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Full text of "Real-Lexikon der Musikinstrumente, zugleich ein Polyglossar fuèr das gesamte instrumentengebiet;"

I 



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LIBRARY OF 
.ESLEY COLLEGE 




PURCHASED FROM 



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^02^81 



REALLEXIKON DER 
MUSIKINSTRUMENTE 



C U RT SACHS 

REAL-LEXIKON 

DER 

MUSIKINSTRUMENTE 

zugle ich 

ein Polyglossar rur aas gesamte 
InstrumentengfeDiet 

Mit 200 Ahhildungen 




IM VERLAG VON JULIUS BARD / BERLIN 

1913 



Druck von 

Oscar Brandstetter 

Leipzig 



VORWORT 

Dies Werk stellt den ersten Versuch dar, den gesamten Stoff der 
musikalischen Instrumentenkunde in enzyklopädischer Form zu- 
sammenzufassen. Zu seiner Einführung habe ich nicht viel voraus- 
zuschicken ; die Besonderheiten in der Gestaltung der lexikcdischen Form 
wird der Leser schnell verstehen. Für den jeweiligen Umfang in der Be- 
handlung der Realien war nicht die Wichtigkeit der einzelnen Instru- 
mente allein maßgebend; der Verfasser glaubte sich im Gegenteil überall 
da kürzer fassen zu müssen, wo eine umfangreiche monographische Lite- 
ratur existiert, um den verfügbaren Raum den weniger gut bedachten 
Instrumenten zukommen zu lassen. Das gilt z. B. von Artikeln, wie 
Klavier, Orgel, Violine. Mit dem Ziel vor Augen, dieses Nachschlagewerk 
so bequem benutzbar wie nur irgend möglich zu machen, wurde es vor 
aUem auf eine recht große Anzahl Schlagwörter, also Einzelartikel abge- 
sehen; deshalb ist die verhältnismäßige Kürze vieler Abschnitte nur schein- 
bar. Der Benutzer wird dafür gern eine Zerreißung der dem Begriffe 
nach übergeordneten Artikel in Kauf nehmen, da durch übersichtliche 
Verweisungen im Notfall aüles Zusammengehörige rasch wird gefunden 
werden können. Bei der wortmäßigen Anlage des vorhegenden Werkes 
wäre zu befürchten, daß über den Instrumenten und Mechaniken, deren 
Namen uns bekannt sind, diejenigen zu kurz kommen könnten, deren 
Namen wir nicht kennen oder die überhaupt keinen besitzen. Ich habe 
dieser Gefahr dadurch zu begegnen gesucht, daß die Anonyma in den 
Artikeln der nächstverwandten Gegenstände mit erwähnt werden. 

Auf das Sprachhche ist mit Rücksicht auf die hohe Bedeutung des 
Philologischen für die Instrumentenwissenschaft besonderer Wert gelegt 
worden. Soweit es mir angezeigt schien, habe ich alle erreichbaren Namen 
von Instrumenten und Instrumententeilen gebucht, um auch da, wo ein 
augenblicklicher Nutzen fürlnstrumentenkunde und vergleichendeSprach- 



VORWORT 

forschung nicht zu ziehen ist, künftigen etymologischen und musikolo- 
gischen Arbeiten die Bahn zu ebenen. Eine große Schwierigkeit machte 
die einheithche Transkription der Wörter aus denjenigen Sprachen, die 
sich nicht unserer Schrift bedienen. Falsche und ungenügende Umschrei- 
bungen, wie sie heute noch in fast allen Arbeiten zur Instrumentenkunde, 
namentüch in Sammlungskatalogen, begegnen, sind nicht nur Schönheits- 
fehler, sondern auch bedenkliche sachliche Fehlerquellen. Aus einem 
Wort und Instrument werden unter Umständen durch abweichende und 
mißverständliche Transkriptionen mehrere, oder mehrere Begriffe werden 
in einen zusammengeworfen. Ein Beispiel nur. Das Zeichen CH, das 
schon im Deutschen zwei verschiedene Bedeutungen hat, entspricht im 
Englischen unserm TSCH, im Französischen unserm SCH, im Italienischen 
unserm K, vertritt also, von feineren Nuancen abgesehen, fünf Laute; 
dazu kommen noch besondere Transkriptionstraditionen, wie z. B. die 
enghsche, im Chinesischen durch CH sowohl den TSCH- als auch den 
K-Laut auszudrücken und in den nordindischen Sprachen den TSCH-Laut 
mit C, mit CH dagegen den TSCHH-Laut wiederzugeben. Was ist in 
jedem einzelnen Falle gemeint? Ein Italiener z. B. transkribiert ein chi- 
nesisches K mit CH, ein Franzose übernimmt es buchstäblich von ihm 
und ein Engländer, der des Franzosen Quelle nicht kennt, ersetzt, da er 
glaubt, es handele sich um eine französische Umschreibung, das CH durch 
sein SH ! Das sind Dinge, die sich täglich abspielen, denen der Forscher 
auf Schritt und Tritt begegnet. So wird es möglich, daß man etwa beim 
Antreffen der Schreibung Cheng im Unklaren sein kann, ob das Blas- 
instrument Seng (Scheng) oder das Saiteninstrument Ceng (Tscheng) ge- 
meint ist. Der Verfasser hat versucht hier mit ordnender Hand einzu- 
greifen. Alle Namen sind streng im Anschluß an ihre heimische Ortho- 
graphie übertragen, soweit es mit den Zeichen unseres Alphabets und den 
paar üblichen diakritischen Zeichen durchführbar war. Mehrdeutige 
Zeichen wie CH und J sind grundsätzlich ausgeschlossen und dafür die 
nicht mißzuverstehenden, den Gelehrten aller Nationen bekannten Zeichen 
C, G, S, Z eingeführt, S für das scharfe S, Z für das weiche. Eine Grenze 
fand dies Verfahren nur bei der Benutzung von Quellen, die eine sprach- 



VI 



VORWORT 

liehe Nachprüfung nicht gestatteten, wie etwa bei den schriftlosen Idiomen, 
oder in Fällen starker Tradition, z . B . dem malayischen tj . Auch in einigen 
anderen Fällen war eine absolute Übereinstimmung nicht gut durchführbar ; 
so wurde z. B. im Gegensatz zu der sonst von uns verwendeten Umschrei- 
bung N für das gutturale N in den Sprachen des chinesischen Kulturkreises 
die meist gebräuchliche, aber unwissenschaftliche NG beibehalten, um die 
bei isolierenden Sprachen nahehegenden Verwechselungen — etwa k'in 
mit k'iri — zu vermeiden. 

Neben dem allgemeinen Wunsch, daß diese Enzyklopädie die Ent- 
wicklung der Instrumentenkunde und der ihr benachbarten Wissen- 
schaften fördern möge, habe ich noch den besonderen, daß die von mir ge- 
gebenen Namensformen angenommen und indieLiteratur eingeführt werden 
möchten. Mit der bisherigen nachlässigen Willkür geht es nicht weiter; 
je länger sie die Herrschaft hat, um so schwerer werden die Folgen sein. 

— Zum Schluß nehme ich gern Veranlassung, einigen Persönhchkeiten 
warm zu danken, die diese Arbeit durch ihr tätiges Interesse unterstützt 
haben: Herrn Prof. Dr. L. Lewin, der mich auf eine Anzahl mir unbe- 
kannter Reisebeschreibungen aufmerksam machte, Fräulein Alicja Simon, 
die mir einige polnische Quellen erschlossen hat, den Herren Prof. 
Dr. Grünwedel, Prof. Dr. Müller und Prof. Dr. Seier, Direktoren am Kgl. 
Museum für Völkerkunde zu Berlin, und Geh. Reg. Rat. Prof. Dr. Kretz- 
schmar, Direktor der Kgl. akademischen Hochschule für Musik zu Char- 
lottenburg, die mir die Aufnahme von Zeichnungen in den ihnen unter- 
stellten Sammlungen bereitwilligst gestatteten, und meiner Frau, der ich 
für ihre unermüdhche Hilfe beim Korrekturlesen verpflichtet bin. Viele 
Anregungen aus gemeinsamem Arbeiten mit Herrn Dr. E. M. v. Horn- 
bostel konnten noch der letzten Feilung an diesem Werk zugute kommen. 

Die Schreibung der afrikanischen Namen ist von Herrn Bernhard 
Struck in Dresden durchgesehen worden. Die Zeichnungen in den öffent- 
lichen Sammlungen wmden von Herrn Wilhelm v. d. Steinen, die in 
meiner eigenen von Herrn Hübsch angefertigt. 

Berlin Dr. Curt Sachs 



DIE ABGEKÜRZT ZITIERTE 
ALLGEMEINE INSTRUMENTEN- 
UND MUSIKWISSENSCHAFTLICHE 

LITERATUR 



Aalst, J. A. van, Chinese Miisic. Shanghai 1884. 
Adlung, J., Musica mechanica organoedi. Berhn 1768. 
Advielle, V., La Musique chez les Persans an 1885. Paris 1885. 
Agricola, M., Musica instrumentalis deudsch. Wittenberg 1529 etc. 
Altenburg, J.E., Versuch einer Anleitung zur heroisch-musikalischen Trompeter- 

und Pauker-Kunst. Halle 1795. 
Amiot, Le Pere, Memoires concernant l'histoire, les sciences, les arts . . . des Chinois. 

Paris 1780. Vol. VI. 
AMZ = Allgemeine musikalische Zeitung, Leipzig 1798 ff. 
Andries, J., Apergu th^orique de tous les Instruments de Musique, actuellement 

en usage. Gand 1856. 
Ankermann, Bemh., Die afrikanischen Musikinstrumente, Leipz. Diss. o. J. 
Armstrong, R. B., English and Irish Instruments. Edinburgh 1908. 
Bach-Jahrbuch. Leipzig 1904 ff. 

Baker, Th., Über die Musik der nordamerikanischen Wilden. Diss. Leipzig 1882. 
Balfour, H., Report an a collection of Musical Instruments from the Siamese 

Malay states and Perak, in Fasciculi Malayenses, Anthropology, Part IIa, 

Liverpool 1904. 
Balfour, H., The Natural History of the Musical Bow. Oxford 1899. 
Balfour, Fr. Dr. = Balfour, H., The Friction-Drum in Jour. Roy. Anthropol. 

Inst. XXXVII. 1907. 
Bartholinus, C, De tibiis veterum. Amstelodami 1679. 
Berlioz, Hector, Instrumentationslehre. Erg. und rev. von R. Strauss, Leipzig 

1905. 
Bermudo, J ., Declaracion de instrumentos musicales, Ossuna 1555. 
Bertez^n, Salvatore, Principj di musica teorico-prattica.- Roma 1780. 
Bertolotti, A., La Musica in Mantova, Milano s.a. 

Bierdimpfl, K. A., Die Sammlung der Musikinstrumente des baierischen National- 
museums. München 1883. 



IX 



ALLGEMEINE INSTRUMENTEN- UND MUSIKWISSENSCHAFTLICHE LITERATUR 

Bonanni, F., Gabinetto armonico. Roma 1722. 

Botte de Toulmon, A., Diss. sur les Instruments de Musique au Moyen-äge. 
Annales archeol. de Didronlll; Mem. de la soc. Roy. des Antiquaires de 
France, Nouv. serie XVII. 

Brossard, S. de, Dictionnaire de Musique. Paris 1703. 

Bürchner, L., Griechische Volksweisen, SIMG III. 

Buhle, E., Die musikalischen Instrumente in den Miniaturen des frühen Mittel- 
alters. Lpz. 1903. 

Cäcilia, Eine Zeitschrift für die musikalische Welt. Mainz 1824 ff . 

Campbell, Notes on the Musical Instruments of the Nepalese, in Tagore's Hindu 
Music. 

Catalogue of the Crosby Brown Collection of Musical Instruments. 4 vol. New- 
York 1904/05. 

Cerone, P., El Melopeo y Maestro. Napoles 1613. 

Chouquet, G., Le Musee du Conservatoire National de Musique. Catalogue descr. 
et raisonn6. Paris 1884. Supplements par L. Pillaut, Paris 1894, 1899, 1903. 

Christ ianowitsch, M., Esquisse bist, de la Musique arabe. Cologne 1863. 

Comettant, 0., Histoire d'un inventeur au dix-neuvieme siecle, Adolphe Sax. 
Paris 1860. 

Couwenbergh, H. v., L'Orgue ancien et moderne. Lierre s. a. 

Davy, J., Music of Ceylon, in Tagore's Hindu Music. 

Day, C. R., The Music and Musical Instruments of Southern India. London 189 1. 

(Day), A Descriptive Catalogue of the Musical Instruments recently exhibited at 
the Roy. Military Exhibition, London 1890. London 1891. 

Eisel, J. Th., Musicus autodidactus. Erfurt 1738. 

Engel, C, Descriptive catalogue of the Musical Instruments in the South Ken- 
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Engel, Carl, The Music of the most Ancient Nations. 2"^ ed. London 1909. 

Envallsson, C, Svenskt musikaliskt Icxikon. Stockholm 1802. 

E uting, E., Zur Geschichte der Blasinstrumente im 16. und 17. Jahrhundert. Diss. 
Berlin 1899. 

F^tis, (Exposition univ. de Paris 1855) Fabrication des Instruments de Musique. 
Paris 1855. 

F^tis, (Rapp. du Jury International de l'Exposition universelle de 1867 ä Paris). 
Instruments de Musique. Paris 1867. 

Ferkel, Job. Nie, Musikalisch-kritische Bibliothek, Gotha 1778/79, 3 Bde. 

Francceur,L.-J., Diapason g6n6ral de tous les Instruments ä vent. Paris (1792). 

French, P. T., Catalogue of Indian Musical Instruments, in Tagore's Hindu Music. 

Fressl, J., Die Musik des baierischen Landvolkes. München 1888. 

Galilei, Vinc, Dialogo della musica antica e modema, Fiorenza 1581. 



X 



ALLGEMEINE INSTRUMENTEN- UND MUSIKWISSENSCHAFTLICHE LITERATUR 

Galpin, F. W., Old English Instruments of Music, London 1910. 

Gerber, A. L. = Gerber, Ernst Ludw., Hist.-biogr. Lexicon der Tonkünstler, 
Leipzig 1790. 

Gerber, N. L. = Gerber, E. L., Neues hist.-biogr. Lexikon der Tonkünstler, Leip- 
zig 1812/13. 

Gerbert, M., De cantu et musica sacra. S. Blasii 1774. 

Gerbert, M., Scriptores ecclesiastici de musica. St. Blasien 1784. 

Gevaert, F. A., Nouveau Traite d'Instrumentation. Paris 1885. 

Gressmann, H., Musik und Musikinstrumente im Alten Testament. (Religions- 
Igeschichtliche Versuche und Vorarbeiten II) Gießen 1903. 

Groneman, J., De Gamelan te Jogjäkartä. Amsterdam 1890. 

Grove, G., Dictionary of Music and Musicians, ed. by Fuller-Maitland. London 
1904 ff. 

Guarinoni, E. de, Gli strumenti musicali nel Museo del Conservatorio di Milano. 
Milano (1908). 

Hammerich, A., Musikhistorisk Museum. Katalog. Kebenhavn 1909. Deutsche 
Ausgabe Kopenhagen 191 1. 

Hawkins,J.,A General History of the Science and Practice of Music. London 1776. 

Helmholtz, H., Die Lehre von den Tonempfindungen ^. Braunschweig 1896. 

Herrmann, W., Über die Klangfarbe einiger Orchesterinstrumente. Diss. Königs- 
berg. Stuttgart 1908. 

Herv6, M., (Rapports sur l'Exposition universeUe de 1878) La Musique. Paris (1878). 

Hopkins, E. J., und E. F. Rimbault, The Organ. London 1870. 

Journal de Musique historique, theor^tique et pratique, Paris (1764) 1768 — 78. 

Judenkunig, H., Utilis et compendiaria introductio. Viennae 1523. 

Kalkbrenner, A., Willielm Wieprecht. Berlin 1882. 

Kastner, G., Manuel g^n^ral de Musique mihtaire. Paris 1848. 

Kiesewetter, R. G., Die Mu=ik der Araber, Leipzig 1842. 

Kinkeldey, Otto, Orgel und Klavier in der Musik des 16. Jahrhunderts. Leipzig 
1910. 

Kinsky, Gg., Katalog des Musikhistorischen Musums von Wilhelm Heyer in Cöln, 
I. Bd. Cöln 1910, 2. Bd. 1912. 

Kircher, Ath., Phonurgia nova. Campinae 1673. 

Kircher, Ath., Musurgia universalis. Romae 1650. 

Kircher, Ath., Neue Hall- und Ton-Kunst. Deutsch von Ag. Cario. Nördlingen 
1684. 

Knosp, G., Über annamitische Musik. SJ MG VIII. 137 ff. 

Kobrich, J. A., Geig-Fundament. Augsburg 1787. 

Koch, H. Chr., Musikalisches Lexikon, Offenbach 1802. 

Koch-Dommer, Musikalisches Lexikon. Heidelberg 1865. 



XI 



ALLGEMEINE INSTRUMENTEN- UND MUSIKWISSENSCHAFTLICHE LITERATUR 

Kraus, AI., Di alcuni Strumenti Musicali della Micronesia e della Melanesia. Archi- 
vio per l'Antropologia e la Etnologia vol. 17, Firenze 1887. 

Kraus, Alex., La Musique au Japon. 3'' ed. Florence 1880. 

Kuhaö, F. S., Prilog za poviest glasbe juzno-slovjenske. Rad Jugoslavenske 
Akademise Znanosti i Umjetnosti. U Zagrebu 1877—82. 

Laborde, Benj. de, Essai sur la musique. Paris 1780. 

Levy, Jos., Die Signalinstrumente in den altfranzösischen Texten. Diss. Halle 1910. 

Lichtenthai, Pietro, Dizionario e Bibliografia della Musica, Milano 1826. 

Locher, Carl, Die Orgel-Register, 4. Aufl., Bern 1912. 

Loret, V., Les flütes 6gyptiennes antiques. Journal asiatique 1889. 

Mag. d. Mus. = Magazin der Musik, Hamburg 1783/87, Kopenhagen 1789. 

Mahillon , V., Catalogue descriptif et analytique du Musee instrumental du conserva- 
toire royal de Musique, 4 tom. Gand. I ^ 1893, II ^ 1909, III ' 1900, IV > 1912. 

Mahillon, Les Instruments de Musique au Musee du Conservatoire royal de Musi- 
que de Bruxelles. Bnixelles s. a. 

Majer, J. F. B. K., Museum musicum. Nürnberg 1741. 

Mattheson, Joh., Das neueröffnete Orchester. Hamburg 1713. 

Mattheson, J., Der vollkommene Kapellmeister. Hamburg 1739. 

Mendel-Reissmann, Musikalisches Konversations-Lexikon. Berlin 1870 — 83. 

Mersenne, Marin, Harmonie universelle. Paris 1636. 

Mf M ^ Monatshefte für Musikgeschichte. Leipzig 1869— 1905. 

Moule, A. C, Chinese Musical Instruments. Jour. of the North-China Brauch of 
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Mus. Tim. = The Musical Times, London 1844 ff. 

Nef , K., Katalog der Musikinstrumente des historischen Museums. Basel 1906. 

Notes analytiques sur les collections ethnographiques du Mus^e du Congo I'. 
Bruxelles 1902. 

Notes on Siamese Musical Instruments. London 1885. 

Padelford, Fr. M., Old English Musical Terms. Bonn 1899. 

Paquot, R., La Ceramique musicalc et instrumentale. Paris 1889. 

Pedr eil, Felipe, Emporio cientifico e histörico de organografia musical antigua 
espanola. Barcelona 1901. 

Pierre, Constant, La facture instrumentale a l'exposition universelle de 1889. 
Paris 1890. 

Pierre, C, Les Facteurs d'Instrumcnts de Musique. Paris 1893. 

Piggott, F., The Music and Musical Instruments of Japan, a"* ed. Yokohama- 
London 1909. 

P j et uchov = ntryxoBi, Miix., Hapo^Hue MyauKaJibHue HHCTpyMeimj Myaen C.-ITeTepöyprcKoit 
KOHcepBaTopiH. CaHKT IlerepGypn. 1884. 

Portman, Andamanese Music. Jour. Asiatic Society N. S. XX, 1888. 



XII 



ALLGEMEINE INSTRUMENTEN- UND MUSIKWISSENSCHAFTLICHE LITERATUR 

Praetor! US, Mich., Syntagmatis musici tomus secundus, Wolffenbüttel 1618. Neu- 
druck von Rob. Eitner, Leipzig 1884. Die Saitenzahlen beziehen sich auf die- 
sen, die eingeklammerten auf den Originaldruck. 

Privalov =H. IIpHBaJioB-b, MysuKaJibHtie jo^xosue HHcrpy.MeHTU pyccKaro Hapona bt, cbh3h 
ci cooTB-feTCTByiomHMH HHCTpyMeHTaMH «pyrHxt cTpaHi. 3anHCKH IlMn. PyccK. Apx. 
OömecTBa VII 2, VIII 2. 

Proc. Mus. Assoc. = Proceedings of the Musical Association. London 1874 ff, 

Revue musicale, Paris 1827 — 35. 

Roda, C, Los Instrumentes Müsicos y las Danzcis (Ilustraciones del Quijote). 
Madrid 1905. 

Sachs, Curt, Musikgeschichte der Stadt Berlin. Berlin 1908. 

Sachs, Curt, Musik und Oper am Kurbrandenburgischen Hof. Berlin 1910. 

Schelle, Ed., Bericht über die musikalischen Instrumente, im offiziellen Ausstel- 
lungsbericht der Weltausstellung. Wien 1873. 

Schlesinger, K., The Instruments of the Modern Orchestra and Early Records 
of the Precursors of the Violin Family. London 19 10. 

Schubert, F. L., Alle gebräuchüchen Musikinstrumente, in alphabetischer Ord- 
nung. Leipzig s. a. 

Schubert, F. L., Die Blechinstrumente der Musik. 2. Aufl. Leipzig 1883. 

Seier, E., Mittelamerikanische Musikinstrumente. Globus 1899, Nr. 7. 

Shelford, R., An illustrated catalogue of the Ethnographical collection of the 
Serawak Museum. Part. I: Musical Instruments. Jour. of the Straits Branch 
of the Royal Asiatic Society 1904. 

S I MG = Sammelbände der Internationalen Musikgesellschaft. Leipzig 1899 ff. 

Speer , Dan., Gnmdrichtiger, kurz, leicnt und nöthiger Unterricht der musikalischen 
Kunst. Ulm 1687. 

Stumpf, C, Die Anfänge der Musik. Leipzig 1911. 

Sundelin, A., Die Instrumentierung für das Orchester. Berlin 1828. 

Sundelin, A., Die Instrumentierung für sämmtlicheMihtär-Musik-Chöre. Berlin 1828. 

Svanberg,]., Musikhistoriska Museets in Stockholm Instrumentsamüng. Stock- 
holm 1902. 

Tagore, S. M., Short Notices of Hindu Musical Instruments. Calcutta 1877. 

Tans'ur, W., The Elements of Music displayed. London 1772. 

Teuchert, E., imd E.W. Haupt, Musik-Instrumentenkunde. Leipzig 1910 f. 

Valdrighi, L. F., Musurgiana I. Modena 1879, V. Milano 1881. 

Valdrighi, L. F., Nomocheliurgografia antica e moderna. Modena 1884. 

Vanderstraeten, E., La Musique aux Pays-Bas. Bruxelles 1867 — 88. 

Vf M == Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft. Leipzig 1885 ff. 

Villoteau, Description historique, technique et litteraire des Instruments de 
Musique des Orientaux, in Description de l'Egypte. Paris 1823. 



XIII 



ALLGEMEINE INSTRUMENTEN- UND MUSIKWISSENSCHAFTLICHE LITERATUR 

Virdung, S., Musica getutscht. Basel 1511. 

Walker, J. C, Historical Memoirs of Irish Bards. London 1786. 

Wallaschek, R., Anfänge der Tonkunst. Leipzig 1903. 

Walther, Joh. Gottfr., Musikalisches Lexikon. Leipzig 1732. 

Wasielewski, J. W. v., Geschichte der Instrumentalmusik im 16. Jahrhundert. 
Berlin 1878. 

Weiss, J., Die musikalischen Instrumente des Alten Testaments. Prag 1895. 

Welcker von Gontershausen, H., Neu eröffnetes Magazin musikalischer Ton- 
werkzeuge. Frankfurt a. M. 1855. 

Willard, N. A., A Treatise on the Music of Hindoostan, in Tagore's Hindu Music. 

Yantra kosha = Tagore, Sour. Moh., Yantra kosha, Calcutta 1875. 

Zacconi, L., Prattica di Musica. Ven. 1596. 

Za mminer, Fr.. Die Musik und die musikalischen Instrumente. Gießen 1855. 

Zf J = Zeitschrift für Instrumentenbau. Leipzig 1880 ff. 

ZIMG = Zeitschrift der Internationalen Musikgesellschaft. Leipzig 1899 ff. 



DIE ABGEKÜRZT ZITIERTEN 
INSTRUMENTEN-SAMMLUNGEN 

Basel, Historisches Museum, 

Bergen, Museum. 

Berlin, Kgl. Sammlung alter Musikinstrumente. 

Berlin, Kgl. Museum für Völkerkunde. 

Bologna, Museo civico (früher im Liceo musicale). 

Brüssel, Musee instrumental du Conservatoire royal de musique. 

Brüssel, Musee du Congo. 

Dublin, National Museum. 

Florenz, Museo etnografico. 

Florenz, Museo del R. Istituto Cherubini. 

Galpin, Rev. F. W., Privatsammlung in Harlow (Essex). 

Heyer, W., Musikhistorisches Museum in Cöln. 

Innsbruck, Ferdinandeum. 

Keil, Alfredo, Privatsammlung in Lissabonn. 

Kopenhagen, Musikhistorisk Museum. 

Kristiania, Norsk Folkemuseum. 

Leiden, Rijks Ethnographisch Museum. 

London, Victoria and Albert Museum. 

London, British Museum. 

Mailand, Museo del Conservatorio. 

Markneukirchen, Gewerbemuseum. 

Modena, Museo civico. 

München, Bairisches Nationalmuseum. 

München, Deutsches Museum. 

New- York, The Metropoütan Museum of Art, Crosby Brown CoUection. 

Oxford, Pitt Rivers Museum. 

Paris, Musee du Conservatoire national de musique. 

Prag, Instrumentensammlung des Konservatoriums. 

Sarawak, Museum, Ethnographical Collection. 

Scheurleer, D. F., Privatsammlung im Haag. 

Stockholm, Musikhistoriska Museum. 

Stockholm, Nordiska Museet. 

Venedig, Museo civico (Casa Correr). 

Verona, Museo civico. 

Washington, United States National Museum, Smithsonian Institution. 

Wien, Instrumentensammlung der Gesellschaft der Musikfreunde. 

Wien, Ambraser Sammlung des K. K. Kunsthistorischen Hofmuseums. 

Zürich, Schweizerisches Landesmuseum. 



ABKÜRZUNGEN 

DER HÄUFIGSTEN SPRACHEN-, DIALEKT- 
UND VÖLKERNAMEN 



abess. 


= abess inisch 


hind. 


= hindostanisch 


öst. 


= österreichisch 


ags. 


= angelsächsisch 


idg. 


= urindogermanisch 


pat. 


= patagonisch 


ahd. 


= althochdeutsch 


ir. 


= irisch 


pers. 


= persisch 


alb. 


= albanesisch 


isl. 


= isländisch 


poln. 


= polnisch 


alg. 


= algerisch 


it. 


= itaüenisch 


P(ort). 


= portugiesisch 


amh. 


= amharisch 


jap. 


= japanisch 


rag. 


= ragusanisch 


and. 


= altnordisch 


jav. 


= javanisch 


rät. 


= rätoromanisch 


arm. 


= annamitisch 


jüt. 


= jütisch 


röm. 


= römisch 


ar. 


= arabisch 


kab. 


= kabylisch 


romagn.= romagnolisch 


arm. 


= armenisch 


koftn. 


= ka9mirl 


rum. 


= rumänisch 


artnor 


. = armorikanisch 


kal. 


= kalabrisch 


rumun 


. = rumunisch 


asl. 


= altslavisch 


kamb. 


= kamboganisch 


russ. 


= russisch 


äth. 


= äthiopisch 


käst. 


= kastilianisch 


ruth. 


= ruthenisch 


haktr. 


= baktrisch 


kat. 


= katalonisch 


sam. 


= samojedisch 


bask. 


= baskisch 


kauk. 


= kaukasisch 


sard. 


= sardisch 


bau. 


= battakisch 


kor. 


= koreanisch 


Schott. 


= schottisch 


bayr. 


= bayrisch 


krel. 


= kretisch 


schw. 


= schwedisch 


beng. 


= bengäll 


kroat. 


= kroatisch 


serb. 


= serbisch 


birm. 


= birmanisch 


kurd. 


= kurdisch 


serbokf 


■.= serbokroatisch 


born. 


^ bomeotisch 


lat. 


= Lateinisch 


sheü. 


= shetländisch 


bret. 


= bretonisch 


lett. 


= lettisch 


Sil. 


= sizUianisch 


buig. 


= bulgarisch 


lit. 


= litauisch 


sink. 


= sinhalesisch 


chald. 


= chaldäisch 


lomb. 


= lombardisch 


skr. 


= Sanskrit 


chin. 


= chinesisch 


luz. 


= luiatisch 


slav. 


= slavonisch 


c. 


= Cechisch 


tnad. 


= madekassisch 


sp. 


= spanisch 


cer. 


= eeremissisch 


mal. 


= malayisch 


spl. 


= spätlateinisch 


daj. 


= dajakisch 


mar. 


= marokkanisch 


steir. 


= steirisch 


dän. 


= dänisch 


mej. 


= mfcjikanisch 


syr. 


= syrisch 


dial. 


= dialektisch 


mel. 


= melanesisch 


syrj. 


= syrjänisch 


engl. 


= englisch 


mhd. 


= mittelhochdeutsch 


syrm. 


= syrraisch 


estn. 


= estnisch 


ml. 


= mittellateinisch 


tat. 


= tatarisch 


finn. 


= finnisch 


mnd. 


= mittelniederdeutsch 


tib. 


= tibetisch 


Hz). 


=; französisch 


mnl. 


= mittelniederländisch 


türk. 


= türkisch 


fries. 


= friesisch 


mod. 


= modenesisch 


ung. 


= ungarisch 


gael. 


= gaelisch 


mong 


. ^. mongolisch 


ven. 


= venezianisch 


galt. 


= gallcgo 


ndl. 


= niederländisch 


nip. 


.= nepalisch 


gr- 


= altgriechisch 


nhd. 


= neuhochdeutsch 


vi. 


= vlaemisch 


grus. 


= grusisch (georgisch) 


ngr. 


= neugriechisch 


wal. 


= walisisch 


hait. 


-= haitisch 


norw. 


=^ norwegisch 




(kyinrisch) 


hebt. 


= hebräisch 


oss. 


= ossetisch 


wend. 


;= wendisch 



TRANSKRIPTIONS-SCHLÜSSEL 



Es ent- 
sprechen : 


C 


c 


G 


V 

s 


z 


Deutsch 




TSCH 




SCH 




Französisch 




TCH 


DJ 


CH 


J 


Enghsch 




CH 


J 


SH 




Russisch 




H 


— 


Hl 


Jtx, 


Arabisch- 
Persisch 




h 


L 


• 
• i 


* 


Sanskrit 


^ 


h 


J] 


^ 





Die moderne Transkription des palatalen Zischlauts im Sanskrit — s — wurde hier zu 
gunsten der älteren — 9 — aufgegeben, um Verwechslungen mit s und § zu vermeiden. 



XVII 



A-Flöte, Liebesflöte, eine veraltete, heute 
m. W. nur noch von W. Heckel in Biebrich ge- 
baute größere Querflöte in A, mit h als tief- 
stem Ton, gebräuchlich etwa 1750 — 1820. 
Der Name .Liebesflöte' ist wohl nur nach 
Analogie der gleichfalls in^^ stehenden Liebes- 
oboe gegeben worden. 

Fr. FLUTE D'AMOUR, it. FLAUTO D' AMORE. 

A-Fuß, ein Flötenfuß mit Zusatzklappen 
bis a hinab. Von Instrumentenbauern, die sich 
mit ihm befaßt haben, seien genannt Ziegler 
in Wien, Laussmann in Linz und Evette & 
Schaeffer in Paris. 

A-Horn, 



A -Trompete. 



Notierung: 



^^^^^^ 



teg: f^.jtej j^gi 



Umfang: 



Mit Ventilen: 



Notierung: 



m 



W' 



^ 



m 



m 



^ 



Das A -Hörn wird durch Aufstecken eines Halb- 

tonbogens auf das hohe B-Horn hergcstelk. 

A-Klarinette, eine Klarinette mit weichem 

und schwermütigem Ton ; .ff 



Umfang: 



Notierung : 



Die ungefähre Länge ist 70 cm. 

A-Kornett, ein Ventilkornett in A ; gewon- 
nen durch das Aufstecken eines Krummbogens 
auf dasß- Kornett . 

Umfang: 



Notierung: 





Skala: 



Notierung: 



|,,,.,JHK'^^ 



|^ j ."r -r ^ 



1 



l yr^fV f i 



Umfang: 



Mit Ventilen: 




Notierung: 



Aaben Pibe, dän. ,Offene Pfeife.' 

Aadschek, nach Kiesewetter ein persisches 
Streichinstrument. Es dürfte mit Aäek iden- 
tisch, also ein Tanbür sein. 

Aänireikä, finn. .Griffloch'. 

Aartsciter, ndl. .Erzcister'. 

Aartsluit, ndl. .Erzlaute'. 

Abacus, lat. .Klaviatur'. 

Athanasius Kircher, Musurgia 1650, üb. VI p. II c. I. 

Abafador, port. .Dämpfer' (Klavier). 

Ab-a'-fü, Älaultrommel der Igorroten von 
Bontoc (Philippinen), ein Liebeswerbeinstru- 
ment, aus Bambus oder Messing, etwa 8 bis 
IG cm lang. 

A. E. Jenks, The Bontoc Igorot, Manila 1905, p. 191 f. 

Abam, Abäm, barriai kobe ,(Fell-)Trom- 
mel' ; vgl. malay. rabana. 

Friederici, Beitr. z. Volk.- u. Sprachenkunde v. Deutsch-Neu* 
guinea, Her!. 1912. p. 1S3, 199, 216. 

Aben, ein Rohrstück, an einem Ende mit 
einer Spinneneihaut verschlossen; die Rezi- 
tatoren der Faft (Frz. Kongo) stecken es in das 
eine Nasenloch — das andere bekommt das 
Efam — , um die Stimme näselnder zu machen. 

R' .\velat, La Mus. chez les Pahouins. L'Anthropologie 
XVI 283. 

Abendair, plur. ibendiiren, schauja ka- 
byl. ,Schellentrommer ; arab. bandar. 

Huyghe, Dict. Chaouia-ar.-kab.-fr?., Alg. '07, p. 681. 

Abhebestange, die Verbindungsstange zwi- 
schen Pedal und Dämpfung beim Klavier. 

Engl. D.\MPER ROD, fr. BARRE D'ETOUFFOIR. 

Abhubh s. Abub. 

A-bitin, temne .Trommel'; plur. e-bitift. 

C. F. Schlenker, Engl.-temne Dict., Lond. 1880, p. 114. 



Sachs 



ABLEITUNG— ACOCOTL 



Ableitung eines klingenden Harmonium- 
registers nennt man die durch einen andern 
Registerzug einschaltbare Vorrichtung zur 
Veränderung seiner Klangfarbe. 

Abobas s. Abub. 

Aboo Zeydee viel s. Abu-Said-Geige. 

Abrazadera, span. , Blattschraube ' ; port. 
abra^adeira. 

Abr6g6, frz. .Regierwerk'. 

Abrege foulant nannten die französischen 
Orgelbauer das Regierwerk des Rückpositivs. 

Abruzzenoboe, eine in den Abruzzen hei- 
mische Hirtenschalmei aus Buchs mit ko- 
nischer Bohrung und Doppelrohr; 7 Griff- 
löcher auf der Vorder-, ein 8. auf der Rück- 
seite und I — 6 Stimmlöcher auf dem Schall- 
stück ; Grundton in der Mitte der eingestriche- 
nen Oktave; Länge 32 — 35cm. Die Anzahl 
und Verteilung der Löcher, die Länge, die 
Tonlage und die Skala weisen unmittelbar auf 
den arabischen Zamr hin; die Abruzzenoboe 
vermittelt entwicklungsgeschichtlich zwischen 
ihm und der europäischen Schalmei. 

Brüssel No. i8i; New- York No. 895. 

Absteller = Nullknopf. 

Abstrakten, Abzüge, sind in der aJten, 
mechanisch regierten Orgel im Gegensatz zu 
den Stechern die Hauptgheder des Zugwerks; 
man versteht darunter senkrecht ziehende, 
etwa 0,8 cm breite, 0,3 cm dicke Holzstangen, 
deren unterste durch den kurzen Abstrakten- 
draht mit der Taste und deren oberste durch 
den Ventüdraht mit dem entsprechenden 
Spielventil verbunden ist, so daß beim Nieder- 
drücken der Taste die Öffnung des Ventils be- 
wirkt wird. 

Engl. TRACKERS, ndl. ABSTRACTEN, fr. VERGETTES, 
russ. ABSTRAKTY. — Abbildung bei Orgel 

Abuaq (schauja), plur. v. Büq. 

Abub, Anbub, ist der syrische Name des 
Gingras; er lebt in dem Worte ,abubajae' auf, 
mit dem die Römer der Kaiserzeit orienta- 
lische Aulosbläserinnen bezeichneten. Chald. 
H212N, gricch. aßcoßai. 

Jacob Levy, Neuhebr. u. cbald. Wb. I, Lpz. 1876, S. 5. — 
Thesaur. Sjxiac. I, Ox. 1879, p. lof. 

Abu karun, nach Al-Makkari eine altara- 
bische Trommel. 

Abu-Said-Geige, s. v. a. Rebäb eS-6a'ir, das 
zur Begleitung der Abu-Said-Romanze ver- 
wendet wird. 

Abwärtsschlagende Mechanik, oberschlä- 
gige Mechanik, nennt man diejenige Kla- 
viermechanik, bei der der Hammeranschlag 
von oben her erfolgt. Schon im 18. Jh. finden 
wir zahlreiche Klavierbauer mit diesem Typus 
(,Pantalon') beschäftigt, der die bestechende 
Eigenschaft hat, daß der Schlag auf die Saiten 



gegen den Resonanzboden gerichtet ist, der 
aber auch eine komphziertere, schwerfälligere 
Konstruktion verlangt und das Stimmen meist 
— wie z. B. in der Streicher'schen Form mit 
ihrer den ganzen Stimmstock und einen Teil 
der Saiten bedeckenden Tastatur — ungeheuer 
erschwert. Marius in Paris (1716), Schröter in 
Nordhausen, Stein in Augsburg, Joh. Gottfr. 
HUdebrand in Berlin mühen sich ohne rechten 
Erfolg ab. Auch die Meister des 19. Jhs., 
Streicher (1823) in Wien und Matth. Müller 
(1824), Loud in Philadelphia (1827), Pape, 
Wölffel und Kriegelstein in Paris, Stöcker in 
Berlin, Greiner in München, ^^■ornum in Lon- 
don (1842), Mathushek in New Haven (ca. 
1868) vermögen mit allen geistvollen Kon- 
struktionen das oberschläg^ge Klavier nicht 
einzuführen. Ganz neuerdings (1910) hat Dr. 
Ch. Vincent in London den Kampf wieder 
aufgenommen. 

Engl.OVERSTRlKING ACTION, ndl. HAMERSLAG AAN DE 
BOVENZIJDE, fr. MECANISME AU-DESSUS DES CORDES. 

Abzüge, I . die freien Baßsaiten bei den Lau- 
ten usw., — 2. in der Orgel s. v. a. Abstrakten. 

Accessory stop, engl. ,Bhnder Registerzug'. 

Acciarino, ital. , Triangel'. 

Accoppiamento, ital. .Kopplung'. 

Accordeon, frz. , Ziehharmonika'. 

Accordiere, frz. .Wirbelkasten'. 

Accordo, ital. i. s. v. a. Lirone perfetto. — 
2. .Mxitur'. 

Accoupl6, frz. .gebunden' (Klavichord), 
, gekoppelt' (Orgelstimme). 

Accouplement, frz. .Koppelung'. 

Accouplement ä balanciers, frz. ,Wippen- 
koppel'. 

Accouplement ä fourchettes, frz. ,Gabel- 
koppel'. 

Accouplement de pedaüer, frz. ,Pedalkopper. 

Acetabula, lat. Becken aus Erz oder Silber 
in Napf form, wie schon aus der eigentlichen 
Bedeutung des Namens — , Essiggefäße' — 
hervorgeht. 
Suidas s. V. — Isidor v. Sevilla, Orig. seu Etym. libri XX (um 

600}, in 21, II. 

Achordion, ein mechanisches Musikwerk 
vonCorn. van Oeckelenin Breda (1798 — 1865). 

Achromatisches Hörn, Englisches F- 
Horn, erf. 1854 in Preßburg von Joh. Riedel, 
ein W'aldhom in Kornettform mit 4 Ventilen, 
von denen das letzte ein Kombinationsventil 
war. Umfang Gj — g". Das Instrument 
hat keinen Erfolg gehabt. Daß der Name 
äußerst unglücklich gewählt ist, bedarf keines 
Wortes. 

Acocotl, mejik. Schalmei, heute einfach 
,clarin' genannt: eine etwa 3 m lange, nicht 
ganz regelmäßige, sehr enge Röhre aus dem 



ACORDEON — AERO-CLAVICORDE 



trockenen Holz des Acocotl, einer in Mejiko 
sehr verbreiteten Pflanze, mit Schalltrichter 
und einem Mundstück, durch das der Bläser 
die Luft mit großer Anstrengung einzieht. 
Augenscheinlich enthält das Mundstück eine 
freischwingende Zunge. 

Sartorius io Cäcilia VII 203. 

Acordeön, span. .Ziehharmonika'. 

Action, engl. .Mechanik', und zwar i . der An- 
schlagsmechanismus der Tasteninstrumente, — 
2. der Umstimmungsmechanismus der Harfe. 

Acuta, lat. , Scharf'. 

A6orr, acholi (ob. Nil) ,Königstrommer. 

Johnston, Uganda Protectorate II 929. 

Adabäträm, ewe, Kriegs- und Hinrichtungs- 
trommel. 

Knüsli,Deutsch-ewe Wb-, Bremen 1892 (Mskr.), p. 333. — Wester- 
mann, Wb. der Ewe-Spr,, Berlin 1905, I 35, 599. 

Adamädalä, beng., v. ä(Ja ,Weite', und 
mädalä, .Trommel', eine Trommel von glei- 
cher Länge und Dicke. 

Adberell, wal. .Doppelflageolett'. 

Adedura. 

,Dulce canno entero sal coo el panderete 
Coa sonajas de asofar, fasen duice sonete 
Los organos y disen cbanzones 6 motete: 
La adedura albardana entre elios se entremete.' 
Juan Ruiz, Libro de buen amor 
(2. Viertel 14. Jhs.) 

Cleonard [Discurso histörico sobre el traje 
de los espanoles etc., R. Acad. de la histo- 
ria] fand die richtige Spur, als er auf das 
Arabische zurückging und Adedura von ad- 
dedar, Paukenschall, ableitete. Leider hat er 
aber die Spur nicht festgehalten und übersetzt 
Adedura albardana mit ,Instrumento a modo 
de chirimia, adomada con flecos de seda' ; Pe- 
drell läßt die Bedeutung dahingestellt. Die 
nicht von der Hand zu weisende arabische 
Wurzel des Wortes Adedura beweist, daß es 
sich um ein Schlaginstrument vom Typus der 
Pauke oder der Trommel handeln muß. Der 
Zusatz .albardana' charakterisiert diese Trom- 
mel als entweder ein vielfarbiges Instrument 
oder ein solches der Landstreicher und Gauk- 
ler. Diese Prämissen aber führen dazu, die 
Adedura mit der arabischen Darabukke zu 
identifizieren. Das Wort ,albardana' ist hier 
in seinem doppelten Sinn berechtigt: einmal 
ist die Darabukke stets bemalt, dann aber ist 
sie — wenigstens heute — fast ausschließlich 
das Instrument der wandernden Gaukler. ,Le 
daräboukkeh', schreibt Villoteau, ,ne se voit 
guöre qu'entre les mains des saltimbanques, 
des Jongleurs ou farceurs de carrefour.' 

Äderchen = Flödel. 

Adharc, gael. irisch ,Hom'. 

Adharcfhogaid, gael. , Signalhorn'. 

Adharcfiaghach, gael. ,Jagdhom'. 



Adharcaidh Cuil, altirische Sackpfeife. 

O'Connor, Dias, on the Hist. of Ireland. 

Adiaphon, das ,Unverstimmbare', ein 
Stimmgabelklavier in Pianinoform von Fischer 
& Fritz in Leipzig (pat. 1882). Umfang F — p ; 
die tiefsten Gabeln werden durch ihre Ober- 
oktave verstärkt. Der Hauptfehler des In- 
struments ist seine überaus geringe Tonstärke. 

Berlin; Kopenhagen Nr. 21. 

Adiaphonon, das ,Unverstimmbare', ein 
gegen 1818 von dem Uhrmacher Franz Schu- 
ster in Wien erfundenes Tasteninstrument 
von sechs Oktaven Umfang mit orgel- oder 
glasharmonikaähnüchem Klang, dessen Kla- 
viatur aufrechtstehende Stahlstäbe durch An- 
reißen zum Tönen brachte. Die zeitgenössische 
Kritik warf dem Ton Mangel an , Klang, 
Stärke und Dauer' vor und tadelte ,das Nach- 
klingen und IneinanderfUeßen'. Schuster er- 
hielt am 15. Febr. 18 19 ein österreichisches 
Patent auf sechs Jahre. 

Adjok s. Telarli. 

Adjulonä heißen mehrere Blasinstrumente 
der Karajä in Brasilien. Das häufigste besteht 
aus einem 44 — 46 cm langen und etwa 3,5 cm 
dicken Taquararohr mit seitlichem Mundloch 
und einem gegen 40 cm langen Kürbisschall- 
stück; obschon Krause das Instrument als 
Flöte bezeichnet, ist es eine Trompete. — Ein 
andres Adjulonä ist aus einem spiralig auf- 
gewickelten und plattgedrückten Burityblatt 
hergestellt, das mit einem Bastband zusam- 
mengehalten und oft mit einer Mittelzunge 
versehen wird. Das Instrument, etwa 3 cm 
breit und i — 2,5 cm hoch, gehört, wie das 
chinesische Kia, am ehesten in die Schalmei- 
klasse. — .Wolawük adjulonä' oder .Lakü' 
heißt eine Art Okarina aus einer doppelbäu- 
chigen Kalebasse, deren quer abgeschnittener 
kleinerer Bauch die Anblasefläche liefert ; nach 
der Abbildung scheinen sechs Grifflöcher vor- 
handen zu sein. 

F. Krause, In den Wildnissen Brasihens, Lpz. 191 1, p. 316. 

Adlerzug, bUnder Orgel-Registerzug des 17. 
und 18. Jhs., der einen mit den Flügeln 
schlagenden Adler gegen eine Sonne schweben 
ließ. 

Adok = Rebana. 

Adufe, span. , Schellentrommel', a. d. arab. 

Adziurane = Adjulonä. 

Ae . . . . s. auch unter A. 

Aelyau, grönländ. Tamburin mit Stiel; 
nicht das Fell, sondern der Rahmen wird ge- 
schlagen. 

Aeolus-harp, ndl. ,Aolsharfe'. 

A6ro-clavicorde, nach Bachelet & Dezobry 
(Dict. gen. des Lettres etc., Paris 1882, I 41) 
eine Art Clavecin, 1790 von Schell und 



AEROPHONE — AIDATROMPETE 



ooo 



I 



AGRAFFE 



Tschirski erfunden, dessen Saiten durch Wind 
in Schwingung versetzt wurden. Augen- 
scheinhch handelt es sich um die Schnell'sche 
Erfindung des Anemochorde. 

Aeorophone, eine Zungenorgel von Christian 
Dietz (d. J.!). 

Aerophone Instrumente nennt 

der Verfasser die Gesamtheit der- 
jenigen Instrumente, deren Spiel 
unmittelbar die Luft in Schwing- 
ung versetzt. Sie zerfallen in die 
beiden Klassen derjenigen Ton- 
■werkzeuge,dieeineBegrenzungdes 
Luftraums vornehmen, nämlich 
der in der Praxis als Blasinstru- 
mente bezeichneten, und derjeni- 
gen, die auf die unbegrenzte Luft 
wirken, wie aufsatzlose Zungen, 
Sirenen. Schwirrhölzer und Peitschenschnüre. 

Aeorophor, ein , Tonbindeapparat' für Blas- 
instrumente, 191 1 von dem Flötisten Bemh. 
Samuels in Schwerin erfunden. Der Apparat 
will das Blasen ohne Abhängigkeit von der 
Atmung ermöglichen und damit eine künst- 
lerischere Phrasierung und gleichzeitig eine 
bedeutende Herabminderung des mensch- 
lichen Kraftaufwands erreichen. Der Fuß des 
Spielers tritt einen kleinen Schöpfbalg, dessen 
Wind durch einen Schlauch und ein kleines 
Rölirchen neben dem Mundstück in den Mund 
getrieben wird, so oft und -viel es der Bläser 
wünscht. Durch ruhiges, stetiges Nasenatmen 
wird der Mund gegen die Rachenhöhle ge- 
schlossen, so daß die künstliche Preßluft nur 
in das Instrument hinein entweichen kann. 
Es verdient Beachtung, daß die Benutzung 
des Mundes als Windkammer seit undenk- 
lichen Zeiten bei den orientalischen Völkern 
gang und gäbe ist; Schalmeien wie Arghül, 
Zummära u. dgl. werden so angeblasen. 

Litera tur:Z.f.I.XXXII 5, 46(Ahrens). — D. R.P.Nr. 242807, 
12. Apr. 1911. 

Afinador, port. .Stimmhammer, Stimmhom'. 

Agada = Zaguf. 

Agadhapala, hind. Schlaginstrument; alt. 

Tagore i. 

Aganga, tamäheq .Trommel'; plur. igan- 
gaten. 

S. Cid Kaoui, Dict. £ran?,-t.imäheq, Alger 1894, p. 839. 

Agaramut s. Garamut. 

Äghäta, Aghäti,33T^,55rnTriZ". skr., Klap- 
per'. 

Rigveda 10, 146, 2. — Ath.irvavcda 4, 37, 4. 

Aghkakand iXiXJv-.!, pcrs. ,Schlaginstru- 
mcntc'. 

Aghiztanbürasi,^_,^ii^_j..^ r=-!,türk.,Maul- 
trommel'. 

Agkon, äyxotr, griech. .Arm" (Phoinix). 



V 




Agon s. Agun. 

Agong, ein Schlagbrett mit Resonanz-Va^ 
liha von den Philippinen, aus 
einem Bambusinternodium mit 
längslaufender Schlitzöffnung, 
über die zwei an den Enden durch 
Stege gehobene, von der Rohr- 
oberfläche abgelöste Saiten ge- 
führt sind ;quer über diesen Saiten 
liegt ein kleines Rindenstück, das 
mit zwei Bambusstöcken geschla- 
gen wird. 

Brüssel Nr. 2108 (.Tambol*); Ncw-York Nr. 
2606, 2746, 

Agongo, akasele (Togo) .Trom- 
meln'. 

Agraffen nennt der Klavier- 
bauer die in der Diskantregion des 
Stimmstocks sitzenden Schrau- 
ben, deren Köpfe mit Löchern oder 
Kerben versehen sind und je 
einem hindurchgezogenen Saiten- 
chor als Sattel dienen. 

Engl. STUD, ndl. AGR.A.AF, fr. AGRAFFE, 
it. AGRAFFA, russ. AGRAFA. 

Agrumbi, s. v. a. Agurembi. 

Agujero, span. .Griffloch'. 

Agun, ein Gong mit Buckel, 
aus China importiert,alsoein Yin, 
im Gebrauche der Bagobos in 
Süd-Mindanao (Phihppinen); da- 
zu guttaperchaüberzogene Holz- 
schlägel. 

Ztschr I. Ethn. XVII 24!. 

Agurembi, plur. igurerabien, 
schauja .Saiteninstrument'; ka- 
byl. agrembi. 

Huyghe, Dict. cha0uia-ar.-kab.-fr5., Alg, 1907, 
p, 20. 

Agwel, marokk. Trommel vom 
Darabukketypus mit flaschen- 
förmigem Tonkessel und i be- 
malten Fell, etwa 15 cm hoch 
und 14 cm im Durchmesser. 

New- York Nr. 424. 

AJiurane = Adjulona. 

Ahenk.e*^^', pers. , Zupfinstru- 
ment, Laute'. 

Ahovai, span. , Schellenbaum'. 

Ah tu = Hao. 

Aidatrompete nennt man im 
Anschluß an Verdis Oper eine 
langgestreckte scharf und glän- 
zend klingende Fanfarentrompete aida- 
mit I Ganztonventil in i/ und As, trompete 

Skala : Modell von 

I Q „ m i"— f^— f n Schuster & Co. 

lm —<i — P ' T ' =t .^ in M«rkneu. 

•' . kirctaes 




AIDYE-ALABU-SARANGl 



Für Orchesterzwecke wird sie auch in kurzer 
Form gebaut. 

Fr. TROMPETTE THEBAINE, ndl. THEBAANSCHE 
TROMPET. 

Aidye, lanzettförmiges Schwirrholz der Bo- 
ror6 (Z. Brasilien). Abb. bei .Schwirrholz'. 

'Ain, ryf^, arab. , Schalloch' {'Ud), eigentl. 
,Auge';plur. ^^^_f^ 'ayün. 

Mefatib ol ulura (Ende lo. Jhs.). 

Aine, fr. .Zwickel'. 

Air-pump, engl. .Luftpumpe'. 

Aiuton, eine Friktionsharmonika aus Stimm- 
gabeln, die durch eine Klaviatur gegen einen 
rotierenden Metallkegel gedrückt wurden, erf . 
geg. 1789 V. Ch. Clagget in London; Umfang 
3 — 5 Oktaven. 

Ch. Clagget, Musical Phsnomena, Lond. 1793, in 4^. 

Ajabeba, altspan. Schnabelflöte, vom arab. 
äabbäba. 

Dulcema 6 ajabeba, el finchado albogöo, 
CinfoDla 6 baldosa en esta fiesta son . . . 

Juan Ruiz {l. Hälfte 14. Jhs.). 

Ajacaxtli, altmej. Rassel aus einer kugel- 
gefüllten Kalebasse oder Tonvase mit Griff. 

Ajakli kemän s. Ayäqlikemän. 

Ajoute, frz. .Stimmbogen'. 

Akadankama s. Ndööa. 

Akadu = Susunu. 

A-kalumbe, plur. e-kalumbe, temne 
.Harfe'. 

C. F. Schlenker, Engl.-Temne Dict. Lond. '80, p. 183. 

Akam [New-York Nr. 3526] s. Ndöfla. 

Akamambo s. Utumambo. 

Akanä, plur. v. Dekanä. 

Akang, armen. .Wirbel'. 

Akärana = Antsiva. 

Akhang, birm. .Mundstück'. 

Akikiri-koto, ein Koto aus hartem Kiri- 
Holz (Paulovnia imperialis) von YatsuhaSi. 

Ak-köi, korean. .Musikinstrument*. 

Akkord wurde gelegentlich ein Zymbelstern 
mit abgestimmten Glöckchen oder Klang- 
stäben genannt. 

Akkordflöte, eine Doppelflöte, deren Loch- 
disposition ein eigentliches Zweiklangspiel 
ermöglicht und voraussetzt, im Gegensatz zu 
denjenigen Doppelflöten, bei denen es auf 
schwebende Glcichklänge oder auf eine lie- 
gende zweite Stimme abgesehen ist. 

Fr. FLUTE D'ACCORD, dän. AKKORDFLOJTE. 
Vgl. Doppelflageolett, Doppelfiöte, Dvojnice. 

Akkordguitarre, eine Guitarre aus der Mitte 
19. Jhs.. deren Saiten nicht durch die Finger 
direkt gegriffen, sondern durch einen Ab- 
straktenmechanismus in dem von der Rück- 
seite her ausgehöhlten Hals in der Weise ver- 
kürzt werden, daß eine Reihe von 15 seithch 
angebrachten Knöpfen beim Niederdruck 



kleine lederüberzogene Röllchen gegen die 
Saiten drücken. 

Heyer Nr. 606. 

Akkordion = Ziehharmonika. Der Name 
wurde zuerst der von Demian und seinen 
Söhnen in Wien 1829 verbesserten Harmonika 
gegeben. 

Akkordklarinette s. Doppelklarinette. 

Akkordzither, ein verbreitetes Zitherinstru- 
ment, das für Leute ohne die geringste musi- 
kahsche Vorbildung und Begabung bestimmt 
ist. Es besteht im wesentlichen aus einer ge- 
wöhnlichen Schlagzither mit einem System 
von Stegen, durch deren Niederdruck die ak- 
kordfremden Saiten abgedämpft werden. Er- 
finder ist Chr. Aug. Gütter in Markneukirchen 
(letztes Viertel 19. Jhs.). 

Engl. AUTOHARP, fr. CITHARE D'AMATEUR. 

A-konde, plur. e-konde, temne .Fidel' der 
Susu. 

C. F. Schlenker, Engl.-Temne Dict., Lond. 1880. p. 143. 
Vgl. Ekende. 

Ak6ra = Antsiva. 

Aktionsgabeln heißen die am Hals der Pe- 
dalharfe gabelförmig auf kleinen Metallplätt- 
chen aufsitzenden Stifte, durch deren Drehung 
die Saiten verkürzt, der Ton also erhöht wird. 
Sie sind 1789 von S6b. Erard in Paris einge- 
führt worden. 

Engl. FORKS, fr. FOURCHETTES. 

Akukr3rptophon, erf. von Charles Wheat- 
stone in London gegen 1822; mechanisches 
Musikwerk geheimer Konstruktion, das eine 
weitere Bedeutung nicht erlangt hat. Die 
Londoner Berichterstatter beschrieben es als 
einen frei an einem Seil von der Zimmerdecke 
herabhängenden Kasten in Form einer an- 
tiken Lyra, aber ohne Saiten, der, aufgezogen 
in der Art einer Uhr, Orchesterstücke in den 
charakteristischen Farben der verschiedenen 
Instrumente hören ließ. 

Akustische 32' Stimmen nennt man solche, 
die durch die Differenztöne der Verbindung 
einer 16- und einer 10V3 füßigen Orgelstimme 
gebildet werden. 

Vgl. Simpliükationssystem 4. 

Akzentkoppel, eine neuerdings von Schlag & 
Söhne in Schweidnitz (BerUn Philharmonie 
1888) erfundene Vorrichtung, die Tonstärke 
bei einem Orgelmanual durch verschiedenen 
Tastendruck zu verändern. Eine derartige 
Einrichtung hat bereits S6b. Erard in einem 
Orgelklavier getroffen, das er für die Königin 
Marie Antoinette baute und schon vor ihm — 
gegen 1770 — Andr. Stein in seiner Melodika. 

Aläbu-särangi, .Kürbis-Särangi'. ein Särangl 
von angeblich sehr altem Typus, der einige 
Ähnlichkeit mit dem der Violine aufweist, so 



ALAMIRfi— ALGHÖZA 



daß die Europäer das Instrument gelegentlich 
die .indische Violine' nennen. Als Korpus 
dient eine Kalebasse mit einer Einziehung in 
der Mitte ; die dünne Holzdecke hat F-Löcher. 
Auch der Hals mit seiner Schnecke, der Steg 
und der Saitenhalter sind \dolinähnlich. Eben- 
so haben die vier Darmsaiten unsere Quinten- 
stimmung: I Q 1 >V ffl I 



Außerdem sind 7 — selten 9 



s^ 



- Resonanzsaiten 



vorhanden. Länge 5 2 , größte Breite 20 bis 22 cm. 

Brüssel Nr. 65 ; Paris Nr. 795. — S. M. Tagore, jEkatana or the 
iDdiaQ Concert p. 8. 

Alamire, port. .Stimmgabel'. 

Aläpini, beng. alte .Kammer'-Vioä mit einer 
Kalebasse und Piektrum. 

Alät, o*!^!, arab. .Instrumente'. 

Alati, viti .Glocke'. 

Alaude, port. .Laute', v. arab. al'üd. 

Al-barbet s. Barbat. 

Albion, ein zweichöriger Stutzflügel mit 
Hammeranschlag von oben (Pat. Nr. 9262, 
15. Febr. 1842). von Rob. Womum in London. 

Albisiphon, eine von Abelardo Albisi in Mai- 
land 191 1 erfundene Baßflöte in C mit H-Fuß. 
Das Instrument hat ein zylindrisches Metall- 
korpus, dessen Oberstttck nach einer kurzen, 
trompetenartigen Windung mit einer Krücke 
für das Mundloch abschließt. Dieses sitzt wie 
bei den Flöten von T. Giorgi und von Eb. 
Wunnenberg (1888) in der Achse der Röhre; 
das Albisiphon wird demnach als Langflöte 
geblasen. Es steht eine Oktave unter der ge- 
wöhnhchen Großen Flöte. Die Klangwirkung 
soll außerordentlich schön .sein. 

Z.f.I. XXXI 930 (Altenburg). 

Albogon, altspan. v. albogue .Sackpfeife'. 

Dulcema, ^ ajabeba, el finchado albog6n, 
Ciafonia € baldosa en esta fiesta son . . . 

Juan Ruiz (i. Hälfte 14. Jhs.). 

Albogue, altspan. v. arab. al boq ; i. Doppel- 
schalmei. 

. . . con unos roncos albogues de mal jtmtadas caüas. 
Lope de Vega. 
Juan Ruiz (Anf. 14. Jhs.). — Saavedra Fajardo. 

— 2. Klapper. 

Albogues son, respondi6 D. Qilijote, unas chapas d 
modo de candeleros de az6far, que dando una cod otra 
por lo vacio y hueco, hacen ua son, . . . 

CcTTantcs. 

Alboquea, Albuquea, bask. Schalmei vom 
Typus des Pibcorn. 

Ale, XjI, arab. , Instrument'. 

Aleane s. Angremut. 

Alende, kibira .Trommel'; s. v. a. Ngoma. 

Jobnston, Uganda Protect. II 948. 



Alenga, faä .Viehschelle'. 

Largeau, Enc. pah. 622. 

Alexandreorgel, eine amerikanische Orgel 
mit breiteren und stärkeren Zungen und dop- 
pelten Windkanälen über ihnen, die den Ton 
labialpfeifenähnlicher machen, 1874 konstru- 
iert von Ed. Alexandre in Paris. 

Algaita, plur. algaitu (Haussa). Algaita- 
su. pl. algaitagi (Fulbe). eine etwa 45 cm 
lange Schalmei aus Holz mit konischer Boh- 
rung, mit 5 — 6 Grifflöchern auf der Vorder- 
seite und mit glockenförmigem SchaUstück; 
das Doppelrohrblatt sitzt auf einem kleinen 
Eisen- oder Messingröhrchen . das oben in 
das Holzkorpus gesteckt ist und mit diesem 
durch ein loses Band verbunden wird; der 
Bläser faßt das Rohr nicht mit den Lippen, 
sondern stützt diese auf eine kleine, an dem 
Metallröhrchen befestigte Scheibe aus Metall. 
Holz oder Kürbis ; das Rohr selbst ist aus einem 
Blatt oder aus Gras verfertigt. Im Prinzip 
sowohl vne in den Einzelheiten ist das Instru- 
ment durchaus mit dem arab. Zamr ver- 
wandt; nur die bedeutend größere Roheit 
der Ausführung unterscheidet es. Es kann 
keinem Zweifel unterüegen, daß es sich hier 
um eine Rückbildung des Zamr handelt, der 
früher — und noch heute in Marokko — den 
Namen Ghaida führte und unter diesem früh- 
zeitig von der Nordküste über die große Kara- 
wanenstraße nach dem Innern gelangt ist, wo 
im übrigen der Typus der Rohrblattinstru- 
mente durchaus fehlt. Auch die Tuarek, die 
zwischen Atlas und Niger wohnen, kennen 
das gleiche Instrument unter dem gleichen 
arabischen Namen. Jean (Les Touareg du 
Sud-Est, 1909, p. 22) berichtet, daß es dem 
Sultan allein gehöre; es sei aus Bambus mit 
Blechstürze. Dieser Tj'pus entspricht also 
weniger der westlichen Deszendenz der Zurna, 
die wir heute gewöhnlich Zamr nennen, als 
vielmehr der östlichen, dem Sänäi der Inder, 
dem Cäi ken der Annamiten, der So na der 
Chinesen und dem Hsiang-ti der Japaner, die 
sich alle durch das Metallschallstück auszeich- 
nen; ein Beweis dafür, daß in früherer Zeit 
diese östliche Form auch im Westen vorge- 
kommen ist. 

Vgl. Elgalta. 

Alghöza, »vj>^', arab. in Indien gebräuch- 
liche Schnabel flöte aus Bambus oder Holz, 
27 — 42 cm lang, mit 5 — 8 Grifflöchern, von 
denen eins mitunter auf der Rückseite hegt, 
Ihr Ton ist sehr sanft, so daß sie hauptsäch- 
lich in geschlossenen Räumen verwendet wird. 
Vom Sarala-van9! unterscheidet sie sich durch 
die geringere Länge des Kopfstücks und durch 
dessen schnUbelartige Form. 



A LG U E ITA — ALTB AL AL AI K A 



Algueita s. Algaita. 

Ali, armen. , Saite'. 

Aliquodium, ein gegen 1873 von Heidegger 
in Passau nach den Entdeckungen des Prof. 
A. Schmid in England gebauter Resonanztisch 
für die Elegiezither, mit drei Böden statt 
zwei und 24 chromatisch gestimmten, sym- 
pathetisch mitschwingenden Saiten in einer 
Hohlkehle. 

Schelle 79. 

Aliquotflügel, eine von Blüthner in Leip- 
zig gebaute Spezialität mit doppeltem Bezug ; 
über den anzuschlagendenSaiten liegen andere, 
in der höheren Oktave — beim Diskant im 
Einklang — gestimmte, die nicht berührt 
werden, aber sympathetisch mitschwingen. 

Ähnliche Instrumente haben Bösendörfer 
in Wien (1875), O. Lemcke in Schkeuditz 
(187Q) u. a. erdacht. 

Aliquotsaiten s. Resonanzsaiten. 

Aliquot-Streichflöte, eine modernisierte Na- 
gelgeige V. Ph. J. Brambach in Marburg (1888), 
DRP. Nr. 45536. Die Tasten — in einem Um- 
fang von c' — a'" — heben mittels eines 
Zwischcnhcbels gebogene Eisendrähte, die mit 
einem Steg federnd verbunden sind, in eine 
Öffnung des Deckels, wo diese mit einem ge- 
wöhnlichen Violinbogen angestrichen werden. 
Der Ton ist kräftig und flötenähnhch. Breite 
46, Tiefe 35, Höhe 8,5 cm. 

Heyer Nr. 366. 

Aliqvot-Strängar, schwed. .Resonanzsaiten'. 
Alligator s. Ta' khe. 
Allonge, frz. , Setzstück'. 
Älltartök, ung. , Kinnhalter'. 
Allwedd, wal. .Taste, Klappe'. 
Allweddgorn, wal. .Klappcnhorn'. 
Allwyddau chwyrnbibau organ, wal. ,OrgeI- 
pedal'. 

Alma, span. .Stimmstock', eigentl. ,, Seele". 
Aloi, frz. , Orgelmetair. 
Alonge, frz. (18. Jh.) .Setzstück'. 
Alpa s. V. a. Arpa. 

Ringhieri, Innoc, Cento giuochi liberali, Bol. 1551, Vin. 1553, 
libro IX giuoco 88. 

Alphorn, ein in den Alpen von Alters her ge- 
bräuchhches, weit hörbares Hirtenhom aus 
Holz oder Rinde, bis zu 4 m lang, in gestreck- 
ter Form, mit abgebogenem Unterstück oder 
in dreifacher Knickung, mit einem nur wenig 
ausladenden Schalltrichter, der oft in einem 
hölzernen Resonanzkästchen steckt. Be- 
merkenswert ist, daß der unregelmäßigen 
Bohrung wegen die Naturtonreihe nicht ganz 
der Norm entspricht ; die Quart ist stets etwas 
zu hoch (,Alphorn-Fa'), weswegen die Küh- 
reihen stets mit erhöhtem /" gesungen 
werden. 



Das Instrument ist in seiner Eigenart schon 
früh geschätzt worden; 1563 nimmt der Prinz 
Leonor von Orleans einen Schwyzer Alphom- 
bläser in Dienst [J. Jeanjaquet, Prince fran9ais 
amateur de cor des Alpes au XVIe 
sidcle, Schweiz. Arch. f. Volkskunde 
VII 65]. Beispiele neuerer Verwen- 
dung oder Nachahmung im Orchester 
sind bekannt, so Rossiiü, Guilleaume 
Teil, I . Akt, und Meyerbeer, Appen- 
zeller Kuhreigen. Auch die Holz- 
trompete der fröhlichen Hirtenweise 
im 3. Akt Tristan gehört bis zu 
einem gewissen Grade hierher. 

In der Frage nach Alter und Her- 
kunft des Alphorns hat man Zweifel 
geäußert, ob unter den Cornua alpina 
der südlichen Berggermanen, von 
denen Tacitus berichtet, und andern, 
im frühen Mittelalter erwähnten In- 
strumenten schon das heutige Alp- 
horn zu verstehen sei. Buhle möchte 
es erst von dem großen metallenen 
Heerhorn ableiten. Man muß jedoch 
in Betracht ziehen, daß das hölzerne 
oder rindene Hirtenhorn keineswegs 
nur in den deutschen Alpen vor- 
kommt. Ganz ähnliche Typen be- 
gegnen uns im skandinavischen Lur, 
im estnischen Luik, in der polnischen 
Ligawka und im rumänischen Bu- 
cium ; CS scheint sich hier um ein 
uraltes indogermanisches Gemeingut 
zu handeln, als dessen ursprünglichste 
Vertreter wir vielleicht die nord- 
hindostanischen Hirtenhörner aus 
Lilium giganteum und die mit Lin- 
denblättem umwickelten Holzhömer 
des oberen Amurgebietes anzusehen 
haben. Entsprechende Instrumente 
findet man übrigens auch zahlreich 
bei den südamerikanischen Indianern, alphorn 

Alpicordo s. v. a. Arpicordo. 
Ringhieri, Innoc, Cento giuochi liberali, Bol. 155t, Vin. 1553, 
libro IX giuoco 88. 

Alpine Hörn, engl. , Alphorn'. 

Alqa, grus. .Saite'. 

Alt nennt man im allgemeinen ein Instru- 
ment, das die höhere Mittellage beherrscht. 
Bei den Kesselmundstückinstrumenten hat 
man als Alte diejenigen anzusprechen, deren 
zweiter Partialton es oder / ist. 

Vgl. Toolagenbezeichnung. — Hogl., fr-, it., sp.. port., ung. 
ALTO, dän., schw., ndl., rät., mm., ^., poln-, russ., bulg. ALT, 
lett. ALTS. finn. ALLTTI. estn. ALTU. 

Alt, ndl. .Bratsche'. 
Altambor s. Tambor. 
Altar Organ, engl. .Echowerk'. 
Altbalalaika s. Balatajka. 



\ 



ALTBASSANELLO-ALTKLARINETTE 




Altbassanello, Tenorbassanello, Länge 
ca. HO cm. 

Umfang: 
Praetotius 27 (24). P'- XU- 

Altbomhart, ein Bomhart mit 6mer Klappe 
und dem Um- 
fang: 

Gleichzeitig mit der Umbildung der Schalmei 
in die Oboe wrd am Ende 17. Jhs. der Alt- 
bomhart zur Altoboe weitergebildet und m die 
F-Stimmung gebracht. 

It. BOMBARDINO. 

Altcomamuse, imi jfa I 

Umfang: | |K J^- ' *' 1 * 

Altdomrä, eine Domra mittlerer Größe, die 
eigenthche Domra, mit der Stimmung 




Altfagott = Kleines Fagott. 

Altfiol, schwed. .Bratsche'. 

Altflöte. I. Der Alt der Blockflöte. 
Das 16. und das 18. Jh. nannten so 
die Flöte mit dem Umfange'— c', das 
17 Jh. dagegen die gegen V2 m lange 
Flöte mit dem Umfang g'— f , die 
jene als Diskantflöte bezeichneten. 

_ 2 Der Alt der Querflöte, im 
16 und Anf. 17. Jh- mit dem Umfang 




Vgl über die falschen Angaben Agri- 
colas unter Baßflöte. Seit Mersennes 
Zeiten versteht man darunter die Quer- 
flöte in g. Nachdem schon am Anfang 
des 19. Jhs. die Instrumentenbauer 
den Umfang der gewöhnlichen Flöte 
bis zu g herabgeführt hatten, ohne 
rechten Erfolg freilich, weil die vielen 
offenen Klappen und die verlängerte 
Röhre Ton und Handhabung ver- 
schlechterten, wurde die erste brauch- 
bare moderne Altflöte gegen 18 50 von 
Theob. Boehm im Anschluß an seine ai.j- 
Reform des Flötenbaus konstruiert, flöte 
Ein Exemplar seiner eigenen Faktur ^R^^^^^ 
scheint sich indessen nicht erhalten j^ 
zu haben. Mit Bochms zyUndrischer London 
Bohrung stellten zuerst Rudall. 
Carte & Co. in London (1851) Altflöten her, 
dann Evette & Schaeffcr in Paris, C. W.Montz 
(1804) und E. Rittershausen in Berhn, J. Mol- 
lenhauer & Söhne in Fulda und O. Mönmg in 



Leipzig. ,Die Ansprache', schreibt Strauß in 
seiner Neubearbeitung der Berhozschen In- 
strumentationslehre, S. 258, ,ist leichter und 
sicherer, die Modulationsfähigkeit großer als 
auf der gewöhnüchen großen Flöte und die 
Töne kann man zu überraschender Starke an- 
schwellen'. Trotzdem hat sich das Instru- 
ment erst wenig einführen können ; von 
allen Konserx-atorien ist wohl die Kgl. Musik- 
schule in Würzburg die einzige, die das Spiel 
auf der Altflöte pflegt; Weingartner hat 
sie in den ,Gefilden der Seügen' vorge- 
schrieben. 

Altgambe s. Altviola da gamba. 
Altgeige, 1. gelegenthcher Name der Brat- 
sche; 2. im besondern Ritter's Viola alta. 

Althorn.ein in den 1820er Jah-^-=—=p 
ren in Osterreich entstandenes^ r 
Ventil-Signalhorn in tief £s oder \ / 
F, früher auch in D, das fast \ 
stets enger mensuriert als Flügel- 
und Tenorhorn und daher weniger 
weich und kräftig im Ton ist. 
Die Röhre wrd trompeten-, heli- 
kon- oder tubaförmig gewunden. 

/ ^ I —^ — — 

Umfang 



Notierung: 



1838 ist das Instrument — zu- 
erst in je einem Exemplar bei 
den Jägern — in die preußische 
Armeemusik eingeführt worden. 
Anzumerken ist, daß das bay- 
rische Althom in tief C oder B 
eigentUdti ein jrenojhorn_is_^nd_so genannt 

werden sollte. alt-hoorn, fr. bügle 

Engl., dän., schw. ALTHOR.N, ""'■'*'-'/ ^'„p. 
ALTO. it. FLICORNO CONTRALTO. I^r.^SAXTROM^^^^ 
ALTGORN i. ALTOVKA.ung.ALTO-SZARNVKLKl. vgl. 
AUhornObü^at. AUkomett. Baryton Aig., Cor-al.o, G«a,s. 
Könighoro, Kontrahom. 

Althorn-Obligat, ein elliptisch, in parallelen 
Führungen oder in Helikonform gewundenes 
weichklingendes Solo-AUhorn in Es, t, O 
oder B, mit 
dem Umfang 





ALTHORN 

vonGuichard 

in Paris 

1839 




von V F. Cerven^ in Königgrätz (1859). Die 
russische Armee hat das Instrument einge- 

" Altklarinette, Barytonklarinette. eine 
Klarinette in. tief F oder Es; im Sinfonie- 
orchester ungebräuchlich. 



ALTKORNETT — ALTPOSAUNE 



Umfang: / — 



Notierung; 




Der Ton ist nicht so üppig wie der der höheren 
Klarinetten, aber edler; vom Bassetthorn- 
klang unterscheidet er sich durch größere 
Kraft und Fülle. Das Unterstück ist meist 
aufwärts gebogen, der Schnabel dem Spieler 
zugeneigt, um die Handhabung zu erleichtem, 
und das Schallstück häufig aus Metall. Die 
Länge pflegt 75 — 90 cm zu betragen. Die 
deutsche Altklarinette entstand dadurch, daß 
Grenser in Dresden 1 808 dem Bassetthorn die 
gestreckte Klarinettenform gab und ihm die 
vier Supplementklappen nahm. Es ist jedoch 
möglich, daß in andern Ländern, z. B. den Nie- 
derlanden, bereits vorher eine Altklarinette 
durch die einfache Abstreifung des ziemlich 
illusorischen Liebesfußes der Clarinette 
d'amour gewonnen worden ist. Unsere Mili- 
tärkapellen beginnen gerade jetzt, der Ein- 
führung des Instruments ihr Interesse zuzu- 
wenden. 

Engl. TENOR-CLARINET. 

Altkornett, ein trompeten- oder tubaför- 
miges Ventilkornett in Es oder F, um 1830 
von Wilh. Wieprecht in Berlin angegeben und 
1833 in die preußische Armeemusik eingeführt. 
Praktisch fällt es heute in der Regel mit dem 
Althorn zusammen. 

Die Pariser Sammlung (Nr. 67 1 ) bewahrt ein 
merkwürdiges Exemplar mit 5 Ventilen, von 
denen eins das Instrument um eine Oktave 
nach oben transponiert, also in ein Pikkolo 
verwandelt; tritt dieser Fall ein, so vertiefen 
die übrigen Ventile um einen Ganzton statt eines 
Halbtons, um zwei Ganztöne statt eines usw. 

Alt-Kornophon, in F oder Es ; 



Umfang; 




NoUeniDg; 



Fr. CORNOPHONE ALTO. 

Altkrummhorn, Tenorkrummhorn, 



Umfang: 



Tt"^ 



Altlaute s. Choristlaute. 

Alto, frz., port. , Bratsche'; in entsprechen- 
dem Zusammenhang überhaupt jedes Alt- 
instrument. 

Altobasso, venez. ausgestorbenes Volks- 
instrument, aus vier ellenlangen dünnen, roh 
zusammengeleimten Holzbrettem als Korpus, 
über das ein paar Darmsaiten in wechselnder 
Zahl und Stimmung mit beiderseits angebrach- 
ten Wirbeln gespannt waren. Der Spieler hielt 
das Instrument gewöhnhch im rechten Arm 
und schlug die Saiten mit einem Holzhämmer- 
chen, während die rechte Hand häufig noch 
eine Flöte traktierte. Das Altobasso stellt 
vielleicht eine Rückbildung des Tambourin du 
Bearn dar. 

Altoboe = Englisch Hörn. 

Alto cor s. Cor alto. 

Altophikleide, eine kleine, sehr wenig in Ge- 
brauch gewesene Ophikleide in Es oder F, 
eine Oktave höher als die Kontrabassophi- 
kleide stehend ; 



Umfang: 




Notierung ; 



, Altophikleide' ist im Grunde nur der spätere 
Name des 1817 von Halary in Paris gebauten 
,Quinti-tube'. Die ursprüngliche Anzahl der 
Klappen war nur 9, die endgültige 12. In 
Frankreich sind auch Altophikleiden in A s, al- 
so eigentüchSopranophikleiden gebaut worden. 
Paris Nr. 652, 653. 

Alto -Violoncello [Boccherini, Quint.] = 
Viola pomposa? 

Altovka, Cech. .Althorn'. 

Altöwka, poln. , Bratsche'. 

Altpommer s. Altbomhart. 

Altposaune, eine kleine Posaune in Es oder 
F. Als Zugposaune hat sie den Klang- und 
Notierungsumfang 







als Ventilposaune den 



Umfang: 



Notierung: 



Virdung 15; Agricola 21; Praetorius 27 (24), PI. XIII. 




ALTRACKETT— ALT-VIOLA DA GAMBA 



Die Einführung der Ventiltrompeten hat die 
Altposaune stark in den Hintergrund gedrückt. 
Aus dem Sinfonieorchester ist sie fast gänzlich 
verschwunden. Dagegen hat sie die Militär- 
musik vieler Staaten beibehalten ; in Preußen 
wurde sie allerdings schon 1828 durch das Alt- 
horn ersetzt. 

Altrackett, Tenorrackett, Büchsenhöhe 
2icm, Umfang: 



Praetorius 27 (24), PI. X. 

Alt-Sarrusophon, in Es, 



Umfang; 



Notierung; 





Fr. SARRUSOPHONE ALTO. 

Altsaxhom, Tenorsaxhorn, ein Saxhorn 
in Es oder F ; 
Umfang; 



Notierung; 



Häufig wird indessen — mit Unrecht — das 
eine Quinte höherstehende B- oder C-Instru- 
ment , Altsaxhom' genannt. 

Fr. SAXHORN ALTO. 

Alt-Saxophon, in F und Es; 

Umfang: 



Notierung: 



Form tabakspfeifenähnUch. Das Altsaxophon 
wird wegen der Vorzüge, die seine Klangfarbe 
und sein Umfang bieten, als Soloinstrument 
den andern Gliedern der Famihe vorgezogen. 

Fr, SAXOPHONE ALTO. — Abbildung bei Saxophon. 

Alt-Saxotromba, die allein im Gebrauch ge- 
bliebene Saxotromba; Umfang wie beim Alt- 
saxhom. 

Fr. SAXOTROMBA ALTO. 

Altschalmei = Altborahart. 
Altschryari, Länge ca. 56 cm, 




Umfang ; 



^^ 



Altsordune. 

Umfang: 



^^ 



Praetorius 26 (23). 

Alttanbura, eine Bugarija mit der Stimmung : 



^m 



Alt-Tenor. Im 16. Jh. ist der Gebrauch der 
Instrumente im wesentlichen auf die Aus- 
führung von solchen Musikstücken beschränkt, 
die zunächst oder zum mindesten gleichzeitig 
für Vokalstimmen geschrieben sind. Dem- 
entsprechend werden die Instrumentenfami- 
lien den menschlichen Stimmlagen gemäß ein- 
gerichtet. Da aber in jener Zeit die Vokalalte 
— von Männern falsettiert — nur eine geringe 
Höhe haben, reichen die in Tenorlage ge- 
bauten Instrumente in der Regel auch zum 
Mitspielen der Altpartieen aus. In Anerken- 
nung dieser Tatsache %vird vor dem 17. Jh. auf 
den Bau eigentlicher Altinstrumente ver- 
zichtet; man beschränkt sich auf eine einzige 
Mittelgröße in jeder Familie und nennt sie 
, Alt-Tenor'. 

Alt-Tenor-Bassanello s. Altbassanello. 

Alt-Tenor-Flöte s. Altflöte. 

Alt-Tenor-Krummhorn s. Altkrummhorn. 

Alt-Tenor-Rackett s. Altrackett. 

Alt-Tenor-Sordune s. Altsordune. 

Alt-Tenor-Viola da gamba s. Alt- Viola da 
gamba. 

Alttiviulu, finn. .Bratsche'. 

Alttrompete wurden in der ersten Hälfte 
19. Jhs. bei der Militärmusik gelegentlich die 
Trompeten tieferer Stimmung — von Es ab- 
wärts — genannt. Man begegnet auch der 
Bezeichnung Alttrompete für die Trompeten 
in hoch B oder As, weil diese im Gegensatz zu 
den gleichnamigen tiefen Stimmungen ,Trom- 
ba in B alto' usw. genannt wurden. 

Alttuba, neuere, falsche Bezeichnung der 
W'agnertuba in B. früher auch des Altkornetts. 

Al-tubel = Gangatan. 

Alt-Viola da gamba, eine Gambe mit der 
Stimmung 



^ 



^: 



2zrgl 



oder 



?^ 



^ 



Praetorius 27 (24), PI. XII. 



Praetorius kompliziert die Sachlage etwas. In 
der Umfangstabelle nennt er diese Gambe 
Diskant und bezeichnet als Alt-Tenor die 
nächsttiefere, sagt aber im Text: ,Die Engel- 
länder, wenn sie allcine damit etwas musicircn, 
so machen sie alles bisweilen umb eine Quart, 
bisweilen auch eine Quint tiefer, also, daß sie 
die untersten Saiten im . . . Tenor und Alt 
vors A . . . rechnen und halten : Do sonsten. 



10 



ALTVIOLIN — AMZAD 



wie oben in der Tabell zu ersehen, ein jedere 
(nach dem Cammertori zu rechnen) eine Quint 
tiefer, als nämUch . . . der Tenor und Alt ins 
D . . . gestimmet ist. Und das gibt in diesem 
Stimmwerk viel eine anmutigere, prächtigere 
und herrüchere Harmony, als wenn man im 
rechten Ton bleibet.' NatürUch muß es zu 
Anfang des Zitats statt tiefer ,höher' heißen; 
es handelt sich also bei der abweichenden No- 
tierung in der Tabelle nur um eine begrenzte 
Divergenz, die nicht übergangen, aber für 
die Nomenklatur beiseite gelassen werden 
darf. 

Altviolin, dän. .Bratsche'. 

Altviool, ndl. .Bratsche'. 

Altzink, ein französischer Zink mit dem 
Grundton g. 

Frz. HAUTE-CONTRE DE CORNET-Ä-BOUQUIN. 

Altzither = Elegiezither. 

Aluminophon , ein Aluminiumplattcnspiel 
mit kurzem, glasigen Klang, das bei Sprech- 
maschinenaufnahmen das stark nachhallende 
Xylophon ersetzt. 

Alumized klahwid, estn., Untertasten'. 

Ambira, Zanza von Mozambique. 

Vgl. Mbira. 

Ambitu, viti .Flöte'. 

Arne, frz. .Stimmstock', eigentl. ,, Seele". 

Amerikanische Orgel, ein Harmonium, das 
im wesentlichen die folgenden Abweichungen 
von dem gewöhnlichen T^-p zeigt: die Zungen 
sind bedeutend kleiner und in stärkerem Maße 
gebogen und ergeben daher einen weicheren 
Ton; sie haben mehr Spielraum zum Schwin- 
gen, so daß der Klang gleichmäßiger wrd ; die 
Länge der Windkanäle über den Zungen ent- 
spricht genau der Zungenlänge, richtet sich 
also nicht nach der gewünschten Klangfarbe ; 
vor allem ist das Prinzip der Druckluft durch 
das der Saugluft ersetzt, wodurch der Ton 
milder und orgelmäßiger, freilich aber auch 
weniger biegsam wird. Diesem Übelstand hat 
man dann durch einen tremolierenden Vox- 
humana-Zug und durch einen Knicschweller. 
neuerdings auch durch die Übernahme des 
Expressionszuges vom Druckluftharmonium 
zu begegnen gesucht. Ein Arbeiter bei Alex- 
andre in Paris soll das neue System um 1835 
erfunden haben, wobei nicht verschwiegen 
werden darf, daß Friedr. Buschmann in Ham- 
burg bereits im folgenden Jahre eine Phys- 
harmonika mit Saugluft baute [Z f I. XXX 996]. 
Einige von Alexandre gemachte Versuche be- 
friedigten indessen nicht recht. Später nahm 
jener Arbeiter das System nach Amerika mit. 
von wo es in der Gestalt, die ihm 1856 Estey 
in Brattleboro und 1861 Mason & Hamlin in 
Boston gaben, seinen Siegeslauf durch die Welt 



antrat. Die 1889 von dem Schweden K. Th. 
Mannborg in Borna i. S. gegründete Fabrik, 
jetzt in Leipzig, hat das Saugluftsystem zu- 
erst in Deutschland eingeführt. 

Vgl. Alexandre-Orgel. 

Amg'ad, tamäheq (Tuarek) ,Geige' ; kein 
plur. 

S. Cid kaooi, Dict. {ran(.-tamaheq, Alg. 1894, p. 885. 

Amma-no-fuye, jap. , Doppelpfeife' aus zwei 
der Länge nach zusammengeklebten 14 — 21I/2 
cm langen Bambusröhrchen mit Kemspalte. 
Das Instrument ist das Attribut der blinden 
Masseure, die sich auf der Straße durch ein 
Signal aus zwei langgezogenen Tönen bemerk- 
bar machen. 

Amorosa s. Dolzflöte (Orgelstimme). 

Amorschall, erf. um 1760 v. dem kaiserl. 
russischen Hofmusikus Kölbel in St. Peters- 
burg, ein verbessertes Waldhorn mit Klappen 
und einem halbkugeligen Schallstück, auf das 
ein ebenfalls halbkugelförmiger, durchlöcher- 
ter Deckel behufs Vertiefung der Stimmung 
gesetzt werden konnte. [Hiller'sWöch. Nachr. 
1770 p.217; Gerber A.. L. I 742]. Kölbel selbst 
hatte mit seinem Instrument keinen rechten 
Erfolg ; doch feierte der Amorschall Anf. 19. 
Jhs. in den Klappen-Signalhörnern seine Auf- 
erstehung. Der seltsame Name, den dieser 
erste Versuch erhielt, geht wohl auf die ge- 
deckte Form des Schallstücks zurück, die bei 
den Holzblasinstrumenten D'amore-Fuß ge- 
nannt wird. 

Amourflöte s. .«4 -Flöte. 

Amphichord s. Lyra barberina. 

Amp6nga, madag. .Trommel'. 

Ampongab^, eine in der Machart der Lango- 
rony entsprechende madagaskische Rückbil- 
dung der europäischen Großen Trommel. 

Revue musicale VT 1906, p. 450 (Sichel). 

Ampongakely, madag. .kleine Trommel'. 

Ampongalava, Trommel der madagaskischen 
Sakalava mit einem langgezogenen Kessel, der 
beim Spielen in einen als Resonator dienenden 
Tontopf mit Hilfe der Knie mehr oder weniger 
tief gesenkt wird. 

Revue musicale VI 1906, p. 450 (Sichel). 

Ampongavilany, madagaskische Kessel- 
trommel mit Tonkorpus und einem Rinder- 
fell, das mit unten sich kreuzenden Riemen 
gespannt ist. Handperkussion. 

Revue musicale VI 1906, p. 450 (Sichel). 

Amrita, hind. sehr altes Streichinstrument 
vom Rebäbtypus. 

Tagore 2. 

A'müd, J'k^, arab. ,Hals' (Kemänge), 
eigentl. Säule. 

Amzad, Musikbogen der Tuarek (N. W. Afr.) 
mit einer Resonanzkalebasse, durch deren 



II 



ANACARIA— ANGKLUNG 



Ziegenfelldecke der Stock gesteckt ist; als 
Saite dient eine Strähne Pferdehaare. Ge- 
legenthch wird das Instrument gestrichen. 

Jean, Les Touareg, Paris 1909, p. 211. 

Anacaria, spätlat. , Pauke', v. nacaria. 
Änaddha-yantra, beng. ,Trommeln'. 
Anafil, altspan. .Trompete' vom arab. 
nafir. 

... £ venlao tanendo txompas ^ aüaüles . . .' 

Alfonso el Sabio (2. H. i3. ]hs.). 

Anak s. Krotong. 

Anaka, beng. .Trompete', Trommel mit 
tönernem Kessel. 

Anakreontische Leier s. Lyra anacreontique. 

Ananda-lahari, beng. .Blitz des Vergnügens', 
ein in Hindostan sehr verbreitetes Bettlerzupf- 
instrument aus einer großen, unter dem linken 
Arm gehaltenen, und einer kleinen, mit der 
linken Hand gefaßten Trommel, die auf den 
einander abgewandten Seiten durch je eine 
Membran geschlossen sind, und aus einer von 
Haut zu Haut gespannten Darmsaite, die mit 
einem schmalen Beinplektrum angerissen wird. 
Spannung und Tonhöhe richten sich nach der 
Stimmlage des Sängers, den das Instrument 
begleitet. Die kleinere Trommel fehlt gelegent- 
hch. Höhe der größeren 20 — 23 cm, der klei- 
neren ca. 5V2 cm- 

Brüssel Nr. 75; New- York Nr. 187; Paris Nr. 864. — Yantra- 
kosha 63, 

'Anäniz, ;^LL£, plur. v. 'Unnaiz. 

Ananta vigaya, skr. , ungeheurer Sieg' ; ein 
Muschelhorn, das der Sage nach von Yu- 
dhiSthira, dem ältesten Sohn des Pandu, ge- 
braucht worden ist. Das Brüsseler Exemplar 
gibt d'. 

Brüssel Nr. 60; Paris Nr. 916. 

Anblasemechanismus nennt man bei der 
Orgel die Gesamtheit der Bälge, Kanäle, 
Windkästen und Windladen. 

Engl. BLOWING ACTION; dän. VINDVjERK; russ. SISTEMA 
NAKAC'IVANIJA. Vgl. Windbehältnisse, Windwage. 

Anbub s. Abub. 

Anche, frz. .Zunge, Rohrblatt', in der Orgel 
, Kehle', von äy/m, ango, , zusammenschnüren'. 

Anche battante, frz. , aufschlagende Zunge'. 

Anche double, frz. .Doppclrohrblatt'. 

Anche libre, frz. .freischwingende, durch- 
schlagende Zunge". 

Anche simple, frz. .einfaches Rohrblatt*. 

Anches, frz. .Rohrwerke'. 

Ancia, ital. .Rohrblatt', in der Orgel 
.Kehle'. 

Ancia battente, ital. .aufschlagende Zunge'. 

Ancia doppia, ital. .Doppelrohrblatt'. 

Ancia libera, ital. .frcischwingcndc Zunge'. 

Ancia semplice, ital. .einfaches Rohrblatt'. 

Andat, kambog. ,Rohr. Zunge'. 

M. Moura, Voc. camb.-fr;., Parit 1878, p. 34. 



Androide, ein mechanisches Musikwerk von 
Corn. van Oeckelen in Breda (1798 — 1865). 
Andulön, Tierhorn der Karajä. in Brasilien. 

Krause, In den Wildnissen Brasiliens 445. 

Anello, ital. .Ringklappe'. 

Anemocorde, Animocorde, eine von dem 
Württemberger Joh. Jak. Schnell in Paris 1789 
erfundene Aolsharfe mit künsthcher Windzu- 
fuhr und Klaviatur. Das Instrument hatte im 
Umfang von fünf Oktaven dreichörigen Bezug ; 
beim Niederdruck der Tasten wurden die ent- 
sprechenden Saiten durch den Wind, den ihnen 
Röhren von den Blasebälgen her zuführten, in 
Schwingungen versetzt. Der Ton war durch 
Registerzüge dynamisch zu schattieren, bheb 
aber immer sehr zart und verlangte ein lang- 
sames Zeitmaß. 1803 wurde das Instrument 
von einem Engländer angekauft. 

Vgl, AöoClavicorde, Aolsklavier, Piano chanteur. Piano Eolien. 

Anemometer s. Windwage. 
Anemotheka = Windkasten. 
Angangvena, ,, weibliche" Rohr- Querflöte 
vom Finschhafen (Neuguinea). 

Berlin, Ethnol. Mus. VI 10914b. 

Angehe organ, Verrillon von Rieh. Pock- 
rich (1741), aus feststehenden Gläsern, die mit 
dem Finger gestrichen wurden, der Vorgänger 
der Glasharmonika. Pockrich machte mit 
seinem Instrument erfolgreiche Konzertreisen 
durch England und Irland. 

Angelica, Angelique.eine kleine Laute des 
17. und 18. Jhs. mit diatonisch gestimmten 
einfachen Darmsaiten, die daher leichter 
spielbar war als die gewöhnliche Laute und 
von den Dilettanten vielfach bevorzugt 
wurde. Sie hatte die Form einer Theorbe von 
etwa 1,30 m Gesamt- und 36 cm Korpuslänge 
mit 17 Saiten an zwei Wirbelkästen. 

Stimmung: 



m 



f^ 



3 



^^^^^^ 



Brüssel Nr. 1578. — M. H. Fuhrmann, Musikalischer Trichter, 
Franckfurt a. d, Spree 1706, p. 91. — Matthcson, Orch. I 277. 

Die gelegentliche Zurückführung der Ange- 
lica auf den Orgelbauer Ratz in Mühlhausen 
beruht auf der Verwechslung des so genannten 
Lauteninstruments mit der gleichnamigen 
Orgelstimme; s. Vo.x angelica. Sie scheint eher 
englischen Ursprungs zu sein. 

Nach Mcrscnnc 1. III p. 21 hieß im 17. Jh. 
auch ein Drchklavier Angelica. 

Ang^lophone, einer der frühen französischen 
Namen des Harmoniums. 

Angklung, jav. Rasselinstrument in vielen 
Größen. Zwei oder drei in Oktaven abge- 
stimmte Bambusabschnitte, an deren Ober- 
enden die eine Wandhälfte abgetragen ist. sind 



12 



ANGLIJSKIJ ROZOK— ANKARANA 



innerhalb eines Bambusgitters derart in 
Zapfen beweglich eingehängt, daß sie beim 
Schütteln tönend an diese schlagen. Das In- 
strument ist namentlich bei den westjava- 
nischen Bergbewohnern zu Haus. Man kann 
dort Trupps von vierzig bis fünfzig Männern, 
einen jeden mit einem federgeschmückten 
Angklung in der Hand, wilde, groteske Tänze 
aufführen sehen. 

S. M. Tagore, Hindu Music, Calcutta 1882, p. 298. — Raffles, 
Descr. g^ogr. p. 280. — Crawfurd, Hist. I 334. 




ANGKLUNG (im Besitz des Verfassers) 



Anglijskij rozok, AHrjiiöCKiö pojKOKt, russ. 
.Englisches Hörn'. 

Angoii, eiserne Hundeglocke der Faö, 
Jaunde usw. (Frz. Kongo und S. Kamerun). 

Largeau, Encyclop. pahouine 622. 



Angra okwena [ ?] , Wambi der Waganda 
(Brit. Ostafrika) [??], aus einem festen Holz- 
korpus in Form eines Thronsessels mit hoher 
Rückenlehne, 5 von der Boden-(Rücken-)seite 
ausgehenden Ruten und 5 an ihnen befestigten 
Fasersaiten. Die Decke ist mit Bast oder 
Fasern aufgebunden. 

New- York Nr. 540. 

Angremut ( ? wohl Garamut) ein primitives 
Xylophon von Neupommem. Das Florentiner 
Exemplar besteht aus zwei Stücken ausge- 
glühten Holzes, 71 und 7 5 cm lang, 7 und 1 1 cm 
breit, 3,5 und 4,5 cm dick; die zugehörigen 
Holzklöppel sind 24 cm lang, 2,3 und 2,8 cm 
dick. Das Angremut ist ausschließhch den 
Männern vorbehalten ; die Frauen dürfen es 
nicht einmal sehen. Die beiden Hölzer werden 
zum Spielen — des Nachts — über die Knie oder 
eine längliche, beiderseits spitz zulaufende 
Grube gelegt, die als Resonanzboden dient und 
aleanc, ,vulva', genannt wird. Das Floren- 
tiner Paar ergibt eine zu große Terz e-gis. 

Kraus, Di aicuni strumeati 36 £f. 

Angrim-tantsha, birm. ,sanftklingende In- 
strumente'. 

Angulistata, hind. .Zupfinstrumente'. 

Angulisthan, hind. ,Griffbrett', v. 3TT^1' 
ungli, .Finger'. 

Angun, Rohr-Nasenflöte von Truk, Zentr.- 
Karolincn. 

Berlin, Völkerk. Mus. VI 26791- 

Angusta s. v. a. Dolzflöte 2. 

Anhängekoppel, eine Pedalkoppel, die beim 
Niederdrücken der Pedaltasten die entspre- 
chenden Tasten des angekoppelten Manuals 
niederzieht, also nicht unmittelbar auf die 
betreffenden ManualkanzcUen wirkt. 

Anhängeplatte, Anhängestock, heißt beim 
Klavier die Platte, auf der die Stifte mit den 
hinteren Saitenenden stehen, erf. 1821 von 
S. Hervc. 

Dan. ANHANGSPL.\DE. 

Anhängestifte, Einhängestifte, heißen 
beim Klavier die Mctallstifte, an denen die 
Hinter- oder Unterenden der Saiten befestigt 
sind, sei es, daß diese mittels einer Schleife an- 
gehängt sind oder daß die Saite um den 
Stift herum wieder zum Stimmstock zurück- 
geführt wird. 

Engl. HITCH-PIN, fr. POINTE D'ACCROCHE. 

Anhängestock = Anhängeplatte. 
Anillo, span. , Ringklappe'. 
Anima, ital. eigentl. Seele, i. ,Stimmstock' 
(Streichinstrument), 2. ,Kem' (Labialpfeifen). 
Animocorde s. Anemocorde. 
Anjomära, madag. , Schalmei'. 
Anjomary varähina, madag. .Trompete'. 
Ankärana = Antsiva. 



13 



ANKLANG-AOLINE 



Anklang s. Angklung. 

Anköra = Antsiva. 

Anlung, kambog. .Klöppel, Schlägel'. 

Annafil s. Anafil. 

Anneau, frz. , Ringklappe'. 

Annullatore, ital. , Nullknopf'. 

Anses, frz. , Glockenkrone'. 

Ansetzkanzellen s. Blindlade. 

Anthropoglossa = Vox humana. 

Anti-concussion bellows, engl. , Ausglei- 
chungsbalg'. 

Anti-concussion valve, engl. .Ausgleichungs- 
ventil'. 

Antilopenhorn, i. ostafrikan. Signalinstru- 
ment mit seitlichem Mundloch, das nahe 
der Spitze entweder auf der konvexen oder auf 
der konkaven Seite angebracht ist ; manchmal 
wird auch die Spitze abgetragen. Die Größe 
schwankt zwischen 20 und 90 cm ; die Hörner 
des Kudu ergeben die längsten Instrumente. 
In Uganda wird das Antilopenhorn blank po- 
liert, im Sudan mit buntgefärbtem Leder über- 
zogen und mit Lederfransen behängt, in Us- 
soga mit langhaarigem Fell verziert. [Anker- 
mann 40 ff]. Am Kongo erhalten die Antilo- 
penhörner häufig ein mit Harz angeklebtes 
Schallstück aus Holz [Ann. du Musee du Con- 
go I 92]. Im Gegensatz zum Elefantenstoß- 
zahn geht beim Antilopenhorn die Höhlung 
bis nahe an die Spitze heran ; diese Eigenschaft, 
in Verbindung mit dem geringen Gewicht und 
dem niederen Wert, erklärt seine Beliebtheit 
und Verbreitung. 

Vgl. Barugiimu. Gafa, Ges, Ikondi, Mangval. 

— 2. Beim preuß. Garde-JägerbataUlon ein- 
geführtes, auch in der Berhner Oper im Rienzi 
verwendetes Signalhorn in C, aus einem meter- 
langen Antilopenhorn mit Kornettmundstück, 
das dem gewöhnlichen Signalhorn an Trag- 
fähigkeit überlegen ist. Es wurde 1896 vom 
Kammermusiker Hermann Schulz in Berlin 
erdacht und von C. W. Moritz hergestellt. 

Antiphonel, ein von A. F. Debain in Paris 
1846 erfundener mechanischer Spielapparat, 
der auf jedes Harmonium und jede Pfeifen- 
orgel aufgesetzt werden konnte. Der Apparat 
bestand aus einem länglichen Kasten mit Me- 
talldeckel, durch dessen Löcher den Tasten 
entsprechende Stahldrücker gingen. Die Mu- 
sikstücke hatten ein jedes seine eigene, auf den 
Deckel zu legende Holzplatte mit besonders 
angeordneten Eisenspitzen, die auf die Drücker 
und damit auf die Tasten wirkten, wenn man 
die Platte mittels eines Druckhcbels oder einer 
Kurbel über den Deckel schob. 

L'Antiphoriel Debain, Paris 1873. 

Antoniophone, ein von Antoine Courtois er- 
fundenes Bombardon in Schncckcnform ; die 



drei Ventile sitzen in der Mitte der Windungen ; 
das abnehmbare SchaUstück kann nach oben 
und nach unten gerichtet werden. 

Ex. im Besitz von Besson & Cie, Paris. — Vgl. Cornet-Trompe. 

Antsiva, madag. Muscheltrompete, die im 
Gefolge des Königs geblasen wurde. 

New- York Nr. 516. 

Antsiva - varähina , madag. ,Trompete', 
eigentl. ,, Kupfer-Muscheltrompete". 

Antsody, Antsoly = Sodina (Ostküste). 

Anzan s. Menzari. 

Anzel, kleine Eisenglocke der Faii (Frz. 
Kongo). 

Largeau, Encydop^die pahouine 622. 

JEolsL, eine vonC. Wheatstone &Co. in Lon- 
don gebaute verbesserte Konzertina in acht- 
eckiger Form, die namentlich zur Ausführung 
der Sololiteratur für Violine, Flöte usw. be- 
stimmt ist. Die Firma baut drei Größen: 



Treble: 



Tenor -Treble: 



Baritone : 



/Eolian harp, engl. ,Aolsharfe'. 
i£olian lyre, engl. .Äolsharfe'. 

Matth. Young, An inquiry into the princ. phxnomena of sounds 
and musicil striogs, Dublin 1784. 

/EolianPianoforte.engl..Hannoniumklavier'. 

iEolina. engl, (veraltet) .Mundharmonika'. 

Äoline, I. ein harmoniumartiges Tasten- 
instrument, dessen Tonerreger freie, durch den 
Wind eines vom Knie bedienten Blasebalges 
in Schwingungen versetzte Metallzungen sind. 
Bei einem Umfang von 6 Oktaven vermochte 
das Instrument in der Höhe flöten- und kla- 
rinettenartige, in der Mittellage hom- und in 
der Tiefe kontrafagottähnliche Töne hervor- 
zubringen. Ein gleichfalls vom Knie bedienter 
Schwellhebel gestattete, alle Stärkegrade von 
pp zu // herzustellen. 

Der Klang der Aoline war außerordentlich 
rein und ätherisch, also für romantische 
Geister- und Sphärenmusiken sehr geeignet. 
Indessen blieb der langsamen Ansprache we- 
gen jedes raschere Zeitmaß so gut wie ausge- 
schlossen, und dieser Umstand wie die Eigen- 
art ihres Tones ließen den Zuhörer bald er- 
müden ; dazu trug auch noch das Besondere 
bei, daß kein Ton gleichmäßig ausgehalten 
werden konnte, sondern nur in allmählichem 
Cresendo und Pecrescendo ansprach. 




14 



ÄOLINENBASS— ÄOLOMELODIKON 



Der eigentliche Erfinder der Äoline, der sich 
stets bescheiden im Hintergrund Melt, war der 
k. bayr. Rentamtmann Eschenbach zu Kö- 
nigshofen im Grabfelde (gegen 1820). Voit in 
Schweinfurt, Schortmann in Buttelstedt, Carl 
Schmidt in Preßburg und Seb. Müller in Augs- 
burg bauten in den 20 er, 30 er und 40 er Jahren 
die Erfindung weiter aus. In Schweinfurt 
wurde das Instrument um 1820 in der Kirche 
zur Begleitung des Gesangs am Altar ver- 
wendet. 1841 verband der Instrumenten- 
macher Bollermann in Dresden die Äoüne mit 
dem Pianoforte und erhielt für diese Kom- 
bination vom sächsischen Ministerium des 
Innern eine Prämie von 100 Talern. Alle diese 
Nachahmungen und Verbesserungen vermie- 
den übrigens den ursprüngüchen Namen Äo- 
line und gingen statt dessen meist unter einer 
der Bezeichnungen Äolodikon oder Phys- 
harmonika. 

— 2. Das zarteste, im 19. Jh. erfundene und 
außerordentlich häufig verwendete Streich- 
register der Orgel, in der Regel aus Zinn, in 
den unteren Tönen aber neuerdings auch aus 
Holz. Es wird als Labial- oder als durchschla- 
gende Zungenstimme gebaut ; in diesem Falle 
zu 8' ohne Aufsätze, zu 16' mit ganz kleinen 
Zinnaufsätzen. 

— 3. Im Harmonium ist ÄoUne meist ein 
sehr zartes Ganzspiel zu 8' oder 16'. 

Engl. ÄOLENE, fr. EOLINE. — Vgl. Aolsharmonika. 

Aolinenbaß, eine Aoline 16' im Pedal. 

Äolodikon wurden dieNachahmungen und 
Verbesserungen der ÄoUne genannt. Davon 
seien erwähnt: 

1. das Instrument von Voit in Schweinfurt 
(gegen 1820), dem Eschenbach seine Erfindung 
mitgeteilt hatte. Voit hat das Verdienst, durch 
Reisen, u. a. nach Frankfurt a. M., den Ge- 
danken der Zungenorgel propagiert zu haben. 

2. Das Instrument von van Raay in Am- 
sterdam, auf dem 1825 die deutsche Sängerin 
Dem. Langer in einem Konzert ein Potpourri 
spielte und dem ein gutes Crescendo und De- 
crescendo nachgerühmt wurde. 

3. Das Instrument von Friedr. Sturm in 
Suhl, von dem sich ein um 1835 gebautes 
Exemplar im Heyer'schen Museum (Nr. 321) 
erhalten hat. Das harmoniumförmige, reich 
und geschmackvoll geschmückte Stück ent- 
hält ,, bereits zwei Reihen Zungenstimmen, 
deren Klangfarbe allerdings noch keine Ver- 
schiedenheit aufweist: außer der gewöhn- 
lichen Zungenreihe im 8 '-Ton ist für die Tasten 
der Mittellage {g — c') eine zweite Reihe Zun- 
gen im 4'-Ton vorhanden, die mittels eines 
aufwärts bewegbaren Kniedrückers einge- 
schaltet werden kann ; ein zweiter zur rechten 



Seite angebrachter Kniedrücker ermöghcht 
durch Auflegen einer Dämpferklappe auf die 
Zungenstimmen eine Pianowirkung. Die Zun- 
gen, die in einer Höhe von 10 cm über dem 
Tastenniveau hinter der Klaviatur liegen, sind 
in origineller und abweichender Weise nicht an 
Platten, sondern an Messingpflöckchen be- 
festigt, die ähnlich den Pfannen der Zungen- 
pfeifen der Orgel konstruiert sind. Das noch 
ziemüch unvollkommene Gebläse besteht aus 
zwei Faltenbälgen und wird durch Pedaltritte 
in Bewegung gesetzt. — Umfang der Kla- 
viatur: Fl — /* (6 Oktaven)". 

Sturms Äolodikon ist angeblich von der 
Äohne unabhängig. Sturm will selbständig 
auf die Idee der Zungenorgel gekommen sein, 
als er 1823 in Würzburg einen Maultrommel- 
virtuosen hörte. Nach vielen Versuchen habe 
er 1824 sein erstes Instrument hergestellt. 
Durch anderweitige geschäfthche Verpfhch- 
tungen zur Unterbrechung der Arbeit ge- 
zwungen, konnte er erst 1827 wieder an seine 
Erfindung herantreten. Der Oktober 1828 
führte ihn nach Erfurt und zu Zelter nach 
Berlin. Hier hatte er außerordentlichen Er- 
folg. Spontini, Seidel, Schneider und Moser 
stellten ihm ein rühmendes Attest aus ; Kömers 
Vater Christian Gottfried erwarb das Instru- 
ment für 200 Taler und ließ es dem Kultus- 
ministerium vorführen ; doch lehnte Sturm 
einen Auftrag der Regierung auf Lieferung 
von hundert Instrumenten für kleine Kirchen 
ab, weil ihm der Preis von je 100 Talern zu 
niedrig schien. Er kehrte nach zweimonatigem 
Aufenthalt heim, machte aber 1830 auf Meth- 
fessels Anraten eine auch pekuniär sehr erfolg- 
reiche Reise nach Hamburg. 

Kintky I 368. — W. LUckhoS, Ober die Entstehung der Instru- 
mente mit durchschlagenden Zungen. Z. f. 1. XXII 31. 
Vgl. Aolsharmonika, Klaväoline. 

— In der Orgel ist Äolodikon eine mit der 
Äoline nahe verwandte, im 19. Jh. erfundene 
16' Zungenstimme. 

Riga, Domcrgel (Walcker). — Locher 2. 

Äolodion, ein angeblich in Schweinfurt er- 
fundenes, von Ickler in Bremen in Größe einer 
Orgel und auch von Tappe in Verden gebautes 
Instrument, ist sicher mit dem Äolodikon 
identisch. Die Quelle für dieses Instrument, 
ein Bremer Musikbrief vom Februar 1826 
(AMZ XXVIII 430), gibt über die Beschaffen- 
heit des Instruments nichts weiter an, als daß 
es der Physharmonika ,,ganz ähnlich" sei. 

Äolomelodikon .Choraleon, eine vomKon- 
servator Brunner in Warschau gegen 18 19 er- 
fundene kleine Orgel mit metallenen — aber 
nicht zinnernen — Pfeifen, von denen blecherne 
Sprachrohre zum Hörergingen ; der Ton konnte 



15 



ÄOLOPANTALON- ÄOLSHARFE 



durch stärkere Bewegung des Blasebalgs zu 
außerordentlicher Kraft gesteigert werden, so- 
daß er imstande war, sich gegenüber einem 
Ensemble von 60 Instrumenten, ebensoviel 
Sängern und einer kleinen Orgel zu behaupten. 
Mit dem Stärkegrad änderte sich bei lebhaf- 
terer Windzufuhr auch die Klangfarbe; sie 
gUch im pp der des Melodikons, wurde all- 
mähhch klarinetten-, hom- und schließlich 
trompeten- und posaunenartig. Neben dieser 
Fähigkeit crescendo und decrescendo zu spie- 
len, zeichnete das Äolomelodikon sein verhält- 
nismäßig kleines Format aus. 

Vgl AolopaDtaloD. 

Äolopantalon, die von dem Tischlermeister 
Dlugosz in Warschau gegen 1825 vorgenom- 
mene Verbindung des Äolomelodikons mit 
einem Hammerklavier, derart, daß beide nach 
Belieben kombiniert werden konnten. Ver- 
breitung hat das Instrument nicht gefunden; 
es gewinnt indessen dadurch an Interesse, daß 
der junge Chopin Meister auf ihm war und es 
in öffenthchen Konzerten mit großem Erfolge 
spielte. 

Äolsglocken, d. h. im Freien aufgehängte und 
vom Wind geläutete Glocken kommen u. a. 
in Ostasien und in Ostafrika vor. 

Äolsharfe, ein vielbesungenes psalterium- 
artiges Saiteninstrument aus einem Korpus 
von Tarmenholz, Schalllöchern in der Decke 
und beUebig \-ielen an Wirbeln befestigten, 
über zwei Stege laufenden Darmsaiten. Das 
Instrument wird dem Winde derart ausge- 
setzt, daß die Saiten in Schwingung geraten ;ob- 
gleich sie im Einklang — meist in g — gestimmt 
sind, ergibt ihr Zusammenklingen Akkorde, 
weil sie infolge ungleicher Dicke und folglich 
ungleichen Spannungsgrades nicht nur ihren 
Grundton, sondern — bis in die dritte Oktave 
hinauf — Obertöne von märchenhaftem Reiz 
hören lassen. Je stärker der Wind ist, um so 
höhere Obertöne werden erzielt, um so kla- 
gender und fremdartiger aber wird auch der 
Gesang, weil die höheren Partialtöne — wie 
schon der siebente — unserm Tonsystem 
nicht angehören. Bei sehr schwachem, aber 
gleichmäßig anhaltendem Luftzuge werden 
auch Untertönc wahrnehmbar. Die beste Auf- 
stellung der Äolsharfe geschieht innerhalb 
eines halboffenen Fensters, so daß die Saiten 
den Wind schräg von der Seite erhalten ; 
zweckmäßig werden über dem Bezug ein oder 
mehrere Deckel angebracht, die, in geeignetem 
Maße geöffnet, dem Winde die Richtung weisen . 

Schon im Altertum ist die Einwirkung des 
Windes auf Saiteninstrumente bekannt ge- 
wesen. König Davids Kinnor klingt im Nord- 
wind, da er sie des Nachts über sein Bett ge- 



hängt hatte, und ein altes Gedicht der Hindu 
erzählt von der Vina, deren Saiten im Winde 
ertönen. Erzbischof Dunstan von Canterbury 
(10. Jh.) soll wegen Zauberei angeklagt wor- 
den sein, als er Versuche mit der Aolsharfe an- 
stellte, und eben diese Gefahr ließ wohl das 
Instrument im Mittelalter in Vergessenheit ge- 
raten. Im 16. Jh. untersuchte der Neapoli- 
taner Gio. Batt. Porta das Phänomen von 
neuem, und wohl im Anschluß an seine Magia 
naturaUs entwarf Athanasius Kircher gegen 
1650 die erste moderne Äolsharfe mit Fang- 
deckeln. Im Laufe des 17. und 18. Jhs. fand 
sein Modell in Deutschland und England, den 
einzigen Ländern, in de- 
nen das Instrument 
wirküch heimisch ge- 
worden ist, Eingang. 
Gleichzeitig mit den 
ersten Vorläufern der 
literarischen und bildne- 
rischen Romantik setzt 
auch für dieses in her- 
vorragendster Weise ro - 
mantische Instrument 
eine Blütezeit ein. Alle 
Konstruktionen, die von 
da ab bis auf unsere 
Tage vorgenommen wor- 
den sind, zu beschreiben 
oder auch nur aufzu- 
zählen, ist nicht an- 
gängig. Wir beschrän- 
ken uns darauf, die fol- 
genden zu nennen: Will. 
Jones, gegen 1781, für 
die Aufstellung im 
Freien; H. C. Koch in 
Rudolstadt, gegen 1802. 
13 saitig; Frdr. Kauf- 
mann in Dresden, mit 

getrennten Windklappen; Wilh. Mchlhop in 
Hamburg, 1841. mit vollständig eingeschlosse- 
nen Saiten; I. Pleyel in Paris. 1845, dreieckig; 
Rob. Burkhardt und C. Döblcr, um 1860, mit 
gebogenen Windkondukten. 

— In der Orgel ist .\olsharfe s. v. a. Äoline. 

— Im Harmonium eine von Mustel d. Ä. er- 
fundene Solostimme zu 2' im Baß von äußerst 
zartem, tremolierendem Charakter; sie be- 
steht aus zwei Reihen Zungen, von denen eine 
etwas zu hoch, die andere etwas zu tief ge- 
stimmt ist, so daß Schwebungen entstehen. 

Engl. ^OLIAN HARP, ndl. WlN-DHARP.dän. itOLS-HARPE, 
schw. EOLSHARPA. »al. AWYRDELYN, (r.HARPE D'EOLE, 
it. ARPA EOLIA. sp. ARPA EÖLICA, port. HARPA EOLIA, 
rum. AREA EOLIANA, russ.-bulg. EOLOVA AREA. poln. 
HARFA EOLSKA, i-, EOLJ NA, serbo-kr. EOLOVA HARFA, If lt. 
EOLA KOHKLE, fiiu. ILMAKANNEL, ung. SZELHÄRFA. 




.\OLSHARFE 

Mod. V. Kastner u. Frost 

io StraOburg ca. 1850 



16 



AOLSHARMONIKA— APOLLONIKON 



G. C. Lichtenberg, Von der Äolusharfe, Götting. Tascben- 
kalender für 1792. — J. F. v. Dalberg, Die Aolstiarfe, Erfurt 1801. 
— G. Kastner, La Harpe d'Eole, Paris 1856. 
Vgl. Anemocorde, Armonica Meteorologica, Feng Ceng, Yao 
K'in, Yao P' ien. 

Äolsharmonika wird ein Instrument ge- 
nannt, das am 5. Jan. 1828 in Stuttgart in 
einem Konzert der Familie Schulz aus Wien 
gespielt wurde [AMZ XXX 59]. Nach der Be- 
schreibung ist es mit der Äoline identisch. 
Wie aus einem Wiener Musikbrief im 4. Jahr- 
gang der Revue musicale von 1829 hervorgeht, 
ist der Erfinder Reinlein; das Instrument 
selbst wird als „recemment invente" be- 
zeichnet. 

Äolsklavier, ein gegen 1822 von dem Guts- 
besitzer Schortmann in Buttelstedt bei Wei- 
mar erfundenes orgelartiges Tasteninstrument, 
dessen Tonerreger, aufrechtstehende, unten 
befestigte, leicht angekohlte Stäbchen aus 
Holz, durch den Wind eines mit den Füßen 
regierten Blasebalgs in Schwingungen versetzt 
wurden; der Ton war äußerst zart. Der Miü- 
tärmusikdirektor C. Th. Theuss heß zwar 
in thüringischen Konzerten das Äolsklavier 
öfter spielen, doch hat das Instrument einen 
eigentlichen Erfolg nicht gehabt. 

Vgl. Piano Chanteur. 

Äolspfeife, eine vom Wind anzublasende 
Pfeife ; namentlich Südostasien nutzt dieses 
Prinzip aus. 

Vgl. Berbaling, Bulu-Parindu, Cäi sao, Heulpfeile, Ko ling, 
Schwirrkreisel, Ti ko tzö. 

Ao Yü, ein Mu Yü von breiterer Form, 
meist 25 — 30 cm, vorzugsweise von den 
Taoisten benutzt. 

Moule 23. 

Apagador, span. , Dämpfer' (Kla\aer). 
A-pänkal, E-pankal, temnc .Harfe'. 

C. F. Schlenker, Engl.-Temne Dict-, Lond. 1880, p. 183. 

Apartisma chordon, ämgua/ia xogdwv^ ng^. 
, Saitenbezug'. 

Aperta, lat. , Offenflöte'. 

Aperto, ital. ,offen'. 

Apfelregal, Knopfregal, ein altes halb- 
gedacktes Manual-Schnarrwerk zu 8'. Die 
kleinen, dünnen Pfeifen dieser Stimme trugen 
am Oberende einen starken, runden Hohlknopf 
mit vielen kleinen Löchern. 

Praetorius 174 (148). 

Aping, Bambus-Maultrommel der Kajan auf 
Borneo, am einen Ende zugespitzt. Länge 
35 cm. 

New- York Nr. 1652. — Roth, The Natives of Sarawak II, 258. 

Apito, port. .Pfeife'. 

Apkalo, anKano, serbo-kroat. .Klappe'; 
auch epkalo. 

Apollina, ein für die Damenwelt bestimmtes 
Guitarreninstrument in der Form der Apollo- 



Kithara, erfunden und gebaut von dem ehem. 
Prinz Heinrich'schen Kammermusiker Wilh. 
Ferd. Rong in BerUn und von ihm 1802 in der 
Kgl. Akademie der Künste unter Nr. 402 aus- 
gestellt. 

Curt Sachs. Der Berliner Instnimentenbau etc. Zfl XXXII io83. 

ApoUirikon, s. v. a. ApoUonium. 

ApoUoguitarre = Lyraguitarre. 

Apollolyra, ein von Ernst Leop. Schmidt in 
Heiligenstadt im Eichsfeld 1831 erfundenes 
kombiniertes Blasinstrument geheimer Kon- 
struktion mit der Fähigkeit, innerhalb eines 
Umfangs von vier Oktaven den Ton der Vio- 
line, der Klarinette, der Oboe, des Fagotts 
und besonders des Horns nachzuahmen. Das 
Instrument war lyraförmig. i2*/j Zoll hoch, 
hatte 6 Grifflöcher. 42 Klappen und ein Mes- 
singmundstück. Einfache Harmonien konnten 
in mehreren Tonarten geblasen werden. 

Ein Exemplar mit geringen Abweichungen 
besitzt das New- Yorker Museum (Nr. 2120). 
Es ist ein Instrument in Lyraform mit zwei 
Reihen freisch\vingender Zungen; den Wind 
geben Faltenbälge, die im Innern versteckt 
sind und von der linken Hand bedient werden; 
den Zungen entsprechen 46 Druckknöpfe. 
Höhe 2' 8V2". Breite i' 3V2". Dicke 5". M. E. 
gehört dies Instrument weniger mit der 
Schmidt'schen Apollo-Lyra als mit dem Ce- 
cihum zusammen. 

Vgl. Psalmelodikon. 

Apollon, ein 1677 von Prompt in Paris er- 
fundenes Bcgleitungs-Lautcninstrument mit 
20 zu allen Tonarten passend, also wohl dia- 
tonisch gestimmten Saiten. Der Ton wird als 
angenehmer als der der Laute geschildert. 
Darf man hiemach an eine Art Angelica oder 
gar an diese selbst denken? 

Apollonikon, ein Orchestrion größten For- 
mats, 24' hoch, 20' breit. 20' tief, gebaut 
18 12 — 17 von Flight & Robson in London mit 
einem Kostenaufwand von looooa^. Das In- 
strument hatte etwa 1900 Pfeifen mit dem 
Tonumfang Gg — a^ und 46 Register, die in aus- 
gezeichneter Weise alle Blasinstrumente nach- 
ahmten ; dazu kam eine besondere Vorrichtung 
zum Schlagen von Pauken innerhalb des Ge- 
häuses. Dem Handspiel dienten 5 Manuale, 
von denen das mittlere fünf, die vier andern 
je zwei Oktaven umfaßten; zum mittleren ge- 
hörten eine zweioktavige Pedalklaviatur, meh- 
rere Kombinationstritte und ein Crescendozug. 
Schon hier war der Spieltisch losgelöst, so daß 
die fünf Spieler mit dem Gesicht zum Publi- 
kum saßen. Für mechanisches Spiel waren 
drei Walzen da. je 8' lang und 2' dick, jede für 
eine besondere Abteilung des Werks. Sie be- 
dienten nicht nur die Spielventile, sondern 



Sachs 



17 



APOLLONION — ARCIMANDORA 



auch die Register. Um die Ausführung län- 
gerer Stücke zu ermöglichen, waren die Stifte 
auf ihnen nicht in Kreis-, sondern in Spiral- 
linien angeordnet. 

Die Erbauer hatten schon vorher ein klei- 
neres Werk ähnlicher Beschaffenheit für Vis- 
count Kirkwall unter der Assistenz des Orga- 
nisten Purkis verfertigt. Der große Beifall, den 
dies Instrument fand, veranlaßte den Bau des 
Apollonicons. 1817 wurde es zuerst mit der 
mechanischen Vorführung der Titusouverture 
von Mozart und der Anakreonouverture von 
Cherubini öffentlich gezeigt. Um 1840 nahm 
man es als unrentabel auseinander. 

Apollonion, erf. 1800 von Joh. Heinr. Völler 
in Angersbach (Hessen), ein sehr einfach kon- 
struierter Musikautomat von 5' Breite, ^i^j^' 
Tiefe und fast 1 1 ' Höhe, bestehend aus einem 
auch gesondert spiclbaren zweimanuahgen 
Giraffenklavier a 

mitdemUmfang ^/^ 



m 



W^ 



einem Flötenwerk mit 8', 4' und 2' Stimmen 
und endUch einem beweglichen Knaben, der 
aufstand, vortrat, grüßte und zur Begleitung 
des Klaviers mit richtiger Applikatur einige 
neuere Flötenkonzerte zu spielen schien. Das 
Instrument konnte auch mit der Hand ge- 
spielt werden. 18 Hauptveränderungen, die 
für den Flügel unter der Klaviatur, für das 
Flötenwerk bei den Füßen und für den Knaben 
an den Seiten angebracht waren, ergaben eine 
Fülle verschiedener Klangfarben. 

Das Instrument hatte sehr wenig Glück und 
wurde daher von seinem Erfinder bald zer- 
stört. 

Reichsanzeiger 1800 Nr. 94. 

Apollonium, ein Lyraflügel von Franz Weiß, 
im März 1826 für Österreich patentiert. 

AMZ XXVIII 694. 

Appel, frz. , Auslöser'. 

Apunga, Mpungi, angol. ,Elfenbeinhorn'. 

Äqual, v. lat. aequahs, ,gleich', \vird eine 
Orgelstimme im 8'- Ton genannt; z. B. ,Aqual- 
gedackt' = Gedackt 8'. 

Arabebba s. Ajabeba. 

Aräghin, ^-fi',', plur. v. arghun. 

Araine, Areine, altfrz. von airain, ,Erz'. 
ist im Mittelalter der gelegentliche Name für 
metallene Horninstrumcnte. Er kommt zum 
ersten Male im Roman d'AHxandre (cd. Miche- 
lant p. 199, 13) vor, also im i2. Jh. 

Kastner 115. — Levy i. 

Aran, die Holzdeckc am Resonanzkörper 
des Busoi. 



Arba, altspan. s. v. a. arpa, Harfe. 

Berceo, Poema de Alexandre (Anf. 13. Jhs.). 

Arban s. Cornet Arban und Comet-Arban- 
Bouvet. 

Arban-compensateur, ein Kompensations- 
ventil-System von E. Daniel und F. Sudre in 
Paris, 1884, benannt zu Ehren des Kornett- 
virtuosen J.-B. Arban. Schon 1881 ließ sich 
Daniel einen Auszug am 1. Ventil patentieren 
(Pat. Nr. 140868), der bei Kombinierung dieses 
Ventils mit dem 3. allein oder mit beiden an- 
dern mittels einer Kolbenübertragung auto- 
matisch eingeschaltet wurde. Der Empfind- 
lichkeit dieses Mechanismus wegen ersetzte er 
wenige Monate später den Auszug durch eine 
gewöhnliche Zusatzröhre mit Schubventil, das 
ebenfalls automatisch regiert wurde. Aber- 
mals zwei Monate später fällt Ventil und 
Übertragung, und die Röhre 3 wird in die 
Röhre i derart hineingeführt, daß bei der 
Kombination beider Ventile eine Ergänzungs- 
röhre eingeschaltet wird. Schheßlich korri- 
gierte Daniel durch eine weitere Hilfsröhre 
noch die Kombination der Ventile 2 und 3. 
Der große Vorzug des Sj'stems ist die Beibe- 
haltung des gewöhnlichen Fingersatzes, die 
durch das völlig automatische Wirken der 
Komponsationsvorrichtungen ermöglicht wird. 

Pierre, La fact. instr. 142 ff. 

Arbeitsbalg = Schöpfbalg. 

Are, rum. , Bogen'. 

Are sonore, frz. ,Musikbogen'. 

Arched Viall, engl. ,Strcichklavier' (i7.Jh.). 

Galpin 101. — Pepys, Diary 5 oct. 1664. 

Archet, frz. romagn. , Bogen'. Der Name 
findet sich wohl zuerst in den V^ersen Colin 

Muset's: 

..J'alai o li el praelet. 

O tote la viele et l'archet." (12. Jh.) 

Bis dahin ist die Form ar^on gebräuchlich. 

Archet ä cr^maillere, frz. Bogen mit einer 
Zahnstange auf dem Griff zur Herstellung 
der gewünschten Spannung (17. — 18. Jh.). 

Archet ä la Bottesini , frz. .Französischer 
Bogen'. 

Archet ä la Dragonetti, frz. , Deutscher 
Bogen'. 

Archet ä recouvrement nennen die Franzosen 
den von FrQ. Tourtc in der 2. Hälfte i8. Jhs. 
geschaffenen Bogcntypus. bei dem eine Pcrl- 
mutterplattc, der , Schieber', den auf dem 
Frosch aufliegenden Teil des Bezuges bedeckt. 

Archicistre, frz. .Erzcister'. 

Archiluth, frz. .Erzlautc'. 

Archimandora s. Mandolone. 

Archlute, engl. , Erzlaute'. 

Arcicembalo s. Arciorgano. 

Arciliuto, ital. .Erzlaute'. 

Arcimando/a = Mandolone. 



18 



ARCIORGANO — ARMONICA METEOROLOGIC A 



Arciorgano, Arcicembalo, ein von Nie. 
Vicentino gegen 1561 gebautes sechsmanua- 
liges Cembalo mit 31 Stufen in der Oktave, 
das für alle Töne der drei antiken Tonge- 
schlechter, des diatonischen, des chroma- 
tischen und des enharmonischen, besondere 
Saiten und Tasten besaß. Gio. Batt. Doni 
hat das Instrument gegen 1640 vereinfacht, 
vor allem die sechs Manuale auf drei reduziert. 

N. Vicentino, Descrizione dell' Arciorgano, Ven. 1561. 
Vgl. Sambuca lincea, Universalklavizimbel. 

Arciviola di Lira, Arciviolata lira = 
Lirone perfetto. 

Arco, ital. , Bogen'; dim. arconcello. 

Romagn. ARCHET, sard.-siz. ARCU. 

Ardablis, c'^stin, hebr. .Orgel', v. griech. 
vdgaidos. 

Jerusalmi Succa V 6, 

Arebeme = Rebana. 
Areine s. Araine. 

Tomoiem. Anticr. v. 1349. 

Arfa, Ap$a, russ., ruth., poln., slov., serbokr. 
,Harfe'. 

Arghanün, ^^,JX£^, arab. , Sackpfeife', v. 

griech. OQyarov. 
Vgl. Arghun. 

Arghül lij^X eine uralte Doppelschal- 
mei der Fellachen, die sich bereits im 
alten Ägypten nachweisen läßt. Zwei Rohr- 
pfeifen sind der Länge nach fest miteinander 
verbunden ; die rechte, mit 6 Grifflöchern, 
dient zum Spielen der Melodie, die linke, ohne 
Grifflöcher, zur Bordunbeglcitung ; diese Bor- 
dunpfeife kann durch das Aufstecken eines 
oder mehrerer Ansatzrolire verlängert werden. 
Zum Anblasen dient eine einfache Zunge, die 
aus der Pfeife derart herausgeschnitten wird, 
daß sie an der Basis — am oberen Ende! — 
noch festsitzt. Beim Blasen werden beide 
Kopfstücke ganz in den Mund genommen, die 
Zungen aber weder mit den Zähnen noch mit 
den Lippen gefaßt. Ahnlich we beim mo- 
dernen Aerophor dient die Mundhöhle als ein 
Windbehältnis, das der Spieler nach Bedarf 
aufzupumpen versteht, ohne die regelmäßige 
Nasenatmung zu unterbrechen. Der Arghül 
wird in drei Hauptgrößen gebaut. 

Arghül el-asghar, ji*o'bSi J^ij', .kleiner 
Arghül' mit i Ansatzstück ; Gesamtlänge etwa 



Skala: 



=tn 



Der Baßschlüssel vor den Bordunnoten ist bei 
Villoteau 473 wohl nur versehentlich gesetzt. 

Vüloteau 470 ff. 

Arghül el-kebir jaaXJ! i3_)-Cj', großer Arghül' 
mit 3 Ansatzstücken ; Länge der Melodiepfeife 
bis zu 45 cm, der Bordunpfeife ohne Ansatz 



bis zu 5 s cm ; Gesamtlänge mit den Ansätzen 
bis zu 140 cm. Skala verschieden. 

Villoteau 470. 

Arghül el-soghair, jA»*2Ji i3»^;'> ein Arghül 
mittlerer Größe mit zwei Ansatzstücken ; Länge 
der Melodiepfeife 30 — 35 cm, der Bordunpfeife 
ohne Ansätze 32 — 45 cm ; Gesamtlänge mit den 
Ansätzen 60 — 100 cm. Skala verschieden. 

Arghun, ^;j=;', arab. , Orgel', .Sackpfeife'. 

Vgl. ArgbanOn. 

Ari, logbwari .Trommel'. 

Johnston, The L'ganda Protectoratc II 938. 

Arigot, prov. .Pfeifeninstrument'. 

Armadura de hierro, span. , Eisenrahmen'. 

Armandine, eine Psalteriumharfe mit Darm- 
saiten, von 
Pascal - Jos. 
Taskin in Pa- 
ris 1790 für 
die junge 
Anne -Aimee 
Armand, die 
spätere be- 
rühmteOpern- 
Sängerin, gebaut. 

Paris Nr. 312, 

Armeeposaune, ein 
von V. F. Cerveny in 
Königgrätz 1 867 in 
allen Größen vom Alt 
in F bis zum Sub- 
kontrabaß in F ge- 
bauter Ventil - Po- 
sauncntypusinTuba- 
form mit niederge- 
bogenem Schallstück 
oder in Hehkonform 
mit weiterer Mensur 
und früherem Über- 
gang von der zyhn- 
drischen zur koni- 
schen Form. 

Armgeige s 
da braccio. 

Armonica, 
span. .Harmonika'. 

Armonica a Cem- 
balo, ital. .Tasten- 
harmonika'. 

Armonica a man- 
ticino, ital., Ziehhar- 
monika'. 

Armonica meteorologica, Arpa gigan- 
tesca, eine Art Aolsharfe vom Abb. G. C. 
Gattoru in Como (1785). Er Heß 15 Drähte 
von verschiedener Dicke in diatonischer Stim- 
mung von seinem Haus zu einem Turm ziehen ; 
die Luftströmung brachte diese Saiten zum 




Viola 



ARMEEPOSALTNE 
Baryton in B, Kavallerie- 
modell mit drei Zylindern. 



19 



ARMONICO— AS-FLÖTE 



Ertönen. Indes hielt die Vorrichtung als Mu- 
sikinstrument infolge der athmosphärischen 
Einflüsse nicht lange Stand ; aber gerade wegen 
dieser Einflüsse konnte sie noch eine Zeitlang 
als Barometer dienen. 

Gattoni's Idee ^^^lrde 1787 von Ventan in 
Burkli bei Basel und kurz darauf von dem 
Buchdrucker Haas in Basel von neuem aus- 
geführt. 

G. C. Gattoni, Lettera al eh. sig. di Pielro Moscati sopra una 
Duova maniera di scoprire i piü piccoli cambiamenti nell'atino 
sphera con un apparato inünitamente piü sensibile degU altri 
fino ad ora conosciuti. Opusculi scelti di Milano VIII 298, 
Armönico s. Harmonique. 
Armonie, altfrz. Name der Drehleier im 
späteren Mittelalter. 

Rotes, vieles, barpes sonent, 
Guiches, sauteries, et cifonies, 
Et trestotes les armooies, 
Qu'en poist dire ne nomer. 

ehrest., Erec et En., 
Richel. srs.fJöf. 

Armonipiano, erf. von Ri- 
cordi und Fanzi, verbessert von 
W. Hlawatsch, ein Klavier, das 
außer den Anschlagshämmern 
besondere Hämmerchen zur 
Erhaltung der Saitenschwin- 
gungen besitzt, so daß der Spie- 
ler, dem außer den gewöhn- 
lichen zwei Pedalen noch ein 
drittes und zwei Kniehebel zur 
Verfügung stehen, den Ton 
behebig verlängern kann. 

Vgl. Melo-piano. 

Armonium, ital. span. .Har- 
monium'. 

Arm Viol, engl. ,Viola da 
braccio'. 

Are, span. , Zarge'. 

A-r6ko, plur. ma-röko, 
temne .Trommelschläger. 
C. F. Schlcnker, Engl. -Temne Dict., Lond. 
1880, p. 113. 

Arpa, I. ital., span., bask. 
.Harfe'. 

— 2. Trommel von Neuguinea, mit einem 
hohen, schlanken, nach der Mitte zu einge- 
zogenen Holzkorpus und einer aufgeklebten 
Haut auf dem einen Ende, während das andere, 
roh oder in Form einer Krokodilschnauze, offen 
bleibt; gewöhnlich ist in der Mitte ein^Hand- 
griff angebracht. Die Höhe beträgt etwa 
SO — 150, der Durchmesser 10 — 18 cm. 

Arpa a cembalo, ital. ,Klaviziterium'. 

Arpa a nottolini, — ad uncinctti, ital. 
.Hakenharfc'. 

Arpa a pedali, ital. .Pedalharfe'. 

Arpa armonico-forte s. Harpe harmonico- 
forte. 




ARPA 

im Kgl. Mus. f. 

Völkerkunde zu 

Berlin 



Arpa cromatica, ital. .Chromatische Harfe'. 

Arpa con doppio movimento, ital. .Doppel- 
pedalharfe'. 

Arpa d'Eolo, ital. .Äolsharfe'. 

Arpa doppia, ital. .Doppelharfe'. 

Arpa eolia, eolica, ital. span. .Äolsharfe". 

Arpa gigeintesca s. Armonica meteoro- 
logica. 

Arpache = Caramba. 

Arpanetta, ital. .Spitzharfe'. 

Arpea, Arpa. bask. .Harfe'. 

Arpeggione, eine große Streichguitarre, die 
wie ein Cello gespielt wurde, mit 6 Saiten, erf. 
1823 von G. Staufer in Wien. Schubert hat 
dafür eine Sonate und Vincenz Schuster eine 
Schule geschrieben. Das Instrument wird auch 
Guitarre d'amour genannt. 



Stimmung: 



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Vinc. Schuster, Anleitung zur Erlernung des von G. Staufer 
neuerfimdenen Guitarre-Violoncells. Wien 1825. — Heyer Nr. 609. 
Vgl. Bogenguitarre. 

Arpichordum, eine um 1 500 an Klavizimbeln 
und Klavichorden zuerst angebrachte Vor- 
richtung, durch deren ..sonderüche Züge von 
Messinghäklein unter den Saiten ein harfe- 
nierender Resonanz entstehet und zuwege ge- 
bracht wird." [[Praetorius 79 (67)]. Nach 
Banchieri [Conclusioni del suono dell'organo, 
Bologna 1609, fol. 44] hatte das Arpichord 
eine beiderseits zugespitzte Form und Steg 
und Stimmung der Harfe. 

V. Galilei, Dialogo 139. — P. Aaron, Toscanello in Husica I 
c. 4. — Krebs in f. 

Arpilegno, ital. .Xylophon'. 

Arpycordio, altspan. .Arpichordum". 

Arquillo, span. .Bogen'. 

Arrabel = Rabcl; port. arrabil. 

Arrancadera, span. .Glocke des Leitham- 
mels'. 

Arran, Waldteufel von Guyenne und Gas- 
cogne mit doppeltem Faden. 

Paris Trocad^ro. — Balfour Fr. Dr. 69. 

Arrefinu, sard. , Stimmloch' (Launedda). 
A-rünu, temne-quiah , Trommel'. 

C. F. Scblenker. Engl.-Temoe Dict.. Lond. 1880. p. 114. 

As-Flöte, eine nur in England gebräuchüche 
Flöte in hoch As. von ihrem tiefsten Ton her 
öfters fälschlich ß-Flöte genannt. 



Umfang: 



Notierung : 



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As-Horn 

Skala 



Notierung: 



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AS-HORN — ATABAL TURQUES 

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Umfang mit Maschine: 



Notierung : 



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"V'f ^' 



Das^ s-Hom wird in der Regel durch Aufstecken 

eines Ganztonbogens auf dasß-Horn gewonnen. 

As-Klarinette, eine kleine Militärklarinette, 

ca.3Scmlang; b 'J,t-.' ■ 



Umfang: 



Notierung: 

It. SESTINO. 

As-Kornett, ein veraltetes Ventilkornett 

Umfang: 




Notierung: 



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1^ 



oder s. v. a. 1 

As-Pikkolo, ein (Blech-)Pikkolo in As, wurde 
1 874 V. J . Carl A. Moritz in Berlin zuerst gebaut. 

Zur Hundertjahrfeier der Musikinstrumentenfabrik C. W. Moritz, 
Berlin igo8, S. ii. — Vgl. aber aucli Oktavin und As- Flöte. 

As-Trompete, i. Tief As. 

Skala ' "'" 



Notierung: 



( '"■^% ii'-\ 'fyyr~ 



j^jjjifrrrrr'rr^^^ 



2. Hoch .^45. 



Skala: 



Notieiuiig: 



m 



.. I ; . ; ^r V 



fe 



^m 



^ 



Umfang mit Maschine; 



Notierung: 




A'sSfir, ^^^'-'■2^, plur. v. A'sfür. 
A-sämbori, plur. e-sambori, temne ,Bon- 
do-Trommel'. 

C, F. Schlenker, Engl.-Teimie Dict., Lond 1880, p. 114. 

Ascending valve, engl. .Verkürznngsventil'. 

Ascior s. Asor. 

A'sfür, ._yg,i3r, arab. Wirbel mit scheiben- 
förmigem, knopfbesetztem Griff, eigentl. ,, Vo- 
gel" ; plur. a'säfir. 

As-it[?], altägypt. Doppelschalmei aus zwei 
mit gepichten Fäden fest zusammengebunde- 
nen Rohrpfeifen, das Urbild der Zummära, 
der Mashüra und des Arghül. Das einzige er- 
haltene Exemplar, in der Ägyptischen Abtei- 
lung der Berhner Kgl. Museen Inv. Nr. 10706, 
ist 25 cm lang und hat auf jeder Pfeife 4 Griff- 
löcher. Die Mundstücke fehlen. 

Loret. 

Askaniantura,äoxa//avToüea, ngr. .Sackpfeife'. 
Askaron, äoxagof, griech. , Schnarre'. 

Pollux, Onomastikon IV 60. 

Askaulos, cioxav?.oi, griech. , Sackpfeife', v. 
uoxo;. .Schlauch'. 

Askomantura, äaxoftavtovga , kret. .Sack- 
pfeife'. 

Asobi-daiko, japanisches Kindertamburin 
mit Handgriff und 6inem Fell. 

Markneukirchen Kr. 423. 

As6k, eine mit Samenkörnern gefüllte, mit 
Stiften gespickte Röhrcnrassel der Pangwe- 
Kinder (Frz. Kongo). 

V. Hornbostel im TeOmann, Die Pangwe II 19J3. — G. Tefi- 
mano, Die Kinderspiele der Pangwe im BaeBler-Archiv II 265. 

Asopi = Hapetan. 

Asor, -iiry,, hebr. ,Zehnsaiter'. Früher ver- 
stand man darunter ein selbständiges In- 
strument neben dem Nebel ; die heutige Bibel- 
kritik sieht in dem Wort nur eine Abkürzung 
für .Nebel asor', ,zehnsaitiges Nebel', im Ge- 
gensatz zu Nebeln mit einer andern Saiten- 
zahl. 

Weiß 61 ff. 

Asosra = Chazozrah. 

Assad, veraltet für Nasat. 

Assa muta'chati, alger. RasseUnstrument, 
hauptsächlich zur Begleitung des Negertanzes 
megzaui. Es besteht aus einem säbelförmigen 
65 K cm langen Holzstiel mit darangehängten 
Muscheln. 

Brüssel Nr. 283, 284. — Vgl. Saghäne. 

Assobio, port. .Pfeife'. 

Asvär, )'_»-^', plur. v. Sür. 

Asek = Tanbür. 

Atabal, altspan. vom arab. atbäl, ,Trommer. 
A-täbalc oder e-täbule nennen auch die 
Temne von Sierra-Leone ihre große Trommel. 

Atabal turqu6s, altspan. s. v. a. Tabil turkl. 



21 



ATABALA- AUFSCHNITT 



Atabala, bask. .Trommel*. 
Atabor, prov. .Trommel'; käst, atambor. 
A-Täbule, plur. e-täbule, (temne) Sand- 
uhrtrommel der Yele (Sierra-Leone). 

Vgl. Atabal. 

Atäget, elgumi .Trommel'. 

Johnston, Uganda Prolectorate II 905. 

A-t4ma, plur. e-täma. (temne) kleine Sand- 
uhrtrommel der Yele. 

C. F. Schlenker, Engl.-Temne Dict., Lond. 1880, p. II4- 
Vgl. Atämo. 

Atämo, äthiop. Schellentrommel in verschie- 
dener Größe zur Begleitung der Tänze. Man 
benutzt sie auch, um die Personen wachzu- 
halten, denen man menscMichen Urin als Heil- 
mittel gegen den Biß der Schlange ebäb ein- 
gegeben hat. 

Beachtenswert ist vielleicht, daß der Name 
A-tama für eine Sanduhrtrommel bei den 
Temne von Sierra-Leone vorkommt. 

Das Instrument Brüssel Nr. 280 ist kein 
Atämo, sondern ein Qäkel. 

Ataracea, span. .Flödel'. 

Ätata-tsan, birm. Trommel, die am rechten 
Ende geschlossen ist. 

Ätata-witata, birm. Trommel, die an beiden 
Enden geschlossen ist. 

Ataual s. Atabal. 

Atbäl, JUI3I, plur. v. tabil. 

Ateba s. Tauwi. 

Atenus, elgumi .Trommel'. 

Johnston, The Uganda Protectorate II 905. 

Ath-alqa, Ath-dsali. grus. .Zehnsaitcr'. 

Atupani, die große Sprechtrommel der Ewe. 
Zum Sprechen gehören zwei i. at. atsu, „die 
männUche". 2. at. asi, ,.dic weibhche". Sie 
werden entweder allein oder in Begleitung der 
abuba geschlagen. Asante (Goldk.) atumpan. 

Westermann, Wb. d. Ewe-Spr., Bln. 1905, 1,8.519. — Mitt. Sem. 
or. Spr. X, Bln. 1907, 3. P. 6S- 

A-turma, kleines Hörn der Temne; plur. 
e-turma. 

C. F. Schlenker, Engl.-Temne Dict., London 1880, p. 195. 

Atsume-koto s. Azuma-koto. 

Attal, Attalfa, Attaliad, wal. .Register'. 

Attrape, frz. .Fänger'. 

Audd, rifisch (Marokko) s. v. a. Gnbrl. 

O. C. Artbauer, Die Rifpiraten. Stuttg. 1911. p. 133. 212. 

Auena s. Avena. 
Auferion = Orpharion. 

Mace, Musick's Monument, 1676. 

Aufgeworfene Labien heißen die mit auf- 
gelöteten Zierschildcn versehenen Labien der 
Prospektpfeifen. 

Engl. LEAF PROJECriNG, ndl. OPGEWORPEN LABIUM, 
fr. BOUCHE ECUSSONEE. 

Auflage eines Spielvcntils heißt sein Über- 
stand über die Kanzellenöffnung. 

Engl. MARGIN. 



Aufsätze, die über die Zungen der Schnarr- 
werke gesetzten Resonatoren, die in verschie- 
denen Formen vorkommen, als umgekehrte 
Pyramiden oder zwei mit den Grundflächen 
verbundene P>'ramiden (Holz) oder als Trich- 
ter, Zylinder. Kugeln (Metall). Im Gegensatz 
zu den Pfeifen der mit dem Mund angeblasenen 
Zungeninstrumente sind sie für die Erzeugung 
des Tones selbst überflüssig, sie beeinflussen 
aber unter Umständen die Tonhöhe ; ein zylin- 
drischer Aufsatz von der Länge einer den Ton 
der Zunge ergebenden offenen Flötenpfeife 
würde den Ton um eine Oktave vertiefen. 
Ihre eigentüche Aufgabe ist die Verbesserung 
der Tonquahtät und die Nuancierung der 
Klangfarbe. Erstere hängt wesentüch von der 
Länge, letztere von der Mensur der Aufsätze 
ab. Man kann im allgemeinen sagen, daß kurze 
zylindrische Aufsätze einen leichten Ton geben 
(Klarinette), konische oder pyramidale einen 
kräftigeren, bei enger Mensur näselnden (Fa- 
gott), bei Verwendung besonders aufgesetzter 
Schallstücke schärferen (Oboe), bei weiterer 
Mensur glänzenderen Ton (Trompete). Ohne 
Aufsätze ist der Ton schwach und rauh und die 
Ansprache zögernd. 

— Gelegenthch wird auch das über dem 
Kern stehende Oberteil der Labialpfeifen Auf- 
satz genannt. 

Engl. TUBES, fr. PAVILLONS, russ. TRUBV. 

Aufschlagende Zunge, eine beim Schwingen 
auf einen Rahmen aufschlagende Zunge. In 
der Orgel sind die häufig rasselnden und in der 
Tonhöhe unsicheren aufschlagenden Zungen 
im Laufe des 19. Jhs. zum großen Teil von 
durchschlagenden verdrängt worden. Da- 
gegen sind durchweg aufschlagende Zungen 
die Blätter der lilarinetten, Saxophone usw. 

Engl. BEATING REED, fr. ANCHE BATTANTE, it. ANCIA 
BATTENTE, span. LENGOETA BATIENTE. 

Aufschnitt, Mund, die hoch-rechteckige 
Öffnung in der Wand der Labialpfeifen un- 
mittelbar über dem Kern, gegen deren oberen 
Rand, das Oberlabium, der schmale, band- 
förmige, aus der Kernspalte hervordringende 
Luftstrom geleitet u-ird. Als Durchschnitts- 
breite wird bei zylindrischen Pfeifen ein Vier- 
tel des Pfeifenumfangs angenommen, doch 
wechseln die Maße sehr. Je breiter und höher 
der Aufschnitt ist. um so voller der Ton. je 
enger bei verhältnismäßiger Höhe, um so ober- 
tonreicher, schärfer und schneidender, um so 
leichter auch überblasbar. 

Das entsprechende Loch der Schnabelflöten, 
die ja den Labialpfeifen der Orgel aufs engste 
verwandt sind, wird ebenfalls Aufschnitt ge- 
nannt. 

Engl. MOUTH, dv. OPSNIT, fr. BOUCHE, it. BOCCA. sp. 
BOQUILLA, russ. USTJE, serbokr. CJEVAÖA. Vgl.Labium. 



22 



AUFSTECKBÖGEN— AULOI HYPERTELEIOI 



Aufsteckbögen = Stimmbögen. 

Aufwärtsschlagende Mechanik , Unter- 
schlägige Mechanik, nennt man das ge- 
bräuchlichste Klavier - Konstruktionssystem, 
bei dem der Hammeranschlag von unten her 
erfolgt. 

Engl. UNDERSTRIKING ACTION, fr. MECANISME AU- 
DESSOUS DES CORDES. 

A-ugägueng, jabim (Neuguinea) , Flöte'. 

Aulema, avXrjfia, ngr. , Flötenwerk'. 

Auliskos, avXiOHOs, ngr. , Flageolett'. 

Aulodion, ein mechanisches Flötenwerk 
von Kaufmann in Dresden, ohne Schlei- 
fen, mit eigener Klavis für eine jede 
Pfeife. 

Aulos, aiXös, eigentl. ,, Röhre", i. griech. 
.Pfeifeninstrument'. — 2. Das wichtigste Blas- 
instrument der alten Griechen, eine Art Schal- 
mei — nicht Flöte! — mit zyhndrischer 
Röhre, Grifflöchern, Überblaseloch (oOoiy;) 
und Doppelrohrblatt. Die Anzahl der Griff- 
löcher schwankt zwischen 4 bei den ältesten 
und 15 bei den jüngsten Instrumenten; die 
Pfeifenmacher verstanden, notwendige Fehler 
in deren Lage durch Modifizierung ihrer Weite 
zu kompensieren. Die Auloi mit mehr als 
sechs Tonlöchern waren mit einem besonderen 
Mechanismus versehen, der das beüebige 
Schließen oder Halbschließen einzelner Löcher 
je nach der gewählten Tonart gestattete ; er 
bestand in Ringen mit einem Loch von der 
genauen Größe des ihnen entsprechenden Ton- 
lochs ; diese Ringe konnten so gedreht werden, 
daß die beiden Löcher entweder übereinander 
standen oder daß das Tonloch zum Teil oder 
daß es ganz geschlossen wurde. Eine weitere 
Vorrichtung gestattete die Tieferstimmung 
einzelner Töne oder des ganzen Instruments: 
auf die Grifflöcher konnten kleine, becher- 
artige Röhren aufgesetzt werden. Um das 
Überblasen in die Duodezime und in deren 
Sexte zu erleichtern, bohrte man häufig ein 
kleines Überblaseloch nahe dem Mundstück 
ein, genau wie es die Klarinette hat; man 
nannte es ,Syrinx'. Verhältnismäßig selten 
wurde ein einzelner Aulos geblasen ; in den 
meisten Fällen benutzte der Spieler gleich- 
zeitig deren zwei von gewöhnlich ungleicher 
Länge. Die Frage, ob auf den beiden Pfeifen 
Zweiklänge geblasen wurden, ob die eine als 
Bordun diente oder ob es sich um eine abwech- 
selnde Benutzung der beiden Pfeifen handelte, 
ist immer noch offen. 

Acht Exemplare aus Pompei und Athen sind 
erhalten, vier davon im Neapler, vier im Bri- 
tish Museum. Die pompeianischen messen in 
der Länge 27,6 — 53,65, im inneren Durch- 
messer 0,95 und im äußeren i ,42 cm. Anblase- 



versuche haben den folgenden Umfang ergeben : 



m 



i 



i 



oder 



bei dem je nach der Anzahl der Löcher einzelne 
Töne fehlen. 

Der Aulos hat seinen Weg nach Griechen- 
land schon frühzeitig gefunden ; nach der Sage 
sind die apollinischen Heiligtümer einst unter 
dem Klang der Auloi, der Syringen und der 
Kitharen aus ihrer thrakischen Urheimat nach 
Delphi gebracht worden. Er begleitete die 
altenVolksüeder und dieDithyramben und ver- 
mochte in dieser Stellung sogar zeitweise — 
im 5. Jh. — die Kithara völlig in den Hinter- 
grund zu drängen ; er war im Drama das ein- 
zige Instrument und hatte die Sänger in der 
rechten Tonhöhe zu halten und selbständige 
Zwischenspiele {diav/.ta) auszuführen; unter 
seinen Klängen zogen die Lakedämonier in die 
Schlacht (er war eine scharfklingende Schal- 
mei, keine Flöte!) und nur zu Trauerfeiern 
fehlte er beim Opfer. 

— 3. ngr. , Flöte, Schalmei'. 

Howard, A., The Aulos er Tibia, Harvard Studies. IV. 1893. 
Vgl. Abub. die folg. Artikel. Boinbyx, Giogras, Glotta, Glotto- 
komeioD, Holmos, Hypholinlon, Kataspasma, Keras, Koiliai, 
Magadis aulos, Monaulos, Paratrypema, Phorbeia, Pbotiox, 
Plagiaulos, Stoma, Sybene, Syrinx, Zeugos. 

Auloi andreioi, avXoi äydgetoi. .männliche 
Auloi', der gemeinsame Name der avXot teXeioi 
und der avXol vnsQTeXtiol. 

Athen. IV 79. 

Auloi chorikoi, x"Q'x'>''' höhere Auloi mitt- 
lerer Lage zur Begleitung der Dithyramben. 

Pollux IV 81. 

Auloi daktylikoi, daxxvXixoi, Auloi von 
nicht genau bestimmbarer Art; vielleicht mit 
den a^oySeiaxoi identisch. Sie wurden zur 
Begleitung der Hyporchemata verwendet. 

Ath. IV 176. — PoUux IV 82. 

Auloi diopoi, Siösroi, Auloi unbestimmbarer 
Art. 

Ath. IV 176. 

Auloi elymoi, eXu/ioi, .Phrygische Auloi', 
Auloi mit Pfeifen ungleicher Länge. 

Auloi embaterioi, efißar/jQtot, Prozessions- 
auloi. 

Pollux IV 83. 

Auloi hemiopoi, i)niojioi. s. v. a. Auloi pai- 
dikoi. 

Hesychius s. v. ^itio:zoi. — Athenaios IV 79. 

Auloi hippophorboi, h.i6<fogßoi, Auloi der 
libyschen Nomaden aus geschälten und aus- 
gehöhlten Lorbeerschößlingen. 

PoUux IV 71. 

Auloi hyperteleioi, vneQiüeioi, Baßauloi. 

Athen. IV 79. 



23 



a 



AULOS HYPOPTEROS — AVENA 



Aulos hypopteros, InoTnrQos, und Au los 
hypotheatros.ivToi^fiaTeoj, [Pollux IV77, 82] 
sind wohl nur Entstellungen von ai'lö? vno- 

Auloi hypotretoi, vJioxQrjxoi, Auloi unbe- 
stimmbarer Art. 

Athen. IV 79. 

Auloi idutoi, ISovrol, Auloi unbestimm- 
barer Art. 

PoUux IV 77. 

Auloi kitharisterioi, xt&agioz^gtoi, vermut- 
lich Auloi in der Lage der Kithara, also ein 
Tenorinstrument. 

Pollux IV 81. 

Auloi mesokopoi, fitnoxonoi, Auloi mitt- 
lerer Lage. 

PoUux IV 77. — Athen. IV 176. 

Auloi paidikoi, :iatdixoi, Knabenauloi, Alt- 
auloi. 

Aristoteles, i7rji" tÖ (o>a laroitia VII p. 581 B. Vgl. Auloi pa- 
roinioi. 

Auloi paratretoi, :rae(ire>]roi , hohe, kläg- 
lich klingende Auloi. 

PoUui IV 81. 

Auloi paroinioi, nagolvioi, Doppelinstrument 
aus zwei gleichlangen Auloi paidikoi, das man 
bei Gastmählern verwendete. 

Pollux IV 80. 

Auloi parthenioi, nag&evtoi, Mädchenauloi, 
Diskantauloi. 

Aristoteles Ilegi rä (ipa laiogia VII p. 581 B. 

Auloi polytretoi, .-Toh'rgrroi, Auloi mit vielen 
Löchern. 

Auloi pyknoi, jjvxvoi, Auloi unbestimm- 
barer Art. 

Pollux IV 76. 

Auloi pythikoi, nvdixoi, Auloi vom Typus 
der Teleioi, die in den pythischen Wett- 
kämpfen gebraucht wurden [PolluxIVSi] und 
in der römischen Komödie die Gesänge be- 
gleiteten [Diomedes p. 492, ed. Keil]. 

Auloi spondeiakoi, antyf&ftaxoi, Auloi zur 
Begleitung der Hymnen. 

Pollux IV 81. 

Auloi teleioi, ilkuoi, Tenorauloi. 

Athen. IV 79. 

Aulozonum, s. v. a. Stimmkrücke, von avXög 
und Cfüvt}, ,, Pfeifengurt". 

Aura, lat. eigentl. .Lufthauch', die von 
Scheibler in Krefeld gegen 1 8 16 vorgenommene 
strahlenförmige Kombination mehrerer — 
6 — 10 — verschiedengestimmter Maultrom- 
meln. 

AMZ XVIII 505. 

Ausfüllende Pfeifen s. BUndc Pfeifen. 

Ausgleichungsbalg, ein Blasebalg, der die 
Windstöße unvorsichtiger Kaikanten mildern 
sollte, wurde in Deutschland von F. Schulze 



sen. in Pauhnzelle, in England von Bishop und 
in Frankreich von Cavaille-Coll eingeführt. 

Engl. ANTI-CONCUSSION BELLOWS, fr. RESERVOIR 
ANTI-SECOUSSE. 

Auslöser, die Feder, die den Klavierhammer 
nach dem Anschlag zurückschnellt. Bereits 
Cristofori's Mechanik besitzt ihn als linguetta 
mobile. 

Engl. HOPPER. ndl. SCHAPPEMENT, dän. UDLOSNING, 
fr. ECHAPPEMENT, it. SCAPPAMENTO, sp. ESCAPA- 
MIENTO, russ. REPETICJA. 

Ausschaltungsknopf s. Nullknopf. 

Ausschlagende Zunge, eine einfache Zunge, 
wie die aufschlagende, mit dem Unterschied, 
daß sie in der Ruhelage auf dem Rahmen auf- 
liegt und. in Schwingung versetzt, von ihr 
wegstrebt. Hope-Joncs hat sie in die Orgel 
eingeführt. 

Es ist bemerkenswert, daß der menschliche 
Kehlkopf beim Singen und die Lippen beim 
Blasen der Kesselmundstückinstrumente aus- 
schlagende Zungen bilden. 

Das gleiche Prinzip ist bei den nordwest- 
amerikanischen Indianern, bei der marokka- 
nischen Lera und bei den Jägerlockinstru- 
menten der ganzen Welt vertreten. 

Engl. RETREATING REED. 

Auszug s. Stimmzug. 

Autär, jlj^l plur. v. Watar. 

Aütazaioa, bask. ,Hom'. 

Autoharmonium nennt man ein mechanisch 
gespieltes Harmonium. Das erste ist von Hof- 
berg gebaut worden. 

Autoharp, engl. , Akkord zither'. 

Automatisches Prolongement, ein Hilfszug 
beim Harmonium, in Form eines Register- 
knopfes oder eines Kniedrückers, der die in 
einer Baßoktave — gewöhnhch der von C bis c 
— niedergedrückten Tasten festhält, bis man 
in der gleichen Oktave eine neue Taste an- 
schlägt ; diese bleibt dann hegen, während die 
erste selbsttätig hochgeht. 

Autophone Instrumente s. Idiophone Instru- 
mente. 

Auwi kakueng, ,,die reife Frau", eine in Ja- 
bim und Bukaua nachgewiesene, bei den Be- 
schneidungsfesten gebrauchte Langflöte der 
Papuas von Deutsch-Neug\iinea, deren Ton- 
höhe durch Verschiebung eines Stöpsels ver- 
ändert wird; „doch verzichtet man bei Be- 
nutzung des Instruments auf jegliche Melodie 
und läßt die Flöte nur heulen, da sie ... ledig- 
lich den Zweck hat, den Weibern die Vorstel- 
lung beizubringen, daß sich ein brüllendes Un- 
getüm in Nähe ihrer Kinder aufhält." 

R. Neuh.iuB. Deutsch-Neu-Guinea. Berlin 1911. I 384. 

Avagaphoi, armen. .Posaune'. 

Avena, lat. Haferrohrmundstück der Tibia. 

Vergil Hol. I J, ,X 51. — Tibullus II I. 53, III 4. ?■. 



24 



AVICINIUM— B-KLARINETTE 



— In der 1802 — 04 von Ign. Kober 
in Wien gebauten Orgel des Zisterzienser- 
stifts Heiligenkreuz in Niederösterreich führt 
diesen Namen eine Positivstimme zu 8' mit 
24 Pfeifen. 

Avicinium, lat. , Nachtigallenzug'. 

Awatäd, viljji', plur. v. Watäd. 

Awatlr, jIjj', plur. v. Watär. 

Awili, grus. .Schalmei, Flöte', v. avXög. 

Awyrdelyn, wal. , Äolsharfe'. 

Axabeba, s. Ajabeba. 

Ayabeba s. Ajabeba. 

A-yäbi, temne ,Horn, Pfeife'; plur. e-yabi. 

C. F. Schienker, Engl.-teraae Dict,, Lond, 1880, p. 195, 287. 

Ayacachtli s. Ajacaxtli. 

Ayäqli kemän, qU-S' ^J^[i\, türk. ,Fuß- 
geige' [nach Prof. Dr. Jacob in Kiel] = Ke- 
mänge a'güz. 

Ayauh-chicauaztli s. Chicauaztli. 

Ayo-chicauaztli s. Chicauaztli. 



Ayotl, altmej. .Schildkrötenpanzer' — Gong, 
das bei der Totenfeier, beim Fest der Regen- 
götter am Etzalqualizth, beim Fest der Berg- 
götter im Atemoztli, beim Weibertanz und bei 
anderen Gelegenheiten mit einem Hirschge- 
weih geschlagen wurde. 

Azoe, dahom. , Flöte'. 

Azu Iahe, madagask. ,Trommer. 

Aruma-fuye, ein Yamato-fuye von dünne- 
rem Rohr und zarterem Ton, beim Azuma- 
Asobi, dem heihgen Tanz, gebräuchüch. 

Piggott 149. 

Azuma-koto, ,östhches Koto' mit 3 Saiten. 
Das Instrument stellt eine Verbindung von 
Yamato-koto und San-gen-kin dar; es ent- 
spricht im wesentlichen diesem letzteren, mar- 
kiert aber wie das erstere durch Einkerbungen 
an den Enden und durch Umwicklungen seine 
Abstammung von (3) zusammengebundenen 
Bogen, überdies sind im Innern drei mit- 
schwingende Drahtsaiten lose befestigt. 



B 



B-Flöte, falsche, von ihrem Grundton 6* ab- 
geleitete Bezeichnung der Kleinen ^s-Flöte. 

B-Fuß bei der modernen Flöte ist ein Fuß, 
der mit Zusatzklappen bis b hinunter ver- 
sehen ist. 

B-Horn. i. Tief B. 

Skala: . i 



'Fjßfff^TJ ^^^ ^^ß 



I, 

Notierung 



r3 -^-^^^ft^ 



Umfaog mit Maschine: 



NotieruDg 

2. Hochß. 

Skala: 1 . 



'^ j J'^r 



1^^ 



ü 



4j.l'""r I f'^f 





Notieruog: 



B-Klarinette, i . die seit Iwan Müller — 
gegen 1810 — wichtigste und verbreitetste 
Klarinettenart, um 65 cm lang, weicher als 
die C- und glänzender als die ^-Klarinette, 
mit dem (,ä 



Umfang: 



Notierung: 



Mozart verlangt im ,Titus' (1791) sogar B 
(notiert c), also eigentlich ein Bassethorn in B ; 
einige neuere Instrumente haben wenigstens 
eine eis {es)-Klappe, um die Tiefengrenze der 
yl -Klarinette zu erreichen und diese im Not- 
fall entbehrlich zu machen. 

2. Sehr selten eine Oktavklarinette in hochB. 




25 



B-KORNETT— BAGEZEGE 



B-Kornett, das gebräuchlichste Soprankor- 
nett mit dem bn 



Umfang: 




Notierung; 



in ein- bis zweiwindiger Trompeten-, sehr 
selten Tubaform, in der Regel mit 3 Ventilen. 

B-Oboe, eine selten gebaute, z.B. inEngland 
gelegentlich verwendete Miütäroboe. 

B-Pikkolo, eine ungewöhnüch hohe Kornett- 
Stimmung. Ad. Sax hat ein solches 1859 mit 
3 Ventilen und 3 Klappen gebaut (Pat. 
19. Febr. 1859), so daß die Naturtöne beliebig 
erhöht und vertieft und die höchsten Töne 
leichter erreicht werden konnten. [Brüssel 
Nr. 1269.] Ebenfalls in den 1850er Jahren 
stellte Cerveny in Königgrätz ein C-Pikkolo 
mit Tonwechsel in J3, ^ , ^s her {,Oktavin')und 
neuerdings Hoffmann in Wiesbaden (s. Pikko- 
lokomett). 

B-Trompete. 

I. Tief B {,Tenortrompete'). 



Skala: I 



Notierung; 




^jjJ^Vrr 



s 



Umfang mit 
Maschine : 



Notierung : 



^ 



m 



^ 



i 



2. Hoch B (.Kleine' S-Trompete). Nur mit 
Maschine gebaut, von den heutigen Trompeten 
die gebräuchlichste, freilich an Kraft, Adel und 
Umfang nicht die beste. 

Umfang: 



Notierung : 



3. Oktavtrompete B, sehr selten gebaut, 
B. von Mahillon in Brüssel und von L. A, 




Schmidt in Düsseldorf 




B-Tuba, die größte der beiden Kontrabaß- 
tuben, im Militärochester gebräucliüch ; sel- 
tener ist die Tenor- oder die Barytontuba ge- 
meint. 

Baan, ndl. .Bahn". 

Baar, ndl. ,Bund'. 

Baarpijp, ndl. hell intonierte offene Labial- 
stimme zu 8' mit Metallpfeifen von mittlerer 
Mensur im 3. Manual. Etymologie unbekannt. 

Baaseree s. Bansuü. 

Baassiviulu, finn. .Kontrabaß, Violoncello'. 

Baaz s. Tabla el-musaher. 

Babaling s. Berbaüng. 

Babandi, Pahawang, heißt in S. O. Borneo 
das gewöhnliche buckellose Gong. 

Grabowsky, Musikinstrum, der Dajaken Südost-Bomeos. Glo- 
bus LXX.XVIl 103. 

