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Full text of "Reisen in Siam in Jahre 1863"

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DTE VOELKER 



DES 



OESTLICHEN ASIEN. 



STUDIEN UND REINEN 



VON 



Dr. ADOLF BASTIAN, 

PriTatdoeent an iler Univemltlt Berliu, Oorro-«)!. MitKÜed der Royal (lOoi^raiihicnl Roo.iety in 

Loodon and der American Oriontal 8itciet\, Ehrcn-Mitfrllcd den Voroinii fltr Krdkiinde iu 

Dresden, OrdentUchom Mitglied der (teHelUchafl fllr Erdkunde In llprlin. der Royal 

Ailatlc Sdciely In London ti. a. g. (t. 



DRITTER BAND. 



JENA, 

HERMANN COSTKNOBLK. 
• 1867. 






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REISEN IN SIAM 



IM JAHKE 1863. 



VON 

Dr. ADOLF BASTIAN. 

NEBST EINER KARTE UIMTERINDIENS VON PROFESSOR Dr. KIEPERT. 



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JENA, 

HKRMANN COSTENOBI.K. 
1867. 






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Du» Rocht der L»ierM'tsuii|r bleibt vorholialten. 



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\H'b^H'<^^>^. 



Einleitendes Vorwort. 



Die wohlwollende Aufnahme, die die vorangegangenen 
Bände in der Kritik gefunden haben, mnssten es mir um so 
mehr zur Pflicht machen^ den gleichzeitig hervorgehobenen Au8- 
Ktellungen abzuhelfen , so weit es in meiner Macht stand ^ und 
glaube ich auch verschiedene derselben vermieden oder doch 
gemildert zu haben. Andere waren zu sehr mit der gan- 
zen Anlage und dem Plane meiner Arbeiten verwachsen, als 
dass ich sie, ohne diesem zu schaden, hätte beseitigen können. 
Zunächst darf ich wohl die Bitte aussprechen, dass in dem 
Buche nichts gesucht werde, als was es zu bieten verspricht, 
und wie es in dem frttheren Programm schon angedeutet war. 
Das Princip einer Arbeitstheilung, ' als das Einzige, das durch 
genaue Erforschung der Specialitäten fttr die Wissenschaft wahr- 
hafte Förderung verspricht, in seinem vollsten Maasse aner- 
kennend, nehme ich eben so sehr flir ethnologische Forschungen 
ihr eigenes Recht in Anspruch, wie man zoologischen und bota- 
nischen Reisenden einen solch' ausschliesslichen Charakter zu- 
zugestehen gewohnt ist, und habe mich von dilettantischen 
StrcifzUgen auf fremde Gebiete schon deshalb fern gehalten, 
damit diese Neutralität auch andererseits der Ethnologie zu 



VI Yorrade. 

Gate komme, die bisher am Meisten unter Grenzverletzungen 
gelitten hat und in Folge derselben ihre Lehrbücher mit nn- 
richtigen SehluKsfolgerangen gefhllt sieht. Obwohl die Ethno- 
logie bei der innigen Verwachsung der Psychologie mit dem 
physiologischen Mutterl)oden ihrer Wurzeln die Objecte der en- 
geren Anthropologie nicht aus dem Auge verlieren darf, so 
liegt doch ihr eigentlicher Schwerpunkt, wie schon v. Baer 
scharfsichtig hervorgehol)en hat, in dem Geistesleben der Völ- 
ker, in Erforschung der organischen Gesetze, unter denen die 
Menschheit im F^ntwickelungsgange der Geschichte zur Cultur 
emporwuchst, um die Blttthe reiner Humanität zu entfalten. 
Diese Aufgabe wird bei der Weite ihres Umfanges und der 
Wichtigkeit ihres Gegenstandes sicherlich, wenn irgend eine, 
das Zugestündniss einer Specialität verlangen können, und die 
Ethnologie ist dazu berufen, ihre Fragen nach der strengen 
Forschungsmethode unserer Gegenwart zu lösen. Sie hat auch 
die Psychologie, als die jüngste der Schwestern, in die Reihe 
der exacten Wissenschaften einzuführen, und sobald diese auf 
der sichern Grundlage der Naturbeobachtung ihren festen Halt 
gewonnen hat, werden die sie bisher umhüllenden Phantasie- 
Gebilde aprioristischer Hypothesen bald in die haltlosen Nebel 
verwehen, aus denen sie zusammengeballt waren. Nur durch 
Hülfe der Ethnologie wird die Psychologie die Masse der That- 
sachen, die empirischen Facta gewinnen können, deren es hier, 
wie zu jeder Induction, bedarf. Nicht der Mensch isolirt und 
and abgeschlossen, sondern der Mensch, dem innerhalb der 
Gesellschaft der sprachliche Austausch das eigene Bewusstsein, 
als Resultat des Wechsel Verkehrs, ermöglicht hat, repräsentirt 
den Typus des Geschlechts. Es genügt deshalb nicht, sich 
in der Psychologie auf die Selbstbeschauung des Individuums 
zu beschriinken; das Geistesleben des Individuums ist nur 
ein secundüres Product, erst dadurch ermöglicht, dass das Indi- 



Vorrede. VII 

yidnnm als integrirender Theil eines gesellßchaftlichen Ganzen 
lebt. In den Völkerkreisen , in denen ein nationales Band 
die Individnen vereinigt, ist der Völkergedanke zu suchen, 
der als primärer dem Gedanken des Einzelwesens vorangeht, 
und der sich vor Allem in den religiösen Anschauungen re- 
tiectirt, denn die Religion erftlUt den normalen Horizont der 
Naturvölker, ehe unter den DifFerenzirungen einer, Über die 
Schwelle träumerischen Geftthl8lel)ens hinausgetretenen, Entwicke- 
lungsstufe ihr Bruch mit' der Philosophie eingetreten ist. In 
den Religionen spiegelt sich das Seelenleben der Völker, und 
ihre zum Denken erwachenden Ahnungen, die, den Blicken un- 
zugänglich, in der dunkeln Tiefe des GemUthes gähren, wir 
sehen sie klar und deutlich zurückgestrahlt von den giganti- 
schen Gestaltungen, die im Widerschein der mikrokosmischen 
Schöpfungen am mythologischen Horizonte einherschreiten. „In 
der Religion, wie Lessing sagt, ist der Gang zu erblicken, 
nach welcher sich die menschliche Vernunft jedes Ortes einzig 
und allein hat entwickeln können und entwickeln sollen." Die 
Ethnologie wird der Culturgeschichte, die bisher auf unser di- 
rectes Civilisations-Areal Europas mit dem westlichen Asien und 
dem nördlichen Afrika beschränkt war, die werthvolle Hülfe 
der Vergleichung, die Hülfe comparativer Aequationen gewäh- 
ren, indem sie ihren Gesichtskreis über die ganze Masse der 
Itluf Continente erweitert und neue Perspectiven nach allen 
Seiten hin eröffnet. 

Bei den Naturvölkern finden sich keine eigentlichen My- 
thologien; die Religion bewahrt bei ihnen noch ganz und wahr 
ihren acht etymologischen Sinn eines bindend zurückwirkenden 
Uebersinnlichen , dessen mächtigem Walten sich der Mensch 
w^illenlos unterwirft. Erst durch eine Doppelbrechung, bei 
weiterer Reflexion über die Spiegelung des aus unbewussten 
Üenkgesetzen projicirten Jenseits, bildet sich das bunte Spiel 



VIII Vomde. 

der Mythologien^ und dann ist nur noch ein kurzer Sehritt bis 
zum Msihrchen, das an die einst unnahbaren GöttergCRtalten 
vertraulich herantritt und , mit ihnen wie mit bekannten Er- 
gcheinungren auf Erden verkehrt, oder bis zur Komik des Volks- 
witzes, worin das einst Heilige und Hehre selbst dem Spotte 
verfällt. Der in den Banden des Wunderbaren und Unbegreif- 
lichen gefesselte Wilde vermag sich nicht zu solcher Abstrak- 
tion zu erheben; er bleibt noch ganz dem Ingens Mysterium 
verfallen, das ihn im Mutterschoosse der Natur umtangt. Jed- 
wedes Ding, das er sieht, ist heilig und unantastbar, als ein 
Sacrum, ist das Erzeugniss und somit das Eigentiium verbor- 
gener Mächte, die nur unter sühnenden Ceremonien den Niess- 
brauch des Ihrigen, der Hiera, gestatten. Dieser dem Natur- 
menschen normale Vorstellungskreis, den wir in starrer Aus- 
prägung bei den wilden Stämmen finden, hat ebenso bei den 
Cultur- Völkern den frühesten Stadien ihrer Ent>vickclung zu 
Grunde gelegen, wie er auch jetzt noch im populären Aber- 
glauben nachwirkt. Auf fortgeschrittenen Civilisationsstufen 
wird sich in den ethnologischen Provinzen des Erdballes dieses 
religiöse Element in den verschiedenen Graduationen seiner. 
Veränderungen nachweisen lassen, obwohl beim Aufgehen in 
höhere Combinationen die primitive Zellbildung durch das aus- 
schmückende Nebenwerk dichterischer Phantasie gewöhnlich so 
sehr versteckt ist, dass sie ohne jene Hülfe einer vergleichenden 
Psychologie schwer aufzufinden sein würde. Das Religiöse liegt 
im Mythologischen iuvolvirt, es ist das ursprüngliche Samen- 
korn, ohne das <lie Mythologie keinen Boden gefunden haben 
würde, aber die Mythologien selbst sind schon Schmarotzer- 
pflanzen, die mit ihrem schillernden Farbenschimmer auf dem 
Mutterstamm erst dann anschiessen, wenn sich derselbe bereits 
überlebt hat und zum Verfalle neigt, die ihn schliesslich ganz 
zersetzen und in Moder und Staub verwandeln. So oft sich 



Yomd« IX 

dann^ mit dem zunehmenden Bedttrfhiss einer der Höhe der 
Zeit entprechenden Offenbarnng, nnter den Kämpfen schmerzvollen 
SehnenA jener Mutterstamm der Religion aus seinem Schutte 
rej^nerirty so kehrt er stets auf seine psychologischen Anfönge 
zurück^ wie sie in den elementaren Anschauungen des naturwüch- 
sigen Denkens eingeschlossen ruhen ^ und eine umsichtig ange- 
stellte Analyse wird in der Stufenleiter aufsteigender Vervoll- 
kommnungen einen ununterbrochenen und gesetzmitssigen Zu- 
sammenhang zeigen zwischen den frühesten Religionsahnuugen 
der Naturvölker bis zu den erhabensten unserer Gegenwart. 
Haben wir eine constante Formel für die isomeren Aequivalente 
gefunden, so werden uns regelmässig wiederkehrende Vorstel- 
Inngskreise . gleichsam den Dienst von Leitmuscheln versehen 
können, um die Niveauverhältnisse culturhistorischer Schich- 
tungen in ihren Lagerungen nebeneinander oder in ihrem Wachs- 
thum übereinander zu studiren. Wer in Erforschung des Keini- 
processes das genetische Princip der Entwickelungsgeschichte 
zu erkennen strebt, wird zuerst die einfachsten Verhältnisse 
berücksichtigen müssen, die, wie im Pflanzenreich die Krypto- 
gamen, in der Psychologie die Ideen der Naturvölker darstellen. 
Die, von der localen Färbung abgesehen, unveränder- 
liche TTleichartigkeit, mit der der geistige Organismus Blätter 
und Blüthen hervortreibt, zeigt sich am frappantesten in den 
übereinstimmenden Vorstellungskreisen isolirt abgeschlossener 
Stämme, die, den Trümmern eines cambrischen Systeme« gleich, 
zurückblieben, während die zwischenliegenden Wandervölker 
in ihren Uebergangsformationen das Niveau durchbrachen und 
im friedlichen oder im feindlichen Wechselverkehr vollendetere 
Oedankenproductionen zeitigten, die den ursprünglichen Typus 
mehr oder weniger verwischten. In Legenden und TracUtionen 
des Erzählungsfiiches mögen üebertragungen stattfinden, leicht 
findet die Dichtung einen Hörer, der sie weiter singt, noch 



X Vorr0d0. 

raK(*licr reiHon Fnbeln nnd Milhrclien, aber die Repnngen glHu- 
big:er Empfindungen gedeihen nur auf dem lieimiftelien Boden, 
w<» Hie zur Anhvort angeregter Fragen hervorwuehsen, und ehe 
sie sich fremden Nationalitäten mittlieilen lassen, bedarf es einer 
umwälzenden Revolution, um das Feld ttlr ihre Aufnahme vor- 
zubereiten. Bei Schriftvölkern, wie die Siamescu fnnd die übrigen 
Nationen HinterindienR, mit Ausnahme der Bergstämme), wird 
durch den Zutritt weiterer Verwickelungen die Auffassung leicht in 
unrichtige Proportionen verschoben, nachdenj der vom Beginn an 
fortleitende Ariadnefaden entschlüpft sein sollte, und ausserdem 
liefert die magische Verknüpfung des Causal-Nexns einen bedin- 
gend mitwirkenden Factor, wenn sich zuerst die blind umher- 
tapp(<nde Zauberei über die im Makrokosmos geltcjiden Bezie- 
hungen zu experimentiren vermisst, um die anthroimmorphisch 
verehrten Gebietetr wieder zu ihren Diensten zu zwingen. 

Als ein Theil der Naturwissenschaft sieht die Ethnologie 
ihren We^ scharf und bestimmt vorgezeichnet. Sie hat zu- 
nächst die Kraftäusserungen der kleinsten Theilchen zu er- 
forschen, um aus ihnen die Zusammensetzungen tertiärer und 
quaternärer Radicale zu verstehen, sie muss vor Allem dahin 
streben, eine Spsvnnungsreihe psychologischer Grundstoffe zu 
gewinnen, die durch den Prtlfstein quantitativer und (qualitativer 
Analyse in genauer Ordnung zu sichten sind. Hier liegt ein 
unermessenes Feld noch brach und wüste, das des Anbaues 
wartet. Jede Vorarbeit fehlt und ihr Mangel ist kaum zu be- 
klagen, da wir erst seit den letzten Decennien einen ungefähr 
vollständigen Ueberblick über den Globus mit den ihn bewoh- 
nenden Völkerstämmen gewonnen haben, und Regeln, die aus 
unvollständigen Materialien abgeleitet worden wären, für die 
Statistik nicht nur nutzlos, sondern, was schlimmer, irreführend 
sein würde. Der redliche Forscher muss Aufopferungstahigkeit 
genug besitzen, keine Folgerungen zu ziehen, die nicht aus 



Vorrede. XT 

dem zwingenden Gebote der Thatsaclien sich unabweiBÜch auf- 
drängen; er niuss sich hüten, durch die künstliche Glätte eines 
Seibstruhm suchenden Systemes momentan täuschen zu wollen, 
wo noch kein System vorhanden ist, noch nicht vorhanden sein 
kann, noch nicht vorhanden sein darf. Eine Wissenschaft, 
die kaum erst in's Leben getreten ist und Generationen zu ihrem 
Ausbau verlangen wird, muss mit derselben Entsagung zuwarten, 
wie sie jedem Selbstcontrole übenden Wissenszweige auferlegt 
ist. Der Chemiker lässt sich nicht von dem Vorwurfe verworrener 
Unbestimmtheit anfechten, der vom theoretisirenden Standpunkte 
aus seinem Systeme gemacht werden könnte ; er begnügt sich mit 
sicherer Feststellung der Verhältnisswerthe, in vertrauensvoller 
Ueberzeugung, dass der Zutritt neuer Erfahrungen allmälig das 
richtige Licht des verbindenden Zusammenhanges bringen wird, 
wenn sich bei vorgerücktem Sonnenstande die Gesetzlichkeit 
des Alles in voller Tageshelle überschauen lässt. Es würde 
nur falsche Schlagschatten erzeugen, wenn man, aus ungedul- 
diger Hast nach Beleuchtung, schon vorher Schwefelhölzchen 
anstecken wollte, die sich freilich ohne grosse Mühe und billig 
genug in dem Phosphor eines genialen Gehirnes tränken Hessen. 
Im mystischen Halbdunkel der scholae triviales et ciuadriviales 
bildete dieser, nicht als Heosphorosaus der Eos Morgenröthe, 
sondern aus der Lampe desHesperns geborene Phosphoros ein 
viel begehrtes Ingredienz der damaligen Feuerzeuge, und auch 
heute noch kleben Manche ihrer Epigonen an der antiquirten 
Mode jener Jahrhunderte, in denen Gäa von dem loov tavt], ge- 
zeugten Uranös rings umhüllt war, und der Mensch, nachdem 
er sein beschränktes Erdenhaus in allen Ecken und Winkeln er- 
forscht hatte, keine andere Beschäftigung übrig fand, als in 
den Labyrinthen eigener Meditationen umherzuwandelu. Seit- 
dem sich unser Gesichtskreis in die Unendlichkeit erweitert liat, 
wird uns der StoflF nicht aufs Neue ausgehen, und so lange die 



XII Vorrede. 

Induction noch Thatsachcn zn^ammenzutrageii hat, darf die 
Dcduction in ihrer Arbeit des systematischen Ordnen» nicht 
über den Umfang der gemachten Sammlungen hinausgehen. 
Die Beschäftigungen der Pioniere mögen dann vorllbergehend 
dem Zusammenschütten eines Steinhaufens ähneln, aber wenn 
ein die Zeitsttlrme tiberdauerndes Gebäude aufgefllhrt werden 
soll; muss vorher einmal der Bauplatz mit unbehauenen Quadern 
voll gelegen haben^ und um ungenaue ZusammenfUgungen zu er- 
8par(;n, darf die Arbeit des Emporrichtens nicht zu früh be- 
gonnen werden. Wenn dann aber im Laufe unverdrossener 
Bemtlhungen, der Architekt allmälig unter seinen Händen den 
ewigen Dom aufsteigen sieht, der den Tempel des Kosmos zu 
tiberwölben verspricht, so müssen ihm die metaphysischen Ge- 
lüste, Wolkenpaläste zu bewohnen, gar sonderlich vorkommen. 
Von der Grösse und Erhabenheit seines Werkes durchdrungen, 
wird er sich desto gewissenhafter verpflichtet ftlhlen, die Fun- 
damente auf unerschütterlichem Felsen zu grlAden, damit nicht 
später ein Einsturz drohe. Die elementaren Untersuchungen 
der Anfänge sind eben diejenigen, die die sorgfältigste und 
ängstlichste Aufmerksamkeit verlangen. Bleiben sie von Fehlern 
frei, so ist damit die Gesetzlichkeit des Ganzen gesichert. Der 
beliebtere Weg der Dcduction ging jedoch stets in der umge- 
kehrten Riohtung. Mit Prämissen leicht fertig, pflegte sie 
gerade das punctum saliens des ersten Ansatzpunktes in Bausch 
und Bogen, in der weitesten Ausdehnung des Absoluten, zuzu- 
geben und dann ihren ganzen Fleiss auf die sorgsame Aus- 
arbeitung der auseinander hervorfliessenden Fcflgerungen zu 
verwenden. Dies war im Grunde verlorene Mühe, da das Denken 
bei einiger Uebung sich selbst denkt und allzu feine Feile nur 
das Charakteristische abschleifen mag. Die Hauptsache, das 
einzig und allein Bedeutungsvolle, ist aber jener erste Schritt, 
da von seiner Richtigkeit oder Unrichtigkeit das Schicksal alles 



Vorrede. XI IT 

Nachfolgenden abhängt. Die mtthsam beschwerlichen Elemen- 
tamntersuchnngen können deshalb nicht erspart werden ^ so 
lästig sie Manchem anch scheinen, der sie gern als verächtliche 
nnd gemeine Handlangerarbeit bei Seite schieben möchte. Man 
hnscht leichtfertig dartiber hinweg und meint, dass das Wort 
des geistreichen Franzosen: „Le style c'est ITiomme," wie in der 
Eanst, 80 auch in der Wissenschaft gelten müsse, obwohl ihre 
lebenskräftig schwellenden Säfte rasch vertrocknen mtlssen, 
wenn der Inhalt einseitig der Form geopfert wird. Es ist dann 
nicht die Natur der Dinge, die geboten wird, sondern die Per- 
sönlichkeit des Verfassers, und die wissenschaftlichen Resultate 
besitzen nur den Werth individueller Meinungen, während sie 
die Aussprüche des Weltgesetzes darstellen würden, wenn im 
allgemeinen Austausch geistigen Zusammenwirkens rectificirt. 
Wehl kostet es manche Ueberwindung, der Darstellung keine 
subjective Färbung zu leihen, aber wer von der Wissenschaft 
unter ihre Jünger aufgenommen zu werden wünscht, muss sol- 
cher Askese fähig sein und keine Resultate erhaschen wollen, 
ehe sich nicht zur Zeit der Fruchtreife die beschwerten Zweige 
freiwillig zu ihm niedemeigen. 

Für die erste Anpflanzung bedarf es eines Samens, der 
unmittelbar der Natur entnommen ist. Der Botaniker würde 
es dem Reisenden wenig Dank wissen, wenn er ihm nur Topf- 
gewächse und Zierpflanzen aus den fremden Ländern mitbrächte, 
der Mineraloge wünscht die Gesteine im Reinzustande, nicht 
polirt und geschnitten, der Conchyloge kann die rohen Mu- 
scheln am Besten für seine Bestimmungen verwerthen. So wird 
es auch dem Psychologen am Willkommensten sein, wenn ihm 
die natürlichen Anschauungen der Volksstämme, der einhei- 
mische Gedankengang möglichst acht und unverändert über- 
liefert wird. Dass hierüber Ansichtsverschiedenheiten herrschen, 
ist mir wohl bekannt. Der neue Umschwung der Wissenschaft, 



XIV Vorrede. 

der durch Vergesellschaftung der Psychologie die Naturwissen- 
schaften von dem Vorwurfe materieller Einseitigkeit befreien wird, 
zählt zwar schon bedeutungsvolle Vertreter, hat sich indess 
nocli nicht volle und allgemeine Anerkennung verschafft. Man 
fürchtet in dem naturwissenschaftlichen Mechanismus von Ur- 
sache und Wirkung die Freiheit, als die Basis des sittlichen 
Handelns, verloren gehen zu sehen, aber mit dem Zutritte der 
Psychologie zu den übrigen Zweigen naturwissenschaftlicher 
Doctrinen wird das Princip dieser aus tellurischer Beschrän- 
kung im Körperlichen zum Organismus kosmischer Harmonie 
erweitert, und in der Unendlichkeit kann die Freiheit nicht ge- 
fesselt werden, da es keine andere Grenze giebt, als das im 
gegenseitigen Gleichgewicht gefundene Centrum der Gravitation. 

Am Eingangsthore der gewaltigen Riesenarbeit stellend, die 
sich in weite Femen vor uns ausbreitet, bleibt indess keine 
Zeit zur Polemik, oder zu langer Argumentation, dass Vor- 
arbeiten nötliig sind, wenn Resultate erzielt werden sollen. Die 
vom frischen Hauche der Naturwissenschaften durchwehten For- 
scher, deren Zahl in physikalischen sowohl, wie historischen 
Disciplinen von Jahr zu Jahr wächst, werden mir sicherlich 
gern die Hand zum Mitarbeiten reichen, und jede Berichtigung, 
jede weitere AulTdärung von ihrer Seite wird ein werthvolles 
Geschenk sein, und wird durch Zufügung neuer Belehrung 
Unterstützung gewähren, wenn die Entfaltung des überall schon 
durchblickenden Systemes allmälig versucht werden darf. 

Das Reise -Journal der persönlichen Erlebnisse in Siam 
knüpft an den vorhergehenden Band*) an, der dasselbe bis 



^) Die Citate in ftemden Sprachen Hessen sich nicht g^t umgehen, besonders 
wenn es sich um das Wiedergeben einheimischer Terminologien handelte , wo 
die hSnflg schon an sich ungenaue Ausdrncksweise durch RQckübersetzung eine 
doppelte Unbestimmtheit erhalten haben würde, ohne Beifügung eines längeren 
Oömmentars. Doch habe ich dieselben jetzt so einzurichten gesucht, dass sie den Leser 



Vorrede. XV 

zur Ueberschreitimg der siamesiBch-binnanischeu Grenze fortge- 
ftlbrt hatte. Nach einem längeren Aufenthalte in der Haupt- 
stadt Birma's an die KUste zurückgekehrt, war ich von Molmein 
auf's Neue aufgebrochen (29. Oct. 1802), um den Qyne und 
seine Nebenflttsse, so weit Bcschiffuug möglich war, hinaufzu- 
fahren, und dann mit Elephantcn das waldige Bergland zu 
durchziehen bis zur letzten Station der peguanischen Provinz, 
in Myawuddih (am 7. Nov.). Dort wurde eine andere Ele- 
phanten- Karawane gemiethet, um Maiteta, den siamesischen 
Grenzposten, zu erreichen, und die Ankunft in denselben leitet 
den erzählenden Theil des vorliegenden Bandes ein. Der nächste 
Band wird nach Kambodia übergehen. 

Die Bedeutung der beigegebenen Karte liegt zu sehr in 
dem Namen ihres Verfertigers ausgesprochen, als dass ich dar- 
über ein Wort hinzuzufügen brauchte. Wer den vernachläs- 
sigten Zustand der Kartographie Hiuterindiens kannte, wird 
leicht die vielseitigen Verbesserungen herausfinden und die lang- 
wierigen Ueberarbeitungen zu würdigen wissen, deren es zur 
Erlangung des gebotenen Resultates bedurfte. Zur Ausfüllung 
der Lücken werden hoffentlich bald die Forschungen der fran- 
zösischen Expedition auf dem Mekong-Fluss beitragen, die sich 
ihren vom 8. Jan. datirten Nachrichten zufolge in Ubon befand. 



nicht weiter 8t6ren werden. In den ersten Bogen sind ein paar wenige noch im 
Text«? stehen geblieben, später aber wurden sie überall in die Anmerkungen ver- 
wiesen (ausser an einigen Stellen des letzten Kapitels). Gegen den Vorwurf der 
in den Recensionen gerügten Sprachmischungen kann ich als einen, wenn auch 
vielleicht nicht ganz genügenden, Entschuldigungsgrund nur meine fast dreizehn- 
jährige Abwesenheit anführen, da ich während derselben selten Gelegenheit 
hatte, meine Muttersprache zu reden, und durch das rasch wechselnde Erlernen 
Dutzend er von volksthümlichen Dialekten die Unterscheid ungsföhTgkeit des Ohres 
für fremdartige Wendungen abstumpfte. Indess wird sich dies allmälig von selbst 
verlieren und wieder in's Gleis setzen. 



Inhalt 



Der Eintritt in Siam nnd Seise nach der Hauptstadt. 

Das (ireiizdorf. — Chinesische Spieler. — Sühnopfer. — Die Karen der 
Wälder. — Mieth-Elephanten. — Passage des Mailmont -Flusses. — 
Bergsteigen. — Uebergang Ober den Menam. — Ankunft in Rahain. — 
Logis. — Empfang beim Gouverneur. — Das Kloster. — Porzellangeld. 

— Das Regiemngsboot. — Thalfahrt auf dem Menam. — Kampen^rpet. 

— Fackelmannfactnr. — Mfiang Klang. — Einfluss des ostlichen Arms. — 
Nakhonsavan. — Das Souper. — Steininschriften. — Zuckerbereitung. 

— Monnerohm. — Königliches Schreiben. — Bewirthung. — Lingam- 
dienst — Xainat. — Myang Phrohm. — Myang Angtong. — Boot- 
wechsel. — Ankunft in Ayuthia. — Die Ruinen der alten Stadt. — 
Apotheke. — Diebstahl. — Klostergarten. — Myang Notumberi. — 
Ankunft in Bangkok. — Bootrennen. — Wohnung. — Paknam. — 
Jahreszeiten . 

Aufenthalt in Bangkok. 

Schwimmende Häuser. — Wasserstrassen. — Schiffe im Hafen. — Boot- 
gedränge. — Hauserbau. — Landbildung. — Crocodile. — Reismühlen. 

— Chinesische Einwanderer. — Audienz beim ersten K5nig. — Die Brüder 
des Königs. — Wunder-Erscheinung. — Der Premier-Minister. — Der 
Minister des Auswärtigen. — Geheimniss. — Die Pagode Vat Cheng. 

— Gelübde eines Spielers. — Mönche der Laos. — Fromme Abfütte- 
rung. — Das Haupt der Geistlichkeit. — Der Abt des Klosters Borom- 
nianivat. — Der gelehrte Meister und sein Schüler. — Abendgesellschaft. 

— Eine Kapuziner-Predigt. — Philosophischer Theetisch. — Der Biblio- 
thekar des Palastes. — Königliche Verordnungen. — Die Hauscapelle 
des zweiten Königs. — Ein chinesischer Literat. — Die Hof-Astrologen — 



Seite 



XVIII Inhalt 



Seite 



Sokrates bei Xspasia. — Der königliche Stamm. — Eine gesunkene 
Grosse. — Der Reichsmarechall der Elephanten. — GenealogieDbiich der 
ElephantPuracen. — Das Heiligthiim des centralen Stadtpfeilers und 
des peripherischen Weichbildes. — Der Tempel der Brahnianen. — 
Colooie der Kha. — Oeisterdienst der Bergvölker. — Das Kloster im 
Palast. — Das Jasperbild. — Titulat*iren. — Rangsprachen. — Erster 
und zweiter König. — Königinnen und Concubinen. — Gehalte. — 
Prinzen und ihre Legitimität. — Die Dienerschaft am liefe. — Missio- 
näre. — Aschiedsaudieuz. — Elephantenkampf. — Huldigung des Für- 
sten Yon Xiengmai. — Die Gebeine der Vorväter 61 

Die Klöster und ihre Bewohner. 

Klöster des Königs, des Adels, des Volkes. — Die Freistatt. — Heilige Käiniie. 

— Priapus. — Götzenbilder. — Kolosse. — Die Lotos-Pagode. — Die 
Schiffs - Pagode. — Alchemisten-Kflche. — Da« Dorf der Cocliin- 
chinesen. — Klostersch weine. — Chinesische Beth&user. — (lerähmtes 
Crocodil. — Die Kloster-Akademie. — Ruinen. — Kloster-Gemälde und 
Insokrlften.- — Einsiedler. — Knukkeits^DiagnMeu. — Darstellung der 
Gewerke. — Schnitzwnaren. — |)aaten auf Subscription. — Eklekticis- 
mus. — Buddha-Figuren. — Der Bettelgang. — Die Hierarchie. — 
Staats- Examiuationen. — Studenten. — Tempelsklaven. — Das Mini- 
sterium der geistlichen Angelegenheiten. — Pilgersehaften. —Reliquien. 

— Schulknaben. — Eintritt in's Kloster. — Mönchsweilie. — Nach- 
mittägiges Fasten. — Die Gebote. — Mönchsregel. — Nonnen. — Sei- 
ten. — Rücktritt in den Laienstand — Der Rosenkranz 11'.) 

EechtsverhältniBse. 

Bevölkerung. — Klassen des Volkes. — Frohndlenste. — Elnrollirung. — 
Das Wehrgeld. — Rangstufen. — Würdenträger. — Rekrutirung. — 
Register. — Glldenmeister. — Die Zimmerleute. — Zünfte. •— Kriegs- 
gefangene. — Sklaven. — Schuldner. — Pfandsklaven. — Codex. — 
Civilprocess. — Gericht. — Gesetzbücher. — Rechtsfall. — Schätzung. 

— Staatengrüuduug. — Die Erdenmauer. — Gesetzgeber. — Menü 164 

Sitten und Gebräuche.« 

Grundsteinlegung. — Der Erdengott. — Holzarten. — Wohnungen. — Mö- 
bel-Verzierungen. — Talismaue. — Formen der Pagoden. — Wahrsager. 

— Prophezeiungen. — Gelübde. — Der Stein der Weisen. - Die Secte 
Ali's. — Amulette. — Kleidung. — Familie. — Zierpflanzen. — Frucht- 
gärten. — Das Betelkaueu. — Sonnenschirme. — Berauschungsmittel. 

— Mangoe. — Aussaat des Reis. — Ameisen. — Sprechende Vögel. — 
Schlaugen. — Oelbereitung. — Feuermörser. — Provisionen. — Salz- 
bereituug. — Getrocknete Fische. — Die Sdilächter. — Landbesitz. — 
Zollhäuser. — MüDzeu. — Rcchnungtuuethodeu. — Ernte. — Reittsorteu. 



Inhalt. XIX 

Seite 

— Zuckerbau. — Feldarbeiten. — Die OMtinnen des Ackerbauee. — 
Maulthiere. — Namengebung. — Hebammen. — Redeweisen. — Pro- 
phetische Vogel. — Frösche. — Ausdrucksarten. — Spottlied. — Wiegen- 
lied. — Sprichworter. — Gebefden. — Wortspiele. — Räthsel. — Schelt- 
worte. — Deutungen. — Omina. — Meteore. — Segensworte. — Haus- 
weihe. — Heerschaaren. — Schutzgaist. — Weihen. — Zeitrechnung. 

— Monate. — Weihwasser. — Kalender. — Die Wolkengöttin. — Der 
Regenbogen — Die Gestirne. — Die Kriegswissenschaft. — Schlacht- 
ordnung. — Constellationen 191 

Die PhantaBiewelt des üebemat&rlichen. 

Capellen. — Der Genius Loci. — Die Seelen. — Bali. — Heroen. — Dryaden. 
Baiim-CultuR. — Die Kielschlange der Schüfe. — Der Quecksilber-Mann. — 
Der Wassermann. — SeeuDgehener. — Wasserdamone. — Gespenster. — 
Waldteufel. — Kraukheitsd&mone. — ümgehande Seelen. — Leichen. 

— Häuserspuk. — Die Verdienstrollen. — Der Eremit mit Feueraugeii. 

— Wehrwölfe. — Das rächande Croeodil. -^ Der Meister des Crocodils. — 
Lingam und Yoni. — Engel. — Elementargeister. — Die Rhuta. — 
Hexenmeister. — Böse Zauber. — Zauberer der Laos. — Abgeschossene 
Medicin. — Afterprophetinnen. — Taschenspielerkunst — Gordische 
Verknotungen. — Gitationen. — Feuerhexen. — Diebs-Magik. — Schatz- 
gräber. — Dreckteufel. — Schwankünsteleien. — Abortus. — Frees- 
teufel. — Begeisteruag und Besessenheit. — Exorcisation. — Wiiederbele- 
bung. — Einfahren des Dämonenherm. — Beschwörung. — Die Mut- 
ter der Farben. — Chinesische Capellen. — Dämonen-Spiele. — Sieb- 
zauber. — Krankheitsopfer. — Schutzengel. — Genesungsfeste. — Die 
(Jotterärzte. — Medicinische Theorie. — Entbindung. — Besprechung. 

— Vicarirende Opfer. — Bezauberte. — Nervenkrankheiten. — Die Klas- 
sen der Ae^zte. — Das Austreiben der Teufel 247 

Feste und Spiele. 

Da« Neujahrsfest Im Palast. — Das solare Neujahr. — Das Pflugfest. — 
Das Trinken des Eideswassers. — Feuerwerke. — Königliche Procession. 

— Besuch der Klöster. — Weihnachtsbäume. — Monatsieste. — Bootfahrt. 

— Leichenbestattung. — Feierliche Verbrennung. — Gespräche des Königs. 

— Speisehäuser. — Lotterie. — Das Anzünden des Scheiterhaufens. - 
Todtenmessen. — Kinderspiele. — Das Drachensteigen. — Das Ball- 
spiel. — Puppen. — Ver?teckenspielen. — Btindekuhsplel. — Das 
Srhlangenspiel. — Das Ziehen um die Kuh. — Lotteriespiel. — Wür- 
felspiel. — Masken. — Theater. — Schauspiele. — Gesänge. — Liebes- 
lieder. — Lieder der Laos. — Heimweh. — Abschiedslieder. — Ernte- 
lieder. — Gesellschaftslieder. — Schifferlieder. — Rundgesänge. - - Lie- 
der mit Händegeklatscb. — Lied auf den Reihar. — Vogellieder. — Lied 



XX InhdL 

B«ltc 
aaf den Pfka. — Lied auf das Crocodil. — Kinderreime. — Ammen- 
lieder. — Auszfige. — WeUheitMprOche 903 

Aeligiöse Vontelliingen. 

WeltschJtpfting. — Dreiheit. — Organische Entwickelang. — Weltenweclisel. 

— Emanation. — Die ersten Menschen. — Der Centralberg. — Fall- 
geschwindigkeit. — Myang NIphan. — Das Nirwana. — Die Arya. — 
Die vier Wahrheiten. — Das Dharma. Die Kette der Nidana. — 
Die Avidja. — GesetceserfQUung. — Die Paramita. — Die Elemente. — 
Wurzel elemente. — Leib nnd Seele. — Psychologie. — Die Chitr. — 
Wiedergeburt — Panya. — Bnddha. — Der Sinnenhimmel. — Prae- 
existenz. — Der künftige Buddha. — JUnger. — Adhibuddha. — Em- 
pfängniss. — Die Jhataka. — Die Sakkharat — Kapila. — Die Gottes- 
mutter. — Meditation. — Die Pfade und die Frucht. — Die Dhyana. 

— Seelenwanderung. — Buddhaghosa. — Concilien. — Ketzereien. — 
Secten Ceylons. - Milinda. — Das Pali. — Die Apostel. — Trai 
Phnm. — Geburtsprivilegium. — Geschlechter der Brahmanen. — Die 
himmlischen Brahmsnen. — Maha-Brahma. — Die Yedas. — Alphabet. 

— Wflltordner. — Reinigende Taufe. — Kasten. — Si^a. — Einwanderun- 
gen der Brahmanen. — Götterflguren. — Die achten Brahmanen . . 34<) 

Beilagen. 

Zur Astronomie 422 

Volksstämme 431 

Stande und Abgaben 443 

Sclaverei 455 

Lebensregel 45H 

Verheirathungen 462 

Examinationen 4G5 

Novizen und Mönche 470 

Zur Kriegskunst 480 

Zur Medicin' 485 

Vorhersagungen 490 

Der Drache und der F>dfrpist 493 

Die Theater 502 

Spielhäuser 505 

Das Kopfscheeren 508 

Leichenverbrennungen . 512 

Festiichkeiten 518 



Der Eintritt in Siam und Reise nach der Hauptstadt. 

Am If). November 18«W hatte ich auf meiner Reige von Molmein 
( in der englischen Provinz Pegu ) nach Bangkok die birmanisch- 
siamesische Grenze passirt und war am folgenden Tage in Mai- 
tota angekommen, der ersten und einzigen Ansiedelung der Sia- 
iiiesen in der ganzen Weite des öden Waldgebirges , das sich 
vom Soundwen-Flusse ( Thoundwen ) bis zu den Ufern des Menam 
erstreckt. 

Dieser siamesische Wachtposten war erst seit der engli- 
schen Besitznahme der Provinz Pegu angelegt, um dem zuneh- 
menden Begehr nach Teakholz durch bessere Beaufsichtigung 
der \Vilden zu genügen. Die Siamesen waren rasch in ein 
freundschaftliches Verhältnis« zu den Engländern getreten, die 
ihre alten Feinde, die Birmanen, gedemllthigt hatten, und die 
neue Gründung erhielt deshalb den Namen Maiteta oder Freund- 
schaft, Eine von l)eiden Regierungen niedergesetzte Commission 
hatte die Grenzverhältnisse geregelt und den Lauf des Thound- 
wen-Flusses als Theilungslinie angenommen, freilich gegen den 
Wunsch der englisclien Kaufleute, die gern noch das andere 
Ufer des Thoundwen hinzugezogen hätten bis zur jenseitigen 
Hügelkette, damit sie allein d^n Holzvertrieb auf dieser Wasser- 
strasse besässeu und so die beständigen Streitigkeiten über eng- 
lisches und siamesisches Eigenthum vermieden. Zur birmani- 
schen Zeit hatte man es mit der Territorialscheidung auf dem 
wüsten Grenzgebiet zwischen beiden Ländern so genau nicht 
genommen, und die ganze Strecke von Kaukarit in Pegu bis 

Bastian, Reise in Siam. III. ^ 



2 Eintritt in Siam. 

Rahein in Binna war ziemlich herrenloR, nur gelegentlich von 
den Beamten des einen oder andern Staates durchstreift, um 
von den in den Wäldern zerstreut lebenden Karen-Familien einen 
Tribut von denjenigen Gegenständen einzufordern, die gerade 
ihr Vermögen bilden möchten. Die Niederlassung Maiteta in 
diesem menschenleeren Gebirgswalde war deshalb auch eine sehr 
einsame. Fünf Tagereisen von den bewohnt n Provinzen Slams, 
vom Menam entfernt und ungefiihr eben so viel von dem nächsten 
Flecken in Birma. Der siamesische Beamte ( der Schan-Min oder 
Edelmann, wie ihn die Birmanen nannten) stand unter dem 
Gouverneur von Rahein und hielt sich während der Regenzeit 
in dieser letzteren Stadt auf. \\>nn am Ende derselben die Holz- 
arbeiten in den Teakwäldern beginnen, begiebt er sich mit dem 
nöthigen Train von Aufsehern, Schreibern, Soldaten, Culis u. s. w. 
auf diese Station und nimmt auch mitunter di^ eine oder an- 
dere seiner Lieblingsfrauen mit sich , während das Gros seiner 
Familie in Rahein zurückbleibt. Als ich in Maiteta eintraf, war 
er schon seit mehreren Wochen angelangt und hatte sich in einem 
Bambuhause eingerichtet, das, wie alle dortiger Gegend, auf 
Pfählen stand, von einer Veranda bekleidet. Der weite Hof, der 
dasselbe umgab, war ziemlich die einzelne Lichtung in diesem 
Waldlande, denn um die anderen Hütten des nahen Dorfes war 
in den angelegten Feldern und Bananenpflanzungen schon wie- 
der eine so ranke Vegetation aufgeschossen, dass sie fast ganz 
davon bedeckt waren oder doch nur hie und da die Spitze eines 
Daches aus dem dichten Laubwuchs hervorsah. In kurzer Ent- 
fernung unterbrach der Wasserstreifen des Mailmont-Flusses die 
Einf))rmigkeit des Waldes, und war an einer Stelle, wo er über 
SteingeröUe hinströmte, durch Fischreusen abgesteckt. So machte 
es mein Koch mitunter möglich, Fische zu erhalten, denn 
sonst sah es mager mit der Tafel aus, wenn die Jagd keinen 
Ersatz gab. Hühner waren nur mit der grössten Mühe aufzu- 
treiben, und die Bananen, wenn es überhaupt solche gab, zeig- 
ten sich kaum geniessbar. Der siamesische Beamte, der grosse 
Freude über meinen Besuch kundgab, konnte nicht helfen, da es 
bei ihm selbst karg bestellt war, docli war er scmst munter und 
guter Dinge. Die chinesische Caravane, die von meiner Escorte 



Hazard-Spiele. 3 

profitirt hatte, um die Grenze zu passiren, hatte Branntwein, 
Tabak und andere Luxusartikel mitgebracht; damit wurde ge- 
schwelgt; und da sich in dem Gefolge des Edelmanns mehrere 
Laos fanden, geborene Musikanten, wie alle Angehörigen dieses 
Bergvolkes, so wurden Abende und Nächte in Concerten ver- 
bracht, oft bis zum frtthen Morgen, ehe ich auf meinem wieder 
vom Fieber heimgesuchten Lager den Schlaf gefunden. Wäh- 
rend des Tages bildete sich eine Spielparthie , in der die Chi- 
nesen als Croupiers fungirteu und durch Würfel- und andere 
Hazardspiele das im Kreise befindliche Geld bald in ihre Taschen 
zusammengescharrt hatten. Auch Moung-Lin, der unter einem 
erdichteten Vorwand um Auszahlung des rückständigen Gehaltes 
gebeten hatte, war rasch davon erleichtert,' ehe ich, aufmerk- 
sam geworden, Zeit zum Einschreiten hatte. 

Der Beamte nahm anfangs Anstand, mir mein Gesuch um 
Elephanten für die Reise nach Rahein zu gewähren. Bis zu 
der Grenzstation könne er das Vorgehen von Europäern erlau- 
ben, aber nicht weiter iu's Innere hinein; der Weg, um Bangkok 
zu besuchen, sei zur See, nicht bei Lande vom Norden. Ausser- 
dem wäre es in dem englischen Vertrage (geschlossen durch 
Sir John Bowring) abgemacht, dass Reisen in Siam für Fremde 
nur unter einem Pass des englisclien Consuls in Bangkok erlaubt 
seien. Ich suchte ihm indess zu erklären, dass die von dem eng- 
lischen Gouverneur in Molmein ausgestellten Pässe eben für den 
Consul bestimmt seien, und dass ich, einmal in Rahein angelangt, 
nöthigenfalls mit dem letzteren vorher communiciren könnte, 
ehe ich meine Reise fortsetzte. Der Edelmann fand sich in 
einer etwas precären Lage, da er sich keines darüber entschei- 
denden PrScedenzfalles zu entsinnen wusste , und hielt es schliess- 
lich für gerathener, mich an die höhere Behörde in Rahein zu 
senden, um die Verantwortung los zu sein. Er versprach uns 
deshalb die gewünschten Elephanten und schickte auf die um- 
liegenden Karen-Dörfer, um solche zu requiriren. Die flüchtigen 
Siamesen, die mich aus Birma her l>egleitet hatten, betrachtete 
er mit bedenklichen Augen und sagte ihnen bei ihrer Ankunft 
in Rahein ein böses Scliicksal vorher, da man sogleich auf sie 
fahnden würde. Mir theilte er im Vertrauen mit, dass die mei- 

1* 



4 Eintritt in Siam 

gt^n nicht nnr wegen Schulden, gondern auch ftlr schwere Ver- 
brechen dem Arm der Oerecbtigkeit verfallen wSren, nnd warnte, 
gie anf einer weiteren Reise durch die Wälder mitzunehmen. 
Seine Absicht, sie schon gleich dort einzustecken, verhinderte 
ich durch eine Einsprache, überliess es aber sonst ganz meinen 
Schütsliiigen, zu handeln, wie es ihnen selbst am Ratbsamsten 
scheinen wtirde. Schon beim ersten Betreten des siamesischen 
Gebietes war es ihnen, wie man merken konnte, unheimlich ge- 
worden. Sie zeigten sich von Tage zu Tage ängstlicher und 
nnruhiger, bis sie, das Herüberkommen des Forstbeamten be- 
nutzend, mich um die Erlaubniss baten, zurückkehren zu dürfen^ 
nnd nach dem Erlangen derselben schleunigst aufbrachen, um 
wieder ihr frttheres Asyl in Birma aufzusuchen. Zwei der jün- 
geren, die nicht mit implicirt schienen, hätte ich gern bei mir 
behalten, aber sie wollten sich nicht trennen. 

Im Verhältniss zu dem schwerfalligen, kurzbeinigen, schwam- 
migen Siamesen erscheint der Birmane eher schlank und be- 
hende; wie ihm auch das in langem Busch herabhängende Haar 
ein verwegenes Aussehen giebt, gegenüber der bürstenfbrmigen 
Frisur^ in der die Siamesen das Haar ihres breiten und dicken 
Kopfes zu scheren pflegen. Die Kleidung der Männer ist ziem- 
lich Ahnlich, und bei den Siamesen auch die der Frauen wenig 
verschieden, da die Siamesinnen das vorne offen geschlitzte 
Oewand der Birmaninnen nicht kennen, dagegen aber häufig 
das als Kleid getragene Lendentuch zwischen den Beinen hin- 
durchknoten, wie die Männer bei der Arbeit. In diesem Costüm 
ist es auf einige Entfernung oft schwer, die Geschlechter zu 
unterscheiden, da die Kopftracht bei beiden eine ganz gleiche ist. 

Da einige der Karen-Dörfer , nach denen für Elephanten 
geschickt war, mehrere Tagereisen entfernt lagen, so ging; wie 
sich erwarten Hess, über eine Woche mit Warten verloren. Ich 
unterhielt mich mit meinem Edelmann, so gut es sein gebrochenes 
Birmanisch erlaubte, und begann schon gelegentlich einige Lec- 
tionen im Siamesischen zu nehmen bei dem alten Dolmetscher, 
den ich von Molmein mit mir gebracht hatte. Derselbe war sei- 
nes Zeichens ein Arzt und empfahl mir die Knetcur gegen das 
Fieber, die auch, wie ich früher schon gefunden hatte, in man- 



Sfthnopfer. 5 

chen Fällen Erleichterung gewährt. Einige Medicia erhielt 
ich durch die Güte des schon in Mirawuddih getroffenen Kauf- 
manns^ der zum Abschluss von Holzcontracten nach der siame- 
sischen Station herüberkam. Fast meine ganze Dienerschaft 
lag krank. Die Meisten von derselben waren sehr nutzlose Ge- 
sellen und mehr zur Bürde, als eine Hülfe. Ich war in den 
letzten Tagen in Molmein sehr beschäftigt gewesen und hatte 
deshalb Moung-Lin mit dem Eagagireu der mitzunehmenden 
LfCnte beauftragt. Den grössten Theil verabschiedete ich bald ^ 

darauf wieder, nahm aber Einen derselben auf besonders warme 
Empfehlung mit mir und zahlte ihm den Vorschuss seines fUr 
die dortigen Verhältnisse nicht unbedeutenden Salairs, das in 
Anbetracht der Reise durch die geftirchteten Jungle erhöht war. 
Ich hatte in den ersten Tagen der Bootfabrt nicht viel von ihm 
gesehen, fand ihn aber, sobald die Landreise begann, auf der 
Krankenliste, und musste mich in Kurzem mit der Ueberzeu- 
gung begnügen, dass mein Diener sich in einem vorgerückten 
Stadium tertiärer Syphilis befinde und sich nur hatte engagiren 
lassen, um von mir curirt zu werden. Während unseres Cam- 
pirens in den feuchten Waldungen nahmen seine Knochen- 
schmerzen in solcher Weise zu, dass er bald nicht mehr Auf den 
Beinen stehen konnte, und die Zahl der zu mietheoden Ele- 
phanten musste für seinen Trausport vermehrt werden. Mein 
tamulischer Koch hatte sich einen jungen Landsmann als Küchen- 
jungen oder Pany-wallef (Wasserträger ) beigelegt, der sich aber 
gleichfalls bald den ungewohnten Strapazen nicht gewachsen 
zeigte. Auch unter den ansässigen Siamesen herrschten viele 
Krankheiten. Ich fand verschiedentlich beim Spazierengehen 
in der Umgegend Opfergaben, die zur Sühne des Tazeit oder 
Unholdes (dem PhiPa der Siamesen) an den Eingang des dicli- 
teren Waldes hingestellt waren. In einem Falle bestanden sie 
in einem kleinen zierlich geflociitenen Korb rother Farbe, der 
im Innern sorgsam mit Blättern ausgelegt war und die Lehm- 
figureu von Elephanten und Menschen mit gwischengestreutem 
Reis enthielt. Dem Dämon wurden diese edelsten Thiere und 
selbst Menschen als vicarirende Opfer angeboten, damit er dafür 
den Krauken fahren lasse. 



f; Etotrtn in SUm. 

Allmälig trafen die Karen mit den rerlangten Elephanten 
ein und »eblngen ansnerbalb des Lkirt'e» im Dickicht ihr Lager 
auf. E« waren reine Kinder de« Walde«, freie und offene Ge- 
sichter, auf denen nur noch die Scheu vor air dem Fremdarti- 
gen j das sie um sich sahen , mit röUig vertrauensvoller Hin- 
gabe kämpfte. . Ohne Geräusch und Lärm verrichteten sie die 
ihnen obliegenden Geschäfte und sassen dann still um ihr Feuer 
nieder, lautlos die hölzernen Pfeifen rauchend oder sich in stil- 
lem Fettstem unterhaltend. Der siamesische Beamte schien grosse 
•Stücke auf sie zu halten. Er wiederholte mir immer aufs Neue, 
dass sie die zuverlässigsten und ehrlichsten Menschen auf dem 
Erdlx>den wären, und legte mir dringend an's Herz, doch ja 
nicht ihr Zutrauen zu täuschen und ihnen in Rahein den vollen 
bedingten Lohn ohne Abkürzungen auszuzahlen. Aus seinen 
Reden liess sich leicht ersehen, wie häufig Bedrückungen dieses 
anuen und vertheidigungslosen Stammes vorkommen möchten. 
Auf seinen Wunsch, gleich die ganze Summe im Voraus zu zah- 
len, konnte ich, als zu sehr gegen die ersten Grundsätze der 
Reisepraxis verst^ssend, nicht eingehen, versicherte ihm aber, 
dass von einem Europäer keine üebervortheilungen zu fürchten 
sein würden, wenn die engagirten Leute richtig das eingegan- 
gene üebereinkommen erfüllten. Der Miethpreis für die Ele- 
phanten war ein sehr massiger, während man mich in Kaukarit 
anfangs mit dem zehnfachen Betrage hatte prellen wollen und 
erst nachgab, als ich Bekanntschaft mit der normalen Taxe 
zeigte, über die ich mich im Voraus hatte unterrichten lassen. 
Ueberhaupt that es gut, zu beobachten, wie wohlwollend der 
siamesische Edelmann diese sonst vogelfreien Karen behandelte, 
von denen die Birmanen fast nie ohne einen Anflug von Holm 
oder Verachtung reden. 

Diese Grenz-Karen waren eine kleine, fast diminutive Race, 
obwohl sich das nicht als der durchgeliende Grundzug des gan- 
zen Stanmies ansehen lässt, da ich unter den Karen der nörd- 
lichen Berge in Tonga auch ziemlich kolossale Gestalten be- 
merkt habe. Ihr an den runden Kopf angedrücktes Gesicht 
unterscheidet sich von dem aus dem Groben gearbeiteten des 
siamesischen Schädels, der gewöhnlich nach vom ttberschwankt. 



Die Karen. 7 

als ob ZU dick und schwer fUr den Nacken. Dadurch, ver- 
bunden mit den krummen und im Verhältniss zum Oberkörper 
kurzen Beinen, sowie den langen Armen, erhält der ganze Ha- 
bitus der Siamesen etwas AflFenartiges, das noch durch die weit 
auf die Stirn herabgehende Behaarung vermehrt wird. Der 
Ausdruck trägt das chinesisch-mongolische Gepräge, während 
bei den Birmanen mitunter schon die scharfgeschnittenen Linien 
des indischen Typus hervortreten. Die weissere Hautfarbe der 
Karen (wenigstens der hier besprochenen Abtheilung derselben ) 
ist wahrscheinlich ihrem steten Aufenthalte in feuchten Waldun- 
gen zuzuschreiben, wie auch die Bewohner des von üppiger 
Vegetation strotzenden Siam eine hellere Färbung zeigen, als 
die Birmanen, die besonders in den oberen Provinzen schatten- 
lose Ebenen oder spärlich belaubte Berge bewohnen. 

Am 25. November war Alles so weit in Ordnung gebracht, 
dass wir vier Elephanten bepacken und uns von dem freund- 
lichen Siamesen, der uns seinen Rath und seine Segenswünsche 
mit auf den Weg gab, verabschieden konnten. Auf dem Halse 
jedes der Gepäck- oder Reit-Elcphanten sass ein Karen als Cor- 
nac, der das Thier mehr durch Worte und Zeichen, als durch 
die Stösse seines Hammers lenkte. Wir folgten einem ziemlich 
breiten Pfade durch offenen Wald, anfangs eben und flach, dann 
wellig gehoben, bis zu der Elephantenfurth des Flusses Mail- 
mont, wo der Uebergang bewerkstelligt wurde. Am andern 
Ufer veränderte sich die Scene. Ein schmaler, enger Weg, 
kaum breit genug für die Füsse der Elephanten, ftlhrte an dem 
Abhänge der schrofl'en Flussbank auf und ab und kreuzte den 
in kurzen Windungen geschlängelten Strom bald nach der einen, 
bald nach der andern Seite, wohl ein Dutzend mal im Laufe 
des Vormittages. Die Fussgänger durften die tiefe Fürth, wo 
wir mit den Elephanten passirt hatten, nicht riskiren und bra- 
chen sich mühsam einen Weg durch den verschlungenen Wald^ 
um unser Zurückkommen nach ihrer Uferseite zu erwarten. Sie 
verfehlten dabei die richtige Stelle des Zusammentrefltns und 
konnten nur nach längerem Suchen, in dem ich selbst die zu- 
rückgelassenen Elephanten in dem Dickicht aus dem Gesicht 
verlor, wieder aufgefunden werden. Um ähnliche Accidente 



f* Eürtritt in SUm 

za venDeiden. lieg» ich an der nächsten KreozongvrteUe golcbe. 
die auf dem f^fiack der Elephanten keinen Platz mehr finden 
konnten, ^ich an dem Schwänze denRellien festhalten: aber der 
an s'dcheArt derS^hiffTahrt weni|?er als Siauiesen und Birmanen 
^wohnte Matnme wurde durch den reisseuden Strom furtgre- 
riMen und war nahe daran, nicht nur die von ihm getrageneu 
Waffen, sondern selbst sein Leben zu verlieren. Der bir- 
manische Culi wiwohl als der Pany-waller waren völlig un- 
filhig, sich weiter zu bewegen, und mnssten für die ganze Reise 
einen Platz anf den Elephanten eingeräumt erhalten. So oft 
wir den Fluss verliessen, hatten wir steile Hügel zu erklimmen, 
auf denen sich Teakbäume, oft gegürtelt oder schon gefallt, 
fanden. Gegen Abend kehrten wir an's Ufer zurfick und wa- 
teten nach einer Sandbank im Flusse hinüber, um auf derselben 
die Nacht zuzubringen. Die Karen bauten mir aus Bambu- 
Stämmen, ilie sie von dem Walde am Lande herüberbrachten, 
eine Hütte zum Schlafen und llihrten, nach Anzünden der Koch- 
feuer, die abgepackten Elephanten zum Grasen an's Ufer hin- 
über. Die stille Nachtruhe auf unserm rings von Wasser um- 
rauschten Schlafplatz wurde nur durch das einförmige Geschrei 
der Affen unterbrochen, die wir schon am Tage alle Baume des' 
Waldes hatten beleben sehen. 

Am nächsten Tage lag der Weg gleichfalls wieder auf bei- 
den Seiten des Mailmont-Flusses, so dass wir mit den Hin- und 
Herkreuzen über denselben fortfahren mussten. Die Ufer wa- 
ren mit hohem Elephantengras l)ewachsen; nachdem wir aber 
dieselben verlassen hatten, verlor sich nuser Zug in eine dichte 
Wildniss verwachsener Bambngebtische , so dass die Führer 
selbst über den Weg zweifelhaft wurden und uns erst nach län- 
gerer Berathung zuletzt in einen offenen Wald hinausbrachten. 
Nachdem wir einige waldige Hügelreihen überschritten hatten, 
lagerten wir uns für die Nacht in der Nähe eines Creek, wo 
scharfe Wacht gehalten werden ninsste, sowohl gegen die dort 
zum Trinken kommenden Raubthiere, als auch gegen andere 
Räuberbanden. Den ganzen Tag ward, eben so wenig wie am vo- 
rigen, keine menschliche Wohnung gesehen. Die wenigen Karen- 
Familien, die in diesen Jungelu zerstreut leben, bauen ihre 



Teak-Waldangdii. f) 

Htttten in möglichst nnzngängliehe Verstecke^ wo sie oft nur 
mit Muhe von den siamesischen Beamten gefanden werden^ die 
einmal im Jahre ihr Gebiet durchstreifen, um die schuldige Ab- 
gabe von Honig und Wachs einzutreiben. 

Wir brachen mit dem frühesten Tageslicht auf und ritten 
durch einen parkartig gelichteten Teakwaid hin, und über die 
ruuden Httgelkuppen vorangehend, genoss ich einige weite Aus- 
sichten über ein schwellendes und wogendes Meer im frischen 
und glänzenden Grün unbegrenzter WäWer. Gegen Mittag zog 
sich ein hohes Gebirgsland, dicht und dunkel belaubt, um uns 
zusammen. Die Elephanten konnten an dem steilen Abhänge 
nur dadurch festen Fuss fassen, dass sie vorsichtig in die 
früher eingedrückten Löcher traten. Nach noch manchem Auf 
und Nieder mussten sie sich durch eine enge Schlucht hindurch- 
winden, und dann standen wir plötzlich am Fusse eines schroff 
aufsteigenden Bergwalles, von dem abschüssige Felsmassen über 
uns lierttl>erhingen. Es schien mir anfangs fraglich, ob sich die 
steile Höhe an dem Punkte Uberiiaupt erklimmen lasse, bald 
aber sah ich zu meiner Verwunderung die Elephanten unbe- 
denklich das Aufsteigen beginnen und hielt es fUr das Beste, 
mich hinauftragen zu lassen. Trotz seiner schweren Masse, 
und gerade durch dieselbe, besitzt der Elephant auf steilen Ge- 
birgspfaden einen sehr sichern Tritt. Besonders ^ bergab ist es 
erstaunlich, die Vorsicht zu beachten, mit der er auf Hinter- und 
Vorderflissen niederkauernd ein Bein nach dem andern vorschiebt 
und sich so langsam herabgleiten lässt. Wir trafen dort mit 
einer Caravane siamesischer Kautleute zusammen, die, ihre Waa- 
ren in Körben auf dem Rücken tragend, auf der Reise nach der 
Grenzstation waren. Weiterhin begegneten wir einem gleich- 
falls zu ihnen gehörigem Zuge von Elephanten; doch war der 
Weg so schmal, dass an kein Ausweichen zu denken war und 
die entgegenkommenden umkehren mussten, um eine andere 
Richtung einzuschlagen. Spät am Nachmittag betraten wir eine 
dumpfe, feuchte Schlucht, in der wir trotz der qualmenden 
Miasmen (zum Schutze gegen welche Siamesen wie Karen sich 
Mund und Nase verbanden) die Nacht zubringen mussten, da 
der Ausgang derselben, den ich beim Erklimmen einer Anhöhe 



10 Etotritt in SUa. 

cnrt 10 weiter Ferne ergpähte, vor Xacht nicht mehr erreicht 
werden konnte. Zvii»chen einem Fels^ttrtel, der nns den Kücken 
f>chützte^ and dem anter ans hinströmenden Bach lies» ich von 
den Karen die Scblafhiitte errichten and dann das Abendessen 
bereiten. Die Elephanten worden ftlr den Rest des Tag^es- 
liehtes im Walde lr>sgelassen, mit Anbroeh der Nacht aber, an 
den Füssen gefesselt^ in die Nähe des Lagers gebracht. 

Mit der Dämmeroog rüstend ^ hatten wir den Bach zn 
dorchwaten, was sich im Laofe des Vormittags verschiedentlich 
wiederholte, bis uns das gei'iffhete Thal auf ein Flachland wel- 
liger Hügellinien führte. Sie waren nur mit du ;nem Wald be- 
deckt, so dass sich wieder eine frischere Luft athmen Hess. 
Noch einmal, als wir den zum Menam fliessenden Metong er- 
reichten, sanken wir in düsterm dichten Jungle nieder, tauch- 
ten aber dann auf einer freieren Ebene, die nur mit niedrigem 
(iebüsch bedeckt war, daraus hervor. Nachdem wir nicht ohne 
Mühe verirrte Nachzügler unserer Gesellschaft wieder aufgefun- 
den hatten, lagerten wir Nachts am Metoug in einer schon 
Spuren von Anbau zeigenden Gegend. Auch schien ein Haus 
in der Nähe; denn obwohl hohe und dichte Hecken, die sich 
kaum von dem übrigen Pflanzenwuchs unterschieden, jede Spur 
desselben dem Auge entzogen, hörten wir doch bei Nacht ent- 
ferntes Halinengekrähe zu uns herübertönen. Die aufgehende 
Sonne fand uns schon auf dem Wege und iu neugekräftigter, 
heiterster Stimnmng. Die Luft war frisch und klar, Bäume und 
Büsche beengten uns nicht durch die ungezügelte Naturwüchsig- 
keit des Jungles, sondern bogen sich in zierlichen Lauben oder 
standen geordnet in Alleen, und als der Weg sich eine Er- 
höhung hinaufzog, blickten wir auf einen freien, reinen und 
glll uzenden Horizont, in dem in weiter Feme eine mannichfaltig 
gestaltete Gebirgskette aufstieg, eine Gebirgskette, die nach 
der Mittheilung unserer Führer schon jenseits des Menam lag, 
so dass wir also hier über das fruchtbare Thal des siamesischen 
Niles hinwegblickten. Als wir zu einer neuen Windung des 
Metong hinabritten, fanden wir uns endlich wieder zwischen 
Menschenwohnungen. Milnner und Frauen gingen ihren Tages- 
gesehilften nach oder standen au den Thüreu ihrer Häuser, die 



FlQ88übergang. 11 

angewohnten Reisenden vorüberziehen za sehen. Ein zufälliges 
Greränsch erschreckte einen ^ wahrscheinlich nur an Stille und 
Einsamkeit gewöhnten Elephanten sO; dass er wild gemacht in 
einen Garten einzubrechen suchte; doch gelang es dem Comac^ 
seiner Meister zu werden; noch ehe ein Unheil angerichtet war. 
Als wir der Einmündung des Metong in den breiten und theil- 
weise das Land überfluthenden Menam erreichten ^ sahen wir 
auf der andern Seite die Häuser und Strassen der Stadt Rahein 
oder Yahein (Lahaing) sich auf eine weite Ausdehnung am 
Ufer hinstrecken. Ueber die Art und Mittel der üeberfahrt be- 
durfte es erst langer Erörterungen mit den Eingeborenen, bis 
es uns gelang eines Bootes habhaft zu werden ^ mit dem meine 
Diener und die übrigen Fussgänger übergesetzt werden konnten. 
Wir wateten dann mit den Elephanten zu einer Sandbank hin- 
über; auf der die Karen hin und her ritten^ um eine passenden 
Fürth zu finden. An einer scheinbar günstigen Stelle wurde der 
grösste der Gepäck-Elephanten vorausgeschickt; und ich folgte 
auf dem meinigen beritten. Kaum waren aber die Thiere et- 
was in die Mitte des Stromes hinaus, als sie grosse Mühe hat- 
ten die Strömung zu stemmen. Die Heftigkeit nahm zu, je wei- 
ter wir uns dem abschüssigen Ufer der andern Seite näherten. 
Der Elephant vor mir war schon so tief im Wasser, dass alle 
auf ihn gepackten Sachen in's Treiben gerietheU; und plötz- 
lich sah ich; wie das Thier seinen Fuss verlor und selbst zu 
treiben anfing. Der reissende Strom riss es mit unaufhaltsamer 
Schnelligkeit abwärts, und nur durch die gewaltigsten Anstren- 
gungen gelang es dem Gorac, in weiter Entfernung unterhalb an 
einer dort vorspringenden Spitze des glücklicherweise schon na- 
hen Ufers anzulanden. Der fteit-Elephant war noch eben in 
Zeit angehalten und wurde nicht ohne Mühe nach der Sandbank 
zurückgebracht; wo ich warten musste, bis vom andern Ufer 
gesandte Boote mich mit den wichtigsten Theilen des Gepäckes 
nach der Stadt übersetzten. Die Elephanten langten dort erst 
viele Stunden später an, da sie einen weiten Umweg hatten 
machen müssen, um eine passirbare Fürth zu finden. 

Als ich meine Dienerschaft wieder aufgefunden, verweilte 
ich unter den schattigen Bäumen eines mitten in der Stadt ge- 



12 Eintritt in Slam. 

legeiien Klosterhofes und Hess durch einen Boten meine Briefe und 
Papiere an den Gouverneur oder (da mir dessen zeitweilige Abwesen- 
heit schon mitgetheilt war^i seinen Stellvertreter Überbringen. Bald 
darauf erschien der Sohn des Gouverneurs, der mich willkommen 
hiess und ausserhalb der Stadt nach einem weiten Klostergarten 
brachte, dem gegenüber ein reinliches und geräumiges Bambu- 
haus stand, das er mir zur Wohnung während meines Aufent- 
haltes anwies. Bald fanden sich verschiedene Behörden ein, um 
ihre Aufwartung zu machen, Mönche kamen aus ihren Zellen 
herbei, und ein Haufe Neugieriger belagerte die Thtlr. Unter 
den Frauen bemerkte ich ausser der gewöhnlichen Haartracht 
eine kammartige Frisur auf dem Hinterkopfe. Die Karen wur- 
den abbezahlt und zeigten sich sehr überrascht und verlegen, 
als ich noch einige kleine Geschenke über den stipulirten Preis 
hinzufügte. Der Vormann erklärte, dieselben nicht annehmen zu 
können, da sie schon im Voraus berechnet hätten , wie viel auf 
jeden Kopf kommen und sich mit einer neuen Theiluug nur un- 
lösl)are Schwierigkeiten bereiten würden. Die Siamesen konnten 
sie nicht genug über diese Scrupel auslachen und wunderten 
sich besonders, als ich dem Cornac des fortgetriebenen Elephan- 
ten für seinen Schrecken eine Vergütung gab, da sie meinten, ich 
hätte ihm vielmehr den Werth der durch seine Unvorsichtigkeit 
verlorenen Gegenstände an der Gage abziehen sollen. 

Rahein schien eine lebendige und betriebsame Stadt zu 
sein. Ich hatte im Vorbeigehen viele Schiflfe auf den Werften 
gesehen, theils halbfertige, theils alte zum Ausbessern, flinige 
der Strassen bildeten eine unterbrochene Reihe von Buden, die 
grösseren Häuser (oft mit spitzem Dach) lagen meist in einem 
Hofe, zwischen den Nebengebäuden. Beim Besuchen des Klo- 
sters fand ich an dem das Hauptbild enthaltendem Steingebäude, 
das von mehreren kleinen Götzentempeln umgeben war, Frauen 
am Eingang sitzen, um Blumen und Buntpapier zu verkaufen. 
Als Geld wurden ausser dem gewöhnlichen siamesischen kleine Por- 
zellanstttcke mit chinesischen Charakteren verwandt. Die gan- 
zen Zugehörigkeiten des Klosters wurden von einer Steinmauer 
umschlossen, in die von der Strassenseite enge Thüren führten. 
Vorbeigehende brachten mit zusammengelegten Händen Ver- 



lUheiD. 13 

ebrnng^ und wenn sie einen Priester dranssen stehen sahen^ 
knieten sie vor ihm nieder. Anf den hohen Glockenthurm führ- 
ten steile Treppen. Da der Garten unmittelbar an denMenam- 
Flnss stiess, so hatten die Priester sich dort einen be(]nemen 
Badeplatz zubereitet, den auch ich in der Abendkühle benutzte. 
Beim Nachhausekommen fand ich die Zahl meiner Kranken 
durch den Koch und den Dolmetscher vermehrt. Der siamesische 
Name Rahein, oder eigentlicher Raheng, wird von den Birmanen, 
die r und y verwechseln, Yahein gesprochen, während die Laos, 
die statt r nur 1 kennen, Lahein sagen. 

Meine ersten Tage in Raheng gingen mit den Berathungen 
daiHber hin, ob die von mir beabsichtigte Reise nach Bangkok 
zulässig sei, denn der Gouverneur (sowie vor seiner Rückkehr 
schon der Stellvertreter) bestand darauf, dass nach dem Ver- 
trage Siam nur von Bangkok aus betreten werden dürfe und 
Niemand im Lande ohne einen Pass des dortigen Consuls reisen 
könne. Meine Einwendungen, dass die an diesen Consul gerich- 
teten Papiere des englischen Statthalters von Molmein als gleich- 
bedeutend angesehen werden dürften, wollten sie nicht gelten las- 
sen. Doch wurden meine in Birmanischem ausgestellten Pässe in's 
Siamesische übersetzt und wiederholentlich geprüft. Der Gou- 
verneur schlug dann vor, dieselben nach Bangkok zu senden, 
am von dort die Antwort abzuwarten, gab indess schliesslich 
nach, als er mich zu solchem Aufenthalt abgeneigt fand und 
ich Versuche machte, ohne seine Unterstützung auf eigenes Ri- 
sico abzureisen. 

Ich hatte anfangs mit dem Stadtrichter verhandelt, dem 
meine Begleiter noch den birmanischen Titel Sekay gaben, war 
aber bei der Rückkehr des Gouverneurs demselben vorgestellt 
worden. Eine vorgerückte Xachmittagsstunde war flir die Zu- 
sammenkunft bestimmt, und der Richter begleitete mich zu dem- 
selben. Die Residenz bestand in jenem C-onglomerat grosser und 
kleiner Gebäude von Höfen umschlossen, wie man sie durchweg 
in Indien mit einem bezeichnendem Worte ('ompound ( von dem 
Malayischen Kampong) nennt. Die Mitte nahm das Wohnhaus 
ein, eine von umlaufender Veranda umgel)eue Halle, an deren 
Seiten sich die Eingänge zu den kleineren Privatzimmern des 



14 Eintritt in Siaro. 

Innern fanden. Der Hintergrund der Halle war mit einer Ent- 
faltung aller Arten von Waffen geschraUckt. In einem Gestelle 
standen Speere, Banner, Büsche und sonstige Embleme, wie sie 
den hohen Beamten als Zeichen ihrer Würde beim Ausgang vor- 
aufgetragen werden. An der Rückwand hingen, sorgsam grup- 
pirt, Schilde und reich verzierte Schwerter, sowie eine Auswahl 
der verschiedenen Hieb- oder Schutzwaffen, wie sie von den 
umwohnenden Bergstämmen gebraucht werden. An der einen 
Seite der Halle stand ein gedeckter Tisch, der eine lange Reihe 
von Speiseschüsseln trug, lackirte oder metallene Schalen, jede 
mit dem Aufsatz einer Blätter-Pyramide als Deckel. An die- 
selben war ein Armstuhl chinesischer Arbeit gerückt, und* in 
der Mitte des Zimmers stand ein ähnliches Möbel, das für mich 
bestimmt war. In einiger Entfernung, daneben und dahinter, 
lagen buntgewirkte Teppiche mit hohen, dicken Kissen, die 
beim Niederlegen zum Anlehnen dienen. Am Kopfende eines 
jeden fanden sich Gold- und Silbergefässe, Spucknäpfe, Trink- 
becher oder Beteldosen. 

Als der Gouverneur oder Chao-Myang, den meine Birmanen 
den Mingyi (Grossfttrsten) nannten, eintrat, reichte er mir seine 
Hand zum englischen Gruss, der indess bei seinen zolllangen 
Fingernägeln etwas schwierig auszuführen war. Die vornehmen 
Siamesen adoptiren gern diese chinesische Sitte, um dadurch 
zu zeigen, dass sie einer Bürgerklasse angehören, die von Hände- 
arbeit befreit ist. Die ganze Versammlung lag beim Eintritt 
des Fürsten natürlich auf Ellbogen und Knieen, doch wurde 
dem Richter und höheren Beamten die Gnade eines herablassen- 
den Winkes, der ihnen erlaubte, sich nach den Teppichen hin- 
zuwälzen, um auf dieser weicheren Unterlage Platz zu nehmen. 
Das übrige Gefolge musste es sich auf dem Fussboden bequem 
machen. Der Mingyi trug unter seinem Putzo oder Lendentuche 
ein silberdurchsticktes Untergewand, einen kostbaren Ueberwurf 
in der Form eines Schlafrockes am Oberkörper und chinesische 
Pantoffeln. Er Hess sich auf den einen Armstuhl nieder, mit 
Schwertträgern, Schreibern, Cigarren- und Betelknaben zu sei- 
nen Füssen, und begann dann ein längeres Gespräch über die 
verschiedenen Nationen, die die Erde bewohnen, mich über meine 



SUatsvisite. 15 

Reisebeobachtungen in anderen Ländern^ meinen Aufenthalt in 
der Hauptstadt Birmas und Aehnliches mehr befragend. Er 
spielte mehrfach auf die Beziehungen zwischen Franzosen und 
Engländern an, sprach von den Kriegen des grossen Napoleon 
und kannte ebenso den jetzigen Kaiser. Auch die Kunde des 
furchtbaren Bürgerkrieges in den Vereinigten Staaten war schon 
bis dahin gedrungen. Dann wandte sich die Unterhaltung auf 
meine Reisezwecke, und gab besonders der Unterschied zwischen 
den Lehrern der Weissheit oder der Philosophie und den aus 
den Missionären gekannten Lehrern der Religion Gelegenheit 
zu weiterer Discussion. Nachdem etwa eine Stunde so verbracht 
war, bat mich der Gouverneur, sein Gast zu sein, und Hess die 
auf den Tisch gestellten Schüsseln aufdecken. Die kleineren 
derselben enthielten alle Arten Ragouts und Fricass^es, gebra- 
tene oder gekochte Enten und Hühner, Schweinefleisch, Fische 
und Saucen. Ein gigantisches Gefiiss mit Reis wurde herein- 
gebracht und neben uns auf die Erde gestellt. Ein dahinter 
knieender Diener füllte die Essschalen mit Reis, der dann mit 
den auf dem Tische gebotenen Zuthaten gegessen wurde; für 
mich hatte man Messer und Gabel hingelegt, die gewechselt 
wurden, als der zweite Gang der Süssigkeiten erschien : Kuchen, 
Confituren, verzuckerte Bananen, ein Kokosnuss-Pudding u. dgl. m. 
Wasser wurde in Gläsern gereicht, und zum Abspülen der Hän?le 
stand ein Waschbecken bereit. Nachdem abgetafelt war, kehrte 
ich zu meinem frühreren Sitz zurück, und ging das Gespräcli 
noch einige Zeit fort, während schmale Tassen mit Thee herum- 
gereicht nnd Cigarren geraucht wurden. Beim Fortgehen hnt- 
ten wir Mühe, uns durch die Zuschauermenge durchzudrängen, die 
sich inzwischen vor dem Hofthore angesammelt hatte, und ka- 
men wir erst spät, unter Vorantragen von Fackeln, nach un- 
serm Logis zurück. 

Am nächsten Tage stattete ich dem Abte des nahe 'ge- 
legenen Klosters (Kyaung im Birmanischen oder Vat im Sia- 
mesischen) meinen Besuch ab, des Klosters der Kokonuss-Palmen, 
das in einem weiten, dichtbeschatteten Garten lag. Die Mönche 
bewohnten enge Zellen in einem niedrigen Steinhause. Die 
übrigen Gebäude dagegen, die Tempel, die Götzenhallen, die 



16 Eintritt in SUni. 

Bftplätze waren nieistCDs ans Holz und an den Wänden viel- 
fach mit bunten Dareteilongen ans den Jataka bemalt. Die 
Insassen waren meistens Laos ans Xiang-Mai (Zimmay), and 
ihre Bficher anch noch mit dem dort, sowie in Labong nnd La- 
gong gebränehlichen Alphabet geschrieben. Die Buchstaben 
gleichen in ihrer runden Gestalt den birmanischen; doch sind 
einige Formen abweichend nnd die ganze Schreibart wegen der 
vielfachen Schnörkeleien schwieriger zu lesen. Die Knaben in 
der EHosterschule lernten indess dieses und nicht das eckige 
Alphabet der Siamesen. Doch sah ich ausser den Palmschriften 
schon einige der Zickzackbttclier aus dickem groben Papier, 
wie sie in Siam gebräuchlich sind. 

Während in den birmanischen Klöstern meistens eine grosse 
Pagode den Mittelpunkt bildet, enthalten die siamesischen ge- 
wöhnlich verschiedene kleinere, denen in den meisten Fällen 
der Tih oder Schirm fehlt; dieser maugelte auch der Achtzahl 
der niedrigen Pyramiden, die den aus Stein gebauten Tsein 
umgaben, der sich in einem Theil des Klosterhofes neben dem 
Zayat befand. Zwischen denselben waren die acht Steinpfeiler 
Sema gestellt, oben in der Gestalt einer Bischofsmütze gebogen, 
die den heiligen Raum der Klosterfreiheit einschliessen und in- 
nerhalb welcher die Priesterweihe vollzogen wird. 

Die Priester hal)en allerlei mystische * ) Erklärungen ihrer 



*) Als Grenzpfdler verknQpfen sie sich mit dem in Hinterindien Tielfkch 
wiederkehrenden Oehrauch, Kriegsgefangene oder Verbrecher unter den Stadt- 
thürmen xa Tergraben nnd so ihre in Sclaverei geehrten iSeelen sar Yertbeidi- 
gting des Landes zo iwingen. Darauf deutete wohl die Clausel in dem (bei 
Aristoteles) aufbewahrten Vertrage, dass die Tegeaten keinen ihrer lakonisch ge- 
sinnten Landsleute für sich selbst nutzbar (chrestos) machen sollten. Aus der 
Befragung der citirten Dämonen ergab sich denn Chresmos als Orakelspruch und 
Chrestes als Wahrsager, bei Suetonius mit den Christen Terkufipft, die (nach 
Eonapius) die Oebeine und Schädel von Missethatem verehrten. Brugi^e be- 
merkt von den gespenstischen Thorwichtern in Siam: ..Le roi les Charge de 
bien garder la porte, qui va leiir «tre confl^e et de venir avertir, si les ennemiii 
se pr^sentaient pour prendre la ville.'* Von den Frauen der Krestoneer in den 
Gebirgen Thraciens wurde die Liebste mit dem Terstorbenen Gatten beerdigt 
Die alten Italer stahlen sirh in ihren Kriegen einander die Todten wie die Po- 
Ijnasier. 



Lingam-Dienst. -(7 

Bedeutung, wie sie den in magischer Beziehung zu den Körper- 
orgauen stehenden Charakteren eines in Gautaiua's Zeit ver- 
loren gegangenen Buches entsprächen, mächtige Talismane un- 
ter ihnen hegraben seien und Aehnliches. Die siamesischen 
Tenipelhallen pflegen mit Buddhubildern aller Grössen und For- 
men gefüllt zu sein, aber auf dem Hauptsitz bemerkt man häu- 
tig zwei Figuren, eine etwas kleinere, vor einer riesenhaft grossen 
dahinter. Die Mönche unterscheiden meistens die erstere als 
Khodom (Gautama) von der andern, Xina genannt, oder nen- 
nen sie auch die Brüder. Der bei den Jainas gebräuchliche 
Name Xina ( Jina ) oder Sieger wird von den Birmanen dem- 
jenigen gegeben, der die fünf Tyrannen überwunden hat (Mara- 
na-pa-ko-ausi-so-su), nämlich Khanda-Mara (die Körperlichkeit), 
Abhisingkhara-mara (die Abhängigkeit von den vier Ursachen), 
KilcRa-mara (die Leidenschaften), Mazzu-mara (Tod) und deva- 
putta-mara (die teuflischen Widersacher), also einem Buddha. 
In einem der Nebengänge des Klosters in Rahein, sowie später 
in anderen siamesischen, fand ich einen ganzen Stapel zum 
Theil schon halbverfaulter Holzblöcke aufgeschichtet und sab 
bei genauerer Untersuchung, dass sie alle unverkennbar in der 
Form einer Linga geschnitzt waren. Solehe Symbole, wie ich 
beiläutig erfuhr, werden in den Klöstern, besonders aber in dem 
Dämonen-Tempel, für geschlechtliche Fruchtbarkeit dargebracht. 
Der Gouverneur hatte sich bei meinem Besuche noch nicht 
mit Bestimmtheit über die nöthige Erlaubniss zu meiner Reise 
ausgesprochen und ersuchte mich, auf meine weitere Anfrage, 
bis zu seiner Rückkehr zu warten, da er eine Pilgerfahrt nach 
einer nahegelegenen Pagode zu unternehmen habe. Diese Bot- 
schaft war von Geschenken an feinem chinesischen Thee, ge- 
trockneten Früchten und Zuckersachen begleitet, versüsste mir 
aber dadurch die Verzögerung nicht, weil manche Ursachen 
vorlagen, die möglichst baldigen Aufbruch wünschen Hessen. 
Für mein immer noch nicht gehobenes Fieber konnte ich nur 
von einer regelmässigen Cur in Bangkok Genesung hoflfen, und 
ausserdem schienen meine Leute aus Langeweile Einer nach dem 
Andern krank zu werden, oder bildeten es sich wenigstens ein, 
da ich nicht Beschäftigung genug für sie hatte, um ihnen solch' 

Bastian, Reite in Siam. Hl. 2 



**' • 



18 Eintritt in Siam. 

mttsRige Gedanken auBzutreiben. Mein ganzes Hans war ein 
Lazareth und wnrde es noch mehr durch die Kranken, die man 
von allen Seiten herbeibrachte, oft in einem solchen Zustande, 
dass sie kaum wieder fortgeschaflft werden konnten. Die Stadt 
war des Lobes voll Über die Wundercuren, die durch die fremd- 
ländischen Medicinen an allen Ecken und Enden gewirkt wur- 
den; doch führte ich meine Statistiken etwas genauer, als un- 
sere Universalisten, um nicht zu wissen, dass aus Zehn Einer, 
der sich momentan besser fühlt, aus Dankbarkeit gern in die 
Ruhmesposaune bläst, während die anderen Neun stillschwei- 
gen und auf die Nachcur hoffen. 

Die Stadt Rahein zieht sich ganz längs des Flusses hin 
und !)esteht fast nur aus einer einzigen langen Strasse, von der 
schmale Gassen zu den verschiedenen Anlegeplätzen hinablaufen. 
Die Häuser der Vornehmen waren von Gärten umgeben und in 
Hecken aus Bambu eingefasst. Keinen geringeren Antheil der 
Bevölkerung bilden die Chinesen, die besonders dasjenige Stadt- 
viertel bewohnen, in dem die Märkte abgehalten werden. Hire 
grosse Zahl bringt mehr Rtthrigkcit in das dortige Leben, als 
man es gewöhnlich unter der apathischen Bevölkerung Siams 
fand, und hatte auch den Vortheil, dass man sich in ihren 
besser versehenen Läden manche Luxusartikel verschaffen konnte, 
an die der einheimische Kaufmann nicht gedacht haben würde. 
Auch mein Koch hatte weniger Schwierigkeiten für seine An- 
schaflfungen. Jeden Morgen zog ein cliinesischer Schlächter durch 
unsere Strasse, seine Gegenwart durch das Blasen eines Hornes 
kundgebend, und man konnte sich durch ihn das frischgeschlach- 
tete Schweinefleisch in's Haus schaffen lassen. So bequem war 
es uns in Birma nicht geworden. Auf weniger lobenswerthe 
Weise machten sich die Chinesen durch die Opiumhäuser be- 
merkbar, sowie durch die Hazardspiele , für die überall Ein- 
riehtungen getroffen waren. Eine sehr gebräuchliche Geldsorte 
in Rahein waren runde Porzellanstücke mit chinesischen Cha- 
rakteren, ungefähr unseren Whistmarken entsprechend, die na- 
türlich gar keinen intrinseken Werth hatten, aber da sie unter 
den Spielern jeden Augenblick wieder angebracht werden konn- 
ten, allgemeinen Cours besassen und fast von Jedem ohne viele 



Regiening8b5te. 19 

Schwierigkeiten genonunen wurden. Das eigentliche Geld Siams, 
die kugeligen Tickal mit dem Gepräge des Kimigs, sah man 
sehr wenig. Mit Pagoden war die Stadt reichlich versehen. 
Die Festtage schienen streng gefeiert zu werden, und konnte 
man an denselben den Chorgesang der Mönche weithin durch 
die Abendstille vernehmen. 

Bei dem aus der Unschlitssigkeit des Gouverneurs drohenden 
Aufenthalte hatte ich mich bemüht, auf eigene Hand Boote zu 
niiethen, stiess aber auf unerwartete Hindemisse, da die Eigen- 
thttmer fllrchteten, von der Regierung belangt zu werden, wenn sie 
meinem Verlangen nachkämen. Der Richter, der von den gethanen 
Schritten hörte, vertröstete mich auf die Rückkehr des Gouver- 
neurs, der dann sogleich Befehl geben würde, dass man Regie- 
rungsfahrzeuge zu meiner Reise ausrüste, denn auf andere Weise 
gezieme es sich niclit, dass ein so werther Xenos die Reise nach 
der Hauptstadt mache. Auch hörte ich einige Tage darauf zu 
meiner Freude , dass die Kähne bald zu meiner Disposition be- 
reit liegen würden. Jetzt blieb noch die Frage, was mit mei- 
nem gebrechlichen Personal anzufangen war. Diejenigen, die 
sich, schon in Molmein mit chnmischen liebeln behaftet, hatten 
engagiren lassen, und in einem Zustande, der, wie sie selbst 
vorherwussten, zu jeder anstrengenden Ar!)eit unßlhig machen 
musste, erhielten den Bescheid, dass ich ihnen zwar einen Platz 
in meinen Booten erlauben würde, dass sie aber selbstverstan- 
dener Weise nicht verlangen könnten, dass ich ihnen noch 
weiterhin einen monatlichen Gehalt zahlen solle für die Mühe, 
sie mitzuschleppen und von alten, schamvollen Krankheiten zu 
curiren. Sie hatten schon seit länger grosse Zerknirschung 
und Reue gezeigt, waren auch für dieses Anerbieten sehr dank- 
bar, aber der unruliige Moung-Lin, der sich seit seiner Re- 
bellion auf der Reise nach Maetata immer etwas aufsätzig ge- 
zeigt und seinen früher verlangten Abschied erhalten hatte, setzte 
ihnen in den Kopf, dass sie leichter von Rahein als von Bangkok 
ans nach Birma heimkehren könnten und mit ihm in der ersteren 
Stadt zurückbleiben sollten, da in kurzer Zeit eine Caravane nach 
der Grenze aulbrechen würde. Als mir dieser Entschluss mitge- 
theilt wurde, konnte ich nichts dagegen haben, unnütze Mitesser 

2* 



20 ft^^M u^k <I^r HaiipteUiit 

loszuwerden, zahlte den Rest des einuial heduDgeneu Lohnes für 
die schon verflossene Dienstzeit und Hess so Wele Medieinen. als 
sieb aus meinem Vorratbe sparen Hessen, mit den nötbigen An- 
weisungen für die Patienten zurück. Der Riebter versprach mir 
auf meine Bitte, zu sorgen, dass sie bei passender Gelegenheit 
ungehindert abzieben könnten und mit den nötbigen Pässen ver- 
sehen werden würden. 

Nach einem Abschiedsbesuche bei dem Gouverneur schifile 
ich mich am Nachmittage des lo. Decembers auf einem geräu- 
migen, woblbedeckteu Boote ein, das ausser dem Steuermann 
durch fUnf Ruderer bemannt war. Meine Begleitung bestand 
jetzt nur aus dem alten Dolmetscher, dem Creolen und dem 
Koch nebst seinem GebUlfen. leb benutzte die Flussfahrt, um 
mich mit den Buchstaben des siamesischen Alphabetes vertraut 
zu macben, erlernte aber das geläufige Sprechen erst später in 
Bangkok ,. nachdem ich mich von meinen bisherigen Dienern 
getrennt batte, denn so lange ich mit solchen Birmanisch sprach, 
traten die Laute dieser verwandten Sprache bindernd der Er- 
lernung einer neuen entgegen. 

Die Ufer des breiten Flusses waren mit buschiger Vegeta- 
tion bedeckt, zwischen der hie und da Bananengärten eine 
offene Stelle bildeten. Eine in manuichfaltigen Gipfelungen 
wechselnde Bergreihe, die Ausläufer des Laoslandes, zog sieb 
am Horizonte bin und zeichnete seine Formen scharf an dem 
reinen Himmel ab. Wir hielten uns in der Mitte des Flusses, 
um vom Strom hinabgetrieben zu werden, und näherten uns 
erst mit einbrechendem Abend dem Ufer, um in der Nähe eini- 
ger Häuser, mit Hürden für Büffelbeerd^n, anzulegen und die 
Nacht zu verbringen. Mit der Sonne aufbrechend, fuhren wir 
am nächsten Tage zwischen bewaldeten Ufern hin, auf denen 
sich hie und da einzeln zerstreut ein Dorf zeigte. An solchen 
für den Anbau gelichteten Stellen traten dann immer präcli- 
tige Exemplare eines voUwüchsigen Baumschlages auf, während 
in dem Urwalde die Individuen sich schwerer unterschieden und 
durch zu nahes Beisammenstehen gegenseitig im Gedeihen scha- 
den. Wir fuhren an einigen langen Flössen vorbei, auf denen 



Kloster-Kirche. 21 

für die Schiffer mit ihren Familien ein halbes Dutzend Hütten 
aufgeschlagen waren, und hielten zum Kochen des Frllhstücks 
in der Nähe eines Hauses, in dem Weber beschäftigt waren. 
Am Nachmittage geriethen wir in seichte Stellen, auf denen die 
Boote wiederholentlich festliefen. Ausser den Sandbänken mach- 
ten auch die aufgesteckten Fischreusen vielfaches Ausweichen 
nöthig. Nach kurzem Aufenthalte zur Abendrast setzten wir 
unsere Fahrt während der Nacht fort und langten am nächsten 
Morgen früh in Kampengpet an, der in der siamesischen Ge- 
schichte berühmten Hauptstadt der diamantenen Mauer, von 
der sich noch Ruinen mit Steinschriften im nahen Jungle finden. 
Bis so weit reichte die Gerichtsbarkeit des Gouverneurs von 
Rahein und musste deshalb das von ihm gegebene Boot dort 
durch ein anderes ersetzt werden. Auf meine deshalb an den 
Gouverneur geschickte Botschaft führte mich dessen Diener beim 
Landen nach einem Kloster, mit der Bitte, dort meinen Aufent- 
halt zu nehmen, bis die Boote zur Reise fertig sein würden. 
Man räumte mir dort zum Logis eine der Kirchenhallen ein, 
mit einer Kanzel in der Mitte, von der herab alle vierzehn 
Tage Capitel aus der Vinay vorgelesen werden. Auf beiden 
Seiten der Kanzel liefen Pfeilerreihen hin, und die Zwischen- 
räume derselben waren mit langen engen Papierstreifen zu- 
gehängt, die in bunten Farben Scenen aus dem Jataka zeigten. 
Andere waren auf helltranspareutem Oelpapier gemalt. Ein 
breiter Vorhang, mit Episoden aus Gautama's Leben bedeckt, 
war der Kanzel gegenüber placirt. Von der Decke hingen 
wimpelartige Papierfahnen herab in verschiedenen Farben, und 
dazwischen waren aus Papier gearbeitete Blumen oder Büschel 
aufgesteckt. Diese in Birma unbekannte Papierverschwendung 
deutete auf den Einflnss der Chinesen, die, wie die Japanesen, 
dieses leichte Material zu allen möglichen Dingen verwenden 
und besonders gern ihre ftlr das unsichtbare Jenseits bestimmten 
Opfergabeu daraus arbeiten, da das im Tempel verbrannte 
Goldpapier sich im Himmel in vollgültiges Gold verwandeln 
wird. Neben der dicken Trommel, die für die Zeit des Gottes- 
dienstes in eine Ecke weggesetzt war, Hess ich mir auf einer 
Bailustrade mein Bett aufmachen, und hatte so ein frisches und 



■ vi?'- 



22 '««ise nach der Hauptstadt. 

luftiges Quartier, da die durchbrochenen Gitterfenster auf allen 
Seiten eine frische Ventilation unterhielten. 

Es wMhrte nicht lange, bis sich mein Zimmer mit neugie- 
rigen Mönchen und Novizen ftlllte, die den ihnen anfoctroyirten 
Gast zu besuchen kamen und mir Mancherlei erzählen konn- 
ten. Ihr Bischof, den ich im Hofe den Bau eines Bootes über- 
wachen sah, hat die geistliche Gerichtsbarkeit über acht Klö- 

.^ ster. Im Götzentempel fand ich eine gigantische Figur Buddha's 

neben mehreren kleinen, von denen einige durch fromme Ver- 

':^^ ehrer mit Zeugen bekleidet waren. Die Pagoden des Kloster- 
hofes waren klein und niedrig, aber in barocker Weise der 
opera vermiculata oder sectilia mit Glas und anderem Tand 
verziert. 

Die Stadt fand ich bei meinem Spaziergang durch dieselbe 
ziemlich wUst und todt. Nur ein Theil derselben war regel- 
mässig in Strassen ausgelegt, der andere schien halb im Jungle 
zu stehen. Chinesen sah man keine, und die Annahme des bis- 
her gebrauchten Porzellangeldes*) wurde hier verweigert. Un- 
ter den Laos ist Porzellan und selbst das gewöhnlichste Töpfer- 
geschirr selten, da sie die meisten Geräthschaften, auch zum Essen, 
aus Rattan flechten. Die englischen Rupien, die ich soweit noch 
hatte ausgeben können, mussten hier gegen das siamesische 
Geld verwechselt werden, in Stücken von 4 Annas oder 2 An- 
nas im Werth. Eine kleinere Münze als 2 Annas gab es nicht, 
und wer etwas unter diesem Preise zu kaufen wünschte, hatte 
zu warten, bis das Hinzutreten eines neuen Bedürfnisses die 
Ausgabe eines solchen Beti-ages rechtfertigte, oder musste sich 
mit anderen Kauflustigen zusammenthun und sich mit ihnen 
halbpart berechnen. Mitunter konnte man sich durch Tassen 
mit Reis helfen, und in Socotra sollen kleine Stücke Ghi oder 
Butter zum Auswechseln**) dienen. 



*) Et aussi toiites les provinres, c*est-a-dire ßangala et Cangiga et Aniu, 
despendent pourcelaines et or (Marco Po]o). 

**) In Mexico erhielt ich in den Städten Seifenstücken , auf dem Lande Eier 
zum Wechseln heraus. Auf dem Hochlande Penis pflegen die eingeborenen 
Quichna einen Korb paratzuhalten, der, in Fächerchen getheilt, in dem einen 



Elephanten. 23 

Als ich bei dem Flusse vorbeikam, sah ich ein Elephanten- 
weibchen, das mit seinem Jungen zum Baden geführt wurde, 
dasselbe durch Bespritzen mit dem Rüssel abwusch und es an 
einer tiefer Stelle über dem Wasser erhielt, da es das Schwim- 
men noch nicht zu verstehen schien. Ausser Elephauten waren 
auch Ochsenkarren für den Landtransport gebräuchlich. 

Am Abend hatte ich einen unangenehmen Auftritt mit dem 
Matrosen, der sich in der letzten Zeit allerlei ungebührliche 
Freiheiten herauszunehmen anfing und den es Zeit war, zur 
Raison zu bringen. Im Beginn der Reise versah er seine 
Dienste und Aufträge mit grosser Pünktlichkeit, und da er mir 
durch seine Handfertigkeit und mechanisches Geschick von vie- 
lem Nutzen war, so hatte ich ihm, besonders während der 
Dauer meiner Krankheit, Manches nachgesehen. Allmälig aber 
wurde er in seinen Forderungen immer dreister. Auf Reisen, 
wo nicht die augenblickliche Umgebung, sondern nur das zu 
erreichende Ziel von Interesse ist, muss dem Zwecke des Fort- 
wärtskommen jeder andere untergeordnet werden. Ich war 
deshalb in Eintheilung von Tagen und Nächten sehr unregel- 
mässig und Hess vielfach, um eine gute Fahrt nicht zu unter- 
brechen, die FrühstUcksstundc sich bis zum Nachmittag hin- 
ziehen oder auch ganz ausfallen. Das aber gefiel meinem Herrn 
Blaujacke nicht. Er wollte seine richtigen Rationen haben, wo 
möglich wahrscheinlich auch Erbsen und Speck, um das Dolce 
famiente auf dem Boote in unterhaltender Abwechselung zwi- 
schen Essen und Schlafen zu vertheilen, und liess sich mit der 
kalten Küche, die ich ihm zur unbeschränkten Disposition ge- 
stellt hatte, nur auf kurze Zeit abspeisen. Als er jetzt mit 
neuen Ansprüchen hervortrat, wurde ihm einfach und bündig 
erklärt, dass er \m Voraus gewusst habe, zu welcher Art der 
Reise er sich engagire, und dass er, da seinetwegen eine Acn- 
derung in den Plänen nicht eintreten könne, bei weiterer Be- 
lästigung, wo es immer sei. zurückgelassen werden würde, um 



Nahntdeln, im andern Zwirnkuäuel, im andern Wactiskerzen oder sonstige Dinge 
des täglichen Verbrauclies enthält, nnd bieten davon in Auswahl nacli deoi Werthe 
der räckstäudigen Scheidemünze. 




24 Reise nach der Hauptstadt. 

seinen eigenen Weg zn finden. Ich hielt das Ganze damals 
nnr für einen jener Ausbruche jder Morosität, denen die meisten 
der braven Seeleute unterworfen sind, die, wie Capitäne genug- 
sam wissen, gewcHinlich dann am Meisten murren und stöhnen, 
wenn es ihnen am Besten geht. Erst später, aus anderen Ent- 
deckungen wurde mir klar, dass ich während der ganzen Reise 
einen Galgenvogel um mich gehabt hatte, der anfangs mein 
Vertrauen nur deshalb zu gewinnen gesucht hatte, um später 
desto sicherer seine Gelegenheit zu erspähen, und der deshalb 
desto eifriger nach Zwist und Streit aussah , je mehr die Reise 
ihrem Ende entgegenging. 

Am nächsten Morgen machte ich dem Gouverneur meine 
Aufwartung, ein weissbärtiger Alter, der mich freundlich em- 
pfing, aber schlechte Nachrichten gab. Passende Regierungs- 
boote seien augenblicklich nicht da, und es würde wohl längere 
Zeit darüber hingehen, bis sie angeschafft werden könnten. Da 
ich indess gegen jeden unnützen Aufenthalt protestirte, wurde 
zuletzt ausgemacht, dass mich das von Rahein mitgebrachte 
Boot bis zur nächsten Station weiterftlhren solle. Auch hatte 
ich wohlweislich einen Theil meines Gepäckes darin belassen, 
damit ich nicht etwa, wenn es zurückkehre, ehe das neue da 
sei, mich unversehens auf dem Trocknen sitzen fände. Wir 
lagerten während dieser Unterhaltung auf Teppichen mit hohen 
dreieckigen Kissen zur Rückenlage und hatten eine zahlreiche 
Versammlung als lautlose Zuhörer. 

Ich hatte verschiedentlich das Gespräch auf die Ueberreste 
des alten Kampeng pet und seine Befestigungen zu wenden ge- 
sucht, der Grouverneur aber brach beständig - von den Fragen 
ab und bemerkte nur einmal kurz, dass sie auf mehrere Tage 
Entfernung in einen unzugänglichen Jungle lägen. Wahrschein- 
lich trug die Angst über meine Lust, dort einen Besuch abzu- 
statten, am Meisten dazu bei, dass die im Anfang der Verhand- 
lung als höchst schwierig dargestellte Frage der Weiterreise sich 
nachher plötzlich so leicht löste. Für nachkommende Reisende 
sei aber hier die mir später gewordene Nachricht eingeschaltet, 
dass diese Ruinen ganz in der Nähe der jetzigen Stadt liegen 
soUeU; und also leicht zugänglich, was immer alte freundliche 



Erleochtangs-Material. 25 

MiDg gyis darüber oder dagegen sagen mögen. Im alten Kamp- 
heng pet war der in goldene Wiege *) gelegte Utliong geboren, 
dem ein Sageneyklus die Gründung Ayuthia's zuschreibt, wäh- 
rend sie ein anderer mit dem am östlichen Arm des Menam 
herrechenden Phra Ruang verknüpft, der eben so gut wie der 
Aechter (utilegumadhr) Eyvindr oder Fjalla-Eyvindr wasser- 
dichte Körbe zu flechten verstand (Maurer). 

