischem oder 
Plompartschen Sphaerischen Tracktat . . . 
Nun bedencke ein Nachsinnender Phy^ 
sicus^ denn auf die plumparts sehe ich 
nicht. Linem., Pp3a. 

Plumpe, pltd. Plomp, /. 1. Pumpe; 
Brunnen. 2. s. Pumpe. 

phimpen, pltd. plompe(n), sw.^ pum- 
pen. 

Plumper, pltd. Plomper, m.. Pumper. 
Plumper, m., scherzhafte Bezeichnung 
fÄT einen Fischer. Von plumpen, in- 
dem der Fischer plumpend die Netze 

FiiKbl»i«r, WSrtwImch IL 



ins Wasser wirft, oder mit der Plumpe. 
Pumpe, die Fische durch Plumpem 
scheucht. Ein Fischer, ein PlümpeVy 
wann er nichts fängtf ein armer Stüm- 
per, Carm. nupt, I, 292. Vgl. Pum- 
pen, 
plumpem, sw., s. plumpem. 
Plumps, m., plumps, interj,, s. plums. 
Plumpsack, Plumsack, m., zusammen- 
gedrehtes Taschentuch, worin ein fester 
Knoten geknüpft ist. Mit dem Plump- 
sack wird bei den bekannten Spielen 
auf die Hände geschlagen. Der Plump- 
sack geht herum, drum keW sich keiner 
um! Vgl. die Plumpsackspiele in den 
Volksr., 174, 687 f. Er heifzt auch 
Glumsack, pltd. Glomsack, bei Hennig, 
125, wahrscheinlich nach Hermes, 
auch Klumpsack. Mir ward zuerkannt 
Klumpsack zugeben . . . denken Sie selbst 
wie sanft ich schlug. Soph. R. IV, 249. 
Ebenso in Estland. Sallmann, 34b. 
Plumpschufz, m., Masse, Menge von 
einer Sache. Einen Plumpschufz Holz 
in den Ofen schieben, Friedland Ostpr. 
plumpsen, sw., plumpen, mit dumpfem 
Geräusch fallen, namentlich ins Wasser. 
Ist ein Judü ins Wasser gefallen, 
Hab^ ihn koren plumpsen, 
Wdr^ ich nicht dazu gesprungen. 
War* der JucP ertrunken. 

Volksr., 43, 164. 
In Bayern und Schwaben pßumpfen, 
pflumpsen. Schmeller I, 334. Bir- 
linger, 96a. Engl, to plump in the 
water. 

Plumpshecht, m., schwimmendes Stück 
Menschenkot, das ins Wasser plumpste. 
Königsberg. Stammt aus der Zeit, in 
welcher noch öffentliche Abtritte über 
dem Pregel standen. 
Plumpstock, m.j s. Pumpe, 
plums, plumps, interj., sohallnnch- 
ahmend, zur Bezeichnung eines schwe- 
ll 



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Plumsack — plurkschen. 



ren Falles. Flvms da lag er! Aach 
als Sabstantiva, welche den plumpsen- 
den Schall ausdrücken: der Flums, 
Phimps. Ebenso zur Bezeichnung eines 
plötzlich eintretenden Ereignisses: Es 
ist zwar. wa(h)r^ da/z es Licht werde^ 
ehe die Sonne aufgehet: Aber das Licht 
kan nicht der Tag genant werden^ so 
man nicht plumbs- weise davon reden 
woUe. Linem., A3a. 

Plumsack, m., s. Plumpsack. 

Plunder, m., wertloses Gerät, Zeug, 
Trödelkram. Das ist man alles Flun- 
der. Vgl. das folg. 

PIttnder, pltd. Plttnger, Plinger, m. u. 
f,, gewöhnlich nur im Plural Mündern^ 
pltd. Plündre^ Plüngre, Flingre. 1. 
Lumpen, Hadern. Koddre on Plündre! 
Ruf der Glocken der litauischen Kirche 
in Tilsit. Volksr., 269, 937 b. Der 
Sammler der Plündern ist der PlUnder-, 
Plinger-, in Westpr. auch Plinge- und 
PHnkefUhrer, resp. -lesen; er sammelt 
suchend Plündern^ oder tauscht sie ge- 
gen bleierne Ringe, Schmucknadeln, 
kleine Bilder, Planeten u. a. unbedeu- 
tenden Kram ein, mit dem er auch 
gegen bar handelt. Nach Treichel 
nennt man diese hausierenden Krämer, 
namentlich wenn ihr Geschäft über die 
Plündern hinaus sich auf Eier, Butter 
und Hühner erstreckt, in Westpr. Klpen- 
kerls, weil sie ihre Ware in einer Ktpe 
führen; auch Schatomiks. Schatomik 
ist offenbar poln. Ursprungs, durch das 
Wb. vonMrongov. aber nicht nach- 
weisbar. Ist der Hausierer ein Jude, 
so heil'zt er PlUnder- etc. Jude, welcher 
Name zugleich Schimpfwort auf jüdische 
Kleinhändler ist. Hin und wieder nennt 
man den Lumpensammler auch PlUn- 
dermatz. Im Brem. Wb. HI, 345: Plun- 
neu; bei Schütze HI, 222: Plünnen. 
2. Kleider. Die Plündern kosten Oeld. 



Vgl. Kodder. Weitere Zusammensetzun- 
gen: PlUnderltse, /., in Kleidern ab- 
gerissenes Frauenzimmer. PlUnderpim- 
gel, n., Puogel (Bündel) mit Plündern, 
mit wertlosem Kram. PlUnderseller, m., 
Trödler, der mit Plündern^ mit alten 
Kleidern, handelt. Vgl. Selier. PlUnder- 
staaty m., Plunderstaat, Flitterstaat, wert- 
loser Putz. In gleichem Sinne auch PlUn- 
derwerk, n. Vgl. Pracherstaat Alle Zu- 
sammensetzungen auch mit Plünger und 
Plinger. 

Plundrigkeit, /., Lumperei, lumpiges 
Wesen. 

Plunk, m.y verwandt mit Münder^ 
Plunder y Plünderwerk. Deine Kleider 
sind latUer Plunken. Saalfeld. 
Plunschy m., s. Plurksch. 
pluppem, sw.y plätschern, pantschen. 
Es pluppert im Teich. Der erste Wäch- 
ter hört etwas pluppem im Teich und 
eilt hin, zu sehen, was da pluppert. Aus 
einem Volksspiel. 

Pluraffe, m., finsterer, heimtückischer 
MenscL Vgl. PlTraffe u. PITrauge. 
PlUre, /., plUren, sw. etc., s. Pl!re etc. 
plOren, sw., greifen, fassen, zausen. 
Vaude Fritz, deiwüsscP tau pktre^: Bure), 
Wo Noth e dety brauv i de Hau (Haar). 
Flatow. Firmenich I, 120a. 

Plurksch^m. 1. schallnachahmend: das 
Klatschen einer mit kurzem Schwünge 
weggegossenen Flüssigkeit; Gufz der 
Entleerung beim Durchfall, Regengoiz, 
poln. plusk. Lit. plurziti pladdern, 
plurszkejimas Durchfall. Er gie/zt einen 
Plurksch Wasser in den Kessel. Das 
war ein guter Plurksch, ein tüchtiger 
(Regen-) Gul'z. 2. schlechter Kaffee, 
dünnes Bier, fades Getränk überhaupt, 
wert, mit einem Plurksch weggegossen 
zu werden. Nach Mühling Plltrks, 
nach Sperber, 43, auch Plunsch. 
plurkschen, rno. 1. giefzen mit einem 



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pluseben — Poch. 



163 



Piurksch. 2. mischen, mantschen, mit 
Wasser versetzen. Das Bier ist ver- 
plurkscht verplurkschen auch vergiefzen. 
3. stark regnen, so dafz die grolzen 
Tropfen hörbar aufschlagen. Das 
plurkscht gut, 

pluschen, sw,j nach Bock^ 44, s. v. a. 
plengen^ also schänden, klatschen etc., 
nach Hennig, 189, unordentlich ver- 
worrenes Zeug reden, also unüberlegt 
schwatzen. Lit. plikdza Schwätzer, 
plüdzu^ plüsti und pbiszkiü, pluszkiti 
schmatzen, poln. plot§^ ple^c. Nsslm. 
Forsch. 3; Th., 132. Hingewiesen sei 
auf hchd. plauschen^ vertraulich kosen, 
wie das Liebende thun, das ich in den 
mir zugänglichen Wörterbüchern nicht 
finde. In einem Männergesange, der 
ein Liebespärchen und einen Horcher 
vorführt, spribht letzterer: Mufz doch 
lauschen^ was sie plauschen! 

pluserig, adf.y zottige aufgeraucht 
Mühling. Ebenso in Liv- u. Estland. 
Hupel, 174. 

piustem, pltetem, sw, 1. zausen, 
reifzen, zerreilzen, in Unordnung brin- 
gen; also ähnlich wie pltsem. Der 
Wind plustert das Dach. Davon ab- 
plustem, kratzend abreüzen: den Schorf 
von der Wunde etc. In Bremen beim 
Durchsuchen vervrirren. Brem. Wb. DI, 
347. In Estland plOstem zerzausen, 
zerwühlen; ausgelassen tollen. Sall- 
mann, 38a. S. auch Danneil, 158b: 
plusn u. plustern. Nach Marold phi- 
Stern von den Vögeln, wenn sie ge- 
räuschvoll mit den Flügeln herumarbei- 
ten. 2. beschwerlich waten. Mühling. 
3. im Bade plätschern und schnaufen. 
Friedland Ostpr. 4. sich plustern, von 
Vögeln, die sich in den Federn auf- 
daunen, s. aufplustern, 

plvstrig, adj., angeblasen, aufgedaunt, 



aufgebauscht. Plustriges Schöpsenfleisch 
— plustrige Vögel — plustrige (wirre) 
Haare. Ein stark gesteiftes Kleid sitzt 
pltcstrig. 

Plutz, Plotz, m. Etwas auf den Plutz 
thun — machen, es augenblicklich, ohne 
Verzug und Aufschub ausführen. De 
Medeztn pleggt op em Plutz to helpe, 
auf der Stelle, sofort. Es geschieht alles 
auf den Plutz, im Augenblick. Es kam 
mir auf den Plotz, in der Eile, Ge- 
schwindigkeit. DiesesBeispiel bei Hen- 
nig, 333; heute hört man fast aus- 
schliel'zlich Plutz. Mühling hat noch 
Blutz und verweist auf das verwandte 
Blitz. Plotz mit Schall aufschlagender 
Fall, der geschwind und unerwartet, 
im Augenblick kommt und einen Augen- 
blick währt. Das Wort ist der Stamm 
von plötzlich. Vgl. Anton, 11, 12. 
WeigandH, 363. 

plUtzig, adj., nach Boc^, 44, und 
Hennig, 189, s. v. a. klitschig und 
plautzig. 

pIQzig, adf., s. plautzig. 

Pobethen, Ortsn., Kirchdorf im Kr. 
Fischhausen. Spott: s. Kragau. 

PobHzke, /., kleineres Weichselfahr- 
zeug. Von dem poln. pobitka Regen- 
dach über einem Flulzfahrzeuge. Vgl. 
Gefäfz. 

pSblig, adj., pöbelhaft, grob, unge- 
schliffen. Ist das ein pöbligei' Mensch! 
Treichel. 

Poborren, plur., Steuern, bei Hart- 
wich, S. 51, Brotgelder. Von dem poln. 
pobor Steuer, Abgabe. 

Poch, Pochel, Pocher, n., Lockruf und 
Name für das Schwein, Pochel beson- 
ders für das Ferkel; für dieses auch 
Pochla. Ermland. Angerburg. Sam- 
land. Vgl Volksr., 64, 242c. Vgl. 
Posch. 



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pochwollerig — Pogegen. 



pochwollerig, adj.^ roh, lärmend, grob. 
Schemionek, 28. Poln. pochwaika 
eine ausgestofzene Drohung. 

Pockenstein, m., Stein von verschie- 
dener Farbe mit pockenartigen Knöpf- 
chen. Vgl. Bock, Nat. II, 370. 

Pock(e)ram8che, /., fingierter Name 
für ein klatschsüchtiges Weib, fär ein 
Weib, an das man unbrauchbare Ar- 
beiter weist. Du kannst to'r Pockramsche 
gäne. Königsberg. 

Poddente, /., Pfütze. Danzig. W. 
Seidel, 83. In den Gedanism. Podente. 
Nach Schemionek, 28, Podempel 
Sumpf, Pfütze, Podromp Dümpel, Mist- 
pfütze. 

Poddik, Puddik, m., Pudding. Hen- 
nig, 189. 

Podest, m., der Auftritt an den Fen- 
stern. Gedanüm, W. Seidel, 33. 

Podlm, m.y Dem. Podtmke, das Eisen- 
band, welches die beiden Homer der 
Zocke verbindet; nach den N. Pr. Prov.- 
Bl. XI, 74, Podiemke das kleine Eisen 
am Hom der Pflugschar. NachMielcke 
Wb.n, 372b, lit. podyme PAugiT^sslm. 
Th., 133, erklärt dies Wort jedoch für 
nicht litauisch, sondern als wahrschein- 
lich aus der altpr. Sprache eingedrun- 
gen. In dieser ist pedan (Voc. 245) 
Pflugschar. Vgl. Zoche. 

Podlmke, m., s. Pudlnke. 

Podtmkenstock, m., findet sich ohne 
Erklärung inNsslm. Wb., 294b. Viel- 
leicht die Zunge worin das Podtmke 
hängt. 

Podlmkenstrick, w., s. v. a. Podhnkette, 
aus einem Strick bestehend. 

Podlmkette, /., Kette, vom Podim aus- 
gehend und die Gabel mit dem Zoch- 
bäum verbindend. Sie hängt in der 
Zunge. Vgl. Zoch. 

PodTmne, /., Rauchfangssteuer; ehe- 



mals in WestpreuTz. üblich; aus dem 
gleichbed. poln. podymne. Mühling. 

Poding, w»., eiserner Halter des Streich- 
brettes an der Zoche (s. d.). 

PodTnke, m., s. PudTnke. 

Podlitzen, plur.^ Borten, Troddeln am 
Kleide. Russ. podol^ poln. podolek^ pa^ 
dolek^ böhm. podolek Saum des Kleides^ 
Rockschofz. Nsslm. Forsch. 3; Th., 
134. Podrrtzenmacher, jpZur., frühere Be- 
zeichnung für die Bortenwirker, Posa- 
mentiere, welche die von den Polen zu 
ihren Kleidern gebrauchten Schnüre 
und Troddeln verfertigten. Dzg. W. 
Seidel, 33. Vgl. Peöltzen. 

podtfisch, o^/., s. padtflsch. 

Podromp, m.y s. Poddente. 

Podwody /., Scharwerksdienst, Frohn- 
fuhre. Dzg. Werder. W. Seidel, 33. 
Nach Klein n, 61, eigentlich Vor- 
spann, welchen in Polen die Edelleute 
und Bauern bei Extraposten geben 
müssen (muTzten); daher denn über- 
haupt auch Frohndienst, wie in Flatow. 
Schmitt, 108. Poln. und russ. päd- 
fjoöda Frohnfuhre, Vorspann, Spann- 
dienst Nsslm. Forsch. 3; Th., 134. 
Hupel, 175. Podwood on Scharwerk 
hord stracks op. Seelenw., 105. VgL 
Robot 

podwoden, sw.y von Podwod^ Vorspann 
geben, Frohndienste leisten. Klein II, 
62: podwodden. Vgl. scharwerken. 

POfel, P»fel, w. I.Pöbel. Erl. Pr.II, 
321. Hennig, 189. Auch GepOfel. 
Bei Jeroschin potnl. dS wart dazpo- 
vil zechen uf ktrc 186b. Pfeiffer, 206. 
In Bayern Pofel, Pofel für popuJus, 
Seh melier I, 279. 2. Ausschufz, 
schlechte Ware. Davon pOfelig, pOflig, 
adj. 

PSffel, m., s. Pttffel. 

Pogegen, Ortsn.^ Dorf im Kr. Tilsit 



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Pogge — Pogiften. 



165 



Ön Pagege, tco't »päd dägt. Wenn de 
Polomper bottem^ denn dagt et ön Po- 
gäge: Polompen^ Dorf bei Wilkischken 
im Er. Tilsit, liegt östlicher als Po- 
gegen. 

Pogge, /. 1. Frosch; nach Mühling 
in manchen Gegenden auch die Kröte. 
Die Poggen haben das Wassei* ausge- 
sofen, wenn in der Wassertonne das 
Wasser ausgegangen ist. Wenn die Pog 
getreten wird^ so quarckt sie. Stein, 
Peregrinus Xn, 119. W. Mtsbl.V, 192. 
De Pogg* kroggt Oge^ ein Schweigender 
spricht endlich, ein Langweiliger wird 
munter. Angsf dt nich ver e Pogg^ ös 
6k e Vägelf äwer 6ne Zdgel. Sprw. I, 
2964. Das Wort ist ursprunglich fin- 
nisch-estnisch: poeg; von hier über- 
kamen es die Schweden (poike Knabe, 
Bursche, pige Mädchen), dann die Dä- 
nen (pog) und Engländer (fioy, für Ko- 
bold fWA;); dabin gehört auch das lit. 
pukis Kaulbarsch und Kobold, und das 
altn. puki böser Geist. Passarge, 
handschr. Als m. auch im westfälischen 
Hessen und in Westfalen. Vilmar, 305. 
2. kleiner Mensch; vgl. das schwed. 
poike. Von einem stolzen Menschen, 
der sich brüstet, sagt man: Erperscht 
sich wie eine Pogge. Hennig, 190. 3. 
Geschwulst am Unterleibe tragender 
Kühe und Stuten. Auch nennt man 
die Krankheit des Rindviehes so, bei 
welcher der Leib stark aufbläht Rate- 
formehi gegen die Pogge s. Hexspr., 
80 f. 

Poggenffst, im Ermlande Poggenfeist, 
m., Zusammensetzung aus fisten und 
Pogge. 1. Froschlaich. 2. Bovist Vgl. 
PaweffiL 

Poggenfufz, pltd. PoggefOt, m., ein 
kleiner, unansehnlicher Mensch. Ktihm 
had eck dat gedacht^ so quam en Pogge- 



foth^ de haud mie vor den Barth. Carm. 
nupt IV, 324 d. De Dtwel suü se häle^ 
De öle Poggeföt. Volksr., 238, 840. 
Vgl. Pogge 2. In Hamburg und im 
Holsteinschen Pajefoot einer, der mit 
breiten Fülzen weite und langsame 
Schritte thut Richey, 180. Schütze 
lU, 187. Hennig, 190. 

Poggengras, n.y Krötenbinse, Juncus 
bufonius L. Hagen^ 385. 

Poggenhechty 77»., Märzhecht. Müh- 
ling. 

Poggenknie , Pflzn. , ausdauernder 
Knäuel, Scleranthus perennis L. Na- 
tangen. 

Poggenlaichsalbe, pltd. PoggelTksalw, 
Medik., ünguentum cerussae. 

Poggenpfuhly m.^ Stral'zenname in Dan- 
zig, auf die frühere schlechte Beschaffen- 
heit hinweisend, schon 1368 in einer 
Verschreibung erwähnt. Löschin, 45. 
Hirsch, 21. 

Poggenritzer,m., stumpfes, abgebrauch- 
tes Messer. Marc Id. In Friedland 
Ostpr. Poggenschlitzer. 

Poggenschalen, plur.^ Muschelschalen^ 
die man im Eaes findet und die aus 
zwei fest aufeinanderliegenden Klappen 
bestehen. M a r o 1 d. 

Poggenschnodder, m., Schnodder (s. d.) 
der Poggen, Froschlaich. Vgl. Poggen- 
flsL 

Poggerams, (?), „saures Essen^ so man 
den Tag nach gehaltenem Schmaus 
vorzusetzen pflegt." Hennig, 190. 
Wohl aus dem lit. pdgirios der Nach- 
rausch, die Unbehaglichkeit infolge 
eines Rausches, pagiriomas, adj.^ im 
Nachrausche befindlich. Kurschat, 
lit.-deut8ch. Wb., 285 b. Poggerams ist 
also ein „Kateressen". 

Pogiften, Pugiften, Pogifken, plur. Bis 
in die Pogiften etc., bis zum äufzersten. 



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166 



Pogitschken — Polk. 



Der Berliner sagt: Bü in die Pappen! 
Sprw. I, 2966. Sperber, 46. 

PogHschken, plur.y Johannisbeereo, 
Ribes rubrum L. Fr. Prov.-Bl. XXVII, 
10. Poln. porzeczka, 

Pojatz, TTO., s. Pajatz. 

Pojauter, m.^ s. Plikaiiter. 

Pak, POkerling, m., kleiner Stofzdegen, 
Dolch. Es soll kein Scholar keine Weh\ 
es sey Schwerdt^ Dolch^ Pok^ Pokerling etc. 
tragen. Fundat acad. leg. 1541. Hen- 
nig, 190. Holl. jpoo* Dolch, lat. ;wf^. 
In Hessen Pok jetzt stumpfes Messer. 
Vilmar, 305. In Hamburg und MoX- 
siempöken stechen, eine Wunde stechen, 
daher P6k auch : Stich, Wunde. R i c h e y, 
190. Schutze III, 226. Im Braun- 
schweigischen ist Pook auch ein schwa- 
cher, unvermögender Mensch. Brem. 
Wb. HI, 349. 

pükem, 8U7., s. pCkem. 

Pokulks, Pokuls, m., s. Pakulks. 

Pol, pltd. Pal (a^oi), m., Dem. Polchen, 
pltd. PäUce, das Innere der Pflanze, der 
Blätter- und Blutentrieb. Piepte, Piepke, 
^ra£ (gerate) mi, Öck schlä di op din 
Pahlke, beim Klopfen des Weidenastes 
zur Pfeife. Volksr., 61, 237. Vgl Herz- 
polchen. 

Ptfichen, n., s. Pälke. 

Poiek, m., s. Polk. 

Polen, n. Das Nachbarland Polen 
tritt mehrfach auf in despektierlichen 
Redensarten: In Polen ist nichts zu 
holen. Hier ist Polen offen, in ejner 
schlechten Wirtschaft; besonders von 
einem schlechten Wege. Schemionek, 
29, hat diese Redensart als Ausruf der 
Freude, wenn etwas wieder in Gang 
kommt; auch in der Niederlaus, zeigt 
dieselbe an, dalz eine aufgeregte Stim- 
mung verbreitet ist, bei Freude oder 
Schrecken. Erinnert an die Ausge- 



lassenheit und Zügellosigkeit der pol- 
nischen Reichstage. Anton, 11, 12. 
Dat OS tot on Pale, wo de olste Lus op 
em Awe sott, e Ptp Toback rokt on to- 
sitt, wt Streu gemdkt ward. Sprw. I, 
2967 f. Vgl. Pollack. 

Polink, m., s. Polk. 

Polttsch, Palttsch, /., das über dem 
Reithom aufwäits gekrümmte Streich- 
brett, von Eisen oder Ahornholz, an 
der Zoche; lit. palgczia. Vgl. Zocbe. 

polttsch, adj., politisch, schlau, gewitzt, 
gerieben, pfiffig, verschlagen. Das ist 
ein polttschei^ Racker. Schrtwe on rekne 
nuschty awer polttsch. In Bayern: höf- 
lich, fein, auch polizeilich. S ch mel- 
ier I, 280. 

Polizeiaugen, plur., grofze Schaum- 
blasen auf dem Bier. Das Bier hat 
Polizeiaugen. Sprw. I, 356. 

Polk, Polke, /., Poiek, Pollak, Polling, 
Pollink, m., Neige, Rest, besonders der 
im Kruge gebliebene Rest. Wenn ein 
Preu/z die Polk austrinkt, er soll zum 
ersten vom /tischen ttinken. Landes- 
Ordg. des Hochm. Siegfried von Feucht- 
wangen. Hennig, 190. Vgl. Trink- 
recht Poüak, wohl durch willkürlich 
eingeschobenes a aus Polk gedehnt, ist 
speziell der unverbrannt gebliebene Ta- 
bakrest im Pfeifenkopfe. Polling, Pol- 
link = Polk, doch auch in erweiterter 
Bedeutung das letzte Kind in der Fa- 
milie. Da hast du den Polling, wenn 
man einem das letzte Stuckchen des 
Brotes etc. reicht. Es ist unsei* Polling, 
unser letztes Eind, dem wohl keines 
mehr folgt. Letztere Form schlieizt 
sich auffallend leicht an das altpr. po- 
linka er bleibt, polynku sie bleiben 
(im Katech.) an; der Infin. lautet im 
Katech. polaikt, gedehnt aus poUkt. 
Diesem preufz. poUkt entspricht lit. pa- 



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polk — polnisch. 



167 



llkH^ lett. pa/ite, daraas bildet sich lit. 
pdlaikaSy lett. pcUiks^ paleeh Kest, Über- 
bleibsel, lit. paUkiSy paWce Waise. Aas 
diesen Wörtern oder ihrem preafzischen 
Äquivalent konnten sich mit Elision 
des i sehr leicht die Formen Polk^ 
Fölke bilden. Nsslm. Forsch. 2; Th., 
136. Vgl. Pierson, Lit. Aeq., 20; 
A. W., 34. Auch in Bayern (Franken. 
Rhein) ist der Foläk Überrest eines 
Trunkes im Glase. Schmeller I, 280. 

polk, adv.y vollends, vollständig. Er 
zerbricht den (bereits geknickten) Stock 
polk, ganz und gar. Verdarw dl de Oge 
nich polk. Hei oa polk verdorwe^ er ist 
ein Taugenichts. Et dürd nich lang^ 
so wurd öck polk ok alles los. Cami. 
nupt I, 282, 1. In gleichem Sinne auch 
poiling(k). Es ist polUng auf^ es ist 
alles aufgegessen. Der Strick zerreij'zt 
poüing. Etwas poüing machen^ es voll- 
ständig machen, vollenden. Vgl. Polk. 

Polke, /., s. Polk. 

Pttiko, m., s. Pälke. 

polkon, atü., pellend ab- oder heraus- 
ziehen. Sich in der Nase polken — 
den Schorf von der Wunde polken, ab- 
polken. Treichel. Vgl. pQien. 

Polks, wi.,grolzer Klacks (s. d.). Trei- 
chel. 

Pttll, /., unverhältnismäfzig groi'zes 
Trinkgei^'z, z. B. Schüssel statt Tasse. 
Schemionek, 29. 

Pollack, Pollak, m. 1. Pole, meist in 
verächtlichem Sinn. Moder, wenn de 
PöUak keine Wittönne mer schockt, motte 
wi alle op Stromp on Stel käme, Kö- 
nigsberg. Firmenich 1, 101b. Öck 
koffdC (kaufte) se (die Pfanne) vom Pol- 
lacke. Volksl., 56, 38, 2. Die Polen 
brachten in früheren Jahren irdenes 
Geschirr, das für vorzüglich gehalten 
wurde, auf ihren Wittinnen nach Königs- 
berg. E Pollack blowt e Pollack on 



wenn hei bet Möddag liggt, dem Polen 
ist nicht zu trauen. Schei/a^y Preufz, 
Poüackfrifzt alles, zur Bezeichnung un- 
aufrichtiger Devotion. Masuren. Sprw. 
I, 2973. 3008. 2. eine Art Schnupf- 
tabak. 3. verkohlter Tabakrest im 
Pfeifenkopf, s. Polk. 

Polle, /., Stütze an der Schanzklei- 
dung der Schiffe, woran man die Taue 
befestigt. 

P»lle, Pille, /., Dem. PöUke, Pulke, 
bauchige Kanne. Er hat die Poüe im- 
mer vor sich stehen, er liebt den Trunk. 
Wie faake hebb öck da manch Pollke 
Beer gesaape. Carm. nuptl, 282, 1. 
Hennig, 191, weist für die Ableitung 
hin auf das lit. pillu ich giefze, fülle 
ein. Bock, 45. Vgl. Pulle. 

PoUholz, n., Zopfholz, Yon Poll, Polle 
Kopf, Zopf, Wipfel. Brem. Wb. III, 
351. Auch PollsOrenholz, wipfeldürres 
Holz. Mühling. In Hamburg soor 
dürr, trockeu, saftlos; holl. zoor. Ri- 
chey, 279. 

Polling(k;, m., poling(k), adj., s. Polk 
u. polk. 

Pollschäwer, m. u. n., poil de chhre, 
ein Kleiderstoff. 

PollsOrenholz, n., s. Pollholz. 

polnisch, pOlsch, adj., auf Polenart, 
ebenfalls wie Polen in verächtlichem 
Sinne: polnisclie Wirtsclt^üft, polnische 
Sawwirtschaft. Mit polnischem Ab- 
schiede weggehen, ohne Abschied, oder 
mit Hinterlassung von Schulden sich 
in der Stille davon machen. Hennig, 
5. Sprw. I, 18. Polnische Butter, 
Salz ; gequetschte Kartoffelo mit Zwiebeln 
gemischt. Polnischer Hecht, polnisches 
Butterbrot, Brot mit Salz bestreut. In 
Masuren ist polnisch = katholisch, im 
Gegensatz zu deutsch = evangelisch. 
Im pölschen Bogen berechnen, nach un- 
gefährem Überschlage, obenhiu, ober- 



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168 Polt — Ponjer. 

flächlich berechnen, zu viel^ falsch Zeichnung eines dummen Menschen. 

rechnen. Wohl korrump. aus Bauach Treichel. 

und Bogen, In Bayern polisch =» pol- pommem, «it., bitten, betteb. Pommer 

nisch, seltsam, sonderbar: Das kommt nich ömmer weg, Samland. 

mir polisch vor. Schmeller, I, 280. Pomöchel, m., Dorsch, s, Dtfsch. 

Polt, Polte, m. Vom , Leopold. PomOkes. plur,^ lustige Streiche, über- 

PSit, /., Schaufel zum Ausschöpfen mutige Einfalle. He bringt ere Pomokes 

des Wassers aus den Fischerböten; ^ Schioung, Dorr, 1. Wiew., 63. S. 

auch ösfafz. Samland. Bomftchen. 

. Polterkammer, pltd. Bullerkflmer, /, PompbUxen, /., s. Pumpbttxen. 

Kammer, Raum, zur Aufbewahrung ptfmpeln, sw.^ s. pimpeln« 

alten Gerätes, Rumpelkammer. Holt Pompex, w, allitterierender Scherz- 

man einen Gegenstand aus derselben name: Paul Peter Pompex, Königs- 

hervor, so ist das ohne Gepolter kaum berg. 

angänglich. S. Gertfllkammer. Pomdchel, m,, Dorsch. Westpr.; 

pomade, adv.^ pomadig, adj. u. adv,y poln. pomu^hla^ lit. pomükelis, S. 

gemächlich, langsam; von pomale DSsch. 

(s. d.). Pomuchelskopf, m. 1. Dorschkopf. 

Pomager, m. 1. Hilfsarbeiter: Ar- Er glänzt vne ein Pomuchelskopf im 

heiter im Stall zur Unterstützung des Mondschein. Sprw. 1,1281. 2. Dumm- 

Kutschers. W. Seidel, 33. Klein köpf, Dickkopf. £r ist ein rechter Po- 

II, 63. Brennknecht. Schmitt, 108; mucheUhopf — ist so dumm wie ein 

Westpr., 166. Brauknecht. Poln. po- Pomuchelskopf, Sprw. I. 647. Im 

magaiy russ. pomogä^ helfen, unter- nördlichen Norwegen bezeichnet man 

stutzen. Nsslm. Forsch. 3; Th. 137. einenDummkopf mit den Worten: Han 

2. nach Bock, 45, Knicker, Knauser, er en Torsk, Schmidt, Bilder aus 

Grutzzähler. 3. nach Hennig, 191, dem Norden. Jena 1851, 193. 3. 

eine Art Seefisch. Wohl Verwechselung Spitzname für die Danziger. Auf Dan- 

mit Pomuchel, Vgl. Nsslm. Forsch. 3: zigs fiHhes Emporkommen scheint der 

Pomuchel. Dorsch nicht ohne Einßu/z gewesen zu 

pomäle, adj. u. adv., von dem poln. sein^ und die Scheelsucht der Nachbarn 

pomahi^ langsam, gemach, allmählich, mag wohl den Provinzialnamen desselben 

sachte, sanft, schonend. Nur pomale^ Pomochel zum Schimpfnamen für die 

nur gemach, nicht so hitzig! GehnSie Bewohner gestempelt haben, Bujack, 

also ganz pomale zu wei*k, Soph. B. 344. 

VI, 370. Dat mordiomche Veeh (ein Pomuchelsteine, plur., Kopfknochen 

Hase) schoof ganz pomale de Hingerpoot des Dorsches, die früher zu nieder- 

ut der Schling herut. Dorr, Driew- schlagenden Pulvern angewandt wurden, 

jagd. Bujack, 396, Note. 

Pommel, /., s. Pftmel. Pomuggel, m, Pomuchel, s. Dusch. 

PommerCnke, m., ein Pommer, meist Ponjer, m. 1. Mensch, der nicht das 
mit dem Nebensinn eines praktisch richtige Auskommen hat. 2. unvoll- 
klugen Menschen; doch auch zur Be- ständiges, imbrauchbares Ding: ein ab- 



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Ponke — p5rten. 



169 



gebrochenes oder stumpfes Messer ist 
ein Ponjer, 

Ponke, n., cunnus, Jerrentowitz. 

Papel, m., s. NasenpOpel. 

pApeln, 9w. 1. mit den Fingern in 
der Nase wühlen. 2. coire, Sperber, 
25. 

Poptogelchen, n., s. Paptogelchen. 

pOplig, adj,^ ärmlich. Pdplig ange- 
zogen» Treichel. Vgl. pdflig unter 
POfel. 

Popo, m.^ Podex. Ich hav! dir den 
Popo voll! Kann der nicht auf seinem 
p. 0, po sitzen^ der alte schwache Mann? 
Soph. R. VI, 137. Nach Treichel 
auch POx. 

Poppllcl(pfla8ter,n.,Medik.,i^p/a«^m7/) 
cerussae. 

porat, adv., s. parat 

Porbe, /. Nach Simon Grünau ein 
Fisch in Preufzen: die Barbe, Barbus 
fluviatUis Cuv. 

Porchel, n. 1. ein kleines, dickes 
Schwein. 2. ein gleiches Mädchen. 
Natangen. 

pordauz, porduz, interf. s. pardauz. 

porduzen, sw,, s. pardauzen. 

PorHz, m.j Kaufherr, reicher, ange- 
sehener Mann. Er ist ein gro/zer Poritz. 
Er ist der Poritz von N. Kgsbg. Das 
Wort ist wohl russisch. 

Porkan, /.. s. Burkan. 

Porlenk, m. u. /., s. Perlenke. 

Porobek, m., kleiner ausgebauter Be- 
sitzer im Walde. Treichel. Poln. 
parobek Knecht; vielleicht auch ver- 
wandt mit dem poln. bör Wald. 

Porowe, /., s. Parowe. 

Porpel, m., s. Parpel. 

P8rr, /., unsauberes Frauenzimmer 
mit wirrem Haar. Schemionek, 29. 
Vgl. FIdrr. 

porren, vhchd., purren, «o., anregen, 
antreiben, spornen, mahnen, stacheln, 



reizen, hetzen, aufscheuchen. Zma Auf- 
bruche porren^ was z. B. Ejnder thun, 
die aus einer gröfzeren Gesellschaft 
nach Hause möchten. .,.wenn nich de 
Dschtn onruig geworden wer on tom 
Gdnen getribulei*d on geporrt on ge- 
drollt hadd, Elbinger Höhe. N. Pr. 
Prov.-Bl. a. F. IX, 243. Firmenich 
ni, 495a. Einen aus dem Bette porren^ 
ihn aus dem Bette treiben. Du brauchst 
gar nicht so zu purren^ ich werd^ schon 
zur Zeit fertig werden. In Zusammen- 
setzungen: anporren, aufporren. In 
Bayern aufboren^ welches Schmeller 
I, 192, fraglich mit aufheben übersetzt. 
Es dürfte porren mit beren = heben, 
verwandt sein. Bock, 45. Hennig, 
191. In gleichem Sinne ptfrren und 
pirren (s. d.). 

Porsch, 7/1 , auch Porsch-, Porstkraut, n.y 
Sumpfporst, Ledum palustre L. Hagen , 
435. Pritzel, 206. Gleiche Kraft 
soll haben ein Kraut Jodzell^ das hat 
Blatter vne Barsch und trägt schwarze 
Beeren etc. Pierson, Matth. Prätor., 
115. In Liv- und Estland P(yrs. Hu- 
pel, 176. 

pSrscheny sw.^ sich^ s. pCrschen. 

Ptfrschke, m., s. Barsch. 

Ptfrschken, Ortsn., Kirchdorf im Kr. 
Heiligenbeil. Mann Gottes aus Porsch- 
ken. Über die Entstehung dieser Redens- 
art s. Sprw. H, 1774. 

Porsch-, Porstkraut, n.^ s. Porsch. 

Port, Port, /., Pforte, Thür. R&teel: 
Ös ener vor de Port, Heft nich gesün- 
digt^ nich gemordet — kann hei passerei 
(Der Furz). Elk ju schmieten ut de 
Port achtkantik. Dorr, 1. Wiew., 28. 

Portei, n., das fettig-milchige Wasser 
im frischen Käse. Es wird durch 
starkes Pressen mit der Parsche ent- 
fernt. Werder. 

pürten, sw.y die Pforte, die Thür öff- 



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170 



Portken —• Posew. 



Ben, also pförtnen. Wenn die Kinder 
viel aus- und einlaufen, so heii'zt es: 
P5rt nick so vell Samland. Vgl. 
perzeln. 

Portken, plur, 1. Hosen. 2. Der 
Hintere. Einem die Portken versohlen, 
ihm einiges auf die Hosen zählen. Von 
dem poln. por^' Hosen. Im Göttingen- 
schen Purtje. Schamb. 161b. Bock, 
45. Hennig, 191. 

porzägeln, sw.y purzeln, umfeJlen, 
stürzen, dafz das Unterste nach oben 
kommt Die Treppe herabporzageln. 
Hennig, 191. In Danzig porzekeln. 
Gedanism.; Schemionek, 29: porztf- 
keln; Sperber, 26: purzekeln. 

Porzel, POrzel, /. u. n., Schmaizkuchen. 
Nach Schemionek, 29: Pörzeln, 
Pfannkuchen ohne Füllung in Schmalz 
gebacken. Belegstelle unter Bab. 

Porzellanbllimey /., Begonia semper- 
florens, Lmk. Treichel, Volksth. III. 

pSrzeln, sw., s. perzeln. 

Posamentkerl, m., Mann, der mit Po- 
samenten, Borten, Schnüren etc. besetzte 
Kleider trägt, Gaukler. Hoffjecken, 
Hoffschrantzen, gtUdene verbremte Posa- 
mentkerL Stein, Peregrinus XV, 25. 
W. Mtsbl. VI, 186. 

Posch, Dem. Poschchen, plld. PoscIJce. 
1. Name und Lockruf für Schwein u. 
Ferkel. Zu Kindern, welche sich be- 
sudelt haben : Du bist ein kleines Posch- 
chen, Hennig, 192. 2. Poschchen 
Tannenzapfen; dafür jedoch üblicher 
Schischke (s. d.). 

poicheien, puteheien, sw,<, streicheln, 
streichelnd liebkosen. Das Kind po- 
4cheit der Mutter die Backe. Pu^chei mt 
doch! sagt die zärtliche Mutter zum 
kleinen Liebling. Wie liewt se met de 
griese Klaue De schmale Backe em po- 
scheit Nowack, 35. Ygl. puichen. 

Poschen, plur.^ Bügelröcke. Sehn Sie 



jene schlanke Ghiechin im Tanz, und 
setzen Sie unser schlankstes Mädgen 
in Poschen, in Schnürbrust und in spit- 
zen Schuhn mit hohen Absätzen da- 
neben. Soph. R. IV, 460. 

Poschitschkebeere, f., Beare vom 
schwarzen Nachtschatten, Solanum ni- 
grum L. Auch: Johannisbeere und 
Bergkrausbeere. Poln. porzeczka Kraus- 
beere, Ribes. Mühling. 

Ptfschken, Ortsn., Dorf bei Pillkallen. 
Gä na Pöschke, Ktlkes sprenge. Über 
die Entstehung der Redensart s. Sprw. 

1, 1148. 

Pose, /. 1. Federkiel, Federspule, 
Flügelfeder der Gans zum Schreiben. 
Gewöhnlich Federpose, auch Pösenfeder. 
Vor Einführung der Stahlfeder gab es 
besondere Posenhändler. Hennig, 192. 

2. Knallbändchen an der Peitsche. 
Dönh. 

Posen, plur.y Federn, Federbett, poln. 
posciel. In die Posen gehen — nocA 
Posen reisen (wortspielend), zu Bette 
gehen. 

Posenfeder, /., -händler, m., s. Pose. 

Posengel, m., nach Hennig, 192; 
nach Bock, 47, Pusengel, Spott- und 
Schimp&ame auf ein schmutziges, ge- 
meines Frauenzimmer. Man nennt je- 
doch auch ein vollwangiges Mädchen 
oder Kind Posengel, und dürfte in dieser 
Bedeutung das Wort Abkürzung von 
Posaunenengel sein, der ja mit vollen 
Backen bläst Vgl. Pilichel. 

Posenocke, /., Überziehsocke, Pa- 
rSske. 2. kleiner Kinderschuh. Sam- 
land. 

pOsern, pSsem, sw., s. pflsern. 

Pösew, m., Verweis, Rüge, RuffeL 
Kr hat einen guten Posew bekomimen, 
2. im Flatowschen Kreise auch Vor- 
ladung; von dem poln. pozew^ russ. 
j^ozyu? gerichtliche Vorladung. Schmitt, 



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Posnäk — poswollen. 



171 



108; Westpr., 167. Nsslm. Th., 
138. 

PosnSky w., Bosnier. 

P0886kel, m., grofzer Schmiedehammer. 
Lit. posikelü^ poln. posiekac zerhauen, 
zerhacken. Der Possekel heifzt pöln. 
duhf c%§zki mlot Hennig, 192, weist 
far die Ableitung auf das mhd. bozen^ 
ahd. pGzan stofzen, schlagen hin. Pos- 
sekel tritt auch als Familienname auf. 
Nsslm. Forsch. 2; Th , 138. Altpr. 
M. XV, 583. 

Possen, m,y neckischer Streich, Schel- 
menstreich, Scherz, Schabernack, Ärger, 
Kränkung, Tort. Einem einen Possen 
spielen — ihm etwas zum Possen thun. 
Denn sonst kann ja dei* Mann sich ve?*- 
schreiben^ oder aus Possen es gesagt 
haben. Soph. R. III, 29. hei woll 
man Kortwü dritoe. Sine Posse kenn* 
öck schon. Volksl., 7, 51, 4. Zunächst 
wohl von Posse. Vgl. Adelung III, 
812. Poln. psota. 

possen, sw.j einen Po/z geben, küssen. 
Hennig hat noch pussen. Streicheln, 
Belseny küssen, Possen. Stein, Pere- 
grinus XIII, 1. W. Mtsbl VI, IJl. 
Awer doch nicht junem Jäga^ siene 
Dochter gepost. Dorr, 1. Wiew., 8. 
Bock, 45. Hennig, 192. 

Possenlied, n., Spottlied. Elwen, singt 
en Possenleed on kniept em omzech. 
Dorr, 1. Wiew., 122. 

Possjehann, m., Kufzjohann. Einer, 
der gern Mädchen kufzt. Vgl. PTsjan. 

PossStz, m., Station, Ruhepunkt, Halte- 
platz. Schemionek, 29. Poln. od- 
poczqc ruhen. 

Post, n. I.Denkmal, Grabstein; von 
Postament. Auf das Ch'ab ein Post 
setzen. 2. /. Ortstafel; Wegweiser. 

Post, /., der Freitag als. Tag des 
Fastens, des Aufgebens, Fahrenlassens 
der Fleischspeisen. ^o\n.pusci6 fahren 



lassen, loslassen, odpuicic erlassen, yer^- 
geben, odpust der Ablafz. Nach Ab- 
stofzung der Vorsilbe ist aus pust das 
deutsche Post geworden. Treichel. 

Posten, m., Pfosten, Pfeiler. Beleg 
s. unter entfallen. Vgl. Ständer. 

Postronke, m., von dem foln. posironek 
Strick, Tau, Strang, u. zunächst wohl 
mit diesem gleichbedeutend. 1. eine 
in früheren Zeiten übliche Prügelstrafe, 
in Schlägen auf den Hintern mit einem 
Strick oder Tau bestehend. Bock, 
45. Hennig, 192. Er hat Postronken 
bekommen. Friedlich Wilhelm /, der 
die Schonung der Lindenbäume und den 
Verlust an der Ledersteuer im Auge 
hatte, verordnete 1. Aug. 1724: gegen die 
Paresken Postronken und, da dej* Lit- 
tauer sich aus Stockhieben wenig machte, 
29. Aug. 1125 Karrenarbeit. Rogge, 
19, Note. 2. Ruckgrat und das daran 
sitzende Fleisch, hier Rückstrang ge- 
nannt, und somit dem poln. postronek 
entsprechend. Besonders heifzt in Na- 
tangen und in der Bartener Gegend 
Postronke, in der Elbinger Niederung 
Rückstrang das Gericht, womit am 
Abende des Schweineschlachttages 
Hausgenossen und Gäste bewirtet wer- 
den, und welches aus den frisch ge- 
bratenen Stücken des von Speck und 
Rippen befreiten Rückgrats besteht. 
Dönh Nsslm. Forsch. 2; Th., 139. 

Postweiuk, m., dicker Stock, Knüttel, 
Prügel. Warte, ich komme mit dem 
Postweiuk. Kr. Neustadt. jTreicheL 
Bei Mrongo w. nicht aufzufinden. 

Poswailak, m., ein Mensch, der sich 
alles gefallen läfzt; von dem poln. poz- 
waUac erlauben, bewilligen. Schmitt, 
108; Westpr, 167. 

poswollen, sw., gehen, zur Arbeit 
schreiten. Wi motte man wedder pos^ 
wolle. Samland. Von dem poln. poz- 



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172 



Pofe — Potlitzen. 



walac erlauben, bewilligen, heiizt das 
Fat. pozwol§, 

Pofz, m., Dem. Pofzchen, Pofzke, 
Kufz. En Pofz ÖS en Stoffe wer'n nich 
Itden kann^ wascht em af. Dorr, 79. 
Göff ml e Pofzke! E Pofzke möt Sopp 
erhält man von einem Kinde mit un- 
sauberer Nase. Ahd. ctis^ chus^ mhd. 
kus Kufz, ahd. ctissiny chtissin, mhd. 
küssin küssen, litt, biiczkis Küfzchen, 
Imczuti küssen, lett. butichoht küssen, 
poln. buzia^ buziak Kufz, Küfzchen. 
Nsslm. Th., 219. 

P8(zbott, m, Pifztopf, Nachtkanne. 
Potabely m , „ehemals in Litauen die 
Kirchenbedienten, welche den deutschen 
Kirchenvätern Hilfe leisteten. Ihr Amt 
war, die Glocken zu läuten, Wein und 
Oblate zu besorgen, Kirche und Kir- 
chengeräte rein zu halten, den Kling- 
säckel zu tragen, auf die unfleifzigen 
Kirchgänger zu merken, die Ungehor* 
samen ins Halseisen zu stellen, den 
Predigern aufzuwarten, wenn sie zu den 
Kranken gehn mufzten, oder Taufen zu 
verrichten hatten; auch hatten sie bei 
der Dezems-Einnahme gegenwärtig zu 
sein, die Bauten zu besorgen und den 
Predigern beim Ackerbau behilflich zu 
sein. Für diese Bemühungen wurde 
ihnen der halbe Zins für die Kirchen- 
hufe, auch alles andere Scharwerk er- 
lassen. 1724 wurden die Potabek auf- 
gehoben. Insterb. Kirch en-'Visit. d. a. 
1738." Hennig, 192f. Einer von mei- 
nen gewesenen littauischen Kirchen-Auf- 
wartem^ die man Potabel nennt etc. 
Pierson, Matth. Prätor., 12. Für 
die Ableitung weist Hennig auf die 
Zusammensetzung aus po und Tabel 
hin, „weil sie mit den Tafeln in der 
Kirche das Geld sammeln, oder an der 
Tafel (Altar) beim Abendmahl stehen 



raufzten.** Genaueres über den Potabel. 
s. Kogge, 31ff. 

potfttsch, adj.^ prahlerisch. Mit Ver- 
stärkung: grofzpotdtsch, was man häu- 
figer hört. 

Potafschen, Petefschen, plur. Fleck- 
fieber, jeder lebensgefahrliche Haut- 
ausschlag. Anno 1716 krankten die 
Leute hin und wieder an der Potatschen. 
Hartwich, 518. Gr.-\eii. petechiae^ ital. 
petecchie, poln. petecie, petocie^ bayerisch 
Petecken^ Pedecken. Schmeller I, 301. 
Nsslm. Forsch. 3; Th., 139. 

P«t(e), /., Dem. Potchen, Pfote, 
Hand. Oieb mir die Pot — dein Potr- 
chen! Er hat auf die Pöten bekommen. 
Er mufz Pöten saugen^ leidet Not, 
ist ohne Beschäftigung (das Bild ist 
vom Bären hergenommen). Ein ge- 
sundes drelles Mädgen^ mit ein paar 
weifzen niedlichen Pöhtgen. Soph. R. 
IV, 138. HolL poo% frz. patte^ engl. 
paw, 

Pote, Pott, m,y Steckling. Pappel- 
poteny Stecklinge von Pappeln. Pott- 
weiden^ Stecklinge von Weiden. Sche- 
mionek, 27. 29. 

Poteige, /, Bouteille, Flasche. 

poten, Sfw,^ mit den Pfoten ergreifen, 
krallen. Das Kätzchen sollte dich noch 
einmal pöten und dann dich wegschleu- 
d^mf Soph. R. VI, 419. 

Potenge, /., Pflzn., Betonie, Betonica 
officinalis L. Bock Nat. HI, 443. 
Hagen, 621. 

Pottfchen, n., durch List oder auch 
durch Ränke erworbener Vorteil. jBr 
weifz sich viele Pottfchen zu machen. 
Korrump. Dem. Yon Profit Bock, 46. 
Hennig, 193. 

Potkamor, tt»., s. PakmOr. 

Potlitzen, plur.^ s. Petlitzen und Pod- 
iitzen. 



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PotrimmeD — Powunden. 



173 



Potrimmen, Orten., Dorf bei Tilsit. 
Kannst trumpfe bet Potrimm. Sprw. I, 
3846. 

putschen, sw,^ s. petschen. 

Potschtne, /., groCzes Ruder auf den 
Holzflöfzen und Gallerten. Danzig. 
W. Seidel, 33. Lit. poczjfna^ poczyne^ 
puczyncis^ folü.paczyna, N s s 1 m. Forsch. 
2; Th., 140. 

Pott, m, 1. Topf, Urne. Die Urnen 
der Hünengräber nennt das Volk in 
Westpr. oUe PoU. Treichel. S. BoU. 
2. Schmorpfanne. Samland. Engl., 
franz. und hoD. pot^ dän. potte^ in Bre- 
men Pott^ in Hamburg Pütt, Brem. 
Wb. m, 355. 3. s. Pote. 

Pttl, PUtt, Putte, f., Pfätze, nament- 
lich eine solche im Fahrwege. Es hat 
fache geregnet^ dafz abe too e Pott stehe 
bleibt^ 08 nich. Oberland. Da war 
sane tiffe PoU. Schaltj. 3, 4. Der 
Wagen fiel in die Pütt. Engl, pit^ 
angs. pyt, hebr. botz Kot. Brem. Wb. 
III, 385. Hennig, 199. 334. 

Pttt, /., Bütte. He heft HoU on PoU 
vofl, er hat Hütte und Bütte, d. i. 
Haus und Keller voll. Sprw. I, 1776. 

Potta, /., Butter. Ermland. Im 
Werder Potter. Davon pottem, ato., 
buttern. 

Pottafrau, f, Butterfrau. Liebes, 
Mchdnes PoUafrauche, Gant (gebt) mer 
Eure Trud'! Volksr., 236, 833. 

Pottaklatscher, m., s. Birtterklatscher. 

pSttem, sw , Pötte, Töpfe, zerschlagen, 
zerbrechen, besonders irdenes Geschirr. 
Was hat er denn schon wieder gepottertf 
TreicheL 

Pottbimd, m, s. pottig. 

9^^9 ^", geizig, filzig. Hennig, 
193; h&lt es für eine Zusammenziebung 
▼on PoU und dicht; es würde also diese 
Eigenschaft einemMenschen zukommen, 
der seinen Topf für andere dicht, fest, 



verschliefzt. Man nennt einen solchen 
Geizhals auch: einen rechten Potthund. 
Bock, 46. 

Pottok, m., Morast, Sumpfloch. Trei- 
chel. Poln. potok Bach, Feldflut. 

Pottweide, f., s. Pote. 

Pötz, /., tonnen- (pott-) artiges Ge- 
fal'z zum Ausschöpfen des Wassers aus 
den Schiffen. Pillau. 

Power, n., Joppe, Jacke für Frauen. 
Samland. 

power, adj\ u. adv,, arm. Einpowrer 
Mensch. Poxiore Ttt, armselige, teuere 
Zeit. Er ist power dran. Power on 
patzig. Es ist das franz. pawyre^ lat. 
pauper. 

Powirpen, Pawirpen, plur., Losmann, 
Freimann, Tagelöhner, keinem ver- 
pflichteter Arbeiter auf dem Lande. 
Und soll ein jeder Handwerker jährlich 
Decem geben 30 fzl.^ ein Pomrp 15/zl. 
Insterb. Kirchen-Yisit. v. 1604. Hen- 
nig, 181. Eine zweite Belegstelle 
unter Losmann. Vgl. auch Freimann, 
Lit paunrpas. Das Wort ist identisch 
mit dem im Eatech. vorkommenden 
altpr. powirps frei. Nsslm. Forsch. 2; 
Th., 140. 

Powunden, Ortsn., Kirchdorf im Land- 
kreise Königsberg, von Cranz etwa 
eine Meile entfernt. Der Name ist 
eine Zusammensetzung der beiden alt- 
preufz. Wörter po bei, und wundan 
Wasser (lit, wandu, dän. vand). Po- 
vmnden ist also der bei oder an dem 
Wasser (kurisches Haff) gelegene Ort. 
Vgl. Nsslm. Th., 213. Die Sage 
deutet den Namen sinnig. Sie erzählt 
von der Tochter eines preufzischen 
Häuptlings, der bei dem Einfall des 
Ordens gegen denselben ins Feld ge- 
zogen war, dafz sie durch wandernde 
Apostel mittlerweile zum Christentum 
bekehrt und deshalb von dem rQck- 



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174 



Pox — prachern. 



kehrenden Vater ermordet worden sei. 
„O Wunden! (nämlich Jesu Christi) 
soll sie sterbend gerufen haben; daher 
der Name: (P)owunden. Passarge, 
Balt, 117 f. 

POX, ?»., 8. PopO. 

pr, tnterj., Zuruf an Pferde, wenn sie 
halten sollen. 

Prä, Prft, n., Vorzug, Vorrang, Ober- 
hand, prae aliis. Er mu/z immei* das 
Prähaben. Ebenso in Bayern. Schmel- 
1er I, 341. 

Pracher, w., Bettler, Armer, Ver- 
armter. Poln. pracharz Bettler (M r on - 
gov. II, 587 b), lit. prazqs Bittsteller, 
dan. prakkery schwed. prackare Bettler, 
engl, prog etwas zu essen suchen, praetor 
vulgär Bettler, irländ. proghain Kum- 
mer, Sorge. Brem. Wb. III, 357. In 
Holland ist Prachei* Geizhals, Schinder, 
Wucherer; in Hessen ein Dürftiger, 
häufiger fast: ein knickeriger Mensch 
(Vilmar, 305). Pierson, Lit. Aeq. 
20, hält Pracher gleichen Stammes mit 
dem Schimpfworte iVöy, mit welchem 
in Danzig 1525 die Lutherische Partei 
belegt wurde. Sei dienstbar allen Leuten^ 
so wirst du ein Pracher bei Zeiten, Sprw. 
I, 583. Der Praclier hat Hochzeit^ 
wenn überflussigerweise zwei Lichte 
brennen. Wenn de Pracher Onglöck 
heft,, verlort he 6k den Prachersack. 
Wenn de Pracher wandre toöll, flockt 
hei den Sack, Heft de Pracher 6k e 
Bedenterf wenn ein ins Zimmer Treten- 
der die Thür offen läfzt. Vgl. Sprw. 
I, 2987 ff.; II, 2091 ff. Pracherke mtn 
Bröderke^ zur Bezeichnung schlechter 
Vermögenslage. Über die Entstehung 
dieser Redensart s. Sprw. II, 2093. 
P6lsch Pracher^ Gesellschaftsspiel. Be- 
schreibung s. Volksr., 199, 735. Hen- 
nig, 194. 

Pracherei, /. 1. Bettelei. 2. zur Be- 



zeichnung des Armseligen, Unzuläng- 
lichen, Ungenügenden. Dat os Prachert. 
Ich hab mich bei ihm in die Bettelei/ 
und Pracherey gesteckt Stein, Pere- 
grinus XIII, 87. W. Mtsbl. VI, 159. 
Poln. prachßrstwo; lit. praszimas die 
Bitte. 

Pracherfitzelband, n., grau und schwarz 
gemustertes Fitzelband, aus alten Zwim- 
abgängen gefertigt. Dzg. Nhg. Viol^t, 
103. 

Pracherherberge, /. 1. Herberge der 
Pracher. 2. elendes Gasthaus, armse- 
lige Wirtschaft, Hungerort. Das ist 
hier tote in der Pracherherberge. Das 
geht zu wie in de7 Pracherherbei^ge. Poln. 
pi^acharska. 

pracherig, adj.^ bettelhaft, ärmlich. 
Et geit ml pracherig^ es geht mir 
schlecht. Ebenso in Hessen. Vilmar, 
306. 

Pracherjagd, /., Jagd auf Pracher: 
die jährlich zweimal unangemeldet ein- 
tretende Haus- und Landes-Visitation, 
bei welcher Bettler, Vagabonden etc. 
aufgegriffen werden. Mühling. Jetzt 
wohl abgeschafft. 

Pracherkirchhof, w., Armenkirchhof. 
Sie fahren ihn auf den Pracherkirchhof 
(in der Pracherpitsche). Königsberg. 

Pracherläuse, pltd. PracherlUs, plur. 

1. Pflzn., gemeine Spitzklette, Xanthium 
sti'umarium L. Hagen, 992. Nach 
M&hling auch Pfaffenläuse. Auch Sa- 
men der Hundszunge, Cynoghssum ofß- 
cinaleL. In Schlesien heiJ'zt der Same 
von Beiful'z, Artemisia vulgaris L., 
Bettelmannsläuse. Treichel, Volksth. 

2. Med. Sem. Staph. agriae {Flor. iSf- 
rethri rosei pulv.) 

prachern, sw. 1. betteln. Und wenn 
ich prachern gehen sollte! Mit dem 
kann man prachern gehn^ so gutmütig 
ist er. Dicktliun ist mein Reichtum^ 



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Pracherpack — Pragge. 



175 



Prachem mein Handwerk. Kgsbg. 
Wi mufzte prachere gäne^ Wt Bure aU- 
tomal. Lhrztg. 4, 355c. 2. anhal- 
tend, liebkosend bitten. Er prachert 
tote ein Hund. Die Kinder practiem. 
Lit. pra8z^ bitten, prasziniti betteln, 
oft bitten. 

Pracherpack, n., Bettelpack, armseliges, 
elendes Gesindel. 

PracherpHsche, /., früher Name für 
den Armen-Leichenwagen. Da kommt 
die Pracherpüsche. Kgsbg. 

Pracherpitscher, m. 1. Bettelvogt, der 
wahrscheinlich eine Peitsche führte. Die 
Prac?ierpeitscher hatten auCzer ihrem ei- 
gentlichen Amte währen d des Gottesdien- 
stes an den Kirchtüren zu stehen und 
„die Hunde oder trunkene, unsinnige 
Men8chenu.dgl. abzuwehren.^ Hennig, 
194. 2. Führer (Kutscher) einer Pra^ 
eherpüsc/ie. 3. jetzt Spottname für 
Knaben, welche gern die Peitsche 
führen. 

Prachersack, m., Bettelsack. 

Pracher8che, /., Pracherin, Bettlerin. 

Pracherstaai m., Flitterstaat, Bettel- 
pracht, Ausputz, der wenig kostet. 

Pracherstolz, m.^ Bettelstolz, Stolz bei 
Armut 

Pracherstube, /., Stube eines Prachers. 
Hier öe et so warm^ wt on e Pracher- 
Btawy von einem gegen Wind und Wetter 
möglichst geschützten Orte im Freien. 
Sprw. I, 2998. 

Prachersuppe, /., gebrannte Mehl- 
sappe. Eine pommersche Gel»*anntmehl- 
8uppe schickt eich heute gut, Soph. R. 
IV, 255. Vgl Schmirgel. 

Prachenerreifzer, pltd., Pracherterrlter, 
m., Spottname für die Bewohner des 
ELirchdorfes Goldbach bei Tapiau. Der 
Sage nach sollen sie einst ruhig zu- 
gesehen haben, wie ihre Hunde einen 
Bettler zerrissen. Noch jetzt haben sie 



„Flicker" von den Kleidern des zer- 
rissenen Bettlers zwischen ihren Zähnen. 
Die Neigung zur Klatscherei wird ihnen 
von den Nachbarn nur zu bereitwillig 
zugesprochen. Sprw. I, 2999. 

Pracherzitz, /., Zitze des Prachers, 
Lutschbeutel. Schemion ek, 29. 

Prtldden, plur.^ Name eines Teiles 
der Sandhügelkette bei Kossitten auf 
der kurischen Nehrung. Volksschulfr., 
77. 

Prägel, m , durch p'ojr^Zneingekochter, 
dicker Brei, s. Brägel. 

prägeln, prSgeln, sw. 1. kochen, 
braten, schmoren, sieden, rösten, dörren 
durch Feuer oder Sonne. De Sonn 
prägelt goty et gewt Gewitter ^ wenn 
bei aufsteigenden Gewitterwolken die 
Sonne stechend brennt. Bei solcher 
hitzigen und dürren Zeit hat die Sonne 
gar sehr den oberen Theil des Erdbodens 
durchgepregelty oder durchgebraten und 
gekochet Linem., Aaala. 2. sich 
prägeln, sich am Feuer quälen und er- 
hitzen, sich von der glühenden Sonne, 
dem heifzen Ofen mit Behagen durch- 
wärmen lassen. Die Kochin prägelt sich 
beim braten. Der Alte prägelt sich in 
der Sonne — am hei/zen Ofen. Sche- 
mionek, 29, unterscheidet prägeln bei 
gelindem Feuer braten, und präkeln 
in der Sonne schmoren. Poln. prazyc 
prägeln; in Bayern bregeln ein Geräusch 
machen, wie etwas, das brät oder ge- 
lind aufkocht; gelind braten oder ko- 
chen. Schm eller I, 256. Vgl. das 
identische brägeln, s. etnprilgeln. 

Prager, m.. Mann aus Prag. Prager 
Musikanten (Kgsbg.), auch Prager Stu- 
denten(Dzg.) heii'zen die herumziehen- 
den Musikanten, früher meist böhmische 
Bergleute, nach ihrer Zahl, auch sieben 
Brüder. 

Pragge, /., grofzer gefüllter Klofz, 



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176 



Prahlsacht — praseln. 



Piragge. Gewöhnlich sind in die Prag- 
gen Spirkel eingebacken ; sie wurden in 
früherer Zeit nach Beendigung des 
Dreschens den Leuten vorgesetzt. Sam- 
land. Im Ennlande heii'zen sie FUlle- 
keilchen. 

Prahlsacht, Prahlsack, n., Gewebe aus 
einem Gespinst der Haare von Rind- 
vieh, Pferden, Ziegen u. a. als Ein- 
schlag, und aus Hedegam als Aufzug. 
In vielen Städten des polnischen Natan- 
gen ioird ein Haaremeug^ Prahlsachty 
häufig und in Angerburg allein in ei- 
nigen tausend Stücken, jedes zu 40 EUen^ 
jährlich verfertiget, Bock, Nat. I, 654. 
PraJdsacht os 6k Ttg^ äwer et holt nich 
lang, Sprw. I, 3002. Prahlsack os ok 
von Lowand. Dönh. Prahlsack scheint 
jetzt der volkstümliche Name zu sein. 
Hennig, 194, meint das Zeug habe 
seinen Namen daher bekommen, dafz 
man schlecht damit prahlen könne. 

Prahm, m. u. /., s. Prftm. 

Prallauge, pltd. PrallOg, n., grolzes, 
starrschauendes Auge; auch Person mit 
solchem Aage. 

Prftm, Prahm, m. u. /. 1. plattes 
grofzes Fahrzeug auf Flüssen, Fähre 
zum Übersetzen. HoU. praam^ engl. 
pramcy poln. pram, prom. Für Liv- 
und Estland bei S allmann, 38a, 
Hupel, 178. 2. kubisches Mafz für 
Kalksteine und Gips. Ein Prdm Kalk- 
steine -■ 10 Fulz lang und breit und 
3 Fulz hoch - 300 Kbkfu/z. Ein Prdm 
Gips = 21 Fufz lang, 7'/, Fufz breit, 
27« Fuiz hoch ^ 393»/4 Kubikfufz. 
Mühling. 

Prftmgeld, n., Fährgeld. 

Prftmspritze, /., Feuerspritze auf ei- 
nem Pränty schwimmende Saugspritze. 
Königsberg. 

pramatieren, sw.y sich aufspielen, sehen 
lassen, dicke thun. Jetzt da der L ,,l 



sich dick gefressen habe^ käme er und 
pramstirte, und hätte noch Reckt übrig. 
Soph. R. I, 255. 

Prangel, m., Knüttel, Prügel, Stange. 

Pranke, /., Tatze, Klaue; vom Tier 
auf den Menschen übertragen: Fufz. 
Der hat gehörige Pranken, Denn voll 
Arger on voll Boo/z Stuart hei met dei 
grote Pranke Op dat Beerbüffettke los. 
Nowack, 40. 

pranzelieren, sw,, von pranzeln^ viel 
reden, das grofze Wort haben, führen. 
Danzig. Klein H, 65. Schemio- 
nek, 29. 

pranzeln, sw., reden, schwatzen, na- 
mentlich breit, umständlich und eifrig 
reden, schelten; „sich mit Worten un- 
nütz und mausig machen^. Bock, 46. 
Hennig, 194. Sie pranzelt in einem 
weg. Nehmt an de triehe Wongsch. 
On dat eck noch dabie Önt Ohr Juprantzle 
wehl tom Wongsch on groth Geschrie: 
Juhn Früh etc. Carm, nupt. III, 77d. 
Wi motten de Lied prantzebi loten. 
Dorr, 1. Wiew. 27. Sperber, 25, 
hat (berechtigt?) pranzeln = betteln, 
unaufhörlich bitten, also s. v. a. 
prachem. 

prftschen, sw,, laut und viel reden, 
lärmend schwatzen, prahlen, grol'z thun. 
Mühling. Gewöhnlich brftschen. JEJr 
prahschte noch immerfort mit seiner 
Wissenschaft, Soph. R. IV, 165. In 
Posen auch subst. Prasch m., groliees 
Geräusch laut Sprechender, Schreien- 
der; Lärm. Bernd, 218. In Hessen 
Prasch^m., Frahlereij praschen, pratschen 
prahlen, grol'z thun. Vilmar, 306. 
Vgl. auch Anton, 11, 13. 

pra§eln, sw,, braten; nach Schmitt, 
108; Westpr., 167, von dem gleichbed. 
poln. prazac (findet sich bei Mron- 
govius nicht; wohl prazyc = prägein, 
dörren, rösten). 



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Praske — preck. 



177 



Praske, /., Knüttel. Dat es 'ne dicke 
Ptadce^ de uingen 'ne üerbeschlagene 
Spetz heft. Dorr, Driewjagd. 

Prassel, auch Prftfzel, /., Pflzn., Gar- 
tenerdbeere. Elbing. Danzig. Nsslm. 
Forsch. 3; Th., 220. Treichel, Volks- 
th&mliches II. Nach Mühling in der 
Tilsiter Gegend Prasse. In der Natan- 
ger Gegend ist Jhrassel die Knackel- 
beere, Fragaria coUina Ehrh. Nsslm. 
a. a. 0. 

Praiun, m.^ nach Mühling in der 
Gegend von Konitz und Tuchel ein 
Mehlbrei; nach Schmitt, Westpr., 167, 
eine Art Eierkuchen. Poln. prazony, 
pari, geröstet, gekriUt von p'ozycy s. 
pra^eln. 

Prftfzely /., s. Prassel, 

prftt, adv.y von dem lat. pctratus^ be- 
reit, fertig, gerüstet. Holt ju hier ne- 
wenbi fm Bruhtts prat Dorr, 1. Wiew., 
66. 

prtten, prfttem, sw,^ viel reden, in 
wohlgefälliger Breite schwatzen. Hen- 
nig, 194, hat auch pfttem; in Westpr. 
prfttschen: er prdtscht gro/z. HoU. praa- 
ten^ engl to prate u. pratüe. In Bre- 
men und Hamburg praten und davon 
Prdt Geschwätz, Prdtgenmdker Schwät- 
zer, pratelUy prdteln plaudern^ plappern, 
Pra<tffMauL Richey, 191. Brem.Wb. 
m, 359. Vgl. Mi, 65a. S. brä- 
schen. 

prfttSy interj.y s. prTz. 

Pratz, /, s. Präz. 

pratzig, adj,^ stolz^ hochmütig. Ver- 
stärkung von patzig. Ebenso in Ham- 
burg, Bremen, Holstein, Posen^ Liv- 
und Estland. Richey, 192. Brem. 
Wb. III, 359. Schutze, III, 232. 
Bernd, 219. Hupel, 179. 

prflz, interj., s. brSz n. prfz. 

Priz, Pratz, /. 1 . grofze, unförmliche 
Hand^ grofzer Fuüz; ist der letztere 

FriMkbi«, Wörttrbach U. 



gemeint, auch Prftzfufz, Brfttschfufz. S. 
brätschig. Das ist 'ne gehörige Prdz, 
In der Elbinger Ndrg. heifzt die un- 
förmliche Hand PrTtze, woraus prttzen, 
sw.^ maulschellieren. In Hessen Bratze. 
Vilmar, 52. Grimm, Wb. II, 313. 
2. Schlag mit der Ptdz^ nach Bock, 
46, u. Hennig, 194, auch mit dem 
Stocke. Er bekam prtz prdz. Ich geV 
dir 'n Prdz. Poln. prasky interj. un- 
serm prdz entsprechend, auch Klaps. 
Pierson, A. W., 37. 3. Menge, alles 
Vorhandene, und dann m. Der ganze 
Pratz. Vgl. Patzern. 

Priteel, m., Bauch. Hei heft e gode 
Prdzelj er ist gut beleibt 

Präzentor, auch Priteeptor, 9n., das lat. 
praecentOTy Kantor, erster Lehrer einer 
Kirchschule in Litauen. Im Holstein. 
Prdseptor und Prdzepter Schulmeister. 
Schützern, 231. S. Pliblschken. Vgl. 
Zepter. 

Prflzfufz, m., s. Prftz. 

prftzig, adj.y grofz, plump, ungeschickt, 
s. brätschig. 

Prft, n., 8. Prä. 

Preblau, Ortsn., Dorf im Kr. Grau- 
denz. (?) Er ist von PreblaUy wo de 
Hund" met dem Zagel uyrebU. Jerren- 
towitz. 

Prechsen, m.y Brassen, s. Bressem. 

Preck, Prek, Prick, pltd. PrBck, w., 
Punkt. Angs. prikkay d&n. priky in 
Hamburg, Bremen und Holstein eben- 
falls Prik; in Bremen auch PUk. üp- 
pen Prik ganz genau. Richey, 192. 
Brem.Wb. IH, 362. Sc hütz e III, 233. 
Hennig, 165. Davon: 

preck, prek, prick, prik, adj. u. adv.y 
genau, präcis, deutlich, bestimmt bis 
auf den Punkt. Er kennt ihn preky 
sehr gründlich und genau. Ein piicker 
Kerly ein Kerl auf dem rechten Fleck 
und Platz. Das kann man nickt so 



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178 



Preckel — premsen. 



prick wissen. Ich kann noch ganz prik 
sehen. Der kleine Junge merkte das 
recht prik; er kam^ küfzte ihre Hand, 
Soph. R. III, 93. 

Preckel, m., s. Prickel. 

predigen, sw,^ viel and überflüssig re- 
den. Hei predigt mt to vcl. Ebenso 
im Holstein sehen. Schütze UI, 232. 

Predrin, w., ein 186 Ful'z hoher Dü- 
nenberg auf der kur. Nehrung in der 
Gegend von Rossitten. Altpr. M. IV, 
301. 

prSgeln, sw., s. prägein. 

Pregelwasser, n., Wasser im und aus 
dem Pregel, letzteres zur Bezeichnung 
des sog. weichen Wassers. Mit Pre- 
gelwasser kochen. Wir sind alle mit 
Pregelwasser getauft, Königsberg. Der 
Pregel hieCz altpr. Pregora^ Pregore^ 
Pregor, Prigora, Prigore, Nsslm. Th., 
142. Passarge, Salt., 304: In Preg-el 
steckt vielleicht der Name Alle {lU^ li- 
ier etc.). 

Prell, Ortsn. 1. Krug im Kirchspiel 
Wargen, Kr. Fischhausen, seiner hüb- 
schen Lage wegen von Königsbergem 
gern besucht. Am Anfange dieses 
Jahrhunderts mit seinem imitierten alt- 
preuCzischen Opferhain und den zahl- 
reichen provinziell patriotischen Ge- 
denktafeln, von denen Überreste noch 
heute vorhanden, der Königsberger 
Schuljugend ein beliebter Wallfahrtsort. 
In dem weUig wallartigen Terrain läi'zt 
sich dessen ehemalige kriegerische Ver- 
wertung vermuten, und das Auftreten 
des Namens als Appellativum unter- 
stützt diese Annahme: Der Preü — 
über den Preü gehen ^ fahren — im 
Preüy auf dem Preü gewesen sein, 2, 
Dorf im Kirchspiel Nidden, Kr. Me- 
mel. 

Preise, /., Saum, Besatz, Einfassung, 
besonders vom am Ärmel und am Halse 



des Hemdes. Weigand II, 386. Die 
Fra/wen trugen (Ende des 15. Jahrh.) 
enge Röcke, von färben braun vnd rot, 
die hetten Ermel, daran Preysen genant^ 
an welchen bis an den Elenbogenl sil- 
berne vnd güldene knopffe waren, diese 
Preysen macht ma/n mit einem senckel 
anbinden, Hennenberger, 279. 

prek, adj, u. adv,, s. preck. 

prellen, sw, 1. stille Bi&hungcn ent- 
lassen, ftsten (s. d.). In der Bander- 
sprache: Wer meldet, derpreUt^ wer an- 
zeigt, dafz es übel riecht, der hat den 
üblen Geruch auch verursacht. Volksr., 
116; 484. 2. schlagen mit Schwung. 

Preller, w., von prellen. 1, Blähung. 
2. Hieb, Schlag, Ohrfeige. On stellt 
de schelmsche Död nd jünem trütsten 
Lewen, So mot jü em vor't Mül en dege 
Preüer gewen, Carm, nupt, VI> 230 d. 

prellig, adj., eilig, schnell. Müh- 
ling. 

Prftm, m., Pfriem. Dai's g'räd so, 
als wenn de Meiler mot 'm Prem Mehl 
sackt, die Arbeit fördert sich nicht. 
Sprw. I, 1-228. 

prSmen, sw,, s. pilmen. 

Prtmke, n., s. Prtmchen. 

premmen, sw., s. premsen. 

Prems, m,, s. PrOms. 

premsen, sw, 1, dicht einstopfen, 
drücken, drängen^fest zusanmienpressen, 
etwas gewaltsam in einen engen Be- 
hälter drängen, hineinzwängen. Nach 
Treichel auch premmen und promsen. 
Wasche, Kleidungsstücke in einen Kofer 
premsen, As §k (FalstafiE) so §n den 
Korf gepi*emst weer etc, D o r r , 1. Wiew., 
85. Lat. premere, in Bremen prammen, 
prampen, in Holstein pramsen, Brem. 
Wb.ni,358. Schütze III, 231. Hen- 
nig, 195. S. einpremsen. Bei Jero- 
schin: premezen = coercere. er nam vor 
dl hungiimöt nicht wen wazzir unde brot 



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Premser — Pricke. 



179 



unde prempzte alle zu daz vleisch mit 
abstinenzien vü. 174d. Pfeiffer, 206. 
2. coire, 

Premser, m., Einzwänger; nach Müh- 
ling der Exekutor. 

PrSintabak, m., 8. Pilmtabak. 

prtpeln, sw.^ wenig essen. Treichel. 

prepsch, prKpsch, adj, u. adv,^ frech, 
rücksichtslos, grob, trotzig, widerspen- 
stig, naseweis, schlagfertig. Eineprepsche 
Margell. Prepsch antworten. Samland. 
Natangen. Elbing. Hennig, 195. 
Nsslm. Forsch. 3; Th., 220. Sche- 
mionek, 30. 

presch, adj. u. ado.^ zusammengeprefzt, 
gedrängt. Da» Theater war presch voll. 
Kgsbg. Vgl. das folg. 

preschen, 9w. 1. pressen, zusammen- 
pressen durch Druck oder Schlag. 2. 
tüchtig zuschlagen, daher auch prügelo, 
pferchen, einpferchen. Auf die Pferde 
preschen^ einpreschen, mit der Peitsche 
knallend auf sie einschlagen, daiz 
sie scharf anziehen, wobei sie sich 
presch gegen einander drängen. Viele 
Schafe in einen Stau preschen, 3. sich 
preschen, sich drängen, entgegenstem- 
men. Presch' dich nicht so an den Glas- 
schrank! Das Nebenpferd prescht sich 
an das Leinenpferd, anpreschen, in 
schnellstem Laidfe angefahren oder an- 
geritten konunen. Er kam angeprescht^ 
dafz es man so sauste. Für Posen: 
Bernd, 220. In Mecklbg.-Vorpomm. 
preschen auseinanderstieben. Mi, 65b. 

Presenning, m., s. Bresenning. 

pressflren, «tr., pressieren,, pressen, 
drängen, dringlich bitten, durch Worte 
gleichsam erpressen; das lat. pressare, 
franz. presser. Et pressOrt je nich sau, 
die Sache ist ja nicht so dringlich, hat 
nicht solche Eile. 

Prebüng, Pflzn . Knackelbeere, Fra- 
garia collina Ehrli, Pritzel, 154. 



preusch, adj,, preufzisch. Preusch 
Eylau, Preusch Holland, Preuschmark, 
Jeroschin hat prazsch : dl pn'/zche dtt 
10 a. und ouch dt andrin prüzchen lant 
104c. Pfeiffer, 207. 

Preufzisch-Freier, w., Stammpreufze, 
eingeborener Preufze. Auch rnanchen 
eingeborenen preu/zischen Grundherren 
war das Recht verliehen worden, die 
Grüter mit Bauern zu besetzen, und zwar 
jure perpetuo haereditario ctUmensi gegen 
Zins und Dienstleistungen, wodurch die 
sogen. Preufzisch - Freien entstanden. 
Prov. Preufz, 424 f. Vgl. KOImer. 

prewungem, sw., bitten. Se prewun- 
gerä! so sehr, sie bat so sehr. Natan- 
gen. 

Prtzel, Brtzel, Brfitze, /. u. m., Hals- 
schmuck, aus aneinander gereihten sil- 
bernen Brezeln (Kringeln) bestehend, 
Halsschnalle, Tachnadel, Fibula, in 
Brezelgestalt. Zum achten sollen Bretzen 
etc. gentzlichen verboten sein. Kleid.- 

Ordg. N. Pr. Prov.-Bl. a. F., 373 

eine (Decke) auf einei*, die andre auf 
der andern Schulter, und mit einem stZ- 
bemen Pretzel zusammengeheftet. Pier- 
son, Matth. Prätor., 112. Bock, 46. 
Hennig, 195. 

prf, interj. des Argers. So ein Ben- 
gel, Brausewind! Prf! Soph. R. U, 
454. 

Prich, m., s. v. a. Brich Bauch. Sper- 
ber, 39. S. Brtfch. 

Prtchen, (?), Chor in einer Kirche. 
Mühling. 

prick, adj. u. adv., s. preck. 

Pricke, pltd. Pr»ck(e), /. 1. Stange, 
vermittels welcher der Sack oder Wen- 
ter befestigt wird. Zu einem Sacke 
werden 6 bis 7 Pricken gebraucht. Bei 
allen Sackfischereien müssen die Pricken 
die Hausnummer des Eigentümers 
tragen. Fisch.-Ord. f. d. kur. Haff. § 53. 

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180 



Pricke — Principalealbe. 



Niemand soll Pricken im Hof stehen 
lassen^ sondern seihige zugleich mit den 
Säcken und Netzen ans Land nehmen, 
FischerordnuDg von 1738. Bock, Nat. 
rV, 700. Lit. p^os Bootshaken. Hen- 
nig, 195, schreibt Pröke, Nsslm. 
Forsch. 2. Lit. Aeq., 21. Vgl. Sack. 

2. Stecken mit Eisenspitze, oder spitzer 
Stab, mit dem die Pflagochsen ange- 
trieben werden, lit. prtkelis. Vgl. Prickel. 

3. kleiner Schuhnagel, der in den Ab- 
satz geschlagen wird. Treichel. 

Pricke, /., das Flufzneunauge, Petro- 
myzon fluviatilis L.y pltd. NSge(n)Og, 
lit. nege^ demnakis, kor. negis^ mas.^ 
kass. minoga. Benecke, 196. 

Prickel, pltd. PrVckei, Preckel, m., 
eigentlich Dem. von Pricke Stange. 1. 
Stachel, zugespitztes Stockchen, über- 
haupt alles, womit man prickelt; lit. 
prikelis. Die Wurstenden werden mit 
Prickeln geschlossen, die Leinwand 
auf der Bleiche damit festgesteckt, der 
Pfeifenkopf wird mit einem Prickel ge- 
reinigt. 2. spottweise der Infanterie- 
säbel; ein schlechtes Messer. Vgl. Keil- 
chenprickel. Bock, 46. Hennig, 159. 
3. kurzer, dicker Mensch. In Ditmarsch. 
und in Holstein ist Prickel eine Kröte, 
Brem. Wb. HI, 363. Schütze IH, 
234. 

prickein, pltd. prVckein, preckeln, m. 
1. mit etwas Spitzigem wiederholt 
stechen. (Das Stachelschwein) hat mei- 
nem Wachtel die Nase geprickelt. Soph. 
R. IV, 155. 2. das brennende Stechen 
der Sonne. Die Sonne prickelt sehr. 3. 
bildlich: kitzeln, innerlich erregen. Einen 
prickeln, ihn mit VS^orten reizen, durch- 
hecheln. Die Sache prickelt ihn, wurmt 
ihn, macht ihn verdriefzlich. 4. mit 
engen Stichen fest, kaum trennbar 
nahen. 

pricken, pltd. prVcken, precken, sw. 1. 



stechen, mit einer Pricke antreiben; 
daher antreiben überhaupt. Er mu/z 
zur Arbeit geprickt werden. Da kann 
man ömmer pröcke^ gedäne ward doch 
nuscht Bei Jeroschin: er reiste mit 
in vort in daz lant zu Medeniken unde 
wolde iz aber priken in vtenütchir ub- 
birlast 171a. Pfeiffer, 207. 2. mit 
Pricken befestigen, anpricken. 

prik, adp u. adv., s. preck. 

prim, adj., s. prVm. 

Prtmciien, pltd. Prtmke, PrSmke, n., 
kleiner Ballen Kautabak, den man in 
den Mund steckt; holl. pruimpje eigent- 
lich Pfläumchen. Stoppt sock e Premke 
Toback brit Mul. Königsbg. Firme- 
nich I, 103a. Kopf weg^ e Premke 
ßUt vom Dack! Von de linke Std e 
Premke^ von de rechte Std e Plp To- 
ba^k on ön e Modd besape. Sprw. I, 
2140. 3482. Schamb., 160b. 

Pilmelclien, n., Himmelsschlüssel, iVi- 
mula veris L. Hennig, 195. 

Prfmeni w., Pfriem, Pfriemen. Muh- 
ling. 

prtmen, pltd. prfime(n), sw. 1. ein 
Primchen im Munde haben, Tabak 
kauen, kauen überhaupt. 2. ungeschickt, 
schlecht nähen, zunähen, flicken, gleich- 
sam als wäre es mit einem Primen ge- 
näht Hennig, 195. Schemionek, 
30: priemen auch schlecht stopfen. S. 
prQmen. 

Priml2, /., primitiae, das erste Mefz- 
opfer eines neugeweihten katholischen 
Priesters. Er halt heute seine Primtz. 
Ermland. Wohl in allen katholischen 
Ländern. Schmellerl, 343. 

Prtmke, n., s. Prtmclien. 

Prtmtabak, pltd. PrSmtabak, m., Kau- 
tabak. 

Principaisalbe, /., Medik., ünguentum 
Hydrargyrum alb. Auch Principitat und 
Prinzmetallsalbe. 



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Prinz — prfz. 



181 



Prinz y m., ehemals in Königsberg 
Bezeichnong för den Stadtmusikos, im 
Gegensatz zu seinen ^Gesellen^. Von 
dem lat. princeps. Hennig, 196. 

Prinzessin, /., zur Bezeichnung eines 
Mädchens, das sehr gefahrlich thut, 
leicht etwas übel nimmt. In Danzig: 
Primemn Perlepomse. Gedanism. 

Prinzmetallsalbe, /., s. Princlpalsalbe. 

Prinzregent, m., als Bezeichnung einer 
Schnupftabakssorte. Königsberg. Ygl. 
Sprw. II, 2099. 

priicheln, «to., s. v. a. brUcheln und 
verwandt mit krischeln. 

Prtse, /. Eigene Prisey Frauenzimmer, 
mit dem schwer umzugehen ist. Sche- 
mionek, 30. 

Pilse, /., lange Stange mit KrQcke, 
die gegen die Achselhöhle gestemmt 
wird, zum Weiterschieben der Kähne 
und Flöfze, lit. ptysas. Nsslm. Forsch. 
3; TL, 143. Lit. Aeq., 21. 

Priiel, Prissel, m. 1. ein wenig, ein 
bifzchen. 2. Schmutzerdc. Treichel. 

priiellg, adj.^ zimperlich, aber auch 
kurz angebunden. Friedland Ostpr. 

Prfsellauch, m., s. Prfsloch. 

pilslich, adj.y preis würdig. Bei Je- 
roschin: daz wtsit manche gröze tdt^ 
dl er prisUch begangin hat^ 25 b. Pfeif- 
fer, 207. 

PrTsloch, PrtSlauch, m., Schnittlauch, 
geschnittener Knoblauch, AUium schoe* 
noprcavm L, v. Auer. In Friedland 
Ostpr. auch PriseUauch; im Weichsel- 
delta Preulauch^ pltd. PreseUak Klein 
geschnitten streut man den Lauch in 
Prisen auf Butterbrot oder nimmt ihn 
als Gewürz an verschiedene Speisen. 
Sperber, 25. 

Prissel, m., s. Prifol. 