Babulion, ßaßovXiov, griech. .Becken'. 

Hesychius. — Stephanus II 57. 

Baby grand, engl. .Stutzflügel'. 

Bacciocolo, ein in einigen Teilen Toskanas 
gebräuchliches Schlag-Instrument. Es besteht 
aus einem napfförmigen Gefäß, das mit der 
Linken gehalten und mit der Rechten mittels 
eines etwa 10 cm langen Klöppels geschlagen 
wird. 

Lichtenthai I 77. — V'gl. §un. 

Bachetta, rätorom. .Klöppel'. 

Bachi s. Batsi. 

Back, engl. .Boden'. 

Backen sind bei den Geigeninstrumenten die 
Stellen des Bodens und der Decke, die nach 
dem Ober- und nach dem Unterbügel hin 
liegen. 

Backe-pipe, engl. = Bagpipe. Sackpfeife. 

Vernon, Hunting of Purgatory to death (1561). 

Backfall, engl. .Wippe'. 

Backfall coupler, engl. .Wippenkoppel'. 

Badajo, span. .Glockenklöppel'; port. ba- 
dalo. 

Badosa, altspan. s. v. a. Baldosa, Pandora. 

Baganä, abess. Kithara mit lo paarweise in 
Oktaven nach Art der Magadis gestimmten 
Saiten, die mit einem Picktrum gerissen wer- 
den. Viereckiger Schallkörper mit Schallloch 
und Saitcnhalter, zwei Arme mit demQuerjoch. 
alles aus Holz ; am Joch sind die Saiten mittels 
leinener Ringe und X-förmiger Drehkreuze be- 
festigt. 

Vgl. Dehcnizä. 

Bägele, gbea (mandjia, Frz. Kongo) Glocke 
mit Handgriff. 

Bagere, sissano .Holztrommel'. 

Bagezege, Rassel der Ababua-Frauen (Belg. 
Kongo) aus zwei kleineren, mit harten Gegen- 
ständen gefüllten Kürbissen, die durch eine 
Faserschnur verbunden sind. Man hält die 
eine in der Hand und dreht sie ruckweise, so 



26 



BAGGEPIPE — BALAfcAJKA 



daß die andere im Schwünge gegen sie schlägt ; 
es entsteht dann einmal das Klappergeräusch 
der aneinanderschlagenden Kürbisse und dann 
das Rasselgeräusch der eingeschlossenen Kör- 
perchen. Das Instrument wird entweder als 
Geschicklichkeitsspielzeug oder als Begleit- 
instrument verwendet. 

Brüssel, Mus. du Congo. — Not. anal. 24, 

Baggepipe, engl. (15. Jh.) = Bagpipe, Sack- 
pfeife. 

Baghlama, arab. kauk. Tanbür mit 4 — 6 und 
mehr dünnen Drahtsaiten, 16 Bünden und 
einem eingelegten Holzkorpus. 



Stimmung: 



i 



^ 



=t= 



^^ 



A. G. Ntephytos, Le district de Kerrassunde, in L' Anthropo- 
logie I 694. — London Nr. 989 — 90. 

— In Serbien (Barjiaina) dreisaitig. 

Bagpipe, engl. , Sackpfeife'. Die eigentUche 
großbritannische Sackpfeife ist heute der 
schottische Hochlandsdudelsack, der sich die 
alte angesehene Stellung bewahrt hat und so- 
gar noch in den Militärkapellen verwendet 
wird. Er hat ein Mund-Anblaserohr, eine etwa 
40 cm lange Schalmei aus Ebenholz mit Elfen- 
beinringen, Doppelrohrblatt, 2 Stimm- und 
8 Grifflöcher, die eine diatonische Skala 



ergeben, und 3 zylindrische Bordunpfcifcn mit 
aufschlagenden Zungen; die beiden kleinen 
Pfeifen stehen gewöhnhch in a, die große in A ; 
seltener ist die Quintenstimmung. 

Die Sackpfeife ist nach Großbritannien 
wahrscheinlich durch die Kelten gebracht 
worden, die sie ihrerseits in Asien aufgenom- 
men hatten. Immerhin besteht auch die Mög- 
lichkeit, daß römische Soldaten die Vermittler 
gewesen sind, da die früheste Quelle die neben 
dem alten römischen Kastell von Richborough 
(Kent) ausgegrabene Bronzefigur eines die 
Sackpfeife blasenden römischen Soldaten ist. 
Bis 1 300 ungefähr besteht die Bagpipe nur aus 
Anblaseröhre, Sack und Schalmei ; eine Bor- 
dunpfeife erscheint zum ersten Mal im Gor- 
leston-Psalter (um 1306). Die zweite Bordun- 
pfeife wird etwa 100 Jahre später angebracht; 
der erste Beleg ist eine 1409 datierte Sack- 
pfeife im Besitze der Herren Glen in Edinburg. 
Der dritte Bordun scheint in Großbritannien 
erst abermals 200 Jahre später hinzugefügt 
worden zu sein. Sackpfeifen mit Doppel- 
schalmei wie im Orient kommen auf Holz- 
schnitzereien des 15. Jhs. vor (Beverley, Mal- 
vern). 
Vgl. Border Pipes, Higbland Pipes, Lowland Pipes, Union Pipes. 



Baguette, frz. , Stange'. 

Bagah, monochorde Stabzither von Orissa 
und Umgebung (N. Indien), vom Typus der 
Tuila. 

Balfour 65. 

Bahn, die offene, ebene, oben einen Rahmen 
bildende Seite des Klarinettenschnabels, auf 
die das Rohrblatt gebunden wird. 

Engl. fr. TABLE, ndl. BAAN, it. TAVOLA. 

Bahortsan, birm. große Palasttrommel, die 
alle drei Stunden geschlagen wird. v. bahor, 
, Zentrum'. 

A. Judson, Engl, and Birm. Dict. 5. ed., Rangoon 1901, p. 256 
und Birm.-Engl. Dict., Rangoon "93, p. 778. 

Bahya = Bänyä. 

Baixo, port. ,Baß'. 

Bajete, span. .Bassett'. 

Bajön, span. , Fagott'. 

Bajön torlote. Nach einer Stelle im Instru- 
menteninventar Felipes II. — (una chirimia 
grande de madera de Alemania, guamecida 
de latön . . . es un bajön torlote) — scheint es 
sich um einen tiefen Bomhart zu handeln. 

Pedrell 94, 117. 

Bajoncillo, span. .kleines Fagott*. Als Orgel- 
stimme , Prinzipal'. 

Bajs, serbokroat. ,Baß, Baßgeige'. 

Bak s. I. Stobeong und TerlarU, — 2. Büq. 

Bakarusa, serbokroat. Kuhglocke in Kir- 
chenglockenform. 

Baekken, dän. .Becken'. 

Baköravarähina.madag. .Trompete', eigentl. 
,, Großes Kupfer". 

Bäkura, s)|^i^, skr. .Sackpfeife'. ..Mit dem 
bakura auf die Feinde losblasend, verschafften 
sie [die A9vin] weiten Glanz dem Ariervolk". 

Rigv-eda i, 117. 21. 

Bäkura drti, cim^ ^(W\> ist vielleicht mit 
Bäkura identisch. 

Bakylion, ßaxvXtor, griech. .Becken'. 

Hesychius. — Stephanus II 57. 

Baläbän, qIj^. türk. .Pauke', eigentl. 
■.groß". 

Batabolka, 6aJia6oJibKa, ruth. .Glöckchen'. 

Balafo s. Marimba. 

Balab sarakole s. v. a. Kiringi. 

Balak, Marimba der Mandingo und Sara- 
kole (W.-Afr.). 

Batalajka, BaJiaJiaftKa. russ. National-Sai- 
teninstrument vom Tanbürtypus. Das Tan- 
nenholzkorpus hat fast stets die charakte- 
ristische dreieckige Form der kirgisischen 
Dombra. nur ausnahmsweise ovale Form ; der 
Boden ist flachbauchig aus ebenen Spänen, 
die Decke schwachgewölbt mit einem oder 
mehreren Rosettenlöchem ; der lange, schmale 
in ein einfaches Wirbelbrett auslaufende Hals 
trägt vier Darmbünde in diatonischer Folge. 



27 



BALANCE PIN-BAMBOLA 



Über ihn laufen 3 Dann- (sehr selten Stahl-) 
Saiten zu einem Steg und von da zu einem 
Sattelknopf. Die gewöhnliche Stimmung ist: 



i 



^^ 



^ 



Die Balalajka tritt um 1700 in die Ge- 
schichte ein. Sie scheint damals wechselnden 
Bezug gehabt zu haben ; Laborde z. B. be- 
schreibt sie als zweisaitig. Die dritte Saite soll 
Mitte 18. Jhs. ein blinder Pandurist aus der 
Ukraine aufgezogen haben. Von Hause aus ein 
Bauerninstrument, das nur zur Begleitung 
der Volksgesänge und Tänze dient, ist sie 
neuerdings durch die Bemühungen Vass. Vass. 
Andrejeff's zu einer FamiUe ausgestaltet und 
in ihren verschiedenen Größen zu Orchestern 
zusammengeschlossen worden. Die reizvollen 
Klangwirkungen dieser Balalajkakapellen — - 
der Ton ist schärfer als der der Guitarre — 
haben dem Instrument auch in westeuro- 
päischen Dilettantenkreisen Eingang ver- 
schafft. Man baut es heute in sechs Größen: 



Pikkolo 



Sekund 



^^ 



rSq 



i 



=p=t 



ä 



■3- 3 



9fc 



^ 



Prim 



KoQtrabass 




OauBBi^ifii., Jloupa h cpoAHue eß uyauK. HHCTpyueBru, crn. 
1891. — Pjeluchoff p. 4. — A. Rose, The Balalaika, Proc. 
Mus. Ass. II. XII. 1900. 

Balance pin, engl. .Einhängestift'. 

Balance pin mortise, engl. , Einhängeloch'. 

Balance pneumatique, frz. .Windwage'. 

Balance rail, engl. , Wagebalken'. 

Balanceliste, dän. , Wagebalken'. 

Balancier, frz. .Wippe'. 

Balangi, Belangy. eine Marimba von 
Sierra-Lcone, deren durchlöcherte Rcsonanz- 
kalebassen mitschwingende Spinnwebedecken, 
d. h. Schutzgewebe der Spinneneier, haben. 
15 oder 16 Mangplatten. Schlägel mit Kaut- 
schukköpfen. 

Brüssel Nr. 670. 671. — Bull, de la soc. d'anthrop. de Paris 
Str. IV. T. 3, 1892, p. 166 (Godcl). 

Balantic, kroat. .Paukenschläger. 
Balban, nach Abdul-Qadir (15. Jh.) eine 
persische Schalmei. 

Kiesewettcr 92. 

Balchsuegala, ahd. .Sackpfeife'. 
Baldosa, altspan. ital. = Pandora. 
..Cinfonia e baldosa en esta fiesla son" 

Juan Ruiz. 
„G Chi sonava tatnburo, e Chi nacchera, Baldosa. dcutienna 
e rufoletti." Pulci, Morgante (1. H. 15. Jhs.) 27, 55. 



Balg s. Blasebälge. 

Balgglocke, Klingelzug, eine meist den 
wirklichen Registerzügen nachgebildete, heute 
auch pneumatisch eingerichtete Klingelvor- 
richtung an der Orgel, die nach einer Spiel- 
pause dem Kaikanten das Zeichen zum 
Wiederaufnehmen der Schöpfarbeit geben 
soU. 

Ndl. SEINSCHEL, fr. SONNETTE DU SOUFFLEUR. 

Balgklaviatur heißt bei größeren Orgeln die 
Reihe der gewöhnlich in einer Höhe neben- 
einander hegenden Balgklaves. 

Balghaus, Balgkammer, nennt man an 
der Orgel das Gehäuse, in dem die Bälge unter- 
gebracht sind. 

Balgklavis heißt die Stange, mittels derer 
der Orgelblasebalg hochgezogen wird, beson- 
ders ihr Vorderteil. 

\'gl. Bolzen, Hinterarm, Leitleiste. 

Balgma^chinen nennt man die mechanischen 
Vorrichtungen, die in neueren Orgeln das Bäl- 
getreten des Kaikanten ersetzen. Es handelt 
sich im wesentlichen um Uhrwerke (veraltet). 
Dampf-, Wasser-, Heißluft-, Gas- und Elek- 
tromotore. F. Haas im Kloster Muri in der 
Schweiz hat sie Anf. 19. Jhs. als erster einge- 
führt. Ihre Hauptverbreitung haben sie zu- 
nächst in England und Amerika gefunden, 
während auf dem Kontinent ihre Verwendung 
der hohen Kosten wegen auf erhebliche Schwie- 
rigkeiten stieß. In England erhielt eine be- 
sondere Bedeutung die hydrauhsche Maschine 
von Joy David [Pat. Nr. 2358, 8. Okt. 1856]. 

Fr. MACHINES SOUFFLANTES. 

Balgregister = Balgglocke. 

Balgruimte, ndl. .Balgraum. Gebalge'. 

Balgschwanz, die gabelartige Verlängerung 
der Ober- (bei den einfachen Spannbälgen) 
oder der Unterplatte (bei den Schöpfbälgen), 
in der der Stecher des Balgklavis einge- 
lenkt ist. 

Engl. LUG. 

Baling = Berbaling. 

Balken s. Baßbalken. 

Bailad Hörn, engl. s. v. a. Cor-t6nor. 

Ballaki vinä s. Vallakl-viijä. 

Ballard, frz. für Balab. 

Balling-balling = BerbaUng. 

Balteus, lat. .Tragband' der Kithara. 

Bam s. Gendang mara. 

Bam, {kJ arab., Bamm, j^ türk., ,BaQ, 
Baßsaite'. Beim alten viersaitigen 'Ud aus 
64 Seidenfäden zusammengedreht, später — 
im 15. Jh. — die einzige Darmsaite. 

Bambola, Trommel der Neger Westindiens 
mit 6inem Fell und ausgehöhltem Baum- 
stumpf-Kessel. Das mit der Hand zu schla- 
gende Fell wird mit einem Faßreifen festge- 



28 



BAMBUR— BANDURRIA 



halten und mit einer Schnur gespannt, die 
ihrerseits mit Keilen befestigt ist. 

Kopenhagen Nr. 520 bis. Vgl.' Tambula ; mit dem dort be- 
schriebenen Instrument scheint sie identisch zu sein, und der 
Name Bambola dürfte aus Tambula durch Assimilation des T 
entstanden sein. 

Bambur ( ?), fünfsaitige Harfe der Fan (Frz. 
Kongo) mit Holzkorpus, wohl mit dem Ombi 
identisch. 

Bana, /saitiges Harfeninstrument der Vai- 
Neger (Liberia). 
S. W. Koelle, Outlines of a Grammar of the Vei Language. 

Bancloche, altfrz. ,Turmglocke'. 

Bancone, ital. , Stimmstock' (Klavier), venez. 
,Windlade'. 

Ban?i, bong. .Flöte'. 

Banci, Bambus- Schnabelflöte der Land- 
Dajak auf Borneo (bukar), gleichen Systems 
wie das Suling nyawa, aber mit nur 3 Griff- 
löchern, die auf der dem Aufschnitt entgegen- 
gesetzten Seite angebracht sind; das ist ein 
Charakteristikum fast aller landdajakischen 
Schnabelflöten. 

Sarawak Nr. 1293. 

Band, schwed. , Bünde'. 

Bandalon s. Bandolön. 

Bandar, Bender, alger. Schellentrommel 
mit Holzrahmen, 6inem (Ziegen-)Fell und 
Schnarrsaiten im Innern ; Dm. 32 — 46, Höhe 
7 — 12 cm. Das Instrument wird hauptsäch- 
lich von den Sidi ben Aissa oder Toqera ge- 
braucht. 

Bandaska, — nicht Bandoska! — böhm. 
Brummtopf aus einem zum Teil mit Wasser 
gefüllten Krug, über den ein Stück Leder mit 
einigen hindurchgehenden Pferdehaaren ge- 
spannt ist ; mit angefeuchteten Händen ge- 
strichen, bringen diese mittelbar die Membran 
in Schwingung. 

Bände s. v. a. Bünde ; veraltet. 

Bandfrei = bundfrei. 

mBandju, Psalterium des Aruwimi-Gebictes 
(Nördl. Kongostaat); eine länglich-rechteckige 
Tafel mit ausgezahnten Schmalseiten aus 
einem Stück Holz, dessen abgelöste Rinde an 
der Unterseite über eingestellte Reifen aus 
Raphiafasern hohl herumgelegt ist, so daß 
ein Resonanzkörper entsteht ; eine von Stegen 
gestützte Fasersaite ist um die Zähne herum 
13 mal über die Tafel hin- und hergezogen. 
Länge 63. Breite 16, Dicke 6 cm. Das Instru- 
ment steht auf der Vorstufe des Schalenpsal- 
teriums. 

Brüssel, Mus. du Congo, A. U. XI 54. 

Bandoer s. Pandora. 
Bandola = Bandurria. 

Bandolin, span. .Mandoline'; port. ban- 
dolim. 



Bandolön, span. i . eine großeBandurria mit 1 8 
zu 3 und 3 zusammengestimmten Stahl-, Mes- 
sing- und übersponnenen Saiten, die mit einem 
Schildpatt-oderHornplektrum gerissen werden. 

— 2. eine mejikanische Abart davon mit 
6 vierfachen Saitenchören, von denen einer 
aus Stahl, zwei aus Messing, die drei tiefsten 
aus kupferübersponnener Seide und die Ok- 
taven der untersten aus Messing sind. Länge 
7^, Breite 51 cm. 

Stimmung: ^ — ^. 




» J » ■ ^"^ 



^^m 



Brüssel Nr, 876. 

Bandoneon nennt man eine Konzertina mit 
mehr als 88 Tönen. Der Name rührt von einem 
Crefelder Händler Heinr. Band her, der das 
Instrumentinden 1 840er Jahrenherstellen ließ. 

Bandora, Bandosa s. v. a. Pandora. 

Bandoska s. Bandaska. 

Bandura Panskaja, BaH;;ypa (naHCKan). 
kleinruss. , herrschaftliche' Erzlaute mit 
schlank-ovalem Korpus, zwei Wirbclkästen 
und 12 Saiten in 



9 ^ r ^' ^^^ '^ r'r^ ^-^ 



Ho;ipa, 



crpvBu 

Die genaue Aszendenz 
Instruments steht nicht fest. 
Auf jeden Fall setzt der Kragen 
abendländische Vorfahren vor- 
aus. Es ist auch zu beachten, 
daß die Stimmung der vier tief- 
sten Saiten derjenigen der tief- 
sten Orpheoreonsaiten ent- 
spricht. 

Pjetuchoff 17. — OauyBDnai 

cnB 1891. 

Bandürichcn = Pan- 
durina. 

Bandurka, dim. v. Ban- 
dura. 

Bandurra s. v. a. Ban- 
durria. 

Bandurria, v. griech. 
:iavSov(>a, Span. Diskant- 
cister mit 6 doppelten 
Saiten, drei aus Darm, 
drei übersponnen. oder 
auch nur Darmsaiten, und 
mit 12 — 14 Drahtbü nden ; 
sie wird gewöhnhch mit 
einem Muschelpiektrum 
bis 58 cm. 

Stimmung; 



npHCTpymcH 
des 




BANDURRIA 
in der Kgl. Sammlung alter 
Musikinstrumente zu Berlin 



gespielt. Länge 




29 



BANDURRIA SONORA-BARB AT 



Ein älterer Typus — schon Lope de Vega er- 
wähnt das Instrument — hatte nur 3 Saiten 
und keine Bünde, stellt also die Verbindung 
mit dem Tanbür her. 

Rückbildungen und Variationen der Ban- 
durria trifft man auf den Philippinen an. 

Bandurria sonora, span. Bandurria mit 
Drahtsaiten. 

Jos6 M» Sbarbi. 

Bandurrilha, port. kleine Bandurra. 
Bandurrilla, span. kleine Bandurria. 

Paris Nr. 248. 

Bandzunge, eine den Indianern von Brit. 
Columbia eigene Zunge aus einem Seidenband, 
das zwischen mehreren Holzspähnen hin- und 
hergeführt ist. Die Spähne werden dann zu- 
sammengebunden und bilden das Instrument. 
Durch das obere, schmale Ende bläst man 
gleichzeitig in alle Kanäle, die durch jeden 
Spahn zu dem Band führen und setzt dieses 
in Schwingung. 

Engl. RIBBON REED, fr, ANCHE A RUBAN. 

Bang, hind. lünderinstrument. 

Tagore 2. 

Bcing-dse s. Pang tzö. 
Banger = Banjo. 
Bangsi, skr. s. v. a. Baüsari. 
Bani, grus. Baß. 

Bania, senegambisches Lauteninstrument 
mit bimförmigem Holzkorpus. 

Vgl. Denyere. 

Banjo, amerikanische Negerguitarre zur Ge- 
sangsbegleitung, mit einem flachen, doppelt- 
bezogenen Tamburin als Schallkörpcr, 5 — 7 
Darmsaiten und einem langen Griffbrett ohne 
Bünde, ca. 85 cm lang und 28 breit. 
Hauptstimmungen : 



*: 



=^ 



=t 



^ 



S 



5-saitig 



6-saitig (die gebräuchlichste) 



7-sajüg 



1' ij^m t' jjjjff' 



Klang eine Oktave tiefer. 

Die Umstellung der höchsten Saite neben 
die tiefste erinnert an einige Cisterstimmungen 
des 17. Jhs. 

Das Instrument hat auch in Europa Ein- 
gang gefunden und wrd von europäischen Fa- 
brikanten vielfach hergestellt, gelegentlich mit 
starken Abweichungen vom Originaltypus, mit 
Bünden und Drahtsaiten. 

Eine bemerkenswerte Variante besitzt die 
Pariser Sammlung (Nr. 1073): ein Instrument 
in der Größe eines kleinen Kontrabasses, mit 
3 Saiten und einer starken Pergamentdecke, 
aber ohne Boden. 



Etymologisch scheint Banjo mit Bania zu- 
sammenzuhängen. 

Vgl. Banjogeige, Hewgag. 

Banjogeige, ein in Deutschland im 19. Jh. 
gemachterVersuch, das Banjokorpus mit Hals, 
Schnecke und Saiten der Violine zu verbinden. 

New- York Nr. 2292. 

Banjolim, port. Mandoline. 

Bankö, chin. Gong ohne Buckel, mit abge- 
rundetem niedrigem Rand. Dm. 24 cm. 

Mailand Nr. i. 

Banku, südind. Name der Karnä. 

Ban nhac s. Cäi ban nhac. 

Bansari, Bafisri, ^^Ü^, hindi Flöte. 

Bansuli, Vänsali, jav. Bambus-Schnabel- 
flöte hindostanischer Herkunft mit 7 Griff- 
löchern auf der Vorder- und einem 8. auf der 
Rückseite; skr. baösuri. 

Brüssel Nr. 594. 

Bahsuri, si^7|, = Bansari. 

Bantjik, der Untersatz des javanischen Ke- 
tipung, der dann verwendet wird, wenn das 
Instrument zum Spielen nicht auf die Knie 
gelegt wird. 

Bant'yu, Name der Zanza im Nigergebiet (?). 

Bähyä, beng. neuere Kammerpauke mit 
einem nach oben verjüngten Kessel und 6inem, 
wie beim Mridanga mit Riemen und Pflöcken 
gespannten Fell, das mit der Hand geschlagen 
\vird ; meist bearbeitet der Spielet gleichzeitig 
die Tablä. 
Brüssel Nr. 21 (fälschlich Tablä genannt). — Vantra-kosha 95. 

— Day 138. 

Banza, viersaitiges Guitarreninstrument der 
Neger von Haiti. 

Paris Nr. 855. — Laborde I 29r. 

Baqueta, port. .Schlägel'. 

Barabän, Bapa6aHT., russ. ruth. bulg. serbo- 
kroat. ill. , Trommel', v. türk. baläbän. 

Barabfin cilindriüeskij, BapaSaHx qnjiHHapH- 
qecKifi, russ. ,Wirbeltrommcr. 

Barabit, plur., v. Barbat. 

Barabora, ung. .Baßgeige'. 

Bära, »,", arab. , Spahn'; plur. bärät. 

Barakawa = Bruma. 

Baran, serbokroat. .Barem'. 

Bärät, ^KLi, plur. v. Bära. 

Barätaka, beng. Muschelhorn aus einer 
Kauri. 

Brüssel Kr. 58; Paris Nr. 914. 

Barbat, -tajJ, pers. pukhto arab. türk. — 
plur. barabit. pukhto barbatüna, jjvLuj 

— Lauteninstrument tiefer Stimmung. Eine 
Abbildung bieten die Cantigas de Santa 
Maria (Ms. Escorial, 13. Jh.). Die Etymologie 
ist strittig. Einige interpretieren den Namen 
als ,, Gänsebrust", andre führen ihn auf einen 



30 



BARBATA— BAROXYTON 



Musiker zur Zeit des Königs Chosru Parviz 
(7. Jh. n. Chr.) zurück. Unserer Ansicht nach 
muß indessen skr. bharbhi, „mit dem Finger 
[die Saiten] stark anreißen", herangezogen 
werden. 

Barbata s. Vox barbata. 

Barbithi, grus. .Psalterium, Hackbrett'. 

D. Tchoubinof, Dict. g6orgien, St. Petersb. 1840, p. 48. 

Barbiton, ßäßßnov, Barbitos, wurde bis- 
her als der Name jenes kitharaähnhchen, aber 
auffallend schlanken Saiteninstruments ange- 
sehen, das auf vielen bildlichen Darstellungen 
der klassischen Zeit der Griechen abgebildet 
ist, z. B. auf einer Vase mit der Liebeserklärung 
des Alkaios an Sappho {Pinakothek München) ; 
man glaubte in ihm die asiatische Urform der 
Kithara vor sich zu haben. 

Neuerdings hat K. Schlesinger mit Rück- 
sicht auf die Namensbeziehung zum pers. arab. 
, Barbat', unter dem ein Lauteninstrument 
verstanden wird, das Wort Barbiton für jenes 
Lauteninstrument in Anspruch genommen, 
das auf mehreren Reliefs des klassischen Alter- 
tums dargestellt ist (Abb. Clarac, Musee du 
Louvre Nr. 261, vol. I pl. 202, Engel, Hist. of 
the Violin Fam. p. 1 12, Schlesinger II fig. 108). 
Mit Sicherheit lassen sich die folgenden Merk- 
male dieses Instruments aus den Denkmälern 
feststellen ; die Saiten laufen über ein Griff- 
brett, der Schallkörper ist bauchig und ent- 
weder kreisrund und scharf gegen den Hals 
abgesetzt oder in allmählicher Verjüngung in 
diesen übergehend; die Saiten werden nicht 
verkürzt. Da nach Athen. XIV 635 das Bar- 
biton in der tieferen Oktave der Pcktis stand, 
werden die größeren Exemplare des Instru- 
ments als Barbiton, die kleineren als Pektis 
angesprochen. 

Indessen halte ich es für methodisch falsch, 
das orientalische Instrument zur Deutung her- 
anzuziehen, solange wenigstens, als sich un- 
mittelbare Beziehungen zwischen dem per- 
sisch-arabischen und dem griechischen Wort 
nicht erweisen lassen. Da aber die Annahme 
einer solchen Beziehung bei dem fast ein Jahr- 
tausend betragenden Altersunterschied beider 
Namen nicht geboten ist, wird man mit Bar- 
biton einen festen Begriff einstweilen kaum 
verbinden dürfen. Als Etymologie schlagen 
wir ebenso wie für Barbat skr. bharbhi vor. 

In der Neuzeit hat man gelegentlich mit 
Barbiton die Baßlaute und Theorbe bezeich- 
net [Robertus de Fluctibus, Historia utriusque 
cosmi, Oppenheim 1617, p. 226. — G. B. Doni, 
Lyra barberina, Firenze 1763, vol. I. p. 29]. 

Barbitos major, s. v. a. Baß- Viola da gamba. 

Mersenne 44. 

Barbut s. Barbat. 



Barcawa s. Bruma. 
Baxdenharfe = Telyn. 
Bardon, russ. poln. s. v. a. Berde. 
Barduen, korr. aus Bordun. 
Bardzrasring, armen. Oboe. 
Barem s. v. a. ,LiebUch gedackf. (Ende 
16. Jhs.) 

Praetorius 164 (139). 

Baren, ndl. .Bünde'. 
Barghoumi s. Barugumu. 

Brüssel Nr. 373. 

Baril, frz. .Birne', eigentl. ,,Faß". 

Bariletto traspositore, ital. .Tonwechsel- 
maschine'. 

Barillet, frz. ,Walze' an mechanischen Musik- 
werken. 

Barillets transpositeurs, erf. gegen 1882 von 
F. Besson in Paris, eine Tonwechselmascliine, 
deren Setzstücke mit der Hauptröhre durch 
drehbare Trommeln verbunden sind. 

Barilotto, ital. , Birne'. 

Barimbo, Kulang, Bambus-Maultrommel 
der Philippinen, gewöhnUch über i Fuß lang, 
augenscheinhch v. span. birimbao. 

New- York Nr. 2617, 3421; Washington. 

Bariton s. Baryton. 
Baritone, engl. , Baryton'. 
Baritone, span. ,Tenorhorn' (sie!). 
Barkermaschine s. Pneumatischer Hebel. 
Baxlum, lanzettförmiges Schwirrholz von 
Finschhafen (Neuguinea). 

Baromos, ßägcofiog, s. v. a. Barbiton. 

Athen. IV 80. 

Baronstange, von .Barre' ?, die Vorderstange 
der Harfe. Sie fehlt bei den Harfen des Alter- 
tums, auch den nordischen und bei den 
außereuropäischen ; erst das Mittelalter gibt 
sie dem Instrument, dessen Saiten dadurch 
eine höhere Spannung bekommen. Die Baron- 
stange ist fast stets gerade, nur die des Clair- 
seach ist stark gebogen. Bei der Pedalharfe 
ist sie hohl und beherbergt den Abstrakten- 
mechanismus, der zwischen den Pedalen und 
den Drehscheiben vermittelt. 

Engl. PILLAR, fr. COLONNE, it. COLONNA, dän. SOJLE. 

Baroxyton, erf. 1848 von V. F. Cerven^ in 
Königgrätz, ein kräftig klingendes drei- oder 
vierzylindriges Barytonhorn in B, F oder Es. 
in Tuba-. Hehkon- oder Fagottform, mit wei- 
terer Mensur und daher bequemerer Ansprache 
der Tiefe. Röhrenlänge des B- Instruments 
2,30 m. Umfang: 




Bei Verwendung eines weiteren Mundstücks 
kann es gut als Baß dienen. Die Österreicher 



31 



BÄRPFEIFE— BAR YTON 



und die Russen haben es in ihre Mihtärmusik 
eingeführt. 

Vgl. Bonibardyn, Tenortuba.' 

Bärpfeife, Bärpipe, in älteren Orgeln ein 
gedacktes konisches Schnarrwerk, „sind auch 
i6 und 8 Fuß Ton und nicht kleiner zu ar- 
beiten, oder sie verlieren ihren rechten Namen 
und Klang, den sie vielleicht von eines Bären 
stillen brummen haben: Wie sie denn auch gar 
in sich klingen und mit einer brummenden In- 
tonation respondiren. Haben zwar nicht hohe 
Corpora, doch ziemlich weite und als zwene 
zusammengestülpte Trichter, jedoch in der 
mitten einer gleichen Weite und fast ganz zu- 
gedeckt. Von Holz aber werden sie etwas an- 
ders gearbeitet . . . Man kann sie auf mancher- 
lei Art formiren, allein ist dies ihr proprium, 
daß sie unten eng und alsobald gar in die 
Weite ausgestrecket werden müssen." 

Praetorius 173 {147). 

Barrbuabhaill.Barrabuadh, irisch ,Hom'. 
' Barre, frz. .Baßbalken; Capotasto; Saiten- 
halter' (Lauteninstrumente); ,Steg' (Klavier). 

Barre de balancier, frz. , Wagebalken'. 

Barre de centres, — de marteaux, frz. 
.Hammerbank'. 

Barre d'etouffoir, frz. , Abhebestange'. 

Barre harmonique, erf. 1838 von Pierre 
Erard in Paris, ein Steg, der, auf die Diskant- 
saiten des Flügels gelegt, den höheren Ton- 
regionen ein richtiges Verhältnis zu den mitt- 
leren und tiefen geben sollte. 

Abb. O. Paul, Geschichte des Claviers, Lpz. 1868, S. 131. 

Barre semiadh6rente, frz. .halbanUegender 
Baßbalkcn', von Nic.-Eug. Simoutre in Basel 
1887. 

N.-E. Simoutre, Suppl. aux amateurs de violon 1889. 
Vgl. Gefensterte Baöbalken. 

Barreaux, frz. ,Kanzellenschiede'. 

Barrel, engl. .Trommelgehäuse, Walze'. 

Barrel-organ, engl. .Drehorgel'. 

Barrel-piano, engl. .Drehklavier'. 

Barrilete, span. port. .Birne'. 

Barronstange s. Baronstange. 

Barßkutis, lit. .Klapper'. 

Bart, genauer Seitenbart, die beiden klei- 
nen rechteckigen oder abgerundeten Plättchen 
die, auf beiden Seiten des Aufschnitts einiger 
Flötenpfeifen angelötet, die Windfühnmg zu 
unterstützen und Ansprache und — als Neben- 
wirkung • — Höhe des Tons zu beeinflussen 
haben. Diese Beeinflussung geschieht durch 
die Stellung der beiden Barttcile. die entweder 
parallel, einander zu- oder abgekehrt sind ; je- 
mehr sie nach innen gebogen sind, desto leich- 
ter wird die Ansprache und desto höher der 
Ton; jcmehr nach außen, umso schwerer die 
Ansprache und tiefer der Ton. In beiden Fällen 



wird er durch Übertreibung heulend, zischend, 
heiser, um schheßlich garnicht mehr anzu- 
sprechen. 

Engl. EARS. ndl. BAARD, fr. OREILLES. — Vgl. Intonier- 
roUe, Kastenbärte, Querbart, Strichbärte, Vorderbarte- 

Barugumu (suaheli), Antilopenhorn mit seit- 
lichem Mundloch. 

eh. Sacleux, Dict. fran^.-swahili 
p. 215. — Brüssel Nr. 373. 

Barum, melan. ( Kaiser 
Wilhelm-Land) ,Holz- 
trommcl'. 

Barymiton, ßaov/itrov, 
= Barbiton ?. v. ßagvi, 
.tief und fiiroi, .Saite'. 

Athen. IV 80. 

Baryaulos, ßagvavXoi, 
Barj-phonos aulos, 
ßaQVfpon'oi; avXög, ngr. 
.Fagott'. 

Baryphonos barbitos, 
ßaQV(fcovog ßdoßiTog, ngr. 
,Violonceir. 

Baryten. Im all- 
gemeinen werden 
mit diesem Namen 
Tenor-Instrumente 
bezeichnet, die 
durch einen beson- 
deren konstrukti- 
ven Zusatz, Ergän- 
zungsklappen, vier- 
te Ventile oder nur 
durch eine weitere 
Mensur eine beson- 
dere Tiefe erhalten 
haben. 

Im einzelnen füh- 
ren den Namen 

— I. Eine Viola 
da gamba mit 6 — 7 
in der üblichen Te- 
norgambenweise ge. 
stimmten Darm- 
und 7 — 44 ( ?) unter- 
halb desGriffbrettes 

durch den ausgehöhlten Hals laufenden metal- 
lenen Resonanzsaiten, von denen die tiefste 
gewöhnlich in E gestimmt, während die Stim- 
mung der übrigen von ihrer Zahl abhängig 
war. Diese Saiten klangen nicht nur sympa- 
thetisch mit, sondern wurden auch mit dem 
linken Daumen angerissen. Der Spieler war 
also gezwungen, die Greifhand frei, ohne jede 
Auflage aufzusetzen, so daß zu der besonderen 
Daumentechnik eine neue Schwierigkeit kam. 
Nimmt man dazu die erhebliche Unbequem- 
lichkeit, die aus der Reinerhaltung so vieler 




BARYTO.V 

(17. Jh.) in der Ges. d. Musikfr. 

zu Wien. Nach Ruhlmann 



32 



BARVTON AIGU— BARYTONHORN 



Saiten erwuchs, so ergibt sich eine Summe 
von Schwierigkeiten, die in keinem Verhältnis 
zu dem künstlerischen Wert des Instruments 
stand ; im Gegenteil wurde dieser durch die 
herabgesetzten technischen Möglichkeiten 
stark beeinträchtigt. 

Die Wurzel des Barytons ist in der Viola 
bastarda zu suchen, der die Engländer Anf. 
17. Jhs. Resonanzsaiten hinzufügten. In- 
dessen gaben die Engländer, vielleicht aus 
Gründen des Inselklimas, die sympathetischen 
Saiten wieder auf, so daß Playford bereits 
1661 in seiner ,,Musick's Recreation on the 
Lyra Viol" schreiben konnte, er habe zwar 
früher viele Instrumente mit Resonanzsaiten 
gesehen, ,,but time and disuse has set them 
aside". Die eigenthche Heimat für das Bary- 
"ton wurde Deutschland, wo es bis ins 19. Jh. 
hinein, zuletzt wohl von dem Berliner Seb. 
Ludw. Friedel (gest. 1842) gepflegt worden 
ist. In Frankreich war es nach Brossard's 
Zeugnis unbekannt. Der heutige Musikfreund 
kennt es vor allem aus der Biographie Haydns, 
der 175 z. T. verschollene Kompositionen für 
den begeisterten Barytonspieler Fürsten Nik. 
Estcrhäzy schrieb. Indessen wäre es falsch, 
eine große Verbreitung des Instruments selbst 
in Deutschland anzunehmen. Daniel Speer 
sagt ausdrücklich: 

,, Solcher Künstler aber / so darauf spielen / 
findet man gar wenig; ich habe auf meiner 
Peregrination nicht mehr als am Bischofflichen 
Hofe zu Freysing einen angetroffen / auch der 
gleichen Instrument nirgends als zu Eperies in 
Ungarn / bey dem Stadt-Trompeter Musico, 
Adam Besslern / der als ein berühmter 
Geigenmacher solches Selbsten gemacht / 
gesehen." 

Auch die Art, wie Walther (p. y^) das In- 
strument abfertigt, spricht dafür, daß das Ba- 
ryton durchaus im Hintergrund des Interesses 
stand. 

It. VIOLA Dl BARDONE. — Vgl. Harmonicello. 

— 2. ein Horninstrument, s. Baryton- 
horn. 

— 3. Ein Streichinstrument in der tie- 
feren Oktave der Violine, gleich der es auch 
gehalten wurde, von Carolus Henry in Paris 

(1847). 

— 4. Ein von Mustel in Paris erfundenes 
Harmoniumregister zu 32' im Diskant, näselnd, 
aber breit. 

Baryten aigu, ein Althorn in Es, gebaut in 
den 1880er Jahren von Fontaine-Besson in 
Paris nach den Angaben Sellenick's. Es war 
bestimmt ,, vorteilhaft die Homogeneität und 
die Verbindung zwischen den einzelnen Farben 
des Militärorchesters herzustellen und gewisser- 



maßen die Funktion zu übernehmen, die im 
Sinfonieorchester das Fagott hat." Das neue 
Instrument war auf der Pariser Weltausstel- 
lung von 1889 ausgestellt. 

Pierre, La fact. instr. i8. 

Baryten imperial, frz. ,Kaiserbaryton'. 

Barytonhorn, Euphonium, ein drei- oder 
vier-, selbst fünfventihges Bügelhom in Tuba-, 
EUipsen- oder Heükonform von der gleichen 
Fußlänge und Skala wie das Tenorhorn, aber 
mit einer weiteren Mensur, die den Umfang 




BARYTONHORN 

Axifrechtes vierzylindriges Modell vod 

Schuster Sc Co. in Markneukirchen 



nach unten zu vergrößert und den Klang 
voller macht. Bei guten Instrumenten und 
Bläsern kann der Ton aber nicht nur mächtig, 
sondern auch weich und edel sein. Die ge- 
wöhnhche Stimmung ist B, seltener C ; im 
ersteren Falle werden die Töne häufig dem 
Klang entsprechend notiert. 



Umfang : 



^rt 



w- 



^ 



^ 



Sachs 



33 



BARYTONKLARINETTE-BASSANELLO 



Das Bao'ton ist 1843 vom Konzertmeister 
Sommer in Weimar angegeben und zunächst 
Euphonien genannt worden; als Erfmdung 
kann man Sommers Leistung schwerhch be- 
zeichnen, da es bereits die etwas weiter mensu- 
rierte Tenortuba gab. 

Engl EUPHONIUM. ndl., dän., schw. BARYTON (HÖRN), 
fr BASSE X PISTONS. it. EUFONIO, sp,. port BOMBAR- 
DINO russ i. ung. BARITON. -Vgl. Baro=.yton,Barytona,gu, 
ELboSve. kaiferbaryton, Phonikoa, Tenorborn. Tenor.uba. 

Barytonklarinette = Mtklannette. 
Barytonkornett, ein von Cerveny in Komg- 
grätz 1876 konstruiertes waldhornformiges 
Kornett in Barytonlage. o tu „ 

Barytonoboe. Nachdem schon im 18. Jh. in 
England Barytonoboen in der Unteroktave 
der gewöhnhchen gebaut worden waren [New- 
York Nr 2029, dort .Baßoboe' genannt], kon- 
struierte' gegen 1825 Charles Tnebert in Paris 
eine Oboe in Barytonlage für den Oboisten 
Voet Sein Sohn Frederic machte weitere Ver- 
suche ohne wesentUchen äußeren Erfolg. Diese 
Versuche nahm in den 80er Jahren Loree ^vle- 
der auf, der in F. Triebert's Werkstatt gear- 
beitet hatte. Während die älteren Modelte 
einen Süefel mit nach oben weisendem Schall- 
stück hatten.ist Loree's Modell völlig gestreckt. 
Die etwa i m lange Röhre geht nach oben -- 
wie übrigens die alten auch - in em Fagott-S 
über, nach unten in einen D'amore-Fuß Der 
Ton hat infolgedessen viel Ähnlichkeit mit 
dem des Englischen Horns Heute bauen 
Barytonoboen u. a. Heckel in Biebrich und 
Evette & Schaeffer in Paris. 

Vgl. Heckelphon. 

Barytonposaune = Tenorbaßposaune. 
Barytonsarrusophon, in Es; 



Umfang; 
Notierung: 

Barytonsaxhorn, Tenorsaxhorn, in B; 

Umfang: 
Notierung: 

Barytonsaxophon, in F und Es ; 

Umiaog: 
Notierung 






Barytonsaxotromba, Umfang wie beim Ba- 
rytonsaxhorn. 

Barytontuba = Barytonhorn. 

Barzawa, wend. .Pfeife'. 

Bas, ndl. etc. ,Baß'. 

Basare s. Bafisari. 

Basbalk, ndl. , Baßbalken'. 

Basciu, sard. ,Baß'. 

Basen, engl. .Becken'. 

Basetkorn, BacerbKopm. , bulg. .Bassett- 

horn'. 

Basetla, poln. .Violoncell'. 

Basfiol, dän. schwed. .Baßgeige'. 

Basflicorno, ital. ,Tenorhorn'. 

Baskische Trommel = Schellentrommel. 

Basklarnet, poln. ,Baßklarinette'. 

Basolja, 6acoJiH. ruth. .Kontrabaß'. 

Basen, engl. .Fagott'. 

Baspijoles, lett. .Violoncello'. 

Basroer, ndl. ,Baßröhre'. 

Baß nennt man im ganzen diejenigen Instru- 
mente, die etwa anderthalb Oktaven unter 
dem zugehörigen Diskantinstrument, also im 
i2'-Ton stehen. Von den Blechblasinstrumen- 
ten hat man als Bässe die zu bezeichnen, deren 
2. Partialton Es oder F ist. 

Engl. BASS, ndl., dän., schw., rum., russ., poln., f., slov., bulg. 
lett BAS, fr. BASSE, it., sp. BASSO, port. BAIXO, finn. 
BAASSl, ung. BOGO. 

Bassanello, ein wenig verbreitetes Blasinstru- 
ment des 17. Jhs. Ihr Erfinder soll der durch 
zahlreiche Kompositionen bekannte Venezia- 
ner Giovanni Bassano sein, der um 1600 als 
Sänger und Lehrer an S. Marco wirkte. Nach 
der Beschreibung des Praetorius gehen die 
Bassanelli ..gleich gerade durch, einfach, unten 
offen, haben nur einen Messing-Schlüssel, wer- 
den mit bloßen Röhren gleich den Fagotten. 
Pommern und Basscten geblasen, denselbigen 
auchamResonanzfastglcich,doch viel stiller." 
Wenn er sagt, daß sie gleich gerade durch 
gehen, so kann das nur heißen, daß die Boh- 
rung des Instruments eine zylindrische war. 
Man wird daher schwerlich mit MahiUon be- 
haupten können, die Bassanelli seien ganz 
einfach Bomharte. denen nur das Daumenloch 
fehle Unsere Interpretation findet dann ihre 
Bestätigung, daß die Rohrlänge der der ent- 
sprechenden Krummhörner gleich ist. die zu 
den Zylinderinstrumenten gehören; weiter 
darin, daß Praetorius sie nach Erledigung der 
konischen Instrumente zwischen den Krumm- 
hörnern, den Cornamusen und den Schryan 
abhandelt. Exemplare haben sich nicht er- 
halten. Die Familie umfaßte 



Diskant i, 




34 



BASSA VIOLA — BASSETTBOMHART 



Alt-Tenoi : 



Baß: 



^^ 



^ 



Alle drei Arten wurden mitS-Rohr angeblasen. 

Praetorius 27 (24), 48 (41), Tav. XII. 

— In der Orgel eine veraltete Zungenstimme 
zu 4 oder 8'. 

Bassa viola, im 18. Jh. „eine Art einer 
kleinen Baß-Geige und sonderlich unter den 
delicaten Frantzosen sehr gemein" [Eisel 45]; 
s. V. a. Basse de viole. 

Baßbalalaika s. Batatajka. 

Baßbalken, Baßsteg, ein kleines, an beiden 
Enden verjüngtes Stückchen Tannen- oder 
Ahornholz, das bei den Geigeninstrumenten 
unterhalb des linken Stegfußes der Länge 
nach innen an die Decke geleimt ist, um den 
Steg zu unterstützen. Man hat auch den Ver- 
such gemacht, minderwertigen Instrumenten 
mit einem zweiten Balken am Boden unter 
der Stimme aufzuhelfen. 

Engl. BASS-BAR, ndl. BASBALK, (r. BARRE, it. CATENA, 
poln. BELKA. — Vgl, Barre Seniiadh^ente, Gefensterte Baß- 
balken. 

Baß-bar, engl. , Baßbalken'. 
Baßbassanello, Länge ca. 150 cm, 



Umfang: 



^^ 



Baßbomhart, ca. 1,80 m hoch, mit S-Rohr 
und4Klappen; 
Umfang: 




Engl. BASS SHAWM.fr. BOMBARDE BASSE, it. BOMBARDO. 
Berlin; Middelburg; Faks. Brüssel Nr. 6l7. 

Baßcister s. Erzcister. 
Baßcornamuse, 

Umfang: 

Baßdomra, die größte Domra mit der Stim- 
mung gr 



^ 



Russ. DOMRA BOlSaJA BASISTAJA. 

Baß-drum, engl. .Große Trommel'. 
Basse, frz. ,Baß'. 

Basse ä clefs, frz. ,Bassophikleide'. 
Basse ä pistons, frz. ,Barytonhorn'. 
Basse contre, frz. .Subbaß'. 
Basse-cor, erster Name der Basse-trompette. 
Basse de Cornet ä bouquin, frz. Baßzink mit 
dem Umfang ^-ß- 



Mersenne 277. 



Basse de Flandre, frz. .Bumbaß'. 

Basse de hautbois, frz. , Baßbomhart', aber 
auch veraltet für , Fagott'. 

Basse de viole, frz. , Tenor- Viola da gamba.' 
(!); Grande basse de viole = Kleine Baß- 
Viola da gamba. 

Basse de viole d'amour, frz. ,Viola bastarda' 
(mit Resonanzsaiten). 

Basse de violon s. Baßviolon. 

Bcisse d'harmonie, frz. , Harmoniebaß'. 

Basse double, frz. veraltet für , Kontrabaß'. 

Basse guerriere, eine Baßklarinette von Du- 
mas 18 10. 

Rapp. de l'Acad, roy. des Beaux-Arts de l'lnst. de France, sf- 
ance du 5 oct. 1811, p. 17. — Moniteur universel 1811, p. 420, 
1812, p. 63. — Archives des d^couvertes, Paris 1811, p. 222. 

Basse harmonique, frz. , Harmonikabaß'. 

Basse imperiale, frz. , Kaiserbaß'. 

Basse-orgue, erf. 1812 von Fran?. Sauter- 
meister in Lyon, eine Art Baßklarinette aus 
Blech, durchaus zylindrisch, fagottmäßig ge- 
knickt, mit Schnabel und Blatt und einem 
Schallbcchcr, der durch eine Kugel oder einen 
durchbohrten Röhrenaufsatz ersetzt werden 
konnte. Umfang über drei Oktaven chro- 
matisch. 

Pierre, Les fact. 344. 

Basse ouverte, frz. , Oktavbaß'. 

Basse-taille, frz. .Baryton'. 

Basse-trompette ist die weder sprachlich 
noch sachlich richtige Bezeichnung für ein von 
AI. Frichot selbst vervollkommnetes Baßhorn, 
das am 13. Nov. 1806 von einer Kommission 
aus Professoren des Pariser Konservatoriums 
anerkannt und am 31. Dez. 18 10 patentiert 
wurde. Es handelt sich um eine praktischere 
Anordnung der einzelnen Teile und um die 
Hinzufügung von vier Aufsteckbögen, die das 
Instrument für den Konzertgebrauch in D, 
für die Kirche in Cis und für MiHtärzwecke in 
zwei verschiedene C stimmen sollten. Das 
Instrument wurde mit einem Serpent- oder 
mit einem Trompetenmundstück angeblasen. 
Der erste Name war Basse-cor. 

Paris Nr. 651. 

Basse-tube, die älteste Baßklarinette von 
G. Lot in Paris 1772, mit mehreren Klappen 
und einem Umfang von 3 'A Oktaven. 
Avant-Coureur vom 11. Mai 1772. — Pierre, Les fact. 103. 

Bassel s. Halbbaß. 

Bassett i. s. v. a. Tenorbomhart. — 2. Al- 
terer deutscher Name des Halbbasses. — 
3. In der Orgel eine 4' Pedal-Flötenstimme. 

Bassettbomhart, ein 4 klappiger Bomhart 
der 1. Hälfte 17. Jhs. mit dem Umfang: 



Basse de cromome, frz. ,Baß-Krummhom', 
aber auch veraltet für , Fagott'. 



35 



BASSETTFLÖTE-B ASSFLÖTE 




Bassettflöte, eine Blockflöte mit Klappe, 
8 5 — 1 00 cm lang, im 1 7 . und 1 8 . J h. gebräuchlich. 



Umfang: 



Nach heutiger Stimmung stehen die erhaltenen 
Exemplare zwischen e und as. Das Anblase- 
loch ist an der Vorderkante des Kopfstücks 
angebracht. 

Es ist besonders zu beachten, daß die Bas- 
sett-Blockflöte des 16. und iS.Jhs. von den 
Zeitgenossen Baßflöte genannt wird. Den 
Rang eines Bassetts erhält im 18. Jh. der bis- 
herige Tenor, von der Encyclopedie , Quinte' 
genannt, mit 
dem Umfang c^ 



^ 




Bassetthorn, eine Altklarinette in F oder Es 
mit vier den Umfang nach der Tiefe zu um 
eine große Terz erweiternden „Bassett"- 
Klappen. y^ 



Umlang: 



Notierung: 




Die Erfindung des Bassetthoms ist um das 
Jahr 1770 in Passau gemacht worden, wahr- 
scheinUch von Mayrhofer, von dem sich ein 
Exemplar im Germanischen Museum zu Nürn- 
berg erhalten hat. Die ersten Verbesserungen 
rühren namentlich von Theod. Lotz in Preß- 
burg (Anf. 1780er Jahre), von den Brüdern 
Anton und Johann Stadler in Wien und von 
Iwan Müller (18 12) her. In seiner ursprüng- 
lichen, einer guten Tonbildung ungünstigen 
Form war das Bassetthorn halbmondförmig 
aus zwei ausgestochenen Holzhälften zusam- 
mengeleimt und mit Leder überzogen; daher 
der älteste Name Krummhorn. Später zog 
man eine im Winkel geknickte Röhre vor, 
bei der das Stück unmittelbar vor der 
Stürze häufig dreifach umgelegt und durch 
ein Kästchen, das „Buch", verdeckt wurde. 
Diese ungefähr von 1800 stammende Form hat 
neben manchen andern eine weitere Verbrei- 
tung erlangt. Erst neuerdings baut man sie 
geradröhrig. meisl mit saxophonartig aufge- 
bogenem Metallschallstück. Die älteren In- 
strumente besaßen nur zwei Bassettklappen 
für c(F) und d{G)\ die Stadlers fügten die 
cis{Fis)- und die dis(Gjs)-Klappen hinzu ; noch 
zu Sundelins Zeit (1828) hatten nur „einige 
dieser Instrumente, aber doch nicht alle" die 



neuen Klappen. All diese Bassettöne sprachen 
übrigens schlecht an, bis Gottl. Lindemann in 
Leipzig 1838 eine sinnreich erdachte Wasser- 
klappe anbrachte. 

Nachdem Mozart von 1780 ab („Thamos") 
das Bassetthorn häufig vorgeschrieben hatte, 
erstand dem Instrument eine Schar glänzen- 
der Virtuosen, als erste Anton David und 
Springer, als letzter der 1885 gestorbene Karl 
Bärmann, für den Mendelssohn zwei Konzeit- 
stücke geschrieben hat. Nach Mendelssohn 
vernachlässigten die Komponisten das Instru- 
ment ; erst Strauß hat es in der „Elektra" wie- 
der hervorgeholt. Auch die preußische Infan- 
teriemusik führte in den 1820er und 30er 
Jahren Bassetthörner. 



BASSETTHORN 

winkliger Form in der Kgl. Sammlung 

alter Musikinstrumente zu Berlin 

— In der Orgel ist Bassett- 
horn eine sanfte, einschlagende 
Pedalzungenstimme zu 8 ', ohne 
Aufsätze oder mit engmensu- 
rierten Körpern, häufig in- 
dessen nur s. v. a. Klarinette. 

Engl B.\SSET-H0RN, ndl. BASSET- 
HOORN. dän. BASSETHORN, fr. COR 
DE BASSETTE, it CORNO BASSETTO, 
port COR DI BASSETE.poln.BASSETT- 
ORN, russ. BASSETGORN, bulg. BA- 
SETKORN. — Vgl Kontrabassetthora 
W Altenburg, Eine „Wiedereinlührung 
des Bassethoros". Z.f. I. .XXVIII 554. 

Bassettklappen heißen die tiefsten Klappen 
des Bassetthorns für c — e [F — A). 

Bassettoboe s. Musettenbaß. 

Bassetto di mano = Violoncello. 

Bassettpommer s. Basscttbomhart. 

Baß-Euphonium, eine nicht zur Verbreitung 
gelangte Form des Baßhoms von H. J. Ha- 
seneicr in Koburg Anf. 19. Jhs.. aus Holz mit 
Messingstürze und ungewöhnüch großen Klap- 
pen; Länge 128 cm. . 

Baßfagott heißt um 1700 das alte Chonst- 
^agott. , „.. 

Baßflöte, I. der Baß der Blockflöte, mit 
S-Rohr, gewöhnlich i Klappe, 125— 180 cm 
lang; Umfang nach Praetorius [24(21)] 





Bei den erhaltenen E.xemplaren schwankt der 
Grundion zwischen As und d nach heutiger 
Stimmung. In das 18. Jh. vermochte sie sich 



36 



BASSFLÜGELHORN— BASSHORN 



ihrer Ungelenkheit wegen nicht mehr hinüber- 
zuretten; die sog. Baßflöte des i6. und des 
i8. Jhs. ist in Wahrheit eine Bassettflöte. 

— 2. Der Baß der Querflöte, ebenfalls schon 
Ant. i6. Jhs. nachzuweisen, 90 — 120 cm lang, 
im äußeren Durchmesser 3,6 oder 3,7 cm, im 
innern 2,4 — 2,5 cm dick. Nach Praetorius 
steht sie in g; die erhaltenen Exemplare 
schwanken zwischen der es-, f- und /;s-Stim- 
mung. Agricolas Angaben widersprechen de- 
nen des Praetorius nur scheinbar. Er gibt die 
Stimmung der drei Querflöten in der i. Auf- 
lage auf e, A und D an; er berichtigt in der 
2. Auflage diese Angabe stillschweigend in d, 
G und C, bemerkt indessen daß die Skalen 
,,ad Epidiatess. transpositae" seien, also nach 
der Oberquarte transponiert. Demnach müß- 
ten sie lauten ^ , D und G^, oder vielmehr, nach 
dem, was den Querflöten erreichbar ist, zwei 
Oktaven höher: a'. d' und g. Der Grund für 
die seltsam tiefe Notierung ist unschwer ein- 
zusehen. Sie diente zur Vermeidung der Hilfs- 
linien, denen jene Zeit nach Möglichkeit aus 
dem Wege ging. Im 18. Jh. wird die Baßflöte 
zu gunsten der Quart-Quintenstimmung inner- 
halb der Familie in / gebaut. 

Ende 18. Jhs. begannen die Franzosen, das 
Kopfstück umzulegen, um die Handhabung 
zu erleichtern; gelegentüch findet sich sogar 
auch ein umgelegter Fuß. Das 16. Jh. scheint 
übrigens schon etwas Ähnliches gekannt zu 
haben, da im Inventar der Württembergischen 
Hofkapelle von 1589 „2 krum gelegte Baß 
Zwerchpfeifen" verzeichnet sind. Der Grund- 
ton rückt bis d hinab. Noch im 19. Jh. hat 
man Baßflöten gebaut, die sich freihch — mit 
Ausnahme der inCvonC. W.MoritzinBerlin — 
nicht dem alten System der konischen Bohrung, 
sondern dem Bochm'schen Zyhndersystem an- 
schließen; besonders zeichneten sich in ihrer 
Herstellung dieLondoner Firma Rudall, Carte & 
Co.u.DjalmaJulliotinCouture-Boussey(Eure) 
aus. Der neueste Typus ist das Albisiphon. 

— 3. Ein Orgelregister, s. Flötenbaß. 
Baßflügelhorn, österr. ,Tenorhorn'. 
Baßgeige, i . heute pop. für Violoncello und 

Kontrabaß. 

— 2. im 17. Jh. s. V. a. Baß-Viola da braccio, 

— 3. im 18. Jh., auch Baßviolon oder 
Kontraviolon, genannt, entweder die alte 
Klein-Baß- Viola da gamba mit der Stimmung: 



f=T=3= 



^m 



oder die alte Groß-Baß-Viola da gamba mit der 
Stim- 
mung 



5t 



^ 



T^^ 



^ 



oder endUch eine breitere Art mit 4 Saiten, ge- 
wöhnüch in Quarten, mitunter aber auch in 
der tieferen Oktave des Violoncells gestimmt: 



P 




8 ' W 

Dieser \'iersaitige Kontraviolon 
,, schneidet in der Music besser durch 
denn der 6. saitichte, will auch im 
spielen mehr Force als alle beyde er- 
fordern, und wird von denen Italiänern 
Violone grosso genennet." 

Eisel 51. 

Baßgui tarre, eine Gui- 
tarre mit Bordunsaiten, 
seit der Mitte 17. Jhs. 
nachweisbar. 
Frz. GUITARRE THEORBEE. 
— Kinsky II i66. —Vgl. Bissex. 

Baßhorn, Englisches 
Baßhorn, nannte man 
ein aus dem Scrpent her- 
vorgegangenes, fagott- 
artig geknicktes Kessel- 
mundstück -Instrument 
mit weiter 
Stürze, lan- 
gem S-Rohr 
und 9 Griff- 
löchern, von 
denen ur- 
sprünglich zwei mit Klappen ver- 
sehen waren, eine für Cis, eine 
für Fis; später kamen zwei wei- 
tere für Dis und H dazu. Das 
Instrument wurde entweder ganz 
aus Metall hergestellt oder aus 
Holz mit metallenen Beschlägen, 
Klappen, S und Schallstück ; die 
ersten Mundstücke waren aus 
Hörn. Der Umfang betrug 



S 



i 



m 






• 4 



u 

BASSHORN 

im Schweiz. 

Landesmus. 

zu Zürich 



Doch gab es auch Stücke in B 
und — in der preußischen In- 
fanteriemusik — in £■ und in F. 
Die Erfindung des Baßhorns 
nahm AI. Frichot, ein französi- 
scher Tonkünstler, der um 1 800 in 
London lebte, fürsichinAnspruch, 
und da er es zuerst von dem Londoner Instru- 
mentenmacher J. Astor bauen ließ, bekam das 
neue Baßhorn den Beinamen des , Englischen'. 
Tatsächlich gebührt die Ehre der Erfindung, 
die in nichts anderm als der fagottmäßigen 
Knickung des Serpentes besteht, dem an St. 



37 



BASSI — BASSNAAR 



Pierre in Lille als Orchestermusiker ange- 
stellten Italiener Regibo, der bereits gegen 
1780 dem Serpent Fagottgestalt gab; der ein- 
zige Unterschied scheint darin zu hegen, daß 
die ersten Frichot'schen Baßhörner aus Metall, 
die Regibo'schen Serpente dagegen aus Holz 
waren; indessen wurden späterhin auch die 
Baßhörner meistens aus Holz hergestellt. Das 
Baßhorn büeb von der Zeit seiner Erfindung 
durch Frichot { 1 800) bis 1815 auf England und 
höchstens Frankreich beschränkt. Deutsch- 
land lernte das neue Instrument erst durch das 
Bündnis mit England und die gemeinsamen 
kriegerischen Aktionen kennen. Trotz der 
großen UnvoUkommenheiten, die dem Baß- 
horn anhafteten, der Rauheit seines Tones 
vor allem und seiner Unreinheit, hielt es sich 
dann in den Militärkapellen bis in die 30er 
Jahre hinein, obgleich ihm unterdessen in dem 
Chromatischen Baßhorn und der Ophikleide 
vollkommenere Nebenbuhler an die Seite ge- 
treten waren. 

Einige Instrumentenbauer, z. B. Cerven^ in 
Königgrätz schon in den 1840er Jahren, bauen 
unter dem Namen Baßhorn schwächere Bary- 
tons mit Ventilen. Also Vorsicht, wenn in 
alten Besetzungen von Baßhorn die Rede ist! 

A compleat Scale and gammut of the Bass-Horn, a new Inslru- 
ment, invented by Mr. Frichot, and manufactured by G. Astor, 
Music and Instrument Seiler, London 1800. 
Vgl. Basse- Trompettc, Basseuphonium, Chromatisches Baßhorn. 

Bassi (ital.), Violoncelle und Kontrabässe zu- 
sammen. 

Bassi armonici, — d'armonica, ital. , Har- 
monikabaß'. 

Bassin, frz. , Becken' (Mundstück). 

Baßklappenhorn = Baßophikleidc. 

Baß-Klappentrompete in G, 1845 von Plat- 
tet & Bcnoit gebaut. 

Pierre, La fact. instr. 284. 

Baßklarinette, eine Klarinette, die eine Ok- 
tave tiefer steht als die gewöhnliche, mit vol- 
lem weichen Ton, fast stets in B, seltener in A 
und C r. J 

Umfang: 



Notierung: 



Das eigentliche Korpus des Instruments wird 
heute gestreckt gebaut ; statt auf einer Birne 
sitzt der Schnabel auf einem S-förmigen Me- 
tallhals ; das Schallstück ist entweder aus Holz 
und in der Achse des Korpus angebracht oder 
aus Metall und in diesem Fall nach oben um- 
gebogen. Nur die österreichischen Baßklari- 




netten haben die fagottartige Knickung der 
Streitwolf'schen beibehalten. Das sogenannte 
deutsche Modell hat eine, das französische 
zwei getrennte oder selbsttätig verbundene 
Duodezimenklappen. 

Das heute in jedem größeren Orchester un- 
entbehrlich gewordene Instrument hat sich 
nur langsam einbürgern können. Als erster 
baute 1772 G. Lot in Paris eine Baßklarinette 
unter dem Namen .Basse-tube', später 1793, 
Heinr. Grenser in Dresden. Nach mancherlei 
Versuchen verschiedener Meister mit schräg 
durch dicke Wandungen gebohrten Griff- 
löchern und mit schlangenförmig gewundener 
Röhre stellte G. Streitwolf in Göttingen gegen 
1833 die erste brauchbare Baßklarinette in 
Fagottform mit 19 Klappen und dem Umfang 



^ 



S 



her, die Applikatur entsprach im wesentlichen 
derjenigen der gewöhnlichen Klarinette. In- 
dessen hat erst Ad. Sax, der die verschieden- 
sten Systeme versuchte, der Baßklarinette 1836 
die Vollkommenheit gegeben, durch die sie 
ihre heutige allgemeine Bedeutung gewinnen 
konnte, eine Bedeutung, die ihr bereits Meyer- 
beer (..Hugenotten" 1836), Wagner und Liszt 
angewiesen hatten. 

Vgl. Basse guerriere, Basse-orgue, Basse-tube, GUcibariiooo, 
Klaryphon. 

Baßkonzertina. 



UinfaDg: 



W 



^ 



Baßkornett, ein von Cerveny in Königgrätz 
1876 gebautes waldhornförmiges Kornett in 
Baßlage (F und Es). 

Baß-Kornophon, in C oder B, mit 4 Ventilen; 



Umfang: ^ 



Notierung: 




Baßkrummhorn ; J — 4 Klappen ; 

Umfang: | *J= . ^^^" g 



Baßlaute, 9 Saiten in 




I-ractorius 30 (37), 60 (51). — Vgl. Chitarrone, Theorb«. 
Baßmandora = Mandolone. 
Bassnaar, ndl. .Baßsaite'. 



38 



BASSO — BASS-SORDUNE 



Basso, ital. ,Baß, großes Violincello'; die 

6. Lautensaite im 17. Jh. 

RomagD., friuL BASS, sard. BASCIU. siz. BASSU, 

Basso da braccio = Baß-Viola da braccio. 

Basso da gamba = Baß-Viola da gamba. 

Basso de' flauti [Händel], ital. .Bassett- 
( Block- )Flöte'. 

Basso di camera, ital. , Halbbaß'. 

Basso-flicorno, ital. .Tenorhom'. 

Basso profondo, ital. ,Subbaß'. 

Basso-tuba = Basse-tube. 

Baßoboe, eine Oboe in der Unteroktave des 
Englischen Horns, wird z. B. von Maino & 
Orsi in Mailand gebaut. 

Vgl. Barytonoboe. 

Baßoktavin, ein Oktavin von Jul. Jehring in 
Adorf, teilweise aus Holz, teilweise aus Metall, 
mit der Untergrenzc G'. 

Basson, frz. , Fagott'. 

— Die spezifisch französische Orgelstimme 
dieses Namens zu 16' und 8' hat aufschlagende 
Zungen und ähnelt in der tiefen Lage dem 
Fagott. 

Basson d'amour s. Liebesfagott. 

Basson Forvielle = Ophibaryton. 

Basson-Hautbois, frz. .Fagottoboc'. 

Basson ottavino, frz. , Kleines Fagott'. 

Basson-quinte, frz. , Quintfagott'. 

Bassonore, ein Metall-Fagott mit breiterem 
Rohr, weiterer Mensur und Stürze und mit 
vollerem Ton als das gewöhnliche, erfunden in 
der I. Hälfte 19. Jhs. von Nie. Winnen in Paris 
und vervollkommnet gegen 1834 von dessen 
Sohn Jean Winnen. Das Instrument war für 
das MiUtärorchester bestimmt. 



Umfang; 



^^ 



Paris Nr. 511. t*^ 

Bassoon, engl. .Fagott'. 

Bassophikleide, die gewöhnliche Ophikleide, 
in der Unteroktave des Klappenhorns in B 
oder C, mit 8 oder 9 Klappen. 



Umfang: 



Notierung: 



m 



m 



m 



m 



W 



i 



Es gibt Bassophikleiden, die durch ein Ven- 
til die Stimmung ändern konnten [Paris Nr. 
654]. Die Bassophikleide ist das einzige Glied 
der Familie, das noch heute hier und da in 
Frankreich, Italien und Südamerika ange- 
troffen wird. 

Basso-tuba, ital. .Baßtuba'. 

Baßpommer s. Baßbomhart. 





Baßposaune, eine Posaune in F, in England 
auch in G und Es, aber als C-Instrument no- 
tiert, die frühere Quartposaune ; 



Umfang : 



Sie ist jetzt wenig gebräuchlich, weil die außer- 
ordentliche Länge ihrer Züge die Handhabung 
sehr erschwert, und wird meist durch die Te- 
norbaßposaune ersetzt. 

Vgl. Quartposaune. Quintposaune. 

Bcißrackett, Büchsenhöhe 23 cm. 



Umiang : 



Baßröhre des Fagotts ist das Stück zwischen 
Stiefel und Kopfstück. 

Engl. LONG JOINT, fr. GR.\NDE BRANXHE, ndl. BASROER. 

Baß-Sarrusophon, in B ; 

J^ 

Umfang : l 'f ^ -* — 



Notierung : 



Baß-Saxhorn. Umfang und Notierung wie 
beim Barytonsaxhorn ; aber wegen der etwas 
weiteren Schallröhre sprechen die tiefen Töne 
leichter an. 

Baß-S2ixophon, in C u.B ; 

Umfang: 



Notierung: r 



Baß-Saxotromba, Umfang wie beim Baß- 
Saxhorn. 

Baßschryari, Länge ca. 86 cm. 





Umfang: 



g 



^ 



Praetorius S7 (24). Tafel XII. 

Baßschwegel, ca. 80 — 85 cm lang; Umfang 
wahrscheinlich: .^ 



^ 



Er wurde mit einer Art S-Rohr angeblasen. 

Praetorius 39 (34), Taf. IX. 

Baßsordune» . 

Umfang : 




39 



BASS-STEG— BASSTUBA 



Baßsteg = BaßbaUcen. 

Baßtanbur(ic)a = Krupna Bugarija. 

Baßtenorposaune = Tenorbaßposaune. 

Basstreng, dän. .Baßsaite'. 

Baßtromba, ein Instrument, das um 1827 in 
den Stimmungen D und G in der österreichi- 
schen Kavalleriemusik und gelegentlich auch 
in Preußen gebraucht wurde, scheint eine 
eigenthche Trompete nicht gewesen zu sein; 
vielmehr geht wohl aus einer Briefstelle Wie- 
prechts [Kalkbrenner 93]: .Unsere Baßtromba 
in Es nennt er [Sax] Saxhom en mi-b (Basse)' 
hervor, daß es sich um eine Art Signalhombaß 
handelte. 

Baßtrompete. Trompeten in Homlage lassen 
sich bereits im 18. Jh. nachweisen. So besitzt 
der Kais. Kronschatz zu Moskau zwei vlae- 
mische Baßtrompeten, vermutlich in G, die 
1709 den Schweden bei Pultawa abgenommen 
wurden; 1890 figurierten auf der Londoner 
Roy. Military Exhibition zwei Baßtrompeten 
des 18. Jhs. in ö, und bei Heyer finden wir 
eine Markneukirchener Baßtrompete von 1792. 
Immerhin müssen sie zu den Seltenheiten ge- 
hört haben; Altenburg nennt 1795 in seinem 
.Versuch einer Anleitung zur heroisch-musika- 
lischen Trompeter- und Pauker- Kunst' als 
tiefste Trompetenstimmung nur B und emp- 
fiehlt ,eine besonders hierzu verfertigte Trom- 
pete, wenn man nicht einen Krummbogen und 
Setzstücke, die zusammen [die gewöhnhche 
D-Trompete] um zwey Töne erniedrigen, auf- 
setzen will.' Noch heute werden tiefe Natur- 
trompeten gebaut ; die Franzosen z. B. stellen 
Baß- und helikonförmige Kontrabaßtrompeten 
in Es her. Selbst Ventiltrompeten tiefer Lage 
sind, wenn auch ausnahmsweise, im 19. Jh. 
gebraucht worden. F. L. Schubert führt die 
große ß-Trompete als Tenortrompete und eine 
besondere Baßtrompete in F oder Es mit 
Stimnibögen für C und B. also für die eigent- 
liche Kontrabaßlage an. 

Heute gibt es wirkliche Baßtrompeten nicht 
mehr; nur der Name hat sich mißbräuchlich 
erhalten. Der Grund für das Aufgeben der 
tiefsten Trompeten liegt in der Tatsache, daß 
der Nutzen der tiefen Stimmungen durch die 
mangelhafte Höhe stark beeinträchtigt wird 
und daß zur Entschädigung eine entsprechende 
Tiefe nicht erzielt werden kann. Namentlich 
die von Rieh. Wagner im Ring des Nibelungen 
vorgeschriebene Baßtrompete in Es, D oder C 
könnte niemals die vom Meister verlangte 
Höhe — bis zum 20. Partialton — erreichen. 
Man hilft sich dadurch, daß man höheren 
Trompeten durch eine weitere Mensur eine 

größere Tiefe gibt, ohne ihnen die Höhe zu 

nehmen. Die heutigen sogenannten Baßtrom- 



peten sind in Wahrheit weitmensurierte Trom- 
peten in C, B oder A, müßten also richtiger 
Barytontrompeten genannt werden. Nach 
einer frdl. Mitteilung des Herrn Hofinstru- 
mentenmachers C. Moritz in Berlin hat das 
C-Instrument eine ungefähre Röhrenlänge von 
250, das ß-Instrument von 275 und das .<4-In- 
strument von 305 cm. Der Baßtrompeter der 
Kgl. Oper in Berün bläst auf einem C-Instru- 
ment und erreicht darauf — dem Klange nach 

— g". Gebräuchlicher ist indessen die B-Stim- 
mung. Auch die bayrische Kavallerie, bei der 
die Baßtrompete das am stärksten — vierfach 

— besetzte Instrument ist, bläst, wie mir Herr 
Obermusikmeister Schottenheim vom Schwe- 
ren Reiterregiment in München mitteilt, ß-In- 
strumente, ebenso das österreichische Mihtär. 
Es ist aber unverständig, eine solche Trom- 
pete eine Oktave über dem Klang zu notieren ; 
wenn auch ein paar Töne in der Tiefe hinzu- 
kommen, so bleibt doch für den Spieler die 
Naturskala absolut die gleiche wie bei der ge- 
wöhnhchen großen, nicht transponierenden 
C-Trompete oder ihren Nachbarn. 

Baßtuba. 

1 . Ein mehr oder weniger weit mensuriertes 
Bügelhom in F oder Es, in der Unterquarte 
oder -Quinte des Barytons, mit 3 oder 4 Ven- 
tilen, die das Instrument um i. »i. ' Vi und 
2 '2 Töne vertiefen, und mitunter — seit den 
70er Jahren — einem fünften zur Reinstim- 
mung der tiefsten Töne. 



Umfang: 



^ 



\,- 



Die Baßtuba wird allgemein als niclittrans- 
ponierendes Instrument behandelt ; nur Frank- 
reich und Belgien schließen sich von diesem 
Gebrauch aus. 

Die Baßtuba ist 1835 von dem Musikdirek- 
tor des preuß. Gardekorps Wilh. Wicprccht in 
Gemeinschaft mit J. G. Moritz in Berlin er- 
funden worden ; das Patent sieht 5 Ventile vor 
und wurde daher bald mit dem vierventihgen 
Bombardon umgangen. Schon am 27. Febr. 
d. J. erhielt das 2. Garde-Infanterieregiment 
ein Exemplar, und schneller als es sonst bei 
Tonwerkzeugen der Fall zu sein pflegt, 
bürgerte sie sich allerorten ein. Daran 
ist nicht zuletzt ihr großer Farbenreichtum 
schuld. 

Engl. BASS TUBA, ndl., däo., schwed., c. BAS-TUBA, (r. 
CONTREBASSF.ÄPlSTONS(CYLlNDRES),it.TUBABASSA, 
port. CONTKABAIXO, russ. BASOVAJA TUBA. 
Vgl. Bombardon, KaiserbaB. 



40 



BASS-VIOLA DA BRACCIO — BATSI 



2. Eine Wagnertuba in F, mit 4 Ventilen, 
die um i/^, i, i ]/„ und 3 Töne vertiefen. 



Umfang : 



Notierung: 



^ 



i 



m 



-* 



m^m 



3. In der Orgel s. v. a. Tuba. 
Baß-Viola da braccio, eine 4 saitige Viola da 
braccio in 



3EE^ 



3 od« =p ^=^^ 



Praetorius 29 (26). 

Baß-Viola da gamba, im i6. Jh., bei Gerle 
i532undLan£ranco 1533. die später Tenor ge- 
nannte Gambe mit der Stimmung 



9fc 



^ 



Im 17. Jh. hat sie entweder die Stimmung 

5fc 



^ 



oder 



^^T±^^ 



(Kleine Bassgambe}. 



(GroBe BaBgambe). 



WOZU sich noch eine Gar Große Baßgambe in 



^ 



m 



gesellt. Wegen der abweichenden Nomenkla- 
tur in Praetorius' Umfangstabellc vgl. d.-'s 
unter Altviola da Gamba Gesagte. 

Baßvioline, ein altes Violoncello mit der Stim- 
mung ( ^. — -j- 



^ 



m 



John Playlord, Introduction to the SkUl ol Muslc, London 1660. 
Baßviolon ist einer der vielen Namen, die 
bald Violoncell-, bald Kontrabaßinstrumente 
bezeichnen. Nach Speer 2. Aufl. S. 2o6f hat 
der Baßviolon die Stimmung 



T^ 



^ 



^ 



:4= 



ist also eine kleine Baß-Viola da gamba. Wal- 
ther und Eisel machen die gleiche Angabe. 

Baßzink, ein französischer Zink mit dem 
Grundton G. 

Baßzither = Elegiezither. 

Bastarda s. Trompeta bastarda und Viola 
bastarda. 

Basun, dän. schwed. .Posaune'. 

Basune, i. altfrz. , Busine'. — 2. s, Bazune. 



Basviool, ndl. .Violoncello'. 

Basznawa, wend. .Pfeife'. 

Bat, BaT, serbokroat. .Glockenklöppel'. 

Bata-dhroma, irisch .Trommelschläger. 

Batae.ein Lederstreifen, der unter der Stelle, 
an der die Saiten gerissen werden, auf die 
Decke der rumänischen Cobza geklebt ist. Das 
Vorkommen dieses, ein gleichzeitiges Schlagen 
der Decke voraussetzenden Streifens auch bei 
der japanischen Biwa ist beachtenswert. 

Batallum, spätlat. .Glockenklöppel'. 

Bat am, aimam.die acht Arten Musikinstru- 
mente. 

Tu vi, Annam-Pbalangsa, T4n dinh 1877, p. 6. 
Bäte, Trommel der Tcmne (Sierra-Leone) 
mit Holzkessel und feinem Fell. 

Markneukirchen 439/40. 

Batellus s. v. a. Godnag. 

Bathyphon nannte Wilh. Wieprecht. der Di- 
rektor der Musikchöre des preuß. Gardekorps, 
die erste Kontrabaßklarinette, die er in seinem 
Bestreben, die Bässe des Mihtärorchestcrs zu 
bereichern, 1839 von Ed. Skorra in Berlin und 
später von C. Kruspe in Erfurt bauen ließ. 
Das Bathyphon. das eine für seine Zeit erstaun- 
liche Leistung der Instrumentenbaukunst dar- 
stellt, ist meist aus Holz, gelegentüch aus Me- 
tall, in geknickter Form, mit metallener Stürze 
und S-Rohr ; die Tonlöcher sind nach Lage und 
Größe mathematisch genau berechnet und mit 
Deckklappen versehen, deren Handhabung in- 
folge ihrer klaviaturartigen Anordnung ziem- 
hch leicht ist. Es stand in C und besaß den 



Umfang; 



Trotz seiner großen Vorzüge hat das Instru- 
ment nur kurze Zeit im preußischen Heere ge- 
dient; in das Sinfonieorchester ist es niemals 
eingeführt worden. Vielleicht liegt das daran, 
daß gerade die tiefsten Töne stumpf und matt 
klangen und daß wenige Jahre später sehr 
brauchbare Baßklarinettcn gebaut wurden. 

Drei Exemplare besitzt die Berliner Samm- 
lung ; in Kopenhagen existiert ein %'iertes mit 
17 Klappen (Nr. 132). 

Batic, serbokroat. .Klöppel'. 

Batillus = Batallum. 

Batoc, Batoci, romagn. .Klöppel'. 

Batok, jav. .Decke'. 

Batsi, Piektrum der Biwa und des Samisen. 
Das der Biwa ist das schwerere ; es ist aus har- 
tem Holz und abgerundet. Fest mit der Rech- 
ten gepackt, wird es über den auf die Decke 
geklebten Lederstreifen und die Saiten ge- 
rissen. Das des Samisen ist spitz, aus Holz, 




41 



BATSU-BECKEN 



Elfenbein oder Schildpatt, und fährt in ähn- 
licher Weise über den Pergamentbezug der 
Decke und die Saiten. In beiden Fällen hat 
also das Batsi nicht nur die Saiten, sondern 
auch die Decke zum Tönen zu bringen. 

Batsu, Hatsu, jap. Metallbccken, i Fuß 
im Durchmesser, mit breiten, flachen Rändern 
und großem Buckel. Sie entsprechen dem 
chines. Po. 

New- York Nr. 1300. 2316. 

Battacchio, ital. ,Glockenklöpper. 

Romagn. BATOC, sard. B.^TTALU, siz. BATTAGGHIU. 

Battant, Batte, frz. .Klöppel". 

Batterie, frz. .Schlagzeug'. 

Batzi s. Batsi. 

Bauch, im Gegensatz zu Brust, der breitere 
Teil des Korpus der Geigeninstrumente, vom 
Steg bis zum Sattelknopf. Seine Breite be- 
trägt bei einigen Violinen der 

G. da Salö (1542-1609) 200mm C. G. Teätore 1708 206mm 

A. Amati (1560-74) 197 G. Stradivari 1724 208 

G. P. Maggini (1580- P. AUetsee 1730 205 

1632) 217 G B. Guadagaiui 

A. & H. F. Amati 1626 207 I757/70 205/6 

J. Stainer 1672 205 P. G. Mantegazza 1774 205 

A. Stradivari 1677 u. G. B. Cemti 1808 207, 
1713 205/6 

bei Bratschen der 
Haggini (X58Q-1632) 24Smm Mantegazza 1791/6 243/63mm, 
P. Giiameri 1698 237 

bei Violoncellen der 

A. Amati 1572 430mm A. Guameri 1692 446mm 

Maggini (1580-1632) 465 Balestrieri 1717 428 

A. Stradivari 1689 450 Techler 1721 448, 

bei den Kontrabässen um 640 mm. 
Baudoire, Baudoise, altfrz. s. v. a. Bal- 
dosa; ml. baudosa. 

Mainte viele deliteuse 

I aportent li jougleours 

Mainte baudoire et maiot tambour. 

Rom. de Mahommet 772. 

Baudosa (bei Du Gange I 608), das gewöhn- 
lich als ein Lesefehler für bandosa angesehen 
wird, ist durchaus authentisch, da das Wort 
im altfrz. baudoise wiederkehrt. Es ent- 
spricht wie dieses dem altspan. baldosa. 

Bauernbaß = Bauemflöte. 

Bauernflöte, Bauernpfeife, in älteren Or- 
geln eine weitmensurierte, gedackte Orgel- 
stimme zu 2' oder i' im Pedal. .Von dieser 
Stimme wird bei uns in Deutschland, sonder- 
lich wenn man den Choral im Pedal führen 
will, gar viel gehalten: Die Italicner aber ver- 
achten alle solche kleine Baßstimmen von 2 
oder I Fuß Ton. dicweil sie als eitel Octaven 
lauten und im Resonanz mit sich bringen.' 

Praetorius 166 (140). — Lat. Ttbia rurestris. 

Bauernleier s. Drchlcier. 

Bauer Rohrflöitlin Baß, Rohrschelle, eine 
ältere i' Rohrflöte im Pedal. 



Bäugglin = Kleine Pauke. 

Baugsin s. v. a. Bansuli. 

Baulbusflöte, Eintonflöte des Guaraukas 
(Engl. Guinea). 

Ausland, Jg. 1868 Nr. 38. 

Bawerflöt s. Bauernflöte. 

Bawwäqe, i^]^, Bawäwiq, arab. .Trom- 
pete'. 

Baxo, span. ,Baß'. 

Baxoncillo s. Bajoncillo. 

Bayonette, frz. .Oberdämpfungsdraht'. 

Bazuin, ndl. .Posaune'. 

Bazuna, kaschub. Hirtenhorn aus Holz. 

Bäz jLi. s. Tabla el-musaher. 

BB-Baß = Kontrabaßtuba in B. 

B-C-Clairon, ein Duplexinstrument von 
F. Hirschberg in Breslau, das 1873 auf der 
Wiener Ausstellung zu sehen war. aus zwei 
auseinanderschraubbaren Hörnern, und zwar 
einem Flügelhorn in B und einem C-Kornett. 

Beak, engl. , Schnabel'. 

Bealbhach, irisch. .Mundstück'. 

Beam of a bell, engl. .Glockenbalken'. 

Beard, engl. .Querbart'. 

Bearer, engl. .Damm'. 

Beater, engl. .Schlägel'. 

Beating reed, engl, .aufschlagende Zunge'. 

Bebaling s. Berbaling. 

Bfben, poln. .Trommel'. 

B^ben wojskowy, poln. .kleine' Trommel, 
Militärtrommel'. 

Bfbenek, poln. Tamburin. 

Bec, frz. .Schnabel'. 

Becken, ein Schlaginstrument aus zwei ge- 
geneinander zu schlagenden, gleich dünn ge- 
hämmerten, etwa 40 cm weiten, übrigens in 
allen Größen hergestellten Bronzetellern ohne 
bestimmte Tonhöhe, durch deren Buckel le- 
derne Handgriffe gezogen sind. Zu besonderen 
Effekten läßt man die Ränder leise aneinander- 
klirren.oder man schlägt das eine Becken mit 
einem Paukenschlägel. Die Kunstmusik macht 
einen sparsamen Gebrauch von diesem Instru- 
ment ; aber in den Mihtärorchestem und den 
Kapellen niederen Ranges, die freilich das eine 
Becken auf der Großen Trommel befestigen 
und damit die Wirkung vergröbern, ist es un- 
erläßlich geworden. 

Die Becken sind uralt asiatischen Ursprungs, 
Sie sind bereits auf den assyrischen Denk- 
mälern nachzuweisen ; auch Ägypten kannte 
sie. Nach der griechischen Vorstellung mach- 
ten sie die Dämonen unkräftig; daher wurden 
sie bei den Trauerfeiern verstorbener Gerech- 
ter geschlagen, um der Seele den Einfluß fin- 
sterer Geister fernzuhalten [ApoUodor]. Auf 
der gleichen Vorstellung beruhte es, wenn die 
Becken bei Mondfinsternissen, beim Herbei- 



42 



BECKMESSERHARFE — BELLESONORERE AL 



rufen der Persephone, der Ceres und des Atys 
geschlagen wurden. 

Abendländische Miniaturen zeigen sie bis 
ins 15. Jh. hinein; dann scheinen sie in Ver- 
gessenheit geraten zu sein, vermutlich, weil 
die Kunst sie zu hämmern verloren ging; noch 
heute müssen wir ja die guten Becken aus 
Asien, Türkei oder China beziehen. Die Tür- 
kenkriege des 17. Jhs. erneuerten die Bekannt- 
schaft Europas mit ihnen und gaben den 
Anlaß zu ihrem Gebrauch in den Militärmusi- 
ken, denen sie noch heute angehören. Der 
höheren Kunstmusik sind sie durch Gluck 
(Iphigenie en Tauride, 1779) zugeführt worden. 

Die Organologie hat vor allem zwischen 
teller- und napfförmigen Becken zu unter- 
scheiden. Die ersteren können flach oder aus- 
gebuckelt sein. 




BECKEN 

Engl. CYiMBAL, wal. SYMBAL, ir. CIO.MBAL, ndl. BEKKEN. 
dän. B/EKKEN, fr. CYMBALE, it. PIATTO, sp. PLATILLO, 
port. PRATO, rät.CIMBEL, russ. TARELKA, poln. TALERZ, 
c.TALlftE.kr. PLADNJiCi.ruth.CIMBAL.lett.SCHKIHWIS, 
lit. TAURELIUS, finn. KYMBALI. ung. CZINTAnYER. 
Vgl. Batsu, Cai Nao-Bat, Cymbala, Cäggum, Ca-Ko, Oarp, C-Hung, 
Cing, Cum-Coe. Do-Biosi, Diog-.Sa, Gini, Galra, Ghangh, Hokai- 
gaae, Hsing Erh, Kara-Tala, Kas, Mandira, Momoogan, Niboi- 
hagi, Po, Raraup, Sabas, Sing, .Siu-Ca. Tban Hwio, Tje-Tje. — 
Ferner: Dämpfer 4. 

Beim Kesselmundstück heißt Becken die 
weite Höhlung, in der sich die Schwingungen 
bilden. 

Fr. BASSIN, it. BACINO. 

Beckmesserharfe s. Luth des Maitres-Chan- 
teurs. 

Bedoeg s. Bedug. 

Bedon, altfrz. .Trommel'. 

Bedon de Biscaye, frz. .Schellentrommel'. 

Bedug, jav. Trommel mit großem Holz- 
zylinder, die in einem vierfüßigen Rahmen- 
werk aufgehängt ist. Die Felle werden mit 
einem umwickelten Klöppel geschlagen. Sie 
ruft die Gläubigen zum Gebet nach der Mo- 
schee; im Orchester wird sie selten benutzt. 

Beeme s. Beme. 

Been s. Bin. 

Beffroi, frz. .Tamtam'. 



Beg. amhar. s. v. a. Baganä. 
Beggar's Lyre, engl. , Drehleier'. 
Begil, mhd. 

,,Noch stegereyff, noch begil" 

[Eberh. Cersne, Der Miime Regel, 1404]. 

Ambros hat in seinen Anmerkungen zur Wö- 
ber'schen Ausgabe des Eberhardus (Wien '61) 
für beide Namen die Deutung Triangel gegeben. 
Das ist aus mehreren Gründen unmögUch. 
Eher wird man das Wort neben Schweiz, 
büchel, ,Horn', stellen dürfen, das seiner- 
seits auf ahd. buhhil zurückgeht. 

C. Sachs, Die Musikinstrumente der Minneregel, SIMG XIV 4. 

Beh, Krishna-Beh, nepal. Hirtenflöte mit 
einem löffeiförmigen Schild [Schnabel .'] am 
Mundloch und mit 7 Grifflöchern. 
A. Campbell, Notes on the Musical Instruments of the Nepales« 
Nr. 12. 

Behälä, eine rohe Fidel von Bengalen in 
Form einer Laute mit kleinem, hautgedecktem 
Schallkörper, dickem Bambushals und 2 Saiten. 

Berlin, Völkerk. Mus. Nr. IC 1859. 

Beiregister s. Nebenregister. 

Beit el-meläwi, i^»"^' ^■■r^?, arab. .Wirbel- 
stock' des Qänün. 

Bek, ndl. , Schnabel'. 

Beka, ung. .Frosch'. 

Beker, ndl. , Schallstück'. 

Bekfluit, ndl. .Schnabelflöte'. 

Bekielte Instrumente nennt man diejenigen 
Klavierinstrumente, bei denen die Saiten mit- 
tels Federkielen angerissen werden, also die 
meisten Arten des Klavizimbels. 

Lat. INSTRUMENTA PENNAT.V 

Bekken, ndl. .Becken'. 

Bei, ndl. .Schelle, Klapper'. 

Belangy s. Balanghi. 

Belapella, hölzerne, bemalte Rassel der In- 
dianer auf Vancouver; in Tierform mit Kiesel- 
füllung. 

Belebän, qW'^. kurd. .Trompete'; vgl. 
Baläbän. 

Belhür, ung. .Darmsaite'. 

Beliere, frz. , Glocke des Leithammels'. 

Belka, poln. , Baßbalken'. 

Bell, engl. ,Glocke, Schallstück'; anord. 
bjalla. Die erste Nachricht von Glocken in 
Britannien bringt 680 Beda Venerabilis. 

J. J. Raven, The Beils of England, London 1906. 

Bellarmonic, eine in der 2. Hälfte 18. Jhs. 
von Francis Hopkinson in Philadelphia ent- 
worfene Harmonika mit Metall- statt Glas- 
glocken. 

O. G. Sonneck, Francis Hopkinson and James Lyon. Washington 
1905. 

Bell-clapper, engl. .Glockenklöppel'. 
Belle [veraltet] = Bell. 
Bellesonorereal, Bellsonore, ein von dem 
Schleswiger Joh. Christ. Jürgensen (geb. um 



43 



BELLETJE— BERNI VIN 



1754) erfundenes, wenig in Gebrauch gekom- 
menes Klavierinstrument geheimer Konstruk- 
tion, das angeblich die Wirkungen eines guten 
Flügels, des Clavecin royal, des Fortbien und 
aller andern Hammerklaviere vereinigte. 

Job. Christ. Gerber A. L. I 700, N. L. II 818. 

Belletje, ndl. .Glöckchen'. 

Bell Gamba, engl. ,GIockengamba', eine 
kräftige Gambenstimme zu 8', mit konischen 
Schallstücken auf den Pfeifenenden. 

Bell-harp, eine Art von Psalterium, gebaut 
um 1700 von John Simcock in Bath. Das In- 
strument, in Form eines Glockenprofils, hatte 
anfänglich 16 dreichörige Saiten mit der Stim- 

"•^"^^ ..- ^,^^^-?''^ 

Rechter Daumen: 



Linker Daumen: 



I T^f^^^^ 



^^^ '^rr^ 



Später hatte es 24 Saiten. Als Plektrum 
diente ein Stückchen Federpose, Fischbein 
oder Hörn. 

London. 

Bellonion, erf. 1805 v. Kaufmann Vater 
und Sohn in Dresden, ein mechanisches Musik- 
werk mit Trompeten- und Paukenstimmen. 
Es ist eine Verbesserung des Mälzel'schen 
Trompetenwerks ; der Zugang zu den einzelnen 
Trompetenpfeifen wird durch die Stifte einer 
automatisch rotierenden Walze geöffnet; die 
Vorrichtung zur Nachahmung des mensch- 
lichen Trompetenansatzes entspricht der von 
Mälzel erfundenen ; die Pauken werden sicht- 
bar von Klöppeln geschlagen, denen Forte, 
Piano, Crescendo und Decrescendo zu Gebote 
steht. Der Kaufmann'sche berühmte ,Trom- 
peter' stellt eine Weiterentwicklung des Bel- 
lonions dar. 

Bellow(s), engl. , Blasebalg'. 

Bellsonore s. Bellesonorereal. 

Bell tree, engl. ,Schellenbaum'. 

Bellum = Bell. 

Belly, engl. , Korpus'. 

Belly bars, engl. , Resonanzbodenrippen'. 

Beluwat, Bambusflötc der Battaken auf 
Sumatra (Karonen: Beluwat; Tobaner: Be- 
luwan), ,wie sie in fast allen Ländern Asiens 
ähnlich anzutreffen ist und die wie eine Schal- 
mei geblasen wird.' [v. Brenner, Besuch bei 
den Kannibalen Sumatras 1894, S. 330]. 

Mit dem schalmeimäßigen Anblasen dürfte 
der Autor die Haltung einer Langflöte im Ge- 
gensatz zur Querflöte meinen ; es scheint sich 
also um ein Suling zu handeln. 

Bern s. Bam. 

Beme, ags., verw. mit <pi^tii und fama, = 
Heerhom. 



Bande, jav. Instrument aus zwei in der 
Mitte gewölbten Gongs auf einem Untersatz, 
die in lima und nem, also einem Ganzton- 
intervall, gestimmt sind ; es gehört zum Ga- 
melan pelog. 

Bendeyr s. Bandar. 

mBendu, Flöte der Mbundu (Angola), eine 
, Hölle für das Ohr'. 

Magyar, L., Reisen in Süd-.\frica, Pest, Lpz. 1859, S. 311. 

Bene s. Tebuni und Bin. 

Bengäla, sudan. Lauteninstrument, mit 
eiförmigem Schallkörper, Felldecke, breitem 
und plattem Hals, 4 Wirbeln und 2 Doppel- 
saiten. Länge 48, Br. 10 cm. 

Brüssel Nr. 402. 

Bengala-flauta, {X)rt. , Stockflöte'. 
Bengel, ndl. ,Glöckchen'. 
Bengäk, liJLsUj, arab. .Wirbelkasten'. 
Benn-crot, dreieckiges Cruit, s. v. a. Timpan. 

Galpin 68. 

Benta, einfacher Musikbogen v. W. Indien. 

J. G. Stedman, Exped. against the Rcvolted Negroes of Suri* 
nam, London 1813, II 298. — Balfour 39. 

Benu = Venu. 

Be-oh s. Byo. 

Beöl'e-späl'e, Ziehharmonika der estnischen 
Schweden. 

Beran, armen. .Mundstück'. 

Berbaling, Bebaling, malay. Schwirrholz, 
in den siamesisch-malayischen Staaten früher 
zum Verscheuchen der Elefanten von der 
Pflanzungen verwendet, heute aber fast aus- 
gestorben. 

Mit dem gleichen Namen wird auch ein 
windmühlenartiges Gerät bezeichnet, an dessen 
Flügelenden Aolspfeifen angebracht sind. 

Oxford. — Balfour, Report 8, 11. 

Berbat s. Barbat. 

Berdalica, BepAa-iima Bcrdaljka, Bep- 
Aa.T>Ka, serbokroat. .kleine Baßpfeife'. 

Berde. v. ßagviovoy, serbokroat. i. Kontra- 
baßtanburamit i 
der Stimmung; 



5fc 



^ 



=t 



^ 



2. .Baßpfeife'. 3 

Bereifung = Reifchen. 

Bergzither s. Zither. 

Ben, javanisches Mctallophon aus zwei 
platten Gongs auf einem Untersatz, die in 
lima und nem, also im Ganztonintervall ge- 
stimmt sind. Das Beri gehört zum Gamelan 
pelog. 

Berimbäu, port. .Maultrommel '. 

Berliner Pumpen, ein 1835 (!) von C. W. (!) 
Moritz in Berlin konstruiertes kurzes Pump- 
ventilsystem. 

Zur Hundertjahrfeier der MusikinstruiuenteD-Fabrik C. W. Moritc. 
Berlin 1908, S. 10. 

Berni vin, armen. .Maultrommel'. 



44 



BERNSTEIN— BIENFORT 



Bernstein als Flötenmaterial ist Mite i8. Jhs. 
einmal in Anwendung gebracht worden. 

HUlers WBchentl. Nachr. 1770 p. 179. 

Beröhrte Instrumente, veraltet für ,Rohr- 
biattinstru mente ' . 

Berri, kleine faßförmige Trommel der Sin- 
ghalesen, mit zwei FeUen, die mit den Händen 
geschlagen werden. 

Berrigodea, singh. lange Trommel aus Jac- 
queiraholz, mit den Händen geschlagen. 

Davy, John, An Account of the Interior of Ceylon and of its 
Inhabitants. 

Bescar, Bescher, romagn. .Wirbel, Wirbel- 
kasten'. 

Besponnen s. übersponnen. 

Betäckt, schwed. ,Gedackt'. 

Betraek, dän. .Bezug'. 

Beugel, ndl. , Stimmbogen'. 

Beugelhoorn, ndl. .Bügelhorn'. 

Beutel usw. s. Pulpete usw. 

Beutelbrett, der Boden des Windkastens. 
Der Name rührt von den auf ihn geleimten 
Beuteln, den Windsäckchen oder Pulpeten her. 

Bezug, I. Die Gesamtheit der Saiten eines 
Instruments. 

Engl. SET OF STRINGS, dän, BETR.EK, Ir. GARNITURE, 
it INCORDATURA, sp. GUARNICION, port. ENCORDOCÄO, 
ngr. -AnAPTISMA XOPAHN, serbokr. NAVITAK, ung. 
HÜROZAT. 

2. Die Bespannung des Bogens. Man ver- 
wendet im allgemeinen für einen Bogen iio 
bis 120 feine weiße Roßhaare, die durch einen 
Metallschieber oberhalb des Frosches platt- 
gehalten werden. Diese bieten den Vorzug 
der Länge, der Elastizität und der Rauheit, 
die ihnen die schuppige Oberhaut gewährt ; ist 
dieses Häutchen abgespielt, dann muß der 
Bogen neu bezogen werden. Für Kontrabässe 
werden die noch rauheren schwarzen Roß- 
haare verwendet. 

Engl. HAIR, tr. MECHE DE CRINS, it, CRINI, serbokr. 
TETIVA. 

Bhäpda, VniF^r. Bhäodavädä, HlU^dl^i»^!, 
skr. Instrument. 

Bhansli s. Bansuli. 

Bhärata-viijä, skr. beug. , Indische Vipä', 
eine moderne Verbindung der Rudra-vioä und 
der Kaöhapl-vinä: Schallkörper aus einer 
halben Kalebasse mit Hautdecke ; 2 Stahl- und 
jMessing- £ ^5» ,«, C 



Saiten in 9E 



f r r- 



Länge 1,08 — i,iom. Breite 26 cm. 

Brüssel, Nr, 87; Paris Nr. 827. 

Bhavarkatü, Vlolf*i<4 ■ skr. Trommel, die 
bei Leichenbegängnissen geschlagen wird. 

Bhayadiiiidima, vp;j[3T[ir3Tq, skr., Schlacht- 
trommel '. 

Bhazana-^ruti = Nagabaddha. 



Bheidhlin, irisch ,Violine'. 

Bheidhlin crönäin, irisch. ,Violoncello'. 

Bheri, i^, H^t» HS", skr. hindi beng. 
lange Trompete, auch s. v. a. Nägara. 

Bhilin, irisch ,Viohne' (veraltet). 

Bhurbhuri = öala-bhandha. 

Bibelharmonium, ein Harmonium in Bibel- 
form (dänisch). 

Heyer Nr, 327. 

Bibelklavichord, ein Klavichord des i8. Jhs., 
das geschlossen die Form einer Bibel hat. 

Heyer Nr, 13. 

Bibelpsalterium, ein in einem buchförmigen, 
aufklappbaren Kasten untergebrachtes Psal- 
terium, besitzt die Berhner Sammlung. 

Bibelregal, im 16. — 18. Jh. ein in Form 
einer Bibel zusammenklappbares Regal. Die 
Nachricht, daß der Orgelbauer Georg Voll 
(nicht Roll) in Nürnberg 1575 das Bibelregal 
erfunden habe, entbehrt jeder ernsteren Grund- 
lage. Doppelmayr (Hist. Nachr. v. d. Nümb. 
Künstlern, Nümb. 1730, S. 290) sagt nur: ,Er 
soll unter den ersten seyn, der kleine Regale, 
die man zusammen und in die Blassbälge legen 
kundtc, gemacht.' Nach Prätorius 8y sind die 
Bibelregale allerdings ,zu Nürnberg und Augs- 
purg ersthch erfunden worden' ; sie ,sind zwar 
sehr behende und bequem zu tragen und fort- 
zubringen ; allein die Regal-Pfeiffhn sind we- 
gen dess, daß sie in dem kleinen Corpore, wegen 
des engen Raums, nicht groß, sondern kaum 
einen Zoll hoch gemacht werden können, gar 
zu schnarrhaftig'. 

Engl, BIBLE REGAL, ndl. BIBELORGEL, 

Bibo, Bambus-Maultromniel von Neuguinea, 
30 cm lang, am einen Ende breit, am andern 
spitz. 

New- York Nr, 770. 

Bibole = Pibole. Sackpfeife. 
Bicanal, dän. ,Ncbenkanar. 
Bici nistroj, £ech. , Schlaginstrument'. 
Biciu, rum. ,Waldteufel'. 
Biderü, Signal-Holztrommel der Galla, aus 
einem hohlen Baumstamm. 

Paulitschke, Ethnogr. Nordostafrikas I. 

Biegel = Bügel. 
Bie-lie = Pih. 
Biello, läpp. .Glocke'. 

N. V. Stockfleth, Norsk-lappisk Ordbog, Christiania 1852, p. 353. 

Biellogoatte, läpp. .Glockenstuhl'. 

Biellonjuovc, läpp. , Glockenschwengel'. 

Bieme = Beme. 

Bienf ort, F o r t b i e n , nannte Christian Ernst 
Friederici in Gera das von ihm 1745 erfundene 
Hammerklavier in Pyramidenform, das sich 
durch einen etwas schwächeren und zarteren 
Ton, aber auch durch einen leichteren An- 
schlag von den andern Hammerklavieren un- 



45 



BIEN-KU — BIN 





BIN 

im Kgl. Völkerkundemuseum 

zu BerliD 



terschieden haben soll. Gerber versicherte 
A. L. I 445, die Bienforts seien in der halben 
Welt berühmt und zerstreut gewesen. Da der 
Name den Eigenschaften des Instruments ge- 
radewegs widerspricht, hat die Vermutung 
Hipkins' viel Wahrscheinlichkeit, daß es sich 
nur um eine sächsische Verballhornung von 
.Pianoforte' und .Fortepiano' handelt. 

Bien-ku, chin. ,Gong'. 

Bierbaß, pop. für , Halbbaß'. 

Bietta, ital. , Frosch". 

Bifam, plur. v. Efam. 

Largeaii, Encyclop^die pahouine, 1901, p. 470. 

Bifara, statt Bifaria, .zweifach', ein Orgel- 
register, s. V. a. Doppelflöte, oder eine um 
wenige Schwebungen tiefer als ein anderes 
sanftes Register intonierte Stimme ; wird 
übrigens auch dann und wann mit ,Piffero' 
verwechselt. 

Biffaro, Bif fura s. Piffero. 

Bifistula s. Doppelschalmei. 

Big Drum, engl, große Trommel. 

Bignou s. Biniou. 

Bigu, kleineres Schwirrholz der Torresstraße 
(Mabuiag, Mer). 

Bigaya, hind. alte Flöte. 

Tagore 4. 

Bihuela = Vihuela. 

Bijolah, jav. (europäische) .VioUne'. 

Bijuga-cither, engl. .Erzcister'. 

Bikanal, dän. .Ncbcnkanal'. 

Bikuara, plur. v. Ekuara. 

Bikut, westborn. Lockflöte ohne Grifflöcher 
vom Typus des Bumbun. Die dicke erste 
Röhre heißt batang, die dünne zweite 
bangsi und der Träger katang. 

Leiden Nr. 1530/100-101. — SheUcrd, Illusu. Catal. I 308. u. 
Taf. VIII fig. 9. lo; Liiig Roth, The Natives of Sarawak and 
Brit. N. Dorneo I 444 1. 

Bilan, ind. Schalmei. 
Bi lana, plur. v. e lana. 




Bilancia pneumatica, ital. .Windwage'. 
Bilbilla, Glocke der SomaU und Galla. 

Paulitschke, Ethnogr. Nocdostafrikas I 148. 

Billentyü, ung. .Klappe'. 
Billentyüzet, ung. .Klaviatur'. 
BiJo, Bhuo, russ. .Semanterion' ; vgl. läpp, 
biello, altnord. bjalla, ndl. bei. engl. bell. 
Bilür, \j^, kurd. , Flöte'. 

Hoeters Ztschr. II 353 (Pott). 

Bilwar, kurd. .Flöte, Schalmei'. 
Cl. J. Rieh, Narr, of a Resid. in Koordistan, Lond. '36, I 136. 
Vgl. Bilür. 

Bilyur, kurd. .Flöte, Schalmei'. 

Lerch, Forsch, üb. d. Kurden, St. Pet. 1858. — Vgl. Bilür. 

Bima s. Beme. 

Bimbonifono, erf. um 1850 von G. Bimboni, 
eine Art Posaune in F mit einer Tonwechsel- 
maschine aus fünf vertiefenden Ganzton- und 
zwei vertiefenden Halbtonröhren, die durch 
eine Tastatur eingeschaltet werden. Mindest- 
umfang vier Oktaven. 

Florenz, Ist. Cherubini Nr. 138. 

Bin, srirT. (hindi hindost.), die nord- 
indische Vloä, aus einer über i m langen Bam- 
busröhre mit 19 — 22 hohen chromatischen 
Bünden und zwei großen Rcsonanzkalebassen, 
von denen die eine beim Spielen auf der linken 
Schulter, die andre auf dem rechten Knie ruht, 
und 7 mit Wirbeln gespannten Drahtsaiten in 

Rechter Bordun 



Linke Bordune 



Griflbrett 



oder 




Zum Spielen dienen Stahldrahtplektra ,miz- 
räb' auf dem Zeige- und dem Mittelfinger der 
rechten Hand. Trotz seines dünneren Klanges 
und seiner größeren Schwierigkeit ist das In- 



46 



BIN-GOGI — BIWA 



strument sehr verbreitet. Als Vorfahren des 
Bin darf man wohl das Röhrenpsalterium 
(Marovany- oder Vahhatypus) in Anspruch 
nehmen. In Europa war es schon zu Mer- 
senne's Zeit (1636) bekannt. 

Literatur: Yantra.kosha 3. — Day, Music 109. 

Bin-gögi, ein Tümerl von Lahor mit 8 Griff- 
löchern auf der rechten und 2 auf der linken 
Pfeife. 

Berlin Völkerk. Mus. 

Bin-sitär, ein in der Gegend von Poona ge- 
brauchtes Bin mit beweglichen Bünden in der 
beim Sitär übüchen Anordnung. 

Day 123. 

Bingi, madagask. , Trommel'. 

Bingona, madag. , Signalhorn'. 

Biniou, Bignou, von bigno, .stark an- 
schwellen', breton. Sackpfeife mit Mundrohr. 
Die Spielpfeife ist konisch oder zylindrisch, 
aus Buchs, mit 7 Fingerlöchern und Doppel- 
rohr, die Bordunpfeife ebenfalls aus Buchs, 
mit aufschlagender Zunge vom Typus des 
Arghülblatts. Das Biniou ist also stammver- 
wandt mit den balearischen, galicischen, schot- 
tischen und irischen Sackpfeifen, stellt aber — 
wie sich aus dem einen Stimmer schließen läßt 
— einen älteren Entwicklungsstandpunkt dar. 

Brüssel Nr. 1126; New- York Nr. 2640. 

Binogh, plur. v. Enogh. 

Binzonga, plur. v. Enzoöga. 

Bi-oh s. Byo. 

Biola, /Jiö^a, ngr. ,Viola'; sumatr. ,Ketjapi', 
aus dem Portugiesischen? dajak. .Violine'. 

Bioli, ßtoXi, ngr. = Lyra. 

Biolina, bask. , Geige'. 

Biolion, ßtoklov, ngr. , Violine'. 

Bioion, altspan. = Violon. 

Bioionion, ßioXönov, ngr. .Kontrabaß'. 

Bioran-druma, gall. .Trommelschläger. 

Bion, Muschelhorn der provenzalischen 
Pferdehirten. 

Alph. Daudet, Trdsor d'Arlatan. 

Bipaa s. P'i-p'a. 

Bipanchi-vinä = Vipanci-vioä. 

Birbininke, lit. s. v. a. ,Gude'. 

Bird call, engl. ,VogeIpfcife'. 

Bird organ, engl. , Vogelorgel'. 

Bird rattle, engl. , Vogelklapper'. 

Bird stop, engl. ,Vogelregister, Nachtigallen- 
zug'. 

Birimbao, span. , Maultrommel. Mundhar- 
monika'. Wohl onomatopoetisch. 

Birne, Fäßchen, das ausgebauchte Ver- 
bindungsstück zwischen dem Mundstück und 
der eigentlichen Röhre bei den Klarinetten; 
der Bläser hat deren mehrere von wenig ver- 
schiedener Länge zur Verfügung, um mit ihrer 
Hilfe die Stimmung des Instruments zu regu- 



lieren. In sehr seltenen Fällen geht das Ober- 
teil des Korpus unmittelbar in die Birne über. 

Engl. FEAR, ndl. TONNETJE, fr. BARIL, it. BARILOTTO, 
sp. port. BARRILETE. c. SOUDEK. 

Bi-sa, plur. v. I-sa. 

Bisak(betong), dajak. Harmonika aus 7 kup- 
fernen Stäbchen von verschiedener Dicke und 
Länge, die auf einem länglichen Kistchen be- 
festigt sind und mit dünnen Hartholzstäben 
geschlagen werden. Betong ist eine dicke Bam- 
busart. Es entspricht demnach dem Gambang 
gängsä. 

A. Hardeland. Daj.-deutsches \Vb., Amsterdam 1859, p. 69. 

Bi-sanzi, plur. v. I-sanzi. 

Bischero, ital. .Wirbel'; romagn. bescar. 

Biseau, frz. .Kern'; span. bisel. 

Bisernica, Zlatnatanburica,eine Pikkolo- 
tanburica mit 4 Saiten in (P ; türk. sedefli 
tanbüra. 

Bisino, plur. v. Esino. 

Bissex, .zweimal sechs', eine von Van Heck 
in Paris erfundene und von dem dortigen Har- 
fenmacher Naderman um 1770 gebaute Gui- 
tarre mit zwei Gruppen Saiten zu je sechs, von 
denen die eine über das 20 bündige Griffbrett, 
die andre nebenher lief. Das Instrument hatte 
einen Umfang von 3 y, Oktaven. 
V*an Heck, Methode de jouer le Bissez (nur von Laborde 
zitiert). 

Bistemme, dän. .Nebenstimme'. 
Bisameste s. Mestelik. 
Bi-tete, plur. v. I-tete. 
Biti, kongo ,Marimba'. 

W, H. Hentley, Dict. and Gramm, of the Kongo Language, 
London 1887, p. 142. 

Bitu, viti (Fidji-J.) .Flöte'. 

Bitu-uvu, QuerflötederFidjiinseln aus einem 
Bambusinternodium mit 7 Seitenlöchem, drei 
in der Mitte rund herum, je einem als Mund- 
loch neben den verschlossenen Enden und 
endlich zwei zwischen der Mitte und den bei- 
den Enden. Ob wirklich beide Endlöcher zum 
Anblasen bestimmt sind, ist zweifelhaft; beim 
Spielen bleiben jedenfalls die beiden untersten 
Löcher ungedeckt. 



Skala: 



^ ^ -^ 



Brüssel Nr. 1829. 

Bitut, ind. ,Trommelinstrumente'. 

Biuela = Vihuela. 

Biwa, Satsuma Biwa, jap. Lauteninstru- 
ment mit länglichem, abgeplattetem, birn- 
förmigem Holzkorpus, einem Lackstreifen quer 
über die Decke, drei kleinen Schallöchern — 
zwei in elfenbeinernen Halbmonden über die- 
sem Streifen, eins. rund, unter dem Saiten- 
halter — mit stumpfwinklig zurückgebogenem 
Wirbelkasten, 4 stielartigen Wirbeln. 4 hohen 



47 



BIWABON— BLATT 



Bünden auf dem Griffbrett — i Ganz-, 3 Halb- 
töne — und ^^ p p ■«• 
4 Saiten in 9 ' " r' 1 



:3= 



:*: 



die unten auf der Decke an einem Halter be- 
festigt sind. Die Saiten — und zugleich der 
Lackstreifen — werden mit dem Batsi (s. d.) 
in vollen Akkorden geschlagen ; beim Schwin- 
gen treffen sie die Bünde und geben einen eigen- 
artigen VogeltrUler. 

Das Instrument, die alte chinesische P'i-p'a, 
mit der es auch etymologisch zusammenhängt, 
wurde 935 durch Abgesandte des Kaisers Jim- 
myo aus China gebracht. Bei den Japanern, 
die es zur harmonischen Begleitung der alten 
Liebes- und Kriegsgesänge brauchen, ist es 
leichter und eleganter geworden und seine 
Bünde — 4 statt 3 — höher. Nach der Pro- 
vinz Satsuma, in der diese Veränderungen vor 
allem vorgenommen worden sind, heißt es 
auch Satsuma-biwa. 

Vgl. Bugaku-Biwa. — Abb. bei Fi p'a. 

Biwabon, jap. ,Pansflöte'. 

Bizug, syr. ,Tanbür'. 

Bjaelde, dän. , Schelle'. 

Bjalla, anord. ,Glocke', v. idg. bhelso, 
.klinge'. 

Bjällra, Bjellra, schwed. .Glöckchen'. 

Blaasbalg, ndl. .Blasebalg'. 

Blaasinstrument, ndl. .Blasinstrument'. 

Blächer, veraltet (i. H. 18. Jhs.) für Pfeifen- 
stock. 

Bladder-and-string, engl. ,Bumbaß'. 

Bladder-pipe, altengl. ,Platerspier. 

BIsedhorn, ags. ,Horn'. 

Blandede Stern, dän. .Gemischte Stimme'. 

Blasebälge an der Orgel sind seit dem 4. Jh. 
nachzuweisen, und zwar zunächst im ost- 
römischen Reich. Es handelt sich in der gan- 
zen älteren Geschichte der Orgel um Trittbälge 
einfachster Konstruktion, ohne Gewichte oder 
andre Reguhcrungsvorkehrungen. Während 
Anfangs vier Bälge die gewöhnliche Zahl ge- 
wesen zu sein scheinen, wurden im 14. Jh. bis 
zu 24 Bälge verwendet, die zu je zwei von 
einem Kaikanten in der Weise bearbeitet wur- 
den, daß der eine Balg mit dem einen Fuß 
niedergetreten, während der andre von dem 
andern hochgezogen wurde. Die nachteihge 
Unregelmäßigkeit der Windzufuhr, die eine 
derart primitive Vorrichtung im Gefolge haben 
mußte, wurde erst durch die Einführung der 
um 1550 erfundenen Spannbälge (s. d.) be- 
seitigt. Schon früher hatte man die empfind- 
lichen I^dcrfalten durch solche aus Holz, 
meist Eiche, ersetzt (zuerst 14 19 in York 
Minster nachweisbar). Um die Mitte 17. Jhs. 
erfand Foemer die Windwage (s. d.), die eine 



Kontrolle der Windstärke erlaubte und damit 
die Herstellung von Bälgen verschiedener Luft- 
dichte ermögUchte. wie sie die verschiedenen 
Klaviere brauchen. Von den Handbälgen, mit 
denen vom 13. Jh. ab kleinere Orgelwerke ge- 
speist ^vurden, abgesehen, sind bis ins 19. Jh. 
hinein alle Bälge von den Füßen des Kaikanten 
abhängig. 18 19 erfindet Markussen in Apen- 
rade die durch größere Gleichheit der Luft- 
dichte ausgezeichneten Kastenbälge (s. d.), die 
später als Stempelbälge und Kstongebläse ver- 
bessert wurden. Haas bringt als erster Balg- 
maschinen (s. d.), und seit der Jahrhundert- 
mitte werden gelegentlich auch Luftpumpen 
statt der Bälge verwendet. Wo es einiger- 
maßen zu ermögUchen ist, werden heute die 
Bälge hydrauüsch, elektrisch oder durch Gas- 
motoren betrieben. 

Lat. FOLLIS, engl. BELLOWS, ndl. BLAASBALG, dän. 
BUESEBjELG, schw. BLASBALG, wal. MEGIN, ir. BUILG, 
fri. SOUFFLET, it. MANTICE, span. FUELLE, port. FOLLE, 
rum. FOI, rät. BOFFET, rass., ruth., bulg. MJECH, poln. 
MIECH, c. wend. MECH, serbokr. MIEH, slow. MEH, Ut. 
DUMPLES, lett. PLEHSCHAS, estn. LOTS, Biin. PALKEET, 
img. FUV6, ng. <PY^HTHP. 

Vgl. Ausgleichungsbalg, Balgglocke, Balghaus, Balgklaviatnr, 
Balgklavis, Balgmaschine, Balgschwanj:, Doppelbälge, Dnickbalg. 
Faltenbälge, Hinterfalle. Kastenbälge, Kompressionsbalg, Kropf, 
Magadnbälge, Parallelbälge, Pislongebläse, Querbälge, Regu- 
lator, Zyündergcbläse. 

Blaesehartnonika, dän. ,Mundhärmonika'. 

Blasinstrument, ein Instrument, dessen tö- 
nendes Element eine unter dem Anstoß eines 
verdichteten, periodisch unterbrochenen Luft- 
stroms schwingende Luftsäule ist, sei es, daß 
die menschüche Lunge oder ein mechanisches 
Pumpwerk diesen Luftstrom liefert. Wo also 
die Luft nur den Anstoß gibt, wie z. B. bei der 
Äolsharfe, kann von einem Blasinstrument 
— im gewöhnlichen Sinn — nicht die Rede 
sein. 

Engl. WIND-INSTRUMENT, ndl. BLAASINSTRUMENT, dän 
BL.ESE1NSTRUMENT, schw. BLASINSTRUMENT, wal. OF- 
FERYN CHWYTH, fr. INSTRUMENT X VENT, it. STRU 
MENTO A FIATO, sp. INSTRUMENTO DE VIENTO. port 
INSTRUMENTO DE SÖPRO, rät. INSTRUMAINT DA FLED, 
russ. DUCHOVOJ INSTRUMENT, bulg. DUCHOV INSTRU 
MENT, 0. DECHOVI NASTRO], poln. INSTRUMENT D^TY, 
kr. SVIRALJKA. Ut. PI'CZ1ANL\S STREMENTS, lett 
PUHSCHAMS MUSIKA RIHKS, estn. PUHUTUS-MANNI 
RIST, fion. PIH.\LLUS01TIN, ung. FUVOHANGSZER, agr 

•EMn.\Kr2:TÖy -oita .vo.y. 

Vgl. Aerophor, BlechWaslnstrumente , Flöte, Griffloch. H«r 
monium, Holzblasinstrumenlc. Hom, Kappe, Klappen. Mittel 
stück, Mundh.irmonik.i. Mundstück, Orgel, Pfeife, Schallstück, 
Schalmei, Sirene, Transponierende Blasinstrumente, Ventil, 
Zunge. 

Blaterpfife, mhd. .Platerspiel'. 

Seifried Helbling XIV 47. 

Blatt, kurze Bezeichnung für die aufschla 
gcnde Zunge der Klarinette. 

Vgl. Blallschraube. 



48 



BLÄTTCHEN— BLOCKFLÖTE 



Blättchen, das vorspringende Holzstückchen 
am Boden der Geigenmstrumente, das den An- 
satz des Halses bedeckt; 

Engl. BUTTON, fr. TALON. 

Blattschraube, ein breiter, durchbrochen ge- 
arbeiteter, durch Schrauben geschlossener 
Ring, mit dem das Blatt auf der Bahn des 
Klarinettenschnabels befestigt wird. Dieser 
Vorrichtung , die vor dem Festschnüren des 
Blattes den Vorzug größerer Einfachheit hat, 
wird der Vorwurf gemacht, daß sie die unter 
dem Einfluß der zunehmenden Erwärinung 
entstehenden Veränderungen des Schnabels 
nicht mitmache und daher einen ungleich- 
mäßigen Druck auf das Blatt ausübe. Neuer- 
dings — seit 1893 — bringt Fr. Pfaff in Kai- 
serslautern eine Blattschraube in den Handel, 
die beide Systeme vereinigt, indem die beiden 
Teile, in die der Ring zerlegt ist, durch eine 
in parallelen Lagen geführte Schnur verbun- 
den sind (DRGM. Nr. 13079). 

Engl. REED HOLDER, ndl. RIETBINDSEL, fr. PRESSE- 
ANCHE, it. LEGATURA, sp. ABRAZADERA, port. ABRA- 
tIADEIRA, ung. NVELVSZORITÖ. 

Blaturspil s. Platerspiel. 

Blechblasinstrumente ist der gebräuchliche, 
aber sehr anfechtbare Name der Kesselmund- 
stückinstrumente. Anfechtbar ist er deswegen, 
weil einmal das Material ziemUch unwesent- 
hch ist, dann aber vor allem deswegen, weil 
ein großer Teil von älteren Instrumenten die- 
ser Klasse aus anderem Material hergestellt 
wurde, z. B. Zinken, Baßhömer, Russische 
Fagotte, viele sog. Holzblasinstrumente da- 
gegen ihrerseits mitunter oder immer aus 
Blech sind, z. B. Flöten, Klarinetten, Saxo- 
phone. 

Engl. BRASS INSTRUMENTS, dän. BLIKINSTRUMENTER, 
schw. MASSINGBLASINSTRUMENTER, ndl. KOPEREN 
BLA.^SINSTRUMENTEN, fr. CUIVRES. kr. LIMENI PUHA- 
LACKI NASTROJ, it. OTTONI, sp. INSTRUMENTOS DE 
COBRE, p. INSTRUMENTOS DE LATÄO, niss. MJEDNVE 
INSTRUMENTY, c. PLECHOVE NASTROJ E DECHOVE, 
poln. INSTRUMENT D^TY METALOWY. 

Blende, eine Nische mit blinden Pfeifen im 
Orgelprospekt. 

Bledhorn, ags. ,Horn'. 

Blikan, ein kahnförmiges Lauteninstrument 
•der Dajaken auf Bomeo, über einen Meter 
lang, nach dem Hals zu spitz, am entgegen- 
gesetzten Ende gerade abgeschnitten, mit 
2 Rotansaiten, die auf dem Stiel verkürzt und 
mit den Fingernägeln angerissen werden. Im 
Gegensatz zum Safe ist es von oben her aus- 
gehöhlt und mit einer dünnen Holzdecke ge- 
schlossen. Die Verbreitung des Instruments 
ist zurückgegangen. 

Blikinstrument, dän. .Blechinstrument'. 

Blinde Klaviatur s. Blinde Tasten. 



Blinde Pfeifen sind stumm und stehen nur 
,zur Zierde' im Orgelprospekt. 

Fr. TUYEAU POSTICHE. 

Bünde Register s. Dämme. 

Blinde Registerzüge, Stumme Register- 
züge, sind erstens diejenigen Züge, die die 
Orgel erst in Verbindung mit khngenden Re- 
gistern zum Tönen bringen, also die Koppeln, 
Crescendozüge usw., femer die, denen einst- 
weilen noch in Erwartung besserer Zeiten die 
Pfeifen fehlen, die, die eine der früher beUebten 
Spielereien wie Adler, Fuchsschwanz etc. ein- 
schalten, und endhch diejenigen, die, nur der 
Symmetrie wegen angebracht, überhaupt nicht 
gezogen werden können und deshalb häufig 
als , Ductus inutihs', ,Exaudire', ,Manum de 
tabula', , Nihil' oder ,Noli me tangere' ange- 
zeichnet wurden. 

Engl. (ACCESSORY STOPS), ndl. BLINDE REGISTERS, 
russ. SLEPYE REGISTRY. 

Vgl. Adler. Da\-id. Engelzug, Fuchsschwanz, Hahn, Sonne, 
Speculnm, Zymbelstem. 

Blinde Tasten sind bei der Orgel die Tasten, 
die, ohne mit einer Pfeife in Verbindung zu 
stehen, nur zur Ausfüllung der Kurzen Oktave 
dienen, femer alle Gabeln und Frösche, end- 
Uch auch die unbelegten Hinterarme der rich- 
tigen Tasten. 

Blindlade, Blinde VVindlade, nennt man 
eine kleine Windlade, die einstweilen unbe- 
nutzt ist, bei einer Vermehrung der Stimmen 
aber an die große Windlade durch Anbohrung 
angeschaltet werden kann. 

Block, engl. , Stock' (Vioüne), ,Nuß' (Zun- 
genpfeife). 

Blockflöte müßte im Grunde jede Schnabel- 
flöte heißen, weil bei ihr die Kemspalte durch 
einen die Röhre oben abschheßenden Block ge- 
legt ist. Im besondem bezeichnet man mit 
diesem Namen die bis etwa 1750 gebrauchte, 
von den Franzosen , Flute douce', von den 
Engländern , Recorder' genannte Schnabel- 
flöte mit 8 Grifflöchern, das sanfteste, im Chor 
— bis zu 21 Instrumente — überaus feierliche 
Instrument. 

Die Löcher dieses Instruments sind folgen- 
dermaßen über das Rohr verteilt: das erste 
dient dem Daumen der Oberhand und sitzt 
auf der Hinterseite ; dann hegen in einer Reihe 
auf der Vorderseite 6 Löcher für die mittleren 
Finger beider Hände ; endhch ganz unten 
rechts und hnks außerhalb der Reihe zwei 
Löcher für den kleinen Finger der Unterhand ; 
je nachdem der Spieler die rechte oder hnke 
Hand unten hält, benutzt er das eine oder an- 
dere Loch, während er das andere mit Wachs 
verstopft. Mersenne leitet aus dem doppelten 
Vorhandensein des Seitenloches die Berech- 
tigung her, die Flute douce eine Neunlochilöte 



Sach s 



49 



BLOCKFLÖTE 



zu nennen. Uns erscheint diese Bezeichnung 
nicht rätlich, nicht nur, weil tatsächüch immer 
nur 8 Löcher in Gebrauch waren, sondern auch 
deswegen, weil von der 2. H. 17. Jhs. ab statt 
der zwei Seitenlöcher ein einziges auf einem 
ringartig drehbaren Stück verwendet wurde, 
eine Vorrichtung, die zugleich erlaubte, das 
Loch je nach der Länge des kleinen Fingers in 
eine bequeme Lage zu bringen. 

Der früheste Beleg für das Vorkommen der 
Blockflöte ist eine französische Miniatur des 
1 1 . Jhs. ; die sieben Grifflöcher sind zum ersten- 
mal in einer byzantinischen Buchmalerei des 
13. Jhs. sichtbar. Von einem eigenthchen Her- 
kunftsland der Blockflöte kann vorläufig kaum 
die Rede sein, weil es sich um die or- 
ganische Weiterentwcklung eines ur- 
alten Typus handelt. Immerhin hat 
sicher England einen hervorragenden 
Anteil an dieser Entwicklung, wie nicht 
nur aus ihrem späteren kontinentalen 
Namen ,Fistula angUca' oder ,Flüte 
d'Angleterre' hervorgeht, sondern auch 
aus den Tatsachen, daß die englische 
Sprache als einzige ein eigenes Wort 
für das Instrument — recorder — ge- 
bildet hat und daß während der ganzen 
Lebensdauer dieser Flöte — selbst die 
puritanische Epoche nicht ausgenom- 
men — gerade England seiner Her- 
stellung und Verbesserung und seinem 
Spiel eine besonders liebevolle Pflege 
widmete. 

Als Hauptinstrument der Schnabel- 
flötenfamiüe wurde die Blockflöte 
schon früh in mehreren Größen gebaut. 
In das 16. Jh. tritt sie in drei verschie- 
denen Stimmlagen ein: Diskant, Alt- 
Tenor und Baß. Die Flöte mittlerer 
Größe hatte nach oben und unten hin genügen- 
den Umfang, um sowohl die Alt- wie die Te- 
norpartieen ausführen zu können, so daß sie 
in einem vierstimmigen Flötenchor doppelt 
vertreten war. Die drei Lagen standen im 
Quintverhältnis zueinander; die Ausgangs- 
töne waren /, c' und g'. Erreicht wurde eine 
Höhe von fast 2 Oktaven: d", h" und fis'". 
Der größere Lochabstand des Baßinstruments 
hätte ein Erreichen des 8. Loches unmögUch 
gemacht. Man half sich mit einer Klappe mit 
zweiflügligem Hebel, der ebenfalls den behe- 
bigen Gebrauch der linken und rechten Hand 
gestattete. Wie alle Klappen jener Zeit war 
sie durch eine abstreifbare, durchlöcherte, ton- 
ncnförmige Kapsel gegen äußere Beschädi- 
gungen geschützt. Im Laufe des Jahrhunderts 
wird die Familie nach unten und besonders 
nach oben hin vermehrt. Praetorius kennt 



8 Größen. Die drei alten werden nun \\t-, 
Tenor- u. Bassetflöte genannt. Als Abschluß 
in der Tiefe ist eine Baßflöte in B und eine 
Groß-Baßflöte in F von etwa 2,20 m Länge 
hinzugekommen. Nach oben zu hatte man 
vier kleinere Typen gebaut. Die ganze Reihe 
stellte sich am Anfange des 17. Jahrhunderts 
so dar: 



5. Tenorflöte in c', 

6. Bassetflöte in /, 

7. Baßflöte in B. 

8. Groß-Baßflöte in F. 



DISKANT- 
BLOCKFLÖTE 
im Besitz des 
Verlassers 



1. Klein Flötlein in g", 

2. Diskantflöte in d", 

3. Diskantflöte in c", 

4. Altflöte in g'. 

Die beiden tiefsten Arten ^^•nrden mittels 
eines S-Rolirs aus Metall angeblasen. Im 
17. Jahrhundert verbesserten die Eng- 
länder die beiden größten Flöten we- 
senthch durch Hinzufügung von wei- 
teren Klappen. Die Abbildungen, die 
Mersenne von einigen tiefen Flöten, 
einem enghschen Geschenk an einen 
französischen König — er sagt nicht 
welchen, — gibt, verschaffen einen ge- 
nügend klaren Einbhck in diese Me- 
chanik. Die reichUch verlängerte Ton- 
nenkapsel enthält außer der übhchen 
offenen Klappe für den tiefsten Ton 
(Fbzw. B) eine zweite, geschlossene 
Klappe, deren Öffnung den bis dahin 
fehlenden ersten Halbton. Fis bzw. H 
ergab. Auf dem ebenfalls etwas ver- 
längerten unteren Teil der Röhre liegen 
dann noch zwei Klappen, eine jede 
durch eine kleine viereckige, durch- 
löcherte Kapsel aus Messing geschützt ; 
die eine, offene, ergab jedenfalls Es 
(As), die andre, geschlossene, den Halb- 
ton E [A). Beide Klappen wurden 
mittels kleiner kupferner Pedale re- 

^ Zu diesem Typus gehört die 2,62 m 

lange Flöte derSteen-Sammlung in Antwerpen. 
Die hohen und tiefen Arten, mit denen das 
17. Jahrhundert die Flötenfamihc bereichert 
hatte, konnten sich nicht lange halten. Die 
außerordentliche Anstrengung, die mit dem 
Blasen und Handhaben der Baß- und Groß- 
baßflöten verbunden war. auf der einen Seite, 
und die X'erv'oUkommnung der in der Höhe be- 
deutend ausdrucksfähigeren Querflöten auf der 
andern räumten sie rasch aus dem Wege. Zu 
Matthesons Zeit (1713) hatte man .vomemüch' 
nur noch 3 Arten. Diskant (/'—/" ')-Alt (c— c'") 
,und die dritte / welche unschuldiger Weise 
Baß-Flöten genennet werden' (/—/"). Es ist 
eine Rückkehr zu dem Bestand vom Beginne 
des 16. Jahrhunderts; man hat nur die alte 
Quintenstimmung aufgegeben und sie durch 
die moderne tonale Quint-Quartenstimmung 



giert. 



50 



BLOCKFLÖTE 



ersetzt, so daß die Diskantflöte — bei Praeto- 
rius ,Alt' genannt — einen Ton. tiefer stimmen 
mußte, um in der höheren Oktave des Basses 
zu stehen. 20 Jahre später führt Walther in 
seinem Lexikon 4 Arten auf: die eigentliche 
Flute douce (/' — g'"), die Altflöte oder Taille 
(c'—c'") und die Baßflöte (Flautone), endlich 
die gemeine oder Quartflöte, die angcbUch den 
Umfang c' — c'" hatte, tatsächlich aber eine 
Oktave höher stand, wie aus Phihpp Eiseis 
,Musicus aiiToSiSaxTog' von 1738 klar hervor- 
geht. Schon bei Speer (1687) kommt der Name 
vor, und das Instrument selbst wird als ein- 
ziges Spezimen der Flötenfamilie behandelt. 
Diese Quartflöte ist nichts anderes als die 
größere Diskantflöte des Praetorius, und ihr 
Name selbst muß noch aus der Zeit stammen, 
in der die nächsttiefere Art nicht in /', sondern 
noch im alteng' stand. J. F. B.C. Majers, Neu- 
eröffneter Theoretisch- und Pracktischer Mu- 
sic-Saal' von 1741 erwähnt die Quartflöte nicht 
mehr. Nach der Mitte des achtzehnten Jahr- 
hunderts sterben die Flütes douces langsam 
aus. Die Generation Bachs empfand bereits 
das, was Mattheson über das Instrument 
dachte: ,Ob nun gleich eine solche Flute douce 
das allerleichteste Instrument ist und scheinet/ 
so fatiguiret es doch den Spieler so wol als den 
Zuhörer/ wenn es sich zu lange hören last. Denn 
dem ersten kostet eine Flöte viel mehr Wind als 
einBasson, Hautbois, oderTraversiere. und der 
andere kanihrer/wegen der sanfftenu. kriechen- 
den Eigenschafft leicht müde und überdrüssig 
werden'. Neben der verbesserten Querflöte 
konnte die Schnabelflöte nicht mehr bestehen. 
Die äußere Gestalt der Flöte hat am Ende 
ihrer Laufbahn eine in die Augen fallende Ver- 
änderung erfahren. Die alte Flöte ist aus 6inem 
Stück geschnitten ; höchstens sind Schnabel 
und Fuß angesetzt. So hatte das Instrument 
ein einfaches, stabartiges Aussehen. Als man 
in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts be- 
gann, das unpraktische Doppelloch für den 
kleinen Finger durch ein einfaches bewegliches 
Loch zu ersetzen — zuerst erkennbar in einem 
Holzschnitt in den ,Opuscula Miscellanea' des 
Arztes Hieronymus Cardanus, Operum tom. 
X, Lugduni 1663, p. 113 — war man gezwun- 
gen, unten eine starke Verdickung anzubrin- 
gen. Man verfertigte einen pilzförmigen Fuß, 
dessen oberer, dicker Teil das Griffloch ent- 
hielt ; dieses ist schräg in einem Winkel von 45* 
derart gebohrt, daß es außen mit dem Finger 
bequem erreichbar ist, innen jedoch erst unter- 
halb der Tülle, mittels deren der Schaft des 
Instruments in den Fuß gesteckt ist, in den 
Luftkanal einmündet; eine Verdickung des 
Fußes war also geboten. Das Barockzeitalter 



mit seinem stärkeren Bedürfnis nach Formen- 
reichtum stellte der unteren Ausbauchung eine 
Anschwellung oben unterhalb des Windloches 
gegenüber und gab auch dem Schnabel eine 
gefällige Tulpenform. 

Schließlich muß dem Abschnitt über die 
Blockflöte noch eine Bemerkung über das 
Diapason des Instruments nachgeschickt wer- 
den. Alle Autoren des 16. Jahrhunderts no- 
tieren übereinstimmend die Ausgangstöne der 
3 ursprünglichen Arten mit F, c und g. Dieser 
Angabe steht Matthesons Bemerkung gegen- 
über, daß ,Tieffer', nämlich als die von ihm 
genannte Baßflöte in /, , aller Mühe unge- 
achtet/ auf den Flöten nicht bringen können". 
Neuere Schriftsteller, Wasielewski (Gesch. d. 
Instrumentalmusik im 16. Jh., Berhn 1878, 
S. 81 Anm. 1) und Nottebohm (Deutsche Mu- 
sikztg. 1861 S. 265), haben daraus den Schluß 
gezogen, daß Virdung, Agricola und Prätorius 
eine Oktave zu tief notiert haben ; dem wider- 
spricht Euting (S. 18), weil sich tiefere Exem- 
plare erhalten haben. Beide Parteien haben 
recht und unrecht. Die erstgenannten Schrift- 
steller werfen Virdung und Argicola mit Recht 
eine zu tiefe Notierung vor, dem Prätorius aber 
mit Unrecht. Denn die alten Diskant- und Alt- 
Tenorflöten hatten keine Klappe, besaßen dem- 
nach eine Größe, die es noch gestattete, das 
unterste Loch mit dem Finger zu erreichen; 
erst die sogenannte Baßflöte brauchte der 
größeren Lochentfemung wegen eine Klappe. 
Die diesen Verhältnissen entsprechenden Güe- 
der der Prätorius'schen Schnabelflötenfamilie, 
die Alt-, Tenor- und Bassetflöte, decken sich 
auch in der Stimmung mit den alten, sind je- 
doch richtig eine Oktave höher notiert. Prä- 
torius wußte wohl, daß es sehr schwer ist, die 
richtige Höhenlage einer Flöte festzustellen ; 
ihre Armut an Obertönen läßt sie tiefer er- 
scheinen, als sie in Wirklichkeit klingt. Des- 
wegen hat er nichts dagegen, daß die (soge- 
nannte Tenor-)Flöte in c' ,nicht allein zum 
Discant, sondern auch zum Tenor eine Octav 
drunter, gebraucht werde / Wie es dann in 
gemein von ethchen Instrumcntisten dafür ge- 
halten wird, daß dieser Art Plock- und Quer- 
flöten, ein rechter Tenor am Laut und Sono 
sei; und derselben unterster Clavis, den Cla- 
vem c oder d im Tenor, und also ihren Laut 
auf vier Fuß-Ton (nach Orgelmacher-Mensur) 
von sich gebe'. Wenn Mattheson sclireibt, daß 
man tiefer als / auf dieser Schnabelflöte nicht 
gehen könne, so beweist das nur, daß die um 
1600 gebauten Baß- und Großbaßflöten im 
18. Jahrhundert bereits vergessen waren. 

Engl. RECORDER, nd). HAANDTFLUVT, dän. BLOCK- 
FL0JTE, schw. BLOCK-FLOJT, fr. FLÖTE DOUCE, it. 



51 



4* 



a BLOCKFLÖTENQUINTE— BOEHMFLÖTE b 

FLAUTO. sp. FLAUTA UE PUNTA. pori. FLAUTA DE deutsch von Schaum bei Kühnel in Leiozie 

PONTA.^i^ FLET DZ70BK0VVY ^„^er dem Titel .Über den Bau der VioUn 

Ganassi. Sylv. di, dal Fontego, Opera mtitulata Fontegara -r>^i_ jtr-i ii(//%wi 

la quäle insegoa a sooar. di flauto, Ven. .,35. - Biancken- Bratsche und ViolonzeU (1806) herausgegeben 

burgh, G. van, Onderwynnge hoe men alle de Toonen en halve worden. 

Toonen, die meest gebniyckelyck z>-n. op de Handt-Fluyt zal Engl. BACK, ndl. ONDERBLAD, dän. BUND, schwed. BOT- 

konnen f eenemael zuyver BlaeJen. Amsterdam 1654. — Welch, TEN, fr. FOND, it. FONDO, poln. SPODNIA DEKA, serbo- 

C, Six Lectures on the Recorder, London 1911. kr, DOLJNI. 

Vgl. Altflöte, Bassettflote, Baßflöte. Diskantflöte, Doppelflöte, Boehmflöte, eine Querflöte mit dem Theo- 
Flageolett, GroBbaßflöte, Klein Flötlein, Narrenflöte, Quart- uu-o,,. t?, ■. 
flöte, Recorder, Tenorflöte. '^'^^^ Boehm schen Bohrungsprinzip, das im 
In der Orgel ist Blockflöte eine Labial- wesentUchen darauf beruht, die Grifflöcher 
stimme im Manual mit pyramidalen, oben sehr ^^'^ht nach den Grundsätzen der bequemsten 
engen offenen, halb- öder ganz gedeckten Spielart zu bohren, sondern streng nach akus- 
Holz- oder MetaUpfeifen, zu 2, 4, 8 oder 16' tischen Gesetzen, und dann erst mit Hilfe der 
mit sehr sanftem, aber etivas stumpfem Ton. Klappen die Appükatur zu ermöghchen, genau 
Die engüsche Block-Flute ist eine offene. ^^ ^^ ^chon vorher Almenräder beim Fagott 
kräftige Labialstimme zu 2'. gemacht hatte ; die Bohrungsform der Röhre 
Lat. TIBIA VULGARIS. i^t dabei nicht ausschlaggebend, obwohl die 
Blockflötenquinte, eine veraltete, als Rohr- zylindrische stark überwiegt, 
flöte gebaute Blockflötenstimme zu 2V3' mit ^'^^ Ausgangspunkt für Boehms Reform 
sehr schwachem Ton. ^°*^ ^^ Flöte mit besonders weitgebohrten 
Blosberk, wend. .Blasebalg' (Mfichawa). Grifflöchern von Charles Nicholson in London. 
Blower, engl. .Gebläse'. deren kraftvollen Ton er 1831 zu bewundern 
Blowing action, engl. .Hebewerk, Anblase- Gelegenheit hatte. Auch die Versuche des 
mechanismus'. Hauptmanns Gordon. der das ii-Loch tiefer 
Bnlo, Bnlce. Bhjio, Bnjme, asi. .Glocke'. bohrte und die F- Klappe durch eine Ring- 
Boben, sloven. .Trommel'. klappe ersetzte, fielen ins Gewicht. 1832 ent- 
Bobghani, gros. .Trommel. Pauke', seltener stand die erste Flöte neuen Systems. 
.Hackbrett'. Die genauen Maße dieser Flöte wareH: 

Bobnica, cam. .Pauke'. Kopfstück. Länge des Zylinders vom Stöpsel ab 14,00cm 

Bohre, madag. Musikbogen mit Resonator. Weite 1,84 ein 

Bocal, frz. port. .S-Rohr'. ""nJ" w''-. ^°^° ^*'f''"° 

„ ' .^ , ^ ., ,, , , Obere Weite 1,84 cm 

Bocca, ital. .Mundloch . Untere Weite ,,jocm 

Bocca zeppata, ital. wissenschaftliche Be- Fuß. Länge des konischen Teiles 8,00cm 

Zeichnung für das Mundstück der Schnabel- °^" *"'= '■'* "° 

«... Untere Weite 1,10 cm 

' Länge des zylindrischen Teiles 4.00 cm 

Bocchino, ital. .Mundstück', bestehend aus . Weite 1,10 cm 

orlo (Rand), bacino (Kessel) und spina Gesamtlänge der Lultsäule 6o,8ocm 

(Loch); romagn. bochi. Im Jahre 1846 folgte ein neues Modell mit 
Bocina, span. ,Hom. Jagdhorn, Waldhorn. dem Klappensvstem des älteren, aber mit ab- 
Sprachrohr'; dim. bocinilla. weichender Bohrung des Tonkanals. Anstatt 
Bocine, Boccine. altfrz. .Busine'. der bisherigen, überiviegend konischen Boh- 
Bock, I. eindemfr. chevrette, dem mlat. rung hatte es eine zylindrische, die sich inner- 
cabretaund dem poln. koza entsprechender halb des Kopfstücks parabolisch bis zum 
deutscher Name für die alte große Sackpfeife Mundloch verengerte. Die Korrektheit der 
mit einem Bordun in C und dem Melodie- Intonation und die Ausgeglichenheit des Tones 
umfang H—c'. Als Großen Bock bezeichnete gewannen dadurch wesentlich, 
man eine Sackpfeifc mit dem gleichen Melodie- Natüriich hat auch die Boehmflöte im Laufe 
umfang, aber einem größeren Bordun in GK der Zeit Änderungen erfahren. Wir beschrän- 
2. Ein von Prätorius 234 (202 ) überUeferter ken uns darauf, die früheste zu nennen: Coche 
Name des Rückpositivtremulanten. in Paris ersetzte die offene Gjs-Klappc durch 
Boczka, poln. .Zarge'. eine geschlossene, um der alten Applikatur 
Bo^i 7-^' kurd. .Hals'. entgegenzukommen [Coche. Examen critique 
Boden heißt die Unterseite des Schall- de la flute ordinaire compar6e ä la flute Boehm. 
kastens. Genaue Messungen hat der Paduaner Paris 1838]. und brachte neben anderen Mo- 
Antonio Bagatella in seiner preisgekrönten difikationen eine Klappe zur Erleichterung des 
Akademieschrift .Regolc per la costruzione dei Cis-£)i5-Trillers an. 

Violini. Viole, Violoncelli e Violoni. Padova Boehms Neuerungen haben eine völlige Re- 

1786' veröf fenthcht ; die Arbeit ist auch volution nicht nur im Flöten-, sondern im 



52 



BOEHMKLARINETTE — BOGENGUITARRE 



Holzblasinstrumentenbau überhaupt hervor- 
gerufen. Die Gegner, die ihre Grifftechnik 
nicht zugunsten einer neuen aufgeben wollten, 
warfen seinem System freilich die Preisgabe 
des charakteristischen Flötentons vor. 

Literatur: Boehm, Th., Ober den Flötenbau. Mainz 1847. — 
Boehm, Th., Die Flöte und das Flötenspiel. 1871. — Mahil- 
lon, V., Etüde sur le Doigt6 de la Flute Boehm. Bruxelles 
1882. — Broadwood, W. S.. Boehm on the Flute. — B., M., 
Zur Erinnerung an Theobald Boehm. s. 1. s. d. — Welch, Chr., 
History of the Boehm-Flute. London i8g6. — Wysham, H. C, 
The Evolution of the Boehm Flute. Elkhart 1898. — JulUot, 
Dj., Notice concemant les Am^liorations apport^es ä la Flute 
de Theobald Boehm. 1905. — Boehm, Th., Flutes and Flute- 
playing. London 1910. — Vgl. Kalophon, Ringklappen. 

Boehmklarinette, eine Klarinette von Th. 
MoUenhauer in Fulda {1867) mit dem ge- 
samten Mechanismus der Boehmflöte. Die 
Boehm'schen Ringklappen hatte bereits 1839 
— nicht 1843 — Louis- Aug. Büffet jeune in 
Paris auf die Klarinette übertragen. 

Vgl. Clarinette omnitonique, Deutsche Normalklarinette. 

Boeloe s. Bulu. 

Boenboengan s. ,Bunbungan'. 

Boffet, räto-rom. .Blasebalg'. 

Bogen, I. Das Werkzeug, mit dem die Sai- 
ten der Streichinstrumente zum Erklingen ge- 
bracht werden. 

Die Frage nach der Herkunft des Bogens 
hat zu vielen Kontroversen Anlaß gegeben. 
Es kann jetzt als einigermaßen gesichert gel- 
ten, daß er in Indien in uralter Zeit erfunden, 
oder — besser gesagt — zuerst in unserm Sinne 
zur Verwendung gekommen, von dort nach 
Persien gelangt, im 6. Jh. bei Gelegenheit des 
großen Einfalls der Araber von diesen über- 
nommen und nach Nordafrika und Spanien 
gebracht worden ist. Der früheste Beleg für 
sein Vorkommen in Europa soll ins 8. Jh. ge- 
hören (Herb6, Costumesfran9ais),istaberm.E. 
nicht ganz zuverlässig. Aus dem 9. ( ?) bringt 
Gerbert in ,De cantu et musica Sacra' ein 
Beispiel. 

Die primitive Form des Bogens ist aller- 
orten die gleiche, aus einem bogenförmig ge- 
krümmten Stück elastischen Holzes oder 
Rohres und einer an dessen Enden befestigten 
Haar-, meistens Roßhaarsträhne. Unter- 
schiede bestehen im wesentlichen nur in dem 
gewählten Material und in den bevorzugten 
Maßen. 

Auch im Abendland bleibt diese Form das 
ganze Mittelalter hindurch die herrschende. 
Seltener kommt daneben ein Bogen mit langer, 
gerader, nur an der Spitze scharf umgebogener 
Spitze vor. Im 15. Jh. setzen die Anfänge von 
Kopf und Frosch ein; bis etwa 1650 ist der 
Frosch ausgebildet, aber noch immer fest mit 
der Stange verbunden. Die zweite Jahrhun- 
derthälfte befestigt auf dem Rücken der Bo- 



genstange eine Zahnstange, die es erlaubt, die 
Stellung des Frosches und damit die Spannung 
der Haare behebig zu ändern. Diese Zahn- 
stange, die den Spieler behinderte, wurde um 
1700 durch die noch heute gebräuchhche 
Schraube ersetzt. Corelli verbesserte die 
Spitze, so daß die Haare oben we unten gleich- 
weit von der Stange entfernt waren; Tartini 
verlängerte und streckte um 1730 die Stange 
und kannelierte sie am Unterende, um der 
führenden Hand mehr Halt zu gewähren; 
diese Kanneherung wurde in der Folge auf die 
ganze Stange ausgedehnt, weil sie das Gewicht 
verringerte, ohne die Haltbarkeit und Elasti- 
zität zu beeinträchtigen. Gegen 1770 schneidet 
der Viohnvirtuose Wilh. Gramer in Mannheim 
den Frosch vom und hinten aus, um ihn noch 
leichter zu machen, und stellt den Kopf im 
rechten Winkel zur Stange ; dieses System be- 
währte sich nicht, weil der Bogen oben im Ver- 
hältnis zu schwer wurde. Endlich gab Fran9ois 
Tourte in Paris um 1780 dem Bogen seine 
heutige Gestalt, indem er den Kopf leichter 
machte, die Krümmung der Stange, ihre Ent- 
fernung von den Haaren, die Länge (75 cm für 
die Viohne, 74 für die Bratsche, 73 für das 
Violoncello) endgültig feststellte, eine Metall- 
schraube für den Frosch erfand, den Bezug 
bandförmig disponierte und nach langen Ver- 
suchen ausschließhch Pernambukholz als Ma- 
terial für die Stange verwendete. 

2. Die Einsatzstücke der Kesselmundstück- 
instrumente s. Stimmbögen. 

Engl. BOW, ndl. STRIJKSTOK, vlaem. BOOG, dän. BUE, 
schwed. STRAKE, wal. BWA, ir. gael. BOGHA, fr. rät. AR- 
CHET, it. sp. port. ARCO, rum. ARC, russ. SMVCOK, polD. 
SMYCZEK, c. SMYCEC, kr. LUf'AC. wend. HL'DZENC, üt. 
STRVKAS, lett. GREESCHAMAIS, estn. WIBU, slow. LOK, 
ung. VONÖ, ngr. TOSAPI. 

Vgl. Archet ä recouvrement, Bezug, Deutscher Bogen, Fran- 
zösischer Bogen, Frosch, Kopf, Kyu, Poignte, Schwanenhals- 
bogen. Stange, Sz hien kung. — Saint George, H.. The violin 
bow. New- York 1896. — Der Geigenbogen, seine Entwicklung 
und seine Meister. Zfl X.XII. — Passagni, L, L' archetlo: 
notizie storico-artistiche, fabbricatori ecc., con note ed iUu- 
strazioni. Sesto S. Giovanni 1908. 

Bogenflügel s. Streichklavier. 

Bogenguitarre nannte man eine 1826 erfun- 
dene Streichguitarre, die statt der Rose zwei 
F-Löcher hatte. ,Sie hat den Ton eines eng- 
lischen Hornes', schreibt ein Berichterstatter, 
,ist jedoch zarter und hat von allen Saiten- 
instrumenten den Vorzug, daß man drey Töne 
zugleich darauf aushalten, die chromatischen 
Scalen mit der reinsten Intonation behandeln 
und sechsstimmige Arpeggiaturen anwenden 
kann'. 

Im Grunde stellt die Bogenguitarre nur eine 
handlichere Form des Arpeggione dar. 

AMZ XXVni 319. — Heyer Nr. 610. 



53 



BOGENH AMMERKLAVIER — BOMBARDON 



Bogenhammerklavier, geb. 1779 von Karl 
Greiner in Wetzlar, eine Kombination des 
Streichklaviers mit dem Pianoforte. 

Cramers Mag, d. Mus. 1783, S. 661. — Vgl, L>TO-Vis-Pianoforte. 

Bogenharfe, die ursprüngliche Form der 
Harfe, mit einem aus dem SchaUkörper heraus- 
wachsenden bogenförmigen Hals. 

Bogeninstrument =; Streichinstrument. 

Bogenklaviatur, eine Klaviatur mit bogen- 
förmiger, konkav-radialer Tastenanlage, die 
es dem Spieler ermöglicht, stets die gleiche 
Handstellung beizubehalten, ohne an den Kla- 
viaturenden die Handgelenke nach außen 
stellen zu müssen. Zugleich gestattet diese 
Anlage eine Verschmälerung der Tasten und 
damit eine größere Weitgriffigkeit. Die erste 
Bogenklaviatur ist 1824 von Georg Staufer 
und Max Heidinger in Wien angewandt wor- 
den. Ihr folgte um die Jahrhundertmitte die 
Klavier-Bogentastatur von Wolfel in Paris. 
1881 erhielt Gust. Neuhaus ein DRP. für eine, 
von W. Neuhaus Söhne in Kaikar hergestellte 
Bogenklaviatur [G. Neuhaus, Das Pianoforte 
mit konkav-radiärer Klaviatur und konzen- 
trischer Anschlagshnie, Beriin 1881]. Das 
neueste und zugleich erfolgreichste System — 
erfolgreich allerdings im bescheidensten Sinne 
des Worts — ist das des Austrahers Ferd. Clut- 
sam (DRP. Nr. 21 1650 vom 21. Juh 1907), das 
eine flachere Rundung und nach den Enden 
zu eine abnehmende Tastenlänge hat. 

Eine Abart der Bogenklaviatur bildet die 
sog. Strahlenklaviatur (s. d.). 

Beim Orgelpcdal kann die Bezeichnung Bo- 
genklaviatur auch noch einen andern Sinn 
haben: das Zentrum des Bogens liegt dann 
nicht vor sondern über der Klaviatur; die 
Tasten sind nicht vorgerückt, sondern erheben 
sich von der Pedalmitte nach außen hin um 
ein paar Zentimeter, damit das Bein des Spie- 
lers stets senkrecht zu ihnen, nicht schief steht. 
Erfinder dieses übrigens neuerdings wieder 
warm empfohlenen Systems war um die Mitte 
19. Jhs. Joh. Frdr. Schulze in Paulinzelle. 

Engl. CONCAVE KEVBOARD. 

Bogenklavier = Streichklavier. 
Bogha, ir. gacl. , Bogen'. 
Bogir, Name der Signal-Holztrommel in 
Sissanu (Deutsch-Neuguinea). 

Neuhauss, Deutsch-Neugmnea I 316. 

Bögö, ung. ,Baß'. 

Bois, frz. ,Holz' ; kurze Bezeichnung der 
Holzblasinstrumente. 

Boisine, altfrz. , Busine'. 

Boisseau, frz. der feste Teil der Hornröhre, 
in den die Stirambögen gesteckt werden, die 
Scheide. 

Boite ä musique, frz. .Spieldose'. 



Boite expressive, frz. .Schwellkasten'. 

Bok, arab. s. Büq. 

Bokan s. Krotong. 

Bokhi, grus. ,Baß'. 

Bokin(a), BoKHH(a), serbokr. ,Mundstück'. 

Boletön, Psalteriuminstrument der Philip- 
pinen vom Vahhatypus, bestehend aus einem 
50 — 60 cm langen Bambusinternodium, über 
dessen Knoten noch etwa eine Handbreit Ne- 
benwandung übersteht. Aus der Oberfläche 
sind drei ca. i mm breite Längsstreifen neben- 
einander losgearbeitet, unter deren Mitte ein 
mit drei Einschnitten versehener Steg ge- 
klemmt ist. 

Vgl. Agong, Krumba, Togo, Valiha. 

Bolsoj baraban, BoJibmotl 6apa6aHi, russ. 

.Große Trommel'. 

Bolt, engl. .Hängeeisen'. 

Bolzen heißen in der Orgel die Stangen, die 
die Stecher mit den Balgklaven verbinden. 

Born s. Cäi bom. 

Bomar = Bomhart. 

Bomba, port. .Ventil'. 

Bombarda, span. , Bomhart', altndl. pop. 
.Posaune'. 

Kiliao. EtymologicumTeutonicae linguae, ed. tertia, Antwerpiae 
»599- 

Bombarde, frz. i. .Bomhart'. — 

2. Als Orgelstimme ein aufschlagendes Zun- 
genwerk zu 16' oder 32'. meist im Pedal, sel- 
tener im Manual, in der Stärke zwischen Po- 
saune und Fagott. 

Vgl. Contrabombarda. 

3. Beim Harmonium eine Baßstimme zu 16' 
in der tiefsten Oktave und zu 32' in den folgen- 
den, in der Regel mit Hom zu einem Spiel ver- 
einigt. 

Bombardenmanual s. Ciavier des bombardes. 

Bombardino, ital. span. port. .Barytonhom. 
Altbomhart'. 

Bombardo, ital. .Bomhart'. bes. .Tenor- 
bomhart'. 

Bombardo, ital. .Basscttbomhart'. 

Bombardo basso, ital. .Basscttbomhart'. 

Bombardo piccolo, ital. .Altbomhart'. 

Bombardo soprano, ital. .Schalmei'. 

Bombardo tenore, ital. .Bassettbomhart'. 

Bombardon, eine etwas weiter mensurierte. 
für das Militärorchester bestimmte Baß- oder 
Kontrabaßtuba. Der Name wurde zuerst in 
der I. Hälfte der 1820er Jahre von Joh. Riedl 
in Wien für seine 12 klappige Baßophikleide 
in Anwendung gebracht. Bald nach 1835 
wurde das Moritz'sche Tubapatent umgangen, 
weil CS sich nur auf ein fünfventiligcs Instru- 
ment bezog, und das nachgebaute drei- oder 
vier\xntiligc Tubeninstrument erhielt zur Un- 
terscheidung "den Namen Bombardon. Noch 



54 



BOMBARDONE— BONANG PENEMBUNG 



F. L. Schubert nennt das Bombardon 1864 
,ein Messinginstrument mit Klappen oder Ven- 
tilen'. 

Vgl. Antoniophone, Kontrastbombardon. — Als Orgelslitnme 
s. Bombarde. 

Bombardone, ital. .Großbaßbomhart, Bom- 
bardon'. 

Bombardyn heißen die Baroxytons in Baß- 
lage. 

Bombart s. Bomhart. 

Bombe, span., port. .Große Trommel'. 

Bomboli, wolof (Seneg.) Klapper aus drei 
Stöcken zum Scheuchen der Vögel und Affen. 

Bombulum, ein apokryphes, im sog. Darda- 
nusbrief beschriebenes Schelleninstrument. 

Epist. incerti 28. de div. gen. Mus., t. 9 Op. S. Hieronymi, — 
Vgl. Hieronymus. 

Bombyx ß6/.ißv^, griech. i. = Keras 2. — 
2. ein Aulos unbestimmbarer Art. — 3. ngr. 
.Sackpfeife'. 

Bomhart, Pommer, ein Holzblasinstru- 
ment mit konischer Röhre und Doppelrohr- 
blatt, der Vorfahr unserer Oboen-Familie. 
Der Diskant, das älteste Glied der Familie, 
trug nicht den Namen Bomhart, sondern hieß 
Schalmei. Orientalischen Ursprungs, — die 
Zurna oder der Zamr ist als ihr Stammvater 
anzusehen — kam sie im Mittelalter zuerst 
nach Südwesteuropa und später im Gefolge der 
Kreuzzüge auch nach Mittel- und Nordeuropa. 
Um die Wende 13. Jhs. kommt sie in franzö- 
sischen Bibelhandschriften zuerst vor; in der 
französischen Literatur begegnet der Name 
seit Anf. 13. Jhs., in der deutschen seit Ende 
13. Jhs. Der Name Bomhart ist jüngeren Da- 
tums. 1391 reisen die aragonesischen Hof- 
Ministriles Conxe und Blasof nach Deutsch- 
land, um dort geschickte Xalamia-, Bombarda- 
und Cornamusa-Spieler zu suchen. Die roma- 
nische Bezeichnung, auf die das deutsche Bom- 
hart zurückgeht, hat also auf jeden Fall in Spa- 
nien Ende 14. Jhs. schon existiert. Virdung 
kennt neben der Schalmei, die dem späteren 
Altbomhart entspricht, nur einen Bomhart. 
den späteren Nicolo. In der Folge schließen 
sich oben und unten neue Glieder an. 16 18 
kennt Praetorius: 



Klein-Schalmey 

Discant-Schalmey 

Kl. Alt-Pommer 



Nicolo ]*^ 




^ 




Basset-Pommer 

Baß-Pommer 

Groß-Baß- 
Pommer 



Die meisten dieser Typen fristeten 
nur ein kurzes Leben. Bereits Mer- 
senne kennt 1636 nur noch drei: 
Dessus, Taille und Basse. Der erste 
mit 2 Fuß Länge entspricht der Dis- 
kantschalmei, der zweite mit 2 Fuß 

4 ;4 Zoll Länge und i Klappe dem 
Kl. Altpommer und der dritte mit 

5 Fuß und 4 Klappen dem Basset- 
pommer. Die ungefügen Riesen- 
bomharte waren überflüssig gewor- 
den, nachdem die verschiedenen 
Arten des Fagotts entwickelt genug 
waren, um bessere und handlichere 
Fundamente fürdieBomhartfamilie 
zu liefern. Auch der Bassettbomhart 
erlebte die Jahrhundertwende nicht 
mehr ; nur die Schalmei und der Alt- 
bomhart — zur Oboe und Altoboe 
umgewandelt — blieben erhalten. 

Engl. SHAWM, BCMBARDE. (r. DOMBARDE, 
HAUTBOIS. it. BOMBARÜO, sp. HOMBARDA, 
poln. POMORT. — Vgl. Kleine Schalmei, Schal- 
mei, Alt-, Bassett-,Baß-, Großbaßbomhart, Nicolo. 

Bonaccordo, um 1600 eine Abart 
des Klavizimbels. 

G. B, Doni, Trattati I 3J5. 

Bonangijav.Gongpielaus looder 
12 Gongs, die auf Schnüren inner- 
halb einesRahnienwerks aufgehängt 
sind und in derMitte, an der pe n t j u 
genannten Ausbauchung, mit einem 
wolleumwickelten Holzklöppel, ta- 
bu h, angeschlagen werden. 

Vgl. Tatabuan. 

Bonang barung, ein Bonang mitt- 
lererGröße. GewöhnlicheStimmung: 



tJ 



i 



1 j iJ i b^ "^ 



-V if r ' 



in verschiedener Anordnung. 

Brüssel Nr. 1742: New- York Nr. 777. 

Bonang penembung, ein großer 
Bonang. Gewöhnliche Stimmung: 








I? b ^ ^j—^ 



-fej l » 



h= ^7> 



t to ^ 



in ver- 
schiedener 
Anord- . 
nung. 



55 



BONANG PENERUS— BORDUN 




BONANG 
im Kgl. Völkerk\indemuseum tu Berlio 



Bonang penerus, ein kleiner Bonang. Ge- 
wöhnliche Stimmung: 

. -t* tW5 »7— ■ 

Oberreihe; 




Untcfreihe: 



in verschiedener Anordnung. 

Brüssel Nr. 1743. 

Bondelire, dän. .Bauemleier, Drehleier'; 
schwed. bondlira. 

Bondung, birm. lange Trommel. 

Böndyi = Segi. 

Bones, engl. .Kastagnetten', eigentlich 
.Knochen'. 

Bonge = Bunge. 
Niederrhein. Psalmenübers. 14. Jh., ed. Janota, Wien 1855,16. 

Bonnet chinois, frz. .Halbmond, Schellen- 
baum'. 

Bontalon, nach Laborde I 287 in Bissao 
(Port. W. Afr.) .Trommel'. Es dürfte sich hier 
um einen Zusammenhang mit bandolön han- 
deln, der bei der häufigen Namensverwandt- 
schaft zwischen Trommeln und Saiteninstru- 
menten nichts Auffallendes hätte. 

Boog, ndl. , Bogen'. 

Booga = Rebäb. 

Book Organ, Book Regal, engl. ,Bibel- 
regal'. 

Boot, engl. , Stiefel'. 

Boquilla, span. .Aufschnitt, Mundstück, 
Schnabel'. 

Hör, ung. ,(Klappen-)Polster'. 

Böröawa s. Bruma. 

Bordäo, port. .Bordun, Schnarrsaite'. 

Border pipe, eine kleine, in Northumberland 
heimische Sackpfeife mit Blasebalg und 3. 
heute 4 abstellbaren Bordunpfeifen ; bei der 
modernen Form sind alle Pfeifen gedackt. Die 
Border pipe ist in erster Linie ein Tanzbeglei- 



tungsinstrument. Die Bezeichnung ist dem 
Namen .Border' entlehnt, den die engüsch- 
schottdsche Grenzgegend trägt. 

Bordoncino, (ital.) eine 8' Bordunstimme. 

IV. Manual der Orgel von Sacro Cuore di Maria zu Turin 
(1898 V. Vegezzi-Bossi). 

Bordone, ital. i. .Bordun'; — 2. die 5. Lau- 
tensaite im 16. Jh. 

Bordonuda.eine demGuitarro entsprechende 
Diskantguitarre mit 5 Darmsaiten und Plek- 
trum, von Puerto Rico. 

Markneukirchen Nr. 403/4. 

Bordösip, Bördösip, ung. .Sajckpfeife'. 

Bordun, v. lat. burdones, .Pilgerstäbe', 
bedeutet in erster Linie die langen, stabartigen 
Baßpfeifen der Orgel, die bei rascheren Gängen 
der Melodiestimme, bei den Jubilationen usw. 
unverändert einen tiefen Stützton. den Orgel- 
punkt, fortkhngen heßen. Für die Et\-mologie 
ist der Name .Pilgerstab' für ein Pfeifeninstru- 
ment in späterer Zeit zu vergleichen. Die frü- 
hesten bildlichen Darstellungen dieser meist 
an den beiden Seiten des Pfeifenwerks dispo- 
nierten Bordune finden sich in Miniaturen vom 
Anfange 13. Jhs. Da das Decken der Pfeifen 
diese um fast eine Oktave vertieft, so wird man 
diese Vorrichtung naturgemäß zuerst bei den 
tiefen Baßpfeifen angewendet haben, um 
Platz zu sparen. Auf diese Weise wurde im 
späteren Mittelalter Bordun identisch mit Ge- 
dackt. während die ursprüngliche Bedeutung 
bereits im Zeitalter des Praetorius vergessen 
war. Schon die alte Delftcr Orgel von 1455 
hatte als Registerbezeichnung einen Bourdon 
16' im Mittelklavier. Dieses alte gedackte Ma- 
nualregistcr aus Holz, zu 8' und 16'. ist mit 
seinem dicken, füllenden Ton noch heute eine 
der unentbehrhchsten Orgelstimmen. 

Die Bedeutung eines Tonwerkzeugs, das 
einen und denselben Ton unverändert hervor- 
bringt, ist dem Namen Bordun bei seiner Über- 
tragung auf andere Instrumente gebheben. 



56 



BORDUN— BOTTEN 



Bei den Saiteninstrumenten niit Griffbrett be- 
zeichnet man diejenigen Saiten als Bordun- 
saiten, die nicht über das Griffbrett geführt 
sind, daher auch nicht verkürzt werden kön- 
nen ; im weiteren Sinne muß man als Bordun 
die freilaufenden Saiten (Abzüge) bezeichnen, 
deren Mitklingen im Belieben des Spielers 
steht, wie es bei allen Zupfinstrumenten mit 
zwei Wirbelkästen und bei der Mehrzahl 
der mittelalterüchen Streichinstrumente vom 
Crwth bis zur itaUenischen Lira der Fall ist; 
im engeren Sinne diejenigen, die obügatorisch 
mitklingen, wie z. B. die Bordunsaiten der 
Drehleier. Ein Rest dieses alten Sprachge- 
brauchs ist die noch heute gelegentUch anzu- 
treffende Bezeichnung der tiefsten Violinsaite 
als Bourdon. Bei sechssaitigen Instrumenten 
wurde früher die zweittiefste Saite Bordun 
genannt. 