Am Mittage des nächsten Tages begab ich mich wieder 
an Bord des Kalins, den der Gouverneur mit frischen Kokos- 
nüssen, Zuckerröhren und anderen Erfrischungen hatte füllen 
lassen. Die sandigen Ufer waren mit Wald bedekt, und konn- 
ten wir am Abend wegen der seichten Bänke nur auf weite 
Entfernung anlegen, so dass ich mich auf dem Rücken der 
Bootsleute an's Land tragen lassen musste. Noch vor der Däm- 
merung aufbrechend, fuhren wir zwischen dichtem Wald hin, 
bis wir um Mittag an das Dorf Bansu gelangten, wo unsere 
Lente sich mit einem Vorrathe der Ilarzfackeln versahen, die 
dort in der Umgegend verfertigt und exportirt werden. Die 
Häuser standen zwischen den Bäumen des nur h^'^lbgelichteten > 
Waldes, hie und da mit einer Bananen-Anpflanzung. Auf der 
Weiterfahrt zeigten sich einige ofl'ene Stellen zwischen dem 
Jnngle, doch bestand das Dorf der Nachtrast nur aus einigen 
ärmlichen Hütten. Auch hier fand sich die unter denXong ge- 
bräuchliche Fackelmanufactur. Der Dammer wird aus dem um- 
gehauenen Baume durch darunter angezündetes Feuer zum Aus- 
fliessen gebracht und in einer Höhlung angesannnelt, um ent- 
weder zum Veqrichen der Boote zu dienen, oder mit Harz ver- 
mischt zur Anfertigung von Leuchtmaterial. Man schüttet ver- 
faultes Holz darauf und lässt es in einer Grube bis zum Ver- 
dicken stehen, worauf die in Blätter aufgerollte Masse mit 
Rinden umgeben und durch Rattan festgebunden wird. 

Am folgenden Tage blickten mehrfach Häuser und Dörfer 
zwischen dem Walde hervor. In dem Dorfe Tungan fand ich, in 



*) nitter Kiino (bei Hoitzenburg) gelobte, faUs ihm ein Sohu gebureu würde, 
so woHe er eine goldene Wiege verfertigen lassen, und das Knäblein solle in Win- 
deln von Purpur liegen wie ein Junger Prinz (Niederboeffer). 



26 Beiie DMli der HaaptsUdt 

Büschen versteckt, einen Dämonentenipel , der auf niedrigen 
Terrassen mit rothen und weissen Tüchern unihangen war. 
Am Abend kamen wir in Mttangklang an, der Station eines 
neuen Districts, wo der mir beigegebene Beamte seine Papiere 
abzugehen hatte, um das Boot durch ein anderes zu ersetzen. 
Ich legte ihm an's Herz, den Wechsel so rasch wie m?>glich zu 
betreiben, sah ihn aber bald mit langem Gesicht zurttckkommen, 
berichtend, dass der Amtmann seit mehreren Wochen nach 
Bangkok abgereist sei, sein Stellvertreter sich aber auch auf 
seinem eine halbe Tagereise entfernten Landgute befinde, wo 
er die Feldarbeiten beaufsichtige. Nachdem noch in der Nacht 
Boten abgeschickt waren, um den letzteru herbeizurufen, legte 
ich mich in dem Kahne zum Schlafen nieder. Die Stadt oder 
das Dorf, wie ich am nächsten Morgen fand, bestand nur aus 
halbverfallenen Hütten, die zwischen Bäumen und Banana-Anpflan- 
zungen umherstanden. Auch der Klosterhof sah verwildert aus, 
voll rankenden Unkrauts. Derselbe war ohne Abt und enthielt 
auch keine Bücher, wie ich auf meine Nachfrage danach 
hörte. Dennoch hatte die Geistlichkeit grossen Einfluss, denn 
ihr Verbot, nicht zu fischen, wurde so treulich gehalten, dass 
ich am Flusse Stellen sah, so mit Fischen gefüllt, dass man 
sie mit Händen hätte greifen krmnen. Jagd war natürlich ebenso 
verprmt. Eine im Flusse liegende Sandbank war derart mit 
Wasservögeln, wilden Gänsen, Kranichen, Pelicanen, Störchen 
bedeckt, dass sie wie ein weisses Laken aussah; und als ein 
Bauer, der auf seinem Büffel den Fluss durchschwömmen hatte, 
dort kreuzte, sprangen die Vr)gel eben nur so wenig auf die 
Seite, um ihm eine schmale Passage zu eröffnen, da sie nichts 
von Scheu oder Furcht wussten. Jenseits des Dorlbezirkes in- 
dess durften die Fischer ihr Handwerk treiben, und fand ich 
sie dort mit dreieckig gespitzten Speeren am Werk. Der Fluss 
breitete sich daselbst in ein weites Bett aus hinter schroff vor- 
springenden Felsen, die zu den Konnoh-Bergen gehören. 

Einen Theil des Tages brachte ich in der Zelle eines Mön- 
ches zu, der mir zwei rothe Tafeln zeigte, auf denen vergoldete 
Bilder mit fiacher Rückseite aufgeklebt waren. Oben stand 
eine Pagode, darunter die Trinität der drei Kostbaren, dann 



VerdieDBtjägir. 27 

ein sitzender Buddha zwischen zwei schlafenden, dann verschie- 
dene Reihen von sitzenden Buddhas mit anbetenden Verehrern 
umgehen, dann der Sarkophag des zum Nibpan eingehenden 
Buddha, dann ein von Elephanten mit Wasser bespritzter Berg. 
Bücher besass er nur wenige. Wo immer sich dieser oder einer 
der anderen Mönche auf der Strasse zeigte, kniete Alles 
nieder. Auch meine Bootsleute schienen von der Verdienstsucht 
angesteckt, denn ich sah eine» derselben einen Käfig fortnehmen, 
den darin befindlichen Vogel in Freiheit setzen und das zer- 
brochene Gefiingniss in's Wasser werfen. Spät am Abend wurde 
mir mitgetheilt, dass der Unteramtmann soeben angekommen 
sei und mich am andern Tage aufsuchen würde. Schon früh 
am Vormittage war er da und Hess unter dem Baum, wo ich 
sass, Teppiche ausbreiten, sich entschuldigend, dass er mich 
nicht in seiner Wohnung empfange, da dieselbe noch unvollen- 
det sei. Die ganze Existenz dieser Stadt datire erst seit drei 
Jahren, als von Bangkok Befehle heraufgekommen wären, sie 
anzulegen. Wenn man alle Häuser, gross und klein, zusammen- 
rechne, könnte sie ungefUhr 2()()<) enthalten. An einer Stelle des 
Flusses fand sich der aus Mauersteinen aufgeführte Unterbau 
einer alten Pagode in pyramidalischcr Form. Auf mein Drän- 
gen nach m()glichst rascher Abfertigung konnte ich um Mittag 
in das andere Boot übersiedeln, empfing noch einen Besuch des 
Beamten, der mir Geschenke in Confect brachte, sowie des 
Richters, von dem der Koch mit Hühnern und Reis ver- 
proviantirt wurde, und Hess dann auftirechcn. Nach kurzem 
Aufenthalt in einem Dorfe am Wege, wo einer der Bootsleute 
eine Bestellung auszurichten hatte, kamen wir Abends in dem 
Dorfe Kauiao an, dessen Häuser in regelmässiger Linie rangirt 
waren, so dass sie Gassen bildeten. Fische wurden durch Auf- 
hängen in der Luft getrocknet. Da bei schwacher Bemannung 
des Kahns sich bei seichten Stellen oft Schwierigkeiten zeigten, 
Hess ich von dem dortigen Amtmann noch einen Bootsmann zu- 
fügen. Am nächsten Tage waren die Ufer schroffer , obwohl 
nur niedrig. Da die Bootsleute ihren mitgenommenen Vorrath 
aufgezehrt hatten, legten sie an einem Dorfe an, um Reis zu 
kaufen, konnten indess keinen erhalten; doch trafen wir bald 







28 R<^ »*cb der HauptsUdt. 

darauf Netzfischer, die einen so reichen Fang gethan hatten, 
das» sie uns auf unser Verlangen das gjinze Boot voll Fische 
schtitteten, ohne Bezahlung daflir annehmen zu wollen. Die 
grJ^sseren Gattungen von Fischen warfen sie alle in's Wasser 
zurück, da sie giftig wären*) und nicht gegessen werden dürf- 
ten. Wir legten daiui am nHchsten Dorfe Brankün an, und 
während das Frühstück bereitet wurde, streifte ich in der Um- 
gegend umher und traf abseits vom Wege einen DHmonen- 
Tempel, wo an bestimmten Tagen, wie mir gesagt wurde, die 
Dorn)ewohner durch Tanzen und Opfergabeu ihre Verehrung 
darbrächten. Diese mit viereckigen Frangen-Tüchern rother und 
weisser Farbe umhangene Structur bestand in zwei aus Bambu 
•gefertigten Terrassen, die von einem Dache bedeckt waren. In 
der oberen Etage waren auf drei Planken, drei Figuren mit 
königlichen Emblemen geschnitzt, die mir als Chao Songkai, 
Chao Mongkong und Chao Po bezeichnet wurden. Das eine 
Bild, die Beine über einander geschlagen, war mit einer spitzen 
Kopfl)edeckung geschmückt, das andere, in tanzender Stellung, 
trug Lotus und andere Blumen in seinen Händen, das dritte, 
mit geflügelter Koptl)edeckung , hielt eine Muschel und hatte 
den einen Fuss nach hinten zurttckgestossen. Zwischen ihnen 
lehnten Holzknüppel, die, wie die Eingeborenen auf meine 
Frage behaupteten, Blumen-Bäume vorstellen sollten, die aber 
zu deutlich ihre Natur als Lingam verriethen, als dass ich mich 
damit zufrieden gehen konnte. Ich erfuhr dann, dass diese 
Stöcke Nak-Mai (Frauen der Nak oder Nat ** ) genannt wurden, 
aus einer Art Geschlechtsverwandlung, da die Nat beim Volke 
als weiblich betrachtet werden. An den Füssen der Capelle 
war ein kleiner Holz-Elephant gesetzt von einem Kranken, der 
dadurch den Dämon bitten Hess, dieses edle Thier statt ihn zu 

*) Doch gesell ieht dirs auch als Abschlagsz^ihliing für die im Fischfänge be- 
gangene Srinde. Verdiciistsiichendf kaufen oft Fische los, um sie wieder in Frei- 
heit zu set/.en, wie Pythagoras auf der Heise von Sybaris nach Kroion; und das- 
selbe wird von dem ersten der liuddhistischen Missionäre unter den Buräten 
erzählt am Ufer der Selenga. 

**) Der ganze Hofhalt Jndra's wird mit dem Collectivnamen Nataki be- 
zeichnet. 






Halbgötter 29 

essen. Diese drei Dämonen bilden die Scbutzgottheit des Dor- 
fes, und eine Cicerone fügte hinzu, dass, wenn ein Fürst oder ^ 
grosser Herr in zorniger Aufwallung stürbe, er sich in einen 
Dämon verwandle und zum Proteetor auserwählt werden könne. 
Die Seelen der guten Schamanen empfangen in Sibirien weniger 
Verehrung, als die der bösen, die schaden können. Das Grab 
der Madame Todd (Frau eines Missionärs in Mandura), die 
18:^8 gestorben war und bei den Eingeborenen in guter Erinne- 
rung stand, fand man 185:} mit Oel bestrichen und mit Lampen 
behängt, da es in eine heilige Opferstätte verwandelt war, wo 
Gelübde abgelegt und Wunder geschahen (nach Taylor). Ein 
Missionär inTinnevelly erzählt, wie ein Engländer, ein höchst 
gottloser Mensch, nach seinem Tode von den Shauars angebetet .: 
wurde, weil diese fürchteten, dass seine Seele sich in einen j^ 
Dämon verwandeln möge und sie ([uälen. 

Am Nachmittage passirten wir den Einfluss *j des Pitsanulok- 
Flusses in den Menam, und vor dem auf der vorspringenden 
Landzunge gebauten Zollhause lagen eine Menge grössere und 
kleinere Schiffe, die dort ihre Papiere revidiren lassen und die 
Steuer von ihrer Fracht entrichten mussten. Die Ufer zeigten 
weiterhin eine röthliche Färbung, und Abends langten wir in 
Nakkonsavan, einer neuen Wechselstation an. Ich schickte so- 
gleich zum Gouverneur, der mich zu sich nach seinem Hause 
einladen Hess, und mir dort mittheilte, dass er schon vor zwei . 
Tagen auf dem Punkt gewesen, nach Bangkok zu reisen, 
wo der König die Kopfscherung eines seiner Prinzen feier- 
lich zu begehen beabsichtige und dazu alle höheren Beam- 
ten längs des Flusses zu sich entboten habe. Eben vor der 
Abfahrt habe er aber durch einen Eilboten die bevorstehende 
Ankunft des hohen Fremden erfahren und deshalb dieselbe bis 
jetzt aufgeschoben, um dem König sogleich die direetesten Nach- 
richten bringen zu können. So sah ich mich auf einmal in 
eine wichtige Standesperson verwandelt, ohne noch selbst zu 
wissen, wodurch und wozu. Vermuthlich aber lag in dem mir 



*) Ftolomäus lässt deu sfidlicker &U den Doros piitspringemkii Seros-Fluss 
tos zwei Qii«lltitrriui4*ii gebildet werden. 



30 Rois« narh der Hauptstadt. 

aufgedrungenen Charakter noch etwas Anderes als die Ehre. 
Der Gouverneur in Rahein hatte sieh aller Wahrscheinlichkeit 
nach meinem unabhängigen Reisen besonders deshalb entgegen- 
gesetzt, weil er, als ohne Präeedenzfall, ungewiss war, wie er 
sieh bei der ganzen Sache zu benehmen habe. Er mochte es 
deshalb für das Sicherste halten, mich als eine Art Staats- 
gefangenen mit Regierungsbooten nach Bangkok zu expediren^ 
damit dort weiter entschieden werden möge. 

Die Pfeiler der Halle, in der wir auf einem Teppiche bei- 
sammen Sassen, waren mit Schnitzereien verziert, und zwischen 
der mittleren, über dem Prunksitz des Gouverneurs, waren Bän- 
der im Viereck gezogen und Papierblätter daran gehängt mit 
magischen Zeichen und Quadraten, die von Priestern geweiht 
waren. Der Fürst war mit vieler Eleganz gekleidet und trug 
einen reich verzierten Gürtel mit Juwelen besetzt. Er erzählte 
mir, dass die alte Stadt Nakhonsavan, die in der siamesischen 
Geschichte eine Rolle spielt, weiter im Innern läge, wo sich 
noch die Spuren ihrer Wälle verfolgen Hessen; die jetzige Stadt, 
die Quartiere auf beiden Seiten des Flusses zusammen genom- 
men, mit Einschluss von sechs Dörfern, zähle *24iK) Häuser. 

Hinsichtlich des Boots schien wieder einige Notli, da der 
Gouvenieur mir rieth, um keinen Aufenthalt zu haben, lieber 
das mitgebrachte zu bewahren ; doch musste es erst durch rich- 
tige Vertheilung der Ladung gerade gerichtet und ausgebessert 
werden, da es am letzten Tage stark geleckt und viel Wasser 
gemacht hatte. Während des Gesprächs waren bedeckte Speise- 
schttsseln hereingebracht und auf einer Platform, mit zwei Stühlen 
davor, angerichtet worden; der Gouverneur setzte sich auf den 
niedrigeren der beiden und unterstützte mich im Essen, indem 
er das gesottene Huhn mit seinen Händen für meinen Teller 
zerriss, die hartgekochten Eier öffnete und um die Erlaubniss 
bat, mir den gelben Dotter in den Mund stecken zu dürfen. Auch 
fischte er mit chinesischen Chopstic allerlei fette Bissen aus den 
mysteriösen Saucen und Ragouts heraus, um mir dieselben vor- 
zulegen und geeignetster Beachtung zu empfehlen. Der Dol- 
metscher und Capitän des Boots wurden unterdess an einem an- 
dern Tische tractirt. Nach dem Händewaschen kehrten wir 



i 



Kloflter-Schüler. 31 

zn dem Teppiclisitz zurück, wo Kuchen und Früchte servirt 
wurden, sowie kleine Schalen mit Thee. Nachdem ich mich 
von dem Gouverneur, der noch dieselbe Nacht abzureisen beab- 
sichtigte, verabschiedet hatte, traf ich auf dem Rückweg nach 
dem Boote ein Kloster, das ich zum Besuche des Abts betrat, 
aber hörte, dass er für Jfeditation nach den Wald gezogen sei. 
Einer der Mönche zeigte mir die Abschrift derVinay auf Palm- 
blätter in schnörkeligen Pali-Buchstaben, deren Alphabet ich 
niederschreiben Hess. Einige Knaben der Klosterschule fand 
ich in einem Zickzackbuch mit siamesischer Schrift lesen, und 
lernen sie überhaupt zuerst das siamesische Buchstabir- und Lese- 
buch, ehe sie an das Pali gehen. In dem Tempel, über dessen 
Thür Götterfiguren zwischen Arabesken ausgehauen waren, sass 
vor der grossen Figur Buddha's eine andere im königlichen 
Schmuck, und Rahanta mit ausgestreckten Händen standen da- 
neben. Ueber der Kanzel in der Tempelhalle hingen Papier- 
streifen, bemalt und beschrieben, von der Decke herab. Von 
hohen Pfeilern im eingehegten Hofe wehten ausgezackte Papier- 
wimpel. Die meisten der kleineren Pagoden trugen hohe Spitzen. 
Ich verbrachte die Nacht im Boot, wohin der Gouverneur Ge- 
schejike von Eiern und Bananen vorausgesandt hatte. Am an- 
dern Morgen früh brachen wir auf, mit demselben Boot, aber 
neu ausgehobener Mannschaft. Niedrige Hügel zeigten sich in 
der Entfernung, als wir am Kloster (Vat) des Dorfes Bam-Thra 
anlangten. Am Ufer standen kleine Pagoden mit schlanker 
Thurmspitze, und von hohen Pfosten, mit Vogelbildern*) ge- 
schmückt, wehten Flaggen aus leichtem Holz, während an an- 
deren breite Papierstreifen flatterten. In einem Bambu-GebUude 
sass auf niedrigem Piedestal eine Buddhafigur, und daneben 



^) Narh d«r Voluspae erweckt der goldflaiumige Uahn die Helden. Fiiin 
Magnasen xergleidit den- Eddischen Hahn Vidhofblr, der auf Mimameidlir sitzt, 
mit den Hähnen , die auf Maibäume fresteckt zu werden pflegen. Grimm lässt 
es ungewiss, wann die Hähne auf Kirchthürmen eingeführt wurden; doch erzahlt 
Eckehard beim Einbruch der Ungarn, dass ein zum Glockenthurm hinaufgestie- 
gener lUaber, als er mit der Lanze nach dem goldenen Hahn stiess (denm loci 
sie Toettnm), hertbstQrzte und umkam. 



32 ti^is« n^h <ier Hauptstadt. 

ftilirten Steintreppeii zu der Kauzelhalle euipor. In einem mit 
doppeltem Daeli gedeckten Gebäude war man beschäftigt, die 
Wände zu bemalen, und der grösste Tl-eil der Bilder hatte schon 
Ausführung erhalten. Auf einer Seite sah man einen Reiter 
auf weissem Ross gegen ein grUnes Ungeheuer ansprengen, das 
sich aus einem rauchenden Berge emporhob; darüber zog sich 
eine Linie von Göttern und Ungeheuern hin, neben einander 
sitzend. Auf einer andern Wand zeigte sich der Sieg Buddha's 
über Mara bei der Verklärung. Eine Armee von Teufeln, ge- 
führt von einen grünen Riesen auf einem ein Schwert im Rüssel 
schwingenden Elephanten, stürmt unter einem Pfeilregen auf den 
in ruhiger Haltung dasitzenden Heiligen ein, unter dessen Füs- 
sen die Göttin der Erde in einer goldenen Halle umherwandelt; 
ihre Zöpfe auspressend. An der andern Seite sieht man dann, 
wie das feindliche Heer von den ausgedrückten Wassern ver- 
schlungen und von Seeungeheuern zerrissen wird. Der grüne 
Riese erscheint jetzt wieder, aber er sitzt mit flehentlich aus- 
gestreckten Händen auf dem Elephanten, der demüthig eine Blume 
im Rüssel emporhält. 

Als ich, an's Boot zurückgekehrt, ein Bad nehmen wollte, 
wurde ich, der Alligatoren wegen davor gewarnt. Einige mei- 
ner Bootsleute waren mit dem Oberlande wohlbekannt und sie 
berichteten, dass die Ruinen des alten Kampleng phet ungefähr 
eine halbe Tagereise von der jetzigen Stadt entfernt seien. Die 
Ueberbleibsel von einer Stadtmauer in drei (lürteln Hessen sich 
bemerken und ebenso die Trümmer von drei grossen Pagoden, 
sowie eine Menge kleinerer. Auch von Rahein wussten sie 
Mancherlei zu erzählen. Die dortige Gegend war früher ein 
grosser See, bis das Wasser allmälig abgeüossen und zuletzt 
nur der Fluss übrig blieb. Die Stadt (Myang) Tak wurde dort 
gegründet, deren Reste sich eine Tagereise aufwärts von dem 
jetzigen Rahein finden, mit Spuren der Wälle und einigen Pa- 
goden. Die nahegelegene Stadt Xot oder Jot wurde unter der 
Regierung des Königs Khun Samxong berühmt. Nach der Zer- 
störung von Myang Tak wurde später durch die Könige von 
Yuthia (Ayuthia oder Siam ) eine neue Stadt gegründet, an der 



Zncker-BereitQDg. 33 

Stelle eines Raheng oder Lahain *) gehiessenen Dorfes und dar- 
nach benannt. Der Eigenthttmer des Bootes stammte aus Ka- 
hain, und einige magische Vierecke mit Cirkeln daran auf 
der Eajtttenthttr waren mit SprUchen in Laos-Buchstaben um- 
schrieben. Der Inhalt einer von Kampheng pet gebrachten Stein- 
einschriften, die von den verdienstlichen Werken eines im Jahre 
1239 der Mahasakkharat regierenden Königs handelte, wurde 
mir später als Rüang - Khuam - Nai - Pen - Sila -Vat - Sadet - Myang- 
Kampheng-phexr bezeichnet. Phaya Lütthairat, Sohn des Phaya 
Siathai und Enkel des Phaya Rammarat (der in der Stadt 
Sisatxanalai-Sukkhothay regiert hatte), empfing bei seiner Krö- 
nung den Titel Sri-Suraya-Phra-Maha-Aram-Raxathirat,* und 
pflanzte bei seiner Reliquien-Deponirung Zweige des Phra-Maha- 
Phot oder des heiligen Bodhibaumes, unter dem Phra-Phutthi- 
Chao in Langkathavib geruht hatte. Bei der Weiterfahrt am 
Nachmittage zwischen offenen Ufern machten die Bootsleute 
einen Halt beim Dorfe Bang-prat und gingen nach einer Baum- 
grappe im Gehölz, wo in einer durch Büffel gedrehten Presse 
der Saft des Zuckerrohres ausgepresst und in einem daneben 
stehenden Kessel eingekocht wurde. Der Fabrikant hockte mit 
seiner ganzen Familie von Frauen und Kindern auf der Erde, 
und ebenso seine Diener, indem sie alle diesem einfachen Pro- 
cesse zusehen halfen, ohne selbst viel nöthig zu haben thätige 
Hand anzulegen. Sie füllten einige Kokosnuss-Schalen für uns, 
und die Schiffer thaten sich in dem süssen Trank eine Güte. 

Gegen Abend traten die Hügelketten näher an den Fluss 
heran, und wir legten für die Nacht jenseits des Dorfes Hudden 
an, dessen Landeplätze mit Böten aller Art überfüllt waren. 



*) Lassen identiflcirt die Stadt Kimara (bei Ptolomaos) mit Rahain (Lahaing) 
und Salatha mit Zimroay. In den Daonai mit der Stadt Daona findet er den 
Nam«n der Tbay (der mittleren oder Thay-nai nach Low). Ausser den beiden 
Hauptttadten Balonga nnd Kortatha erwähnt Ptolomaos unter den Sindoi noch 
der Stadt S^nda. Die Sindai-Inseln (worunter die des Agathodaimon) waren von 
Anthropophagen bewohnt. Die Stadt Bramma wird als Semin fu bestimmt. Die 
indische Gesandtschaft , die unter Kaiser Wuti (aas der Dynastie der Liang) in 
China ankam, Ton einem am Flosse Sindha herrschenden Konig wird anf die 
Gopta-Hemcher am Indus bezogen. 

BaallÄB, R«Ue in Slam. III. 3 



34 Heise nach der Hauptstadt. 

Die Ufer, zwischen denen wir am nächsten Tage hinfuhren, 
trugen vielfache Spuren von Anbau; die Bootsleute erzählten 
von dem Könige des alten Müang Tak, dass er zu dem Stamme 
der Taoutong gehört habe, ein Volk, das fünf Tagereisen in 
einem Tage zurückzulegen vermochte. Verwandt damit war der 
unverwundbare und gegen jede Art der Waffen sichere Stamm 
der Perong in der Stadt Sukothay. 

Um Mittag kamen wir nach der Stadt Monnerohm, nach 
der Zerstörung der früheren Stadt Xangrohm gebaut, die an 
der Stelle gegründet worden war, wo ein zur Belohnung in 
den Adelstand erhobener Jäger einen weissen Elephanten ge- 
sehen hatte. Als ich zu baden wünschte und mich erkundigte, 
ob keine Gefahr sei, erhielt ich zur Antwort, dass Alligatoren 
dort nicht zu fürchten wären, dass aber unter dem Wasser der 
Pnük genannte Geist lebe, in der Gestalt und der Grösse eines 
Holzblockes, der seine Lust daran habe, die Badenden zu paken 
und zu sich hinab in seine Wohnung zu ziehen. Unter einem 
Verschlage wurden Theaterstücke aufgeführt, und zwar auf 
Veranstaltung und Kosten eines chinesischen Hazardspielers aus 
Molmein, der dort Bank hielt und das Volk durch die Musik 
und die Tänzer anlockte. Das beliebteste dieser Hazardspiele 
ist das der im birmanischen Anitaun genannten Würfel. In 
einem Hause sah ich aber auch eine Gesellschaft versammelt 
um einen Chinesen, der länglich geformte Karten vor sich hinlegte 
und darnach die Einsätze einstrich. In einem andern Zimmer 
spielte man auf einem Brett mit Cowrie-Muscheln. Auf der Bühne 
war, singend und die Arme verdrehend, nur ein Mädchen thä- 
tig, das, in königliches Costüm gekleidet, künstliche und nach 
rückwärts gebogene Fingernägel von erschreckender Länge an- 
geschnallt hatte. Die übrige Schauspielergesellschaft sass auf 
der Erde neben dem Orschester. Für die Aufführungen, die 
nur des Morgens erlaubt sind und mit dem Nachmittage ge- 
schlossen werden müssen, wird der Regierung eine bestimmte 
Taxe bezahlt. So hörte ich von dem Gouverneur, dem ich 
einen Besuch abstattete. Er empfing mich zwischen Sonnen- 
schirmen und Ehrenlanzen in einem mit Teppichen bedeckten 
Zimmer^ und war ausser einem seidenen Putzo mit einem gold- 



BrijBfSB d68 K8iil«8. 35 

durchwirkten Gewände grttner Farbe bekleidet, das er ans den 
Hunden des Königs znr besondem Anerkennnng seiner Dienste 
empfangpen hatte. Er zeigte mir als ein anderes Geschenk des 
Königs einen ans geschwärztem Golde gefertigten Theetopf, 
sowie einen eigenhändigen Brief Seiner Majestät, in einem reich 
verzierten Couvert eingeschlossen und mit dem königlichen Wap- 
pen gesiegelt. Der Brief war siamesisch geschrieben in Sprache 
nnd Buchstaben, hatte aber verschiedene Worte anf Englisch 
beigefügt, da bekanntermaassen beide Könige Slams eine hin- 
längliche Kenntniss der englischen Sprache besitzen, um sich 
mündlich nnd schriftlich darin anszndrückcn. Am Anfange des 
Briefes fand sich N. 213 nnd daneben „Royal palace of Bang- 
kok^' mit dem europäischen Datum zugefügt. Am Fusse der 
ersten Seite war geschrieben : „To the Honourable Pra Siddhikün 
kreom of Mennerome town", und am Ende des Briefes: „Your 
friend and wellwisherMongkut", unter ZufUgung des siamesischen 
Datums. Der alte Herr Gouverneur hatte nebst seinen Freun- 
den und Verwandten viele Jahre hindurch die Hieroglyphen, 
die ihm von so hoher und hochgeschätzter Hand zugekommen, 
mit mysteriösem Staunen betrachtet und sich den Kopf zerbro- 
chen, was sie wohl bedeuten möchten. Seine Freude kannte 
daher keine Grenzen, als ich ihm den Sinn entzifferte. Noch 
aufgeregter wurde er, als ich ihm aus Bowring's Buche über 
Slam das Portrait des Königs zeigte, das er augenblicklich er- 
kannte, sowie auch die Siegel des ersten und zweiten Königs. 
Er rief sein ganzes Hausgesinde herbei, und zeigte d^s Bildniss 
seiner Frau und seiner Tochter, die es beide verehrend zu 
ihrer Stirn erhoben, wie er auch selbst gethan hatte. Ich 
hatte ein Flaschen Eau de Cologne zum Geschenk mitgebracht, 
wovon sich das kleine Mädchen in die Hände giessen Hess und 
ihr Gesicht damit wusch, und leicht ihren Augen hätte Schaden 
than können, wenn wir nicht zeitig durch ihr Schreien aufmerk- 
sam gemacht wären, um vorzubeugen. Nach Thee und Cigar- 
ren, die der Gouverneur selbst anzündete, ehe er sie anbot, 
wnrden Theebretter mit Kuchen und Früchten hereingebracht, 
sowie frisch geöfihete Kokosnüsse zum Trinken. Auch eine Li- 
qaenrflasohe wurde hervorgezogen. Mein Wirth erkundigte sich 



36 ^^ nach der Hauptstadt. 

nach meiner Reise ^ und hörend, dass ich noch etwas unwohl 
sei, empfahl er mir ein braunes Schnupfpulver, das als sicheres 
Universalmittel jede Krankheit vertreibe. Gegen Abend ging ich 
zum Boot zurück, und nach dem Nachtessen kam auch der Grou- 
vemeur dorthin, eine Musikbande mitbringend, die er aufspielen 
Hess. Er verbrannte während der ganzen Zeit wohlriechende 
Parflimkerzen, um den sonst durch Opium oder Alkohol erzeug- 
ten Sinnenrausch in unschuldigerer Weise, wie einst im Islam, 
zu ersetzen. Ich liess Thee mit Confect und Pfeffermttnzkuchen 
umherreichen, von denen besonders die letzten viel Beifall fan- 
den. Schon in vorgerückter Nacht kam der eben aus dem 
Walde zurückgekehrte Sohn des Gouverneurs, um seinen Vater 
zu sehen, und brachte ihm einiges Zuckerrohr als Angebinde 
des Wiedersehens. 

Am Morgen schickte der Gouverneur eine ReiheTräger mit 
bedeckten Schüsseln zum Frühstück, aus Reis, Ragout, Fischen 
u. s. w. bestehend. Dann legten zwei Boote für die Weiter- 
reise an das frühere an, und während die Sachen umgeladen 
wurden, ging ich nach der Amtswohnung, um mich zu verab- 
schieden. Der Minggyi zeigte mir, in einer Glasröhre aufbe- 
wahrt, einen Manuscriptbrief des Königs auf goldbesprenkeltem 
Papier, mit der Unterschrift „Mellingkut", sowie die bei Präsen- 
tationen am Hofe getragene Mütze mit vergoldeter Spitze und 
langherabhängenden Ohrlappen (ein Hinweis auf ältere Sitte). 
Eine vom Könige geschenkte Goldschüssel war am Rande mit 
Drachen upd Ungeheuern verziert. Während die grosse Laos- 
Orgel gespielt wurde, machte das Töchterchen des Hausherrn 
Tanzbewegungen mit Händen und Armen, erst sitzend, dann 
aufstehend, indem sie ein rothes Tuch in verschiedentlichen 
Faltungen um den Kopf wand. Sie trug seidene Beinkleider 
und Goldspangen um die Knöchel. Der Gouverneur begleitete 
mich nach dem jetzt fertigen Boote, das er mit einem Ueber- 
fluss von Gemüsen, Bananen, Zuckerrohr füllen liess, und als 
Geschenk seiner Gattin einige Bündel Cigarren zufügte. Nach 
der Abfahrt und einem kurzen Aufenthalte am Hause der Ca- 
pitäns in der Vorstadt, um Provisionen für die Mannschaft ein- 
zunehmen; trieben wir wieder in den offenen Strom hinaus. Die 



Myang Xtintt 37 

anfangs offenen Ufer füllten sich bald aufs Nene mit Waldun- 
gen ^ die uns bis zu unserer Ankunft in Myang Xainat beglei- 
teten. Wir befestigten unser Boot unter einem Klosterhof, kennt- 
lich durch die hohen Pfeiler mit dem langschnäbeligen Vogel 
Hong, legten aber nach dem Abendessen neben einem Zayat 
an, damit die Schiffer in demselben schlafen konnten, um den 
Baum des Bootes nicht zu beengen. 

Am Morgen erschienen Träger mit bedeckten Frühstücks- 
schttsseln, yom Gouverueur gesandt, der während der Nacht 
Yon meiner Ankunft unterrichtet war. Als ich ihn besuchte, 
empfing er mich mit Thee, Kuchen und Cigarren, und begann 
ein längeres Gespräch über den englischen Vertrag mit Siam 
und die Vortheile, die beiden Reichen daraus erwachsen wür- 
den. In früheren Zeiten lag Zeinnat oder Xainat auf der an- 
dern Seite des Flusses, wo im Walde noch alte Ruinen zu sehen 
sind, aber die Stadt wurde in Folge der ungesunden Umgebung 
verlegt. Die Bewohner leben besonders vom Feldbau, und wenn 
die Jahreszeit dafär ist, treiben Einige den Fischfang. Der 
Gouverneur wünschte das in meinem Besitze befindliche Portrait 
des Königs zu sehen, von dem ihm das Gerücht schon erzählt 
hatte, um seinem Herrn die schuldige Verehrung zu bringen. 
Das Haus, in dessen Vorhalle wir sassen, lag auf hohen und 
steilen Uferbänken; doch hörte ich, dass in der Höhe der Re- 
genzeit das jetzt am Fusse fliessende Wasser sie bis zum Rande 
bedecke und zuweilen selbst überfluthe. Nachdem meine Ba- 
gage in neue Boote umgepackt war, brachen wir am Nach- 
mittage auf, zwischen abschüssigen Ufern hinfahrend, und hiel- 
ten fttr die Nacht neben einem Dorfe, dessen Acltester mir zum 
Abendessen Reis mit Salzfisch und pikanten Saucen schickte; 
doch waren sie so sehr für hinterindische Gaumen berechnet, 
dass ich sie meinen Leuten überliess und mich an die vom 
Koche zubereiteten Speisen hielt. Die Gegend ist reich an 
wilden Bambu, die weniger als die cultivirten von Würmern 
angefressen werden. 

Noch in der Nacht setaten wir die Reise fort und bemerk- 
ten bei der Dämmerung parkartige Anlagen am Ufer, wo Chi- 
nesen eine Zuckerfabrik angelegt hatten. Mit Sonnenaufgang 



38 Baise ludi d«r H«iptstodt 

erreichten wir Myang Ing und landeten bei dem mit Balconen 
umgebenen Hause des Gonvemeurs, das in einem schinmiemden 
Blumengarten lag. Ich hörte bei meinem Besuche ^ dass die 
Stelle der alten Stadt, die zur Zeit der birmanischen Inyasion 
zerstört wurde , jetzt ganz yon Jungle überwachsen sei, dass 
man indess mitunter, wenn der Wald ftir Anbau gelichtet werde, 
' Töpfe und Goldmünzen fände, die auf höheren Befehl nach Bang- 
kok geschickt wtlrden. Neben einem Kloster an dem andern Ende 
der Stadt fand ich am Eingange des Jungle zwei verfallene 
Pagoden, und die unregelmässigen Gruppen, in denen die Bäume 
des dortigen Waldes beisammenstanden, zeigten, dass derselbe 
erst später auf einem unterbrochenen Terrain aufgewachsen 
war. Drei hohe Kokosnusspalmen, die über die anderen Gipfel 
emporschwankten, deuteten die Stelle eines zerstörten Klosters 
an, und ein schmaler Wassergraben bezeichnete den Lauf der 
früheren Stadtmauer. In einem mit Buddhabildem gefüllten 
Steingebäude traf ich einige Mönche, die mir Kuchen aus Zucker- 
saft und glutinösen Reis anboten. Der Rückweg ftihrte mich zu 
' j . : einem andern Kloster, am Ufer gelegen, dessen einer Götzentempel 
•^v^ auf einem schwimmenden Floss im Flusse gebaut war. In der 
Nähe prunkte ein buntverzierter Pavillon, der im vorigen Jahre 
aufgerichtet war, als der König in einem seiner Dampfschiffe 
der Stadt einen Besuch abgestattet hatte. Doch ist das Fahr- 
wasser dafür nur in der Mitte der Regenzeit tief genug. 

In einem Dämonentempel, dessen Dach mit einem Wust 
von Zierrathen überladen war, lag eine Collection bunter Fi- 
guren umher, theils aus Papier geschnitzt, theils aus Thon ge- 
knetet. Auf dreieckigen Tischen paradirten die Schädel rie- 
siger Alligatoren. Das untere Stockwerk war mit hölzernen 
Lingam gefüllt, die ftir die weiblichen Nat dahingestellt waren. 
Nur für die männlichen Nat, erzählten meine Begleiter, würden 
Bilder verfertigt, nicht für die weiblichen. Ich empfing diese 
Mittheilung noch durch das Medium der birmanisehen Sprache, 
. denn den Siamesen ist der Gebrauch von Nat in diesem Sinne 
unbekannt, da sie die dadurch zm bezeichnenden Wesen bald 
Thephada, bald Chao, bald Phi nennen. Nak hat bei. ihnen 
nur Bezug auf Naga. 



PasBbüreM. 39 

Da bei meiner Rückkehr zum Landungsplatz der Bootwech- 
sel noch auf sich warten liess^ begab ich mich wieder zum 
Gtouvemeur, um denselben zu betreiben. Ein durch den Capi- 
tän Yon Xainat mitgebrachtes Schreiben wurde auf eine Tafel 
copirt und dann der Pass mit einem Eohlenstift auf dünnes 
Papier ausgeschrieben^ mit Beifügung eines rothen Siegels. 
Während Thee und Cigarren umhergereicht wurden, zeigte mir , 
der Beamte einige auf die eine oder andere Art bis zu ihm ge- 
kommene Nummern der Illustrated London New, deren Bilder 
ihm viel Unterhaltung zu geben schienen. Er trat dann auf den 
Balcon hinaus, um durch die von dort gegebenen Befehle die Vor- 
bereitungen zur Abfahrt zu beschleunigen, und fanden wir uns 
auch bald darauf wieder unterwegs. Das eine der beiden Boote, 
die ich jetzt erhalten hatte, war chinesisches Eigenthum, und 
auf einem mit blauer und gelber Farbe übermalten Bücher- 
gestell der Kajüte lagen Packete Gold- und Silberpapier. 

Die waldfreien Ufer waren jetzt mit Häusern und Dörfern 
besetzt, und eine abwechselnde Fahrt zwischen ihnen führte 
uns mit Einfall der Nacht nach Myang Phrom. Auch in dieser 
Stadt war der Gouverneur zu der bevorstehenden Festlichkeit 
nach Bangkok berufen, doch kam sein Stellvertreter an Bord, 
am die nöthigen Maassregeln zur Weiterfahrt zu besprechen. 
Nach einem durch vorheriges Bad gewürzten Frühstück, bei 
dem ich aber die von dem Beamten geschickten Gerichte nur 
zum Schein berücksichtigen konnte, wurden die Boote um- 
gepackt und in den Strom hinausgewendet. Die Beschäftigung 
der Bevölkerung schien vorwiegend der Ackerbau zu sein, doch 
zeigten sich auch mitunter unfruchtbare und öde Stellen am 
Ufer. Aus einer malerischen Baumgruppe blickten die ge- 
schmückten Dächer eines Klosters hervor, dessen weite Aus- 
dehnung durch den Umkreis hoher Pfeiler und Fahnenstangen 
bezeichnet wurde, und über dem dunkeln Laub erhob Linn^'s 
Fürst des Pflanzenreichs, die Palme, das stolze Haupt. 

Bei der Ankunft in Myang Angstong, noch früh am Nach- 
mittage, war der Gouverneur in der Rathssitzung beschäftigt, 
so dass ich ihn erst später sehen konnte. Ich drang auf mög- 
lichst rasche Abfertigung noch denselben Abend, da das zu- 



40 BeUe nach der Haoptstadt 

letzt erhaltene Boot zu klein war, um die Nacht bequem darin 
zubringen zu können. Der Beamte, ein etwas mürrischer al- 
ter Graukopf, wollte sich durch keine bestimmte Antwort bin- 
den und bot mir ein Haus in der Stadt an, um dort zu schla- 
fen; das schlug ich ab, um nicht das vorige Beförderungsmittel zu 
verlieren, ehe ich des neuen sicher sei. Mit Sonnenuntergang 
"kam der Richter, der auf der andern Seite des Flusses wohnte 
Jierüber, mich im Boote zu besuchen. Er bot mir unter grossen 
Höflichkeitsbezeigungen seine Dienste an und versicherte, dass 
er mir in Allem, so weit es in seiner Macht stände, gefällig sein 
würde. Auch kam in der That noeh vor Einbruch der Nacht 
ein wohlbedecktes Boot an die Seite des meinigen, und liess ich 
meine Betten dorthin überbringen. Da das zweite Boot, das 
ausserdem nöthig war, am andern Morgen noch fehlte, ging ich 
schon in der Frühe zum Gouverneur und bestand darauf, ihn 
zu sehen, obwohl man mich mit dem Bescheid hatte abfertigen 
wollen, dass er noch schliefe. Ich erhielt zwar das Versprechen, 
dass das Boot geschickt werden solle, aber das Versprechen 
war damit noch nicht verwirklicht, der Vormittag ging mit un- 
geduldigem Warten verloren. Die mitgebrachten Bootsleute, die 
hier zur Ablösung berechtigt waren, murrten, dass man sie so 
lange über ihre Zeit hinaus hinhalte, und machten Miene, 
meine Sachen aus ihrem Schiffe auszupacken und zurückzukeh- 
ren, so dass ich sie nur durch ernste Drohungen daran verhin- 
dern konnte. Wie ich hörte, lag es mit der Administration 
dieses Districtes im Argen. Der Gouverneur, durch sein hohes 
Alter schwachsinnig und halb kindisch, überliess die ganze 
Verwaltung den Händen einiger jungen Leute, die sich unge- 
scheut Alles erlaubten, da schlimmsten Falles die Verantwor- 
tung nur ihren Herrn treffen würde, in dessen Namen sie han- 
delten. Ich liess die eiuflussreichsten darunter nach dem Boot 
rufen und redete ihnen dort stark in das Gewissen unter Vor- 
zeigung meiner Pässe und sonstigen Papiere. Auch erreichte 
ich dadurch in der That das Boot; doch trat ein neuer Aufent- 
halt durch Ausbleiben der Mannschaft ein, bis ich mich mit 
dem nach der Stadt gekommenen Richter zum Gouverneur be- 
gab und meine Beschwerden in Bangkok, nach meiner Ankunft 



^ 



HandelsbSte. 41 

dort, in Aussicht stellte. Als sich in Folge dessen die Boots, 
mannschaft einzustellen anfing, blieb noch die Ausstellung des 
Passagescheines, der nach allen möglichen Behörden umher- 
gesandt werden musste, um unterschrieben und besiegelt zu 
werden. Der Gouverneur oder seine Creaturen schickten mir, 
wahrscheinlich zur Unterhaltung in der Zwischenzeit, ^in Mit- 
tagsmahl aus verschiedenen Gängen, doch wies ich Alles zurück 
and verlangte nur prompte Abfertigung, die dann endlich am 
Nachmittage durchgesetzt war. 

Die Stadt liegt auf einer vorspringenden Landzunge von 
swei Armen des Menam gebildet. In einem Dämonentempel 
fand ich unten bekleidete Holzfiguren und hohe Haufen hölzerne 
Ldngam. 

Wir fuhren zwischen wohlangebauten Ufern hin, und auch 
der Fluss war von vielen Booten belebt. Eines derselben, das 
mit seiner Waare von Bangkok heraufgekommen war, bot in sei- 
nem schwimmenden Laden Zeuge, Kleider, Töpfergeschirre und 
Aehnliches feil, indem es die Bedürfnisse der Dörfer am Ufer 
versorgte oder auch zum Handel längs den herabkommenden 
Schiffen anlegte. In Myang Pan stand eine Pagode am Fluss- 
Qfer, und Mönche, die an dem daneben stehenden Dzayat sassen, 
wnrden von den vorüberfahrenden Bootsleuten mit aufgehobenen 
Händen verehrt. Eine Menge Kanäle und Flussverzweigungen 
durchschnitten die wohlbewässerten Felder, auf denen die Bauern 
mit der Ernte beschäftigt waren. Abends legten wir neben den 
Dzayat eines Klosters an, in dem mein Diener und die meisten 
der Bootsleute ihr Schlafquartier aufschlugen, da die lecken 
Böte halb voll Wasser standen. Der Matrose erinnerte mich 
daran , dass es Weihnachten sei, und schlug ich ihm vor, sich 
ein Plumpudding zu machen, wenn er es aus den vorhandenen 
Materialien zu Stande bringen könne. Doch hatte er bei der 
Ungemüthlichkeit der Umgebung keinen rechten Muth dazu. 
Die Nacht war rabenschwarz, und der in Strömen herabgiessende 
Begen hatte bald das Dach unserer Kajüte durchdrungen, so dass 
wir auch von oben eingeweicht wurden; der Koch machte gleich- 
seitig die Elntdeckung, dass ihm sein Kleiderbtlndel abhanden 
gekommen war, und schickte ich eine Botschaft nach der vo- 



42 ^\m naeh der HaopttUdt 

rigen Station znrttck^ ftlr den Fall, dass es dort gestohlen sein 
sollte. 

Mit der frühesten Dämmemng aufbrechend, passirten wir 
einige Dörfer, deren Häuser zum Theil aufschwimmende Flösse 
im Wasser gebaut waren, dann öflnete sich eine fruchtbare 
Ebene, aus der eine Menge von Pagodenspitzen hervorblickten, 
und bald darauf liefen wir in Ayuthia ein, d. h. die neuerdings 
so genannte Stadt, die in kurzer Entfernung von den Ruinen 
der hochberilhmten Hauptstadt des alten Siam gebaut ist. Die 
Stadt ist sehr volkreich und nimmt nicht nur auf dem festen 
Lande eine ziemliche Ausdehnung ein, sondern besetzt auch die 
beiden Seiten des Flusses mit schwimmenden Häusern, beson- 
ders Verkaufsläden, auf deren Strasse eine Unzahl kleiner Böte 
hin und her schiessen. Bald ist es die geschmückte Gondel des 
vornehmen Siamesen, der sich fortrudem lässt, bald der mit 
Früchten oder aufgestapelten Porzellanwaaren geftlllte Kahn 
des Kaufmanns, der seine Waaren ausbietet, bald das Boot des 
einfachen Bürgers, der seine Geschäfte besorgt, oder das von 
ihr selbst gesteuerte Boot der Hausfrau, die auf den Markt 
geht, oder die kleine Nussschale, in der sich der Schulknabe 
zum Kloster rudert, das Mädchen ihre fVeundin besucht. Und 
dann bricht sich dazwischen wieder ein langes Kriegsboot Bahn, 
das, im eintönigen Rudertact fortgestossen, Regierungsdepeschen 
besorgt, erscheinen besonders des Morgens beim Bettelgang 
oder der Bettelfahrt die sorgsam erhaltenen Fahrzeuge der 
Mönche, die von ihren Schülern gerudert und von den Vor- 
beipassirenden mit demüthigen Gesten begrttsst werden, be- 
wegt sich schwerfallig ein vollbepacktes Reiseboot seinem Be- 
stimmungsort entgegen, schwankt eine Djonke am Anker, die 
von Bangkok aus so weit den Flnss heraufgefahren ist. 

Der Gouverneur der Stadt war am Hofe abwesend; sein 
Stellvertreter aber führte mich auf einem schmalen, aus Mauer- 
steinen aufgeführten Pfade von dem sumpfigen Landungsplatz 
nach einem Hause, das er ftlr meinen Aufenthalt ausräumen 
Hess. Er schickte mir dahin ein Geschenk an Früchten, und 
Abends kam sein jüngster Sohn mit seinem Erzieher, um mich 
zu besuchen und sich an meinen Siebensachen zu ergötzen. Er 



Das alte Ayuthia. 43 

war fünf Jahre alt^ and seine einzige Bekleidnng bestand in 
Silberringen, die er an den Knöcheln trag. Sein ältester Bru- 
der^ siebenzefan Jahre alt, studirte seit fünf Jahren in einem Klo- 
ster zn Bangkok, und der zweite, dreizehn Jahre alt, der noch 
den Kopfknoten trug, sollte in die Schnle geschickt werden, 
sobald die in wenigen Wochen bevorstehende Ceremonie des 
Scherens vollzogen sei. Anf meinen ansgesprochenen Wunsch, 
die alte Stadt zu sehen, erklärte der Vice-Gouverneur, dass er 
nicht ans eigener Machtvollkommenheit solche Erlaubniss geben 
könne, sondern sich erst mit den anderen Beamten berathen 
mttsse. Es sei ganz ohne Präcedenzfall, dass ein Europäer für 
solche Zwecke den Fluss herabgekommen sei, die Besucher 
wären immer nur von Bangkok her bei ihnen angelangt und 
hätten dann Gonsularpässe gebracht, damit ihnen die gewünschte 
Unterstützung gewährt werde. Meine Erwiederung, dass die 
von Molmein mitgebrachten Papiere gleichfalls um solche Un- 
terstützung nachsuchten, wollte ihm nicht einleuchten, und merkte 
ich wohl, dass ich mir auf Führer keine grosse Hoffnung machen 
dürfe. Ich beschloss deshalb, lieber die Sache nicht weiter zu 
nrgiren, um nicht vielleicht ein directes Verbot hervorzurufen, 
und am nächsten Morgen früh auf eigene Hand zu handeln, 
ehe man mir ein solches zukommen lassen könnte. 

Die Gründung Ayuthias wird auf eine Einwanderung der 
Laos zurückgeführt. Der Ahnherr der Lao war von einem 
Phusa (Jnjubenbaum) geboren unter dem Namen Lava Changka, 
und von ihm wurde sein Geschlecht (Nang) Lao genannt, wäh- 
rend es früher Thai nüa (die Thai des Nordens) geheissen hatte, 
im Gegensatz zu den südlichen Siamesen oder Thaitai. Lava- 
Changka hatte zwei Söhne, Lao-Khob und Lao-Sang, und von 
ihren Nachkommen wurde Mangrai wegen seiner Schönheit von 
dem Volke des Landes zum König erwählt und gründete die 
Stadt Xiengmai, sein Reich durch die Eroberung Lamphum's 
vergrössemd. Der erste Gründer der Stadt Lamphum war von 
einer Hirschkuh geboren, die durch das Lecken eines von einem 
Rttsi (Einsiedler) bewässerten Steines schwanger geworden war. 
Ais in späteren Zeiten das Reich unter eingebrochenen Unglücks- 
fällen zn Grunde zu gehen drohte, wandten sich die Einwohner 



44 Reise Dach der Hauptstadt 

für einen Fürsten an den König von Lophburi^ und dieser schickte 
ihnen seine Tochter Nang Xamadcvi, die schwangere Wittwe 
des Königs der Peguer (Chao Myang Mon). Sie gebar nach 
ihrer Ankunft in Lamphum zwei Söhne^ die als Könige regierten. 

Bei Einkäufen auf dem Bazar sah ich als Scheidemtlnze 
für kleine Beträge Cowrie-Muscheln *) im Gebrauch und wech- 
selte mir einen Vorrath davon ein. Sie werden in gestrichenen 
Körben oder in nicht sehr genau geeichten Kokosnussschalen 
zugemessen, da das Zählen grösserer Summen zu viel Zeit wegneh- 
men würde. Zeuge werden ellenweis mit den ausgestreckten 
Armen gemessen. Der Markt bot eine mannichfaltige Auswahl 
von Früchten, darunter auch Orangen und süsse Tamarinden^ 
die angenehme Erfrischungsmittel bieten. Am Abend wurde 
ein Nachtwächter postirt, der um mein Haus die Runde machte, 
und in kurzen Zwischenräumen einen hohlen Bambus anschlug, 
um von seinem Wachsein Kunde zu geben. Neben der Wohnung 
fanden sich Anlagen, in denen ich beim Spazierengehen amphi- 
theatcrartig aufsteigende Sitze um eine für Hahnenkämpfe ein- 
gehegte Arena sah. Die ganze Nachbarschaft des Hauses, das 
zwar im Hofe des Vice-Gouverneurs , aber deshalb auch neben 
den in eben diesem befindlichen Gefängnissen lag und bei sei- 
nen durchsichtigen Wänden den ganzen Tag über von den dort 
arbeitenden oder umherschlendemden Verbrechern inspicirt wer- 
den konnte, sagte mir nicht zu, und hätte ich lieber in dem Dzayat 
eines der grösseren Klöster meinen Aufenthalt genommen; da 
der Beamte indess darauf bestand, mich in seiner Nähe zu ha- 
ben, weil er sonst für nichts verantwortlich sein könnte, gab 
ich seinen Vorstellungen nach. 

Am nächsten Morgen früh erfrischte ich mich durch ein 
Bad, indem ich mich am Ufer mit Wassereimem ttbergiessen 
Hess, und machte mich dann mit einigen Begleitcj-n auf den 
Weg, in der Richtung, wo die Ruinen zu finden sein mussten-. 
Nachdem wir die Strasse verlassen und uns eine Strecke dureh 



*) Die früher über ganz Indien als Srheidemiiiize verbreiteten Gowries kamen 
nach China (zu Navarete^s Zeit) von Luzon über die Maldiven oder BaldWao 
(and LaooadWtn). ' 



RDinen-St&tta. 45 

den Jnngle durchgearbeitet hatten, kamen wir zu einem yerfal- 
lenen Tempel mit zwei Reihen hoher Säulen in der von seinen 
Mauern umschloBsenen Area. Ein kleines Kloster mit Holz- 
wänden war später an die Trümmer angebaut worden. In 
einem zerstörten Götzenhause lagen eine Menge zerbrochener 
Figuren aus Stein oder Kupfer umher, während in der Mitte 
ein vergoldeter Buddha grosser Dimensionen noch aufrecht zwi- 
schen dem Schutt da sass. Zwischen und über den Bäumen 
waren die Thfiren verschiedener Pagoden (Phra Chedi) sicht- 
bar, meistens so dicht mit Epheu und Schlingpflanzen umrankt, 
daas nur die hohen Spitzen frei blieben. Während ich sie un- 
tersuchte, holten mich einige Leute des Gouverneurs ein, die, 
meine Entfernung bemerkend, mir nachgegangen waren, und 
machten mir Vorstellungen darüber, dass ich mich in so abge- 
legenen Orten umhertreibe. Es gäbe dort keine Wege, auf de- 
nen man lustwandeln könne, und ich möchte mit ihnen nach 
der Stadt zurückkehren, wo Menschen wohnten. Ich setzte in- 
dess meine Explorationen fort, obwohl die dicht mit Dornen- 
gebttschen ineinander verschlungene Wildniss dem Vorwärts- 
gehen viele Hindemisse in den Weg legte, und Lachen stehenden 
Wassers oftmals weite Umwege erforderten. An einer offenen 
Stelle betrat ich die Ruine einer in Terrassen aufgebauten Pa- 
gode, unter deren Trümmern sich neben anderen Figuren die 
eines doppeltgesiohtigen Janusbildes fand. In einiger Entfer- 
nung erblickte man einen Kreis kegelförmiger Pagoden, der 
sogenannte Phra-Phrang oder Phra-Phrom, und nach längerem 
Suchen in den ranken Pflanzenwuchs des Waldes entdeckte ich 
die Ueberbleibsel eines breiten Pflasterweges, der dorthin führte. 
Der erste Phra-Phrang, den wir erreichten, war mit hochspitzi- 
gen Phra-Chedi umgeben und glich in seiner Gestalt ziemlich 
dem Aufsatz der Gropali-Pagode von Pagan. Eine grössere stand 
daneben. Der Bau strebte kegelig in die Höhe, mit zurücktre- 
tenden Nischen aufsteigend, und war überall mit Sculpturen 
bedeckt. An den Ecken zeigte sich die Gestalt eines geflügel- 
ten Zwerges in grotesker Form. In einem nebenstehenden Phra- 
Phrang, der nebst den umgebenden Phra-Chedi durch eine Mauer 
eingeschlossen war, stieg ich über die Schutttrümmer zu der 



46 K9i§e nach der Hauptstadt 

oberen Terrasse empor, wo eine Figuren tragende Glockenpagode 
ziemlich gut erhalten war. Die Oberfläche des Phra Phrang 
zeigte sich in den Nischen mit Sculpturen verziert, und grös- 
sere Bilder waren in den Ecken ausgearbeitet. Zwischen einer 
besonders sorgsam ausgearbeiteten Gruppe von Arabesken fand 
sich ein sitzender Buddha. Von der erhabenen Position des 
obersten Stockwerks blickte man in weiter Ausdehnung über 
eine Waldwildniss , die das Terrain der alten Stadt bedeckte 
und überall die Spitzen der gebrochenen Thürme von Pagoden 
zwischen der dichten Vegetation herausschauen liess. Einige 
Punkte, wie ich auf dem Bückweg fand, wären zum Anbau 
aufs Neue gelichtet, und traf man hie und da zerstreut die 
Hütte eines Bauern. Auch ein Kloster war in dieser Einsam- 
keit errichtet , und hörten wir schon aus der Feme die Stimme 
der buchstabirenden Knaben die Stille der Umgebung durch- 
brechen. Da wir auf der Heimkehr eine andere Direction ein- 
schlugen, stiessen wir auf die Beste einer alten Stadtmauer, die 
sich bis nach dem Weichbilde der neuen Ansiedelung verfolgen 
liess. Mandelsloe zählte in dem zu seiner Zeit weitberühmten 
Ayuthia 300 Tempel. Bei der Bückkehr nach meiner Wohnung 
strömte das Volk zusammen, um die Hahnengefechte zu sehen, 
deren Beginn durch das Schlagen einer dicken Trommel an- 
gezeigt wurde. Die Siamesen lassen auch Vögel im Käfige 
kämpfen, wie die Nok Khao, Nok Kathhap oder andere Arten 
von Tauben. Die Priester predigen natürlich gegen solche 
blutigen Kämpfe und drohen, dass die Eigenthümer kämpfender 
Hähne sich in der andern Welt mit Eisenstangen zerschlagen 
würden. 

Ich schickte nach dem Beamten, mich über das Boot zur 
Weiterreise zu erkundigen, wurde aber auf die Ankunft des 
Gouverneurs vertröstet, der jeden Augenblick zurückerwartet 
wurde. 

Am folgenden Tage besuchte ich einige der Klöster, weite 
Gartenhöfe mit einer Mannichfaltigkeit verschiedener Gebäude, 
und durchstreifte auf den Kanälen und Flnssarmen, in die sich 
der Menam dort verzweigt, die schwimmenden Bazars. Das 
Treiben auf denselben ist ein äusserst lebendiges, und es war 



Da» siamesische Venedig. 47 

nnterhaltend, za sehen^ wie die Unzahl der kleinen Boote^ die 
in grosser Schnelligkeit nach allen Richtungen kreuzten und 
oft mit den zerbrechlichsten Artikeln beladen waren^ geschickt 
jedem Zusammenstoss auszuweichen wussten; doch ging es nicht 
immer ohne Accidenzen ab. Eine Kokosnuss-Verkäuferin wurde 
Yon einem Vorbeifahrer angerannt; so däss ihr leichtes Boot zu 
schwanken anfing und sich mit Wasser flillte. Sie steuerte 
rasch dem Ufer zu, war aber noch eine ziemliche Strecke da- 
von entfernt, als ihr Fahrzeug zu sinken anfing und bald, um- 
geschlagen, zwischen den schwimmenden Nüssen und der Eigen- 
thttmerin umhertrieb. Sie suchte, so gut es ging, das Boot 
wieder aufzurichten und ihre Ladung zu sichern, wird aber 
schwere Havarie erlitten haben, da einige aus den benachbarten 
Häusern eiligst herbeirudemde Knaben nicht abgeneigt schie- 
nen, das Strandrecht geltend zu machen. Ohne Boot ist es , 
unmöglich, in der Stadt fortzukommen, da auch da, wo es Wege *\ 
auf dem Festlande giebt, dieselben jeden Augenblick in einen 
Kanal auslaufen, denen Ueberbrückung fehlt. Dennoch sind .. ^^ 
keine Miethboote zu haben, da der Eingeborene dieses dem 
Fremden unumgänglich scheinende Bedürfniss nicht kennt, denn 
für ihn ist der Besitz eines Bootes eben so' sehr und noch mehr 
conditio sine qua non, wie der einer Behausung. Als ich das 
erste Mal zu Fuss ausging, lief ich mich verschiedene Male fest, » 
und konnte erst nach langem Parlamentiren mit vorbeifahrenden 
Privatböten denselben begreiflich machen, dass ich sie herbei- 
gerufen, um mir eine Passage nach einem andern Stadttheile 
zu geben. Doch waren die Chinesen leichter im Begriff, ein 
«olches Verlangen zu verstehen, wenn ihnen gute Bezahlung 
geboten wurde. 

Ich hatte in meiner Besichtigung der Stadtmerkwfirdigkeiten 
den alten Dolmetscher zum Begleiter und überliess die Bewa- 
chung des Hauses dem Matrosen, der schön seit einigen Tagen 
über Unwohlsein und grosse Schmerzen klagte, obwohl ich sei- 
ner Krankheit nicht recht auf den Grund kommen konnte. Sein 
Pak und alle übrigen Körperzeichen waren so normal, dass ich 
als Scbifisdoctor seine Anmeldung zum Hospital unter die 
Kabrik ^^hamming'^ gesetzt haben würde, und in diesem Falle ** 



48 IteiM nach der HaDptsUdi 

nur deshalb zweifelte; weil ich keinen möglichen Grnnd zu sol- 
cher Verstellung denken konnte. Um von Arbeit befreit zu 
werden, brauchte es nicht zu geschehen, denn Arbeit war keine 
da; und unter den bestehenden Verhältnissen hatte sein Stöhnen 
^ nur die Folge, dass ich seine Diät auf Wassersuppen beschränkte, 

wofür er bei seinem früheren trefflichen Appetit gerade keine 
Prädilection haben konnte. Da er besonders an der hartnäckig- 
sten Verstopfung zu leiden behauptete und die Abführmittel 
, meiner Hedicinkiste yerbraucht waren, so besuchte ich einen 
siamesischen Collegen, um zu sehen, was ich unter seinen 
Arzeneischätzen Brauchbares auftreiben könnte. Yx empfahl 
mir für meinen Zweck einige diminutive Pillen, die vielleicht 
homöopathische Kräfte besitzen mochten, war aber auch willig, 
mir etwas Aloe, Gummigutt und Coloquinthen zu verkaufen, die 
^ ich unter den rohen Droguen der Apotheke fand. Einige Be- 

il Sucher in seinem Hause unterhielten sich mit einem Würfelspiel, 

indem sie Gowries in eine Röhre warfen, aus welcher dieselben 
^ . auf eine drehende Scheibe herabfielen. Abends badete ich im 
Flusse. In der Nähe Ayuthias findet sich der vielbesuchte 
Pilgerort des heiligen Fussstapfen (Phrabat), und in der Nähe 
soll an einer andern heiligen Stelle den Gläubigen der Schatten 
Buddha's sichtbar sein, wie zur Zeit der chinesischen Pilger in 
^ •• Vorder-Indien. Berühmt ist auch der Phu Khao oder Goldberg 
neben den Rainen des alten Ayuthia. Nach den Geschichts- 
büchern wurde der Platz des Phrabat (oder heiligen Fussstapfen 
Buddha's) unter der Regierung des Königs Phrachao-Songtham 
durch den Schwanenkönig (Phaya Hemarat) einem in der Ein- 
samkeit des dortigen Bergwaldes lebenden Eremiten angezeigt 
(160, I. Bd.). Der davon benachrichtigte König liess einen 
Kuppeldom darüber erbauen, und in einem Gedicht, das dieses 
segenbringende Ereigniss feiert, fand ich in der Beschreibung 
der architektonischen Verzierungen erwähnt di^ Bilder Nara- 
yana's, Garuda's, Phaya-Sukri's, Hanuman's und Ongkot's, so- 
wie die Figuren von hauerzähnigen Ungeheuern, Keulenträgem 
Kinarets und ähnliche. Der Phra Khao wird zur Zeit der pe- 
guanischen Kriege mehrfach von den Chronisten erwähnt. 

Als ich am nächsten Morgen erwachte, kam der Creole vor 



Diebstahl. 49 

mein Bett und berichtete, dass in der Nacht ein Einbnich ge- 
schehen sein mtlsse, da er meinen schwarzen Papierkorb ausser- 
halb der Hausthür gefunden habe. Es war dies ein wasser- 
dicht mit Harz bestrichener Korb, in dem ich meine Manuscripte 
und wichtigsten Papiere verwahrte und den ich Nachts stets 
unter oder neben das Kopfkissen-^tellte. Ich hütete ihn natür- 
lich auf das Sorgfältigste, war aber stets bemüht gewesen, mei- 
nen Leuten begreiflich zu machen, dass sein Inhalt für mich 
allein von Interesse sei, und hatte oftmals die Gelegenheit zum 
Lttften der Schriften benutzt, um sie vor ihren Augen und mit 
ihrer eigenen Beihülfe auszupacken, damit sie sich um so sicherer 
von der Werthlosigkeit solcher Papiere überzeugten. Ob doch 
noch ein Zweifel zurückgeblieben war, oder was sonst die Ver- 
anlassung sein mochte, genug, gerade dieses Stück meines Ge- 
päckes war aus der Schlafkammer geraubt und, wie man deut- 
lich sah, vor der Thür des Hauses untersucht und durchstöbert 
worden. Einige Papierfetzen lagen umher, der Hauptsache 
nach war jedoch der Inhalt, obwohl in Unordnung durcheinan- 
der geworfen, unversehrt. Nur ein paar Seidenzeuge, die sich 
zufällig darin befunden hatten, fehlten. Als ich, erfreut über 
den glücklichen Ausgang dieses Vorfalles, der für mich die 
schwersten Verluste hätte zur Folge haben können, in mein 
Zimmer zurückkehrte, vermisstc ich dort nicht nur mein Porte- 
monnaie mit einigen Geldstücken, sondern auch den einen mei- 
ner Pistolenkasten, der seinen gewöhnlichen Platz unter dem 
Mofl<iuito-Netz an meiner Seite zu haben pflegte. Ich war zu- 
nächst geneigt, an Hausdiebe zu denken, schloss die Thür und 
Hess durch den Matrosen das Gepäck der eingeborenen Diener 
untersuchen. Auf ihn selbst warf ich keinen Verdacht, da er 
mir von seinen Gönnern in Molmein als die ehrlichste und zu- 
verlässigste Haut empfohlen war und sich auch bis dahin, von 
anderen kleinen Misshelligkeiten abgesehen, als solcher bewiesen 
hatte. Freilich kannte ich ihn im Grunde, trotz unseres län- 
geren Beisammenseins, eigentlich nur wenig, weil ich so viel 
wie möglich den nothwendig im Englischen geführten Verkehr 
mit ihm vermied oder doch auf das Unumgänglichste beschränkte, 
mn meine ganze Zeit den Eingeborenen des bereisten Landes 

BftilUiif Reife in 81«m. in. 4 



50 Reise nach der Ilanptstadt 

ZU widmen. Da die Visitation kein Resultat lieferte, liess ich 
dem Vice-Gouverneur rapportiren, der sogleich einen Schreiber 
* schickte zur Aufnahme des Thatbestandes. Er verfertigte ein 
Verzeichniss der gestohlenen Gegenstände und fügte ihre Be- 
schreibung sowie die von mir taxirten Preise hinzu. Im Falle 
sie nicht wieder aufgefunden werden sollten, wäre die Regie- 
rung verpflichtet gewesen, den Werth zu ersetzen.*) Im Laufe 
des Vormittags erhielt ich eine Einladung, der Berathung bei- 
zuwohnen, für die sich die obersten Behörden der Stadt im 
Hause des Vice-Gouverneurs versammelt hätten. Nach längerem 
Hin- und Herreden machte sich die Ansicht geltend, dass, ob- 
wohl der Beamte von Rechtswegen zur Erstattung des Verlustes 
verpflichtet wäre, doch die Nebenumstände in diesem Falle so 
wenig klar seien, dass es billig sein würde, ihn davon zu ent- 
binden. Ich bestand indess auf eine zufriedenstellende Ordnung 
des Falles, ehe ich die Stadt verliesse, und verlangte den Gou- 
verneur zu sehen, um an dessen Urtheil zu appelliren. Da der- 
selbe indess nach einem kurzen Aufenthalt während weniger 
Stunden sogleich wieder abgereist war, ging ich nach weiterer 
Berathung auf den gemachten Vorschlag ein, die Entscheidung 
einem Schiedsgericht in Bangkok zu tiberlassen, da der Vice- 
Gouverneur sich doch Geschäfte wegen dorthin begeben mtisse 
und dort mit mir zusammentreffen könne. Ich stellte nur die 
Bedingung, dass er vor mir oder doch gleichzeitig abreisen 
solle, damit ich seiner Anwesenheit in Bangkok sicher sei. Auf 
sein Versprechen, noch denselben Abend aufzubrechen, begab 
ich mich zu dem in der Zwischenzeit fertiggemachten Boot, um 
meine eigenen Vorbereitungen zu treflfen. Ich fand dasselbe in- 
dess in einem so lecken und miserablen Zustande, dass ich die 
Annahme verweigerte und Ersatz durch ein brauchbareres ver- 
langte. Man versprach bis gegen Abend ein besseres zu schaf- 
fen, um die verlangte Erlaubniss, auf eigene Kosten ein brauch- 
bares miethen zu dürfen, verweigern zu können. 

*) Anch in Birma Rind die am Wege liegenden Dorfer eben so verantwort- 
Ucb fQr die Sicherheit des Durchreisenden, wie (nach Aristoteles) die Anwohner 
der heiligen Herakles-Strasse. Der Ersatz wird Yom Aeltesten geleistet, der sich 
wieder durch die Gemeinde schadlos macht 



Phra-Prang. 51 

Am Nachmittag landete ich, bei einer Excursion durch die 
Stadt, in einem Klostergarten, in dem die Mönche Zellen in 
einem Holzgebäude bewohnten, während der Tempel und Ca- 
pellen aus Stein aufgeführt waren. Breite Treppen leiteten zu 
einer von Säulen getragenen Halle, die eine Menge Buddha- 
bilder enthielt. Einige der Dächer waren mit einem Mosaik- 
werk aus Porzellanstücken, bunten Glasscherben und eingelegten 
Steinen verziert. An den Thüren wachten Ungeheuer oder Rie- 
sen, und unter den dort ausgehauenen Figuren bemerkte ich die 
einer dreiköpfigen Gottheit mit zehn Armen, sowie eine andere, 
die einen Dreizack trug und Schädel als Kopfputz. Im Innern 
sass, nicht mit untergeschlagenen Beinen, sondern wie auf einem 
Stahle, eine gigantische Statue, die die ausgestreckten Hände 
auf die Kniee gelegt hatte. Unter den kleineren Bildern, die sie 
nmgaben, fand sich ein bärtiges, in der Weise der chinesischen 
des Confucius. Die Hauptfigur sollte von Ceylon gebracht sein. 
In einem Theile des Gartens war ein kUnstliclier HUgel aufge- 
richtet und mit bemalter Glasur tiberlegt. Er trug eine In- 
schrift in Pali, und auf einer Säule daneben fand sich eine an- 
dere in chinesischen Charakteren. Im Innern eines Phra Prang, 
zu dem eine Treppe aufführte, fand ich eine grosse Ansamm- 
lung von Pali-Büchern, konnte indess den anwesenden Mönch 
nicht tiberreden, davon zu verkaufen. 

Fttr die Nacht erhielt ich zwei SchiKlwachen an jede Thtir 
meines Hauses, und Hess aufpacken, um mit dem Frühesten in 
dem neuen Boote abzureisen, das man an die Stelle des refu- 
sirten geschickt hatte. 

Während mit Sonnenaufgang die Sachen nach dem Lan- 
dungsplätze transportirt wurden, erkundigte ich mich bei den 
Leuten des Vice-Gouverneurs , die um Feuer im Hofe beisam- 
mensassen, ob ihr Herr abgereist sei, erhielt aber nur auswei- 
chende Antworten. Ich verzögerte deshalb meine EinscliiflFung 
und fand bald meine Vermuthung seiner Wortbrticliigkeit bestä- 
tigt. Auf gemachte Vorwürfe entschuldigte er sich mit einge- 
tretenen Hindernissen und betheuerte, mir unverzüglich folgen 
XD wollen. Zur Sicherheit Hess ich mir seine Adresse in Bang- 
kok aufschreiben. 

4* 



52 Reise nach der Hauptstadt. 

In den Vorstädten legten die Bootsleute, um sich noch mit 
einigen Kleinigkeiten zu versehen, am Hause eines chinesischen 
Krämers an, was mir Gelegenheit gab, einen Vang- (Palast) des 
Königs zu besuchen, der noch im Bau begriffen, aber nach 
einem sehr ausgedehnten Plan angelegt ist. Die Ufer waren 
flach und niedrig, und da der Fluss nach allen Richtungen aus 
einander zweigte, hatten meine Leute oftmals über den näch- 
sten und besten Weg Erkundigungen einzuziehen. Als sich die 
Fluth im Steigen des Wassers bemerkbar machte, hielten wir 
mit Einbruch der Nacht im Dorfe Samkhok, dessen erleuchtete 
Häuser sich in weiter Länge am Ufer hinstreckten. Der Beamte 
wohnte indess am andern Ende des Ortes, und kamen wir erst 
nach vielen Kreuz- und Querfahrten gegen Mitternacht bei sei- 
ner Wohnung an. Die Häuser, wie wir am andern Morgen sa- 
hen, waren alle in und über das Wasser gebaut, so dass man 
nur auf Stegen die Communication utterhielt. Der Amtmann 
war in Bangkok abwesend; sein Stellvertreter verschaffte mir 
indess im Laufe des Vormittags ein anderes Boot und Hess die 
Bagage durch ein paar an den Beinen zusammengekettete 
Sträflinge umpacken. 

Eine fast ununterbrochene Reihe im Wasser stehender Häu- 
ser verdeckte die Ufer, an denen hohe Palmen, in Alleen oder 
Gruppen, mit ihren breiten Fächern die Luft durchwogten. In 
Myang Notumberi, wo wir Nachmittags anlegten, war gleich- 
falls nur der Vice-Amtmann zu Hause, doch zeigte sich derselbe 
eifrig, rasch die gewünschten Boote zu schaffen und noch vor 
Abend einzupacken, so dass wir am frühesten Morgen mit der 
Ebbe aufbrechen könnten. Er versprach selbst in einem Zayat 
am Ufer zu schlafen, um in der Nähe zu sein, und sandte zwei 
Wächter, um während der Nacht vor meiner Kajütenthür zu 
schildern. In einem am Eingang eines Kanals gelegenen Dä- 
monentempel fand ich zwei von Zeug bedeckte Planken drei- 
eckiger Form und einige aus Bambu verfertigte Figuren. 

Als ich, mit der Dämmerung erwachend, das Zeichen zum 
Aufbruch gab, fehlte der Steuermann, und mussten wir erst bei 
seinem Hause in einem abgelegenen Theil des Dorfes vorfahren, 
um ihn aus dem Bette zu holen. Der Fluss dehnte sich in die 



Consulate. 53 

Breite aus, und bald zeigten sich die hohen Pagoden, die bunt- 
geschmückten Palastthürme Bangkoks, wo meine Bootsleute an 
der Wohnung des Phra-Klang, des Ministers der auswärtigen 
Angelegenheiten, anlegten, um ihre wichtige Fracht sogleich in 
die richtigen Hände zu überliefern. 

Da dieser hohe Herr nicht zu Hause war, verlangte ich von 
meinem Gapitän, mich nach dem Consulate zu bringen; aber 
derselbe fürchtete seinen Kopf zu verlieren, wenn er weiterzu- 
fahren wagen sollte, ohne vorher pflichtschuldigsten Bericht ab- 
gestattet zu haben. Ich stieg deshalb, trotz seiner Protestation, 
ans und nahm den alten Dolmetscher mit, um zu sehen, ob wir 
OBS in der fremden Stadt zurechtfinden würden, über die mein 
Begleiter aus seiner frühen Jugend noch einige Erinnerungen 
bewahrt zu haben glaubte. Wir hatten uns indess bald in einem 
Gewirr enger Gässchen verrannt, wo wir von den Vorbeipassi- 
renden nur so viel ausmachen konnten, dass das englische Con- 
snlat, nach dem ich, als dem bekanntesten, zunächst fragen Hess, 
weit entfernt und auf der andern Seite des Flusses sei. Mieth- 
böte oder Fähren schien es nicht zu geben, doch gelang es uns, 
zwei Chinesen, die auf einem kleinen Fahrzeuge umherrudertem 
heranzurufen und zur Aufnahme zu bewegen. Als sie bei Er- 
kundigungen auf dem Wege hörten, wie weit unser Ziel sei, woll- 
ten sie uns sogleich an das Land setzen, doch trug ich Sorge, 
die geglückte Besitzergreifung nicht wieder fahren zu lassen. 
Im Consulargebäude fand ich Sir Robert Schomburgk, dem ich 
die englischen Pässe aus Molmein präsentirte, und der mir einen 
Diener mitgab, um mich nach dem hanseatischen Consulate (den 
Herren Pickenbach und Thiess) zu bringen. Von dort fuhr ich 
nach dem Hause Markwald u. Co., an welches meine Credi- 
tive ausgestellt waren, und dessen anwesender Chef, Herr Less- 
1er, mir freundlich eine Wohnung in seinem Hause anbot. Diese 
Firma ist seitdem mit dem preussischen Consulate betraut, das 
bei meiner Anwesenheit interimistisch durch den englischen 
Consul mit versehen wurde. 

Als ich zum Herbeibringen des Gepäckes zurückfahren 
wollte, geriethen die über das viele Hin-, und Herfahren schon 
ganK ratblosen Chinesen in solche Angst, dass sie plötzlich, um 



54 Reise nach der Haoptstadt. 

-• 

nicht weiter mitgeschleppt zu werden, eine Gelegenheit benutz- 
ten, an's Ufer zu springen, als wir gerade in der Nähe desselben 
hinfuhren, und durch den Schwung das Boot in den Strom hin- 
ausstiessen, wo es htilflos mit mir und meinem alten Helfers- 
helfer umhertrieb. Glücklicherweise hatten sie in der Hast das 
eine Ruder vergessen, das ich benutzte, während mein Mate eine 
Planke ausbrach und damit steuerte. So kamen wir in einer 
etwas kläglichen Verfassung und jämmerlich zugerichtet durch 
stundenlanges Schwitzen in der Mittagssonne, da das Boot un- 
bedeckt war, wieder bei dem Ministerhotel an, wo ich mich 
präsentirte und gnädige Erlaubniss erhielt, ein Privatlogis zu 
beziehen. Wir hingen das annectirte Boot an den Reisekahn 
an und nahmen es mit nach der Wohnung meines Gastfreundes, 
wo es am nächsten Tage durch die mit einem Geldgeschenk 
entschädigten Chinesen reclamirt wurde. Meine Ankunft in 
Bangkok fiel gerade auf den 31. December, und der Abend 
wurde in einem heitern Kreise deutscher Landsleute verbracht, 
unter den Gefühlen, als ob mich unverhofft ein wohlwollender 
Zauberschlag aus der birmanisch-siamesischen Vergangenheit in 
die ferne Heimath entrückt habe. 

Auch am nächsten Tage fand ich noch eine befreundete 
Umgebung, indem zur Feier des Neujahrsfestes ein Bootsrennen 
veranstaltet war, wofür sich die englische, deutsche, französische 
und amerikanische Gesellschaft Bangkoks in einem Logirhans 
für die Sce-Capitäne zusammenfand. Einen andern Kreis lernte 
ich bald darauf durch eine Einladung des englischen Gonsuls 
zu seinen Abendzirkeln kennen; doch war der Zustand meiner 
Gesundheit noch so schwankend , dass ich auf die Verordnung 
Dr. Campbeirs, des dem englischen Consulate attachirten Arz- 
tes, der die Sache -ernstlicher in die Hand nahm, auf mehrere 
;, Tage das Bett hüten musste. Als ich wieder aufzustehen fähig 

I;. war, fand ich, dass verschiedene meiner Waffen und andere 

Sachen fehlten, und da der Koch sich seit unserer Ankunft an 
einige übelberüchtigte Subjecte seiner dortigen Compatrioten 
angeschlossen hatte, fiel der Verdacht zunächst auf ihn. Später 
aber leitete mich der Sergeant des englischen Gonsulates auf 
die richtige Spur des Schuldigen, dass es nämlich der Greoie 



\ 



Wohnung. 55 

sei; der, wie er ans anderer Quelle erfahren, schon in Molmein 
höchst verwegene^ Raubanfällc verübt habe. Er hatte sich eben 
wieder als Matrose engagiren lassen, bereit, in See zu ge- 
hen, als ich noch zeitig genug unterrichtet wurde, um wenig- 
stens einen Theil meines Eigenthums zurück zu erhalten. Dann 
liess ich ihn gerne laufen da bei seiner unbestimmten Nationa- 
lität ein Process unter den damaligen Consular-Verhältnissen 
Bangkoks nur vielfache Weitläufigkeiten nach sich gezogen ha- 
ben würde, ohne irgend einen Nutzen in Aussicht. Doch gab 
ich in Folge dieser Entdeckung auf, meine Klage auf Schaden- 
ersatz wegen des in Ayuthia erlittenen Verlustes zu betreiben, 
da der* Beamte sich freiwillig beim Consul gestellt, aber zugleich 
seine Unmöglichkeit betheuert hatte, etwas für die Wiedererlan- 
gung thnn zu können, indem alle seine polizeilichen Nachfor- 
schungen vergebens geblieben seien. Für meine eingeborenen 
Diener, die dem Uebereinkommen gemäss nach Birma zurück- 
zukehren wünschten, hatte ich anfangs eine Fassage auf einem 
für Singapore bestimmtem Schiffe engagirt, fand aber später 
eine passendere Gelegenheit durch den Anschluss an eine Kara- 
wane, die über den Pass der drei Pagoden direct nach Molmein 
zu gehen beabsichtigte. Der englische Consul versah sie, auf 
mein Ansuchen, mit den nöthigen Papieren, und blieben sie so 
zusammen. Die in Rahein zurückgelassenen Kranken kamen 
nach der Genesung mit einem Teakhändler nach Bangkok und 
ebenso Moung Lin, der mich wieder aufsuchte und auf's Neue 
um Dienst bat, seine früheren Fehltritte bitterlich beklagend. Ich 
behielt ihn für längere Zeit bei mir, bis er durch das Eintreffen 
eines von Zimmay gekommenen Verwandten Gelegenheit fand, 
mit demselben zurückzukehren. Sein Gefährte hatte schon frü- 
her den Landweg der drei Pagoden eingeschlagen. 

Herr Lessler hatte mich mit grosser Gastfreiheit bei sich 
aufgenommen und auf das Sorgfältigste während meines Un- 
wohlseins gepflegt ; doch fand ich es fllr besser, mich bei einem 
von der Stadt entfernt lebendem Missionär, Herrn Chandler, in 
Pensionat zu geben, um meine ganze Zeit und Aufmerksamkeit 
dem Erlernen des Siamesischen widmen zu können. Derselbe 
besasS; ebenso wie seine Gattin, eine gründliche Kenntniss die- 



56 Reise Dach der Hauptstadt^ 

ser Sprache und bewohnte ein von ihm selbst erbautes Haus in 
einem Fruchtbaumgarten, wo er mehrere siamesische Mädchen 
und Knaben zur Erziehung bei sich hatte. Ein junger Mann, 
den er als eingeborenen Lehrer heranzuziehen dachte, wurde 
mir zum Munschi bestellt, und konnte ich über seine ganze Zeit 
disponiren und von Morgen bis Abend mit ihm studiren, sei es 
auf meinem Zimmer im Lesen von Btlchem, sei es auf Spazier- 
gängen durch Gespräche und Fragen. In der Zeit von wenigen 
Wochen konnte ich die Uebersetzung der mir verschaffien Bü- 
cher beginnen, und war nach etwas weiterer Uebung auch bald 
im Stande, einfache Unterhaltungen zu führen und zu verstehen, 
so dass ich, mit diesem Dolmetscher, Boa genannt, an*meiner 
Seite, die Klöster besuchen und dort den gewünschten Aufklä- 
rungen nachforschen konnte. Mein Begleiter verstand weder 
Englisch noch Birmanisch, und war nur in sofern ein Dolmetscher, 
weil er durch das stete Beisammensein mit mir mein schlech- 
tes Siamesisch rascher verstand als ein fremder Zuhörer, und 
es diesem verdeutlichen konnte. Ich erreichte dadurch meinen 
Hauptzweck, auf den es zunächst ankam, dass ich nämlich ge- 
nugsam die Sprache verstand, um meinen Zwischenredner in 
Fragen und Antworten controliren zu können, denn so lange 
das nicht möglich, sind Gespräche, die sich auf dem religiösen 
oder philosophischem Gebiete bewegen, sehr wenig zuverlässig, 
wenn man sich des Mundes eines ungebildeten Eingeborenen 
als Vermittelung bedienen muss. Es dauerte übrigens auch nicht 
lange, bis ich genügende Fortschritte gemacht hatte, um in rein 
wissenschaftlichen Erörterungen dircct mit den Achten oder Mön- 
chen zu reden, und so ganz sicher aSU sein, den Sinn ihrer Rede 
richtig aufgefasst zu haben. Zur Anleitung im Pali engagirte 
ich dann noch einen Privatgelehrten, der mich stundenweis be- 
suchte. Für den grössten Theil meines Aufenthaltes in Bang- 
kok behielt ich dieses Logis im Hause des Herrn Chandler, bei 
dem ich auch die meisten der übrigen Missionäre aus der pro- 
testantischen Confession kennen lernte. Erst gegen das Ende 
desselben, als meine Bekanntschaften ausgedehnter und die bei 
den Siamesen abzustattenden Besuche häufiger wurden, gab ich 
den wiederholten Einladungen Sir Bobert Schomburgk's nach 



Pakoam. 57 

* * ■ ■ 

and zog in das englische Consnlatgebäude; wo ich dem Mittel- 
punkte der Stadt näher war. Von meiner Landwohnung aus 
mnsste ich ftir jede Stadtvisite einen ganzen Tag opfern; und 
suchte es dann immer so einzurichten^ dass sich mehrere ver- 
einigen Hessen. Auf dem Bückwege blieb ich bei Herrn Mark- 
wald; der inzwischen von seiner Geschäftsreise nach China zu- 
rückgekommen war und mir viele Freundlichkeiten erwies. 
Durch seine geschäftlichen Beziehungen mit vornehmen Siamesen 
konnte er sowohl; wie Herr Bedlich; ein jüngerer Associä in 
seinem HaudlungshausC; manche hülfreiche Hand bieten; um ge- 
wünschte Zwecke zu erreichen. Im Gonsulargebäude fand ich 
eine werthvolle Bekanntschaft in Herrn EnoX; dem Interpreten 
(und jetzigen Consul) ; den sein langer Aufenthalt in Siam zu 
einem umfassenden Einblick in alle Verhältnisse des Landes be- 
fähigt hatte. Da Sir Bobert mir sein Beitpferd zur Disposition 
gestellt hatte ; benutzte ich es gerne zu Erholungstouren; und 
hatte bei denselben oft Herrn Alabaster zum Gesellschafter; der 
mich über manche interessante Punkte rasch orientirtC; oder 
Dr. Campbell. Von den Besten des Fiebers wurde ich durch 
eine Schwitzcur mit nassen Einwicklungen curirt. 

Nebst melireren anderen Freunden Herrn Markwald's be- 
nutzte ich die Gelegenheit seiner Heimkehr nach Europa; um 
ihn auf dem Singapore-Dampfer bis nach Paknam; an der Mtln- 
dung des Menam zu begleiten. Vom Hause des Gouverneurs; 
wo ich im Hofe einen Santaphum mit Pferdefiguren als Opfer- 
gaben sah; gingen wir über den Bazar nach einer kleinen Ci- 
tadellC; die dort angelegt; aber ohne Besatzung war. In dem 
nabegelegenen Kloster stand ein heiliger Pipelbaum mit gel- 
bem Zeug umwunden. Ein anderer Baum hohen AlterS; der am 
Ufer des Flusses wurzelte; war mit Mauerwerk unterbaut; um 
den einbrechenden Stamm zu stützen. Wo der Menam in das 
Meer ausströmt; ist mitten im Wasser neben einer kleiner Insel 
auf künstlichem Fundament eine Pagode (Samuth-Chedi) gebaut; 
die in bestimmten Jahreszeiten von zahlreichen Pilgern besucht 
und durch umfahren mit Böten verehrt wird. Bei den gleich- 
zeitigen Bennen zeigen die Siamesen eine englische Leidenschaft im 



58 Reise Dach der Hauptstadt 

WettcD,*) gleich den Birmanen. Als wir am Abend in unserer Gon- 
del nach Bangkok zurückkehrten, passirten wir durch den Kanal von 
Praklat; der die llauptmUndung des Menam in gerader Richtung 
abschneidet. In der Zeit des niedrigen Wasserstandes (von Fe- 
bruar bis Mai) wird dieser Arm durch Schleusen abgedämmt, 
weil sonst das Salzwasser mit der Fluth nach Bangkok herauf- 
kommen und das Trinkwasser der Stadt verderben würde. In 
Paknam ist das Wasser beständig, auch während der Ebbe bra- 
kisch, und muss das frische Wasser von oberhalb Praklat dort- 
hin gebracht werden. 

In der Zeit der Ueberschwemmung mischen sich die Was- 
ser des Petrin- oder Pachim-Flusses, des Thachim und des Mek- 
klong bei Petschaburi mit denen des Menam, so dass sie dann 
eine gemeinsame Mündung haben, lieber die von Korat ab- 
fallende Ebene vermittelt sich während des Regens auch eine 
Verbindung zwischen dem Kabin-Flusse und dem Flusse Sisu- 
phons. Der Kanal Canap erhält das ganze Jahr die Communi- 
cation zwischen Bangkok und Nakhon-najok offen. Die sprich- 
wörtliche Fruchtbarkeit Slams hängt von seinem Nilstrom, dem 
Menam , der Mutter der Wasser (wie der Benuö in der Batta- 
Sprache nach Barth) ab, und sollte das Steigen desselben unter 
der gewöhnlichen Höhe bleiben, so vertrocknen die Reispflanzen 
aller der Felder, auf denen sich kein Schlamm absetzt. Beim 
Abfluss des Wassers bleibt eine Menge verspäteter Fische auf 
den Aeckern zurück, wo sie von den Einwohnern gefangen wer- 
den. Im Mai beginnt der Menam sich roth zu förben, wächst 
rasch und tritt Ende August nach allen Seiten über.**) 



*) Auch die Annamiten lieben alle Arten von Wetten , und nach Trang-hoi- 
duc fordern sie sich heraus im Essen von Salzfleisch oder im Trinken von Thee. 
Pinto erwähnt unter den Bergvolkern Wettkämpfe im Fressen, wie zwischen Her- 
kules und Lepreus oder Loke und Log!. 

**) Doch bemerkt Pallegoix: Uue chose qni parattra bien extraordinaire c*est 
qne la partie basse de la plaine k doaze Heues de la mer, n*est jamais inond^e, 
tandisque la partie snpHrienre reste submergee pendant plusieurs mois. J*ai 
t&che de me rendre compte de ce phi^nomene et je ne vais pas d'autre mani^re 
de Texpliquer, qu*en Tattrihuant h TefTet, des mar^es. Car quand la mar^e moute, 
eUe repousse les eaux par une force irresistible , et d^ que la mar^e desceud, 



Jahreszeiten. 59 

Die Siamescn theilen die Jahreszeiten in die Khin-nat-Radu 
(Saison der Hitze), Vasant-Radu (Saison der Regen) und Hemat- 
Radn (Saison der Kälte), sonst auch Na Ron, Na Fon und Na 
Nao genannt. Durch den veränderten Charakter der Vegetation 
ist der Anblick der Natur in der trocknen, ein durchaus ver- 
schiedener von der in der Regenzeit, und mit d^m Eintritt der 
letzten (Ende Mai) entwickeln sich durch die elektrischen Pro- 
ceflse der Atmosphäre grossartig schöne Schauspiele am Hori- 
zont. Im April weht mitunter der sogenannte Lom-heng (rothe 
Wind), der, in kurzen Stösseu ausbrechend, die ganze Luft für 
Tage mit rauchigem Dampfe füllt. Während des Monsuns meinen 
die Siamescn zu beachten, dass die Wolken mit der Fluth her- 
aufkommen, und nach dem Eintritt dieser auf Regen zu rechnen 
igt. Auch haben sie gleich den Birmanen einen Aberglauben, 
der mutatus mutandis aucli bei dem Landvolk einiger europäischen 
Länder bestand, dass nämlich mit den Niveauveränderungen der 
Ebbe und Fluth die Flüssigkeiten ihrer eingesetzten Fischsaucen 
in den Gefässen sich hebe und senke. Die Fluthzeiten in Bang- 
kok sind in ihren täglichen Veränderungen unregelmässig, aber 
gewöhnlich kommen zwei ablaufende Ebben auf eine Fluth. 
Beim Wenden der Fluth sagen die Siamescn : Nam kao sin bao, 
nam hmai chab hlai: das alte Wasser ist eben vorbei und das 
neue hommt an. Man sagt, dass der Nok budh (Centropus Phi- 
lippensis) diesen Zeitpunkt durch sein Geschrei anzeige, und 
Andere schreiben dieselbe Unterscheidungsgabe dem Nok Chan- 
tong genannten Vogel zu. 

Wenn man bei Bangkok in die Erde gräbt, so trifft man bald 
auf Salzwasser und Muscheln; die erhöhte Umgebung von Loph- 
buri, der alten Hauptstadt, ist das erste Land, wenn man von 
der Küste kommt, wo sich Brunnen graben lassen. Die aus 
See kommenden Schiffe passiren (wenn die vierzehn Fuss bei 



ces eaux se pr^cipitent dans le Ht da flenve ou des cananx, qiie la mar^e leiir 
laUae libre, de roaniere qoe IVroulement ayant Heu par le lit du fleuve ou des 
canaux a mesure que les eaux superieures desceudent, elles preuueut cette meine 
direction d^ecoulenieut saus avoir le temps de ae repaudre daus la partie baase 
de la plaine. 



60 ' R«iM nach der Hauptstadt 

^pringflnth ihrem Tiefgange genügen) die vor der Mündung des 
Menam Gliao Phaya gelegene Barre^ indem sie dem Laufe des 
Flusses folgen; und finden, sobald sie in das eigentliche Bett 
(von 1200—1500 Schritt Breite) eingetreten sind, überall tiefes 
Wasser, so dass sie (bei 36 — 42 Fuss) dicht am Ufer unter den 
Baumzweigen hinfahren können. Im Grolf läuft der Meeresstrom 
von Octobcr bis Ende März von Norden nach Süden, nimmt 
aber im April die entgegengesetzte Richtung von Süden nach 
Norden an. Der südliche Monsun beginnt im Mär^, wendet sich 
im August westlich und macht am Ende September dem nörd- 
lichen oder nordöstlichen Monsun Platz. Im Monat Februar weht 
dieser südöstlich und geht dann durch Süden nach Süd- 
westen um. 



Aafeothalt in Bangkok. 

Bangkok; die Stadt der wilden Oelbäume; erstreckt sich 
ttber eine Heile an beiden Ufern des Menam^ besonders aber am 
linken; die innere Stadt; die den Palast enthält^ ist mit einer 
bezinnten Mauer umgeben und nur an den Stellen der Land- 
oder Wasserthore zugänglich. Die äussere, an die sich das 
Quartier der Fremden anschliesst, läuft ohne bestimmte Grenze 
in die Vorstädte über. Die mittlere Stadt ist durch Kanäle und 
Flussverzweigungen in verschiedene Inseln getheilt, zwischen 
denen die Häuser auf dem Festlande dichtgedrängt beisammen- 
stehen und kaum einen Raum fUr die engen Gassen offen las- 
sen. Nur die Strasse des Haupt-Bazars ist breiter und von 
längerer Ausdehnung. In den äusseren Stadttheilen ist der 
Grund weniger beschränkt und sind die Häuser häufig von Gär- 
ten umgeben. Sie sind aus Holz oder Bambus gebaut und auf 
Pfähle gestellt; so dass man auf einer Treppe zu der Veranda 
emporsteigt. Steinmaterial wird ausser von den Europäern nur 
zu den Klöstern und königlichen Palästen verwandt. Der vor- 
nehmste Verkehr in Bangkok findet nicht auf dem Lande, son- 
dern auf dem Wasser statt, indem an jeder Seite des Flusses 
eine doppelte Reihe schwimmender Häuser das Ufer einrahmt*) 
und den grossen Markt bildet, auf dem sich täglich der be- 
triebsame Theil der Bevölkerung versammelt. Jedes Haus ist an 



*) wie 68 Hippokrates Ton dfo Pfahlbauten am Phasis beschreibt. Herodot 
sprleht viin den Resten einer Pfalilstadt im See Prasias. 



Q2 Aufenthalt in Bangkok. 

der dem Flusse zugewendeten Seite offen und bildet durch die 
dort aufgestellten Gegenstände einen offenen Laden ^ den man 
im Vorbeifahren im Boote bequem inspieiren kann^ um das Con- 
venirende auszuwählen. Gewöhnlich wohnen die Handwerker 
derselben Zunft zusammen, so dass man einen raschen üeber- 
blick über den Vorrath gewinnt. Dazwischen liegen Verkaufs- 
schiffe, die frische Früchte, Fische, Gemüse u. s. w. herbei- 
gebracht haben. Von der Feuchtigkeit abgesehen, bietet ein 
schwimmendes Haus manche Vortheile, da es jeden Unrath 
leicht entfernen lässt und durch die allzu grosse Nähe des Was- 
sers selbst die hinterindischen Schmutzliebhaber zum Waschen 
verführt. Auch ermöglicht es beliebige Ortsveränderung, indem 
man seine Wohnung mit der Ebbe oder mit der Flutb weiter 
treiben lässt, um sie an einem neuen Anlegeplatz zu befestigen. 
Freilich kann die Entfernung auch eine unfreiwillige sein, wenn 
auf unsicherem Grund geankert wurde. Als ich bei dem Mis- 
sionär wohnte, sahen wir eines Morgens vor unserm Hause 
eine neue Strasse angetrieben, die während der Nacht losgeris- 
sen und von den Bewohnern mit ziemlicher Mühe nach ihrer 
legitimen Heimath zurückzubringen war. Hat man eine weite 
Fahrt auf dem Flusse zu machen, so muss stets die Ebbe und 
Fluthzeit berechnet werden, da die nöthige Zeit sich verdoppeln 
und verdreifachen kann, je nachdem jene günstig oder ungün- 
stig ist. So viel es angeht, wird Alles zu Schiff abgemacht, 
und es find^ sich deshalb immer die halbe Einwohnerschaft 
der Stadt auf dem Menam oder den Seitenarmen beisammen. 
Zwischen dem Bootgewimmel in allen möglichen Grössen, Far- 
^. ben und Formen ankern die europäischen Dreimaster, pfeifen 

!»«^': die Dampfschiffe oder segelt die chinesische Djonke hinauf, mit 
T^ den dröhnenden Schlägen der Gong die schon im Hafen liegen- 
den Schiffe begrüssend. An den Ufern erheben sich in maleri- 
schen Gruppirungen die Thürme der schlanken Pagoden, blicken 
die Klostergebäude zwischen den Bäumen ihrer Gärten hervor, 
oder glitzern und schimmern die Dächer der mit Schmuck über- 
ladenen Paläste im Sonnenschein. Wenn sich die Böte der 
Privatleute der königlichen Residenz nähern, so knieen die Ru- 
derer nieder oder umfahren dieselbe an dem andern Ofer, 



FlassYerkehr. ()3 

bis sie den geweihten Bezirk passirt haben. Fährt dagegen eins 
der hochgeschnäbelten Staatsböte in einen Kanal ein^ so stockt 
sogleich der Verkehr auf den denselben überspannenden Brücken, 
da es ein schweres Verbrechen sein würde, besonders für Frauen- 
rimmer; sich oben auf der Brücke zu finden, während die An- 
gehörigen einer fürstlichen Familie unten hindurchfahren. Auf 
den Kanälen kommen auch die Reisbnte herauf, iiire Ladung 
zur Stadt zu bringen, wo dieselbe für die Befraclitung der* eu- 
ropäischen Schiffe aufgekauft wird. Die meisten Kauffahrtei- 
fahrer finden Wasser genug, um den Menam nach Bangkok hin- 
anfzusegeln, und nur die grösseren Kriegsschiffe müssen an 
der Mttndnng in Paknam bleiben, da sie die Barre in der Ein- 
fahrt bindert. Seit der Ermässigung der Zölle und dem Auf- 
geben der meisten Monopole hat der europäische Handel mit 
Bangkok sehr zugenommen und beginnt mehr und mehr die 
chinesischen Djonken zu verdrängen. Doch erscheint bis jetzt 
noch jährlich eine ziemliche Anzahl derselben, die in der Zeit des 
gttnstigen Monsuns herabkommen und dann den Wechsel zur Rück- 
kehr erwarten, so dass in jedem Jahre eine Reise zurückgelegt 
wird. Im Vergleich zum hochaufgebauten Hinterdeck liegt der 
Bug tiefer im Wasser, damit die dort angemalten Augen ihren 
Weg dnrch die Wasserwogen finden können. Nach dem Ankern 
verwandelt sich die Djonke (wie das Palmölschiff im Niger) in 
einen mit Matten überdachten Laden, in dem die mitgebrachten 
Waaren ausgestellt und den vorbeifahrenden Käufern feilge- 
boten werden. Wenn wieder segclfertig, zeigt sie es durch hin- 
ten aufgesteckte Fähnchen an. Wenn sie mit Reis gefüllt sind, 
belasten sich die Djonken an beiden Seiten mit Sandelholz und 
nehmen dann als Deckladung Baumwollen-Ballen. Plinius rech- 
nete für arabische Djonken die dreifache Reisezeit verglichen 
mit römischen Schiffen, und dasselbe Verhältniss gilt ungefähr 
zwischen den chinesischen und europäisclien Fahrzeugen. 