Pristanlen, Ortsn., Dorf am Mauersee 
im Kr. Angerburg. Hei haut cn wt 



de Pristanier on de Stint Sprw. I, 
712. 

Pritke,/. (Pricke.?),Stangeim(frischen) 
Haff zur Bezeichnung der Fahrrinne. 
Schemionek, 30. 

prlts, interf., s. prfz. 

pritsch, selten pnitsch, schallnach- 
ahmendes Adverb, verloren, fort, weg ; 
vielleicht: schnell dahin wie der Gufz 
einer Pritsche Spritze; poln. precz. Die 
Sache ist pritsch. Die Flöte ist pritsch, 
wie meine Geige; es kam einmal Noth 
an Mann: da ging sie flöten, Soph. 
R. 1,629. Vgl. Bernd, 220. Anton, 
11, U. 

Pritsche,/. I.Spritze. Hennig, 196. 
Das kommt wie am der Pritsche, kräf- 
tig, in schnellem ErguTz. 2. Lager- 
statte, namentlich der Soldaten auf der 
Wache, aus Brettern bestehend und 
auf niedrigen Pfosten ruhend. Im Brem. 
Britze. Brem. Wb. I, 141. 3. Flinte: 
Hei hadd de 61 Pritsch 5m, er hatte die 
alte Flinte um. 

Pritschen, sw. 1. spritzen. 2. ange- 
führt werden, Verlust erleiden. Er ist 
gut gepritschty tüchtig angeführt, be- 
trogen. S. pritsch. Allgemein bekannt 
ist der gepritschte Europäer, Vgl. A d e - 
luDgl, 1201: pritschen, britschen mit 
der Britsche schlagen, klatschend schla- 
gen. . . . dafz kein Mensch mehr zu mir 
schickt, und ich gepritscht bin. Soph. 
R. VI, 557. S. Bernd, 221. 

Prttze, /., prttzen, sw,, s. PrSz. 

pil2, in Verbindung mit prSz, auch 
pilts, prftts, interj,, nachahmend den Ton, 
den fallende Schläge erzeugen. Er be- 
kam priz prdz, er bekam Ohrfeigen 
rechts und links. Prihts, prahts! — 
Ich fuhr hier wieder auf meine Bank 
und krigte unterwegs noch so einige 
Schmisse. Soph. R. IE, 218. Vgl. rtz 



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182 



Pröbbernau — Prostemahlzeit. 



raz u. Ti*dz, In Posen priz-praz die 
Thiir oft und geräaschvoU auf- und za- 
machen, gleich unserm bribraz. 

PrVbbernau, Ortsn., Dorf auf der Süd- 
ecke der eigentlichen Danziger Neh- 
rung. In Pröbbernau ist die WeÜ mit 
Brettern verschlcigen. Zu Pröbbernau^ 
wo's Ende der Welt ist. In Pröbbernau, 
wo die Hunde mit dem A, bellen. Vgl. 
Sprw. I, 3012. 

Probe, /. Nicht die Probe^ als Zu- 
rückweisung. 

Probenreiter, w., Musterreiter, Commis 
voyageur. 

Probenträger, plur,, Leute, welche von 
dem zu Lande ankommenden Getreide 
die Proben umhertragen und es den 
Kaufleuten zum Kauf anbieten. Dzg. 
W. Seidel, 33. — Li Kgsbg. heifzen 
sie Verkäufer. 

probott, od;., reinlich, propre. Muh- 
ling. 

Probet, m., ehemals in Königsberg der 
Ökonom, der die Mahlzeit der Alum- 
nen besorgte. Von dem lat. praepositus; 
holl. proost Bock, 46. 

PrVch, m., s. Bruch. 

PrOck, m., s. Preck. 

prOck, flwf;., eifrig, versessen. Er ist 
darauf pröck Vgl. preck. 

PrVcke, /., s. Pricke. 

PrHckel, m., s. Prickel. 

prOcken, su),^ s. pricken. 

Profitchen (i lang und kurz), n., s. 
Lichferknecht. 

Prökel, (?), dürres Holz. Treichel. 

PrBl, w., April. De März tieft kein 
Herz^ on de Pröl deit 6k noch^ wat hei 
wöU. 

prHien, sw ^ s. v. a. krftlen. 

prom, prBm, prim, adj,, aufgeblasen, 
keck, stolz. Mühling. He sott prom^ 
er sitzt gravitätisch. Nach Gordack 
s. V. a. prepsch. 



prVmen, sw.^ sichy sich zieren; be- 
sonders von Frauenzimmern. Danzig. 
Klein ü, 67. 

PrVmmel, m., Bauch, namentlich star- 
ker, dicker Bauch. Hei heft e gSde 
Prömmel, er hat einen starken Bauch. 

prOmmlich, arf/., erregt, aufgebracht; 
maulig, maulfaul. Se ös gVk prömmlich, 
Friedland Ostpr. 

. PrKms, Prems, f., Mus, Mehlsuppe. 
Nsslm, TL, 220. Pierson, A. W., 
37: gäl. Kleienmehl, Speise. 

promsen, sw., s. premsen. 

proper, prOper, adj,^ propre, rein, rein- 
lich, eigen, sauber, nett 

Propfen, pltd. Proppe(n), Dem. Prop- 
chen^ pltd. Propke, w., Pfropfen. Davon 
der Propfenzieher. 2. Propke, kleines, 
dickes Kind, das wie gepfropft ist. 
Treichel. 

proppen, sw.y pfropfen; übermäCzig an- 
füllen; coire, 

proppendig, adj,^ gepfropft. Proppen- 
dig voll^ gedrückt voll. Vgl. Danneil, 
161a. 

prVpsch, adj. u. adv.^ s. prepsch. 

proschen, sw^ betteln. Prosche fa ne 
Grosche^ fa ne Döttke dremal. Jerren- 
towitz. Von dem poln. prosi<i^ Pr&s. 
p'osz§ bitten. 

prOst, das lat. prosit^ wohl bekomm's, 
zur Gesundheit. Wunsch beim Niesen, 
beim Zutrinken, bei der Mahlzeit. In 
gebildeteren Kreisen beim Zutrunk: 
Pröstchenl I¥6sty Vada^ Jost! Prost, 
gröfz' dm Vadder Jost! Sprw. I, 3017. 
Pröst de MältH, prosit die Mahlzeit! 
Prost Neujahr! der kürzeste uod be- 
liebteste Neujahrsglückwunsch. PrSst 
öm de Hälft, det Ganze krtg öck nich 
mehr, wenn man während des Essens 
in ein Zimmer tritt. Sprw. 11, 2105. 

Prostemahlzeit, /., s. das vor. und 
Musik. 



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Prostemahlzeitogesicht — prusten. 



183 



PrtotemahlzeHsgesicht, n., feistes, volles 
Gesicht Man schreibt es Pastoren und 
Prälaten zu. Sprw. I, 3019. 

proster, prosto, adv.^ geradezu; von 
einem dreisten^ kecken Benehmen. Er 
redet prosto weg. Das poln. prosto ge- 
rade. Im Samlande proster aufgeblasen^ 
stolz. 

PrVfz, (?), Fladen von grobem Mehl. 

proter, adj.y trotzig. Natangen. 

protzig, adj.^ eigensinnig, halsstarrig, 
mürrisch, trotzig, und aus letzterm wohl 
verderbt. In Liv- und Estland: patzig. 
Hupel, 180. Anton, 3, 8. 

prowjeiten, sw,^ schimpfen. Saalfeld. 

PrUch, m., s. BrVch. 

Pruddel, m., pruddeln, m,, Pruddler, 
w, s. PrOdel etc. 

PrOdel, Pruddel, m., auch Bruddel. 1. 
Fehler in einer Näh- oder Strickaibeit, 
Fehler überhaupt.^ Dummheit. Er hat 
einen guten Bruddel gemacht. Sprw. I, 
474. 2. nach Mühlin g Dunst, der aus 
Flüssigkeiten aufsteigt, Brodem. 

prOdeln, pruddeln, brOdeln, bruddeln, 
9w. 1. schlecht, ungleich, kraus, dicht, 
fest nähen oder stricken. Vgl. prickeln 
4. 2. angestrengt und fleifzig nähen, 
ohne lohnenden Erfolg. Sie prudelt den 
ganzen Tag und bringt nichts vor sich. 
3. liederlich, schlecht und obenhin ar- 
beiten, pfuschen, abpfiischen; daher 
auch abprOdeln etc. In dieser Bedeu- 
tung in Liv- und Estland brudeln. 
Hupel, 35. Bock, 46. Hennig, 4. 
196. 

prudeln, pruddeln, bruddeln, sw.^ bro- 
deln, kochend aufwallen, langsam kochen. 
Vgl. WeigandH, 400 f. Brem. Wb. 
m, 365. Schützern, 236. 

PrOdler, Pruddler, m., emer, der pru- 
delt; auch Spottname für den Schnei- 
der, verstärkt: BUxenprOdler, pltd. BOxe- 
Letzteres auch allgemein als 



Schimpfwort. So sagt ein Bauer zu 
seinem Knecht: eck rahd et dy, sy stöll, 
du Böckse-Pruddler du! Carm. nupt. V, 
190c. 

prOmeln, prUmeln, m,, s. prOmen. 

prOmen, prUmen, prQnen, prUnen, sw.^ 
frequent. prOmeln, prUmeln, schlecht nä- 
hen, stricken, arbeiten, wie prüdeln; 
aber auch wie dieses fleifzig nähen. S. 
Brem. Wb. m, 364. Schütze HI, 237. 
Mnd. Wb. m, 382. Vgl. prtmen. 

prQnen, prUnen, sw., s. prümen. 

Prunzel, /., Falte. 

prunzeln, sw. 1. schlecht nähen, na- 
mentlich in der Naht kraus und faltig. 
2. coire. Memel. 

prunzen, sw.^ s. v. a. brunzen (s. d.). 
Als wenn se seck alla hadde beprunzt. 
VolksL, 37, 25, 2. 

prunzlig, adj.^ kraus, ungleichmäfzig, 
faltig; von einer Naht. 

Prusantel. ImTierräts. 108: die Fliege, 
heifzt es von dieser: Kam a Ke'l (Kerl) 
ve (von) Prusely Hadd na Mantel ve 
Prusantel. Konitz. 

prusch, interj. u. adv., von pruschen 
u. prusten, Pi^usch fing ich hier an zu 
lachen^ prustend lachte ich los. Soph. 
R. V, 520. 

prUicheln, sw^ arbeiten, fleifzig und 
thätig sein. Mühling. 

prQschen, prOsen, sw., s. prQsten. 

prUieln, sw., bei Bock, 46, u. Hen- 
nig, 196, prüfzeln^ s. v. a. briSeln und 
pasem. 

Prussel, n., unsauberes, namentlich 
in den Haaren unordentliches Mädchen. 
Schemionek, 30. Vgl. Putehel. 

prQsten, auch prQsen u. prQschen, sw. 
1. stark niesen, brausend schnauben, 
voll und stark atmen. Dem Niesenden 
ruft man pröst^ prust = prosit zu. Onse 
Katten de pruuse. Dorr, 70. Volksr., 
10, 42. Wenn man zu Gast fährt und 



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184 



prutsch — pucklich. 



die Pferde pruschen, so kommt man an- 
genehm, Treichel. 2. ein Lachen nicht 
mehr unterdrücken können, sondern 
plötzlich und mit Heftigkeit loslachen. 
Einem jns Gesicht prusten — 'ausprOsten 
— aufprOsten — losprOsten. Erpruhschte 
los vne ei* neben mir hinging. Ich hörte^ 
da/z es ein Lachen war; aber ich über- 
redete mich, es sei ein Niesen, Soph. 
R. I, 444. Lieschen pruhschte los; denn 
das Ding mu/z lachen. Ibid. lU, 239. 
Alle pruhschten los^ wie jährende Bier- 
flaschen den Pfropfen werfen. Ibid. IV, 
481. 3. gereizt entgegnen, trotzen, sich 
widerspenstig zeigen. Prust ml man 
nich gltk brit Gesocht Die Katze prustet 
den Hund an. De ward schon pruste^ 
wird erzürnt, böse werden. Von pru- 
sen^ 6ratt«^»= Geräusch, Getöse machen. 
Bei Jeroschin: prusen. Pfeiffer, 
207. Hennig, 196. 

prutsch, adv,, s. pritsch. 

Przerabka, mundgerechter Pscherapka, 
Scherapke,/., Platz zum Umarbeiten des 
Getreides. Danzig. Poln. przerabka 
Umarbeitnngsplatz, przerabiacf rxmeLrhei- 
ten, durcharbeiten, umschaufeln. Mron- 
go vi us I, 399 b. Schmitt, Westpr. 
167. 

Pschakreff, Fluch, poln. psia ki^ew 
Hundeblut. Der Deutsche gebraucht 
dies sehr gewöhnliche Fluchwort mei- 
stens nur scherzhaft. Sperber, 39. 

Pscherapka, /., s. Przerabka. 

Pschibörowe, (?), Trinkgeld bei der 
Holzabnahme. Elbing. Poln. przyb&r 
Aufnahme. Schmitt, Westpr., 167. 

pQ, interj,^ in der Eindersprache Nach- 
ahmung des Schalles, den ein Schufz 
hervorbringt 

Puch, Puche, /., s. puchen. 

Puche, /., Deckbett, von dem poln. 
puch Dune, Flaumfeder; meist bei Ju- 



den gebräuchlich. Flatow. Schmitt, 
108; Westpr., 167. * 

puchen, Str. 1. pochen, schelten; trotzen, 
trotzig drohen. Die Mutter puchtj sie 
sagt den Kindern strafende Worte. Da- 
von auspuchen, aufpuchen, ausschelten, 
schmähen. Davon Puch, Puche, /., 
Schelte. Er hat Puch gekriegt 2. 
brechen, den Flachs. Flachs puchen 
— zuerst mit der grofzen Brache, dann 
mit der Schabbi^ache. Das zweite Puchen 
ist also ein Schaben. Natangen. Auf 
Samland nennt man das erste Brechen 
des Flachses: stoken {Stofzbrache). In 
beiden Bedeutungen ist das bremische 
pu^cken pochen, klopfen, schlagen und 
puJcen klauben, z wacken, schaben, kratzen 
verwandt. Brem. Wb. HI, 370. 371. 
S. Weigand II, 366: pochen. 

puchratem, sw.^ unaufhörlich puchen, 
ausschelten. Schemionek, 30. 

Puck, m. 1. Hundename. 2. kleiner 
Mensch. Wohl von dem schelmisch 
neckenden Nachtgeist Puck. Weigand 
II, 403. 

Puckel, m, 1. Buckel, RQcken. Einem 
auf den Puckel steigen — ihm den Puckel 
besehen ihm den Puckel auswalken, ihn 
durchprügeln. — Legen Sie sich aber 
nur ein Buch Loschpapier auf den Pukel, 
denn ich schlage dreimal auf eine Stelle. 
Soph. R. II, 461. Einen krummen 
Puckel Tnachen, eine dienstliche Visite 
machen. Hei os dm (pp em) Puckel 
verröckt. Puckel, hol' (halte) h£r, os 
kein Dreschdal da, wenn's Hiebe giebt. 
Dönh. Sprw. I, 487f. 2. Höcker, Aus- 
wuchs des Rückens. Puckel, Buckel 
von biegen. Grimm, Wb. H, 484. 

puckeln, sw.y mit Anstrengung auf 
dem Rücken tragen. Er hat sein gut 
Päckchen zu puckeln, 

pucklich, adj., buckelicht. Ich lache 



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Pucklinski — Püffel. 



185 



mich pucklich. Wir hätten uns mögen 
buklicht lachen. Söph. R. V, 146. 

PucMinski, m., der Buckelige. Der 
Name ist mit polnischer EndoDg ge- 
bildet. 

Puddel, w., Dem. Puddelke^ kleines, 
dickes Kind, korpulentes Mädchen. In 
Pommern und in der Altmark Puddelke 
ein solches, das zu gehen an&ngt. 
Dähn., 361b. Danneil, 162a. Vgl. 
Pummel. 

puddeln, sw., scharren. Die Hühner 
puddeln im Sande, einpuddeln^ sich, 
sich einscharren, wie solches die Hühner 
thun; wühlend sich in Weiches, Flocki- 
ges, in Betten hüllen. Sich zurechiptui- 
delny durch hin- und herzausen der 
Betten sich in eine behagliche Lage 
bringen. Marold. 

Puddik, m., s. Poddik. 

puddlig, adj., rund und voll in der 
Körperform, fleischig. Ein puddliges 
Mädchen. Im Brem. puddig. Brem. 
Wb. III, 368. Vgl. Puddel. 

POdel, /., s. V. a. Paudelj und ist Pur- 
del das ursprüngliche Wort. 

Pudel, m. 1. Fehlschufz, Fehlwurf, 
Fehler, Versehen überhaupt. Einen 
Pudel schie/zen, die Scheibe fehlen, — 
werfen, beim Kegelspiel keinen Kegel 
treffen. Vhchd. selten: Wo sie nicht 
das WHdprät kennen. Und ihr (der 
Jäger) Schu/z vom Paudel frei, ist ihr 
Jagen Hudelei. Carm. nupt I, 71. 
Hennig, 196. 2. nach Klein II, 68, 
in Danzig beim Bankerott die Masse, 
welche für die Gläubiger übrig bleibt. 
Wohl aus dem holl. boedel, gesprochen 
budely Erbschaft, Hinterlassenschaft. 3. 
nach Sperber, 25, der übelriechende 
Schmutz zwischen den Zehen unsaube- 
rer Füfze. 

pudeldick, adv. Er ist pudeldick be- 
soffen, so stark betrunken, dafz er nicht 



stehen kann. In Bremen puddeln, pu- 
dein im Gehen wackeln. Brem. Wb. 
ni, 368. 

Pudelmutze, pltd. PudelmOtz, /., Mütze 
aus Pudelfell, aber auch Pelzmütze, 
ja Wintermütze überhaupt. Vgl. Schapp- 
kenmUtze. 

pudeln, sw., einen Fehlschufz, Fehl- 
wurf thun. 

pudelnarsch, adj., pudelnärrisch, ko- 
misch, in Bewegung und Manier spafz- 
haft wie ein Pudelhund. Das liefz ihr 
pudelnarsch. Vgl. narsch. 

pudelnafz, adj., nafz wie ein (bereg- 
neter) Pudel. 

Puder y m., feingestofzener Ingwer, 
zu Puder zerriebenes Gewürz. Puder- 
zucker. Er hat Puder und Pfeffer be- 
kommen, harte Vorwürfe, Verweise. 
Bock, 46. Hennig, 197. 

Pudtmke, m., s. d. folg. 

Pudtnke, Pudtmke, auch Podtnke und 
Podfmke, m. 1. kurzer, dicker Mensch. 
Hennig, 197. Vgl. poln. poddymac 
das Feuer von unten djxkAdk^eHypoddymka 
Feuerwedel, daher preufz. pudiemke 
ein Mensch, der von unten ins Feuer 
bläst: auch pflegen kurze dicke Men- 
schen leicht stark zu blasen und zu 
pusten. Nsslm. Forsch. 3; Th., 144. 
Pierson, Lit. Aeq., 21, zieht in Ver- 
gleich lit. pudyne Milchtopf, und in 
den A. W., 34, zu Podtnke dynia Kür- 
bis. 2. Der Stern Alcor, das Reiter- 
chen, gewöhnlich Dümeke (s. d.). Bock, 
46. Hennig, 197. Nach einer Mit- 
teilung aus Pillau nennen dortige Schiffer 
das Sternbild Fuhrmann Podtmke. 

Pttffel, POffel, m. 1. Büffel. 2. ro- 
her, ungeschliffener, ordinärer, unge- 
bildeter Mensch; Arbeiter. Er ist ein 
rechter Püffel, ein Mensch ohne alle 
Manieren. Wenn nun ein stoltzer Phy- 
sischer Püffel diesem widersprechen witt. 



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186 



püffelig — Pularbeit. 



so lerne er allererst die Trigonometrische 
Leiter atcs der spitzklugen Geomettria 
anzusehen, Linem., Rr2a. Dennoch 
weifz ich^ da/z starcke Träge7'püfel(L2iSt- 
träger) sich mehr beklaget haben über 
das Gewicht einer Thonnen Wasser^ als 
über das Gewicht einer Thonnen 
Schwartzbier. Linem.^ Ee 4b. 3. 
dicker Rock. Sperber, 25. 

pUffelig, piffr(e;lig, adj., von Füfel, 
grob, uDmanierlich, von rohem Wesen, 
angeschliffener Manier. Vgl. pofelig 
und muffelig. 

pUffeln, bUffeln, sw?., von Püffel, Büffel, 
hart, angestrengt, wie ein Büffel ar- 
beiten. Ich habe heute hart püffeln müs- 
sen. Hennig, 334. 

puffen, Sfw, 1. knallen, mit Puff schal- 
lend fallen. Er fiel hin, dafz es puffete. 
2. mit der Faust stolzen, in die Seite 
stofzen, bayr. und nds. buffen. Puffen 
und knuffen. Schmeller 1, 157. Brem. 
Wb. I, 156. Schamb., 35b. 3. be- 
ben, klopfen. Das Herz pufft. Davon 
verpuffen, in puffenden Enall auflösen, 
leichtfertig durchbringen, sich entkräf- 
ten. Pulver — , Geld — , Kraft ver- 
puffen. 

Puffer, m. 1. einer, der puffl. 2. 
Schlusselbüchse, Terzerol. DieEjiaben 
fertigen den Lauf ihres Puffers aus 
einem hohlen Schlüssel. Im Volks- 
munde heifzt diese Schlusselbüchse ge- 
wöhnlich Puffert, holl. poffer. Woher 
kombts, dafz eine Kugel so aufzm Puffer, 
oder Fewrrohr geschossen, in der nähe 
ein Brett durchgehet etc. . . . Hergegen 
im Fewerrohr oder Puffer wird über- 
lounden die Gewalt des Triebes^ von der 
Gewalt des durchbrechens. Linem., 
Ee 2b. 

Puffrad, n., Wagenrad ohne Eiseribe- 
schlag. Ein Wagen mit unbeschiagenen 



Rädern heiFzt Puffwagen, ein unbeschla- 
gener Schlitten Puffschlitten. 

Puffs, m, 1. Puff, Stofz. Er kann 
einen guten Puffs vertragen, er hält was 
aus, ist ein tüchtiger Trinker. S. 
Knuff, Knuffs. 2. zur Bezeichnung 
eines Zeitraumes. Einen Puffs abschla- 
fen. Mühling. 

PQffst, m., s. Pftweftst. 

PUgg, Pügge, /., s. Pig. 

Pugicliel, m., ungeschickte, unsaubere 
Dienstmagd. Elbing. Schemionek, 
30. Vgl Prussel u. Puidiel. 

Pugiften, plu7\, s. Pogiften. 

Pul, /., Dem. Puichen, pltd. Puike, 
Katze. Als Schmeichelwort auch Puja 
u Puje; in der Zusammensetzung: Pul- 
katz'. Du schmengst (naschest) wie ne 
Puikatz'. Saalfeld. Gedanism. Sper- 
ber, 39. Vgl. Pt, Ptkatz' u. Puteh. 

Pulkatz', /., s. das vor. 

pulngem, sw., coire. Westpr. Vgl. 
das lat. pungere stechen. 

Puja, /., s. Pui. 

Pujatz, f., s. Pajatz. 

Puje, /., s. Pul. 

Pujenge, /., s. Bujenge. 

Pukis, m., 1. Kaulbarsch. Er stremmt 
sich wie ein Pukis. Spillen. Sprw. 11, 
2598. Stint on Puke! Klang der Glo- 
cken zu Karkeln und Lise bei Tilsit 
Volksr., 270, 937. Nach Mühling 
auch Peike. 2. drachenartiger Kobold, 
der im ganzen nördlichen Teil unseres 
Litauens wohl bekannt ist. Lit pitkys 
in beiden Bedeutungen. Bezzenber- 
ger, Lit Forschungen, 61 ff. Vgl. Alf. 

PQlarbeit, /., Arbeit, bei der viel zu 
pulen ist; mühsame feine Arbeit, die 
mit grofzer Genauigkeit und Geduld 
ausgeführt werden mufz. Mühling. 
Ebenso in Bremen. Brem. Wb. III, 
373. Sie heilzt auch KntwelarbelL 



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pulen — pummfzig. 



187 



pOlei), «to., mit den Fingern an einem 
Dinge zapfen, herum arbeiten, etwas 
los- oder heraasklauben; auch mit den 
Zähnen zapfend nagen; in weiterer 
Bedeutung langsam und mühsam ar- 
beiten. Kartoffeln pülen^ einzelne Knol- 
len aus der Erde herauswuhlen, ohne 
der Staude zu schaden. Bohnen^ — 
Erbsen pulen^ aushülsen. Die Braut 
safz und puhlte an ihren Kleidern, toie 
eine Gans, die sich baden vnll. Soph. 
ß. ni, 242. Sich in der Nase pulen, 
mit dem Finger in der Nase wühlen. 
Am Knochen pulen — ihn bepQlen, das 
daran befindliche Fleisch nagend los- 
lösen. Das Brot bepulen. Den Kern 
aus der Nufz pulen — aiispQlen. Eben- 
so: abpQlen, aufpQlen. Vgl. kntweln mit 
dem es dem Begriffe nach verwandt 
ist. Engl. ptUl. In Hamburg, Bremen, 
Holstein ebenfalls piUen. Brem. Wb. 
III, 372. Schütze, III, 240. Sche- 
mionek, 30. Sperber, 25. 

pQlig, adf. Yon einer Arbeit, an der 
viel zu pülen ist. 

pulkem, sw., im Erdboden scharren, 
kratzen. En r^ndlichet Kind sali nich 
pulkem. Dorr, 1. Wiew., 89. . 

Pulle, Bulle, /., Flasche, in Bremen 
auch Kanne mit dickem Bauch. Lat. 
ampulla, engl, bowl, holl. puU, angs. 
boUa, isl. boUi, Bol, btd hat überhaupt 
den Begriff des Runden, Bauchigen. 
Brem. Wb. III, 373. Vilmar, 307. 
Vgl. Bnddel u. POIIe. 

pullen, sw,, rudern, wobei man die 
Rtmen (Ruder) kurz einsetzt. Samland. 
In Litauen auch auf pullen. Gordack. 
Engl, to pvU ziehen, reifzen. 

Pulpeinen, auch BarkhOlzer, plur., die 
über dem Wasserspiegel hervorragen- 
den, horizontal gelegenen Planken des 
Schiffes. Hirsch, 265. 



Pulswärmer, m., s. Mau. 

PulterstUck, n., tüchtiges Fleischstück 
aus dem vollen Schinken. Mühling. 
Vgl. Palte. 

Pulver, n, 1 Schiefzpulver, in über- 
tragener Bedeutung. Er hat sein Pulver 
verschossen, ist impotent. 2. vor Ein- 
führung der Schnellfeuerzeuge der 
Zunder aus verkohlten Lumpen. Er 
hief'z in Danzig nach Klein U, 70, 
Pulvertuch. Vgl. Pinkfeuerzeag. Bock, 
47. 3. Staub, Asche. Da» Holz war 
wie Pulver, 

Pulverzeug, n., Feuerzeug mit Pulver 
(Zunder), Stahl, Stein und Schwefel- 
faden, gewöhnlich Schwefellicht ge- 
nannt. Aufzer Gebrauch. Es hiefz 
auch Pinkfeuerzeug. S. pinken. 

Pum, /., cunnvs, vulva. Dzg. Klein, 
H, 70. 

Pummel, /., Dem. Pummielchen, und 
dieses gewöhnhch zur Bezeichnung eines 
pfannküchenartigen Gebäckes, ähnlich 
den Kröpfen. S p e r b e r , 25. InMcklbg.- 
Vorp. Semmel, in der Altmark FummH 
breites dickes Weizenbrot an beiden 
Enden zugespitzt. Mi, 66b. Danneil, 
163 c. 

Pummel, n. 1. etwas Umwickeltes, 
Bepummeltes, s. pummeln, 2. kleines 
dickes Kind, kleiner dicker Mensch. 
Kreis Neustadt. Treichel. Vgl. 
Puddei und Pumpel. 

pummeln, sw., s. v. a. mummeln, doch 
mit dem Nebenbegriff, dafz das Ein- 
hüllen und Umwickeln unordentlich 
und eilig geschieht, wodurch der um- 
wickelte Gegenstand unförmlich wird. 

Pummfufz, pltd. PommfOt, m., Klump- 
fufz, unförmlicher Fufz, von Natur oder 
durch plumpe Fu(zbekleidung. Ma- 
rold. 

pummfzig, ad^\, unförmlich, plump, 



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188 



Pumpbüxen — Pangel. 



klumpig. Dicke unförmliche Wollen- 
strümpfe sitzen pummfzig. Marold. 
Vgl. pumpelig. 

PumpbUxen, pltd. PompbOxen, /., weite 
Schifferhosen. Pomp als natürlicher 
Ausdruck einer aufbauschenden, lockern 
und weiten Sache, welcher Begriff auch 
in dem lat. pompa der herrschende ist. 
Adelunglll, 808. In Bayern Pumpf- 
hosen. Schmellerl, 285. Vgl. Plüdder- 
hose. 

Pumpe, /. 1. lange Stange, an deren 
Ende eine Art hölzerner Traube, oder 
ein steifes Leder befestigt ist, welche, 
oft noch mit einer Anzahl grofzer an 
Schnüren sitzender Holzkugeln oder 
eiserner Ringe ausgestattet, bei ihren 
Bewegungen ein rasselndes Geräusch 
verursacht. Fischgerät zum Scheu- 
chen der Fische, dem sog. Pumpen, 
Es heifzt auch Pumpstock, Plumpe 
u. Plumpstock^ in Bremen auch Plumpe- 
küle. Brem. Wb ILI, 345. 2. Brunnen, 
Pumpbrunnen, üblicher jedoch Plumpe, 
3. Borg, Kredit. Auf Pump nehmen. 
Er hat bei ihm Purripe. 

Pumpely m. 1. kleiner, im Wachs- 
tum zurückgebliebener Mensch. Pill- 
kallen. Vgl. Pummel. 2. Person, die 
viele Kleider unförmlich über einander 
gezogen hat. Vgl. mummdn. Daher 
verpumpeln = vermummen. Samland. 
3. Bündel. Vgl. Pungel. 

PUmpel, m., Tölpel. Ich dummer 
Pimpel bedachte nichts dafz die Moden 
sich ändern. Soph. R. VI, 556. 

Pumpelflitze , m. , verweichlichter 
Mensch, der bei geringer Kälte sich 
zu warm bekleidet, bepumpelt Trei- 
chel. 

pumpelig, adj. 1. weichlich, schwäch- 
lich, kränklich. Mir ist so pumpelig 
(auch pumpelig) zu Mute. In der Ober- 
laus, schwach, nicht recht fest, ent- 



kräftet Anton, 3, 8. 2. unförmlich, 
uneben, faltig. Der Rock sitzt pump- 
lig. Vgl. Pumpd. 

pumpein. sw.^ einhüllen etc., s. mum-^ 
mein. 

Pumpen, n. Das Pumpen und Jagen^ 
lit. spuriM, besteht darin, dafz mit 
langen, besonders eingerichteten Stan- 
gen, den ^og. Pumpen (s. d.) ein star- 
kes Getöse im Wasser verursacht wird, 
um die Fische in aufgestellte Netze 
hineinzutreiben. Diese Art des Fisch- 
fanges untersagt die Fisch.- Ord. f. d. 
fr. HaflF unbedingt (§ 46), die für das 
knr. Haff gestattet sie nur ausnahms- 
weise bei der Dobenfischerei (§ 45). 
ÄUo dafz kein Fischer . . . au^h der 
Pompen in keinerley Fischerei gArauchen 
sollen. Landesordnung von 1498. 
Bock, Nat IV, 694. Vgl Benecke, 
410. Hennig, 197. Sperber, 25. 
S. Bullern. 

Pumpskeule, /., s. Duderkeule. 

Pumpstock, m., s. Pumpe. 

Pundel, PUndely n., s. Pungel. 

Punder, tw., wohl von Fund Pfund, 
vereidigter Wäger. Bei Hirsch, 218, 
der Stadth Punder, 

Pungel, PUngel, Pingel, PUndel, Pindel, 
auch Pumpel, n. n.m. 1. Bündel, kleines 
Pack, Dem. Pungelche, pltd. Pungelke 
etc. Ein Kerl mit einem gro/zen Pun- 
gel. Öch ha mor aus Elwing on 
Pungel Bett geholt Spook, 474. 
Ganze Pingel von dem Beste^ Schockt 
dem Pastor man to Neste. Volksl., 
43, 27, 8. Eck sach von wiedens af sei 
noch nich Pungel droge, ob sie noch 
nicht die Packe mit den Hochzeits- 
geschenken brachten. Carm. nupt. I, 
282, 12. Pungel machen^ nach Hoch- 
zeiten, Gebetsverhören und anderen 
Festlichkeiten die Reste von Speisen, 
namentlich von Gebackenem^ in Tücher 



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Pängeljude — püpen. 



189 



binden, um sie als Geschenk für die 
Daheimgebliebenen entweder selbst mit 
nach Hause zu nehmen, oder ins Haus 
nachgeschickt zu erhalten. Hennig, 
197. Eck haJd den Kostings-Schmaufz, 
oock Dangs^ oock Pingel en, Carm. nupt 
in, 133d. Pungel und Pack^ alles 
Tragbare. Mit Pungel und Pack ab- 
ziehen. 2. Menge, Haufe. Uin Pungel 
Leute. Sie stehen alle auf einem Pun- 
gel Ein Pungel Geld. 3. bildlich: 
Bürde, Last, schwere Sorge. Bei heft 
Sin Pungelke to drdge. Er hat sich ein 
gutes Pungel auf den Rücken gebunden, 
er hat sich eine schwere Sorge aufge- 
laden. Sprw. I, 3035. 4. nach Müh- 
ling auch in der Bartener Gegend 
eine Quantität Garn von 15 Gebinden, 
ein sog. Funfzehner. Angs., schwed. 
u. dän. bung^ pung^ mlat. bungeUus, bun- 
dela, bundella^ im Bremischen Pung^ 
Punge^ Pungel^ in Posen Pingely PüngeL 
Brem. Wb. HI, 377. Bernd, 208. 

PDngeljude, Pingel-, Pindeljude, m, 
jüdischer Hausierer, der seinen Eram 
in einem Pungel auf dem Racken 
trägt. 

Pungelkirsche, /., Doppelkirsche, wel- 
che mehrere, ein Pungel, Kirschen an 
einem Schafte trägt. In Westpr. Pfund- 
kirsche. Mühling. 

pungeln, sw., s. pUngeln. 

pUngeln, pingeln, pungeln, pindeln, m.^ 
1. Pungel machen; Kleinigkeiten aus- 
und einpacken. 2. langsam mit den 
Fingern etwas lösen oder binden; beim 
Ankleiden langsam sein, sich verweilen, 
aufhalten, daher verweilen und auf- 
halten überhaupt. Pungel nich so lang\ 
mache nicht so lange. Er hat immer 
was zu püngeln, er hält sich stets auf, 
kommt vor Beschäftigung mit Kleinig- 
keiten nicht zu einer ernsten und ge- 



regelten Thätigkeit. Hennig, 198. 
anpingeln, anpindeln, sichy sich anklei- 
den. Endlich häbV wi em beschwabbeU 
(beschwatzt), Dat he seck häwt ange- 
pindelt Nowack, 41. bepingeln, warm 
einhüllen in Tücher, Kleidungsstücke. 

Punke, /., Knallbuchse, von dem 
poln. 'p§kac knallen. Schmitt, West- 
pr., 167. 

punken, sw.., dumpf tönen, tönen. 
Trampeln, dait punkt Schlochau. S. 
juch. 

Punschkanne, /., Scherzbezeichnung 
für das Nachtgeschirr, die Nachts- 
kanne. 

Punfschke, m., Pfannkuchen; von dem 
poln. pqczek, zunächst Knospe, dann, 
nach der Form, Kröpfen, Pfannkuchen. 
Schmitt, 108; Westpr., 167. 

Punz, /., der gebräuchlichste Name 
für cunnuSj vulvaj Dem. Punzchen, 
Pünzchen, pltd. Punzke, Im östlichen 
Hessen und sonst in Deutschland in 
gleichem Sinne Bunze, Bunz, in Dzg. 
auch Pum, im Samlande Pus, in Bre- 
men und Pommern Puse, isl. puss, lit. 
pissa, pisse, pyze, pyzda. Vilmar, 
62. Brem. Wb. HI, 381. Dähn, 
364 b. 

punzem, sw., coire. Einlage bei £1- 
bing. 

punzmaulen, pltd. punzmDle(n), sw,, 
gram sehen, griesmaulen. ömmerpunz- 
mvle kmvrC wt nich. Einlage bei El- 
bing. 

PDp, PDps, m.. Dem. PDpke, PDpske, 
w., Furz. Er hat einen Pap gelassen. 
Er schldchft (ahnt) nd m Pnpke. Das 
(er) ist unterm Püpke, Sprw. I, 
3037. 

pDpen, pDpsen, sw., feinere Bezeich- 
nung für furzen, pedere. In Bremen, 
Holstein, Pommern auch purten. Brem. 



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190 Püpke — Piftch. 

Wb. III, 380. Schütze III, 246. Zeichnung eines kleinen Kindes. Die 

Dähn, 364 a. In Posen auch noch Prenzefz freit sich grausam sehrchens 

punipsen, Bernd, 224. iber die beeds Ideene Purksen (die von 

POpke, w., Wasserhuhn, s. Hurdel. ihr geborenen Zwillioge). Schaltj. 1, 

Puppenwerk, n., Spiel mit Puppen. 440. In Mcklbg.-Vorp. kleiner Mensch. 

Indessen höret man, da/z auch die Klei- Mi, 67 a. 

nen lieben, Und an dem Poppenwerck Purmallen, Ortsn., Gut bei Memel. 

schon ihre Neigung üben. Carm, nupt. He ös ut Purmeile, wo de Hund* mot 

I, 286. dem A. heüe. Sprw, I, 3038. 

puppern, puspem, sw.^ schnell klopfen, purr, intety., Zuruf an Pferde, wenn 

ängstlich schlagen; vom Herzen. Mir sie im Gange anhalten sollen; auch 

puppert das Herz vor Angst. Wie burr. Daher heifzt das Pferd in der 

pupert mer des Hart. Dorr, 1. Wiew., Kindersprache Purrche, pltd. Purrke, 

56. In Hessen poppem. Yilm., 305. Purrpferdche, pltd. Purrpftrdke. 

In Posen: schnell, mit gewissem dum- purren, sw., s. porren. 

pfem Laut oder Gefühl hin und her Purrhaber, m., Rauhhafer, Avena 

bewegt werden; in der Bewegung ein strigosa Schreb. Hagen, 120. 

dumpfes, schnell wiederholtos Geräusch purzekeln, sw., s. porzägeln. 

hören lassen: Der Wind puppert im Purzel, m. 1. der Purzel, B&rzel. 

Ofen. Bernd, 224. Verwandt mit 2. kleiner, dicker Kerl, Knorz. I^Pur^ 

bibbern. zel, du wöUst ons zom Beste hole. Erm- 

PQps, m., s PDp. land. Firmenich I, 115. In die- 

pQpsen, sw., s. pDpen. ser Bedeutung auch in Posen. Bernd, 

pOr, adj, u. adv., rein, lauter^ unver- 224. Purz^ Pürz^ Bürz, Bürzel; in 

mischt; von dem lat. purus, pure. Hessen Bürzel. Vilmar, 62. Bre- 

Pure Schmand, reine Sahne. Sön dat misch Purrel. Brem. Wb. III, 

nich man pure Schosef Carm. nupt 379. Engl, burly dickleibig. 3. ein 

I, 241. Das hat er aus purer Bösheit in Schmalz gebackener Pfannkuchen 

geihan. Pur junge Herrschaf ty lauter ohne Füllung, beliebtes Neujahrsge- 

junge Herrschaft. Seelenw., 81. On backe; auch Pörzel, Porzel (s. d.) 

plapperd pure schneaksch£ Seaken. Dzg. Dzg. W. Seidel, 33. Natangen. Ober- 

Nhg. Parad., ,45. Bei Jeroschin, land. Nsslm. Forsch. 3, Th. 220. 

56b: der bischof ^ den tötin hertecUch Sperber, 26. 

beswür^ daz er im mit ivortin pur der PDrzel, m., s. Perzel. 

wdrheit seite mere. Pfeiffer, 208. S. Purzelbaum, m., Burzelbaum, s. Kops- 

pOrig. kegel. 

pureheln, sw., drücken. Mühling. purzeligya(^'.vonPti9!e6Z2, klein und dick. 

Wohl soviel als morcheln. pDrzeln, sw., s. perzeln. 

pDren, sw., s. pTren. Purzknochen, m., Steifzbein. Er hat 

pOrig, adj. von pur und im gleichen sich den Purzknochen verstaucht. 

Sinne. Das purige^ reine Wassery zur PDs, /., cunnttö, s. Punz. 

Bezeichnung eines wässerigen Ge- Pusch, m., Dem. Puschschen^ pltd. 

tränkes. Puschke. 1. Busch, Gebüsch, kleiner 

Purks, m.y Knirps, namentlich zur Be- Wald. E Pusc/ike Wold. 2. Strauch. 



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Puöch — puscheln. 



191 



. . . wenn man den Fuchs belauert: Man 
leget mancherley auf das gehöhlte Grab 
an Posch und Stratcchwerk hin, Carm, 
nupty I, 1. Jeroschin: beide durch 
pusch und durch wald 132 b. er trat 
in einen pusch bestt 169d. st müstin 
sich behaldin in bruche, puschin^ wal- 
An 102b. Pfeiffer, 208. Die An- 
muth ziehet fort aus Gärten^ Pusch und 
Auen. Carm. nupt. 11 1, 233 b. 3. 
Straafz, Zweig mit Blättern oder Blü- 
ten. Ein Pusch Blumen. Ein Posch- 
chen Flieder. 4. Zusammengebundenes, 
das einem Busche ahnt. Ein Pusch 
Federn^ Federpusch. Da/z sie sich von 
dato an keineswegs unterstehen . . . Pü- 
scher an den Ohren zu tragen. Kleider- 
ordnung V. J. 1684. Hartwich, 51. 
5. der obere Teil des Wockens, der 
die Spule trägt und vermittelst einer 
Schraube höher oder tiefer gestellt 
werden kann. Ahd. busc^ boscy mhd. 
buschy puschy boschy dän. busk, schwed. 
buske, engl, bushj holl. bosch^ ital. bosco. 
span. bosquCy im mittlem Latein, boscus, 
buscus^ franz. bois Gehölz. Adelung, 
I, 1273. Weigand, I, 258. 

Puich, Pufehe, auch PDiche, PDse, 
Ptee, /., Dem. Ponchchen, pltd. Puichke, 
Ruf- und Schmeichelname für die Katze. 
Onse Katt dei PÜdchs (:ichu^che). 
Volksr., 10, 40. Engl, puss, holl. poes, 
lit. puii, putze, puz, im Brem. Puus, 
in Hessen Posse. Brem. Wb. III, 381. 
Vilmar, 307. Vgl. Pul. Der Kater 
wird Puicher, w., gerufen. Volksr., 
64, 242e. Bock, 47. Hennig, 
198. 

puicbauen, sw., s. puicheien. 

Pufehchen, n., s. Puich und Puich- 
mau. 

puicheien, pltd. pufehTen, sw., strei- 
cheln, liebkosend streichen, besonders 
Wangen und Schultern (Oberarm); von 



Pouche Katze, die sich gern streicheln 
läfzt und streichend anschmiegt. Auch 
pu§chen, puichaien, pu§chanen ( Sche- 
mion ek, 30), pu§chkatten, puichkatem. 
Schlügst den Wulf 6k f Na, puscheie 
war öck em doch nich. Volksr., 262, 
912. Ver Freide pu^cheid hei dem 
Meister de Backe. Kgsbg. Firmenichl, 
103a. Hennig,199. puSchkattenkommt 
nach Bock, 47, von einem Spiel her, 
mit dem Wärterinnen die Kinder unter- 
halten: sie betrachten die Händchen 
der Kleinen als die Pfoten der Katze 
und streicheln die Wangen des Kin- 
des. 

Puschel, (seh scharf), m.^ von Ihisch 
= Busch, Straul'z, Helmbusch, Feder- 
busch. 

Puichel, m. 1. Magd, der die nie- 
drigste Arbeit obliegt; nach Marold 
auch junges, schwaches Dienstmädchen, 
das die Arbeit noch nicht recht ver- 
steht. Das ist der Poichel. Schemio- 
nek, 30. 2. unsauberes, schmutziges 
Frauenzimmer überhaupt. Sie ist ein 
reiner Pu4chel. Auch Puiel; ebenso in 
Pommern. Dähn, 346b. Nach Trei- 
chel Poiely w., kleines, dickes, liebes 
Mädchen, Rufwort für solches, aber 
auch für Hunde, und selbst Hunde- 
name. Vgl. Prussel und Posengel. 

Puichelarbeit, /., unsaubere Arbeit, 
Scharwerksdienst. Vgl. puicheln. 

puicheln, sw., verwandt mit nu4cheln, 

1. langsam, obenhin aber stetig arbeiten, 
tbätig sein,, doch ohne rechtes Ergeb- 
nis. Sie ist in einem Puicheln. Er 
pu^chelt den ganzen Tag, und wenn 
der Abend kommt, ist nichts zu besehen. 

2. träge, unordentlich, unsauber arbei- 
ten. 3. schmutzige Arbeiten verrichten, 
von welchen sich jeder gern fern hält 
Schemionek, 30. 4. mit einem wei- 
chen Gegenstand oder mit der Hand 



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192 



puscheien — Pästbacke. 



über etwas leicht bin- und herfahren, 
also verwandt mit puscfieien. Pusckel 
mir doch nicht im Gesicht herum! 5. 
coire. Ich haV einen Mann^ Der mich 
rulcheln und pmcheln kann. Tierräts. 
103. Hin und wieder namentlich in 
Westpr. auch puieln. Davon Gepuichel, 
n. Bock, 47. Hennig, 198. Vgl. 
Brem. Wb. IH, 353. Dähn. 364b. 
Danneil, 164a. Mi, 67a. Sali- 
mann, 48. 

puichen, m., s. puicheien. 

Puichenuckel, Pusenuckel, m., kleines, 
unansehnliches erwachsenes Mädchen. 
Vgl. Nuckel. 

Pu§chkaterchen , m, , schmeichelnder 
Eater. 1. Name des Katers. Pusch- 
käterke, wo wärscht duf Volksr., 31, 
119. 2. zur Bezeichnung eines lieb- 
. kosenden, schmeichelnden Knaben. Du 
host en Puschkaterke! Vgl. Puch- 
kabe. 

puichkatem, pu§chkatten, sw., s. pu- 
icheien. 

Putehkatze, /. 1. Schmeichelkatze, 
Katze. Mi ene (Kringel), dtene^ onaePusch- 
kattdkene. Volksr., 36, 138. 2. schmei- 
chelndes Mädchen, kleiner Liebling. 
Schlap^ mtn kiener Puichkatt. Volksr., 
8. 34. Vgl. Pufehkater. 

Puschlag, w., Spreu; von dem poln. 
^/Zad Hintergetreide, Spreu. Schmitt, 
Westpr., 167. 

puichlich, adj, von puicheln, unordent- 
lich, unsauber in Arbeit und Kleidung. 
S. buichlich. 

Puichmauy Buichmau, /., auch Pu§ch- 
chen, Mauchen, n., ct^T^Tit^s = Kätzcheu^ 
Mäuschen. Vgl. Pasch u. Mau, 

Puichmenky /., kleine Kapelle an der 
Landstrafze. Von dem poln. boza m§ka 
Gottes Leiden. Sperber, 39. 

PuichrOnke, /., buntgestreifte Lein- 
wand. Litauen. 



PDse, /., s. Puich. 

Pu§el, m., pu§eln, 8ii\, s. Pu§chel etc. 

Pusengel, m., s. Posengel. 

Pusenuckel, m., s. Puichenuckel. 

puterig, adj.^ unordentlich, kränklich, 
aufgeraucht, in den Haaren oder Federn 
nicht glatt; von Menschen und Tieren. 
Davon Putzruicher, m. in allen Bedeu- 
tungen. Marold. 

Püske, /., s. Puste. 

PDskedDdel, m., auch PDstke-, Putzke-, 
dQdel, PutzkedDl, kleiner, korpulenter 
Mensch, Knirps; in der Saalfelder Ge- 
gend auch ein solcher, der viele Klei- 
der über einander gelegt hat und da- 
durch unförmlich geworden ist. 

Puskuijel, m., Halbkuijel, Eber mit 
einer Hode. Lit. pus halb. Vgl. Kul- 
jel u. Imktippel. 

puspern, sw.^ s. puppern. 

Pusrad, n., ist wohl Zusammensetzung 
mit dem lit. pus halb, also halbes, un- 
vollständiges Rad. De ös rund wt e 
Pusrad, zur Bezeichnung eines kräf- 
tigen, festen, draUen Mädchens. Weh- 
lau. 

pussen, sw., s. possen. 

PDst, m.j Hauch, Atem; Luftzug, 
Wind. Hol Pust^ halte Pust, übereile 
dich nicht! Arbeiten — laufen, da/z 
einem der Pust vergeht. Dabei geht ei- 
nem der Pust aus, Damöt verging mi 
de Puust Spook, 473. Wenn §k 
Pust genog hadd, en Gebed to spreken, 
so wuU ik miene Sinden berien. Dorr, 
1. Wiew., 111. Ihm ist der Pust aus- 
gegangen; er hat den Pust verlai^en, er 
ist gestorben; nach Rosenkranz, 
Kgsbg. Skiz. I, 215: er hat den I\i8t 
aufgegeben, Dat ös hü^de düchtiger 
Pust, starker Wind. Vgl. Sprw. I, 
3029f. 

PQstbacke, /., Pausbacke, aufge- 
pustete, aufgeblasene Backe. 



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Pastblume — Pustonen. 193 

Ptotblume, /., Löwenzaho, I^onto^fon Schmeller, I, 323. Hennig, 198. 

taraxacum L. Kinder yersachen die In Zusammensetzungen: anpQsten, an- 

Samenfahnchen in einem Zuge wegzu- blasen: das Feuer. aufpQsten, durch 

pusten. Vgl. Butterblume. Pusten ausdehnen, aufblasen, aufblähen: 

Pusttiraten, m, aufjgepusteter Braten; die Schweinsblase, das Schöpsenfleisch 

übertragen : Mensch, der sich at(^:m8^, etc. Hennig, 16, hat, nach alten 

aufbläst, aus Hochmut oder Zorn. Fleischertaxen, das vhchd. aufpausten. 

Hennig, 198. sich aufpusteUy aufgeblasen und stolz 

Puste, Pustke, /., abgelegene Ansiede- auftreten, grofz thun. Er pustet sich 
long; nach Treichel Puske, Ausbau gewaltig auf. Ich fing an zu lachen^ 
im Walde. Poln. fusbg wüst, leer, weH mein Guimann sich so aufpustete. 
herrenlos, russ. puxtip. leer, lit. püstas^ Soph. R. Y, 520. auspQsten, ausblasen : 
lett. pohsts wüst, öde, altpr. paustas das Licht, bepusten, behauchen. Ein- 
wild, nicht gezähmt, nicht kultiviert der, welche sich gestofzen oder sonst 
In Danzig Pustkowe wüste Baustelle, leicht weh gethan haben, beschwichtigt 
poln. pusikowie; von Schmitt, 108; man mit der Aufforderung: Kormri her^ 
Westpr., 167, Pustkowie ebenfalls als ich werd! pusten — bepusten! und 
abgelegene Ansiedelung erklärt Vgl. haucht dann auf die schmerzende Stelle. 
Mrongov. I, 426a. Ksslm. Th., verpflsten, verschnaufen, durch Ruhe 
121. wieder Ihiat gewinnen; ausruhen. Die 

pDsten, sw. 1. stark hauchen, blasen. Pferde verpusten lassen. Sich verpusten^ 
In den Löffel pi/sten^ dafz die Suppe ausruhen, in der Arbeit eine Pause ma- 
erkaltet Kannst nicht pusten ! TuStm^n chen. Wie mir mehr daran lag^ ein 
Kindern zu, welche klagen, dafz Trank Augenblickchen anzuhalten^ um mich zu 
oder Speise zu heil'z. Ich werde dir verpuhsten, Soph. R. V. 114. 
was pusten j als Zurückweisung. In PQster, m., einer, der pustet, Bläser^ 
übertragener Bedeutung: Der Wind Blasebalg. Mühling. In Bremen 
pustet, bläst stark. Der Ofen pustet, und Hamburg Püster kleiner Blase- 
strahlt starke Wärme aus. 2. laut u. balg und Blaserohr. Brem. Wb. UI, 
lebhaft atmen, schnaufen, schwer und 382. 

kurz (asthmatisch) atmen, atmen über- pDstTg, adf., au%eblasen, keck, frech, 

haupt Puste nicht so! zu laut atmen- Mühling. In Bremen pusig und pun- 

den Kindern. De (Frau Page) schweet stig, in Hamburg und im Hannöver- 

<m pust, an sitt ganz verunllert ut, sehen püstig au%eblasen von Luft, win- 

Dorr, 1. Wiew., 69. Wozu sie aar- dig, kolikalisch. Brem. Wb. IH, 

heibet, dafz sie pusten mufz, das macht 383. 

ich wissen, Soph. R. V, 585. Mein Pustke, /., s. Puste. 

Pferd schnob und blies und brumnnte. PQstkedOdel, m., s. PQskedOdel. 

y^Pukst du nur, sagte ich. Ibid., 122. Pustkowe, Pustkowie, /., s. Puste. 

Er kann kaum noch pusten, der Kor- Pustkuchen , m,, mit Pust gefülltes, 

pulen te. Angestrengte, Kranke etc. lufÜges Gebäck, Windbeutel. 

Vgl. Sprw. I, 3032 f. Mnd. pusten, Pustonen, plur, bei den heidnischen 

holl. poesten, schwed, pusta, dm, puste, Preulzen die Priester, welche durch 

lit pusti, bayerisch pfausen, pfausten. Anhauchen Wunden und andere Krank- 

FriMhbler, Wörtorboeh n. 13 

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194 



pdstrig — patsen. 



heiten heilten. Lit. pusti blasen, we- 
hen. Hennig, 199. 

pQstrig, paustrig, od/., erzürnt, aufge- 
bracht, ärgerlich, mürrisch. Er ist 
gleich patiatriffy er bläst, pustet sich 
gleich auf. Hennig, 198, schreibt 
puhstricht und paustrich. 
PQstrohr, n, ßlaserohr. 
Put, Pütt, Putte, /., Dem. Putchen, pltd. 
Putke, Name und Lockruf für Küchlein 
undHuhn; Schmeichelwort für Mädchen. 
Lit. put put Lockruf für die Küchlein. 
In Bayern lockt man die Hühner: Pul 
Pul, in Bremen und Göttingen die wel- 
schen Hühner Pul Pul. Seh melier 
1,281. Brem. \Vb.ni,393. Schamb., 
162 a. Putchen, Putke als Verkleine- 
rungswort überhaupt: kleiner Junge; 
Putchenkrämer, m., Kleinhändler. Put- 
junker, kleiner Edelmann. Hennig, 
197. 

Putcher, mehr noch Putker, m, 1. 
kleiner Mensch, Knirps. 2. Klein- 
händler, Krämer. Bock, 47. Hen- 
nig, 199. Nach Gortzitza auch 
Putschker. 

POte, /. 1. welsches Huhn. 2 über- 
tragen: dummes Mädchen. Sie ist die 
reine Pute. 

pfltenrot, adj.y rot wie eine Pute. 
He ward puterroth em Gesecht Dorr, 
Driewjagd. 

Putke, n. u. 97)., zur Bezeichnung des 
Kleinen, s. Put. Putken kleine Jun- 
gen; Schiffsjungen. Hirsch, 265. 
Putkenkriimer, m,, s. Put 
Putker, m., 8. Putcher. 
Putpurlüt, /. 1 . Name für die Wachtel. 
2. Spottname für liederliche Dirnen. 
Marold. 
Putschker, m,, s. Putcher. 
PUtt, Putte, /., s. Pött 
Puttelutten-, Puttenuttenkram, m,, s. 
Petenettenkram. 



putten, 8w.y mit Knöpfen anwerfen. 
Alt-Pillau. S. anschmeifzen. 

puttern, sw,, reizen, treiben, antreiben, 
anhetzen, und dann anputtem. Bock. 
47. Hennig, 199. 

Putlhahn, m., -huhn, n., in der Kinder- 
sprache jeder Hahn und jedes Huhn, 
nicht blofz das welsche. 
Puttjunker, m, s. Put 
putz, interj.^ Hetzruf an Hunde. Vgl. 
putzen. 

Putz, m, 1. der Abputz eines Ge- 
bäudes. Der Putz ist abgefallen, 2. 
m. u. /. der verkohlte Teil des Dochte« 
in einem Lichte. 3. nach Mühling 
in früherer Zeit auch Keller, finsterer 
Ort überhaupt. 

Putzaus, 971., Ausputz, Schmuck. Das 
ist hier ein hübscher I\ttzaus, das Haus 
oder Zimmer ist festlich geschmückt. 
Der ganze PtUzaus ist nicht einen Gro- 
schen wert, der Flitterstaat eines 
Frauenzimmers. Sie denkt nur an den 
Putzaus. 

PutzdVckchen, n. Dem. von Putzdocke, 
Putzpüppchen Docke = Püppchen. 
Grimm, Wb.H, 1208. Und das Putz- 
dockchen^ seine Frau, . . konnte auf keine 
bessere Weise gedemüthigt werden. An- 
hang z. Soph. R., 40. 

Putzelied, pltd. PutzelSd, n., lustiges 
Lied. Dzg. Nhg. Viol^t, 103. 

putzen, sw. 1 . rasieren . Ich habe mich 
noch zu putzen — ich habe mir noch 
den Bart zu putzen 2. reinigen; vom 
Getreide. Mühling. 3. tüchtig essen. 
Der kann gut putzen. 4. derbe Ver- 
weise geben. Der hat ihn gut geputzt 
— verputzt Ebenso in der Niederlaus. 
Anton, 11, 14. In Zusammensetzun- 
gen: ausputzen, sich (s. d.), auch auf- 
putzen, beputzen, sich, sich mehr als 
satt essen. Sperber, 26. verputzen, 
1. verspeisen, aufessen, verzehren. Wir 



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putzig — qaabbeln. 195 

haben schon alles verputzt. 2. Einen jen ein wenig trinken, schmecken, 
verptUzen, ihm derb die Wahrheit sa- Pütkeamt Schenkenamt, officium prä- 
gen^ ihm harte Verweise geben. In ffustatoris. Brem. Wb. III, 384. Bock, 
Bayern Geld und Gut durchbringen, 48 Hennig, 199. 
verschwenden. Schmeller I, 303. Putzmesser. w., Messer zum Putzen, 
Bock, 48. Hennig, 198. Rasiermesser. Vgl. putzen. 

putzig, adj\, possierlich, sonderbar, PutzmUhle, /., Windharfe, Drehma- 

muDter. Das ist ein putziger Kerl, schine zum Reinigen des Getreides. 

Sein Sie nur immer so puzig v^ jetzt, Hennig, 200. 

so wünsch ich keine bessere QeseUr Putzriemen, m., Riemen zum Strei- 

schafterin. Soph. R. III, 166. Holl. chen des Putzmessers. Vgl. putzen. 

poetsig, potsig. Im Bremischen Putze Putzru§cher, m., s. puierig. 

Possen, SpaCz, Scherz, lustiger Streich. Putzschere, /., Lichtschere, heute 

Brem. Wb. III, 386. In Posen putzig^ aul'zer Gebrauch. Er ist so nett — 

putzelig klein, unansehnlich. Bernd, ts^ geschniegelt und gebOgeÜ loie ^ne 

226. Vgl. Anton, 11, 14. Hennig, Putzscher. Bock, 48. Hennig, 200. 

199. Schemionek, 31. 

PutzkedOdel, -dOl, m., s. PQskedOdel. Putzseife, /., Seife zum Putzen, Bart- 

PutzJceJceller, m.^ Bierkeller för kleine seife. t 

Leute, wohl s. v. a. PutkekeUer (vgl. Putzzeug, n., Zeug, das zum Putzen, 

Put). Im Brem. putten schöpfen, pütt- zum Rasieren gehört. 



Q 

q, qu, Doppelkonsouant, stets nur als hervorstehendes Fett Mähling. Eben- 

Anlaut, im Klange kw, in manchen so in Bremen. Brem. Wb. HI, 388. 
Wörtern verwandt mit d: Dwarg — quabb(e)lig, ac^'., s. quabbeln. 
Quark, dwer^ dwarsch — quer. quabbeln, sw.^ beben, schaukeln vor 

Quabbe, pltd. Quabb, /. 1. Quappe, Fettigkeit oder Weichheit. Er quabbelt 

Gadus Lota L., Lota vulgaris Cuv. von Fe% er ist sehr fett. Gallerte^ 

Altpr. wilnis i^vnlmsf), lit. kupa^ kwa- Mehlspeise (^Wackelpeter) quabbeln. Der 

pa, kur. kwape, mas. kas. nientusz. moorige Boden quabbelt, wenn er bei 

Benecke, Fische, 89. Hennenber- jedem Tritte in zitternde Bewegung 

ger, Verzeichnis der Fische, 29. Er gerät; daher nennt man einen solchen 

ist so fett, vn^ne Quabb. Vgl. Aal- Quäbbe, Quebbe, /. In Bremen, jedoch 

quappe. 2. Wamme. In Bremen weniger als quabbeln gebräuchlich, auch 

Quabbe o, Quabbel Wamme, aber auch wabbeln. Brem. Wb. HI, 388. Vgl. 

Fett- und Fleischhöcker. Brem. Wb. das ahd. weibon, weipdn schweben, 

III, 387. schwanken und das mhd. wobeien in 

Quäbbe, /, s. quabbeln. Bewegung sein. Schade, 1113a, 

Quabbelfett, n., lockeres, wackelndes, 1071a. In Bayern ^tkid^^n. Schmeller 

18* 

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196 



Qaackelei — Qualm. 



n, 402. Vgl. Weigand II, 410. 
Davon: quabb(e)lig, adj. 1. was sich 
fett und weich anfQhlt, vor Fett zittert 
und bebt, was weich wie eine Quabbe 
oder Wamme ist. Engl, squab aufge- 
dunsen, fett, feist. Ein quabbliges 
Frauenzimmer, Am Eyter (Euter) ist 
es (das Tier) auch recht quablich^ dick 
und fett. Carm, nupt III, 203 d. öhn 
paar qwaablich£ Häng (Hände). Ibid. 
V, 48 c. In diesem Sinne in Posen 
quatschelig, Bernd, 228. Hennig, 
200. Sperber, 26. 2. flau, übel. Mir ist 
so quabbelig ums Herz^ mir ist übel bis 
zum Erbrechen. In diesem Sinne auch 
wabbelig, 

Quackelei, /., unnützes, unbedachtes 
Geschwätz; von quackeln, 

Quackeler, m. 1. Schwätzer, unzu- 
verlässiger Mensch überhaupt; von 
quackeln, 

quackeln, sw,^ Frequent. von qua^ken^ 
verwandt mit kakeln^ Unnützes, Unbe- 
deutendes schwatzen; leichtfertig und 
endlos reden. Im Holstein, quackeln 
unbeständig sein. Schütze III, 254. 
Nach Bock, 48, und Hennig, 200, 
auch quacksalbern. 

Quackop, m., der Quackauf^ im Volks- 
rätsel der Frosch. Tierräts. 30. Vgl. 
Quarrop. 

Quaddel, Quiddel, /., Blatter, Nessel- 
brand, kleine Pustel. Die Beulen beim 
Nesselfeuer heii'zen (Quaddeln und Quid- 
dein, Mühling. Ebenso in Bremen; 
in Hamburg Quarl^ im Ditmars. 
Quiddel^ alts. cwydele. Es scheint zu 
kiddeln kitzeln zu gehören, wegen des 
Juckens, das eine solche Blatter ver- 
ursacht. Brem. Wb. IH, 390. 

Quadder, m.y flüssiger, weicher Stra- 
fzenschmutz. Ebenso Schwadder. Das 
ist lauter Quadder und Schwadder, 

quaddem, sw, 1. mit Geräusch sie- 



den, brodeln. Das Wasser kocht, da/z 
es man so quaddert. Nach Mühling 
auch quiddern. 2. zur Bezeichnung der 
quatschenden Töne beim Kneten des 
Brotteiges, Hennig, 200. 3. der eigen- 
tümlich gequetschte kollernde Ton des 
Atmens im Todeskampfe. In Bremen 
quatschen, manschen, kneten; es wird 
als mit quetschen verwandt bezeichnet 
Brem. Wb. HI, 390. 

Quader, m. u. n. 1. Kader (s. d.). 
Schemionek, 32. 2. s. v. a. Quarder 
(s. d.). 

Quadrillenschwenker, tt»., s. KadriUgen^ 
schwenke. 
Quadrupel, m., s. Korduppel. 
quftfen, sw.^ gären. Er qudft von Un- 
geziefer, er ist stark damit besetzt, es 
kribbelt und wibbelt auf ihm. DieWunde 
qudft, wenn sie unterkötig und reich 
mit Eiter angefüllt ist. Mühling. 

«quäken, sw,, mit schwacher schriller 
Stimme reden. Von qtiacken, 

Quäker, m., Bergfinke, Fringiüa mon- 
tana, Mühling, Tiem., 176. 

Quakreiher, m., Nachtreiher, Ardea 
nycticoraa. Mühling, Tiern., 176. 

Quälgeist, m., Kind, das mit Bitten 
nicht aufhört. Vgl. Quälholz. 

Quälholz, n. 1. „das Holz, das die 
Maurer auf den mittelsten Schlulzziegel 
eines Bogens auflegen und womit sie 
denselben fest eintreiben." 2. „ein 
Kind, das nicht abläi'zt, die Eltern um 
etwas zu bitten." Du bist ein rechtes 
Quälholz, Hennig, 201. Vgl. Quälr 
geist 

Qualm, m. 1. Rauch, Dampf, Bro- 
dem. Holl. wcUm, angs. wi^lm, schwed. 
qvalm. Von wallen, 2. bildlich: Täu- 
schung, Lüge, Windbeutelei. Einem 
Qualm vormachen, ihm Unwahres be- 
richten. Er macht davon grofzen Qualm, 
viel Aufhebens. In Bremen bezeichnet 



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qualmen — quan^^weise. 



197 



Qualm in figürlichem Sinne alles, was 
Unlust und Qual y er ursacht. Brem. 
Wb. III, 393. Ilennig, 201. 

qualmen, mjo. 1. dampfen. 2. starken 
Dampf beim Tabakrauchen aufsteigen 
lassen. Re qualmt^ ah wenn de arme 
Mann (de Bür) Brot backt 3. aus- 
dünsten. Er qualmt von Branntwein^ 
der starke Trinker, der nach Schnaps 
riecht. Hennig, 201. 4. bildlich: 
Dampf machen, aufschneiden, lögen, 
Windbeuteln. 

Qualster, m. 1. ausgeworfener zäher 
Schleim. 2. die Baumwanze, stinkend, 
von gelblich grüner Farbe. Eei stinkt 
wteQuabter, Dönh. Mühlin g, Tiem., 
176. ßrem.Wb.in,393. S.dieSchaum- 
cikade. Samland. Von 1: Qualsterer, 
m.^ bei Stein, Peregrinus XIII, 44, 
alter Qualster^ zur Bezeichnung eines 
alten hustenden und Schleim auswerfen- 
den Mannes. W. Mtsbl. VI, 128. In 
der Verstärkung: Spitalqualst'rer. 

qual8t(e)rig, adj.^ wie Qualster aus- 
sehend. 

qualstem, sw,^ Qualster auswerfen, 
laut husten und dabei viel und un- 
appetitlich ausspucken — kölstem; auch 
verstärkter Ausdruck für spucken. Wer 
hat hier hingequahtertf Bequalster die 
Tafel nicht so! zum Schüler, der die 
Schrift von seiner Schiefertafel abwischt. 
Hennig, 201. S. kOistem. 

quamen, st, prät. quam^ s. kommen. 

quängeln, sw., unzufrieden sein, mä- 
keln. 

Quante, /., grofzer ungeschickter Fuf'z. 
V. Au er. 

quantschen, sw.j vergeuden, durch- 
bringen; gewöhnlich verquantschen. 
TreicheL 

quantsweise, pltd. quantswTs, quanswTs, 
adv.^ zum Schein, pro forma, gleich- 
sam, ab ob, nicht im Ernste. Quants- 



wis, dat de Bür ntischt merkte — dat 
de Mü's mischt merke. He ging quam- 
wis weg op de Herberg on sull noch 
wedderkame. Königsbg. Firmenich I, 
103b. Drop geit he qvantzwiefz weg^ 
syn Warck ön acht to nehme. Carm. 
nupt IV, 59b. Wie au/z solchem Irr- 
ihuTnh dieses Eyfz da/z Grundeifz ge-r 
nennet wird^ weil es Quants weise im 
Grunde soll formiret oder entstanden 
seyn. Linem , Q4a. Ich habe so 
quanmoeise gehorcht^ ob Julchen nach 
Danzig schreiben wird, Soph. R. IV, 
348. Neben quantsweise tritt, jedoch 
nicht in der Umgangssprache Ost- und 
WestpreuCzens, gewandsweise in vielen 
deutschen Gegenden in gleichem Sinne 
auf, und wenn Herder, der Ostpreufze, 
letztern Ausdruck gegen Lessing („Les- 
sing nahm vieles^ was er für schadhaft 
erkannte, gewandsweise — d. h. zum 
Schein, in schalkhafter Ironie — in 
seinen Schutz". Campe, Wb.ll, 359b) 
gebraucht, so ist diese Form nur ein 
Produkt der Accommodation. Die Her- 
leitung des Wortes ist vielfach versucht. 
Holl. hjoansvnjs^ kwansuis, mittelhoU. 
quansts^ dän. qvantsmis^ schwed. qvans- 
wis; im Holl. ist kwant, quant lustiger 
Bruder, Bube, Schalk; nahe liegt das 
lat. quasi {quamsi). Richey, 198, 
teilt mit, dal'z G. Tuinman in seinem 
zu Middelburg 1726 gedruckten „Oor- 
sprong en Uytlegginge der Neder- 
duitscheSpreekwoordenl, 180" der Mei- 
nung ist, dalz quanswys ein in der Aus- 
sprache verändertes quam et sus anstatt 
als quam et sus =^ 2\s käme es sonst, 
sei; er selbst schlägt die lat quantus 
und quasi vor. Sandvoss (Korrespbl. 
VI, 30) glaubt, der Ausdruck sei auf 
Wahn zurückzuleiten, also: in wdnes 
wtse, S. W^eiteres in: Richey, 198 f. 
Brem. Wb. HI, 394. Anton, 11, 15. 



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198 



Qaappenrüse — quarsch. 



Weigand II, 414. Korrespbl. V, 20ff.; 
VI, 30. 55; Vn, 31. Müller, Paraphr. 
des Buches Hiob. Halle 1883, 41. 

QuappenrDse, /., Reuse, Netz, Behäl- 
ter für Quappen. D6 sack man vischin 
uf der grünt vil manchin Polen in der 
atunt, des buch in dem gesprvse wart 
eine quappinrüse, Jeroschin, 54d. 
Pfeiffer, 180. 

Quappenwarte, /., Warte zum Fange 
der Quappen. Beschreibung und Ab- 
bildung s. Benecke, 395. Vgl. Warte. 

Quardel, m, u. n., s. Quarder. 

Quarder, Querder, Quardel, Querdel, 
Quedder, Quader, Quoder, m. u. n., Gür- 
tel an Frauenröcken, Schürzen; Quer- 
saum, Linte, Band als Einfassung an 
Frauenröcken, Hemden, Unterhosen; 
der Qtuirder umschliefzt Leib oder Hals 
und trägt das Kleidungsstück. Die in 
Ostpr. üblichste Form ist Querdel. In 
Danzig Quedder Hemdekragen. W. 
Seidel, 34. Böxequarder^ obere Ein- 
fassung, Gürtel, woran die Hose sitzt. 
Hemd kadd he oahne Quoader. Dorr, 
63. VolksL, 16, 8, 2. JEr steckt bü 
an den Querder drin^ er befindet sich 
in grofzer Verlegenheit, in stark ver- 
zwickter Lage, „es geht ihm an den 
Kragen **. Sprw. I, 3590. Stamm des 
Wortes ist quer; die Säume fassen der 
Quere nach die Kleidungsstücke ein, 
und könnte man sie auch als den Quer- 
dely Querteil, derselben bezeichnen; 
doch erinnert das Wort auch an Gür- 
tel^ ahd. gurtü^ altfr. gerdeL Hennig, 
202. Vgl. Unt u. Pafz. 

quarken, sw,^ s. quarren. 

quark8en,d«/?.,in bequarksen,von^arA;, 
eine Sache als einen Quark ansehen, 
sich nichts daraus machen. Die ganze 
Geschichte ist bequarkst^ es ist nichts 
los damit. Treichel. 



Quarre, /., von quarren. 1. quarren- 
des Kind. Erst die Pfarre, dann die 
Quarre. Hennig, 201. 2. platte Wei- 
denpfeife aus dünner frischsaftiger Rute 
mit quarrendem Ton. Bei ihrer An- 
fertigung singen die Knaben, mit der 
Messerschale auf den Zweig klopfend: 
Quarrksy Quarrke^ g^räd (gerate) mll 
S Volksr., 61, 237. 

quarron, sfus. 1 quacken wie ein Frosch. 
2. aus ünzufiriedenheit weinen, weiner- 
lich murren, brummen; nach Treichel 
auch quarken. Quarren in hoher Ton- 
lage, namentlich von Kindern, heil'zt 
quirren. Wenn die Pog getreten wird, 
so quarckt sie. Stein, Peregrinus XII, 
119. W. Mtsbl. V, 192. 3. klagen, 
stöhnen, wimmern. JEJr quarrt den gan- 
zen Tag. Doch wenn he quarrt, denn 
wohnt §n sienem Fleesch §n sindget Hart. 
Dorr, 1. Wiew., 122. Vgl. gnarren. 
4. zur Bezeichnung des blähenden Gur- 
rens im Leibe. 

Quarrer, m., einer, der quarrt; im 
Tierräts., 30, der Frosch. 

quarrig, adj. von quarren, weinerlich 
sein wie ein kleines Kind, grundlos 
klagend, über Kleinigkeiten ächzend, 
stöhnend. 

Quarrmatz, m., quarrender Mann. Vgl. 
Matz. 

Quarrop, m,, der Quarrauf, Aufquar- 
rende, oder der Quar r6p(er), Quarr- 
rufer. Im Tierräts., 30, der Frosch; 
auch Quackop Quackauf. 

Quarrpupp,/., Puppe, die quarrt, wenn 
sie gedrückt wird, Schreipuppe. 

Quarrsack, m., viel quarrendes Kind, 
Schreihals. Es ist ein rechter Quarr- 
sack. Vgl. Gnarrsack. 

quarsch, adv. Hei geit äwer quarsch, 
er geht zurück. Tiegenhof. Vielleicht 
= aber quer. 



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Quartal — Quaste, 199 

Quartal, n., vierteljährlicher Gewerks- Boldt, 20. Davon: Gequa^el, n, Qua- 
tag mit Schmaus verbundcD. Heute selei, /., Albernheit, Thorheit, vorzugs- 
Jiaben du Maurer Quartal. weise in der Rede. Quaseler, m., Mensch, 

Quartier, n., der vierte Teil eines der ohne Überlegung redet oder han- 
Stofes (Quartes). Aus dem lat. quar- delt. In gleichem Sinne im Götting. 
tu». Ein Halbquartier ist der achte Schamb., 163b. 
Teil eines Quartes. E Halbqtcartierche quftsen, auch quOsen, sw.^ schwelgen, 
Schnaps, schlemmen, übertrieben reich speisen 

QuftS, m.^ Quftserei, /., auch Queste- und trinken; vergeuden, verthun in der 
rei, /. und QuOs, m.. Schwelgerei, Wirtschaft, mit Vorräten verschwen- 
Schlemmerei, Völlerei-, Festlichkeit, derisch umgehen, sie in Nachlässigkeit 
Schmaus, Gastmahl, namentlich eip verderben lassen, und dann gewöhnlich 
solches, bei dem es verschwenderisch verquasen. Mit dem Gelde qttasen. Die 
hergeht. Sie leben beständig in Quds Butter verquasen^ sie überreichlich zur 
und Fra/z. Ach, et wäre wohl zu stra- Abmachung von Speisen verwenden. 
fen, dajz etliche von den Gebietern gar Bei denen verqudst, veraast und ver- 
unordentliche Questereien anstellen etc, west alles, 
unterweilen vmeinesWdbeswiUenTnachen Quaserei, /., s. Quas. 
sie einen gro/zen Quaos y/nd das ist qua§lig, adj., ästig, verwachsen. Dcts 
wider alle Redlichkeit etc. Aus dem sind quasiige Bäum\ Bäume mit dicht 
Briefe des Mönches Hänr. Borringer verschlungenen Ästen. Gordack. 
an den Hochmeister. 1428. Waissel. Schemionek, 31: qmisselig. 
llennig, 202. Am Sonntage oder hei- Quassement, n., verdreht aus Kon^ 
ligen Tage so ir begengni/z geschyt mit nossementy dem franz. Connaissement 
dem nachfolgenden einen Taße sollen sie Frachtbrief, Vorladungsschein. Dzg. 
ihr quatembergeld hohen, Raihenschaft Treichel. 

ihuen vnd ander notdw]ft wandeln und Quast, m. 1. Keil. Auf einen groben 
keinen weitem quas der bruderschaft Ast gehört ein grober Quast. Mielcke 
zcw schaden darohir halten. "Willkür II, 43 b. 379 b. 2. Hans Quast, wun- 
der Stadt Marienburg. Quds ist nicht derlicher, seltsamer Mensch. Hans 
nur im Klange, sondern auch dem Sinne Quast, öck bödd^ di to Ga^st. Volksr., 
nach verwandt mit Frafz und weist 245. 858. 
ebenso auf Kost (Kest) hin. In Bre- Quäst, /., s. QuesL 
men Quas, in Hamburg Quast, slay. Qua8t(e), /. 1. Bündel, Büschel von 
Ä?M7{ws Hochzeit, Gastmahl, Schmause- Fäden aus Seide, Wolle, von Haaren etc., 
rei. Adelung III, 886. Brem. Wb. s. v. a. Troddel; Bündel belaubter Bir- 
111,397. Richej, 200. Hennig, 202. keumten: Badequast (s. d.). Brem. Wb. 
Vgl. Gequase. III, 406. 2. Bandschleife. 3. Schürze, 

Quas, m., s. Kwas. die Blöfze zu decken. Se bunde Vogel- 

quaieln, quafeheln, mjo.^ unnützes Zeug UeedunmakedenQueste. Niederd. Bibel 
reden, ohne Überlegung reden oder von 1520. 1. Mose 3, 7. Hennig, 202. 
handeln. Quaschel doch Ttuin nich so 4. bei den Fischern Reisigbündel. In 
dammlich. Nowack, 11. Oawasch Bremen Quest. Vgl. Quaste. 
hwaschel doch nich so dwatschet Tieg. Quaste, Queste, /., loses Strauchbün- 



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200 



qaästeD — quatschig. 



del, das man mit Steinen beschwert 
vor Pricken ins Wasser legt, um darin 
Aale zu fangen, welche in die Quasten 
gern hineinkriechen. Wegen des grofzen 
Schadens, der dadurch den jungen 
Aalen geschieht, sind dieselben seit 
der Fischereiordnung von 1589 wieder- 
holt verboten worden, werden aber 
noch immer heimlich gebraucht. Be- 
necke, 410. Bock, Nat. IV, 726: 
Queste, Fisch.-Ord. f. d. kur. Haff. § 45; 
f. d. fr. Haff. § 46. 

quästen, mo. 1. mit einem Badequast 
peitschen. 2. erbetteln, erbitten, s. 
questen. 

QuastmiHze,/., Motze mit einem Quast 
Und die grojze Quastmütze . . . wieder 
etwa» hoher über die Stirn schob. Soph. 
R. IV, 256. 

Quaswurm, m.^ Schwanzwurm, Ge- 
schwür im Schwänze des Rindviehes. 
Mühling, Tiern., 176. Adelung III, 
886. 

Quat, Quafe, n., Böses. Doch sollten 
die Mannisten alles Quote bei Seite 
setzen. Mühling. HolL quade^ adj. 
böse. 

Quatsch, m. I.Bezeichnung des Schalls, 
den ein weicher nasser Körper bei sei- 
nem Fall verursacht. 2. völliges Er- 
weichtsein saftiger Früchte oder weicher 
Gegenstände: de Bere^ de Kleder etc, 
sond ene Quatsch; in diesem Sinne auch 
Quutsch. Sind ^m doch de Steebeln 
(Stiefel) ene Quatsch. Schaltj. 3, 4. 3. 
Schmutz: Et os e reine Quatsch on 
Quitsch, 4. unnützes und ungeregeltes, 
unsmniges Gerede: auch Gequatsch. Vgl. 
Matsch u. Quutsch. 

Quatsch, /. 1. Eruprock, Staubhemde, 
Bluse. 2. nach Bock, 49, und Hen- 
nig, 203, ein korpulentes Fraueo- 



zimmer. 



Quatschbier, n., ehemals ein beliebtes 



Bier. Gebratene warme Äpfel wurden 
ins Bier gedrückt, Zucker un<? Gewürz 
hinzugesetzt und alles „wcfal durch 
einander gerührt^, gequetscüit und ge- 
patscht. Bock, Nat. I, 274 f. Bock, 
49. Hennig, 203. 

Quatsche, /., „grofze, ireite Bohne, 
so in den Gärten gesäet wird*. Hen- 
nig, 203; nach Mühliig die Schwert- 
bohne. Natangen. Pierson, Lit.Aeq., 
21, meint, es sei die Zierbohne (Dan- 
zig) und weist auf «as verwandte lit. 
kwaczummas Prahlerei hin. Qimtsch 
hat zunächst die Bedeutung breit, vgl. 
Quatschfufz. 

quatschen, sw.^ von QtuttscL 1. zur 
Bezeichnung des Lautes, den eine feuchte, 
weiche Masse lören läCzt, wenn man 
in derselben geht oder hantiert; auch 
des Tones, den ein weicher, stark fal- 
lender Körper hervorbringt. Der feuchte 
Lehm quatscht — übemasses und de- 
fektes Schulwerk quatscht und quutschty 
ja quitschJt, wenn der Ton hoch und 
pfeifend ist. Er fiel, da/z es nur so 
quatschte, 2. nach Bock, 49, u. Hen- 
nig, 203, den Saft ausdrücken, von 
quetschen, 3. viel reden, ungewasche- 
nes Zeug reden, schwatzen. Onsonn 
quafsche. Nowack, 68. In Bremen 
quatsken. Brem. Wb. HI, 398. Vgl. 
queddem u. quutschen. 

quatschenafz, adj., s. quatschnafz. 

Quatschfufz, m., Breitfufz, PlattfuCz. 
Der hat gute Quatschfüfze, Füfjse, mit 
denen sich's gut quatschen läfzt. 

quatschig, adj. von quatschen. 1. über- 
feucht, durchnäfzt, kotig; vom Wege. 
Bock, 49. Vgl patschig. 2. quabbe- 
lig, rund und voll in der Körperform; 
vom Menschen. Ach Gott, aber wie 
mager! vx> sind die quatschigen Armef 
Soph. R. VI, 211. Hennig, 203. 3. 
dumm, unsinnig in der Rede. 



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Quatschkowski — Queif. 201 

Quatschkowski, m., polonisierter Name Goth. qiihan, alts. quethan^ ahd. que- 

für einen dummen Schwätzer. Vgl. dan^ mhd. qu£den sagen, sprechen. 

Dwatsehkowski. Schade, Wb., 691. Jeroschin: Mtn 

quatschnafz, quatschenafz, quatschen- ist d' räche, er da qutt (:ztt) = quidet. 

nafz, ad/.^ nafz bis zum Quatschen, Pfeiffer, 181. Vgl. quatschen. 
triefend, durch und durch nai'z. Wo queicheln, sw. 1. hätschebi, pflegen, 

hot he denn gestoche, da/z em de Stebeln zärtlich behandebi,liebkosen. Die(Frau) 

quaUchnafz sindf Schalt) 1, 437. In versteht ihren Mann zu queicheln und 

Bayern j?/wfecA7ia/i, in Seh wabenj^cA^ ihm zu schmeicheln. 0, vde wohl ist 

pfatsche nafz; in Hessen putschnafz^ der zu preiseriy der ihm wählt ein Schon-- 

pütschna/z, so nafz, als wenn man in heit-Bild, das mit Tugend angefüUty die 

einer Pfütze (Putsche) gelegen hätte, dem, Mann nach allen Weisen weifz zu 

Schmellerl, 326. Birlinger, 93a. queicheln Herz und Muih. Cai*m.nvpt. 

Yilmar, 301. Bei uns auch quutsche- I, 55. Sie wird seine Noth versüssen 

nafz, nach Schemionek, 31, auch und ihn recht zu queicheln loissen. Carm, 

quatechendnafz. Vgl. pladdernak unter nupt. I, 176. Niemand isty der ihn 

pladdern. recht queicheU Und mit zarter sanfter 

Quax, n , Quark, nichts, nichts Ordent- Hand ihm vergnügt die Wangen streik 

liches. Qaax lere se (in der Schule)! chelt Carm, nupt II, 136. Niemand 

Ermland. Firmenich IIT, 104b. war^ der dich im Bett in reiner lAeh 

Quebbe, /., Moorboden mit begraster geqveichelt (gepflegt) hau. Ibid. III, 

Kinde, sumpfige Stelle, Boden mit ver- 330c. 2. durch gute Wartung und 

steckten Quellen; auch Gequebbe (s. d.). Pflege kränkliche Kinder grofz ziehen; 

Den (Hahn) eck om Nest do fund op überhaupt weichlich erziehen, verzär- 

jenner grooten Quebb. Carm, nupt V, teln. Er hat in seiner Jugend sehr ge- 

190 c. Vgl. quabbeln. queichelt werden müssen. In diesem 

quebben, queppen, sw.^ zur Bezeich- Sinne auch auf queicheln. Es ist ein au f- 

nung der wippenden Bewegung der gequeicheltes Kind^ es verträgt keine 

(^uebbe^ wenn man darauf tritt, ihres harte Speise, ist überhaupt verzärtelt 

Wasserinhaltes. Der Weg queppty ist verqueicheln, verzärteln, verweichlichen, 

stark von Regen durchnäf'zt. verwöhnen durch Speise und Kleidung, 

quebbig, adj, von Quebbe, morastig, sich selbst oder andere, namentlich 

. . . weil das Ellemholiz allein in den Kinder. Der Mensch ist ganz verquei- 

Wasserichten^ quebbichten und MarrasHn chel% verweichlicht, vermag Wind und 

gen Oertem seinen richtigen Wachsthumb Wetter nicht zu ertragen. Verqueichie 

habe, Linem., Tt2b. In Danzig dich doch nicht so! Stamm ist das nd. 

quibbig, durchnäTzt. W. Seidel, 34. quei sanft, gelinde, mürbe. Brem. Wb. 