Endlich gebrauchen wir den Terminus Bor- 
dun für die unverändert mitklingenden Pfeifen 
zusammengesetzter Blasinstrumente, zu denen 
der größte Teil der Doppelflöten und Doppel- 
schalmeien, vor allem aber die Sackpfeifen zu 
rechnen sind. Man kann hier eine primitivere 
und eine höherstehende Form der Bordun- 
pfeife unterscheiden ; zur ersteren zählen die- 
jenigen, die von vornherein für eine bestimmte, 
unveränderUche Tonhöhe eingerichtet sind, 
wie z. B. die der älteren abendländischen Sack- 
pfeife ; zur zweiten diejenigen, die dem Spieler 
die Auswahl zwischen einer Anzahl von Tönen 
gewähren, sei es, daß sie mehrere, nach Be- 
lieben offen zu lassende oder zu verstopfende 
Tonlöcher besitzen, sei es, daß sie durch An 
satzstücke zu verlängern sind, wie beim Ar- 
ghül,sei es endlich, daß sie, we bei der moder- 
nen Musette, durch Schieber gestimmt wer- 
den können. 

Die Bordune der Sackpfeife sind in ihrer 
heutigen Form abendländischen Ursprungs. 
Die asiatische Sackpfeife kennt den Bordun 
nur in der Form einer mitklingenden zweiten 
Schalmei, wie bei der Züqqara und dem Tubrt, 
ein Typus, der dem geringen Bedürfnis des 
Orientalen an Tontiefe entspricht. Nur in Dal- 
matien hat sich die orientahsche Art — zwei 
aneinandergefügte Schalmeien — noch bis 
heute gehalten ; im übrigen Europa ist sie aus- 
gestorben und scheint auch in früheren Zeiten 
selten gewesen zu sein ; auf spanischen Minia- 
turen des 13. und enghschen Holzschnitzereien 
des 15. Jhs. kommen ein paar Beispiele vor 
(Beverley, Malvern). Nach der bisherigen An- 
nahme hätte der Dudelsack die erste Bordun- 
pfeife um 1300 erhalten; auf dieser Entwick- 
lungsstufe ist z. B. der bretonische Biniou 
stehengeblieben. Die zweite Bordunpfeife soll 



von etwa 1400 datieren, die in einigen Gegen- 
den gebräuchliche dritte gegen 1600. In dieser 
Form ist die Darstellung sicher unrichtig ; eine 
Miniatur der Cantigas de Santa Maria (Spa- 
nien 13. Jhs.) zeigt bereits eine Sackpfeife mit 
Doppelschalmei und zwei Doppelstimmem, 
d. h. vier verschiedenlangen, paarweise ver- 
bundenen Bordunen, von denen vielleicht im- 
mer nur zwei verwendet wurden. Die gemein- 
same Eigenschaft aller Bordune ist die zyhn- 
drische Bohrung der Röhre; sie erlaubte die 
Reduzierung der Bordunlänge um die Hälfte, 
machte das Instrument also praktikabler. 
Fast durchweg werden die Stimmer — wie die 
Bordunpfeifen des Dudelsacks auch genannt 
werden — mit einer primitiven, aufschlagen- 
den Zunge angeblasen. Von 1600 ab baute 
man in Frankreich Büchsenbordune mit ver- 
änderUcher Tonhöhe (vgl. Musette). 

Im Harmonium ist Bordun eine markige 
Baßstimme zu 16'. die mit Klarinette zu einem 
Spiel vereinigt ist. 

Engl., (f., russ. BOURDON, sp., prov. BORDON, port BOR- 
DÄO, it. BORDONE, — Die Bordunsaiten werden von den 
Engländem Diapasons genannt. 

Bordunbaß, ein 16' Pedal-Bordun. 

Bordunflaute, eine zarte Bordunstimme zu 
16' von Ahornholz in der großen Domorgel zu 
Breslau. 

Bordunsaxhorn in B, das tiefste (Subkontra- 
baß-)Saxhorn, eine Oktave tiefer stehend als 
das Kontrabaßsaxhom in B; 



Umfang; 



Notieriuig: 



Nur die Mittellage in mäßigem Zeitmaß ist 
brauchbar. 

Fr. SAXHORN BOURDON. 

Bordunsubbaß, ein 32' Pedal-Gedackt. 

Bore, Bure, 5^^, ^j^. türk. ,Hom, 
Trompete'; skr. buri. 

Borem, veraltet für , Klein Gedackt'. 

Bori, alban. ,Trompete', v. türk. bore. 

Borije, Borija, BopHJe, BopHJa, serbo- 
kroat. wohl s. v. a. Bore. 

Bormos, ßogfios, = Barbiton. 

Athen. XIV 38. 

Borrowing pipes s. Dublettensystem. 
Borstwerk, ndl. , Brustwerk'. 
Bosine, Bosaene s. Busine. 
Botäo, port. , Sattelknopf'. 
Botten, schwed. , Boden'. 




57 



BOTTOM-BOARD — BRATSCHE 



Bottom-board of a horizontal bellows, engl. 
.Unterplatte' des Schöpfbalgs. 

Botuto, eine gewöhnUch über einen Meter 
lange alte Trompete der Guyana-Indianer, aus 
gebranntem Ton, mit 2 oder 3 dicken, bauchi- 
gen Erweiterungen, die meist bei Trauer- und 
Totentänzen gebraucht wurde. Ihr Klang 
wird als schreckenerregend geschildert. Die 
Botutos mit 2 Bäuchen pflegten dicker zu 
sein und einen tieferen Ton zu geben als die 
mit 3. tTber die akustischen Eigenschaften 
der Tuben mit kugeUgen Ausbauchungen hat 
Athanasius Kircher in Phonurgia 1 36 gehandelt. 

Beuche, frz. .Aufschnitt, Mundloch'. 

Beuche ecussonee, frz. .Aufgeworfenes La- 
bium'. 

Beuche, frz. .Gedackt, gestopft'. 

Beuessine = Buisine. 

Boukane, ßovxärri, auch ßovxtror, S. v. a. 
Bykane. 

Beuksnia, BoyKCHiia, = BuCina. 

Boulou s. Bulu. 

Boung s. Bung. 

Beurden, frz. , Bordun'. In der Orgel auch 
allgemein für jede gedeckte Stimme. 

Beurdonecho, s. v. a. Echo, gewöhnUch 
zu 8'. 

Beursette, frz. .Pulpete'. 

Beusine, frz. (patois Perche) .Sackpfeife', v. 
buisine. 

Codcfroy 1 755. 

Boussigne = Buisine. 

Beut, engl. .Bügel'. 

Beuthak, armen. .Saitenhalter' des Gouthak. 

Beuten, frz. , Sattelknopf'. 

Beuvet s. Cornet Arban-Bouvet. 

Beuvrette, frz. .Dompfaffenorgel'. 

Beuzigne = Buisine. 

Bevenblad, ndl. .Decke'. 

Bevenlabium, ndl. .Oberlabium'. 

Beventeets, ndl. .Obertaste'. 

Bovesine = Buisine. 

Gloss. Lat. Call, ex cod. reg. 7692. 

Bow, engl. .Bogen'. 

Bewed Mandoline, eng.. .Streichmandoline'. 

Bowed Zither, engl. .Streichzither'. 

Box bellews, engl. .Kastenbalg'. 

Bex-pallet, erf. geg. 1841 v. Hill, ein kasten- 
förmiges Spielventil mit beweglichem Deckel, 
das den Baßkanzellen den doppelten Wind bei 
einem viermal schwächeren Tastendruck lie- 
fert. Der Deckel wird durch den Anschlag 
seitlich weggezogen, um nach Verlassen der 
Taste durch Federdruck selbständig wieder 
das Ventil zu verschließen ; er hat also nicht, 
wie das gewöhnliche Ventil, dem Winddruck 
Widerstand zu leisten. 

Hopkins 33. 



Box Valve, engl. .Büchsenventil '. 

Brago, port. ,Hals, Griffbrett', eigentl. 
,Arm'. 

Bräcsa, ung. .Bratsche'. 

Bra6 = Bugarija. 

BraCek, EpaisK. serbokroat. .Mundharmo- 
nika'. 

Brahtscha, lett. .Bratsche'. 

Brän, wal. .Steg'. 

Branches, frz.. die längsgeführten, parallel- 
laufenden Teile (Stangen) der Trompeten und 
Posaunen. 

Braendend Harmonika, der erste, von dem 
dänischen Kammerherrn A. V. von Hauch 
veranstaltete Versuch einer Flammenharmo- 
nika. 

A. V. von Hauch, Beskrivelse af den saakaldte BriEndende Har- 
monikas, Kjubenhavn 1794. — Chladni, Beob. über die durch 
Brennen der entzündbaren Luft in einer Röhre hervorzubrin- 
genden Töne. Neue Sehr. d. Ges. naturforsch. Freunde zu Berün, 
1795, Il25- 

Brass-instruments, engl. .Blechinstrumente'. 

Bratsche, v. ital. viola da braccio — bereits 
bei Speer {1687) bezeichnet Viola da braccio 
nur noch die Bratsche — , das der VioUne ent- 
sprechende Altinstrument, das zwar etwas 
stärker besaitet ist als diese, aber ein verhältnis- 
mäßig nur wenig größeres Korpus hat, um nicht 
die Spiclbarkcit aufzuheben. Der Klangcharak- 
teristdunkler, herber und näselnder als der der 
VioUne; die Stimmung eine Quinte tiefer: 

b esponnen 



^ 



=t: 



Umfang bis etwa a*. 

Der Typus der Bratsche entstand sicher 
etwas früher als der der Geige ; das geht schon 
daraus hervor, daß sie zuerst .Violino' (Gio. 
GabrieU. Sacrae Symphoniae 1597) und erst ■ 
nach Einführung der Diskantgeige .Tenor- 
viola da braccio' genannt worden ist. Das 
älteste erhaltene Exemplar scheint ein Instru- 
ment des Brescianers Peregrino Zanetti von 
1580 zu sein. Indessen hat sie immer hinter 
der jüngeren Schwester zurückstehen müssen; 
erst das 19. Jh. mit seinem eifrigen Quartett- 
spiel hat ihr die verdiente Gleichberechtigung 
gegeben. In früheren Zeiten war sie verurteilt, 
in der Hand schlechter Geiger unisono oder 
in Oktaven mit den zweiten Viohnen oder den 
Bässen zu gehen oder im besten Falle eine 
nichtssagende Füllstimme zu übernehmen. 

Engl. sp. VIOLA, ndl. ALT, dän. BRATSCH, schw. ALTFIOL, 
fr. it. ALTO, pcrt. VIOLETA, rum. VIOARA MARK, rät. 
GIUN, russ. BRACa. ruth. \TOROVKA, poln. ALTOWKA, 
;■. BRAC, scrbokr, GUSLINA. lit. HROCZIA, l.-lt. BRAHT- 
SCHA, csln. WIOLA, finn. ALTTIVIUI.U, "ng. BRACSA, 
wal. MEDGRVVTH, ngr. ß/O.lyl. — Vgl. Contralio, Dessauer- 
bratsche. Fagotigeige, \'iola Alta, Viulalin, Violino Pomposo, 
Violoo-Alto. 



58 



BRAU— BRUKVICA 



■ 57 
237 



Wir lassen im Anschluß die Maßverhältnisse 
einiger der bedeutendsten Meisterbratschen 
folgen. 

Giovanni Paolo Maggini 
Brescia (1580 — 1632) 

KorpusläDge 432 Bauchbreite 248 

Brustbreite 208 Scballochlänge 89 
Mittelbreite 140 Zargenhöbe 36 

Pietro Guarneri 
Mantua 1698 

Korpustänge 398 Mittelbreite 
Brustbreite 189 Bauchbreite 
Scballochlänge 90 

Pietro Giovanni Mantegazza 
Mailand 1791 

Korpuslänge 407 öflnungslänge der 
Brustbreite 195 Mittelbügel 91 

Mittelbreite 127 Zargenhöhe unten 39 
Bauchbreite 243 oben 37 

Gesamtlänge 663 

Pietro Giovanni Mantegazza 
Mailand 1796 

Korpuslänge 434 Ofiiiungslänge der 
Brustbreite 213 Mittelbiigel 93 

Mittelbreite 143 Zargenhöhe unten 43 
Bauchbreite 263 oben 41 

Gesamtlänge 693 

Brau, Brummtopf des D6p. Aveyron (Süd- 
frankr.) mit Fadenfriktion. 

Brazos de una campana, span. .Glocken- 
balken'. 

Brazze (17. Jh.) = Bratsche. 

Br£ak, BpHaK, serbokroat. .Ratsche'. 

eBre, awelein amg6 .Pansflöte'. 

Friedcrici, Beitr. . . . Deutsch-Neuguinea, Berl. 1912, p. 221. 

Break s. Repetierende Stimmen. 

Breasted, ,mit Brust', nennt man im eng- 
lischen Orgelbau eine in der Front stehende 
Pfeifengruppe mit einer leichten Schweifung 
nach außen. 

Breitoline s. Streichmelodion. 

Brejle, cech. .Ringklappe, Brille'. 

BreJka, Bpejina, Zaljejka, JKajitilKa, rus- 
sische Volksschalmei aus HoUunder. mit 5 
Grifflöchern vorn und einem sechsten lünten, 
mit einem unverhältnismäßig großen, glocken- 
förmigen Schallstück aus spiralig gewickelter 
Rinde und mit einer einfachen Zunge aus 
Schilf oder dünnem Holz. Herr V. V. Andeeff 
in St. Petersburg hat, wie er mir frdl. mitteilt, 
dem Instrument Halbtonklappen gegeben und 
es in dieser Form seinem Balalaikaorchester 
für besondere Wirkungen einverleibt. 



Umfang chromatiscb : 



Notierung: 




Ein fast völlig identisches Instrument begegnet 
auf Timor (,Mots'). 

Brüssel Nr. 2305—2307. — Vgl. Mots. 

Brencalo, Brencelj. BpeHKaJio, 6peHKen>, 
serbokroat. .Glockenspiel, Zunge' (Maultrom- 
mel). 

Brence, Bpenie, die zweite Saite des serbo- 
kroat. Vijalo. 

Breng-breng, Gong der Chinesen auf Java. 

Brüssel Nr. 794/95. 

Brenk = Brencalo. 

Brettlgeige, eine stumme Geige der i . Hälfte 
18. Jhs. ohne eigenthches Korpus, nur mit 
einem Resonanzbrett ähnlich der Decke einer 
Violine. 

L. Mozart 2. 

Brezova svirka, serbokroat. .Birkenrinden- 
pfeife'. 

Bribbun (cheopara) = Tundum. 

Bridge, engl. ,Steg'. 

Bridge pin, engl. .Schränkstift'. 

Brillen = Ringklappen. 

Briolka s. Brjelka. 

British harp-lute, erfunden 1816 von Ed- 
ward Light in London, eine Harfenlaute, deren 
Saiten durch eine mit dem Daumen zu regie- 
rende Mechanik um einen Halbton verkürzt 
werden konnten. Diese Mechanik ,has the 
property of holding the string fast in such 
Position as long as may be required after the 
pressure of the finger or thumb is removcd. or 
the pressure may be removed in an instant by 
a touch of the thumb on the same button or 
key according as the piece of music requires 
that the semitones shall be constantly used 
during the whole Performance of the piece. or 
that they shall be introduced casually'. Die 
British harp-lute war mit den Worten ihres 
Erfinders .capable of performing any piece of 
music in different keys with more ease and 
correctness than in the common instrument'. 

rat. Nr. 4041, 18. Juni 1816. — VgL Harpe ditale. 

Brjakalo, öpHna.io. ruth. .Ratsche'. 

Brndalo, BpHAaJio, serbokroat. .Schnarr- 
werk'. 

Bro, schwed. ,Steg'. 

Bröczia, lit. .Bratsche'. 

Brombola, altven. .Maultrommel'. 

Bromhorn [Sachsen 1500] = Krummhom; 
vgl. Brummhorn. 

Bromtol, ndl. , Brummkreisel'. 

Bronzena, romagn. .Kuhglocke' ; serbokroat. 
bronza. 

Brost, schwed. .Brust. Decke*. 

Brügö, ung. .Baß'. 

Brukalica, Brukavica, BpyKajiHi<a, ßpyna- 
Bima. serbokroat. .Maultrommel'. 

Brukvica, BpyKBHi;a, serbokroat. , Piektrum'. 



59 



BRUMA— BUCCINA 



Bruma, Barakawa, Stimme l y. 
der Mechawa in 4 

Brumle, iech. .Maultrommel', ä 

lui. serb. brumla, brumljava. 

Brummeisen = Maultrommel. 

Brummer, Brummsaite, s. Bordun. 

Brummhorn, eine seltene Bezeichnung der 
Orgelstimme Krummhorn. 

Brummkreisel, ein bekanntes Kinderspiel- 
zeug aus einem hohlen konischen Körper, 
der auf seiner Spitze rotiert und durch den 
entstehenden Luftdruck eine oder mehrere in 
seinem Innern angebrachte Zungen zum 
Schwingen bringt ; bessere Stücke lassen sich 
durch einen Druck auf den Kopf auf einen 
zweiten Akkord einstellen. 

Engl HUMMING-TOP, frz. TOUPIE BOURDONN.^NTE, it. 
TROTTOLA, sp. TROMPO, dän. BRUMMETOP, ndl. BROM- 
TOL, niss. VOfcCOK, ung. BUGÖCSIGA, serbokr. ZUJALICA. 
Vgl. Kling (eng, Ti ko tzö. 

Brummtopf, Reibtrommel, ein über die 
ganze Welt verbreitetes Friktionsinstrument 
aus einem oben durch eine Membran geschlosse- 
nen Hohlgefäß ; durch die Mitte dieser Membran 
ist ein Holzstock gebohrt, der entweder mit 
nassen Fingern gestrichen oder selbst hin- und 
herbewegt wird. In beiden FäUen gerät die 
Membran in Schwingung. Die Tonhöhe läßt 
sich durch den Auf- und den Abstrich und 
durch Berühren der Membran verändern, so- 
daß zur Not einfache Melodien ausführbar 
sind. Gelegentlich wird der Stock durch einen 
oder mehrere Fäden ersetzt. 

H. Balfour, The Friction Drum, London 1907. — Vgl Ananda- 
laharl, Bandaska, Brau, Buhai, Caccarella, Chicharra, Cri de 
la belle-mere, Cupa-cupa, Ceplanget, Dingw-inti, Furuko, Jack- 
daw, Morupa, Mpwita, Muania, Mwandu, Namalua, Ngetundo, 
Pan bomba.Pignato, Rommelpot.Tambue.Waldteufel, Zambomba. 

Brunda, BpyHÄa, serbokroat. slov. slovak. 
.Maultrommel' ; dim. brundica. 

Brundalo = Brndalo. 

Brust heißt bei der Orgel die in der Front 
der untersten Abteilung zwischen den Pedal- 
kolonnen untergebrachte Gruppe von Manual - 
pfeifen. Dieses Pfeifenwerk, das zum Ober- 
manual gehört, ist regelmäßig schwächer in- 
toniert als das Hauptwerk; ndl. borst. 

Bei den Geigeninstrumenten versteht man 
unter Briist den oberen, schmäleren Teil des 
Korpus, vom Halsansatz bis zum Steg. Ihre 
Breite beträgt bei den Violinen der 

G.d«SalA (1542-1609) i6omm A. Stradivari 1677 163mm 

A. Amaü (1550-74) 164 A. Stradivari 1713 '65 

Maggini (1580-1633) 178 Tcstore 1708 168 

A. 4 H. F. Amati G. Stradivari 17J4 '7o 

,636 165 Guad-ignini 1757/70 168 

Stainer 1673 165 Mantegana i774 1*7 
Ceruti 1808 167 mm, 

bei den Bratschen der 

llaggini (1580-1632) 308mm P. Guarneri 1698 189mm 

Maulegaiza 1791/6 i95/3i3mm 



bei den Violoncellen der 

A. Amati 1572 340 mm A. Guarneri 1692 364 mm 

Maggini (1580-1633) 360 Balestrieri 1717 35» 

A. Stradivari 1689 352 Techler 1721 350, 

bei den Kontrabässen 500 — 565. 
Brüstung, K a r n i e s , eine Gruppe in Wellen- 
linie aufgestellter Prospektpfeifen. 

Engl. OGEE. 

Bruzgülis, ht. .Wirbel". 

Brychana, /Jeu^äva oder ßevxava, s. v. a. By- 
kane. 

Bryle, dech. ,Brille, Ringklappen'. 

Bu, Schneckenhom der westhchen Torres- 
Straße mit seitlichem Mundloch. 

Haddon, Elhnogr. of the West Tribe of Torres Str., Journ. 
Anthropologie. Instit. Xl.X 375- 

Buabhall, irisch gael. ,Signalhom'; plur. 
buabhuill. 

Bualgorn, wal. , Signalhorn'. 

Buaq, eauja plur. von Büq. 

Bubalo, ByöaJio, serbokroat. .Trommel- 
schläger. 

Bubanj, BySaa, serbokroat. ,Trommel'. 

Brüssel Nr. 2289. 

Bubbolo, ital. ,Schelle'. 

Buben, ByöeHi., russ. cech. ruth. .Trommel, 
Schellentrommel'; syrjän. bubin. 

Bubnjevica, ByötbeBHua, serbokroat. , Trom- 
melfell'. 

Bubnji, Bubnjsvi, By6ibH, ByÖ'H.CBH, plur. 
V. Bubanj. 

Bubnjic za vezenje, serbokroat. .Schellen- 
trommel'. 

Bubnjik, BySauK, serbokroat. ,Trom mel- 
kasten'. 

Buben, wend. .Trommel' ; augm. u. pej. bu- 
bonisko. 

Buccin, frz. Posaune, die in einen Drachen- 
kopf ausläuft, in den französischen und eng- 
üschen Militärkapellen am Anfange 19. Jhs. 
gebräuchlich; ihr Ton war dieser Mündung 
wegen stumpfer, härter und trockener als der 
der gewöhnlichen Posaune. Es ist charakte- 
ristisch, daß gerade die Nachkommen der Kel- 
ten diesen alten keltischen Instrumenten- 
schmuck — Vgl. Karnyx — wederauf nahmen. 
Außer bei Posaunen ist er in jener Zeit auch 
bei Baßhörnern und Russischen Hörnern anzu- 
treffen. Der Ausgangspunkt dieser Mode ist 
die Überführung der Gebeine Voltaires in das 
Pantheon am 12. Juli 1791 ; bei dieser Gelegen- 
heit ließ der Direktor des Conservatoire B. Sar- 
rette auf Instrumenten blasen, die nach denen 
der römischen Trajanssäule kopiert waren. 

Buccina, i. Im römischen Altertum ur- 
sprünghch ein Signalhorn der Schiffer und 
Hirten, später im Heer ein fast zum Kreis ge- 
bogenes ehernes. Hörn von über 3 m Länge 



60 



BUCCINE— BUGAKU-BIWA 



oder ein Tierhom mit Metallbeschlägen ; die 
Schriftsteller nennen beide Typen bald Buc- 
cina bald Cornu. Über die Etymologie ist viel 
gestritten worden, ohne daß die aufgestellten 
Vermutungen sonderlich befriedigen könnten ; 
man hat sogar glaubhaft machen wollen, daß 
das Wort eine Zusammenziehung von boves 
und canere darstelle. M. E. ist nur die eine 
Lösung mögüch, das Wort auf idg. bheukö, 
.brülle', zurückzuführen. 

2. Im Mittelalter ein Signalhorn mäßiger 
Größe. 

3. In der 1802 — 04 von Ign. Kober in Wien 
gebauten Orgel des Zisterzienserstifts Heihgen- 
kreuz führen diesen Namen eine 16' und eine 
32' Pedalstimme zu je 12 Pfeifen. 

Buccine = Buisine; dim. buccinette. 

Buc^n, span. .Hominstrument', v. lat. bu- 
cina. 

Buch, ahd. .Korpus'. 

Anf. 19. Jhs. nannte man Buch den Holz- 
klotz, durch den die Bohrung des Bassetthorns 
unmittelbar vor dem Schallstück in dreifacher 
Knickung gelegt war. 

Buche, frz. .Scheitholt'. 

Büchel, B ü r c he I . Schweiz. (Prä tigau ) .Hörn, 
Blasinstrument', v. ahd. buhhil. 

Schweiz. Idiotikon IV 979. 

Büchse, Hose, in der Orgel der Metallfuß 
der kleinen metallenen Zungenpfeifen, der das 
mit dem Aufsatz versehene Mundstück auf- 
nimmt. Die Deckel der gedackten Pfeifen 
dürfen nicht als Büchsen bezeichnet werden. 

Dann auch s. v. a. Kropf. 

Büchsenventil, ein Ventil für die Kessel- 
mundstückinstrumente in Form eines vier- 
kantigen Kästchens. Dieses hat zwei neben- 
einanderhegende Durchlässe, deren einer die 
unmittelbare Verbindung aufrecht erhält, de- 
ren anderer aber, durch das Niederdrücken 
eines Stöpsels eingeschaltet, den Wind in eine 
Nebenröhre leitet. Das schwerfälUge Büchsen- 
ventil ist die erste, von Blühmel geschaffene 
Form des Ventils, die bis 1825 herrschte. 1829 
gab der Waldhornist Jos. Kail Verbesserungen 
des Systems an. 

Engl. BOX-VALVE, fr. PISTON A BÖITE CARREE. 

Bucina s. Buccina. 

Bucium, V. lat. bucina, ein konisches, leicht- 
gebogenes Hörn der rumänischen Hirten. Wie 
das Alphorn besteht es der Länge nach aus 
zwei ausgehöhlten Ahornholzstücken, die mit 
Kirschbaumrinde zusammengebunden sind. 
Als Mundstück dient ein einfaches zylindri- 
sches Röhrchen von etwa 13 cm Länge, das 
zur Erleichterung der Lippenschwingungen 
oben zugeschärft und unten behufs bequemerer 
Befestigung verengert ist. 



— Früher war Bucium s. v. a. Posaune, 

Brüssel Nr. 20x6. 

Bucyne = Buisine. 

Buca, Byqa, serbokroat. Kürbistrompete, 
eigentl. .Kürbis'; dim. bucica. 

Bu£ilo, ByHHJio. die tiefste Saite des serbo- 
kroat. Vijalo und das Schallstück der Kürbis- 
trompete. 

Bucina, ByHHHa, augm. v. BuCa. 

Buckalo, Schlagstab der kroatischen Fischer, 
eine Keule mit Kopf, die aufs Wasser schlägt. 

Rad J ugoslavenske Akademije LXU 160 (Kuhac). 

Buckosa, serbokroat. Viehglocke aus Holz 
oder Rinde in alter Form. 

Budbüdiki, ind. Schlangenbeschwörer-Trom- 
mel kleinsten Formats in Sanduhrform mit 
zwei Fellen. Holzzarge und einer an einer 
Schnur in der Mitte der Trommel befestigten 
Kugel als Schlägel. Höhe 7 — 15, Durchmes- 
ser 6 cm. 

New- York Nr. 216. — VgL T'aoku. 

Budimba, ila s. v. a. Marimba; plur. ma- 
dimba. 

£. W. Smith, A Handbook of the IIa Lang., Oxf. 1907. p. 319. 

Bue, dän. Bogen. 

Buebalabala, Pansflöte von Leper Island 
(Neuhebriden) mit 6 — 7 Bambuspfeifen, die 
mit Pflanzenfasern zusammengebunden sind. 
Länge der größten Pfeife 16 — 18, der kleinsten 
7 — 8 cm. 

VgL Puopava, Kove. 

Bueklaver, dän. .Streichklavier'. 

Buerflöte s. Bauernflöte. 

Büffet d'Orgue, frz. .Orgelgehäuse'. 

Bufta, wolof .Blasinstrument. Hörn, Trom- 
pete'. 

Guy-Grand, Dict. frt.-volot, 3' M., St. Joseph de NgasobU, 
P. "4, 369. 751. 

Bugaku-biwa, eine Biwa zur Begleitung der 
altchinesischen Musik beim Bugakutanz, mit 
großem Korpus aus Sitan, mit einem Hals aus 
Weide, 3 — 5 Bünden und Wirbeln aus Pfir- 
sichholz. DasBatsi aus gelber Weide ist schwe- 
rer als das des Samisen und hat runde Enden. 
Der Ton ist kräftig und reich. Stimmungen: 




Früher soll die Bugaku-Biwa auf dem 
Pferderücken gespielt worden sein ; heute ruht 
sie auf der Erde zwischen den Knieen des 
sitzenden Spielers. 

Maße nach Piggottp. 1 39 in Feet und Inches : 

Ganze Länge 3' 3" 

Halbbreite i — 1.5" 



61 



BUGAKU-FUYE— BULO-WOK 



Wirbelkastenlänge 9-5" 

Halslänge vom untersten Bund . 8.5" 

Halsdicke 1.2" 

Wirbellänge 4-25" 

Größte Korpusbreite i '4" 

Größte Korpusdicke 2.5". 

Bugaku-fuye = O-teki. 

Bugari, beiderseits ofiene Langflöte der Ko- 
tar (S. Indien) ohne Mundstück mit 5 — 6 Griff- 
löchern. 

Bugarija, Byrapnja, eine Tanbura mittlerer 
Größe, dem türk. tanbür bulghäri ent- 
sprechend. 

Vgl Krupna-, Sitna bugarija. 

Bügel, I. bei den Blech-Blasinstrumenten 
die Stimmbögen. 

— 2. die Umriß-Rundungen der Streich- 
instrumente. Man unterscheidet Ober-, Mittel- 
und Unterbügel. 

Engl UPPER-, CENTRE-, LOWER BOUTS. fr. ECHANCRURE. 

Bügelhörner, von bügle, ist heute der ge- 
meinsame Familienname der folgenden Kes- 
selmundstückinstrumente, von denen nur die 
Baß- und die Kontrabaßtuba auch dem Sin- 
fonieorchester, die andern ausschließlich der 
Militärmusik angehören : 

Pikkolo, Baryton, 

Flügelhorn, Tenortuba, 

Althorn, Baßtuba, 

Tenorhorn, Kontrabaßtuba, 

Subkontrabaßtuba. 

Gemeinsam ist diesen Hörnern ein stärkerer 
Konus, der indessen für ein jedes anders men- 
suriert ist, und meist das Fehlen einer eigent- 
lichen Stürze. Der Ton ist bei allen Arten ver- 
schieden, aber überall gröber und unedler als 
der der Waldhörner, Trompeten und Posau- 
nen ; indessen sind die tieferen Arten eines 
Piano fähig, das selbst für feinere musika- 
lische Wirkungen von Nutzen ist. 

Entwicklungsgcschichtlich sind die Bügel- 
hörner ebenso wie die Klappenhörner aus den 
Signalhörnern hervorgegangen. 

Es muß hervorgehoben werden, daß die Zu- 
sammenfassung der oben bezeichneten Instru- 
mente zu einer Famibe eine rein theoretische 
ist und daß der Name Bügelhorn in der Praxis 
nicht geläufig ist. In der Tat lassen die sehr 
bedeutenden Konstruktions- und Klangver- 
schiedenheiten der einzelnen Gheder nur in 
sehr bedingter Weise einen Zusammenschluß 
und damit eine Abschließung gegenüber an- 
deren Typen, wie z. B. den Kornetten, mit 
denen sie heute in Bau und Verwendung eng 
verwandt sind, zu. 

Engl., (r. BUCLE, ndL BEUGELHOORN, dän. BYGELHORN, 
it. FLICORNO. 



Bügle, frz. engl. .Bügelhorn'. Das Wort 
dürfte mit ahd. buhhil, ,Hom', zusammen- 
gehören. Im heutigen Sprachgebrauch ist 
Bügle das aus dem Hifthorn hervorgegangene 
kurze, weitmensurierte, am Schallstück nur 
unbedeutend ausladende Signalhorn, von dem 
dann die Familien der Klappen- und der Ven- 
til-Bügelhörner ausgegangen sind. 

Bügle ä clefs, frz. ,Klappenhorn'. 

Bügle alte, frz. , Althorn'. 

Bügle barjrton, frz. , Tenor-, Barytonhorn'. 

Bügle basse, frz. .Barytonhorn'. 

Bügle contralto, frz. , Flügelhorn'. 

Bügle omnitonique, ein Bügelhorn mit dem 
Chaussier'schen Transpositionsmechanismus ; 
s. Cor omnitonique. 

Pierre, La fact., 206. 

Bugle sopranino, frz. , Pikkolo'. 

Bügle soprano, frz. , Flügelhorn'. 

Bugle tenor, frz. , Tenorhorn, Althorn". Der 
Sprachgebrauch ist sehr schwankend. 

Bügnas, lit. ,Trommer; vgl. mnd. bunge. 

Bügöcsiga, ung. , Brummkreisel". 

Bügösip, ung. .Fagott'. 

Bug-t"sal, dialekt. für sbug-t'sal. 

Buguri, eine einfache Flöte, das einzige In- 
strument der Todas (Südindien), das sie sehr 
selten und wohl nie bei feierhchen Gelegen- 
heiten spielen. 
Rivers, TTie Todas, London 1906, p. 601. — VIgL Buniga. 

Bu-hag, übet. , Baßschalmei mit fast kugel- 
förmigem Schallstück'. 

Jäschke, Hwb. d, tib. Sp- 410. 

Buhaiu, rum. Brummtopf mit Fadenfriktion. 

Buhhil, ahd. ,Horn'; 
verwandt mit buccina. 

Builg.irisch, Blasebalg". 

Buisine, altf r. v. lat. b u- 
eina, , Busine'. 

Büke, mhd. .Pauke"; 
idg. buk. 

Buki, grus. ,Trompete" ; 
pers. ^_^, 

Bukkehorn. .Bocks- 
horn" s. Prillarhom. 

Bul, kawirondo lango 
nuer .Trommel". 

Johnston, The Uganda Protecto- 
rale II 929. — Westermann. 

Bulgarina, Byjirapima. 
bulg. .Bugarija". 

Bulghär s. Tanbür bul- 
ghäri und Bugarija. 

Bull-roarer, englisch 
.Schwirrholz'. 

Bulo-wok, eine griff- 
lochlose Vogclpfcifc der bulo-wok 

Kayan auf Bomeo; der im Museum lu Sarawak 




62 



BULU— BÜNDE 



partielle, schnabelartige tJberstand über dem 
Kopfseptum ist durchbohrt, und der ent- 
stehende Kanal, der, bevor der Aufschnitt 
erreicht ist, nach außen tritt, mit einem 
kleinen Bambussplitter überklebt. Länge ca. 
13, Dm. ca. s cm. 

Sarawak Nr. 1289/90. 

Bulu, senegambische Negerharfe vom Typus 
des Ombi mit 10 Saiten und langen Wirbeln. 

Paris Nr. 809. 

Bulu decot, eine mit dem Bikut identische 
Taubenlockpfeife der siamesischen Malayen. 

Brit. Mus.; Oxford. — Balfour, Report 20. 

Bulu-parindu, Bulu-ribut, ,Schmacht-, 
Sturmbambus', ein bei den Festlandmalayen 
gebräuchliches, etwa 10 — 14 m langes, rohes 
Bambusrohr mit Löchern, das in den Boden 
gesteckt und vom Wind angeblasen wird. Es 
soll eine außerordentlich reiche dynamische 
Skala besitzen, von den zartesten Tönen der 
Flöte bis zum Vollklang der Orgel. 

Bulül, kurd. ,Flöte'. 

Garzoni, Gramm, e voc della lingua Kurda, Roma 1787. 

Vgl BUur. 

Bulumba, bask. ,ScheUe'. 

Bülür s. Bilyür. 

Bümba, bask. ,Große Schelle'. 

Bumba, kombiniertes Saiten- und Schlag- 
instrument, bestehend aus einer langen Stange, 
die mit Schellen und Becken besetzt ist, und 
zwei Rinderblasen, über die je eine Saite ge- 
führt ist ; werden diese Saiten mit einem Zahn- 
holz gestrichen, so erhält man einen trommel- 
wirbelartigen Ton. Das Instrument war in 
Island noch im 17. Jh. gebräuchlich. 

Jon Olafsson, Leksikon fra Island. — Vgl. numbaO. 

Bumbarde, engl. ,Bomhart'. 

,, . . . the sounde of bumbarde and of dariomie with 
comemuse and shalmele". 

J. Gower, Confcssio Aniantis, 1393. 

Bumbaß, veralteter, allerdings noch heute 
gebauter primitiver Einsaiter wandernder 
Bettelmusikanten, aus einer langen, mit Schel- 
len besetzten Stange, auf der eine Rinderblase 
angebracht ist ; mit einem gezahnten Holz- 
stück angestrichen, ergibt die über die Blase 
gespannte Saite einen trommelwirbelartigen 
Ton. Phil. Hainhofer aus Augsburg nennt in 
seinem Dresdner Reisetagebuch von 1629 dies 
Instrument — mit 3 Saiten — eine ,neue 
invention'. Etymologie m. E. altfrz. bom- 
bace V. splat. bombacemaus gr. ßöfißvi. 

New-York Nr. 980. — Frz. BASSE DE FLANDRES, engl 
BLADDER AND STRINGS. — Vgl Bumba, C4i xinh tien. 

Bumbum, Kalebassen-Musikbogen vonHon- 
duras. 

Amcr. Antbrop. II 158; Balfour 40. 

Bumbun, Vogelpfeife der Seedajak auf 
Borneo, die aus zwei verschiedenen Bambus- 



röhren gebildet wird. Die erste ist 51 cm lang 
und 6 cm dick, ist oben geschlossen und hat 
einen Aufschnitt. Durch den überstand über 
dem oberen Knoten geht vertikal ein mit 
einem runden Loch versehener Träger und 
durch dieses eine über zwei Meter lange zweite 
Röhre, die schräg auf den Aufschnitt trifft und 
dort derart befestigt ist, daß nur ein kleiner 
Ausgang für den Wind bleibt. Das Instrument 
wrd durch die lange Röhre angeblasen. 

Sarawak Nr. 686, 1035. — Vgl. Bikut 

Buri s. Bung. 

Bunbungan, eine Bambusröhre, die, unter 
jeder Platte des Gender angebracht, als Schall- 
verstärker dient; jede dieser Röhren ist so ab- 
gemessen, daß die von ihr eingeschlossene 
Luftsäule im Einklang mit der entsprechenden 
Klangplatte schwingt. 

Buncäcan, ein stimmgabelförmiges Instru- 
ment der Phihppinen, das als eine Kombina- 
tion von Schlagstab und Windinstrument an- 
gesehen werden muß. Die Gabel ist aus einem 
Stück Bambus derart geschnitten, daß der 
Griff röhrig und unten durch den Knoten ge- 
schlossen bleibt. Beim Anschlagen an die 
Handwurzel hört man einen Ton von bestimm- 
barer Höhe, die durch das Decken eines im 
Griff angebrachten Fingerloches verändert 
werden kann. 

Vgl. Genggong Sakai, Ore Ore. 

Buncuk, ByHHyKT., russ. .Schellenbaum'. 

Bund, dän. , Boden'. 

Bünde, schmale Leistchen, die quer über das 
Griffbrett der Saiteninstrumente laufen (Feste 
Bünde), oder herumgelegte Darmsaiten (Lose 
Bünde), mit dem Zweck, dem greifenden Fin- 
ger das Abteilen der Saite mechanisch und 
musikalisch zu erleichtern. 

Die Bünde scheinen ägyptischen Ursprungs 
zu sein ; schon 3000 v. Chr. waren sie auf dem 
Nefer angebracht. Die von den westasiatischen 
Völkern übernommene oder selbständig ge- 
fundene Einrichtung kam mit den Zupfinstru- 
menten vom Lauten- und vom Tanbür-Typus 
nach Europa und ist hier den verschiedenen 
InstrumentenfamiUen mit gerissenen Saiten 
bis heute eigen gebüeben. Seit dem 14. Jh. 
läßt sich im Abendland die Übertragung der 
Bünde auf die Violen feststellen. Hier, wie 
auch auf den Liren, hatten sie ihre Berech- 
tigung, weil diese früheren Streichinstrumente 
mehr dem Akkordspiel als der Melodie dienten. 
Bezeichnenderweise fehlen sie bei den nur drei- 
saitigen Geigen und bei den Violen da braccio 
und deren Nachkommen, der modernen Viohn- 
familie, also bei denjenigen Streichinstrumen- 
ten, bei denen das melodische Spiel und damit 
die Freiheit der Intonation im Vordergrund 



63 



BUNDET — BUSIEL 



steht Der Kontrabaß indessen hat, während 
sein Vater, die Großbaßgeige, keine Bünde 
mehr hatte, sie im i8. Jh. von der Großbaß- 
viola da gamba übernommen und bis in den 
Anf. ig. Jhs. hinein beibehalten ; man glaubte 
einerseits bei der großen Mensur des Instru- 
ments dem Spieler dieses Hilfsmittel emer 
sicheren Intonation nicht vorenthalten zu 
dürfen und andrerseits durch die Sattelfunk- 
tion der Bünde ein Aufschlagen der schwingen- 
den Saite auf das Griffbrett verhindern zu 
können. 

Enri FRETS ndl. BAREN, dän. TVERBAAND, schwed. 
BAJTO, wal. TWYFARAU, fr. TONS, it. TRA VERSINE, russ. 
tADv' serbokr. KRSTNICE. 

Bundet, dän. .gebunden'. 

Bundfreies Klavier, ein Klavichord, das für 
jede Taste eine besondere Saite hat. Dieser 
T>T5us wurde erst seit Anf. iS.Jhs. gebaut, 
ohne indessen das gebundene Klavichord ganz 
verdrängen zu können. Man schreibt die Neue- 
rung dem Organisten Dan. Tob. Faber in 
Crailsheim zu. 

Engl. UNFRETTED CLAVICHORD. — Coburgischer Zeitungs- 
Extract an. 1725 im April-Monath, p. 78. 

Bundklavier heißt das gewöhnüche, ältere 
Klavichord, das ein und dieselbe Saite für 
mehrere — 2—4 — Töne benutzt, im wesent- 
lichen für solche, die als harte Dissonanzen 
doch kaum gleichzeitig gebraucht werden ; bis 
zum Anfang 18. Jhs., als das bundfreie Klavi- 
chord eingeführt wurde, bleibt dies der ein- 
zige Typus, doch sind schon Ende 17. Jhs. die 
meisten Saiten selbständig. Der Name ist von 
den Bünden der Griffbrettinstrumente abge- 
leitet; wie diese, so teilen die Tangenten der 
einzelnen Tasten die schwingende Strecke der 
Saiten ab. 

Engl FRETTED CLAVICHORD, dän. BUNDET CLAVI- 
CHORD, franz. CLAVICHORD ACCOUPLE. 

Bunduma, Zanza, angebüch der Mande 
(Sudan!), mit 8 Holzzungen auf einem Schall- 
kasten. 

Markneukirchen Nr. 447. 

Bung, birm. kegelförmige Trommel aus Holz 
mit Hautriemenspannung. Nur das größere 
Fell wird geschlagen; seine Stimmung ge- 
schieht nicht vermittels der Riemen, sondern 
durch das Auftragen einer Mischung von ge- 
kochtem Reis und Sodalauge auf die Mitte. 
Um dem ätzenden Einfluß dieses Alkalis vor- 
zubeugen, ist das Fell bemalt. 

Portman 198!. — Vgl. Pam-ma, Sacng. 

Bung-hse, birman. gewöhnhche Trom- 
mel. 

Portman 199. 

Bunga, lettisch, Trommel, Pauke'; mnd. 
bunge. 



Bunge, mhd. mnd. ,Pauke, Trommel', v. 
einem an. hingen? 

Grimm II 35. 

„Do sluog er uf die bungen. vil luf er erhal." 
„Der spilman rihf die bungen. 
Die reif er da bant." 

Nith. XII, 7, 13 (l.H. 13. Jhs.). 
„In den bungen ind salterien singent sy eme.'" 
(In tympano et psalterio psallunt ei.) 

Niederrhein. Ps.-Cbers. 14. Jh. 
ed. JanoU, Wien 1855, 15. 

Bimi, z6ßovvi,\-on JosephusmißverständUch 
für Tebuni gesetzt. 

Bunibulum = Bombulum. 

Bunsee s. BansuH. 

Bunti, ByHTH, russ. ,Baßsaiten'. 

Büq, ^^, arab. pukhto i. Trompete. — 
2. Ein Griffloch-Blasinstrument mit kupferner, 
konischer Röhre von etwa 45 cm Länge, die 
unten in ein handdickes Schallstück mündet. 
Der Ton war brummend und sehr stark. Die 
Natur des Mundstücks geht aus der Quelle 
nicht unzweifelhaft her^-or; doch handelt es 
sich wohl um ein Rohr. 

Ibn Khaldoun, Prolegom. II 411'- — Vgl. Albogue. 

Buquilha, port. ,Mundstück, Schnabel'. 

Buraco, port. ,Griffloch'. 

Bürchel s. Büchel. 

Burdones, mlat. eigenti. die Pilgerstäbe mit 
eiserner Spitze, auch die Tumierlanzen, über- 
tragen: die langen Baßpfeifen der Orgel. 

Vgl. Bordun. 

Buri, ind. Kriegstrompete. 

Vgl. Bore. 

Buri, alban. .Trompete', v. türk. büre. 
Burife, Signalhorn der Mande und Soso (W. 
Sudan) aus Holz oder Elfenbein. 

Markneukirchen Nr. 44S, 449, 1039. 

Burnos gälos, ht. ,Mundstück'. 

Buro.Tierhorninstrument von der Goldküste . 

Bur-rting, tibet. ,Tempel-Gong'. 

Buruburu, kleine Zyhndertrommel der west- 
lichen Torres-Straße (N. Austrahen) mit 6inem 
Fell, das mit den Fingern geschlagen wird. 

Haddon, The Ethnogr. of the Western Tribe of Toires Straits, 
Jour. of the Anthropological Institute XIX 375. 

Buruga, südind. Name der Kurna. 

Vgl. Buguri. 

Burumamaramu, plan-konvexes Schwirrholz 
der Fly-Mündung (Brit. Neuguinea). 

Busäun, mhd. , Posaune', wohl aus altfr. 
busine und basune kontaminiert. 

Busel, Busicl, altfrz. , Röhre, Pfeife, Flöte'. 

Godefroy I 761. 

Busene, frz. (patois Rouchi) .Trompete', v. 
buisine. 

Godefroy I 755- 

Busenne = Buisine. 
Busiel s. Busel. 



64 



BUSINE — C-FUSS 



Busine, mhd. v. frz. buisine, Jiennen wir das 
engmensurierte, mit glocken-, trichter- oder 
tellerförmigem Schallstück versehene, hell und 
schmetternd tönende Kesselmundstückinstru- 
m«nt sarrazenischen Ursprungs, das seit dem 
II. Jh. nach Europa kam. Ältester litera- 
rischer Beleg Rolandslied (2. H. 11. Jhs.) v. 
1629, 3 5 2 3 ; ältester bildhcher das Weltgerichts- 
gemälde in S. Angelo in Formis bei Capua 
(2. H. II. Jhs.). 




BUSINE 
drs 13. Jhs. nach Buhle 

Busoi, Musikbogen derTanjong auf Borneo, 
der auf einen mit einer Holzplatte (aran) zu- 
gedeckten Schalltopf aus Ton oder Metall ge- 
stellt und dessen Rotansaite mit einem hölzer- 
nen Stöckchen geschlagen wird. 

Brw)ke Low. — S.trawak Nr. 59. 1230. 

Bussine = Buisine. 

Bussolotto, ital. .Schallbechcr'. 

Busun, mhd. = Busine. 

Busut, dajak. .Buckel' (Garantong). 

Buse-buse, haussa , Blasinstrumente'. 

Buso, syrm. , Kürbistrompete'. 

Busukki, ngr. .Tanbür' ; alban. buzuk. 

Butt, engl. I. .Stiefelstück'. — 2. .Hammer- 
nuß'. 

Buttatsch, rätorom. .Pauke'. 

Button, engl. , Blättchen'. 

Buxa, Buxaina, s. Gaita gallega. 

Buxine, altfr. , Busine'. 

Buyong, Muschelhom der Brunei-Malayen 
auf Borneo, aus Cassis tuberosum, mit dem 
Mundloch in der Spitze; es dient zum Zusam- 



menrufen der Büffel. Sonst scheint in Bomeo 
das Muschelhom nicht vorzukommen. 

Shelfcrd 21. 

Buze, altfr. , Busine'. 
Buzina, port. .Hominstrument'. 
Buzuk, V. türk. buzurk, ,groß', alban. Tan- 
bür mit 6 Drahtsaiten. 

Vgl. Tanbür buzurk. 

Bvul, acholi .Trommel'. 

JohnstoD, Uganda Prot. II 929. 

Bwa, wal. .Bogen'. 

Bwrdd, wal. .Griffbrett'. 

Byakusi, jap. Klapper aus 9 aneinander ge- 
reihten langen Bambus- (früher Hartholz-) 
Täfelchen. 

Piggott 177. — Vgl. Haku-han. 

Byaw s. Byo. 

Bygel, schwed. .Stimmbogen'. 
Bygelhorn, dän. .Bügelhorn'. 
Bykane, ßvxänj, griech. .Buccina'; auch ßv- 
xarov. 

Polybius 12, 4, 6f. 

Byrne = Bfime. 

Byo, birm. gewöhnliche Trommel, mit Holz- 
zarge und 2 Fellen, die an den Seiten mit Haut- 
riemen gespannt werden. Höhe etwa 40 cm, 

Portnian 199. — New- York Nr. 2105. 

Byo-tontsan, birm. Trommel. 

Byrgle, Byrhle.wcnd. .Orgcl'; gr. Soyaror. 

Byrgy, Jägerinstrument der sibirischen Ka- 
öinzen aus einer aus zwei Rinnen zusammen- 
gefügten, mit Birkenreifen gebundenen ko- 
nischen Holzröhre. Durch Einziehen der Luft 
wird der Schrei der Hirschkuh nachgeahmt 
und so das Männchen herbeigelockt. 

Vgl. Acocoll. 

Byrhle s. Byrgle. 
Bysfwrdd, wal. .Griffbrett'. 
Bzura, Baypa, Kobza der krimschen Ta- 
taren. 



Vermißtes ist unter C. K und Z zu suchen. 



C-Fuß isei der Flöte ist ein Fuß mit C- und 
Cii-Klappe. Nach Quantz (Versuch I § 16) 
ist ein C-Fuß bereits um das Jahr 1720 ge- 
baut worden ; .weil aber solches sowohl der 
reinen Stimmung, als auch dem Tone der Flöte 
selbst nachtheilig zu seyn geschienen ; so ist 



diese vermeynte Verbesserung wieder er- 
loschen, und nicht allgemein worden'. Ein 
frühes E.xemplar, wahrscheinlich sogar aus 
Quantz' Besitz, von Biglioni in Rom 1725 ge- 
baut, gehörte Carli Zoeller in London. 

Roy. Mil. Exh. London 1890, Nr. 50 



Sachs 



65 



C-HORN— CAI CAP KE 



C-Horn. i. Tief C 

SkaU: 




Notierung : 



j '1 ijj J J^r i' 1 



>,^ ljj.JVrr i 



fff 



C-Klarinette, eine veraltete Klarinette mit 
hartem Ton. Gerade um dieser Härte willen 
hat man ihr im Militärorchester lange den Vor- 
zug vor den übrigen Klarinetten gegeben. 
Neuerdings verlangt sie wie- „ 
der Strauß im, Rosenkavalier'. 

Umfang und Notierung; 



C-Kornett, 



Umiang und 
Notierung; 



Naturskala :j 




C-Lade heißt bei denjenigen Orgeln, die für 
jedes Manual zwei Windladen haben, die zu 
den Tönen C, D, E, Fis, Gts, B gehörige Lade. 

C-Löcher heißen die C-förmigcn Schallöcher 
älterer Streichinstrumente. Hervorgegangen 
aus den halbkreis-, den kreissegmcnt- und den 
klobigeren ohr- oder wurstförmigen Löchern 
des früheren Mittelalters, bewahren sie deren 
Stellung mit der offenen Seite nach innen ; erst 
die Neuzeit, die wenigstens für die Gamben- 
familie die C-Löcher beibehält, kehrt ihre Öff- 
nung nach außen, nachdem die Löcher ihren 
festen Platz am Mittelbügcl erhalten haben. 

C-Maschine, eine Vorrichtung auf neueren 
Kontrabässen zur Gewinnung der tiefsten Töne 
Ci — £si; s. Kontrabaß. 



C-Pauke wird die kleinere der beiden Pauken 
genannt. 
C-Trompete. 



Skala nach Klang und Notierung 




Umfang mit Maschine 



C-Tuba,eineKontrabaßtubainC; 



Umfang imd Kotierung; 



Naturskala : 



8— - 




selten versteht man darunter ein Barj-tonhorn 
in C. 

Caballete, span. .Steg'. 

Cabecjalho do sino, port. .Glockenbalken'. 

Cabinet d'orgue, frz. .Musikschrank'. 

Cabreta, mlat. ,kleine Sackpfeife', v. capra. 

Cabuz s. Cobza. 

Caccarella, Neap. Brummtopf des Piedi- 
grotta-Festes, mit Rohrfriktor. 

Baliour Fr. Dr. 70. 

Cadfan, wal. , Kriegstrompete'. 

Cadgorn, wal. .Signalhorn'. 

Cadre en fer, frz. .Eisenrahmen'. 

Cäi ban nhac, annam. .Tafel-Klapper' aus 
drei durch Scharniere verbundenen Hartholz- 
plättchcn. von denen das mittelste Leib, Kopf 
und Schwanz eines Drachen und die beiden 
andern, auf der Außenseite mit Schellen be- 
setzten die Flügel darstellen. Das Instrument, 
das bei religiösen Zeremonien Verwendung 
findet, wird mit dem Schwanz gegen den Gür- 
tel des Spielers gestützt, so daß die beiden 
Hände die Flügel gegen die Mittelplatte schla- 
gen können. 

Briissel Nr. 1706. 

Cäi bom, annam. mit Büffelhaut bespannte 
Faßtrommel, kleiner als das Cäi Trong, 36 
bis 38 cm lang, 13 — 15 cm Dm. Die eine 
der beiden Häute wird durch einen Reis- 
auftrag gestimmt, so daß das Instrument, 
mit den Händen geschlagen, zwei Töne, ge- 
wöhnlich 



^EE^E^ 



ergibt. Das Cäi Bom wird zur rythmischen 
Verstärkung im Orchester gebraucht. 

Knosp 148. 

Cäi böng, annam. Trommel. 
Cäi canh, annam. .Schlaginstrument'. 
Cäi cap k6, annam. konkave, gegen 20 cm 
lange und 3 '^i "n dicke Eisenholz-Kastagnet- 



66 



CAI CONG— CAI DAN NGNYET 



ten in der Form von Kreisabschnitten. Beide 
Stücke werden in der gleichen Hand gehalten ; 
beim Aneinanderschlagen ergeben sie einen 
Ton wie das durchdringende Zirpen der Grillen 
in den Tropen. Sängerinnen und Blinde be- 
gleiten damit ihren Gesang. 

Brüssel Nr. 1696, 

Cäi cöng, annam. Kupfergong mit Rand. 

Brüssel Nr. 1731. 

Cäi cac, annam. 27 cm lange Hartholz- 
Schlagstäbe, die von den Sängerinnen zur Be- 
gleitung ihrer Lieder gegeneinandergeschlagen 
werden. 

Brüssel Nr. 1694. 

Cäi cieng, annam. Gong aus gewöhnlichem, 
geschlagenem Kupfer (dumpfer Ton) oder aus 
silberhaltigem Kupfer (heller Ton), 44 — 80 cm 
Dm, mit einem rechtwinklig abgebogenen 
Rand (thanh) von 6 — 7 cm Breite und einem 
Buckel (vu) von 3 cm Höhe und 10 — 15 cm 
Dm. Das Cieng gehört dem Orchester nicht 
an ; es dient als Signalinstrument bei religiösen 
und militärischen Zeremonien, als Totenglocke 
bei Hinrichtungen und im Theater bei An- 
lässen ähnlicher Natur. Die besten Ciengs 
kommen aus Hanoi, der Hauptstadt Tonkins; 
von hier aus wird ganz Ostasien mit Gongs 
versorgt. 

Ein kleineres Kupfergong ohne Rand, von 
26 cm Dm und 0,6 cm Dicke, mit einem Buckel 
von 0,5 cm Höhe und 2.5 cm Dm, heißt in 
Annam ebenfalls Cieng. Mit einem kleinen 

Holzklöppel ge- -fl „ — , 

schlagen, läßt es fe^=^fc=^ hören. 

Knosp 149. — Brüssel Nr. 1730. 

Cäi cuöng, annam. Glocke von 52 ( ?) cm 
Höhe, 6 cm Dm imd 0,35 cm Stärke, die beim 
Spielen an einer Schnur gehalten wird. 

Knosp 150. 

Cäi cuöng dua, annam. ,Tempelglocke' aus 
Bronze. 

Brüssel Nr. 172g. 

Cäi £u6ng gang, annam. Tempelglocke in 
Form einer Kugelkalotte von 10 cm Dm. 
Gang ist der Name des Metalls, einer unbe- 
kannten eisenartigen Legierung von bemer- 
kenswertem Wohlklang und außerordentlicher 
Reinheit. 

Brüssel Nr. 1735/4. 

Cäi dan bau, von bau. , Kürbis', annam. 
Zupfinstrument auf dem Übergang zwischen 
Musikbogen und Harfe. Der rechteckige, unten 
offene Schallkasten ist 80 — 81 cm lang, 9 — 12 
cm breit und 1 1 — 1 5 cm tief. Mit seiner Decke 
bidet der bogenförmige, 7 5 cm lange Hals einen 
Winkel von ungefähr 1 30". Eine in der Nähe 
des Halsendes angebrachte Stahlsaite geht 



durch ein kleines Loch in der Decke und ist 
nahe dem entgegengesetzten Ende des Schall- 
kastens auf einen beide Wände durchbohren- 
den Holzwirbel aufgerollt. Zum Spielen dient 
ein kleines, zwischen Daumen und Zeigefinger 
der Rechten zu haltendes Bambuspiektrum; 
mit dem gleichen Daumen wird gelegentlich 
ein Oktavflageolett gegriffen. Die linke Hand 
ändert die Spannung des Bogens, an dem die 
Saite befestigt ist, so daß sie verschieden into- 
niert. Unmittelbar unter dem Ansatzpunkt 
der Seite am Hals ist eine kleine, an der einen 
Seite offene Kugel angebracht, die offenbar 
den Ton verstärken soll, ein Zweck, den sie nur 
unvollkommen erreicht ; vermutlich nahm man 
statt ihrer früher einen Kürbis, von dem das 
Instrument den Namen hat. Das Cäi dan bau 
gehört zu den hauptsächlichsten Instrumenten 
des Orchesters der Blinden, Con-xäm oder 
Tang-xäm ; mit dem Cäi nhi und dem Cap 
k6 zusammen begleitet es deren erotische Ge- 
sänge. 

Brüssel Nr. 1913. 

Cäi dan day, annam. Guitarreninstrument 
zur Begleitung der Sängerinnen, im ganzen 
131 cm lang, mit einem viereckigen Schall- 
kasten aus Hartholz von 3 1 cm Länge, 20 cm 
Breite und 9 cm Höhe, in dessen Boden ein 
10 cm weites Loch geschnitten ist, mit einem 
meterlangen achtbündigen Hals und 3 Saiten 



Die Bünde ergeben die folgenden drei Skalen : 



'''f r'r^, j,i jjf i ir r 



'>-f r'fi r^jJ i iJ^ 



u: , I j . [» 1* 



Der Gesamtumfang ist also: 



Knosp 145. 

Cäi dan ngnyet, annam. Guitarreninstru- 
ment von loi — 104 cm Gesamtlänge, miteinem 
kreisförmigen Schallkasten (ngnyet = Mond) 
von 36 — 36,5 cm Dm. und 6 cm Dicke, in 
dessen Innern ein Stück Kupferblech zur Ton- 
verstärkung angebracht ist, mit einem acht- 
bündigen Hals von 65 — 78 cm Länge und vier 
Saiten in 



m 



67 



5* 



CAI DAN NHA TRO— CAI MO NHA CUA 



Die Bünde ergeben die folgenden beiden 

Skalen : 

FR 



:ni^ r r 



^^^^ 



Der Umfang ist demnach: *j" | fk-^ri 



Das Cäi dan ngnyet gilt als das Lieblingsinstru- 
ment der Annamiten. Es entspricht dem 
Yue-k'in. 

Knosp 145. — Brüssel Nr. igiz. 

Cäi dan nha tro, von nha tro, , Sängerin', 
annam. Guitarreninstrument. Der Schall- 
körper hat Trapezform ; sein Boden, in den 
eine längliche Öffnung geschnitten ist, ist 
etwas größer als die Decke, so daß die Zargen 
schräg und überdies abgerundet nach oben 
laufen. Auf den 1 16 cm langen Hals sind 
12 dreieckige Holzklötzchen als Bünde auf- 
geleimt. Drei Saiten gehen von einem Quer- 
riegel auf der Decke über diese Bünde zu drei 
schlanken Wirbeln ; ihre nicht eingespannten 
Enden sind auf Weberschiffchen aufgerollt. 
Beziehungen zum ägyptischen Rebäb und zum 
japanischen Kokiu können nicht verkannt 
werden. 

Brüssel Nr. 1910. 

Cäi dan thap lue, annam. Psalterium vom 
Typus des chin. Se, aus einer 97 — 98 cm langen 
halbkegelförmig gewölbten Decke mit den 
Endbreiten 13 — 13'i und 20 — 21 cm, denen 
Höhen von 7 und 14 cm entsprechen. Unter 
dieser das Himmelsgewölbe symbolisierenden 
Decke liegt als Darstellung der Erde ein flacher 
Boden mit drei Schallöchem. 16 (thap lue = 
16) dünne Messingsaiten laufen von einem 
Saitenhalter durch bewegliche Elfenbeinstege 
zu Elfenbeinwirbeln. Ihre Stimmung ist 



^&%^ 




Der zwischen Steg und Saitenhalter liegende 
Saitenteil wird nicht benutzt. 

Knosp 146. — Brüssel Nr. 1903. 

Cäi dan ti, annam. ,milzförmiges' Lauten- 
instrument vom Typus der chin. Pipa mit 
einem schlanken, flachen Korpus, in dessen 
Innerem ein Stück Kupferblech zur Tonver- 
stärkung angebracht ist, 4 seidenen Saiten in 



und 10 bzw. 9 Bünden, mit denen die folgen- 
den Skalen hergestellt werden können: 



II 



■^ f ^rT 



^^^ h^-p^ 



bÖ 



^^ 



UiJ^ 



^ 



ff 



^ 



r 



Die mit + bezeichneten, der Fünftonleiter 
fremden Töne werden von den Annamiten 
ausgelassen und die zugehörigen Bünde als 
chinesischer Import angesehen. Maße: 95 — 06 
cm Länge, 24 cm größte Breite. 7 cm Höhe. 

Brüssel Nr. 1914. — Knosp 143. 

Cäi hac = Cäi cac. 

Cäi ken, annam. Schalmei vom Typus der 
So na, aus zwei zusammengeklebten Holz- 
rinnen, aber mit messingnem Kopf- und 
Schallstück ; 7 oder 8 Grifflöcher. Skala ver- 
schieden. 

Brüssel Nr. 1812, 1813. — Knosp. 141. 

Cäi ken döi, von döi, , doppelt '. annam. Dop- 
pelinstrument aus zwei gleichen, 20 — 28 cm 
langen, mit Harz aneinandergeklebten Cäi ken 
möt, bei dem es auf Schwebungon abgesehen 
zu sein scheint. Der Ton wird als ohrenzer- 
reißend geschildert. Es wird nur bei Leichen- 
begängnissen benutzt. 

Brüssel Nr. 1806, 1808. — Knosp 142. 

Cäi ken loa, annam. v. loa, ,Muschel, Er- 
weiterung', I. s. V. a. Cäi ken, — 2. .Kriegs- 
trompete', — 3. .Muschelhom'. 

Cäi ken möt, annam. .einfache' zyhndrische 
Rohrschalmei mit 7 Grifflöchern vorn und 
einem 8. hinten in der Höhe zwischen den bei- 
den obersten der Vorderseite; um ein teil- 
weises Decken zu erleichtern, sind die Löcher 
oval. Das Rohrblatt besteht aus einer Raupen- 
puppcnhüllc. die derart präpariert ist, daß sie 
eine Röhre mit abgeplattetem Ende bildet. 

Brüssel Nr. 1805, 1807. — Vgl. Cdi ken döi. 

Cäi mö, annam. s. v. a. Mu-yü. Das Instru- 
ment wird in Annam nicht nur beim Gottes- 
dienst, sondern auch im Orchester gebraucht. 

Brüssel Nr. 1700. — Knosp, 151. — Vgl. Cäi mö ci. 

Cäi mö cä, annam. Cäi mö in ,Fisch'-Form, 
also s. V. a. Yü pang. 

Brüssel Nr. 1701. 

Cäi mö nha cua, von nha, ,Haus', und Oua, 
,Temper. annam. Bonzengong aus einem rot- 
lackierten Stück Holz in Form einer Mandel 
mit vergoldeten Blättern, deren Stiel als Hand- 
griff dient. Beiden Anrufungen, die den bud- 
dliistischen Gottesdienst einleiten, schlägt der 
Bonze abwethselnd an eine kleine Glocke und 



68 



CÄI NÄO BAT— CÄI TRÖNG COM 



an dies Gong ; der erste Schlag führt den an- 
gerufenen Geist herbei, der zweite bannt die 
feindlichen Dämonen. 

Brüssel Nr. 1708. 

Cäi näo-bat, annam. Becken. Die größte 
Art, 50 cm Dm, wird nur im Theater und bei 
religiösen Festen verwendet; eins der Becken 
wird eingerissen, um den Ton noch schrecken- 
erregender zu machen. Die mittlere Art, 14 cm 
Dm, besteht aus dünnem Kupferblech. Die 
kleinste, 5,1 cm Dm, ist i mm stark und hat 
inderMitteeine Anschwellung von 15 — 16 mm 
Dm und 5 mm Höhe, in die zum Anbringen des 
Haltriemens ein 5 mm weites Loch gebohrt 
ist. Man beachte die Namensübereinstimmung 
mit ind. nobut und russ. nabat. 

Knosp 150. 

Cäi nen, ein dem Kre-wairt entsprechendes 
Instrument von Kamboga. Pillaut notiert die 
ersten acht von seinen 16 Tönen als phrygisch 
gl — «2. Es handelt sich offenbar um das 
Khong-toc. 

Paris Nr. 1291. 

Cäi nhi, D u - c o , annam . zweisaitiges Streich- 
instrument, das genau den chinesischen Geigen 
der ersten Gruppe Moule's entspricht. 



Stimmung: 




GebräuchlicherUmfang : 



Brüssel Nr 375. — Knosp 142. — G. Dunioutier, Le chant et 
les traditions populaires des Annamites, Paris i8go. 

Cäi ong die, von die, , Röhre', annam. Rohr- 
flöte, ähnlich dem chin.Ti, als Lang- oder Quer- 
flöte zu benutzen, etwa 55 cm lang und 2 cm 
dick; 7 Grifflöcher ergeben die Töne 



Die Klangfarbe ist angenehm und weich. 

Cäi sao, von sao, .Singvogel', annam. Aols- 
pfeife für die Papierdrachen, aus einer durch 
Verschlußstücke geteilten Bambusröhre. 

Brüssel Nr. 1826/1827. 

Cäi sinh, annam. Schlagstab aus einem 
Stück Bambus von 1 5 >^ 5 >c 2 cm, das sich die 
blinden Musikanten beim Sitzen zwischen 
zwei Zehen des linken Fußes stecken und mit 
zwei Hartholzklöppeln bearbeiten. Der Klang 
ist kastagnettenartig. 

Knosp 151. 

Cäi tarn, annam. Guitarreninstrument zur 
Gesangbegleitung, ähnlich dem chin. San- 
hsien, mit 3 seidenen Saiten — tarn = drei — 
und einem ovalen, beiderseits mit Schlangen - 
haut überzogenen Schallkasten. Ein Capotasto 



aus Bein dient zur Veränderung der normalen 
Stimmung u üg 

Brüssel Nr. igii. — Knosp 143. 

Cäi thanh la, annam. , helltönendes' kleines, 
mit einem Hartholzklöppel geschlagenes Kup- 
fergong, das mit der Trommel zusammen in 
allen Orchestern und besonders bei den Zere- 
monien der taoistischen Bonzen und der Zau- 
berer gebraucht wird. Randhöhe etwa 2 — 19 
mm. Dm. 10 — 16 cm. 

Brüssel Nr. 1697. 

Cäi thieu-canh, annam. Gong aus gehäm- 
mertem Kupfer von 10 cm Dm. Das Instru- 
ment und seine Verwendung in einer Reihe 
in einem Rahmen aufgehängter und abge- 
stimmter Exemplare ist dem chin. Yün-lo 
nachgebildet; aber statt der lo Gongs des 
chinesischen Instruments, werden in Annam 
nur drei genommen. 

Knosp 150. 

Cäi tiu, annam. Kupfer- oder Bronzegong 
in Form einer Kugelkalotte von 10 cm Dm. 
Das Instrument wird auf der flachen Hand ge- 
halten und mit einem Holzklöppel geschlagen; 
der Klang soll dem einer kleinen Pfanne gleich 
sein. Nach Knosp wird es beinahe ausschheß- 
lich in den Pagoden zum Taktschlagen bei den 
Gebeten verwendet, nach Mahillon dagegen 
im Militärorchester. 

Brüssel Nr. 1698. — Knosp 150. 

Cäi tröng, annam. nur bei wenigen Gelegen- 
heiten benutzte, mit einem kräftigen Schlägel 
bearbeitete, dumpfklingende Trommel, faß- 
förmig, 50 — 80 cm lang und 40 — 50 cm weit, 
mit Büffelhaut bespannt, rot bemalt und 
lacldert. Die in Brüssel unter diesem Namen 
geführten Exemplare sind bedeutend kleiner, 
während die eben beschriebene Trommel dort 
Cäi tröng cai genannt wird. 

Brüssel Nr. 1789, 1790. — Knosp 148, 

Cäi tröng boc, annam. Handtrommcl in 
Halbkugelform mit einem einfachen Fell auf 
der konvexen Seite. Form und Maße wechseln. 
Zweck und Spielart entsprechen denen des Cäi 
tröng-giang. 

Brüssel Nr. 1768. 

Cäi tröng cai, von cai, .groß', annam. große 
Trommel in Faßform, deren Felle mit Kupfer- 
nägeln befestigt sind. Sie dient Priestern und 
Mandarinen als Signalinstrument. Höhe 48, 
Dm. 36 cm. Das Brüsseler Exemplar ent- 
spricht dem von Knosp einfach Cäi tröng ge- 
nannten Instrument. 

Brüssel Nr. 1785. 

Cäi tröng com, von com, , gekochter Reis', 
annam. Trommel mit einem schlank-faß- ' 



69 



C*ÄI TRÖNG CON— CAMPANA 



förmigen Holzkorpus und zwei Fellen, die mit 
den Fingern gleichzeitig geschlagen werden, 
während das Instrument am Hals des Spielers 
hängt. Der Name kommt von der Gewohn- 
heit, ein Häutchen gekochten Reises auf jedes 
Fell zu kleben. 

Brüssel Nr. 1787. 

Cät tröng con, annam. ,Kindcrtrommer, 
ähnlich dem Cäi tröng tien cö, aber unlackiert. 
Höhe 7 ',2 cm. 

Brüssel Kr. 1791/1792. 

Cäi tröng giang, annam. konusförmige 
Trommel von 19 cm Höhe ; die untere Seite — 
30 cm Dm. — bleibt offen, auf die obere — 18 cm 
— ist mit dicken Nägeln ein Fell gespannt: 
als Schlägel dient ein Hartholzstäbchen. 
Die Tonhöhe wechselt, je nachdem mehr am 
Rande oder in der Mitte gespielt wird. Im 
Orchester ist das Instrument mit dem Cäi 
tröng vereinigt. 

Knosp 149. 

Cäi tröng met, Cäi tröng manh.vonmet, 
.muschelförmiger kleiner Korb' und manh, 
, platt', ,dünn', annam. Tamburin aus einem 
mit Nägeln auf einer großen Holzzarge be- 
festigten Fell, das mit zwei Stäbchen geschla- 
gen wird. Das Instrument wird im Orchester, 
aber auch von den Sängern und Zauberern 
benutzt. Innen-Dm. 21 cm. 

Brüssel Nr. 1769. 

Cäi tröng tien cö, annam. ,kleine Hals- 
trommel', eine Trommel mit Holzkorpus und 
einem Stiel, an dem sie mit der einen Hand 
getragen wird, während die andere sie mit 
einem einzigen Stäbchen schlägt. Sie geht an 
der Spitze der Festprozessionen. 

Brüssel Nr. 1786, 1788. 

Cäi tröng va, von va, ,Nasenstüber', annam. 
Trommel vom Typus des chin. Ku, jedoch mit 
nur 6inemFell. Scheibcn-Dm. 18 cm, Fell-Dm. 
1 1.7 cm. 

Brüssel Nr. 1770. 

Cäi tu hoa, annam. Muscheltrompete, die 
als Signalinstrument für die Feldarbeiter und 
im Falle der Gefahr dient. 

Brüssel Nr. 1861. 

Cäi xinh tien, v. xinh, .Klapper', und tien, 
.Sapcke' (chinesische ]Münzc), annam. kombi- 
niertes Schrapstock- und Rasselklapperinstru- 
mcnt, im Prinzip ein wenig dem Bumbaß 
ähnlich. Es besteht aus zwei 27 cm langen 
Hartholzplättchen, von denen das eine in zwei 
Spitzen mit je drei Sapeken ausläuft, das andre 
dagegen in nur 6incr Spitze mit drei Sapeken. 
Während die Linke die beiden Plättchen an- 
einanderschlägt, streicht die Rechte diese selben 
Plättchen mit einem dritten, gezahnten Holz. 

Brüssel .Nr. 1695. 



Cainorfica, ital. .Xänorphika'. 
Caisse, frz. .Trommel, Resonanzkasten'. 
Caisse claire, frz. .kleine Trommel'. 
Caisse roulante, frz. , Wirbeltrommel'. 
Caixa, port. , Trommel'. 
Caixa a musica, port. .Spieldose'. 
Caixa de rufe, port. .Wirbeltrommel'. 
Caja, Span. .Trommel, Orgel-, Klavierge- 
häuse'; dim. cajita. 

Caja de müsica, span. .Spieldose'. 

Cakit = Cingara. 

Cala-Mala, Sackpfeife der Zigeuner. 

Walker, Hist. Mem. Irish Bards 165; Joum. Gyps. Lore I 302. 

Calamellus, lat. .Schalmei', v. calamus, 
,Rohr'. 

Calandrone, ital. heiser klingende Hirten- 
schalmei aus Holz mit Doppelrohrblatt und 
zwei Klappen, die den Wind aus zwei diame- 
tral entgegengesetzten Löchern herauslassen( .') 
Ihr Ursprung wird bis auf Olvmpos zurück 
geführt. Etymologie: calandro, , Lerche'. 

Bonanai 68. — ■ I^borde 1 24S. 

Calascione s. Colascione. 

Caldeiräo, port. .Register'. 

Calderarpa, eine Klavierharfe von L. Caldera 
in Turin und Racca in Bologna (1890). Wie 
bei der älteren Dietz 'sehen Klavierharfe ist 
die Harfenform, der Stahlsaitenbezug und der 
Umfang von 6 Oktaven Fi — f* beibehalten, 
-äußerlich unterscheidet sie sich durch ein 
kleineres, gedrungeneres Format und durch 
die Durchführung der Baronstange bis zum 
Fußboden; innerlich vor allem dadurch, daß 
die Saiten nicht gezupft, sondern mittels 
schräggestellter, tuchbekleideter Holzstäbchen 
angestoßen, die tiefsten Saiten sogar durch 
Hämmer angeschlagen werden. Als Piano- 
vorrichtung dient eine durch ein Pedal an die 
Saiten drückbare filzbesetzte Leiste. 

New- York Nr. 2430 (?). — Heyer Nr. 236. — Z.f.I. XI 271, 391. 

Calichon, frz. .Colascione'. 

Calliope, crf. gegen 1860 von dem Ameri- 
kaner Arthur Denny, eine Dampforgcl, deren 
Klang 12 engl. Meilen (über 22 km) weit hör- 
bar gewesen sein soll. Zum Spielen diente so- 
wohl ein Manual als auch eine Walze. Der Be- 
richterstatter gestand, daß die Reinheit nicht 
immer befriedigend war. 

leipziger Illustrierte Zeitung 1860, S. 33. 

Callissoncino, ein kleines Colascione ; besser 
Calasciontino. 

Calotjoncini s. Colasciontino. 

Calotte nennen die Franzosen die auf der 
Glockenhaubc liegende Verstärkungsplatte 
und den Deckel der gcdackten Orgelpfeifen. 

Campainha, port. .Glöckchen'. 

Campana, mlat. ital. span. port. .Glocke, 
Schallstück'. Eine etymologische Deutung 



70 



CAMPANA TUBOLARE— CAPOTASTO 



des Wortes hat um 660 Abt Cumenäus Albus 
auf der schottischen Insel Hy in seiner Vita 
S. Columbae gegeben ; nach' ihm hätte die 
itahsche Landschaft Campanien den Namen 
und die Sache selbst geliefert. Merkwürdiger- 
weise ist diese abenteuerliche Herleitung nie- 
mals ernstlich in Zweifel gezogen worden. 
Wäre sie richtig, dann hätten die aus dem La- 
teinischen entstandenen Sprachen das Wort 
benutzt ; statt dessen sehen wir, daß die roma- 
nischen Sprachen bis an die Schwelle der Neu- 
zeit ihre Worte für .Glocke' vom lat. Signum 
ableiten. Wir schlagen eine andere Lösung 
vor. Das griechische Verbum xäfuzroy bedeutet 
.biegen, krümmen'; davon kommt xx/uivi-og, 
.gekrümmt'. Man vergleiche nun hiermit 
asl. kampan und kamban, alb. kembone, slov. 
kembelj, finn. kampi. Also in Osteuropa eine 
unverkennbare Stammverwandtschaft. Da 
der früheste nachweisbare Gebrauch ekklesias- 
tischer Signaünstrumente — Weck- und Zu- 
sammenberufungswerkzeuge — in der orienta- 
lischen Kirche nachweisbar ist, so findet die 
Bildung des Wortes gerade innerhalb des grie- 
chischen Kulturkreises ihre Erklärung. Die 
ersten derartigen Instrumente sind die hölzer- 
nen oder eisernen Semanterien, die Schlag- 
bretter, gewesen ; was hätte näher gelegen, als 
einen Gegenstand, der durch das Zusammen- 
biegen einer solchen Schlagplatte entstanden 
ist, im Gegensatz eben ein .Zusammengebo- 
genes' zu nennen ? Diese Etymologie gewinnt 
an Wahrscheinlichkeit durch die östliche Ab- 
stammung der Sippe .Glocke'. 

Campana tubolare, ital. .Röhrenglocke'. 

Campanario, span. .Glockengalgen'. 

Campanella, C a mpanellina,it. .Glöckchen'. 

Campanil. span. .Glockenspeise'. 

Campanilla, span. .Glöckchen'. 

Campanölogo, span. , Glockenspiel'. 

Cafia, span. .Rohrblatt'. 

Canale pneumatico, ital. .Windkanal'. 

Cancella, lat. .Kanzelle'. 

Cane clarinet, engl. , Stockklarinette'. 

Cane flute, engl. , Stockflöte'. 

Cane violin, engl. .Stockgeige'. 

Cang-teu, Cang-tsang-teu. tib. .Trommel'. 

Canguenca, Menschenknochentrompete der 
alten Brasilianer. 

Georg. Marcgravius, Hist. rer. Datur. Brasiliae, Lugd. i6a8. 

Canh s. Cäi canh. 

Canna, ital. ,(Orgel-)Pfeife, Schalmei, Rohr- 
blatt'. 

Canna d'anima, ital. .Labialpfeife'. 

Cannale, mhd. ..Noch medicinale, 

Noch portitiff. psalterium. 
Noch figel sam cannale . . .** 

Eberh. Cersne, Der Minne Regel, 
1404, V. 411— 4'3- 



Ambros hat in seinen Anmerkungen zur Wö- 
ber'schen Ausgabe des Eberhardus (Wien '6i) 
figel sam cannale zusammengenommen und 
durchaus grundlos als Drehleier interpretiert. 
Wir ziehen statt dessen die allenthalben im 
14. Jh. auftauchenden sachlichen und sprach- 
lichen Entlehnungen vom arabischen Qänün 
zur Erklärung heran und weisen darauf hin, 
daß die große und die kleine Form dieses In- 
struments in Spanien canno und meo canno, 
in Frankreich canon und micanon, in 
Deutschland kanön und metzkanön genannt 
wurden. Die Latinisierung dieser Namen er- 
gibt zwanglos cannale und medium cannale; 
die letztere Form mußte durch Zusammen- 
ziehung mit dem gesetzmäßigen Lautwandel 
oder vielleicht besser durch Volksetymologie 
zu medicinale werden. 

C. Sachs, Die Musikinstrumente der Minneregel. SIMG XIV 4. 

Canne-clarinette, frz. , Stockklarinette'. 
Canne-flüte, frz. .Stockflöte'. 
Canne-violon, frz. .Stockgeige'. 
Canno, altspan. .Psalterium', v. arab. 
qänün. 

Juan Ruiz, Libro de amor. — Vgl. Canno entero, Meo canno. 

Canno entero, altspan. .großes Psalterium'. 
Cano, port. (Orgel-) .Pfeife'. 
Cano s. Canno. 

Canon, span. , Qänün'. — S. auch Kanon. — 
spätlat. .Griffbrett'. 

Canon harmonicus, splat. ,Monochord'. 
Canons, engl. .Glockenkrone'. 
Canten, romagn. s. v. a. Cantino. 
Canticum, lat. .Psalterium'. 

..Psalterium. quod vulgo canticum dicitur . . ." 

Isidor V. Sevilla. Orig. seu Et>-m. Libri. 

Cantino, ital. die höchste (,Sang'-)Saite eines 
Instruments. 

Canto, i tal . die höchste Lautensaite im 1 6. J h. 

Canudo, port. .Orgelpfeife'. 

Capistrum, lat. = Phorbeia. 

Capitasti, plur. v. capotasto. 

Cap ke s. Cäi cap ke. 

Capo d'astro, korr. aus Capotasto. 

Capotasto, ital. .Hauptbund'; plur. capi- 
tasti. Der Name wird in der Praxis häufig 
sinnlos in capod'astro. capotaster oder gar ca- 
votaster verljallhomt. UrsprüngUch bezeich- 
net das Wort nur den gewöhnlichen Sattel der 
Saiteninstrumente ; außerhalb Italiens dagegen 
versteht man unter ihm eine Vorrichtung zur 
Herstellung eines künstlichen Sattels — na- 
mentlich für die Guitarre — , der die Höher- 
stimmung des Instruments gestattet. In der 
Regel handelt es sich um eine schmale, tuch- 
oder ledergefütterte Holzleiste von der Länge 
der Grifibrettbreite, die fest auf die Saiten ge- 
preßt vnTd und so den schwingenden Teil aller 



71 



CAPUZ — CAVACO 



Saiten gleichmäßig um einen oder mehrere 
Halbtöne verkürzt. Die Befestigung auf dem 
Griffbrett geschieht durch Schrauben oder 
durch eine mit einem Wirbel festzuziehende 
Darmsaite. 

Beim Klavier ist Capotasto eine von .\.Bord 
in Paris 1843 erfundene feste Mctallleiste auf 
dem Stimmstock, unter der die Saiten hin- 
durchlaufcn und durch deren Druck sie die 
Abgrenzung ihres schwingenden Teils erhalten. 
Die Verwendung des Capotasto beschränkt 
sich bei den Klavierinstrumenten auf die Dis- 
kantregion. 

Bei der Zither wurde früher gelegentlich 
ein klappenförmiger Capotasto zur Umstim- 
mung der Bordunsaiten verwendet; heute hat 
man diese Einrichtung wieder fallen lassen. 

Von dem bei den alten Gamben benutzten 
Capotasto hat das moderne Violoncellspiel 
noch die Erinnerung bewahrt, indem das Sat- 
telmachen durch Einsatz des Daumens .far il 
capotasto' genannt wird. 

Fr. BARRE, sp. CEJUELA. 

Capuz s. Cobza. 

Caracaxa, Schrapstock der brasilianischen 
Guato-Indianer aus einem gezahnten Rohr, 
auf dem mit einem Stück Hörn rhythmisch ge- 
schrapt wird. Das Rohr ist in der Längsrich- 
tung mehrmals gespalten, so daß der Spieler 
durch Abbiegen einer oder mehrerer Späne 
den Ton verändern kann. 

Am unteren Amazon bedeutet der Name 
auch eine Bambustuba. 

Bates. H. W., The Naturalist on the River Amazon, Lon- 
don 1863, 1 311. — Florenz Nr. 7532. 

Caramba, Marimbache, INIusikbogen der 
Indianer des Kekchi- und Pokonchi-Gebiets in 
Guatemala, aus einem etwa 2 m langen leichten , 
mit einer Schlingpflanzen- oder Schnursaite 
bespannten Holzbogen; diese Saite ist mit 
einer Schlinge derart gegen den Bogen gebun- 
den, daß ihre beiden Teile, mit einem Stäbchen 
geschlagen, im Quintabstand tönen ; der Spie- 
ler preßt gleichzeitig den Mund gegen den Bo- 
gen und summt eine Melodie. Daneben kommt 
auch die hier als Carimba beschriebene Form 
vor. 

In Yukatan ist die Schlinge durch ein einge- 
klemmtes Holz ersetzt; der Bogen wird in 
einem Drittel seiner Länge vor den Mund als 
Resonanzhöhle gehalten. 

C. Sapper, Das nürdl. Mittclanicrika, Braunschw. 1807, p. 312. 
— Markneukircheii Nr. 566, — Amer. Anthropologist X 272 
(Saville). — Vgl. Carimba. 

Caramillo, span. Hirtenschalmei mit schril- 
lem Ton, V. calamellus. 

Cobarrubbi.is, Tcsoro 1611, 1 igS. 

Caravelha, port. .Wirbel'. 



Carillon, frz. .Glockenspiel', nach van der 
Straeten V 46 vielleicht von quadrilio, .Vier- 
glockenspiel '. 

Carimba, Musikbogen von S. Salvador in 
M. Amerika, aus einem etwa 5 Fuß langen 
Rohrbogen mit einer Messingsehne, die im 
dritten Teil ihrer Länge derart mit einer 
Schnur am Bogen befestigt ist, daß beide Sai- 
tenteile einzeln imQuintabstand tönen können. 
An der gleichen Stelle ist eine Resonanzkale- 
basse mit der Öffnung nach unten angebracht, 
durch deren teilweise Deckung der Ton ver- 
ändert werden kann, .\hnlich ist der Musik- 
bogen der Xicaque in Honduras. 

S. Habel, Arch. and Ethnol. Invest. in Centr. and South Ame- 
rica, Smithsonian Contrib. Nr. 26g, Wash. 1S78, p. 31, — 
Sapper, Das nördliche Mittelamerika, Braunschw. 1897. — 
Vgl. Caramba. 

Carindin s. Karindin. 

Carmel, prov. (rouergat) .Schalmei', v. lat. 
calamellus. 

Carno, bret. .Hörn'. 

Carraca, span. .Ratsche'. 

Carroccio, ital. Glockenwagen, eine in einem 
fahrbaren Gestell aufgehängte Glocke, die bis 
ins 17. Jh. in den italienischen Heeren als Sig- 
nalinstrument diente. Dieser .\pparat scheint 
bereits im ersten Jahrtausend in Gebrauch ge- 
wesen zu sein ; man schreibt ihn den Lango- 
barden, besonders den Mailändern zu. 

Maggi, De Tintinnabulis, Hanau 1608, c. 13. — Bonanai 14X. 

Cascabel, span. .Glöckchen'; port. cas- 
cavel. 

Case, engl. .Gehäuse'. 

Cases, frz. die durch die Bünde begrenzten 
Abteilungen des Griffbretts. 

Cassa, ital. .Trommel, Gehäuse'. 

Cassa a vento, ital. .Windkasten'. 

Castagnettes, frz. .Kastagnetten' ; span. ca- 
stafiuclas. castanolas. castanetas. 

Catena, ital. .Baßbalken'. 

Catenacciattire, ital. , Regierwerk'. 

Catgut, engl. .Darmsaite'. 

Catuba, ital. v. griech. xaxuSovneot. .Große 
Trommel'. 

Cauktika-vinä s. f auktika-Vioä. 

Cauernae s. Cavemae. 

Cavacembalo [Antegnati 16081 = Clavi- 
cembalo. 

Cavaco, Machete, port., auch in Spanien 
und Italien gebautes Zupfinstrument, dessen 
Typus zwischen Mandoline und Guitarrc hin- 
und herpendelt. Das Korpus hat bald die 
bauchige Gestalt der einen, bald die flache, in 
der Mitte eingezogene der andern ; das Griff- 
brett trägt 3 — 17 Bünde aus Darm oder Draht; 
die 4 Saiten — seltener 6 — , ebenfalls aus 
Darm oder Draht oder sogar aus Seide, haben 



72 



CAVAL—CEMBAL D'AMOUR 



Violin-, bzw. Guitarrenstimmung. Länge 32 bis 
69 cm, Breites — 15 cm. Dim. cavaquinho. 
Caval, rumän. Langflöte in der Art des Näy, 
ohne Mundstück, aus Holz, zylindrisch, mit 
meist 6 Grifflöchern, die folgende Intervalle er- 
geben : I 1/2 - V2 - ;<; - I - I - I . 
Die Mündung ist etwa 1 1 cm weit hinauf äußer- 
lich achteckig. Etymologie: türk. Jlys. 

Burada, Almanah musicaJ, Anul III, Jasi 1877. — Brüssel 
Nr. 2004, 2005. — Vgl. Kaval. 

Cavallete, port. ,Steg'. 
Cavaquinho, dim. von Cavaco. 
Cavernae, lat. Bohrung der Tibia. 

Servius ad Aen. IX 615. 

Caviglia, ital. .Wirbel'. 

Cavigliere, ital. .Wirbelkasten'. 

Cavonto, ngr. Tanbür mit abgeplattetem 
Rücken, einer Rose in der Decke, mit einem 
langen Hals mit Messingbünden, 6 T-förmigen 
Wirbeln und 3 Doppel-Drahtsaiten, die über 
einen beweglichen Steg zu Knöpfen am Boden 
geführt sind. Länge ca. 95 cm. 

New-York Nr. 1018. 

Cavotaster, korrumpiert aus Capotasto. 

Cecilium, geg. 1866 v. Quentin de Gromard 
in Nachahmung des Mclophone gebaut, ein 
Harmoniuniinstrument in Form einer großen 
Laute. Die rechte Hand regiert den auf der 
Decke angebrachten Handgriff des Blasebalgs, 
die linke drückt die Knöpfchen herunter, die 
anstatt Tasten auf dem Griffbrett sitzen. 
Drei Größen: Sopran {A — e*), Tenor (C — e^), 
Kontrabaß (£1--/»'). 

Vgl. Apollo-Lyra. 

Cedra, altspan. .Cister'. 

Juan Ruiz, Libro de amor (14. Jh.) — Gonzalo de Berceo, 
Duelo de la Virgen. 

Cegonha do sino, port. , Glockenbalken'. 

Ceinthour s. Santur. 

Ceja, span. ,Steg, Capotasto'; dimin. ce- 
jilla, cejucla. 

Celesta, ein Klavier mit Stahlplatten auf 
hölzernen Resonanzkörpern statt der Saiten, 
von einem wunderbar reinen, zwischen Harfe 
und Glockenspiel stehenden Ton. Das Instru- 
ment, dessen unmittelbarer Vorgänger das 
Clavi-lame ist, stammt von Aug. Mustcl in 
Paris (pat. 1886). Mit ihrer Einführung be- 
gannen die Franzosen und Russen : neuerdings 
ist auch in Deutschland seitens der Kompo- 
nisten die Nachfrage groß; doch stößt man 
selten auf eine wirklich sinnvolle Benutzung. 
Die Celesta kommt auch als ein in das 
Harmonium einge- g. 

bautes Spiel vor. 



Umfang: 



^ 



i 



Celeste, beim Harmonium s. v. a. Sourdine, 
Dämpfer, beim Klavier , Harfenzug, Verschie- 
bung'. Nicht mit Voix Celeste verwechseln! 

Celestial organ, engl. .Echowerk'. 

Celestina, i. Ein 1772 von dem Engländer 
Adam Walker angegebenes Streichklavier. 
Name und Datum sind in der Literatur durch- 
gehend falsch mitgeteilt. Im Patent handelt 
es sich um kein besonderes Instrument, son- 
dern um das Prinzip des Streichklaviers im all- 
gemeinen, das Walker ja nun freilich nicht 
entdeckt hatte. Stärke und Material des Be- 
zugs, Mechanik, Material und Zahl der um- 
laufenden Streichbänder bleiben im Belieben 
des Ausführenden. Auch die Spielart, ob Ta- 
sten oder Stiftwalze, wird anheimgestellt. Der 
einzige Punkt, der wirkhch festgelegt ist, be- 
trifft die Mechanik des Streichens, indem eine 
Anpressung der Saiten gegen die Bänder vor- 
gesehen ist. Walker dürfte der von Forkcl mit 
zwei Arbeiten zitierte Akustiker sein. 

2. Eine englische, selten gebaute 4'Flöten- 
stimme im Manual mit offenen Holzpfeifen ; 
ihr Ton ist sehr zart und gedämpft. Gewöhn- 
lich wird sie im Oberwerk disponiert. 

Pat. Nr. 1020, 29. Aug. 1772. — RoU's Cbapel Reports, 6th, 
p. 161. 

Celestino s. Cölestino. 

Cellalika, ein zweisaitiges. dreieckiges Zupf- 
instrument der Kamtschadalen. 

Kennan, G., Tent Life in Sibcria, Lond. 1S73, p. 162. 

Cello ist die gebräuchliche .Abkürzung von 
Violoncello, eigentlich nur das\'crkleinerungs- 
suffix des Worts unter Weglassung des Stam- 
mes. 

Cellone, ein großes Violoncello, von Alfr. 
Stelzncr in Dresden um 1890 nach seinen be- 
sonderen Prinzipien gebaut, bestimmt, in der 
Kammermusik den ungefügeren und im Klang- 
charakter den höheren Streichinstrumenten 
nicht homogenen Kontrabaß zu ersetzen. 
Außer in Stelzners eigenen Kompositionen ist 
das Cellone von A. Krug in einem Sextett für 
Stclznerinstrumente vorgeschrieben worden. 
Der Um fang liegt eine Quarte tiefer als der des 
Violoncello. .- > . n 



zX 

Bf 



Heyer Nr. 939. — Vgl. SteUner-Instrurr.ente. 

Cello-Streichzither, eine von E. Salomon er- 
fundene Streichzither mit der Stimmung: 



w 



H 



Cemane s. Cimane. 

Cembal d'amour, ein Klavichord (!) von 
Gottfried Silbermann in Freiberg, s. Clavecin 
d'Amour. 



73 



CEMBALO 



Cembalo, die gebräuchliche Abkürzung v. 
ital. clavicembalo, ist die Benennung des wich- 
tigeren der beiden älteren Klaviertypen. Das 
Cembalo stand zwar hinter dem Klavichord in 
der Ausdrucksfähigkeit des einzelnen Tons 
zurück, übertraf es aber beträchtlich in der 
Tonstärke und später auch in dem Reichtum 
seiner Klangfarben, die sich auf das glück- 
lichste mit dem Ton der Streich- und der Blas- 
instrumente mischten und das Cembalo daher 
zumunentbchr- 
lichenGeneral- 
baßinstrument 
machten. 

Man versteht 
unter Cembalo 
ein bundfreies 
Klavierinstru- 
ment, dessen 
ungleich lange 
Saiten durch 
Federkiele, die 
in frei über den 
hinteren Tas- 
tenenden ste- 
henden Dok- 
ken angebracht 
sind, angeris- 
sen und zum 
Erklingen ge- 
bracht werden. 

Das Instru- 
ment läßt sich 
zuerstum 1400 
nachweisen. wo- 
bei aber hervor- 
gehoben wer- 
den muß, daß 
wir bis auf Virdung 
liehe Natur des 




CEMB.'^LO 
zweimanualig, von Andreas Ruckers in Antwerpen 1651, aus Handels Besitz, 
im Victoria and Albert Museum London. Nach Grove's Dict. of Musicand Musiciaos 



1 5 1 1 Über die eigent- 
Instruments nichts er- 
fahren. Das älteste erhaltene Exemplar — im 
Victoria and Albert Museum zu London — ist 
1521 von dem Bologneser Hieronymus gebaut 
worden. Sicher hat man das Instrument nicht 
erst im 16., sondern schon im 15. Jh. zwei- und 
mehrchörig bezogen, da das um 1400 entstan- 
dene Ms. II 18, fonds Latin, auf der Pariser 
Bibl. Nat. ausdrücklich von einem .clavicem- 
balum cum simplicibus cordis vel dupli- 
cibus' redet ; bei drcichörigen wurde gern 
die eine durch ein Loch im vorderen Steg 
gezogene Saite in der Oktave gestimmt, bei 
vierchörigen nach dem Bericht des Praetorius 
wie bei den gemischten Orgelstimmen eine in 
der Quinte und eine in der Oktave. Die ur- 
sprüngliche Psalteriumform mit der Klaviatur 
an der längsten Seite machte im Lauf des 
16. Jhs. bei den größeren Instrumenten mehr 



und mehr der Flügelform Platz, bei der die 
Klaviatur an die kürzeste Seite und in die Sai- 
tenrichtung gerückt wurde. Die große Zahl 
durch Form. Besaitung und Stimmung unter- 
schiedener Cembali sind in ihren wichtigsten 
Typen hier im Lexikon gesondert besprochen. 
Wichtiger als die Konstruktion dieser Spielar- 
ten ist indessen eine Neuerung, die sich zuerst 
im letzten Zehnt des 16. Jhs. in Italien und den 
Niederlanden nachweisen läßt: demSpieler wur- 
de durch An- 
bringung von 
Registerzügen 
die Möglich- 
keit an die 
Hand gegeben, 
den an sich 
starren Ton 
seines Instru- 
ments durch 
die Einschal- 
tung verschie- 
dener Klang- 
farben. Stärke 
grade und Ok- 
tavlagen zu be- 
leben Dem An t- 
werpener Kla- 
vierbauerHans 
Rückers d. A. 
•{geb. umiSSS) 
schreibt die 
Überlieferung 
neben vielen 
anderen Neue- 
rungen auch 
die Einfüh- 
rung zweima- 
nualiger Cembali zu. Indessen sind derartige 
Instrumente bereits in der i. Hälfte 16. Jhs. 
nachweisbar. 

Dank steter Vervollkommnung konnte sich 
das Cembalo neben dem Hammerklavier bis 
etwa 1800 halten. 

Die Etymologie des Wortes clavicembalo 
liegt ziemlich kompliziert und anders als bis- 
her angenommen wurde. Ein clavicembalo 
setzt ein Saiteninstrument .cembalo' voraus, 
dem ,claves' hinzugefügt sind. Im älteren Ita- 
lienisch kommt aber cembalo in diesem Sinne 
nicht vor, es hat vielmehr die Bedeutung von 
Becken und — pars pro toto — , z. B. bei Boc- 
caccio und noch 1588 bei Zarlino, von Schel- 
lentrommel. Der italienische t^-Anlaut setzt 
ein vulgärlatcinischcs k voraus ; cembalo geht 
daher ebenso wie engl. cymbal,wal. synibal, ir. 
ciombal, fr. cymbale, rätorom. cimbel usw. 
auf lat. cymbalum und griech. xvfißa>.ov zu- 



74 



CEMBALO 



rück. Da das in Frage stehende Klavierinstru- 
ment nicht aus der Kombination einer Tasta- 
tur mit Becken oder Trommeln entstanden 
sein kann, so muß von vornherein an der Iden- 
tität des in ,clavicembalo' enthaltenen ,cembalo' 
mit dem gleichlautenden, im älteren Italienisch 
belegten Worte gezweifelt werden. Nun findet 
sich aber in den osteuropäischen Sprachen, in 
den slavischen, in der rumänischen und in der 
ungarischen der Stamm .cymbal' durchgängig 
zur Bezeichnung des vom Orient einge- 
wanderten Hackbretts. Das anlautende 
c dieses Stamms kann nicht auf k zu- 
rückgeführt werden; am deutlichsten 
weist die rumänische Schreibung ,|am- 
bal' auf ein nach den Gesetzen des Laut- 
wandels obligatorisches t in der As- 
zendenz hin. Die osteuropäische Form 
hat demnach nichts mit dem auch der 
Bedeutung nach unzugehörigen xiJ^/JcUoj' 
zu tun, sondern sie stammt von 117*^ 
jiavor, das als Derivat der Wurzel tvji 
.schlagen' jedes geschlagene Instru- 
ment, also auch das Hackbrett bezeich- 
nen kann ; im Französischen hat sich 
das ursprüngliche Wort ,tympanon' mit 
diesem Sinne gehalten. Alle Anzeichen 
sprechen dafür, daß es Südosteuropa 
gewesen ist, das dem Westen das Hack- 
brett gegeben hat. Seiner geographi- 
schen Lage nach mußte dann natürlich 
Deutschland die Vermittlerrolle spie- 
len. Wir begegnen denn auch schon 
1404 bei Eberhard v. Cersne nicht nur 
einer .cymbel', sondern sogar einem ,cla- 
vicymbolum',währendin Italien ein, cla- 
vicinbano'erst 1461 genannt wird. Dazu 
kommt, daß das Hackbrett in Italien ^^ 

niemals heimisch gewesen ist, ja, daß es 
dort nicht einmal einen eigenen Namen 
hat erlangen können, sondern nur die diakri- 
tische Bezeichnung salteriotedesco, das .deut- 
sche Psalterium'. Das Ergebnis dieser Betrach- 
tungen ist: Bei den europäischen Wörtern, die 
mit cymbal gebildet sind, hat man zwei ge- 
trennte Gruppen zu unterscheiden ; die eine 
kommt von Hi'<ftß(dofiind bezeichnet Hohlgefäß- 
Instrumente, also Becken und Glocken ; die 
andre kommt von rvfuzayoy und bezeichnet 
Schlaginstrumente, also Hackbretter und Pau- 
ken. Das alte italienische Wort cembalo ge- 
hört der ersten Gruppe an, das Wort clavicem- 
balo dagegen mit seiner späteren Abkürzung 
Cembalo ist samt dem Hackbrett mit und ohne 
Klaviatur von Deutschland importiert wor- 
den, es geht auf die der zweiten Gruppe zuge- 
hörende osteuropäische Sippe zurück und ist 
dem bereits in Italien bestehenden Wort Cem- 



balo assimiliert worden. Der Schluß, daß nicht 
Italien, sondern sehr wahrscheinlich Deutsch- 
land dem Hackbrett die Klaviatur gegeben 
hat, ergibt sich daraus von selbst. 

Hier wäre der Einwurf statthaft, daß ja 
das Klavizimbel gar nicht aus dem Hackbrett, 
sondern aus dem Psalterium entstanden sei, 
da es doch keine Schlag-, sondern eine Anreiß- 
mechanik besitze. Dagegen ist einzuwenden: 
Wir wissen nur, daß das Klavizimbel im Jahre 
151 1, als Virdung schrieb, bereits ge- 
zupft wurde, kennen aber nicht seine 
Einrichtung vor dieser Zeit. Kurz vor- 
her taucht in Italien der Name ,Spi- 
netta' auf. Im Artikel Spinett ist aus- 
einandergesetzt, daß dieser Name sich 
auf die Reißzunge des Instruments be- 
zieht. Demnach muß man vor der Exi- 
stenz der Bezeichnung spinetta eine 
Mechanik ohne Spina annehmen. Denn 
man wird einem frischerfundenen In- 
strument keinen Namen geben, der 
das Charakteristische des Neuen nicht 
trifft, sondern etwas, das schon das 
Prototyp besaß ; man wird eine neue 
Violine mit längerem Hals nicht eine 
Saiten- oder eine Streichvioline nennen 
wollen und ein Klavizimbel, das läng- 
lich-viereckig gebaut ist, ein Reiß- 
zungen-Klavizimbel. Der Name Spinett 
beweist, daß das Instrument, aus dem 
es hervorgegangen ist, nicht gerissen 
worden, und der Name Klavizimbel, 
daß dies Instrument eben nicht aus 
dem Psalterium, sondern aus dem 
Hackbrett hervorgegangen ist; er nö- 
"* tigt uns also zu der Annahme, daß die 

KE 

!eiD- ältesten Klavizimbel Hammerklaviere 
ge gewesen sind. Eine Bestätigung da- 

für sehe ich in einer Stelle des von 
Bottee de Toulmon exzerpierten, etwa 1400 
zu datierenden Ms. 11 18, Fonds latin der 
Bibl. Nat. : .Notandum pro compositione in- 
strumenti vocati dulce melos, quod . . . potest 
componi dictum instrumentum ad modum 
clavicordii . . .' Dulce melos bedeutet hier auf 
jeden Fall Hackbrett und nicht Psalterium, 
da ausdrücklich gesagt wird, es werde ,cum 
baculo' gespielt. 

Deutsch KLAVIZIMBEL, engl. HARPSICHORD, ndl. CLAVE- 
SIMBEL. wal. TELGORD, russ.. poln. KLAWICYMBAL. 
Vgl. Arciorgano, Bonaccordo, Cembalo Angelico, Clavecin k 
grand ravalement, -ä maillets, -A peau de buffle, -ä ravale- 
raent, • bris^, - mecanique, - organis^, Eudisharmoste, Forte- 
pianoklavier, Gravicembalo, Ibachord, Klaviziterium, Lauten- 
klavizirtibel, L\Tichord, L>TO-Pianoforte, Proteus, Querklavi- 
zimbe!, Saitenharmonika, Sambuca Lincea, Spinett, Theorbeo- 
flügel, Universalklavizimbel, Virginal. 

Docke, Harfenzug, Lautenzug, Pantalonzug, Sieb, Venitiaa 
swelU 



75 



CEMBALO ANGELICO — CHAPEV 



Cembalo angelico, erf. geg. 1778 in Rom, ein 
Klavizimbel, dessen Saiten statt mit Raben- 
kielen mit sammetüberzogenen Lederstück- 
chen angerissen wurden ; der schöne Klang des 
Instruments wurde als eine Mischung von dem 
der Flöte und dem einer sanften Glocke be- 
zeichnet. 

Forkel, Mus. Bibl. 11 372. — Vgl. Clavecin ä peau de buSIe. 

Cembalo clavicordio, ital. .Klavichord'. 

Cembalo da arco, ital. ,Bogenklavier, Streich- 
klavier'. 

Cembalo doppio s. Vis-ä-vis. 

Cembalo onnisono s. Proteus. 

Cembalo traverso, ital. .Querklavizimbel'. 

Cembalone = Gravicembalo. 

Cencerro, span. ,Glöckchen'; siz. cian- 
ciana. 

Cennamella, ital. .Becken. Schalmei". 

Centre bouts, engl. .Mittelbügel'. 

Centre rail, engl. .Hammerbank'. 

Centro fönico, ital. span. .Schallpunkt'. 

Cerveau, frz. .Glockenhaube'. 

Cervelas, frz. .Wurstfagott'. 

Cetera, ital. .Cister'. 

Cetera tedesca, ital. .Cister'. 

Bonanni Gabinetto armonico. Roma 1722, p. 97. 

Ceuffon, wal. .Ventil'. 

Ceu-po, chin. s. v. a. Sakuhaöi. 

Cev, Ceva, romagn. .Wirbel, Klappe'. 

Chabbäbeh s. Sabbäba. 

Chac s. Cäi cac. 

Cha-Chiao = Ca-kiao. 

Chagan s. Cakan. 

Chair organ, engl. .Rückpositiv'. 

Chaise, frz. .Fänger". 

Chaita, nach Artbauer [Die Rifpiraten, 
Stuttg. 1911, p. 133, 213] eine Flöte; es muß 
vermutlich Schalmei heißen und besser ghai- 
da transkribiert werden. 

Cha koh s. Ca ko. 

Chalam (deutsches ch), wolof .Saiteninstru- 
ment, Kambrc'. 

Chalamba, wolof .Guitarre". 

Chalamel, chalemel, altspan. .Schalmei', 
v. lat. calamus; altfrz. chalemie. 

Chalemie, altfrz. .Schalmei'; nach Mersenne 
V 26 auch eine Cornemuse mit zwei Stimmern. 

Chalempung s. Tjclcmpung. 

Chalil, ^'^n hebr. .hohles Rohr". .Aulos' ; 
vermutlich in verschiedenen Arten gebräuch- 
hch. 

Chalumeau, frz. vom lat. calamellus, .Rohr", 
I . mit konischer Röhre und Doppelrohrblatt s. 
Schalmei. — 2. Mit zylindrischer Röhre und 
einfachem Rohrblatt, zur L^nterschcidung 
auch von den deutschen Forschern mit dem 
französischen Namen genannt, ein Instrument. 
das vielleicht letzten Endes vom Arghül ab- 



stammt, jedenfalls im Mittelalter als euro- 
päisches Volksinstrument gebräuchhch war 
und Ende 17. Jhs. zur Klarinette umgestaltet 
wurde. 

Es ist das Instrument, das Laborde im Essai 
I 248 als ein kaum fußlanges zweiteihgcs Rohr- 
blattinstrument mit einer Zunge wie die der 
Orgel beschreibt, mit 9 Grifflöchern, von denen 
eins hinten und die acht andern vorn, die bei- 
den untersten für den kleinen Finger neben- 
einander lagen, und mit einem wenig ange- 
nehmen Ton. Dies Instrument, das in Frank- 
reich damals, 1780, völlig aufgegeben gewesen 
sei, habe auch den Namen Zampogne gehabt. 
Das Chalumeau in Glucks , Orpheus' ist wohl 
eine Klarinette. 

3. Dasdumpfkhngende zweittiefste Register 
der Klarinette P — b^. 

Chalun, arab. Schalmei. 

Kiesewetter 92. 

Chalybssonans, .Stahlklinger', eine Nach- 
ahmung des Chladnischen Euphons. von Joh. 
Christ. Dietz (d. A.) in Emmerich vor 1806. 

A.MZ. vni 718. 

Chamber flute orum ( ?), eine mechanisch an- 
zublasende Doppelquerflöte von Dav. Hatton 
in Dunfermline 1823. Ein unter dem rechten 
Arm des Spielers befestigter Schöpfbalg treibt 
den Wind in einen hegenden Magazinbalg, der 
ihn seinerseits zwei auf einem Untersatz ste- 
henden Querflöten in C zuführt. Während die 
Grifflöcher der Melodieflöte in der gewöhn- 
lichen Weise bedient werden, werden die der 
andern durch Pfropfen bis auf eine verschlos- 
sen, so daß sie als Bordun dient. Diese Baß- 
flöte kann auch durch eine einfache Klappe 
ausgeschaltet werden. 

Z.f.I. .\XV 2S9 nach Glasgow Mechanics Mag. 31. Juli 1824. 

Chamber organ, engl. .Zimmerorgel, Positiv'. 
Chambre expressive, frz. .Jalousieschweller'. 
Chan chung s. Can-öung. 
Chang s. Cank. 
Chang-gon s. Cang-gon. 
Chang-kou s. Cang-ku. 
Ch'ang-ti s. C'ang-ti. 
Channa, rütorom. .Pfeife' (Orgel). 
Chanotbratsche, — v i o 1 i n e , s. ViolonChanot. 
Chanrarcs, altpenjan. .Glocken'. 
Chanteau, frz. .Zwickel'. 
Chanter, engl. .Melodiepfeife' des Dudel- 
sacks. 

Chanterelle, frz. ,E-Saitc' der Violine. 

Cha-pan = Cung-tu. 

Chape, frz. .Schleife'. 

Chapeau chinois, frz. .Schcllenbaum'. 

Chapee s. Kä:i;abpi. 

Chapeu chinez, port. .Schellcnbaum'. 

Chapey s. Oapey. 



76 



CHAPLACHOIRE — CHILINTCHA 



Chaplachoire, frz. .Schelle'.- 

Chapuo s. Capuo. 

Charabeta, bask. .Geige'. 

Charakterstimmen in der Orgel sind solche, 
die den Klang eines Orchesterinstruments 
nachahmen. 

Charambela, bask. .Hom'. 

Charamella, altspan.. hohes Instrument, er- 
wähnt in Befehlen des Königs D. Carlos v. 
Navarra 1390 und 1392. zweifellos eine Schal- 
mei. V. ml. calamellus. 

Charamita, altspan. .Schalmei'. 

Charengo, [ ?] bolivianische Kiirbislaute mit 
5 Doppelsaitcn. 

Markneukirchen Nr. 908/9. 

Charimba = Marimba. 
Charindin s. Karindin. 

Charmeu, prov. (limousin) .Schalmei', v. 
lat. calamellus; port. charmon. 
Charp s. Carp. 
Charumera s. Carumera. 
Chascha, rätorom. .Gehäuse' (Orgel). 
Chassis des rouleaux, frz. .Wcllenrahmen'. 
Chauctica-vinä s. f auktika-vioä. 
Chaunk, tibet. .Muschelhorn'. 

Vgl. Gcorgii Alphabetuin tibetanum, Romae 1762, p. iOf. 

Chaunter, engl. .Stimmer'. 

Chave, port. , Klappe'. 

Chayna, altmej. Blasinstrument, eine , Flöte' 
mit äußerst mclanchohschem Ton, vermutlich 
also eine Schalmei. Die Wortähnlichkeit mit 
hind. äena, sänäi, die Engel hervorhebt, kann 
nur mit der größten Zurückhaltung registriert 
werden . 

Chayre organ s. Chair organ. 

Chazözgrah, nnxixn, hebr. gerade Tempel- 
und Kriegstrompete der alten Juden von etwa 
2 Fuß Länge, aus Metall, gelegentlich Silber, 
mit Schallbecher. Sie entspricht genau der 
griechischen Salpinx und der römischen Tuba 
und geht wie diese auf die ägyptische Trom- 
pete zurück ; auch die assyrische Trompete ge- 
hört dem gleichen Typus an. Etymologisch 
wird der hebräische Xame auf ixn. .versam- 
meln' bezogen. Gressmann schlägt dagegen 
arab. ya^ iCng' vor. 

Num. X 2, 8, 9, 10. — 2. Kön. XI i (, XII 14 (13). — i. Chron. 
XV 24, 28; .\V1 6, 42. — 2. Chron. V 12, 13; XIII 12, 14; 
XV 14; XX 28; XXUI 13; XXIX 26, 27. 28. — Esra III :o. 
— Nehem. .Xll 35, 41. — Ps. XCVIII 6. — Hos. V S. — 
Flavius Josephus .Aiit. 111 11,6. 

Che s. C'ih. 

Che s. §(•. 

Chebeb s. Sabbäba. 

Check, engl. .Fänger'. 

Cheeks, engl. .Backen' (Wirbelkasten). 

Cheeplayo s. Ciplayo. 

Cheipour s. Saipur. 



Cheirosemantron, xsigoa>]ftavTQÖi; ein kleines 
Semanterion. 

Chelonis, ytlmvi;, griech. Lyraart ; yjioXvxgotog'. 

Posidon. b. Athen. XII 527. 

Chelys, ^i/i'j, griech. .Lyra", eigentlich 
.Schildkröte' ; lat. testudo ; im MA auch s. v. a. 
Laute und Geige. 

Chembeel, mndl. .Zimbel'. 

Cheng s. Seng und Ceng. 

Cheorette ist ein Lesefehler für Chevrette. 

Cheremia, span. s.v. a. Chirimia. .Schalmei'. 

Cherubine Minor, eine Kombination von 
Klavier. Harfe, Orgel und Glasglocken, erf. 
1859 von Henry AVhitaker. 

Pat. Nr. 699, 19. März 1859. — Vgl. Cölesüne. 

Chevalet, frz. .Steg'. 

Cheville, frz. .Wirbel'. 

Cheviller, frz. .Wirbelkasten'. 

Chevrette, frz. kleine Sackpfeifc. 

Chhac s. Chac. 

Chhilchiles, altperuan. Schlaginstrument. 

Chiabour s. Sabur. 

Ch'iang-ti, s. K'iang-ti. 

Chiapey s. Kä:Cabpi. 

Chiave, ital. .Klappe'; romagn. cev. 

Chiave dell' acqua, ital. .Wasserklappe'. 

Chicauaztli, altmej. Klapperstab ; im Kultus 
der Berg-. Regen- und Wassergottheiten hieß 
er .Ncbelklapperstab', ayaiih-. oder ayo- 
chi-cauaztli. 

Globus L.\XIV 86, LXXVI 112 (Seier). 

Chicharra, .Feldgrille', span. Faden-Bramm- 
topf. aber auch ein Bumbaß mit Haar- 
bogcn. 

Balfour Fr. Dr. 71. 

Chichikone, Kürbisrassel der Mississauga- 

Indiancr. 

Chainberlain. A. F., Xotes on the Missisagna Indians, in Jotim. 
Auier. Folklore I 1888 p. 158. — Neuwied II 190. 

Chief wind-receiver, engl. .Hauptkanal'. 

Chieng s. Cäi i'ißng. 

Chien-ku, alter Name des Ying-ku. 

Chievre, altfrz. Sackpfeife. 

Chievrete s. Chevrette. 

Chifonie, korr. aus .Symphonie', im 12. 
bis 15. Jh. Name der Drehleier. 

Ch'ih s. C'ih. 

Chihikong = Sarinda. 

Chijal, arab. Instrument unbestimmter Art. 
[Al-Makkari]. Darf man etwa an J-aS» 
.Kraft', denken, etwa so wie skr. kar .Ivraft'. 
die Wurzel für die Namen des Horns gegeben 
hat? 

Chikärä s. Cikärä. 

Chiku-no-koto s. Ciku-no-koto. 

Chilibitua, bask. .Flöte'. 

Fabre, Dict. fran^.-basque, Bayonne 1S70, p. 135. 

Chilintcha, bask. .Schelle'. 



77 



CHILITLI— CHITARRONE 



Chilitli, Cohcouilotl, altmej. Tonpfeife, 
meist in figürlicher Gestalt, mit einem Griff- 
loch in einer Querröhre unter dem Schnabel. 

Kollmann, Flöten u. Pfeifen a. Alt-Mexiko. Bastian-Feslschr., 
Berl. 1896, p. 561. 

Chime-clock, engl. .Glockenspiel'. 

Chimvala, rum. .Pauke', v. cymbalum. 

Chimwenyemwen3nJ = Kimuanyemuanye. 

Ch'in s. C'in. 

Chinchichi s. Cinciöi. 

Chinfonia, altspan. .Drehleier' ; noch heute 
in einigen Gegenden Frankreichs chinforgne. 
Von symphonia. 

Ching s. Ging. 

Chin rest, engl. .Kinnhalter'. 

Ch'in-sian s. K'in-sian. 

Chiocciola, ital. .Schnecke'. 

Chioccolo, ital. .Lockpfeife'. 

Chiövre, altfrz. .Sackpfeife', v. chdvre. 

Chiribika, bask. .Laute, Geige'. 

Chirimaya, Doppelflöte { ?) der Guajiqueros 
(Honduras), mit 6inem Mundstück, v. span. 
chirimia. 

Bancroft, H. H., The Nat. Rac. 
Ol the Pac. Stat. of North Am., 
New-Yoik and Cambridge 1875, 
I 738- 

Chirimia,span. .Schal- 
mei'. V. calamus, cha- 
ramita. 

Chirimigo, Schalmei- 
instrument der Locan- 
doncs, V. chirimia. 

Bancroft, H. H., The nat. Races 
of the Pac. States, New- York and 
Cambridge 1875, I 705. 

Chiröla, bask. .Schwe- 
gel'. 

Chirribika, s. Chiri- 
bika. 

Chitarra, ital. .Gui- 
tarre'; ursprüngUch in- 
dessen wohl auch eine 
kleinere Lautenart; da- 
für spricht einmal die 
Unterscheidung vonChi- 
tarra latina — mit Zar- 
gen — und Chitarra 
spagnuola — mit Bauch 
— und dann der Name 
Chitarrone für ein 
Bauchinstrument 

Chitarra a pianoforte, 
ital. .Tastcnguitarre'. 

Chitarra battente.einc 
veraltete italienische, 
noch heute in Kalabrion 

1 „. , n -4. CHITAKKA BATFENTE 

gebrauchte Guitarrcn- :„ j v 1 c 1 1. 

^ in der KrI. Sammlung aller 

abart mit Starkgewölb- Musikinstrumente zu Berlin 




tem Boden trotz der Zargen, 
mit Steg.Plektrum und 5 Draht- 
saitenchören ; diese sind bei den 
älteren Stücken zwei-, selten 
dreifach, bei der modernen ka- 
labrischen dagegen — wie mir 
Barone Alcssandro Kraus in 
Florenz freundlichst mitteilt — 
zweifach bis auf den mittelsten, 
der aus einer einzigen Bordun- 
saite .scordo' besteht. Länge 
84 — 100, Breite 24 — 30, Maxi- 
mal-Zargenhöhe 1 1 — 17 cm. Die 
von Kinsky verfochtene Schrei- 
bung .Chitarra a battente' ist 
unrichtig. Das Instrument ist 
m. E. ein Petrifakt der Vihuela. 

Vgl. Terza di chitarra battente. 

Chitarra coU'arco, ital. .Bo- 
genguitarre'. 

Chitarra d'amore, ital. s. v. a. 
Arpeggione. 

Chitarra mandola s. Chitarra 
battente. 

Chitarra-salterio, ein in Ita- 
lien gebautes Zwitterinstrument 
aus Guitarre und Psalterium. 
Über das Griffbrett der Gui- 
tarre gehen 6 Doppelsaiten ; das 
mit dem Guitarrenkorpus auf 
der einen Seite verwachsene Psal- 
terium hat noch 29 weitere Mes- 
sing-Doppclsaiten und — außer 
der großen im Guitarrenkorpus 
— drei kleinere Rosen. Gesamt- 
länge 87 cm. größte Breite 
46 cm. 

Berlin. — Mailand Nr. 267. 

Chitarra sarracenica, lat. s. v. 
a. Guitara moresca. 

Chitarra tedesca, ital. 
.Cister'. 

Chitarrino, ital. Terz- / 
guitarre. Begegnet derName 
in älterer Zeit, so dürfte es 
sich in der Regel um eine 
Quinterne handeln. 1445 
z. B. besorgt der Deutsche 
Nicolö dem Markgrafen von 
Mantua ein Chitarrino für 
5 Dukaten. 

Valdrighi, Musurgiana 13, 1884. 

Chitarrone, ital., speziell 
römische Thoorbe mit klei- 
nerem Körper und längerem 
Hals und Kragen, die 
hauptsächlich als Gcneral- 
baßinstrument diente. Über 



CHITARKtiNK 
in der Kgl.Sanniilimg alter 
Musikinstrumente zuBerlia 



78 



CHITERNA— CHORDAULODION 



das Griffbrett laufen nur 6 Chöre, der höchste 
ein-, die andern zweisaitig; außerdem gehen 
vom oberen Wirbelkasten noch 5, 6 oder 8 Be- 
gleitsaiten herunter. Man verwendete meist 
Draht, seltener Darm. Stimmung nach Prae- 
torius : 



S^ 



-»-/=- 



:*: 



=^ 



^^ 



Länge 160 — 200 cm. Breite 34 — 41 cm, Länge 
der Spielsaiten 68 — 74 cm. 

Spezielle Maße: 
Matteo Sellas (Venedig, 2. Viertel 17. Jhs.) 

Gesamtlänge 178 cm, Länge ohne Kragen 108 cm. Breite 35 cm 

Mascotto (Rovere 1637). 

Gesamtlänge 196 cm , Korpuslän^e 64 cm , Breite 41 cm. 

Die verbreitete Ansicht, daß Chitarroni erst 
seit Ende 16. Jhs. gebaut worden seien, ist 
falsch. Schon 1524 gibt der Markgraf von Man- 
tua den Auftrag ,de farli fare alchuni Citaroni' 
[Bertolotti, La Mus. in Mantova 34]. In Nea- 
pel ist Chitarrone s. v. a. Mandolone. 

Chiterna := Quinterna. 

Chitole, s. v. a. Citole. 

Richars li biaiis 3960. 

Chittika = Curtar. 
Chiuso, ital. ,gedackt'. 

Chloie, kambog. Bambusquerflöte mit elfen- 
beinernen Enden ; 7 Grifflöcher mit der Skala 



^ 



£ 



fef=iE3 



Umfang bis es'". 

Knosp 156. — Vgl. Klui. 

Chlui s. Klui. 

Chnue, x^^^'h ein krummes Hörn der Ägyp- 
ter, das auch in Griechenland als ägyptisches 
Hörn bekannt war, von dem sich indessen 
weder eine Abbildung noch eine Beschreibung 
erhalten hat; es soll von Osiris erfunden sein. 

Eustathius ad IHadem XVIII 495. 

Choca, port. , Schelle'; dim. chocalho. 

Choir Organ, engl. .Chororgel', entspricht 
unserm Oberwerk in zweimanualigen und un- 
serm Unterwerk in dreimanualigen Orgeln. 
Der Name rührt von der ursprüngUchen Be- 
stimmung als Chorbegleitungswcrk her. 

Choir Organ in front, engl. , Rückpositiv'. 

Choismia, altperuanisches Blasinstrument 
mit hellem, aufregendem Ton. 

Chor, I . Die Zusammenstellung gleichartiger 
Instrumente im Orchester, z. B. der Holz- 
bläserchor oder der Posaunenchor. 

2. In älterer Zeit die Zusammenstellung einer 
vollständigen Instrumentenfamihe in ge- 
bräuchhcher Stärke, auch Akkord oder Stimm- 
werk genannt; z. B. bilden nach Praetorius 
2 Exilent-, je 2 eine Quarte und eine Quinte 



tiefere Diskant-, 4 Alt-, 4 Tenor-, 4 Bassett-, 
2 Baß- und i Großbaßflöte einen Blockflöten- 
chor. 

3. Bei Saiteninstrumenten wird das Wort in 
zwei verschiedenen Bedeutungen gebraucht; 
einmal zur Bezeichnung der Bezugsstärke — 
ein einchöriges Spinett = ein Spinett mit je 
einer Saite pro Taste, eine dreichörige Ban- 
durria = eine Bandurria mit dreifachen Saiten ; 
dann zur Bezeichnung der Zählung der als 
Einheiten anzusehenden Saiten, gleichviel ob 
diese ein- od. mehrfach besetzt sind — eine 
sechschörige Laute = eine Laute mit sechs 
Saiten oder sechs Saitengruppen. Dem Wort- 
sinne nach ist die zuletzt gekennzeichnete Be- 
deutung die richtigere. Ein Qänün mit 25x4 
Saiten ist also nicht vier-, sondern 25 chörig. 

4. Bei gemischten Orgelstimmen die Gesamt- 
heit der zu einer Taste gehörenden Pfeifen. 

Choralbaß, eine selten vorkommende offene 
Pedal-Flötenstimme. In zwei Orgeln des Stif- 
tes Einsiedeln existieren dreifache Pedalmix- 
turen unter der Bezeichnung Choralbaß 3'. 

Choralbassett, eine zur Führung des Chorals 
bestimmte einfüßige offene Pedal-Flöten- 
stimmc. 

Choralcelo, erf. 1909 von Melvon L. Severy 
und George B. Sinclair in Boston, ein zwei- 
manualiges Pianino, dessen Metallsaiten nicht 
durch Hammeranschlag, sondern durch Elek- 
tromagneten in Schwingung versetzt werden. 
Es soll niöghch sein, auf diesem Instrument 
mit seinen zahlreichen Obertonkombinationen, 
Oktavkopplern und andern Hilfstritten und 
-drückern den Klang von Viohne, Cello, Harfe, 
Trompete, Hörn, Oboe, Fagott und Orgel her- 
vorzubringen. 

Z.f.I. XXIX 1054, XXX 1102. 

Choraleon s. Aolomelodikon. 

Choralflöte war wohl s. v. a. Choralbaß oder 
-bassett. 

Choralprästant, ein zur Melodieführung im 
Choral bestimmtes Prinzipal. 

Chorbaß = Oktave 8' im Pedal. 

Chordarmia, ein weicherklingendes Pianino 
mit Geigen-Resonanzboden, erf. 1886 von W. 
Marshall und gebaut von W. J. Thomas in 
London. 

Z.f.I. VII 20. 

Chordaulodion, ein mechanisches Klavier 
mit Flöten- und Pfeifenwerk von Kaufmann 
in Dresden gegen 18 17. Noch 1830 wurde ein 
Exemplar des Instruments nach Havanna ver- 
kauft. Ein Musikbrief aus Bremen vom Juli 
1830 beschreibt es folgendermaßen: 

In einer hiesigen Instrumentenbandlung ist ein sehr schönes 
sogenanntes Chordanlodikon, d. h. wörthch Saiten- mid Flöten- 
spiel, aus einer siiddeutschen Fabrik angekommen und wird 
nach Havanna abgehen, für den Privalgebrauch eines dortigen 



CHORDE — CHROMATISCHE HARFE 



Rechtsgelehrten eigends bestellt. Es hat lo c) lüidcrförmige 
große Walzen, die 34 verschiedene Stücke spielen und nach Be- 
lieben ans- und eingesetzt werden können. Der Preis dieses 
seltenen Instruments ist tauicnd Thalcr. Der Ton ist recht 
angenehm, von Saitentönen hört man aber eigentlich nur das 
Staccato luid das sogenannte Schütteln der Viohnen (tremu- 
lando), dann auch den Triangel der Janitscharenmusik. Die 
Arbeit ist sehr künstlich und sauber, das Äußere höchst ge- 
schmackvoll, in Mahagoni mit eüiem Tempel und der kleinen 
Statue (ifs Apollo in Alabaster. Das Ganze, etwa 10 FuD hoch, 
wird durch ein plattes Bleygewicht in Bewegung gesetzt, das 
mit einer Kurbel aufgc.-ogen wird. Eine Ihr ist jedoch nicht 
damit verbunden. 
AMZ. XXXII 737. 

Chorde,/(«)(5»/,griech. , Saite', eigentl. .Darm'. 

Chordotonon, xogSüzoroy, griech. Saitenhalter. 

Chordotonon organon, /ooönroyov ogymov, 
ngr. .Saiteninstrument'. 

Chorholz ^ Sattel. 

Choriphone, ein Harmonium zum Mitspielen 
der Kirchengesänge, das mit Hilfe eines be- 
sondern Pedals die Illusion des Kontrabaß- 
striches gibt, von Dumont & Lehevre zuerst 
1889 ausgestellt. 

Pierre, Les fact. 250. 

Choristfagott, um 1600 einFagott mit 2 Klap- 
pen und dem Umfang ,^ - 



5E 



das Hauptinstrument der Fagottfamilie. Es 
wurde .offen" und .gedackt', d. h. mit einer nur 
kleinen, siebartig gesclilossenen Schallmün- 
dung, gebaut. Das Instrument hat seinen 
Namen dem Gebrauche zu verdanken, zur 
Chorunterstützung herangezogen zu werden, 
ein Gebrauch, der sich an manchen Orten, z, B. 
in Spanien, bis heute erhalten hat. Eine Griff- 
tabelle gibt Speer. Abb. im Artikel Fagott. 

Choristlaute, AKlautc, die gebräuclilichstc 
Laute mit der Stimmung j» 



m. 



:)= 



3=jS=t= 



r I I 



Eä 



Chormorne s. Cormorne. 

Ch'örna s. C'örna. 

Chornan, germ. ,Horn'. 

Chorobenite, ein von Eustache Deschamps 
p. 313 erwähntes Instrument, das in der Zeit 
Karls VI. V. Frankreich (1380 — 1422) in Ge- 
brauch war; es wird für ein Schlaginstrument 
gehalten. 

Choron = Chorus. 

Vgl. übrigens Labordc I 293. 

Chonim = Chorus. 

Tom. I. Poem. reg. Navarr. pag. 244. 

Chorus, mit. bedeutet zunächst Sackpfeifc. 

Chorus quoque pellis simplex est cum duabus cicutis 
aeneis et per primam inspiratur, per secundam vocem 
emillil. 

Hieronymus ad Dardanuin, 
Palr. lal. vol. XX.X col. 2tj (9. Jh.). 



Auf britischem Boden macht das Wort einen 
Bedeutungswandel durch; es wird hier der 
Klangähnlichkeit wegen mit dem gälischen 
Crwth in Verbindung gebracht. Ein englisches 
MS. des II. Jhs. (Brit. Mus., Tib. C VI) bildet 
einen Chorus ab und beschreibt ihn als aus 
Holz gefertigt und viersaitig. Auch Aimeric de 
Peyrac (Anf. 14. Jhs.) redet von Chorus als von 
einem Saiteninstrument: 

Quidani Choros consonantes 
Duplicem chordam perstridentes 

und endlich spricht das Promptuarium Parvu- 
lorum (15. Jh.) geradezu aus, daß Chorus den 
Crwth bedeute. So ist denn auch in der oft 
angeführten Stelle des Giraldus Cambrensis 
(Ende 12. Jhs.) das Wort Chorus nicht mit 
Sackpfeife, sondern mit Crwth zu übersetzen, 
zumal Sackpfeifen in so früher Zeit in Wales 
und Schottland noch nicht nachzuweisen sind. 
Chos (deutsch Ch), wolof (Seneg.) .Geige'. 
Chosen s. Cosen. 

Chotonka-chanta-ki-yapi, Liebesflöte der 
Siux. 

Choundake = Ananda lahari. 
Chfestacka, cech. , Klapper'. 
Chromatine, eine vervollkommnete Zieh- 
harmonika von G. Mirwald in Söllitz, Bayern 
(geg. iSgi ), mit 4 Oktaven chromatischen Um- 
fangs, Tongleichheit beim Aus- und Einzug, 
der halben Tastenzahl, einer bequemeren An- 
ordnung der Tasten und einem Registerzug 
zum Wechsel der Klangfarbe. 

Z.f.I. XII 66, 339. 

Chromatisches Baßhorn, erf. 1820 von G. 
Streitwolf in Göttingen. Es stellt eine Ver- 
besserung des englischen Baßhorns dar, dessen 
äußere Gestalt, die geknickte Holzröhre mit 
metallenem Schallstück, mit S und Kessel- 
mundstück es beibehalten hat. Verändert sind 
die Bohrung, um eine größere Kraft und Rein- 
heit des Tones zu erzielen, und das Griffloch- 
und Klappenwerk; die 2 offenen Löcher und 
die 10 Klappen sind derart angelegt, daß für 
jeden Halbton nur 6in Loch oder 6ine Klappe 
geöffnet werden braucht, daß also bei leichtester 
klaviermäßiger .Vpplik.itur die Gleichstellung 
aller Tonarten ermög- 
licht wrd. 

Umfang: ^ 




Chromatische Harfe, eine Harfe, die für 
jeden Halbton eine besondere Saite besitzt. 
Altere Versuche in dieser Richtung sind die 
Große Doppclharfe des Galilei und die des 
Practorius, , welche ein vollständig Corpus, und 
alle Semitonia (welche dem Boden etwas 
näher, als die andern Saiten, wiewohl aufm 



80 



CHROMATISCHES HÖRN— CHROTTA 



Stege alle gleich liegen) dameben hat', weitere 
Typen, die Mersenne und .Der sich selbst in- 
formirende Musicus (Augsburg 1762)' bringen, 
und das Modell des Berliners J. M. Gh. Bothe 
(1787 — 89). Im 19. Jh. nahm vor allen der 
Arzt G. C. Pfranger in Schleusingen (Henne- 
berg) den Ge- 
danken wie- 
derauf. Seine 
im März 1804 
im Reichsan - 
zeiger veröf- 
fentlichteEr- 
findung ord- 
net die Sai- 
ten nicht in 
zwei,sondern 
in einer ein- 
zigen Reihe, 
in gleichen 
Abständen an, um 
für alle Tonarten den 
gleichen Fingersatz 
zu gewähren; die Sai- 
ten der C-dur-hciter 
waren weiß, die den 
Kla\'ier - Obertasten 
entsprechenden dun- 
kelblau. Umfang die- 
ser Harfe war: 



^ 




4 



Am 17. Mai 1845 
ließ sich Jean Henri 
Pape ein englisches 
Patent (Nr. 10668) 
geben für Verbesse- 
rungen an der Harfe 
die ihn in Stand setz- 
ten ,to dispense with 
the pedals that are 
generally employed 
for raising or lower- 
ing the note half a 
tone, the uses of 

which are complicated and costly.' Seine Anord- 
nung unterschied sich von der Pf rangerschen da- 
durch, daß die Saiten nicht mehr in einer Reihe 
standen, sondern in zwei, und zwar in der Weise, 
daß die weißen der C-dur-heiier die eine und 
die schwarzen der , Obertasten' die andere bil- 
deten ; beide Reihen standen geneigt und 
schnitten sich in halber Höhe, so daß jede 
Hand beide Bezüge regieren konnte. Hatte 
Pape das Ideal des gleichen Fingersatzes für 



CHROMAriSi.llE H,\KFE 

vonPIeyel, LyonetCie, Paris. 

Nach Koch, Abriß de. la- 

strumentenkunde 



alle Tonarten aufgegeben, so hatte er doch 
eine klarere, klaviermäßige Disposition ge- 
wonnen, die freihch ihrerseits dem Spieler die 
Notwendigkeit aufzwingt, dauernd die An- 
schlagsstelle zu ändern. Die V^erbesserungen, 
die Lyon & Healy in Chicago und später Lyon 
in Paris mit dieser Harfe vorgenommen haben 
(Umfang Cj — g*), vermochten dem Typus 
zwar noch keinen allgemeinen Eingang zu ver- 
schaffen, aber in einigen romanischen Län- 
dern, voran in Frankreich, und zum Teil in 
der Schweiz hat die chromatische Harfe be- 
gonnen, die Pedalharfe zu verdrängen. 

Vgl. Davidsharle. Doppelharfe, Harpe luth, Lyric Harp, Luth 
des Maitres-Chanteure, Tel>'n. 

Arpa cromatica Weigel. Firenze 1908; Lorenzi, G., L'arpa dia- 
tonica e l'arpa cromatica. FireozeiQU. 

Chromatisches Hörn, s. v. a. Klappenhom, 
Ventilhorn. 

Engl. CHROM.\T!C HÖRN, fr. COR CHROMATIQUE, it. 
CORNO CROMATICO. 

Chromatische Klaviatur, eine Klaviatur, die 
dazu bestimmt ist, das Privilegium der C-dur- 
Leiter zu zertrümmern und die Applikatur und 
Transposition zu erleichtern. Das Problem hat 
zwei Arten der Lösung gefunden ; entweder 
gestattet die Klaviatur durch die Vermeidung 
aller Obertasten einen absolut gleichen Finger- 
satz für alle Durskalen einer- und alle MoU- 
skalen anderseits oder sie reduziert durch den 
steten Wechsel von Ober- und Untertasten die 
Zahl der Fingersätze auf je zwei. Die erste 
chromatische Klaviatur mit Obertasten hat 
1764 der Mathematiker J. G. G. Hübsch in 
Schulpforta entworfen, die erste ohne Ober- 
tasten 18 10 Dr. Krause in Eisenberg. 

Seitdem sind mancherlei Modelle für beide 
Typen herausgebracht worden, ohne daß wirk- 
liche Erfolge zu verzeichnen wären. In Deutsch- 
land hat sich 1876 ein Chroma- Verein des 
gleichstufigen Tonsystems zur Propagierung 
der Idee gebildet. 

J. G. G. Hübsch, Vorschläge zu einer neuen Claviatur und 
Notenscala, 1764 — 66, Mskr. in Bibl. Gesellsch. d. Musikfr. 
Wien. — J. Rohlcdrr, Erleichterung des Klavicrspiclens ver- 
möge einer neuen Einrichtung der Klaviatur, Königsberg 179J, 
— K. Chr. Fr. Krause, Nachricht ijber eine wescnthche Ver- 
besserung der Klaviatur der Tastinstrumente. AMZ. Xil 649, 
1043. — Siir un perfectionnement prfesum^ du clavier dans les 
instrumens ä touches (V. Gauvin), Revue musicale 1829 IV 489, 
537. — H. J. Vincent, Die Neuklaviatur, 1874. — A. Hahn, 
Zur neuen Klaviatur, Königsberg 1875. — Die Tonkunst, gegr. 
1876 von A Hahn in Königsberg — O. Quanz, Zur Geschichte 
der neuen chromatischen Klaviatur, Rerün 1877. 
Vgl. Janköklaviatur, Sequential Keyboard. 

Chromatische Trompete, s. v. a. Doppel- 
trompcte, Klappentrompete, Ventiltrompete. 

Chromatisches Ventilfagotthorn == Ventil- 
fagotthom. 

Chrotta, Latinisierung von Crot, Crowd. 

Venantius Fortunatus, 6. Jahrhundert. 



Sachs 



81 



CHU— CISTER 



Chu s. Cu. 

Chu-ko-kou s. Cu-ko-ku. 

Chum-choe s. Cum-coe. 

Chum mehre s. Khum-muhra. 

Chuöng s. Ouong. 

Chuong s. Cäi Cuong. 

Chupador, span. .Klapper'. 

Churinga Jucla, ein größeres Moriunkar. 

Florenz Nr. 11930. 

Chürula, bask. , Flöte'. 

Churumbela, altspan. .kleine Schalmei'. 

Chwadelyn, wal. , Äolsharfe'. 

Chwibanell, Chwibanogl, wal. .Flageolett'. 

Chwibanell ddyblyg, wal. .Doppelflageolett'. 

Chwilgorn, wal. .Waldhorn' [?]. 

Chwyddnod, Chwyddeb, wal. .Schwell- 
werk'. 

Chwythattalfa, wal. .Kornett' (Orgelregister). 

Chwythgorn, wal. ,Horn, Zink' ( ?). 

Chyfonie, altfrz. .Drehleier', korr. aus 
Symphonie. 

Cia, Cie usw.. in itaUenischen Umschrei- 
bungen exotischer Namen s. auch unter Ca. 
Ce usw. 

Cialamello, ital. .Schalmei', v. calamellus. 

Cianciäna, Ciancianedda. siz. .Schelle', 
V. arab. golgol. 

G. M. da Aleppo, Le fonti arabiche nel dialetto siciliano. 
Roma 1910. I 141. 

Ciaramella, ital. .Sackpfeife. Schalmei'. 
Cicuta, lat. .SchierUng', Rohrpfeife aus 
einem Schierlingsstengel. 

Verg., Ed. 5,85. 

Cicogna, ital. .Glockenbalken'. 
Cicutrenna, altital. v. cicuta, eine Flöte? 

Tommasco e Bellini, Diz. dcUa lingua italiana I II 1421. 

Ciembalo, altspan. .Becken', v. cymbalum. 

Cerone 1038. 

Cieramel, altspan. , Schalmei', v. ceramella. 

Ciev, serbo-kroat. .Röhre, Pfeife', auch in 
der Orgel. 

Cievna sviraljka, serbo-kroat. .Pfeifeninstru- 
ment'. 

Cievnik, Cievnjak, serbo-kroat. .Orgel'. 

Cigulka, LiHryjiKa, bulg. .Viohne'. 

Cijev = Ciev. 

Cildant, wal. .Diskantsaite'; plur. cildan- 
nau. 

Cilindro, Cilindro arotazione.cilindro 
rotativo, ital. ,Drehventir. 

Cilindrovaja malina, UiiJiiiHnpoBaH MauiHHa, 
russ. , Zylindermaschine'. 

Cilongo s. Silongo. 

Cimane, }iiiMane, serb. ,Viohne', v. türk. ke- 
mane (kemänge). 

Cimbala, lat. , Becken*. 

CimbaUllo, span. .Glöckchen'. 

Cimbalo, span. .Becken'. 



Cimbalom, ung. Hackbrett, das die Grund- 
lage aller Zigeunerkapellen bildet, aber auch 
hier und da schon in die Kunstmusik gedrun- 
gen ist. In seiner heutigen, von Schunda in 
Budapest modernisierten Gestalt hat es die 
Form eines auf vier Beinen ruhenden Trapezes 
mit 35 Saitenchören, von denen die 16 tiefsten 
aus je drei übersponnenen, die übrigen aus je 
vier gewöhnhchen Stahlsaiten bestehen ; in der 
Nähe der Stege liegen die durch ein Pedal auf- 
hebbaren Dämpfer. Zum Spielen dienen zwei 



Klöppel. 

Umfang: 



m 



i=5^ 



V ^ 



i 



^ 



Cimpoiu, rum. Sackpfeife. Die Teile heißen: 
burduf (Schlauch), suflatore (Mundrohr), 
carava (Schalmei), hang (Stimmer). Ety- 
mologie griech. ai\uif(ort'a. 

Cimule, serbo-kroat. s. v. a. Cimbalom. 

Cinara = Kinyra. 

Cinbalo, Cinbulje, = Cimbalom. 

Cinck, ndl. .Zink". 

Cindra, serbo-kroat. .Zither' ; dim. cindrica. 

CineUi, ital. .Becken'. 

Cinfonia, altspan. .Drehleier', v. symphonia. 

Cingara, Cakit. LlHHrapa, serbokroat. Vieh- 
glocke aus Eisenblech in antiker Form. 

Cinkus, serbokroat. ..\rmesünderglöckchen'. 

Cinnara = Kinyra. 

Cintänyer, ung. .Becken'. 

Ciny, der Hals des Sarong. 

CiocSnel, rum. .Taste, Schlägel'. 

Ciombal, irisch .Becken', v. cymbala. 

Ciricbelle, ags. .Handglocke'. 

Cis-Lade heißt bei denjenigen Orgeln, die für 
jedes Manual zwei Windladen haben, die zu 
den Tönen Cts. Es, F,G,A.H gehörige Lade. 

Cisafsky bas, cech. .Kaiserbaß'. 

Cister, von frz. cistre. ist ein schon im Mittel- 
alter nachweisbares Guitarreninstrument mit 
birnförmigem Korpusumriß. mit nach unten 
hin abnehmender Zargenbreite und mit dop- 
pelten Drahtsaiten, die mit Nägeln am untern 
Bügel befestigt waren und mit einem Pick- 
trum gerissen oder mit dem Finger sanft 
gestrichen wurden. Der mittelalterhche Name 
der Cister war Citole; im i6. und 17. Jh. 
wird sie gewöhnlich Zitter genannt, eine 
Bezeichnung, die wir zur Vermeidung von Ver- 
wechselungen mit der neueren Gebirgszither 
besser umgehen. Die gebräuchUche Stimmung 
der Cister hat oft gewechselt. Ende i6. Jhs. 
war sie in 
England: 

- ^ rf 

(Anthony Holbourne. Cittharne School, 
London 1597). Practorius kennt fünf Arten: 



82 



CISTER 



I. Die4chörige,geineineCister; Stimmungen: 
^ j , I |— - (Italienische Cister) 



ff 

oder 



i 



p^^== 



rtz 



Französische Cister nach 
Mersenne ; a. bei Kirclier) 



Kaiserlichen vornehmen Instrumentisten, Do- 
minicus genannt, eine solche zu finden : Welche 
fast so lang als eine Baßgeige sein soll'. 

Stimmung; 



m:t'-^j r »' r r '" 'r ' ' ' 



<2 ^ 

I I 



<» TS- 



„Und diese Art mit 4 Chören ist eine illibe- 
rale. Sutoribus & Sartoribus usitatum Instru- 
mentum." 

2. Die 5 chörige Cister; Stirn 
mungen: ^ g 



-ISL. 



=t 



32=t 



oder | ^'~^ ^p=S[^^ — C> — 1-- 



"^E 



:t: 



Einen frühen Beleg für die 
fünfchörige Cister mit den für 
das ältere Italien charakteristi- 
schen kombiniert vorder- und 
seitenständigen Wirbeln bietet 
Girolamo dal Libri's Altarge- 
mälde in S. Giorgio Maggiore zu 
Verona (1526). 

3. Die 6 chörige Cister; Stim- 
mungen: ^ ^ g 



^^ 



:3= 



=t= 



=£: 



(Altitalienische Stimmung), 



b. 



51E± 



=t 



*2 

=t= 



(Stimmung von Sixtus Kargel 
in Straßburg), 

iE 



1 'S* 

3^ 



^e? 







Um 161 5 brachte ein Engländer eine kleine 
Cister nach Deutschland, an der ,der hinterste 
Boden von unten auf halb offen gelassen, und 
nicht angeleimet ist, darauf er 
eine frembde, doch gar sehr 
Ueblich und schöne Harmony 
mit feinen reinen diminutio- 
nibus und zitternder Hand zu- 
wege bringen können, also, daß 
es mit sonderbarer Lust anzu- 
hören; und von etUchen vor- 
nehmen Lautenisten gleicher- 
gestalt nunmehr practiciret wer- 
den kann.' 



Stimmung: 



m 



zt: 



it 



^^^-Y~^ 



,, darauf man so viel nicht über- 
legen darf, und viel bequemer 
und füglicher zu greifen ist". 



CISTER 

von Perry in Dublin nm 1800, 

im Besitze des Verfassers 



d. 



^ 



=)= 



i 



J= 



(spanische 

Stimmung ; 

nach Ce- 

rone 1055), der die französische (nach Mer- 
senne) entspricht. 

4. Die große sechschörige Cister, ,do das 
Corpus noch eins so groß ist' ; 



(s. den Artikel .Citharino'). 

D.is ebenfalls dem 17. Jh. an- 
gehörende Dictionnaire Univer- 
sel von Ant. Furetiöre nennt 
auch eine neunchörige Cister. 

Im 18. und 19. Jh. lassen 
sich im wesentlichen die fol- 
genden T\-pcn unterscheiden: 

1. Die Cister mit 12 Saiten, 
die zu zwei und zwei zusammen- 
gestimmt sind, die alte sechs- 
chörige Cister; besonders in 
Deutschland und Spanien; auch 
die sog. Guitarra de Flan- 
dres von Madeira gehört zu 
diesem Typus. 

2. Die Cister mit 1 1 Saiten, 
die 7 Chöre bilden ; Chor i — 3 

bestehen aus je zwei Stahl-, Chor 4 aus zwei 
Messing- und die Chöre 5 — 7 aus je einer 
übersponnenen Saite; sie ist die eigentlich 
französische Cister. 



=1= 



^ 



=^^ 



3=t: 



.^z Cr-ZX 



Stimmung: 



^ 



=f: 



5. Die zwölfehörige Cister, .welche einen 
herrüchen starken Resonanz von sich gibt, 
gleich als wenn ein Clavicymbel oder Sim- 
phony gehöret würde : Und zu Prag bei einem 



3. Die Cister mit 10 Saiten in verschiedener 
Anordnung, fünf- oder siebenchörig. 

4. Die Cister mit 9 Saiten, entweder in 5, ge- 
wöhnlich in 6 Chören mit der Stimmung: 



9t 



$^b 



^ 



^ 



83 



CISTERTHEORBE — CLAIRON 



5. Die Cister mit 7 einfachen Darmsaiten, 
von denen 3 übersponnen sind; diese Form ent- 
steht um 1800 in Deutschland als eine Verein- 
fachung oder besser gesagt Verballhomung der 
französischen Cister mit 1 1 Saiten. 



Stiaunuog: 



^P 



::t=t= 



I32Z 



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^3 (Klang eine 
^'l Oktave tiefer). 



6. Die Cister mit 6 Saiten in 4 Chören, 2 
zweisaitigen aus Stahl und z einsaitigen aus 
Messing; Spanien. 

Schon diese Ersetzung der Draht- durch 
Darmsaiten und der mehrsaitigen Chöre 
durch einfache deutet auf einen Sieg der Gui- 
tarre hin ; unter der Konkurrenz dieses Instru- 
ments ging die Cister am Anf. 19. Jhs. ein. 

Engl. CITTERN, ndl. CITER, dän. CISTER, schw. CITTRA, 
fr. CISTRE, it. CETER.A, sp. CEDR.\, russ. CITRA. 
Vgl. Eaglish guitar, Erzcister, Hamburger Cithrinchen, Orphe- 
oreot», Pandora, Penorcon, Polyphant, Spaansche Citer, Tasten- 
dster, Terzina, Thüringer Waldzither. 

Cistertheorbe = Erzcister. 

Cistole s. Citole. 

Cistre, frz. ,Cister', v. lat. cithara. 

Cistre ä clavier, frz. .Tastencister'. 

Cistre allemand = Pandora. 

Cistre-theorbe, frz. , Erzcister'. 

Citara, span. bedeutet — wenigstens für die 
Zeit um 1 600 — nicht, wie angenommen wird. 
Cister, sondern ist mit der itahenischen Lira 
identisch. Das geht aus einer bisher übersehe- 
nen Stelle des 161 1 gedruckten ,Tesoro' von 
Cobarrubbias hervor: 

».citara, instrumcnto musico. Lat. cithara ä Graeco yi^äga. 
OS- q buclta la x en }•. diremos yt&aQa gitarra. Pero es difc- 
rente instnimento el de la citara; por quanto es una vigiiela 
de arco con muchas cuerdas, y hollandolas en el cuello, como 
ta viguela de mano, y tirando el arco con la mano derecha por 
cerca de la puente^uela, debaxo del laco, haze sus consonan- 
cias, tocando juntas tres o quatro y rnas cuerdas. Por otro 
nombre se Ilama Lira". [I aSö.] 

Citarone s. Chitarrone. 

Cithara, lat. ,Cister, Guitarre' oder ,Kithara'. 
Cithara anglica, eine dreieckige Harfe mit 
12 Saiten. 

Ms. 12. od. 13. (nicht 9.) Jhs. St. Blasien, 1768 verbrannt, ed. 
Gcrbert in ,De cantu et musica Sacra*. 

Cithara germanica, — hispanica, spätlat. 
.Cister'. 

Cithara teutonica, eine /saitige Rotte mit 
abgerundeten Ecken und leicht gebogenen 
Seiten, 

11%. u. od. 13. Jhs. in St. Blasien, verbrannt 1768, ed. Gerbert. 

Cithare, frz. ,Kithara, Zither'. 

Cithare d'amateur, frz. , Akkordzither'. 

Citharino .ist eine kleine Zitter / mit einer 
von unten offnen Deck / Citharinichen ge- 
nannt,' (Georg Falck, Idea boni cantoris, 
Nürnb. 1688, p, 205.) Gemeint ist das eng- 



lische ,gar kleine Citherlein', von dem Prae- 
torius spricht. 

Vgl. Cister, Hamburger Cithrinchen. 

Cither s. Cister und Zither. 

Cithem, engl. .Cister'; frz. cithre. 

Cithrinchen s. Citharino. 

Citole, früher v. lat. cisteUa. .Kistchen', ab- 
geleitet und als kleines Hackbrett oder Psal- 
terium aufgefaßt, tatsächlich aber der mittel- 
alterhche Name der Cister. mutmaßUch aus 
einem mittellat. cithrola, kleine Cithara' kon- 
trahiert. Entwicklungsgeschichtlich haben wir 
in der Citole die in Südwesteuropa vollzogene 
Verbindung des abendländischen Zargen- 
typus mit dem birnenförmigen Korpusumriß 
und dem Hals und Griffbrett der orientali- 
schen Lauteninstrumente zu sehen. Den frü- 
hesten Beleg für das Vorkommen der Citole 
bildet das Titelbild des Evangeliars Karls d. 
Gr. (Ende 8. Jhs.) ; das dargestellte Instrument 
hat 3 Saitenwirbel. 

Citre, frz. .Cister'; engl, citter, 

Citrinchen s. Citharino. 

Ciufolo = Zufolo; span. chuf a. 

Ciumpoi = Cimpoiu. 

Civosvir, serbokroat. .Orgel'. 

Cjevaca, serbokroat. .Pfeifenmund'. 

Cjevanica, serbokroat. .Pfeifenröhre, Orgel- 
pfeife'. 

Cjeviste, serbokroat. .Pfeifenbrett'. 

Cjevjinca, Ll-feBbimna. altslav. , Pfeife', 

Cjevka, U-fesKa, ruth. , Pfeife'. 

Cjevnic, serbokroat. .Kleine Orgel. Positiv, 
Portativ'. 

Cjevnica, Lt-^BHUita. serbokroat. .Orgel'. 

Cjevnicnnoe otverstnie, serbokroat. .Offen- 
flöte'. 

Claasagh, manx .Harfe'. 

Claban, gael. .Klapper'. 

Clabi ... in älteren spanischen Wörtern s. 
u. Clavi . . . 

Clack-pallet nennen die Engländer die ge- 
wöhnHche Klappen-Form des Spielventils. 

Claergorn, wal. .Trompete'. 

Clag, gael. .Glocke'. 

Clagaire, irisch .Glockenklöppel". 

Ciagan, gael. .Glöckchen'. 

Clainprummer, die 4. Lautensaite im 16. Jh. 

Judcnkimii;. l'tilis et compendiaria introductio 1523. 

Clainsanksait, die 2. Lautensaite im 16, Jh. 

JuJcnkunig, l'tihs et compendiaria introductio 1523. 

Claires-voies nennen die französischen Orgel- 
bauer die plastischen Verzierungen der Pro- 
spektpfeifen. 

Clairiophon s. Klaryphon. 

Clairon, frz. i. .Signalhorn'. 1822 in der 
französischen Armee eingeführt. Bei Laborde 
I 249 synonym mit Klarintrompcte. — 2. In 



84 



CLAIRON A CLEFS — CLARINO 



der Orgel ,eine etwas enger als die Trompete 
mensurierte und heller als diese klingende 
Zungenstimme, welche im Hauptmanual (z. B. 
Gedächtniskirche Berlin), meist aber im Pedal, 
und zwar zu 4' (seltener 2'), angetroffen wird.' 
Locher 14. — 3. Im Harmonium eine helle, 
trompetenartige Baßstimme zu 4', gewöhnlich 
mit Flageolett zu einem Spiel vereinigt. 

Vgl. Contre-clairon. 

Clairon ä clefs, frz. ,Klappenhorn'. 

Clairon-basse, frz. ,Tenorsignalhorn'. 

Clairon-chasseur, ein Signalhorn in Wald- 
hornform, mit rückwärtsgewandtem SchaU- 
stück, von Fran?. Millereau in Paris {1883), das 
bei der französischen Infanterie eingeführt 
worden ist. 

Clairon chromatique, frz. .Klappenhom, 
Ventilflügelhorn' . 

Clairon chromatique hasse, frz. ,Bassophi- 
kleide'. 

Clairon chromatique contrebasse, frz. .Tuba'. 

Clairon chromatique soprano, frz. Klappen- 
hom in hoch £5. 

Clairon chromatique t^nor, frz. Klappenhorn 
in tief Es. 

Clairon metallique nannte Halary seine 1821 
patentierte Blechklarinette. 

Clairseach, gen. clairsighe, irische Harfe, 
die im II. Jh. aus der englischen Harfe ent- 
stand. Sie unterscheidet sich von dieser vor 
allem durch ihre gedrungene, kunstvollere 
Form und durch das Material ihrer Saiten. 
Gold. Silber oder weiße Bronze (Findruine) an- 
statt ungegerbter Haut und Pferdehaar. Be- 
sonders charakteristisch ist die gebogene 
Baronstange. Die Anzahl der Saiten betrug 



30—33; 



Umfang: 



m 



W 



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)^ 



H 



Die erste Darstellung eines Clairseach findet 
sich auf der Westfassade der Kathedrale von 
Ardmore (Abb. Jour. Soc. of Antiqu. of Ire- 
land XXXIII). Im 17. Jh. wurde die irische 
Harfe auch in England modern, mußte aber 
im 18. der Pcdalharfe weichen. 

Dublin, Trinity Coli. (0*Brirn Harp, Anf. 13. Jhs.); Galpin 
Coli. (Bunworth Harp, v. John Kelly 1734). — R. B. Arm- 
strong, The Irish and the Highland Harps, Edinburgh 1904. — 
W. H, Grattan Flood, The Story of the Harp, London 1905. 
— H. Panuin, Harfe und L>Ta im alten Nordeuropa, SIMG. VIl l. 

Clairseach cnaimh, irisch ,Kla\'izimbcr. 

Clapet, altfrz. .Klapper'. 

Clapper, engl. , Klapper, Klöppel'. 

Claquebois, frz. .Xylophon'. 

Clarabella, Claribella, eine offene Manual- 
Labialstimme zu 8' mit konischen Holzpfeifen, 
nach unten gewöhnhch nur bis c^, höchstens 



bis c reichend, erf. v. Bishop in London. Ihr 
Ton ist dick und kräftig. Die Engländer ver- 
wenden sie mitunter als Ersatz für den Diskant 
des Gedackts. 

Ciaramella, altspan., hohes Instrument, er- 
wähnt in Befehlen des Königs D. Carlos v. 
Navarra von 1 390 und 1 392 [Pedrell 1 19] ; eine 
Chirimia zweifellos. 

Clarasius, lat. .Trompete'. 

Ciaren, romagn. .Klarinette'. 

Clareta, eine Trompete, die Virdung und 
Agricola abbilden, aber nicht beschreiben ; wie 
dem Namen und der dargestellten engen -Men- 
sur zu entnehmen ist, handelt es sich um ein 
zur Ausführung der hohen (Klarin-)Partien 
bestimmtes Instrument der Kammertrom- 
petcr. 

Claribella ^= Clarabella. 

Clarichorde, Ciaricoale, Claricon, engl. 
(17. Jh.) .Klavichord'. 

Clarim, port. , Signalhorn' ; span. darin. 

Clarine, frz. , Herdenglocke'. 

Clarinette, frz. .Klarinette'. 

Clarinette ä double tonalitö, Clarinette 
bitonique, frz. .Kombinationsklarinette'. 

Clarinette d'amour s. Liebesklarinette. 

Clarinette multiphonique, eine Kombina- 
tionsklarinette, die durch Züge nach A, B oder 
C gestimmt werden konnte, von Fr6d. Triebert 
in Paris 1847 erfunden. 

Clarinette omnitonique, eine Klarinette mit 
den Erleichterungen des Boehm 'sehen Systems, 
aber mit Beibehaltung des alten Fingersatzes, 
von Buffet-Crampon und Blancon in Paris, 
patent. 1845. 

Pierre, Les facteurs d'instruments de musique p. 311. 

Clarinette pedale, frz. .Kontrabaßklarinette'. 

Clarinetto, ital. , Klarinette'; romagn. cla- 
rinet. 

Clarinetto a doppia tonalitä, kombinierte A -, 
B-. C- Klarinette von Maino & Orsi in Mailand 
(1887), mit weiter Mensur, ein Instrument 
dessen Umstimmung durch drei genau festge- 
stellte Metallauszüge bewirkt wird. 

z.f.i. vm loi. 

Clarino, ital. v. lat. clarus, i. ,Trompete'; an 
sich nicht als Instrumentenname gebräuchlich, 
sondern als Bezeichnung der hochliegenden 
Trompetenstimmen im 17. und 18. Jh.. die 
durch besondere Kunstfertigkeit und mittels 
eines engeren und flacheren, breitrandigen 
Mundstücks bewältigt wurden. Man verstand 
unter I. Clarino 



das Register: 



unterll. Clarino: 




(Speer) 



85 



CLARINO TRASPOSITORE— CLAVECIN BRISE 



In Italien wird ausnahmsweise die Klarinette 
mit Clarino bezeichnet. — 2. Das Mittelregister 
der Klarinette (/i' — c^). — 3. In der Orgel s. 
V. a. Clairon. 

Clarino traspositore, eine kombinierte A- 
und S-Klarinctte von Ag. Rampone in Mai- 
land (1901), mit völlig getrennten Griffloch- 
systemen für A und B, die durch einen ein- 
fachen Hebeldruck abwechselnd ein- und aus- 
geschaltet werden können. 

Z.t.l. XXI 789. 

Clarins, plur. v. Clarim. 
Clario, mlat. .Trompete'. 
Clarion, v. altfrz. claron, engl. Trompete ge- 
wundener Form. 

a Trompette is straight, but a Clarion ist wounde In 
and out with a hope [hoop, »Reifen']. 

Horman (1529). 
Galpin 203. 

In der Orgel ist Clarion = Clairon. 

Clarionet, engl. .Klarinette'. 

Clarionet-Flute, eine engl, gedackte Manual- 
Labialstimme zu 8' mit weiten Löchern im 
Stöpsel. Der Ton ist zungenartig. 

Clarisymbal, engl. (1502) .Klavizimbel'. 

Claro, mlat. .Trompete'. 

Claron, Claronceau . altfrz. v. claro. 
.Trompete'. 

Ciarone, ital. .Bassethom. Altklarinette, 
Baßklarinette'. Als Orgelstimme .Trom- 
pete 4". 

Clarscha, westschott. Name des Clairseach. 

Clarseth s. Clairseach. 

Clashpans, engl. .Becken'. 

Classica, lat. = .Busine'. 

GI06S. Lat. Gall. ex Cod. reg. 7692. 

Clavacimbano = Klavizimbel. 

Clavazin, rätorom. .Klavier'. 

Clave, altspan. .Klappe'. 

Clavecin, frz. .Klavizimbel'. 

Clavecin ä archet, frz. .Streichklavier'. 

Clavecin ä cordes de verre, frz. .Glaschord'. 

Clavecin acoustique, erfunden 1771, und 

Clavecin harmonieux, erfunden 1777 von de 
Verbfis zu Paris und von den Akademien zu 
London und Paris mit vielem Beifall aufge- 
nommen. Man vermochte auf ihnen durch be- 
sondere Spielmanier ohne Pfeifenwerk, Ham- 
mer und Pedal nur mittels der gewöhnlichen 
Stahlsaiten den Ton von 14 — iS Blas-, Saiten- 
und Schlaginstrumenten nachzuahmen. 

Clavecin ä grand ravalement, im 18. Jh. ein 
Clavecin mit dem Fünfoktaven-Umfang: 




Clavecin ä maillets, das erste französische 
Hammerklavicr, gegen 17 16 von Marius her- 
gestellt, unvollkommener als dasjenige Cristo- 
foris. Er verwendete den Hammerschlag von 
oben und den von unten, ohne indessen die 
Schöpfung eines neuen Systems zu beabsich- 
tigen: seine Konstruktion bezweckte nur die 
Vermeidung der fortwährenden Neubekielung. 

Mach, et Inv. appr. par l'.Acad. Roy. des Sciences III, Paris 1735. 

Clavecin ä peau de büffle, ein Cembalo, des- 
sen Saiten mit Ochsenhautstückchen und mit 
Federkielen angerissen wurden. Es stehen sich 
bisher zwei Ansichten gegenüber: die ältere be- 
hauptet, daß schon — wie aus erhaltenen 
E.xemplaren hervorgehe — im 17. Jh. Leder 
verwendet worden sei; die jüngere — vgl. E. 
Glossen, Pascal Taskin. in SIMG XII 234 ff., C. 
Sachs. Zur Frage des Clavecin ä peau de büffle, 
in SIMG XII 589 und Closson's Ersviderung 
ebenda XIII 400 — schließt aus dem Fehlen 
hterarischer Belege, daß bei jenen alten Instru- 
menten das Leder eine spätere Zutat sei. 
Beide Anschauungen gehen davon aus, daß 
es sich nur um Leder handele. Als eigent- 
licher Erfinder gilt Pascal Taskin in Paris 
1768 und Chquot und Trouflant als Ver- 
bessercr. Doch sind schon mehrere Jahre vor 
ihm Lederzungen nachweisbar, z. B. 1760 von 
Gay in Paris. Was es mit der eigcnthchen Er- 
findung Taskin 's auf sich hat, geht aus einer 
bisher übersehenen Stelle in Forkel's Musi- 
kahschem Almanach auf das Jahr 1778 (p. 371) 
hervor. Es mrd dort berichtet, Pascal Taskin 
füge außer den gewöhnlichen Federkielen 
,noch überdem ein Stück von einer Büffelhaut 
zu eben der Absicht bey, wodurch der Ton vor- 
trefflich wird. Man kann diese Clavecins, die 
der Erfinder Clavecins ä Peau de Büffle nennt, 
so gebrauchen, daß entweder die Stückchen 
Büffelhaut allein, oder mit den Federn zugleich 
auf die Saiten wirken, und dadurch eine ange- 
nehme Mannichfaltigkeit von Tönen hervor- 
bringen.' 

Vgl. Cembalo angelico. 

Clavecin ä ravalement, im 18. Jh. ein Clave- 
cin mit mehr als 4 Oktaven, dcts den Umfang 



überschritt. 



Vgl. Clavecin il grand ra\'a]fiineDt. 

Clavecin brise, ein bequem auseinander- 
nehmbares Reiscklavizimbcl, crf. v. Marius in 
Paris. Für den Bau dieses Instruments, das 
bei einem 
Umfang von 




Vgl. Clavecin ä ravalement. 




86 



CLAVECIN CßLESTE— CLAVECIN-VIELLE 



einer Länge von 130 und einer Breite von 
75 cm dreiteilig in Form einer rechteckigen 
Kiste zusammengelegt werden konnte, erhielt 
Marius am 18. Sept. 1700 ein Privilegium auf 
20 Jahre. 

Brüssel Nr. 555; Heyer Nr. 83; Paris Nr. 331. 

Zerlegbare Reiseklaviere sind noch im 19. 
Jh. gelegentlich konstruiert worden, so von 
Fröres Daniel in Brüssel (Heyer Nr. 143), J. 
Marsh 1855 und D. MiUigan im gleichen Jahre. 

Clavecin Celeste = Clavecin acoustique. 

Clavecin d'amour, Cembal d'amour, ein 
Klavichord (!) von Gottfr. Silbermann in 
Straßburg, dessen Saiten die doppelte Länge 
der entsprechenden des gewöhnUchen Klavi- 
chords hatten und von den Tangenten genau 
in der Mitte berührt wurden; beide Hälften 
der Saiten gaben den gewünschten Ton, so daß 
dieser die doppelte Stärke erhielt. Die Klavia- 
tur war mehr nach der Mitte gerückt; Reso- 
nanzboden und Stege gab es doppelt ; eine Ab- 
dämpfung irgendeines Saitenteils fand, solange 
die Tangente die Saite hochdrückte, nicht statt. 
Die Vorteile des Systems waren die größere 
Tonfülle und die Möglichkeit, den Ton länger 
auszuhalten, ihn besser nuancieren und aus- 
giebiger beben lassen zu können. 

Clavecin 61ectrique, erf. 175g von P. de La- 
borde, ein elektrisch betriebenes Glockenspiel 
mit Klaviatur. ,Auf einer eisernen Stange, die 
frey an seidenen Fäden hängt, sind Glöckchen 
von verschiedener Größe für die verschiedenen 
Töne befestigt. Jeder Ton hat zwo in den Ein- 
klang gestimmte Glocken. Die eine ist auf der 
eisernen Stange mit einem eisernen Draht, und 
die andere mit einem seidenen Faden befestigt. 
Der Klöppel hängt ebenfalls an einem seidenen 
Faden, und ist so eingerichtet, daß er zwischen 
beyde Glocken fällt. An derjenigen Glocke, die 
an dem seidenen Faden hängt, ist ein eiserner 
Draht befindlich, dessen unteres Ende durch 
einen Faden befestigt ist, und endigt sich ring- 
förmig, um einen kleinen eisernen Heber auf- 
zunehmen, der auf einer frey hängenden eiser- 
nen Stange ruht. Auf diese Weise wird die an 
eisernen Draht hängende Glocke, durch die 
eiserne Stange, auf welcher sie liegt, clektri- 
sirt, und die andere mit dem seidenen Faden 
befestigte, durch die andere eiserne Stange, 
auf welcher der kleine Heber ruht. Wenn nun 
ein Taste niedergedruckt wird, hebt sich der 
kleine Heber in die Höhe, und berührt eine 
andere nicht frey hängende Stange. In diesem 
Augenblick bewegt sich der Klöppel, und 
schlägt an die zwo Glocken mit so großer Ge- 
schwindigkeit, daß ein Ton herauskommt, der 
fast dem Tone unsers Orgel-Tremulanten ähn- 
lich ist. Sobald der Heber auf die electrisirte 



Stange fällt, steht der Klöppel still. Da nun 
jeder Taste mit seinem Heber, und jeder Heber 
mit seiner Glocke im Verhältniß steht, so kann 
man alle Stücke auf diesem Instrument spie- 
len, die man auf einem gewöhnlichen Clavessin 
oder auf einer Orgel spielen kann.' 