Die Wohnungen der Vornehmen bestehen in einem Com- 
pound von Häusern und Höfen, in denen das Hauptgebäude 
dem Herrn zum Aufenthalt dient, die übrigen den Frauen, Die- 
nern oder Sklaven. Siamesen des gewöhnlichen Volkes begnügen 
sieh mit einem Fachwerk aus Bambu, in dem sie sich zwei oder 



64 Aufenthalt in Bangkok. 

drei kleine Zimmer einrichten; doch sind Eanfmannshänser; um 
die Waaren sicher zn verwahren, anch mit Plankenwänden ver- 
sehen. Viele derselben, besonders die chinesischer Händler, 
tragen bunte Aufschriften und Anpreisungen in chinesischer oder 
siamesischer Schrift. An den Giebeln der einer Kanal-Einfahrt 
gegenüber oder an einer Strassenecke liegenden Häuser sind 
Talismane angebracht, um den bösen Blick oder auch, nach der 
chinesischen Auffassung, die feindliche Luft abzuwehren. Durch 
ein über die Thür gemaltes .Achteck bleibt ein schwimmendes 
Haus gegen das Anrennen von Böten geschützt. 

Eine Fahrt auf dem Menam bietet das mannichfaltigste In- 
teresse, da man überall in das Innere der offenen Wohnungen 
hineinblicken und die Bewohner bei ihren häuslichen Geschäf- 
ten beobachten kann. Man sieht sie kochen, essen, schlafen, 
mit ihren Bekannten um einen Theetopf zusammensitzen, der 
Vorlesung eines Priesters lauschend, mit ihren Kindern spielend; 
der. Handwerker sitzt eifrig an seiner Beschäftigung, der Müssig- 
gänger raucht, eine für Flucht oder sonstige Vergehen mit Fes- 
selung an den Beiuen bestrafte Frau wäscht demüthig und be- 
schämt die Ktichengeräthe. Dann findet man Käufer oder 
Verkäufer in langen Unterhandlungen begriffen, hört die krei- 
schende Stimme zankender Weiber, oder findet sich in einem 
Knäuel von Böten verwickelt, aus dem sich unbeschadet her- 
auszuwinden die ganze Aufmerksamkeit des Steuerers nöthig ist. 
In einer Ecke der Veranda oder auf dem Festlande des Hofes 
errichtet der Hauseigenthümer gerne eine San thu, eine auf 
Pfosten gestellte Capellc, wohin Puppenfiguren von Menschen 
oder Pferden für die Schutzgeister gelegt werden; die in den 
Gärten errichteten Sanchao sind in verschiedene Abtheilungen 
getrennt, und in die obere Platform werden herzförmige Holz- 
stücke gelegt mit Lehmfiguren von Elephanten und Crocodilen 
als Opfergaben. Die Kaufleute knüpfen ein kleines Stück ro- 
thes Zeug an ihr Boot, damit dasselbe Glück im Handel habe. 
Um zu zeigen, dass ein Boot zum Verkaufe ausgeboten wird, 
stellt man einen Stock mit einem Mattenkranz aufrecht in das- 
selbe. An den Bäumen sind oft Zeugstücke aufgehängt oder 
KSfige mit kleinen Puppen für den Phra-Phum oder den Gott 



Häuserbau. 65 

der Luft. In einem S^chao, das in einer Nebengasse des Ba- 
zars lag, waren die beiden Capellen mit künstlichen Blumen 
und Räucherkerzen geftillt, während Crocodilschädel und keu- 
lenartige Stöcke umherlagen. Die Märkte sind meist nach den 
nahegelegenen Klöstern genannt, wie Talot Chao Fa und ähn- 
liche. Unterhalb Bangkok findet sich ein Kok Kuai (Büffel- 
Einzäunung) genannter Platz, wo vor Gründung der Stadt ein 
Dorf lag. 

Beim Bau eines schwimmenden Hauses muss zunächst das 
Floss gelegt und fest verbunden werden, wofür man die Leute 
theils in Böten, theils im Wasser stehend oder glitschend ar- 
beiten sieht. Bei nicht genauer Verbindung gleiten leicht einige 
der Balken aus, und treffen sich oft Häuser, die so mit der einen 
Seite eingesunken sind und schief stehen, wie das Deck eines 
überliegenden Schiffes. Um das Haus bei einem Familienfeste zu 
schmücken, bleibt auf dem Vordertheile des Flosses Platz ge- 
nug, und mitunter sieht man dort selbst eine Bühne aufgeschla- 
gen, um Theaterstücke aufzuführen, denen man vom Fluss aus 
zuschaut. Manche Häuser, die in der trockenen Jahreszeit auf 
dem Trockenen liegen, sind während dem Regen von Wasser 
umgeben, wie überhaupt bei dem Steigen des Flusses durch die 
Ueberschw^mmung viele der Strassen-Kanäle für Böte zugäng- 
lich werden, in denen njan sonst nur mit Mühe fortkommt ; doch 
macht auch die Ebbe und Fluth einen Unterschied, und kann 
es geschehen, dass man die letztere erwarten muss, um ein 
Haus zu erreichen, das während der ersteren von einem weder 
zu Fuss noch zu Schiff passirbaren Morast umgeben ist. Die 
Siamesen bewahren die auch in ihren historischen Büchern wie- 
derholte Ansicht, dass sich das Meer allmälig von ihrem Lande 
zurückgezogen hat, und nachPallegeix ist das auch noch jetzt*) 
bemerkbar. An einigen Theilen der Küste bei Bahn Phasoi er- 
strecken sich durch die fortgehende Sandbildung so weite Wat- 



*) Dans nn Toyage an bord de la mer roon vieiix pilote me moilfra un ^os 
arbre, qal ^toit k an kUomMre dans leg terres, en me disant: Voyez tous cet 
arbr« U? Qoand J'^tais Jeun« j'y ai louvent attach^ ma barque aujourd'hui voyez 
comme U est loin? 

Baariaa, Reise in Slam. III. 5 



66 Aufenthalt in Bangkok. 

ten in das Meer hinaus , dass die Eingeborenen mit einer be- 
sondern Art flacher Böte über die sonst unpassirbaren Lehm- 
bänkc*) hinzusegeln gelernt haben, bis später der am Cap Liant 
vorspringende Granit und Porphyr beginnt. Beim Ausgraben 
der Strasse nach dem Prabat soll ein dickes Ankertau gefunden 
sein, und manche der jetzt im Lande gelegenen Plätze gelten 
der Tradition nach für frühere Seehäfen. Ueber die vonAngh- 
ien nach den Hügeln von Kao kheo erstreckten Grasflächen' 
bemerkt Schomburgk: It was of great interest to me to find, 
that this plateau was a raised sea bottom. On the highest 
part, which we traversed, perhaps 60 feet above the level of 
the sea pits had been dng for the sake of procuring sand and 
here I found Shells of a similar description as those which are 
now to be met with in the Gulf. 

Man sieht die Siamesen ungcscheut in allen Theilen Bang- 
Itbks baden, und sie scheinen die Crocodile nicht zu fürchten, 
da es ihnen verboten sei, innerhalb des Stadtbezirks zu beissen. 
Sollte es doch geschehen, so schickt der König seine Beschwö- 
rer, die durch ihre Zauberformel das Crocodil an die Oberfläche 
des Wassers bannen und es gefangen nehmen, indem sie ihm 
auf den Nacken springen und die Augen eindrücken. Das ge- 
räuschvolle Leben auf dem Flusse verscheucht wahrscheinlich 
die Crocodile, die ohnedem so viel Nahrung in dem Abfalle fin- 
den, dass sie sich um die Badenden nicht zu kümmern brauchen. 

Die siamesischen Kaufleute sowie die in Bangkok ange- 
siedelten Chinesen ziehen schon seit Längerem die europäischen 
geriggten Schiffte den Djonken vor, und manche jener sind sia- 
mesisches Eigenthum, da sowohl der König als verschiedene 
Prinzen mehrfach Ankäufe gemacht haben. Auch werden sie 



*) It is Strange when lying of Bangplasoi to watch the native vesselü aaUing 
in over the hard mnd rising gradually out of the water and slidiug over the 
two miles bank to the jetties, as swiftly a if they were in their properelement. 
It 1b also curious to observe women and children going out to collect fish eu- 
tangled in ftadosnrefi made so as to cnt oif their retreat with the falling tide, 
kneeling with one knee on a small board or sledge and propelliug themselves 
by quick strokes with the other leg, they attain a pace faster, thau ponles can 
gallop (Alabaster). 



TJandelsartikel. 67 

schon auf den Schiffswerften in Bangkok gebaut, ebenso wie 
Dampfer, und obwohl die Maschinen für die letzteren bisher 
noch von Amerika oder England gekommen sind, so ist die 
Bemannung doch bereits ganz aus Einheimischen besetzt, oft 
selbst die Ingenieure eingeschlossen. Bei einer Fahrt nach der 
malayischen Halbinsel ging der König einmal mit 18 Dampfern 
in See, auf denen,, wie es liiess, sich kein Fremder befand. 
Das, auf dem sich der König selbst eingeschifft hatte, war ganz 
mit den rothen Uniformen der Soldaten gefüllt, während ver- 
schiedene Musikbanden in Abwechselung ununterbrochen spiel- 
ten. Als Sir Robert Schomburgk die dreihundert Pik (Sam- 
rayot) zu besuchen wünschte, wurde ihm ein Regierungsdampfer 
gestellt, auf dem der Capitän gleichfalls Eingeborener war. 

Der Reis wurde früher nur in den Handmtihlen der Chi- 
nesen gereinigt, die die ganze Strasse eines Kanals einnahmen, 
von den Bergen der aufgeschütteten Hülsen umgeben. Neuer- 
dings indess haben die Europäer und Amerikaner DampfmUhlen 
eingerichtet, neben denen die primitiven Concurrenten nicht 
lange werden bestehen können. Die Ausfuhr an Teakholz, mei- 
stens Privateigenthum des Königs oder einiger Prinzen, war im 
Zunehmen, und Capitän Burns, der aus dem Staatsdienst, als 
Bevollmächtigter Martaban's, ausgetreten war, kam gerade, um 
grössere Geschäfte einzuleiten. Ausserdem können Cardamomen 
(von Kambodia), Pfeifer (von Chantabun), Zucker, Gamboge, 
Lack, Sapanholz, Zinn, Homer, Elfenbein u. A. m. unter den 
Export-Artikeln aufgeführt werden. Kha Klao ist das Departe- 
ment der Einfuhr, Kha Ohk des Exports. 

Die Chinesen sind etwas unruhige Unterthanen und wegen 
ihrer geheimen Verbindungen (wie auch in Singapore) gefürchtet. 
Unter der vorigen Regierung stifteten sie wegen neuer Taxen, 
oder um die vorhandenen zu vermindern, mehrere Aufstände an. 
Im Allgemeinen geht die Politik der Regierung dahin, jeden 
durch Reichthum oder Einfluss bedeutenden Chinesen in den 
siamesischen Adelstand zu erheben, um ihn dadurch in die In- 
teressen des Landes bu ziehen. Der Clangeist der Chinesen 
rührt von dem Zusammenhalten der Seh oder Stämme her, zu 
denen Jeder nebst seiner Familie gehört. Kaiser Pington führte 

6» 



68 Aufenthalt in Bangkok. 

znerst Sze oder Seh — 20 an Zahl — ein und Kaiser Bunnong 
vennehrte sie auf 100, indem er das ganze Land unter seine 
99 Söhne vertheilte und einen Antheil für sich behielt. Ge- 
wöhnlich aber sprechen die chinesisclien Bücher von den 100 
Familien als den ursprlingliclien. Die in Birma häufigen Em- 
pöruDgen der Pliaya Alaun kommen mitunter auch in Siam vor, 
wie erst vor einigen Jahren ein Priester von den Behörden er- 
griffen sein sollte, weil er sich für einen embryonalen Gott aus- 
gab. In Java sind durch neue Gotteserscheinungen *) oder durch 
falsche Propheten (Kraman) veranlasste Aufregungen nichts 
Seltenes. 

Bei ihrem grossen Fleisse briugen es die Chinesen unter 
den apathischen Bewohnern Siams leicht zu Vermögen. Manche 
der jetzt Reichen haben damit begonnen, dass sie kleine Kuchen 
buken und sie flir Abfall von Eisen und Kupfer vertauschten. 
Der den Chinesen erlaubte Besuch der Opiumhäuser**) ist den 
Landeskindem verboten. Die in Siam geborenen Chinesen (Tjek) 
werden Tjin-nam-phrtik genannt, d. h. ein Chinese, der Pfeffcr- 
wasser (nam-phrUk) isst. Die Küche der Chinesen, obwohl aus 
den heterogensten Bestandtheilen gemischt, ist doch an sich 
flau, da die meisten Speisen ohne Salz oder Zuthaten gekocht 
werden, wogegen die Siamcseu ohne die heissen Currysaucen 
nicht bestehen können. Der Spottname Tjek kommt von dem 
häufigen Tjek, Tjek (als Anrede in der zweiten Person). Die 
Siamesen heissen Sian-La bei den Chinesen. Ein chinesischer 
Literat gab mir einige Mittheilungen aus seinen Büchern, worin 
mehrere Namen indess nach siamesischer Weise umgeändert 
schienen. Thougtaischo , ein vergötterter Priester (durch die 
Buddhisten in China als Gottheit verehrt), auf welchen alle 



*) Der unsichtbare Jogi in Kiddarpore wurde 1832 als eine incarnirte Gott- 
heit angebetet (in Indien). 

**) AI? Sir Henry Pottinger 1842 die Legalisirung des Opiombandels ver- 
langte, entgegnete ihm Kaiser Tan Kuang: It is trne I cannot prevent the in- 
troduction of the flowing poison, gain seeking and corrupt men wUl for proflt and 
sensnality, defeat my wisbes, but nothing will in dnce me to derive a revenue 
from the vice and misery of my pocple (s. Doolittle). 



Audienz. 69 

gegenwärtigen Bücher Bezug haben, wurde vor 23,000 Jahren 
in Potolangcheh geboren. Sämmtliche Berichte von Fo, der in 
alten Zeiten verehrt wurde (vor 3000 Jahren geboren), sind 
jetzt verloren gegangen. Buddha heisst Maiteho bei den Chi- 
nesen, die Omito Phut in Gebeten anrufen. Die chinesischen 
Buchstaben wurden zuerst durch Bannon und Buhon erfunden, 
dann aber durch Hu und Son verbessert. Die Erfindung der 
Schreibmaterialien aus Baumblättern wird sonst dem Sinlong und 
der Buchstaben dem Huang-Ti (Hongteh) zugeschrieben. Von 
den drei Kaisem (Sang Huong) lehrte Fuh-Hi (der Erfinder der 
acht Diagramme) die Arzneikunst, Shin-Nung den Ackerbau 
und Huang-Ti*) (Hokki) die Verfertigung der Kleider. 

Schon in den ersten Wochen meiner Ankunft hatte mir der 
König eine Audienz bewilligt, und an dem bezeichneten Tage 
erschien ein Hofmann in seinem Boote, um mich nach dem Pa- 
läste zu flihren, der am Flusse liegt. Von der Landungstreppe 
muss man erst ein Convolut enger Gassen passiren, wo Ver- 
kanfsläden und Speisehäuser für die Soldaten aufgeschlagen 
sind, ehe man zum Eingangsthore kommt. Auf der andern 
Seite der den Palast umgebenden Mauer erstreckt sich ein 
freier Platz, der zu Paraden und sonstigen Festlichkeiten dient. 
Der Ceremonienmeister führte mich in der Nähe der Haupt- 
wache in einen kleinen Pavillon, wo er mir einen Stuhl hin- 
stellte neben einen Tisch und Cigarren, um die Zeit zu ver- 
treiben. Nach einigem Warten kam er zurück und brachte 
mich nach dem Audienzsaale, der, am Ende der die Decke tra- 
genden Säulenreihen^ den Thron enthielt. Nachdem ich einige 
Worte mit den anwesenden Ministem gewechselt hatte, blickte 
ich aus dem Fenster auf den Hof hinab, wo einer der jungen 
Prinzen auf einem Pony spazieren geführt wurde, als ich etwas 
an meiner Wade kratzen fühlte und beim Umdrehen fand, dass 
einer der Hofleute zu mir herangekrochen war, um mir auf 



*) Dieser verbesserte auch dnrch seinen Minister Dsangkie die Schriftzeichen 
and führte den sechzigjährigen Cyclus ein. Dann folgten noch Tier Kaiser bis 
•of Tiscbi, an dessen Stelle Jao erwählt wurde, der dnrcb seine Beamten Schun 
ond Ju das Land trocken legen und gesetzlich ordnen Hess. 



7Ö Aofenthalt in Bangkok. 

diese Weise Nachricht von dem Eintritt Seiner Majestät zn 
geben. Die ganze Halle war mit den zur Erde geworfenen 
Körpern des Gefolges bedeckt, als der König, ein kleiner 
schmächtiger Mann mit lebendigen Augen, auf mich zukam, 
mir nach englischer Weise die Hand schüttelte und sich mit 
mir auf eine niedrige Ballustrade niedersetzte, neben einen 
Priester, den er mitgebracht hatte und mir als einen gelehrten 
Biscliof vorstellte, der immer bereit sein würde, in fraglichen 
Fällen die nöthige Auskunft zu geben. Er Hess sich in einem 
bei seiner polternden Aussprache nur halb verständlichen Eng- 
lisch über die Formen aus, die der Buddhismus in den verschie- 
denen Ländern angenommen habe, und erhob den nepalesischen 
Glauben an Adi-Buddha als der christlichen Anschauung am 
Nächsten kommend. Auf einige Fragen meinerseits ging er des 
Weiteren auf die Dhamma ein, die das Universum durch die 
Naturgesetze regiere und die stützende Grundlage der Exi- 
stenz bilde. Mit der Versicherung seiner Unterstützung, wenn 
ieh nacli dem Studium des Siamesischen auch das der Sprache 
von Magadhi (Pali) beginnen sollte, entliess er mich unter 
einem Händedruck. Der jetzige König war schon beim Tode 
seines Vaters (1825) der eigentliche Thronerbe, als der einzige 
legitime Sohn, zog sich aber yor seinem älteren Halbbruder, 
der den Thron usurpirt hatte, in ein Kloster zurück und stieg 
bald zu den höchsten Ehren in der Geistlichkeit auf. Er be- 
nutzte diese Zeit nicht nur zum Studiren des Pali und der hei- 
ligen Schriften, sondern Hess sich auch von den französischen 
Missionären im Lateinischen, sowie von d^n amerikanischen im 
Englischen unterrichten. Ausserdem spricht er Bijrmanisch, Pe- 
guanisch, Cochinchinesisch, Malayisch und Hindostanisch. Als 
er im Jahre 1851 beim Tode seines Vorgängers den Thron be- 
stieg, erhob er seinen Bruder zum zweiten König (Vang-na oder 
des vorderen Palastes). Auch dieser ist ein sehr gebildeter 
Fürst, der das EngUsche noch weit correcter spricht und schreibt 
(obwohl ohne Eleganz, als besonders von Seeleuten erlernt), 
der sich aber sonst in seinen Studien besonders den Naturwis- 
senschaften und der Mathematik zugewandt hat, worin er auch 
seinen Sohn (als Prinz George bei den Fremden bekannt) zu 



Etikettenveratoss. 71 

nnterrichten sucht. Er zeigte mir bei einem spHtercii Besuche 
in seinem Palaste ein chemisches und physikalisches Cabinet; 
sowie sehr in's Detail gehende Karten des Landes, die er nach 
eigenen astronomischen Beobachtungen angefertigt hatte. Im 
vorigen Jahre traf die Nachricht seines Todes in Europa ein. 

Ein dritter Bruder des Königs ist der Prinz Krom Luang, 
ein wohlbehäbiger, fetter Herr, der zum Präsidenten des ärzt- 
lichen Collegiums ernannt ist und sich auch das Doctordiplom 
einer amerikanischen Universität zu verschaffen gewusst hat. 
In einem ärztlichen Gespräch mit ihm wollte ich ihm einst 
einige Punkte des Schädels zur Erklärung andeuten und beugte 
dafür meinen Arm über seinen Kopf, *) wurde aber rasch durch 
das drohende Knurren, das wie ein dumpfes Geroll aus dem 
Munde aller seiner auf der Erde kriechenden Vasallen zu mir 
heraufschwoll, an den begangenen Etikettenverstoss erinnert, 
da es in Siam keine grössere Beleidigung giebt, als einen Hö- 
hergestellten am Kopfe zu berühren. Das Rasiren hat deshalb 
ftlr die vornehmen Herren seine eigenen Schwierigkeiten, und 
die heiligsten der Priester schaben sich gegenseitig, um die 
Beleidigung durch die Revanche wieder gutzumachen. In Vorder- 
indien werden besonders Brahmanen zu Köchen gewählt, da 
aus ihrer Hand Jeder Speise annehmen kann. Ich besuchte den 
Prinzen mehrfach, um aus seiner Privatbibliothek Bücher zu 
leihen, und hatte dabei mitunter Gelegenheit, Auffllhningen sei- 
ner Capelle und chinesischen Schauspielen beizuwohnen. Eines 
Tages traf ich ihn an der Landungstreppe im Begriff, sein 
Staatsboot zu besteigen, da er eiligst nach dem Königshof be- 
rufen war, wo den weissen Elephanten ein Unwohlsein be- 
fallen hatte. 

Wenn ich des Morgens früh zu seinem Schlosse kam, fand 
ich häufig die Staatszimmer mit langen Reihen von Mönchen 
geftillt, die er aus Verdienstbedürfniss zum Frühstück eingela4en 
hatte. Die zahlreichen Frauen des Harems unterhielten sie dann 



*) It is contrary to the mysteries of the Tapu (in New-Zealand) to tourh 
any thing, that has beeii over the head of a chief, that portioQ of his body belog 
deemed sacred (s. Brown). 



72 Aufenthalt In Bangkok 

mit einem Concert, in welchem sie selbst die Sängerinnen und 
Musiker bildeten. Da der Prinz häufig in Verlegenheit war, 
die vielfach gestellten Fragen, wenn sie nicht das medicinische 
Gebiet betrafen, zu beantworten, so Hess er einen zu seinen 
Vasallen gehörigen Edelmann rufen, Khun Sara-Prasöt, den er 
mir als einen in allen Fächern wohlbewanderten Gelehrten em- 
pfahl, mit dem ich mich in zweifelhaften Punkten berathen 
könne. Ich besuchte ihn seitdem mehrfach in einem kleinen 
Gartenhause, das er in einer abgelegenen Vorstadt bewohnte, 
und fand in seinem Besitz einige seltene Bücher, die manches 
Licht auf die ältere Literatur des Landes warfen. 

Bei einem meiner Besuche bemerkte mir der Prinz Krom- 
luang, dass der König bei seinem letzten Besuche in Pathom- 
machedi von einem Pratithan gehört habe, einer wunderbaren 
Erscheinung, die sich als helles Licht auf einem nahegelegenen 
Berge zeige, aber nicht jede Nacht, sondern unregelmässig. Er 
liess mich fragen, ob ich nicht geneigt sei, dorthin zu gehen, 
um der Ursache auf den Grund zu kommen. Da meine Ab- 
reise damals schon bevorstand, musste ich solchen, auf längere 
und unbestimmte Zeit ausgedehnten Auftrag ablehnen. Auch 
andere Mirakel schienen in jener Gegend zu geschehen, denn 
wenige Tage darauf hörte ich im Hause eines chinesischen 
Kaufmanns gerade ankommende Reisende von einem unheim- 
lichen Boot übernatürlicher Form und Gestalt erzählen, das 
sich kürzlich in Nakhon Xaisi gezeigt habe, und worüber auch 
schon an den König Bericht erstattet sei. 

Die Seele des Ministeriums war der Phra Kalahom,*) 
gefürchtet als Intriguant und selbst als Conspirator, aber wegen 
seiner Thatkraft und Fachkenntniss dem Könige unentbehrlich. 
Er liebte die Fremden nicht, deren zunehmender Einfluss so 
manche alte Sitte mit dem Untergang bedrohte, machte aber 
gute Miene zum bösen Spiel, da er verständig genug war, die 



^) Bowring sagt tod ihm: His fiagacity, his activlty, his boldness, his di- 
rectness of purpose and coDBistency of action, excited my admiration trom my 
flrst iutercoorse and that feeling was only atrenghthened by more intimate ac- 
qaaintance. 



D«r Minister des Answirtigen. 73 

Unmöglichkeit des Widerstandes einzusehen. Doch war er 
anch gegen die einheimischen Missbräuche nicht blind. Als ich 
eines Tages im Palaste auf eine Audienz wartete, gerade an 
einem Feste, wo der König, wie es häufig gescliah, einige 
Hunderte oder auch Tausende der Mönche fetirte, sass er neben 
mir und bemerkte, auf die Schaaren der mit gefülltem Runzel 
heimziehenden Kapuziner deutend: „Statt diese Bettler und 
Tagediebe zu füttern, sollte man sie unter die Soldaten stecken 
oder arbeiten lassen, dann wären sie doch noch etwas nütze; 
aber so liegen sie dem Lande nur zur Last." Erst auf eine 
Einwendung meinerseits, statuirte er eine Ausnahme für die 
zum Studium Geneigten, die den Volksunterricht leiteten. Bei 
einem späteren Privatbesuche erwiederte er mir auf einige 
Fragen, dass ich über solche geschichtliche oder religiöse Streit- 
punkte bessere Auskunft von dem Könige erhalten würde, er 
selbst verstehe nichts davon, hörte aber mit Interesse zu, als 
sich das Gespräch auf Technologie und Maschinenbau wandte, 
und begleitete sein Nachfragen mit Bemerkungen, die von Sach- 
kenntniss zeugten. 

Tief befangen in der priesterlichen Gelehrsamkeit seines 
Landes ist dagegen der Phra-KIang (der als Minister des Aus- 
wärtigen fungirende Schatzmeister), der aber dennoch offene 
Hinneigung zu europäischer Civilisation zeigt. Eines Abends, 
wo mich Herr Alabaster auf seine Einladung dorthin begleitete, 
wandte sich das Gespräch auf die neue Secte des Buddhismus, 
die der König zu stiften suchte, als reformatorischer Versuch, 
alles Fabelhafte und Unglaubwürdige aus den Palischriften aus- 
zuscheiden und nur die moralische Essenz derselben beizube- 
halten. Der Geist, hiess es, würde nach dem Tode des Körpers 
unsterblich fortleben, obwohl nicht in der Weise, wie dasNcibban 
im Abhidhamma d^gestellt würde. Alle Religionen auf der 
Erde, bemerkte der Phra-Klang, könnten in zwei Klassen ge- 
theilt werden, einmal diejenigen, die andere Mächte zur Hülfe 
rufen, wie Kinder nach ihren Eltern schreien, und dann solche, 
die die Hülfe in ihrem eigenen Geist finden. Der Unterschied 
zwischen Religion und Philosophie ist für den Buddhismus im 
Sinne der westlichen Civilisation nicht vorhanden. 



74 Aufenthalt In Bangkok. 

Bei einem Besuche, den ich mit Capitän Knox eines Vor- 
mittags abstattete, und bei dem ein Gerichtsfall verhandelt wurde, 
beklagte sich der Minister, dass durch die bestehenden Consular- 
Verhältnisse und die auf den abgeschlossenen Vertrag begrün- 
deten Prätensionen der Fremden das Recht vielfach verkehrt 
würde. Jeder, der zufällig in Singapore geboren sei, nenne 
sich einen englischen Unterthan und nähme alle Prärogative 
eines solchen inAnsprucli, und ebenso würden auch wieder die 
in Siam geborenen Kinder der Fremden der Gerichtsbarkeit des 
Landes entzogen und unter den Schutz des Consulates gestellt. 
Für handelsgerichtliche Fälle, die die fremden Kaufleute betreffen, 
war im Zollhause ein eigenes Tribunal eingerichtet, wo Richter 
und Schreiber jeden Vormittag umherlagen, und ihre Bücher 
daneben. Bei einem Besuche des Bürgermeisters (Luang Myang) 
in der Altstadt kam ich gerade zu einer Gerichtssitzung, die 
liinter einem Holzgitter abgehalten wurde. Eine in Ketten 
hereingebrachte Frau wurde von einer andern, die ihre Schulden 
bezahlt hatte, freigekauft, der Schreiber fertigte den Contract 
aus und las ihn vor. Der Gefangenwärter wurde dann herbei- 
gerufen, die Ketten abzunehmen, da die um die Beine befestigten 
Ringe mit eisernen Zangen abgedreht werden mussten. Man 
sieht mehrfach Frauen, denen die Haut über den Waden wie 
mit einem Ringe eingeschnitten geblieben ist, aus der Zeit der 
Gefangenschaft. Im Hintergebäude (des Thim) waren die Ge- 
fangenen in einem engen Raum zusammengepfercht, und die 
Verwandten sassen mit den herbeigebrachten Speisen vor der 
geschlossenen Thür, auf Einlass wartend. Bei einer Anklage 
wegen Diebstahls, die ich vor dem Chao Chokotay verhandeln 
sah, wurde einer der Verdächtigen auf eine Leiter gebunden 
und mit Ratan auf den Rücken gepeitscht, um ihn zum Ge- 
ständniss zu bringen; die Zeugen*) werden geschworen. 



*) Shoemakers, are not admitted as wituesaee, becanse of mean degree in 
Society, potters not on acconut of the story in the Paliwork Chunua-Khosokkha 
of a prince aendiugan undutiful son witli a death Warrant to a potter, who kil- 
led his owu son, to whom tiie letter bad been g\\en (nach Low). Zur Zeugeu- 
reinigung verUngeu die Gesetze in einigen Fällen die Probe von Ordealen, und 



Vat Cheng. • 75 

Der schönste Schmuck Bangkoks ist die Pagode Vat Cheng 
(von Phaya Tak erbaut), die sich in elegante Terrassen in der 
Erhebung verjüngt bis zum Hervortreten der Kegelspitze, die 
auf Treppen erstiegen werden kann und dann einen prächtigen 
Blick über die mit Thürmen und Palästen starrende Stadt an 
beiden Seiten des durch Palmen und Gärten bekränzten Flusses 
gewährt. Eine der Fa^aden wird von Engeln, eine andere von 
Ungeheuern, die dritte von Drachengöttem getragen, und aus 
den oberen vier Nischen reiten auf weissen Rossen berittene 
Kämpfer hervor. Vor einer Tempelthür standen Steintafeln mit 
den Figuren chinesischer Kaiser und Helden. Auf einer kleinen, 
durch eine Brücke verbundenen Insel des Fliisses bemerkte ich 
die Steinfigur eines Crocodils, und die Marken d^s Klosters 
waren durch einen aufgehängten Holzfisch bezeichnet, als Verbot 
za fischen. Unter den jungen Mönchen gab es manche, die gerne 
Beschäftigung im Abschreiben nahmen und entweder ihre eigenen 
oder geliehene Bücher für mich copirten. Auch in anderen 
Klöstern machte ich später Bekanntschaft, an die ich mich für 
mündliche Belehrung oder schriftliche Arbeiten vorkommenden 
Falls wenden konnte. Die Tcmpelthüren waren von grotesken 
Riesenkolossen bewacht, als die Figuren von Sinto und Udlui, 
die beiden herzhaften Krieger, die unter dem chinesischen 
Kaiser Hongsin die bösen Geister verscheuchten und jetzt er- 
wartet werden, dieselben Dienste im Erschrecken der Phi thun 
zu wollen. An einer einsamen Stelle des Weges von H^ochin- 
china sah Crawfurd eine Fratze aufgehängt, um die die Rei- 
senden belästigenden Spukgespenster fortzutreiben. Im Vat 
Phromakhun zeigte die Tempelthür Sculpturen von Affen und 
Elephanten. Die häufig die Phra Chedi umgebenden Stein- 
Labyrinthe werden Kampeng-Keoh (Juwelen-Mauer) genannt. 



waren dieselben früher nicht ungewöhnlich. Loub^re erzählt, da»8 ein Franzose, 
dem ein Siamese Zinn gestohlen, sich bereden Hess, seine Hand in Ermange- 
lung eines Beweises in geschmolzenes Zinn zu stecken, sie aber ganz verbrannt 
wieder herauszog. Der Siamese kannte Mittel, davonzukommen, ohne seine Hand 
zo verbrennen, und wurde freigesprochen, gestand jedoch bei einem neuen Pro- 
caese, sechs Monate später, den an Jei:em Franzosen begangenen Diebstahl ein. 



76 Aufenthalt In Rmgkok. 

Die Predigthallen heissen Krammarien oder Rongtham (Sapliak 
sala), und in der Mitte des Arani erhebt sieh der Tempel, wie 
der Naos in den Parkanlagen des grieehisehen Teraenos. 

Bei einem Besuche im Vat Cheng wurde gerade die Predi- 
gerstunde gehalten. Der MCmcli sass auf der Kanzel und wie- 
derholte mit dem Fächer vor dem Gesicht die Pali-Sentenzen 
der Gebote, die die auf der Erde knieenden Zuhörer und Zuhö- 
rerinnen im Unisono wiederholten. Neben der Kirche steigt 
man auf einer engen Treppe zu einen Thurm hinein, in dem 
ein Felsblock mit einem Abdrucke des heiligen Fussstapfens 
liegt. Unter den Bildern die al fresco die Wände des Tempels 
bedecken, enthielt eine Reihe die Uebungen der Eremiten in 
dem Jhan,. indem sie sich durch die auf Wasser, auf Feuer, 
auf Blumen und dergleichen fixirte Meditation in den Zustand 
der Verzückung versetzen. Eine andere Gruppe von Gemälden 
betraf die Reflexion über die Gebrechlichkeiten der Körper- 
Organe und zeigte den die Bang Soph (Soph oder Leiche) 
reoitirenden Mönch in der Betrachtung von Verunglückten durch 
Herabstürzen, Ertrinken u. s. w. Andere Zeichnungen stellten 
die vergeltenden Höllenstrafen vor, wo der Jäger von seinem 
Hunde zerrissen, der Fischer durch Dämonen aus einem Pechpfuhl 
aufgefischt, der Schlächter selbst geschlachtet wird u. s. w. 

Das Kloster (Vat) Kallaya-Xöng wurde durch den Chao 
Phaya Krabodin nach dem Modelle des Klosters Chao Phra 
Nöng-Xöng in Ayuthia gebaut. Ein reicher Chinese, der unter 
dem Titel Kromarien in den siamesischen Adelstand erhoben 
ward, Hess auf seine Kosten das dortige Buddhabild (Phra Chao 
Nöng-Xöng) verfertigen, das sich in Folge dessen immer den 
Chinesen besonders günstig gesinnt gezeigt hat. Es wird auch das 
Kloster Kallayanimitr oder der wumlerbaren Erscheinung unser 
lieben Frau genannt. Um die Zukunft zu erforschen, pflegen 
die Chinesen halbkreisförmige Holzstücken (Mai pa pavui), 
von denen immer ein Vorrath anf dem Altare liegt, in die Luft 
zu werfen und dann zu beobachten, welche Seite auffällt, oder 
Stäbe*) aus Bechern zu schütteln. An den Wänden des Tem- 



*) Auother kiud of lots tliey doo uae iu putting a great nuiuber of little 



Gelübde. 77 

pels waren viele chinesiscbe bunte Papiere aufgeklebt, aber 
meist in siamesischer Sprache beschrieben. In einem betete ein 
Mann nebst seiner Gattin um Glück im Bohnenspiel (len tua) 
und verwahrte sich gegen Unglücksfälle. In einem andern wünschte 
der Schreiber fünfluindertfach im Würfelspiel (lenpo) Zugewinnen. 
Ein drittes lautete: „Ich dcmütliiger Sklave flehe um die Ver- 
günstigung, Gelübde ablegen zu dürfen. Durch den Chao Khun 
des Vat Chao Kallaya-X(5ng bitte ich die gnädige Hülfe des 
Phra Chao Kha Nöng-Xöng, wenn ich die Nummern k. kh. in 
den '{6 Lotterieloosen spiele, damit mir ein tausendfacher Gewinn 
herauskommen möge. Dann verspreche und gelobe ich Lakhon 
(siamesische Dramen) spielen zu lassen für einen Tag, und 
auch hübsche Ngiu (chinesische Possen), gleichfall* für einen 
ganzen Tag. So wahr sei mir geholfen. Sonst aber bitte ich 
ergebenst den erhabenen Herrn Kha Nöng-Xöng, mir innerhalb 
drei Tagen gnädigst das Genick zu brechen, oder, wenn es 
beliebt auch in sieben Tagen." 

Im Vat Samphüm traf ich einen Mönch «aus Viengchan, 
der mir Auskunft über die Sprache und Alphabete der Laos 
geben konnte. Ein anderes Kloster der Laos, das ziemlich 
vernachlässigt aussah, fand ich bei meinem beabsichtigten Be- 
suche erst nach langem Suchen auf, und nur mit Hülfe einer 
Laterne, da es schon spät Abends geworden jvar und die sum- 
pfige Umgebung, in der es lag, vorsichtig betreten werden 
musste. Die Thüren standen ofi*en, aber die Räume leer, und 
obwohl wir alle Zellen mit Lichtem durchsuchten, wurde doch 
keine lebende Person, weder wach noch schlafend, angetroffen. 
Die Mönche wären vielleicht kneipen gegangen, meinte mein 
Begleiter. 



fttickes into a pot and upon everie one of them is written a letter and after that 
they bave tombled and tossed them together in the pot they cause a child to 
put in bis band and take out one. Nach Grosfer erklärte ein Honze die ent- 
sprechende Inschrift, um daraus die Vorbedeutung zu ziehen. Die Norweger 
gingen zu Frett, indem sie durch eine Loosung mit Stäben die Götter ausforsch- 
ten (ndfritte) und ihren WiUen (Münch), wi« «• Tacitus von den Germanen be- 
rifbtet 



78 Aufenthalt in Bangkok. 

Ein kleines Kloster, aber nea and nett; war der Vat Dokmai 
(das Blumenklostcr) y dessen Abt für einen grossen Gelehrten 
galt, und da er gern seinen Ruf erbalten hätte , sich stets 
bemühte ; keine der an ihn gestellten Fragen unbeantwortet 
zu lassen. 

Einen steiferen Empfang fand ich im Vat Mahathat (das 
Klostor der llauptreli(|iiien) bei einem der dortigen Professoren, 
der mir gleichfalls seiner Kenntnisse wegen empfohlen war. 
Ich hielt die einmal eingeleitete Bekanntschaft für einige Zeit 
fest, merkte aber bald, dass das rückhaltsvolle Schweigen gute 
Gründe hatte und durch das Brechen desselben nichts gewonnen 
werden würde. Bei einem meiner Besuche war gerade grosse 
Abfütterung im Kloster, und sah man in allen Zellen der 
Mönchsstadt die frommen Laien mit ihren Familien sitzen und 
warten, bis der heilige Empfänger die mit Herablassung accep- 
tirtcn Gerichte zu verzehren geruht haben würde. Dies Kloster 
gilt für eins der ältesten in Bangkok und soll schon vor der 
Erbauung der Stadt auf seinem jetzigen Platze gestanden haben. 

In der Nilhe meiner Wohnung, am üussersten Ende der Vor- 
stadt, lag zwischen verwilderten Pflanzungen ein kleines Kloster, 
wo ich periodisch eine Visite abstattete, um die in der Zwi- 
schenzeit niedergelegten Opfergaben zu examiniren; der Vor- 
stecher war indess ein mürrischer Brummbär, mit dem sich 
nicht viel aufstecken Hess. In den brakfjüligen Zellen rekelten 
ein paar dicke Bauernlümmel, frisch vom Dorfe, für die die 
Essenz des Buddhismus, wie man sah und roch, in stinkender 
Faulheit bestand. 

In Vat Phra Surivong (das Kloster des Sonnengeschlechts) 
residirte unter dem Ehrentitel eines Somdet-Chao der Geistliche, 
der seit dem Ableben des Patriarchen dessen Stelle versah, 
indem er die nächsthohe Würde an der Kirche bekleidete. 
Eine ehrwürdige, liebevolle Erscheinung war dieser hochbejahrte, 
aber dennoch rüstige Greis, der den weiten Weg nach meiner 
ausserhalb der Stadt gelegenen Wohnung nicht scheute, um 
sieh mehrere Male dorthin rudern zu lassen und seine Wissbe- 
gierde zu befriedigen. So oft ich in seiner Nähe war, versäumte 
ich nicht, ein Gleiches zu thun, und nahm stets werth volle Be- 



Klostergarten. 79 

lehrnng aus seinen Zusammenkünften mit mir fort. Aus der 
Zeit der Missionäre Gutzlaff und Abel fanden sich in der 
Bibliothek einige europäische Bücher. Die Pagode war in der 
Reparatur begriifen, und auch der Klostergarten war nicht in 
dem besten Zustande der Erhaltung, muss aber ursprünglich 
mit grossen Kosten angelegt sein, da er noch jetzt ein höchst 
wunderliches Gemisch von Grotten, Höhlen, Brücken, künstlichen 
Hügeln, Figurennischen, Gängen, Tunneln und Schluchten bil- 
dete in siamesisch-chinesischem Geschmack. Einige der Capellen 
und Tempel waren mit vieler Kunst verziert, doch denken die 
Buddhisten selten an Conservirung dessen, was sie einst zur 
Erwerbung von Verdienst aufgebaut haben. Nur die Stein- 
brUcken, Taphan-Xang genannt, weil stark genug, um einen 
Elephanten zu tragen, waren noch unversehrt. Bei einem meiner 
Besuche an einem Feiertage, wurde die Thür der Bethalle um 
zwei Uhr geöffnet, und versammelten sich dort unter dem Läuten 
der Glocken die aus ihren Zellen herbeieilenden Mönche, um 
sich in Paaren gegenseitig Beichte abzulegen, worauf sie bren- 
nende Kerzen vor den Bildern aufsteckten. 

In dem Abt des Klosters Borommanivat hatte ich meinen 
liebsten Bekannten gefunden, einen ächten Jünger des Buddliis- 
mus, g<anz von dem wohlwollenden Geist seiner reinen Lehre 
durchdrungen, und habe ich manchen Nacliniittag in seiner 
ruhigen Zelle verbracht, bis uns das Abenddunkel überraschte 
und die einbrechende Dämmerung meine Aufzeichnungen unter- 
brach. Mein Freund war mit den philosophischen Definitionen 
wohl vertraut', und war der Verfasser grammatischer Abhand- 
lungen, deren letzte unter dem Titel Aksaranit herausgegeben 
war. Ich fand ihn bei meinen Besuchen meistens in einem ab- 
gelegenen Theile des weiten Parkgartens, neben einem nie- 
drigen Steinhäuschen, dessen Thür eine Inschrift der viereckigen 
Pali-Buchstaben (Charaktere der Mon oder Peguer genannt) trug. 
Neben der centralen Pagode führt eine reich mit Elfenbein ein- 
gelegte Thür in eine niedrige Kellemische im Innern des Phra 
Chedi, und im Hintergrunde sitzt unter einem Terrassenschirm 
eine Figur Buddha's. An der Kückseite derselben erhebt sich 
in kegelig gewundener Spitze eine Dagobe oder Phra Sathub, 



80 Aufenthalt in Bangkok. 

die Reliquien oder Mahathat einschliessend, die in einem Kasten 
jillirlidi bei den Festlichkeiten des sechsten Monats den from- 
men Pilgern exhibirt werden, nachdem der vergoldete Deckel 
des Satbiib abgehoben ist. In den um den Phrachedi aussen 
herlaufenden Hallen sind priesterliche Figuren in betender Stel- 
lung an die Wände gesetzt, und von den Ecken derselben stei- 
gen die Dreizacken tragenden Kegel an der Spitze (Jot) der 
Phra Prang oder Phra Pasat auf. Die Form der Pagode, wie 
sie von Buddha angeordnet wurde, ist der Phra Chedi oder 
Phra Satlmb. Der Phra Prang, sagen die Siamesen, ist von 
den Brahmanen genommen, um den Sivalüngk vorzustellen. Die 
grosse Menge von priesterlichen Figuren, die in unterbrochenen 
Reilien neben einander den centralen Tempel häufig umgeben, 
sollen die dritte Person der Trinität oder Phra Sangkha dar- 
stellen, nach der siamesischen Erklärung von Biet Kan oder 
diclit mit dem Körper zusammengedrängt, als Alles erflillend. 
Die sitzenden Buddhas, die den Vat Pho an den vier Seiten 
umgeben, haben die linke Hand (mit der Fläche nach oben) 
in den Schooss gelegt und die rechte (mit der Fläche abwärts) 
auf das rechte Knie. In den Nischen , die an den vier Cardi- 
na Ipunkten zurücktreten, finden sich gewöhnlich drei oder vier 
sitzende Figuren zusammen, die beide Hände in den Schooss 
gelegt haben, die rechte (mit der Fläche nach oben) auf die 
offene linke. Dann geht die Reihe der Buddhas weiter bis zur 
näclisten Nische, nur in der Mitte jedesmal durch die einfuh- 
rende Thür unterbrochen. An dem Hauptthore steht eine Riesen- 
gestalt, die die Hand in verbietender Stellung erhebt. In eine 
der Seitencapellen war hinter der sich über Buddha wölbenden 
Schlange ein künstlicher Baum gestellt. 

Als Ausbund tiefster Religionskenntniss war mir der Abt 
des Vat Rakang oder Glockenklosters, Achan To mit Namen, 
gerühmt, und ich benutzte deshalb die erste freie Zeit, mich 
demselben vorzustellen. Er empfing mich indess sehr zurück- 
lialtend, und konnte ich aus seinen wenig freundlichen Mienen 
bald abnehmen, dass dieser alte Herr zu der streng conserva* 
tiven Parthei gehöre, die die Fremden und ihre reformatorischen 
Ideen gern wieder zum Lande hinaus hätte. Ehe wir noch viel 



Die Abendgesellschaft. gl 

über die ersten Complimente hinausgekommen waren, hatte er. 
Gelegenheit gefunden, in eins der hinteren Privatgemächer sei- 
nes Hauses zu verschwinden, und kam auch nicht wieder zum 
Vorschein. Statt seiner schickte er seinen Lieblingsschüler, um 
mit mir die Discussionspunkte zu erörtern. Mit diesem, der 
anfangs freundlich und bereitwillig auf meine Fragen einging, 
entspann sich bald ein lebhaftes Gespräch ; da ich aber manche 
der schwierigsten Punkte gerade für diesen Besuch aufgespart 
hatte, fand ich meinen Collocutor bald so verwirrt und beschämt 
über die nachgewiesenen Widersprüche und die Unmöglichkeiten, 
sie zu vereinbaren, dass ich ihn vor den Ohren seines wahr- 
scheinlich hinter der Bretterwand lauschenden Lehrers nicht 
weiter in die Enge treiben wollte und mich mit Durchsicht 
einiger aus der Bibliothek gebrachten Bücher begnügte. Ich 
vereinbarte die Abschrift einiger derselben, um einen Vorwand 
zum Wiederkommen zu haben, wurde aber auch dann nicht in 
die Gegenwart des Allerheiligsten zugelassen und musste zu- 
rückkehren, ohne das Weislieitsorakel gehört zu haben, obwohl 
ich meinen Besuch, so lange es schicklicher Weise möglich war, 
verlängert hatte. 

Einige Wochen darauf Hess mich Herr Alabaster, der erste 
Secretär der englischen Gesandtschaft, wissen, dass der Phra- 
Klang oder Finanzminister uns zu einem Feste eingeladen habe, 
das Abends in seiner Wohnung stattfinden würde. Wir fanden 
dort Alles reichgeschmückt und eine auserwählte Gesellschaft 
versammelt, unter der sich auch eine Anzahl von Mönchen be- 
fand. Einige berühmte Prediger traten Einer nach dem Andern 
auf, um eine Ansprache an die Versammlung zu halten, und un- 
ter ihnen zuletzt auch mein Freund aus dem Kloster Rakang. Er 
feierte in pompösen Ausdrücken die Erhabenheit des wahren 
Glaubens, die tiefe Weisheit der Buddhen, die Unergründlich- 
keit der von ihnen gelehrten Geheimnisse und spielte dann auf 
die fremdländischen Barbaren an, die in's Land kämen und 
meinten, dass dieser kostbare Born des Wissens auch ihnen zu- 
gängig sei. Die Thoren! Wie können sie hoffen, dass ihr blö- 
des Auge; ihr nicht durch die Mönchsweihe, nicht durch die 
Stille des Klosterlebens nach einsamer Meditation vorbereitetes 

Bas (1 an, ReU« in Slam. III. 6 



82 Aafenth&lt In Bangkok. 

Herz für das Verständniss des Höchsten und Heiligsten em- 
pfönglich sein könne! Er hatte jetzt gut orakeln, da auf der 
Kanzel keine Einsprüche zu fürchten sind. Ich machte Herrn 
Alabaster mit meinen Schicksalen im Kloster Rakang bekannt, 
damit ihm von der Würze nichts verloren gehe, und während 
wir uns zerknirschten Herzens diese niederschmetternden Phi- 
lippiken hinteres Ohr schrieben, kam zu unserer Tröstung der 
Herr Minister heran und zeigte sich in flüsternder Mittheiluug 
sehr indignirt über diese Ausfiille, die er sehr bedauere, da sie 
nicht hierher gehörten und selbst einem so heiligen Manne nicht 
ziemten. Wir würden natürlich sehr bedauert haben, wenn sie 
uns entgangen wären, und versicherten unserm theilnehmenden 
Ohrenbläser, dass die Angriffe eines Gegners sich stets lehr- 
reicher beweisen, als Zusammenstimmung der Meinungen. 

Die bei diesem Feste, wie immer bei vorkommenden Ge- 
legenheiten, den Priestern verehrten Geschenke waren durch 
eine lange Schnur umwunden, die sich mit dem einen Ende an 
ein Buddhabild knüpfte, um von demselben mit magischer 
^ Kraft durchströmt zu werden. Während der Vorlesung pflegte 
der Phra- Klang vor dem jedesmaligen Abte zu knieen, aus 
einem goldenen Becher Wasser vergiessend, und nach Beendi- 
gung derselben überreichte er ein neues Mönchsgewand, das 
durch weisse Zeuge mit jenem geweihten Cirkel verbunden war. 

Die ersten Prediger hatten sich darauf beschränkt, Pali- 
Sentenzen herzusagen, denen sie siamesische Uebersetzungen bei- 
fügten, um die vier heiligen Wahrheiten, die Aryasat thang-si, 
zu erläutern. Als Seine Eminenz (Chao-Khun) aus dem Glocken- 
kloster aber das Katheder eingenommen hatte, folgte eine frei 
improvisirte Rede in Knüttelversen und wurde das in der Hand 
gehaltene Pali-Buch gar nicht geöfinet. Es war zum grössten 
Theil eine ächte Kapuzinerpredigt voll derber Spässe und Gas- 
senhauer, und Alles im verständlichsten Volksdialekt, der auch 
von den Zuhörern gebührend geschätzt und belacht wurde. Er 
bemerkte gleich in der Einleitung, dass es sonst bei solchen 
Gelegenheiten gebräuchlich wäre, Pali-Gebete herzusagen; er 
wolle indess diesmal von dem Brauche abweichen und in sol- 
chen Ausdrücken reden, dass auch der gemeine Mann klar be- 



Der Prediger. 83 

griffe, ein wie böses Ding es um jene alten Erbfeinde des Menschen- 
geschlechtes sei, jene drei *) Grundlaster, der Moha (Dummheit 
oder Irrthum), Thosa (Zorn) und Lobha (Begierde), und bis 
zu welcher Verblendung dieselben fliliren könnten. Mit Recht 
würde die Weisheit der heiligen Rcligionschriften dem unend- 
lichen Ocean verglichen, denn kein Menschenleben könne ge- 
nügen, sie zu erfüllen, und doch wäre der Versucher da mit 
seinen Einflüsterungen, dass ihr Studium wohl abgekürzt und 
übersichtlich zusammengefasst werden könne. Das sei eine 
verdammungswürdige Ketzerei, ein schmähliches Vermessen. 
In den heiligen Schriften gäbe es keine Abkürzung und Zu- 
sammenfassung, jedes Wort, jeder Buchstabe sei ein Wort des 
Lebens, müsse treulich und ehrlich erlernt und durch bestän- 
diges Wiederholen im Kopfe festgehalten werden. Dazu könne 
man nicht früh genug anfangen, und würde trotz ununterbro- 
chenen Fleisses doch auch bei längster Lebensdauer das Ziel 
nicht erreichen. Sollte man es aber glauben, dass in Blind- 
heit umherirrende Heiden sich einbilden könnten, die in den 
Schleier solch' undurchdringlicher Weisheit gehüllten Wahr- 
heiten zu ergründen, noch ehe sie selbst durch den elementar- 
sten Vorbereitungscours die Wurzel der Moha, Thosa und Lobha 
an sich abgeschnitten hätten; während sie noch leichtfertigen 
Gedanken nachhingen, während sie noch im Zorne aufbrausten, 
während ihr Herz noch an den Dingen dieser Welt klebe. Seine 
Zuhörer möchten zweifelnd den Kopf schütteln über solche Ver- 
kehrtheiten in der Menschennatur. Es scheine dennoch, dass 
dieser Wahn in manchen Köpfen existire. Aber er, der Abt 
des EJosters Rakang, er sässe jetzt hier auf dem Lehrstuhl, und 
er rathe ihnen eindringlich, ihr hoffnungsloses Beginnen aufzu- 
geben. Er wisse gar wohl, mit welch' unschätzbaren Gütern sie 
ihre Schiffe zu beladen dächten, aber ihr Wunsch würde ohne 
Erfüllung bleiben. Vielleicht möchte es ihnen gelingen, ein 
paar Samenkörner fortzuführen, doch auch das würde ohne 



*) Indem die Seele eich mit dem Korper Terbindet, zeigt sie sich (nach 
Saadiah Fajjomi) in drei ThltigkeitsSussemngen , in der Neschamah, im Zorne 
(Kuach) und in der Begierlichkeit (Nephesch). 

6» 



84 Aufenthalt in Bangkok. 

Nutzen bleiben , denn auch der edelste Same könnte nicht in 
jenem unfruchtbaren und ganz unvorbereiteten Boden keimen, 
wohin sie denselben zu vers('hlei){)cn hofften. Der grösste Tlieil 
der Bede wurde in kurzen und gereimten Versen gesprochen, 
scheinbar aus dem Stegreif. 

Später in der Nacht, als der Priester und die meisten der 
Gäste sich zurückgezogen hatten, rief der Phra-Klang zwei sei- 
ner Hausgelehrten zu sich und setzte sich mit uns auf das 
Sopha, um bei Thee und Cigarren gemeinschaftlich zu discu- 
riren. Die Phra-Arya-Sat, oder die Vierzahl der heiligen 
Wahrheiten, sind als der Kern der Lehren Buddha's zu be- 
trachten und finden sich auch auf den Thoncylindern einge- 
schrieben, die am Pathommachedi ausgegraben werden, einer 
alten Pagode zwischen Bangkok und Petchaburi, die jetzt er- 
neuert wird. Der Minister, der von dem König mit der Beauf- 
sichtigung dieser Restauration betraut ist, zeigte mir einige der 
dort gefundenen Figuren. Bei chronologischen Fragen über die 
Zeit Phaya Milinda's und Phra-Phuttakliosa's nahm er Recurs 
zu seinen vor ihm knieenden Dictionairen, doch konnten auch 
diese nur verworrene Auskunft geben. Erst nannten sie Phuttha- 
hosa (Buddhaghosa) einen Chao oder Edlen von Langka (Cey- 
lon), gaben aber später zu, dass er erst von Jambudwipa aus 
dorthin gekommen sei. Andere sprachen von Phra-Khosachan, 
der die Khom-Buchstaben von Langka gebracht habe. Uebcr 
Nagasena*) wusste der Eine, dass er von Phrohma-Lok (dem 
Brahma-Himmel) gekommen, der Phra-Klang aber wandte ein, 
dass das Fabel sei und nur bedeuten solle, dass alle Menschen 
von brahmauischen Voreltern stammten. Von den Xadok (Ja- 
taka) behauptete er, das seien nichts als Geschichten, die von 
gelehrten Männern zusammengestellt seien, und auch die fünf 
kanonischen Bücher der Sutra , obwohl sie manche gute und 
werthvolle Dinge enthielten, wären auf das Vielfachste mit In- 
terpellationen und späteren Zusätzen untermischt. Als die ur- 
sprünglichsten Worte Phra-Phuttha's dürften nur die Phra-Arya- 
Sat und der Phra-Baramatt (Paramatta) gelten. Beim Tode 

*) Ja^omitra d^igne Nagardjnna tons le nom de Sthavira Nagasena. 



Theegespr&che. g5 

des Menschen bliebe nur das PhoUavibak übrig and dann der 
Chuti-Chitr, der nach den guten oder bösen Früchten des Kn- 
salaknson die neue Existenz bei der Empfängniss vorbereite. 
Wie Pheta-Chitr oder Tek-Chitr (das Brechen des Geistes) das 
Sterben ausdrückt, meint Chuti-Khlüen das Fortbewegen znr 
Wiedergeburt. Die Sünde in dreifacher Gestalt, als Moha, Thosa 
und Lobha, liege schon mit der Geburt in der menschlichen 
Natur, und nur durch ilire Veniichtung sei Befreiung aus dem 
Kreislauf der Wiedergeburten zu erlangen. Nach Weisheit zu 
suchen, muss das Ziel und der Zweck jedes Strebens sein. Um 
aber mit Sicherheit zu erforschen, was das Wahre sei, müsse 
man in zweifelhaften Fällen alle die die Frage constituirenden 
Elemente sehr sorgfaltig untersuclien und mit ihrem Gegen- 
theil abwiegen, um so zur richtigen Entscheidung zu gelangen^ 
da bei nur oberflächlicher Betrachtung des Ganzen das ürtheil 
leicht getäuscht werden könne. Die Wahrheit gleiche dem Zün- 
gelchen in der Mitte zweier sich balancirenden Sc^halen der 
Waage. Die nachfolgende Existenz wachse aus der gegenwär- 
tigen hervor, wie die Pflanze mit Verwesung des Samens aus 
der Erde aufsprosse. Die Wiedergeburt gleiche dem Echo der 
Stinmie, die, wenn gesprochen, von jenseits zurückgeworfen 
wird. 

In der Nähe des Ministerhotels befand sich eine katholische 
Mission, und unser Wirth, der sich gern über die Vergleichung 
der verschiedenen Religionen ausliess, legte uns einige Beob- 
achtungen vor, die er dort gemacht hatte. In der Hütte eines 
seiner Leute lag ein Kind an den Blattern nieder, und nach- 
dem die Mutter alle Medicinen der Aerzte vergeblich versucht' 
hatte, wandte sie sich an den Priester der Kirche, der ihr em- 
pfahl, fleissig zu Gott um die Gesundheit des Kranken zu beten. 
Das Kind starb indess, und der Phra-Klang sagte, dass ihm 
die Mutter, als er mit ihr darüber gesprochen habe, gesagt 
hätte, Gott habe ihr Kind so sehr geliebt, dass er es zu sich 
genommen. Ihm scheine das nur ein sehr selbstsüchtiges und 
habgieriges Verfahren von - Seiten des Christengottes , dass er 
der armen Mutter ihr Kind nehme, weil er es für sich wünsche. 
Im Laufe des Gespräches erzählte er noch Folgendes: Er habe 



gg Aufenthalt in Bangkok. 

einst einen der Bathluang (wie die katholischen Priester ge- 
nannt werden) ankommen sehen und auf seine Fragen von 
ihm erfahren; dass Gott ihn angetrieben habe, nach Siam zu 
ziehen und dort sein Wort zu predigen. Einige Wochen darauf 
schlug sein Boot auf dem Flusse um und er ertrank. Sein 
College, als er ihm dies berichtet, habe hinzugefügt, dass Gott 
ihn aus allzu grosser Liebe nach dem Himmel hinaufgenommen 
habe. Wenn dem aber so war, warum hat Gott ihm dann nicht 
alle die Beschwerden und Mühseligkeiten der langen Reise ge- 
spart und ihn lieber vor ihrem Anfange, als an ihrem Ende, zu 
sich gerufen? 

Eines Tages, als ich in Gesellschaft von Capitän Knox den 
Phra Klang besuchte, beklagte sich derselbe über die protestan- 
tischen Missionäre, die ihm von Gott als Schöpfer aller Dinge 
vorsprächen, aber doch auf seine Fragen, woher er denn ge- 
kommen, keine Antwort geben könnten. Sie geriethen dann in 
Eifer und behaupteten, dass er glauben müsse. Als wir einige 
Systeme durchsprachen, die in ihrer philosophischen Entwicke- 
lung der buddhistischen Auffassung der Dhamma nahe kamen, 
stimmte er bald der Erklärung bei, dass die im allgemeinen 
Naturwalten wirkende Dhamma des Weltgesetzes beim Men- 
schen als harmonisches Verstehen zum Bewusstsein durchbricht. 

Eine meiner wichtigsten Bekanntschaften war die des Phra- 
Alak (königlichen Schreibers) genannten Edelmannes, d. h. des 
Bibliothekars, der über die Archive des Palastes gesetzt war. 
Er hauste mit seinen Secretären in einer niedrigen Kammer, 
zu der man auf einer engen und verdeckten Bodenstiege empor- 
' klomm, und benutzte ich jede Gelegenheit, ihn dort heimzu- 
suchen und ein Stündchen in der Atmosphäre antiiiuarischen 
Staubcs zu verplaudern. Die Bücherschätze wurden dann aus 
ihrem sichern Verschlusse hervorgenommen und zum bequemen 
Durchblättern neben uns auf die Erde gelegt. Da waren die 
dicken Bände der Geschichte Ayuthias in eleganten und rein- 
lichen Schriftzügen hingemalt, die alten Chroniken, so viele 
ihrer noch vorhanden, die Uebersetzungcn von Epen und Dramen, 
Romane , Märchen und Fabeln. Auch Bildwerke fehlten nicht, 
sowie einige Palischriften mit zugefligter Erklärung im Verna- 



Die königliche Bibliothek. g7 

cular; ftlr welche Zwecke indess gewöhnlich die Khom-Buch- 
staben an die Stelle der siamesischen traten. Schreiber waren 
mit Copien beschäftigt, Aufträge des Königs oder der Minister 
liefen ein, Schriftstücke auszufertigen, junge Prinzen kamen 
herein, um die Hülfe der dortigen Gelehrten für schwierige 
Pankte ihrer Schularbeiten zu erbitten. Jeder Sohn des Königs 
muss fllr einige Zeit das Mönchsgewand tragen und sich im 
Kloster den vorgescliriebenen Pali-Examinationen unterwerfen. 
Manche der englischen Bücher, die der KönigTlieils als Ge- 
schenke, theils im Auftrage erhalten hatte, wurden dort eben- 
falls bewahrt, und oft sah ich die Abzüge englisch abgefasster 
Actenstticke, die der König aus seiner Privatdruckerei zur Coi^^' . 
rectur dahingeschickt hatte, und die ich dem Bibliothekar durch- 
sehen half. Derselbe bewies sich in jeder Weise zuvorkommend, 
beantwortete meine Fragen, so weit er selbst dieselben zu lösen 
vermochte, und erlaubte mir mit gi:osser Liberalität die ge- 
wünschten Bücher zu leilien, um sie zu Hause zu übersetzen 
oder ausziehen zu lassen. Nur ging leider die Zeit meines 
Aufenthaltes zu rasch zu Ende, um die so reichlich sprudelnden 
Quellen zu erschöpfen. 

Bei den gelehrten Neigungen des Königs herrscht im Palast 
viel literarische Thätigkeit. Jährlich wird ein Almanach heraus- 
gegeben, der das ganze Land mit den wichtigsten Ereignissen 
bekannt macht, und in gewissen Perioden eine Hofzeituug, in 
der die Leitartikel von höchsteigener Hand geschrieben sein 
sollen. Häufig bietet sich die Gelegenheit, den Fremden in 
Bangkok Nachricht von einem freudigen oder traurigen Fami- 
lienereigniss zu geben, uud Seine Majestät lässt sich dann die 
Mühe nicht verdriessen, diese Mittheilung selbst durchzusehen, 
nm sie mit den blumenreichen Phrasen orientalischen Styles 
zu zieren. Auch gemeinnützige Verordnungen werden oft 
durch Strassenanschlag bekannt gemacht. An dem Palastthore 
las ich eines Tages die folgenden; die neben einander ange- 
klebt waren. In der ersten wurden die Steuerleute der könig^ 
liehen Böte ermahnt, künftighin genauer den ihnen gegebenen 
Befehlen zu folgen und nicht ihre eigene Meinjing geltend 
machen zu wollen. Eine zweite bedrohte ungerechte Richter 



38 Aufenthalt in Bangkok. 

mit schweren Strafen. Eine dritte verbot ein- ftlr allemal flir 
femer chinesische Pappen in den Palast zu bringen, solch' un- 
nütze Spielzeuge, die, wenn man sie hinlege, auf einmal durch 
Federdraht in die Höhe springen und Schaden machen könnten. 
Auf dem Markte fand ich einen Regierungserlass über die Ein- 
theilung der Soldatenwachen. Ein ander Mal sah ich eine Nach- 
richt aufgesteckt, dass ein gewisser Beamter, der als Khun 
geadelt worden sei, sich dieser Ehre unwürdig gezeigt habe 
und deshalb "derselben wieder verlustig gegangen sei. Die 
Hofzeitung (Nongsü Raxakitcha) in der Nummer des Pi Raka, 
duen si (Jahr des Hahnes im vierten Monat) bespricht die Fest- 
Kchkeiten bei Gelegenheit eines prinzlichen Kopfscherens und 
bemerkt, dass es völlig in dem freien Willen jedes Eingela- 
denen stände, viel oder wenig zu geben, wie ihm beliebe, die 
Geschenke würden nur als Zeichen der Ehrerbietung von dem 
Prinzen angenommen, und das Publikum müsse nicht glauben, 
dass man das Geld zu Markte trüge, um Reis damit zu kaufen, 
wie es sonst wohl vorkommen möge. 

Durch den Phra-Alak machte icB die Bekanntschaft noch 
verschiedener anderer Gelehrten, und setzte mich auch mit 
Malern in Verbindung ftlr Illustrationen einheimischer Merk- 
würdigkeiten, sowie mit einem Hofbeamten, der sich in der 
Photographie hatte unterrichten lassen. Bei einem Künstler, der 
die al fi-esco-Bilder in der Palast-Pagode ausgeführt hatte, sah 
ich mythologische Bücher mit den Figuren der verschiedenen,' 
besonders brahmanischen Gottheiten, in Erklärung ihrer Em- 
bleme. Einige der von ihm im Vat Keoh des zweiten Königs 
ausgeftlhrten Gemälde gehörten den Avataren Vishnu's an, an- 
dere sivaitischcn Tantras. In der Dachkammer eines am Markte 
(Sampheng oder Dreiweg) gelegenen Hauses fand ich einen 
chinesischen Literaten, auf den ich durch Bekanntschaft mit 
seinen Landsleuten aus dem Handelsstande aufmerksam ge- 
macht war. Die siamesische Belletristik hat verschiedene Ueber- 
fletzungen aus dem Chinesischen aufgenommen und zeigt auch 
in ihrem Styl von dorthin gekommene Einflüsse. Der Sakok 
(über die Kriege der drei Reiche) oder Samkok ist mehrfach 
in's Siamesische übertragen, besonders durch den chinesischen 



I 

l 



Sokrates bei Aspasia. 89 

Gelehrten Hongsen. Um die Bücher der Hof-Astrologen kennen 
zu lernen, besuchte ich den Hora-Thibodi, den ich im Vat Keoh 
verfehlt hatte, in seiner Wohnung, einem schwimmenden Hause 
auf dem Menam, wo er mir die für Verfertigung des Kalenders 
angestellten Berechnungen vorlegte. Der Name Horasatr*) 
wurde mir erklärt als Khon-ru-düen-pi, oder ein Mann, der in 
den Wissenschaften von den Monaten und Jahren bewandert 
ißt. Das Buch Praninthin (erklärt als Pratithin) giebt die Ta- 
bellen der Ephemeriden. Die meisten Bücher sind in den Kham 
Makot (Magadha- Worten des Pali), aber mit siamesischen Buch- 
staben geschrieben. Roth # erklärte Horos als einen sichtbar- 
gewordenen Gott. 

Ein schon hochbejahrter Professor, der der Lehrer des gegen- 
wärtigen Königs gewesen sein soll, enttäuschte leider die Hoff- 
nungen, die ich auf die von ihm zu erhaltende Belehrung ge- 
setzt hatte. Er stammte noch aus der alten Schule, wo es ein 
schweres Verbrechen gewesen sein würde, den ungläubigen 
Fremden die esoterischen Sprüche der ßeligionsschriften zu ent- 
hüllen und so diese edlen IPerlen vor die Säue zu werfen. Er 
zeigte sich deshalb sehr ängstlich bei meinem Besuche und 
wollte nicht recht mit der Sprache heraus, um nicht vielleicht 
seinem hohen Herrn Aergemiss zu geben. Doch nannte er mir 
einen jüngeren CoUegen, der wahrscheinlich weniger Scrupel 
haben würde, und zeigte mir auch bereitwillig die Bücher 
seiner Privatbibliothek. Noch eine sonderbare Personage lernte 
ich kennen, deren Bücherkenntniss mir von befreundeten Mön- 
chen gerühmt war. Man hatte mir seine Adresse in einer 
Nebengasse des Bazars gegeben, doch erkundigte ich mich 
dort vergebens nach Achan Di, wie er heissen sollte, da keiner 
der Anwohner ihn zu kennen schien. Zuletzt wurde ich, indem 
ich die gegebenen Directionen mit der Localität verglich, nach 
einem Quartier Übeln Rufes verwiesen und fand mich in einem 
Hetärenhause, deren Vorsteherin (Meh Klip oder Mutter Klip) 
den Professor (Aehan) Di sehr wohl kannte und mir die Zeit 



*) Wie von Varaha Mibira war ein Horasbastra abgefasst von Bbatta Bbava- 
drva, der das Meer der Banddba venchlaDg, wie Agaalja den Ocean, 



i 



90 Aufenthalt in Bangkok. 

nannte, wann ich ihn dort treffen würde. Seine Privatwohnung 
kannte sie nicht nnd glaubte, dass er gar keine habe. Als ich 
nach einigen Tagen zu der bezeichneten Stunde wiederkam, 
deutete man mir eine Halle an, wo der etwas verwüstet aus- 
sehende Herr Professor auf einem erhöhten Sitze an der Erde 
lag und einige Dutzend Mönche zu unterrichten schien, die 
lässigen und langweiligen Aussehens mit ihren Palmbüchem 
vor ihm sassen. Vielleicht waren es solche, die einen Extra- 
Cursus nehmen mussten, um sich auf das Examen vorzubereiten. 
Bei meinem Eintritt richtete der Lehrer mühsam seinen vom 
Nachtwachen einer oder der andern Art schweren Kopf vom 
Kissen auf, begriff aber bald meinen Zweck, da ich durch 
meine vielen Besuche in den Klöstern unter den Mönchen eine 
bekannte Persönlichkeit geworden war* Er war nicht ohne 
Talent, wie ich aus seinen Antworten auf die vorgelegten 
Fragen bald erkannte, und nannte mir die Titel von Commen- 
taren, die er zu einigen Stücken des Abhidhamma verfasst 
hatte. Eines derselben handelte unter dem Titel Phra-Phothi- 
pakkhiyatham-Panya über die Srattha, Sati-Phara, Prieja-Phara, 
Samathi-Phara, Panja-Phara. Er hatte früher als Mönch in dem 
Kloster ßakang gelebt, war aber dann in das bürgerliche 
Leben der Krahat (Laien) zurückgetreten und erwarb sich 
jetzt seinen Lebensunterhalt mit Stundengeben. Ein grosser 
Theil der Nongsü samret genannten Fächer, die der siame- 
sischen üebersetzung des Pali- Textes Erklärungen zuftlgen, 
wurde unter der verflossenen Regierung durch den Achan Xuh 
angefertigt. Jetzt ist einer der thätigsten Schriftsteller der 
Achan Ohn, der vom Kalahom als Erzieher seiner Kinder en- 
gagirt ist. 

Wenn ich die Gespräche mit den Mönchen auf Buddhagosa 
leitete, wurden Nachfragen über dieselben oft kurz damit ab- 
geschnitten, dass der König nicht von demselben zu hören 
liebe und deshalb dieses Thema besser nicht berührt würde. 
Der König tadele die Predigten über Phra-Phutta-Khosa in dem 
unverständlichen Jargon der Khek von Langka. Das könne 
auch ein Knabe, wenn er die Phrasen auswendig gelernt habe, 
ein Priester aber müsse so zu seiner (remeinde reden, dass ihn 



Eine gefallene Grösse. 91 

Jedennann verstehen könne. Sein Namensvetter Pythagoras aus 
Samos tbeilte dasselbe Schicksal im Abendland, wo die Kritik 
ebenfalls seine schwankende Figur möglichst vermied und den 
Hieros Logos bei Seite schob. 

Unter den vielen Frauen*) des Königs sind nur vier legitim, 
und sollten auch nur deren Söhne bei den Nachfolgen berück- 
sichtigt werden; die Sprossen des fürstlichen Hauses erhalten 
einen dem Grade der Veryrandtschaft entsprechenden Gehalt, 
der in den entfernteren Gliedern sich mehr und mehr vermin- 
dert, bis er zuletzt ganz aulhört; die desselben Verlustigen tre- 
ten dann in die grosse Masse des Volkes zurück, empfangen 
aber gewöhnlich von den ihre Abkunft kennenden Nachbarn noch 
eine Art Huldigungszoll, bis dann in späteren Generationen 
auch jede Erinnerung verloren geht. Eine dieser gefallenen Grös- 
sen, noch Khun oder Baron titulirt, bewohnte in der Nähe mei- 
nes Landlogis (bei Herrn Chandler) ein ziemlich grosses, aber 
kümmerlich erhaltenes Haus, das in einem grossen Garten lag 
und bei dem verfallenen Zustand der Wege und Bewässerungs- 
kanäle nur mit Mühe erreicht werden konnte. Er war über 
manche Sache weit besser unterrichtet, als die grosse Menge der 
Siamesen, und erwarb sich seinen Lebensunterhalt durch Anfer- 
tigung von Gelegenheitsgedichten, oder dass er Dramen bühnen- 
gerecht machte. Mancherlei Luxusgegenstände, die zerbrochen 
und beschmutzt umherlagen, deuteten auf bessere Tage, und er 
erzählte mir, dass er früher alles umliegende Land als sein 
Eigenihum besessen, aber durch verschiedene Unglücksfälle ein 
Stück nach dem andern verloren habe. Seine nächsten Verwand- 
ten wohnten in vier oder fünf Häusern um ihn herum und be- 
trachteten ihn noch immer als das Haupt der Familie. Einer 
seiner Brüder arbeitete als Zimmermann auf unserm Hofe, wenn 
es dort zu thun gab. Dieser Königsspross war schwammig und 



*) Wie die Konige von Dahomey das Monopol aller Frauen im Lande haben, 
so galt (nach Marco Polo) dies Regal auch in Cyamba : Sachiez que en ce r^gue 
nulle femme ne se puet marier se li toj» ne Ta veue devant et se eile lui piaist 
il la prent k femme et se eile ne lui piaist, U lui donne du sien, tant que eUe 
se pnisse marier. 



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92 Aufenthalt in Bangkok. 

aufgedunsen, aber von sehr heller Hautfarbe, und schwärzte 
auffallender Weise seine Zähne nicht, da er (ein Mirakel unter 
den Siamesen) keinen Betel kaute. Man bezeichnete ihn des- 
halb als den Khun Khaofan (den weisszähnigen Edelmann). 
Da er verschiedene Bücher über Medicin besass, wurde er von 
dem umwohnenden Landvolk oft in KrankheitsföUen consultirt. 
Auch andere Bücher astrologischen und magischen Inhaltes fand 
ich bei ihm, oder erhielt sie doch später durch Vermittelung sei- 
ner Bekanntschaft. In einem Götzenhause ausserhalb des Gar- 
tens sah ich zwischen anderen Puppenbildern die Porzellanfigur 
eines Löwen, chinesischer Arbeit, die wahrscheinlich vom Nipp- 
tisch des früheren Prinzen dorthin gerathen war. Davor fand 
sich eine herzförmig geschnitzte Planke, in der Art der Sema 
gestellt. Auf meine Frage nach der Bedeutung, erwiederten die 
Bewohner der nebenstehenden Hütte, dass dies dazu diene, Friede 
und Glück im Hause*) zu erhalten. 

Der weisse Elephant, den ich bei meiner Ankunft im Palaste 
gesehen hatte, war kein ganz ächter, als einiger Zeichen er- 
mangelnd, und wurde aiich nur Xang Prälat (der wunderbare 
Elephant) genannt. Gross war daher die Freude, als einige Mo- 
nate später sich die Kunde durch die Hauptstadt verbreitete, 
dass in den Wäldern des Nordens ein wirklicher Spross der hei- 
ligen Thiermajestüt entdeckt und auch schon von den Kha ge- 
fangen sei. Der König zog ihm zum Empfang mehrere Tage- 
reisen entgegen, und bei der Ankunft in Bangkok wurde vor den 
Palastthoren eine reich vergoldete Tribüne errichtet, auf df r der 
Elephant, von knieenden Prinzen und Fürsten bedient, ftlr meh- 
rere Tage den Augen des Volkes gezeigt wurde, das in den auf 
dem freien Platze aufgeschlagenen Schaubuden und Puppentän- 
zen jede Art von Belustigung fand. Neben dem mit goldenem 



♦) Die Raxasi Gharä, die den von zwei Müttern geborenen König Gliara- 
s&ndha zusammenfügte, wurde an die Wände der Häuser gemalt, um die Dnnava 
zu vernicliten. Wischnu vermochte .die feindlichen Danavas nach der Kri,ja)oga« 
säras nur mit Hülfe der Verblendung durch Joginidra zu überwindop. Als ältere 
Söhne des Kasyapa von der Ditis Messen jdie von Bali beherrschten Dainawa 
(deren Lehrer Sukras war), Pürwadewa oder die vor den Qottem Seienden. 



Der weisse Elephant 93 

(Jeschirr bedeckten Elephanten, der sich unter einem weissen Bal- 
dachin hin und her wiegte, war ein mit Teppichen bedeckter 
Sitz für den König hergerichtet, der auf einer mit silbernem Fuss- 
gestell versehenen Sänfte herbeigetragen wurde. Gold und Silber- 
bäume waren zum Zeichen der Huldigung aufgesteckt. Die vor- 
nehmste Rolle bei diesen Ceremonien spielte ein jüngerer Bru- 
der des Königs, der als Reichsmarschall der Elephanten (unter 
dem Titel KrommarXang) alle Angelegenheiten derselben zu 
verwalten hatte. Ich erhielt durch seine Gefälligkeit ein Buch 
geliehen, in dem alle die verschiedenen Racen der Elephanten 
abgezeichnet und beschrieben waren, so dass man nach den dort 
angegebenen Merkmalen den Stammbaum ableiten und nach dem 
reineren oder weniger edlen Vollblut schätzen konnte. Zu den 
gewünschten Zeichen gehört, ausser dem röthlichen Schein der 
Haut, völlig schwarze Farbe der Nägel und ein unverletzter 
Schwanz, der den meisten derselben höher oder tiefer bei einem 
Kampfe abgebissen ist. In dem Tamra Xang (Lehrbuch über 
Elephanten) wurde der Edelmann (Khun) Thephkravi in Ayu- 
thia als Verfasser genannt. Es enthielt aber eine Menge dem 
Kambodischen entlehnte Ausdrücke, die ganz unverständlich ge- 
wesen sein würden, wenn nicht eine spätere Hand hie und da 
die siamesische Bedeutung zwischen den Zeilen zugefügt hätte. 
Der glückliche Sterbliche, dem es gelingt, einen weissen Elephanten 
(Xang phuek) zu entdecken, wird in den Adelstand erhoben 
und erhält alles Land, so weit man die Stimme eines Elephanten 
hört, flpei von Steuer und Frohndienste. *) Sobald die Nachricht 
dieses heilverheissenden Ereignisses nach der Hauptstadt kommt, 
erhält der Gouverneur der dortigen Provinz Befehl, einen weiten 
und bequemen Weg durch die Wilde hauen zu lassen, damit das 
göttliche Thier bequem nach dem Fluss reise, um von dort in 
Staatschiffen herabgebracht zu werden. Im Palast angekommen, 
erhält es seinen eigenen Hofstaat und seine Diener, die es beim ^ 



*) AehnUcbe Ounstbezeigun^D soHen den erwarten, dfr dem Könige eine 
der seltenen Madiia, Blumen wunderbarer Kraft, darbringt, da es sebr selten sein 
BoU. eine Blume an dem MadOa-Banme zu finden, obwohl derselbe JährUcb Früchte 
trägt. 



94 Aafenthalt in Bangkok. 

Ausgehen mit einem Sonnenschirm bedecken; sowie einen Leibarzt^ 
der jede UnpUsslichkeit tiberwachen muss. Trotz dieser sorg- 
fältigen Pflege ist das Aussehen dieser Albinos, wie schon Fin- 
layson bemerkt, kein gesundes. Die Beine sind oft in drttsen- 
artigen Knoten angeschwollen, und die tiefen Runzeln der trock- 
nen Haut sondern eine scharfe Flüssigkeit ab. Eine Menge 
Sklaven sind stets beschäftigt, frisches Gras zu schneiden, eine 
Pflicht, die oft als Strafe auferlegt wird, und die Tafel Seiner 
Thierheit ist stets mit Kuchen, Bananen und Zuckerrohr ver- 
sehen, in kostbaren Gefässen aufgetragen. On gamit ses dents 
de plusieurs anneaux d'or, on met sur sa tete une esp6ce de dia- 
d^me on se prosteme devant lui comme devant les mandarins 
(Pallegoix). Die weissen Affen werden in den Ställen der weis- 
sen Elephanten gehalten, um die Krankheitsteufel abzuwehren. 
Nach Loub6re empfangen auch weisse Pferde hohe Verehrung 
und werden, wenn von reiner Race ohne Mischung indischen 
Blutes, Magol genannt. Dies, wenn allgemein, ftlr „Weiss" ge- 
braucht, könnte hinsichtlich der Elephanten Bezug haben auf 
ihre nördliche Herkunft aus den oberen Bergwäldern, indem 
der dort erscheinende Embryo-Gott aus den hohen Terrassen der 
lichtfarbenen Götter *) hergekommen ist, um sich in dieser Welt 
der Jampudvipa zum Besten der Menschheit einznkörpem. Um 
Verehrung zu empfangen, muss der weisse Elephant ein männ- 
licher sein, da er sonst noch nicht die letzte Stufe vormensch- 
licher Existenz erreicht haben würde, denn dem weiblichen Ge- 
schlecht bleibt stets zur Vervollkommnung' der Verwandlungen 
das männliche. Auch gehört eine besondere Bildung der Hauer 
zu den Zeichen, woran er überhaupt erst als acht erkannt wird. 
Im Kriege werden gleichfalls nur männliche Elephanten ver- 
wandt, während die Weibchen zur Anlockung beim Fange die- 
nen und zum Gepäcktragen oder bequemen Reiten vorgezogen 



*) Wie die ersten Ankömmlinge europäischer Schiffe auf den Polyneslschen 
Inseln, wurden (1839) Herr Ennis und seine Frau, als sie auf Bali reisten, von 
den Einwohnern für eben Tom Himmel herabgestiegene Dewas genommen, da sie 
nie zuvor weisse (fenschen gesehen hatten. 



Stammbaum der Elepbanten. 95 

werden. Die Wälder der Elephantenjagden liegen besonders in 
den Myang Badch genannten Bergen der Kha. 

Der Tamra Xang beginnt : „Von alten Dingen werde ich re- 
den, aus jeuer Vorzeit, wann Isuen und Phrommana, Narai's 
heiliges Feuer weihend, mit starker und mächtiger Kraft in's 
Leben riefen die Erscheinung der Elephanten, vierfachen Ge- 
schlechts (Phong), das Geschlecht der Isucn, das Geschlecht 
Phrohm, das Geschlecht Vitsanu und das Geschlecht Akkhani/^ 

Dann folgt das Bild eines elephantenköpfigen Ganesa mit 
Lotus in der linken und Dreizack in der rechten Hand. Die Um- 
schrift giebt den Mantra, um zum Wohlergehen der Elephanten 
die Gottheit (Phra Chao) Sivabutr Phinet suen zu verehren. 

Zweites Bild: Ganesa mit sechs Händen hält in der mitt- 
leren Hand der rechten Seite einen männlichen, auf der linken 
Seite einen weiblichen Elephanten. Der Rtisi (Eremit) Thepha- 
kam kniet an seiner Rechten, der Eremit Thephabutr an seiner 
Linken. 

Drittes Bild: Phaya Thephakam sitzt sechshändig auf einem 
von Schlangen umwundenen Sitz.« Rechts kniet der Rtisi Tora- 
phat-Thephakam, links der Rtisi Sitthi-Phrakam. Unten sitzen 
über einander zwei Thevabutr, von Schlangen umwunden. Bei- 
gefügt ist ein Gebetspruch, der dreimal ftir die Thevachamesitthi 
wiederholt werden muss. 

Viertes Bild: Ein von 26 Thephada gebildeter Elephant 
weisser Farbe. 

Fünftes Bild : Der dreiunddreissigköpfige Elephant Eravan *) 
(Eravannamenmong), das Reitthier Indra's (Thai-In) oder Kori. 

Sechstes Bild: Der dreiköpfige Elephant Khirimekh. 

Siebentes Bild : Darstelfungen von fünf Elephanten, goldener, 
silberner, gelber, blauer, grüner und grauer Farbe. 

Diese bilden die zehn Racen der Elephanten im Himaphan, 
dann folgt eine grosse Menge anderer Darstellungen von Ele- 
phanten in der gewöhnlichen schwarzen Farbe, um die verschie- 
denen Racen zu erläutern und die jeder im Besondcm zukom- 



*) Airawadi (Iravati), der aosser dem birmanischen Flusse auch dem QueU- 
strom Rhuadir des Indos (bei Ptolomios) seinen Namen gegeben. 



96 Anfenthtlt in Bangkok. 

menden Tugenden hervorzuheben. Der im Mittelpunkte des Ge- 
mäldes stehende Elephant igt immer von Waldscenerie umgeben^ 
durch Vögel, Blumen, Teiche, Wild u. s. w. vermannichfaltigt. 
Später sind noch einige Zeichnungen der Unglück bringenden 
Elephanten schlechter Race zugefügt, unter denen sich auch 
eine Art findet, die Fische frisst. Angehängt sind Darstellungen 
von Elephantenkämpfen und die Jagd auf Elephanten. Die letzte 
Seite enthielt einen aus den Körperwindungen von Mädchen ge- 
bildeten Elephanten (gleich dem Krischna's). 

Das Geschlecht der Xatthan genannten Elephanten im Hi- 
mavan dient dem Chakraphat (Rad drehendem Kaiser) auf sei- 
nen Zügen. Wenn die Stadt umkreisend, besteigt er den Elephan- 
ten Ubosot, berühmter Abkunft (Krakun mi nam). Nach Süd- 
osten reist er auf dem Elephanten Aiara, nach Süden auf dem 
Elephanten Phrahm, nach Südwesten auf dem Elephanten Ka- 
muth, und für die Kriege im Westen wählte er den Elephanten'^) 
Angxan. 

Zu den schlechten Arten der Elep'hanten, die nicht aufge- 
zogen, sondern, wenn gefangen, wieder in den Wald losgelassen 
werden müssen, gehört der an der Seeküste lebende Elephant 
Hinaxat, der Krabben frisst, der Elephant Tribsamnthtribphrai, 
der nach Art der Kühe isst und trinkt, sowie der Elephant Bek, 
mit schuppiger Haut wie ein Fisch. 

In der Altstadt, nicht fem vom Palaste, findet sich der 
Tempel des Phra Lak Müang (der Herr Stadt Pfeiler), ein Ziegel- 
gebäude, das einen eingeschlossenen Raum umgiebt, in dessen 
Mitte ein halbvergoldeter Pfeiler **) steht, mit Zeug umhangen. 



*) Die Helligkeit des Elephanten knfipft sich vor Allem an die letzte Incar- 
natfon Buddha'Sf der in solcher Form der Konigin Kapilawuttis nahte. Jupiter 
(A.) genoriden falsi sub imagine tauri/Si luserat, cur herilem virgo non geueraret, 
meint der Dominicaner Fransciscus de Retza (f 1425), der es als Professor der 
Theologie doch wissen mnsste. Die Rolle des Elephanten in Indo-Chinesien spielt 
der auch nach Ceylon übertragene Lowe in Indien, und auf Java war (ausser 
A.rya) Mahlsha oder Kebo (Büffel) Ehrentitel. Der von Rustum besiegte Kaiser 
China's im Heere Afi'asiab's wird als auf einem weissen Elephanten reitend dar- 
gestellt. 

**) In the vicinity of each village of the Santhals a kind of fttune \a placed 



L 



Der SUdtpfeiler. 97 

An die Hinterwand ist die Fignr eines ein Schwert führenden 
Thephada gestellt, vor dem mit Zeug behangene Stricke aus- 
gespannt sind. In die Umzäunung waren mehrere aus Holz- 
. schnitze! und Kalk verfertigte Figuren gelegt, in menschlichen 
oder thierischen Formen. In einer andern Richtung des Palast- 
quartiers fand «ich ein viereckiger Thurm mit niedriger Spitze 
dem Phra Kan (Todesgott) geweiht, und daneben ein über- 
dachtes Mauersteingebäude flir Phra Stla-Mtiang (der Herr des 
städtischen Gewandes), der die Stadt*) mit den weiten Falten 
seines schtttzenden Kleides bedeckt. In einer Nische fand sich 
die Figur Phra Hoklong oder Phra Po Iloklong (der Herr des 
Zwingers) sowie seines Sohnes, des auf einer Eule (Nok Kha 
Meoh) reitenden Phra Kan und zwei Bilder des Phra Stla 
(Tiger-Herrn) auf der andern Seite. Bei meiner Ankunft dort 
war die Thür verschlossen, aber ein paar zusammengekettete 
Gefangene, die auf der Strasse arbeiteten, wussten, wo der 
Schlüssel zu erhalten sei, upd holten ihn auf mein Verlangen 
herbei. Die Fensteröffnungen waren mit Puppen vollgestopft, 
als für das Innere bestimmte Opfergaben. Von dem Municii)al- 
Palast (nach HucJ oder (nach Williams) the municipal temple 
(the palladium) bemerkt Doolittle, dass er auch „the temple of 
the city wall and moat" genannt wird. „In theory every Pro- 
vincial, every prefectural and every district city has a temple 
devotet to this god (Siang-Huongor the Lord of the Provincc).^^ 
fir hat den Lapis manalis wieder zu verschlicssen , wenn die 
Geister nach dem Gräberfest in die Unterwelt zurückkehren 
müssen. In der Mitte des von Constantinus und Helena gehal- 
tenen Kreuzes (auf dem umbilicus urbis) war das Bild der l*yche 



in the gronnd, npon the top of which lie three poles. lu the centre of the en- 
closure Stands a pole at the top of which is attached a piece «f wood« moveable, 
At the centre upon a pivot npon this piece uf wood the blcod of the sacriflce 
for the snn is poured. Nach Stephanus errichtete man zuerst in Assyrien dem 
Mars Säulen. Die ägyptische Porphyrsäule , die aus Rom (mit dem Palladium) 
herübergebracht war, wurde (nach Philostorgius) mit Kerzen und Weihrauch in 
Bjzanz verehrt. 

*) In fHiherer Zeit, sagte mir ein Büchergelehrter, verehrten die Siamesen 
Dorfer und Städte (thü bahn, thfi myang). 

Bastian, Reiie in Slam. III. 7 



98 Anfentbalt In Bangkok. 

angebracht, magisch geweiht und von einer Kette angeschloBsen, 
deren Schlüssel in der Basis vergraben lag. Und so lange 
dieses Kleinod unversehrt bliebe, sollten es auch das Glück 
und die Herrschaft der neuen Kaiserstadt sein (Lasaulx), Delphi 
bildete den fuöo^fpdXta yairjg, und der in Ombos (Ombte) geborene 
Typhon (mit der Kopfbildung des Bore) hiess Seth, als Stein. 

Auf einem ofifenen Platze, nicht weit von dem Palast und 
durch einen Pflasterweg damit verbunden, steht das Boht Phrahm, 
als der Tempel der Brahmanen, deren in dicht belaubten Gärt- 
chen versteckte Häuser sich in der nächsten Umgebung finden. 
Dem Eingang des Tempels gegenüber sieht man ein hohes galgen- 
artiges Gestell, in dem die Brahmanen (während der im zweiten 
Monat gefeierten Phithi Lo Xingxa) an Seilen schwingen und 
unter Segenssprüchen aus BüflFelhörnem Weihwasser sprengen. 
Der PhoUatheph genannte Staatsbeamte, der dabei die Aufsicht 
führt, muss während der ganzen Dauer der Ceremonie auf 
einem Beine balanciren, und sollte^ er, ehe die drei Kreisungen 
vollendet sind, den Fuss auf die Erde setzen, so verfällt er 
den Brahmanen und muss sich durch theure Geschenke los- 
kaufen. Die Stangen selbst werden während des Festes wie 
Maibäume geschmückt, und die hinaufkletternden Brahmanen 
nehmen die Gaben herab. Da ich die Tempelthür, vor der von 
Hülfe suchenden Verehrern eine Menge Puppen hingelegt waren, 
verschlossen fand, begab ich mich nach der Wohnung des 
Oberpriesters, die in einem engen Gässchen aufgesucht werden 
musste. £r war vom Könige nach dem Palast berufen; doch 
Hessen sich auch in seiner Abwesenheit von einem seiner Ver- 
wandten die Schlüssel erlangen. Im Innern des mit Bananen- 
blättern ausgezierten Tempels standen neben dem Opfertische 
drei Capellen mit Götterfiguren. Die erste stellte Phra Insuen 
oder Siva vor, der in kurzer und dicker Gestalt auf dem Pflug- 
ochsen ritt, von Kupferbildern in tanzender Stellung umgeben, 
als Phra Narai, Maha Phrom, Ganesa*) u. s. w. Hinter ihm 



*) Rada Rrischna, mit Hände und Gesicht seitwärts erhoben, ist der Gott 
(Lai) der Maniparies, die ausserdem Barn, Sakhsman, Uanaman, Ganesa ii. s. w. 
verehren. Die brahmanischen Priester amüsiren oft die Figuren Krischna's mit 



BrahmaDen-Tempel. 99 

fand sich ein aus schwarzem Stein gefertigter Lingam, ziemlich 
gerundet^ der als Phra-Theva-Lingk bezeichnet wurde. In der 
zweiten Ca pelle stand die Steiniigur des elephantenköpfigen 
Ganesa mit vier Begleitern, in der dritten die schlanke Figur 
Phra Narai's (Vischnu's oder Narayana's) im königlichen Ornate 
ond spiralig gethürmtem Kopfschmuck. An seiner Seite fanden 
sich weiblich gekleidete Figuren mit vier oder acht Armei) und 
aasserdem Phra Phitsanu (Visvacarma) oder Phra Vitsesek im 
Fltlgelkleide und mit emporgehobenen Händen. Gebete an 
Phra Narai hingen an der Tempelthtir und viereckige Zeug- 
stttcke ttber derselben. An der Aussenseite war sie mit Pali- 
Namen beschrieben. Die Bttcher der Brahmanen sind indess 
mit den Charakteren eines besondem Alphabetes abgefasst, 
einige freilich auch im siamesischen Vernacular. Mein Begleiter, 
obwohl in Siam geboren, rühmte sich brahmanischer Abkunft 
und documentirte sich durch den Haarknoten auf dem Schädel. 
Bei meinem späteren Besuche in dem Hause des Phra Phitti 
hatte ich Gelegenheit, die brahmanischen Bücher genauer zu 
examiniren und ihr Alphabet copiren zu lassen. Der Phra Khru 
Hattachan war für solche Zwecke gleichfalls behtilflich. Auch 
die kambodischen Brahmanen zeigten mir später am Hofe Udong's 
ein Khrong Pitthi genanntes Festbuch. Mir wurde gesagt, dass 
die Phramana (Brahmanen) aus dem Lande Ramarath ge- 
kommen, und wie Crawfurd von dem Phra-Maha-Raja-Kro-Putra- 
gnru hörte, ^aren die Vorfahren der siamesischen Brahmanen 
von der heiligen Insel Ramiseram eingewandert, zu den beiden 
Kasten der Priester und Soldaten gehörig und von der Secte 
Siva's. Da sie ohne ihre Familie gekommen waren, hatten sie 
sich durch Heirathen mit den Frauen des Landes vermischt. 
Die Hindnbilder waren im Jahre 765 der Vulgär^Era aus dem 
westlichen Indien nach Siam gebracht, die südlichen Brahmanen 
kamen von Myang Lakhon. Die. Brahmanen wanderten aus 
ihrer Heimath in Phra Rammarat (Rama-Ratta) aus, weil Phra- 
Insuen das Land in einem Boote verliess, worauf sie ihm nach 



Spielzeugen, indem sie z. B. einen Kreisel auf einem KnpferteUer davor umher- 
tanzen lassen. 

7« 



100 Aufenthalt In Bangkok. 

Siam folgten. Unter der Beziehung Trai Vet oder Vetang 
(drei Vedas) verstehen die Siamesen den InbegriflF der Wissen- 
schaften. DasKamphi Saiajasat (das Textbuch der Shastras)*) 
wurde mir erklärt als die Trai Phet (Vet) enthaltend, nämlich 
die Jru-Phet, die über die Sterne rede, die Sama-Phet, die 
über Medicinen und die Yanju-Phet, die über das Anzttnden 
des Feuers handle. Zu den Kamphi-Sai, die die Bewegungen der 
Gestirne erklären, gehören die Suriyat und Chakkrithipani be- 
titelten Bücher. In Sayavet oder Sayasatr sollte Satta den Text 
(Kamphi) meinen und Saia wurde im Siamesischen durch Eng 
(selbst) erklärt, da das Buch durch einwohnende Kenntniss ver- 
fasst sei. Als mit dem Vedas vertraut heissen die Brahmanen 
Vethasatr. 

In einer abgelegenen Vorstadt Bangkoks ist eine Golonie 
der Kha angesiedelt, und ich benutzte einen Vormittag, um 
mich auf den Kanälen dorthin rudern zu lassen und mit den 
besser Unterrichteten und durch ihr Alter Erfahrenen derselben 
eine Unterhaltung zu pflegen. Ihre nach Osten gelegene Hei- 
math wurde als sehr bergig beschrieben, von einem breiten 
Strome durchflössen. Nach der angestellten Rechnung schienen 
16 bis 17 Jahre verflossen, seit sie durch die Siamesen, auf 
deren Jagden sie gefangen worden, zu Lande herabgebracht 
wurden, und erinnerten sie sich, damals viele Monate unterwegs 
gewesen zu sein. Sie bewohnen jetzt niedrige Hütten, in deren 
Nähe die siamesischen Edelleuten gehörigen Aecker liegen, die 
sie als deren Sklaven bebauen mtlssen. Ehe sie die Feldarbeit 
beginnen, beobachten sie eine, dem Tham-Kvan der Siamesen 
ähnliche Ceremonie, die kvan-ngo kvan-ma genannt wird. Das 
kvan-nga besteht darin, der Mch-Posoph (der Mutter des Reis- 
korns) Kuchen darzubringen. Wenn eine Wohnung sich als 
nicht günstig erweist und Unglttcksüillen ausgesetzt bleibt, so 
wird sie je nach den Umständen verändert oder durch eine 



*) Nach dem ceplonischen Buche Sooranamaka Ist die erste Kaste die der 
Sastria-RrahmaSf die zweite die der Paisa-Brahmas, die dritte die der Wysva, die 
vierte die der Grahapatties oder Vellalas, uud io den Malabar-ßücbern wird jene 
gefeiert. 



Die Kha. 101 

neue ersetzt. Im Tham-Kvan werden Bai-Sri (Glticksblätter) 
dargebracht in Körben, die aus dem jungen Laub der Bananen- 
btt^che geflochten sind. Es giebt zauberkräftige Gathas oder 
Mantras, und wer solche kennt, mag sich nngescheut in den 
Wald begeben, um dort zu arbeiten. 

Das Gesicht der Kha ist länglich und nach oben ausge- 
zogen, die Nase abgeplattet und aufgestülpt. Die Glieder sind 
an sich nicht schlecht gebildet, aber von ungeschlachtem Aus- 
sehen, als nicht im Ganzen symmetrisch zusammenpassend. Die 
Haut zeigt verschiedene Schattirungen von brauner und schwärz- 
licher Färbung, doch sind die Kha im AUgeuieinen dunkler als 
die unteren Lao, gleich den meisten Stämmen, die schattenlose 
Berge auf den Plateau-Höhen bewohnen. Die Pigment-Ablage- 
rung findet statt sowohl bei solchen Völkern, die die sauerstoflF- 
anne Luft heisser Tropenländer athmen, wie bei den in den 
verdünnten Schichten bedeutender Elevation Lebenden. Selig- 
mann macht darauf aufmerksam, dass auch in der Schwanger- 
schaft, wo die zusammengedrückte Brusthöhle nicht frei athmen 
kann, der überschtlssige KohlenstoflF schwarze Färbungen er- 
zeugt. Die rasche Circulation des arteriellen Blutes beim Ath- 
men in dichter Atmosphäre regt durch die Fülle des Sauer- 
Btoffs eine lebendige Thätigkeit an, wie sie nur selten mit der 
Prognatie im brachycephalischen Typus verbunden ist. 