In der Gegend von Saalfeld queppen- III, 398. Bock, 49. Hennig, 203. 
dig. Der Regen hat mich queppendig queichlich, adj. von queicheln y ver- 

na/z gemacht zärtelt, verweichlicht 

Quedder, m. u. n., s. Quarder. Quetf, m, Heiy wat kort hei von Oe- 

queddern, sw , plaudern, schwatzen^ spenster, Mäkt mi keinen Quaif, Yolksl., 

plappern, unnütz sprechen. Mühling. 64, 42, 7. Nach dem Brem. Wb. III, 



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202 



Qu^k — quer. 



399, Qaeif Vorwand, Entschuldigung; 
hier wohl dumme Hedensart, dumme 
Geschichte. 

Ou§k, QuSke, /., Quecke, Triücum 
repens L., mehr noch die sich weit 
verzweigenden Wurzeln. Nach Ha- 
gen, 144, auch (iueckweizen^ Queckgras. 
Die Quek'Wurzelu werden verbrannt 
Von qtieck lebendig, lebensfrisch, mun- 
ter, sehr regsam, mhd. qtiec^ kec^ ahd. 
queh^ quec. S. Weiteres bei Wei- 
gand II, 416. 

quiken, sw,^ geil und reichlich fort- 
wurzeln, fortwachsen, sich vermehren, 
wie die Queke. Der Acker ist ganz 
verquekty er ist von Unkraut durch- 
zogen. Hennig, 203. 

QuSkspOn, m., s. SchwenkspOn. 

Quekstelz, m. u. /., s. QuIksterL 

Quikstert, Quiksterz, m. u. /. 1. Bach- 
stelze, MotaciUa, Der Name ist Zu- 
sammensetzung aus queck (s. Quek) und 
Stert Steil'z, Schwanz, den der hüpfende 
Vogel lebhaft bewegt. Auch: Qulk- 
sterz, wohl nur Verhochdeutschung von 
Quekstert, Quikstelz, Nachbildung von 
Bachstelze, Wippenzagel, Wippzagel, pltd. 
Wöppzagel; nach Mühling, Tiem, 
176, auch Wippquecksterz. De Adebar 
bringt de Quekstert op 'm Zägel mot^ 
die Bachstelze kommt gleich nach dem 
Storche zu uns. Dönh. Vgl. Manist 
2. nach Mühling auch, übertragen, 
ein lebhafter, unstäter Mensch. Im 
Brem Wb. HI, 403, in beiden Bedeu- 
tungen Quiksteei't 

quellen, sw,, Gemüse, Hülsenfrüchte, 
Reis in Wasser kochen lassen, ge- 
wöhnlich aufquellen. Vgl. auch kel- 
len. 

Quellerke, n., Pfropfen. Von quellen^ 
st^ da der Kork im Wasser quillt. 

Quellkorn, n., ein Korn, das quillt 
oder zu quellen hat. Beim Verspeisen 



von Reis ruft man Mädchen scherz- 
weise zu, sich vor dem Quellkom in 
acht zu nehmen: ein beim Kochen nicht 
gut aufgegangenes Korn müsse im Ma- 
gen nachquellen. Sie hat ein Quellkom 
bekommen — hat ein Quellkom ver- 
schluckt^ sie ist schwanger. Sprw. I, 
69. 

Quellung, /. Steigt die Fluih über das 
Vorland, dann sickert das Wasser dwrch 
den Deich und sammelt sich in der so- 
genannten QueUung an. Passarge, 
188. 

Quempas, m , Weihnachtsgesang beim 
Frühgottesdienste am ersten Festtage. 
Mewe. Es ist der Anfang des alten 
lat. Liedes Quem pastores etc. das in 
Mewe noch gesungen wird. Hintz, 
45. 

Quengelei, /. von quengeln. 1. alber- 
nes Klagen, Stöhnen, unnötiges Wim- 
mern. 2. Betrug, List, Täuschung. Er 
macht allerhand Quengeleien. Müh- 
ling. 

quengeln, sw. 1 . unberechtigt klagen, 
stöhnen, fromm weinerlich reden, un- 
bestimmt und in Ausflüchten reden, 
albern thun. Ihre Frömmigkeit hatte 
jenen quengelnden Ton^ de>* in einigen 
Gegenden Deutschlands herrscht. Soph. 
]{. VI, 28. 2. s. V. a. krängein. 3. tau- 
schen, Windbeuteln, betrugen. Kinder^ 
das Quengeln ivill ich nicht. Gehorsam 
ist besser denn Opfer. Soph. R. IV, 156 
Davon quengelig, adj. 

queppen, sw^ s. quebben. 

queppendig, adj., s quebbig. 

quer, pltd. dwer, ad;, u. odt?., ange- 
trunken, betrunken. Er ist quer., sein 
Weg lenkt in die Breite und verkehrte 
Richtung. Dat qvöhm mie ön de qvähr^ 
ich wurde davon trunken. Carm. nupt. 
I, 282, 15. Substantivisch: Es liegt 
aües die Kreuz die Quer^ in höchster 



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Querdel — questen. 



203 



Unordnung. Einem in die Quere kom- 
men^ seine Angelegenheit störend, hin- 
dernd durchkreuzen. Mi geit alles de 
Quer, verkehrt, gegen meine Absicht. 

Qiierdel, m. u. n., s. Quarder. 

Querdel, Quirdel, Quirl(e), /. I.Hand- 
* mühle. Mühling. Der alte Rabe sitzt 

auf der Quirl und spielt den Bafz, 
Masur. Volkslied. Goth. qaimus, ahd. 
quim^ mhd. kum^ kume Mühlstein, 
Handmühle, Mühle. Vgl. Schade, 
Wb. II, 690 a. 2. Quirl, Stäbchen mit 
aufstehenden Zweiglein unten, das zwi- 
schen den Händen gedreht wird. Drellst 
di rund röm wie e Querdel. Volksr., 
' 252, 877. 

querdeln, quirdeln, sw., auf einer Hand- 
muhle mahlen, mit einem Quirl um- 
rühren, quirlen. 

Querder, plur., wurmähnliche Larven, 
aus den Eiern der Neunaugen entstan- 
den, im Schlamm- oder Lehmboden 
der Flüsse lebend; sie entwickeln sich 
zu vollkommenen Neunaugen. S. ße- 
necke, 194 ff. 

Querder, m. u. n., s. Quarder. 

Querfil, QuirftI, /., grundlose Klage, 
Gezänk, Unfriede. Er macht überall 
Querel, Stänkerei, stiftet Unfrieden, 
♦ klagt laut und viel ohne rechten Grund. 
Es ist das lat. querela. Davon: Que- 
rSler, m., Zänker, Stänker, Friedens- 
störer, querfilen, sw,^ grundlos klagen, 
Unfrieden stiften. 

Quermaul, n , Fischn., s. Nase. 

Querrkranky /., eigentlich Quarrkrank 
von quarren, Krankheit, die sich durch 
Quarren und Stöhnen äul'zert, dauern- 
des Unwohlsein. Dzg. Nhrg. Sprw. I, 
f 3526. Vgl. soddem. 

. Quersteg, pltd. Querstech, m., Teil der 
I Zock (s. d.); er verbindet die Homer 
des Pflugbaumes und ragt über das 
rechte Hom als Griff hinaus. 



Qu68(e), /., Dem. Queschen, Bläschen 
auf der Haut, kleines Hautgeschwür, 
kleine Pustel. £V hat das Gesicht voll 
Quosen, Pierson weist vergleichsweise 
auf das lit. kwetka Blüte. Lit. Aeq., 
21. Vgl. jedoch das ahd. angweiz^ 
ancweiz Pustel. Schade, Wb., 20a. 
Schemionek, 31: Quose, Hennig, 
204. 

Quesenkopf, m. 1 . Himkrankheit der 
Schafe. 2. närrischer, eigensinniger 
Mensch, Querkopf. Mü hling. In bei- 
den Bedeutungen auch in Bremen; im 
Holsteinschen und im Göttingenschen 
nur in 2. Brem.Wb. HI, 407. Schütze 
III, 261. Schamb., 164b. 

qufisig, adj, voll Quesen. 

Quest, Quast, /., Gang, Fahrt nach 
Almosen, Bittgang überhaupt; Besuch 
bei Befreundeten oder Verwandten in 
der Absicht, Unterstützung oder Ver- 
pflegung auf längere Zeit zu erhalten. 
Er geht auf die Quest, er geht sehen, 
wo er etwas erlangen kann. Jetzt sagt 
man's vorzugsweise vom Bettler, ur- 
sprünglich galt's von den Bettelmönchen. 
Ermland. Nach Hennig, 204, hieCz 
ein solcher Questa,- m. Mit Aufiiören 
der Klöster ist der Name für die Bettel- 
mönche aulzer Gebrauch, Quest für den 
Bettel jedoch geblieben. Poln. kwesta 
das Almosensammeln, die Kollekte, 
kwestarz Almosensammler. N s s 1 m. 
Forsch. 2. Vgl. das lat. quaestor, 

Questa, m., s. das vor. 

Querto, /, s. Quaste. 

questen, quästen, sw. 1. von Quest, 
bittend etwas abquälen, erpressen : ab- 
questen; quälen, drücken, belästigen. 
Einen questen, ihm zusetzen, ihn drän- 
gend bestürmen, bis er das Gewünschte 
giebt. In Pommern quästen, in Bayern 
quesfem hin und her gehen, laufen. 
Dähn., 366b. Schm eller II, 404. 



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204 Questerei — Quinzillge. 

Questerei, /., s. Qu&S. kelt. cwin Klage, das Weinen, nmd. 

Qufttschen, /., kleiner Kohlkopf. DöDh. quin Abnahme. Brem. Wb. IIL 408. 

quibbig, adj,^ s. quebbig. Mnd. Wb. III, 496 a. Im Holsteinschen 

quick, adj, u. adv,^ ruhrig, munter, auch queenen, Schütze III, 261. 

lebensfroh. Er ist noch ganz quick zu Hennig^ 204. In Zusammenset- 

wege. Treichel. Vgl. Quftk. zuogen: aufquimen, aufquinen, an der 

quickem, sw.^ s. quTken. Auszehrung, Zehrkrankheit, allmählich 

Quiddel, /., s. Quaddel. sich auflösen ; in gleichem Sinne ver- 

quiddem, m., s. gniddern u. quaddem. quimen und verquinen, auch von Tieren 

Quik, //., Vieh. Westpr. Mühling. und Pflanzen. 

Im Brem. Quek^ Quik^ mhd. quec. Brem. quinkelieren, sw,^ hoch und fein, ge- 

Wb. lU, 399. Schade Wb., 693b. künstelt singen. Nach Treichel in 

quTk, interj,^ auch tw., zur Bezeich- übertragener Bedeutung auch: Aus- 

nung des hellen, schneidenden Tones,« Stellungen machen, Redensarten aus- 

den ein Ferkel hören läizt. sprechen, die zu nichts führen. In 

quTken, sw. 1. in hohen Tönen hell Bremen quinkeln^ quinkeleren, im Göt- 

schreien: vor Lust, infolge des Kit- tingenschen quinkelcreUy hoU. hjoinke- 

zelns, vor Schmerz. 2. zur Bezeich- leren^ schwed. qvintiUera, Wohl von 

nong des Tones, den Schweine hören quinteren^ quinteleren auf der Quinte 

lassen, namentlich beim Schlachten, eines Saitenninstrumentes fingern. Brem. 

In Samland quickern. Mühling. Engl. Wb. III, 408. Schamb. 165a. Hen- 

t0 9queak^inB9i.yttiiquickezen. Schmel- nig, 204. Vgl. quintelierert 

1er II, 402. Bock, 49. Hennig, Quinkschlag, m , feiner, listiger Streich, 

204. Pfiff. Mühling. Ebenso in Bremen und 

Quiksand, m, Scheuersand odei* feiner Hamburg. Brem. Wb. HI, 408. Ri - 

weißer und geMicher schar fer Quiksand chey, 201. 

ßndet sich an einigen Orten des See- Quinte, /. 1. auf Saiteninstrumenten 

Strandes. Bock, Nat. H, 36. die fünfte und feinste Saite. Wenn 

Quiksterz, m. u. /., QueksterL jemand sehr hoch singt, sagt man 

quilen, »w,,, speien. Westpr. Müh- warnend: Die Quinte mrd pkUzen. 2. 

ling. Finte, listiger Streich, Pfiff. Ur nutcht 

quTmen, sw.^ s. quTnen. Quinten^ spielt arglistige Streiche. Bir 

quTnen, quTmen, sii;., kränkeln und hat Quinten im Kopf^ er ist voller 

daher kümmerlich sich entwickeln, da- Ränke, auch: plagt sich mit Grillen. 

hinwelken, langsam dahinsiechen; von Bock, 49. Hennig, 204. 

Menschen, Tieren und Pflanzen. Eck quintelieren, sw ^ weinen. Natangen. 

qoiehnd gerats am Lieff^ ich hatte Leib- S. quinkelieren. 

schmerzen. Carm. nupt IH, 77c. Quintenmacher, m, Ränkeschmied, 

Echt was e trueg^ du umt e kränk, Intriguant, Pfiffikus. Ebenso in Bre- 

quind no e Pde Wake — da stuf e. men, in Osnabrück Quintenfdnger. 

Konitz. Firmenich HI, 637b. Lit. Brem. Wb. HI, 409. 
kwitauti\ angs. quanian, cmnan^ hoU. Quinzillge, f. 1. cunnus, vulva. 2. 

kwijnen^ quenen^ dän. quime^ isl. kueina, Schimp&ame für ein Weib, das bei 



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Quirdel — Qaütsch. 



205 



jeder Gelegenheit weint. In Hessen 
and Posen Quintipse, Vilmar, 310. 
Bernd. 231. 414 

Quirdel, /., s. Querdel. 

quirdeln, sw, s. querdeln. 

QuTre, /., veraltete Handmühle von 
Holz zum Zerkleinem des Getreides 
mittelst zweier quer gehender Mahl- 
steine. Die Grrützqutre giebt Grütze, 
die Crraupenquire Graupe; letztere heilizt 
auch Pischkenstampe. T reich ei. S. 
Pischke. 

Quirei, /., s. QuerSI. 

quirksen, quirkschen, sw. 1. zwit- 
schern, zur Bezeichnung der ersten Ge- 
sangsübungen junger Vögel. 2. quar- 
rende, schrille Töne hören lassen. 
3. die ersten Übungen auf der Geige 
anstellen. Wohl von ^t^trr^n. In Bayern 
qwit&chen^ qwitschem. Schmeller H, 
404. Vgl. schirgeln. 

Quirkser, Quirkscher, m., einer, der 
qutrht^ namentlich Anfänger im Geigen- 
spiel. 

Quirl(e), /., s. Querdel. 

Quirop, m. 1. die quikrufende Maus. 
Im Volksrätsel: De Quirop on de 
Quarrop (s. d.) 2. unartiges Kind. 
Samland. 

Quiirdips, m., der Podex beim Geflügel. 
Friedland Ostpr. Vgl. Dups. 

quirrelieren, pltd. quirreieren, sw,, 
querulieren, gern oder häufig klagen, 
unbegründete Beschwerde fuhren. 

quirren, 9w,, s. quarren. 

Qui8pely(?), etwas Zusammengedrehtes. 
Natangen. 

Quitt, /, Vergeudung. Ahd. quist 
Vernichtung, Verderben . SchadeWb., 
696 a. 

qutsten, sw., vergeuden, verschwenden, 
verschleudern, verthun, durchbringen. 
Ur verquistet und verqudst alles, Goth. 



qistjan, ahd. quistan, ckwistan verder- 
ben, vernichten. Schade, 691a. HoU. 
quisten vergeuden. 

Quitsche, /., in der Saalfelder Gegend 
auch Quitschke, nach Treichel, Volks- 
th., Ouitschel, Beere der Eberesche, Sor- 
bus aucuparia L. Von quitschen quet- 
schen: die Beeren werden gequetscht. 
Sperber, 37, schreibt Ewitsche und 
leitet den Namen von dem poln. kwiat 
Blüte ab; der poln. Name für Quitsche 
ist jedoch jarz§bina. Der Baum selbst 
heifzt Quibchenbaum etc. Hennig, 
204. 

quitschen, sw, 1. quetschen. 2. s. 
V. a. qutken; pfeifend und quikend, 
mit kindischer Stimme sprechen. Wie 
du von ihrer Stimme^ dieser mir quit- 
schenden Stimme, bezaubert gewesen bist? 
Soph. R. IV, 240. Das wäre ober doch 
verflucht impertinent, quitschte ein junges 
Ding. Ibid. V, 162. Sperber, 35. 
3. s. V. a. quatschen, 

Quitschenbaum, pltd. -böm, m., s. 
Quitsche. 

Quitschke, /, s. Quitsche. 

quitschnafz, adj., naCz, dafz es quitscht. 
Saalfeld. S. quatschen. 

quittem, sw., leise lachen. Saalfeld. 
Vgl. gniddem. 

Quöder, m. u. n.y s. Quarder. 

quöken, sw,, bebend schaukeln, zittern. 
Die Kampen eines Moores quöken, 

QuöS, m. 1. Schmutz, durchgearbei- 
teter Lehm oder Thon; Jauche. Da- 
von quösig, adj,, jauchig, von Jauche 
durchzogen. Der quosige Misthaufen. 
Friedland Ostpr. 2. s. Quds. 

quösen, sw., s. quftsen. 

quösig, adj., s. Quös. 

QuQtsch, m. 1. Hieb, Schlag, Prügel. 
Quütsch geben, prügeln. Vgl. Knutsch. 
2. Schenke, Krug, in dem es oft Quütsch 



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206 



Quutsch — rabbeln. 



giebt. In Pillaa auf der sog. Holz- 
wiese wird eine Kneipe Blotquütschj 
Blutquatsch, genannt. Samland. 

Quutsch, (u kurz), 7»., Nässe, Schmutz, 
Stral'zenkot. Die Strafze ist ein Quutsch 
LautnachahmeDd von dem quutsch- 
Ton, den stark durchnäiztes defektes 
Schuhwerk in durchweichtem Boden bei 



jedem Schritte hören läfzt. In Bayern 
Pfutsch, Schmeller I, 326. 

quutschen, sw.^ von Quutsch. Das 
Wasser in den Schuhen quuischt^ durch- 
weichter, lehmiger Boden quutscht bei 
jedem Tritte. Davon quutschig, adj. Der 
quutschige Weg. quutschenafz, quutschend 
nafz^ triefend nafz, s. quatschnafz. 



R. 



r, Schmelzlaut, verschwindet im Platt- 
deutsch auslautend: mt mir und mich, 
wt wir, Väda und Väde Vater, maschi- 
ren marschieren, Quatier Quartier ; auch 
in Vorsilben: vo oder va vor (vagete 
vergessen). 

Raap, m., s. Räp. 

Rftb, Raf, Rabe, Rape, m. 1. erster, 
junger Schorf einer Wunde. Ahd. 
rafjan^ raphen sich schliefzen, verhar- 
schen, Schorf bildung zeigen. Schade, 
697 b. Im Hannöv. Robe^ in Bremen 
Rave^ in Hessen Rop, Brem. Wb. III, 
440. Vilmar, 330. 2. Rinde, Kruste, 
Decke überhaupt. Es lag ja nur ein 
kleines Räbchen Schnee auf der Treppe. 
Hennig, 205. 

'rab, pltd. Va/, Waffer^ adv., herab, 
hinab. Komm 'rab! On 'raf, Vo^, 
erafer. Dorr, 1. Wiew., 24. Gegen- 
satz: 'rauf (s. d.). 

Rabacl(,(?), Klapperei, eine alte, nichts- 
nutze Sache. Mühling. In Bremen: 
Een oold Rabak ein altes verfallenes 
Gestell, Haus etc. Brem. Wb. HI, 413. 
Wohl verwandt mit Kabache, 

rabacken, sw.^ rasseln, rumoren, klap- 
pern. Mühling. Ebenso in Bremen. 
Brem. Wb. III, 413. In Posen rabat^ 
zen. Bernd, 231. Vgl. rabasteln. 

Rabant, (?), Peitsche, Kantschu. Da- 



von rabanten, sw.y auspeitschen. Thorn- 
sche Chronik, 199. Mühling. 

rabasen, rabosen, sw. 1. tollen, ra- 
sen, lärmen. 2. rauben, stehlen. Müh- 
ling. In zweiter Bedeutung also 
übereinstimmend mit rabuschen (s. d.) 

rabasteln, auch rabasseln, sw.^ ge- 
räuschvoll hantieren, lärmend herum- 
wirtschaften, rasselnd arbeiten, mit Ge- 
räusch aufräumen. Se spenkerf und 
schmefz em (um) sich^ on raba&teW met 
Tesch on Stuhl. Schaltj. 1, 439. Re 
hadd dat wohl gefeehlt^ wie em wat 
Weeket an de Been rabastelt weer. Dorr, 
Driewjagd. sich rabasteln^ sich beim 
Liegen oder Sitzen hin- und herwer- 
fen, um eine bequemere Lage zu fin- 
den, oder sich zu erheben: sich auf-- 
rabasteln, Marc Id. Vgl. basteln und 
brasteln. 

Rabäu, m.j s. Radäu. 

Rabbas, Rabbax, m., Stolz, Schlag, 
Hieb. Öch ha a och all mänge Rabbas 
ver e Bloss gegjane. Ermland. Firm e- 
nich 111, 103b. Auch bildlich. Er 
hat einen guten Rabbas weg^ einen em- 
pfindlichen Schaden gehtten. Poln. 
rabac hauen, raz Hieb, Schlag. 

rabbeln, räbbeln, sw.^ sich bemühen, 
nach einer Sache emsig bestrebt sein. 
Mühling. In Bremen ist rabbeln ge- 



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Rabbeltasche — Racker. 



207 



schwind und uDbedachtsam plaudeni^ 
im GöttiDgenschen raiuweln^ holl. rab- 
belen. Brem. Wb. III, 413. Schamb., 
169 a. Vgl. rappeln. 

Rabbeltasche, /., Plappermaul. M u h- 
ling. Ebenso im Holsteinschen, im 
Götting. Ravxweltasche. Schütze III, 
268. Schamb., 16i)a Vgl. rabbeln. 

Rabe, /., s. Rab. 

Rabheler, m, s. Dannecker. 

rabiönsch, adj,, habsüchtig, geizig. 

rabosen, m.^ s. rabasen. 

rabotten, sw., s. robotten. 

Rabsgras, n., Rasenschmeie, Aira 
caespitosa L. Hagen, 81. 

Rabunek, m.^ poln., Raub, PlQnderung. 
Auf Rabunek gehen, Sperber, 39. 

rabunten, sw. rabunten gehen, böse 
Wege wandeln, herumschwärrnen. Vgl. 
Brem. Wb. lU, 413. 

RabÖSCh, m., s. Rabüscher. 

raböschen, raböschem, sw., rauben, 
stehlen, überhaupt etwas ohne Recht 
und Berechtigung sich aneignen. Poln. 
rabfM der Rauber, rabowa6 rauben, 
plündern. Vgl. rabasen. 

Raböscher, m, von rabuschen^ Dieb, 
ein Mensch, der alles sich anzueignen 
versteh t. Am Ostseestrande Arbeiter, 
der auf eigene Hand, also gesetzwidrig, 
nach Bernstein gräbt. Auf dem Rück- 
wege nahmen ihm verschiedene Maro- 
deurs — Rabuscher von den Landleuten 
genannt-- sein weniges Geld ab. (1807.) 
Lehrerz. f. Ost- und Westpr. 1880, 
S. 242a. Sperber, 39: Rabusch Räu- 
ber, verwilderter Mensch. 

rachaideln, rachheideln, sw,^ coire. 
Klingt jüdisch, stammt jedoch nicht 
aus dem Hebr, wird auch nicht von 
Juden gebraucht, ist vielmehr Nach- 
bildung des an ei und oi reichen jü- 
dischen Jargons. 

Rachenputzer, tt»., Schnaps, der den 



Rachen reinigt. Vgl. Schmeller 
III, 10. 

rächfär, adj. u. adv,, s. r&kf&r. 

rachgierig, adj., habgierig, habsüchtig, 
eigennützig. Ebenso und rachig in 
Hessen, woraus hervorgeht, daiz das 
Volk an Rachen (Jaux) denkt. Vil- 
mar, 312. Mühling hat in gleichem 
Sinne noch rachsüchtig; Schemionek, 
31, rachhalsig; Hennig, 334, hat raff- 
gierig, von raffen, als den edleren Aus- 
druck — „der gemeine Mann sagt 
rachgierig,^ , 

rachhalsig, adj.^ s. das vor. 

rachheideln, sfm,, s. rachaideln. 

rachsüchtig, adj,, s. rachgierig. 

Rachuli, Rachuller, m,, rachullen. 

rachullen, sfw., gierig verlangen, an 
sich reilzen. Er rachullt- tiberall herum^ 
er sieht zu, wo er etwas ergattern, ge- 
winnen kann, sucht nach Beute. Auch 
hier wird, wie bei rachgierig, an Ra- 
chen gedacht; doch liegt wohl das 
poln. rachowad rechnen, zählen, näher, 
dessen Präs. rachvj§ lautet. Davon 
Rachull, Rachuller, m., Habgieriger, Un- 
ersättlicher. rachull(e)rig, adj,, gierig, 
habsüchtig, sehr ^nach sich". Sche- 
mionek, 32: rachhultrig, Sperber, 
26. Schmitt, Westpr., 167. 

rack, adj.y straff, steif. Zudem ist 
der nüchterne Leib, wegen der gleichsam 
erstorbenen Geisterlein, gleichsamb rock, 
Star und kalt Linem , Dd Ib. De 
Hans was rack on möd von allem Peper- 
stampe. Carm, nupt. I, 282, 7. Vgl. 
Schmeller III, 38. 

racken, sw,, s. raggen. 

Racker, m. 1, Schinder, Abdecker, 
Henkersknecht; von raggen , racken. 
Ebenso engl., holl. und schwed. £t 
föllt göt, seggt de Racker, Schlechte 
Ttt, seggt de Racker, et folU nuscht, 
2. Bezeichnung für einen Pfiffikus, 



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208 Rackerei — radbrechen. 

Schelm. Er üt ein geriebener Racker, tick rackermod onmatt. Nowack, 42. 

3. Schimpf- und Schmeichelwort, je Vgl. pack. 

nach dem Geschlecht: der Racker^ die rackem. 9w.^ angestrengt arbeiten, 

Racker, Du Racker^ cP denkst^ cP kannst sich abmühen, namentlich wenig loh- 

alUen scheten, Soph. R. III, 382. Kamt nende, schmutzige Arbeit verrichten. 

m^t^ §k war ju dolhte Geschichten van Wer de ganze Wäk (Woche) gerackerty 

dissem Racker^ dem Forth^ verteilen. Dem es de Stäw denn vehl to eng. 

Dorr, l.Wiew., 116. 4. Racke, Mandel- Nowack, 36. Vgl. raggen^ rocken^ 

krähe, Coracius garrula. Muhling, Racker, abrackern, sich^ sich abarbei- 

Tiem., 176. Die Krähen überhaupt ten, durch angestrengte Arbeit müde 

nennt der Volksmund: dem Racker sine machen. Sperber, 5. anrackem. Sich 

DuwCy die Tauben des Rackers. Racker einen Bund anrackem^ ihn mit An- 

im Sprichwort s. Sprw. I, 3050 ff. strengung und Mühe an sich gewöhnen. 

Vgl Bock, 49. Hennig, 206. Ri- Dönh. verrackem, sichy sich überar- 

chey, 204. Brem. Wb. III, 425. beiten. 
Vilmar, 313. Sallmann, 38b. Rackerzeug,pltd.Rackerttg,n., Gesindel, 

Rackerei, pltd. RackerT, /. 1. Woh- Geschmeifz, böse Brut. Schimpfwort, 
nung des Schinders. 2. Schwere, ab- oft auch in gemütlichem Sinn. S. Be- 
mattende Arbeit, Quälerei, Plage. Es leg unter EUc. 

ist eine reine Rackerei. 3. Unreinigkeit, Rackopill, /., Schabe. S. Franzosen. 
Schmutz. Backs, m.. Stich. Er hat ihr einen 

Rackerhund, m.^ Hund des Rackers; Rcu:ks beigebracht. Friedland Ostpr. 
beliebtes Schimpfwort In Hessen ist racks, interj ^ schallnachahmend, zur 

Racker zunächst bissiger Hund. Vil- Bezeichnung eines Bruches ^^huicks. 

mar, 313. Rcu^ks^ brach der Wagen! Treichel. 

rackerig, rackrig, adj., schmutzig, sehr racksen, sw.^ Iterativ zu rocken^ gleich- 
beschwerlich, ermüdend. Eine racke- bedeutend mit rackern^ angestrengt ar- 
rige Arbeit Nach Mühling auch: auf- beiten. Treichel. 
gebracht, erzürnt; in diesem Sinne auch Räckske, n.. Röckchen, 
in Posen. Bernd, 232. raden.«K7., roden, ausrotten. Hennig, 

Rackerkarre, /., Karre eines Rackers. 205. 

Rackerkaule, /*., Raule, Grube, worin räd on rund, adv.y s. rM. 
der Racker die Reste der abgethanen Radäu, Rabäu, m., Lärm, Geschrei, 

Tiere vergräbt Nach Mühling der Spektakel, Unfug. 
Platz, auf welchem er sein Geschäft Radaune, /., Flufzn., s. RadQn. 
betreibt, Schindanger. Ebenso auch ridbrechen, rftdebraken, pltd. rädbrä^ 

im Bremischen. Brem. Wb. HI, 425. fo(n), st. 1. mit dem Rade zerbre- 

Rackerknecht, m. 1. Knecht eines chen, rädern. 2. verstümmelt sprechen, 

Rackers, Schinderknecht. 2. Schimpf- also beim Sprechen die Worte zer- 

wort. brechen, wie es kleine Kinder thun, 

rackermilde, adj.^ rack und müde, die zu sprechen beginnen, oder Leute, 

steif und müde, sehr müde. In der die eine fremde Sprache schlecht spre- 

Verstärkung: hunder ackermide. Wurd chen. Do« Kind rddbrdkt schon. Er 



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Radbrecher — raggen. 



209 



rddbrdkt im Deutschen^ Holl. rad- 
hraken^ raJbraken^ im Göttingensclien 
rabrakm. Vgl. Adelung HI, 912. 
Scham b., 166a. Hennig, 334. Da- 



von: 



Rftdbrecher, pitd. RädJbräker^ m.^ einer, 
der rddbrächt. 

Rftde, f.y Kornrade^ Affrostemma gi- 
thago L. RM und Tresp Hält den 
Bauer fest; Aber Schmel und Klapper 
Jaget ihn vom Acker. Samland. Sprw. 
I, 3054. Hennig, 205. 

rftdebraken, m.^ s. r&dbrechen. 

Radel, n., Waldläasekraut, Pedictdaris 
silvatica L. Bock, Nat lU, 455. 
Hagen, 650: Rodel. Nsslm. Th., 220: 
Rodelj Sompfläusekraat, Ped, palvr- 
stris L. 

Raderiaichen, m., richtiger Räderku- 
chen ^ längliches Schmalzgebäck zum 
Kaffee, dessen Teig durch ein sporen- 
artiges Rad der Länge nach zerschnit- 
ten ist, wodurch der Rand gezackt er- 
scheint. Durch einen Einschnitt in der 
Mitte wird das Gebäck knotig geschürzt 
und heifzt daher auch Schllrzkuchen. 
Samland. 

Radheuer, m,y auch Ratteier ge- 
schrieben, Arbeiter, der zum Pflügen 
(ftlrs Rad) geheuert wird. Treichel. 

Radikalacker, m., der eingewurzelte, 
erbliche Acker, der ohne den dazu ge- 
hörigen Hof nicht verkauft werden 
durfte. S. Behnisch, 76f. 

radlich, adj.^ weit auslaufend. Von 
den Wurzeln der Kartoffeln. Dönh. 

Radnelke, /., Kornrade, Agrostemma 
gühago L. Hagen, 482. 

RadSI, Pflzn., lanzettlicher Wegerich, 
Flantago lanceolata L. Hagen, 170. 

Radom, /., Rohrdommel. Samland. 

Radschen, Ortsn., Dorf im Kirchspiel 
Küssen, Kr. Pillkallen. Du boat woJd 
von Radache, wo se de Flinse op ene Sid 

FriMhbitf, W6rt«rbaeh IL 



backe — wo se de Wagens op ene Sid 
schmerey so sagt man, wenn jemand 
eine Arbeit linkisch oder nicht voll- 
ständig macht. Das Dorf ist so ge- 
baut, dafz alle Gebäude auf einer Seite 
der LandstraTze stehen. Sprw. I, 
3055. 

RadQn, /. 1. sumpfige, nasse Stelle 
im Acker, auf dem Felde. Treichel. 
2. nach Hennig, 205, ursprünglicher 
Name des Flufzcheus Radaune in Dan- 
zig. Hennig folgt fQr die Herleitung 
des Namens der Sage, nach welcher 
er von Rettung, pltd. Reddung, ab- 
stammt, weil ein Missethäter sich durch 
Anlage der Mühlenwerke, welche die 
neue Radaune treibt, das Leben ge- 
rettet haben soU. 

R&f, m. u. n., s. Rflb. 

r&fen, sw., Sahne, Rahm bilden: Die 
Milch will nickt rdfen, oder: rdft gut. 
Hennig, 205. Vgl. Rdb. 

Raffel, m., s. Räpel. 

Rafferin, /., von raffen, die hinter 
dem Schnitter herschreitende Binderin 
des Getreides. Hinter mir sputet sich 
die Raff eriny aufnehmend, greifend bin- 
det sie Oarben. Aus einem masurischen 
Liede. 

raffgierig, adj., s. rachgierig. 

rftgbar, adj., s. rftkfär. 

rftgen, »w., s. rflken. 

Itagge, /., Körper, vielleicht mehr 
noch Rücken. Dei Ragge voüschmere, 
durchprügeln. 2. Pferd. Dei heft e 
Paar gode Ragge. Samland. Vgl. 
Kragge. 

raggen, racken, sw., mit Mühe und 
Anstrengung vom Schmutze reinigen, 
aus dem Grunde reinigen, Unflat aus- 
räumen, Unsauberes waschen, scheuem, 
überhaupt angestrengt bei einer un- 
saubem Arbeit beschäftigt sein, ab- 
raggen, ausraggen. Einem die Läuse 

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210 



ra^endigyoll — rfikfär. 



ahraggen. Es ist nickt <mszuraggen^ 
der Schnmtz ist nicht wegzubekommen, 
es ist nicht rein zu bekommen. S. 
beraggen. Hennig, 206. Ygl. rftken. 

raggendigvoll, adj.^ überaus schmutzig, 
so unsauber, daiz der Schmutz nicht 
zu raggen^ auszuraggen ist. 

Ragnit, Ortsn., Kreisstadt im Reg.- 
Bez. Gumbinnen an der Memel. Lebt 
in der Redensart: Äük/nt^ (bei Bock, 
50 und Hennig, 206, RangniUer\ ma- 
chen^ Verbrecher gefängUch einstecken. 
In dem alten Schlosse der Stadt be- 
findet sich eine Provinzial- Straf -An- 
stalt. Sprw. I, 3056. Vgl. Nsslm. 
Th., U5. Altpr. M. XV, 583. 

Bahn, Rohn, m., Bahne, /., Bahnen, 
m.j Stück Bauholz, noch unbeschlage- 
ner Baumstamm. Lit rönas ; ahd. rono^ 
mhd. rone^ ron umgestürzter Baum- 
stamm. Denn wenn der Rahnen 9o ge- 
schnitten mrd, da/z auf einer Seite 
allein feste Dielen ^ auf der andern 
Seiten allein schwammichte und fosche 
Dielen entstehen, so etc. ... aber leicht^ 
fertige falsche Dielen entstehen^ wenn 
ein Rahn anders geschnitten wird, Li- 
nem. Tt 2a. Brettschneider so: Fichte- 
rone, FichterönCy Schnitt fer Schnitt e 
Achtehalber l Kinder-Neckreim. Kgsbg. 
Nsslm. Forsch. 2; Th. 146: Rdne, 
Rdnen. Vgl. Altpr. M. XV, 584. Mnd. 
Wb. m, 504b. 

Rahnenschneider, m., Schneider des 
Rahnen, Brettschneider. . , . ein Hau/z- 
vater und Bawherr den Rahnen- oder 
Bretschneidem einzurahten hat, wie er 
die Dielen abschneiden soUe,. Linem., 
Tt 2a. 

Bainfurt, Pflzn., gemeiner Rainfarn, 
Ta/nacetwm vulgare L. Dem gesunden 
Vieh giebt man die Pflanze, klein ge- 
schnitten und mit Salz, „fürs Ge- 



schmack'^, d. h. damit es gut früzt, 
dem kranken mit Bier gekocht. 

Bajöle,/., Rigole, Rinne, Abzugsgraben. 
HoU riool, frz. rigole. 

rajölen, sw,^ rigolen, umgraben, um- 
kehren, den unten liegenden Boden eines 
Ackers oder Grartens nach oben schaf- 
fen. Nach Überschwemmungen in der 
Niederung wird, wenn der Sand nicht 
gar zu hoch die Fruchterde überdeckt, 
der Acker rajolt Passarge, 341; 
Balt, 195. Franz. rigoler, poln. ry}§, 
das Präs. von ry6 wühlen, die Erde 
umgraben, slavon. ruju furchen, auf- 
wühlen. Frisch H, 122a: riolen. Hen- 
nig, 206. 

Bäkel, m., s. Bftkel. 

rftkeln, sw,, sich, sich dehnen, behäbig 
sich einrichten, breit, unnütz machen. 
Fast gleichbedeutend mit rekeln, Trei - 
chel. 

rftken, 8t^., treffen, rühren, berühren, al- 
terieren, interessieren, reichen, ausrei- 
chen, verschlagen. Gortzitza schreibt 
ragen. Das rdkt ihm nicht, sagt man, 
wenn einen Reichen ein Verlust getroffen, 
der von ihm ertragen werden kann. 
Wa^ rdkt dem ein Puckel voU IVügelf 
Dat rdkt nuscht^ verschlägt nichts. 
Es rdkt ihm nichts^ es beunruhigt ihn 
nicht, interessiert ihn nicht. Pr. Ar- 
chiv I, 526. La/z seyny dafz Hetzen 
auch nicht reine Kömer'mcMen, Wo» 
geht das Jungfern an, was rakt es die 
Vestalen. Carm. nupt I. Dei fehlt 
(beim Schielzen nach der Scheibe), an 
raackt gewifz ant Schwarte nich henan. 
Ibid. 133 c. HoU. raaken. Verwandt 
mit reken reichen. Brem. YH). IH, 422. 
Mühling hat raken auch in der Be- 
deutung von schaden. Hennig, 205. 

rftkfftr, rokfar (a = a), rftchfftr: nach 
Schemionek, 31, auch rftgbar, adf. 



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rallen — rampen. 



211 



and cuh.^ ge&hrlich, milzlich, be- 
denklich. Es ist rdkfdr^ auf schwa- 
ches Eis zu ffeherij — mit Licht 
sich leicht entzündbaren Stoffen zu 
nahen. Einen Handel mit wenig gang- 
baren Waren zu beginnen — ist eine 
rdchfdre Geschichte, Et os fäke ser 
rokfär^ es ist häufig sehr gefahrlich. 
Die erste Silbe weist auf das alts. raka^ 
«hd. rahha, rahcha^ racha^ Rede, Re- 
chenschaft; Sache. Schade, 699 a. 
In Pommern ist das Sahst. Rake/aart, 
n,y ein Ungefähr, ein Zafall, der viel 
einbringt: dat was so'ne Rakefaart. 
Dähn., 372b. Hennig, 205. 

rallen, sw. 1. laufen, sich jagen, 
balgen, rasen, tollen, sich wälzen vor 
Lust, Possen treiben. Tobenden Kna- 
ben wird zugerufen: RaUt nicht so! 
Die Jugend aber rallen, tanzen, spielen 
wie sie können, Pierson, Matth. Prät, 
82, 86. Denn war zwee Tag* hinter 
enander en Gejuchtz on en Rallen on 
Dollen on ommer Musick. Schalt). 3, 
9. In Bayern rallen herumlaufen. 
Schmeller III, 79. Im Götting. raln 
ken sich hin und her wälzen. Scham b., 
167 a. rallen in Verbindung mit dallen 
s. dollen. Bock, 50. Hennig, 206. 
2. ooire; von Schweinen. 

Räm, m., auch RämstUck, n., von Rah- 
meny Balkenlage auf der Mauer, wo- 
rauf das Dachgerüste ruht Oberland. 
Auch Rahmen, Einfassung, Umgebung 
überhaupt; in Danzig ist Rom oder 
Rämel Name einer Strafze, die früher 
zur Umgebung des Schlosses gehörte. 
Löschin, 45. 

ramasselriy ramasteln, siw., geräusch- 
voll thätig sein, rasseln, klappern, 
hämmern und klopfen. Hennig, 206. 
Rambau, m., Strafzenname in Danzig, 
richtiger Rafmmbau, da der sumpfige 
Boden durch eingerammte P&hle und 



Steine befestigt werden mulzte. Lö- 
schin, 45. 

rämen, sw.y nach Mühling: über- 
wältigen, bezwingen, ringen; bei Je- 
roschin: zielen, ins Auge fassen, au& 
Korn nehmen. Er rdmte stn so lange, 
unz er in durch ein wange mit eine^ 
spere gestach, 56a. Pfeiffer, 304. 
Und jagen es (das Wild) par force ins 
flache Feld hinein. Dann geht» ans 
Rahmen, da/z die Wolle davon stäube, 
Carm, nupt. IV, 56b. Vgl. Frisch II, 
85a. 2. tre£Pen, antreffen, begegnen 
und dann auch anrämen; zur rechten, 
gelegenen Zeit kommen. Ich rdmd ihn 
schlecht, ich traf ihn bei schlechter 
Laune. Ich hatte eine schlechte Zeit ge- 
rdmt. Die Arbeit rdmt nicht, es ist 
wenig Arbeit anzutreffen, sie ist schwer 
zu finden. Natangen. 

rammdäsig, -dSsig, adj., zum rammen 
däsig, 80 borniert, dafz man den Dumm- 
kopf als Ramme gebrauchen könnte. 
Treichel. Vgl. däsig. 

rammeln, sw,^ sich begatten; zunächst 
von Kaninchen, Hasen, Katzen, Schafen, 
dann aber auch von Menschen. Von 
Ramm Schafbock. Vgl. Brem. Wb. HI, 
431. Davon Rammelei, /., Rammelzeit, 
pltd. RammeltTd, f, 

Rammklotz, m. 1. Klotz, mit dem 
gerammt wird. 2. bildlich zur Be- 
zeichnung eines korpulenten, kräftigen 
und behäbigen Menschen. Er ist ein 
rechter Rammklotz, Er ist so dick wie 
ein Rammklotz, Sprw. I, 5*70. 

Ramp, m.y s. rampen. 

rampen y rumpen, rllmpen, rümpfen, 
rllmpfen, pltd. rVmpe(n), sw,, in Bauscl^ 
und Bogen kaufen. Namentlich wird 
auf Jahrmärkten Töpfergeschirr gerampt, 
gerumpß etc. Ein Einzelner kauft den 
ganzen Rest der Töpferware, sucht dann 
Abnehmer und teilt nun den Vorrat 

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212 



Ramsch — ranzeonere(n). 



in 80 viele Haufen, als er Teilnehmer 
gefunden, auf jeden Haufen das ihm 
übergebene Pfandstück des neuen Be- 
sitzers legend. In anderm Falle setzen 
auch die Töpfer selbst am Schlüsse 
des Jahrmarktes den Rest ihrer Vor- 
räte in Haufen und verkaufen oder ver- 
losen diese kleinen Ramj>e an einzelne 
Liebhaber. Nach Mühlin g werden 
die Töpfe ihrer Gröfze nach in Reihen 
gestellt, und hat jeder Käufer eine ganze 
Reihe gleichartiger Töpfe zu überneh- 
men. DtT ganze Rest oder jeder ein- 
zelne Haufe, jede Reihe ist ein Ramp, 
Rump, RUmp, Rumpf, R8mp, auch Rummel 
und Ramsch, daher das Verkaufen im 
Ramsch^ ohne Auswahl, auch ramschen 
genannt wird. In Bremen heifzt der 
ganze Haufe Rummel^ im Osnabrück- 
schen Rämtery franz. ramm^ hoU. rom- 
melzoo, Brem. Wb. lU 431. 553. 

Ramsch, m., ramschen, sto., s. rampen. 

Ramskopf, m., Ramsnase, /., Pferd mit 
Kopf, Nase, wie sie der Ramm^ der 
Schafbock, hat. 

rftn, o^;., s. rank. 

'r&n, 'ranne, 'ranner, adv,, heran. De 
Moddag kommt Wanne, Volksl. 35, 
23, 3. 

Ranche, Pflzn., Rainfarn, Tanacetum 
L. Rössel. Mühling. 

Rand, m, 1. die äul'zere Einfassung. 
Ati8 Rand und Band sein. Das ver- 
steht sich am Rande^ ohne weitere Be- 
merkung, von selbst. 2. der Mund. 
Halte den Rand! 

Rand&l, m., Lärm, Skandal. Randdl 
machen^ Randdl schlagen, Skandal 
machen. Zur Verstärkung: Heidenran- 
d&l. Davon: rand&len, randalieren. 

Randnetz, n., s. Klippe. 

Rftne, /., Rftnen, m., s. Rahn, 

Ranefenblume, /., s. Romei. 

rangeln, sw,^ s. rangen. 



rangen, sw.^ sich, ringen, im Ring- 
kampfe die Kräfte prüfen, in Danzig 
rangeln. Die Jungem rangen sich. Dat 
sit üt, als wenn sock twe Bare ränge, 
wenn zwei Männer sich küssen. Ja, 
ere twei op enem! säd de Diwel, wl hei 
sock mSt dem Knecht rangd! on dei rSp: 
Help de lewe Gottke! Sprw. I, 3744. 
Vgl. Schützern, 273. Bernd, 233. 
Bock, 50. Hennig, 206. 

Rangnit, Ortsn., s. RagniL 

rank, adj., schlank, dünn und lang, 
schmächtig. Ein rankes Pferd. Ironisch 
sagt man über den Wuchs ein«s Men- 
schen: So rank on schlank tm e Wage- 
brett. Sprw. I, 3060. Da sech ock en 
ranket fixet Offztrken. Elbinger Höhe. 
N. Fr. Prov.-BL a. F. IX, 245. Fir- 
menichin, 496a. Mühling hat rftn; 
holl. ran, rank, engl. u. schwed. rank, 
ebenso in Bremen. Brem. Wb. III, 
433. In Bayern rdn, ranig. Schmel- 
1er III, 92. 

rankein, sw,, ranken, hoch u. schlank 
aufschiefzen, drehend sich winden, lok- 
ken. Die Bohne — das Haar rankein 
sich. Mühling. 

ransenieren, sw., s. ranzeonftre(n). 

Ranze, m., s. Ränzel. 
' Ränzel, m., Dem. von Ranzen, Bauch. 
Er hat seinen Ränzel voll, er hat sich 
satt und voll gegessen. Bkik frat den 
Rentzel voll. Carm. nupt. I, 282, 14. 
Drinke, singe, danze, VullscMon mine 
Ranze fSchlochhVL. Firmenich 1, 118b. 
Volksr., 222, 790. Hennig, 211. 

ranzen, sw. 1. heftig anfahren, aas- 
schelten. Mnen anranzen. 2. sich nachts 
liederlich herumtreiben. Mühling. 

ranzeon6re(n), sw., sich, sich ranzio- 
nieren, in der Bedeutung von einrich- 
ten. Hei wet sock to ranzeonere, er ver- 
steht sich einzurichten. In Westpr. 
auch ranseneren. Treichel. In der 



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R&p — Rapunzel 



213 



gewöhnlichen Bedeatong: loskaufen, hat 
Hennig, 207, nach Schütz, Preufz. 
Chron., 326, ranzQnen. Vgl. Brem. Wb. 
ni, 434. 

Rftp, R&pen, Rappe, Rftpe, m,, der 
Rapfen, Aspius rapax^ altpr. rapw, kur. 
rap£u/r. Nach Mühling, Tiem., 176, 
auch Rapan, sonst noch Rohrkarpfen, 
Alat, Raubalat, Frefzalat, Salat, Zaiat, 
Alant, lit. salatiSy celatos^ salote, kur. so- 
latej nhd, alunt Benecke^ 130. Bock, 
Nat. IV, 659. 670. 

Räpel, Raffel, m., Rftpe, /., hölzerner 
Flachskamm zum Abreilzen der Samen- 
knoten des Flachses. Er besteht aus 
dem Räpelbaum und den Regeln; erste- 
rer ist auf der Dreschdiele in Quer- 
lage angebracht und hat eingestemmte 
öfinangen, in welche die Räpel wie 
Zähne gesteckt werden. Durch diese 
werden die Stengel hindurchgezogen 
und die Samenknoten abgerissen. Vgl. 
Brem. Wb. III, 482. Mi, 69a. 

räpeln, 9w.y mit einem Räpel die Sa- 
menknoten des Flachses abreifzen. Im 
Holstein, rapeln. Schütze III, 307. 

Ittpeltän, m, 1. Zahn, Zacke eines 
Rapeb. 2. zur Bezeichnung eines Men- 
schen, der andere gern neckt und durch 
die Zähne zieht. In Pommern Schelt- 
wort auf häfzliche alte Weiber und 
Mägde, denen die Haare ums offene 
Maul hängen. Dähn., 372 a. Im 6öt- 
tingenschen repeltm der Raffzahn, der 
stark hervortretende Vorderzahn bei 
Menschen; der Mensch mit einem solchen 
Zahn. Schamb., 171a. 

Räpen, Rappe, m., s. Rftp. 

Rappel, m,y momentaner Irrsinn. Er 
hat einen Rappel. Vgl. Raps. 

rappelkSpsch, -kSpfig, adj.^ leicht er- 
regt, aufbrausend, jähzornig. Eopf, in 
dem es schnell rappelt . . . dafz^ da 
9ie stolz und mein Bruder rappelköpßsch 



isty die Sache hof entlich auseinander^ 
gehn kann, Soph. R. V, 605. 

rappeln, sw, 1. rasseln, klappern. 2. 
bildlich : dem rappelt's im Kopfe^ er ist 
nicht bei gesundem Verstände, bei„ruhi- 
ger Überlegung. Nun, weiVs rappelte, 
Soph. ß. n, 420. Rappelf 8 f werden Sie 
sagen. Ibid., 482. 3. — sich^ sich auf- 
raffen, emporrichten, zusammennehmen, 
herausarbeiten. Sich in die Höhe rap- 
peluy das Tier z. B. aus einem Sumpfe, 
in dem es steckt, der Mensch aus einer 
üblen Lage, in der er sich befindet. 
In letzterm Sinne auch aufrappeln. 

rappelndig voll, bis zum Überlaufen 
voll. Treichel. 

rappen, sw., zahlen, in berappen, be- 
zahlen. Hast all berapptf Nun hei/zt 
es berappen! 

Rapphenn', /., Rebhuhn. Saalfeld. 

rapplig, cuif» von rappeln^ nicht recht 
bei Sinnen. 

Raps, m.y Sparren im Eopf; wunder- 
licher, fast irrsinniger Einfall, plötz- 
liche dumme Neigung; Rausch. Er 
hat einen Raps, er ist nicht bei vollem 
Verstände. Hei^ rep he^ wat schadet 
mt e Rapsf Man noch e Schnaps l 
Samland. Firmenich HI, 115b. Man 
hört auch das allgemein gebräuchliche 
Raptus. 

rapsen, sw. 1. mit Geschwindigkeit 
und heimlich raffen, widerrechtlich an 
sich reiizen. Vgl. ripsraps. 2. von 
Raps. Es rapst bei ihm^ er handelt un- 
sinnig. Treichel. 

raptim-zaptim, adv., eilig, im Moment, 
im Handumdrehen. Das ging raptim- 
zaptim. Sperber, 43. 

Rapuck, /., Wrucke, s. Brflke. Ma- 
rold. 

Rapunzel, Pflzn. 1. gemeine Winter- 
kresse, jBarÄaro^atn^amiJ.jBr. P rit- 
ze 1, 54. 2. Teufelskrallen, Phyteuma 



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214 rapzig — rasen. 

L. Hagen^ 236 f. 3. franzSsischer Ra- sagen'. Die See raret^ welches memem 

punzely aach RUbrapUnzel, zweijährige Bedünken nach heissen soll, sie raset. 

NAciiikeTze^ Oenothera biennis. Hagen, Bock, Nat. I, 391. (Mt (Strom und 

407. Eis bei der Überschwemmung) roart 

rapzig, adj. yon RapSy plötzlich un- on bröUt wie Ongewitter. Dorr, 19. 

sinnig, von falschem Gelüst ergriffen. 2. laut weinen. 3. im Todeskampfe 

Sie tvurde rapzig und wollte nach der röcheln. 4. in der Trunkenheit röchelnd 

grofzen Stadt. lallen. Er rdrt nur noch. Sprw. I, 445. 

rftr, adj.^ aus dem lat rarus^ selten. Engl, to roar^ angs. raran, holL reeren^ 

wertvoll, trefflich, vorzüglich, ausge- franz. r^, im Elsaiz rören. Brem. Wb. 

zeichnet. Das Geld ist rar. Ein rarer HE, 437. Ahd. reren, mhd. reren; in 

Besuch. Ein rares Essen. Et kosft Bayern reren. Schmeller HI, 120. 

v)ol zwar, äwer et schmeckt 6k rar. Bock, 50. Hennig, 207. 

Sprw. I, 2153. Dat lett em rar, das Rftrer, m. von raren, Schreier, Brül- 

kleidet ihn gut Dat ös wat Rärschy 1er, zur Bezeichnung eines Kindes, das 

mtn Dochter, e Schntder! Dönh. Wat ohne Aufhören schreit; auch Rftrhals, 

es Rohret denn to sehnef Nowack, Schreihals. 

39. Aber auch in ironischem Gegen- rasaunen, sw., geräuschvoll thäiig sein; 

satz: ^n rar^Ä<?rZ, ein schlechter Kerl, von Frauenzimmern. Sie rasaunt im 

Vgl. Brem. Wb. III, 437. Schmeller Hause umher. Nsslm. Forsch. 3; Th., 

111,120. Vilmar, 315. Hennig, 207. 220. Nach Marold in weinerlichem 

rareifen, sw., lärmen, schreien. Wer Tone sich unausgesetzt entschuldigen 

nach der letzten Glocken von Bier gehet oder etwas zu erlangen suchen; er weist 

oder in andere Häuser, der soll ohne auf raisonner hin. 

alles Säumen heimgehen und nicht auf Rasch, m., ein leichtes Wollgewebe; 

den Gassen gehen rareifen. Heilsberger in der Eleid.-Ordg., 370, Harres. Man 

Willkür, 56. Vgl. rftrert unterschied Raschmacher und Zeug- 

rftren, pltd. rare(n) (a = a), sw. 1. macher. Du muttst vom Pährd, du magst 

tosend brüllen, stark schreien; zunächst TOchmaker sin edde Raschmaker, da 

vom Rindvieh, dann von der See. Er mulzt vom Pferde, du magst Zeugmacher 

rdrt wie ei7i Stück Vieh. Aach saget sein oder Raschmacher. Soph. R. HI, 

die Hoffmutter von Korunenen noch cid- 382. In Westpreussen waren ums Jahr 

licher aus, da/z vergangenen Donnerstag 1778 86 Rasch- und Zeugmacher und 

in der Nacht gleichfalls ah wenn einem von denselben 78 in den combinirten 

Kalbe der Hals abgeschnitten würde, so Städten vor Danzig. Bock, Nat. I, 

gerahret, und wie sie darnach gesehen, 679. 

sei nichts gewesen. Inquisitions-Rezefz Raschel, m., Rausch. Hei os öm Rak- 
ete. Beitr. z. Kde. Pr. IV, 60 f. Heir schel, er ist angetrunken, hat einen 
(höre) mal to, wo de Kerl (der Hahn) RauscL Samland. 
rärt! Tierräts. 39. Das Getose der Raschewill, m., s. Rilichewill. 
aufgebrauchten Fluth ahnt dem Todes- Raschwalzer, m., Schnaps, der rasch 
brüllen eines Ertrinkenden — er (die durch die Kehle walzt. Sprw. I, 1532, 
Ostsee) rakrt. Pr. Prov.-Bl. XXVI, raieln, sw., s. rotein. 
429. Hexspr., 156. Die Strandbewohner rtsen, sw., vom Zittern der Fenster 



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Raape '— ratzekahl. 



215 



bei DoDBersclilägen oder sonst merk- 
licher Erschütterung des Hauses. El- 
binger Ndrg. 

Raspe, /. So viel Kömer y so viel 
Scheffel^ So viel Ri^en^ so viel Raspen! 
Eratespruch. Volksr., 229, 803. Ahd. 
raspön, mhd. raspen u. raspelen, eilfertig 
sammeln, zusammenra£Fen. Schade, 
701a. Vgl Schmellerlll, 141. 

Raspelbrot, n.y kleines rundes Bröt- 
chen aus Weizenmehl mit rauher Binde. 
Es wird besonders auf Hochzeiten den 
Gästen vorgelegt Hennig, 207. Nach 
Adelung IH, 944, hart gebackenes 
Weizenbrot, woran die Kinde mit einer 
Kaspel abgerieben worden. 

raspeln, sw.j schön thun gegen Mäd- 
chen : Sü/zholz raspeln. Du kannst dat 
Rasple läte. Nowack, 37. 

rasselig, adj.^ halb verrückt, über- 
geschnappt. Er ist rasselig. Sprw. I, 
3062. 

Rastenburg, Ortsn., Kreisstadt im 
Beg.-Bez. Königsberg. Sprw.: Erglüht 
wie Rastenburg, er ist erhitzt oder be- 
trunken. Siehe das Genauere in den 
Sprw. 1,1318. Die Bastenburger hei/zen 
auch Kapusendiebe. 

Rasumöck, m., s. Rosemöck. 

Ratai, Ratteier, tt»., Arbeiter, der auf 
einem Gute gegen mäfzigen Lohn an 
Geld und hin und wieder auch etwas 
Acker zur Nutzung als Pflüger dient 
und auf Scheffel - Tantieme drischt. 
Hennig, 334, schreibt Retay. Ober- 
land. Poln. ratay Gärtner, Besitzer 
eines Gartengrundstückes ohne Acker- 
land; nach MrongoviusI, 430a, zu- 
nächst ein zum Kriegsdienste verpflich- 
teter Landmann, im Pr.-Poln. Ganz- 
bauer, Ganzhöfner. Nsslm. Forsch. 3; 
Th., 146. Schmitt, 108; Westpr., 167. 
Förstemann, 424. 

Ratefonnel, /., Segensspruch, Spruch, 



der beim Baten „gebetet" wird. Vgl. 
raten. Eine Sammlung provinzieller 
Bateformeln enthält: Hexenspruch und 
Zauberbann etc. von S. 27 ab. 

raten, sw. 1 . Bat erteilen. 2. Hilfe in 
Krankheit bringen durch Hersagen eines 
ßegensspruches (einer Besprechungs- 
formel) und durch besondere Hand- 
lungen und Zeichen. Sich raten lassen^ 
sich in angedeuteter Weise von Krank- 
heit heilen lassen. Solches heifzt auch 
besprechen, besegnen. Genaueres in 
Hexspr., S. 26ff. Hennig, 207. 

ratlich, adj.^ sparsam sein, mit dem 
Seinigen zu Bäte zu gehen wissen. He 
OS rätlich as Schmedts Kätei*, de fratt 
dat Licht op on satt om Dtstem. Dzg. 
Nhg. Sprw. I, 3065. 

räts, interj.y s. rtts. 

Ratteier, m., s. Radheuer u. Ratai. 

rattern, rattern, rettern, sw.., polternd 
rasseln, knarrend prassebi. Über Stein- 
pflaster rollende Wagen, explodierende 
Feuerwerkskörper rattern und rattern, 
On de Polverböaen rettern. Dzg. Nhg. 
Viol^t, 188. Volksl., 42, 27, 2. Vgl. 
Brem. Wb. HI, 439. Schütze III, 277. 
Dähn., 372a. Hennig, 207. 

Ratz, Ratze, /., Hatte. In Verbin- 
dungen: Schlaf-y Spieb^atZy wobei das 
Volk kaum an den Ratz = Haselmaus, 
Murmeltier, Iltis, denkt. 

Ratze, /., Bifzwunde, also = Bitze. 
Treichel. 

Ratzefaller, m., s. Ratzenfalle. 

ratzekahl, ratzenkahl, adv., ganz und 
gar, völlig, mit Stumpf und Stiel; Kor- 
rumpierung von radikal. Er hat alles 
ratzekahl zerschlagen. Die pltd. Form 
rattekdl habe ich nie gehört; das Volk 
scheint also zu fühlen, dafz es einem 
Fremdworte gegenüber steht. In Hessen 
rattekahl und zwar inllem Sinne: kahl 
wie ein Battenschwanz. Vilmar, 316. 



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216 



ratzen — räum. 



ratzen, sich, 8W, 1. angestrengt ar- 
beiten, sich mit Arbeit abquälen: sich 
abratzen, verratzen. Nein^ was mu/z 
man sich verratzen! 2. zanken^ strei- 
ten, sich mit einem ratzen^ herumratzenj 
sich mit ihm streiten, zanken, balgen, 
reifzen und schlagen. Davon Ratzerei, 
/. und Geratz, n., angestrengte Arbeit; 
Gezanke, Balgerei, Prügelei. 

Ratzenfalle, /., Falle zum Fang der 
Ratten. Die slawischen Verfertiger von 
Rattenfallen heifzen Ratze-, RatzKaller. 
Vgl. LapHschkeschwenker. 

Ratzerei, /., s. ratzen. 

Ratzifaller, m., s. Ratzenfalle. 

Raubalat, m, s. Räp. 

räubern, sw.^ Lügen erzählen, auf- 
schneiden. Eine unwahre Erzählung 
ist eine Räubergeschichte. 

Raubritter, m., Besitzer eines kleinen 
neuentstandenen Gutes problematischer 
Existenz. Gortzitza. 

Rauch, m, 1. in Redensarten: Sich 
aus dem Rauch machen, sich aus dem 
Staube machen. Der Bischof von HeHs- 
berffj sagten die Einen^ ist eigentlich^ 
was lange kein Mensch gewu/zt hat^ im 
Banny und vm/zte kein besseres Mittel^ 
den Bann los zu werden^ als dieses^ da/z 
er sich an den Kaiserhof schicken lie/z 
und hat sich so aus dem Rauch gemacht. 
Aus einem Briefe des Hochmeisters 
L. von Erlichshausen, d. d. Marienburg, 
Dienstag nach Bamabä 1453. Voigt, 
Gesch. der Eidechsen-Gesellsch. in den 
Beitr. z. Kde. Pr. V, 222. Sprw. I, 
3068. Er hat sich Rauch um die Nase 
gehen lassen^ er hat etwas durchgemacht, 
ist ein erfahrener Mann. 2. Herd. Eigner 
Rauchy eigener Herd. 

Räucherbude, /., Bude zum Räuchern 
der Flundern. Kurische Nehrung. Im 
Dorfe Sarkau befinden sich mehrere 
Räucherbuden. Passarge, Balt., 299. 



Räuchergans, pltd. Rfikergans, /., ge- 
i^ucherte Gans. 

Räucherkaule, /., Eaale, Grube, in 
welcher Fische geräuchert werden. Ku- 
rische Nehrung. 

Rauchhaber, m.. Rauh- oder Sand- 
hafer, Avena sirigosa Schreb. Hagen, 
120. 

Rauchhaus, n., Haus ohne Schorn- 
stein. Die Fischerhäuser auf der kuri- 
schen Nehrung sind Rauchhäuser. 

Rauchlinde, /., langgestielte Ulme, Ul- 
mus efusa Willd. Hagen, 293. Der 
Name rührt von den am Rande zottig 
gewimperten (rauhen) Früchten her. 

Rauchstopsel, m. 1. aus Thon gefer- 
tigter Stöpsel zum Verschlufz des Rauch- 
loches im Ofen, Rauchröhrenstein. 2. 
kleiner Mensch. Vgl. Ofenstopsel. 

Rauchzahl, /. u. m., Zahl der Rauche^ 
Rauchfange, wie Mühling erklärt, oder 
Abgabe von jedem Rauchy von jeder 
Feuerstätte, von jedem Wohnhause. Vgl. 
Rauhe. Die Tanseer haben allein die 
Unkosten (zum Kirchen- und Schulbau) 
vom Rauch-Zahi zusammengelegt. H ar t - 
wich, 167. 

'rauf, pltd. rop^ ropper^ adv.^ herauf, 
hinaul Hochd. auch 'raufert. Kommen 
Sie 'raufertl Schemionek, 32. VgL 
'rab. 

Rauhe, plur.y nach Hennig, 208, 
Landleute, die ein eigenes Häuschen 
nebst Garten, aber keinen Acker be- 
sitzen. Es soUeny damit bei der Decems-- 
Einnahme nichts zurückbleibe^ die be- 
setzte und unbesetzte Euben^ Vorwerke^ 
die Rauhe und Instleute und Eigen-- 
thümer so nicht auf Hüben sitzen, in 
der Rechnung richtig specifidrt werden. 
Instrukt. z. Kirch.- Visit, de anno 1609. 

rauhen, sw.^ ruhen. 

räum, pltd. rflm, adj, u. ad^. 1. ge- 
i^umig, ausgedehnt, unbeschränkt, un- 



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Raom — rebbeln. 



217 



begrenzt, weit, frei, ahd. riim% mhd. 
rume^ rum. Ein raumer Platz, Die 
räume See. Strauch oder Baum^ der 
im räumen stehet, Linem., Cc la. 
Rum geseten on langsam gegeten^ man 
glowt nichy wat man beharharge kann, 
Werder. Sprw. I, 764. 2. nach Klein 
II, 82, in Danzig: völlig, reichlich. Es 
ist raimn ein Jahr. Vgl. Adelung III, 
978. 

Raum, m. 1. Abkürzung far Holz- 
raum, d. i. der Platz, auf welchem die 
Bäcker und Brauer das ihnen gehörige 
Hok stehen haben. Dzg. W. Seidel, 
34. 2. Er kann nichts zu Raum brin- 
genj er vermag in der Rede nicht vor- 
wärts zu kommen. Hennig, 208. 
Sprw. I, 3072. Er kommt nicht zu 
Raum^ er wird nicht fertig, kommt 
nicht aus. 3. in früherer Zeit Mafz 
für Fische. 1 Raum= IV« Ausschlag 
= 7Vt gehäufte Sehe fei Fisch. -Ordg. 
von 1589, Artikels. Benecke, 295. 

räumen, suj.^ denken, raten, ergrübein. 
Mühling. 

Raupen, plur. Er hat Raupen im 
Kopf, dumme Streiche, überspannte 
Ideen, ist hochmutig. 

Raupengras, Böhmers Lische, Phleum 
Boehmeri Wibel Hagen, 66. 

Raupenscheirzer, pltd. RQpeschtter, m., 
Schmetterling, namentlichNachtschmet- 
terling. Vgl. dräwen. 

'raus, 'rauber, adv.y heraus, hinaus. 
S. 'rein. 

Rauschbach, Ortsn., Dorf zwischen 
Heüigenbeil und Mehlsack. Du hast 
e anschlägt ge Kopp^ dei mot nau Rusch- 
heck on e Fleschkorw. Sprw. I, 2135. 

Raute, pltd. ROt', /., Fensterscheibe. 
Rauten einsetzen. Hennig, 208. 

Rautele, m. u. n., s. Forelle. 

Rautenberg, Ortsn., Dorf im Kreise 



Ragnit, im Yolksmunde PUistenen Phi- 
listerland. 

Rawau, m., s. Karmaus. 

Rebarber, w., Pflzn., gemeine Berbe- 
rize, Berberis vulgaris L. Mühling. 

Rebbel, m., Rest, Überbleibsel; 
Menge, Schwärm, Haufe, mit dem 
NebenbegriflF des Wirren, ungeregelten. 
Nimm den ganzen Rehbel. Wir fahren 
heute den ganzen Rebbel ein. Mühling. 
Einger em her e ganzer Rebbel von siene 
Kornraden. Dorr, 1. Wiew., 84. Lafz 
den ganzen Rebbel sein^ gieb die Sache 
auf. Sperber, 26. 

rebbeln, sw., auffasem, in Fäden auf- 
lösen, los- und abwickeln — ein Ge- 
webe, Gestricktes, dessen Maschen aus- 
einandergezogen werden oder sich von 
selbst auflösen; daher gewöhnlich auf- 
rebbeln, ausrebbeln. Den Strumpf auf- 
rebbeln — ausrebbeln; Sperber, 5, hat 
hierfür auch abrebbeln, abribbeln; doch 
bezeichnet man mit diesen Ausdrücken 
gewöhnlich nur das teilweise Aufrebbein. 
Bildlich: sich aufrebbeln, sich stark er- 
eifern, eine Sache mit übergrolzem 
Eifer betreiben^ sich ungebärdig stellen, 
als wolle man sich — wie ein Gewebe 
— selbst auflösen. Na^ rebbel dich nur 
nicht aufl Hei rebbeü sock op wl e 61 
Twemsock^ wie eine alte Zwirnsocke. 
Sprw. I, 166. Er hat sich für ihn rein 
aufgerebbelt^ für ihn ein lebhaftes In- 
teresse gezeigt, unendlich viel für ihn 
gethan. Se umllt sech foorts om se of- 
rebbelCy on macht sich bei ehr lieb Kindche. 
Schaltj. 1, 441. sich zerrebbeln, in 
gleichem Sinne wie das vorige, dann 
aber auch: sich so gebärden^ als wolle 
man bis zur eigenen Auflösung arbei- 
ten, thätig sein, sich mit einer Sache 
zu schaffen machen. In Bremen reffeln^ 
in Pommern rabbeln^ holL ravelen^ 



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218 



Rebbes — recken. 



engl, ravel: to ravel out sich zerfasern, 
to unravel sich ausfasern; alem. reble 
sich kraftlos hin und herbewegen. He- 
bel, alemannische Ged., 168. Hen- 
nig, 208. Brem. Wb. HI, 464. 
Dähn., 370b. 

Rebbes, m., Profit; aus dem aramäi- 
schen ribbis Zins, Wucher. 

Rebeller, tw., Rebell, v. Auer. 

Rechet, tw., Rechen, Harke. Ennland. 
Mühling. 

recht, adj.^ überaus beliebtes Attribut. 
Er ist ein rechter Narr^ ein rechter Lor- 
bas, ein rechter Labommel^ ein rechter 
Rarer etc. Sie ist eine rechte Schlunz^ 
eine rechte Kläterlts etc. Nach Klein 
n, 83, hört man's bei Scheltworten 
hintenan: du Spitzbube rechter. Es 
drückt somit das franz. que vous etes, 
auf ähnliche Weise gebraucht, aus. 
Adverbial: in die recht bringen^ in den 
richtigen, normalen Zustand versetzen. 
Sperber, 46. 

HecMj n,j preu/zisches. Hennig, 208, 
führt dreierlei preufzisches Recht an, 
von dem das zweite ein Späfzchen: 
1. unverzogen Recht, d. h. unverzöger- 
tes Recht, Gastrecht, das dem Fremden 
ohne die sonst üblichen Weitläufig- 
keiten des Prozesses schleunigen Schutz 
und Sicherheit gewährte. 2 JPreusch- 
markisch Recht. Nach diesem behält 
man, was man bekommen hat, auch 
die Prügel und die Beleidigung. S. das 
(sagenhafte) Genauere: Bock, 51. Hen- 
nig, 208. Sprw. I, 3076. 3. Preufzi- 
sches Trinkrecht. Es basiert auf einer 
(apokryphen) Festsetzung des Hoch- 
meisters Siegfried von Feuchtwangen 
(f 1311) zum Schutze der Deutschen 
gegen die der Giftmischerei beschul- 
digten Preui'zen, welche anordnet : Wenn 
ein JPreus die Polcke oder Neige des 
Tranckes austrinke^ er solde au^h zue 



Erstem vonn dem Frischenn irincken. 
Später ward es zur allgemeinen Ge- 
wohnheit, dafz, wer die Neige getrun- 
ken, auch zuerst vom Frischen trinke, 
die heute noch bei dem schlichten 
Mann als Form der Höflichkeit besteht, 
indem er den ihm dargebotenen vollen 
Krug mit den Worten: „Steht in gu- 
ter Hand!" dem Spender zum An- 
trunke zurückweist. Vgl. Altpr. M. HI, 
56 ff. Sprw. I, 3835. 4. Kuimisches 
Recht. S. KSImer. 

Rechte, m., der Richtige, Geeignete, 
aber auch ironisch: der Unrechte, un- 
richtige. Ungeeignete. Du bist mir der 
Rechte! S. Rechfschuldiger. 

rechthaberig, adj., unfugsam, starr- 
köpfig. Das ist ein rechthaberiger Mensch, 
ein Mensch, der in allem die richtige 
Ansicht zu haben meint und diese stier 
behauptet 

Rechtpfarrer, w., der rechte Pfarrer, 
der oberste PfarrgeisÜiche. Hennig, 
209. 

Rechtpredigt, /., die rechte Predigt, 
Predigt am Vormittage. Hennig, 
209. 

rechtschuldig, ad;., richtig, zuverlässig, 
geeignet. Das Auge allein wird ein 
rechtschuldiger Meister seyn, welches 
nebenst der Vernunft uns der Farben 
Natur entdecken kan. Linem. Oo4a. 

Rechtschuldiger, m. 1. der von Rechts 
wegen Schuldige, der Richtige. Sie 
wird schon heiraten, wenn der Reckt- 
schuldige kommt 2. ein solcher, der 
seine Sache aus dem Grunde versteht, 
oder — in ironischem Gegensatze — 
auch nicht versteht. Er ist der Recht- 
schuldige. Nun bin ich an den Recht- 
schuldigen gekommen. Spöttisch: Ja, 
du bist der Rechtschuldige! 

recken, sw., sich, sich mit aasgebrei- 
teten Armen dehnen, strecken. Da- 



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rM — Regimenter. 



219 



von reckerig, adj. Mir ist so reckerig 
zu Mute^ ich bin schläfrig, unwohl, 
möchte mich strecken, dehnen und 
gähnen. 

rfidy ad},^ bereit, fertig, parat. Ich 
bin red^ bin fertig, bereit. Wenn du 
red bist^ komm! Der Rock ist redy ist 
fertig, red und rund, ganz und gar. 
De BoUer os red an rund vertilgt 
Nowack, 49. Hennig, 209, hat: 
Er zehrt von reeden, d. i. (elliptisch) 
von reden Dingen , fertig liegenden 
Gutem. Man sagt es von einem sol- 
chen, der sein Vermögen allmählich 
aufbraucht. Engl, ready, holl. reedy 
gereedy isL radan^ in Bremen reed^ rede; 
in Pommern reed^ reede^ im Götting. 
reie^ in Hessen reide^ rede, Brem. 
Wb.m,452. Dähn.,376a. Schamb., 
169b. Vilmar, 320. 

reddeln, sw., eigentümliches Ver- 
fahren die Kartoffeln mit dem Pfluge 
zu reinigen; von dem poln. radlic z wie- 
brachen, mit dem Hakenpfluge in die 
Quere pflügen. Flatow. Schmitt, 
108; Westpr., 167. 

Reddig, m., preu/zischer , schwarzer 
Rettich, Raphanus aativua L. 

rfidick, adv,y nach Schemionek, 32, 
der rehdick schreibt, übervoll, z. B. 
Baum mit Früchten stark besetzt. 

RedtSy (e kurz), Radieschen, Strafzen- 
ruf : Frü's Zelät^ Redh, Frauen, Salat 
und Radieschen! Kgsbg. 

rtds, adv.y s. rtts. 

redselig, adj. Er ist redselig^ spricht 
sehr viel; ist betranken. Sprw. I, 
445. 

Rftf, m., s. R6p. 

rtf, adv,y s. rUw. 

Refe, /., Voc. 403, deutscher Aus- 
druck für das altpr« dongo. Nach 
Krug, Glas, Becher als letztes Wort 
unter den dem Worte Kretzem subsu- 



mierten Begriffen; wahrscheinlich Ge- 
stell für Schenkgeräte, Gläser- oder 
Tellerbrett In Bayern, in der Schweiz 
das auch der Ref^ Reft das Gestell 
für den Rücken, worauf Lasten ge- 
tragen werden. Schmeller III, 61. 
Vgl Nsslm. TL, 31. 

Reff, n., alte, namentlich weibliche 
Person. Ein altes Reff. Treichel. 
Bildliche Übertragung von Reff^ Ge- 
stell, in seinen verschiedenen Bedeu- 
tungen. 

RSfschläger, m., s. R6per. 

rtg, adj.y rein. Wat sin mu^ mut 
sin: Sünndags a bits Flesch un a regen 
Hemd. Konita. Sprw. II, 2467. 

RegftI, RogftI, n., Repositorium. 
Bücher- y Teller-y Topfregdl. Stamm 
ist wohl das pltd. rege Reihe. In Bre- 
men heii'zt das Regal Rak^ engl, rack^ 
holl. rak, rek. Brem. Wb. HI, 426. 
Vgl. Anton, 12, 6. Hennig, 210. 

rfigen, sw.^ reihen, in Reihen stellen. 
Daraus anrSgen, anreihen, in eine Reihe 
bringen. Hennig, 210. 

R6gen, m., Fischrogen. Hennig, 
213, schreibt Rogen; Hupel, 185: 
Ragen. Vgl. RSgel. 

Regengalle, /., s. Galle. 

Regensbogen, m., Regenbogen. 

Regenswurm, m., Regenwurm. 

reggen, od;., roggen, von Roggen- 
mehL KUke möt regge AI schmeckt 
goty Wortspiel; eigentlich; Keilchen 
von Roggenmehl mit Aal schmecken 
gut. 

Reggen-. ReggekISmpe, plur.y Klöfze 
aus Roggenmehl. Vorigen Sinndag eet 
hei noch Bi mi swre ReggeTMÖTnpe. 
Volksl. 5, 41, 5. 

Regge(n)mehl, n.^ Mehl aus Roggen. 

Regimenter, m., Obmann, Anführer, 
Leiter, der über eine Schar Arbeiter 
das Regiment hat. Der Regimenter der 



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220 



Register — rein. 



Holzfäller etc. Kr. Neustadt Trei- 
chel. 

Register, n. 1. Verzeichnis. Öck ge- 
hdr^ mH öle Register^ auch hchd. ich 
gehöre ins alte Register^ ich darf mich 
nicht mehr zur Jugend zählen. 2. zur 
Bezeichnung eines Menschen. Langes 
Register — altes Register. Ebenso im 
Holstein. Schütze HI, 284. 

Rehbock, m. 1. Ruf des Eegeljungen, 
wenn die, Kugel die Kegel fehlt, oder 
einen Sprung über diese hinwegmacht. 
Hennig weist für die Herleitung auf 
die „krummen Sprünge der Rehböcke" 
hin. Übertragung: 2. Einen Rehbock 
schie/zen, einen Fehler, einen ärger- 
lichen Streich machen. 3. dreispitziger 
Baumast, der als Dreibein aufgestellt 
wird und nach dem die Kuaben mit 
Holzstück oder Stein werfeo. Er 
heifzt auch Zibock. Gambinnen. 

Rehbraten, pltd. Rehbräde, m Ge- 
segneten Rehbraten! Abschiedswunsch 
vor der Mittagsmahlzeit. 

Rehehir8Chen,fPflzn., gemeines Spring- 
kraut, Impatiens noli tangere, Ostpr. 
Pritzel, 190. Auch Springkraut, Spring- 
samenkraut, Waldwolfsmilch, RUhr mich 
nicht an. Hagen, 272. Vgl. Hirsch- 
melde. 

Rehheide, Pflzn., besenartige Pfriemen, 
Spartium scoparium L. Hagen, 732. 

rehrkes, adv.^ s. r§rkes. 

rehrzageln, sw.^ s. r§rzageln. 

Rehwalde, Ortsn., s. Golombiewo. 

Rehzimmer, m., Elehziemer. 

Reibach, m,^ Gewinn, besonders un- 
verhoffter. Aus dem hebr. rewach 
Raum, Rettung; davon Vorteil. Er 
TMLcht heut seinen Reibach. Davon: 

reibachen, sw.^ gewinnen^ gut ver- 
dienen, seinen „Schnitt** machen. T r e i - 
chel. 

Reibbrot, n., altgewordenes Weifzbrot, 



das zerrieben in Klops- oder Wurst- 
fleisch gemischt wird. 

ReichbauersShnchen, n., Kartenspiel. 
Verspielt ein Bagatellchen von 500 Du- 
caten bien-cordonnis (zum Sohn: und 
worinnf in Pharonf oder in Rykbuhrs- 
söhnkenf) Soph. R. HI, 495. 

reichverarmt, adj. Hei ös rikverämU. 
Ahnlich wie das mhd. edelarm. Schade, 
123 b. 

Reif, m.^ s. R6p. 

Reiferbahn, /., Reifschläger ^ m.^ s. 
R6per. 

reihern, sw.^ wie der Reiher thun, 
der, wenn er auffliegt (nach Trei chel), 
exkrementiert; auch erbrechen, vomie- 
ren, sich bereihem, sich im Rausche 
bespeien; concacare. 

Reihzaun, m,^ GrrenzzauD^ der von den 
Eiusassen eines Dorfes der Reihe nach 
gesetzt und unterhalten werden mulz. 
Westpr. Mühling. 

rein, pltd. rein und rfin, adj. und ado. 
1. rein, purus^ im Gegensatze zu un- 
rein. Reine Wäsche. Reine Hände; 
dieses auch bildlich: ehrliche, schuld- 
freie Hände. 2. frei, leer, ledig. Rei- 
nen Tisch machen^ alles Aufgetragene 
aufessen; sein ganzes Vermögen ver- 
schwenden; das Gesinde plötzlich gehen 
lassen. Hennig, 210. rein ab! rufen 
die Kinder bei Greif- und Anschlag- 
spielen^ wenn sie das Spiel aufgeben 
oder wenigstens durch diesen Ruf sich 
vom Anschlage befreien wollen. Volksr., 
210, 783. Im gleichen Sinne hört 
man; Ich verbiet^ ! Jetzt bin ich rein^ 
ich habe alle Schulden bezahlt. 3. un- 
vermischt, lauter. Der Weg ist reiner 
Drecky nichts als Dreck. 4. untaug- 
lich. Von einer untauglichen Ware 
sagt man: sie ist reiner Dreck^ reiner 
Juxy oder noch derber. 5. durchaus, 
ganz und gar, völlig. Es ist rein so^ 



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'rein — Reil^knocheD. 



221 



a& wenn ich beheast btUy beim Mifz- 
lingen einer Sache trotz aller Bemühung. 
Er ist rein dwaUch — rein toU — rein 
rasend — rein von Sinnen^ er ist ganz 
and gar onzorechnongsfahig and wü- 
tend. Er hat sich für ihn rein auf- 
gerebbel% er ist mit Aafopferang in sei- 
nem Interesse thätig gewesen. Es ist 
reim aller, es ist völlig verbraucht, es 
ist ganz and gar nichts mehr von der 
Sache vorhanden. Met ju §sH rein ut 
Dorr, 1, Wiew., 70. Er rennt mich 
rein um. Rein nuscht sagen, völlig 
schweigen. Ihm fehlt rein gar nichts, 
renches nuscht nich, gar nichts. (Saal- 
feld). 6. wahr: reines Wunder, Et 
weer en reinet Wunder, dat mi nich 
ganz de Pust verging. Dorr, 1. Wiew., 
86. 7. ähnlich, fast echt: das ist rein 
loie Gold, es sieht dem Golde täaschend 
ähnlich. 

'rein, ado., aach 'reiner, 'rin, 'rinner, 
herein, hinein. Gegensatz; 'raus. 

Reinfall, m., Name des Weines von 
Bivoglio in Istrien, vinum rifolium, bei 
den Alten vinum Pucinum, der am Hofe 
der Hochmeister gern getranken warde. 
Mühling. Bei Schmeller HI, 95, 
Rainfal. 

Reiniger, m. Yom., Reineras. Hart- 
wich, 54. 

Reinstoff, m., s. KIftrken. 

reisch, adj. Ihr (der Braut) unbe- 
grif'ner Gürtel Fleckt darumb nicht, 
ob ihre Arme fuHt Ein reischer Falck. 
Carm. nupt I, 264. 

Reise,/. l.Gang,Fahrt. JederGepäck- 
träger nennt seinen Geschäftsgang eine 
Reise; ebenso jeder Droschkenkutscher 
seineFahrt. öcksoUioolommer deschlechte 
Reis hi>be. Egsbg. Jeroschin nennt 
Feldzag, Eriegszug eine Reise: den 
Albrecht man sach mit andrin brudrin 
reise vom 129a. und öfter. Pfeiffer, 



209. 2. Piüausche Reise, Diarrhöe. 
S. DUnne. 

Reisekahn, m., Flufzfahrzeug mit fla- 
chem Boden, 30—70 Fulz lang und 
12-22 Fufz breit. Die Reisekähne 
tragen 15 — 60 Last und gehen 2 — 7 Fufz 
tief. Pregel. Deime. Gr. Friedrichs- 
graben. Grilge. Niemen. S. Hirsch, 
Danzigs Hdlsgesch., 163. 

reisen, sw., gehen, ziehen. Nu woU 
wi man reise, nun wollen wir nur ge- 
hen. Mhd. zu Felde ziehen. Bei Je- 
roschin: si mustin alle remn in tSt- 
lichin vreisin nach iren hergeseUin an 
undirldz zur hellin 37 d. also st hin 
reisten in der Pogezenin lant 103 d. 
Pfeiffer, 210. 

Reifzaal, plt. Rttaal, so aber auch von 
Hochdeutschen gebraucht, m. 1. ge- 
rissener und geräucherter Aal. Hen- 
nig, 212. 2. Prügel Mn^em Rttaal 
geben, ihn durchprügeln, ihm etwas 
aberreifzen, 

reifzen, st. 1. schleifzen. Federn 
reifzen. 2. stechen beim Kartenspiel. 
Rtt dem Kathrtnke! ruft der Stechende. 
3. schlagen mit Stock oder Peitsche: 
einem eins reifzen, auch überreifzen. 4. 
sich reifzen, sich mit Eifer um eine Sache 
oder Person bemühen. Wie hat der 
sich nach ihr gerissen! 

Reifzer, m. 1. Person, die zurei/zen^ 
an sich zu bringen versteht; Eommis, 
der Käufer von der Straize in den 
Laden lockt und zieht Nach Trei- 
chel auch ein Eaufmann, der viel aus 
einer Ware herausschlägt. 2. Tafel- 
ente, Aruusferina. Drausensee. Müh- 
ling, Tiem., 176. 

Reifzfisch, m., Fisch, der gerissen, 
gespalten wird, s. Bressem. 

Reirzlaiochen, m., Brustbein des Ge- 
flügels. Es heifzt deshalb so, weil es 
bei Tische von zwei, namentlich jungen 



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222 



Reüznieder — R^el. 



Personen, gern zerrissen wird. Jede 
der reichenden Personen denkt sich da- 
bei etwas; die erlangte gröfzere Hälfte 
des Knochens bürgt für die Erfüllung 
des Gedachten. 

Reifznieder, m., volkstümliche Be- 
nennung für Branntwein, weil er zu 
Boden wirft. 

Reirzteufel, pltd. Rttdiwel, m,, s. Rtte- 
spirt 

Reifzung, pld. Ritung, RTting, /., das 
Reifzen, Rheumatismus. Ich habe Ret- 
Jzung in allen Gliedern. He schrocht 
mt de Ore voll äwer Rtting öm Krtz. 
Kgsbg. Firmenich I, 102a. RfUnff 
auch Risse, Hiebe: et wart lool Rtting 
gewe. Ibid. 102 b. 