Laborde, Jean-Bapt. de, Le Clavessin flectrique, Paris 1761. 

Clavecin harmonieux s. Clavecin acoustique. 

Clavecin harmonique = Orchestrine. 

Clavecin mecanique, eine in den 1770er Jah- 
ren von Seb. Erard in Paris vorgenommene 
Kombination von Hammerklavier und Cem- 
balo mit getrennten, aber koppelbaren Klavia- 
turen. Erard stand damit nicht allein; die 
gleiche Verbindung konstruierten 1774 J. Mer- 
ün, 1777 R. Stodart in London, 1777 und 1788 
Stein in Augsburg (Saitenharmonika), 1792 
J. Davis undJ.Geib, 1794 Schlegel in Altenburg 
(Fortepianoklavier), 1806 Schmidt und neuer- 
dings u. a. 1861 Worton (Lyro-Pianoforte). 

Clavecin organise, i. Im allg. die Kombi- 
nation eines Klavizimbels mit einem oder 
mehreren Orgelregistern, also ein OrgeUdavi- 
zimbel. 

2. Ein Klavier unbekannter Einrichtung, 
von Joh. Andreas Stein in Augsburg erfunden, 
dessen einziges Exemplar angeblich nach 
Schweden gekommen ist. Sollte es sich nicht 
um die Melodika handeln ? 

Clavecin royal, ein Hammerklavier mit 6 
Veränderungen von Joh. Gottl. Wagner in 
Dresden 1774. Drei Pedale be\virkten außer 
dem gewöhnhchen und dem gedämpften Ton 
Klangveränderungen im Sinne des Kielflügels. 
der Laute, der Harfe und des Pantalons. Um- 
fang Fl — p. — Ein andres Clavecin royal. 
,2 • :i Elle lang, keine Elle breit, wie ein Klavier, 
mit zwölf Veränderungen', baute Ende 18, Jhs. 
Joh. Christ. Jürgensen in Schleswig. 

Forkcls Mus. Krit. BibL 1779 III 322. — Gerber A. L. 1 700. 

Clavecin-vielle,v.Cuisini6(i708), ein Strcich- 
klavicr mit dem Prinzip der Drehleier. 

„Ce Clavecin n'est autre chose qu'une VieUe perfectionnie; 
la Position des cordes est la meme, Sc elles rendent le son au 
moyen d'une rou6 ordinaire, ä l'arbre de laquelle est une mani- 
velle corame dans la Vielle. Dans ces sortes d'Instrumens on 
ne peut toucher que d*une main, parce que Vautre est occupte 
ä toumer la manivelle de la rou«. Ici au contraire on a les 
deux mains libres; & l'on tourne avec le pied, au moyen d'une 
pMale LP attachte par Textrimit^ L au pied de l'instrument; 
Tautre bout P tient une piece P R qui se Joint ä la mani^-elle, 
de meme que l'on fait tourner un rouet. L'arbre de cette rouö 
porte un balancier S T, afin de rendre le mouvement de la rou« 
plus uniforme. 

Le clavier A B est compos6 de plusieurs touches rangtes de 
meme qu'aux Clavecins ordinaires; c'est-i-dire, que la toucho 
C est supportte sur la piece DE par un petit itrier F, autour 
duquel la touche peut se mouvoir. A l'extrimit^ G de cette 
touche est un maiUet H pos6 verticalement, & fait encouteau; 
de Sorte que quand on appuye sur l'extr^mitö C de la touche, 
le maillet H frappe la Corde NO, & en tire le son. II en est 
ainsi des autres. 



87 



a 



CLAVECIN-VIOLE— CLAVI-TUBE 



L'oQ peul dire que cet Instrument consi&te principalement 
dans une transposition des touche=, que au Heu de frapper la 
corde de cöt^, comme aux Vielles ordinaire^, la frappent en- 
dessous, & que l'avantage qu'on en peut tirer est de jouer des 
deux mains, par ce moyen od a plus d'accords, & on pourra 
tirer des sons comme des tremblemens & autres qui seront plus 
gracieux que ceux que Ton tire des Vielles ordinaires." 
Machines et Inventions approuv^-es par l'Acad. Roy. des Scien- 
ces II, Paris 1735, P- t55'- 

Clavecin-viole, frz. .Streichklavier'. 
Clavemusicum omnitonum, das einzige er- 
haltene enharmonische Ivlavizimbel, von dem 
Venezianer Vitus de Trasuntinis, mit 3 1 stu- 
figen Oktaven und fünf Tastenreihen. Shohe 
Tanaka bespricht es im V.f.M. VI 74 ausführ- 
lich, gibt aber die Inschrift falsch; sie lautet: 

Clavemvsicvm Omnitonvm 

Mod vlis Diatonicis.Cromaticis.et Enharmonicis 

ä docta manv tactvm 

insigne 

Vito de Trasvntinis Veneto Avctore 

MDCVI. 

Bologna. 

Claves, plur. v. Clavis. 

Clavesimbel, ndl. .Klavizimbel'. 

Claviaccord, ein tragbares Harmonium von 
Ludovico Gavioli in Paris (vor 1855), dessen 
Blasebälge durch die spielenden Hände mit- 
regiert wurden, und das trotz großen Tonum- 
fangs nur wenig Raum beanspruchte. 

Engl. Pat, Nr. 1592, 16. Juli 1855.. — Vgl. Claviphone, Pianon. 

Clavicembalo, ital. .Cembalo, Klavizimbel'. 

Clavicembalo verticale, ital. .Klaviziterium'. 

Clavichord s. Klavichord. 

Clavicimbalum universale seu perfectum s. 
Universalklavizimbel. 

Clavicistre, ein modernes Cembalo von Ch. 
Meerens. 

Brüssel Nr. 2938, 2939. 

Clavicor, ein cngmensuriertes Althorn, als 
Ersatz für die Altophikleide von Danays in 
Paris angegeben, von Guichard in Paris ge- 
baut und für diesen am 22. IX. 1838 patentiert. 
Ursprünglich mit drei Ventilen Stölzelschen 
Systems verschen, einem für die linke, zwei für 
die rechte Hand, wurde es später auch mit 
andern Maschinen gebaut. Die Ausstellung 
von 183Q brachte ihm eine Erwähnung. 



Clavi 
Clav 
Clavi 
Clav: 
Clav: 
Clav: 
Clav] 
Clav: 
Clav 
Clav 
Clav 



corde s. Klavichord. 

corno, ital. ..Mthorn'. 

cortium s. Klavichord. 

cylindre, frz. .Klavizylinder'. 

er, frz. .Klaviatur' ;spätlat. claviarium. 

er ä la main, frz. .Manual'. 

er d'amour s. Clavecin d'amour. 

er de bombarde, frz. .Oberwerk'. 

er d'6cho, frz. .Ecliowerk'. 

er de p^dales, frz. .Pedalklaviatur'. 

er de p^dales ä l'allemande nennt man 



langen Tasten, das ein bequemes Legatospiel 
mit Hacken und Fußspitze erlaubt. 

Ciavier de recit, frz. .Soloklavier'. 

Ciavier du grand orgue, frz. .Hauptmanual'. 

Clavi-flüte, ein Positiv von Lud. Duvivier 
in Nevcrs (1865). 

Clavi-harpe, frz. .Klavierharfe'. 

Clavi-lame, ein Stalilplattenklavier voa 
Papelard ( 1 848 ) mit sanftem, angenehmem Ton. 

Clavija, span. .Wirbel'. 

Clavijero, span. .Wirbelkasten, -brett. 
Stimmstock'. 

Clavilyr, ein Harfenklavier von John Bate- 
man in London (181 3), dessen Spiel vermittels 
Tangenten mit lederüberzogenen Enden, den 
sog. Fingern, bewirkt wurde. 

Fat. V. 9. Dez. 1813, Nr. 3765. — A Description of the Clavi- 
IvTa, together with the specification of the Patent, granted to 
Mr. Jolin Bateman, Erishouse 1814. — RoU's Chapel Reports, 
8th Re^-ort, p. 100. 

Ciaviola, ein Streichklavier von J. I. Haw- 
kins in Bordentown (1802) mit dem Umfang: 




^ 



in Frankreich das neuere Pedalsystem mit 



Auf einem kleinen hölzernen Kästchen mit der 
Klaviatur steht ein Streichinstrumentenkor- 
pus ohne seitliche Einziehung, über das, von 
drei Stegen unterstützt, 25 Drahtsaiten ge- 
spannt sind. Vorn gleitet ein Violinbogen in 
einer Führung; er wird von der rechten Hand 
bewegt, während die hnke durch den Tasten- 
niederdruck die gewünschten Saiten gegen den 
Bogen drückt. Die vier obersten Noten haben 
keine eigenen Saiten ; sie werden als Flageolett- 
tönc gebracht, indem die gleichnamigen Saiten 
der Unteroktave durch ein kleines, an einem 
Hebel sitzendes Kissen in halber Länge be- 
rührt werden. 

New- York Nr. 2404. 

Claviorganum, lat. .Orgelklavier'. 

Claviphone, ein kleines Harmonium, dessen 
Tasten beim Niedergehen den Blasebalg be- 
dienen, von Dumont & Lelievre in Paris er- 
funden und bei der Pariser Weltausstellung 
1 889 mit der silbernen Medaille ausgezeichnet. 
Das Instrument hat übrigens in dem Gavioli- 
schen Claviaccord und dem Kulin 'sehen Pia- 
non (1873) einen Vorgänger. 

Clavis, lat. .Taste. Klappe'. 

Clavitimbre, frz. .Glockenklavier'. 

Clavi-tube, eine Trompete mit 7 Klappen in 
den Stimmungen As, F, Es, D. C, B, A und As, 
die durch einen auf einer Zahnstange laufenden 
Stimmzug hergestellt wurden, mit zwei Ok- 
taven chromatischen Umfangs. erfunden 18 17 
von Jean Hilaire Ast6. gen. Halary. Musik- 



88 



CL£— COLASCIONE 



lehrer und Instrumentenmacher in Paris, 
pat. 1821. 

Rapp. de l'Acad. roy. des Beaux-Arts de l'Inst. de Fraoce, 
s4aDce du 19 juiU. 1817. 

Cle s. Clef. 

Cleadur, altengl. .Rassel'. 

Clear-flute, eine offene Flötenstimme zu 4' 
aus Holz mit nach innen abgeschrägtem Ober- 
labium wie bei der Waldflöte und ebenfalls ab- 
geschrägtem Kern und viereckigem Quer- 
schnitt. Der Ton ist sehr fest, klar und voll. 
Erfinder: Kirtland & Jardine, Manchester. 
Clear-flute wird im Hauptwerk disponiert. 

Manchester, Holy Trinity Cburch 1852, St. Peter's. 

Clef, Cle, frz. .Klappe', v. lat. clavis. 

Clef ä tringle, frz. .Drehklappe'. 

Clef d'eau, frz. .Wasserklappe'. 

Clev, rätorom. .Stimmgabel'. 

Clicker, engl. .Klapperinstrument'. 

Clie s. Glie. 

Clipol, Clipur, altengl. .Glockenschwengel'. 

Cliquette, frz. .Klapper'; altfrz. cliquet. 

Clocca, lat. .Glocke'. 

Cloch, wal. .Glocke'; plur. clych. cly- 
c h a u , c 1 o c h a u . 

Cloch fach, Cloch fcchan, wal. .Glöck- 
chen'. 

Cloch law, wal. .Handglocke'. 

Clochan, wal. .Glöckchcn'. 

Clochau, plur. v. cloch. 

Cloche, frz. .Glocke'. 

Cloche banale, frz. .Turmglocke'. 

Cloche tubulaire, frz. .Röhrenglocke'. 

Clochette, frz. .Glöckchen'. 

Clochgynghan, wal. .Glockenspiel'. 

Clochig, wal. .Glöckchen'. 

Clocqua, spätlat. .Glocke'. 

Clog, irisch .Glocke'. 

Clog beag, irisch .Glöckchen'; veraltet 
clogin. 

Ciokarde, engl, (um 1400) .Glockenspiel'. 

Clopot, rum. .Glocke'; dim. clopo^;el. Ety- 
mologie asl. klopotu .Geräusch'. 

Clucge, Cluggc, ags. (2. H. 9. Jhs.) .Glocke' 

Cluig, plur. v. clog. 

Cluigin, irisch .Glöckchen'. 

Clutsamklaviatur s. Bogenklaviatur. 

Clych, Clychau, plur. v. cloch. 

Clychgynghan, Clychgynghanedd, wal. 
.Glockenspiel'. 

Cnul, Gnu 11, wal. .Totenglocke'; ags. cnyll, 
engl, knell. 

Cnyll, ags. .Totenglocke'. 

Coarda, rum. .Saite'. 

Coarda de mat, rum. .Darmsaite'. 

Cobsa s. Kobsa und Cobza. 

Cobza, Cobuz, v. türk. qopuz, rum. Laute 
mit 4 — 10 Saiten, manchmal nur aus Bind- 



faden, und mit rückwärts gebogenem Wirbel- 
brett; an der Anreißstelle ist ähnhch wie bei 
der jap. Biwa auf die Decke ein Lederstreifen 
— batae — aufgeklebt, der dem antiken Ma- 
gade entspricht. Das Instrument wird mit 
einem Gänsefederplek- 
trum geschlagen. 

Cococello, ein von 
Prof. Adalb. Niemeyer 
in München kürzüch 
konstruiertes Streich- 
instrument aus einem 
Kokosnußkorpus mit 
Trommelfelldecke, ei- 
nem langen Hals und 
einer Saite. 

Codbib,Codbibell, 
wal. .Sackpfeife' ; plur. 
codbibau. 

C'ö-dung, dialekt. 
für C'os-dung. 

Co duong s. So do- 
rang. 

Cohcouilotl = Chi- 
Htli. 

C'oi-dung, Lahul- 
Dialekt für C'os-dung. 

Coin,frz. .Eckstöck- 
chcn'. 

Coinar cruit, altir. 
Cruit mit zehn Saiten. 

Colachon, frz. .Co- 
lascione'. 

Colangees. Kalangu. 

Colascione, Calascione. ein außer Ge- 
brauch gekommenes, in Süditalien beheimate- 
tes Lauteninstrument von Tanbürt^-pus. 135 
bis 200 cm lang, mit kleinem, 42 — 54 cm lan- 
gem und 28 — 34 cm breitem Korpus, einem 
außergewöhnlich in die Länge gezogenen Hals, 
dessen Griffbrett durch 16 — 24 doppelt herum- 
geschlungene Darmbünde im Umfang von 
anderthalb bis zwei Oktaven chromatisch ge- 
teilt wird, und mit 2 — 6 Draht- oder Darm- 
saiten, die auf der Decke unterhalb der Rose 
an einem einfachen oder doppelten Halter be- 
festigt waren und mit oder ohne Piektrum an- 
gerissen wurden. Noch bei Mersenne ist die 
Zahl der Saiten zwei oder drei mit der Stim- 
mung: 




COBZA 

io der Kgl. Sammlung 

alter Musikinstrumeste 

zu Berlin 



=t: 



^ 



Als dann in der zweiten Hälfte 17. Jhs. die 
fünfsaitige Mandola ausgebildet wurde, assi- 
milierte sich ihr der Colascione und nahm 5 
oder 6 Saiten in der gleichen Stimmung: 



^ 



i: 



89 



COLASCIONTINO-COMPENSATION PIANOFORTE 



Wenn die Brüder CoUa aus Brcscia auf ihren 
Konzertreisen in den 1760er und 70er Jahren 
Colascione und Colasciontino als neue Instru- 
mente anpriesen, so haben sie der Wahrheit 
keine Ehre gegeben. Tatsächlich ist das In- 
strument uralt ; ein Exemplar mit dem Datum 
1564 belegt sein frühes Vorkommen in Italien, 
und in den islamischen Ländern sind seine 
Eltern seit den ältesten Zeiten nachweisbar. 
Die Reklame der beiden Brüder bezeugt aber, 
daß in der 2. Hälfte 18. Jhs. das Instrument 
außerhalb Italiens bereits vergessen war, ob- 
gleich es nach JNIatthesons Zeugnis noch in der 
ersten Jahrhunderthälfte als Generalbaßin- 
strument in der Kammermusik verwendet 
wurde. 

Die Etymologie des Namens ist noch unauf- 
geklärt; man darf vielleicht an griech. yß.v; 
denken. Im heutigen Sprachgebrauch der Ita- 
liener hat sich das Wort zur Bezeichnung einer 
schlechten Geige erhalten. 

Fr?.. CALICHON, COL.^CHO^^ — Vgl. Colasciontino. 

Colasciontino, Mezzo Colascione, ein 
kleiner in Neapel gebräuchlicher Colascione, 
96 cm lang. 

Heyer Nr. 531. 

Cölestin, Cölestinzug, eine im 18. Jh. ge- 
bräuclüiche .Veränderung' auf dem Klavier, 
die vermittels kleiner, zwischen Hämmer (Tan- 
genten) und Saiten geschobener Büffelhaut- 
zungcn dem Ton eine besondere Farbe gab. 

Cölestine, erf. 1800 vom Konrektor Zink in 
Hessen-Homburg, eine Orgelharmonika mit 
drei Manualen, von denen das oberste eine 
Glasharmonika, das mittlere ein Pfeifenwerk 
und das untere einen Apparat zur Nachah- 
mung mehrerer Blas- und Saiteninstrumente 
bediente. Im ganzen konnten 14 Instrumente 
nachgeahmt werden. Die innere Einrichtung 
blieb Geheimnis des Erfinders. 

Vgl. Cherubine minor. 

Cölestino s. Celestina. 

Cölison, Preußisches — , erf. 1804 von 
Maslowski in Posen, ein vieroktaviges Klavier- 
instrument mit aufrechtstehendem Korpus 
und — anstatt der Tasten — einer Reihe von 
Holzstäben von abnehmender Länge und 
Stärke, die, mit dem Finger gestrichen, ihre 
Schwingungen den Drahtsaiten übermitteln. 
Der Ton wird als harmonikaähnlich, sehr sanft 
und doch steigerungsfähig geschildert. Der Er- 
finder brachte sein Instrument nach Berlin 
und stellte es hier am 10. April 1805 dem Pu- 
blikum vor ; der Kammermusikus Schick ver- 
anstaltete sogar eigens zu Maslowskis Gunsten 
am 23. Mai im Theatersaal ein Konzert, in dem 
Maslowski auf seinem Cölison Choräle spielte ; 
aber trotz aller Propaganda konnte das Instru- 



ment nicht Fuß fassen. Den Namen hat der 
Hofrat Prof. Huth in Frankfurt a. O. geprägt. 
Das Cölison ist als der Vorläufer des Tri- 
phons und des Harmonichords anzusehen. 

MAZ. VII. 

CoUabus, lat. .Wirbel', v. griech. xoUaßo;. 
Collonen. Instrumente dieses Namens wer- 
den im Inventar der Württembergischen Hof- 
kapelle von 1589 genannt. Aus dem betr. Pas- 
sus läßt sich entnehmen, daß es sich um Holz- 
blasinstrumente handelt, die in verschiedenen 
Größen — Klein Diskant, Diskant (eine Quart 
tiefer). Alt, Tenor (mit Klappen) und Baß — 
gebaut wurden. Weiteres zur Kenntnis dieser 
Instrumente läßt sich vorderhand nicht bei- 
bringen. Der Name ist ebenfalls noch unauf- 
klärbar; man könnte an collone, augm. von 
ital. collo, .Hals' denken. 
Colo s. Kolo. 

Colomaula, mlat. .Schalmei', v. xaXafiavlös. 
Colonde s. Kolonde. 

Colonna, ital. .Baronstange'; frz. colonne. 
Column, engl. .Baronstange'. 
Combinatietrede, ndl. .Kollektivtritt'. 
Combination clarinet. engl. .Kcmbinations- 
klarinette'. 

Combination pedal, engl., Kombinationstritt'. 
Combs.engl. .Kämme', die Wände des Pedal- 
harfenhalses, an denen die Verkürzungsmecha- 
nik angebracht ist. die sog. Stiramstockdeckel. 
Cömhfhoghar clog, irisch .Glockenspiel'. 
Common flute nannten im 18. Jh. die Eng- 
länder den Recorder. 

Compensateur, frz. .Kompensationsventil'. 
Compensateur Garigue, ein Kompensations- 
ventil von Garigue. von Fran?. Millcreau in 
Paris hergestellt, das, mit dem Unken Daumen 
bedient, die beim Dämpfen des Hornes ein- 
tretende Erhöhung um einen halben Ton auf- 
hebt und damit dem Bläser das Transponieren 
erspart. 

Pierre, La fact. instr. I3:fi. 

Compensating piston, engl. , Kompensations- 
ventil'. 

Compensating ribs = Inverted ribs. 

Compensation pianoforte, ein Flügel mit Me- 
tallröhren- oder Metallplattenrahmen, der den 
steter Veränderung unterworfenen und daher 
der Stimmung gefährhchen Holzrahmen er- 
setzen sollte, erfunden gegen 1820 von James 
Thom und Will. Allen in London. Angestellten 
Will. Stodart's. von denen dieser 1820 das 
Patent erwarb (Nr. 4431, 15. Jan 1820). Die 
Erfindung bereitete die allgemeine Einführung 
des bis dahin nur erfolglos versuchten Eisen- 
rahmens vor. 

Quart. Mus. Mag. and Kev. HI 185. — AMZ. .X.XIV 180. 
XXVI 809 (Chladni). — London Jour. (Nenton's) vol. I 184. 



90 



COMPONIUM— COR BASSE TENOR 



Componium s. Komponium. 

Composition Pedal, engl. , Kollektivtritt'. 

Compound stop, engl. .Gemischte Stimme'. 

Compressore, ital. .Stimmdraht'. 

Concave keyboard, engl. .Bogenklaviatur'. 

Concertante, span. .Oberwerk'. 

Concert flute, engl. , Konzertflöte, Große C- 
Flöte'. 

Concertjna s. Konzertina. 

Conch trumpet, engl. ,Muschelhorn'. 

Concussion bellows, engl. .Ausgleichungs- 
balg'. 

Conce, kambog. .Pfeife'. 

Condong, kambog. .Glocke, Schelle'. 

Condotto, ital. .Kondukt'. 

Conflatorium, lat. .Gebläse'. 

Cong, tibet. Musikinstrument, nach Schrö- 
ters VVb. .Glocke'. 

Cöng s. Cäi cöng. 

Conque-trompette, frz. .Muschelhorn'. 

Console, frz., Hals' (Harfe), engl. frz. ital. 
.Spieltisch' (Orgel). 

Contra, Kontra, wird dem Namen der- 
jenigen Instrumente vorgesetzt, die im i6'-Ton 
stehen, z. B. Kontrafagott, Kontrabaßtuba, 
Kontrabaß. 

In der spanischen Orgelbauersprache be- 
deutet Contra s. v. a. .Pedal, Pedaltaste'. 

Contrabaixo, port. , Kontrabaß'. 

Contra-basson, port. , Kontrafagott'. 

Contrabombarda, eine 32' Pedalbombarda. 

Contrafagotto, ital. , Kontrafagott'. 

Contralto, eine Bratsche mit besonders 
großem, vollem Ton, der — freilich auf Kosten 
der Handlichkeit — durch eine Verbreiterung 
des Korpus und eine Erhöhung der Zargen er- 
reicht wurde, erf. 1855 von Jean-Bapt. Vuil- 
laume in Paris. 

Paris Nr, 164: Heyer Nr. 915. 

Contrebasse, frz. .Kontrabaß'. 

Contrebasse ä anche, im allgemeinen jedes 
Rohrblattinstrument in Kontrabaßlage ; im 
besondern ein von C. Mahillon in Brüssel 1868 
zuerst gebautes Tritonikon, das fast völlig 
demjenigen Cervenys entspricht. Es unter- 
scheidet sich durch seinen geringeren Umfang 
nach der Tiefe hin — ßj statt B^ — und durch 
einen — nach Picrres Urteil — weniger schö- 
nen Ton. 



Umfang ; 



N otierung" 



^ 



^ 



S 



i 




In vielen belgischen Militärkapellen wird das 
Instrument noch heute gespielt. 

Pierre, La Fact. inslr. 36 f. — It. CONTRABASSO AD A.NCIA. 



Contrebasse ä clavier, ein dreisaitiger Kon- 
trabaß mit abnehmbarer Pianoforteklaviatur 
von 35 oder 38 Teisten, von Lud. Duvivier in 
Nevers(Pat. 10. Nov. 1892). eine Erfindung, die 
den in kleineren Verhältnissen häufig fehlen- 
den Kontrabassisten zu ersetzen helfen soll. 
Ganz neu war dieser Gedanke übrigens nicht; 
schon am 12. Juni 1845 erhielt der Engländer 
Rob. Brooks jun. ein Patent (Nr. 107 19) auf 
Klaviaturen für alle Streicliinstrumente, und 
noch früher, am 9. Okt. 1 839, erzählt die AMZ. 
von dem neuerfundenen Klaviaturkontrabaß 
eines Physiklehrers am geistlichen Kollegium 
zu Corbigny (1838). 

Contrebasse ä pistons, frz. ,Baß-, Kontra- 
baßtuba'. 

Contrebasse guerriere, Kontrabaßklarinette 
mit einer größeren Anzahl Klappen in der 
unteren Doppeloktave der gewöhnlichen Kla- 
rinette, von Dumas 1808. 

Rapp. de r.Acad. roy. des Beaux>Arts deTInst. de France, s6> 
ance du 5 oct, i8ir. — Monit. univ. 1811 p. 420. 1S12 p. 63. 
— .Arch. des Dtcouvertes i8io, Paris 1811, 111 322. 

Contrebasson, frz. .Kontrafagott'. 
Contre-clairon, frz. tiefes Signalhorn, ver- 
sucht 1791. 

Pierre, Les fact. 39g. 

Contre-eclisse, frz. .Reifchen'. 

Contre-fort, frz. .Kappe'. 

Contreheber, veraltet für Treiber. 

Controfascia, ital. , Reifchen'. 

Controleva, ital. .Treiber'. 

Controviolino, eine um 1900 von Valentino 
de Zorzi in Florenz herausgebrachte Geige in 
der Unteroktave der VioUne. 

Florenz Istituto Cherubini Nr. 14 bis. 

Conveyance, engl. .Kondukt'. 

Copa s. Gaita gaUega. 

Coperchio, ital. .Decke'. 

Copölogo, span. .Glasharmonika'. 

Copula, lat. .Koppel'. 

Copuz s. Cobza. 

Cor, frz. .Hom'. v. prov. corn. 

Cor ä clefs, frz. .Klappcnhorn'. 

Cor alto, ein in den 1890 er Jahren von Lig- 
ner angegebenes und von Couesnon & Cie und 
F. Besson in Paris gebautes Zwitter aus Wald- 
horn und Altkornett, das in der Harmonie- 
musik das Waldhorn ersetzen soll, wenn ein 
geeigneter Bläser fehlt. Es ist ein Oktavhorn 
in F oder Es mit durchgängig konischer Röhre 
und mit 3 oder 4 PumpventUen. 

Vgl. MeUophone. Tenor-cor. 

Cor allemand, frz.. gelegentlich für .Wald- 
horn' ; dagegen engl. Frcnch hörn! 
Cor anglais, frz. , Englischhorn'. 
Cor ä pistons, frz. ,Ventilhorn'. 
Cor-basse tenor, frz. ,Barytonhom'. 



QI 



COR-BASSETE— CORNAMUTO TORTO 



Cor-bassete, port. ,Bassetthom'. 

Cor de chasse, — de forestier, frz. Jagd- 
horn'. 

Cor de nuit, frz. .Nachthorn". 

Cor des Alpes, frz. ,Alpenhorn'. 

Cor d'harmonie, frz. .Waldhorn'. 

Cor d'invention, frz. Jnventionshom'. 

Cor omnitonique, ein Hom, das alle Stim- 
mungen in sich vereinigt. Den ersten Ver- 
such machte i8i8Dupont in Paris. 1824 folgte 
Sax pere in Brüssel. Er befestigte an der 
Hauptröhre die Stimmbögen für B, A. G. F, 
E, Es, D, C, B und ermöghchte ihre fakultative 
Einschaltung durch ein Ventil, das in einer 
graduierten Röhre gedreht werden konnte; 
dieses Hörn wurde als ß-Instrument notiert. 
Ahnliche Versuche machten Meifred und 
Deshays (1834), Stuckens (1834) und Gautrot 
(1847). Auch Cervenys Ton Wechselmaschine 
(1846) gehört hierher. Vielleicht das vollkom- 
menste System geht auf Chaussier in Paris 
(1889) zurück. Sein Hom hat nur 4 Stimm- 
bögen, einen jeden mit seinem eigenen Ventil. 
Ventil I vertieft wie gewöhnlich um einen 
Ganzton, II erhöht um einen Halbton, III er- 
höht um zwei Ganztöne, IV vertieft um eine 
Quarte. Durch Kombinierung ergeben sich 
die Tonarten : 



F 


natürlich 


E 


I-fll 


Fis 


II 


Es 


I 


G 


I-MII 


D 


I + III + IV 


Gis 


I + II + III 


Des 


11 + IV 


A 


III 


C 


IV 


B 


II + III 


H 


I + II + IV 



B I + IV 

Notierung stets dem Klang entsprechend. Die 
Tabulatur dieses Homs ist: 




!>5 H* b^ l;^ *■ i' 

Chaussier hat nach diesem System auch die 
andern Ventilinstrumente eingerichtet. 

Nolice expitcative s\xt les Nouveaux inslr\iments ea ut inventfe 
par H. Chaussier, Paris i88y. — Pierre, La facture I97fl. 

Cor sarrazinois, altfrz. ein Hörn sarazeni- 
scher Herkunft, jedenfalls wohl s. v. a. Busine. 

BcleftstcllcD bei Levy 6. 

Cor saxomnitonique nannte Sa.x p€re sein 
Cor omnitonique. 

Corazza di ferro, ital. .Eisenrahmen'. 

Corda, ital. port. rätorom. , Saite', v. lat. 
Chorda. 

Corda de arame, port. »Drahtsaite'. 



Corda della böglia, rätorom. .Darmsaite'. 

Corda di budello, ital. .Darmsaite'. 

Corda filata, — ramata. ital. .Überspon- 
nene Saite'. 

Cordal, span. .Saitenhalter'. 

Cordas cruzadas, port. ,Kreuzsaitiger Be- 
zug'. 

Cordaulodion s. Chordaulodion. 

Corde, frz. .Saite', v. lat. chorda. 

Corde d'attache, frz. , Henkelsaite'. 

Corde filee, frz. , Übersponnene Saite'. 

Cordes crois6es, frz. .Kreuzsaitiger Bezug'. 

Cordes sympathiques, frz. .Resonanzsaiten'. 

Cordier, frz. .Saitenhalter'; ital. cordiera. 

Cordiere incrociate, ital. .Kreuzsaitiger Be- 
zug'. 

Cordophon s. Kordophon. 

Coren, romagn. ,Hom'. 

Corhorn = Cor alto. 

Corista, ital. .Norminstrument zum Stim- 
men'. 

Corista a fiato.ital. , Stimmpfeife'. 

Corista a sbarra, ital. , Stimmgabel'. 

Coriun = Crwth. 

Ne cude na mon swa rauchel of song, 
Of Harpe and of salterium, 
Of fidele and of coriun, 
Of timpe and of lire. 

Layamon, Romance of Brut, Cbers. 13. Jh. 

Cork, engl. .Pfropf. 

Cormorne, ital. ,Krummhorn'. 

Corn, wal. rätorom. prov. .Hom'. 

Corn buelin, wal. Büffelhominstrument. 

Corn ceuffyn, wal. .Kornett'. 

Corn ffreinig, Ffrengig, wal. .Waldhorn'. 

Corn heia, Corn hely. Corn rhyfel, 
wal. .Signalhorn'. 

Corn phiopa, irisch s. v. a. Pibgom. 

Corn syflath, wal. .Kornett'. 

Cornabus, Cornaboux, .Corne ä boeufs', 
altfrz. ,Horn. Zink'. 

Cornamuda, Cornamuda tuerta. altspan. 
.Krummhorn'. 

Cerone 1063. 

Cornamusa, ital. 1. .Sackpfeife'. 

2. Um 1600 ein ungeknicktes, zylindrisch 
gebohrtes Schalmeiinstrument mit Doppel- 
rohrblatt, von den Bassanelli dadurch unter- 
schieden, daß es statt der Mündung eine An- 
zahl Seitenlöcher zum Entweichen der Luft 
hat. Der hierdurch erzielte gedeckte Klang 
hat dem Instrument wohl den Namen gegeben, 
der nichts als eine Verballhornung von Corno 
muto ist. Eine Abbildung gibt Practorius trotz 
seines entsprechenden Ver^veisungsvermerks 
nicht. 

Vgl. Altcornamuse, BaOcoroamuse, Diskantcornamuse, Teaor- 
cornamu^e. 

Cornamuto torto, ital. .Krummhorn'. 



92 



CORNBIB— CORNET ARBAN-BOUVET 




CORNEMUSE 
nach Kästner, Les 
Danses des Morts 



Cornbib, Cornbibell = Pibgorn. 

Corne, frz. .tierisches Hom'. 

Corne d'appel, frz. ,Hupe'. 

Corne-inglez, port. .Englisch Hom'. 

Corned, wal. ,Horn, Zink'. 

Cornemuse, frz. primitivere Sackpfeife mit 
einfachen Stimmern unveränderhcher Tonhöhe 
und mit Mundrohr, im Gegensatz zu Musette ; 
bis etwa 1600 
der einzigeSack- 
pfeifentypus. 

Lapaire, H., Vielles et 
Cornemuses. MouUns 
(1902). 

Cornepipe, schott. 
s. V. a. Pibgorn. 

ComerBlocks.cngl. 
.Eckstöckchen'. 

Cornet, frz. .Klei- 
nes Hörn. Kornett. 
Zink'. 

Cornet ä bouquin, 
franz. .Zink', eig. 
.Bockshorn'. 

Cornet ä double 
effet Fontaine - Bes- 
son. Nachdem be- 
reits 1858 auf die Namen Besson - Girar- 
din ein Patent für Instrumente mit drei Pump- 
ventilen und 6 Luftgängen — 3 oberen und 
3 unteren — eingetragen worden war, Heß sich 
Fontaine-Besson am 18. Jan. 1887 unter Nr. 
1 80971 ein neues Patent für ein Kornett mit 
zwei Windkanälen geben, die durch eineSchalt- 
vorrichtung eingestellt werden konnten ; wäh- 
rend die ursprüngliche Röhre mit den zuge- 
hörigen Kompensationsventilbögen die ß- 
Stimmung ergab, konnte die zweite mit Hilfe 
von Stimmbögen auf eine beüebige tiefere ge- 
bracht werden. Der Fingersatz blieb der üb- 
liche. 

Ein neues Patent vom 7. Juli 1888 (Nr. 
191 648) und ein Zusatz vom 8. Nov. brachten 
ein viertes, schräggestelltes Vertiefungs- und 
Korapensationsventil, das die untere Umfangs- 
grenze des Instruments bis eis hinabrückte. 
Die Ventile i und 2 waren von je 8, Ventil 3 
von 7 und Ventil 4 von 4 Löchern durchbohrt. 

Pierre, La facture instr. i6of. 

Cornet ä pistons s. Kornett. 

— In der Orgel s. v. a. Cornopean. 

Cornet ä transposition instantan6e s. Duplex- 
Instrumentc. 

Cornet-Arban, erf. von dem Kornettisten 
J.-B. Arban m Paris, pat. 19. Nov. 1883, Nr. 
158625. ein C- Kornett mit einer doppelten 
Kompensationsvorrichtung außer den üb- 
lichen drei Ventilen. Der Unke Zeigefinger 



konnte mittels eines Hebels den Stimmbogen 
des 3. Ventils um die Länge eines Halbtons 
ausziehen, aus dem ursprünglichen Andert- 
halbtonventil ein Zweitonventil machen und 
die Herstellung der Naturtonreihe auf As mit 
einem einzigen Ventil ermögüchen. Der linke 
Mittelfinger konnte ein 4. Ventil zu anderthalb 
Tönen mittels eines Ringes drehen und gleich- 
zeitig durch einen Schrauben- und Zahn- 
mechanismus den Röhren der beiden ersten 
Ventile die für die ^-Stimmung erforderliche 
Länge geben. Obgleich diese Vorrichtung in 
erster Linie der Reinstimmung dienen sollte, 
gestattete sie auch, den Umfang des Kornetts 
nach unten hin um eine kleine Terz zu erwei- 
tem. Das Kornett gewann durch Arban's Er- 
findung allerdings an Reichtum der erzielbaren 
Tonstufen, aber der neue, komplizierte und 
schwankende Fingersatz, der verwickelte, häu- 
fig reparaturbedürftige Mechanismus, das 
größere Gewicht und die schlechte Qualität der 
C-Stimmung verhinderten den Erfolg der 
Neuerung. Lebensfähig wurde das Cornet- 
Arban erst in der Form des 

Cornet Arban-Bouvet. Das erste Cornet 
Arban-Bouvet wurde am 22. Sept. 1885 unter 
Nr. 171 296 patentiert; es stellte eine Kombi- 
nation des Cornet-Arban von 1883 ohne jeden 
Mechanismus mit einigen bereits 1884 für den 
Ingenieur Bouvet patentierten V^orrichtungen 
dar. Das Instrument hatte drei Pump- und 
ein Drehventil mit einer Schaltung, die den 
Wind nach Bedarf in eine untere oder eine 
obere Röhre leitete; schon Daniel hatte in 
seinem Kompensationssystem einen derartigen 
doppelten Luftkanal bei zwei Ventilen in An- 
wendung gebracht. Ein Patentzusatz vom 
6. Aug. 1886 pubhzierte verschiedene Bewe- 
gungsvorrichtungen für die Schaltung, die 
schließhch im endgültigen System einem vier- 
ten, dem linken Zeigefinger anvertrauten 
Pumpventil Platz machten (1887). Das i. und 
2. Ventil vertiefen wie gewöhnlich um einen 
ganzen und einen halben Ton. das 3. aber 
statt um anderthalb um zwei Töne und das 4. 
um anderthalb Töne. Ohne Anwendung der 
Ventile steht das Instrument in C ; man erhält 
mit dem i. Ventil die B-, mit dem 2. die H-, 
mit dem 3. die As-, mit dem 4. die /l -Stim- 
mung. Die drei ersten Ventile haben je zwei 
Bögen von ungleicher Länge, einen oben, einen 
unten. Das vierte, auf der linken Seite des In- 
struments etwa dem zweiten gegenüber ange- 
bracht, steht mit dem ersten und dritten in 
Verbindung; es erhält den Wind unmittelbar 
von dem zum Mundstück gehörigen Röhren- 
stück ; vom Ventil 4 geht der Luftstrom in die 
oberen oder die unteren Röhren, je nachdem 



93 



CORNET COUSIN— CORNETTINO 



das Ventil gehoben oder gesenkt ist. Die 
Ventilmäntel sind zu diesem Zweck mit einer 
entsprechenden Anzahl von Löchern versehen: 
Ventil I und 3 mit je 12,2 mit 8, 4 mit 4. Die 
Länge der Bögen ist derart berechnet, daß die 
Stimmungsfehler bei der Kombination mehre- 
rer Ventile vermieden werden. Im wesent- 
lichen unterscheidet sich also das vierventihge 
Comet Arban-Bouvet vom alten Comet-Arban 
nur durch das Fehlen des kompliziertenMccha- 
nismus ; alle andern Eigenschaften sind fast 
gleichgeblieben, auch die untere Umfangs- 
grenze dis, ebenso aber auch alle Nachteile des 
Arban'schen Systems. 

Eine weitere Vereinfachung brachten der 
Patentzusatz vom 24. Jan. 1888 und ein neues 
Patent vom 3. März 1888 (Nr. 189 106). Das 
4. Ventil ist fortgelassen. Ähnlich wie beim 
Danicl'schen Kompensationssystem ist auch 
hier die Stimmungskorrektheit durch das Zir- 
kuheren des Windes in festen Bögen erreicht. 
Die Ventile i und 2 haben je zwei verschiedene 
Bögen; die Vertiefungen betragen wieder i, 
14 und I Vj Töne ; Ventil 3 kann aber nach Be- 
darf den Wind in die oberen oder die unteren 
Bögen leiten ; im ersten Falle behält das Kor- 
nett die C-Stimmung; im andern Fall geht der 
Wind durch eine besondere Röhre ins i . Ventil, 
von dort ins 2. und wieder zurück ins 3., von 
wo er durch das Schallstück austritt; das In- 
strument erhält auf diese Weise ^-Stimmung. 
Der Unterschied zwischen dem vier- und dem 
dreiventiligcn Cornct Arban-Bouvet besteht 
also darin, daß im ersteren 3 Ventile doppelte 
Bögen haben und ein viertes als Umschalter 
dient, während im andern nur 2 Ventile dop- 
pelte Bögen haben und ein drittes als Um- 
schalter dient. 

UrsprüngUch nur für das C-Komett ge- 
dacht, wurde das System Arban-Bouvet in der 
Folge auf H-, B-, ^-Kornette und auf alle an- 
dern Ventilinstrumente übertragen. 

Das eigcnthche Bouvet'sche System, das der 
Erfinder sich am 28. Febr. 1S84 unter Nr. 
1606 18 hatte patentieren lassen, ist nie zur 
Ausführung gelangt. Es bezweckte eine abso- 
lute Reinheit und eine Vereinfachung des 
Fingersatzes. Nicht weit vom Mundstück sitzt 
ein Distributeur mecanique, eine Schalt- 
vorrichtung, die den Wind nach Bedarf intine 
von drei parallelen Röhren leitet, je nachdem 
die Töne der Durskala, deren chromatische Er- 
höhungen oder Vertiefungen verlangt werden ; 
eine entsprechende Rückschaltung kurz vor 
dem Schallstück wird automatisch eingestellt. 
Jede der drei Röhren durchläuft die Bögen von 
6 Pumpvcntilen. die die sechs auf den ohne 
Ventil erhältlichen Grundton folgenden übri- 



gen Töne der Leiter ergeben, überblasen wird 
ausschheßlich in die Oktave und die Doppel- 
oktave. Das System ist in der Tat zum min- 
desten geistvoll. 

Pierre, La fact. iustr. 151 ff. 

Cornet-Cousin, ein Kornett von Leon Cousin 
mit 5 Ventilen (Pat. 17. Dez. 1873), die um i, 
Y2, I Vi, 2 Y,, 2 Töne vei-tiefen. Einerseits 
können hierdurch die Lücken der Naturskala 
ohne die Unreinheiten ergebende Ventilkombi- 
nation ausgefüllt werden — außer für den Ton 
cis^, der mit dem 2. und dem 4. Ventil genom- 
men werden muß — , anderseits kann man 
durch das Kombinieren, das bei 5 Ventilen 
keine Fehlerquelle ist, bis zum Ton eis hinab- 
steigen. Cousin hat dies System auch auf die 
andern Ventilinstrumente übertragen. 

Pierre, La facture instr. 138 ff. 

Cornet de chasse, frz. .Hirschruf'. 

Comet d'echo, frz. , Femwerk'. 

Cornet de Rette, erf. 1856 von P. J. de Rette 
und von Ant. Courtois hergestellt, ein Kornett 
mit 5 Pumpventilen, von denen die drei ersten 
in der gewöhnlichen Weise vertiefen, das vierte 
aber mit automatischer Einschaltung des drit- 
ten um zwei Töne, das fünfte unter Einschal- 
tung des ersten um eine Quarte vertieft. 

Pierre, La fact. instr. 294. 

Cornet d'harmonie ist der älteste Name des 
Ventilkomctts. 

Cornet droit, frz. .Gerader Zink'. 

Cornet omnitonique, ein Kornett mit dem 
Cliaussier'schen Transpositionsmechanismus ; 
s. Cor omnitonique. 

Pierre, La fact instr. 205. 

Comet-Trompe, ein Inventionshomtypus 
von Sax mit dicht zusammengelegter und dem 
Körper des Bläsers angepaßter Röhre. Höhe 
18 cm. 

New- York Xr. 1105. — Vgl. Antoniophone. 

Corneta, span. port. ,Hom, Zink, Kornett'. 
Corneta blanca, span. .weißer Zink'. 
Corneta de chaves, port. ,Klappenhorn'. 
Corneta de montaria, port. .Jagdhorn'. 
Corneta encorvada, span. ,krummer Zink'. 
Corneta muda, span. .stiller Zinlc'. 
Corneta negra, span. .schwarzer Zink'. 
Corneta recta, span. .gerader Zink'. 
Corneta tuerta, span. .krummer Zink'. 
Cornetim, port. .Kleines Kornett'. 
Cornetta, ital. .Kornett'. 
Cornettino, ital. , kleiner Zink' des 16. — 18. 
Jhs.. .nicht unlieblich zu hören'. 



besitzt 




Umfang: b&izz L 

Das älteste Exemplar — von 1518 



94 



CORNETTO— CORRIGIUNCULA 



Galpin. Im i8. Jh. ist Cornettino s. v. a. 
Quartzink. 

— In der Gegenwart s. v. a. kleines Kor- 
nett, Pikkolo. 

— In der Orgel ein Kornett auf 2^1 i. 
Cornetto, ital. ,Zink'. 

Cornetto curvo, ital. , krummer Zink'. 

Cornetto diritto, ital. ,gerader Zink' mit auf- 
gestecktem Mundstück. 

Cornetto muto, ital. ,stiller Zink' mit ange- 
drehtem Mundstück, ,am Resonanz gar sanft, 
stiU und lieblich zu hören'. 

Cornetto torto = Corno torto. 

Cornicell, von comig, , kleines Hom', eine 
nicht näher zu kennzeichnende Abart des Pib- 
gorn;plur. cornicyll. 

Edw. Jones, Mui. and Poet. Relicks of the Welsh Bards, 
London 1794. 

Corni dolci, eine 16' Manualstimme. 

Cornig, wal. , kleines Hörn'. 

Cornix s. Kamy.x. 

Cornn, mittelbret. .Hörn'. 

Corno, ital. ,Horn', v. lat. comu ; romagn. 
coran. — In den Werken der älteren Meister 
darf man Corno in der Regel nicht mit Hörn 
schlechtweg, sondern allgemeiner mit Horn- 
instrument übersetzen. Es sei auf folgende 
Stellen bei Bach hingewiesen: In Kantate Nr. 
26 ,Ach wie flüchtig' geht Corno col Soprane, 
Umfang diatonisch a' — /"; in Kantate Nr. 27 
,Wer weiß, wie nahe mir mein Ende' ebenfalls 
Corno in C-moU mit den Noten as'. o'. A'; in 
beiden Fällen ist augenscheinlich Cornetto, 
Zink gemeint. In Kantate Nr. 46 .Schauet 
doch und sehet' ist statt Tromba da tirarsi 
Corno da tirarsi vorgeschrieben. Waldhorn 
wurde gewöhnlich unzweideutig mit ,Corno da 
caccia' bezeichnet. 

Corno bassetto, ital. .Bassethorn'. 

Corno cromatico, ital. ,Ventilhorn'. 

— Im engeren Sinne nannte so J. Keil in 
Prag sein zweiventiliges F-Horn mit dem No- 
tierungs-Umfang c — c^, das eine Zeitlang in 
der bairischen Mihtärmusik gebraucht wurde. 

Schubert, Alle gebräuchlichen Musikinstrumeute (1864) p. 18. — 
Schubert, Die Blechinstrumente der Musik (1866} p. 29. 

Corno da caccia, ital. , Waldhorn'. 

Corno da nebbia, ital. , Nebelhorn'. 

Corno-flute, eine 8' Manual-Zungenstimme 
mit Holzaufsätzen und sanftem, angenehmem 
Ton, erf. v. Herbert Norman. 

Hopkins, Edw. J., The Organ, London 1870, p.145. 

Corno inglese, ital. ,Engüschhom'. 
Corno torto, ein großer s-förmiger Zink, mit 
,gar unlieblicher und homhaftiger Resonanz'. 



Cornon i. s. Komon. — 2. erster Name des 
Comophone. 

Cornone = Corno torto. 

Cornopean, engl, alte Bezeichnung für Kor- 
nett. — In neueren englischen und amerikani- 
schen Orgeln ein häufig im Schwellkasten 
neben Kornett und Oboe disponiertes, hom- 
artig klingendes 8' Zungenwerk mit Metall- 
pfeifen, im Ton etwa zwischen Trompete und 
Hom. 

Cornophone, erf. v. Fontaine-Besson in Paris 
in den 1880er Jahren, ursprünghch Cornon 
genannt, 1890 unter dem Namen Corno- 
phone patentiert, ein Hominstrument mit 
starkem Konus, parabolischem SchaUstück, 
schlankem Trichtermundstück und 3 Ventilen. 
Der Ton steht zwischen Waldhorn und Bügel- 
horn ; er kommt dem der Waldhomtuben am 
nächsten. Vom Ausland scheint es sich bisher 
nur Großbritannien erobert zu haben; hier 
wird der Baß auch in der anglikanischenKirche 
zur Begleitung der Chöre verwendet. 

Die Familie besteht aus folgenden Gliedern: 

1 . Soprano in B, 

2. Alto in F oder Es, 

3. Tenor in C oder B, 

4. Basse in C oder B. 

5. Contrebasse in F oder Es. 



Gemeiosame Notierung: 



^ 



Jfe' 



Umfang: g^;j^:^^^ 



Abb. bei ,Zink.' 



doch steht den tieferen Instrumenten ein 
größerer Umfang zu Gebote. 

Vgl. Sopran-, AU-, Tenor-, Baß-, Kontrabaß-Kornophon. 

Cornotragone , österr. Kessclmundstück- 
instrument in Altlage mit drehbarem Schall- 
stück (1849). Sollte es nicht .comodragone' 
heißen müssen? 

Schelle 68. 

Cornpipe, Cornepipe, im schott. Tiefland 
s. v. a. Hornpipe. 

Cornu, lat. i. im allg. ,Horn'. — 2. Bei den 
Römern s. v. a. Buccina. — 3. Der Arm der 
Lyra. — 4. Das ausladende Schallstück des 
phrygischen Aulos. 

Cornu acutum, lat. .Gemshom'. 

Cornuta, Co mute = Zink. 

Cornyx = Karnyx. 

Coron s. Chorus, Crwth. 

Corona, port. , Register'. 

Corpo di ricambio, ital. , Stimmbogen, Setz- 
stück'; frz. corps de rechange. 

Corredera, span. , Stimmzug'. 

Corrigiuncula, (lat.) Strafglocke in den Klö- 
stern. 

Du Gange, Glossarium 11 5S2. 



95 



CORRON— CRWTH 



Corron ^ Chorus, Crwth. 

Corthol s. Kortholt. 

Coruboud, armorik. .Sackpfeife'. 

C'os-dung, tibet. Kirchentrompete. 

Costado,costadillo,span. .Rahmen' (Klavier). 

Cotecä, ein Blasinstrument der Maues (n. 
Brasilien). 

Cottage = Upright Cottage Pianoforte. 

Cottage Organ s. v. a. Amerikanische Orgel. 

Coulisse, frz. .Scheide, Zug'. 

Counter-tenor, engl. ,Alt'. 

Coupler, engl. .Koppel'. 

Couroung-couroung s. Gulung-Gulung. 

Courtaud, frz. .Kortholt'. 

Cousin s. Cornet-Cousin. 

Coutre als Name eines Musikinstruments be- 
ruht auf der irrigen Auslegung einer Stelle in 
den Contes d'Eutrapel. 

Covered string, engl. , Ubersponnene Saite'. 

Cqueppa, altperuan. Trompete. 

Ch. W. Mead, The Mus. Insir. of the Incas, Suppl. of the 
Americ. Museum Jour. 111 25. 

Cramel, prov. (rouergat) .Schalmei', v. lat. 
caramcllus. 

Crapaudine, frz. .Docke'. 

Crap-fuong, kambog. Klappern aus zwei 
innen 6 cm tief ausgehöhlten rechteckigen 
Hartholzstückchen von 41x11,5x9 cm mit 
dem Ton großer Kastagnetten. 

Knosp 15Q. 

Cravilhame, port. .Wirbelkasten'. 

Cravo, port. .Klavier'. 

Cravo de cauda, port. .Flügel'. 

Crecelle, frz. .Schnarre'. 

Crembalum, lat. .Maultrommel'. 

Cremona, als Bezeichnung einer Orgel- 
stimme korrumpiert aus Krummhorn, Cro- 
mornc; beim Harmonium irrigerweise statt 
Violine gebraucht. 

Crepitaculum, Crepundia, lat. .Klapper, 
Schelle'. 

Crescendo, um 1780 von Hofrat Bauer in 
Berlin erf.. ein Pianoforte pyramidaler Form, 
gegen 3 m hoch, i m breit und |'o m tief, mit 
Metallsaiten (5 Oktaven) und 3 Pedalzügen, 
■die den Übergang vom pp zum ß gestatteten, 
und außerdem einer Vorrichtung zur Verschie- 
bung der ganzen Klaviatur zum Zwecke der 
Transposition ; man rühmte ihm ein ausge- 
zeichnetes Stimmunghalten nach. 

Vgl. Koval Crc-cendo. 

Crescendokoppel s. Klaviaturschweller. 

Crescendo pedal, engl. .Kollektivschweller'. 

Crescendo Royal s. Royal Crescendo. 

Crescendowalze s. Kollektivschweller. 

Crescendozug heißt an der Orgel der Tritt, 
■der eine An- und .^bschwellvorrichtung für 
eine Gruppe von Stimmen in Tätigkeit setzt. 



Es gibt zwei Typen des Crescendozugs: der 
eine schaltet ein Register nach dem andern ein 
bzw. aus, gibt also maschinell das, was die 
Organisten bis ins 18. Jh. mit der Hand leisten 
mußten, um einen Crescendo- oder Decre- 
scendoeffekt zu erzielen ; der andre öffnet und 
schheßt nach Wunsch allmählich ein hölzernes 
Gehäuse, in das ein gewisser Teil des Pfeifen- 
werks eingeschlossen ist. Den ersten Cre- 
scendozug hatte die Orgel zu St. Magnus in 
London {.\br. Jordans sen. u. jun. 1712). 
Näheres s. u. 

DachschneUer, Jalousieschweller, Klaviaturschweller, Kollektiv- 
schweller, Nag's head Swell, Progressionsschweller, SchweU- 
auzeiger, Windschweller. — Engl. CRESCENDO PEDAL. 

Crescent, engl. .Schellenbaum, Halbmond'. 

Crewth s. Crwth. 

Crib, wal. ,Steg'. 

Cribrum, lat. .Sieb'. 

Crini, ital. .Haare', s. Bezug 2. 

Crisp toned diapason, engl. .Geigcnprinzipal'. 

Crokhorne, engl. (1547) .Krummhorn'. 

Cromcorn, engl. .Krummhorn'. 

Sir Will. Leigthon, Teares and Lamentatioos of a Sorrowful 
Soule 1633. — Galpin 164. 

Crometta, ital. .Krummbügel, Stimmbogen'. 

Cromhoorn, ndl. .Krummhorn'; frz. cro- 
morne. 

Crook, engl. .S-Rohr, Stimmbogen'. 

Crooth s. Crwth. 

Crop condöng, kambog. .Glockenhammer'. 

Crossflute, engl. .Querflöte'. 

Cross-strung, engl, .kreuzsaitig'. 

Crot, altirisch s. v. a. Crwth. 

Crotalum, griech. xgo'ra.lor, i. antike Kasta- 
gnette aus Erz oder Holz in der Hand der 
Tänzer und Tänzerinnen. 

Ps. Verg. cop. 3. 

2. Mctallschelle des Mittelalters. 

Joh. V. Salisbury (ca. iiio — 1180). 

Crouth, Crowd. engl. Namen des Crwth. 

Crud, ags. .Crwth'. 

Cruit, altirischer Name des Crwth. 

Cruit-chiuil, gael. .Harfe, Klavier'. 

Crusma, röm. .Kastagnette'. 

Crustico, ital. .Schlaginstrument'. 

Cruth s. Crivth. 

Crwth, bedeutet im wal. im weiteren Sinne 
.Geige'. Im engeren Sinne bezeichnet es ein 
altes abendländisches Streichinstrument, das 
sich in Wales bis zum .\nf. 19. Jhs. gehalten 
hat. In der endgültigen Form, in der es uns in 
dem Kxemjjlar des Barden Edward Jones ent- 
gegentritt (Ende 18. Jhs.), handelt es sich um 
ein Zargeninstiumcnt mit flacher Decke und 
gewölbtem Boden ; das Korpus, im wesent- 
lichen viereckig und nach oben hin leicht ver- 
jüngt, setzt sich in zwei gcradhnig aufsteigende 
Arme mit verbindendem Querjoch fort, von 



96 



CRWTH CANOLSAIN— CUIU 



dessen Mitte ein Griffbrett auf die Decke hin- 
abgeführt ist. Maße: 
Gesamtlänge 57 cm, 

Untere Breite 27 cm. 
Obere Breite 23 cm. 

Griffbrettlänge 28 cm, 
Zargenhöhe 5 cm. 

Der Steg steht nicht ge- 
rade, sondern schräg mit 
der rechten Seite mehr 
nach dem Unterende des 
Korpus. Der linke Fuß 
des Steges geht durch die 
eine der beiden kreis- 
runden Schallöffnungen 
bis zum Boden hinunter 
und dient demnach als 
Stimmstock, während der 
rechte, kürzere Fuß auf 
der Decke ruht. Die Zahl 
der Saiten, die von dem 
Querjoch hinab über den 
Steg nach einem Saiten- 
halter geführt werden, be- 
trägt sechs; nur vier da- 
von gehen über das Griffbrett; die beiden an- 
dern laufen frei nebenher. 




CRWTH 

des 18. Jhs. Nach 

Kastner, Lcs Dauses 

des Morts 



^ 



^ 



^ 



Der letzte Crwth-Spieler, ein alter Barde in 
Caernarvon, stimmte 1801 



i 



^ 



^ 






1=^ 

Schon der durchaus flache Steg und das Fehlen 
jeder seithchen Einziehung im Korpus bewei- 
sen, daß die Saiten ausschließlich dem Akkord- 
spiel dienten, eine Tatsache, die in der Litera- 
tur ihre Bestätigung findet. 

Die Ähnlichkeit des Crwth mit der griechi- 
schen Kithara fällt ins Auge. Indessen handelt 
es sich um kein Abhängigkeitsverhältnis, son- 
dern um eine Vetternschaft. Neuerdings hat 
ein ausgegrabenes etwa 5000 Jahr altes chal- 
däisches Relief erwiesen, daß der Kithara- und 
der Crwthtypus beide asiatischen Ursprungs 
sind. Als Zwischenstufen wären das ost- 
jakische Naras jux und die nordischen Streich- 
harfen anzusehen. Das erste literarische Zeug- 
nis für das Instrument verdanken wir Dio- 
dorus Siculus (1. Jh. v. Chr.), der die Begleit- 
instrumente der keltischen Barden xali Ugaig 
6/joTa nennt; Ammianus (um 375) sagt schon 
geradezu, daß die Barden ihre Heldengesänge 
zu den dulcibus lyrae moduhs ertönen ließen. 
Ja schon eine gewisse Stelle aus einem uralten, 



angeblich 1800 v. Chr., wahrscheinlich aber 
doch später entstandenen irischen Gedicht 
läßt sich mit ziemücher Sicherheit auf den 
Crwth beziehen, da sie von einem viereckigen 
Instrument redet. Der Name selbst ist vom 
altir. Crot oder Cruit abgeleitet, der latinisiert 
Chorus und Chrotta, anglisiert Crowd er- 
geben hat. 

Wenn oben der Crwth als ein altes abend- 
ländisches Streichinstrument bezeichnet wurde, 
so ist der Ausdruck nicht dahin zu verstehen, 
daß dieses Tonwerkzeug zu allen Zeiten mit 
einem Bogen gespielt worden wäre. Den frü- 
hesten — und zwar bildlichen — Beleg für den 
Gebrauch des Bogens bietet vielmehr erst das 
ausgehende 10. Jh.; bis dahin rechnet der 
Crwth zu den Zupfinstrumenten. 

Vgl. Fidla, Strsnglek. 

Crwth canolsain, Crwth cyfalaw, wal. 
, Bratsche'. 

Crwth trithant, ,3 saitiger Crwth', ,Rebec'. 

Crwth y byrddwn, wal. .Violoncello'. 

Crwth y cyfalaw, wal. , Bratsche'. 

Crwth yr isalaw, wal. ,ViolonceUo'. 

Crythau, plur. v. crwth. 

Crythen, wal. ,Fider. 

Csakan s. Cakan. 

Csap, ung. , Stachel'. 

Csengetyü, Csengö, ung. .Glöckchen'. 

Csiga, ung. .Schnecke'. 

Csöfuvola, ung. .Rohrflöte'. 

Csölönk, ung. , Klapper, Schnarre'. 

Csörgetyü, ung. .Klnpper'. 

Csörgö, ung. .Schelle'. 

Csörgödob, ung. .Schellentrommel'. 

Cuatro, Guitarre von Puertorico mit 5 Sai- 
tenchören, vier doppelten und einem einfachen ; 
Plektnim. 

Markneukirchen Kr. 405. 

Cuckoo, engl. .Kuckuckspfeife'. 

Cuckoo feeder, engl. Doppelschöpfbalg mit 
gemeinsamer Unterplatte, die also nicht an 
der Unterplatte des zugehörigen Magazinbalgs 
befestigt ist. 

Cuculus, lat. .Kuckukspfeife'. 

Cuerda, span. .Saite'. 

Cuerdas cruzadas, span. .kreuzsaitiger Be- 
zug'. 

Cuerno, span. ,Horn', v. lat. cornu. 

Cuerno de caza, span. .Jagdhorn'. 

Cuintat6n, span. , Quintaden'. 

Cuislinn, irisch , Sackpfeife'. 

Cuisley Ciuil, altirische Sackpfeife, ein- 
facher als das Adharcatdh Cuil, zur Begleitung 
des Feldsanges ,Rinkey'. 

Cuitolle, altfrz. .Citole'. 

Guill. de Machault. La Prise d'Alezandrie, 14. Jb. 

Cuiu, rum. .Wirbel'. 



Sachs 



97 



CUIVRES-CANKHA 



Cuivres, frz. , Kupfer' ;kurze Bezeichnung der 
Blechblasinstrumente. 

Cuivrette, frz. ,S-Röhre'. 

Culang s. Kulang. 

Culasse, frz. .Stiefelstück'. 

Cunidlo, wend. .Dämpfer". 

Cupa-cupa, apulischer Brummtopf mit Frik- 
tionsstab. 

Balfour Fr. Dr. 70. 

Cupped mouthpiece, engl. .Kesselmund- 
stück'. 

Curtall, engl. (1574) .Kortholt'. 

Curtar s. Curtar. 

Cusle, altirisch .Sackpfeife'. 

Cuspida, lat. .Spitzflöte'. 

Cuvette,frz.,Pcdaldeckel'der Harfe, der sog. 
Fuß. 

Cuvik, serbokroat. .Vogelpfeife'. 

Cuyvi, altmejik. .Flöte mit 5 Tönen'. Sollte 
das Instrument nicht identisch sein mit der 
heute Chirimia genannten, etwa 20cm lan- 
gen Holzschalmei der mejikanischen Indianer. 
die 5 Tonlöcher besitzt und einen starken, 
gellenden Ton hergibt ? 

Cvek, serbokroat. .Kern'. 

Cvrljuga, die höchste Saite des serbokroat. 
Vijalo, .Schnarrsaite'. 

Cyfonie, frz. .Drehleicr' (12. — 15. Jh.), korr. 
aus Symphonie. 

Cylindre, — ä rotation. frz. .Drehventil'. 

Cymbal, engl. .Becken'. 

Cymbala, lat. v. griech. xv/ißaXa, 1. die 
Becken des römischen Kulturkreises, zwei in 
der Mitte ausgebauchte Metallteller mit zu- 
rückgebogenen Rändern, am Ende langer, un- 
ten verbundener Stäbe befestigt, die es ermög- 
lichten, die Becken mit einer Hand zu regieren, 
während die andre ein Blasinstrument hielt, 
oder zwei Paar Becken gleichzeitig zu schlagen. 
Darstellungen dieser alten Cymbala finden sich 
noch in den Miniaturen des Mittelalters bis 
zum Ende des ersten Jahrtausends. — 2. Schon 
im 9. Jh. erhält das Wort Cymbalum den neuen 



Sinn eines kleinen Glöckchens im Gegensatz 
zu den nolae und campanae ; besonders die 
Schelle, die die Mönche zu Tisch rief, wurde so 
bezeichnet. Entsprechend wird dem etwa 
gleichzeitig aufkommenden Glockenspiel die 
Pluralform .Cymbala' als Name verliehen. 
Buhle, Das Glockenspiel . . ., Liliencroü-Festschriit. Lpr. 1910. 

Csrmbale, frz. .Becken'. 

Cymbalki, poln. .Hackbrett'. 

Cymbalum orale, lat. .Maultrommel'. 

Mersenne, Harmonicorum libri. 

Cymbre, altniederl. vermutlich .Becken'. 

Hausier, Rose v. 9306. 

Cymmedrollyddion tannau, wal. .Bünde'. 
Cymphan, engl. .Drehleier'. 

Stephen Hawes, Pastyme of Pleasure 1506. 

Cynek, poln. .Zink'. 

Cynghanedd clych, wal. .Glockenspiel'. 

Cynghanell, wal. .Harmonikon' ( ?) 

Evans, An Engl, and Weish Dict. 11, Denbigh 1858. p. 18. 

Cynghanwydrau, wal. .Harmonika'. 

Cyngherddon, wal. .Ziehliarmonika'. 

Cynghjrwair, wal. .Klaviatur'. 

Cynura = Kinyra. 

Cyrn, plur. v. Corn. 

Cysseinell, wal. .Harmoniphon' ( ?). 

D. S. Evans, An Engl, and Welsh Dict. II 18. 

Cytere, ags. .Harfe'. 

Cythara s. Cithara. 

Cyther = Cister. 

Cythringen [J. S. Bach] = Citharino. 

Cytole, mittelniederl. .Cistole'. 

Cyweirdant, wal. ,Spinett, Klavichord' ( ?) 

Evans, An Engl, and Welsh Dict., I 297, II 853. 

Cyweirfforch, wal. .Stimmgabel'. 

Cjrweirgord, wal. .Klavichord' ( ?). 

Cyweirgom, wal. .Klappenhorn'; nach D. S. 
Evans. An Engl, and Welsh Dict. II 196 auch 
.Taste'; plur. cyweirgyrn. 

Cjnweirsain, wal. .Klaviatur' ( ?). 

Cz s. auch C 

Czintäny^r, ung. .Becken'. 

Czio, lit. .Klapper'. 



Entspricht etwa poln. L 



Qafikha, 371^, skr. hindi beng. Muschel- 
horn mit dem Mundloch in der Spitze. Früher 
auch als Kricgssignalhorn, wird die <^ankha 
heute nur noch als Zeremonialinstrument in 
allen Tempeln gebraucht. Die Inder knüpfen 
damit an die uralten Beziehungen des Muschel- 



horns mit den religiösen Vorstellungen ihres 
Kulturkreises an. Die M)^:hologic legt es zu- 
sammen mit den Veden in die Hände Brahmas 
des Wcltschöpfers, Visnus des Riesenüber- 
winders und fivas des Weltverbrenners, sie 
gibt es den Halbgöttern im oberen Himmel, 



98 



CARADIYA VINA— CANANG 



wenn nach Ablauf einer Periode Buddha auf 
die Erde niedersteigt, und in ihr verbirgt sie 
das von dem bösen Dämon Hagagriva ins Meer 
geworfene Buch des Weltgesetzes. Diese my- 
thischeEinkleidung zeigt,daß diegankha zu den- 
jenigen Instrumenten zählt, denen in den Urzei- 
ten die Verscheuchung der bösen Geister zufiel. 
Caradiya-viijä, skr. beng. .Herbstvina', 
heute gewöhnlich Sarud genannt und in den 
nordwestUchen Provinzen Indiens sehr ge- 
bräuchUch. Früher bediente man sich ihrer bei 
den Aufzügen der Könige. Der Hals hat keine 
Bünde ; er erweitert sich vom Wirbelkasten bis 
zum Schallkörper, gegen den er durch eine 
starke Kerbe abgesetzt ist. Das Korpus, am 
untern Ende tief, verjüngt sich allmählich bis 
zum Wirbelkasten. Der Bezug besteht aus 
6 Darmsaiten, die mit einem flachen Piektrum 
angerissen werden, u. aus 8—12 Resonanzsaiten. 

Brüssel Nr. 94. 



Cata-tantri-vioä = Kanuna. 

Qauktikä-viiiiä, beng. Kinnarl vlnä mit Perl- 
muschel-SchaUkörper. Länge 98 — 103, größte 
Breite 10 cm. 

Brüssel Nr. 86; Paris Nr. 828; New-Vork Nr. 1744. 

Cogoloctli = Tlapitzalli. 

Cringa, skr. beng. bind. (Kuh-)Hom. Auch 
kurz statt Rana-ffinga. 

Cruti = Hanumunta ottu. 

Qruti-upanga = Nagabaddha. 

Cruti-viriä, bind. V!nä vom Sitär-Typus, die 
mit einem Mizräb gespielt wird und deren Bün- 
de die 22 (jruti (Vierteltöne) der indischen Ok- 
tave geben. Länge 122 — 123 cm. Breite 
30 cm. 

Brüssel Nr. 88; Paris Nr. 826. 

Qukti-patta, bind, altes Instrument. 

Tagore, Short Notices of Hindu Musical lastruments 36. 

(usira - yantra, bengal. , Blasinstru- 
mente'. 



Entspricht deutsch tsch, engl, ch, frz. tch. 



Cac s. Cäi öac. 

Cadridal, hindost. , Kanuna'. 
Cagane s. Saghäne. 

Cäggum, koreanische Becken von 2 1 cm 
Dm. und 1,5 mm Dicke. 

Markneukirchea Nr. 603. 

Caghäna, *-'Lä^, pers. auch in Afghanistan 
und im Kaukasus gebräuchliches dreisaitiges 
Streichinstrument mit einem kleinen, kreisrun- 
den, bauchigen Korpus, dessen Decke zwei und 
dessen Rücken ein Schalloch hat ; die Wirbelsind 
von unten durch das Wirbelbrett gesteckt ; zum 
Spielen dient ein einfacher, stark gekrümmter 
Bogen. Das Instrument entspricht d. Kemänge. 

Cagrtal jka, Cegrtaljka, HarprajbKa, serbo- 
kroat. , Ratsche'. 

Cakan, Cech. , Stockflöte'. Das heute na- 
mentüch in Österreich gebräuchliche, Czakan 
genannte Instrument ist eine mit 6 offenen 
Löchern und einer oder mehreren Klappen ver- 
sehene Schnabel- ^^ö"'- 
flöte in hoch As: '' 



In der Marienorgel zu Lübeck ist eine 
Manualstimmc zu 8' als Czakan-Flöte 
angezeichnet. 

Ca kiao, Tung keo, ein Lapa mit zu- 
rückgebogenem Schallstück, das bei Hoch- 
zeitsumzügen geblasen wird. 

Moule 101. — Vgl. Huang la pa. 

Ca ko, chin. kleine Becken mit klei- 
nem Buckel und breitem, flachem Rand. 
Dm. 1734 cm. 

New-Vork N . 14. 

Caktar, HaKrap, serbokroat. =Cingara. 
Caku s. Cekü. 

Cäle-mesk, üUi^ *Jl^, kurd. ,Sack- 
pfeife'. 

Calghe.jAil:^,^^*^, 

>^, ^'^, ^^ 
türk.,Musikinstrument'. 



Ca'pä 



para , 



,UL=*. 



Umfang: 



Notierung: 



;:f^^ 



^ 






Auch die ß-Stimmung kommt vor. 



»;L>J^, pers. türk. ,Ka- 
stagnette'. 

Campari, bulg. v. 
türk. Calpära, .Becken' ; 
mit Beeinflussung von 
cymbala ? 

Canang, mittelgroßer, 
bisweilen kunstvoll ver- 



^ 



6 




CA KIAO 

im Kgl. Museum für Völker- 

kuude zu BeiUa 



99 



CAN CUNG-CARUMERA 



ziertcr Gong der Dajaken auf Borneo, mit 
halbkugeligem Buckel. 

Can «ung, chin. Gebetsglocke. 

Cang, (Shangai-Dial.) = K'm. _ 

Cäng, I. «Ji^. türk. Ceremiss. .Glocke. 

2. Mlultrommel, das Hauptinstrument der 
Kirgisen. 

E. Schuyler, Turkistaa I 132- 

Cang-gon, korean. Trommel mit schwarz- 
lackieÄem gamroUenförmigem Holzkorpus 
(Tsuzumitypus). von deren beiden über Reifen 
gespannten Fellen das eine mit der Hand das 
andere mit einem Stock geschlagen wird. Hohe 
66 cm. ^, . 

New- York Nr. 141. - Markneukirchen Nr. 598. 

Cangi, grus. , Harfe' ;v.pers. Cank. 

Cangiri, jap. Bronzegong ohne Buckel; das 
zugehörige Hämmerchen ist aus Elfenbein mit 
Fischbeingriff. Höhe 4. Durchm. 15,5 cm. 
Stimmung fis". 

Mailand Nr. 20. 

Cang-ku, chin. jap. kleines Tsuzumi. 

Paris Nr. 962. — Moule 59. 

C'ang-ti, chin. lange Querflöte. 

Van Aalst 72. 

Cangura, KontraSica, eine größere vier- 
saitige Tanbura. 

Vgl. Conguri. , . j 

Cängar, Rasselringe, die im Pungab den 
Tauben um die Füße gelegt werden. 

Berlin, Völkerkunde-Mus. Nr. I C 3627. 

Cank, «N^^, i- die alte, ausgestorbene 
Harfe der Perser und Inder. Eine Darstellung 
aus dem 6 Jh. geben die Reliefs von Kerman- 
shah in Persien, abgebUdet bei Rob. Porter, 
Travels in Georgia, London 1821 11 pl. 63- 

2 pers Psalterium oder Hackbrett, ge- 
wöhnhch dreieckig und mit 6 Saiten bezogen, 
seltener viereckig und mit mehr Saiten, ent- 
weder mit gekrümmten Stäben oder mit einem 
Picktrum zu spielen. Das Instrument wird 
schon im 14. Jh. erwähnt ; es ist auch in Afgha- 
nistan unter dem gleichen Namen gebräuchlich. 

Cankela, Gefäßrassel von Kaschmir, aus 
einer Stiel-Trommel mit Holzzarge und zwei 
Membranen, die durch Zickzackschnürung ver- 
bunden sind. 

UerUn, Völk.M. I C 3586. 

Cannang s. Canang. 

Cao, alter Name des Sfing. 

Amiot. . 

Capara, alban. , Becken', v. türk. falpara. 

Ca-pen s. Cung-tu. 

Capey-thom, kambog. großes. 154 cm laiiges 
Guitarreninstrument, das mit kleinen Schlag- 
ringen an den Fingern der rechten Hand ge- 
spielt wird, mit einem 109 cm langen und 7 cm 
breiten, gegen das Ende zu stark gebogenen 



Hals und einem fast kreisförmigen, 7 cm hohen 
und 42x45 cm weiten Korpus Vier 22 cm 
lange Elfenbeinwirbel spannen die vier Darm- 
saiten, die, etwa so stark wie unsere £-Saite, 
paarweise in o,'> 



gestimmt sind. 1 1 Bünde ergeben 




Knosp 158. . , 

Capey-toe, kambog. Cäi Dan Nguyet mit der 
Stimmung 



und 12 Bünden, die folgende Skalen ergeben: 




fffr 



Über die Bünde wird nicht hinausgespielt. 

Knosp 159. 

Capuo, suaheli. kleine Trommel mit zwei 
Fellen ; plur. gleichlautend. 

Ch. Sacleux, Dict. fr?.-swah. 922- 

Capuo ya vumi, suaheh, kleine Trommel des 
für O.-Afrika charakteristischen Typs mit 
einem Fell und drei Füßen; plur. fapuo za 

''"äJa, KwaCa, Schrapinstrument der Wa- 
Sambalä in Ostafrika, aus einem gezahnten 
Reibstock in Verbindung mit einem Resonanz- 
kasten. 

Baumann, Usambara 137. 

Cärga, Sitär von Kaschmir mit Kalebassen- 
körper. Holzdecke. 14 Schnurbünden. 3 Wir- 
beln vorn und 3 seitlich und 6 Drahtsaiten. 

Berlin V61ketkunde-M. Nr. IC 3841. 

Carmand, armen. .Saitenhaltcr'. 
Carp, siam. große Becken mit Buckel und 
breitem Rand. 

Brüssel Nr. 2085. - New- York Nr. 274. 

Carpare s. Calpära. ,-,..■ ,. 

Cärtär ,t>,l^,pers. ,Viersaiter'.In Lahor ist 
Cärtära eine Art Cikära mit vier Drahtsaiten. 

Carumera, jap. Schalmei aus Holz oder Me- 
t-ill mit 7 Grifflöchern vorn und einem 8. hin- 
ten, dem chin. So na gleich. Das Instrument 
wird in Japan hauptsächlich von den bußig- 
keitenverkäufem geblasen. Länge 25 cm, 
Mündungs-Dm. 7 V> cm. 

IMggott 180. - New-York Nr. 2001. 



100 



C ASTAR— CIKU-NO-KOTO 



Caitär, pers. .sechssaitiges' Tanbür. 
Catara = CaStär. 

J.Tod,Music(AnDals and Antiquities of Rajasl'han.voL I,p. 538). 

Cat'han, primitives Se der sibirischen Ka- 
cinzen, mit Hammelknochenstegen. 

Cebuzga, Meöysra, Sebyzga, Ce6ti3ra, 
Schnabelflöte der Kalmücken aus Holz mit 
Bastverband, einer Hülle von durchsichtiger 
Haut darüber und 3 Grifflöchern. Der Ton ist 
sehr hoch. 

Privalov VIII. II, 229. 

Cegrtaljka, Herpra^Ka, Cegrtalja, serbo- 
kroat. .Ratsche'. 

Cehezde, »->#?", pers. Laute mit 8 paar- 
weise gestimmten Saiten, von denen das un- 
terste Paar gelegentlich noch durch eine neunte 
verstärkt wird. 

Kämpier, Engelb., Amoenitatum exoticarum poUtico-physico- 
medicarum fasciculi V, Lemgoviae 1712, p. 744. 

Cekan s. Cakau. 

Cekici, serbokroat. , Hämmer' (Zvecka). 

Cekrk, serbokroat. ,Wirbelkasten'. 

Cekü, jX?», pers. .Plektrum, Bogen, 
Schlägel'. 

Celeb = Tal. 

Cemtyi, Rohr-Querflöte der Nagä (Ost- 
bengalen) mit I Loch. 

Berlin Völkerk. Mus. Nr. 8430/1. 

Cen, jenissei-samoj. , Saite'. 

Castr^n 113. 

Cen s. Yü. 

Ceng, — nicht mit Sfing zu verwechseln — 
ein Se kleineren Formats mit nur 10 — 16, 
meist 15 Saiten über beweglichen Stegen. Das 
Instrument wird bei kaiserlichen Empfängen 
und bei fröhlichen Anlässen dem SS vorge- 
zogen ; die Notierung ist die gleiche. 

Van Aaht 64. — Moule in. — Vgl. Fu k' in. 

Cenga, Tamburin der Kändhä (O.-Vorder- 
indien). 

BerUn, Völkerkunde-Mus. 

Cenk s. Cank. 

Cen ku, chin. Kriegstrommel vom Typus 
des T'ang ku, aber in den Verhältnissen ab- 
weichend ; die Höhe entspricht der Hälfte des 
Durchmessers. 

Moule 59. 

Cep, Man, serbokroat. .Pfropf. 

Ceplanget, nandi , Leopard', Brummtopf für 
die Mädchenbeschneidung, ein mit einer Haut 
zugebundener Wassertopf, durch deren Mitte 
ein mit befeuchteten Händen zu streichender 
Stock geht. Kein Mann und keine unbeschnit- 
tene Frau darf ihn sehen. 

A. C. HoUis, The Nandi, Oxford 190g, p. 40. pl. XVI. 

Cermek, kirgisische kleine Laute mit zwei 
Saiten aus einer einzigen, zurücklaufenden 
Darmschnur, zwei von hinten eingesetzten 



Wirbeln und 8 Darmbünden (Berlin Völkerk. - 
Mus. Nr. 2:04) oder drei Saiten, von der Seite 
eingesetzten Wirbeln und Steg, ohne Bünde 
(Capus). Tagik-Name dnmburak. 

V. Hornbostel in R. Karutz, Unter Kirgisen und Turkmenen 203. 

Cerpatelnyj mjech, HepnaTenbHuft uix'h, 
russ. .Schöpfbalg'. 

Cetär s. Sitär. 

Ceu-po, chin. Langflöte. 

Chac, kambog. .Bogen'. 

Chacra, auch Khat-thäli genannt, sind in- 
dische, leicht konkave, kreisrunde Holz- 
kastagnetten. 

Day 145. 

Charki, hind. Kinderinstrument aus Holz. 

Tagore 4. 

Cheng, mikir .Trommel'. 

Chittika s. Curtar. 

C-hung, kambog. hellklingende Becken mit 
Buckel. 7,5 cm hoch. 17.5 cm Dm., dick 5 mm 
am Rand. 8 mm am Buckel. 

Knosp 156. 

Chutara, hind. Saiteninstrument, das im 
Trio mit Sarud und Sarinda die hegende Unter- 
stimme ausführt [J. Prinsep, Benares, Cal- 
cutta 1S30]; vgl. armen, gouthak. 

Cianuri, grus. Geige. 

Cibuk, alte zentralasiatische Schäferflöte. 

Tvlor. E. B , rrimitive Culture, London 1871, II 188. 

Cibyza s. Cebuzga. 
Cic, altmej. Schnabelflöte. 
Cicikone s. Cliichicone. 
Cieng, annam. ,Gong'. 

Vgl. Thauh Cieng. 

C'ih, chin. alte Bambus-Querflöte; eine 
offene Röhre mit dem Mundloch in der Miite 
und je 3 — 5 Grifflöchern zu beiden Seiten, 
deren Folge, die beiden Mündungen einbegrif- 
fen, eine chromatische Skala ergibt. Das In- 
strument, das besonders in den drei ersten 
Dynastien gebräuchlich war. scheint als 
Stimmpfeife gedient zu haben. Das heutige C'ih 
ist eine Bambus-Querflöte mit 6 Grifflöchern. 

Amiot, nach einer 1596 vom Prinzen Tsai-Vu verfaßten B»* 
Schreibung. — Rekouslr. Brüssel Nr. 865/866. — Moule 74. 

Cih s. Cu. 

Clin = Cäi thap-luc. 

Cikärä M'+I^l- beng. hind. kleines 
Streichinstrument in Rebäbform mit 3 Darm- 
oder Pferdehaarsaiten und außerdem 3 — 9, 
gewöhnlich 5 Resonanzsaiten. Der Bogen 
heißt sargi. Auch s. v. a. Patpati ( ?). 

Vantra-kosha 179. — Day 127. — Vgl, Cärtär. 

Cikäri, Bordunsaiten der Kachapi Vioä. 

Ciku-no-koto, , Bambus- Koto' mit 13 Saiten, 
die mit einem kurzen Bambusstäbchen ge- 
schlagen werden. 

Piggott 109. 



lOI 



CILMANDI— C'UEN LING 



Cilmandi, turkest. Schellentrommel mit 
Ziegenfell in verschiedenen Größen, das wich- 
tigste zur Begleitung der Gesänge und Tänze 
verwendete Instrument der Sarten. ,Der Spie- 
lende hält das Tamburin mit beiden Händen 
und schlägt den Takt mit den Fingern beider 
Hände, wobei das Instrument, besonders wenn 
der Spielende in Ekstase gerät, lebhaft auf und 
nieder bewegt, wohl auch gar in die Luft ge- 
worfen und wieder aufgefangen wird. Daß die 
Sarten in ihrer Weise sehr musikalisch sind, 
beweist der Umstand, daß sie auf die richtige 
Stimmung der Tamburine große Sorgfalt ver- 
wenden. Da im Winter und zur Nachtzeit sich 
die Trommelfelle infolge der Kälte zusammen- 
ziehen, wodurch natürlich der Ton etwas ver- 
ändert wird, so wärmen sie die Tamburine von 
Zeit zu Zeit über Kohlenbecken, die eigens zu 
diesem Zwecke vor den Tamburinschlägern 
aufgestellt werden. Jeder Sarte ist leidenschaft- 
licher Tamburinspieler; kein Aufwärter ist im- 
stande, eine leere Schüssel oder leeren Messing- 
teller über den Hof zu tragen, ohne dieselben 
in der Art eines Tamburins in den Händen zu 
halten und darauf mit den Fingern irgendein 
Tanzmotiv abzutrommeln.' Der Name ist nur 
in Taschkent und nördlich des Syr-Darja be- 
kannt ; südlich, in Samarkand und Buchara, 
herrscht der persische Name Däire. 

V. Schwarz, Turkestao 294. — Capus. — Schuyler, Turkistao 1 131. 

Cin s. K'in. 

Cin-6i-ci, jap. kreisrundes Messing-Gong der 
Bettelpriester. 

New-York Nr. 1804. 

Cin-daul, turkest. Kriegspauke mit becher- 
förmigem Metallkorpus. 

Markneukirchea Nr. 164. 

Cinditi, Oiyenge, Xylophon (Marimba) der 
Loangoneger. 

Mitt. des Herta Bernhard Struck. 

Cing, chin. s. v. a. Miohaäigane. 

Cing, siam. kleine Becken aus Messing mit 
kegelförmigen Buckeln. Im Koreanischen s. 
V. a. Para. 

Brüssel Nr. 2086. — New-Vork Nr. 281. 

Cingongo, Doppelglocke der Bavili (Loango) 
aus 2 eisernen, plattgedrückten Glocken an 
einem eisernen Bügel, die dem vornehmen 
Neger vorangetragen und zum Tönen gebracht 
wird, wenn er sich einem bewohnten Ort 
nähert; auch bei Fetischzeremonien ge- 
bräuchUch. 

Cingrija, HHurpHH, serb. Harfeninstrument, 
V. türk. fengi. 

Cing;ufu, westafrik. Holztrommel in Form 
eines tiefen, oben offenen Kastens, dessen 
Durchmesser nach der Basis zu abnimmt. 
Zwei Schlägel mit Gummiköpfen. Weite 3' 10", 



Höhe 2' 3", Tiefe i'2"— 7". Die Herkunft ist 
nicht angegeben ; wohl Hinterland von Loango. 

New-York Nr. 472. — Eine ähnliche Trommel haben die Kwa- 
kiutl-Indianer auf Vancouvexs Island, Nordamerika (Nr. 1541). 

Ciplayo, ind. Kastagnetten mit Holzgriff 
und Metallscheiben. 

Cirmanda s. Cilmandi. 

Öittika = Curtar. 

Civija, Hhbhh, serbokroat. .Wirbel', nicht 
V. ital. caviglia, sondern von türk. ^wJ>- ilvl. 

Civijiste, serbokroat. .Wirbelbrett'. 

Ciyenge = Cinditi. 

Ciz, -^ , kurd. vulg. .Geige'. 

Aug. Jaba, Dict. kurde-fr?., St. P6t. 1879, p. 137. 

Cob, hindost. , Schlägel'. 
Cogor = Conguri. 
Cong = Cung. 

Conguri, grus. Tanbür zu 2 oder 3 Saiten ; 
kurd. .jiJ^ ->^-^> .cymbale'. 

Aug. Jaba, Dict. kurde-fr?., St. VH. 1879, p. 132. — Vgl. Cangura 

Cor, ostturkistanische Gefäßflöte (Okarina) 
mit Schnabel und zwei Grifflöchern ; Kinder- 
spielzeug. Bei den benachbarten Kirgisen 
kommt — gleichfalls als Kinderspielzeug — 
eine primitivere Form ohne Schnabel vor. 

V. Hornbostelin R. Karutz, Unter Kirgisen und Turkmenen 207. 

C'örna, tibet. große Trommel mit zylin- 
drischem, etwa 60 cm dickem und 20 — 25 cm 
hohem Korpus, die an einem meterlangen 
Handgriff aufgerichtet getragen und mit einem 
sichelförmigen Schlägel gespielt wird. Das 
Instrument ist offenbar nach chinesischem 
Vorbild hergestellt. 

W. W. Rockhill, Notes on the Ethnology of Tibet, Smithsonian 
Report, U. S. National Mus. 1893, p. 745. 

Corp, syrjän. .Viehglocke'. 

Cu, chin. Schlaginstrument in Form eines 
viereckigen, wannenartigen Holzkästchens, 
oben offen und nach unten verjüngt, mit 
einem runden Loch in der einen Wand. Es 
steht auf einem Untersatz im Nordosten vor 
dem Konfuziustempel mit dem Loch nach 
Westen gerichtet, und der Spieler schlägt von 
Osten auf die Innenfläche der Noidwand mit 
einem Hammer Cih, und zwar je dreimal vor 
jeder Strophe der Konfuziushvmne. Dieser 
Hammer war bis zur Zeit der Sung-Dynastie 
(q6o — 1278) im Boden des Instruments einge- 
zapft, und die ihn regierende Hand mußte durch 
das erwähnte Loch hindurchgesteckt werden. 

Van Aalst, Chin. Mus. 73. — Moule 10. — Jap. §OKL'. 

Cü yü s. Yü. 

Cuen kuan, La pa, chin. Bambusschalmci, 
etwa 14 cm lang und i cm dick, mit einfachem 
Rohrblatt und 6 Grifflöchern. 

Moule 96. — \'gl. Tui hsiao. 

C'uen ling, chin. Rassel aus einem hohlen, 
mit Kügelchen gefüllten Ring, der mit einem 



102 



CÜGHÜRTMA— D-KORNETT 



Stock oder mit dem Finger in die Höhe ge- 
wirbelt wird. Die wandernden Ärzte bedienen 
sich ihrer, und nach der Höhe, die sie erreichen, 
wird ihre medizinische Geschicklichkeit ver- 
anschlagt. 

Moule i6. 

Cüghürtma, iJrJi:^, türk. , Pfeife'. 

Cugunnaja rama, MyryHHaH paMa, russ. 
.Eisenrahmen'. 

C'ui ki erh, chin. Spielzeugpfeife aus einer 
hohlen, 2 cm weiten und etwas über Vi cm 
dicken, oben konvexen und unten konkaven 
Messingscheibe mit einer 2 cm langen Handhabe 
an der einen Seite. Spezialität von Hangchow. 

Moule 74. 

Cu ko ku, chin. Trommel mit einem Bronze- 
kessel, der sich nach dem offenen Ende hin 
erweitert. 

New-York Nr. 1704. 

Cum-coe, annam. in den Pagoden verwen- 
dete Kupferbecken mit Buckel. 

Brüssel Nr. 1703. 



Cuna, wend. , Saite'. 
Cundake = Ananda lahari. 
Cung, chin. runde Glocke ohne Klöppel, oder 
besser ein Gong in Glockenform. 

Moule 35. — Vgl. Ko cuDg, Pien cung, Po cung, T^ ciing. 

Cung se, chin. .Glockenklöppel'. 

Cung tu, chin. alte Tempelklapper, aus 12 
etwa 30 cm langen und 2,5 cm breiten Bambus- 
latten, die in der rechten Hand gehalten und 
gegen die linke geschlagen wurden, um den 
Takt der Gesänge anzugeben ; auf jeder Latte 
ist der betreffende Text eingeritzt. Ursprüng- 
lich wird mit dem Namen ein einfacher, etwa 
2 m langer Bambus-Schlagstab belegt, der 
gegen den Boden geschlagen wurde. 

Van Aalst 74. — Moule 12, 

Cungur s. Conguri. 

Curlika, bosnische halbmeterlange Schnabel- 
flöte mit 6 Grifflöchern und ausladendem 
Kopfstück. 

Brüssel Nr. 2357. 

Cyo-kim, korean. Halmflöte. 



D 



D-Fagotte werden von Evette & Schaeffer 
in Paris gebaut. 

D-Flöte, veraltete Bezeichnung der C-Flöte, 
die darauf beruht, daß der tiefste Ton der 
großen Flöte ursprünglich d' war und die 
Folge der Grifflöcher die Z)-(iMr-Tonleiter ergab. 

D-Horn, ein Waldhorn mit der Naturskala 



#^?f¥r%j|i ,!. i . ^^ 



Notiening: 



^^ 



^^ 



r 

Auch mit Ventilen ist es veraltet und wird 
höchstens durch Stimmbogen hergestellt. 



Umfaog: 



Notierung: 



^ 



^ e 
^ 



D-Klarinette, eine besonders in den Militär- 
kapellen gebräuchliche, neuerdings aber auch 



im Opern- und Sinfonieorchester (Walküre, 
Eulenspiegel) verwendete, namentUch für 
lustige Wirkungen geeignete kleine, 5 2 cm lange 
Klarinette. ^^g 



Umfaug: 




Notierung : 



D-Kornett, ein veraltetes Altkomett; 



Umfang; 



Notierung; 



1 ^^ 




Naturskala: 



f^,j^rf#^ 



103 



D-TROMPETE— DALUKA 



D-Trompete. 

1 . Eine Naturtrompete mit dem 



Umfang: 




NoUsung: 



Bis etwa 1750 ist D fast die einzige Trom- 
petenstimmung. 

— 2. Eine Ventiltrompete mit dem 



Umfang: 



Kotierung: 




— 3. Eine um eine Oktave höherstehende 
kleine Trompete, bei der die sog. Kornett- 
notierung — eine Oktave höher — gebräuch- 
lich ist. 



Umfang: 



Notierung: 




Dabbous s. Debbüs. 

Dabdabi, grus. Trommel; nicht von pers. 
deff, sondern von debdebe. 

Daboani, bulg. .Trommel', v. türk. davul. 

Dach = Decke. 

Dachschweller, ein im Anschluß an einen in 
Adlungs Mus. Mcch. Org. I 83 ausgesprochenen 
Gedanken vom Abt Vogler eingeführter, heute 
aber nicht mehr verwendeter Crescendozug an 
der Orgel. Die Pfeifen einer gewissen Gruppe 
von Stimmen werden mit vier hölzernen Wän- 
den umgeben und mit einem aufklappbaren, 
friesgefütterten Deckel verschlossen; durch 
ein Pedal kann dieser Deckel in behebiger 
Schnelhgkeit und Höhe gelüftet und weder 
gesenkt und damit ein reguUerbares An- und 
Abschwellen des Tones der eingeschlossenen 
Pfeifen erzielt werden. Der Hauptnachteil ist, 
daß während der ganzen Bcnutzungsdauer der 
eine Fuß des Spielers in Anspruch genommen 
wird. 

Dachstern = Rose (17. Jh.) 
Da-k'in, chin. , Klavier'. 
Da-daiko, jap. Riesentrommel vom Typus 
des garnroUenförmigen Taiko. Das zyhn- 
drische Korpus hat eine Länge von über i m, 
einen Dm. von 127 und eine Holzdicke von 
7 cm; die überragenden Endflächen mit den 



Fellen messen fast 2 m Dm. Das Da-daiko 
steht auf einem eigenen Gerüst, zu dem ein 
paar Stufen hinaufführen ; hier ist es in einem 
mit Phönix und Drachen dekorierten und mit 
roten Flammen — kwa-yen — gesäumten 
Rahmen untergebracht, den auf einer Stange 
eine große goldene Sonne krönt. Der Spieler 
steht, um mehr Kraft entfalten zu können, mit 
dem Unken Fuß auf der Plattform und mit 
dem rechten auf der obersten Stufe. Das Da- 
daiko wird nur an den höchsten Festen im 
Bugakuorchester an Stelle des Tsuri-daiko be- 
nutzt; Exemplare sind sehr selten. 

Piggolt, The Music . . . of Japan p. 163. — Vgl. Ni-daiko. 

Daera s. Därä. 

Daff s. Deff. 

Dagarä, beng. Trommel, ähnhch dem 
Dämämä, die mit dem Ghäridap zusammen im 
Nahabat, der Hochzeitsmusik, gespielt wird. 
Birnf örmigerTonkessel ; Riemenspannung ohne 
bestimmte Tonhöhe, Schlägel. 

Brüssel Nr. 27. 

Dahare, Dayere, persisch -kaukasische 
Schellentrommel, 48 cm im Durchmesser ; die 
Schellen sind innen angebracht. 

Da-hau, chin. .Posaune'. 

Daibyosi, O-Kakko, ein großes Kakko des 
Kagura-Orchesters, dessen Seiten etwa 46 cm 
Dm. haben. Es wird auf einen kleinen Unter- 
satz gestellt und mit einfachen Schlägeln ohne 
Knopf geschlagen. 

Piggott 167 f. 

Daiko s. Taiko. 

Päina = Tablä. 

Dairadass, turkest. , Schellentrommel*. 

Däire, "ß^-^, flaHpe, pers., arab., türk., 
serb.. alban. Schellentrommel mit meist run- 
dem, seltener achteckigem Rahmen; die Schel- 
len sind innen angebracht. Wegen der acht- 
eckigen Form vgl. Dampha. Die persische 
Däire hat mitunter Ringe, die auf metallene 
Bügel außen und innen aufgereiht sind. Das 
Wort bedeutet Kreis. 

Kämpfer, Engelb.. Amoenitatum exoticarum politico-physico- 
medicarura fasc. V, Lemgoviae 1712, p. 742- — Grus. D.^IRI. 

Dai-80-ko, ,Großes Soko', zur Begleitung 
des Da-daiko, ein Gong von 14" Dm. (nach 
Piggott p. 172), das auf einen besonderen, zwei 
Fuß hohen Untersatz gestellt wird. 

Dak s. Dhak. 

Daekket, dän. ,gedackt'. 

Daksina, skr. s. v. a. Tablä. 

Dalbuljana, AaJiCy.taHa, serb. ,Trommer, v. 
türk. davul. 

Daluka, große Kriegstrommel des Sudans, 
mit 2 Fellen und zylindrischem Schaft. Vgl. 
skr. dholaka und dholuk. 

New-York Nr. 456- 



104 



DÄMÄMÄ— DÄMPFER 



Dämämä, beng. Trommel mit birnenförmi- 
gem Tonkessel und 6inem Fell, die zusammen 
mit der Tikärä im Nahabat, der Hochzeits- 
musik, gebraucht wird. Der Name entspricht 
pers. demäme; auch in Afghanistan kommen 
Instrument und Name vor. Der New- Yorker 
Katalog verzeichnet unter Nr. 213 eine in- 
dische Schädeltrommel als ,Damam'. 

Brüssel Nr. 26. 



Pamaru, -SH^ , skr. beng. hindi Trommel 
von hohem Alter, nach der Legende das In- 
strument des Gottes Siva. Heute wird sie 
nur noch von den Schlangenbändigern und 
Affendresseuren gespielt. Der Schallkörper 
hat Sanduhrform ; die Felle werden mit Schnü- 
ren gespannt. Höhe 10 — 18, Dm 9 — 14 cm. 

Brüssel Nr. 41; Paris Nr. 95O. — Vgl. Huruk. 




DAMARU (tib. CANGTEU) 
aus Tibet im Kgl. Museum für Völkerkunde SU Berlia 

— In Tibet versteht man unter Damaru 
eine kleine Trommel aus zwei im Scheitel 
durch eine Holzplatte verbundenen mensch- 
lichen Hirnschalen, die häufig mit bunten 
Fratzen bemalt sind. Um die Mittclschcibe ist 
ein Band geschlungen und an diesem wieder sind 
mittels kurzer Schnüre zwei kleine Kügelchen 
befestigt. Der Spieler faßt die Trommel mit 
Daumen und Zeigefinger an der Scheibe und 
schwenkt sie derart herum, daß die Kugeln 
gegen die Felle schlagen. .41s Material werden 
meist Kinderschädcl und Schlangenhaut be- 
nutzt. Einem ähnlichen Schlagmcchanismus 
begegnet man in Ostasien. 

Washington Nat. Mus. Nr. 130385, 153363. — W. W. Rock- 
bill; Notes on the Ethnology of Tibet, Smithsonian Reports, 
U. S. National Mu5. 1893, p. 740. 

Dambeg s. Donbck. 

Daihbras, lit. Maultrommcl, v. tanbür ? 

Dambura, grus. , Schellentrommel'. 

Pamiran, -6 HI^»H, , = Damaru. 

Dammbrett s. Kanzellenspund. 

Dämme heißen bei der Orgel im Gegensatz 
zu den beweglichen, langen Schleifen die kür- 
zeren, festen, quer über die Kanzellen ge- 
legten, zum Teil über die Windlade hinaus- 



ragenden Holzlatten, auf denen die Pfeifen- 
stöcke ruhen. 

Engl. BEARERS, fr. FAUX REGISTRES. 

Damong s. Demong. 

Damper, engl. , Dämpfer' (Klavier). 

Damper rod, engl. .Abhebestange'. 

Dämpfer nennt man eine Vorrichtung, die 
entweder dazu bestimmt ist, die Schwingungen 
eines klangerregenden Körpers überhaupt zu 
sistieren und damit den Ton zu ersticken, oder 
sie nur zu vermindern und damit die Stärke, 
Farbe und mitunter sogar Höhe eines Tones 
zu verändern. 

1 . Das Klavier kennt beide Arten der Däm- 
pfung. Dem ersteren Zwecke dienen beweg- 
liche Leisten, die mit Tuch, Wolle oder Filz 
— früher auch mit Leder, Tuch, Wolle oder 
Karsch — bekleidet sind und beim Anschlag 
des Hammers selbsttätig die Saite verlassen, 
um gleichzeitig mit dem Loslassen der Taste 
zurückzufallen und weitere Schwingungen der 
Saite zu verhindern ; eine ähnliche Dämpfvor- 
richtung besaß bereits das Klavizimbel. Da 
die höchsten Saiten ihrer Kürze wegen sowieso 
nicht fortklingen, läßt man bei ihnen die 
Dämpfer fort, um ihr sympathetisches Mit- 
schwingen mit den Tönen der Mittellage nicht 
zu entbehren. Wünscht man alle Töne fort- 
klingen und die nicht angeschlagenen Saiten 
mitschwingen zu lassen, so können durch das 
Niederdrücken des rechten Pedals sämtliche 
Dämpfer aufgehoben und beliebig lange den 
Saiten entzogen werden. Während die ersten 
Hammerklaviere eine Vorrichtung zur Auf- 
hebung der ganzen Dämpfung nicht besaßen, 
brachten die Klavierbauer der zweiten Hälfte 
iS.Jhs. je einen Registerknopf für den Dis- 
kant und für den Baß an. um diesen Zweck zu 
erreichen. Die Kniehebel, die bald neben den 
Registerknöpfen auftauchten, waren eine spe- 
ziell deutsche Erscheinung. Sic hielten sich 
bis zur Mitte 19. Jhs.. nachdem ihnen schon 
am Anfang des Jhs. im Pedal ein leistungs- 
fähigerer Nebenbuhler erwachsen war. 

Dem zweiten Zwecke, der Verminderung 
der Tonstärke, dient heute die durch das Nie- 
derdrücken des linken Pedals bewerkstelligte 
Verschiebung der ganzen Tastatur; es wird 
hierdurch erreicht, daß die Hämmer beim An- 
schlagen nicht alle drei, sondern nur zwei von 
den zu jeder Taste gehörigen Saiten treffen; 
bei zweifachem Bezug wird nur eine Saite, 
bei einfachem nur ein Teil der Saite ge- 
troffen. Für die früheren Systeme vgl. Piano- 
zug. 

2. Bei den Streichinstrumenten ist der 
Dämpfer in der Regel ein kleiner Kamm mit 
gespaltenen Zinken, meist aus Holz, der, auf 



105 



DÄMPFERBRETTCHEN-DARABUKKE 



den Steg geklemmt, die Übertragung der 
Saitenschwingungen auf den Schaukasten be- 
einträchtigt und dem Ton gleichzeitig emen 
verschleierten, aber auch etwas näselnden 
Charakter gibt. Die verbreitete Anschauung, 
daß bei Violoncellen und Kontrabässen Dämp- 
fer unwirksam seien, dürfte sich als ein Vorurteil 
herausstellen, wenn die anzuwendendenDamp- 
fer in ausreichender Schwere hergestellt würden. 
3. Unter den Blasinstrumenten haben eme 
wirksame Dämpfung bisher nur die Kessel- 
mundstückinstrumente erhalten. Abgesehen 
von dem Stopfen mit Hand oder Taschentuch 
wurden besondere Dämpfer in Form einer 
hohlen, leder- oder filzgefütterten Birne aus 
Holz oder Pappe schon im 17. Jh. bei Trauer- 
musiken in das SchaUstück der Trompeten ge- 
steckt, später auch bei Hörnern und neuer- 
dings sogar bei Posaunen und Tuben in An- 
wendung gebracht. Der Ton %vird durch ihren 
Gebrauch erhöht, vertieft oder unverändert 
gelassen. Um bei Benutzung dieses Dämpfers 
den Vorteil des Stopfens nicht entbehren zu 
müssen, hatten die Horndämpfer um 1 800 eine 
Scheibe an einem Draht mit Handgriff, deren 
sich der Spieler zum Verschließen der inneren 
Öffnung bedienen konnte. Eine noch größere 
Abdämpfung des Tons, die sog. Echowirkung, 
wird durch einen doppelkegelförmigen Damp- 
fer erreicht, der dem Ton nur einen engen Aus- 
gang gestattet . Bei beiden Vorrichtungen ist der 
Klang näselnd, im Forte unangenehm quakend. 
Alle Versuche, auch die Flöten- und Zungen- 
instrumente zu dämpfen, sei es durch Ein- 
hüllen des Schallstücks in einen Sack oder 
durch Einführen eines Schwamms, sind un- 
befriedigend geblieben, weil sie nur die Töne 
verändern, die wirklich aus dem Schallstück 
austreten, während alle diejenigen, die durch 
öffnen der Grifflöcher gebildet werden, unbe- 
einflußt bleiben. 

4. Trommeln werden durch Einschieben 
kleiner Tuchstreifen unter die Schnarrsaite, 
Pauken durch Auflegen eines Tuchs oder der 
bloßen Hand, Becken durch Andrücken an 
die Brust gedämpft. 

5. Das Harmonium wird gedämpft durch 
einen Zug, der entweder einen Deckel über die 
Spiele schiebt oder — häufiger — dem Wind 
den Zugang zu dem einen oder andern Spiel 
durch öffnen kleinerer Klappen erschwert. 
Geteilte Dämpfer, für jede der beiden Manual- 
hälften, gibt es nur bei größeren Instrumenten. 
Häufig ist der Zug nicht als Dämpfung (Sour- 
dine) angezeichnet, sondern als Saxophon, 
Violon, Dolce u. a. 

EDgL .. DAMPER, ,. j. MUTE. odl. DEMPER, din. OEM- 
PER, «hw. DAMPARE. fr. i. ETOUFFOIR, =■ 3- SOUR- 



DINE. it. .. SMORZO, ». 3. SORDINO, sp. SORDINA pari. 
SURDINA, russ. DEMFER. poln. TfcUMIK, c. :. DUSITKO. 
1. TEMKA, wend. CfNIDlO, ung. TOMPITO. 

Dämpferbrettchen, s. v. a. Fortedeckel. 

Pampha, beng. Trommel der bettelnden 
Pilger, bestehend aus einer einfachen Mem- 
bran, 56—64 cm im Diirchm., die über einen 
achteckigen Holzrahmen gespannt ist. Sie 
dient zur Begleitung der bhajanas, einer Art 
gesungenen Gebetes. Die auffällige achteckige 
Form kommt auch bei der Däire vor. 

Brüssel Nr. 15; Paris Nr. 943- 

Dan, Holztrommel von N. W. Taui (Mela- 
nesien). 

Dan bau s. Cäi dan bau. 

Dan day s. Cäi dan day. 

Dan ngnyet s. Cäi dan ngnyet. 

Dan nha tro s. Cäi dan nha tro. 

Dan thap lue s. Cäi dan thap lue. 

Dan ti s. Cäi dan ti. 

Danäng, einsaitige BambusvaUha der Ni- 
kobaren. ca. i m lang, mit 3 Bünden und 
2 Schallöchern -.beim Spielen wird sie quer über 
die Knie gelegt. , 

B«lia vaikerk. Mus. I C ...31. - Portmin, AndamaDese Muac. 
Jour. Roy. As. Soc. 1888 p. 197. 

Danbur = Tanbür. 

Dangamut, melan. (Neuhannover) .Holz- 

trommcl'. 

Dangori s. v. a. Nanga (Uganda). 

Danguba = Tanbura za piev. 

Paiikä, 'jCi>, tm- hindi hindost. Trom- 
melschlägel ;tiefe Pauke ; das tiefere der beiden 
Trommelfelle. 

Danskiep, ndl. .Kastagnette'. 

Dansmästarviol.schwed. .Tanzmeistergeige . 

Da nyn, dialekt. für Sgra snyn. 

Daola-daola, eine Holztrommel von N.Nias, 
die außen und innen verschiedene Tone gibt; 
ein Ast dient als Klöppel. 

Leiden Nr. iooj/60. 

Dapdapi, Dapi, grus. .Trommel'; vgl. 
dabdabi. 

Därä, beng. kreisrundes 
Tamburin v. 21— 33cm Dm., 
ähnlich dem Khanganl. das 
mit der rechten Hand ge- 
schlagen wird. Der Name 
kommt augenscheinlich von 
pers. däire. 

Brüssel Nr. 18: Paris Nr. 947. - Vantra- 
ko»hB2io. - Day 141. 

Darabana.rum.. Trommel'. 

Darabukke, '^;->. arab. 
Trommel mit einem bemalten 
Schallkörper aus Ton oder 
Holz in Form einer Vase, 
deren Hals man unter den 




DARABIKKE 
im Conservatoire m 
Brüssel Nr. iiJ.nadi 

MahiUoD I 163 



106 



D Ar AITO ARE— DECKE 



Arm nimmt, während das Hammelfell mit 
beiden Händen geschlagen wird, und zwar ab- 
wechselnd mit der Rechten in der Mitte und 
mit der Linken am Rand. Das Instrument 
steht heute vorzugsweise im Dienst des fahren- 
den Volks. Höhe 13 — 45, Dm. 8 — 32 cm. 

In Slam begegnet man der gleichen Form. 

Däraitoare, rum. .Knarre'. 

Därbala, äJü;^, arab. .Trommel'. 

Däriyäl, 6\>.j^'^, afghan. .Tamburin'; plur. 
däriyälüna, .vwü.iJ. 

Darkun, Schrapstock-Musikbogen der 
Bhuiyär (Mirzapur, N. Indien). 

Oxford. — Balfour, Nat. Hist. of the Musical Bow p. 36. 

Darma = Durma. 

Darmsaite, eine Saite aus zusammenge- 
drehten Schaf- oder besser Lämmerdärmen, 
am besten von Lämmern im Alter von 6 — S 
Monaten. Auch Ziegen-, Reh-, Gemsen- und 
Katzendärme können verwendet werden. 
Unsere Darmsaite ist ein Erbteil der alten 
Mittelmeerkultur, die sich ihrer ausschließlich 
bedient hat. 

Engl. GUT STRING, ndl. DARMSNAAR. dän. TARME- 
STR;ENG, schw. SENSTRANG, fr. CORDE DE BOYAU. it. 
MINUGIA, sp. CUERDA DE TRIPAS, port. CORDA DE 
TRIPA, rät. CORDA DELLA BOGLIA, rum. COARDA DE 
HAT, russ. KISECNAJA STRUNA, polQ. serbokr. STRUNA, 
6. STRUNA ZE STftEVA, lett. SEIDA, ung. BELHÜR. 

Darubiri, Maultrommel von Neu-Guinea, 
aus Holz oder Bambus, am einen Ende spitz 
zulaufend, am andern abgerundet, mit einer 
Schnur an der Zunge, Länge gegen 1 5 cm. Die 
in der westlichen Torres-StraOe früher ge- 
bräuchliche — d a r u b i — war etwas 
größer. 

New- York Nr. 769. 

Darvyra, ngr. Rohr-Langflöte ohne Mund- 
stück mit 6 oder /Tonlöchern in chromatischer 
Folge; das siebente ist nur ein Stimmloch. 

Brüssel Nr. im, 1x14. 

Darway, jj;-^, afghan. Hirtenpfeife aus 
Rohr. 

Darya, V.;-^, afghan. Tamburin. 

Dasiri tamburi s. Tumburu vinä. 

Dasnak, DaSnamour, armen. .Klavier'. 

Dasnakaran, armen. .Harmonium". 

Dasnik, ^aniHiiK. serbokroat. .Windlade'. 

Dau, annam. Bonzenschelle. 

Daulbas, serb. bosn. kleine Kesseltrommcl, 
V. türk. davul. 

Brüssel Nr. 3379. 

Daulbe, ^5'^, kurd. .Trommel". 

Daule, äthiop. .Glocke'. Die Glocke darf in 
Abessinien nur in den Gotteshäusern der 
Staatskirche gebraucht werden und muß in 
den andern durch das Taqa ersetzt werden. 

VtUoteau, Instrumeats de musique des Orientau-T p. 350. 



Daule, alban. .große Trommel', v. türk. 
davul; ngr. daovli. 

Dauwala,Trommeld.Kandi-Häuptlinge(Cey- 
lon) in Sanduhrform mit Zickzackspannung. 

Berlin Völkerk. Mus. 

David, ein Register in der alten Kirche zu 
Wusterhausen ; beim Ziehen dieses Registers 
schlug eine den König David vorstellende 
Figur in der Front mit einem zusammen- 
gerollten Notenblatt den Takt. 

Davidsharfe wird meist mit der Spitzharfe 
identifiziert. Sie stand jedoch im Gegensatz 
zu ihr; man bezeichnete mit Davidsharfe im 
18. Jh. die gewöhnUche dreieckige Harfe ohne 
Pedale. Entweder war sie diatonisch mit 
34Saitenund 
demUmfang: 



w 



I 



=z^ 



oder chromatisch mit weiteren 19 Saiten für 
die alterier- '„^ 



ten Töne: 



^ 



8 
Eiset, J. Ph., Musicus autodidactas, Erfurt 1738, p. 1058. 

Davorija, syriu. (Bcttlcrgeheimsprache) 
.Bogen'. 

Dävul, i3»'-. türk. .Trommel'. 

Dayere s. Daharc. 

Dayra s. Därä. Däire. 

Dayuray, eine sehr kleine Trommel mit Ko- 
kosnuß- oder Bambuskorpus von Mindanao 
(Montcses). 

J, M. Ctotet 10 Blair Sc Robertson. Tbe Philippioe Isl., TOl. 43 
Clevel. 1906. p. 304. — Vgl Diire. 

Dd . . .s. Dh . . . 

Debbüs, (_"■ ■ , pers. arab. .Keule', Der- 
wischrassel aus einem Stock mit Ketten und 
Schellen, gegen ,■'0 cm lang. 

New York Nr. 357. 

Debdebe, *J'-V^. arab. pers. .Lärm'. Wäh- 
rend die Wörterbücher ihm nur eine abstrakte 
Bedeutung geben, bezeichnet Al-Makkari mit 
dem Worte eine Trommel. Diese Bezeichnung 
findet ihre Bestätigung in der grusischen Ent- 
lehnung dabdabi. 

D^cacorde, frz. .Zehnsaiter' ; s. auch .Guitare 
d6cacorde'. 

Dechov6 nästroje, äech. .Blasinstrumente'. 

Decima, lat. ital. ,Dez'. 

Decimanona, ital. ,Larigot'. 

Decimaquinta, lat. ital. .Superoktave'. 

Decke, Dach, das Korpus-Oberbrett der 
Saiteninstrumente. Bei der Geige ist sie aus 
Tannenholz. 

Engl. SOUND-BOARD, ndl. BOVENBLAD. dän. DXK, schw. 
BROST, fr. TABLE, it. COPERCHIO, russ. poln. DEKA, 



107 



DECKEL— DES-FLÖTE 



serbokr. PO KLO P. — Vgl. SchalleUipse, Scballöcher, Schall- 
puDkt, 

Deckel oder Hut nennt man den oberen, 
aus Zinn oder Holz gefertigten Verschluß der 
gedackten Labialpfeifen. 

Engl. STOPPER, fr. CALOTTE. 

Decupla, wohl s. v. a. Mixtur lofach. 
Dedecö, Pansflöte der Philippinen. 

Ztschr. f. Etha. .Will (550). 

Dedil, span. .Schlagring'. 

Dedoublement, frz. .Dublettensystem'. 

Deff, OJ, pers. arab. türk. alban. bosn. 
.Tamburin'. Während das Wort in Ägypten, 
der Türkei und Albanien Tamburin im allge- 
meinen bedeutet, bezeichnet es in Algerien 
eine besondere Art aus einem nach außen zu- 
geschärften viereckigen Rahmen mit zwei 
Fellen, gegen die von innen Darmsaiten ge- 
spannt sind. Der wesentliche Unterschied 
gegen die Däire ist, daß die Schellen bei dieser 
in Ringen, bei jener in Becken bestehen. 

Deffe, iüv>, dual, deffetän, Q-ii->, arab. 
.Trommelfell'. 

Defik, kiü^. kurd. .kleines Tamburin'. 

Dehenizä, Lcder-Plektrum der Baganä in 
Form einer Lanzenspitze. 

Villoteau, Instruments de musique des Orientaux p. 538. 

Dehol, Do hol, ^.i. pers. kurd. Hand- 
Trommel mit Holzzylinder und zwei Fellen, 
die durch Schnüre gespannt werden. 

Brüssel Nr. 690. — Engelb. Kaempfer. Amoenitatum exoti- 
carutn poUtico-physico-medicarum fascV, Lemgoviae 1712, p. 740. 
Vgl. Dhol. 

Dehük, ii^.>. kurd. .Tamburin'. 

Dehül s. Dehol. 

Deka, JleKa, russ. poln. .Decke'. 

Deka resonansowa, poln. .Resonanzboden'. 

Dekachord s. v. a. Zehnsaiter. 

Dekanä, akasele (Togo) .Trompete'. 

Del, i3j>. kurd. .Tamburin'. 

Demäme, iwLeJ. pers. .Trommel, 
Pauke'; bcng. dämämä. 

Demfer, J^eM^Jepi, russ. .Dämpfer'. 

Demi-canon, altfrz. .kleines Qänün'. 

Demi-doussaine, altfrz. .kleine Dulzaina'. 

Demoiselle, frz. ..abstrakt'. 

Demong, ein Saron mit 7 Stäben. 

Dempbortje, ndl. .Dämpferbrettchen'. 

Denbäl, J^-J-^- pers. schlank zylindrische 
Trommel, angeblich aus Indien übernommen. 
Die beiden Felle, mit den Händen geschlagen, 
geben verschiedene Töne. 

Kämpfer, Engelb., Amoenitatum exoticarum politico-physico- 
mcdicarum fasc. V, Lemgoviae 1712, p. 740. 

Denbere, »^O, pers. .Tanbüra'. 
Den-den-daiko, Fächcrtrommcl der japa- 
nischen Bettelpriester von der buddhistischen 



Hokke-Sekte, aus einem mit Haut bezogenen, 
37 cm weiten Holzrahmen und einem an ihm 
befestigten langen Handgriff; das Instrument 
wird mit einem Holzschlägel bearbeitet. 

New- York Nr. 74. 

Dengari = Diudima. 

Denis d'or, ein elektrischer Mutationsflügel 
mit I Pedal, erf. 1730 von dem mährischen 
Prediger Prokop Divis zu Prendnitz bei Znaim. 
..Das Instrument war 5 Fuß lang und 3 Fuß 
breit, mit 790 Saiten bezogen, die 130 Ver- 
änderungen erleiden und dennoch in einer 
Zeit von Dreiviertelstunden gestimmt werden 
konnten. Vermöge dieser Einrichtung konnten 
darauf die Töne ziemlich aller Blas- und Saiten- 
instrumente nachgeahmt werden. Auch war 
ein unzeitiger und ortswidriger Scherz dabei 
angebracht, indem der Spieler des Instruments 
so oft einen elektrischen Sclilag erhielt, als der 
Erfinder es wollte. Das einzige Exemplar, 
welches Diwiß verfertigte, kaufte der Prälat 
von Brück. Georg Lambeck. an sich, der dann, 
solange er lebte, zu dessen Spiele einen beson- 
deren Tonkünstler unterhielt." 

Schilling 11 387. 

Deniz, slov. .Flötenstöpsel '. 

Denyere [?], in MaSona (Brit. Südafrika) ge- 
bräuchlicher Name der Bania. 

Denz s. Deniz. 

Derbuka = Darabukke. 

Derevjannyj Instrument, JtepeBHaHHUö hh- 
CTpyMeHTT,. russ. .Holzblasinstrument'. 

Derika, die Büffellederriemen, mit denen 
das Tabil turki geschlagen wird. 

Villoteau, Instruments de musique des Orientaux p. 527. 

Derk, südchin. = So-na. 

Derkä6, .I^epKam., ruth. .Schnarre'. 

Dernoboi = Sotang. 

Derwischtrommel, s. Tabla el-musaher, 
Tabla cl-darauäa. 

Des-Flöte, fälschlich auch £5-Flöte genannt, 
weil ihr tiefster Ton es ist. eine im Mihtär- 
orchester gebräuchliche große oder kleine 
Querflöte, die einen halben Ton höher steht 
als die gewöhnliche große oder kleine Flöte. 

8-1 



Umlang: 



Notierung: 



$ 



^ 






108 



DES-OBOE— DIAGONALBÄLGE 



Des-Oboe, eine Oboe in der kleinen Ober- 
sekunde der gewöhnlichen, die gelegentUch 
für Harmoniemusiken hergestellt wird. 



Des-Trompete. 



Skala: 




Notrerang: 



Dessauerbratsche, erf. 1901 v. H. Dessauer 
in Linz, eine Bratsche mit Geigenmensur, die 
es jedem Geiger gestatten soll, ohne Verände- 
rung der Griffart Bratsche zu spielen. Auch 
die technischen Möglichkeiten des Instru- 
ments werden gesteigert. Die Hauptnach- 
teile des Systems, die notwendige Abspreizung 
des linken Arms, die der beim Spiel der ge- 
wöhnlichen Bratsche gleich ist, und die Ent- 
fernung der Bogenansatzstelle, die noch 
weiter als früher abliegt, suchte im folgenden 
Jahre Dr. Max Großmann in Berhn dadurch 
zu vermeiden, daß nicht nur das Griffbrett, 
sondern auch das Korpus die bei der Violine 
übhchen Längenabmessungen erhielten, wäh- 
rend der Schallkörper nach der Seite zu etwas 
verbreitert (25 cm gegen früher 23,2 cm) und 
Zargen und Wölbung ein wenig erhöht wurden. 
Dessauer hat auch zur Erzielung eines größeren 
Tonvolumens die Oberhälfte einer gewöhn- 
lichen Bratsche — Decke und Zargen in halber 
Höhe — stufenartig auf eine weiterauslandende 
Unterhälfte — Boden mit Zargen in voller 
Höhe — gesetzt. 

Z.f.I. XXII, 1901/02. - H. Pessauer, Die Verlwsserungs-Ver- 
suche beim Bau der Viola (Bratsche), Berlin (1912). 

Dessus, frz. .Diskant'. 

Detz s. Dez. 

Deum = Tom-tom. 

Deusawd, wal. .Kontrabaß'. 

Deutsche Flöte = Querflöte. 

Deutsche Guitarre = Cister. 

Deutsche Leier = Drehleier. 

Deutsche Mechanik, Wiener Mechanik, 
eine Hammerklaviermechanik von Joh. Andr. 
Stein in Augsburg (Mitte 18. Jhs.), bei der die 
Auslöser nicht auf einem besonderen Hebel, 
sondern auf den hinteren Tastenenden stehen. 
Ihr Ton ist oft trocken, spröde, unelastisch, 
mitunter geradezu xylophonartig. 

Deutsche Mensur, die Führung der Klavi- 
chordsaiten über eine einzige gerade oder gewun- 
dene Stegleiste statt über drei getrennte Stege. 

Deutsche Normalklarinette, eine Kombina- 
tion der Böhmklarinette mit dem Klos^'schen 
System, von Mollenhaucr und Kunze (1890), 
mit Ringklappen auf allen Grifflöchern. 

Z.f.I. XI 329. 



Deutscher Baß, ein Halbbaß mit 5 oder 6 
Saiten. 

Deutscher Bogen (Dresdner), ein Kontra- 
baßbogen mit sehr hohem Frosch, der es ge- 
stattet, zwei bis drei Finger unter den Bezug 
zu bringen. 

Frz. ARCHET X LA DRAGONETTI. — Vgl. Franiösischer 
Bogen. 

Deutsche Teilung besitzt ein Harmonium, 
dessen Diskant bei c^ beginnt. 

Dew, ,__vj, kurd. .Tamburin', v. pers. i_JO. 

Dewäir, j'i>>. plur. v. däire. 

Dez, Dezem, alte Bezeichnung der Terz 

3V6'- 

Dezembaß, eine im Pedal disponierte Dez. 

Dezima s. Dez. 

Dezimenflöte =; kleine Es- (fälschlich F-) 
Flöte. 

Dezimentrompete, s. v. a. Trompete in 
hoch Es. 

Dge-gling = Rgya-gling. 

Phak, Dhakkä. 6911 . beng. skr. fast zy- 
lindrische Trommel, die früher im Kriege, 
heute dagegen nur bei religiösen Festen ge- 
braucht wird. Die beiden Felle sind mit Rie- 
men und Ringen gespannt und werden mit 
zwei Schlägeln bearbeitet. Länge 68 — 73, 
Dm. 40 — 52 cm. Die starke Ähnlichkeit mit 
der altägyptischen Kriegstrommel fällt auf. 

Brüssel Nr. 37; Paris Nr. 931. — Vgl. Gay»(ihakka. 

Dha-man, Ladak-Dialekt für Ida-man. 

Dhanustata, hind. , Streichinstrumente'. 

Dhaunsä, Vf Itij, hindi , Pauke". 

Dhol (hindi, pukhto), Dhola (skr. beng.) 
61c<1' Fest-Trommel mit faßförmigem Kor- 
pus und zwei mit Riemen gespannten 
Fellen, von denen aber nur das linke — die 
Trommel wird quer um den Hals gehängt — 
geschlagen wird, und zwar mit einem Schlägel. 
Länge 33—59, Dm. 19— 38 cm. 

Vgl. Voraghii.^ 

Pholaka, 61^*=^. skr. beng. Trommel mit 
gewölbtem Schallkörper aus Holz und mit 
zwei Fellen, die mit Schnüren und Kupfer- 
ringen gespannt werden. Länge 38 — 69. Dm. 
19 — 24cm. Dimin. dholaki. 

Brüssel Nr. 33: New-York Nr. 165; Paris Nr. 935. 

Dholki, ein kleineres Dhol. namenthch von 
den Frauen in Dekkan gebraucht. 

Dholuk, ind. Trommel mit einem Fell. 

Dhombaka, Dhomka, afghan. (pukhto) 
.Tamburin. Pauke, Gong', von pers. donbek. 

Dhurki, bengalischer Waldteufel. 

Di s. Ti. 

Diable des Bois, frz. ,Waldteufer. 

Diagonalbälge s. Querbälge, Spannbälge. 



109 



DIAOKTON— DIPLO-KITHARA 



Diaokton heißt in der Orgel ein auf das 
gleiche Manual wirkender Oktavkoppler. 

Diapason, l. frz. .Stimmung, Stimmgabel, 
Oktave'. — 2. engl. .Bordunsaite, Prinzipal'. 
Open Diapason = Prinzipal, Stopped Dia- 
pason = Geduckt. — 3.span. .Resonanzboden'. 

Diapason dolce, engl, sanft intoniertes Prin- 
zipal. 

Diapason- J aulin s. Harmonica Jaulin. 

Diapason normal, frz. .Pariser Stimmung' 
(fli = 870). 

Diapasorama, ein Stimmapparat aus 16 
Stimmgabeln, 1826 von Matrot konstruiert. 

Diaulos, öiavXoi, hat im Griechischen nie- 
mals existiert. Die Annahme des Namens 
Diaulos für den Doppelaulos ist falsch. Da- 
gegen hat es das Wort Diauha als Bezeichnung 
der Aulos-Zwischenspiele in Gesangsstücken 
gegeben. 

Dibo, Trommel mit Kuskushaut-Mcmbran 
von Mac Cluer-Golf (nordwestl. Neuguinea). 

Abb. Die Forsobungsreise S. M. S. ., Gazelle", Berlin 1889, 1. T. 33, 
Kg, 3, 

Dichordium, ein im 15. Jh. gebräuchliches 
Trumscheit mit 2 Saiten. 

Diclilavy ^ Zeiilava. 

Didokas smuikas, lit. .Bratsche'. 

Didysis bubnas, lit. .Pauke'. 

Didysis smuikas, lit. .Kontrabaß', 

Didysis trimitas, lit. , Posaune'. 

Diese, frz. cigentl. erhöhte Note. .Obertaste'. 

Diezmonovena, span. .Larigot*. 

Diff = Deff. 

Digital Harp s. British Harp Lute. 

Digongo, akasele (Togo) .Trommel'. 

Dihavka, J^HxasKa. serbokroat. .Ausblas- 
klappe', 

Dikut, malay. s. v. a. Bikut. 

Dilrubä, .Herzräuber', eine neuere Form der 
Särangi, die namentlich in Nordindien von Di- 
lettanten gespielt wird, mit 4 Stahlsaiten in 
G. g. c, f und 15 Resonanzsaiten (c — c^ dia- 
tonisch), mit 20 Bünden in folgender Reihe 
(für die /-Saite). 



^^^^^^ 



Meist wird die Melodie nur auf der höchsten 
Saite gespielt. 

SIMG. V 351 (Abraham u. v. Honibostel), 

Dimbek s. Dinbik. 

Cl. J. Rieh, Narr, of a Resid. in Koordi&tau, Loüd. 1836, 1 170. 

Dimbga N-dimbga. 

Diminuendozug s. Crescendozug. 

Dimplipipo.Dimplipito.grus. kleine, paar- 
weise verwendete Pauken mit Tonkörper, 
Schnurspannung und zwei Schlägeln, Andrer 



Name nagara. Höhe 20 — 25 und 18 — 24 cm 
Dm. 18 — 20 und 10 — n cm. 

Brüssel Nr. 678; New- York Nr. 329. — Vgl. Dümbelek. 

Dimuggemuk, veraltete hölzerne Schlag- 
stäbe der Marschallinseln. Maße des Exem- 
plars im Florentiner Museum: Länge 18. Dicke 
1,8 — 3,2 cm. Die Mädchen sitzen in zwei 
Reihen und schlagen mit ihrem Holz das des 
Gegenübers. 

Kraus, Di alcuni strumeati musicali etc. p. 35 f. 

Dinbik, |j)vjÖ^. kurd. .Tamburin'; pers. 
donbek. 

Dipdima, l3lU3T-r(r). skr. beng. Tamburin 
mit 6inem Fell . ähnlich dem Khangani. 
Dm. 14 — i4y^cm. 

Brüssel Nr. 17: Paris Nr. 946. 

Ding, .Langer Geist', eine bis zu zwei Meter 
lange Rohr-Querflöte der Papuas auf Neu- 
guinea, die nur 6inen, durch einen mehr oder 
weniger tief eingeführten Kolben modifizier- 
baren Ton gibt und — bei den Beschneidungs- 
festen — in zwei verschiedengestimmten 
Exemplaren gleichzeitig geblasen wird. 

Berlin, Ethn. Mus. VI 10914a. — V. Schmidt-Ernsthauseo, 
Ober die Musik der Eingeboreoea voQ Deutsch Neu-Guinea, 
VfM. VI 27J. 

Ding-8a, tibet. kleine, etwa 5 cm weite 
Lama-Becken zum Hausgebrauch, die an 
einer kurzen Schnur so aufgehängt werden, 
daß ihre Ränder zusammengeschlagen wer- 
den können. Sie sind mit dem ind. Mandirä 
identisch. 

W. W. Rockhill, Notes on the Etbnot of Tibet, Smithsonian 
Rep. U. S. Nat. Mus. 1893. p. 745. 

Dingwinti, Brummtopf der Zauberdoktoren 
vom unteren Kongo, aus einem Pulverfaß, 
über dessen Öffnung eine Haut gespannt ist. 
Im Mittelpunkt dieser Haut ist init einer Saite 
ein Stück Rohr befestigt, das mit den Fingern 
gestrichen wird. 

W. H. Bentley, Dict, and Graaun, of the Kongo Langua^ 
London 1887, p. 64. 

Dinni, eine flache Kesselpauke der saivi- 
tischen Bettelmönche in Mysorc (S. Indien). 

Day 142. 

Dintara, viersaitiges Streichinstrument der 
Khassiya (Ostbengalen), mit Membrandecke; 
Cikäratypus. 

Berlin, Volkerk. Mus. Nr. I C 24 833. 

Diololi, wolof (scneg.) .Glocke'. 

Dipala, J^HnaJia. s. Diple. 

Dipla, rum. .Viuline'. serbokroat. ,^IIIIJIa, 
.Sackpfeife'. 

Diplasion s. Doppelflügel. 

Diple, /^unJie. serbokroat. .Sackpfeife'. 

Diplice, dipliCice, flanjiBije, ,iliinjiH<iBue, 
diin. v. diple. 

Diplo-Kithara, geb. um 1800 von Ed. Light, 
eine Spitzharfe mit je 23 Drahtsaiten auf bei- 



IIO 



DIRECTION PINS — DISKANTSCHWEGEL 



den Seiten, rechts zur Melodie, links zur Be- 
gleitung. 

Dublin, National Museum. 

Direction-pins, engl. .Klappenleiter'. 

Direct ribs s. Rib. 

Disc valves, engl. s. v. a. Plaques tour- 
nantes. 

Disdiapason, engl. .Superoktave'. 

Disdisdiapason = Oktave i'. 

Dishi s. DiSi. 

Diskant wird im allgemeinen ein die hohe 
Tonlage beherrschendes Instrument genannt, 
dessen Haupttöne in die ein- und zweigestrich. 
Oktave fallen. Bei den Kesselmundstück- 
instrumenten sind als Diskante diejenigen zu 
bezeichnen, deren zweiter Partialton b oder 
c' ist. 

Engl. TREBLE, ndL SOPRAAN, dän. russ, DISKANT, fr. 
DESSUS, it. SO PRANG, sp. TIPLE. 

Diskantbassanello, Länge ca. 80 cm, 



m 



^ 



Umfang: 

Praetorius27 (24). 

Diskantbomhart = 
Diskantcornamuse, 



Umfang : 



^ 



Schalmei. 




Praetorius 27 (24). 

Diskantfagott, im 17. Jh. das kleinste Fagott 
mitdemUm- ^o 

fang: l li> I ^ ' ^^ P= 



^ 



Brüssel besitzt ein spanisches Diskant- 
fagott, das eine Quinte tiefer steht (Nr. 
2328). Diskantfagotte wurden gelegenthch 
noch im 18. und in der i. Hälfte 19. Jhs. 
gebaut. 

Fr. BASSON OTTAVINO, it. FAGDTTO PICCOLO. 

Diskantflöte, 

I. Der Diskant der Blockflötenfamilie. Im 
16. Jh. ist 
der Umfang: p^ 



Im 17. Jh.: 



Im 18. Jh. 




Flautino alla 

vigesima se- 

conda. 



Gemeine oder 
Quartflöte. 



In Walthers Lexikon S. 247 wird die Quart- 
flöte mit der Altflöte verwechselt. 



2. Der Diskant der alten Querflötenfareilie. 
Im 16. Jh. ist 
seinUmfang: 



$ 



Im 17. Jh.: 



m 



Diskantgeige, der Anf. 17. Jhs. in Deutsch- 
land gebräuchüche Name der Violine. 
Diskantkonrertina. 8 



Umfang: 



Diskantkornett, Halbes Kornett, nennt 
man eine nur durch den Diskant eines Manuals 
geführte Kornettstimme. 

Diskantkrummhorn, 

_4- 




Umfan 



i 



^ 



Praetorius 27 (24), T. XIII, Fig. «. 
Diskantlade, eine Windlade, auf der nur 
Diskantpfeifen stehen. 

Diskantlaute, eine kleine Laute mit der 

Stimmung 



Praetorius 30 (27), 60 (51). 

Diskantoboe s. v. a. Oboe. 

Diskantpommer = Schalmei. 

Diskantposaune, bis ins 18. Jh.dickleinstePo- 
saunenart, in derOberoktave derGemeinenRech- 
ten Posaune, die indessen niemals recht in Auf- 
nahme kam und fast stets durch den alsMelodie- 
instrument brauchbareren Zinken ersetzt wurde. 
Sehr häufig wurde — soauch vonPrätorius — un- 
ter Diskantposaune die .\ltposaune verstanden. 

Diskantprinzipal, Prinzipaldiskant, ein 
erst bei c' beginnendes Prinzipal. 

Diskantrackett, Büchsenhöhe 12 — 18cm, 



Umfang: 



m 



^ 



Praetorius 27 (24). T. X, Fig. 8. 

Diskantschalmei = Schalmei im engerenSinne. 
Diskantschryari, unten geschlossen, Länge 
ca. 42 cm ; 



Tiefster Ton: 



Praetorius 27 (24), T. IX. 

Diskantschwegel, 55 — 60 cm lang. 



Umfang : 




Praetorius 24 (21). 



III 



diskantsordune-dobaCi 




Diskintsordune, 

Umfang: 

Prtetorius 26 (23). 

Diskantsteg, der als Sattel der Diskant- 
saiten dienende Metallsteg, der an die Kante 
des Klavierstimmstocks angeschraubt ist. 

Diskanttrompete = Trompete 4'. 

Diskanttuba = Fliigelhorn. 

Diskant-Viola da braccio, Anf. 17. Jhs. s.v.a. 
Violine. 

Diskant-Viola da gamba ^ Violetta piccola. 

Diskantvioline ist um 1700 s. v. a. Violine. 

Diskantzither, i . eine Streichzither mit der 
Violinstimmung 



(Jrt [" rJ 



=P 



2. bisweilen auch die gewöhnliche Schlag- 
zither. 

Disposition nennt man die Anordnung eines 
Orgelwerks, vor allem die Auswahl und Zu- 
sammenstellung der Register und Spiclhilfen. 

Engl. PLAN, ndl. DISPOSITIE, fr. DISPOSITION. 
Vgl. Simplifikationssystem. 

Distinette, ein kleiner Apparat aus elasti- 
schen Metallplättchen zum Ersatz der Ka- 
stagnetten, erf. 1878 von Henry John Distin 
in London {Pat. Nr. 762, 23. Febr. 1876, 
Nr. 3650, 18. Sept. 1876) und seiner Zeit in 
England und Frankreich sehr verbreitet. 

Brüssel Nr. 880. 

Distributeur m^canique s. Cornet Arban- 
Bouvet. 

Disi, Trommel der Newar, ähnlich dem 
Dholuk. 

A Campbell, Notes on the Musical Instruments of the Nepalese 
(Journ. of the Asiat. Society of Bengal VI. 11 Nr. 11.) 

Ditale, ital. , Ringpiektrum'. 

Dital Harp ^ British harp-lute. 

Ditanaklasis, erf. 1800 von Matth. Müller in 
Wien, ein vertikales Hammcrklavicr, dessen 
wesentlichster Unterschied gegenüber dem 
alten Pyramidenklavier in der tieferen Lage- 
rung des Bezugs besteht ; die Saiten wurden 
fast in der Mitte angeschlagen, ein Umstand, 
dem die besondere Tonschönheit des Instru- 
ments zugeschrieben wurde. Der eigentliche 
Grund für diese Rückung war, daß Müller sein 
Klavier ursprünglich für zwei Spieler baute, 
die an getrennten — im Oktavabstand ge- 
stimmten — Tastaturen einander gegenüber- 
saßen, also durch das Gehäuse voneinander 
geschieden waren und eben nur durch dessen 
Tieferlegung und überdies durch eine Ein- 
ziehung seines oberen Abschlusses in die Mög- 
lichkeit versetzt wurden, sich zu sehen und zu 
verständigen. Auch als Müller, um einen 



größeren Absatz zu haben, seine Ditanaklasis 
mit einer Klaviatur baute, behielt er die tiefe 
Lage bei und gab damit das Prototyp des 
Pianino. Der Pianist Joh. Posch hat sich 
seinerzeit sehr für das Instrument eingesetzt 
und es auf seinen Konzertreisen gespielt. 

AMZ. III 254, IV 158, V 583, 867. — New-York Nr. 3256. 

Diungdiung, wolof (Seneg.) große Königs- 
trommel. 

Divcik, XIhb<ihk, serbokroat. ,Hals'. 

Divided soundboard, engl. ,Geteilte Wind- 
lade'. 

Divinare, eine gedackte Labialstimme zu 4'. 

Division Viol, engl. (17. Jh.) .kleine Baß- 
viola da gamba'. Divisions hießen in England 
die raschen Läufe, mit denen in Variationen 
u. dgl. das Thema umspielt wurde. 

Dizala, serbokroat. , Hebewerk'. 

Djandjingan = Garantong. 

Djaouak s. Guwak. 

Djarupei, kleine Bambusflöte von S.O.- 
Borneo mit 3 Grifflöchern, 28 cm lang. 

Leiden Nr. 781/119. 

Djedjaok, schmale, spitzzulaufende Bam- 
bus-Maultrommel der Mentawei-Inseln. Eine 
kurze, im spitzen Ende befestigte Schnur wird 
mit dem Mund gehalten, eine im entgegen- 
gesetzten Ende festgemachte längere mit der 
einen Hand straff gezogen und mit der andern 
gezupft. 

Leiden Nr. 835/10. 

Djimba, Zanza aus dem Aruwimi-Gebiet 
(Bclg. Kongo) mit einem ausgehöhlten Holz- 
korpus in Form einer halben Melone, einer 
mit eisernen Klammern befestigten Decke 
und 5 Messingzungen. 

Brüssel. Mus. du Congo A U XI 47, 4g (unter der Bezeichnung 
Marimba). 

Djimpai = Safe. 

Djodjo, Trommel der Fulbe (Senegal) — wie 
es scheint — in Sanduhrfonn. 

Heinr. Barth, Reisen u. Entdeck, in N. u, C. Afrika 1849—55, II 53. 

Djoering s. Djuring. 

Djolite, alban. Violine, v. ital. violino. 

Djouäk s. Guwak. 

Djubsä, Rassel von Tschamba aus einem 
kegelförmigen Rohrgeflecht. 

Berlin, Völkerk. Mus, III C 17640. 

Djungkih, dajak. s. v. a. Giriding. 

Djuring, Maultrommel mit Resonanzbam- 
bus von Lampong (Südostsumatra). 

Dmag-dung, tibet. .Jagdtrompete'. 

Jäschke, Hwb. d. tib. Spr , Gnadau 1871. 

Do, ind. Tamburin. 
Do, Holztrommcl von Siar. 
Dob, ung. , Trommel'. 

Doba£i, ein hervorragend schönklingendes 
japanisches Tcmpelgong in Form eines tiefen. 



1X2 



DOBBELT-PEDAL-HARPE — DOMBRA 



ungefähr halbkugeligen Napfes, der mit der 
Öffnung nach oben auf einem Kissen ruht und 
mit einem Holzklöppel geschlagen wird. Dm. 
20 — 43 cm. 

Brüssel Nr. 3104; New- York Nr. 86, 1540. 

Dobbelt-Pedal-Harpe, dän. .Doppelpedal- 
harfe'. 

DobbeltTunge.däu. .Doppelrohrblatt, Rohr'. 

Dobdab = Debdebe. 

Dobhärtya, ung. .Trommelfell'. 

Do-biosi s. Do-byoBi. 

Dobkas, ung. .Trommelkasten'. 

Doblado, span. s. v. a. Doppione. 

Dobos, /^o6oin, serbokroat. illyr. .Große 
Trommel'. 

Dob-palcza, Dob-veszsz6. ung. , Trommel- 
schlägel'. 

Do-byosi, jap. Tanz-Becken von leicht ko- 
nischer Form mit umgestülpten Rändern. 

New- York Nr. 75. 

Docena, span. .Quinte'. 
Docke, der auf dem Hinterendc der Cemba- 
lotaste frei stehende, innerhalb des Siebs auf- 
und absteigende Holzpflock, in dem die Reiß- 
zunge befestigt ist. 

Engl. JACK, dän. ST0DER, fr. SAUTEREAU, it. SALTA- 
RELLO, sp. MARTINETE. — Abb. im Art. .Cembalo'. 

In der Orgel nennt man Docken die kleinen 
abgerundeten Hölzchen an beiden Seiten der 
Wellenbretter, die die Wellenstifte tragen. 

Engl. STUD, fr. CRAPAUDINE. 

Dockenklavier = Klavizimbel. 

Dockenloch, ein Loch in der Mitte der 
Orgeldocken, in dem sich die Wellenachsen 
bewegen. 

Dodekachord s. v. a. Zwölfsaiter. 

Doedelzak, ndl. .Sackpfeife'. 

Doeri s. Duri. 

Dof = Deff. 

Döff I. s. Deff. — 2. Eine veraltete 4' Prin- 
zipalstimme. 

Dogori, Fußtrommel der Zaramo (Deutsch 
O.Afr). 

Dohol s. Dehol. 

Doiflöte s. V. a. Doppelflöte. 

Dokaku, jap. s. v. a. Hao-t'ung. 

Doko, südchin. jap. kleines Gong, das an 
einem Ständer aufgehängt und gewöhnlich 
zu dreien gebraucht wird. 

PiggoU 173. 

Dol(;aina = Dulzaina. 

Dolcano s. Dulzian. 

Dolce, eine sehr weiche, streichende Orgel- 
Solostimme zu 8' mit Zinnpfeifen von etwas 
weiterer Mensur als Salizional und gewöhnlich 
konischem, nach unten verspitztem Bau. 

Beim Harmonium versteht man darunter 
eine Baßstimme zu 4 oder 8', mitunter aber 




DOLI-DOLI 
Nach E. Modigliani, Viaggio a Nias. 
Milaoo 1890, p. 565. 



auch ohne eigene Zungen die Ableitung eines 
klingenden Registers. 

VgL Dolcissimo. 

Dolce melo, ital. , Hackbrett'. 
Dolce suono, ital. .Fagott. Dulzian'. 

Praetorius 44 (38), 

Dolcian s. Dulzian. 

Dolciano, in deutschen Orgelwerken eine 
offene Holzflötenstimme. Nicht mit Dulzian 
verwechseln ! 

Görlitz, Frauenkirche (Buckow.) 

— In italienischen Werken s. v. a. Dulzian. 

Dolcino, ital. , Dulzian'. 

Dolcissimo, ein besonders zart intoniertes 
Dolce. 

Dole s. Dhol. 

DoH-doli, Xylo- 
phon der Insel 
Nias, ein Frauen- 
instrument, be- 
stehend aus 3 
oder 4 Holzstäben 
mit halbkreisför- 
migem Profil, die 
über einem in die 
Erde gegrabenen 
Loch als Resonanzhöhle mit zwei Klöppeln 
geschlagen werden. Die Stäbe sind 32 — 39 cm 
lang. 

Florenz Nr. 5787,9635: Leiden Nr. 1002,59, 1620,40. — Vgl. 
Tjalang. 

Doljni, floAHH, serbokroat. , Boden' {Sai- 
teninstr.). .Fuß' (Flöte). 

Dolkan = Dolce. 

Dolkanflöte s. Dolzflöte. 

Dolla, Kesselpauke der Kändhä (O. Vorder- 
indien). 

Berlin, Völkerkundemtiseum. 

Dolzflöte. I. um 1600 eine Querflöte mit 
Kern im Anblaseloch, also eine seitlich ange- 
blasene Blockflöte. 

Fr. FLUTE TRAVERSIERE Ä BEC. 

.■^.nf. 19. Jhs. wurde gelcgcnthch auch die 
gewöhnliche Querflöte Dolzflöte genannt. 

2. In der Orgel ist Dolzflöte oder Dol- 
kanflöte eine meist 8'. selten 4' offene La- 
bialstimme mit ziemlich enger Mensur und 
sanftem Ton. heute gewöhnlich aus Holz. 

Ndl. FLUIT-DOUX. fr. FLUTE DOUCE. it. FLAUTO DOLCE, 
lat. TIBIA ANGUSTA. 

Dombek s. Donbck. 

Dombrä, Dumbrä, von tanbüra. nennen die 
Kirgisen ihr Dutär. das sich durch einen im 
Umriß dreieckigen, in der Tiefenerstreckung 
flachen, zwischen Bauch- und Zargenform ver- 
mittelnden Holz-Schallkörper auszeichnet. Das 
ostjakische Naras-jux und die russische Maul- 
trommcl heißen ebenfalls gelegentlich Dombra . 

V. Hornbostel in R. Karutr, Unter Kirgisen und Turkmenen 197. 



Sacbi 



113 



DOMO- DOPPELFLÖTEN 



Domo nennen die Bangba und Mayogu die 
Spannrutengui tarre. 

Domper, ndl. .Dämpfer'. 

Dompfaffenorgel = VogelorgeL 

Domra, floMpa, russ. Lauteninstrument 
mit rundem Korpus, langem Hals und 3 Draht- 
saiten, die mit dem Piektrum 6£epo£ka ge- 
spielt werden. Drei Größen: DomriSko, 
Domra, Domra bolßajabasistaja. 
Name und Instrument sind von der tanbüra 
abzuleiten, die nach Ibn Dast's Zeugnis den 
Slaven schon im 10. Jh. bekannt war, während 
die russischen Quellen sie erst im 16. Jh. er- 
wähnen. Nachdem die Domra im 17. Jh. eine 
hervorragende Rolle am Zarenhof gespielt 
hatte, mußte sie gegen 1700 vor den Angriffen 
der Geistlichkeit aus der eigentlichen Kunst- 
musik zurückweichen. Vgl. kalmück. domr, 
kirg. dumbra, ostjak. dombra, mongo!. 
dombur, grus. dungur. 

OauHHquBi,, ^oypa, CIIB. 1891. 

Domra bolsaja basistaja, floMpa CoJimaH 
ÖacHCTaH, russ. .Baßdomra'. 

Domrilko, JJoMpuuiKO, russ., Kleine Domra'. 

Domus organaria, lat. , Orgelkasten'. 

Don, ,Geschenk', nannte C. E. Friederici in 
Gera (1709 — 80) den Nachtigallenzug, den er 
seiner Vaterstadt Merane in Sachsen schenkte. 

Don, annam. .Musikinstrument'. 

Don phong, annam. , Orgel'. 

Donax, dövai. griech. , Rohrpfeife'; dövai 
vnoXvQio;, Steg (Lyra). 

Donbek, liLo-i, persische becherförmige 
Handtrommel vom Darabukke-Typus mit 
6iner Membran (Rehhaut oder Blase), 27 bis 
43 cm hoch und 21 — 25 cm weit, aus Holz oder 
■Ton. Der Becherfuß wird in der Achselhöhle 
gehalten. 

Kämpfer, Eogelb., Amoeaitatum exoticarum politico-physico- 
medicarum fasc. V; „H6c vel solo genere, quasi ruricolis verna- 
eulo, festivilates suas ci-lebrant palmicolae, sociatis plausibus 
& volanim collisiombus, quibus concinentes coavivac saltantium 
IQ scenÄ vigorem & metra promovent." 

Dongke = Giriding. 

Dö nhac, annam. .Musikinstrument". 

Donnerzug, ein veraltetes Orgelregister zur 
Nachahmung des Donners. Man sollte dies 
und ähnliche Register nirht immer Spielereien 
nennen; ihre Existenz war und ist z. T. noch 
heute aus uralten Traditionen der Passions- 
feier heraus begründet. 

Fr. PEDALE D'ORAGi;. iL TUONO. 

Doogdooga s. Dugdiiga. 

Doppelbälge, die Kombination von Schöpf- 
bälgcn, die den Wind aus der Atmosphäre 
schöpfen, und Magazinbälgen, die ihn von 
ihnen empfangen und den Pfeifen zuführen. 
F. W. Galpin [An Old English Positive Organ, 
The Musical Antiquary 191 2] hat einen Dop- 




pelbalg — mit diagonalem Magazin — bereits 
bei einem englischen Positiv von 1629 nach- 
weisen können. 

Engl DOUBLE BELLOWS. 

Doppelbordun, ein doppelt labiertes Ge- 

dackt. 

Doppelchalumeau s. Doppelschalmei. 

Doppelfagott, im 17. Jh. ein ca. 135 cm hohes 
Fagott mit dem Umfang 

(Quartfagott) 

oder 

(Quintfagott) 



Doppelflageolett, ein Instrument aus zwei 
ungleichen Flageoletts mit gemeinsamem 
Mundstück, in England am Anfang des 19. Jh. 
von William Bainbridge und Wood gebaut, 
aber schnell wieder außer Gebrauch gekom- 
men. Die linke Pfeife hatte 7 Löcher vom und 
1 hinten, die rechte 4 auf der Vorderseite ; in 
der Regel gingen die beiden Pfeifen in Terzen. 
Später wurde eine V^orrichtung zur beliebigen 
Ausschaltung der einen Pfeife angebracht. 

Bainbridge & Wood, Tbe Preceptor for B. & W.'s patent flute 
flageolet, Lond. 1800. — Pat. Nr. 2693, 2. April 1803; Nr. 3043, 
14. Mai 1807: Nr. 3308, 26, Febr. 1810; Nr. 439g, 4. Okt. 1619. 
Vgl. Tripelflageolett. — Engl. DOUBLE FLAGEOLET, waL 
ADBERELL. 

Doppelflöten im weiteren Sinne s. u. Doppel- 
pfeifcninstrumente. — Im engeren Sinne 
nennen wir Doppclflöten natürlich nur die 
Doppelpfcifeninstrumentc, die aus zwei wirk- 
lichen Flöten zusammengesetzt sind, und 
zwar aus zwei Schnabelflötcn. da ja Querflöten 
und mundlochlose Langflöten technisch dem 
Bläser das gleichzeitige Anblasen zweier 
Stücke nicht gestatten; vgl. jedoch Chamber 
Flute orum. Abgesehen von den Doppel- 
pfcifen, die schon in vorgeschichtlicher Zeit 
vorkommen und heute noch in Ostasien eine 
Rolle spielen, reicht die eigentliche Geschichte 
der Doppelflöte nach dem heutigen Stande 
unseres Wissens vom 16. bis zur Mitte 19. Jhs, 
Es ist aber als sicher anzunehmen, daß das 
Mittelalter bereits die Doppelflöte kannte, 
einmal aus den im Artikel Doppelpfcifen- 
instrumentc angeführten Gründen, dann 
aber auch, weil Doppclschalmcicn nachweisbar 
schon viel früher in Gebrauch waren. Die bei- 
den ältesten erhaltenen Exemplare der Doppel- 
flöte, eine im Schweizerischen Landesmuseum 
zu Zürich und eine in All Souls' College zu Ox- 
ford, beide aus dem 16. Jh., repräsentieren 
nicht denselben Typus. Bei der Züricher Flöte 
liegen die 14 Grifflöcher der Vorderseite paar- 
weise dicht nebeneinander, jedes Paar in einer 



114 



DOPPELFLÜGEL— DOPPELLAUTE 



kleinen Vertiefung, so daß ein bequemes 
Decken beider Löcher mit einem Finger — 
denn selbstverständlich können sich bei 14 
Löchern die beiden Hände nicht in die zwei 
Pfeifen teilen — ermöghcht wird. Es ist klar, 
daß diese Züricher Flöte eine AkkordflöLc ist. 
Im Gegensatz dazu haben die Oxforder Fiöten 
nur je 4 Grifflöcher vorn und l hinton, die 
nicht paarweise zusammengestellt und zu je 
zwei für einen Finger bestimmt, scmdern 
völlig voneinander getrennt sind und ein jedes 
seinen eigenen Finger beanspruchen, zumal 
die Löcher der rechten Pfeifen weiter nach 
unten liegen als die der linken ; die Pfeifen 
haben Quintabstand. Es läßt sich ohne wei- 
teres nicht entscheiden, in welcher Weise hier 
die Duplizität ausgenutzt ist ; die Feststellung 
nur läßt sich machen, daß bereits im 16. Jh. 
mehrere Formen der Doppelflöte existicit 
haben, daß also schon damals die Doppelflötc 
eine Vergangenheit gehabt haben muß. In 
der Folge erweist sich der Typus der Akkoid- 
flöte als der lebenskräftigere; bis Anf. IQ. Jls. 
behauptet er das Feld. Im iS. Jh. spielt der 
Basler Meister Christian Schlegel eine gewisse 
Rolle in der Geschichte der Doppclflöte; die 
Landsleute hielten ihn sogar für den Kründcr 
[Basel Nr. 58]. Die Blütezeit des Doppel- 
flageoletts im I. Viertel 19. Jhs. schließt die 
Geschichte der Doppelflöte ab. Ganz neuer- 
dings (1901) haben A. Krantz und A. Meyer 
in Genf eine Doppelflöte herausgebracht. 

In der Orgel ist Doppelflöte oder Duiflöte 
eine offene Holzpfeifenstimme mit doppelten, 
nebeneinander oder gegenüber angebrachten 
Labien und Kernspalten, gewöhnlich zu 8'; 
ihr Ton ist heller als der der einfachen Flöte. 

Vgl. Akkordflöte. Albogon, Albogue, Chirimaya. Dvojnice, 
FUchflö(e, Kaval, Koänay, Pugyi, Svirjeli, Sveran, Zaijrjka. 

Doppelflügel s. Vis-ä-vis. 

Doppelgeige, gelegentlicher Name der Viola 
d'amore. 

Vgl DoppelvioUne, 

Doppelglocke, eine bei den Negern gebräuch- 
liche Form der Glocke, aus zwei einfachen 
eisernen, klöppellosen Glocken, die entweder 
durch einen gemeinsamen hufeisenförmigen 
Bügel oder durch ein mit Rotan überwickeltes 
fensterkreuzartiges Rahmenwerk verbunden 
sind ; selten liegen die Glocken statt neben- 
aufeinander. In allen Fällen sind sie nach 
Größe und Stimmung verschieden. Die erste, 
wichtigste Form ist in W. -Afrika (Togo usw.) 
und Z. -Afrika (Lunda usw.) heimisch, die 
zweite fast ausschheßlich in Kamerun, die 
dritte nur in Oberguinea. Hölzerne Doppel- 
glocken kommen in W. und O. -Afrika vor. 

AnkermaaD, Aii. Mi. — Vgl Longa, N'goma oa suma. 



Doppelguitarre, eine im 19. Jh. (i. Hälfte) 
gebaute Guitarre mit 6inem Korpus, das auf 
der einen Seite Bezug, Hals und Griffbrett 
einer gewöhnhchen und auf der entgegen- 
gesetzten die einer Terzguitarre trägt. 

Heyer Nr. 607. 

Doppelharfe, im 16. — 18. Jh., eine Harfe 
mit aulrechtstehcndcm Resonanzboden und 
doppelter Darm-Besaitung, die eine voll- 
ständige Chromatik gestattete. 



Linker Bezug: 
Rechter Bezug: 



¥ 



w- 



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i.i-''-^U 



Doppelhorn, ein Duplexinstrument, das die 
Verbindung eines F- und eines B-Horns dar- 
stellt, das also den warmen, blühenden Ton 
des einen mit der leichten Höhe des andern 
vereinen soll. Die neuesten Lösungen des Pro- 
blems stammen von Ed. Kruspe in Erfurt 
(1899) und von Gebr. .\lexander in Mainz 
(1906), deren Doppelhorn ein S-Horn mit Zu- 
satzröhren für die F-Stimmung ist und das 
durch diese Vereinfachung der Konstruktion 
die beiden Haupthindernisse für die Verbrei- 
tung desDoppelhorns.die Höhe des Preises und 
die des Gewichts, in willkommner Weise ver- 
ringert. 

Doppelklappe, die Einrichtung je zweier 
Kanzcllenöffnungen mit den zugehörigen Ven- 
tilen für die größten Pfeifen. 

Doppelklarinette, bestehend aus zwei zylin- 
drischen Kanälen in einem Holzkorpus mit 
besonderen Klarinetten-Mimdstücken, Deck- 
hebelmechanik und zwei Klaviaturen, etwa in 
der Mitte des 19. Jhs. konstruiert. 

Brüssel Nr. 1959: Berlin. 

Doppelklavier, Diplasion, ein Klavier mit 
getrennten Klaviaturen für zwei Personen. 
Hierher gehört das Vis-ä-vis von Stein (1758) 
und das Hofmann'sche Klavier (Gotha 1779) 
mit zweimal zwei Klaviaturen, die auch für 
eine Person gekoppelt werden konnten ; ferner 
die Ditanaklasis. Heute bauen Pleyel, 
Lyon & Cie. in Paris Doppel flügel. 

Doppelkortholt, s. v. a. Choristfagott. 

Doppellabium s. Doppelflöte (Orgel). 

Doppellade, eine Windlade mit doppelten 
Kanzcllcn. 

Doppellaute, Laute mit zwei Hälsen, einem 
kürzeren zu 8 und einem längeren zu 6 Wir- 
beln, von denen 7 zweichörige Saiten ausgehen. 
Statt der Wirbelkästen hat das Instrument 
Wirbelplatten wie die Guitarre. 

MüDchea Nr. 115. 



115 



8» 



DOPPELLOCH— DOPPELPFEIFEN. INSTRUMENTE 



Doppelloch des Fagotts s. Stiefelstück. 
Doppelmandoline, eine Mandoline mit 2 Häl- 
sen vom Anf. 19. Jhs. 

Heyer Nr. 660. 

Doppeloktavkoppel, eine Vorrichtung zur 
gleichzeitigen Ankopplung der Ober- und der 
Unteroktave an die gespielte Taste. 

Doppelpedalharfe, die meistgebrauchte mo- 
derne Harfe, wie sie bereits 1782 in ihren 
Grundzügen von P.-J. Cousineau in Paris er- 
dacht und 1820 nach langen Versuchen von 
Scb. Erard endgültig festgelegt wurde. Ihr 
Bezug steht innerhalb des Umfangs 



^ß 



diatonisch in Ces-dur. Jedes der 7 im Fuß der 
Harfe untergebrachten Pedale kann nun durch 
den Fuß halb oder ganz niedergedrückt und 
festgestellt werden ; im ersten Falle wird der 
betreffende Ton der Ces-dur-Tonleitcr durch 
alle Oktaven um einen halben, im zweiten um 
einen ganzen Ton erhöht, so daß bei Wahrung 
des diatonischen Grundcharakters der Harfe 
nicht nur alle Halbtöne vorhanden, sondern 
sogar doppelt vorhanden sind, je nachdem sie 
Kreuz- oder ß-Töne sind ; die Doppelpedal- 
harfe ist in dieser Hinsicht mit dem alten Uni- 
versalklavizimbel verwandt. Das Fortepedal, 
das im Resonanzboden Schallöcher öffnete, ist 
wegen seiner Unwirksamkeit heute aufgegeben 
worden. Domcny in Paris hat die Erard'sche 
Harfe um die Jahrhundertmitte verbessert. 

Engl. DOUBLE ACTION HARP, ndl. DUBBELPEDAAL- 
HARP, dän. DOBBELT-PEDAL-HARPE, schw. DUBBEL- 
PEDALHARPA, wal TELYN DDEaNWYF, fr. HARPE A 
DOUBLE MOUVEMENT. it. ARPA CON DOPPIO MOVI- 
MENTO, port. HARPA DE MOVIMENTO DUPLO. 

Doppelpfeifeninstrumente, meist Doppel- 
flöten schlechtliin genannt, obschon die Schal- 
meien unter ihnen zahlreich vertreten sind, 
mögen, soweit wir heute sehen können, eben- 
so alt sein, wie die einfachen Pfeifeninstru- 
mentc; ihr Gebrauch ist bis in die graueste 
Vorzeit nachzuweisen. Für die Forschung er- 
geben sich zunächst zwei Teilungsprinzipc, 
erstens nach dem Zweck der Doppelung, zwei- 
tens nach der Form der Doppelung. Der Zweck 
kann einmal auf harmonischem, dann auch 
auf melodischem Gebiet liegen. Dem harmo- 
nischen gehört 

I. die Schwebungswirkung an, die alle Dop- 
pelpfeifen im engeren Sinne umfaßt, also die- 
jenigen, die nicht durch Grifflöcher verkürzt 
werden können und ausschließlich Signal- 
zwecken dienen. Die Schwebungen, die sich 



durch das Anblasen zweier annähernd gleich 
gebauter Pfeifen ergeben, erhöhen ihren prak- 
tischen Wert, indem sie den Ton durchdrin- 
gender und schneidender machen. Daß diese 
Tatsache schon früh erkannt worden ist, be- 
weisen prähistorische Knochen-Doppelpfcifen, 
die man in Kalifornien gefunden hat ; ähnliche 
kommen auf arabischem Boden vor. Hierher 
gehören ferner das jap. Ammano-fuye und 
das annam. Ken doi. Wichtiger ist 

2. die Bordunwirkung, die durch das unver- 
änderte Mitklingen der linken Pfeife erreicht 
wird. Der Bordun wird in die gewünschte 
Tonhöhe entweder durch die Ver^vendung von 
Ansatzstücken gebracht (Arghül) oder durch 
das entsprechende Öffnen und Verschließen 
von Tonlöchern (Zummära). In diese Gruppe 
gehören auch die Sackpfeifen mit Stimmern. 
Die modernste Klasse verfolgt 

3. eine regelrechte Zweistimmigkeit, die 
durch den Terzabstand der einander gegen- 
überliegenden Grifflöcher beider Pfeifen er- 
zielt wird. Diese Klasse umfaßt die Akkord- 
flöten, die seit dem 16. Jh. nachweisbar sind 
und Anf. 19. Jhs. in England eine letzte Blüte 
erlebten, und die gelegenthch vorkommenden 
Doppelchalumeaux und Doppelklarinetten. 

Dem melodischen Gebiet gehören 

4. diejenigen Doppelinstrumente an, deren 
Pfeifen die Rollen zweier Register spielen. 
Hierher gehören einmal enghsche Doppelblock- 
flöten des 17. Jhs. von Dumblcby, die der 
Echowirkung dienten, ,,a fashion of having 
two pipes of the same note fastened together, 
so as I can play on one and then echo it upon 
the other, which is migthy pretty" ; hierher ge- 
hören aber wohl auch manche Aulosartcn, 
deren eine Pfeife zur Begleitung der Gcsangs- 
melodie, die andere zu Zwischenspielen diente. 

Nach dem andern, f 01 malen Einteilungs- 
prinzip ergeben sich drei Gruppen: 

1 . Beide Pfeifen sind völHg getrennt (Auloi). 

2. Beide Pfeifen sind einzeln gearbeitet, aber 
fest miteinander verbunden (Zummära). 

3. Die Pfeifen sind in das gleiche Stück Holz 
gebohrt (.Xkkordflötc). 

Der Anblasemechanismus ist als Teilungs- 
prinzip in diesem Fall nur von sekundärem 
Wert, 

Eine Entwicklungsgeschichte der Doppel- 
pfeifeninstrunientc kann heute kaum gegeben 
werden ; dazu fehlen vor allem noch die \'or- 
arbeiten für das wichtige osteuropäische Ge- 
biet. An dieser Stelle sei nur bemerkt, daß der 
Verfasser sich der mißtrauischen Haltung 
Buhics (S. 37 ff) gegenüber dem Vorkommen 
der Doppelllöte im abendländischen Mittel- 
alter nicht anschließen kann. Das Schweigen 



116 



DOPPELPOSAUNE— DOS 



der literarischen Quellen ist nicht beweis- 
kräftig, da doch sogar die speziellen Instru- 
mentenkunden des i6. und 17. Jhs. von Dop- 
pelinstrumenten nichts erwähnen, obschon 
sich Exemplare aus dem 16. Jh. erhalten ha- 
ben. Andrerseits gibt es auch aus dem spä- 
teren Mittelalter genug Abbildungen von Dop- 
pelpfeifen, die, realistisch und völlig unanti- 
kisch, einen unbestreitbaren chronistischen 
Wert haben. 

Vgl. Doppelflöte, Doppelschalmei, Sarus, Tutatsu-biosi. 

Doppelposaune s. Oktavposaune. 

Doppelrohrblatt, in der Praxis meist kurz 
Rohr, nennt man das kleine, oben flach lin- 
senförmige, unten kreisrunde Anblaseröhrchen 
der Oboen, Fagotte und verwandter Instru- 
mente, das durch zwei aufeinander gepaßte, 
oben zugeschärfte und unten um eine kleine 
Messingröhre, den sog. , .Stift" oder ,, Stiefel", 
zusammengebundene Rohrblättchcn gebildet 
wrd. 

Engl DOUBLE REED, adl. DUBBEL RIETJ E, dan. DOBBELT 
TUNGE, fr. ANCHE DOUBLE, it. ANtIA DOPPIA, Ep. LEN- 
GOETA DOBLE, port. PALHETA. 

Doppelrohrflöte, eine Rohrflöte mit dop- 
pelten Labien und Kernspalten. 

Doppelschalmei. Die Vereinigung zweier 
Schalmeien zu einem Doppelinstrument ist 
die im ganzen häufigste und wichtigste Form 
des Doppelpfeifentypus. Sie beherrscht den 
antiken Mittelmeer-Kulturkreis (Auloi mit 
ihrer Ante- und Deszendenz), sie spielt eine 
hervorragende Rolle bei den Völkerschaften 
Asiens und Nordafrikas (Arghül. Zummärn, 
Doppelsänäi,Tubri,Cäi ken doi)und sie scheint 
auch für das europäische Mittelalter die Haupt- 
form gebildet zu haben. Ein besonders schönes 
Beispiel bietet der Loutrell Psalter vom Anf. 

14. Jhs. mit zwei völlig getrennten Pfeifen 
(.^bb. Galpin 170). In der Neuzeit ist die Dop- 
pelschalmei in den Hintergrund getreten. Aus 
dem 17. Jh. hat sich ein Doppelchalumeau er- 
halten, das unter dem Namen Bifistula im 
Museo civico zu Bologna aufbewahrt ist: 
zwei aneinandergesetzte, mit Leder überklci- 
dete Chalumeaux, deren Grifflöcher nach Zahl, 
Disposition und Tonhöhe verschieden sind. 
Schließlich gehört hierher auch die Berliner 
Doppelklarinette (s. d.). 

Vgl Arghül, As-it, Cäi kea doi, Duda, Laimedda, Mashura, 
Meigiwiz, Saruae, Sendiu, Tui hsiao. — Abb. bei .Sändi*. 

Doppelte Auslösung s. Repetitionsmechanik. 

Doppelte Expression s. Expression. 

Doppeltrompete, konstr. 1788 von Charles 
Clagget in England: eine Es- und eine D-Trom- 
pete mit gemeinsamem Mundstück und 
I Schalt-Drehventil. 