Gleich den Laos spielen die Kha auf der grossen Bohr- 
orgel, Khen genannt. Ihr Land wird zum Austausch von Mes- 
ßem gegen Silber durch die weissen Laos aus Viengchan be- 
Bucht, die das Haar hoch aufgebunden tragen und zum Ein- 
stecken von Schmuck die verlängerten Ohren durchbohren, be- 
jsonders das linke. Ausserdem kommen die Jay-Ho, Kaufleute 
von der chinesischen Grenze, die das Haar k la chinois frisirt 
haben und ihre Güter auf dem Rücken tragen. Sie bringen 
besonders Salz, um es gegen Bienenwachs zu vertauschen oder 
tfSar Silber zu verkaufen. Das im Lande der Kha gefundene 
Silber wird in kleinen Barren von Fingersdicke (ngön liem) in 
den Handel gebracht. Die Ankunft dieser chinesischen Kauf- 
leute wird durch fröhliche Lieder gefeiert, deren erster Vers 
beginnt: 



j^02 Aufenthalt in Bangkok. 

Jay-Ho rot: „Die GhineMn Ho*) find da?** 

Sie haben ausserdem Sanglieder, die von ihren Vorfahren ver- 
fasst und tiberliefert sind. Da sie indess nicht zu sehreiben 
verstehen, bewahren sie sie nur im GedHchtniss („halten sie 
im Bauche^^; wie die Phrase besagt). In Verehrung der Sonne 
sagen sie: 

Pia matpri b5 ma: „Die Sonne kriegt Reis zu essen." 

Sie rauchen von ihrem selbstgepflanzten Tabak und kauen die 
Blätter der in ihren Wäldern wildwachsenden Betelwinde mit 
einer Zuthat von Areca-Nüssen, die sie von den Laos zu er- 
handeln pflegen. Sie schwärzen ihre Zähne mit heissem Eisen, 
da weisse Zähne, weil leicht beschmutzt, unbequem sindi Ihre 
Häuser sind gerader aufgebaut als die siamesischen. 

Die Kha verehren die Geister ihrer Vorfahren, **) indem sie 
kleine Figuren derselben anfertigen und an ihren Häusern auf- 
stellen. Sie beten zu der Sonne und fühlen sich freudig erregt, 
wenn sie dieselbe erblicken. Jeden Tag, ehe sie essen, stellen 
sie einen Korb voll Reis in die Sonne als eine Opfergabe, und 
Alle legen beim Mahl einen Antheil ftir die Sonne zurück. Auf 
das Grab eines Verstorbenen werden die von ihm im Leben 
gebrauchten Gegenstände hingesetzt. In Krankheitsfällen nehmen 
sie etwas Erde von einem Termitenhügel (Chom Pluek), der keine 
Thiere mehr beherbergt, und geben sie in Wasser aufgelöst dem 
Patienten zum Getränk. Wenn Jemand am Fieber leidet, so 



*) Piloko, le roi des Moungche, poursnivit les Ho-man (barbares Ho ou Oa) 
leur prit la ville fortiflee de Tai-ho, arriva k Kolofting, suruomm^ le royaume des 
grands Moung. Panthier fügt hinzu, dass die Monng, die Grfinder des König- 
reiches Nantchao, die 742 Tali eroberten, die Vorfahren der Mon in Pegu seien 
oder der Ta-lien (venus de Ta-li) 1253 p. d. 

**) Nach Manu werden die Vasu die Väter, die Rudra die Orossväter, die 
Adi^a die Urgrossväter genannt. Das Zeichen Krischna's trug der Vasudeva der 
Pundra, der unter den Chedi als Purushottama bekannt war (nach dem Mahab- 
harata). Die Pitri wurden mit den Todtenopfem der Sraddha gesfihnt Verum 
illi manes, quoniam corporibus illo tempore tribuuntur, quo flt prima conceptio, 
etiam post vitam iisdem corporibus delectantur atque cum iis manentes appellan- 
tur Lemures. Qui si vitae prioris adjuti fuerint honestate, in Lares domorum 
urbiumque vertuntur. Si autem depravantur ex corpore Larvae perhibentur ac 
Maniae (Martian). 



Der Palast 103 

bringen sie vor demselben einem Hnhne eine Wunde im Munde 
bei und lassen ein paar Blutstropfen erst auf die Kniee, die 
am Meisten hochgehalten werden, und dann auf den Kopf fallen. 
Das Huhn wird darauf gekocht und von den Anwesenden ge- 
gessen. Sie nennen die Aerzte Mo, wie die Siamesen, aber 
mit ktlrzerer Aussprache. Jedes Jahr wird ein neues Feld be- 
baut, nachdem der Boden durch Abbrennen des Unkrautes vor- 
bereitet ist, und sie pflanzen dann den Reis ohne Pflug oder 
Egge. Das reife Korn wird durch die Füsse von Menschen 
a.U8getreten, statt durch Büflel, wie bei den Siamesen. Der von 
diesen als arbeitsloser Festtag gefeierte Van Phra (Tag des 
Herrn) wird von ihnen als besonders günstig für Unternehmun- 
gen geachtet, weshalb sie an demselben vorzugsweise gern 
fischen oder das Feld bestellen. Sie nennen diese Rücksichts- 
nahme auf denselben in der Mitte oder am Ende des Monats 
Van-Sin. 

Die Kha nennen die Siamesen Tsche und sich selbst Kamu. 
Das Land der Radeh ist ihrer Heimath nahe, doch wird dort eine 
verschiedene Sprache gesprochen. In der ihrigen heisst Feuer 
phltta, Wasser om, ein Dämon (phi) Roi und ein Engelgott 
(th^vada) Roi-Kang. 

Die im Palaste (Yang) des ersten Königs zerstreuten Bau- 
lichkeiten gruppiren sich um das Throngebäude des Mahapra- 
sat, der die Mitte einnimmt. Die mit Marmor- oder Granit- 
platten gepflasterten Höfe sind von Gärten unterbrochen, die 
im Schmucke seltener Gewächse strahlen und zierliche Lust- 
häuser einschliessen. Weiterhin kreuzen sich die Säulenhallen 
und Corridore des königlichen Klosters (Vat luang), und das 
Ganze wird von einer hohen Mauer '^j umschlossen, die an den 
Ecken durch Thürme flankirt ist und nur in zwei engen Thoren 



] 

*) Mehr noch als der siamesische, gleicht der birmanische dem des Attila, i 

den der Gesandte Maximin's bei Priscus als einen weiten umfriedigten Raum be- 
schreibt, der die Häuser des Königs, seiner Gemahlinnen, Minister und Leib- 
wächter einschloss und von Thürmen flankirt war. Der germanische Frohnhof be- 
stand ausser den Hauptgebäuden aus Nebenhänsern , quae per se construct« sunt 
(lex. Bajuv.). 



104 Aufenthalt In Bangkok. 

Ein- oder Aastritt gestattet. Die einzelnen Gebäude sind im 
verschiedensten Geschmacke ausgeführt; die zur Privatwohnung 
des Königs dienenden sind einfach und schmucklos^ wogegen 
in den öffentlichen Audienzhallen ein Ueberfluss von Gold und 
kostbaren Teppichen verschwendet ist. Die den Frauen des 
Harems angewiesenen Gemächer tragen ein kasernenartiges Aus- 
sehen, gleich den Kasernen der weiblichen Regimenter, wäh- 
rend die Wachtstuben der Soldaten nur in leichten Verschlagen 
bestehen. Die Btlhnen für Concerte oder theatralische Vorstel- 
lungen werden nur nach Bedürfniss aufgeschlagen. In den 
Häuäem eines der inneren Höfe sind die verschiedenen Amts- 
stuben vertheilt, das Archiv, die Schreiber, die Drucker und 
Aehnliches. Neben der Capelle eines von bewaffneten Beglei- 
tern umgebenen Ganesa stehen die hohen und luftigen Ställe 
des weissen Elephanten, die aucih weissen Afffen, weissen Wie- 
seln, Rehen und anderen heiligen Thieren zum Aufenthalt dienen. 
Die Pagode des königlichen Klosters Vat Keoh, die in einem 
wahren Raritäten-Cabinet alle möglichen Sonderbarkeiten und 
Kostbarkeiten vereinigt, enthält das berühmte Jaspisbild Buddha's 
und daneben die in zwei mit geflügelten Gewändern bekleideten 
Figuren beigesetzten Aschen der Vorfahren des Königs, seines 
Grossvaters (Phra-Phutthajotfachulalok) und seines Vaters (Phra- 
Phutthalötlanaphnlai). Neben dem grünen Buddhabild befindet 
sich noch ein weisses Phraxinasi, das die Sage durch Indra in 
Phitsanulok gearbeitet sein lässt. Die Wände der umlaufenden 
Galerien sind mit Darstellungen brahmanischer oder buddhisti- 
scher Mythologie bemalt (theils dem Bamayana, theils der Ja- 
taka entnommen), und ein grosses Steingebäude ist im Phra- 
Monthien mit der Bibliothek der heiligen Religionschriften ge- 
füllt. Die Thüren des Tempels sind von grotesken Kolossal- 
figuren*) bewacht, und der architektonische Styl, wie bei den 
meisten Pagoden Siams, zeigt chinesische Ueberladung incon- 
gruenter Zierrathen in barocker Manier. Neben zwei Stein- 



*) Die Dämonen fortzuscheuchpn, wie bei König Rene's Procession am Frohn- 
leichnamsfest zu Dix (1462) die nngfsr.hlarhte Gestalt des grossen Christoph die 

mythologisclit?ii Figuren des Olymp verjagte. 



K5D{gliche Titel. 105 

kegeln ; von denen der eine eine Inschrift in alt-siamesischen 
Bschstaben^ der andere in Pali trägt, befindet sich ein hollän- 
discher Leichenstein (Peter Syver, f 1696), dessen Charaktere 
den Siamesen eben so wunderbar erscheinen, als den meisten 
Eoropäem die des Pali. Nach London begannen dieBeziehdn- 
gen Hollands im Jahre 1601, als Admiral van Neck einen Han- 
debvertrag mit den Königen von Patani abschloss. Indem bald 
dmn^if Comelie Speck an den König Slams (Phra-Chao-Song- 
Tam) geschickt wurde (1604), um dessen Hülfe für Verbindun- 
gen mit China nachzusuchen. Eine mir nach meinem Fortgange 
von Bangkok durch dortige Freunde zugeschickte Copie einer 
anf Anlass des Königs photographirten Inschrift erwies sich in 
tamnlischen Charakteren. 

Unter den vielen hochtönenden Pali-Titeln der Könige sind 
die gewöhnlichsten Phra Maha Krasat (der erhabene Herr und 
Kaiser) und Maha Chakrophatiraxa (der mächtige Kaiser des 
drehenden Rades), «nter den siamesischen Chao-Pen-din (der 
Herr des Erdkreises), Phra Chom-klao-du-Hua (der heilige Schei- 
tel, der gebietet) oder Chao xivit (der Herr des Lebens). Seine 
ünterthanen nähern sich ihm nur auf den Knieen, wie überhaupt 
jeder Andere einem Höheren. Die Würdenträger zerfallen in fünf 
Abtheilungen, der Somdet-Chao-Phaya, der Chao Phaya, der 
Phaya des Phra und der Luang. Die Geistlichen werden als 
Chao Kun (der Herr Wohlthäter) angeredet. Das zu Frohndien- 
sten verpflichtete Volk ist in regelmässige Klassen zergliedert, 
die durch den vorstehenden Nai vertreten werden. Die dienten 
(Lek) theilen sich in Vasallen und Sklaven. Die Rangabstufun- 
gen machen sich schon an der gewöhnlichen Rede bemerkbar, 
da die Pronomina nach dem Stande des Sprechenden oder An- 
geredeten verschieden sind. Das gewöhnliche Wort der ersten 
t^erson ist Kha oder Kha-chao, auch Khaphachao oder Khaphra- 
chao (ich des Herrn Diener), das stolze Ru oderRao, das demüthige 
Phom (ich das Härchen oder meine Wenigkeit), oder ich das Stäub- 
chen anf der Fusssohle des heiligen Herrn der Barmherzigkeit, oder 
Klao kha phom (ich des Hauptes Härchen), Xan (ich, die kleine 
Bestie vom erhabenen Scheitel). Xan ist das Diminutiv von die- 
raxan, was ein unvernünftiges Thier ausdrückt. Bei dem Besuche 



106 Aufenthalt in Bangkok. 

eines Ministerg fünften Ranges erzählt Finlayson : „Die Weise, 
in welcher die Bedienten sich ihm nahten, empörte das mensch- 
liche Geflihl noch mehr, als die demttthigen Geberden beim 
Sprechen; denn auf den Befehl, Erfrischungen herumzugeben, 
krochen sie auf allen Vieren vorwärts. Auf diese Weise sties- 
sen sie zeit weis, an die Tische (wie es bei dieser thierischen 
Stellung nicht anders möglich war), ehe sie ihren vorigen 
Platz wieder erreichten, indem sie rückwärts in derselben Stel- 
lung sich wieder zurückzogen.'^ Ein Untergeordneter wird als 
Tua oder Chao angeredet, verächtlicher Weise als Mttng oder 
Eng, ein Gleichgestellter als Thao, ein Höherer als Phra-Kun 
(der gütige Meister), als Phra Phutthischaoka (Sie, der Gott 
des Sklaven). In der dritten Person ist Man verächtlich (wie 
iste), Khao indifferent. In der Bede mit Vornehmen pflegt am 
Ende jedes Satzes Khorab (die Befehle sind empfangen), oder 
auch Chao Kha (des Herrn Sklave) beigefügt zu werden. Mönche 
nennen sich Rub (rupa) oder Form, während im Sanscrit atman 
(Seele) in den obliquen Casus oft die Stelle der persönlichen 
Pronomina vertritt, wie im Arabischen nafsa-hu, animam sni 
(v. Bopp). 

Bei den Lao entspricht der Titel Thao dem Phaya der Kha- 
men, und wird das im Siamesischen von ihnen für König ent- 
lehnte Wort Chao als persönliches Pronomen (wie auch in Siam) 
gebraucht. Der jetzige König erliess einen Befehl, dass das 
Wort, um Mitglieder der königlichen Familie zu bezeichnen, 
Chav geschrieben werden sollte, sonst wie gewöhnlich Chao, 
doch ist die Aussprache in beiden Fällen dieselbe. 

Chao bildete früher die höchste Anrede, wie es auch immer 
einen Edelherrn *) fürstlichen Geblütes bezeichnet, ist aber jetzt 
in den Gesprächswendungen zu der niedrigsten Form der zwei- 
ten Person geworden, wie sie nur an Untergebene gerichtet 
wird. Demnach wird die Gottheit mit Chao angerufen, wie im 
Englischen mit Thou. In Deutschland kann man, um hohen 
Respect auszudrücken, in der dritten Person sprechen, die sonst 
nur von Tiefstehenden ohne Beleidigung ertragen wurde. Im 



*) Wie das Uthauische Patis (selbst) mit Patis (Herr) in Beziehung steht. 



i 



Anreden. 107 

Binnanischen bildet die erhabenste Verbindung von Taking und 
Paya in Kimbia eine Anrede zweifelhafter Höflichkeit oder doch 
nur massig verbindliche, wUhrend Phaya-Taking die Gottheit 
ausdrückt. Im Siamesischen bezeichnet Phra-Chao Gott, Chao- 
Phaya die Adligen. In Cochinchina ist Chaü-phe für den König 
charakteristisch, als seine rothe Unterschrift andeutend. Phra'^) 
ist siamesisch höchster Titel in den an den König gerichteten 
Worten (wie auch das Epithet der Gottheit) und kann nur in 
besonderen Fällen durch Phaya ersetzt werden. Ming, das eigent- 
liche Wort für König oder Fürst, ist in der Anrede als Pronomen 
jetzt sogar bis zu einer verächtlichen Nebenbedeutung herab- 
gestiegen. 

Dem ersten Könige wird als ihm besonders zugehörig der 
Titel Phra-Chom-Klao (der Herr des Scheitels auf dem Haupte) 
beigelegt, dem zweiten der Titel Phra-Pin-Klao (der Herr der 
Kopfspitze). Wenn die Regierung Gesandte schickt, so heisst 
der des ersten Königs Baxa-thut, der des zweiten Upa-thut. Der 
erste König fuhrt das Wort Borom, der zweite das Wort Bo- 
von in seinen Beinamen. So wird das Wort Boromma (oder 
der Höchste) in der Benennung des Palastes (Boromma-Raxa- 
vang) und anderer Besitzthümer des ersten Königs verwandt; 
. das Wort Bovora (ausgezeichnet) bezieht sich auf den Palast 
des zweiten Königs (Bovora-Raxavang) und das übrige Eigen- 
thum desselben. In rascher Aussprache werden indess beide 
Worte oft verwechselt oder mit einander vermischt. Der Vat 
Bovoranivet wird eben so oft Borommanivat genannt, der Vat 
(Kloster) Borommanivet wie Bovoranivet prononcirt. Der Titel 
des zweiten Königs, als Vang-na (des Vorpalastes) entspricht , 
dem, den der Eimschwemin (der Herr des östlichen Hauses) 
in Birma führt. 



*) The Word Phra dow adopted into the Barmese language fs, accordiog to 
Prof. Wilson, a coirnption of the Sanscrit Prabhn, Lord or Master. This appeam 
to be the mort probable origin of the word. It certainly is not a pure Burmese 
Word. The orthography of it in ancieut stone-inscriptions at Fugan is Bu-rba or 
Pa-rha. The Barmese have ased the original mach, as the Pali-word Dagoba. 
The modern word is written Pu-rha (Phayre). 



■p * MS Aufenthalt In Bangkok. 

''^^*". Boromma-Nat *) (höchste Zuflucht) kommt nicht nur als 
^ gitttlicher^ sondern auch als königlicher Titel vor. Allen auf 
den König oder auf die Oeistlichkeit Bezug habenden Ausdrücken^ 
aoch leblosen Dingen^ die ihnen zukommen ^ wird das Wort 
Phra**) vorgesetzt. Unter den königlichen Titeln findet sich 
der des heiligen Fusses (Tin) oder Phra-Bath. 

Batha-jukhon sind die beiden Füsse der Majestät. Kanishka 
überzog den König Kanjakubga's mit Krieg, weil auf dem ge- 
schickten Zeuge das Bild eines Fusses eingewirkt war (an der 
Schulterstelle), und ebenso der persische König Hunimanta den 
im Osten regierenden Dharmatschandra , Onkel des Buddha 
pakscha, der (nach Taranatha) mit Benares und dem Könige 
Chinas in Verbindung trat. 

Wenn der König eine seiner Concubinen zu seiner recht- 
mässigen Gattin (Akkhamahesij erhebt, vollziehen Priester die 
Heirathsceremonien. Bei der Krönung des Königs ***) wird ihm 
(nach Pallegoix) vor dem hereingetragenen Bilde des Sieges- 



*) Das birmanische Wort Nat meint G5tter, und Bigandet stellt es mit Nath 
(N&tH) oder Herr in Beziehung. In den Zuständen der Beschaffenheit mag es 
Näta näher stehen. Der Name des Drama (in der Sanskrit-Poesie) ist Nataka, 
und eiu Schauspieler' heisst Nata (Tänzer). Der Tanz findet sich mehrfach in den 
Liedern des Rik, stets in der Wurzelform nrt. Die prakritisirte Form nat findet 
sich erst bei Paninl, der Natasutra, als Lehrbücher für die Nata, einführt (s. We- 
ber). Im Siamesischen findet sich Nad (Nad-Nari) oder Nat für schöne Frauen, 
von Narth (Boromma-Narth) oder Nat für Beschützer, wie auch Natho. Die Karen 
kennen Na' als die Klasse einheimischer Dämone. In Indien, wo man die Geist- 
lichen allgemein als Padri bezeichnet, wurden die Caplane der Gompagnie Nath- 
Padri genannt. 

♦•) Wie es im Mahabharata heisst, wurden viele Geschlechter berühmter Kö- 
nige BhÄrata genannt (wie die Paurava, Kaurava und andere königliche Familien). 
Daraus ergiebt sich der Stammvater Bharata, als erster Beherrscher von ganz In- 
dien. „Die erste Silbe im Namen Przemesl bedeutet nichts als eine Auszeich- 
nung, wie Maha-Deva für Deva, denn das slavische Pra ist das lateinische prw*' 
(s Nork). 

***) In some of the temples, where semi-annually or semi-monthly ceremonies 
are performed by imperial conlmand, ceremonies betokening Jojor sorrow on oc- 
casion of the recurrence of the birthday of the emperor or of his death are ob- 
aerved before the idols, Just as though these things rejoiced or mourned (s. Doo- 
little). 



Erster and Zweiter Köoig. IQO 

gottes gehuldigt. Im königlichen Harem halten die Soldaten 
der weiblichen Regimenter Schildwacht. Pinto fand auch iik* 
Cochinchina weibliche Thtlrhtiter. 

Die den verschiedenen Königen gegebenen Gehalte schwan- 
ken zwischen 1200 Tikal und 120 Tikal das Jahr. Die Prin- 
zen erhalten 13 Katti jährlich fUr ihre Ausgaben, auch wenn 
ohne Anstellung. In der zweiten oder dritten Generation wer- 
den sie Monchao genannt, die der vierten Generation aber ge- 
wöhnlich von der Liste gestrichen, und kehren sie dann in'g 
Volk (Phrai) zurück. Der Chao Fa des zweiten Königs ist dem 
Krom-Mtin des ersten Königs untergeordnet, die Angestellten 
des zweiten Königs erhalten ihre Titel vom ersten König. Frtl- 
her wurde ein dritter König (Yang lang) neben dem ersten 
(Vang luang) und dem zweiten (Vang na) unterschieden. Der 
zweite König oder Uparat *) leitet die Regierungsgeschäfte bei 
Abwesenheit seines Bruders von der Hauptstadt. Ursprünglich 
schloss das Verhältniss zwischen erstem und zweitem König die 
rechtlichen Beziehungen zwischen Onkel und Neffen ein, wie sie 
sich bei vielen Völkern Indiens und Afrikas finden. Auch in 
China hat nur der Oheim mütterlicher Seits das Recht, Ein- 
sprache zu thun, wenn der Vater seinen ungehorsamen Sohn 
öffentlich bestrafen lassen will. 

Geschrieben heisst der Titel des ersten Königs Phra-Chom- 
Klao - Ju - Hua , und gesprochen Phra - Phutthi - Chao - Ju - Hua. 
Das gewöhnliche Wort für König ist Khun-Hluang (der 
Höchste der Edlen). Die Nase Seiner Majestät heisst nach 
der Pali-Form Phra -Nasa. Des Königs Schirm mit Fran- 

*) Im Reiche des in Mongir oder Mudgag:iri residlrende n Devapala (IX. Jahr- 
hundert P. D.), der seinem Vater (Dharmapala, dem Sohne Gopala's) nachfolgte, 
wie ein Bodhisatwa dem Sugata oder Buddha, findet sich nnter den Staatsbeamten 
der Ragasthanija aufgeführt, als der Stellvertreter d«8 Königs. Auf seinen Kriegs* 
zQgen wurden die Ctkala in Orissa ausgerottet. Seine Elephanten durchzogen die 
Wälder des Yindhya, und seine Bosse trafen mit denen des Kamboja zusammen. 
Alle Linder an den Qnellen des Ganges bis zur Brücke Rama^s und vom ost- 
lichen Flusse Jamkikala bis zum Sitze Yaruna's im Westen werden auf der In- 
schrift unterworfen (Lassen). Auch die Pramara-Kouige pfiegten ihren ältesten 
Sohn schon bei Lebzeiten zum Juvaraga oder Nachfolger zu ernennen. In Tahiti 
trat der Vater bei Gebnrt des Sohnes ganz zurück. 









110 Aufenthalt in Bangkok. 

zen und siebenfachem Dach heisst Eamphu-Xatr. Alle vom 
Könige gebrauchten Gegenstlinde haben vornehme Titel, und 
auch die Möbeln des Palastes. So heisst ein wesentliches Stück 
der Toilette, das in aller Herren Länder nöthig ist: Mo-Long- 
Phra-Bangkhom (In usum Regis Dominus Trulleus). 

In der siamesischen Geschichte bewerben sich die Könige 
häufig um Siegel aus der Hand des chinesischen Kaisers, und 
noch jetzt findet sich ein solches, das Phaya Tak geschenkt 
wurde. Es ist beschrieben 

Thaeh (Vorname des Königs) Syam (Siam) 
Beng (Zuname des Königs) Kok (Land) 
in viereckiger Form. 

Die königlichen Frauen in Siam werden Mom genannt, oder, 
wenn besonders beliebt, Khunchom, bis sie das erste Kind 
geboren und dann Xommanda heissen. Ihre Unterhaltung ge- 
schieht auf verschiedene Weise; zum grössten Theil mtlssen sie 
ihre Ausgaben selbst bestreiten, obwohl sie gelegentlich von der 
königlichen Tafel Speisen geschickt erhalten. Die untergeord- 
neten Concubinen des zweiten Königs erhalten nur 20 Tikal 
im Monat, so dass sie grösstentheils auf die Unterstützung 
ihrer Verwandten angewiesen sind; die Töchter des Königs 
bleiben gewöhnlich unverheirathet und dürfen nur von Frauen 
(aber nicht von schwangeren) und Kindern besucht werden, 
indem die Knaben bis zum neunten Jahre in den Frauenhäusem 
verbleiben; die Kinder werden, wenn von der Mutter entfernt, 
durch andere Frauen im Lesen unterrichtet, bis mit neun Jahren 
die Knaben in's Kloster zu treten pflegen für das erste Mal, 
denn die Prinzen lassen sich meistens zweimal weihen, einmal 
als Nen, und dann als Priester, aber immer nur ftlr kurze Zeit. 
Die Nachfolge bei des Königs Tode wird von den Edelleuten 
entschieden (als dem Phra-Khlang, Phra-Kalahoin, Jommarat, 
PhoUathep u. s. w.); die den Würdigsten auswählen, am 
Liebsten wenn er zugleich ein Chao Fa ist. Nur Kinder mit 
königlichem Blut von beiden Seiten ihrer Eltern erhalten den 
Titel Chao Fa*), obwohl derselbe mitunter auch anderen gejgeben 



*) So ist bei buddhistischen Siamesen schon der Prinz ein Himel-Koningh, 



Die Prinzen. \±± 

ist. Um eine legitime KöDigin zu keirathen^ muss der König 
seine Gatttin unter den Töchtern des zweiten Königs suchen, 
oder denen eines früheren ersten oder zweiten Königs, oder 
mag vielleicht eine Lao-Prinzessin heimführen, obwohl bei diesen 
die Ebenbürtigkeit zweifelhaft bleibt. Der jetzige König ver- 
suchte eine seiner Töcliter dem zweiten Könige zu vermählen; 
aber solche königliche Gemahlinnen werden (wie in der Türkei) 
im Allgemeinen gerne vermieden, da sie meistens hohe An- 
sprüche machen. Beide legitime Gattinnen (Akamahesi) des 
ersten Königs starben nach einander, zuerst die Kua und dann 
die Sai. Die Kinder der Chao Fa werden einfach als Chao 
oder Prinz angeredet wie die übrigen, können aber zu Rang- 
stufen erhoben werden, mit denen ein Gehalt und oft ein Amt 
verknüpft ist, wie der Phra Krom, Krom luang, oder als die 
äusserste Stufe der Krom myong; die Kinder des Krom luang 
sind Chao Krak, die des Chao Krak sind Khun Chao, die des 
Khun Chao sind Man Chao und die der Man Chao fallen in 
die grosse Klasse des Volkes zurück, obwolil sie aus Höflich- 
keit noch Khun titulirt werden. Ehe sie einen Titel erhalten, 
werden Prinzen und Prinzessinnen *) als Phrang Chao bezeichnet. 
Die Kinder der Edelleute, wie die der Chao Phaya, besitzen 
keinen erblichen Rang, erhalten aber gewöhnlich schon bei 
Lebzeiten ihres Vaters einen Titel auf sich übertragen, wenn 



während die Friesen als solchen den Bischof dem Erd-Kouingh oder Kaiser ent- 
gegensetzten. 

*) Die alten Geschichten Hioter-Indiens deuten auf eine Bevorzugung der 
Frau, wie sie dich zum Theil unter den Laos noch jetzt findet. Die Chinesen 
verehren einen alten Konig des Min-Landes, in dessen Drachenbrnnuen zu Zeiten 
von Dürre die Knochen des feindlichen Tigers hinabgelassen werden, um durch 
die Auftregnng Regen hervorzurufen. Doolittle bemerkt dabei : The Image of Uok 
Uong in placed on the right band of the image of the goddess bis wife , that is 
to say the vrife is sitting in the seat of honour, according to Chinese notions. 
Dies (an exceedingly unusual thing in China) muss dann durch eine besondere 
Erzählung gerechtfertigt werden. Als Beweis der Weiberherrschaft in Lykien wird 
angeführt, dass die Kinder nicht nach dem Vater, sondern nach der Mutter ge- 
nannt wurden, und man die mütterlichen, nicht die väterlichen Ahnen im Ge- 
dächtniss bewahrte (s. MüUer), wie bei der weiblichen Linie zu Quind-Herret in 
Snndhord (nach Pontoppidan). 



ic 



112 Aufenthalt in Bangkok. 

aas einflnssreicher Familie (wie die des Kalahoni; wo die Mit- 
glieder stets unter sich heirathen). 

Unter den Palastdienem ist eine Klasse, die das Engelheer 
(Pliuek thevada) genannt wird, da sie spitzig gethürnite Mutzen 
tragen, gleich den himmlischen Gttttern oder Thevada. Ihre 
hauptsächlichste Pflicht ist es, bei Festlichkeiten die Ordnung 
aufrecht zu erhalten und die mit Geldstücken geftlUten Früchte 
(Manao Kalaphrük), besonders Limonen, die als von oben 
herabgesandte Gaben angeselien werden, unter das Volk aus- 
zuwerfen. Der König und einige der Prinzen pflegen Hofnarren 
und Geschichtenerzähler (lao niyai thet) um sich zu haben, die 
sie besonders beim Essen mit ihren Spässen erlustigen müssen. 
Die Mahatlek oder Pagen sind in vier Klassen mit ihren Offi- 
cieren vertheilt und versehen abwechselnd den Dienst beim 
Könige. Die Abtheilung der rechten Hand ist du jour während 
der ersten Hälfte des Monats bei zunehmendem Monde, die der 
linken Hand während der Abnahme des Mondes. In dem über 
die Pflichten der Mahatlek handelnden Buche winl gesagt, 
dass in der Abtheilung der rechten Hand der Nai Janit und 
der Nai Scavut, diese beiden Officiere, das königliche Schwert 
(Phra Seng dab Phai) und das Königsschild (Phra Seng khen) 
zu hüten hätten. In der königlichen Küche fungii*en als Beamte 
der Luang Raxanakan Chao Krom und der Luang Piman Chao 
Krom, die beide 60 Tikal an Gehalt beziehen, der Khun Sakon- 
raxathan Palat-Krom und der Khun Siraxathan Palat-Krom, jeder 
mit 48 Tikal Gehalt, der Khun Thipocha Changwang mit 
28 Tikal, der Mün kann thoung Chao Krom mit 24 Tikal und 
der Mün kann Khao Chao Krom mit 20 Tikal Gehalt. Diese 
beiden Mün oder Hauptleute über Zehntausend betitelte Beamte, 
die einen jährlichen Gehalt von 20 Tikal (ungefähr 12 sh.) ge- 
niesscn, entsprechen ungefähr dem, was man in roher Volks- 
sprache Küchenjungen*) nennen würde. Dem königlichen Bett- 



*) In den Ställen des von mir in Jauja bewohnten Hauses diente ein kleiner 
Schmutzflnke, der gerade gross genug war, die Esel striegeln zu können, und 
der in die Kirclieubttcher als Santo Espiritu eingeschrieben war. Mir wollte das 
Wort immer im üalse stecken bleiben, so oft ich ihn xn rufen hatte; aber die 



I 



Missionäre. 113 

Zimmer sind vier Beamte zugetheilt^ mit einem Gehalt zwischen 
4() — 24() Tikal. Beim Unterricht der für Tänzerinnen ansge- 
hildeten Mädchen im Palaste werden die Glieder durch Streichen 
und Reiben geschmeidig gemacht für die nöthigen Gelenkver- 
drehungen. Bei festlichen Gelegenheiten treten indess mitunter 
die Töchter der vornehmen Edelleute in denjenigen Sttlcken 
auf, die der König mit seiner Gegenwart beehrt. 

Unter den französischen Missionären lernte ich einen sehr 
wohlunterrichteten Geistlichen kennen, Herrn Clemenzeau, der 
leider an einer unheilbaren Form des Aussatzes litt, der ihn 
auch bald nach meiner Abreise, wie ich später hörte, zum 
Grabe gefllhrt hat. Die Stelle des Bischofs war nach dem Ab- 
leljen Pallegoix's, dessen Bücher eine genaue Kenntniss des 
Landes und der Sprache beweisen, noch nicht neu besetzt. 

Die schon seit dem siebzehnten Jahrhundert in Siam eta- 
blirten Katholiken haben in Bangkok tUlnf Gemeinden errichtet, 
besonders unter den Portugiesen, den Mischlingen der Halb- 
kasten und indischen Eingewanderten; die protestantischen Mis- 
sionäre l>eschrHnken sich fast ganz auf den Schulunterricht und 
haben wenige Bekehrungen gemacht. Einer der thätigsten 
unter denselben ist Herr Smith, der die Wittwe des um die 
Kenntniss des Siamesischen hochverdienten Herrn .lones gehei- 
rathet hat, und dann Dr. Bradley, der in seiner Druckerei den 
Bangkok-Kalender herausgab. Ausgedehntere Reisen im Innern 
hatte Herr House unternommen, dem ich, sowie seinem Collegen 
Herrn Mattoon, für die Gefillligkeit verptlichtet bleibe, mit 
der mir die Benutzung der Missionsbibliothek zur Verfügung 
gestellt wurde. 

Die Missionäre, besonders die katholischen, werden Bath- 
luang genannt, in welchem Worte der priesterlichen Würde 
eine besondere Auszeichnung beigelegt wird. Sonst bezeichnen 
die Siamesen die Missionäre als die Prediger des Phra-Chao 
Phu-Sang, Gott des Schöpfers oder des göttlichen Herren Archi- 
tekten. Die amerikanischen Missionäre, als verheirathet, werden 



Cholos handthierteD eben so uDgeniit damit, wie wenn sie eine Seiiorita mit ihrem 
Taufnamen Concapclon anredeten. 

BaatI an, Heise in Slam. III. ^ 



114 AufeDthalt in Bangkok. 

nicht als Phra betrachtet; sondern Mo ( Aerzte ) oder Khru (Lehrer) 
genannt. Die letzteren rufen Gott als Phra oder Phra-Chao 
(der erhabene Herr) an, wenn sie nicht den Namen Jehovah 
gebrauchen. Auch auf den SUdsec-Inseln identificiren die Me- 
thodisten Jehovah mit dem Gott des neuen Testamentes, und 
Uliilas bezeichnet ihn, um Herr zu Übersetzen, iils Fravi oder 
Frauja (Frey). Die katholischen Missionäre in Siam sollen Gott 
durch Phra-Phutthi-Chao (vielleicht Phra-Butr-Chao als zweite 
Person) ausdrücken, und sie erklären das Eucharist als Phra- 
Phutthi-Kaya (Kaya der Leib). 

Während des chinesischen Aufstandes im unteren Siam 
wurde die Beobachtung, gemacht, dass die Dörfer der einge- 
borenen Christen von den königlichen Soldaten verschont blieben 
oder nur geringe Beschädigung empfingen, und in Folge dessen 
drängten sich Tausende von Chinesen herbei, um in diesen 
Districten von den katholischen Missionären ♦) getauft zu werden. 
Die amerikanischen Baptisten erzählen, dass sie auf einer 
ihrer Amtsreisen durch schon früher von ihnen besuchte Dörfer 
kamen und dort allgemein um Tractätchen bestürmt wurden, 
da während der letzten Cholera - Epidemie alle Häuser, in 
welchen sich solche Bücher fanden, verschont geblieben, wäh- 
rend diejenigen am Meisten gelitten hätten, in denen die Schriften 
zerrissen oder beschmutzt seien. 

In der zum Thossa Xat gehörenden Erzählung Bhurdhat 
predigt der Nakh (naga) Kanarit, dass Himmel und Erde nebst 
allen Dingen in der Welt durch Phrohm geschaffen seien, ganz 



*) Gleich die erste Begründang der Mission in Siam wurde durch ein Wander 
begUnbigt. Der Konig hatte die Heilang seines gelähmten Bruders gefordert, 
und der Bischof, der sich nicht heilig genug fühlte, dieselbe allein zu erlangen, 
versammelte die Gemeinde zur Ansprache: Apr^s cette exhortation courte et pa- 
th^tique le Saint-Sacrament fbt expos^. Le Prälat et les Missionnaires se mirent 
en priores. Les Chr^tiens, p^netr^s jusqu'au fond du coeur de ce qu'Us veuaient 
entendre, furent saisis d'une ferveur et d'un z^le si extraordinaires, qu*ils ne pou- 
vaient venir que de Dleu. Nachdem der Gottesdienst unter grosser Aufregung 
drei Tage und drei Nächte fortgedauert hatte, kamen ein paar Mandarinen nach 
der Capelle, berichtend: „Que le prince sentait ses bras et ses jambes se ranimer 
et qu'il les remuait, ce qn'il n'avait pu faire depuis plusieurs ann^es.^ 



Brahma versas Buddha. W^ 

in derselben Weise, fügte mein siamesischer Lehrer bei, wie es 
in den Büchern der amerikanischen Missionäre geschieht^ die 
zu der Gattung der Kamphi-Phrohm gehören und die Anbetung 
des grossen Thevada oder Herrn ( Phra-ChaoJ lehren, da Phrohm 
(Brahma) die höchste Stelle unter den Thevada (Göttern) ein- 
nimmt. „Der letze dieser Betrüger lehrte, dass es ein höchstes 
Wesen gäbe, den Schöpfer*) der Welt und aller Dinge darin, 



*) It was the idea of the Brahman Baka, that the Brahmaloka had been al- 
wajs existent f that tbere is no decay nor death, there is do passing from one 
World to aDother, that as things are, they wUl always continue and that there 
are no paths, no frnitiou of the paths, there is no Nirwana. Buddha Tisited the 
Brahma-loka, that he might conviuce this sceptlc of bis error, but the siuful Mara 
who had gone there before him, replied, that Baka was superior in wisdom and 
power to all the other Brahmas, that it was he who had made the earth, Maha- 
Mern and the other worlds, it was he that appointed, who should belong to the 
different castes, it was he that or4ained tlie existence of the different animala. 
NotbwithstanUing Buddha convinced Baka of bis superior wisdom, so that he took 
refoge in the three gems. n'^^^ I^ord Budhu, who rules like the sun o^er 
the whole world, is a Brahma of the Brahmas, a god of gods, and Kiug of 
Kings/* Nach der Antwort Karatotta Dewaure's. dem Hohenpriester Ceylons (aaf 
die Fragen des holländischen OouTemeurs): „Maha Brach ma-Rajeya" ist das höchste 
Wesen, bis ein Buddha in der Welt geboren wird, worauf er diesem dient. Maha 
Brahma is the Tery King Sayampatinam-Maha-Brahma-Raja , inhabiting the six* 
teenth highest heaven, erklärte der Priester des Mulgiri-galle Vihari (s. Upham). 
The learned aknowledge one Sayampati Maha Brahma, as the flrst and chief of all 
gods and they say that both he ad bis servants have neither flesh nor bones, 
that they have a shining skin, teeth in their mouth and hair on the head ad body, 
which are not to be feit, but mere appearances. Budhu, who is described as 
having been human, is nevertheless superior to Maha Brahmas in kiiowledge, as 
well as in other respects. He has moreover the power of omniscience (nach Mo- 
delliar Rajah Faxe). There are many gods, the god called Sahanpatimahabrah- 
mayo is above all others (nach Mahabadda). After the long train of Budhus, who 
from the period of Brahma-Dewanam-Budhu had existed in the coarse of one 
Caplaxe and teles asanka-calpas to the present Mahabaddra-Calpa (and in the time 
of the Sarkwebaddranam-Assankai) Poorana-Gautama-Budhu did, after the manner 
of the preceding Budhu's, make bis exit at the heaven Tosita-Dewa-Soka and in 
honour of the King Yasaniewasa, was conceived in the womb of the Queen Wie- 
maba-Maha-Dewie , in the city of Yasamwasa-Nuwara in Jambudwipa and being 
delivered into the golden sein and held np by Maba-Brahmas, he was elevated as 
the Rndhn-Gautama. After the train of Budhus who since the period of Poorana- 
Gautama-Budhu , had become elevated in the conrse of one Caplaxe and four 

8* 



116 Aufenthalt in Bangkok. 

und das« dieser allein der Anbetung wttrdig sei," wurde Sanger- 
mano in Birma über die secbs Ketzer erzählt. Marcion ver- 
kündete den Gott des Christenthums als einen völlig neuen und 
bisher unbekannten^ hoch erhaben über den unvollkommenen 
Demiurgo's, und begründete seine Geringschätzung des letzteren, 
auf die Erzählung der Genesis vom Judengotte, wie er erst 
habe fragen müssen, m Adam's Aufenthalt zu kennen, wie er 
selbst herabgestiegen, um sich über den Zustand in Sodom und 
Gomorrha zu unterrichten u. s. w. 

Als sich die Zeit meiner Abreise näherte und ich durch 
die zuvorkommende Unterstützung des englischen Consulates 
die nöthigen Pässe für Kambodia erlangt hatte, suchte ich um 
eine Abschiedsaudienz beiifi Könige nach, erhielt aber in der 
Zwischenzeit von demselben eine geschriebene Einladung, einem 
Elephantenkampfe im Palaste beizuwohney. Ich halte mich 
vor einiger Zeit brieflich an ihn gewandt über geschichtliche 
Fragen, in Betreff derer ich vor meiner Abreise gerne in's Klare 
gekommen wäre, ohne indess eine Antwort erhalten zu haben. 
Nur als ich ihn das nächste Mal bei einem im Schlosse gege- 
benen Festmahl sah, griff er mit der Hand nach der Brusttasche 
und sagte im Vorbeigehen, dass er mein Schreiben dort stecken, 
aber noch keine Müsse zur Beantwortung gefunden habe. Er 
gebrauchte seitdem Nak-Prat als Anrede, unter welchem Titel 
auch die Regierungspässe ausgefertigt wurden. 

Bei der letzten Audienz empfing er mich vor seinem Hof- 
staate, und bemerkte über die Steininschriflen im Vat Keoh, 
dass vor der in denselben berichteten Einführung des in Suko- 
thay erfundenen Alphabetes die Pali-Buchstaben im Gebrauch 
gewesen wären. Die befolgte Era sei die Maha-Sakkharat. Auf 
meine Erkundigung nach dem Stifter derselben, wandte er sich 



AsaDka-Calpas and at tbe distance of one Caplaxe ad foar Asanka-Calpas to the 
present Mahabaddra - Calpa (and in tbe Calpa of Saranandanam ) Diepankare- 
Rodbo, like uDto tbe preceding Budhu, belog far advanced in deeds of cbarities, 
attained unto tbe beaveD Toosita-Dewa-Loka from wbence making bis exit, he 
was in bonour of tbe King Sndewanam, conceived in tbe womb of tbe Principal 
Queen Sumedanam at tbe city of Rammawatie in Jambudwipa. 



RlephaDtenkämpfe. \ 17 

an den anwesenden Prinzen von Kambodia, der aber den Na- 
men vergessen haben wollte (wenn er ihn überhaupt je gewosst 
hatte). Der König Hess sich dann tlber den Einflnss brahma- 
nischer Bildung aus und meinte^ dass das siamesische Alphabet 
von dem Devanagari abgeleitet sei. 

Wir begaben uns darauf an die Fenster ; aus denen man 
auf den freien Platz vor dem Palaste blickte. Einige durch 
Brunst wild aufgeregte Elephanten^ die nach dem aus den Stirn- 
drüsen tropfenden Oel Tok-nam-man genannt werden, wurden 
von ihren Lenkern gegen verschiedene in Zwischenräumen auf- 
gestellte Barricaden getrieben, die sie umrannten oder mit den 
Rüsseln niederrissen. Als ihre Wuth allmälig nachliess, wur- 
den sie durch das Necken einer Art Picadores, die ihnen Fächer 
oder bunte Zeuge entgegenschwenkten, sowie durch voraus- 
galoppirende Reiter aufs Neue gereizt. 

Als der König wieder zu seinem Sitz zurückgekehrt war, 
wurde der Chao Myang Xiengmai fder Fi rst von Xiengmai) zur 
Huldigungs-Audienz zugelassen und überreichte auf den Knieen 
liegend einen Goldbecher getriebener Arbeit, *) der in Birma ver- 
fertigt war, sowie einen Sapphir-Ring. Der König fragte ihn, 
in welchem Monat er seine Stadt verlassen hatte, und da der 
Fürst, um das siamesische Wort verlegen, sich mit der Laos- 
Bezeichnung an den Kalahom wandte, gab 'der König sogleich 
den Namen und wiederholte dann diesen sowie den aller 
übrigen Monate in den Sprachen der Kambodier und Peguer. 
Dann zog er seine halbausgeschl.lpften Sandalen wieder an, 
und ging, von dem grossen Kreis seiner jüngeren Kinder um- 
spielt, in die inneren Gfemächer des Palastes. 

Ich begab mich zum Abschiednehmen nach dem Geschäfts- 
zimmer des Phra-Alak (des Ober-Bibliothekars), und während ich 
dort war, hörte man von dem andern Flügel des Schlosses 
laute Musik, besonders den Klang geblasener Muscheln und 
Trompeten herüberschallen, indem die Gebeine der früheren 
Könige (Phra-Athi) in Procession durch die Säle umhergetragen 



*) Id solchen Opera caeUU siod die Birmanen selir geschickt, ebenso wie in 
Schnitzarbeit. 



118 Aufenthalt in Bangkok. 

wurden, wie es öfter an den fttr Verdiensterwerbung bestimm- 
ten Tagen zu geschehen pflegt. Ein Vertrauter des Fürsten von 
I, Xiengmai, der mich eine Strecke begleitete, erzählte mir, dass 
f sich in dem Festungsgraben seiner Stadt grosse Fische fänden, 
eingekörperte Phi oder Dämonenteufel, die aber nur hervorzu- 
kommen und sich zu zeigen wagten, wenn, wie jetzt, die hei- 
lige Person des Landesvaters abwesend sein sollte. 



\ 



Die Kljisler und ihre Bewoliner. 

Die Pagoden in der Mannichfaltigkeit ihrer wundersamen 
Formen sind es Tor Allem, die der Stadt ihr charakteristisches 
Gepräge geben und mit ihren vergoldeten Spitzen, den polirten 
oder glasirten Ziegeln der Dächer, deren bunte Mosaik an der 
Fazenda die Lichtstrahlen in tausendfachem Glitzer brechen, dem 
Auge ein prächtiges Schauspiel gewähren, während die Glöck- 
chen*) der Thtirme im Winde bewegt werden und im harmo- 
nischen Getön zusammenspielen. Den Pagoden sind stets die 
Klöster verbunden und machen einen Theil des ganzen Convoluts 
aus, das mit Gärten, Höfen, Teichen, Tempeln und Capellen, 
einen Vihan (ViharaJ constituirt. Die Zellengebäude (Kati) der 
Mönche bilden oft eine kleine Stadt fllr sich, mit gepflasterten 
Pfaden dazwischen. Auch die Höfe sind meist mit breiten Steinen 
ausgelegt, füllen sich aber in der Regenzeit mit Wasser, da der 
Abfluss fehlt. Die Tempel tragen doppelt oder dreifach über ein- 
ander gesetze Dächer und sind in Front mit Scenen aus den 
heiligen Lebensbeschreibungen oder abschreckenden Conterfeien 
der Höllenqualen bemalt. Am Reichsten sind die Vat luang oder 
königlichen Klöster ausgestattet, die auch allein bei dem jähr- 



*) Die fünf Pyramiden auf dem Grabmal Porsena's waren so gethürmt« das» 
ein Kreis tod Erz darüber lag, Ton dessen Ketten Glocken herabhingen, die (wie 
einst der dodonäische Kessel) weithin ertonten, beschreibt Varro. Et toutes fois 
que le vent flert entre elles, si sonnent, bemerkt Marco Polo von den Glocken 
au den GrabesthQrmen des K5nigs von Mien. 



120 I^*« Klöster iiDd ihre Bewohner. 

liehen Umzug der Staatsprocession be8ucht werden. Die Privat- 
bauten heissen Ratsadon oder Klöster des Volkes, und für sie 
wird unter den Bürgern durch Aufruf gesammelt oder eine Sub- 
i^ scriptionsliste umhergeschickt. Es kommt häufig vor, dass Edel- 
leute die zur Erlangung von Verdienst erbauten Klöster, die so- 
genannten Vat-Khunnang , später dem Könige vermachen. Bei 
der Gründung wird zunächst der Both mit den acht Grenzzei- 
chen eingerichtet, und in den königlichen Klöstern Averden dann 
die Häupter der Geistlichkeit*) zur Weihe berufen. Innerhalb 
des Both werden die Priester geweiht, nach dem entsprechen- 
den Studium der Phra-Phuttha-Vachana ( Phra Sutr, Phra Vinay 
und Phra Baramath ) oder Trai-Pidok genannten Bücher. Ihre 
Pflichten umfassen das Khanthatara (die Lehre von Buddha's 
Wort) und Vephatsanatara (die religiöse MeditationJ mit Ein- 
schluss des Binthibat oder täglichen Almosenganges. Im Sama- 
tan begreift sich der Entschluss zur Beobachtung der religiösen 
Vorschriften, wie z. B. zur Zeit der Katin (Katin luang, Katin 
Chao, Katin Khunnang, Katin Phrai). 

Der Both bildet eine Freistatt, auch tlir Verbrecher, und 
die denselben umgebenden Sema-Pfeiler schrecken die Dämonen 
(Phi) zurück, da sie von den Priestern auf einem mit Weih- 
wasser (nam-mon) besprengten Boden gegründet sind. Die 
Doppelsteine des Sema heissen Bai-Pho (Blätter des Bodhi- 
Baums). 

Die in den Klöstern Schildwache stehenden Steinlöwen ha- 



*) They join in a chant couceruing the boundaries of the Bote at each of 
the eight points of the compass. This being done, tbey thake eight stones, about 
the» size of a priest's iron rice-pot and plant them as landmarks of the Bote at 
the places before designated. At some indefinite time after this a smaU biiok 
work from 4—6 feet square or bexagonal is erected over each of these eight 
stones, about flve feet high. On the top of each of these is set up endwise, a 
stone of red freestone or marble, carved in the form of a leaf, caUed Bai-Sema, 
firom 16—20 inches in helght and 10—12 in breadth. These stones are gene- 
raJly covered with a rounded roof of mason work, having four porches opening 
to the Bai-Sema, whicb are thus made very consplcuously the perpetual land- 
marks of the temple proper. This in the most sacred place of all othen« on the 
temple grounds (Bradley). 



Heilige Baume. 121 

ben in ihrer halbgeschlossenen Mundöffnang einen Steinball ein- 
gefügt, der in loco gearbeitet sein muss, da er weder ans noch 
ein kann. Dieser heisst Om-Keoh oder das im Munde gehal- 
tene Jewel, in dem Om bezeichnet, etwas in der Höhlung 
des Gaumens bewahren, wie Om-Mak die Areca-Kaumasse dort 
halten. 

Im Kloster Mahathat waren die Zweige eines weithin aus- 
wurzelnden Pipul-Baumes mit Steingeländen gestützt. Der ab- 
gebrochene Kopf einer Figur, der am Stamme lag, mit Fahnen 
umsteckt, wurde als das Haupt eines Rüsi verehrt, und an einer 
andern Stelle waren die Knorren der Wurzel in der Gestalt 
eines solchen ausgeschnitzt. Der Rang-Baum, unter dem das 
Nibban betreten wird, gehört dem Phra-Chao an und wird Phra- 
Then-Dong-Rang (der Sitz in der Versammlung der Rang-Bäume) 
genannt. 

Unter den Banyanen-Bäumen des Vat Suthat standen Stein- 
sitze und Bänke in verschiedenen Formen. Unter einem Maha- 
phot-Baum (Pipul), vor dem Elephanten Verehrung brachten, 
tanzten chinesische Sien um eine viereckige Stein-Platform (Phra 
Then) als Thron. Unter der Terebinthe im Haine Mamre, die 
seit Erschaffung der Welt gestanden, vereinigten sich Palästiner 
und Araber zur Verehrung, bis Constantinus eine Kirche baute. 
Terebinthos, Schttler des Skythianos, nannte sich Buddha. Able- 
ger des heiligen Pipulbaumes *) sind mehrfach nach Hinterindien 
gebracht von Ceylon aus, wohin sie von Bodimandelha unter 
König Patissa gekommen (ausser der Uebertragung zur Zeit 
Mahinthathen's). Als die jungfräuliche Bikschuni von Sinhala- 
Sakka-Kula durch Umschreiben mit dem goldenen Stift den 
Zweig gelöst hatte, drang Blut aus dem (harzreichen) Baume 
hervor und musste gestopft werden. Der plötzliche ffod des 
Königs Mihirakula in Kaschmir (517 p. d.) wurde seiner Zer- 
störung von Bodhibäumen zugeschrieben. Die siamesische In- 
schrift von Lamphung feiert den von dem Könige eingepflanz- 



*) Mn. Howitt had a spriDg of geranium banded to her by an invisible band, 
which we ha^e planted and it is growing, erzählt ihr Ehegemahl ans einer Si- 
tznng mit Home, „at the hoose of a Lady in Regent> Park.'' 



122 ^i« Kloster und ihre Bewohner. 

ten Spross des Bodhi-Baumes, der durch übernatürliche Kräfte 
durch die Luft nach Ceylon getragen worden. 

Unter dem Maha Phot (dem grossen Bodhi-Baum) im Klo- 
ster Pathomraa Vat, das an einem mit Lotus bedeckten Teiche 
liegt, waren eine Menge Sandpagoden (ßoi-Pet oder 108) auf- 
gerichtet, mit Fahnen umsteckt und kleinen Körbchen (Kathom) 
umgeben, die mit Blumen, in Blätter aufgewickeltem Tabak, 
an Stäbchen befestigten Betelblättern oder Aehnlichem gefüllt 
und besonders von Frauen zum Besten ihrer kranken Verwand- 
ten dorthin gestellt waren. Im Untergeschosse der noch im 
Bau begriflfenen Pagode finden sich gewölbte Corridore durch- 
laufend, und auf der ersten Terrasse, von der der Phra-Chedi 
aufstieg, ftlhrt die Thttr zu dem Kreuzgewölbe einer Capelle. 

Der Banyanenbaum (Thon-Sai), oder Nikhrot in Pali, wird 
auch llia (Eidechse ) genannt und ist fttr die Brahmanen cha- 
rakteristisch. Der siamesische Name Pho für den Pipul-Baum 
ist eine entstellte Abkürzung aus Sali-Pothi. Die iuimergrtine 
Tamarinthe Abraham's hatte im Cultus der Manichäer die Be- 
deutung des Bodhi. In Upsala war der immergrüne Eibenbaum 
heilig. Um die Klosterbäume sieht man zuweilen herzförmige 
Kegelblöcke in die Erde eingesteckt, Lak-Phi oder Teufelspfo- 
sten*) genannt, die von Kranken geweiht wurden, um dadurch 
ihre Gesundheit wiederzuerlangen. Da Affen und Vögel die 
Frucht der Pipul lieben, so geschieht es leicht, dass die fort- 
getragenen Samen auf andere Bäume, Häuser oder Tempel 
fallen, um dort als Schmarotzerpflanze aufzuwachsen, und die- 
ses dem Volke übernatürliche Erscheinen des Baumes begründet 
seine Heiligkeit, mit der in den Augen der Druiden die Mistel 
umgeben war. Bei Amara-Kosha heisst der heilige Feigenbaum 
(oder Asvattha) Bodhidruma (Baum der Intelligenz), Khaladala 
(mit schwankenden Blättern), Pippala (rankend, wie die Pfeffer- 



*) Eine Inschrift aus der Zeit des Königs Buddhagnpta (484 p. d.) spricht 
von Errichtung eines Pfeilers für Vishnu als Janardana oder Menschenquäler. 
Seit das Gespenst bei Siidergaard mit einem Pfahle in den Grund gerannt ist, 
bleibt es gefesselt (s. MüllenhofT). Vampyren schlug man einen Pfahl durch's 
Herz, wenn sie begraben wurden. 



Phra-Kachti. 123 

pflanze oder pippali)^ Kungarasana TElephantenfutter), und Lassen 
fttgt Chaitja hinzu, das im Neutrum einen buddhistischen Tem- 
pel bezeichnet. Der (nach Ritter) mit den Banyanen nach 
Westen verbreitete Banyanenbaum (unter dem Nearchos den 
Bttsser weilen lässt), heisst in Bengalen Njagrodha oder Bat 
( Vata) und wird als männlich neben die weibliche Pipul ge- 
pflanzt (s. Lassen). Von dem Asvattha-Baume hatWilford den 
Namen der Vatae*) oder (nach Ptolomäos) Batae (in Tanjore 
bei Trichinovali) hergeleitet, die in Vataranya oder den Wäl- 
dern des Vata (unter Asvattha-Bäumen) wohnen (s. Ritter). 

Wie schon Theophrastus bemerkt, giebt der hochwachsende 
Feigenbaum in Indien nur kleine Früchte, da seine ganze Kraft 
zur Bildung des Laubes, der Zweige und Wurzeln (in steter 
Verjüngung) verwandt wird. Auch die Früchte der Pipul**) 
sind klein und unschmackhaft, nur Aflfen und Vögeln zur Nah- 
rung dienend. Doch habe ich sie in kargen Zeiten auch von 
den Eingeborenen aufsammeln und essen sehen. 

In buddhistischen Tempeln trifft man vielfach die Figur 
Phra-Kachai, dargestellt durch einen dickbauchigen Mann in 
sitzender Stellung. Nach der Legende war Phra Kachai (Kac- 
ehayana) einst eben so schön und herrlich wie Buddha selbst, 
so dass das Volk sie häufig verwechselte. Der fromme Schü- 
ler, um nicht wieder für seinen Lehrer angesehen zu werden, 
zwängte seinen Körper in unnatürliche Lagen und blieb tage- 
lang zusammengekrümmt in engem Platze sitzen, bis er schliess- 
lich ganz und gar entstellt und verwachsen geworden war ; das- 
selbe wird er jetzt in solcher Gestalt dargestellt. Wegen sei- 
nes dicken Bauches glaubt das Volk aber, dass er etwas mit 
Schwangerschaft zu thun habe und unfruchtbaren Frauen Kin- 
der geben könne, und für solche Zwecke erhält er z. B. in der 
Höhle bei Petchaburi Opfergaben, wo er als Missgeburt dar- 



*) Strabo unterscheidet in GaUien die Druiden, die Vates {üvateig) oder 
(nach Diodor) Manteses und Barden. In den Legenden der Fiji-Inseln werden 
(nach Pritchard) die verehrten Vorfahren stets unter die heiligen Bäume versetzt * ^^ 

**) Arbor Zeylanica religiosa foUis perpetuo mobilibus, Arbor Daemonum Bei- '^ 

gb, Boghas, Budughaha et Budughas incolis dicitur (Burmann). 



i24 I^*« Klöster und ihre Bewohner. 

gestellt wird. Der Gott Priapos gebar (nach dem Grammatiker 
Sophokles) Aphrodite heimlich in Lampsakos, weil Hera dnrch 
Betasten des Leibes die Frucht unförmlich gemacht hatte. In 
den Gärten wurde Hermes ithyphallikos aufgestellt. In ähn- 
licher Missgestalt, wie der indische Kuvera (Kuverarat), wird 
auch in Japan der Gott des Reichthums verehrt. Schätze er- 
hoffen die Siamesen von Phet-Phaya-Thong, der im Himmel lebt, 
wie Ngu-Hieng-Kung * ), der chinesische Gott der Diebe, zudem 
die Kaufleute beten, als ihrem Mercur. Der ägyptische Cano- 
pus wurde als unförmlicher Krug mit menschlichem Kopf und 
Extremitäten verehrt (Burckhardt). 

Zwischen den Buddha-Figuren des Klosters findet sich oft 
eine Phra Song-Krüa genannte, die statt des Priestergewandes 
ein Krönungsornat trägt. Mitunter findet man in den Capellen 
der Klöster Figuren des Phra (Herrn) aus gebranntem Thon, 
in einer Nische sitzend, und diese werden Phra-Son genannt. 
Chabbin ist der Name, der kleinen Buddha-Bildern gegeben zu 
werden pflegt, die in stehender, sitzender oder liegender Stel- 
lung auf ein rothes Brett geklebt sind. Wegen der Aehnlich- 
keit werden Buddha-Bilder Piloma genannt. In Contempla- 
tion sitzend, wird Buddha als Phra-Nang-Samathi dargestellt, 
in schlafender Figur, als Phra-Saijat. Dem Tode nahe, beauf- 
tragte Buddha seine Schiller, ein Bild von ihm zu verfertigen 
und es in die Hut der Thephajuda genannten Götter zu geben. 
Die Trinität der drei Kleinodien wird sitzend gebildet, ¥rte die 
tauistische der Sang-Chang. Die grössten Buddha-Bilder sind 
liegende, als am Leichtesten aufzubauen , doch finden sich auch 
sitzende in kolossaler Form neben den stehenden (Hestos, wie 
Simon Magus). 

Wenn eine Figur Buddha's über einen Fluss gefllhrt wird, 
so setzt man sie unter eine Canopy in ein mit Flaggen verzier- 
...^ tes Boot. Nur die königlichen Pagoden sind mit dem Xatr ge- 
st. ;' krönt. 

-.}>^ *) He is belie^ed to be unwilling to come down to earth and tberefore men 

' do not prepare an Image of bim and worship it, as they do in regard to most 

otber objects of wkonip (s. DooUtUe). 



Loose. 125 

Eines der riesenhaftesten Buddha-Bilder sitzt in dem Tem- 
pel des Klosters Kalayamit^ das hauptsächlich Chinesen zu fre- 
qnentiren scheinen. Nach vielfachen Kniebeugungen und Nie- 
derwerfen hielt der Verehrer brennende Räucherkerzen zu der 
Grottheit empor und ging dann zum Altar ^ um sie dort aufzu- 
stecken. Auf demselben stand ein Becher mit Loosen, *J d. h. 
Holzstäben^ die mit günstigen oder ungünstigen Prophezeiungen 
beschrieben waren. Sie wurden geschüttelt und entschieden 
nach dem Auffallen der einen oder andern Seite. Während 
des Gottesdienstes begleitete ein Tempeldiener jede Ceremonie 
mit Klingeln oder dem Schlagen einer Gong. Auch wurde auf 
einem hohen Bambu getrommelt. Neben dem Thürhüter hatte 
sich ein chinesischer Wahrsager postirt und Hess die für die 
Znkunft Besorgten Loose ziehen, um darüber zu entscheiden. 
An den Wänden waren verschiedene Gelübde aufgeklebt, mei- 
stens in siamesischer Sprache. In dem einen derselben ver- 
sprach der Verfasser prachtvolle Schauspiele, wenn er im Wür- 
felspiel Glück haben sollte, und zählte seine verdienstlichen 
Handlungen auf > die ihn zu der Gunst des Schicksals berech- 
tigten. Die Corridore, die hinter dem Götzenbilde umherliefen, 
waren, so weit sich im Halbdunkel erkennen Hess, mit 
Gemälden der Jataka bedeckt. Auch war dort eine kleine 
Zelle von einem jungen Mönch bewolint, der die schriftlichen 
Arbeiten eines Knaben überwachte und sich zum Anfertigen 
von Copien bereit zeigte. Die Eingänge waren, an Stelle 
der sonst gewöhnHchen Riesen-Ungeheuer, von Officieren be- 



*) Vor dem Segeln der DjoDken sab Moore unter den auf Pulo Uri (Im 
siamesischen Golf) angesiedelten Chinesen und Cochinchlneseu folgende Consulta- 
tionsweise: A. book is prepared, in whicb a number of sentences are written and 
nambered and a similar number of small pieces of sticks are prepared with correspon- 
deot numbers on them. These are placed in a hollow bamboo and shaken untU 
one of them falls out, the number of the piece of wood is them compared with 
the corresponding motto and according as this latter is favourable or otherwise, the 
Jonks pursue their voyage or wait until they obtain a more favourable answer. ,-/ 

In den Panathenäen wurde ein Schiff mit dem Teppich der Oigantensehlachten {[r." 

als Segel paradirt, und auf einem navigium auratum trugen die Priester Mam- 
mon zum Orakelgeben hervor. 



126 ^e Klöster uDd ihre Bewohner. 

wacht, in Nachahmung der englischen Uniform. Die unteren 
Nischen einer Pagode enthielten die Figuren von Einsiedlern 
in verschiedenen Stellungen. Unter den Mönchen desselben 
Klosters lernte ich im Laufe meiner Besuche einen Lehrer 
(Achara) kennen, Achan Nok, der im Hause des Premier-Mini- 
sters den Kindern zur Erziehung Privatstunden gab, und der 
mir durch seine Bilcherkenntniss vielfach nützlich wurde. Im 
Kloster Kalliyamit lebten 90 Mönche (Phra), 2()Nen (Novizen) 
und 50 Luksit (Schulknaben). 

Im Ganzen zeichnen sich die siamesischen Pagoden mehr 
durch ihren Schmuck und ihre Zierlichkeit aus, als durch ihre 
Grösse, worin sie den birmanischen nachstehen. Die kolossalste 
Structur, die unter dem vorigen Könige angefangen wurde, fiel 
schon vor ihrer Vollendung zusammen, da das weiche Terrain 
nachgab, und bildet jetzt mit ihren spiralig aufgewundenen und 
mit aufgewuchertemPtianzenwuchs umschlungenen Terrassen eine 
sehr malerische Ruine. Auch die Pathomma Chedi (Lotos-Pagode), 
in die morastige Umgebung eines Sees gebaut, ist unvollendet, 
aber prächtig im Schmucke vielfarbiger Lotusblumen. Der Tem- 
pel einer andern Pagode des hauptsächlich von birmanischen 
Priestern bewohnten Vat-na ist in Form einer gigantischen 
Djonke gebaut von einem reichen Kaufmann, der nach der Ret- 
tung aus einem Schiffbruche*) so sein im Augenblick der Ge- 
fahr abgelegtes Gelübde erfUllte. Drei Pagoden oder Phrachedi 
stehen an der Stelle der Mastbäume, und die Zellen sind in den 
Kajüten. Zu König Lothar's Zeit wurden dem heiligen Godehar- 
dus silberne Schiffchen ** j dedicirt, und ähnlich verehrte der 
Schiffer das Heiligthum des Forsetes auf Helgoland (Grimm). 
In einigen Klöstern fand ich die äusseren Corridore des Tem- 



*) Auf dem Meere siDd die Chinesen eben so reich an Versprechungen wie 

die Matrosen von St Malo, die dem Herrn weisse Hemden zu versprechen pflegen. 

Le Pere monta sur le cbateau d'avant, et pronon^a k haute voix la promesse 

I •^j,^_ quMls faisaient ä dleu, si par l*intercession de St. Sanveur ils obtenaient nn vent 

>S(W^ favorable (Tachard). 

*♦) Apulejus beschreibt die korinthische Procession mit FortPendung des Isis- 
Schiffes, und der carrus Juvalis gilt als Grundform des späteren Carneval. 



i 



k 



A.lchemi8ten. 127 

pels mit dichtgedrängten Reihen von Buddha-Bildern besetzt, die 
den ganzen Raum umschlossen. Die Zahl der Mönche in einem 
Kloster ist sehr verschieden; in einigen wohnen oft mehrere 
Hundert, und enthielt unter der vorigen Regierung der Vat Cheng 
5()0, der Vat Mahathat 600 Insassen. Doch sind gewöhnlich die 
Räumlichkeiten weit beschränkter. Im Kloster Lamphu, das 
ich, als meiner Wohnung nahe gelegen, häufig besuchte, fanden 
sich 24 Phra Song, 4 Somanen und 1 Achan. Die Mönche be- 
schäftige» sich, gleich den unseren des Mittelalters, nicht nur 
mit ihrer patristischen Literatur, sondern auch mit kabbalistischen 
Künsten und sind besonders der Alcheraie ergeben. Ein mir 
bekannter Achan im Vat Kalliyamit ftihrte mich einst geheim- 
nissvoll in die Zelle einer seiner Freunde, Khun Xim genannt, 
die wir ganz mit Tiegeln und Retorten gefllllt sahen, in deren 
einigen noch lebendiges Quecksilber lag. Er destillirte, wie 
er mir sagte, das Quecksilber aus Blei und behandelte das ge- 
reinigte Metall mit Medicin fYa oder Kräuter). Eine reflecti- 
rende Kugel, die er zeigte als Probe seiner Experimente, sollte 
für Reisende unschätzbar sein, als den Durst verhindernd. Die 
birmanischen Alchemisten suchen besonders nach dem Ajecke 
oder versteinerten Draht. Die Siamesen nennen das goldma- 
chende Mineral San pak nok (oder Arsenik des Vogelschnabels), 
oder auch den Schnabel des Vogels Keoh, da es in seiner röth- 
lich gelben Färbung diesem gleicht. In einem alcliemistischen 
Buche, das in einem sehr dunkeln Styl und räthselliaft geschrie- 
ben war, nannte sich der Verfasser Mahathay, geboren in der 
Stadt Sukkhathay. 

In einem der Aussenbezirke der Vorstädte liegt das Dorf 
der Cochinchinesen (Bahn Juen), wo ich in dem Kloster (dem 
Vat Juen) mehrere eifrig beschäftigte Copisten fand. Die Bü- 
cher waren mit chinesischen Charakteren geschrieben, und die 
gelb gekleideten Priester trugen kurzgeschorenes Haar. In Saigon 
findet sich auch schwarze Ordenstracht. Der Tempel war nur 
aus Bambu erbaut and durch aufgehangene Teppiche in ver- 
schiedene Gemächer getheilt. Vor einer aus Stöcken aufgerich- 
teten und mit weisser Leinwand überkleideten Figur (in Jacke 
und Hosen) lagen mit Seide umwickelte Figuren, alle ohne 



128 I>^« Klöster and ihre Bewohner. 

Kopf. In einer andern Abtheilung sass die Figur Phra-Phutti'g 
oder Buddha's (Ongkhaton) mit dem dickbäuchigen Pasiahn zu 
ihren Füssen und von betenden Puppen an den Seiten umgeben. 
Weiterhin fanden sich die Bilder chinesischer Kernige und Frauen, 
sowie, auch chinesische Gemälde an den Wänden. Das Zimmer 
eines der Priester, das ich betrat, war mit Möbeln überfüllt, 
und der niedrige Tisch ganz mit Gläsern, Schalen und Tassen 
bedeckt. Während des Singens schlagen die cochinchinesischen 
Mönche eine kleine Hand-Gong und klingeln mit einer Schelle. 
Beim Fortgehen fand ich am Kanalrande eine kleine Oapelle mit 
dem Bilde Konchu's oder Confucius', hinter dem zwei Figuren 
herüberblickten. Auf dem Altartische lagen Parftimstöcke und 
beschriebene Bambustäbe. Die in Slam ansässigen Cochin- 
chinesen haben die Landessitte der kurzen Haare adoptirt, tra- 
gen sie aber niclit zurückgekämmt, sondern überhängend. Ne- 
ben chinesischen Bethäusern und Capellen des Confucius, so- 
wie Josshäusern*) und Tempeln der Tao-Seete giebt es auch 
ein Kloster chinesischer Buddhisten in Bangkok, die zwar Zeuge 
gelber Farbe, aber Hosen tragen. Eins ihrer Gebete beginnt: 
Rama lui Omito hut. Von den hocliaufgebauten Pagoden der 
Chinesen wird gesagt, dass sie die Residenz des Lisivin bilden, 
eines Tugendhaften, der jeden dritten Tag vom Himmel zur 
Erde zurückkommt. In einem Hause an dem Kanal Han Taphan 
fnach einer früheren Zugbrücke so genannt) lebte der Bruder 
des Königs von Kambodia, dem der siamesische König wegen 
angestifteter Unruhen das Verbleiben in Bangkok zur Pflicht 
gemacht hatte. Als ich dort einen Besuch abzustatten wtlnschte, 
machten die an der Thttr postirten Wachen erst Schwierigkeit, 
riefen dann indess einen der Kambodier, der unter anderen 
Büchern das aus dem Mahasat gezogene Phra-Vithun's brachte. 
Er gab mir als seinen Titel Phra-Umxomakkharat an. Das nahe 



^) Missionäre nennen die Josshäiiser TeufelstemMl, doch soll Joss nur eine 
Corroption des portugiesischen Deos sein. Nach Hyde werden die Drusen Sheit 
ani oder Teufelsverehrer genannt, weil sie Satan ihren Sheik oder Pir nennen 
(wie die Yeziden), und das Buch Seth wird erklärt als Buch des Sid oder 
Ttofeh. 



Klostersch weine. 129 

gelegene Kloster Barien , mit zwei gloekenförmigen Pagoden 
neben dem Bot (oder Götzenlumse), war von kambodischen 
Mönchen bewohnt, die ilire Schüler im Lesen siamesischer Bü- 
cher unterrichteten. Sie behaupteten einige Bücher zu haben, 
besonders Suct-Phi (Beschwörung der Dämone), al)er ihr Vor- 
steher, der zu einem Leichenbegängniss gerufen sei, habe sie 
mitgenommen. Einige Exemplare fetter Schweine schienen sich 
in dem schmutzigen Klosterhofe sehr behaglich zu fllhlen, und 
auf meine Fr;'gc, wie sie dorthin kämen, erwiederte man, dass 
sie Mu-Vat (Klosterschweine ) seien. Adam von Bremen erzählt, 
wie S<*hweine und Hunde die Kirche befleckten und sich kaum 
vom Altare zurücktreiben Hessen. Nach dem Siege des Chri- 
steuthums ging der druidische Ehrentitel Schwein (als Ferkel 
Ceridwens) auf die Mr)nche über. Wenn die Chinesen ein 
krankes S<*hwein haben, so pflegen sie es den Mönchen zu 
schenken und als solche Mu-Vat zu weihen. Die Siamesen da- 
gegen dediciren auch Hühner, von denen stets eine grosse An- 
zahl die Klosterhöfe belebt. Sollte sich Jemand unterfangen, 
ein so geheiligtes Huhn zu essen, so wird er sich nach seinem 
Tode jils ein Pret-Asurikai (Teufelsgespenst) wiedergeboren fin- 
den (mit einem Körper anderthalb Palmbäume hoch). Die 
Böte der Klöster fanden sich mit frommen Pali-Sentenzen be- 
schrieben. In einem abgelegenen Theile des Klosterhofes pflegt 
ein Gebäude zu stehen, in das sich der Priester zeitweise für 
einsame Gebete und Selbstbetrachtung zurückzieht, in der Me- 
tonoia, wie sie Sokrates fordert. 

In chinesischen Bethäusern findet sich ziemlich regelmässig 
ein Bild mit dem sitzenden Kan-Ü (Bruder des Kaisers), und 
hinten, über ihn vorblickend, sein treuer Gefährte Suchong, der 
den schützenden Speer emporhebt und als das Vorbild eines 
wackern Biedermanns verehrt wird. In den Erzählungen des 
Samkok weist er alle verführerischen Anerbietungen der Feinde 
zurück, um als redlicher Diener bei seinem Herrn zu verbleiben. 
Die Chinesen unter8(fj|eiden von dem gegenwärtigen Fo*) den 



*) Laotaeu dans sod yoyage en occident (VI. ei^cle a. d.) s'arreta pour 
fonder le temple de Pimo ä ToccideDt de Khatai. Ce fut U, qu'il convertit las 
Bastian, Reiie In Slam. III. 9 



130 ^^^ Klöster und ihre Bewohner. 

älteren Omita oder Amidha. Ihre Buddha-Dreiheit bezieht sich 
auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, wie die Henomene 

Das grösste Kloster Bangkoks ist der Vat Pho oder (in kö- 
niglicher Sprache) Vat Phra-Chattupon, der beide Seiten einer 
breiten Strasse in der Nähe des Palastes einnimmt. In der 
einen Hälfte stehen die Wohnungen vieler Hunderte von Mön- 
chen, die seine Insassen bilden, und deren Strassen numerirt 
sind, weil es sonst unmöglich wäre. Jemanden aufzufinden. In 
der andern Hälfte befinden sich die Tempel mit den Über die 
Todtenaschen *) der früheren Könige gebauten Pagoden. In 
einem langen Gange liegt ein riesiges Bild Gautama's ausge- 
streckt und pflegt als Merkwürdigkeit von den Thürwächtern 
nur gegen eine Vergütung gezeigt zu werden, da der Eingang 
verschlossen gehalten wird. In dem Klosterteiche lebt ein zah- 
mer Alligator, der von frommen Gläubigen gefüttert wird und 
nicht so gefährlich für den Anblick ist, wie (nach Aelian) der 
heilige Drache von Melite. Ein Corridor ist in gleichartige 
Fächer getheilt, Eremiten (Dabot) in verschiedenen Körperposi- 
tionen darstellend und dadurch die Cur für gewisse Krankheiten 
angebend, wie es in den Unterschriften erklärt ist, um gleich 
den Recepttafeln der Aesculaptempel zu kölschen Vorhersagun- 
gen zu dienen. Anderswo waren Kranke mit den Symptomen 
ihres Leidens abconterfeit und darunter das Nöthige über Dia- 
gnosis, Prognosis und Therapie bemerkt. Daneben fanden sich 
anatomische Darstellungen von Skeletten mit zugefügten Er- 
klärungen. Auf Marmortafeln waren Skizzen des menschlichen 
Körpers entworfen, durch Linien den Einfluss der Gestirne auf 



Tatares et quMl devint Fo. „Löschfi in one breath was transformed in the throe 
PoreOnes^^ (s. Doolittle). WieTarchon (bei Strabo) und Sal warLaotseo schon in Her 
Jugend grau, ein altkluges Kind, gleich dem bretagnischen Wechselbalg, der das 
Ei vor der Henne, die Eichel vor der Eiche gesehen hatte. Die heilige Sage der 
Orphiker beweist, dass das Ei nicht allein älter, als die Henne, sondern auch der 
ganzen Erstgeburt des Alls voraufgeht. 

*) The richer Cambodians thake up their-residence periodirally in the old 
capital of Olompeh (the city of Pagodas and royal tombs) or Colombo for 
prayer. 



Der königliche Mßnch. 131 

bestimmte Organe bezeichnend. Die Unterschrift flihrte aus^ 
welchem guten oder bösen Geschick der unter der einen oder 
der andern Constellation Geborene ausgesetzt sein werde. Einm 
der Examinatoren hörte ich bei einem Besuche die Ihriestef.^ 
den Pali-Lectionen überhören. Unter den heiligen Fischen in 
den Klöstern findet sich zuweilen auch ein Ableger des gebra- 
tenen, von dem Phra-Ruang die eine Hälfte gegessen hat. Auf 
des ceylonischen Königs Sri Sangala Rajah Wunsch, dass, wenn 
er bestimmt sei, Buddha zu werden, die getrockneten Fische 
schwimmen und der gekochte Reis keimen mögen, wurde ihm 
(nnch dem Rajavali) das gewünschte Zeichen, wie dem Gideon 
das seinige. Mehrfach traf ich in den Klöstern Mo-Du oder 
Wahrsager, die dort ihren Geschäften nachgingen. 

Im höchsten Ansehen beini Volke steht der Vat Bovoranivet, 
in dem der jetzige König seine Priesterjahre verbrachte. Dort, 
wohnte auch der Bischof, an den ich speciell verwiesen war, 
und den ich dort verschiedentlich aufsuchte. IcU hatte so mehrfach 
Gelegenheit, die Tempel, Kioske und Belvedere, die Lust- 
häuser, Terrassen und Pyramiden zu bewundern, die dieser 
weite Klostergarten einschliesst, und bin oft stundenlang in den 
weiten Anlagen umhergewandelt, im Gespräche mit den Mön- 
chen, von denen sich stets dazu Bereite fanden. Die Meisten 
derselben waren Söhne vornehmer Familien, da es einer Art Adels- 
probe bedarf, um in diesem aristokratischen Kloster zugelas- 
sen zu werden. Am Landungsplatze des Kanals stehen zwei 
Ausruhehallen, in denen die Pilger sitzen oder Esswaaren feil- 
geboten werden. Von dort ftlhrt ein gepflasterter Gang zu dem 
Eingangsthor, mit grotesken Figuren bemalt , hinter denen man 
in die Säulenhallen des grossen Tempels tritt, in dem jeden 
Morgen unter dem Schlagen der Gong und dem Blasen der 
rechtsgewundenen Muschel ein feierlicher Gottesdienst abgehal- 
ten wird. Die Wände sind mit Scenen aus den Jataka bemalt 
und die Erklärungen in der Unterschrift beigefligt. Den Hinter- 
grund nehmen zwei grosse Buddhabilder ein , aber ausserdem 
findet sich eine grosse Mannichfaltigkeit der verschiedensten 
Figuren, 'unter welchen ich auch die des ersten Napoleon be- 
merkte. In einer Gartenecke sah ich vielhändige Steinfiguren 

9* 



j^32 ^^® KlSster nnd ihre Bewohner. 

brahmanischer Mythologie, die von Kambodia gebracht sein sollten, 
und neben einem der Glockenthttrme fand sieh eine Sammlung 
f^inesischer Dämone, die, in kaiserlicher Tracht, auf Schildkrö- 
ten oder anderen Thieren standen fSu-J oder Begleiter des 
Phra Insuen), sowie von Engeln (Sien oder gelockten Zwergfigu- 
ren, auf einem Rade stehend), dem Taosse-System angehörig. 
Unter einem Baldachin sass mit flacher Mütze Phaya Phimphisan. 
Bei einem meiner Besuche fand ich die Klosterthore geschlossen 
und vor denselben eine Schaubühne aufgerichtet, auf der ein 
reicher Siamese theatralische Vorstellungen gab, um ein den 
Thepharak (Schutzgeister) abgelegtes Gelübde (sin bon) zu 
erfüllen. Mädchen mit klauenartigen Fingernägeln, die an die 
natürlichen angesteckt waren, tanzten mit Verdrehung der Arme, 
indem sie sich auf den Beinen hin und her wiegten. Mit kö- 
niglichem Kopfschmuck, waren sie in verzierte Jacken gekleidet 
und trugen darunter ein leicht herabfallendes Gewand, aus 
dem die nackten FUsse hervorsahen. Das gespielte Drama 
führte den Titel Suvanna Kamphu und handelte von einer ehe- 
brecherischen Königin, die sich den Umarmungen eines Rakshasa 
(Kalajack) hingiebt. In den Heldenstücken treten besonders 
Rama, Hanuman, Thotsakan (Ravana ), dessen Vater Thotsakien, 
Laksman und andere Heroen des Ramayana auf. Die Pagode, 
die im Vat Bovoranivet zum Aufbewahrungsgewölbe der in wohl- 
verschlossenen Kisten gesiclierten Reliquien dient, ist an der Ein- 
gangsthür durch dicke Eisenstangen verrammelt und barrikadirt. 
Ausser diesen Reliquien, die bei festlichen Ereignissen hervor- 
geholt werden konnten, waren andere in den Fundamenten 
oder auch in den Knäufen der verschiedenen Pagoden ein- 
gemauert, von denen die Vadschira gegen den Blitz schützen. 
Im Vat Sakhalat fanden sidi in einem Säulengange die Bilder 
der verschiedenen Gewerke, die durch beigefügte Unterschrift 
als solche beschrieben werden (Töpfer, Schmied u. s. w. ), sowie 
die der Laster und Tugenden. Unter dem Buddhabildem im 
Vat Chao Fa fand sich Phrachao Palilan (im Auszug zum Walde), 
Prj^^chao Samati, Phrachao Hamsamuth (mit emporgehobenen 
rifinden), Phra Siahn (Fächer tragend), Phra Song Krüang. 
Die Figuren eines Elephanten und Affen brachten Verehrung 



Der heilige Schatten. 133 

dar. Aaf herabhängenden Zeugstreifen waren unter einen von 
zwei Schülern umgebenen Buddha Vorstellungen aus dem Thossa- 
Xat und Maha-Xat gemalt. Das eine Bild gab die Pachom-Män 
oder die Angriffe des Teufels auf den unter einem Baum sitzen- 
den Buddha, gegen den Elephanten und alle Arten Ungeheuer 
von beiden Seiten anstürmten. Die Mönche zeigten mir das in 
Zickzack gefaltete Papierbuch, das von den Fahrten des Priesters 
Malai durch Himmel und Hölle (gleich denen Paulus' in den 
Apokryphen) erzählt und bei Leichenbegräbnissen gelesen wird. 
Die an den Rändern beigefügten Bilder zeigten theils die ver- 
schiedenen Qualen der Hölle, theils den Uesuch des Heiligen 
im Himmel, wo er vor Phra Siahn (dem künftigen Buddha) kniet. 
Ardschasp warnt im Schah-Nameh vor dem Betrüger, der den 
Herrn im Himmel gesehen sowie Ahriman in der Hölle. In 
einem benachbarten Kloster knieten zwei Thephada vor einem 
Buddhabilde und sass eine hohe Figur im Hintergrunde dunk- 
ler Corridore, die sich treuzten. Im Kloster Suthat sah ich 
Brahmanen im Both (Götzentempel) administriren. In der Nähe 
findet sich die während des Baues auf dem nachgiebigem Tl'er- 
rain eingesunkene und so zusammengebrochene Pagode Vat Sak- 
het, die für einen Phra-Chedi bestimmt gewesen war. Der Lohit oder 
Loha-Prasat sollte, als viergesichtig (si-mukh), vier messingene 
oder eiserne Prasat (Zinnenthürme) um den Phra-Chedi erhal- 
ten. Der auf Ceylon von Gjeshthatishja vollendete Lohaprasada 
wurde durch Mahasena zerstört, den Schüler des aus Chola ge- 
kommenem Sanghamitra, der im Wissen der Bhüta tief bewan- 
dert war. 

Im Vihan des Klosters Bovoranivet ist auf den Altartisch 
ein Bild Buddha's gestellt, der, in ein stemenbesäetes Gewand 
gekleidet, auf einer im Wasser schwimmenden Lotusblume steht, 
während sich der von seinem Haupte ausstrahlende Glorien- 
schein bis zu den Wolken des Himmels verbreitet und sie durch- 
dringt. Darunter fand icli eine Inschrift in Aryaka, die von 
dem jetzigen König erfundenen Buchstaben. Dieser Buddha 
wird Phra Xai, der Spiegelgott, genannt, da er die Reflexion 
des Schattens (ngao) ist, die auf des Königs Befehl von China 
gebracht wurde (von dortigen Pilgern auf der Reise nach in- 



t *"■ 



1.^ Die KlSttcr and ihrr Bewohner. 

dien gesehen). Dahinter findet rieh eine grfVgwre Figur, Phra 
Patimokkha. deren eine Hand aaf das Knie, die andere in den 
Sehocms gelegt irt, als Verkörperung der heiligen Sehrift. Die 
C^*.* . Heiligen haben mitunter einen Glorienschein angedeutet, wie 
V er sich im lamaistischen Buddhismus fast regelmässig findet. 

Vor Buddha's Geburt erschien ein überirdisches Licht.*) 

In dem für Spaziergänge bestimmten Corridoren des Klo- 
sters Cheng finden sich hinter verschlossenen Thtiren einige 
schmale Räume, deren Wände ganz mit Gemälden bedeckt sind, 
um die Ausbreitung der Beligion darzustellen. Buddha's Figur 
kehrt überall wieder, meistens mit vor ihm knieenden Verehrern. 
Zu beiden Seiten finden sich die Heerschaaren der weissen The- 
vada und der dreigesichtigen Phrohm, von Phra In geleitet, der 
als Phra Insuen in grüner Farbe erscheint. Unter den Thevada 
bringen, ausser den Nagas, die Jakha ihre Verehrung, als der 
Jakh-Inthapalam mit vorstehenden Hauerzähnen, Rapanusun 
in brauner Farbe, der rothe Seng Atllit (die Sonne i, der blaue 
Inachit, Phaya Kruth mit seiner schnabelartig gekrümmten Xase, 
Khontha oder Phetphaxon, weissbärtig mit lang ausgezogeneu 
Gesichtern. Noch tiefer findet sich das Volk der Phuek Gno, 
wollige, kraushaarige Wilde, brauner oder schwarzer Farbe, 
und daneben die Rüsi mit Feder-Diademen. An einer Stelle 
sieht man Processionen, uiu die Candidiiten zur Priesterweihe zu 
flihren, an einer andern sind Kaufleute geschäftig, mit ihren 
Karren lagernd, die Ochsen waschen«! oder Essen kochend. An- 
dere reisen in IJöten. Ein Karen in weissem, rothgestreiftem 
Hemde steht mit dem Bogen in der Hand vor seiner Hütte im 
Jungle, und ist durch einen andern, der herbeigelaufen kommt, 
von der Ankunft der Religionslehrer benachrichtigt. An einer 
Stelle stehen zwei nackende Mensclicn. nur mit einem Blätter- 



*) Livius kennt Aehnliches , und Home , als ihm ein Sohn geboren wurde, 
eraihlt: Also that night and for two er three night« afterwards a bright Hght, 
which was clearly visible from the partial darkness of the room, in which there 
was only a night lamp buming, appeared several times directly over his head 
and then sluwiy moved fn the dirertion of the door, where it disappeared 
(1869 p. d.). 



Wandgemälde. j^35 

gürtel bekleidet als Khon Pa oder Khon bUa, Früchte haltend, 
in einem Bergwalde, von wilden Thieren, Elephanten, Rehen, 
Raxasi (Drachen mit Löwengesichtem), Khoxasi (Drachen 
mit Elephantengesichtern) und anderen Fabelgestalten um- 
geben. An einer andern Stelle sieht man auf Buddha 
(vor dem die Göttin der Erde ihre Flechten ausdrückt), Phaya 
Man mit seinen Trabanten heranstürmen, die von dem grü- 
nen Thotsakan mit siebenfach gethUrmtem Haupt und sechs 
Händen, sowie von den sechshändigen und siebenhäuptigen 
Thotsakien (Thotsakan's Vater) in weisser Farbe geleitet wer- 
den. Weiterhin haben die heranbrausenden Wasserfluthen schon 
die Standartenträger überfluthet, und die Trümmer des in den 
Wellen umhergeschleuderten Heeres werden entweder von den 
Ungeheuern der Tiefe, von Crocodilen und Riesenfischen ver- 
schlungen oder werden niedergemacht von Hanaman (in weisser 
Farbe;, der nebst Pali (dem Besieger des Büffels Thassaphi) zu 
Buddha's Hülfe herbeieilt. Vögel, besonders Pfauen, und 
Engel schweben in der Luft. In einer Zimmerecke wölbt über 
den sitzenden Buddha Phaya Nakh seine fünf Häupter, um ihn 
gegen Regen zu schützen. „Phothithat ist die Existenz des Herrn 
Buddha in der Gestalt eines Drachen, als Phaya-Nakh, der 
durch den Schlangenbeschwörer (Mo-Ngu) Alampa aufgerollt 
und in einem Topfe fortgetragen wurde'' (als Unterschrift). 

Unter den Gemälden, die al fresco die Pfeiler und Wände 
des Both im Vat Suthat bedecken, stellt eins die Fabel des 
Nok (Vogel) Sai vor, der mit Hülfe der Krähe und des 
Frosches sich an dem Elephanten rächte, der seine Eier nieder- 
getrampelt hatte; ein anderes die Fabel des Nok (Vogel) Ka- 
heng, der durch Phaya Kruth am Meeresgotte gerächt wurde 
für den Raub seiner Jungen. Ein anderes zeigte, wie der Lö- 
wenkönig (Raxasi) Nang Suthong von dem Hunde befreite, der 
ihre Kinder biss. Ein anderes stellte Phothisath (Bodhisattva) 
vor in der Gestalt des in den Trai-Pet (drei Vedas) tief ge- 
lehrten Jotsaphrohm, ein anderes den Anottha-See mit vier Aus- 
flüssen und von der Scenerie des Himaphan umgeben, die 
durch Waldnymphen, Löwen-Chimären, Vögel, Lotusblumen 
zwischen parkartigem Baumschlag belebt war. Ein anderes 



. 



k 



136 !>*« Kloster und ihre Bewohner. 

Bild zeigt, wie Phaya Kruth (Garuda) *) die Gattin des Kttnigs 
Phrohmathat in Baranasi (Benares) raubte und nach seinem 
Nest auf dem Simpliali-Baum fortflihrt, darunter stand geschrie- 
ben : „Phaya Kruth, in der Form eines Jakh spielte Soka (Damm) 
mit Phaja Phromathat in Baranasi und stalü dann Susonthi, um 
sie in seinem Nest auf dem Baumwollenbaum zu bewahren." 
Unter einem andern Bilde stand zur Erklärung : ,,Mitthaphintha, 
ein Bürger von Baranasi, leidet SchifTbruch." 

Phra Inthon bringt Opfer, auf nmsikalischen Instrumenten 
spielend. In einem andern Tempel stellten die mit Erklärun- 
gen versehenen Wandgemälde Gefechte zwischen Asura und 
Thewada vor, in denen bald die eine, bald die andere Parthei 
siegreich schien. Ein anderes zeigt den raddrehenden Welt- 
beherrscher (Chakrapath) die vier Continente besuchen, und 
dann den getheilten Mond (mit Häusern, Menschen, Ochsen, 
Wasser u. s. w. darin). Ein anderes zeigte die Schauspieler 
der Lakhon, die in der Hölle mit ihrem brennenden Körper die 
theatralischen Gesten und Tänze ihrer irdischen Vorstellungen 
wiederholten, aufglühenden Instrumenten spielten oder die Köpfe 
derjenigen Thiere trugen, die sie früher als Maskeu vorgesetzt 
hatten. In einer Capelle des Vat Pho trugen die Wände Ge- 
mälde, auf denen die Europäer in der alterthümlichen Tracht 
des vorigen Jahrhunderts dargestellt wurden mit ihren Häusern 
und Städten. 

Unter ein Gemälde war geschrieben: „Der Affe Atsada 
kommt als Thevada, um den Herrn, der unwissend in den 
Wald hinausgeworfen war, zu unterrichten." Vor dem 
Thore des mit Höllenbildern ausgemalten Vihan des Vat Pho 
hingen Warnungstafeln, daran erinnernd, dass solche, die Thiere 
tödten, in die Hölle Roruvan Narok stürzen würden, und sohihe, 
die Hausthiere (wie Elephauten, Pferde u. s. w.) quälen oder 
zu harten Diensten anhalten, in die Hölle Sangkhata-Narok 



*) Der Feind der Schlangen, gegen welche (nach Plinius) in Aegypten der 
Ibis angerufen wurde, dessen Hülfe sich, wie Josephus erzählt, auch Moses be- 
diente. Auf dem Hippotamus, dem Repräsentanten Typhon's, Icämpft ein Habicht 
mit einer Schlange. 



Rildenintenchrifton. j^37 

(Naraka oder Hölle). Das Schicksal der Weintrinker war durch 
eine andere Hölle angedeutet, die so hoch oben geschrieben 
stand, dass ich die Buchstaben nicht deutlich erkennen konnte. 
Als ich die Umstehenden nach dem Namen fragte, meinten sie, 
dass das nur eine ganz kleine Hölle sei und nichts zu sagen 
habe. In einem ausschmückenden Gemälde bringt Phromanarot 
der Königin einen Goldklumpen, in einem andern kommt Indra 
vom Himmel herab gefahren, um mit seinem Hammer die den 
frommen Chanthakuman feindlichen Brahmanen zu erschlagen. 
Unter einem andern war geschrieben : „Während Phra Phothithat 
(in Drachengestalt) die Gebote beobachtet (cham-sinj, kommt 
der Geselle Alamphai (ein Schlangenbezauberer), um ihn mit 
sich fortzunehmen,'* unter einem andern: „Phaya Kruth lebt 
in dem Viman Simphali oder dem Palast des wilden Baumwol- 
lenbaums, der auf den Abhängen des Berges Meru wächst." 
Unter den Wandgemälden im Both des Klosters Phra Surivong 
fand sich eins, auf dem Phra In in grttner Farbe als Kaufmann 
den Armen Almosen austheilt. In einem andern Felde fand 
sich Phra In ^gleichfalls grün; im Himmel, während in einer 
Seiten-Abtheilung ein Ehebrecher gewaltsam in das Bett einer 
Frau eindringt und auf der andern ein König zornig auf seine 
Gattin losschreitet, die er mit ihrem Buhlen zusammen gefunden 
hat, da die vor dem Lager ausgestreckten Wachen im Schlaf 
liegen. Ein anderes Feld zeigt die Ermordung des Königs Bim- 
bisara (Pimpisanj, während sein Sohn Ajatsatru in königlichem 
Staate, von Höflingen umgeben, zuschaut. 

Auf dem Gemälde einer Priesterzelle des Klosters Rahang 
steht Phra-Buddha vor einem knieenden Brahmanen, der ihn 
über die Wirksamkeit der in seiner Hand gehaltenen Medicin 
befragt. Auf einem andern lässt Buddha von einem mit Lotus 
bewachsenen Felsen sein metallenes Essgeschirr in den Fluss 
fallen. In dem Gemälde, wo Nang Suxada himmlischen Reis 
als Thevathida an Buddha darbringt, ist dieser als Lotusblume 
dargestellt, die sich auf einem den Steinsitz des Felsens be- 
deckenden Teppich öflRaet. In den Bildern der Prohm sitzt jeder 
Gott in seinem Palast (Timan). In denen vom Pa Himaphan 
sieht mau die Thevada an einer Stelle tanzen und die Theva- 



138 ^^^ Klöster and ihre Bewohner. 

thida an einer andern. Die Gemälde des Suphasit dienen zu 
Parabeln. Ein Tugendhafter wird in einer Sänfte getragen, und 
ein Armer, der ihn erblickt, fasst den Entsehluss, ihm zu folgen. 
Ein Bauer verhindert eine Kuh, auf seiner Wiese zu grasen, 
und 80 werden Leute trotz ihres Gegenwillens zu Entbehrungen 
gezwungen werden. Ein Tiger schreckt durch sein Herbei- 
springen eine Kuh, wie der Kühne den Furchtsamen. Eine 
Person giebt gekochten Reis einem Hunde nach dem Sprich- 
wort: Hung khao Hai Hma kin (lieber mag der Hund den Reis 
essen). In einem Gemälde, das Phra-Phuttha darstellt, den 
Abhidhamma im Himmel predigend, steht eine Lotusblume in 
der Mitte der Halle, von Thevadas umgeben. Im Kampfe mit 
Phaya Man ist der Angriff von beiden Seiten gegen eine Lotus- 
blume gerichtet. 

In den um den Both des Vat Borommanivat umlaufenden 
Hallen sind unter Glaskästen die Figuren von Eremiten auf- 
gestellt, die in den verschiedenen Stellungen des Körpers die 
Heilung bestimmter Krankheiten andeuten. Der Rttsi (Einsiedler) 
Sumet zeigt die Cur desjenigen Leidens, das nach einem Falle 
aus der Blutanschoppnng in der Brust resultirt, der Rüsi Sela- 
kakan zeigt die Cur, wenn sich die Krankheiten Nameret und 
Anameret mit den Symptomen der Pattakhat complicirt haben. 
Andere Namen dieser nützlichen Lehrer sind: RUsi Vaxara, 
Suttamantan, Phra Xavok, Phra Vaxa-Akkhi, Hatta, Nanom- 
kharam, Sisukvattara, Phra Jutthakkhara u. s. w. Phra Khobutr 
(Sohn einer Kuh) ist roth bemalt. Die Heilung der Krankheit 
Urakkata wird durch einen Yokhi vorgestellt. Im Vat Phra 
Pho waren Figuren von Kindern an die Wände gemalt, mit 
Bezeichnung bestimmter Theile des Körpers, um die astrolo- 
gischen Einflüsse*), die über ihn Gewalt hal)en, zu erklären. 



*) Die mittelalterlichen Talismane zur Krankheitsheilung gründeten sich auf 
ähnliche Vorstellungen: Die Sonne hatte das Herz unter sich, Venus die Nieren, 
Mercur die Lunge, der Mond das Gehirn, Mars den Magen, Jupiter die Leber, 
Saturn die Milz, der Widder den Kopf, der Stier den Hals, die Zwüllnge die 
Arme und Schultern, der Krebs die Brust, der Löwe die Speiseröhre, die Jung- 
frau den Bauch, die Wage die- Lenden, der Scorpion die (Jenitalien, der Schutze 



Tempelärzte. 139 

Ueber denselben zogen sich Umrisse anatomischer Zeichnungen 
bin, die verschiedenen Glieder benennend. In einer andern 
Halle finden sich die Bilder von zwölf Göttern und Göttinnen 
mit beigefügter Erklärung. In einem daran stossenden Umgange 
waren aus gebranntem Thon verfertigte Figuren von Eremiten 
in Nischen aufgestellt^ um durch verschiedene Körperstellungen 
die Symptome von Krankheiten und ihre Heilung*) auszudrücken, 
auf daneben gefügten Marmortafeln besprochen wurden. In die 
die Wand eingeftlgt fanden sich kleine Platten mit den Namen 
des Eremiten oder der Krankheit, und zuweilen war noch eine 
andere Inschrift zugefügt, worin ein frommer Besucher oder 
Mönch die beim Beschauen in ihm erregten Empfindungen aus- 
drückte. Die Diagnosen waren z. B. folgende: „Wenn der 
Athem pfeifend ausbläst, die Kehle beengt ist, die Glieder im 
Sitzen sich taub fühlen, der Körper gekrümmt, die Zähne convul- 
sivisch zusammengebissen , der Mund nach einer Seite verzogen, 
so können durch solche Zeichen, wie sie hier Phra Kalasik 
annimmt und vorstellt, die Symptome der Epilepsie erkannt 
werden, und sie muss nach der angegebenen Weise durch Drü- 
cken und starkes Vorwärtsziehen der Schultern geheilt werden." 
„Oh! Eitelkeit aller Dinge, der priesterliche Schreiber ein Ge- 
lebrter'^ (auf der Fafel). „Dieser heilige Eremit Phra Kalasik 
zeigt die Symptome der Epilepsie, bestehend in verzogenem 
Mund, gekrümmtem Körper, beengter Brust und grosser Ermat- 
tung im Handgelenk" (auf der kleinen Platte). „Dieser heilige 
Eremit, Phra Kala Dabot genannt, leidet an heftigem Kopfschmerz 
mit Schwere und Betäubung." „Dieser heilige Eremit, Phra 
Narot genannt, ist an der Hüfte, dem Knie, dem Herzen krank, 
mit fünffjichen Krisen nach der Phase des Mondes." Unter den 
astrologischen Inschriften fand sieh: „Mahamikala, denn so 
heisst dieses Bild, bezieht sich auf das männliche Geschlecht, 
wenn das rechte Knie tanzend gehoben ist, wie hier dargestellt. 
Das weibliche Geschlecht wird durch Erhebung des linken 
Knies bezeichnet. Die übrige Haltung der Figur würde die- 

die Hflfton, der Steinbock die Kniee, der Wassermann die Waden, die Fisihe 
die Pflsse. 