Reiteisen, w., die Schar an der lin- 
ken Gaffel des ostpreufzischen Pfluges, 
der Zoch (s. d.), weil sie auf der Seite 
des Reitochsen liegt. 

reiten, st, equitare. In Redensarten: 
Der Teufel reitet ihn. Mt rött dat On- 
glöck. Einen zum Waxser reiten. Trink- 
art im 15. Jahrhundert. Eine Schale 
Bier steht mitten in der Stube. Einer 
stellt sich auf alle Viere, ein anderer 
besteigt ihn als Reiter und treibt ihn 
zur Tränke. Der Kriechende hat die 
Schale zu leeren. Mühling. 

Reiter, m. 1. spanischer Reiter^ frü- 
her Bezeichnung für den Kunstreiter. 
Die spanischen Reiter kommen! Kgsbg. 
Vgl. die spanischen Reiter unter ICappel. 
S. Fuhrmann. 2. Boje aus einer etwa 
6 m langen Stange bestehend, die in 
der Mitte mit Korkholz umgeben ist, 
an der Spitze ein Fähnchen trägt und, 
an einem Steine verankert, senkrecht 
auf dem Wasser schwimmt. Sie dient 
als Marke für die Lage des Netzes. 
S. Benecke, 379. 403. 

Reitersalbe, pltd. Rltersalv, /., auch 



spanische Reitersalbe^ Medik., Ungtien 
tum pediculorum. 

ReHersl(raiit,Pflzn., aloeblättrige Krebs- 
schere, Stratiotes aloides L. Hagen, 
1050. 

Iteithom, n., die linke Gaffel an der 
Zochj weil sie auf der Seite des Reit- 
ochsen liegt. 

Reitochs, pltd. Rtdos, Hennig, 212: 
Rietofz^ der Leinenochse, der vom Pflü- 
ger links gehende Ochse. Der Name ist 
analog dem Pferdegespann gebildet 
S. Zoch. Reitochs sonst unverschnitte- 
ner Stier; Zuchtbulle. Frisch II, 
109a. Adelung HI, 1078. 

Reitschlitten, plt. RTdscIilSde, 9n., im 
Voc. 305: Ryetslete^ leichter Schlitten. 
Einspänner, in dem man reitend sitzt. 

Reitwagen, m,, leichte Droschke (s.d.) 
in der man rittlings sitzt, gegenwärtig 
aufzer Mode; in älterer Zeit Reisewa- 
gen, Packwagen, Kriegswagen, ahd. 
reitwagan^ reitwagen^ amhd. reitwagen. 
Schade, 710a. 

Reizehe, n.^ s. Rfzchen. 

reizen, sio, im Kartenspiel durch 
herausforderndes Ausspiel nach der 
Farbe fragen. 

Reizice, n., s. RTzclien u. Pilz. 

Rejadel, m., nicht mehr gebräuchliche 
Benennung für den Gerichtsdiener, 
Wachtmeister. Ermland. Mühling. 

R§kel, m. 1. fauler, unfeiner Mensch, 
der sich reckt und dehnt, langsam sich 
bewegt, mit Unmanier sich setzt, 
flegelhaft sitzt. Davon RIkelei, f., r6- 
kelhaft, adj., r§keln, sw. 2. Spottname 
für die Bewohner von Barten. Barten- 
scher R6kel. Am Bartner Amt, einer 
alten Ritterburg, befindet sich auf einer 
wallartigen Erhöhung, nahe dem Haupt- 
gebäude, ein roh gearbeitetes Steinbild, 
das Brustbild eines Mannes darstellend: 



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R^m — Rßper. 223 

der Bartemche Rekel Man sagt, es langt. Die erste Bedeutung wurzelt 

solle das Bild des Erbauers der Burg in rennerij die zweite wohl in dem ahd. 

sein. Behnisch, 16, leitet Üä^Z her t^jr^nTio, mnwo etc. Hengst: in Pommern 

von dem in preufzischen Urkunden tarenschen, im Brem. wrendcen wiehernd 

vorkommenden ryfe, rekiSy reyks^rex, nach der Stute verlangen. Dähn, 

N. Pr. Prov.-Bl. IH, 123. Sprw. I, 558b. Brem. Wb. V, 297. Schade, 

247. 248. Vgl. BarUl 3. Rabe. Ei, 1202a. Schemionek, 32. Hennig, 

Rekel, spring' brav! Säd de Kreeg nu 112. 

io dem Raw. Yolkr., 113, 548. rentlich, adj., reinlich. Ein rentlicher 

Mm, RSmen, n., rlmen, sw., s. Rt- Mensch. 

Dien. R6p, R6f, Reif, m. u. /., Leine, Seil, 

Remei, Pflzn., s. Romei. Strick, Tau; ahd. u. mhd. reif, engl. 

remmer, rimmer, rSmmer, rummer adv., rope, schwed. rep, dän. reeb, hoU. reep^ 

herum. Remmer etc. rennen. f. Brem. Wb. IH, 480. Schade, 

remören, sw., rumoren, spektakeln, 708a. . . . zween Schlitten^ zwo Winden, 

herumpolteru. die Leinen oder Reepen, die an jeder 

rempeln, sw., in anrempeln, anrennen, Seite 200 Faden halten . . . Die ange- 

anlaufen mit Stofz. Studentisch. zeigten Leinen oder Reepen dürfen nicht 

Remter, m., Bock, 50 u. Hennig, von einerlei/ Dicke und Stärke 8eyn. 
206, schreiben Äawfer, grofizer Saal in Bock, Nat. IV, 716 f. Das Netz wird 
den Gemeindegärten. In Königsberg an einem Reef von 90 Klaftern in eine 
besteht nur noch der Löbenichtsche Rem- Wune unter das Eis gelassen und mit- 
ter als Tanzsaal. Da es sich in der telst einer Winde wieder aufgezogen. 
Zeit treffen mochte, dafz der (Kneip- Fisch.- Ord. f. d. fr. HaflF, § 38. Auch 
höfische) Rembter an Leinentdnzer, Co- das Ende Tau am Gram- oder Netz- 
moedianten vnd dergleichen, vermietet flügel, woran die eigentlichen Refe be- 
würde etc. Morgenspr. in 1678. Die festigt werden, heif'zt Ref. Henuig, 
Zünfte, 35. Die Festsäle der Marien- 211. 

borg heifzen ebenfalls Remter: der reparSre(n), sw., reparieren, aus- 

grofze, der kleine Remter. Das Wort bessern. 

ist wohl eine der zahlreichen Entstel- R6pe, /. 1. Raufe. Frisches Heu in 

langen von refectorium: in Hamburg die Repe werfen. De kann met de 

Reventher, in Holstein Revente^, in Schap ut eene Reep freie, der elend 

Bayern Ref enter, Rebenter, Revent etc« Aussehende, Kränkliche. Sprw. I, 3239. 

Brem. Wb. HI, 477. Richey, 210. 2. s. v. a. Räpel (s. d.) Hehnig, 

Schütze m, 289. Schmeller IH, 211. 

61. Frisch H, 95a. RIper, RSper, Rfipschläger, RIfschläger, 

rtn, adj. u. adv., s. rein. Reifschläger, m.^ Seiler, Verarbeiter des 

RInfisch, m., Rheinfisch, s. Bressem. Hanfes und Flachses zu Stricken und 

rennen, st, rinnen, fliefzen. Das Schiffstauen ; von iJ^, ä^/, Ä^/. Reep- 
Wasser rennt. schlagerbahn, lang sich ausdehnender 

rennsch, adj., vom Pferde^ das sich Platz zum Seil- und Taumachen, in 

der Lenkung entzieht und durchgeht; Danzig (seit 1390) und Elbing; in 

vom Hengst, der nach der Stute ver- Königsberg Reperbahn, hchd. Reifer-- 



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224 



Repetschke — Retchen. 



bahn (alte und neue), jetzt auch Stra- 
fzen, die neue vollständig; in Danzig 
Röperffosae (seit 1357); in Königsberg 
Reif Schläger"^ pltd. RepscJdägergasse. 
Hirsch, Dzgs. Handelsgesch., 324. 
Schemionek, 32. Frisch 11, 104c. 
Brem. Wb. III, 481. Hennig, 211. 

Repetschke, m., Frosch. Gegend von 
Wehlao, Labiau. In ersterer scheint 
der Name auch ein koboldartiges We- 
sen zu bezeichnen, indem es von einem 
Ackerbesitzer, dessen Land durchaus 
nichts tragen will, heifzt: De tieft Re- 
petachke op em Land, Wäre für die 
Herleitung des Wortes an das lat. re- 
pere^ reptare kriechen, zu denken? 

reppen, sw.^ berühren mit Worten, in 
Anregung bringen, etwas fast Verges- 
senes wieder aufrühren. Wo aber jmant 
die (durch Vertrag abgeschlossene) sa^h 
reppen oder gedencken wurde - oder vn- 
billiger fwmemen wü man den vbertreter 
stroffen, Gartenbuch: in 1539. Die 
Zünfte, 51. Mnd. Wb. III, 465a, rep- 
pen^ reperiy ropen rühren, anrühren, be- 
wegen. 

rfir, adv.^ s. rUr. 

rfirkeSy rehrkes, a<fo., von reren rüh- 
ren. Wi he reehrkes stell darsatt^ wie 
er ohne sich zu rühren, zu bewegen, 
still dasafz. Dorr, Driewjagd. Bi 
Noaber Freesen gink ock reehrkes stall 
verbi, ohne Geräusch zu machen, ruhig. 
Dorr, 26. 

rtrzageln, sw,, s. rllhrzageln. 

r§sch, rSsch, adj. u. adv,^ hart ge- 
backen oder gebraten, croquant, stark 
geröstet, knusperig, so daTz das Ge- 
bäck oder der Braten beim Brechen, 
Anschneiden oder Beifzen rauscht und 
kracht. Resche Zwieback. Nach Gor- 
dack auch resches (von der Sonne ge- 
dörrtes) OraSy Heu. Das Wort ist schall- 
nachahmend. In Posen reesch. B ern d. 



236; bei Frisch H, 122b, mcA. Bock, 
52. Hennig, 213. 

rfischen, rVschen, sw.^ r^ch machen; 
nach Mühling auch frieren. 

re8Chpekt§re(n), aw,^ achten mit dem 
Neben begriff des Farchtens. v. Au er. 

R68ke, m., Leisten. De Schuster lieft 
Ledder^ keen Reesken darto. Dorr, 
68. Volksr., 7, 30. 

re80nn8re(n), sw,, räsonnieren, murren, 
brummend Einwendungen machen; das 
frz. raisonner. 

Rest, 9n., Ende. Einem den Rest ge- 
beUy ihn völlig zu Tode bringen. Um 
gänzlich zu Grunde richten. Das hat 
ihm den Rest gegeben, 

rfisten, sw,^ Flachs rösten. Sperber, 
26. S. rtten. 

Bester, Rtfster, in Westpr. auch Rlster, 
n., Lederflick, mit dem das schad- 
hafte Oberleder des Schuhwerkes aus- 
gebessert wird. Hennig, 211, weist 
für die Abstammung auf das nd. rehen 
reihen hin. Lit. riszü binden, usrai- 
szytqjis ein Flicker. Lit. Aeq. , 21. 
In Hamburg und in Bremen auch 
Reister. Richey, 209. Brem. Wb. HI, 
467. 

ristem, rtfstem, rTstem, aw.y ein R&ter 
auflegen. Den Stiefel berestem lassen. 
NachTreichel übertragen: eineSache 
wieder in Gang bringen; so nament- 
lich ausrTstern. 

' Resun, /. 1. Matador beim Solo- 
spiel. Natangen. 2. bei den Seeleuten 
die Menage, also Ration. 3. Raison. 

Retai, m., s. Ratei. 

Ritchen, n., Rietchen, spanisches 
Röhrchen. Strafinstrument in Schulen. 
Er hat mit dem Retchen bekommen. Es 
ist das Dem. von Rtih Ried, Schilf- 
rohr, angs. hreody engl, reed^ hoU. riedy 
franz. roseau. Vgl. das lat. reta (retare 
einen Fluiz vom Rohr reinigen). In 



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R^te — Ribbengasse. 



225 



Bremen Rei% Reety Riet Brem. Wb. 
m, 467. Hupel, 189. Hennig, 
334. 

R§te, RVte, RSfze, /. 1. die Röste, 
Ort in einem Flusse oder Teiche, in 
welchem Flachs geröstet wird. Den 
Flacki in die Rete legen. In Bremen 
Rate die FäolnÜz, das Verrotten^ auch 
der Ort, wo etwas fault. Brem. Wb. 
III, 439. In Bayern Äo/i, Seh melier 
m, 138. Hennig, 214. 

rftten, rVtten, reuten, m., den Flachs 
rösten. In Bremen raten rotten, ver- 
rotten, faulen, engl, rot^ angs. rotan^ 
rotian. Brem. Wb. HI, 438. In Bayern 
rofzen^ auch rötzen. Schmeller IH, 
138.175. Im Götting. ro^&n. Schamb. 
175a. 

reter6re(n), «tc., von dem firz. retirer 
zurückgehen, sich zurückziehen, in 
Sicherheit bringen. Öck umU ml mit 
min KoK (die auf der Weide krank 
geworden war) to HtU reterere. v. 
Au er. 

Reticamm, Rftkammy m., Eamm, etwa 
von der Länge des Gambaumes, mit 
Holzzähnen, durch welche je ein hal- 
ber ^Gang," d. h. 10 Fäden des Auf- 
zuges gezogen werden, damit diese 
regelrecht neben einander zu liegen 
kommen und gleichmäfzig aufgezogen 
werden. Ret^ Rei% Rtt Rohr, woraus 
ursprünglich die Webekämme gemacht 
werden. Brem. Wb. UI, 468. Vgl. 
Das Wirkgestell, 128. 

rtts, rfiz, rtzersch, rtzach, adv., jetzt, 
eben, soeben, plötzlich. Eck kenn mank 
gaudet Wiefj de aüe Dage toottert on 
denckt: o wenn eck doch reeds man noch 
Junfer weer! Cojrm. nupt V, 264 b. 
Denn lafz es aU rets (eben) geschdne. 
Ermland. Reez (plötzlich) kämm V 
aber an 'ne See. Schalt). 3, 6. Er 
kam rez (plötzlich, schnell) um die 

Pritchbier, Wörtorbneb IL 



Ecke. In Natangen auch: früher, ehe- 
mals, vormals; in Pisanskis Nachtr.: 
schon, bereits und dann gewöhnlich 
r§d, rids, alr§d, alrfids, engl, already, 
hoU. reedsy alreede, Lehwster Gott! Se 
iss wol rehts krank? sagte sie bewegt 
Soph. R. IV, 450. Hermes übersetzt: 
Lieber Gott! Sie sind wohl krank? 
Vgl. Brem. Wb. UI, 453. Dähn., 376a. 
Hennig, 209. 

retten, redden, sw.^ stehlen. Redden 
heet dat bi ons noble Lied! Stehlenf 
pßii! Dorr, I. Wiew., 19. 

rettern, sw., s. rattern. 

reuten, sw., s. rtten. 

r§w, adv.y s. rllw. 

rewalgen, sw.^ gehen, wallen, wan- 
deln. Wt m^otte rewalge^ wir müssen 
gehen. Wo m^e dei nü rewalge, wo 
mögen die sich jetzt aufhalten, wandeln? 
Samland. Vgl drawalgen. 

rtz, rizasch, rizersch, adv. s. r6t8. 

Rhabarberbeeren, plur. s. d. flg. 

Rhebarber, m., Berberize, Berberis 
vulgaris L. Bock, Nat. IH, 177. Auch 
Rhabarberbeeren. Pritzel, 57. 

Rheinfisch, m., s. Bressem. 

Rl, /. 1. schmale Wiese, die sich 
an einem Bache hinzieht; auch Bruch: 
EUeri = EUerbruch. Öck hebb uk 
nuscht gefangen öm Brak on ön der Rt. 
Dorr, 27. 2. Begraster Rand, Ab- 
hang eines ehemaligen Grabens: Wir 
haben nur noch die Rt zu hauen. 

Ribb, Ribbe, /. 1. Rippe. Dojs schlägt 
an die Ribben^ macht fett. Das geht 
an die Ribben^ greift an, mattet ab. 
2. Rdbbe als Handelsartikel: Ribben 
(eine Art Holz) 1476 Stück (aus Me- 
mel ausgegangen). Bock, Nat. I, 
608. 

Ribbenfett, n., Rippenfett. Es giebt 
Ribben/etty es giebt Prügel. 

, jetzt Rippengasse, /., 



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326 



Ribbsp^ — Rick. 



Straize in Königsberg. Sie hat ihre 
Benennung von „einer Ribbe, die an 
eines Leinwebers Valerii Geifzlers 
Hause, etwan acht Ellen lang gehangen, 
und von demselben nachmals auf die 
Lastadie verkauft worden". Erl. Pr. I, 
549. Hennig, 211. 

RibbspSr, Rippspfir, n., Rippenbraten, 
namentlich gebratene Schweinerippen, 
welche hohl zusammengenäht und (ge- 
wöhnlich mit Pflaumen) gefüllt werden. 
Schwed. reßenaspjäll. Hennig, 112. 

Rieht, Richte, pltd. RScht, /., gerade 
Richtung; Direktionslinie, der geradeste 
und kürzeste Weg. In die Rieht gehen^ 
einen Umweg vermeiden, den kürzesten 
Weg gehn. Es ist über Schaber au in 
die Richty zur Bezeichnung eines be- 
deutenden Umweges, einer unnützen 
Arbeit. Von Tapiau nach Wehlau 
führt über Feld ein Richtweg, von dem 
man sehr leicht ab in die nach dem 
Dorfe Schaberau führende Strafze kom- 
men kann; man macht alsdann einen 
weiten Umweg nach Wehlau. Sprw. I, 
3230. Einem in die Richte kommen^ 
gerade auf ihn zugehen ; ihm entgegen- 
kommen, zuvorkommen; seinen Aus- 
flüchten vorbeugen. Rieht über^ in ge- 
rader Richtung gegenüber. In der 
Saalfelder Gegend nichts, adv.^ gegen- 
über. Brem. Wb. HI, 448. Schmel- 
1er HI, 31. Bock, 52. Hennig, 
211. Vgl. gericht 

Richte, /. AtLch soll er (der ZAinftr- 
Bruder) nicht Macht haben^ einen alten 
Zug zu belegen, mit der Richte und ei- 
nen neuen aufzusetzen etc. Rolle d. 
Kgsbg. Fischergilde v. 1662. Bock, 
Nat. V, 563. 

richten, sw, 1. etwas in die gerade Li- 
nie bringen, nach einer geraden Linie 
arbeiten; übertragen auf den Menschen: 
E}r kann nichts mit ihm richten^ nichts 



mit ihm anfangen, ihn nicht auf den 
richtigen, geraden Weg führen. 2. auf- 
richten. Ein Haus richten^ das Zimmer- 
werk auf den Mauern zusammensetzen 
und aufrichten, so daCz das Haus seine 
volle Gestalt gewinnt. Dasselbe was 
beren. Goth. raihtjan^ ahd. rihtan^ 
mhd. rihten, alts. rihtjan, schwed. räto, 
rätta in die Höhe richten. Vgl. das 
lat. erigere und erectio. Adelung IH, 
1100. Schade, 714b. Hennig, 212. 

Richtholz, n., Kichtscheid, Handwerks- 
zeug der Maurer and Zimmerleute. 

nichts, ado,, s. Rieht 

Richtschmaus, m., Schmaus, den der 
Bauherr nach dem Richten des Gebäudes 
den Bauhandwerkem giebt 

Richtsteig, Richtweg, m.^ Fufzweg, der 
in die Richte geht, die Bogenumwege 
der Landstrafzen abschneidet; gerader 
kürzerer Weg überhaupt. . . . dafz eine 
solche mächtig grofze und unglaubliche 
Reyse durch einen sehr bequemen^ kurt- 
zen und der Natur gantz ähnlichen Rieht- 
steig möge verrichtet werden. Linem., 
M2b. 

Richtstroh, pltd. RVchtstrau, n., Stroh, 
welches die Richte, Richtung hält, al- 
so gerade und ungeknickt ist. Es wird 
vorzugsweise zumDachdecken gebraucht. 
Vgl. Langstroh und Krummstroh. 

Richtweg, m., s. Richtsteg. 

Ricic, RUclc, n. u. m., lange Stange, 
langer Ast, Latte. Wann einer wird 
über die Berge zeunen oder rücken^ so 
wird er mehr Pfäle und Ricke bedürfen^ 
als in der Ebene. Linem., Ss 4b. 
Bohnenrick^ Bohnenstange. Zaunrick, 
Ast oder Sprosse eines Rickzaunes^ 
Er ist trocken wie ein Rick. Ein em^ 
rickiger Zaun, Zaun mit einem Rick. 
Li Bayern ist Rick eine fortlaufende 
Reihe (Steinrick) oder ein Gestell, um 
etwas der Reihe nach daran, darauf 



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ricken — Rtmen. 



227 



za hängen, zu stellen. Schmeller III, 
42. Von recken ausdehnen. S. Ha- 
gen. 

ricken, rücken, pltd. rVcken, m., einen 
Zaun aus Ricken setzen. 
Ricken-, RUckenzaun, m., s. Rickzaun. 
Rick-, RUckstamm, 9n., Holzstamm^ aus 
welchem Ricken geschnitten werden. 

Rick-, Rickenzaun, Rück-, RUckenzaun, 
m., Zaun aus Ricken. Seine Haupt- 
stützen sind Fichten-, Tannen- oder 
Eichenpfähle; Äste, Latten, Schwarten 
bilden die Verkleidung oder den SchluCz. 
Vgl. Stackelzaun, Strauchzaun. 

RTdel, «i., Spaten, Grabscheit. Von 
dem gleichbed. poln. rydel, Passenheim. 
RTdos, m., s. Reitochs, 
riechen, s^., aufzer der gewöhnlichen 
Bedeutung: 1. merken, wissen, voraus 
wissen. Das kann ich nicht riechen^ 
ich hohe' keine Eundsnase. 2. stinken. 
Pfui^ tme riecht das hier! 

Riecher, pltd. RTker, m. 1. Nase. In 
einem Volksrätsel: Op em Lecker steit 
e Rtker. 2. Bildlich: Er hat einen gu- 
ten Riecher y er kommt zu einer An- 
gelegenheit rechtzeitig, wie gerufen. 
Sprw. I, 3140. 

Riechsei, plid. Rtksel, n., etwas, das 
gut riecht, ein ßlumenstraufz u. dgl. 
In Pommern Rüke^ n. Nach Müh- 
ling auch das einmalige Riechen. 

Riefholz, n., bei Stein III, 3, Rief- 
hoUer unter res nautic(xe* 

Riemchenschneider, m,^ ein auf seinen 
Vorteil bedachter E^einigkeitskramer. 
Treichel. Verwandt mit dem folg. 

Riemchenstecher, m. 1. Riemenstecher, 
Gaukler, der einen Riemen so ge- 
schickt in mannigfache Krümmungen zu 
rollen verstand, dafz, stach man in 
eine derselben hinein, der Stich immer 
neben dem Riemen hinging. Frisch 



n, 119c. Später Spiel der Schuljugend. 
2. Freund des schönen Geschlechtes; 
von Riemen = penis. Vgl. Sprw. I, 
3142. 

Riemen, m. 1. Ruderholz, Ruder. 
Hirsch, Dzgs. Handelsgesch., 254. 
W. Seidel, 34. S. RTmen. 2. penis. 

Riementräger, j^Zt^n, in Dzg. eine Zunft, 
welche die aus den Schiffen ausgelade- 
nen Waren auf Tragbahren fortschaffte. 
Ihre Mitglieder zeichneten sich dadurch 
aus, daCz sie über ihren Kleidern weüze 
Hemden und schwarze Schurzleder tru- 
gen. W. Seidel, 34. 

Riene, /., Rinne. Die drei Überfälle 
sind der Mcmenburger Überfall^ die EU- 
binger Reihen^ Riene genannt^ und der 
Rodacker Überfall, Königsbg. Hartg. 
Ztg. 1875. Nr. 30. Abend-Ausg. 

Riesenburg, Ortsn., Stadt in Westpr. 
Er ist ein Riesenburger, ein riesiger 
Mensch. Simon Grünau in seiner 
Chronik meldet, „dalz 5 Ellen hohe 
Männer die Stadt Riesenburg mit dem 
Schlofz gebauet hätten, welche Burg 
der Rieben von dem deutschen Orden 
zerstöret worden." Der pr. Sammler H, 
1243. Sprw. I, 3146. 

Riesenglocice , Pflzn. , breitblättrige 
Glockenblume, Campanula latifolia L. 
Auch grofze Waldglocice. Hagen, 231. 

Rige, Rlje, /., Darre, Trockenscheune, 
lit. r^^, lett. W/a, russ. riga, Nsslm. 
Forsch. 3; Th, 148. 

rTgeln, mJO,y nach einer Ursache zum 
Zanke suchen. Friedland Ostpr. 

Rigg, n., s. RUcIcen. 

RTice, w. Vom., Kürzung von Frie- 
derike. 

Rtmen, Rftmen, R6m, m., langes Ruder, 
lat. remus., franz. rame. Bei Jeroschin, 
88 d: rtmen unde stiUr Riemen und 
Steuerruder. Pfeiffer, 228. Unsere 

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228 



rimmer — nts. 



Schiffer sagen statt Rtmen und Steuer: 
Rimen und Ruder. Davon rTmen, r§- 
men, sw,y radem. 

rimmer, adv.^ s. remmer. 

'rin, adv., s. 'rein. 

Rinderweizen, 9n., s. Tag und Nacht 

Rindicest, /., s. KesL 

Rindsauge, Pflzn., weifze Wucher- 
blame, Chrysanthemum leucanthemum 
L, Auch Johannisblume. Hagen, 889. 

ringer, ocfo., geringer, wohlfeiler im 
Preise, weniger. Ringer kann ocKt nich 
lätey wohlfeiler vermag ich's nicht zu 
verkaufen. 

ringem, «tr., geringer machen, ver- 
ringern, im Werte herabsetzen. 

Rinnbahn, /., Zwischenraum zwischen 
den Flügeln des Wenters, d. h. der 
Raum, den die Fische benutzen können, 
um in den Wenter hinein, ('rfw) zu ge- 
langen. Benecke, 384. 

Rinne, /., das Gerinne, Kanal zwischen 
den Kampen, 

'rinner, adv.^ s. 'rein. 

Rinnstein, pltd. Rennstln, m., das Ge- 
rinne im Strafzenpflaster, das sich den 
Häusern entlang zieht. Ebenso in der 
Niederlaus. Anton, 12, 9. 

rintlich, pltd. rVntlich, adj.^ reinlich. 
Er ist ein rintUcher Mensch. 

Rippentriller, m., Stolz in die Rippen. 
Sidl öck dt e Rippeträler gewe. Königs- 
berg. 

Rtps, m.y Pflzn., Kohlraps, Raps, Bras- 
sica napus L. Nach Hagen, 702, auch 
RUbs, RUbsamen, Ölsamen. 

ripsraps, interj. zur Bezeichnung eili- 
gen Zugreifens; vgl. rapsen. Ripsraps^ 
da war's aller — da waren die Kir- 
schen auf. Auch ripschrapsch. Yolksr., 
127, 532. Bock, 52. Hennig, 212. 
Vgl. Weigandll, 479. 

riieln, sw,^ rieseln. Es rüeU mir durch 
Mark und Bein. 



rTsen, sw.^ sich^ sich aufrichten, er- 
heben; daher gewöhnlich aufrtsen, sich 
in die Höhe richten. Das Pferd rht 
sich, es erhebt sich auf den Hinter- 
beinen. Ris' dij min Sahn, stehe auf! 
In Hessen hat rtsen die gegenteilige 
Bedeutung: sinken, fallen: das reife 
Obst rist. Vilmar, 328. In beiden 
Bedeutungen ist es mhd. rtsen y ahd. 
rtsan sich von oben nach unten oder 
von unten nach oben bewegen, fallen, 
steigen, alts. rtsan aufstehen, sich er- 
heben, goth. reisan. S. Schade, 718a. 
Hennig, 216. 

Riss', Risse, plur.^ Hiebe, Schläge, 
Prügel. Es giebt Risse. GHeb ihm einen 
Ri/z! Wie woa nach ön de Schul gingCy 
da gabs dach all foat Ro/z^ dafz wa 
ons de Hose voll schösse. Ermland. 
Firmenich m, 103b. Hennig, 212. 

Rtster, n , s. Rteter. 

Rttaal, m., s. Reilzaal. 

Rttdlwel, m.y s. RttespITL 

RTtespiTt, m.y zur Bezeichnung eines 
Menschen, namentlich eines wilden Ena- 
beo, der seine Kleider schnell zerreifzt. 
Er ist ein rechter Rttespltt Aus riten 
reifzen und sputen spleifzen tautologisch 
gebildet Man nennt einen wilden Jun- 
gen, der die Kleider rasch auftragt, 
auch Reilzteufel, pltd. RItdIweL In Ham- 
burg Rietenspliety Rietup. Brem. Wb. 
ni, 507. In Pommern Ritsplüt auch 
ein solcher, der aUes an sich reifzen 
will. Dähn., 383a. Danneil, 173a. 
Hupel, 190: Rei/zspleis. Hennig, 
212. 

Ritkamm, m., s. Ritkamm. 

Rftnagel, m., s. Splltnagel. 

rits, interj. schallnachahmend, ge- 
wöhnlich in Verbindung mit rftts, zur 
Bezeichnung des Tones, der beim Wer- 
fen, Ausschütten, Schlagen etc. gehört 
wird. RttSy seggt de Bür on sckott ön 



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Ritt — Rocklor. 



229 



e Arfte. RttsrdtSj schott de Bar ön e 
Ar/te. Sprw. I, 274. Ritsrdts, da hatte 
er die Ohrfeigen weg, 

Ktt, m., ^wird von jeder Handlung 
gesagt, die kurz, aber mit Beschwerde 
vollbracht worden ist. Es kostete drei 
Ritt^ bis icKs zu Stande gebracht^. 
Hennig, 334. Dat ös e Rött^ seggt de 
Schmödt^ on titt de Kobbel den Worm 
ut e Näsch^ dat se schott. Kreuzburg. 
Rött kann hier durch Rifz, von reifzen, 
und Ritty von reiten, übersetzt werden. 
In Pommern Ritt, n. In enen Ritt, 
auf einmal. Dähn., 383 a. 

Ritter, arme, Semmelschnitte, über 
welche Eier geschlagen sind, in Butter 
gebacken. Bock, 152, und nach ihm 
Hennig, 212, erzählen, dafz zu der 
Benennung ein armer Ritter Veran- 
lassung gegeben habe, der mit diesem 
Gebäck seine guten Freunde bewirtete 
und sich entschuldigte, wie er als ein 
armer Ritter ihnen nichts Besseres 
vorsetzen könne. Nach Mühling hört 
man in Deutschland noch den Zusatz: 
in Elendsfett gebacken. Denn seine Sonn- 
tags-Kost heist Stint und arme Ritter. 
Carm. nupt. U, 199c. Vgl. B ock, Nat. 
I, 266. 

Ritterkreuz, Pflzn., Wiesensalvei, Soi- 
via pratensis L. Hagen, 37. 

Ritwurm, m., s. Schrotwurm. 

Ritze, /., Spalte überhaupt; Spalte in 
der Bretterbekleidung des f ufzbodens. 
Er ist in die Ritze gescharrt^ wenn je- 
mand nicht sogleich aufzufinden ist. 
Auf die Ritze hauen^ Glück im Karten- 
spiel haben. Um zu erproben, ob je- 
mand angetrunken ist oder nicht, läfzt 
man ihn auf der Ritz' gehen. Sprw. I, 
3149 ff. Sperber, 27. 

Rttzice, m., s. Rfzchen. 

MW, adv,y s. rUw. 

RixhSft, Landspitze am An&nge der 



Landzunge Heia. Hoft = Haupt, Spitze, 
Landspitze, Vorgebirge; Riahöft = des 
Reiches Spitze. Vgl. Spruner, Histor. 
Schulatlas, Karte 3. 

RTzchen, pltd. RTzIce, auch Reizehe, 
Reizice, n. u. tti., ei'zbarer Schwamm, 
Reizker, Rietschling, Agaricus delicio- 
sm L. Poln. rydz, rydzek. Nach Bock, 
Nat. UI, 617, unterscheidet man in 
Preufzen: Steinreizke, Kemling oder 
Bruchreizke und Birkling oder Birken- 
reizke. Bock, 53. Hennig, 216. 

rlzraz, interf.^ s. rtts. 

Robött, Robötte, w., Frohndienst, 
Scharwerk, Hand- und Spanndienst, 
schwere Arbeit überhaupt. Poln. ro- 
bota^ russ. raböta Arbeit, lit. rabatä 
Arbeit, Mühe, Plage; russ. rab Sklave, 
Leibeigener. Nsslm. Forsch. 3; Th., 
149. Schmitt, 108; Westpr., 167. 
In Bayern Robat^ Robold^ Robald^ f. 
Schmeller HI, 9. Davon Roböttbauer, 
m,y Scharwerksbauer. Mühling. 

robötten, gewöhnlich rabötten, sw.y 
stark und angestrengt arbeiten. Ra- 
bötten gehen^ zur Arbeit gehen. Ich 
habe den ganzen Tag zu rabötten. 

ROch, m. 1. Rauch. 2. Rauchfang 
und daher Herd. Neben dem soU jeg- 
licher Wirth^ soiDohl die vom Adel^ als 
Freyen oder Pauren von jedem Roch 
aber den jetzt gedachten Decem 8 Schill. 
Sckulergeld jährlich zu geben schuldig 
sein. Orub.Corp.Const.PrutenP.LN.1. 
Von Erwehlung der beyder Bischof 
Samlandt und Pomezan im Herzogthum 
Preufzen, d. anno 1568, pag. 10. Hen- 
nig, 212. 

Rociceliceim, Ortsn., Dorf im Kjeise 
Wehlau. Vgl. Schallen. 

Rocken, m., Roggen, Seeale cereale 
L.; üblicher Kern. S. Hagen, 137. 

Rocklör, m.j mantelartiges Kleidungs- 
stück. Von demselben hielz es: Vere 



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230 



Rodacker — Roggenwolf. 



e Schnob on hinde e Singohr^ vorDe 
eine Schnippe und hinten ein Singohr(?). 
Wehlau. In Natangen ein Überrock. 
Franz. roqaelaure nach dem Herzog 
von Roquelaure (f 1738), der diesen 
Mantel einführte. Weigandll, 483. 

ROdacker, w., gerodeter Acker. 

Roddog, Roddow, n., s. Rotauge. 

Rode, /., die gerodete, urbar gemachte 
Palwe; auch Neubruch, m. u. n. Bock, 
Nat. in, 767. Weigandll, 483: das 
jRod, der angerodete Boden, ausgereu- 
tete Plat?. 

Rdde, /., lange Stange, die bei der 
Fischerei unter dem Eise gebraucht 
wird. , , . die Gabeln^ womit (bei der 
Winterfischerei) die Stangen unter dem 
Eise fortgeschaft werden, die hier Boo- 
den hei/zen und 60 bis 70 Fujz lang 
sind. Bock, Nat. IV, 717. 

Rodel, n. 1. Ruder. Denn schmiet 
wi Roodel on Lamm ant Sied (an die 
Seite). Dorr, 21. 2. s. v. a. Rodel 
(s. d.). 

roden, sw. , gewöhnlich in der Zu- 
sammensetzung ausroden, pltd. utrOde(n), 
sw,^ ausreuten, Baumstumpfe, Gestrüpp, 
Unkraut mit der Wurzel aus der Erde 
herausarbeiten. Hennig, 18,213. Wei- 
gandll, 483. 

ROder, ?n., der Ruderer, Beiname für 
den fliegenden Storch: Hadebär, du 
Roder ^ Bring' mt e junge Bröder. Volksr., 
50, 191. Rochholz, 87. S. Nester u. 
Steiner. 

ROdergat, n, älterer Name für den 
Kucker, die Öfihung, wo das Steuer- 
ruder am Hintersteven an Deck kommt. 
Hirsch, Dzgs. Handelsg., 265. 

rOdlachtig, adj., s. lachtig. 

Rdfe, /., Raufe, Futterleiter. 

RogftI, n , s. Regftl. 

Rogfttsch, m , Pflugsterze, auch Zoch- 
baum, lit. ragöcze^ ragöczus^ ragözius^ 



poln. rogacZy wohl von ragis^ lit. rdgas, 
poln. rog Hom, nach der Gestalt be- 
nannt. Nsslm. Forsch. 2; TL, 149. 
Lit. Aeq., 21. Hennig, 213. Vgl. 
Zock 

RSgel, m., Fischrogen. Mühling. S. 



rSgeln, sw.^ den Rögel entlassen, lai- 
chen. Mühling. 

Roggelmoggel, n. Beim Schlachten 
schickt man jemand, um ihn zu hän- 
seln, zum Nachbar und läfzt um das 
Roggelmoggel bitten. Der Nachbar füllt 
eine Lischke mit Steinen oder Erde, so 
dai'z der Genarrte schwer zu tragen hat. 
Elbiüg. Sprw. I, 3156. 

Roggen, m.<^ volksüblich, wie auch 
anderwärts (Bayern: SchmellerHI, 71. 
Hessen: Vilmar, 320), ist dafür Kom. 
In Zusammensetzungen wechselt Roggen 
und Kom: Roggenmehl, pltd. Regge- 
mehl^ ReggektVce^ Kombranntweiny pltd. 
KSmbrannwtn. 

Roggenblume, mehr jedoch, &st über- 
all, Kornblume, /., Centawrea cyanus L. 
Hagen, 903. Pritzel, 86. 

Roggenbrot, n., s. Brot 

Roggenhund, m., mythisches Wesen, 
das sich in Roggenfeldern aufhält. Vgl. 
Roggenwolf. 

Roggenmuhme, -mutter, /., s. Kom- 
mutter. 

Roggenschlunk, m., Yielfral'z, Nimmer- 
satt, auch Geizhals, geldgieriger Mensch. 
Er ist ein rechter Roggeschlunk. Sprw. 
I, 3157. 

RoggenwoK, m, 1. mythisches Gre- 
bilde von Wolfsgestalt und wölfischem 
Gebaren, das sich im Roggenfelde auf- 
hält und namentlich Kindern gefährlich 
wird. Man warnt die Kinder, ins Kom 
zu gehen, da lau're der Roggenwolf, 
Über ihn und den Roggenhund s. Mann- 
bar dt, Roggenwolf und Roggenhand, 



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Rohleder — RoUing 



231 



Beitrag zur Gennanischen Sittenkunde. 
Danzig 1865. 2. Übertragen: Mensch, 
der alles an sich reiizen will, nie ge- 
nug bekommen kann. Praust bei Dan- 
zig. Vom gefräfzigen Menschen heiCzt 
^si er frifzt wie ein Roggenwolf, Mann- 
hardt, a. a. 0., 11. Sprw. I, 968. 

Rohleder, m.^ von der rohen, unge- 
gerbten Haut übertragen auf den rohen, 
unmanierlichen, ungebildeten Menschen. 
Bir ist ein rechter Rohleder. 

Rohn, 771, s. Bahn. 

Rohrdommel, m, Spitzname, den die 
Litauer den Deutschen geben. Müh- 
ling. 

Rohrdrummel, -drump, -dump, /., Rohr- 
dommel, Ardea stellaris. Lett. dumpis, 
Möhling, Tiem., 176. Vgl. Ipnimp. 

RVhre, /., gewöhnlich RShr, viereckige, 
tiefe, mit Kacheln ausgelegte Höhle im 
Kachelofen der Wohnstube, mit ab- 
schlielzender Thür, zur Warmstellung 
von Speisen etc. Nicht zu verwechseln 
mit der Ofenröhre = Rauchröhre. Apfel 
in der Röhre braten. Stell den Eafee 
on de Röhr! 

Rehreif, m., s. Rohrreif. 

Rehrglanz, Pflzn., rohrartiges Glanz- 
gras, Phalaris arundinacea L. Hagen^ 
63. 

— Rohrkampe, /., Kampe, die mit Rohr 
bewachsen ist. Das Rohr wird ge- 
wöhnlich im Winter abgehauen. MQh- 
ling. 

Rohrkarpfen, m., s. Debel, Dibel und 
Rftp. 

Rohrreif, pltd. Rdrrlp, RöerTp, m., auch 
Rohreif, der eisige Reif» der sich bei 
Nebelfrost an die Zweige der Bäume etc. 
ansetzt, Rauhreif, Raachfrost. Der 
Rohrreif aber entstehet alfzdann^ wenn 
bei Nebelickter Constitution des Gewitters 
(Wetters) es sehr kalt etc. Linem., 
Xx 4a. Davon rohrreifen, rohreifen, pltd. 



r6rripe(n), r6ery(>e(n)^ rörrtfen. Krüp 
unne, Uwe Ltse^ et het rdrrtft. Nach 
der Volkserfahrung hört die Kälte drei 
Tage nach dem Auftreten des Rohr- 
reifes auf. Ygl. Aufhang. 

Rohrsperling, m,, Rohrammer, Embe- 
riza schoeniclus. Da er im Rohre mun- 
ter zwitschert und schreit, so heifzt es 
von einem lebhaft streitenden Menschen: 
er schimpft wie ein Rohrsperling. 

Rohrwrangel, m., kleiner Rohrsänger, 
Sylvia arundinacea. Bujack, 373. 
Muhling, Tiern., 176. 

rojftlsch, adj.j kolossal, stattlich, be- 
sonders vom Frauenzimmer. Schemio- 
nek, 32. 

rokfar (a = ä), adj.^ s. rftkf&r. 

rokOsen, sw.^ zur Bezeichnung des 
rockenden Trommeins der Tauben. 

RoW, Rolof, m. Vorn., Rudolf. Hart- 
wich, 54. 

Roll, (?), Gericht aus Hafergrütze, 
Pflaumen, Rinderfleck und Sirup. Ma- 
rienburg. 

Rollberg, m., Strafze in Königsberg 
auf dem Steindamm. Sie hat ihren 
Namen nach einem normannischen Her- 
zog Rollo, der eine Zeitlang daselbst 
gewohnt. Hennenb erger, 43. Sie 
hiefz früher Olappenberg ^ nach dem 
Erl. Pr. II, 842, von dem daselbst 
gehängten ermländischen Heerführer 
Glappo. Hoffheinz, Strafzn., 604, 
meint, der Name könne auch vom Volks- 
witz gebildet sein, der hier manches 
Fuhrwerk bergab rollen sah. 

rollen, sw. Einen rollen, ihn im Kampfe 
niederwerfen, besiegen. 

Rolling, Rollinge, Rollung, /., die in 
regelmäl'zigen Intervallen rollenden Wel- 
len der bewegten See, auch der HafiFe. 
Es ist zuviel RoUing, wir köfinen nicht 
in die See hinaus, sagen die Fischer 
am Ostseestrande. Die Fischerfahr^ 



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232 



Rollo — Roratenbruder. 



zeuge des kwrüchen Haffes werden nur 
mit ganz flachem Boden und äusserst 
geringem Tiefgang gebaut^ trotzdem segeln 
sie vortre flieh und sind ganz besonders 
in der auf dem kwr. Haffe sehr gewöhn- 
liehen kurzen RoUung etc. äusserst tuchn 
tig. Benecke, 223 f. An der Nord- 
see bezeichnet raüen das Überlaufen 
der Wellen über einen seichten Grund 
oder den Anlauf derselben gegen eine 
Fläche hinauf. Brem. Wb. lü, 426. 
Vgl. Schftlung u. Wachte. 

Rollo, n,y Rouleaux. 

Rollung, /., s. Rolling. 

Rolof, m. Vorn., s. Rolf. 

RVIps, m,^ Rülps, laut aufstofzende 
Magenblähung. Eck loht en RöUpSy 
möt Cronst! eck kun en nich verhöhde. 
Carm. nupt I, 282, 14. Davon rVIpsen, 
sw.j rülpsen. 

Rdm, m,, Rufz, jeder Schmutz, der 
schwärzt. Davon berftmen, sw.^ sich^ 
sich anschwärzen, beschmieren. Wer- 
der. 

Romei, m.^ Pflzn., echte Kamille, Ma- 
tricaria chamomiüa L., lit. ramüne. 
Hennig, 213. Hagen, 894. Nach 
Pritzel, 93, in Ostpr. auch Remey, 
Raneyenblume (P fehlerhaft für Rameien- 
blume), Haugenblum und Magdblum. YgL 
Hundsromei. 

Rominte, /., Nebenflufz der Pissa, in 
lit. Liedern viel genannt und oft be- 
sungen. Lit. Rominta, Der Name deu- 
tet auf ein schnelles, eiliges Dahin- 
wandem. Der Flufz heii'zt an seiner 
poln. Quelle Blandianka, in PreuTzen 
anfänglich Bllndeflufz, von dem ]it. blinde^ 
Salweide, die dort an seinen Ufern 
wächst. S. Passarge, Balt., 311. 

Rominten, Ortsn., Dorf an der Ro- 
minte im Kx. Goldap. Oä na RomintCy 
Zigge opschwänze. Über die Entstehung 
der Redensart s. Sprw. I, 1 149. 



rommeldOn, adf\ s. dOn. 

rommein, sw.^ binden, pfänden. Ein 
Gebrauch der Brautleute ^ „da sie die 
Fremden, so an das Brautfeuer treten, 
zu binden pflegen, und von ihnen zur 
Auslösung ein Geschenk abfordern^. 
Bock, 53. Hennig, 213. Auch das 
piandende Binden überhaupt. Öck rom- 
mel enne op ene grene Platz! Aus einem 
Spruche beim Binden auf dem Emte- 
felde. Volksr., 233, 814, 

rommen, sw. 1. räumen, aufräameu, 
wegräumen. 2. etwas durchsuchen. 
Engl, rummage. Davon aufrommen, 
aufräumen; verrommen, etwas verlegen, 
verkramen,, so daTz es schwer zu fin- 
den ist. 

rVmmer, ado.y s. remmer. 

RVmpy 971., rVmpen, sw.y s. rampen. 

Ron, m.y s. Rahn. 

RSnne,/., schmale, vielfach gekrümmte 
Rinne, Fahrstrafze im kurischen Haff 
längs der Nehrung. S. Benecke, 223. 
Auch das frische Haff hat eine R&nne. 
In der PiUauer Haff-Ronne hat sich 
wählend der Winterstürme eine wenig 
umfangreiche Sandbank gebildet, welche 
dem Schifffahrtsnerkehr nach Königsberg 
sehr hinderlich ist Egsbg. AUg. Ztg. 
1882. Nr. 74. Abend-Ausg. 

Rontfischy m. Nach Simon Grünau, 
Tract I, cap. UI, „ein treuger fisch aas 
der pomuchil^. 

RSper und Zusammensetzungen s. 



rSppschlagen, st 1. zur Bezeichnung 
übergrofzer Magerkeit und Elraftlosig- 
keit: die Rippen schlagen gleichsam 
zusammen. 2. stark anstrengen, bis 
zum Zittern, Rippenbeben. 

rVr, adv.y s. rllr. 

Roratenbruder, m. Die Roratenbru- 
der sind eine kirchliche Sängerzunft 
im Ermlande. Aulzer in der Kirche, 



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rorreifen — Rosenwinkel. 



233 



singen sie auch bei feierlichen Begräb- 
nissen Yor dem Sterbehanse und bei 
den Vigilien. Stamm ist das lat. ro- 
rcare. Der Volkswitz nennt sie rare 
Brüder^ auch Rdrbrüder (vgL rar und 
rdren). Mühling. 

rftrreifen, sw.^ s. Rohrreif. 

Roiaky m, 1. Rucken. Op em Roiak 
gewe^ Hiebe auf den Rücken geben. 
Samland. 2. Prügel, Hiebe. Et göfft 
Roiak. Friedland Ostpr. Sprw. II, 
2211. 

Rofonke, Rossanke, (?), zur Bezeich- 
nung eines schlechten Bieres. Nach 
Mühling eine Art Weifzbier, das im 
Anfimge des 17. Jahrh. in Angerburg 
gebraut wurde. Vgl. Bier. 

rSsch, adj.^ s. rfisch. 

Roschbocic, 97»., Rehbock. Saalfeld. 

röschen, mr., s. rtechen. 

ROschke,/., Schnupftabaksdose, eigent- 
lich: Tabakshom. Kr. Neustadt. S. 
Kyrb. 

Roseiy m., Gemisch von Zucker, rotem 
Sandelholz und Zimt, womit der Milch- 
reis bestreut wird. Schemionek, 32. 
Milchbrei mit Rosei. Of*m andren End 
(der Tafel stand) ganz dick ausgequoU- 
ner Rei$ möt reener Atölch gekocht on 
dick mot Rom bestreet, Schaltj. 3, 9. 

roieln, rafeln, mo., rasen, toben, wild 
leben. In der Jugend mu/z man ailS- 
roieln, austoben, ßeisa^ Mutter^ räsel 
nichl Zuruf an Stolpernde. Dönh. 
Sprw. I, 3163. 

Rosemöck, Rosemöck, Rosumöck, Rasu- 
mdcky m. 1. fingierter Spuk. Den Rose- 
mock jagen^ beliebter Sylvesterscherz. 
Einen unerfahrenen Burschen stellt man 
am Sylvesterabende mit einem groizen 
Sack unter die Treppe oder an die 
Leiter, die zur Lucht (Boden) führt 
and weist ihn an, den Sack aufzuhal- 
ten und gut aufzupassen, damit er den 



Rosemock^ der da oben sich versteckt 
habe und mit Knütteln heruntergejagt 
werden solle, gewifz fange. Die an- 
dern gehen nun in das Haus, auf den 
Boden, und machen einen Lärm, als 
ob sie wirklich jemand jagten und 
immer weiter vorwärts trieben. Wäh- 
rend der Sackhalter draui'zen oder 
unten sorgsam auf die Ankunft des 
Rosemock wartet und sich alle Mühe 
giebt, den Sack so zu halten und zu 
wenden, dafz der Rosemock ihm ja 
nicht vorbeischlüpfe, wird ihm selbst 
von oben her ein Topf oder gar ein 
Eimer Wasser über den Kopf gegossen. 
Samland. Litauen. Yolkskal., 30. 
Lit. heiizt dieser Spuk razurnükaSy wohl 
Dem. zu razumaSj poln. rozum^ russ. 
räzum Verstand, Witz, poln. razumek 
(verächtlich) vermeinter Verstand, Aber- 
witz; aber poln. rosomakay russ. rosa- 
macha^ rosamak der VielfraCz, ürsus 
gulo. Nsslm., Forsch. 3; TL, 150. 
2. unruhiger, unstäter Mensch, auch 
ein in Kleidern zurückgekommener 
Mensch. Dat ös e rechter Rosemock. 
Er sieht aus wie ein Rosemock^ auch: 
wie ein Rosemock popobki. 3. der Viel- 
frai'z, ürsm gtdo, 

rosemöcken, sw.^ zappeln, trampeln, 
mit Händen und Füizen lebhaft arbei- 
ten; übermütig munter herumi*asen. 
Auch rosmöcken, nismöcken. Vgl. das 
vorige. 

rosensteSyOC^'., Superlativ von ros^n (ro- 
sig), Schttieichelwort. Rosenstes Mutsch- 
chen^ rosigstes Mütterchen. S. h'ebstes. 

Rosenwinkel, m., Raum in dem Saale 
des Kneiphöfischen Junkerhofes, der 
den Kaufleuten als Vereinigungspunkt 
diente; ihn schmückte das Wappen der 
Kaufmannschaft: eine weilze Rose mit 
kleiner vergoldeter Ejiospe. Die Zünfte, 
10. 



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234 



Roserock — Rozmok. 



Roserock, m., Getümmel, Lärm, 
VerwirruDg, Aufruhr. Von dem gleich- 
. bedeutenden poln. rozruch, 

Rosinenkringel, m.^ Kringel, in den 
Rosinen eingebacken sind ; beliebtes Ge- 
bäck in Königsberg. 

Rosmöck, m., s. Rozmöck. 

rosmöcken, m,, s. rosemöcken. 

Rost, TW., Flufz im Kopf = Rotz. S. 
Frisch II, 129b. Eck roock noch nich 
den Braade^ dut maackt, eck hadd den 
Schnopp, myn Kopp wafz voller Rost. 
Cann, nupt V, 190 b. 

Rttst, /., 8. RUst 

rostein, sw, 1. sich rühren, sich zu 
bewegen anfangen. Eei rösteld sock 
(im Bette), er röhrte sich, machte Miene 
aufzustehen. 2. sich rüsten, fertig ma- 
chen. 

Rüster, RUster, /., ühne, ülmus com- 
p^tris L. Hagen, 291. 

Rüster, n., s. Rteter. 

Rosumdck, m., s. Rosemöck. 

Rttfzchen, n., Dem. von Rol'z, Libelle. 
Mühling, Tiem., 176. 

Rofzdienst, m.j der von den reichen 
adligen Gutsbesitzern dem Orden zu 
leistende Dienst. Der zu stellende 
Reiter mul'zte in voller Eisenrüstung 
auf einem starken, mit Panzerdecke 
versehenen Streithengst erscheinen. 
Gebauer, Kde., 60. 

Rttrze, /, s. RMe. 

Rofzgarten, m. 1. eingehegter Weide- 
platz, nicht ausschliei'zb'ch für Pferde. 
2. Stadtteil in Königsberg, der ursprüng- 
lich Roi'zgarten gewesen. Neulich, wie 
es auf dem Rofzgarten brannte, Soph. 
R. in, 104. 

Rttfzkaule, /., Grube, Pfütze, in wel- 
cher der Flachs geröstet wird. Ober- 
land. Hennig, 214. 

Rotauge, pltd. RotOg, n., Fischn., 
Scardinvus eryihrophihalm%is L. Auch 



Roddog, Roddow, Rotfeder, Rotflosser, lit 

rudakis, rudawa, rtidusziSy kur. inidaus^ 
rudusch, rudaney, mas. sdrena, czerwone 
oko, kass. radowka. Benecke, 134. 
Bujack, 394. Mühling, Tiem., 
176. 

RSte, /, s. RMe. 

Rotenkurz, m., s. Kasper 2. 

Rotfeder, /, Fischn., s. Rotauge. 

Rotflosser, m., s. Rotauge. 

Rotflofz, Rotflofzgiester, m, s. Gieb. 

Rotgerber, m , Maikäfer in gewöhn- 
licher brauner Farbe. Vgl. Müller 
und Schuster. Mühling, Tiem., 
176. 

Rotkttpfchen, n., Pflzn., s. PImker. 

Rotstür, m. 1. Pflzn., stumpiblättri- 
ger Ampfer, Rumea obtusifoUus L. 
Friedland Ostpr. 2. Rauchtabak aus 
Pflanzenblätteru, worunter die von Erd- 
beere und Kirsche. Samland. 

Rott, m., von rotten fauleu, Fänküs. 
, . .sie zeigen nicht ow, wie der Olantz 
im faulen, mürben und in Rott eer- 
fallenden Eoltz entstehen könne. Line- 
mann, Z 4b. 

Rottanne, /., s. Tanne. 

rotten, sw., s. rfiten. 

Rottscher, m., Stockfisch. Bock, 
Nat. I, 593. Mühling, Tiem., 176. 
Bei Simon Grünau Tract. I, cap. HE, 
im Plural: rottscheren. 

Rotzbartel, m , Schimpfwort auf einen 
Menschen mit rotziger, unsauberer Nase, 
Ebenso; Rotzlöfel (Stein, Peregrinus 
Xn, 82. W. Mtsbl. V, 191), Rotz- 
maul, Rotznase, Schnodderbartel. 

Rotzberger, m., s. Dreckhäuser. 

rStze, adj\, etliche. De Lowd on 
Kesting koste rötze P6a Hundat. Erm- 
läudische Freisch. Manuscript. 

Rozmok, Rosmock, m., eingelegter 
Brassen. Die in dem polnischen Di- 
strikt um grofze Seen wohnende LancU- 



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rubbeln — rucksen. 



235 



leute legen die Bressen in Essig und 
Gewürz und nennen diese wohlschmeckende 
Speise Rozmock. Bock Nat, IV, 678. 
Nach Bujack, 393, ist Rozmok ein in 
Bier gekochter Bressem. Poln. roz- 
moczy6 aufweichen, durchweichen. Bock, 
53. Hennig, 214. 

nibbeln, sw.y Frequentativ von reihen: 
reiben, scheuern, namentlich Unebenes; 
ebenen, glätten, glatt machen. Nach 
Mühling auch hin- und herrutschen. 
abnibbeln, abreiben, mit Anwendung 
von Kraft mittelst eines Lappens, einer 
groben Bürste, eines groben Hobels. 
Dreck abrubbeln. Lo/z dich ehrscht deeg 
abrubbeln. Schaltj. 3, 5. Die Kar- 
toffeln abrubbeln^ sie vor dem Kochen 
in einem Kübel mit Wasser mit strup- 
pigem Besen durch einander rühren 
und 80 von der auf der Schale sitzen- 
den Erde reinigen. Ein Brett ab- 
rubbeln^ es obenhin glatt hobeln. Über- 
tragen: zausen, prügeln. Sprw. I, 
1498. Sperber, 5. 

nibbllg, adj,^ uneben, rauh. Das Reib- 
eisen ist rubblig — ein pockennarbiges 
Gesicht HolL robbeligy in Bremen 
und in Pommern rubberig, Brem. Wb. 
III, 537. Dähn. 387b. 

RUbchen, n., Dem. von Rübe. Rüb- 
chen schaben, Neckerei der Kinder, wo- 
bei sie mit dem Zeigefinger der rechten 
Hand den Zeigefinger der linken scha- 
ben, sprechend: Schäm' aus, schäm' 
aus! Im Holstein. Rövken schrapen^ in 
Bremen auch ütslipen (ausschleifen, 
auswetzen) aushöhnen: Slip üt^ sltp üt! 
Schütze III, 310. Brem. Wb. IV, 
833. 

RUbe, /., Passenheimer^ s. Passen- 
heim. 

RUbonhahnenfufz,m., knolliger Hahnen- 
foiz, Ranunculus bulbosus L. Hagen, 
583. 



'ruber, a<fo., herüber, hinüber. 

RUbs, RUbsamen, m., s. RTps. 

RUck, m, s. Rucken. 

Rucken, tt»., Ruck, kurzer, kräftiger 
Stofz, meist mit Geräusch verbunden. 
Plötzlich ertonte durch die stille Luft 
des Abends ein Krach^ wie wenn in 
weiter Feme eine Kanone abgeschossen 
wü/rde. Mein Wi/iik sagte^ es gebe an 
Sormnerabenden^ wenn See und Haff 
ganz ruhig^ oft einen solchen Rucken, 
Ich glaube, er rührte von einer Schaar 
ziehender Vogel her^ welche bei plötz- 
licher Schwenkung diesen seltsamen Laut 
erzeugen. Passarge, Balt., 177. 

Rucken, m. Einem den Rücken mes- 
sen — waschen, ihn durchprügeln. Mit 
dem Rücken herhalten müssen^ Prügel 
bekommen. 

Rucken, RUggen, pltd. RUck, Rigg, m. 
1. Ackerbeet, Beet. 2. Zaunstecken 
und dann gewöhnlich Rüggen, Riggen^ 
Röcke(n). He (der Schulmeister) leep 
bet an e Röcke, Da bleef Jiei stocke. 
Volksr., 112, 464. Ein aus solchen 
Stecken zusammengesetzter Zaun heilzt 
RUckenzaun. 

RUckgarben, Ortsn., Dorf beiSchippen- 
beil. Hei heft et önnerlich wt deRöck- 
garwsche Kinder. Sprw. I, 1806. 

RUckgesäfz, n., Rücksitz, Hintersitz 
im mehrsitzigen Wagen. Setz dich aufs 
Rückgesä/z. Auch Hintergesäfz; beides 
im Gegensatz zu Vordergesäfz, Vorder- 
sitz. 

Rucks, 971., Stofz, heftige, kurze Er- 
schütterung durch Stofz. Dat gew e 
gSde Rtccks, das gab einen guten Stofz. 
Mei heft e Rucks weg^ er hat Schaden 
genommen, leidet an Gesundheit oder 
Vermögen. Nach Treichel hat man 
für einen verstärkten Rucks Runks. Vgl 
Drucks. 

rucksen, sw.^ Frequent. von rucken^ 



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236 



Ruckstau — rollen. 



ruckweise etwas Schweres stofzen, 
schieben, ziehen, reifzen, fortbewegen. 
Einen zmammenrucksen, ihn gehörig 
durchschütteln, indem man ihn beim 
Eragen fafzt. Bildlich: einen tüchtig 
zusammennehmen, vermahnen. Ma- 
rold. 

RUckstau, m., das Haff- und Flofz- 
wasser, welches durch starken Wind 
stromaufwärts getrieben, angestaut wird. 
Der Rückstau aus dem Haff erzeugt bei 
anhaltendem Seewinde den tief in's Land 
dringenden fliegenden Strom. Werder. 
Passarge, 205. 

RUckstrang, m. Einem den Rück- 
strang messen^ ihn durchprügeln. M ü h - 
ling. 

Ruckum, 97»., schlechteste Getreide- 
sorte, letzter Abfall des geharften Ge- 
treides. Samland. 

ruckweise, adv.^ in einzelnen Rucken 
oder Stolzen, Absätzen. S. Sprw. II, 
2218. 

rOdeln, sw.^ Bewegliches hin und her 
rollen, wälzen, schieben, dafz es Ge- 
räusch giebt; besonders einen wackligen 
Tisch oder Stuhl, so dal'z es knarrt. 
Auch ruppeln. Marold. 

Rudnick, Ortsn., Dorf bei Graudenz. 
Od na Rudnick, Koie opsclmänze, 
Sprw. I, 1150. Vgl. Rominten. 

Rufen, n., Glockengeläute, durch wel- 
ches die Leichen ertrunkener Fischer, 
die das Meer behalten, ans Land ge- 
rufen werden sollen. Nach der Volks- 
meinung wirft das Meer nach diesem 
Geläute die Leichen aus. Samland: 
Kauschen. 

ruffen, sw. 1. raufen. 2. heftig krat- 
zen. Er ruft sich^ ein Zeichen, dafz 
er Läuse hat. 

rOgen, sw.^ sich^ sich ruhen, aus- 
ruhen. 



rügen, ruggen, str., mit Ruck heben. 
Dönh. 

RUggen, m., s. RUcken. 

rühr, adv, s. rUr. 

Rühren, w., das Pflügen des Acker- 
landes in die Quere. Bock, Nat. m, 
681. 

Ruhrlinie, /, Berührungslinie, Tan- 
gente Ziehet femer im Sinne ein Ruhr- 
linien oder Tangant^ so da de)' Sonnen 
und der Erden Cörpere berühre^ welche 
so weit lauffej bifz solche RÜhrlinienj 
diejenige Linie, so da durch die Mittel- 
punkte der Sonnen und der Erden gehet^ 
durchschneidet. Linem., Ss 2a. 

Ruhr mich nicht an, n., s. Rehehir- 
schen. 

RUhrnftrsch, pltd. Rohmarsch, m., 
einer, der viel mit dem A. rührt, un- 
ruhig sitzt, auf einer Stelle nicht lange 
Ruhe hat. 

rUhrsam, adj,^ beweglich; von alten 
Leuten, die noch regsam und rührig 
sind. Vgl. berUhrsam. 

rUhrzageln, pltd. rerzägeln^ sw., mit 
dem Zagel (Schweife) rühren, wedeln 
vor Lebenslust und Mut, oder auch vor 
Bangigkeit und Furcht; in letzterem 
Sinne übertragen auf den Menschen: 
demütig thun, kleinlaut werden. Denn 
solle mlne Kegkes rerzägeln! sagte der 
Bauer, als er den Hafer nicht teuer genug 
verkaufen konnte und daher beschlol'z, 
seine Kühe damit zu tüttem. Tiegen- 
hof. Sprw. II, 2226. Ek w^ em dar- 
to bringen (dal'z er gute Worte giebt), 
oder he sali reehrzageln. Dorr, 1. 
Wiew., 54. 

rujenieren, sw.^ ruinieren. Die Kleider 
rujenieren. 

RQIchen, pltd. RQIke, Dem. von Ru- 
dolf: 

rUIlen, sw. So unrd das Thierchen 



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Rulz — Runge. 



237 



mack^ das sonsten rüUt und brüllet, 
Carm, nvpt I, 264. Vgl. mak. 

RUiZy 7», roher, ungesitteter Mensch, 
gleichbedeutend mit dem allgemeiner 
üblichen Rülps, Bei Stein Rültz als 
Schimpf- und Ekelname. Peregrinus 
XII, 82. W. Mtsbl. V, 191. Wir 
haben auch solche ungeschliffene Rül- 
tzen in diesem gro/zen Marjenbv/rgischen 
Werder^ die der Teufel also eingenommen^ 
dafz sie ungescheut sagen dürfen: Wer 
einmal todt ist, der wird wohl todt blei- 
ben etc. Hartwich, 529. 

Yum, adv.y herum, 'rumaasen, -bochr 
ten, -dammelny ^doseln^ -flankieren,, -flit- 
zen, -jacheln, -jachem, -karjolen, hrdfn- 
geln, -zo4eln. S. remmer. 

'lumalken, pltd. romalken, sw., lär- 
mend umher, tollen; von Kindern. El- 
binger Ndrg. Vgl. alken. 

Rummel, m, 1. Gesamtheit von 
Gutem und Schlechtem, namentlich aber 
altes Gerät, Warenreste, bunt durch 
einander, als Ganzes. Den gan^zen 
Rummel nehmen. Was kostet der Rum- 
melf AuchRumpel, m.. Hennig, 214; 
Rummelei, /. Gleichbedeutend mit Ram/p, 
Rump etc. s. rampen. 2. Verständnis, 
Geschick zur Wahrnehmung des eige- 
nen Vorteils. Er hctt den Rummel 
*raus — versteht den Rummel, Nach 
Weigandn, 502, die Zahl der gleich- 
£arbigen Karten im Pikett- Spiel. 3. 
dumpfer Ton. 4. Verkaufsmaiz für 
Gartensaat, etwas mehr als eine Prise, 
d. h. soviel, als man zwischen zwei 
Finger fassen kann. Treichel. 

Rummelei, /., s. das vor. 

rummer, adv., s. remmer. 

Rump, m, 1. Rumpf. Oänserump, 
Schiffsrump, Kleiderrump, zusammen- 
geheftetes Kleid, dem noch die Ärmel 
fehlen. Hennig, 215. 2. im Erm- 
lande auch Rumpf Bienenstock, zunächst 



der aus einem Klotze gefertigte. Im 
Ermlande mufzte 1526 vom Rum/pfe 
5 Grosch. Abgabe an Polen gezahlt 
werden. Mühling. 3. s. v. a. Ramp, 
s. rampen, 

RUmp, m,, s. rampen. 

Rumpel,97i. 1. Erhöhung, Hügel, Erd- 
kloiz. Mühling. Vgl. Humpel, Kum- 
pel. 2. s. V. a. Rummel, 

rumpelig, gewöhnlich rumplig, adj., 
uneben, höckerig, holpericht. Der Weg 
ist rumpelig, Bock, 53. Hennig, 
214. 

Rumpelkammer, /., Kammer, Raum, 
Gelafz für allerlei Gerumpel. 

Rumpelkasten, m, 1. Kasten, Lade 
für allerlei altes Gerät. 2. Kasten- 
artiges überhaupt. Auf den alten Rum- 
pelkasten (eine Laute ist gemeint) dürfte 
er sich auch nichts einbilden, Soph R. I, 
255. Ein altes Klavier heil'zt ebenfalls 
Rumpelkasten; ebenso auch eine alte, 
unförmliche Kutsche. Bernd, 239. 

rumpeln, pltd. rempeln, sw,, rollend 
poltern; stofzend erschüttern. Der Wa- 
gen rumpelt auf unebenem Wege, auf 
schlechtem Pflaster. 

rumpen, rllmpen, m., s. rampen. 

Rumpf, Rümpf, m.y rümpfen, rllmpfen, 
sw,, 8. rampen. 

rumplig, adj., s. rumpelig. 

Rumpschlump, m., eine Menge von 
Dingen ohne Auswahl, alles durch ein- 
ander. In gleichem Sinne wie Rumfp 
und Rumvmel, Mühling. 

rumtreiben, st, s. umtreiben. 

Rumtrift, m., s. Umtreibor. 

Ruhdsel, n., Randteil, Rondel, kreis- 
förmige Figur. Mühling. 

rOnen, Sfw., raunen, flüstern. Serune 
sock on de Ore. Ahd. rünen, mhd. 
rünen. 

Runge, /., aufrechter Stab in dem 
Ende der Krängel eines Arbeitswagens 



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238 



rungenfaul — ruschebüschig. 



zur Stütze der Leitern oder Seiten- 
bretter des Wagens; mhd. runge^ ahd. 
rumga^ von dem goth. hnigga Stab. 
Schade, 426b. Pierson (Altpr. M. 
Vin, 367) weist auf lett. runga Fuder- 
stütze, Enuppel hin. Sonst krig eck 
bohl de Rung onn schlag dy an de Ohre. 
Ca/rm. nupt V, 190c. Da die Runge 
sich leicht aus dem Erangel ziehen läi'zt 
und handlich ist, so dient sie häufig 
als Prugelinstrument. S. Sprw. I, 129. 
Vgl. U8. 

ningenfaul, adj,^ faul wie eine Runge, 
die sich allein von allen Teilen des 
Arbeitswagens nicht bewegt, sehr faul, 
sehr träge. Hennig, 334. 

Runkel, Pflzn., Bete, Bäta vulgaris L. 
Gericht; Gehackter Kohl mit Runkeln. 
Saalfeld. Im Weichseldelta, Treichel, 
Volksth. III, auch IVoUius europaeusL 
Vgl. Bete und Zwickel. 

Runks, m., s. Rucks. 

Runkunkel, /., altes^ mürrisches Weib. 
Mühling. Ebenso in Posen und in 
Hessen. Bernd, 240. Vilmar, 333. 

'runter, adv,^ herunter, hinunter. 

ruppeln, sw., s. rOdeln. 

flippen, ««r.,«tcA, sich fördern, eine Sache 
rasch beenden. Mühling. In Bremen 
rapen raffen, reppen bewegen, hurtig 
bewegen, rühren, rap schnell, hurtig, 
geschwind. Brem. Wb. HI, 434. 
435. 

ruppig, adj\ u. adv. 1. zerrupft, lum- 
pig; armselig in weiterer Bedeutung. 
Das ist ein ruppiger Kerl^ ein Kerl, der 
in schlechten Kleidern und unsauber 
erscheint. 2. geizig, filzig, unanstän- 
dig. Er nahm sich recht ruppig. 3. 
uneben, rissig, rauh. Er hat ein rup- 
piges Gesicht. In Bremen rwppen rup- 
fen. Brem. Wb. III, 560. Hennig, 
215. 



Ruppsack, 97»., ruppiger, unanständiger, 
filziger Mensch. Sperber, 27. 

Rups, 97»., rascher Griff. Mühling. 
Vgl. flippen. 

rUr, rllhr, pltd. r»r, rSr, odr., dicht, 
nahe, zum Berühren nahe. Dat os 
ror dran^ es ist dicht daran. BXn 
Nachbar wohnet rühr an dem andern. 
Lepner, 73. Ebenso auch in Bremen. 
Brem. Wb. III, 527. 

rllrkSlen, 8to., unruhig sit.zen, sich auf 
einem Sitze viel rühren. Westpr. 

rusch, adj. u. adv. 1. rasch, schnell, 
eilig; zeitig, früh. Öck wer rusch e 
Wtw geworde. Sprw. I, 4158. öch sei 
so ruscher da^ ich bin so schneller, 
früher da. Heilsberg. Im Brem. Wb. 
DI, 560: Ruus eine Weile, Zwischen- 
zeit. Bock, 53. Hennig, 215. 2. ver- 
derbt für russisch E ruscher Schlitten. 

RUsch, /., Halskrause von Tüll, MuU, 
Band, als Garnitur des Frauenkleides. 

nischbusch, ruschebusche, adv. auch 
Subst. 1 . zur Bezeichnung einer hastig, 
eilig, überschnell ausgeführten Hand- 
lung. Es ging ruschiusch rasch (rusch), 
über Hals und Eopf, wurde in Bausch 
und Bogen abgemacht; daher auch: 
etwas in Rusch und Busch nehmen, in 
Bausch und Bogen abmachen. Sprw. 
1, 3174. Hennig, 215. 2. unordent- 
licher, verwilderter Mensch. Er ist ein 
rechtei* Ruschehusch. Vgl. Ruschewill. 

Ruichebuiche,/., Unordnung, Unruhe; 
mit dem vor. identisch. In Bremen 
Rus^mse grol'ze Unordnung, die von 
einer Menge Sachen verursacht wird. 
Brem. Wb. HI, 562. Vgl. Ruiche- 
muiche. 

rOichebOichig, adj.^ windig, stürmisch: 
rüichebuschiget Wedder. Elbinger Ndi^. 
Vielleicht aus: raschen^ rauschen, und 
Bu^sch 



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ruschelig — Rutsch. 239 

niichelig, ruichlig, adj,^ unordentlich, RQse, /., Grube zur Aufbewahrung 

wirr in den Haaren. Er hat einen von Gemüse, Kartoffeln etc. während 

ruschligen Kopf. des Winters. Sie wird mit einem 

Ruichelkopf,m., Kopfmityerruschelten, Hügel überschüttet. Lit. rum und 

wirren Haaren. rusis. 

niicheln, sto., rascheln, rauschen, sich rQsen, sw, 1. eine Rvse graben. 2. 

rühren. Schusche Patntschey wat rvr- Gemüse, Kartoffeln etc. in eine Bv^ 

ichelt om Stroh etc. Volksr, 7, 30. zurÜberwinterungeinschliefzen: letzteres 

Heut abends mrcPs unter dem Kopf- auch verrüsen. 

lassen trmner mit der Frage ruschein: rüsig, adj,^ grausig, ungestüm; vom 

ist's auch recht? Soph. R. IV, 91. Ein Wetter. Wohl nur Abzweigung von 

seidenes Kleid ruSchelt^ rauscht rascheln grusig gTa.\xsig. 

und puächeln. Vgl. puscheln 5. In rusken, adv.y s. nischkens. 

Bremen rusken^ ruusken rauschen. rusmöcken, sto., s. rosemöcken. 

Brem. Wb. IH, 563. Davon: aufru- Russen, pit^., weiize Schaben. Müh- 

§cheln. Die Ecuire aufruscheln^ auch ling. 

verruicheln, in Unordnung bringen, auf- Russenrad, n., Rad eines russischen 

rauhen. Wagens, dessen Felgen aus einem 

Ru§chelpu§chel, n. Ich begegnet' einem Stücke bestehen. Elbing. Sprw. I, 

schwarzen Geschelein^ Das bot mir Rvr- 653. 

4chelptcschel an etc. Tierräts. 103. S. RUst, Röst, /., Ruhe, Rast. De Uwe 

puteheln. Sonne geit toW Rüst^ sie geht zur Ruhe, 

Ruichemuiche, /., Unruhe. Von dem geht unter. Besacht, besacht! sprok et 

poln. rozmqcic aufrühren. Schmitt, Sehnt dake (zum Bären), öck kann dt 

108; Westpr. 167. Vgl. Ruichebuiche. noch toRöst bringe. Rastenburg. Fir- 

Ruichewill, m. u. /., s. Ruichwill. menich I, 109b. Goth. und ahd. 

nischkens, adv.^ sehr. De Lewark rasta, mhd. ra;ste^ altnord. rds% alts. 

singt zeddergister so nachkens schmeck resta^ holl. mst^ in Bremen Rust. Brem. 

ibtbowen en de Loßy die Lerche singt Wb. III, 560. Jeroschin hat sundir 

seit gestern so sehr schön dort oben rastin ohne Aufenthalt. 

in der Luft. Dzg. Nhrg. Viol^t, 98. Rüster, /., s. Röster. 

Im Werder: rusken. Aksies gaf öck 'rOt, adv., heraus, hinaus. 

von miner Waar^ So rusken wennig det Rute, /., Querholz über demWasser- 

ganzeJahr. Testament vom rieke Buure. spiegel zur Verbindung des Lachswehrs. 

N. Pr. Prov.-Bl. II, 346. Die Ruten heii'zen auch Scheren, lit. 

ruichlig, adj.y s. ruichelig. kikstis. Benecke, 381. Vgl. Winter- 

Ruichwill, Ruichewill, m. u. /., unru- fischerei. 

higer, flatterhafter, verwilderter Mensch. Rutsch, /., Reise, Fahrt, Sturz; von 

Es ist ein rechter Runchwill. Sie ist rutschen. GlOckliche Rutsch !b\s Wunsch 

eine rechte RtufchunU. Man hört auch beim Abschiede. GlöckUche Rutsch^ 

Raschewill. Es ist also rusch rasch auch e Pdr Pareske op e Weg! Glockliche 

hier für die Bedeutung herbeizuziehen. Rutsch ön e erschte Grawe, möt dem 

Zusammensetzung aus rasch und unldf Kopp unde^ mot de Fot bäwe. Scherz- 

Vgl. niichbuteh. hafte Gluck wünsche auf die Reise. Vgl. 



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240 



Rutsche — 8. 



Sprw. I, 3178f. Jeroschin: ms — 
was er genesen von dem sweren gevelle 
der rutschdn in dt heüe 103b. Pfeiffer, 
213. 

Rutsche, RUbche, /., FuTzbank. Von 
rutschen. Und haben die jetzige Jans-- 
seny die damals drei Jahr alt gewesen 
sein mag^ auf einem Rutschchen zu den 
Fü/zen sitzen gesehen. Soph. R. III, 107. 
Ra riRutschy wir fahren in der Kutsch! 
Einderreim. In Sachsen Rutsche^ in 
der Niederlans. Rutsche. Anton, 3, 
11. 

Rutsche, /., Pflzn., geknäaelte Binse, 
Juncus conglomeratus L, auch Sende, 
Knopf binse, Dochtbinse. Hagen, 373. 

rutschen, sw.^ gleiten, gleitend sich 
fortbewegen; auch aaf den Knieen and 
dem Hintern. Bildlich von der on- 
schmackhaften, unbeliebten Speise: die 
Erbsen wollen nicht rutschen. 

Rutscher, m., Tanz. Komm^ toir wol- 
len ^nen Rutscher machen. Treichel. 

Rutschholz, n., Teil des Wagens^das 
unter dem Langbavm rutschende, die 
Deichselarme verbindende Holz, auch 
der SchwenkspOn. 

Rutschpartie, /., Partie im Rutschen: 
Fahrt einen Abhaog abwärts, auch 
Fall. Wir haben (hen eine RutschpaHie 
gemacht^ sind hingefallen. Vgl. Sper- 
ber, 27. 



Ruttich, m.s Pflzn., gemeiner Knöte- 
rich, Polygonum perncaria L. Hagen, 
426. 

rOw (u lang), llw, rtf, ado. 1. sorg- 
los, unbekünunert, verschwenderisch, 
üppig. Er y>t rüw in den Tag hinein. 
Er lebt allzu rüw, er l&fzt viel dranf- 
gehen. On wiel §k riew weer m§t dem, 
wat §k hadd etc. Dorr, 1. Wiew. 76. 
Wi lewe riw on nich e Jahrke so lang. 
Obberland. Engl, rife, holl. ryf, ryve 
überflüssig, in welcher Bedeutung rvoe 
auch in Bremen auftritt Brem. Wb. 

III, 508. Im Holstein, rieve freigebig, 
milde, verschwenderisch. Schütze HI, 
295. Hennig, 216. 2. adj., rüde, 
roh, grob Dat ös en rtwer Kerl, ein 
Grobian. Pillkallen. 

Ruzen, (u kurz), m.y Fischerhamen. 
... nicht zu gedenken, da/z dieser nähr- 
reiche Ort (Memel) aUerhand Fische 
hervorgiebt, die von den hiesigen Fischern 
mit Netzen, Angeln, Ruzzen, Wadden, 
Wentres sowohl in der See als Curschem 
Haff gefangen werden. G. Reimer, 
Merkwürdigkeiten der Stadt und Fe- 
stung Memel, § VII. Hennig, 294. 
Henni gs (S 216) Ableitung des Wortes 
von dem hchd. Reuse zweifelt Nsslm. 
an: Forsch. 3; Th., 220. Vgl. Erl. Pr. 

IV, 245. 



s. 



s, Sauselaut, ist im Plattdeutschen 
anlautend vor t und p -■ seh, wie auch 
im Hochdeutschen: Stöl {SchtSl) Stuhl, 
Spräk (ßchpräk) Sprache; ebenso auch 
vor k: Slüäw (ßchJdäw) Sklave; sock 
sch/datoe sich sklaven. Es lautet häufig 
seh auch zwischen r und t: erseht erst, 



Firscht Fürst, Ddrscht Durst, Worsckt 
Wurst, Forsche Forst, Borscht(e) Borste, 
Garscht, Gerscht(e) Gerste, Oberscht 
Oberst. Das auslautende s bleibt bei 
Substantiven und Adjektiven hinter 
einem Vokal geschärft: Hüs Haus, Mus 
Maus, krüs kraus, geht aber bei ande- 



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S — sabbern. 



241 



ren Wörtern io t über: dat das, üt 
aus, et es, so auch hinter einem Konso- 
nanten: Krewt Krebs. Hinter r wird 
auch das auslautende 8 wie seh gespro- 
chen: annenchj andersch anders, Bü- 
erschniann Bauersmann, Ackerschmann 
Ackersmann; eigentümlich ist die Bil- 
dung Awt^ Owt aus Obst. Lehmann, 
Volksmd., 32. — Häufig tritt s als 
Pluralendung auf, hochdeutsch wie 
plattdeutsch: Kerls Kerh^ Kinderchens 
Kinderkes^ Jungens Junges^ Mädchens 
Makes y Margellens Margelies; ebenso 
schliei'zt es sich Infinitiven an: er schlief 
im Stehens, — a/z im liegens, — redete 
im Schlafens. — ««, J'z bleibt in weni- 
gen Worten: Gass^ Gasse, gröfze grü- 
fzeriy und geht meistens in t über: 
groter grölzer, satt salz, ete essen, motte 
müssen, lät lal'z, schmite schmeii'zen, 
auch mit Dehnung des vorangehenden 
Vokals: Wäter Wasser, en betke (auch 
be/zkey bö/zke) ein bil'zchen. Lehmann, 
Volksmd., 33. 

S, aus Holz geschnitzt, Zeichen der 
Schulzenwürde. Ward es von dem 
Schulzen im Dorfe umhergesandt, so 
erschienen die Geladenen sofort zur 
Gemeindeversammlung oder auch zum 
Einzeltermin im Schulzenamte. Werder. 
Mühling. Vgl. KrtwQle. 

Saat, /., in Danzig in kaufmännischen 
Kreisen auch n. 1. Same, der ausge- 
säet wird ; vorzugsweise in Zusammen- 
setzungen: Aussaat, Sommersaat^ Win- 
tersaat etc. Bildlich: Die Saat wieder 
haben, beim Kartenspiel den verlorenen 
Einsatz zurückgewonnen haben. 2. das 
aus dem Samen erwachsene, auf dem 
Halm stehende Getreide. Die Kinder 
sollen nicht in die Saat gehen,, sonst 
kommt die Kommutter. 3. Die Hand- 
lung des Säens. Gödet Wedder tSr 
Saat. 

FriMhbi«r, WorUrbaeb U. 



Saaifahr,/., das Pflügen, welches un- 
mittelbar vor dem Säen stattfindet, das 
Saatfurchen; nach Bock, Nat. IH, 
681c zur Saat pflügen. Vgl. Adelung 
m, 1234. 

Saatknoblauch, m., Ackerlauch, AUi- 
um vineale L. Auch Komzwiebel und 
Weinlauch. Hagen, 357. 

Saatkorn, n., -roggen, m., Roggen zur 
Aussaat. 

Sabarje. Auf Sabarje ringen, in der 
Art ringen, dal'z man sich gegenseitig 
an die Zipfel der Rockkragen falzt. 
Westpr. Von dem poln. za hinter 
und JarA Schulter. Schmitt, Westpr., 
167. 

Sabber, m., Geifer, namentlich von 
Kindern und Greisen. Davon: 

sabbern, sw. 1. geifern, den Speichel 
fliefzen lassen^ nach Treichel auch 
labbern. 2. viel und unnütz reden: die 
Worte fliefzen lassen wie den Speichel. 
In diesem Sinne jedoch mehr schabbem 
und schiabbem. Im Bremischen sabben, 
sabbeln, sabbern, in Hamb.^ im Hol- 
steinischen und in Pommern sabbeln, 
im Götting. saweln, in Hessen auch 
selbem, sebbern. Brem. Wb. IV, 568. 
Richey,221. Schütze IV, 4. Dähn. 
395a. Schamb. 179b. Vilmar, 335. 
380. Bock, 54. Hennig, 216. S. 
besabbern. — In Zusammensetzungen: 
Sabberbart,?/».,Sabberfre88e,/.,ingleichem 
Sinne wie Sabbermaul (s. d.) — Sabber- 
lappen, m., s. V. a. Sabberschiabbe. 
Sabbermaul, pltd. SabbermQI, n. 1. Maul 
voll Sabber, das sabbert. 2. Benennung 
für kleine Kinder und alte Leute, auch 
für Personen, welche Tabak kauen. 
3. Plappermaul, Schwätzer. In allen 
Bedeutungen auch Sabberbart, Sabber- 
michel und in der Verstärkung Sabber- 
fresse, pltd. SabberML — Sabberregen, 
m,j feiner, sabbernder Regen, Staub* 

16 



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242 



Säbelki-aut — Sackbuxen. 



regen. Mühling. — Sabbertchlabbe, 
Sabberschlappe, /., gewöhnlich im Dem. 
Sabberschlabbchen^ Brustlätzchen (s. 
Schlabbe)^ das man kleinen Kindern um- 
bindet, damit der Sabbei' nicht das 
Kleid beschmutze und nässe; auch 
Sabbertuch, Sabberlappen. — Abgeleitet: 
sabbrig, sabberig, adj,, voll Sabber^ be- 
geifert, geifernd. Der aabbrige Mund. 

Säbelkraut, n., s. Wassersäge. 

Säbeln, ph/r., Zobelfell. Hirsch, 
261. 

Sabul, m.y komische Verdrehung von 
Säbel. Und wenn gleich der SabtU 
bricht. 

sach, Prät. von sene^ sehen. He scLch 
nich^ er sah nicht. 

sacheikes, adv.^ s. sachtchen. 

sacht, sachte, adj. und adv. 1. leise, 
sanft, gelinde, langsam.^ nicht heftig. 
Sacht sprechen^ leise, langsam reden. 
Geh nur aacht^ geh nur langsam, tritt 
nicht hart auf, gehe nicht ungestüm. 
Man sachte! nur nicht heftig, nicht so 
hastig. Man sachte! sagte der Regere 
wurm zum Hahn, als dieser ihn fra/z. 
2. leicht, beinahe, wohl. Ich kann es 
sacht thun, ich kann es leicht, mit 
Leichtigkeit ausfuhren. Ich kann sacht 
dahin gehn^ kann heifzen: ich kann 
langsam dahin gehen, oder: es macht 
mir keine Schwierigkeit dahin zu gehn. 
Ich habe sacht genug, ich habe beinahe 
genug, eigentlich: mehr könnte mir 
schaden. Das kann sacht so sein, das 
kann wohl so sein. Bock, 54. Hen- 
nig, 217. Vgl meist 

sachtchen, sachtchens, phd. sachtke, 
-kens, auch sacheikes, adv.y Deminutiv- 
form von sacht, leise, behutsam, sanft, 
glimpflich, langsam^ gemächlich. Er 
ging sachtken sachtken auf meinen Thee- 
tisch zu. Soph. R. I, 238 f. Na, na, 
man sachtken, gemach, nicht hitzig! 