Ch. Clagget, Musical Pbeuomeoa 1793. — Fat. Nr. 1664, 

15. Aug. 1788. 



Doppelviolinen in Form zweier Violinen mit 
gemeinsamem Boden wurden im 19. Jh. ge- 
legentlich gebaut, z. B. von Schneidenbach in 
Khngenthal und von Jos. Nicolas in Mirecourt 

1855- 

Heyer, Nr. 895; Prag. 

Doppelzither, ein schon im i8. Jh. gebauter 
Zithertypus mit zwei Griffbrettern und zwei 
Bezügen in verschiedener Tonlage neben- 
einander. 

Doppelzugposaunen kann man diejenigen 
Kontrabaßposaunen nennen, bei denen der 
Versuch gemacht ist, durch die Verdopplung 
des vom Zugmechanismus regierten Röhren- 
teils die Tonlage des Instruments zu ver- 
tiefen, ohne die Ausziehweite zu vergrößern. 
Nicht Halary, wie allgemein angenommen 
^\^rd, ist ihr Erfinder. Der erste Vorschlag 
nach dieser Richtung ging 1816 von Gottfried 
Weber aus. Er regte an, vier Schenkel statt 
der gewöhnlichen zwei nebeneinander anzu- 
ordnen, derart, daß durch einen Zug nicht nur 
zwei, sondern alle vier Schenkel um das ge- 
wünschte Stück ausgezogen, mit der gleichen 
Mühe also doppelte Arbeit verrichtet würde 
(AMZ. XVni 749). Webers Vorschlag scheint 
zuerst nicht verwirklicht worden zu sein. Erst 
von Halary in Paris weiß man, daß er um 1830 
eine Kontrabaßposaune in F mit Doppclzug- 
mechanik baute. In den 6oer Jahren ließ 
Wagner für den ,Ring' von C. A. Moritz in 
Berlin eine Kontrabaßposaune nach dem 
gleichen Prinzip bauen. In den 80er Jahren 
hat Fontaine-Bcsson in Paris das System auf- 
genommen ; bei ihm sind die vier Schenkel so 
eng nebeneinander gesetzt, daß sie nicht mehr 
Raum einnehmen, als sonst zwei ; zum Schutz 
hat er am Ende noch einen blinden Abschluß- 
bogen aufgesetzt. Man baut auch Doppelzug- 
posaunen in der Weise, daß die vier Schenkel 
nicht in einer Ebene nebeneinander liegen, 
sondern zu je zwei übereinander. Auch Sax, 
Distin und Goodison haben sich um den Bau 
der Doppelzugposaune verdient gemacht. 
Engl, DOUBLE SLIDE TROMBONE, fr. TROMBONE A COU- 
LISSE DOUBLE. 

Doppioni, eine bei Zacconi und bei Prätorius 
vorkommende Instrumentenbezeichnung, die 
neuerdings auf die Krummhörner bezogen 
wird. 

Curt Sachs, Doppioue und Dulxaioa (Sammelbände der Int. 
Mus.-GeseUschaft XI 590a.). — Sp. DOBLADOS. 

Dora, jap. korean. Gong, Dm. 28 — 46, das 
Tamtam unseres Orchesters, in China früher 
das Instrument der Nachtwächter. 

Mailand Nr. 3; New- York Nr. 80, 81. — Chin. LO. 

Doromb, Dörömb, ung. ,Maultrommer. 
Dos, gael. , Stimmer' (Sackpfeife). 



117 



DOSA— DRAHTSAITE 



Dosa = Sona Rappa. 

Dolo, chin. Blasinstrument {Flöte ?) von 
2' Länge, das während der Tong-D>Tiastie 
zuerst als Spielzeug, dann als wirkliches In- 
strument sehr gebräuchlich gewesen sein soll ; 
in Japan hat es eine größere Verbreitung nie- 
mals finden können. 

Piggott 150. 

Doteku, jap. Bronzegong in Glockenform 
mit Holzhammer. 

New- York Nr. 2002. 

Double als Beiwort von Organ, Regal, Harp- 
sichord usw. bedeutet im älteren Englisch 
,i6füßig'. 

Double action, engl. .Repetitionsmechanik' 
(Klavier), , Doppelpedalmechanik' (Harfe). 

Double action harp, engl. .Doppelpedal- 
harfe'. 

Double banked, engl, .zweimanualig'. 

Double bass, engl. , Kontrabaß'. 

Double bassoon, engl. .Kontrafagott'. 

Double contrebasse, frz. .Subkontrabaß'. 

Double curtall, engl. ,Doppelkortholt'. 

Double diapason-open, engl. .Prinzipalbaß'. 

Double dulciana, erf. v. Bishop um 1828, 
eine Manualstimme zu 16' mit offenen Metall- 
Flötenpfeifen. 

Hopkins 113, 

Double 6chappement, frz. , Repetitions- 
mechanik'. 

Double expression s. Expression. 

Double feeder, engl. Doppelschöpfbalg mit 
getrennten Untcrplatten. 

VgL Cuckoo Feeder. 

Double hautboy, engl. ,Oboe i6". 

Double-mains, frz. .Oktavkoppler'. 

Double mouvement, frz. .Repetitions- 
mechanik'. 

Double open diapason, engl. .Prinzipalbaß'. 

Double slide trombone, engl. .Doppelzug- 
posaune'. 

Double stopped diapason, engl. .Bordun'. 

Double tierce, frz. ,Dcz'. 

Double touch, erf. vor 1855 von dem Eng- 
länder Aug. L. Tamplin, eine Vorrichtung am 
Harmonium zur Verstärkung des Tons durch 
kräftigeren Niederdruck der Taste, also eine 
Übertragung des Klavieranschlags auf das 
Harmonium. Sie ist namentlich auf den 
Mustel-Harmoniums zur Anwendung gelangt. 

Vgl. AkientkoppeU 

Double trompet, engl. .Posaune', in der 
Orgel .Trompete 16', Tuba'. 

Doublette, frz. .Superoktave 2"; engl, ein 
zweifaches Mixturregister, das die Doppel- 
und die Tripeloktave gibt. In Deutschland 
laufen unter diesem Namen auch Quinten- 
und Kauschquintcnstimnicn. 



Doublophone, ein Duplexinstrument von 
Fontaine-Bcsson in Paris {1890), die Kom- 
bination eines dreiventihgen Barytons mit 
einer Ventil-Tenorposaune. Die äußere Form 
ist die des Barjiions mit einem zweiten, im 
Winkel abgebogenen Schallstück für die Po- 
saune. Die Röhren für beide Instrumente 
sind völlig getrennt, so daß die Posaune ab- 
geschraubt und das Baryton allein benutzt 
werden kann ; die gemeinsamen Ventile ver- 
sehen je zwei voneinander getrennte Zusatz- 
röhren, eine für die Posaune, eine für die Tuba. 
Ein viertes Ventil, dessen Ausziehhaken vom 
Daumen der buken Hand bedient -mid, 
schaltet die Tuba aus und die Posaune ein ; 
beim Loslassen geht es selbständig in die 
Ruhelage zurück. Ton und Umfang ent- 
sprechen denen der Einzelinstrumente. Das 
Doublophone gehört zu den wertvolleren 
Duplexinstrumenten, weil jedes der beiden 
kombinierten Instrumente seine eigenen Ven- 
tilbögen hat, also das enger mensurierte In- 
strument nicht mit Bögen vorheb nehmen 
muß, die auf die Weite des andern eingerichtet 
sind. 

Vgl. DuplextDStrumente. 
Douceine, altfrz. = Dulzaina. 
Doucemelle = Dulcimer. 
Doucet, mittelengl. .Blockflöte*. 
Dou-co s. Cäi-nhi. 

Douda, JJoyAa, altslaw. .Sackpfeife'. 
Douganh s. Dugaü. 
Doula s. Dhol. 

Doulcemelle, altfrz. .Hackbrett'. 
Doulcine [G. Coquillart. 15. Jh.] = Dou- 
ceine, Dulzaina. 
Douri s. Duri. 
Douron s. Duron. 
Douroun s. Durun. 
Doussaine, altfrz. = Dulzaina. 
Dowcemere, engl. (1400) .Hackbrett'. 

Tht Squ>T of Lowe Degrc, line 1075, — Galpin 64. 

Downward striking action, engl. .Abwärts- 
schlagendc Mechanik'. 

Draailier, ndl. ,Drehleier'. 

Draaiorgel, ndl. .Drehorgel'. 

Draaiorgeltje, ndl. .Vogelorgel'. 

Drabek, sauja kabyl. plur. v. Derbuka. 

Dragbasun, schwed. , Zugposaune'. 

Dragspil, norw. .Ziehharmonika'. 

Drahtgeige = Nagelgeige. 

Drahtharfe = Spitzharfe. 

Drahtsaite, die speziell für gerissene und ge- 
schlagene Instrumente verwendete Saitenart. 
In Europa zuerst im 14. Jh. in Süddeutsch- 
land verfertigt, wurde sie bis ins 19. Jh. hinein 
vorwiegend aus Kupfer, Messing oder Eisen 
hergestellt. Heute nimmt man Gußstahl; 



118 



DR A-NY AN— DREHLEIER 



übrigens berichtet schon 151 1 Virdung, man 
beziehe bei den Klavichorden „dye oberem 
mit den stehehn saiten". Einen langen Artikel 
über ihre Herstellung, von Max Albert, findet 
man bei Mendel-Reißmann III 228. 

Engl. WIRB STRING, ndl. METAALSNAAR, dän. METAL- 
STKENG, schw. METALLSTRANG, fr. CORDE DE METAL, 
it. CORDA DI METALLO, poln. DRÖCIANA STRUNA, Ittt. 
STIHGA. 

Dra-nyan = Pi-wang. 

Draw-stop, engl. , Registerzug'. 

Drdralo, slov. , Ratsche'. 

Drehklappe, eine moderne Form der Blas- 
instrumentenklappe, die mittels einer zwischen 
Hebel und Löffel eingeschobenen Welle be- 
wegt wird. Erfinder ist Ed. Skorra in Berlin 
(Bathyphon 1839). 

KngL KEY ON ROD, fr. CLEF Ä TRINGLE. 

Drehklavier, ein Klavier, bei dem der 
Ta.stenniederdruck nicht durch die Finger ge- 
schieht, sondern durch die Stifte einer rotie- 
renden Walze oder die Einschnitte eines eben- 
falls rotierenden Bandes ; eine Kurbel besorgt 
die Rotierung. Die Erfindung ist nach Mer- 
senne Anf. 17. Jhs. gemacht worden, wie es 
sciieint, in Deutschland. 

Drehleier, Radlcier, eins der wichtigsten 
mittelalterlichen Streichinstrumente: über 
einen Schallkörper in Lauten-, Guitarren- oder 
Violenform laufen eine oder zwei im Einklang 
gestimmte Melodiesaiten, die durch federnde 
Stoßtasten verkürzt werden, und zwei oder 
vier Bordunsaiten, die stets die gleichen zwei 
Töne ergeben ; alle Saiten werden gleichzeitig 
durch ein harzbestrichenes Kurbelrad ge- 
strichen. 



die den diatonischen Umfang von einer Oktave 
ergaben. Das 18. Jh. gab dagegen dem Instru- 
ment bis zu zwei Oktaven chromatisch. Für 





DREHLEIER 
mit Lautenkorpus, im Besitz des Verf 

Nach einem Traktat aus dem 10. Jh. (Od- 
donis Quomodo organistrum construatur, in 
Gerbcrt Script. I 303) hatte die Drehleier, die 
damals noch sehr groß war und über beide 
Knie gelegt wurde, ja mitunter sogar von 
zwei Spielern bedient werden mußte, 8 Tasten, 



Drebtangentcn Stoßtangentea 

ij. Jh. 13 Jh- 

DREHLEIERMECHANIK 
nach Galpia, Old English lostrumeots of Music 

die älteste Zeit (10. — 12. Jh.) war der Name 
Organistrum der alleingebräuchliche; er 
machte für die zweite Hälfte des Mittelalters 
den Bezeichnungen Armonie und Sympho- 
nie — davon korrumpiert Chif onie — Platz. 
Daneben begegnen Sambuca oder Sam- 
buca rotata und Zampugna. Der Name 
Vielle, mit dem die Drehleier noch heute am 
häufigsten belegt wird, 
kommt im 15. Jh. auf, 
als das Streichinstru- 
ment, das ihn bisher 
getragen hat,den neuen 
Namen V i o 1 e an- 
nimmt. Die Beschei- 
dung, die in dem Auf- 
heben eines weggewor- 
fenen Namens liegt, 
ist charakteristisch für 
die Mißachtung, der die 
Drehleiermit dem Aus- 
gang des Mittelalters 
verfiel. Die Schrift- 
sjjj, steller des 16. Jhs. hal- 

ten es überhaupt für 
unnötig, das Instrument zu erwähnen, und 
Prätorius verwahrt sich ausdrücklich gegen 
die Voraussetzung, daß er etwa ,,von der 
Bauren- und umblaufenden Weiber-Leyer" 
sprechen wollte. Vgl. auch die von Laborde I 
293 mitgeteilte Anekdote. Aber wie die Sack- 



119 



DREHORGEL — DROMMPIP 



pfeife erlebte auch die Drehlcier im i8. Jh. vor- 
wiegend auf französischem Boden eine neue 
Blüte als vornehmes Dilettanten- und Virtu- 
oseninstrument. Terrasson besingt sie, Baton, 
Ch6deville, Hotteterre und andre Virtuosen 
spielen sie im Konzert, Delaunay, Baton aine 
und die beiden Louvet verbessern ihren Bau ; 
Aubert. Baton, Chedeville, Pleyel und J. 
Haydn komponieren für sie und Bonin und 
Corrette schreiben Drehleierschulen. Mit dem 
19. Jh. büßte das Instrument diese hervor- 
ragende Stellung wieder ein und wurde aber- 
mals zur „umblaufenden Weiber-Leyer" ; 
selbst bei Bettlern ist es heute nur noch selten 
anzutreffen. 

Engl. HURDY-r.URDY, ndl DRAAILIER, waL PERWG, dän. 
BONDELIRE, schw. BONDLIRA, Ir. VIELLE Ä ROÜE, it. 
GHIRONDA, sp VIOLA DE RUEDAS, port. SANFÖXA, russ. 
poln. LIRA, — Mich. Corrette (d. A,), La belle vieileuse, m^ 
thode pour la \ielle, Paris (BibL Rouen); Methode pour ap- 
prendre ä jouer de la vielle, Nouv. Ed, Paris, David, foL 24 
p. (CoDserv. Paris). — H. Lapaire, Vielles et Coraemuses, 
Moulins 1901. — Bricqueville, E. de, Notice sur la vielle. 
2. 4d. Paris 1911. — VgL Hierochord, Rylja, Violon-vielle. 

Drehorgel, das moderne Bettlerinstrument, 
eine kleine, tragbare Pfeifen- oder Zungen- 
orgel, die durch eine Kurbel zu gleicher Zeit 
mit Wind versorgt und mittels einer Stift- 
walze oder einer durchlöcherten Scheibe ge- 
spielt wird. Sie ist eine Anf. 18. Jhs. einge- 
führte Vergrößerung der Vogelorgel. Die Ton- 
verlängerung gab ihr 1876 Ch. F. Pietschmann 
[Preuß. Pat. Nr. 21618 v. 21. Jan. 1877]. 

Engl. BARREL-ORGAN, ndL DRAAIORGEL, dän. LIRE- 
KASSE, schw. LYRA. fr. ORGUE DE BARBARIE, it. OR- 
GANINO A CILINDRO, sp. ÖRGANO DE MANG, port, 
REALEJG, russ. SARMANKA, poln. KATARYNKA. i. KO- 
LOVRATEK. kr. KRETANAC, estn. WANT-OREL, lit. SUKA- 
MIEJIE WARGONELIEI, rum. ORGANAS PORTATIV, r.it. 
ORGEL, ann. KASI-URKU, ung. SIPLADA. - Vgl. Vogel- 
orgel, Wimmerorgel. 

Drehscheiben nennt man die am Harfenhals 
angebrachten kleinen Scheiben mit zwei auf- 
gesetzten Stiftchen; beim Drehen dieser 
Scheiben verkürzen die Stifte die Saite nach- 
einander im Sinne eines halben und eines 
ganzen Tons. 

Engl. FORKMECHANISM, fr. SYSTEME Ä FOURCHETTE, 
it MECCANISMO A ROTELLE. 

Drehventil, Zylinderventil, ein vor- 
wiegend von den Blasinstrumcntenmachern 
der germanischen Länder gebauter Ventil- 
typus, bei dem die Ein- und .\usschaltung der 
Zusatzröhre nicht durch eine Vertikal-(Fump-) 
Bewegung, sondern durch eine Drehung des 
Verschlusses und diese wieder durch das Nie- 
derdrücken einer Taste bewirkt wird. Das 
Drehventil ist zwar an sich komplizierter 
durch die Bewegungsübertragung, hat aber 
nur vier Windlöcher und ist nach der Ansicht 
der deutschen Bläser bequemer zu handhaben. 



Erfinder dieses Zylinderdrehventils ist nicht 
Blühmel, sondern Joh. Riedt in Wien (1832); 
doch haben sich bereits 1828 sowohl Blühmel 
als Stölzel vergeblich um die Patentierung 
eines konischen Drehventils bemüht. 

Engl ROTARY VALVE, dän. DREJEVENTIL, schw. CY- 
LINDERVENTIL, ndL CYLINDER, fr. CYLINDRE A RO- 
TATION, lt. CILINDRO ROTATIVO, port. CYLINDRO DB 
ROTACÄO, russ. CILINDROVAJA MARINA, c. CILINDR. 
ung. HENGERGEP. — Vgl. GequeUchle Zylindo-maschine, 
Hahn, Intonatiousschlüssel, Transverse spring slides. 

Dreiflöte s. Dri flöte. 

Dreiviertelgeige, eine Violine kleineren For- 
mats zum Gebrauche der Kinder. 

Engl. THREE-QUARTER FIDDLE. 

Dreiviertelorgel nannte man bisweilen eine 
Orgel mit zwei Manualen. 

Dreiviertelviolon, eine kleinere Kontrabaß- 
art, die heute nur noch bei ländlichen Tanz- 
musiken der leichteren Transportierfähigkeit 
wegen gebraucht ■«•ird. 

Drejeklaver, dän. .Drehklavier'. 

Drejeventil, dän. ,Drehventir. 

Dremla, poln. .Maultrommel', v. deutschen 
.trommel' ; schon 1641 im Wörterbuch von 
Knapski. 

Dresdner Bogen s. Deutscher Bogen. 

Dreyangel = Triangel. 

Driflöte, eine Labialstimme mit dreiseitigen 
Pfeifen, die auf jeder Seite einen Aufschnitt 
haben. 

Ruhla (Thüringen). 

Dril(-bu), tibet. Handglocke aus Bronze, 
Tempelinstrument. 

New-York Nr. 1443. — Washington Nr. 131011, 130389. 

Dril-gzugs, tibet. , Körper der Glocke'. 

Dril-lca, tibct. ,Glockenklöpper. 

Dril-stegs, tibct. ,Glockenstuhr. 

Drillingszither, eine Zither mit drei Griff- 
brettern und drei Bezügen in verschiedener 
Tonlage. 

Berlin; Zürich. 

Drnkaöka, cech. .Maultrommel'. 

Dröciana struna, poln. .Drahtsaite'. 

Drögl s. Trögl. 

Drom, miltelengl. .Trommel'. 

Droma, irisch .Trommel'. 

Drombulja, JIpoMGy.Tja, Drombulje, serbo- 
kroat. Maultrommel; dim. drombuljica, 
drombuljice. 

Drombuljina, kroat. ,Aura', 

Drometa, wcnd. , Trompete', 

Dromla, poln. , Maultrommel', v. deutschen 
,trommel'; schon 164 1 im Wörterbuch von 
Knapski; kr. slovak. bulg. drombla, slov. 
dronilj a. 

Dromme, mittelengl. .Trommel'. 

Drommpip, Drumm-plpa, Sackpfeife der 
estnischen Schweden, aus einem Seehunds- 



120 



DRONE— DUDACH 



magen, einer 4 — 6 löcherigen Spielpfeife tapl'- 
stuck und einem Stimmer drumm. 

C. Ruflswurm, Eibofolke II, Reval 1855, p. 117. 

Drone, engl. , Bordunpfeife', .Dudelsack mit 
Bordunpfeife'. 

Dronepipe, engl. .Sackpfeife mit zwei Stim- 
mern'. 

Druciana struna, poln. .Drahtsaite'. 

Druckbalg, erf. gegen 18 17 v. Friedr. Kauf- 
mann und an dessen Chordaulodion zuerst an- 
gebracht, ein kleiner, heute für den Kompres- 
sionsschweller benutzter Blasebalg, der durch 
eine Stahlfeder willkürlich zusammengedrückt 
werden kann und dadurch Wind von beliebig 
regulierbarer Stärke hergibt. 

Drückel = Stimmkrücke. 

Drucker, Stecher, die in den Druckknopf 
auslaufenden Holzstäbchen eines Druckwerks. 

Druckknöpfe = Kombinationsregister. 

Druckkoppel, Froschkoppel, eine Koppel, 
die von oben auf die Tasten der tieferen Kla- 
viatur drückt. 

Druckluftharmonium ist im Gegensatz zum 
Saugluftharmonium ein solches, bei dem der 
durch die Bälge komprimierte Wind den Zun- 
gen zugeführt wird. 

Karg-Ehlert, S., Die Reform des modernen Druckwind-Harmo- 
oiums. Ein DispositionsvorschUg. Berlin 1908. — Engl. H.\R- 
MONIUM WITH PRESSURE BELLOWS, fr. HARMONIUM 
X PRESSION. 

Druckventil, Versicherungsventil, ein 
durch den Luftdruck zu öffnendes oder zu 
schließendes Orgel ventil. 

Druckwerk, eine im Gegensatz zum Zug- 
werk durch den Druck der angeschlagenen 
Taste bewegte Orgeltraktur. Diese ist bei den 
Manualen meist über, bei den Pedalen meist 
unter der Taste angebracht ; doch werden unter 
dem Zwang örtlicher Verhältnisse auch beide 
Anlagen kombiniert. 

Vgl Drucker. 

Drum, engl. ,Trommer; gael. druma. 

Druma-umha, gael. , Pauke'. 

Drumagh, irisch ,Trommer (veraltet). 

Drumla, poln. slovak. .Maultrommcl', v. 
deutschen .trommel' ; Sech, drumbla. 

Drumscheit s. Trumscheit. 

Drveni puhalaiki nastroj, serbokroat. .Holz- 
blasinstrument'. 

Drvo za pipati, serbokroat. .Griffbrett'. 

Drwini, grus. .Baß'. 

Driak, DrJalo, serbokroat. , Frosch'. 

Drzalac struna, serbokroat. , Saitenhalter'. 

DfevSn^ nästroje dechov^, öech. .Holzblas- 
instrumente'. 

Dsali, grus. .Saite'. 

Dsanädsel, abess. Sistrum. aus Eisen. 
Kupfer, Silber oder selbst Gold; es besteht 



aus einem in Form einer halben Ellipse ge- 
bogenen, oben offenen und am Scheitel mit 
einem hölzernen Handgriff versehenen Haupt- 
stab und zwei kleinen Querstäben mit je einem 
Ring, die den ersteren in drei gleiche Teile 
teilen. 

Vgl Tsnastn. 

Dschombar, rätorom. (Bergün) .Trommel'. 

Dsir, »ci, afghan. (pukhto) s. v. a. Zir; 
plur. |^.,5;*i>, dsirän. 

Dsnobi, grus. , Saite'. 

Dsuei, chin. .Mundstück'. 

Du, birm. .Gong'. 

Dubbelpedalharpa, schwed. ,Doppelpedal- 
harfe'. 

Dubbel rietje, ndl. .Doppelrohrblatt'. 

Dublettensystem, die durch einen Register- 
zug bewirkte Umformbarkeit einer Orgel- 
stimme zu 16' in eine Äqual-, Oktav-. Super- 
oktav- oder noch kleinere Stimme, zuerst im 
letzten Drittel iS.Jhs. von Georg Friedr. 
Grünberg sen. in Altstettin bei der Posener 
Kreuzorgel eingerichtet. Sie wird dadurch 
erreicht, daß durch eine einfache Schaltung 
die Traktur etwa der C-Taste auf das Ventil 
der c- oder der c'-Pfeife aus ebenderselben 
Pfeifenreihe wirkt. 

Engl. BORROWING PIPES, fr. DEDOUBLEMENT. — Vgl 
Transmission. Zwillingsmanuale. 

Dublettregister ist in Deutschland eine 
Doppelstimme mit je zwei quantitativ und 
qualitativ gleichen Pfeifen auf einem Stock, 
die entweder zu einem oder zu zwei Manualen 
gehören. Vgl. aber auch Doublette. 

Düblik, viOu>>, türk. .Schellentrommel', von 
dünbelck. 

Duboka gusle, serbokroat. .tiefe Geige, 
Violoncello, Kontrabaß'. 

Duboka trublja, serbokroat. ,tiefe Trompete, 
Posaune'. 

Dugaina [Cancionero de Juan Alfonso de 
Baena. 15. Jh.] = Dulzaina. 

Duceine, [Les poesies du Roy de Navarra, 
1. H. 13. Jhs.] = Douceine. 

Duchovöj Instrument, JlyxoBoa HHcrpy- 
MeHTT., russ. .Blasinstrument'. 

DuQoemel, altspan. .Hackbrett'. 

Inv. de Laudes y cosas de Müsica de la reina Isabel la Catölica. 
um 1500. — Pedrell, Organografia mus. ant. espaä. 59. 

Ductus inutilis, ..unnützer Zug", die ge- 
legentliche Anzeichnung eines blinden Re- 
gisterzuges an der Orgel. 

Duda, poln. .Sackpfeife', v. türk. düdük, 
ursprünglich indessen eine Doppelschahnei 
mit gemeinsamem Mundstück und 3 Griff- 
löchern in jeder der beiden Pfeifen. 

Dudach, wal. .Signalhorn'. 



121 



DUDALJKA— DULEHE 



Dudaljka, X(yaaJbKa, serbokroat. .Kinder- 
pfeife'. 

Dudac, J[lyHau, Dudca, fljHUa, serb. ,Du- 
delsackpfeife'. 

Dudeczka = Dudka. 

Dudelsack 9. Sackpfeife. 

Düdek s. Düdük. 

Dudey, im 17. Jh. die kleinste deutsche 
Sackpfeife mit 3 Stimmern in dis'. b' und dit" 
und dem ^-^^fc. 

Melodieumfang: I fl q | : 




Vom poln. dudy. 

Praetorius 28(35), 50(^3). 

Dudi, Jlym- ruth. .Sackpfeife'. 

Dudi = Edaka. 

Dudka, flyHKa, russ. .Pfeife, Flöte, Schal- 
mei. Sackpfeife', früher besonders s. v. a. 
Sv-irjeli; poln. .kleine Sackpfeife'. 

Dudog, irisch .Trompete'. 

Dudocka, JXyAOHKa, dim. v. 
Dudka. 

Duducica, flyAyHHua, kleine bul- 
garische Querflöte mit 6 Griff- 
löchern. 

Brüssel Nr. 3393. 

Düdük, Düdüki, dlj-^-"", ■i-V', 
JlynyK, türk. südslav. grus. Schna- 
belflöte mit 6 — 8 Grifflöchern, aus 
Holz oder Rohr; I^änge 17— 28 cm. 
In Serbien und Kroatien bis- 
weilen eine Schierhng-Kinderpfeife. 
Düdük hat auch die Bedeutung 
eines Blasinstruments im allge- 
meinen. 

Dudy, plur. v. Duda. „„„.„„ 

Duetton, gebaut 1 887 von Sediva Verfassers 
in Rußland, die Kombination 
zweier verschiedener Instrumente in einem 
Stück, meist des Kornetts und der Tenor- 
posaune, mit einem gemeinsamen Mund- 
stück; ein für die linke Hand bestimmtes 
Ventil schaltet nach Belieben das eine oder 
andre Instrument ein. Sediva baute seine 
Duettone in Lyraform, derart, daß die 
beiden Schallstücke symmetrisch nach oben 
geführt und parallel nach vom abgebogen 
wurden. 

Pierre, I.a (act instr. 244. — Vgl. Duplexinstrument«. 

Duff = Dcff; auch die Inder nennen ein 
achteckiges Tamburin so oder Du ff de. 

Dufüf, <_y>>, plur. v. Deff. 

Dugan, Sarakole-Namc der Tomba. 

Duganja, serbokroat. .Kürbistrompete'. 

Pugduga, Dugdugi, ^il^Jll, hindi Tam- 
burin der Bettler, auch s. v. a. Tavalaikä. 

Preoch Nr. 48. 



Puggi, JITt- hindi .Trommel'. 

Duhalo, serbokroat. .Anblaserohr' (Sack- 
pfeife): dim. duhalica. 

Duhde, lett. .Pfeife', v. türk. düdük. 

Duhka, lett. .Sackpfeife'. 

Düi, annam. .Klöppel'. 

Duiflöte = Doppelflöte. 

Duimklep, ndl. ,Kastagnette'. 

Duitsche Fluit, ndl. .Querflöte'. 

Du-ko s. Cäi-nhi. 

Dükrrah, afghan. .Kesselpauke'. 

Dulac, flynau, serbokroat. .Mundstück'. 

Dulbren tabwrdd, wal. .Trommelschläger. 

Dul<;aina s. Dulzaina. 

Dulcano s. Dulzian. 

Dulce floit, Dulce flüt, s. v. a. Dolzflöte 
(Orgelstimme). 

Dulce melos, lat. ..süßer Gesang", .Hack- 
brett'. Nach einem Ms. v. 1400 auf Bibl. 
Paris ein Hackbrett mit Tasten und dem 
chromatischen Umfang 




Botte de Toulmon, Diss. sur les instr. de mus. etc. p. 65. 

DulQema, altspan. .Hackbrett'. 

Juan Ruiz, Libro de amor (Aaf. 14. Jbs.). 

Dulceon ^ Dulzian. 

Dulcet pipe, engl. (1400) .Blockflöte'. 

The SqujT of Lowe Degre, line 1077. — Galpin 64. 

Dulceuse, engl. (1547) .Dulzian'. 

Dulcian s. Dulzian. 

Dulciana, eine vorwiegend in englischen, 
französischen und spanischen Werken seit 
dem 18. Jh. disponierte Labialstimme zu 8' 
mit Metall-, in der untersten Oktave gelegent- 
lich Holzpfeifen von der ungefähren Mensur 
des Salizionals. In der Regel reicht die Stimme 
nur bis c hinab. Ihr Ton ist weich und ange- 
nehm. Nicht mit Dulzian verwechseln! Sie 
ist in England der Tradition nach von J. Snetz- 
ler entweder erfunden oder eingeführt und 
zuerst 1754 in St. Margaret's Church zu Lynn 
in Norfolk gebaut worden. 

Im Harmonium ist Dulciana eine dünne, 
zarte Baßstimme zu 8'. die gewöhnlich mit 
Seraphine zu einem Spiel vereinigt wird. 

Vgl DuLzianbaB. 

Dulcimer, engl. .Hackbrett', v. dulce melos, 
zuerst als dowcemere in The Squyr of Lowe 
Degre v. 1076 (v. J. 1400). 

Dulcina, Dulzinus = Dulzian. 

Dulcisonans, lat. , Fagott, Dulzian'. 

Praetorius 44 (38), 

Duleht nennen die Savajö das Adjulond ans 
Burityblatt. 

Kraus«, In den Wildaissen Brasiliens 460. 



122 



DULEZ— DURBATUDU 



Dülez, slov. .Anblaserohr' (Sackpfeife), 
.Mundstück'. 

Dulo, serbokroat. .Bohrung'. 

Dulsacordis, engl, wohl s. v. a. Dulcimer. 

The Houlgate 1543. — Galpin 64. 

Dulzain, in der Orgel s. v. a. Dulzian. 

Dulzaina, altspan.. nach einer Untersuchung 
des Verfassers ein mittelalterlicher Name des 
Krummhoms. 

Curt Sachs, Doppione und Dulzaina (Sammelbände der Int 
Mus.-Cesell5chait XI 590 fi.), 

Dulzflöte s. Dolzflöte. 

Dulzian, Dolzian, i. um 1600 im weiteren 
Sinne .Fagott'. — 2. im besonderen s. v. a. 
Diskantfagott. — 3. in der Orgel eine meist 
offene Zungenstimme zu 8 oder 16', die bereits 
in der ältesten bekannten Disposition, der von 
Joachim Heß [Dispositien der merkwaardigste 
kerkorgelen etc., Gouda 1774] mitgeteilten des 
Delfter Werks von 1455, belegt ist. 

Dulzianbaß, eine gedackte Pedalzungen- 
stimme zu 8'. Den gleichen Namen führt auch 
eine Pedal-Dulciana zu 16'. 

Dulzianregal, erf. nach Hawkins um 1725 
von J. Snetzler, eine Orgelstimme von sanf- 
terer Intonation als das gewöhnüche Regal. 
Sollte es sich nicht um die Dulciana 
handeln ? 

Dumbing, Bambusmaultrommel von Rum- 
ba (Kaiser Wilhelm-Land). 

Werner, Kaiser Wilhelm-Land 303. 

Dumb-piano, engl. .Stummes Klavier'. 

Dumbrä = Dombrä. 

Dumburak s. Cermek. 

Dumilbäz, j^J-*^, kurd. .Trommel*. 

Dumo nennen die Mangbetu die Spann- 
rutenguitarre (Wambi). 

Dumples, lit. .Blasebalg'. 

Dünbek, türk. Sackpfeife (?) [Kiesewetter 
92]; eher s. v. a. Donbck. 

Dünbelek, ii)Ji*JO, türk. .Schellentrommel, 
Pauke'. Die New- Yorker Sammlung führt 
unter diesem Namen (Nr. 1538) eine 15 cm 
holie Pauke aus zwei nebeneinander gestellten 
Tonnäpfen, deren Offnungen mit 6inem Fell 
bedeckt sind. 

Dundubhi, J^^H- skr. hindi hindost. = 
Nägarä. 

Atharvaveda 3,30,1; 5,31.3; 5,31,7. 

Dunecken, eine veraltete Manualstimme un- 
bekannter Beschaffenheit zu 2'. 

Daiuig, St. Marien (1385). — Praetorius 193(163). 

Dung, tibet. .Trompete', bes. ,Muschelhom', 
eigentl. ,. Muschel". 

Vgl. Dung-fen, Dwan-dung. 

Dung-ö'en, tibet. Kupfertrompete, deren 
konische Röhre — in drei Stücken — inein- 



ander schiebbar ist. Länge i V2 — 3 Vz ni. Mit- 
unter ist das Instrument leicht gebogen. 

New-York Nr. 2363. — W. W. Rockhill, Notes on the Ethno- 
logy of Tibet. Smithsonian Report. U. S. Nat. Mus. 1893 
P 745. 

Dunkelflöte, eine dunkel intonierte Labial- 
stimme. 

Passau, Dom, 

Dunmang, birm. Blasinstrument. 

Duodecima, ital. .Quinte'. 

Duolon, eine vervollkommnete Nagelgeige, 
gezeigt zuerst 19 12, gebaut von der Duolon- 
untemehmung in Wien. 

Z.f.I. XXXII 639. 

Duph s. Deff. 

Dupla sesquialtera , veraltet für .Sesqui- 
alterabaß'. 

Duplex-Instrumente nennt man diejenigen, 
die eine Kombination zweier Instrumente 
darstellen. Im besondern gibt man diesen 
Namen Zusammensetzungen zweier verschie- 
den gestimmter Kesselmundstückinstrumente 
des gleichen Typus oder zweier gleichgestimm- 
ter von verschiedenem Tv'pus, deren beliebige 
Ein- und Ausschaltung das Spielen in ver- 
schiedenen Tonarten oder Farben erleichtert. 
Das Prototyp des ersten Prinzips bildet die 
Clagget'sche Doppeltrompete, der bis heute 
Doppelhömer u. dgl. folgen. Versuche der 
zweiten Gattung werden erst später gemacht. 
1851 kombiniert Gisborne in Birmingham 
Althom und Kornett. 1855 Pelitti in Mailand 
Flügelhom und Kornett, Althom und £5- 
Trompete, Baryton und Tenorposaune. Tuba 
und Baßtrompete. 1861 Henry John Distin in 
London (Pat. Nr. 2559 v. 14. Okt.) und nach 
ihm Mahillon in Brüssel Flügelhom und Trom- 
pete. In die 70er Jahre fallen Hirschberg's 
B-C-Clairon und die Baryton- und Posaunen- 
kombination von Bohland & Fuchs in Gras- 
htz. In den 8oer Jahren vereinigte C. G. Conn 
in Elkhart. Indiana U. S. A.. Baryton und 
Posaune. Auch Sediva's Duetton (1887) ge- 
hört hierher. Zu den wertvolleren dieser Ver- 
suche gehört das Doublophone. weil jedes der 
beiden kombinierten Instrumente seine eige- 
nen Ventilbögen hat. also das enger mensu- 
rierte Instrument nicht mit Bögen vorHeb 
nehmen muß. die auf die Weite des andern 
eingerichtet sind. 

Vgl. B-C-Clairon, Doppelhorn, Doppeltrompete, Doublophone, 
Duetton, Lyrophon. 

Duph brad = Krupna bugarija. 

Duplikat = Pneumatischer Widder. 

Durban, somali .Trommel'. 

Durbatudu, kurzes flaches .Mcssinghom' 
der Kändhä (O. Vorderindien), ein Fest- 
instrument. 

Berlin, VölkerkundemuMuin Nr. I C 4073. 



123 



DURCHSCHLAGENDE ZUNGE — DZWON 



Durchschlagende Zunge, Durchspielende 

Zunge = Freisch-wingende Zunge. 

Duri, Maultrommel von N. Nias. dem 
Grinding ähnlich, aber mit einer einzigen 
Zunge. 

Paris Nr. 1383; Leiden 1002/19, 1552/3 — Modigbani, Un 
Viaggio a Nias, MIL 1890, Fig. 149. 

Durlibana, serb. .Trommel', v. türkisch, 
davul. 

Durma, Darma, afghan. *^j'^, Schäferpfeife 
aus Rohr. 

Durun [? vielleicht a-doro ,, unreife Kokos- 
nuß"], tanbür- ähnliches Lauteninstrument 
von Dahome mit einem Korpus aus einer 
halben Kokosnußschale und einer Schlangen- 
hautdecke. 

Durwee-shes = Näy. 

Dusanbaß, eine veraltete 16' Pcdalstimme, 
über die nähere Angaben fehlen. Aus der Ety- 
mologie läßt sich schließen, daß eine sanft 
intonierte Stimme gemeint ist ; wahrschein- 
lich ist Dusanbaß mit Dulzianbaß, der im 
Pedal der Lübecker Liebfrauenkirche ange- 
zeichnet war, identisch. 

Liibeck, St. Peter (Burckart). — Praetorius 196(165). 

Dusingfela ^ Tyske Vioüner. 

Dusitko, cech. .Dämpfer'. 

Dusymere, engl. s. v. a. Dulcimer. 

Dusza, poln. .Stimmstock', eigentl. ,, Seele"; 
russ. Jlym,Ka, du6ka. 

Dutär, pers. .Zweisaiter', ein turkest. Tan- 
bür zur Gesangsbegleitung mit einer dünnen, 
symmetrisch durchlöcherten Holzdecke, 1 5 
Darmsaitenbünden und zwei seidenen oder 
metallenen Saiten, die von dem ausgestochenen 
Wirbelkasten über einen trapezförmigen Steg 
zum Saitenhaltcr an der Stelle unseres Sattel- 
knopfes laufen. Der Hals ist etwas kürzer, 
der Körper etwas ausladender als beim Zitär. 
Gesamtlänge 1,05 — 1,14 m. 

Mahillon gibt als Stimmung 



^ J ^"1 



an und als Skala: 




▼. Schwarz, Turkestan 293. — Capus, La Musique eher les Khlr- 
ghizes et les Sarte«. — E. Schuyler, Turkistao I 131. — 
Brüssel Nr. 768. 

Dutina = Dulo. 



Dutka, rum. , Sackpfeife'. 

London Nr. 963, 965, 966. 1869. 

Duty bügle, engl. .Signalhorn'. 

Duvak, TjjTBaK, serbokroat. .Anblaserohr' 
(Kemspalte ?) der Flöte, augenscheinlich v. 
arab. guwak. 

Duzen, alban. Lauteninstrument, v. türk. 
Oji'^' .Ordnung', , Harmonie'. 

VgL Qaradüzen, 

Dvärgflygel, schwed. , Stutzflügel'. 

Dvogubi mich, serbokroat. , Doppelbalg'. 

Dvojnice, Dvojka. X(B0JHHi;e, südslavische 
Doppelflöte aus zwei in ein achtkantiges 
Holzstück gebohrten Kanälen. Stets hat die 
rechte Pfeife, der die Melodie zufällt, vier, die 
linke, die meist in Terzen begleitet, drei Griff- 
löcher. Der Abstand zwischen ihnen beträgt 
etwas mehr als einen Halbton ; seltener und 
neuer sind solche, deren Skala ein Ganzton- 
intervall enthält. Immer wrd zweistimmig, 
unter Benutzung der sich gelegentlich er- 
gebenden Differenztöne als dritter Stimme ge- 
blasen. Die Länge ist verschieden, bis zu 
60 cm. Das Instrument ist schon in vorchrist- 
ücher Zeit, im i. Jahrtausend, nachweisbar. 

Auch die Doppel-Spielpfeifen des Dudel- 
sacks heißen Dvojnice. 

Dvoklopan, serbokroat. .zweiklappig'. 

Dvonjace, slavon. s. v. a. Dvojnice. 

Dvostruka raztegada, serbokroat. , Konzer- 
tina'. 

Dwan-dung, tibet. engmensuierte, 2 — 3 m 
lange Kupfertrompete. 

Dwarsfluit, ndl. , Querflöte'. 

Dwrini, grus. ,Baß'. 

Dwsmel, wal. , Hackbrett, Laute'. Die Ver- 
antwortung für die zweite Bedeutung liegt bei 
D. S. Evans, An English and Welsh Dictionary, 
Denbigh 1S53. ^o'- ^ P- 285. 

Dzcunare, alban. Hirtenschalmei; v. arab. 
zamr. 

Dzauina s. Yauina. 

Dzedze s. Zeze. 

Dzernadainak, armen. , Ziehharmonika'. 

Dzin-dimha, plur. v. N-dimbga [?]. 

Dzin-nenga, plur. v. Ru-nenga [?]. 

Dzio, üt. .Flöte'. 

Dziura odglosowa, poln. .Schallloch'. 

Dziurka, poln. ,Griffloch'. 

Dznutsch s. Sunüg. 

Dzpot, armen. .Bogen'. 

Dzulpare s. Gelbire. 

Dzwon, poln. .Glocke', dim. dzwonek. 



124 



E-HORN— ECHIQUIER 



E-Horn, ein aus dem F-Hom durch Auf- 
stecken eines Halbtonbogens oder Feststellen 
eines Halbtonventils gewonnenes Waldhorn 
in E. 

Natuiskala; 



r>.jj('" i r^jjiiJiJ-i^P^ 



Notierung: 



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Umfang mitMaschine: 



Notierung: 



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i.- 



E-Klarinette, eine veraltete, äußerst seltene 
Klarinette in hoch £, von der 2. Hälfte 18. Jhs. 
bis weit ins 19. Jh. — noch 1864 bei F. L. 
Schubert! — gebaut. 

Francojur. — Laborde I 250. — Schubert 13. 
E-Kornett, eigentlich ein F-Komett mit 
Halbtonbogen ; 



Umfang: 



Notierung: 



m 



^^ 






E-Trompete, eine F-Trompete mit Halbton- 
bogen oder festgestelltem Halbtonventil; 



Natur- 
skala: 



Notie- 
rung: 




Umfang mit 
Maschine: 



Notierung: 



^^ 



^ 



SS 



^^ 



Earpe = Hearpe. 

Ears, engl. „Ohren", .Glockenkrone, Seiten- 
bart*. 



Ebani, grus. .Psalterium, Hackbrett'. 
Ebemm, f^}, s. Bam. 

Ebero, Schwirrholz von Port Essington 
(Nordaustralien ). 

London, Brit. Mus. 

Ebiba, libvanuma (lihuku) .Trommel'. 

Johnston, Uganda Protectorate II 948. 

Ebill, Ebillion, wal. .Taste, Wirbel'. 

Ebillfwrdd, wal. .Klaviatur'. 

Ebillion s. Ebill. 

E-bitirt. plur. v. A-bitift. 

Eburr, karamojo .Trommel'. 

Ebwäq, (_jUji. arab. .Trompeten'. 

Echalote, frz. .Kehle' (Zungenpfeifen). 

Echancrure, frz. .Bügel'. 

Echappement, frz. .Auslösung'. 

Echaquier s. Echiquier. 

Echelette, frz. .Xylophon', eigentl. ..Lei- 
terchen". 

Echelon, i)xt'iov, griech. i. ein starkschal- 
lendes Erzinstrument, also wohl in erster Linie 
Becken. — 2. ein Teil der Lyra und zwar 
to Tiqoi 1/7 fiayähi jfäÄxo>/ia (Hesychius), das 
eherne Gerät an der Magas; was damit ge- 
meint ist, läßt sich schwer sagen ; jedenfalls 
ist die übliche Deutung ,, Schalloch" nicht gut 
möglich; es handelt sich vermutlich um einen 
Resonator. 

Echiquier. Einige diplomatische und poe- 
tische Quellen des ausgehenden 14. und be- 
ginnenden 15. Jhs. in französischer, englischer 
und spanischer Sprache nennen ein deutlich 
als besaitetes Tasteninstrument charakteri- 
siertes Ton Werkzeug, das 6chiquier, exchequer, 
exaquir und ähnlich hieß. Da die Namen das 
Schachbrett bezeichnen, lag es nahe, den inne- 
ren Zusammenhang zwischen diesem Gerät 
und dem Klavier aufzusuchen. Man ist dar- 
auf verfallen, den Wechsel zwischen hellen 
und dunklen Tasten als Vergleichspunkt anzu- 
nehmen, man hat an die kleinenTische gedacht, 
die zum Aufstellen des Schachbretts ebensowie 
des Klaviers hätten dienen können, und man 
hat endlich den in einem Exemplar nachweis- 
baren Einbau des Instruments in ein Schach- 
brett (von 1587!) verallgemeinern wollen. Alle 
drei Versuche sind gequält und unbefriedigend. 
Es ist indessen möglich, eine einleuchtendere 
Erklärung zu geben. In, .Der Minne Regel" des 
Eberhard Cersne (1404) findet sich nämlich ein 
.Schachtbrett' als Instrument verzeichnet. Die- 
ser Beleg kann nun nicht — wie es geschehen ist 



125 



ECHO — EINSAITER 



— als Bestätigung der Schachbretthypothese 
aufgefaßt werden. Im Mhd. heißt Schachbrett 
.schäch zabel' ; .schacht' aber — synonym von 
Schaft — ist eine ausgesprochen niederdeutsche 
Form, die mit Schach nichts zu tun hat, viel- 
mehr im Mittel- wie im Neuniederländischen 
.Federkiel' bedeutet. Daß der Westfale Cersne 
als unmittelbarer Nachbar der musikalisch 
hochkultivierten Niederlande einen niederlän- 
dischen oder niederländisch beeinflußten In- 
strumentennamen gebraucht, ist plausibel ; 
die westeuropäischen Übersetzungen sind aus 
einer volksetymologischen Ümdeutung jenes 
Wortes leicht zu erklären. Den Einwand, daß 
der deutsche Beleg verhältnismäßig spät liegt, 
möchten wir mit Rücksicht auf die sehr ge- 
ringe Zahl der überhaupt vorhandenen Belege 
und auf den kurzen Zeitraum, den sie um- 
spannen, nicht gelten lassen. Wir legen dem- 
nach der in Rede stehenden Namenreihe die Be- 
deutung .Kielklavier', also Klavizimbel unter. 

C. Sachs, Die Musikinstrumente der Miaueregel, SIMG.XIV4. 

Echo, s. V. a. Echowerk, namentlich wenn 
dies nur aus einer einzigen, äußerst sanften 
Flötenstimme besteht. 

Echobaß, eine sehr schwache gedackte Flö- 
ten-Pedalstimme zu 16'. 

Echofagott, ,,ein vor wenigen Jahren erst 
[1835 geschr.] in Neapel erfundenes Instru- 
ment, auf welchem, wie ein begeisterter Be- 
richterstatter versichert, die menschliche 
Stimme bis zur vollkommensten Täuschung 
nachgeahmt werden kann, hauptsächlich in 
Klagelauten, weshalb das Instrument meistens 
auch nur in Trauermusiken mit Vorteil ange- 
wendet wird. In Deutschland ist noch nichts 
weiter davon bekannt geworden, und auch in 
Italien scheint man es außer Neapel noch 
nicht zu kennen, wats nicht auf eine außer- 
ordentliche Zweckmäßigkeit schließen läßt." 
[Schilling II 553]. 

Echogambe, eine Sologambe zu 8'. 

Echoklavier, ein Tafelklavicr mit Forte- und 
Pianopcdal und mit einer undamarisähnlichen 
Schwebungs Vorrichtung, von Joh. Gg. Schenck 
in Weimar (1800). 

Joum. d, Luxus u. d. Moden 1800, p. 2633. 

Echomaschine, ein durch ein besonderes 
Ventil bedientes Schallstück mit engem Aus- 
laß für Echowirkungen auf Hörnern, Trom- 
peten usw. Sunday Times vom 1 1. Sept. 1859 
schreibt die Erfindung John Köhler in London 
zu; auch Keil in Prag (1846) und Friedrich 
Adolf Schmidt in Cöln gelten als Erfinder. 

Engl. ECHO ATrACHMKNT, ndl. fr. port. russ. ECHO, ung. 
VISSZH ANG- KESZ LEX. 

Echowerk wird ein besonderer — heute vom 
Hauptwerk entfernt aufgestellter — Teil des 



Orgelwerks genannt, der den Diskant der wich- 
tigsten Stimmen in einem Holzgehäuse ein- 
geschlossen wiederholt; das so entstandene 
wie aus der Feme klingende Werk wird von 
einer eigenen Klaviatur bedient. Das Echo- 
werk ist das Prototyp des Schwellwcrks. 

Engl. ECHO ORGAN, ndL ECHO- WERK, fr. niss. ECHO, 
it. ECO. 

Eckstöckchen, bei unsem Streichinstru- 
menten nach innen abgerundete, nach außen 
dreikantige Klötzchen aus Eichenholz, die im 
Innern an den vier Mittelecken des Instru- 
ments angebracht, die dort sehr schwachen 
Zargen verstärken. 

Engl. CORNER BLOCKS, fr. COINS. 

Eclisse, frz. , Zarge' (Saiteninstrumente), 
,Falte' (Bälge). 

Edaka, Dudi, eine indische etwa i Fuß 
lange und 20 cm weite Sanduhrtrommel mit 
MetaUkörper, deren eines Fell mit der Hand, 
das andere mit einem weichen Klöppel ge- 
schlagen wird. 

Day, The Music and Mus. Instruments of S. india p. 144. 

Eddgorn, wal. , Posaune'. 

Edge, engl. ,Rand'. 

Edibu, kongo , Schelle'. Instrument der 
Haustiere und stellenweise der Medizin- 
männer. 

Edona, s. karamojo ,Trommer. 

Efam, ein Homstückchen. das die Osyeba 
(südöstl. Faö, Gabun) sich bei ihren Rezita- 
tionen in das eine Nasenloch setzen, um eine 
näselnde Stimme zu erzielen. 

R. Avelot, La Musique chez les Pahouias etc. L* Anthropologie 
XVI J87. — VgL Aben. 

Efe, span. ,F-Loch'. 

Effektive Register = Ivlingende Register. 

Egal = Äqual. 

Egede, ercRe, Egeda, serbokroat. ,Vio- 
line'; ung. hegedü, slavon. eggede, bosn. 
eghedde. 

Egerskij reg, ErepcKift por, russ. ,Jäger- 
hom' ; s. Russische Homer. 

Egyetemes kopula, ung. ,Kollektivkopper. 

E^iii s. Ngiil. 

Eilioneg, wal. , Klavier'. 

Einhängeloch, i. Die Endschleife der Kla- 
viersaite, mit der sie am Anhängestift be- 
festigt ist. — 2. Das ausgetuchte oder -ge- 
lederte Loch der Klaviertaste, durch das der 
Einhängestift hindurchgeht. 

Engl. BALANCE PIN MORTISE. 

Einhängestift nennt man im Klavierbau 
I. den Stift, der die Taste derart auf dem 
Wagebalken fixiert, daß sie nur für die nötige 
Auf- und Ab-Bcwcgung Spielraum hat. 

Engl. BALANCE PIN. 

2. den Anhängestift. 
Einsaiter s. Monochord. 



126 



EINSATZBOGEN— ELEKTROPNEUM ATISCHE BEWEGUNG 



Einsatzbogen, Einschaltbogen =^ Stimm- 
bogen, 

Einschlagende Zungen nannte Helmholtz 
membranöse Zungen, deren Spalt aufgeht, 
wenn die Membranen sich gegen den Luft- 
behälter, also nach der Tiefe der Röhren- 
leitung bewegen. 

Eintonhörner s. Russische Homer. 

Eisenrahmen, ein gußeisernes Rahmen werk 
mit Versprcizungen, das innerhalb des Kla- 
viergehäuses den Saitenbezug mit Anhänge- 
platte, Steg, Stimmstock usw. fest umschheßt, 
um dem in neuerer Zeit verstärkten Saitenzug 
— beim modernen Flügel bis zu 20000 kg — 
Widerstand zu leisten. Von den frühesten 
Versuchen sei der von J. I. Hawkins in Phila- 
delphia (i8no) genannt. 

Vgl. Comprnsalioi Pianoforle, — Engl. IRON FRAME, schw, 
J ARM AM, fr. lADRE ES FEK. it, QUADRO IM FERRO, 
sp, MARCO DE HIERRO. russ. CUGUNNAJA RA.MA. 

Eisenvioline = Nagelgeige. 

Ejwani, grus. .Schelle'. 

Eka-tärä, Eka-Tantrikä, skr. beng. ,Ein- 
saiter', eine Begleitungslaute der Bettel- 
mönche, aus einer oben abgeschnittenen Kür- 
bisflasche als Schallkörper, einer Haut als 
Decke, einem Hals von Bambusrohr und einer 
einzigen Stahlsaite, die über einen niedrigen 
Steg läuft. Längere)— 120 cm. Dm. 13— 25 cm. 

Ekende, Zanza der Bangala (Belg. Kongo) 
mit 9 Eisenzungen. Höhe 16, Breite 10,5, 
Dicke 4 cm. 

Brüssel, Mus. du Congo BGXI 34. 

Ekirei, jap. Rassel aus zwei konkaven 
Stücken, die aufcinandergesetzt einen hohlen 
Ring bilden. Dm. 414 — 10 cm. 

E-konde, plur. v. A-konde. 

Ekorro, gr. senegambische Harfe[nlaute 
(Kassotypus)] mit 18 Saiten. 

Mungo Park, Travels in the Int. Distr. of Afr., Pinkert. Coli 
vol. XVI 878. 

Ektara s. Eka-tära. 

Ekuara, Ivlangstäbchen der Fart (frz. 
Kongo), die der Tänzer rythmisch aneinander- 
schlägt; plur. bikuara. 



Eldharmonika, schwed. .Feuerharmonika'; 
s. V. a. .Braendend Harmonika'. 

Ele, altfrz. vermutlich von der Flügelform 
(aile) abgeleiteter Name der Pansflöte oder 
des Portativs. 

GuiU. de Macbault 

Elegiezither, Baßzither, eine Konzert- 
zither,deren Stimmung einen Ganzton, eineTerz 
oder sogar eine Quarte tiefer als die der ge- 
wöhnüchen Zither und deren Ton wärmer und 
seelenvoller ist. Ihr Korpus ist um ein Viertel 
länger und weniger ausgeschweift; Saiten- 
länge 50 — 58 cm. Sie w^urde nach der Angabe 
von Franz Stahl zuerst 185 1 von Tiefen- 
brunner in München gebaut. 

Ndl. ELEGIE-ZITHER, russ. ELEGICESKAJA CITRA, 
c. ELEGICKY CITERA, ung. ELEGIA-CITERA. 

Eleke = Zanza. 

Elektrisches Klavier, s. Choralcelo und De- 
nis d'Or. Femer seien genannt die Einrich- 
tungen von Henry John Gauntlett (Engl. Pat. 
Nr. 14222 v. 15. JuU 1852), von John Wesley 
Goundry (Engl. Pat. Nr. 2490 v. 10. Okt. 1863), 
von Marc-Ant. Fr9. Mennons (Engl. Pat. 
Nr. 3169 v. 3. Dez. 1866), von John Charl. 
Ward (Engl. Pat. Nr. 1842 v. 2. Mai 1876), von 
A. GhigUone (1887), von Dr. Rieh. Eisenmann 
in Berlin (DRP. Nr. 51668 v. 17. Aug. 1889 
und Nr. 57541 v. 19. Okt. 1889), von Par. Eug. 
Singer in London (DRP. Nr. 71 561 v. 2. Dez. 
1892), von Will. Kenncdy-Laurie Dickson in 
London (DRP. Nr. 157941 v. 29. Okt. 1903), 
von Jos. Weber in Brooklj-n (DRP. Nr. 181697 
V. 4. März 1905), von der Lyrachord Co. in 
New- York (191 2). 

Elektropneumatische Bewegung, die mo- 
dernste Form des Orgel-Regierwerks, ist im 
wesentlichen die elektrische Bedienung des 
Pneumatischen Hebels.durch die das empfind- 
liche Abstrakten- und Stecherwerk mit seinen 
Wellen entbehrhch gemacht, die Spielart er- 
leichtert und die Herstellung größter Ent- 
fernungen zwischen Spieltisch und Pfeifen- 
werk ermöglicht werden soll. Das Prinzip 
A 




ELEKTROPNEUMATIK DRYVERSSCHEN SYSTEMS (nach H. v. Couwenbergh, L'orgue ancien et moderne) 
A Bilgthon, B Balgchen, C" Spielkästchen, D Elektromagnet E Rohrleitung, a das vom Magneten anzuziehende Blech, ö Balg- 
schwanz, c Pulpete, d Auslaß, i Kondukte, i, 2 und 3 Ventile 



127 



EL£M— ENGKERBAP 



geht auf Barker, den Erfinder des Pneuma- 
tischen Hebels, zurück (1868), wurde aber 
erst zehn Jahre später durch die Verbesse- 
rungen von Schmoele & Mols in Philadelphia 
lebensfähig. In Europa hat die Elektropneu- 
matik Merklin eingeführt, in Deutschland 
Weite & Söhne zu Freiburg i. B. Von einer 
näheren Beschreibung muß im Hinblick auf 
die unübersehbare Menge verschiedener Kon- 
struktionen abgesehen werden. 

Literatur: Fink, F., Die elektrische Orgeltraktur. Stuttgart 
(1908). — HintOD, J. W., Story of the electric Organ, Lon- 
don 1909. 

Elem, Perkussions-Musikbogen der Part 
(Frz. Kongo), dessen Saite zwischen die Zähne 
genommen wird. 

V. Hornbostel in Tessmann, Die Pangwe H 1913. 

Elfenbeinhörner, d. h. Homer r-.^^^ 
aus dem Stoßzahn des Elefanten, 
sind eine speziell afrikanische 
Erscheinung, die im gleichen 
Maße seltener wird als der Ele- 
fant selbst. Am häufigsten sind 
sie noch in der oberen Kongo- 
gegend anzutreffen, oft auch im 
Westen; im Osten und Süden 
gehören sie dagegen zu den 
Seltenheiten. Da nur höchstens 
zwei Dritteides Zahns hohl sind, 
so ist — wenn nicht eine wesent- 
liche Verstümmelung vorge- 
nommen werden soll — die Ein- 
bohrung eines seitlichen An- 
blaselochs an der Stelle, an der 
der hohle Teil endigt, geboten. 
Ein daneben etwa noch vorhan- 
denes Loch in der Spitze dient 
als Griff-, nicht als Anblaseloch. 

Über Elfenbeinhörner im 
Abendland vgl. .Olifant*. 

Vgl. Apunga, Buri£6, Erabuci. Nzögh akom, 
Olifant, RoDgo. 

Elgaita s. Algaita. 
Elibö, Holzklapper der Bube auf Fernando 
Pöo. 

O, Haumann, Fernando P60, Wien u. Olmütz 1888. 

Ehcon, ital. .Kontrabaßtuba'. 

Elodikon, ein Harmoniuminstrument mit 
dem Umfang F^ — /*, Tretschemeln, durch- 
schlagenden neusilbemen Zungen und höl- 
zernen Aufsätzen, Forte- und Pianozug, kon- 
struiert 1840 von dem Uhrmacher Heinr. 
Baltzer in Frankfurt a. O. Der Name ist 
jedenfalls eine Korrumpierung von Aolodikon. 

Katalog 1840 der Berliner Kunstakademie- Ausstellungen. 

Elonga, akaselc (Togo) .große Trommeln'. 
El-ood, El'oud, s. 'Ud. 
Elymos, eXvftoi = SkytaUon. 




ELFENBEIN- 
HO RN 
vom Kongo 
(Längsschnitt). 
Nach Annales 
du Musee du 
Congo 1 



El-zehr = Tabia el darauäa. 

Embiltä, äthiop. Schnabelflöte mit 7 Griff- 
löchern, die auf der Vorderseite in zwei Grup- 
pen zu 4 und 3 disponiert sind ; auch bei den 
Galla gebräuchlich. Gleichartige Flöten mit 
2, 3 und 5 Löchern in entsprechender Anlage 
kommen ebenfalls vor. 

ViIlot**au 538. — Paulitschke, Ethnographie Nordostafrikas I 148. 

Embocadura, span. port. , Mundstück'. 

Emboliclave, erf. v. J.-B. Coeffet in Chau- 
mont-Vexin (Oise), pat. 19. Febr. 1844 
(Nr. 16041). eine Art Baryton mit einem be- 
sonderen, komphzierten und unvollkommenen 
Ventilmechanismus, die zum Ersatz der Baß- 
Ophikleide bestimmt war. 

Brüssel Nr. 1275. — Kastner 259. 

Embouchure, frz. .Mundstück'. Teile: 
Bassin. Bords, Grain, Canal. 

Embuii, Elfenbeinhorn vom Kongo; das 
Anblaseloch ist nahe der Spitze in die Seiten- 
wand gebohrt. Durch Stopfen mit der Hand 
werden mehrere Töne erzielt. 

MeroUa da Sorrento. A Voyage to Congo, 1682. Pinkerton 
CoUection .XVI 245. 

Empneuston organon, lunvcvoiör ögy"*'''*'' '^S^- 
.Blasinstrument' . 

Ena, grus. .Glockenklöppel, Zunge, Rohr- 
blatf. 

EncordcK^äo, port. , Bezug'. 

End pin, engl. .Sattelknopf, Stachel'. 

Endon-akum s. Mbafi-akum. 

Endor s. Krotong. 

Endumba, Trommel der Bagoto von Mbinga 
und lüngi (Oberkongo) ; bei den andern Ba- 
goto libumba. 

Johnston, Uganda Protectorate II 948. — Thonner. Im afri- 
kanischen Urwald 92. 

Enfär, ,Laj'. arab. .Trompeten'. 

Engelsk Bashorn, dän. .Englisches Baß- 
horn'. 

Engelsk Hern, dän. schwed. .EngUsches 
Hom'. 

Engelsstimme s. Vox angelica. 

Engelstrompete = Aidatrompcte. 

Engelzug, ein vom Ende 17. bis Mitte 18. 
Jhs. beliebtes Orgelregister, das bei den in der 
Front angebrachten Engelfiguren die mit 
Trompeten versehenen rechten Arme zum 
Munde hinaufbewegte und so den Anschein 
erweckte, daß die Engel bliesen, 

Engkerbap, aus arab. rebäb ?, ein Streich- 
instrument der Scc-Dajak auf Borneo vom 
Ravanastrontypus. Kokosnußkorpus mit einer 
Eidechscnhaut-Decke, die mit Rotanschnüren 
und Keilen befestigt ist, ein durchgehender 
Holzstiel und zwei oder drei an ebensoviel den 
kastenartig ausgestochenen Hals durchqueren- 
den Wirbeln. Länge 97 cm. Der Spieler sitzt 



128 



ENGKRURI — ENGLISCHES VIOLETT 




auf dem Boden und hält gewöhnlich das Unter- 
ende des Stiels zwischen den Zehen ; die Saiten 
werden mit Speichel angefeuchtet. 

Sarawak Nr. 1342. 

Engkruri, Engkerurai, Seng der See- 
Dajak auf Borneo, vom Typus des Keluri, 
aber bedeutend kleiner, mit 6 — 8 Pfeifen und 
einer Bambuskappe auf der längsten. 

Vgl. Garude. 

Englisches Baßhorn s. Baßhom. 

Englische Doppelflöte s. Doppelflageolett. 

Englisches F-Horn s. Achromati- „ 

sches Hörn. | 

Englisches Hern, i. eine etwa &. 

meterlange Altoboe in F, mit Liebes- 
fuß und einem kleinen metallenen, 
zur Erleichterung des Haltens dem 
Mund etwas zugebogenen Röhrchen 
zwischen Korpus und Rohr. Die 
Applikatur entspricht genau der der 
Oboe. 



Umfang ; 



Notierung 
beute : 



Notierung bei 
ien älter. Fran- 
zosen bis Ha- 
l^vy: 

Notierung bei 
den älteren Ita- 
lienern bis Ver- 
di exkL : 

Der Ton ist im ganzen voller, 
weicher und melancholischer. 

Das Englische Hörn ist aus der 
Oboe da caccia durch Annahme des 
Liebesfußes wohl um die Mitte 
18. Jhs., jedenfalls nach 1720, dem 
ungefähren Erfindungsjahr der Lie- eng- 
besoboe, entstanden. Schöpfer und lisches 
Heimat kennen wir nicht ; der öfters "°'*^ 
genannte Bergamasker Gius. Fer- 
lendis kommt nur als Verbesserer in Be- 
tracht. Auch die Herkunft des Namens ist 
zweifelhaft. Man hat die abenteuerliche 
Interpretation gegeben, daß Cor anglais 
eine Korrumpierung von cor angle, d. h. also 
„gewinkeltes Hörn" sei. Dagegen spricht: 
1. Diese letztere Wortform kommt in keiner 
Quelle vor; 2. die im Winkel gebogene Form 
des Korpus ist bedeutend seltener als die ge- 
bogene; 3. die Zusammensetzung Cor angle 
enthält zwei einander \vidersprechende Aus- 
sagen, indem „cor" ein gebogenes und „angle" 
ein geknicktes Instrument bezeichnet. Die 



meiste Wahrscheinlichkeit hat noch Galpins 
Vermutung (p. 166), daß der Name mit der 
starken Verbreitung der Tenoroboe auf eng- 
lischem Boden zusammenhänge. Die Ent- 
wicklung des Instruments hielt mit der der 
Oboe nicht gleichen Schritt, so daß seine Ver- 
wendung ein Jahrhundert hindurch selten 
büeb. Zwar wurden alle Errungenschaften 
des Klappenmechanismus auch bei ihm zur 
Anwendung gebracht, doch stand einer guten 
Tonbildung die Bauart der Röhre entgegen; 
da man nämhch der weiten Griffmensur wegen 
das Korpus bog — wie übrigens heute noch 
Maino & Orsi in Mailand — , konnte man es 
nicht im ganzen ausbohren, sondern setzte es 
aus zwei ausgestochenen, aufeinandergepaßten 
und mit Leder überzogenen Hälften zusam- 
men, mußte dafür aber einen minderwertigen 
Ton in Kauf nehmen. Auch die winklige Form 
befriedigte nicht. Erst als in den 1820er und 
30er Jahren die Pariser, voran Guill. Triebert 
und Brod, die alte gerade Form der Oboe da 
caccia wiederherstellten oder — historisch 
richtiger ausgedrückt — die Konstruktion des 
Englischen Homs von der französischen Ba- 
rytonoboe ableiteten, wurde das Instrument 
lebensfähig. 

2. In der Orgel ist Englisch Rom ein Solo- 
register zu 8' von homartigem Klange in der 
Form eines meist aufschlagenden Zungenwerks 
vom Oboetypus, aber trompetenartiger into- 
niert. 

3. Im Harmonium eine kräftige Baßstimme 
zu 8', mit Flöte zu einem Spiel vereinigt. 

Engl ENGLISH HÖRN, dän. schw. ENGELSK HÖRN, ndL 
ENGELSCHE HOORN, fr. COR ANGU^IS. it. CORNO IN- 
GLESE, sp. CUERNO INGLES, port. CORNE INGLEZ, niss. 
ANGLIJSKIJ ROZOK. poln. ROG ANCIELSKI, c. AN- 
GLICKY RIZEK, ung. ANGOLKaRT, 

Englische Mechanik, erf. v. Cristofori in 
Florenz und Gottfr. Silbermann, aber seit 1764 
besonders in England (Backers) ausgebildet, 
ist dasjenige Hammerklaviersystem, bei dem 
die Hämmer nicht auf der Taste selbst, sondern 
auf einer eigenen Leiste, dem Hammerstuhl, 
befestigt sind und durch einen auf der Taste 
angebrachten beweglichen Stößer gehoben 
werden. 

EngUsche Schwebung hieß ein leichterer 
Tremulant. 

Englisches Violett %vird in Leop. Mozarts 
VioUnschule als ein Streichinstrument be- 
schrieben, ,,so hauptsächlich von der Viola d'a- 
mour nur dadurch unterschieden ist, daß es 
oben sieben und unten vierzehn Saiten hat und 
demnach auch eine andere Stimmung; auch 
wegen der Menge der unteren Klangsaiten 
einen stärkeren Ton von sich gibt." Albrechts- 
berger dagegen sagt, es sei ,,von der Viola 



Sachs 



129 



ENGLISH FLUTE — EPINETTE 



d'amour in dem unterschieden, daß es kein 
tiefes A, folglich nur sechs Saiten" habe. Hält 
man diese beiden widersprechenden Erklä- 
rungen mit der Tatsache zusammen, daß das 
Viola d'amore genannte Instrument in der 
Regel sieben Spielsaiten hatte, so bleibt nur 
der Schluß übrig, daß der Name Englisches 
Violett tatsächlich keinen andern Begriff deckt 
als der Name Viola d'amore, und dies um so 
mehr, als die Übertragung der Resonanz- 
saiten auf die Altgeige zuerst in England vor- 
genommen worden ist. Die miteinander im 
Widerspruch stehenden Berichte der beiden 
Gewährsmänner stellen danach nur vergeb- 
liche Versuche dar, eine in Wirkhchkeit nicht 
vorhandene Unterlage für die doppelte Nomen- 
klatur aufzufinden. 

Enghsches Violett hieß auch die ausnahms- 
weise Violinstimmung 




English flute, im 19. Jh. s. v. a. Flageolett. 

English guitar, ein enghscher Cistemtypus 
der 2. Hälfte 18. Jhs. mit herzförmigem Kor- 
pusumriß, mit Schraubenstimmung (vgl. Le- 
que) und gewöhnhch 6 zweifachen Saiten- 
chören in . ' I J 




Engoma s. Ngoma. 

Engprinzipal, ein engmensuriertes Prinzipal. 

Engsulu, Rudieng sulu, Messing-Maul- 
trommel der See-Dajak auf Bomeo, augen- 
scheinlich hölzerner Herkunft, mehr oder 
weniger gewölbt und spitz zulaufend. Länge 
9 — 10, Breite 0,8 cm. 

Sarawak Nr. 6lo, 1251. 

Enguichure, frz. .Hifthornriemen'. 
Enharmonium. 1. Jedes Klavierinstrument 
zur Darstellung der Dritteltonreihen. 

Prag, Konservaloriuxn. 

2. Der von H. v. Bülow geprägte Name für 
das reinstimmige Harmonium des Japaners 
Shoh6 Tanaka (1889). Das von Joh. Kewitsch 
in Berlin gebaute einspiclige, cinmanualige, 
fünf Oktaven umfassende Instrument ist ein 
Transpositionsharmonium, dessen Untertasten 
je nach dem Verschiebungsgrad die reine dia- 
tonische Skala einer jeden Tonart geben, wäh- 
rend die Obertasten in je zwei oder drei Teile 
zerfallen, um 13 enharmonische Zwischen- 
stufen zu bieten. 

Berlin. - V.f.M. VI 83. 

Enkelt Tunge, dän. .aufschlagende Zunge, 
einfaches Rohrblati:, Blatt'. 



Enkuma, bantu (oshindonga) .Trompete'. 

Enmorache = Morache. 

Enneachordon, IwcayoQbov, ein 9 saitiges Zupf- 
instrument der Griechen, wahrscheinüch die 
neunsaitige Kithara, die Phrj'nis Mitte 5. Jhs. 
V. Chr. einführte, um ohne Umstimmung in 
zwei Modi spielen zu können. 

Enogh, große Eisenglocke der Faü (Frz. 
Kongo). 

Largeau, EncyclopMie pahouine p 622. 

Enoma, lusese luganda lukonde lusokwia 
igizii .Trommel'; s. Noma. 

Johnston, The Uganda Protectorate II 971, 982, 995: Rorenz 
Nr. 50. — Mochi, Contributo .ill' Antropologia deli' Uganda, p, 32. 

Enserunai = Garadap. 

Ensuling = Suling. 

Entaille, frz. .Stimmschlitz'. 

Entaton organon, ivxaxuv ogyaror, ngr. .Saiten- 
instrument'. 

Entladungsventile sind in der Unterplatte 
der Magazinbälge angebracht, um im Augen- 
bhck der höchsten Füllung den Wind in die 
Schöpfbälge zurückgehen zu lassen. 

Engl WASTE-PALLETS. 

Entuning, ein dem Satong entsprechendes 
Instrument vom Vahhatypus. Das Leidener 
Exemplar stammt aus Westbomeo und hat 
drei Saiten. 

Enzciiga, eine kleine Eisenschelle, die sich 
die Zauberer der Fan (Frz. Kongo) am Fuß 
oder an der Hand befestigen. 

Largeau, EncycIop6die pahouine 622. 

Eolian Harp, engl. .Aolsharfe'. 
Eoli-Courtier, eine vervollkommnete Zieh- 
harmonika von Courtier (i844). 

Frz. Pat. Nr. 16, 810; Ponticoulant II 428. 

Eoline, frz. ,Äohne'. 

Eolodic6n, span. ,Aolodikon'. 

Eolova|arfa, SoJioBa ap$a, russ. ..Äols- 
harfe'. 

E'oud s. 'Ud. 

E-pankal, plur. v. A-pankal. 

Epcalo, serbokroat. .Klappe'. 

Epiglottis (griech.), die anreißende Zunge der 
Docke. 

Epigoneion , tjiiyoyeToy , das saitenreichste 
Zupfinstrument der Griechen, ein aufrecht- 
stehendes Psaltcrium mit 40 paarweise ge- 
stimmten Saiten, von Epigonos aus Ambrakia 
erfunden oder in Griechenland eingeführt. 
Aristoteles rcclmet es zu den alten Instiu- 
mentcn. Nach Juba brachte es Epigonos von 
Alexandria und spielte auf ihm nicht nur Ge- 
sangsbeglcitungcn. sondern auch selbständige 
chromatische Passagen, und zwar mit beiden 
Händen, woraus wohl hervorgeht, daß es sich 
um eine Art Spitzharfc handelt. 

Epinette, frz. .Spinett'. 



130 



EPINETTE A ARCHET— ES-HORN 



Epinette ä archet, ein Streichklavier von 
Renaud aus Orleans {1745). 

PoQt^coulant 1 291. 

Epinette ä orchestre, ein gegen 1750 in Paris 
gebautes Streichklavier. 

PoQt^coulant I 292, 

Epinette ä table, frz. ,Tafelklavier'. 

Epinette des Vosges, frz. , Scheitholt'. 

Epinette expressive, ein Cembalo mit 
Crescendo-Knieschwellern von Berger in Gre- 
noble (1740). 

Pont^coulant I 292. 

Epistomium = Ventil. 

Epitonium, eine Tonverbesserungsvorrich- 
tung für Streichinstrumente, gegen 1879 von 
A. Sprenger in Stuttgart erfunden, aus einem 
zweiten Stimmstock, der mittels einer Stell- 
schraube gegen den Steg gepreßt wird. 

Epkalo, enKaJio, serbokroat. .Klappe'. 

Eqligh, iJLsi, kleine türk. Holzkastagnetten. 

Equerre, frz. ,Winkelhaken'. 

Equilibrium valve, engl. , Ausgleichungs- 
ventil'. 

E'räqye, *«^'j^, arab. Schalmei, die vor- 
zugsweise in Ägypten gebraucht wird, aus 
einer buchsenen, zylindrischen Hauptröhre 
mit sehr kleinem Fuß, einem kuppelartigen 
Kopf und einem sehr großen — 8 — 9 cm langen 
und 3 — 4 cm breiten • — Doppelrohr aus Schilf, 
das durch eine leichte Bandage geschützt und 
gehalten wird. Gesamtlänge 18 '/2 — 3212 cm. 
Die Bohrung ist sehr ungleichmäßig ; sie ist 
überwiegend oval und erst im untersten Teil 
kreisrund ; vom Rohr bis etwa zur Mitte des 
Instruments wird sie langsam enger, um dann 
in stärkerem Maße sich zu erweitem und 
schließUch trichterartig auszuladen. Die 9 
Grifflöcher — 7 vorn, 2 hinten — verengen 
sich nach innen; alle Finger der Rechten und 
die vier ersten der Linken decken sie. Die 
sich ergebende Skala besteht aus Vierteltönen 
und hat nach Villoteau den Umfang: 



m 



Der Name des Instruments bedeutet, daß es 
aus dem E'räq (Irak), und zwar jedenfalls 
nicht aus dem persischen, sondern aus dem 
arabischen E'räq, d. h. der Gegend von Baby- 
lonien stammt. 

Brüssel Nr. 124, 125; New-York Nr. 2861. — Villoteau 417. 

Erato Harp, eine vervollkommnete Prince 
of Wales' Harp mit kunstvoller Dämpfungs- 
vorrichtung. 
Eraistakan gortsi, armen. .Instrument'. 

Erbab, Erbeb, = Rebäb. 



Erestin, wal. .Drehleier'. 
Ergion, armen. , Orgel', v. oQyavov. 
Ergionaphol, armen. .Orgelpfeife'. 
Erh-hsien, ein Hu k'in vom Typus des Hu 
hu, aber mit Holzkorpus. 

Moule, Chinese Musical Instruments p, 131. 

Erh hu, ein zweisaitiges Hu k'in vom Typus 
des So hu. 

Moule 125. — Brüssel Nr. 18S8. 

Erh huang hu k'in, Erh hu hu, s. Huhu. 

Erh ku tzö = Erh hu (Peking). 

Erzcister, Baßcister, eine Cister mit Kra- 
gen und Bordunsaiten. Dieser Typus kommt 
fast ausschließlich in Deutschland und Frank- 
reich vor, und zwar überwiegend im 18., sel- 
tener im 17. und in den ersten Jahren des 
19. Jhs. Saitenzahl und -Verteilung wechseln 
natürlich ebenso wie bei der gewöhnhchen 
Cister. Länge 97 — 117 cm. 

Engt BASS CITTERN, ndl. AARTSCITER, dän. BAS-CISTER, 
(rz. ARCHICISTRE, it. AKtICETERA. — VgL S>Tun. 

Erzlaute, jede Laute mit zwei Kragen; s. 
Chitarrone und Theorbe. 

EngL ARCHLUTE. ndl. AARTSLUIT, frz. ARCHILUTH. it 
ARCILIUTO, sp. ARCHlLArD, poln. ARCHILUTNIA, waL 
GORDELAN. 

Es s. S-Rolir. 

Es-Flöte. I. Fälschliche Bezeichnung der 
r>e5-Flöte. — 2. Name einer Großen und einer 
Kleinen Flöte in hoch Es, der wenig gebrauch- 
ten sog. Terzflöten, fälschUch auch jF-Flöten 
genannt; (g _...^ 



Umfang: 




Notierung: 



Spohr schreibt die große £s-Flöte in der 
,, Weihe der Töne" vor. 

Es-Horn, i. ein Natur- Waldhorn mit dem 

Umfang: 




2. ein Ventilhorn mit dem 
Umfang: 



Notieruug: 
Vgl. Oktavhom, 



8- - ^ 



^ 



i 



131 



9* 



ES-KLARINETTE — ESIKILU 




Es-Klarinette, eine scharfklingende kleine 
Militärklarinette, gelegentlich auch im Sin- 
fonieorchester verwendet (Berhoz, Sinf. fant., 
Strauß, Heldenleben). Sie wurde 1805/6 in die 
preußische Infanteriemusik eingeführt. 



Umfang: 



Notierung: 



Es-Kornett, s. Kleines Kornett und Alt- 
komett. 

Es-Oboe, u. a. von Triebert in Paris gebaut, 
ist eine ungebräuchliche kleine Terzoboe. 

Es-Pikkolo, Pi s t o n , ein Kornett in hoch Es, 
meist in Trompetenform, zuerst 1842 von Carl 
Wilh. Moritz in Berlin gebaut, heute die ge- 
bräuchlichste Stimmung des Kkkolo. 



Umfang: 



Notierung: 



Es-Posaune, i. die gebräuchlichere Alt- 
posaune, — 2. eine seltenere Baßposaune. 
Es-Trompete. 



Notierung : 



Umfang mit Maschine: 



Notierung: 



Es-Tuba, eine Baßtuba in Es, nur im Mili- 
tärorchester gebräuchlich, aber auch hier in 
der Verwendung stark hinter der f-Tuba 
zurücktretend. 

E-sambori, plur. v. A-sambori. 

Escape, engl. , Auslösung'. 

Escaque, altsp. (15. Jh.), s. v. a. Echiquier 

Juan Alfonso de Baena, Desires y requestas. 






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Eschaqueil, Eschaquier, s. Echiquier. 

Eschelette, altfrz. .Echelette, Xylophon'. 

Eschiquier, Eschuaqueil, altfrz. (14. Jh.) 
s. V. a. Echiquier. 

Esino, PI. bisin o, gekerbter Bambus- 
Schrapstock der Bayanzi (Kongo). 

Engels, Les Wangata. Bruxelles-Paris 1912 p. 89. 

Eso, cech. ,S-Rohr'. 

Espelho, port. ,Schallloch',eigentl. ,, Spiegel". 

Espigäo, port. .Stachel'. 

Espineta, span. port. ,Spinett'. 

Esquaquiel, altsp. s. v. a. Echiquier. 

Esquila, span. .Glöckchen'; frz. esquille. 

Esquilön, span. , Herdenglocke'. 

Esrär, ind. modernes Streichinstrument, eine 
Kombination aus Sitär und Särangi. zur Be- 
gleitung der Frauenstimmen. Der Schall- 
körper — aus einem einzigen Stück Holz — 
ähnelt durch seine mittlere Einziehung etwas 
dem unserer Violine. Als Decke dient eine 
Haut. Das Instrument hat 5 Spielsaiten, zwei 
aus Stahl, drei aus Messing, und 10 — 15 Re- 
sonanzsaiten. Auf dem Griffbrett 16 beweg- 
liche Bünde. 



Stimmung: 



^^ 



m 



Brüssel Nr. 66; New- York Nr. 153; Paris Nr, 797, — Vgl Mina 
Sarangi, Sur Sanga, Täyu?. 

Esse, ital. ,S-Rohr'. 

Essy, 3cci.i, russ. ,F- Löcher'. 

Estandarte, port, , Saitenhalter'. 

Estive, altfrz, , Sackpfeife'. Die Deutung 
.Trompete', die sich auf die Tatsache stützt, 
daß die französische Bibel des 12. Jhs. ,Tuba' 
mit , Estive' übersetzt, kann deswegen nicht 
anerkannt werden, weil sich nicht nachweisen 
läßt, daß damals in Frankreich die engere Be- 
deutung des Namens Tuba bskannt war. Da- 
gegen spricht der Zusatz ..de Comouaille", 
der der Estive bei Huon de Mery und im Ro- 
man de la Rose gegeben wird (vgl. die Stellen 
bei Buhle 48). für die Sackpfeife; hinzukommt 
die Etymologie, die sich zwanglos auf das Wort 
stivarc, .zusammenpressen', zurückführen 
läßt. Endlich kommt in der gesamten ritter- 
lichen Literatur, die sonst reichliche Nach- 
richten über die Signalinstrumente bringt, 
Estive nicht vor. 

E-sudsu, jap. Tempel-Handglocke, 17 — 20 
cm hoch. 

Ncv-York. 

Esy, poln, .Schalllöcher' (Geige), sogenannt 
nach ihrer S-Form. 

Esikilu, fiote (Unter-Kongo) .ein mit den 
Fingern gespieltes Instrument". 
W, H, Bcntley, DIct. and Grammar of tbe Kongo Languag«, 
l^ndon 1887, p, 142,374. 



132 



E-TABALE— EXILENTKRUMMHORN 



E-tabale, plur. v. A-tabuIe. 

E-tama, plur. v. A-tama. 

Etokar, Klöppel des Gangatan. 

Etouffoir, frz. .Dämpfer' (Klavier). 

E-tsuzumi, O-tsuzumi, ein kleines Tsu- 
zumi. Dm. der beiden Seitenscheiben 22 — 23, 
Korpuslänge 29; Korpus-Dm. an den Enden 
10, in der Mitte 5 cm. Einfache Ausstattung. 

Piggott 171, — New-York Nr. 88. 

Et'tebel, tamäheq (Tuarek) .Trommel'. 

S. Cid Kaoui, Dict. frang.-tamibeq, Alg. 1894, p. 839. 

E-turma, plur. v. A-turma. 
Etutu, fiote (Unter-Kongo) .Flöte'. 

W. H. Beatley, Dict. and grammar of the Kongo Language, 
LoDdon 1887, p. 85. 

E'ud s. 'Üd. 

Eudisharmoste, ein Mixturcembalo vom An- 
fang 17. Jhs. mit Äqual-. Oktav-, Duodezim- 
und Doppeloktavspiel. 

Mersenne, Harmonie universelle, L. III pr. 21. 

Eufonio.ital. ,Barytonhom';span. euf onia. 
Eul s. Erh. 

Eumatia, eine Glasharmonika des ausge- 
henden 18. Jhs. 

Pont^coulant II 78. 

Eunuchenflöte s. Mirliton. 

Euphon, ein Friktionsinstrument von Chlad- 
ni (1790), dessen unter der Reibung des be- 
netzten Fingers longitudinal schwingende 
Glasröhren mit latitudinal schwingenden Stahl- 
stäben verbunden waren. Die fast einen hal- 
ben Meter langen, federspuldünnen Röhren — 
für jeden Ton eine — lagen in gleichmäßiger 
Entfernung voneinander horizontal vor dem 
Spieler; die chromatischen waren den Ober- 
tasten des Klaviers entsprechend gefärbt. Der 
Ton sprach leicht an. war aber in seiner Dauer 
durch die Länge der Röhren beschränkt. Um- 
fang c— /'". 

Das Euphon stellt den ersten praktischen 
Versuch dar. die unmittelbare Reibung durch 
die mittelbare zu ersetzen, in diesem Falle 
also, statt die Stahlstäbe, deren Schwingungen 
Klänge hervorbringen sollen, selbst zu reiben, 
sie durch die Friktion von Glasröhren, die mit 
ihnen verbunden sind, in Schwingung zu ver- 
setzen. Es ist Chladnis Verdienst, die Vorzüge 
der mittelbaren Friktion, die größere Fülle, 
Schärfe und Modulationsfähigkeit des Tons, 
entdeckt zu haben. 

— Als Orgelstimme s. v. a. Euphonia. 

Vgl Chalybsonans, Glasplattenharmonika, Harmonichord. 

Euphonikon, eine Klavierharfe von Beale 
in London (Cramer. Addington & Beale) 1842, 
oder die Kombination von Harfe und Klavier, 
mit dreifachem Resonanzboden ; die Baß- 
saiten traten oben offen heraus; sieben Ok- 
taven. 



Der Name Euphonikon wurde früher auch 
für Euphonion oder Euphonium gebraucht. 

Euphonia, erf. 18 12 v. Louis Klatte in Er- 
furt, ein Tasteninstrument, dessen Ton durch 
die Reibung messingner Winkelstäbe gegen 
einen rotierenden Messingkonus erzeugt wurde. 

AMZ. XIV 147. 

— Als Orgelstimme ist Euphonia ein klari- 
nettenähnhches, meist durchschlagendes Zun- 
genwerk. Das Euphone im obersten (5.) Ma- 
nual der Kathedrale zu Beauvais gilt als das 
älteste. 

Euphonium, s. v. a. Barytonhom; früher 
auch s. V. a. Baßophikleide. 

• — Ein Stimmgabelklavier ohne Resonanz- 
boden, mit s Oktaven Umfang, von Ant. 
Appunn in Hanau (1885) führt ebenfalls diesen 
Namen. 

DRP. Nr. 35766 V. 20. Okt. 1885. 

Euphotine, erf. 1852 v. Emily Pettit, ein 
Instrument, das auf der Verbindung von 
Bronce und Glas mittels Kitts oder einer glas- 
artigen Substanz beruht, vermutüch eine Art 
Harmonika. Das Prinzip ist im Patent so all- 
gemein dargestellt, daß danach genauere An- 
gaben nicht gemacht werden können. 

Engl. Pat. Nr. 634, 4. Nov. 1852. 

Euthyaulos, cvävav/.os, ngr. , Klarinette'. 

Evakuant, v. lat. evacuare. .ausleeren', ein 
von einem Registerzug bedientes Orgelventil 
im Windkanal, das zum Herauslassen des 
übriggebliebenen Windes aus den Bälgen nach 
Schluß des Spiels bestimmt ist. Der lateinische 
Name stammt von Abt Vogler, der Zug selbst 
aber kommt schon 1722 in einer Breslauer 
Orgel vor. 

G. Weber, Der Evacuant, Cäcilia XII 288. 

Evongi, fiote (Unter-Kongo) Okarina aus 
einer eigroßen Samenkapsel. 

W. H. Bentley. Dict. and Gramm, of the Kongo Lang., Lon- 
don 1S87, p, 142. — Briissel, Mus. du Congo A. f. XI 42. 

Exabeba [Crönica rimada, i. H. 14. Jhs.] = 
Ajabeba. 

Exaquier.altspan. (14. Jh.)s. v.a. Echiquier. 

Arch. gen. de la Corona de tragön, Col. de Carlas Reales, 
niirn. 1934 fol. 27 V. 

Exaudire, lat. „hör zu", s. Bhnde Register- 
züge. 

Exaveva = Ajabeba. 

Exchequer, engl. s. v. a. Echiquier. 

Exilent, im 17. Jh. Bezeichnung der Pik- 
kolo-Instrumente, besonders des Klein-Flöt- 
lein. der Klein Discant-Schalmey, des Klein 
Cantus-Krumbhom und der Klein Geig. 

Exilentkrummhorn, das kleinste Krumm- 
hom mit dem Umfang 



^^-'' r I I 



133 



EXIQUIER— FA'AALTI LAITI 



Exiquier, altspan. s. v. a. Echiquier. 

Expression, der wichtigste, gewöhnlich mit 
E angezeichnete Hilfszug am Harmonium, vor 
allem am Druckluftharmonium, der den Ma- 
gazinbalg verschließt, den Wind unmittelbar aus 
den Schöpfbälgen in die Kanzellen gelangen 
läßt, den Füßen des Spielers also die augen- 
blickliche Regulierung ermöghcht und dadurch 
eine außerordentliche dynamische Nüancierung 
des einzelnen Tons gestattet. Das Saugluft- 
harmonium hat dieses wesentliche Ausdrucks- 
mittel zu übernehmen begonnen. Erfinder ist 



Debain in Paris (März 1843), nicht die Ale- 
xandre, Vater und Sohn, wie Fetis angibt. Fast 
gleichzeitig tat sich auch der Pariser Th.-Ach. 
Muller mit Expressionsharmoniums hervor. 

Bei der sog. Doppelten Expression (1854 
von Ch. V. Mustel in Paris) sind noch zwei 
Hilfsbälge vorhanden, die durch Kniehebe! 
regiert werden und auf jede Seite des Manuals 
besonders wirken. 

Expressionsorgel, Expressivorgel, s. Or- 
gue expressif. 

E-yabi, plur. v. A-yabi. 



F-Fagotte werden von Evette & Schaeffer 
in Paris gebaut. 

F-Flöte, eine falsche Bezeichnung der Es- 
Flöte, die darauf beruht, daß /^ ursprünghch 
der tiefste Ton des Instruments war. 

F-gaten, ndl. ,F-Löcher'. 

F-Horn. 

Skala; 



^ 



Notierung 



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f 



Umfang mit Maschine : 



Notierung: 



^^m 



^^ 



if^ 



F ist heute die gebräuchlichste Waldhom- 
stimmung. 

F-Klarinette, eine veraltete kleine Militär- 
klarinette. Sie wurde bei uns bereits in den 
1 830er Jahren selten, wird aber in Italien heute 
noch gebraucht. 



Umfang; 



Notieruug : 




F-Kornett, ein ungebräuchliches Ventil- 
komettintiefF; 
Umfang: 



NotiOTing; 



^^ 



i 



a 



Ü 



F-Löcher heißen die zu beiden Seiten des 
Stegs einander gegenüberliegenden F-förmigen 
Schalllöcher der neueren Geigeninstrumente. 
ein Erbteil des 16. Jhs.. das sie der Lira und 
der Viola da braccio gab. 

Russ. ESSY. poln. ESY. 

F-Oboe = Englisch Hom. 
F-Posaune = Baßposaune. 
F-Trompete 



Skala: 



$ 



^m 



^^ 



eSÜ 



Umfang mit Maschine : 



Notierung : 



ii 



$ 



t' 



f 



F-Tuba, die gebräuchliche Baßtuba. 

Fa'aali'i, Holztrommel von Samoa, die als 
Kriegs- und Zusanimcnbcrufungsinstrument 
dient, bei den Konvertierten auch die Kirchen- 
glocke ersetzt. Ferner s. v. a. Mamapu. 

Kraemer, Samoa 11 321. ~ Vgl Loga, Nafa. 

Fa'aali'i laiti = Pulotu. 



134 



FABERTON— FAGOTT 



Faberton, eine Anzeichnung, die Locher in 
einer handschriftlichen Orgeldisposition aus 
dem Jahre 1557 im Stiftsarchiv zu Einsiedeln 
fand und die er — übrigens nicht als erster — 
mit dem heutigen Glöckleinton identifizieren 
zu dürfen glaubte, da sie vermutlich den 
glockenhellen Amboßton (Faber der Schmied) 
nachgeahmt habe. Wir können uns dieser 
Interpretation nicht anschUeßen und glauben 
eher, daß es sich um eine Korrumpierung von 
fauxbourdon handelt. Das Register dürfte 
dann, da aus verschiedenen Gründen eine aus 
Terzen und Sexten gemischte Stimme nicht 
angenommen werden darf, eine Mixtur aus 
Quinte und Oktave gewesen sein. Das Recht 
zu dieser Interpretation leiten wir aus einem 
Spruchgedicht ab, das der Nürnberger Rosen- 
plüt 1447 auf seine Vaterstadt verfaßt hat und 
in dem es von Conrad Paumann heißt: 

mit contra tenor vnd mit faberdoa 
mit primi tonus tenorirt er. 

Fabiol, balear. .Flageolett'. 
Fabot, span. .Fagott'. 

Fabresoro, Flöteninstrument der Bambara 
(Westafrika). 

Binger, Du Niger au Golfe de Guin6e I 77. 

Fapade s. Orgelfront. 

Faedel, altnord. , Fidel'. 

Fafarka, wend. .Posthorn'. 

Faggeischah s. Fuqaiäät. 

Fagotcontra, das älteste Kontrafagott, mit 
dem Grundton Cj. erf. um 1620 v. Hans 
Schreibsr (um 161 5 kurf. Kammermusiker in 
Berlin). 

Praetorius 45 (38). — Saclis, Musik u. Oper etc. p. 62, 151, 214. 

Fagott, V. ital. fagotto, .Bündel. Paket', ein 
Doppelrohrblattinstrument mit konischer Boh- 
rung und geknickter Röhre. Das Rohr, größer 
und breiter als das der Oboe, ist durch ein 
S-förmig gebogenes Metallröhrchen mit dem 
sog. .Flügel' verbunden, einem dem Oberstück 
der ungeknickten Blasinstrumente entspre- 
chenden, abwärtsgerichteten Röhrenstück, das 
unten im .Stiefel' steckt; in diesem klotz- 
artigen unteren Abschlußstück des Korpus 
setzt sich die Bohrung des Flügels fort, wendet 
sich U-förmig nach oben weiter und geht in 
die der .Baßröhre' über, einer ebenfalls im 
Stiefel steckenden, nach oben gerichteten, eng 
an den Flügel angelehnten, längeren Röhre. 
die im Schallstück endet, also dem Unterstück 
der ungeknickten Blasinstrumente entspricht. 
Beim Spielen wird das Fagott schräg nach 
rechts unten gehalten. 



Umiang und Notierung: 



"m 



^ 



i 



Die Grifflöcher ergeben die C-iMr-Skala; die 
chromatischen Töne werden durch einen kom- 
pUzierten Klappenmechanismus hervorge- 
bracht. 

Entwicklungsgeschichtlich wird das Fagott 
stets als eine Weiterbildung der tiefem Bom- 
harte dargestellt, die man geknickt habe, um 
sie handlicher zu machen. Wir können dieser 
Auffassung nicht beitreten. 

Einmal ist es nach dem heu- . 

tigen Stande unserer Kennt- ^r 

nis sehr zweifelhaft, ob die A^ 

großen Pommern überhaupt älter 
sind als das Fagott, das angeblich 
— Vorsicht! — Anf. 16. Jhs. in 
ItaUen entstanden ist (vgl. Pha- 
gotum). Aber gesetzt, daß es 
Baßboraharte — denn der Baß 
entspricht in der Tonlage dem 
Fagott — schon vorher gegeben 
haben sollte, so sind die beiden 
Typen durchaus nicht eng genug 
verwandt, um eine Filiation zu 
erlauben. Gemeinsam ist ihnen 
das Rohr und die konische Boh- 
rung des Windkanals. Dagegen 
unterscheiden sie sich durch Men- 
sur und Röhrenlänge, durch die 
Anzahl der Grifflöcher und der 
Klappen — der angebliche Vor- 
gänger dos Fagotts hatte zu Prä- 
torius' Zeit bereits vier Klappen, 
dieses selbst aber nur zwei — , 
durch das Mundstück — -Bomhart 
Rohrmanschette. Fagott freies 
Rohr — und endlich durch den 
Ton. der ,, stiller und sanfter am 
Resonanz" war als der der Bom- 
harte. Es darf auch nicht ver- 
gessen werden, daß sich die tiefen 
Pommern in der Kunstmusik 
wehr als hundert Jahre neben 
den Fagotten gehalten und in 
dieser Zeit sogar Verbesserungen 
erfahren haben. 

Wir sehen demnach in den 
Fagotten eine selbständige Fa- 
milie, die sich nicht aus. son- 
dern neben den Pommern ge- ^''"j^"' ^" 
bildet und entwickelt hat. Das 
Hauptinstrument dieser Familie, 
das Choristfagott, ist der Stammvater; 
es ist das einzige Fagott, das Zacconi 
1592 nennt. Spanische Quellen aus der 
2. Hälfte 16. Jhs. reden zwar bereits von ba- 
joncillos und bajoncitos; es ist aber nicht zu 
erweisen, daß diese Bezeichnungen schon da- 
mals ein kleineres Fagott bedeuteten. Prä- 



3? 



135 



FAGOTT 




torius weiß jedenfalls von Diskant-, Alt-, 
Tenor-, Offenen und Gedackten Chorist-, 
Quart-, Quint- und Kontrafagotten zu be- 
richten. Ihr Außeers unterschied 
sich wesentlich von dem der heu- \ j^ 

tigen Fagotte. Das Korpus be- 
stand nicht aus zwei aneinander- 
gelehnten, aber getrennten, im 
Stiefel steckenden Röhren, son- 
dern eigentlich nur aus einem 
Stiefel, in den die beiden Kanäle 
gebohrt und auf den oben Schall- 
stück und S-Rohr aufgesetzt 
waren. An der Feststellung oder 
Vervollkommnung dieser ältesten 
Form hat einen lebhaften Anteil 
der Nürnberger Pfeifenmacher 
Siegmund Schnitzer (gest. 
1578), der berühmteste 
Fagottverfertiger alter 
Zeit. Das 17. Jh. trennte 
die beiden Röhren. 

Als das Fagott 1659 bei Ge- 
legenheit der Aufführung von 
Cambert's ,,Pomone" seinen Ein- 
zug ins Opernorchester hielt, ja so- 
gar schon 1636 bei Mersenne, be- 
saß es neben seinen ersten beiden 
Klappen für D und F schon eine 
dritte f ür ßi ; bei Mattheson ( 1 7 1 3 ) 
hat es den Umfang (A^) B^ — /' 
(g'); die vierte Klappe, für As. 
ist nicht erst — wie man überall 
liest — 175 1 angebracht worden, 
sondern existiert schon auf einem 
1730 datierten Fagott des Vlaemen 
G. de Bruijn (Brüssel Nr. 997); 
eine fünfte Klappe für Es finde ich 
zuerst auf einem Instrument des 
Londoners Küsder (2. Hälfte 
18. Jhs.); Koch berichtet 1802 
von sieben Klappen, den fünf 
alten und zwei weiteren, ,,nur 
an neuern Fagotten", für a' und 
c". Im ersten Zehnt des 19. Jhs. 
geht von Frankreich ein kräftiger 
Anstoß aus. Gegen 1808 bringt 
J.-F. Simiot in Lyon einen Stimm- 
zug am Flügel, eine //•-, eine 
eis- und die freilich schon vor ihm 
konstruierte a'- Klappe an, 18 17 
einen metallenen Stiefelkanal 
mit Wasserabguß und vor 1823 
Klappen für Fis. eis und fis. 
Der Pariser D. Porthaux versucht 1808 
die Tonqualität und -Ansprache durch ein 
hölzernes S-Rohr zu verbessern. Im folgen- 
den Jahre setzen dann die Neuerungen von 



/ 



FAGOTT 

16 klappiges 

Modell von 

Schustcr&Co. 

in Mark* 

neukirchen 



F.-G. Adler, ebenfalls in Paris, ein. der bis zu 
seinem Tod im Jahre 1854 rastlos an der Ver- 
vollkommnung des Instruments arbeitet. 1 827 
stellt er ein 15 klappiges Fagott aus und 1839 
ein neues Modell mit zwei weiteren Klappen, 
durch die der Umfang seine heutige Ober- 
grenze es" erhielt. Schon auf frühen Exem- 
plaren seiner Werkstatt findet man dasS-Rohr- 
Loch und verblüffend moderne Klappendis- 
positionen. Die klanghch hervorragendsten 
Fagotte, die noch heute von den Bläsern ge- 
sucht werden, schafft in den 1820er und 30er 
Jahren Jean-Nic. Savary fils in Paris. Den ge- 
samten Böhm-Mechanismus übertrug auf das 
Fagott F. Triebert in Paris; sein 1855 zuerst 
gezeigter Typus fand indessen wenig Anklang 
wegen seiner veränderten Klangfarbe und des 
sehr bedeutenden Preises. Unterdessen hatte 
— gegen 1824 — in Deutschland die Tätigkeit 
des Nassauer Fagottisten Carl .\lmenräder 
eingesetzt, den man mit gutem Recht den 
Böhm des Fagotts nennen könnte. 

Seine eigentliche Tat ist die Tieferlegung 
und Erweiterung einer großen Anzahl von 
Grifflöchern und ihre Bedienung durch offene 
Klappen, genau wie es später Böhm mit der 
Flöte machte ; außer diesen Deckklappen 
brachte er mehrere andere zur Verbesserung 
des Tones und zur Erleichterung der Appli- 
katur an, z. B. für die Töne H^ und Cis, die es 
damals in Frankreich freilich schon gab. 
Dieser 2oklappige Typus mit dem Umfang 
B^ — as" wurde anfangs bei Schott in Mainz, 
in der Folge aber von Almenräder selbst in 
Gemeinschaft mit J. A. Heckel in Biebrich 
gebaut und von diesem, sowie seinem Nach- 
folger W. Heckel in außerordentlicher Weise 
vervollkommnet; eine der letzten Er- 
rungenschaften ist die Ebonitausfütterung 
(1886). 

Eine Monographie über das Fagott steht 
noch aus. 

In der Orgel ist Fagott eine auf- oder ein- 
schlagende, sanfte, leicht näselnde Zungen- 
stimme im Manual oder Pedal, zu 8 oder 16'. 
Ihre Aufsätze werden verschieden gestaltet, 
bald aus Holz, bald aus .Metall, bald in Form 
zweier an den weiten Enden zusammenge- 
löteter Kegel, von denen der untere der größere 
ist, bald zyhndrisch. bald vierkantig, bald 
halb-, bald ganzgedeckt. Während sie früher 
als Ganzspiel gebaut wurde, erstreckt sie sich 
heute — im 8'Ton — nur über zwei Baß- 
oktaven oder selbst nur über die Große Ok- 
tave. Vgl. Fagott-Oboe. 

Das Fagottregister des Harmoniums ist eine 
mäßig scharfe Baßstimme zu 8', die gewöhn- 
lich mit Oboe zu einem Spiel vereinigt ist. 



136 



FAGOTTGEIGE— FASCIA 



Reich aus Fürth soll es 1820 in München er- 
funden haben. 

Eogl BASSOON, ndl. dän. rät. russ. poln. c. serbokr. slov. 
FAGOT. schw. FAGOTT. waL SAWDBIB. fr. bulg. BASSON, 
it. FAGOTTO, sp. BAJON, port. lett FAGOTE, Ut. FAGUTS, 
estn. FAKOT, finn. FAGOTTI, ung. BUGOSIP, ruth. FAGOTA, 
wend. TRUBNIK, ner. ISAPYAYAO:C. — Literatur: Tam- 
plini, G. , Brevi cenni sul si^^tema Boehm e della sua appljca- 
zione al fagotto. Bologna 1888. — Heckel, W , Der Fagott. 
Biebrich 1899. — VgL Altfacott, Bassonore, Choristfagott, 
D-Fagott, Diskantfagott. Doppelfagott. Echofagott, F-Fagott, 
Flügel , Galandronome, Gedacktfagott, Kontrafagott, Kopfstück, 
Liebesfagott, Papier, Qviartfagott, Quintfagott, Terzfagott, 

Fagottgeige, im 17. und 18. Jahrh. eine Viola 
da spalla mit übersponnenen Saiten in Celio- 
stimmung, ..weiche Saiten hernach im Strei- 
chen schnurren/ und werden solche Violen/ 
um dieser schnurrenden Saiten halben / Vio- 
lae di Fagotto titulirt." 

Dan. Speer, Grund-richtiger . . . Unterricht, Ulm 1687/97. — 
Majer. — Leop. Mo/art, Violinschule, Augsburg 1756, p, 2. 

Fagottino, ital. meist , Quintfagott', weiter- 
hin jedoch jede kleinere Fagottart. 

Fagott-Oboe, in der Orgel eine Fagottstim- 
me zu 16' mit einschlagenden Zungen. 

Frz. BASSON-HAUTBOIS. 

Fagottone, ital. .Kontrafagott'. 

Fagottserpent nannte man in Deutschland 
die fagottmäßig geknickte Form des Serpents, 
die der an St. Pierre in Lille als Orchester- 
musiker angestellte Italiener Regibo gegen 
1780 angegeben hat. Seine Neuerung bildet 
den Ausgangspunkt für die Erfindung des 
Baßhorns. 

Fagottzug, ein Zug an den älteren Wiener 
Pianofortes, vermittels dessen sich eine mit 
Seidenzeug überzogene, in eine kleine Holz- 
stange eingelegte Papierrolle auf die Saiten 
vom tiefsten Tone bis gewöhnlich zu c' oder /' 
legte und ein fagottartiges Schnarren des 
Tones bewirkte. 

It. I'EDALE DI FAGOTTO. 

Fagufagu = Siva-ofe. 

Fa hao-t'ung, chin. Begräbnistrompete, ein 
Hao-t'ung in größeren Proportionen, über i m 
lang. 

Brüssel Nr. 1872. 

Fakot, estn. .Fagott'. 

Falsche Lade s. Blindlade. 

Falsche Pfeifen s. Blinde Pfeifen. 

Falsches Register s. Dämme. 

Faltenbälge, im weiteren Sinn die im Gegen- 
satz zu den Kastenbälgen faltenwerfenden 
Bälge, d. h. diejenigen, deren Ober- und L'nter- 
platte nicht durch feste Wände, sondern durch 
einzelne Rippen und lederne Zwischenstücke 
verbunden sind, im engeren Sinn jedoch die 
ältere, aus mehreren Falten — im Gegensatz 
zu den Spannbälgen • — bestehende Art der 
Querbälge. 

Vgl. Zwickel. 



Fändur, osset. zweisaitiges Zupfinstrument 
lydischen Ursprungs, das Stammwort von 
pandur, tanbür. 

Fänfami, Holztuba der Haussa; plur. fan- 
famäi; fulbe pampämme. 

Fanfarentrompete, Heroldstrompete, 
nennt man eine moderne ventillose, ganz ge- 
streckte oder einwindige Trompete. Neuer- 
dings ist sie bei einigen preußischen Kavallerie- 
regimentern eingeführt. 

Vgl Aidatrompete. 

Fänger, beim Hammerklavier eine auf einem 
Draht (Fängerdraht) über dem hinteren Tasten- 
ende stehende, meist mit Filz (Fängerfilz), sel- 
tener mit Leder bekleidete kleine Leiste (Fän- 
gerkopf), an der sich der niederfallende Ham- 
mer reibt; durch diese Reibung verUert er 
seine Kraft und kehrt in die Ruhelage zurück, 
ohne beim Anprall an die Taste in eine hüp- 
fende Bewegung zu geraten, \vie sie sonst bei 
der Elastizität des Materials unausbleiblich 
wäre und die Präzision des Spiels gefährden 
würde. Anfangs bediente man sich statt dieser 
Vorrichtung eines Paars gekreuzter Seiden- 
schnürchen. 

Engt CHECK (-W1RE, - FELT, • HEAD). dän. FANGER, 
fr. ATTRAPE (FIL D'-, FEUTRE D'-, T£TE D'-). it. PA- 
RAMARTELLO. 

Fangeventil, dän. ,Fangventir. 

Fang-hiang, ein K'ing aus 16 nach den Lü 
gestimmten Holzplatten, 1679 vom Kaiser 
Kang-hi eingeführt. 

Fango-fango, Nasenflöte der Fidschiinseln: 
eine beiderseits durch die Wachstumsknoten 
geschlossene Bambusflötc mit Anblasöffnun- 
gen neben jedem Ende, je einem Stimmloch in 
der Nähe und 4 weiteren in der Mitte. Das 
Instrument kommt auch auf Marquesas vor. 

Brüssel Nr. 133. 

Fangventil, Saugventil, das in der Unter- 
platte angebrachte Ventil, durch das der Or- 
gelbalg Luft aus der .Atmosphäre aufnimmt. 

Engt SUCKER, dia FANGEVENTIL, russ. VSASYVAJUäCIJ 
VENTIL. 

Fanke, Trommel der Temnc (Sierra-Leone) 
mit Holzkorpus und zwei Fellen; Schnur- 
Reifen-Spannung. 

Markneukirchen Nr. 441/442. 

Farära, madag. Trompete, die sich die Kin- 
der aus Baumrinde oder Blättern machen. 

Abinale et Malzac, Dict. malg.-fr^., Tananarive 1888, p. 147. 

Farara hazu, madag. , Holztrompete'. 

Dumont d'Urville, Voy. de d^couv. de l'Astrolabe. Philologie. 
Paris 1833, I 235. 

Färas, (j«J. arab. ,, Pferd", .Steg'. 
Farch-chivil, wal. .Piektrum'. 
Farpa, altsp. .Harfe'. 
Fascia, ital. , Zarge'. 



137 



FASL— FENG HUANG HSIAO 



Fasl, d-^- arab. Kopfstück des Zamr. 

Fäßchen, alter Name des Flötenfußes und 
der Klarinettenbime. ^ ^, , „ 

Faussure (frz.). der Wulst, den der Glocken- 
rand nach außen bildet. 

Faustfagott = Rackett. 

Faux clavier, frz. .Blinde Klaviatur . 

Faux registre, frz. ,Damm'. 

Faux sommier, frz. .Pfeifenstock . 

Fayencegeigen sind gelegentlich hergeste It 
worden. Die berühmtesten sind die vier Delf- 
ter aus dem .8. Jh.. 1830 stellte der Pots- 
damer Ofenfabrikant H. Mühlenhoff eine Ton- 
geige in der BerUner Kgl. Akademie der Künste 
Ls In den 1880er Jahren hat Rohrmann in 
Krauschwitz Geigen aus Ton gebaut All 
diesen Erzeugnissen fehlt der eigentUche 
Klangcharakter. 

Feadan, Feadag, gael. .Pfeife. Flageolett. 
Flöte', V. indogerm. svettä .Rohre ; plur. 

feadain. 

Feandir, tawgy-samoj. .Trommel . 

Castrin, Wörlervert. a. d. samoj. Spr., St. Pet. 1855. S. 7l. - 
VgL Fändir. 

Featä'a, tawgy-samoj. .Trommelstock'. 

Fedel, altnord. .Fidel'. 

Federklavier = Spinett. Cembalo. 

Federleiste, die etwa 26mm hohe und breite. 
recht%vinklig ausgekehlte, dicht hinter oder 
auf dem Pulpetenbrett der Orgel entlang- 
laufende Leiste, in deren Einschnitten sich die 
untersten Schenkel der Spielventilfedem frei 
bewegen. 

Vgl. Federleisteiischlitze. 

Federleistenschlitze nennt man die senk- 
rechten Einsclmitte in der Fedcrleiste, in 
denen sich die unteren Fcderschenkel frei be- 
wegen. 

Federsaitenpianoforte, erf. gegen 1840 von 
dem Instrumentenmacher Wilh. Schwab in 
Budapest, ein Klavier mit schlangenformig 
gebogenen Stahlsaiten und daher verkürzter 
Mensur, dessen besondere Vorzüge eine fast 
völlige Unverstimmbarkeit und die Modu- 
lationsfähigkeit des einzelnen Tons waren. 

AMZ. XLII 977 ß. 

Fedi, Fedilo, jenissei-samoj. .Trommel'. 

Castr«n, WOrtcrverz. a. d. samojedischcn Sprachen p. 94i 

Feeder, engl. .Schöpfbalg'. 

Feet, engl. .Fuß' (Fußton). 

Feld s. Flachfeld. 

Felddrommel 16' soll nach Schilling II 673 
eine im Manual einer Orgel zu Lübeck stehende 
Stimme gewesen sein, deren Benennung ver- 
altet, die aber nichts anderes als Trompete 16' 
sei. Die fragliche Orgel dürfte die Burckart- 
schc zu St. Peter sein; die betreffende Stimme 
heißt dort aber nicht Felddrommel, sondern 



Feld-Trommeten, was denn auch mehr Sinn 

gibt. 

Feldflöte s. Feldpfeife. 

F61dob, ung. ,Pauke'. 

Feldpfeife, Feldflöte = Schweitzerpfeiff. 

_ In der Orgel ist Feldpfeife eine offene 
Labialstimme zu i oder 2' im Manual mit 
Metall- oder Holzpfeifen von kleinster Prin- 
zipalmensur und schärfster Intonation. 

It FIFFARO, ndL VELDFLUIT. ^ j ^ , 

Feldtrompete s. Felttrummet. In der Orgel 
s. V. a. Heükon. 

Feie V fedcl. norw. pop. Streichinstrument 
in Form einer Violine in kleineren Verhältnissen 
(60 cm Länge), mit kürzerem Hals, niedrige- 
rem Steg, stärker gewölbter Decke, 4 Spiel- 
und 4 Resonanzsaiten. Die Feie ^v-urde zuerst 
in primitiver Form um 1670 in 0stersio von 
dem Schullehrer Lars I-Üark gebaut; den heu- 
tigen Tvpus — noch jetzt wrd sie gebaut — 
schuf sein Schüler Isak Nielsen Botnen. 

Feierpfeife, Felwerpfeife, bair. Kinder- 
Weidenpfeife mit Grifflöchern, aus der Fehver- 
staude. 

Fellahi, türk. Zupf-Saiteninstrument mit 
achteckigem Holzkorpus, Hautdecke, langem 
geradem Hals und 4 Hanfsaiten. Länge gegen 
80 cm, Dm. 12,7 cm. 

New- York Nr. 339. . 

Felsenharmonika, erf. 1841 von dem Stein- 
metz Richardson in Cumberland, ein Instru- 
ment aus einer Reihe abgestimmter Basalt- 
stücke von 4"-4' Länge, die mit Holzklop- 
peln geschlagen wurden; die Harmonika, die 
an das chinesische K'ing erinnert, hatte einen 
Umfang von 5 'i Oktaven. Am 12. Juni wur- 
den Versuche damit in der Roy. Mus. Library 
zu London angesteUt. 1880 traten im Berhner 
Walhallatheater fünf Briider Bozza mit ab- 
gestimmten Pflastersteinen auf. Ein teuer- 
steinklavier stellte 1883 auf der Amsterdamer 
Kolonialausstellung der Franzose Baudre aus. 

Felttrummet ist im 16. Jh. eine Trompete, 
die zum Blasen der Feldstücke bestimmt war. 
also die Beherrschung der Prinzipallage des 
Instruments zu begünstigen hatte : man kann 
daher voraussetzen, daß sie sich von der Cla- 
reta außer durch ein tieferes Mundstück durch 
eine weitere Mensur unterschied. 

Felwerpfeife = Feierpfeife. 

Fen = Tsin ku oder Tsu ku. 

Feng «eng, chin. Äolsharfe aus einem Bam- 
busbogen. 

Moule 10;. 

Feng hsiao = P'ai hsiao. 
Feng huang hsiao, chin. Bambuslangnote mit 
eingekerbtem Mundloch im Verschlußknoten. 

Moule 64. 



138 



FENG K'IN— FIDEL 



Feng k'in, chin. , Orgel, Harmonium'. 

Feng ling, chin. „Windglöckchen" mit Rie- 
men am Klöppel, die, an den Dachecken der 
Häuser und Pagoden hängend, vom Winde 
geläutet werden. 

VaQ Aalst 58. — Moule 45. — Vgl. Purin, 

Fenkürt, ung. ,Oboe'. 

Fernflöte, eine sehr zart intonierte Labial- 
stimme. 

Köln, Apostelk. (GoU). 

Fernstation = Tonhalle. 

Fernwerk, i. s. v. a. Echowerk, — 2. ver- 
altet für ein abseits vom Hauptwerk der Orgel 
in einem besonderen Holzgehäuse unterge- 
brachtes Kornett mit sanfter Intonation. 

Fr. CORNET D'ECHO, engt ECHO CORNET. 

Ferrinhos, port. .Triangel'. 

Fers d'abreges, frz. .Wellenarme'. 

Fessura, ital. , Kernspalte'. 

Festuca (lat.), die Anreißfeder der Docke. 

Fetan, ir. , Flöte', v. idg. svettä, .Röhre'. 

Feto'o jenissei-samoj. .Trommelstock'. 

Castr6n, Wörterverz. a. d. saraojedischcn Spr. 94. 

Ffil, wal. .Violine'. 

Ffiloryn, wal. .Violinbogen'. 

Fforch gywair, wal. .Stimmgabel'. 

Fiauto s. Flauto. 

Fibre = Fifre. 

Fiddle, engl. .Fidel'. 

Fidel ist einer der mittelalterlichen Namen 
für die Geigeninstrumente, ohne daß man ihn 
mit Sicherheit für einen bestimmten Typus 
in Anspruch nehmen könnte. Etymologisch 
wird Fidel aus dem lateinischen .fidula' abge- 
leitet, und dieses entweder von fides, .Saiten- 
instrument', oder von vitulari. .wie ein Kalb 
springen'. Diese zweite Wurzel ist schon des- 
wegen zu verwerfen, weil die gesamte indo- 
germanische Sprachfamilie ihre Instrumenten- 
namen nur aus den vier Kategorien der Form, 
des Materials, der Spielart und des Klanges 
nimmt. Die erste Wurzel verliert an Wahr 
schcinlichkeit. weil in Zeiten, in denen altnord. 
.fidla' noch nicht nachgewiesen ist, von .fides' 
nur die Verkleinerungsform .f idiculae' belegt ist 
und weil auch in der Regel die Entlehnungen 
aus demVulgärlateinischen die betonten Suffixe 
den tonlosen vorgezogen haben. Es ist dann 
auffallend, daß das Wort in den germanischen 
Sprachen früher auftritt als in den romanischen 
und daß es in jenen ausnahmslos den Dental 
in der Mitte hat (fedel usw.). während ihn 
diese abgestoßen haben (viola usw.). Daher 
wäre es umgekehrt wahrscheinlicher, daß der 
Name aus dem Germanischen ins Mittellatei- 
nische und ins Romanische gekommen ist. 
ähnlich wie für die andere Bezeichnung des 
gleichen Begriffs, Geige, und auch für Harfe 



die germanische Abstammung jetzt nachge- 
wiesen ist. 

Schließlich wird das Wort ja nach Asien 
zurückzuführen sein. Um einen positiver 
Fingerzeig zu geben, weise ich auf die ver- 
wandte Sippe im Samojedischen hin. nament- 
lich auf das im Jenissei-Dialekt vorkommende 
,feSilo' mit der Bedeutung ..Trommel". Daß 
die Bezeichnungen für Trommeln und Saiten- 
instrumente identisch oder eng verwandt sind, 
ist eine hundertfach zu beobachtende Tat- 
sache. Sie wird abermals festgestellt werden 
können, wenn wir das samojedische Wort im 
Süden anknüpfen: da führt uns die Tawgy- 
Mundart mit der Form .feandir' zum ossetischen 
.fändir', das. wie wir wissen, das Stammwort 
von .pandur' und .tanbür', also von Saiten- 
instrumenten, bildet. 




FIDEL 
des 14. Jbs. von einem italienischen TafelbQd 
des Pal. Pitti in Florenz. Nach Rühlmann 

In der Neuzeit — seit dem 16. Jh. — wird 
das Wort Fidel pejorativ gebraucht. 

Man hat seit langem versucht, eine Gruppe 
mittelalterlicher Streichinstrumente abzu- 
grenzen, denen vorzugsweise der Name Fidel, 
namenthch im Gegensatz zu Geige, zukäme. 
Alle diese Versuche sind mißlungen und wer- 
den immer mißlingen, da die Alten selbst 
schwerUch scharfe Grenzen gezogen haben. 
Charakteristisch dafür ist eine Stelle im 
Busant (GA I 348): 

Dö hiez er im bereiten 
Mit sidinen Seiten 
Ein videlen erziuget wol 
Als si ein vürste vüeren sol 



Alsus die gtge wart bereit. 



139 



FIDEOG— FILOMELA 



Die Begriffe Trumscheit, Drehleier, L>Ta, 
Rebec und allenfalls Rubebe sind umschreib- 
bar. Fidel, Geige und Rotte dagegen lassen 
sich nicht voneinander trennen und werden 
am besten unter dem gemeinsamen Namen 
Fidel (frz. viele) behandelt. 

Von Lyra, Rebec und Rubebe unterscheiden 
sich die Fidein durch ihren gegen das 
Korpus scharf abgesetzten Hals, während 
sie unter sich durch Bau und Umriß des 
Körpers, durch ihre Größe und die Zahl ihrer 
Saiten verschieden sind. Nach der heute 
herrschenden Anschauung wären diese Instru- 
mente, besonders die schließhch siegreichen 
mit Zargenkorpus, aus dem Cr\vth hervor- 
gegangen ; man hätte diesem das Griffbrett 
gegeben und später die überflüssigen und 
störenden Bügel allmählich fortgelassen. Diese 
Konstruktion erscheint mir sehr gewaltsam. 
Unbestreitbar hat der Cr\\i:h oder die Rotte 
namentlich mit der Übernahme des Bogens 
eine Anzahl Modifikationen durchmachen 
müssen, die durch die neue Technik erforder- 
lich wurden ; das Korpus wurde schmäler, die 
Seiten schweiften sich nach innen und ein 
Griffbrett fand zwischen Körper und Joch 
Unterkunft. Für die Abstoß ung der Bügel 
ist kein Beweis zu erbringen und auch keine 
innere Wahrscheinlichkeit geltend zu machen. 
Der Crwth — um das vieldeutige Wort Rotte 
zu vermeiden — hat nicht der Zargenfidel das 
Leben gegeben, sondern er ist umgekehrt viel- 
fach von ihr beeinflußt worden. Ebenso wie 
der Rebec von Spanien her übernommen und 
weitergebildet wurde, so wird auch die Fidel 
von Südwesten aus eingedrungen sein. Saiten- 
instrumente mit abgesetztem Hals hat es in 
Spanien schon früh gegeben ; es sei an die 
Cantigas de Santa Maria erinnert, die für die 
Bauch- und für die Zargen-, für die ovalen und 
für die eingezogenen Fidelformen die Proto- 
typen stellen. Man kann schwerlich ins Feld 
führen, daß sich Fidein schon lange vorher in 
Frankreich nachweisen lassen. Was etwa 
Grillet aus entlegenerer Zeit namhaft macht, 
sind trotz der fünf Saiten und der scheinbaren 
Zargen Lyren ; denn der Bezug ist ein durch- 
aus sekundäres Kriterium, und die wahre Be- 
schaffenheit der seitlichen und hinteren Teile 
läßt sich aus so primitiven Skulpturen keines- 
falls entnehmen. Über die Stimmung macht 
zuerst Hieronymus de Moravia (i. Hälfte 
13. Jhs.) Angaben. Nach ihm hatte die rechte 
Viclla 5 Saiten in 



m 



d^ 



M 



^ 



^ 



oder 



^m 



i 



die erste Saite der ersten Stimmung hef frei 
neben dem Griffbrett. Wenn auch der Bezug 
der Fidein zwischen zwei und sechs Saiten 
schwankt, so scheint doch fünf in der Tat die 
Regel zu sein. Auch Elias Saloraonis ver- 
sichert 1274, ,,quod in vieUa non sunt nisi 
quinque chordae". Genetisch läßt sich diese 
Saitenzahl mit ihrer Stimmung nicht leicht 
erklären und jede Hypothese darüber dürfte 
die ganze Fidelfi'age eher noch mehr ver- 
wirren. 

Eine genauere zeitliche Untergrenze für den 
Begriff Fidel läßt sich heute kaum aufstellen. 
Er existiert solange, bis die aus der Fidel ent- 
standenen drei Familien der Lire, der Viole da 
gamba und der Viole da braccio sich einiger- 
maßen voneinander scheiden ; diese Scheidung 
begann im 15. Jh. und wurde im 16. Jh. voll- 
endet. 

Fideog, irisch .Pfeife'; vgl. fetan. 

Fides, lat. .Darmsaite, Lyra'. 

Fidheall, gael. .Violine'. 

Fidiculae, dim. v. Fides. 

Cicero de nat. deor. II 22. 

Fidilin, gael. .Geiglcin'. 

Fidla, Island., bereits im 18. Jh. ausgestor- 
benes Streichinstrument mit zwei Roßhaar- 
saiten. 

U. V. Troil, Leiters on Iceland (1772), London 1780, p. 92. 

Fidula, lat. .Fidel'. 

Fieould, Pansflöte der Schäfer von Arbeost 
(Dep. des Hautes-Pyrenees), aus einem Stück 
Buchs gearbeitet. Die beiden Brüssler E.xem- 
plare haben 8 und 14 Pfeifen. 

Brüssel Nr. 1095, 1096. — V'gL Sioulet Cristedou. 

Fife, engl. .Pfeife, Schweizerflöte. Pikkolo'. 

Fiffaro, v. ahd. pfifä, , s. v. a. Piffero. 

Fifre, v. ital. fiffaro, frz. .Pfeife, Schweizer- 
flöte', ein einfaches Pikkolo, in der Regel ohne 
Klappen. 

Die gleichnamige Harmoniumstimme ist ein 
Diskant-Halbspiel zu 2' oder 4', im Klang 
dem Flageolett ähnlich, aber noch zarter. Bei 
einzelnen Fabrikaten steht Fifre statt Fla- 
geolett. Der Zug kommt auch ohne eigene 
Zungen als Ableitung eines klingenden Re- 
gisters vor. 

Fifteenth, engl. .Superoktave'. 

Fifth, engl. .Quinte'. 

Figella, spätlat. .Fidel. Viola'. 

Figle, span. port. .Ophikleüde'. 

Figoli = Viola. 

Fijalok, OiiHJiOKT.. ruth. .Geige'. 

Fik, liXi. kurd. .Schalmei, Flöte'. 

Filet, frz. .Flödel'. 

Filimbi, plur. v. Ufilimbi. 

Filling-up stop, engl. .Füllstimme'. 

Filomela s. Philomela. 



140 



FINGERLOCH— FLAGEOLETT 



Fingerloch s. Griffloch. 

Finger slides, engl. Ventilsystem von Geo. 
Rob. Samson {1S62), dessen wesentliche Eigen- 
schaft die verschiedene, den betreffenden 
Stellen der Hauptröhre entsprechende Mensur 
der Zusatzröhren ist. [Pat. Nr. 1245, 29. Apr. 
1862]. Verbesserungen brachte C. A. Goo- 
dison in London an. 

Fiodan, irisch , Flöte, Pfeife' (veraltet); vgl. 
feadan. 

FiodhuU, gael. .Viohne'. 

Fiol, dän. .Viola'. 

Fiolek, poln. .Viola'. 

Fiolin, dän. .Violine'. 

Fipple flute, engl. .Blockflöte'. Entgegen 
der herrschenden Ansicht, daß fipple auf lat. 
fibula zurückgehe und ,, Pflock, Pfropf" be- 
deute, versucht Welch das Wort mit fib, pib, 
pipe in Verbindung zu bringen. 

Fisarmonica, ital. .Physharmonika'. 

Fiscciet, romagn. , Pfeifchen'. 

Fischio, ital. ,Pfeife' ; dim. fischietto; 
volg. fistio. 

Romagn. PICET. 

Fiselbogen, bair. .Fidelbogen', v. fiseln .hin- 
und herfahren'. 

Fistula, lat. .Flöte. Pfeife, Pansflöte' ; in der 
Orgel s. V. a. Rohrpfeife. Das Wort kommt 
v. indogerm. bhlcistlo, .pfeife'; als Zwischen- 
form ist flistula anzunehmen, das sich im 
vulgärlat. gehalten oder neugebildet haben 
muß, da die abgeleiteten romanischen Wörter 
das erste 1 oder an seiner Stelle ein r haben. 

Fistula anglica, lat. .Blockflöte'. 

Fistula helvetica, lat. , Schweizerpfeife'. 

Fistula largior (lat.), weitmensuriertes Fla- 
geolett (Orgelstimme). 

Fistula maxima, lat. ,Windkanar. 

Fistula militaris, lat. .Feldpfeife'. 

Fistula minima(lat.), engmensuriertes, spitz- 
intoniertes Flageolett (Orgelstimme). 

Fistula organica, lat., Orgelpfeife'. 

Fistula pani, lat. .Pansflöte'. 

Fistula pastoralis, lat. .Hirtenflöte. Schalmei'. 

Fistula rurestris, lat. .Bauernflöte'. 

Fistula vulgaris, lat. .Blockflöte'. 

Fisk, wend. .Mundstück' (Pfeifeninstru- 
mente). 

Fiskarulte, alban. .Flöte', v. ital. fiscardello. 

Fit-fit, vi^ÄÄs, kurd. .Pfeife'. 

Fithele, ags. , Fidel'. 

Fitola, spätlat. .Viola. Fidel'. 

Fjalok, Ohjiokx. ruth. ,Geige'. v. viola. 

Fjestula, (p-fecxyjia, russ. (17. Jh.) .Pfeife'. 

Flachfeld, Feld, nennt der Orgelbauer eine 
Pfeifenreihe, die in der Front in einer geraden 
Grundlinie steht. 

EDgl. FLATS, fr. PLANS. 



Flachflöte, in der Orgel eine breit labierte 
Zinnflötenstimme zu 8, 4, 2 oder i', die wie 
die Spitzflöte, aber nicht im gleichen Maße, 
oben enger wird und daher ein wenig heller 
als diese klingt. 

über das in dem Gedicht ,,Wie Jhesus in den 
himel enphangen wart" (14. Jh.) erwähnte 
Instrument .Vlaches Ror' geben die alten 
Quellen keinen näheren Aufschluß. Buhles 
Deutung auf Querflöte ist durch nichts ge- 
stützt. Am nächstüegenden würde mir die 
Doppel-Blockflöte erscheinen, die im späteren 
Mittelalter häufig abgeplattet, flach gebaut 
wurde. Daß man an eine derartige Bezeich- 
nung der Doppelflöte denken konnte, beweist 
der Name Plattflöte, den Ch. Schlegel in 
Basel Anf. 18. Jhs. seiner Doppelflöte gab. 

Ndl. FLAK-FLUIT. 

Fladderklappen s. Kontraventil. 

Flagellum, spätlat. (10. Jh.) .Schellenrute'. 

Flageol, altfrz. .Flöte". Zur Etymologie ist 
es m. E. unnötig, ein spätlateinisches Thema 
flautiolum anzunehmen. Es hegt näher, die 
schon .\nf. 14. Jhs. belegten englischen For- 
men flagel und flegel und das 1404 nach- 
weisbare mhd. flegil heranzuziehen. 

Flageolett, dim. v. flageol, zunächst , Kleine 
Flöte' schlechthin, seit dem 16. Jh. eine von 
Juvigny in Paris gegen 1581 erfundene kleine 
Schnabelflöte mit einer verhältnismäßig großen, 
einen Schwamm zum Aufsaugen des Wassers 
enthaltenden Birne, einem dünnen, bequem 
in den Mund zu steckenden Schnabel aus 
Elfenbein oder Hörn und 6 Grifflöchern, vier 
vom und zwei hinten. Der heutige Typus ist 
aus Holz oder Blech, in hoch G, mit dem 

8 



Umfang; 



,^»rr i 


2 




i 1 \y^^-- 


45Sf^J' 





Notierung: 



Die Zahl der Klappen hat sechs nicht über- 
schritten ; meist, wenn überhaupt welche vor- 
handen sind, nur 2 für es' und gis\ so daß die 
Verwendung auf einfacher modulierte Stücke 
beschränkt ist. Grifftabellen geben Mersenne 
und Speer. Gelegentlich begegnen Flageoletts 
mit Querflötenmundstück. Zu den wenigen 
Beispielen, wo das Flageolett im Kunst- 
orchester vorgeschrieben worden ist. zählen 
Bachs Kantate Nr. 103 ,,Ihr werdet weinen" 
(in A, Anzeichnung Flaute piccolo) und 
Nr. 96 ,,Herr Christ, der ein'ge Gottes Sohn", 
Händeis Acis und Galathea („Hush, ye pretty 
warbhng quire" unter der Anzeichnung Flau- 



141 



FLAGEOLETTGEIGEN— FL AUTO ALLEM ANNO 



to piccolo und — wahrscheinlich — ,,0 
ruddier than the cherry" unter der Anzeich- 
nung Flauto), Glucks Pilgrime von Mekka 
unter der Anzeichnung Piffero und Mozarts 
Entführung unter der Anzeichnung Flauto 
piccolo. Das 19. Jh. hat das Instrument in 
die Acht getan, und nur in ganz wenigen unter- 
geordneten Kapellen Englands, Frankreichs 
und Belgiens begegnet man noch 
hier und da diesem letzten Ab- 
kömmling der alten Schnabelflöte. 

— In der Orgel ist Flageolett eine 
meist engmensurierte und daher 
scharfkhngende Labialstimme zu i 
oder 2' im Manual. Die Engländer 
machen sie aus Holz, die andern 
aus Zinn. 

— Im Harmonium ist Flageolett 
eine helle Diskantstimme zu 4', 
die gewöhnhch mit Clairon zu 
einem Spiel vereinigt ist. 

S. auch Orphika. 

Engl. dän. fr. russ. FLAGEOLET, it FLAGIO- 
LETTO. sp. FLAJOLE.wal. PERELL. — VgL 
Doppelflageolett, Tripeldageolett 

Flageolettgeigen nennt H. Des- 
sauer in Linz die von ihm erfun- 
denen Geigeninstrumente mit einer 
Hebelvorrichtung zum mechani- 
schen Greifen der Flageolettöne. 

H. Dessauer, Die Verbesserungs-Versuche beim 
Bau der Viola. Berlin (1912). 

Flagiel, Flagiex = Flageol. 

Flahute, altfrz. , Flöte', v. flauter, flatuer, 
flatus. 

Flaiutet, altfrz. .Schwegel'. 

Flajeol, Flajel s. Flageol. 

Flak-fluit, ndl. ,Flachflöte'. 

Flammenorgel s. Pyrophon. 

Flaschenett, korr. v. Flageolett. 

Flaschenorgel, crf. in Berün 1816 von dem 
damals 22jährigen blinden Wilhelm Engel, 
ein Orgelinstrument in Form eines Tafel- 
klavicrs, bei dem die Pfeifen durch Flaschen 
verschiedener Größe im Umfang von 5 ^2 Ok- 
taven von c* abwärts ersetzt sind. Zwei Blase- 
bälge versehen die Kanäle mit Wind, der beim 
Niederdruck der Tasten die entsprechenden 
Flaschen in der Art anbläst, wie es beim hohlen 
Schlüssel geschieht. Die Ansprache soll gut 
gewesen sein. 

Einen ähnhchen Apparat im Psychologischen 
Institut der Universität — hat Prof. C. Stumpf 
in Berlin konstruieren lassen. 

Flasnet, korr. v. Flageolett." 

Flähte, Schwab, um 1600 .Flöte'. 

Fiat Trumpet, engl. , Diskantposaune', 
eigcntl. ,, Chromatische Trompete'. 

I^l^ocll, Traucrkanzone 1695. 



FLA- 
GEOLETT 
einklappiges 
Modell von 
Schuster &Co. 
in Mark- 
neukircben 



Fiats, engl. .Flachfeld'. 

Flatsche, kärntisches VoUcsmirUton aus 
einem Stück Rinde (Lavanttal). 

Flauste, altfrz. , Flöte'. V'ielleicht eine Kon- 
tamination von flahute und frestel. 

Flaut devoire, wohl aus Flute d'ivoire kor- 
rumpiert, ein offenes, weitmensuriertes La- 
bialwerk zu 8' von dumpfem Ton. Elfenbein- 
pfeifen hatte z. B. die alte Schloßorgel zu 
Schmalkalden. 

Flaut hemiol, nach Seidel 73 eine veraltete 
offene Labialstimme zu 8'. Ob, wenn Seidels 
Angabe richtig ist, die in seiner Zeit vorhan- 
dene Stimme wirkhch die zu dieser Anzeich- 
nung gehörige ursprüngüche war, halte ich 
für zweifelhaft ; der Name würde entsprechend 
seiner Bedeutung in der alten Musiktheorie 
eine Quintstimme voraussetzen. 

Flauta, span. port. , Flöte'. 

Flauta allemäo, port. .Querflöte'. 

Flauta armönica, span. , Harmonieflöte'. 

Flauta Euscaria, span. .Baskische Flöte', 
eine JNIanual-Labialstimme zu 8'. 

Sevilla, Catedrat 

Flauta-terQa, port. .Terzflöte'. 

Flauta travessa, port. , Querflöte'. 

Flauta de punta, span. .Blockflöte'. 

Flautado, span. .Flötenwerk'. 

Flautado principal, span. , Prinzipalflöte'. 

Flautado violön, span. ,Geigenprinzipar. 

Flautbaß s. Flötenbaß. 
_ Flaute, altfrz. , Flöte', v. vulglat. flauta. 

Flautilla, span. .kleine Flöte'; port. flautim. 

Flautino, ital. .kleine Flöte. Flageolett', im 
18. Jh. auch die .Diskant-Blockflöte'. 

In der Orgel ist Flautino eine kleine Zinn- 
flötcnstimmc zu 2' in den obcicn Manualen. 

Flautino alla vigesima seconda wird 1607 in 
der Partitur von Monteverdi's Orfeo vorge- 
schrieben. Goldschmidt (Studien z. Gesch. d. 
it. Op. I 134) erklärt den Ausdruck nach 
Kopfermann richtig als eine F'löte mit dem 
Grundton c^. Ergänzend weisen \vir auf die 
italienische Registerbezeichnung Vigesima se- 
conda hin, die s. v. als einfüßige Stimme be- 
deutet. Für den gleichen Begriff haben die 
alten deutschen Orgel- und Instiumenten- 
bauer das Wort Gar klein, das seinerseits 
auch zur Benennung der höchsten Schnabel- 
flötenart mit nur vier Grifflöchern verwendet 
wurde. Flautino alla 22 ist demnach das Gar 
klein Flötlein des Prätorius. 

Flauto, ital. ,Flöte', v. altfr. flahute. Bis ins 
18. Jh. hinein bedeutet Flauto durchaus 
Blockflöte im Gegensatz zur Querflöte. 

VgL Flageolett. - Romagn. sard. siz. FLXuTLI. 

Flauto a Camino, ital. , Rohrflöte'. 
Flauto allemanno, ital. .Hohlflöte'. 



Z42 



FLAUTO AMABILE— FLORENTINISCHE MANDOLINE 



Flaute amabile, ital. .Dolzflöte' (Orgel). 

Flaute cuspido, Cuspido, ital. .Spitz- 
flöte'. 

Flaute d'amore, ital. ,A-Flöte'. 

Flaute di Pane, ital. ,Pansflöte'. 

Flaute delce, ital. .Dolzflöte' (Orgel). 

Flaute duple, ital. wohl s. v. a. Doppelflöte. 

Flaute italico, ital. .Flöte' (Orgel). 

Flaute major, lat. , Flöte i6" (Orgel). 

Flaute piccole, ital. .kleine Flöte, Pickel- 
flöte', im i8. Jh. eine kleine Schnabelflöte. 
In der Orgel ist Flaute piccolo das kleinste 
und schärfste Zinnregister, meist zu i', sel- 
tener zu 2'. 

Flaute stoccato, Flötenstimme unbekannter 
Natur, etwa Czakan ? 

Erlangen, Hauptkirche (1771). 

Flaute tedesco, ital. , Hohlflöte'. 

Flaute verticale, ital. .Langflöte'. 

Flautene, ital. (18. Jh.), .Altflöte. Baßflöte'. 
In der Orgel ist Flautone eine 16' Dolzflöte. 

Flautephen, erf. 1876 v. Maurice Baduel in 
Paris (Pat. Nr. 1 12575 v. 26. Apr. 1S76), eine 
kleine Flötenorgel aus einer Reihe von Metall- 
flötenpfcifen mit Tastatur im Umfang von 
zwei Oktaven und einer Terz, deren Windlade 
vom Mund des Spielers aus durch einen 
Schlauch gespeist wird. Länge 45, Höhe 27 
bis 30 cm. 

Brüssel Nr. 2412. — Kopenhagen Nr. 88. 

Fläutu, romagn. sard. siz. ,Flötc'. 
Flavel, Flaveteau, altfr. , Flöte'. 

Godelroy, Dict. de Tanc, langue fran^aise IV 26. 

Flavta, slov. , Flöte'. 

Flecik, poln. .Querflöte'. 

Flecik wicyski, poln. , Hirtenflöte'. 

Flegil, mild. .Flöte'. Die Deutung ergibt 
sich mit ziemlicher Sicherheit aus der Namens- 
verwandtschaft mit ruth. fJejara, flojara, ngr. 
(fXoyi(>a, makedorum. flujare, fluere, alban. 
floera; dazu kommen die beiden mittelengli- 
schen Formen flcgel und flagcl. aus dem Anf. 
14. Jhs., die ihrerseits die Beziehung zu altfrz. 
flageol klarlegen. 

Eberh. Cersne, Der Minne Regel. 1404; Curt Sachs, Die Musik- 
nstrumente der Minneregel, SJ MG XIV 4. — VgL FlQte brehaigne. 

Fleita, lett. ,Flöte'. 

Flejarna svistavka, OjienapHa CBHCTaBKa. 
ruth. .Flötenpfeife'. 

Flejta, OjieÖTa. russ. bulg. .Flöte'. 

Flejta-pana, OjieftTa-naHa, russ. ,Pansflöte'. 

Flejta s nakenecnikem, OjieiiTa et HaKO- 
HeHHHKOMT., russ. .Schuabclflöte'. 

Flestel, altprov. .Pfeife', v. vulgärlat. flistula. 

,,L'us estiva, Tautre flestella." 

Rom, de Flameoka, 1235. 

Flet, poln. , Flöte'. 

Flet dziobkowy, poln. .Blockflöte'. 



Fletrewers, poln. , Querflöte'. 

Fleuthe, altfrz. .Flöte'. 

Flicemino, ital. .Pikkolo'. 

Flicerne, ital. ,Bügelhom'. 

Flicorne baritene, ital. ,Bar}'tonhom'. 

Flicerne basse, ital. größeres Baryton. 

Flicerne basse grave, ital. , Baßtuba'. 

Flicorne contrabasso, ital. , Kontrabaß- 
tuba'. 

Flicerne contralte, ital. .Althom'. 

Flicerne sepranino, ital. .Pikkolo'. 

Flicorne soprane, ital. .Flügelhom'. 

Flicerne teuere, ital. .Tenorhom'. 

Fliegenschnäpper, Schwedische Stiche, 
sind kleine, in die Füße der von falschem 
Winde angeblasenen Orgelpfeifen oder in die 
zu ihnen führenden Kondukten gebohrte 
Löcher, die den Wind derart schwächen sollen, 
daß er die Pfeife nicht mehr anblasen kann. 

Fligel, <I)JiHreflT), russ. .Flügel'; grus. fli- 
geli. 

Flight, engl, das unterste Stück des Glocken- 
klöppels, unter der Verdickung, das dazu 
dient, die Wucht des Schlages zu verstärken. 

Fliscernie, port. ,Flügelhom'. 

Fliste, altfr. .Flöte', v. lat. flistula. 

,.I1 orent molt cors et frestiax, 
Flageus, flistes, estiviax." 

Rom. de Troic 7618. 

Flistula s. Fistula. 

Fli^ca, rum. , Pfeife'. 

Flödel, Äderchen, das schmale schwarz- 
weiße Streifenpaar, das, bei den besseren 
Streichinstrumenten eingelegt, bei den min- 
derwertigen aufgemalt, auf Decke und Boden 
längs dem Rande herumläuft. 

Engl. I'URFLING, fr FILET D'ORNEMENT, sp. ATARACEA. 

Flöduse, korr. aus flöte douce. .Flute 
douce'. 

Fleere, alban. , Flöte' ; ngr. (pkoytQa. 

G. Meyer, Etymologisches \\B. d. alb. Spr. 108. 

Floit Ajar [?], große Langflöte der Insel 
Amboina (Molukken), aus zwei Bambusröhren, 
einer weiteren, gedeckten von 75 cm Länge 
und 8 cm Dm., die der Spieler beim Sitzen 
zwischen den Beinen hält, und einer in sie 
hineingesteckten engeren, offenen von gleicher 
Länge und 35 cm Dm., in die geblasen und 
die zur Gewinnung verschiedener Töne mehr 
oder weniger ausgezogen wird. 

Eine ähnliche Stempelflöte haben die Pa- 
pua auf Neu-Guinea. 

Paris Nr. 1274. — Schellong, O., Musik und Tanz der Papuas 
(Globus LVI 81). 

Flejara, OjioHpa. ruth. .Flöte'. 
Flejte, dän. , Flöte'. 

Flejtedus, dän. .Blockflöte, Flute douce'. 
Flerentinische Mandoline s. MandoUno 
fiorentino. 



143 



FLOSSPSALTERI UM— FLÖTENWERK 



Floßpsalterium, Floßzither, nennt die In- 
strumentenkunde ein Psalterium aus floßartig 
aneinandergefügten Stäbchen oder Röhrchen. 




OSTTURKISTANISCHES FLOSSPSALTERIUM 
aus Sorghum; Kinderspielzeug, Kgl. Völkerkundemuseum zu Berlin 




FLOSSPSALTERIUM 
der Kändhä (Vorderindien) im Kgl. Völkerkundemuseum zu Berlin 

Flöte nennt die Instrumentenkunde ein 
Blasinstrument, dessen Luftsäule ihre Be- 
wegungsanstöße weder durch die Schwin- 
gungen der mensclilichen Lippen, noch durch 
die einer elastischen Zunge erhält, sondern 
durch einen Luftstrom, der gegen den scharfen 
Rand der Oberöffnung oder eines seitlich in 
die Wandung geschnittenen Loches getrieben 
und dort periodisch nach innen und nach 
außen abgebogen wird. Der Spieler bläst ent- 
weder unmittelbar gegen diesen scharfen Rand 
(schnabellose Langflöte und Querflöte) oder 
mittelbar durch einen Kanal {Labialflöte der 
Orgel und Schnabelflöte). Die europäische 
Musikpraxis verstand unter Flöte ohne wei- 
teren Zusatz bis zur Mitte i8. Jhs. die Block- 
flöte, seit dieser Zeit dagegen die Querflöte. 

Allem Anschein nach ist die Flöte in ihren 
verschiedenen Formen das älteste Musik- 
instrument überhaupt ; die Verwendung pri- 
mitivster Sclbstklingcr in prähistorischer Zeit 
entzieht sich der Forechung. Die Funde 
ältester vorgeschichtlicher Relikte haben an 
Tonwerkzeugen ausschheßlich Flöten und 
zwar Knochenflöten zutage gefördert, neben 
und wahrscheinlich vor denen wir Rohr- 
flöten voraussetzen müssen. Das Durch- 
bohren der auf Schnüre aufzureihenden Kno- 



chen erlegter Feinde und Tiere mag schon in 
grauesten Zeiten die Verwendbarkeit seit- 
licher Löcher gelehrt haben. Freiüch liegt es 
nahe, die Aneinanderreihung grifflochloser 
Pfeifen verschiedener Stimmung, also die 
Pansflöte, entwicklungsgeschichtlich vor die 
Grifflochflöte zu setzen. Zur Diskussion ist 
hier jedenfalls noch die von Ch. K. Wead in 
seinen Contributions to the Historv of musical 
scales fRep. Smithsonian Inst. Washington 
ipor] niedergelegte Anschauung zu stellen, 
daß die in neolithischer Zeit zuerst nachweis- 
baren Grifflöcher ursprünglich rein dekorativ 
sind. 

In der Orgel ist Flöte ohne weiteren Zusatz 
eine offene, ziemlich weitmensurierte und 
kräftig intonierte Flötenstimme zu 8 oder 4'. 

Flöte im Harmonium ist in der Regel eine 
kräftige Diskantstimme zu 8', die mit .Englisch 
Hom' zu einem Spiel vereinigt ist. Die Flöte 
des amerikanischen Harmoniums ist dagegen 
eine weiche, helle Diskantstimme zu 4', die mit 
, Viola' zu einem Spiel verbunden wird. 

Engl. FLUTE, ndl. FLUIT, dän FLOJTE, schw. FLOJT, 
wal. PIBELL. g.iel. FEADAN, fr. FLUTE, it. FLAUTO, sp. 
port. rum. FLAUTA, rät. FLÖTA, russ. buU. FLEJTA, ruth. 
FtEJARA, poln. FLET, c. FLETNA, Ut. FLEXA, lett. STA- 
BULE, e5tn. WLET. serbokr. FRULA, ung. FUVOLA, ngr. 
A y.l O^'. — Vgl Dolzflöte, Doppelflöte, Flachflöte, FlautophoQ, 
Hohlflöte, Langflöte, Multiflüte, Paniflöte. Pfeife. Querflöte. — 

Flöte harmonica s. v. a. Harmonika. Nicht 
mit Flute harmonique verwechseln! 

Frankfurt a. O. 

Flötenbaß, eine Flötenstimme im Orgel- 
pedalc, offen oder gedeckt, fast stets zu 8', 
seltener zu 16', die dem Pedal eine größere 
Fülle und Rundung gibt ; allgemeiner auch jede 
Pedal-Flötenstimme zu 16'. 

Ndl. FLl'ITBAS. ~ Vgl. Baßflote. 

Flöten-Harfenuhr, eine Kombination der 
Flötcnuhr und der Harfenuhr, von Joh. Gottfr. 
Kaufmann 1787 verfertigt und von Friedrich 
August III. V. Sachsen angekauft. 

Flötenpfeife s. Labialpfeife. 

Flötenprinzipal s. Prinzipalflöte. 

Flötenstimmen s. Labialstimmen. 

Flötenstock s. Stockflöte. 

Flötenuhr, ein Spieluhrwerk mit Flöten- 
registern, angeblich 1 779 als eine Umgestaltung 
der Harfenuhr erfunden. Die Stifte der Walze 
öffnen beim Rotieren die Pfcifenventile. Die 
Zugehörigkeit einer wirklichen Uhr mit Ziffer- 
blatt und Zeigerwerk ist für den Begriff der 
Flötenuhr belanglos; das entscheidende Merk- 
mal ist der mechanische Antrieb durch ein 
Uhrwerk. 
Curt Sachs in Zfl XXXIII Nr. 33. — Vgl Fläten-Harfenuhr. 

Flötenwerk ist eine kleine Orgel mit nur 
Labialstimmen (Positiv) oder in den großen 



144 



FLÖTLEIN— FLUTE ALLEMANDE 



Orgeln eine nur aus Flötenstimmen zusammen- 
gesetzte Abteilung. 

Engl FLUTE-WORK, ndl. FLUITWERK, din. FLOJTE- 
VMRK, fr. JEU DE FLÖTES, sp FLAUTADO, niss. FLEJTY, 
ung. FUVÖMO, lelt. STABULES, ngr. Ai'AHMÄ. 

Flötlein, eine kleine Flöte, im besondem im 
17. Jh. die kleinste Blockflöte, ca. 24 cm lang, 
in g". 

Praetorius 24(21), 39(34). 

Flotrowers, poln. .Querflöte'. 
Flottpfeiffe = Pansflöte. 

Hainhofer, Phil., Dresdner Reisetagebuch 1629. 

Flout, mittelengl. .Flöte'. 
Flowte pipe, engl. (15. Jh.). kleine Hirten- 
flöte aus Rohr oder HoUunder. 

Promptuarium parvulorum. 

Floyera s. Phlogera. 

Flue, engl. .Kemspalte'. 

Flue-pipe, engl. .Labialpfeife'. 

Fluer, rum. .Pfeife' (Orgel). 

Fluerd, rum. Holz-Schnabelflöte mit nach 
unten stark verengter Schallröhre und 6 Griff- 
löchern. 

Ngr. <PAOrEPA, alb. FLOERA — Brüssel Nr. 1019. 

Flügel heißt i. jedes Klavier, dessen Bezug 
im Gegensatz zu dem der tafelförmigen und 
der aufrechten Klaviere ganz oder fast in der 
Richtung der Tasten verläuft und in einem 
mehr oder weniger vogelflügelförmigen Ge- 
häuse untergebracht ist. Zum erstenmal er- 
scheint diese Form bei einem Cembalo des 
Bolognesers Geronimo von 1521 im Londoner 
Victoria and Albert Museum. 

Engl. GRAND PIANO, ndL VLEUGEL, dän. schw FLVGEL, 
fr. PIANO X QUEUE, it. PIANOFORTE A CODA, sp. PIANO 
DE COLA, port. PIANO DE CAUDA, russ. FLIGEL, lit. 
FLYGELIS, lett. LEELAS KLAVVEERES, esta TIBKLAWER, 
finn. FLYVGELY, ung. SZ.4rNYEK-20NGORA. 
Vgl. Querflügel, Stutzflügel 




FLCGELMECHANIK 
von Langer in Berlin (1909), Nach Dolgc, Pianos and Iheir Makeis 

2. Derjenige Teil des Fagotts, in dem das 
S-Rohr steckt. 

Engl WING, ndl VLEUGEL, fr. PETITE BRANCHE, it. 
PICCOLO TUBO. 

3. Bei den Labialpfeifen der Orgel der Bart. 
Flügelguitarre von Joh. Roth in Nürnberg 

(1882) vgl. Z.f.L H 333. 
Flügelharfe = Spitzharfe. 




FLCGELHORN 
kurzes dreizyiiadriges Modell voa 
Schuster & Co. in Markneukirchen 



Flügelhom, eine etymologisch nicht hin- 
reichend aufgeklärte, mögücherweise mit mhd. 
flegil zusammenhängende Bezeichnung des 
Signal- oder Bügelhoms, im engeren Sinne der 
Praxis jedoch nur der Name des mit Ventilen 
versehenen Sopran- 
Bügelhoms. Unter 
den übrigen Mitglie- 
dern der Bügelf amiüe 
nimmt das Flügel- 
hom von Hause aus 
eine Sonderstellung 
ein durch seinen stär- 
keren Konus, durch 
das Fehlen eines 
ausladenden Schall- 
stücks und durch 
seinen hieraus resul- 
tierenden dunkleren, 
den Hörer bald er- 
müdenden Klang. In- 
dessen haben die In- 
strumentenbauer die- 
se Eigenart mehr und 
mehr verwischt und dasFlügelhom durch engere 
Mensurierung und durch Ausweitung der Stürze 
dem Kornett genähert. Sehr viele Länder 
kennen ein eigentliches Flügelhom neben dem 
Kornett überhaupt nicht. Naturskala, Um- 
fang und Notierung entsprechen denen des 
Soprankometts. Wie bei diesem, ist auch beim 
Flügelhom die fl-Stimmung vorherrschend ; 
seltener kommt C vor. 

Eine Zungenstimme zu 8' mit erhöhtem 
Winddruck im 2. Manual der neuen Michaelis- 
orgel in Hamburg (1912) nennt Walcker 
Fügelhorn. 

Engl FLÜGEL HÖRN, ndl VLEUGELHOORN, fr. GRAND 
BÜGLE, it. FLICORNO S0PR.\NO, port. FLISCORNIO, russ. 
FLOGELHORN, c. ZPEVOROH, ung. SZ.\RNYKCRT. 

Die Namen, die in den Sprachwörterbüchem unter Flügel- 
hom aufgeführt werden, sind Bezeichnungen des Jagdhorns, 
nicht de?; eigentlichen Flügelhorns, 

Flügelröhre, s. Flügel 2. 
Fluit, ndl. .Flöte'. 

Fluit-doux, ndl. ,Dolzflöte' (Orgelstimme). 
Fluit harmoniek, ndl. .Harmonieflöte'. 
Fluit-wandelstok, ndl. .Stockflöte'. 
Flujare, makedorum. .Flöte'. 
Fluta, Flutta. ital. .Querflöte' (Orgel). 
Flute s. Flutet. 
Flute, frz. .Flöte'. 
Flute ä bec, frz. .Schnabelflöte'. 
Flute ä cheminee, frz. .Rohrflöte'. 
Flute 4 l'oignon, frz. , Zwiebelflöte'. 
Flute ä pavillon, eine Labialstimme von 
Pierre- AI. Ducroquet in Paris (1855). 
Flute ä registre, frz. .Registerflöte'. 
Flute allemande, frz. (18. Jh.), , Querflöte'. 



Sachs 



145 



FLUTE BREHAIGNE— FLUTTUAN 



Flute brehaigne, [Guillaume de Machault] 
ist wegen der Bedeutung „unfruchtbar, impo- 
tent", die dem Epitheton im Altfranzösischen 
zukommt, mit der Flute eunuque identifiziert 
worden. Kastner hat dagegen mit Recht 
geltend gemacht, daß dieses Instrument erst 
von Mersenne, ein Vierteljahrtausend später, 
genannt wird. Seiner Deutung „böhmische 
Flöte" schheßen ^vir uns um so heber an, als 
sie die durch unsere Etymologie des Wortes 
flegil wahrscheinlich gemachte osteuropäische 
Herkunft der Flöte bestätigen würde. 

Flute-cimbal, engl. ,Orgelleier'. 

Flute creuse, frz. ,Hohlflöte'. 

Flute cylindrique, frz. ,ZyUnderflöte'. 

Flute d'accord, frz. .Akkordflöte'. 

Flute d'aniour,frz. ,Dolzflöte,(Orgel), A-Flöte'. 

Flute d'Angleterre, frz. ,Blockflöte'. 

Merseone, Harmonie universelle, 1636. 

Flute de chaudronnier, frz. ,, Kupferschmied- 
flöte", vulg. ,Pansflöte'. 

Flute de Pan, frz. ,Pansflöte'. 




TAMBOURIN DU BEARN 

in Violaform mit Schwegel, nach dem Himmelfahrtsfresko 

Filippino Lippi's in S. M. sopra Minerva zu Rom (1489) 

Flute des vielleurs wurde nach Doni in 
Frankreich der Schwegel genannt, weil er nicht 
nur zur Trommel, sondern auch zur VicUc ge- 
spielt wurde. Diese an sich nicht sehr glaub- 
hafte Angabe findet ihre Erklärung vielleicht 
in einem 1489 von Filippino Lippi in S. Maria 
sopra Minerva zu Rom gemalten Himmel- 
fahrtsfresko. 

Der unterste der drei Engel auf der linken 
Bildseite hält mit der linken Hand einen 



Schwegel, während die Rechte mit einem 
Stäbchen ein umgehängtes Instrument von 
der Form eines Viola- Körpers ohne Hals, mit 
Ober-, Mittel- und Unterbügehi. mehreren 
Schallöchcm. Steg, Saitenhalter, Wirbeln und 
drei Saiten schlägt. Es handelt sich um ein 
Tambourin du Beam, das zur Bordunbeglei- 
tung der Flöte diente. Die hier belegte be- 
sondere Form gestattet, die Bezeichnung 
Vielle für das Instrument vorauszusetzen und 
den Namen Flute des vielleurs in diesem Sinne 
zu erklären. 

Flute diatonique, eine verbesserte, vielklap- 
pige Querflöte v. Will. Gordon in London 
1834, mit großen offenen Grifflöchern für d. e, 
fis, a. h. Die Bezeichnung ist übrigens unzu- 
treffend, da es sich gerade um eine chroma- 
tische Flöte im Gegensatz zu der alten dia- 
tonischen handelt. 

Böhm, Ober den Flötenbau, Mainz 1847, S. 10. 

Flute droite, frz. .Langflöte'. 

Flute douce, frz. .Blockflöte'. In der Orgel 
s. V. a. Dolzflöte. 

Flute du Poitou = Hautbois du Poitou, 
Kort holt. 

Flute eohenne, frz. .Aolsflöte'. 

Flute eunuque = Mirliton. 

Flute harmonique, frz. i. , Akkord flöte'. — 
2. .Harmonieflöte'. 

Flute nasale, frz. .Nasenflöte'. 

Flute octaviante nennen die Franzosen die 
Flute harmonique 4'. 

Flute ouverte, frz. .Offenflöte'. 

Flute pyramidale, frz. .Spitzflöte'. 

Flute traversiere, frz. .Querflöte'. 

Flute traversiere ä bec, frz. .Dolzflöte'. 

Diderot & d'Alembert, EncyclopWie 105. 

Flute walkingstick, engl. .Stockflöte'. 
Flute work, engl. .Flötenwerk'. 
Flüteau, frz. .Vogelpfeife'. 
Flüt^ole, eine konische Flöte mit erweitertem 
Schallstück von Coste {1847). 

Pont^coulant 450. 

Flutet, frz. .Flötlcin. kleine Flöte, Schwegel'. 

Flutina, eine kleine Flötenorgel. 

Flutone, Fluttonc,ital. Labialstimme zu 2'. 

Flutta = Fluta. 

Fluttone = Flutone. 

Fluttuan, eine vom Abt Vogler angegebene 
,, flutende" Manual-Diskantstimme zu 16' aus 
offenen Buchcnholz-Labialpfeifcn mit wald- 
homähnlichcm Ton. Die Pfeife c' ist 1,12 m 
lang, deren Labiumwand sowie die gegenüber- 
liegende 6,1 cm, die beiden andern Wände 
5,44 cm breit, der Aufschnitt 1,09 cm hoch, 
das Holz 6.54 mm dick. Als zugehörige Baß- 
stimme wird Quintaden 16' disponiert. 

NeU'Ruppin. 



146 



FLY— FREIN HARMONIQUE 



Fly, engl. .Auslöser', eigentl. „Fliege". 

Flygel, dän. schwed. .Flügel'. 

Flyta, lit. .Flöte'. 

Flyygeli, finn. .Flügel'. 

Födött, ung. .Gedackt'. 

Födöttbaß, ung. .Gedacktbaß'. 

Fods, dän. ,Fuß' (Fußton). 

Fogara s. Fugara. 

Fogäs, ung. .Frosch'. 

Fogäslyuk, ung. .Griffloch'. 

Fog-horn, engl. .Nebelhorn'. 

Foi, rum. .Blasebalg'. 

Fol (gallego). Ziegen- oder Schaf feUsack der 
Gaita. 

Fol, rätorom. .Blasebalg', v. lat. folhs. 

Fond d'orgue, frz. .Prinzipal'. 

Fondraki, eine enge und lange Kultustrom- 
mel der Insel Nias. die mit der Handfläche 
geschlagen wird. 

Paris Nr. 1297. 

Fontanelle, im 17. Jh. s. v. a. Klappe. 

Foon s. Fun. 

Force, ..Kraft", hieß ein Nebenregister der 
1750 von J. Gabler erbauten Orgel zu Wein- 
garten, das 49 auf C gestimmte Pfeifen ertönen 
heß. 

Forester's Hörn, engl. .Jagdhorn'. 

Forimö, Holzpfeife der Somäl. Galla, Ejssa 
und Gadaburssi ; die Benädir-Somäl haben sie 
nicht. 

Paulitschke, EthDcgr. Nordostatrikas I 148. — Cecchi, Da Zei- 
laet II 327, 

Fork mechanism., engl. .Drehscheiben- 
mechanik'. 

Fornitura, lat. .Mixtur'. 

Forquilha, port. .Stimmgabel'. 

Forskydning, dän. .Verschiebung'. 

Fortebien = Bienfort. 

Forte-campano, ein Metallophon zur Nach- 
ahmung des Glockenklanges, dessen Stäbe 
beim Drehen eines Triebrads von Hämmern 
geschlagen wurden (Lemoine 1825). 

Fortedeckel heißen beim Harmonium die 
meist doppelt — für jede Manualhälfte — vor- 
handenen hölzernen Schieber oder Klappen 
über den Spielen, die den Ton dämpfen, so daß 
durch ihre Zurückziehung — mittels Register- 
knopfs oder Kniedrückers — der Ton ver- 
stärkt wird. 

Forte expressif ist beim Harmonium die 
Kombination der FortedeckeUdappen mit 
kleinen Blasebälgen ; Stößer, die auf diesen 
angebracht sind, öffnen die Deckel je nach 
dem Füllungsgrade der Bälge. 

Fortepiano ist seit der Erfindung des Ham- 
merklaviers dessen unterscheidender Name 
gegenüber dem Klavichord und dem Cembalo. 
Die ältere Anschauung, daß diese Bezeich- 



nung der ungleich größeren dynamischen 
Schattierfähigkeit des neuen Instruments ihr 
Dasein verdanke, ist unzutreffend; ebenso 
aber auch die neuere des Barons A. Kraus, 
der sie mit der bereits 1725 von Cristofori kon- 
struierten Verschiebung in Verbindung bringt. 
Der Name bezieht sich vielmehr auf die be- 
reits beim Cembalo vorhandenen Forte- und 
Pianozüge; schon ein im 16. Jh. verfaßtes In- 
ventar der Instrumente des Hauses Este ver- 
zeichnet ein ..Clavi Cembalo 3 registri col suo 
Organo sotto. Instromento Piano e forte lau. 
to tutto a rabeschi". 

Fortepianoklavier, erf. 1794 v. Ehas Schlegel 
in .\ltenburg. die Kombination eines Hammer- 
klaviers mit einem Cembalo. Das Instrument 
hat den übhchen Harfen- und den Lauten- 
zug. Es soll an Stärke dem gewöhnlichen 
Hammerklavier nachgestanden haben. 

Hamb. Correspond. 1794 Nr. 10, Beilage. — Vgl. Clavedn m^ 

canique, 

Fortezug wird selten das rechte Pedal des 
Klaviers, mit mehr Recht dagegen der durch 
einen Registerknopf oder durch Kniehebel be- 
tätigte Öffnungszug des sog. Fortedeckels am 
Harmonium genannt. 

Fortis, lat. veraltet für Prinzipal; auch 
als Beiwort der stärksten Stimme einer Orgel. 

Fots, schwed. .Fuß' (Fußton). 

Fotzhobel, steir. .Mundharmonika'. 

Pädagogische Ztschr. XVUI 448. 

— bair. .Pansflöte'. 

Fressl 21. 

Fotzpfeife, steier. .Sackpfeife'. 

Fouet, frz. .Rute'. 

Foundation stop. engl. .Grundstimme'. 

Fourchette tonique. frz. .Stimmgabel'. 

Fourniture, frz. .Mixtur'. 

Fozhobel s. Fotzhobel. 

Frame, engl. .Rahmen'. 

Franklinharmonika = Glasharmonika. 

Französische Posaune, eine sanfter into- 
nierte Posaunenstimme zu 16'. 

Französischer Bogen, Leipziger—, Kontra- 
baßbogen des 19. Jhs. vom Typus des Violon- 
cellbogens. 

Frz. ARCHET A LA BOTTESINI. — Vgl. Deutscher Bogen. 

Französische Teilung besitzt ein Harmonium, 
dessen Diskant bei /' beginnt. 

Frappe. frz. .Glockenrand'. 

Free reed, engl, .freischwingende Zunge'. 

Frein harmonique, erf. v. Gavioli in Paris, 
ein schmales Metallplättchen von der Länge 
der Mundöffnung einer Orgelpfeife, das, schräg 
zu dieser Öffnung mittels einer verstellbaren 
Feder gesetzt, den scharf streichenden Ton- 
charakter der engmensurierten Rohrwerke, 
wie Gambe. Violoncello usw. vermehrt und 



147 



FREISCHWINGENDE ZUNGE-FUNDAMENTALBRETT 



verschönt. Der deutsche Orgelbau verdankt 
seine Einführung vomehmUch Sauer in Frank- 
furt a. O. 

Vgl. Intonieirolle. 

Freischwingende Zunge.D u r c hs c h lagend e 

Zunge nennt man ein elastisches Plattchen, 
das die zugehörige, genau abgepaßte ^ff^f 
öffnung beim Em- oder Durch- (nicht Auf-) 
schlagen hermetisch verschheßt. ohne an die 
Ränder zu stoßen. Ihre klassische Verwen- 
dung hat sie im ostasiatisch-indonesischen 
SSng und bei uns in Harmonium. Mund- und 
Ziehharmonika gefunden. Ihre Einführung 
in Europa soll zuerst gegen Ende i8. Jhs. der 
Kopenhagener Professor Kratzenstein ange- 
regt und der St. Petersburger Orgelbauer 
Kirschnigk bei seinen Orgelklavieren bewirkt 
haben; in der Orgel hat sie Abt Vogler zum 
erstenmale 1792 angebracht. Dem muß aber 
hinzugefügt werden, daß schon im zweiten 
Drittel des Jahrhunderts der Petersburger 
Kammermusikus Johann Wilde aus Bayern, 
der Erfinder der Nagelgeige, nach einer Mit- 
teilung in Hiller's Wöchentlichen Nachrichten 
von 1770 (P- 194) ..die Uebliche Chineser Orgel 
zu spielen" gelernt hatte, daß das Seng also 
in Rußland bereits bekannt war. 