*) Durch eine Art schwedischer Heilgymnastik. 



i 



140 ^^® Kloster und ihre Bewohner. 

selbe sein (ffii fUnf Tage gültig)/' In der Zwölfzahl finden 
sich Hminphlengkhin (sechshändig), Marengfakbua (Göttin der 
Pocken); Akkhi8andanklaug(u)it eiueui Hammer), Kledaret (mit 
einem Bogen), Hminphling (mit Schwert), Phedadam (schwarz), 
Kendarek (vierhändig), Fikkhalasattha (mit dem Dreizack), 
Kledarei (mit Pfeilen), Phitsanakh (in weisser Farbe), Maha- 
mikala (tanzend) und eine blumentragende Göttin. Längs der 
Wände des (>orridores im Vat Suthat waren verschiedene Figuren 
in Hautrelief gearbeitet. Eine stellte einen Töpfer vor, eine 
andere einen Weber (Xang xum), Mattenflechter (Xang-stt), 
Schmied (Xang-lek), Maler (Xang-khieu), Juwelier (Xang thong), 
Zimmermann (Xang mai). Unter jeder dieser Figuren fand sich 
eine bezügliche Inschrift, z. B. die folgende unter dem Töpfer: 
Dieses Bildnis» zeigt die Art und Weise desjenigen Mannes, 
der ein Xang-pcndin (ein Handwerker, um Erde zu formen) 
genannt wird, indem er Erde in hübsche Formen gestaltet, für Ge- 
räthschaften und Schüsseln verschiedener Art, besonders aber 
Töpfe. Er ist bewandert in der Kenntniss, wie der in der ge- 
wünschten Weise gebildete Tlion in den Ofen gelegt und ge- 
brannt werden muss. Dann verkauft er solche Sachen und 
gewinnt dadurch seinen Lebensunterhalt." Andere Inschriften 
fanden sich unter den Figuren des Kuhhirten, des Kaufmanns, 
des Beamten, des Wächters, des Soldaten, des im Wohlstande 
und tadellos Lebenden. Dann folgten Darstellungen einer gutge- 
sinnten Gattin, einer ihren Gemahl verehrenden Gattin, einer ihren 
Gemahl wie einen Vater liebenden Gattin, einer ihren Gemahl 
nach Schwesterart liebenden Gattin, einer ihren Gemahl zu Tode 
ärgernden Gattin (die ein Schwert in der Hand trägt), einer Frau 
wie eine Sklavin, einer Frau wie ein Dieb (mit einem Geldbeutel 
in der Hand). Nach weiteren Figuren von Pferden, SchifiFeu, 
Wagen u. s. w. folgten einige des Phet-Phaya-Thong, und waren 
deren Unterschriften Vierecke mit Charakteren beigefügt, deren 
Verständuiss mit der Fähigkeit des Fliegens begaben würde. 
Einige, die ich copiren liess, können Entzifferungslustigen mit- 
getheilt werden. 

Eine Sala (Halle) im Vat Samplöng war mit Gemälden 
unter der Decke und längs der Wände geschmückt. In einem 



Schlaogen nnd V5gel. j^4J 

flehneidet Khotania sein von Indra in der Luft aufgenommenes 
Haar ab und empföngt einen Goldtopf, der, auf das Wasser ge- 
setzt, nach dem Beiche der Naga schwimmt. In einem andern 
entfalten Nang Tlianka^ Nang Raka und Naiig. Aradi, die drei 
Töchter des Mara oder Man (der die Form des Thossakan oder 
Ravana*) angenommen hatte), ihre Reize der Versuchung. In 
einem andern lässt Buddha durch ein Wunder einen Mangroe- 
Baum hervorwaehsen, der auf jedem seiner fünf Zweige einen 
-Heiligen trägt. In einem andern werden die in ihrer charakte- 
ristischen Kopftracht (Xada) und Kleidung erscheinenden Rüsi 
(Eremiten) von Buddha bekehrt und als Mönche geweiht, worauf 
sie die früher von ihnen gebrauchten Opfergeräthe in's Wasser 
werfen. Unter den Sculpturen oder Seh uitz werken, die den 
Tempel verzieren, kehrt oft der Kampf zwischen Phaya Kruth 
(Garuda) und Sukri (dem Drachenkönige) wieder, sowie die Figur 
des im Kriege zwischen Rama und Bavana gefallenen Ongkot 
und seines älteren Bruders Hanuman. Auf den kambodischen 
Monumenten dient die vielköpfige Schlange zum Schmucke der 
Brücken, an deren Eingängen sie sich, wie es schon die chine- 
sischen Berichte beschreiben, schützend emporbäumt, aber auf 
den Zinnen der Tempel wird sie von dem sie bekämpfenden**) 
Mannvogel zerdrückt. 



*) Wie der vielköpfige Ravana gegen Rama, kämpft Mara gegen Buddha. Die 
Araber nennen Nimrod den Rebell oder Marad (wie Mars Thuras). 

**) In China fehlt noch der feindliche Gegensatz zwischen Vogel und Drache, 
indem wie der (ünfklauige Drache den Kaiser, der Phönix die Kaiserin symboli- 
•irt. Dracones adorant cum volncribus, bemerkt Adam von Bremen über die Li- 
tbauer, und „hinc dracones indici, inde gryphes hyperborei'^ Apulejus von den 
Gewindern der Eingeweihten. Im Anfang war die unalternde Zeit in Drachen- 
gettalt (nach Damascius). Movers erklärt die von allen Gottern bräutlich ge- 
schmückte Harmonia als Schlange aus dem Syrischen. Ein Adler mit der Schlange 
in den Klauen galt, wie den Alten (bei Plinius), den Azteken für ein Sinnbild 
siegreichen Glückes. Auf der Esche Ygdrasil stiftete das Eichhorn Unfrieden 
Ewischen dem Adler und der Schlange Nidhugger. Ptolomäos berichtet von den 
Sehlangen, die bei dem Menschenopfer am Indus alle umherfliegenden Thiere ver» 
schlangen, wogegen in Aegypten die geflügelten Schlangen von den Vögeln ge- 
flresseu werden. Nach Aelian fürchtet der Basilisk den Hahn und stirbt bei sei- 
nem Krähen. 



142 Die KlRster und ihre Bewohner. 

In der Inschrift auf dem Phrabat eines KIoBters rühmt sich 
(im Jahre 2360 der Buddhasakkharat) Xai Au seiner verdienst- 
lichen Werke gegen den Phra Phutthachalong, den zum Besten 
der Devada, Menschen, Kruth und Naga gesandten Stein, und 
hoflft dadurch Phraphotijahn zu erlangen. Hinter dler sitzenden 
Riesenfigur im Both des Vat Suthat fand sich eine Phra Sithata 
genannte Statue Phra Phutthichao's, mit lauger gerader Nase. 
Man sieht oft dieBodhi-Bäiime oder Pipul (Ton Pho) mitgelb^ 
Tuch umwickelt. Der Banyan heisst Ton Sai. Auf hohen^*^^ 
Pfeilern wird das Bild des Kruth oder auch des Schw^eq ^^ 
(Hong) errichtet. 

In den Vat luaug (königlichen Klöstern) bauen die Anwohner 
in der Gemeinde mitunter auf Subscription eine Bethalle und 
engagiren dann einen Mönch, zu bestinmiten Tagen dorthin zu 
kommen, um sie durch seine Vorträge zu erbauen. Findet sich 
in diesem Kloster kein ihnen zusagender Prediger, so wenden 
sie sich dafür nach einem andern. So hörte ich im Kloster 
Samphlüm einem Tempelredner zu, der, wie man mir sagte, zum 
Kloster Pho gehöre und von dort herzukommen pflege. 

In einem sehr liberalen Eklekticismus werfen die Siamesen 
die incongruentesten Dinge in ihren Tempeln zusammen. Im 
Both des Vat Borommanivat sah ich Gypsfiguren unter den Bud- 
dhabildcrn und im Both des Vat Suthat hing: „Neue Bilder- 
zeitung SiV^« Bild : Grosse Parade unter Friedrich Wilhelm IV. 
unter den Linden^', sowie „die Schlacht von Eckernförde in dem 
merkwürdigen Jahre 1841)." 

Die Wandgemälde in dem Vat Keoh (dem Kleinodienkloster 
im Palaste des ersten Königs) sind vorwiegend dem Ramakhien 
(Bamayana) entnommen. Sie zeigen den Brückenbau der Aflfen, 
zu dem Fische die Steine bringen, die Feuerreinigung*) Sida's, 
die von Rama zum Scheiterhaufen geführt wird, den Brand der 



*) Weno der Dekaous eiu Weib vor sich fordert ood sie beschuldigt, dass 
«ie mit einem Maune Ehebruch treibe bei ihrem Ehemanne und sie solches leug- 
nen will, so soll die Pfaffheit und der weltliche Richter auf die Feuerprobe er- 
kennen (nach dem Syndrecht der Friesen). Aehnliches beobachten die Eingebo- 
renen an der Malabarkiiste. 



Wunderbares Buddhabild. 143 

feindlichen Hauptstadt, Processionen und Kämpfe, in deren 
Schlachtgewirr sich Thevada, Yakkha, Kinnari, Kruth, Raxasi, 
Karieng, Gno, Ehek u. s. w. mischen, während häufig aus der 
Entfi^mung Europäer mit einem Fernrohr zusehen. Zu ihnen 
scheinen die vor zwei Jahrhunderten in Siam ansässigen Holländer 
als Prototyp gedient zu haben, und werden sie dargestellt in der 
Gestalt eines kurzen, dicken Mannes mit breitem und flachem 
Gesichte, ganz weisser Farbe, in lose Jacken gekleidet und auf 

'•"äem Kopfe mit einem hohen spitzen Hut, der bei jeder Bewegung 
herabznkugeln droht. Zuweilen sieht man auch Soldaten in 

.Marschordnung gereiht, die in das CostUm des europäischen 
Mittelalters gekleidet sind und an ihren Huten lateinische Buch- 
staben tragen, aber in Sinn entstellender Weise combinirt. Auch 
sie mischen sich zwischen die brahmanischen*) und buddhisti- 
schen Figuren. 

In der Hauscapelle des zweiten Königs (dem Vat des Vang na) 
findet sich das Phra Sihong genannte Buddhabild, das (700 Jahre 
nach Buddha's Neibban gegossen) von Ceylon nach Myang Lak- 
hon (Ligor) gekommen war und durch Phaya Ruang nach Siam 
gebracht wurde. Obwohl von Metall, schwamm es nicht nur, 



*) Die Behandlang brahmanUcher Mythologie in einem Kloster Buddha^s er- 
innert an die Fresrogemälde Correggio's im Klostersaale der Benedictiner-Nonnen 
▼on S. Paolo in Parma mit den Figuren der Diana oder Vesta, Grazien, Sa- 
tyren n. s. w., sowie an die Malereien Befnardino Luini's, die im Kloster Casiuo 
della Pelogga den waffenschmiedeuden Vulkan darstellen und eine dem Pan 
opfernde Satyrenfamilie. Obwohl in mancher Beziehung der Buddhismus als das 
Neue Testament gegenüber dem alten Gesetz der Brahmanen betrachtet werden 
kann, gleicht doch in der Hauptsache seine Aufnahme fremder Elemente mehr 
der historischen Richtung der Gnosis in Verarbeitung der verschiedenen Religionen. 
Die heidnische war (nach Baur) durch die Materie repräsentirt, die jüdische durch 
den Demiurg und die christliche durch Christus. Der principielle Gegensatz des 
Feindlichen, wodurch der Parsismus Dewas in Diws verkehrt, fehlt im Buddhis- 
mus, der den Sarvadevesa zwar zu einen weltbauenden Architekten herabdrückt, 
aber ihm doch seine Gotternatur belässt. Nach Esnig (bei Neumann) wird der 
durch den Gott der Güte aus dem dritten Himmel herabgesandte Sohn durch An 
Herrn der Geschupfe aus Eifersucht gekreuzigt (im Glaubenssystem des Mareion) und 
im schwarzen Jajurveda bildet Pragapati (der Herr der Geschöpfe) die empor- 
gehobene Erde, als Werkmeister des Alles oder Visvakarman. 



J44 I^fo KI5stor und ihre Bewobner. 

sondern selbst gtromaufwärts. Im Vat BoYorflnivet wird die Figur 
des Plira Xinasi bewahrt. Die des Plira Xinarat soll sieh in 
den nördlichen Städten finden. Hinter dem kleinen Metall- 
bilde des Phra Xinusi sitzt das grössere des Phra Pathan, das 
aus Ziegeln und Kalk aufgeführt ist. Die Sitzbilder Buddha's 
haben ihre Hände in den Schooss gelegt, theils mit der Fläche 
nach oben, theils niederwärts. Wenn die Hände ausgestreckt 
sind, so soll das eine verbietende Geste andeuten. Xina von Xi 
(thaht) meint Xainat (siegreich und Xinaraxa, den siegreichen 
König (wie bei den Jainas), Xinasi l)edeutet den siegreichen 
Löwen (Raxasi oder Siha). Ein Buddha mit tiacher Mütze im 
Kloster Lieb wurde von den dortigen Mönchen ein alter Phra 
aus Ayuthia genannt. Buddha ist häufig in rothem Gewände 
oder doch von einer gelben Farbe, die stark in's Röthliche 
spielt, auf dem Gemälde dargestellt. Taranatha stellt die Secte 
Tämracjätija irothes Gewand) mit den Anhängern des Uttara 
zusanmien. Buddha wird in Bildern oft durch ein goldenes 
Gesicht ausgezeichnet. Nach Remusat heisst Maha-Kaya (der 
Hauptschltler Shakia's) Kin-se oder Gol(lfarl)e, weil er in früherer 
Existenz einst als arme Frau ein schadhaftes Buddhabild mit 
Goldpapier beklebt hatte und deshalb mit goldglänzendem Ge- 
sicht wiedergeboren wurde. Eine von Thevada verfertigte Bud- 
dhafigur*) wird Phra-Xinarat Phra-Xinasi genannt. Die Wand- 
gemälde zwischen den Fenstern des Vat Keoh (im Palast des 
zweiten Königs) zeigen die zehn Einkörperungen Vischnus und 
sivaitische Legenden. In einem steht Xarai in Ebergestalt; auf 
dem Ungeheuer Hifantayakh, in einem andern schlägt er den 



*) Nach Rajah ßaodit wurde das Phraphuttischiug genannte Bild ßuddha's 
.^00 Jahre nach seinem Tode bei der ceylonischen Versammlang durch einen 
Naga (der ihn lebend erinnerte) verfertigt, bis auf einen Finger, der nicht voH- 
endet werden konnte, da der König in einem Zornesanfalle einen der Arbeiter 
am Finger verwundet hatte. Die Prophezeiung, dass in künftiger Zeit das F^eh- 
lende durch einen grossen Konig Jenseits des Meeres ersetzt werden sollte, er- 
Mte sich im Jahre 700 der buddhistischen Era, als ein m&chtiger Monarch Slams 
in Sukhothay regierte und den Rajah von Ligor um Jenes Bild ersuchte, das aus 
einem Schiffbruch an die Küste schwamm. Im Xlll. Jahrhundert (p. d.) kam die 
Figur nach Ceylon zurück. 



- Brahmanifiche Bilder. j[45 

aus einer Mnsfife^l hervorwachsenden Hiran nieder, der die Tamra 
(Textbücher) Jj^tohien hatte. Auf einem dritten hält er einen 
viergesichtigen Kopf in seinem Schoosse, mit dem schwarzen 
Zwerg Phra Sivalüngk vor sieh, der in Geschlechter getheilt 
wurde, unter dem HervorblUhen der Frauen aus Lotusblumen. 
Ein anderes zeigt ihn Bäume pflanzend und die Zerstörung der 
Stadt Langkha dem spottenden Thossaklian vorhersagend, der die 
in leuchtender Glorie des Kopfes strahlende Uma-Baghavadi auf 
seinen Schultern trägt. lu einem andern steht eine sechshändige 
und vierbeinige Gottheit auf einer niedergeworfenen Figur, ein 
anderes zeigt einen dreihändigen Gott, ein anderes die Figur 
Narai's in tanzender Stellung, ein anderes den elephanten- 
köpfigen Ganesa auf einer Schildkröte sitzend, ein anderes 
Guitarre spielende Musikanten u. s. w. Die anderen Wände 
enthalten Gemälde, wie den Guss eines Buddhabildes, das Er- 
scheinen Buddha's in der Versammlung der Priester zu Langkha 
u. s. w. Auf meine Frage nach dem Künstler hr)rte ich, dass 
der Maler ein Mönch des Klosters Lieb sei, wo ich ihn später 
aufsuchte, aber nur seinen Gehtilfen fand, da er selbst auf 
einer Pilgerreise abwesend war. Einer der höheren Beamten 
des zweiten Königs lieh mir ein brahmanisches Buch, das in 
den den Abbildungen beigefügten Erklärungen *j von den In- 
eamationen Vischnu's handelte und Narai Sib Beug (die zehn Zer- 
theilungen Vischnu's) betitelt war. Das Phra Vet und Phra 
Tham erzeugten Phra Insucn. Im Texte wird gesagt, dass Phra 
Insuen die Welt hervorbrachte , indem er das Wasser aus sei- 
nem Speichel schuf, die Bäume aus seinen Haaren. Durch 
das Reiben seiner Arme erzeugte er die Brahmanen (Phrahm), 



*) Die niedergelegten Regeln entsprechen denen, die in dem Handbuch der 
byzantinischen Malerliunst der Mönch Dionysos über die Darstellung mytbolugi- 
scher Figuren aus dem classischeu Altcrtbnm giebt. Als höheres Endziel deuten 
die brahmanischen Gemälde auf Buddha, wie in Christine von Pisa's lioman 
„Othea" die Bilder aus der Gotter- und Heroenfabel auf die Erscheinung Christi. 
Wie die scandinavisrh<> Trias ans Ymer sohafTt Brahma die Medini genannte Erde 
aas dem Marke (uiedas) der erlegten Kiesen. 

Bastian, Reise in Slam. lU. 10 



146 ^*« KlÖBter und ihre Bewohner. -^ 

und indem er seine Brust rieb, rief er Narai (Narayana) in 
Existenz. 



Den loealen Verhältnissen Bangkoks gemäss unternehmen 
die Mönche ihren tilglichen Bettelgang haupt«äehlich zu Wasser, 
und sieht man des Morgens früh lange Reihen von Gondeln, in 
denen die heiligen Persönlichkeiten durch ihre Schüler von Haus 
zu Haus gerudert werden. Die weniger Begünstigten müssen 
sich selbst forthelfen, und haben dann ihren Almosentopf vom 
im Boote stehen, um darin die 6al)en zu empfangen. Die be- 
liebten Prediger oder Aebte brauchen nicht weit zu gehen, da 
es ihre Verehrer nie ermangeln lassen und sich nur um die 
Ehre streiten, ihnen ein delieates Frühstück in's Hauö schicken 
zu dürfen. Solche, die illr ein Anliegen sich dorthin begeben, 
sind darauf bedacht, eine Auswahl der feinsten Leckerbissen 
mitzubringen, so dass durch diese gute Pflege die Heiligsten 
auch gewöhnlich die Fettesten sind. Bei verschiedenen Cere- 
monien des gewöhnlichen Lebens ist es Sitte, die bekannten 
Priester eines Klosters zu sich einzuladen, die dann am Ende 
des ihnen vorgesetzten Gastmahls einige Choräle abzusingen 
pflegen. Auch nach dem Palast werden sie häufig für Weihen 
(Suet Mon oder Formeln zu beten) gerufen. Die sicherste Be- 
suchszeit, um die Mönche in ihren Zellen zu treffen, war für 
mich spät des Nachmittags, da sie den ganzen Vormittag mit 
dem Empfangen und respectiven Verzehren der Essgaben be- 
schäftigt sind, bis ungeföhr um Mittag, wann sie sich zur Siesta 
hinlegen und den Schlaf bis zur Annäherung der Abendkühle 
fortsetzen. Statt des Rosenkranzes (Luk-Phat) bedienen sich die 
Mönche auch der Tiu, kleiner Holzsttlckchcn, die im Both des 
Klosters aufgehangen werden, um die Zahl der recitirten Verse 
zu bemerken. Das Corallarium tanquam religiosum der Baby- 
lonier (nach Plinius) enthält als indisches Akshamala 108 Kü- 
gelchen) den Götternamen entsprechend) und wurde (nach Sem- 
ler ) zur Zeit der Kreuzzüge von den Derwischen entlehnt. Den 
Mönchen werden Lotusblumcn als Weihegabe gebracht, zum 
Sinnbild der Entstehung aus sich selbst. Die gekochten Samen 



Kxaminationeu. * 147 

werden auch gegessen. In Hinterindien ist die Priesterkleidung 
gelb oder röthliohgelb, aber die lamaistische Scheidung in eine 
rothe und gelbe Secte ist dort unbekannt. Im Baja Ratnagari 
wird gesagt, dass eine von Janibudwipas nach Ceylon kom- 
mende Person in Priesterkleidun^ den König Matwalessen-Rajah 
vom Buddhismus abspenstig machte (8H) p. d.), und dass unter 
Kumara Dao (der nach seinem Nachfolger Madisen Sennam 
Rajah regierte) ein ausschweifender Priester des Sango Mittra 
Vihari das gelbe Gewand durch die blaue Farbe (gegen die 
die Johannes-Christen eine Abneigung haben sollen) ersetzte, 
bis alle diese Ketzer verbrannt wurden. Schon früher unter 
König Mahasen-Rajah war gesagt, dass er die fremden Priester, 
die nach Ceylon gekommen, das gelbe Gewand gleich den dor- 
tigen adoptiren liess. 

DerPhra-Sangkharat ( mit seinem Stellvertreter Phra-Phimon) 
hat Jurisdiction über die Geistlichkeit der nördlichen Provinzen, 
der Phra-Vanarata in den südlichen. Schwerere Priesterver- 
brechen werden den aus Geistlichen zusammengesetzten Ge- 
richtshöfen Sangkarih und Tamakan überwiesen. Auf die bei- 
den höchsten Würdenträger folgt der Rang der Rachakhana 
oder Somdet-Chao als Vorstehern von Klöstern, denen die Ta- 
nanukrom mit dem Phra-Khru, Palat und Beidika zur Seite 
stehen. Die nächste Stufe bilden die Atikan (Sompara oder 
Sompan), meistens Achte in den vom Volke gebauten Klöstern, 
wo sich neben ihnen Palat, Samuha und Beidika finden. 

Solche, die die Pali-Examinationcn in den ersten drei Tagen 
bestanden haben, erhalten den Titel Barien vierter Klasse oder 
Barien chattawa und werden vom Könige beschenkt. Solche, 
die vier Tage lang richtig tibersetzt, werden zu Barien dritter 
Klasse oder Barien tri erhoben (mit monatlichem Gehalt von 
G Tikal). Solche, die fünf Tage aushalten, sind Barien zweiter 
Klasse oder Barien to (mit monatlichem Gehalt von ^S Tikal), 
und die glücklichen Candidaten von sechs Tagen erwerben den 
Rang eines Barien und werden ausserdem ehrenvoll erwähnt. 
Eine durch sieben Tage bestandene Examination verschafft 10 
Tikal Monatsgehalt und der achte Tag hinzugefügte Ehren, 
während die erfolgreich aus der Examination des neunten Ta- 

10* 



148 - I^^« Kloster nnd ihre Bewohner. 

ges Heryorgegangenen zn dem ersten Rang aufsteigen, als Ba- 
rien Ek, mit jsoonntliobem Gehalt von l^Tikal. In Coehinelüna 
werden drei Grade unterseliieden, der Tii-tai oder Baecalaurea- 
., tus, der Houong-eou oder Lirentiat, und derTien-si oderDootor. 
Das Examen für den letzteren niuss in der Hauptstadt abge- 
legt werden. Frtther konnten an diesen dreijährigen Examina- 
tionen im Pali sowohl Mönche als Laien theilnehnien und sich 
um den Titel Barien (Magister) liewcrben. Damit war ein Ge- 
halt verknüpft, der den Marken (Jot) entsprechend stieg. Die 
Laien, die die Probe bestanden, wurden meistens von dem Kö 
nige bei den verschiedenen Klöstern angestellt, um dort die 
Novizen zu unterrichten. Bei diesen Prüfungen bilden drei 
Palmenblätter ein Phra-Jot, und wer es bis zu vier Phra-Jot 
bringt, hat Anspruch auf einen Gehalt. Fleissige Studenten 
mögen sich bis zu acht Phra-Jot aufarbeiten. Nach den Ge- 
setzen wäre Niemand zum Studiren verpflichtet, bemerkt ein 
siamesischer Schriftsteller, aber aus Zuneigung für die heilige 
Religion habe der König in den Gartenanlagen ( Arom) der Klö- 
ster Lehrer angestellt, von denen man Unterrieht empfangen 
könne. 

Im Phra-Monthien des Vat-Kheo stehen ungefähr 20 bis 30 
Schränke, jeder 150 Bände enthaltend, die aus Palmblätterbtin- 
del aufgebunden und mit Zeug umwickelt sind, während sich 
der Titel auf einer äusseren Schnur angefügt findet, um auch 
ohne Oeffnen lesbar zu sein. Diese religir^se Bibliothek des er- 
sten Königs ist der Hut des Phaya Pariyatti-thammada anver- 
traut, der die Schlüssel aulbewahrt. Ich fand ihn unter einem 
Pavillon des an den Tempel stossenden Gartens, wo er einige 
Priester unterrichtete. Man sieht jeden Vormittag eine grössere 
oder kleinere Anzahl derselben in den inneren Hallen des Klo- 
sters, wo sie neben einem Lesestand, der die Palmbücher des 
Pali trägt, auf Teppichen oder Matten umherliegen und mei- 
stens um einen Lehrer gruppirt sind, der den Text erklärt. Ich 
habe oft im Vorbeigehen von diesen Stunden profitirt, indem 
ich mich auf einige Zeit zu ihnen gesellte. 

Die Lek Vat (Tempel-Sklaven ) leben in dem Kloster, oder, 
wenn sie verheirathet sind, in der Nähe desselben. Sie haben 



Geistliche WürdentrS«er. 149 

alle die schmutzige Arbeit zu thun, müssen die Pagode rein 
halten und sie bei Annäherung der Festtage aufput5B§n. Ihr Dienst 
ist ein erblicher, der vom Vater auf den Sohn;^bergeht, und. 
sie werden im Allgemeinen verachtet und als eine untergeord- 
nete Klasse des Volkes betrachtet. Wenn Schuldner Niemanden* 
finden können, der für sie eintritt, so werden sie zuweilen von 
dem Könige aufgekauft und dem Lek Vat zugewiesen. Den 
Klöstern werden von Verdienstsuchern Hühner oder auch andere 
Thicre geweiht, die dort unverletzt leben. Die Chinesen ge- 
loben nicht nur für eine gewisse Zeit oder für ihr ganzes Leben, 
bestimmte Arten von Hausthieren nicht zu tödten, sondern An- 
dere legen auch das Gelübde*) des Lebenlassens ab. 

Die höchste Stellung in der Geistlichkeit nimmt derSangk- 
harat ein, dessen Platz vom Könige vacant gelassen war. Dann 
folgt der Vannarat, der im Vat Cheng residirte, doch hatte der 
Phra Phimon des Klosters Phrajurivong in einigen Punkten 
höheren Rang, da er als Beistand des Sangkharat bei dessen Er- 
mangelung an seiner Statt fungirte. Der Beistand des Vannarat 
führt den Titel Thamma-Udom. Die Examinationen werden von 
dem Phra Thamma Khosa-chan beaufsichtigt. Das geistliche 
Departement der Thanukrom genannten Beamten besteht in dem 
Chao Athikan, dem Ohao Krom oder Chao Khum Krom nebst 
seinem Gehülfen, dem Palat Krom oder Chao Khun Palat, dem 
Changvang (Chao Khun Changvang) und dem Samubanxi (Chao 
Klmn Samubanxi) oder RechnungsfUhrer. Die von dem Könige 
ernannten Würden der höheren Geistlichkeit bilden die Raxa- 
khana, als die Somdet-Chao und Chao Khun. Gelehrte Mit- 
glieder der Geistlichkeit, sei es Samanero oder Phra Song, werden 
als Barien angeredet. Die Stelle des Sangkharat ist dem Adel 
verschlossen. Die Ernennung liegt in den Händen des Königs. 
Der frühere Patriarch hatte erst im Vat Lieb und dann bis zu 
seinem Tode im Vat Suthat und Vat Maha-Xat residirt. 



*) This vow iucludes the idea of providing the means for their support nn- 
til thej die of old age or by occident should the case admlt of makiug sucha 
proTision (s. Doolittle). Die Siamesen betreten die Klöster nur mit DackteD 
FiiBsen, und ancli iron Pythagoras wird gesagt, dass er in den Heiligthümern stets 
nnbeschnbt gebetet habe nach orientalischer Sitte. 



\ry{) Die Kloster und ihre Bewohner. 

In dem Khanburi genannten Üistrict wird ein vielbesuchter 
Pilgerplatz für Buddlia's Sterl)ebett ausgegeben, und haben die 
s Priester einen";^ dortigen Felsl)loek mit Ooldsehaum Überklebt 
and mit den darauf gelegten Zeugen und Teppichen in solcher 
*Art bedeckt, dass.er in der Form dem vermeintlichen Sacrophage 
gleicht. Von diesem heiligen Altare (Theo heisst das an- 
stossende Kloster Phra Then. Ausserdem hat man in der 
Nähe eine Stelle mit der des Sclieiterhautens identificirt , auf 
der Buddha's Leiche verbrannt wurde, und dadurcli den Pilgern 
ihre saure Arbeit ebenso erleichtert, wie in der jerusalemischen 
Kathedrale, wo sich das Grab, der Sall)ungsstein, die Höhle, 
der Fels, alles in der lieijuemsten Entfeniung unter einem Dache 
beisammentindet , obwohl die heiligen Väter dort leider nicht 
unter einen Hut zu bringen sind. Einer der Gebildeten in 
Siam sagte mir, dass jener Ort in der Provinz Khanburi nach 
dem indischen Lande Kusinarai (der Solotj genannt sei, nur 
um einen so ehrenvollen Namen fortzupflanzen, dass al)er nur -^ 
das gemeine Volk glaube, dort sei das wirkliche Kusinarai, ; 
wo Buddha in's Neibban eingegangen. Nach dem Verluste des 
heiligen Landes pflegten die Deutschritter neben ihren Comthu- 
rien einen Jerusalem genannten Hügel zu errichten, damit sie 
die tägliche Wallfahrt nach dem Mittagessen zum ('alvarien- 
berge, wie es in ihren Statuten vorgeschrieben war, austtthren 
könnten (Ruteuberg. Auch der Phrabat, wo Unebenheiten auf 
der Felsoberfläche in die einem Fusssta[)fen ähnelnde Form ge- 
braclit sind, ist nicht der ächte,*) sagte mir ein Siamese, er 



*) Der sich auf Ceylon auf dem Samana-Kuta findet, der Insel des Fuss- 
stapfens, wie die Insel Sardo von der Verehrung des rxtos' Ui^ayUns genannt 
wurde. Nach Plinius stand Tapobrane unter dem Schutze des Herakles. Au den 
Abdrücken fünffach dreieckiger Füsse wurden die Druiden erkannt. Drythiu, Druthin, 
wie es von Otfrid gebraucht wird, entsprach Gott bei den Frauken. Drochte meint 
Herr bei den Friesen. Pallegoix fand in der Nähe des Phra Bat noch mehrere, 
den amerikanischen ähnliche Felseindrücke mit den Fussspuren von Tigern, Ele- 
phanteu, Hirschen oder grossen Vögeln. Toutes ces empreintes etaient si pro- 
foudes bien modelees et bieu nettes comme si elles enssent e'te faites sur uue ar- 
gile molle. Auf dem Stein bei Uackelshorn sind ^ die Spuren vieler Thiere zu 
sehen (s. MüUeuhoff) Der Fuss der Swarte Margret ist auf dem Stein bei Born- 



\ 



Der heilige Fqps. 151 

wird aber trotzdem den frommen Pilgern, die ihn mit dem Ge- 
fühl aufrichtiger Andacht liesuclien, dieselben Vefdien'ste ge- 
währen, als ob der heilige Ort, wo Buddha den Eindruck seines 
Fusses zurückgelassen hat, wirklieh selbst besucht würde. Zu- 
weilen wird ganz Siam Kusinarai genannt, wie'lfyang Khamenj^ , 
(Kambodia): lüthapat, Myang Lao : Alovi Myang Phama, (Birma): 
Kosamphi, Nakhon Sri Thamniarat: Pataliputr^ Myang Chin. 
(China): RaxakhrUh (.Rajagriha), Myang Khek: Kabilaphat. 
Der Verfasser der Sayamraxaphongsavadan verwirft indess die 
Identificirung der hinterindischen Länder mit vorderindischen. 
Das die Entdeckung des Phrabats preisende Gedicht ist in dem 
Xanthaphak genannten Metrum gcsclfrieben. 

Wenn es für den Bau einer neuen Pagode der Reliquien 
bedarf, so werden dieselben entweder von den nördlichen Städten 
geholt, oder in den Ruinen zerstörter Klöster gesucht oder durch 
die Meditation verdienstvoller Männer in einem Lotus erzeugt. 
Um die Reliquien als acht zu prüfen, werden sie geschüttelt und 
mit etwas Citronens.ift beträufelt. Sie müssen dann dem Auge 
völlig unschädlich sein, wenn sie während einiger Tage unter 
den Augenlidern getragen werden. Auch durch umherkreisen- 
des Schweben *j in der Luft geben sie ihre Tugend kund. Die 



höved eingedrückt. Auf der Flurgrenze zwischen Pritzen und Nebendorf in der 
Lausitz liegt ein Stein, auf dessen Rücken sich der Abdruck eines menschlichen 
Fusses in vergrSssertem Maassstabe erkennen lässt, indem während eines Grenz- 
streites zwischen den beiden Dörfern ein Fremder in riesen massiger Gestalt dort 
Keinen Fussstapfen eindrückte, die Grenze zu bestimmen (s. Haupt), wie auf der 
Patkoi-Kette. Nach Mecklenburgs Volkssagen ist auf dem Steindamm beiRobeldie 
Fussspur eines Riesen eingedrückt (NiederhcefTer). Nach Speke sind auf dem Stein, 
wo Kimara, der erste Konig vou Uganda, gestanden, noch seine Fassstapfen, der 
Eindruck seines Speeres, sowie des Hundes und der Frau, die ihn begleiteten, 
sichtbar. Przemisl Hess dagegen seine Schuhe zurück, ut nostri posteri sciant, unde 
sint ort! (Cosmas). Ali-Rey erzählt, dass der Fels El-Snkhara aus Freude weich 
wie Wachs wurde, als Mohamed auf ihm stand, und so den Eindruck seines Fusses 
empfing. 

*) The table, which was a very large and heavy one was frequently Hfted a 
few inches of tbe ground and at last it rose from the ground at least three feet 
and remained thus 8U8pend«>d betwixt heaven ad earth like Mahomet*s cofHn, er- 
zihlt (iSeO p. d.) Herr Wason. 



152 I>i« KlSstir und ihre Bewohner. 

Reliquien der gröRsteii Sorte sind l)olniengrog8 nnd goldfarbig. 
Die Mittelsorte, etwa wie ein durehgebroehc^nes Reiskorn, ist in 
der Farbe grüner Juwelen. Die kleinste Sorte ist senfkorn- 
gross und an Farbe wie eine vertrocknete Phikunblume. Die 
Reliquien (Borromma-that) der Phra-Cbedi werden in der glocken- 
ähnlicben Structur (Kräh Khang) niedergelegt, die sich gerade 
unter der Spitze (jot) über der lotusgestaltigen Thanbat oder 
Parichet erhebt. Industrie-Ritter verfertigen falsche Reliquien 
und lassen sie ausgraben, wie in Italien griechische Statuen. 
Im Norden Siams behauptete ein Priester, eine Offenbarung 
gehabt zu haben, dass die Beichte strenger einzufllhren sei, und 
forderte das Volk auf, eitlen Bauin niederzuhauen, wann sieb 
seine Sendung bestätigen würde. Man fand im Innern des 
Stammes eine Schachtel mit einer Rolle, die gleichfalls die 
Beichte anbefahl, doch gelang es den Behörden, den Priester 
zu dem Geständniss zu bringen, dass er selbst dieses Docu- 
ment vor mehreren Jahren dort verborgen und gewartet 7^ 
habe, bis der Baum hcrumgewachsen sei. Wenn der Ktoig 
eine Pagode zu bauen beabsichtigt, so sendet er einen BralK . ^fe- 
manen, um die Reli(|uien auszumessen. In Ermangelung Ton: ■ .f 
Reliquien werden bei Erbauung von Chedi heilige Schriften ein- 
geschlossen oder Buddhabildcr in die Xan-bua (Lotus-Reihen) 
genannten Terrassenköpfe des Gebäudes gelegt. Die CJestalt 
des Phra-Sathub repräsentirt emblcmatisch Buddha. Im Che- 
tiya sind Phra-That oder Phra-Tham eingeschlossen, und der 
Phra-Phrang entliält meistens kleine Figuren Buddha's. Die 
Eisenstangen auf den Pagoden heissen Jot-Nokum. Die den 
Both umgebenden Sema deuten den Platz an, wo die runden 
Steine der Luk-nimit begraben liegen. Wie die Buddhisten die 
Reliquien Buddha's in den Pagoden verehren, zeigten die 
Aegypter viele Tlicken oder Gräber des Osiris. In Buddha'« 
Reliquien theilten sich die streitenden Fürsten und die bekehrten 
Städte Indiens (nacli Abdias) in die Reliquien des Bartholomäus, 
vor dessen Gebeten der Götze Vualdath (Baldad) in Stücke zer- 
brochen. Chedi ist eine Stelle, die durch Umkreisen verehrt 
wird, oder, wie die Redensart geht, eine Stelle der Verehrung. 
Cheti wird als die zu verehrende Spur (Roi) erklärt. Bei den * 



Reliquien. 153 

Laos heisst der Phra-Cbedi (Pagode) That. Die ursprüngliche 
Form der Pagode war ein steiniger Erdliaiifen zur Verehrung 
des Heiligen. Die Chedi oder Pagoden des Mon sind rund wie 
die Sathub. Die Pagode lieisst Pliaya, und dieser verwandelt *) 
sich bei anhaltender Couteniplation in jene. Von den in den 
Pagoden niederzulegenden Reliquien sind die Zähne am Meisten 
geschätzt und deshalb auch nachgemacht. In Emeldorfs Natu- 
raliensammlung fand sich (nach Pontanus ) ein Zahn Starkadder'S; 
eben so riesig, wie der heilige Affenzahn auf Ceylon. Auch 
wurden früher die von Siegfried ausgeschlagenen Zähne desselben 
ia der Kirche zu Lund auf Schonen gezeigt. Als der (810 p. 
d.) von Kaiinga nach Ceylon gebrachte Zahn mit der Erlaubniss 
des englischen Statthalters in der Pagode Maligaouri öffentlich 
lur Verehrung ausgestellt wurde (1858 p. d.), schickte der König 
Birmas einen Gesandten^ um ihn mit der in seinem liesitze be- 
findlichen Reliquie zu vergleichen. Unter Kalikala (XIII. Jahr- 
hundert j wurde einer der Zähne Kasyapa's auf Ceylon gefunden 
und vom Könige verehrt. Jedes kirchliche Gebäude der Pagoden 
lipafls auf Reliquien stellen^ und im Mittelalter trieben die Vene- 
'^^Üftner einen einträglichen Handel mit den in Aegypten leicht 
n erhaltenden Knochen. Während der Cholera in Neapel im 
Jahre 1866 p. d. erbrachen Weiber den Kirchhof, um den Leich- 
nam des Pater Racker auszugraben und ihn als Reliquien unter 
flioh zu vertheilen. Wihida (von wid oder heiligen) sind (nach 
Sehilter) die Reliquien**) (wie sie auch im Wihan eingeschlossen 
werden). 



*) Le dieu des Siamois est exempt des passions et il ne rebsert aucuo mon- 
vement qui puisse älterer sa tranquillit^, mais ils assurent, qu^avant que d'arriver 
a cet ^tat, U s^est fait par TextrSme applicatioo ä vaincre ses passions un change- 
ment si prodigieux dans son corps, que son sang en est devenu blanc (Tachard). 
Buddha gab den Reishanfen als Modell der Pagode, und die ägyptischen Pyra- 
miden hiessen Königsgräber sowohl als Kornkammern. Aus Korn und Brod 
beitanden die ältesten Todtenopfer. Den Thraziern und Hellenen waren die Na- 
men fDr Korn und Todtenbehälter sprachlich synonym. Den Etmskeru galt die 
Pforte der Unterwelt für einen Kornbehälter (Rorholz). 

**) ^Sie werden Knochengebäude (eduka) verehren und die Gottheiten aus- 
schllessen/* wird im Mahabharata Ton den Buddhisten gesagt, wie bei der Aus- 



454 ^^® Klöster und ihre Bewohner. 

Wenn die siamesischen Seliiilkinder lesen zu lernen an- 
fangen, so wederliolen sie die Worte, ohne sie zu buehstabiren, 
und nur die Worte von mehreren Silben uuterseheidend. Von 
den Missionären hat Herr Ohandler die birmanische Methode 
eingeftihrt, in welclier die Worte mit allen ihren zugehörigen 
Elementen buchstabirt werden und die Vocale die ihnen im 
Alphabet zugehi>rigen Nauien empfangen. Herr Mattoon hat 
den englischen Weg vorgezogen und lässt die Consonanten mit 
den Vocaltönen buchstabiren. Die einfachste Fibel der Sia- 
mesen, die nur in eintönigen (kham trong) Combinationen (Ue 
Buchstabirungen des Alphabetes (koka) giebt, ohne Beziehung 
zu den Accenten, heisst Pathommakoka. Der Chindamani da- 
gegen erklärt in seiner Grammatik die Verhältnisse der geraden, 
hohen und tiefen Hetonuugen. In der monosyllabischen Accent- 
sprache wird die Stimme vogelälmlich modulirt, während später 
die Oesichtsmuskeln durch Präcisirung der Constuianten die Be- 
deutungen verändern. Wenn die ScIiUler anfangen, die Pali- 
Bticher zu lesen, so weihen sie die ersten Palmblätter einer der 
Götterfigureu des Klosters. Der Novize verpflichtet sich, die 
10 Sila*) der Gebote zu lialten. Sila paramita bildet als Voll- 
kommenheit der Moral eine der sechs (!ardinaltugenden. 

Sicli ftir den Eintritt in das Kloster vorbereitend, bringt 
der Knabe Verehrung (Namassakan) dar luit der Formel : Phuttho 
jo mangkhala thi nang mangkhalang itthi vitsutho mangkha- 
lanthang namavihang (Möge Buddha Jeden mit seinem Lichte 
erleuchten, das Wohl der Wesen tbrdernd). Wenn der Knabe, 
nachdem er am Tage seines Klostereintritts noch einmal alle 
weltlichen Freuden genossen hat, in vollem Schmucke dasitzt, 



breituug des Christenthums Antouius in Cauopus klagte, dass die Tempel zu 
Gräbern würden, die blühende Krde sich in einen Kirchhof verwandeln werde. 

*) Der (am Meru) Uttava Kuru begrenzende Fluss Sila (über den man* nur 
durch das Kikaka-Kohr gelangen konnte) versteinerte Alles, wogegen nach Kte- 
sias im Flusse Silas auch das Leichteste untersank. Der Quelle Siloah bei Jeru- 
salem wurde heilkräftige Wirkung zugeschrieben. Auf Asoka's Silastambhen wird 
die Einführung der y.wei Heilungen, für Menschen und für Thiere, vermittelt In 
Schilo erkennt Onkelus den Messiah, und Jehovah's Name hatte im Orte Schilo 
gewolint Der Kselsreiter Schilo wird mit dem Grab de^ Silenus verbunden. 



Ordination. 15i> 

80 treten seine Verwandten zu ihm heran und erinnern ihn, dass 
es jetzt, wo er die Kinderschuhe auszieht, nicht länger passend 
für ihn sein würde, sieli in solchen hunten Tand zu kleiden ; da 
alles Bestehende vergänglich sei, so müsse er von jetzt an sein 
Sinnen nur darauf richten, in der Religion Piira-Piiutthi-Chao's 
solche Verdienste zu erwerben, die allen Wechsel überdauern. 
Die durch Beobachtung der Sila (Vorschriften) erlangten Ver- 
dienste sind von keiner besondern Bedeutung; sollten sie indess 
beim Tode auch mächtig genug sein, Wiedergeburt in einer 
Devaloka zu gewähren, so erschöpfen sie sich doch bald, und 
Hölle folgt. Einige der Luk-Vat (Klosterschüler) lassen sich 
als Somanero weihen (buet), aber in solchem Falle verlassen 
sie immer erst wieder das Kloster auf kurze Zeit, ehe sie sich 
alsPhra weihen lassen (BuetNakh). In der Vorbereitung lesen 
sie noch nicht den Trai-Pidok, sondern üben sich nur in Ge- 
beten, Formeln (Mon) und Sprüchen (Katlia) während des Hot- 
Nakh. Bei der Ordination wird der Candidat nicht nur gefragt, 
ob er frei von körperlichen Gebrechen, sondern aucli, ob er ein 
Mensch und kein Drache sei; dadurcli wird vorgebeugt, dass 
der Teufel licht „Professor theologiae" werden möchte, wie es 
nach den Untersuchungen einer 1715 p. d. in Rostock erschie- 
nenen Streitschrift (de theologia daemonum) sehr wohl möglich 
sein würde. Andere erklären den Namen Chao Nak daraus, 
dass die Candidaten des Noviziates sich vor Anlegung des Prie- 
ßtergewandes entkleiden, während gewöhnlich die Legende er- 
zählt, dass Buddha einst an einem eingenickten Schüler einen 
Drachen entdeckt habe (da derselbe nur im wachen Zustande 
die Kraft der Verwandlung zu bewahren vermag), und in Folge 
dessen verboten habe, Thiere (Derexan) in die Priesterschaft 
zuzulassen. Doch wurde dem vertriebenen Piiaya Nakh (dem 
Könige der Schlangendrachen) *) auf seine Bitte die Gnade ge- 
währt, dass der Novize bis zum Augenbhcke der Weihe seinen 
Namen führen solle. 



*) In der Schule Abajji's verkehrte ein Sched, den Rabbi Acha ben Jacob 
ala einen Drachen mit sieben Köpfen erkannte. Bei Jeder Verbeugung des Ge- 
•etzeslehrer» fiel immer ein Kopf ab (Kohut). 



156 ^^® Kloster und ihre Bewohner. 

Wenn die Zellen eines Klosters tlilr die Zahl der eintreten- 
den Mönche nicht ausreichen sollten, so nehmen diese ihren 
provisoriK(;hen Aufenthalt iiu Hoth, bis Verdienstsuchende ihnen 
Wohnungen gebaut haben. Die Schulknaben kochen zuweilen 
im Kloster oder wärmen ihren Lehrern die gebettelten Speisen 
auf, was die Mönche selbst nicht*) thun dürfen. Zuweilen sieht 
man die jüngeren Mönciie sich mit Tischlerarbeit unterhalten. Im 
Durchschnitt bilden solche, die lesen und schreiben können, die 
Mehrzahl. Die Siamesen pflegen zu sagen: Dek thi ahn nongstt 
dai mi sam son, dek thi ahn mai dai sam nüng (indem kaam 
ein Drittel zu den Ungebildeten gerechnet werden kann ). Die 
weiblichen Geistlichen oder Nonnen leben in kleinen llüttcheu, 
die ihnen fromme Laien neben die Klöster bauen, um dort fllr 
die Mönche die Küche zu besorgen und sie sonst zu Ix^dienen. 
Sie sind der Melirzahl nach alte Frauen, besonders Peguerinuen; 
doch treten aucli zuweilen Jüngere fllr einige Tage in diesen 
Stand, um ihrem Tugendcapital ein Sümmchen zuzufügen, oder 
vielleicht alte Schulden abzubüssen. 

Der passende Zeitpunkt fllr Möiiclie, ihr letztes Mahl zu 
beginnen, so dass sie bis zum Mittage ( thien ) fertig sind, heisBt 
Peng, und daher das Mittagessen Xan-jjeng, wie das Frühstück 
Xan-xao. In Ermangelung einer Uhr wird die Zeit bestimmt, 
indem imin den Peng misst (vat-peng), nämlich auf den Kopf 
des eigenen Schattens zu treten sucht. . Nach dem Kuehe Pak- 
kharana wird das Ende des Schattens**) durch einen Punkt be- 
stimmt, und dann gemessen, ob er über sechs Fuss ist. In sd- 
chem Falle steht das Essen frei. Die Variation in den ver- 
schiedenen Monaten ist nicht sehr bedeutend in diesen dem 
Aecjuator nahen Ländern. Um nach dem Stande der Sonne und 

*) Un talapoin qni fait luy-meme du feu ou qui le couvre, pechn. l\ nVst 
pas peroiis d'allumer du feu parceque c'est detruire ce qui se brule, ny de cou- 
vrir du feu, de peor de iVteindre (LonWre). 

**) Von den Ketzern in der Zeit Kalasoka's „the allotted time for their mor- 
ning uieals was extended to two inches of shadow after the meridian sun" (s. Al- 
wia). Der geringe Athener behalf sich, wie der romische Landmanu, mit der 
Messung seines Schattens. War er zehn Fuss laug, so ging man zur Naditkost 
(s. Voss). 



Kloster-Regel. 157 

des Mondes die Zeit der Feiertage zu berechnen, dient das von 
den Brahmanen abgefasste Buch Pum. 

Von den Sila fsin) sind 5 für jeden Laien*) bindend, und 
werden von diesem an Festtagen gewöhnlich 8 Sila gehalten. 
Die 10 Sila liegen den Novizen ob, und die 227, als das Ganze 
der Sikkhabot, den Priestern, wenn sie sich, gleich den Athleten, 
durch die Askese zur Erringung der Siegespalme vorbereiten 
wollen. Die ersten der 227 Sila sind die Chatuparisutha-Sin, 
als Patimokkha-Sangvara-Sin (hinsichtlich der Vorschriften der 
Patimokkha), Insia-Sangvara-Sin (die sechs Sinne betreffend), 
Achiva-Parasuta-Sin (auf Lebensunterhalt bezüglich) und Pa- 
chaya-Sannisita-Sin (über Almosen); die letzte der 227 Sin ist 
die in sieben Theile getheilte Athikaranasammata , die Vor- 
schriften über vernünftiges und ruhiges Benehmen giebt, um 
Zank und Streit zwischen den Priestern zu vermeiden. 

Der Patimokkha enthält für die Mönchsregeln**) in einem 
abgekürzten Auszuge die Quintessenz der Vinaya (Bescheideü- 
heit). Spiegel übersetzt Vinaya mit Unterdrückung oder Zucht. 
Im tibetischen Kandjur fehlen (nach Wassiljew) viele Sutra der 



*) Zu den eigentlichen Mönchen (des Cistercienser-Ordens im Kloster Alten- 
berg) kamen in die Klostergenossenschaft noch die Conversen oder Bekehrte, als 
die fratres laici oder eigentlichen Laienbruder, welche Nichtpriester zwar die 
drei Gelübde ablegten, sich aber in Kleidung und Heschäftigung von den Mön- 
chen unterschieden; dann die fratres sinistri oder eigentlichen Conversen und die 
fratres donati oder Hausbrüder, die unter des Abtes Bewilligung austreten und 
heirathen konnten. In den Klöstern der Kalogeroi unterscheiden sich die Neu- 
angehenden (Archari), . die ordentlichen Mönche (Mikrochemi) und die vollkom- 
menen (Mechalochemi). 

**) Dem heiligen Pachomius reichten Engel die Einsiedlerregeln auf ein 
Tafelchen geschrieben. Sein Schüler Abba Arogavi führte das Klosterwesen in 
Abjssinien ein; aber die (gelbgekteideteu) Mönche strengen Lebens schliessen sich 
dem heiligen Antonius (Nachfolger des heiligen Paulus, dessen Tod nach Hiero- 
nymus von den Löwen der Wüste beweint wurde) an. Basilius der Grosse, der 
Freund des Gregor von Nazianz, ordnete in seinem Kloster zu Pontus das Mönchs- 
wesen durch ausführliche Vorschriften, und schied den Clerus in Weltgeistliche 
nnd Ordensgeistliche. Wie das Druidenthum über den Kanal nach Gallien zu- 
rückgekehrt war, gründete Columban aus Irland das Kloster Anagrat^s unter dem 
Schutze des burgundischen Königs ChUdebert. 



158 ^i« Kloster nnd ihre Bewohner. 

chinesischen Uebersetzung und die Winaya dieses ist älter als 
die tibetische (Dulva ). Die Nang Xi oder Jai Xi in Siam sind 
mehr den Mönchen dienende Laienschwestern als wirkliche 
Bettelnonnen oder Bliikkhiini. Gautama Hess sich nur auf 
wiederholtes Drängen seiner Tante und Aiunie Pratschapata 
Gautain! bewegen, Frauen in geistliche Orden zuzulassen, und 
Loyola erfitllte zuletzt den Wunsch seiner PHegemutter Isabella 
Rozel, hat es aber bald genug bereut und liess die Jesuitinnen 
schon ir)4< wieder eingehen. Die chinesichen Klöster hätten 
Boccacio manche IHustrationeu zu der in italienischen herrschen- 
<len Licenz geben kihmen, aber in Hinter-Indien wird Unsittlich- 
keit mit Ausstossung aus dem Mönchsstande bestraft. Der chi- 
nesische Gesandte erwälint in Kambodia eine Pflicht des geist- 
lichen Standes, die nach mittelalterlichen Berichten auch in 
anderen Thcilen Indiens den Priestern oblag, aber gegen Be- 
zahlung von europäischen Matrosen Übernommen wurde, wie 
noch jetzt von den Kula-Brahmauen, wenn die Operation nicht 
durch einen Mutinus im Tempel vollführt wurde, ähnlich dem 
auf römischen Herden zeugenden Lar familiaris. Der heilige 
Veit in Korvey liess sich flirdas 11;'):^ p. d. zugestandene Recl^ 
mit dem Stechgroschen abfinden, aber Bocrius sah in curia 
Bituricensi dieselben Sachen, von denen mau früher unter den 
Karaiben, und noch jetzt bei der Oelung in Congo hören kann. 
Nach Loub^re stand auf Uebertretung der Keuschheitsgelübde 
die Strafe des Feuertodes, für die Talapoiien. Nonnen (Nang 
Xi) wurden den Händen iiirer Verwandten überliefert, um in 
deren Häusern mit Stockscidägen gezüchtigt zu werden. Jetzt 
kommt auch bei Mönchen jene grausame Todesart nicht weiter 
in Anwendung, und begnügt man sich, sie nach <ler Degradirung 
auszupeitschen. Die weissgekleideten Nang Xi entsprechen 
meiir den tibetischen Diakonissinnen (Gethsul-maj, als den 
eigentlichen*) Bhixuni. Manche der Luk Sit Vat (Kloster- 



*) Ananda*8 Bitten hewogen Buddha zur Aufnahme von Frauen in den Orden, 
doch nur widerstrebend, und nach (ieorgi's Bemerkungen über lamaistische K15- 
ster (die auch durch chinesische Ueisende bestätigt werden) scheint sein Miss- 
trauen wohl begrijndet zu seift. Inde conjicies Tibetanas Sanctimoniales non 



Die Weihen. 159 

schnlknaben) verlassen das Kloster wieder, ohne als Nen ordi- 
nirt worden zu sein. In dem Falle müssen sie aber später 
immer wieder noch einmal, sei es auch nur für einen Augen- 
blick, in's Kloster zurückkehren, um die Novizenweihe zu 
empfangen, ehe sie als Priester ordinirt werden können." Es 
ist die Pflicht jedes Siamesen, dass er zum Wenigsten einen 
Monat seines Lebens im Stande eines Geistlichen zugebracht 
hat, und solche, die niemals ordinirt (buet) waren, heissen Khon 
dib (rohe Menschen). Man sagt von ihnen, dass sie verkehrt 
geboren seien (Köt phit), da sie für ihre Eltern ohne Verdienst 
(bun) bleiben. Nur solche dagegen, die beabsichtigen, sich 
später dauernd der Religion zu widmen, verbleiben längere Zeit 
im Noviziat als Samma-Nero oder Nen, um das Studium der 
Pali-BUcher zu beginnen. Der Priester (Sommana)*) wird im 
Allgemeinen Sommana Xi-Song oder Sommana Xi-Pliam genannt. 
Gewöhnlich wird der Eintritt der Regenzeit, um Fastnacht, für 
den Eintritt in's Kloster gewählt, und sielit man dann stets viele 
Processionen mit den durch die Angxön Kvan geschmückten 
Ordinations-Candidaten auf der Strasse. Die Prinzen lassen sich 
nur zu dieser Periode weihen. Die mit dem gelben Gewände 
bekleideten Knaben empfangen dann sogleich die denselben 
schuldige Verehrung, von ihren Eltern Zuerst. Es sollte nur 
der Nyan sein, den man in dem Priester achtet, aber die Meisten 
beten zum gelben Kleide, bemerkte mir ein Birmane, der zur 
Secte der Schwenyan gehörte. Wenn mit dem Nyan doh (ton 
pa) erfüllt (Puppenivasanyan, Dippazakkunyan und Asakkha- 
ranyan), beginnt der Körper in goldenen Strahlen aufzuleuchten. 



aliter ac Manicbaeas ab Sanctis Tibetanis stiipris affectas matres saepe fleri, sed 
matres immanes, quae ne religioois nomen probris et maledictis exponaut misellos 
infaDtes vix natos per saxa et dumeta laceraudos praecipites dejiciuot e rupibus. 
Amsterbach giebt eine sonderbare Etymologie über den Namen Nonne: Nunnanes 
sacrae virgines appellantur vocabulo sumpto a Germanis per translationem, quod 
proprie signiflcat soem foeminam castratam, sicut e contra fere nos nominamus 
eqaos castratos ab iis qoi se castrant propter Kegnum dei. 

*) Sommana signifles a principal saint known by bis dress, bemerkt Kaxpaxa 
in Erklärung des von den Siaroeren frebranchten Pali-Nanien Sonimana-Kodom 
(Gautama). 



160 ^^^ Kloster lind ihre Bewohner. 

Dewadatta's Ketzerei bestand besonderg darin, dasB er sich 
weigerte, in der Trinitilt die Sangang zu verehren, weil die 
Priester immer nur sUndliche Menschen seien. Gleich dem von 
Kalan (in Zinbliiukhiao ) gestifteten Dzodi, nennen sich die An- 
hänger der Scliwenyan auch Paramatta, da sie vom Beginn an 
sich nach Gantama's Worte, im Einklänge mit der Paramatta 
(der Abhidhamma) hielten, während die grosse Masse des Volks 
durch Einfllhrung der Tempelbilder zur Verehrung der Khandha 
verhütet wurde. Die Dzodi venverfen ganz und gar jede Hoch- 
achtung der Cliedi (Pagoden) oder Priester. Die Anhänger des 
Schwenyan oder Paramatta dagegen ehren Beide als die Funda- 
mente der Schwenyan und ihre Stütze, aber sie verwahren sich 
dagegen, in den Figuren die Steine zu verehren, oder in den 
Priestern den Ki>ri»er. Der Kluiig Ava's Bodopaya bekannte 
sich zu den Lehren der Paramatta, dass des Mensehen Religions- 
pfliclit darin bestände, mit dem von Ewigkeit selbst existiren- 
den Gesetzen des Rechts im Einklänge zu bleiben. Unter seinen 
Nachfolgern*) wurden die Ketzer verfolgt und hielten sich 
versteckt. 



*) Die naeh Judson unter König Mentaragyi entstandene Secte (in Birma) 
nnhcrtc sich der Pradjnika-Lehre (bei Flogdson). Sie verehrte die das AU darch- 
dringende Gottesweisheit, besonders in den Buddba's, und verwarf die A.ub«tniig 
der Priester (s. Yule). Der Anschluss der platonischen Philosophie an die Spa- 
culati(»nen der alexandrinischen Juden wurde durch die Sprüche Salomo*8 ver^ 
mittelt, in denen die Weisheit sich als das Princip und Organ der weltbildeDdra 
Wirksamkeit Gottes aufTasste. Unter den parsischen Genien (bei Plutarch) findet 
sich der xhn^- ao(fia>. Die Secte der Zodi wurde durch Kolan gestiftet, tuf 
einer Insel des Irawaddi. Rhawani wird auch als Zo oder So (Zerstorerin) an- 
gerufen. In der Schwe-Nyan empfängt die Weisheit Verehrung, unter Verwerfung 
der personlichen Verkörperung der Kleinodien-Dreiheit. Nach der Schule Dhar- 
magopta zeigt sich Buddha freilich auch in der Sangha, doch würde nicht die 
Verehrung dieser oder der Denkmäler, sondern nur die Opferbringung für den 
Buddha grosse Früchte verschaffen (s. Wassiljew). Nach ihrer Transflguration sind 
die Buddhen Gegenstand der Anbotung. Von den Gräbern der (iötter sprechend, 
bemerkt Pscudo-Clementinus, dass bei den Aegyptern ein Mensch noch vor sei- 
nem Tode als Gott verehrt würde. Nach der Inschrift in Sarunth oder Saranathe 
hatten Sthirapala und Vasantapala das Rad des Gei?etzes des Dharmaraya oder 
Buddha mit den ihm angehorigcn Theilcn wieder in Bewegung gesetzt und ein 
hochragendes Gebäude dem früheren zugefügt unter König Mahipala. Sein Vater 



I 



Pandit 16i 

Solche, die erst ganz kürzlich aus dem Kloster in's bürger- 
liehe Leben zurückgekehrt*) und noch an ihrem kahlen Kopfe 
zn erkennen sind, werden (dem Xieng der Laos entsprechend) 
Thit, auch Banthit (Pandit) oder Athit genannt. Im Kloster 
fllgen sie ihrem Namen Khun zu, ausserhalb des Klosters Thit, 
bis das Haar wieder ganz gewachsen ist. Bei den Laos, die 
aUe Schulknaben gleich ordiniren, heissen die Priester (Phra- 
Song) Chao Hua, die Novizen (Nen) Oh Chua. Die an ihrem 
spärlichen Haarwuchs kenntlichen Banthits werden gern bei 
Bweifelhaften Fragen zur Entscheidung aufgerufen, da sie noch 
nicht Zeit gehabt haben, so viel wieder zu vergessen, als die 
Qbrigen Laien, die schon seit länger aus dem Kloster entlassen 
sind. Nach Baba-Maazia waren die Pum-Baditas **) ihrer Spitz- 
findigkeit wegen zum Sprichwort geworden. Die Mönche heissen 



lUgJapala war bei Kanjakabgas Erobening durch Mohamed (1017) entflohen (da 
die aneinigen Fürsten Gehorsam versagten), und die mit der neuen Herrschaft 
DOzofHedeDen Indier zogen sich (nach Albiruni) nach Badi oder Bari zurück. 
Die buddhistische Trinität bildet die drei Kleinodien (Trai Ratana), und auch die 
T>ahre wird dem Juwel des Mani verglichen, wie die Zoroaster's (des Dieners des 
Oroniazes nach Plato) im Zerdusht-nameh , indem Gustasp, der anfangs keinen 
Geschmack, daran fand, einem Kinde gleich sei, das k5stliche Steine nicht zu 
•ekitzen weiss. Empfänglicher zeigt sich der aus Indien herbeigereiste Brah- 
nane Tschengregatscha. Nach dem Desatir wurden die Brahmaoen Blas und 8en- 
kemkas vun Zoroaster bekehrt. Uerarlitus, dem ein Zoroaster betiteltes Buch zu- 
geschrieben wird, kannte (nach Posidonius) einen Mager, der Lybien umschifft 
hatte. Tsaga-Zabns meint, dass der Prester Jan (Gian-belul) Johannes Pretiosus 
geheissen. Die heilige Jungfrau wird in einem Gedicht aus dem XIV. Jahrhun- 
dert „Mtre preciose'* genannt (s. Wollenberg). Von den drei Ratana oder Klein- 
odien, Phutta, Thamma und Sangka, ist das Höchste Thamma (Dharma). Es 
dorchdringt die ganze Welt und offenbart sich in Jedem richtigen Gedanken, der 
Wahrheit ausspricht, als das Gesetz. Das irrthümlirhe Denken wurzelt im Athamma. 
Nach Tschu-fu-tze oder Tschuhi sei der Geist des Himmels abzuleiten aus dem, 
waa der Geist des Menschengeschlechtes ist. Die dritte Person der Sangha ent- 
spricht der Auffassung der Engel als Spiritus Saucti. 

•*) Wenn die aus den Klöstern ausgetretenen. Mädchen unter den Eweem 
wieder anfangen/ die Chebiezo-Sprache zu reden, nimmt Agbui wieder Besitz von 
ihnen (Schlegel). 

**) Nach der Gründung von Pum-Badita, der letzten Hochschule der Juden 
in Mesopotamien, waren die Pum-Baditäer für ihre Verschlagenheit und spitz- 
findige Scharfsinnigkeit bekannt (s. F&rst). 

Bastian, Reise in Slam. III. 11 



162 ^^^ K15ster und ihre Bewohner. 

Xi (Xi-ton oder Xi-gong), und die Siamesen sprechen auch von 
Xi-plüai oder Gymnosophisten in Indien^ wie die nackten Digam- 
bara der Jainas. Als Phra-Chao (Buddha) zu der Stelle kam, 
wo jetzt Xiengmai steht , machten seine Predigten solch' einen 
Eindruck auf die dortigen Bewohner^ dass sie sHmmtlich in den 
geistlichen Stand eintraten und so eine Gemeinde bildeten, die 
anfangs die der neuen Priester (Xi-mai), spilter aber Xieng^ 
mai (die neue Stadt) genannt wurde. Pythagoras, der sich 
dem hyperborUischem Bettelpricster Abaris durch seine goldene 
Hüfte als Wiedererscheinung des Apollo manifestirte, führte in 
den Systymata gemeinsames Zusammenleben ein. Die Novizen 
tragen das gelbe Gewand mehr nach einer Seite hinüber nnd 
lassen meistens den rechten Arm frei, wogegen die Phra-Song 
(Mönche) den ganzen Körper bedecken. 

In dem Buche NongsU-hat-nak sind die verschiedenen Pali- 
formeln gegeben r die von den Besuchern des Klosters in bald 
sitzender, bald stehender, bald verbeugter Stellung gesprochen 
werden. Die Paliworte sind mit siamesischen Buchstaben ge- 
schrieben. Wenn die Mönche den Tempel betreten, bewegen 
sie schmale Stäbe, die von Drähten herabhängen, und ztlnden 
dann vor den Figuren Kerzen an. Zu Zeiten sitzen sie in 
Paaren zusammen nieder, um sich gegenseitig Beiclite abzu- 
legen. Der Rosenkranz (Luk Prakham) enthält i(H^ Kttgelchen 
(aus Harz) und dient zum Beten derMantras (Mon), läuft aber 
auch vielfach nur als Sjaelcrei durch die Finger, wie in west- 
lichen *j Klöstern. Wenn Jlönehe ausgebeten werden, um eine 



*) Die Aehnllchkeit des lamaistiisrheii imd christlichen rerenioniels hat Huc 
im RiiddhiKmuB dieselbfl Krfliidiing des Antioliristes sehen lansen, die alte Pa- 
tristiker in den niithraisrben Mysterien (der Ponyroi daimones narh Justin. Mart) 
entdeckten, und Doolittle bemerkt protestantisclier Seits: The invention of the 
Chinese lan^iage has bcen ascribed to the devil,' who endeavonred by it to pre- 
vent the prevalenre of Christianity in a country, where he has so many zealous 
and able subjects, nicht wie Tertullian seine Ansichten fiber „per aDticIpatlonem** 
ausdrücken würde: Agnosc.amn» iugenia Diaboli, id circo quaedam de divinis ad 
fectantes, ut nos de morum flde ronfiindet. „Die Frau des Kaziken hatte auf dem 
Kopfe eine dreifache päpstliche Krone, aus Stroh geflochten. Welches wiederum 
ein Affenspiel des hollischen Affen ist^ (Charlevoix). 



Predlgtbiicher. ^63 

Predigt zn halten, nnd keine eigenen Bücher besitzen, so leihen 
sie sie von ihren Collegen, wofür gewöhnlich 2 Salüng pr. Tag 
bezahlt werden. Coini)Iet besteht die Predigtsammlung aus 
30 Bänden. Suet Tlien bezeichnet die Ordination als 'i'hero, 
Säet Phra als Mönch, Suet Xen als Novize. Gegenwärtig giebt 
es keine Then und Thero (Stavira) mehr, ausser einigen Wenigen, 
die das Obergewand einfach tragen und nicht dreifach gefaltet, 
wie es jetzt bei den Mönchen Mode ist. Nach der Grundidee 
des Buddhismus müsste Jeder in den Mönchsstand treten, um 
von der Welt des K(Jrperlichen frei zu werden, und nur die Be- 
dürfnisse des praktischen Lebens gestatten die Ehe. Auch Mar- 
cion , der sich mit Abscheu von Fleisch und Fleischesleben ab- 
wandte, konnte die Ehe und das eheliche Leben nur als eine 
vom Weltschöpfer sanctionirte Satzung betrachten, durch welche 
er, als der Gott des unreinen und materiellen Naturlebens, für 
die Erhaltung seines Reiches sorgen wollte, die aber in der 
wahren Gemeinde Christi nicht anerkannt werden dürfte. Der 
Verehrer des wahren Gottes muss in ihrem Systen^ ein detesta- 
tor nuptiarum sein (nach TertuUian). Von den Valentinianem 
dagegen bemerkt Clcni. Alex., dass sie wegen ihrer Lehre von 
den Syzygieu auch die Ehe für etwas Wohlgefälliges gehalten 
(s, Baur). Tatian, der Stifter der Enkratiten, stellte gleichfalls 
den Grundsatz der Ehelosigkeit auf.*) 



*) Saturnfn erklärte (nach Epiphanias) lleirathen iiiid Kinderzengen geradezn 
lir ein Werk des Satans. „Gin Waidler miiM bei Pen des Feuers kein Weib 
anrOhren, so aorh die Waidlinne^ (s. (iriinan). 



11* 



Rertitsverhältnisse. 

lieber die Bevölkerung des Landes laufen die verscliic- 
densten Angaben um, und würde es schwer sein, darüber zur 
Gtewissheit zu kommen. Ich hörte einmal erzählen, dass vor 
einigen Jahren (1863) der König von Siam alle die alten Leute 
seines Landes fvon 70 Jahren und darüber) habe zusammen- 
rufen lassen^ um Jedem einen Tikal (Bath) zu geben, und dass 
sich 20,000 gefunden hätten (wohl männlichen Geschlechts). 
Eine ähnliche Zählung soll Vorgenommen sein gerade vor der 
letzten Zerstörung Ayuthias durch die IHrmanen. Der König 
habe alle Greise durch ein enges Thor eintreten lassen, wo 
jedem derselben ein Goldstück eingehändigt sei. In einem 
Maniiscript fand ich bemerkt, dass nach der Zerstörung Vieng- 
chan's (1829) der König im Pferdejahr, dem achten des Cyclui, 
eine Zählung aller Lek (Conscriptionspflichtigen) aufstellen liess, 
die am Handgelenk markirt waren (sak), und dass sich nach 
den in der Sala-Banxi aufl)ewahrten Registern die Zahl 4,000,(X)0 
ergebe. Darin seien aber die vornehmsten Städte des Südens 
und Nordens, wie das Laosland, nicht einbegriffen, da diese 
nicht im Hangoao (den Listen der für Frohndienste Einberu- 
fenen) aufgeführt würden. 

Das Volk in Siam zerflült in zwei Hauptktassen , in die 
Tahan oder Soldaten und die Phollarüan. Von den verschie- 
denen Ständen werden die Khon leo am Handgelenk durch 
Brandmarken gezeichnet, nicht aber die Phu-Di oder Edeln. 
Die Phrai-Fa sind Fremde und andere Volksgenossen, die das 



Bürgerklassen. Ig5 

Recht der Freizügigkeit besitzen, und die unter dem Schutze 
der Regierung stehen, deren Dach sich über sie (als Metoiken) 
wie der Himroel (Fa) über das Waldland (Phrai) wölbt im 
Königsfrieden. Phrai Phollamyang heissen auch im Allgemeinen 
die Bewohner der Städte, Phrai-Luang die Diener des Königs, 
Bao-Phrai Sklaven männlichen oder weiblichen Geschlechts und 
Kadumphi edelgeborene Bürger. Die Khek entsprechen den 
hospites oder consortes (advenae oder albani) auf den Loos- 
gütern. Unter dem Namen Senabodi werden alle Regieruugs- 
ämter zusammenbegriffen , Prinzen und Fürsten eingeschlossen. 
Senapati bedeutet den Herrn (Pati oder Bodi) der königlichen 
Diener oder den Aeltesten (Sena). Jeder, der über dem ge- 
meinen Volke steht, heisst Khun-nang (als «in Patrizier dem 
Plebs gegenüber), und viele der Khun sind zugleich im Staats- 
dienste angestellt. Alle mit einer Verwaltung betraute Beamte 
sind bis *zum niedrigsten (dem Khun-Muen) hinab dem Zeich- 
nen nicht unterworfen ; wird aber ein Künstler oder Handwerker 
vom Könige zum Haupt seiner Gilde erhoben, so behält er dann, 
wie früher, seine Marke aufgeprägt. Solche Familien, deren 
Mitglieder, entweder weil sie Stellen in Aemtern bekleiden oder 
doch nahe Ansprüche auf solche haben, von dem Markiren be- 
freit bleiben, werden Sakun genannt. Hat der Sohn ein Alter 
erreicht, das ihn befähigt, die öffentliche Regierungsarbeit des 
Königs zu verrichten, so nimmt ihn der Vater mit sich zur Regi- 
Btrirung und lässt die nöthigen Papiere für ihn ausfertigen. Mit 
Krakun wird ein höherer Rang bis zu einem gewissen Grade 
erblichen Adels bezeichnet, als mit Sakun. Alle Edeln werden 
mit einem gemeinsamen Namen Phu-Di (boni homines oder 
Goden) genannt, im Gegensatz zu dem Rasadon als Volk. Unter 
Ph^ai versteht man dann solche, die sich in Dienstverhältnissen 
befinden. Mit Dom werden die Aristokraten, als abgeschlossene 
Knste, bezeichnet. Dem Könige gegenüber sind alle Unter- 
thanen KhaPen-Din (Sklaven*) der Erde oder glebae ascripti). 



*) Le peuple de Tonquin est esclave et travaille toujoun pour le roi ex- 
eept^ lee deux moissons (s. Choisy). „Ghaque homme en CochinchiDe travaUle 
tonte l'aDD^e poar le röi pendant les quatre moi?, que durent 1^8 moiasons/* Das 



jlQQ ♦ Rechtsverhaltnisse. 

nämlich einmal die Kha-Raxakan oder königlichen Sklaven 
(Khun-nang, Mahalek und Senabodi), dann die Phrai-Fa (die 
Vogelfreien unter dem Himmel) und zuletzt dieThat oder Leib- 
eigenen. Personen edler Abkunft, !)e8onder8 die der Fürsten 
der Vasallenländer; werden als Katthiyo (Xatriyas) zusammen- 
"gefasst. 

Solche, die als Phrai markirt sind, >vie Zimmerleute (Phrai- 
Luang xang mai) oder Schmiede (Phrai-Luang xang lek), wer- 
den von dem Könige Edelleuten zugetheilt, wogegen die Kha- 
Luang den directen Dienst heim Köuig versehen und den ad- 
ligen Leudes entsprechen, die bei den fränkischen Königen zu 
Kriegsdiensten verpflichtet waren, wogegen die Laeti oder Leute 
des Königs auch Kriegsgefangene sein konnten. In den Hand- 
werksgilden (Mu) muss der Sohn der Beschäftigung des Vaters 
folgen. Die Officiere der Tahan bilden die Pet-Lau oder Pet- 
Krom, zu denen ausser dem Hok-Lau oder Hok-Krom (Dexo, 
Thainam, Vixai-Sangkhram, Lam-Kamheng, Phixai-Xandit, Vit- 
chit-Naray), die Anurakjota und Maha-Songkram gehören. 

Die Mahat lek oder Pagen bilden die unterste Klasse der 
Edelleute, dann kommen die Luang, dann die Phra, die Phaya, 
zuletzt die Chao-Phaya und Prinzen. Die Titel werden vorge- 
setzt, und so auch Luang, was, wenn angefügt, den König be- 
deutet. Die Thao-Phaya sind Fürsten königlichen Blutes oder 
Peers, die Chao-Phaya sind Fürsten, die der König ernannt hat. 
Loubire gebraucht mehrfach das seitdem antiquirte Thao an 
der Stelle von Chao. Das von ihm vielen Titeln vorgesetzte 
Oc wird Ak oder Akkha meinen, einen Ersten, wie in Akkha- 
Sena. 

Der Preis des Wehrgeldes oder der für Verletzungen zu 
zahlenden Busse steigt mit dem Titel und wird nach Rek-na 
geschätzt, indem in Siam der Feldacker das Maass des Geldes 
abgiebt (wie pecus im Lateinischen und Feoh oder Vieh im 
Altdeutschen). Das höchste Wehrgeld ist das des zweiten Kö- 



frauzosische Parlament erklärte im Jahre 1776 p. d.: Le peuple de France est 
taillable et corv^able ä yulout^, c'est uue partie de la Constitution, que le roi ne 
peut cUauger. 



Ran^tufen. ^ffj 

nigs, das auf 100,000 Rekna angesetzt ist. Nur der König 
selbst (der erste König) ist ohne Webrgeld, als über jede 
Schätzung erhaben. Die Westgothen berechneten den Preis des 
ihrigen auf einen mit Gold bedeckten Panzerreiter. 

Die Phuek Chao werden Sadet angeredet, um sie dadurch 
als königlich geborene Prinzen von den Phuek Senabodi oder 
den Edelleuten zu unterscheiden, obwohl auch die letzteren 
mitunter aus Courtoisie den Titel Soradet erhalten. In höheren 
Titelaturen, als Phrah oder Phaya, wird auch wohl Phra-Phuttha 
vorgesetzt oder, besonders in Kambodia, Phrabat. Mit Krom, 
Chao, Fa, Mom werden veri^chiedene Grade unter den Prinzen 
bezeichnet. 

Als Ammat begreifen die Edeln die Phaya oder Mukkha- 
mont]:i, die Phra oder Sena-Montri (die Aeltesten der Manda- 
rinen) und die Sena (Luang und Khun). Die vier Phra Nai 
sind stets um den König als seine wirklichen^eheimräthe. Die 
Minister bilden den engeren Senabodi*) oder Sena-Thibodi. 

Die Vornehmsten unter den Luk-Khun sind Richter (Tra- 
lakan); während die übrigen für die la^ifenden Geschäfte 
verwendet werden. Die Phuek Luk-Khun, als Tralakan und 
Kromakan, stehen für diese Aemter unter den Kroma-müang. 

Mit Sak-na**) werden die verschiedenen Rangstufen der 
Edelleute bezeichnet; je nach der Zahl ihrer Vasallen, als Uaupt- 



*) Gleichsam eine Art Senatus ohne die directe Beziehung zum Heere, wie 
4er indische Sena-Pati. Da Pati durch noats und potens auf pater fahrt, konnte 
man auch liier die patres conscripti den Senes oder Alten angehängt denken. 
Der Tetrarrh der Galater führte (nach Livius) den Titel Sinorii. Von Sena (ver- 
gleichen oder ira Streite beilegen) haben die Friesen die Soenlioed (SQhnleute 
oder Vergleichsstifter), während von Sinuthe (Sind oder Zenth) oder Synode das 
geistliche Recht oder Sindriucht abgeleitet ist. 

**) Eine Busse für personliche Verletzung oder Vergütung heisst gewöhnlich 
(bei den Deutschen oder Angelsachsen) Wer oder Wergild (Schutz- oder Verthei- 
digungsgeld), bei den Norwegern schlechtweg gjald oder auch, in sofern man die 
Rechtsverfolgung vor Augen hatte, Sak, und zugleich, in sofern man es wie einen 
Maassstab für den Rang des Betreffenden in der Gesellschaft betrachtete, Rettr 
oder Recht (s. Münch). Für jede persönliche Verletzung war (in Wales) eine Sa- 
raad oder Busse festgesetzt, welche nach dem Stande des Verletzten verschieden 
war (Walter). 



]g3 Rechts verliältnitöf. 

leute über 1(K), über 10()() u. 8. w. Die Chang-weng oder Steward 
Bind die von dem Herrn über Beine C-lienten gesetzten AufRebef; 
die je nach ihrer Stellung verschiedentlich hohe Summen eu 
zahlen haben. 

Die grosse Klasse der Chao-Phaya, Phra nnd Phaya heisst 
eine Kha oder Abtheilung, worin sie einander untergeordnet 
sind; aber von den Leuten, die einem Luang oder Khun zu- 
geschrieben werden, heisst es, dass sie tlir solche markirt (sak) 
seien. Alle hohen Beamten haben ihre Abtheilung oder Kha 
(yrie der Kroniatha in der Kha Khromatha oder Marine), von 
denen der niederen spricht man aber nur als Sak. 

Der Titel Krom kommt nicht jedem Prinzen als solchem zu, 
sondern folgt nur aus der seine Würde erhöhenden Stellung im 
Regiernngsdienste. Einige der mit einem Krom oder Verwal- 
tungsbezirk verbundenen Titel können auch auf solche über- 
tragen werden, die nicht aus königlichem Geblüt stammen, wie 
die Function des Marschalles, der die königlichen Pferde be- 
sorgt, die des Kroma-Myang, der als Polizei-Prftfect Ordnung 
in der Hauptstadt zu erhalten hat, und einige andere, wie der 
Kroma-Ma (der Minister des Ackerbaus), der Kroma-Tha (der 
Handelsminister) u. a. m. Solche Aemter werden aber ange- 
sehen, als an des Prinzen Statt venvaltet. Zum Kroma-Luang 
würde nie eine nicht prinzliche Person ernannt werden. Die 
Kromakan sind die den verschiedenen Krom zuertheilten Httlfii- 
bedienten und Unterbeamton , wie die Kromakan Phai Kroma- 
Myang die Geschäfte in den Bureaus des Kroma-Myang besor- 
gen, die Kromakan Phai Kroma-Luang in denen des Kroma- 
Luang u. s. w. 

Chao, die Krom haben, sind der Kroma-Luang und Kroma- 
Mün (Mahesuen). Chao ohne Krom heissen Moni. Die Krom- 
Chao tragen ihren Titel durch Abkunft (Vong), die Krom-Khun- 
nang, weil sie vom König zum Ritter geschlagen sind. Die 
jungen Söhne, die später den Titel Chao oder Krom ererben, 
werden (von denen des Kroma-Luang, des Kroma-Khün u. s. w.) 
angeredet als Phra-Oug-Chao. Die von väterlicher sowohl wie 
von mütterlicher Seite aus königlichem Geschlecht stammenden 
Prinzen oder Prinzessinnen heissen Chao-Fa (llimmelsherr). 



Beamte. 169 

Die höchste aller Stellen wird bekleidet von dem Chao- 
Phaya Chakri; da aber dieser Würdenträger während der Re- 
gierung des jetzigen Königs gestorben ist, so kann das Amt 
erst bei einem neuen Thronwechsel wieder besetzt werden. Der 
Chao-Phaya Jommarat, der seinen Namen vom Höllenrichter 
(Yama) führt, präsidirt im Kroma-Myang über den Stadtbezirk 
als der Justizminister mit specieller Jurisdiction innerhalb der 
Residenz (in der die Patrouillen der Nai-Kabau nach Feuer und 
Licht sehen). In seiner Function als Präsident des Strafge- 
richts kommen alle Criminalfalle, in denen nach Bangkok ap- 
pellirt wird, vor sein Tribunal. Civilsachen dagegen müssen 
in der Hauptstadt an die dort anwesenden Gouverneure der 
verschiedenen Provinzen gebracht werden, z. B. vor den Kala- 
hom, den Präsidenten des Südens oder Fai-Thai, wenn die 
Partheien zu Ortschaften des Südwestens gehören, da jener der 
Chao-Krasuang über dieselben ist, wie der Chao-Phaya Pra- 
klang über die Provinzen des Südostens, der Chao-Phaya Ni- 
krabodin (als Mahathay des Nordens oder Fai-Nüa) über die 
nördlichen Länder, der Chao-Phaya Jommarat über die Resi- 
denz, und der Chao-Phaya Phollatheph über die Felder. In 
das den Norden begreifende Departement des Maha-Thai ist 
auch der Südosten, und somit Kambodia, eingeschlossen. Zu 
Louböre's Zeit zerfiel Ober-Siam in 7 Provinzen mit öfj Gerichts- 
barkeiten und 20 direct vom Hofe abhängigen, Unter-Siam in 
7 Provinzen mit fi4 Gerichtsbarkeiten und 13 direct vom Hofe 
abhängigen. Ausserdem war für sich die Gerichtsbarkeit der 
Hauptstadt. Patane und Achem auf Sumatra wurden unter den 
Dependenzien des siamesischen Königs aufgezählt, der jährlich 
einen in Blüthe stehenden Gold- und Silberbaum von der dort 
regierenden Königin erhielt (eine durch Wahl erhobene Prin- 
zessin, in solchem Alter, dass sie sich nicht mehr verheirathen 
konnte, und für die die Angesehensten des Landes die Regie- 
rung führten). 

In Kriegszeiten kann jeder Siamese als Soldat einberufen 
werden, im Frieden wird aber nur aus den, dem Kriegs- 
QÜnisterium und den Militärbeamten zugetheilten Arbeitergilden 
rekrutirt. Zimmerleute werden indess immer als Tahan oder 






170 RechtsTerbältnisM. 

Soldaten eingeschrieben. Ebenso gehören sämmtliche aus Pegu 
eingewanderte Colonisten eo ipso dazu. So oft der König sich 
auf Reisen begiebt, wird eine bestimmte Zahl der Tahan zur 
Bewachung des Palastes ausgehoben. Raxaburut sind die könig- 
lichen Trabanten, Sabbnrut Xai-Sing die Gläubigen beiderlei Ge- 
schlechts, wogegen Burut*) den Mann bezeichnet und burut- 
salUng in der Grammatik das Masculinum. (Purisso.) 

Solche, die in Gesellschaft Frohndienste leisten, wie die 
Soldaten in der Armee, die Bemannung der Schilfe u. s. w., 
werden im Allgemeinen aufgezeichnet als Phu-mi-xüa (Leute 
von Namen). Unter jedem Chao-Phaya sind 10,0(X) Mann ein- 
rollirt, die ihm der König in verschiedenen Dörfern anweisi 
Am Reichlichsten bedacht ist der Kalahom, der, als auf 10,000 
Aecker geschätzt, für seine Arbeiten und Einnahmen immer 10,(X)0 
Untergebene zugetheilt erhält und fUr diese Zahl dem Könige 
verantwortlich bleibt. Sollte sich die Menge seiner Vasallen 
darüber hinaus vermehren, so würde von Rechtswegen das 
Zuviel an den König fallen. 

Das Buch der Einregistrirungen für die Arbeitspfliehtigen 
liegt in der Kanzlei des Khun-Mün, wo auch die vom Brandr 
marken befreienden Documente (tua) ausgestellt werden. Durch 
Nachschlageu in den Staatsregistern können die Siamesen ihre 
Herkunft nachweissen, und es würde eine grosse Beleidigung 
sein, von Jemandem zu sagen, dass er keinen Stammbaum 
(Sakun) habe. 

Das Brandmarken der zu öffentlichen Arbeiten Ausgehobe- 
nen heisst Sak-Kho-müa. Solche, die durch Kränklichkeit un- 
fähig sind, heissen Sak-Phikan, und wenn durch hohes Alter 
befreit, Sak-Xara. Mit Sak (Sakkh) verknüpfen sich von dem 
Könige verliehene Ehren, und mit Jot (oder Spitze) verbunden, 
bezeichnet das Wort eine hohe Rangstufe. Auch Sak-di be- 
greift Ehren und Rang. Sak-Sitthi oder Sit meint Begabung mit 



♦) Die Kirgisen werden von den Kalmücken Tzan-san oder AlaUa-Bnrut ge- 
nannt, und mit Pulate (Burut) bezeichnen die Chinesen die unter ihren Schutz 
geflüchteten Stämme der Tjan-san. Im Friesischen meint Bur einen Nachbtr 
unter den Bauern). Durch Bor zeugt Bure die Äsen. 



Die ElnroUirung. 171 

ttbernatürlicher Kraft^ (durch Geisterwesen oder [ bei den Lappen] 
durch Siten, wie in der Seid genannten Zauberkunst der Nord- 
länder). Unter Führung des Siddhasena bilden die zauber- 
kundigen Luftgeister der Siddha das Gefolge des Kartikeja's, 
und Buddha selbst hiess bis zu seiner Transfiguration Siddhartha 
oder Artha-Siddha. 

Die Einrollirung geschieht jährlich im Monat April, und 
jeder 16jährige Siamese erhält dann, wenn keine besonderen 
Gründe zur Exemtion vorliegen, seine Tättowirung mit Lek- 
Phray-Hluang; den Steinmetzen wird zugefügt: Lek-Phray-llluang 
Xang-Salak (dns königliche Dienstv^olk der Arbeiter in b^tein), 
den Zimmerleuten Lek-Phray-Hluang Xang-Mai (das königliche 
Dienstvolk der Arbeiter in Holz) und so den Anderen. Wer 
es wünscht und das Vermögen besitzt, kann sich einen Frei- 
brief (Nongsü Khum Sak) erkaufen, der ihm die Marke er- 
spart, und zahlt dafür im Alter von 10 Jahren 8 Tikal ;20Engl. 
Sh.), bei 20 Jahren 12 Tikal u. s. w. Das Tättowiren der 
verschiedenen Klassen i^Phuek) geschieht mit einer in Tinte ge- 
tauchten Nadelspitze und die Punkte werden dann durchnäht. 
Der das Einätzen überwachende Beamte führt den Titel Phuek- 
Chab-Sak (der Häscher des zu brandmarkenden Volkes), die 
nach dem Brandmarken für Verrichtungen ausser dem Hause 
yerwendeten Lek-That heissen Lek-Asa. Ein Sklave, der Meister 
anderer Sklaven ist, wird Lek-Thanai genannt. Für alle Milizen 
gilt die in Indien gewöhnliche Einthcilung rechter und linker 
Seite. Als Uthong, der erste König Ayuthias, aus Laos ein- 
wanderte, soll auch unter den Siamesen der Gebrauch des Tätto- 
wirens *) geherrscht haben, und in den Gesetzbüchern wird noch 
jetzt der Preis des Wehrgeldes für ein mit Streifen von Lanzen 
und Schwertern tättowirtes Mitglied unter den Phrai-Luang 
der Krom am Höchsten angesetzt. Die Preis Verhältnisse des 
Wehrgeldes sind im Phrohma-Sak regulirt. 

Die Soldaten versehen für 15 Tage den königlichen Dienst 



*) VoD den Frauen der Exquimaux (Innuit) bemerkt HaU : The tattooing is 
done from principle, the theory being, that the Uues thos made wiU be regarded 
in the next world a sign of goodness. 



^ 



172 RechtSTerfaäUoiMe. 

und gind 15 Tage frei, die Zininierleute abwechselnd * einen 
Monat umschichtig. Andere frohnen einen Monat und haben 
zwei Monate*) für sich. Die Bootsleute werden fUr drei Monate 
im Jahre einberufen. Zeigt ein Handwerker besondere Ge- 
schicklichkeit, so nimmt der König seine ganze Zeit in Anspraeh 
und setzt ihn als Nai (Gilden-Meister) Über seine Collegeh, um 
diese anzulernen. Ein Nai-Muet oder Vonnann des Arbeiter- 
ganges erhält ungefiihr 28 Tikal jährlichen Gehalt, ein Nai 
6der Khun-Mün (Hauptmann über Zehntausend) etwa 3() Tikal. 
Zu Loubire's Zeit dauerten die Frohndienste sechs Monate. 
Solche, die mit ihrer Händearbeit drei Monate für den König 
arbeiten müssen, können sich jetzt durch Bezahlung von 6 Tikal 
davon losmachen. 

Die Zimmerleute (als Tahan nai markirt) werden im fort- 
dauernden Regierungsdienst mit einem jährlichen Gehalte von 
^2 Tikal abgelöhnt, während sie mit Leichtigkeit bis zu 10 Tikal 
pr. Monat verdienen könnten, wenn es ihnen erlaubt wäre, sich 
an Privatleute auszuverdingen. Sie leben in einem hauptsäch- 
lich von Laos bewohntem Quartier in der Nähe des Schlosses 
und werden täglich von 9 Uhr bis 3 Uhr beschäftigt, in dringen- 
den Fällen aber auch länger. Sobald der König irgendwo von 
einem besonders fähigen Arbeiter hört, lässt er ihn unter die 
öflFentlichen Werkleute aufnehmen. 

In den verschiedenen Zünften (Phrom) des Königs bleibt 
die Profession erblich. Jedermann muss sich einem Meister, 
als Patronus, einschreiben fgleich den Clienten , fidei et tutelae 
crediti), und indem dieser Herr oder Meister wieder unter einem 
höheren Meister steht, so geht es staffeiförmig aufwärts bis zu 
den Edlen und dann durch Fürsten und Prinzen bis zum König, 
der' die Spitze des ganzen Staatsgebäudes bildet. Wenn ein 
Verbrecher nicht aufgefunden werden kann, so ergreift man 
dessen Meister und macht diesen verantwortlich. Sollte sich 
vor Gericht ansfinden, dass Jemand keinen Meister hat, so werden 



*) Die Javaner leisten die HerrendleDste , ru denen sie ausser der gezwun- 
gnen Giiltiir verpflichtet sind, meistens an den umschicbtigen Wochentagen, (q 
der Moldau wird für 12 Tage aus dem Monat gefrohnt 



Kri^gdgofaDgeiM. 173 

Nachforschungen angestellt^ zu welchem Meister sein Vater ge- 
hörte^ and er wird dann demselben untergeordnet. Sollte nichts 
ausgemacht werden können^ so steckt man ihn unter die That- 
Hluang (Königssklaven)^ eine tief yerachtete Klasse^ obwohl ihr 
nur wenige und meistens leichte Arbeiten obliegen. Sie können 
0ich mit l*', Tikal fUr das Jahr abfinden^ während die Talan- 
Hluang Xang mai jeden dritten Monat ihre ganze Zeit zur Ver- 
ifegung stellen mttssen. Vagabonden^ die sich um das Markiren 
herumgeschlichen haben^ werden, wenn aufgegriflFen , den Lek- 
Som eingereiht. Die Lek-mai zahlen dem Herrn, je kach ihren 
Kitteln, Einige 20 Tikal das Jahr, Andere. 100 Tikal, Andere 
500 Tikal u. s. w. 

Sojche, die Regierungsarbeit (Raxakan verrichten, werden 
nicht Bao genannt, soifdern Thay, und entsprechen, als die 
Pbu-di*) (guten Leute) derSiamesen den Nakskeah (Guten) der 
Kambodier. Das Wehrgeld der Edeln steigt mit ihrer Würde. 
Der höchste Rang ist der des Kalahom mit 10,0(X) Na, gleich 
nach dem zweiten **) König, derauf 100,000 Na geschätzt wird. 
Je höher die Compensation ist, die ein Edelmann nach seinem 
Stande bei zugefügten Verletzungen in Anspruch nehmen kann, 
desto höher ist aucli das Strafgeld, das ihn triift, wenn er sich 
•elbst eines Vergehens schuldig macht. Um die Person des 
Aiehters eine unverletzliche und heilige zu machen, haben sie 
im ihrem Amte eine höhere Schätzung, als ihnen vermöge ihrer 
socialen Stellung zukommen würde. 

Die Kriegsgefangenen (Bao Chao Xivitr genannt) werden 
als unbedingte Sklaven gebrandiiiarkt. Einige in der rechten, 



*) Oi aya&oi sunt Primates , Nobiliores Domini , quibas opponuDtar o« xei- 
Qov£k\ Dans la langne d*Hoin^re yoi^os seul signifle l&che, comme son oppos^ 
iya^os est pris dans Tacceptation de btave (s. Ooray). ^Agnnos propHe: Marte 
fiMtlantissliDiia. Eottathios leitet Ares von ara, als «chldigead. An HaltoBg 
und Aussehen werden Sklaven leicht von den Herren unterschieden und bilden 
lieh im Laufe der Generationen constant trennende Typen. The slaves have a 
very different appearanoe, ^merkt Brown auf Neu-Seeland. They seea formed of 
ftf inferior materials, <he very texture of their skin is coarser. 

**) Zu Constantin's Zeit herrschten Ober die Qothen zwei KSnige, Ararich 
und Aorich. 



174 RdchtoverhiltniMe. 

Andere in der linken Hand, und dann den respectiven Seiten 
zugetheilt. Einige werden ausersehen, um eine jährliche Ab- 
gabe an Adlerholz für den Ki^nig zu sammeln, Andere, um Sal- 
peter einzuliefern u. s. w. Wenn Kriegsgefangene von dem 
Könige als Sklaven an Edelleute weggesehenkt sind, so bleibt 
ihnen das Recht des Loskaufes unter derselben Regierung. Nach 
einem Thronwechsel aber verfallen sie auf immer an ihren 
Herrn und werden meist auf deren Gütern angesiedelt, wie die 
mansi serviles um die Sala oder mansus indominieatus. 

Abgegehen von den Colonien Kriegsgefangener, von denen 
der König mitunter den Grossen oder den Pagoden Geschenke 
macht, sind die meisten Sklaven Siams Schuldner, die ihren 
Gläubigern bis zur Schadloshaltung dienen müssen. Nfich der 
königlichen Gesetzesbestimmung des Jahres 13;VJ p. d, wurden 
die Sklnven in sieben Klassen getheilt. Die im Hause geborenen 
Sklaven werden wie Glieder der Familie *J betrachtet und ge- 
wöhnlich auch so behandelt. Der Herr mag dem Sklaven 
Fesseln anlegen oder ihn auch leicht züchtigen, nmss ihn aber, 
wenn er strengere Auspeitschung wünscht, den Hehörden Über- 
geben. Wenn der Sklave jemand Anders zu seinem Ankanf 
beredet, muss der Herr den gebotenen Preis, je nach der 
Taxirung, annehmen. Die Verschuldeten (Luk-ni) werden im 
Allgemeinen als Kha bezeichnet, ihre während der Dienstzeit^ 
geborenen Kinder aber, als That. *) Auch in Gallien gewami^ 
(nach Cäsar) der Adlige über den zahlungsunfähigen Schuldner 
Eigen thumsrechte, und ähnlich stand es in Rom. Wenn auB- 
gelösst (Thay), wird der Sklave (Kha) zu einem That sin thay 
(ein von Schulden erlöster Diener oder ein Freigelassener). 
Der Gläubiger lässt den Sklaven die durch seine Unfähigkeit 
zu zahlen verlorenen Interessen abverdienen, und dann bleibt 
noch das Capital. Im Gegensatz zum Sklaven heisst Phichisse 
(im Pali) ein Freier (Thay). Den Thay, als homines franei 



*) Naga-SIaves (in Manipur) soon assiime the family Dame of tbeir mastor 
and tbeir caste too aod on acquiriiig their frodoni, which many do, set iip as 
reg:ular Kajputo (Qurdon). 

**) In Kypros hiessen (nach Hesychius) die Sklaven d-äres. 






SchoIdsklaTen. Ylb 

(ingenni oder liberi) stehen die Kha gegenüber , und Zosimus 
gebraucht die zur Bezeichnung von Hörigen dienenden Laeten als 
Völkemauien. Haben die Zinsen des vom Sklaven seinem Herrn 
geschuldeten Capitals die Höhe des letzteren erreicht, so können 
sie nicht weiter steigen, und der Herr pflegt dann meistens von 
dem Sklaven Zahlung zu verlangen, worauf demselben gewöhn- 
lich kein anderer Weg bleibt, als sich eineui neuen Herrn als 
Schuldner zu verkaufen und das empfangene Geld dem früheren 
XU ttbermaehen. Wenn sich Jemand als unbedingten Sklaven 
yerkauft, so erhält er eine höhere Summe, als wenn er sich das 
Beeilt vorbehält, den Herrn ändern zu können. Wer einen Preis 
seines Körpers hat, sich dafür schätzen lassen muss, ist ein Kha 
oder (im Pali) ein Thaso. Wer frei ist, heisst Thay (Butiso). 
Zh den Kha Pendln od^f an den Boden gefesselten Leibeigenen, 
die nicht wandern dürfen, gehören ausser dem Kha-That und 
Kha-Luang auch die Kha-Phra oder Tempelsklaven. 