Man sacJUcheny — sachtke! Aufforderung 
zur Behutsamkeit, z. B. beim Verbin- 
den einer Wunde, beim Passieren eines 
schmalen Weges. Wi wolle sachtke gäne, 
— krupe! Mahnung zum Aufbruche. 
Gät man, ök kam sacheikes na, geht 
nur, ich komme sachtchen nach. 

Sachtleben, m., stiller, schlichter 
Mensch; auch wohl Einfaltspinsel. 
Mühling. Sprw. I, 3183. 

sachtmUtig, pltd. sachtmOdig, acy., 
sanftmütige leutselig; wenig unterneh- 
mungslustig. 

Sack, m. 1. saccus. Vielfach in Sprich- 
wörtern und Redensarten: Ein lediger 
Sack kann nicht aufrecht stehn. Er 
klopft auf den Sack und meint dem 
Malier. Das bleibt nicht im Sack, es 
wird bekannt, hört auf Geheimnis zu 
sein. Hand vom Sack ! Hand vorn Sack, 
ÖS Häwer bon! wenn jemand eine Sache 
anfassen will, die er nicht berühren 
soll. Die Katze im Sack haben, jemand 
in seiner Gewalt haben. Ich hab^ ihn 
im Sack, ähnlich wie: ich haV ihn in 
der Handy — in der Tasche, er ist in 
meiner Gewalt; von einem Schuldner. 
Düster wie im Sack. Hei stockt em üt 
6k ön e Sack. Bock, 54. Hennig, 
218. 2. Fischnetz, sackartiges Netz^ 
Wenter (s. d.). Nach dem Wasser, in 
welchem die Säcke angewandt werden, 
unterscheidet man Haff- und Stromsäcke; 
nach den Fischen, die damit gefangen 
werden: Aal-, Brassen-, Neunaugen-, Stich- 
lings- und Zandersäcke oder -wenter. 
3. scrotum. Sock an e Sack seiche, 
sich selbst anführen, selbst betrügen. 
Hau em, dat em de Sack woppt! Wem 
de Sack jtickt, dem läwe de Makes. VgL 
Sprw. I, 3184 ff 4. Schimpfwort: Da- 
melsack, Diebssack, Fre/zsack, Glüpsack, 
Ruppsack, Saufsack. 
Sackblixen, pltd. SackbVxe, j>^»*., Bein- 



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Säckel — Sackträger. 



243 



kleider yon Sackleinwand, Klonkerlein- 
wand; auch weite ^ sackartig sitzende 
Hosen. 

Säckel, m., Dem. von Sack^ Klingel- 
beutel. Soph. R. YI, 144. Vgl. Kling- 
boutel. 
Säckelkraut^ n., s. Wassersäge. 
Säckeln, sw,y den Sack, Beutel, die 
Börse fallen. Der sich in Reckts-Hän- 
del lafzt ein^ Mufz aUenthalben ge- 
seckelt sein; Mit ün/oerschämt der erst 
sei gefüllt^ Der andr mit Geld^ der dritt 
mit Gedtdt. Deckeninschrift der (1624 
erbauten) Börse in Kgsbg. Erl. Pr. III, 
487. Sprw. I, 4368. 

sacken, sw. 1. in Säcke füllen, ein- 
messen: Getreide y einstecken: Geld. 
Nach Treichel einsacken auch ins Ge- 
genteil verkehrt : Sie hat sehr eingesackt, 
gealtert. Ej* hat eingesackt, Geld im 
Spiele verloren. 2. sich sacken^ wie ein 
Sack hängen, Falten werfen. Der Rock, 
das Kleid sacken sich, Hennig, 218. 
Die Tücher sollen . . .in der Schau un- 
tersucht werden . . . ob die Fäden aus- 
gesprungen, ob das Tuch Säcke oder 
Tauchen habe u. der gl. Bock, Nat. I, 
646. 3. sich anhäufen, stopfen, fest 
stopfen durch R&tteln und Schichten. 
Der Rufz sackt sich in der Ofenröhre 
— Die Rohre ist versackL Das Wasser 
in Strafzendrummen sackt sich, wenn 
der Durchlaß verstopft ist. Rirkhebrei 
sacke dt. Sprw. I, 1627. Efz langsam, 
es sackt sich besser. 

sackerieren, pltd. -firen, m., fluchen, 
wettern; frz. sacrer. 

Sackfischer, Sackner, m., Fischer, der 
mit einem Sacke oder Wenter fischt. 
Auch darf kein Sackfischer gleichzeitig 
mehr ah 16 Säcke oder 8 Tücher oder 
8 Netze ausstellen. Fi8ch.-Ord. f. d. fr. 
HaflF, §4. Benecke, 312. 319. 
Sackheim, m., Stadtteil in Königsberg, 



ursprünglich ein Dorf; er soll jedoch 
schon 1326 eigene Gerichtsbücher ge- 
habt haben. Gerichtssiegel: weifzes 
Lamm mit roter Siegesfahne. Faber, 
122. Nach dem Erl. Pr. I, 672, hat 
der Sackheim seinen Namen daher ^be- 
kommen, „weil er im Grundrii'z einem 
langen Sacke gleichet, der unt^n, näm- 
lich am Löbenicht^ schmal und enge 
zugehet". Hennig, 218. 
sackig, adj., gesackt, faltig. 
Sackleinwand, /., grobe Leinwand, 
woraus Säcke gefertigt werden. * 

Sackluchty f., Lucht, Bodenraum in 
der Mühle, auf welchem das Getreide 
aufgesackt, oder in Säcken aufgeschich- 
tet wird, der Schüttungsboden. 
Sacknadel, /., Fischn., s. Seenadel. 
Sackner, m., s. Sackfischer. 
Sackpreis, pltd. Sackprts, m., Fang, 
Gewinn bei der Fischerei mit Säcken. 
Hennig, 217. 

sackstdegrob, ad^\, zur Bezeichnung 
höchster Grobheit; Säcke näht man 
nicht mit Stde (Seide). 

Sackspicker, m., der in die Säcke 
spickt, sticht, der Steuerkontrolleur. 
Vgl. Lischkenkicker. 

Sacksprielz, m,, Sacksprosse, lange 
Stange zum Befestigen der Säcke (Wen- 
ter), Pricke. Auf welchen kann dar- 
gethan werden, dafz er Sackq>riefzen 
habe stehen lassen, soll 6 Mark ver- 
fallen haben. Fisch. -Ord. v. 1640. 
Hennig, 217. 

Sackträger, pltd. Sackdräger, m. 1. 
Korporation von Arbeitern, deren Ge- 
schäft es ist, das Getreide in Säcken 
aus den Speichern in die SchifFe und 
aus den SchifFen in die Speicher zu 
tragen. Ihr Vorsteher führt den Titel 
Vorläufer, m., Läufer, der die Spitze 
hat, weil die Träger mit ihrer Last in 
kurzem Laufe sich bewegen. Egsbg. 



16* 



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244 



Saokträgerherberge — salben. 



Dzg. Vgl. Träger. 2. scherzhafte Be- 
zeichnung für den Mann. Dtn Väder 
ÖS e Sackdräger! neckt sich die Volks- 
jugend. 

Sackträgerherberge, f.. Schenke, in der 
die Sackträger verkehren. 

Säd, Send, /. 1. Futterkorb, Kiepe. 
2. die zur Sättigung eines Pferdes, 
eines Rindes gehörige Portion Futter; 
auch der Futterinhalt einer Säd. Göff 
em noch e Sdd Häcksel. Dönh. Fried- 
land Ostpr. Für die Abstammung sei 
hingewiesen auf ahd. satald^ satUd, /., 
Trockenfruchtmafz, ahd. satta^ mhd. 
satUy /., Art Korb far Speisen, aus 
dem bibl.-lat. mlat. satum^ bibl.-gr. 
oaxov^ vom aramäischen sota, S cha de, 
745 b. 

Sadebaum, m., wüder^ vielgabliger 
Bärlapp, Lycopodium complancUum L, 
Auch Waldcypresse. Pritzel, 226. 
Hagen, 1085. 

Sftdel, 7». 1. Sattel 2. Jauche, Mist- 
jauche, Dünger. Dönh. 

SadelstrauchyT/}., europäisches PfaflFen- 
hütchen, Efoonymus europaea L,; auch 
Zwickholz. 

Sadelzeif, pltd. Sadetttt, nach Sche- 
mion ek, 33, Satelzeit, /. 1. die Saat- 
zeit, Zeit zur Saat. Kömmt TU kommt 
Rät, kömmt Sädelttt kömmt Sät. Dorr, 
79. Sprw. I, 4163. Es ist jetzt die 
beste Sddelzeit Er wunderte sich^ dafz 
die Sattelzeit im Sambländischen bey 
gar nahen Dbrffem nicht gleich fielen. 
Linem., Yy4b. Hennig, 217. 2. 
Zeit der Mistfuhre. Von Sadel 2. Dönh. 

Sadrach, m,^ Satansdrache: böses 
Weib; Teufel. Wie führt denn der Teu- 
fel diesen Sadrach in die Küche! Soph. 
R. 1, 213. Wo führt der Sadrach den 
hei^? 

Sadschirken, Sadscherken, SadschSrken, 
plur.^ s. Satschirken. 



Safrankuchen, pltd. SafrankOke, m., 
fladenartiger Kuchen mit Safran, früher 
auf den Königsberger Jahrmärkten sehr 
beliebt. Vgl. Rosenkranz, Kgsbg. 
Skizzen I, 199. 

Safransblume, /., Cacalia sonchifoUa 
L. Weichseldelta. Treichel, Volks- 
thümliches III. 

saftig, adj.^ derb, unzüchtig, zotig, 
unflätig; von der Rede. Dos war recht 
saftig. Bock, 55. Hennig, 217. 

Säg, Säj, /., die Sau, das weibliche 
Schwein. Westpr. La, Mutter^ de Säj 
öfz loahm. Dorr, 69. In Ostpr. pltd. 
Sn. 

Sage,/., Säge. Jeroschin:c2i (Bäume) 
durchsnitten si gar mit sagen al durch 
dm kern 187a. Pfeiffer, 213. 

Sägekraut, n., pltd. Pflzn., Krebs- 
schere, Wassersäge, Stratiotes cdoides 
1/ , weil beliebtes Futter für die Schweine 
(^Säge = Säue). Treichel, Volksth. 
III. 

SagelspAn, SagespOn, m., plur.. Saget- 
späne^ -spener^ Sägespan. Hennig, 
217. 

Sagelstern. Asa foeOda, Treichel. 

sagen, sw., sägen. S. aufsagen. 

SagespOn, m., s. SagelspAn. 
' Säj, /, s. Säg. 

Saye,/., dünnes Wollenzeug, 1 5. Jahrh. 
Danzig. Hirsch, 253. 

Saker, w., mhd. sackers^ Art gerin- 
ger Falken, frz. sacre. Schade, 737 b. 
S. Kohl. 

säkerig, adj.^ s. sftkerig. 

Säl, Tl., Säle, /., s. Siel. 

Salat, m., Fischn., s. Rftp. 

Salbe, pltd. Salw, /., Medik. 1. ^i^- 
tischcy ünguentum aeruginis. 2. alte 
Schadensaibe^ Altschadensalbe, üngt. ex- 
siccans sive calamfmae. 

salben, pltd. salwe(n), sw.^ schmieren^ 
sudeln, schmutzen, verunreinigen, na- 



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salen — Salzkraut. 



245 



menüich reflexiv in be- und einsalben. 
Hennig, 218. 

seien, sw.^ reden, salbadern. Trei- 
chel. 

seien, sftien, sTien, sUien, sw.^ sich. 1. 
sich wälzen; sich im Kote wälzen, an 
unsauberen Gegenständen besudeln. 
Wolln ons uf Blome sälen un lache. 
Dorr, 1. Wiew., 56. Das Pferd stlt 
sich, wälzt sich auf dem Rücken. B^ 
säU sich überall hervm^ reibt, wischt 
Qberall an undmachtsich dabei schmutzig. 
Wo hofr sich denn heramgeseeüf Schaltj. 
3, 4. Davon absäien, absTien, besäien, 
besTien, in Westpr. auch zusäien, sich^ 
sich beschmutzen. Neie Bexen^ dafz 
du se wedder so ztiseelen kannst! Schaltj. 
3, 5. Vgl. alts. stdjan besudeln, ahd. 
bemlfanyags.syljan^seljan dass. Schade, 
891a. sich besäten^ beselen^ auch: sich 
einen Rausch antrinken. Er hat sich 
rechtschaffen besäü. Hennig, 254. 269. 
Vgl. Sftiader, Silschurz. 2. sich den 
ganzen Tag mit schwerer Arbeit be- 
schäftigen, plagen. Nach Bock, 55, 
und Hennig, 219, von dem Pferde- 
geschirr, den Sielen^ hergenommen, 
also: wie ein Pferd angestrengt in den 
Sielen liegen. * 

Saierei, Stierei, SIeierei, /., Quälerei, 
zur Bezeichnung eines mühseligen, durch 
schwere Arbeit angestrengten Lebens. 
Hennig, 219. Vgl. säien. 

Saijett, Salwjett, Siiwette, /., Serviette. 

Seim, w. Vom., Salome. Hartwich, 
55. 

Saiupp, /., kurzer, mit Pelz besetzter 
Überwurf für Frauen. Schemionek, 
33. 

Salwei, m.^ Salbei, Sahna L. 

Saiwjett, A s. Saijett 

Salz, pltd. Seit, n. In Redensarten: 
Bei der Arbeit ist nicht das Sah (zu 
verdienen). Etwas ganz aus dem Salze 



inach£n^ „es ganz aus (auTzer) der Weise 
machen, unleidlich werden^. Ik aus 
dem Salze bekommen^ heftige Schläge 
erhalten. Die Hiebe aus dem „Pfeflfer'' 
sind schärfer. Bock, 54. Hennig, 
219. Sprw. 1, 3198 ff. Salz und Brot 
bringt man gern Neuvermählten beim 
ersten Besuche. 

Saizbinse, Saizgras, Pfizn., Sumpf- 
Dreizack, Trighchin palustre L. S. 
Harmus. 

Salzburger, yn., Nachkomme der ein- 
gewanderten Salzburger. Er ist ein 
Salzburgef\ 

Salzburgerchen, n., frühere Winter- 
kleidung der Eönigsberger Frauen. „Sie 
bestand in einem kurzen Pelz ohne 
Ärmel". Der Name stammt von den 
Salzburgern ab, an denen man „diese 
Tracht bemerket". Hennig, 220. 

salzen, pltd. soite(n), sw. Das ist hier 
alles sehr gesalzen, sehr teuer. Hen- 
nig, 2 19. versalzen, ungeniefzbar machen, 
verderben. Einem ein Vergnügen ver^ 
salzen. 

Salzfladen, pltd. SeHflade (a ^ a), yn., 
Salzkuchen. Neckreim: De Schuster 
Magun Sott op em Tun On frett sock 
an Soltfläde dick on dün. Kgsbg. Vgl. 
Schusterjunge. 

Saizfladenl(Vnlg,9n., Spitz wort auf einen 
Bäcker, Brothändler. Egsbg. 

Saizgras, n., s. Salzbinse. 

Salzhäufchen, pltd. ScithOpke, n. Am 
Sylvesterabende stülpt man mit einem 
Fingerhute so viele Häufchen Salz auf 
den Tisch, als Familienglieder vorhan- 
den sind. Diese Häufchen läl'zt man 
über Nacht stehen: wessen Häufchen 
am Neujahrsmorgen versehrt ist, der 
stirbt in dem neuen Jahr. Samland. 
Volkskai., 31. 

Saizi(raut, n., Meerstrands- Milchkraut, 
Olatuc maritima L. Hagen, 274. 



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246 



Salzpaudel — Sandkaul. 



Salzpaudel, pltd. SoHpfidel, /., Käst- 
chen von Holz oder Blech, worin in 
der Küche das Salz aufbewahrt wird. 
Hennig, 219. Vgl. Paudel. 

Salzplab, pltd. SoHplab, m. 1. Salz- 
fladen. Vgl. Platz, 2. Schimpfwort. 
Du ongerädner Soltplatz^ du ungerate- 
ner, unnützer Mensch. Sprw. I, 3204. 

Salzseiler, m.^ Kleinhändler mit Salz. 
Hennig, 219. Jetzt wohl kaum noch 
gebräuchlich. Vgl. seilen. 

Salzstapler, m., „in Königsberg ein 
geschworener Belehnter, der die Salz- 
fasser auf- und hernnterstapelt^. Hen- 
nig, 219. 

Samaiten, das litauische Niederland 
nördlich der Memel und die Bewohner 
dieses Landes. Was man in Samaiten 
(und Litauen) findet und nicht findet, 
erzählen Verse, mitgeteilt im Erl. Pr. 
I, 142, und in den Sprw. I, 3206. IHe 
Samaiten kommen! sagt man, wenn die 
Kinder sich schläfrig zeigen. Vgl. Sand- 
mann. 

Sämann, m., gelbe Bachstelze, Mo- 
tacüla flava. Mit ihrem Erscheinen 
beginnt die Saatzeit. Dönh. 

Sämekomft, /., Zusammenkunft, Ver- 
sammlung. Gr. Werder. In Bremen 
Sambtkome^ Sambtkumat^ Samtkumst 
Brem. Wb. IV, 588. In Bayern Sarn- 
nunffy Sammung y /., in der älteren 
Sprache Verein, Korporation, Konvent. 
Schmeller IH, 244. 

Samen, m., zur Bezeichnung von 
Karpfenbrut. S. Benecke, 494. 

Samenwicke, Futterwicke, Vicia sa- 
iiva L. Hagen, 754. 

Sftmerladen, plur.y Sommerloden, die 
jungen klebrigen Blätter derErle, welche 
auf Wunden gelegt gut thun. 

Sämerung, /., periodische Trocken- 
legung und Beackerung der Karpfen- 
teiche. S. Benecke, 272. 501. 



Samft, m., Sammet, s. Sanft 

Sämig, adj., s. seimig. 

sämisch, sSmisch, adj, 1. fettgares 
Leder. 2. übertragen: sdmischer Mensch^ 
— Junge^ „in Natangen ein fauler, tra- 
ger Mensch, der sich immer zieht, dehnt 
und reckt". Hennig, 253. 

Samland, n., Landschaft zwischen dem 
kurischen HaflF, der Ostsee, dem frischen 
Haff, dem Pregel und der Deime. 

Samländer, m., Bewohner der Land- 
schaft Samland, De Samländer freie 
de Schaf ruck op on denn schtte se fer 
de Natanger Pölz"! Alt-Pillau. 

Samlod, Samlot, Samlotten, Pflzn., 
Grundheil, Peucedanum oreoselimim% 
Mnch. Hagen, 313. Pritzel, 269. 

Samolsin, Versammlung, Sammelplatz. 
Er ist zu Samolsin gegangen, er ist ge- 
storben. Pierson, Matth. Prätor., 7. 

Sampanter, m., aus cl:^m Poln. stam- 
mende scherzhafte Benennung des 
Schnupftabaks, von sam (selbst), pan 
(Herr) und ter oder tari (er rieb), also 
den der Herr selbst gerieben hat. 
Mrongov. Wb. I, 464b. 

samst, adv.^ samt, zusammen, mit. 
Ich samst de Eltern, Auch: mit samst, 

Sandat, m., Fischn., s. Zant 

Sandblatt, PlOzn., Huflattig, Tussüago 
farfara L, Weichseldelta. Treichel, 

VoUwth. m. 

Sanddorn, m., roter^ weidenblättriger 
Seedom, Hippophae rhamnoides L. 
Auch Seekreuzdom, Stechdorn, Haftdom, 
rote Schlehen. Pritzel, 182. Hagen, 
1038. 

Sandhaber, m., Sandhaargras, Mymus 
arenarius L. Auch Sandweizen, See- 
gras, Seehaber. Hagen, 136. 

Sandhuhn, n., lerchengrauer Regen- 
pfeifer, CÄararfnu«0«Kcn^mw8L. Thora. 
Mühling, Tiem., 177. 

Sandkaul, /., Sandgrube. S. KauL 



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Sandkicher — Sarkau. 



247 



Sandkicher, Pflzn., Sand-Bärenschote, 
Astragalua arenoHus L. Hagen, 768. 

Sandmann, m., der Schlaf, der sich 
den Kindern naht Sie reiben in schläf- 
rigem Zustande die Augen so, als wäre 
ihnen Sand hineingestreut. Der Sandr 
mann kommt, — ist da, — streut Sand 
in die Augen. In Bremen Sandsaier^ 
in Pommern Sandsaijer^ im Götting. 
Sandman. Brem. Wb. IV, 589. Dähn., 
396b. Seh amb., 179a. Hennig, 220. 
Sprw. I, 3205. 

SandpOper, m.^ kleines kurzbeiniges 
Frauenzimmer mit hängendem Hintern. 
Vgl. pQpen. 

Sandregeiiein, n., Sandläufer, Wasser- 
schnepfe. Mühling. Wahrscheinlich 
der Zwergstrandläufer, Actodroma mi- 
nutcu 

Sandspirring, m,y gemeiner Sandaal, 
s. Suter. 

Sandstein, ^n., schlechtere Sorte Bern- 
stein. Bock, Natn, 217. 218. Vgl. 
Stein. 

Sandweizen, m., s. Sandliaber. 

Sandwerft, Pflzn., geöhrte Weide, 
Scdio! aurita L. Hagen, 1031. Auch 
Salia arenaria, Ibid, 1024. 

Sanft, Samft, m., Sammet. Sprw. 
Sanft am Kragen^ Klei im Magen. 

sanftlich, oc^'., leise, mild, glimpflich. 
Schemionek, 33. 

Sänge, /., Zustand des Roggens, wenn 
er nach der BlQte anfängt Körner an- 
zusetzen. Daz Korn ist schon in der 
Sänge, Nsslm. Wb., 509b. 

Sangel, /., Ähre, Ährenbuschel. Po- 
trimpo war toie ein junger Man^ ohne 
bartj gekrönt mit Sangelen. Hennen- 
berger, 465. Vgl. Schmellerlll, 
270. Birlinger, 384a. Dähn., 397a. 

sangein, sangem, mr., vom Roggen, 
wenn er, nach yollendeter Blute, Kör- 



ner ansetzt. Das Korn sangelt — san- 
gerL Hennig, 220. 

sangein, sengein, sw.^ ein wenig sen- 
gen, anbreunen. Das Essen schmückt 
gesangelt^ ist angebrannt. Wenn die 
Suppe angesangelt ist, will die Köchin 
freien. Vgl. ansangein. Davon 

sangerig, sangrig, adj.,, sengerig, ge- 
sengt; angebrannt von Speisen. Bock, 
55, Hennig, 220: sangricht 

sangern, sw,, s. sangein. 

Sängern, sw.^ sengen, brennen, prickeln, 
stechen. Mühling. Bei Richey, 224, 
ist sangem das prickelnde Brennen und 
Stechen in Händen und Fiilzen, wenn 
sie nach heftiger Erkältung wieder zur 
Wärme kommen. 

SanktomSI, m., s. Senktomersch. 

Sannat, m., Fischn., s. ZanL 

Sannchen, Sannke, w. Vom., Dem. 
von Sänne, Kürzung von Susanne. 
Hartwich, 55. 

Sappen, sw.^ plump und schwerfallig 
gehen, namentlich im Kote mit hör- 
barem Laut. Ebenso mhd., in Bremen, 
im Göttingenschen, in Bayern. Brem. 
Wb.IV, 590. Schamb., I79a. Schmel- 
1er IIJ, 275. Hennig, 221, erklärt: 
saftig sein, einen Saft von. sich lassen, 
im klebrigen Safte oder im Kote hör- 
bar rühren. Die Schuhe sappen, wenn 
das Regenwasser in dieselben eindringt 
und beim Gehen eigentümlich quutscht. 
Vgl. Suppen. 

sappig, adj., saftig, kotig, schmutzig; 
von Sappen. Es ist sappig zu gehn, der 
Weg ist kotig. Hennig, 221. 

Sappust, /., Fastnacht; von dem 
gleichbed.poln.2:apMs^y. Schmitt, 109; 
Westpr., 167. 

Sarkau, Ortsn., Fischerdorf auf der 
kurischenNehrung. Gä na Sarkau, Krige 
btte. Sprw. 1,1151. Vgl. Krähenfresser. 



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248 



Sarrast — Sau. 



Sarrasty m. 1. Rest. Nom den ganr 
zen Sarrcuty nimm den ganzen Rest 
Samland. Wohl aas poln. zaraz mit 
einemmal, aaf einmal. 2. Knüttel. In 
diesem Sinne vielleicht gleichbed. mit 
Sarras Degen, nach W ei g and II, 526, 
scheinbar aus poln. za für, bei, an, and 
raz Hieb, Stofz; nach Adelung III, 
1281, verwandt mit poln. zaraz in der 
Bedeutung gleich, sogleich, alsbald. 

Sarg, n., der Sarg. Das Sarg ist 
viel zu teuer, Egsbg. 

Sarturrock, m., langer Rock, fast bis 
zur Erde reichend, mit sehr hohem Kra- 
gen und so langen Armein, dafz man 
nur mit Hilfe eines andern in dieselben 
hineinkam. 18. Jahrh. Danziger Nhg. 
Viol^t, 176. Nach Schemionek, 33, 
Safairrock Überzieher, frz. surtout Wie 
och dein Satuhrrock aussitt! Schaltj. 
3,4. 

SBS$et\jSw.^ sich festsetzen, einen festen 
Wohnort nehmen. Davon 

safzhaft, ad/.y ansäl'zig, wohnhaft. 
Mühling. 

SatelzeK, /., s. SftdelzeiL 

Satschirken, plur.^ Klümpchen von 
Mehl und Wasser zur (Mehl-) Suppe; 
Mehlsuppe, Mus. Von dem gleichbed. 
poln. zacierki, plur. von zacierka. Auch 
Sadschirken, Sadscherken, Sadschttrken. 

Satt, /., Milchnapf. Dönh. 

SattelhauSy n., zur Ordenszeit das Ge- 
bäude, worin die Ausrüstung für die 
Pferde aufbewahrt wurde. Bruder vom 
Sattelhause hiefz der Ritter, dem die 
Aufsicht über Sättel, Zäume, Gurte, 
Halfter etc. anvertraut war. Hart- 
knoch II, 614. Hennig, 221. 

Sattelholz, Pflzn., gemeiner Spindel- 
baum, Evonymus europaeus L. Müh- 
ling. S. Hahnenkitttchen. 

Sattelpferd, n., ursprünglich das Pferd, 
welches den Sattel trägt, aUgemeiner 



jedoch das links der Deichsel gehende 
Wagenpferd, selbst wenn es keinen 
Sattel trägt; das auf der rechten Seite 
der Deichsel schreitende Nebenpferd 
heifzt Handpferd. 

Sattelzeit, /., s. SftdelzeiL 

Sattin, m,y nach Hennig, 221, ein 
ehemals beliebtes Wollenzeug. Die 
Weiber und Tochter der Freyen und 
Schulzen mögen zu Ehren hündische^ 
oder sonst von schönem Gewände^ auch 
Sattin und halbzahne Rocke tragen. 
Kleiderordg. vom J. 1640. In Pommern 
Satiin. Dähn., 397a. Jetzt ist Satin 
Seidenzeug, Atlas, feiner Glanzkattun. 

Saturrock, m., s. Sarturrock. 

Satz, m, 1. Gesetztheit, Ernst. Ma- 
rc 1 d. 2. Karpfenbrut. B e n e c k e , 494. 

Sau, pltd. SQ,/. 1. weibliches Schwein, 
und davon beliebtes Schimpfwort in 
mannigfacher Zusammensetzung: Sau^ 
aas^ -bär^ -besen^ -hund^ -läppen^ -leder^ 
-magen^ -mensch^ -michel, -pelz^ -nigel 
(Sauigel), 'trommele -zahn^ -zeug. 2. 
Glück, tautologisch SauglUck. Er hat 
ein Saugluck, Vgl. Schwein 2. 3. 
Fischerboot mit durchlöchertem Fisch- 
kasten zum Aufbewahren der gefange- 
nen Fische: Sau, Saw, Szaw, Seue, 
Sewe, Zeuwe (1491 : Szaw-KewUl), 1402: 
Fohrt mehr gönnen wir Ihnen vnsern 
Mohlgraben aus vnd einzufahren vnd 
sie Ihre Sewe mit Ihren fischen darinnen 
behalten vnd auf beiden vberen frey an-- 
halten vnd Ihre Fische daselbst verkaufen, 
Danzig. Hirsch, 307. Würde es sich 
begeben^ dafz von den Brüdern einer 
seinen Knecht oder Sohn mit der Saw 
hinausschickte ^ der soll etc. Rolle der 
Kgsbg. Fischergilde von 1662. Bock, 
Nat. V, 563. Wenn eine Sau im Pre- 
gel zu Grrunde gehet^ der soll sie nicht 
länger liegen lassen als bis an den drit- 
ten Tag und sie alsdann herausziehen 



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Sauball — Saufgroschen. 



249 



lassen bey Strafe, Städte- Willkür vom 
J. 1394. Bock, Nat. IV, 693. Vgl. 
Nsslm. Forsch. 3; Th., 220. Benecke, 
273. 277. 283. Jetzt heilist das Boot 
Seige and Sicke, /., Sicken, n., nach 
Hirsch von seihen = sickern, (?) Hen- 
nig, 253, hat Seechen, Seeken, für „ein 
ganz kleines Fischerboot", welche Na- 
men ebenfalls hierher gehören und 
wohl dasselbe Boot bezeichnen. Vgl. 
Seuner. 

Saubail, w., ein Treib-Ballspiel. Her- 
nach ward SavbaU geapielt. Soph. R. 
HI, 237. Nach Treichel heilzt dies 
Spiel auch Surrchen. 

Sauborg, m.^ verschnittene Sau. Trei- 
chel. 

Saubrot, Pflzn., gemeine Schuppen- 
wurz, haihraea squaTnaria L. Ostpr. 
Pritzel, 203. Vgl. AnblatL 

Sauchelocker, m., s. Koschkelocker. 

Sauchen, pltd. SQke, Dem. von &au^ 
Fischn., s. Ba/rbe. Auch kurze Benen- 
nung für Sauball. 

Saudistel, f., s. StechwarL 

sauen, pltd. sQe(n), sw, obscön reden 
oder handeln. 

Sauenkohl, m., Pflzn., Saudistel, Son- 
chus L, Ist in seinen hiesigen Arten 
als gutes Schweinefutter in Verwendung. 
Treichel. Volksth. IH. 

sauer, pltd. sQr, adj. Das kannst du 
dk sauer kochen! als Zurückweisung 
einer unbrauchbaren, unnützen Sache. 
Sauer und süfz kochen^ eine Speise mit 
gesüfzter saurer Sauce bereiten, z. B. 
graue Erbsen, Bohnen, Linsen, Eeil- 
chen (Klöfze). Sür on sot, wi de Uwe 
Ehstand. Sprw. H, 2264. 

Saueramp, Sauramf, pltd. SQramp, m., 
Pflzn., Sauerampfer, Rumea acetosa L, 
Nach Mühling auch SchnitL In Pom- 
mern Str, Sur. Treichel, Volksth. 
Sperber, 27. 



Sauerei, pltd. SQert, /., meist wohl 
absichtliche Korrumpierung von Soiree. 

Sauerftst, pltd. SQrftst, m. Barsche 
Surftst vom öle Sätan^ Medik., Baka- 
mumsulphuris terebinthinatiim, {Oleum 
terebinth. sul^huratum.) 

Sauerkohl, m., Sauerkraut, n., gewöhn- 
lich saurer Kumst, pltd. süre Komst, 
Kopfkohl, Brassica^ oleracea L, var. 
capitata. Namentlich als Gericht. S. 
Kumst. 

Sauerling, m.^ Pflzn., gemeiner Sauer- 
klee, Oxalis acetosella L. Hagen, 
481. 

Sauermaul, pltd. SQrmQI, n., zur Be- 
zeichnung eines Menschen mit sauerm 
Maule, finsterer, verdriefzlicher Miene, 
eines unfreundlichen Menschen über- 
haupt. Üblicher Sauertopf, pltd. SQr- 
top, bei Mühling noch Sauerzapp. 
Davon: sauermaulsch, -topfsch, -zappisch, 
adj.^ unfreundlich, finster, mürrisch. 

sauem, sauren, pltd. 8Qre(n), sw. 1. 
sauer sein oder werden. Mühe machen. 
M^at nich suert^ dat soft 6k nich^ was 
nicht sauer wird, das süfzt auch nicht, 
was nicht mit Anstrengung erreicht 
wird, das macht auch nicht die rechte 
Freude. Sprw. I, 3221. 2. gären, 
in aussauem, aussauren. Die Krank- 
heit mufz aussauren^ sie mufz ihre Zeit 
der Gärung haben, damit sich alle „Un- 
lust'' aus dem Körper scheide. Un- 
bestimmtes Wetter mufz ebenfalls aus- 
sauemy dann wird es hell und freund- 
lich. Bock, 55. Hennig, 221. Bei 
Jeroschin siWen in dem Sinne von 
sauer sehen, eine saure Miene machen : 
nickt sach man st trurin noch murmeln 
noch sMn. Pfeiffer, 230. Ebenda 
auch sfireny n. u. surkeit^ f. 

Saufgroschen, pltd. SQpgrosche(n), m., 
Geld zum Versaufen, Er hat sich einen 
Saufgroschen gemacht^ er hat Geld durch 



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250 



' Saufra(z — Schaaken. 



Verkauf von Sachen oder sonst wie zu 
erlangen gewuizt. 

Saufrafz, m, Frafz, Fressen, Speise 
für eine Sau, zur Bezeichnung schlechter 
oder schlecht zubereiteter Speisen. 

Säugemutter, f., s. Taufmutler. 

saugen, pltd. 8Qge(n), sw.^ stark trin- 
ken. Der saugt gut S. besaugen. 

SaugfUllen, pltd. Sogfälle, n., Fallen, 
das noch saugt. Hei ös muntei* ivie e 
SogfäUe. Sprw. I, 2675. 

Sauglocke, pltd. SQklock, /. Die Sau- 
glocke ziehen^ scherzweise die Bewegung 
des Läutens roachen, wenn in einer Ge- 
sellschaft eine obscöne Redensart ge- 
fallen, tki Suh-Klock (Unflat) afz hei 
was^ brukt keinen bätren KnäpeL Carm, 
nupt I, 282, 8. 

SauglUck, n., s. Sau. 

Saugzagel, m., Zagel, Schwanz, der 
gesogen wird oder saugt: 1. kurze Ta- 
bakspfeife; 2. der Raucher einer sol- 
chen. Treichel. 

Sauknoten, m.^ Pflzn., Wasser-Braun- 
wurz, Scrophularia aquatica L. Auch 
Kreuznessel. Hagen, 658. Pritzel, 
368. 

Saukraut, pltd. SQkrQt, n., schwarzer 
Nachtschatten, Solantmi nigrum L. 
Hagen, 253. 

Saulapp, -läppen, m,y Schimpfwort. 

Sauloch, n., Loch fär eine Sau, zur 
Bezeichnung einer schmutzigen Woh- 
nung. Ebenso Saunest Für Posen bei 
Bernd, 245. 

Saulocker, Sauchelocker, m., s. Koschke- 
locker. 

SauIVffel, m., Pflzn., schwimmendes 
Samkraut, Laichkraut, Potamogeton na- 
tans L. Hagen, 182. 

Saumagen,pltd.SQmftge(n),7n.,Schimpf- 
wort für einen schmutzigen, unflätigen 
Menschen. Er ist ein rechter Sow- 
magen. 



Saumeister, m., Meister einer Sau^ 
eines Fischerbootes (s. Sau 3), Führer 
des Bootes, Fischerknecht. Einem Saw- 
meisten*, so lang er fähret^ wöchentlich 
3 Mk, Gotte^fennig 2 Mk. 10 Gr. 
Rolle d. Kgsbg. Gildef. V. 1662. Bock, 
Nat. V, 559. 

Saumensch, n., Schimpfwort, s. 
Mensch. 

Saumichel, 7n., Schimpfwort 

Saunickel, m. 1. Pflzn., europäischer 
Sanikel, SanictUa europeaL.^ auch Scher- 
näkel, Schemeckel. Pritzel, 362. 
Bock, Nat. in, 347. Hagen, 303. 
2. unreinlicher, säuischer Mensch = 
Sauntgel. 

SaunTgel, m. I.Sauigel, Schweinigel, 
Erinaceus. 2. ein in hohem Grade un- 
sauberer, oder ein in seinen Reden ob- 
scöner Mensch. 

Sauramf, m.^ s. Saueramp. 

sauren, sw,^ s. sauem. 

Sausack, m. 1. schmieriges, schmut- 
ziges Frauenzimmer. 2. stupider, maul- 
fauler Mensch. 

Sautod, m., Pflzn., unechter Gänse- 
fufz, Chenopodium hybridum L. Die 
Schweine sterben davon, selbst wenn 
er ihnen gekocht unter das Futter ge- 
mischt wird. Hagen, 285. 

Sauwetter, n., regnerisches, stürmi- 
sches Wetter, bei dem selbst Säue, 
Schweine nicht im Freien aushalten. 

Sauzahn, m., Schimpfwort: Grobian. 

Saw, /., s. Sau 3. 

Sawatzki, Sawatzke, /. Einem eins 
vor die Sawatzki geben^ ihm eine Maul- 
schelle, eins an den Kopf geben. Poln. 
zawadzic anstofzen, zawadza<f komu im 
Wege stehen, hinderlich sein. 

Scaprich, Pflzn., Schachtelhalm, Equp- 
setum L. Pritzel, 141. 

SCh lautet pltd. stets wie hchd. 

Schaaken, Ortsn., s. Schaken. 



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Schabander — schabbig. 



251 



Schabander, m., Ochse. On wenn eck 
enmal schlachten wöU Een groten fetten 
MojitichabanderQILiiSiochs&i), Seelenw., 
73f. 

Schabbel, m. 1. Säbel; von dem 
poln. szabla^ russ. säblja^ lett. schablis, 
lit. szöble dasselbe. Nsslm. Forsch. 3; 
Th., 162. 2. Bohne, gewöhnlich 
Schabbeibohne, nach der säbelähnlichen 
Gestalt, Schwertbohne, Schneidebohne. 
Er liefz sich Schabbeibohnen mit Carinii 
nat za/recht machen. Soph. R. I, 399. 
In Westpr. Schabbein. Schmitt, 109; 
Westpr., 167. Viol^t, 104. Treichel, 
Volksth. II. Schemionek,33. Sper- 
ber, 40. Bock, 55. Hennig, 222. 
Schwabbelbohne bei Pritzel, 273, ist 
fehlerhafte Bildung. In Posen auch 
Schappel. Bernd, 248. 

Schabbelfufz, pltd. Schawwelftt, m,, 
Fufz, der schabbelt; auch Schimpfwort. 
S. schabbeln. 

Schabbeihesse, /., s. v. a. Schabbelfu/z. 
Vgl. Eesse und schabbeln. 

SChabbelTg, adj. 1. vom Holz: ge- 
wunden, gedreht, schief, dem Schabbel 
ähnlich. 2. vom Menschen, wenn er 
schiefe (krumme, Säbel-) Beine 
hat und in seinem Gange unsicher und 
langsam ist. Mühling. 

schabbeln, schawweln, sw, 1. unsicher, 
schwankend gehen; vom Menschen. 
2. über die Deichsel treten; vom Pferde. 
Mühling. 

Schabbeln, plur. von Schabbel (s. d.) 

Schabbeischoten, plur,, Schabbelboh- 
nen. 

SchabbelQn, /., Schablone, Formbrett, 
Muster, Vorbild. Mühling. 

Schabber, /., Maul, Mund ; von Schab- 
bem. Die Schabber nicht halten können. 
In der Zusammensetzung tautologisch 
Schabberfresse, -maul, Schwätzer, na- 
mentlich ein solcher, der ihm Anver- 



trautes weiter erzählt; polonisiert Schab- 
berinski. 

Schabberhans, -michel, -peter, m., 
-Ilse, -lotte, /., Schwätzer, Schwätzerin. 

§chabberig, §chabbrig, adj. von Ma&- 
bem, schwatzhaft, plapperhaft. Sie ist 
ein ichahberiges Frauenzimmer. Wenn 
de Uwe Gott nich noch e Wort beschert, 
denn kam öck nich möt dem ichabbrige 
Mul tSrecht, sagt die Schwätzerin. 
Dönh. 

§chabbem, sw., viel schwatzen, reden, 
plappern. JEr Schabbert in einem fort. 
Er schabbert seinen Stiefel weg. Vgl. 
sabbern, schlabbern, schwabbeln. Davon: 
Geichabber, n., Geschwätz. Es war ein 
Gezabber, ein Geschrei, da/z die Hunde 
drob anfingen zu heulen. Soph. R. V, 
590. Hermes übersetzt Gezahber mit 
dem fi'z. riote (er wählte zur Bezeich- 
nung des /cA-Lautes das poln. z). Auch 
jabbern. Jabber doch nicht! Trudehen, 
trautstes, erbarm* dich was jabbei^st du! 
Vgl. jabbeln. 

Schabbernack, m., s. Schabernack. 

Schabbes, m., Sabbat, das hebr. 
schahbos. 

Schabbesdeckel, m., Sabbat-, Sonntags- 
hut, zur Bezeichnung eines schlechten 
Hutes. Sperber, 45. 

Schabbesglitschen, n., das Gleiten, 
Schurren, auf der Eisbahn am Sabbat; 
da dieses aber verboten ist, eine be- 
sondere exquisite Art des Gleitens der 
jüdischen Jugend, namentlich in Polen. 
Schabbesglitschen, haste gesehn! Nach 
Treichel Redensart beim Kartenspiel, 
wenn unvermutet noch ein Trumpf 
ausgespielt wird. Der Trumpf erscheint 
also unerwartet und in gewissem Sinne 
unberechtigt wie ein Glitscher am 
Schabbes. 

schabbig, adj,, übel, elend, leidend, 
kränklich, angegriffen; abgegriffen, ab- 



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252 



Schabbrache — Schacktarp. 



geschabt, abgerissen. Ji sehnen recht 
schabUg ut Dorr,l. Wiew., 31. Nach 
Schemionek, 33, auch von schlechtem 
Wetter. Bhi schahbiger Rock. Vom 
Rock auf den Mann übertragen : Bah 
schabbiger — schabiger Kerl, ein Kerl, 
verlumpt im Charakter. 

Schabbrftche, /., die Brache, das Bre- 
chen des Flachses durch Schaben. Vgl. 
puchen 2. 

schaben, »w. 1. prügeln. Ermland. 
Mühling. 2. geizen, schinden, hart 
bedrücken und ausbeuten. Vgl. schin- 
gen. 

Schaben, f.^s. Schäwen. 

Schabernack, pltd. Schawernak, m., 
arglistiger Possen, böser, heimtückischer 
Streich; mutwilliger Scherz, verdrielz- 
liche Neckerei. Einem etwas zu/m Scha- 
bemack thun. Das ist Schavemack^ 
Necken ist das. Soph. R. VI, 459. 
Naber, du saht 6k sehne^ wo di de 
Schawemak gespeelt os. Hexspr., 145. 
Vgl Weigand U, 535. Hennig, 
222. 

SchaberUbchen, n. 1. Rübe, welche 
zum Kochen geschabt wird: Gelbmöhre 
oder Steckrübe. 2. Kindemeckerei, 
bei welcher das Schaben derart nach- 
geahmt wird, dalz man mit dem Zeige- 
finger der rechten Hand den Zeige- 
finger der linken mit höhnender Ge- 
bärde streicht (schabt). Gewöhnlich 
ruft der Schabende dem Gehöhnten zu: 
Scham' aus! Hennig, 223. 

schäbig, adj., s. schäwig. 

SchabrQn, Dem. Schabrflnchen, s. Schu- 
prtne. 

Schacherjude, m., Jude der schachert, 
Handelsjude. Knaben bei ihren Kuppel- 
oder Tauschgeschäften nennen den un- 
reellen Kameraden Schacherjud. 

Schachermachai. Kinder schreien den 
jüdischen Hausierern höhnend nach: 



Judehe, Schachermachai! Der Zuruf ist 
entstanden aus dem alten hebräischen 
und biblischen Grufz: Schalaum, achai 
Friede, meine Brüder! Man begegnet 
auch dem höhnischen Zurufe: Scho- 
lemachai. 

Schacht, Schecht, m., in der Gegend 
von Friedland Ostpr. auch /. 1. Schaft, 
langer und dabei ziemlich dicker Ast, 
Stange. Bohnenschacht^ Bohnenschecht, 
Stange, um welche die Bohnen sich 
ranken. Deckelschecht (s. d.) Alth. 
scaft, angs. sceaft, hoU. scheucht und 
Schaft, engl, shaft. Brem. Wb. IV, 
616. Lit. sz<zkä Ast. 2. da der Ast, 
Schaft etc. auch als Prügelinstrnment 
dient, Schacht auch s. v. a. Prügel, 
Hiebe. Es giebt Schacht. Krigst Schacht 
nach Note! Volksr., 89, 373d. Vgl. 
Schicht. 3. penis des Hengstes; davon 
ausschachten. 4. Stiefelschaft, welcher 
Schienbein und Wade umschlieizt, mehr 
jedoch Schecht (s. d.) 

schachteln, sw., in übertragener Be- 
deutung tüchtig und mit Appetit essen ; 
auch einschachteln. 

schachten, sw , von Schacht 2, prügeln. 
Öck war dt schachte! 

Schachtwurm, m. 1. Idothea entomon. 
Ostseestrand. Die Strandbewohner nen- 
nen das Tier wegen seines verborgenen 
Aufenthalts in der Tiefe des Meeres 
Schachtwurm. Siebold, Zur Fauna 
Preufzens. N. Pr. Prov. Bl. VH, 183. 
Mühling, Tiem., 177. 

schacksen, sw. 1. schäkern, lustig 
lachend spielen. Das Kind mag gern 
mit andern schacksen. Friedland Ostpr. 
2. nach Mühling hinkend gehen. Vgl. 
schapsen. 

Schacktarp, Schaktarp, m., die Zeit, in 
der nach den Herbst- und Frühjahrs- 
überschwemmungen das sich bildende 
oder abziehende Eis den Verkehr in 



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schaddern — schäffern. 



253 



den litauischen Niederungen vollständig 
aufhebt; lit. azaktarpas. Der Schach- 
tarp kommt S. die genauere Schilde- 
rung Sprw. II, 2273. 

schaddern, 9w.^ viel und unnQtz spre- 
chen. Mühling. 

schaddern, sw.y schuttein. Hd lacht, 
dat hei sock schaddert. 

schade, pltd. SChftd (a - a), adv. zuschade. 
Der Rock ist zu schade^ alltags getra- 
gen zu werden^, er ist noch zu gut da- 
zu. 

schaden, sw.^ fehlen. Was schadet dir, 
was fehlt dir, worüber klagst du? 
Schad^ man dafür! in dem Sinne von: 
Was wirst du nicht? Du wirst das 
schon riskieren. 

Schadenkauf, m.y Diskonto. 1472 
wird in Danzig eine Wechselschuld, 
deren Valuta der Gläubiger schon vor 
der Verfallzeit zu haben wünscht, an 
einen Dritten, der dafür gegen einen 
Abzug, den sich der Inhaber des 
Wechsels gefallen läf'zt, sogleich Zah- 
lung leistet, übertragen, und dieses Ge- 
schäft wird ein Schadenkauf genannt. 
Hirsch, 238. 

Schäder, m,^ Mensch, der andern 
Schaden und Arger verursacht. Müh- 
ling. 

SChadem, sw, schadem gehen, Eier 
der Raubvögel ausnehmen gehen und 
so Schaden vorbeugen. Dorfknaben, 
die solches thun, erhalten von den 
Wirten als Lohn für jedes Raubvogel- 
ei, das sie abliefern, ein HühnereL 
Ermland. Mühling. 

schädem, sw., Schabemak machen, 
Possen treiben. Ermland. Mühling. 

Schäfchen, pltd. Schftpke ((i=a), n.. Dem. 
von Schaf, pltd. Schdp, plur. Schaf- 
chens, Schapkes. 1. kleines Schaf. 
Bildlich: Er weifz seine Schafchens 
gut zu scheren, seinen Vorteil wahr- 



zunehmen. Er hat seine Schafchens 
schon ins Trockene gebracht, seinen 
Vorteil eingeheimst. 2. Schmeichel- 
wort für kleine Kinder. Du bist mein 
trautes kleines Schafchen, 3. Schaum- 
welle der See. R(de heft de See schone 
Schapkes. Samland. 

Schaff, nach T reich el in Westpr. 
auch Schapp, n,. Schrank, Schrein, 
Spind. Bücher-, Kleider-, Essen-, Speise-, 
Küchen-, Topf-, Wäscheschaf. Glas- 
schaf , Schrank mit Glasthüreo. Poln. 
szafa, szafka wohl aus dem Deutschen. 
Wenn man nicht Küch, nicht Schaf, 
nicht Keller kann bespüren. Carm. 
nupt II, 22 b. So kann' au/ih sie das 
Geld ins Schaf zusammenlegen. Ibid. 
S. Hagen, Norika. Leipzig, 1872, 
S. 84. Bock, 55. Hennig, 223. 
Über Schaf als oben offenes Gefölz, 
Faf'z, Becken s. Weigand II, 539. 
Schade, 778b. 

schaffen, st u. sw. 1. machen, herbei- 
bringen, hejrbeiholen, besorgen, an- 
schaffen. Das mufzt du mir schafen! 
Schaf 'mir ein Pferd — Geld etc.! 
Air diese Sachen hob" ich mir geschaft 
2. wirken, nützen, fordern, vorwärts 
bringen, vorwärts kommen. Das schaft 
= fordert, wirkt, hilft! Das schafft 
nichts! Die Maschin^ schaft was. 

Schäffer, m., Schaffner, Verwalter, 
Aufseher, Wirtschafter,namentlichGuts- 
verwalter, Inspektor. Von schafen; in 
einigen Gegenden Deutschlands un- 
mittelbar Schafer. Hennig, 224. 

schäfferieren, sw., s. schäffem. 

Schäfferin, Schäffersche, /., Schafiherin, 
Wirtschafterin. Hennig, 224. 

schäffem, sw., von schaffen, sich zu 
schaffen machen: 1. befugt und dann 
s. V. a. im Hause eifrig herumwirt- 
schaften. 2. unbefugt in anderer Leute 
Sachen sich mischen oder unter ihrem 



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254 



Schäffersche — Schalbelehiiter. 



Haasgerate sich zu schaffen mach^i. 
Was hast du hier zu schäffemf Bock, 
56. Hennig, 224. In beiden Bedeu- 
tungen auch schäfferieren. Vgl. käm- 
mem. 

SchSffersche, /., s. Schäfferiru 

SChäffrig, adj, von schäffem. 

Schafscher, Pflzn., Schafgarbe, Achü- 
lea miUefolium L. Friedland Ostpr. 
Treichel, Volksth. HL Nach diesem 
heilzt die Pflanze im Weichseldelta 
pitd. auch Schftpscharwel. Beide Namen 
erklären sich daraus, dalz die Blüten 
der Pflanze aus der Feme aussehen, 
als wären sie Stücke der geschorenen 
oder gescharwten (s. scharwen und 
Scharwel) WoUe des Schafes. 

Schaf shusten, m., Husten eines Schafes; 
zur Bezeichnung eines kurzen trockenen 
Hustens. 

Schafskopf, m, 1. Kopf eines Schafes. 

2. Schimpfwort für einen dummen Men- 
schen. ESchäpskopp kosft tteDäler — 
wenn du tvolkt^ denn kep. Der Schafs- 
kopf als Injurie ist gemeint. Sprw. I, 
3243. Ebenso Schafsnase, Schafszagel. 

3. beliebtes Volks-Kartenspiel. 

Schafskot, m., Pflzn., s. Kaffeebohne. 

Schafsnase, /., -zagel, m., s. Schafs- 
kopf. 

schäftig, adj.y grob, frech, trotzig in 
Rede und Gebärde; keck, forsch, vor- 
witzig, redefertig und geschäftig im 
Wesen. Sie hat ein schäftiges Maul. 
Sie war noch schäftig^ sie behandelte 
uns grob, schrie uns an. Sei man noch 
schdftigj frech, unverschämt ! geschäftig 
ist eine moderne und in der Bedeutung 
abgeschwächte Abzweigung. M ü h 1 i n g 
fuhrt noch die Bedeutung: thätig, ar- 
beitsam an, die wohl die ursprüngliche 
ist, aber gegenwärtig provinziell kaum 
üblich sein dürfte. Sie findet sich 
noch in Luthers Bibel: Spr. Sal. 



14, 4: Wo der Ochse schäftig ist^ da 
ist viel Einkommens. Bock, 55. Hen- 
nig, 223. 

schaggern, sw.^ etwas lose auf ein- 
ander schichten, hauptsächlich Dinge, 
die nicht fest sich zusammenlegen, wie 
z. B. Strauchwerk. Marold. 

Schftk, m., dünne Leine an dem Ende 
der Treibleine des Braddengams, die 
während des Fischzuges neben dem 
Steuer des Braddenkabns festgemacht 
wird. Benecke, 337. 

Schftke, /., Glied einer Uhrkette. 
Treichel. 

Schaken, Schaaken, Ortsn., Kirchdorf 
im Kreise Königsberg. Die Schakener 
ziehn sich Paresken an^ gehn zur Kirche 
und singen: Ein Wohlgefallen Gott an 
uns hat, Samland. 

Schäker, m., nach Hennig s. v. a. 
Schacher, kleiner, hagerer, kränklicher 
Mensch. Er sieht aus wie ein Schäker, 
In Hamburg und Bremen Schräket. 
Brem. Wb. IV, 689. 

Schakerillenbork, Schakrillenbork, Scha- 
krill, /., Medik., Cortex cascarillae. 

schäkig, adj,^ scheckig, bunt. (?) De 
Fiebel had (eck) derchlehrt on umste op 
en Haar Dat schehckge ABC dabie de 
andre Siehde. Carm. nupt III, 77c. 

Schaktarp, m.^ s. Schacktarp. 

SChakDterig, cuij.^ zum Herumtreiben 
geneigt, unstät: ein schaküteriges fVauen- 
zifjwner. 

Sch4l, /. u. m,, Shawl. 

Schalbelehnter, m., ein mit der Schale^ 
Wagschale, Belehnter; vereidigter 
Wäger bei den städtischen Wagen. 
Königsberg. Danzig. £benso Schal- 
knecht, w., Aufsetzer der Gewichte bei 
den öffentlichen Wagen. Dzg. W. 
Seidel, 34. Heute heilzen in Kgsbg. 
Schalhelehnte die Aufsetzer der Ge- 
wichte. 



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Schfilber — Schallen. 



255 



Schälber, m.^ schälbern, sw., s. Schei- 
ber etc. 

Schälblatter, /., Blatter, die sich 
schält, „abschälwert", Hitzblatter. Wir 
bitten Mütter^ bei deren Kindern die 
sogen, Schehlblattem sich nicht finden^ 
aufmerksam zu sein. Soph. R. IV, 335. 

SchAldiele, /., Diele zum Verschalen 
des Daches; man benutzt dazu gern 
die sog. Schwarten. 

Schale, /. 1. Schüssel, Napf. 2. 
kalte Schale. KaHschftl, /., Getränk, 
Schale mit Bier, seltener mit Wein, 
worinSchifEiszwieback gebröckelt, Zucker, 
Zitrone etc. hineingethan wird, ^n 
Glas Kaltschdl. Hennig, 224. 

Schäle, pltd. Schell(e), plur. Schälen, 
Schelle(n), /., Schale. Kartoffeln mit 
Schalen, in der Schale (Pelle). Hen- 
nig, 229. 

schälen, gewöhnlich verschälen, sw. 

1. schal werden, Geist und Kraft ver- 
lieren; von Getränken. Das Bier ist 
verschalt. 2. die Fläche des Daches 
mit Brettern Qber kleiden, daher üblicher 
verschälen, also mit einer Schale, HüUe^ 
bekleiden. Im Holsteinschen: cJ^ifos^ 
verschalen, ihn unten mit Holzplatten 
einschliefzen; in Pommern: Das Ufer 
schalen, verschalen, ein Ufer mit Bret- 
tern verkleiden. Schütze IV, 20. 
Dähn., 400a. Hennig, 224. 290. 

schälen, pltd. schellen, m. 1. der 
Schale entledigen. Kartoffeln schalen. 

2. schuppen, abschuppen; von der 
Haut, die sich in kleinen dünnen 
Schuppen ablöst. Gewöhnlich schauern, 
schähoem. 3. spülen; vorzugsweise von 
den Wogen des Meeres, welche sich 
am Ufer brechen. Das Ufer, der Damm 
wird loeggeschaU. Das Getreide schalt, 
es wogt gleich den WeUen. Die Wäsche 
schälen, sie durch Hin- und Her- 
schwenken im Wasser spulen, reinigen. 



4. mit der vorigen Bedeutung verwandt: 
schnell flielzen. Das Wa;ssei* schält 
man so. Nach Muhling in diesem 
Sinne auch schTnen. abschälen, in den 
Bedeutunp;en 1 bis 3. Hennig, 225. 
229. Vgl. schelen. 

schalig, adj. von schal, kraft-, ge- 
schmack-, geistlos. 

Schäling,/., s. Schälung. 

Schalk, w., verwilderter SchöJzling 
kohlartiger Pflanzen. Weifzkohl, Wruk- 
ken, Kohlrabi, Runkelrüben etc. sind 
zweijährig und bilden nur im ersten 
Jahre brauchbare Köpfe, resp. Wurzeln, 
aus denen im zweiten Jahre Blüten- 
und Fruchtstengel treiben. Wenn sie 
nun (ausnahmsweise) bereits im ersten 
Jahre Stengel treiben, so kommen die 
brauchbaren Köpfe und Wurzeln nicht 
zur Ausbildung, und die Pflanzen hei- 
Tzen alsdann Schälke, Schalken, lit. 
szaVm, Nsslm. Forsch., 3; Th. 220. 
Im Götting. ist schalkkdl ebenfalls 
gleichsam betrügerischer Kohl, d. i. 
Kohl, der keine Köpfe oder Bollen 
bildet. Schamb., 180a. Vgl. KumsL 

Schälkartoffeln, plur,, Kartoffek in der 
Schale (PeUe). 

Schalknecht, m., s. Schalbelehnter. 

Schallen, Ortsn., Dorf im Kirchspiel 
Allenburg, Kreises Wehlau. Als die 
Chaussee-Verbindung zwischen Allen- 
burg und Wehlau noch fehlte, führte 
eine gewöhnliche Landstraize alter Art 
von Allenburg nach Wehlau über die 
Orte Schallen, Leil'zienen, Rockelkeim 
und Paterswalde. Den Zustand dieser 
Landstrafze schildert der nachfolgende 
Volksreim: Körnst du na Schalle, 
warscht du motte knalle, Ön Lei/ziene 
warsckt du motte grtne, Awer ön Ro^ 
ckelkeim, da schlag dcU Wedder drein I 
Bet du körnst nä PäterswSld, heft de 
Dtwel alles geholt. Sprw. I, 3244. 



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256 



Schalm — Schande. 



Schalm, m. 1. Waldstück, Waldteil, 
Streifen Waldes, besonders abgegrenzt. 
Öck hebb en ganzen Üchalm gehofft 2. 
Holzstrecke. Q) Godrienen. 3. Rain, 
Grenze, besonders im Walde. Natan- 
gen. 4. Marke in Waldbäumen; vgl. 
schalmen. 

SChalmen, sw, 1. Bäume im Walde 
durch Abschälen oder Abschlagen eines 
Stückes der Rinde zeichnen, entweder 
als Grenzmarke oder als zum Fällen 
bestimmt. 2. eine Grenze im Walde 
schlagen; einen Wald durchhauen, ab- 
SChalmen in der Bedeutung 1 und, nach 
Hennig, 5, einen Teil des Waldes 
einhegen als Weide oder Schonung. 
Vgl. Grimm, Wb. I, 95. 

Schalt, m., Appellationsbericht, Be- 
schwerdeschrift an das Obergericht 
über ein Urteil des Untergerichts. 
Bone, Beitrag z. preufz. Seerecht, 26. 
Ein Urteä 5cÄa/few= appellieren. Hen- 
nig, 225. 

schalten und walten = handeln, thun. 
Er schaltet und waltet hier, wie er 
tciU. 

SchaltenöSy m., Pirogge, ausgerollter 
Mehlteig, der, zusammengelegt, in fei- 
neren Häusern mit Konfitüren, in 
schlichteren Haushaltungen, namentlich 
in Litauen, mit Glumse gefüllt und 
dann gebacken wird. Die Glumse wird 
häufig mit Honig oder Zucker sülz ge- 
macht und mit fein geriebenem Zimmet, 
englischem Gewürz, etwas Safran und 
kleinen Rosinen durchgeknetet. Der 
Name des ursprünglich litauischen Ge- 
richtes ist die Zusammensetzung aus 
lit. zdlti frieren (szalias kalt) und nosts 
Nase, bedeutet also „kalte Nase**. In 
anderen Gegenden der Provinz heifzen 
diese Piroggen Glumskeilchen, im Erm- 
lande FüUekeilchen, Vgl. Bock, Nat. 
I, 264. 



Schalung, /., Verschalung, Verkleidung 
mit Brettern. Der Polier hat nicht an- 
geordnet^ die Steifen fortzuschlagen, son- 
dern nur die Schalung zu lichten, Egsbg. 
Hart. Ztg. vom ll.Oktbr. 1873. Nr. 239. 
Abd.-Ausg. 

Schälung, Schällng, /. 1. die leichte 
Brandung der See, das Anspülen und 
Zurücktreten der Wellen. 2. der be- 
spülte Rand des Meeres selbst. An vie- 
len Stellen schief zet das Seeufer so aümdh- 
lich ab, dafz man mit Kutsch und Pfer- 
den bis in die Scheelung ganz gemäch- 
lich herabfahren kann, Bock, Nat. 1, 
447f. Vgl. RoUing. 

Schaiuppendauk, n., Umschlagetuch. 
Treichel. 

SChalusch, adj,, hinterlistig, auf eige- 
nen Vorteil bedacht. E schaluscher 
Kerl 

schälwern, sw., s. schelbem. 

Schamel, m,, Schatten des Menschen. 
Saalfeld. 

schämmem, sw,, s. schimmern. 

Schämmerstunde, /., s. Schimmening. 

schampeln, sw,, s. schompeln. 

schampleren, svo., entstellen, verun- 
zieren. Schntd öck mi de Näs af, 
schanvper öck min Oesocht. 

Schftn, m. Vom., Abkürzung für 
Christian. Hartwich, 54: Szan, 
Schdnke, bed" nau, Christianchen, bete 
nach. Samland. Sprw. I, 30. Wenn 
eck man wufzd, wt öck dem Schdn, mv- 
nem Uwe San, helpe kunn. Königsberg. 
Firmenich I, 102a. 

Schandär, m,, s. Standär. 

Schande, /., Wassertrage, Pede. E. 
F erstem, erinnert zur Ableitung, dal'z 
früher in Nordhausen und wohl auch 
an anderen Orten Huren vor dem 
Rathause die „Schandsteine*' tragen 
mui'zten, die an Stricken über die Schul- 
ter hingen. In Pommern (Stettin) 



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schänden — Schappkenmntze. 



257 



moTzte der Verbrecher die Schandsteine 
um den öfiPenÜichen Markt tragen und 
auf den Kaak oder Pranger niederlegen. 
Dähn., 401a. 

schänden, sw.^ Schandhaftes nachsa- 
gen, verleumden, beschimpfen; schim- 
pfen, schelten, Verweise austeilen, 
dann gewöhnlich: ausschSnden; über- 
haupt über jemand sprechen. SchätuT 
jü aUwedder? In gleichem Sinne schan- 
tieren, pltd. 8chandfire(n). Hingegebe dem 
Schandeei'e on dem KickeVcackeL Dorr, 
I. Wiew., 125. 

%t!lnmAw}MJS\A^T.Schanderbander schlagt 
sich^ Schanderbander vertragt sich. Kö- 
nigsberg. Soviel als Pack, aus Schande 
und Bande zusammengesetzt. Sprw. II, 
2289. 

Schandfleck, m. u. /. 1. Schand- 
flecken, wie allgemein. 2. harte Schelte^ 
Schimpf rede. Dat gew e Gerocht Schand- 
fleck^ das gab tüchtige Schelle. Einefn 
ein Gericht Schandfleck anhängen, 
Schandfleck wird wortspielend mit Ge- 
richt in Zusammenhang gebracht, da 
Fleck eine provinzielle Lieblingsspeise 
ist. For e Grosche Schandfleck! fordern 
SpaJ'zvögel in Königsberg von den 
Marktfrauen, und sie erhalten Schioipf- 
worte reichlich zugemessen. Für Posen 
bei Bernd, 247. 

schändlich, adv.^ zur Verstärkung im 
Sinne von sehr. Er ist schändlich reiche 
— hat schändlich viel Geldy — schüt 
schändlich, 

Schandmaul, n. 1. loses, schmähsüch- 
iiges Maul, Lästermaul. 2. Person, die 
ein solches Maul hat. . . . da/rauf dies 
Schandmaul geantwortet: Mein lieber 
HerVj ich frag* den Teufel nach der 
Busse, Uartwich, 528. Hennig, 
225. 

schandshalber, schanshalber, adv,, 
schandenhalber, anstandshalber, ehren- 

PriMbbier, Wörttrbneb U. 



halber etwas thun oder lassen, weil 
man sich sonst zu sehr schämen 
müfzte, nicht aus innerem Antriebe. 
Schmeller ID, 370. 

Schäne, /., schänen, sw., s. Schtae. 

ichanfire(n), sw.^ sich^ sich genieren, 
blöde sein. Ee schanert sock man, 

Behang, n.. Wollenzeug, einfach ge- 
wirkt, wie Linnen; also nicht Drillich 
oder Halbdrillich. 

Schank, m. u. /., Schenke. Biet'- 
schanky Bierschenke. 

Schankateh, /*., s. Schenkäich. 

schänken, sw.^ Schanker, m., Schän- 
kersche, /., s. schenken etc. 

Schankrels, n., Zweig vor einer 
Schenke. Um die Quirl und Schank- 
reiser zusammen zu bringen^ werden die 
muntersten und besten Fichten und Tan- 
nen nicht verschonet. Bock, Nat IH, 
33. 

schanshalber, adv,, s. schandshalber. 

schantleren, sw,^ s. schänden. 

schanzen, sw.j mühsam und ange- 
strengt arbeiten. Ich habe den ganzen 
Tag schanzen müssen. Vgl. zuschanzen. 

Schanzenläufer, Schanzeläufer, m., kur- 
zer Frauen-Überwurf. Schemionek, 
33. 

Schäpel, m,y von Sperber, 27, kurz 
als „eine Fischart** bezeichnet. Wohl 
fehlerhaft für Schnäpel (s. d.). 

SChäpen, sw,^ schifPen, zu Markte fah- 
ren und zwar per Achse. Getreide schä- 
pen. Gr. Werder. 

Schapp, n., s. Schaff. 

schappieren, pltd. schappfire(n), auch 
eschappfire(n), entgehen, entschlüpfen, 
franz. icha/pper. Hei es schappert. 
V. Auer. 

Schappke, n., Käppchen. Gr. Wer- 
der. 

SchappkenmIHze, pltd. SchappkemSb, 
fy wörtlich Eäppobenmütze, leichte 

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258 



Schapscharwel — Scharre. 



Sommermütze, im Gegensat zzur Pudel- 
mutze ^ Pelzmütze, Wintermütze. Gr. 
Werder. 

Schapscharwel (erstes a » a), Pfizn., 
s. Schabcher. 

SChapsen, sw,^ gehen, laufen, schaps 
man af^ mache, daCz du fort kommst. 
Vgl. schacksen 2. 

Schar, /. u.m., 8 — 12 m breite streifen- 
artig sich hinziehende Bodenfläche in 
den Hafien nächst der Packrant (s. d.), 
mit plötzlichem Abfall des Grundes. 
Wesentlich für die Schar ist der plötz- 
liche Abfall des Grundes, wo ein sol- 
cher nicht vorhanden ist, giebt es keine 
Schar. Man unterscheidet harte und 
teeiche Schar^ je nach der Beschaffen- 
heit des Grundes. Benecke, 228. 
Innerhalb dieser Grenzen dürfen nwr 
die zur Dorfschaft Alt^PUlau gehörigen 
Fischer unter der Bedingung^ da/z sie 
die Schaaren, den Kessel und den Strom 
beiPiUau vermeiden^ ihre bisherige Fische- 
rei mit dem Strandgame ausüben, Fisch.- 
Ord. f. d. fr. Haff, § 13. Vgl. Mott, /. 

schär, adj.^ schräg, schief. Natangen. 

Schärbock, Schttrbock, m., Scharbock, 
Skorbut. Worauf er hernach metrk- 
Uchen frisch sich befunden ha% nach- 
dem er vor weniger Zeit einen starcken 
anstosz von Schorbock gehabt, Linem., 
Zz3a. Nds. scharbuk, hoU. scheurbuik^ 
schwed. skörljuggy engl, scurcy^ woraus 
das neuere lat. scorbutus. über die Ab- 
leitung s. Adelung Ili, 1360. Wei- 
gandll, 548. 

schären, sw,y schüren. Juhn Find 
verlahm y wenn hei seekt Onglock anto- 
schare. Carm, nupt I, 282, 17. Juhn 
Fingdt verlohm^ verkrom^ de Ju wat 
schlehms to schare, Ibid lU, 77 d. 

Schärfe, /., verschärfte Strafe, höhe- 
res Strafmal'z; vielleicht auch eine be- 
stimmte Strafe, vnd ob sie (die Her- 



ren der Morgensprache) woll gnugsame 
vrsache jhn hajrt zustraffen gehabt, haben 
sie jme dennoch die scherfe erlassen, 
1549. Die Zünfte, 46. 

Soharfischerei, /., Fischerei, welche 
nur auf den Scharen ausge&bt werden 
darf. Sie wird mit dem Schargam be- 
trieben, das mit dem Windegam gleiche 
Einrichtung und gleiche Maschenweite 
hat, jedoch bedeutend kleiner ist. Auch 
bei dieser Fischerei dürfen weder Ruder 
noch Segel angewandt werden, nm das 
ausgebreitete 6am in der Länge vor- 
wärts zu ziehen. Sie heil'zt auch Som- 
mergamfischerei. 

Schargarn, n., Garn^ Netz, zur Fische- 
rei in der Sommerzeit auf den tiefen 
Scharen des frischen Haffes; es heiizt 
auch Sommergam. S. Benecke, 344. 

Schärker, m., s. Hahnenpfote. 

Schamiachergasse, /. Danzig. Förste- 
mann, Straizn. , 15, fragt: Ist dab^ 
an Verfertiger von Pflugscharen zu 
denken? oder von Schirmen? schwer- 
lich an die Scbarwache. 

Scharmull, m., s. Krälzei. 

scharmutzieren, sw\, schön thun, lie- 
beln, mit Mädchen tändeln. Gleichbed. 
mit Scharmützeln von Scharmützel Klein- 
gefecht 

schamig, adj.^ fett, gemästet. Im Göt- 
tiug. schamefett zum Schlachten fett, 
sehr fett; von Tieren und Menschen. 
Schamb., 181a. Lit. szeriu^ szSrii 
futtern, nuszeriu mästen. Lit. Aeq., 21. 
Nsslm. Forsch. 3; Th., 163. Hennig, 
226. 

Scharp, Scharpvogel, m., Schnarrwach- 
tel, Crex pratensis; nach dem Geschrei 
scha/rp scharp. Vgl Grasser. 

Scharre, /., Fischn., s. Flinder. 

Scharre, /., Scharren, m., Bank, Tisch, 
auch Lokal, Gebäude, zum Kauf und 
Verkauf von Brot oder FleiscL Fleisch- 



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scharren — Scharwerk. 



259 



schcareny Fleischbank. Brotscharren 
Brotbank. In Hamburg Schrange^ in 
Braunschweig und in Pommern Schar- 
ren ^ im Götting. schäm , in Bayern 
Schrann^ Sch^annen. Richey, 241. 
Dähn., 401a. Schamb., 181a. 
Schmellerlll, 512. Hennig, 226. 
Vgl. WeigandH, 550. 

scharren, sw., kmtzen, hervorkratzen. 
Kartoffduschan^en^ aus der Erde kratzen. 
S. Mauen. 

scharrewarre, adc.y unordentlich und 
verworren durcheinander liegend. Doi 
lisgt alles schairewarre. Wohl aus dem 
frz. charivari Gezaok, Lärm; Katzen- 
musik; im Kartenspiel alle vier Damen 
in einer Hand. Hennig, 226. 

ScharrfufZy m , Kratzful'z, Verbeugung, 
Kompliment, Visite. Ich mu/z ihm mei- 
nen Schan^fujz machen. Eck dankt met 
fehl Complent an makt em doehp Schar- 
Foth. Carm. nupt HI, 77c. Hennig, 
226. Vgl. Kratzfüfz. 

Scharrhans, m., Hans, der scharrt, 
einscharrt, zusammenrafft: Geizhals, 
Filz. Schimpfwort. Stein, Peregrinus 
XU, 82. W. Mtebl. V, 191. 

Scharriwarri, /., „lange Beinkleider, 
die man auf Reisen oder zu Pferde 
tragt, um sich nicht zu beschmutzen; 
eigentlich wol persische Beinkleider. 
Ein altes persisches und sehr in fremde 
Sprachen gedrungenes Wort (S. Ro- 
landi Diss. de veteri üngua Pers, voc. 
Sarabara.y Dzg. Klein H, 107. 

scharrjäken, »w.^ rasen, tollen, wild 
und unordentlich sich benehmen. Müh- 
Hng. 

Scharrkiichen, pltd. Scharrköke, m, 
letzter Fladen (Kuchen), zu dessen Her- 
stellung die Teigreste zusammenge- 
scharrt wurden. 

Schart, m.y kleiner Napf zur Auf- 
nahme des Katzenfiitters. TreicheL 



Scharugge, /., altes Pferd. Treichel. 
Vgl. Kracke. 
Scharwel, m., s. Scherbel u. seharwen. 

scharwen, su?., schneiden, schrapend 
schneiden. Wer de längste Bart heft 
(beim Essen am meisten den Mund be- 
schmiert hat), mufz op e Sinndag Kohl 
scharwe. Elbing. Sprw. 1, 246. Da- 
von Scharwsel, Scharwel, n., das Ab- 
geschnittene: Kaiix>ffehcharwseL Schäp- 
schai*wel^ die abgeschorene Wollflocke. 
Vgl Schafecher. 

scharwenzeln, scherwenzeln, sw., schmei- 
chelnd dienstwillig, um jemand sich 
viel zu schaffen machen, ihm Ergeben- 
heit beweisen, mit dem Beigeschmack 
des Unstäten und Mülzigen. Nach 
Gortzitza auch scharwenzen. Von 
Scharwenzele w.. Unter (Bube) im gleich- 
namigen Kartenspiel; Allerweltsdiener; 
dienstbeieitester Bückling mit Scharr- 
fufz. Weigand H, 552. Ihr scher- 
icenzelt stets um ihn herum. Nu kam 
emal W mdchfge Fee bei er, on om die 
schai^wenzeW (fehlerhaft steht schwar- 
^enzeK) se herom. Schalt). 1, 441. 
Komm^ §k kann mch scharwentzeln. 
Dorr, 1. VView., 68. iVo bleibt ehr (der 
Erde) da noch Zeit om de Sonn' rum- 
mer ze scherwenzeln. Schalt). 1, 442. 

Scharwerk, pltd. Schftrwark,n., Diensi- 
arbeit, verpflichtetes Tagewerk. Ins 
Scharwerk gehn^ zur verpflichteten Dienst- 
arbeit gehn. Der Begriff Frohndienst, 
Frohnarbeit. der früher mit dem Worte 
verbunden war, ist in demselben gegen- 
wärtig nur noch in soweit lebendig, 
als die Verpflichtung zum Scharwerk 
für eine durch Übereinkommen festge- 
setzte Zeit besteht. Vgl. Scharwerker. 
Aus Schär^ mhd. schar^ ahd. scara 
Heeresabteilung, Haufe, Menge, zuge- 
teilte, der Reihe nach zu leistende 
Dienstarbeit; polonisiert szarwark, 

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260 



scbarwerken — Schatofz. 



Hennig, 225. "Vgl. Weigand II, 
552. 

scharwerken, «(7. 1. Scharwerksdienste 
leisten. Do gab er (Meinhardt von 
Querfurt) den Pauem fünf gantze Jahr 
frey^ dafz sie nicht dorfen schössen noch 
schorwercken. Hartwich, 6. So müssen 
sie doch dem Schio/z und dazu gehöri- 
gen Grptem zur gewissen Zeit schaar- 
wercken. Denn wenn zu Schlofz etwas 
gAauet oder repariret wird^ mimen sie 
alle Materialien und Zubehör beiführen. 
Ibid., 55. Nach Gordack bezeichnet 
man mit scharwerken auch die Thätig- 
keit der sog. „Zweiten" in der Köche, 
des Nachharkens auf dem Felde. 2. 
arbeiten, ohne sonderlich dafür belohnt 
zu werden. Ich habe den ganzen Tag 
zu scharwerken und verdiene doch so 
gut vyie nichts. Ich mufz ihm viel schar- 
werken. 3. sich abarbeiten, quälen. — 
In Pommern schaarwarken geschäftig 
sein, Verkehr und Gewerbe betreiben. 
Dähn., 398b. Hennig, 225. 

Scharwerker, m.^ ein zum Scharwerk 
verpflichteter Arbeiter, meist unverhei-» 
ratet. Auf den Gütern sind die Inst- 
leute verpflichtet, eine bestimmte An- 
zahl Scharwerker zu halten, mit welchen 
sie auf Erfordern des Gutsherrn in die 
Arbeit rücken müssen. Sie zahlen den- 
selben einen bestimmten Tagelohn; nach 
Sperber, 27, zahlt diesen die Guts- 
herrschaft. Dvmm^ faul und gefräfzig 
giebt einen gurten Schainjoerker, Fül on 
e gödet Mül goft e gode Scharwerker, 
Er geht wie ein Scharwerker^ er geht 
sehr langsam. 

Scharwerksbauer, m., Bauer, der zum 
Scharwerk verpflichtet ist; im Gegen- 
satz zum Zinsbav£r oder Hochzinser. 
. . , da man dort (in England etc.) keine 
Sehaarwerksbauem wie in Preufzen hohe. 



Bock, Nat I, 629 u. 171. Vgl. Schar- 
werksdiensL 

Scharwerksdienst, m., Verstärkung von 
Scharwerk, Manche Grundstücke müssen 
(bei einem Dammdurchbruche) aufzer 
den Geldbeiträgen noch Arbeiten^ ,^Schar- 
werhsdienste^ ^ leisten^ — sogenannte schar- 
werkspflichMge Hufen. Passarge, 195. 

Schasch, Schaschk, auch Schaschke u. 
Schatschke, ^., Bernstein. Nehrung. 
Samland. Tolkemit. Man unterscheidet 
Underschaschke, Stücke unter 1 u über 
I Lot, und Bftwerschaschke, Stücke über 
1 Lot bis \ Pfund schwer. Das Brauns- 
berger Kreisbl. 1864, No. 37, möchte 
Schasch etc. auf orientalischen Ursprung 
zurückführen, durch jüdische Bernstein« 
händler eingeschmuggelt 

Schascha, m., Mehlfladen, in einer 
Pfanne oder auf dem blofzen Feuer- 
herde gebacken. Mühling. Nach einer 
Mitteilung aus Eorschen Schascher =^ 
Funsen. 

SchäSChe, /., Schüssel. Mühling. 

Schascher, (?), s. Schascha. 

Schaschke, in Dzg. Scharschke, m. 1. 
Spitzname für einen Infanteristen; von 
dem russ. schaschka kurzer Säbel. 2. 
Bernstein, s. Schasch. 

Schäse, /., Verdeck wagen; frz. chaise. 

SChSsen, SChtoen, sw.y tanzen; gehen. 
Wir haben gestern auf dem Bau tüch- 
tig geschdst. Nu wöll wt man schäse^ 
nun wollen wir nur gehen, machen, 
dafz wir vorwärts kommen, ück eck 
schehst ihligst hinderher. Nowack, 51. 

schassen, sw.^ fortjagen, entlassen; 
frz. chasser. Sie haben ihn gescha/zt, 

Schätel, Schättel, /., Schüssel. 

Schatomik, m., Hausierer, s. PlUnder. 

Schatofz. üeber (unter?) ein Wand- 
brett nagelt der Tischler eine Stütze^ die 
er Schatofz nennt Kgsbg. Hart» Ztg. 



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Schatschke — Schaube. 



261 



vom 12. Dezbr. 1872. No.292. Haupt- 
blatt. 

Schatschke, m. 1. alte, gebrechliche 
Person. 2. Bernsteinstück. S. Schasch. 

Schättel, /., 8. Schätel. 

Schatten, m. Schatten machen^ nach 
Sperber, 27, in der Gaunersprache: 
einen beabsichtigten Diebstahl ver- 
stecken^ kaschieren. Mehrere Gauner, 
die z. B. einen Laden betreten, be- 
schäftigen das Personal, „machen Schat- 
ten^, während andere den Diebstahl 
auszuführen suchen. 

Schatten, Schatter, Schetter, m, 1. 
Durchfall, Diarrhöe. Das Wort ist ton- 
malend. Vgl. DUnne. 2. das Exkre- 
ment selbst Wek tot Schauer. 

Schätter, Schatter, Schätterkott, -iTse, 
-lotte, -trtn, /., plapperhafles Frauen- 
zimmer. Man bezeichnet mit diesen 
Namen auch schwatzhafte Männer. Das 
Geschwätz solcher Personen nennt man 
fieschatter, n., Schätterei, /. 

schätterig, schatterig, schetterig, adj. 
1. wie Schatter beschaffen. 2. viel be- 
schäftigt thun, schnell von Natur sein 
oder sich so stellen; schnell laufen, 
wie einer^ der den Schätter hat; gern 
und viel umhergehen. Er rennt sich 
schätterig. 3. plapperhaft, verleumde- 
risch. Rosius^ der Bischof zu Heibperg 
gewesen^ hat Jesuiten gen Braunsperg 
gesetzty die da eine Schule halten vnd 
mit ihrer Reucheley vnd glatten warten 
vielf auch im Fürstenthum jrre machen^ 
sonderlichen mit /rem schetterischenHahn^ 
den sie Wetterhan nennen^ welchen sie 
a. 1590 alda mit schöner schriffty auf- 
legen vnd nachtrucken lassen. Hennen- 
berger, 485. 

Schättoriing, m., einer, der schättert. 
Ueidt^ frevi dt! Schätterling woU dame. 

•chittern, schattem, schettem, sw. 1. 
d&nn ezkrementieren. Von Schätter. 



Hiervon übertragen : 2. oft und unnütz 
hin und her laufen. On alles schettert^ 
weil keiner ruhig wachte woU. No- 
wack, 24. S. perzeln. 3. viel und 
uunütz schwatzen, schänden, verleum- 
den. In dieser Bedeutung auch schmat- 
tern. Sie hat in einem fort zu schattem, 
sie hört nicht auf zu reden, leidet an 
der Maul-Diarrhöe. verschättem, leicht- 
fertig ausgeben, verbringen. Geld ver- 
schättem. 

Schatullbauer,9n.,scharwerkspflichtiger 
Lehnsbauer, der gerodetes Land be- 
safz und dessen Abgaben der könig- 
lichen Schatulle zufielen. Vgl. Bock, 
Nat I, 170. 

Schatullgut, n., Gut, dessen Erträge, 
resp. Abgaben der königlichen Scha- 
tulle zufliefzen. 

Schafalllkttllmer, m., nicht zum Schar- 
werk verpflichteter Eölmer etc. Vgl. 
Schatullbauer. Bock, Nat. I, 174. 

Schau, /. 1. Besichtigung, mit ge- 
wissen Förmlichkeiten vorgenommen. 
Bie7*schaUy BrautschaUy WoUschau. Auf 
die Schau gehn, von Dienstboten, die 
sich zeigen, um sich zu vermieten. Dzg. 
Klein n, 108. 2. firüher „ein solches 
Kollegium hier zu Königsberg, welches 
den Fabrikanten, die auf den Markt 
kommende Wolle aufkauft, sie prüft und 
nachher in kleinen Quantitäten wieder 
verkauft«. Hennig, 226 u. 336. 

Schaube, /., mantelartiges Oberkleid 
für Frauen und Männer. Zum vierden, 
Sol eine yede ehrliche frauw vber y 
marck lotiges schwer an yhren rocken 
oder schauben sylheme koUer nickt tra- 
gen bey fünf marck bues, so oft sie 
mit eim vbrigen beschlagen. Kleider- 
ordnung a. d. J. 1529—1553. Pr. Prov.- 
Bl. a. F. VII, 372. Latinisiert schuba, 
ital. giubba, franz. jupe Weiberrock; 
]it szubäyszübas kostbares Kleid^ Frauen* 



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262 



schaubeu — achfiwig. 



pelz, lett. schuhbe Sommerkittel, poln. 
Bzuba ein mit Pelz gefätterter Ober- 
rock, russ. ^zuba Pelz. Schmeller Ilf, 
306. Weigandll, 554. N98lm,Th., 
221. Hennig, 226. 

Schauben, pltd. 8ChQwe(n), st, schie- 
ben. Wir wollen Kegel schavhen. sich 
schauben^ mehr pltd. sock schvwe^ aas 
Faulheit träge gehen, vorwärts kommen. 
Na schuw dl doch e betke! Se sckofft 
sock^ wl dat natte Wedder, Hennig, 
227. 250. 

Schaublade, pltd. SchQf-, SchOwlad (a 
= a), /., Schublade. Ein Schaf mit 
Schattblahden. Die Zünfte, 12. Nach 
Sperber, 27, auch Schauflad'. 

Schauer, pltd. SchOr, m. u. n. 1. ein 
nicht lange anhaltender Regen, Hagel, 
Schnee, Sturm. Regenschauef* etc. Hei 
Jeroschin wiederholt schür u. schüre 
als starkes Fem. Vgl. Pfeiffer, 217. 
Bildlich : Sie hat ein Schauer abgetveint^ 
sie hat ihre reichlich fliefzenden Thrä- 
nen bald gestillt. Es war nur ein 
Schauer, die heftige Scheltrede nahm 
schnell ein Ende. 2. Wetterdach, Re- 
gendach, Schuppen; auch Scheune. Und 
wie der Nachbar oft auf unsre Schau- 
ren zielt Cai'm, nupt II, 35 c. Ein 
Wagenschatier, Schuppen zur Unter- 
bringung der Wagen, Wagenremise. 
Seine Margelle ist alle Augenblicks un- 
term Schatcer und bringt Briewe gebrocht 
Soph. R. I, 260. In Königsberg hat 
man unter die Schauer vieler Häuser 
Mauern gezogen, „wodurch die Strafzen 
sehr enge worden, dcch nennt man die 
Dächer solcher ausgerückten Gebäude 
(die Vorbauten, welche gegenwärtig 
eingezogen werden) annoch Schauer^. 
Hennig, 227. 3. ehemals eine schauer- 
artig das Gesicht überragende Unter- 
haube des weiblichen Gesindes. Das 
Schauer erhielt seine Festigkeit durch 



einen gebogenen -Draht; man nannte 
diese Haube ihrer Gestalt wegen auch 
Mondschein, m. Einen Schür über die 
Augen haben, mürrisch, finster aus- 
sehen, trübe Augen haben. Bock, 62. 
Hennig, 249. Sprw.I, 3422. 4. Schirm 
an der Mütze. Metz on ken Schüerke 
dran. VolksL, 34, 22, 2. Vgl. Brem. 
Wb.IV,717. Dähn.,418b. Schamb., 
187b. Schmeller HI, 386. Vilmar, 
573. Anton, 12, 14. Hupel, 202. 