Engl FREE REED. däo, FRI TUNGE, fr. ANCHE LIBRE, 
ft ANCIA LIBF.RA, sp. LENGOETA LIBRE, russ^ PRO- 
SKAKIVAJU^CIJ JAZYCEK. - Abb. be. .Harmon.um . 

Frela, ruth. .Flöte'; serb. frula. 

French hörn, engl. ,Waldhorn ; die Fran- 
zosen haben das Instrument vervollkommnet 
und ins Orchester eingeführt. „. ^ , 

Frestel, altfrz. .Pansflöte' ; v. lat. flistula. 

Fret-board, engl. ,Griffbrctt', 

Fr6tel, Fretiau = Frestel. 

Frets, engl. ,Bünde'. v. altfrz. ferrete. .mit 
Metall gebunden". 

Friction dmm, engl. .Reibtrommel, Brumm- 

*°Friktionsinstrumente hat man diejenigen 
selbstklingcnden Instrumente genannt, die 
durch Reibung in Schwingung versetzt werden. 

V.L Cölison, Euphon, Euphonia, Gl.-.,l.armonika. Hulv-hvili. 
KUvr^^L, Kulepaganez. M.l«iiko„, Melodien, Nj-Selg-Ke, 
Nlgemlavi«. PanmTlodikon, Slockspicl. Terpod.on, Troch.con. 
Uranion, Xylomdodichord, Xyloastron. 

Fri?c&, rum. Querflöte mit 6 Grifflöchern. 

Samml. Keil Nr. lil. 

Fritsvingend Tunge, Fri Tunge, dan. 
.Frrischwingende Zunge". 
Frog, engl. .Frosch". 

Front s. Orgclfront. ,. u c 1,» 

Front action nennt die englische Sprache 
eine Ventilmaschine. deren l^cwcgung senk- 
recht zur Instrumentenebene erfolgt. 
Frontpfeifen s. Prospektpfeifen. ^ 
Front pillar, engl, .Baronstange , 



Frosch, das seit dem späteren Mittelalter 
langsam herausgebildcte Griffende des Geigen- 
bogens, das der Aufnahme und Spannung des 

SrF^RoS^SLEUFJE. din. FROSCH, scbw FROSK. 
fr HAUSSE, it. BIETTA, russ, NATJAT, serb,kr. DRZAK. 
c. ZABKA, ung. BEKA. 

In der Orgelbauersprache versteht man 
unter Fröschen die keilförmigen Holzstuck- 
chen zum Koppeln zweier Manuale. 

Froschkoppel nennt man eine auf ein tieferes 
Manual wirkende Druckkoppel, die sich der 
Frösche als Bewegungsübertrager bedient. 

Frula, Vrula. OpyJia, serbokroat. .Quer- 
flöte' Die nationale Frula hat 6 Grifflöcher; 
das von Kuhaö beschriebene Exemplar ist 
31 cm lang und gibt die D-<fur-Leiter von 

Fuchsschwanz, ein veraltetes bhndcs Re- 
gister, das nur zur Symmetrie dawar und. 
wenn es von einem Neugierigen gezogen wurde, 
einen wirklichen Fuchsschwanz herausschnel- 

^%udkalica, Fuckalo, serbokroat, .Pfeife'. 

Füel, alban. ,Flöte'. 

Fuelle, span. .Blasebalg", 

Fufe-fufedji, in der Fulbe-Sprache s. v. a. 
Blasinstrumente ; haussa buSe-buäe. 

Fugara, Fogara, eine offene, sehr eng men- 
surierte streichende Labialstimme zu 8 und 4 
mit schmalem und niedrigem Aufschmtt und 
daher schwerer Ansprache. Schon 1800 
rechnete sie zu den veralteten Stimmen. Der 
Name ist neuerdings von Dobler auf prov. 
rätorom. vogära. .Stellvcrtieter". zurückge- 
führt worden; sollte nicht eher poln. fujara. 
.Flöte", in Betracht kommen? 

Spandau. St Nikolai. 

Fuiara, kleinpoln. .Hirtenflöte". 
Fujarka, cDynpKa, poln, ruth. .Hirtenflöte 
Fu k'in, eine in Kiangsu vorkommende Ab- 
art des Ceng mit Wirbeln. 

Moule III. 

Fu ku = Po fu. 
Fül, alban. .Flöte". 
Fuldt Vserk, dän. .Volles Werk . 
Füllpfeifen s. Blinde Pfeifeii. 
Füllquinte = Prinzipal sVa'- 
Füllstimme = Nebenstimme. 
Füllt verk, schwed. .Volles Werk , 
Fun, chin. Pfeife aus Ton. paarweise ge- 
braucht. Höhe 8 '4 cm. 

NewY rk Nr. 2324. 

Fund, rum. .Boden". 

Fundamantalbrett, Fu n d a m e n t b r c 1 1. 
heißt im Orgelbau d.as auf dem oberen Te. der 
Windladc ruhende Brett, auf das die Paral- 
lelen gelegt werden. 

Engl. TABLE, setbokr. GLAVA. 



148 



F UND AMENT ALIS— FYLH 



Fundamentalis, lat. , Prinzipal'. 

Fung ceng s. Fgng ceng. 

Fung kam = Yao k'in. 

Fung k'in, chin. »Orgel, Harmonium'. 

Fung huang hsiao = FSng huang hsiao. 

Fung ling s. Feng ling. 

Funnel-shaped mouthpiece, engl. .Trichter- 
mundstück'. 

Fuqaisät, oUi.^, arab. Kastagnetten aus 
Metall von etwa 5 cm Dm. 

New- York Nr. 382. 

Furculifa de acordat, rum. .Stimmgabel'. 
Furi, gedackte Langflöte mit 3 Grifilöchem 
(Nigergebiet). 

Day in Mockler-Ferryman, Up Ihe Niger, p. 268. 

Furin, jap. gewöhnlich an den vier Ecken 
des Tempeldaches aufgehängte ,, Windglocke" 
mit breitem, tief reichendem, manchmal mit 
einem Riemen versehenen Klöppel. Gelegent- 
lich wird sie mit Wimpeln geschmückt. 

Piggott 178. — Vgl. Fäng-Iing. 

Furi-tsuzumi, Toko, jap. Rassel zu Pro- 
zessionszwecken, aus zwei kleinen rechtwinklig 
übereinander am Ende eines halbmeterlangen 
Stockes aufgehängten Trömmelchen von ca. 
7cm Dm. und locm Länge mit 5 oder 6 kleinen 
Schellen. Das Instrument wird zusammen mit 
dem Kero vom Anführer der Prozessions- 
kapelle getragen. 

Piggott 178. — Vgl. T'ao ku. 

Furniture, engl. .Mixtur'. 

Furollya, ung. .Flöte'; serb. frula. 

Furuco, Brummtopf der venezolanischen 
Indianer, aus einem leeren Faß, über das ein 
Stück Lcder so gespannt wird, daß eine Öff- 
nung für einen Stock verbleibt, der dann takt- 
mäßig am Rande des Fells hin- und herge- 
zogen wird, das letztere in Schwingung ver- 
setzt und ein grunzendes Geräusch ergibt 

Fuß. 

1. Das Mündungsstück der Flöte. 

Engl FOOT, ndL VOET, (r. PATTE, it. PIEDE, serbokr. 
DOLJNI, i. NOZKA, ung. LAB. 

2. Das Schallstück der Klarinette und der 
Oboe. 

3. Der Stachel des Violoncello. 

4. Der Pedaldeckel der Harfe. 

Engl. PEDESTAL, dän. PIEDESTAL, fr. CUVETTE it 
MASTELLO. 

5. Der unterhalb des Kerns oder des Mund- 
stücks liegende Teil der Orgelpfeife. 

Engl FOOT, fr. PJED, it. PIEDE, serbokr. PISAK - Vel 
Fußloch. * ■ 

6. Fuß als Lagenbezeichnung einer Orgel- 
stimme wird in dem Sinne gebraucht, daß man 
die in Fußmaß ausgedrückte Länge der der 
C-Taste entsprechenden Pfeife als Bezeichnung 
der ganzen Stimme nimmt. Mißt diese Pfeife 



8', so erklingt die Stimme in der Lage, in der 
sie gespielt wird, mißt die Pfeife 16 oder 4', so 
erklingt sie eine Oktave tiefer bzw. höher, 
bei 5V 3' eine Quinte höher usw. Da jedoch 
eine gedeckte Pfeife annähernd eine Oktave 
tiefer als eine gleich große offene khngt. so 
richtet sich bei den gedeckten Stimmen die 
Fußbezeichnung nicht nach der eigenen 
Pfeifenlänge, sondern nach der Länge der 
ihrer Tonlage entsprechenden offenen Pfeife. 
Ebenso wird bei den Zungenstimmen das Fuß- 
maß nur vergleichsweise angewendet. 

Im 17. Jh. wurden gelegenthch die Stimmen, 
die heute i6- oder 32-füßig genannt werden, 
als 12- und 24 füßig bezeichnet, wenn ihre 
längste Pfeife diese Größe hatte, wenn also die 
tiefste Note nicht C, sondern das nächsthöhere 
F war. Ein Rest dieses alten Brauchs hat sich 
noch in Spanien gehalten, wo man bis auf den 
heutigen Tag von 13-, 26- und 52 füßigen 
Stimmen spricht. 

Engl. FEET, ndl. VOETS, dän. FODS, schw FOTS ft PIEDS 
it. PIEDI, russ. FUTOVYJ. - Vgl Hauptton. 

Fußklavier s. v. a. Pedal. 
Fußloch, die untere Öffnung des Orgel- 
pfeifenfußes, mit der die Pfeife im Pfeifen- 
kessel steht und durch die sie den Wind 
erhält. 

Fußtrittkoppel, eine mit dem Fuß regierte 
Kopplung. Nicht mit Pedalkoppei ver- 
wechseln 1 

Fuß walze s. Rollschweller. 
Füt, frz. .Trommclkastcn'. 
Futovyj, OyTOBbiö. russ. ,Fuß' (Fußton). 
Fütterung = Reifchen. 
Fütyölö, ung. .Pfeife'. 
Fuvö, ung. .Blasebalg'. 
Fuvöhangszer, ung. .Blasinstrument'. 
Fuvöka, ung. .Mundstück'. 
Fuvola, ung. .Flöte'. 
Fuvola-travera, ung. .Querflöte'. 
Fuvoläs 6ra, ung. .F'lötenuhr'. 
Fuvömü, ung. .Flötenwerk'. 
Fuye, jap. .Flöte' im allg. Die Japaner 
haben sie von den Chinesen bezogen und diese 
ihrerseits der Sage nach aus Nordwestasien. 
Ohne voreiüge Schlüsse ziehen zu wollen, 
möchten wir auf die Ähnhchkeit des japa- 
nischen Namens mit dem slav. fujara auf- 
merksam machen. 

Vgl. A2uma-fuye, Kagura-fuye, Koma-fuye, Samisen-no-fuye, 
Stoyoa-yiri, Si, Si-no-fuye, Vaniatofuye, Yokö-fuye. 

Fuye no ana, jap. .Löcher der Fuye'. 
Fuye no fuki kuci, jap. .Mundloch der Fuye'. 
Fydele, Fydale. ags. .Fidel'. 
Fyhtehorn, ags. Kriegshorn. 

Ijbri Psalm. Versio Ant. LaL, Oif. 1835, Ps. 74 v. 9. 

Fylh, altcom. , Fidel'. 



149 



G-FLÖTE — GAITA GALLEGA 



G-Flöte, falsche Bezeichnung der Quartflöte 
in F. 

G-Fuß bei der Flöte, ein Ansatzstück mit den 
Klappen für g-cis^, wurde zuerst von dem Ita- 
liener Orazi. dann von Bayr in Wien und 
Laurent in Paris gebaut und namenthch in 
den Kompositionen Ad. Terschaks voraus- 
gesetzt. 

G-Horn. 





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Umfang mit Maschine : 



Notierung: 




G-Klarinette. Eine Altklarinette in G ist 
nach FranccEur's und Laborde's Zeugnis in der 
2. Hälfte. i8. Jhs. gebaut worden. Das 19. Jh. 
schuf gelegenthch hohe G- Klarinetten; heute 
stellt sie z. B. W. Heckel in Biebrich her. 

G-Kornett, ein veraltetes Ventilkornett mit 
dem . .flf^ 

Umfang: | (fl | y ' I ' |) 



Notierung: 



G-Pauke wird die größere der beiden Pauken 
genannt. 

G-Posaune, eine seltenere, namentlich fran- 
zösische Baßposaune. 

G-Trompete. 




Skala 



Notierung : 



i^iijj-irrrri 



bj.l^yjU^M^J 



Ventiltrompeten in G werden z. B. in Italien 
gebraucht. 

Gabbus, ein in Zanzibar gebräuchliches Lau- 
teninstrument arabischer Herkunft vom Typus 
des nordwestafrikanischen Rebäb, mit 5 — 7 



Saiten, nach Form und Namen mit dem bome- 
ischen Gambus vervettert. 

Gabelklavier s. Stimmgabelklavier. 

Gabelkoppel, eine Manualkoppelung mittels 
gabelförmig ausgeschnittener Frösche auf den 
Tasten des Oberklaviers; im Gegensatz zur 
eigenthchen Froschkoppel ist sie ein Zugwerk. 

Engt RAM COUPLER, fr. ACCOUPLEMENT Ä FOUR- 
CHETTES. 

Gabelmechanik (Harfe) s. Drehscheiben- 
mechanik. 

Gabowie, Saiteninstrument der Hottentot- 
ten, ,,aus einem ausgehöhlten Stück Holz, über 
das drei Saiten gespannt sind ; ein an das Holz 
gefügter Stab, der als Handhabe dient, erleich- 
tert den Transport des Instruments". 

Bairow, J., Acc. of Trav. into the Int. of South. Afr. in the 
years 1797—98, Lond, 1801. I 149. — Wallaschek 129. 

Gabusifonio, eine Art Baßtuba von Gius. 
Gabusi in Bologna (1880). 

Gadlje, Taajte, serbokroat. .Sackpfeife', v. 
türk. ghaidä. 

Gadodo = Gawü. 

Gadza, Gefäßrassel von Zanzibar aus einem 
ganz niedrigen Rohrgeflechtkasten mit Kör- 
nerfüllung. 

Revue mus. VI 1906 p. 167. 

Gafa, Antilopenhorn der Galla, mit dem Ges 
identisch. Die Galla blasen damit zum Tanz. 
Paulitechke, Ethnogr. Nordostafrikas I 148. — Petermanns 
Mitteil. Ergänzungsh. 72. S. 25 (Schuver). 

Gaida s. Gajda. 

Gaita, span. , Sackpfeife', selten , Drehleier' ; 
port. .Schalmei'. Von arab. ghaidä. 

Gaita gallega, Sackpfeife der Landschaft Ga- 
licia in Nordwestspanien mit einem Ziegen- 
oder SchaffcUsack fol, der in der Regel mit 
blauem Tuch und gelben oder roten Besätzen 
bekleidet ist oder mit Rosenholz und karme- 
sinfarbenem Futter, einem Anblaserohr 90- 
pretc, in dem innen ein Ventil, zapon, sitzt, 
ein bis zwei Stimmern und einer Melodiepfeife ; 
alle vier Pfeifen sind am Sack mittels der 
bocales. buxas oder buxainas befestigt. 
Der größere Stimmer ronco oder roncön sitzt 
neben dem soprcte und ruht auf der linken 
Schulter des Bläsers ; er besteht aus drei Teilen : 
primo, segundo tercio und copa. die ver- 
bunden ä vara do ronco genannt werden. An 
ihm hängt eine mehrfarbigeQuaste, b o r 1 a oder 
farrapo. auf deren Beschaffenheit die Spieler 
großes Gewicht legen ; eine zweite, kleinere 
Quaste, die perilla. ist an der Mitte der Pfeife 



150 



GAITA GRILEIRA— GAMBANG GÄNGSÄ 



angebracht. Nicht obUgatorisch ist ein wei- 
terer, höherer Stimmer, der ronquillo. Wäh- 
rend die beiden Stimmer zyhndrisch und mit 
einfachen Zungen, palletas, versehen sind, 
hat die Spielpfeife, punteiro, konische Boh- 
rung und Doppelrohr, p allen. 

Revista musical III 185 (De Arana). — Vgl. d. folg. Art. 

Gaita grileira, gallego, Sackpfeife in D mit 
I Stimmer. 

Valladares, Dicc. gall.-cast 271. — Revista musical III 185 
(De Arana). 

Gaita redonda, gallego, Sackpfeife in C. 

Gaita tumbal, Gaita roncadora, gallego, 
Sackpfeife in B, mit 2 Stimmern. 
Valladares, Dicc. gall.-cast. 272. — Revista musical III 185 
(De Arana). 

Gaita zamorana, span. Sackpfeife mit zwei 
Stimmern. 

Gajda, FaÄAa, v. türk. ghaidä, bulg. poln. 
ruth. Dudelsack mit 2 Pfeifen ; serbokr. meist 
gajde, gadlje,slovak. gajdy. Vgl. Algaita, 
Elgaita, Gaita. 

Gajor, Holzgalgen der jav. Gongs. 

Gakki, jap. , Instrument'. 

Gakkudaiko, ein Taiko von 48 cm Fell-Dm., 
5 1 cm größtem Zargen-Dm. u. 1 9cm Zargenhöhe. 

Mailand Nr. 30. 

Gakkuki, jap. die reinen, hieratischen In- 
strumente, die zur Ausführung der gottes- 
dienstlichen Musik bestimmt sind. Die haupt- 
sächlichsten sind: Kagura-fuye. Yamato-koto, 
Öaku-bioäi, So-no-fuye. Hit^iriki, Koma-fuye, 
Kin-no-koto, Biwa, Taiko, Sa-no-tsuzumi, 
Kakko, Soko. 

Gakku-no-tsuzumi, ein Tsuzumi mit nur 
8 Löchern zum Durchziehen der Spannungs- 
schnur. Fell-Dm. 28, Zargen-Dm. 16 cm. 

Mailand Nr. 34. 

Gakpa = Gawü. 

Galamit, lihir , Holztrommel'. 

Friederici, Beiträge 206. 

Galandronome, ein MiUtärfagott in B von 
Galander in Paris (geg. 1853), dem Nachfolger 
des jüngeren Savarv. 

Galempung s. Tjelempung. 

Galeppe s. Gleppe. 

Galevu kauhaumumu, eine einreihige Pans- 
flöte der Florida-Inseln (Salomonsarchipel) mit 
II — 13 Bambuspfeifen, die mit Fasern zwi- 
schen zwei Holzstreifen gebunden sind. Länge 
der größten i' 7", der kleinsten l'Vs" — 2 14". 

New- York Nr. 804, 828. 

Galevu ngungu, eine zweireihige Pansflöte 
von den Florida-Inseln (Salomonsarchipel) mit 
50 Bambuspfeifen, die mit Fasern zwischen 
zwei Holzstreifen gebunden sind, gewöhnlich 
vonPupu horu undPupu galaga begleitet. Länge 
der größten Pfeife 2'4", der kleinsten i'Vs"- 

Ncw-Vork Nr. 835. 



Galevu soniruka, eine zweireihige Pansflöte 
der Florida-Inseln (Salomonsarchipel), mit 40 
bis 44 Bambuspfeifen. Länge der größten 
Pfeife 8 Vi— 10", der kleinsten i ij". 

New- York Nr. 826)7. 

Galinquang, eine längUch-spitze Bambus- 
maultrommel von Deutsch- Neuguinea (Jabim, 
Tami, Sattelberg- Kai) ; der Klang dieses wich- 
tigsten und — namentlich von den Lae-Wom- 
ba — am geschicktesten hergestellten Instru- 
ments ist stark obertönig und in der Farbe 
wechselnd. Gelegentlich wird an die Zungen- 
spitze ein Holzspähnchen zur Verstärkung und 
Vertiefung des Tons gebunden. 

NeuhauO, Deutsch-Neu-Guinea, Berl. 1911, I 385. 

Galipe francisco, altspan. [Juan Ruiz, Libro 
de buen amor, i. H. 14. Jhs.] v. altfrz. galipe 
, Schaluppe ', ein kahnf örmiges Instrument, viel- 
leicht nach Analogie des gleichfalls , Schiffchen' 
bedeutenden Linterculus die Diskantgeige. 

C. Sachs in Sammelb. d. Int. Mus. Gesellscbait XI 592. 

Galischan, Gallichona, s. Calichon, Co- 
lascione. 

Galltrumpa, irisch ,Trompete'. 

Galmgat, ndl. ,SchalUoch'. 

Galoubet, prov. .Schwcgel'. Nach Mistral 
käme der Name von dem berühmten Joglar 
Gualaubet; wie alle Ableitungen mittelalter- 
licher Instrumentenbezeichnungen von Per- 
sonennamen ist auch diese nicht angängig ; wir 
schlagen bask. chürula vor. 

Gamba s. Viola da gamba. 

Gamba d'amore nennt Hammerich in seinem 
Katalog der Kopenhagencr Sammlung eine 
Viola mit 7 Resonanzsaiten (Nr. 384), die of- 
fenbar mit der von Praetorius beschriebenen 
Viola bastarda identisch ist. 




GAMBANG K.\JU 
nach Ciawfurd, Hist. Ol the Indian Archipelago 

Gambang, jav. born. Schlagharmonika, be- 
stehend aus Holz- oder Metallplättchen, die 
auf den Rändern eines, mitunter kahnförmig 
gestalteten Kastens ruhen. In der Regel ge- 
hören zu jedem Gamelan (Orchester) ein Gam- 
bang gängsä und ein Gambang kaju. Für die 
außerordentlich zahlreichen Varianten dieses 
Instruments besitzt die javanische Sprache 
eine Fülle verschiedener Namen. 

Vgl. Monkori, Selangking. 

Gambang gängsä, ein Gambang mit 6 — 18 
Metallplättchen. 



151 



GAMBANG KAJ U— GARANKTUM 



Gambang kaju, Staccado, ein Gambang 
mit Holzplättchen von wechselnder Zahl. 

Crawfurd 337. 

Gambareh, Sarakolename für Käni. 

Gambe s. Viola da gamba. 

Gambenbaß, eine Viola da gamba i6' im 
Pedal (selten). 

Gambenflügel, Gambenwerk s. Streich- 
klavier. 

Gamber, südjüt. Name des violaförmigen 
Humle. 

Gambette, in derOrgel ein Viola da gamba 4'. 

Gambus, ein dem nordwestafrikanischen Re- 
bäb entsprechendes Lauteninstrument arabi- 
schen Ursprungs von Sambas (West-Borneo), 
mit birnenförmigem Korpus, Pergamentdecke, 
offenem Wirbelkasten und 3 oder 6 Saiten. 

Leiden Nr. 370/3688; Sarawak Kr. 1207. — Vgl. Gabbus. 

Ganang, tjam ,Holztrommel'. 
Gand = Ghentä. 
Gandang s. Gendang. 
Gander s. Gcnder. 

Ganegbaga. eine den Aschanti entlehnte 
Trommel von Dahome. 

Burton, R. F., A Mission to Gelele, Lond. 1864, I 377. 

Ganga, i . marokk. Pauke, die mit einem ge- 
knoteten Tauende geschlagen wrd. 
Nacbtigal, G., Sahara und Sudan I 745. 

— 2. haussa .Trommel'. 

Gangatan, Al-Tubel, Trommel der Tua- 
rek, zylindrisch oder halbkugelig, aus Holz 
oder gebranntem Ton, mit einer oder zwei 
Membranen, geschlagen mit dem Klöppel 
etokar oder mit gehärteten Ochsenziemern. 
Das Instrument spielt eine bedeutende Rolle im 
Kriege, bei Volksfesten und im täghchen 
Leben. 

Jean, Les Touareg du Sud-Est, Paris 1909, p. 2ll. 

Ganggereng, Tanzstab der Dajak am obe- 
ren Duson (Borneo), aus Bambus mit Gras- 
oder Blätterbüscheln und mit Fruchtkernen in 
den Endverdickungen, die beim Aufstoßen des 
Stabes rasseln. Länge ca. 220 — 230 cm. 

Gang'sa, Gong der Igorot von Bontoc (Phi- 
lippinen). 

.\. E. Jenks, The Bontoc Igcrot, Mamla 1905, p. iS<yff, — 
Vgl. Gambang gSngsä. 

Gangurih, Trompete der Kalmücken aus 
dem Armknochen eines erschlagenen Feindes. 

Vgl. Kang-duDg. 

Ganibri = Gnbri. 
Ganoun = Qänün. 

Gänrang, makassar s. v. a. Gendang; bugi 
gänrang. 

Matthes, Makassaaiscb-Hollandscb Wb., Amst. 1859, p. 62, 78. 

Ganza, resonator- und stimmschlingenloser 
Musikbogen von Niederguinea. 

Balfour 11. 



Ganze Orgel, eine Orgel mit 3 — 5 Manualen, 
mit einem Prinzipal 16' im Hauptmanual und 
einem Prinzipal 32' im Pedal. 

Ganze Stimme, eine Orgelstimme, die sich 
auf den ganzen Umfang einer Klaviatur er- 
streckt. 

Engl. WHOLE-STOP, fr. JEU COMPLET, schw. GENOM- 
GÄENDE STAMMA. 

Ganzinstrument ist der 1854 von K.v.Schaf- 
häutl geprägte Name für jedes Horninstru- 
ment, dessen Mensur im Gegensatz zu der der 
Halbinstrumente weit genug ist, um den 
Grundton einigermaßen bequem ansprechen 
zu lassen. Ganzinstrumente sind z. B. die Tu- 
ben. Das Verhältnis ihres Anfangs- und ihres 
Enddurchmessers ist bisweilen i : 20, während 
die Halbinstrumente höchstens 1:8 haben. 

Ganzmond, ein veraltetes Janitscharenin- 
strument aus einem breiten Messingreif mit 
Schellen, der an einem hölzernen Griff gehalten 
wird. [?] 

Welcker i88. 

Gaothaire, irisch .Hochlands-Sackpfeife'; 
plur. gaothairidhe. 

Garadap, Serunai, ein- oder zweisaitiges 
Streichinstrument der Dajak auf Borneo, 
aus einer unten durchlöcherten Kalebasse oder 
Kokosnußschale als Korpus, einer dünnen 
Holz- oder Fisch-(Buntal-)Haut-Decke, deren 
Fugen mit wldem Wachs verklebt sind, aus 
einem durch das Korpus durchgestecktenHart- 
holz (Bilian-)Stiel, dessen unteres Ende als 
Stachel dient, und einer oder zwei über einen 
zweifüßigen, beweglichen Steg geführten Sai- 
ten aus Segu-Rohr. die beim Spielen mit Spei- 
chel befeuchtet werden, aus Bindfaden oder 
aus Kupferdraht. Der Bogen besteht aus einer 
stark gekrümmten Rohrstange, deren eines 
Ende als Handgriff dient, und einer festgebun- 
denen, etwa 30 cm langen Rotanselme. Der 
Spieler sitzt am Boden und hält das Instru- 
ment zwischen den Zehen ; die Knie werden 
auseinandergebogen und die Solilen ancin- 
andi. rgelegt. Der Ton ist klagend, stöhnend. 

Das Instrument ist wohl als eine Rückbil- 
dung des mit den Arabern nach Indonesien ge- 
kommenen Rebäb anzusehen. 

Garamut, Holztrommel des Bismarck-Archi- 
pels (Gazelle, Lambum, Laniassa, King, Kait, 
Lalinau, Namarodu) : sie ist auf der Gazelle- 
Halbinsel sehr häufig, in Ncu-Mecklenburg 
seltner. 

Parkinsoit, Im Bibmarck>Archipel. — Stephan Sc Gracbner, 
Ncu-Mecklfuburg. 1907, S. 129. — Fricdirici, Beiträge. 

Garanktum, ein Xylophon der Battak auf 
Sumatra, das frei in der linken Hand gehalten 
wird. 

Florenz Nr. 11360. 



152 



GARANTONG— GEDACKT 



Garantong heißt in S. O. Borneo der Tawak. 

F. Grabow&ky, Musildnstrumente der Dajaken Südost-Bomeos. 
Globus LXXXVII I02. 

Garantong tatawak ist nach Grabowsky (Glo- 
bus LXXXVII 1 02 ) die mittlere Buckelgongart, 
nach Shelford dagegen wäre Tawak die große. 

Garbis = Cingara. 

Gardanä, bk>j , pers. .Wirbel' ; *J3J .Mu- 
sikinstrument'. 

Gargara s. Gharghara. 

Gargross heißt in der alten Orgelbausprache 
32 füßig. 

Gargross Baßviol s. Subbaß-Viola da gamba. 

Gariding s. Giriding. 

Gärikä, skr. .Bogen'. 

Garinding, jav. Bambuspfeife mit Zungen- 
mundstück. 

Garinga-taue, nub. .Trompete'. 

Villoteau 531. 

Garinge, nub. , Flöte'. 

villoteau 531, 

Garklein heißt in der alten Orgelbauer- 
sprache I füßig. 

Garklein Diskantschalmei = Klein Schalmei. 

Garklein Geig = Tanzmeistergeige. 

Garmönika, rapiaouHKa, russ. ruth. .Har- 
monika'. 

Garmuth, melan. (Augustafluß) .Holztrom- 
mel'. 

Garniture, frz. , Bezug'. 

Garode s. Garude. 

Garramut, melan. (Ralum) .Holztrommel'. 

Garrida, port. .Glöckchcn'. 

Gars^jimo skyle, ht. .Schalloch'. 

Garsing, Gissang, Holzpfeife von Nias. 

Washington. 

Garude, Mundorgel (Engkruri) der Dajak 
und Dusun auf Borneo. In N. -Borneo ist sie 
gewöhnlich achtpfeifig, mit vier kurzen gleich- 
langen Röhren und vier längeren von unglei- 
cher Größe ; da über den Zungen keine Seiten- 
löcher angebracht sind, müssen die oberen 
Rohröffnungen mit den Fingern gedeckt wer- 
den. In S.-O. -Borneo hat es in der Regel fünf 
kurze und eine längere Pfeife mit Schnecken- 
aufsatz, sämtlich mit Grifflöchern. 

Leiden Nr. 898 1 26-7. — Ling Roth II 260. — Grabowsky in 
Globus LXXXVII 105. 

Garuding s. Giriding. 

Garyäl, JLj . hindi pers. .Gong'. 

Gasharmonika, Gasakkordharmonika, 
ein Instrument aus Glasröhren mit verschieb- 
baren Aufsätzen, in deren Unterteil durch 
Hähne regulierbare Flammen brennen, erf. v. 
C. A. Grüel in Berlin auf Grund der chemischen 
Harmonika des Grafen Schaffgotsch. 

Poggendorfs Armalen der Physik und Chemie Jg. 1858. — 
Vgl. Brxndeud Harmonika, Pyrophon. 



Gas! -— Gqsl; dim. gqsleczka. 

Gatamboria bask. .ScheUentrommel'. 

Gau piti piti, Putu, Pansflöte der Florida- 
Inseln (Salomonsarchipel) aus 13 um einen 
Mittelbordun herumgebundenen Bambuspfei- 
fen, die unten durch das leicht durchbohrte 
Intemodium halb gedeckt sind. Größte Pfei- 
fenlänge 70 cm. 

New- York Nr. 802/3. 

Gaurugä, O .S, mong. pers. ,Trommel, 
Pauke'. 

Gawü, Gakpa, ewe , Pauke' der Angloer. 

Gayta, altspan. s. Gaita. 

Gazeschweller s. Windschweller. 

Gazza, makarka (nyam-nyam) .Trommel'. 

Gbedö, dahom. Trommel aus einem aus- 
gehöhlten Baumstamm. Dem Namen scheint 
frz. bedon zugrunde zu liegen. 

Gebläse ist die Gesamtheit der Bälge einer 
Orgel. 

NdL WINDTOESTEL, lat. CONFLATORIUM, fr. SOUF- 
FLERIE. serbokr. MIEHOVI. — Vgl. Hebewerk, Pneuma- 
tischer Widder. 

Gebohrte Windlade, eine heute als unprak- 
tisch verworfene Windlade aus einer Eichen- 
bolile, in die die Kanzellen eingebohrt sind ; 
heute werden die dem Reißen weniger ausge- 
setzten Rahmenwerk-Laden verwendet. 

Gebirgszither s. Zither. 

Gebrochener Kanal, Gekröpfter Kanal, 
ein Windkanal in der Orgel, in dessen Verlauf 
ein Kniestück eingeschaltet ist. 

Engl JOINTED WIND-TRLNC. - Vgl. Kropf. 

Gebrochenes Klavier, ein Orgelmanual mit 
Tasten, die aus zwei durch Gelenke verbunde- 
nen Teilen bestehen. 

Fr. CLAVIER BRISE, ndl. GESNEDE KLAVIER. 

Gebrochene Parallelen, Parallelen aus zwei 
zusammengckoppeltcn Teilen. 

Gebrochene Registerzüge, Orgelzüge mit ge- 
brochenen Parallelen. 

Gebrochene Schleifen s. Gebrochene Paral- 
lelen. 

Gebrochene Wellen, Geschränkte Wellen, 
sind solche, die zur Vermeidung zu großer 
Länge und daher zu schwerer Spielart in zwei 
oder drei durch Arme verbundene Teile zerlegt 
sind. 

Gebundenes Klavier = Bundklavier. 

Gedackt, Gedeckt, eine oben durch einen 
Stöpsel oder eine Kappe geschlossene, in der 
Regel weitmensurierte Orgelpfeife, die dem 
verdichteten Wind den natürlichen Austritt 
verwehrt und ihn zwingt umzukehren und zum 
Mundloch auszuströmen ; die auf diese Weise 
in der Länge verdoppelte Luftsäule ergibt 
einen annähernd um eine Oktave tieferen Ton 
als diejenige einer gleichlangen offenen Pfeife. 
Bei der Bezeichnung der einer gedackten 



153 



GEDACKTQUINTE— GELINDEGEDACKT 



Stimme gehörenden Oktavlage ist nicht die 
Fußlänge der eigenen C-Pfeife, sondern die der 
entsprechenden offenen Stimme maßgebend. 
Der Ton ist dumpfer, obertonärmer als bei off- 
nen Pfeifen ; die Verwendung gedackter Stim- 
men ist aber nicht nur durch die verschiedene 
Klangfarbe bedingt, sondern auch durch die 
Ersparnis, die sich aus der nur nötigen halben 
Pfeifenlänge ergibt. Gedackte sind erst im 
späteren Mittelalter nachzuweisen. 

Vgl Doppelbordun, Kammergwlackt, Lieblichgedackt, Musik- 
gedackt Starkgedackt, Subbaß, Untersatz. — Engl. STOPPED, 
ndl. GEDEKT, däo. D.«KKET. schw. BET.\CKT, fr. BOUCHE, 
it COPERTO, sp. TAPADILLO, ung. FODOTT, kr. POKLO- 
PLJENICA. russ. ZAKRYTYJ, poln. BURDON. 

Gedacktquinte s. Rohrquinte. 

Gedackt Fagott, im 17. Jh. ein Chorist-Fa- 
gott mit siebartig durchlöchertem Deckel über 
dem Kopfstück und daher schwächerem Ton. 

Gedacktflöte 8' s. Stillgedackt. 

Gedacktpommer s. v. a. Bombarde. 

Gedacktregale, d. h. Regalwerke mit gedack- 
ten Pfeifen, waren das Apfel- und das Köpflin- 
regal. 

Gedeckt = Gedackt. 

Gedombak, Gedu, malay. pilzförmigeTrom- 
mel aus Holz mit einem Fell und Zickzack- 
spannung, identisch mit dem siamesischen 
Thön. 

Skeat, Malay Magic, Lond. 1900, p. 516. — Balfour, Report 5. 
— Oxford. 

G^d^ba = Gusle. 

Gefäßflöte s. Okarina. 

Gefensterte Baßbalken nennt man solche, die 
statt in ihrer ganzen Ausdehnung nur an ein- 
zelnen Punkten aufgeleimt sind. Die ersten 
hat Carl Hellmig in Berlin nach 1 844 gemacht. 

Gega, asl. serbokroat. zweisaitige Geige, 
poln. g^ga,russ. guiga. 

Gegenheber =^ Treiber. 

Gegenzarge = Reifchen. 

Gegrumbungan, große hölzerne Büffelglocke 
von Bali (Ndl. -Ind.), die zur Eröffnung der 
Feldarbeit getragen wird. 

Leiden Nr. 370/898. 

Gehong, eine unten offene Trommel der Bu- 
kar-Dajak auf Borneo, mit Bambuszarge 
und 6inem Affenhautfell, das mit Rotan- 
schnüren an einem tiefer sitzenden Rotan- 
gürtel befestigt ist. Höhe 84, Dm. 12 cm. 

Sarawak Nr. 1294. 

Geige, V. mhd.gige, dies von and. geiga, ,hin- 
und hergehen", i . Im allgemeinen jedes Streich- 
instrument oder wenigstens jedes Streich- 
instrument der abendländischen Kunstmusik, 
besonders volkstüml. für Violine. — 2. Im 
Mittelalter heißt zunächst jedes Streichinstru- 
ment Geige, und es geht kaum an, wie man 
versucht hat, das Wort ausschließlich für den 



Bauch- oder für den Zargentj'pus in Anspruch 
zu nehmen. Vgl. darüber den Artikel Fidel. 
Nachdem sich aber die drei FamiUen der 
Viole da braccio. der Viole da gamba und 
der Lire herausgebildet hatten, bUeb der 
Name Geige nur den ersteren. 

Geigenprinzipal, eine in den oberen Manua- 
len disponierte Prinzipalstimme mit sehr eng 
mensurierten Zinnpfeifen zu 8, 4, seltener 16', 
mit schneidendem, geigenartigem Ton. 

Engl VIOLIN DIAPASON, it. PRlNCIPALE DI VIOLINO, 
sp. FLAUTADO VIOLÖN, ung. HEGEDCPRINCIPAL. 

Geigenregal s. Jungfemregal. 

Geigenwerk, Geigenklavizimbel s. 
Streichklaxder. 

Geisterharfe s. Äolsharfe. 

Geja, rätorom. (Bergüner und Fihsurer 
Mundart) .Violine'. 

Gekkin, chin. jap. Guitarreninstrument mit 
2 Doppelsaiten, einem kreisscheibenförmigen 
Korpus, das zwar keine Schallöcher, aber an 
ihrer Stelle zwei geschnitzte Blumen auf der 
Decke hat, mit einem fußlangen Hals und 
9 Bundstegen von abnehmender Höhe, von 
denen 4 auf dem Griffbrett, i auf der Grenze 
und 4 auf der Decke angebracht sind. 




Im Innern ist lose eine mitschwingende 
Drahtsaite ausgespannt. Zum Anreißen der 
Saiten dient ein Elfenbein- oder Schildpatt- 
plektrum. Das Repertoire besteht im wesent- 
lichen aus kleinen, zierlichen chinesischen Lie- 
dern. 

Kraus 70. — Piggott 78. 14a 

Gekko, jap. .Mondtrommel'. ein Taiko mit 
Holzzarge und angenieteten Fellen. Dm. 20cm. 

New-\'ork Nr. 2007. 

Gekröpfte Pfeife, eine Orgelpfeife, deren obe- 
res Ende aus Raumersparungsgründen wnklig 
abgebogen ist. 

Engl MITRED PIPE. 

Gekröpfter Kanal s. Gebrochener Kanal. 

Gelächter s. Hölzernes Gelächter. 

Gelägil s. Gelägil. 

Geläm, panim .Holztrommel'. 

Gelao, .flötenartiges Musikinstrument' der 
Papua auf Neuguinea, etwa 15 — 20 cm lang, 
das bei den Beschneidungsfesten geblasen wird 
,.und einen mehr quakenden als flötenden Ton 
gibt". 

Neuhauß, Deutsch Neu-Guinea I 384. 

Gelgel s. Cülgül. 

Gelikon, rojiMKOHi. russ. .Helikon'. 

Gelindegedackt s. Stillgedackt. 



154 



GEMBI — GENDANG TOTO 



Gembi, mundu .Trommel'. 

Johnston, The Uganda Protectorate II 938, 

Gemelli, nannte Pelitti in Mailand seine 
Duplexinstrumente. 

Gemischte Stimmen nennt man bei der Orgel 
Hilfsstimmen, die statt des einer jeden Taste 
entsprechenden Grundtons mehrere Obertöne 
hören lassen, die also für jede Taste mehrere 
Pfeifen, einen sog. Pfeifenchor haben. 

Engl. COMPOUND STD PS, ndl. GEMENGDE STEMMEN, 
dän. BLANDEDE STEMMER, fr. JEUX COMPOS£S, it 
REGISTRI DI MUTA2IONE. — Vgl. Doublette, Faberton, 
Koppeloktave, Kornett, Mixtui, Progr«sio Harmoiiica, Quin- 
taden, Rauschquinte, Scharf, Scharfonett, Sesqmaltera, Tertian, 
Terzflöte, ZymbeL 

Gemshorn steht bei Virdung und Agricola 
unter der Abbildung eines hornförmigen In- 
struments von mittelstarker Krümmung — 
etwa ein Sechstelkreis — aus unkenntlichem 
Material. Das dicke Ende ist verschlossen, hat 
jedoch ein Anblaseloch, dem ein Aufschnitt in 
der Wandung entspricht ; die Mündung sitzt in 
der Hornspitze. Von den 4 Grifflöchern liegen 
drei in einer Reihe, ein viertes etwas seitlich — 
oder hinten ? — nach dem Aufschnitt zu. Das 
Gemshorn ist also eine Schnabelflöte. Künst- 
lerisch hat es Dürer 1 5 1 5 in einer seiner Rand- 
zeichnungen zum Gebetbuch Kaiser Maximi- 
lians I. verwertet. Wedderburn's Complaint 
of Scotland (1548) erwähnt ,,ane pipe maid of 
ane galt hörne". 

Der Name lebt noch heut in einer Orgel- 
stimme fort. Gemshorn ist ein prinzipalartiges 
Zinnregister mit verkehrt konischen Pfeifen zu 
8, 4 oder 2, zu Praetorius' Zeit auch zu 16'. Der 
Ton ist präzis, hornartig und häufig weich sin- 
gend, aber schneidend. 

Engl. GOAT HÖRN, ndl. GEMSHOORN, dän, GEMSEHORN, 
ung. ZERGEKCRT. 

Gemshornquinte, eine Quintstimme mit ko- 
nischen Pfeifen. 

Gendang, malay. ein- oder zweifellige Trom- 
mel mit Holzschaft in Form einer Sanduhr, 
deren oberer Konus enger ist als der untere. 
Das Instrument wird, wenn einfelhg, mit den 
Fingern geschlagen, wenn zweifeUig. links mit 
den Fingern und rechts mit einem Stock. Als 
Fellmaterial dient meist Hirschhaut. 

Vgl. Ketobong, Penuntong. 

Gendang batak, i. Valiha der siamesischen 
Malayen. — 2. Ein hackbrettartiger Einsaiter 
des gleichen Volkes, aus einer etwa 2 m langen 
Saite, deren Enden an kurzen, in den Boden 
gesteckten Pflöcken befestigt sind ; unter der 
Mitte ist in die Erde eine topfförmige Grube 
gegraben und mit einem Palmblatt bedeckt, 
auf dem ein dritter Pflock als Steg steht. Zwei 
Stöckchen dienen zum Schlagen der Saite und 
des Palmblatts. 

Oxford. — Balfour, Report i6ff. 



Gendang bawoi, zwei- bis dreisaitige Schlag- 
Vaüha der südostbomeotischen Dajak. 

Grabowsky in Globus LXXXVII 105. 

Gendang bulu, valihaähnliches Psalterium 
der Battak auf Sumatra aus drei Fasersaiten, 
die in der Längsrichtung über eine Bam- 
busröhre gespannt sind. Neuerdings werden 
auch Drahtsaiten genommen. 

Brüssel Nr. 604. — Vgl. Pagang. 

Gendang gendang [R. Heintze in W. Volz, 
Nord-Sumatra I, Berhn 1909, p. 374] = Gen- 
dang bulu. 

Gendang mara, dajak. Gendang von 2 — 2 %' 
Länge, mit zwei Fellen, von denen das breitere, 
bam, oben, das schmalere, kampiang oder 
sampiang, unten hegt; es werden stets zwei 
zusammen gebraucht, ein kräftigeres, pang- 
gulong, und ein schwächeres, paningka. 
Klöppelperkussion . 

A. Hardelaod), Da j, -Deutsches Wb., Amsterdam 1859, p. 125. 
— Grabowsky in Globus LXXXVII 103. 

Gendang naubat, malay. große Staatstrom- 
mel. 

Skeat, Malay Magic, London 1900, p. 27. 

Gendang pandjang, größere Trommel von 
Bangka, mit tonnenförmigem Schaft und zwei 
Fellen ; Schnurspannung. 

Leiden Nr. 370I3340. — Catalogus Kolon. Tentoonstell. Amstcrd. 
lle kl. Nr. 26|b. 

Gendang pendek, Trommel von Bangka, mit 
Holzkorpus und 6inem Fell; Schnurspannung 

Leiden Nr. 370 3339, — Zondervan, Banka en zijne bewoners. 
Ind. Gids 1893 4 p. 999. — Catalogus der afdeeling Neder- 
landsche Kolonien van de Internationale Koloniale en Uitvoer' 
bandel tentoonstelling te Amsterdam 1883, Leiden 1883. lle kl 
Nr. 26|a. 

Gendang prang, wcstborn. Kriegstrommel 
mit leicht konischem, etwas gewölbtem Holz- 
korpus und zwei Pergamentfellen, die mit Ro- 
tan im Zickzack festgeschnürt sind. Höhe 53, 
Dm. 20 und 22 cm. Die Trommel liegt auf 
zwei Holzstücken ; der Spieler sitzt mit ge- 
spreizten Beinen auf dem Boden und schlägt 
die Felle mit den Händen. 

Sarawak Nt. 1227. — Leiden Kr. 1530I86. 

Gendang rebana, malay. napfförmige Trom- 
mel mit Holzkorpus, offenem Boden und 6inem 
Fell aus Schafshaut; dieses ist mit Rotan- 
schnüren an einem Rotanring befestigt, der 
seinerseits von im Bodenrand steckenden, nach 
unten gerichteten Holzpflöcken getragen wird, 
so daß der Befestigungsapparat gleichzeitig 
zum Isolieren des Instruments dient. Vor dem 
Spielen wird das Fell dadurch gespannt, daß 
von innen ein Rotanreif (sidak) zwischen 
Korpusrand und Fell geklemmt wird. Höhe 
18, Dm. 44,5 und 24,8 cm. 

Sarawak Nr. 1246. 

Gendang toto, dajakische Trommel aus einem 
etwa 1,50 m hohen offenen Hartholzzyünder 



155 



GENDER— GETANG 



mit 6iner Membran aus Hirsch- oder Affenfell 
(.tambif), die mit Schnüren und Keilen ge- 
spannt ist. Hand- oder Rotanstockperkussion. 

Grabowsky, Musikinstr. der Dajaken Südost-Bomeos. Globus 
LXXXVII :03. 

Gender, Gendir, javanisches Metallophon 
aus IG — 12 sehr dünnen Metallplättchen, 
die auf Schnüren ruhen, und aus Bam- 
busröhren bunbungan, die unter den 
Plättchen angebracht sind, und deren Eigen- 
ton jedesmal dem des zugehörigen Plättchens 
entspricht, so daß der Ton der Platten ver- 
stärkt und veredelt w-ird. Vom Saron und vom 
Selokkat unterscheidet sich das Instrument 
durch die größere Breite und Länge und die 
geringere Dicke der Klangplatten. 

Brüssel Nr. S04, 1741; New-York Nr. 1461. — Vgl. Selantan. 

Gender barung, ein mittlerer Gender. 

Gender penSmbung, ein großer Gender, in 
der Unteroktave des Gender barung. 

Gender penerus, ein kleiner Gender, in der 
Oberoktave des Gender barung. 

Genderang, malay. Trommel. 

Gendoweng [?], jav. Handtrommel, von den 
Mohammedanern bei religiösen Zusammen- 
künften, Prozessionen, Hochzeiten und Beer- 
digungen gebraucht. 

Paris Nr. 1293. 

Generalkoppel = Kollektivkoppel. 

Generalventil, Hauptsperrventil, ein im 
Hauptkanal einer Orgel angebrachtes Ventil, 
das der Zulassung oder Absperrung des Win- 
des für das ganze Orgelwerk dient. 

Gengebe, mandjia (Fr. -Kongo) , Schelle'. 

J. Calloc'h, Voc. fr^.-gb^a, Paris 1911, p. 103. 

Genggong, mala^-. .Maultrommel'. 

Breitenstein, 21 Jahre in Indien, T. 3, Lpz. 1902, S. 157. — 
Balfour, Report 6. — Paris Nr. 12S4; Oxford. 

Genggong sakai, ein dem Bunkakan genau 
entsprechendes Instrument der siamesischen 
Malayen. 

Balfour, Report 14, — Oxford. 

Genis, ital. Althorn. 

Genkwan = Sigen. 

Genomgäende Stämma, schwed. .Ganz- 
stimme'. 

Genouillere, frz. .Ivniehebel'. 

Gensli s. G^sl. 

Gentorä, jav. kleine Kokosblatttrompete. 

Genuesische Mandohne s. Mandohno geno- 
vese. 

Gequetschte Zylindermaschine, eine als Top 
action gebaute Zylindcrmaschine. Erfinder 
sind Koslcck und Wcrnickc in Berlin. 

Gerade Stimme, Geradfüssige Stimme, 
eine Orgclstimmc, deren Fußton durcli eine 
gerade Zahl ausgedrückt werden kann. 

Gerader Zink, eine Form des Zinken, die zu- 
erst in rheinischen Miniaturen des 11. Jhs. er- 



scheint und sich nach Buhles Feststellungen 
zunächst über Süddeutschland verbreitet ha- 
ben dürfte. Vom 11. — 13. Jh. hat er nur fünf 
Grifflöcher, also einen sehr beschränkten Um- 
fang, und eine Tierkopfmündung, die auf kel- 
tische Abstammung deutet. Nicht viel später 
wird er das Schallstück abgelegt und ein sech- 
stes Fingerloch angenommen haben. In dieser 
neueren Form hatte das Instrument den Um- 
fang ♦ 



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Das 17. Jh. scheint er nicht überlebt zu 
haben; die Angaben, die Walther 1732 macht, 
sind augenscheinlich dem Praetorius entnom- 
men. 

Engl. STRAIGHT CORNETT, ndl. RECHTE ZINK, schw. 
RÄT ZINKA, fr. CORNET DROIT, it. CORNETTO DIRITTO, 
sp. CORNETA RECTA. 

Geräm, mis , Holztrommel'. 

Geramo, Name der großen Holztrommel in 
Rumba, Manäm und am Hacsavulkan (Kaiser- 
Wilhelm-Land). 

Werner, Kaiser Wilhelmland, 1911, Pi 302. 

Gerastovar gouthak, armen. .Kontrabaß'. 

Gerdi = Kleddi. 

Gerema, wenke .Holztrommel'. 

Hagen, Unter den Papua's, Wiesbaden 189g, p. 297, 

Gerin geri, viti .Trommel'. 
Gerle, wend. .Orgel'. 
German flute, engl. .Querflöte*. 
Gerom, Name der Signal-Holztrommel in 
Jabim und Bukaua (Deutsch-Neuguinea). 

Neuhauß, Deutsch Neu-Guinea I 316. 

Gerremut, melan. (Neu-Irland) .Holztrom- 
mel'. 

Ges-Trompete. 



Natierung : 



§ 



M^^ 



■''■-'^jj J-^Yr li 



G6s, Antilopcnhorn der Somal. mit dem 
Gäfa identisch. 

Paulit^chke, Ethuogr. Nordo^tafrikas I 148. — Petermanns 
Mitteil. Erganzuiig^h. 72, S. 25 (Schuver), 

Geschränkte Wellen, Geschweifte — , ^ 
Gebrochene Wollen. 

Geschweifte Klaviatur s. Bogenklaviatur. 

Gesicht = Orgelfront. 

G^sl, poln. s. v. a. Gusle. 

Gcsnede klavier. ndl. .Gebrochenes Klavier'. 

Gelang, Tanzringe der Dajak auf S.-O.-Bor- 
neo, aus einer Mischung von Eisen und Silber, 



156 



GETEILTER HAUPTKANAL— GH YD 



die um Arme und Beine gelegt und zusammen- 
geschlagen werden. 

Leiden Nr. 16439 und 7S1I128. 

Geteilter Hauptkanal, ein der Länge nach 
zum Vermeiden des „Schluchzens" in mehrere 
Windführungen geteilter Hauptkanal, deren 
jede den Wind dem für ihn bestimmten Wind- 
kasten zubringt. Besonders J. Wagner in Ber- 
lin hat einen reichlichen Gebrauch von der Tei- 
lung des Hauptkanals gemacht. 

Geteilte Lade s. Geteilte Windlade. 

Geteilte Parallelen s. Gebrochene Parallelen. 

Geteiltes Prinzipal s. Principale spezzato. 

Geteilte Stimmen sind solche, deren Pfeifen 
auf verschiedenen Windladen stehen ; fr. jeux 
coupes. 

Geteilte Windlade, eine in mehreren Teilen 
angelegte Windlade, die in vielen Fällen vor- 
zugsweise aus Raum- und Kraftersparungs- 
gründen statt einer ungeteilten verwendet 
wird. 

Engl. DIVIDED SOUNDBOARD, Fr. SOMMIER Ä DOUBLE 
LAYE. 

Getet, nandi kamasia .Trommel'; ndorobo 
getet. 

Johnston, The Uganda Prolectorate II 916. 

Getron, mittelengl. ,Guitarrc'. 

The Squ>T of Lowe Degre, ca. 1400 [1475 ? ]. 

Gewgaw, nordbrit. .Maultrommel'. 
Geza-Daiko = Uta-daiko. 
Gezarke, nub. Name des Kissar. 
Ghäbe, iüLc, arab. , Flöte'. 

Ghacaka, «X^ji, afghan. Streichinstrument, 
wohl s. V. a. Ghirgek; vgl. Ghicak. 

Ghaidä, liA^i, wohl von ^!<Aac, ,sanft', 
arab. türk. ,Sackpfeife' ; bei den Rifkabylen s. 
v. a. Zamr. 

Vgl. Gajda 

Ghan,qVT- hindi hindost. ,Gong'. 

Ghantä, ^TTTjT- Ghantikä. qfrij^.beng. 
skr. hindi hindost. mikirBronzeglöckchenzum 
Tempeldienst, Höhe 2814 cm; hindi auch 
ghaot, ghanti. 

Brüssel Nr. 8. — Vgl. Gayaghantä, Khudraghanti. 

Gharghara, "^^J. skr. .Glocke'; dim. 
ghargharikä 'Efqf^^. 

f^hari, ^^57. liindi hindost. beng. Gong zum 
Tempeldienst, aus einer einfachen Bronze- 
scheibe, die mit einem Hammer geschlagen 
wird. 

Brüssel Nr. 7. — Yantra-kosha 173. 

Ghazäl, Jlj£. arab. ,Steg' (Kemänge). 
Ghendhang, madura s. v. a. Gendang. 
Ghentä, äthiop. kleines Hirtenhorn, ein klei- 
neres Qand. 

Villoteau 542. 



Ghete, ägj^pt. klarinettenartiges Blasinstru- 
ment, bestehend aus einer Zyhnderröhre mit 
6 — 7 Grifflöchern, Blechstürze und einfachem 
Rohrblatt wie dem des Arghul. Die Ghete 
wird mit dem Zamr zusammen gebraucht. 

Ghezarke = Kissar. 

Ghicak, tiL>.i, pers. Saiteninstrument. 

Ghighe, mndl. , Geige'. 

Ghirbäl, JLiyi. arab. .Sieb', nach Aläalahi 
(1323) eine Trommel, also wohl ein Tamburin, 
das ja Siebform hat. Mit diesem etymologi- 
schen Bezug muß die Stelle beim hl. Isidor 
V.Sevilla (Orig. seu et. üb. II c. 2 1 ) zusammen- 
gehalten werden: ..Tj'mpanum est pellis vel 
corium hgno ex una parte extensum; est 
enim pars media in similitudinem cribri." 

Ghiref s. Näy ghiref. 

Ghirgek, ii)..=-_ui. Streichinstrument von Pa- 
mir (Asien), dem Kemän|e-Typus angehörig, 
mit 3 Saiten, davon eine aus Metall. 

Ghironda rebecca, ital. .Drehleier', v. giro. 
.Umdrehung'. 

Ghittem, mittelengl. .Guitarre'. 

Ghochai, afghan. (pukhto) .Wirbel'; plur. 
ghochi. 

Ghughe, algerisches Streichinstrument in 
Form eines kübelartigen, mit Haut gedeckten 
Schallkörpers, durch den ein wirbelloser Stiel 
gesteckt ist ; die einzige Pferdehaarsaite ist mit 
einem Lederriemen befestigt. Länge 48. Kor- 
pus-Dm. 23 cm. 

Brüssel Nr. 380. 

Ghun s. Ghan. 

Ghunda, (-rüd), »^^-^ (->5j), pers. kleine 
Metalltrompete zu Signalzwecken. 

Ghünghrü, pungabische Kamel- und Rinder- 
glöckchen. 

Ghunghunä,'^»-^«-!!, hindi hindost. .Schelle". 

Ghunghurü, 74Ty;;(', hindi hindost. beng.Schel- 
lenrassel, die der~Tänzer um die Füße legt, um 
den Rhythmus zu markieren. 

Brüssel Nr. 11. 

Ghunta s. Ghantä. 

Ghurumi kiddi, ^X==> |..c , G h u r i m i 
k i d d i , haussa (sokoto) Lauteninstrument. 

Robinson, Dict. of thc Hausa Lang., Cambr. 1899/1900, I 79. 

Ghutru, beng. Trommel aus Ton oder Holz, 
in Form eines Bechers mit Stiel, dessen breite 
Öffnung mit der Membran bedeckt und dessen 
untere, kleine Öffnung unbedeckt ist. Ge- 
bräuchlich bei den Telegu im Gebiet von Ma- 
dras. 

Brüssel Nr. 31; New- York Nr. 252. — VgL Darabukke Don- 
bek, Ozi. 

Ghwazai, afghan. (pukhto) .Wirbel'; plur. 
ghwaii. Auch ghwagai. plur. ghwagi. 
Ghyd, dialekt. für Rgj-d. 



157 



GIA— GLAI 



P? 






Gia, rätorom. .Violine'. 

Giöak, iilL:^5 .= GhiCak. 

Gidayu samisen, ein größeres Samisen. 

Mailand Nr. 88. 

Gidzu, lendu lega .Trommel'. 

Johnston, Uganda Protectorate II 938. 

Giegend Regal s. Jungfernregal. 

Gige, mhd. .Geige'; altnord. geiga, .hin 
und herzucken'; mhd. gigen .wiegen'. 

Gigelyra = Xylophon. 

Gigja, altnord. .Geige'. 

Giglaros, Niglaros, yiyXagog, s. Gingras. 

Gigue, altfr. .Geige', v. mhd. gige 

Gimbrede, Gimbri s. Gnbri. 

Ginä s. Ginä. 

Ginbri s. Gnbrt. 

Gin-dai, jap. Kin mit 13 Saiten, 
im übrigen genau in der Form des 
§iä-gen-kin. Der Name ist wahr- 
scheinlich s.v. a.Dai kin,, großesKin'. 

Kraus 66. — Piggott 119. 

Ging, tibet. kleine Trommel, viel- 
leicht aber nur das Spiel damit. 

Jäschke. H. A., Handwb. d, tib. Spr., Gnadau 
1871, S. 70. 

Gingara, serbokroat. Kinder- 
instrument aus dem Strunk des 
Besenreisigs, ein Streichinstrument 
vom Typus der Valiha. 

Ginggung, malay. s. v. a. Geng- 
gong. Giridiiig. 

Ginglaros, yiyy'/.agoi, s. Gingras. 

Gingras, yiyygag, phöniz. griech. 
hoher Aulos, eine Spanne lang, 
ägyptischen Ursprungs, für die 
Totenklagen. 

Pollux IV 76. 

Gingrina, lat. = Gingras. Im 
Mittelalter Name der Schalmei. 

Praetorius 42 (37). 

Gingue = Gigue. 
Gini, kleine Buckelbecken von 
Orissa (Vorderindien). 

Berlin, Völkerk. Mus. 

Ginkaie, alban. .Schalmei'. 

Ginocchiera, ital. .Kniehebel'. 

Giorgi-Flöte, erf. 1888 von dem 
Florentiner Giorgi, eine zylindri- 
sche, dünnwandigcEbonitflötc ohne 
Klappen, mit großen Fingerlöchern 
für jeden Halbton. die alle Gabelgriffe über- 
flüssig machen. Trotz dieser Vereinfachung 
verlangt das Instrument mit seinen 1 1 Löchern 
große Hände, zumal der linke Zeigefinger zwei 
Löcher zugleich schließen muß. so daß für 
kurzfingrigc Spieler besondere Stücke mit eini- 
gen Hebeldcckklappcn gebaut werden. Das 
Anblaseloch liegt nicht an der Seite, sondern 



GIORGI- 

FLOTE 

nachWetzger, 

Die Flöte 



in der Achsenrichtung in einem besonderen, 
mit einem Auszug versehenen wulstförmigen 
Kopfstück. Der Grundton ist d'. doch werden 
auch eis'-, c'- und Ä-Füße gebaut. 

Piazza. I., II Hauto Giorgi. Napoti 1896. 

Giraffenklavier, ein Hammerklavier mit ver- 
tikal laufenden Saiten in Harfenform — also 
unsymmetrisch — wie beim alten Klavizite- 
rium. Die Lebenszeit dieser Form reicht vom 
zweiten Fünft des 19. Jhs. bis etwa 1830. Die 
Ehre ihrer Erfindung nahmen die Klavier- 
bauer Wachtl & Bleyer in Wien in Anspruch ; 
die Behauptung des Wieners Martin Seuffert, 
er sei der Erfinder, wurde von dieser Firma 
lebhaft bestritten. 

Vgl. ApoUonion. 

Giram, melan. (Bilibili) Holztrommel. 
Giramimmi, eine scheibenförmige, ovale 
Holzpfeife der Siriguani (Südamerika). 

Florenz Nr. 7083. — Del Campana, Notizie intorao ai Citiguaui. 

Girbal s. Ghirbäl. 

Gircek = Ghirgek. 

Giref s. Niy ghiref. 

Girgek = Ghirgek. 

Girgira = Tavalaikä. 

Girgzdeti, Ut. .Knarre'. 

Giriding, die sehr verbreitete Maultrommel 
von Borneo, mit breiten Enden, ca. 2 5 cm lang. 
Der Name ist offenbar von ndl. grinding ab- 
zuleiten, das auch auf Java für Maultrommel 
vorkommt. 

Leiden Nr. 551. 52; New-York Nr. 817. — Roth, N»t. II 257. 

Girif s. Näy ghiref. 

Girin, jap. s. v. a. Hu k'in. 

Giring-giring, battak. .Schelle', 

R. Heintze in Volz, Nord-Sumatra, Berlin 1909, I 374. 

Giro, hait. s. Guira. 

Gironda = Ghironda. 

Gisarke = ,Kissar' in der Dongolasprache 
(Nubien). 

Gissang s. Garsing. 

Gitar, ndl. .Guitarre'. 

Gittith, .T.nj. hebr. Musikinstrument un- 
bekannter Art. Die Ansichten der Ausleger 
gehen sehr auseinander: einige leugnen über- 
haupt, daß das Wort ein Instrumentenname 
sei. Möglicherweise hat man mit Rücksicht 
auf eine Stelle des chaldäischen Targum zu 
Psalm VIII an ein Kinnor aus Gad zu denken. 

WciU 63 Bf. 

Gitaar-luit, ndl. .Lautenguitarre'. 
Gium, rätorom. .Kontrabaß'. 
Giuoco, ital. .Spiel'. 

Gkaida, yxm&a, ngr. vulg. .Sackpfeife', v. 
türk. ghaidä. 

Glächel = Klöppel. 
Glagan, gael. .Klapper'. 
Glai, ;iltfrz. .Trompete'. 



158 



GL AMBBE — GLASHARMONIKA 



Glambbe, Glamfe, s. Klampfe. 

Glanet, Glarnet, Schweiz. .Klarinette'. 

Glaschord, ein Hammerklavierinstrument 
mit Glasplatten statt der Saiten. Gerber [A. 
L. I 158] teilt mit, daß das Instrument um 
1785 von einem Deutschen Beyer in Paris er- 
funden und dort im November dieses Jahres 
von dem Klaviermeister Schack vierzehn Tage 
hindurch öffentlich gespielt worden sei; Benj. 
Franklin habe das Instrument getauft. In- 
dessen kann es sich dabei höchstens um die 
Verbesserungeines schon existierenden Instru- 
ments handeln ; die New- Yorker Sammlung 
besitzt unter Nr. 2854 ein von F. T. Leftel in 
Wien verfertigtes Exemplar, und im zweiten 
Bande des gleichen Gerberschen Lexikons wird 
in Sp. 791 der Zerbster Kammermusiker C. L. 
Weißflock als Erfinder und Erbauer eines Kla- 
viers ,,von auserlesenen Gläsern durch drey 
Octaven" genannt, ,, worauf er, ohne irgend 
eine Dämpfung, nach Gefallen piano und forte 
ausdrücken konnte" (1731). 

Glasflöten stellte angeblich zuerst Laurent in 
Paris gegen i8o6her;auf der Ausstellung dieses 
Jahres erhielt er dafür eine silberne Medaille. 
Sein Schüler J. -D.Breton bevorzugte dies Mate- 
rial ebenfalls ; 1855 erhielt er die Medaille I. Kl. 
für eine Glasflöte im Preise von 1500 Frcs. 

Tatsächlich verzeichnet schon das Inventar 
König Heinrichs VIII. von England (1547) 
,,iii fflutes of glasse and onc of woode painted 
like glasse". 

Glasharmonika, von den Zeitgenossen, die 
noch keine Zieh- und Mundharmonikas kann- 



ten, kurz ,Harmonika' genannt, ist ein Instru- 
ment aus abgestimmten Glasschalen, die mit 
einem angefeuchteten Medium, meist der Fin- 
gerkuppe, gerieben und dadurch in Schwingung 
versetzt werden. Das schon früher in primi- 
tiver Form als Glasspiel, Verrillon oder Musical 
glasses bekannte und beliebte Tonwerkzeug 
erhielt seine stärkste Verbreitung von 1763 ab 
in der außerordentlich vervollkommneten 
Form, die ihm in jenem Jahre Benjamin 
Franklin in London gab: innerhalb eines 
schreibsekretärartigen Tisches sind Glasscha- 
len von abnehmender Größe kegelförmig auf 
eine eiserne Achse gereiht und derart inein- 
andergeschachtelt, daß sie sich zwar nicht be- 
rühren, aber gegenseitig bis auf den Rand ver- 
decken ; ein goldener Strich bezeichnet dieje- 
nigen Schalen, die den Obertasten des Klaviers 
entsprechen. Der Spieler gießt in den unteren 
Raum des aufgeklappten Instruments etwas 
Wasser, so daß die Schalen unten gerade be- 
netzt werden, versetzt die Achse mittels eines 
Pedals in Umdrehung und läßt die Ränder der 
rotierenden Schalen an den leicht aufgesetzten 
Fingerkuppen entlangstrcichen. Frankhn er- 
leichterte also das Spiel, sicherte eine genaue 
Stimmung und crmöghchte das Akkordspie!. 
Die große Begeisterung, die das Auftreten des 
Instruments überall hervorrief und die man 
wohl mit Unrecht der Romantik in die Schuhe 
schiebt, hatte eine Menge Verbesserungen und 
Experimente im Gefolge. Der ursprüngliche 
Umfang g — g^ wurde von J. A. Schmittbauer 
in Karlsruhe (gest. 1809) auf c — /' und schUeß- 




(TASTEN-)GLASR.A.RMONIKA (AMZ I) 



159 



GLASICA— GLOCKE 



lieh bis auf c — c* erweitert. Röllig in Wien 
führte die Randvergoldung für die chromati- 
schen Glocken ein. Um den schädlichen Ein- 
fluß des Harmonikaspiels auf die Nerven des 
Spielers aufzuheben, sind bald Versuche mit 
Vorrichtungen gemacht worden, die die Fin- 
gerreibung ausschalteten. Abt Mazzucchi rieb 
die Glocken — die er auch aus Metall oder aus 
Holz herstellte — mit einem kolophonium-, 
wachs-, terpentin- oder seifebestrichenen Gei- 
genbogen ; besser bewährte sich die 1784 er- 
fundene Tastenharmonika, der aber auch die 
subtilen Friktionsnüancen des ursprünglichen 
Instruments nicht zur Verfügung standen. Et- 
wa 1 8 3omußte die schwer zu behandelnde , leicht 
zerbrechliche und teure (gegen i oooMk. )Harmo- 
nika den Vorläufern des Harmoniums weichen. 

Engl ndl. fr. HARMONICA, dän. schw. GLASHARMONIKA, 
it ARMONICA, sp. COPOLOGO, russ. STEKLJANNAJA 
GARMONIKA, poln. HARMONIKA SZKI ANA — Literatur: 
I. Chr. Müller, Anl. z. Selbstunterricht auf der Harmonica, 
Lpz. 1738. — Lpz. Wöch. Nachr. die Mus. betr. 1766, S. 71, — 
C. F. Pohl, Zur Gesch. d. Glasharmonika, Wien 1862. — 
C. F. Pohl, Cursory Notices on the Origin and History of the 
Glass Harmonica. London 1862. — Vgl. Bellarmonic, Eumatia, 
Instrument de Pamasse, Mattauphone, Spirafina, Tasten- 
barmonika, VerriUon. 

Glasica ^ Glasnica. 

Glasilo, serbokroat. .Instrument'. 

Glasnica, serbokroat. .Griffloch'. 

Glasnjaca, serbokroat. .Decke'. 

Glasovir, serbokroat. .Klavier'. 

Glasovod, serbokroat. .Kondukten'. 

Glasplattenharmonika soll der Name eines 
Instruments gewesen sein, das in den 1790er 
Jahren Dr. Christ. Friedr. Quandt in Jena 
konstruiert hätte und das eine Nachahmung 
des Chladnischen Euphons darstellte. Diese 
Nachricht ist von Anfang bis zu Ende falsch. 
Richtig ist nur. daß Quandt ebenso wie Chlad- 
ni Versuche mit Glasstäben als Schwingungs- 
erregern anstellte ; man kann aber den For- 
scher nicht ohne weiteres als Nachahmer seines 
großen Göttinger Kollegen bezeichnen, da er 
bereits 1791 im Modejournal über seine Unter- 
suchungen berichtete. Ferner spricht er nicht 
von Platten, sondern Latten, so daß der Name 
.Glaslattenharmonika' lauten müßte. Endlich 
aber — und das ist die Hauptsache — schreibt 
€r am 5. Febr. 1800 in der AMZ(II 321) in einer 
Abhandlung ..über die durch Glasstäbe andern 
Körpern entlockten Töne", er ,.habe diese 
Erfindung zu keinem Instrumente benutzt". 

Glassichord s. Glaschord. 

Glasspiel, aller Name des VerriUon. 

Alh. Kirchcr, Neue Hall- u. llionkUDSt, übers, v. A. Cario. 
Närdlingrn 1684 

Glasstabharmonika, eine Reihe abgestimm- 
ter, auf Schnüren gebetteter Glasstäbe, die mit 
Hämmern geschlagen werden. 



Glava, serbokroat, , Schnecke, Kopfstück, 
Hauptstück, Fundamentalbrett'; syrm., Kor- 
pus'. 

Glavica, serbokroat. .Wirbelbrett' (Vijalo). 

Glavica vrtka, serbokroat. .Wirbclkopf '. 

Glavna ciev, serbokroat. .Prinzipalpfeife'. 

Glavna daska, serbokroat. .Fundamental- 
brett'. 

Giavnaja manual, TnaBHaH ManyaJib. russ. 
.Hauptklavier'. 

Giavyj kanal, TjiaBU» Kanajib, russ. ,Haupt- 
kanal'. 

Gleas ceoil, irisch .Guitarre'. 

Glechter s. Hölzernes Gelächter. 

Gleobeam = Ghgbeam. 

Gleppe, Galeppe, Schweiz, viereckige Vieh- 
schelle. 

Glicibarifono, eine Baßklarinette in C, erf. 
V. Catterino Catterini in Bologna in den 1830er 
Jahren und von ihm am 12. Febr. 
i838imTeatro communale zu Mo- 
dena zum erstenmal mit großem 
Erfolg vorgeführt. Das Charak- 
teristikum des Instruments bildet 
seine fagottartig geknickte Röhre. 

AI. Gandim, Cronistoria dei Teatri di Modena I, 
Mod. 1873. — Brüssel Nr. 941. 

Glie, Clie, mhd. Instrument un- 
bekannter Art; wohl ein Blas- 
instrument. 

,,Schalmien floitieren und glien',. 

Tuodalus 123. 
,,Diu fioite imd diu clie". 

Cröne 22095. 

Gliederbalg = Spannbalg. 

Gligbeam s V. a. Timpan. ^^^^^^^ 

Ghng-bu, tibet. emfache. dop- dreifach, mit 

pelte oder dreifache Langflöte aus Schnabel, im 

Bambus oder anderm Holz, mit Kgl. Voiker- 

6—7 oder mehr gleichmäßig ent- "undemuse- 

' ■ 1 ir j um ZU Berlm 

femten Grifflöchern in der Vorder- 
seite innerhalb eingeschnittener Vertiefungen : 
ein Schnabel scheint nicht immer vorhanden 
zu sein. Dialekt von Khams: gling-wö. 

Berlin, Volkerk. Mus, -~ Washington Nr. 167 165 a/b. — 
Jäschke, Ilwb. d. tibet. Spr, 

Glocke ist — auf ihrer höchsten europäi- 
schen Stufe — ein tiefes, meist tulpenförmiges 
Gefäß aus Metall, das durch Anschlagen von 
innen mit einem Klöppel (Läuten) oder von 
außen mit einem Hammer (Schlagen) zum Er- 
klingen gebracht wird. Form, Material und 
Verhältnisse werden rein empirisch gewählt, 
da die Wissenschaft allgemeingültige Regeln 
noch nicht hat aufstellen können. Der erzielte 
Klang ist aus harmonischen und unharmoni- 
schen Partialtönen zusammengesetzt. 

Eine den Sprachgebrauch nicht berücksich- 
tigende, streng wissenschaftliche Definition 



8 8 8 



160 



GLÖCKEL — GLOCKENERZ 



würde den Namen Glocke klingenden Gefäßen 
vorbehalten, in deren Innerem ein Klöppel be- 
festigt ist. Klingende Gefäße, die mit einem 
Hammer angeschlagen werden, können zwar 
im Äußeren diesen Glocken ähneln, unter- 
scheiden sich aber grundsätzlich nicht von den 
Gongs und müssen diesen beigezählt werden. 
Ebenso muß die wissenschaftliche Instrumen- 
tenkunde bei den ganz kleinen sog. Glöckchen 
streng zwischen solchen scheiden, die mit 
einem Klöppel versehen sind, und solchen, die 
im Innern einen losen Rasselkörper haben ; 
nur im ersteren Fall dürfen sie den Glocken 
zugerechnet werden, im zweiten aber, wo wir 
sie lieber Schellen nennen wollen, den gewöhn- 
lichen Gefäßrasseln. 

Glocken, meist kleineren und kleinsten For- 
mats, hat es zu allen Zeiten und bei allen Völ- 
kern gegeben, die Metall zu bearbeiten ver- 
standen. Der Typus selbst ist aber unzweifel- 
haft älter und setzt Holzglocken (Holztrom- 
meln) und schließlich solche aus Fruchtschalen 
voraus ; wir haben ihn also als einen Schößling 
der Klapper anzusehen. Der kirchliche Ge- 
brauch in christlichen Ländern wird zuerst in 
den Schriften des hl. Gregor v. Tours (2. H. 
6. Jhs.) belegt; im Laufe des folgenden Jahr- 
hunderts wurde er allgemein ; indessen datiert 
die Zeit der Riesenglocken erst seit dem 14. Jh. 
(Regensburg 1325, Frankfurt a. M. 1371). 

Das Wort Glocke wird meist von mlat. 
clocca abgeleitet, das sich seinerseits nicht 
herleiten läßt. Aber auch hier muß das Ver- 
hältnis umgedreht werden. 

Das Wort ist m. E. in Zusammenhang mit 
der slavischen Sippe zu stellen, zu der asl. 
kfakot, polab. kfäkü}, russ. ruth. kolokof, 
lit. kankalas, sämtlich mit der Bedeutung 
.Glocke', ferner dech. hJahoJ. , Schall' ge- 
hören; dazu wäre als Ahne skr. karkari, mit 
dem Sinn eines Musikinstruments zu setzen, 
von dem auch griech. xaQxai'gta, , dröhnen' 
stammt. Es kommt aber noch eine oberdeut- 
sche, letzten Endes auf die gleiche Wurzel zu- 
rückgehende Sippe mit der Grundbedeutung 
,tönend schlagen' in Betracht, z. B. tirol. 
klockan, steir. klachel. Auch für den latei- 
nischen Namen campana konnten wir suo loco 
die osteuropäische Herkunft wahrscheinlich 
machen. Die alte Anschauung, daß Europa 
die Glocke von Italien, speziell von Kampa- 
nien, erhalten habe, wird daher einer Revision 
unterzogen werden müssen. Nicht nur die phi- 
lologischen Anzeichen sprechen dafür, daß wir 
wie für soviel andre Instrumente auch für die 
Glocke die Einfuhrstraße nach Osteuropa,nach 
dem byzantinischen Reich zu verlegen haben, 
dessen große Bedeutung als Erbe der römi- 



schen, der hellenistischen und der vorderasia- 
tischen Kultur wir in diesem Werk bereits 
mehrfach hervorheben konnten. 

Als Orchesterinstrument wird die Glocke 
seltener benutzt. Da tiefere Glocken zu 
schwer, zu laut und zu kostspieüg wären, so 
müssen in der Regel Surrogate genommen 
werden, vor allem abgestimmte Stahlplatten, 
die sog. Klangstäbe und Röhrenglocken. Für 
den Parsifal hat FelixMottl ein eigenes flügel- 
artiges Saiteninstrument als Ersatz kon- 
struiert. 

Engl. BELL. wal. CLOCH, gael CLAG. ndL KLOK. dän. 
KLOKKE. schw. KLOCKA, fr. CLOCHE, it. sp. CAMPANA, 
port. SINO. rum. CLOPOT, alb. KEMBONE. russ. KOfcO- 
KOL, luth poln. DZWON, i. ZVON, serbokr. ZVONO, slov. 
SVO.V, wfnd. ZWON, bulg ZV.1NEC. lil. ZWÄNAS, lett. 
PULKSTENIS.estü.finn. KELLO.ung.HARANG.ngr.A'ßJßA'. 
Literatur: A. Rocca, Comraentanus de Campanis, Rom 
1612. — C. Dieterich. Ulmische Glockenpredigt, Ulm 1625. — 
H. Magius, De tintinnabulis über postumus. Amsterd. 1664. — 

A. Stockflet. De campaoarum usu, Altdorf 1665. — J. C. Rei- 
mann, Dissertatio de campanis, Jena 1679. — N. Eggers. Disser* 
tatio de campanarum nomine et origine, Jena 1684. — A. Bier- 
städt, Dissertatio de campanarum materia et forma, Jena 1685. 

— Bierstädt, Dissertatio de origine et nomine campanarum, 
Jena 1685. — Ph. W>cart, De campanis et campanilibuss. a. — 
M, F. Frietzsch, Dubium physicum quoad sonum in campana 
vulgo creditum. exstricatum, Lpz. 1689. — J. M. Stohr, Disser- 
tatio de campanis templorum, Lpr. 1694. — H. Wallerius, 
Dissertatio de campanis et praecipuis earum usibus, Holm, 1694, 

— St A. Mizler, De campanis, Viteb. 1695. — J.-B. Thiers, 
Traitt des doches, Paiis 1702. — J. Montanus. Hist. Nachr 
V. d. Glocken. Chemnitt 1726, — J. M. Eschenwecker, Diss. 
de eo quod justum est circa campanas. Halle 1739. — W. C. 
J. Chrysandrr. Antiqu. Nachr. v, d. Kirchenglocken. Zugabe 
r. d. Hannov, Gelehrten Anz. 1754. — Recucil curieux et 6di6ant 
sur les cloches, Cologne 1757. — J. G. Hahn. Kampanologie, 
Erfurt 1802. — Lazzarini, A., De vario tintinnabulorum usu 
apud vetercs Hcbraeos et Ethnicos. Romae 1822. — A. Gatty, 
The Bell. 1848. - H. Ottc, Glockenkunde. Lpz. 1858. — 

B. Lomax, Beils and Bell-ringers, 1879. — Tyack, G. S., A 
book about Beils. London 1898. — Raven, J. J., The bells of 
England. London 1906. — Balladori, A,. I saai bronzi. Cenni 
storico-estelid-teoria-eserciri-studi-melodie-sonate etc. per 1' uso 
delle campane da chiesa . . Milano 1908. — Huchard. R., 
Clochettes et bourdons. Paris 1909. — Walter, K., Glocken- 
kunde, Regensbiu-g 1913. 

Vgl. Europa: Bakarusa. Bucko^a. Campana. Campano- Forte, 
Caroccio. Cingara. Corrigiuncula, Krapp, Mjedenica, Muta. Nola, 
Röhrenglocke, Semanterion. Soinua, — Indien: C4i Cuong, 
Gegrurabungan, Ghantä, GhunghurQ. Grunong, Keretok, Kien- 
long, Nhac, Sautu, Tedoc. — Ostasien: Diil, E-sudsu, 
Purin, Legaoe, Ling, Pangkiang, To, Wei sun. — Afrika: 
Angon, Anzcl. Cingongo. Daule, Doppelglocke, Ngona, Nkola, 
Ongo. — Amerika: Tzilinilli, — Femer: Aolsglocken, Holl- 
trommel, Schelle. Schellenbaum, Schellentrommel. 

Glöckel = Glockenklöppel. 

Glockenbalken, das Holzstück, an dem die 
Glocke fest aufgehängt ist und das der Glöck- 
ner mittels eines Seiles oder Hebels in Schwin- 
gung bringt. 

Engl BE.«!, ndl BALK, fr. HÜNE, it. CICOGNA, sp. BRA- 
ZOS, port. CABEfALHO, poln. BELKA, serbokr. VRETENO, 
ung. VÄLL. 

Glockenbord = Glockenrand. 

Glockencymbel s. Zymbel. 

Glockenerz, Glockengut = Glockenspeise. 



Sachs 



161 



GLOCKENHALS— GLOCKENSPIEL 



Glockenhals nennt man den ungeschweiften 
Teil des Glockenkörpers unmittelbar unter der 
Haube. 

Glockenhammer = Glockenklöppel. 

Glockenhaube, Glockenplatte, ist der 
oberste Teil der Glocke. 

Engl. CROWN, frz. CERVEAU. 

Glockenholm, Glockenjoch = Glocken- 
balken. 

Glockenklavier s. v. a. Glockenspiel mit Kla- 
viatur. 

Vgl. Metallino. 

Glockenklöppel, die im Innern aufgehängte 
Keule, deren Anschlag gegen den Glockenrand 
den Ton hervorruft. Bei unsern Glocken ist er 
aus Schmiedeeisen und erhält 1/40 des Glocken- 
gewichts. 

Engl. CLAPPER, wal. TAFOD, ir. TEANGA, ndl. KLEPEL, 
fr. BATTANT, it. BATACCHIO, sp. BADAJO. port. BADALO, 
russ. JAZVK. ruth. poln. SERCE. i. SRDCE. serbokr. ZVE- 
CAK. slow. ZAMELJ (Steiermark), KEMBEL] (Kärnten, Krain), 
wend. SPAtA, lit. WOGAS, ung. OTO, ngr. VnEPOl'. 

Glockenkranz = Glockenrand. 

Glockenkrone heißt die aus den sechs Hen- 
keln gebildete Krone, mit der die Glocke am 
Balken befestigt wird. 

Engl. C.^.VO.N'S, dän. KRO.N'E, (r. ANSES, serbokr. TELJIG. 

Glockenmetall = Glockenspeise. 

Glockenplatte heißt die das Glockenkorpus 
oben, also unmittelbar über der Haube ab- 
schließende gerade oder gewölbte Fläche. 

Vgl. Onde. 

Glockenrad, ein Glockenspiel des späteren 
Mittelalters, das noch lange im Zymbelstern- 
register der Orgel weiterlebte, in Form eines 
Rades, auf dessen Rand in einem oder mehre- 
ren Tönen abgestimmte Glöckchen befestigt 
waren ; diese wurden nicht mit Klöppeln ge- 
schlagen, sondern durch Umdrehung des Ra- 
des zum Ertönen gebracht. 

Mitt. d. k. k. Zentralkommission 1864 IV. — Anz. f. Kunde 
deutscher Vorreit 1875, S. 213. — Buhle i. d. Liliencron-Fest- 
Schrift, Leipzig 1910, S. 71. 

Glockenrand, Glockensaum, der unterste, 
verdickte Teil der Glocke, gegen den der 
Klöppel schlägt. 

Engl SOUND-BOW, ndl. KLOKRAND, dän. SLAGRING, 
fr. FINGE, sp. PANZA, serbokr. VIENAC ZVONA, ung. HA- 
RANGSZEL. 

Glockenrippe nennt man das Profil der 
Glocke. 

Glockenschlag = Glockenrand. 

Glockenspeise, Glockengut, nennt man das 
Material, aus dem die Glocke gegossen wird, 
im allgemeinen 3 — 4 Teile Kupfer und i Teil 
englisches Zinn. Seit der Mitte 19. Jhs. wer- 
den Glocken auch aus Gußstahl hergestellt. 

Engl. BELL METAL, ir. MIOTAL-CIILUIG, ndl. KLOK- 
SPIJS.dän. KLOKKEMETAL, schw. KI.OCKMALM. fr. ALOI, 
it. METALLO DA CAMPANE. sp. port. CAMPANIL. rum. 
BRONZ DE CLOKITE. russ. KULOKOLNVJ METALL, poln. 



SPIZ, c. serbokr. ZVONOVINA, slov. MED SA SVONOVE, 
wend. ZWONOWINA, lett. PULKSTENU METALS, finn. 
KELLOVASKI. ung, HARANG-ERC, ngr. ■OPEl.XAAKOS. 

Glockenspiel, ein aus einer Anzahl abge- 
stimmter kleiner Glocken zusammengesetztes 
Instrument. Seit der Wende des 9. Jhs. ist die 
Herstellung von Glockenspielen durch abend- 
ländische Mönche nachzuweisen; der älteste 
überlieferte Name war ,Cymbala', womit ur- 
sprünglich kleine Metallbecken bezeichnet wur- 
den. Die Glöckchen, in den meisten Fällen 
aus einer Kupfer-Zinn-Legierung hergestellt, 
gewöhnlich halbkugel- oder birnenförmig, wa- 
ren in verschiedener Anzahl in Mannshöhe an 
einer Stange aufgehängt und wurden von 
einem oder zwei Spielern mit Hämmern an- 
geschlagen. Die Stimmung — immer in der 
Durskala — war, wie die stets veränderten 
Vorschriften der Traktate beweisen, sehr 
schwierig und unbefriedigend; in der Regel 
mußte durch Abfeilen des Randes nachgehol- 
fen werden. Mit dem 14. Jh. teilte sich das 
Glockenspiel in zwei verschiedene Typen. Der 
eine, großen Formates, erhielt seinen Platz auf 
Kirchen- und Stadthaustürmen und wurde zu- 
nächst durch Beiern — Treten von Zug- 
stricken — bald aber mittels eines an Manual- 
und Pedaltasten angeschlossenen Regierwerks 
oder einer durch ein Uhrwerk betriebenen 
Stiftwalze angeschlagen. Dieser Typus ging 
von den Niederlanden aus und fand nament- 
lich in England eine warme Aufnahme. Der 
kleinere Typus nahm die Form des Glocken - 
klaviers an, d. h. eines ,GlöggIen-Werks' mit 
Manualbetrieb, wie es Anf. 17. Jhs. an den 
deutschen Höfen, z. B. in Berlin und Dresden, 
als Hausinstrument zum Spielen geistlicher 
Weisen beliebt war. Diese Form ging in die 
Orgel über; sie erschien hier entw^eder als 
eigentliche Stimme, und zwar als Halbspiel, 
gewöhnlich von c oder g ab chromatisch auf- 
wärts, meist im Manual, seltener — wie zum 
Beispiel J. S. Bach 1707 oder 1708 eins in 
Mühlhausen konstruieren ließ — im Pedal ; 
Glockenrad und Zymbelstcrn gehen unmittel- 
bar von dem mittelalterlichen Glockenspiel 
aus. Die drei Typen, die in der modernen 
Praxis als Glockenspiel bezeichnet werden, das 
lyraförniige Stahlspiel der Militärkapellen, das 
kleine, mit Hämmern geschlagene Spiel der 
Kinder und seine große, für Sinfonie- und 
Theaterorchester bestimmte, meist mit Kla- 
viatur und sogar mit Dämpfung versehene 
Form, haben die Glocken durch Stäbe ersetzt 
und müßten daher korrekter Metallstabhar- 
nionikas genannt werden. 

Engl. CHIME, ndl. KLOKKENSPEL, dän. KLOKKESPIL. 
schw. KLOCKSPEL, waL CLVCHGVNGHAN. ir. COMHFO- 
GHAR CLOG, (r. CARILLON, it. SONERIA DI CAMPANE, 



162 



GLOCKENTRIANGEL— GOLIATH 



sp ORGANO DE CAMPANAS, port. CARRILHAO. russ, 
IGRA KOLOKOLCIKOV, ruth. KURANTI. poln. KURANTY, 
i HRACE HODINY, serbofcr. BRENCALO, Ut. WARPU 
SPIELEAWIMAS, lett. PULKSTENU SPEHLE, finn. KELLO- 
PELI, ung. HÄRANGJATEK. 

Literatur: Die im Artikel .Glocke" atifgeführte. Außerdem 
M. H. van't Kruijs, Klokkenspelen. Muziekbode XIX 42. 45- 
— W. W. Starmer, Regarding Carillons, ZIMG. VI 337. — 
W. W. Starmer, Chimes, ZIMG. XI 289. — E. Buhle, Das 
Glockenspiel in den Miniaturen des frühen Mittelalters. Lilien- 
croa-Festschrift, Lpz. 1910, S. 51. 

Vgl. Bellarmonic, Bende, Ben. Bonang, C4i Thieu-Canh, Cla- 
vecin tiectrique, Cung, Glockeoklavier, Glockenrad. Gomgomi 
Khong-thom, Khong-toch. KouUntaugau, Kromong, Kre-wong 
Kyi-wain, Pien-cung, Sapta ghantika , Saron, Stahlspiel, Tetjer 
Un-ra, Yün lo. 

Glockentriangel, ein von F. V. Cerveny- 1877 
konstruiertes Triangel aus einem umgekehrt 
V-förmigen vierkantigen Stahlstab, der, mit 
einem Triangelschlägel gespielt, einen starken 
Triangelton, mit einem Holzhammer geschla- 
gen dagegen einen ausgiebigen Glockenton 
hören läßt. 

Glockenwagen s. Carroccio. 

Glockenwelle, GlockenwoH = Glocken- 
balken. 

Glockenzapfen sind diejenigen eisernen Zap- 
fen, mittels derer der Balken beweghch im 
Glockenstuhl angebracht ist. 

Engl. GUDGEONS, fr. TOURILLONS, it. ORECCHIONI, sp. 
TREBEJOS. 

Glogga, spätlat. .Glocke'. 

Glöckleinton, eine veraltete Orgel-Labial- 
stimme von weiter Mensur, gewöhnlich zu 2'. 

Glotta, yjlcüira, .Rohr' (Aulos). 

Glottis, yXayirk, ngr. .Mundstück'. 

Glottokomeion, yAcorroxo/itrov, Kästchen zum 
Aufbewahren des Mundstücks. 

Pollux, Onomastikon II 108, VlI 153, X 153. 154. 

Glöwka lub slimak, poln. .Schnecke'. 

Glycleide, ein von V. F. Cerveny in König- 
grätz gebautes. 1846 nachweisbares tubaför- 
miges Tenorhorn in B mit Tonwechsel nach A . 

Gnaccare s. Naccare. 

Gnbri, nordafrikanisches, be- 
sonders in Marokko heimisches 
Lauteninstrument. 40 — 80 cm lang. 
mitHammelhautdecke,2 — 3 Darm- 
saiten und einem bundlosen Hals 
mit Wirbelkasten. 

Goabdes , läpp, ausgestorbenes 
Tamburin mit zwei Stricken als 
Handhaben ; als Klöppel dient ein 
zweispitziger Hammer. Das In- 
strument versinnbildlicht das Welt- 
rund; es wird aus einem beson- 
deren, in der Richtung des Son- 
nenlaufs gewachsenen Holz ver- 
fertigt und mit dem rötlichen Saft 
der Erlenrinde — aus der Erle 
kommt nach der Sage das Weib 




— bemalt. Die lappische Trommel diente zu 
Orakeln, Opfern. Krankheitsheilungen u. dgl. 

Suomalais-ugrilaisen seuran Aikakauskirja III 104. 

Goathorn, engl. .Gemshom". 
Gobais, Flöte der Somali (Nordostafrika) ,t. 
gabai, .singen', mit dem Ulul6 identisch. 

PaulitscUke, Ethnographie Nordostafrikas I 148. 

Gobar, jav. .Becken'. 
Gobdas s. Goabdes. 
Goböi, ro6oH. russ. .Oboe'. 
Go-(;ringa, bind, altes Hominstrument aus 
Kuhhorn. 
Tagore 12. 

Goinag, armen, längliches Schlagbrett, das 
mit zwei Holzhämmern gespielt wird. 

New-Voik Nr. 2215. 

Goddwnbib.wal. .Bomhart' ( ?). Die Verant- 
wortung für diese Übersetzung trägt D. S. 
Evans, An Enghsh and Welsh Dictionary, 
Denbibh 1852, wo es vol. I p. 154 als Über- 
tragung von .Bombardo, math ar of feryn cerdd 
chwyth', gebracht wird. 

Gödumbas, Handtrommel derAtje auf Su- 
matra, mit einem Fußstück. 

Breitenstein, 21 Jahre in Indien, T. III, Lpz. 1902. S. 157. 

Goge, plur. gogüna, haussa .Geige'; vgl. 
Gogern, Etgm. deutsch Geige [?] oder haussa 
goga ,bügeln, streichen'. 

Go-gek-kin = Go-kin. 

Gogfru, plur. gogedji, von haussa goge, 
Streichinstrument der Fulbe (W.-Afr.) aus 
einer Kalebasse als Korpus, einer Lederdecke 
mit rundem Schallloch an der Seite, Hals 
und einer, meist aber drei an einem Saiten- 
halter befestigten Saiten, von denen zwei 
lang und eine kurz ist. Kein Steg. 

E. R. Flegel, Weslafrikanische Scenerien. Mitt. d. geogr. Ges. 
lu Hamburg II, i88o|8i, S 401, Tat. VI, i. 

Gojdyda, ruth. , Sackpfeife', v. türk. ghaidä. 

Go-kin, ein Koto mit 5 Saiten, von denen die 
drei dicksten gelb, die vierte violett und die 
fünfte blau sind. Die Wirbel werden mit einem 
Holzschlüssel gedreht. Sonst stimmt das In- 
strument im wesentlichen mit dem ICi-gen-kin 
überein ; das Schallbrett ist nur wenig breiter 
und mit chinesischen Tonzeichen als Hilfs- 
mitteln das Saitenteilung bemalt; außer dem 
einen beweglichen Steg hat es noch einen zwei- 
ten festen. Die Saiten werden mit den Fin- 
gern gerissen. 

Kraus 62. — Piggott 117. — Kor. 0-HYEN-KOM. 

Gola, ital. .Kehle'. 

Golgol s. Gülgül. 

Goliath, Kontrabaß des Ungarn Jos. Kaemp- 
fer, mit dem er 1787 im Pariser Concert spiri- 
tuel auftrat. Er wurde in 26 Teile zerlegt und 
konnte mitSchrauben zusammengesetzt werden . 

Gerber A. L. I 704. 



163 



GOt OS— GOPI-Y ANTRA 



Gotos, FonocT», russ. .Stimme'. 
Golosnizja dera, ruth. .Schalloch'. 
Goma, suaheli .Große Trommel'. 

Ch. Sacleux, Dict. fran^.-swahili 922. 

Gomenwudu, altengl. .Holzinstrument'. 

Gomgom, ein Gongspiel von Batavia aus 
hohlen Eisengefäßen verschiedener Größe und 
Stimmung, die mit Eisen- oder Holzstäben ge- 
schlagen werden. 

Stavarinus. Acc of Java and Batavia, Engl Transl, PinkerL 
collection vol. .\I p. 172. 

Gomonna djera, roMOHHa fl-fepa, ruth. .Schall- 
loch'. 

Go-mukha, skr., beng. Kuhmaulmuschel. 
Muschelhom. 

Brüssel Nr. 57. 

Göndang, Gönang, westborn. Trommel, un- 
gefähr von der Form des Gendang prang, aber 
viel kleiner, ca. 30 cm hoch. Der Spieler stützt 
den linken Ellenbogen aufs Knie und hält die 
Trommel in der Hand, während die Rechte 
lose die Pengomba. ein gebogenes Stäbchen, 
faßt. 

Leiden Nr. 1530 87. 

Gondra, jav. Schlaginstrument [!] zum Ver- 
scheuchen der Vögel. 

Paris Nr. 1462. 

Göndrang, große Trommel der Atje auf 
Sumatra ; sie wird ..vor dem Bauche getragen 
und links mit der Hand und rechts mit einem 
Trommelstock geschlagen". 

Breitenstein, 21 Jahre in Indien III, Lpr. 1902, S. 157. — 
Vgl. Genderang. 

Gong ist ein onomatopoetischer Name für 
Schlaginstrumente überhaupt, der in dieser 
oder wenig abweichenden Formen über die 
ganze Welt verbreitet ist ; ausnahmsweise führt 
auf Neuguinea ein Muschelhorn die Bezeich- 
nung. Die Instrumentenkunde scheidet aus 
dem Begriff Gong alle Membraninstrumente 
aus und behält den Namen denjenigen idio- 
phonen Instrumenten in Gefäßform vor, 
die mit einem getrennten Klöppel ange- 
schlagen werden, den , Aufschlaggefäßen'. Der 
engere Sinn, den die Pra.xis mit dem Titel 
Gong verbindet, ist der einer mehr oder we- 
niger gewölbten, in der Mitte oft ausgebuckel- 
ten Platte aus gehämmertem oder gegossenem 
Metall, die frei aufgehängt und mit einei~.i 
Klöppel in Schwingung versetzt wird. Das 
klassische Land dieser Tonwerkzeuge ist Ost- 
asien, von China herunter bis zu Indonesien. 
Von dort strahlt es nach Zentral- und West- 
asien, nach Afrika und Europa aus. Die Afri- 
kaner haben es rückgcbildet ; die Europäer be- 
nutzen die von China importierten Gongs ohne 
bestimmte Tonhöhe — .Tamtam' — im Haus, 
um die Familie zum Essen zu rufen, und im 
Orchester, um mit ihrem weiten, wesenlosen 



Klang mystische und schauerUche Wirkungen 
zu erregen ; eine eigene Gongindustrie gibt es 
bei uns nicht. 

Die heutigen Gongs, die hell tönenden chi- 
nesischen und die tieferen, vollklingenden der 
Malayen — die besten werden in Semarang ver- 
fertigt — setzen natürlich primitivere Vorstu- 
fen voraus ; Etappen dieser Entwicklung be- 
zeichnen die Klangplatten aus Stein und Holz, 
deren sich z. B. die Chinesen noch heute be- 
dienen ; dagegen sind die afrikanischen Gong- 
typen, das tigerhautüberzogene aus zusam- 
mengerollter Baumrinde in Guinea, das ziegen- 
fellbekleidete hölzerne im Westen und das 
eiserne im Osten, eher als Rückbildungen anzu- 
sehen. 

Literatur: F.Heger, Alte Metalltrommeln aus Südost-Asien. 

Leipzig 1903. 

Vgl. Europa: Bacciocolo. — China: Banko, Doko, Cung, 
Hsiang pan, Hsüan tzo, Hsü pan, K'ing, Kin ku, Liog tzö, Lo, 
Fan, Pao kün eib, Sun, Tang lo, Tang tzö, Pieh pan, T'i tang, 
Ticn erh, Tien tzö, Yang, Yin. Vin k'ing. — Japan, Can- 
giri, ein ^i ci, Dobaci, Doko, Dora, Doteku, Han teki, Hi, 
Kagami dora, Kei, Ken, Miohaügane, Nikko so. So ko, Tsuri 
kane, Waniguci, Vata kikane. — Hinterindien: Cai cong, 
Cai Cieng, Cai mo nha £ua, Cai thanb la, Cai thieu canh, Cai 
tiu, Kre Don, Kre tsan, Kre tsi, Kie waiA, Lan kad, Mon, 
Pazi, Tecety. — Indonesien; Agun, Bende, Beri, Bonang, 
Breng-breng, Canang, Gajor, Gang' sa, Garantong, Kempjang, 
Kenong, Ketjer, Koulintaugau, Kromong, Rodjeb, Tarai, Ta- 
wak-tawak, Tjanang. — Übriges Asien: Ghah. Kansara, 
Kansi. — Afrika: Naqus. — Amerika: Ayotl, Tetzilakatl. 
Ferner: Schlagbrett. 

Gong drum nennen die Engländer die ein- 
fellige Große Trommel. 

Gong gender, javanisches, an einem Galgen 
hängendes Gongpaar. 

Gong kempul, jav. einfacher, an einem Gal- 
gen aufgehängter Gong. 

Gong yang, chin. , männlicher Gong', Gong 
ohne Ausbauchung in der Mitte. 

Gong yin, chin. .weiblicher Gong', Gong mit 
Ausbauchung in der Mitte. 

Gongaa, Trommel der Tibbu und in Fezzan 
(Nordafrika), die mit der Hand auf der einen 
und mit einem Stock auf der anderen Seite ge- 
schlagen wird. 

Lyon, G. F., Narr, of Trav. in North. Afr.. Lond. 1821, p. 23*. 

Gonra, Zupf-VaUha von N. Nias mit 6iner 
Saite. 

Leiden Nr. 1002 liot. 

Gonsle s. G^il. 

Goongooroo = Ghurtghurü. 

Goot, ndl. .Kehle'. 

Gopi-yantra, skr. beng. Zupfinstrument. 
Eine gegabelte, biegsame Bambusröhre sitzt 
mit den Zinken auf dem Rand eines Holzfäß- 
chens. dessen entgegengesetzte Öffnung mit 
einer Membran überspannt ist. Von der Mitte 
dieser Membran, zwischen den Gabelzinken 
hindurch, läuft eine Stahlsaite nach dem un- 



164 



GOR AH — GRIFFBRETT 



^ 



gespaltenen Teil der Bambusröhre, an dem sie 
mittels eines Wirbels festgemacht ist. Wäh- 
rend die rechte Hand mit einem Piektrum die 
Saite zupft, kann die linke durch mehr oder 
minder starkes Zusammen- 
drücken der Gabelzinken die 
Spannung der Saite lockern 
und ihren Ton vertiefen. Das 
Instrument ist als eine Ver- 
vollkommnung des Ananda- 
lahari anzusehen. 

Yantra-kosba 64. 

Gorah = Gorra. 

Gordang = Gendang. 

Gordelan, wal. .Erzlaute'. 

Gordonka,ung., Violoncello'. 

Gore, Bambus - Langflöte 
von Opa, Leper Island (Neu- 
Hebriden) mit 2 Fingerlöchern 
vom und einem dritten hin- 
ten. Länge 56 — 76 cm. 

Vgl. Kaur. 

Gorgrwth,waI. .Violoncello'. 

Gornj, serbokroat. , Decke'. 

Goron, wolof (Seneg.) kurze 
Trommel. 

Gorra, Maultrommel-Musik- 
bogen der Buschmänner, des- 
sen eines, mit einer Federkiel- 
zunge versehenes Ende in 
den Mund genommen wird, 
so daß die Schwingungen durch 
die Zähne und die Schädel- 
knochen dem Gehirn mitge- 
teilt werden ; betschuan. lo- 
siva, plur. litsiva, basuto 
lesiva, plur. masiva. 

H. Balfour, The Goura. Jour. Anthropol. 
Inst, of Great Brit. and Ire. XXXII, 
1902. — Ztschr. f. Ethn 1905, p. 684. 

Gorsodell.Gorsodgrwth, wal., Kontrabaß'. 

Gorteh = Garude. 

Gosba ^ Gsba. 

Gosier, frz. , Kropf. 

Gosli, slov. s. v. a. Gusle. 

Gosoq, jav. .Bogen'. 

Go8-dar!da, gji^j^X. pers. .Tamburin'. 

Goto s. Koto. "' 

Gougue s. Guge. 

Goura s. Gorra und Gura. 

Gourd-rattle, engl. .Kürbisrassel'. 

Gousli s. Gusli. 

Gouvernail, frz. , Stimmdraht', eigentlich 
,Steuerruder'. 

Graile, Graille, i. altfr. kleines Hörn 
mit .grellem' Ton, v. lat. gracilem ; ältester Be- 
leg: Rolandslied. — 2. in Languedoc bedeutet 
graille, Oboe'. — 3. katal. graile ,Sackpfeifc'. 



GOPI - YANTRA 
im Kgl. Völker- 
kundemuseum zu 
Berlin 



Grall, Schalmei der balearischen Gaita. 

Gralla, katal. s. Graile. 

Gran Fagotto, ital. , Quartfagott'. 

Georg Faick, Idea boni cantoris, Nümb. 1688, p. 206. 

Gran tamburo, -cassa, ital. .Große Trom- 
mel'. 

Grand, engl. .Flügel'. 

Grand accord, erf. 1866 v.'Will. Edw. New- 
ton, ist eine Vorrichtung zur Verschiebung der 
Klaviatur aller Tasteninstrumente behufs 
Transposition. 

Engl, Patent Nr. 2181, 24. Aug. 1866. 

Grand choeur, frz. , Volles Werk' (Orgel). '^ 

Grand jeu, frz. ,Volles Werk' (Härmoniuin)? 

Grand orgue, frz. ,Hauptmanua!, Haupt- 
werk'. 

Grand piano, engl. .Flügel'. 

Grand porte-vent, frz. .Hauptkanal'. 

Grande örgano, span. ,Hauptmanuar. 

Grankassa, rgarxdooa, ngr. .Große Trom- 
mel'. V. ital. gran cassa. 

Grasshopper, engl. .Auslöser'. 

Gravicalis, noch früher Graphicalis, alte 
Bezeichnung für die Mensurgröße der Orgel- 
stimmen. 

Gravicabs major = Groß, 
Gravicalis minor = Klein. 

Gravicembalo, ein im i6. u. 17. Jh. in 
Italien gebräuchlicher, in erster Linie auf 
die Orchester - Clavicembali angewendete 
Name, auf denen der Kapellmeister den 
Generalbaß im Stehen ausführte. Es ist kein 
Anlaß, das Wort als eine Korrumpierung von 
Clavicembalo anzusehen ; man könnte voraus- 
setzen, daß ein Cembalo mit i6'-Zug gemeint 
ist. Wenn Mersenne. wofür wir uns in diesem 
Fall nicht verbürgen möchten, recht berichtet 
war. so hätte man zu seiner Zeit der Klavier- 
harfe diesen Namen gegeben. 

Gravitätisch, veraltet für .Weitmensuriert'. 

Gravüre, frz. .Kanzelle'. 

Great coupler, engl. .Kollektivkoppel'. 

Great organ, engl. ,Hauptmanuar. Früher 
auch die ganze Orgel mit Ausnahme des Rück- 
positivs. 

Greepplank, ndl. .Griffbrett'. 

Gröeschamais, lett. .Bogen'. 

Greil, Grele ;= Graile. 

Grelot, frz. .Schelle'. 

Gremüska, FpaMyinKa, russ. .Klapper'. 

Grenzstift, Hemmstift, ein Metallstift als 
Ersatz für den Hemmkeil. 

Greppbräde, schwed. .Griffbrett'. 

Gresle = Graile. 

Gribebraedt, dän. , Griffbrett'. 

Griffbrett, bei den mit einem Hals versehe- 
nen Saiteninstrumenten das meist schwarze 
Brettchen, das auf den vorderen, abgeplatte- 



165 



GRIFFLOCH — GROSS QUINTBASS 



ten Teil dieses Halses aufgeleimt ist und auf 
das die Saiten beim Verkürzen mit den Fingern 
gedrückt werden. 

Engl. FINGER-BOARD, ndl. GREEPPLANK, dän. GRIBE- 
BR-EDT, schw. GREPPBRADE, wal. BYSFWRDD, fr. 
TOUCHE, it. TASTATURA, sp. (MANGO), port. PONTO, 
russ. poln. GRIF, t. JHO, ung. MARKOLATFA, finn. NAP- 
PAIMISTO, serbokr. PODSTRUNIK. 

Griffloch, ist der Name derjenigen Offnun- 
gen der Blasinstrumente, die seitlich durch die 
Wandung gebohrt oder gebrannt, während des 
Spielens mit dem Finger verschlossen werden 
können, um die Tonhöhe nach Belieben zu 
ändern. 

Engl. KEY-HOLE, ndl. VINGERGAT, dän. FINGERHUL, 
schw FINGERHÄL, fr. TROU. it. Bl'CO, sp. AGUJERO, 
port. BURACO, russ. ZVUKOVAJA DYROCKA, poln. DZI- 
URKA, serbokr. LUKNJICE, finn. AANIREIKA, ung. FC- 
GÄSLYUK 

Grille nennen die französischen Orgelbauer 
die Gesamtheit der Kanzellen und Kanzellen- 
schiede einer Windlade. 

Grille = Graile. 

Grinding, ndl. .Maultrommel'. Die Javaner 
haben unter diesem Namen ein maultrommel- 
artiges Instrument aus einem Stück Rolu:, in 
das drei feineZungen eingeschnitten sind; zurEr- 
höhung der Resonanz dient eine Bambusröhre. 

Paris Nr. 1282. — Vgl Duri. 

Gripbräde, schwed. .Griffbrett'. 

Grob, veraltet für .Groß'. 

Grobzymbel s. Zymbel-Scharf. 

Grobogan, Schallkasten des Gambang, des 
Saron und des Ketjer. 

Grondstem, ndl. .Grundstimme'. 

Groote bas, ndl. .Kontrabaß'. 

Groote trom, ndl. .Große Trommel'. 

Groove, engl. .Kanzelle'. 

Gros, frz. — als Zusatz zu Registernamen — 
.Groß'. 

Gros-bois, gemeinsameBezeichnung des Baß- 
und des Großbaßpommers in Frankreich im 
17. Jh., im Gegensatz zu .Haut-bois'. 

Mcrsenne, Harmonie universelle, Paris 1636. 

Groß heißt in der Orgelbauersprache jede 
16' Manual- und jede 32' Pedalstimme. 

Engl. DOUBLE, (ri. GROS. 

Großbaßbomhart, Doppelquintporamer, 

die tiefste Pommernart mit 4 Klappen, etwa 

3 m lang. ^^ 

Umfang: ■ ' ^ 

Berlin: Salzburg. 

Großbaßflöte, die tiefste Blockflötenart des 
16. und 17. Jhs., ca. 220 cm lang. 




Umiang: 



^ 



Zuerst belegt 1520 im Inventar der Instru- 
mente des Kardinals Ippolito I. d'Este. 



Großbaßgeige, im 17. Jh. die größte Violada 

braccio mit 

5 Saiten in \!^ 




Großbaßkrummhorn, im 17. Jh. das tiefste 
Krummhorn mit 2 Klappen. 



Umfang: 



Groflbaßrackett, im 17. Jh. das tiefste 
Rackett; Büchsenhöhe 35 cm. 




Umfang: 



oder 




Großbaßsordune, Umfang: 



Großbaß-Viola da braccio s. Großbaßgeige. 
Großbaß-Viola da gamba, die zweitgrößte 
Viola da gamba. Stimmungen: 



P 



ip 



m 




Groß-Brummer, die tiefste Lautensaite im 
16. und 17. Jh. 

Judenkuoig, Introductio 1523. — Praetorius 59 (50). 

Großdoppelharfe = Doppelharfe. 

Grosse caisse, frz. .Große Trommel'. 

Großer Bock, im 17. Jh. die größte Art der 
Sackpfeife mit feinem Stimmer in Gj ; Umfang 
der Melodiepfeife wie beim Bock. 



Große Flöte, die gewöhnliche Diskant-Quer- 
flöte, im Gegensatz zur Kleinen Flöte. 

Großnasat = Nasat loVa'- 

Großoktavbaßlaute, eine Laute mit zwei 
Wirbelkästen und 14 Saiten in 




Praetorius 30 (27). 60 (51). 

Großpedal, das rechte Pedal des Klaviers. 
das die Dämpfung aufhebt. 

Großprinzipal s. Subprinzipal. 

Groß-Prinzipalwerk, eine Manualabteilung 
mit allen Prinzipalstimmen von i — 16'. 

Großprummer = Großbrummer. 

Großquintbaß = Großbaßgeige. 



166 



GROSSQUINTE — GUITARE DfiCACORDE 



GroBquinte, eine Quinte 5Va'. die nur dann 
disponiert wird, wenn das gleiche Manual ein 
Prinzipal i6' hat. 

Große Trommel, die größte, aufrecht ge- 
stellte Militärtrommel ohne Schnarrsaite, von 
deren Fellen meist nur das eine und zwar nur 
mit öinem Schlägel geschlagen wird. Häufig 
— leider — ist auf ihr das eine der beiden 
Becken befestigt. Couesnon & Cie. in Paris 
bringen eine Große Trommel mit ganz schma- 
ler Zarge und nur feinem Fell in den Handel. 

Engl. BASS-DRUM, ndl. GROOTE TROM, dän. STÖR 
TROMME, fr. GROSSE CAISSE, it. GRA.N CASSA, sp. port. 
BOMBO, russ. BOLSoJ BARABAN, poln TOfcLMBAS, 
c ■ ELBUBEN, serbokr. DOBO§, ung. NAGY DGB, ngr. 
rPANKA2:XA. ~ Vgl. Tampon. 

Großzymbel s. Zymbel-Scharf. 

Gruccia, ital. .Stimmkrücke*. 

Gruchotka, poln. .Ratsche'. 

Grumle, dech. .Maultrommel'. 

Grundstimmen, Hauptstimmen, heißen 
in der Orgel i. a. die Prinzipale aller Größen, 
besonders die Hauptprinzipale. 

Engl. FOUNDATION STOPS, ndl. GRONDSTEMMEN, frz. 
JEUX DE FOND, sp JUEGOS DE FONDO, rus3 OS.NGV- 
NYE GOtOSY. 

Grunong, Messing- Kuhglocke der Brunei- 
Malayen, fast kugelförmig, mit einem schma- 
len Schlitz an der Unterseite und emem kuge- 
ligen Klöppel aus Messing. 

Sarawak Nr. ii^y. 

Gruppenzug =; Kombinationsregister. 
Grwthsodell, wal. .Kontrabaß'. 
Grzechotka, poln. , Klapper'. 
Gsba, arab. (N.-\V.-Afr.) s. v. a. Näj-. 
Gsang, Instrument der Bonpo (Tibet). 

Jäschke, Hwb, d tib. Spr., Gnadau 1871, S 58?. 

Guaite, altfrz. .Wächterinstrument', eig. 
.Wache'. Nicht mit .Gaita' zu verwechseln! 

Guard, engl. .Kappe'. 

Guarnicion, span. .Bezug'. 

Großsanksait, die dritthöchste Lautensaite 
im 16. Jh. 

Judenkunig. 

Gubnaja garmonika, TyCHan rapuoHHKa, 
russ. , Mundharmonika'. 

Gubo, Musikbogen der Kaffem, meist mit 
einem Kürbis als Schallverstärker. Der eigent- 
liche Bogen ist bald einteilig, bald dreiteihg 
aus einem dickeren Mittel- und .^wei hinein- 
gesteckten dünneren Seitenstücken. 

Gudala£ki nastroj, Gudaljka, serbokroat. 
.Streichinstrument'. 

Gudalo, Fy^ajiG, serbokroat. .Bogen'. 

Guda-stwili, grus. .Sackpfeife'. 

Guddok s. Gudok. 

Gude, serbokroat. tiefes Streichinstrument 
vom Typus des Ayäqli kcmän. 

Gudilo, dalmat. .Bogen'. 



Gudnica, serbokroat. .Streichinstrument. 
Baßgeige', dim. gudniiica. 

Gudnidina, serbokroat. .Bratsche'. 

Gudno, serbokroat. .Kontrabaß'. 

Gudök, TyAOKi. dim. ryAOHHKT,. GudoCik, 
russ. I. ein altes Streichinstrument vom Re- 
bectypus mit gewölbtem Boden und 3 Saiten, 
die in Grundton, Quinte und Duodezime ge- 
stimmt sind und mit einem kurzen Bogen ge- 
strichen werden. Die höchste Saite gibt die 
Melodie, während die beiden anderen unver- 
ändert mitklingen. Beim Spielen wird das In- 
strument gegen Brust oder Knie gestützt. — 
2. .Dampfpfeife'. 

Gudhorn, ags. .Kriegshorn'. 

Guenbri s. Gnbri. 

Guendangs. Gendang. 

Guerriere nennt F. Besson in Paris ein gegen 
1890 gebautes Kesselmundstück in gekrümm- 
ter Gestalt, das dem Bläser eine freiere Bewe- 
gung ermöglichen soll. 

Güesba s. Gsba. 

Guette = Gnaite. 

Gugaws. Gewgaw. 

Guiche = Gigue. 

Guiga. rynra. s. Gege. 

Guige s. Gigue. 

Guigerne, altfrz. .Guitarre'. 

Guimbarde, frz. .Maultrommel' ; v. arab. 
gimbrede ? 

Guimbarde ä corde, frz. ,Bumbaß'. 

Guindaste de una campana, span. .Glocken- 
galgen'. 

Guindzba, Guinse, s. G^äl. 

Guinterne, altfrz. .Guitarre'. 

Guira, G u i r o , Schrapinstrument von West- 
indien, aus einem länglichen, trockenen Kür- 
bis, in dessen Innenfläche S-förmige Löcher 
und in dessen Außenfläche Kratzen einge- 
schnitten sind ; der Spieler streicht über diese 
Außenfläche mit einer zweizinkigen Stahl- 
gabel. Guira und Maruga werden in Gegen- 
rhj'thmen beim Tango gespielt. 

Brüssel Nr. 3057. — The Americ Anthropol. XI 3^4 (E. H 
Hawley). 

Guiso, port. .Schelle'. 

Guisterne, altfrz. ,Cister'. 

Guitare, frz. , Guitarre'. 

Guitare ä dos bombfe, — ä la capucine, frz. 
.Chitarra battente'. 

Guitare allemande, — a n g 1 a i s e. frz. .Cister'. 

Guitare-basson, eine Guitarre mit Schnarr- 
register von Warneck (1826). 

Poat^coulant 138. 

Guitare d'amour ^ Arpeggione. 

Guitare decacorde, eine Guitarre mit 5 

Griffbrett- und 5 Bordunsaiten. 

Brüssel Nr. 348g. — Mahillon IV 294. 



167 



GUITARE EN BÄTE AU — GUITARRE 



Guitare en bäteau, frz. .Chitarra battente'. 

Guitare-harmonica, eine 1821 von Villeroi 
konstruierte Flageoletten - Tastatur für die 
Guitarre. 

PoDt^coulant 124. 

Guitare-harpe, frz. .Guitarrenharfe'. 

Guitare Lapr6votte, eine Guitarre mit kreis- 
rundem Korpus, Wirbelkopf und leichtgewölb- 
tem Boden, erf. geg. 1844 v. Et. Lapr6votte in 
Paris. 

Paris Nr. 286. 

Guitare latine und Guitare moresque, die 
1349 in den Händen der herzogl. normanni- 
schen Menestrels erwähnt werden [Kastner, 
Les Danses des Morts 286], entsprechen den 
unter Guitarra latina und morisca behan- 
delten Instrumenten. 

Guitare-luth, frz. .Lautenguitarre'. 

Guitare multicorde, eine ursprünglich 25- 
saitige Guitarre von Munchs und Charpentier 
(«832). 

Brüssel Nr. 2490 ; Nizza, Mus. mun. coli. A. Gautier. — 
Mahillon IV 301. 

Guitare toscane, frz. s. v. a. .Chitarra bat- 
tente'. 

Guitarion, eine Zupf- und Streichguitarre 
von Franck (1831). 

Pont^coulant II 357. 

Guitarra, span. port. .Guitarre'. Im engeren 
Sinn die spanische Baßguitarre mit 6 Saiten in 



^ 



i 



Guitarra de Flandres, in Madeira gebräuch- 
licher Name der Cister. 

Guitarra espaiiola, im 16. und 17. Jh. Name 
der in Spanien aufgekommenen fünfsaitigen 
Guitarre. 

Guitarra latina und Guitarra morisca. Zur 
Deutung dieser beiden, im Libro de amor des 
Erzpriesters von Hita, Juan Ruiz. erwähnten 
Namen müssen die von Alfonso el Sabio in der 
2. Hälfte 13. Jhs., also kurze Zeit vor dem 
Libro herausgegebenen Cantigas de Santa 
Maria mit ihren Miniaturen herangezogen wer- 
den. Unter den in dieser Sammlung abgebil- 
deten Instrumentalisten befinden sich mehrere, 
deren Instrumente für den Begriff Guitarre in 
Betracht kämen. Als Guitarra morisca kann 
nur das eine angesprochen werden, dessen Spie- 
ler durch Physiognomie und Tracht hinrei- 
chend als Maure gekennzeichnet ist ; es hat ein 
ovales, sicher bauchiges Korpus mit zahlrei- 
chen kleinen Löchern in der Decke, wie sie 
beim Tanbür üblich sind, einen Saitenhaltcr, 
der unten in einen Halbmond ausläuft, einen 
breiten Hals, eine auffallend große kreisrunde 



Wirbel platte und einen nicht genau bestimm- 
baren Bezug. Das andere Instrument, in dem 
wir zweifellos die Guitarra latina zu sehen 
haben, hat die nach innen geschweifte Form 
und die Zargen der modernen Guitarre oder der 
Vihuela, Bünde auf dem Hals, einen zurück- 
gebogenen grotesken Tierkopf als Abschluß 
und vier einfache Saiten. 

VgL Guitare latine und Guitare moresque. 

Guitarra requinto, span. Guitarre mittlerer 
Größe mit 3 übersponnenen Seiden- und 3 
Darmsaiten m 



Notierung; 



Guitarra tenor, span. .Tenorguitarre' mit der 
Stimmung 




[^n.ir'C^U . 



Guitarre, von span. guitarra, ein ohne Plek- 
trum gezupftes Saiteninstrument aus einem an 
den Seiten nach innen geschweiften Holzkor- 
pus mit geraden Zargen, flachem Boden und 
flacher Decke, beide ohne Überstand, mit 
einem einzigen runden Schalloch in der Mitte 
der Decke, Hals, Bünden, zurückgezogenem 
Wirbelkasten mit sechs nach hinten gerichte- 
ten Schrauben und sechs mit Nägeln auf der 
Decke befestigten Saiten — drei übersponnen, 
drei Darm — 



^^ 



i 



Notierung eine Oktave höher. 

Die Entwicklungsgeschichte der Guitarre 
liegt heute noch ziemlich im Dunkeln. Denk- 
mäler des frühen Altertums zeigen Saitenin- 
strumente mit der geschweiften Decke der 
Guitarre auf ägyptischem und hetitischem 
Boden. Es erscheint uns indessen gewagt, bei 
diesen Tonwerkzeugen ohne weiteres Zargen 
in unserm Sinn, also einen zusammengefügten 
Schallkasten vorauszusetzen. Nach dem 
heutigen Wissensstande müßte man eher an 
ein geschnitztes Korpus in der Polyederform 
der zentralasiatischen Balalajken oder mög- 
licherweise in der Form der südslavischen 
Bisernica oder der Vihuela denken. 
Sicher ist bisher nur, daß das Instrument im 
wesentlichen in der heutigen Gestalt — viel- 
leicht aber in der Bauchzargenform der Vi- 
huela — schon im 13. Jh. auf spanischem Bo- 
den existiert hat (s. , Guitarra latina'), und daß 
man aus dem Namen , Guitarra latina' im Ge- 



168 



GUITARRENAUFSATZ — GUITARRENHARFE 



gensatz zu .Guitarra morisca' schließen darf, 
daß die Guitarre abendländischen Ursprungs 
ist oder zum mindesten im hohen Mittelalter 
schon längere Zeit das europäische Bürger- 
recht erlangt hatte. Johannes Tinctoris hält 
sie Ende 15. Jhs. für eine katalonische Erfin- 
dung. Inwieweit hier die griechisch-römische 
Kithara als Prototyp herangezogen werden 
darf, erscheint mir heute noch zum mindesten 
fraglich. 

Die Form, in der sich die Guitarre im spä- 
teren Mittelalter und im 16. Jh. über Süd- 
West- und Mitteleuropa, vor allem — nament- 
lich seit etwa 1540 — Frankreich, verbreitete, 
blieb zwar begreiflicherweise nicht konstant, 
da sie wie die aller anderen Instrumente den 
Beeinflussungen seitens näherer oder fernerer 
Verwandter ausgesetzt war ; als gemeinsamen 
Besitz hatten aber alle diese Varianten vier 
Doppelsaiten in 

seltener in 




Erst in der 2. Hälfte 16. Jhs., wie es scheint, 
und zwar angeblich durch Vicente Espinel in 
Madrid, kam in Spanien eine fünfchörige Gui- 
tarre mit den der Laute angenäherten Stim- 
mungen 



^^^o.er^^^ 



auf, die als , Spanische' für lange Zeit einen be- 
sonderen Typus bildete, ohne die vierchörige 
verdrängen zu können. Zum mindesten vor- 
übergehend gab es aber schon zu Bermudos 
Zeit, also Mitte 16. Jhs., fünfchörige Guitarren. 
Für die, Einführung dereinzelsaitigen Guitarre 
läßt sich ein bestimmter Zeitpunkt nicht an- 
geben. Der moderne Bezug mit 6 Einzelsaiten 
ist, nachdem 1790 die Herzogin Amalie von 
Weimar eine Guitarre aus Italien — seit Anf . 
17. Jhs. dem klassischen Land der Guitarre — 
mitgebracht und damit den Anstoß zu einer 
ungeheuren Verbreitung des bisher in Mittel- 
und Nordeuropa ziemlich spärlich vertretenen 
Instruments gegeben hatte, um 1800 — wenig- 
stens für Deutschland — von J. A. Otto in 
Weimar auf Veranlassung J. G. Naumann's 
geschaffen worden. Die Guitarrenmode hielt 
nördlich der Mainlinie bis fast zu den März- 
tagen an ; südlich hat das Instrument seinen 
Platz behauptet und beginnt jetzt abermals 
die Eroberung des Nordens. 



Die vergleichende Instrumentenkunde nennt 
Guitarren diejenigen aus Korpus und Hals 
bestehenden Saiteninstrumente, deren Körper 
ein aus mehreren Brettchen zusammengefügter 
Kasten ist. 

Engl. ir. din. GUITAR, schw. GUITARR, odl. GITAAR, waL 
GLTORN, fr. GUITARE, it. CHITARRA, sp. port. GUI- 
TARRA, russ. tuth. poln. »erbokr. GITARA, i. KYTARA, 
finn. KITARI, ung. GITÄR. 

Literatur: Schro«Q, E., Die Gitarre und ihre Geschichte. 
Leipzig 1879. — Kociirz, A., Bemerkungen zur Gitarristik, 
ZIMG. VII 1906 p. 355. — Biemalh, E., Die Guitarre seit 
dem III. Jahrtausend vor Christus. Berlin 1907. 
Vgl Akkordguitarre, Apollina, Arpeggione, BaBguitarre, Bissex, 
Capotasto, Chitarra battenle, Chitarra-salterio, Doppelgxiitarre, 
Flugelguitarre, Guitare-basaon. Guitare-harmonica, Guitare 
Lapr^votte, Guitarion. Guitarra latina, * espanola, - morisca, 
- rcquinto, Guitarrenharfe, Guitarrillo, Guitarro, Guitarrön, 
Harp-lute, Harpe-lute-guitar, Kontrabaßguitarre, Kragen, 
Lautenguitarre, Lyra-Guitarre, Lyro-Harpe, Machete, Panormo, 
Quinterne, Requinto, Stumme Guitarre, Taslenguitarre, Ven- 
tura guitar, Venturina, Vibuela. Viola bragueza, \'iola U'anceza. 
Ferner; Bandolön, Bandura, Bandurra, Baudurilla, Danjo, 
Banza, Bordonuda, Cai dan day, Cat dan ngnyet, Cai dan nha 
tro, Cai tarn, Cavaco, Cavaquinho, Cister, Citole, Cuatro, Ga- 
bowie, Gekicin. Gamisen, Iguana, Kao-tari, Ka: t'^bpi, Ku, 
KuDtiDg, Orpheoreon, Samisen, San hsien, Sigen, Suang k'in, 
Tiape, l'n k'in, Wambi. 

Guitarrenaufsatz = Capotasto. 

Guitarrenharfe. Mit diesem Namen werden 
zwei verschiedene Instrumente belegt, die der 
Bezeichnung entsprechend, aus der Verschmel- 
zung des Harfen- und des Guitarrentypus her- 
vorgegangen sind. 

Das erste Instrument, das den Namen mit 
dem besten Recht trägt, ähnelt zunächst am 
meisten der Harfe. Die Baronstange ist aber 
an der Seite abgeplattet und bildet gleichzeitig 
den Hals einer aufrechtgestellten, mit den ge- 
wöhnlichen sechs Saiten bezogenen Guitarre, 
deren Korpus seitlich in den Schallkasten der 
Harfe übergeht ; dieser hat seinerseits eine 
Vierteldrehung um seine Achse erfahren, so 
daß der zu ihm gehörige Harfenbezug nicht 
wie sonst lotrecht auf ihm steht, sondern ihm 
parallel läuft. Diese wenig wertvolle Kon- 
struktion dürfte England und dem ersten 
Viertel 19. Jhs. angehören. 

Brüssel Nr. 1550. 

Der zweite, Anf. 19. Jhs. gelegentlich ge- 
baute Typus besteht aus einer in die Breite 
gezogenen Guitarre, deren Griffbrett an die 
Seite gerückt ist und die statt eines zweiten 
Wirbelkastens für die Bordunsaiten einen seit- 
lich an den ersten angesetzten, seinerseits mit 
dem Korpus durch eine Art Baronstange ver- 
bundenen Harfenhals hat. 

Heyer Nr. 603. 

In der Regel ist aber nicht dies Instrument 
gemeint, wenn von Guitarrenharfe gesprochen 
wird, sondern eine der beiden dem Namen 
weit weniger entsprechenden Konstruktionen 



169 



a GUITARRENVIOLONCELLO-GURKAVKA b 

j j- jj^,~r. «;tatt Bambus wird auch Hartholz verwen- 

Edw. Lighfs, die Harp-lute oder d>e Harp- ^^f ^^^^^^"„^..her Name tugal. nord- 

l:rSp-ou,TAR. .. HAKPE.0UIT.RE. - V«.. OuU- borneotisch tongka^ krutak. 

* Brü3«l Nr. 2091I2. — ians nt. 1207. 
harie. 

Guitarrenvioloncello = Arpeggione. Gumbri s. Gnbri. „» f ■ 

Guitarillo, Tiplet, span. kleinste Guitarren- Gumi, Gumy, wotjak. ,Flote, Pleite . 

art mit 5 Darmsaiten in 



Guitarro, span. Diskantgui tarre mit fünf 
Saiten in 



Abweichungen sind sehr häufig. 

Vgl. Bordonuda. 

Guitarrön = Guitarra. 

Guiterne, Guiterre, altfrz. .Guitarre*. 

Guitharfe nannte der Wiener Mathematiker 
Jos. Petzval eine von ihm erfundene und 1862 
von J. Scherzer in Wien gebaute Guiarren- 
harfe mit zwei Griffbrettern, von denen das 
eine die gewöhnlichen 6 Spielsaiten und Bünde 
nach dem 31 -stufigen Tonsystem, das andere 
6 Baßsaiten und 12-stuf ige Bünde enthält. 

Wien, Ges d.Mf. - Z.f.I. .XXVII 561. 

Gukon-grute, Gefäßflöte (Okarina) der Ca- 
nella-Indianer aus einerornamentierten Cuyen- 
schale mit Mund- und zwei Grifflöchern. 

W. Kissenberth, Bei den Canella-Indianern in Zentril-Maranhio. 
Baeeltiarchiv II 51. 

Gukuk s. Kukuk. 

Gulieng, Schnabelflöte vonBorneo aus Bam- 
bus mit drei Grifflöchern. 

Broolce Low, Sarawali, London 1848. 

Gulung-gulung, ein Rassehnstrument der 
borneotischen Reispflanzer. Sieben verschie- 
den lange Bambusröliren erhalten je em klei- 
nes mit zwei Hirschhornspitzen versehenes 
Hartholzstückchen, das in den untersten durch 
eine Rotanrindenumwicklung verstärkten 
Hohlraum eingeschlossen, beim vertikalen 
Schütteln gegen die beiden den Raum begren- 
zenden Wachstumsknoten schlägt und auf 
diese Weise einen bestimmten Ton hervorruft. 
Das Instrument wird von sieben Männern ge- 
spielt. 

Namen der einzelnen Rohre: 

Sümah Pendana-kinggi Pendana-gendah 
485 cm 465 cm 415 cm 



g b 

Tinki-bcsar 

348 cm 

d' 

Tinkic-hctjil 

380 cm 

9' 



Tangcup-besar 

365 cm 

/' 

Tangcup-hetjil 

245 cm 

a' 




GV:SLE 
im Besitz des Verlassers 

Gumra, Bechertrommel der Kändhä (O.- 
Vorderindien). 

Berlin, Völkerkunde-Mus. 

Gu-mun-go s. Ko-mun-ko. 

Guoa, Jjni, skr. ,Saite'. 

Gundang s. Gendang. 

Gung s. Gong. 

Gunguma, galla ,Trommcl'. 

Gunibri = Gnbrl. 

Gunte = Ghantä. 

Guri, Tanzrassel der Auin-Buschleute, aus 
getrockneten Nachtfalterkokons, die mit Stein- 
chen oder Straußeneischalen gefüUt, auf 
Schnüre gereiht und am Unterschenkel be- 
festigt werden. 

Kaufmann, in MUt ad. deutsch Schutigebieten .910 Bd. \Xlll 
p, 151. 

Gurkavka, rypKaBKa, ruth. .Ratsche'. 



170 



GURUANGA — GELE-MAS A 



Guruanga, galela s. v. a. Gendang; loda 
guruongo. 

van Baarda, Woordralijst Gal^arecsch-HoU., 's-Gravenli. 1893. 
p. 160, 165: van Baarda, Het Loda'scb (Bijdr. v. h. Kon. 
loBt. 1904 II 341). 

Guruma, melan. (Bogadjim) .Holztrommel'. 

Gurumi s. Ghurumi. 

Gusle.FycJie.südslav. Streichinstrument. Der 
gewölbte Schallkörper und der Hals sind aus 
einem einzigen Stück Holz, als Decke dient 
eine Membran mit kleinen Löchern ; die ein- 
zige Saite, aus Pferdehaaren, wird durch einen 
Wirbel gespannt und nach der Stimme des 
Sängers, den sie begleitet, gestimmt. 

Güsli, rycJiH, russisch. Psalterium mit 23 bis 
28 Saiten im Umfange von vier Oktaven diato- 
nisch; während heute Darmsaiten genommen 
werden, zog das 18. Jh. — vgl. Laborde und 
v. Stählin — messingene auf. 

Guslica, FycJiHua, ist die bulgarische Form 
der neugriechischen Lyra. 

Brüssel Nr. 3481. 

Guslina, serbokroat. , Bratsche'. 



Guslovac, serbokroat. ,Geigenholz, Ahorn". 

Gusset, engl. .Zwickel'. 

Gut-komm = P'i p'a. 

Gutem, wal. ,Guitarre'. 

Guzik, poln. , Sattelknopf'. 

Gwale s. Koali. 

Gwanzu, Psalteriuminstrument der Ababua 
(Westafrika). 

Gwgawe s. Gewgaw. 

Gwizdatka, poln. , Pfeife'. 

Gwrachod, wal. .Wirbel'. 

Gygue = Gigue. 

Gyo, jap. uraltes Schlaginstrument chinesi- 
scher Herkunft in Form eines fußlangen hoh- 
len Holztigers mit abgestimmten Wirbelzacken. 
Es wird mit einer kleinen Rute oder mit einem 
gespaltenen Bambusstück geschlagen. 

Piggott 176. — New- York Nr. 2J72. — Chin. YC. 

Gyöng^d föddött, ung. .Lieblich Gedackt'. 
Gyrli, Gyrly, wotjak. .Glocke'. 
Gytärah s. Kissara. 

Gythorn, Gyttren, mittelengl. .Guitarre'. 
Gyürü, ung. .Ringklappe'. 



Entspricht engl. J 

öädaghara, beng. Kriegstrommel, auch das 
Getrompete des Elefanten. 

öaga|;hanipa, beng. hölzerne Trommel in 
Kegelstumpfform mit 2 Membranen, die mit 
Riemen gespannt und mit 2 Schlägeln bear- 
beitet werden. Sie diente früher zu Kriegs- 
zwecken. 

Yantra-kosha 102. — Brüssel Nr. 38; Paris Nr. 942. 

Ga k'in'rh = La k'in. 

öala-bhandha, Bhurbhuri, liind. Kinder- 
instrument aus Ton. 

Tagore 14. 

Galgtl s. Gülgül. 

öälra, indische Becken mit Buckel, kleiner 
und stärker als die GhäAgh. 

Day 143. 

öamisen, jap. Guitarreninstrument vom Ty- 
pus des Samisen, von dem es sich im wesent- 
lichen nur durch sein ovales Korpus unter- 
scheidet. Stimmung in honioäi: 



^^ 



öampara, rumun. .Kastagnette', v. türk. 
öalpära. 



frz. Dj, ital. G(i). 

öänk, iiUL>". osttürk. , Glocke'. 
Gantar, ein indisches Saiteninstrument vom 
Tvpus der Sese mit Wirbeln. 
Garas, {jn.^, arab. , Schelle'. 
Gawa, hind. Piektrum aus Holz. 
Gawwäq, ol>^ ~ Guwak. 
Gaya, hind. alte Flöte. 

Tagore i ;, . 

Gaya^ringa = Ranaijriftga. 

Gayadhakka, hind. älteste und größte Trom- 
mel, die früher im Kriege, heute bei festlichen 
Gelegenheiten benutzt wird. 

Tagore 14. 

Gayaghaotäi hind. älteste und größteGlocke, 
die früher im Kriege, heute im Tempeldienst zu 
besonderen Festen benutzt wird. 

Tagore 14. 

Gelägil, ^)Js-^L:>. plur. v. gülgül. 
Gelbäre, s.LJj>-, arab. .Kastagnetten'. 

Vgl. Calpira. 

Gele-masa, türk. Klapper aus einem zangen- 
förmig zusammengebundenen Metallstreifen 
mit drei Zinken an jedem Ende, die je eine 
kleine Metallscheibe tragen. Länge 45 — 50 cm. 

New- York Nr. 333. 1377. 



171 



GHALARi — HABERNJACA 



öhalari, thl^H^t = Huruk. 
Ghallaka, flT^^, skr. .Becken'. 
Öhallari, tRcITt Phalli s. Ghalart. 
Ghampätäla, skr. .Becken'. 
Ghallisaka, tligiiqch skr- Instrument, 
öhärtgh, VfTTVfi, hindi hindost. Becken mit 
flachen Rändern und Buckel; Dm. 9 cm. 

New- York Nr. 237- 

Ghänghara = Ghäögh;dim. ghäöghari. 

Ghähgh-khangani, beng. Tamburin mit 
I Fell und 2 Paar aneinanderkUngenden Me- 
tallplättchen. 

Yantri-kosha 108. — BrüsstI Nr. 19; Paris Nr. 945. 

Gharghara, Karra, (füjf^, skr. hind. alte 
pastorale Trommel. 

Tagore 15. 

Gharghari, dim. v. Gharghara ; auch eine Art 
Becken. 

Ghäridhap, beng. Trommel mit i Membran 
und birnförmigem. stark ausgebauchtem Ge- 
häuse aus Ton. im Nahabat gebraucht. 

Brüssel Nr. 38. 

Ghilli, skr. hind. alte Pauke mit Metallkessel. 

Tagore 16. — Freach Nr. 44. 

Ghumbari, skr. „a kind of lute". 
Ghumghumi.HlMHili-I.Ghunghunä, hindi 

hindost. Kinderrassel aus Holz. 
Gi, jap. .Steg'. 

Giang, (Shanghai-Dial.) = K'in. 
Gigan, syrjän. .Glocke'. 

F. J.Wiedemann. Syrjänisch-deutsches Wörterbuch, St Peters- 
burg 1880, S. 43. 

Ginä, r''*^' arab. Pansflöte aus mindestens 
7 Rohrpfeifen. 



Ginagovi = Tümerl. 

Gindaiko, ein Taiko mit 17 cm Zargenhöhe. 

Hailaud Nr. 28. 

Gindai rappa, jap. kugelförmiges Tonhorn 
mit ausladenden Rändern, angebüch die Vor- 
gängerin des Rappakai. 

New-York Nr. 583. 

Gindai sudsu, jap. Hamischglöckchenpaar, 
7 — 12 cm hoch. 

New-York Nr. 2011, 1998. 

Gingane, jap. Bronzegong in Glockenform, 
früher im Kriege, jetzt im Tempeldienst ver- 
wendet. Als Hammer dient ein Holzschlägel, 
dessen Ende mit Leinwand umwickelt ist. 
Höhe 17 Vo cm. 

Mailand Nr. 18. — Vgl Han-so. 

Gingun s. Stobeong. 

Gingil, J>rrwL>, kurd. ,Schelle';pers.gelgel. 
Ginniritsi = Soäi-buye. 
Gorah s. Stobeong. 
Gouthak, armen. .Violine'. 
Gülgül, i)^^^i>, arab. .Schelle', auch .Schel- 
lentrommel' ; pers. |elgel; plur. gelägil. 
Gung s. Cung. 
Gunk, <i^Jcf, arab. .Harfe'; plur. gunük, 



Zamr el-soghair. Auch im 



New-York Nr. 356. 

Güra, ij: yj^ -- 
Albanesischen. 

Guwak, si)y=>-, Sabbäba. alger. Schnabel- 
flöte aus farbig geätztem Rohr mit 5 — 6 Griff- 
löchern auf der Vorder- und mitunter einem 
7. auf der Hinterseite; dazu gelegenthch ein 
Stimmloch. Länge 25— 34 cm; Skala ver- 
schieden. 



H 



H-Klarinette, eine veralteto. auch früher 
nur ausnahmsweise verwendete Klarinette, die 
gewöhnlich durch die Einschiebung eines grös- 
seren Mittelstückes in die C-Klarinette gebildet 
wurde. Eine Rechnung von Brod in Paris v. 
J. 1831 [Pierre, Les fact. d'instr. 378] verzeich- 
net eine an die Oper gelieferte H-Klarinette 
mit 13 Klappen für 150 fr. Carafa schreibt sie 
in seinen ,Nozze di Lucia di Lammermoor' 
(1829) vor. 8 — ~;;^-^ 



H-Trompete, 



Umfang : 



Notierung : 



t 



B 



m 



Skala 




Haakje, ndl. .Haken'. 

Haandharmonika, dän. .Ziehharmonika'. 

Haandorgel, dän. .Portativ'. 

Habernik, Haberdar, serbokroat. , Lärm- 
glocke'. 

Habernja6a, serbokroat. .Signalpfeife' (aber 
auch Signalkanone und Signalgewehr). 



172 



HXßORUSfP— HAI-LO 



Häborusip, altungarische, sehr kurze Kriegs- 
schalmei mit durchdringendem Ton. 

Hac s. Cäi öac. 

Hackbrett, eine in der Regel trapezförmige 
Abart des Psalteriums, deren Saiten nicht ge- 
rissen, sondern mit zwei kleinen Hakenstäb- 
chen oder Klöppeln geschlagen werden ; die 
Saitenchöre sind aus Metall und meist vier- 
fach, die Schlägelköpfe, um zwei Klangfarben 
erzielen zu können, häufig nur auf der einen 
Seite befilzt, auf der andern aber unbekleidet. 
Bei späteren Instrumenten wird gewöhnlich 
die Hälfte der Saiten durch einen gemein- 
samen oder durch getrennte Stege im Verhält- 
nis 3:2 geteilt, so dass diese Saiten je zwei 
Töne im Quint Verhältnis geben. Der Klang 
ist ziemlich scharf und der fehlenden Dämp- 
fung wegen verschwommen. 



// h — TT^ — — 'TiT-— "■■ ■* T TTVV \\ 


//Hm- ■111 ■■ - _ \\\V\ 


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III 




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HACKBRETT 
nach Kästner, Les Danses des Morts 

Man kann überall lesen, daß das Hack- 
brett sich aus dem Psalterium entwickelt 
habe. Das würde indessen dem Naturgesetz 
widersprechen, daß bei den Saiteninstru- 
menten die Behandlungsweisen in der Ord- 
nung Schlagen, Zupfen, Streichen aufein- 
anderfolgen. Wir haben im Hackbrett viel- 
mehr diejenige Form des Psalteriums zu 
sehen, die- die älteste Spielart treu bewahrt. 
In der Tat wird das nachweisbar älteste, 
wenigstens in bildnerischer Darstellung er- 
haltene Psalterium, das assyrische, geschla- 
gen. Sein Erbe, das persisch-türkische Santur, 
wird noch heute als Hackbrett benutzt. 
Daß auch in Europa die Perkussion das Pri- 
märe war, scheint aus sprachlichen Tatsachen 
wie ags. slegel = Piektrum, ir. timpan u. a. m. 
hervorzugehen. Wenn trotzdem das Hack- 
brett in West- und Mitteleuropa ikonogra- 
phisch erst später zu belegen ist als das Psal- 
terium, seit dem 15. Jh., so mag, die Strin- 
genz dieses Beweises vorausgesetzt, ein Neu- 
import der Schlagtechnik von Osten her — 
ein byzantinischer Elfenbeindeckel (Brit. Mus. 
Egerton 11 39, Galpin 57) bildet sie bereits 
Mitte 12. Jhs. ab — stattgefunden haben, sei 



es durch Vermittlung auswandernder Slaven, 
wie z. B. beim Schlagbrett, sei es durch die 
der Zigeuner. Bei den Nationen, die das Erbe 
der byzantinischen Kultur angetreten haben, 
nimmt das Hackbrett heute noch eine bevor- 
zugte Stellung ein ; im Westen dagegen hat es 
nur in einigen abgelegenen Gebirgsgegenden, 
z. B. Appenzell, seine ursprüngliche Gestalt 
bewahren können; überall sonst hat es rasch 
die Klaviatur angenommen (vgl. Cembalo) und 
in dieser Form Wurzel geschlagen, so dass die 
Organologen des 16. und 17. Jhs. kaum je ein 
Wort über das alte Instrument sagen. Vor- 
übergehend erlebte es Anf. 18. Jhs. in der ver- 
besserten Form des Pantalons eine neue Blüte, 
um alsbald in das Hammerklavier überzu- 
gehen. 

Engl. DULCIMER, ndl HAKKEBORD, dän. HAKKEBR.EDT, 
schw. HACKBRADE, wal. DWSMEL, fr. TYMP.ANON, it. 
SALTERIO TEDESCO, sp. TIMPANO, russ. CYMBAtY, 
oln. CYMBAtKI, serbokr. CI.MBALO, lit. CIMBOLAI, ung. 
1 CIMBALOM, rum. TAMBALA 
Vgl. Europa; Cimbalom, Dulce Melos, Pantalon, Tambou- 
rin du B^am — Asien: Cang, Gendang batak, Pokul-logun, 
Sadiu, Santur, Tak-he, Ton-ton, Yang-gum, Yang-k'in. 

Hackenharfe s. Hakenharfe. 

Had, die oberste Saite des 5 saitigen 'Ud. 

Hade, Schlag-Musikbogen der Zulukaffern, 
mit seitlicher Resonanzkalebasse, ohne Stimm- 
schlingc. 

Balfour 22. — Oxford. 

Hadura = Adedura. 

Hagebraedt, dän. .Kinnhaltcr'. 

Hageharpe, dän. ,Hakenharfc'. 

Haggum s. Hai-köm. 

Hagiosideron, äytoaidrjgor, heißt ein eisernes 
Semanterion. 

Hähi, Quertrompete der Canella-Indianer 
aus einer zylindrischen Rohrtuba mit ange- 
setztem Rinderhom. 

W. Kissenberth, Bei den CaneUa^IndlanerD io Zentral-Maranhäo, 
BaeOlerarchiv 11 31. 

Hahn, i. Drehventil in Form eines Hahns. 

— 2. Die den Wind in den Kasten der 
Orgelwindwage leitende Röhre. 

— 3. Ein jedenfalls zur Illustration des 
Verrats Petri in den Passionen bis ins 19. Jh. 
benutztes Register auf älteren Orgeln : ein 
Hahn, der in der Front angebracht ist, bewegt 
beim Ziehen des zugehörigen Zuges die Flügel, 
während ein Oboist das Krähen nachahmt. 

Hahnenlade, eine 1879 von R. A. Rande- 
brock in Paderborn erfundene Windlade ohne 
Kanzellen, bei der die Pfeifen unmittelbar aus 
dem Windkasten gespeist und die Ventile 
durch gewehrhahnähnliche Vorrichtungen ge- 
öffnet werden. 

Hai-köm, Haing-köm, korean. Erb hsien. 

Markneukircben ; New- York Nr. 142. 

Hai-lo = Lozeu. 



173 



HAING-KÖM— HAMMER 



Haing-köm= Hai-köm. 

Hair, engl. .Haare' ; s. Bezug 2. 

Hakbord, ndl. .Hackbrett'. 

Hakenharfe, eine in der 2. Hälfte 17. Jhs. in 
Tirol erfundene Harfe, deren Saiten durch Um- 
legen am Hals angebrachter Haken (in sehr 
verschiedener -Zahl) um die einem Halbton 
entsprechende Strecke verkürzt werden kön- 
nen. Die Hakenharfe ist also der Vorläufer der 
Pedalharfe, die ihren beiden Hauptunvoll- 
kommenheiten abhalf, der Außerbetriebset- 
zung der umstellenden Hand und der nicht 
auf alle gleichnamigen Töne des ganzen Um- 
fangs automatisch wirkenden Erhöhung. Die 
Anzahl der alterierbaren Töne wechselt; bei 
manchen Harfen können alle Stufen der Leiter 
erhöht werden, bei manchen nur die F und C. 
Die Hakenharfe ist durch die neueren Systeme 
nicht völlig verdrängt worden ; die böhmischen 
Harfnerinnen z. B. benutzen sie noch heute. 

Engl. HOOKED HARP, dän HAGEHARPE, schw. HAK- 
HARPA, fr. HARPEAcKOCHETS, it. ARPA A NOTTOLINI. 

Hakep, jav. .Mundstück'. 

Hakkebrjedt, dän. .Hackbrett'. 

Hakuhan, chin. Klapper aus fächerartig an- 
einandergebundenen Brettchen. Länge 8 bis 
27 cm. 

Mallaad Nr. 14—16. — Vgl. Byakuäi. 

Halam s. Chalam. 

Halbbaß, Basso di camera. ein Kontra- 
baß kleineren Formates. 

Halbcello, ein kleineres, für Kinder bestimm- 
tes Violoncello. 

Halbellig ist eine veraltete Bezeichnung für 
einfüßig. 

Halbe Orgel, eine Orgel ohne 16' Stimmen 
oder mit nur zwei Manualen. 

Halbes Kornett s. Diskantkornett. 

Halbe Parallelen heißen die zu halben Stim- 
men gehörigen Parallelen. 

Halbe Stimmen, Halbe Register, nennt 
man diejenigen Orgelstimmen, die nur durch 
die Hälfte einer Klaviatur gehen. Sie lassen 
sich schon in italienischen Orgeln des 16. Jhs. 
von Cost. Antegnati, z. B. in S. Marco zu Mai- 
land, nachweisen. 

Engl. INCOMPLETE STOPS, ndl. HALVE REGISTERS, 
fr. JEUX INCOMPLETS. 

Halbgedeckt s. Rohrflöte. 

Halbierte Windlade, eine aus zwei Ab- 
teilungen bestehende Orgelwindlade. 

Halbinstrument ist im Gegensatz zum Ganz- 
instrument ein Kesselmundstückin.strumcnt, 
dessen Mensur nicht genügend weit ist, um 
den ersten Naturton bequem ansprechen zu 
lassen ; das Verhältnis zwischen Anfangs- und 
Enddurchmesscr schwankt bei diesen Ton- 
werkzeugen, zu denen die überwiegende Zahl 



der Blechinstrumente rechnet, zwischen 1:4 
und 1:8, während die wenigen Ganzinstru- 
mente das Verhältnis i : 20 erreichen. Als 
erster hat diesen Ausdruck K. v. Schafhäutl 
in seinem Bericht über die Musikinstrumente 
der Münchener Industrieausstellung von 1854 
gebraucht. 

Halbmond wird i. der Schellenbaum ge- 
nannt, 2. ein Anf. 19. Jhs. gebauter halb- 
mondförmiger, zum Tragen an der Hüfte und 
zum Stopfen geeigneter Signalhorn- und Trom- 
petentypus. Abbild, bei .Stopftrompete'. 

Halbprinzipal, ältere Bezeichnung des 4' 
Prinzipals. 

Haibricht, Halb werk, Orgelpfeifenmetall 
aus gleichen Teilen Blei und Zinn. 

Halbspiel = Halbe Stimme. 

Halbvioline, eine kleinere, für Kinder be- 
stimmte Violine. 

Halbviolon(e) = Halbbaß. 

Halbwerk s. Haibricht. 

Hals, I. die stielartige Verlängerung der 
Geigen-, Lauten- und Guitarreninstrumente, 
über die hinweg die Saiten hinauf zum Wirbel- 
kasten oder der ihn ersetzenden Vorrichtung 
laufen. 

Engl. NECK, ndl. dän. schw. HALS, fr. MANCHE, it. MANICO, 
sp MASTIL, russ, SEJKA, poln. SZYJKA, serbokr. VRAT, 
finn. VARSI. 

— 2. Der geschwungene Bügel der Harfe, 
an dem die Oberenden der Saiten befestigt 
sind. 

Engl. NECK, ndl. din. HALS, schw. TVARBALK fr. CON- 
SOLE. it. MENSOLA 

— 3. In der Orgel s. v. a. Balgkropf. 
Halve maan, ndl. .Halbmond, Schellen- 
baum' ; dän. halvmaane. 

Ha ma, chin. Faden-Brummtopf in Form 
eines Frosches aus Ton. 

Moule 59. 

Hamäqi albaräbir, jj|j*!l S^ • Instrument 
unbestimmbarer Art. 

Al-Makkari II 144, 4. 

Hamaton, ein mechanisches Musikwerk von 
Corn. van Oeckelen in Breda (1798 — 1865). 

Hamburger Cithrinchen, eine im letzten 
Viertel 17. Jhs. in Hamburg entstandene, 
wahrscheinlich von Joach. Tielke zuerst ge- 
baute Cister mit glockenförmigem Korpus- 
umriß und 5 Doppelsaiten. 

Kinsky, II 202 — Kremberg. Mus. Gemütbs-Ergötz., Dresd. 
(1589), Vorbericht. 

Hammel (ostfries.) = Hommel. 

Hammer ist der Name der aus einem Gelenk, 
einem schlanken Holzstiel und einem mit 
I^der oder Filz bekleideten, anfangs block-, 
später keilförmigen Kopf bestehenden Klöppel, 
deren Anschlag an die Saiten beim modernen 
Klavier den Ton hervorbringt. Als erster hat 



174 



HAMMERBANK — HAMMERKLAVIER 



1826 H. Pape in Paris das Leder durch Filz 
ersetzt. 

Engl. dän. HAMMER, ndl. HAMERTJE, schw. HAMMAR. 
fr. MAILLET, it. port, MARTELLO, sp. MACILLO, russ. 
MOLOTOCEK. 

Hanunerbank, Hammerbahre, nemitman 
die feste Leiste, in die die Hammernuß ein- 
gelenkt ist. 

Engl HAMMER RAIL, fr BARRE DE MARTEAUX. 

Hammerbutt, engl. .Hammernuß'. 

Hammerklavier, ein Klavierinstrument, bei 
dem die Saiten nicht angerissen, sondern mit 
Hämmern angeschlagen werden. Dieses bis 
auf den heutigen Tag gültige Prinzip, das im 
Hackbrett und im Pantalon vorgebildet ist, 
geht auf den Anf. 18. Jhs. zurück. Sein Er- 
finder ist Bart. Cristofori — nicht Cristofali — 
in Florenz, dessen erstes Modell 171 1 vom 
Marchese Scip. Maffei im Giornale dei Lette- 
rati d'Italia unter gleichzeitiger Abbildung der 
Mechanik beschrieben wurde. Eine engüsche 
Übersetzung dieser Beschreibung findet man 
bei Rimbault und eine deutsche aus der Feder 
König's in Matthesons Musik. Kritik HI (Hbg. 
1725) und danach bei Paul. 17 19 druckt Maffei 
die Beschreibung noch einmal in seinen ,Rime 
e Prose' ab und gibt damit Anlaß zu einer zu 
späten Datierung der Erfindung. Es haben 
sich zwei Flügel von Cristofori erhalten, einer 
von 1720 aus dem Besitz der Signora Ernesta 
Mocetini Martelli in Florenz (New- York Nr. 
1219), beschrieben und in seiner Mechanik ab- 
gebildet von Leto Puliti (Cenni storici della 
vita del Sermo Ferdinando dei Medici, Firenze 
1874), und ein zweiter von 1726 beim Komm.- 
Rat Heyer in Cöln. Beide haben Oberdämpfer, 
Fänger, zweichörigen Bezug und weiße Unter- 
tasten ; der Umfang ist beim ersten 4 "4 Ok- 
taven C — /», beim andern nur 4 Oktaven 

Nach Cristofori's Tode wurden in Italien bis 
auf weiteres kaum noch Hammerklaviere ge- 
baut. Die wenige Jahre nach seiner Erfindung 
in Paris (Marius 17 16) und Nordhausen (Ch. 
G. Schröter, angebl. 1717, aber erst 1763 ver- 
öffentlicht) unabhängig von Cristofori herge- 
stellten Modelle mit Hammer- Auf- und Nieder- 
schlag sind weniger vollkommen als das ita- 
lienische, was schon ein unmittelbares Plagiat 
ausschließt; Schröter's Flügel konnte die Töne 
nicht aushalten, indem gleichzeitig mit dem 
Herunterfallen des Hammers auch der Dämp- 
fer auf die Saiten fiel, und Marius besaß um- 
gekehrt überhaupt keinen Dämpfer. Alle drei 
Systeme hatten wenig Erfolg; erst Gottfr. 
Silbermann in Freiberg, der von Seb. Bach be- 
raten war, führte nach langen Kämpfen das 
neue Prinzip zum Siege über das starre Klavi- 



zimbel und das unkräftige Klavichord ; er galt 
sogar gegen 1800 als der eigentliche Erfinder 
des Hammerklaviers. Während er Cristofori's 
System einer besonderen beweglichenHammer- 
leiste, die später sog. Englische Mechanik, 
ausbaute, setzte Stein in Augsburg und nach 
ihm sein Schwiegersohn Streicher in Wien die 
Hämmer unmittelbar auf die hinteren Taisten- 
enden (Deutsche oder Wiener Mechanik). Die 
nächsten beiden Menschenalter verbesserten 
das Hammerklavier nur allmählich, ohne durch- 
greifende Neuerungen zu bringen. Erst das 
19. Jh. sah kurz hintereinander die drei be- 
deutsamsten Fortschritte im Bau des Ham- 
merklaviers: 1823 Erard's Repetitions- 
mechanik, 1825 Babcock's Gußeisenrahmen 
und 1826 Womum's Pianinomechanik. 

Engl ndl. fr. it. PIANOFORTE, dän. HAMMERKLAVER, 
schw. HAMMAR KLAVER, sp. port. PIANO, russ. FORTE- 
PIANO, poln. FORTEPIAN. 

Umfangstabelle 
einiger datierter Hammerklaviere. 

l72oCristoforiinFlorenrC — /• 1798 VUtten in Aachen F| — /■ 

1726 Cristofori inFlorenzC — c* 1799 Piantanida in Mai- 
1745 Friederici in Gera F, — rf* land Fi — M 

1767 Zutnpe in London G^ — /■ 1800 KraftioStockbolmFi — /• 

1773 Stein in Augsburg F,— /» 1801 Miillei in Wien Fi — c* 

l774PohImaaninLondonGi— /* 1801 Stodart in London Fj — c* 

1775 Beck in London Fj — /• 1802 Greifenhagen in 
l778PfranginBildhausenC— «• Borna Fi— {• 

1781 Beyer in London Fi—/» 1802 Ermel in Gent Fi — /• 

1781 Beyer in London Fi—/» 1804 Fötisin Mons Fi — /• 

1782 Meyer in Amster- 1S07 Broadwood InLon- 

dam Fl — /' don Fi — c^ 

1783 Wagner in DresdeoG, — tf» 1807 Ermc] in Brüssel Fi — /• 
1783 Wagner in Oresden Fl—/« 1808 H6rold in Parte Fi— c* 
1783 Guth in Hamburg F,— /• 1813 Erard in Paris F,— c* 

1783 Guth in Musbacb C — /• 1818 Ermel in Brüssel F, — c* 

1784 Meyer in Amster- 1819 Erard in F'aris F, — c* 

dam Fl—/' 1825 Ibach in Barmen F, — I* 

l788KraftinStockholmFi— /• 1835 Pape in Paris C^—l* 

1 788 Zumpe in London Fi — /• 1839 Pape in Paris Ct — a* 

1 790 Spighi m Florenz Fi— /■ 1840 Ibach in Barmen Fi — /* 
1 793 Erard in Paris Fi—/* 1840 Mathusdiek In 
i793Schiffer inCöln Fi—/« Worms F,— g« 

1797 F6tisin Mons Fi — /« 1841 Ibach in Barmen Di — d* 

i798BernerinHamburgFi — f* i876Ibachin BarmenGtsg — gis* 
Literatur: Thon, Chr. Fr. G., Ober Klavierinstrumente. 
Sondershausen 1817. — Erard, F., Perfectionnements apportte 
dans le m^canisme du piano par les Erard. Paris 1834. — Fisch 
hof, J., Versuch einer Geschichte des Clavierbaucs. Wien 1853. 
— Welcker von Gontershausen, H , Der Flügel. Frank- 
furt a. M. 1853. — .\ndrf, C. A., Der Clavicrbau. Offenbach 
1855. — Rimbault, E. F., The Pianoforte. London 1860. — 
Stierlin, L., Das Fortepiano und seine Vorgänger. Neujahrs- 
geschenk an die rürcherische Jugend von der allgemeineo 
Musikgesellschaft in Zürich auf das Jahr 1861. — Pau, 0., 
Geschichte des Claviers. Leipzig 1868. — Buch, F., Du Piano. 
Ronen 186). — ■ Welcker von Gontershausen. H., Der Ciavier- 
bau. 4. Aufl., Frankfurt a. M. 1870. — Ponsicchi, II Piano- 
forte. 1876. — Brinsmead, E., The History of the Pianoforte, 
London 1879. — Marmontel, A., Histoire du piano de scs ori- 
gines. Paris 1885. — Rudhardt, A., Das Klavier. Geschicht- 
licher Abriß des Ursprungs sowie der Entwicklung des Styls 
und der Technik dieses Instruments. Leipzig 1888. — - Comet- 
tant, O., Histoire de looooo pianos et d'ime sallc de concert. 
Paris 1890. • — Spillane, D., History of the Ami-'rican piano- 
forte. New- York 1890. — Gates, W. F., Pipe and Strings. 



175 



HAMMERKOPFLEISTE— HAO T'UNG 



Gncioriati 1895. — Corradaen, A., Om Klaver*?!. Kjoben- 
havn 1896. — Bie» O. , Das Klavier und seine Meister. 
München 1898. — Hipkins, A. J., A desCTlption 4 history ot 
tbe Pianoforte. jd ed. London 1898. — Bie, O, A History of 
the Pianoforte and Pianoforte Players. London 1899. — De- 
bled, E., Memoire sur K-i th^orie des cordes vibrantcs, i l'usage 
des factems de pianos. Paris 1899. — Van de Velde, Le m6- 
canisine du piano. Saint-.^mand igoo. — Passagni. L,, II 
Pianoforte: manualetto pratico- Milano 1901. — Maffei, S., 11 
gravecembalo col piano e forte inventato a Firenze da Barto- 
lomeo Cristofori di Padova e descritto dal marchese Scipione 
MaSei di Verona. Milano 1902. — Brunei, L., Le Piano, son 
accord, son entrctien. Avignon 1003. — Cesi, B., Storia del 
Pianoforte. 1903. — Rose, A., On choosing a Pianoforte. 
London 1903. — Marmontel, F. A., Storia del pianoforte. 
Prima versione italiana con note ed aggiunte di Vittorio Mo- 
relli. Milano 1904. — Rapin, E., Histoire du piano et det 
pianistes. Lausanne 1904. — Withe, W. B., Theory and Prac- 
tici- of Pianofoite Building. New- York 1906. — Cesi, S., Ap- 
punli di storia e letteralura del pianoforte. Milano 1907. — 
Bliithner Sc Gretschel, Der Pianolortebau. Leipzig 1909. — 
Hansing, S., Das Pianoforte in seinen akustischen Anlagen. 
2. Aufl., Schwerin (Leipzig) 1909. — Bie, O., Klavier, Orgel 
und Harmonium. Leipzig 1910. — Dolge, A., Pianos and their 
Makers. Covina 1911. — Krehbiel, H. E., The Pianoforte and 
ifs Music. New- York 191 1. — RIemann, L., Das Wesen des 
Klavierklanges. Leipzig iqir. 

Vgl. Anhängeplatte, Anhangestifte, Capotasto, Dämpfer, Eisen- 
rahmen, Fagottzug, Fortezug, Harfcn^ug, Klaviatur. Kreuz- 
saitiger Bezug, Mechanik, Steg, Stimmstock, Trommelpedale. 
Ferner: Aliquotflügel. Armonipiano. Bellesonoreal, Chordarmia, 
Clavecin ä Maillets. - .Mfcanique, - Royal. Compensation Piano- 
forte, Doppelklavier, Drehklavier, Echoklavier, Federsaitenpiano- 
forte, Fortepiano, Fortepianoklavier, Giraffenklavier, Glaschord, 
Harmomello, Lyraflügel, L>to- Pianoforte. Melopiano, Orphika, 
Piaoino, Piano ä daviers renvers^s, - A prolongement, - ClMi- 
Harmonique, - Duplex, - Eutonophone, - Harnionicorde, - Octave , 
Pianoforte Organistico. P>Tamidenklavier , Saitenharmonika, 
Sirenion, Sordinpianoforte, Stummes Klavier, Tafelklavier. 
Telio-Chordon, Theetischklavier, Transpositionsklavier, Tromba- 
piano, Vis-ä-vis. 

AbbildungeQ bei , Flügel' imd .Pianino*. 

Hammerkopfleiste, Hammerleiste = 
Hammerbank. 

Hammemuß, der angelenkte Teil des Ham- 
mers. 

Engl. HAMMER-BUTT, fr. NOIX. 

Hämmerpantalon, Hämmerwerk, ein 
Pantalon mit Drahtbezug. 

Hammer rail, — rest rail, engl. .Hammer- 
bank'. 

Hammer-shank, engl. .Hammerstiel'. 

Hammerstiel, der Hammernuß und Ham- 
merkopf verbindende Stab. 

Engl. HAMMER SHANK, fr. MANCHE DE MARTEAU. 

Hammerstuhl nennt man die Leiste, die bei 
der Englischen Mechanik zwischen Taste und 
Hammer vermittelt. 

Engl. STICKER, fr. LEVIER INTERMEDlAIRE 

Hamre, dän. plur. v. Hammer. 

Handäoline, ältester, vom Erfinder Friedr. 
Buschmann in Berlin 1822 geprägter Name 
der Ziehharmonika. 

Handbassel =^ Ilalbviolone. 

I.eop. Mozart, Violinschule. 

Handbell, engl. .Handglocke'. 
Hand drum, engl. .Tamburin'. 



Handflöte = Blockflöte {16. Jh.). 

Handharmonika = Ziehharmonika. 

Hand hörn, engl. .Inventionshom'. 

Handjulona s. Adjulona. 

Handklapper, ndl. .Kastagnette'. 

Handpauke, Handtrommel := Tamburin. 

Handtfluyt, ndl. .Blockflöte'. 

Hand trumpet, engl. .Inventionstrompete'. 

Hängeeisen der Glocke nennt man den eiser- 
nen Ring im Innern der Haube, an dem der 
Klöppel hängt. 

Engl. BOLT, fr. .\NNEAU. 

Hängeventillade, eine Kegellade. deren 
Pfeifenkanäle durch ein seitlich anschließen- 
des Hängeventil abgeschlossen werden, so daß 
die zur Pfeife führende Bohrung eine Biegung 
weniger zu machen braucht. 

Hangolöcsö, ung. .Stimmzug'. 

Hangolösip, ung. .Stimmpfeife'. 

Hangora, ung. .Harmonika'. 

Hang-6ra, ung. .Spieluhr'. 

Hangres, Hanglik. ung. .Schalloch'. 

Hangszekreny, Hangfenek, ung. , Boden'. 

Hangszer, ung. .Musikinstrument'. 

Hang-tompitö, ung. .Dämpfer'. 

Hangverseny fuvola, ung. .Konzertflöte'. 

Hang-villa, ung. .Stimmgabel'. 

Han-koto, jap. .Halbkoto', ein altes Kote 
kleinen Formats zum bequemen Transport 
auf Reisen. 

Piggott 108. 121. 

Hano, Kio kio, ein Okarinainstrument 
von Hawai aus einer kleinen birnenförmigen 
Kalebasse mit 3 Löchern, das mit Mund oder 
Nase angeblasen wird. Format 5:612 cm. 

Ncw-York Nr. 735. — Ratzel, Völkerkunde. — Annual Report 
of the Sniithsonian Institution 1900, p. 428 — 433. — Balfour, 
Report 9. — Alexander, W., A bricf History of the Hawaiian 
People, New-^'ork 1891, p. 91. 

Han-80, ein großes, im Tempel verwendetes 
Singane. 

Han-teki, jap. s. v. a. Mu yü. 

New- York Nr. 134, 171 1. 

Hanumunta ottu, (^ruti. hind. grifflochlose 
Doppelrohrblattschalmci mit konisch gebohr- 
tem Holzkorpus. Mctallstürzc und mehreren 
Stimmlöchern am LInterende. Das Instrument 
dient als Bordun zu andern Schalmeiinstru- 
menten und braucht folglich nur einen Ton 
herzugeben ; dieser kann durch öffnen oder 
Verstopfen der Stimmlöcher imd durch Ver- 
rücken des Mundstücks in jede gewünschte 
Höhe gebracht werden. 