Geräth ein Mann in Sklaverei, der vorher zu königlichen 
Frohndiensten verpflichtet war, so muss er dieselben auch 
später in gleicher Weisse besorgen, wenn sein Herr keinen Sub- 
stituten dafür findet. Die Bao und That werden unterschieden 
wie bei den Germanen die Unfreien oder öervi (theo und theu) 
und die Hörigen (coloni und liberti). Uie Thay entsprechen 
n freien Hintersassen, als homines liberti oder homines 
ftanci. Die 6ao Nam-ngön sind mit Geld gekaufte Skla- 
ven (Kha-that> und die Nai nam-ngön ihre Meister. Die Bao- 
lek (unter den Nai-lek genannten Meistern) sind Kha -Thay 
oder Sklaven, die sich freiwillig in Dienstverhältnisse begeben 
haben, und die von ihrem Herrn nicht verkauft werden können, 
da sie ihm nicht für Geldeswerth verschuldet sind. Doch werden 
sie von ihrem Herrn gezeichnet, um so der Markirung durch 
die königlichen Beamten nicht unterworfen zu sein. Sie begeben 
sieh freiwillig in Knechtschaft, da Jeder im Volke einen Edel- 
mann ftlr seinen Protector wählen muss, um ihn im Staate zu 
vertreten. Die Bao-Phrai bestehen meistens aus Kha-That, 
doch finden sich auch Kha-Thay unter ihnen. Die Kha-Luang 
heissen als gezeichnete Sklaven des Königs Lek-luang (Hlnang). 
Thay-Kha wird gesagt, wenn Jemand in Wiedererlangung eines 



176 RfichtaTerUltuime. 

fluchtigen Sklaven die Dekung'der verurgaehten Kosten der 
früheren Schuld hinzufügt. 

Die loskäuflichen Sklaven (Khai-Fak oder anvertrautes 
Pfand) haben sich entweder selbst ihrer Freiheit begeben, oder 
sie sind von ihren Eltern verkauft, die dann im Falle ihres Ent- 
laufens flir sie einstehen müssen. Der Herr erhält das sein 
Eigenthum bestätigende Documeut (S^an Kromatan), muss es aber 
zurückgeben, wenn ihm die darin erwähnte Summe angebotea 
wird. Der Herr ist verpflichtet, Reis und Salzfisch zur NahroBg 
zu liefern. Die im Hause geborenen Sklaven haben einen festen 
Preis (48 Tikal), für den sie freigelassen werden müssen. Ist 
der Preis der Eltern unter 24 Tikal, so bleiben die Kinder firdL 
Sollte der Sklave vor der Bezahlung der in seinem Documento 
bezeichneten Schuldsumme sterben, so i|t die Bürgschaft für dea 
Rest verantwortlich, ebenso wie ftir die Interessen, die bei 
etwaiger Krankheit und daraus folgender Unthätigkeit de« 
Sklaven verloren gehen. Wenn der Herr einen loskäuflichen 
Sklaven an seiner Statt Strafe oder Gefangniss hat leiden lasseUi 
so muss er ihm einen Theil der Schuld gutschreiben. Mit einem 
unbedingten Sklaven aber erlaubt das Gesetz ihm ganz nach 
Gutdünken zu verfahren, da dieser als sein Eigenthum gilt. 

Unter den Privatsklaven wird für den unverkäuflichen (wie 
meistens die von ihren Eltern verkauften Mädchen) keine Bürg- 
schaft gestellt, so dass bei etwaiger Flucht dieser Khai-Kat 
(oder ganz abgebrochen) der Herr Schwierigkeiten findet, sie 
wieder zu erlangen. 

Die Sklavenverhältnisse und ihre Regelung sind vielfaek 
(jegenstand der Gesetzgebung*) gewesen, und es finden siek 



*) Nachdem die Leges Liciniae die harten Tafelgesetze gemildert hfitieo, 
wurde erst dorch den gegen Papirius eingeleiteten Process die Schaldknechtsehaft 
aufgehoben. Pecuniae creditae bona debitoris, non corpus obnoxium esset (Li- 
yius). Oft wird, wie bei den alten Germanen, die Versklavung in Siam durch 
das Spiel' herbeigefßhrt , und auch Judhishthira musste nach dem Würfeln mit 
Sakuni von Bhima und Arjuna den Vorwurf hSren, dass er ein Dasa geworden 
sei, ein gjaftrtell oder (nach den englischen Gesetzen Heinrichs I.) sua datfone 
servus. 



, Processe. J^TY 

im Codex darüber mancherlei Erlasse, die meistens in der Art 
des folgenden beginnen: 

In der Buddha-Sakkharat 1359 Prabat Somdet Phra Chao 
Ramathibodi: auf dem östlichen Thronsitz Butsabok-Maha-Prei- 
Chon-Prasat, durchdachte den Inhalt der heiligen Bücher Pra- 
tamasat und erliess seine Verordnungen in dem versammelten 
Hofe, um die Klassen der Dienstsklaven zu ordnen 

Oder: 

In der heiligen Era 1267, dem Jahre des Schweines, dem 
lOten Monat, und dem ersten Tage des abnehmenden Mondes, 
als der König den westlichen Thron im NordflUgel seines Palastes 
bestiegen hatte, warf sich der Edle Phra-Krasem-Raccha-Supa- 
Wadih vor ihm nieder, um über die in der Sklaverei geborenen 
Kinder zu befragen und des Königs Befehl zu empfangen. 



Sollte ein Bürger Bangkoks einen Civilprocess haben, der 
weder in das Departement des Kalahom (über die südlichen 
Provinzen) fSillt, noch auch unter das Departement des Nikra- 
bodin (über den Norden), und der auch nichts mit den ansässigen 
Fremden, die unter dem Schutze des Phra Klang stehen, zu 
thuD hat, so nimmt er die Intercession seines Nai in Anspruch, 
der den Fall weiter verfolgt, bis er einem der Prinzen vorge- 
legt ist, die dann entweder nach eigenem Urtheil entscheiden 
oder vorher mit dem San-Luang berathen. Im San-Luang 
wird die Sache von den Luk-Khun untersucht, die weiter an den 
Richter (Tralakan) berichten. Das Urtheil wird von dem Phra- 
Krai-Si oder Phra-Krai-Lem publicirt. Der Präsident des Richter- 
collegiums ist gewöhnlich der Jommarat, zu dessen Jurisdiction 
auch alle Criminalfölle gehören. Der König bestimmt die Luk- 
Khun als Beisitzer im San-Luang und wechselt mit ihnen nach 
den verschiedenen Tagen. 

Für leichte Vergehen wird der Beschuldigte in das Thim 
genannte Gefangniss gebracht, für schwerere in das-Tarang, 
fUr Hochverrath in das Khuk. Die Bewohner des Quartiers, 
in dem ein Mord begangen ist, müssen eine Strafe zahlen, die 
Sia rang vat genannt wird, ebenso wie diejenigen, die der Be- 

Baitian, ReUe in SUm. IIL 1*^ * 



17B Recht8Terh&Itni«M. 

leidiger fUr beigebrachte Verletzungen nach einem Zanke ta 
erlegen hat. Der Nai-Ampho führt in den yerschiedenen Stadt- 
quartieren die Aufsicht. 

Im Hanse jedes Chao-Phaya, Phaya, Phra sowie der Stadt- 
gouvemeure (Chao Myang), des Palat und Jokkrabat findet 
sich ein Tribunal (Sala) zur Entscheidung der Gerichtsfälle, die 
von den LidL-Khun untersucht sind. In der Person des Stadt- 
richters ist gewöhnlich der Charakter des Tralakan oder Rich- 
ters mit dem Luk-Khun vereinigt^ aber in dem San-Luang statten 
die beisitzenden Luk-Khun nur als Referendare ihren Beriebt 
an den Richter ab. In den verschiedenen Gerichtshöfen SiamSi 
sowohl dem einen des Palastes, als auch den in der Stadt be- 
findlichen, wird der Vorsitz geführt durch Edelleute, die sich 
mit den Luk-Khun berathen, oder königlichen Gkhalt beziehende 
Khun Nang, die zu der Abtheilung der Phra Khru gehören. 
Zu diesen Luk-Khun, die durch ihre juristische Kenntniss die 
Gesetzesbestimmungen erklären, gehören die vier HauptIKmter 
der Phra Khru-Parohit, Phra Khru-Mahethon , Phra Khru-Pixet, 
Phra Khru Phixom und ungefähr 20 Untergeordnete. Sie über- 
lassen die Examination der Zeugen gewöhnlich ihren Beisitzern; 
müssen aber selbst die Actenstücke ausschreiben und einreichen 
unter Beifügung ihres ürtheils, das dann von dem präsidirenden 
Edelmanne bestätigt wird. Documente*) werden oft nur mit 
Speckstein auf schwarzgeförbte Tafeln geschrieben, und pflegt 
man die Zeilen zu zählen, um Fälschungen zu vermeiden. 
Ausser den für die religiösen Scliriften gewöhnlichen Palmblättem 
sind Zickzaekbücher ans grobem Bast|)apier im Gebrauch, anf 
denen man mit chinesischer Tinte auf weissem Grunde oder mit 
Gummigutt auf schwarzem Grunde die Buchstaben hinmalt. 

Die Gesetzbücher theilen mch in das Phra-Tamra, Phra- 
Tamnun und Phra-Raxakamnot. König Ekathossarat Hess die 
zum Theil den Prahm entnonmienen Gesetze Slams zusammen- 
stellen. Als die die Gesetze vermehrenden Könige werden, 



*) According to the Chinese the Cambodians wrote tili to the 14^^. rentnrj 
tbeir bouks and public records ou skins dyed black and used pencils composed of 
paste ressembUng Urne which made iudelible Impressions (Maggowan). 



lOu Richter-Colleg:iam. ifQ 

auBser dem jetzigen^ genannt Phra Phutthijotfa^ Phra B<Kla und 
Phra Nanklao. Bei Erwähnung der Nationen Jonaka und Kam- 
phot in der Thika-Nikai (der Sutras) bemerkt Buddha ; dasB 
68 unter ihnen zwei Geschlechter (Xat) gäbe^ die in einajider 
tlbergingen^ das der Phudi oder Edebi und das des Phrai (des 
Volkes). In den siamesischen Gesetzesbüohem (Kotmai) wird 
gesagt; dass die heiligen BUcher Phra Phutta's die Welt der 
Sonne gleich erleuchteten , und dass aus ihren Ausstrahlungen 
das Phratham Sat und der Text des Manosarem oder des Erie- 
miten Manosam gesammelt worden^ zuerst bewahrt in der Sprache 
von Mokod (Magodha) durch die Gelehrten im Lande Baihan 
oder der Mon^ bis sie aus den von Geschlecht zu Geschlecht 
fortgepflanzten Ueberlieferungen in die Sprache Sayam Übersetzt 
wurden, da Viele der siamesichen Nation sie zu verstehen 
wtlnschten. lieber den Gerichtshof San Luang präsidiren a.b- 
wechselnd der Khun Sithammarat und der Khun Chason^ die 
schriftlich abgefasste Klagen den Luk Khun (vier Luang mit 
acht Beisitzer) einreichen, um sie zu prüfen und, wenn richtig, 
durch den Phra Bachanichai einem der vier Khun San (des 
Chao Phaya Kalahom, Chao Phaya Nikorabodin, Chao Phaya 
Phra Klang oder Chao Phaya Jommarat) vorzulegen. Wenn 
die Partheien examinirt sind, wird der Fall den Luk Khan siir 
Entscheidung zurückgeschickt und das Urtheil von dem Tri- 
bunal gesprochen. Jeder Gouverneur hält täglich Gerichts- 
sitzung im Kromakan mit seinen Beamten, dem Balat (Bei- 
hülfen), Jockabat (Staatsanwalt), Mahat-Thai (der Repräsen- 
tant der Excutivgewalt), dem Sassade (der Archivar), dem 
Luang Myang (Polizeicommissar) , den Luang pheng (Gesetz- 
erklärer) und Khun khueng (der Zuchtmeister). Hohe Angestellte 
sprechen Recht im Chang-vang. Im Sala luk khun, dem könig- 
lichen Oberappellationsgericht, führt der Phaya Rong myang den 
Vorsitz, und daneben finden sich die Lakhon ban. 

Im Jahre 955 der Chunlosakkharat (1593 p. 40 befragte 
der Jommarat den König um folgenden Rechtsfall: Der Edel- 
mann Jot Thong sandte die Frau Kot, seine Sklavin, aus, um 
fremde Arbeiter zum Umgraben der Erde zu miethen. Der Sohn 
dieser Frau Kot blieb in dem Hause des Edelmannes Jot-Thong. 

12* 



igQ RechtsTerhaltnlBBe. 

Man setzte ihn auf einen Stuhl und Hess ihn dort. Der Sohn 
der Frau K6t fiel in das Wasser und ertrank. Nach Exami- 
nation der Zeugen ergiebt sich folgender Thatbestand: Die 
Frau Un sagt aus, sie habe das Kind der K61 niedergesetzt 
und wäre dann fortgegangen, um Krebse zu fangen. Als sie 
zurückkam, sah sie» das Kind von seinem Sitz in das Wasser 
fallen und untersinken. Sie riss es heraus, als es wieder nn 
die Oberfläche kam, drückte und knetete es, aber nach wenigen 
Minuten war der Sohn der Kot todt. Ueber die Strafe wird 
die Entscheidung der königlichen Majestät erbeten, das Urtheil 
ist von deren demüthigen Sklaven nach den in dem Gesetze 
niedergelegten Bestimmungen gesprochen. Da« Wehrgeld Itlr 
ein fünf Monate altes Kind ist dort auf 40,0(X) fixirt , was in 
Silber 6 Salüng (IV2 Tikal) ausmacht. Angeklagte Un ist nun 
mit der doppelten Summe zu belegen, 3 Bath (Tikal) in Silber, 
die Hälfte als Entschädigungspreis, die Hälfte für die Kosten. 
Und der erhabenen Majestät liegt nun der dcmüthigsten Sklaven 
unterthänigstes Ansuchen vor, wie es damit gehalten werden soll. 

Die Gesetze flir unvollkommen erkennend, befiehlt König 
Phrabat - Somdet - Ekathossarath - Isuen - Borommanath - Borombo- 
phith - Phraphutthichao - Ju - Hua - Phusong - 1 hotsaphit-Raxatham- 
Ananta - Samparathirat - Ekudon - Borom-Phutthathangkhun-Chun- 
lasakkhapat-Suentham-Mitkaraxathiraxao-Kranoh-Kraratson - Ma- 
haprasath - Ohphath - Phan - Visan - Song - Phra -Vichan-Buranraxa- 
Banjati mit der Löwenstinmie deniMaha-Raxa-Khru (dem könig- 
lichen Geheimrath) Parohit Prittachan, die Phra-Raxa-Kritsa- 
thika neu zu ordnen und die Schätzung zu taxiren (Kha Khon 
oder der Preis *J der Menschen). 

Ein Capitel: Wenn Jemand böswillig schlägt und verletzt, 
so dass der Tod erfolgt, oder durch Gift und Tücke tödtet, oder 
unabsichtlich und durch ^Sorglosigkeit tödtet, so muss er die 
dem grossen oder kleinen Strafansatz**) entsprechende Genug- 



♦) Snorro sagt von Halfdan S warte (König der Binnenlande und Westfolds), 
dasB er ein Saktal anordnete und Bussen für Jeden, je nach seiner Herkunft und 
seinem Stande, festsetzte. 

**) „Luitur enim homicidinm certo armentorum et pecorum numero*' bemerkt 



Wehrgeld. 181 

thuung leistcD, und zwar sind, wenn Tod erfolgt (weil sonst die 
früheren Bestimmungen in Geltung bleiben), Folgendes von jetzt 
an die l'reise der Schätzung: 

Für eine Person männlichen Geschlechts von 1 — 3 Monat 
sind 5 Tikal (Bath) zu zahlen, von 4—6 Monat 8 Tikal, von 
1—i) Monat JO Tikal, von 10—11 Monat 12 Tikal. Wenn fast 
ein Jahr alt IG Tikal (4 Tanilüng) u. s. w., für 2G— 40 Jahre 
14 Tamlüng u. s. w., für 81— 8G Jahre 2 TamlUng u. s. w., für 
91—100 Jahre 1 Tamlüng (4 Tikal). Für Personen weiblichen 
Geschlechts sind von 1—3 Monat 4 Tikal zuzahlen, von2l — 30 
Jahren 48 Tikal, von 91—100 Jahre 3 Tikal. [Bei den Friesen 
umgekehrt, wie nach den Litterae Brocmannorum; Zerschellung 
des Knochens an dem Handwirbel und an dem Kinnbacken 4 
Schillinge, dem Weibe dreifach höher. | Für ein verlefates*) Auge 
gilt */,; des Schätzungspreises des Körpers, für eine Wunde 
an Hand und Fuss einer Seite */4. Sind beide Augen und 
Üände beschädigt, ist \3 des Preises zu berechnen, für beide 
Ftlsse die Haltte. Wird Krankheit verursacht, die Heilung er- 
fordert, so ist der Preis %, bei schwerer und unheilbarer 
Krankheit die Hälfte. Ebenso 'wenn Stumpfsinn oder Verrückt- 
heit folgt. 

Ein anderes Capitel: Wenn Einer aus den Phrai 
Inang (Leuten des Königs)**}, die gemerkt (sak) sind je nach 
den Abtheilungen (mu) der Verwaltungen (Krom), zu denen sie 
gehören, verletzt ist durch Hieb, Stoss oder Schlag, so dass 



Tacitus TOD den Germanen. Die sechszehnte WiUkQr (dio sexteende Kest) ist, 
dass alle Friesen m^gen ihren Frieden mit ihrem Oute hössen, wenn er gleich 
Hanpt-Missethaten begangen, Nachtbrand oder andere Mordthaten (s.Wiarda). Bei 
den Montenegrinern wird jede Wunde oder Blutstropfen auf 10 Zechini festge- 
setzt, und ein Kopf galt 10 Wunden, also 100 Zechini. Für das Leben eines 
Weibes wurde nichts bezahlt. 

*) Durch Verletzung beschädigte Personen haben im Falle ihres Loskaufs aus 
Sklaverei einen verhältnisFmässig niedrigeren Scbätzungspreis zu zahlen, als Ge- 
sunde. 

**) Die Busstaxen fQr Verletzungen in dem salischen Gesetz schützen den 
Anstrustionen (eum, qui in truste domiuica est) auf ein dreifach höheres Wehr- 
geld, als die übrigen freien Franken. 



182 RechtSTerbiltnisse. 

er an den mit der Hand, mit Holz oder Eisen beigebrachten 
Wnnden stirbt, so muss der Preis seines Körpers in der Ab- 
theilung nach dem Zeichen seiner Marken (Sak hmay) in jeder 
Abtheilung und jeder Verwaltung geschätzt werden, wie es in 
der neuen Ausgabe der königlichen Gesetze (Pra-Raxa-Kamnot 
hmay) niedergelegt ist. Wenn er an dem Halse oder beiden 
Armen farbig bezeichnet ist, wenn er die Wappen eines Speeres, 
eines Palmbaumes oder eines Schwertes auf den Schenkeln 
trägt, so gilt sein Preis 1 Pfund (Xan) r> Tamlting (oder KX) Ti- 
kal). Wenn er am Halse und den Armen beider Seiten mit 
Farben bezei(»hnet ist, aber das Wappen des Palmbanms oder 
Schwertes nur auf einer Seite trUgt, so ist sein Preis 1 Pfund 
4 Tamlting. Ist er nur am Halse und beiden Armen gefiirbt, 
aber ohne die Wappen des Palmbauras, so gilt er 1 Pfund 3 
Tamlting, wenn er am Nacken und dem einen Arm, 1 Pfund,\ 
wenn am Arme allein bemalt, 72 Tikal (18 TAmlting). Trägt 
er nur das Zeichen seiner Abtheilung (Mu), so gilt er lü Tam- 
lting. Trägt er keine eine Abtheilung bezeichnende Marke, ge- 
hört aber dennoch zu den Piirai luang, so ist sein Preis derselbe, 
wie der der Phrai-Rab (Botenjungen), nämlich 14 Tamlting. 

Ein anderes Capitel: WasdiePhrai luang*) der vier 
Wachtposten betrifft, so gelten sie, wenn an beiden Beinen mit 
dem Schwerte bezeichnet, den Preis eines Pfuijds (80 Tikal), 
wenn nur auf einem, 18 Tamlting (72 Tikal). Tragen sie nur 
das Zeichen der Abtheilung (Mu), so ist die Schätzung 16 Tam- 
lting. Wenn zu keiner Mu gehörend, so stehen sie auf gleicher 
Stufe mit den Phrai-Rab und gelten 14 Tamlting. Wie die 
Zeichen der Verletzung nach Alter und Geschlecht in gewöhn- 
lichen Streitigkeiten und unter Verwandten beurtheilt werden 
mtissen, ist in dem Text des Phra-Thammasatr bestimmt. 

Seine Herrlichkeit der weise Gelehrte Phra-Manosan hat 
Folgendes bestimmt: In Betreff der^Phrohm-Sak (der brahma- 
nischen Markirungen) setze den Thossa-Kuson-Kam (das Ge- 
schick der 10 guten Handlungen) nieder, nimm den Eka-Chitr 



♦) Vergehen gegen tlu* Unfreien des Königs wurden iükIi germanfscheiD Uecbt 
doppelt oder dreifach gebässt (s. Maurer). 



GeMtzbflcher. ^g3 

(den ersten Chitr) und füge ihn hinzu (11), dann multiplicire 
mit den fünflnsi oder Sinnen (11x5 = 55), um die Summe des 
Manothucharit (die schlechten Neigungen) zu erhalten, als das 
Total der Lamöt (Verachtung der Autorität), dies versiegele. 
Wenn darauf das Total im Lamöt durch die fünf Insi dividirt 
wird, so ergiebt sich 11, als das Resultat des Vachithucharit 
(die Vergehungen in der Sprache) durch Schimpfreden. Nimm 
nun das Total des Lamöt, dividire es durch 11 (11 : 55 = 5) und 
setze das Resultat an 9 verschiedeneu Plätzen nieder. Wenn 
mit 5 multiplicirt, ergiebt sich die Entschädigungssumme (25) 
für Prügel (im Kayathucharit), mit G für Beulen (30), mit 7 für 
blaue Flecke (35), mit 8 für Durchhauen des ganzen Körpers 
(40), mit 9 für Verletzung (45), mit 10 für Zerbrechen (50;, mit 
12 für Verwunden (60), mit 14 für Verstümmeln (70), mit 21 
für Blendung (105\ Wenn von diesen 11 Posten jeder mit 
10(X) (als den Satatsa-Krat oder den tausend Zornausbrüchen) 
multiplicirt wird, so findet man die Zahl der für eine Rang- 
stufe von 5 Rai (Acker) zu zahlenden Cowrie-Muscheln , und 
Itlr die folgenden Rangstufen von 10 Rai bis 500 Rai muss dem 
entsprechend mit 2 (fUr 10 Rai), mit (3 für 15 Rai) u. s. w. 
multiplicirt werden. 

Das zweite Capitel, unter -dem Titel Phra-tham-Satr , in 
dem siamesischen Gesetzbuch (Nongsü rüang kot-mai) beginnt 
folgendermaassen : 

Die Besprechung über den Anfang folgt hier der Reihe 
nach, wie den Gelehrten und Gesetzeskundigen bekannt, der 
Erklärung der heiligen Schriften gemäss, die, zu dem ersten 
Theil gehörend, dort erörtert ist. Hört nun also, was über den 
Beginn der ersten Kalpa auf Erden gesagt wird: Der Erdkreis 
ist durch eine Mauer eingeschlossen, gebildet durch den Berg 
Pra-Sumeru, mit sieben Gebirgkreisen darum, die von vier 
Continenten, 2(X)0 Inseln und vier Meeren*) umgeben sind. 
Dort sind sieben Bäume fest eingepflanzt, der Sirisa-Baum in 



*) Die Wasser des Meeres Slthandon, du in den Zwischeor&umeo der sieben 
Bergkreis« von ChakraTsl« eingeschlossen wird, sind so leicht wie die Luft, dasf 
Alles darin niederfallt 






134 RerlitsTfrhäUnisiüf. 

Buphavitheha, der Krathum-Banni in Ainarakojana , der Kama- 
Baum in Udonkaro, der (Früchte tra^^ende) Va-Baum in Xom- 
phu-thavib, die Acaeie (Kii)hoi) im Gebiet der Asnra^ der 
Ngiu-Baum (dornig) in Subanraxa-Phiphob und der Baum Pha- 
rikaxat im Himmel Daodtingsa. Beim Anbruch der Kalpa*) 
sproBste aus den Elementen eine Lotusblume hervor, in fünf Bltt- 
then entfaltet, um als Vorzeichen der künftigen Geburt fünf heilige 
Buddhas zu verkünden. Dann als die duftende Ausdünstung der 
neuen Erde emi)or8tieg, kamen die durch den Geruch angezo- 
genen Brahmanen ( Phrohm ) ** ) herab, um von der süssen Kruste 
zu essen. Als mit der Zeit die himmlische Nahrung zu ver- 
schwinden begann, zogen sich die Körper der Brahmanen, in 
kleinere Gestalt vermindert, zusammen, und durch die klima- 
tischen Einflüsse der umgebenden Natur wurden sie zum Ge- 
nüsse des Weizens veranlasst. Mit dieser Veränderung der Nah- 
rung entwich die Majestät und die Macht von der Natur der 
Brahmanen und sie sanken zu der Natur von Menschen herab, 
in männliches und weibliches Geschlecht getheilt. Dann ent- 
wickelten sich an ihnen die Kennzeichen für eheliche Verbindung, 
Kinder und Enkel wurden in der Reihenfolge der Generationen 
geboren, und mit der Zunahme der Bevölkerung wurden die 
Grenzen für das Besitzthum gezogen und trennten sich die ver- 
schiedenen Völker. Damals nun erschien Phra-Phothisath (Bodhi- 



*) Die Zerstörung reicht nach der Art derselben in verschiedene Ilimmels- 
huhen hinauf, bei der letzten nur bis zur Terrasse der Abhassara. Die Sodomiten 
veranlassten die Schechina, sich bis in den sechsten Himmel zurückzuziehen (nach 
dem Midrasch). Raldr wird, um für das neue Leben bewahrt zu bleiben, nach 
der Unterwelt entführt. 

**) Der brahmanische Dhammathat berichtet (nach der Milinda-Panja), dass iu 
einer Kambha, in der ein Phaya (Rura) erscheinen wird, die Byamhas die acht 
Parikkhara (für den Stand des ÜeistllcbeiO aus der Lotus mit sich nehmen. Zu 
solcher Zeit kommen Bhyamha, die wegen der Erschöpfung ihrer Verdienste das 
Dasein beendet haben, ans der Byamha-Welt in die Welt der Mensrheu znr Er- 
scheinung. Die Zahl der Verheiratheteu wird auf acht oder auf zehn angegeben, 
und im letzteren Falle nimmt der Elfte (Alf) die dämonische Natur an, die im, 
Duodecimalsystem an dem Dreizehjiten haftet. Nach dem apokryphischen Buche 
Uenoch stiegen (durch die Töchter der Meuschen augezogen) die Söhne des Him- 
mels (unter Semiaga) auf den Berg Ilermon hinab. 



Die Tbeilung der Erde. 185 

sattwa) uud wurde geboren als ein Grosser unter den Menschen 
(Plira-Maha-Burut) im Beginn derPluitlia-Kalpa. Als Zank und 
Streit ausbrach, ohne dass es für ihre Schlichtung eine Regie- 
rung gab, traten die Menschen zur Berathung zusammen, um 
ein Uebereinkommen zu treffen und in Versammlung zu be- 
schliessen. t)ann erhoben sie den Grossen und Heiligen, Phra- 
Maha-Burut-Rat-Chao , zu ihrem Könige, und man belegte ihn 
mit dem ehrenvollen Titel Phra-Chao-Maha-Somnuitirat. Mit den 
100 Auszeichnungen der sieben Arten begabt, regierte er die 
vier Thavib. Von seinen vier Söhnen übertrug er auf den 
ältesten die Verwaltung von Xomphuthavib, dem zweiten die 
Udankaro's, dem dritten die Amorakhojan's und dem vierten die 
Buphviteha's. Und die vier Fürstensöhne kommen täglich durch 
die Lüfte, ihren Vater zu besuchen. Auch, nls nach langer 
Zeit ihr königlicher Vater vom Leben abschied, fuhren die 
Prinzen fort, in gutem Vernehmen und enger Freundschaft zu 
verbleiben. Allm<älig aber wurden ihre Besuche seltener, sie 
blieben geschieden, und die verwandtschaftliche Geschlechts- 
verbindung ging verloren. Der älteste der Brüder herrschte 
als König der Könige in Xomphuthavib, und da er zehn Söhne 
hatte, vertheilte er unter sie sein Reich in zehn Theile. Seinen 
ältesten Sohn ernannte er zum Uparat (zweiten König), und 
dieser ersetzte ihn bei dem Tode als sein Nachfolger. Die zehn 
Brüder behielten anfangs die Gewohnheit bei, sich gegenseitig 
EUibesuchen, wurden aber allmälig einander fremd und blieben 
zuletzt ganz getrennt. Die königliche Nachkommenschaft be- 
hielt die Reichstheilungen bei, und der älteste Sohn wurde stets 
mit der Stelle des Uparat bekleidet. So regierten sie über die 
verschiedenen Nationen. Als der königliche Vater gestorben 
war, bestieg der Uparat in rechtmässiger Erbfolge den Thron 
und wurde als König gekrönt. Und enge Freundschaft bestand 
zwischen den 101 Monarchen, die sich regelmässige Besuche 
abstatteten und ihre Verwandtschaft aus dem Sonnengeschlecht 
anirecht hielten. Als sie später zu alt wurden und nicht mehr 
die Reisen persönlich zurücklegen konnten, schickten sie Ge- 
sandte aus ihren Ministem, um den befreundeten Königen ihre 
glückwünschenden Grüsse zu überbringen. Und die hohen Be- 



^V. 



186 RechtsverhältntsM. 

amten pflegten diese Botschaften zu tlberbringen^ bis sie selbst 
alt geworden waren. Sie gingen einmal in sieben Tagen^ eptr 
ter gingen sie nur einmal im Jalire^ und zuletzt hörten sie ganx 
auf. Dann verlor sich unter den Sölinen und Nachkommen des 
Königsgeschlechts die Kenntniss von einander und der gemeiii- 
samen Bande^ die sie in der Verwandtschaft des Sonnengeschlechti 
verknüpften. Die verschiedenen Völker blieben getrennt; an- 
dere Gebräuche, andere Nahrungsweise, andere Verfassung und 
Sprache griffen Platz unter den 101 Nationen , und so bestehen 
101 einander unverständliche Sprachen bis auf den heutigen 
Tag. Beim Ursprung des in Auszeichnung grossen Königsge- 
schlechtes der Sonne (Maha-Saramuti-Raxa-Suri-Vong) währte 
das Menschenlehen eine Asangkhai (eine Ziffer mit 168 Nullen 
zwischen Quadrillion und Quintillion). 

Damals geschah es, dass ein Erhabener unter den Maha- 
Phrohm, Phrohm-theva genannt , in seiner Transmigration die 
Welt der Phrohm verliess und, herabsteigend, als die Zeit ep- 
ftillt war, in der Familie eines vornehmen Edelmannes geboren 
wurde, einem der Beamten des Königs Maha-Sammuti-Raxa. Im 
Alter von 16 Jahren erhielt er die Stelle seines Vaters, und als 
er die Leiden und UnvoUkommcnheiten der Wesen betrachtete, 
die zu steten Streitigkeiten führten, obwohl der treffliche König 
Sammutiraxa die Vorschriften aufrecht zu halten wünschte , so 
bat er um seinen Abschied und Hess sich priesterlich weihen, 
um in der Nähe einer Bergeshöhle*) des Himavan als Eremit 
zu leben und sich, von Früchten genährt, den segensYoUen 
Freundschaftsgebeten , den fünf Apija und den sieben Somabat 
zu widmen. Eine Schaar von Devas, Kinnari, Khonthab, Suban- 
Vögel hatte sich eingefunden, seinen Hofstaat zu bilden, und 

*) Die Rfisi odtr Rischi (Kinhiedler) unterrichten nach den hinterindischen 
Legenden in Waldeshohlen die Fürsten^ohnef die die Siniaprasat zu «rlerueo 
wünschen, wie, nach Pomponius, Mela die Druiden: Docent ronit« nobiHssinios 
gentis dam et diu, vicenis annig, aut in specu aut in abditis sAitibus. Das Wald- 
leben der schon von Antonius zusammengeführten Einsiedler verwandelte stell 
nothwendig in das coenobitische Beieinanderleben in den Klöstern, als Athanasins 
die Sitte nach den wechselnden Klimaten des Nordens verpflanzte. Per Möücli 
l^^t allein {itorogy 



Der Gesetzgeber. 187 

Vasukri, der König der Nagha, hielt den Einsiedler aufrecht 
darch Einflössung himmlischer Essenzen. Eines Tages erhob 
sich ein fürchterliches Unwetter, der Regen goss in Eimern her- 
unter, und die Söhne und Töchter der Devas, die Rinnara und 
Kinnari liefen eiligst nach allen Seiten aus einander, um sich 
Yor dem Sturme zu schützen. Und ein Fräulein der Thevakhon- 
thaph unter den Kinnari flüchtete in ihrer Angst nach dem 
Sehlafgemache des würdigen Brahmaneu, und der Einsiedler, 
der Brahmanen-Herr, der Einsiedlerkönig, fühlte Liebe für das 
Mädchen unter den Kinnari der Thevakhonthaph, so dass nicht 
lange nachher ein Sohn *) geboren wurde, ein talentvoller schö- 
ner Knabe herrlichen Aussehens. Man hiess ihn mit Namen 
Pathara-Kuman. Einige Zeit später zeugte er mit einer Baum- 
Dryade einen zweiten Sohn, Manosan-Kuman genannt. Diese 
Söhne rereinigten in sich die Weisheit und Gelehrsamkeit bei- 
dej ihrer Eltern. Priesterlich geweiht, traten sie in den Stand 
der Eremiten und wurden mit ekstatischen Verzückungen ge- 
segnet, die fünf Apija und acht Somabat beobachtend und ihren 
Vater und ihre Mutter ehrend, bis beide von dieser Welt hin- 
weggenommen wurden. 

Nun ereignete es sieh eines Tages, dass Phra-Pathara, der 
Einsiedler, sich in die Luft erhob und sich nach dem Khob- 
Chakkravan (dem den Erdkreis umgebenden Bergwall) begab. 
Dort verfertigte er eine Abschrift von der einen Art der Pe- 
thangkha und den magischen Zauberformeln derVetha. Dann auf 
dem Rückwege seinen jüngeren Bruder Manosan mit sich nehmend, 
begab er sich nach der Residenz des Königs Maha-Sammutirat 
und legte den heiligen Text der Pethangkha vor ihm nieder, 
sowie die den König betreffenden Zauberformeln. Nicht lange 
nachher gab Pathara-Däbot das Einsiedlerleben auf und wurde 
zum Raxa-Parohit ernannt, um den König Maha-Sammutirat zu 
unterrichten. Auch Manosan folgte seines Bruders Beispiel und 
trat in die Dienste des Königs. Und der König erhob Manosan zu 
hohen Würden, mit der Verwaltung der Angelegenheit der Men- 
schen betraut. Und Manosan, zum Richter ernannt, entschied 

*) Eine Erzählaog, die ihr genaues Pendant im Schnee dee Kasbek findet 



188 • Rechtsverhältnisse. 

mit der vollkoiiiiiiensteii Weisheit die seinem Urtlieil vorgelegten 
Fälle, 80 dns8 ihn die Uevata mit CSold und Silber und Mais- 
ähren und Blumen überschütteten, als Darbringnngen für ihn, 
Manosan, den gerechten Richter. Einst kamen zwei Bauern, 
die Kürbisse geliaut hatten, mit einer Streitfrage vor Manosan, 
und wandten sich, mit seiner Entscheidung nicht zufrieden, an 
den Kr>nig, der durch einen andern Anunat (Richter) ein beide 
befriedigendes Urtheil füllen liess. Da die Devatas aufluJrten, 
Manosan mit ihren Loljeserliebungen zu preisen, und daB 
Volk sich über Ungerechtigkeit beklagte, fühlte sich der be- 
schämte Manosan noch nicht vollkommen genug und zog sich 
aufs Neue in den Wald für strengere Bussübungen zurück. Um 
den Kiniig mit den zehn Arten der Thossapitthi wohl bekannt 
zu -machen, Hog er nach dem Chakkravan, um die dort in den 
heiligen Charakteren des Pali-Textes aufgescliriebenen Gesetze 
zu Studiren. Sie waren in Kreisform, von der Grösse eines Eleplian- 
ten, und wurden von dem Eremiten genau gejirüft. Nachdem er 
alle Einzelnheiten der Vorschriften im Pali ohne Fehler in sein Ge- 
dächtniss aufgenommen hatte, kehrte er zurück, um den Text des 
Phra Thamrat zu verfassen. Aus diesem Grunde werden die Bücher 
des Phra Thamrat in ihrer herrlichen Vereinigung die Gesetze 
Manosan's genannt. Der Einsiedler unterrichtete dann den Kö- 
nig Maha Sammutirat*) und ordnete das Königsgesetz in den 
zehn Abtheilungen für die Menge der Kika-Sin in den Vor- 
schriften, aus Wohlwollen für die Wesen die Ubosot-Sin (Beob- 
achtung der Festtage) einführend. Dann arbeitete' er die Ge- 
setze im Einzelnen aus und bestimmte die dem Könige in den 
verschiedenen Nachtwachen vorzulesenden Abschnitte. 

*) In dem Dhammathat oder the laws of Meiioo (bei Richardson) heisst es: 
The liiieal descendant of the Sun . who habituaUy performs works of the purest 
benevolence, who is the possesbor of power, glory and authority, King Maha-Sa- 
Diata, wlio is to mm aB their eyes and by hib qualities enlightens all as a second 
suu, the rules, he lays down none dare infringo. Amongst all rulers the flrst is 
called Meuoo (khap seim so miu to tviu azazoa so min ko Manu hu ih zho 
kun Ih). In der Menschenwelt wurde der wundervoll geliorene Rnra-Alaun zam 
ersten Konige erhoben, dann folgt die Eintheilung der Menschen in Min (K5nige), 
Puuna (oder Hyamha, die das Akuso-tara abgethan haben), Sute (Reiche) und 
Suzhiuraeh (Arme). 



Manu. 189 

Als bei der Ordnung des Landes durch den grossen K'6rng 
(Min-Kri) Maha-Samata*), mit Namen Manu, Unzufriedenheit 
unter dem Volke sich zeigte, wandte man sich (nach der bir- 
manischen Version) an einen aus den Byamha-Prin wiederge- 
borenen Kuhjungen, der im Alter von sieben Jahren in seinem 
Dorfe vorkommende Streitigkeiten zu allgemeiner Zufriedenheit 
entschied. Nachdem er zwölf Fälle unter dem Beifall der Nats 
der Wälder, Hügel, Bäume und des Grundes entschieden, und 
durch den letzten, in dem Brahmanen eine Rechtssache .vor ihn 
brachten, dem Könige bekannt geworden war, wurde er von 
diesem angestellt und fällte noch sechsmal ein richtiges Ur- 
theil, machte aber einen Fehler in dem Process über die Kür- 
bisse. Er zog sich dann als Yathay oder Rahan nach einer 
Höhle neben dem See Mandaginih zurück, und erwarb sich dort 
durch fixirte Meditation den ersten Hian, um in die Luft aufzu- 
steigen und die an dem Grenzwalle des Weltalls aufgeschrie- 
benen Gesetze (in Buchstaben wie Elephanten, Pferde, Ochsen 
oder Büffel gross) zu lesen und dem Könige Maha-Samata zu 
übergeben. Daraus entstanden die in dem ersten Buche Manu's 
enthaltenen Gesetze (Manu Akraeh Patama Tvaeh Tving Pa So 
Tara Tih). Kuru wurde von den Unterthanen zum Könige ge- 
wählt, weil er rechtskundig war (wie Dhammateajah in Pagan). 
Mit ihm, dem Sohne der Tapati (Tochter der Sonne), endete 
das Mnndgeschlecht, als Samvarana, der letzte Bharatide, mit 
seinen Frauen, den Räthen, den Kindern und Freunden vor 
den siegreichen (wie die Muspelsöhne), unwiderstehlichen Mud- 
gala (als Söhnen Harjavva's)**) oder Pänkhälja in die Wälder 



*) Saiuata und Tadavakra sind (nach Lassen) die östlichsten Gebiete auf der 
Inschrift des Saniudragupta. Unter seinen Nachfolgern zeigen die Münzen Skau- 
dagupta^s den indischen Kriegsgott mit dem Pfau. In der Dynastie der älteren 
Gnpta folgte auf den Gründer Ghatotkaka, der den Sonnenschirm über allen Kö- 
nigen trug. Von Hiuenthsang wird Dacca als Samatala (flaches Uferland) er- 
wähnt. Von Charitrapura oder Kalingapatana wurden Seefahrten nach Ceylon 
unternommen. 

**) Enkel des Harja^va war Divodäsa, dessen Tochter Ahaija dem Indra den 
Fluch des Rishi Gotama zuzog. Vitahavja, König der Haihaja, besiegte Div6däsa, 
den Grunder von Varanasi, wurde aber von dessen Sohn Pratardava gezwungen, 



190 Rechtsverhlltnisse. 

(am Sindhu) floh (nach dem Mabhabharata), wie Abhiraga in 

jder birmanischen Vorgeschichte und der Phracliao Xiengrai in 
der siamesischen. 



Blcb zu Rhrign zu flOchten, der ihn zum RraliniAiien vteilite. Ahikhatra biess die 
Hauptstadt der Pank&la, in deren sQdlicbem Lande die Städte Mikandi und Kim- 
pilja lagen. Sie wohnten auch östlich \om Ganges und wurden von PtolomKoi 
llaaaaiai (von liegarthenes fJa^alai) genannt (s. Lassen) Während Manu, der 
Bruder Jamals (des Todtenrichters) als Gesetzgeber der Menschen erscheint, ord^ 
net Jima (Sohn des Vivanghvat) die Erde bei den Mazdaja^niern, denen Airjanem 
Yaego ihr Madhjade^a bildet. Dejokes (Sohn des Phraortes oder Fravartis) mute 
altpersisch D&Jaka (Kichter) gewesen sein (s. Lassen). Unter den Ballabhi-K5ni- 
gen wurde Dronasinha wegen seiner strengen Befolgung der Gesetze Manu*8 mit 
Dfaarmaraja verglichen. Maha-Samata, d«$r einstimmig Erwihlte, wird zum Maha- 
Thanimadha als Gesetzesherr. Damata oder Schicksal wird als Drwesen in dar 
Gestalt des Buddha Risabha und seinem Symbol, dem Stier, oder auch in Parswa 
lind seinem Symbol, der Schlange, gebildet. Als Azer-abad sirh in die Wll&te 
zo rückgezogen, wird (nach dem Dabistan) der fromme Dschei-afTram erwählt, nm 
die Gesetze Mah-abad*s wieder herzustellen und, vom Kngel Gabriel bestimmt, die 
Würde anzunehmen, welrhe die Dsrhei-anian Dynasty begründete. 



Sitteo nnd (üehräiiche. 

Ehe man den Ban eines Hanses beginnt; legt man anf die 
&rden Opfergaben in Reis, Curry und Kuchen für Krung-Phali, 
identisch mit Phra-Phum, dem die kleinen Gapellen der Santa- 
Phum für täglichen Gottesdienst errichtet werden. Die Tempel- 
chen dreieckiger Form (bat sam mom) werden beim Anfange 
der Arbeiten wieder abgebrochen (Bath Phli Sen Phi.) Phra 
Phum lebt im Innern der Erde,*) während er in der Form 
als Krung Phali auf der Oberfläche derselben umherwandert. 
Kmng Phali wird im königlichen Ornate dargestellt. Phra Phum 
umgiebt und schtltzt den Menschen (Khum Klirong raksa Phra 
Phum). 

Die Batphli genannten Opfergaben werden in einer Schüssel 
mit spitzigem Terrassendeckel (Bat) aufgetragen, um damit den 
Ctegenstand der Verehrung zu ttberwischen (Phli). 

Die Priester pflegen dem Volke auszumalen, wie die Boten 
Phra Phum's beständig auf der Erde umherwandem, um die 
Handlungen der Menschen zu beobachten und ihre guten wie 
bOsen Thaten in das Buch des Höllenrichters einzuschreiben, 



*) Nach den Dink« wohnt der Teufel (Jok oder Jak) im Innern der Erde, 
Oott (Den-did) im HimmelBranm (s. MitterrntEoer). Der Name des tou den Thon- 
kloiiei oder Tttrken verehrten Qottes Poten^ wird erklftrt als Dieu de la terre. 
Afaot leur convenion au Musalmaniime lee Türke seldjoueides adoraient nn seol 
DIeu qu'Us nommaient Kauk-Tengri au le Dieu bleu. Wie Tengri Himmel und 
Gott bedeutet, nennt Paulus Cortesius die Engel Coelttes. 



192 Sitten und Gebrauche. 

der einst strenge»» Oericlit halten wird. Aber nach ihren eso- 
terischen*; Lehren sind Himmel und Hölle imaginär ^ da in 
Wirklichkeit der Tiigen<lhaftc sowohl als der Lasterhafte in 
seinem eigenen Herzen Belohnung oder Bestrafung findet." 

Gewisse Holzarten werden einean Hanse Unglück bringen 
und dürfen nicht beim Bau für Pfeiler verwendet werden. Auch 
ist es ungünstig, wenn sich l)eim Legen des Fundaments die 
Reste früherer Oebäude in der Erde finden. Die bei Gründungen 
von Ansiedinngen nr)thigen Ceremonien werden in dem Buche 
Xanthfipliet behandelt. 

Die Häuser der gewöhnlichen Klasse bestehen in einem 
Flechtwerk, das auf Pfeiler gesetzt und mit Binsenmatten be- 
deckt ist, um die Wände und den Boden zu bilden. Da der 
Siamese meistens sein eigenes Haus baut, so versteht auch Jeder 
mit Hobel, Säge und Axt umzugehen. Die über einander ge- 
setzten Dächer, die den Wohnungen der Vornehmen ihr be- 
sonderes Aussehen geben, rühren von den verschiedenen Er- 
hiUiungen her, auf denen die Zimmer des Innern gebaut sind, 
damit der Höherstehende auch hijher lebe und schlafe, als seine 
Untergebenen, ohne doch über jedem das Haus Betretenden zu 
sein, da er solchen gegenüber wieder eine untergeordnete Stel- 
lung einzunehmen haben möchte. Im Durchschnitt sehen sich 
alle Häusser gleich, und müssen es schon, da Niemand von der 
Sitte der Väter abweichen darf. Ein Edelmann fragte eines 
Tages meinen Hauswirth, warum er die Treppen des von ihm 
gebauten Hauses auf eine so sonderbare' Weise angesetzt habe,^ 
fllr die sich doch kein Präcedenzfall finde, und stimmte keines- 
wegs bei, dass das Geschmackssache sei. 

Die Mr>beln der mit Matten bedeckten Zimmer sind aus 
Rohr und Rattan verfertigt, und während in den Häusern der 



*) Den einfachen Naturkindern Polynesiens war diese als die verdammungs- 
würdige Cousequenz der künstlich Terstrickten Nichtigkeitslehre getadelte Ansicht 
nicht fremd: At-ked what niotives they had for a correct hehavionr besides the 
fear of mis fortnnes in this life the Tonganese replied : the agreeable feeUug whlch 
a man experiences when he does auy good action or conducts himself oobly and 
generuusly as a mau ought to do. 



Architaktar. j^93 

Beichen Gefösse kostbarer Metalle oder fremde Luxusartikel 
auf den Teppichen nmherstehen, begnügen sich die Armen mit 
einigen Körben, kupfernen oder eisernen Töpfen und Thonkrügen. 
Wenn ein Feuer unter den leichtgebauten Häusern Verwüstungen 
anzurichten droht; lässt man die Umgebung von Elephanten 
niedertreten^ um ihm die Nahrung zu entziehen. 

Die spiraligen Verzierungen, die an den Dächern der sia- 
mesischen Klöster aufstreben, werden Blumenbüsche des Himmels 
genannt (Xo-Fa) und als von dort herabgefallen betrachtet. 
Bis zu ihnen erstreckt sich der ausgezackte Balken, der den 
Namen Bai-Raka (Hahnenblätter) oder Naraka (Nalika oder 
Uhr) trägt. Mehr nach innen gewandt sind die Endspitzen des 
Giebels an den Häusern der Vornehmen, die nach der ihnen 
gegebenen Bezeichnung (Pan-Lom) das Dach gegen die Winde 
schützen sollen und in Privatwohnungen an die Stelle der heiligen 
Symbole treten, die wie aufwärts gekrümmte BüflFelhömer den 
Weg zum Himmel zu weisen bestimmt sind. Die runden Knöpfe 
auf den oberen Sparren heissen Hang-Hong (Schwanenschwänze). 
Säul n-Capitale werden Bua (Lotus-Blumen) genannt. 

Unter der verzierenden Stuccatur der Tempel bringen die 
Siamesen gerne ein Mosaikwerk aus zerbrochenen Spiegelschei- 
ben*) oder bunten Glasscherben an, was pradab Kachok heisst 
(auch aus vielfarbigen Steinen wird Schmuck zusammengeklebt 
und dem Kalk der Aussenmauer eingefügt). Die bunten Gläser 
jrind metallisch geförbt, und die feineren Vergoldungen werden 
Uiit dem Rak genannten Firniss ausgeführt. Das Buch Che- 
tiyathanavat handelt über die passenden Plätze für die Errich- 
tung von Pagoden. Zum Preise der Pagoden (Phra-Chedi^ ver- 
fasste Khun Phrom Montri den Thavathot (sib-song) oder die die 
Könige Siams feiernden Gesänge, zwanzig an Zahl. Die Be- 



*) Wie in JapAnischeii Tempelu fludet «»ich in China oft ein Spiegel an den 
B«ttgardinen aufgehängt. It is snpposed, that evil spirits on approachiiig to do 
b«nn, will be apt to see themselves nflected in the miiror and beronjirig frigh- 
tMied will beUke themselves away without delay (Doolittle). Der Bksilisk stirbt 
beim Vorhalten eines Spiegels, und auch im Schilde des Perseus tSdtet das Spie- 
gelbild. 

Baatlan, ReUe in Slam. UI. ^ 



194 Sftt«D und Gebräuche. 

wohner Ligors sind ftlr geschwärzte Goldarbeit bertthmt; die ili 
ihrer Art mit den Silberfabrikaten Tnlas Aehnlichkeit hat. Die 
Toreutik ist in Hinterindien besonders bei den Birmanen aus- 
gebildet. Den Armen wachsen die Gefussc auf den Bäumen, 
die harte Frachtschalen liefern, wie bei den Römern urcei 
(nach Plinius) und cadi ad vina condenda aus Lagenaria vul- 
garis gemacht wurden. Die Mai-Kong-chakr (Holzräder) genann- 
ten Talismane, mit Hieroglyphen, Löwen, Blumen u. dgl. m. be- 
malt, werden über der HausthUr oder unter dem Dache ange- 
bracht, um die Wohnung gegen Unfiille zu schützen. 

Schwimmende Häuser, besonders solche, die der Ausfahrt 
eines Kanals gcgenttberliegcn , schützen sich gegen das An- 
rennen von Kähnen durch angeschlagene oder angemalte Amu- 
lette in verschiedenen Zeichen. Bald ist es ein rundes oder 
viereckiges Boot mit sechseckigen oder achteckigen Figuren 
darin, bald Figuren, die sich im Kreise herumtreiben und auf 
einer runden oder halbzirkclförmigen*) Scheibe befestigt sind. 
Die Chinesen furchten flir ihre Gebäude besonders die feindliche 
Luft, die durch Gegenzauber abgewehrt werden muss. In 
Shangay zeigte mir ein Missionär seine im Bau befindliche 
Kirche, die in einem dichtbevölkerten Stadtviertel lag. Er hatte 
bemerkt, dass im Verhältniss, als er höher aufmauerte oder hier 
und da einen Vorsprang ansetzte, auf den umliegenden Häusern 
greuliche Gestalten missgestalteter Zwerge und fratzenhafter Un- 
geheuer hervorwüchsen, die Schwerter, Schilde und Lanien 
gegen das neue Gebäude richteten, um den verderblichen Ein- 
fiuss seiner Ausströmungen abzuhalten oder ihm entgegenza- 
wirken. 

Es geschieht zuweilen in Siam, dass Affen ein Fenerscheit. 
aus der KUche stehlen und damit auf das Dach laufen, wo sie 
es durch Blasen anschüren und das Haus in Brand setzen kön- 
nen. Man erzählt auch, wie einst die Ziegel auf dem Haupt- 
gebäude des Vat (Klosters) Protsat in Ayuthia durch Affen ab- 



*) Auf Haiti werden Häuser durch Hufeisen (wie sonst auch in Europa) §#- 
gen die Schläge geschützt, womit der Korper eines im Vaudoux EiDgewtlhten M 
jeder Berührung trifft (wie der Zitterroche). 



Form der Pagoden. J95 

gedeckt wurden, die eine lange Seihe bis zum Walde gebildet 
hatten und sie einander zureichten. 

Ueber die Pagoden hat Buddha weiter kein Banjatt hinter- 
lassen, als dass seine Jünger eine Erhöhung in der Form eines 
Reishaufens aufricliten sollten (Lom Khao) zur Aufbewahrung 
der Bcliquien. Die durch den Lapis manalis verschlossene Grube 
des MunduS; mit Erstlingen und den verschiedenen Erdarten 
gefüllt, soll nach der ursprünglichen Idee ein Kornbehälter ge- 
wesen sein. 

Nach den Palibüchem waren die Pagoden anfangs rund^ 
den Glocken ähnlich, mit kurzer Spitze. Später wurden sie in 
einer dem Phra-Chedi oder den Sathub älinlichen Gestalt ge- 
baut, und dann als Phra Prang (Wange) in mannigfaltiger 
Auswahl gefälliger Formen. Die Chinesen bauen Pagoden, 
um segnende Einflüsse herabzuziehen, und in einer Procla- 
mation in Canton (1837) werden die Anwohner ermahnt, die 
Pagode Cheihkang zu restauriren, da sie höchst günstig auf 
die Umgebung einwirke. Pogoda als wagrische Gottheit bringt 
günstige Gelegenheit oder Witterung. Die Chinesen erzählen, 
dass Kaiser Lisibin Thong-keoh (der XIV. Dynastie) sich durch 
seine tugendhaften Kräfte zum Himmel erhob und dort das 
Modell der Pagoden (Taa) sah, die er bei seiner Bückkehr 
auf die Erde erbaute, damit die Frommen sich dort Verdienst 
erwerben möchten. Nach seinem Tode fuhr er fort, jeden 
dritten Tag vom Himmel nach der Erde herabzukommen, und 
deshalb bauen die Chinesen hohe Spitzen auf ihre Pagoden, 
damit er im oberen Stockwerk weile (wie einst der Gott der 
Chaldäer in Babylon). 

Die nach der Weise der Mon (aber ohne Schirm) gebauten 
Phra Chedi enthalten an der Spitze ein schweres Eisenstück, 
um die Ziegel zusammen zu halten. Die Peguer nennen die 
Thurmspitza des Palastes Mongtre, als dem Salatdai-Baum ent- 
sprechend. Die kegligen Pagoden, Phra-Prang, sind nach chi- 
nesischen Rissen gefertigt. Beim Bogenbau legen die Siamesen 
die Mauersteine nicht auf den Band, sondern flach ohne Schluss- 
fltein, und halten sie nur durch die Zuftlgung von Kalk zusam- 
men. Die gewöhnlichsten Wölbungen sind die halbzirklig^n, 

13» 



106 SItteii and Gcbriackc 

nnd sie sind nur znm Ansehen , da sie kein Gewicht tragen 
k/>nDen. Die gebogenen Vemerongen anf den Pala^tdSchen 
heimen Xo Fa-I'rarali. Als der Plan f&r den Phra-Prang des 
Phra Cheng angelegt war, so errichteten die Architekten erst 
Tier Phra-Chedi auf dem dazo bestimmten Boden, damit der- 
seU>e sich vorher fest einpresse. Nach looder 12 Jahren rissen 
sie die Spitzen der Phra Chedi ein and setzten anf die vier 
Fundamente den Bau der Pagode anf. Die Pagode des Tat 
Saket, die ohne solche Vorsichtsmaassregeln gebaut war, fing 
ganz plötzlich an 15 Fuss tief zu sinken, so dass das Wasser 
des nahegelegenen Kanals sich aufstaute und mehrere Menschen 
nm's Leben kamen. Bei grrisseren Bauten nivelliren die Siamesen 
mit Wasser, das in einem holilen Bambus steht. Mitunter be- 
nutzen sie das Bleiloth, aber gewöhnlich genfigt ihnen das 
Augenmaass. 

An der Kttste dienen die Pagoden als Leuchtzeichen oder 
Landmarken, wie die ThUrme mit den Bildsäulen Baars^ die 
phrynizischen Herakles-Säulen (nach Nilssohn), anf denen (wie 
Plinius berichtetj Feuer angezündet wurden und Ibn-el-Wardi 
Figuren sah, die den Schiffern die Richtung andeuteten (s. 
Redslobj. 

Tamra Mo-Du heisst das von Wahrsagern (Mo-Dn) be- 
fragte Buch, das zwischen dem Text durch Bilder und Zahlen- 
rechnungen illustrirt wird. Das aus dem Pali flbersctzte Bach 
Nora-Lakkliana handelt von den aus Händen und Ftissen an 
ziehenden Wahrsagungen. Sieng-thai bezeichnet (gleich dem 
Bath-Kolj den Namen der Phrophezeiungen oder Thamnai, nnd 
kann ihre Erklärung auch den heiligen Büchern des Trai-Pidok 
entnommen werden, wie Heraklius unter dreitägigem Fasten des 
Heeres durch Aufschlagen*; des Evangeliums entschied, ob er 
gegen Albanien ziehen solle. Bei eingreifenden Ereignissen 



•) Atque in Sibyllinis ex primo vereu rujusque seutentiae primis literis U- 
lfu8 senteutUe Carmen omne praetextitur (Cicero) Nach Klausen suchten dlt 
Römer (durch die pränestiuibchen Sortes au eine Art von Loos bei der BeftmgiiDg 
ihrer Orakel gewohnt) aus einem gegebenen Buchstaben-Complex eine Reibe tob 
Versen akrostichisch zusammen. 



Die prophetische Stimme. 197 

erinnert man sich alter Orakel, wie zur Zeit der Pest in 
Athen. 

Der Sieng-Ya oder (prophetischen) Stimme des Grases 
wird bei Krankheiten des weissen Elephanten die Entscheidung 
ttberlasseu, indem man dem Patienten Kräuter aus verschiedenen 
Districten zur Speise vorlegt und ihn nach demjenigen bringt, 
von dessen Futter er gegessen hat. 

Die Siamesen schreiben dem Tukkeh (Gekko) prophetische 
Kraft zu. Wird Jemand von demselben gebissen, so muss er 
sich mit dicht um ihn zusammengezogenem Muskitonetze in's 
Bett legen und dort ruhig bleiben, denn die Ching-Chok oder 
Hanseidechse wird herbeikommen, um die Wunde zu lecken, 
and sollte ihr dies gelingen, so bleibt keine Rettung für ihn. 
Die Ching-Chok hat eine grosse Abneigung gegen das Baden, 
und wenn Jemand, im Begriffe ein Bad zu nehmen, ihren Ton 
(tschUck tschück) hört, so giebt er seine Absicht auf, weil die 
Ching-Chok dagegen protestirt hat. 

Nach Darbringung eines Gelübdes (Fhra-Athithan) bittet 
man um das Zeichen eines Subinnimit, um durch ein gutes 
Prognostikon (supha-mongkhon) oder durch ein schlimmes Pro- 
gnostikon (upa-mongkhon) die Entscheidung des zweifelhaften 
Falles nach der einen oder der andern Seite zu bestimmen. 
Naeiidem man sich dann zum Schlafen niedergelegt hat, tritt 
der Thevada-Chao (der Herr -Gott) ein und manifestirt sich in 
Träumen. Phaya Pasen unterscheidet 16 Arten von Träumen 
(in der Incubation). Bei Träumen (Fan) muss die Stunde der 
Nacht beachtet werden, um sie darnach in ihren Erscheinungen 
(Nimit-Fan) zu erklären (Keh-Fan); Fan fllen-sati meint zu deli- 
riren im Siamesischen. Bei den Ojibway ist der Schlafgott 
Weeng von kleinen Gnomen umgeben, die dem Schlafenden 
mit Keulchen auf die Stimc klopfen und dadurch betäuben. 

Kaufliöten bindet man, damit sie Glück im Handel haben, 
einen Flicken rothes Tuch*) am Buge an, wie an den Schwanz 



*) Nach Claus Magnns beteten die Rewohner des äussersten Nordens die 
Sonne, den Mond nnd daneben ein Stück rothes Laken an Rothes Tuch findet 
■Ich als Gewittersjmbol (Mannhardt). Von der tatarischen Horde der Badal 



198 Sitten und Gebriofhe. 

der Kühe in Bunzlau beim ersten Weidetreiben^ um sie gegen 
Behexung zu schützen. 

Alchemie, als die Kunst Gold und Silber zu machen^ heisst 
(im Siamesischen) Preh that oder die Erklärung der Elemente. 
Die alchemistischen *) Bücher, erklärte mir ein Mönch , sind in 
Räthseln und dunkeln Wendungen geschrieben, haben aber 
nur den Zweck, durch Gleichnisse die seligen Geheimnisse 
des Neibban mit dem Wege dahin zu beschreiben, obwohl un- 
wissende Mönche diese Mysterien oft wörtlich verstehen wollen 
und durch die Kenntniss derselben die Fähigkeit zu erwerben 
glauben, Kupfer in Gold, oder Bl^i in Silber zu verwandeln. 
Aber nicht das Metall, sondern ihr Sinn sollte verwandelt werden. 

Ein Anderer dagegen zeigte mir als den Schlüssel zur Al- 
chemie ein altes halbverwischtes Buch, dessen Mysterien noch 
Niemand durchdrungen habe, das jedoch das sichere Mittel 
enthalte, Gold zu machen, sobald man nur die Kunst veretände, 
Quecksilber fest zu machen. Ausserdem würde es nur eine 
unnütze Mühe sein und den Rücken zwecklos ermüden, meinem 
Wunsche, eine Copie davon anzufertigen, nachzukommen, meinte 
er. Als ich es auf einige Tage lieh, musste ich ihm das Ver- 
sprechen ablegen, es niemand Anders zeigen zu wollen, nur 
höchstens zu Hause einige Abschriften von den gewünschten 
Stellen zu machen. Es war ursprünglich einem Pilger in Phra-, 
bat von einem dortigen Priester gegeben, der ihm auf die Frage 
nach Geld einen Tikal in Gold verwandelt hätte. Durch wieder- 
holtes Destilliren von Schwcfelarsenik soll es schliesslich in 
Gold verwandelt werden. In den alchemistischen Büchern werden 
nur Ziffern (Solot) verwendet, um die Metalle zu bezeichnen. 
Eins bezeichnet schwarzes Blei, zwei bezeichnet Kupfer u. s. w. 
Das in Phitsanulok vcrfasste Buch Solot tham thong handelt 
über Goldarbeiten. 

In einem der Klöster fand ich eine Figur mit folgender 



wird gesagt, dass sie die Sonne oder ein in die Luft gehängtes rothes Tuch 
anbete. 

*) Nach Suidas Hess Diocietiau die ägyptischen Schriften, um Gold und Sil- 
ber zu machen, verbrennen. 



Die Schiiten. 199 

Unterschrift: „Vithayathon, auch Hiranyapat genannt, haut die 
metallischen Adern an, um auf Silber zu treffen. Fliegen kann 
er nicht Er sinnt nach über die Kegeln, damit das Eisen rein 
und gut sei. Im^ Schmelzen dürfen keine Funken fliegen, keine 
Auszackung, als ob ein Krebs bärtig wäre. Wer diese Regeln 
erlernen will, darf harte Arbeit nicht scheuen, und wird nur 
durch ausdauernde Geduld an's Ziel gelangen, gleich diesem 
Hiranyapat-Vithayathon." 

Unter den Begieruugsbcamten in Bangkok findet sich der 
Phaya-Chula, der in der Festeszeit Thetsana von seinem zu 
der Khek-Familie gehi^renden Dämon (Chao-Phi) ergriffen wird 
und dann (wie die Hirpiner) unbeschadet durch das Feuer zu 
gehen vermag (lui-fai), ohne davon verbrannt zu werden. Die 
(gchiitischen) Mohamedaner verehren dabei den Chaö-Sen, indem 
sie unter lärmenden Processionen den Namen Hussein's anrufen. 
Die Siamesen sagen, dass die Khek ihre Gewalt über das Feuer 
durch dem Pali entnommene Formeln gewönnen, und dass Alle, 
die dem solche Aussprechenden auf seinem Feuergange folgten, 
gleichfalls vor dem Verbrennen geschützt wären. Die der Diana 
Persica geweihten Frauen in Castaballa gingen barfnss Über 
glühende Kohlen. Nach Hierokles trugen die Brachmanen aus 
Stein (Asbest) gewebte Gewänder, die im Feuer gereinigt wurden. 
Die Gatha Uth schützen gegen Waffen. Splitter kostbarer Hölzer 
werden als Talismane gegen Verwundungen*) getragen. An- 
dere Amulette bestehen in Metallscheiben, denen Buchstaben 
oder Zahlen eingeschrieben sind. Gegen Krankheiten bewahrt 
das Einkritzeln**) magischer Vierecke (nach dem Muster des 
Agrippa) oder kabbalistischer Zeichen, ähnlich dem talmudischen 
Scutum Davidis. Die Pa-Phiet genannten Binden schützen 



*) Die ägyptischen Derwische werden iin?erwundbar, als Jem (Name), durch 
Wiederholung heiliger Anrufongen. 

**) Narses qnos reperit Turcos ad imperatorom Byzantium transmisit. Porro 
Tarei crucis flgnram nigris ponctionibus efflgiatam cum gerant in frontibus, qua 
ntlone Signum Ulnd praeferant, ab imperatore interrogati, respondernnt : Multos 
iDte aonos cum pestis per Turciam grassaretur quosdam ex suis Christianos an- 
«tores tüiue, jii id fleret, quo pristina salubritas in regionem redncta sit (Stritter). 



200 Sitten and Gebräuche. 

gegen Migräne und sind eben so probat^ wie Ananisapta bei 
Zahnweh. 

Ein hochgeschätztes Amulet, das unverwundbar machte ist 
das Khot genannte, eine in dem Gaumen von.Tigem und Ele- 
))hanten gefundene Miniaturfigur dieses Thieres aus knochiger 
Substanz. Die von den Priestern auf Goldplättchen geschriebe- 
nen Palifomieln werden im Gürtel getragen, unter dem Namen 
Taknith. Bei den in den Gefechten bei Dermbach gefallenen 
Baiern fand* man (^H{^^\ p. d.) roth eingebundene Bttchclchen 
mit Vorschriften, wie man sich mittelst des Benedictus und 
anderer Segen kugelfest machen könpe, sowie auch Amulette 
mit mystischen Zeichen. Solclie, die durch Gathas Unverwund- 
barkeit erlangt haben, sagen in Siam, dass ihr Körper Khong- 
Kaphan, so hart und fest sei, dass weder Schwert noch Lanze 
eindringen kann. Die Birmanen meinen, dass das Tättowiren 
ursprünglich dazu diente, den Köq)er unverwundbar zu machen 
durch Imprügnirung mit Medicin, dass diese endermatische 
Methode aber ausser Gebrauch kam und so für das nur als 
Schmuck beibehaltene Tättowiren jetzt einfache Tinte verwendet 
wird. Doch fahren sie fort den rothen Figuren magische Kraft 
zuzuschreiben und unterscheiden in der Form der Zeichen ihre 
Wirksamkeit. In Siam werden solche Talismane *J von den 
Magiern (Khon thi ru vixa) mit Khom-Buchstaben umschrieben. 



*) Nach dem Sigurdrifumal muss die Rune N auf den Nagel gezeichnet wer- 
den, um nicht von Frauen hintergangen zu werden. Die Mohamedaner schützen 
sich durch Amulette gegen die Geister, von denen (nach den Abyssinlern) Nachtt 
liUft und Erde voll ist, dass man nicht einmal Wasser ausgiessen kann, ohnt 
einen derselben zu verletzen oder zu beleidigen. Kindern hängen die Siamesen be- 
schriebene Täfelchen (Hai-Sema) um den Hals, damit sie gegen das böse Auge 
geschützt seien. Daä Concii. TruU. unterscheidet unter den von Phylacterien ge- 
gebenen Amuletten die falschen von solchen , die wirklich Schriften enthalten. 
Von den siamesischen Frauen getragene Goldketten heisseii Luk-Sakot oder die 
Amulette der gi^weihten Körner. Choni-Khuan ist ein weisser Faden, der alx 
schützendes Amulet die Knöchel umgiebt. Unmittelbar bei der Geburt einet 
Kindes wird ein Raum wollenfaden um das Handgelenk gebunden und später er- 
neuert. Um gegen jede Gefahr sicher zu sein, lässt man sich magische Charak- 
tere und Zahlen (lek Jan) auf Papierstreifen schreiben, die aufgerollt unter d«Q 
Kleidern festgeknüpft werden. Die Amulette, die gegen Teufel schützen (Kraanf 



Bekleidung. 201 

Die Kleidungsstücke (Phon-Phal der Siamesen bestehen 
zanäcfast in dem Pha-nang oder Langouti^ d»s Lendentucli^ dns 
entweder zwischen den Beinen aufgeknüpft oder herabhängend 
getragen wird. Die Befestigung geschieht durch Einstopfen, 
und Gürtel (Pha Khao ma) werden nur für die Obergewänder 
gebraucht. Die enganliegenden Jacken werden liesonders in 
der kälteren Jahreszeit getragen, doch bedecken die Frauen 
auch sonst mitunter die Brüste durch einen Shawl. Pha-Xet- 
Na ist ein Taschentuch und Pha-Vai der Teppich, der beim 
Beten auf der Erde ausgebreitet wird. Auch Loub^re rühmt 
das vielfache Baden der -Siamesen und die daraus folgende 
Reinlichkeit. Vor jedem Besuche ^bemerkt er) wird ein Bad 
genommen und zum Heweise desselben ein weises Kreuz auf 
die Brust gezeichnet. 

Die Siamesen besetzen ihre Jacken mit sieben Knöpfen, 
oder eine kleinere mit fünf. Bei Kindern sind drei gebräuchlich. 
Eine Treppe darf nicht vier Stufen erhalten, aber die Zahlen 
2, 3 und 6 sind erlaubt. Die von den Frauen in Siam noch 
getragenen Ohrringe (Chon-Hu) sind bei den Männern aus der 
Mode gekommen. 

Die Hauptnahrung besteht in Heis mit Zuthaten von Fischen, 
Gemüse und Früchten, und vor Allem in den mit Zwiebeln ge- 
mischten Pfeffersaucen (NamPrik) oder auch dem complicirteren 
Curry. 

Die Siamesen sind sorgsam darauf bedacht, alle Haare am 
Körper von der glatten Haut zu entfernen, einige der Berg- 
gtämme aber neigen zu der dichten Behaarung der Mosinos oder 
Ainos. Für Haarschneiden sowie für das Scheeren der Schafe 
wird in Siam eine besondere Art federnder Scheere gebraucht, 
die nur dazu dient und der zur Schur verwendeten ähnelt, 
während die bei den Schneidern benutzte Scheere der uuserigen 
gleichkommt. 

Durch das stete Betelkauen ninmit der Mund der Siamesen 



kan phl) werden von solchen Priestern (Pbra song) aufgesetzt, die in den Wissen- 
fchalten der weissen Magie (Vixa khong Ptir;«) bewandert sind, und mQssen um 
die TaiUe getragen werden. 



202 »Sitten und Gebräuche. 

eine dunkelgeröthete Färbung an, wenn er nicht täglich sorg- 
fältig gebürstet und geputzt wird. Um dieser Mube zu entgehen, 
ziehen sie vor, die Zähne gleich ganz schwarz zu färben, dnreh 
Anwendung von Säuren und lieissen Eisenrost. Mitunter werden 
auch die Zähne in verschiedene Gestalten gefeilt. 

Das Buch Raxavatoli handelt Ul)er Gegenstände der Toilette 
und Eleganz in der Kleidung. Im Buche Panchangkhapaditth» 
sind die Verbeugungen mit den fünf Körpergliedern erklärt, den 
zwei Ellbogen, den zwei Knieen und dem Kopfe. 

In den siamesischen Familien besitzen die älteren Ge- 
schwister Autorität über die jüngeren, haben sie anzuleiten und 
das Recht der Züchtigung. Da die Erbschaft nicht getheilt 
werden darf, so lange die Leiche noch unverbrannt ist, so wird 
dieselbe mitunter einbalsamirt*) und viele Jahre hindurch (12 
und mehr) aufbewahrt. Bei Ehescheidungen werden die Kinder 
ungleicher Zahl der Mutter, die gleicher Zahl dem Vater zu- 
gesprochen. Die Kinder der Nebenfrauen fügen dem Namen 
des Vaters (Pho) das Wort Chao (Herr) hinzu. 

Bei der Heirathsceremonie werden die Daumen der Neu- 
vermählten zusammengeknüpft mit den Binden der Liebe (jüa 
jai). Die Chao oder Adligen stellen bei Verheirathnngen keine 
öffentlichen Festlichkeiten an, wohl aber thun dies die Gemeinen, 
da dieselben zu einem und demselben Stamme des RadadoQ 
(Volkes) gehören, wogegen jene ihre eigenen Geschlechtsbäume 
haben. 

Die gute Sitte niuss beobachtet werden in den vier Arten 
des Jrijabot, beim Gange (Dön), beim Sitzen (Nang), beim 
Stehen (Jlln) und beim Niederlegen (Non). 

Für hübsches Aussehen putzen die Siamesen Blumen nied- 
lich auf, als Tonmai-dat (Zierpflanzen), und legen dann einen 
Stein daneben, den sie Phu Kao oder den Berg nennen, 
meinend, dass er an die Felsen des Waldes erinnern soll, unter 



*) Bei den Eingeborenen Formosas findet sich der auch in Congo bekannt« 
Gebrauch, die Ober dem Kanch getrocknete Leiche durch ICiowickelung mit Tüw 
ehern zu präaervireo. Die Ainos extrabiren die Eingeweide durch den After 
lind dorren die Leiche dann überm Feuer aus. 



Parasiten. 203 

denen jene Blumen einst in wilder Freiheit erwuchsen. Die meisten 
Blumen Siams duften nur des Morgens^ wenn sie sieh öfben; 
oder des Abends, nicht aber mitten am Tage. Die Tako-Pflanze 
wird in Töpfen gezogen, und um sie zu erfreuen, ein glatter 
Stein in ein Gefass klaren Wassers danebengelegt. 

Die Siamesen unterscheiden in mehreren Baumarten, be- 
sonders aber in den (diöcischen) Palmen oder Ton-Madan, 
männliche Bäume (ton mai tua phu) und weibliche (ton mai 
tna mia). 

Parasiten, die auf dem Stamme anderer Bäume wachsen, 
werden von den Siamesen Ton-Ka-Fak genannt, oder die von 
der Krähe gebrachten Pflanzen. In Schweden schreibt man den 
auf Weidenstumpfen wachsenden Vogelbeeren (flygrönn) die 
medicinische Kraft der immer grünen Mistel zu, die auf Eichen 
sprosst. 

In den Fruchtgärten findet man meist den prächtigen Du- 
rian-Baum neben dem dichtbelaubten Mangosteen, und die Sia- 
mesen glauben, dass beide Frtlchte zusammengenossen werden 
müssen, da die erfrischenden Figenschaften der Mangosteen den 
erhitzenden der Durian entgegenwirken. Die auch aus Batavia 
und Penang bekannte Mangosteen ist schon vielfach die Königin 
der Früchte genannt, aber die Siamesen schätzen den Durian 
auch wegen einiger geheimen Kräfte, die die Freuden des 
Harems erhöhen sollen. Sie ist aber dennoch für Viele eine 
verbotene Frucht, und in gesitteten europäischen Häusern ver- .,V 
weist man diejenigen, die der Begierde, Durians*) zu essen, 
nicht widerstehen können, in die Ställe, oder lässt sie auf die 
Mitte des Menamflusses hinausrudern, um dort ihrer Lust zu 
fröhnen. 

Wegen seiner leichten Spaltbarkeit dient der Bambus den 
Siamesen zum Hausbau und einer Mannigfaltigkeit anderer 
Gegenstände, für die auch der Battan verwandt werden kann. 



*) Pa]legoix sagt dariibAr: L'odeiir du durion est extretnement forte et r«- 
butante pour les Kurop^ens noaTellement arrives, qui la conipareiit a Celle des 
excrements, et cependant (chose singuliere), quand on luaDj^e ce fruit, cette odeur 
86 cbange an parfum delicieux. 



f* 



--•rf 



204 Sitten uDd Gebräuche. 

Von den Blumen wird besonders die wohlriechende Mali in 
grossen Mengen in den Gärten Bangkoks gezogen und auf den 
Märkten verkauft. Auch die gelbe Champa ist beliebt und wird 
zum Schmuck in den Ohren getragen. 

Die Siamesen bestreichen die in Bctelblätter gewickelte 
Areca-Nnss mit etwas durch Curcunia gerötheten Kalk und kauen 
die Mischung, nachdem sie die Zähne mit Tabak gerieben 
haben. Durch die stete Bewegung der Kaumuskeln und deg 
Unterkiefers wird der Mund entstellt und verliert die feine 
Abwinkelung der Ecken. In dem viereckig breiten Gesicht 
mit vorstehenden Backenknochen tritt die kurze' und niedrige 
Stirn über den kleinen schrägen Augen rasch unter die tief- 
herabgehende Behaarung zurück. Die Grösse der offenstehenden 
Nasenlöcher wird durch vielfaches Bohren vermehrt, und früher 
galt auch eine unmässige Verlängerung der Ohrläppchen für 
Schönlieit. Was sich an Barthaaren findet wird ausgerissen. 

Die Schirme bezeichnen in einigen Emblemen den Rang 
der Beamten. Solche, die in mehreren Kreisen am Stiele über 
einander stehen, sind Symbole königlicher Würde. Die Mönche 
tragen einen in der Handhabe doppelt gekrümmten Fächer 
aus Palmblättern (Talapat oder Ton-San-Pat), mit dem sie sich 
bei den Predigten das Gesicht und, in der Sonne, den Kopf 
bedecken. 

Die Siamesen essen mitunter die Lamphongfrucht^ um kühn 
und beherzt zu werden, werden aber darüber leicht himver- 
rückt und höchst aufgeregt, so dass sie bei der kleinsten Ver- 
anlassung eine Menge wahnwitziges und wirres Zeug durch 
einander schwatzen. Der König hat den Genuss dieser Frucht 
verboten, weil er die Diener zur Widersetzlichkeit gegen ihre 
Herren aufstachelte. Es geschieht besonders, dass Leute, di^ 
zur Ausführung eines schwierigen Auftrages, oder bei Nacht 
ausgesandt werden, vorher diese Frucht essen, um sich Muth zu 
machen. Sie glauben auch dadurch aufgeweckt und klar im 
Verstände zu werden. Zuweilen geschieht es, dass spielende 
Kinder aus .Unvorsichtigkeit und Unkenntniss von dieser Frucht 
essen. Die stärkste Wirkung üben die Samen aus, und die 
nächsten Symptome sind eine scliwindelige und drehende Em- 



Beranschung. 205 

pfindung auf dem Scheitel^ als ob man zum Fliegen fortgerissen 
würde. Bei kleinen Quantitäten gehen diese Störungen wieder 
vorüber, wenn aber eine grosse Menge genossen ist, bleiben sie 
latent und können während des ganzen späteren Lebens bei 
jeder Gelegenheit wieder liervorbreehen. Nicht nur fühlen 
solche Leute beim Ausgehen in die Sonne Schwindel und Ein- 
genommenheit, die sich bis zur Bewusstlosigkeit steigern kann, 
sondern sie haben auch sonst immer in ihren Geberden und Reden 
etwas Sonderbares und halb Wahnsinniges, weshalb sie als Ba- 
Lamphong (verrückt durch dieLamphongfrucht) bezeichnet werden. 

Sura meint jede Art berauschenden Getränkes. Unter Sura 
K«ay werden schreckende Phantome verstanden, wie auch unter 
Asura Kay. Nachdem die Asuren wegen Trunkenheit durch 
Indra ausgetrieben wurden, wird sein Himmel Suralay genannt. 
Das Nam Suramarüth ist der Engelstrank himmlischen Wassers. 
Surang sind die Himmelsjuugfrauen. Suraphiphob begreift als 
Suralok den Aufenthalt der Giganten. Der mitMuth und Kraft 
begabte Schutzgeist heisst Suraksa (sura oder stark) Phra 
Athit oder die Soime wird Suriya genannt. Durch Gährung des 
glutineusen Reis (Khao nien) werden berauschende Kuchen 
(Khao mak) verfertigt. Getrocknetes Ferment (Xüa) findet sich 
auf dem Markte feilgeboten. 

Der durch zu frische Areca-NUsse erzeugte Rausch wird San 
Makh genannt. Hanf wird aus einer Tungka genannten Vor- 
richtung gerauclit. Die an's Betelkauen Gewöhnten fühlen Ab- 
geschlagenheit, bis sie sich durch ihre Dosis erfrischt haben. 
Wenn der Pia ba, der wahnsinnige Fisch, von der Frucht (luck) 
Kabo gegessen hat, so berauscht der Genuss seines Fleisches. 
Die Areca-Palme beginnt mit dem fünften Jahre zu tragen, 
liefert aber am Reichlichsten im mittleren Wachsthume. Dann 
fangt der Stamm an zu schwinden und bringt jedes Jahr weniger 
Früchte, bis zuletzt nichts übrigbleibt, als eine dünne magere 
Spitze, an der ein paar Blätter, die rasch gelblich verwelken, 
herauszusprossen fortfahren, und schliesslich der Wind den Stamm 
umweht. Von Samen gepflanzte Durian-Bäume *) tragen die ersten 

*) Die StUate graannteD Seeräuber, die sich mit Frauen der ansässigen Ma- 



206 bitten und Oebrincbe. 

Frtichte nach 15 Jahren, sind sie nber ans Ablegern gepflantt 
(als Tohn), srhon nach 6 Jahren. Doch sind Bänme der lettteren 
Art weniger ausdauernd. Die Baumschulen der Durian sind 
mit Bewässerungsgräben durchschnitten. Der Tomarang-Banm 
schützt junge Stecklinge, indem er erst Schatten giebt nnd 
dann durch seine wasserreichen Wurzeln den Boden feucht 
hält. Grosser Werth wird auf feine Sorten der Mangoefrttchte 
gelegt, und in den Legenden findet sich oft die Enllhlung 
wiederholt, wie bi^smllig durch Eingraben von scharfen Sub-- 
stanzen verdorbene Bäume durch Bewässern mit Milch oder 
Kokosnuss Wasser wiederhergestellt wurden. Die kambodische 
Geschichte rühmt die Güte der unter König Paksichamkrong 
ge})flanzten Art im Garten des Ta Dehe, der (wie Arjnna von 
Judhisththira) die Gnade verwarf, um seine Strafe zu bestehen 
(im Anuprave(*a). Der König erhielt seinen Namen^ weil er 
nach der Aussetzung von Geiern beschützt war, wie Achämcnes 
von einem Adler nnd Zal (der Bejahrte ), der weisshaarige Sohn 
Sam's (der ihn ftir ein Kind der Diws hielt) auf göttlichen 
Schutz von Greifen. 

Wenn der Reis gesäet (van) wird, so nennt man es Tok 
kla. Der dicht zusammenwachsende Beis muss dann später 
in weiten Zwischenräumen von einander verpflanzt werden 
(Dam kla). Wenn dies Veq)flanzen unterlassen wird, so ent- 
wickelt sich das Korn mur unvollkommen und bildet den Khao 
lib. Der Paddy wird Khao Pluek genannt, der reine Reis 
Khao San und der halbgereinigte Reis für Ausfuhr Khao Klong 
oder Cargo-Reis. Khao-suei ist getrockneter Reis. Die beson- 
ders in der Umgegend von Vakhonsavang gepflanzte Baumwolle ' 
wird im Juni zu Markte gebracht. Die Siamesen entfernen 
die Samen mit einer Rolle und reinigen die Baumwolle mit 
einer Bogensehne. Mitunter wird die Baumwolle mit dem Samen 
nach China ausgeführt, und bildet dann in Körben die Deck- 
ladung der Djonken. Ton-ngao nnd Ton-ngiu sind zwei Arten 



layen ?ermählt hatten, bewogen den aus »Singapura vertriebenen Paramesvara snr 
Grflndung Malakas in der als Beitao oder Beitang bezeichneten Gegend, die aniMr 
der MangoetlaD auch die Dorian erzeugte. 



AmeiMB. 207 

des Baumwollenbanms (Ton-nnn); mit dessen Wolle Kissen ge- 
stopft werden. 

Die grosse rotlie Ameise ^ die sich in den Häusern findet, 
heisst Mot talan oder die sehnelllaufendc Ameise , da sie hei 
BerOhrnng rasch forteilt und nie zu beissen sucht. Eine noch 
grössere Art rother Farbe und langbeinig lebt auf BUumen. 
Die Mot ngam ist eine kleine schwarze Art, die Nester in die 
Erde baut und wührend der Regenzeit in die Häuser kommt, 
sich mit Bissen gegen Angriffe vertheidigend. Die Mot deng, 
eine grosse rothe Ameise, deren Bisse Entzündung und Jucken 
erregen, lebt auf den Zweigen der Büsche und klebt die Blätter 
nestartig mit einer glntineusen Substanz zusammen. Starkes 
Brennen erregt die Mot Fai (Feuer-Ameise), und noch heftiger 
schmerzen die Bisse der (stechenden Ameise) Mot tamnoi, eine 
schwarze Art, die sich an den Wurzeln der Btlsche Nester baut. 
Die Mot dam ist eine schwarze Ameise, die über den Körper 
laufend Jucken erregt, in den Löchern hohler Bäume lebend. 
Die Mot namnong (Ameisen gleich einem Wasserstrom) sind 
schwarze Ameisen, die Nachts in langen Reihen in die Häuser 
steigen und an der Stelle ihres Marsches eine schwarze Linie 
an den gekalkten Wänden zurücklassen. Eine Ameise mit gelb- 
lichen Flecken auf dem braunen Körper, der wie ein Flügel 
getheilt ist, fand sich in Massen auf Töpfen mit Canthariden- 
«albe ein. Die Mot Pluek ist die weisse Ameise, und ihr dick- 
bftnchiger König (Königini Phaya Mot Pluek ist von Edelleuten 
(Montri) et vas kleinerer Gestalt und röthlicher Farbe umgeben, 
dann kommen die Tahan oder Soldaten mit weissem Kopf und 
flcbwärzlichem Körper, und schliesslich die Phrai oder das ge- 
meine Volk schwarzer Farbe. Die Mot ngam (oder gezängelte 
Ameise) arbeitet in grosser Menge zusammen, indem Alles ge- 
schäftig auf langen Linien "**) hin und her läuft. In der Mitte 
der allgemeinen Masse sieht man aber einzelne Individuen einer 
grösseren Art mit vorstehendem Kopf und langen Zangen heraus- 
stehen, die gelegentlich von einer der kleinen Ameisen beritten 
werden und mit ihr längs der Front auf und nieder galoppiren. 



*) Als schourgerade wurde •ioe Strasse in Athen „derPfad der Ameise* fenannt 



206 Litton QDd Qebriliiche. 

bis 8ie^ von ihrem Reiter entlassen^ wieder im unbestimmten 
Sueben in der einen oder der andern Seite bin und her schlen- 
dern. Alle Ameisen arbeiten im Schatten und vermeiden den 
Sonnenschein. Die im wasserarmen Attika von der Gluthhitse 
leidenden Athener sandten den Klytus als Gesandten anAeaens, 
König der Ameisen *) oder Myrmidonen. Dem Talmud ist die 
Ameise das Vorbild der Ehrlichkeit. 

Meng-Kba-Rüang ist ein phosphoreseirendes Insect , dem 
Ohrwurm ähnlich. d:»s in unbewohnten Häusern gefunden wird. 
Hing-noi bezeichnet den Leuchtkäfer. 

Der Nok-Nori ist ein besonders von den Khek fMalayen) 
gehegter Papügei, der von seinem Schrei Nori, Nori seinen 
Namen hat. Der Salika-Vogel wird im Sprechen unterrichtet, 
aber noch gelehriger ist der Khun-Thong (Gracula intermedia). 
Die Khek halten vielfach die Nok Khao Xava (der javanische 
Tauben-Vogel) genannte Turteltaube in einem Käfig; da sie 
ihren Besitzern Geld verschafft. Der Nok Keoh (PalaeormiB 
Alexandri), der leicht menschliche Stimmen nachahmt, findet 
sich vielfach in den Häusern der Chinesen. 

Der bei den Khek beliebte Nok (Vogel) Khum wird anch 
von den Siamesen gern gepflegt, weil er guter Vorbedeutung 
ist. Das Haus, in dem er lebt, ist sicher gegen Feuer, wenn 
auch das ganze Dorf ringsumher niederbrennen sollte. Er wird 
durch einen im Walde aufgehängten Käfig gefangen. Weithin 
hürbnr ist der Schrei der Nok Karien, ein Favorit- Vogel der 
Volkslieder. Er stellt den Fischen nach, und sieht man ihn 
auch oft auf dem Rücken der Büffel sitzen, um Insecten «ns- 
zuhacken. Der Nok Krachok, ein Vogel glückbringender Glorie, 
gehört den Brahmanen an und ist über die ganze Erde ver- 
breitet, da er ihnen überall auf ihren Wanderungen gefolgt ist. 
Die Brahmanen fungiren unter den Buddhisten, wie es bei den 



*) Bei deu Arawaks ist Aluberi das höchste Wesen und Kuraramaony dar 
Schutzgeist ihrer Nation. Worecaddo und Emehsewaddo sind die Weiber dtt 
Kururumanny, wovon die eine als in der Finsterniss schaffend, die andere als di« 
grosse rothe Ameise, welche in der Erde wühlt, vorgestellt werden, symbolfsolie 
Andeutungen der Schöpfung aller Dinge aus dem dunkeln Schoosi der Erde 
(Martin). 



SeUangen. 200 

Opfern der HaraaiHceB gesagt warde^ dasB sie jedes Volk nach 
seiner Sitte begehen müsse. 

Eine giftige Schlangenart, die beim Bewegen in bunten 
Farben schillert, heisst Seng-det (Sonnenstrahlen). Von der 
Ngu Kon-Khob genannten Schlange (Ngu) glauben die Siamesen, 
dass sie mit ihrem (wie ein Blutegel abgestumpften J Schwänze 
beisse. Die Wasserschlange Acrochordus javanicus (Ngu Wang- 
ehang oder Schlange mit dem ElephantenrUssel) mit einer grossen 
Lange vom Kopf bis zum Anus (nach Bocourt) gilt für den Ahn- 
berm aller Schlangen. 

Der Pia Lin-ma oder hundszUngige Fisch (Pia) pflegt sich 
mit seinem weichen Körper an dem Boden der Kähne, besonders 
den verpichten Stellen, festzusaugen und erzeugt dort ein eigen- 
thUmliches schnarrendes oder trauervoll murmelndes Geräusch, 
das man oft in der Stille der Nacht die Kajüte durchzittem hört. 

Die Siamesen bereiten ein feines Oel, das auf Zeugen keine 
Fettflecken zurücklässt, aus den Früchten des Baumes, der nach 
der Form seiner Blätter Tin Pet (Entenfuss) genannt wird. 
Er wächst längs der unteren Ufer des Flusses nach der See zu, 
und die Früchte müssen zu einer bestimmten Zeit ihrer Reife 
gesammelt werden, da das Oel später in ihnen sich absorbiren 
würde. Es findet keine regelmässige Fabrikation statt, sondern 
die Edelleute, die dieses Cosmeticums bedürfen, schicken ihre 
Diener aus, um die Früchte zu sammeln und im Hause auszu- 
pressen. Auch die weissen Blumen werden benutzt. Das Oel 
ist bekannt als Nam-Man-Tin-Pet. Die Hausfrauen parfttmiren 
ihre Oele und andere Gegenstände mit frischen Blumen, die sie 
nnter einer Glasglocke durch brennende Wachskerzen erhitzen. 
Der moschusartige Geruch, der dem Wasser dadurch nach eini- 
gen Tagen mitgetheilt wird, heisst Ab-vai. Zum Schwarzfärben 
gebrauchen die Siamesen einen Fruchtsaft und rollen die damit 
benetzten Kleider in bläulichem Thon. 

Der auch den Birmanen bekannte Feuermörser Tähnlich 
dem pneumatischen Luftfeuerzeug Dnmontier's), in dem sich der 
rasch niedergestossene Stöpsel durch Compression der Luft ent- 
zündet, heisst Kaban-Fai bei den Siamesen. Um glühende 
Kohlen zu bewahren, gebraucht man das Holz vom Sameh-Baume. 

BaitUn, Relie in Slam. Iir. 14 



210 '^*<<«n und Gebrinrhe. 

Der Samrit genannten Metallmisehang schwarzer Farbe wird, 
wenn von Kambodiern verfertigt, allerlei Zaaber kraft beigelegt. 

Nach chineBischer Art salzen die Siamesen die Eier znr 
Präservining ein, indem sie dieselben mit einer dicken Paste 
ans Asche und Kalk bedecken. Doch ist es ftlr den Earopller 
bedenklich , sich auf solche Provisionen für seine Reise zu ver- 
lassen, da er die in ihrer dicken HttUe versteckten Eier nicht 
auf ihr Alter prüfen kann. Fdr den Siamesen macht das kei- 
nen Unterschied, da nach seinem Geschmack das Ei durch 
einige Reife nur gewinnt. Ein in Bangkok ansässiger Euro- 
päer erzählte mir, wie er dadurch betrogen war. Sein Koch 
lieferte ihm mit unverbesserlicher Hartnäckigkeit verdorbene 
Eier zum FrUhstdck, so dass er eines Morgens, um ein schreck- 
liches Exempel zu stntuiren, den Missethäter herbeirief und ihm 
befahl, vor seinen Augen drei der faulen Eier zu verzehren. 
Der Verurtheilte gab aber während der Schlingoperation so un- 
verkennbare Zeichen gastronomischen Wohlbehagens, dass es 
dem Herrn vor den Launen dieses Feinschmeckers graute und 
er ihm den Laufpnss gab, um das Schicksal seines Mittags- 
tisches nicht länger solch' gefährlichen Händen anzuvertrauen. 
Da die Enten in Siam nur schwer ihre Eier ausbrüten, so wer- 
den sie von den Chinesen in Reishülsen aufgepackt, dick mit 
Tüchern umgeben und so der Sonnenhitze ausgesetzt, die dann 
das Junge entwickelt. ^ • 

Das Salz wird in Siam hauptsächlich an der Westküste gü- "^ ^ 
Wonnen in der Nähe von Petchaburi, durch die dortigen Strand- . • 
bewohncr, die das Seewasser in der Sonne verdunsten lassen. - 
Jeder hat das Recht zu dieser Fabrikation, aber er muss den 
ganzen Ertrag dem Salzpächter (ChaoPassi) verkaufen, der das 
Monopol besitzt Der Ueberschuss des Bedarfs wird für später 
zurückgelegt. Der Preis des Salzes wird nach alten Bräuchen 
bestimmt. Einige Monopole werden auf drei Jahre ertheilt, an- 
dere wechseln jährlich. Die Kalkgruben haben gleichfalls ihren 
ganzen Ertrag dem Monopolisten zu überlassen, oder sie mögen 
ihn, auf dessen Erlaubniss, selbst verkaufen, müssen aber dann 
die auferlegte Taxe zahlen. Die Fischer bezahlen gewöhnlich 
für jede ihrer Reusen vier Tikal an den Pächfer der Fische- 



Steuer. 211 

reien. Andere der Cliao Passi (der Steuereinnehmer) erheben 
die auf Böte gelegnen Taxen , andere die des Opiums , andere 
die der Spielpacht u. s. w. Fruchtbaume werden bei jedem 
Thronwechsel neu gezählt, um während der Regierung zu steuern. 
In die Function des Siamesen, der das Monopol über Kohlen 
erhalten hat, fiillt Alles, was sich auf Oefen und Fabriken be- 
zieht. Jeder hat das Recht, Kohlen zu verfertigen und priva- 
tim zu verkaufen, sobald er aber seine Waare zu Markte bringt, 
mnss er die Accise bezahlen, die oft erhöht wird, und damals 
ftlr Feuerholz z. B. 20% war. 

Die getrockneten Fische werden besonders aus den Fla- 
chen verfertigt, eine Fischart, die in grossen Mengen nach dem 
Abflnss der Ueberschwemmung auf den Feldern gefunden und 
dort angesammelt wird. Eine kleinere Art Fische wird einge- 
salzen, als Pla-khem, und zwar mit einem grossen Ueberschuss 
von Salz, um bei der Ausfuhr nach Batavia und anderen Colo- 
nien der Holländer das Salzmonopol zu umgehen. 

Ehe der Schlächter den tödtlichen Streich führt, fordert er 
die Seele des Thieres auf, sich eine neue Wohnung zu suchen, 
unter der Erlaubniss des Phaya Jommarat und Phaya Rong 
Myang. Die Siamesen rufen bei verschiedenen Gelegenheiten 
den Phaya Rong Myang an. Rong Cha Myang ist der Titel 
eines Stadtbeamten richterlicher Functionen, wie der Phaya 
Jommarat Das Schlachten des Rindviehes*) wird meist denMa- 
layen überlassen, die den Namen eines Stiertödters (Visala 
bei Manu) nicht fürchten. Im General-Capitel des Jahres 1254 
wnrde dem Orden der Karthäuser das Fleischessen gänzlich 
Terboten. Wenn die Eingeborenen Ochsen schlachten, bringen 



*) In einer chinesischen Schrift (bei Doollttle) beklagt sich der Geist eines 
BAffeli (whoie flesh had been cooked and eaten and whore hide had been made 
into dnim heads and whose bones had been manu facta red into head year for 
woBen and this all aftcr a Hfe of drudgery in toiling for man) beim USllen- 
ilehter, der ihm verspricht, dass schreckliche Strafen nach dem Tode solche treffen 
•oUen, die Büffel tTidten. An einer andern Stelle sagt der selige Büffel in seiner 
Anrede an die Schlichter und Fleischverkäufer: If the men of the world woald 
iMtther seil me for beef, nor kill, nor eat me, they would become Omida-Bnddht, 
and nach solcher Heiligkeit strebten auch die ägyptischen Verehrer des Apis. 



212 SiUen und Gebriaehe. 

sie denselben eine Halswnnde bei, die Malayen aber schneiden 
gleich den ganzen Hals durch mit einer Bewegung des Messen, 
die Sam-leh genannt wird. Die Siamesen trinken keine Milch 
und gebraachen Binder nur zum Pflügen. Die von einem In- 
dicr in Bangkok gehaltenen Kühe heissen Kühe des Königs 
(um sie zu schützen), und der König hat das Monopol der 
Milch (fttr die Fremden). 

Nach den siamesischen Gesetzen erlassen die Könige bei 
ihrer Thronbesteigung ein Decret, wonach Jeder, der Waldland 
anbauen sollte, das Eigenthumsrecht*) darauf erwirbt und es 
für drei Jahre steuerfrei besitzen darf. In den abgelegenen 
Districten entziehen sich zuweilen die Bauern der Taxation, in- 
dem sie beim Herannahen der Zeit fortlaufen, und ein Theil 
der Bergstämme in der Provinz Chantabun soll ans solchen 
Flüchtlingen seinen Ursprung genommen haben. Wenn die 
Beamten nach einiger Zeit vermuthen, dass dort wieder neue 
Dörfer entstanden sein möchten, machen sie gelegentliche Streif- 
zUge durch die Wälder, um die schuldigen Steuern einzutreiben. 

Längs des Flusses und auf den Landstrassen des Innern 
sind eine Menge kleiner Zollhäuser etablirt, die den reisenden 
Kaufmann nach Kräften plagen, wenn sich derselbe nicht durch 
einen Freiheitsbrief die Vergünstigung verschafft hat, erst in der 
Hauptstadt die Steuer zu zahlen. Die von den Import-Artikehi 
auf dem Seewege erhobenen Steuern sind seit den neuen Ver- 
trägen sehr ermässigt. 



*) Quod enim nullius est id ratione Daturali occupanti conceditar. Necli 
dieser Zeit muss er um ein Document elDkommeDf wodurch ihm, gegen Eriegnng 
von vier Tikal, sein Besitz bestätigt wird, und dann werden die Abgaben naoh 
dem Bodenertrage taxirt, um zur Zeit der Ernte eingefordert zn werden. Der 
Grund ist der seinige und kann von ihm verkauft oder an Andere flbertragen 
werden. Dennoch bleibt dem KAnigOf als dem absoluten Herrn des Landes, Im- 
mer das Expropriationsrecht reservirt, wodurch er es jeden Augenblick ohne irgend 
welche Compensatiou für sich in Anspruch nehmen kann, wenn ee für SfrentUch« 
Zwecke zu verwenden sein sollte. Doch mischt sich der König Siame nicht in 
andere Sachen und bemerkte (nach Ribadeneyra) den Mission&ren : Que ei era 
senor de sus vasallos en temporal y no de aus almas, que cada ntio busoMa ni 
salvacion. 



GtldmÜDzen. 213 

Der Biamesische Tikal ist eine Silbermünze; deren Werth 
flieh auf ungefähr drei Franken stellt. Goldeue. Tikal werden 
selten geprägt. Der Name soll von den Portugiesen stam- 
men, die die Bath nach dem jüdischen Shekel so benannten. 
Von Gowrie-Muscheln oder Bia (die bei grösseren Zahlungen in 
Körben abgemessen werden) machen 250 — 300 ein Phai aus, 
den vierten Theil des Phuang, der kleinsten Münze des Landes. 
Zwei Phuang bilden einen Salüng, den vierten Theil eines Bath 
oder Tikal. Drei Bath gelten einen Tamlüng, 20 Tamlüng ein 
Xang (Pfund) und 50 Xang ein Hai. 

Gteschrieben werden sie durch die Stellung bezeichnet 

8 
7 I 3 
Y\i ^ ^'^^S '^ Tamlüng 3 Bath 2 Salüng 1 PhaaBg 3 Phai. 