Schauer, m., s. Stauer. 

Schauertuch, n., Tuch, das als Schauer 
zum Schutze des Gesichtes und Kopfes, 
besonders im Sommer, getragen wird. 
Ermland. Litauen. Die Arbeiterinnen 
setzen etwas darin, das Tuch so weifz 
und fein als möglich zu haben. Müh- 
ling. 

Schauflad', /., s. Schaubltde. 

Schauken, sw., bellen; sohallnach- 
ahmend. Saalfeld. 

Schaumseher, m., bei den heidnische» 
Preufzen Puttone, Zauberer, welcher 
aus dem Schaume wahrsagte. Die I\it- 
tonen setzten eine Schale mit Bier auf 
die Erde und verkQndeten aus dem 
auf demselben stehenden Schaum, an 
welchem Orte das gestohlene Pferd 
oder gestohlene Gut zu suchen sei. 
Pierson, Matth. Prätor., 43. Hennig, 
227. 

Schäwe, Schabe, Sch«we, Schtfe, /., 
Rest, Splitter, Abfall des Flachses beim 
Brechen desselben; Abgeschiefertes 
Oberhaupt Vgl. Schinn. Von schawen, 
schaben. In Hessen Schübe, Schebbe^ 
Schuwe. Vilmar, 348. Hennig, 
228. 

schaweln, sw,, s. scheiweln. 

Schawemak, m., s. Schabernack. 

Schäweschtter, m., SchäwenscheiCzer, 
alter, gebrechlicher, geiziger Mensch. 

•ehlwig, schäbig, scbtwig, adj^ Schi* 



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scbawitern — SchM'el. 



263 



wen enthaltend. Der Flach» ist schatuig 
geblieben. Vgl. gnittig. 

schawitern, sw.j plappern, schwatzen; 
besonders von Frauen. Dzg. W. Seidel, 
34. 

sehe, interj.^ Scheachru£, namentlich 
zu Hühnern, Federvieh überhaupt. Lit 
82€^ szia. Nsslm., Wb., 520a. Ru hig, 
lit. Lex., hat diesen Ruf auch zu Hun- 
den. S. Volksr., 64, 242i. Vgl. Flan- 
dern. In Litauen ist SChS anspornen- 
der Zuruf zum Kinde. Volksr., 63, 
242 b. 

•sehe, weibliche Endung -m, auch 
bei Eigennamen. Judsche^ Kadreiersche, 
Käkschey Kaselatenche, Kamödiantsche 
(Schauspielerin), Schaff einsehe ^ Sehen- 
kersche^ de Frn Graf sehe (Frau Gräfin); 
de Wittrinsche (Frau Wittrin), de Sack- 
rausche, de Atidehmsche, de Katrimsschc^ 
de Brasäfsche, de Sipplietsche. Zugleich 
zur Illustration der Eigentümlichkeit 
der litauischen Namenbildung wie des 
Volkscharakters der Litauer diene der 
nachfolgende Reim aus Eieselkehmen, 
Kr. Gumbinnen (vgl. Korrespbl. V, 49): 
Wet 8^, Schwester Robeleitschej 
Gistem — bt de Merteneitsche — 
Un da wer de Abromeitsche, 
BibereUsche^ Butgereüsche^ 
Christcypeitsche^ Danieleitsche^ 
Ehrenteitsche^ Grigoleitache^ 
Mischereitschey KennigkeiUche, 
Kämmerettschej Losereitsche, 
Skribuleüsche, Schneidereitsche 
Un de schwarte Jodeleitsche — 
Wet scj on de Merteneitsche^ 
Ingesüpe, un wat deit sef 
Up de Jodeleitsche geit $e 
Mot dem ölen Bessern, schielt se, 
Bet de Standdr (Gendarm) kömmt un 

leit se 
In de Kalüs; em Tarkies geit se, 
JSinner dren de Abrameüsche, 



Bibereitsche, Butgereitsche (u. s. w. wie 
oben bis) 

Un de schwarte Jodeleitsche, 

Wet se, Schwester Robeleitsche, 

Schande hadd da de Merteneitscfie! 

Schecht, Schechte, m, u. /. 1. Stiefel- 
schaft, gewöhnlich im Plur. Scheehten. 
Hohe — kurze Scheehten, Scheehten- 
Stiefel, Hennig, 228. 2. Schaft, Stange, 
8. Schacht 

Schechtchen, n., Dem. von Schechte, 
Schechtchen schlagen, tanzen, weil oft 
der lustige Tänzer mit den Stiefeln zu- 
sammenschlägt Samland. 

schachten, sw., schnell laufen, hurtig 
geben, kräftig ausschreiten, die Scheeh- 
ten rühren. Der kann gut scheehten, 
ausschechten, davonlaufen, „ausreifzen^. 
wegschechten, heimlich sich aus dem 
Staube machen. Hennig, 228. 

Scheddeldraf, auch Schedder- und 
Schetterdraf, m,, Schutteltrab, kurzer 
Trab. Eei geit e Scheddeldraf, er be- 
eilt sich. Friedland Ostpr. 

scheddeln, scheddem, schiddern, »w,, 
schuttein, wackeln. Er scheddelt — 
scheddert mit dem Kopf. Er schiddert 
sich vor Frost. 

Schedderkopf, Schidderkopf, m., aus 
scheddem und Kopf zusammengesetzt. 
1. alter Mann, der schon mit dem 
Kopfe wackelt. Er ist ein alter Sched- 
derkopf 2. Gefängnis in Danzig. Sie 
gehen mit ihm in den Schedderkopp, 
Vgl. Sprw.I, 159. 1132. 

scheddem, «tr., s. scheddeln. 

SchMelfahrt, pltd.SchMeffar(t) {a=ä\ 
/.. Scheidefurche, weil sie Stücke Lan- 
des scheidet, trennt. Mühling. 

SchSdelzaun, SchStelzaun, pltd. Schfidel- 
tfin, m , Scheidezaun, Grenzzaun. Hen- 
nig, 335. Vgl. das vor. 

Sch&fely /., Strohbündel zum Dacb- 
decken. Schirwindt. 



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264 



Scheffelkopf — Scheiber. 



Scheffelkopfy pltd. Schfipelkopp, m., 
Kobold mit scheffelgrolzem Kopfe, mit 
dem man Kinder ängstigt. De had Oge 
wt Senfschetäe (Senfschüsseln) on Täne 
wt Leddersprete (Leitersprossen) on sat 
ommer an 6U Hüser op e Lucht under 
de Okle. Kern nu ener rop, on de Ko- 
bold sack op ent möt stnem grote Kop 
undev^t Schurmur ver^ denn war got to 
gruse. Awerscht hei dSd nascht, man 
de Jdene Kinder Ihot hei to buichre^ dat 
se wit Bedd ginge. Daher sagt man 
noch jetzt zu einem Kinde, das nicht 
rahig schlafen will : Wacht, de SchepeU 
kopp kommt! N. Pr. Prov.-Bl. II, 378. 

ScheffelmeMer, m., s. KornmeMer. 

scheffeln, pltd. 8chfiple(n)y sw., scheffel- 
weise messen, reichlich zuteilen. Isfs 
nicht gescheffelt^ so isfs doch gelefelt^ 
drückt die Zufriedenheit mit dem aus, 
was das Schicksal zugeteilt hat. Pltd. 
os^t nich to scheple, osH doch to Idple, 

ScheffelplatZy m., ausgerodete Acker- 
fläche in einer Forst, die einen oder 
mehrere Scheffel Aussaat aufnehmen 
kann. Mühling. 

Scheibchenwerfen, n., s. ButtertiroL 

Scheibe, /., s. SchTwe. 

scheibeln, sw,, s. schehfveln. 

Scheibenreitergasse, /., Strafzenname 
in Danzig; auch Scheibenrittergasse. 
Nach unsicheren Yermutungen soll sie 
einst Sammelplatz einer Gesellschaft 
gewesen sein, die sich mit ritterlichen 
Übungen beschäftigte. Löschin, 44. 

Scheibring, Pflzn., knotenblütiger 
Scheiberich, Sium nodiflorum L, Ha- 
gen, 323. 

Scheide, /. 1. Teil des Wirkgestells, 
Webestuhls. Vier Scheiden halten die 
beiden Seitenstücke des Gestells oben 
und unten zusammen, resp. geschieden. 
S. Das Wirkgestell, 124. 2. Maul, lo- 
ser Mund. Wenn die weiber Schwerter 



im maul führen und weidlich herumb- 
hawen, so krigen sie eins auf die scheid. 
Stein, Peregrinus XIII, 91. W. Mtsbl. 
VI, 173. 

Scheiice, /., kleine Wittinne. 

8cheiiar8chen, scheinärechen, sw., s. 
aufscheilärschen. 

scheilen, sw,, scheinen lassen; schie- 
len. 

SCheiren, sw., scheuern. Zinnerne oder 
kupferne Gefäfze mit Ziegelstaub blank 
putzen. Bock, 56. 

ScheilzmSII, pltd. Schttmeil, Pflzn., s. 
Mill. 

Scheffzreicel, -regei, -reger, -rfgei, m., 
grauer Reiher, Ardea cinerea. Er nimmt 
zu, vne der Scheifzregel im Abnehmen- 
licht, Sprw. I, 4185. Mühling, Tiem., 
177. 

Scheit, Pflzn., spitzkantige Segge, 
Carex acuta L. 

Scheiwei, n., s. scheiweln. 

schehfveln, scheibeln, »w,, schleppend, 
watschelnd, unsicher imd ungeschickt 
gehen, so dafz man öfter mit den Füfzen 
zusammenschlägt und sich dadurch die 
Beinkleider beschmutzt; die Stiefel 
schief gehen. Auch Pferde scfieiwebi, 
wenn die Hinterbeine am Knie anein- 
ander reiben. Auch schweimeln, schwa- 
mein; nach Mühling auch schftweln. 
bescheiweln, durch Scheiweln sich die 
Kleider, namentlich Beinkleider, be- 
schmutzen. Davon: Scheiwel, m., einer 
der scheiwelnd geht. Ol Scheiwel! Vgl. 
Batehel. Bock, 56. Hennig, 229. 

Scheiber, Schälber, Schuber, pltd. 
Schelwer, /., Dem. ScheJberchen, Schd- 
werchen. 1. Schuppe, Plättchen, Blätt- 
chen, das von der heilenden Wunde 
sich abschält, ablöst. 2. Blättchen, 
das sich vom Anputz der Wand, vom 
Blätterteig etc. loslöst. 3. Scheiben-, 
schuppenartiges Stückchen. Ein Schd- 



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schelberig — Schemper. 265 

berehen Brot — Fleisch, Von schelle französischen. Nach Klein II, 140, 

Schale, Hülse, engl, shell; angs. scylle in Danzig Schollen. 

Schuppen, holl. schelfer^ schüfer. Im Schellenberg, Ortsn., Dorf im Kreise 

Götting. schihoer, schilfere^ schelwere, Gerdauen. Die Bewohner werden mit 

Brem. Wb. IV, 631. Schamb., 183a. ihrem Wirkmuster geneckt. Schwärt 

schelberig, schilberig, pltd. schelwerig, on witt ös rodbunt, dat scheüebargsche 

adj,^ schieferig, blätterig, schuppig. Moster. Sprw. I, 3434. 

ScheUoerige Haut. Im Götting. schil- Behellig, ad;., wütend, wild, aufge- 

werig, Schamb., 183b. bracht; unsinnig tobend. Ist Clement 

SChelbem, schilbem, pltd. schelwem, schelUgk worden vnd vbel geflucht vnd 

sfw,^ schiefern, abblättern, in kleinen ein brotmesser genonmien heimlich vom 

Blättern, Platten, Schuppen, Schalen, Tische vnder dien Rogk etc. Aus 1532. 

sich ablösen; wie schälen 2, daher Die Zünfte, 50. Vgl. Mnd. Wb. IV, 

auch schalbem^ schälwem; in der Zu- 66 b. 

sammensetzung abschälbem, abschilbem. schellig, adj, von Schelle y Schale. 

In Bremen schelfern^ schilfern^ schulfem^ In Zusammensetzungen : dichscheUig^ 

im Götting. schäwem^ in Hessen schdl- donnschelUg^ mit dicker, dünner Schale. 

bem^^ in Posen schtdfem^ in Bayern Schelmvolk, -zeug, pltd. Schelmttg, n., 

«cÄ^Z/^. Brem. Wb. IV, 631, Schamb., durchtriebenes, unnützes Volk, Pöbel, 

183b. Bernd, 277. Schmeller III, Pack, vei^sapnet Schelmenvolk. Dorr, 

356. Vilmar, 348. Hennig, 229. 1. Wiew., 11. Schelmzeug schlägt sich, 

Scheldök, n., s. ScherdeKuch. Schelmzeug verträgt sich. Sprw., I, 

SChSlen, sw.^ unterschieden sein, un- 3279. 
gleich sein, diflTerieren. Es schelt nicht Schelwer, /., schelwerig, adj., schel- 
viel^ gewöhnlicher: Es verschilt nicht wem, sw.^ s. Schelber etc. 
viel., es ist kein groCzer Unterschied, Schehvip, m.., Ekelname nnd Schimpf- 
es fehlt zur Sache nicht viel. Davon wort. Stein, Peregrinus XH, 82. 
VerschW, Verschiil, m., unterschied, W. Mtsbl. V, 191. 
Differenz. Holl. scheelen^ schulen unter- Schemmer, m. 1. Schimmer. 2. 
schieden sein, d&n. sküle, angs. scylan^ isl. Schatten. Es graut ihm vor seinem ei- 
sküia « distinguerCy discemere. Brem. genen Schemmer. 3. s. v. a. Schimme- 
W. IV, 628. Hennig, 225. 290, rung. 

schreibt schälen^ ebenso Richey, 225, Schemper, m., Dünnbier^ Nachbier, 

Schütze IV, 21, Dähn., iOS^y schelen Halbbier, zweiter, selbst dritter Absud 

und schälen, Schamb., 182a, schalen, des Malzes. In manchen Gegenden 

S. Verschiil. auch selbständiges Gebräu aus Wa- 

Schellak, m., Kalb, von dem poln. cholder, Wacholderbeeren, Malz und 

cielak Bullenkalb. Sperber, 39. Sauerteig; oft nur Wasser auf Brot 

Schelle, /., Waldglockenblume, Cam- gegossen. Pierson in den Lit. Aeq., 

panula persicifoKa L. 21, leitet das Wort von 2^emberys (der 

schellen, sw.^ s. schälen u. schSllen. Erdbestreufr), dem heidnischen Erd- 

Scbellen, /., Figur in der deutschen gott, ab, zu dessen Festen um die Oster- 

(polnischen) Spielkarte, Garrean in der zeit ein ihm geweihtes Bier, iernberin- 



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26^ 



Scheniperdienst — schenen. 



rm alui^ getrunken wurde. Dies Bier 
war aus verschiedenem zusammenge- 
worfenen Getreide gebraut, jedoch so, 
dafz die Gerste überwog; da nun san- 
berti zusammenwerfen heifzt, so ver- 
drängte diese Ideenverbindung die ur- 
sprunglich mythologische. Daher findet 
sich fQr das Emtefestbier auch sanbe- 
ritmü alu8. So klar nun die Abstam- 
mung des Wortes erscheint, so ist sie 
es doch nicht. Zemberinnü alua hat 
seinem Gehalte nach mit dem Schemper 
keine Ähnlichkeit, jenes ist ein kräf- 
tiges Bier, dieses ein fader Absud. 
Dazu kommt das Auffallende, dai'z der 
Litauer für den wirklichen Schemper 
zwei andere selbständige Namen hat: 
skmskisy m, und girrä f.; er scheint 
also wenigstens Scheu gehabt zu haben, 
den Namen der Gottheit für das elende 
Getränk zu verwenden. Aber auch 
das gute Bier nennt er nur alu» Der 
Pole dagegen hat das Wort Schemper 
übernommen und in $zemper sich mund- 
gerecht gemacht, während der eigent- 
liche polnische Name für dies Getränk 
cienkusz ist Mrongovius U, 644b. 
In den Prcnerb, comm, 411: scherpbier. 
Hoffimann von Fallersleben, Tunnicius^ 
150, Nr. 585. Bock, 56, Bock, Nat. 
I, 271, und Hennig, 229, sehen 
Schemper als Schaumbier an, weil 
Schemper „die letzte Kraft des Malzes 
ist und vom Bier fast nichts mehr 
als der Schaum übrig geblieben^. In 
den Histor, morbi academ. Regiom. 
1649 von Bekherr findet sich der Name 
Schenkbier, flennig a. a. 0. Eine 
handschriftliche Anmerkung in meinem 
Exemplar von Bock, Nat. I, 271, über- 
setzt: ScA^mp^mitScheinbier, welcher 
Name auch in Steins Peregrinus (III, 
3) auftritt: Schemper vel Scheinbier, 
Da das Getränk moussiert, so liegt es 



nahe, Schemper scherzweise durch 
Champagner zu erklären, wie solches 
Pas sarge, Balt, 160, thut. Gericht: 
Schempermppe mit grauen Erbsen, v. 
Au er. Schemper mit Meerrettich! ruft 
man, wenn im Solospiele bei der Frage 
zu einer schlechten Farbe ein schlechtes, 
d. h. ein anderes als Treff-As gerufen 
wird. Treichel. 

Schemperdlenst, ?n, Pfarre mit ge- 
ringen Einkünften. Hennig, 229. 

Schemperfreude, /., Freude von kur- 
zer Dauer und kraftloser Wirkung, an 
Wert dem Schemper vergleichbar. 
Bock, 56. Hennig, 229. 

Schempergaase, zu Hennigs Zeit 
korrumpierter Name für die Schön- 
bergergasse in Königsberg. Hennig, 
229. 

S^Aen, n., Kuchen in Form der Ma- 
juskel S. Danzig. Treichel. 

SchSne, Schäne, SchSne,/. 1. Schiene, 
Schienbein. Angs. scyne^ scinban^ ^i^gl- 
shin, dän. skinne, schwed. skeen^ holl. 
scheen. In Bremen Schene^ im Hol- 
steinischen Scheen^ in Pommern Schene^ 
im Götting. scherte^ im Osnabr. schenne^ 
in Bayern Schin^ lit. szyna^ szhm, pohi. 
szyna, Brem. Wb. IV, 634. Schütze 
IV, 30. Dähn., 403b. Schamb., 
182b.^ Schmeller III, 367. 2. alles, 
was Ähnlichkeit mit einer Scherte hat. 
Die Schene am Rade. Die Schene auf 
der AchsCy das Achsenblech. Die zwei 
Schenen, Schienen^ am Wirkge$teU; sie 
halten die Fäden des Aufzuges in wech- 
selnder Lage und regeln die gleich- 
mäi'zige Hebung und Senkung der Fä- 
den. Das Wirkgestell, 125. Voc. 361: 
Vuerschene Feuerschene, das Nsslm., 
Thes. 191, mit Feuerschaufel, Feuer- 
schirm übersetzt Hennig, 230. 

schftnen, schlnen, sw.y schienen, et- 
was mit Schenen versehen, einen Arm- 



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Schenk&sch — Scherdeltuch. 



267 



oder Beinbruch durch augelegte Schie- 
nen verbinden und befestigen. Das 
Bein war nicht gut geschmt^ wenn die 
Heilung der Knochen nicht glatt erfolgt 
ist. Hennig, 230. 

Schenkftich, Schani(&feh, /., Geschenk, 
Schenkung, Trinkgeld, Biergeld. Wat 
gevft Schankdichf Eck bedank^ mt fa 
de Schenkorsch. Jerrentowitz. Volksr. 
83, 339. Auch adjektiv: hei öa schan- 
kaick^ er ist freigebig. Von schenken^ 
mit franz. Endung: c^e. Bei Yilmar, 
346: Schenkäsche. 

Schenke, Schenk, /., Speiseschrank; 
Schrank, worin irdene Geschirre, Glä- 
ser etc. aufbewahrt werden. Muh- 
ling. 

schenken, eigentlich ein schwaches 
Verb, doch lautet das part, geschonken. 
Er hat mir'a geschonken. 1. schenken, 
donare. Schenken und schei/zen wird 
mit einem (Anfangs-) Buchstaben ge- 
schrieben^ als ablehnende Antwort auf 
die Bitte um ein Geschenk. Spr. I, 
3283. 2. schenken, Schinken, Getränke 
verkaufen. Bier schenken Bier ver- 
kaufen. S. einschenken. Hennig, 230. 

Schenker, Schanker, m. 1. Geber ei- 
nes Geschenkes. De Schenker ös ge- 
storwey de Gewer ös verdarwe^ als Zu- 
rückweisung einer Bitte um ein Ge- 
schenk. Sprw. I, 3284. 2. Schenk- 
wirt, Gastwirt. Bierschenker^ Bierwirt, 
Bierhöker. Hennig, 230. 

Schenkersche, Schänkersche, /., Schen- 
kerin, Kellnerin. Schenkersche^ noch e 
Glas Bier! 

SchSnnagel, Schtn-, Schinnagel, m., 
Nagel in der Radechiene. Vgl. SchSne. 

schtp, o^r'., schief. Saalfeld. 

Schepp, Scheppe, SchSpfe, /., Dem. 
Schopf chen^ Scheppche^ Scheppke Löttel^ 
kleines Schöpfgeftlz von Holz oder 
Blech mit Stiel Na nü noch tackten- 



tig Scheppkens Grott^ jetzt (nachdem die 
Hauptspeise verzehrt) noch 80 Lö£Fel 
Grütze als Nachspeise. (Das Volk 
pflegt die Suppe zuletzt zu essen). 
Sprw. T, 3389. Vgl. SchÖpe, auch 
Stippel. 

Scheps, m.^ Schöps; das Tier, aber 
auch bildlich der Mensch. Öck armer 
Scheps! 

Scherapke, /., s. Przerabka. 

Scherbel, pltd. Scharwel, m. I.Scher- 
ben. Oawasck denn fleege Depp (Töpfe) 
on Scharwel an de Schtoaw. Boldt, 
12. 2. irdenes Geschirr, namentlich 
Teller, weil es leicht in Scherben bricht, 
daher auch Scherbelzeug, pltd. Scharwel- 
ttg, n. Eine kostbare Tasse ist ein teures 
Stück Scherbelzeug. Auch ein bereits 
beschädigtes Geschirr heifzt Scherbel. 
Ein Scherbel halt länger als ein Topf. 
3. alte, kränkliche Person, m. wie w. 
Geschlechts. E 61 Scharwelke. Sche- 
mionek, 36: Schörbel. 

Scherbelkopf, m.^ Schimpfwort. De 
Diwel soll se hale^ De öle Scharwelkopp! 
Aus einem Volksreim. 

Scherbelzeug, n., s. Scherbel. 

Schfirboot, n., Eüstenboot. Gustavus 
Adolphus ging von Tt/genhof durch die 
Tye und Haf mit etUchen Scheer-Böten 
und Galeen ungehindert nach PiUau. 
Hartwich, 377f. 

SChfirdäiSCh, adj.^ widerwillig, dumm, 
nicht anstellig. Schemionek, 34. 

Scherdeltuch, ScherKuch, pltd. Scherdel- 
dök, ScherldÖk, n., SchOrze, lit szerdo- 
kas^ serdokas Brustlatz. Nsslm., Forsch. 
2, meint, daüs bei dem Dök auch nicht 
entfernt an Tuch zu denken sei. Man 
hört auch SchddÖk und vhchd. ScbVrtel-, 
SchSrdeltuch. Natangen; im Ermlande 
SchUrteltuch; in Westpr. Schurztaich; in 
einigen Gegenden des Werders ScheitM- 
dAk; in der Dzg. Nhg. ScherUftack: en 



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268 



schüren — Schettel. 



koltdrfickschet Scherlddcick (Schürze von 
blaagefarbter Leinwand mit weifzen 
Blumen bedruckt). VioUt, 178. Hen- 
nig, 248, schreibt SchUlituch. Klein 
IT, 139, hat für Dzg. SchSddeldÖk, 
SchVridÖk und SchSrteldÖk. Stund em 
(dem Adebär) nich stn Schardeldök sau 
schön? Volksr., 52, 196. Ygl. SchSdel. 
Se drägt wcct ungerm Scherdeldok^ sie 
trägt etwas unter der Schurze, sie ist 
schwanger. Sprw. I, 69. 

SChSren^ st 1. kahl schneiden, mit 
Messer oder Schere. Das Schaf schert 
5 Pfund^ die von ihm bei einer Schur 
gewonnene Wolle beträgt 5 Pfund. 
Marold. 2. in übertragener Bedeu- 
tung: übervorteilen, prellen. Hei (der 
Gastwirt) schert stne Gast, dat enne 
de Oge äwergäne. Er versteht den Beutel 
zu scheren, 3. zum besten haben, auf- 
ziehen. 4. sich scheren. Ich habe mich 
den ganzen Tag geschoren^ ich habe 
mich den ganzen Tag ruhelos gequält. 
5. Seile, Leinen, von einem Orte zum 
andern spannen, um etwas darauf zu 
hängen. 6. das Oam scheren^ den Auf- 
zug, die Kette, die Schering machen. 
7* schüren. Fewi* zu fewr thun^ Oel zu- 
gissen, zuscheren^ zusammenhetzen^ übel 
erger machen. Stein, Peregrinus XII, 
123. W. Mtsbl. V, 192. Brem. Wb. 
IV, 639 «. Bock, 56. Hennig, 
230. 

SchSrheck, n., SchSring, /., s. SchS- 
nmg. 

Scherke, /., s. Schirke. 

scherken, sw., s. schirken. 

Scheridöky -tueh, n., s. Scherdeltuch. 

SchSrIeiter. /., s. Pfeifengestell. 

Schemäkely -neckel, Pflzn., s. Sau- 
niekel. 

Scherp, m.^ Yogeln., s. Scharp und 
Grasser. 

Scherpenter, m. Er ist ein elender 



Scherpenter^ ein armer Teufel. Stein, 
Peregrinus I, 6. W. Mtsbl. V, 94. 
Vgl. Schorb. Bei Schmid, 459: Scher- 
pfer Gerichtsdiener, Scherge; bei 
Schmellerin,403:ScA^^=Schmied. 
Hingewiesen sei auf engl, carpenter^ 
franz. charpeniier Zimmermann. 

SchSrrahmen, m., s. SchSrung. 

SchSrung, SchSring, m., auch das 
SchSrheck, der SchSrrahmen, pltd. SchSr- 
rftme(n), das Gestell, worauf das auf 
den Laufspulen befindliche Garn für 
den Aufzug gewunden, geschoren, 
d. i. geschart, in Gänge geordnet wird. 
Vgl. Das Wirkgestell, 127, wo sich 
auch die Beschreibung des Gerätes be- 
findet. In früherer Zeit wurden die 
Haspel und Scherrahmen jährlich re- 
vidiert. S. Bock, Nat. I, 646. Sehe- 
rung^ Schering und Anschfining sind 
auch Namen für den Aufzug (s. d.). 
Hennig, 231. 

scherwenzeln, sw,^ s. scharwenzeln. 

Schto, 77». u./., Milchnapf. Sensburg. 
Bei Saalfeld Schtoch, /., in Natangen 
SchSfohe, /., Milchtopf ohne Henkel, 
Milchschüssel. Natangen. Nsslm. Th., 
220. Pierson, A. W., 40. Mit poln. 
czasza Napf, Schale verwandt. 

Scheschice, 9n., Hänfling, s. Tschezke. 

schtoen, sw.y s. schäsen. 

SchSske, n., s. SchSfzchen. 

schMeln, schSteln, sw.^ scheiteln. Von 
scheden scheiden, teilen. Hennig, 231, 
335. 

Schttelzaun, m.^ s. SchSdelzaun. 

Schetschke, m., Hänfling, s. Tschezke. 

Schettel, SchStel, /., in der Eonitzer 
Gegend Sch8ttel,Dem.£l(rA^^2^,Schüssel, 
Teller. Jeder schrdpt stn Schettelke alr- 
Un^ jeder hat mit sich zu thun. RSle 
Schettel on warme Teller. Antwort auf 
die Frage: Was gab's? wenn man Ton 
einem Besuche zurückkehrt und schlecht 



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Schettelbfink — scbichern. 



269 



oder gar nicht bewirtet worden ist. 
Sprw. I, 3429. Häl (hole) e Schettel, 
de Darmeh käme^ komischer Schreck- 
trost, wenn ein Kind sich in die Finger 
geschnitten hat. Memel. Königsberg. 
Vgl. KrOs. 

Schettelbänk, /., Schfisselbank, Bank, 
Schrägen zar Anfstellung der Schusseln 
und Teller, 'ne Schettelbänk opsetten^ 
verdriefzlich die Unterlippe vorschieben, 
roirzmütig anssehen, schmollen. £1- 
bing. 

Schetter, tt»., und Ableitungen s. 
Schätter etc. 

Schetterdraf, m., s Scheddeldraf. 

Scheucher, m., der Scheuchende. S. 
Flotterer. 

Scheuchsei, n., Vogelscheuche. Von 
scheuchen, Natangen. 

Scheuersonnabend y pltd. ^hlrsonn- 
ftwendy m., Sonnabend in der Karwoche, 
weil an ihm die Wohnung gründlich 
gescheuert wird. Vgl. Blaumontag. 

Scheundiele, pltd. SchTndifl, /., Tenne. 

Scheune, /., pltd. Schtn, allein üblich 
für Scheuer, Gebäude zur Au&ahme 
von Gretreide, Stroh, Heu. 

Scheusei, m., hoch aufragende, körner- 
lose Ähre. Und ist noch das Sprich- 
wert under de Nadraven: Roggsa (Rag- 
gas) tarp pupu keip welnas^ wenn sie 
einen Scheusei, der vor dem Getreydig 
hervcrrcyet^beschreibenwoUen. Pierson, 
Matth. Prator., 12. 

SchSwe, /, schSwig, adj., s. Schäwe 
etc. 

Schlbbel, m., pems. Ermland: Gut- 
stadt, Wormditt. Mühling. 

^hlbber, m, 1. langer Kienspan, 
Splitter aus glatten, fetten Fichten- 
scheiten zur Leuchte. Nach beendigter 
Feldarbeit werden sie vorrätig gespal- 
ten. Hennig, 335. 2. kürzere, der 
Länge nach blätterartig geschnittene 



Holzstücke zum Anbrennen beim Hei- 
zen. 3. Holzsplitter überhaupt, selbst 
der kleine Splitter, den man sich in 
die Haut reifzt. Für 1 und 2 lit. 
ziburys. In Bayern Scheiben spalten, 
klieben (tias Holz), engl, shiver Splitter. 
Vgl. SchmellerHI, 310. ßrem. Wb. 
IV, 649. Vilmar, 207. 

ichibberig, auch ichtbrig, adj.^ em- 
pfindlich, leicht gekränkt, verdriefzlich, 
mürrisch; auch frostig, Frost verur- 
sachend. Mühling schreibt schieberig. 
Vgl. schubberig. 

fohibbem, sw, 1. Schibber spalten, 
schneiden. 2. schlecht leuchten. Das 
Licht schihbert nwr^ es brennt trübe, 
leuchtet mangelhaft wie ein Sckihber, 

SchTbe, /., s. SchTwe. 

schTbelig, schTbelicht, pltd. schTwelig, 
adj.^ einer Scheibe gleich, scheiben- 
artig, kreisförmig, rund. Jeroschin: 
nach schtbelechtir crwmme, Pfeiffer, 
215. Der schibelichte Turm^ ehemals 
Volksname des Buttermilchturmes in 
Marienburg, von seiner runden Gestalt. 
Vgl. Buttermilchsfairm. 

schTbrig, adj,^ s. tehibberig. 

Schieber, m, 1. Hintergetreide, die 
leichten Körner, welche beim Ausharfen 
des Getreides abfallen. Dönh. Von 
schichem^ weil die Kömer vom Zug- 
winde geschichert werden. Gewöhnlich 
nennt man dies Getreide Hinterst, m. 
2. nach Mühling Frauenhut oder 
Haube mit grofzem Strich, d. i. Borte, 
Besatz. Wohl weil ein derartiger Kopf- 
putz geeignet ist. Scheu zu erregen. 

Schiebern, schichtem, schlichtem, sw. 
1. scheuchen, jagen, verjagen, Angst 
machen. Die Hühner aus dem Garten 
schichem. Die Diebe sind verschicherty 
verjagt worden. Sperber, 27: wr- 
schickem. Hennig, 247. 2. sich 
scheuen, fürchten. Vgl. schUen. 



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270 



Schich'rer — SchieDEprägol. 



Schich'rer, Schlleh'rer, m., einer, der 
schachert^ scheucht. 

Schicht, /. 1. von schickten teilen, 
Teil einer Erbschaft, aber auch Hand- 
lung des Teilens. Nach Absterbung 
eines Ehegattens soll das verbliebene 
Theil nicht eher die Schicht und Thei- 
hing zu ihun schuldig seyn^ bis nach 
verflossenen 6 Wochen, Hartwich, 
331. 2. Bei Jeroschin: Einteilung, 
Anordnung, ob in sinir schichte ei- 
schit dizgetivkte 3a. dt burc gewandiU 
m der vrist wart an der büunge schichte 
dt stat^ unde doch der name nicht 31b. 
Pfeiffer, 215. 3. aufhören zu arbei- 
ten. Schicht machen^ fertig machen, 
mit der Arbeit ein Ende machen. In 
der Oberpfalz auch: Ordnung machen, 
Ruhe herstellen. Schmcller III, 317. 
4. Prügel, Hiebe, Schläge. Es giebt 
Schicht, es giebt Hiebe. Er hat Schuht 
bekommen. Hans, min San, du kröchst 
e Schicht. Volksr., 256, 886. Nach 
Adelung lU, 1434 ist Schicht ur- 
sprünglich das Intensivum von schehen, 
schechen und ahmt eigentlich den Laut 
einer schnellen, gelinden Bewegung 
nach. Vgl. Schacht, 

schichten, aw. 1. einteilen, abteilen. 
Jeroschin: ouch so hiz er in schichten 
dt lant in vtr bischtüme 42 a. nach 
predigeres sitte, der sin rede in stucke 
Schicht 2c. Pfeiffer, 215. 2. Dinge 
in Ordnung über einander legen. Das 
Höh wird geschichtet 

Schiele, pltd. SchVclc, n. Er ist wie- 
der im Schick, er ist wieder in Ord- 
nung, in betreff der Gesundheit oder 
der geschäftlichen Einrichtung; nach 
Schemionek, 34, betrunken. im 
Schick sein auch fertig, bereit sein. 

schickem, sw., s. schichem. 

Schicksei, n., Dem. Schichtelche, 



Judenmädchen, Gheliebte. Er hat e 
Schickselche. Ebenso in der Oberlaus. 
Anton, 12, 15. In Süddeutschland 
das nichijüdische Mädchen. Ursprüng- 
lich voD dem hebr. srhekez wovor man 
Widerwillen, Grauen hat. Vgl. Wei- 
gand II, 570. 

Schidderkopf, m., s. Schedderkopf. 

schiddem, sw., s. scheddeln. 

Schfder, n., Scheit, Holzklobeo. Von 
scheiden trennen, spalten. Hennig, 
231. 

schieberig, ad}., s. tehtbberig. 

Schiebeschräg, /., s. SchTweschräg. 

schief, adj. E}r ist schief, — hat 
schief geladen, ist angetrunken. 

Schielbock, m., Mensch mit schielen- 
den Augen. Bockchen, Bockchen, schiele 
nicht! beliebtes Gesellschaftsspiel. 
Sperber* 28. 

Schiene, /., s. Schtne. 

Schieriing, m., Hunds -GleiTze, Äe- 
thusa cynapmm L., also mit dem Namen 
von Convum L. Weichseldelta. Trei- 
chel, Volksth. IH. 

schiefzen, pltd. schMe(n), st. 1. ei- 
len^ schleunigst sich fortmachen. Sei 
kom as wie e Wingd bett on de KSch 
geschahten. Carm. nupt. I, 282, 6. 
Lot se scheeteny bring se op den Draf. 
Dorr, 1. Wiew., 18. 2. au%eben, 
fallen lassen, die Freundschaft kün- 
digen. La/z ihn doch schiefzen! 3. 
stehlen. En Häske schete(n)y ein Häs- 
chen schielzen, einen Kloben (ein 
Scheit) Holz entwenden. 

Schiefzhund, m., Hund, der das an- 
geschossene Wild aufisusuchen hat, 
Hühnerhund, Jagdhund. Vom auf- 
merksamen Menschen: Er pa/zt auf 
tüie ein Schiefzhund. Sprw. II, 158. 
Sperber, 28. 

Schiefzprllgel, m., Flinte. Den Schiefz^ 



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Sohiefsstuhl — Schill. 



271 



prügel nehmen und auf die Jagd gehen. 
Ebenso in Liv- and Estland. Hupel, 
205. 

Schiefzstuhl, pltd. Schötstöl, m.^ trans- 
portabler Stuhl, der (wohl nur von 
Sonntagsjägern) mit auf die Jagd ge- 
nommen wird. He stund eegenüich nich^ 
ne he satt uinger ^ner graten Beek op 
so ^nem Scheeistool^ vne se dat nennen. 
Dorr, Driewjagd. 

Schtfe, /., s. Schäwe. 

Schtfer, m. Er hat einen Schifei*; 
Stein, Peregrinus XVllI, 17, neben: 
Er hai einen Sparren zu viel^ er ist 
nicht bei rechten Sinnen. W. Mtsbl. 
VI, 190. 

Schiffbier, Sch'rffsbier, n., Bier, das 
ins Ausland verschifft wurde, zweiter 
Name des Danziger Jopenbieres (s. d.) 
Schon 1379 genannt. Hirsch, 245. 
306. 

Schiffel, Schttffel, rein pltd. SchVffel, 
f.y Schaufel, poln. szufla^ lit. szüpele. 
Aus schieben^ pltd. schwwen. Davon: 

scbiffeln, sohUffeln, schSffeln, sw., 
schaufeln. Hennig, 231. 247. Kin- 
der sckifelny auch schuf eln^ beim Bohn- 
chenspiel mit dem gebogenen Zeige- 
finger die Bohne ins Loch. 

schiffen, sw. 1. Getreide fahren, sei 
es zur Einschiffung in den Kahn, sei 
es zur Ablagerung in den Speicher. 
Der dazu besonders eingerichtete starke 
Wagen heil'zt Schiffwagen. Werder. 
Nach Passarge, 220, auch zu Markte 
schiffen^ selbst wenn es zu Wagen ge- 
schieht. Ursprünglich mochte solches 
zu Wasser geschehen sein. 2. harnen, 
urinieren. 

Schiffer, m. Er fahrt für Schiffer, 
er kommt in seinem Geschäft vorwärts, 
68 gläckl ihm in seiner Nahrung. Hen- 
nig, 231. 

SeMffennUtzcben» Pflzn., Ackerwinde, 



Convohmhis arvensis L, Er. Bereut. 
Weichseldelta Treichel, Volkstb. IH. 
S. Mandelblume. 

SchiffprUgel, m., Nachtgeschirr. S. 
schiffen 2. 

Schiffsabrechner, -agent, m., s. Ab- 
rechner. 

Schiffsbier, m., s. Schiff hier. 

Schiffskinder, plur,, die gesamte Mann- 
schaft eines Schiffes. Danzig. Hirsch, 
265. 

Schiffsmalder, m, s. Abrechnen 

Schiffsreedebringgeld, n., die Abgabe, 
welche Schiffe entrichten, die zu tief 
liegen, um mit voller Ladung ein- 
oder ausfliei'zen zu können. Sie be- 
trägt in Pillau 2 Mk. Pr. Prov.-Bl. 
XVII, 51. Heute aufzer Gebrauch. 

Schiffwagen, m.. s. schiffen 1. 

Schtflftd, /., s. Schublade. Saalfeld. 

ichlggeln, sw,^ kratzend hin und her 
fahren: beim Geigen mit dem Bogen, 
beim Schneiden mit dem Messer. 

Schigger, m, Pflzn., gelbe Segge, 
Carex ßava L, 

schigger, schiggerig, adj., betrunken; 
unwohl, kränklich, elend; verruckt, nicht 
recht bei Sinnen. Et* ist schigger, er 
ist betrunken. Das ganze Jahr schigger 
und Purim nOchtem. Jüd.- deutsche 
Redensart. Sprw. I, 3290. Er sieht 
schiggerig auSy er sieht leidend, kränk- 
lich aus. Von dem hebr. schickor be- 
rauscht. 

SchlldkrSte, /., gemütliches Schimpf- 
wort. Mufz nicht die Schildkröte mich 
verraihen haben, die Marie f Soph. R. 
VI, 323. 

Schiffblume, /., Wasser- Seh wertUlie, 
Iris psetulacorus L, Weichseldelta. 
Treichel, Volksth. III. 

Schill, Schill, /., Name und Lockruf 
för die Ente; 2i,xjLc\iSch%iierschel Volksr., 
64, 242h. Nsslm., TL, 220. 



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272 



Schillebold — schimmern. 



Schillebold, m., Libelle. Mühling. 
Ebenso in Bremen, in Brandenburg. 
Brem. Wb. IV, 653. 

Schillerhaus, n., Schilderhaus. 

schillern, sw,, schildern: 1. warten, 
wachend arbeiten. Ich habe den ganzen 
Tag — die ganze Nacht schiUem müs- 
sen. 2. Schildwache stehen. Hennig, 
231. 

SChillgemal , adv. , verschiedenemal, 
wiederholt. Das hat dieser alte Kopf 
viel schillgemal erlebt Soph. R. IV, 
162. 

Schilling, m. 1. preul'zische Münze 
seit 1351 bis ins 18. Jahrhundert hin- 
ein, in der Gröfze des alten 5 Groschen- 
stückes, also etwa der heutigen Mark. 
Ihr Silbergehalt war ursprünglich — 
25 Pfjg., wurde aber successive ver- 
ringert und fiel bis auf 5 P^. Vgl. 
Hörn, Vom preuü. Gelde. Aitpr. M. 
V, 51. 2. späteres Geldstück im Werte 
eines Pfennigs. S. Wertvergleichungs- 
tabelle vom 15. November 1821 (Ge- 
setz-Samml. 1822, S. 2 ff.). FUnfschil- 
iinger, ursprünglich = 5 P%., hatten 
einen Wert von 7 alten Pfennigen. 
Der Schilling gilt nirgend so viel, als 
wo er geschlagen ist. Wer zmn Schil- 
ling geschlagen ist, tüird kein Grroschen 
toerden. Er treibt^ schleicht, stofzt — 
sich herum wie ein schUmmer (falscher) 
Schilling, Er ist bekannt vne ein schUm- 
mer Schilling, SchoUing^ stä op on 
tat dem Grosche sötte. Sprw. I, 3292 f. 
Hennig, 23, Sperber, 28. 

Schillinge, plur., Pflzn., s. Nimmerstill. 

schilpem, schimpem, sw.y schwankend 
nberflielzen. Übervolle Schüsseln schilt 
pem, laufen über. Nimm dich in acht, 
da/z du nicht schilperst. Treichel. 
Für Estland bei Sallmann, 39 b. 

Schimannsgarn, n , Shipmannsgam, 
Garn des Schiffers, Kautabak, nach 



der schnurartigen Gestalt seiner Ver- 
arbeitung. Treichel, Volksth. 11. 

^himke, oft Dschimke geschrie- 
ben, w., polnischer Flofzknecht, Wit- 
tinneuknecht. Poln. ziemek^ ziomek, 
russ. zemljak^ lit. ieminlnkas Lands- 
mann. Nsslm., Forsch. 3; Th. 164, 
meint: wahrscheinlich haben diese 
Leute hier im fremden Lande sich 
gegenseitig ziemki^ Landsleute, ange- 
redet, woraus die der polnischen Sprache 
unkundigen Bewohner der Stadt Kö- 
nigsberg und Provinz Schimke gemacht 
und dies Wort irrtümlich als Standes- 
bezeichnung gebraucht haben. Vgl. 
Bock, 56. Hennig, 232. S. FITs. 

Schimmelreiter, m., Sylvesterbelusti- 
gung. Um den Schimmel zu bilden, 
wird ein Pferdekopf auf eine Stange 
gesteckt, auf der ein Knecht, mit wei- 
i'zen Tüchern bedeckt, reitet; hinten 
wird an die Stange statt des Rofz- 
schweifes ein Bündel Flachs angebun- 
den. Der Schimmel schlägt entsetz- 
lich aus, d. h. sein Reiter hat einen 
Stock in der Hand und prügelt alle 
Mädchen, die sich blicken lassen, ohne 
Barmherzigkeit. In der Gesellschaft 
des Schimmelreiters befinden sich ge- 
wöhnlich ein Bock und ein bucklichter 
Kerl. Der Bock ist ähnlich wie der 
Schimmel hergestellt, nur sitzt der Rei- 
ter auf einer Forke, deren Zinken die 
Homer des Bockes vorstellen. Na- 
tangen. Oberland. Volkskai., 55. Ge- 
naueres giebt Treichel in Verhandlun- 
gen der Berlin, anthropol. Gesellschaft 
V. 20. Januar 1883. 

schimmerieren, sw.y schattieren, schim- 
mern, schillern. Dctö schimmerief*t in 
allen Farben. Saalfeld. 

Schimmerliclit, n., s. v. a. Schimme- 
rung (s. d.) 

schimmern, sdiummem, plt. scbeni- 



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Schimmerung — Schine. 



273 



8w.y dämmern. Zur Bezeich- 
nung des Lichtes nach Sonnenunter- 
gang und vor Sonnenau^ang; in über- 
tragener Bedeutung: klar werden. Es 
schummert mir^ ich fange an, mich der 
Sache zu erinnern, sie taucht in mei- 
nem Gedächtnis wieder auf. Sche- 
mionek, 37. Sperber, 29. Vgl. 
Schimmening. 

Schimmening , pltd. Schemmerang, 
Schemmering, /. 1. Dämmerung, Däm- 
merlicht. Es ist zwar wakr^ dafz es 
Ldcht toerde^ ehe die Sonne aufgehet^ 
aber das Licht kann nicht der Tag ge- 
nannt werden^ so man nicht plumbs- 
toeise davon reden tooüe: Sondern Mor- 
gen- und Abend- Schimmerung^ weü das 
rechte physische Licht in der oberen 
Welt noch nicht aufgestecket ist Line- 
mann, A3a. 2. Dämmerstunde, Zeit 
während der Schimmerung, und wohl 
ausschliefzlich der Abend-Schimmerung, 
daher SchimmerstundOy Schummerstunde^ 
Schimmer-, Schummerzeit, pltd. Sehern- 
merstund, -tTd, gewöhnlich im Dem. 
Schimmerstundchen etc. Es ist die ge- 
mütliche Plauderstunde, in der man auch 
gern Besuche macht. HoU. schemering^ 
schemerstond^ scheTnertgd. 3. glitzerndes 
Glänzen, Schimmern, ... ob wenn die 
Sonne auff einen Stern viel Straten wer- 
ffey und dannenhero umehlig viel Durch- 
schneidungen derselben entstehen^ welche 
in unsere Augen fallen und alsdann in 
selbigen eine GUntzerung oder Schimme- 
rung verursachen selten. Linemann, 
Lla. 

Schimmerzeity /., s. Schimmerung. 

schimmrig, schummrig, adj. von schim- 
mern^ dämmernd, dämmerig; verworren, 
unklar. Li zweiter Bedeutung beson- 
ders schummrig. Sperber, 29. 

schimperig, ac^.y dem Schemper ähn- 

Piitchbl«r, W5rt«rbnoh II. 



lieh, dünn und schlecht ; von Getränken. 
TreicheL 

tchimpern, sw.y s. schilpem. 

Schimpf, /., Schelte. Nu kri un aller 
Schfnvp, Dorr, 1. Wiew., 24. 

Schimsche, /., eine Binsenart im Na- 
riensee. 

^chTn, /., w. Vom, s. ^chfne. 

schinden, schingen, st, aus der ur- 
sprünglichen Bedeutung des Abziehens 
der Haut: 1. quälen, hart anstrengen, 
pisacken (s. d.); durch harten Druck 
ausbeuten, in Handel und Wandel das 
Mafz der Billigkeit arg überschreiten. 
Schinge on Schav)e gofft doch mehr wie 
Haue on Grawe, Sprw. I, 3299. 

2. auf andererLeute Rechnung geniefzen. 
BieVy Cigarren etc. schinden, sich frei- 
halten lassen. 

Schinder, Schinger, im Ermlande auch 
Schwidda, Schwidder, m., Abdecker, 
Racker; Teufel. Dem Schinder die 
Keule abkaufen, etwas zu teuer bezah- 
len. Mewe. Sprw. H, 2328. Den 
holt der Schinder nicht, er hat sich gut 
eingewirtschaftet Ihn hat der Schin- 
der geholt, er ist zu Grunde gegangen. 
Sprw. I, 3300 f. Na wS/z de Schinga 
dis Joa wd wa, denk?, kSne Wingta 
kr ige. Ermländ. Freisch., 12. / wo 
Schinder, des ös je domm! Schaltj., 

3, 5. I wo Schinder! ist ein gewöhn- 
licher Ausruf der Überraschung, des 
Ärffers, der Zurückweisung. 

SchTne, ^htn, w. Yom.^ Regine. 
Samland. Hopp, Ann-Schinke, hüpfe, 
Anna Regine! Auch Zuruf beim Auf- 
heben einer Last, um die Gleichzeitigkeit 
des Hebens zu bewirken. Vgl. Sprw. 
I, 91. Ja, ächin, de Tide untre von 
Jär to Jär schlechter. Firmenich I, 
101 a. Broder Frtd on Schwester DschSn 
son tom Markt na der Stadt gekämen. 

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274 



schinen — Schippenbeil. 



ElbingerHöhe. N.Pr.Prov.-Bl.a.F.IX, 
241. Firmenich III, 493a. 

schfnen, sw.y schnell flieüzen; s. schä- 
len 4. 

schingen, st^ Schinger, m., s. schin- 
den etc. 

Schinkenbruder, m., s. Schinicenschwa- 
ger. 

Schinicenschneiden, n., Pfiandaaslösong: 
Ich steh' und schneide Schinkeny Wen 
ich lieb hab\ werd' ich winken. Volksr., 
201, 742. 

Schinicenschwager, m., derjenige, der 
mit der Frau eines andern geschlecht- 
lichen Verkehr hat. In Friedland Ostpr. 
Schinicenbruder. 

SchinJcenschwester, /., Eonkabine. 
Sprw. I, 3303. 

Schinl(envetter,m., nach Hennig, 233, 
derjenige, der statt eines andern die 
Patenstelle vertritt Bock, 57, erklärt: 
derjenige, dessen Ehefraa bei jemand 
die Patenstelle vertreten. 

Schinicraiit, Schinnlcraut, n.^ Schell- 
kraut, Chelidonium majus L. Bock 
Nat. 111,423. Hagen, 546. Hennig, 
232. Pritzel, 90. 

Schinn, m,^ die kleinen Schuppen, 
welche sich von der Haut, namentlich 
Kopfhaut, ablösen. Ursprünglich Schmn 
Haut, Fell, wie noch jetzt engl, skin^ 
isl. skinn, dan. skind, Brem. Wb. IV, • 
654. Nach Sperber, 28, der Kopf- 
grind. Vgl. Schäwe. 

SchTn-y Schinnagel, m., s. Sch6nnagel. 

schinnig, adj. 1. mit Schinnen be- 
haftet; von der Haut, auch von einer 
heilenden Wunde. Vgl. schelberig. 2. 
räudig. Schinnig und schawig^ räudig 
und krätzig. Hennig, 232. 

Schinnicaule, Schinngrube, /., Schind- 
grube. Solche Oerter (wo sich Irrlich- 
ter zeigen) sind ingemein srnnpffige und 
mar astige Plätze^ KvrchJioffe^ Schinn- 



grvheny oder wie unsere Preussen es 
nennen^ Schinkaulen^ Galgenplatze etc. 
Linem., Uu2a. 

schfns, adv,y gerade, aufrecht Dat 
Korn steit schtns. 

schipp, eine Art Interjektion. Schipp^ 
schipp^ was Net^s vom Jahr ! sagt man, 
wenn ein Gericht zum erstenmal im 
Jahre auf den Tisch kommt, während 
man den Tischnachbar am vordem 
Haarzipfel zupft. Das poln. czub Schopf, 
klingt an. Vgl. SchuprTne. 

Schippe, /., richtiger Schuppe^ Schaa- 
feL Ein Schippchen ziehen^ — machen 
kleine Kinder, wenn sie, dem Weinen 
nahe, die Unterlippe schaufelartig vor- 
schieben. Treichel. Nach den Ge~ 
danismen bezeichnet Schippe auch eine 
einfältige, dumme Person. Vgl. Schöpf. 

schippen, «to., sto&end werfen, schie- 
bend fortschnellen, werfen überhaupt. 
Pen BaU schippen. Bohnchen schippen, 
Einderspiel mit Bohnen, wobei es dar- 
auf ankommt, die eigene Bohne durch 
geschickten Stofz des gekrümmten Zeige- 
fingers schiebend nach einer gemein- 
samen Grube zu schnellen. Die kleinen 
Gegner suchen das Gelmgen des Wur- 
fes durch die Zauberformel: Hexe p^o^ 
fexe^ e Krtz vev^t Loch! zu verhindern. 
Wehlau. In Hessen nennt man dies 
Spiel bonsen^ bunsen. Vilmar, 48. 

Schippenbeil, Städtchen am Einflüsse 
der Gnber in die Alle, Kr. Friedland. 
Der älteste Name des Ortes ist Schiffen- 
bu/rgy woraus sich Schippenburg, Schip- 
penpil (püy altpr. Burg, Berg) und 
/SerAtpp^^allmählich bildeten. Voigts 
(Gesch. I, 495) Erklärung des Namens 
als „Wohnburg der Richter oder Schop- 
pen", die Preufz (Landes- u. VolksL, 
513) wiederholt, ist unzutreflFend. VgL 
Liek, 11 £F. Die Bewohner von Schip- 
penbeil heifzen spottweise Erbsen- 



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Schipper — Schirk. 



275 



schmecker. Die Lokalsage erzählt von 
ihnen, dafz sie einem Bauern eine 
ganze Fuhre Erbsen, die er nach der 
Stadt zum Verkaufe brachte, in ent- 
nommenen Probeu aufgeschmeckt haben. 
Das Erbsenschmeckerlied erzählt hier- 
von ausführlicher. N. Pr. Prov.-Bl. I, 
15flF. Volksl., 66, 44. Sprw. I, 744. 
Die Schippenbeiler heiizen aber auch 
noch Bärenstecher, weil sie, wie die 
Sage erzählt, ihren Bürgermeister, der 
in Königsberg sich einen Bärenpelz 
angeschafft hatte und in dem neuen 
Winterkleide prangend heimkehrte, für 
einen Bären ansahen und mit Spiefzen 
und Stangen überfielen. Reu seh, Sa- 
gen, 114. Sprw. I, 744. Liek, 283. 

Schipper, SchVpper, m., Schiffer, Eahn- 
führer. . . . das au/z des Monds auf 
und Untergang von den Schippem Ta- 
bulen gemacht fjDorden. Linem., Aa2a. 
Aho dafz die Schipfer gewisse Regeln 
darOber (über Ebbe und Flut) verfer- 
tiget haben. Ibid., Aa 1 b. Im Werder 
und auf der Danziger Nehrung Schöp- 
per die Aufkäufer von Obst oder Päch- 
ter der Obstgärten. Sie werden ScÄ^^ 
genannt, weil sie das Obst in Kähne 
verladen und in diesen zum Verkauf 
in die Städte führen. Vgl. Violöt, 90. 
SchoppeTy SchoppeTy ül om Mast^ hol 
de Katt htm Zägel faxtl Neckreim. 
Volksr., 84, 344. 

SChippig, adj,^ dumm, einföltig. Gre- 
danismen. VgL Schippe. 

Schipprfn, Dem. Schipprinchen, s. 
SchuprTne. 

schipsen, sw.^ dem Tone nachgebildet, 
deu Küchlein hören lassen, die man 
danach auch Schipser nennt. Friedland 
Ostpr. 

SChTr, adj. 1. 4m vermischt, lauter, 
klar, hell, rein, glatt Schtrer Speck. 
Schtres Fleisch, Fleisch ohne Knochen; 



auch tautologisch: das reine , schiere 
Fleisch. Schiren Hafer füttern, reinen 
Hafer, ohne ihn mit Häcksel zu ver- 
mischen. Der Hafer steht recht schtr, 
recht rein, ohne dafz er mit Gras durch- 
wachsen ist. Schire Butter essen, wört- 
lich reine, klare Butter essen; doch 
hört man die Bedensart schon, wenn 
die Butter dick aufs Brot gestrichen 
ist Das sind ja schire Knochen, lauter 
Knochen, sagt die Köchin zum Fleischer, 
um das Fleisch im Preise zu drücken. 
Ein schtres Brett, glatt gehobeltes, ast- 
freies Brett Sie hat eine schire Haut, 
eine glatte und weifze Haut ohne 
Flecken. 2. glatt und gerade, hart und 
fest gewachsen. Schtres Holz, schtres 
Stroh, Holz imd Stroh, das die an- 
gegebenen Eigenschaften hat. Alts. 
sktri, skir, ags. sctr, engl. shee9\ altfr. 
sktre. Vgl.Brem.Wb.IV,659.Schamb., 
184a. Vilmar, 350. Schade, 798a. 
Hennig, 252. 336. 

schtr, adv., beinahe, öck st schir 
verhungert, öck wet schtr nich utnoch 
on. Mhd. schir; s. Schade, 791a. 

Schtr, m., feine, lose gewebte, klare 
Leinwand, feines Kammertuch. Die 
Wohlhabenden tragen von Schier aus 
dem Krahm ihre Schleyer. Lepner, 66. 
Von schtr 1. Das lit szyras feine Lein- 
wand ist aus dem deutsch. Schtr ge- 
bildet; sie heii'zt sonst szydas. Mi elcke, 
411a. Unter Schiertuch verstand man 
aber auch das grobe Kanmiertuch, durch 
welches man Flüssigkeiten filtrierte. 
Brem. Wb. IV, 660. 

schirgeln, sw., zur Bezeichnung 1. der 
ersten Gesangsübungen junger Vögel, 
2. der ersten Übungen im GeigenspieL 
Vgl. quirksen. 

Schirk, m., Schirke, Scherke, SchSrice, - 
f.y auch Tsch anlautend, 1. Hausgrille, 
Heimchen, Gryllus domesiicus. Lit. 

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276 



schirken — Scbilz. 



iirhe^ letLzirzenSy poln. hnercz^ itüierszcZy 
sunerszczeky böhm. cwriek^ russ. swer^ 
czök. Nsslm. Forsch. 3; Th., 164. Das 
Volk schont diese Tierchen, weil sie 
dem Hause Segen bringen. Bock, 
61. Hennig, 243. Mühling, Tiern., 
177. S. Mauerschirk. 2. kleiner, schwäch- 
licher Mensch. Pierson, Altpr. M. 
Vm, 367. In Friedland Ostpr. Schirks. 

schirken, schirksen, scherken, schVrken, 
SiT., schvi% schirks hören lassen, schril- 
len, zirpen; von dem eigentümlichen 
Ton, den Grillen und Heuschrecken, 
hin und wieder auch die Sänger unter 
den Vögeln hören lassen. Den un- 
melodischen Gesang der Vögel nennt 
man vorzugsweise schirksen. Lit. czlrsz- 
kiaj czirkszti^ lett. tsckirkatekt. Nsslm. 
Forsch. 3; Th., 164. 

SchirkSy m., s. Schirke. 

schirks, interj.^ der zirpende Ton 
der Grillen und Heuschrecken, des Fin- 
ken, Kanarienvogels u. a. Sänger. Vgl. 
schirken. 

schirksen, sw,y s. schirken. 

Schirrarbeiter, m., Arbeiter, welcher 
Geschirre: Wagen, Leitern, Pflüge etc. 
fertigt und auszubessern hat. Er heiizt 
im Netzedistrikt Schirrknecht 

schirren, sw,^ das Geschirr den Pfer- 
den auflegen, überhaupt das Fuhrwerk 
bereit machen. Bildlich: sich reisefer- 
tig machen. Ihickt sock en Dickkopp 
op^ so kannst dt^ Bür^ Toan schorre^ Gä 
afy renn stramm Galopp. Lhrztg. 4, 
355a. 

Schirrhtfiz, n.^ Holz, aus welchem die 
ländlichen Geräte gefertigt werden. Hier- 
nächst iheilet man es (das Holz) in Battr- 
holz ,..\in NutZ'y oder Wirk- und Schirr^ 
holz^ so von Müllern, Böttchern^ Tisch- 
lern. Schirr- und Rademachem, Drechs- 
lern u. d, g, verarbeitet wird, Bock, 
Nat. m, 23. 



Schirrkammer, /., Kanamer, in welcher 
die ländlichen Geräte (Geschirre) ge- 
arbeitet oder aufbewahrt werden. 

Schirrknecht, m., s. Schirrarbeiter. 

Schirrmacher, m.. Verfertiger der länd- 
lichen Geschirre, Geräte = Schirrar- 
beiter. 

Schiich, /., weibliche Haube, s. Hifoh. 

Schischke, auch mit T anlautend 
Tschischke, m. u. /., Tannen- oder Fich- 
tenzapfen, Kienapfel. Poln. szyszka^ 
russ. szlszka, böhm. ssysska, wend. Sifkay 
lit. czyszka^ czeczka. Nsslm. Forsch. 
3 ; Th., 164. öck war dt lere op Schischke 
danze! als Drohung. Sprw. I, 2387. Im 
Oberlande Schischken auch die hakigen 
Samenköpfe der Kletten. 

Schischkebauer, m., Spottname für 
einen Bewohner des Dorfes Metgethen 
im Samlande. Er ist ein Schischke- 
bauer, ist aus Metgethen. Vgl. Kar- 
toffeihengst 

Schischkeficht', /., verkümmerte Kie- 
fer. Sperber, 43. 

Schischkewasser, n., unreines Wasser. 
Dorr, 1. Wiew., 67: Du schmoddliget 
Schischkewater! als Schimpfwort. 

Schischmen, plur., ungarische Halb- 
stiefel. Mühling. 

Schisser, m., s. Schifz. 

Schifz, w., Yon schei/zen; übertragen: 
hochgradige Bangigkeit, Besorgnis, 
Angst, Furcht. Er hat Schi/z, hat 
solche Angst, dafz er sich fast in die 
Hosen macht. Davon: AnschHz, m., Be- 
trug, arge Täuschung; nach Treichel 
auch Moralpredigt, ernstes Wort. Es 
gab einen gehörigen Anschi/z, einen 
Wischer, anscheifzen, st, täuschen, be- 
trügen, und wohl auch in zweiter Be- 
deutung. Verschifz, m., Miizachtung, Ver- 
ruf. Verschifz machei}, Fiasko machen. 
Er ist in Verschi/z erklärt Sperber, 
33. Schisser, m., ängstlicher Mensch, 



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Schüzmagratzki — Schlabber. 



277 



Mensch, der dem Leben abgestorben 
ist. Bierschisser, m.^ der beim Bier in 
Verschife erklärt ist. Treichel. schifz- 
rig, od/., furchtsam, ängstlich. Sperber, 
28. Die meisten dieser Wörter sind 
Studentenansdrücke. 

Schifzmagrabki. ErütSchi/zmagratzki, 
in Verlegenheit, weifz sich nicht zu hel- 
fen. Gilgenburg. Sprw. I, 3305. Viel- 
leicht aus dem poln. mokrzyc harnen, 
von mokro nafz: die gröfzte Verlegen- 
heit ist wohl, von solchem Bedürfiiis 
gequält zu werden. 

schifzrig, adj,, s. SchHz. 

Schitte,/., WeberschifiFchen, s. Schutt. 

Schittermus, /., Milch- oder Wasser- 
suppe mit Weizenmehl. Sperber, 35. 

Schtttobje. Schtttobje ü e Walfkchl 
beim Überstechen einer Karte; auch 
als Zurückweisung einer Behauptung. 
Das Wort ist Zusammensetzung aus 
dem deutschen &chH und dem poln. 
dohit vollends totschlagen, den Rest 
geben: dohit w grze überstechen im 
Kartenspiel. Sprw. I, 3306. 

Schttwabbely m., Roi'zkäfer, s. Wabbel. 

SchTwe, Schtw, SchTbe, Scheibe, Scheib, 
/., Dem. ScMwkCy Schtwchen etc. 1. 
alles Flache und Runde. Schie/zscheibey 
Apfelscheibe^ Wurstscheibe etc. 2. Tel- 
ler, weil er flach und rund ist. Der 
hchd. Ausdruck Scheibe für Teller ist 
ungewöhnlich, wo er gebraucht wird, 
geschieht's irrtümlich, indem mwoilSchiwe 
für pltd. hält. Lit sz^i^e^ um Memel 
sk^e. So schone Schtwkes^ blotzeblank^ 
On Teppkes^ Pannkes klene. Samland. 
Firmenich UI, 177a. Scheibchen, auch 
TeUerchen werfen = Butterbrot (s. d.) 
werfen. Im Werder Schtwe auch Tasse : 
e Schiwke Koffee, 3. es verliert sich 
der Begriff des Runden und bleibt nur 
noch der des ausgedehnt Flachen: 



Fensterscheibe. Nsslm. Forsch. 2; Th., 
165. Hennig, 228. 

schTwelig, ädj\ s. schTbelig. 

Schtweschrilg', /., schiefe u. schräge, 
d. i. geneigte Ebene im elbing- ober- 
ländischen Kanal; es giebt deren fünf. 
Dönh. Schemionek, 34: schi^e 
Schräg, 

ichiwo, adß.y lustig, flott, munter, poln. 
iywo. Er lebt ichiwo. 

Schlabftk, Schlabauks, Schlabauchs, m,y 
Nichtsnutz, Taugenichts, Tölpel, Herum- 
treiber, ungeschickter, ungeschlachter 
Mensch ; auch blofzes Schimpfwort für 
einen lümmelhaften, unreifen, hoch auf- 
geschossenen Burschen. Das ist ein 
rechter Schlabdk. In Westpr. auch 
Schlabacks. Bock, 57, Hennig, 233: 
Schlabatcchs. Gleich im Begriffe sind 
Schlabammel , Schlabommel , Schlftlos, 
Schlftzu, m., und die unter Laband auf- 
geführten Namen. HoU. slabakken träge 
sein. 

schlabaksch, schlabauksch, schla- 
bauchsch, adj. von Schlabäk etc., was 
einem solchen eigen in Wesen, Haltung, 
Sprache; namentlich von lotterigem 
Gange. Potz klofft! öhst (ist es, das 
Buch) wo Lecktins (lateinisch), ok idoU 
Schlabaacks geschrehwenf Carm, nv/pt 

m, öod. 

Schiabbe, seltener Schlappe, /. 1. Vor- 
tuch, Latz, Serviettchen, das man Kin- 
dern umbindet, damit sie sich beim 
Essen nicht beflecken und gewöhnlich 
im Dem. Schlabbchen, n. Sperber, 
28: Schlappchen. 2. Schürze. Dönh. 
Im Oberland heifzt eine Schürze mit 
Latz Schlappschurze, SchlappenschUrze. 
Holl. slabdoeky slabberdoekje^ in Pommern 
Slabtasche. Dähn., 425b. Brem.Wb. 
IV, 795. Bock, 57. Hennig, 233. 

Schlabber, m. 1. flüssiger, breiartiger 



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278 



Schlabberlise — schlackern. 



Stra£zeü8chmatz. 2.sclileimartigerSpei* 
chel, Geifer. Der Schiabber hängt ihm 
zum Maul heraus. Holl. dabber. In 
ersterm Sinne noch: Schlabjunter, 
Schmadder, Schlonter, Schlubber, m. 3. 
schlaffes, weiches, haatartiges Fleisch. 
Der reine Schiabber. 4. Mund, Maul; 
in Posen Schiabber Schlappe. Bernd, 
258. Davon 8Chlabb(e)rig, adj. in allen 
Bedeutungen; von 4: schwatzhaft. Ein 
ichlabVriges Weib. 

SchlabberlTse, -michel, m., Schwätze- 
rin, Schwätzer. 

Schlabbermaul, m., Tautologie für 
Schwätzer. Vgl. Schiabber 4. 

schlabbern, sfw. 1. mit hohler Zunge, 
läppend und schlürfend saufen oder 
eine flüssige Speise genicEzen; zunächst 
von Hunden, dann aber auch vom Men- 
schen. Ei gab viel zu schlabbern. Schiab- 
ber die Suppe aus! Hans, komm Botte- 
melk schlabbre! Volksr., 263, 916. 2. 
geifern; beim Essen das Genossene aus 
dem Löffel oder aus dem Munde fliefzen 
lassen. 3. schnell und gexlankenlos re- 
den, schwatzen, plappern. Das schlab- 
bert er nur so hin. In Bremen, Ham- 
burg, Pommern 1. slabben von labbere 
lecken, im Götting. slabbem, in Bayern 
schlappen; in den andern Bedeutungen 
slabbem. Holl. slabben, slabberen, engl. 
to shbber nafz machen, begeifern. Brem. 
Wb. IV, 794. Richey, 256. Dähn., 
425b. Schamb., 192b. Schmeller 
in, 454. Vilmar, 351. Bock, 57. 
Hennig, 233. Vgl. sabbern u. tehab- 
bem. 

Schlabjunter, tt»., s. Schiabber. 

Schlablauer, w., Weste. KL Werder. 

Schlabommel, m. In gleichem Sinne 
wie Labomm£l und Schlabäk. Davon 
8chlabomin(e)lig, adj. 

Schlachnutke, m.^ Bauch. Treichel. 

schlachten, su?., ähneln, ahnen, nach- 



arten, nachschlagen, gleichen. Das Kind 
schlachtet nach dem Vater. Em Figur ^ 
die den Kenik vorstellt on och ganz na 
em Schlacht. Schal^. 3, 10. He Schlacht 
em, wt e Molketewer dem Henerhäwke. 
Kgsbg. Firmenich I, 103a. Er (es) 
schlachtet nach dem Klaffkey sieht hä(z- 
lieh aus. Ahd. slahta, mhd. slcJUe 
Geschlecht, Herkunft; Gattung, Art. 
Schade, 818a. Schlachten hat also 
zunächst die Bedeutung: verwandt sein, 
in die Art schlagen. Was aus der Art 
schlägt, ist ungeschlacht. Bock, 57. 
Hennig, 233. Vgl. schlagen; auch 
lachtig. 

Schlachtwurin,9n.,eine Assel (Oniscus)- 
Art, die den Fischen gefahrlich sein 
soll. Danzig. Bock, Nat. IV, 736. 

Schlack, 97»., schlacken, sw.^ schlackig, 
adj.^ Schlackwetter, n., s. Schlagg etc. 

schlackeldem, schladelkern, sw.^ unstät 
umhergehen, in weiten, schwingenden 
Eieidem; vielen Raum beanspruchend 
hin und her spazieren. Oberland. Vgl. 
schlackern 2. 

Schlacker, /. 1. Raum eines Baner- 
wagens hinter dem Gesäfz, Packraum. 
Einen in die Schlacker laden, ihn in 
den Hinterteil des Wagens aufnehmen. 
In Bayern der Schlotter. Schmeller 
in, 461. 2. flüssige Speise, die sich 
schlackern läfzt. Schlackergrütz, eine sehr 
wässerige Grütze. 3. flüssiger Strafzeü- 
schmutz, dasselbe was Schiabber. Von 
schlackern. 

8chlack(e)rig, adj., schlaff, schlapp, 
ohne Halt. Schlackerig gehn. Es sitzt edles 
schlackrig an ihm, seine Kleider hängen 
weit und schlaff um seinen Körper. 
Nach Mühling auch SChläkerig, nach 
Bock, 58, schlekrig, nachlässig. Von 
schlackern. 

schlackern, sw. 1. schaukelnd wackeln, 
schwanken, schüttelnd etwas bewegen^ 



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schlackig — Schlafsteller. 



279 



schlenkern. Die Teerpavdel schlackert 
am Wagen, Mü dem Kopfe schlackern^ 
schütteln. Arme und Beine schlackem^ 
hin und herwerfen. Die Medizin in 
der Flasche schlackern ^ durchschütteln. 
Vgl. schlickern. 2. zwecklos gehen. Er 
schlcu^kert hin und her — schlackert die 
Straf ze auf und ab. Besondersch Mede 
micht eck geemCy du schla^kerscht met, 
Nowack, 60. 3. essen, meist mit 
schlürfendem Ton. Die Mus schlackern. 
abichlackern, abschütteln. Der nasse 
Hund schlackert sich ah. Sich eine 
Tracht Prügel abschlackem. aU88Chlak- 
kem, 1. ausschütteln. Einen Staub- 
lappen aiusschlackem, 2. die Suppe 
ausschlackem. Wie schlackern 3. be- 
schlackem, dch (s. d.). verschlackem, 
durch Schlackern eine Flüssigkeit ver- 
schütten. Bock, 57. Hennig, 234. 
Sprw. II, 1294. 

schlackig, adj,^ s. schlaggig. 

Schlacknik, (?), eine Art Ealteschole 
aus dem grünen Kraut des Dimke^ aus 
Blättern von frischen roten Rüben oder 
Sauerampfer. Litauen. Bock, NatI, 
273; er schreibt Chlacknik. 

schlacksch, adj. u. adv., s. schlagsch. 

schladeikem, 9w,y s. schlackeidem. 

Schlafblume, Pflzn. 1. Frühlings-Euh- 
schelle, PuUatiUa vemaUs MiU.^ wahr- 
scheinlich, weil sie ihren Kelch zur 
Nacht schliefzt. Soll nicht ins Haus 
gebracht werden, wenn die Gänse brü- 
ten, weil sonst die Embryonen im Ei 
ersticken würden. Wahlendorf. Trei- 
chely Yolksth. 2. Wiesenschaumkraut, 
Cardamine pratensis L. Friedland Ost- 
preuTzen. Kgsbg. Mühling. 

schlafen, st schlafen schlief ich nicht 
— eine preuf zische Redensart für die 
nichts bessere: schlafen that ich nicht. 
Soph. R. VI, 346. 

Scblaffke^ m.^ s. t. a. Bressem (s. d.). 



Schlafittchen, n., Zipfel des Kleides, 
Rockes, Ärmel, Kragen, in Litauen so- 
gar die BefiPchen der Prediger. Einen 
beim Schlafittchen kriegen^ ihn am Rock- 
zipfel, Ärmel etc. festhalten. Wenn du 
nicht gleich artig bist^ nehm' ich dich 
am Schlafittchen und werf dich hinaus! 
Richey, 57, erklärt zutreffend Slafittje 
mit Schlag-Fittich^ Flügel mit den Schlag- 
oder Schwingfedem. Vgl. Brem. Wb. 
1,385. Dähn.,426b. Mi, 79b. Bernd, 
259. Anton 12, 16. Schmeller III, 
444. Vilmar, 351. Danneil, 194a. 
Abweichend von Schlagfittichy erklärt 
Sallmann, 39b: Schlafvtt Schulter. 
S. Klafittchen u. KlaffSz. 

Schlafl(Omode, /., Kommode, die aus- 
einandergeklappt als Bettgestelle dient. 

Schlafkunz, auch kurz Kunz, m., apfel- 
artiger Auswuchs auf Hagebutten und 
wilden Rosen, verursacht von Schlupf- 
wespen. Mühling. In Bayern der 
KuenZy Schlafkuenz Schlafapfel. Man 
legt ihn dort unter das Kopfkissen, um 
den Schlaf zu befördern. Schmeller 
n, 314. 

Schlaflaus, /., Laus, die den Schlaf 
bringt. De Schläplües btte^ sagt man 
zum schlaftrunkenen Kinde. Sprw. I, 
3205. 

Schlafratz, /., zur Bezeichnung eines 
Menschen, der gern und viel schläft. 
Schlafratz ist ursprünglich ein Name 
des Murmeltieres oder auch der Hasel- 
maus, welche beide ihres langen Win- 
terschlafes wegen bekannt sind. Vgl. 
Ratz. 

Schlafstelle, /l, Stelle zum Schlafen, 
Nachtquartier. Unverheiratete Arbeiter 
und Handwerker mieten bei kleinen 
Leuten eine solche Stelle zur Nacht- 
herberge. Kgsbg. 

Schlafsteller, m., Inhaber einer Schlaf- 
stelle. Sie haben ihre Wohnung noch 



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280 



Schlag — Schlakanter. 



an drei ScMafsteller vermietet. Vgl. 
Betistater. 

Schlag, 97»., Donner, Donnerschlag; 
aber auch Schlagflafz. Wat Schlag on 
lAchting ofz datfer enLarmf Spook, 
470. In interjektionalen Ausrufen, Er- 
staunen und Überraschung ausdruckend, 
und in Flüchen, im Sinne von Donner- 
wetter. Chtt's Schlag^ Friede wo kommst 
du herf! Ertz Schlag! Wat Schlag! 
Schlag! dacht he, wat böst du fa e domme 
Kbt(z)! — Schlag! de Bä' ös hinga 
OTW, on woU di häle. Rastenburg. Fir- 
menich I, 109b. Wir Schlag! Schlag 
noch ent! In Zusammensetzungen: 
Schlagmargell, Schlagkerl, Schlagbhkrät, 
ähnlich wie Blitzmädchen, BUtzkerl, 
Blitzkröte. Auch in dem Sinne von 
Henker, Teufel: Oaut mi no'm ScMctg 
m>et jvgem Theebü, geht mir zum Hen- 
ker mit eurem Theebau. Deutsch- 
Krone. Firmenich HI, 501b. Wat 
ock nich mag, dat dräggt de Schlag, wat 
öck begehr, dat kommt nich her. Sprw. 
I, 2646. 

Schlage, f., Behälter, worin Kalk oder 
Lehm zum Bau präpariert wird. 

schlagen, st, ähneln, nacharten = 
schlachten. Hei schleit na stnem Väder, 
er schlägt nach seinem Vater. Tiegen- 
hof. 

Schlagg, Schlack, m., nasser Schnee- 
fall, Schneeregen. Ncuih dem Donner, 
Blitz und Regen, nach dem Hagel, 
Schlagg und Schnee geht die Sonne auf. 
Carm. nupt. I, 176. Die Zwölften sind 
in lauterem Schlagge zu Ende gelaufen. 
Linem., B 3 b. Im December haben wir 
insgemein unbeständiges Wetter, viel Re- 
gen, Schlacke, westliche Sturme etc. 
Bock, Nat. I, 315. 

schlaggen, schlacken, sw., schneien und 
regnen zugleich. Es schlaggt. Hen- 
nig, 234. 



schlaggig, schlackig, adj. von schlag- 
gen. Es ist schlag^ ges Wetter. In den 
Zwölften finden sich bisweilen gantz 
schlaggigtCj bisweilen gantz schone Tage. 
Linem., B3a. In Hessen ist solch 
Wetter schlackerig. Vilmar, 352. 

Schlagg-, Schlack-, Schlackenwetter, n., 
Wetter mit Schlagg. In Hessen Schlak- 
kerwetter. Vilmar, 352. 

SChiägig, adj. von schlagen. Einschlä- 
giger Weg, Weg mit ausgefahrenen 
Löchern, in die der fahrende Wagen 
schlägt oder stöfzt, v. Au er. 

Schiagios, m., s. Schiaios. 

SChlagsch, adj. u. <zdü., ungewöhnlich, 
absonderlich, sehr; Mühling erklärt: 
ungeheuer, erschrecklich. De Kröga 
mach schlaggsche Oge gemäkt h&bbe, ah 
he opwächt, Natangen. Firmenich I, 
110 b. Dat hebbe de schlagsch Kinder 
gedäne, sagt man, wenn man eine Schuld 
von sich abwälzen will. Dönh. He 
säd: Wt send doch schlagschen domm. 
Dzg. Nhg. Farad., 28. Es is schlagsche 
warm. Ermland. Schemionek, 34, 
hat für Elbing: schUicksche kalt. Das 
is schUicksche viel, ist sehr teuer. Wie 
ons Frind onnet Hoachtietshus keem, geit 
et aU schlagsch lostig to. Boldt, 6. 

Schlagtot, pltd. Schlädöt, m., grolzer, 
plumper und fauler Mensch. Ebenso 
in Liy- und Estland. Hupel, 206. 

Schlagtuch, n, s. Slagdök. 

Schlagwachtel, y., Wachtel, Perdia 
cotumia. Bujack, 380. Mühling, 
Tiem., 177. 

Schlagwasser, n., Medik., Wasser ge- 
gen den Schlag, A^pm aromaticcL 

Schläjän, m., Johann, der schlägt^ 
täppischer Mensch. TreicheL 

Schlakanter, m., Herumtreiber, Mensch 
in schmutzigen, zerrissenen Kleidern. 
Mühling. Davon schlakanterlg, adj. 
und schlakantem, sw. Wohl von schlah^ 



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schläkerig — Schlampe. 



281 



kern in der Bedeutung hin und her 
gehen. Vgl. schläkern. 

schläkerig, adj., s. schlackerig. 

schläkern, sw.^ nachlässig gehen, über- 
haupt nachlässig hin und her bewegen. 
Marold. YgL schlackern. 

SChiftkzig, adj.^ ohne Haltung. Geh 
nich 80 scJddkzig! Saalfeld. 

Schlftlos, m.^ buchstäblich ein Schlag- 
fo«, roher, plumper, ungesitteter Mensch, 
Nichtsnutz, Taugenichts, Herumtreiber, 
der sich, nach Bock, 57, ^weder durch 
Schläge noch durch Worte bessern 
läfzt, der gleichsam los von aller Zucht 
ist, bei dem, wie man hier sagt, Hop- 
pen und Malz verloren ist*. Davon 
schiaioslg, adj., schiaiosen, m. In glei- 
chem Sinne Schlftzu, Schlädöt, Schlagzu^ 
Schlagtot S. Schiajän u. SchlQlos. 

Schlammkasten, m. 1. Kasten an den 
Ausgängen der Kinnsteine, der, mit 
einem Rost versehen, den Schlamm 
zurückhält und nur das Wasser ab- 
fliefzen läfzt. 2. Nach Mühling der 
Abguiz an der Tabakspfeife. Dieser 
heifzt jedoch gewöhnlicher Schwamm- 
dose. 

schlammottig, adj.^ schmutzig. S ehe- 
rn ionek, 34. Tautologie aus Schlamm 
und Mott, 

Schlammpiezker, -pelzker, m,^ nach 
Sperber, 28, die Kaulquappe, doch 
auch jedes in schlammigen Gräben 
lebende Amphibium, oder jeder der- 
artige Fisch. Vgl. PTsker. 

Schlammsack, tt»., s. Schnappsack. 

Schlamp, m., Schlamm, Strafzen- 
scbmutz, flüssiger Kot, Schleim im 
Halse: Er rrmjz soviel Schlamp aus- 
»pucken. 

Schlampamp, m. 1. ekelhaftes Ge- 
menge von Speisen. Den Schlampamp 
kamn Sek nich ete, 2. Strafzenschmutz, 



Schlamm. Das ist guter Schlampamp. 
In Pommern und im Götting. slampamp. 
Dähn., 428a. Scham b., 193a. 

Schlampampe, /., zunächst wohl 
Frauenzimmer, das seinen Besitz ver- 
prafzt hat; doch auch altes Weib. Ein 
Hospitalsmütterchen nannte sich selbst: 
alte Schlampampe. 

schlampampen, sw. 1. schlemmen, 
prassen, gut und reichlich essen, schwel- 
gen, verschwenderisch leben. Aus 
schlemmen und pampeln. Dat heet ik 
schlampampt^ rnaer betaalt sali et wer- 
den^ das heifz' ich geschwelgt, aber be- 
zahlt soll es werden. Soph. R. Ill, 
486. Er hat alles verschlampampty er 
hat das Seinige verschwelgt, durchge- 
bracht. In Bremen, Holstein, Pommern 
slampampen^ in Bayern schlampampen. 
Brem. Wb. IV, 800. Schütze IV, 
113. Dähn., 428a. SchmellerlH, 
450. Hennig, 234. 2. durcheinan- 
der rühren, z. B. Speisen, s. Schlam- 
pamp 1. 

Schlampamper, 9^., Schwelger, Schlem- 
mer. 

Schlampamperei, f. 1. Schlemmerei, 
Schwelgerei. In Bayern Schlamp. 
SchmellerlH, 449. S. Geschlampamp. 
2. ünreinUchkeit. Mühling. 

schlampampig, adj. 1. schwelgerisch. 
Nach Schemionek, 35: schlampam- 
puserig. 2. schmutzig, unreinlich, un- 
ordentlich. 

Schlampe, Schlampe, f, 1. dünne, 
schlechte Suppe. 2. Branntweinspülicht. 
Von Schlamp. 3. nachlässige, unor- 
dentliche, schmutzige Frauensperson. 
Mühling. In letzter Bedeutung auch 
in Bayern. SchmellerlH, 449; in 
Hessen. Vilmar, 353. Vgl. Schlumpe 
u. Schiunze. In 1. u. 3. Bedeutung auch 
in Posen. Bernd, 261. 



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282 



schlampen — schlarren. 



schlampen, sw,^ schliDgend, schlürfend, 
mit Geräusch essen. Davon au88€hlain- 
pen. 

Schlampern, aw,^ im Schlamp, Kot, 
schlenkern, nachlässig gehen, so daTz 
man sich die Kleider beschmutzt. Aus 
Schlamp und schlenkern zusammenge- 
zogen. Lett. HcJdampokt^ auch ichlimpu 
schiampu eet dasselbe; schlampa einer, 
der also im Schlampe, Kote geht; lit. 
szlapüa feucht, nalz, szlampu^ szläpti 
nafz werden, Mampöti im Sumpfe wa- 
ten, kUmpstUj kRmpti in weichem Bo- 
den einsinken. Nsslm. Forsch. 3; Th., 
165. 

schlampig, ctd/. von Schlampe^ dünn, 
schmutzig, nachlässig; im Aui'zern un- 
ordentlich. Mühlin g. 

Schlampumper, m., weites Morgen- 
kleid, bequemer Hausrock. Er geht 
den ganzen Tag im Scfdampumper um- 
her. Friedland Ostpr. 

8Chlampumpem,«ti'., unordentlich,nach- 
lässig gekleidet gehen. Yon ScMam- 
pumper. 

Schlänge e), /., schlängen, 8w.^ s. 
Schienge etc. 

Schlangenäuglein, Pflzn., liegendes 
Scharfkraut, Asperugo procumbem L. 
Pritzel, 47. Garcke, 275. Hagen, 
207: Schlangenauge. 

Schlangenfett, n., Medik., Oleum Je- 
caris flamim. 

Schlangenmord, m., Pflzn., s. Natter- 
milch. 
Schlängtuch, n., s. Schiengtuch. 
SChlanIcweg, adv.y ohne Hindernis. 
Den Weg kannst du schlankweg fahren. 
Sa^ es nur schlankweg^ ohne Besorgnis, 
dafz ich's übel nehme. 

schlapp, ad^. u. adv. 1. schlafiP, welk, 
weich. Schlapper Hut. Oldy kold, slapp 
onm§twedderlichemSchmeerlmk. Dorr, 
l Wiew., 125. 2. flau; vom Wetter. 