London Kr. 1623. 1873. 

Hao, I. ein in Shantung heimisches La pa 
mit einem merkwürdig abgeplatteten Mund- 
stück. — 2. s. v. a. Ca kiao (Shantung). 

Hao t'ung, Huang teih, ein chinesisches 
Trompeteninstrument von zylindrischem 



176 



HAPETAN— HARFE 



Typus aus einem länglich-granatenförmigen 
Unter- und einem ausziehbaren engen Ober- 
teil; zu Trauerzeremonien werden weiter- 
mensurierte Exemplare aus Holz mit Kupfer- 
beschlag verwendet, zu Militärzwecken rein- 
kupferne oder messingene mit engerer Mensur. 
Jap. dokaku. 

Moule 98. Vgl. Fa hao t'ung. 

Hapetan, Asopi, sumatrisches Zupfinstru- 
ment: kahnförmiger Schallkasten aus einem 
einzigen Stück Holz, Hals, 2 Saiten aus den 
Fasern von Sagurus Rumphii. Lieblingsinstru- 
ment der wildenHochland-Battak. Länge 5 1 cm . 

Brüssel Nr 605, 




HAPPU 
Nach Saosai Zuyc 

Happu, chin. alte mit Reispulver gefüllte 
Trommel von der Form des Ni-Daiko, die in 
einem kreisrunden, flammengeschmückten, 
auf einem Gestell befestigten Rahmen aufge- 
hängt war; zwei Schlägel. 

Piggott 164. 

Haraffa, ahd. , Harfe'. 

Harainne = Araine. 
Tournoisde Chauveoci, ed. J. Bretex, Valenciennes 1835, v. 3127. 

Harang, ung. ,Glocke'. 

Harang6rc, Harangfem, ung. , Glocken- 
speise'. 

Harangiga, ung. , Glockenhelm'. 

Harangjätek, ung. .Glockenspiel'. 

Harangkarima, ung. .Glockcnrand'. 

Harangnyelv, ung. .Glockenklöppel'. 

Harangos, slovak.-zigeun. , Glocke'. 

Jour. of the Gipsy Lore Soc. I 364 (Sowa). 

Harangötveny, ung. , Glockenspeise'. 
Harangsisak, ung. , Glockenhelm'. 
Harangsz^l, ung. .Glockenrand'. 
Harangsziv, Harangütö, ung. .Glocken- 
klöppel'. 



Harangväll, ung. .Glockenbalken'. 
Harangvegy, ung. .Glockenspeise'. 
Haräntsip, ung. .Flöte'. 
Harapha, ahd. .Harfe'. 
Harba, mittellat. .Harfe'. 

Venantius Fortunatus (6. Jh.). 

Harchicembalo s. Arcicembalo. 

Hardanger Fidel s. Feie. 

Hardules, D'^mn, hebr. .Orgel', v. griech. 

vdgai'Xog. 

Erachin, S. 10 ß. 

Harebab s. Haröbab. 

Harf Cortium [kurf . sächs. Instr.-Inv. 1 593] 
bedeutet schwerlich, wie Fürstenau vriü, 
Klaviziterium. sondern Arpichordum. 

Harfe, ein mit den Fingern gezupftes 
Saiteninstrument, dessen Saitenebene senk- 
recht zur Decke des Schallkastens steht. In 
ihrer modernen europäischen Form besteht sie 
aus vier konstruktiven Hauptteilen, einem 
kleinen Untersatz, einer senkrecht von ihm 
aufsteigenden Vorderstange, einem schrägan- 
steigenden, halbiert-kegelförmigen, nach oben 
zu verjüngten Schallkörper mit fünf Schall- 
löchern im Boden und schließlich einem dessen 
Oberende mit dem der Vorderstange verbin- 
denden, elegant S-förmig geschwungenen Hals, 
das Ganze im wesentlichen aus Sykomoren- 
holz. Der Bezug — Darm- und übersponnene 
Saiten — geht von der längs der Mittellinie der 
Korpusdecke laufenden Anhängeleiste hinauf 
zu den Stimmnägeln des Halses. Das Nähere 
ist in den Artikeln .Chromatische Harfe' und 
,Doppelpcdalharfe' gesagt. Die Harfe ist ur- 
alt; entwicklungsgeschichtlich ist ihr Aus- 
gangspunkt möglicherweise der nur 6ines 
Tones fähige Musikbogen. Harfen im eigent- 
lichen Sinn sind zuerst auf ägyptischem Boden 
gefunden worden (,Bainit'). Bruce hat einige 
auf Wandmalereien eines Begräbnisplatzes in 
Theben entdeckt, die ins 12. Jh. v.Chr. gehören 
soUen. Es sind große, 1 — 2 m hohe Darmsaiten- 
instrumente ohne Vorderstange, wie denn über- 
haupt allen orientalischen Harfen dies für die 
Spannung wichtige Glied fehlt. Außer so be- 
sonders großen Exemplaren haben die Ägyp- 
ter alle möglichen Größen und Formen inner- 
halb des Harfentypus gekannt: solche, die auf 
dem Boden standen, solche, die auf Ständern 
und Untersätzen ruhten, und solche endlich, 
die auf der Schulter getragen wurden. Die 
assyrische Harfe, die wir aus den Reliefs von 
Nimrod kennen lernen, hatte einen großen, auf- 
steigenden, oben nach vorn geneigten Schall- 
körper und einen im Winkel abgehenden, das 
Ganze unten horizontal abschheßenden Hals; 
sie war ca. 4 Fuß hoch, reich ornamentiert, 
aber offenbar leicht und mit einer wechselnden 



Sachs 



177 



HARFE 



Anzahl Saiten bezogen. Diese Form ist sehr 
produktiv gewesen. Sie war nicht nur der 
untergegangenen Hinduharfe eigen, sondern 
auch dem altkoreanischen Siragi-koto, dem 




ÄGYPTISCHE H.'^RFE 

(Wmkejtypus) wohl aus saltischer Zeit (6.-7. Jh. v. Chr. )im 

Lonvre, aach Engel, Music of the most ancieQt Nations. Die 

Zeichnung ist offenbar verkehrt aufgenommen; der Saitenträger 

gehört nach unten 

einzigen Repräsentanten der ostasiatischen 
Harfe. Neuerdings haben Grünwedel's und 
V. Le Coq's Turfanexpeditionen Denkmäler 
mitgebracht, die uns den gleichen Typus im 
I. Jahrtausend n. Chr. in der ostturkistani- 
schen Vermittlungszone zeigen. Andrerseits 
entspricht genau der assyrischen die von En- 
gel auf einer Vase in München (.Alte Pinako- 
thek, Vasenkatalog Nr. 805) entdeckte grie- 
chische. Noch nicht bekannt ist ferner die 
Tatsache, dass der gleiche Typus auch im 
mittelalterUchen Spanien heimisch war: das 
heute im Escorial aufbewahrte, von Alfonso 
el Sabio veranlaßte und 1283 abgeschlossene 
Libro de los juegos de agcdrez, dados y tablas' 
enthält die Darstellung einer Maurin, die auf 
einer assyrischen Harfe spielt. Eine Repro- 
duktion steht bei Riafio, Notes on Early 
Spanisch music 122. Eine andre Grundform, 
aus einem liegenden länglichen Schallkasten 
mit daraus hervorwachsendem, kräftig auf- 
wärts gebogenem Stiel, ist wohl noch frucht- 
barer gewesen. Sie ist im alten Ägypten und 
heute noch in Afrika und in Birnia nachzu- 
weisen ; auch in den obenerwähnten ostturki- 
stanischen Denkmälern ist sie zu belegen. Von 
ihr dürfte die europäische, zuerst in Skandi- 
navien und Britannien aufgetauchte Harfe ab- 



stammen. Der Weg, den sie dorthin genom- 
men hat, wird durch das noch heut gespielte 
Sotang der Ostjaken bezeichnet, das sich 
ziemlich eng an den ägyptisch-hinterindischen 
Typus mit länglichem, liegendem Resonanzkör- 
per und gebogenem Rundhals anlehnt. Das 
Kennzeichen der europäischen Form, die 
Vorderstange, scheint sie erst in Europa er- 
halten zu haben. Immerhin kommt diese be- 
reits, wenn auch in etwas anderer, organi- 
scherer Form, in einem dritten, prähistorisch- 
asiatischen Typus vor, über den der Artikel Tri- 
gonon nachzuschlagen ist. Ob auch der inter- 
europäische Name der Harfe erst im Abend- 
land gebildet oder schon importiert ist, hat 
bisher noch nicht festgestellt werden können. 
Die früher angenommene Etymologie von 
griech. ägjtä^o} ist heute verworfen ; die gegen- 
wärtig am häufig- 
sten herangezo- 
genen Wurzel- 
wörter sind alt- 
nord. harpan ,reis- 
sen' und hären 
, hallen'. Der erste 
Beleg für das 
Wort ist die latei- 
nische Form bei 
Venantius Fortu- 
natus (6. Jh.). 
Übrigens wird in 
alter Zeit jede 
Saiteninstrument, 
auch Geige und 
Rotte, als Harfe 
bezeichnet ; der 
schwedische Ter- 
minus ,Nyckel- 
harpa' ist ein 
Rest dieses alten 
Brauchs. DieSkan- 
dinavier brach- 
ten die dreieckige 
Harfe, das Proto- 
typ unserer mo- 
dernen, auf ihren 
Zügen nach Groß- 
britannien und 
Irland, und dort 
nahm sie die be- 
sonderen Formen 
desClairscach und 
desTelyn an. Von 
Nordtn aus gewann sich die Harfe als Cithara 
anglica Mittel- und Südeuropa. Im wesentlichen 
behielt sie da-, ganze Mittelalter hindurch die 
Form, in der sie jenes von Gerbcrt in De cantu 
et musica sacra abgedruckte, angeblich aus 




ASSYRISCHE HARFE 

(Winkflt\'pus) auf einem Relief des 

Brit. Mus. Nach Engel, Music of tbe 

most ancient Nations 



178 



HARFENETGEN— HARMONIC 



dem 9. Jh. stammende Manuskript abbildet, 
nur daß die anfangs leicht gekrümmte Baron- 
stange mit zunehmender Spannung der Saiten 
geradegerich et wurde. Diese mittelalterliche 
Harfe wurde in der Regel nur mit einer Hand 
gespielt, während die andre das Instrument 
hielt (das Werkzeug, das der 9. Musiker auf 
dem Relief von Boscherville hält, ist nicht, wie 
angenommen wird, ein Piektrum, sondern ein 
Stimmschlüssel ) . 




ZENTRALASIATISCHE HARFE 
£S5. — 7. Jhs. (BoReatypus) nach Grünwcdel. Alt-buddhistische 
Kultstätten in Chinf-sisch-Turkistan, Berlin 1012, p. 121 

Erst die Neuzeit mit ihrer reicheren Har- 
monik versuchte der einstweilen von der Laute 
verdrängten Harfe die ihr bis dahin versagte 
Chromatik — vom Verkürzen einzelner Saiten 
durch Auflegen des Fingers, wie es heute noch 
die Birmesen tun, abgesehen — zu erschließen, 
zunächst durch die Konstruktion der eigent- 
lich Ch omatischen Harfen (seit 16. Jh), dann 
der Hakenharfe (2. H. 17. Jhs.) und der Pedal- 
harfe (ca. 1720), aus der endlich unsere heutige 
Doppelpcdalharfe hervorging. 

Engl. ndl. HARP, dän. fr. HARPE, schw. port. ngr. HARPA, 
it. sp. lit. ARPA, russ. ruth. poln. slov. ARFA, 6. serbokr. 
ung. HARIA. 

Literatur: Meyer, Ph. J., Nouvelle m^thode pour apprendre ä 
jouer de la harpe. P.vis s. a. (ca. 1770). — J. C. G. Wer- 
nich. Versuch einer richtigen Leiirart die Harfe zu spielen. 
Berlin 1772. — M. Corrette, Nouvelle m^thode pour apprendre 
ä jouer de la harpe. 1774. — P.-J- Roussier, Memoire sur la 
nouvelle harpe de M. Cousincau. Paris 1782. — Compan. Me- 
thode de harpe. Paris 1783. — Cardon, L'art de jouer de la 
Harpe. Paris 1764. — J.W. Herbst, Ober die Harfe. Berlin 
1792. — J. G. H. Backofen, Anweisung zur Harfe. Leipzig 
x8oi. — A. G. Heyse, Anweisung die Harfe zu spielen. Halle 



1803. — St. F. de Genlis, Nouvelle m^thode pour apprendre ä 
jouer de la Harpe en moins de six mnis. Paris 1805. — J. 
Giuin, An historical enquiry respecting the Performance on the 
harps in the highlands of Scotland. Edinburgh 1807. — X. 
Desargus, Trait^ g^n^ral sur l'art de jouer la Harpe. Paris 1809. — 
(Lyon & Healy), Lyon & Healy-Harp. Chicago 1897. — Ruta, R., 
L'arpa: origine. storia cronologica, meccanismo; riassunto. Na- 
poli [igoi]. — Rua, M.. Cenni di storia dell'Arpa. App. I. U. 
Roma i8gS. App. HI. IV. Roma 1902. — Schneider, L., La 
Harpe et ses ancelres. Paris 1903. — Armstrong, R. B., The 
Irish and the Highland Harps. Edinbiu-gh 1504. — Flood, W. 
H. G., The Story of the Harp. London 1905. — Grossi, M. V., 
L'arpa e il suo meccanismo. Bologna 1911. — Ruta, R., Sto- 
ria dcll'arpa I. Aversa I9ri. 

Vgl. Baronstange, Chromatische Harfe, Clairseach, Cithara an- 
glica, Davidsharfe, Fuss, Hakenharfc, Harpe d'harmonie, Harpe 
harmonici^forle, Harpineila, Klavierharfe, Pedalharfe, Simikion, 
Trigonon. Femer: Asien: C4' dan bau, Cank, Gunk, Nebel, 
Ngkratong, Saung, Siragi-koto, .Sotang. — Afrika: Bambur, 
Bulu, Kindanda, MvSt, Nanga. Ngomo, Ombi, Para, Tebuni. 

Harfenet' en, Harfenett = Spitzharfe. 

Harfenguitarre s. Guitarrenharfe. 

Harfenklavier s. Klavierharfe. 

Harfenlaute s. Harp-lute. British Harp-lute 
und Harpe ditale. 

Harfenleier s. Harpol>Te. 

Harfenprinzipal, eine alte Prinzipalstimme 
unbekannter Beschaffenheit, wahrscheinlich 
dem Harfenregal entsprechend schwächer in- 
toniert; ndl. harpprestant. 

Harfenregal, veraltetes Orgel-Schnarrwerk, 
ein gewöhnliches Regal mit kleinerem Ton. 

Harfenuhr, mechanisches Harfenwerk des 
17. und 18. Jhs. im Rahmen einer Standuhr. 

Vgl. Flöten-Harfcnuhr. 

Harfenzither, eine Zither mit 7 griffiger 
Hakenmechanik zum Umstimmen der Saiten, 
I. Hälfte 19. Jhs. n ganz äuß-rlichem Sinne 
sind gewi.sse, heute in Markneukirchen fabri- 
zierte Instrumente Harfenzithem ; bei ihnen 
ist der Hals harfenartig gestaltet, über das 
Korpus hinausladend und durch eine Baron- 
stange mit der Ausbuchaing des Körpers ver- 
bunden. 

Heyer No. 481. 

Harfenrug, eine der belieb en ,Veränderun- 
gen' .-u alten Klavierinstrumen en, die in 
kleinen, durch einen Zug an die Saiten heran- 
schiebbaren Messinghäkchen bestand ; durch 
das Ans hlagen der schwingenden Saiten ge- 
gen diese Häkchen wurde ein schnarrender, 
wenig erfreulicher Ton erzeugt. 

Engl. HARPSTOP, frz. CELESTE. 

Harffa, ahd. .Harfe'. 
Harficordium = Arpichordum. 
Harmomell 5, ein aufrechtes Hammerklavier 
von Pfeiffer in Paris (1806). 

Pont6coulant 73. 

Harmonia aetheria, eine feinere Mixtur im 
Obermanual. 

Riga, D-^raorgel; Wesel (Sauer); Leipzig, Nicolaikirche. 

Harmonie s. Harmonique. 



179 



HARMONICA A BOUCHE — H ARMONI K AFLÖTE 



Harmonica ä bouche, frz. .Mundharmonika'. 

Harmonica de bois, frz. Xylophon. 

Harmonica Jaulin, ein vervollkommnetes 
Typotone. 

Harmonicello, ein in den 90er Jahren des 
18. Jhs. — nach Pont6coulant II 79 im Jahre 
lyg^ . — von Johann Karl Bischoff in Dessau 
konstruiertes, dem Baryton ähnliches Instru- 
ment mit 5 Darm- und 10 sympathetischen 
Metallsaiten auf einem besonderen Griffbrett. 

AMZ III 366. 

Harmonie flute, engl. .Harmonieflöte', nicht 
mit Harmonikaflöte verwechseln ! 

Harmonichord — nicht mit dem französi- 
schen Harmonicorde und dem Piano harmoni- 
corde zu verwechseln — ist ein eigenartiger 
Versuch der beiden Dresdener Kaufmann, 
Vater und Sohn (gegen 1809), das Problem des 
Streichklaviers mit Hilfe des Chladni 'sehen 
Euphonprinzips zu lösen. Äußerlich hat das 
Instrument die Form des Giraffenklaviers ; die 
wesentlichen Teile des Inneren sind die Saiten, 
ein durch einen Fußtritt in Rotation versetz- 
barer, wildlederüberzogener Holzkegel und 
Holzstäbchen, die mit dem einen Ende die 
Saite greifen und durch den Niederdruck der 
entsprechenden Taste mit dem andern Ende 
gegen den Kegel gepreßt werden, derart, daß 
die von dem rotierenden Kegel ausgeübte 
Reibung den Saiten mitgeteilt wird. 

Friedr. Kaufmann in Frankfurt a. M. — Heyer Nr. 360. 

Harmonicon, engl. .Harmonika*. 
] Harmonicor, Harmonitrompe. ein In- 
strument von hörn- oder trompetenartigem 
Aussehen, aber mit freischwingenden Zungen 
im Innern und entsprechenden Klappen auf 
der Außenseite, also eine Art Mundharmonika; 
19. Jh. 

Vgl. Neu-Tschiang. 

Harmonicorde, ein Harmoniumklavier von 
A. Debainin Paris (185 1); nicht mit dem deut- 
schen Harmonichord und dem französischen 
Piano harmonicorde zu verwechseln ! 

Harmonie, eine ganz sanft säuselnde Har- 
monium-Baßstimme zu 8', die in der Regel 
mit Violetta zu einem Spiel verbunden ist. 

Harmoniebaß, Basse d'harmonie, im 
allgemeinen jeder Baß eines Harmonie- 
orchesters, im besonderen früher die Bassophi- 
kleide. heute jedoch Baßtuba und Baryton. 

Harmonieflöte, eine von A. Cavaille-CoU in 
Paris erfundene, vorwiegend in Frankreich 
disponierte weitmensurierte. überblasende Me- 
tallflötenstimme zu 8 oder 4', deren Pfeifen 
die doppelte Länge haben und durch Verenge- 
rung des Labiums und durch Einbohrung 
eines Loches in »/? der Körperlänge zum Über- 
schlagen gezwungen werden. Der erzielte Ton 



ist voller und kräftiger als derjenige der Grund- 
tonstimmen. In neuerer Zeit haben auch die 
englischen und norddeutschen Orgelbauer fast 
allgemein die Harmonieflöte angenommen. 

Engl. HARMONIC FLUTE, ndl. FLUIT HARMONIEK, fr. 
FLUTE HARMONIQUE, it. FLAUTO ARMONICO, sp. FLAU- 
TA ARMONICA. — Vgl. Octavin hannonique, Zauberflöte. 

Harmoniekontrabaß, eine 1833 von Grieß- 
ling & Schiott in Berlin gebaute Baßophi- 
kleide mit dem Umfang: 



^ 



der eine besondere, orgelpedalartige Fülle und 
Stärke, verbunden mit leichter und sicherer 
Ansprache, nachgerühmt wurde. 

Vossische Zeitung 1833 No. 24a. 

Harmonietrompete, eine überblasende Trom- 
petenstimme mit Aufsätzen von doppelter, 
drei- oder mehrfacher Länge. 

Harmoniflüte, ein zuerst 1852 von Bouton in 
Paris gebautes und seitdem in Frankreich und 
Deutschland vielfach gespieltes Zungeninstru- 
ment von der Art der Ziehharmonika, aus 
einem mit der einen Hand regierten Laternen- 
balg mit den Zungen und einer vorgebauten 
kleinen. 3 — 4 Oktaven umfassenden Klaviatur 
für die andre Hand. Wird die Harmoniflüte 
nicht auf dem Schoß, sondern auf einem Ge- 
stell gespielt, so wird der Balg durch einen 
Trittschemel bedient. 

Den gleichen Namen führte eine 1853 ge- 
baute Drehorgel. 

Harmonika hieß ursprüngUch nur die Glas- 
harmonika ; nach deren Verschwinden ging der 
Name auf Mund- und Ziehharmonika über. 
Im weiteren Sinn versteht die Instrumenten- 
kunde unter Harmonika oder Spiel ein poly- 
organisches Idiophon, d. h. ein aus einer Reihe 
abgestimmter idiophoner Teile — Stäbe, Plat- 
ten, Zungen, Röhren oder Gefäße — be- 
stehendes Instrument. 

In der Orgel ist Harmonika ein sehr zartes, 
engmensuriertes Labialregister zu 8', das in 
der Stärke etwa zwischen AoUne und Sali- 
zional intoniert und gewöhnlich im 2. oder 
3. Manual disponiert ist. 

Vgl. SchlaRSpiele: Bisak, Gambang, Gender. Glaschocd, 
Glasstabharmonika, Glockenspiel. Kromo, Pattala, Peat cong, 
Ranat. Roneat, Saron. Spirafina. Stahlspiel, Tekkin, Xylophon. 
— Zupfspiele: Auia, Spieldose, Zanza. — Reibtpiele; 
Glasharmonika, Kulepa ganee. - Femer die nicht idiophonon 
Trommelspiele: Saeng, Saing vaing, Tshong. 

Harmonika szklana, poln. .Glasharmonika'. 
Harmonikabaß, eine Harmonika 16' im 
Pedal. 

Fr. BASSE HARMONIQUE, it. DASSI ARMONICL 

Harmonikaflöte, s. v. a. Harmonika 4' oder 
ein Register vom Typus des M61ophone. 



180 



HARMONI KON— HARMONIUM 



Harmonikon, i. die von dem Bremer Dom- 
kapellmeister Mag. Wilh. Christian Müller 
spätestens 1795 vorgenommene Verbindung 
einer Tastenharmonika mit vier Orgelstimmen, 
einer acht- und einer vierfüßigen Querflöte 
aus Buchs, einer zweifüßigen Flöte aus Eben- 
holz und einer Oboe zu 8' samt Tremulant, die 
in einem kommodenartigen, mit zwei Manua- 
len versehenen Korpus untergebracht waren ; 
von den beiden Fußschemeln bediente der 
eine die Glockenwelle der Harmonika, der 
andre den unter dem Sitz des Spielers befestig- 
ten Blasebalg des Orgelwerks. 

— 2. Späterer Name des Vis-ä-vis. 

Genius der Zeit, Altona I7g6, Märzstück. 

Harmonikord s. Harmonichord. 

Harmonikum = Harmonikon und Har- 
monium. 

Harmonine, ein 185 1 auf der Londoner Welt- 
ausstellung zuerst gezeigtes Harmoniuminstru- 
ment. 

Harmoniphon, eine zum Ersatz des Eng- 
lischen Horns bestimmte kleine Physhar- 
monika mit einem Umfang von zwei Oktaven 
und sieben Halbtönen, die durch einen Mund- 
schlauch oder auch durch ein Gebläse ge- 
spielt wurde. Das Instrument ist 1836 von 
Paris in Dijon konstruiert worden. 

New- York No. 1192. 

Ein ganz ähnliches Instrument mit Mund- 
gebläse ließ in den 1850er Jahren Hauptmann 
J. Dresky in Berlin für seinen Offiziers- 
orchesterverein bauen, um die felilenden 
Oboisten zu ersetzen. Auch sonst sind in 
Dilettantenorchestern häufig derartige Ver- 
suche gemacht worden. 

Harmoniphrase, ein 1889 zuerst ausgestell- 
tes Akkordharmonium von Dumont & Le- 
liövre. 

Harmonique als Zusatz zu einem Register- 
namen, deutet bei Labialstimmen die im 
Artikel Harmonieflöte gekennzeichnete Be- 
schaffenheit an. 

Harmonista, eine von V. Gevaert in Gent 
erfundene Mechanik zum Aufsetzen auf eine 
Harmoniumklaviatur, mit 26 Druckknöpfen, 
deren jeder einen ganzen Akkord erklingen 
läßt. 

Harmonitrompe s. Harmonicor. 

Harmonium, ein heute als Hausinstrument 
und in kleineren Verhältnissen als Orgelersatz 
zu größter Wichtigkeit gelangtes, mehrerer 
Klangfarben fähiges Tasteninstrument, dessen 
Tonerreger durchschlagende, durch den Ex- 
oder Aspirationswind eines Gebläses in Schwin- 
gung versetzte Metallzungen ohne Aufsätze 
sind. Das Eigene seiner musikalischen Sprache 
gegenüber derjenigen der Orgel ist die Ex- 



pressionsfähigkeit des einzelnen Tons, und 
dieser Eigenart wegen tut man dem Instru- 
ment Unrecht, wenn man es ausschließlich als 
Surrogat für die Orgel behandelt. Der erste, 




HARMONIUM 
nach Riehm, Das Harmonium 
a Trittscliemel, b Hebelwerk, c Untere Bal^latte, d {in der 
Figur falsch b) Schöpfbalg, e Ausgleichungsventil, / Magacin- 
balg, g Windkanal, h Expressionsloch, i Windkasten, ; Spiel- 
ventile, k Ventilbrett, / Windladc, m Zungen, n Kanrellen, 
Spiclventüe, p Taste, / Registerzug 

der das dem chinesischen Seng entlehnte Prin- 
zip der freischwingenden Zunge einem Tasten- 
instrument ausscliließlich zugrunde legte, 
dürfte um 18 10 der Franzose Greni6 gewesen 



HARMONIUMZUNGE 
nach Riehm 

sein. Auf Greni6's Konstruktion folgte eine 
lange Reihe von Experimenten, die, teils von- 
einander abhängig, teils unabhängig, als Vor- 
stufen des eigentlichen Harmoniums anzu- 
sehen sind. Es seien als die wichtigsten ge- 
nannt: Erard's Versuche um 1810, Eschen- 
bach's Organovioline 1814 und Aoline 18 16 



181 



HARMONIUM A ASPIRATION— HARP-THEORBO 



Häckel's PhysharmonLka 1818, Dietz' Aero- 
phon 1829, Jaquet'sMelophone 1834, Cavaill6- 
Coll's Poikilorgue u. a. ; dazu kamen Teil- 
erfindungen wie Reich 's Klarinett- und Fagott- 
stimmen 1820 und Fourneaux Pdre's 16' Re- 
gister 1836. Endlich baut A. Debain in Paris 
das erste eigenthche Harmonium mit 4 Re- 
gistern (Pat. 9. Aug. 1840), deren Farben durch 
die verschiedene Gestaltung der zu den Zungen 
führenden Windkanäle erzielt werden. Die 
wichtigsten Verbesserungen, die nun folgen, 
sind die Perkussion, die durch Anschlagen der 
Zunge mittels eines Hämmerchens eine so- 
fortige Ansprache ermöglicht, das Prolonge- 
mcnt, das einzelne Töne nach Abheben des 
Fingers weiterklingen läßt, beides von Martin, 
die Melodie, die das Herausheben der höchsten 
Stimme gestattet, 1864 von Dawes in London, 
ihre Umkehrung, der Pedalbaß, von Dawes 
und Ramsden, der die Baßstimme verstärkt, 
das Double Touch, vor 1855 von Tamplin, das 
eine Tonverstärkung durch kräftigeren Nieder- 
druck der Taste gestattet, und endlich die 
Double expression, von Mustel in Paris. 

In der Orgel ist Harmonium s. v. a. Phys- 
harmonika. 

Literatur: Allihn, M., Einiges über Harmoniumbau, Har- 
moniumspiel, BerliniS94. — Riehm, W.,DasHarmoniom. 3. Aufl. 
Berlin 1897, — Riehm, W., Dp Bnuw en de Bchandeling van hct 
Harmonium. Tweede Duitsche uitgaaf door J. Hartog. Amster- 
dam 8.a, — Lückhoff, W., Das Harmonium der Zukunft. Ber- 
lin 190J. — Lückhoff, W., Ober die Entstehung der Instru- 
mente mit durchschlagenden Zungenstimmen und die ersten 
Anfänge des Harmoniumbaues, Leipzig 1902. — Mustel, A., 
L'orgue expressif, ou harmonium. T. ler: Scs qualit^ arti- 
stiques, son röle. ses applications, ses ressources, son origine, 
sa structure, son temp^amcnt musical. Pr6face par A. Guil- 
mant. Paris 1903. — Reinhard, A-, Etwas vom Harmonium. 
Mit einer Ergänzung; Das Harmonium von heule. Ein Bei- 
trag zur Erklärung des Wesens des Harmoniums. 2. Aufl. 
Berlin 1903. — Milt-, R. A., Das deutsch-amerik.anische Har- 
monium. Hamburg 1905. — Bie,0., Klavier, Orgel uudHarmoniimi. 
Leipzig 1910. — Hartmarm, L., Das Harmonium. Leipzig 1913- 
Vgl. Ableitung, Dämpfer, Deutsche Teilung, Double Touch, 
Expression, Fortedeckel, 1-orte Expressif, Fortezug, Französische 
Teilung. Harmonista, Melodie, Mirliton, Pedal, Perkussion, 
l'rolongement, Spiel, Tafel, Tretschemel. 

Aolsharfe, Baryton, Bordun, Bimbarde, Clairon. Dolce, Dul- 
ciana, Englisches Hörn, Fagott, Fifre, Flageolett, Flöte, Har- 
monie, Hörn, KLirinette, Melodia, M^'lophonorgue, Musette, Oboe, 
Pedal, Pedalbaß, Quinte, Royal Jubilante, Saxophon, Scraphine, 
Seraphon, Subbaß, Viola Dolce, Violen, Voix «lesle. Volles 
Werk, Vox Humana. 

Aö-ophone, Amerikanische Orgel, Angelophone, Aoline, Aolo- 
dikon, Aolodion, Aolsklavier, Apollol^xa, Bibelharmonium, Ce- 
cilium, Choriphone. Claviaccord, Claviphone, Druckluflharmo- 
nium, Elodikon, Enharmonium, Harmoniflüte, H.ariuonine, Har- 
moniphonc, Harmuniphr,ase, Harmoniumklavier, Harmonium- 
lither, Kallistorganon. K.arti'nium M6diophone, Melodina, M«o- 
diorgue, .Möophilon. MMopl.nne, Melodium, Metaphone, Normal- 
barmonium, Orchestnna di Camera, Organino. Org.inovioline, 
Orgue Expressif, (Eriphone, Physh.irmonika, Pianon, Poikilorgue, 
Rocking Melodeon, Seraphine, Trylodcon, Viola a Cembalo, 
Viol^rlave, Vocalion, Ziehh.armonika. 

Harmonium ä aspiration, — ä vent 
aspir6, frz. .Saugluftharmonium*. 



Harmonium ä pression, — ä vent com- 
prime, frz. , Druckluftharmonium'. 

Harmonium with pressure bellows, engl. 
, Druckluftharmonium'. 

Harmonium with sucker bellows, engl. .Saug- 
luftharmonium'. 

Harmoniumklavier, die Verbindung von 
Hanimerklavier und Harmonium, eine Kom- 
bination, die trotz vieler Versuche — von ca. 
1830 (C. S. Warmholz in Eisleben) bis auf die 
Gegenwart — wegen der völligen Heterogenei- 
tät der beiden Elemente erfolglos geblieben ist. 

Engl. .EOLIAN PIANOFORTE. — Vgl. Harmonicorde, Har- 
monium- Pianino, Organochordium, Organo-Piano, Orpheal, Pan 
symphonikon. Piano ä prolongement. Piano m^lodieux, Piano- 
Melodium. 

Harmonium-Pianino, ein von G. A. Busch- 
mann in Hamburg gebautes Harmonium- 
klavier, der Vorläufer des Organochords. 

Harmoniumzither, die Kombination von 
Harmonium und Zither in einem Instrument, 
erf. 1902 von M. L. Buschnigg in Leipzig. 

Zfl. XXIII 240. 

Haröbab, Rebäb der Atje auf Sumatra, mit 
3 Seidensaiten. 

Breitenstein, 21 Jahre in Indien, T. III, Lpz. 1902, S. 157. 

Häromszög, ung. , Triangel'. 

Harp, engl., ndl. , Harfe'. 

Harp guitar, engl. ,Guitarrenharfe'. 

Harp-lute, ein um 1798 von Edw. Light in 
London gebauter Guitarrenersatz, aus einem 
leicht gebauchten Korpus in Form eines abge- 
stumpften Kreissektors, wie die Säbeltaschen 
unserer Husaren, von dessen Oberende ein 
Guitarrengriffbrett und eine Harfenvorder- 
stange parallel ausgehen ; ihrerseits sind diese 
beiden Teile oben durch einen geschweiften 
Harfenhals verbunden. 12 Darmsaiten laufen 
teils über das Griffbrett, teils neben ihm ; 

^ 

Stimmung: 




Klanß: 
Vgl. British harp-lute, Harp-lute, Harp- thcorbo, Harp Ventura. 

Harp-lute-guitar, Harp-guitar, eine ge- 
gen 1800 von Edw. Light in London zum Er- 
satz der Guitarre gebaute Laute mit dem Kor- 
pus der Harp-lute. Am 6. Okt. 1825 nahm der 
Londoner Musiklchrer Levien auf das Instru- 
ment ein Einführungspatent für Frankreich. 

Harp-lyre s. Harpolyre. 

Harp-stop, engl. .Harfenzug'. 

Harp-theorbo. eine gegen 1800 von Edw. 
Light in London konstruierte Harp-lute- 
guitar mit Doppclkragcn. 

Galpin Coli. ; London, Engel Nr. 30. 



182 



HARP VENTURA— HAUPTKLAVIER 



Harp Ventura s. Ventura guitar. 

Harpa, lat., port., schwed., slov. .Harfe'. 
In Mejiko ein Monochord aus einem Rohr- 
Saitenträger mit eingeschnittenem Schall- 
schlitz und einer Saite mit Wirbel. 

Cambridge (Mass.), Peabody Mus. — Balfour 47. 

Harpa gemina, lat. .Doppelharfe'. 

Harpanetta ^= Spitzharfe. 

Harpe, frz., dän. .Harfe'. 

Harpe ä clavecin, frz. .Harfenklavier'. 

Harpe ä clefs, frz. ^ Nyckelharpa. 

Harpe ä double mouvement, frz. .Doppel- 
pedalharfe'. 

Harpe ä pfidales, frz. .Pedalharfe'. 

Harpe d'Eole, frz. .Äolsharfe'. 

Harpe d'harmonie, eine 18 15 von Thory 
herausgebrachte Harfe mit Kupfersaiten und 
einem besonders konstruierten Resonanzkörper 
aus Tannenholz; das sehr große. 2 m hohe. 
1,60 m breite Instrument erhielt später eine 
Klaviatur. 

Pontficoulant. 

Harpe ditale, eine kleinere, um 1830 von 
Pfeiffer in Paris gebaute, auf dem Schoß zu 
haltende Beglcitungsharfe mit flachem Schall- 
kasten und 7 Tasten unter dem Hals, die zur 
chromatischen Erhöhung aller gleichnamigen 
Saiten dienen. Die Stimmung ist £s-dur, der 
Umfang : 




Das Instrument geht nicht, wie gesagt worden 
ist, auf die Harp-lute zurück, sondern auf die 
Harpinella. 

Th6r. Gannal, M^thcxle pour apprendre k jouer de la harpe 
ditale. — Brüssel Nr. 248. 349. 

Harpe ^olienne, frz. ,.\oIsharfe'. 

Harpe harmonico-forte, eine geg. 1809 von 
Keyser de l'Isle konstruierte Harfe, der 17 
zweichörige Kontrabaßsaiten aus Messing in 
chromatischer Folge beigegeben sind ; 1 7 
Hämmer, die durch ebensoviele Pedale regiert 
werden, bringen sie zum Erklingen. 

Harpe luth, eine heute von Pleuel, Lyon & 
Cie. in Paris gebaute chromatische Harfe mit 
Drahtbezug /!, — gis^. 

Harpe pointue, frz. , Spitzharfe'. 

Harpfe, mhd. , Harfe'; ahd. harpha. 

Harpichord s. Arpichordum. Nicht mit 
Harpsichord zu verwechseln. 

Harpinella, eine 18 18 v. Marstrand in Ko- 
penhagen konstruierte, kleinere und billi- 
gere Harfe in Lyraform mit doppelsaitigem 
Bezug und 7 Handgriffen statt der Pedale zum 
Umstimmen des Instruments; Hauptstim- 




mung £5-dur; Höhe etwa 75 cm, Breite 35 
bis 40 cm ; 



Umfang: 



Vgl. Harpe ditale. 

Harpje, ndl. .Spitzharfe'. 

Harpolyre, eine 1829 von Salomon in Be- 
sangon ( ? ) konstruierte Guitarre in Form einer 
antiken Lyra mit 20 oder 21 Saiten an 

3 Hälsen. Stimmung: 




New- York Nr. 1071; Berlin. 

Harpön, span. .Harpune' ( ? vgl. mejik. 
harpa), Monochord der Apachen (N.-Amer.). 
in harpunenähnlicher Form, zur Gesangs- 
begleitung. 

B.iker 57. 

Harponett, schwed. .Spitzharfe'. 

Harpprestant, ndl. .Harfenprinzipal'. 

Harppu, finn. , Harfe, Kantele'. 

Harppunen, finn. , Spitzharfe'. 

Harpsichord, engl. .Klavizimbel, Claviccm- 
balo'. 

Harpu s. Harppu. 

Harsona, ung. , Posaune. Trompete*. 

Harsthorn, mhd. ,Kriegshorn'. 

Harter Zink = Quartzink. 

Hartgummi s. Kautschuk. 

Härtrommel = Heertrommel. 

Harzzither = Thüringer Waldzither. 

Hasur s. Asor. 

Hatamo = Atamo. 

Haube s. Deckel. 

Haultboix, alte Form für Hautbois. Erstes 
Vorkommen 1502. 

Hauptkanal, die vierkantige Hauptwind- 
röhre einer Orgel, die den ganzen Wind von 
den Bälgen übernimmt und den einzelnen 
Nebenröhren zuführt. 

Engl. CHIEF WIND-RECEIVER, ndl. HOOFDKANAAL, dän. 
HOVEDKANAL, schw. HUFVUDROR, fr. GRAND PORTE- 
VENT, russ. GLAVYJ KANAL. — Vgl. Generalventil. 

Hauptklavier, Hauptmanual, dasjenige 
Manual einer Orgel, auf dessen Windlade die 
meisten und größten Stimmen stehen ; bei 
zwei Manualen ist es das untere, bei drei 
meist das mittlere. 

Engl. GREAT ORGAN, ndl. HOOFD-MANUAAL, fr. GRAND 
ORGUE, it. GRAND' ORGANO, sp. GRANDE ORGANO, russ. 
GLAVNAJA MANUAL. 



183 



HAUPTLADE — HECKELPHONKLARINETTE 



Hauptlade, die zum Hauptklavier gehörige 
Windlade. 

Hauptmanual s. Hauptklavier. 

Hauptprinzipal, im Manual das Prinzipal 8', 
im Pedal das Prinzipal i6'. 

Hauptregister s. Grundstimme. 

Hauptsperrventil = Generalvestil. 

Hauptstimme s. Grundstimme. 

Haupttastatur s. Hauptklavier. 

Hauptton der Orgel ist der 8 '-Ton im Ma- 
nual und der i6'-Ton im Pedal. 

Hauptventil s. Spiclventil. 

Hauptwellenbrett, ein unter oder über einer 
Klaviatur angebrachtes Wellenbrett, das mit 
einem oder mehreren kleineren Nebenwellen- 
brettern unzertrennlich verbunden ist. 

Hauptwerk s. v. a. Hauptklavier oder die 
zugehörige Orgelabteilung. 

Hauptwindlade s. Hauptlade. 

Haurn, got. ,Horn'. 

Haurpa, isl. , Harfe'. 

Hausle, iech. .Geige' ; vgl. Gusla. 

Hausse, frz. .Frosch'. 

Hautbois, frz. .hohes Holz, Oboe'; auch in 
Deutschland am Ende des 17. und im 18. Jh. 
für Oboe gebräuchlich. 

Hautbois d'amour s. Oboe d'amore. 

In der Orgel eine volle, aber sanfte Manual- 
Labialstimme mit halbgedeckten, weitmensu- 
rierten und schmal aufgeschnittenen Eichen- 
holzpfcifen. 

Hautbois de chasse, Hautbois de foret, 
frz. = Oboe da caccia. 

Hautbois de Poitou, französische 
Oboe mit Mundkapsel und 8 (9) 
Grifflöchern, 6 einfachen und einem 
Doppelloch auf der Vorder- und 
einem Loch auf der Rückseite. Im 
17. Jh. gab es in Frankreich 3 Arten: 
Dessus oder Soprano in d, Taille 
in g und Basse in G (?); letztere 
fagottartig geknickt. 

MerseDDe, HarmoDie universelle 1. V pr. 34. 

Hautbois des Abruzzes, frz. 
.Abruzzenoboe'. 

Hautbois pastoral nennen Evettc 
& Schaeffcr in Paris eine Oboe in 
hoch G oder As, mit 4 oder 10 
Klappen und 2 Ringen. 

Hautecontre, frz. .Altinstrument'. 

Hautecontre de hautbois, frz. 
,Oboe da caccia. .\ltoboe'. 

Hau tung s. Hao t'ung. 

Hazolähi, madag. Holztrommel. 

Abinal et MaUac. Dict. raalg.-fr«;., Tananarive 
1686, p. ai3. 

Head, engl. .Spitze' (Bogen) ; .Fell' 
{Trommel'; .Kopfstück' (Flöte). 



Heang teih = So na. 

Hearpanstala, Hearpanstapas, cigs. 
.Harfenhals'. 

Hearpe, ags. .Harfe'. 

Hearpenaegl, ags. .Harfenplektrum'. 

Hearpestreng, ags. .Harfensaite'. 

Hearpslege, ags. .Harfenplektrum'. 

Heavy wind stop, engl. .Hochdruckluft- 
register'. 

Hebewerk, die Vorrichtung zum Aufziehen 
eines Blasebalgs, vom Balgklavis bis zum 
Elektromotor. 

Engl. BLOWING ACTION. 

Heckelklarina, ein 1890 von 
W. Heckel in Biebrich konstru- 
iertes, vielfach für den Fröhlichen 
Hirtenreigen im Tristangebrauch- 
tes Sopransaxophon in B mit 
Oboenapplikatur. 



Umfang : 



Notierung: 



^ 



i 



i 



DRP. Nr. 53181. — W. Altenburg. Die Heckfl- 
8cho Kautschuk- Ausfütterung der HolzbUs- 
instrumente und die neue „Clarina", Z(I. XI 28. 

Heckel - Pikkoloklarina, eine 
Heckelklarina in £"5. 



Umfang : 



Notierung: 



^ 



^ 



^L- 



1^^ 



Heckelphon, eine Art Baryton- 
oboe von W. Heckel in Biebrich 
{1904) in der Unteroktave der 
Oboe, mit reicher und schöner 
Klangfarbe. Die Form ist ge- hiu kel- 
streckt; die Länge beträgt etwas phon 

über 114 cm. der sehr starke 
Konus vor dem kugeligen Schallstück 3 14 cm. 



Umfang: 



■ ¥*=^^f^^^ 



Vorgeschrieben haben es bisher Strauß (Sa- 
lome) und Schillings (Moloch). 

Vgl. Pikkolo-Hccicelphon. 

Heckelphonklarinette, ein von W. Heckel in 
Biebrich gebautes Saxophoninstrument aus 
Holz mit sehr starkem Konus; 



Umfang; 



^^ 



i 



184 



HEEM— HELIKONPOSAUKE 




HEERHORN 
des 10. Jhs., nach dem 
Mskr. Brit. Mus. Add. 
34199 Bl. 183 (Buhle) 



Heems. Htm. 

Heerhorn, mhd. her-horn, großes, mit- 
unter fast mannshohes, starktoniges Metall- 
hom des Mittelalters von 
mäßig geschwungener 
Form. 

Buhle 17. 

Heerpauke, alter Name 
der Kesselpauke. 

Heertrommel, Här- 
trommel, eine Spielerei 
auf Orgeln des 17. und 18. 
Jhs.: 2 — 4 sehr tiefe Pfei- 
fen, um etwa einen Viertel- 
ton auseinanderstehend, 
sind mixturartigauf einem 
Stock angebracht und 
durch einen Zug einschalt- 
bar. 

Hegedü, ung. .Violine'; 
serbokroat. egede, sla- 
von. eggede. 

Hegedüprincipäl, ung. 
.Geigenprinzipal'. 

Hegedüvonö, ung. .Bogen'. 

Hegedüszeg, ung. ,Wirbel der Violine'. 

Heike-biwa = Satsuma biwa. 

He Koauan, Walfischzahnpfeife von Neusee 
land mit zwei Löchern. 

J. H. Bernau, MissionaryLabours in Brit. Guiana, 
Lond, 1847, S. 45. 

Helgorn, wal. .Signalhorn'. 

Helidamuthadughi, beng. .Sack- 
pfeife'. 

Helikon, von iüixo^, .sich win- 
dend', eine kreisrund gebaute, wie 
die alten Buccinen und Hifthörner 
über die Schulter zu tragende Mili- 
tärtuba mit etwas engerer Mensur 
und schneidenderem Ton. In ähn- 
licher Weise hat man gelegentlich 
auch Tenöre, Alte, Soprane und 
Pikkolos gebaut. Stowasser in Wien 
hat 1849 nach Wilh. Wieprechts 
Angaben die ersten geschaffen ; 
Wieprecht selbst schreibt übrigens 
bereits 1845, die Russen hängten 
.sogar die Blase- Instrumente um 
den Leib, so daß das Schallstück 
derselben hinter dem linken Ohre 
auf der Schulter liegt.' 

— Das altgriechische Instrument 
dieses Namens, kXtxov, war ein vier- 
eckiges, viersaitiges Instrument zur 
Tonbestimmung. 

— In der Orgel ist Helikon- 
oder Feldtrompete eine Hoch- 



druck-Zungenstimme zu 16' mit liegenden 
Pfeifen. 

Vgl. Sousaphooe. 

Helikonposaune, eine 1898 v. A. Rieh. Wei- 
ler in Markneukirchen (D. R. G. M. Nr. 103298) 
konstruierte Kontrabaßposaune in Heükon- 
form mit Zugmechanismus ; 



Umfang: 



Die bequeme Tragbarkeit, die mit dieser Kom- 
bination angestrebt ist, wird durch zwei vom 
angebrachte Scharniere zum Einschrauben des 
Zuges beim Nichtgebrauch erhöht. 





HELIKON 
mit 4 Zylinderventilen. Modell von Schuster & Co. in Uarkaeukirchen 



185 



HELLEBILLE— HIERON YMUS 



Auch Cerven^'s Armeeposaunen werden ge- 
legentlich in Helikonform gebaut. 

Abb. Zfl XIX 381. 

Hellebille s. HiUebille. 

Hellflöte, eine 8' offene Manual-Labial- 
stimme. 

Naumburg, St. Wenid (1734—1810). 

Hellhorn, ein Barytonhorn von Hell in Wien. 

Helmzither, Hornzither, eine in den 
1840er und 50er Jahren gebaute Zither mit 
volutenartigem Kopfansatz. 

Hemisphärium, lat. .Laute'. 

Hemmkeile, Hemmklötze, hölzerne Keile 
auf der Windlade, die ein Überziehen der 
Parallelen verhindern sollen. 

Vgl. GrenTstift. 

Hemmstift s. Grenzstift. 
Hengerg^p, ung. ,Drehventir. 
Heng ti, chin. .Querflöte'. 

Van Aalst 72. 

Henhoel, nancowry (Nikobaren) ,Flöte'. 

Fr. Ad. de RöepstorH, Vocab. of DiaL spoken In the Nicobar 
and Andaman Isles. 2^ ed., Calcutta 1875, p. 56. 

Henkelsaite, die Darmsaite, mit der der 
Saitenhalter am Sattelknopf angehängt ist. 

Engl. TAIL PIECE STRING, fr. CORDE D'ATTACHE. 

Henong = Gambang gängsä.. 
Heofonbyme, ags. .Himmelshorn". 
Heong pan, chin. .Klapper'. 
Hepo, finn. ,Steg'. 

Heptacorde, eine siebensaitige, besonders 
klangkräftige Baßgambe von Raoul (1828). 

Pont^coulant 148. 

Herebyme, ags. ,Kriegshom'. 
Herhorn, mhd. .Hcerhorn'. 
Herkulesophone nennt J. Sediva in Odessa 
die von ihm seit 1888 gebauten Horninstru- 
mente des russischen Militärorchesters, deren 
Klangfülle er durch Erweiterung der Mensur 
steigern will. Die Größen ihrer Luftsäulen 
sind: 

£s-Kornett 890 ccm, 

ß-Kornett Nr. 1 1460 ccm, 
ß- Kornett Nr. 2 1860 ccm, 
Althorn Nr. i 5520 ccm, 

Althorn Nr. 2 6640 ccm, 

Tenorhom ioi8occm, 

Bary ton 1 4 1 90 ccm, 

Bombardon in Es 33400 ccm, 
Bombardon in ß 58720 ccm, 

lierre, La Facture instr. 246. 

Heroldstronipete = Fanfarentrompete. 

Herpfe, mhd. .Harfe'. 

Herrach, katal. .Ratsche'. 

Herrauu, Lokango voatavo, ein mada- 
gaskisches Saiteninstrument vom Typus der 
Zeze. aus einem Holzsaitenträger mit drei 







Bundstegen, einer halben Resonanzkalebasse 

und I — 3 Saiten; Länge 61 — 66 cm. 

New- York Nr. 497, S'?- 

Heulpfeile sind Pfeile mit einer hohlen, 
mehrfach durchbrochenen Verdickung an der 
Spitze oder zwischen Spitze und Schaft, die 
unter dem Druck des im Flug erzeugten Win- 
des als Pfeife wirkt. Ihre Haupt- 
verbreitungsgebiete sind Nordasien 
und Südamerika. 

B. Adler. Pfeifende Pfeile und Pfeilspitzen in 
Sibirien, Globus UCXXl 94. — Vgl. Äolspfeife. 

Hewgag, ein einsaitiges Banjo mit 
Klaviatur auf dem Griffbrett und 
einem Kurbelzahnrad zum Anreißen 
der Saite (1884). 

zu V 125. 

Hewon, plur. v. Hepo. 
Hi, jap. alter Gong aus Porzellan 
in Tassenform. 

Piggott 175- 

Hia ma = Ha ma. 

Hiang s. Hsiang. 

Hib phleng, siam. ,Harmonium. 
Spieldose'. 

Hib phleng dit, siam. .Klavier'. 

Hib phleng |ai, siam. .Orgel'. 

Hib phleng kuän, siam. .Drehorgel'. 

Hiöi-riki, japanische, dem Kuan 
tzö der Chinesen entsprechende 
kleine Schalmei aus einer verkehrt 
konisch ausgebohrten Bambusröhre von 17 
bis 22 cm Länge, ohne Erweiterung am 
Mündungsende, mit 7 Grifflöchern auf der 
Vorder- und 2 auf der Rückseite und mit 
einem besonders — 6 cm — langen Doppel- 
rohrblatt (eita). Die Spieler nuancieren die 
Tonhöhe sehr bedeutend. 

Piggott ISO. — Vgl. 0-hici-riki. 

Hiefhorn, älteste nhd. Form von Hifthorn. 

Hien, chin. .Saite'. 

Hierochord, eine 1824 vom Gesanglehrer 
Dr. A. Schmidt in Grcifswald erfundene Art 
Drehleier mit i Saite, Tasten und Kurbel zur 
Begleitung des Gesanges in Kirche und Schule, 
mit starkem, reinem, den Rohrflöten der Orgel 
ähnlichem Ton. Der Bau selbst war Geheim- 
nis des Erfinders. Länge 27", Breite 8 ü", 
Höhe 8". 

F. H. Bärwald, Die neuesten Erfindungen und Verbesserungen 
an den musikalischen Instrumenten, Quedlinburg u. Leipzig 

1833, S. 2 ff. 

Hierodöfono, span. Manualstimme zu 8'. 

Sevilla, Catcdral. 

Hieronymus. In den Organographien bis ins 
17. Jh. hinein werden zahlreiche Instrumente 
abgebildet, deren Namen mit dem Beisatz 
.Hicronymi' versehen sind, .Fistula Hierony- 




186 



HIERRECILLO — HNE 



mi', ,Tuba Hieronymi' usw. Es handelt sich 
dabei um Versuche, die fantastischen Aus- 
deutungen biblischer Instrumentennamen, die 
sich in dem unechten Briefe des h. Hieronymus 
an Dardanus finden, zu illustrieren. Da dieser 
Dardanusbrief etwa im ii. Jh. von einem 
Mönche verfaßt ist, so hat sein Inhalt mit 
Altertum und Wirklichkeit ebensowenig etwas 
zu tun, als — vielleicht mit Ausnahme des von 
Gerbert nachgebildeten Kodex Blas. XIII sc. 
— die Illustrationen selbst. Immerhin sind 
diese wie jener einer besonderen organo- 
logischen Untersuchung wert. 

Hierrecillo, span. ,Trianger. 

Hifthorn, im Mittelalter ein kleines, am 
Gürtel angehängtes Signalhorn der Türmer, 
Wächter, Hirten und Krieger; bei den Jägern 
hat sich der Name noch lange gehalten. Er 
darf indessen nicht von , Hüfte' abgeleitet 
werden, sondern von hift oder hief, ,Laut, den 
die Jäger auf ihren Jagdhörnern blasen.' 

Highland pipes, schott. Militärsackpfeife mit 
2 kleinen und i großen Bordunpfeifc ; 



Stimmung; 



^ 



^ 



Mundrohr; an der Spielpfeife Doppelrohr, an 
den Bordunen einfache Zungen. Der schot- 
tische Dudelsack stammt vom irischen ab. 

High side drum, engl. .Wirbeltrommcl'. 

Hik, die große Holztrommel in Laur. 

Friederici, Beitr. z. Volk. u. Sprachenk. v. Neuguinea 206. 

Hilfsbalg s. Druckbalg. 

Hilfsstimmen sind Manualstimmen, die ge- 
radfüßig kleiner als 8', und Pedalstimmen, 
die geradfüßig kleiner als 16' sind. 

Ndl. VULSTEM. 

Hillebille, Hellebille, ein altes, von erz- 
gebirgischen Einwanderern mitgebrachtes 
Holz-Schlagbrett der harzischen Köhler, das 
noch bis vor wenigen Jahren in den braun- 
schweigischen Dörfern als Zusammenberu- 
fungsinstrument gebraucht worden ist, heute 
dagegen nur hier und da zur Fastnacht ge- 
spielt wird. Es war beiläufig % m lang und 
1/4 m breit ; man schlug es mit zwei Holzhäm- 
mern. Etymologisch dürfte der Name mit 
,heir und ,beir zusammenhängen; älteste be- 
legte Form hellebylle. 

Ztschr. d. V'er. f. Volkskunde 1895, p. 103 (Andree), p. 327 
(Wcinhold). — R. Andree, Braunschweiger Volkskunde, 2. Au£l., 
Braunschweig 1901, p. 249. 

Hirn, siam. burm., dem Engkruri entspre- 
chender Seng mit 5 bis 10 Pfeifen, der von 
Laos abgeleitet wird. 

New- York Nr. 390/291. 

Hinged bellows, engl. .Diagonalbalg'. 
Hing eul = Hsing erh. 



Hinterarm, bedeutet in der Orgel i . den dem 
Kaikanten abgewendeten Teil der Balgtaste. 
— 2. den unbelegten Teil der Manualtasten. — 
3. den der Taste abgewendeten Wellenarm. 

Hinterfalte, Hinterbalgfalte, die am 
Schwanzende eines Orgelbalgs sitzende Falte. 

Hinteroberbaß, die zum Pedal gehörende, 
hinter der Lade des Obermanuals unterge- 
brachte Orgelabteilung. 

Adlung, Mus. mech. org. 233. 

Hinteroberspan, der oben liegende Hinter- 
span. 

Hintersatz, früher s. v. a. Mixtur, weil deren 
Pfeifen hinter dem Prästanten standen. 

Praetorius iig (99), 136 (113). 

Hinterspäne, Hinterbalgfaltenspäne. die 
schmalen Bretter, aus denen die Hinterfalte 
verfertigt ist. 

Vgl. Hinteroberspan, Hinteruntenpan. 

Hinterstimnüg nennt man ein Tafelkla\-ier. 
dessen Stimmstock auf der Hinterseite des 
Instruments angebracht ist. Die Blütezeit die- 
ses Typs fällt in das dritte Viertel 19. Jhs. Er 
bietet vor allem den Vorzug, daß der Stimm- 
stock in seiner ganzen Länge auf das Zargen- 
liolz aufgeleimt werden kann. 

Hinterunterbaß, die zum Pedal gehörende, 
hinter der Lade des Untermanuals unterge- 
brachte Orgelabteilung. 

Adlung. Mus. mech. org. 233. 

Hinterunterspan, der unten liegende Hin- 
terspan. 

Hinterwellenarm s. Hinterarm 3. 

Hiraüzka, bask. , Triangel'. 

Hirschhorn = .\lphorn. 

Hirschruf, ein Pfeifen-Instrument aus Holz 
oder aus Holz und Meerschneckenschalen, auf 
dem die Jäger in der Brunftzeit das Ge- 
schrei der Hirsche nachahmen. 

Hirur-angulu, bask. ,Trianger. 

Hitch pin, engl. , Einhängestift'. 

Hito-yo-kiri, jap. Langflöte, etwas kürzer 
als das Sakuhafi, aus zwei Bambusgliedern, 
etwa 53 '2 cm lang. 

Kraus 52; Piggott 153. 

Hitsu-no-koto, ein Koto, dessen Erfindung 
der Zeit des chinesischen Kaisers Fukki (um 
2000 v. Chr.) zugeschrieben wird, mit anfäng- 
lich 50 Saiten, die zur Zeit Kaiser Kotei's auf 
25, zu derjenigen Kaiser Sun's auf 23 und noch 
später auf 20 vermindert wurden. 

Piggott 109. 121. — Vgl. äo-hitsu-no-koto. 

Hiuen s. Hsüan. 

oHiva, herero , Blasinstrument'. 

Hne, birm. Oboeninstrument vom Typus des 
Sänäi, mit 7 Grifflöchern auf der Vorder- und 
I auf der Hinterseite und mit Metallstürze. 
Das Instrument hat einen Umfang von drei 



187 



HOA-BOY — HÖLZERNES GELÄCHTER 



Oktaven, von denen die mittlere am wenigsten 
benutzt wird; die untere ist rauh, die hohe 
flötenartig. Das Rohr ist derb aus einem 
Palmblatt zusammengefaltet; die Spieler be- 
sitzen in seiner Verfertigung eine große Ge- 
schicklichkeit. Das Hne ist ein Orchesterin- 
strument; gewöhnlich werden fünf in einer 
Kapelle verwendet. Meist ist an dem Hne eine 
Messingnadel angehängt, mit der von Zeit zu 
Zeit das Rohr wieder aufgetrieben wird. 

Portman 199. — New-York Ni. 197. 3104. 

Hoa-boy [Shadwell, Psyche, 1675], engl. 
,Oboe'. 

Hoang . . . s. Huang . . . 

Hoboe = Oboe; engl, hoboy, ndl. hobo. 

Hochdruckluftregister, Hochdruckstim- 
men, heißen mit stärkstem Winddruck ge- 
speiste und dafür besonders konstruierte kräf- 
tige Stimmen wie Tuba mirabilis und Baßtuba. 

Engl. HEAVY WIND STOPS, it. REGISTRI AD ALTA 
PRESSIONE. 

Hochet, frz. , Rassel'. 

Hochflügelhom = Pikkolo. 

Hoclette, altfrz. ,Xylophon'. 

Hoeboy, engl, (veraltet) ,Oboe'. 

Hoepelspel, ndl. , Kreisspiel', ein Kinder- 
instrument aus einem schellenbesetzten Rad, 
das an einer Achse auf dem Boden bewegt wird. 
Laborde macht aus ,het hoepelspel' zwei Na- 
men, ,hets' und ,apcr. Bonanni beschreibt es 
als ,Ruota fiaminga'. Auch wir Heutigen 
kennen dieses keineswegs auf Flandern be- 
schränkte Spielzeug. 

Hogok = Nal na ri. 

Hohe Stimmen, alle Manualstimmen zu we- 
niger als 8' und alle Pedalstimmen zu weniger 
als iC)'. 

Hohlflöte, ,Holunderflöte', nicht .hohle 
Flöte'. In der Orgel ist Hohlflöte eine weit- 
mensurierte offene Manualflötenstimme zu 
2 — 16' mit Holzpfeifen. 

Engl. HOHL FLUTE, ndl. HOLFLUIT, fr. FLÖTE CREUSE. 
it. FLAUTO TEDESCO, ung. VÄJTFUVOLA. — Vgl. Hohl- 
pMte, Hohlquinte, Sitflöte. 

Hohlkern ist bei den modernen Geigeninstru- 
menten die Vertiefung in Decke und Boden, 
die neben dem Rand herumläuft. 

Hohlpfeife = Hohlflöte 2'. 

Hohlquinte, Quintflöte, eine Hohlflöte zu 
5V,', 2Vs' oder iVs'. 

Hohlschelle, alter Name der Quintaden. 

Hoi, eine Rolirflötc der Kayapö in Brasilien, 
mit dem Mundloch in der Mitte des etwa 
25 cm langen Instruments ; gegen die Mitte des 
Loches tritt von unten her ein Knoten, der 
wolü als Aufschnittkante dient. 

Krause, In den Wildnissen Brasiliens 400. 

Hot-teuk-i, korean. Rindcnpfeifc. 



Hokai-gane, jap. Bronzebecken mit umge- 
stülptem Rand und Buckel. 

Mailand Nr. 5. 

Hokke-daiko, ein Taiko mit einem Hand- 
griff, der im Sinne des Durchmessers durch die 
Zarge geht; Schaft-Dm. 22 cm. Die Hokke 
sind eine buddhistische Sekte. 

Mailand Nr. 37. 

Ho-köi, korean. .Trompete'. 

Hokyo = Kei. 

Hol . . . s. Hohl . . . 

HolärJä sur, ^JcflT? ^ ^-^ Hanumunta 
ottu. 

Holär£ä surnäi = Sänäi. 

Holfluit, ndl. .Hohlflöte'. 

Hohnaphol, armen. , Windlade, W^ind- 
kasten'. 

Holmes, o/l/tof, nach Gevaert [Les Probl. 
mus. d'Aristote, Gand 1903. p. 349] der .Stie- 
fel', nach Howard [28 f] die .Birne' des Aulos. 
Wir neigen zu Gevaert's Interpretation. 

Holre = Hohlflöte. 

Holzblasinstrumente ist der in der Praxis ge- 
bräuchliche zusammenfassende Name für die 
Flöten und die Rohrblattinstrumente, eine 
Bezeichnung, die wissenschaftlich unhaltbar 
ist. weil eine ganze Anzahl der subsummierten 
Instrumente gelegentlich oder stets aus an- 
derem Material als Holz verfertigt werden, z. B. 
unsere heutige Querflöte und das Saxophon, 
während andererseits das Holz auch als Stoff für 
ausgesprochene Kesselmundstück-Instrumente 
verwendet wird, wie z. B. für Zink und Alp- 
horn. Auch den gelegentlich benutzten Na- 
men Pfeifeninstrumente können wir nicht als 
glücklich ansehen, weil auch die Röhren der 
Blechinstrumente Pfeifen im akustischen Sinn 
sind. Ein wirklich befriedigender Name für die 
Gemeinsamkeit beider Familien, die nun ein- 
mal in der musikalischen Praxis unleugbar eine 
Gruppe bilden, steht noch aus. 

Engl. WOOD WIND.dän. TRiEBLASINSTRUME.VTER. ndl. 
HOUTEN BLAASINSTRUMENTEN . fr. BOIS, it. STRU- 
MENTI DA FIATO Dl LEGNO, pott. INSTRUMENTOS DE 
VENTO DE MADEIRA, serkokr. DRVENI PUHALACKI 
NASTROJ, c. DliEVENE NASTROJE DECHOVE, poln. IN- 
STRUMENT DIvTV DREWNIANNV, russ. DEREVJANNVE 
DUCHOVYE INSTRUMHNTY. 

Hölzernes Gelächter, alter Name des Xylo- 
phons (seit dem 16. Jh.). Der Name darf nicht 
mit , Lachen' in Verbindung gebracht werden, 
we es selbst bei Grimm geschieht. Vielmehr 
muß das oberdeutsche ,glächel' oder ,klachl' 
herangezogen werden, das mit .Klöppel' syno- 
nym ist. In Kärnten (vgl.M.Lcxer, Kärnt.WT)., 
Lpz. 1862, p. 15S) bedeutet klachln gerade- 
zu ,, tönen, wenn der Ton auf Holz hervor- 
gebracht wird". Bei Schlick [Spiegel der Or- 
gelmacher usw. ca. 1500] heißt es gl echt er. 



188 



H0L2FIDEL— HÖRN 




HOLZTROMMEL 
voa Neuguinea im Kgl, Völlterkuademuseum tu Berlin 



Holzfidel, Holzharmonika, alte Namen 
des Xylophons. 

Holzprinzipal, ein Prinzipal mit Holzpfeifen. 

Holztrommel, ein idiophones Aufschlagin- 
strument vieler exotischer Völkerschaften, na- 
mentlich der Ostasiaten, Ozeanier, Westafri- 
kaner, Mittel- und Südamerikaner, aus einem 
trogartig ausgehöhlten Holzblock, der mit 
Klöppeln gespielt wird. Die leider eingebür- 
gerte Bezeichnung Holztrommel ist irrefüh- 
rend ; im Grunde muß das Instrument den 
Gongs zugerechnet werden. Eine kleine Rohr- 
Abart kommt in Hinterindien, Indonesien und 
Melanesien vor. 

Literatur: F. Graebner, Holztronuneln des Ramudistrilctcs 
auf Neu-Guinea. Globui LXXXII 299. — Vgl. Asien: Ao 
yü, Cu, Kalab, Mu yü, Fang, Peloncong, Sabang, Sco-thora, 
Yü pang. — Afrika: Cingufu, Kilando, Kiringi, Lokole, 
Mondo. Nkoko, Nkonko, Nku, Zingu\a. — Amerika: Pilon, 
Tepanabaz, TeponaztH, Tunduli. — Ozeanien: Bogir, Fa'- 
aali'i, Garamut, Gerom, Lalis, Mamapu, Nafa, I'a ipu, — 
Femer; Stampftrommel, Stoßtrommel. 

Holztrompete hat neben der allgemeinen Be- 
deutung einer hölzernen Trompete die beson- 
deren des Alphorns und eines 
nach Wagner's Angaben für die 
Fröhliche Hirtenweise im 3. Akt 
Tristan gebauten — nichttrans- 
ponierenden — Ersatzes für das 
Enghsche Hörn. Sie besteht aus 
einer geraden, zylindrischen oder 
konischen Holzröhre mit dem 
Schallstück des Englischen 
Horns, mit 6inem Ventil und 
mit Trompetenmundstück. Heut 
wird sie häufig durch Heckel- 
klarina oder Tärogatö ersetzt. 

Holz- und Strohinstrument = 
Xylophon. 

Hommel, Noordsche Balk, 
ndl. s. V. a. Humle, Scheitholt. 

J.C. Boera inTijdschr. d. Vereen. voorNoord- 
Nederlanda muziekgescbiedenis 1 188a p. i. 

Hommeltje,ndl.,Hümmelchen'. 

Hong, eine gerade, weite, 
stark konische Messingtrompete 
von Nepal. 

Her, in Völkerkunde-Mus. Nr. 1 C 21049. 










HOLZ- 
TROMPETE 
der Bororö (Bra- 
silien) im Kgl. 
Völkerkundamu- 
seum zu Berlin 



Hoodook s. Huruk. 

Hoofdkanaal, ndl. ,Hauptkanar. 

Hoofdklavier, Hoofdmanuaal, ndl. 
.Hauptmanual'. 

Hoofdventiel, ndl. .Spielventil'. 

Hooked harp, engl. , Hakenharfe'. 

Hoo'r, englischer veralteter Waldteufel mit 
gewöhnUch papierenem Zylinder. Der Name 
ist aus .hummer' verdorben. 

Balfour Fr. Dr. 71. 

Hoom, ndl. ,Horn'. 

Hopper, engl. .Auslöser'. 

Hora, Horagai, jap. ,Muschelhom'. 

Horanoa, Ceylon. Oboe ; s. v. a. Sänäi. 

Davy, Acc. of the Interior of Ceylon. — New-Ycrk Nr. 939. 

Hora-no-kai = Rappakai. 

Hören, ndl. ,Hom'. 

Horizontalbälge s. Parallelbälge. 

Hörn oder Trompete im weiteren Sinne nennt 
die Instrumentenwissenschaft etwa das, was 
die Praxis schief als Blechblasinstrument be- 
zeichnet, ein im akustischen Sinn als Zungen- 
pfeife zu bezeichnendes Blasinstrument also, 
das die gespannten menschlichen Lippen als 
schwingungserregende Lamellen voraussetzt, 
gleichgültig ob das Mundstück Kessel-, Trich- 
ter- oder Schalenform hat oder ob es ganz 
fehlt. In seiner natürlichen Form, d. h. ohne 
Zuhilfenahme von Grifflöchern, Klappen, Ven- 
tilen oder Zügen, gibt ein derartiges Instru- 
ment einen Ausschnitt aus der Partialtonreihe 
desjenigen Klanges her, der seiner Röhren- 
länge entspricht ; die Lage und Ausdehnung 
dieses Ausschnitts hängen von der Mensur des 
Instrumentes, der Form des Mundstücks und 
dem Spannungsgrad der Lippen ab. 

Eine Scheidung zwischen Trompeten- und 
Hominstrumenten, als den über\viegend zylin- 
drischen Instrumenten einer-, den überwie- 
gend konischen andrerseits, wie wir sie für 
unsere europäischen Blasinstrumente vorneh- 
men, muß in einer allgemeinen Organographie 
unterbleiben, weil neben der abendländischen 
Trompete nur ganz wenige vomSprachgebrauch 
als Trompeten bezeichnete Instrumente eine 
größtenteils zylindrisch verlaufende Röhre ha- 



189 



HORNBÄSSLEIN— HPUNG-AK 




-^ 



HOMMEL 
in der Kgl. Sammlung alter Musikiostrumeote ru Berlin 



ben und selbst ein Instrumentenspezialist es 
als widernatürlich empfinden müßte, etwa die 
engmensurierte, geradegestreckte chinesische 
La-pa als ein Hörn im Gegensatz zur Trompete 
anzusprechen. Wir sehen also von einer allzu 
ängstlichen Beschränkung des Begriffs Trom- 
pete ab und rechnen auch die so bezeichneten 
Instrumente zu den Hörnern. 

In der Entwcklung der Hominstrumente 
lassen sich drei Stufen unterscheiden, von de- 
nen aber selbst die jüngste schon in vorge- 
schichtliche Zeiten hineinreicht. Die früheste 
benutzt Gegenstände, die von der Natur ge- 
liefert werden und die nur einer geringen 
Nachhilfe bedürfen, um gebrauchsfertig zu 
sein, Muscheln, Knochen, Stoßzähne, Tier- 
hörner und Bambusröhren, Gegenstände, die 
noch heute in allen außereuropäischen Län- 
dern dem gleichen Zweck dienen. Auf der 
zweiten schafft der Mensch die Form selb- 
ständig unter Benutzung eines natürlichen 
Materials, Holz oder Rinde, ein Typus, der 
selbst in der europäischen Kunstmusik bis 
ins 19. Jahrh. fortlebte (Zink, Serpent, Baß- 
hom usw.) und in unserer Volksmusik als 
Alpenhorn noch existiert. Auf beiden Stufen 
pflegt ein besonderes Mundstück zu fehlen ; 
nach der Stellung des Anblasloches — end- 
oder seitenständig — lassen sich Lang- und 
Querhörner (-Trompeten) unterscheiden. Auf 
der dritten Stufe gewinnt das Hörn mit der 
Verwendung des Metalls all die Entwicklungs- 
möglichkeiten, die das moderne Ventilinstru- 
ment voraussetzt. 

Im engeren Sinn versteht der europäische 
Musiker unter Hörn das Waldhorn. 

In der englischen Orgel ist Hörn eine von 
John Byfield (gest. 1774) erfundene Zungen- 
stimme zu 8' mit ziemlich weitmensurierten 
Metallpfeifen, deren Ton voller und weicher 
als der der Trompete ist. 

Im Harmonium ist Hörn eine Diskant- 
stimme zu 16', die mit Bombarde oder Kontra- 
baß zu einem Spiel vereinigt ist. 

Etymologie: germ. chornan. 

Engl. din. schw. HÖRN, ndl. HOORN. w.il. rum. rät. CORN, 
gacl. ADH.^RC, fr. COR, it. CORNO, sp. CUERNO. port. 
BUZINA. russ. rulh. poln. slov, serb. kr. bulg. ROG, wcnd. 
ROH, lit. TRIUBA, Iclt. TAURE, eatn, SARW, finn. TORVl, 
ung. KORT, ngr. KF.PAX. 



V'gl. Europa. Altertum und Mittelalter: Araine, Buccina, 
Busine, Graile, Heerhorn, Karnyx, Lituus, Lur, Salpinx, Thur- 
nerhom, Tuba, Zink. ■ — Neuzeit; Antilopenhom, BaBhom, 
BaOtromba, Birabonifono, Bügelhom, Bügle, Cornet, Como, 
Cornotragone. Duplexinstrumente, Flügelhurn, Ganzinstrumente, 
Glycleide, Halbinstrumente, Halbmond, Helikon, Herkulesopbone, 
Jagdhorn, Klappenhom, Kornett, Naturhom, Ophiklelde, Pelli- 
tifero, Posaune, Posthorn, Quintitube, Russische Homer, Sax- 
hom, Saxotromba, Saxtuba, Schwanenhom, Signalhorn, Sudro- 
phone, Trompete, Tuba, Waldhorn, Zink. — Volksinstrumente: 
Alphorn, Bucium, Lur, Prillarhom, Russische Homer, Tromba 
di Zucca, Troumpeto de San Jean, Truba. — Indien: Bheri, 
^inga, Durbatudu, GentorS, Go-^inga, Hong, Kaha, Kamä, 
Koy, Nafari, Naratjringa, Panfama-otu, Phunga, Rana-^ringa, 
Tarai, Tat, Tora, Tuda, Turi, Tuturi, Venu. — Ostasien: 
Gie erh. Gindai rappa, Hao t'img, Kang t'u, Kang t*ung, La pa, 
Na-pal, Rappa, Sona-rappa. — Zentral- und Vorderasien: 
B>Tgy, Dung. Kang-dung, Komai, Nafir, Pai-sutiu-, Rag-dung, 
^aipur. .Sofar, Zabs-dung. — Afrika: Antilopenhom, Burife, 
Chnue, Elienbeinhömer, Ghenta, Isambu, Kafo, Kakaki, Kihuha, 
Malakat, Manyinyi, Pandalla. Qand, Silongo, Ton. — Amerika: 
Adjulona, Andulon, Canguenca, Caracaxa, Hähi, Ika, Karakoru, 
Loku, Patuw^, Pungacuqua, Tecciztli, Uapida, Uhuhuk. — 
Ozeanien: Thura. 

Femer : Barrilets transpositeurs, Dämpfer, Muschelhom, 
Piangendo, Stangen, Stimmbögen, Stimmzug, Tonwechgel- 
maschine, Ventile. 

Hornbäßlein, eine veraltete Pedal-Labial- 
stimme zu 2' vom Typus des Nachthorns. 

Hornbock ist der alte Name einer Sack- 
pfeife mit Horn-Schallstücken. 

Hornpipe s. Pibgom. 

Horntuba s. Tuba. 

Hornwerk, ein Kornett in der Orgel, dessen 
Pfeifen auf einer eigenen Windlade stehen. 

Hornzither = Helmzither. 

Horologios, (ügoAo'ytos, eine Salpin.x zum An- 
geben der Stunden. 

Horquilla t6nica, span. .Stimmgabel'. 

Hose = Büchse. 

Ho-80, jap. Querflöte aus Holz mit einem ge- 
schnitzten Phönixkopf und 6 Grifflöchern. 

New- York Nr. 2274. 

Hothi = Hanumunta ottu. 
Ho-tyek, korean. ,.\rt Trompete'. 
Houdek, iech. s. v. a. Gude. 
Hou-no-fouye s. Hu-no-fuye. 
Housle, i'cch. .Violine'. 

Hout-en stroo-instrument, ndl. .Xylophon'. 
Hovedkanal, dän. .Haiiptkanal'. 
Hovovaphol, armen. .Schalmei'. 
Howeboie, engl, (veraltet, 1561) ,Oboe'. 
Hpi-ri, korean. Pfeifeninstrument. 
Hpung-ak, Hpung-kak. Hpung-ryu, ko- 
rean. .Musikinstrument'. 



190 



HRACI HODINKY— HUBNICA 



Hraci hodinky, cech. .Spieluhr'. 

Hrapav grgec, serbokroat. Strohhalm- oder 
Federkielpfeife. 

Hrotta, ahd. Vermittlungsform zwischen 
chrotta und rotta. 

Hsiang c'ih, chin. Schlagstab aus einem 
etwa zwei Fuß langen Stück Rotholz, das an 
einer durch die Mitte gezogenen Schnur ge- 
halten und mit einem kurzen Stock geschlagen 
wird. In Peking werden bei Begräbnissen 
zwei Paar vor dem Sarge getragen. 

Moule 20. 

Hsiang pan, chin. Messing-Aufschlagplatte. 

Moule 29. 

Hsiang ti = So na. 

Hsiao, eine alte chinesische Langflöte mit 
einer als Aufschnitt dienenden Kerbe im obe- 
ren Rand, heute aus Bambus, früher auch aus 
Kupfer, Marmor oder Nephrit gemacht, um 
1300 unter der Yüan-Dynastie in die Ritual- 
musik eingeführt. 




Vgl. VU hsiao. 

Hsiao ku, chin. .Kleine Trommel' aus einem 
vierteihgen, kreisrunden, 5 cm hohen Holz- 
körper, dessen obere etwa 8 cm weite Öffnung 
mit einem angenagelten Kuhfell bedeckt ist ; 
zum Spielen dient ein Schlägel. 

Moule 50. 

Hsien tzö, Pekinger Name des San-hsien. 

Hsing erh, chin. Becken in Napfform mit 
einer Verbindungsschnur wie beim Po; sie 
ähneln der indischen Mandirä. Priesterinstru- 
ment, vornehmlich in der Pekinger Gegend. 

Moule 25. 

Hsüan, H i ü e n , chin . Okarina von höchstem 
Alter aus einem gänseeiförmigen schwarzen 
Tonkorpus mit drei oder vier Grifflöchern auf 
der einen, und zwei weiteren auf der andern 
Seite, die ursprünglich die altchinesische pea- 
tatonische Skala ergaben. 

Moule 6r. 

Hsüan cung, chin. glockenförmiges Gong, 
der Tradition nach aus konfuzianischen Zeiten, 
das aber erst während der Han-Dynastie (200 
v. Chr. bis 200 n. Chr.) in allgemeineren Ge- 
brauch kam. 

Hsüan tzö, Blindengong mit Buckel in der 
Gegend von Shantung. 

Hsüeh, chin. .Griffloch'. 

Hsü pan, chin. Schlagbrett, ca. 75 cm lang, 
das in den Klöstern aufgehängt wird. 

Moule 23. 

Hta-ko, korean. Trommel in Schildkröten- 
form. 

Htong-so, korean. Flöte. 



Htung-syo, korean. Flöte. 

Hua kiao, chin. seit nicht langem veraltetes, 
aber in seiner Beschaffenheit unbekanntes 
Blasinstrument. 

Moule 86. 

Hua ku, Ya ku, chin. noch heute in den 
konfuzianischen Tempeln benutzte Trommel 
vom Typus des Po fu, aber kleiner, faßförmig 
mit zwei angenagelten Fellen. 

Brüssel Nr. 2130. — Moule 57. 

Hua ling = Ma ling. 

Hua mei kiao tzö, chin. Schnabelpfeife zum 
Nachahmen des Vogelgesangs mit einem in 
die Wandung gebohrten Einblaskanal. 

Moule 72. 

Huang s. Seng. 

Huang lapa, größeres Ca-kiao der tibeti- 
schen Lamas. 

Huang 8öng 6'ih, ein C'ihinhuang-t6ng(e"). 

Amiot. — ■ Rekonstruktion Brüssel Nr. 865. 

Huang teih = Hao t'ung und La pa. 

Huanka, altperuan. Trommel. 

Huan t'u, Zupf-Idiophon der chinesischen 
Barbiere in Form eines fußlangen eisernen 
Tastzirkels, dessen Spitzen sich berühren ; ein 
kleines Eisenstäbchen wird zwischen die Stan- 
gen gebracht und gewaltsam zwischen den 
Spitzen hindurchgerissen, so daß die Stangen 
in Schwingung kommen und khngeln. 

Huara-puara s. Huayra-puhura. 

Huayllaca, altmej. Flageolett, aus den Rui- 
nen von Palenque. 

Mejico. 




HUAYRA-PUHURA 

im K^l. Völkerkundemuseum zu Berlin 

Huayra-puhura, altperuan. Pansflöte aus 
Rohr oder Stein ; der Name hängt mit huayra, 
,Luft' zusammen. 

Berlin, Völkerkunde Mus. ; London, Brit. Mus. 

Hüba, slov. ,Oboe'. 

Hubiika, Cech. .Mundstück, Schnabel'. 

Hubnica, wend. .Mundstück'. 



191 



HUCH— HUMLE 



Huch, Nasenllöte von Pak {Admiralitäts- 
Ins.). 

Iriedcrici, Beitr. z. Volk.- u. Sprachenkunde v. Deutsch-Neu- 
guinea, Berlin 1912, p. 104. 

Huchet, frz. Jagdhorn'. 

Hu-ch'in s. Hu k'in. 

Hudebni nästroj, fech. .Musikinstrument'. 

Hudienc, wend. .Bogen'. 

Huehuetl, Vevtl, die dumpftönende Tem- 
peltrommel des altmejikanischen Kriegsgottes 
Huitzilopochtl, aus einem drei bis vier Fuß 
hohen und mannsdicken ausgehöhlten Baum- 
stamm mit Bemalung und Schnitzwerk, der 
aufrecht auf einen Dreifuß gestellt wurde, und 
einer Leder- oder Pergamentmembran, die in- 
nerhalb eines Quintenintervalls umgestimmt 
werden konnte. Das Huehuetl war das voll- 
kommenste Membraninstrument Mejikos und 
Mittelamerikas. 

Qavigero VII 44; Torquemada, Monarchia Indiana, Madrid 
1733, tom. II IIb. XIV cap. XI; Baker 31. 

Hüfthorn s. Hifthorn. 

Hufvudrör, schwed. .Hauptkanal'. 

Huggab s. Ugab. 

Hu hu, Pang tzö hu k'in, ein Hu k'in mit 
tassenförmigem Kokosnußkorpus, auf-, nicht 
eingesetzter Holzdecke, seitlich eingesteckten 
Wirbeln, Holzhals mit zurückgebogenem Ende 
und 2 Saiten, die über einen kleinen Steg ma 
führen. 

Uoule 12g. 

Huien-tchung s. Hsüan iung. 

Hui hu, ein Hu k'in vom Typus des Tan 
k'in, aber mit kleinerem, etwa 2 '-; cm dickem 
Korpus und schmächtigerem Hals. 

Houle 135. 

Huilu, finn. , Flöte'. 

Huilulaitos uruissa, Huilu n-ääni, finn. 
.Flötenwerk, Flötenzug'. 

Huiridu s. Taleua. 

Huisorgel, ndl. , Hausorgel, Positiv'. 

Hu kia, nach K'ang Hsi ein Pi li ohne Griff- 
löcher, das später im Gefolge des Kaisers ge- 
blasen wurde. 

Moule 85. 

Hu k'in, der allgemeine Name für die chine- 
sischen Geigeninstrumente mit kleinem zylin- 
drischem, kantigem oder tassenförmigem, un- 
ten offenem Schallkörper t'ung aus Bambus, 




Holz oder Kupfer mit Schlangenhautdecke. 
Der Hals kan ist durch das Korpus hindurch- 
gesteckt. Von den meist 4 seidenen Saiten — 
nur kleinere Exemplare haben 2 — stehen die 
erste und dritte im Einklang, die zweite und 
vierte in der Oberquinte ; 
der Bogen kung ist mit sei- 
nem Roßhaarbezug untrenn- 
bar zwischen den Saiten- 
paaren hindurchgezogen. In 
Südchina ist dieser Typus 
seltener, dafür in Peking 
äußerst populär. 

Jap. KEI-KIN, kor. KO-KUN. - Vgl. 
Erh hsien. Erb hu, Hu hu, Hui hu, Pan 
hu. Sa hu, Ta hu k'in, Tan k'in. T'i 
k'in, Tsu tung hu k'in- 

Hul, Musikbogen derMaya 
(Yukatan)mitMundresonanz. 

Saville in Amorican Anthrop. :3r)7 Aug. 
— Balfour 43. 

Hula ka laau, beiderseits 
zugespitzte Holz-Schlagstäbe 
für den Hulatanz der Sand- 
wichinseln. Der längere 
Stock wird horizontal ge- 
halten und mit dem kür- 
zeren geschlagen. 

New-Vork Nr. 739/40. — Aleiander, A 
waiiao People. New-Vork 1891. p. 93. 

Hulakayä,^t^ct)<yi' ^i"*^- Tamburin zur Be- 
gleitung des fringa. 

French Nr. 34. 

Huli-huli, Kratzer der Karajä in BrasiUen 
aus der Schale der Kodu-Schildkröte. Das 
Schwanzende wird mit Wachs verklebt und 
der Halszapfen mit Wachs umgeben. Mit die- 
sem Zapfen wird die schweißige, gespannte 
linke Handfläche kräftig gestrichen, so daß 
ein dumpfer, knarrender Laut entsteht. 

Krause, In den Wildnissen Z.-Brasiliens 317. 

Hulptrekker, ndl. .Hilfszug'. 

Hülse = Büchse. 

Hu lu = Ko ling. 

Hülzen Gelächter s. Hölzernes Gelächter. 

Humangedackt = Stillgedackt. 

Humle, dän. Volkszither mit oft geigen- 
artigem Korpus und vollständig durchgehen- 
dem Griffbrett mit Bünden. Die Begleitungs- 
saiten sind als Bordune in Tonika und Domi- 



HU K'IN 

im Besitze des 

Verlassers 

brief Hist. of the Ha- 




HUMLB 
in der Kgl. Sammlung alter Musikinstrumefito ru Berlin 



192 



HÜMMELCHEN— HYDRAULOS 



nante abgestimmt; zum Spielen dient ein 
Piektrum. Schwed. hummel, ndl. hommel. 
Hümmelchen, im 17. Jahrh. eine Sackpfeife 
mit dem Me- 
lodieumfang 



und 2 Stim- 
mern in 




^^ 



In der Orgel war Hümmelchen früher eine 
Stimme aus zwei in /' und c" gestimmten 
schwach ansprechenden Zungenpfeifen, die 
beim Ziehen des Registers erklangen. 

Hummer s. Hoo'r. 

Humming top, engl. .Brummkreisel'. 

Humstrum, engl. Rückbildung des Rebec — 
noch im 19. Jahrh. in Dorsetshire — mit vier 
Drahtsaiten, Büchsensteg und primitivem Bo- 
gen. 

Galpin 85. 

Hundertfrankenorgel, ein alter Spitzname des 
Harmoniums. 

Hüne, frz. .Glockenbalken'. 

Hunga, angolanischer Musikbogen mit^Re- 
sonanzkalebasse . 

Washington Nr. 151, 140. — Mason in American Anthropol. 
1897 p. 378. — Balfour 20. 

Hungo, Musikbogen der Malanfe mit Reso- 
nanzkalebasse und Stimmschlinge. 

Berlin Völkerkunde Mus. — Balfour 21. 

Hung ti, Hunghsiao, chin. .Querflöte'. 

Hu-no-fuye, ein So-no-fuye mit 26 Pfeifen. 

Hunting hörn, engl. .Jagdhorn'. 

Huo lang ^ T'ao ku. 

Hupe, V. engl hoop, .schreien', ein Auto- 
mobil-Signalinstrument aus einer oder mehre- 
ren freischwingenden, in ein Hornkorpus ein- 
geschlossenen Zungen, die durch einen als 
Blasebalg dienenden Gummiball zum Tönen 
gebracht werden. 

Engl. REED HÖRN, fr. CORNE D'APPEL. 

Hu po, chin. Tanbür mit Schlangcnhaut- 
decke, 4 Saiten und seitenständigen Wirbeln. 

Huqqe, iüi>, arab. .Schallkörper' (Ke- 
mänge). 

Hür, ung. .Saite'. 

Hurdy gurdy, engl. .Drehleier'. 

Hüros hangszer, ung. .Saiteninstrument'. 

Hürozat, ung, .Bezug'. 

Hürtartö, ung. .Saitenhalter'. 

Hufuk, ^^c^. hindi, Huruka, beng., 
großes, etwa 21 — 32 cm hohes Damaru, das 
Liebhngsinstrument der untersten Hindu- 
klassen. 

Brüssel Nr. 42; New- York Nr. 156; Paris Nr. 951. 

Husle, wendische und südslavische, heute 
wohl überall ausgestorbene Geige altertüm- 



licher, an die Schlüsselfidel erinnernder Form 
mit 3 Saiten, schlankem, hohem, stark kon- 
vexdachigem Zargenkorpus, dessen Unter- 
bügel ohne Vermittlung eigentlicher Mittel- 
bügel in die Oberbügel übergehen, mit nach 
dem Halse zu an Höhe abnehmenden Zargen, 
zwei parallelen SchaUschhtzen unter dem Steg 
und einer kleinen Rose unter dem Griffbrett, 
kurzem Hals und einer 
Platte mit hinterständigen 
Wirbeln. Stimmung: ^aj 



i 




bei den kleineren eine Terz 
höher. 

Berlin; Galpin; Heyer Nr. 956. 

Hut s. Deckel. 

HuuUkappale, finnisch 
, Mundstück'. 

Hvataljka, serbokroat. 
,Griffbrett'. 

Hvirveltromme , dänisch 
,Wirbeltrommer. 

Hvisselpipa, schwedisch 
,Pfeife'. 

Hvistle, ags. .Pfeife', an- 
gebhch von hwispalön, 
.wispern' ; vgl. dagegen lat. 
fistula, poln. swistula, 
dech. hvildalka usw. 

Hwa . . . s. Hua . . . 

Hwizdawa,wend. .Pfeife'. 

Hydraulos, vÖQavko;, die 
altgriechische Wasserorgel, 
erf. 300 — 250 V. Chr. 
Alexandria. die nach mancherlei Umgestal- 
tungen und Verbesserungen in Rom populär 
wurde und nach Sueton auch von Nero ge- 
spielt worden sein soll. Mit dem Ausgang des 
Altertums geriet sie allmählich in Vergessen- 
heit, weil sie als heidnisch von der christ- 
lichen Kirche perhorresziert wurde; doch 
wurde noch für Karls d. Gr. Sohn Ludwig d. 
Frommen ein Hydraulos gebaut. In neuerer 
Zeit erhielt auch die Villa d'Este in Tivoh eine 
Wasserorgel. Hero's .Pneumatica' (2. Jh.) und 
Vitruv's ,De architectura' (i. Jh.) enthalten 
zwar Beschreibungen des Hydraulos, doch sind 
nur die zu Hero gehörigen Zeichnungen auf uns 
gekommen. Wohl finden sich oft Darstellun- 
gen auf Münz.en. Skulpturen und Mosaiken; 
eine genaue Rekonstruktion war jedoch erst 
möglich, nachdem 1885 in den Ruinen von 
Karthago eine plastische Nachbildung des In- 
struments mit Spieler aus Ton gefunden wor- 
den war. Das etwa 1 8 cm hohe Modell vom 



HUSLE 
in der Kgl. Sammlung 
alter Musikinstrumente 

zu Bcrlia 

Ktesibios in 



Sachs 



193 



13 



HYEN-AK — iCl-GEN-KIN 



Anf. 2. Jhs. n. Chr. wird im Musee St. Louis in 
Karthago aufbewahrt. Danach war das In- 
strument mit Untersatz etwa 3 m hoch und 
bis zu 140 cm breit. Die Luft wird in ein 
halb mit Wasser gefülltes Reservoir ge- 
pumpt, hydraulisch komprimiert und zu den 
Pfeifen geleitet. Die Klaviatur besteht aus 
19 Tasten von etwa 20 cm Länge und 5 cm 
Breite, die, im Ruhezustand von einer Feder 
gehalten, beim Spiel eine die Kanzellen durch- 
schneidende, durchlöcherte Schiene derart ver- 
schiebt, daß die Löcher in die Kanzellen 
kommen und auf diese Weise der Wind in die 
entsprechenden Pfeifen hineingelangen kann. 
Zu jeder Taste gehören drei mixturartige Flö- 
tenpfeifen aus Metall, die nach Wunsch mit- 
tels an den Seiten angebrachter Registerhand- 
griffe ein- oder ausgeschaltet werden können. 
Während die Grundtonpfeifen gedackt sind, 
gehören die Oktav- und Doppeloktavpfeifen 
zu den offenen mit Stimmzug. F. W. Galpin 
hat ein Modell des Hydraulos in halber Größe 
verfertigt ; es war 1 904 in der Musicians' Com- 
pany's Exhibition in Fishmongers' Hall aus- 
gestellt und wurde dort praktisch vorgeführt. 
Der Hydraulos spielte in folgenden Ton- 
arten: Hyperlydisch, Hyperiastisch, Lydisch, 
Phrygisch, Hypolydisch, Hypophrygisch. Man 
konnte daher die folgende Skala für die 19 Ton- 
stufen des Hydraulos feststellen: 




Das Hyperlydische müßte unter Benutzung 
des Oktavregisters ausgeführt werden. 



Art. .Hydraulus' in Grove's Dict. II 450 und in Darenberg & 
Saglio's Dict. des Ant. grccques et rom. — Loret (Rev. Arch. 
1890). — Galpin (Rehquary July 1904, Scientific American 
19. Nov. 1904). — Maclean {SIMG VI 183I. — H. Degering, 
Die Orgel. Münster 1905. 

Hyen-ak, korean. .Saiteninstrument". 

Hyen-ryeng, korean. .Läutglocke'; das zu- 
gehörige Seil tj ul. 

Hylsong, ags. .Glockenspiel'. 

Hymnerophon, ein 18 14 v. Riffelsen in Ko- 
penhagen erfundener Klavizyhnder mit Blei- 
gabeln, die, von den Tasten in Bewegung ver- 
setzt, die auf einer rotierenden Walze ange- 
brachten Messingscheiben berührten. Man 
rühmte ihm nach, daß nur durch die verschie- 
denen Arten, wie die Finger auf die Tasten ge- 
setzt wurden, der Ton flöten-, trompeten- oder 
glockenähnUch wurde; auch das Rollen des 
Donners konnte durch einen eigenen Mechanis- 
mus nachgeahmt werden. 

AMZ XVI 89. 

Hyo kin = Yang k'in. 

Hyosigi, jap. vierkantige Schlaghölzer, 15 
bis 20 cm lang und 2 — 3 cm dick, die im Thea- 
ter und von den Nachtwächtern gebraucht 
werden; im Theater schlägt man mit ihnen 
rasch den Boden, um Verwrrung anzudeuten; 
bei athletischen und ähnlichen Vorführungen 
haben sie die Aufmerksamkeit des Publikums 
anzuziehen. .HyoSi' sind die Takteinschnitte 
in der japanischen Musik. 

Rggott 177. — New- York Nr. 1474, I477. 

Hyperos, v.^cgos, ngr. ,Glockenklöpper. 
Hypholmion, v<pöXiuo>; bedeutet wahrschein- 
üch die Birne des Aulos. 

Hyrdehom, dän. .Hirtenhom'. 



I 



I, die 12. Saite des Sono-koto. von unten 
gerechnet. 

Ibachord, modernes, einchörigcs Cembalo 
von Rud. Ibach Sohn, konstruiert 1902 von 
Joh. Rehbock, dessen Patente die Firma 1903 
erwarb. Das ursprüngUch sehr schwache und 
einförmige Instrument ist mehrfach verbessert 
worden. 

Ibeka, Zanza der Bakele (Westafrika, Ga- 
bun). 

Ibgakare ( ?), Lauteninstrument von Portug. 
Ostafrika mit 6iner Fasersaitc und Pergament- 
decke. 

Ne»-York Nr. 483. 



Ibrik, arab. ,Hals' ('Ud). 

Mefatih ol ulum (Ende 10. Jhs.). 

I-cacu, MusUcbogen der Tebele, mit Reso- 
nanz-Kalebasse. 

W. A. ElUot, Dici. of the Tebele and Shuna Lang. p. 187. 

Icbacarre s. Ibgakare. 

I(;itali [ ? ?] s. Kitelis. 

ICi-gen-kin, Suma koto, .Einsaitiges koto' 
angeblich i. J. 901 in Suma bei Kob6 in Japan 
erfunden. Das Schallbrett aus Kiri-Holz, ge- 
legentlich auch aus Bambus oder Walfisch- 
knochen, meist 109 cm lang und 10 — 15 cm 
breit, mit je zwei seitlichen Einziehungen, die 
den chinesischen Ursprung verraten, ist leicht 



194 



iCl-NO-TSUZUMI — INANGA 



konvex. Die in fis gestimmte Saite, 2'g 1/2" 
lang, ist an der Unterseite festgemacht, durch, 
ein Loch nach oben gezogen und über einen 
niedrigen, beweghchen Steg zu einem 4 1/2" 
hohen Wirbel am andern Ende geführt ; unter 
ihr sind in das Brett Bünde aus Elfenbein ein- 
gelegt oder aufgemalt. DasTsume ist ein klei- 
ner Elfenbeinzylinder mit derart abgeschräg- 
ten Enden, daß die beiden Schnittflächen im 
rechten Winkel zueinander stehen. Die Saite 
wird nahe dem Steg im allgemeinen nach oben 
hin geschlagen, seltener umgekehrt. Mit einem 
zweiten Elfenbeinzylinder (kuda) auf dem 
linken Zeigefinger wird die Saite durch leich- 
tes Aufsetzen verkürzt. Ein besonderer Effekt 
wird durch das Hinübergleiten des Fingers von 
einer Position zur nächsten erreicht. 

löi-no-tsuzumi, Ikko, kleines Tsuzumi 
(gamroUenförmiger Typus); Flächendurch- 
messer 20 cm, Korpuslänge 35 cm, Korpus- 
durchmesser an den Enden 15 cm. 

Piggott 170. 

'Idän, q1A*c, plur. v. 'Üd. 

Idiophone Instrumente. V. Mahillon hat das 
große Verdienst, unter dem Namen Autophone 
Instrumente alle diejenigen Tonwerkzeuge zu 
einer Klasse zusammengeschlossen zu haben, 
die ihrer Natur nach khngend sind, d. h. deren 
Substanz an sich elastisch genug ist, um durch 
Schlagen, Zupfen, Reiben oder selbst Blasen 
in Schwingung versetzt zu werden, im Gegen- 
satz zu denen, deren primär sch\vingende Sub- 
stanz erst künstlich gespannt werden muß, wie 
die Membran- und die Saiteninstrumente. Die 
organologische Systematik wird mit dieser 
derart abgegrenzten Klasse immer zu rechnen 
haben, aber den Namen auf die Dauer kaum 
beibehalten können, da der Unbefangene aus 
ihm eher herauslesen würde, daß ein von selbst 
spielendes, ein automatisches Instrument ge- 
meint sei. Wir schlagen deshalb vor, dieser 
Klasse die Bezeichnung .Idiophone', also 
,ihrer Natur nach klingende' Instrumente zu 
geben. 

Vgl. Zum Schlagen: Becken, Glocke, Gong, Harmonika, 
Klapper, Klingstein, Rassel, Schlagbrett, Schlagstab, Schrap- 
instnunente, Stampftrommeln, Triangel. — Zum Zupfen: 
Huan t'u, Maultrommel, Spieldose, Zanza. — Zum Reiben: 
Friktionsinstrumente. — Zum Blasen: Aolsklavier, Ku tang. 
Piano chanteur. 

Igangaten, plur. v. aganga. 

Igedegbo s. Tsztze. 

Ignoten hießen auf alten Orgeln die Tasten 
für Doppeltöne. 

Igra kolokolöikov, Hrpa KonoKOJiLHHKOBi, 
russ. .Glockenspiel'. 

Igrovoj Ventil, HrpoBofl BSHTHnb, russ. .Spiel- 
ventil'. 

Igrumbien, s. v. a. Igurembien. 



Iguana, mejikanische Guitarre mit 5 Dop 
pelsaiten ; eigentl. ,Leguan'. 

Brüssel Nr. 875. 

Igubu s. Gubo. 

Igurembien, plur. v. Agurembi. 

Ika, Quertrompete der Bororö 
(Zentralbrasilien) in Form eines 
Pflasterstampfers: ein enger zy- 
hndrischer Ober- und ein weiter, 
ebenfalls zyündrischer Unterteil, 
aus aneinandergesetzten und durch 
Umwicklung zusammengehaltenen 
Holzrinnen. 

Berlin, Völkerk. Mus. 

Ikbakarre s. Ibgakare. 
Ikko s. Ici-no-tsuzumi. 
Ikondi, großes Kuduantilopen- 
homderNandi; pl. ikondis. 

A. C. HoUis, The Nandi, Oxford 1909. p. 277. 

I-kuan-hsia, chin. , Klarinette'. 
Ikuta-koto, jap. 1 3 saitiges Koto 
mit kostbarer Arbeit und ver- 
schiedenfarbigen Saiten. 
Maße in Inches (nach Piggott): 
Länge 75, 
Breite 9%, 
Dicke 3, 

Höhe des Oberendes 5, 
Höhe des Unterendes 2 54, 
Höhe der Stege 2, 
Abstand des oberen Stegs vom 

Ende 5 ;;, 
Abstand des unteren Stegs 

vom Ende 9 ^i« 
Saitenabstand 5/4. 
Es \vird heute fast nur in Wost- 
japan benutzt, im Osten beinahe 
ausschließlich von Damen. 

Piggott MO. 114. 121. 

Ili-cilongo s. Silongo. 

Ilmakannel, finn. .Aolsharfe'. 

Imbuchadüra, rätorom. ,Mund- 
stück'. 

Impai = Safe. 

Imperial bass, engl. , Kaiserbaß'. 

Inanga, Ikivuvu, Schalenpsal- 
terium von Urundi ; eine boot- 
förmige Schale aus dem Holze des 
ikihahe, des umuzuzo, des umu- 
vangoma oder des ikiharamanga, 
die von den Batwa geschnitzt 
wird, mit mehreren Löchern (ututoboro, 
utusatago tw'inanga) und einge- 
brannten Verzierungen (kusarura u w u - 
s a r o r e ) , und 6ine Saite aus Rindssehne 
(umurya, kuhotora imirya, imihotorwa), 
die 7 — 8 mal zwischen den Zacken der beiden 
geraden Schmalseiten hin- und hergeschlungen 




195 



INAUINÄ— INVENTIONSHORN 



b 



ist. Das Instrument wird auf die Knie gelegt 
und mit beiden Händen gespielt. Die Barundi 
singen dazu sanft, während die Batwa laut, 
mit wilden Gutturaltönen und ohne Text 
singen. Bisweilen springt einer der Anwesen- 
den (Mann oder Frau), elektrisiert von dieser 
melancholischen Musik, auf und beginnt einen 
tollen Tanz. 

J. M. M. V. d. Bürgt, Dict. frc.-kinmdi, Bois-le-Duc 1903, p. 387, 
fig. 82. — Vgl. Kinango. 

Inauinä, Brummkreisel der Karajä in Bra- 
silien. 

Krause. In den Wildnissen Brasiliens 311. 

Incastracorde, ital. , Saitenhalter'. 
Inchtrumenta, bask. .Musikinstrument'. 
Incomplete stop, engl. .Halbe Stimme'. 
Incordatura, ital. .Saitenbezug'. 
Indblaesningshul, dän. .Anblaseloch'. 
Independent feeders = Double feeders. 
Indimbagazo = Inanga ; plur. gleichlautend. 
Indureru, Holzhorn der Nandi (Brit. -Ost- 
afrika) ; plur. indurerus. 

A. C. HoUis, The Nandi, Oxf. 1909, p. 277. 

Inf, v_AJi, arab. .Sattel'. 
Inflatilia, lat. .Blasinstrumente'. 
Infrabaß = Subbaß. 

Injoi nennen die Kayapö die Adjulonä- 
Trompete; Variante figo-i. 

Krause, In den Wildn. Brasiliens 468. 

In-kyeng, korean. .Glocke'. 

Inneal-ciüil, gael. .Musikinstrument'. 

Instrumaint da fled. rätorom. .Blasinstru- 
ment'. 

Instrument, i. im allgemeinen — bis ins 
18. Jh. — ein Klavierinstrument. — 2. Im be- 
sonderen s. v. a. Klavichord. — 3. im 18. Jh. 
selten — nach Adlung — das große, viereckige 
Klavizimbel. 

Instrument ä beuche, frz. .Mundloch-. Auf- 
schnittinstrument'. 

Instrument autophone, frz. .Selbstklingendes 
Instrument'. 

Instrument ä vent, frz. .Blasinstrument'. 

Instrument bity, — perkusyjny. poln. 
.Schlaginstrument'. 

Instrument de Pamasse, Pedal-Glasharmo- 
nika des böhmischen Virtuosen Grassa in Paris 
1796. 

Instrument d^ty, poln. .Blasinstrument' ; - - 
drewniany .Holzblasinstrument', - -meta- 
lowy , Blechblasinstrument'. 

Instrument perkusyjny, poln. .Schlaginstru- 
ment'. 

Instrument pocierany, poln. .Friktionsin- 
strument'. 

Instrument rzni^ty, poln. .Saiteninstrument'. 
Instrument smyczkowy, poln. ,Streichinstru- 
ment'. 



Instniment strunowy, poln. .Saiteninstru- 
ment'. 

Instnunent szarpany, poln. .Zupfinstru- 
ment'. 

Instrumente de aire, span. , Blasinstrument'. 

Instrumente de cobre, span. .Blechblasin- 
strument'. 

Instrumente de fricgäe, port. .Streichinstru- 
ment'. 

Instrumente de latäo, port. .Blechblasin- 
strument'. 

Instrumente de söpro, port. .Blasinstru- 
ment'. 

Instrumente de viente, - neumatico, span. 
.Blasinstrument' . 

Instrumentum pennatum, lat. .bekieltes In- 
strument. Cembalo'. 

Instrumentum percussum, lat. .Schlaginstru- 
ment'. 

Instrumentum perfectum = Sambuca lincea. 

Instrumentum pulsatile, lat. , Schlaginstru- 
ment'. 

Instrumentum simicum = Spinett. 

Scaliger Poetices lib. cap. XLVIII. 

Intimbwa, Instrument der Ili. aus ein oder 
zwei Bogen über einem Gefäß ; Musikbogen ? 

E. W. Smith, Handb. of the Ili langu., Oxf. 1907. p. 319. 

Intonationsschlüssel, verbessertes, dauerhaf- 
tes Zylinder^'entil für alle Kesselmundstück- 
instrumente von Wilhelm Riedel in Graslitz 
(Böhmen) gegen 1873. 

Intonierrelle, eine verstellbare, zwischen die 
Seitenbärte mancher Holzpfeifen, z. B. 
beim Violonbaß. geschraubte Rolle, die zur Er- 
zielung einer präziseren Ansprache den Kern- 
spaltenwind unmittelbar an das Oberlabium 
leiten soll. 

Engl. ROLLER IN FRONT OF MOUTH, fr. OREILLE EN 
ROULEAU. 

Inventionshern, ein Waldhorn, d£is durch 
Einsetzen von etwa U-förmigen Stimmbögen 
verschiedener Größe (.Inventionen') in jede 
gewünschte Stimmung gebracht werden konn- 
te ; diese Bögen wurden nicht unmittelbar un- 
ter das Mundstück gesetzt, sondern ein Ab- 
schnitt des inneren Kreisbogens war aus- 
wechselbar. Dieser zuerst von J. Werner in 
Dresden gebaute Typus ist 1753 oder bald 
nachher von dem dortigen Hornisten A. J. 
Hampel angegeben worden, in der gleichen 
Zeit, in der er das Stopfen des Instruments 
zum Zwecke der Vertiefung einzelner Töne er- 
fand. Mit diesem auffälligen Zusammen- 
treffen erklärt sich die Konstruktion des In- 
ventionshorns vielleicht am zwanglosesten: 
das Aufstecken der alten Setzstücke ver- 
änderte dauernd die Entfernung zwischen 
Mund- und Schallstück, erschwerte also unter 



196 



INVENTIONSTROMPETE— JALOUSIESCHWELLER 



Umständen das Stopfen ganz erheblich ; daher 
mußte eben ein Modus gefunden werden, die 
Röhrenlänge zu vergrößern, ohne den Spieler 
zu einer Haltungsänderung zu zwingen. Ein 
weiterer Vorzug der neuen Einrichtung war 
ihre Verwendbarkeit zum Korrigieren der 
Stimmung, da der Bogen mit Leichtigkeit 
mehr oder weniger tief eingeschoben werden 
konnte. Beim heutigen Ventilhorn hat der 
Stimmbogen natürlich das Wesentliche seiner 
Bedeutung eingebüßt. 

Engl, HAND HÖRN, ndl. INVENTIEHOORN. 
VgL Comet-Trompe. 

Inventionstrompete, eine zuerst 1780 von 
Wöggel in Karlsruhe und Stein in Augsburg, 
dann besser in den 1790er Jahren von Krause 
in Berlin hergestellte Trompete mit dem 
Mechanismus des Inventionshorns. 

Inverted ribs s. Rib. 

Inzirä s. Nzirä. 

Ipopa, Maumwakodi, große Trommel der 
IIa, die von Männern paarweise gespielt wird. 

E. W. Smith, Handb. of the IIa Lang. Oxf. 1907, p. 319. 

Ippaki-ni, Tierruf der japanischen Aino aus 
einem an einer Stelle durchbohrten flachen 
Holzstück, über dem eine Haut an drei Seiten 
befestigt ist ; unter dem Druck der durch das 
Loch geblasenen Luft schwingt die Haut als 
ausschlagende Zunge. 

Irische Harfe s. Clairseach. 

Iron frame, engl. , Eisenrahmen'. 

I-sä, teke (Mittelkongo) .Klapper'; plur. 
bi - sä. 

Isambu, Hörn der Baziba (Viktoria-See) mit 
seitlichem Mundloch, entweder aus einem 



schlanken Kürbis oder aus einem Kuh- und 
einem Antilopenhorn, die durch einen Fell- 
verband zusammengehalten werden. 

H. Rehse, Kiziba, Stuttgart 1910, p. 68, 71. 

I-sanzi, teke (Mittel- Kongo) Musikinstru- 
ment; plur. bi-sanzi. 

Iso viulu, finn. , Bratsche'. 
Istrumento s. Strumento. 
Iskarti, nub. Tamburin. 

Villoteau 531. 

Italienische Mensur, die seit dem 16. Jh. 
nachweisbare Führung der Klavichordsaiten 
über drei getrennte Stege statt über eine ein- 
zige Stegleiste. 

Italienische Quinte stand als dreifüßige 
Gedacktstimme in J. G. Finke's Stadtkirchen- 
orgel zu Gera. 

I-tete, teke , Schelle'; plur. bi-tete. 

lua, große Bambus-Querflöte der Siusi (N. 
W. Brasilien), deren fünf Internodien als ge- 
dackte, grifllochlose Querpfeifen von fünf 
Mann zugleich geblasen werden. 

Koch-Grünberg. 

lyelo s. Yelo. 

lynx, "17!, = Syrinx monokalamos ; eigentl. 
, Drehhals', eine Spechtart, v. iiiCco, ,schreien'. 

Et)*!!!. Mag. s. V. 'Ix*'/^- — Bekkcr, Anecdota graeca I 265. 

Izambilo, bei den Zulu gebräuchlicher Name 
der Marimba. 

Izkilla, Izkila, bask. .Glocke'. 

Izlaz glasa, serbokroat. .Tonausgang', 
.Schalloch'. 

Izmjer, serbokroat. ,Orgelmensur'. 

Izrez, serbokroat. ,Rose'. 



J 



Transskribierte Namen sind auch unter G und Y zu suchen. 



Jachin s. Ya k'in. 

Jachthoorn, ndl. .Jagdhorn'. 

Jack, engl. , Docke, Auslöser'. 

Jackdaw, ein veralteter Flaschenhals- 
Brummtopf mit Fadenfriktion, von Lincoln- 
shire (England). 

Balfour Friction Dr. 71. 

Jagdhorn, meist ein post- oder waldhorn- 
ähnliches, seit dem 18. Jh. mehrfach gewun- 
denes Instrument mit durchaus konischem 
Verlauf und Kornettmundstück, in der Regel 
in Es. 

Engl. HUNTER'S HÖRN, ndl. JACHTHOORN, dän. JAGT- 
HORN, schw. JAKTHORN, gael. ADHARCFIAGHACH, fr. 



COR DE CHASSE, it. CORNO DA CACCIA, sp. CORNETA 
DE CAZADOR, port. TROMPA DE CAQA, niss. OCHOTNI- 
CVJ RÜG, i. KßlDLITY ROH, serbokr. LOVACKI ROG, 
lett. JAKTS TAURE, estn. KOERA-PAZUN , ung. VA- 
DASZKCRT, finn. JAHTITORVI. — Vgl. Plesshom. 

Jahtitorvi, finn. .Jagdhorn'. 

Jakthorn, schwed. ,Jagdhorn'; lett. jakts 
taure. 

Jakumo-koto s. Yakumo-koto. 

Jalgha, altes kalmückisches Saiteninstru- 
ment. 

Jalousieschweller, eine vom Cembalo über- 
nommene Crescendovorrichtung für die ganze 
Orgel ; das Werk ist vollständig durch Wände 



197 



JAMATO— JOMBARDE 



und Decke verschlossen, während hinter dem 
Prospekt eine mit diesen fest verbundene 
Jalousie nach Wunsch geöffnet oder ge- 
schlossen werden kann. 

Engl. VENETIAN SWELL, ndl. JALOUSIEZWELLER, 
fr. CHAMBRE EXPRESSIVE. 

Jamato s. Yamato. 

Jamisen s. Gamisen. 

Jang k'in s. Yang k'in. 

Janitscharspil, dän. .Schellenbaum'. 

Janköklaviatur, eine Fortentwicklung der 
Chromatischen Klaviatur. Sie besteht aus 
sechs terrassenartig übereinanderhegenden 
Tastenreihen, von denen die vier oberen nur 
die zweimalige Wiederholung der beiden un- 
teren, zusammen eine chromatische Skala 
bildenden sind ; d. h. jede der schmalen, abge- 
rundeten Tasten hat drei Angriffspunkte, so 
daß bei zugleich verringerter Spannweite eine 
Fülle neuer Greifmöglichkeiten gegeben ist. 
Der Erfinder ist Paul von Jankö (1882) und 
der erste Erbauer R. W. Kurka in Wien. Die 
anfangs schwere Spielbarkeit der beiden 
oberen Tastenreihen ist 1887 von A. H. 
Francke und von Jul. Blüthner in Leipzig er- 
leichtert worden. 

P. V. Jankö, Eine neue Claviatur. Wien 1886. — WeiDhappel, 
F.. Die Vorteile der Jankö -Claviatur und ihre unberechtigte 
Gegnerschaft. Wien 1896. — Boyes, F. B., Das Jankö-Klavier 
in seiner vollkommenen Ausführung. Wien u. Leipzig 1904. 

Jarana, ein kleines viersaitiges Zupfinstru- 
ment der mejikanischen Indianer. 

Cacilia VII 206 (Sartorius). 

Jare, serbokroat. , Lockpfeife, Sackpfeife'. 

Järnram, schwed. , Eisenrahmen'. 

Javeva = Ajabeba. 

Jaw's harp s. Jew's harp. 

Jazyk, HSbiKT., russ. .Glockenklöppel'. 

Jazycek, HSuqeKi, russ. .Zunge. Rohrblatt'. 

Jazyckovaja truba, H3W4K0BaH rpyöa, russ. 
.Zungenpfeife'. 

Jednostavni bra£ = Sitna bugarija. 

Jednostrun, serbokroat. .Einsaiter, Mono- 
chord'. 

Jednostrunat, serbokroat. .einsaitig'. 

Jejilava s. ZciSilava. 

Jelzökürt, ung. .Signalhorn'. 

Jelzösip, ung. .Signalpfeife'. 

Jelzötrombita, ung. .Signaltrompete'. 

Jergan, serbokroat. .Orgel', v. öpj-nvor. 

Jericho-Posaune, eine gegen 1873 v. Ignaz 
Stowasscr in Wien erfundene Posaune mit 
außerordentlich starkem Ton, die aber für den 
Bläser unbequem war. 

Jern-violin, schwed. ,Nagelgeige'. 

Jisik, slov. (Kärnten, Krain) ,Glocken- 
schwengcl' (selten). 

Jester's flute, engl. .Narrenflöte'. 

Jeu, frz. .Orgelstimme'. 



Jeu ä beuche, frz. .Labialstimme'. 

Jeu ä reprise, frz. , Repetierende Stimme'. 

Jeu complet, frz. .Ganze Stimme'. 

Jeu compose, frz. .Gemischte Stimme'. 

Jeu coupe, frz. .Geteilte Stimme'. 

Jeu d'anche, frz. , Zungenstimme'. 

Jeu d'ange, frz. .Vox angehca'. 

Jeu de bufles s. Clavecin ä peau de büffle. 

Jeu de combinaison, frz. , Kombinations- 
Jeu de flütes, frz. .Flötenwerk'. [register'. 

Jeu de fond, frz. ,Grundstimme'. 

Jeu de mutation, frz. , Nebenstimme'. 

Jeu de pistons, frz. .Maschine'. 

Jeu de timbres, frz. ,Glockenspier. 

Jeu d'oiseau, frz. .Nachtigallenzug'. 

Jeu du cercle de bois s. Hoepelspel. 

Jeu en chamade, eine Trompetenstimme, 
deren Schallbecher horizontal aus dem Pro- 
spekt herausragen. Das klassische Land dieser 
Anordnung ist Spanien. 

Jeu grand s. Grand jeu. 

Jeu harmonique heißen überblasende Orgel- 
stimmen ; vgl. Harmonieflöte. 

Jeu incomplet, frz. .Halbe Stimme'. 

Jeu transformatif s. Dublettensystem. 

Jew's harp, Jew's trump, engl. .Maul- 
trommel'. eigentlich Jaw's harp., Maulharfe'. 

Jezicac, jesHqau, serbokroat. .Glocken- 
schwengel. Zunge'. 

Jezicna ciev, serbokroat. .Zungenpfeife'. 

J^zyk, poln. .Zunge'. 

J^zykowy piszczel, poln. , Zungenpfeife'. 

Jh . . . in indischen Namen s. u. Gh. 

Jhalo, Trommel von C«ram aus Ingua-Holz 
mit Hirschhaut. 

Paris Nr. 1307. 

Jho, cech. .Griffbrett'. 

Jillas.Ghiüi. 

Jinagovi = Tümert. 

Jingle, engl. .Schelle'. 

Jingling Johnny, engl. Spitzname des 
Schellenbaumes. 

Jobel, '??v, früher auf jubal, ein angeblich 
arabisches Wort für Widder, und auf das sog. 
Jubeljahr bezogen, bedeutet wohl nur eine ge- 
wisse Art des Blasens, eine Fanfare. 

Weiß Qoff. 

Jogo, port. ,Spier. 

Jointed pallet, ein von Holt in Bradford er- 
fundenes Spielventil der gewöhnlichen Form 
mit frei beweghchem Kopf, der vom Ventil- 
draht erst um etwa i '2 mm heruntergezogen 
werden muß, bis der Hauptteil mitgeht. 

Hopkins 33. 

Joko s. San-no-tsuzumi. 

Jombarde, frz. Tamburinpfeife ohne Griff- 
löcher. 

Laborde 1 i68. 



198 



JONGAR— KÄ CA- VI NÄ 



Jongar s. Yongar. 

Jofaghäi s. Yofaghäi. 

Jotsudake s. Yotsudake. 

Jousi, finn. .Bogen'. 

Jöz sysedan synjan, syrjän. .Sturmglocke'. 

Wiedcmaim, Syrjänisches Wb. 456. 

Jubal, Thubal = Oktave. 

Jubalflöte, eine doppeltlabierte kräftige 
Flötenstimme, meist zu 8', seltener zu 4' und 
2', offen, hell klingend, sehr ähnlich der eben- 
falls doppeltlabierten Doppelflöte. Ebenso 
wie diese, belebt auch die Jubalflöte eine 
schöne Streichstimme. Benannt ist sie nach 
dem alttestamentlichen Jubal (i. Mos. 4). 

Frankfurt.St. Paul (Walker 1833), i.Man.zuS'. — Locher 71. 

Jubelhorn s. v. a. Klappenhorn, angeblich, 
weil es seiner hohen Tonlage wegen jubiliert. 

Judenharfe = Maultrommel; v. engl, jew's 
harp. 

Juego de fondo, span. .Grundstimme'. 

Jula, Jule, veraltete Quintstimme zu sVa't 
mit spitz zulaufenden Pfeifen, ,die Quint von 
dem groben Principal'. 

Bernau (Scherer 1576). — Stendal, U. I.Frauen (Scberer 1580). 



Jungar = Yongar. 

Jungfernregal, Geigenregal, ein veralte- 
tes, kleines, offenes Schnarrwerk zu 4', im 
Manual und Pedal, ,mit einem kleinen gerin- 
gen Corpore, etwa ein, oder aufs meiste zweene 
Zoll hoch; wird aber darumb also geheißen, 
weil es, wenns zu andern Stimmen und Flöt- 
werken im Pedal gebraucht wird, gleich einer 
Jungfrauenstimme, die einen Baß singen woll- 
te, gehöret wird. Es wird auch solch klein 
Regal auf 4 Fuß Ton von etlichen Geigen- oder 
Giegend Regal genennet ; und solches darumb, 
daß es, wenn die Quintadehna auf 8 Fuß Ton 
darzu gezogen, ethcher maßen (sonderüch 
wenns in der rechten Hand zum Discant allein 
gebraucht wird) einer Geigen gar ähnlich 
klinget.' 

Praetorius 172 (145). — Rostock (Glovatz I59j), Brustwerk.— 
Lübeck, St. Peter (Burekart), Brustwerk. — Stralsund (MaaS 
1543), Brustwerk. 

Junk s. Gunk. 

Jurgeta, serbokroat. .Kürbistrompete'. 

Jurupari = Paxiuba. 

Juta = Jula. 

Jyehng s. Rg>'a-güng. 



K 



Ka, alter Name des Hsiang-ti. 

Kraus 54, 

Kaba, einfellige Trommel von Neu-Guinea 
mit schwach eingezogenem oder ausgebauch- 
tem zylindrischem Holzkorpus. 

New- York Nr. 773 (Länge s8'/j cm), 1833 (L^ge 80«/, cm). 

Abbildung bei Arpa. 

Kabaro, abess. .große Trommel', von der 
Form des Tabil turk! und des nub. Sultane 
durgi. Die Galla nennen Kabaro die Nagärit, 
wenn sie sie zum Tanze spielen ; auch die 'Afar 
nennen ihre Pauke Kabaro. 

Villoteau 543. — Paulitschke, Ethnographie Nordostafrikas I 
148. — Massaja, I miei 35 anni di missione VI 121. 

Kablqczek, poln. , Zunge' (Maultrommel). 

Kabösi, Lauteninstrument der Maronene auf 
Buton (S. O. Celebes), mit 6iner Messingsaite; 
offenbarer etymologischer Zusammenhang mit 
gabbus. 

Elbert, Die Sunda-Exp., Frkf. a. M. 1911, I 268. 

Kabus'u (suaheli) == Gabbus; seine Darm- 
saiten tari. 

Kächapi s. Käähapi. 
Kachatouän s. Kaßatuän. 



Kacha-vinä s. Ka£a-vinä. 

Kachhapi-vipä s. KaChapi-vioä. 

Ka4(e), jenissei-samoj. (Baicha- und Ka- 
rassin-Dialekt) .Violine'. 

Castro, Wörterverz. aus den samojedisdieo Spr. 113. 

Kä:£abpi, siam. große Guitarre mit 3 Saiten, 
12 Bünden, einem kreisförmigen Korpus ; Plek- 
trum aus Kupfer oder Hörn. Kambog;. Capey. 

Berlin Völkerk. Mus.; New- York Nr. 1527. 

Käcapi, malay. s. v. a. Tarawangsa. 

Oawfurd 335. 

Käca-vioä, qi|t< SKTFI» c'°6 neuere VUiä 
vom Sitär-Typus mit einer halben Kalebasse 
als Schallkörper, einem langen Hals und 6 
Drahtsaiten in 



^ 



1 1 Resonanzsaiten laufen unter dem gläsernen 
Griffbrett und gehen zu einem zweiten, mit 
einer Membran gedeckten Schallkasten, der in 
den ersten gesetzt ist. 
Brüssel Nr. 85; Paris Nr. 831. 



199 



KACHAPi-VINÄ— KAKKÖ 



Kaihapi-vinä, Kacuya-sitär, skr. beng. 
.Schildkröten-Vloä', das verbreitetste, klas- 
sische Zupfinstrument der Inder, mit flachem, 
schildkrötenförmigem Schallkörper, i6bün- 
digem Hals und 5 Metallsaiten, zu denen bis- 
weilen noch zwei Bordunc kommen, in 




Stahlpiektrum (Mizräb). 

Vgl. Sur-vähära. 

Kaihvä, cJi^clf, eine schwer spielbare 
und daher wenig verbreitete Abart des Sitär 
mit 2 Spielsaiten in Terzabstand und 2 höheren 
Bordunsaiten. 

French Nr. 23. 

Kadelas, läpp. .Psalterium'. 

Vgl Kanala, Kankh'S, Kännel, Kanlele, Kohklls. 

Kadhib [Kiesewetter 92I s. Qasab. 
Kaduar, Holztrommel der Humboldtbai. 
Kä:dung, siam. .Glöckchen'. 
Kaekeeke = Pahu. 

Ka fang muri, ein rohes Sänäi der Khassiya 
(Ostbengalen). 

Berlin Völkerk. Mus. Nr. I C 8533. 

Kafo, plur. kafoni, ein kleines Hörn der 
Haussa, auch an den Höfen der Fulbe (ka- 
foru, pl. kafodji) gebräuchlich. 

Barth, Reisen und Entdeckungen . . . Afrika II 53. 

Kagami dora, jap. ,Spiegelgong', kreisrund, 
23 cm Dm. 

New- York Nr. 2008, 2009. 

Kagura - daiko, ein Taiko, dessen Holz- 
zylinder 41 cm Höhe hat. Kagura heißt die 
alte Tempelmusik. 

Mailand Nr. 31. 

Kagura-fuye, jap. klassische Querflöte mit 
6 Grifflöchern, etwa 40 — 55 cm lang; sie dient 
besonders zur Ausführung der alten religiösen 
Musiken. 

Kagura-sudsu, jap. Schellenstock aus einem 
hölzernen, lackierten Handgriff, an dessen 
einem Ende ein oder zwei Drahtreifen mit 
einer Anzahl kugliger Schellen befestigt sind. 
Länge 30 V» cm. 

Markneukirchen Nr. 419; New- York Nr. 94, 1480. 

Kagirei, jap. Rasselinstrument aus drei 
hohlen Mctallringen, die auf einen gebogenen, 
an einem Handgriff befestigten Draht auf- 
gereiht sind. 

New- York Nr. 78. 

Kaha, eine schlanke Kupfertrompete von 
Nepal. 

Berlin Völkerk. Mus. Nr. I C 21053. 

Kahalay = RaDa-9ringa. 

Kai-ak-ko, korean. ,Art kleiner Geige, Gui- 

tarre' (!). 



Kaida s. Ghaida. 

Kaiko, ein veraltetes, breiteres aber kürzeres 
Kakko. Es wurde bei F*rozessionen auf der 
hnken Schulter getragen und mit den Fingern 
der rechten Hand gespielt. 

Piggott 168. — Vgl Uta-daiko. 

Kaikupohja, finn. , Bauch". 
Kai nen s. Cäi nen. 

Kairäta-vinä, ein Bin mit nur einer Kale- 
basse, 6 Stegbünden und 3 oder 4 Drahtsaiten 




Yantra-kosha 34. — Brüssel Nr. 90; Paris Nr. 823. 

Kaiserbaryton, ein wcitniensuriertes, voll- 
kommen konisch gebautes Barytonhorn von 
V. F. Cerveny in Königgrätz (1882). in ellip- 
tischer oder Tubaform und B- oder C-Stim- 
mung, mit 4 Zylinder- oder Walzenventilen, 
deren Ergänzungsröhren verschiedenen, der 
Hauptröhre entsprechenden Durchmesser ha- 
ben, wie sie übrigens schon früher, z. B. 1872 
von Dupont (frz. Patent Nr. 95572) konstruiert 
worden sind. Der Ton ist weicher und voller 
als der des gewöhnlichen Bar}i;ons. 



Umfang: 



^^ 



Engl. IMPERIAL EUPHONIUM, schw. KEJSARBARYTON, 
fr. BARVTON IMPERIAL, russ. CARSKIJ BARITON, 6. 
CISAfiSKY BARYTON, ung. KIRÄLYBARITON. 

Kaiserbaß, ein Bombardon von Cerveny 
(1883) nach dem System des Kaiserbarytons, 
in F, Es, C oder B. in Tuba- oder Helikonform, 
mit 3 oder 4 Zylinder-, Walzen- oder Pump- 
ventilen. Für Amerika werden besonders 
weite Schallbccher — bis zu 72 cm — geliefert. 

Engl. IMPERIAL BASS, schw. KEJSARBAS, (r. BASSE IM- 
PERIALE, russ. CARSKAJA TUBA, i. CISASSKY BAS, 
ung. KIRÄLYTÜBA, 

Kaisertenor, ein Tenorhorn von Cerv'eny 
nach dem System des Kaiserbarj'tons (1885), 
in B und C, elliptisch, mit 4 Zylinder- oder 
Walzcnmaschinen. 

Engl. IMPERIAL TENOR, schw. KEJSARTENOR. fr. TENOR 
IMPERIAL, russ. CARSKIJ TENOR, e. CISAl'iSKY TENOR. 

Kaisertuba = Kaiserbaß. 
K'ai ti = Ki na (Peking). 
Kajirei s. Kagirei. 

Kakaki, lange, gerade Blechtrompete der 
Haussa, das Abzeichen der Herrscherwürde. 

Robinson, Dict. of the Hausa Lang., Cambr. 1899/1900. I 105. 
— E. R. Ilegel, Lose Blätter a. d. Tagcb. m. Haussa-Freunde, 
Hambg. 1885, p. 25. 

Kakkö, jap. kleine Trommel des Bugaku- 
Orchesters, turkistanischcn Ursprungs, mit 
zylindrischem Schaft und überstehenden 
Schlagflächcn ; zwei Schlägel mit Knöpfen. 

Kraus Bc. — Piggott 164. — Vgl. Daibyosi, Kalko. 



200 



KAKOSI— KAMMERREGISTER 



Kakosi, Geige der Masongo in Angola, aus 
einem ausgehöhlten Holzkorpus mit oder ohne 
Decke, geradem Hals mit Wirbelkasten, 
3 schlanken seitenständigen Wirbeln und 
3 Saiten, die zu einem quer über das Korpus 
gebundenen Saitenhalter führen. 

Washington Nat. Mus.; Repr. New- York Nr. 3319, 33SO- 

Kaku-goto, ein uraltes Koto, das heute nicht 
mehr in Gebrauch ist, mit 25 Saiten, die über 
zwei feste Stege laufen. Es wurde mit einem 
Hartholz-Tsume gespielt. Länge 61, Breite 47, 
Stegabstand 42 cm. Kraus' Exemplar trägt 
an den Seiten auf goldenem Grund Holz- 
schnitzereien, die mehrere Instrumentalisten 
darstellen. 

Kraus 67. — Piggott 119. — New- York Nr. 1554 unter dem 
Namen Nijugo-gen. 

Kalah, Holztrommel der siamesischen Ma- 
layen. aus einem beiderseits geschlossenen 
Bambusglicd, in dessen eine Wand eine schmale 
Öffnung ge'schnitten ist; zwei Schlägel. Das 
gleiche Instrument kommt in allen malayi- 
schen Ländern und auf vielen Inseln des süd- 
lichen Stillen Ozeans vor. 

Oxford, Pitt Rivers Mus. — Ballour, Report 3. 

Kalama, beng. Schalmei aus einem häufig 
am Unterende abgeschrägten Rohr mit 7 
Grifflöchern auf der Vorderseite und mit Dop- 
pelrohrblatt. Etymologie: arab.kalam, ,Rohr'. 

Brüssel Nr. 44; Paris Nr. 906. 

Kalamaulos, xaXa/iavXof, griech. , Rohrblatt- 
instrument'. 

Kälangu, eine kleine, zweifcllige, unter dem 
linken Arm gehaltene Sanduhrtrommel der 
Haussa; bei den Fulbe kalangual, plur. 
kalangudje. Kalango als Name des New- 
Yorker Saiteninstruments Nr. 2035 ist sicher 
falsch. 

Barth, Africa II 53; Mischlich, Wb. der Hausasprache, Ber- 
lin 1906, p. 230; Westermann, Handb. der Ful-Sprache, Berlin 
1909, p. 63. 

Kä:la so, siam. ,Mandoline'. 

Cuaz 573. 

Kaldi = Kleddi. 

Kaiin s. Qänon. 

Kalinguang = Darubiri. 

Kalirangwe, Kalebassen-Musikbogen der 
Nyandja (westl. und südl. des Nyassa) mit 
Finger- oder Halmstockspielart. 

Johnston, Brit. Central Africa p. 467. 

Kalistin, finn. , Becken, Klapper'. 

Kalkantenglocke = Balgglocke. 

Kalkantenklavis s. Balgklavis. 

Kalkantenklingel, Kaikantenregister, s. 
Balgglocke. 

Kalkkare, finn. , Klapper'. 

Kallistorganon, ein Tasten-Zungenspiel von 
Silvestre (1828). 

Pont^coulant 11 152. 



Kalophon, eine um 1900 entstandene Boehm- 
flöte mit einigen mechanischen Eigenheiten 
von W. Heckel in Biebrich. 

Kalove, zweisaitiger Musikbogen der Flo- 
rida-Inseln. 

Balfour, Natural Hist. 768. — New-York 781. 

Kalumbu, Musikbogen der IIa mit Reso- 
nanzkalebasse; plur. tulumbu. 

E.W. Smith, Handb. of the IIa Lang.. OxI. 1907. p- 319- 

Kam, ndl. ,Steg, Sattel'. 
K'am (Kanton-Dial.) = K'in. 
Kamanca, grus. s. v. a. Kemänge. 
Kamban, asl. .Glocke'. 
Kämbo, kafa .Trommel'. 

Reinisch, Die Kafa-Sprache, Wien 1888, 11 133. 

Kambre, n. w. afr. (Senegal-Niger), Lauten- 
instrument; der Resonanzkörper ist ein aus- 
gehöhltes Stück Holz vom Baume bileke; als 
Decke dient eine Rinderstimhaut. 3 — 4 
Pferdehaarsaiten sind oben mit Lederriemen 
am Hals und unten an einem auf dem Stiel- 
ende sitzenden durchlöcherten Holzhaltcr be- 
festigt; das Piektrum kolonde ist meist ein 
Tierzahn. Der Hals geht in eine Lanzeneisen- 
Platte aus, deren durchlöcherte Ränder klin- 
gende Ringe tragen. Dieser Hals geht unter 
der Membran durch und unterstützt sie 
größtenteils. Das Kambre ist das Lieblings- 
instrument der sogen. Griots, Berufsmusikem 
unter den Wolof und Mandingo, die den 
Häuptlingen gegen Geld ihren Ruhm singen. 
Sarakole gambare. Der Name klingt an 
gnbri an. 

Vgl. Pomsa, 

Kamemcia s. Kemänge. 

Kamerorgel, ndl. .Hausorgel, Positiv'. 

Kamerton, KaMepTOHi, russ., poln. , Stimm- 
gabel'. 

Ka mieng, Holzmaultrommel der Khassiya 
(Ostbengalen), mit Handgriff. 

Berlin Völkerk. Mus. Nr. C 1 16111. 

Kamiu s. Kemiu. 

Kämme, die Holzleisten, in denen die Ab- 
strakten laufen. 

Kaunmer s. v. a. Kanzelle. 

Kammerflöte, eine im Kammerton — im 
Gegensatz zum Chorton der übrigen Orgel — 
stehende Labialstimme. 

Kammergedackt, Barem, eine Gedackt- 
stimme im Kammerton, die zur Begleitung 
von Kammermusikstücken diente. 

Kammerkoppel, veraltetes Manubrium zur 
Transposition einer Orgelklaviatur oder der 
ganzen Orgel in den Kammerton. 

Kammerregister, Kammerstimmen, hies- 
sen früher einige zum Akkompagnement be- 
stimmte ,i m Kammerton stehende Orgelregister. 

Vgl. Kammerflote, Kammergedackt. 



201 



KAMPAN— KANTO-URUT 



Kampan, asl. , Glocke'. 
Kampi, finn. .Schwengel'. 
Kampiang s. Gendang mara. 
Kampul s. Kempul. 

Kamuti, Messingblech-Maultrommel der 
Manegre am oberen Amur. 

Andre«, R., Das Amur-Gebiet, Lpz. 1867, p. 173. 

Kan s. Hu k'in. 

Kan, nuer .Trompete'; plur. kekaä. 

Westennann. 

K'an (Kanton-Dial.) = K'in. 

Kanal powietrzny, poln. .Windkanal'. 

Kanala, liv. ,Psalterium', wohl aus mhd. 
cannale. 

Kanäle s. Windkanäle. 

Kanalschnauze, das dem Balg zugewendete 
Ende des Kanals. 

Kanalventil s. Kontraventil. 

Kananir s. Kinnäre. 

Kancella, KaHqenjia, russ. .Kanzelle'. 

Kand s. Qand. 

Kanda s. Qanda. 

Kandang == Gendang. 

Kan-dung s. Kang-dung. 

Kane, jap. .Glocke'. 

Kaneli, Metallmundstück der Karamuza. 

Kang-dung, tibet. .Knochentrompete' zu 
religiösen Zwecken. Das Instrument ist ent- 
weder ganz aus einem Menschen-(Lama-) 
knochen und dann gelegentlich mit Haut be- 
näht und einer etwa 50 cm langen Schmitze 
behangen, oder nur in der Mitte aus Knochen 
mit kupfernem Schall- und Mundstück. 

Washington, Nat.-Mus. Nr. 130386, New- York Nr. 1445. — 
W. W. Rockhill, Notes on the Ethnol. of Tibet, Smithsooian 
Report, U. S. Nat. Mus. 1893, p. 745. — H. A. Jäschke, Hwb. 
d. tibetischen Spr., Goadau 1871, 

Kangkanong, ein kleines, ca. 20 cm breites 
Garantong ; Je 3 oder 4 in einem wagerechten 
Rahmen gehören zu einem Gamelan. 

Kang-ling-bu, tibet. Pfeife aus einem 
menschlichen Oberschenkelknochen, heute 
häufig aus Metall hergestellt. Eine tibetische 
Adlerknochenflöte mit 7 Grifflöchern auf der 
Vorderseite besitzt das Nationalmuseum in 
Washington (Nr. 167 166). 

Kang t'u, Ta wang. chin. konisches 
Messing- oder Bronzehorn mit 6inem Auszug. 
Namen unsicher. 

Moule 101. 

Kang t'ung, die dem tibet. kang-dung ent- 
sprechende chinesische Form, wird in den 
Katalogen meist als Bezeichnung der Lama- 
trompete schlechthin verwendet. Ob im Lande 
selbst diese Bedeutungserweiterung vorge- 
nommen worden ist, etwa so, wie in Rom tibia 
schließlich jedes Pfeifeninstrument genannt 
wurde und in Tibet selbst das Kang-ling-bu 



heute auch aus Metall hergestellt wird, habe 
ich nicht feststellen können ; jedenfalls möchte 
ich darauf hinweisen, daß die Übersetzung von 
kang t'ung , Knochentrompete' ist. Nach 
Moule 103 handelt es sich um ein gekrümmtes 
Kupferhom mit Messingschmuck, das einen 
Drachen mit offenem Maul nachahmt. 

Kani, Rahmenpsalterium der Kru von Li- 
beria aus einem dreieckigen Holzrahmen mit 
7 querüber gespannten Pflanzenfasersaiten 
(nyani) und einer angehängten Resonanz- 
kalebasse (tap>e). 

Kanis (Tagore 17) ist wohl s. v. a. Kärtsl. 

Kanjapi ^ Kasapi. 

Kankalelis, lit. .Glöckchen' ; über kalkalas 
aus skr. karkari oder kifikini. 

Kaüklfes, lit. Psalterium vom Typus der 
Kantele. Die Maße der großen, darmsaitigen 
sind 85 X 35 cm. der kleineren, drahtsaitigen 
etwa zwei Drittel davon. Das Instrument 
kann auch umgehangen werden. Zur Etymo- 
logie vgl. grus. kankula. 

Königsberg, Prussiamuseiun; Tilsit, Litauisches Museum. — 
Globus 1898, LXXIII 116 (F. Tetzner). 

Kankobele, Zanza der IIa mit Resonanz- 
kalebasse ; plur. tunkobele. 

E. W. Smith, Handb. of the IIa Lang., Oif. 1907, p. 319. 

Kankula, grus. Schlagbrett. 

Kannäre s. Kinnäre. 

Kännel, finn., estn. Psalterium vom Typus 
der Kantele. Vgl. liv. kanala. 

Kanon, xarwr, griech. Name des Mono- 
chords. 

Kanoon s. Qänün. 

Kanorphika s. Xänorphika. 

Känsara, beng. Gong, ein größeres KäAst 
von 24 cm Dm. 

Brüssel Nr. 6; Paris Nr. 975. 

Känsi, ^1^, hindi hindost. beng. Gong 
mit umgestülptem Rand, gemeinsam mit der 
Dhola gebraucht. Dm. 15 — 17 cm^ 

Paris Nr. 973: Briissel Nr. 5. 

Kansya = Kärtsara. 

Kantachord == Psalmodikon. 

Kantele, das schon im Kalevala genannte 
Nationalinstrument Finnlands, ein Psalterium 
in Form eines geradseitigen Vogelflügels. Der 
unter der Decke stark zurücktretende flache 
Schallkasten war ursprünglich wie der des 
Langleik offen, später geschlossen; der Bezug 
bestand anfangs aus 5 Roßhaarsaiten in 
g', a', b', c", d", in jüngerer Zeit dagegen aus 
bis zu 30 Drahtsaiten. Das Spiel geschieht mit 
bloßen Fingern. Etymologie wohl grus. kan- 
kula, lit. kaflkles. 

Kantern = Pagang. 

Kanto-urut, finn. .Drehorgel'. 



202 



K'ANTR KA-FERA— aKARIENDA 



K'antr ka-fera, plur. tr'antr tra-fera, 
temne .Trommelschlegel'. 

C. F. Schlenker, Engl.-Temne Dict., Lond. 880, p. 115. 

Kanün s. Qänün. 

Kanuna, Svaramandala, die indische 
Form des Qänün mit gewöhnlich 22Drahtsaiten. 

Vgl. Khudra-k4ty4yana-vin4. 

Kanzellen, von lat. canceUi, .Gitter', die 
Abteilungen der Orgel- Windlade, die den 
Wind den einzelnen Pfeifen zuführen. 

Lat. CANCELLAE, engl. GROOVES. ndl. CANCELLEN, dän. 
CANCELLER, schw. KANSELLER, fr. GRAVURES, it. SCA- 
RICATORI. russ. CANCELLY, serbokr. RE.^ETKE. — Vgl. 
Registerkanzellen, SpielkanzeUen. 

Kanzellenhebellade, eine neuere Windlade 
von Sonreck in Köln, abgeb. bei Wangemann, 
Die Orgel, Lpz. 1887, Fig. 12. 

Kanzellenlade nennt man eine Windlade, 
die für jede Stimme oder für die jeder Taste 
entsprechenden Pfeifen besondere Windfüh- 
rungen — Kanzellen — hat, zum Unterschied 
von der Kastenlade, die einen ungeteilten 
Windraum bildet. 

Kanzellenschiede, die die Kanzellen tren- 
nenden Holzwände. 

Egl. SOUND-BOARD-BARS, (r. BARRES. 

Kanzellenspund, der obere Verschluß der 
Kanzelle, in den die Öffnung für den Pfeifen- 
fuß gebohrt ist. Früher vertrat oft ein Funda- 
mentbrett seine Stelle. 

Kanzellenventil, der Verschluß der unteren 
Kanzellenöffnung; s. v. a. Spielventil. 

Kcinzellenwände = Kanzellenschiede. 

Kao-kao, jav. Trommel chinesischen Ur- 
sprungs mit zwei bemalten Fellen, die mit Klöp- 
peln geschlagen werden. Dm. 28, Höhe 12 cm. 

Brüssel Nr. 829^ 

Kao-tari, altes dreisaitiges Guitarreninstru- 
ment der Insel Liukiu (Japan) mit Hals, Griff- 
brett, kreisrundem Korpus und Schlangen- 
hautdecke. 

Kraus 73- — Piggott 145. 

K'api, tibet. Maultrommel aus Bambus; 
auch das zugehörige Futteral aus Bambus. 
Das Instrument wird nicht von Tibetern, son- 
dern von fremden in Südosttibet wohnenden 
Völkern verfertigt, ist aber in ganz Osttibet 
sehr beliebt; fast jede Frau trägt ihre Maul- 
trommeln am Gürtel. Man unterscheidet 
solche im männlichen Ton, p'o kä, im mitt- 
leren Ton, diö kä, und die ganz hohen im 
weiblichen Ton mo kä. Alle drei werden 
gleichzeitig benutzt, zwischen Daumen und 
Zeigefinger der linken Hand in der angegebe- 
nen Reihenfolge gehalten und mit allen Fin- 
gern der Rechten geschlagen. 

Washington. Nat. Mus. Nr. i67i68e, 168168c. — W.W. Rock- 
hill, Notes on the Ethnology of Tibet, Smithsonian Reports, 
U. S. Nat. Mus. 1893, p. 715. 



Kapica, Aufsatzstück des serbokroat. Sopelo. 

Kappe, in der Orgel s. v. a. Deckel, am Blase- 
balg s. v. a. Zwickel. — Ferner heißt Kappe 
ein außen auf den unteren Bügel der großen 
Blechblasinstrumente gelötetes Metallstück, 
das diesen empfindlichsten, häufig mit der 
Erde in Berührung kommenden Teil der Schall- 
röhre gegen Verbeulung schützen soll. 

Engl. GUARD, fr. TALON. 

Kapsin, ostjak.-samoj. ,Trommelstock'. 

Castren 115. 

Kära, sudan. Tanbür mit 2 Darmsaiten und 
Wirbeln. 

Brüssel Nr. 40t. 

Käfä, beng. Trommel mit kegelstumpf- 
förmigem Tongehäuse und zwei mit Riemen 
gespannten Membranen; man hängt sie um 
den Hals und spielt sie mit einem Schlägel. 
Früher Kriegsinstrument. Länge 29 cm. 

Brüssel Nr. 35. 

Kärabe.Karablje, Kapaöe, KapaÖJte, serbo- 
kroat. ,Spielpfeife' (Dudelsack), ,Schalmei'. 

Karäbib, sudan. marokk. paarweise ge- 
brauchte Negerkastagnetten aus je zwei durch 
ein Band vereinigten, muschelbehängten Me- 
tallplatten. 

Karabil, J-o J plur. v. Kirbäl. 

Karabozän, alban. .Trompete'. 

Karadisamela, eine südindische Tempel- 
Nägara mit größerem, konischem, unten abge- 
stumpftem Kessel. 

Pay 139. 

Karaköru, Bootssignalhorn der Bare (N.W. 
BrasiUen) ; bani%va kätso, karutana bütsina. 

Koch-Grünberg, Aruak-Sprachcn, Wien 1911 p. 80. 

Karamuntse, alban. , Schalmei', aus ital. 
comamusa .' 

Karamut, melan. (Duke of York) ,Holz- 
trommel'. 

Karamuza, fcaoaftov^a, ngr. , Sackpfeife, Hir- 
tenschalmei'; v. ital. comamusa. 

Vgl. Kaneli. 

Karana = Karna. 

Kara-pill, estn. , Haferflöte'. 

Kara-täla, beng. Becken mit niedergeboge- 
nem Rand, die mit dem Khol gemeinsam zur 
Begleitung der religiösen Gesänge gebraucht 
werden. Dm. 13 — 22 cm; hindost, hindi 
kar-täl. 

Brüssel Nr. 3/4; Paris Nr. 968/69. 

Karhegedü, ung. .Bratsche'. 
Kariam, yakomul ,(FeU-)Trommer. 

Friederici, Beitr. 206. 

aKarienda, kirundi .Königstrommel', von 
besonderer Größe, aus dem Holze des Baumes 
uraugangoma, das Symbol der Königsmacht, 
in dem der Genius des Volkes wohnt. 

J. M. M. V. d. Bürgt, Dict. frj.-kirundi, Bois-le-Duc 1903, p. 388. 



203 



KARIKA— KASSUTO 



Karika, ung. .Stimmbogen'. 
Karim, tumleo ,(Fell-)Trommer. 

Friederici, Beitr. 206. 

Karindin [? besser Rinding] jav. Maul- 
trommel aus einem Rohr, aus dem mit zwei 
Längsschnitten eine Zunge herausgelöst ist. 
Als Schallkörper dient ein dickes Stück Bam- 
bus (das Etui). Länge der eigentlichen Maul- 
trommel 14 — 14.5 cm, des Schallkörpers 
40 — 45 cm. Auch die Langflöte wrd gelegent- 
lich Karindin genannt [?]. 

Florenz Nr. 9562, 9561. — Vgl. Rinding. 

Kär-i-tälän, ..iLiJ , kurd. ,Steg'. 

Baessler- Arch . 11 230 (v. Le Coq). 

Karja-pazun, estn. .Kuhhom'. 

Karkaba, Eisenkastagnetten der Genäua, 
einer marokkanischen Negersekte. Sie be- 
stehen aus je 2 Scheiben, die durch Stäbe mit- 
einander verbunden sind. 

Ztschr. f. Elhn, XVIII (688). — Vgl. Krakab. 

Karkari, c^cj-j |j', Karkarl, cf;£f77"|, skr. 
,Laute'(??). 

Atharvaveda 4. 37, 4. 

Karnä, b J , pers. ind. gerade Metall- 
trompete verschiedener Länge für feierliche 
Gelegenheiten ; s. auch Qarn, Qamä, Qamäi. 
Südindisch buruga. 

New- York Nr. 2448, 2449, 2499. 

Karnies nennt man eine wellenförmig dispo- 
nierte Orgelfront. 

Engl. OGEE. 

Kamen, galat. ,Horn'. 

Kamyx, kelt. eherne Trompete mit Blei- 
mundstück und zurückgebogenem Schallstück 
in Form eines Tierkopfes. 

Sachs, C, Lituus und Kamyx, Liliencron-Festschrift, Lpz. igio. 
S. 241. 

Ka-röko, plur. tra-roko, temne ,Trom- 
melschlegel'. 

C. F. Schlenker, Engl, temne Dict., Lond. '80, p. 115. 

Karra, Karrara = Gharghara. 
Karruli, hind. altes Schlaginstrument. 

Tagore 18. 

Kar-täl, hindost, hindi s. v. a. Kara-täla. 

Kartonium, ein geg. 1861 von Jos. Ant. 
Teste in Nantes erfundenes kleines Saugluft- 
harmonium , das durch einen rotierenden 
Streifen perforierten Kartons mechanisch ge- 
spielt wird. Teste's Erfindung, die am 16. Juli 
1861 und am 15. Jan. 1864 in Frankreich, und 
am 21. Jan. und 15. Juli 1864 in England 
patentiert wurde, geht auf die 1852 patentierte 
Musique perfor^e von Mart. de Corteuil zurück. 

Brüssel Nr. 1116. 

Karuum, paup ,(Fell-)Trommer. 

Friederici, Beitr. z. Volk.- u. Sprachenkunde 206. 

Karvas, ung. .Bratsche'. 
K'ar-wa, tibet. ,Gong'. 



K'ar-wa gsil, neuere Dialektaussprache für 
Mk'ar-wa gsil. 

K'ar-wa-rna, tibet. ,Gong'. 

Kas (??), primitive Marimba der Angola- 
stämme (W. Afrika). 

Astley, Tho., A New Gen. Collect, of Voy. and Trav., Lond. 
1745, HI 274. 

Käs, 1».'^, arab. , Becken'; besonders die 
Becken der ägyptischen Tänzerinnen, im Ge- 
brauch bei allen öffentlichen Festen ; eigentl. 
,Gefäß'. 

Villoteau 500. 

Kasanga, Name der 
Zanza in der Gegend 
nördlich von der Delagoa- 
bay (Südostafrika). 

Kasapi, Kanjapi,süd- 
ostborneot. Namen des 
Safe; etymologische Be- 
ziehung zu kä: Cabpi ? 

Käsät , o'u».'i^, arab. 
,Große Trommel'; plur. 
von Käs. 

aKasatagos.uTusatago. 

Käse, x*.li', pers. 
.Schale, Becken, 
Bauch, Korpus'. 

Kashooks s . Qääiq. 

aKasitori, plur. 
uTusitori, Mirli- 
ton der Kirundi- 
Kinder, aus einem 
Stück Rohr, dessen 
beide Enden mit 
Spinneneier-Schutz- 
gewebe oder an- 
dermZeug geschlos- 
sen sind; in der 
Mitte einMundloch. 

V. d. Biirgt, Dict. fr^.-ki- 
rundi, p. 387, ßg. 85. 

Käsiurku, finn. 
,Drehorger,eigentl. 
,Handorger. 

Kass s. Käs. 

Kassab, Kassib, 
s. Qasab. 

Kasso, Harfen- 
Lauteninstrument 
der afrikanischen Westküste, mit einer Kürbis- 
flasche als Schallkörper, einer Membran als 
Decke, langem geradem Hals mit Lederriemen 
statt der Wirbel, einem Kerbstock statt des 
Steges und Saiten in wechselnder Anzahl in 
zwei zur Decke senkrechten Ebenen. 

Kassuto, ein Schrapgefäßinstrument vom 
Kongo, aus einem ellenlangen Holzkasten mit 
einem leiterartig eingeschnittenen Deckel, 




KASSO (nach Mahillon) 



204 



KASTAGNETTEN— KAUSS 



über den der Spieler mit einem Stock fährt. 
In der Regel wirkt es mit Marimba und Ki- 
lando zusammen. 

Merolla da Sorrento, A Voyage to Congo, Pinkerton CoU. 
XVI 245- 

Kastagnetten, vom ital. castagnette, sind 
einhändig gespielte Klappern aus zwei schalen- 
förmigen Stückchen harten Holzes, am besten 
Grenadills, die mit einer Schnur am Daumen 
oder Mittelfinger aufgehängt und mit den 
übrigen Fingern gegeneinandergeschnellt wer- 
den. Im modernen Orchester wird statt dieser 
echten Kastagnetten, deren Spiel eine eigene, 
keineswegs leichte Technik voraussetzt, ein 
Apparat aus einem mit Federn versehenen 
Kastagnettenpaar mit Griff verwendet, dessen 
Schüttelung einigermaßen die gewünschte 
Wirkung erzielt. 

Die Heimat dieser Tanzklappern ist vor 
allem Südeuropa, Spanien besonders und Ita- 
lien. Man hat (Wallaschek 
p. 107) die Möglichkeit be- 
tont, daß die Spanier die 
Kastagnetten aus ihren ame- 
rikanischen Kolonien heim- 
gebracht hätten; dem ist in- 
dessen entgegenzuhalten,daß 
nicht nur die im 13. Jh. 
herausgegebenen Cantigas de 
Santa Maria, sondern schon 
eine in Madrid aufbewahrte 
Apokalypse des 1 1. Jhs. (vgl. 
Riano, Notes on early Spanish Music 109) 
Handklappern abbilden, ja, daß schon im 
Römischen Reich die Crusmata der iberischen 
Tänzerinnen berühmt waren. 

Engl. BONES, ndl. CASTAGNETTEN, dän. schw. KASTAG- 
NETTER, fr. CASTAGNETTES . it. CASTAGNETTE, sp. 
CASTANUELAS, port. CASTANHETAS, russ. poln. KASTA- 
NIETY. serbokr. PLJESKANKl, ung. CASTAGNETTAK. — 
Vgl. Distinette, Palillo. 

Kästchen s. Buch. 

Kastenbälge, Blasebälge ohne Falten; die 
Oberplatte oder ein sie ersetzender innerer 
Kasten steigt und fällt in einem dicht ver- 
schlossenen äußeren Kasten. Erfinder ist 
Markusscn in Apenrade (1819). 

Engl. B0,\ BELLOWS, fr. SOUFFLETS Ä CYLINDRE. — 

Vgl. Stempelbälge, Trittschuh. 

Kastenbärte sind Barte, die den Aufschnitt 
von unten und von den Seiten einschließen, 
z. B. bei der Quintaden. 

Kastenklappe s. v. a. Spielventil. 

Kaszabe s. Qasab. 

Kasatwän, ..,Lx^i, Fingerlinge des Qänün. 

Kasika, serbokroat. .Korpus' (Tanbura). 

Kasuk s. QäSiq. 

Kataktypitiri, y.araxTVJitjzijei, ngr. vulg. .Klap- 
per'. 




KASTAGNETTEN 



Katambong s. Ketobong. 

Katamborea, bask. , Schellentrommel'. 

Katana, Gefäßrassel der Hopi in N.-O.-Ari- 
zona (U. S. A.) aus einer länglichen, von einem 
Stiel durchbohrten und mit Körnern gefüllten 
Kalebasse. 

Brüssel Nr. 2056. 

Katarynka, poln. ,Drehorger. 

Kataspasma, xaraama/^a, Stimmkrücke zur 
Längenregulierung der Auloszungen. 

Katjapi s. Ketjapi. 

Katso s. Karakoru. 

Kattilarumpu, finn. , Pauke'. 

Katumbeng, Trommel der Dajak, kürzer als 
die Ketobong ( ?). 

Hardeland, Dajak. \Vb. _ 

Kätyäyana-viuä, ctjInUWH cIMT Kanuna. 
Kaula, Königstrommel der (Wa-)Ganda; s. 

Mugaguzo. 

Kaulos, xavlog, ngr. .Schalmei', v. türk. 
qaval. 

Kaur, I. neumecklenburgische Pansflöte 
aus unten geschlossenen, mit Rohr verbunde- 
nen Bambusintemodien. Hombostel, der 1 1 
Exemplare untersucht hat, fand als tiefsten 
Ton c' zu 258 und als höchsten b'" zu 1820 
Schwingungen. Die absolute Tonhöhe der 
Pfeifen stimmt in auffälliger Weise mit der- 
jenigen javanischer Instrumente überein; 
einige Exemplare weisen auch durch die Ver- 
wendung des alten Salendrosystems mit seiner 
Zerlegung der Oktave in fünf gleiche Teile 
nach Java. 

— 2. Eine Langflöte, das Lieblingsinstru- 
ment der Eingeborenen Neupommerns, mit 
zwei eingebrannten ovalen Löchern nahe dem 
unteren, geschlossenen Ende, die 



$ 



^ 



Florenz Nr. 



hergeben, und einer halbkreisförmigen Kerbe 
als Aufschnitt im oberen Rand, ähnlich wie bei 
ostasiatischen und amerikanischen Flöten. 
Länge 385, Dm. 15 mm. 

V. Hornbostel in Stephan & Graebner 131 ff. 
5485. — Kraus, Di alcuni stnimenti 40. 

Kauss, von qopuz ?, turkist. Streichinstru- 
ment in Form eines großen hölzernen Schöpf- 
löffels. Korpus, Hals und Stachel aus einem 
Stück; eine Decke fehlt. Der Kopf ist eine 
sechseckige Platte, in der zwei stäbchen- 
förmige Wirbel stecken. Die beiden dicken, 
aus Roßhaarsträhnen bestehenden Saiten 
laufen ohne Steg unmittelbar zu einem Knauf 
am Unterende des Stachels. Das Instrument 
wird wie unser Violoncello gehalten ; die ein- 
geborenen Rhapsoden verwenden es zur Be- 



205 



KAUTSCHUK— KELLOVASKI 



gleitung ihrer öffentlichen Gesänge auf den 
Bazaren und in den Teebuden. 

Capus. — V. Schwarz, Turkestan 294. — Vgl. Tid. 

Kautschuk wird mitunter als Material für 
Blasinstrumente benutzt. Es läßt sich leicht 
bohren und besitzt vermöge seiner 
Struktur eine durch Feuchtigkeit 
unangreifbare Innenwandung; da- 
gegen ist das Verschrauben der 
Mechanik bei Hartgummi schwerer 
als bei Holz. Als frühen Versuch 
nennen wir eine Flöte von Fon- 
robert in Berlin {1854). 

Kaval, KaBaJi, bulgarisch-serbo- 
kroatisch - albanesisch - rumänische 
Holzlangflöte mit zylindrischer 
Bohrung, zugeschärfter oberer Öff- 
nung oder Kernspalte und 7 oder 
8 Grifflöchern, von denen eins auf 
der Hinterseite angebracht ist ; oft 
sind zwei zu einer Doppelflöte ver- 
einigt. Etymologie türk. qaval. 

Kavalce, bulgarische Langflöte 
ohne Mundstück aus einer zylin- 
drischen, verkehrt konisch gebohr- 
ten Heizrohre mit 6 Grifflöchern 
vorn und einem siebenten liinten. 
Länge 41 cm. 

Brüssel Nr. 2399. 

Kawat, jav. , Drahtsaite'. 
Ka-yak-ko, korean. ,,Art Harfe, 
Violoncell, Mandoline" (!). 



Karin 



jji', arab. Musikinstru- 



W 



ment. 

Casiri.Bibl. Arab. Hisp. Esc, Madrid 1760, 1528a. 

Kazo, primitive einfellige Trom- 
mel der Aino. 

New- York Nr. 90. 

Kazoo, engl. Mirliton in Form 
einer Flöte ; die Membran sitzt auf 
einem Seitenloch der Röhre und 
ist durch eine Tülle geschützt. 

Brüssel Nr. 205a. 

Ke s. Kei. 
Kecher s. Keder. 
Kedelformet Mundstykke, dän. 
.Kessclmundstück'. 

Keembe, kikuyu .Trommel'. 

Johnston, The Uganda Protcctoratc 995. 

Kegellade, die moderne, von Eberh. Walcker 
in Ludwigsburg 1842 umgeschaffene Spring- 
lade mit einem eigenen, meist kegelförmigen, 
sehr leicht regierbaren Spielventil für jede ein- 
zelne Pfeife. Jede Stimme hat ihre zugehörige 
I^de, einen langgezogenen kanalartigen 
Kasten, der durch Anziehen des betreffenden 
Registers mit dem Haupt-Windkanal verbun- 
den wird ; jeder einzelnen Pfeife entspricht 



KAVAL 

(rumänischer 
Typus), nach 
Welch. Lee- 
tures on the 
Recorder 



eine doppelt geknickte Kanzelle, die durch 
Boden, Seiten- und Oberwand gebohrt ist und 
der Pfeife den Wind aus dem Innern zuführt, 
sobald die den Boden durchbrechende Traktur 
der entsprechenden Taste das Spielventil vom 
Kanzelleneingang abhebt. Das System ist 
zwar teuer, erlaubt aber i. eine leichtere Spiel- 
art, erspart 2. Federn, Parallelen und Dämme, 
vereinfacht damit 3. die Registrierung, ge- 
stattet 4. Kollektivzüge und beschränkt 
5. etwaiges Heulen auf die betroffene 
Pfeife. 

Engl. VENTIL SOUNDBOARD, fr. SOMMIER A PISTONS, 
it. SOMIERE A VALVOLE CONICHE. 

Kegelstimmen, Orgelstimmen mit konischen 
Pfeifen, z. B. Spitzflöte. Sie sind in der Regel 
schwächer als Zylinderstimmen und haben die 
Eigentümlichkeit, den fünften bis siebenten 
Partialton verhältnismäßig deutlich hören zu 
lassen. 

Kehle, Schnabel, eine im Mundstück der 
Zungenpfeife steckende, leicht konische, an 
den Rändern häufig belederte Messingrinne, 
auf der die Zunge aufliegt. 

Engl. REED. ndl SNAVEL, fr. RIGOLE, it. GOLA, 
serbokr. ZLIEB, 

Kei, Hokyo, jap., zur Rechten des Altars 
aufgestelltes Tempelgong aus Bronze oder 
selbst Gold, in verschiedenen Größen und 
meist in der Form zweier mit den Schmal- 
seiten zusammengesetzter Rhomben. 

Vgl. Sek-kei. 

Kei-kin, jap. Geige mit 4 Saiten [Piggott 
146], mit dem chin. Hu k'in identisch. 

Vgl. Ko-kin. 

Keilbälge s. Spannbälge. 
Keisu nennen das Dobaii einige chinesische 
Sekten, die es statt des Kei gebrauchen. 
Kejd;^, cech. .Sackpfeife', v. türk. ghaidä. 
Kejsarbas, schwed. , Kaiserbaß'. 
Kei, estn. ,Saite. Rohrblatt'. 
Kei, feremiss. .Saite'. 

J. Budenz, Erdei 6s heg>'i-cseremisz sz6tar, Pest 1866, p. 21. 

Keleddi s. Kleddi. 
Kele-pukk, estn. .Steg'. 

K'^len, plur. ts'elen, nennen die Temne 
die große Mandingo-Trommel. 

C. F. Schlenker, Engl. -Temne Dict., London 1880, p. 115. 

Kell, estn. .Schelle'. 
Kelle = Kehle. 
Kello, finn. .Glocke'. 
Kellokastari, finn. .Glockenstuhl.' 
Kellomalmi, Kellon-aine, finn. , Glocken- 
speise'. 

Kellonen, finn. .Glöckchen'. 
Kellopeli, finn. .Glockenspiel.' 
Kellotapuli, finn. ,Glockenstuhr. 
Kellovaski, finn. .Glockenspeise'. 



206 



KELOSOK— KEN 



Kelosok, Tanzschild der Dajak auf Bomeo, 
mit chinesischen Kupfermünzen auf Rotan- 
schnüren an den Längsseiten. 

Leiden Nr. 1636/220. 

Keltega orel, estn. 
.Physharmonika'. 

Keluri, Klurai.Seng 
der Kayan auf Bor- 
neo, mit 6 kreisförmig 
auf der Bodenkalebasse 
angeordneten Melodie- 
pfeifen und einer sie- 1 
benten, als Bordun y 
dienenden Pfeife in der 
Mitte, deren Ton durch 
eine lose aufgesetzte 
Bambushaube verstärkt 
wird. Je nach der ge- 
wünschten Wirkung 
wird die Luft ausge- 
stoßen oder eingezogen. 
Die Höhe des Instru- 
ments beträgt gegen 
I m. Stimmung der 
Melodiepfeifen 

f,a,+b,c,f,—g. 

Burbidge 178. — Fr. Hatton, 
North Bomeo 329. 



Stimmungen : 



Kemän, q^ , pers. 
, Bogen'. 

Kemänge,«^UJ .per- 
sisch, arabisch ,Bogen- 
instrumenf. Meist ist 
die Kemänge a'güz ge- 
meint. 

Vgl. Rud, Sa'id, Sich. 

Kemänge a'güz, \j^ 
t^itS' , , altes Bogen- 
instrument' mit einem 
kleinen, schlangenhaut- 
gedeckten Kokosnuß- 
Korpus, langem Hals, 
Stachel und i — 2 Saiten. 

Vgl. Ayäqli kemän. 

Kemänge farq , ^y, 
mänge (a'güz)' mit der Stimmung 




KEMÄNGE A'GUZ 
nach Rüfalmano 



, Abgetrennte Ke- 




Kemänge rümi, ^y>^^ ^^U/, ,Griechische 
Kemänge'. Schallkörper aus einem einzigen 
Stück Holz mit C-Löchern; bundloser Hals 
und Saitenhalter von europäischer Form; 
Wirbelplatte eiförmig; 4 oder 6 Darm- und 
4 oder 6 Resonanzsaiten. 




ViUoteau 290. — Brüssel Nr. 149. — Vgl. Skripka. 

Kemänge soghair = Kemänge farq. 

Kemänge taqti', eine Kemänge a'güz_mit 
zwei Membranen und drei Saiten; trapez- 
förmiges Korpus von 28,5 zu 13,3 konver- 
gierend ; Gesamtlänge 97,8 cm. Das im Pariser 
Katalog (Nr. i43o)takhtei geschriebene Wort 
soll wohl <r»hi>'i sein. 

K6mbelj, slov. (Kärnten, Krain) .Glocken- 
schwengel'. 

Kembone, alban. .Glocke', v. asl. kamban. 

Kemice, dim. v. kemänge. 

Kemiu, Muschelhom von Engano (Ndl.- 
Indien) mit abgeschlagener Spitze. 

Leiden Nr. 728, 13, 820,85. 

Kemkem, kopt. Tamburin mit schmaler 
Holzzarge, ca. 20 cm breit, v. kern .schlagen'. 

New- York Nr. 2665. 

Kempjang, jav. Gongspiel ähnlich dem 
Bende. aber mit der Gongstimmung nem- 
barang( Grundton-Quinte). 

Kempul s. Gong kempul. 

Ke-mun-ko s. Ko-mun-ko. 

Ken, I. nordwest-annam. Seng, mit 14 oder 
weniger Pfeifen, von denen zwei im Einklang 
als Bordune dienen. Im wesentlichen gibt es 
dem Höhenmaße nach drei Größen, ca. 3. 2 
und I m. Am häufigsten wird die zweite ge- 
braucht, am seltensten trotz ihrer schönen 
Baßtöne die erste, weil sie zuviel Lungenkraft 
in Anspruch nimmt und zu schwer transpor- 
tabel ist. Für die Zungen wird als Material am 
liebsten Silber genommen; gewöhnhch be- 
gnügt man sich indessen mit einer Legierung. 
Die Windlade, über die die Pfeifen mit ihrem 
Unterende herausragen, wird in der Regel aus 
einer Frucht luk lamut oder aus Hartholz, 
gelegentlich sogar aus Elfenbein, mit vieler 
Kunst geschnitzt. Die Stimmung ist diatonisch 
von der Unterterz ab; die den Tönen ent- 
sprechenden Pfeifen sind in der folgenden An- 
ordnung disponiert: Rechts i. Links 2. R. 2, 
L. 3, L. 4, L. 5, L. 6, R. 3, R. 4, R. 5, L. i, 
R. 6, R. 7, L. 7. 