S 

Wie Porzellanscheiben, unter den Chinesen des nördlichen 
Slam, gelten auch Messingstücke als Scheidemünze. Zinkblätt^ 
chen werden in Kambodia gebraucht, wo man das Silber nach 
chinesischer Weise in Barren wiegt und für Scheidemünze auf- 
gereihte Rollen cochinchinesischer Ipeh verwendet, aus dersel- 
ben Kupferlegirung wie die chinesischen Cash. Die gesetzliche 
Standard des Goldes in Siam ist 1 : 16, aber das von China im- 
portirte Gold ist selten vollkaratig, und da die siamesischen 
Minen nicht hinlänglich liefern, so haben die Könige mitunter 
den Gebrauch goldener Schmucksachen verboten. 

Im Rechnen werden die Zahlen auf der Tafel immer wie- 
der ausgewischt, würden aber beim Stehenbleiben sich unge- 
fähr so geschrieben zeigen: 

6 I 8 Wenn 6 Körbe Reit 8 Tikal kosten, wieTiel kosten dann 

*® I 20 Korbe? 

8 26 Tikal 2 Salüng 1 Phnang 1 Pai 66 Ria. 

*^ 16 200 Bia anf 1 Pai gerechnet (da dies anf dem Markte 

90 160 wechselt). 

^^ Die Bia. die Rest bleibt, heisst Song-sik-bia oder Bmch- 

theil. 



2 

86 



26 



4 
2 
2 
12 



214 Stecn «na GffbrUch«. 

Die Hanpternte fallt im Norember; die Ernte im Juli iit 
Fon wenig Belani?. Der ReLs wird in Scheoem anfgecchttttd 
nnd dann zar Stadt gebracht, je nach der ron der Anknnft der 
Seefiehiffe abhäirgigen Nachträge. Der Na-Mvang genannte 
Paddy giebt nar-h dem Schälen die Qualitäten gut. echOn und 
gewöhnlich. Der Paddy Xa-Snen giebt die Qualitäten wein 
and rein. Anmer dem Khao Phot iMaiz) kennen die^mesen 
den Khar> Phot Sali oder Weizen und sprechen dann noch tod 
einer fabelhaften Getreideart, Khao SaÜ. von der sich die er- 
töten Menflchenpaare *j nährten. Nach Moses von Chorene war 
das Vaterland der Gerste (aas der die Osseten ihr Bier oder 
Bagani brauen; am Araxes. 

^ Der Reis wird entweder im Säen ausgeworfen als Khmo 
Na-Myang oder in der Nähe des Hauses dicht zusammengesäet 
und dann später verpflanzt, Khao Na-Suen (Garten-Reis ). Die 
leichteren Arten, die nach Bestellung der Felder im Mai mit 
Eintritt der Regen gesäet sind, werden schon im October ge- 
emtet als Khao bao, die schwereren (Khao nak) ziehen sich 
bis zum Januar hin. 

Der langhalmige Khao fang, oder von dem Orte seines 
Wachsthums sogenannte IlUgelreis, wird nur zum Vogelfiitter 
gebraucht oder in Brod verbacken. Der glutinöse Reis (Khao 
niau) dient zur Bereitung von Kuchen. Zum Schälen des Paddy 
dient ein getretener Mörser, in Gestalt wie der Holmos des He- 
siod. Im Ganzen werden 40 Arten Reis unterschieden, zu de- 
nen auch eine rother Farbe gehört, wie er sich in Aegypten 
findet. Von Bananen zählt man über 50 Sorten, wie Kluai hom 
(die parfUmirtc Banane), Kluai khai (die gelbe), Kluai san 
(die kurze), Kluai som (die säuerliche) u. s. w. Schon die 



*) Wie in HiuterindieD die Brahmanen von ihren hohen Terraaseubergeo auf 
die neue Erde hinabsteigen und, dort durch die materielle Nahrung beachwert, 
nicht zurllckfliegen k5nnen, bo langen in Polynesiens Inseln die liinimeUbewohiier 
zu Schiffe an. Some of the minor gods and goddesses of Boolotoo, wishing to 
aee the new world, whlch Tangaloa had flnisbed op, embarlied in a large cano« 
and arrived at the Island of Tonga , where breathing the air and feeding on the 
produce of the place, they forfeited immortality and had to remain. 



Zueker-Pluntugen. 215 

Säuglinge erhalten davon in den Mand gesteckt. Getrocknete 
Bananen dienen za Reiseprovisionen. 

In den Zuckerdistricten wird das Rohr gleich nach dem 
Lichten des Wnldes gepflanzt ^ and kann man schon im ersten 
Jahre auf eine kleine Enite rechnen, die die Kosten deckt. 
Im zweiten Jahre ist die Ernte ergiebiger, am Reichsten aber 
das dritte Jahr. Im vierten Jahre würden die Plantagenbesitzer 
die alten Wurzeln auszugraben haben, um neue Pflanzen ein- 
zusetzen, sie verlassen dann aber gewöhnlich ihre Felder, um 
die Besteuerung zu vermeiden, und beginnen die Lichtung des 
Waldes an einer neuen Stelle. Während der ersten drei Jahre 
treibt das Rohr von selbst neue Sprossen. Die Bebauer schnei- 
den das obere BlUthenende ab und verwahren es während der 
heissen Jahreszeit an einem feuchten Platz, wo es auszu- 
Bchiessen anfängt, ohne faulig zu werden, und pflanzen es 
dann mit dem ersten Einsetzen des Regens. Die Zuckerfabri- 
kanten ziehen gewöhnlich das von Siamesen oder Peguem cul- 
tivirte Rohr dem chinesischen vor, eine zwar grössere Art, die 
eine bedentendere Quantität Saft liefert, aber von geringerer 
Krystallisationsfähigkeit. Die besten Krystallc werden erlangt, 
wenn man beide Sorten zusammen auspresst. Die den Palm- 
saft sammelnden Siamesen räuchern ihre Gefasse aus, weil sonst 
leicht Fermentation erzeugt wird, die der Zuckergewinniing hin- 
derlieh sein würde. DerTon-Son oder die Terebinthe wird nur 
in den Klosterhöfen angetroffen. Din-thanam ist eine gelbe Erde 
grosser Fruchtbarkeit. 

In der Jahreszeit fthetsakan) der Feldarbeiten herrschen 
(nach einheimischem Bericht) folgende Gebräuche unter den 
Siamesen: „Ist der fünfte oder sechste Monat herbeigekommen, 
80 holen die*Bauern ihre Ackergeräthschaften hervor, d.h. den 
Pflng nebst Geschirr, die Bewässerungstöpfe, die Hacken und 
Hauen, die Karren, die Sicheln, die Tragestöcke, alles dieses 
machen sie fertig und in Ordnung. Wenn sie dann den An- 
zeichen nach einen guten Tag, einen Tag günstiger Constella- 
tion (Rökh di) erlangt haben, so machen sie einen Beginn in 
den Feldarbeiten, zuerst den Boden nur leicht aufpflügend, eben 
genug für den ersten Anfang. Diese erste Arbeit wird zwischen 



216 SitteD und Gebrioebe. 

Morgen und Mittag ausgeführt. Dann, naclidera sie tiefer ein- 
geackert liaben, bringen sie den gekeiniten Reissamen, um ihn 
auszusäen und dann ttberzupflUgen. Dies nennt nmn Tham na 
van (das Säen des Feldes verrichten). 

„Der weitere Brauch im Feldbau (Tham na) ist nun so: 
Der Bauer geht an mit Pflügen, bis der Regen zn fallen be- 
ginnt und das herabfliessende Wasser den Reis ttberschwemmt^ 
alle Felder einen Kttb (eine halbe Elle) hoch bedeckend. Dann 
werden die Ochsen an die Egge geschirrt und darüber hia- 
getrieben, um das Unkraut auszujäten und heranfzabringen, so 
dass es auf die Dammwege zwischen den Feldern geworfen 
werden kann. Ist die ganze Oberfläche in einen hübschen leh- 
migen Pfuhl aufgewühlt, dann beginnt die Verpflanzung (thon) 
des Reis Kla. Wenn die Halme ungefähr eine Sok (Elle) hoch 
sind oder darüber, so pflanzt man sie in diesen lehmigen Pfdhl 
ein, zwei oder drei zusammen, in Entfernungen von ungefähr 
einer Elle von einander, bis das ganze Feld vollsteht. Ist das 
Wasser nur gering, so stellen die Ackerbauer hölzerne Dreifttsse« 
auf und hängen die Bewässerungsgefässe mit Seilen daran, nm 
durch das Uebergiesscn der Felder die Rcispflanzen zu tränken. 
Sind die Felddeiche untergraben und durchlöchert, so dass das 
Wasser ansflicsst, so wird mit der hackenartigen Haue die Erde 
zusammengescharrt, um die Oeflnungen aufzustopfen. Nach 
drei oder vier Monaten beginnen die Aehren in dem verpflanzten 
Reis (Khao kla) hervorzusprossen , und nach fünf oder sechs 
Monaten nähern sie sich der Reife. Die Bauern schärfen dann 
ihre Sicheln, und nachdem die Schnitter den Reis niedergemäht 
haben, wird er in Garben aufgebunden. Man bringt die Trage- 
stöcke herbei, steckt sie durch die Garben und trägt den Reis 
auf dem Felde in Haufen zusammen. Darauf wird an der 
Vorderseite des Hauses im Voraus eine Dreschtenne verfertigt 
durch Ebenen und Glätten des Bodens. Ist Alles von Gras nnd 
Unkraut befreit, so wird in Wasser gelöster Kuhmist über die 
Oberfläche gestrichen, damit sich kein Staub erhebe. Dann 
ladet man den Reis auf Karren und transportirt ihn nach der 
Dreschtenne. Der dort aufgeschüttete Reishaufen gleicht in 
seiner Gestalt mitunter einem überhängenden Dach (langka 



Ackerbau. 217 

ph(hig)y mitunter einer pegnanischen Pagode (Ghedi Mon). Dann 
wird ein Pfosten in die Mitte der Tenne hingepflanzt und die 
Aehren auf der Oberfläche umhergestreut; so dass sie den Pfo- 
sten in etwa elf oder zwölf Cirkeln umgeben. Nachdem neun 
oder zehn Ochsen geholt sind^ schirrt man sie paarweise in 
einer Linie an den Pfosten an, so dass sie über den ganzen 
Omnd hinschreiten ; von dem Mittelpunkt des Pfostens bis zu 
dem änssersten Ring der Halme in der Peripherie. Die Och- 
sen werden angetrieben und treten im Fortlaufen die Aehren 
ans. Die Körner werden dann aufgesammelt und in Sieben 
gesichtet, indem man sie aufwirft, damit keine Hülsen oder 
taube Aehren zurückbleiben. Der Reis wird darauf nach der 
Scheuer neben dem Hause gebracht und dort aufbewahrt. In 
dieser Weise wird Jahr für Jahr gehandelt, und die Ackerbauer 
halten an den alten Weisen der Vorzeit fest, wie sie ihnen von 
Alters her überliefert sind." 

Wenn die Ernte eingebracht ist, legen die Siamesen Kuchen 
anf das Feld für die Göttin des Reis, die sie Meh oder Nang 
Phosoph*) nennen, d. h. die Mutter (oder die Dame) der 
Nahrung (gleichsam eine Anna Purana, der römischen Anna 
Perenna entsprechend), und der das Mehl geheiligt ist. Die 
Chinesen verehren in derselben Weise die Mutter der Ernährung 
(Ngo-Kak-bo), die in alten Zeiten auf die Erde gestiegen ist, 
um (wie Demeter) den Männern das Säen des Getreides zu 
lehren und den Frauen das Weben der Seide. Die Feier des 
Sakanan-Xang weiht die Arbeiten des Ackerbaues. Der Reis, der 
den Menschen ernährt und das ohne ihn hinßillige Leben nnter- 



♦) According to the Siamese there is a Me-pha-sop or primary priticiple, 
from whioh grain spning. The Bali work Tri Phom or Tri Loka (the three worlds 
dtBpUyed) relates that in the first and iiinocent stages grain (rice) was not only 
abuodant, but was caltivated withoiit trouble. But as the female sex dcvoured 
too large qoaiitities of it, the Mepbasob ordained, that they should oiily reap 
«baff in fature. The males flnding the scarcity, set up a kiiig to reign over them. 
The Mephasop being propitiated, perinitted the grains to fructify as before. When 
Ban become wicked, scarcity prevails and when their wickeduess beeoiues exces- 
ilve the whole grain of the coantry resolves itself in its flrst principle and as- 
caudf to the heaveii in a spiritual shape (s. Low). 



218 satten QDd Ofbriach0. 

hält, hat dem Titel Phra seinem hochtönenden Namen Pbo«aph 
(8tatt Khao) zngefUgt und wird Phra Phosoph (Phosob) genannt^ 
in Ergänzung zu dem weiblichen Princip der Nang Phoeoph 
(Frau Reis. In den celtischen Mysterien wurde Hu, der Schnit- 
ter, selbst gemäht, zu steter Auferstehung (s. Davies). Die länd- 
liche Laren wurde in den Liedern der Arvalbrttder angerufeiL 
In Trözene war Demeter: Amaia. Nachdem das Feld gepÜtlgt 
ist, setzen die Arbeiter bei dem Mittagessen eine Libation von 
Reis und Fisch auf die Erde ne1)en sich nieder, als die Sen-vak 
genannte Opfergabe. Apollo auf dem Schwanenwagen (nach 
Alkäos) kommt zur Erntezeit nach Griechenland ans dem Land 
der Hyperboräcr. 

Die Feldarbeiten dürfen nicht vor dem im Almanache feat- 
gesetzten Tage begonnen werden, nachdem sie durch das Pflug- 
fest eingeleitet sind. Wer in Siam das Feld mit einem Pferde 
l)flllgt wird, vom Donner*) erschlagen werden, denn das Pferd 
ist edler Race (sakun) und königlich in hoher Abkunft. Ein 
Pferd darf deshalb nur mit einem Sattel geritten werden, während 



♦) Der von Terltuna^s Strahl Getroffene war In die Gemelnicbaft der G5tt«r 
aufgenommen, wie Romnlus, aber Zeu9 enchligt den Salmoneus zur Strafe, wto 
den Asiciepios. Der vom Ilimmel fallende Fenerstrahl raffte den Magier Nebiod 
hinweg, und dieser erhält nun den Namen Zoroaster (bei den Griechen) ; „die thl^ 
richten Menschen jener Zeit aber glaubten, dass wegen seiner Freondsehaft mit 
Gott seine Seele durch den Blitzstrahl entnommen worden sei. Deswegen begra* 
ben sie die Ueberreste seines Körpers, ehrten in Persien, wo daa Fener herab- 
gefallen war, das (rrab durch einen Tempel und erwiesen ihm göttliche Vereh- 
rung.'* Nach diesen pseudo-clementinischen Homillen war der in magischen Tn* 
ditionen unterrichtete Nebrod mit einem Gott gigantisch widerstrebendem Sinne 
aus dem Geschlecht des Cham (Vater des Misraim) hervorgegangen. Rochart 
identiflcirt Harn (Charma) mit Jupiter Ilammon in Lybien. Der Gott Uam (Ham- 
bog oder Ilambuch) ritt mit Speer und Schwert auf einem Drachen. In den 
etrurischen RQchern wurden (nach Servius) zwölf Arten der Blitze unterachteden. 
Der Weihepriester der Dactylen entsühnte mit einem Donnerstein. Die von Mat- 
thaos aus Aethiopien vertriebenen Magier Zaroes und Arfaxat (der Chaldier) wer- 
den, als Widersarher der Apostel Simon und Judas, in dem Tempel tu Suanir 
vom Blitze erschlagen. Um einen Sterblichen auszuzeichnen, lieasen die G5tter 
den Blitz in sein Grab schlagen, wie (nach Plutarch) in das des Lykurgua, und 
dadurch wurde der Ort heilig und unzugänglich (s. Plinius), quod eom dena slhl 
dicasse videtur (Welcker). 



Klndenumen. 219 

ein solcher fttr Ochsen und Büffel nicht im Gebrauch ist. Wie 
in Birma galt auf Kypros das phrygische Gesetz, den Tödter 
des Pflngstiers mit dem Tode zu strafen. Philochoros erwähnt 
ein altes Verbot, Hornvieh zu schlachten, in Athen (v. Böckh). 

Maulthiere sind in Birma und Siam nur durch die Chinesen 
bekannt, die fUnf Arten unterscheiden, die Keu-te (von einem 
Pferde und einer Eselin), To-mih (von einem Esel und einer Kuh), 
Tdh-lung (von einem Ochsen und einer Eselin), Keu-heu (von 
einem Ochsen und einer Stute) und der eigentliche Lo (von einem 
Esel und einer Stute). Aristoteles kennt in Phönizien eine frucht- 
bare Art Maulthiere. Clarke erwähnt cow-mules (mules of thc 
aas and cow) in Leidebein bei Smyma und hofft eine Plioto- 
gnphie davon nach Europa schicken zu können. 

Man liebt es, den Kindern hässliche Namen zu geben, um 
sie BO den Dämonen verächtlich zu machen und vor ihren Nach- 
stellungen zu schützen. Ein solcher ist der bei Mädchen häufige 
Name Ueng, oder auch die Namen Ai-Ma (der Hund da), Ai- 
Mna (Fy, das Schwein), Ai-Deng (der rothe Bengel) u. s. w. Es 
iat höchst gefahrlich, solche Namen zu geben, wie Thong-Suk 
fgtrahlendes Gold), Thongkam (Goldesglanz), Chamvön (der Ge- 
aepiete), Sambun (der Vollkommenheiten Ueberfluss), weil da- 
durch die Dämonen auf die Kinder aufmerksam und zu denselben 
hingezogen werden. Treten nun in Folge dieses Versehens 
Krankheiten ein, so mttssen jene schön klingenden Namen ver- 
ändert und durch andere ersetzt werden, z. B. Chek (ein Spott- 
name der Chinesen) oder durch Pe (die kleinste Art der Kupfer- 
mllnze, „keinen Heller werth'^). Namen, wie Kham (hübsch), 
Malai (Blume) u. s. w. gehören zu den gleichgültigen der Sitte, 
die beide Extreme vermeiden. Wenn man ein Kind sieht unter 
drei Jahren (nach welcher Zeit die Gefahr geringer ist), so 
mvss man der Mutter sagen: „Was für ein Fratzengesicht das 
irt". Wenn die Phi das hören, so verabscheuen sie einen sol- 
chen Balg und lassen ihn links liegen. Eine Bewunderung des 
niedlichen Kindes wtlrde es krank machen. Man hängt deshalb 
Mieh gerne einen Hnnde- oder Schweinszahn um den Hals des 
Kindes, am seinem hübschen Aussehen zu schaden. 

Von einem gelehrten Manne wird gesagt: „Ru thrai phet^ 



220 Bitten und Gebrlnche. 

(er kennt die drei Vedas), von einem Säugling: dasB er gerade 
angefangen, Kam-deh zu sagen. Das erste Wort, das die in 
Siani geborenen Kinder der Chinesen lallen, ist Meli (Matter), 
dann Poh (Vater) und spHter sagen sie ftlr Essen Nam statt 
Kim. „Der junge Hahn lernt das KrJihen allniUlig, die Vögel 
ilattern, ehe sie fliegen, kleine Fisclie schwimmen noch schlecht'^ 

Hehauimcn heissen Mo-Tam (Nesselärzte), entweder weil 
sie beständig auf dem Sprunge sein müssen and auch Nachts 
hiehin und dortliin gerufen werden können, oder weil ihre 
Hände Dinge berühren, bei denen Andere nicht wissen würden, 
wie sie anzugreifen seien. Auch scheint die Anwendung der 
Urticatio als Stimulans nicht fremd. 

Den frühen Morgen bezeichnen die Siamesen als Ka-Bong, 
das Hahnkrähen. 

„Die Kraft unterstützen" (Xoei-reng) wird z. B. von einem 
Kinde gesagt, dass in solcher Weise auf der Schulter sitzt, dass 
es sich zum Theil selbst unterstützt und nicht mit seinem ganzen 
Gewiclitc an dem Träger hängt. Khao-Chai (das Innere im 
Herzen) ist ein Verstehen aus sich selbst durch inwohnende 
Fälligkeit des Begrcifens. Dön-Chai (das Wandeln im Herzen) 
wird gesagt, wenn der Devada (£ngel) durch seinen EinfloM 
zum VerständnisH führt, das Herz bewegt. 

Die Siamesen nennen den Daumen Hua-Meh-Mtt (die Hanpt- 
mutter der Hand), den Zeigefinger Niu-Xi (der Finger zam 
Zeigen ), den Mittelfinger Niu Klang (der Finger in der Mitte), 
den Ringfinger NiuNang (der Damenfinger), den kleinen Finger 
Niu-Koi (der Glücksfinger). Die Kambodier bezeichnen den 
Daumen als Meh Dal (Mutter der Hand), den Zeigefinger ab 
Njiem-chellall , den Mittelfinger als Njiem kandall, den Ring- 
finger als Njiem dai (Finger der Hand), den kleinen Finger 
Khon dai (das Kind der Hand). Die Zehen heissen Niu Tin 
(Finger des Fusses) im Siamesischen. Nak meint etwas bcson* 
ders Exquisites und Ausgezeichnetes, besonders im guten Sinne, 
wie Nak-bun (ein äusserst Verdienstvoller), Nak-Tet (ein her- 
vorragender Prediger), Nak-Prat (ein tief Gelehrter), Nak-Sith 
(hiichste Wunderkraft) ; aber auch im schlechten Sinne, wie 
Nak-Thot (ein besonders schwerer Verbrecher). Nat meint ein 



EigMithümUehe Aiudiftcke. 221 

AnfBcbnttffeln mit den Nasenlöchern und auch eine bestimmte 
Zeit. Nat in der Gomposition bildet als Boromma natr den 
königlichen Titel: höchste Zuflucht. Nattaya bezeichnet ein 
Omen. Im Siamesischen Pali-Lexikon heisst es : Natha va khon 
ram : Natha meint einen Tänzer, der (von Thevada oder Engeln) 
besessen ist. Ming bedeutet etwas besonders Schönes, wie Jot 
ming, Ming samon, Ming atja. Chak oder längsweises Spalten 
wird mit Ru verbunden, um genaues Wissen auszudrücken. 
Breite Sachen eng und lange kurz machen heisst Joh. Chom- 
Pluek sind die von den Termiten (Pluek) gebildeten Hügel, und 
Chom, das etwas Erhabenes bezeichnet (wie Chom-Khao oder 
Berggipfel), tritt in manchen königlichen Titeln auf, wie Chom- 
Phop (Spitze der Welt), Chom Trai (Spitze der drei Reiche), 
Chom Khao (Spitze des Hauptes). Zu den Titeln der Königin- 
nen gehört Chom Khuan (Spitze des Scheitels). Nab-thü meint 
„zu verehren, *' indem man die Stufengrade zählt (nah). 

Eine Provinz verwalten heisst : Kin Bahn Kin Myang (Dör- 
fer und Städte essen). Das Regieren wird bezeichnet als: Savoi- 
raxa-sombat (im königlichen Styl die Schätze verzehren). Myang 
bezeichnet Stadt und Land, ursprünglich den Palast, wie im 
Laos-Wort Vieng die Bedeutungen von Palast, Stadt und Land 
begriffen sind und die Vorstellung runder Umwallung dem Aus- 
drucke zu Orunde liegt. 

Ein Wahnsinniger wird Batha-Chitr genannt, der den Ver- 
stand in den Füssen hat. Epileptische heissen Ba-Mu, weil sie 
toll wie Hunde sind. Ein hastig unruhiger Mensch, der nach 
Allem greift, ist ein Khon-mtt-bon (dem die Hände jucken). 

Wenn ein unartiges Kind im Hause schreit, so werfen die 
Eltern drei Reisklumpen auf das Hausdach für Meh Stt, das 
buntscheckige Mütterchen, das die Kinder bewacht, und rufen: 
Meh Stt, oi, ma rab Khao pan voi vo (Komm, Farbenmutter, 
komm und nimm deinen Reis, komm, so komm doch). 

Die Krähe kommt aus dem Walde hervor, die Neuigkeiten *) 



*) In VollultederD versehen Vogel gewöhnlich Botendienste; sie bringen 
Kunde von dem, was vorgegangen ist, und werden mit Meldungen entsendet 
BKhmlaeh Mgt man: „Etwas vom Vogel erfahren. *" Slovenische M&rchen aprechen 



222 Sitten und Gebrineha. 

erzählend, die sie dort gehört hat^ nnd so sagen die SiameseDi 
(lagR die Krähe Nnehriehten bringe (Ka bok kbao); wenn sie 
8ic krächzen hören. Sie werfen dann einen bnntgefUrbten Reis- 
kluiupen aaf das Dach, nnd wenn die Krähe davon frisst, hat 
8ie wahr gesprochen^ wie es durch die spätere Ankanft eines 
Freundes bestätigt werden mag. Folgt aber ein Unfall, so sagt 
man Ka pen Lang (eine Krähe böser Vorbedeutung). In Etmrien 
war die Krähe dem Juno heilig. Die Araber hörten anf die 
Krähe, die Tyrrhenier auf Adler, bemerkt Porphyrius. 

Wenn die Frösche ärgerlich sind, weil der Regen ihre 
Löcher durchnässt, so quaken sie Ueng-Ang, indem die weib- 
lichen Frösche üng schreien und die männlichen mit ang ant- 
worten. 

Wenn ein Knabe, dem sein Vorhaben misslungen ist, nieder- 
geschlagen wie ein begossener Pudel dasteht (Kö), so necken 
ilin seine Gefährten mit Kui, Kui, was sehr ärgerlich ist. Einige 
Knaben sind so empfindlieh gegen Tadel und Spott, nnd so ehr- 
geizig auf Lob, dass sie, wenn etwas über sie geredet wird, 
ganz ausser sich kommen und wie wahnsinnig mit dem Kopfe 
gegen die Wand rennen. Man nennt sie Ba-Jo oder „ttber Schene 



vün einem allwissenden (vedesh) Raben, und Odin war von Huginn und Muntnn 
begleitet (Grimm). AVie der Vogel der Azteken singt die Kr&he auf ainiaatni 
Ast dem Jung Kouur (im Kigsmal) auf Kriegsfahrten auszuziehen. Hermegfi* 
clus, Konig der Varner, lernt (bei Procop) durch Geiergeschrei sein nahea End«, 
Nach Kadlnbck wurde Krakau gebaut, wo die Raben krächzten. Der Tandaliidie 
Konig Crocus, der Tor dem Einbruch in Spanien Gallien verwfistete, word« tob 
Marius zu Tode gemartert. Im Koran hat Jeder Mensch seinen Vogel (als S«el«) 
um den Hals gebunden. Nach den libris reconditis der Auguren konnte Jeder 
Vogel ein Ausplcium machen. Wie die Alites durch den Flug, waren die Oicluea 
durch die Stimme ominös. Alites volatu auspicia facieutes, istae putabantur, bu- 
teo, sangualis, immusculus, aquUa, viilturius (s. Sext. Pomp.). Den Chinesen ist 
die Elster von guter Vorbedeutung, die Krähe von schlimmer. Die Eule, als Ge* 
saudter des dunkeln Landes, ist ein Todesvogel, „a transformation of one of 
the servants of the ten kings of the infernal regions** (s. Doollttle), die Klagf- 
muhme oder (nach Ovid) dirum mortalibus omen. Als verschleierte Neith trog 
die blauäugige Athene der Luft die Eule auf ihrem unsichtbar machenden Helm* 
In der Vendee giebt es Vögel , die die Wege der oberen Seen kennen und lo 
Botschaften an die Seligen im Paradiese bringen können (s. Huber). Im Kdnlf* 
reich Zendero wurde (nach Lndolf) die Hemcherwahl durch Vogelruf 



Bedansarten. 223 

Tolle." Wenn dagegen spöttisch reizende Worte ganz und gar 
keine Wirkung auf einen Knaben äussern, so sagt nian^ dass 
nlle Früchte (Luk-Jo) von dem Jo-Baume abgenommen sind 
und der Baum ganz kahl dasteht. 

Wenn ein Knabe^ weil er anfangs nicht darauf hörte, im 
ärgerlichen Tone gerufen wird und seine Kameraden ihn dar- 
über verspotten, so heisst das : Tham Praxot. Wenn eine durch 
ihren Mann geprügelte Frau ihre Kinder schlägt^ so heisst es: 
Ti Praxot. Wenn ein Mann in einem Zanke iBtatt seine Feinde 
seine eigenen Verwandten beschimpft, so heisst es: Da Praxot, 
nnd wenn es im Scherze geschehen, Da Kathah. 

Worte, die in einförmiger Leier wiederholt werden, um 
Andere zu ärgern, heissen Phut-samsak, wie z. B. Ohm-Takeh, 
als eine Zusammenstellung des Crocodiles (Takeh) mit dem 
Anfang der heiligen Formel fAum^. Kham wet sind Prahlworte, 
Ä. B. „Was nun diesen Mensehen betrifft, so sehe ich nicht ein, 
warum ich ihm nicht den Garaus machen sollte!" „Heute denke 
ieh ein hübsches Stück mit dem Mosje zu spielen, es wird vor- 
bei mit ihm sein f Van-ni kha cha len ngam khon nan, cha tham 
mon). Die Kham-Tat-Pho sind ironische Tadelworte, wie : „Was 
das Essen betrifft, so würde es besser sein, spazieren zu gehen" 
(von einem Vater an seinen Sohn gerichtet, der den ganzen 
Tag sich umhertrieb und nur zur Essenszeit zurückkommt). 
„Warum kommst du schon zurück? Würdest du nicht besser 
drei Tage fortgeblieben sein? (einem Boten gesagt, der, obwohl 
lur Eile angetrieben, lange verzögerte. „Es scheint, du wirst 
Gteld genug haben, um Kisten und Kasten zu füllen." „Wird 
es nicht hübsch sein?" (liai ngam hna rü). Verächtlich gesagt 
fkham yao-yia): „Hinsichtlich dieser Feinde des Königs, so 
sind sie verdienstlosen Leuten zu vergleichen, die sich ver- 
messen wollten, die Sonne anzugreifen." „Wenn ihr euer Heil- 
mittel gebt, wird es nicht Schade darum sein?" 

Einer Person, die sich in fremde Angelegenheiten einzu- 
mischen liebt, wird gesagt: „Wenn du ein Schwein auf den 
Schultern trägst, stosse keinen Stock dazwischen, wenn Liebende 
sich umarmen, drücke dich nicht in die Mitte." Jemand, der 
über eines Andern Drohungen lacht, sagt: „Gehe nicht nur zum 



224 Sf^^^'' und Gebriaehe. 

Tribanal der Richter, sondern gehe auch gleich xu dem könig- 
lichen Oberappellations-Gericht.^' >,Wir werden noch seheiii 
das» dn Geld genug erhältst, um kein Ende zu finden/' sar- 
kastisch gcsprociien (put thak tliong). Einem Mensehen ohne 
Lebensart wird vorge werten, dass er keinen Stammbaum (kra- 
kun) habe. 

Den tliörichten Unverstand, von alten Gebräuchen nicht 
abweichen zu wollen, illustriren die Siame«en durch das Bei- 
spiel zweier Reisenden, von denen sich der eine den ganzen 
Weg mit der ursprünglich aufgepackten Last schleppte, während 
der andere an den Orten des Durchpassirens seine Waaren 
immer wieder für die dort gangbaren Artikel vertauschte und 
so im vortheilliaftcn Kauf und Verkauf mit jedem Schritte des 
Weitergeheus sein Vermögen vermehrte. Dann erzählen sie 
von dem Storch , der auf einem Reine *) steht und das andere 
nicht niederzusetzen wagt, weil er durch seine Schwere die 
Erde zu erschüttern fürchtet, oder dem kleinen Eisvogel, der 
auf dem Rücken liegend seine Beine in die Höhe streckt, am 
dem Himmel zur Stütze zu dienen, wenn er drohen sollte, lo- 
sammenzufallen. 

Khon ni pen fai sum khon : Dieser Mann ist wie das Feuer 
Sum klion (in welchem grosse Holzblöcke aufgelegt werden, 
um langsam zu verbrennen J oder Klotzfeuer, d. h. er brtttet 
über seinen Zorn, im Gegensatz zum Fai Fang oder Strohfeuer, 
womit ein leicht Aun)rausender , aber auch leicht wieder Be- 
ruhigter bezeichet wird. 

Als Spottlied wird gesungen: 

K harnen then theh 
Kin takeh tom jaui 
Lau pung dam 
Kin jam takeh. 

Der Kambodier, wahr und acht 
Isst das Crocodil im Ragout, 
Der Laos mit schwarzem Bauch 
Isst ein Ragout vom Crocodil. 



*) In China trinkt der einbeinige Vogel Yusz Shin oder Shengyang die See 
«af, um Regen zu erzeugen. 



Ammen-BtiiDe und SprlebwSrter. 225 

Ammen-Reime (phleng Elom) giebt es^ wie die folgenden: 
yyTakkadeh (die Gecko- Eidechse) , was schwatzest dU; du 
Schwätzer. Das kleine Eidechschen läuft dort an der Wand; 
dort hängt es an der Decke, mit dem Kopfe abwärts. Da liegt 
er nun, und will nicht schlafen, das Eidechschen kommt und 
isst seine Leber, isst sie auf mit Stumpf und Stiel. Sicherlich, 
so isfs!'' 

Pu jai akamato mai ru namo: Er ist schon ein grosser 
Kerl und kennt noch nicht namo '(das Abc, indem die von dem 
Pali derivireuden Alphabete im Namen Buddha's, als seiner Ver- 
ehrung, beginnen), zu den Both Xabang (rhythmisclien Versen) 
gehörig. 

Sprichwörter (Kham Prieb): „Dem Schicksal kann man 
nicht entfliehen,^ Müa kala cha ma thUng cha mi thot le rü 
(wenn die Zeit erfüllt ist, kannst du entkommen, heh ?). „Eine 
Katze im Sacke kaufen,^ SU khuai klang nong (einen BUiTel 
im Teiche kaufen). „Die Sonne wartet nicht auf uns" (Phra- 
Snriya mai khai). RUa lom nai nong thong cha pai khang nai : 
„JTenn das Boot auf dem See sinkt, geht auch das Gold unter*' 
(von Jemandem gesagt, der sein Geld aufspeichert, statt Opfer- 
gaben zu bringen). „Nicht jede Arznei passt Jedem" (Lang khon 
xon langya). Son-Fai: „Vom Feuer getrieben" (gilt von einem 
solchen, dem das Feuer auf den Hacken zu brennen scheint). 
Häufig wird das Gleichniss von Scylla und Charybdis gebraucht 
(Auf das Land steigend, wird der Tiger in dem Boote das Cro- 
codil getroffen), das schon von Pallegoix mitgetheilt ist, wie 
auch: „Lege nicht das Boot quer vor den Strom!" „Vergiss 
nicht die Axt, wenn du zum Walde gehest!" „Mag auch der 
Hund beissen, beisse doch nicht den Hund." Dass auch der 
gute Homer zuweilen schläft, wird damit entschuldigt, „dass 
selbst ein Elephant mit seinen vier Ftlssen fehltreten kann." 
„Wer viele Bücher gelesen hat und ihren Inhalt kennt, fttr 
den ist Stehlen eine um so grössere Sünde." „Von Gelüsten 
giebt es drei Arten, eine grobe, wie zerbrochene Stücke, eine 
mittlere, wie zerstossene, eine feine, wie zerriebener Staub." 
„Lass Niemand darum wissen: auch die Vögel haben Fürsten 
und Herren." „Lass Niemand darum wissen: auch der Hund 

Bastian, BeUe in Siam. III. * 15 



226 ^*^^° °"<^ Gebräuche. 

kann zornig werden." „Er sieht nur die Dinge vor Nase and 
Mund, da ist keine Ueberlegung." KlUn mai long to: „Ea kann 
nicht verschluckt werden" (von verbotenen Sachen gesagt). 
Cheb thuk sen bon: „Schmerzen bis an die Haarspitzen." Tarn 
Sieug Run Sieng Bab : „Nach der Stimme der Verdienste und 
Vergehen" fwas immer geschehen mag). 

Die Payak-Na genannte Geberde, in der der Kopf ein we- 
nig zurückgeworfen wird, drückt Bejahung ans. Dagegen schüt- 
telt der Siamese den Kopf, um etwas zu verneinen. Er winkt 
mit der Hand abwärts gebogen. Wenn man ihn fragt, ob er 
etwas nicht läugue, so nickt er Beistimmung, dass er es nicht 
thue. Statt zu küssen*), drücken die Siamesen die Gesichter 
auf einander und ziehen den Athem ein. 

Jack-Khiu ist ein von Männern den Frauen gegebenes Zei- 
chen durch Blinken mit den Augen. Khuak Mü bezeichnet das 
Winken mit der Hand (Khuab). Payok-Payöt wird gesagt, 
wenn man mit dem ganzen Körper sich vor Lachen schüttelt. 

In Kham sam nnem (zweideutige Wortspiele) sagen die 
Siamesen in Antwort zu Einem, der sie aufgefordert hat, ihn 
allein zu lassen (Mön oder wende dich ab): Tha mön cha tok 
taphan, wenn du dicli abwendest, wirst du von "der Brücke 
fallen. Verlangt Einer eine Feder (Pakka), so antwortet der 
Andere : Gieb mir erst ein Messer, den Krälienschnabel (Pak-ka) 
abzuschneiden. Wenn Jemand den Fluch Fa Pha, „dass ihn 
der Donnerkeil treffe," in der abgekürzten Form Pah-Si ge- 
braucht, mag ein Zuh<)rer einwerfen: „Freilich musst du öfliien 
Cpha), wenn du die (Kokusnuss-)Frucht essen willst." Auf den 
Schwur, „dass du in die Hölle fallen mr>gest," antwortet der 
Andere: „Was, Hölle! Hier ist Hölle!" Auf den Vorwurf, dop- 
peldeutige Worte (Kham sam nuem) zu reden, antwortet der 
Andere! „Ich habe noch keine drei (sam) nuen (Gesichter 
oder na), sondern nur eins." Mai mi peng nuen cha phat na, 
oder: „Ich habe kein Peng (getheiltes) nuen (Peng nnen oder 
Toilettenpulver) für mein Gesicht" (das nicht in drei Theile ge- 



*) In their Baliitation« the New-ZeaUnders enibrace and rub noses with each 
otber, on wbich account they prefer good broad onea (Brown). 



Rithsel. 227 

theilt igt). Auf den Angrnf Khan Xing! (es ist wirklich wun- 
derbar!) bemerkt ein witziger Beisteher: Khan jang rai kha 
mai xai kai^ „ich bin kein Hahn^ dass ich krähen (khan) sollte.^ 

Kindergebranchen im Sprechen immer das höchste Pronomen 
(Ku) und reden die Anderen mit dem niedrigsten (Mting oder 
Ning) an. Ein beliebtes Schimpfwort der Kinder ist: Da pong 
pong (von Gemeinheit Aufgeschwollener). 

Wenn die Siamesen im Walde einen Gefährten rufen, so 
aennen sie das: einander kuen (kuh-kan), der Eine ruft: kuuuh, 
and der Andere antwortet: kuh rabp. 

In Spielerei gesprochen sind die Kham Len, wie Fan hak 
patu phi (der Zahn zerbrochen, ein Loch fttr die Leiche), wenn 
Kinder einen abgebrochenen Zahn im Munde sehen und das 
Loch aus Neckerei mit der Oefinung vergleichen, die in die 
Wand eines Hauses gebrochen wird, um eine Leiche auszu- 
tragen. 

Kinder belustigen sich mit der Aufgabe schwieriger Sen- 
tenzen, die rasch gesprochen werden müssen, und dann den 
Sinn ändern, wie Pho Pu Khtin Me Pu (der Urgrossvater neben 
der Urgrossmutter) verwandelt sich in Pho Ku Khtin Me Ku 
(mein Vater neben mir, seiner Mutter), oder Pit Patu Thöt Pit 
Patu Bot (schliess die Thür, schliess des Tempels Thttr); Mo 
Loi Ma Ha Phe, Phe Loi Pai Ha Mo (der schwimmende Topf 
stOsst an das Floss, das schwimmende Floss stösst an den 
Topf) u. 8. w. 

Pritsana oder Räthsel : „Es lebt in der See (Pha Stta, der 
Tigerfisch mit Flecken), der Schwanz geht auf und ab (Hang 
Stta , der Tigerschwanz oder Steuer eines Bootes) , die Hand 
ist gutes Essen (Müa SUa, Tigerklaue, Name einer Kartoffel- 
art); fttr sich selbst ist das Ganze ein Thier, das nicht fliegen 
kann.^ Auflösung: Stta (Tiger). „Sein Name ist Phaxi (ein 
poetischer Ausdruck ftir Pferd), es ist aber nicht ein Assadon 
(ein anderes Dichterwort ftlr Pferd) , es reitet auf allen Leuten 
in der Stadt, erst macht es heiss und dann ktthlt es.^ Die 
Anflösnng ist: Pha khao ma, eine besondere Art Tuch, die das 
Tuch de« weissen Pferdes heisst und um den Hals getragen 
wird; beim Baden aber zum Abtrocknen des Gesichtes dient 

15* 



228 ^^^D ^^^ Gebräuche. 

und SO diejenigen ktthlt, die es vorher erhitzt hat. „Sakkho 
mit drei Aagcn ist hier kein Beiname Phra In's (Indra's), mil- 
des und sttsses Wasser füllt das Innere als stiller See, hoch 
hängt's auf Baumes Wipfel, Haarfiiden sind viele drin verbor- 
gen.^ Die Kokosnuss. Im Paksi-Pakkaranam wird die Llteaiig 
schwieriger Rätlisel dem Riesenvogel abgelauscht, wie in dem 
waldeckischen Märchen (hei Curtze) dem Pfau. 

Bei Scheit Worten pflegen die Siamesen Ai fttr den Mann 
und Ih für die Frau bcizuflJgen. Ai Na Hia (o Eideohsen- 
gcsicht), Ai Changrai (o Verfluchter oder Unglttcksvogel), Ih 
To-leh (du unverschämte Lügnerin). Ein Dickhäutiger wird 
begrüsst als Ai Nah Kuek (o du Gesicht wie ein Schuh), Ai 
Nah Kala (o du Gesiclit wie eine Kokosnuss), Ai Nah Son tin 
(du Gesicht wie der Hacken des Fusses). Einen Schamlosen 
gicbt man die Auswahl von Ai Nah Vok (Affengesicht), Ai Na 
Ma (Hundsfratze), Ai Nah dan (unverschämter Geselle), Ih Khon 
Nah dan (solch' eine Impertinenz). In den Feinheiten der 
Schimpfreden Bewanderfe mögen sagen : Fho-Kak-Ban (iss dein 
eigenes Gefressenes), oder: Thut idak heeng (ich spncke vor 
dir aus, du aufgetrockneter Anus). Löffel oder Wasserschöpfer 
scheint den Siamesen eben so brauchbar zum Schimpfen wie 
den Engländern „Spoon." Tham arai (was soll ich machen?}, 
Tham tavak (mach' einen Löffel), Ai tavak sab (oh, du aer- 
brochener Löffel), Ai tavak cut (o du ausgeschrapter Löffel). 
Als Fluchwort (Kham sabot) verwenden die Siamesen: Pa-pha 
(möge mi(»h der Donnerkeil erschlagen), oder: Fa-Phi (der Dä- 
mon des Himmels). Khon changrai ist ein mit Ungeziefer Be- 
deckter. 

Die Siamesen schlafen mit dem Kopfe nach Norden und 
den Füssen nach Süden, oder mit dem Kopfe nach Osten nnd 
den Füssen nach Westen, weil im Schlafe mit dem Kopfe nach 
Westen der Kopf verloren ging, vom Winde fortgerissen und 
durch einen Elephantenkopf ersetzt werden musste. Nach alter 
Sprechweise wird der Norden als Hua-non (Kopfkissen), der 
Süden als Pai-Tin (Fussseite) bezeichnet. Da Leichen mit dem 
Kopfe nach Westen verbrannt werden, müssen Lebende in den 
Häusern eine östliche Kopflage beim Schlafen wählen. Doch 



Deutongen. 229 

braacht man es auf Reisen and in Böten nicht so genau zu 
nehmen. Es ist ein böses Omen^ in Gesellschaft eines Priesters 
TU schlafen. 

Wenn die Siamesen die Kanom genannten Kuchen backen, 
so singen sie gewisse Reime dazu. Im siamesischen Gesänge 
wechseln gewöhnlich die Chöre der Knaben und Mädchen, bis 
inletzt beide zusammen einfallen. Bei Verfertigung der Kanom- 
kheng (Schtisselkuchen) um Neujahr werden Liebeslieder ge- 
sungen. 

Die Siamesen vermeiden nicht nur über Menschen hinüber- 
BUtreten (kham), sondern auch über Bücher. Die Zeitdauer, 
die durch das Wort Sak-kru (gewöhnlich übersetzt: sogleich) 
ausgedrückt wird, meint eigentlich so lange, wie es braucht, 
dass ein Topf mit Reis in's Kochen konmit. Der Russe ge- 
braucht für augenblicklich SeY tschass, und nimmt sich auch 
eine Stunde. 

Wenn ein Siamese mit einem Andern vertrauensvoll eine 
einsame Waldreise unternommen hat und dort von ihm auf dem 
Wege ermordet wurde, so ist es Siah-kroli. Wenn Jemand 
durch die Betrügereien eines falschen Spielers sein Geld ver- 
Bert, 80 sagt er Sia-thi (Vanni sia tlii) oder Sia ru. Die Anu- 
kroh genannte Ceremonie macht die bösen Folgen des Kroh un- 
sehädlich. 

Sadao meint zu „lösen", wie wenn ein Hexenmeister an 
einen Schlüssel blasend, denselben löst, so dass er aus der Thür 
herausföUt, oder Gefangene sicli von ihren Ketten lösen. Sa- 
dao-kroh bedeutet, durch die angemessenen Ceremonien dem 
bösen Geschicke entgehen, davon erlöst werden. Bando-kroh 
geht auf die Sühnung der Dämonen durch Opfer, und Bando 
ist der Name einer von den Brahmanen gebrauchten Formel. 

Wenn Brüder sich trennen müssen (luang-suang) , so spre- 
chen sie Segensworte über einander, die als schützende Mächte 
bei dem entfernten Geliebten zurückbleiben. 

Von Sachen, die in Abweichung aus dem gewöhnlichen 
Gange der Dinge gethan sind und Unglück herbeifllhren, heisst 
est, dass sie Abpri seien. Ein schlechter Mensch, der Schaden 
verorsacht, wird ein Khon-abpri genannt. Es ist Abpri, wenn 



230 Sitten ODd Gtbfinck«. 

in der Nähe eines Klosters das Hansdach von einem Baome 
dorch wachsen wird. In den Cevennen bringt es Unheil, wenn 
ein Banm seine Aeste über das Hans breitet (s. Hocker). 

Sadiet'Changrai sind Dinge übler Vorbedentnng. wie z. B., 
wenn Jemand einen Bambus mit dem Kopfe einpflanzt Mit 
Bat-Phli, den Opfergaben von Reis, Bananen nnd anderen Em^ 
waaren, denen sechs SalUng Geldeswerth heigefllgt sind, wen- 
den die Siamesen Unfälle ab fals Kadoh-kroh). Ffirchtet man 
die aas den bösen Constellationen des Mondes erwachsenden 
Folgen des 8ia-kroh, so wird ein mit Weihwasser besprengter 
Korb ans Bananenblättem (Kathong) mit Blumen nnd Knehen 
gefüllt, einem Mo (Magier) übergeben, um ihn aufs Wasser zn 
setzen. 

Wenn Spieler kein Glück haben, so sagen sie Sia-kroh 
f möge Missfall fern sein ). Um Uebel {k.roh) abzuwenden, wird, 
im Anpressen der Zunge gegen den Gaumen, das Krado ge- 
nannte Geräusch gemaclit, das auch von Kindern im Spiele er- 
zeugt wird, und als Schnalzen dazu dient, einen Hnnd herbei- 
zulocken. 

Den schlimmen Consequenzen des Abprih-Ghangrai wird 
durch die Ceremonie Siah-kroh entgegengewirkt. Wenn Je- 
mand unter einem Seile hinging, auf dem weibliehe Kleidungs- 
stücke hingen, wenn er im Unterraum eines mehrstöckigen 
Hauses die heiligen Schriften Buddha's liest oder durch sonst 
etwas gegen die Sitte verstösst, so hat er zwar keine Sttnde 
fbab ) begangen, aber doch ein Changrai, und mnss die in Un- 
glücksfällen drohenden Folgen dadurch abwenden (kan-saniet), 
dass er dem Plira-Thorani, dem Schutzgeist der EIrde, eine Ca- 
pelle (Sanj baut. Hat Jemand mit seinen Füssen den Kopf 
eines Andern berührt, so fallt Changrai auf Beide, nnd Beide 
müssen Capellcn bauen, um in integrum restaurirt zn werden. 
Dasselbe findet statt, wenn Jemand über den Körper eines An- 
dern, der an Rang höher steht, hingetreten ist, oder wenn eine 
Frau ihre Hände auf den Kopf eines Mannes gelegt hat Doch 
mögen solch' leichtere Fälle auch dadurch in's Gleis gesetzt 
und gut gemacht werden, dass man den Kopf mit Weihwasser 
(nam monj besprengt. Wenn Jemand den Kopf eines Aad^m 



Omina. 231 

mit einer Hacke bertthren sollte^ so ist dieses Changrai. Würde 
aber Verletzung damit verbunden sein^ so liegt Ubat vor, und 
der Thäter muss Satisfaction geben im Tham khuan. Sollte 
ein Sklave auf solche Weise von seinem Herrn beleidigt sein, 
so kann er Freilassung beanspruchen. 

Das Knirschen eiper Thtir im Palaste wird von den Chro- 
nisten als Vorbedeutung der bald darauf ausbrechenden Revo- 
lution erwähnt. Die Geschichtsbücher erzählen, dass der König 
von Pegu, als er im Jahre 905 Ch. S. zum Angriffe auf das 
Biamesische Heer ein Omen erwartete, seinen Soldaten befahl, 
anter Schwingen der Schwerter und Scliilder in kriegerischen 
Spielen zu tanzen und in Partheieu getheilt an Stricken zu 
ziehen. He hal rufend. In Siam wurden die alten Spiele im 
Jahre 838 erneuert. 

Wenn ein kleines Kind in dem Zimmer eines Kranken zu- 
fUUig die Worte fallen lassen sollte „bald sterben", und der Tod 
tritt in der That ein, so sagen die Siamesen, dass die Worte 
des Kindes „lang" geworden sind, d.1i. sich nach dem Geschicke 
erftillt haben. In den Annalen wird mehrfach erwähnt, dass 
aus zufällig auf der Strasse gesprochenen Worten Omen*) ge- 
zogen wurden, wie sich die Franken durch die ersten Worte 
leiten Hessen, die sie in den Kirchen singen hörten. Die Aegypter 
waren auf die von spielenden Kindern gesprochenen Phrasen 
anfinerksam. Wenn ein in der Fremde Abwesender zufällig 
den Stimmen der Vögel lauscht, so verbindet er die Töne in 
den Gedanken mit den Erinnerungen an seine fernen Freunde 
in der Heimath, und sollten später solche Unglücksfälle, wie 
aie damals durch Vorahnung in ihm aufstiegen, wirklich ein- 
treffen, so pflegt er zu sagen, dass da« von den Vögeln früher 



*) II 7 a un antre, oü les Siamois vont faire des sacriflces au g^nie, qni y 
piMde. Apr^ y avoir fait leure prinres, ils en sortent et prennent la premi^re 
parole. qo*ili entendeDt pour la rt^ponse de Toracle, quMls oni consult^ (Tachard). 
Die Bakides weissagten nach dem Opferstier Bakis in Hermunthis. Der Chinese 
gebt nach Verehrung des Küchengottes auf die Strasse. The flrst sentence, he 
ean distinguish, he eagerly fixes in his memory and having meditated on it, 
dtiwB eonelusioDS ttom its general tenor (Doolittle). 



232 Sitten und Oebrincbe. 

Verkündete „Lang" (durch den Gang des GeschickeB Wirklich- 
keit) geworden sei. Wenn ein Siamese Nachts sein Haar vor 
einem Spiegel kämmt; so ist es Lang und wird als böses Omen 
Unglücksfälle herbeiführen. 

Während Phrachao Krung-Thai die Stadt Phanomtjang- 
kang belagerte (1563), wurde er von Phraxai, dem Könige 
Panompens, überfallen und vieler Gefangener beraubt, worauf 
dieser spottend von den Siamesen sagte : Siem jang Kang (Siem 
oder Hacke) und den Thai diesen Spottnamen gab. Als Chao- 
phaya On die Flussflottille des zweiten Königs der Laos zer- 
stört hatte und viele Gefangene nach Kambodia fortführte, kam 
das Sprichwort auf: Ai Lao Rüa hak (o du Laos, das Boot 
ist zerbrochen). 

„Man mag in einem engen Platze weilen, aber mit be- 
wegtem Herzen ist es schwer zu rasten", heisst es im Sprich- 
wort, und sobald der Siamese sich geistig bedrückt fühlt, lässt 
er alle Arbeit liegen, da sein Sinn nicht gesund ist (mai sabai 
chai). Bun-noi, das Verdienst ist klein, gilt von solchen, die 
in Annuth fallen und jung sterben, ünglücksschläge , wie 
Krankheiten oder anderes Elend, das an den Tod erinnert, 
werden Theva-thut (Botschaften der Engel) genannt 

„Weil ich es träumte, fand ich diese Reichthümer", sagt 
man von einem Manne, der unerwartet reich geworden ist. Ein 
glücklicher Mann wird Sob di genannt, ein solcher dagegen, 
dem Alles quer geht, Sob-rai. Wenn Jemandem ein glücklicher 
Zufall begegnet, wenn er z. B. einen Freund triffl, der eben auf 
dem Wege ist, ihm Geschenke zu bringen, so sagt er: „Eis 
war der Thevada, der mein Herz dorthin bewegte." (Thevada 
dön chai). Wenn eine Henne in der Nähe eines Hauses kräht, 
so jagen sie die Siamesen nach dem Kloster hin, da sie ftbr 
ihre Wohnung Changrai (sclilimmer Vorbedeutung) sein würde. 

Die Pothaitliibat genannten Meteore in wunderbaren Zeichen 
von Feuerkugeln und Lichtern erscheinen demjenigen, dem Un- 
glück und Armuth bevorsteht. Eine Frau, die eine Nacht son- 
derbare Geräusche im Hause hörte und einen Lärm, als ob alle 
Töpferwaare zusammenbräche, hielt es am nächsten Morgen, 
da sie beim Nachsuchen keine Ursache entdecken konnte, fttr 



Hanswelhe. 233 

ein Pothaithibat und Verliese ihre Wohnung,*) um während 
mehrerer Monate in einem Boote zu leben. Sie baute dann ein 
nenes Haus, wurde aber unmittelbar nach dem Einzüge von 
ELrankheit befallen und starb innerhalb weniger Tage. 

Kham-nab sind segnende Worte, von einem Schwerkranken 
oder von scheidenden Freunden gesprochen, die entweder an 
die Thevada-Akat (die Engel des Himmels) gerichtet sind, oder 
an die Phrüksa-Thevada, die Engel der Bäume. Zuweilen 
werden zu gleichem Zwecke metrische Gebete (phleng-mon) re- 
citirt, in denen die Wald-Nymphen der Kinara (mit mensch- 
lichem Körper und VogelfÜssen) angerufen werden. 

Vor Legung des Fundamentes bei einem Hausbau werden 
dem Erdgeiste oder Phra-Phum Segeusworte gesprochen, indem 
man ihn begrüsst mit dem Spruche : „Lass uns keine Krankheit 
leiden, mögen wir gegen Unglücksfälle geschützt sein!" 

Die bei der Hausweihe gesprochenen Segen sind z. B. in 
folgender Weise: „Dies Haus, das ich gebaut habe, ich flehe 
und bete, dass es mir ein glückbringendes sein möge, dass ich 
dort meinen täglichen Lebensunterhalt finden, dass ich mein 
Hab und Gut bewahren und vermehren möge. Dann rufe ich 
femer Wohlergehen herab auf meine Verwandtschaft, meine 
älteren und jüngeren Geschwister, und alle solche, die mir als 
Vasallen oder Sklaven dienen. Mögen sie Alle in Glück und 
Frieden beisammen leben." Der Engel (Thevada) des Himmels 
wird in folgenden Worten angerufen: „0 du, der Erde Herr, 
du, dieses Ortes schützender Genius (Pha-Phum-Chao-Thi), du 



*) Aubrey'g Haus wurde Im Jahre 1721 durch dasselbe Klopfen unheimlich, 
das seit den ,,Rochester Knockings'' mehr in Mode gekommen ist. Mather er- 
zlblt Ton einem Hause in Portsmouth (New-England) , wo die Familie „saw the 
•ppearance of a band put forth at the hall window throwing stoiies/^ Die Ofen- 
gtlster in Würtemberg zogen Kitt oder Kalk vor. Der „Gock lane Ghost'^ hatte 
Min Krgotzen daran, das Töpfergeschirr zusammenzuschmeissrn. Eine englische 
Dame in Florenz, die sich an Home gegen den Spuk ihres Hauses gewendet, be- 
richtet: We then entreated the spirit, to leave us, requiring it should return on 
tlie following evening and declare its pnrpose in thus tormenting us- This it 
promfsed and on being further adjured in the name of the Holy Trinity to leave 
OS, the demonstrations ceased (1856). 



234 S^^n ^nd Gebräuche. 

mit Kräften Begabter, da Verehrter und Geftirchteter, wollest 
du uns Scliutz geben gegen die verschiedenen Krankheiten, die 
drohen, dass wir von ilmen und allen ücbeln frei bleiben." 
Um ein Haus, in das sich Krankheiten eingenistet haben, nen 
zu weihen, werden Kham Suet (Gebete) und Kha hai-phon 
( Segenssprticlie) gesprochen. Der zugezogene Mönch antwortet 
darauf durch heilige Formeln (Ifon oder Mantras) und jeder 
der Bewohner trägt dann fttr drei Tage eine weisse Baum- 
wollenbinde (Uai) um die Stirn. Die Ceremonie Sai-sin wird 
auch für die Stadtwälle oder die Anlage eines Dorfes beob- 
achtet. 

Die Haare der Mädchen werden gewöhnlich zwischen dem 
12ten und 18ten Jahre geschnitten, und muss es geschehen, 
ehe die monatliche Reinigung eingetreten ist, da es später 
schäm voll sein würde. Die Knaben werden im 9ten, Uten 
oder längstens 13ten Jahre geschoren. Das lOte und 14te Jahr 
wird für diese Ceremonie als ungünstig betrachtet. Auch darf 
das Haarscheeren, ebenso wie die Verheirathung, nur in sechs 
aus der Zahl der Monate vollzogen werden, und sind die passen- 
den mehrentheils gerade. Für Augurien sind die ungeraden 
Jahre vorzuziehen. Die grösste Sterbliclikeit herrscht unter 
den Kindern vor Vollendung des ersten Jahres. Eine grosse 
Zahl der Siamesen ist linkshändig. Arme vermeiden zuweilen 
den Haarknoten der Kinder wachsen zu lassen, um so die 
späteren Ausgaben der Abscheerungs-Ceremonie zu sparen. Ge- 
wöhnlich aber lässt mau dafür von dem 3ten oder 4ten Jahre 
an die Haare wachsen, nachdem die ersten des Neugeborenen 
abgescliorcn sind. 

So lange die Kinder in Siam ihren Kopfknoten tragen, 
erlauben ihnen die Eltern nicht, beim Baden unterzutauchen, da 
das in diesem Wulst durchnässte Haar schwer trocknet und 
gewöhnlich ein neues Aufstecken und Anordnen erfordert. Im 
Kloster fallt diese Schwierigkeit weg für die kahlköpfigen No- 
vizen. Die Birmanen umgekehrt tauchen nach Herzenslust, so 
lange sie als junge Knaben das lange Haar frei herabflattem 
lassen, sind aber viel sparsamer damit, nachdem es in einen 
Haarbusch aufgeknotet worden, und gewöhnlich beschränken 



HtAxtcheeren. 235 

sie dann das Waschen des Kopfes auf zwei Tage im Monat, die 
sie als eine Art Feiertage beobachten. Auch bei den Siamcsen 
bildet der Rasirtag eine nothwendige Vorbereitung *) zu Festen. 
So heisst im Neujahr der erste der drei Feiertage Nan Kan 
(der Tag des Barbierens), der zweite Nan Phra (der Tag des 
Herrn) und der dritte, an dem Phra Songkran oder der Engel 
des Jahres niedersteigt, Nan Song (der Tag der Herabkunft) 
oder Nan Songkran (der Tag des Songkran). Beim Abscheercn 
des Haarknotens (Chuk) wird das Kind in Gegenwart der 
betenden Priester unter Blumen gesetzt, die von zwei, Bananen- 
bäume verbindende, Stangen herabhängen, und auf die Erde 
werden Bai Si umhergestreut, d. h. durch die Frauen aus Ba- 
nanenblättem zusammengewundene Kränze. Das Haar der Frauen 
wird so geschnitten, dass die Frisur allmälig abfällt, die der 
Männer dagegen steil. Die Männer rasiren den Schädel um die 
in der Mitte stehen bleibende Bürste glatt, die Frauen dagegen, 
die nur beim Leidtragen rasirt werden, lassen das Haar rund um 
die mittlere Frisur ganz kurz abschneiden und malen dann ge- 
wöhnlich eine schwarze Linie, von der Stirn auf über die Stümpfe, 
um ihre Ungleichheit zu verdecken und sie alle eben ei*scheinen 
zu lassen. Sie behalten ausserdem an der Seite eine Locke, 
die hinter dem Ohr herabhängt. Bei den eingewanderten Jucn 
bewahren die Frauen das lange Haar, die Männer aber pflegen 
es allmälig durch eine der Kathom-Blume ähnliche Frisur (Phom 
dok Kathom) der siamesischen (Phom dok Sek) zu nähern. 
Auch bei den birmanischen und peguanischen Colonisten be- 
wahren die Frauen ihre Tracht, nämlich das lange Haar mit 
dem Knoten (Phom muai), wogegen es die Männer nach sia- 
mesischer Mode kurz schneiden. Die Chinesen bleiben bei ilirem 
Zopf, und als die Tataren sie scheeren lassen wollten, betheuer- 
ten sie, lieber das Leben zu verlieren, als vor ihren Vorfahren 
in der andern Welt mit kahlem Kopf zu erscheinen. 

Khuan oder Ghom Kuan ist der Scheitel und ebenso der 
auf demselben residirende Schntzgeist des Hauptes. Khuan 
meint Satisfaction oder Vergütung, und tham Khuan einen an- 



*) Dtt JOdische £ref Schabbas oder BfistUgdes Sabbats. 



236 Sitten nnd Oebrinehe. 

gerichteten Schaden wieder gut machen, wie z. B. wenn man 
die Havarie eines beschädigten Bootes bezahlt (oder anch 
„Wette" leisten nach altsächsischer Gerichtssprache). Der 
schützende Genius des Hauptes muss sorgsam vor jeder Art 
der Verletzung bewahrt werden, und deshalb ist das Kopf- 
scheeren oder Rasiren mit so vielen Umständlichkeiten verknüpft, 
da ein Versehen in den nöthigen Cercmonien ihn erzürnen würde. 
Der Khurni oder Ming Khuan ist sehr kitzlich im Ehrenpunkt, 
und schon das Berühren des Hauptes durch eine fremde Hand 
würde ihn tödtlich beleidigen. Auch liebt er nicht allzu vieles 
Waschen der Haare und will Niemanden der nicht durch seinen 
Rang d;izu bereclitigt ist, über sich sitzen lassen. „Der Gott 
hat von den drei Gattungen der Seele die vorzüglichste, die im 
höchsten Theile des Kr)rper8 wohnt. Jedem als Schntzgeist 
verliehen," lehrt Plato. Wenn Kinder in Krämpfe fallen, so hat 
sich der Genius*) erschreckt (Khuan hai). Ist er aber ganz 
entflohen, so muss er zurückgerufen werden (Riek Khuan oder 
Xon Khuan), und ehe das nicht geschehen ist, kehrt dem Ohn- 
mHchtigen die Besinnung nicht zurück. Wenn die Operation 
des Ilorbeirufens **) mit dem ganzen Apparate der dazu dien- 
lichen Ceremonie ausgefülirt ist, so nennt man es Riek Ming 
Khuan. Zugleich rufen die Eltern: Khuan oi, Khuan tot (komm 
Khuan, komme doch!). Tham Ming hat ebenso wie Sing 
Khuan die Bedeutung, Jemandem Höflichkeiten erweisen, um 
Misshelligkeiten vorzubeugen oder schon eingetretene wieder in's 
Gleis zu setzen. So wird Satisfaction gegeben, indem man Ming 
macht und Khuan gelobt (sin). Eine geliebte Person heisst die 
Spitze des Khuan oder daa höchste des Ming, und ein Liebhaber 



*) Der Genius ist der Gott, unter dessen Schutze Jeder vermöge seiner Ge- 
burt lebt (nach Censorinus). Dieser wird entweder, weil er für die Gebnrf Sorge 
trägt, oder weil er bei der Geburt aufgeht, oder weil er gleich nach der Gebart 
beschützt, gewiss aber vom Gebären, a genendo, Genius genannt. In der lateini- 
schen üebersetzung des Hermas werden die ayy'ikoi durch genii wiedergegeben. 
Wie Ländern und Städten , schrieb man spater jedem Individuum eine Tyche za 
(s. Zopga), Phokylides einen Dämon. Nach Stryjkowski schützt Gulbi Dziewos. 

♦*) Die Chinesen tragen unter einem Spiegel den Rock des Kranken umher, 
um seine entflohene Seele zurückzurufen (s. Doolittle). 



Tham Khuan. 237 

spricht von dem Khnan der Angen, als der daraus hervorleuch- 
tenden Glückseligkeit. Eine Umarmung im Feuer der Liebe 
gewährt Khuan. Die Römer nannten ein freudiges Hingeben 
„indalgere genio" (bei Persius). Ohnmacht rührt her vom Khuan 
des Ghai, in seinem Verschwinden. Zuweilen befinden sich 
zwei Khuan oder Haarcirkel auf dem Kopfe, und von solchen 
Kindern glaubt man, dass sie zwei Väter liaben. Die Ceremonie 
des Tham Khuan wird auch allgemein angewandt, um günstige 
Einflüsse zu bewahren und Herzhaftigkeit zu geben. Das jähr- 
liche Umziehen der Stadtmauer mit geweihten Schnüren (nach- 
dem die auf derselben postirten Priester durch ihre Exorcismen 
die Dämonen verjagt haben) lieisst gleichfalls Tham Khuan. 
Ebenso wird Tham Khuan fttr Privathäuser angestellt. Im Tham 
Kuan zum Besten des Säuglings wird die Wiege mit Schmuck- 
sachen umhängt. Am Ende des ersten Monats beobachten die 
Eltern eine Tham Khuan genannte Ceremonie und schneiden 
das Haar ab, das bei der Geburt mit auf die Welt gebracht 
wird. Zum zweiten Mal ist ein freierliches Kopfscheeren mit dem 
Abschneiden des Haarknotens verbunden, und beim Tode muss 
der ganze Kopf rasirt werden. Frisches Feuer*) wird durch 
ein Brennglas entzündet (wie bei der Leichenverbrennung), oder 
jetzt durch Elektricität. Wie beim Scheeren des herangewach- 
senen Kindes (Klonchuk) wird auch bei der priesterlichen 
Weihe (buet nakh) Khuan (ein der Phasa Jai oder Phralim 
entnommenes Wort) angestellt. Um einem Boote Glück zu ver- 
schaffen, halten die Siamesen nach der Erbauung eine Tham- 
Khnan-Ceremonie für dasselbe ab und knüpfen ein Stück rothes 
Zeug an das Bug. Zuweilen werden Blumen hineingesetzt. 
Wenn Schnüre um das Handgelenk des Kindes gebunden werdep, 
um es vor Uebeln zu bewahren, so heisst es Tham Khuan. Hat 
Jemand einen Andern verletzt, so muss er fttr jede Wunde Ent- 
schädigung zahlen und ausserdem zum Tham Khuan eine bren- 
nende Kerze, die in ein weisses Tucli gewickelt ist, darbringen. 
Die Compensation ist nach dem Range verschieden. Der erste 



*) A flrebrand taken from Buddha*8, fbneral pUe was wonhipped at Jug- 
gernautb. 



238 Sitten und Gebriuche. 

König traf einst, ein engligclies Gewehr probirend, die Psilast- 
spitze des zweiten Königs, und dieser schickte, den Tham Klinan 
zu fordern, eine Dose, die sein erlaucliter College mit Gold ge- 
ftlllt zurücksandte. 

I)ns Tham Kan Phitthi (das Feiern von Festlichkeiten) und 
das Len-Cho-Xong (das Spiel mit Zauberlaternen) dient dazu, 
die bösen Geister zu schrecken und fortzutreiben. Im Tham 
Ming Sin Khuan umkreisen die mit )Iusik empfangenen Ein- 
geladenen dreimal das auf einem Throne sitzende Kind, des- 
sen Haupt gesclioren werden soll. Um den Reis zu sühnen 
(Tham Khuan Khao), wird eine Standarte auf djis Feld ge- 
pflanzt, von der rothe und weisse Biinder herabflattem. Auch 
die Kuh wird gesühnt, durch Tham Khuan Vua. 



Die Siamesen rechnen nach Niichten (statt nach Tagend 
und zerfallen den ;\Ionat in zwei Theile, Khang khün oder des 
zunehmenden Mondes und Khang rehm oder des abnehmenden 
Mondes, als die helle und dunkle Hälfte. Bei den Römern 
theilten die Idus den Monat in zwei Abschnitte, und fnach Ideler) 
entsprachen die Calendae ursprünglich der ersten Erscheinung 
der Mondsichel in der Abenddämmerung, die Idus aber dem 
Vollmonde. Alle drei Jahre wird den zwölf Monaten ein Schalt- 
monat durch Verdoppelung des achten Monats (Düen pet song 
pet) eingeschaltet. 

Die siamesischen Monate sind abwechselnd Khat (abge- 
schnitten oder kurz) und thuen oder Duen thuen (vollständig). 
Bei den ersteren besteht die erste Hälfte des Monats aus 14, die 
zweite aus IT) Tagen. Diese Klasse, als aus 29 Tagen be- 
stehend, heisst deshall) ki (ungerade) und entspricht den unge- 
raden Zahlen in dem ersten, dritten, ftlnften Monate. Die 
zweite Klasse, aus ;W Tagen bestehend heisst khu (gerade) und 
entspricht den geraden Zahlen im zweiten, vierten und sechsten 
.Monat. Es giebt zweierlei Einschaltungen. In jedem fünften 
oder sechsten Jahre wird dem siebenten Monate ein Tag zu- 
gefügt, und ausserdem wird siebenmal in neunzehn Jahren 
(nämlich einmal in drei Jaliren, einmal in zwei Jahren, dreimal 



Kaleoder. 239 

in drei Jahren; einmal in zwei Jahren and einmal in drei 
Jahren) ein Schaltmonat zugefügt dadurch^ dass der achte Monat 
verdoppelt wird. Der eingeschaltete Monat heisst Athikhamat, 
und der eingeschaltete Tag heisst Athikavat. Asatha fein 
Stern in der Nähe von Sagittarius) ist die Constellation des 
achten Monats ^ Cheta (Ueberlegung oder Sinn) die Constel- 
lation des fünften Monats (aus dem Chinesischen); Katti die 
Constellation des Novembers. Matarasi ist die Constellation 
der Geburt. Dithi sind Mondtage, mit dem dritten der Zunahme 
beginnend. 

Die Hon fHora) sind die königlichen Astrologen und prophe- 
zeien nach ihren Beobachtungen der Sterne. Die Mo Du oder 
Wahrsager gehen in den Häusern umher und verkünden die 
Zukunft ftlr eine kleine Vergütung. Einige sind Siamesen^ 
andere Chinesen, und die letzteren tragen zwei Stäbe in den 
Händen, die sie zusammenschlagen, um die Aufmerksamkeit auf 
sich zu ziehen. Auch finden sich einige Khek von Langka, die 
umherziehen und mit parfümirtem Weihwasser*) aus einer 
Muschel besprengen zum Segen und Wohlergehen. Jeder be- 
zahlt dafür einen Fuang oder giebt etwas Keis, wenn er kein 
Geld hat. Wenn die Bauern die Ackerbauarbeiten beginnen, 
so schiessen sie oft zusammen, um einen dieser Khek zur Be- 
sprengung der Felder herbeirufen zu können. Mitunter lassen 
sich auch Leute ihren Kopf besprengen, um auf denselben Segen 
herabzurufen. Um ein Besitzrecht zu übertragen ist es alte 
Sitte, Wasöer zu **) sprengen, aus Muscheln auf Buddhistischen 
Gemälden. In den Geschlcchtsbüchern werden die Hora zu- 
weilen als eine peguanische Nation genannt, und Loub^re, der 
sie mit den Brahmanen zusammenstellt, bemerkt, dass in Indien 



*) Der chinesische Missionar Verolles erzählt, dass bejahrte Frauen „furnished 
with ionocent pills and a bottle of holy water, introdnce themselves to parents 
whose ehiidren sre sick and teil them (if they discover danger of death) that be- 
fore applying the remedies, they must wash the forehead with the purifying 
water of their bottle, thns baptizing yearly 7000— HOOO infauts (1835). 

**) Durch Wassersprengen nahm Rodrigues de Coran^a Besitz von Guiana 
(1698). 



240 Sitten und Gebrinche. 

die Völker nm so aufgeweckter schienen^ je näher sie den 
Pegucrn wohnten (die in ihrem Namen Talein indische Mischung 
zeigen). Er erklärt Mon als Söhne der Adjigen oder Manda- 
rinen. Die Krahmanen werden Hon genannt^ von ihrem Feuer- 
opfer in Unterhaltung einer beständigen Flamme. Ausser fttr 
die Verfertigung des Kalenders, in dem die griechischen Namen 
wiederkehren, die Varahamihira (Verfasser des Horashastrams) 
in der Astronomie einführte (5()4 p. d.), werden die Hora um 
die astrologischen Einflüsse befragt. Die Hora erklären das 
Erlaubte und Verbotene (wie die irischen Könige, die die sieben 
Buadha oder Vorrechte genossen, auch durch die sieben Urg- 
harta oder Verbote gebunden waren). Horaa (im Neuhebräischen} 
oder Gemara (im Aramäischen) ist die traditionale Lehre, wo- 
gegen Sebara nur das Verständniss und Deutung der bereits 
gegebenen Horaa. Wenn durch planetarische Einflüsse böser 
Art Krankheit entsteht, so schickt der Patient zum weisen 
Manne, damit durch magische Ceremonien, die den Monaten*} 
entsprechen, das Uebel abgewendet werde (sia kroh). 

Phuttha (Mittwoch) **) meint „alt" und hat die Bedeutung, 
mit der Gunst eines hohen Alters zu segnen. 



*) Nang-hua-khat ist ungüostig, Phiphek gönstig, Phra Rahu ung&nstig, Sida 
günstig, Phralak gönstig, Meh Mut günstig, Phrahm günstig, TheTads gOlistlg, 
Phra 8ao ungünstig, Thiprasatthong günstig, Thevadakhitao günstig, Phlxat gün- 
stig. Celtae etiam et Dani suos atros et ominosos dies, quos vocant Vorworpao« 
dage, fastis ligneis inflxerunt (Wonnius). Phra-Sao ist ungünstig wie Saturn, und 
auch der Kuhtod in Holstein verlangt Berücksichtigung des Sonnabends. Pla- 
netic influence is styled Bal-lee-ab (planetic power) in Ceylon. The Bali ar« 
usnally flgures in relief (of clay or split bamboo), representing the planet, whoM 
influence is to be propritiated or averted. In time of sickness, -the worthippers 
dance and chant before them (s. Upham). Für Kranke, deren Planet bei der Ge- 
burt nicht niedergeschrieben war, wird ein Caroe-madie-Patie-Mangale genanntes 
Bali verfertigt (nach Kali Singar Karegay Gerrensoe). 

**) Die Leute von Harah, die an keine Wf'ltschopfung glauben, fangen die 
Woche an mit dem Mittwoch, dem Tage des Merkur, der ihr Stern ist (nach Ibn 
fisra). Die Sohne IlamV (in Indien oder Aethiopien) essen nichts, was ^on 
lebenden Wesen kommt (s. Steinschneider). Buddha-Dharma , der wie Merkni 
(dem Sohne des Jupiter und der Welthebamme Maya) dem vierten Wochentage 
vorsteht, ist der weltbanende Stier, wie Hermes (Turms im Etrorischen), Deminr- 
gos in B5otien (s. Hork), als £rflnder der Buchstaben mit Thant 



Meteore. 241 

Nang Mekhala^ die in den Wolken lebende Göttin, erzeugt 
als Nang Mani Mekhala oder die Wolkenfran des Kleinodes 
während der Gewitter *) den Blitz durch das OeflFnen ihrer 
Hand, in welcher sie einen leuchtenden Edelstein (Mani) trHgt. 
Wenn der blendende Glanz desselben in das Gesicht des Riesen 
Ramasnn auf dem Berge Meru fällt, ergreift dieser zornig sei- 
nen Streitkolben, ihn auf die Göttin zu schleudern, trifft aber 
nnr den rothen oder gelben Zwinger an seiner Seite, der im 
Donner dröhnt und zuweilen durch die Erschütterung an der 
Spitze abgefallene Stücke auf die Erde wirft, wo sie beim Auf- 
treffen Verwtlstung anrichten. Fai-Fa (Himmelsfeuer) sind Don- 
nerkeile, und Kruet oder Truet ist der Feuerstein. Das von 
Ukko, dem Alten, angeschlagene Feuer (als Pohjola's Wirthin 
Sonne und Mond in den Kupferbergen verborgen hatte) wird, 
aus dem Himmel gefallen, von WäinSmoinen und Hmarinen im 
Hechte gefunden (s. Schiefner). 

Den Regenbogen nennen die Siamesen Rung-Kim-Nam oder 
den Glanz, der das Wasser verzehrt.* Rung wird auch als der 
Gräber erklärt, der das Wasser aus dem Meere aufpumpt. Die 
Milchstrasse heisst Thang Xang Phuek oder der Weg des weissen 
Elephanten. Von feurigen Meteoren wird Phi-Phung-Tai ge- 
sagt, oder dass die Dämone mit Fackeln wttrfen. Wo sie nie- 
derfallen, wird eine Frau mit einem zu hohem Ruhme bestimm- 
ten Kinde schwanger werden. Sternschnuppen werden Dao- *5 

* lllen-thi genannt, als den Platz bezeichnend, wo sie auftreffen. 
Bei den Osseten heissen sie Stahleh-Atachti (fliegende Sterne) 
oder Dsuar-Atachti (fliegende Heilige oder Kreuze). Der Hori- 
»ont führt den Namen Tin-Fa oder Fuss des Himmels im Sia- 



gatteUt Dem ägyptischen Tore ut (nach Ghampollion) der Käfer heUig, wie 
Thor. 

♦) Die Chinesen repräsentiren den Donner durch einen hahnenfQssigen Mann 
mit Hammer und Meissel, den Blitz dorch eine zwei Spiegel haltende Frau. Der 
Dithmarse spricht von Axtschlägen an das Rad des Wagens, und nach den Hol- 
stoinem wird beim Donnern mit Steinen geworfen. Die Buräten sehen im Don- 
nerkeil den abgebrochenen Feuerstein eines der Tengri. Die Abchasen dürfen 
die Tom Blitz Erschlagenen erst nach sühnenden Geremonieu berühren. Sl ho- 
mtnem fblmeB Jovis ocoisit, ne anpra genaa toUitor (nach der lex NamAe). 

Basti an, Reit« In Slam. III. 16 



242 Sitten und Gebräuche. 

lucsischen. Die Constellation der Plejaden heisst der Stern der 
Küken oder Hennenkinder (Dao Luk Kai). Mesha wird durch 
einen rothen Widder *), Mina durch verschiedene Wege blickende 
Fische dargestellt. 

Die Flecken im Monde werden Jehkata genannt und stel- 
len ein altes Ehepaar vor (Jai-Ta oder Grossvater und Gross- 
mutter), die die Felder im Monde**) bebauen. Man sieht sie 
dort einen Reishaufen (Phom) aufschütten. Andere halten die 
Zeichnungen für einen Hasen oder für den Baum Phra-Sri-Maha- 
Phot (den heiligen Bodhi). Der Vollmond heisst Cham-peng. 
Chantho meint Wunsch (im Pali), und Phra-Chanto oder Phra- 
Chan, der Mond, hat feinen Namen erhalten, weil er als des 
„Wunsches Kint" hervorging, als die die neue Welt bevölkern- 
den Geschöpfe beim ersten Untergange der Sonne ein Licht 
wünschten. Die Sonne oder Phra-Athit ***) war tam thammada 
(nach dem Naturgesetz) geschaflFen als Bangköt eng (selbst- 
entstanden). Die Sonne würde in den Abgrund der Hölle 
(Khum-Narok) hinabstürzen, wenn sie nicht durch den Lokang 
an der Aussenseite des Chakravala gehalten würde. Die Sonne 
umkreist den Berg Meru, wie im Weltsystem des Kosmas die 
glockenförmig aufgeschwollene Erde. Während der Mondfinster- 
niss erheben die Siamesen einen grossen Lärm, um den Wtt- 
thenden (Angk) zu hindern, dass er nicht zu rasch isst, und 
fahren mit Schreien fort, bis er seine Beute wieder ausgespieen 
hat. Wenn die Eklipse 7) bei Na^ht eintritt, so nennt man sie 



^) Nach Whish neimen ihn die Inder auch griechisch Krija (Krios), wie den 
Taüros (oder Vrsha) tävuru. Nach LetronDe war der Thierkreis in der Alexan- 
drinischen Epoche von den Griechen nach Aegypten gebracht. 

*♦) Nach dem orphischen Gedichte (bei Proclus) war der Mond mit Bergen, 
Städten und Wohnungen bedeckt (s. Roth), nach Swedenborg von Zwergen bewohnt. 
***) Aditsaka meint heldenmüthig. Den Aditi gegenüber werden die Diti und 
Dann zusammengestellt, als den Göttern feindlich. Die rabbinische Sage spricht 
dem summe Dan die Theilnahme am Reiche Gottes ab, und (nach Theodoret) 
wird der Antichrist aus dem Stamme Dan erstehen. 

t) Buddha sicherte durch seine Schutzgebete die Himmelskörper gegen Raho. 
Im spanischen Dialekt der GiUnos (Zigeuner) heisst das Dunkel der Nacht Rachi 
oder Arachn (nach Ximenez). Nach den Guarauis werden die Himmelskörper bei 



Kriegswissenschaft 243 

Chan-anangkhat (das Unglttck des Mondes), wenn bei Tage 
Detsun (der Sonne Strahlen verschwinden). Was immer in der 
Nähe und zu Händen ist, wird zusammengeschlagen, um Lärm 
zu erzeugen, aber man bewahrt dabei einen musikalischen 
Rhythmus und beginnt mit langsamen Cadenzen, um den am 
Anfange des Essens heftigsten Appetit möglichst zu moderiren 
and zu ztlgeln, damit die Verspeisung nur allmälig vor sich 
gehe. Tritt der Mond wieder aus dem Rachen des Ungeheuers 
hervor (Khai), so beginnt die Musik in raschem, lautem Tempo 
aufzuspielen, um seine Flucht zu beschleunigen oder durch 
Vince luna zu ermuthigen. „Dien garde ia lune des loups" 
sagt man in Burgund. Die chinesischen Mandarinen haben 
die officielle Pflicht, die Himmelskörper zu retten, was sie, 
wie der stets glückliche Erfolg beweist, auf das Beste ver- 
stehen. 

Der Inbegriff der siamesischen Kriegswissenschaft ist in 
dem Buche, betitelt Phra-Phixai-Songkhram-Klang, enthalten, 
worin die Regeln der Taktik niedergelegt sind. Ein geschätztes 
Werk über Kriegskunst wurde (im Jahre 860) durch König 
Rama verfasst, der zuerst den Gebrauch schriftlicher Documente 
in die öffentlichen Regierungsgeschäfte einführte. 

Das Phixai-Songkhram lehrt dem Feldherrn die verschiede- 
nen Omen, die auf dem Marsche zu beachten sind, sowie die gün- 
stigen und ungünstigen Bezeichnungen. Ausser den geheimen *) 
Namen der siamesischen Hauptstädte giebt es, unter begleiten- 
den Abbildungen, die nach Thiergestalten benannten Formen 
der Schlachtordnung, als Krabbe, als Vogel Garuda, als Stier 
n. s. w. Die keilförmige Schlachtordnung der Limiganten wurde 
von den Römern (nach Amm. Marcell.) Schweinskopf genannt. 
Die Stellung, der Truppen wird durch Illustrationen erklärt, und 
ebenso sind die günstigen Localitäten eines zum Kampfe ge- 



dao Eklipsen ^on einem Tiger verschlungen (g. Gharleyoix). Nach den Ghiquitos 
wird der verfinsterte Mond von wilden Schweinen gebissen. 

*) Flora war der mystische Name Borns und Jem der Salems (Jebus) oder 
Jerasalems (El-Kudsch). ,,Wir haben der Stadt auf Gottes Befehl einen ewigen 
Namen gegpbeu/* sagt Cunstautiu bei der Gründung Coustantinopels. 

16» 



244 ^^^D ^^^ Gebränche. 

eigneten Feldes niedergezeiehnet in einer den siamesischen Ver- 
hältnissen entsprechenden Scenerie. Auf einer Seite findet sich 
das genaue Modell eines in Paliworten und magischen Charak- 
teren beschriebenen Fächers, mit welchem sich die Officiere 
(oder die Mütter des Heeres, wie sie genannt werden) während 
einer Schlacht wedeln, um durch solch' siegreiche EünflUsse die 
Niederlage des Feindes zu bewirken. Der Me-Thap oder Feld- 
herr muss sich auf einem Kriegszuge jeden Tag in eine andere 
Farbe kleiden, am Sonntag weiss, am Montag gelb, am Dienstag 
grün, am Mittwoch roth, am Donnerstag blau, am Freitag 
schwarz, am Sonnabend violet (wie die Sabäer bei ihrem Pla- 
netendienst). 

Die siamesischen Truppen wurden schon nach der Gesandt- 
schaft Louis XIV. durch den Chevalier de Forbin in Exercitien 
geübt und sind seitdem oft durch europäische Officiere geschult 
worden, tragen auch zum Theil, wenigstens die Leibgarden des 
Königs, eine der englischen nachgeahmte Uniform. Zur Zeit 
meines Aufenthaltes in Bangkok war ein französischer Koch 
zur Stelle eines Obercommandanten emporgestiegen. In der 
ihnen eigenthümlichen Schlachtordnung stellen sich die Siamesen 
in drei Linien auf, aus drei Vierecken bestehend, die wieder 
in drei kleinere getheilt werden. Die männlichen Elephanten 
sollen zur besseren Leitung von weiblichen begleitet sein. Die 
All Städte sind in viereckiger Form angelegt, wie die Roma qua- 

^ drata auf dem palatinischen Hügel. 

Bei mehrjährigen Kriegsexpeditionen werden die Soldaten 
zum Anbau ihrer eigenen Provisionen verwandt. So wird bei 
dem Feldzuge des Königs von Pegu aus dem Jahre 931 der 
Chunlosakkharat in den Geschichtsbüchern berichtet, dass er 
Befehle gab, in Kamphengpet Reisfelder anzupflanzen, da er 
dort bis zur Ernte der Ankunft seines Bundesgenossen, des 
Fürsten von Xiengmai, zu warten dachte. Auf dem Feldzuge 
des abyssinischen Königs Amda Sion (f 1342) gegen Adel Hess 
er nach seinem Siege Ackerbau treiben, um während der reg- 
nichten Jahreszeit dort zu bleiben. 

^ Verschiedene Zweige der Kriegskunst sind in den Vedangas 

(Phethangkha) betitelten Schriften enthalten, welche sogenannte 



% 



Die Ahinsa. 24Ö 

Erklärungen der Vedas in Hiuterindien grösstentheils weltliche 
Wissenschaften *) behandeln. 

Aus Abneigung gegen Blutvergiessen werden Handgemenge 
vermieden und schiesst eine retirirende Truppe dicht vor sich nieder, 
so dass die Feinde nur getödtet werden, wenn sie aus eigener 
Schuld in die Kugeln hineinrennen. Als Mohamed Bakthiar 
Ghilgi, der Heerführer Kutbeddin's unter Kaiser Mohamed (1194 
p. d.), den König Jajaehandra von Kanjakubga und Benares 
besiegt hatte, entleibte sich der bengalische König Laxmanija 
(der seine Residenz von Laxmanavati nach Navadvipa verlegt 
hatte), weil er im Falle eines Widerstandes die Vernichtung 
der Brahmanen und heiligen Thiere befürchtete. Nach Anderen 
entfloh er auf einem Schilfe. In Folge der astrologischen Vor- 
hersagungen, dass eine fremde Eeligion eingeführt werden würde, 
waren schon vorher viele seiner Unterthanen ausgewandert (s. 
Lassen). In Bhagawad-Gitan **) werden die Dogmen der Nich- 
tigkeit benutzt, um den zaudernden Arjun zu ermuthigen. Megha- 
vahana von Kaschmir unternahm (nach Kalhana Pandita) seine 
Eroberungen (die sich bis Kaiinga erstreckten), um allen Fürsten 
die Ahinsa oder NichtVerletzung aufzuzwingen. Nach der In- 



^) Im Rajaratnakari werden aufgezählt als die von dem ceylonischen König 
Kalikala oder Pakrambahu (der 1266 p. d. den Thron bestieg) verfassten Schriften : 
1) Encyklopädie, 2) Vjakarana oder Grammatik, 3) Kbandas (Metrik), 4) Virukta 
(Worterklärung), 5) Jataka (Geburten), 6) Sucixa (gute Belehrung), 7) die Me- 
thode des Virvana, 8) Krijavidja (Folgen guter und schlechter Handlangen, 
9) Dhanurveda (Bogenschiessen) , 10) Hastisilpa (Elephantenfang) , 11) Erfor- 
schung der wahren Erkenntniss, 12) Erforschung des Zweifelhaften, 13) Sagen- 
keniitniss, 14) Itihasa {Kenntniss der Geschichte), 15) Niti (Kenntniss des klugen 
Benehmens), 16) Tarka (Logik), 17) Vaidja (Medicin). Fast dieselben Schriften 
werden in der siamesischen Uebersetzung der peguanischeu Geschichte dem Ko- 
nig Phra Maha Pidok Thon zug^chrieben. Zur Krlernnng der Sinlaprasat (Zau- 
berwissenschaft) zogen die Fürstensohne nach Taxila, wie Baibin von einer ge- 
lehrten Schule zu Budin (im Saazer Kreise) spricht, wo Magie vorgetragen 
wurde. 

**) Bhagawan ist im Krijajogasaras Beiname Vischnu's (wie sonst Siva's). In 
der Pehlvi-Uebersetzung wird das griechische theos durch das aus dem altpersi- 
scheu baga (Gott) entstellte bag wiedergegeben (s. Lassen). Bhagawati (die Er- 
habene) findet sich als Beiname Bhawani's (s. Wollheim). 



246 



Sitten und GebrSnche. 



Schrift in Orissa erkämpfte er seine Siege nach dem Gesetz de 
Danava. In Jamunapura folgten die buddhistischen König 
Satjamitra und Viyajamitra, bis Wikramaditya die Oberhan 
gewann, den der chinesische Pilger (l)ei Keinaud) IOC) Jahr 
nach Kanishka setzt. Varuna trat ihm den von Rauma en 
ftihrten Sonnenschirm ab und öffnete die Wasser des Meerei 
damit er nach Lanka ziehen könne. König Sanghabodhi ai 
Ceylon entliess heimlich die ergriff'enen Räuber, während Leicl 
name Gestorbener ftlr ihre, angebliche Bestrafung verbräm 
wurden (nach Mahanama). König Siladitja von Malva liee 
das Trinkwasser für die Pferde und Elephanten seines Heere 
filtriren, damit keine Insecteu verschluckt würden. AuchPythi 
goras hatte die Jagd verboten (nach JamblichusJ. 

Xata sind die Constellationen , unter denen Jemand gi 
boren ist, von Xati oder Geschlecht in der siamesischen Der 
vation vom Pali. Zu jedem Gestirn gehört ein Phra-Kroh, wi 
der Phra-Kroh Athit zur Sonne, der Phra-Kroh Chan zum Mond 
u. s. w. Die Thephathay leben in den Rasi oder Constellationei 
Der Phra-Kroh muss dem Rökh folgen, wie die Sterne ihre 
Lauf nehmen. 



Die Phantasiewelt des Uebernatflrlichen. 

Wer den Schutzgeist des Platzes, dem der Grund und 
Boden gehört, ein Santaphum neben der auf dessen Eigenthum 
gebauten Wohnung errichtet, wird in derselben vor Unfällen 
bewahrt bleiben. Ausser diesen kleinen Privatcapellen, die 
aus Flechtwerk gebildet und mit Lehmfiguren verehrt werden, 
finden sich durch die Stadt zerstreut die grösseren Dämonen<^ 
Tempel der San Chao, die theils auf Veranlassung des Königs, 
theils durch freiwillige Contributionen der Bürger dort hinge- 
setzt werden. Sie bestehen in Bambushallen und sind dem 
Chao (Herr) geweiht, enthalten aber nur als Opfergaben hinein- 
gesetzte Bilder. Mitunter ist der Schädel eines Crocodiles zu- 
gefügt. Wenn Jemand ein wichtiges Unternehmen ausgeführt 
hat, so begiebt er sich nach dem Sanchao, ein Gelübde abzu- 
legen (Sinbon), und kehrt dann drei Tage später mit Esswaaren 
und anderen Gaben zurück, um das Gelübde zu lösen (Ke-Sin- 
bon). Ist eine Person von einem Chao ergriffen, so wird der 
in sie gefahrene Geist befragt, von welchem Sanchao er her- 
gekommen, und er bezeichnet sich dann mit einem unter dem 
Volke gebräuchlichen Namen (Thim oder Kot oder Kut). Das 
grosse Sanchao, das der König in Paknam (Samuth-prahan 
oder die Mauer gegen die See) erbaut hat, hiess Sanchao-Sala- 
Deng (die Capelle der rothen Halle). Phra Phum bedeutet 
der Herr (Phra) des Bodens (Phum) und meint so den Genius 
loci, indem mau noch beifügt Chao Thi oder der Meistmr (Chao) 



248 ^^^ PhanUsiewelt des Uebernatürlichen. 

des Platzes (Thi). Dieser Erdgeist wird zuweilen mit Ernng 
Phali idcntifieii-t, und sein Reich gilt als die Heimath der Phi, 
die aber auch verwüstete Städte (Phalikam) zu bewohnen 
lieben. Im Pali meint Pumi-Phalo den Beschützer der Erde. 

Als Geister der Vorfahren werden (in den Manen) diePhu- 
Chao verehrt. San meint die Wohnung des Chao und San-Thi 
den Platz, wo er seinen Aufenthalt nimmt. Dort werden Ge- 
lübde abgelegt, wie sie die Isländer*) zur Besserung des Wetters 
nnachten. 

Dem Phra Phum Chao Thi der Siamesen entspricht bei 
dem Lao der Thimahesak. Die Phi Phong der Laos sind die 
von den Siamesen Phi Krastt genannten Irrlichte. Wie die Phi 
thay, kommen die Phi meh mon der Laos mit den Phi meh 
mot der Siamesen überein, und die Phi phob werden zum Krank- 
machen ausgesandt. Den siamesischen Sanchao nennen die 
Laos llochao. Das Tham Khuan der Siamesen heisst in der 
Sprache der Laos Xu Khuan. Die Laos zählen 80 Khuan im 
Körper, als den Khuan der Hände, Füsse, des Mundes, der 
Brust, der Augen u. s. w., und diese gehen beim Tode nach 
Himmel oder nach Hölle. Der vornehmste unter ihnen ist der 
Khuan duang Chai (im Innersten des Herzens), den im Ster- 
ben entweder sein Verdienst zum Himmel erliebt, oder seine 
Schuld zur Hölle niederdrückt. Die übrigen Khuan zerstreuen 
sich und mögen sich mit den in anderen Persönlichkeiten wohnen- 
den Khuan ihrer eigenen Natur (durch „Ibbur") vereinigen. Mäch- 
tige Tugenden mögen sie indess alle mit einander in den Him- 
mel entrücken. Die Khuan der Hände und Füsse treten hier 
an die Stelle der Bhuta, die die Siamesen in den Daumen und 
grossen Zehen vermuthen. Galen's drei Seelen, in der Leber, 

*) Darüber aber wunleu sie nicht einig, was man verloben solle. Ljotr wm 
gelüben lassen, dass man zu den Tempeln (tut stiften wolle, daneben aber die 
Kinder aassetzen und die alten Leute todtsriilagen; dem Askell aber schien dies 
schmählich and er erklärt, auf solches Gelübde werde sich nichts bessern, sagt aber, 
er wisse etwas Anderes, was Uim eher zu nützen scheine, wenn man es geloben 
wolle. Nun fragen die Leute , was das sei. Er aber sagte , dass es ihm räth- 
lieber scheine, dem Schöpfer damit eine Khre anzuthun, dass man die alten Leute 
pflege und die Kinder aufziehe und hiezu Uut stifte (s. Maurer). 



Bali-Opfer. 249 

dem Herzen und Gehirn, sind sterblich. Auch bei den Karaiben 
ruht die Hauptseele, Youanni genannt, im Kopfe. Aristoteles 
erklärt den Nous (und die theoretike Dunamis) für eine andere 
Art der Psyche, die allein fähig ist, getrennt zu werden, wie 
das Ewige vom Vergänglichen (xd^ansQ to]dtöci)v roi; (p^agrov). 
Von aussen (^ga^ev) gekommen, ist er, ohne geworden zu sein. 
Die Hauptfigur in den chinesischen Götzencapellen (die im 
Allgemeinen den siamesischen Santaphum gleichen) ist Tschiotih- 
iah, ein Tugendhafter, der im Gerüche hoher Heiligkeit starb. 
Ausser seiner regelmässigen Abfütterung, zweimal im Monate, 
erhält er auch bei Extra-Gelegenheiten kleine Puppen in mensch- 
licher oder thierischer Form zum Geschenk. Mitunter findet 
sich statt des Bildes nur der geschriebene Name. Auf dem 
Hinterdeck ihrer Djonken stellen die Chinesen in eine Bali ge- 
nannte Capellnischc die Figur der Göttin*) Matschoah und 
opfern ihr für glückliche Reise, was im Siamesischen Bon Bali 
heisst. Die indischen Baliopfer**) werden den Schutzgeistem 



♦) Wie die Jongfran Kanton» wnrde (nach Lactantius) Isis von den Srhiffem 
Terehrt, und in Dorfern Holsteins hängt man beim Beginn der Seefahrt Schiffchen 
in die Kirchen. Die Erscheinung der Elmsfeuer wird in China au Ma-Chu ge- 
knüpfL It is afflrmed by sailors, that sometimes in storms a manifestation of 
thifl goddess becomes visible in the shape of a ball of Are going up or down a 
mast (a. Doolittle). Das Letzte ist günstig, das Erste nicht. 

**) Nach dem Mahabharata erhält Bali (Schüler der Sakra in der Bhagavat- 
Pttrana), der wie der Gigante Pallas (und der Titane Pallas, der Sohn der Bia) 
die Gotter bekämpft, von dem Llngamszwerg die Herrschaft über die Unterwelt. 
Die ihm Ton Vischnu angewiesene Wohnung Sutaba war durch Visvakarman er- 
baut. Der zum Riesen herangewachsene Zwerg haut im Kalewala in drei Schlägen 
die die Sonne verdunlcelnde Eiche nieder. Mit Baal, dem Starken, wird der 
weisse Bei in Beziehung gesetzt, und auf dem Belch bei Murbach sah man Mor- 
gen- und Abenddämmerung zugleich, wie auf dem Hermon. Belenus, den Tertul- 
lian einen Gott der Noriker nennt, wurde (nach Herodian) für Apollo gehalten, 
und Helios hiess Bela in Lakedämon (nach Hesych.). Die Baliki, die unter den 
Propheten besonders Ali, als den letzten, Terehren, wollen (nach Taylor) von 
Sharezer oder Sanaser, Sohn des Sennacherib, stammen. Im Altsächsischen heisst 
der Teufel Balowisa (dirus, malus). Phala-manutsa sind die bösen Menschen. 
Bell mawr (Bell der Grosse) heisst Urgroßvater des Gynobelinus. Bahlika, der 
zur Gründung eines neuen Iteiches fortzog, war Bruder des Santana, der d^n a|i§- 
sätzigen DSväpi durch Irrlehrer von den Veda's abtrünnig machen lifa8,jiiil die 



250 ^I« PhanUsiewelt des UebematQrllchen. 

des Dorfes in die Luft geworfen, fltr den nnbekannten Gott in 
der Höhe, wie es Jacobiis de Vitriaco von europäischen Götzen- 
dienern bemerkt. Phalikani ist das Paliwort ftir Opfergabe 
und wird von den Siamesen in der Form Pli mit Bat verbun- 
den (Früchte darbringen). 

Die Theparak sind nur eine untergeordnete Klasse der 
Devada (khon leo), aber das gemeine Volk*) zieht vor, zn 
ihnen zu beten, da es in der Verehrung der grossen Herren ans 
Unkenntniss des verwickelten Ceremonialgesetzes Fehlgriffe 
machen könnte. Die Zahl der Thepharak wird durch die Seelen 
Grosser und MUchtiger, die auf Erden abgeschieden sind, ver- 
mehrt, und die Eideszeugen der Vergötterung lassen sich billiger 
abfinden, als Numerius Atticus im römischen Senat. Die 
Preussen und Letten wagten nur zu den unter dem Holunder 



Dürre zu heben. „Da Bahli die Saiiskritform für den Zendnamen Baktrlent, 
Bakhdi, Bahlika, also einen Baktrer bezeichnet, weist die Genealogie auf eine 
Verbindung der letzten Kaurava und Pandu mit den Baktrern hin. Der Name 
des Stammvaters der Kuru ist mit dem des Stifters der Achamenidenherrschaft 
identisch" (s. Lassen). Bali herrscht in Batala oder Pad-Alam (Padan-Aram ist 
Syrien). In den sieben Pagoden bei Madras liegt die Figur dea Ball, und Bah- 
Uka oder Bahika war Konig der Madra. Die Städte der Uttara-Madra werden 
neben denen der Uttara-Kuru (jenseits des Himavat) erwähnt (s. Colebrooke). Der 
Name der Insel Bali wird aus dem Sanskritwort baiin (kräftig) erklärt (s. Fried- 
rich). In den von Arja-Konigen beherrschten Aijake kennt Ptolomäos den Für- 
sten Baleokurus (Baiovat Kuru) in Hippokura. König Bali sandte seine Gemahlin 
dem blinden Rishi Dirghatamaa oder Gotama (Sohn des Uttatja), damit er durch 
Betasten ihrer Glieder Söhne (Anga, Banga, Kaiinga, Pundra, Suhma) zeuge. Vin- 
cent erklärt Balaipatna (in Arjake) als grosse Stadt Thai Bali sind kleine Al- 
täre, auf denen geopfert wird (bon bali). Balat meint etwas Wunderbares. Bali 
wird zu Ehren der Geister dargebracht (prahuta oder gut geopfert). Keendre- 
Mall-Bali sind grosse, Keendre-Bali kleine Opfer der Planeten (auf Ceylon), such 
als Maha-Mall-Bali und Att-Mall-Bali unterschieden. Vals in den (dem Abgrund- 
geschlecht der Nibelungen entgegengesetzten) Völsiingen hängt mit dem sanskriti- 
schen Vala oder Bala zusammen (s. Leo). 