Woher ist vergangener Winter so gar 
schlapp und Regenhaft gewesen? Li- 
nemann, Ii4b. Ist also . . . daraus 
ein schlapper Winter zu prognosticiren 
gewesen. Ibid., Kk 1 a. 

Schlappchen, n., Schlappe, /., s. 
Schiabbe. 

schlappen, sw., schlurfen, lecken wie 
ein Hund. Davon ausschlappen. 

Schlappen-, SchlappschUrze, /., s. 
Schiabbe. 

Schlapper, m.j Würfelbecher, weil er 
meist aus Leder gefertigt ist und durch 
den Gebrauch schlapp wird. 

Schlapperment, Fluchwort, als Ent- 
stellung und Yerhüllung von sacramen- 
tum^ allgemein üblicher Sapperment, 
Sackerment. Du warst potz schlapper-- 
ment veM nües von Er höre. Carm. 
nupt. V, 48 d. Potz dusendfelte Schlap- 
perment! Ibid., 145 b. 

Schlappermentstag, m. 1. der 31. Mo- 
natstag, für welchen das Militär kein 
Traktament erhält. Der Geldbeutel ist 
an diesem Tage schlapp^ er ist im Ge- 
gensatze zu den Traktamentstagen ein 
Schlappermentstag^ an dem man „auf 
dem Ladestock pfeift^. 2. Übertragen: 
jeder Tag, an dem man knapp und 
kärglich leben mufz. Heute ist Schlap- 
permentstag. 

Schlaps, m., grofzer, unbeholfener, 
namentlich junger Mensch. Treichel. 
In Bedeutung und Klang verwandt mit 
Flaps u. Laps. 

schlapsen, sw.^ mit Geräusch essen. 
Der Hund schlapst sein Futter. Vgl. 
schlauksen. 

Schlarr(e), /., s. Schlorre. 

schiarren, sw.j schleifend, schlarfend 
gehen; namentlich in losen, niederge- 
tretenen Schuhen, PantofiFeln, Schlorren; 
auch schlorren und schlurren. In Bre- 
men und Hamburg slarren^ im Hol- 



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Schlarrfatz — Schief. 



283 



steinschen slaareny in Pommern slar- 
pen, im Götting. ilarweUy in Bayern 
schlarfen^ tchlärfen^ schlärfeln^ schlar- 
pfen. BrenL Wb. IV, 816. Richey, 
260. Schütze IV, 114. D ahn., 428b, 
Schamb., 193b. SchmellerUI, 457. 
Bock, 57. Hennig, 234. 236. S. 
Schlorre. 

Schlarrfatz, /., aus Schlarr' = Schlorre 
(s. d.) nnd Fatz (s. Fdts) zusammen- 
gesetzt, Schimpfwort für das weibliche 
Geschlecht Ennland. Sperber, 28* 

Schlarze, /., Schimp&ame för ein 
nachlässiges , unordentliches , träges 
Frauenzimmer. Von scMarren. In 
Bremen Slarrhacke^ Slärke^ Slartge, 
Letzteres im Hannöv. auch eine Kuh. 
Im Götting. slarzy m. ein sehr schlech- 
tes Stück Zeug, ein Lumpen. Brem. 
Wb.IV, 816 Schamb., 192b. Vgl. 
Pflaumenschlarze. 

Schlasak, m.^ s. SchlSsak. 

Schlaube, pltd. SchlQw(e), /, Hülse, 
namentlich die grüne Schale, worin die 
Erbsen, Bohnen, Nüsse etc. sitzen. 
Nach Sperber, 28^ auch die Schalen 
der Kernfrüchte. Er hat Schlaaben 
vor den Ohren^ er will nicht hören. 
Sprw. I, 2842. Zu dem, der über je- 
des kleine Unwohlsein Klage erhebt, 
sagt man ironisch: ü hat sich ihm 
(beim Erbsenessen) eine ScUavbe vors 
Loch gesetzt, Jerrentowitz. Schlaube 
und Schimoe als Bemsteinsorte, s. 
Stein 2. 

schlauben, pltd. schlQwen, sw.^ die 
Frucht aus der Schlaube nehmen, ent- 
hülsen. De Schuhlke schluhwd de Mang- 
deUKarmel. Carm. nupt I, 282, 7. 
ausschlauben, dasselbe. Die Erbsen — 
Bohnen ausschlaubenj sie aus den 
Schlauben auslösen. . . . Dat ek mi den 
Handschke utschJuuwd, eigentlich die 



Hand aus dem Handschuh zog. Dorr, 
Driewjagd. 

Schlauberger, m, zur Bezeichnung eines 
schlauen Menschen. 

Schlauderpreis, m,, Schleuderpreis, 
von schleudern, unter dem Preise ver- 
kaufen. 

Schlaufen, sw.^ streifen, etwas Weites 
überziehen, aufziehen, aufstreifen: ei- 
nen Schiauf, d. i. eine Hülle, Decke 
etc. überziehen. Schlaufelelen, Geschirr^ 
das den Pferden leicht aufgelegt wer- 
den kann. Mühling. 

Schlauks, m., einer, der durch Dick 
und Dünn geht. Von schiauhen 2. 

schlauksen, sw. 1. schlampen, flüs- 
sige Dinge mit ausgestreckter Zunge 
massig hineinschlingen, so dai*z die 
Speise umherschlägt und die Thätig- 
keit des Essens hörbar wird. Zu- 
nächst von Hunden, dann aber auch 
von Menschen^ welche flüssige Speisen 
mit Geräusch verzehren. Das Wort 
ist schallnachahmend. Vgl. schlapsen. 
2. durch eine Pfütze kräftig waten, 
so dafz das Wasser umherspritzt nnd 
ein platschender Ton hörbar wird. 

Schl&zu, 97»., s. Schlabik. 

schlecht, adj,j krank, stark unwohL 
Mir ist so schlecht, ich fQhle mich sehr 
unwohL Er ist schlecht^ ist sehr krank. 

Schlecker, m., fette^ schlüpfrige Thon- 
erde, Schlick. Hennig. 235. Davon: 

schleckerig, adj,^ schlüpferig. 

Schledtehak, m,, s. Schlesak. 

SchlSf, Schleif, m. u. /. 1. grofzer 
hölzerner Kochlöffel , Aufschöpflöffel. 
Sie (die Kaufzeln) werden gefällt mit 
dem Schlaf oder Schöpflöffel, Pierson, 
Matth. Prätor., 51. Darauf nimmt er 
einen Schlaf . . . und schlagt den Hahn 
. . .damit todt Ibid., 62, S. 75 u. 95: 
Schleef MargeUes son de gelegne Pöppes^ 



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284 



Schlehen — Schiengtuch. 



Jungem sön de Teerschleefs. Volksr., 
49, 186. S. daselbst 87, 365: Grött- ' 
zchleef. Wir vnmschen der Köchin 'ne 
eiserne Schleif, da/z sie kann rühren die 
Knochen zu Fleisch. Volksr. 213, 785. 
In Westpr. auch SIeif, holl. slef. 2. 
jedoch nur in der plattdeutschen Form: 
Schimpfwort auf einen einföltigen, trä- 
gen, unbeholfenen Menschen. Angs. 
slaeto, slow, sleaw faul, träge, engl 
slowy holl. sloef; im Götting. sleif. 
Brem. Wb. IV, 819. Schamb., 193b. 

Schlehen, rote, Pflzn., s. Sanddom. 

Schlei, SchlT, Sly, Schley, Schleie, Tin- 
ca vulgaris, die Schleihe. Altpr. Unis, 
lit. kur. lynas, mas. kass. lien, lin. 
Benecke, 111. 

Schleicher, m., schleichender Bauch- 
wind, Flst. Das soUte ein Schleicher 
werden und wurde ein Qaarrer, Sprw. 
I, 3333. 

schleierhaft, adj., unklar, verborgen, 
gleichsam verschleiert. Die Sache blieb 
schleierhaft. 

Schleif, 771. u. /., s. Schief. 

Schleifbaum, pltd. SchKpböm, m, zwei- 
beiniges, zirkelartiges Gestell mit Deich- 
sel, auf welchem der Pflug zum und 
vom Acker geschleift wird. Dönh. 
Auch Deichsel der Schleife. De BuW 
de kommt, denSchlepebom nömmt Volksl. 
36, 23, 4. 

Schleife, pltd. SchlCp, /., niedriger, 
unbeschlagener EufiEschlitten. In Bre- 
men Sleep, Slepe, im Götting. Slepe, 
poln. szlufa. Brem. Wb. IV, 823. 
Schamb., 194a. 

schleifen, st 1. schärfen. 2. ge- 
winnen. Hier ist nichts zu schleifen, 
3. schleppen, etwas auf einer Schleife 
fahren. 4. Den Fuchs schleifen, Trink- 
art in der Danziger Nehrg. Viol^t, 
164. 

Schleifer, m., alter Tanz, bei dem 



man sich schleifend fortbewegte. Ge- 
Schwindschleifer ^ Hopsaschleifer (s. d.). 

Schleifern, sw., einen Schleifer tanzen, 
machen, tanzen überhaupt. 

Schleifhamen, 9?»., Fischergerät. Pier- 
son, Matth. Prätor., 117. 

Schleim, m,, zähe, leimige und schlüpf- 
rige Grütze: Schleimgrütz, Haferschleim, 
Hafergrütze. 

Schleimer, m., jüd. Vorname, Schlaume 
= Salomo. 

Schleimgrtttz, /., s. Schleim. 

schlekrig, adj,, s. schlackerig. 

Schlemper, m,, Schlemmer, schlem- 
pem, sw.y schlemmen. Treichel. 

Schieng, /., ein Stück Wiese zwi- 
schen zwei Gräben. Marold. Nach 
Sperber, 28: imErmlande eine Furche 
in der Wiese. 

Schienge, Schlänge, /. 1. Schlmge. 
Der Vogelsteller wird in Schlengen seihst 
bestrickt Carm, nwpt, I, 288. 2. eng- 
maschiges Netztuch, das eigentliche 
Netztuch im Eurrennetze, lit. anka. Die 
ScAfen^^istlänger als ihre beiden iSfwwn^ 
(s. d.) und liegt zwischen den beiden 
Gaddem in lockeren Falten. Schlenge 
auch hier = Schlinge, da die Fische 
in den zusammengezogenen engen Ma- 
schen wie in einer Schlinge gefangen 
werden. S. Benecke, 373. Vgl. Blatt 
und Gadder. 

schlengen, schlängen, sw,, schlingen, 
umschlingen, mit einer Schlenge oder 
Schlinge umspannen. Bauhandwerker, 
Feldarbeiter u. a. schlengen Fremde, 
welche den Bau oder das Feld betreten, 
um dieselben in Augenschein zu neh- 
men. Gewöhnllich halt der Schiengen- 
de dabei eine Anrede. Vgl. binden. 
Hennig, 335. 

Schlengtuch, Schlängtuch, n, Tuch, das 
man um den Hals schiengt, schlingt, 
Halstuch. Qedanism, 



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schlenkern — ScW^tel. 



285 



schlenkern, aw. 1. unregelmäTzige 
schlingende Bewegungen mit Armen 
oder Beinen machen; schlotterig gehen^ 
schlendern, mufzig gehen. Er kan 
nicht mehr ah die . gomen und pflaster 
treten^ schlenckem gehen etc. Stein, 
Peregrinos XIII, 87. W. MtsbL VI, 
159. 2. schleudern. Schlenker^ /., 
Schleuder. Jeroschin: otu^h sul vnr 
eine alenkir hdn ob vnr zu atrtte woUin 
gdn 20a. Pfeiffer, 220. Muller, 
Paraphr., 43. Vgl. Brem. Wb. IV, 
822. Schmeller IH, 453. Vilmar, 
355. Sallmann, 39b. Weigandll, 
588. 

Schlensak, m., s. Schiesak. 

Schlenter, m, 1. langer, schleppen- 
der Rock. Danzig. W. Seidel, 34. 
2. Haut, welche sich auf der Milch etc. 
absetzt. Gedanism. 

schlentem, schlentrieren, st^., schlen- 
dern, mufzig und gemächlich in den 
StraTzen umherspazieren. !ßock, 58. 
Hennig, 235. 

Schiep, /., 8. Schleife. 

Schleppchen, n., eine Art Kopfbe- 
deckung im 16. Jahrhundert. Sameten 
Schlepchen vnd Mardeme Mützen. Kld.- 
Ordg., 370. Vgl. Adelung Hl, 1523: 
Schleppe. Frisch H, 193b: Schlappe. 

schleppen, sw. Sich mit einem kran- 
ken Leibe schleppen — sich mit dem 
Fieber schleppen, die Krankheit, das 
Fieber nicht los werden. Sich mit ei- 
ner Person schleppen^ mit einer Person 
andern Geschlechtes in • unerlaubtem 
Verkehr stehen, aber auch eine lange 
Brautschaft haben. Bock, 58. Hen- 
nig, 235. 

Schlepplose, n., das gemähte Getreide, 
welches auf dem Felde ungebunden 
liegen geblieben ist und geholt wird, 
nachdem schon alles in Garben ge- 



brachte Getreide eingefahren ist. Saal- 
feld. 

Schleppsack, m.^ ein Mensch, der im 
Gehen nicht recht fort will oder kann 
und sich gleich einem Sack schleppen 
läfzt. Bock, 58, und nach ihm Hen- 
nig, 235, haben in gleicher Bedeutung 
Schleppschink, m., „der nicht so wohl 
geht, als die Schinken nach sich 
schleppet." 

Schleppschink, m. 1. Klätscher, 
Ohrenbläser. Samland. S. Schwellen- 
schlepper. 2. nach Muhling das Schin- 
kenfleisch an einem Gansfufze.. Vgl. 
auch Schleppsack. 

Schleppsel, n., was sich auf einmal 
schleppen, tragen, oder fahren läfzt, 
eine kleine Last, ein kleines Fuder. 
Ein Sleppsel Sprock — Heu — Holz. 
Von schleppen. Hennig, 335. 

SChlSren, sw.^ zu vorteilen suchen, 
sich bereichem, an sich raffen, viel 
Geld einnehmen. Natangen. Franzos^ 
Kujon^ wt käme schon! Wt wäre di 
schon lehrcy to schiieke on to schleere. 
Volkslied: Wat de lettausche Dragoner 
dem Franzos verteilt, 1870. Fliegendes 
Blatt Reyländer, Tilsit. 

Schltoacl^ Schiensack, m., eine Art 
Gebäck in Zwiebackform, ursprunglich 
schlesisch. Von dem poln. üqzak 
Schlesier. Schmitt, 109; Westpr., 
167. In der Gegend von Kreuzburg 
und Zinten Schlasak, bei Sperber, 
40: Schlunsak, Schllnsak, bei Sche- 
mionek, 35: Schledichak. 

Schlesinger, m.y Schlesier, ursprüng- 
lich der schlesische, jetzt fetst jeder 
herumziehende (Leinwand-) Händler. 

Schiet, n., Zaun, Gatterthor. Muh- 
ling. Von scUeten schliefzen. 

SchlStel, Schltttel, /., Stange zum 
Deckenbelag des Stall- oder Schoppen- 



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286 schietsam — schlingen. 

raumes, worauf Heu, Stroh etc. ge- N. Pr. Prov.-Bl. V, 187. 2. ab und 

lagert wird. Dönh« Friedland Ostpr. zu einen Schlack nehmen. 

schletsam, c^,^ gelassen, phlegmatisch. Schlicl(ge8chworenery9n.,Geschworener, 

Dzg. W. Seidel, 34. vereidigter Aufseher in den Niederon- 

Schleuse, /*., groi'ze Menge, lange gen, dem die Beaufsichtigung der La-- 

Reihe. Mühling. ken zugewiesen ist. Von Schlick = 

Schley, Schlf, /*., s. ScMei. Schlamm. Der ScMickgesckworene bat 

Schlibb, /., der durch Aufziehen eines also vorzugsweise darauf zu sehen, 

der Bretter hergestellte Durchlafz in dafz die Ldken nicht verschlammen, 

einem Bohlenzaun, speziell das Brett Vgl. Lftke. 

selbst, welches aufgezogen wird. Sper- schlickrig, ad;.^ nicht bindig; von Saa- 
ber, 28. S. Schlipp. cen. Schemionek, 35. 

schlicht, ad/, u. adv, 1, eben, glatt, schliddern, sw., schlittern, auf der 

ohne Höcker. Angs. slithy schwed. Eisbahn hingleiten. Treichel. Vgl. 

slaet^ dän. slett^ altfir. sliueht^ hoU. schorren. 

shMk. Schlichtes Ma/z, nicht gehäuftes, schliefzen, st. , schleiTzen. Federn 

glatt abgestrichenes Mafz. Schlichte schliefzen^ die Fahne in kleinen Flock- 

Haare^ ungekräuselte Haare. 2. ein- chen vom Schafte abstreifen: geschhs-- 

fach. Er trägt sich schlicht^ — trägt sene Federn. Ebenso in Hessen. Yil- 

ein schlichtes Kleid. Er ist ein schUchn mar, 355. 

ter Mann, ein Mann, der schlecht und Schltker, m., Schleicher, 

recht lebt. Hennig, 235. schlimm, adf. u. ado. 1. böse, er- 

SChlichten^ sw., das Garn des Auf- zürnt. Die, Mutter ist schlinm,, sie ist 

zuges steifen (mit Schlichtmus). aufgebracht und schilt Er sieht so 

SchlichtmflS, f. 1. dfinnes Mus, das schUrnm aus, er macht stets eine em- 

num zum Steifen des Games gebraucht, ste Miene. Sonst ward erVader schlimm! 

2. Mus ohne Klunkern. S. MQs. Dorr, 1. Wiew., 80. Leefster Gorg, 

Schliclc, m., s. Schluclc. si nich scMfinml Ibid., 127. 2. un- 

SchKcIcer, (?), Pilzart, s. Plebb. wohl, übel, zum Erbrechen geneigt 

Schliclcermilch, /*., geronnene, sauer Mir wird so schlimm. 3. falsch, un- 

und dick gewordene Milch. Nach echt Ein schlimnner Schilling. 

Treichel auch Schlippermilch. S. d. Schlingelreck, m., Rock ohne Elap- 

folg. pen, mit einer Reihe von Knöpfen. 

schlickern, sw. 1. schaukelnd hin Mühling. 

und her baumeln, s. v. a. schlackern. schlingen, 8^., abschwellen, abnehmen. 

Auch nennt man die schaukelnde Be- allmählich schwinden, sich verringern, 

wegung der dicken Milch schlickern schlanker werden. Die Geschwulst 

und schlippem. Quid est vita humanaf schlingt — ist schon sehr geschlungen; 

Was is menschlich Lebbenf Menschlich auch vom geschwollenen Körperteile 

Lebben is Theerpudel am Wagen: schlik- selbst: Der Fufz ist geschlungen, 

ker un schlacker, schlicker un schlacker: — In Pommern stinken vom au%egange- 

bumsl liegt auf der Erde. Aus der nen Teige, der wieder dichter zusam- 

Leichenpredigt des Pfarr. Pogorzelsld. men&Ut Dähn., 430a. 



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Schliokschlank — Schlodderkopf. 



287 



SchlinkscMank, m. 1. Faulenzer, 
MüTzigganger, nachlässiger und lang- 
samer Mensch. Hennig, 225. Es ü 
ja uncmsstehlickf da/z der . . . polizierte 
Student ein SchUnkscldank wird. Soph. 
R. I, 406. Sperber, 28, schreibt 
ScMingschlangxxxiA&t^Vkrii unersättlicher 
Mensch, VielfraTz. In Königsberg 
auch gierig schlingender Hund. In 
Bremen, Hamburg, Pommern, Posen 
im Sinne Hennig s SUnkfis% SUnk- 
fUteTy in Bayern Schlank oder SMan- 
ien, m. Brem. Wb. IV, 832. Ri- 
chey. 262. Dähn., 430b. Bernd, 
264. 416, Schmeller IH, 453. 2. 
schlankes Frauenzimmer. Natangen. 

schlinkschlanken, mjo.^ faulenzen, mfi- 
fzig gehen. S. d. vor. 

Schlipp, n., Schlippe, /., aufsiehbares 
Stück eines Rickzaunes, loser Baum im 
Rickzaun, durch dessen Verschieben 
eine Durchfahrt nach Belieben herge- 
stellt werden kann; LattenthOr, Gatter- 
thür, durch lose, verschiebbare Zaun- 
bretter geschlossene Durchfahrt. In 
Westpr. Schlepp, bewegliches Heck, 
nach Schmitt, Westpr., 168, von dem 
poln. 9iwp Säule. Das Schlipp aufma- 
chen — zumachen. In Dönh. auch 
Schlippbaum, m. Von schlupfen. 

Sdilippe, /., Faltung des Frauen- 
rockes, hervorgebrachtdnrchZusammen- 
nehmen der vorderen Rockbreiten, na- 
mentlich beim Sitzen. Auf die Schlipp 
pe geben^ Hochzeitsgebrauch. Vor Be- 
ginn des Brauttanzes nahen Bräutigam 
und andere junge Leute und werfen, 
sich überbietend, der Braut Geldge- 
schenke in die Schlippe^ den Schofz, 
wodurch sie die Ehre des nächsten 
Tanzes erlangen. Treichel. 

schlippem, mo., s. schlickern. 

Schlippke, plur.y die Augen. Dönh. 



schllprig, adj.^ elend, klagend. Saal- 
feld. 

schürzen, sw.^ s. schnurzen. 

SChlitt, 3. Pers. des Präs. von scAZo- 
gen. He schlitt mir fast de Ogen aiu/im 
Kopp, Oberland. 

Schlittmann, plwr. SchlittmannSy m., 
Fischer, welcher bei der Winterfische- 
rei das Garn auf dem Schlitten führt 
und zugleich darauf zu sehen hat, dafis 
es ordentlich ins Wasser gelassen wird. 
Bock, Nat. IV, 717. 

Schlitze, /., der Schlitz im Frauen- 
rock ; Schlitz, Rifz überhaupt. Spottend 
nennt man Mädchen Schlitzdragcner, 
-husaren. 

SchlTus, m., Schnaps. Einen ScJUtus 
trinken. Tiegenhof In Ostpr. Schnt- 
bus. 

Schiocker, Schlockerl, m.^ langsamer 
Mensch von schlotternder Haltung. 
Unjger der GarcP hebben se ut dem grSt 
Schiocker en hObschen Monachen gemäkt. 
Elbinger Höhe. N. Pr. Prov.-BL a. F. 
IX, 241. Firmenich III, 493b. Du 
langer Schlockert! Oberland. 

schlodderig, adj.j schlotterig, los, welk, 
schlaff, nachlässig. Schloddrig in der 
Kleidung sein. Schloddrig stricken^ los 
stricken. Ygl. schludderig. 

Schlodderkopf, m.^ ein Mensch, der 
mit dem Kopfe schloddert. Der sam- 
ländische Bischof Nikolaus von Schö- 
neck, um 1460, hiefz der aUe Schlodder- 
kopf^ weil er aus Alterschwäche mit 
dem Kopfe wackelte. „Er wuTzte die- 
sen Beinamen sehr wohl, daher er nach 
Paul Polens geschriebener Chronik 
p. 277, Öftmals, wenn er von Fisch- 
hausen nach Königsberg gereiset, und 
in der Haide still halten lassen, zu 
seinen Dienern gesagt: Hela^ heia! 
lieben Kinder j wie werden die Komga- 



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288 



echloddem — SchloÜEhond. 



bergischen Frcmen sagen: da kommt der 
alte Schlodderkopy vnrd aber eine neue 
Zeysse (Accise) aufbringen. Hennig, 
236. 

schloddem, sw.^ schlottern; los und 
schlaff hin und her schwanken. Ihm 
schloddem die Kniee — schloddert der 
Kopf. Die Kleider schloddem am Leihe. 
Auch schlorren. Verhungert sond ju^ 
dadrum schhrrt orrit lere Ltw de Weste! 
Volkslied: Wat de lettausche Dragoner 
dem Franzos verteilt. 1870. Fliegen- 
des Blatt. Reyländer, Tilsit. 

Schlomski, m., s. Schlumski. 

Schlonter, m., s. Schlabber. 

schlontern, sw.^ sohlendem. Dönh. 

Schlepp, n., s. Schlipp. 

SchlorrchenglHschen, n. Am Fast- 
nachts-Dienstage wirdnachmitt. Schlorr- 
chen geglitscht oder gefahren^ damit der 
Flachs gut gerät, d. h. es wird eine 
Spazier&hrt, namentlich des Gesindes, 
veranstaltet. Litauen. Volkskal., 74. 

Schlorrchenschmeirzen, n., das Schick- 
sal befragende, in Ostpreufzen und Li- 
tauen allgemein beliebte Sylvesterbe- 
lustigung. Man setzt sich mit dem 
Rücken gegen die offene Thür auf die 
Erde, steckt eine Schlorre, einen Pan- 
toffel, an den Fufz und wirft ihn über 
den eigenen Eopf hinweg. Kommt der 
Pantoffel mit der Spitze gegen die 
Thür zu liegen, so kommt die Person, 
der das Orakel gilt und die vorher be- 
stimmt sein muf'z, im Laufe des näch- 
sten Jahres aus dem Hause: sie stirbt 
oder heiratet. Fällt der Pantoffel jen- 
seits der Thürschwelle nieder, so stirbt 
dieLihaberin; ist die Hacke aber nach 
der Thür gerichtet, so bleibt sie im 
Hause. Zeigt die Spitze des Pantoffels 
nach dem Ofen, so wird die Person 
jahrüber frieren oder überhaupt frosti- 
ger Natur sein; steht sie gegen das 



Bett, so droht ihr Ejrankheit Um 
die Zukunft so genau als möglich za 
erfahren, wirft man für jede Person 
dreimal. YolkskaL, 26. 

Schlorre, /*., Dem. Schhrrchen^ pltd. 
Schlorrke. 1. Pantoffel, namentlich alter, 
ausgeweiteter; auch niedergetretener und 
so zum Pantoffel gestalteter Schuh, Ut. 
szlure. Man hört, jedoch selten, auch 
Schlarre, in Westpr. auch hchlurre. 
Pantoffeln aus Holz mit Oberleder hei- 
fzen Klotzschlorren. Ach Herrje^ tot 
geit et nü^ Wat sond dat fer Tidef 
Kein Mansch lett mer Schhrre mäke^ 
Wat heft dat to bedide! . Aus einem 
Yolksreim. Dönh. Hennig, 236. Auf 
die Frage: Was giebt's zu Mittag? er- 
halten Kinder zur Antwort: Frikassee 
mit Schlorren (statt der fettreichen Halb- 
mondkuchen). Überland. S. Korke. 
2. übertragen: Schimpfwort auf Frauen- 
zimmer. Alte Schlorr! 

schlorren, sw.^ in Schlorren schleifend 
einhergehen, gewöhnlich «cÄiarre» (s.d.). 
Die Schuhe anscUorren, die Schuhe los 
anziehen, ohne dalz die Ferse fest drin 
sitzt und so schleifend gehen. Hen- 
nig, 236. Eine zweite Bedeutung 8. 
schloddem. 

Schlorrenkonzert, n., Konzert, das die 
Schlorren durch ihr Lärmen machen; 
auch schlechte Tanzmusik. 

Schlorrenschlepper, ?n., einer, der die 
Schlorren herbeischleppt, was das Kind 
gern dem Vater thut, wenn er die 
Stiefel ausziehen will. Hei os dem IS- 
toe Herrgott stn Schhrreschleppery der 
Liebling Gottes. Sprw. 1,3343. Auch: 
Schlorrenverschlepper, also einer, der 
die Schlorren verschleppt, gern Schaber- 
nack macht. Listerburg. Tilsit 

Schlttfzer, m., Schlosser. 

Schlofzhund, 9n., Hund von einem 
Schlosse, herrschaftlicher Hund. Aus- 



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Schlötel — Schlüder. 



289 



sehen tote ein Schlo/zhund^ auffällig er- 
scheinen. Korrespbl. III, 51. 

SchIVtel, /., s. Schietel. 

Schlotterblume, /*., gemeine Küchen- 
schelle, Pukatilla vulgaris MilL Ha- 
gen, 565. Nach Pritzel, 29, Schlot- 
tenblume, 

8Chlöwei(Zy adj., ganz weifz, rein weil'z, 
weiiz wie die Scblehdornblüte, wie 
Schlössen, schnee weifz. In Bayern 
schlotteweifz (Schlotter-Miich^y in Posen 
schlorwei/Zy im Götting. slätewitty slStewitt 
weifz wie Schlössen, ebenso in Hessen 
schlo/zweifz. Schmeller HI, 461. 
Bernd, 264. Schamb., 193b. Yil- 
mar, 357. Anton, 12, 18. Dan- 
neil, 196a. 

Schlubber, m., Dem. Schlubberchen, 
pltd. Schlubberke, Schluck, Schlückchen, 
was man mit einem Zuge einschlürft. 
Ein Schlubberchen Branntwein^ — Grütz^ 
— Mus. 

8chlubb(e)rig, adj\j schmutzig; vom 
Wege. Vgl. schlabberig. 

SChlubbem, sw.^ schlurfen, Dünnes 
essen; wie schlabbetm 1. In Bremen, 
Hamburg, Holstein slubbem. Brem. 
Wb.IV,795. Richey, 264. Schütze 
IV, 122. In Zusammensetzungen auf-, 
ausschlubbern. Schlubber die Mus aus! 
Vgl. schlabbern, schlurpsen. 

Schluchter, m., ein kurz anhaltender 
Regen, Regenschauer. Mühling. 

Schluck, 9n., auch Schlick, schlechter, 
unreiner Bernstein. Bock, Nat III, 
218. Hennig, 236, schreibt Schluk. 
S. Stein. 

schlucken, sw,^ schluchzen, wiederholt 
aufstofzen. öck mot schlucke^ wer mag 
an ml denket Ach^ ock mot schlucke^ 
min lewer Schon ward an mi denke. 
Kgsbg. Firmenich I, 102b. Nach 
der Volksmeinung ist das Äuüstofzen 

Fritchbier, Wort«rbocb IL 



ein Zeichen, dafz eine dem Schluch- 
zenden werte Person ^an diesen denkt. 
Rät man die betreflfende Person, so 
hört das Schluchzen augenblicklich auf. 

Schlucker, Schluckert, im Oberlande 
auch Schnucker, m.^ wiederholtes, krank- 
haftes Aufstofzen, Schluchzen, verur- 
sacht durch krampfhafte Zusammen- 
ziehung des Zwerchfelles. Öck hebb 
den Schlucker(t), Im Götting. der 
Stücken. Schamb., 196a. 

Schluckerfafz, n., Gefäfz, in welchem 
sich das Wasser zum Anfeuchten des 
Wetzsteines, behufs Schärf ung der 
Sensen befindet. Mühling. In Hes- 
sen Schlotterfafz. Vilmar, 357. 

Schlucks-chen, pltd. Schluckske, n.. 
Dem. von Schluck. En Schluckske 
Finkeljochem her! Carm. nupt. I, 282. 
15. 

Schludder, m., s. SchlQder. 

schludd(e)rig, schlQdrig, adj. 1. schlot- 
terig. Sie geht scMudderig^ ihre Klei- 
der sitzen nicht fest an. 2. los, nicht 
fest und dauerhaft: von einer Hand- 
arbeit, einem Zeuge. 3. unordentlich, 
nachlässig in der Arbeit. Die Magd 
ist scMudderig^ sie ist in ihrer äufzeren 
Erscheinung unordentlich und verrichtet 
ihre Arbeit nur obenhin. Und macMs 
ein Kerl allzu schludrig: tant pis pour 
lui! Soph. R. I, 621. Ich habe welche 
(Jungfern) gekannt^ die des morgens 
herzlich schludrig^ ja recht latschig aus- 
sehn. Ibid. VI, 477. Die Oper ging 
im übrigen recht schludrig. L. Köhler, 
Königsberger Hartg. Ztg. 1874, Nr. 262. 
Abendausgabe. In Bremen shdderig^ 
sludderig schlotterig, faul, träge. Brem. 
Wb. IV, 839. Bock, 58. Hennig, 
236. Vgl. schlodderig u. schlunzig. 

schluddem, sw.^ s. schlOdem. In zwei* 
ter Bedeutung schorren. 

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290 



scblüdem — Schlank. 



SchlQder, Schludder, m,^ loser, schlecht 
gewebter StofF. Das Zeug ist ja rei- 
ner ScJdudder. In Bremen Slodde ein 
Lumpen. Brem. Wb. IV, 838. Nach 
Treichel auch abgetragenes Kleidungs- 
stück. Vgl. schlodderig. 

schlOdem, schluddern, sw. 1. fl&chtig, 
liederlich, nachlässig und schlecht ar- 
beiten. Die Arbeit ist geschituldert, sie 
ist nicht fest und dauerhaft gemacht. 
In Bremen ähnlich huldem. Brem. 
Wb. IV, 839. Vgl. schloddem. 2. 
eine Ware unter dem Preise verkaufen, 
verschleudern. In diesem Sinne vor- 
zugsweise schludern^ in Bayern schtati^ 
dem, Schm eller HI, 433. Bock, 
58. Hennig, 236. 3. sich herum- 
treiben. Er schludert den ganzen 
Tag herum, s. v. a. schländem und Zu- 
dem, 

SchlOderprels, m., Preis unter dem 
Werte, Schleuderpreis. Von schtü- 
dem 2. 

Schlirff, bei Hennig, 236, Schlup, 
blauer Thon, Töpferthon; schlechter, 
undurchlassender Erdboden. Davon 
SChluffig, adj, 

SchlQlos, m. Herumtreiber, Tauge- 
nichts. Davon schlQlosen, sw. Vgl. 
Schiaios. 

Schlummerkopf, m., Kopf, der schlum- 
mert, Dummkopf. Schimpfwort. 

Schlummerpunsch, m., Punsch, den 
man vor dem Schlafengehen trinkt, der 
den Schlummer herbeifuhrt. 

Schlump, m,, Haufen, Menge, z. B. 
reicher Fischfang. Schemionek, 35. 

Schlumpe, /*., nachlässige, unordent- 
liche Frauensperson; wie Schlampe. 
Vgl. Schiunze. 

schlumpen, sw., in abgerissenen Klei- 
dern, lumpig und schmutzig einher- 
gehen. 



Schlumper, m., alter, bequemer Rock, 
Hausrock, Schlafrock. In der älteren 
Sprache ein weibliches Schleppkleid. 
Adelung IH, 1545. Übertragen: 
nachlässiges Frauenzimmer. Sie ist ein 
rechter Schlumper — eine rechte Schlum- 
perlise. 

schlumpig, schlumprig, schlumpsig, adj,, 
n&chlässig, unordentlich in der Klei- 
dung; zerlumpt. 

Schlumpschlag, m., Zufall, ungefährer 
Schlag. Mühling. In Bremen Slump^ 
m., Zufall, ungefährer Glficksfall; eben- 
so Slumpdag^ m, Dat was so in Slump- 
slag, das glückte einmal so. Brem. 
Wb. IV, 848. Dan. u. schwed. eben- 
falls slump. In Bayern scMumpsweis 
zufälligerweise. Schm eller HI, 450. 

Schlumpschufz, m., im ScMumpschu/z^ 
im grofzen und ganzen, nach unge- 
fährer Berechnung, ohne Genauigkeit. 
TreicheL Gortzitza. 

SchlumsM, Schlumpski, auch Schloms- 
kl,m., Schlauberger, dreihäriger Mensch. 
Auch Kosewort: Na^ kleiner Schbimskiy 
was willst du aUwiederf In der Ge- 
gend von Friedland Ostpr. Schlumske 
dummer, einfältiger Mensch. 

Schlumsltly /., schlunzige Lise, un- 
ordentliches Frauenzimmer. 

Schlunk, Schlung, m. u. f. 1. Schlund, 
Bachen, Hals, Maul, Gurgel. Scham 
dt on dine Schlunkl De ScUunk 6s 
mi angeschwoUe. Wenn so de BoU üt 
stnen Schlung Met Snmal an to reden 
ßing. Seelenw., 71 f. Ooff em ent un- 
dre Schlung! 2. gefräfziger Mensch, 
und zwar in den Zusammensetzungen: 
ZwttHschlunk, pltd. Twelfschlunk, der für 
zwölf ifzt und DracMscMunk. Nach 
Mühling statt Schlunk audi Schlurk 
und Schlurks. Jeroschin hat slu/rc, 
Pfeiffer, 221. In Bremen Shike, 



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SchluDte — Schm&chen. 



291 



Sloke von schlucken. Brem. Wb. IV, 
846. schlingen und schlucken sieht das 
Volk als die Wurzel Wörter an. 

Schlunte, /., s. Schlunz. 

schlunterig, adj,, s. schlunzig. 

schluntem, sw.^ s. schlunzen. 

Schlunz, f. u. m., anordentlicher, un- 
sauberer, nachlässiger Mensch, nament- 
lich eine Frauensperson^ und dann mehr 
Schiunze. Nach Mii hlin g auch Schlunte, 
/. In Bremen, Hamburg und Holstein 
Sluntje nachlässiges, schmutziges Weib, 
imGötting. slunz^ m., holL sluns, engl. 
sluU. Brem. Wb. IV, 849. Richey, 
265. Schütze IV, 125. Schamb., 
196a. Hennig, 236. 

Schlunz, /., in der Soldatensprache 
die FrQhstückssuppe in der Kaserne, 
die Schlichtmus^ kleisterartiges Mus, in 
den Lazaretten; auch die Kaserne selbst. 
Königsberg. 

schlunzen, nach Mühling auchschlun- 
tem, aw.y wie ein Schlunz leben, sich 
zeigen, verechlunzen, Kleidungsstücke 
in nachlässiger Weise verderben, zu 
Grunde richten; sich selbst vernach- 
lässigen und verloddem. Er ist — hat 
sich ganz — verschiunzt. In Hessen 
schlunzen in tadelhaftcr Weise müTzig 
gehen, nachlässig gekleidet gehen ; ver- 
schlunzen zunächst: die Zeit unnütz, 
mit Müfziggang verbringen. Vilmar, 
357. 

schlunzig, adj.j unordentlich, unsau- 
ber, nachlässig in der Kleidung. De 
KSnigin hefft dat schlunzge Volk nich 
geem. Dorr, 1. Wiew., 121. Müh- 
ling hat noch schlunterig. Von Schlunz, 
Schlunzmichel, m,^ Unteroffizier der 
Küche. Kasemensprache. 
Schlup, m., s. Schluff. 
SChlQpen, sto., schlüpfen, verzögern, 
verweilen, verschleppen. Die Sache 
schläft sich van einer Zeit zur andern. 



sie verschleppt sich, zieht sich lange 
hin. Bock, 58. Hennig, 236. S. 
durch- und verschlQpen. 

Schlupp, n., Dünenschonung. Trei- 
chel. 

Schluppenkohl, m., fester, strunkiger 
Kohl (Brassica); von dem poln. stup 
Säule. Schmitt, Westpr., 168. 
Schlurk, Schlurks, m., s. Schlunk. 
schlurken, schlurteen, sw, mitOeräusch 
trinken, schlürfen. Mühling. Nach 
Treichel bezeichnet schlurksen auch 
das Geräusch, das Schuhe verursachen, 
wenn sie nalz oder zu weit sind. Vgl. 
schlurpsen. 

SChlurpsen, sw., mit Geräusch Flüs- 
siges essen, schlurfen. Lit. szlwrpti. 
Vgl. schlabbern, schlubbem, schlurken. 
schlurren, s«o., s. schlarren. 
schlQsen, aufschlQsen, sw.^ die Ohren 
aufrichten und spitzen. Marold. 

SchlQsohr, m. u. ti. 1. Tier, nament- 
lich Pferd, das die Ohren spitzt. 2. 
Mensch, verstellt schwerhörig, schlau, 
driftig, verschmitzt, dickfellig, abge- 
brüht. Im Samlande korrump. auch 
SchnOsohr. Aus dem nds. s/oü, schlü 
schlau, klug, verschlagen, verschmitzt, 
holl. sluw, engl. sZy, schwed. shig, 
Brem. Wb. IV, 841. Davon schlQs- 
Ohrig, adj. Das ist ein schlusohriger 
Racker, 

Schlüssel, pob. kluc^ Gerät bei der 
Winterfischerei in Masuren = Zo/zhaken. 
S. Winterfischerei. 

Schlüssel, 9n., penis. Er hat sich den 
Schlüssel vei^dreht^ er ist syphilitisch. 
SchlQwe, /., s. Schlaube etc. 
Schmächen, SchmAschchen, SchmAsche, 
SchmAse, SchmAschke, nach Uennig, 
218, SchmAske, n. u. /., fein zugerich- 
tete Felle von ungeborenen Lämmern 
mit fein gekräuselter Wolle und ge- 
wöhnlich perlgrau. In Westpr. auch 

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292 



Schmacht — Schmackosterrute. 



SchmOchen, SchmOsH^hen, SchmOtschke, 
Schmätschke, in Danzig im 15. Jahrh. 
SmAs-chen, Schmö8-chen. Schmitt, 109; 
Westpr., 168. Hirsch, 260. Poln. 
smtmky smusyk, smuszek. In Bremen 
smaaskeriy in Pommern smaschen. Brem. 
Wb. IV, 859. Dähn., 433b. Bernd, 
266. 

Schmacht, /., taubes, schlechtes Ge- 
treide. M ü hlin g mit der Bezeichnung : 
altpreuTzisch. 

Schmachtlappen, m. 1. Hungerleider. 
2. kleinlich Eigennütziger. 3. schmach- 
tender Liebhaber. Mühling. In Bre- 
men und im Götting. nur in der er- 
sten Bedeutung. Brem. Wb. IV, 856. 
Schamb., 196b. 

schmack, adj., s. schmock. 

Schmacke, Schmake, /., kleines Schiff 
von etwa 50 bis 80 Last. Es hat ei- 
nen hohen Bord, einen Mast ohne Korb, 
Bugspriet, flachen Eiel, runden Hinter- 
teil, bauchigen Vorderteil, ein kurzes 
Gebäude, höheres Verdeck und ein 
breites, schweres Steuerruder. Mron- 
govius II, 658a. Schmake findet sich 
inPisanskis Nachtr. Über die Schma- 
ken s. Bock, Nat. I, 586. In Bremen 
Smack, in Hamburg Smacke^ holL und 
engl, smacky angs. Bnaccay isl. sneckiay 
poln. azmaka. Brem. Wb. IV, 856. 
Hennig, 237. 

Schmackedutschke, Pflzn., Eolbenrohr, 
Typha. Trcichel, Volksth. U. Vgl 
Duderkeule. 

Schmackenfahrer, -reeder, m.^ Schiffer, 
Reeder einer Schmacke. 

SChmackostern, <tc., eine ziemlich all- 
gemein verbreitete Sitte, die darin be- 
steht, daf'z am Morgen des zweiten, in 
manchen Gegenden des ersten Oster- 
feiertages die jungen Bursche die Mäd- 
chen, und umgekehrt diese die jungen 



Leute im Frühschlafe überraschen und 
mit eingegrünten Birkenruten, den sog. 
Schmackosterruten^ schlagen. Auch in 
den Familien ist die Sitte des Schmack- 
ostems allgemein : die Hausfrau streicht 
mit der Rute Vater und Kinder, Kinder 
schmackostem Vater und Mutter, ge- 
hen auch wohl Onkel und Tante 
oder die Paten etc. 8chm<icko9tem. Arme 
Kinder und alte Frauen machen da- 
raus ein Bettelgewerbe, indem sie in 
die Häuser schmackostem gehen. Die 
Schmackostemden erhalten als Ge- 
schenke: Fladen, Speck, Eier, oft bunt« 
gefärbt und gekratzt, oder Geld. Der 
Gebrauch wird als ein symbolischer 
dahin gedeutet, dalz in der neu er- 
wachenden Natur auch der Mensch aus 
dem Schlafe zu erwachen habe, resp. 
zu erwecken sei. Reim beim Schmack- 
Osteom: OstrCy schmackostre, g^*en Ostre^ 
ftf Fldde^ sefz Eier^ e Stock Speck^ denn 
gd ock glik weg! — Schm^ackostre^ gren 
OstrCj fif EieTj sefz SchoUing^ e Stock 
Speck etc. Hennig, 175, schreibt 
Schmeckostem, Nessel mann schmag- 
ostem, Treichel schmagustem. Lit. 
smagoti^ smögii^ poln. smagac^ lett. 
schmaugt schlagen, peitschen. Unser 
Schmackostem heü'zt poln. szmigusy smig- 
usa dawacj eigentlich mit Wasser be- 
giefzen. Mrongov. H, 658a. Nsslm. 
Forsch. 3; Th., 220. Volkskal., 94. 
Volksr., 226, 797. Pierson, Altpr. 
M. Vm, 367. Sperber, 28. Auch 
in der Niederlaus, ist der Gebrauch 
des Schmackostems wie der Name 
(Schmeck-y Schmackoster) bekekuni. An- 
ton, 12, 20. 

Schmackostemite, /, Rute aus ein- 
gegrünten Birkenreisem zum Schmack- 
ostem. Die Schmackosterruten werden, 
wenn Ostern früh fallt, Ton Landfrauen 



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Scbmacks — schmalhansen. 



293 



iD \variner Stube künstlich ausgegrünt 
und auf den Eönigsberger Märkten zum 
Kauf ausgeboten. 

Schmacks, m.^ Schmatz, Kufz. 

schmacksen, sw, 1. beim Essen mit 
dem Munde schmatzen. Auch schmack- 
schen, SChmacken. 2. mit einem Schmatz 
küssen; gewöhnlicher schmatzen. In 
Bremen smacken^ smaksen^ im Götting. 
smackeUj in Bayern schvKickezeny polo. 
smoktac. Brem.Wb. IV, 857. Schamb., 
197a. Schmellerlll, 463. Mron- 
go vi us U, 658 a. 

Schmadder, w., dickflüssige ünreinig- 
keit, Schmutz, Strafzenschmutz. Im 
Götting. STnadder; in Hessen Schmadder^ 
Schmetter, Schmatter. Schamb., 197a. 
Yilmar, 359. S. Schlabber. 

Schmadderbuch , n. , Schmierbuch, 
Kladde. Mühling. 

8Chmadd(e)rig, arf/., weich, zu dünn- 
flüssig; schmutzig, schmierig; von 
Schmadder. Die Butter — der Brei — 
der Weg ist schmadderig. Im Götting. 
vom Wetter: schmutzig, kotig; in Pom- 
mern sudelig, schmutzig überhaupt. 
Schamb., 197a. Dähn., 433a. 

Schmadderkatze, /. 1. unreinliche, in 
den Kleidern schmutzige Frauensper- 
son. Mühling. In Bremen Schmad- 
dergreetje. Brem. Wb. IV, 854. 2. dün- 
nes langes Talglicht. Auf dem Tisch 
stand ein Ldchtlein . . ., so recht eine 
Schmedderkatze^ die man bei uns (in 
Pommern) Fisselbrümmken nennt Soph. 
R. I, 397. Hennig, 335, hat Schmad- 
derkatz. 

schmaddern, mo.y verwandt mit mad- 
dem u. schwaddem, 1. in einer Flüssig- 
keit zwecklos rühren, umherwühlen und 
diese dabei vergieizen. ImEssen schmad- 
dern, mit der Speise spielen. Im Licht 
schmaddern, im Talg des Lichtes rQh- 



ren. Nach Hennig, 237, schmaddern: 
unnötigerweise im Fett rühren und 
sich dabei beschmutzen. 2. stark reg- 
nen; in diesem Sinne doch mehr schwad- 
dem, 3. liederlich schreiben, schmie- 
ren, sudeln. 4. auch s. v. a. schmaden 
(s. d.). S. abschmaddem. ausschmaddem, 
ausschmieren. Mühling. 

Schmadderwerk, n., schmieriges, 
schmutziges Werk, Schmiererei, Sude- 
lei, Schmutz, schlechte Speise. Müh- 
ling. 

schmaden, sw.^ jüdisch-deutsch, tau- 
fen; das hebr. schmadden taufen. Er 
hat einen geschmadten Kopf, er ist ein 
getaufter Jude, der zu der ihm ange- 
borenen Schlauheit sich noch die Elug- 
heit des Christen angeeignet hat. Sprw. 
I, 212. Auch schmaddern. 

schmäg, schmfig, adj, u. adv., abge- 
dacht, schräg, geneigt. Ein Feld liegt 
schmag ab, es dacht sich nach einer 
Richtung hin ab. Natangen. 

schmählich, adj. in der Bedeutung 
überaus, sehr, sehr viel, grofz. Dos ist 
in diesem Jahr ein schmähliches Korn, 
der Roggen ist gut geraten. [Wort- 
spielend (mit Schmele) nennt man in 
Ostpr. mit Unkraut durchsetzten Rog- 
gen: schmähMches (schmeliges) Korn. 
M a r 1 d.] Er hat schmählich viel Geld. 
Das war ein schmähliches Vergnügen, 

Schmftke, /., s. Schmecke. 

SChmäker, adj,^ schlüpfrig, zweideutig; 
von der Rede. Samland. Mühling. 

Schmalbier, n., das englische smaU- 
beer, schwaches Bier, Covent, Schem- 
per. 

Schmale, Schmäle, /., die Schmale. 
In einem Tiergespräch ist Frau Schmäle 
die Schlange. Sprw. I, 687. 

Schmalecks-chen, n., s. Schmerlecks. 

schmalhansen, mo., von Schmalhans^ 



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294 



Schmallecks-chen — Schmarge. 



dem personifizierten HuDgerleider(Hen- 
nig, 237. Sprw. I, 3350), hungern, 
darben. Er mujz schmaUiansen. 

Schmallecks-chen, Schmalecks-chen, n., 
s. Schmerlecks. 

Schmalz, w., Fett, Vorteil. Der hat 
das Schmalz abgeschöpft^ das Beste von 
der Sache genommen. 

Schmalzbengel, m.^ Bengel, der das 
Schmalz hat, Spitzname für den Köl- 
mer (s. d.). Dönh. 

Schmalzblume, /., s. Kuhblume. 

Schmalzkeilchen, n,^ s. Schmalzkuchen. 

Schmalzkuchen, m., runder Pfann- 
kuchen (grofzer Kugelklofz), in sieden- 
dem Schmalz gebacken. Beliebte Fast- 
nachtsspeise. Er heifzt auch: Schmalz- 
keilchen u. Porzel. S. Voikskal., 70. 

Schmand, Schmant, m, I.Sahne, Rahm. 
Bock, 59. Hennig, 237. Im Göt- 
tingenschen «wand die Sahne; in Bayern 
Schmand auch dicke Milch. Poln. smie- 
tana^ ^ietanka^ lit. smantas Sahne. 
Schamb., 197a. Schmeller III, 471. 
Mrongov. II, 658b. Pierson, Altpr. 
M. VIU, 367. Schmand und Glumse 
sind ein provinzielles Lieblingsessen. 
Wie einigen andern der Schmant und 
Glums schmeckte. Soph. R. III, 237. 
Vgl. Glums. 2. nach Klein II, 126, in 
Dan zig auch Stralzenkot, wenn er recht 
weich und tief ist. Es ist ein Schmant 
auf der Gasse; auch: es ist sehr schman- 
tig. Ebenso im Götting., s. Schamb., 
a. a. O. S. abschmanden. 

SchmandbUxen, plur,, Buxen, weifz 
wie Schmand; zur Bezeichnung einer 
weifzen Sommerhose. 

Schmandfische, plur,^ Gericht, Schleie 
in Schmand, Dill und Butter gekocht. 
Ostpr. Treichel. 

Schmandfrau, /., s. Schmandmann. 

Schmandhexe, /., wei/'zer Nachtfalter. 
Vgl. Hexe u. MolketSwe . 



schmandig, schmantig, ad}, 1. fett, 
rahmig; von der Milch. 2. kotig. S. 
Schmand. 

Schmandkasten, m., Kasten, in dem 
Schmand aufbewahrt wird. Er sitzt 
am Schmandkasteny an der Quelle, es 
fehlt ihm nie. Sprw. I, 3508. 

Schmandkuchen, m., kleines Törtchen 
mit Schmand-Creme. Liegt diese oben, 
so heifzt er ofener Schmandkuchen; 
umschliefzt der Teig die Creme, so ist 
das Törtchen ein zuener Schmand- 
kuchen. 

Schmandmann, m., Mann, der Milch 
und Schmand zum Verkauf nach der 
Stadt bringt. Ebenso: Schmandfrau. 

Schmandtopf, m., Topf zum Schmand; 
er darf zu einem vollständigen Ka£Fee- 
und Thee-Service nicht fehlen. 

schmängelieren, sto.^ s. v. a. schmän- 
gen^ naschen. Samland. 

schmängen, schmengen, sw, 1. den 
Schmand abschöpfen, abrahmen. Die 
Müch schmängt schlecht^ sie hat wenig 
Sahne abgesondert. 2. naschen, herum- 
lecken, abessen. Die Katze schmengt 
gern den Schmand weg. Er schmängt 
üierail herum^ er nascht überall, schma- 
rotzt; auch: freit umher, sucht Umgang 
mit dem andern Geschlecht. In zwei- 
ter Bedeutung auch schmängem, schmen- 
kem. In dem Sinne von 1. auch ab- 
schmängen. Nach Mühling dieses auch: 
sich einen Vorteil zuwenden. Bock, 
60. Hennig, 237. 

schmängig, schmängerig, adj,^ nasch- 
haft; wollüstig. 

Schmant, m. etc., s. Schmand etc. 

Schmardel, m , s. Schmargel. 

Schmarge, /., kurzer Frauenmantel, 
Pelzmantel, der, um den Hals befestigt, 
bis an die Taille faltig herabhing. Sache 
und Name sind heute aulzer Gebrauch. 
Hennig, 237. ÄctBorJ^mL Nsslm. 



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Schmargel — Schmeckbraten. 



295 



Forsch. 3; Th., 221. Und Out mehr 
bey solcher Zeit (im Winter) einer Frawen 
das Polnische Schmarchen als bei dem 
Mann ein unterzogenes Futterhembd. 
Linem., Nn2a. 

Schmargel, Schmardel, Schmerling, 
Schmarling, m,^ Schmerlein, n., die 
Schmerle, Cobitis barbaiula L. Auch 
Notfisch (s. d.). Bujack, 395. Be- 
necke, 145. Mühling, Tiem., 177. 

Schmarlecks, m.^ schmarlecksen, sw.^ 
s. Schmerlecks. 

Schmarling, m., s. Schmargel. 

Schmarting, n., Segeltachhülle um ein 
Ankertaa an der Stelle, wo es die 
Reibung zwischen Schiff und Bollwerk 
auszuhalten hat. Pillau. 

schmarotzen, sw,^ klatschen, yerleum- 
den. Saalfeld. Davon Schmarutzer, 9n., 
verschmanitzen, sw. 

Schmftschchen, n., Schmftsche, 
Schmftschke, Schmftse, Schmflsken, 
Schmatschke, /., s. Schmftchen. 

schmastern, mo., laut plappern, schwat- 
zen. Mühling. Nordenburg. 

Schmastersack, m., Schwätzer. 

schmattem, sw.^ s. schattem. 

schmauchen, pltd. schmOke(n), schmtt- 
ken, sw. 1. Tabak rauchen und zwar 
mit sichtlichem Behagen. Er schmaucht 
sein Pfeifchen, schmöken mehr in West- 
preu£sen. Schmokten Toback^ cUten Fläde. 
Ward. Buur, 7, 5. 13, 2. ük bruk wl 
ni mä Tabak kSpe, Wt könne Tuffke- 
blöder schmöke. Flatow. Firmenich 
I, 120a. 2. räuchern. Da/z die Pe- 
tersche dahin gekommen und mit Eraut 
geschmocket^ dasey es (das Viehsterben) 
stracks aufgehöret, flexenprozelz zu 
Konitz im J. 1623. Pr. Prov.-BL II, 
107. 3. mittels Rauches einen Misse- 
thäter ersticken, und dann schmauchen. 
Frisch II, 205c. Anno 1637 ist ein 
grosser Jung zu Undenau geschmäuchet 



worden, darumb, dafz er 2 Hofe muih- 
toiUiger Weise . . . angestecket hatte, des- 
wegen das Stück Acker, loo er ist ge^ 
schmauchet worden noch bis auf den 
heutigen Tag genennettoird,der Schmauch- 
PaM". Hartwich, 529. Hennig, 
238. 

Schmauchfeuer, n., Feuer ^ welches 
keine Flamme, aber Schmauch, dicken 
Rauch, entwickelt. 

Schmauchpfahl, m., Pfahl^ an den der 
Verbrecher gebunden wurde, der zu 
Tode geschmäuchet werden sollte. 

schmauks, interj., schallnachahmend; 
zur Bezeichnung des Tones, den ein 
flacher Schlag, namentlich eine Ohr- 
feige, verursacht. Schmauks da hat er 
eins. Bock, 59. Hennig, 238. Da- 
von Schmauks, m., Hieb, Schlag. Es 
gab Schmauks. Mühling. 

schmausieren, sw., schmausen. Hen- 
nig, 238. 

Schmeckbier, n. 1. das zur Probe aus 
den Brauhäusern geholte Bier. 2. „die 
Mahlzeit, welche ehemals die Landes- 
herrschaft zum Andenken des Hans 
von Sagan (s. Hans) dem kneiphöfschen 
Schuhmachergewerk jährlich am Him- 
melfahrtstage auf dem Schlosse an- 
richten lassen.^ Hennig, 36. Der 
Orden soü geben allein Jährlich auf 
Himmelfahrt zu trinken Dcui Schmeck- 
bier nebst viel Kost und Schinken. Erl. 
Pr. 1, 637; s. auch ebd. 639. In bei- 
den Bedeutungen jetzt auCzer Gebrauch. 

Schmeckbraten , m. , Rinderbraten, 
welcher guten Freunden zur Probe vom 
eingeschlachteten Vieh vorgesetzt wird. 
Er geht heute auf Schmeckbraten, er 
geht in eine Gesellschaft, in der man 
den Braten vom neugeschlachteten 
Ochsen kostet. Dzg. Klein H, 127. 
Diese (Familien) hauen fest zusammen, 
sprechen plattdeutsch und gAen Fami^ 



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296 



Schmeckwarst — Schm^rapfel. 



lienschmätcsey die im Herbst Schmeck" 
braten heifzen^ und in welchen die Spei- 
sen in Partechaisen zusammengetragen 
werden. (Danzig.) Soph.R. III, 348. 

Schmeckwurst, /., Wurst, welche oach 
dem Einschlachten und Wurstmachen 
Freunden und Bekannten ins Haus zum 
Schmecken geschickt wird. 

Schmedderkatze, /., s. Schmadder- 
katze. 

Schmeer, n., s. Schmfir. 

8chm6g, adj, u. adv.^ s. schmäg. 

schmeidig, schmtdig, schmeifzig, adj. 1 . 
geschmeidig, biegsam, weich. Die But- 
ter ist schmeidigy sie läfzt sich leicht 
schmieren. . . . das Eysen so lang es 
noch wegen des Fewers schmeidig ist etc. 
Linem., Oo3a. Bildlich vom Men- 
schen: sanftmütig, nachgiebig, demü- 
tig nach gebrochenem Starrsinn. Er 
ist so schmtdig geworden, da/z man ihn 
um den Firiger wickeln kann. 2. schlank 
und doch kräftig gewachsen, gelenk^ 
biegsam, beweglich; von Stammen der 
Gesträuche, Bäume, vom Menschen. 
Eine schmeidige Wide, eine biegsame 
Rute. Eine schmei/zige Tanne, eine 
schlanke Tanne. Ein schmei/ziges Kerl- 
chen, ein gelenker, beweglicher junger 
Mann. Da hot so e be/zche lang* Nas, 
addamansonst eschmeisja Kardel. Ermld. 
Freisch. Manuskript, schmeifzig tritt 
nur in der Bedeutung 2. auf. Nds. 
smtdig, smtig, smtg, smedig, smeig, angs. 
smethe, holl. smijdig, smedig, dän. smi~ 
dig, engl, smooth, Brem. Wb. IV, 864. 
Schamb., 198a. Hennig, 238 f. 

Schmeidigkeit, /. , Geschmeidigkeit. 
Von schmeidig. 

schmeifzen, st. 1. werfen. On dann 
schmiet schwarte Wasch bawenop. D orr, 

1. Wiew., 70. Die Teller hinschmei/zen. 

2. schmieren, schlagen. Wat golt, et 
fingt seck wei\ de die den Puckel schmeist. 



Carm. nupt IV, 324 c. 2. mit Wurf 
trinken. Einen schmeifzen, einen Schnaps 
trinken. Sprw. I, 1532. 

schmeifzig, adj., s. schmeidig. 

Schmeifzigkeit, /., Geschmeidigkeit 
Von schmeifzig. Vgl. schmeidig. 

Schmfil, Schmfile, Schmtl, m. u. /., 
Dem. Schmekhen, pltd. Schmelke. 1. 
Grashalm überhaupt. 2. Aira cristata 
und fleaniosa L. ; auch Perlgras, Melica 
caerulea; Acker windhalm Agrastis spica 
venti L. Friedland Ostpr. Ihm geht 
keine Schmtle — kein Schmtlchen mehr 
in den Arsch, so fett ist er. Sprw. I, 
127. Altmhd. smelehe, nd. smele, in 
Bayern Schm£lchen (hier werden scherz- 
weise dünne Beine Schmekhen genannt), 
im Alemannischen Schmehk, lit smil- 
gas, poln. smiatek. Schamb., 197b. 
Schmellerlll, 469. Hennig, 335. 
Vgl. Rade. 

Schmeichenzagel, pltd. Schmfilkezagel 
(a = a), m., hagerer, elender Mensch. 
2. Pferd mit dünnhaarigem Schweif. 

Schmelzer, m., Wachsschmelzer, der 
das nach Danzig gebrachte rohe Wachs 
zum praktischen Gebrauche zubereitete. 
15. Jahrh. Danzig. Hirsch, 324. 

schmengen, schmenkern, sw., s. schmän- 
gen. 

Schmlr, vhchd. Schmier, n. 1. Schmer, 
das Fett auf dem Bauche und an den 
Gedärmen, der Talg; es wird zu Schmalz 
ausgeschmolzen. . . . und haben (die 
Schweine) einen geschicinden Fhc/z des 
Fetten ade?* des Schmieres. Linem., 
Tt4a. 2. dickliches Fett, das zum 
Schmieren der Wagen gebraucht wird, 
Wagenschmiere. 3. Prügel. Et gew 
SchmSr. Übertragen aus 1. in gleichem 
Sinne: Es gab Jackenfett. 

Schmfirapfel, m. 1. Bratapfel; von 
schmoren. 2. Apfel, der fettig anzu- 
fühlen oder ölhaltig ist. Hennig, 238. 



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Schmerbel — schmieren. 



297 



Schmerbel, m., Pflzn., s. Mill. 

Schmergel, Schmirgel, m., Pflzn. 1. 
Feigwurzel, Ranunculus ficaria L., poln. 
szmerffiel Hagen, 580, 2. Feldspark, 
Spergtüa arverms L. Nach Hagen, 
492, Spergel. 

schmergeln, sw.^ s. schmirgeln. 

SchmfirhSker, m.y Höker, Händler, 
mit Schmer; nach Mühling Yiktnalien- 
händler überhaupt. Hennig, 238. 

Schmfirkram, m.^ Kram, Handel, mit 
Schmer und fetten Waren überhaupt. 
Hennig, 238. 

Schmerlecks, Schmarlecks, m., ge- 
wöhnlicli im Dem. Schmerlecks -chen^ 
Schmarlech-cheUj Leckerbissen, wohl- 
schmeckender Imbifz als unerwartete 
Zugabe zur Mahlzeit. Da kost du ein 
Schmerlecksclien. Es ist aber nur ein 
Schmerleckscheny nur ein Weniges zum 
Schmecken. Das gab heut bei Tisch 
ein Schmerlechchen, eine kleine Näsche- 
rei als Dessert: etwas Mehlspeise, Eis 
etc. Tor Ttd mot klene Brocke an 
klen Schmerlecksert dod man em (den 
Lehrer) vnederiocke, Lhrztg. 4, 355 b. 
Schemionek, 35: SchmaUeckschen^ 
von schmal und lecken y Bissen zum 
Kosten, z. B. Probewurst. In der Ge- 
gend von Saalfeld Schmaleckschen. Vgl. 
Schmerlecksen. 

Schmerlecksen, schmarlecksen, sw., 
leckern, von einer kostbaren Speise 
(ein wenig) geniefzen; nach Mühling 
in der Danziger Gegend schmausen, 
gut leben. Gotts Lichting! nu ginget 
cait SchmerUxen. Dzg. Nhg. Parad., 
49. Wt viätert mt dat Mül^ ön bdtke 
to schmarleae! Carm. nupt I, 282, 14. 
In Bayern Schmarren^ w., Brocken, 
Stück, Bissen (Geiler von Kaisersb.). 
Schmeller in, 472. Es würde mit- 
hin Schmerlecksen bedeuten: ein Bröck- 
chen, einen Bissen geniefzen. 



Schmerlein, Schmerling, m., s. Schmar- 
gel. 

Schmfirpaudel, /., Pandel, welche die 
Wagenschmiere enthält, s. v. a. Teer- 
paudel. Von Schme7\ 

Schm§rsel, n., s. SchmierseL 

schmerzlich, adv., bedeutend, gewaltig, 
ungeheuer. Er ist schmerzlich reich — 
hat schmerzlich viel Geld. Natangen. 

Schmicke, /., s. Schmitze. 

schmtdig, ad;., s. schmeidig. 

Schmied, m. 1 . faber ferrarius. Nach 
ihm sind genannt in Königsberg die 
Schmiedebrücke y die Schmiedestrafze; 
eine solche giebt es auch in Elbing, 
während Danzig eine Schmiedegasse 
hat. 2. Strich, den man beim Scheren 
auf die Kette des Garnes (den Rand des 
Aufzuges), von 8 zu 8 Ellen meistens 
mit Kohle macht; er dient als Marke 
und beii'zt seiner Schwärze wegen der 
Schmied. Nach Marold heilzen die 
Striche im Aufzugsgarn Schmitze und 
stehen in Entfernungen von je 5 Ellen. 
3. als MaTz: Leinwandlänge von 8 Ellen 
(von Schmied zu Schmied) oder Stock. 
Die Wirkersche hat schon 3 Schmiede 
(gesprochen Schmidte) abgewebt. Fünf 
Schmied machen ein Stück. 

schmieg, schmtg, adj., schräge, schief. 
Marold. 

Schmier, Schmiere, SchmSr, /. I.Prü- 
gel, Schläge. Schmier bekommen^ — 
besehen^ — kriegen. Es liegt bei die- 
sen, wie bei andern Prügelwörtem, wie 
z. B. gerben^ wichsen^ der Gedanke zu 
Grunde, als bearbeite man ein abge- 
zogenes Stück Leder und nicht einen 
lebendigen Körper. E. Förstern. 

Schmier&§ch, /., Schmiere (zum Ein- 
schmieren von Stiefeln, Wagen, Ma- 
schinen); nutz-, wertlose Sache. Sper- 
ber, 45. Vgl. SchmierseL 

schmieren, pltd. schmSren, sw. l.li- 



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298 



SchmierliAus — Schmifz. 



nere. Ein Butterbrot schmieren. 2. be- 
stechen. Du motst em man g6t achme- 
ren. Das Sprichwort: Wer gut schmSrty 
der gut fä/irt, bringt die Erfahrung für 
die Richtigkeit der Bedeatongen 1. u. 
2. zum Ausdruck. 3. prügehi, schla- 
gen. In diesem Sinne schwed. »möra. 
zerschmieren, einen durchprügehi; ebenso 
ab-, auf-, aus-, durchschmieren. Hen- 
nig, 238. 

Schmierhaus, pltd. SchmfirhQs, n. 1. 
Ejrankenhaus, namentlich die Abtei- 
lung eines solchen, in Welcher an der 
Erätze und Yenerie Erkrankte mittels 
der sog. Schmierkur behandelt werden. 
Von Schmiere^ Schmer Salbe. 2. Sauf- 
haus, Schnapskneipe. Von Schmtr 
Trunkenheit. 

Schmieroteic, m., unsauberer Mensch. 
Gedanism. 

Schmierpisel, m., ein in hohem Grade 
schmieriger Mensch. Ebenso Schmier- 
pott u. Schmutzpfisel, m. Mühling. 

Schmiersei, pltd. Schmersei, n. 1. Salbe, 
die zum Schmieren, zu Einreibungen 
gebraucht wird. 2. Wagenschmiere. 
Vgl. Schmer 2. Von schmieren. Hen- 
nig, 238. Vgl. Schmierftich. 

schmTg, o^?'., s. schmieg. 

SchmTl, m. u. /., s. Schmfil. 

Schmtr, m.^ Trunkenheit. Er ist im 
Schmtr. Preufz.-poln. szmyr Dusel, 
szmer Sausen im Kopfe. Davon Schmtr- 
bruder, m., Trunkenbold. Vgl. SchmOr 
und schwTsen. 

Schmirgel, Schmergel, SchmSrgel, m. 
1. ein Stück Speck, das schmirgelt. 
Im Samlande Spirkel, im Ermlande Kri- 
ichel; sonst auch Schurr, m. 2. eine 
geschmirgelte Sauce aus Mehl^ Wasser 
und etwas Speck, welche zu KartofiPeln 
gegessen wird. Sie heifzt auch Pracher- 
suppe. 3. nach Sperber, 28, Schmir- 



gel auch die Tabaksjauche im Pfeifen- 
abgufz. 

schmirgeln, schmergeln, schmVrgeln, sw. 
1. Schmer, Fett, Speck in der Pfanne 
schmelzen, braten lassen, wobei der 
eigentümlich zischende Laut zu hören 
ist; daher auch in Fett braten, braten 
und schmoren überhaupt. Sie hat den 
ganzen Tag zu schmorgeln. 2. nach 
schmirgelndem Fett riechen. Wenn ein 
Scherben Fett einzieht^ so schrmrgeU er^ 
wenn er auch alt ist Sprw. U, 3144. 
Davon schmirg(e)lig, im Samlande auch 
schmurg(e)lig, adj,^ nach Schmirgel rie- 
chend. 3. sich schmirgeln^ am heifzen 
Ofen sitzen und sich den Rücken wär- 
men, einprägein. Oes hier kein Funkke 
Füer^ dabt öck schmörgle kannf Carm. 
nupt, I, 282. Hier wohl auch s. y. a. 
schmauchen. 4. Schemionek, 35: 
schmorgeln^ beschmVrgeln, sich, trinken, 
sich betrinken, aufschmirgeln, aufbraten. 
ausschmirgeln, ausbraten, einschmirgeln, 
ein braten lassen, verschmirgeln, ver- 
braten. Im Götting. smorgeln schmo- 
ren, in Bayern schmirkeln nach Fett 
riechen, ranzig sein. Schamb., 198 b. 
Schmellerlll,475. Bock, 60. Hen- 
nig, 239. 

schmirksen, sw., klecksend schmieren, 
schmutzen, namentlich in beschmirksen, 
beschmutzen. 

Schmtrl, m., kleinste Falkenart, Zwerg- 
falke, Falco aesalon. Nach Bujack, 
367, auch Smirill, Schmerl; nach Bock, 
Nat IV, 279, Schmirle; ahd. smirl, 
mhd. smirlinc, smirltn. Schade, 834a. 
Vgl. Kohl. 

Schmirring, m., der gelbfüfzige Strand- 
läufer, Sandläufer. Mühling. Der 
System. Name ist nicht angegeben. 

Schmilz, m. von schmelzen. 1. Hieb, 
Schlag. Es giebt Schmisse. Ich habe 



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Schmitz — schmorgen. 



299 



ihm auch so ein Dutzend Schmisse zu- 
zählen lassen. Soph. R 11, 356. Und 
kriffte unterwegs noch so einige Schmisse. 
Ibid. m, 218. Hennig, 239. 2. 
Währungseinheit beim Enopfspiel An- 
schmeifzen (s. d.) der Knaben. Der 
einfachste Knopf gilt 1 Schmifz, und 
so giebt's nun, je nach dem Werte der 
Knöpfe Zwei- bis ZwSlfschmisse, jedoch 
nur in geraden Zahlen steigend. Der 
ausgehöhlte Knopf, mit dem angeworfen 
wird, heifzt Anschmifz, Au88chmifz. 

Schmitz, m.^ Schlag, kurzer Schlag 
auf die Fingerspitzen. 

Sclimitze, /. 1. Schmicke, Klatsch- 
ende der Peitsche. 2. nach Marold 
s. V. a. Schmied 2. 

schmitzen, sw. 1. mit der Peitsche 
klatschen, knallen. 2. eine Belustigung, 
bei welcher man gegenseitig mit den 
Spitzen der gestreckten Zeige- und 
Mittelfinger auf die ebenso dargehalte- 
nen beiden Finger des Gegners schlägt. 
Vgl. Volksr, 205, 762. 

schmock, sdimack, adj.^ schmuck, 
hübsch, zierlich. Das steht schmock^ 
das läfzt schön, kleidet gut. Hier kommt 
de schmocke Jtmfer Anne. Dorr, L 
Wiew., 14. So'n schmocket Feld. Dorr, 
13. Mi Dochter^nugoaschmock (hübsch, 
adv.) to Bedd. Ibid., 66. Geht Glöck, 
gy Kwe Kästings- Gäste ^ eck seh ju 
schmackcke (Dem. von schmack) oppet 
beste. Carm. nupt V, 145 c. Engl. 
smug^ wendisch smuc^ dän. smuk. Brem. 
Wb. IV, 872. 

ScIimOdlHrt, m.y schmutziger, unsaube- 
rer Mensch; Ekelname, Schimpfwort. 
Stein, Peregrinus XII, 82. W. MtsbL 
V, 191. Vgl. SchmftdsaciL 

sdimoddelig, adj., s. schmuddelig. 

SChmSdigen, mo., „lindem, besänftigen, 
schmeidig machen. Die Salbe schmo- 
digty sie macht die verwundeten Glie- 



der weich und gelenk^. Hennig, 239. 
Vgl. sclimeidig. 

SchmOdkoch, Schmuddeilcoch, m., un- 
sauberer Koch; Mensch, der mit Speisen 
nicht reinlich umgeht. Hennig, 239. 

SchmOdsack, m., unsauberer Mensch, 
namentlich ein schmutziges Frauen- 
zimmer. Bock, 60. Hennig, 239. 
Schmod Schmutz, in Bremen smitte^ 
engl, smuty holl. smette. Brem. Wb. IV, 
867. 

SClimOlen, sw.^ sich in der Stille über 
etwas freuen, schmunzeln, lächeln. Sei 
schmdld en bo/zken. EngL to smilcy 
schwed. smäle^ mhd. smielen, 

SChmSlen, sw.^ mit Rauch und ohne 
Flamme brennen, gewöhnlich schwelen. 

SchmOr, m., Trunkenheit. jE%* ist im 
SchmoTy er ist betrunken. Vgl. SchmTr. 

ScIimOrbraten, m., gedämpftes Fleisch, 
das nachträglich noch gebraten vnrd. 
S. Schmorfleisch. 

SchmOrbmder, -finic, m., Saufbruder, 
Trunkenbold. 

schmoren, sw. 1. dämpfen, Fleisch in 
verschlossenem Topfe kochen. 2. sich 
stark erhitzen. In der Küche schmoren 
müssen, am Herde die Hitze aushalten 
müssen. Er schmort gu^, ein solcher, 
der am Herdfeuer steht oder warme 
Kleider in der Sonnenhitze trägt. Sich 
am hei/zen Ofen schmoren, 3. kneipen, 
saufen, stark Schnaps trinken. Er 
schmort gut, — hat sich beschmort, ein- 
geschmort. 4. stark Tabak rauchen. 
Sperber, 28. Bock, 60. Hennig, 
239. Vgl. schmirgeln. 

Schmorfleisch, m., Fleisch, das ge- 
schmort ist. 

SchmOrgel, m., schmSrgein, sw., s. 
Schmirgel etc. 

schmorgen, sw., s. sich, sich Sorge 
machen, vor Sorge abzehren. T rei- 
ch el. 



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300 Schmdrpfamie — schmostern. 

Schmorpfanne, /., Pfanne, worin Piasmacher. Mühling. Von Schmü. 

Fleisch geschmort wird. Von achrnd- In Bayern Schmicser. S ch melier UI, 

ren L 477. 

SchmOs-chen, /„ s. Schmftchen. Schmunzel, /., Braut, Geliebte. 

Schmü, m., Vorteil, Nebengewinn, Schmunzelmus, /., dünnes, mit Speck 
Profit, Lohn für eine Unterhandlang, abgemachtes Roggenmus. Nordenbarg, 
mit dem Nebenbegriff der Unredlich- Vgl. Schmunzelsuppe. 
keit. Von dem hebr. schmuah Gerücht, schmunzeln, schmuzeln, m. 1. wohl- 
eitle, alberne Rede, in der Bedeutung: gefällig lächeln. In den Bart schmun^ 
was kommt dabei heraus. Sich einen zeln. Beim Wart Liebeshistörchen schmt^ 
Schmu machen. In Danzig: einen Sch/nül zelte sie. Soph. R. IV, 130. 2. lieb 
machen; in Bayern Schmus. Schmel- haben, lieben. Sie schmumein sich^ 
1er HI, 477. sie lieben sich. Samland. Schmel- 

SchmQchen, /., s. Schmftchen. 1er III, 479: schmutzein. 

Schmuddel, m., Schmutz, Unreinlich- Schmunzebuppe, /., Suppe, die man 

keit; unreinliche, schmutzige Person, lieb hat, die man gern ii'zt; Fettsauce. 

Für Posen Bernd, 269; für Oberlaus. Von schmunzeln 2. Samland. Vgl. 

Anton, 12, 20. Schmunzelmus. 

Schmuddelbart, m., Scheltwort auf ein schmurgelig, odf/., s. schmirgeln. 

Rind, das nach dem Essen ein be- Schmurl(S,9n.,dereinzelne£ntleerungs- 

schmierte$ Gesicht hat. Du bist ein schul'z bei Diarrhöe. Das Wort ist 

kleiner Schmuddelbart. tonnachahmend. Davon schmurksen, 

Schmuddelei, /., Unsauberkeit, etwas sw. 

milder als Schmuddel. schmQscheln, schmQsern, sw.^ s. schmü- 

Schmuddeler, m., schmutziger, unsau- stem. 

berer Mensch. Mühling. SchmQs-chen, m. u. /., s. Schmftchen. 

schmuddelig, adj.^ schmutzig, sudelig, schmllserig, adj.^ mühselig, elend, 

unsauber, unordentlich. Schmtcddlige Mühling. Vgl. misrig. 

Hände. Ein schmuddeliges Frauenzim- SchmQsterke, w., das Lächeln. Hei 

mer. Eine schrmiddelige Wirtschaft. Ut en Schmvsterke^ er lächelte ein- 

In Westpr. auch schmoddelig. Wacht mal. 

man^ du schmoddliget Schischkewater ! sehmüstert2iChen,sw.=8chmifStem.OheT' 

Dorr, 1. Wiew., 67. Nds. smvMelig^ land. Mühling. 

\u ^omm&cn muddelig. Brem. Wb. IV, schmQstern, schmQfzem, schmOsem, 

871. Schamb., 198b. Dähn.,313b. schmQscheln, 8tc., mit Wohlbehagen und 

Schmuddelkochy 971., s. SchmOdIcoch. Selbstgefälligkeit lächeln, in sich hin- 

schmuddeln, sw.^ schmutzen, sudeln, ein lächeln, schmunzeln, besonders über 

Davon verschmuddeln, beschmuddeln. eigenen Vorteil. Im Dustem ist gut 

Schmul, Schmll'l, Schmfl. 1. m. jud. schmustem. Se deed, as heerd se nich 

Vorname, der sehr häufig auftritt = en Woort^ On schmusterd doch mench- 

Samuel^ nach jüdischer Aussprache rnoal. Dorr, 23. Vgl gtmen. In 

Schmuel. 2. zur Bezeichnung für einen Bremen smunstem^ smunsterlachen, in 

Schacherjuden. Holstein smustem^ smusterlac/ien^ in 

SchmQmacher, ?/}., Gewinnsüchtiger, Fornmernsmustemundsmüstem. Brem. 



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Scbmütschke — Schnappsack. 



301 



Wb. IV, 873. Schutze IV, 133. 
Dähn., 435b. Hennig, 240. 

SchmOtschke, n. und /., s. Schmft- 
chen. 

Schmubhammel, m , schmutziger, un- 
reinlicher Mensch. 

schmuzeln, m., s. schmunzeln. 

schnabbeln, sw.y eigentlich schnäbeln 
von Schnabel; auch schnibbeln. 1. es- 
sen. Habt ihr was zu schnabbelnf 
Das ging schnibbel, schnabbel^ da war 
die Schüssel leer. Vgl. Sprw. II, 2386, 
2. reden, sprechen. Er schnabbelt in 
einem wegy er plappert unaufhörlich. 
Sich verschnabbeln, sich in einer Rede 
versprechen, etwas Verkehrtes sagen; 
wider den eignen Willen ein Geheimnis 
ausplaudern. In der Bedeutung von 2 
auch: schnobbeln, verschnobbeln, ver- 
schnabbelieren, verschnubbeln, verschnap- 
pen. In Pommern snvhbeln straucheln; 
stick versnubbeln einen Fehler im Spre- 
chen machen. Dähn., 439b. Bock, 
75. Hennig, 24L 291. 

Schnabel, m., Mund. Er redete wie 
ihm der Schnabel gewachsen ist 

schnab(e)lieren, auch schnabulieren, 
SU7., zunächst von der Ente und an- 
dern Vögeln, welche beim Fressen 
gierig und hurtig den Schnabel be- 
wegen; übertragen: schmausen. Do he 
met Appetit dat Gdn/zken schnabbeleret 
Carm. nupL I, 298, 1. Hei kann hier 
manchet svhnabelekrej wat hei so ßen 
noch norgends sähch (sah). Nowack, 
72. Hennig, 240. 

Schnabelkraut , n. , rundblättriger 
Storchschnabel, Geranium rotundifolium 
L. Auch schierlingsblättriger Reiher- 
schnabel, Erodium cicutarium UHirit 
Hagen, 718. 709. 

SChnäblig, adj.j vorlaut, zudringlich, 
seinen Schnabel in fremde Angelegen- 
heiten stecken. Friedland Ostpr. 



schnabulieren, sw.^ s. schnabelieren. 

SChnacIcsch, ad)'., possierlich, wunder- 
lich, lustig, seltsam; von Schnack 
Scherzrede, lustiger Einfall, Posse. 
Ejin schnackscher Mensch. Dat sit 
schnacksch vt Ich bin eine Canaille^ 
wo das nicht schnackisch war. Soph. 
R V, 146. Et oj'z verwahrlich recht 
met ju en srhnackschet Wesen, Carm. 
nupt. lU, 50d. On plapperd pure 
schneaksche Seaken. Dzg. Nhg. Parad. 
45. Hennig, 240: schnakisch. 

Schnaic, (?), Schlange. Treichel. 
In Bremen Snake, engl, snc^j dän. 
snog. Brem. Wb. IV, 873. 

Schnalle, /., Hure. 

schnallen, sw.^ übervorteilen, prellen. 
Mühling. Auch schnellen. 

Schnäpel, m.^ einer, der seinen Schna- 
bel überall hinsteckt, überall mitredet, 
ein Grünschnabel, Gelbschnabel. Im 
Götting. snappenlicker^ m, Schamb., 
199 a. 

Schnäpel, Schnepel, Snepel, bei Hen- 
nenberger, 29, Schneppel, m., der Ost- 
seescbnupel, Coregonus lavaretus L.; 
auch Seemaribie, lit., kur. sykas^ kass. 
brzona^ brzoL Benecke, 150. 

Schnäpelpant, /., Pant zum Fange der 
SchnäpeL Kurisches Haff. Beschrei- 
bung und Abbildung in Benecke, 393 f. 
Fisch. -Ordnung f. d. kur. Haff § 28: 
Schnepelpant. 

schnappein, sw.y verstärktes schnabbeln^ 
mit dem Schnabel durchsuchen. Die 
Enten durchschnappeln den Sumpf. 

Schnäpper, m., s. Schnepper. 

Schnappern, sw,^ die Spitze der Gänse- 
kielfeder abknipsen, abschnappen. Im 
Rätsel sagt der Gänsekiel von sich: 
Man schnippert mich, man schnappert 
mich. Tierräts. 86. 

schnapps, interj., s. Schwapps. 

Schnappsack, m., Brotbeutel, Ränzel, 



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802 



Schnapshöker — Schnaazhahn. 



Reisesack zur Aufbewahrang trockener 
Speisen. Einderreim: A^b ab^ mtn 
Schnappsack etc. Volksr., 112, 466. 
Im Samlande Schlammsack. Vgl Kos- 
sack. 

Schnapshäker, m, Höker mit Schnaps, 
Spitzname für den Apotheker. Trei- 
chel. 

SChnarken, 9W, 1. schnarchen. 2. 
schwatzen, s. v. a. schnarren 2. Da- 
von: Schnarker, m., Schnarcher; leicht- 
fertiger Schwätzer. und ward der 
Schnarcher seinen armen und betrübeten 
Nachbahm^ nach vieler Müh und Ar- 
beit^ gleich recht. Linem., Kk 3a. 
Schnarkerei, /., Geschnarche, leichtfer- 
tige Rede, Schimpfrede. Aufz dem 
Cholerisc?ien temperament entstehen Ey ff er ^ 
Jäher Zorn: . . aufz diesen entstehen alle 
Effecta Cholerica, als Krieg^ Empörung^ 
Tyranneyy Trotz, Widersetzlichkeit, 
Schnarckerey, Stoltz, übermuht etc. 
Linem., Aaa 2b. 

Schnarp, m., s. Grasser. 

Schnarraback, m., im Volksrätsel der 
Storch. S. Tierräts. 90. 

Schnarre, /. 1. Knarre der Nacht- 
wächter. Zu Hennigs Zeit wurden 
in Königsberg mit der Schnarre noch 
die Standen angezeigt, jetzt wird diese 
nur bei entstehendem Feuer in Bewe- 
gung gesetzt. Hennig, 240. 335. 
2. Er hat sich die Schnarre eingeuyichst 
— gut geschmiert, er hat sich einen 
Uausch angetrunken Sprw I, 445. 
In gleichem Sinne: Er hat die Schnarr 
im Gang. Tiegenhof. 

schnarren, sw. 1 . eine Schnarre in lär- 
mende Bewegunp^ setzen. 2. laut und 
viel reden und dabei lärmen wie eine 
Schnarre; über eine Sache sprechen, 
die man wenig oder gar nicht versteht. 
^ ist ein Schnarrhans, ein Schwätzer. 



Welches dann nicht anders, als durch 
die Edle Trigonometria und Geometria 
mag verrichtet werden, so mancher 
Sphaerische Schnarrhans nicht einsten 
von aussen angesehen. Linem., R 4a. 
Linemann hat für schnarren 2 auch 
schnarken. Oder welcher (Landmesser) 
sich keiner justen und genawen Instru- 
menten und Ketten gebrauchet, und den- 
noch schnarchende sich vernehmen lasset. 
Er habe das seinige gar genaw und 
accurat verrichtet. A. a. O, Yy3a 

Schnarrwachtel,/., s. Grasser. 

Schnäsel, m., junger au%eblasener 
Mensch; ebenso Stisel. Kr. Neustadt. 
Treichel. 

Schnatter,/., Mund, Maul; you schnat- 
tern. Die Schnatter halten. 