Das Ken ist ein ausgesprochenes Lao-Instru- 
ment ; es kommt im wesenthchen nur am Ost- 
ufer des Mekong vor und fehlt in Siam, soweit 
es sich nicht um Lao-Ansiedlungen handelt. 
Sein Prototyp ist in dem primitiven 5pfeifigen 
Seng der Musur zu suchen, die sich einer 



207 



KEN- A-N- AUL— KESSELMUNDSTÜCK 



Kalebasse als Windlade bedienen und die 
Pfeifen ebenfalls in zwei Reihen disponieren; 
Stimmung: 5, i, 2, 3^7, $. Ein verwandter 
Typus hat 6 Pfeifen, die wie beim Ken mit 
ihrem Unterende über die Windlade heraus- 
ragen. Mundstück und Windlade sind hier aus 
zwei fest aufeinandergepaßten Hälften zu- 
sammengesetzt und mit Rindenbändern ge- 
halten; Stimmung: 5, 6, i, 2, 3, 
5, also pentatonisch. 

— 2. Jap. alter Gong aus- 
Porzellan in Form eines Gänse- 
eis mit sechs Löchern; man 
schlug das kleine Instrument 
mit einem Stock. [?] 

— 3. s. Cäi ken. 

Warington Smyth, Five years in Siami 
London 1898, vol. I, p. 198 ff., 289 ff. — 
Proc. Roy. Geo. Soc. XIll Nr. 12. — Geo. 
Journal VII Nr. 6. — Sansai Zayi. — Pig- 
golt 175. 

Ken-a-n-aul , altägypt. ,Cy- 
thara'. also wohl s. v. a. Kinnor. 

Abel, Einleit. in ein aeg.-sem.-indoeur. 
Wurzelwb., Leipzig 1886, p. 52. 

Kendang, sundan. s. v. a. 
Gendang. 

Coolsma, Soendaneesch-Hollandsch Wb., 
Leiden s. a., p. 107, 159. 

Ken'en'euru, altägypt. (Papy- 
rus Ariastasi H, 12,2) = Kinnor. 

Keng s. Seng. 

K'enne.korean. alte Trommel, 
Höhe 25, Dm. 43 cm. 

Paris Nr. 1562. 

Kennire s. Kinnäre. 

Kenong, jav. großes Buckel- 
Gong, das auf Schnüren inner- 
halb eines Rahmenwerks ruht. Dm. 18 — 22 cm. 

BrUssel Nr, 8jo. 1755. 1756. — Vgl. Ketuk. 

Kenteng, jav. , Saite'. 

Kent-hom, engl. Name des Klappenhorns, 
das in die englische Armee durch den Herzog 
von Kent, den Vater der Königin Viktoria, 
eingeführt worden sein soll. 

Kentung-kentung, malay. ,HoIztrommer. 

Keppklaviere heißen Orgelmanuale, deren 
hintere Tastenenden beim Niedergang der 
vorderen hochgehen, bei denen also die Dreh- 
achse nicht am Ende liegt. 

Keras, xegag, von skr. kra, .stark', altgr. 
ngr. ,Horn', im Gegensatz zur Salpinx. Den 
gleichen Namen führten die kleinen Griffe auf 
den Tonlochringen der entwickelteren Auloi, 
die das Drehen dieser Ringe erleichtern sollten, 
die gekrümmten Schallstücke der alten phry- 
gischen Auloi und die Jocharmc der Kithara. 

Keraulophon, , Hornbläserstimme', eine 
weitmensurierte Diskant-Labialstimme zu 8' 



KEN 

im Kgl. Völker- 

kundemuseum 

zu Berlin 



aus Metall, mit dunklem, vollem Ton, erf . nicht 
erst 1855 von Pierre-Al. Ducroquet in Paris, 
sondern von Gray & Davison und von diesen 
bereits 1843 in St. Paul's Church, London, 
Knightsbridge, gebaut. 

Sp. KUEROLOFÖN. 

Kerbal, Kerbe = Kirbal. 

Keren, pp., hebr. Tierhom, s. v. a. Sofar; 
V. skr. kra, .stark'. 

Keren hajobel, ^a^'n lip., s. Jobel. 

Kerep, Kercplyö, ung. , Ratsche'. 

Keretok, Palmholz-Viehglocke der siamesi- 
schen Malayen, mit dem siamesischen Ki-tong 
identisch. 

Oxford. — Balfour, Report 4. 

Keretok-krebau, hölzerne Büffelglocke der 
siamesischen Malayen. 

Oxford. — Balfour, Report 4. 

Kerilong, Querflöte mit 6 Löchern von Ben- 
koelen (Sumatra). 

Leiden. 

Kern, der über dem Fuß der Labialpfeifen 
sitzende Block, an dem sich der einströmende 
Wind staut, um durch die an der Seite hin- 
durchgeführte (Kern-)Spalte mit der erforder- 
lichen Kraft dem Aufschnitt entgegengeführt 
zu werden. 

Engl. BLOCK, fr. BISEAU. it. ANIMA, sp. BISEL, rusi. 
SEPDCEVINA, serbokr. PISNIK (bei Flöten CVEK). 

Kernspalte, Kernlücke, heißt bei den 
Schnabelflöten und den Flötenpfeifen der Or- 
gel die schmale Spalte, die den Wind zwischen 
Kern und Unterlabium hindurch gegen die 
Aufschnittkante leitet. Ihre Verengerung, der 
namentlich die Holzpfeifen der Orgel bei feuch- 
ter Witterung ausgesetzt sind, vertieft den 
Ton. 
Engl. FLUE, fir. LUMIERE, it. FESSURA. — Vgl. Kenutiche. 

Kernstiche, kleine Einschnitte in der Kem- 
spalte der Labialpfeifcn, von deren Zahl und 
Tiefe die Klangfarbe zum Teile abhängig ist. 

Kero, jap. kleine, aber verhältnismäßig hohe 
Trommel vom Typus des Taiko, in der Zeit der 
Tong-Dynastie auch in China zum Signali- 
sieren der Dämmerung gebraucht, ein Instru- 
ment, das um den Hals des Spielers gehängt, 
den Takt in den Prozessionsorchestern angibt. 

Piggott 162. 

Ker-pulk, estn. .Wirbel'. 

Kesapi — Ketjapi. 

Kesbate s. Gsba. 

Kesre = Kissar. 

Kessel s. I'feifcnkessel. 

Kesseldrommel, alter Name der Pauke. 

Kesselmundstück, das aus Rand. Kessel und 
Bohrung bestehende, meist aus dem Material 
des zugehörigen Instruments, gelegentlich 
auch aus Hom oder Elfenbein gearbeitete 



208 



KESSELPAUKE— KHON-MON 



Mundstück der Hörn- und Trompeteninstru- 
mente, das einerseits den schwingenden Lip- 
pen eine Stütze gewährt und andrerseits einen 
stoßweise eintretenden Luftstrom von ge- 
nügender Feinheit in die Röhre des Instru- 
ments hineinleitet. Schon vorgeschichtliche 
Hörner zeigen zum Teil hervorragend gute 
Kesselmundstücke. 

Engl. CUPPED MOUTHPIECE, dän. KEDELFORMET MUND- 
STYKKE. — Vgl. Guerriere. 

Kesselpauke = Pauke. 

Kesser == Kissar. 

Kessire, arab. [Kiesewetter 92], wohl mit 
dem Kissar und der Qitära identisch. 

Kestebän, ^^LiÜ , der Fingerring, in 
dem die Klöppel des Qänün stecken. 

Ketebung s. Ketobong. 

Keteltrom, ndl. .Pauke'. 

Ketipung s. Ketobong. 

Ketjapi. Auf Java führt den Namen ein mit 
der Linken wie eine Guitarre zu haltendes 
Holzpsalterium in Form eines Baumkahns mit 
offenem Kiel und 2 — 16 Drahtsaiten, die im 
Innern des Körpers an einseitig herausragen- 
den Wirbeln befestigt sind. 

Auf Sumatra versteht man unter Ketjapi, 
B i o 1 a oder Mijue Mijueein fast halbmeter- 
langes Lauteninstrument mit schlankem, 
kahnförmigem, unten spitz zulaufendem Holz- 
korpus, zwei Wirbeln und zwei Saiten. Das 
New- Yorker Exemplar (Nr. 3134) hat Darm- 
saiten, das Leidener eine aus Messing und eine 
aus Stahl, von denen angeblich die zweite in 
die Oberoktave der ersten gestimmt wird, 
während v. Brenner [Besuch bei den Kanni- 
balen Sumatras, 1894, S. 330] und R. Heintze 
[in Volz, Nord-Sumatra I, Berhn 1909, p. 374] 
Quintenstimmung festgestellt haben. 

Ketjer, jav. Gongspiel ähnlich dem Tetjer. 

Raffles, Description g6ogr. 282. — Brüssel Nr. 1727. 

Ketobong, born. Trommel, zylinder- oder 
becherförmig, aus Holz oder Bambus mit 
Äinem durch Rotan mit oder ohne Keile fest- 
geschnürten Fell ; Instrument der Priester und 
Priesterinnen (Blian), bei ICrankheiten und 
dgl. in Gebrauch. 

Leiden Nr. 1530)88—89 u. 1624/1. 

Ketuk, ein kleineres Gongpaar in Barang- 
stimmung (Quinte). 

Key, engl. .Taste, Klappe', v. ags. caeg. 
Key-board, engl. , Klaviatur, Griffbrett'. 
Key-bugle, engl. ,Klappenhorn'. 
Key-cap, engl. .Klappcnlöffel'. 
Key-cushion, engl. , Klappenpolster'. 
Key-lever, engl. .Klappenstiel'. 
Key on rod, engl. , Drehklappe'. 
Key-pad, engl. .Klappenpolster'. 
Key-rest, engl. .Unterlage'. 



Keyed bügle, engl. .Klappenhom'. 
Keyed cither, engl. .Tastencister'. 
Keyed giiitar, engl. .Tastenguitarre'. 
Keyed psaltery, engl. .Tastenpsalterium'. 
Khalok, birm. , Kuhglocke'. 
Kham, ^, pers. .gebogen', .Trompete, 
Becken, Trommel'. 

Khamaka, hind. neuere pastorale Trommel, 

Tagore i8. — Vgl. Khumak. 

Khan, siam. .Bogen'. 

Khangani, Khangarl, lasl^l. beng. hin- 
dost. Tamburin mit hohem, ausgebohrtem 
Holzrahmen. Dm. 12 — 13 cm. 
Day 141. — Vantra-kosha 166. — Brüssel Nr. 16; Paris 
Nr. 944. — Vgl. Ghangh-khanganl. 

Khanh, annam. .kleiner Gong, Schelle'. 

Khanrit, altägypt. .Membranophon' ; im 
engeren Sinne s. v. a. Saru. 

Khara, birm. ,Hom'. 

Kharahnä s. Karnä. 

Kharatala s. Kara-täla. 

Kharq, vj!>>, arab. .Wirbelloch'; plur. 
khurüq. 

Kharunhämon-lim, birm. ,Muschelhom'. 

Khat-täli, Hindukastagnetten aus Eisen, 
viereckig, mit angenehmem Klang. Länge 
15 cm. Dicke i •; cm. 

Vantra-kosha 167. — Brüssel Nr. 10; Paris Nr. 992. 

Khäzne, AJ;i>, Kopf der Kcmänge. 

Khen s. Ken. 

Khiriu khiriu, madag. ,Schelle'. 

Khjü s. Khyü. 

Khlui, siamesische Schnabelflöte zylin- 
drischer Bohrung, ohne eigentlich schnabel- 
förmiges Mundstück, mit 8 Grifflöchern, sieben 
vorn und einem hinten, und einem neunten 
Loch hoch oben seitlich, das gleichwie beim Ti 
mit einem Häutchen verklebt ist. Kambog. 
khlöi. 

Brüssel Nr. 2158; New- York Nr. 227. 

Khmö, kambog. .Gong'. 

Khobun, khäbun. birm. .Trommel'. 

Khol, eine nordindische, besonders zur Be- 
gleitung rehgiöser Gesänge bestimmte zwei- 
feilige Trommel mit Riemenspannung und 
einem 65 — 66 cm langen Tonkorpus in Form 
zweier mit den Basen zusammengesetzter 
Kegelstümpfe. 

Brüssel Nr. 39; Paris Nr. 934. 

Khon, siam. birm. , Pauke, Schlaginstru- 
ment. Gong. Glocke'. 

Khon-lek, ein Kre-waiü mit 21 kleineren 
Gongs. 

Khon-lon, birm. große Glocke. 

Khon-lon-tshan, birm. .Klapper'. 

Khon-malö, siam. .Gong'. 

Khon-mon, siam. bronzenes Gong, in einem 
Dreifuß aufgehängt. 



Sachs 



209 



KHON-THOM— KILPIS 



Khon-thom, kambog. Gongspiel aus 17 mit 
starken Klöppeln geschlagenen glockenförmi- 
gen Gongs. 8 
Umfang dia- 
tonisch : 



^^ 



Nur die Mittellage a' — o" ist gut. 

Khon-to6, kambog. tieferes Gongspiel aus 
16 glockenförmigen Gongs. Umfang dia- 
tonisch : 



^^. 



Knosp 156. 

Khon-voft, siam. .Hackbrett'. 

Cuaz, DictioDaJre p. 97z. 

Khon-yai, ein Kre-waiä aus 16 großen 
Gongs. 

Khore, gedackte Bambus-Langflöte von der 
Aurora-Insel (Neuhebriden), mit eingekerbtem 
Aufschnitt in dem offenen Oberende. 

New- York Nr. 794. — Vgl. Gore, Kaur. 

Khoradak, ind. kleine Pauken mit halb- 
kugeligem Gehäuse aus Ton mit 6inem Fell 
und Riemenspannung; sie werden paarweise 
— links die tiefere, rechts die höhere — benutzt 
und mit den Fingern und dem Ballen je einer 
Hand geschlagen. 

Brüssel Nr. 29/30; Paris Nr. 948/9. 

Khrekhron, birm. ,Maultrommer. 

Khruän dit, siam. , Saiteninstrument'. 

Khruän ma:h6ri, siam. .Instrument'. 

Khruän pao, siam. .Blasinstrumente'. 

Khse, kambog. , Saite'. 

Khudra ghaptä, beng. .kleine Ghautä' zum 
Taktmarkieren . 

Brüssel Nr. 9; Paris Nr. 978. 

Khudra ghantikä, dim. v. ghaotikä. 

Khudra-kätyäyana-vinä, .kleine Kätyä- 
yana-vtoä' oder Kanuna, mit 14 — 18 Saiten. 

Yantra-kosha 41. — Brüssel Nr. 98; Paris Nr. 870. 

Khum s. Kham. 

Khumak, Khummak, tiVi'^, pers. kleine 
Trommel. 

Khumb, v_^*i>, pers. .Trompete'. 

Khum-muhra, «^ ^, pers. .Muschelhorn' 

Khurüq, ^j^J». plur. v. Kharq. 

Khuth-dsali, grus. .Fünfsaiter'. 

Khwak-khwang, birm. .Becken', v. khwak. 
.konkav sein'. 

Khyü, birm. runde Schelle; khyükun, 
.SchcUenband'. 

Ki = Yin k'ing. 

Kia, ein im Sommer von den Pekingern her- 
gestelltes Aerophon aus zusammengewickeltem 
Rohr, wie es sich auch bei uns die Jäger zum 
Nachahmen des Hirschrufs verfertigen. 



Kia-6ung-c'ih, ein C'ih in g^. 

Brüssel Nr. 866, Modell. 

K'iang ti, Querflöte der chinesischen Hirten. 

Van Aalst 72. 

Kibinga, suaheh .Pfeife'; plur. vibinga. 

Ch. Sacleux, Dict. fr9..swahili, Paris 1891, p. 887. 

Kielflügel, ein nach den zum Anreißen der 
Saiten benutzten Rabenkielen gebildeter Name 
des Cembalo in Flügelform. 

Kieli, finn. .Glockenklöppel. Zunge, Saite'. 

Kien ku, alter Name des Ying ku. 

Kien pan, chin. Klapper aus zwei etwa 
80 cm langen und gegen 2 cm breiten, ja häu- 
fig noch bedeutend größeren, oben zurück- 
gebogenen Bambussplittern, die in der Linken 
gehalten und langsam gegeneinander geschnellt 
werden. Sie wird in erster Linie zusammen mit 
dem Yü ku von den Blinden gebraucht und 
zwar hauptsäclilich nördUch vom Yangtse ; in 
Shantung hat man die langen Bambuslatten 
durch kürzere, höchstens fußgroße Hartholz- 
stücke ersetzt. 

Moule 14. 

Kiffer s. River. 

Kifumwale, suaheli .Saite' (Zeze). 

Ch. SadeUT, Dict. frg.-swah. 215. 

Kige, estn. .Geige'. 

Kigoma, suaheh .kleine Trommel' (allgem.!) 

Ch. Sacleux, Dict. fran^.'Swah. 922. 

Kigulu, Musikbogen von Norfolk Island 
(Salomonsinseln). mit 2 Fasersaiten. Er ent- 
spricht dem Kalove. 

New- York Nr. 1431. 

iKihuha, plur. iVihuha. auf Rundi ein 
einfaches Rinderhorn mit Mundloch an der 
Spitze oder an der Seite (intoboro, um- 
wenge). 

J. M. M. V. d. Bürgt, Dict. bv.-kinmdi, Bois-le-Duc 1903, p. 387, 
fig-83. 

iKihushama = iJCisandasanda; plur. iVi- 
hushama. 

Kik, estn. .Geige'. 

Kikirä, je|i|cf)^|, skr. .Glöckchen'. 

Kilando, ein etwa als Holztrommcl zu be- 
zeichnendes Instrument vom Unter- Kongo 
aus einer großen flaschenförmigen Kalebasse 
mit Einschnitten, die geschlagen wird ; die 
Eingeborenen verwenden sie gemeinsam mit 
Marimba und Kassuto. 

Merolla, A Voyage to Congo. Pinkerton Coli. XVI 245. 

Kilara, eine ca. 5 Fuß lange Harfenlaute 
(Kasso-T>-pus) der Wolof in Senegambien. 
Cofr>', J., Obs. up. the Windward Coast o( Air., London 1807, 
P- 309: M- X. Golberry, Fragmens d'un voyage en Afrique, 
Paris 1802, II 417. 

Kilembe, kibira. = Ngoma. 
KiHstin, finn. .Glöckchen'. 
Kilpis, lett. .Steg'. 



210 



KILUN— KINGURI 



Kilun = Krila. 

K'ini{altchin.,Swatow-u.Amoy-Dial.)=K'in. 

Ki-ma, tibet. Zupfinstrument mit 7 Saiten, 
korr. angebl. aus chin. k'in. 

H, A. Jäschke, Handwb. d. tibet, Spr., Gnadau '71, p. 2. 

Kimuanyemuanye, Streichinstrument von 
Deutsch-O. -Afrika mit einem absonderlichen, 
henkeltopfartigen Korpus und 2 Saiten; der 
Bogen wird mit Speichel befeuchtet. Eine un- 
deutliche Abbildung dieses jedenfalls mit der 
vorderindischen Särindä verwandten Typus 
findet man Revue musicale VI 1906 p. 166. 

Den gleichen Namen führt am Nyassasee 
(A. Werner, Natives of Brit. Centr. Afr., Lon- 
don 1905, p. 221) eine primitive, einsaitige 
Geige vom Ravanastrontypus mit Kalebassen- 
korpus, das Hauptinstrument der dortigen 
fahrenden Berufsmusikanten. 

Kin, die 13. Saite des Sono-koto. 



Kinandi-kinubi, .Teufelsharfe', Rückbildung 
der Lyra in Brit. Zentralafrika. 

Kinango, muldenförmiges Psalterium der 
Mugiba (Uganda) vom Typus der Inanga, mit 
7 Saitenführungen. 

H. Rehse, Kiziba, Stuttg. 1910, p. 66. 

Kin kang t'ui, Ssö pu hs lang, eine kleine, 
66 cm lange, dreisaitige Abart der P'ip'a mit 
10 Bünden. 

Moule 116. 

K'in ce ge, chin. , Orgelregister'. 

K'in tung, chin. , Orgelpfeife'. 

Ki na, eine kleinere, ca. 28 cm lange So na. 

Kinanda = Kindanda. 

Kin cung s. Pien cung. 

Kindanda, Kinanda, hat in Zentralafrika 
(Bantu) eine Reihe verschiedener Bedeutun- 
gen. Im Suaheli bezeichnet es (mehrere Töne 
erzeugendes) .Instrument'; im Osten nennt 




K'IN 
Dach van Aalst 



K'in heißt in China im weiteren Sinne die 
Mehrzahl der Saiteninstrumente, im engem ein 
der Tradition nach auf Fu Hsi, in Wirklichkeit 
auf den Typus der idiochorden Bambusinstru- 
mente (Valiha) zurückgehendes Psalterium. 
Es besteht aus einem schmalen, gewölbten, 
hohlen Holzkorpus — einem Symbol des 
Himmels — , einem flachen Holzboden — der 
Erde — und anfänglich 5 Saiten — den Ele- 
menten — , heute jedoch 7, die nahe dem brei- 
teren Ende über einen Steg laufen, den Kasten 
durchdringen und am Boden befestigt sind. 
Diese früher 1235689, heute dagegen 5 6 
12356 gestimmten Saiten werden ohne Plek- 
trum gezupft; ihr Ton ist sehr sanft. Bis vor 
kurzem noch das Instrument der eleganten 
Welt, wird das K'in gegenwärtig von den 
Dilettanten wegen der Schwierigkeit seines 
Spiels und seiner eigenartigen Tabulatur ver- 
nachlässigt und nur bei Hof- und Tempel- 
zeremonien verwendet. Die in Shangai ge- 
bräuchliche Sprachform cang legt den Ge- 
danken nahe, das K'in etymologisch mit dem 
vorderasiatischen cank in Verbindung zu 
bringen. 

Vgl. Gin dai, Co kin, La k'in, Ni gen kin, Roku kin, Sangen 
da kin, San gen kin, ^e, Si gen kin, §iC-i gen kin, ^uang kin, 
Taa kin, Takaci ho kin, Tei kin, Yang k'in, Yo kin, Yue k'in. 



man vielfach die Psalterien so, am Kongo 
die Harfe vom Nangatypus mit einem violin- 
artig eingezogenen, hautgedeckten Korpus und 
3 — 4 an dem aufgebogenen Hals angepflöckten 
Fasersaiten, außerdem bisweilen — \vie es 
scheint — die Zanza. 

Ztschr. f. Ethnol. X, 393. — Annales du Musie du Congo I. — 
Ch. Sacleux, Dictionnaire fran^.-swahili 532. 

Kinderzither = Terzzither. 

Kindapsos = Skindapsos. 

K'ing, chin. Klingstein, am besten Nephrit, 
der schon in grauester Vorzeit in Platten be- 
arbeitet als Gong diente. 

Ferner kommt der Name K'ing für ein 
großes napfförmiges Metallgong — jap. do- 
baCi — vor. 

Im Fuhchan-Dialekt ist K'ing s. v. a. K'in. 

Vgl. Fang hiang, Ko k'ing, Nio k'ing, Pien k'ing, T4 king. 

King, pangabi .Bogen'. Übertragen ein Bin 
von Lahor mit 6iner Saite und 8 muschelge- 
schmückten Stegen ( ?). 

Berlin Völk.-M. Nr. I C 7308. 

Kingale s. Ginkaie. 

Kingira, ^^, auch ^ ^^, pers. 



s. v. a. 



Kinguri. Psalterium der Gogi, ursprüngüch 
aus zwei Kalebassen, die durch einen Rahmen 



211 



14» 



KINHOUDER — KISLJA 



mit 4 Saiten verbunden sind, heute gewöhnlich 
nur aus 6iner Kalebasse mit Rahmen und 
I Saite. 

MacauliSe, The Sikhs Religion, Oxford 1910, vol. 1, p. 374. 

Kinhouder, ndl. .Kinnhalter'. 

Kinkioi, F?if^ült. skr. .Glöckchen'. 

Kin ku, chin. kreisrundes Gong, etwa 35 cm 
groß, mit Buckel, umlaufender Hohlkehle und 
abgebogenem Rand; sein Ton ist sehr klein. 

Moule 27. 

Kinnäre, Kannäre, )^ • arab. s. v. a. 
Kinnor; plur. kanänir, ->^^ 

Kinnari-vioä, angeblich von den Fabel- 
wesen kinnar, indessen offenbar s. v. a. 
arab. kinnäre; nach Day ein primitives 
Psalterium aus einem Bambusstock mit 12 
Knochen- oder Metallstegen, drei Resonanz- 
kalebassen und zwei im Quint- oder Quart- 
abstand gestimmten Drahtsaiten, die mittels 
eines hohen, gezahnten Trägers übereinander- 
geführt sind, derart, daß die untere unmittel- 
bare über die Bünde läuft ; nach Yantra-kosha 
dagegen wäre die Kinnari-viuä eine Kachapi- 
vloä mit Straußeneikörper und 5 — 7 Draht- 
saiten. 

Kinnatoke, nub. gewöhnliche Trommel. 

Villoteau 531. 

Kinnery s. Kinnarf-vtuä. 

Kinnhalter, Kinnteller, ein in der Regel 
aus Ebenholz verfertigter, leicht \'ertiefter 
Aufsatz, der, neben den Saitenhalter — heute 
links, früher rechts — auf die Decke der Vio- 
line und Bratsche geklemmt, zum Stützen des 
Kinns dient. Seine Einführung hat Spohr ver- 
anlaßt. 

Engl. CHIN REST, ndl. KINHOUDER, diin. HAGEBRiEDT, 
fr. MENTONNlERE.it. MENTONIERA, port. MANTONIER, 
«. PODBRADKA. ung. ALLTARTÖK. 

Kinno-koto = Sigen-kin. 

Kinnor, liai, die , Harfe' König DaNdds, dürfte 
nach den neuesten Forschungen mit der Ki- 
thara,\vie sie schon auf assyrischen Denkmälern 
erscheint, identisch sein. Der Name selbst 
scheint syrischen Ursprungs zu sein und ,Lotos' 
zu bedeuten. Der Kinnor wird bereits i.Mos. 
IV 21 erwähnt und ist das unentbehrliche In- 
strument bei allen freudigen Anlässen, Fami- 
lienfesten, Gelagen, Volksfesten, Sieges- und 
Krönungsfeiem, vor allem aber auch beim 
Gottesdienst. Als Traucrinstrument wird es 
nur einmal, Jes. XVI 11, genannt, wahr- 
scheinlich irriger Weise. Nach der Vermutung 
von Movcrs [Die Phönizier I 243] hätte der 
gleiche Name bei den Phöniziern einen Aulos 
bedeutet. Es wäre dann hier eine ähnliche 
Sachlage wie bei Sambuca. 

CreBmann 24; Weiß 17—43. — Vgl. GiUith. 

Kinnteller = Kinnhalter. 



K'in sian, chin. kreisrunde Schellentrommel 
mit Schlangenhautbezug; Dm. 24 cm. 

New- York Nr. 26. 

Kintorna, ung. , Drehorgel'. 

Kinwengwe, zaramo s. v. a. Kimuanye- 
muanye. 

Kinyra, xtvvga, = Kinnor. 

Kio kio s. Hano. 

Kiou s. Kyu. 

Kipäntsona, madag. ,Tamburin, Becken'. 

Kipkurkur, nandi .Glocke'; plur. kipkur- 
kurai. 

A. C. Hollis, The Nandi, Oxford 1909, p. 277. 

Kipokan, nandi , Leier', ca. 90 — 100 cm 
hoch und etwa 25 cm breit, ohne eigentliches 
Korpus, nur aus zwei unten gabelartig zu- 
sammenhängenden Armen und einem Quer- 
joch ; 6 Saiten, von denen eine aber nur zur 
Reserve dient ; gelegentlich wird ein kleiner 
Holzsteg verwendet. Plur. kipokandin. 

A. C. Hollis. The Nandi, Oxf. 1909, p. 39, 277. 

Kirän, ^^ . arab. ,, Laute, Cymbel". 

Kirbal, JLiJ^.plur. karabil.Jji^, s. Ghir- 
bäl. 

Kirembe, amba (Uganda Prot., Ruwenzori) 
,Trommer ; dial. auch ngoma. 

Kiringi, Balah, Holztrommel aus Frz.- 
Guinea (Soso) bzw. Senegambien (Sarakole); 
ein halbmeterlanger ausgehöhlter Baum- 
stumpf, oben und unten geschlossen, in den 
seitlich 3 Einschnitte gemacht sind, so daß 
2 freie, nur an den Enden festliegende Plätt- 
chen entstehen ; diese werden mit 2 Holzklöp- 
peln, denen man Kautschukköpfe gegeben hat, 
geschlagen. 

Brüssel Nr. 659. 

Kirisen, ein 3 saitiges Samisen mit breiterem, 
viereckigem, an den Ecken abgerundetem, 
pergamentgedecktem Korpus ; kleines Plek- 
trum aus Schildpatt wie das des Gekkin. 

Kraus 72. — Piggott 145. Vgl. Tai-sen. 

iKironge = aKasitori; plur. iVironge. 

iKisandasanda, plur. i Visandasanda, 
Langflöte der Rundi aus Holz mit einer An- 
blasekerbe im Rand des schallbecherartig er- 
weiterten Oberendes und mit 3 länglichen 
Grifflöchern nahe dem entgegengesetzten Ende. 

J. M. M. V. d. Bürgt. Dict. fr^.-kirundi, Bois-le-Duc 1903, p. 387, 
hg. 84. 

Kisar s. Kissar. 

Kisangi (mbundu), Zanza von Angola 
(Westafrika), mit eingesetzter Rassel. 

New- York Nr. 484, 486. 

Kis dob, ung. .Kleine Trommel'. 
Kisico = Zanza. 
Kisirka, nub. Name des Kissar. 
Kislja, V. russ. Fj-CJin, Psalterium der Cere- 
missen (Wolga), vom Kanteletypus, aus einem 



212 



KISSAR— KLANKBODEM 



dreieckigen Korpus, einer beträchtlich darüber 
herausragenden Decke und 2 1 Saiten von ent- 
sprechend abnehmender Länge. 

Paris Nr. 1255. 

Kissar, äthiopische Leier, vom griech. 
xi&dga, in der Form der antiken fünfsaitigen 
Hermesleier, wie sie Homer beschreibt, mit 
kübelartigem Holzkorpus, den eine durch- 
löcherte Membran 
bedeckt, und einem 
von ihm ausgehen- 
den Gestell , an ( 
dessen Querstange 
meist 5 Darmsaiten 
befestigt sind. Der 
Typus ist über das 
ganze nordöstliche 
Viertel von Afrika 
verbreitet. 

Kissara barbarieh 
s. Qitära barbarie. 

Kisumba, Name 
der Wambi in Lo- 
anda und Benguella 
(Port. Westafrika). 

Kise£naja struna, 
KHinsHHaH cTpyHa. 
russ. .Darmsaite'. 

Kistewän s. KeS- 
tebän. 

Kit, engl. .Ta- 
schengeige'. 

Kitara, xuaga. s. 
V. a. Kithara. 

Kitära, ü.LiiS , s. 
Qitära. 

Kitari,finn.,Gui- 
tarre'. 

Kitelis, xlteXts, v. 
türk. iki, ,zwei' und griech. rckt, , Drahtsaite', 
ngr. zweisaitiger Tampuras mit besonders 
langem Hals. 

Kitete, suaheli .Hirtenflöte, Schalmei'. 

Ch. Sacleux, Dict. frang. -Swahili, p. 155. 

Kithar, armen. ..Guitarre, Zither". 

A. Goilaw, Deutsch-armen. Wb.. Wien 1889, p. 792, 1639. 

Kithara, xiddga, eigentlich , Brust', aus dem 
Chaldäischen, auch xi&aQog, die Königin der 
griechischen Instrumente. Ein flacher, ebener 
oder gekrümmter viereckiger Kasten, der sich 
nach oben in zwei geschwungene Arme fort- 
setzt; von einem diese Arme oben verbinden- 
den Querholz laufen die Saiten zum Schall- 
kasten hinunter. Sie hatte ursprünglich 4 Sai- 
ten; Terpander vermehrte sie auf 7, Pytha- 
goras auf 8, Theophrast von Pieria auf 9, Jon 
und Hystiäos auf 10, Timotheus auf 11 und 
Pherekrates auf 12; schließlich blieb die Zahl 




RISS AK 
nach Chouquet 



auf 18. Das Instrument wurde vomüber- 
geneigt mit dem Schallkasten gegen die Brust 
gestemmt und mit einem Piektrum in der 
Rechten gespielt, während die Linke beim 
Wechsel der Oktavgattung einzelne Saiten um 
einen Halbton verkürzte ; die fast allgemeine 
Annahme, daß, da ein Griffbrett fehlte, die 
Saiten nur leer gespielt worden seien, ist irrig; 
die im Vergleich zu andern griechischen In- 
strumenten sehr geringe Saitenzahl, die Hand- 
stellung auf den antiken Kitharödenbildwerken 
und die Praxis vieler exotischer Völkerschaften 
der Gegenwart sprechen für das Gegenteil. 

Vgl. Baganä. Enneachord, Ljra, Telamon, 

Kitiran, Kinderschwirrholz von Java mit 
Griff. 

Leiden Nr. 625 2. — Schmeltz, Schwirrholi 102. 

Ki-tong = Keretok. 

Kitsäntsona, madag. .Becken, Tamburin'. 

Kittar, engl. (17. Jh.) ,Guitarre'. 

Kiu s. Kyu. 

Kivältö, ung. , Auslöser'. 

Kiver, mailänd. ,S-Rohr', v. österr. kipfel. 

iKivudzo = iKihuha; plur. iVivudzo. 

iKivuvu s. Inanga; plur. iVivuvu. 

Kiwambo cha ngoma, suaheli .Trommelfell'. 

Ch. Sacleux. Dict, (rf.-swah. 922. 

Kiwein s. Kre-wairt. 

Kiyamba, Rassel von Zanzibar. bestehend 
aus hohlen Rohrhalmen von ca. 3 dm Länge, 
die zu einem flachen Gitterwerke verbunden 
sind; innen sind Sand- oder Sorghumkörner, 
Erbsen oder Steine eingeschlossen. Man schüt- 
telt das Instrument wagerecht in den Händen. 

Zschr. f. Ethnol. X 392; ZIMG VI 65; Anthropos IV 791 (v. 
Hornbostel). 

Kj in birmanischen Namen, siehe unter Kr. 

Klabis, lett. .Klapper'. 

Klachel, steir. , Klöppel'; tirol. kämt, 
klachl. dim. kldchile. 

Kladivac, scrbokroat. , Glockenschwengel'. 

Kladivko ladici, cech. , Stimmhammer'. 

Klaff, schwed. , Klappe'. 

Klafvitur, schwed. , Klaviatur'. 

Klahw, estn. .Taste'. 

Klakol, altslav. ,Glocke'; polab. kläkül. 

Klampfe(r), bayr. Glambbe, steir. ,Gui- 
tarre, Zither, Hackbrett", auch wegwerfend 
für Klavier. 

Th. Unger, Steir. Wortschatz. Graz 1903. S. 390- Frefll 45. 

Klangboden = Resonanzboden. 
Klangstab ist beim Klavier s. v. a. Capo- 
tasto. Vgl. auch .Glocke'. 
Klanitas, lit. .Klarinette'. 
Klankbedwinger, ndl. .Dämpfer'. 
Klankbeker, ndl. .Schallstück'. 
Klankbekken, ndl. .Becken'. 
Klankbodem, ndl. , Resonanzboden'. 



213 



KLANKGAT-KLAPPER 



Klankgat, ndl. .SchaUoch'. 
Klap, dän. .Klappe'. 
Klapaöka, cech. .Klapper'. 
Kläpan, Knanam,, russ. .Klappe . 
Klaphoutje, Klapbeentje. ndl. .Kasta- 

gnette'. , 

Klapka, öech. .Klappe, Taste . 
Klapp, schwed. .Klöppel'. 
Klappen, die seit dem 2. Viertel 16. Jhs. 
nachweisbaren, durch Hebel betriebenen Ver- 
schlußdeckel der den Fingern schwer oder gar- 
nicht erreichbaren Tonlöcher bei den Blas- 
instrumenten. Man unterscheidet geschlossene 
und offene Klappen, je nachdem sie im Ruhe- 
zustand die entsprechenden Tonlocher decken 
oder aber sie offen lassen und erst beim Nieder- 
drücken ihres Hebels auf sie niedergehen ; ge- 
schlossene scheinen erst im 17. Jh. gemacht 
worden zu sein. 

Engl. KEY, ndl. KLEP. dän. KLAP, 
scbwed. KLAFF, fr. CLEF, it. 
CHIAVE.sp.LLAVE, port.CHAVE, 
russ. KL.\PAN, poln. KLAPA, 
serbokr. TIPKALICA.c. KLAPKA, 
esln.SORMULlNE, finn.LAPAKE, 
ung. BILLENTYO. - Vgl. Dreh- 
klappe, Ringklappen, SchleiOdappe, 
Schlüssel. 

Klappenfeder = Spiel- 
ventilfeder. 

Klappenflügelhorn ist 
der älteste Name des 
Klappenhoms (1816). 

Klappenhorn, zunächst 
der auf die Benutzung 
durch seinen Erfinder be- 
schränkte und nach des- 
sen Tod verlorene Amor- 
schall. Das eigenthche 
Klappenhorn ist Halliday 
in Dublin (Pat. Nr. 3334 
5. Mai 18 10) zu ver 




KLAPPENHORN 
im Besitz des Verfassers 



danken ; nach Analogie der Klappentrompete 
hat er als erster dem Flügelhorn 5 — spater 
auf 6 und 7 vermehrte — Tonlöcher mit Deck- 
klappen zur Ausfüllung der Naturskala ge- 
geben Trotz der Nachteile, die eine mehr- 
fach durchbrochene Wandung im Gefolge 
haben muß. konnte sich das Klappenhorn 
neben den Ventilinstrumenten bis in die 
2 Hälfte 19. Jhs. hinein behaupten. 
Engl KEY BÜGLE, ndl. KLEPHOREN, dän. KLAPHORN, 
.chwcd. KENTHORN, wal ALWEDDGORN fr^ BLGLE A 
CLEFS, i.. CORNETTA A CHIAVI, 'P;. CORNETA DE LLA- 
VES, port. CORNETA DE CHAVES. fmn. LAPAKETORVL 
Vgl. Tromba. 

Klappenhornbaß = Bassophiklcide. 
Klappenkasten = Windkasten. 
Klappenkelle s. Klappcnlöffel. 
Klappenkopf, das dem Windkastenspund 
zugewendete Ende des Spielventils. 



Klappenleiter, die Leitstifte, zwischen denen 
sich die Spielventile bewegen. 
Engl. DIRECTION-PINS. 

Klappenlöffel, Klappenkelle, der gefut- 
terte Deckelteil der Klappe. 

Engl KEY CAP, fr. PLATEAU DE CLEF. 

Klappenpolster, die Fütterung des Klappen- 
löffels Der moderne Typus — Darmhaut 
mit Wollfutter - geht nach der Erinnerung 
Gottfr. Weber's auf Iwan Müller (Anf. 19. Jhs.) 

lng."cUSHION, ndl. POLSTER, fr. TAMPON, it. CÜSCI- 
NETTO russ. PODUÄKA, c. P0L§TASKA, ung. BOR. 

Klappenring, Ventilring, die Verbindungs- 
öse zwischen Pulpetenstange und Hauptventil. 

Klappenschrank, veraltet für Windkasten. 

Klappenschwanz, das dem Klappenkopf 
gegenüberliegende Ende des Spielventils. 

Klappenstiel, der Hebel der Klappe. 

EngL KEY LEVER, ndl. KLEPSTEEL, fr. LANGÜETTE 
DE CLEF. 

Klappentrompete, eine Trompete mit ion- 
löchern und 4-6 Klappen zur Ausfüllung der 
Skalalücken. Dieser 1801 von Weidinger in 
Wien konstruierte Typus erlangte eine gerin- 
gere Bedeutung als das spätere Klappenhorn. 
weil man einer Trompete noch wemger als 
einem Flügelhorn die Verschlechterung der 
Tonqualität durch die wiederholte Durch- 
bohrung der Wand verzeihen mochte. 

Engl KEY TRUMPET, ndl. KLEITROMPET, dän. KLAP- 
TROMPET Ir. TROMPETTE A CLEFS, it. TROMBA A 
™VI sp. TROMPETADE LLAVES. - Vgl. Baß-Klappen- 

trompete, Clavi-Tube. 

Klapper, ein mehrteihges Idiophon aus 
stumpfklingendem Material. Nußschalen. 
Muscheln. Holz. Knochen. Elfenbein u dgl., 
das durch unmittelbares Aneinanderschlagen 
seiner Teile zum Tönen gebracht wird im 
Gegensatz zur Rassel, die nur ein mittelbares 
— durch Schütteln — erfordert. Sic ist als 
Artefizicrung des Händeklatschens über die 
ganze Welt und durch alle Zeiten verbrei- 
tet Besonders reich an Klapperinstrumenten 
sind der buddhistische und der mohamme- 
danische, der von diesem abhängige südwest- 
europäischc und der altamerikanische Kultur- 
kreis 

Engl CLAPPER, ndl. KLAP, dSn. SKRALDE, schwed^SKALL- 
rÄ' fr. SONNA.LLE, it. SONAGUO, 'P- ^ON^^^ROj^r " 
CREPIT\CULO. russ, GREMUSKA, poln. GRZECHOTKA, c. 
KLAPACKV .erbokr. CAGRTALJKA. slov. KLOPOTIZ Ut- 
T.tRSKALAS. lett. KLABIS, estn. KLAPER, ..nn. KALK 
KARE ung. KEREP. gael. CLABAN. 

Vgl Europa: Albogue . Crotalum, «astagnetten Ratsche, 
S«bellum Tr.cca-ballacca. Zveika. - Asien: Aghata, Bya- 
k"si " äTban nhac, Cäi cap k6, Cäi xinh Mn. Crap-.uong 
Öhaira iiplavo. Cung tu, Elibo. Eqligh, Fuqaisat Gele-masa. 
Häku haL,'Khat.täl., Kien pan, Kur.ar P-e pan, P'-^. Q-* 
&akubioii. 8u pan, Wunlet-hkuk, y°«-?,''<.<^- ' J^ ""ll 
Bombol., Karab,b, Karkaba,. Kr.,kab, «--'■ ."^'"p^iü 
Amerika: Chicauailli, Pata, Sesegwon. - Ozeanien . PtUU. 



214 



KLAPPERBRETT— KLARINETTE 



Klapperbrett s. Schlagbrett. 

Klara, estn. .Klavier'. 

Klarijn, ndl. .Resonanzboden'. 

Klärina, bask. .Trompete'. 

Klarina s. Heckelklarina. 

Klarinette, ein wichtiges Blasinstrument 
mit einfachem Rohrblatt und überwiegend 
zylindrischer Bohrung. 



Notierungs- 
umfang: 




(Mozart 
schreibt 
sie bis c.) 



Ihrer zyUndrischen Röhre wegen gehört die 
Klarinette zu den gedeckten Pfeifen, deren 
Verdichtungswellen den Reflexions- 
punkt am Pfeifenende haben und 
folglich eine Oktave tiefer klingen 
als eine gleichlange offene Pfeife. 
Eine weitere Folge der zylindrischen 
Bohrung — was neuerdings von 
Volbach angezweifelt wird — ist 
das Ausfallen der geradzahligen 
Obertöne, so daß das Instrument 
mit Umgehung der Oktave sofort 
in die Duodezime überspringt, 
demnach eines komplizierteren 
Griffloch- und Klappensystems be- 
darf, «m die Lücke zwischen dieser 
und dem Grundton auszufüllen. 
Je enger die Bohrung ist, um so 
tiefer die Stimmung. 

Die Klarinette ist aus dem alten 
sog. Chalumeau, einem primitiven 
Blasinstrument mit einfachem Blatt 
und zylindrischer Bohrung, ent- 
standen. 

Um 1690 bringt Joh. Christoph 
Denner in Nürnberg, dem die Um- 
wandlung des Chalumeau in die 
Klarinette zu verdanken ist, am 
Oberstück eine a'- und gegenüber 
auf der Hinterseite eine A'-Klappe ^.i^'tüir 

mr •• , 1 NETTE 

an [München]. niit isKiap- 

Um 1720 verkleinert sein Sohn pen und 
J. Denner das A'-Loch, so daß = Ringen 
es zu einem i'-Loch wird, rückt 
es höher an den Schnabel heran und macht 
es damit zugleich zu einem das Über- 
blasen erleichternden Duodezimenloch, wäh- 
rend das nunmehr ausgefallene A'-Loch und 
damit zugleich ein e in das verlängerte L^nter- 
stück gebohrt und mit einer langstieligen 
Klappe gedeckt wird. Die Umfangsnotierung 
bei Walther ist nach unten hin um eine Oktave 
zu kurz geraten. 

Mitte 18. Jhs. wird eine 4. und 5. Klappe für 
fis-cis" und gis-dis" angeblich von Berthold 



Fritz in Braunschweig (gest. 1766) angebracht, 
1791 eine «i'-jis"- Klappe von Xav. Le- 
febvre in Paris. 

Um iZoo fügt Iw. Müller 7 neue Klappen 
hinzu, für /-c", &-/", h-fis", es'-b", f'-c"', gis' 
und Ä', unter gleichzeitiger Korrektur der 
Bohrung und der Lage und Weite der Griff- 
löcher, und schafft damit die im wesentlichen 
noch heute gültige Grundform der Klarinette ; 
die vielen Einzelklarinetten für jede Tonart 
waren fortan überflüssig. 

1808 füttert J.-F. Simiot in Lyon das 
Daumenloch mit einem nach innen führenden 
Röhrchen aus, um das Ausfließen des Speichels 
zu verhindern, legt zu dem gleichen Zweck die 
6'- Klappe auf die Vorderseite, ohne ihren He- 
bel dem Daumen zu entziehen und gibt eine 
Trillerklappe für a'-h' und b'-C". 

1823 führt C. Janssen in Paris die Verbin- 
dungsrollen für einzelne Klappen ein. 

1839 überträgt L.-A. Büffet jeune in Paris 
einige Eigenheiten des Boehm'schen Systems 
auf die Klarinette, vor allem den Ringklappen- 
mechanismus, für den aber erst i846LefebvTe 
ein Patent erhält, und 

1867 R. Mollenhauer den gesamten Mecha- 
nismus Boehm's (,Boehmklarinette'). Beide 
Typen werden 

1890 in Mollenhauer & Kunze's .Deutscher 
Normalklarinette' verbunden. 

1892 unterdrückt P. Pupeschi den selb- 
ständigen cis'-gts"-Griff. 

Engl. CLARINET. ndl. dän. 6. slov. ung. KLARINET, schw. 
KLARINETT, wal. TOLGORN, fr. CLARINETIE, it. CLA- 
RINETTO, sp. port. CLARINETE, tum. CLARINETA, rät. 
CLARINETTA, russ. poln. bulg. «tn. KLARNET, ruth. 
KLJARNET, finn. KLARINETTl, Ut. KLANITAS. ngr. 

•ErerAYAO^. 

Literatur: Altenburg, W., Die Klarinette. Ihre Entwicklung 
bis zur Jetztzeit. Heilbronn (1904). — Cucuel, G., La questioo 
des darinettes dans l'instrumentation du XVlIIe si^le. ZIMG 
XII 1911 p. 380. 

Vgl. A-Klarinette. Alt-KIarlnctte. As-Klarinette, B-Klarinette, 
Bassetthom, BaB-Klarinette. Boehm-Klarinette, Clairon mtlal- 
lique, Clarinette omnitonique, E-Klarinette, Es-Klarinette. F- 
Klarinette, G-Klannette, H- Klarinette, Kombinations- Klarinette, 
Kontrabaß-Klarinette, Liebesklarinette, Milodore, Stock-Klari- 
nette. — Birne, Blatt, Schnabel, Walzen. 

In der Orgel ist Klarinette eine weitmensu- 
rierte Lingualstimme, meist zu 8', mit über- 
wiegend konischen, seltener zylindrischen 
Schallbechern und mit einschlagenden 
(Deutschland) oder aufschlagenden Zungen 
(Frankreich, England); im Klang steht sie 
zwischen Oboe und einer weich intonierten 
Trompete. Als 4' Pedalregister (Hofkirche 
Dresden von Silbermann) ist sie ungewöhnlich. 

Vgl. Sonarpfeife. 

Der Harmoniumbauer nennt Klarinette eine 
markige, in der Regel mit Bordun zu einem 
Spiel vereinigte Diskantstimme zu 16'. 



215 



KLARINETTENBASS— KLAVIER 



Klarinettenbaß s. Baßklarinette. 

Klarinet-wandelstok, ndl. , Stockklarinette'. 

Klaroen, ndl. .Klarin, Signalhorn". 

Klarynet, poln. .Klarinette'. 

Klaryphon, eine Baßklarinette aus Blech. 
Zu den wenigen Orchestern, die es eingeführt 
haben, gehört die spanische Marinemusik. 

Klater, ndl. .Rassel'. 

Klatidio, öech. ,Balgkla\'is'. 

Klatno , KjiaTHO , serbokroat. .Glocken- 
klöppel'. 

Klauwier, ndl. .Klaviatur'. 

Klaväoline, ein 1826 von dem aus Köthen 
(Anhalt) gebürtigen Instrumentenmacher Carl 
Schmidt in Preßburg vervollkommnetes Aolo- 
dikon. 

Die gleichnamige Orgelstimme — ein sanf- 
tes Lingualregister zu 8' mit einschlagenden 
Kupferzungen in kugelförmigen Glocken — ist 
1830 von Beyer in Naumburg konstruiert 
worden. 

Klavecimbel, ndl. .Klavizimbel'. 

Klavesiste, cech. .Manual'. 

Klävesnice, cech. .Klaviatur'. 

Klaveeri, finn. .Klavier'. 

Klaviatur, die Gesamtheit der Tasten eines 
Klaviers, einer Orgel usw., v. lat. clavis, 
.Schlüssel, Taste'. Das Klappensystem eines 
Blasinstruments wird nur dann Klaviatur ge- 
nannt, wenn zur Gewinnung eines Tons jedes- 
mal nur eine Klappe bewegt zu werden braucht, 
wie z. B. beim Tritonikon. 

Klaviaturen scheinen sich seit dem 13. Jh. 
langsam herausgebildet zu haben. Ihre Ent- 
stehung liegt völlig im Dunkeln. Seit Ende 
15. Jhs. läßt sich das allmähliche Wachsen 
ihres Umfangs verfolgen. In dieser Zeit finden 
wir in Deutschland, der Schweiz, den Nieder- 
landen, Frankreich und Italien drei bis vier 
Oktaven von F ab ; nur Spanien ging bis C 
hinunter. Im letzten Drittel 16. Jhs. erweitern 
auch die andern Nationen ihre KlaNaaturcn 
bis C in der Tiefe und c' in der Höhe. Das 
17. Jh. beschränkt sich meist auf diese Gren- 
zen. Natürlich sind alle derartigen Angaben 
nicht allgemeingültig. Vollends im 18. und 
19. Jh. wechselt der Umfang derart, daß sich 
Regeln kaum aufstellen lassen. Für das 
Hammerklavier ist am Ende des betr. Ab- 
schnittes eine Tabelle aufgestellt; das Orgel- 
manual umfaßt bei modernen Werken 56 
Tasten C-g'. 

Die erste freie, vorspringende Klaviatur ist 
1808 von Erard in Paris geschaffen worden. 

Enj;. KEY-BOARD, ndl. TOETSENBORD. dän. KLAVIATUR, 
schw. KLAVITUR, w.il. EH1LLFWRDD, (r. CLAVIER. it. 
TASTIERA sp. TECLADO, mm. CLAVIATURA. russ. i. bulg. 
KLAVI AXURA, ««bokr. TIPEZ. estn. SORMISTlK.finn. KOS- 
KETnMET.ung.NV0MANTYt'ZAT,ngr./y^i/Ar/'O*0i'0iV. 



Vgl. Blinde Klaviatur, Bogenklaviatur, Chromatische Klaviatur, 
Janköklaviatur, Kurze Oktave. Levigrave Regulateur, Manual, 
Olbrichklaviatur, Pedal, Sequential Keyboard, Strahlenklaviatur, 
Tasten. Vorsetzbrett, Wagebalken, Wippenklaviatur. 

Klaviaturbrett, Vorsetzbrett, das über- 
kant auf den Tasten am Ende ihres belegten 
Teils stehende Brett. 

Klaviaturgehäuse s. Registerschrank. 

Klaviaturkontrafagott, Tritonikon v. Carl 
Wilh. Moritz in Berlin (1855), mit tatsächlich 
klaviermäßiger Tastatur. 

Preuß. Fat. Nr. 13043 v. 14. Okt. 1856. 

Klaviaturschrank s. Registerschrank. 

Klaviaturschweller , Crescendokoppel, 
eine zuerst 1736 von Morcau in der Johannis- 
orgel zu Gollda angebrachte Vorrichtung, die 
es bei gekoppelten Manualen erlaubt, mit sanf- 
tem Anschlag nur ein, und mit verstärktem 
Anschlag auch die andern Manuale hinterein- 
ander ansprechen zu lassen. 

Klaviaturzither, eine 1903 von Johs. Reh- 
bock in Duisburg konstruierte Zither mit rich- 
tiger Klaviertastatur, 75 cm lang, 64 cm breit, 
20 cm hoch; 



Umfang: 



m 



^ 



^ 



Z. f. I. XXIV 151. 

Klavichord , unser ältestes Klavier-Saiten- 
instrument, das wahrscheinlich im 12. Jh. 
durch Anbringung einer Klaviatur auf dem 
Monochord entstanden ist. Haupteigenschaf- 
ten: Tangenten, meist aus Metall, als Schwin- 
gungserreger und gleichzeitige, den Lauten- 
bünden entsprechende Teiler der Saiten, deren 
linke Hälfte durch zwischengeflochtene Tuch- 
streifen abgedämpft ist, und quere Lage des 
Bezuges. Die Geschichte des Klavichords zer- 
fällt in zwei Perioden, die erste, gebundene, 
bis zur 1. Hälfte 18. Jhs., die zweite, bund- 
freie, bis zum Anfang 19. Jhs. Der Ton des 
Klavichords war äußerst zart und schwach; 
dem Mangel an Tonfülle stand aber die Mög- 
lichkeit eines seelenvollen Vortrags gegenüber, 
der dem starren Cembalo versagt war. 

Engl. fr. CLAVICHORD, dän. schw. ndl. russ. KLAVICHORD. 
it. CLAVICORDO. sp. CLAVICORDIO, poln. KLAVVIKORD, 
wal. CVWEIRGORD. 

Literatur: K. Nef, Klavizymbel und Klavichord. Peters- 
Jahrbuch X. Leipzig i()03. — F. A. Goehlinger, Geschichte 
des Klavichords, Basel 1910. 

Vgl. Bibelklavichord, Bundfreies Klavier, Bundklavier, Clavecio 
d'Amour, Deutsche Mensur, Italienische Mensur, Pedalklavi- 
chorde, Polytoniclavichordium, T-angcnten. T-ingentenfltigel. 

Klavidon, ein 1806 v. Sauer in Prag erfun- 
denes Klavicrinstrument mit hackbreftarti- 
gem Klang und geringem Tonumfang. 

Klavier, v. frz. clavier, , Klaviatur', ist der 
gemeinsame Name der mit einer Klaviatur ge- 
spielten Saiteninstrumente, wird aber gelegent- 
lich auch für andere Instrumente mit Klavia- 



216 



KLAVIERGAMBE— KL AVIZITERI UM 



tur, z. B. das Gabelklavier, in Anspruch ge- 
nommen. Im heutigen Sprachgebrauch be- 
deutet Klavier schlechtweg das Hammer- 
klavier. 

Engl. fr. it. port. PIANO, ndl. KLAVIER, dän. schw. KLA- 
VER, wal. PERDONEG, sp. CLAVE, russ. FORTEPIANO, 
poln. FORTEPIAN, c. slov. ruth. KLAVIR, serbokr. GLASO- 
VIR, finn. KLAVEERl, ung. ZONGORA, ngr. KAEIJOKYM- 
BÄAON. 

Vgl. Cembalo, Clavecin acoustique, Cölestin, Echiquier, Elek- 
trisches Klavier, Enharmonium, Flügel, Hainmerkla\'ier, Har- 
moniumklavier, Klavichord, Klavidon, Klavimandor, Kopplung, 
Kornettklavier, Kurze Oktave, Orgelklavier, Pedal, Saitenorgel, 
Streichklavier, Tangentenflügel. 

Klaviergambe s. Streichklavier. 

Klavierharfe, eine Harfe, deren Saiten durch 
eine Klaviatur mittels Stiften angerissen 
werden. Schon Mersenne (1. III pr. 24) be- 
richtet von italienischen Klavierharfen. Dann 
erfand 1681 — nach Gerber A. L. I 772 — der 
württembergische Organist Joh. Kurtz eine 
, Harfe, so durch ein Klavier, gleich einem 
Spinet zu schlagen', ohne indessen einen brei- 
teren Erfolg zu erzielen. Ebensowenig Glück 
hatte der Kathedralorganist Jean-Ant. Berger 
in Grenoble (1719 — yy) mit seiner Mechanik, 
die ihm von einem Angestellten Frick — nach 
Fetis I 355 — entwendet wurde. 1813 ließ sich 
Bateman in London eine Klavierharfe unter 
dem Namen ,CIavilyr' patentieren. Es ist also 
unzulässig, Joh. Chr. Dietz in Paris als Er- 
finder dieses Typs zu bezeichnen. Seine Idee 
wurde am 18. Febr. 18 14 geschützt, das Instru- 
ment selbst aber, das Dietz' Sohn baute, erst 
1819 bei Gelegenheit der Industrieausstellung 
im Louvre dem Publikum gezeigt. Die Firma 
Dietz hat den Bau von Klavierharfen bis in die 
Gegenwart fortgesetzt ; auch andere Instru- 
mentenmacher, noch in jüngster Zeit Elias in 
Stuttgart (1884), Rud. Grimm in Mailand 
(1884), Caldera und Racca in Turin und Ign. 
Lutz in Wien (1891), haben sich mit diesem 
Zwitter befaßt. Bedeutung hat keiner der 
Versuche erlangen können. 

Engl. CLAVI-HARP, dän. CLAVIHARPE, fr. HARPE A CLA- 
VECIN. — Vgl. Calderarpa, Cherubine Minor, ClaviljT, Eu- 
phonikon, Uranikon. 

Klavierharmonika = Tastenharmonika. 

Klavieroboe = Harmoniphon. 

Klaviharmonium s. Harmoniumklavier. 

Klavilyra s. Clavilyr. 

Klavimandor, ein Klavierinstrument, das 
nach Gerber N. L. III 290 Anf. 19. Jhs. von 
Joh. Andr. Mahr in Wiesbaden gebaut und zu 
12 bis 30 Karolinen verkauft wurde. 

Klaviola s. Ciaviola. 

Klavis s. Balgklavis. 

Ktavis, KjiaBiimi, russ. ,Taste'. 

Klavitur, schwed. , Klaviatur'. 

Klavizimbel s. Cembalo. 



Klaviziterium, ein dem 16. und 17., wahr- 
scheinlich auch schon dem 15. Jh. angehören- 
des Cembalo mit aufrechtgestelltem Korpus, 
ähnhch wie später bei den Giraffenklavieren. 
Die Entstehungsgeschichte dieses raumsparen- 
den Instruments liegt noch völlig im Dunkeln. 
Bisher pflegt man, gestützt auf eine Stelle bei 
Virdung, sein Geburtsdatum auf etwa 1500 
und — im Anschluß an Mersenne — seine 
Heimat nach Italien zu verlegen. Das be- 
treffende Instrument, das der fünfviertel 
Jahrhunderte jüngere Mersenne auf p. 1 13 ab- 
bildet und beschreibt, ist überhaupt kein 
Klaviziterium. sondern eine Klavierharfe. Die 
Stelle bei Virdung (fol. Bv.): .Das ist eben als 
das virginale / allein es hat ander saiten von 
den dörmen d' schaue vnd negel die es harpfen 
machen hat auch federkile als das virginale ist 
neulich erfunden vnd ich hab ir nur eins ge- 




KLAVIZITERU'M-MECHANIK 

nach Galpin 

B Docke, D Dämpfer, £ Treiber, F Feder 

sehen.' — wird auf das nebenstehend abge- 
bildete Klaviziterium bezogen. Dazu liegt 
aber keine Veranlassung vor. Erstens sitzt das 
Wort Clauicitcriü tiefer auf der Seite als der 
Anfang dieses Abschnitts. Zweitens: sollte 
Virdung nicht empfunden haben, daß zwischen 
Klaviziterium und Virginal nicht Besaitung 
und Bekielung, sondern vor allem der ganz ab- 
weichende Bau, die aufrechte Stellung den 
Hauptunterschied ausmachen ? Richtiger 
wird die Stelle auf das darüber stehende Wort 
Clauicimbalü bezogen, dessen zugehöriger 
Holzschnitt fast genau mit dem des Virginais 
identisch ist ; dann erst gibt es einen Sinn, daß 
das Instrument ,eben als das virginale' ist. 
Somit fällt das Zeugnis für die ,neuliche Er- 
findung' des Klaviziteriums. 

Ein Eingehen auf den durch kein literari- 
sches oder bildnerisches Zeugnis gestützten 
besonderen, horizontalsaitigen Typus, den 
zwei von Baron Kraus gefundene Exemplare 
vertreten, verbietet sich an dieser Stelle. 



217 



KLAVIZYLINDER— KLEINES KORNETT 



Klavizylinder, ein im Mai 1799 von Chladni 
erfundenes, 1800 veröffentliches, aber erst 
18 14 in endgültiger Fassung fertiggestelltes 
Tasten-Reibstabspiel in Form eines Tafel- 
klaviers, auf dessen hinteren Tastenenden 
kleine krumme Eisenstäbe befestigt waren; 
beim Niederdrücken der Taste wurde das tuch- 
bekleidete Ende des entsprechenden Stabs 
mehr oder weniger gegen einen befeuchteten, 
durch einen Trittschemel in Rotation versetz- 
ten Glaszylinder gedrückt und durch die ent- 
stehende Reibung in Schwingung gebracht. 
So schön der Ton war, so wenig vermochte er 
auf die Dauer zu befriedigen; auch die not- 
wendige Beschränkung auf Stücke langsamen 
und gebundenen Charakters war der Verbrei- 
tung des Instruments hinderlich. Es teilte da- 
her d£is Schicksal der meisten Friktions- 
Harmonikas jener Zeit, zwar das Interesse der 
Musiker, Akustiker und Mechaniker zu er- 
regen und Nachahmungen zu zeitigen, ohne 
indessen trotz ausgedehnter Propagandareisen 
durch ganz Europa im Musikleben Boden ge- 
winnen zu können. 

VgL Oedephon. 

Klawer, estn. , Klavier'; finn. klaweri. 

Klawicymbal, poln. .Klavizimbel'. 

Klawikord, poln. ,Ivlavichord'. 

Klawisz, poln. ,Taste'. 

Klechel, Klcckel, mhd. .Klöppel*. 

Kleddi = Keluri. 

Kleengeige, ndl. .Taschengeige'. 

Kleidokymbalon, xXei&oxvnßakm\ ngr. ,Iüa- 
vier'. 

Kleine Balalaika die kleinste Balalaika mit 
der Stimmung: 



^^ 



Klein Baß-Viola da gamba, im 17. Jh. die 

mittlclste Viola da gamba. Hauptstimmungen: 




Kleine Blockflöte, die kleinste Blockflöten- 
art, ca. 10 — 15 cm lang, mit nur 3 Grifflöchern 
auf der Vorder- und i auf der Rückseite; 
tiefster Ton g". 

■■raetorius 24 (21). sr) (34). T. IX. — Vgl. Picco pipe. 

Klein-Kantuskrummhorn = Exilentkrumm- 
horn. 

Kleine Diskantgeige s. Quartgeige. 



Kleine Diskantlaute, im 17. Jh. die zweit- 
kleinste Laute; 5 Saiten in 



■ ' > :1 r r 



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im Zusammenspiel mit andern Lauten da- 
gegen in 



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Praetorius 30 (27)- 60 (51). 

Kleines Fagott, Altfagott, im 17. Jh. ein 
Fagott mit 
dem Umfang 



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der Vorläufer des kleinen Quintfagotts, ca. 
45 cm hoch. 

It. FAGOTTO PICCOLO. sp. B.^JONCILLO. — Praetorius 
26 (23). 44 (38). T. X. 

Kleinflöte in der Orgel = Sifflet. 

Klein Flötlein = Kleine Blockflöte. 

Kleine Flöte, i. s. v. a. kleine Blockflöte. — 
2. Die in der Praxis meist Pikkolo genannte, 
geg. Ende 18. Jhs. aus der primitiven, ein- 
teiügen Militär-Querpfeife hersorgegangene 
Oktavflöte, die in kleineren Dimensionen dem 
Bau der Großen Flöte entspricht, allerdings in 
den meisten Fällen ohne deren Fußstück. 



Umfang: 



Notierung: 



^n 



y^ l;* t 



$ 



Gebräuchliche Stimmungen C, Des, Es. Die 
Kleine Flöte ist also, von wenigen Flageolet- 
tönen der Violine abgesehen, das höchste 
Orchesterinstrument ; die äußerste Höhe wird 
jedoch ebensowie die Tiefe selten gebraucht, 
erstere wegen ihrer außerordentlichen Grell- 
heit, letztere wegen ihrer Schwäche und Cha- 
rakterlosigkeit. Die Bohrung wird meist 
konisch genommen. 

NB. Flauto piccolo in den Partituren des 
18. Jhs. ist gewöhnlich nicht unsere Kleine 
Flöte, sondern das Flageolett. 

Engl. OCTAVE FLUTE, ndl. riCCOLO-FLUIT, dän. LILLE 
FLOJTE, schw. I'ICCOLA-FLOJT, wal. WVTHONBIB, fr. 
PETITE FLUTE, it. FLAUTO PICCOLO. sp. FLAUTl'.V, port. 
FLAUTIM, russ. PIKOL-FLEJTA, poln. PIKULINA. serbokr. 
PI.%T.\L.\, ung. riKOLÖ. — Vgl. Querpfeife. Schwciierpfeife. 

Kleines Kornett, Pikkolo, ein Sopranino- 
Kornctt in hoch Es oder einer noch höheren 
Stimmung (bis zu hoch C). Für die fast aus- 
schließlich gebrauchte £*-Stimmung ist die 



218 



KLEINE LIRA— KLINKIK 



Naturskala : 



Umfang : 



Notierung: 



fj .iiir^^ 



$ 



w- 






^ 



t 

Das kleine Es-Kornett, das älteste der Gat- 
tung, ist 1842 von C. W. Moritz in Berlin kon- 
struiert worden. 

Fr. CORNET SOPRANINO, it. CORNETTINO, sp. CORNET- 
TIN, port. CORNETTIM. — Vgl. Pikkolokornett.1 "~ 

Kleine Lira = Lira da braccio. 
Kleine Oktavlaute, im 17. Jh. die kleinste 
Lautenart; p-ö 1 1 > 




4 Saiten in 



Praetorius 30 (27). 60 (51). 

Klein Pfeiflein = Kleine Blockflöte. 

Kleinprinzipal = Prinzipal 4'. 

Kleines Saxhorn — frz. Saxhorn sopra- 
nino (soprano) — Saxhorn in hoch Es (häu- 
fig_Sopransaxhorn genannt), in hoch B oder 
hoch C. 



Umfang : 




Notierung 



Das hoch ß-Saxhorn ist 1855 von Berlioz im 
Fahnenmarsch seines Tedeums vorgeschrieben 
worden. 

Kleines Saxophon," frz. Saxophone so- 
pranino, Saxophon in hoch F oder Es; 

Umfang 



Notierung: 



Vgl. Heckel- Pikkoloklarina. 




Kleine Saxotromba, frz. Saxotromba 
sopranino. Umfang wie beim Kleinen 
Saxhorn in Es. 

Klein-Schalmei, im 17. Jh. die kleinste 
Bomhartenart, 44 — 45 cm lang ; 



Umfang: 



$ 



Praetorius T. XI. 

Kleine Tamburica s. Bisernica. 

Kleine Trommel, eine hell- und scharfklin- 
gende Militärtrommel mit Schnarrsaite, aus 
einer niedrigen Holz- oder Blechzarge und 
zwei durch Reifen gehaltenen und in der Regel 
mit Schrauben gespannten Fellen. 

Engl. SIDE-DRUM, ndl. KLEINE TROM , dänu LILLE 
TROMME. fr. C.\ISSE CL.AIRE, it. CASSA, sp. port. TAM- 
BOR, russ. MALENKIJ BAR.\BAN, poln. B^BEN WOJ- 
SKOWY, c. MALY BUBEN, ung. KIS DOB. 

Klekotka, poln. .Ratsche'. 
Klember, serbokroat. .Glockenklöppel'. 
Klentong, jav. ovale, 20 cm hohe Herden- 
glocke aus Bronze. 

Brüssel Nr. 1693. 

Kiep, ndl. .Klappe'. 

Klepac, serbokroat. .Glockenklöppel'. 

Klepa£ka, fech. .Klapper'. 

Klepalce, asl. .kleines Semanterion'. 

Klepälo, KjieriaJio. russ. serbokroat. bulg. 
.Semanterion"; fcch. klepavka. 

Klepel, ndl. .Klöppel'. 

Klepetalo, dini. v. Klepalo. 

Klepetusa, KaeneTyuia, KlepSa, serbo- 
kroat. s. V. a. BuckoSa. 

Klerdi s. Klcddi. 

Klimen, serbokroat. .Klöppel'. 

Klingelzugs. Balgglocke. 

Klingende Register, diejenigen 
Registerzüge, die eine Stimme zum 
Ansprechen bringen, im Gegen- 
satz zu den Blinden Registern. 

Engl. SPEAKING STOPS, ndl. SPREKENDE 
REGISTERS, fr. REGISTRES PARLANTS. 

Klingstein nennt man gewisse, 
namentlich in China. Indonesien 
und auf den Karolinen vor- 
kommende Steinsorten, besonders 
Nephrit, die in Tafeln geschnitten 
als Aufschlag- (auf den Karolinen 
als Gegenschlag-)Idiophone ver- 
wendet werden. 

Engl. SONOROUS STONE, fr. PIERRE 
SONORE. — Vgl. Felsenharmooika, K'ing, 
Krorao, Lithokymbalon. 

Klinkik, schalmeiähnliches Aerophon vom 
Nootka-Sund (Vancouver) aus zwei anein- 
andergebundenen Holzrinnen in Form eines 
Entenschnabels, deren abgeflachte Enden als 



219 



KLIU— KNOCHENPFEIFE 



Doppelzunge wirken und in Sch%vingung ge- 
raten, wenn man in die entgegengesetzte 
Öffnung hineinbläst. 

Berlin, Völkerkunde Mus. IV A 1723a. 

KUu s. Khlui. 

Kljarnet, KjiHpHerb, ruth. , Klarinette'. 

Kljavir, KjiHBiipi., ruth. .Klavier'. 

Kljuc, serbokroat. .Wirbel' (Gusle). 

Kljuc od svirale, serbokroat. .Stimm- 
krücke'. 

Klocka, schwed. , Glocke'. 

Klockkläpp, schwed. .Glockenschwengel'. 

Klockmalm, schwed. .Glockenspeise'. 

Klockspel, schwed. .Glockenspiel'. 

Klockstyck, schwed. .Schallstück'. 

Klocktrumma, schwed. .Schellentrommel'. 

Klods, dän. .Stock'. 

Klok, ndl. .Glocke'. 

Klokboom, ndl. .Glockenzapfen'. 

Klokje, ndl. .Glöckchen'. 

Klokke, dän. .Glocke'. 

Klokkeknevel, dän. .Glockenschwengel'. 

Klokkemalm, dän. .Glockengut'. 

Klokkenspel, ndl. .Glockenspiel'. 

Klokkestabel, Klokkestol. dän. .Glocken- 
stuhl'. 

Klokspijs, ndl. .Glockenspeise'. 




KLON YAI 
nach Notes on Siamese MusicTl lostrumeats 

Klon, siam. .Trommel'. 

Klort khek, malay. lange Trommel mit 
leicht gebrauchtem Holzzylinder, die mit 
einem etwas gebogenen Holzstäbchen ge- 
schlagen wird. 

New- York Nr. 276/7. 

Kloft poii pift, siam. einfellige Sanduhr- 
trommcl mit Holzkorpus und Riemenspan- 
nung. 

New- York Nr. 265. 



Kloii ta roti pote, siam. Trommel mit zwei 
Fellen und Holzkorpus in Rahmen. 

New- York Nr. 297. 

Klon tuä miä, siam. hochgestimmte Trom- 
mel. 

KloA yai, siamesisches Trommelspiel aus 
zwei oder drei dem Schläger leicht zugeneigten 
Trommeln mit reichdekoriertem, faßförmigem 
Holzkorpus und zwei Fellen. Zum Schlagen 
dienen zwei Klöppel, zum Stimmen eine Hand- 
voll gekochten und zerquetschten Reises. 

New- York Nr. 282. 

Klopotac, Klopac. serbokroat. .Schlag- 
brett. Schlagholz' ; slov. klopötiz. 

Klöppel nennt man die an einem Ende meist 
verdickten Stäbe, mit denen die Aufschlag- 
instrumente zum Tönen gebracht werden. 

Klotz, veraltet (i. H. 18. Jhs.) für Pfeifen- 
stock. 

Klötzchen s. Stock. 

Klötzchenkoppel = Druckkoppel. 

Klowa, (Zusammen-)Schlagholz der Canella- 
Indianer. 

W. Kissenberth, Bei den Canella-Indianem in Zentral-MaranliSo, 
Baesslerarchiv II 51. 

Klurai = Keluri. 

Knafvelharpa = Nyckelharpa ; knaflar oder 
knäflingar ist gelegentliche provinziale Be- 
zeichnung für die Tasten dieses Instruments. 

C. Envallsson, Svenskt Musikaliskt Lexikon, Stockb. 1802, 
P- "53- 

Kna^pedal, dän. .Kniehebel'. 

Knäppinstrument, schwed. .Zupfinstru- 
ment'. 

Knäregister, schwed. .Kniehebel'. 

Knari, grus. .Psalterium'. 

Knarre s. Ratsche. 

Knäsvällar, schwed. .Knieschweiler'. 

Knee-lever, engl. .Kniehebel'. 

Knell, engl. .Totenglocke'; ags. cnyll. wal. 
cnul. 

Knicky-knackers, engl. pop. .Kastagnetten'. 

Kniegeige = \'iola da gamba. 

Knieguitarre = Arpeggione. 

Kniehebel, Kniedrücker, ein unter der 
Klaviatur der älteren Klaviere, des Harmo- 
niums und bisweilen der Orgel angebrachter, 
vom Knie seitwärts zu drückender Register- 
zug. 

Engl. KNEE LEVER, ndl. KNIEREGISTER, dän. KNv€- 
PEDAL, schw. KNÄREGISTER, fr. GENOUILLIERE, it. 
GINOCCHIERA, img. TERDREGISZTER. 

Knieviola = Viola da gamba. 

Knochenpfeife. Die Knochenpfeife gehört 
zu den allerältestcn Musikinstrumenten ; prä- 
historische Funde an allen Orten der Welt be- 
legen ihr urzeitliches Vorkommen. Trotzdem 
sind gelegentlich anzutreffende Ausführungen, 
nach denen der Zufall die musikalische Brauch- 



220 



KNOFLIK— KOKKUR AI 



barkeit des ursprünglich nur als Schmuck- 
gegenstand benutzten Knochens und ebenso 
die Verwendbarkeit von Seitenlöchern gezeigt 
hätte, mit der größten Vorsicht aufzunehmen; 
mindestens die gleiche Wahrscheinlichkeit hat 
die Annahme, daß die Knochenpfeifen von den 
Rohrpfeifen abhängig seien. Keinesfalls darf 
hier die Etymologie herangezogen werden; 
wenn im Lateinischen die Pfeife tibia ;= Schien- 
bein heißt, so geht daraus nicht hervor, daß 
die ersten römischen Pfeifen aus Schienbeinen 
gefertigt worden sind, sondern daß beiden der 
gleiche Begriff , die hohle Röhre, zugrunde liegt. 

Vgl. Koscana Svirala, Lista, Maraca, Mbanda, Queyoa, 
Siirauli. 

Knoflik, cech. .Sattelknopf'. 
Knopfs. Sattelknopf. 
Knopfregal s. Apfelregal. 
Knöppel = Klöppel. 
Knot, engl. ,Rose'. 

Koali, plur. likoali. einfacher Musikbogen 
der Basuto; im Norden koala. 

Balfour, Musical Bow i6 (.Gwale'). 

Koan s. Kuan. 

Kobbel, dän. .Koppel'. 

Kobilac, serbokroat. ,großer Steg', der Steg 
der tiefen Geigeninstrumente. 

Kobilka, KoönnKa, russ. ruth. ,Steg' ; serbo- 
kroat. kobiljka, kobilica. 

Kobling, dän. .Kopplung'. 

Koboz, Ko6o3i, russ. ung. .Laute', v. türk. 
qopuz. 

Kobus, mhd. Lauteninstrument, v. türk. 

qopuz. j3ij Ijobus mit der luten" 

Gottes Zukunft 4672. 

Hierzu muß die Cobsa gehalten werden, 
die Felix Platter in Basel 16 14 hinterließ 
(K. Nef in Sammelb. d. JMG. X 544 liest 
fälschlich Lobsa). 

Kobuz, Ko6y3T>. s. v. a. Kobza. 

Kobylka, KoöujiKa. russ. Cech. .Steg'. 

Kobza, KoÖBa, poln. russ. ruth. ursprüng- 
lich s. v. a. Bandura, später Laute überhaupt. 
Die Bedeutung Dudelsack, die das Wort häufig 
hat. kommt ihm im Grunde nicht zu. Die 
Sackpfeife hieß früher gelegentlich Koza, 
.Schaf, so wie sie bei uns mit .Bock' bezeich- 
net wurde ; für diesen Namen Koza ist dann 
unberechtigterweise Kobza eingetreten. 

Kobzina, Ko6aHHa. ruth. .Sackpfeife'. 

Ko-ch'ing s. Ko k'ing. 

Kochkolla, Kochkoila. bask. .Schelle'. 

Ko-chung s. Ko iung. 

Kociol, poln. .Pauke', v. lat. catillus .Kes- 
sel'. Die Pauke spielte früher in Polen eine be- 
deutende Rolle. Im 15. und 16. Jh. dienten 
auf dem Turme der Krakauer Marienkirche 
Pauken als Signalinstrumente. 



Ko cung, chin. veraltetes Glockengongspiel 
in der höheren Oktave des Pien cung, mit 12 
oder 24 viereckigen oder halbmondförmigen 
Glockengongs; wie heute das Pien Cung, gab 
es im konfuzianischen Tempel vor jedem Wort 
einen Ton an. 

Van Aalst 55. 

Ko-daiko, ein kleineres O-dalko. das haupt- 
sächlich bei Prozessionen, aber auch im Ka- 
guraorchester bei kürzerem Spiel gebraucht 
wird. Im ersteren Fall ist der Schaft einfach 
und das Instrument auf einem Untersatz ange- 
bracht, im zweiten ist die Zarge dekoriert und 
das Instrument an eine lange Tragstange ge- 
hängt ; in beiden Fällen sind die Felle unbe- 
malt. Dm. der Felle 57 cm. ihr L^erstand 
9 cm, Länge der Zarge 67, ihr mittlerer Dm. 
72 cm. 

Piggott 159. 

Kodili, Musikbogen von Norfolk Island 
(Salomonsarchipel) mit Bambusstange und 
einerseits in einem Loch befestigter Doppel- 
Fasersaite. 

New- York Nr. 1734. 

K'od-k'ömölaküla nennen die Bella-Bella 
die Sk-ä'na. 

Kodon, xwd(jov, griech. .Glocke. Schall- 
stück'. 

Kodonion, xwiojrtor, ngr. .Glöckchen'. 

Kodonomeleia, xwöcovoftihia, ngr. .Glocken- 
spiel'. 

Kodü s. Huli-huli. 

Koera-pazun, estn. .Jagdhorn'. 

Kohklis, lett. s. v. a. Kankles. 

Telmer, F. u. H., Dainos, Lpi. o. J., S. 58—62. 

Koh'-lo s. Kolo. 
Koholo = Karnä. 

Koiliai, xodlat. wahrscheinlich die Bohrung 
des Aulos. 

Aristoxenus, Harm. p. 60, ed. Marquard. — Howard 11 1. 

Kojel = Koholo. 

Ko-kin, eine 2 saitige Abart des Kei-kin, mit 
dem chin. Erh-hsien identisch. 

Ko k'ing, chin. heute verschwundenes Kling- 
steinspicl, ein Pien k'ing mit 12 oder 24 Stei- 
nen in fantastischen Formen, chromatisch an- 
geordnet und eine Oktave höher gestimmt. 

Van Aalst 51. 

Kokiu s. Kokyu. 

Kokkurai, Kokkara, ein südindisches 
Zauberer-Schrapinstrument aus einem kleinen 
Eisenstück, das zu einem nicht ganz geschlos- 
senen Zj-linder zusammengebogen ist. Mit 
einem gleichfalls eisernen, mittels eines Kett- 
chens angehängten Stäbchens fährt der Spieler 
auf den ausgezackten Rändern des Instru- 
ments hin und her. Die Anwendung des nicht 
eben häufigen Scfirapeisens berichtet übrigens 



221 



KOKOLO— KOMBINATIONSKLARINETTEN 




für das Rußland und Sibirien des i8. Jhs. 
Jacob V. Stählin. 

Berlin Völkerk. Mus. — Ztschr. f. Eüinol. XI 79- — Mateer, 
Nat. Life in Travaucore 49. 

Kokolo heißt die Nanga am unteren Kongo 
und südlich davon. 

Kokun, korean. s. v. a. Hu k'in. 

Kok3ru, jap. Streichinstrument mit 4 Seiden- 
saiten. Der Schallkörper besteht aus einer 
viereckigen Holzzarge mit pergamentner 
Decke und pergamentnem Boden, ähnlich wie 
beim Samisen, aber schmäler; dem sehr ele- 
ganten Hals mit 4 Wirbeln entspricht auf der 
andern Seite ein Fuß. Den Bogen bildet ein 
an einem Ende gekrümmter Holzstab mit einer 
daran befestigten schwarzen Haarsträhne, die 
am andern Ende mit einem seidenen Band be- 
liebig gespannt wird. Stimmungen: 



selten 



Maße: Korpus 14 cm lang, 12 cm breit, 
5 % cm hoch ; Hals 45 % cm lang, i % — i VjCm 
breit ; Wirbel 6 ' 4 cm lang ; Bogen 1 1 3 % cm 
lang ; dessen Bezug 76 cm lang. 

Piggott 146, 

Kolangi s. Kalangu. 

Kolatka, poln. .Ratsche'. 

Kolik, £ech. ,Wirbel'. 

Ko ling, Sao tzö, chin. Taubenpfeife aus 
einer Kalebasse oder einem Bambusstück mit 
angesetzter Pfeife. Die Konstruktionen sind 
sehr verschieden. Das Instrument wird den 
Tauben an den Schwanz gebunden, damit es 
im Fluge tönt und die Raubvögel abhält, 

Moule 67. 

Köl-i-pärdä, »>>J i3j/, nennen die Kurden 
die etwa 3 mm breite und tiefe Rinne in der 
rechten Seite des Tanbür-Halses. 

A. V. I^ Coq, Die Abdal. Baessler-Archiv II 230. 

Koljennaja skripka, KoJi^HHaH cKpnnKa, 
russ. .Kniegeige'. 

Kollektivkoppel, Generalkoppel, eine 
durch Hand oder Fuß bewirkbare gleichzeitige 
Einschaltung sämtlicher Koppeln. 

Engl. GREAT COUPLER, nng. EGYETEMES KOPULA. 

Kollektivschweller, Rollschwcller, die im 
deutschen Orgelbau heute gebräuchlichste, in 
der 2. Hälfte iq. Jhs. erfundene Crescendo- 
Vorrichtung in Form einer durch den Fuß in 
Rotation versetzten, mit Rippen besetzten 
Walze, die nach und nach alle Register ein- 



schaltet oder — im umgekehrten Sinn — aus- 
schaltet. 

Engl. CRESCENDO PEDAL, fr. CRESCENDO GENERAL, 
it. CRESCENDO ROTATIVO. 

Kollektivtritte, von Cavaille-Coll erfundene, 
vom Fuß bediente Kombinationsregister, die 
meist in einer Reihe über dem Pedal angeord- 
net sind. 

Engl. COMPOSITION PEDALS, ndl. COMBINATIETREDEN. 
fr. PEDALES DE COMBINAISON, it.PEDALIM CCLLETTTVI. 

KoUops, xaklotf, griech. .Wirbel', v. xiU.(o. 

Kolo, patag. .Musikinstrument', besonders 
der mit einem Knochen gespielte einfache 
Musikbogen. 

Lebmann-Nitsche in Anthropos III 9x6; Balfour 48« 

Kolök, KoJioKT., russ. , Wirbel'. 

Kölokol, KoJioKOJib, russ. .Glocke', v. asl. 
klakol. 

Kolomp, ung. .Viehglocke'. 

Kolonde, Piektrum des Kambre aus einem 
Tierzahn. 

Kolove s. Kalove. 

Kolovrätek, cech. .Drehorgel'. 

Kolek, poln. .Wirbel'; wend. koluSk. 

Koma-fuye, .Koreanisches Fuye', eine aus 
dem Azuma-fuye entstandene Querflöte aus 
dünnstem Bambus mit meist 6 Löchern. 
Maße: Länge 37^/4, Innen-Dm. 0.85 cm; Ent- 
fernung des Mundlochs vom Ende 27%, des 
ersten Grifflochs 14^4. des letzten 5 cm. 

Piggolt 150. 

Kombinationsklarinetten sind Klarinetten, 
die in einem Korpus mehrere Stimmungen ver- 
einen. Die wichtigsten Tj'pen sind in Frank- 
reich und Italien geschaffen worden. Bereits 
gegen 1808 trat J.-F. Simiot in Lyon mit einer 
C- Klarinette heraus, die durch 10 Züge in eine 
B-Klarinette verwandelt werden konnte. 1847 
ließ sich F. Triebert in Paris eine Clarinette 
multiphonique patentieren, die ebenfalls durch 
Auszüge nach A. B und C gebracht werden 
konnte. 1862 folgt ihm Aug. Büffet in Paris 
mit einer merkwürdig eingerichteten Blech- 
klarinette (Pat. Nr. 53494) aus zwei inein- 
andergestccktcn Röhren, von denen die äußere 
den Mechanismus, die innere dagegen 24 Ton- 
löcher, 12 für die D-, 12 für die ..4 -Stimmung 
enthält ; jede Klappe hat nur 6inen Hebel, 
aber zwei Löffel, denen in der Außenröhre 
natürlich je ein Loch entspricht, in der Innen- 
röhre aber immer nur eins, sodaß je nach der 
Einstellung der Innenröhre das der B- oder 
das der /l -Stimmung dienende Loch wirksam, 
das andere dagegen tatsäclilich verschlossen 
bleibt ; Mensur, Grifflochweite und -Abstand 
halten die Mitte der bei beiden Stimmungen 
üblichen Maße. Büffet 's System hat nament- 
lich in Österreich Nachfolge gefunden. Neuer- 



222 



KOMBINATIONSREGISTER— KONG COK 



dings haben sich auch die Italiener um den 
Bau von Kombinationsklarinetten bemüht; 
z. B. Rossi 1880. Ein neueres deutsches 
System stammt von Theod. Lässig in Ham- 
burg (DRP. Nr. 49793 V. 6. Apr. 1889); in 
älterer Zeit machtenbei uns Versuche Kammer- 
musikus Sundehn in Berlin (1830 er Jahre) 
und Instrumentenmacher Stövecken in Rheine 
(1840). 

Engl. COMBINATION CLARINET, fr. CLARINETTE MUL- 
TIPHONIQUE, it. CLARINO TRASPOSITORE. — Vgl. Cla- 
rinette multtphonique, Clarinetto a doppia tonalitä, Clarino 
traspositore. 

Kombinationsregister heißen diejenigen Re- 
gister, deren Zug dem Wind Zutritt zu einer 
vorher festgestellten Gruppe von Stimmen 
verschafft. 

Engl. COMBINATION STOPS, ndl. COMBINATIEREGIS- 
TERS, fr. REGISTRES DE COMBINAISON, it. REGISTRI 
DI COMBINAZIONE, russ. KOLLEKTIVNVE REGISTRI. — 
Vgl. KoUektivtritte. 

Kombinationstritte s. Kollektivtritte. 

Kombu = Rapa-Qringa; pers. khumb. 

Komounko s. Komunko. 

Kömpensationsmixtur, eine von Fr. Wilke 
vorgeschlagene und 1838 von Fr. Turley in der 
Katharinenorgel zu Salzwedel durchgeführte 
Pedalmixtur aus Terz 3V5'. Quinte 2V3', 
Superoktave 2', Quinte i'/j' und Sifflet i'. 

Wilke in Cäcilia XVI 272. — Wilke, Beschreibung der St. Ca- 
tharinen-Orgel zu Salzwedel, Berlin 1839. — Wilke, Ober die 
Wichtigkeit der Orgel-Mi.xturen, Berlin 1839. 

Kompensationsventile nennt man bei den 
Blasinstrumenten Ventilsysteme, die eine 
automatische Korrektur der bei der Kom- 
bination mehrerer Ventile unvermeidlichen 
Stimmungsfehler anstreben ; u. a. haben H. 
Prager-Bauer, R. Lange. W. J. Schunda, K. 
Kottek, J. Lockhart, F. Durant und E. Schirm 
derartige Systeme entworfen. 

Engl. COMPENSATING PISTONS, fr. PISTONS COMPEN- 
SATEURS. — Vgl. Arban-compensateur, Compensateur Garigue, 
Coniet ä double effet, Comet-Arban, Comet Arban- Bouvet, 
Comet-Cousin, Comet-de Rette. 

Komponium, eine in einem einzigen Exem- 
plar (Brüssel) gebaute, von D. N. Winkel in 
Amsterdam 1821 erfundene Komponierorgel 
aus einer gewöhnlichen Stiftwalzenorgel und 
dem eigentlichen Komponierapparat, der ein 
gegebenes Thema von 80 Takten variieren soll. 
Zwei Zylinder mit abwechselnd zwei Takten 
Musik und zwei Takten Pause sind so ange- 
ordnet, daß der eine spielt, während der andere 
trotz der fortgesetzten Rotation schweigt. 
Außerdem sind sie derart eingerichtet, daß sie 
rechts von den Stiften, die für das Grund- 
thema nötig sind, andre Stifte für 7 verschie- 
dene Variationen dieses Themas enthalten. 
Im Grunde könnte das Instrument demnach 
nur 8 verschiedene Stücke vorführen ; aber es 



ist möglich gemacht, daß 2 variierte Takte des 
einen der 8 Stücke eines Zyhnders von einer 
der 8 Variationen der folgenden 2 Takte des 
andern Zylinders gefolgt werden. Man setzt 
das Komponium in Bewegung, erhält zuerst 
das gegebene Thema und bringt durch einen 
Hebeldruck das Instrument zum komponieren ; 
die Takte vermischen sich durch eine Längs- 
übertragung der Zylinder und bringen so un- 
endliche Variationen hervor. Man hat die An- 
zahl der verschiedenen Stücke, die das Kom- 
ponium ausführen kann, berechnet; sie betrug 

14,513.461,557,741,527,824. 
Vorausgesetzt, daß ein Stück 5 Min. erfordert, 
so würde man über 138 Trillionen Jahre ge- 
brauchen, um alle Kombinationen zu er- 
schöpfen. Die Notwendigkeit einer Über- 
tragung gibt den Grund für die Verdoppelung 
der Zylinder und für ihr abwechselndes Er- 
klingen und Pausieren. In der Tat, da die 
Übertragung einer Walze einen gewissen Zeit- 
raum erfordert und der Bewegungserreger 
ebenfalls eine gewisse Zeit braucht, um zu 
seiner Anfangsstellung zurückzukehren, mußte 
diese Bewegung bei jeder Walze ausgeübt 
werden, während die Rotation eine stiftlose 
Oberfläche an den Tasten der Klaviatur vor- 
überführte ; unterdessen bewirkte die andre 
Walze das Tönen. Der Mechanismus ist im 
Mahillon'schen Katalog mit aller Ausführlich- 
keit beschrieben. 

Hamel, Nouveau manuel complet du facteur d'orgues, Paris 
1849. — Brüssel Nr. 456. 

Kompositionsregister = Piston (Orgel). 

Kompressionsbalg, ein Blasebalg, dessen 
Oberplatte mit einer Strebefeder statt mit 
Gewichten niedergedrückt wird. 

Köms heißt bei den sibirischen KaCinzen 
I. eine tanbürartige Laute von 60 — 80 cm 
Länge mit bauchigem, lederüberzogenem 
Holzkörper und 2 Roßhaarsaiten in Quint- 
stimmung; 2. eine eiserne Maultrommel mit 
Stalilzunge. Zusammenhang mitqopuz? 

Köm-söl, s. V. a. Pi-hpa. 

Komunko, Gu-mun-go, korean. Kote mit 
Holzkorpus und 6 Seidensaiten. 

New- York Nr. 143. 

Komus, nach Byhan (Nord-, Mittel- und 
Westasien) ^ Kuraj. 

Kondukten nennt man in der Regel Röliren, 
meist aus Zinn, die den nicht auf einer Wind- 
lade stehenden Orgelpfeifen den Wind zuführen. 

Engl. CONVEVANCES, ndl. CONDUCTEN, fr. CONDUITS, 
it. CONDOTTI, russ. KONDUKTV, serbokr. GLASOVOD. 

Kong s. Khoö. 

Kong cok, Bambusgong der chinesischen 
Nachtwächter, einen halben Meter lang und 
8 cm dick. 

New- York Nr. 1469. 



223 



KONGO— KONTRABASS 



Kongo, Musikbogen des Frz. Kongo in pri- 
mitivster Form: ein Holzbogen und eine 
Lianensaite. Der Spieler nimmt die Liane in 
den Mund und hält den Bogen zwischen dem 
linken Unterarm und dem Biceps ; die rechte 
Hand schlägt mit einem Stäbchen die Saite 
rechts vom Mund, die linke dämpft links die 
Schwingungen mit einem Messer. 

R. Avelot, La Mus. chez les Pahouins. L'.^nthropol. XVI 292. 

Könighorn, ein 1855 von König erfundenes 
und gespieltes, von A. Courtois gebautes 
Zwitter von Alt- und Waldhorn in F mit drei 
Pumpventilen. 

Könj, slov. .Sattel' ; serbokroat. konjic. 

Konkeh, ein rohes, einsaitiges Streichinstru- 
ment von Nagä (Ostbengalen), vom Typus des 
Ravanastron; der Bogen heißt liS. 

Berlin Völkerkunde-Mus. Nr. 8445. 

Konos, xü>rog, altgriech. .Schwirrholz*. 

Konsonanzpianino, ein Pianino mit sym- 
pathetischem Bezug auf der Rückseite des Reso- 
nanzbodens, erf. 1877 V. Friedr. HöUing in 
Zeitz. 

DRP Nr. I2I4- 

Kontrabaß, das größte der heutigen Streich- 
instrumente, das zwar in die Familie der Vio- 
linen aufgenommen ist, ihr aber tatsächUch 
nur als Halbblut angehört ; sein kurzer Hals, 
die nach oben spitz zulaufenden Oberbügel, 
die breite Zarge und der noch heute häufig 
flache, nach oben zu abgedachte Boden weisen 
auf die Herkunft von der alten Kontrabaß- 
Viola da gamba hin. Man hat freilich im 17. 
und noch im 18. Jh. zahlreiche Versuche ge- 
macht, den Kontrabaß genau der Bauart des 
Violoncells anzupassen; indessen hat es sich 
als zweckmäßig herausgestellt, in den wesent- 
lichen Punkten von einer sklavischen Nach- 
ahmung der Viola da braccio-Formen abzu- 
sehen und nur Unwesentliches, wie die F- 
Löcher und die Schnecke, zu übernehmen. 
Noch in anderen Dingen hat die stetige Ent- 
wicklung des Kontrabasses unter seinem 
Bastardwesen leiden müssen. Hierher gehört 
die Inkonsequenz in der Zugabc von Bünden ; 
noch Quantz empfiehlt sie warm, weil sie ver- 
hindern, daß die Saiten beim Schwngen gegen 
das Griffbrett schlagen. Vor allem aber gehört 
hierher die in der Geschichte der Streichinstru- 
mente unerhörte Schwankung im Bezug. Am 
seltensten kommen 6 Saiten in der Stimmung 
der kleinen Baß-Viola da gamba vor (Speer 





(Praetorius 1618), 



(Laborde 1780), 



(Kobrich 1787). 



Im 19. Jh. zieht man gelegentlich eine 5. Saite 
in Ci auf. um die mitunter von den Kompo- 
nisten geforderten Töne unter £1 ohne Trans- 
position spielen zu können; noch 1880 hat sich 
C. Otho in Leipzig dies Verfahren patentieren 
lassen ( Nr. 20391). Der erhöhte Druck auf die 
Decke und die verstärkte Wölbung des Stegs 
sprachen indessen gegen die Fünf-, wie natür- 
lich auch gegen die Sechssaitigkeit. Heute 
verwendet man statt dessen nur vier Saiten in 



m 



p. 



1 



(Klang eine Oktave tiefer), einer Stimmung, 
die. nachdem gegen die Mitte 18. Jhs. 
viersaitige Kontrabässe aufgekommen waren, 
u. W. zuerst 1782 von J. S. Petri emp- 
fohlen und in der Folge allgemein angenom- 
men worden ist. Um tieferliegende Töne 
herausbringen zu können, bedient man sich 
der sog. C-Maschinen. entweder des von Pitt- 
rich in Dresden auf Anregung Bruno Keyl's 
gegen 1880 erdachten Klappensystems zur 
fakultativen Verlängerung der £-Saite. das 
mit Hilfe von Druckhebeln das Spielen der 
tiefsten Töne ohne Umstimmung gestattet, 
oder der dem gleichen Zweck dienenden 
Klappenvorrichtung von Max Poike in Berlin 
und Ludwig Glacsel in Markneukirchen mit 
vier ineinandcrliegenden Messingröhrchen. 

Eine noch größere Beschränkung der Saiten- 
zahl auf drei hat den Vorzug, den Klang des 
Instruments klarer und kräftiger zu machen, 
verkürzt indessen den Umfang beträchtlich. 
Schon gegen Mitte 18. Jhs. begann man Halb- 
bässe mit nur 3 Saiten zu bauen und übertrug 
später die Dreisaitigkeit auf die großen 
Kontrabässe. Noch heute findet man in Eng- 
land und in Italien Instrumente dieses 
Systems; die Engländer stimmen in Quinten: 



1687. Walther 1732. Eisel 1738)- D'C Kompro- 
mißzahl 5 gibt es dagegen zu allen Zeiten: 



m 



^ 



224 



KONTRABASSBALALAIKA— KONTRABASSKLARINETTE 



die Italiener nach Quarten : 




Von einer sonderbaren Abart des Kontra- 
basses berichtet Praetorius. Um die über- 
mäßige Länge der höheren Saiten zu ver- 
meiden, habe ein Prager Musiker sowohl den 
Saitenhalter als den Sattel schräg gelegt, aber 
in entgegengesetztem Sinn, also konver- 
gierend, so daß die höchste Saite einen Fuß 
kürzer wurde als die tiefste. Da hierdurch die 
Applikatur außerordentlich erschwert wurde, 
brachte er auf dem Griffbrett eine verdeckte 
Tastatur an, mittels derer die Saiten nieder- 
gedrückt werden konnten. Anstatt der üb- 
lichen Holzwirbel hatte das Instrument eiserne 
Schrauben mit Zahnradvorrichtung, eine Er- 
findung, die in der Folge verloren ging, und 
von Karl Ludw. Bachmann in Berhn Mitte 
i8. Jhs. neu gemacht werden mußte; heute ist 
diese Schraubenstimmung allgemein. 

Die wichtigsten Daten der äußeren Kontra- 
baßgeschichte sind in Kürze: Entstehung 
Ende i6. Jhs., nicht erst 1676 durch Todini in 
Rom ; nachweisbare Zugehörigkeit zum Sin- 
fonieorchster 1663 (Violons du roi); Eintritt 
in das Opemorchester 1706 oder 1707 (Paris); 
der erste Virtuose Jos. Kämpfer (4. Viertel 
18. Jhs.); nach ihm Dom. Dragonetti (1763 
bis 1846), der größte aller Kontrabassisten, 
Gio. Bottesini (182 1 — 89) und S. Kusevickij 
(geb. 1874). 

— In der Orgel ist Kontrabaß eine z\vischen 
Violonbaß und Prinzipalbaß stehende Gam- 
benstimme zu 16 oder 32'; in dieser letzteren 
Größe wird er häufig aus Violon 16' und Ge- 
dackt lo'/a' kombiniert. 

— Im Harmonium ist Kontrabaß eine 
i6füßige Baßstimme. 

— In der Harmoniemusik versteht man 
unter Kontrabaß die Kontrabaßtuba. 

Engl. DOUBLE BASS, ndl., rum, CONTRABAS, dän., schw., 
russ., poln., 6. KONTRADAS. fr. CONTREBASSE, it. CONTKA- 
BASSO, sp. CONTRABAJO, port. RABECÄO, rät. CONTRA- 
BASS, serbokr. CUDNO, ruth. BASOLJA, lit. DIDVSIS SMUI- 
KAS, estn. KONTRABASS, finn. BAASSIVIULU, ngr. /».o*uJ- 
vtov. — Vgl. Baßviolon, Contrebasse ä clavier, Deutscher Baß, 
Dreiviertelviolon, Goliath, Halbbaß, Octobasse, Violone. 

Kontrabaßbalalaika, die größte (Kunst-) 
Balalaika mit der Stimmung: 



^ 



^ 



8 

Kontrabassetthom, ein großes Bassetthorn 
in F, in der Unteroktave des gewöhnlichen, erf. 
v. G. Streitwolf in Göttingen. Tiefster Ton 
Fl, notiert C. Ein neueres System in F und Es 



entstand in den 1880er Jahren. Auch Sax' 
Kontrabaßklarinette gehört hierher. 

Kontrabaflflöte s. Großbaßflöte. 

Kontrabaßguitarre, eine Guitarre mit Boj- 
dunsaiten. 




KONTRABASSKLARINETTE 
Modell V. Evette & ScbaeSer in Paris 

Kontrabaßklarinette, die 1890 von Fontaine- 
Besson in Paris herausgebrachte (1891 pat.) 
tiefste Klarinettenart, mit vollem, orgelarti- 
gem Ton, aus drei ungleich langen, durch me- 
tallene Kniestücke verbundenen zylindrischen 
Holzröhren nebst Hals und konisch erweiter- 



Sachi 



225 



KONTRABASSKONZERTINA— KONTRABASSPOSAUNE 



^ 



o 



tem, aufwärts gebogenem Schallstück aus 
Metall; Gesamtlänge 270 cm. Der Klappen- 
mechanismus stellt eine Kombination des 
MüUer'schen 13 Klappen- 
Systems mit dem Boehm- 
typus bei nur ganz ge- 
ringen Abweichungen dar, 
so daß die Applikatur — 
bis auf das Greifen der 
acht höchsten Halbtöne 
— jedem Klarinettisten 
ohne weiteres Studium 
geläufig ist. Pierre (La 
fact. instr. p. 80) gibt 
eine genaue Übersicht 
über die Mechanik. 

Die KontrabaßkJari- 
nette steht in der tieferen 
Oktave der Baßklarinette 
in B, hat aber vier von den 
beiden kleinen Fingern be- 
diente Zusatzklappen für 
noch tiefere Töne, so daß 
das Instrument noch einen 
Halbton tiefer reicht als 
das Kontrafagott und dcis 
Kontrabaßsarrusophon : 



Umfang 



Notie- 




Das Instrument, das 
neuerdings auch von 
Heckel in Biebrich, von 
Kohl in New-York und 
von Evette & Schaeffer 
in Paris gebaut wird, ist 
vorläufig noch wenig ver- 
breitet. Immerliin haben 
es einige Institute, wie das 
Brüsseler Konservatori- 
um, die Kneller Hall- 
Konzerte und die Covent 
Garden Opera in London 
in ständigem Gebrauch. 
Vorgeschrieben hat es 
V. d'Indy in seiner Oper 
.Fervaal' (Brüssel 181^7). 

Als ältere Vorläufer 
der Kontrabaßklarinette 



QA 



~' ^*^ 



sind die Contrebasse guerridre und das Bathy- 

phon anzusehen. 

Literatur: W. Altenburg, F. Bestoos Kontrabaß- Klarinette. 
Zfl XU 594. - Vgl. Bathyphon, Contrebasse guerri^e. 

Kontrabaßkonzertina, 

Umfang: 



^0 



8 

Kontrabaßkornett, ein von V. F. Cerven;^ 
in Königgrätz 1876 gebautes waldhomförmi- 
ges B- Kornett in Kontrabaßlage mit drei 
Drehventilen. 

Kontrabaß -Komophon, das tiefste Komo- 
phon, in F oder£s; in unserm Sinne ein Baß. 



Umfang: 



Notierung: 



Kontrabaßkrummhom s.Großbaßkrummhorn. 
Kontrabaßoboe, der bisher noch unge- 
bräuchliche Kontrabaß der 
Oboenfamilie, in der unteren 
Doppeloktave der Oboe, der den 
besonderen Oboenklang bis in die 
äußerste Tiefe hinunter behält. 
Bereits im 18. Jh. bauten die Franzosen ge- 
legentlich Kontrabaßoboen in F, also besser 
Baßoboen. 

New-York Nr. 2351, Paris Nr. 459 (fälschlich Bombarde ge- 
nannt). — AUnanach musical 1781. 

Kontrabaßophikleide, Ophicleide mon- 
stre, Opliikleide in Es und F mit dem Umfang 





Notierung : 



m 



m 



. 'nn ^1 



fl 



rf 



KONTRA ItASSOPHDN 
im Bcsitx des Verfassers 



ein wenig gebräuchliches Baßinstrument der 
ersten Hälfte iq. Jhs., erf. spätestens 18 17 von 
H. Ast6 in Paris, pat. 182 1. 

Vgl. Serpentbombardon. 

Kontrabassophon, ein ungefüges Kontra- 
fagott mit 18 Klappen von Haseneier in Ko- 
blenz 1850. 

Brüssel Nr. 1003; Samml. Sachs. 

Kontrabaßpommer s. Großb.ißbomhart. 

Kontrabaßposaune, eine von Rieh. Wagner 
im .Ring des Nibelungen' vorgeschriebene, als 
Fundament des Posaunenchors an Stelle der 
Tuba bestimmte Posaune in der Unteroktave 



226 



KONTRABASSRACKETT— KONTRAFAGOTT 




der Tenorposaune, deren Konstruktion auf die 
1815 von Gottfried Weber erdachte vier- 
sclienklige Doppelzugposaune zurückgreift. 



Umfang: 



Übrigens gab es Kontrabaßposaunen be- 
reits im 17. und 18. Jh.; über die des 18. be- 
richtet Laborde I 276, über die des 17. unser 
Artikel .Oktavposaune'. 

Vgl. DoppeUugposaune, Helikonposaune, Oktavposaune. 

Kontrabaßrackett s. Großbaßrackett. 

Kontrabaßsarrusophon, das tiefste Sarruso- 
phon in Es oder C; das in C wird im Sinfonie- 
orchester statt des Kontrafagotts gebraucht. 



Umfang: 



Notierung: 



Kontrabcißsaxhorn, ein Saxhom in Es (Baß- 
lage), \,^ 



Umfang: 



Notierung: 




oder B (Kontrabaß läge) 
Umfang: f ^ 




Kotierung: 



Es gibt noch ein zweites in Es (Subbaßlage) in 
der Unteroktave des Obengenannten ; von 
ihm ist nur die Mittellage brauchbar. 

Kontrabaßsaxophon, in Es, in der Unter- 
oktave des Barytonsaxophons, von Evette & 
Schaeffer in Paris. Ein noch größeres Kontra- 
baßsaxophon in B (Subkontrabaßlage) baut 
seit 1904 C. G. Conn in Elkhart (Indiana). 

Kontrabaßsaxotromba, Umfang und No- 
tierung wie beim Kontrabaßsaxhorn in B. 

Kontrabaßsordune s. Großbaßsordune. 

Kontrabaßtanbura s. Berde. 

Kontrabaßtuba, in der Harmoniemusik 
kurzweg Kontrabaß genannt, eine 3 — 5 ven- 



tilige Tuba in C (Sinfonieorchester) oder B 
(Militärorchester), also in der Unterquarte der 
beiden Baßtubon, mit dem Umfang: 

jV ^^-~* ' rr^ Jz^!- 




und 




S 8 • 

Die B-Tuba ist 5 '/J m lang. Das Rieseninstru- 
ment hat sich heute mit seiner erstaunlichen 
Tiefenerstreckung und seiner mächtigen Klang- 
fülle in der Harmoniemusik unentbehrUch ge- 
macht ; nach Wagners und Brückners Vor- 
gang kommt es auch zuweilen im Opern- und 
Sinfonieorchester vor. 

Erfinder ist V. F. Cervenf in Königgrätz 
(1845); im Grunde stellte aber schon die alte 
Wieprecht-Moritz'sche F-Tuba eine Kombi- 
nation von Baß- und Kontrabaßtuba dar, da 
sie ein Quartventil und je ein eigenes Haib- 
und Ganztonventil für Hauptröhre plus Quart- 
ventil besaß. Auch F- und £s-Tuben werden, 
wenn sie dank ihrer Mensur die Tiefe der C- 
und ß-Tuben erreichen, zu Unrecht Kontrabaß- 
tuben genannt. 

Kontrabaß -Viola da braccio s. Großbaßgeige. 

Kontrabaß-Viola da gamba s. Großbaß- 
Viola da gamba. 

Kontrafagott, ein großes Fagott in der tie- 
feren Oktave des gewöhnlichen Fagotts, dessen 
Erfinder nach dem Zeugnis des Praetorius 
Hans Schreiber — derzeitiger Berliner Kam- 
mermusiker — gegen 1620 gewesen ist. Eine 
eigentliche Bedeutung hat dieser alte Typus, 
der nur eine entsprechende Vergrößerung des 
FagottmodcUs darstellte, wegen seiner Un- 
handlichkeit und seiner mangelhaften Ton- 
qualität nie gehabt. Nur Deutschland hat ihn 
nicht völlig außer Gebrauch gesetzt, wie denn 
unsere Klassiker gelegentlich für das Instru- 
ment geschrieben haben ; die andern Länder, 
soweit sie es überhaupt benutzten, wiesen ihm 
nur die Militärkapellen zu. Erst im letzten 
Viertel 19. Jhs. haben die Fortschritte des 
Instrumentenbaus dem Kontrafagott einen 
ständigen Platz in allen größeren Orchestern 
verschafft. 

Man unterscheidet heute der Form nach 
zwei Haupttypen: 

I . Das deutsche Modell, das in der Heckei- 
schen Ausführung am verbreitetsten ist, mit 
engmensuriertem Korpus in vierfacher Füh- 
rung, mit metallenem Schallstück und beson- 
ders engem S; Umfang, bei Wahrung der 
Fagottfarbe: 



^ 



l. 



8 



Notierung eine Oktave höher. 



227 



IS* 



KONTRAGAMBE-KOPFSTÜCK DES FAGOTTS 



2. Das englisch-französische, auch in Bel- 
gien bevorzugte Modell, mit einem niedrigeren, 
•weiter mensurierten Korpus ohne eigentliche 
Stürze ; Umfang bei kräftigem, 
aber weniger fagottmäßigem 
Ton: 1^ 




Notierung eine Oktave höher. 
Dies Modell ist zuerst von 
Haseneier in Koblenz nach 
W. H. Stone's Angaben kon- 
struiert worden ; wenig später 
baute es ganz ähnlich A. Mor- 
ton in London, dessen Instru- 
ment sich Fontaine-Besson in 
Paris mit nur geringen Ab- 
weichungen 1890 für Frank- 
reich patentieren ließ. 

Die verschiedenen Metall- 
Kontrafagotte gehören im aU- 
gemeinen der Tritonikon-Fa- 
milie an; eine Ausnahme 
macht dasjenige von Mart. 
Thibou ville alne in Paris ( 1 8 89 ) 
mit dem gewöhnlichen' Mecha- 
nismus des ; Fagotts, 19 
Klappen und 6 Deckplatten. 

Über das Kontrafagott in 
F vgl. Quintfagott. 

In der Orgel ist Kontra- 
fagott 6. V. a. Fagott 16'. 

Engl. DOUBLE BASSOON, ndl. CON- 
TRAFAGOT, dän. russ. poln. bulg. c. 
KONTRAFAGOT, fr. port. CONTRE- 
BASSON, it. CONTRAFAGOTTO. sp. 
CONTRABAJON. - Vgl. Fagotcontra, 
Kontrabissophon, Mullerphone. Oktav- 
fagott, Subkontrafagott , Tritonikon. 

Kontragambe = Viola da 
gamba 16'. 

Kontraharmonikabaß = Har- 
monikabaß 32'. 

Kontrahorn, ein Englisches 
Baßhorn mit gewundenem S 
und langhebeligen Klappen, 
von J. & A. Lampf erhoff in 
Essen (1844). 

Acta der Kgl. Techn. Deputation für Ge- 
werbe B Nr. a6. 

Kontraklarinette s. Kontra- 
baßklarinette. 

Kontraposaune = Posaune 

Kontraprinzipal = Pnnzi- 

pal 32'. 

Kontraserpent, einTSerpent 
in Esi von Jordan in I.iver- 



ffi 




KONTRAFAGOTT 
Langes Modell 



pool, 185 1 auf der Londoner Ausstellung zu- 
erst gezeigt. . 

Kontrastbombardon, ein 1840 von Barth m 
München konstruiertes Blechblasinstrument 
mit besonderer Tiefe, dessen Beschaffenheit im 
übrigen unbekannt ist. 

Schubert, Blechinstrumente 3J. 

Kontralica = Cangura. 

Kontraventil, jedes Orgelventil, das den 
Wind ein-, aber nicht austreten läßt. 

Kontraviolon = Kontrabaß. In der Orgel 
s. v. a. Kontrabaß 32'. 

Konus, lat. .Kegel', kegeUörmige Orgel- 
pfeife, ein nur bei Zungenstimmen verwende- 
ter Typus; der umgekehrte Konus (.inverted 
cone') gehört dagegen ausschließhch den 
Labialstimmen. 

Engl. CONICAL PIPE. ndl. KEGELVORMIGE PIJP, fr. 
TUYAU X FUSEAU. 

Konzertflöte, die gewöhnliche große C-Flöte. 

Engl. CONCERT FLUTE. 

In der Orgel eine von c', seltener von c 

ab überblasende, im Ton der Wienerflöte 
ähnliche Holzquerflötenstimme 8'. 

Ung. HANGVERSENY FU\'OLA. 

Konzertina, die eigentliche, in verschiedenen 
Stimmlagen gebaute, v. Charles Wheatstone 
in London (Pat.Nr. 5803V. 19. Juni 1829) er- 
fundene, auf dem Kontinent aber erst viel 
später, wie es scheint, 1846 bekannt ge- 
wordene Kunst-Ziehharmonika mit einer voll- 
ständigen chromatischen Skala. Die Original- 
literatur für die Konzertina ist groß; u. a. 
haben Molique, Silas und Macfarren dafür 
Kammermusik- und Konzertwerke mit Or- 
chester geschrieben. Als Virtuosen ragen Bla- 
grove, Regondi und Case hervor. 

Konzertzither, eine nach der Angabe von 
F. X. Steiner zuerst von Max Amberger in 
München 1862 gebaute Primzither mit größe- 
rer Mensur, aber meist gleicher, selten eine 
große Terz tieferer Stimmung. 
Koo s. Ku. 

Kop, ndl. .Kopfstück, Nuß'. 
Koperen blaasinstrument, ndl. ,Blechinstru- 
ment'. 

Kopf in der Zungenpfeife ist s. v. a. Nuß. 
Köpflinregal, ein altes gedacktcs Manual- 
Schnarrwcrk zu 4'; es hatte .oben auch ein 
rund Knäuflein'; der Ton war .gut und 
lieblich'. 

Praetorius 175 (148). - Abb. Burgkmayr. Messe MaiimiUans; 
München. Kgl. Hol- u. St.-Bibl.. Mus. Msi. C fo. 188 b (ZeiUchr. 
d. J. M.C. .XIU 85, WiUnet). 

Kopfstück des Fagotts — engl, bell — ist 
das Schullende, das heute ohne Ausladung, aber 
gewöhnlich mit einem Elfenbeinring gebaut 
wird. 



228 



KOPFSTÜCK DER QUERFLÖTE— KORNETT 



Kopfstück der Querflöte ist der Teil, der 
Mundloch und Propfen enthält. 

Engi. HEAD, ndl. KOP, fr. TETE, it. PEZZO DELL' IMBOC- 
CATURA, serbokr. GLAVA. 

Ko-p'ongs, in Ladäk (KaSmir) gebräuch- 
licher Name des Pi-wang. 

H. A. Jäschke, Handwb. d. tib. Spr., Gnadau 1671, S. 4. 

Koppel = Kopplung, Koppelflöte. 

Koppeldone = Oktave 4'. 

Koppelflöte, ndl. Koppelfluit, veralteter 
Name der Flötenstimmen Prinzipal 8', Hohl- 
flöte 8' und Gemshorn 8'; der Name betont 
ihre Verschmelzbarkeit mit jeder anderen 
Stimme ( ?). 

Koppelhölzer heißen die Gabeln undFrösche, 
die zur Ankoppelung zweier Manuale und 
zur Verbindung der gebrochenen Parallelen 
dienen. 

Koppelklavier, die Reihe der zum Ankoppeln 
einer Klaviatur bestimmten Gabeln. 

Koppellade s. Dublettensystcm. 

Koppeloktave, eine veraltete gemischte 
Stimme aus Grundton und Oktave. 

Koppelpedal s. Anhängekoppel. 

Koppelregister, Koppelzug, die Auslöse- 
vorrichtung für eine Kopplung. 

Koppelventil, von den beiden Spielventilen, 
die manche Orgeln an den Baßkanzellen ihres 
Hauptmanuals besitzen, dasjenige, welches 
mit der gleichnamigen Pedaltaste verbunden 
ist und beim Einstellen der Pedalkopjsel vom 
Pedal aufgezogen wird. 

Kopplung, Koppel, eine Vorrichtung an 
Tasteninstrumenten, die es ermöglicht, beim 
Niederdrücken einer Taste automatisch eine 
oder mehrere in einem gewissen Intervall zu 
ihr stehende weitere Tasten der gleichen Kla- 
viatur oder die ihr entsprechenden Tasten an- 
derer Klaviaturen oder endlich unter Um- 
gehung dieser fremden Tasten unmittelbar 
deren Regierwerk mitzuziehen. 

Engl. COUPLER, ndl. KOPPELING, dän. KOBLING, schw. 
KOPPEL, lat. COPULA, fr. ACCOUPLEMENT, it. ACCOP- 
PIAMENTO, rus3. ung. KOPULA, poln. KOPULACYA, eerbokr. 
SAPONAC. 

Vgl. Akzentkoppel, Druckkoppel, Froschkoppel, Fußtrittkoppel, 
Gabelkoppel, Karamerkoppel. Kollektivkoppel, Manualkoppel, 
Manubrienkoppel, Oktavkoppel, Pedalkoppel, Schiebekoppel, 
Verkehrtkoppel, Winkelhakenkoppel, Winkelhebelkoppel, Wip- 
penkoppel, Zugkoppel. 

Kopwong s. Stobeong. 

Kor s. v. a. Chor. 

Kora, ein selten gebrauchtes Blasinstru- 
ment der Hottentotten ; wohl s. v. a. 
Gorra. 

Thunberg's Account of the capo of Good-Hope. Pinkarton Coli. 
XVI 60. 

Korabe, Korablje, s. Karabe. 
Koradiali, wolof (Seneg.) ,Geige'. 



Korda, xögöa, ngr. vulg. .Saite'. 

Kordophon, ein Stimm-Monochord v. Max 
Schlittenbauer, das auf dem Prinzip des 
sympathetischen Mitschwingens beruht. Das 
gleiche Prinzip hat übrigens schon Anf. 1770er 
Jahre Doinet in Paris [Ferkels Mus. Alm. 
II 371] benutzt. 

Brüssel Nr. 1678. 

Kornai, turkist. Trompete in gestreckter 
Form, etwa 2,5 m lang, aus Messing, mit ge- 
ringem Konus und schlankem Schalltrichter. 
Das Instrument, das stets paarweise gebraucht 
wird, gibt einen dem Brüllen des Stieres ähn- 
lichen, meilenweit hörbaren Ton. , Diese Kor- 
nais sind nicht dazu bestimmt, die übrigen 
Instrumente des Orchesters zu begleiten, son- 
dern sie handeln ganz unabhängig und selb- 
ständig. Während das Orchester eine belie- 
bige Melodie spielt, fallen von Zeit zu Zeit die 
zwei Kornaibläser ein und lassen, ganz unbe- 
kümmert um das. was gerade gespielt wird, 
abwechselnd eine Reihe von Tönen erschallen, 
die immer aus vier kurzen und einer langen 
Endnote bestehen. Nachdem sie dieses ein- 
förmige, sich immer gleichbleibende Motiv ein 
halbes Dutzendmal wiederholt haben, ruhen 
sie von ihren Anstrengungen aus, um nach 
einiger Zeit wieder nach eigenem Gutdünken 
einzufallen.' 

Das Kornai ist mit dem indisch-persischen 
Kamä identisch. 

Capus, La Hus. chec les Khirghizes et les Sartes; v. Schwärt 
Turkestan 292. 

Kornett, ein neueres, in verschiedenen 
Stimmungen gebautes Horninstrument hoher 
Lage (Halbinstrument). Der Mensur, dem 
Mundstück und dem Toncharakter nach steht 
es zwischen Trompete und Flügelhorn. Das 
Schallstück entspricht — oder sollte ent- 
sprechen — dem der ersteren, aber die kurze 
Schallröhre selbst ist in ihrem größeren Teil 
konisch. In den Händen eines guten Spielers 
kann das Instrument, besonders in der tieferen 
Lage, Qualitäten aufweisen ; im ganzen hat 
seine Farbe weder den Glanz der Trompete noch 
die Sättigung des Flügelhoms. Man darf in- 
dessen nicht verallgemeinern ; manche Instru- 
mentenbauer verfertigen heute Kornette, die 
sich eigentlich nur durch das Mundstück vom 
Flügelhorn unterscheiden, und manche kleine 
ß-Trompete ist kaum etwas anderes als ein 
Kornett; die Franzosen nennen ihr Sopran- 
saxhorn geradezu Comet. 



Natunkala(£j: 



^j i^r f M 



229 



KORNETTFLÖTE— KORPUS 



Umfang: 



Notienuig: 




Das Kornett reicht also, von außergewöhn- 
lichen Virtuosenleistungen abgesehen, kaum 
so hoch wie die Trompete; aber diese Höhe 
wird sicherer und müheloser erreicht, weil sie 
durch tieferhegende Naturtöne gebildet wird. 

Am gebräuchlichsten ist heute das Sopran- 
kornett in B mit Stimmbogen für A, in Eng- 
land das im Ton freilich schlechtere C- Kornett ; 
seltener ist das Altkornett in Es; die übrigen 
Stimmungen hat man faUen lassen. Doch 
kommen auch in Militärorchestern Pikkolo- 
kometts in hoch Es bis sogar hoch C vor. 

Zuweilen wird das Instrument im Sinfonie- 
und Opernorchester verlangt, namentlich in 
Frankreich, wo es bereits 1829 Rossini in 
seine Teilpartitur einführte; die deutschen 
Tonsetzer haben daran glücklicherweise keinen 
Teil. 

Das Kornett wird gewöhnlich von dem 
alten Posthorn abgeleitet, aus dem es durch 
Hinzufügung des Ventilmechanismus ent- 
standen wäre. Neuerdings — von C. R. Day 
im Katalog der Musikinstrumente in der Lon- 
doner Militärausstellung 1890 und nach ihm 
von K. Schlesinger — ist das bestritten worden 
und statt dessen die Annahme einer langsamen 
Trennung vom Flügelhorn empfohlen worden. 
Indessen liegt die Wahrheit doch auf Seiten 
der alten Meinung. Nur muß man vorzugs- 
weise an das französische und nicht an das 
deutsche Posthorn denken; denn es darf kei- 
nem Zweifel unterliegen, daß nicht Deutsch- 
land, sondern Frankreich die Heimat des Kor- 
netts ist. Als Beweis des Gegenteils könnte 
man eine Briefstelle Spontinis anführen, wo es 
heißt: ,J'envoyai de Berlin k Paris, de 1823 
ä 1831, nombre de cors ä. pistons, de trom- 
pettes ou cornets ä deux ou trois pistons ou 
ventiles (les premiers connus ä Paris) . . .'. 
AUein einmal ist dieser Brief aus dem Jahre 
1840, also nicht synchronistisch; dann aber ist 
der Ausdruck .trompettcs ou cornets' doch zu 
vage, um wirklich zu der Folgerung zu be- 
rechtigen, Spontini habe gerade Kornette nach 
Paris geschickt; nur die Tatsache, daß die 
Ventilinstrumente überhaupt in Paris durch 
Spontini bekannt gemacht worden sind, geht 
aus der Stelle hervor. D.igcgen sind alle frühen 
Kornette, die sich erhalten haben, französi- 



sches oder belgisches Erzeugnis. Bis zum Ende 
der 1830er Jahre kommt m. W. kein deut- 
sches Kornett vor, und das früheste bekannte 
Kornett, in C, mit zwei Ventilen, trägt das 
Datum 1828 und die Marke Courtois fröres, wo- 
bei zu beachten ist, daß eine im gleichen Jahr 
erschienene deutsche .Instrumentierung für 
sämtliche Militär-Musik-Chöre' von A. Sunde- 
lin (Berlin. B. Wagenführ) djis Instrument 
noch nicht kennt. Tatsächlich hatte man in 
Frankreich und Belgien auch ein ,Cornet ordi- 
naire' im Gegensatz zum ,Comet ä pistons' 
oder ,ä cylindres' ; Kastner bildet es im Manuel 
als Nr. I auf pl. XV ab, und J. Andriesin seinem 
.Apcrfu theorique de tous les Instruments de 
Musique actuellement en usage' (Gand 1856) 
beschreibt es £fuf p. 29 als ein militärisches 
Signalinstrument gleicher Tonlage wie das 
Ventilkornett, und ,cet Instrument est le 
meme que le cornet de poste'. Ob, wie Pierre 
(Les fact. 336) angibt, Halary der erste fran- 
zösische Komettmacher gewesen ist, ver- 
mögen wir nicht zu entscheiden. 

— In der Orgel ist Kornett zunächst eine 
veraltete Zungenstimme zu 8', die den Zinken- 
ton nachahmt, heute indessen eine meist 
3 — sfache aus den Naturtönen gemischte 
Stimme. 

Engl. ndl. fr. ir. CORNET, din. Mtn. russ. f. KORNET. schw. 
KORNETT, it. port. CORNETT.^, sp. CORNETA, 6no. KOR. 
NETTI, ung. PISTON. — Vgl. A-Kornett. As-Kornett, B-Kor- 
nett. Baßkornett, C-Kornett. Cornet ä double eflet, Cornct- 
.Arban, Comet Arban-Bouvet. Cornet-Cousin, Cornet-de Rette, 
T'-Kornett, E-Kornett, Es-Kornett. F-Kornett, G-Kornett, Klei- 
nes Kornett, Kootrabaßkornett, Schwedisches Kornett, Tenor- 
kornett. 

Kornettflöte — ital. litice — wurde von 
den ebengenannten Komettstimmen der Orgel 
die ungemischte genannt ; stand sie im Pedal, 
so hieß sie Kornettbaß. 

Komettklavier, Organisten- Übungsklavier 
von Joh. Gg. Schenck in Weimar, vor 1820, 
mit einem Hauptmanual zu 8', einem Ober- 
manual zu 2' und einem Pedal zu 16'. 

AM2 XXll, Intell. Bl. 1. 

Kornon, ein tonstarkes, weitmcnsuriertes 
Militär-, namentlich Kavallerie-Waldhorn von 
Cerveny in Königgrätz in Tuba-, Ellipsen-, 
Halbellipsen- oder Helikonform mit 3 Zylin- 
der- oder Pumpvcntilcn. Im Jahre 1 846 wurde 
ein F-Baß herausgebracht, 1872 ein ganzes 
Kornonregister aus Alt, Tenor, Baß und 
Kontrabaß in der £s-ß-Stimmung. 

Kornophon s. Cornophone. 

Korpus, lat. .Leib'. Schallkasten der Instru- 
mente ohne die Extremitäten ; bei den Blas- 
instrumenten die Schallröhre ohne Mund- und 
Schallstück. Das Wort ist Neutrum, nicht 
Maskulinum; also: das Korpus. 



230 



KORR— KRA-CHAPEE 



Korr, der in Kalil (Neu-Mecklenburg) ge- 
bräuchliche Name der Pansflöte. 

Vgl. Kaur. 

Korrektorium, lat. ,Stimmhorn'. 
Korro, 1 8 saitige Harfe [ ? wohl Kassotypus] 
der Mandingo. 

M. Park, Trav. in the Int. Distr.of Afr., Pinkert. Collect, vol. XVI 
p. 878. 

Korssträngad, schwed. .Kreuzsaitig'. 

Kortholt, .Kurzholz', ist ein Name, der im 
16. und 17. Jh. zwei durchaus verschiedene 
Blasinstrumente deckt. In England bezeich- 
nete man mit .Single curtall' das kleine Quint- 
fagott und mit , Double curtall' das Chorist- 
fagott; diese Bedeutung ist auch in Deutsch- 
land bekannt geworden. Im allgemeinen ver- 
stand man aber bei uns — und in Frankreich 
durchgängig — unter Kortholt, Kortinstru- 
ment oder Kurzpfeiff — frz. courtaud — 
ein etwa 60 cm langes gerades, zylindrisches 
Schalmeiinstrument mit zwei Kanälen in dem 
gleichen, ungegUederten Korpus, mit beson- 
ders vielen Tonlöchern und mit Doppelrohr- 
blatt ohne oder mit Mundkapsel ; 



Umfang: 



^ 



Das Instrument scheint niemals eine größere 
Verbreitung gefunden zu haben. Die als Kort- 
holte bezeichneten konischen Instrumente der 
Berliner Sammlung tragen diesen Namen zu 
Unrecht. 

Vgl, Piigrim Staves, Rauschpfsife. 

Kort Oktav, dän. schwed. .Kurze Oktave' ; 
ndl. kort oktaaf. 

Kös, (jM^ , türk. s. Küs. 

Kosi, grus. Metalltrommel; pers. küs. 

Koskettimet, finn. .Klaviatur'. 

Kosnaghara, grus. .Trommel' und .Trom- 
pete'; pers. arab. küsnaghara. 

Kosoq, jav. , Bogen'. 

K6stoöka, KocTOHKa. die Schlagfeder der 
Kobza. eigentl. .Knöchelchen'. 

Koläana svirala, serbokroat. beinerne 
Schnabelflöte. 

Kosnay, Schilf-Doppelflöte der Sarten (Tur- 
kistan). 

Kotao, serbokroat. .Paukenkessel'. 

Kotek, jav. Handtrommel, den gleichen 
Zwecken wie das Gendoweng dienend. 

Paris Nr. 1J93. 

Kotel, Cech. .Pauke', eigentl. .Kessel'; plur. 
kotly. 

Koto, das vornehmste Instrument Japans, 
ist die japanische Form des chinesischen K'in, 
das seit seiner Einführung im Inselreich, be- 
sonders im 17. Jh., mancherlei Wandlungen 



hat durchmachen müssen: in den Maßen des 
Schallbretts, in der Art der Saitenbefestigung, 
in der Saitenzahl, Stimmung usw. Wie in 
China, so wird es auch in Japan heute seltener, 
meist nur für die alte Kagura- und Saibara- 
musik gebraucht. 

Vgl. Akikiri-koto. Aruma-koto, Ciku-no-koto, Han-koto, Hitso- 
no-koto, I(-i-gen-kin, Ikuta-koto, Kaku-koto, Kudara-koto, Sag»- 
koto, So-no-koto, So-hitsu-no-koto, Taki-koto, Tsuma-koto, Ya- 
koto, Vamada-koto, Vamato-koto, Vayoi-koto. 

Koto no |i, ,Steg des Koto'. 
Koto no o, , Saiten des Koto'. 
Koto no tsume, .Piektrum des Koto*. 
Kotouö, dech. , Stimmbogen'. 
Kotso, plur. kötsotsi, kotsüna, kotsai, 
einfellige Sanduhrtrommel der Haussa (Sudan). 

H. Barth. Reisen und Entdeck, in Nord- u. Centr.-Africa 11 
53; Miscblich, Haussa-Wb., Berlin 1906, p. 391. 

Ko-tsuzumi s. Oto-tsuzumi. 
Ko-tze = Ko ling. 
Kou s. Ku. 
Kouan = Kuan. 
Kouitara s. Kuitra. 

Koulintaugau, Gongspiel von Sandakaa 
(Brit. North Borneo), aus 10 Gongs. 

New- York Nr. 808. 

Kouy s. Khlul. 

Kove, Pansflöte der Neuhebriden aus drei 
Bambuspfeifen von 17 — 24 cm Länge. 

New- York Nr. 839. 

Key, siam. Hörn, 25 Vi cm lang, Dm. max. 
5 cm. 

New- Volk Nr. jSj. 

Koza, poln. , Ziege, Sackpfeife'. 

Kozarski rog, Hom des serbokroatischen 
Ziegenhirten. 

K6zIo, wend. , Sackpfeife'. 

Kozol, die größere Sackpfeife der Wenden, 
aus einem behaarten Ziegenfell, dem ein Holz- 
kopf mit zwei Hörnchen aus Eberzahn aufge- 
setzt ist, Blasebalg, einem Stimmer und einer 
Spielpfeife mit 9 Tonlöchern auf der Vorder- 
und einem 10. auf der Rückseite. 

Kpä-ndu, idiophones Perkussionsinstru- 
ment der Baule (Elfenbeinküste), in der Form 
eines längsgespaltenen, hohlen, mit einem 
Eisenstäbchen geschlagenen Eisenzylinders 
auf einem Handgriff. Die Beziehung zum alt- 
ägyptischen Sistrum ist unverkennbar. 

M. Delafosse, Sur des Traccs probables de Civilisation tgyp- 
tienne. L' Anthropologie XI 451. 

Kpe, ewe .Blashorn' (Hörn oder Elfenbein). 

Knüsli, Deutsch-Ewe Wörterb., Bremen 1892, p. 200; Wester- 
mann, Wb. der Ewesprache, Bln. 1905, I 289. 

Kpolo, mandjia (Frz. Kongo) .Große Glocke'. 
Kraag, ndl. .Kragen'. 
Krabi, estn. .Klapper'. 
Kra-chapees. Kä:(Iabpi. 



231 



KRAGEN— KRIS 



Kragen nannte man bei den Lauteninstru- 
menten den Wirbelkasten, außerdem aber 
auch den zweiten, oberen Hals der Erzlauten. 

Krakab, armlange metallene Kastagnetten 
der nordafrikanischen Araber. 

Vgl. Karkaba. 

Kranting, Valiha von Maläka mit stamm- 
fremden Saiten. 

BerÜD, Völkerk. Mus. I C 14681. 

Kranz = Zarge. 

Kraobi, Affenschädelrassel der Karajä in 
Brasilien. 

Krause, In den Wildnissen usw. 316. 

Krapp, estnische hölzerne Viehglocke ; vgl. 
Schweiz, gleppe. 

Krap-puang, siam. Kastagnetten aus Elfen- 
bein-, Metall-, Holz- oder Bambusplättchen, die 
mit einer Schnur fächer- 
förmig verbunden sind. 

New- York Nr. 1724. 

Krar, abess. Name des 
Kissar. 

ViUoteau 366 n. 

Kra-shapi s. Kä:Cabpi. 

Kratzzithern nennt man 
die älteren, rechteckigen 
Zithern bis zum Anf. 19. 
Jhs. 

Kravarski rog, Hörn des 
serbokroatischen Kuh- 
hirten. 

Krave, dän. , Kragen'. 

Krazze=Bogen(i7 Jh.). 

Kreischstimmen wer- 
den die Neben- und die 
Gemischten Stimmen ge- 
nannt, sowie diejenigen, 
die 2 füßig und noch kleiner sind. 

Krena, Langflöte der Quechaindianer in 
Bolivia mit einer Mundkerbe am Oberende der 
offenen Bambusröhre — ähnlich wie bei chine- 
sischen Flöten — und mit 6 Grifflöchern, 
1. links, 2. — 5. vom, 6. liinten. 

Brüssel Nr. 86j. 

Kre-noft, Kyc-nort, birm. kleines Mes- 
singgong zum Kre-woft, v. kre (kyc) .Kupfer'. 

Krestoobraznyja struny, KpecTooöpaaHUH 
CTpyHU, russ. ,Kreuzsaitiger Bezug'. 

Kretanac, serbokroat. .Drehorgel'. 

Kre-tsart, Kre-naö, birm. Gong oliiie 
Buckel. 

Kre-tsi, birm. dreieckiges Gong; siam. lan 
kaä. 

New- York Nr. 1338. 

Kreuzerpfeifen nennt man in Bayern griff- 
lochlose primitive Pfeifen, die sich die Kinder 
auf den Jahrmärkten kaufen. 

FrcMl 30. 



Kreuzsaitiger Bezug, eine besondere Klavier- 
bauart, die im wesentlichen darin besteht, daß 
die Baßsaiten schräg über die andern Saiten 
hinweglaufen. Sehr viele, namentlich ameri- 
kanische Fabrikanten nehmen diese Erfin- 
dung für sich in Anspruch. Nach allem, was 
bisher bekannt ist, scheint Babcock in Philar 
delphia 1830 das erste kreuzsaitige Klavie- 
gebaut zu haben. Den entscheidenden Sieg 
errang es 1867 auf der Pariser Weltausstellung 
in Steinway's Konstruktion. 

Engl. OVERSTRUNG SC.«.E. schw. KORSSTRANGAD. fr. 
CORDES CROISEES, it. CORDE INCROCI.\TK, sp. CUER- 
DAS CRUZ.A.D.^S, port. CORD.AS CRLZ.^D.AS, russ. KRE- 
STOOBRAZ.NYJA STRUNY. 

Kre-wain, Kre-wofi, birmanisches-siame- 
sisches Gongspiel aus 16 großen, abgestimm- 
ten Gongs, die innerhalb einer niedrigen 




Dach 



KRE-WAIN 
den Notes oo Siamese Musical Icstniments 

Balustrade bequem erreichbar in einem Kreis 
um den Spieler angeordnet sind. Die Stim- 
mung, die durch Anschmelzen von Wachs 
an den Buckel geregelt wird, ist eine Oktave 
höher als die des Ranat lek. Maße: .\ußerer 
Dm. 121, innerer Dm. 80, Dm. des größten 
Gongs 16, des kleinsten 12 ii cm. 

Brüssel Nr. 304 ; Berlin, Ethnogv. Mus. — Vgl. Cii nen. 

Krez{i), wotjak. ,Gusli'. 

Krg{a), serbokroat. Kürbistrompete. 

Kribbe, ndi. , Kehle'. 

Krifalo, Nußklapper der serbischen und 
kroatischen Kinder. 

Krila, ostgrönl. ovales Tamburin, dessen 
Ralimcn geschlagen wird. 

Kopenhagen Nr. 320. - B. K. Bahnsen, Ethnographie I 024. — 
Thalbit^er & Tburen in Meddelelser om GrSDliuid XL 11. 

Krilo, Schallstück des Sopclo. 
Krini, grus. ,Alt'. 
Krishna-beh = Bell. 
Kri», [J^^ , türk. , Darmsaite'. 



i 



232 



KRISMA— KRUMMHORNBASS 



Krisma, Nasenflöte mit 3 Grifflöchern von 
Französisch Indien. 

Krol-dong, tibet. große Schelle. 

Jäschko, Hwb. d. tib. Spr. 54. 

Kromhoorn, ndl. .Krummhorn'. 

Kronio(ng), Schlagspiel der Seedajak auf 
Borneo, aus Holz- oder Steinplatten oder 
kleinen Gongs mit halbkugeligen Buckeln, die 
mit einem Hammer perkutiert werden, ein 
Verwandter des javanischen Bonang. 

Kromphorn s. Krummhorn. 

Krona, Kpona, russ. , Stimmbogen'. 

KroA, siam. Trommel aus Bambv.s. 

Kropf, im Orgelbau i. die kurze, von jedem 
Balg nach dem Hauptkanal führende Wind- 
röhre mit dem Kropfventil, — 2. das kurze 
Kniestück in einem Gebrochenen Kanal, — 
3. das abgebogene obere Ende gewisser 
Orgelpfeifen, für deren geraden Verlauf der 
Platz nicht reichen würde. 

Engl. (2.3.) KNEE, Ddl. (I.) UlTVAL, (2.3-) KROP, fr. (i.) 
GOSIER. 

Kropfventil, Kanalventil, ein Orgelventil, 
das vom Kropf zum Hauptkanal führt. 
Kropp, schwed. , Korpus'. 
Krotalon, xQÖiaXor, griech. , Klapper', v. 

HQOICO) . 




KROTO-MUNDSTÜCK 
nach SheUord 

Kroto, Schnabelflöte der Landdajak auf 
Borneo, mit dem Aufschnitt auf der abge- 
flachten Hinterseite des Kopfendes und einem 
darübergebundenen Rotangewinde, dessen 
eines Ende hinabgeführt und weiter unten 
mehrfach um die Flöte gewickelt ist. 5 Griff- 
löcher auf der Vorderseite. 

Sarawak Nr. 1382. 

Krotong, Xylophon der Land-Dajak auf 
Borneo, aus 6 Hartholzstäbchen, zwei tieferen 
(endor) und zwei höherklingenden (anak), 
die mit zwei Schlägeln (bokan) geschlagen 



SZ3 



werden, sei es von einem oder von zwei Spie- 
lern, von denen dann der eine die anak, der 
andere die endor übernimmt. Als Unterlage 
dienen ein Weichholzblock oder die Knie. 

Sarawak Nr. 1280. 

Krst, serbokroat. .Schalloch' (im Boden), 
eigentl. , Kreuz'. 

Krstnice, Precnjaci, serbokroat. , Bünde'. 

Krücke s. Stimmkrücke. 

Krul, ndl. .Schnecke'. 

Kruma,xeotJ/ja, griech. , Schlag- 
instrument'. 

Krumba, ein dem Agong ent- 
sprechendes Instrument von 
Nias. 

Washington, Nat.-Mus. 

Krumgorn, KpyMropHi, russ., 
Krummhorn'. 

Krummbügel s. Stimmbögen. 

Krummer Zink, ein leicht ge- 
bogener Zink mit dem Umfang 



lii. '^ni- 




Im 18. und 19. Jh. ist unter der 
Bezeichnung Zink stets der 
Krumme Zink zu verstehen. 

Engl. CURVED CORNETT, ndl. KROMMB 
ZINK, dän. KRUM ZINKE, schw. KROKT 
ZINKA. it. CORNETTO CURVO, sp. COR- 
NETA ENCORVADA. — Abb. bei .Zink'. 

Krummhorn, Krumphorn, 
ein europäisches, bis zum 17. Jh. 
gebräuchliches Schalmeiinstru- 
ment aus einer hakenförmigen, 
überwiegend zylindrischen, nur 
im letzten Teil konisch ausge- 
stochenen Röhre mit 7 
Grifflöchern, Doppelrohr- 
blatt und Mundkapsel. 
Im Mittelalter wurde ge- 
legentlich auch der Krum- 
me Zink Krummhorn ge- 
nannt. Der früheste unsbe- 
kannteNamensbeleg steht 

bei Heinr.v.d. Neuenstadt, .\pollonius 29074 
(um 1300): ,sumber, pfiffen, krumbeu hom'. 

In der Orgel ist Krummhorn eine Zungen- 
stimme mit meist halbgedeckten, aber auch 
offenen oder gedackten Aufsätzen und sanftem 
Hornklang. 

Engl., fr. CROMORNE, ndl. KROMHOORN, din. KRUM- 
HORN, lt. CROMORNE, sp. ORLO. russ. KRUMGORN, 
poln. SZTORT. — Vgl. Altkrummhom, BaBkrummhorn, Dis- 
kantkrummhom, Doppioni, Duleaina, GroSbaBkriimmhora, 
Kleine« Krummhorn. 

Krummhornbaß, eine Krummhornstimme 
im Pedal. 



BASS-KRUMMHORN 
in der Kgl. Sammlung alt«r 
Muükinstruinente c. Berlin 



233 



KRUMONG— KULEPA GANEZ 



veraltet 



.Flügel- 



Gemeinsam ist den 

die Fellbefestigung 

Nur das Cang ku. 



Krumong s. Kromo. 

Krumphorn = Krummhom. 

Krüp, serbokroat. ,Baß'(-Register). 

Krupalon, Krupezon, xpoinaXor, xßovue- 
Cov, griech. s. v. a. Scabellum. 

Krupna bugarija, Dupli braf, die größere 
sechssaitige Tanbura. 

Krupna svirala s. Sviralina. 

Krupne gusle, serbokroat. , dicke Geige', also 
jedes tiefere Geigeninstrument. 

Krupno berde, ein tiefes Berde. 

Kruska, serbokroat. ,Bime', das Unterteil 
der Kürbistrompete. 

Knitulja, serbokroat. Büffelhom. 

Krzywula, poln. ,Bassetthom' ; 
krzywosz. 

KHdlovka, Kfidlit^ roh, Cech. 
hom'. 

Ksi^zyc turecki, poln. .Halbmond, Schellen- 
baum'. 

Ktenion, xio-iov, griech. ,Arm' (Lyra), 
eigentlich .Kämmchen'. 

Heaychios. 

Ku, chin. .Trommel', 
chinesischen Trommeln 
mittels kupferner Nägel, 
das eben deswegen auch genetisch eine Sonder- 
stellung einnimmt, macht eine Ausnahme. 

Vgl. Gang ku, Con ku, Hsiao ku, Hua ku, K'uang, Lo ku, 
Man t'u ku, Pa fang ku, Pan ku, Pang ku, Pan t'ang ku, Po 
ku, .^u ku, Tang ku, Tac ku, Thai pang ku, Tien ku, Tain 
ku, Tsu ku, Vao t'ang ku, Ving ku, Vü ku. 

Ku, jap. viersaitige Guitarre. wie das 
GenkwaH. aber mit kreisrundem Korpus und 
9 Bünden ; Stimmung veränderlich. Das In- 
strument zeichnet sich durch reichen Schmuck 
aus. 

Kraus 69. 

Kü, v^, kurd. .Wirbel'. 

Kua-da-ban-dse, chin. .Kastagnette'. 

Kuakles = Kohklis. 

Kuan(tzö), eine dem japanischen Hiöiriki 
entsprechende chinesische Schalmei, 19 — 28 
cm lang, aus zylindrischgebohrtem Rotholz 
mit Knochenringen. 7 ovalen Grifflöchern vorn 
und einem oder zwei auf der Rückseite und 
mit einem 7 — 8 cm langen Doppelrohrblatt. 

In Peking versteht man unter dem Namen 
das C'uen kuan. Kuan heißen auch die Pfeifen 
des Seng. 

Vgl. Pi u. 

K'uang, das Korpus der faßförmigen Ku's. 

Kuchwa s. Kaihva. 

Kuckukspfeife, Kuckuksruf. primitive 
Pfeife mit einem, meist die große Terz ergeben- 
den Griffloch. 

Engl. CUCKOO, fr. SIFFLET COUCOU. 

Ku i'ui, chin. .Trommelschläger. 



Küiiru, K ü t s i r u . Kürbisrassel der Ta- 
riana (N. W. BrasiUen); uarekena maräka, 
katapolitani küteru. küderu. siusi kü- 
deru. yukuna laäri. 

Koch- Grünberg. Aruak-Sprachen, Wien 1911, p. 79. 

Kuda, ein schwerer, etwas über 6 cm langer 
Elfenbeinzylinder für den Mittelfinger der lin- 
ken Hand, mit dem die Saite des löi-gen-kin 
verkürzt wird. Es scheint aus seinem Ge- 
brauch hervorzugehen, daß die K'in-Saiten 
ebensowie die der alten nordischen sog. 
Tannenharfen früher mit dem Fingernagel ver- 
kürzt wurt'i -n. 

Kudara-koto, ein veraltetes koreanisches 
Koto mit Tierkopf-Abschluß. 

Piggott 122. 

Küderu s. KuCiru. 

Kuduni, xovSovyi, ngr. vulg. .Glocke'. 

Kuerauldfono, span. ,Keraulophon'. 

Kugelharfe, deutscher Name der Chelys. 

Kugelpauke ^ Maanim. 

Kuhhom s. v. a. Alphorn. 

Kuhotora imirya s. Inanga. 

Kuimbi s. Nkwimbi. 

Kuina, nandi .Hörn'; plur. kuinai. 

A. C. Hollis, The Nandi, Oif. 1909, p. 277. — Vgl. Uana. 

Kuitra, arabische, in N. W. Afrika heimi- 
sche Laute mit 4 Doppel-Darmsaiten und 
spähnigem Holz-, seltener Kalebassenkorpus; 
Federplektrum. Etymologie xi&dya. 

Kuitzialflöte, Kützialflöte. eine veraltete 
Flötenstimme unbekannter Beschaffenheit zu 
i'. I ij'- 2' oder 4'. 

Dresden. Kreuzk.; Prag, St. Dominikus. 

K'u k'in, chin. Maultrommel aus Eisen mit 
überragender Zunge. 

Moule 47. 

Ku kuai, chin. zwcizüngige Bambus-Mund- 
harmonika der Pilger, die im Frühling auf den 
Mao Shan. einen Hügel südöstlich von Nan- 
king ziehen. 

Moule 88, — New- York Nr. 3156. — Vgl. Seng Uü. 

Kukumä, Rcib-[ ? Schrap-Jinstrument der 
Haussa. 

Robinson, Dict. of the Hausa Lang., Cambr. 1899 1900, 1 133. 

Kulang. Moro-Namc des Barimbo. 

Kulcs, ung. .Wirbel'. 

K'ulen, temne .Flöte'; plur. tr'ulen. 

C. F. Schlcnker, Engl. -Temne Diel., Lond. :88o. p. 149. 

Kulepa ganez, ein sehr seltenes primitives 
Reibzungenspiel von Neuirland, ein Holz- 
block, aus dessen vollem Holz vier ungleiche 
Zähne herausgestemmt sind. Der Spieler er- 
zielt durch Reiben dieser Zähne mit palmsaft- 
befeuchteten Händen vier verschiedene Töne. 
Frauen und Kinder dürfen dem Spiel nicht bei- 
wohnen. Ein ähnliches Instrument käme nach 



234 



KULISA— KURZE OKTAVE 



V. Schmidt in Deutsch-Neuguinea vor; das 
muß indessen stark bezweifelt werden. 




KULEPA GANEZ 
im Kgl. VölkcTkundemuseum cu Berlin 

Kulisa, KynHca, russ. .Scheide, Zug', v. frz. 
couhsse. 

Kulkunen, finn. .Glöckchen'; vgl. lit. 
kankalelis. 

Kultjäpi s. Ketjapi. 

Kuluri s. Keluri. 

Kum, mikir .Geige, Musikinstrument'. 

R. E. Neighbor, A Voc. in Engl, and Mikir, Calcutta 1878, 
p. J8, 47. 

K'uma ka ma-len, plur. tr'uma tra ma- 
len, temne .Harmonium'. 

C. F. Schlenker, Engl.-temne Dict., Lond, 'So, p. i8j. 

Kumelukas, lit. ,Steg'. 

Kumpul= Kcmpul. 

Kumpuzi, xovfuiov^t, ngr. , Baßlaute', v. 
türk. qopuz. 

K'un (Swatow- u. Amoy-Dial.) = K'in. 

Kuodi, pangabi, .Trommelschlegel'. 

Kundi, Kundu, Harfe der Zande (N. O. 
Kongostaat, Z. Afr.) vom Typus der Nanga, 
aber mit nur 5 Saiten und geigenähnhchem 
Körper, dessen von zwei Schallöchern durch- 
bohrte Hautdecke am Bauch zusammengenäht 
ist. 

Kundye,Streichlaute der Soso (Frz. Guinea); 
Schallkörper aus einer halben Kalebasse mit 
Membrandecke, Hals, 6ine Pferdchaarsaite 
und Pferdehaarsteg. 

Brüssel Nr. 756; N«w-York Nr. 477. 

K'ung, chin. , Griffloch', im Fuhchan-Dialekt 
s. v. a. K'in. 

K'ung 6eng, chin. Doppel-Aolsharfe unbe- 
stimmter Größe aus zwei einzelnen, durch 
einen kurzen Holzstock voneinander getrenn- 
ten Ti ko tzö. 

Moule 68. 

Kung tzö wird in Peking das Ko hng ge- 
nannt. 

Kungerre [?] vinä, eine Vlijä ohne Resonanz- 
kalebasse. 

New- York Nr. 331. 

Kunsteiter, ndl. ,Erzcister'. 
Kunstpedal, ein beim Klavier zu vieren an- 
gebrachtes, achtfach verwendetes Pedal, das 



statt aller Dämpfer nur einen Teil aufhebt und 
daher allerhand besondere Kombinationen ge- 
stattet, erf. 1870 von Ed. Zachariae in Stutt- 
gart. Das erste , Piano ä sons soutenus ä vo- 
lonte' stellte bereits 1844 Boisselot in Mar- 
seille aus. 

Kunting, eine dreisaitige, kerbstegige Harfen- 
laute der Mandingo (W.-Sudan). 

Mungo Park, Travel in the Interior Dislrict of Afr. 878. 

Ku pi, chin. , Trommelfell'. 

Kuping, jav. ,Fell'. 

Kupier, Kynnepi., russ. , Koppel'. 

Kuppel, veraltet für , Abstrakte'. 

Kuraj, Kypaö, eine roh gearbeitete Natio- 
nal-Langflöte der Baäkiren (Rußland) aus dem 
Holz der Archangelica, 60 — 70 cm lang, beider- 
seits offen, konisch mit Zunahme nach dem 
Munde hin, und mit 5 an den einzelnen Exem- 
plaren verschieden entfernten Grifflöchern, 
vier vom und einem hinten. Das Instrument 
entspricht also etwa dem Näy. Der Spieler 
deckt die Öffnung fast ganz mit der Oberlippe, 
während die Unterüppe von der Zunge nieder- 
gedrückt wird. Der Bläser summt während 
des Spiels einen Orgelpunkt auf der Unter- 
quinte des Anfangstons. 

Privalov VIII. II. »23. — Pyc. My3. raaera 1896, aip. 37. 

Kurant drwonowy, poln. .Glockenspiel'. 

Küre, barriai, kilenge .Holztrommel'. 
Friedcrici, Bcitr. «. Volk.- u. Spracbenkunde v. Dcutscb-Neu- 
guinea, Berl. 1912, p. 190, 219. 

Küreke, iS\.ji, arab. ,Große Trommel, 
Pauke, Tamtam'. 

Kure tsuzumi, südchin. jap. Perkussions- 
Idiophon aus einem Holzring, der mit Stöcken 
geschlagen wird (altl). 

Piggotl 175. 

Kurna ^ Kama. 

Kurra, tatar. baäkir. .Cibyza'. 

Kursi, ye"^ • arab. , Saitenhalter'. 

Kürt, ung. ,Hom'. 

Kurtar, Chittika, bind. Rasselklapper aus 
zwei mit MetallscheUen und Fingerösen ver- 
sehenen Hölzern. 

New- York Nr. 1452. — N. A. Willard, Treat. on the Mu«. of 
Hindoostan 96; Day 145. 

Kürube, sechssaitiges Kissar der Bongo 
(Obernil). 

Kurung-kurung = Gulung-gulung. 
Kurnum, paup ,(Fell-)Trommer. 

Friederici, Beiträge 206. 

Kurze Oktave, eine bis ins 18. Jh. hinein 
verwendete platzsparende Anlage der tiefsten 
Oktave auf Orgeln und Klavieren unter Fort- 
lassung der als Bässe damals kaum benutzten 
Töne Cis, Dis, Fis, Gis und Zusammen- 
rückung der übrigen Tasten. Die gewöhnhche 
Anordnung war: D E B 
C F G A H, 



235 



KURZ-PFEIFF— LAB I ALPE IFE 



eine seltenere : C D B 

E F G A H. 

Gegen Ende 17. Jhs. werden die Obertasten D 
und E häufig gebrochen, d. h. derart geteilt, 
daß die vorderen Tastenhälften D und E, die 
hinteren aber Fis und Gis ergeben. Erst die 
im 18. Jh. aufkommende Verwendung auch 
der entfernteren Tonarten räumte mit der 
Kurzen Oktave auf. 

Engl. SHORT OCTAVE, ndl. KORT OKTAAF, din. Bchw. 
KORT OKTAV, fr. OCTAVE COURTE. 

Kurz-Pfeiff = Kortholt. 

Küs, L-j^ , pers. Pauke mit Erzkessel, 
der zur Schalldämpfung ( ?) mit Netzwerk 
überzogen ist ; zwei Schlägel mit umgebogenen 
Enden. 

Kämpfer, Engelb., Amoenitatum exoticarum politico-physico- 
medicarum fasciculi V, Lemgo\*iae 1712, p. 743. — Ein Küs ist 
die als Dohol bezeichnete Pauke New- York Nr. 2437. 

Kussir, türk. ,Kissar', v. griech. xiOäga. 
De la Borde I 381. 

Ku tang, chin. Spielzeug-Blasidiophon aus 
einer 5 — 15 cm weiten plattgedrückten Glas- 
kugel mit einem Mundröhrchen in der einen 
Seite ; beim Ein- und Ausziehen der Luft 
schwingt der äußerst dünne Boden ; in Shan- 
tung populär. 

Moule 104« 

Kutao, serbokroat. , Schallstück' (Sackpfeife ). 
Kutjapeh, s. v. a. Ketjapi (Battak, Sumatra). 
Kutjapi = Kasapi; vgl. jav. ketjapi. 
Kutsi-biwa, jap. ,Mau!trommer. 
Kützialflöte s. Kuitzialflöte. 
Kuviäki, KysHHKH = SvirjeJka. 
Kuwan-teki = Fuye. 
Kurov, KysoBi, russ. .Schallkörper'. 
Kvint, dän. schwed. .Quinte'. 
Kwaia = Carxa. 



Kwa-lal-kwa-lal, onomatopoetischer Name 
der Glocke im Yakima (U. S. A., N.-W.); vgL 
walwal. 

E. B. Tylor, Primitive Culture I, London 1871, S. 189. 

Kwetz = Zaguf. 

Ky in birmanischen Namen, siehe unter Kr. 

Kyeng-soi, korean. Glöckchen, namentlich 
aus Eisen. 

Kyeng-tyem, korean. .Uhrglocke'. 

Kyl, Kyv, syrjän. .Glockenschwengel', 
eigentl. .Zunge'. 

Wiedemann, Syrj. Wörterbuch 134. 

Kymato-Geigen, Streichinstrumente mit ge- 
wellten Decken, die das Luftvolumen des Kor- 
pus vergrößern sollen, von Mor. Gläsel in 
Markneukirchen. 

Kymbalon, xvfißa).ov, griech. .Becken', v. 
xi'fißo;, , Gefäß'; finn. kymbali. 

Kytara, fiech. .Guitarre'. 

Kytte s. Kit. 

Kyu, jap. Bogen, aus Sandelholz mit Pferde- 
haarbezug, etwas über einen Meter lang; der 
Stock ist an der Rückenseite platt, an der dem 
Bezug zugekehrten abgerundet. Es gibt zwar 
Stöcke, die in ihrer ganzen Ausdehnung gerade 
sind ; meist indessen ist das dünne Kopfende 
in einer Länge von etwa 8 cm rechtwinklig um- 
gelegt. Der Bezug — weiß oder schwarz — aus 
importierten Haaren, y^ — 75 cm lang, \vird 
durch einen MetalLring oder durch einen Stoff- 
knoten zusammengehalten und mittels me- 
tallener Ringe oben angehakt und unten einge- 
schraubt. Um den Bogen bei seiner großen 
Länge — über einen Meter — transportabel 
zu machen, wird er aus zwei Stücken verfer- 
tigt und mit einem Metallring zusammen- 
gefügt. 

Kyv = Kyl. 



L 



Laari s. Kuiiru. 

Lab, ung. ,Fuß, Steg'. 

La ba s. La pa. 

Labak, üLJ, pers. .Flöte'. 

Labbro, ital. .Labium'. 

Labeda-pil, estn. .Klavier'. 

Laebepibe. dän. .Labialpfeife'. 

Labialoboe, eine 1901 von C. G. Weigle in 
Stuttgart erfundene oboenartig intonierte 
Flötenstimme. 



Labialpfeife, Flötenpfeifc, eine oben 
offene, halb- oder ganz verschlossene Orgel- 
pfeife mit Aufschnitt, der ältere und auch heut 
noch wichtigere der beiden Pfeifentypen. Der 
Wind tritt von der Windlade aus in den Kei- 
fenfuß ein. wird durch die enge Kernspalte 
hindurcli gegen das Oberlabium geführt und 
durch dessen scliarfe Kante in raschem Wech- 
sel nach außen und nach innen abgelenkt; die 
periodisch nach innen wirkenden Windstöße 



236 



LABIALSTIMME— LANG-KW AN 



F 



erregen innerhalb des Pfeifenkörpers Longi- 
tudinalschwingungen. 

Engl. FLUE-PIPE, ndl. LABI AALPIJ P, 
dän.LABIALPIBE.schw.FLOJTPIPA. 
fr. TUYAU Ä BOUCHE, it. CANNA 
D'ANIMA, nisi. LABIALNAJA TRU- 
BA, jMbokr. USTNATA CIEV. 

Labialstimme, eine aus 
Labialpfeifen gebildeteOrgel- 
stimme. 

EngL FLUE-WORK, npl. LABIAAL- 
WERK, dän. FLOJTEVyERK, fr. 
JEU A BOUCHE, it. REGISTRO LA- 
BIALE, rus3. LABIALNYJ GOLOS. 
Vgl. Aoline, Bassett, Baarpijp, B»u«ni- 
fiött, Blockflött, Bordun, Bordunbaß, 
Bordunäaute, BordunsubbaO, Celestina, 
ChoralbaB, Choralbassett, Clarabella, 
Clarionet-Flute, Clear-Flute, Cakan' 
Divinare, Dolciano, Dolzflötc, Doppcl- 
flöte, Double Dulciana, Driflötc, Dul- 
ciana, Dunkelflöte. Echo, Feldpfeife, 
Femflöte, Flachflöte. Flageolett, Flaut '- 
Devoire, Flauthemiol, Flauta Euscaria, 
Flautbafl, Flautino, Flöte, Flötenbaß, Ö 
Flute ä Pavillon, Fluttuan, Fugara, 
Gedackt, Gemischte Stimmen. Gems- 
hora. Glöckleinton, Harmonieflöte, Har- 
monika, Harmonikabaß, Hannonika- 
flöte. Hautbois d'Amour, Hellflöte, 
Hilfsatimmen, Hohlflote, Hombäßlein, 
Jubalflöte, Kammerflöte. Keraulophon, 
Koniertllöte, Kuitzialflöte, Labialoboe, 
Melodia, Mäophone, Nachthora, Oboe- 
Flute, Oflenflöte, Oktave. Pansflöte, 
Philomele, Piffero, Portunal, Priniipal, 
Priniipalflöte, Pyramiden, Rohrflöte, 
Salizional, SchaUflöte, Scharfflöte, 
Schweirerflöte, Seraphon, Sonarpfeife, 
Spitiflöte, Suabe-FIute, Suabile, Ter- 
podion, Trinona, Unda Maris, Viola. 
Violonbaß. Voi Angelica, Vox Retusa, 

WaWflote, Wald-Flutc, Weidenpfeife, Weitpfeife, Wienerflöte, 
Zartflöte, Zartgeige. 

Labialwand, Labienwand, diejenige 
Wand einer hölzernen Flötenpfeife, in der das 
Labium liegt. 

Labienflügel = Bart. 

Labienmensur, im engeren Sinn das Ver- 
hältnis von Höhe und Breite beim Labium, 
im weiteren beim Aufschnitt der Flötenpfeife. 

Labium, lat. .Lippe', das den Aufschnitt 
einer Orgel-Labialpfeife oben — ,Oberlabium' 
— und unten — .Unterlabium' — begren- 
zende, in der Regel bei den Holzpfeifen zuge- 
schärfte, bei den Metallpfeifen eingedrückte 
Stück der Wand. 

Engl. LIP, ndl. LABIUM, fr. LEVRE, it. LABBRO, russ. 
LABIJA. 

Vgl. Aufgeworfene Labien, Labienmensur, Lefienschild, Unter- 
labium. 

Ladakeh, ind. Rassel - Trommel aus Holz 
mit zwei Fellen, die von zwei mit Schnüren an 
der Zarge befestigten Kügelchen geschlagen 
werden 

New- York No. »846. 



l) 

HOLZ- 
LABIALPFEIFE 
(Längsschnitt) nach 
H. Schmidt, DieOrgel 

unserer Zeit 
K Windkammer. R 
Körper, a Fuß b Vor- 
schlag, c Kern, t^Kem- 
spalte, c Oberlabiura, 
/ Aufschnitt 



Lade = Windlade. 

Ladenklappe = Spielventil. 

Ladiika, dech. , Stimmgabel'. 

La-dung, dialekt. für Rla-dung. 

Lady, JlaaH, russ. .Bünde'. 

Lage = Bahn. 

Laki s. Sarune und Telarli. 

La k'in, chin. Streichpsalterium mit einem 
stark gekrümmten, an der Unterseite flachen 
Schallkörper wie beim Sä oder Cfing und 10 
pentatonisch gestimmten Saitenpaaren. 

Moule 120. 

Lakkhat, birm. ,Trommelschläger. 

Lakü s. Adjulona. 

Lalipok, Schlagröhre der Land-Dajak auf 
Bomeo: Bambusglieder, mit den dünnge- 
schabten Wänden verbunden, am einen Ende 
offen und mit diesem gegen einen harten 
Gegenstand geschlagen. Man spielt es mit dem 
Ton-ton zusammen. 

Sarawak Nr. 1197 a;b. 

Lalis, eine etwa % m lange Signal-Holz- 
trommel der Fidjiinseln. 

New- York Nr. 1389, 1835. 

Lamba, große, unten geschlossene Trommel 
der Wolof (Seneg.). 

Lamelle = Zunge. 

Langes Stück des Fagotts = Baßröhre. 

Langflöte nennt man jede Flöte, die im 
Gegensatz zur Querflöte beim Blasen gerade 
herunter wie die Oboe und die Klarinette ge- 
halten wird. Es lassen sich innerhalb dieses 
Typs drei Stufen unterscheiden: eine frühe, 
bei der der obere Rand als Labium dient 
(Pansflöte), eine mittlere, bei der die Ton- 
erzeugung durch Einkerbung erleichtert wird 
(SakuhaCi) und eine späte, deren Benutzung 
durch einen aufgesetzten Schnabel mit Kern 
und Kernspalte vereinfacht ist (Schnabel- 
flöte). Neuerdings kommen auch Kreuzungen 
zwischen Lang- und Querflöte vor (Albi- 
siphon). 

Engl. VERTICAL FLUTE, fr. FLUTE DROITE, it. FLAUTO 
VERTICALE, dän. LANGFLOJTE, sp. FLAUTA DE PUNTA. 
Europa: Caval, Darv)Ta, Giorgi- Flöte, Kavalie, Kuraj, 
Skurducrei, Surauli, S>Tinx Monokalamos. — Zentral- und 
Westasien: GUngbu, Kuraj, Mangaira, Näy, Salamani. — 
Indien: Bansuli, Beluwat, Bugari, Cii ong dif. Floit ajar, 
Laya bansi, Pu-lwe. Semei, Serundam. Serutu. Suling, Telali. ~ 
Ostasien: Hito-yo-kiri, Hsiao. Ko ling, K'ung ieng, Mam- 
ban-tetsu-no-fuye, Feng huang hsiao, Pi na, Siyuteki, Sakuhaci, 
Ti ko tiö, T.T-sio, Yo, Yüeh. — Afrika: Fun, Gobais, 
Kisandasanda, Lera, Näy, Saiblt, Sodina, Zaguf. — Amerika : 
Krena, Paxiuba, Tlapitzalli. — Ozeanien: Angangvena, Auwl 
kakueng, Gore, Kaur, Khore, Mai, Pu-pu-horu, Putorino, Rura, 
Uvete. — Femer: Schnabelflöte. 

Langkara, malay. .Pauke'. 

Skeat. Malay Magic, Lond. 1900, p. 25. 

Lang-kwaft, birm. .Becken'. 

Vgl. Lan-kaü. 



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LANGLEIK— LAUTE 



C2> 






Langleik, norw. veraltetes Psalterium vom 
Scheitholttypus mit langem, flachem und 
meist schmalem, aber auch 
breiterem, ein- oder beider- 
seitig ausgebauchtem Schall- 
körper von wechselnder 
Form, Wirbelkasten und 
4 — 14 Stahlsaiten in ver- 
schiedener Anordnung über 
festen diatonischen Bünden 
auf der linken Seite. Die 
älteren Exemplare haben 
keinen Boden. 

LAng-lju, Holzhom der est- 
nischen Schweden. 

Langoröny, madag. Trom- 
mel aus einem Holzzylinder 
und zwei Fellen mit Holz- 
reif - Schnurspannung, ver- 
mutlich eine seit 18 10 da- 
tierende Rückbildung der 
europäischenMilitärtrommel. 

Revue musicale VI 1906, p. 450 (Sichel). 

Lang-spil, isl. Streichzither 
mit 2 — 3 Drahtsaiten. 

Languid, engl. ,Kern'. 

Lan kan, siam. drei- 
eckiges Gong mit abgerun- 
deten Ecken. 

New- York Nr. 273. 

Lant, ung. .Laute'. 

La pa, chinesische gerade, 
etwa 5 Fuß lange Trompete 
aus zwei beim Nichtgebrauch 
ineinanderschiebbaren koni- 
schen Metallröhren mit 
flachem, sehr breitrandigem 
Mundstück und weitaus- 
ladendem Schallbecher. Be- 
nutzt werden der 2. — 5. 
Partialton. Ursprünglich ein 
Militärinstrument, dient es 
heute hauptsächlich als An- 
locktrompete der Scheren- 
schleifer und als Begräbnis- 
Tonwerkzeug. 

Mit La pa werden ferner 
bezeichnet das C'uen kuan 
und — in Peking — die 
Ko