Schnatterhans, -maul, -Ilse, etc., 
Schwätzer, Schwätzerin. Vgl. Bernd, 
271. 

schnauben, pltd. schnüwen, st, schnup- 
fen, eine Prise Tabak nehmen. Schnif- 
ke schnüwe schnöfft hei nich, man Brann- 
wtn supe soppt hei sehr. Wer schnSppt, 
der soppt, der Schnupfer ist ein Trin- 
ker. Sperber, 29, hat für schnupfen 
schnoben. 2. schneuzen. Schnaub ein- 
mal! Schnaub dir doch die Nase. 

schnausen, pltd. schnflse(n), sw. 1. zur 
Bezeichnung des eigentümlichen Sau- 
sens der Luft, das durch eine schnelle 
Bewegung hervorgebracht wird. Das 
ging, da/z es man so schnauste. 2. nach 
Mühling s. V. a. schnaufen. 

schnauben, sw., von Schnauze, grob 
anfahren, daher gewöhnlich anschnau- 
zen, mit harten und heftigen Worten 
jemand anfahren. Ich schnavzte sie an: 
y,Sie sind vielleicht Braut oder so wasf*^ 
sagte ich. Soph. R. I, 638. Hennig, 
241. 

Schnauzhahn, m., junger Bengel mit 



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Schnecke — Schnepfe. 



803 



grober Schnauze, GTobian,Grün8chnabel, 
Gelbschnabel. Pr.-pob. mosek^ miokos, 
Mrongov. II, 662b. 

Schnecke, /. 1. Wasserschraube. 
2. in der Niederung Windmühle zum 
Abmahlen, d. i. Ausschöpfen des Was- 
sers mittels einer Schnecke. Pas- 
sarge, 222. 

Schneeblume y /., gemeines Schnee- 
glöckchen, Galantkus nivalis L. Auch 
Schneetropfen. Hagen, 354. Im 
Weichseldelta Schneeguckerchen, -kucker- 
Chen. Treichel, Volksth. IIL 

SChneeen, sw,, schneien. Es schneet. 
Es hM diese Nacht tüchtig geschneet 
Es ist alles verschneet, 

Schneeguckerchen, n., s. Schnee- 
blume. 

Schneesieber, m., Mensch, der den 
Schnee siebt, Bummler. Treichel. 

Schneevogel, Schneeammer, Emberiza 
nivalis. Bujack, 376. 

Schneffei, m., Hornhecht. Danzig. 
S. Homflech 2. 

Schneidebraten, m.^ Braten aus der 
Garküche. Ehedem hieizen die Gar- 
köche Bratenschneider. Danzig. Klein 
H, 134. 

schneiden, pltd. 8chnTde(n), st 1. 
lügen. Der schneidet gut. Davon auf- 
schneiden. He schnitt möt dem Cfren- 
schälge, er schneidet mit dem grünscha- 
ligen (Messer), d. h. er lügt. Sprw. 
I, 3368. 2. sich schneiden^ täuschen, 
irren, übel anlaufen. Der hat sich ge^ 
wältig geschnitten, 

Schneiderabend, m., s. Schneider- 
stunde. 

Schneiderfisch, m., s. GSselitz. 

Schneiderkarpfen, m., Hering, weil 
ihn arme Schneider häufig zur Mahl- 
zeit haben. 

Schneiderkourage, /., Krätze. In ei- 
nigen Gegenden des Königr. Sachsen 



heifzt sie heimliches WoMlAen. Müh- 
lin g. 

schneidern, sw,y „als Schneider arbei- 
ten, ohne das Meisterrecht zu besitzen.** 
Hennig, 241. schneidern gehen^ von 
Nähterinnen, die in Familien Frauen- 
kleider anfertigen, Wäsche nähen oder 
ausbessern. 

Schneiderstunde, /., Dämmerstunde, 
s. y. a. Schimmerstunde. Sie heiizt 
auch Schneiderabend. Mühling. 

Schneiderzeche, /., die Zeche zu glei- 
chen Teilen bezahlen. Wir wollen keine 
Schneiderzeche machen, sagt derjenige, 
welcher für die ganze Gesellschaft die 
Zeche bezahlt. 

Schneidung, Schneiding, /., schmerz- 
hafte Empfindung des Schneidens. 
Leibschneidung ^ Leibschneiden. Schnei- 
ding in den Augen^ Augenschmerzen. 

Schneiz, /., ein durch den Wald ge- 
hauener Weg. Samland. 

SChnfilcem, sw.^ in allen Ecken, an 
allen Enden umhersuchen Er schnikert 
überall ^rum. Treichel. 

Schnellemachfort, /., Diarrhöe. S. 
DUnne. 

schnellen, sw,, s. schnallen. 

Schnellerung, /., Beschleunigung (der 
Bewegung, Fallgeschwindigkeit). Auch 
mag solche Schnellerung nicht gefunden 
werden im Dinge, das beweget wird, 
Linem., I 2b. Weil nun zur Schnel- 
lerung eines fallenden Gewichtes etwas 
eufzerliches zustofzen müsse etc, . . .ich 
spreche, dafz im Luft-Revier eine 
Schnellerung der Bewegung vorhanden 
sei etc. Ibid., I3a u. ö. 

Schnepel, Schneppel, m., s. Schnäpel. 

Schnepfe, Schneppe, /., Hure, die auf 
der Strafze Kundschaft sucht. Früher 
die Schnepper der Schnappgalgen; Hu- 
renschneppe (später l^urzweg Schneppe) 
besonders deshalb, weil Huren an den 



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304 



Schnepper — Schnifchen. 



Schnappgalgen vorzagsweise zu kom- 
men pflegten. Vilmar, 362. In Zu- 
sammensetzungen: Schnepfenjagd, -strich, 
-zug. 

Schnepper, m. 1. Werkzeug zum 
Aderlassen. 2. schnappender Thürver- 
schlufz^ Riegel über dem Schlofz. 3. 
Schlüssel zur Öffiiungdieses Verschlusses. 
Poln. sznyper^ szneper, 

Schneppern, S2I7., schnappend schliefzen. 
Die Thür schneppert gtit^ fallt passend 
ins Schlolz. Es hat geschnepperty hat 
gut gepafzt. 

schneppsch, adj. u. adv.^ s. schnippsch. 

Schnerz, m., im Yoc, 749, Snerker 
für altpr. droansey Schnarrwachtel, s. 
Grasser. 

Schnewe, /., Kunde, Witterung. Von 
etwas Schnewe kriegen, etwas verlauten 
hören, von einer Sache Wind, Witte- 
rung bekommen. Altpr. sinnat, lit. 
zinötiy lett. sinnahty poln. znacy russ. 
znaf wissen, kennen; poln. znawca 
Kenner. Nsslm., Forsch. 3; Th., 
166. 

Schnibbe, pltd. SchnUbb, Schnebb, /. 
1. Schnabel, Muod. Halt die Schnibb\ 
halte den Mund! 2. Nase. Er mufz 
seine Schnibb überall haben. 3. die 
vordere schnabelartig auslaufende Tail- 
lenspitze an Frauenkleidem. 4. früher 
„ein spitzig herablaufendes Läppchen 
von Flor oder feiner Leinwand, auf 
Drath gezogen, welches das Frauen- 
zimmer in tiefer Trauer vor der Stime 
trägt*^. Hennig, 241. Im Winter tru- 
gen früher die Frauen der Dzg. Nhg. 
Schneb on Kappy Schnibbe und Kappe, 
auch Stimtuch genannt. Violöt, 173. 
Li Bremen Snibbe, Snippey in Pommern 
Snippy im Götting. snippe^ holl. snebbe^ 
in Posen Schnippe. Li Hessen Schnippe, ' 
f. u. m.y Vorderteil des Kopfes, Ober- 
teil der Nase bei Tieren. Brem. Wb. 



IV, 889. Dähn., 438b. Schamb., 
200a. Bernd, 27L Vilmar, 363. 

Schnibbel, m. 1. Schnabel. 2. penis 
kleiner Knaben. 

schnibbeln, sw,y s. schnabbeln. 

schnibbem, sw. 1. umherriechen; die 
Nase voraus, dem Gerüche nachgehn, 
spürend suchen, schnüffeln. 2. Bild- 
lich: sich in alles mischen, sich um 
alles bekümmern^ die Nase überall ha- 
ben, alles besehen und untersuchen 
wollen. Er schnibbert überall umher — 
schnibbert alles durch. Auch: SChnip- 
pern, schnllppern, schnOpem. Hennig, 
241. beschnuppern, beriechen, beschnüf- 
feln, neugierig besehen. 

Schntbe, /., Schnupfen, s. SchnTwe. 

schntben, schnTfen, sw.y s. schnOwen. 

SchnTbus, m., Schnaps. Vgl. Schlhis. 

Schnifchen, pltd. Schntfke, Schnllwke. 
1. m. Schnupftabak. Hol mir für'n 
Groschen Schniefke. Schntfke schnüwe 
schnöfft hei nich = er schnupft nicht, 
ist kein Schnupfer. On Schniefke 
schnwioCy schnuw* ock oh Volksl. 56, 
38, 5. Erseht Näs' denn Schntfke. 
Sprw. I, 2754. Ootts Schock Schntfke! 
scherzhafter Fluch. 2. n., eine Prise 
Tabak. Und nun nahm Herr Z. ein 
Schniefchen. Schaltj. 1, 438. Zahl- 
reich in volkstümlichen Redensarten: 
E Schntfke on e Schnaps, dat os Hand- 
werker Maner. Sprw. I, 3376 ff. Bock, 
60. Hennig, 242. 3. Gifthahnenful*z, 
Ranunculus sceleratus L. Dönh. In 
Zusammensetzungen: Schntfkebart, m., 
Bart in dem Schntfke sitzt, auch auf 
die Person übertragen. SchnlfkedOs, /., 
Tabaksdose. Schntfkenas', wie Schntfke- 
bart. Schnffkefarbe, /., Farbe mit der 
des Schnupftabaks übereinstimmend. 
SchnTftabak, m.y Schnupftabak. Heft 
de Näs voU Schnieftabak. Volksr., 240, 
846. 



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Schnife — Schnipp-schnapp-scbnurr. 



305 



Schnife, /.., schnlfen, sw.^ schntfig, adj., 
s. SchnTwe etc. 

Schntfke, m. u. n., s. SchnTfchen. 

schnigger, acfy\ u. adv, 1. hurtig, 
munter, lebhaft, schnell, schlank. 
E Bchniggre Jungfer. Schnigger gehn. 
2. nett. Ein schnigger Mädchen^ ein 
nettes Mädchen. Das läfzt ihr schnigger^ 
das steht schön. Hennig, 241. In 
Bremen snigger^ im Götting. snicker^ 
snecker reinlich, sauber, in Osnabrück 
snogger^ hoU. snogger und anugger^ in 
Pommern mOgger. Dan. mög hübsch, 
artig. Brem. Wb.lV, 892. Schamb., 
200a. Dähn., 440a. 

SchnTpel, w., Frack, von den schnabel- 
artig auslaufenden Schöfzen. 

schntpeln, sw.^ sichj den Frack an- 
legen, überhaupt sich festlich kleiden« 

Schnippergeld, n., Schnippchen, Hohn, 
Spott. Und ob die Tage gleich viel 
kürtzer als die Nacht, Will er bey trü- 
ber Nacht doch süfze Stunden zehlen. 
Doch wer zu ndschrich ist, bekommt oft 
Schnipper-Geld. Wer um ein Mädchen 
wUl wie auf dem PferdrMarckt dingen^ 
und die Verpflichtungen en bagateU 
nur hält, Den pfleget man, so wie die 
Katz vom Speck zu bringen. Carm. 
nupt. III, 61c. 

schnippern, sw. 1. in kleine Stück- 
chen schneideu, s. v. a. schnipseln (s. 
d.). Vgl. Schneppern. 2. s. v. a. schnib- 
bem (s. d.). 

schnippe, interj.^ schallnachahmend ; 
zur Bezeichnung des kurzen, schnippen- 
den Tones, den ein Schnitt mit der 
Schere verursacht. Ein Messer her, 
ich schneide das Band schnips ent- 
zwei! Soph. R I, 349. Schnips war 
der Nagel weg. Vgl. brdz, bums, par- 
dauz, plauksch, schmauks, schnurr, 
schwaps. 

Schnipps, m., Dem. Schnipps-chen, 

Fritcbbler, WörtOTboeb O. 



Schnipsel, in weiterer Verkleinerung 
Schnipselchen, kurzer Schnitt; von der 
Interjektion schnipps. Ein Schnips und 
die Geschichte ist ah. Ein Schnipschen 
Band, Zeug, Brot Auch zur Bezeich- 
nung eines kleinen Restes: Ein Schnips- 
chen Licht. Ein Schnipselchen Papier, 
Vgl. End' 3. 

schnippsch, auch schnibbsch (Hen- 
nig, 241), schnSppisch, pltd. schneppsch, 
SchnVppsch, adj. u. adv., schnippisch, 
vorweg spitzig kurz, keck, frech in 
Rede und Geb&rde; vorzugsweise von 
Mädchen und Frauen. Sie ist ein 
schnippsches Ding, — hat ein schnipp- 
sches Wesen, — antwortet schnippsch. 
Schnöppisch mit dem Maui, sonst stin- 
kend faul. Die junge Frau, die frei- 
lich etwas schnippsch ist, konnte das 
Crichem nicht lassen. Soph. R. HI, 
386. Die schnippsche Frau Malgri. 
Ibid. VI, 535. Wortspielend sagt ein 
Mädchen, dem eine Prise Tabak an- 
geboten wird: Ich bin nicht schnippsch, 
soll heifzen : ich schnupfe nicht. Sprw. 
I, 3381. In Berlin heifzt's in diesem 
Falle: Ich bin nicht schnuppsch. Vgl. 
Brem. Wb. IV, 881. Dähn., 438b. 
Schamb., 199b. Bernd, 273. Wei- 
gand n, 620. 

Schnippschen, n. 1 . Dem. von Schnipps 
(s. d.) 2. Nasenstüber, Enipschen. 
Den Lorbeer für das Haar und Schnipps- 
chen für du Nase. Soph. R. I, 238. 
Vgl. Knips. 

Schnipp-schnapp-schnurr, n., Karten- 
spiel, namentlich im Kreise von Kin- 
dern, nach der Formel: Schnipp! 
Schnapp! Sclmurr! Baselorum! Die 
niedrigste Karte der niedrigsten Farbe 
(die Sieben in Karo) wird mit dem 
Rufe Schnipp ausgespielt; die Acht 
sticht mit Schnapp; sie wird gestochen 
mit Schnurr; mit Baselorum wird der 



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306 



Scbnippsel — schnfwig. 



Stich eingezogen. Zar ersten Tour 
sind somit die Karten Karo 7 — 10 
verbrauclit; för die zweite folgen Bube, 
Dame, König, As. So hat jede fol- 
gende Farbe (Coeur, Pik, Treff) ihre 
zwei Touren. Der Hauptreiz des 
Spieles liegt in der Schnelligkeit, mit 
der ausgespielt, gerufen und gestochen 
wird. Sieger ist, wer die meisten 
Stiche hat, oder seine Karten zuerst 
los ist. Die niedrigste Zahl der Spie- 
ler ist vier. Basdorum ist eine Kpr- 
rumpierung von Apoatolomm; das Spiel 
ist mithin das Schnipp- Schnapp-Schnurr 
der Apostel, welche zunächst als die 
Spielenden gedacht sind. Sehr oft 
hört man noch hinter Schnvar das (un- 
gehörige) Eleimwort Bwrr^ durch dessen 
Einfägung die Regelmäfzigkeit der Tou- 
ren unterbrochen wird. Vgl. Vilmar, 
363, unter Schnipp. Weigand II, 
620. 

Schnippsei, m. u. n., Dem. von 
Schnipps (s. d.), Schnitzel. 

schnippsein, «to., schnitzeln, nament- 
lich mit der Schere in kleine Stücke 
schneiden: abschnipseln. Nd. mippeln^ 
mippem, holl. snippelen^ mipperen. In 
Bayern schnupfen, achnipfeln auTzer 
dieser Bedeutung noch: mit leichter 
flinker Bewegung nehmen, entwenden; 
mit kurzen Z&gen trinken. Brem. Wb. 
IV, 893. Schmeller III, 493. 

schnirgeln, »w.^ saufen, beschnirgeln, 
sicA, sich betrinken, berauschen. T rei- 
ch el. 

Schnirkel, m., unzuverlässiger Mensch, 
der „bald so, bald so^ ist, der im 
Schnörkely in gewundener Linie, geht, 
handelt. 

schnlrkeln, «to., Schnörkeln, Schnörkel 
machen. 

schnirksen, schnitzen, sw,, Wasser 



durch die Zähne schnellen, s. v. a. 
nitten (s. d.). Treichel. 

schnlrzen, 8to., s. d vor. 

Schnitt, 77}., Rausch. Er hat einen 
Schnitt, Sprw. I, 445. 

Schnitt, Pflzn., s. Saueramp. 

Schnittchen, pltd. SchnSttke, n. 1. Dem. 
von Schnitt (schneiden), 2. nach Möh- 
ling ein Backwerk von Blätter- oder 
Butterteig, das in länglich- viereckige 
Form geschnitten ist. Dasselbe bei 
Schemionek^ 86: Schnödchen, VgL 
Kränzchen. 

Schnittgras, n., spitzkantige Segge, 
Carex acuta L. Hagen, 981. 

Schnittke, /. 1. rote Rübe, Bartsch 
(s. d.) Schnittkensuppe, /, Bartsch- 
suppe, auch Bfitensuppe, Zwickehuppe, 
BotschwTn. Nsslm. Th., 166, fragt: 
etwa zu russ. snit, poln. hUika Aego- 
podium? Vgl. Schnitzel. 

Schnittloch, n., Schnittlauch. S. Prts- 
loch. 

Schnitzel, plur.^ zerquetschte Reste 
der Runkelrübe, ein gutes Viehfut- 
ter. Treichel, Volksth. HI. VgL 
Schnittke. 

Schnitzger, m.^ Tischler. Dzg. W. 
Seidel, 34. 

Schnitzker, pltd. SchnStzker, m.^ Messer 
des Böttchers. Oberland. 

SchnTwe, Schntbe, Schnffe, Schnttf 
(statt t auch w), /., Schnupfen; Rotz- 
krankheit der Pferde. Hennig, 242: 
^chnüve. Er hat die Schnüve. In Pom- 
mern Snowe^ Snäwe zunächst der Ge- 
ruch. Dähn., 439 b. 

schnTwen, schntben, schntfen, sw.^ mit 
pfeifendem Tone atmen, schnaufen. 
Von Schnifjoe. 

schnlwig, schntbig, schnffig, adj, von 
Schniwe^ verschnupft; bei Pferden rotzig. 
In Pommern möwsch. Dähn., 439b. 



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SchDobbd6k — Schaubbeltuch. 307 

Schnobb-y SchnobbeldOk, n., s. Schnub- eine überflüssige, dumme Bemerkung 

beltuch. etc. 

schnobbeln, sw.^ s. schnabbeliu SchnVf, m.^ Schnupfen, s. Schnlwe. 

schnoben, sw., s. schnauben. SchnSffel, m. etc., s. Schnllffel etc. 

Schnodder, m,y Nasenschleim, Rotz. schnOpern, sw.y s. schnibbern. 

Er weint Schnodder und Rotz. WSsch SchnVppeldock, n., s. Schnubbeltuch. 

dt den Schnodder von de Back^ sonst schnoppratzig, od)'., naseweis. Ma- 

denkt de Bür, et glddtst Sprw. 1, 285. rold. 

Ausruf: Schnodder und Rotz! in dem schnSppsch, adj.^ s. schnippsch. 
Sinne von: Donnerwetter! Königsberg. Schnorgel, SchnVrgel, Schnurgel, /., 
Nds. Snotte^ angs. snot, engl. u. hoU. Nase, Mund, Schnauze. H61 de Schnor- 
snot^ dän. snat^ snot^ in Pommern gel^ halte den Mund! Bock, 60. S. 
Snodde, Snodder. Brem. Wb. IV, 899. beschnorgeln. Vgl. Schnllffel. 
Dähn., 4:39a. In Posen der Schnuder. Schnorgel, w., unreife, vorlaute Per- 
Bernd, 273. Bock, 60. Die Göttin son, welche überall die Schnorgel hin- 
Snotrc^ die Geschneuzte. Simrock, einsteckt, mitredet. 
Mythologie, 5. Aufl., S. 400. Grimm, schnorgeln, schnVrgeln, schnurgeln, sw., 
Myth. II, 843. durcfi die Nase laut atmen; mit der 

Schnodderbartel, m,^ s. Rotzbartel. Nase den Schnodder hochziehen ;schnar- 

Schnodderdorf, Ortsn., s. Brandwe- chen; nach Sperber, 86, schnurfein, 

then. nach T reiche! auch schnorken. Vgl. 

Schnodderhyazinthe, /., Stemhyazinthe, schnüffeln 1. 

Endymion non scriptus Garcke^ wohl der schnorren, «to., schnurren, umherzie- 

weil'zen Blüte wegen. Er. Neustadt, hend bettehi. Davon Schnorrer, m., 

Treichel, Volksth. III. Schnurrer. Klingt, als stamme es aus 

Schnodderjan, m., Schimpfwort. dem Hebr., rührt jedoch nicht daher; 

Schnodderlappen, m., Schnupftuch, es kommt nach der Ansicht vieler 

Mühlin g. daher, daTz die polnischen Bettler ihren 

SChnoddem, sw., den Schnodder aus- Wohlthatem „Schnurren** zum besten 

werfen; damit besudeln; mit einer vol- gaben und deshalb Schnurrer ^ Schnot*- 

len, schnupfigen Nase Geräusch ma- rer^ genannt wurden, 

chen. schnSrren, schnurren, sw., schrumpfen, 

Schnoddemase, pltd. -näS, /., unsau- faltig oder uneben sich zusammenzie- 
bereNase; aber auch Schimpfwort auf hen, durch flitze, Dürre, Alter. Gr- 
einen vorlauten, mokanten Menschen. schnörrtes Obst Der Alte ist recht zur 

SChnodderrotzfett, oc^'., zur Bezeichnung sammengeschnurrt, 

grofzer Fettigkeit. Kgsbg. SchnSrrhitze, pltd. -hStt, /., glühende, 

schnoddrig, ac^. 1. voll Schnodder, druckende Hitze, welche den Boden 

rotzig. 2. übertragen zur Bezeichnung ausschnörrt. Elbinger Ndrg. 

eines unreifen^ naseweisen Menschen. schnUrzen, sw.^ s. schnurzen. 

Er ist ja man noch ein schnoddriger Schnttrzkuchen,?^., pfannkuchenartiges 

Junge. 3. verwerflich, überflüssig. Gebäck. Vgl Kröpfen, Porzel, Bah. 

Eine schnoddrige BeTnerkung^ Redensart, Schnubbeltuch, pltd. SchnobbeldOk, 

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308 



sohnubbern — Schmirgel. 



Schnobbdök, n., Schnapftach, Taschen- 
tuch. In der Dzg. Nhrg. SchnVppeldock. 
Viol^t, 104. Hennig, 242. 

schnubbem, sw.^ schnuppem. 

schnucken, schnucksen, sw.y krampf- 
haft schluchzen, aufstofzen, schlucken, 
den Schlucker haben. Mielcke II, 
212b. Schemionek, 36. 

Schnucker, m.^ s. Schlucker. 

SchnQdely m,y Dem. Schnüdelchen^ 
Kosewort für Hunde und kleine Kin- 
der. Nach Sperber, 29, auch SchnQ- 
ter und SchnOterchen. Vgl. SchnQt, 

Schnlife. /., Schnupfen, s. Schnlwe. 

Schnufer, m.y Ekelname und Schimpf- 
wort. Stein, Peregrinus XII, 82. W. 
Mtsbl. V, 191. Vgl. Schnüffler. ^ 

Schnliffel, pltd. SchnVffel, m. 1. Nase. 
Er mu/z seinen Schnüfel überall haben. 
Er hat überall den Schnüfel voran. 
2. Mund. Halt' den Schnüfel! 3. eine 
Person, welche schnüfelt; namentlich 
ein unreifer junger Mensch, der vor- 
laut und altklug in der Gesellschaft 
älterer Personen aufbritt. Das ist ein 
rechter Schnüfel! Vgl. Schnorgel. 

Schnllffelmarkt, m.^ Platz in Danzig, 
auf dem früher Schaufeln^ pltd. Schuf el^ 
verkauft wurden. Löschin, 43. 

schnüffeln, pltd. schnüffeln, sw. 1. 
schnaufend atmen. In diesem Sinne 
auch schnorgeln^ schnorgeln, schnurgeln. 
2. herumriechen, oft und viel riechen, 
wie Hunde solches thun; die Nase über- 
allhaben, spionieren. Davon aus-, durch-, 
herumschnüffeln. Hennig, 231. Er 
schnüfelt überall herum^ er forscht und 
wühlt in zudringlicher Weise, sucht 
nach Heimlichkeiten. Eck schnofeld 
driest herom as wie de Muhs na^m 
Schwoart. Carm. nwpt I, 282, 14. 
Bücher dwrckschnüfeln^ sie durchstö- 
bern. 

Schnüffler, pltd. Schnüffler, m., einer. 



der schnüfiPelt. Ekelname und Schimpf- 
wort; bei Stein^ Peregrinus, neben 
Schnufer. 

SchnQfkatt, /., dünnes Licht von or- 
dinärem Talg mit Gamdocht. Hen- 
nig leitet den Namen von dem schnau- 
benden Geprassel her, den dieses Licht, 
brennend, hören läfzt: es gleiche einer 
schnaubenden Katze, oder, wie er sagt, 
einer Katze, die den Schnupfen hat. 
Der Name ist auch noch heute üblich. 
In Pommern ist Snwokatt (auch Snwc- 
rott) Schimpfwort auf ein vorwitziges 
Mädchen. Dähn., 441a. Bock, 60. 
Hennig, 242. 

schnupfen, sw.^ schluchzend weinen. 
Da ist nun das Hertzeleid recht unter 
ihnen (den Frauen) angegangen^ haben 
gen Himmel geseuftzet, ihre Hände ge- 
rungen, geschnupft^ und öfeniUch mit 
grossem Wehklagen ihre Noht beweinet. 
Act. Bor, I, 183. In Bremen, im 
Holstein., in Pommern, im Göttin^. 
mucken, Brem. Wb. IV, 900. Schütze 
IV, 148. Dähn., 440a. Schamb., 
200b. 

schnuppen, sw,^ schnupfen. Tabak 



schnuppern, «ti?., s. schnibbem. 

schnuppig, adj,^ schnupfig; rotz- 
krank. 

Schnupptuch, pltd. SchnobbdOk, n., 
Taschentuch. Euphemismus für A. wisch. 
Vgl Sprw. I, 2871. 

schnüren, siw. 1. mit einer Schnur 
umspannen, binden. Zimmerleute bin- 
den den Fremden, der einen Neubau 
betritt, um ein Trinkgeld zu erhalten. 
Hennig, 335. Schemionek, 36. 
2. eine Schnürweste anlegen. Sie ist 
nicht geschnürt^ sie hat kein Schnürleib- 
chen an. 

schnurfein, sw.y s. schnorgeln. 

Schnurgel, /., etc. s. Schnorgel etc. 



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Schnürling — Schobbjack. 



309 



Schnlirling, tn., SchnürfiEiden, Marlein, 
auch Schnllrlein. Die Schnürlingsgraben- 
gösse in Königsberg; froher der Schnür- 
leinsdamm in der vorderen Vorstadt. 
Bock, Nat. I, 62. Vgl. Mariein. 

Schnlirpinne, /., Stahbiadel mit stum- 
pfer Spitze und sehr breitem Öhr, durch 
das man Band zieht, mit dem man 
die Bezüge der Betten beschnürt; 
Pinne (s. d.) an den Enden des Schnür- 
senkels. Schlank wie 'ne Schnürpinne, 
Sprw. 1, 3331. In Bremen Snörpipe^ 
in Hamburg Nestelpipe. Brem. Wb. III, 
321. Richey, 185. Hennig, 186. 

Schnurr, /., von schnurren^ umher- 
ziehend betteln, buhlen. Auf die Schnurr 
gehen; von Mädchen, welche zur Spinn- 
stube gehen, wo die Wockenräder 
schnurren, aber auch von solchen, die 
an den Abenden auf der Strafze nach 
dem Manne suchen. Sprw. I, 1189. 

schnurr, schnurz, interj.^ schallnach- 
ahmend; zur Bezeichnung des Tones, 
den das Zerreüzen eines gewebten 
Zeuges verursacht. Schusta^ Kapusta^ 
Drahtdrella^Pochfista — schnurz! Volksr., 
334. 

Schnurre, /. 1. lustiger Einfall, Posse. 
2. kleiner Rausch. Er hat eme Schnurre^ 
er ist ein wenig betrunken. Hennig, 
242. 

schnurren, m.^ s. schnurren. 

Schnürsenkel, ^n. u. n, s. Senkel. 

schnurzen, schnurzen, «u?., von schnwrz^ 
schnurrend reifzen. Das gerissene Sei- 
demeug schnurzt. Ihm schnurzen die 
Büaen, er l&fzt einen fahren. In Westpr. 
in beiden Bedeutungen auch schürzen. 
Treichel. 

SchnOsohr, m. u. n., s. SchlQsohr. 

SchnQt, Schnitt, /., Schnautze, Mund. 
Auf die Schnute bekommen. Sonst kreag 
he är stracks bi ne Schnüt Parad., 9. 
Das Dem. SchnQtchen ist in Danzig 



Kosewort für Lieblinge. Gedanism. 
Vgl. SchnQdel. 

SchnQfer, m., s. SchnQdel. 

schnQwen, schntben, schntfen, sw,, 
schnupfen, Tabak schnupfen. Schntfke 



schnilwen, sw,^ schnüffeln, beschnll- 
wen, beschnüffeln: So let he alles em 
beschnüwen. Dzg. Nhg. Parad., 62. 

sehe, interj.^ Scheuchruf; üblicher 
sehe. 

Schcbbel, fy Dem. Schobbelke, Fufz- 
bank. Dzg. Nhg. Viol^t, 103. Gr. 
Werder. Schieben^ pltd. schüwen ist 
die Wurzel. 

Schobben, vhchd.schubben, st«?., krauen, 
kratzen, wobei mit der Hand, den Fin- 
gern, schiebend und schabend hin und 
her gefahren wird (s. schauben). Den 
Hund^ das Pferd schobben. Sich schob- 
ben^ mit Griff in die Kleider die Haat 
schaben, oder an einem Gegenstande 
juckende Körperteile reiben, sich 
scheuem. Der Lausige schobbt sich. 
Das Schwein schobbt sich an einem Pfahl. 
Führ, schobb dt! Sprw. I, 812. Wem't 
jäkt^ dei schobb sock. Nds. schubben. 
Brem. Wb. IV, 701. Hennig, 243. 
Schemionek, 36. Sperber, 29. 

Schobbig, adj.j schäbig, unordentlich^ 
unsauber. Schobb'ger Kerl. Verhchd. 
Schubbig. 

Schobbjack, Schubbjack, Schubjack, m. 
1. in Kleidern nachlässige, bettelhafte 
männliche Person, Lump; schlechter^ 
sittlich verkommener Mensch überhaupt, 
selbst wenn er gut gekleidet ist; nach 
Schemionek, 36^ auch ein Mensch, 
der jedem im Wege steht, an dem man 
sich also unfreiwillig reibt. Er ist ein 
rechter Schobbjack. Zunächst wohl Zu- 
sammenziehung aus schobben u. Jacke, 
also ein Mensch, der sich infolge der 
Unreinigkeit beständig mit seiner Jacke 



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310 



Schobbig — Schönfeld. 



schobbt. 2. Pfahl, den man in baum- 
armen Gegenden auf der Weide in den 
Erdboden schlägt, damit das Vieh sich 
daran schobben kann, Danziger Nhg. 
Viol^t, 104. Weichselniedrg. Pas- 
sarge, 221. Sperber, 29. 43. Ein 
Küster hatte eine Injurien klage ange- 
strengt, weil er „Schabjack der Fröm- 
migkeit^ genannt worden war. 

schobenweise, adv., s. schöwweise. 

Schock, n , eine Zahl von 60 gleich- 
artigen Stücken. Ein Schock Eier etc. 
Ein Schock -= 4 Mandel ä 15 Stück. 

Schockel, /. a. m., schockein, s. 
Schuckel. 

schocken, «U7., laufen. Treichel. Vgl. 
socken. 

Schockschwerenot, /., Fluch. 

SChodder, Zuruf an Zugtiere, s. schwod- 
der. 

schttddern, sw., s. schuddern. 

SchVdel, /., Schürze. Danzt, dat Rock 
on Schödel schwunkt! Schlochau. Fir- 
menich I, 118b. Volksr., 222, 790. 
Vgl. Scherdeltuch. 

Schöf, /., n. u. m.y s. Schöw. 

Schöfelzeug, n., von schofely armseliges 
Volk, Pack, Plebs, ungesitteter Pöbel. 

Schofl, Värschoft, f., Vorderteil, Brust- 
kasten; beim Vieh. De Os fät (fafzte) 
ons K6 under de Vänchoft on schmet 
er 6k gltk op de Riigg, auf den Rücken. 

Schollen, /., s. Schellen. 

schVIlen, schellen, 8t, prds, scholl; 
prät schall (^scholl); part geschoüe^ 
schelten. Madamke^ schölle se nich^ 
schelten sie nicht, werden sie mir nicht 
böse. Herrke^ wt se woUe^ wenn se man 
nich schölle. Dei sock schöUe^ dei sock 
wolle. Sprw. I, 3280. 

Scholler, /., Schulter, pltd, SchuUer. 
Saalfeld. 

Scholliken, n., Scholle, s. Platteis. 



Schob, m., Schulze, Ortsvorstand. 
Ermland. 

schompeln, schampeln, schumpeln, sw^ 
unbehilflich langsam, schleppend, lahm 
gehen; vor Alter oder Schwäche. Vgl. 
hVmpeln. Er schompelt nur noch herum^ 
es geht mit ihm nur sehr langsam. 
schumpeln ist nur Verhochdeutschung. 
Schemionek, 37. 

SchVnbergergasse, Strafze in Königs- 
berg, in welcher „der blinde Magister 
Schönberger gewohnt haben soll, dessen 
merkwürdigen Lebenslauf Hartknoch 
in seinem A. u. N. Preufz., 401, aus- 
führlich erzählt*'. Hennig, 229. 

Schone, /. Nach Simon Grünau, 
Tract I, cap. III, ein Fisch in Preufzen. 

SchVne, /., s. SchSne. 

SchSneberg, Ortsn. 1. Dorf bei Mühl- 
hausen a. d. Ostbahn. Er hat die 
Schoneberger Universität besuchty sagt 
man von Menschen, welche eine über- 
spannte Meinung von ihren Kenntnissen 
haben. Gelehrt tjoie ein Schoneherger. 
Tolkemit Sprw. I, 3387. 1222. 2. 
Dorf an der Weichsel, durch Tabaks- 
bau bekannt Der Spott nennt den 
dort gebauten Tabak Schönberger Gra- 
benkant Elbing. Tiegenhof. Vgl. 
Drängsei. 

SChVnen, sto., schön werden ; vorzugs- 
weise in der Zusammensetzung mit auf: 
aufschVnen, vom Wetter. Das Wetter 
schönt aufy der Himmel wird klar. Bei 
Jeroschin schönen schön machen, mit 
waz ztrheit suln geschönt di meide von 
dir werdin? 24c. Pfeiffer, 216. 

schönerig, adj,^ zum Schonen geneigt, 
sparsam. Der Junge ist sehr schönerig. 

Schttnfeldy Ortsn., Dorf im Oberlande. 
Hei ÖS wt de Bure üt Schönßld. Man 
sagt diesen neckend nach: Haben die 
Schönfelder die Scheunen voll, so sitzt 



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Schonferfzel — Schorr. 311 

jeder auf zwei Stühlen; sind die Scheu- sich dazu der Koscher^ die an langen 

neu nur halb gefüllt, so sitzt jeder auf Stangen befestigt sind« S. Bock, Nat. 

einem Stuhle, sind sie leer, so sitzen 11^ 169. 

zwei auf einem Stahle. schttppen, »w.^ verkaufen. Dzg. Nhg. 

Schonferfzely n., Schönfahrsegel^ das Viol^t, 104. 

Grofzsegel am Hauptmaste. 15. Jahrh. Schoppenbraiiery m.y s. SchOpe« 

Hirsch, 265. Schoppenbull, m , Bulle, der im Schop- 

SChVn machen, sich^ sich in günstiges pen steht, dem es an guter Nahrung 

Licht stellen, sich von der besten Seite nicht fehlt. De Brock stund mi so 

zeigen, sich rein brennen von einer stramm as wie en Schoppen-BoU. Carm. 

Schuld. Er toeifz sich stets schon zu nupt I, 282, 14. 

machen. Bei Jeroschin: sich schöne Schttpper, m.^ s. Schipper. 

machin. Pfeiffer, 216. Schüpsenkeule, /., Ärmel im Frauen- 

SChVnner, adf;., comp, von schon. Da£s kleide älterer Zeit, dem Hinterschenkel 

noch schonner. eines Schöpses ähnlich; sie hiel'zen 

SChOnst, cuiv.^ schon. Ich war schonst auch mit der franz. Bezeichnung Gigof- 

da. Vgl. allschOnsL ärmel. Yiolöt, 177. 

SchÖpOy Schöp, /., kleine Schaufel. SchVpsnase, /., Nase des Schöpses, 

Gr. Werder. Nach Hennig, 243, ist zur Bezeichnung eines naseweisen Men- 

Schope eine „Schöpfkelle, womit man sehen. 

beim Bierbrauen das Wasser in die SChoräwer, adv.^ gegenüber. 
Pfanne schöpft*. In Danzig hiefz der Schorb, m. Armer teüfel^ elender 
eigentümliche Schöpftrog, dessen sich Schorb und Scherpenter. Stein, Pe- 
die Brauer zum Ubergiefzen des heifzen regrinus I, 6. W. Mtsbl. Y, 94. Wohl 
Wassers über das Malz bedienten, s. v. a. Schorfe vielleicht auch verwandt 
Schliffe, Schuppe, Schippe. Unzweifelhaft mit Scherbel 3. 
nach diesem Gefäfz hiefzen die Brauer, SchVrbel, 9n., s. Scherbel. 
welche das nach dem Auslande gehende Schttrbock, m., s. Schttrbock. 
Schi£fsbier fabrizierten, Schupen- oder schorcheln. sw., s. schurgeln. 
Schoppenbrauer; ihr Fabrikat hiel'z Scho- SchVrdeltuch, n., s. Scherdeltuch. 
pen- oder Jopenbier und wird noch jetzt SchOren, /., die durch andere Farbe 
in Danzig gebraut. Hirsch, 305. des Wassers auffallende Stelle einer 
Nach Hennig, a. a. 0., hielzen Scho- „Untiefe^ d. h. einer grol'zen Wasser- 
penbrauer „diejenigen, die den Brauern tiefe. Nariensee. Auch wohl sonst im 
um einen gewissen Lohn beim Brauen Oberlande gebrauchlich. Da ist die 
helfen; sie machen hier in Königsberg Schoren^ da ist, beginnt, die Tiefe, 
eine besondere Zunft aus". Dieser SchorfkrBt^/., schorfige Kröte, Schimpf- 
Name ist in Königsberg nicht mehr wort. Sich auß>lasen wie eine Schorf- 
üblich; die Braugehilfen heifzen hier krdte. Vgl. !^orrespbL HI, 52. 
gewöhnlich Helfer (s. d.). Vgl. Scheppe. Schorfrabe, m.^ junger Schorf auf einer 

Schopenbler, n., -brauer, m., s. das Wunde. Ygl. Rab. 

vor. SchSrke, /., s. Schirke. 

SchVpfguty n., Bernstein, der durch Schurken, sw.^ s. schirken. 

Schöpfen gewonnen wird. Man bedient Schorr, Schorre, /., s. Schorrbahn. 



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312 



Schorrbabn — schoseln. 



Schorrbahn, selten vbchd. Schurrbahn, 
/., Bahn zum Schurren, Eisgleitbahn. 
Die Kinder stellen sich die Bahn her 
aof dem Eise, auf zugefrorenen Rinn- 
steinen, beeisten Strafzen, durch wieder- 
holtes Schurren. Sie heifzt auch Schorr, 
Schorre (Eönigsbg. Samland), Schurgel 
(Ermland), /. Komm op de Schorr! 

schorren, yhchd. schurren, 9w. 1. glei- 
ten mit eigentOmlich scharrendem 
Rauscheu^ mit scheuerndem Geräusch 
sich bewegen. Der Schnee scharrt vom 
Dache, Mühhteine schurren^ — laufen 
schurrend. Die Jugend scharrt (gleitet) 
auf dem Eise. Für diese Winterbe- 
lustigung der Jugend ist das hchd. 
schurren, wenigstens in Kgsbg. kaum 
gebrauchlich. JSr kann nach nicht ein- 
mal scharren. Dieses Gleiten heifzt hier 
auch schluddern, schurgeln; in Schlesien 
kdscheln, in der Mark schUttem^ slid- 
dem, in Mecklenburg schliddem, in 
Pommern slidderken und gliddem, glad- 
dem, glidderken, gladderken, in West- 
falen schiindem, am Rhein Bahn schla- 
gen, Bahnchen schlagen^ im Götting. 
schurren, in Posen schundem (die Bahn 
Schunder), in Hessen gldnem, glängeln, 
glanzem, schuhen, schaweiten, schabeiten, 
schaweien, scharweiden, r eidein, rlten, 
rtden. Vgl. Dähn., 430a und 153. 
Schamb., 187b. Bernd, 278. Vil- 
mar, 128 flf. 2. bildlich: von einer 
Speise, die nicht recht munden will. 
Sie will nicht recht scharren, gleiten, 
rutschen (zum Magen hinab). Bock, 
61. Hennig^ 244. abschorren, -schur- 
ren. 1. abgleiten; sterben. Er ist oJ- 
gescharrt. ausschorren, ischurren, aus- 
gleiten; zu scharren anfangen. 

Schorrmorr, Schurrmurry m., altes aus- 
rangiertes^ durcheinander geworfenes 
Gerät, in Kammer oder Bodenwinkel 
zurückgestellt Bock, 62, u. Hennig, 



249, schreiben Schurre murre. Vgl 
Krftfzel u. Scheffelkopf. S. W. Seidel, 
34. Schemionek, 36. Nsslm., Th., 
221. 

Schorschf, m., Schornstein; Eamin- 
ofen, in welchem gekocht wird. Saal- 
feld. Auch Schoretein, und davon Schor- - 
steinfeger. 

SchSrteltuchy n., s. Scherdelfuch. 

Schttsche, /., irdene Milchschussel. 
Schemionek, 36. 

Schöse, /, gewöhnl. plur. Schösen, 
Späfze, alberne Scherze, Possen, das 
franz. chase. E lausige Keerl, sane 
Schosen an Narrenstdg ze machel Dorr, 
1. Wiew., 75. Sand dat nich man pure 
Schasef Carm, nupt. l, 2AI. Dromwull 
ack man an MuhÜce voll mot enne davan 
garen kose, van ähren dämme, dwatsche 
Schase, Ibid. V, 216 b. Was ist denn 
das? „Körbchen mit Rosen.^ Das sind 
nur Schosen. Volksr., 200, 736. 

Schtfsel, m., Mensch, der Schosen 
macht, schöselt; loddriger, alberner, 
dummer, halb verrückter Mensch. Sper- 
bers Erklärung, S. 43: „unanständiger, 
ruppiger Mensch** trifft nicht zu. In 
Danzig Schdsel; in Bayern die Schaf zel^ 
Geschofzel eine allzu lebhafte und dabei 
gedankenlose Person und schofzeln ge- 
dankenlos hin und her rennen, die 
Schufzel eine übereilt handelnde Per- 
son, schufzlig voreilig. Schmeller III, 
411 f. Vgl. Bernd, 279. 

Schöselei, /., dummer, läppischer, 
närrischer Streich; auch Geschtfsel. 

SChtfseln, sw., dumme, alberne, när- 
rische Streiche, Schosen y machen. In 
Danzig schdseln. Wat sull dat Renne 
an dat Döslef Man plegt je hier nich 
so to schösU. Volksl, 29, 19, 2. From- 
mann YU, 218. Davon schösligy schfis- 
lig, adj., albern, läppisch, närrisch, ver- 
wirrt, dumm. Ist das ahei' 'ne schösUge 



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schosieren — Schotte. 



313 



A/argelly ein dummes, verwirrtes Mäd- 
chen! Was son sciumliger Gelehrter 
nicht schwaddert. Die Sach is ganz 
andersch. Schaltj. 1, 438. 

schosieren, «to., mit Frauen schön 
thon; liebeln; von dem franz. choser. 
Er ist ein gewaltiger Schofz^ ein grofzer 
Scho/zbartel und Schofzna/rr^ der allent- 
halben schossiret Sie schossiren nwr mit 
einander. Stein, Peregrinus XIV, 14. 
16. W. Mtsbl. VI, 184 f. 

schöslig, od)'., s. schtfsen. 

schössen, wo , Geld freiwillig zasam* 
menschieizen, zusammenlegen; von 
Schofz Geldabgabe, Steuer. WoUen wir 
schössen^ wollen wir auf gemeinschaft- 
liche Kosten etwas trinken, geniefzen? 

schossieren, sw.^ s. schosieren. 

Schob, 971., Menge. Da steht e Schofz 
Leute. Saalfeld. 

Schofz, Schufz, 97», Neigung, Liebe. 
Der Schofz und die unzeitige Lieb hat 
ihn gar eingenommen. Er hat ein Schofz 
zu ihr und sie zu ihm. Stein, Pere- 
grinus XIV, 14. 15. Sie sind in ein- 
ander verschossen. Vgl. schosieren. 

Schofzbalg, m., Balg, Holle des Schos- 
ses, des Triebes; beim Getreide. S. 
Bremsenl(opf. 

Schofzbartel, m., Weiberfreund, der 
zum schosieren neigt; auch einfältiger 
Mensch, der zu Possen geneigt ist. In 
Oberhessen Schasterbartel. Vi 1 mar, 
374. S. Schmellerlll, 411. 

SchVfzchen, pltd. Schvrzl(e(n), plur.j 
die Kockschölze, namentlich am Frack. 
Rock cn kein Schofzke dran. Volksl., 
88. Nach Schemionek, 36, nennt 
man die Spediteure, welche die an 
Land steigenden Schiffskapitane zu ka- 
pern suchen, ScMfzIcengreifer. 

Schofzforke, /., s. Forke. 

Scholzkelle, /., s. Kelle. 

Schorznarr, m., s. y. a. Schofzbartel. 



Schote, /., die Hülse, der Balg, wo- 
rin die Erbse sitzt, aber auch die Erbse 
selbst. Schoten pulen, Erbsen lüften. 
Nach Klein II, 140, heil'zen in Dan- 
zig die frisch gelüfteten, grünen Erb- 
sen Schotenl(Vmer, die getrockneten aus- 
schliefzlich Erbsen. Letzterer Name 
ist für die getrocknete Erbse allgemein. 
Schotengemilse, n., grüne Erbsen, oft 
noch mit zerschnittenen Gelbmöhren 
gemischt. Königsberg. 

SchStelfahr, /., Scheitelfahr, Scheide- 
furche, Grenzfurche, auch Grenzrain. 
Samland. Natangen. 

schVteln, sw.y s. schSteln. 

SchVtelzaun, 7n., Scheidezaun, Grenz- 
zaun. Hennig, 335. 

Schotengemilse, -Idimer, s. Schote. 

SchStt, /., Weberschiffchen, s. Schutt 

Schotte, Schottenicrämer, m., Hausie- 
rer, herumziehender Krämer, der mit 
seinen Waren namentlich die Jahr- 
märkte in kleinen Städten besucht. 
Ebenso in Pommern, in der Neumark, 
in Bayern, Tyrol. Lit. szdtas Hausie- 
rer, wandernder Krämer, russ. szatäju4^ 
szatäfya umherlaufen, sich umhertrei- 
ben, szalun Umherläufer, Vagabund. 
Bei Danzig Dorf Schottland, von dem 
Hennig, 244, den Namen dieser Hau- 
sierer irrtümlich ableitet; wahrschein- 
licher ist's, dafz die dort ansäTzigen 
Hausierer (Schotten) dem Orte den 
Namen gegeben. Auch im Kr. Königs- 
berg, bei Neuhausen, giebt es ein 
Etablissement Schottland, und an der 
Weichsel im Kr. Marienburg, desgl. im 
Kr. Kulm einen Schottenkrug. Dähn., 
412b. SchmellerUI, 416. Nsslm. 
Forsch. 3; Th., 167. Hirsch, 230, 
erwähnt die Schotten neben den Nüm- 
bergern und Spaniern als sogenannte 
Landfahrer unter den mit Danzig han- 
deltreibenden Fremden. Wir woUen, 



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314 



Schottenfrau — Schräge. 



dafz die fremden Krämer^ dergleichen 
Schotten^ die aUhie im Lande sa/zhaf" 
tiffj 80 sie in eine Stadt ankommen^ nach 
Gelegenheit der fümehmen Markte, wie 
es in der Stadt gebräuchlich^ ihre Waa- 
ren öf entlich und ungehindert feil haben 
sollen und mogen^ mit diesem Bescheide, 
da/z sie über solche Zeit aufzerhalb der 
geordneten Jahrmärkte, in derselbigen 
Stadt keinen of entlichen Markt halten 
sollen. Im Oberland aber und nach 
der Masaw soll den Schotten ihre Waa- 
ren allenthalben feil zu haben unver- 
boten sein, LandesordDang von 1640. 
Warte, bis die Schotten kommen, d. h. 
bis es Gelegenheit giebt. Op em Sämer 
op em Sinndag, wenn de Schotte käme, 
Samland. Sprw. I, 3532. Morgen kom- 
men die Schotten, als Trost, aber aach 
als Aufmunterung, das Heute zu ge- 
niefzen. 

Schottenfrau, /., Frau eines Schotten, 
doch auch jede Hausiererin. 

Schottenhandely m,, Handel^ den die 
Schotten treiben, über den in früherer 
Zeit, namentlich von den Eaufleuten 
Danzigs, grofze Klage geführt wurde. 
Hennig, 244. 

Schottenhändler, m, s. v. a. Schotte. 

Schottenkram, m., Kram eines Schot- 
ten, 

Schottenkrämer, m., s. Schotte. 

Schotter, m,, s. SkotL 

Schottk, Pflzn., Silbergras, Weingärt- 
neria canescens Bemh, Treichel, 
Volksth. 

SchöWySchOf,/. u.n. I.Schar, Schwärm, 
Haufe. E Schöw wilde Gäns\ Am 
End kämm he an eenen See, of dem 
eene grofze Schoow schlohweifze Schwan^ 
herommerschwomm. Schaltj. 1, 439. E 
SchSw MargeUens. Schemionek, 50. 
Na, vyraftig, en godet Schof, . ., ^ lad 
jucUlerfn, Dorr, 1. Wiew., 63. Bock, 



61. Hennig, 245. 2. Schaub, Bund 
des besten Strohes, das zum Dach- 
decken benutzt wird. Aus schob, dem 
Prat. von schUhen, also s. v. a. (Zu- 
sammen-)Greschobenes. H en n i g , a. a. O. 
Weigandn, 554. 

SChOwweise, schobenweise, adv., scha- 
renweise, in Haufen. Don ginge schSw- 
wts Gast ndr Staaw on Taafel hen. 
Carm. nupt I, 282, 13. Da waren veele 
hundert Menschen gebeten; se kämmen 
ömmer schobenweis\ Schaltj. 3, 9. 

schrackeln, sw., s. schraggeln. 

schrftd, schrftds, schrftts, schrOts, adj. 
u. adv,, schräg, schräg gegenüber, in 
diagonaler Richtung. En schrdder Weg. 
Schrdds äwer, Mühling hat in glei- 
cher Bedeutung noch schräm, 8chr§m. 
Wenn aber das Eysen schrats oder queer 
glOende ins Wasser geschossen wird etc. 
Linem., Oo3a. Wer eine hochrothe 
Farbe gerade ansiehet, wird befinden, 
wenn er sie bey gleicher Erleuchtung des 
Bildes schrats oder Schräge anschawet, 
dafz sie braunlicht fallen wird. Ibid., 
Oo 4 b. In Bayern schräm, schrem, ac^, 
schräge, schief, nds, schrem. Seh mel- 
ier m, 510. Brem. Wb. IV, 695. ab- 
schrftdsen, sw., abschrägen, schräg, in 
halbem rechten Winkel abschneiden, 
abhobeln. Hennig, 245. Nsslm. 
Forsch. 3; TL, 221. 

Schrädsel, n., s. SchrOdsel. 

Schradsweg, m., Nebenweg, der quer 
über Felder und Wiesen geht Hen- 
nig, 245. 

schrftdwärts, schrädswärts, adv , schräg 
gegenüber. Mühling. 

Schräge,/., Schrägen, m. 1. hölzernes 
Gestell mit drei oder vier Fülzen, worauf 
Waschgefalze, Backtröge etc. gesetzt 
werden; das Stangengestell über Ofen, 
auf welchem nasse Wäsche oder nasses 
Holz getrocknet wird. 2. der Schrägen 



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Schraggel — Schraper. 



315 



die Bank. Einen am (auf dem) Schra- 
ffeUj den andern am Kragen^ sagt die 
Witwe. Sprw.l, 3393. Hennig, 245. 
Fleüchschragen Fleischbank, Fleisch- 
bude. 

Schraggel, ttz., Dem. Schraggelchen^ 
pltd. SchraggeVcej Schritt. Fahr Schräg- 
gelke^ fahre in langsamem Schritt. 

SchraggeHufz, pltd.-föt, m., gemütlicher 
Spottname, yorzngsweise fQr einen alten 
Mann oder ein kleines Eind. DuSchrag- 
gel'Foot wötst vehl^ wat eck my hebb er- 
kohre. Carm. nupt. V, 190 c. 

schraggeln, schrackeln, sw. 1. mit ge- 
spreizten Beinen unsicher gehen, schlep- 
pend, schwankend gehen, mit der Nei- 
gung, die Arme und Hände zur Hilfe 
zu nehmen. Kleine Kinder^ alte Leute 
schraggeln. Etwas beschraggeln und 
bekraggeln^ auch begraggeln^ es mit allen 
Vieren (von Kragge Pferd?) unter sich 
kriegen und an den Erdboden drücken. 
Oberland. In Bayern schrackeln^ schräm 
geln^ schregeln, SchmellerlU, 509. 
In Hessen schrägein, Vilmar, 367. 
Vilmar halt schraggeln für eine Ver- 
balbildung von schräg = schrägein schräg 
gehen. Bock, 61. Hennig, 245. 2. 
langsam und ungeschickt tanzen. Eck 
9U/ng an schrackeld doch, Carm, nupt I, 
282, 16. 3. beim Nähen weite und un- 
gleiche Stiche machen. 

Schraitser, Schraiter, m,y Abart des 
Kaulbarsch. Bock, Nat IV, 576. 

schrtm, adj,, s. schrftd. 

schrliiien, schrSmen, sw.^ schrägen^ 
schräge machen, hauen, schneiden. 
Mühling. Ebenso in Bayern und im 
Nds.; in Bayern noch scAraTTi^n. Schmel- 
1er m, 510. 

Schranel, /., Dem. Schranelchen. Altes 
Schranelchen^ kleine alte^ zusammen- 
geschrumpfte Frau mit trippelndem 
Ghmge. Gordack. 



Schranitz, Pflzn., s. Sbidenfennelke. 

schränken, schrenken, ^., kreuzen, 
kreuzweise über einander legen. Die 
Beine schrenken. Bei Jeroschin: des 
heilegin crüzis zeichin (st) mit andacht 
vor sich schrenktin 152a. Pfeiffer, 
216. Ahd. screnchan^ mhd. schrenken. 
Die Säge schränken^ die Zähne einer 
Säge kreuzweise richten. Das dazu 
gebrauchte Instrument von Eisen heifzt 
Schränkeisen. 

Schräpe, /., Werkzeug zum Schaben 
und Kratzen, namentlich Pferdestriegel; 
mhd. schrapfey poln. szropa. Wir wün- 
schen dem Jungen eine Schrape in die 
Eand^ dafz er kann schrapen den Schim- 
mel blank, Samland. Hennig, 245. 
Mühling hat noch die Bedeutung: 
schlechtes Saiteninstrument. 

schrflpen, sw. 1. mit festem Drucke 
kratzen, schaben, abschaben^ abkratzen, 
Gefafze durch Eratzen rein ausscheuem, 
putzen. Kartoffeln schrapen^ von rohen 
Karto£feln die Schale abkratzen. Poln. 
skrobad^ pr.-poln. szropowac konie. In 
gleichem Sinne: ab-, aus-, ein-, nach-, 
zusammenschrflpen. Er hat Geld in 
Menge eingeschrapt Er hat sich ein 
hübsches Vermögen zusammengesckräpt 
2. bildlich: einem durch List und 
Betrug Schaden zufügen. Den hat er 
gut geschrapt. Hier giebfs nichts zu 
schrapen. 3. schlecht geigen. Hen- 
nig, 245. 

Schraper, m., einer der schrdpt: un- 
geschickter Barbier, schlechter Geiger. 
Schraper^ Stümper und Vaganten tau- 
gen nicht zur Liebesmusik. Carm, nupt. 
I, 112. Bock, 61. Hennig, 245. 

Schräpsel, n. 1. das als Kest Zu- 
sanmiengeschrapte: daher Überrest über- 
haupt. Abschrftpsel, n., Ausschrapsel, 
das Abgekratzte, Ausgeschabte; bild- 
lich: das Er vorteilte. Im Oberlande 



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316 



Scbrilpsel — Schriofen. 



nennt man aach das letzte Kind AtM" 
schrapael^ namentlich wenn es schwäch- 
lich and unansehnlich ist. Vgl. Nach- 
SChrap. 2. Ein Schrdpsel Kartoffeln, 
eine Quantität Kartoffeln, welche mit 
einemmale geschrapt und gekocht wird; 
8. V. a. Kochsei (s. d.). 

Schrats, adv.^ s. schrftd. 

Schraube, /., aUe^ zur Bezeichnung 
einer alten Jungfer, eines alten Weibes. 

schrecklich, adf. \l adv,, zur Bezeich- 
nung eines Steigerungsgrades. Das ist 
ein schreckliches Geld! Er ist schreck- 
lich reich. Er schreit schrecklich. 

Schreckpulver, n., Medik., Pulv. tem- 
perans. 

Schreckwasser, n., Medik., Aqua aro- 
mat. 

schrfigen, schrSgen, sw., sengen, dör- 
ren, durch Hitze zusammentrocknen. 
Hennig, 246, schreibt schrSjen. Er 
hat sich die Handj den Finger geschregt, 
die Haut versengt; daher gewöhnlicher 
verschregt. Davon SChrSg, adj.y ver- 
trocknet, ausgedörrt, so daTz die Ober- 
fläche Runzeln hat. In Bremen und 
Pomm. schreien^ im Osnabrück, schrog- 
gen^ in Hessen schroggeriy verschroggen^ 
hoU. schroeyen^ engl, sear^ scorch. Brem. 
Wb.IV, 698. D ahn., 415a. Vilmar, 
370. 

schreiben, pltd. schrtwe(n), st. Er 
schreit sich Neumann = er heilzt N. 

schreien, pltd. schrte(n), st^ laut wei- 
nen. Nu schreit die MargeU schon tvie- 
der, Ygl. brUUen^ greinen. 

Schreier, pltd. Schrter, m., Choralist 
im Dome zu Frauenburg. Handwerker, 
welche im Dome den lateinischen Cho- 
ralgesang zu absolvieren haben und dies 
gewöhnlich in lauter und roher Weise 
thun, werden vom Volke die Schreier 
genannt. Sprw. I, 3403. 

Schrein, 97»., Dem. iScAmncA^n, Schach- 



tel. Bock^ 6L Hennig, 246. In 
dieser Bedeutung von mir nie gehörL 

schrell, odf/., scharf von Geschmack. 
Weiny Bier und Obst sind schreU^ wenn 
sie die Zunge scharf angreifen. Hen- 
nig, 246. 

schrSm, adj.^ s. schrftd. 

schrSmen, sw.^ s. schrftmen. 

schrenken, «tr., s. schränken. 

Schrewein, m., bei Stein, Peregrinus 
in, 3, unter den Namen für Seeleute. 
Ygl. Pedker. 

Schricht, n., s. GeschrichL 

Schricke, /., Pfahl von 12 bis 16 FuTz 
Länge^ zunächst ein solcher, welcher 
auf den Holztraften mitgefiihrt wird, 
um diese beim Anhalten daran zu be- 
festigen. Die Schicken werden zu dem 
Zwecke in das Ufer eingeschlagen. Mhd. 
schricken springen, ist noch heute See- 
mannsausdruck. Vgl. Breusing, 17. 
Die Schricken machen wohl^ wenn sie 
durch Hiebe losgeschlagen werden, einen 
Sprung. 

Schrickzaun, m., Zaun aus Schricken^ 
Palissadenzaun. M ü h li ng. 

Schrtkachel, /., Kachel mit unglasier- 
ter Aul'zenfläche. Muhling. 

Schrile, /., Fischemetz, dessen Be- 
nutzung in der Fischerordnung von 
1589 verboten war. Vgl. Aalwftde. 

schringen, sw.^ schmerzhaft brennen; 
von heilenden Wunden, zersprungener 
hellender Haut. Es schringt man noch 
sOj es schmerzt nur noch ein wenig, 
wenn man sich leicht verbrannt hat 
und der Schmerz fast verschwunden 
ist. Oberland. Wohl aus schrinden 
aufspringen, berstend Risse bekommen. 
Vgl. Brem. Wb. IV, 697. Schmel- 
ler HI, 517. Vilmar, 370. Anton, 
12, 22. 

SchrTofen, m, Ofen aus Schrtkacheln, 
unglasierter Ofen. Mühling. 



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Schrittschuh — schroden. 



317 



Schritbchuh, pltd. SchrSttschau, imWer- 
der SchrHschö, m., der richtige Name 
far den jetzt allgemein gewordenen 
Schlittschuh, Hennig, 246. 

Schrobbel, m. u. /. 1. Wollkratze, 
Kardätsche. 2. nach Mühling die 
Lage Wolle oder Hede, welche mit 
einemmale geschrohbelt wird. 

schrobbeln, vhchd. schrubbein, sw.^ 
mit einer Schrobbel Wolle kämmein. 
Vgl. kämmein. 

schrobben, vhchd. schrubben, in Dan- 
zig Schrubbern, sw.^ mit einem Schrob- 
her den Fulzboden scheuem. Das 
Wort ahmt den eigentömlichen Ton 
nach, den das Scheuem mit steifer 
Bürste hervorbringt. Reiben ist als 
ursprüngliche Wurzel anzusehen. Den 
Mägden kommet zu das Stuhcken^ Schrob- 
ben, Bohnen. Carm. nupt 11, 266 c. 
De Keke schirt dem Kätel blank On 
schrobbt det ganze Hus entlang. Volksr., 
225, 796. In Hessen schruppen, schrob^ 
ben, Bchruwwen. Vilmar, 371. Engl. 
scrub, schrub, holl. schrobben, schwed. 
skrubbay irländ. scriobam. Brem. Wb. 
IV, 698. Adelung IH, 1667. Hen- 
nig, 246. Danneil, 187b. 

Schrubber, vhchd. Schrubber, im Yolks- 
munde (Königsbergs) allgemein Schrob- 
bert, m., und so auch bei Hennig, 
246, Scheuerbürste, Scheuerbesen. Der 
richtige Schrobbert ist an langem Stiele 
befestigt 

Schrobbhubel, /., Hobel, womit das 
Holz aus dem Groben behobelt wird. 
Hennig, 246. Von schroden und da- 
her richtiger Schrodhobel Schrothobel. 

Schrobbkodder, n. Eodder, Lappen, 
zum Scheuem, Scheuertuch. In Dan- 
zig FeideUuch (s. d.) 

Schrobrett, n., „auf die StraTze hin- 
ausgeschobener unbedeckter Sommer- 
aufenthalt vor dem Wohnhause, mei- 



stens von Bäumen überschattet und 
durch ein Geländer eingefafzt). Die 
Schrobretter sind der Stadt Marienburg 
eigentümlich (ich habe sie auch in 
ermländischen Städten gefunden, nur 
ist hier für diese Einfriedigungen der 
Name nicht üblich) und sind von 
Fremden Erbbegräbnissen verglichen; 
Einheimische nennen sie auch Klabch- 
kasten (weil man in ihrem kastenartigen 
Raum zum Plaudern — vgl. klatschen — 
sich zusammenfindet). Vielleicht kommt 
der Name von Schaubrett her.** Ostpr. 
Ztg. vom 16. April 1872. Nr. 88. Bei- 
lage. Die aus dem Morgenschlummer 
gestörten Bürger, welche zuerst neugie- 
rig die Köpfe zu den kleinen Fenstern 
der Hängeboden und Laubenstuben her- 
ausgestreckt hatten, erschienen im Fest- 
anzuge in den Sckrobrettem und auf 
der Stra/ze (bei der Occupation West- 
preuGzens, in Marienburg). Ibid. 

SchrOde, Schrote, /., Schnitt oder 
Stück Fleisch, wie es die Fleischer 
zum Verkauf schon zugeschnitten ha- 
ben. Danzig. Klein H, 143. In 
früherer Zeit mufzte eine Schrote Fleisch 
ein Pfund wiegen. WeU man en Schrot- 
ken holen — de Flescher schnitt so 
locker op. Volkslied. N. Pr. Prov.-Bl. a. 
F. XI, 159. In Bayern der Schrot. 
Schmeller III. 520. 

schroden, schroten, sw. 1. schroten, 
schneiden, in Stücke teilen. Ebenso 
in Pommern, Bayern. Dähn., 415a. 
Schmeller III, 520. Bei Jeroschin 
verschroten in Stücke hauen: ik unl 
üwir lebin dne vrist voi'schrötin. der 
rittir was in nStin 70d. mit tode — 
man daz lebin im vorschrit 112 c. 
Pfeiffer, 259. 2. stark essen. Der 
kann gut schroden — schroten. 3. 
wälzen, schieben, rollen. Davon der 
Schröder^ Bierschröder, Weinschröder, 



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318 



Schrodsel — Bchrumpeln. 



weil er die Fässer in die Keller und 
aus denselben schrotet. Vgl. Ade- 
lung III, 1665. Weigand II, 643. 
Hennig, 246. 335. 

Schrodsel, Schrftdsel, n., geschrotetes 
Getreide för das Vieh. Hennig, 
246. 

schrSgen, sw,, s. schrSgen. 

Schrolle, Schrulle, /., wunderlicher 
Einfall, verkehrte Ansicht, manische 
oder böse Laune, Grille, fixe Idee, An- 
fall von Verrücktheit. Er hat SchroU 
Im im Kopf^ er hat wunderliche Ein- 
falle, die er eigensinnig festhält Er 
kriegt wieder seine SchroUen^ er wird 
närrisch, wunderlich. Wenn de öle 
Schrolle käme^ denn ös alle Freud be- 
näme. Samland. Ek mucht sone Schrol- 
len nich em Kopp hebben. Dorr, 1. 
Wiew., 74. Hennig, 246. Nach 
Treichel ist Schrulle auch ein altes 
und wohl auch meist wunderliches Mäd- 
chen. Vgl. Fiage. 

Schrompei, m., s. Schrumpel. 

schrompen, schrompein, «to., s. schrum- 
pen. 

Schrote, /., schroten, sw., s. Schrö- 
de etc. 

Schroter, m., Schneider. Danzig. 
14. Jahrh. Hirsch, 326. 

Schrttter, m., s. schröden. 

Schrots, adj, und adv.^ s. schrftd. 

Schrotschwein, n., einjähriges Schwein, 
das beim Schlachten schon geschrotet^ 
in Schrote zerstücket wird. Vgl. BrUh- 
ling. 

Schrotte, /., Spitze, „oder was aus- 
geschnitten isf. Weil auch in weni- 
gen Jahren die grofzen Gekröse sehr 
eingerissen, so soll allen Dienstmägden 
die grofzen Gekröse von Schrotten gänz- 
lich verboten seyn, Landordnung von 
1640. Von schröden schroten, schnei- 
den. Hennig, 246. 



Schrotwurm, wi., Wurm, der die (Wur- 
zeln) abschrotet, abnagt, Maulwurfs- 
grille, Gryüus GryUotalpa. Sie heifzt 
auch Erdkrebs^ Ritwurmy Werre^ Twerre, 
Warre, Werl, Worbel. Vgl. Bock, 
Nat. V, 64. 

schrubbein, sw., s. schrobbeln. 

schrubben, sw., Schrubber, m., s. schrob- 
ben etc. 

Schruckigwerden, n., s. Dreb. 

schrucksen, sw. 1. gewinnen, im 
Einderspiel. Der schruckst seine Boh- 
nen, seine Kmpfe etc, zurtkk. 2. einen 
tüchtigen Schritt gehen^ schnell gehen. 
Der schruckst seinen Stiefel 'runter. 
Übertragen: sich fördern, vorwärts 
bringen. Nordenburg. 

Schruddel, /., dickes Roggenmus, Klun- 
kermus, mit Milch oder auch mit Speck 
abgemacht. Nordenburg. 

Schrugge, /., Pferd. Gr. Werder. 
Se geewen de Schruggen de Sparen, on 
weg weeren se. Dorr, 1. Wiew., 110. 

Schrulle, /., s. Schrolle. 

Schrumpel, pltd., aber auch von Hoch- 
deutschen gebraucht, Schrompel, /. 1. 
Kunzel, Falte, namentlich Falte im 
Gesicht. Alte Leute haben Schrompein 
im Gesicht Welke EartofPeln haben 
Schrompein, Ebenso in Posen und in 
Hessen. Bernd, 276. Vilmar, 370. 
Hennig, 247. 2. alter, zusammenge- 
schrumpfter Mensch. Er ist ein alter 
Schrompel. 

schrumpelig, pltd. schrompelig, adf., 
runzelig, faltig, zusammengeschrumpft. 
Ein schrumpeliges Gesicht. Ein schrum- 
peliger Apfel 

schrumpeln, sw., s. schrumpen. 

schrumpen, schrumpeln, pltd. schrompen, 
schrompein, sw, 1. schrumpfen, ein- 
schrumpfen, zusammenschrumpfen; in 
letzterer Bedeutuog gewöhnlich ver- 
schrumpeln, verschrompeln. En ohl ver- 



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Schrutz — schachtern. 



319 



BchrompeU Wiew, Carm, nupt. VI, 242b. 
. .bit ^ so fhopgesehrumpelt toeer^ wie 
'ne gedreegde Ber. Dorr, 1. Wiew., 

III. In Bremen und Pommern auch 
schrumperiy dän. skrumpe. Vgl. krum- 
pen. 2. schrumpeln auch schlecht ge- 
hen, schwach auf den Falzen sein. 
Alte Leute und Kinder schrumpeln. In 
Bremen schrumfumfeln. Brem. Wb. 

IV, 700. 

Schnitz, /., alte Stute. Friedland 
Ostpr. 

SChOy adj, scheu. Ein schüer Mansch^ 
ein blöder, schüchterner Mensch. On 
schu dat Wild vom Brak opßicht 
Dorr, 34. 

SchQ , « SchOschQ , SchQdel , SchOter, 
SchQtsch, SchQtscheck, m., Schmeichel- 
name und Lockruf für den Hund. Der 
Anlaut klingt auch Tsch. Dem. Schü- 
che^ Schuhe etc. Lewer os vor'n WStDer, 
Hüz OS vor'n Schütsch. Sprw. I, 2370. 
Lit szü Hund. Vgl. sehe. 

Schltbbchen, n. Een Schübbc/ien 
ziehen^ 8. v. a. eine Lmpe (s. d.) 
ziehen. 

Schubbe, /., Schuppe. Hennig, 
247. 

Schubben, sto., s. schobben. 

schubberig, adj. 1. frostig, kühl; 
vom Wetter. EjS ist ein schubbriges 
Wetter. 2. fröstelnd, jämmerlich, er- 
bärmlich, elend; vom Menschen. Mir 
ist ganz schvbberig^ ich fröstle. Mir 
ist ganz schubberig zu Mute^ ich fühle 
mich sehr unwohl, fiebere. Vgl. hub- 
berig u. schibberig. 

Schubbjack, m., s. Schobbjack. 

Schubii m., s. SchuwuL 

Schubrfln, n., s. SchQpilne. 

Schubs, Schups, m. 1. Schopf, pobi. 
czuby Haarbüschel auf der Stirn, Feder- 
basch auf dem Kopfe, Haube, daher 
SdNlbilerche, Haubenlerche, Alauda 



aistata. Vgl. Bock, Nat. IV, 408. 
S. Schuprtne. Schemionek, 37: 
Schups Abgufz an Topf oder Kanne. 

2. schiebender Stofz. Einem einen 
Schubs geben — auch Schups geben. 

3. Nach Mühlin g auch kurze Strecke, 
Ende Weges, kleines Stück von einer 
Sache. 

Schubsch, 9n., Dem. Sihubschchen^ 
Schluck. Lafz ihn ein Schubschchen 
trinken. Friedland Ostpr. Aus Schui 
von schieben. 

schubsen, schupsen, sw.^ mit Schub 
fortstofzen. Sie schupsen ihn umher^ 
wie einen schlimmen Schilling. In die- 
sem Sinne auch blofz schuppen, ab- 
SChupsen. 1. abstolzen. Er schupst ihn 
von steh aby stöizt ihn zurück. 2. ab- 
gehen, abziehen. Er hat abschupsen 
müssen^ er hat un verrieb teter Sache 
abschieben, abziehen müssen. 3. steh- 
len; in dieser Bedeutung doch mehr 
beschupsen. Sie haben ihn gut be- 
schupst 

Schubslerche, /., s. Schubs. 

Schubut, m.j s^ Schuwut 

schuch, interj.j Scheuchruf zum Schaf. 
Samland. 

Schuch, /., der Fichtenzapfen. Saäl- 
feld. 

Schuchchen, n. 1. wolliges Blüten- 
kätzchen, Blütenschäfchen mancher 
Bäume, z. B. der Weiden. 2. Schmei- 
chelwort für ein Schäfchen. Dönh. 

schilchem, sw., s. schichem. 

SchUch'rer, m., s. Schich'rer. 

SChuchrig, ad).y scheu, ängstlich, ver- 
schüchtert 

Schuchter, m. 1. Regenschauer, kur- 
zer Regen. Dcu war nur ein Schuchter. 
Mühling. 2. grobes Brot. Saalfeld. 

schuchterig, adj.^ s. schüchtern. 

schüchtern, adj. u. adv. 1. schüch- 
tern, scheu, blöde. Das Pferd ist 



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320 



schüchtern — schüen. 



schüchtern. 2. flatterhaft, flfichtig, qd- 
stät, wild, wie gescheucht hin and her, 
von einem Ort zum andern fahren. In 
diesem Sinne Bock, 61, und Hen- 
nig, 247, auch schuchtrig. Vgl. schuch- 
rig. 

schüchtern, sw.^ s. sehichem. 

Schuck, m., Dem. Schuckchen^ Ruf- 
und Lockname für den Hund. Von 
dem poln. suka Hündin.'^ 

Schucke, /., Schucken, plur. 1. Kar- 
toffeln. Ermland. In der Gegend von 
Tolkemit schon Schocke (bei Frauen- 
burg noch Schlicken); ebenso bei El- 
bing. Auf der kur. Nhg. Schocke, 
Erdschocke. De dommst Lau hae de 
schönste Schucke, die dümmsten Leute 
haben (bauen) die schönsten Kartoffeln. 
Ermland. Komm* Schocke pelle!N6lksT.^ 
73, 276. Min Mutter gaf mi Schocke 
on let de d6dge Sü räwer renne^ sie 
gab mir Kartoffeln mit Spirkeln, ge- 
bratenem Speck. Einlage bei Elbing. 
Vgl. Bullen u. Tuchlen. 2. nach Sper- 
ber, 41, Schocken auch die Kätzchen 
der Erlen und Weiden. Vgl. Schuchchen. 

Schuckel, Schockel, /., Schaukel. 

Schuckel, ^chuggel, m., Dem. SchuckeU 
chen, -ke^ Schuggelche^ kurzer, leichter, 
schaukelnder Trab; daher auch Schu- 
ckeltrab, -draf, ^chuggeldrab. Fahr 
Schlickelke. Die Königsberger Drosch- 
ken fahren meistens im ächuggel, 

schuckelig, od)'., schaukelig, wacke- 

Hg. 

schuckeln, schockeln,^. 1. schaukeln, 
wackeln. 2. in kurzem leichten und 
schaukelnden Trabe reiten, fahren. In 
letzterem Sinne auch ichuggeln. Lafz 
die Pferde man blofz (nur) ichuggeln. 
Lät (die Pferde) sachtkes ichuggle^ fahre 
in langsamem Trabe. Der Kerl (Po- 
stillion) i«t kiei' heut ohne Gesang^ ohne 
Klang durchgezuckelt, Soph. R. III, 



43. Übertragen auf den Menschen: 
wackelnd laufen, eilig gehen, nachlau- 
fen, folgen. Sie kommt angeschuckelt. 
Der Magister zu^ckelte Tag und Nacht 
umher. Soph. R. V, 586. Lieschen 
zuckelt allenthalben hinterdrein. Ibid. 
VI, 230. Vgl. die Bemerkung über 
8ch und z unter ichabbem. 

^chudy Schutt, auch Szud, /., Dem. 
Schudchen. 1. w. Vorname, Elisa- 
beth, s. Eis. 2. einfaltiges, dummes 
Frauenzimmer. (Schemionek, 37) 
überhaupt Mensch ohne Witz, Einfalts- 
pinsel. Na so'ne dämliche Schutt. 
Geh, geh, du dumme Schutt, Volksr, 
227, 798. 

schudder, Zuruf an Zugtiere, s. schwod 
der. 

Schuddergaffel, /., s. Schllttergaffel. 

Schudderkopf, m, 1. alter Mann, 
dem vor Schwäche der Kopf wackelt. 
2. Name eines Gefängnisses in Danzig. 
Wann Ihr Mann jemals wieder klagte 
so lafz ich ihn in den Schüdderkopp 
setzen, Soph. R. III, 125. Hennig, 
247. 

schuddern, schliddern, pltd. schVddem, 
sw.^ schuttein, schüttern, beben, erzittern, 
erschüttern; umschütteln, aufschütteln. 
Mit dem Kopf schuddern. Er schlagt 
die Thür zu, da/z das ganze Haus 
schuddert. Schodder nich mot dem 
Dosch! Er schuddert vor Kälte, Das 
Stroh aufschOddem^ nach dem Dreschen 
es mit einer Schuddergabel schütteln, 
damit die ausgedroschenen Kömer auf 
die Tenne fallen. 

SchQdel, m., s. SchQ. 

schQen, schllen, schilwen, sw., scheuen, 
furchten, Bangen oder Ekel haben. 
Sock vorm Dod schuen. Dorr, 54. 
He schüet sock sSy wt de Fracher ver'm 
Achtehalwer. In der Gegend von 
Insterburg in gleichem Sinne auch 



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schnerig — Schulz. 



321 



schltchern. He schüchert sich wt de 
Pracher ver e Lus. Hennig, 250, 
hat 8ChQv6n, das sich bei Jeroschin 
ebenfalls findet: daz werdin Uckte 
schüwin an nch dt ungeirumn, und 
akS dt erge Idn 135c. Pfeiffer, 
218. 

schlierig, schUwerig, adj, scheu, furcht- 
sam, ekel. Sie ist sehr schikorig — 
thut sehr schüwrig^ sehr wählerisch, es 
steht ihr nicht leicht etwas an. Hen- 
nig, 250. 

Schliffe, /., 8. SchOpe. 

SchUffel, /., s. Schiffel. 

schuffeln, schltffeln, sw., s. schiffein. 

SchQflad, /., s. Schublade. 

schuften, sw.^ mit Anstrengung ar- 
beiten. 

Schufut, m., s. SchuwuL 

Schuggel, Schuggeidrab, m., s. Schuckel. 

Schuhsenkel, m, u. n., s. Senkel. 

Schuhwisch, m., Lappen, Strohwisch 
zum Reinigen der Schübe. Er behan- 
delt die Leute toie Schuhwische^ sehr ge- 
ringschätzig. 

Schulung, /., Schutz. Hier gah §k 
(Falstaff umarmt Frau Forth) uinger 
Schuüingy hier schätze ich mich. Dorr, 
L Wiew., 119. 

^hQI, Depi. ächüUcey w. Vorname, 
Ursula. Ermland. Werder. Hart- 
wich, 55. Vgl schlauben. 

Schulchenläufer, m., Schüler, der die 
Schule schwänzt, Schwänzer überhaupt 
Vgl. schalen. 

Schule, plur.y Schwämme, aphtae^ 
Bräune. Soph. R. IV, 335. 

schalen, sw., lauem, lauschen, von 
der Seite, mifztrauisch oder verstohlen 
nach etwas spähen oder horchen, schie- 
lend sehen. Nhd. schulen verborgen 
sein, lauem, holl. schuäeny engl sculky 
schwed. skiolkay dän. skulke. Im Alt- 
friesischen ist schialcj sctUcy schule ein 

PriKbbi«r, W6rt«rbaeh 11. 



Obdach, eine Hütte. Schulen laufen^ 
in ein Versteck laufen, sich verber- 
gen, schwänzen und zwar zunächst die 
Schule. Die Redensart ist also ur- 
sprünglich nicht von schola herzuleiten. 
Bei uns gewöhnlich Schulchen laufen^ 
im Götting. schulen gdn die Schule 
schwänzen, in der Mark schtdaiken, 
bei Minden schütken. Brem. Wb. IV, 
708. Schamb., 186b. Hennig, 724f. 

Schulidnts, m. Sie (die Nadrauer) 
machen auch ein Gerichte von Haber- 
grütze^ so gemoMen und mit Wasser 
eingeruhret unrd^ so sie Czulkinys nen- 
nen. Pierson, Matth. Prätor., 110. 
Nach Nsslm. Wb., 166a, bei den Li- 
tauem ein Gericht von gekochten Erb- 
sen und Mohn, die zusammengestampfb 
und dann als Brei gegessen werden. 

Schulmeister, 97». I.Lehrer. 2. dreieck- 
artig auslaufendes Endnetz an jedem 
Flügel des Eurrennetzes^ lit sztdmis- 
reis. S. Beschreibung und Abbildung 
in Benecke, 334f. 

Schulz, Schulze, pltd. Schutte, m.y 
Vorsteher der Dor%emeinde. In Dör- 
fern, die deutschen Einzöglingen ihren 
Ursprung verdanken, war das Amt 
erblich, und gehörten 2—5 Freihufen 
dazu. Der Schulze war der erste 
richterliche und polizeiliche Beamte des 
Dorfes und vertrat die Rechte und 
Angelegenheiten der Gemeinde bei der 
Landesherrschaft und gegen die Nach- 
barn; er nahm den Zins der Bauern 
ein, erhob und führte den Zehnten ab^ 
übte die niedere Gerichtsbarkeit, von 
der er, so wie auch von der hohen, 
obgleich er sie nicht selbst verwaltete, 
den dritten Teil der Gefälle erhielt 
Für seine Person leistete er den Lehns- 
dienst auf einem Elosse. In den preu- 
fzischen Dörfern dagegen verwaltete 
die PoUzei ein Kämmerer, der über einen 

21 



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Schalzenbock — Schuppinne. 



gewissen Distrikt gesetzt war; er er- 
hob den Zehnten und sorgte f&r die 
Erfüllung aller übrigeu Leistungen. 
Gottschalk, Preufz. Gesch. I, 144; 
vgl. auch das. S.84. De Schult mot stne 
Näs allenthalwe voran hebbe. Vgl. 
Scholz. 

Schulzenbock, -keule, -zeichen, s. 
KriwQle. 

Schulzenbott, pltd. SchuHenbott, m., 
Versammlung der Dorfeingesessenen, 
auf Bott (Ladung) des Schulzen. Gr. 
Werder. Vgl. KrIwQle u. verbotten. 

Schulzenhirfe, /., die zum Schulzen- 
amte gehörige Freihufe. 

Schulzenstab, m., Amtsstock des 
Schulzen, aus Rotbuchenholz, 4 Fufz 
3 Zoll lang, mit grofzem neusilbemen 
Knopfe, auf welchem der Name der 
Ortschaft eingraviert ist, und mit 
schwarz weilzen Schnüren und Quasten 
umwickelt. Als Zeichen der amtUchen 
Würde, bei festlicher oder amtlicher 
Veranlassung vom Schulzen getragen. 
Dzg. Nhg. Viol^t, 38. Vgl. KriwQle. 

Schulzenzettel, m, in der Dzg. Nhg. 
der Zettel, vermittelst dessen die Ge- 
meindeglieder ins Schulzenamt vorge- 
laden werden. Er enthält den Zweck 
der Versammlung. Viol^t, 37. 

Schulz von Tharau — Thierau — Tiro, 
Name des Pirols. Mühling, Tiem., 
177. S. Bierhol. 

^humm, 97»., Dusel; vom poln. sznm 
Saus, Sausen, Brausen, und dieses von 
dem dtsch. summen (sausen). Schmitt, 
110. Er ist im ockwmm. Auch adj,i 
er üt ichurmfi, 

Schummel, /., Schmeichelname für 
ein wildes, listiges Mädchen, wie Hum- 
mel^ das sich kein Gewissen macht, 
allenfalls auch zu schummeln, Trei- 
chel. 

schummeln, sw,^ trügen, betrügen. Ge- 



wohnlich beschummeln. Davon Schum- 
meiei, /., listiger Betrug, Falschheit. 
Schummler, m., Betrüger, namentlich 
im Kartenspiel. Vgl. fuchem. 

Schummer, m. 1. Schimmer, Glanz. 
2. Dämmerung: Schummerstunde. VgL 
Schimmerung. 

schummrig, ad/., s. schimmrig 

schumpeln, sw.^ s. schompein. 

Schupaul(, 7n., kleiner, dummer Junge. 
Ermland. Mühling. 

Schupenbrauer, m., s. SchApe. 

Schupertn, /, s. Schuprtne. 

ichupp, interj,^ schallnachahmend, zur 
Bezeichnung eines schnellen Ruckes; 
eines kurzen, kräftigen Sprunges, 
schneller Thätigkeit; auch ichupptig. 
On schupp! tom Fenster 'rut Volksl. 
14, 6, 6. Das geht so schupp khupp^ 
sehr schnell. 

Schuppe, /., s. SchApe. 

Schuppen, /., s. Schuppinne. 

schuppen, sw,^ die Schuppen des 
Fisches schabend entfernen. Davon 
ein rohes Kinderspiel: der entblöfzte 
Arm des Gegners wird mit scharfer 
Handkante als Fisch geschabt und ge- 
schlagen; letzteres soll die Zerlegung 
andeuten. Samland (Wilgaiten). Vgl. 
schupsen. 

Schuppenbrei, m., Brei aus weilzen 
Erbsen mit der Schuppe, Hülle. Vgl. 
Schuppinne, 

Schupphan, m.. Wams. So wahr^ as 
dit min Schupphan ^. Dorr, 1. Wiew., 
10. 

Schuppinne, m., Brei aus weiTzen 
Erbsen und Graupe oder Grütze; er 
wird mit gebratenem Speck und Zwie- 
beln und einem besonderen Aufgusse 
gegessen. Besonders als Fastnachts- 
gericht üblich, doch an einigen Orten 
auch als Ernte -Festessen. Der Ut. 
Name ist szuppin