^) In strict theory the great gods, the divinities of high rank, may worship 
Ngük-Huong-Siong-Tii (the Pearly Emperor Supreme Ruier) while the gods of 
lower rank may not properly worship him in aconrdance with the established 
praotice, that only mandarins of high rank may wait upon the emperor in person 
and pay thelr raspects; while offlcers of low grade mny not approach into the 
emjfiacfK^s, presence (s. Doolittle). 



Baumcultus. 251 

wohnenden Pashkotais zu beten^ und suchten erst durch seine 
Fttrsprache den Markopolo (den Gott der Herren und Edelleute) 
gnädig zu stimmen. In Cochinchina trägt das Volk SorgC; die 
Schatten der Ahnen nicht an demselben Tage einzuladen, an 
denen die Vornehmen die ihrigen bewirthen, weil sonst die 
letzteren, wenn sie gemeinsam mit den Pöbelseelen zurückkehren, 
diesen ihre Geschenke zum Tragen geben möchten. Bei Aristo- 
phanes verlangt der Todte von Dionysos zwei Drachmen Mieth- 
lohn dafür. Die Eibenkönige Irlands mussten (nach Fiunr 
Jonsson) jährlich abwechselnd zur Huldigung nach Norwegen 
reisen. Die Wesen des goldenen Zeitalters (bei Hesiod) werden 
darch den Rathschluss des grossen Gottes in DUmone*) ver- 
wandelt, um, mit luftigem Körper begabt, auf der Erde zu 
wandeln und als Schutzgeister über die Menschen zu walten. 

Von den PhrUksathevada oder Engeln der Bäume**) 
wird besonders der des Harzbaumes, die Mutter (Meh) oder 
Dame (Nang) des Takhien (-Baumes) verehrt, und meistens 
findet sich unter dem Takhien-Baume eine kleine Capelle. 
Ehe die Siamesen ihn umhauen, bringen sie Opfergaben 
von Kuchen und Reis der Nang-Takhien, und wenn das Boot 
fertig ist, bildet die Nang-Takhien den Kiel desselben (Ka- 
dnk Ngu oder Schlangenrückgrat), indem sie zuweilen ihre 
Erscheinung macht bald in Schlangengestalt, bald als Frau, 



*) Primi igitar saecuH homines, qaotqnot nobUiores erant, post emensum 
tempufl sanm A^&i^ ÄJ(u^ioviav sive xovi Jaifiovai rove iTtix^ot^lox^s constituuDt. 
Seciindi rov£ vJtoxSot'iove. Tertii sine Lexes interierunt. Qaarti Heroas (s. Ile in- 
■ins). Auf diese nach den Inseln der Seligen {/uaKapafv) im Ocean Entrückten 
folgt das Geschlecht der psychischen Menschen, die mit der Gewinnung des ma- 
teriellen Feuers den Weg fortschreitender Vervollkommnung betraten, wie er gei- 
stig in der Geuiüthswärme der Mystik gesucht wird. The tomb of Saad (a my- 
thical hero) and its tenant were the supreme object of populär veneration at 
Eysnah, formerly the Nejdean capital (s. Palgrave). 

**) AU Buddha nach seinem Siege über Mata das Milchopfer Sujati's empfing, 
wurde er von der Sklavin Pumna für den Deva des Nuga- Baumes AJapals ge- 
halten, dem Gelübde zur Erlangung eines Ehemannes abgelegt waren. Cortfus 
erwähnt schon die indische Verehrung der Bäume. In lucis hahitant msnes plo« 
mm, qui lares viales sunt (Servius). Bei Merseburg wurde ZatÜbor (uwla^T .^or) 
als Waldgötze geehrt (Vulpius). Gsto giebt die Sühne vor dem FillMu 'j|9 



252 Di« Phantasiewelt des UebernatQrlichen. 

und dann stets holie Verelirnng empfangt. Der Devada des 
ßanmes wird in die >Ieh Yanang oder Ahnenfrau des Bootes 
verwandelt und waltet dann als Schutzgeist darüber. Die vor- 
nehmste Opfergal)e ftlr ihn ist ein Sehweinskopf, den seine Ver- 
ehrer in frommer Andacht sieh gutschmecken lassen. Die 
Hamadryaden entstehen und vergehen mit dem Baume. 

Die Nikcm thep kommen mit den Ilukkhathevada (den 
Engeln der Bäume) üherein, und indem man sie als ein Ganzes 
zusammenfasst, liesonders in Bezug auf die längs den Land- 
strassen stehenden Bäume , so wird gesagt Nikon thepha satith 
ju thi phlu (in der kambodischen Si)rache meint phlu den Weg). 
Die auf der Erde als Schutzengel lebenden Devas werden Arnk 
(Kaksa oder littter) genannt. 

Die Zweige des heiligen Pipulbaumes dürfen nur unter 
sühnenden Ceremonien abgebrochen werden ( in Siam oder Birma). 
Wenn der Chinese einen Zweig des Aprikosenstrauches für das 
Geisterschreiben loszutrennen beabsiclitigt, so ritzt er Wort- 
zeichen in den Stamm, um den Baum von seiner Absicht in 
unterrichten und um Entschuldigung zu bitten. Die Httgel- 
stämme in Hinterindien lassen beim Klären des Waldes ein 
paar Baumstänmie für den Wohnsitz der sonst ruhelos umher- 
schweifenden Geister zurück, wie die Lithauer sich hüten, die 
letzten Halme zu mähen, in denen Rugia boba (Kommntter) 
wohnt, und die Sachsen gleiche Rücksicht aufFniu Gode oder 
Harke nehmen. Die Japaner l)ilden die Figur des Emte- 
gottes (Arbalo) als Hans Gerstenkorn. 

Meh Janang oder Ja Mang (die.Dame Grossmutter) ist eine 
in dem Kielraum chinesischer und siamesischer Schiffe lebende 
Schlange, die dort von selbst sich erzeugt und nicht von einem 
Schiffe auf das andere übertragen werden kann. Dieser Schutz- 
geist wird täglich durch Hinstellen von Esswaaren verehrt, um 
Uebel al)zuwenden, und sollte das Schiff einen Leck bekommen, 
so steckt er das Ende seines Schwanzes lünein, um es zuzu- 
stopfen. Auch die kleinen Marktböte l)ezeigen dem Janang 
Verehrung, aber er besteht bei ihnen nur in der Einbildung 
und unsichtbar, da solche leichte Fahrzeuge nicht gross genug 
sind|, nm eine Schlange zu beherbergen. Bei der Opferbriugnng 



Der Schlangen-OeniQS. 253 

(bon mih janang) werden Gaben in Reis und Eiern auf den 
Bugspriet gesetzt, von wo sie allmiilig in's Wasser fallen. Ein 
Schiff; das einen europäischen Capitiin erhielt, der die Schlange 
zu tödten suchte, wurde von ihr verlassen, indem sie fortzog. 
Chinesen haben zuweilen beim Ankern der Djonke die Schiffs- 
Bchlange sich hervorwälzen sehen, und es war böse Vorbedeu- 
tung, wenn sie an's Land ging. Nach Ditmarseschen Sagen 
ist nichts zu fttrehten, so lange der Schiffsgeist (Kltltcrmann 
oder Klabautermann) an Bord ist (Müllenhoff). Ein nicht see- 
tüchtiges Schiff dagegen wird von den Ratten verlassen. 

Phet Phaya Thong hat einen mit Quecksilber geflillten 
Körper und kann durch denselben in die Höhe fliegen, mit dem 
Winde am Himmel hinfahrend.*) Er ist der Feind des Khon-Phu- 
Mi-Bun (des Verdienstvollen), mit dem er kämpft. Wenn ein 
Verdienstvoller oder Tugendhafter vom plötzlichen Tode ge- 
troffen stirbt, so sagt das Volk, dass er hingegangen ist, um 
mit Phet-Phaya-Thong zu streiten. Von Kenntniss der Vixa oder 
magischen Wissenscliaften wird ein Zauberer Vixaton genannt. 
Der später von Gudurz (Enkel Kawah's) getödtete Pihran Wisa 
(der Kai Khosru aufzog) gilt als Wessir Afrasiab's den Ta- 
taren für Prototyp der Weisheit (Malcolm). Die Phet Phaya 
Thong pflttcken von den Bäumen des Himaphon die in den 
Makhaliphonfrüchten erwachsenen Mädchen und tragen sie fort, 
finden sie aber nach sieben Tagen aufgetrocknet (wie RttbezabI 
die seinigen). Der Chao Prasath Tong residirt im Bahn Mesai 
und andere Wohnplätze sind Bahn Kuphe, Bahn Mahaphite, 
Bahn Udoumonthon, Bahn Xaijet. 

Ngneknam lebt mit langen Haaren bedeckt im Wasser und 
besitzt, obwohl nur klein, riesige Kräfte, durch welche er 



*) „Wenn die Siamesen ein Arzneimittel bereiten, so befestigen sie an den 
Band des Gefässes mit mythischen Worten beschriebene Papierf , um zu verhin- 
dern, dass die Pet Phaya Thong die Kraft des Heilmittels in der Ausdünstung 
hfnwegnehmen. Diese Pet-Phaya-Thong sind in der Luft verbreitete Geister, von 
denen auch geglaubt wird, dass sie die Erstgeborenen unter •Uen T5chtern ge- 
Diessen und alle Monate erneuerte Unreinigkeit veranlassen. WUinnd eines Stor- 
■M auf dem Meere werden solche Papiere an Segel und Raen gdiKngt, um dia 
Winde zu beruhigen." 



254 ^'^ PbanUsiewelt des ÜebeniAtArUcben. 

Menschen zu sieh binabzielit und erst nach Aussaugen ihres 
Blutes wieder fahren lässt. Der Nix*) liolt sioli sein Opfer 
mit den Haken herab als Hakelmann. Die vier Arten der 
Jackh, Kinon, Nakh und KUsi sind jetzt von der Erde ver- 
sehwunden. Die Cromlech bei Warengal (der Hauptstadt des 
alten Telingana) werden Gräber der ausgestorbenen Raknsu 
(Riesen ) genannt. Piiaya Hong, der Krmig der SehwÄne , ist 
mit goldenen Federn geschmUekt. Xang Nat ist ein weiblicher 
Geist, der in schöner Form erscheint. Die Kinara (Kinuari) 
oder Kinaret sind beflügelt und haben ein menschliches Gesicht, 
aber Vogelfllsse. Homer legt den GiUtern einen Vogelgang bei. 
Die Rukkhathevada leben in <len Bäumen. Ueber der Erde 
präsidirt Pliumathevatlia und berichtet dem Höllenrichter über 
die Thaten der Menschen wie der KUchengott nach den Chinesen, 
die ihm ein Opfer bringen, wenn er jährlich zum Perlenkaifler « 
aufsteigt. Bei den Slawen mahnte Pikollos. ^j 

Die Hera Mongkon ist ein gehörntes Ungeheuer, das im'' J 
Wasser lebt, mit einem Crocodilskörper, einem Drachen ähnlich. V 
Die Yakka, die zuweilen menschliche Form annehmen, werden 
an den glanzlosen Augen erkannt. Ngüek mim sind affenge- 
sichtige Geschöpfe, hall) Frau halb Fisch, die in Wasserwirbeln 
leben und Badende zu sich herabzielien, um sie zu ertränken. 
Sie sollen besonders in der Nähe Ayutliias häufig sein. Phra 
Sing sind am Oberkörper weibliehe Figuren, die statt der Beine 
in einer Blume, einem Fische oder andern Thierkörpem enden. 
Die Kuion sind weibliche Geschöpfe mit Schwanenfttssen. Die - 
Isun oder Isuraphon werden mit Pferdeköpfen dargestellt. Von 
Nakh oder Naga giebt es vier Stämme, solche, die aus Schilf 
geboren sind, solche, die aus Eiern (Khai), aus Wasser (nam) 
oder durch sidi selbst (Eng) geboren sind. 

Die Phi SUa-Xam, die im Wasser leben, haben Vogelfllsse 
wie die Kinnara, und vorstehende Hauerzähne im Gesicht (wie 
der slavische Nek). Andere ebenso genannte Riesenungeheuer 



*) Bei den RSmern trieben die Nixi (Dii) Geburt^hßlfe, die Nixen aber holen 
sich iiieoBehUehe Frauen fiir Hebamiueudieuste. 



8chmetterl1ng8gei8t«r. 255 

leben in Hölilen auf dem Gründe des Wassers, und alle diese 
dämonischen Schmetterlinge*) belästigen die Gläubigen. 

Die Asurakai genannten Gespenster sind körperlos. In den 
zu den Pretas gehörigen Phrai-Soph ist Bun und Bab gemischt. 
Einige der Prahm ergötzen sich des Tages über in ihrem Palast 
(Viman), werden aber bei Nacht in Pretas verwandelt, als 
Vivamika-Pret. Andere Arten der Pret in Upaiyaphum sind die 



*) Die Marava der Niederwenden ist ebensowohl Tag- als Nachtgeist, und 
erscheint allemal dann, wenn es während des Sonnenscheins regnet. Dann flat- 
tert sie als Schmetterling in aschgrauer Farbe (die im Wendischen Khodojta oder 
Hexe heisst) nmher, am Jemandem zu schaden. Auch in den Aarganer Sagen 
erscheint der Alp in Schmetterlingsgestalt Im Canton Luzern heisst Toggeli zu- 
gleich Schmetterling und Alpdrücken. Molkendieb ist sowohl der Name eines 
welMen Schmetterlings, als auch Schimpfname der die Milch oder Molken ver- 
unbernden Hexen (Haupt). Aus einer schlafenden Zauberin fahrt der Geist in 
Qettalt eines Schmetterlings (in Ostritz). Aus der Hexenvermischung mit dem 
Teufel (bemerkt Grimm) geht keine menschliche Frucht hervor, sondern elbische 
Wesen, Dinger, Eiben und Holden genannt, deren Bildung aber verschieden an- 
gegeben ist. Bald sollen es Schmetterlinge sein, bald Hummeln oder Qnappen, 
bald Raupen oder Würmer. Die Raupe heisst auch Teufelskatze und die Hexe 
gleich der Libelle (verwünschte Jungfer) Teufelsbrut oder Teufelsbuhle (des Teu- 
fels Reitpferd). Finnisch ist Ukkou Koira (Ukkonis canis), papilio oder lanra pa- 
pilionis, Ukon lehmae (Ukonis vacca). In Graubündten nennt man die Raupe 
Baluise, in der Schweiz Palause (PelewiAe oder Pil weise). Auch dem althoch- 
deutschen Huntessatul (cruca) liegt Mythisches unter. Die LibeUula heisst io 
der Schweiz Teufelsnadel oder Teufelshaarnadel. Twoyrcu 8ea$ fup xctXovfuvai 
ynfx<^i ex r(»t' xafATtoyy (Aristoteles). Psyche anima, spiritus vitalls et inteUectua- 
lifl quo sei. vivimus et omnes actiones edimus, a rfwxoi signiflcante spiro vel etiam 
A y^;|rfi> signiflcante refrigero (s. Stephanus). Plutarch leitet den Nous von der 
Sonne, die Psyche vom Monde her im dreitheiligen oder, nach dem Tode, im zwei- 
theiligen Menschen. Bei den Serben gilt die Zauberin (VJeschtitza) fUr besessen 
von einem bösen Geist, der im Schlafe aus ihr herausgeht und als Schmetterling 
oder Henne erscheint. Dreht man den Leib um, so bleibt er leblos (s. Schwenrk). 
Konig Rumanika erhielt drei Maggots aus dem fauligen Cadaver seines Vaters 
Dagara. One worm was transformed into a lion, another into a leopard and the 
third into a stick (Speke). Im Königreiche Angriman sogen (nach Marco Polo) 
die Verwandten der als nnheUbar erstickten Kranken nach dem Essen des Flei- 
sches noch das Mark der Knochen aus, „pour ce que Uz dient, que ae aucune 
aubstance demourait dedans les os, qu*elle ferait vers et les vers mourraient par 
deffaulte de meugier,'^ und diese Sünde würde auf der Seele des Verstorbenen 
lasten. Duch (im Slavischen) ist Athemzug, Seele und Qeist (HeDvech), 



256 Die Phantatiewelt des UebarnatfirlichfD. 

Thiph-Aßurakhai und Khakanjsixa-Asurapbret. Wer im Walde 
reisend in die dort aufgestellten Netze (bat huang) der Phi 
Disat gerüth, fallt in Krankheit. Die Unterirdisehen auf Sylt 
rauben Menschen in ihren Netzen fort (MUllenlioff). Phi Du fiind 
wildgesinnte Teufel, die auf Leute niederfallen, welche in der 
reguiehten Jahreszeit reisen, und so mit Krankheit schlagen. 
Ehe ein Sianiese eine Reise durch die Jungle antritt, stthnt er 
die Geister (sia pbrai) durch Hat-Phli, indem er Esswaaren in 
den Fuss von Haumstämmen niedersetzt. Auf der Strasse von 
Kabin nach Sakkeoh werden Reisende gewarnt, von den Brun- 
nen am Wege zu trinken, da sie durch hineingefallene Pflanzen 
vergiftet sein könnten. Die Abyssinier Hessen die von den 
Mohren vergifteten Brunnen neu weihen, um sie unsehildlieh 
zu machen (Bruce). 

Ein EuropUer, der nrit einer Karawane von Siamescn durch , 
die Gebirgswälder Korats * ) reiste, fiel dort, wie er mir erzählte, 
in schwere Fieber, und sein indischer Diener starb unter den 
Anfällen. Die Eingeborenen sahen darin nur die gerechte Strafe, ' 
weil diese beiden Ungläubigen es unterlassen hatten, vor dem 
am Eingange der Waldstrasse aufgestellten Dämonentempcl die 
schnldige Verehrung darzubringen. In einer ungesunden Wild- 
niss auf dem Wege zum Phral)at lebt der Chao Kotok, und 
Pilger fllrchten sich, dort vorbeizugehen, weil er schlechten 
Leuten den Hals umdreht oder sie doch durch Krankheiten 
bestraft. 

Wenn ein Phi (Dämon) Hinneigung zu einem Kinde fasst 
und sich deshalb immer in dessen Nähe aufliält, so Hingt das 
Kind an sich zu fllrchten, wird schreckhafter Natur und ver- 
fallt zuletzt in eine hinsiechende Krankheit. Werden Erwach- 
sene im Jungle von einem Phi getödtet, so geschieht dies in 



*) On dit, que daus ■ plutiieurs endroits de cette foret le terraiu Goutient de 
la mine d'arseiiic, que le voyapeur respire k iVtat de poussiere et que c'est ponr 
cela, qu'il y meurt taut do moude (Pallegoix). Ebenso schreibt man in Peru das 
auf der Hube der Andes aus der dünnen Luft entstehende Unwohlsein, statt der 
natürlichen Ursache, der Veta zu. Die Siameseu werfen den Xong vor, dass sie, 
um Fremde abzuhalten, die Brunnen ihrer Wälder vergifteten, die indess dnreh 
die Malarien schon genugsam geschützt sind. 



Allerlei Teufel. 257 

Folge irgend einer Beleidigung, die den Phi erzürnt hat. Die 
Kleider des von einem Tiger Gefressenen werden an der Stelle 
des Aocidentes im Walde aufgehängt. Die Dilmone KasU, 
Kahang, Xakla und ihre Spiessgesellen zerfressen die Einge- 
weide, so dass das Leben der von ihnen Ergriffenen hin- 
sehwindet. Ausserdem unterscheidet man die Phi-Takla, Phi- 
Xin, Phi-Phob, Phi-Xamob, Phi-Fret, Phi-Taiphrai, Phi-Kapi, 
Phi-Phungtai, Phi-Disat u. a. m. Die Seelen solcher, die durch 
die Pest oder einen plötzlichen Tod hinweggerafft werden, ver- 
wandeln sich in die Phi-Tai-Hong genannten Dämoiie, worin 
auch die Seelen Gehängter übergehen (deren Herr im Norden 
Odin war). Die Phi-Kamot genannten Geister schweben als 
Irrlichter umher. Bootreisende sehen oft in der Nacht ein er- 
leuchtetes Haus und die Ufer vor sich, finden aber nichts, wenn 
sie hingekommen, bis dieselbe leere Erscheinungsich anderswo 
zeigt und sie so von den Phi-Kamo die ganze Nacht geäflt 
werden. Die Phi Phisat leben in der Hölle, die Phi Desat 
wandern auf <ler Erde umher. Die Phi Am veroraaehen die 
nächtliche Bedrückung des Alps. Die Phi-Tai-Pray werden von 
den Zauberern zu ihren Diensten, als Kobolde, in den Häusern 
festgebannt. In den vier Daumen der Hände und Zehen leben 
die Kham-But, die beim Tode, nachdem der Geist zum Himmel 
oder zur Hölle gegangen ist, auf der Erde verbleiben. Dio^ 
guten Werke sind von Phra-Phom-Chao-Thi (der kambodisch 
Com-reach nach Miche) auf eine Goldrolle, die schlechten auf^ 
Hundefell geschrieben, und beim Abscheiden der Seele *) werden 
beide verglichen, um über ihr Schicksal zu entscheiden. 

Wenn die Siamesen beflirchten, dass die Seele eines Ab- 
geschiedenen sich in einen Dämon verwandeln **j würde, so 




*) Die birmanischen Gesandten horten in Peking (1787), dass der Kaiser 
Jährlich in einem Tempel vor dem Bilde des Thagya-Nat Papiere mit den Namen 
entlaufener Verbrecher auf den Hildern eines Pferdes und einer Kuh Tcrbreune, 
om 80 ihre Seelen vor den Kichterstuhl jenes zu schicken. Sugra, einer der Na- 
men Indra*B, wird im Birmanischen Thngra geschrieben, aber Thagya (Sagya) aus- 
gesprochen, und der Thagya-Nat entspricht im Chinesischen dem Shang-TUin. 
**) Nach dem Glauben der Salong : U a man dies, he becomes n Katoey (spi- 
Battian, Rclie In Slam. ITL H 



258 ^^^ Phantasiewelt des üebernatfirlichen. 

pressen sie die Leiche mit eisenbeschlagenen Biilken zasammen 
(fang atthan), damit der Phi nicht loskomme (Phi-mai-lok), 
ehe der Körper auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird. Beim 
Abnehmen des Leichentuches (Bangsakum) wird über den Todten 
das Bangkum genannte Gebet der Suet Malai gesprochen^ unter 
Ablesen der Kanmiavacha. Obwohl gebraucht; um einen Geist, 
besonders der bösen Art zu bezeichnen , meint Phi aber auch 
den Leichnam selbst und bezeichnet, als Phi-Lok, Gespeustery 
indem Lok bedeutet: durch Umgehen und plötzliche Erschei- 
nungen schrecken oder im Scherze necken. 

Die Leichen werden mit den Füssen voran hinansgetrageiiy 
und zwar nicht durch die Thür, sondern durch eine für diesen 
Zweck in die Wand des Hauses gebrochene Oeflnung, damit 
das flir Heimsuchung seiner Verwandten zurückkehrende*) Ge- 
spenst sich in dem Wege täuschen möge. Wer auf dem heiligen 
Felde bei Alischanz (in der Provence) begraben war, kehrte 
nicht in das Leben zurück. Die schreckenden Gespenster ge- 
hören meistens dem Reich der Pretas an. „Nach Apulejus nannten 
die alten Lateiner den Geist des Menschen, sobald er den 
Körper verlassen hat, Lemur, einen Lenmren aber, der die 
« Sorge für die Nachkommen zum Amte erhält und mit sanftenii 
W- friedlichem Wesen über dem Hause waltet, einen Lar FamiliariSi 
ag demjenigen aber, der zur Strafe seines Lebens als kraftloser 
B^.Schemen zam nichtigen Schreckbilde lUr die Guten nnd zur 
■ Plage ftlr die Bösen umherirrt, Larva. Wenn es aber nngewiss 
is^ welches Geschick Einen betrofifen, so gebrancht man den 
Namen Manes Du." Stirbt der Weer-Neger, so wird das im 
Menschen zum Luwo (Schatten) gewordene Dsogbe (Geist) znm 
Noali oder abgeschiedenen Seele, als Gespenst (s. Steinemann), 



rit) and the powerful genii, who inhabit rocks and muuutains inflicting calaniitieSf 
Are also called Katoey (Renjamiu). 

*) In der Altmark und im Havellande (wo die sumpfige Gegend des Drom- 
ling als Eingang in die Unterwelt galt) empfangt Jeder Todte seinen Sechser lum 
Fährgeld, damit er nicht als vampyrartiger Narhzehrer wiederkehre (Schwarte). 
Im Nabenkrug können sie noch einmal zechen, und in Ifeh wird für die Neger- 
seelen ein Todteumarkt (Ougah Attebah) abgehalten. 



Todtenmessen. 259 

and als bestUndigen Begleiter der Dsogbe nennt der Ewecr 
seinen Schutzgeist Aklama. 

Wenn die Siamcsen sonderbare und ausscrgewöhnliche Ge- 
räusche in ihren Stuben vernehmen^ so glauben sie, dass die Phi 
(Dämone) Paraxatu (Unholde) oder Pret gekommen seien, um Ge- 
bete und hülfreichc Unterstützung flir ihre Erlösung zu bitten. Sie 
bereiten dann ftir das Kloster die Song Uthit genannten Opfer- 
gaben, nämlich solche, an deren Verdienst auch die Verstorbenen 
Theil nehmen können. Die Irokesen lassenfnach Morganj ein 
kleines Loch am Grabe , damit die Seele ungehindert ein und 
aus fahren könne. Auf Madagascar wird sie dort zum Fange 
belauert. Ein Todtenbeschwörer ist ein Pithon, welcher den 
Todten von seiner Achselhöhe hervorreden lässt, ein Indioner 
lieisst, wer ihn aus dem ^lunde sprechen lässt (nach der Mischnaj. 

Lum-Jan bedeutet in einer Grube*) dargebrachte Opfer- 

*) Der Sserou oder Vorstand der GeisterbeschwSrer (nach dem Tscheu-H) Hess 
die für den Erdgenius bestimmten Opfer eingraben. Unter der Erde im Circus . 

maximus war der Altar des Gottes Consns vergraben, der an seinem Feste, der 
Consuaiia. aufgedeckt wurde. Zosimns setzt den „aram Diti patri Proserpinaeque 1 

inscriptam^ zwanzig Fuss unter die Erde. Speke fand den Mgussa, der ans den 
Tiefen des Sees sprach, an den Quellen des weissen Nil (wie Bruce an der blauen 
Qoelle, wo sich mit Erscheinung des Hundssterns die Stämme der Agowi 'ver- 
sammelten, den Gott des Flusses), und auch in Westafirika steigen die WAtareager^ 
in eine Grube nieder, um dem Erdgotte sein Orakel abzulauschen. Die ünter^ 
irdischen am Jagelberge werden mit ddm Namen Knhlemann gerufen (s. MQllen<ii 
hoff). Manto, Tochter des Teiresias, gab Orakel, wie sie aus der Erde kamen, 
and der hammerfUhrende Mautus war der unterweltliche Gott der Etmsker. The 
Order that they have in invocating or calling on the divell, is as foUcweth (In 
China). They cause a man to lie upon the ground his face downwards, then 
another beginneth to reade upon a booke singing, and pari of them, that sre pre* 
sent do answere unto.hira, the rest do make a pound with little bels and tabers. 
Then within a little while after, the man that lieth on the ground, beginneth to 
make yisages and Jestures, which is a certaine token that the diyeU is entered 
within bim. Wie Marco-Polo in Zardandan beschreibt BouUlevauz die ärztlichen 
Teufelsbeschworungen in Cochinchina. Ce sorcier est vraiment fort, meinen sie, 
wenn der Kranke unter dem Lärm desto rascher stirbt Die russischen Mädchen 
gehen (am 5. Januar) in eine Kreuzgasse oder in einen Keller (was sie „hören** 
nennen), und glauben in Jedem Geräusch ihre Bestimmung vorhergess^ tu hören 
(Oeorgi). „Das Weib von Endor glaubt Gott aus der Erde emporsteigen tn sehen 
beim AnbUck Samuers.^* Als Demetrioi kehrten die Todten xnr Mutter zurQck. 



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Wehrwolfe. 261 

nannt, bei Huakrophra (in der Nähe von KrungKao), werden 
zwei Brüder verehrt, der Chao Mahesuen und der Chao Tjui. 
Der Favoritgott der Peguer ist Chao Thong. Im Lande Nang 
findet sich ein in alten Zeiten durch die Mong Meng gebauter 
Tempel. In Ermangelung ihrer eigenen Klr>ster beschriSnken 
die Chinesen in Bangkok ihre religiöse Verehrung meistens 
auf die Chao. Zu den in Siam am Meisten verehrten Eremiten 
gehört der Phra-Rllsi-Nnrot. Ein anderer, gleichfalls in hohem 
Ansehen, ist Piira-Rüsi-Xalai. Da die Einsiedler ihre Wider- 
sacher durch die Gluth ihrer Augen verbrennen, so wird ihnen 
der Titel Phra-Rilsi-Ta-Fai (der erhabene Einsiedler mit Feuer- 
augen) beigelegt. Der Piira-Rllsi-Tua-Ngua (der erhabene Ein- 
siedler des Ochsenkörpers) zeigt auf den Abl)ildungen vor- 
stehende Augen, glei(»h denen eines Ochsens (wie die kuhäugige 
Hera ). In alten Zeiten hatten die Eremiten in ihren Wäldern 
den Tempel des Erdengottes (Phra Thoranisan), ein stolzes 
und prächtiges Steingebüude, zu dessen Erbauung die Devas 
vom Himmel herabgekommen waren. Jetzt aber thut das Her- 
sagen von WeihesprUchen dieselben Dienste, und sind solche 
Betplätze unnöthig geworden. 

Khon-lamöh sind Leute, die bei Nachts aufstehen und ver- 
schiedene Arbeiten verrichten, ohne sich beim Wachen zu er- 
innern (also Nachtwandler). Ein menschenfressender Tiger 
wird Suä Siming genannt. Durch Hersprechen gewisser Zauber- 
formeln können sich Menschen in Tiger*) verwandeln and 
gleich den Wehrwölfon Nachts umhertreiben, um Beute zu suchen. 
In dem abgelegenen Kloster eines Dorfes am Menam lebte ein 
Priester, der sich Nachts in einen Tiger verwandelt^) und die 



*) El que sera bru)<f) quemabanlo, era lUmado eo la lengua de los Indios 
BaUu, que qiiiere «Ifzir tigre (in Guatemala). Die schon den alten Arkadieru 
bekannten L}kan(hropen heisseu jetzt in Griechenland BrukolakaSf iu Rnssland 
Oborot; die Scandiuavier nannten sie Eigi Einliauiir. In der Volsungasaga wer- 
den Sigmund und Sintlotle in WTdfe verwandelt, als sie die Räl^i* der verhexten 
Königssohne anlegen. Honiines ob insaniam dicti quod Iura, ud quae venissent, 
infesta facerent. hiessen die I.ukamone« (I.upohomines oder Lykantbropoi) beiFes- 
tui. Die wahrsagenden Weiber hiessen (iu der Erik-Ködeä-^>aga) Walen oder 
Wolwen. 



262 I>ie PluDUsiewelt des Ueberoatttrllehen. 

in Böten nach dem Kloster kommenden Bauern frasS; so da« 
zuletzt alle Bewohner des Dorfes in Furcht geriethen nnd sich 
scheuten^ nach dem Kloster zu kommen. Als nun die Mönche 
in Mangel geriethen, weil ihnen Niemand Lebensmittel brachte 
und alle Böte auf der andern Seite des Flusses vorbeiruderten, 
so fingen sie endlich an zu vermuthen, dass sich unter ihrer 
Zahl vielleicht ein Mann -Tiger finden möchte. Als der Frau 
in Ottensen das zweite Kinde starb, merkte sie, dass ihr Mann 
ein Wehrwolf*) sei (Mullenhofr). 

Vetsuvan ist ein Devada in der Gestalt eines Rakshara 
(Yakh), höchst wilden und grausamen Naturells. Seine Creatoren 
sind die Thakarakkaso, die Rakshasa des Wassers oder die Phi 
Slta-Nam (die tigerartigen Schmetterlingsdämone des Wasser«), 
die sich an den Teichen und Seen zu postiren pflegen, nm 
sündiges Volk zu fressen, und sich weder an das heilige Pali 
noch an die Phra-Phuttha-Sasana einen Pfifferling kehren. 
Vessavana (Vetsuvan) wird auch nls König der Phrai-Soph 
(das Volk der Abgeschiedenen) bezeichnet. 

Der Takeh Chao (oder: mein Herr, das Crocodil) ♦♦) ist ein 
Wächter für die Götzentempel oder Sanchao. Der Chao, der in 
denselben lebt und als Schutzgeist über den Ort wacht, heisst 
Thepharak, wenn männlich, oder Tepha-arak, wenn weiblich. 
Einige derselben reiten zu Zeiten auf ihren Crocodilen umher. 
Es giebt verschiedene Chao, als Chao Khek, Chao Tjek, Chao 
Thay u. s. w., aber wenn dieselben sich in Menschen nieder- 
lassen nnd davon Besitz ergreifen, so wählt jeder immer nur 



*) Nach den Chinesen hat der als Rewahrer des Staat^siegels verehrte Fncha 
die Kraft, meuschUche Formen anzunehmen, indem er in Männer oder Frauen 
eingeht There is no image or picture of a fox to be worshipped but siniply an 
imaginany fox somewhere (Doolittle). Auch in Japan deutet der heilige Charakter 
des Fuchses auf eine ursprüngliche Religionsanschaoung. Die Abyaainier sahen 
in den Hyänen, die Nachts die Strassen Gondars unsicher machen, eingekorperte 
Falasha's. Die Utarische Heldensage erzählt von RürQ-Ghan, der als Mensch nnd 
als glänzender Wolf zu leben vermochte (Schiefner). 

**) Nach White bauen die Tagalis kleine Häuser am Ufer fiir die von ihnen 
verehrten Grocodile. Das Crocodil in den Mysterien, den samothrakischeii und 
\xio-Ker8U8, wird von Zoega als Princip der Fruchtbarkeit erklärt. 



Ombos. 263 

eine Person seiner eigenen Nation als Medium. Der Chao ttber- 
trilR den Phi an Macht und ist aucb von einem besseren Natu- 
rell. Als Probe, dass der Besessene von einem Chao ergriffen 
ist, dient das Zeichen, ob er während der Zeit der Besessenheit 
unverwundbar gegen Waffen ist und keinen Schmerz empfindet, 
gleich den Convulsionären von St. Medardus. Ein Phi kann 
den von ihm Besessenen nur gefühllos gegen Stockschläge 
machen. Der Chao der Khek (oder Mohamedaner) isst keinen 
Schinken und hasst die Schweine. Es geschieht deshalb öfters, 
dass, wenn ein Chinese, der ein Schwein in seinem Kahn hat, 
an einem solchen Tempel vorbeifiihrt, plötzlich das von seinem 
Herrn abgeschickte Crocodil auf il:n losfahrt und ihn zu ver- 
schlingen droht, wenn er nicht rasch entkommt oder die ver- 
abscheuten Speisen in's Wasser wirft. Die Siamesen glauben 
wieder, dass auf gefeiten Plätzen, wie in der Nähe eines 
Schampu oder chinesischen Teufelstcmpels, kein Gewehr ab- 
gehen wird, um Vögel zu tödten. 

Indem der Mo-Takeh (der Crocodilen-Doctor) seine Be- 
schwörungen (sanrasön) hersagt, wird es dem Crocodil so heiss, 
dass es an die Oberfläche kommen muss, wo es gespiesst wird. 
In früherer Zeit genttgte es, wenn der Magier ein einziges 
Wort sprach , und denselben Augenblick war das Crocodil da. 
„Jetzt aber mag er einen ganzen Tag schwatzen und kommt 
doch nicht zum Ziel," sagten verächtlich meine Bootsleute. Einige 
der Laos verstehen auf den Crocodilen zu reiten. Auch werden 
sie mitunter dadurch gefangen, dass der Jäger auf ihren Rttcken 
springt und ihnen die Augen ausdrückt (mit dem Griff des cali- 
fomischen Rowdiej. Wenn ein Crocodil auf die Wasserfläche 
innerhalb der Marksteine (Atthan) Bangkoks kommt, so kann 
es nicht wieder niedersinken, da die Kraft dieser Atthan es fest- 
bannt. Der König schickt dann Beamte, um es zur Rechen- 
schaft zu ziehen und bestrafen zu lassen, denn es ist nach den 
Gesetzen des Landes den Crocodilen verboten, sich in der Haupt- 
stadt zu zeigen, damit die Leute nicht im Baden beängstigt 
werden. Die Atthan sind die Greuzpfeiler einer Stadt, unter 
denen früher menschliche Opfer begraben wurden. Die Thor- 
wächter sind meistens in Ligor rekrutirte Soldaten und werden 



.^^'. 



264 I>i« Phantasiewelt des Uebernitflrllehen. 

Phuck-Nong-KoDg (das in einem Haufen zasammenschlafeiide 
Volk) benannt. 

An den roh in Form eines Blattes geschnitzten Holzplanken, 
die die Sianiesen in die Santa phuni oder Dilnionentempel zn 
stellen pflegen, ist häufig die Figur eines Thevnda eingeritzt 
oder aufgeklebt, als die ReprHsentation des Phra-Phuni oder 
Erdgeistes. Diese herzft'>rniigen Holzblätter, der Yoni ähnlich, 
werden Tavet genannt, und die den Lingani entsprechenden 
Keulenstöcke, die in das Untergeschoss des Santaphuni oder 
Sanchno gesteckt zu werden pflegen, heissen Khun Phet. Die 
Sianiesen sagen, dass die Khun Phet die Blumen der The- 
pliarak seien, und von den8ell)en geschätzt werden, weil sie im 
llimmel gewachsen. Man stellt sie in der Hoffiiung, den ge- 
äusserten Wunsch zu erlangen, in den Capellen auf. Yoni wird 
allegorisch verblümt Dok-Bua oder I^tusblume genannt, und 
die herzfi^rniigen Bretter in ihrer Gestalt werden als Van Sema 
bezeichnet (knollenartig). Die unter dem Namen Bai Salat- 
chai gewidmeten Holzbretter haben die Form von Cactusblättem. 
Unter den Opfergaben spielt der Schweinskopf*) die Haupt- 
rolle. An der Aussenseite des von mir bewohnten Gartens 
stand auf Pfählen eine kleine Capelle, ein Santaphum, wohinein 
die Bewohner der nel)engelegenen Hütte einen PorzellanI(^wen 
und andere Puppen gesetzt hatten. Das gleich den Pagode- 
steinen der Sema ähnliche Holzstflck in der Mitte zeigte die 
Form der Yoni. In einem der Sanchao in Bangkok wurde ein 
männlicher Engel, als ein eine Lanze tragender Thepharakt 
und ein weiblicher Engel (Thepha-araksa) mit einer Blnme 
in der Hand verehrt. Wenn an den Ceremonialtagen ftlr die 
Götzen Opfergaben von Esswaaren, Schweinefleisch und Brannt- 
wein vorbereitet werden, so heisst das Bat-Phli-Sen-Piü. Dem 
strenggläubigen Sianiesen ist die abergläubische Verehrung der 
(Miao und der Phi ein Dom im Auge, zumal sie dem durch die 



^) Naui et inulieres maxime uutrices naturam, qua femiuae suut, iu virgial- 
bus appellant porcam, et graeci x^tfjor, siguitlcantes esse, digiiam nuptiarum 
(Varro). Das \uu deai Magier Asius verfertigte Palladium, als hölzernes Hild det 
Geburtsorgau«, war verschleiert. 



\ 






Orgien. 265 

Staatsreligion verbotenen Branntweintrinken*) Vorschub leistet 
(wie einst das griechische Dionysosfest der Weinberauschung) 
sowie zum Tödten der Opferthiere und der öffentlichen Ausstel- 
lung obscöner Symbole führt, die, obwohl Engelblumcn genannt, 
sich doch deutlich als Khun Phct zeigen („das Juwelenherrchen" 
in wörtlicher Ucbersetznng). Es sind nur schamlose Buben 
(sagte mir ein graubärtiger Alter bei einem Spaziergang), die 
diese Greuel unter schattigen Bäumen aufstellen, in der Nähe 
der Landungsstellen und der Rasteplätze ftlr Reisende, um die 
Frauen und Mädchen zu necken, die sich dort zum Ausruhen 
niedersetzen. Die Leute des Volkes entschuldigen sich indess 
damit, dass sie von den Dämonen zu ihrer Verehrung gezwungen 
würden, da sie sonst von den Gespenstern so lange gepeinigt **) 
werden würden; bis sie sich dazu verstehen sollten. 

Die vier Elementargeister, die über den Schutz des Körpers 
wachen, werden Chatura-Bhuta (Chettaphut oder Chatu-phut) 
genannt. Die Phi-Chet-Bhut, die in Zehen und Fingern regieren, 
verursachen Träume. Das Haupt wird von dem Phi-Tamoi be- 
wohnt, der bisweilen fortwandert und Fingergeschwüre, als 



*) Wang-wong morning and uiglit warned them, saying: In arranging sacri- 
lleM tben ose this wine. Heaven origiDally permitted people tci ioTent wine, 
only OD acconut of tbe great Bacrifloes. Die llUgelstämme bei Rhaugulpore (un- 
ter ihreD Daimuo genannten Priestern) trinken: tbe Medicine-tuddee für tb«ir 
bealtb^s sake and tbe God-tuddee for God*s sake or in bis worsbip. At all tbeir 
Poojabs tbey drink. Tuddee is tbeir real god (Leslie). Der Saft des Hom wurde 
aiM dem AmomoB bereitet, ßanr denkt bei dem Ton Pberecydes (nacb Jaidor) 
benutzten Propbeten Cbaro an den altpersiscben Hom. Die Scytben verebiten 
(nach Strabo) die persiscben Gottbeiten Anais, Omanns und Anandatns auf einem 
runden Hügeltempel. Nach dem heiligen Martin von Tours wurde dem Odin 
(Wodan) Bier gegeben, wie es Columban unter den Sueven am Zörcber-.See fand, 
wohin (nacb Geljer) die Schweden unter Scbwitzer, als Führer, gezogen aus Svea- 
land oder Srandiuavien , wo Plinius die Hillevionen oder (nacb Tacitus) Helve- 
conen nennt "Wie die Manichäer, liielten die Severiauer den Wein wegen seiner 
den Geist betäubenden und die Sinnlichkeit aufregenden Wirkung für ein Er- 
zengnise des bösen Princips und sahen in den schlangenformigen Ranken des 
Weinstocks ein Abbild des Scblangendämon. 

'^) Tbe Kemees call tbe sun Kineeb, tbe spirit that dwells in beavon is cal- 
led Kineeh Kaumab. He is neither feared nor loved, but sacrüices arc offered 
to tbe Cbo-Kaumab or bad spirits (Knapp). 



366 Die Pbanusiewelt d^s UeberoMiilrheD. 

Aak oder Pnnaritinni y vornnlassen kann, in denen aber aneh 
wurmartig ein zn den 2«) Arten der Plii gehöriger Spiritns sieh 
auflialten mag. Wenn die Phi-Bhnt tang-8i Naehts umher- 
wandeln nnd l»ei der RUekkehr von ihren Ahentenem erzälilen, 
so entstehen die Tränme. 

Wenn die Leiche auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird| 
laufen die vier Phi Bhut. die in den ExtreniitHten eines jeden 
Menschen lehen. davon. Wer zuerst bei der Wohnung ankommt, 
verbleibt dort als Phi RUen oder Hausgeist. Die anderen drei 
eilen weiter nach dem Kloster, nnd der im Wettlauf gewinnende 
nimmt dort seinen Aufenthalt als Phi-Phaxa (der Dämon des 
Begräbnisses). Die beiden noch übrigen laufen hastig nach 
dem Walde, wo der schnellste sich als Phi Pa oder Waldtenfel 
niederlässt, und der letzte, der nirgends eine bleibende*) Stätte 
finden kann, wandert fortan als das Gespenst der Phi Pisat 
umher im unheimlichen Spuk. Die Daktylen der fünf Finger- 
gi^tter, mit den Cureten zusammengestellt, zaubern wie die Tel- 
ehinen und wohnen fnach Strabo) in den Fusszehcn des Ida. 
Von den drei Seelen der Chinesen bleibt eine im Grabe, die 
andere an der Ahnentafel, die dritte in der Geisterwelt. Die 
Indianerinnen geben ihrem Kinde gern einen Hand oder die 
abgeschiedene Seele eines Aelteren und Erfahreneren mit, damit 
es sich nicht verirre**) auf dem Wege nach dem Lande der 
Geister. Die Mongolen Hessen ihre Fürsten von Sklaven be- 
gleiten. Home sah während der Krankheit seiner Frau einen 
verschleierten Geist, der zur Begleitung bestimmt war, „when 
Sacha fAlexandrina) goes to the spirit-land." Die Manjaeieas 
miethen (nach Charlevoix) Maponos oder Priester, um die Seele 
sicher nach dem Himmel über Berge, FlUsse, Wälder und die 
von dem Gott Tatuseo bewachten Brücken zu bringen. 



*) Manes sunt illu tempore animae, qno de aliis recedentes corporibat, nee 
dum in alia transire. Sunt autem noxia (Serxius). 

**) The Chinese believe, that in consequence of the dead man's uot beinf 
able, to pick his way safely to the infernal regions. but liable to )use tbe right 
path, the kings of Hades furnish a little devil to act the part of gnide and mt- 
vant to the dead man (s. Doolittle). Die Polen legten Rärenklanen in^s Grab, om 
beim Erklimmen des Glasberges zn dienen. 



Die VeUla. 267 

Die Phut (Bhutr)*) oder Phi Phut sind böse Geister grosser 
Gierigkeit. Phuta (Bhiita) bezeichnet auch das Geborenwerden, 
als Dämone dem Swikol der Lappen oder dem finnischen Hahmo 
entsprechend, wie Odin Drangedrot war, als Herr der Abge- 
schiedenen der Draiiger. Die Pudari, als flammenhaarige 
Stadtgenien, empfangen Menschenopfer. Deutsche Sagen kennen 
Wuotan als Bodman oder Budemann. Mirkhond nennt But 
Tyngry den mongolischen Mönch, der Tcmudschyn den Bei- 
namen Tschingyzkhan oder (nach Bar-Hebraeus) Tschingyzkhan 
Tubut-Tangry ertheilte. Die Bhuta können Leichen durch Ein- 
fahren beleben oder Lebende morden. **) Butsida ist ein Tempel 



*) Od reaching the largest tree (atMnriitia) the procession (dancing, fencing, 
wrestling and playing with drums cymbals, trumpet8, flambeaiix, palanqueens, 
hones, elephants etc.) auddenly disappeared, as if the whole party had entered 
into the body of the tree. The principal personnage in this cavalcade went by 
the name of Rhut-RaJ or king of the devils, and as such was long feared by the 
inhabitants of the neighbourhead, but no one worshipped him. Now however, 
ha is caUed MaharaJ (or great king) and maltitndes from all parta nf the conn- 
try flock to worsbip at the tree, whern he is said to hay« taken up bis perma- 
nent residence. The occasion of this transformation is differently related. Some 
say, a gowalla one day was carrying bis milk to the village for sale, when, he 
heard some one caUing him to stop and give him milk. He tnrned round to 
eomply, bot seeing no one, he went on, bot had not proceeded far, when bis 
milk pots feU to the ground and the voice once more addressed him in terms of 
reproach, for bis refasing to comply with the Speakers request. Still, tbe poor 
milluiian conld see no ohne and being much perplexed at this as well as grieved 
by fhe I088 of bis property, he exclaimed: .,Who are yon, sir, and what wonld 
yon have your slave to do?^* The voice replied: „I am Mabari^ and I reside in 
that tree Go teil the people to come here ad worsbip me with offerings of milk 
and suggar at the root of the tree. There I will eure the sick, who come to Im- 
plore my aid.^* The gowalla tumed to set out on bis errand, when he belield 
bis pots made whole and the milk which had been spilt on tbe ground, restored 
free from sand and dust as before. 

^ Bei Gelegenheit des Deva, der neben dem grossen Lama in Lhassa 
herrscht, erzahlten d'Orville und Gruber: Puerum eligunt viribus robustum cui 
potestatem dant ut constitutis diebus anni qnemcumque obviam babuerint homi- 
nem cujnsque sexus et aetatis nuUo respectu aut discrimine habito, armis quibus 
instruitur, conflciat, hoc enim a pacto interfectos mox veluti a Menipe deastra, quam 
colunt, consecratos aeternos honores et felicissimum statum consequl stoHde et 
amenter sibi persuadent. Puer mire variegato amictu, gladlo, pbmtn sagittisque 



268 Df« PhanUsiewelt des UebeniatarllehM. 

in der Sprache der Kafir im indischen Kaakasas. Buddha 
(Phra-Phntth) wird im Sirimegisehen Pu-fdha geBchrieben, von 
der sanskritischen Wurzel Hiid' (animadverterej, wie Phata 
(Bhnta) von Bud (tegere). Bud'da oderBud'a*) ist einAVeieer, 
Bud'di Verstand, Bod'i Wissenschaft, Bnd'äna der Erwachte. 
Budyas ist der Sohn des Spatenihas (nacli Lassen aus Svs^jam- 
bhuva entstellt). BYita (von l/ü) meint das Gewordene, der 
Sohn, wie auch Putra oder Puttra und b'iiti die Geburt. Pftta 
(von pfl) ist gereinigt, Pöta das Junge eines Tliieres. P'utwird 
als der Ton des siedenden Wassers wiedergegeben (im Sanskrit) 
und findet sich im Siamesischen als Put (nam dUet Put Put). 
Sohn wild im Siamesischen Butr oder Butra aus sanskritischer 
Wurzel, und Phra-Butra-Chao wird von den katholischen Missio- 



instructus, nee non vexiUorum trcpheis aggravatus, constituto tempore a daemone, 
cui consecratus dicitur, obsessiis, maxima furia domo elapsue per composita et 
plateas divagatnr, omnes sibf obvios unlla resistentia facta, pro libltu inteiflcit; 
hone patria lingaa Ruth, quod iDterfectorem signiflcat, yocant. Auch im Dekkhan 
werden die Bhnt unter Gebräurlien verehrt, die den Customs der aflrikaniachen 
Westküste nicht fem stehen. Wenn in Abbeokouta ein Oro-Tag proclamirt ist, 
flieht Alles von den Strassen. 

*) Puthangknia meint von dem Stamme Ruddha's. Bytis, der Prophet des 
thebaischen Ammon, erklärte (nach Jamblichus) die Bücher des Hermes. Bavrtji 
a Cydoniatis dicitur doiyaroi. Est alioqui et nomen proprium cujusdam qvi 
Athenls rfjr leQ(oavvr,v io^e cujus nepotes et posteri dicuutur BovraBai et Etbo» 
/iovra8aiy quasi dXrjd'woi BovraSat, Die Butaden trugen Schirme am Scirro- 
phorienfeste der Minerva Budäa (Bunäa). Buddha's Apostel erschienen dem Volk 
auf Celebes unter Schirmen, wie Quetzalcoatl in Mexico. Bovroi loca apud Egy- 
ptios, in quibus mortui ponuntur, roortuornm conditoria (bei Ifesychius). Buddha*! 
Gebeine werden unter den Pagoden verehrt. Nach Plutarch legte Isis die Kiste 
des Osiris in Bnto nieder. Butes stürzte sich, vom Gesang der Syrenen bezau- 
bert, in's Meer. Ptolomaos bezeichnet den Brahmaputra als Bantisos. Im Norden 
Abiria's lag am Indus die Stadt Budaia (nacli Ptoloniäos). Die Kami-Lehre heiast 
in Japan Sin-too (alter Gottesdienst) im Gegensatz zu Buttoo oder Tu-Too (neuer 
Gottesdienst). Nach javanischer Sage wird die durch Tritresta beschützte Sinta 
oder Sinto von Watu Gunung erschlagen. Voigt erklärt Widewut als Withebod, 
indem die Widen (Witheu oder Viduvarier) das Volk gewesen, über das der Bod 
oder Gebieter (wie in Marbod, Teutobod etc.) herrschte. Durch Wodan ist Odin 
mit Buddha zusammengestellt. Buddas et Budas quomodo apud PersAs pro Te- 
rebintho appellatur preceptor impii Manetis, fai-tum est ex Assyrio Butam, sie 
enim dicitur terebinthus a Chaldaeis et Assyriis (Bochart;. 



Hexereien. 269 

näreii gebraucbt (als Filius Dei, secunda persona Sanctissi- 
mae Trinitatis}. P'ut ist der Planet des Mittwoch, der mit 
hohem Alter segnet. Mahabhuta*) ist der Inbegriff der. Ele- 
mente, anch als Maha-Bhuta-Rupa, und Bhuta als Ausdruck der 
Lebensseele, hängt mit den Elementarstoffen **j der Naturge- 
Btaltung zusammen. 

Die Hexenmeister kennen verschiedene Arten der Phi-Khun, 
die sie in der Form von Knochen oder Steinen in den Leib 
dadurch Erkrankender zaubern, aber die gefährlichsten sind die 
Phi-Xin, die der Doctor, wenn es gelingt sie auszutreiben, in 
der Gestalt eines schwarzen Vogels, einer Krähe sehr ähnlich, 
fortfliegen sieht. Er muss dann jedoch bei dem Patienten blei- 
ben, denn den Augenblick, wo er ihn verlassen würde, kehrt 
die Elrähe zurück und zerhackt die Eingeweide,***) sodass der 
Tod unausbleiblich folgt. 



*) „Als Theilchen des Geistes (Atma) ist es der Bhutatma, der ein- und aus- 
athmet. Der Geist, der in diesem ist, ist wie ein Wassertropfen auf dem Lotos- 
blatt, für sich bestehend und unvermischt. In der Zeit aber, da der Geist, mit- 
telst des Bhutatma von der Prakriti überwältigt, in die Gunawelt eingeht, vergisst 
er seiner selbst und wird doch nicht ersättigt von dieser ganzen Dreigunawelt, 
sondern er will und sucht immer neue Lust. Durch dieses Verlangen wird er 
gebunden, und jenes Unbewegte erscheint bewegt, jenes Feste schwankend, jenes 
Begierdelose brennend vor Begierde, jenes Irrenlose irrend, jenes Stolzlose etolz 
und anmaassend in die Fesseln des Ich und Mein, in die Fesseln seiner Selbet- 
belt gefallen. Dieses Selbst wandert durch die oberen und unteren Welten, ge- 
bnnden von Freud' und Leid." Buddha ist der Er^^achte. Budintaia hominem 
dormientem excitat unter den samogitischen Göttern (Johann Lasicz.) 

**) Khi wird auch von der Natur gebraucht im I-King: Himmel und Erde 
heben ihren festen Sitz, Berge und Seen durchdringt der Khi. Von der Darstel- 
Inng im Kia-iü sagt Confucins: „Wenn der Mensch geboren wird, hat er einen 
Khi, hat er einen Pe. Der Khi ist des Geistes (Schin) Erfüllung (Tsching). Alle, 
die geboren werden, sterben gewiss anch. Was stirbt, kehrt gewiss zur Erde zu- 
rück. Dieses heisst Kuei. Der Hoan-ki kehrt zum Himmel zurück, und dieser 
heisst Schin. Die Vereinigung des Kuei mit dem Schin, um ihnen zu opfern, ist 
das Höchste des Unterrichts. Knochen und Fleisch, die todt niederfallen, werden 
in Erde verwandelt, ihre Lebenskraft Khi aber breitet sich nach oben aus, und 
dieses ist des Geibtes (Schin) Manifestation (Tshu)." Nach Home sind die „SpiriU" 
(bei den Sitzungen) rapidly incarnating the hands out of the vital atmosphere of 
those present. 

***) Wenn (bei den Malaycn) die ao den glanzlosen Augen erkennte Hexe 



270 Di« Phantasifwelt des D«b«nutfirUchen. 

Böswillige pflegen durch Medicinen oder andere Mittel 
ihre Feinde zu bezauheru (sokhun)^ und die 80 Verhexten 
(Tliukkhun) sterben dann durcli diese Vixa-Lao, weshalb der 
König Todesstrafe auf solche SchwarzkUnsteleien gesetzt hat 
Die Beweise derselben liegen vor, wenn der Kranke Steine, 
Ziegel, Ilolzstücke, *) Dornen u. dgl. ni. ausbricht. Zauberer, 
die einen Phi Phrai im Besitz haben, mögen ihn in die Erde 
eingraben und sind dann sicher, dass ihr Feind durch Krank- 
heit hinweggeraflt werden wird. Leonora, Gattin des Marschall 
d'Anere, wurde enthauptet, weil sie Maria von Medicis mit 
Wachsfiguren bezaubert hatte. Ein boshafter Zauberer, als der 
vermuthliche Besitzer der Wunderpflanze Phak-thob, wird Khon- 
thob genannt, und dieses Wort wird auch verwandt, um ein 
gottloses Kind zu bezeichnen, ebenso wie Ai-thoi (oli , der böse 
Bube ). Wenn sich der Zauberer Haare oder Nägel eines Kranken 
oder andere zu seiner Person gehörige Dinge zu verschaffen 
weiss, kann er dadurch Schaden anrichten. Bende Bendsen 
zauberte mittelst abgeschnittener Haare einem Andern seine 
eigenen Kopfschmerzen an (s. Kieser). Die Scandinavier hüte- 
ten ihre Nägel vor dem Schilfe Naglfar, und vor dem durch 
Libussa gegossenen Götzenbilde des Zelu wurden Nägel und 
Haare nach dem Abschneiden auf Kohlen verbrannt. Die Neger 
schlugen sich um die abgeschnittenen Haare Du Chaillu's als 
werthvolles Fetischmittel. Die Nägel und Haare des Flamen 
dialis mussten verbrannt und unter einem glücklichen Baum 
begraben werden. Wenn die Krankheitsmacher auf der Insel 
Tanna Kehricht verbrennen, lässt der Patient Muscheltrompeten 
blasen, um sie durch Geschenke zum Aufhören zu bewegen 
(^Turner). Melampus heilte den durch Sympathie erkrankten 
Iphikles. 



Plassay, die iu den Eingeweiden ihrer Feinde wühlt und sie zerfrisst, durch den 
Bruch ihres Teufelsbundes in eine ürasmücle verwandelt worden ist, so muss ili 
rasch in's Feuer geworfen werden. 

*) Some diseases they ascribe to a piece of wood having got into the pa- 
tient's stomach. This they will pretend to extract, bemerkt Brown ?on den Neo*. 
aeelindern. Die indianischen Medicin-Mänuer saugen es aus. 



tebwane Magie. 271 

Die Zanberer der Laos sowohl wie die der Karen sind 
wohlerfahren in der Sai Khan genannten Zauberkunst (Xai Sai 
Xai Khun) y indem sie sich auf die Haut eines BUiTels * ) oder 
eines Ochsen setzen und dieselbe durch Hexerei (Jek) kleiner 
nnd kleiner zusammenschrumpfen lassen ^ so dass sie zuletzt 
za weniger als Handbreite reducirt wird; dieses comprimirte 
Stück wird dann in Wasser aufgelöst^ und wenn man davon 
gegen einen Baum spritzt, verdorrt derselbe ^ spritzt man aber 
davon gegen einen Menschen, so erfolgt der Tod^ da in dessen 
Innern sieh die Haut wieder zu der ursprünglichen Form eines 
Ochsen oder Büffels aufbläht und so den Körper zerreisst. 
Beim Verbrennen der Leiche eines so Getödteten bleibt ein 
Klumpen zäher Masse unverkohlt zurück^ und die Siamesen 
bestechen oft die Bestatter, ihnen ein Stück davon zu ver- 
schaffen, denn wer etwas davon gegessen hat, bleibt fUr die 
Folge gegen solchen Zauber geschützt. Der englische Consul 
erzählte mir, dass bei den im Hotel verwandten Ruderern einer 
plötzlich starb, den man aus verschiedenen Ursachen verzaubert 
glaubte. Seine Gefährten, die ihn zur Verbrennung geleiteten, 
setzten sich nachher im Kreise zusammen und assen ein Stück 
gerösteten Fleisches, von dem sie behaupteten, es sei ein Theil 
des Ochsen, der in seinen Leib hineingehext wurde. Die Dadi- 
aas im Indiculo Paganiarum des Goncilium Lifdnense dentet 



^Some temples have a nicbe in a dark portion of their precinets where 
Iffltges one with a horse's head aod ohne with a bnffalo's head are 
ft>r the express purpose of being worshipped by those who wisb to iu- 
Jor« tnother witb these charms and before wbich vows may be made relatiug to 
Budi «o OTent or an exorcism peiformed designed to counteract tbese charma 
(i. DooUttle). „So ich in meinem WiUen Feindschaft trage gegen einen Andern, 
~fo mnas die Feindschaft voUbracht werden dnrch ein medium (corpus). Also ist 
auch mogUch, dass ich dnrch meinen Willen den Oeist eines Widersachers bringe 
In das (wichserne) Bild und ihn dann krumm lähme nach meinem GefaUeu** 
{Ptfacelsus). Saga in stabulo absente ocddit eqnnm, virtus quaedam natu- 
nlis a spiritu sagae (et non a Satana) derivatnr, quae opprimat -vel strangulet 
•piritum vitalem equi (Helmont). Firmicus Matemus ermahnt den Mathematicus, 
■leh von Hader fernzuhalten und keine Fragen anzunehmen, die auf Jemandes 
Sehaden oder Untergang, auf BefHedigung von Hass und Bache absielea. 



272 I>f<^ Phantasiewelt des üebcmatfirlichen. 

auf Hhnliclie Vorbeugung. Bei der ßcythisehen Verlirttderung 
a88*) Jeder von dem Oelisen, nachdem er geinen Fus8 anf die 
Haut gesetzt iiatte. „Die Zauberer, Hexen und Unholden be- 
schädigen ferner die Leuth durch zaubrische Mittel und aller- 
hand unnatürliche Mittel, Sachen und Materien, so sie den 
Leuthen in den Leib zaubern," weiss noch im Jahre 1717 Dr. 
Gockel. Haarbillge, ähnlich den im Mngen der Wiederkiiaer 
gefundenen, gelten besonders als corponi delicti. I^nise Maillet 
vomirte (1598 p. d.) ihre fllnf Teufel in der Gestalt fanstgrosser 
Bälle. Nach dem isländischen Liede Vambarljoo winl Signy, 
Tochter des Königs Ilringr, durch ihre Stiefmutter in einen 
IJindsmagen verzaubert. In Schweden und Norwegen fUrchtete 
man die von Zauberern Finnlands und Kurlands ausgeschickten 
Fliegen**), und in Fliegengcstalt zeigte sich (nach P. DiaconoB) 
Beelzebub auch dem Longobarden-König, wie dem Herkules 
sein Feind als Mücke. Als Saemundr auf Island den Teufel 
in der Gestalt einer Mücke im Rahm liegen sah, damit er 
hinuntergetrunken würde und ihn tödten könne, wickelte er ihn 
in den Beutel einer Kalbsgeburtshaut und legte ihn bekrenit 
auf den Altar (s. Maurer). Bischof Jakob vertrieb die Nisibis 
belagernden Perser durch dagegen abgeschickte Schwärme von 
Fliegen und Mücken (wie es auch bei Girona geschehenj. Nach 
SacharoflF stammt der Windzauber (in welchem der gegen den 
Wind geworfene Schnee oder Sand abzehrende Krämpfe ver- 
ursacht) von den kasanischen Zauberern. Das handfeste Mittel- 
alter schlug alle solche Unruhestifter mit dem Hexenhammer 
nieder, und nach der Chronik von Basel verbrannte man dort 



*) Die Hukolen in Acgypteii schlössen (nach Dio) einen Bund, indem sie die 
Killgeweide des ermordeten Kumers assen. 

^^) If the nu'dicine the Siian-doctor iias given , 1$ nut paid for, ii beromes 
ThIio (|K>wer of sending deatli by nieans of an insect or something of the kiod). 
Any Rubstnnce, a dry buffaloe's hide für instance, at the will of the Operator be- 
conics an insect and enters the person to be attacked, when it at once diamiMCt 
its assumed nature and soniehow causes instant or 1 ingering death (s. Cross). Otto 
von Bamberg vertrieb aus dem Tempel zu Chozegow (Gutzkow) den Geist dM 
dortigen Gottes in Form eines Möckenschwarms. Das Gesicht des ruaslscbeD Bei- 
bog war mit Mücken besetzt 



V 



OegflQZftQber. 273 

im Augnst des Jahres 1474 auf dem Knhlenberge anch einen 
Hahn^ der überführt worden war, ein Ei gelegt zu haben. 

Wenn ein Magier ein Stück Fell (Ngnan) gegen sein 
Opfer wirft, so hängt es von dessen Geschick ab, ob der durch 
den Wind oder den Regen dorthin geführte Zauber*) (ma doch 
lom ma doeh phom) an ihm haften wird oder 'nicht. Wenn 
unter einem glücklichen Stern geboren (Kroh dih) , bleibt der 
feindliche Spuk machtlos, wenn aber böses Schicksal waltet 
(kroh rai), so schlägt das Fell innerhalb seines Leibes Wurzel 
und schwillt dort so an, dass der Tod erfolgt. 

Der Schlangenbeschwörer stirbt schliesslich durch den Biss 
einer Schlange, wenn sein Geschick erfüllt ist (thing-kam). 
Bis dahin kann ihn keine Schlange schädigen, doch ist es nur 
eine Schlange, die ihm den Tod zu bringen vermag. Der Euan- 
Xang oder Mo-Xang, der allein im Stande ist, wilde Elephanten 
SU fangen und zu zähmen, wird zuletzt, wenn die Kraft seiner 
Zauber erschöpft ist, durch einen Elephanten sein Leben ver- 
lieren, und ebenso ist es ein Phi oder Teufel, der nach Er- 
fllllung der ihm auferlegten Dienste, dem Mo-Phi (Teufels- 
meister), der sich ihm verschrieben hat, den Hals umdreht. 
Mit anderen Worten : der Krug geht so lange zu Wasser, bis er 
serbricht. 

Ehuai thanu wird von einer abgeschlossenen Medicin ge- 
sagt^ die in den Leib desjenigen eindringt, auf den sie gezielt 
ist und, sich in demselben in einen Büffel verwandelnd, ihn 
tödtet. Der Gegner der Khuai thanu (BüflFelpfeil) genannten 
Zauberkraft, ist der Süa Saming (der Menschentiger). Wenn 
der damit betraute Hexenmeister Nachts in der Gestalt eines 
Tigers umherschleicht, so kann es geschehen, dass er aus Ver- 
sehen (und weil er unterliess, die gegen solchen Missgriff 



*) Die Lappen glauben (nach SchefTer) „se cum ista Tyre sua simul posse im- 
mittere quicquid deinde velint, serpentes, bnfones, mures, alia id genus quibus 
eraeietur miserrime cui malum hoc infertur/' Nach der flnnländischeu Chronik 
ttorb Wanlaoder an dem ihm von Hulde gesandten Tyre oder Schuss (Nettel- 
bUdt). Nach Bruce glauben die Shangallas, dase sie ihre Feinde auch in der 
Bntferaoiig krank machen können, ebenso wie die Guarinis (nach GharleToix). 
Nach Sokrates wurde Arius durch Bischof Alexander todt gebet^'t. 

Bastian, Reite In Slam. in. 18 



274 Di« Pbantasiewelt des Uebernatfirlichen. 

schützende Arzcnei zu essen) einen Hexenmeister verschluckt, 
der einen Khuni thanu besitzt. Dieser verwandelt sich dann im 
Leibe des Tigers in einen BUiTel und durchbohrt seine Seiten, 
daraus mit den Hörnern hervorbrechend (Khnai Khit), und wenn 
die Leute Jemand des Morgens todt im Bette liegend finden, 
mit den BtiflFcIhörnern aus seiner Seite hervorsteckend, so er- 
kennen sie daraus, dass der Gestorbene ein Suä Saming ge- 
wesen war. 

Ausser den Hexen, die im Dunkeln Schaden wirken, werden 
noch Frauen, die in der Besessenheit eines Dämon prophezeien, 
Meh-Mot genannt. Docli wird das Wort, da ihre Wahrsagungen 
sicli meistens falsch beweisen, auch im Allgemeinen verwandt, 
um Lügner und Betrüger zu bezeichnen. Nach ihrem Tode 
werden die Meh-Mot-Thet oder Afterprophetinnen dadurch be- 
straft, dass sie verschiedentlich geformte Körper annehmen mttssen, 
sei es mit dem Körper eines Huhns, sei es mit dem Kopf einer 
Ente oder den Füssen einer Ente. 

Konlavithi ist die Taschenspielerkunst, wodurch Geld in 
Muscheln verwandelt wird, Messer scheinbar in den Leib ge- 
stossen werden u. dgl. m. Die magische Kraft der Vixa wird 
durch Wiederholung von Gatha (Formeln ) geübt. Dacoits tragen 
oft Wurzeln oder Steine bei sich, die sie durch zufällige Ideen- 
associationen oder weil in bedeutungsvolle Ereignisse*) ihres 
Lebens verknüpft, mit mystischen Zaubern begabt haben, wie 
den Mandanenhäuptling Mahtolopha (bei Catlin) seine Feder. 
Von Kraithong erzäiilen die Siamesen, dass er so tief in Hexe- 
reien l)ewandert gewesen, um eine Kerze unter Wasser an- 
stecken zu können. Die Tättowirungsmedicin macht unver- 
wundbar, wie die seit 1611 in Aufnahme gekommene Passaner 
Kunst. 

Die im Phuk-Phajon bewanderten Zaubermeister verstehen 



*) Ilome erzählt von dem Baumstamm, bei desseD Niederfallen ( 1 6. Sept 1860) 
er durch eine ihm unerklärliche Macht gerettet wurde: I bad afterwards a plecc 
of the thickest part of the fallen tree sawn ofF and sent to me in London, 
where it stiU is and with it on many occasions some very marvellous mauifetU* 
tions took place. 



KnotenknüpfeD. 275 

es, ein Stück Zeug in einer besondern Art zusammenzulegen 
und zu knoteU; dass es beim Hinwerfen sich in eine lebendige 
Figur eines Rakchasa (Jakh), eines Affen, eines Tigers oder 
anderer verwandelt. Wenn die erschreckten Zuschauer zum An- 
griff auf diese Erscheinung losgehen, sehen sie plötzlich wieder 
nur ein Stück Zeug vor sich. So wird in dem Buche Chanta- 
korob (Va doei batr krasat rien vixa ke rüsi, oder über den Prinz, 
der zur Erlernung der Magie die Eremiten aufsuchte) erzählt, dass 
Phaya Vasukri durch seine gordischen Knotenverschlingungen*) 
einmal einen Engel Virun bildete und ein andermal einen Asura. 
Die Laos werden von den Siamesen gefürchtet, weil sie Phi 
Phob (als Spiritus familiaris) in den Häusern halten. Ein einem 
Zauberer dienstbar gemachter Phi Phob kann als Sai Khun in 
den Körper Anderer abgeschickt werden und verwandelt sich 
dort in einen Klumpen Fleisch oder Leder, wodurch er in un- 
heilbarer Krankheit zum Tode führt. Auch kann eine Büffel- 
haut en miniature den Speisen beigemischt werden, die sich 
nach dem Genüsse so sehr im Magen **) ausdehnt, dass der Patient 
zerplatzt. In Bayern schneidet Frau Bercht den faulen Mäd- 
chen den Bauch auf und füllt ihn mit Haarwickeln (Panzer). 



*) Mit Knoten (Kiei-cheng) wurde in vorschriftlicher Zeit die Zauberei der 
Ronen getrieben, und die Coles gebrauchen sie noch jetzt ebenso wie das Ein- 
schneiden in Stäbe (l£he-mou in China), um Buch zu führen. Zu den zauberischen 
Ligaturen und Rindungen wird von HarsdSrffer das Kesselkuüpfen gerechnet, und 
Meinders führt von Ligatio ein Dutzend Arten auf. Der zur Sinlaprasat gehörende 
Knotenzauber wird von den in den Vedas bewanderten Präsidenten des Horizontes 
(Phrahm der Farangset) gelehrt in Takkhasinla oder Romavisei, welche Stadt 
auch im Buche Pathommasomphot der Sutra erwähnt wird. Inest hominom ani- 
mis virtus quaedam immitandi et ligandi res et homines, ad id quod desiderat 
(Agrippa von Wettersheim). 

**) Avec leur Arak (D^mon) les Kambodjiens se croient tout-puissants. Ils 
cachent leurs tr^rs dans la terre en les conflant au d^mon, ils sont sürs de ne 
Jamals les perdre, parce qua celui qui les enlevera sera puni par nn pouvoir 
spirituel et 11 ne pourra les empörter, ayant les Jambes paralys^es. Us exercent 
aussi un vengeance terrible par le prestigue magique. Vous offensez gravement 
OD de ces gens-lä; 11 ne vous dit rien, mais il vous fera, sans que vous Taperce- 
viez, croitre un arbre ou un morcean de bois ou un bateau dans votre ventre. 
Ces objets diaboliquement introduits grandiront proportionnellement avec le temps 
et vom flnirez par moarir (Trüong Vinh-Ky). 

18». 



• 
-I 



276 nie PhanUsiewelt des UebernatQrlirhen. 

Wenn nach der Citation eines bösen Geistes der Magier ihm 
im richtigen Momente den Kopf abschlugt, so verwandelt sich 
die Seele eines Mannes in einen Phi-Kahang, die einer Fran 
in einen Phi-Kasll. Der Kopf geht in der Gestalt eine» feurigen 
Balles als Gespenst um (Phai-Lok). Der kopflose Kumpf bleibt 
im Hause zurück, wird aber vor Anbruch des Morgens wieder 
mit seinem Haupte vereinigt. 

Wenn Frauen verl)otene Sachen essen, so werden sie leicht 
von den Phi-Kasti gepackt, die sich in ihrer Kehle festsetzen 
und sie Nachts in umhersprtthende Feuerfunken verwandeln 
(Fai-Kasüa), den Irrwischen älinlich, während sie am Tage 
iliren gewöliulichen Geschäften des Ackerbaues nachgehen. Einige 
der Hexen hauen sich seihst den Kopf ab und schi essen dann 
als feurige Kasü aus dem Rumpfe hervor, sind aber bei Tage 
wieder in alter Ordnung. Wenn die serbischen Zauberinnen 
Nachts ausfliegen, glänzen sie wie Feuer ( Wuk). 

Sakot-sadom ist eine magische Medicin, von der ein Dieb 
etwas Weniges an seinen Fingern trägt und damit einer andern 
Person in's Gesicht fahrt, um sie einzuschläfern. Auch Hunde 
worden durch Paliformeln betäubt, die die Räliber von Zauberern 
erhalten haben. Um Liebestränke werden diese gleichfalls an- 
gegangen. Die Sadoh-So-Truen-Ni-Pai ist eine besonders von 
'den Birmanen (wie in England von den Davenport) gekannte 
Zauberkunst, um sich aus Fesseln loszumachen. Die Birmanen 
sind auch wohl mit den Wegen bekannt, in Häuser einzubrechen 
und ein Boot fortzurudern, ohne dass man etwas davon hört, 
oder die Insassen in Schlaf zu versetzen, als ob ihnen, wie in 
der Volsunga-Saga , ein Svefnthorn in's Haupt gedrückt sei. 
Hat ein Bootsdiebstahl stattgefunden, so wird zunächst in 
dem Dorfe der birmanischen Colonie etwas unterhalb Bang- 
kok darnach gesucht. Zur Narkotisirung der Hausbewohner 
(Sakot-Lab oder in Schlaf lullen), um ungesti^rt rauben zu kön- 
nen, dienen auch magische Sprüche (Sek-Mon-Vixa), oder es 
wird versucht, narkotische Kräuter (Ya-Sakot) im Voraus unter 
die Esswaaren zu mischen. 

Wer einen Schatz zu heben beabsichtigt, stellt Opfergaben 
von Blumen, Räucherwerk, Kerzen und Reis auf den Platz, wo 



^ 



w 



KrankheltsteDfeL 277 

er graben will^ und schläft dort, um nach der günstigen oder 
ungünstigen Erscheinung des DämoU; die ihm im Traume werden 
wird, Peine Entscheidung zu treffen. 

Wie die Meh mot genannten Hexen (verächtlich auch Ithao 
geschimpft) können die mit dem Sai-Kimn vertrauten Zauberer 
ihren Feinden Schaden zufügen, indem sie die nach Art der 
Alraunen aufgezogeneu Hauskobolde , die Phi Pob heissen, in 
den Leib jener absenden. Die Rahang sind eine Art von 
Dämonen, die die Eingeweide der Kranken zerfressen. D^r lon- 
gobardische König läugnete *) dieses im Jahre 644 p. d. , aber ^ 

im Jahre 1749 p. d. wurde (in Wtirzburg) Marie Renata hin- 
gerichtet, weil sie (nach der 171)6 p. d. gedruckten Rede des 
Pater Georg Gaar) fünf jungen Nonnen nebst einer Laien- I 

Schwester verschiedene iiöUische Geister in den Leib gezaubert 
hatte. Solches durch Zauberei llineinschicken heisst Xai Phi 
im Siamesischen, „üebcr das ist khein Zweyfel das Pestilcntz 
und Fiber und ander schwer Krankheyten nichts anders sein 
denn des Teufel werkhe," schreibt 1532 Dr. Martinus Luther, 
und obwohl die Superklugen in Siam darüber lachen, stimmt 
die Majorität in der Volksansicht doch ganz mit dieser Theorie 
ttberein, indem es die Malaria-Krankheiten, von denen Reisende 
in den Wäldern befallen werden, dem Phi Du zuschreibt, einer 
Klasse wilder Teufel. Diese fallen meist von den Bäumen auf 
die Vorübergehenden herab, da sie zornigen Gemüthes sind 
und sich für Respectwidrigkeit rächen oder strafen wollen. 
Aber es giebt noch eine andere Gattung, die sich des Namens 
Phi Disat oder Dreckteufel erfreut und mit schlauen Tilcken 
im Dickicht Netze aufstellt, wie Satan den armen Sündern. 
Solche, die in diese unsichtbaren Schlingen **3 (bat buang im 
Siamesischen! hiueingerathen, werden dann in schwere Krank- 
heit fallen. Die Medicinen der Aerzte sind dagegen meistens 



*) NaUuB praesumat aldiam alienam aut ancillam qnasi strigam qnae dicitur 
Masca occidere quia christianis mentibus nullatenua est credendiim, nee posafbile 
0it ut hominem mulier vivum intrincecua possit comedere. 

**) Wie die Retiarier unter den Gladiatoren kämpften (nach Prisous) die Hun- 
nen mit umschlingenden Strängen (&bulich dem spanischen Lasso). 



I 



278 ^^^ PhanUslewelt des Üeb«niAtürlichen. 

wirkungslos, und die Patienten lassen entweder die Mo Phi 
genannten Beschwörer rufen, die kräftige Exorcisationes besitzen, 
oder wenden sich aij eine der Capellen (San-Chao), in denen 
der eine oder der andere der deificirten Heiligen verehrt wird. 
Man kann leicht erfahren, welcher derselben sieh als Speciali- 
tät fiir eine besondere Krankheit auszeichnet. Im Jahre 1784 
p. d. verbot Karl Theodor Kurfllrst von Baiem alle weltlichen 
Mittel wider den tollen llundsbiss und befahl, dass man ein- 
zig und allein auf die Wunderkraft und Gnade des heiligen 
Hubertus sich verlassen sollte. Das Institut desselben in Belgien 
geniesst noch jetzt grosses Vertrauen. Durch Constantin's Ver- 
ordnungen (im Cod. Theodos.3 werden, wie die Privat-Haruspi- 
cien, nur die Incantationen für unerlaubte Zwecke verboten, 
nicht aber solche, die dem allgemeinen Besten dienen, wie in 
Abwehrung von Unwettern. Bani buang suang nennen die 
Siameseu den Genien dargebrachte Opfer. Das Niederlegen 
der Opfergabe auf den Altar heisst Vang Khrüang Buxa ntta 
Phra-Then. Jlit der Ceremonie Sen-Vak werden die Geister 
günstig gestimmt. 

Die Meh-Mot schiessen die Krankheitsteufel durch Schwarz- 
ktinsteleien ab, wie die finnländisehen Zauberer, die ihre Gan 
(Gand) in einem Fellranzen (nach Petrus Claud.) aufbewahrten. 
„Wenn eine Sau nicht frisst, hat sie von der Truht einen Schnss 
bekonmien." Hexenschüsse treffen auch Menschen. Die Schwarz- 
künstler suchen ihre dienstbaren Geister, um sie in Phi Phob 
oder Ilauskobolde zu verwandeln, auf den Kirchhöfen*), vor- 
t A zugweise an Leichen, die noch nicht verbrannt sind. Die Juden 






*) Homo etiani dimittit niediuni aliud expriitivum, emanativum et maiidati- 
vum ad iDcantandum homineni, quod medium est Idea fortis desiderii. Est 
iiempe desiderio inseparabile feni circa optata (g. Ilelmont). Ex voluntate hominis 
aUquaDtillum Spiritus vitalis influentis desumitur et id ipsam assumit idealem 
entitatem, tanquam formam ad complementum. Qua nacta perfectione spiritni 
mediam sortem inter corpora et dod corpora assumitur. Mittitur autem eo, quo 
volunta^ ipsum dirigit Nach Pomponatius kaun durch Einbildung nnd WunMh 
gehandelt werden, indem talis virtus exit ad actum. Sagae operantur virtote 
natnrali (s. Helmont). Als Osci macht Odin den Menschen des Wunsches theU- 
haftig, der bei Hartmanu personiflcirt wird (s. Qrimm). 



Der Homnnrnlus. 279 

graben ihreTodten tief ein, Ins WaRser herausquillt, damit durch 
die Feuchtigkeit die Auflösung des Fleisches beschleunigt werde, 
da in diesem (nicht in den für heilige Reliquien verwandelbaren 
Knochen) die Kharfesters (Würmer oder bösen Geister) sitzen, 
und auch bei den Persern war der verwesende Leichnam den 
Divs verfallen. Da sich mit einem Abortus gefahrliche Zaube- 
reien ausführen lassen, so wird derselbe sogleicli einem zuver- 
lässigen Magier übergeben, der ihn, einen blanken Säbel*) in 
der Hand, in einem Topfe nach dem Flusse trägt und dort unter 
Verwünschungen in's Wasser wirft. Bei den Ewers (in Afrika) 
werden im Kindbette Gestorbene am Blutmenschenort begraben. 
Nach Finlayson werden in Siam die abgeschnittenen Hände 
und Füsse nebst dem Kopfe eines der in Schwangerschaft 
verstorbenen Mutter ausgeschnittenen Kindes an einen Körper 1 

von Thon angefügt und als Zauber aufgestellt. Aus I-Moth und Ü 
I-Thao werden Gifte gemischt. Schwangere Frauen sind den "^ 
Nachstellungen der Dämone (Phi Phob und Phi Prai) besonders 
ausgesetzt, die sieh eine Gewalt über den sich bilderiden Homun- 
culus erwerben wollen, und sollten sie die Entbindung nicht 
überleben, so bedarf es umständlicher Ceremonien, dass nicht 
gefährliche Vampyre **) einen fllr weitere Entwickelung günstigen 
Boden in ihnen finden. Böse Zauberer machen oft; heimliche 
Versuche, ihre Leichen auszugraben. 

Von einem hastigen und gierigen Esser sagen die Siamesen 
Phi takla Khao (er ist besessen von einem Phi takla). Die Phi 
Takla sind Dämone, die nie gesättigt werden können und Alles 'ki 



*) Nochmals hat sich das bndissenische Tenfelsgespenst erdreistet, der KeU- 
pflogino in Gegenwart ihres Gemahls zu erscheiuen. Der hat dann flammt den 
Amanaensis den Degen genommen nnd haben nach der angezeiohten Richtnng 
gettossen und gehauen (Frenze!). 

**) The Siamese and Malays sometimes extract the Mntih-anik or dead ehUd 
from the womb of a woman, who has died in labour and bury tt In a leparate 
place. They prick the flnger of the deceased with a needle to prevent the aplrlt 
beeoming a Langsoowee, who flies off to the mountains with the hair «rildly 
diflheTelled and thereafter enters into and possesses the body of auy individual 
(Low). Porenuz wacht über den Embryo bei den Slawen. 



I 



280 Die Phantaii1«»vpU dfü Uebernaturlichen. 

verschlucken. Um mit zwei Mäulern*) zu fressen , nelimen sie 
Besitz von Menschen. Der ln'ichste (rracl von Gefrässigkeit wird 
durch die Phi Xiimop bezeichnet, die selbst Excremente hinein- 
schlingcn. Die Prctns der orthodoxen Bücher haben einen 
dicken Wanst, aber die Miindiiffnung ist nicht grösser als ein 
Nadelöhr, so dass sie die Tantalusciualen des Nimmersatten 
leiden. 

Ist Jemand von einem Thevada oder einem Phi besessen, 
so kann nur der Hausherr, indem er die ganze Manifestation 
der gegebenen Zeichen zusammenfasst und vergleicht, diagnosti- 
ren, welche Art es ist, um zu entscheiden, ob der Geist**) des 
(^»rossvaters. des Urgr(»ssvaters. eines andern Ahnen oder eines 
Seitenverwandten eingefahren ist. Bei den Karen heisst Gott 
(Juwa) der grosse Ku-tso (Herr) oder der grosse Pii ( Vorfahre). 
Auch bei den librigen BergviUkern kehrt die abgeschiedene 
Seele des Ahnen zur ronnnunic.ition mit seinen Nachkommen 
zurück. Wie Bobadillo von den Indianern in Nicaragua hörte, 
kHme beim Tode etwas der Per8<m Aehnliche« aus dem Munde, 
was Yuli<»***) hiesse. Die in den lliiusern Gestorbenen gingen 



*) „Müiiie Götter sind die nrahmaneii. Ich kenne kein Wesen, welches Euch 
gleicht, nrahmanen, durch deren Mnnd ich osi^e!" sagt Brahma in den Purana*». 
lU'l Aristophanes hiinpcrt der Priester, wie der Gott, als mit Erwerbung Plnton's 
die Opfer aufhören, und die barbarisch zwitschernden Götter kündigen den Olym- 
piurn den Krieg an, aU diese we/:en der Vogelstadt die Passage vom Himmel 
zur Erde nicht aufrecht zu halten vermögen. 

♦•) „Die Lehre von der Wanderung der Seele durch leibliche Gebilde findet 
sicli auch bei Personen, die im Ohristenthum aufgewachsen sind, wie z. B. in der 
Mittheilung der Spiritualisten in Schweden {17.SS} an die magnetische Gesellschaft 
za Strassborg, worin die Somnambulen nicht nur im Namen Krankheit vertrei- 
bender Schutzgeister, sondern selbst als solrhe sprechen. Einer derselben, welcher 
14 Jahre vorher als Kind von drei Jahren gestorben, und sich in der Welt be- 
findet, will schon durch mehr als 300 Personen geredet haben/* Mrs. Pears n- 
zahlt, wie „Mr. Home passed into a singular state'' und sie ihn als den Geist sei- 
nes Orossvatera anredete (18(30 p. d.). In Yoruba erscheint der Ahn im Kinde 
wieder, während die Völker der Couvade seine Seele vom Vater geschwängert 
sein lassen. 

♦••) Haec offerunt tum circumvaganti coetui Juhlio, qnem eo tempore crednnt 
errare in aere, bemerkt Rheen von den Lappen, die ,,manere supcrstes aliquld 
post mortem, credunt.'^ '^Me unsere Seele, Luft seiend, uns zusammenhält, eo 



Exorcismen. 281 

unter die Erde, solche ^ die in den Kriegen gefallen, dienten 
den Göttern -(Teotes). 

Ist eine Person durch einen bösen Geist besessen^ so sagen 
die Chinesen in ihrer Sprache Lo-Sim (der Herr ist herabge- 
kommen), was dem siamesischen Phra-ma entspricht, während 
sonst der Ansdmck Phi-Khao (das Eintreten des Dämon) an- 
gewandt wird, wenn der Wahrsager durch Nymphen begeistert 
ist, wie der Böotier Bakis. Der heilige Ephraem trieb einem 
arianischen Mönch seine Ketzerei vne einen Teufel ab (s. As- 
semann). 

Wenn die auf den Winden reitende Phisat in einen Körper 
eingefahren, aber durch die mächtigen Exorcisationen des Be- 
schwörers von einem Gliede nach dem andern gejagt wird, 
80 zieht sie sich zuletzt nach den äussersten Fingerspitzen zu- 
rück und sucht dort einen günstigen Vertrag über ihren Rückzug 
ZQ treffen, indem sie durch den Mund des Patienten spricht. 
lu China exorcisiren die Tauisten den Krankheitseinfluss der 
72 bösen Geister durch Verbrennen falschen Papiergeldes. Die 
Angriffe der Dämonen, die Besessene quälen, werden Phi Phra- 
chan genannt. Der griechische Wahrsager Eurykles wurde der 
Banchprophet genannt, weil er einen begeisternden Dämon im 
Leibe hatte. 

Zuweilen geschieht es, dass Leute, die an chronischer 
Krankheit unter völliger Abmagerung und Erschöpfung viele 
Jahre hingesiecht haben, schliesslich doch zu sterben scheinen. 
Sie sind aber dann von einem Phi Pisat besessen, der sie am 
nächsten Tage wieder aufleben lässt und ganz in der vorigen 
Weisse handelt, als ob der Kranke noch am Leben sei. Aber 
man kann den falschen Betrüger bald erkennen, da er immer 
das Gesicht wegwendet, wenn man ihn im G^präche anzu- 
blicken sucht. Dann hat man schleunigst nach einem Mo (Zau- 
bermeister) zu senden, und der Körper muss so schnell wie 
möglich verbrannt werden. 



nmfasst auch Lnft und Odem die ganze Welt (Aiiaximeneft). Am Ynlfext tranktn 
die Nordmäuner die Minne der Dahingegangenen (als Tathagatha), denen sie die 
BraUritaine errlehtat 



282 I>1e PhanUsiewelt des UebernatOrUchen. 

Es kommt auch vor, dass im langen Siechthum ermattete 
Kranke ganz ruhig und unbewegt daliegen^ ohne sich zu rtthren 
oder Speise zu sieli zu nehmen^ so dass man sie fUr todt hält 
Man Ulli SS dann Speise neben sie stellen und trampelnd fort- 
gehen. Wenn man nun durch die Thttrritze guckt, so kann 
man sehen, wie sich die Leiche*) durch die Macht des einge- 
fahrenen Teufels erhebt, aufsteht und Alles auffrisst. (In Vorder- 
indien schreibt man solches den Vetala zu.) 

Wenn der Chao oder däuionisclie Herr zum Herabfahren 
in den Besessenen eingeladen wird (XVm Chao), singt der Chor 
der Uifistehenden : „Kiuiig und Oott (PhraOngk), dich rufen wir. 
Wir rufen dich, um herabzufahren, du Himmelsbewohner (The- 
vada), und dich in deiner machtvollen Gewalt zu offenbaren. 
Komm herab in seinen Leib, in dem Khon Song (der Majestät»- 
person) **) zu weilen. Herrlich geschmückt, in Pracht und Zierde 
steht das Gefiiss, das deiner Aufnahme wartet; eine würdige 
Behausung bildet ftir dich der Khon Song, in Schönheit strahlend 
gleich den Engeln. Fahr' ein in ihn, du königlich Begabter, fahr* 
ein in ihn und weile dort. Wir verehren dich, wir beten im 
Staube an. Wir wünschen von dir deine Offenbarungen zu em- 
pfangen, die Enthüllungen deiner himmlischen Heimath. Er- 
barme dich unser." 

Wenn der Chao durch die Beschwörungen herabgebannt***) 



^ 



*) Wie Apulejus vom Aegypter Zachlas, erzählt Ileliodor die Beschworung 
einer Leiche, um Wahrsagong zu vernehmen, und der heilige Severinns rief einen 
verstorbenen Presbyter wieder iu's Leben, der sich aber nach der ewigen Rahe 
EorQcksehnte. 

**) Der Khong Song nimmt die Tracht des Gottes an, wie die c&lifomiscbao 
Indianer sich als Tobet schmüclcten, wenn sie für Tschin igtschinisch unzten. We 
sat round a table and after a little singiug the medium passed into a State, ap- 
parently of trance. The expression of her face was much changed, was mueh 
reflned and beautifled. The last light was extinguished (Boston, Dec. 24. 1860). 
Plato nennt den Propheten (Tt^offjr/^s) den Dolmetscher der begeisterten Orakel- 
•prücbe des Wahrsagers (/uams) oder Sehers (Wagner). Von den Awenydbyn 
(vom Geist Getriebeneu) bemerkt Giraldus (in Canibrien), dass sie aus dem Anfall 
aufgerüttelt werden müssen und nach dem Erwachen sich nichts des Gesprochenen 
erinnern. 

***) Wenn sich kein passender Mittler findet, beschwort man die gottUche 



Besessenheit 283 

wird in den Leib des Khon Song, so bleibt dieser, während 
seiner Anwesenheit unverwundbar und gesichert gegen jede 
Art von WaflFen ; durch diese Probe manifestirt sich die Wunder- 
kraft fSakrith) des Dämon. Die mit solchen Künsten vertrau- 
ten Chinesen geben Vorstellungen, in denen sie sich ungescheut 
anf Lanzen und Scliwerter setzen. 

Mehr fttr scherzliafte Belustigung wird die Besessenheit 
dnrch Meh Sil (die Mutter der Farben) anzubringen gesucht, 
und unterhält sich das Volk oft damit in den mondliellen Nächten 
der Festtage, besonders am Neujahr. Die Anwesenden stellen 
Einen mit zugebundenen Augen*) und zugestopften Ohren in 



Kraft in das Allerheillgste hinab, dem sich dann nur die Priester (der Karen) zn 
nahen wagen. The Bookho made by bis song god descend on the altar (sur- 
nunded by lighted wax candles) aud remained kneeling on the platform in a 
itate of ecstasy (Benjamin). Die Verehrung Yowa's bei den Karen fi\hrte durch 
JehoTab die Missionäre zu der Ansicht, in ihnen die yerlorenen Stämme Israels zn 
Mhen. Im Kaukasus unterscheidet mau Sehne wachzi schwotem (2'/, Stämme) 
UDd Tischo wachzi schwotem (97] Stämme). Die Neu-Caledonier glauben (oach 
Knoblauch) an ein unsichtbares höheres Wesen mit Namen Jova. In dem Orakel 
des Apollo GlariuB wird Jao (bei Macrobius) für den höchsten der Götter erklärt. 
Dia Missionire lasen die Verehrung des Schem hamphorasch (deutlichen Namens 
nach dem Sohar) der Rarchiker und Ophiten aus den ältesten BQchern der Chi- 
nesen heraus, und auf den Gemmen der Gnostiker ist er mit Sabao Terbunden, 
ala JehoTa Zebaoth. Nach der Kabbala bezeichnet Jah die androgynische Natur 
des Schöpfers. Zebaoth wird Herr des Steruenheeres übersetzt Reynitzsch er- 
klirt die Sabazen oder Savasen der Thrazier als die Besoffenen, von saban (alt- 
akTthisch) oder (gothisrh) safan (saufen). Juda bezeichnet die Verehrer des einigen 
Gottes, wahrend Israel sich an den phönizischen Nationalgott anschloss(Nork). Nach 
dem Targnm Jonathan sind Janues und Jambres die ägyptischen Magier (die gegen 
Moaea stritten), Söhne des Bileam. Nach den Glementinern war der Magier Simon 
der Scbfller de» Johannes, der nach Tertullian „scandalizabator , qnia alfpm 
Christum sperans.^ Die Birmanen sprechen das aus Arahat abgekürzte Bahan als 
Jabanda aus (Oannes). 

*) The Malay dancer, who has risen from his swoou by being perfümed, 
performs his postnres with the eyes shut. Die Seid genannte Zauberkunst der 
Nordminner wirkte durch magische Gesänge. In Oman heissen die Moscheen 
Meiar (Besnrhsplatz) und sind oft das Grab eines Schutzhelden. Die Kami bei 
den ignristischen Türken versicherten, dass Dämone mit ihnen durch die Fen- 
ster des Zeltes redeten. Diese Offenbarung des Dämon aber geschieht nicht 
eher, fügt Aaseman hinzu, als bis sie von anderen Mannspersonen besudelt 



m 



'2H\ Die PhantAsiewelt dns UebernatOrücheii. 

ilirc Mitte und stiiniiioii dann die Tncantationen an. Es daaeit 
p*wr)linlicli nicht lange, das« die Farliemutter ihre Gegenwart 
dnreli das Zneken einzelner Glieder bemerkbar macht. Bald 
bewegt sieb der lieseftsene nnrnbiger unilier, dann tanzt er 
wilder nnd wibb'r, nnd zuletzt rollt er erschöpft und athemkw 
auf der Enb»; (Ut Geist kann dann aueb ansgcfr.igt werden, an 
zn wissen, woher er gekoiinnen sei. Man ziUilt die ve^8chied^ 
nen Diiinonentenipel auf, bis der Besessene statt vemeinender 
Bewegungen eine bejahende niaeht, wenn der richtige Name 
getroffen ist. Die gesungenen Worte hinten ungeföhr: 

,,() in F'arben strahlende Dame, o Engel, so jnng nnd 
sehiUj. streek' deine Hundt» aus und breite dein magisches Xeti. 
F^ntfalte dicji in Wunderkraft. Die Augenbrauen in hochge- 
sehwungenen Bogen dieht beisamuien. die Wimpern lang nnd 
fein, ein glitzerndes Gitter. Um den sehwellendcn Bnsen hebt 
sich im Atheui das ilatternde Tuch. Ach schön bist du^ herrlich 
und sehön, in F^arben strahlende Dame. 

O in Farben stralilende Dame, du Engel des Sees, die 
Brllste voll und rund, sanft und lieblieb das Antlitz. Von 
deinem Gatten verlassene Wittwe, sehnend schweifst du! wie 
lange, wie lange V bis du dir einen neuen Gatten erkürst, jetzt 
allein, jetzt gattenlos. C> Dame der Farben, o in Qoli 
Strahlende du! 

farbenstrahlende Mutter, Mutter des dunkeln, Pestbanch 
schwangeren, Teichs. Herab, o Herr, herab mit dem Mädchen, 
so zierlieh und nett, dem Mädchen so hltbseh. Es klinge die 
Flöte, laut tr)ne der Gong, wir rufen dich, Mutter der goldenen 
Farben, konmi nieder zu uns." 

Die Meh SU'wird auch als der specielle Schutzpatron der 
Kinder angesehen, und wenn dieselben z. B. fallen, ohne sich 
zu verletzen, so hat sie jene Mutter*) in ihren Händen aufge- 
fangen. 

den lüind, iiud die meisten sind Hermaphroditen (s. PfelfTer). Der Deoda der 
Khota Achöpft seine Begeisterung im Reigen der HAinbupfeiler tragenden TSnzer. 
*) Die indishen M&tris (Mßtter) werden (wie die verbflUten Gottheiten der 
liriechen) auf den Kreuzwegen angcrufün. Die Aegypter rechneten zu den Mflt- 
tern (als Mut) Buto, Neith, Hes u. s. w. Die Irdlsclie Weltordnung in der Yer- 



EnagismaU. 285 

Aehulich dem Sanchao der Siamesen (die darin den Cbao 
verehrenj erbauen die Chinesen gewöhnlich neben ihrem Hanse 
ein San,*3 was im Chinesischen eine Verehrung bedeutet. Sie 
nennen es Lauia San oder Ama San, indem Lauia die männliche, 
Ama die weibliehe Form eines Engels oder Chao ist, der im 
Himmel lebt und von seinen Anbetern mit verschiedenen Namen 
belegt wird. Kuen-ia, Pakti-ia u. s. w. gehören zu diesen Lauia. 
In den chinesischen Buddhatempeln findet sich die Trinität"^*) 
oft aus Kwan-Yin (Gnade), Wenchu (Weisheit) und Putticn 
(Glück) zusammengestellt, oder aus den Buddha's der Vergangen- 
heit, der Gegenwart und der Zukunft. 



korperuDK der Pascht in Reto wurde yon den Aegyptern als Grossmntter oder 
Pflegematter benannt ..The goddess of children, called Mother, is supposed to 
bave the care and oversight of children of botb sexes uutil they are sixteen years 
cid*' bemerkt Doolittle von den Chinesen. Er sagt tou dieser Göttin (Ling Chui 
Na), die auch den Entbindungen vorsteht, dass sie ,,{» believed by some to be 
the most frequently worshipped of all the gods and goddesses at Fuhchau,*' wie 
Diana es in Ephesas war. Enten dürfen ihr nicht geopfert werden, da diese sie 
Tor Nachstellnngen eines Wasserdämon retteten, der sie hinabziehen wollte, wie 
(nach Quitzmann) den wilden Jäger in den Wildbach. Wie Cybele auf Löwen, 
reitet sie auf einem Tiger. 

*) In solche Capellen werden taglich parfümirte Kerzen gestellt, und sechs- 
rfkal im Jahre wird der Herr unter allen ziemlichen Formen mit Darbringung von 
Swwaaren fetirt. Wenn kräftige Gathas (Niem tschui) gesprochen werden, er- 
greift der Geist Einen der Versammlung und antwortet durch den Mund des \\t- 
geisterten auf die ihm gestellten Fragen; aber zuweilen fahrt er ohne Einladung 
In einen Besessenen und jagt ihn in wilden Sprüngen umher. Von den Cochin- 
ekinesen tagt Choisy : Dans chaque maison il y a un petit autel suspendu proche 
du toit, qu'ils appellent le Tlan, qu^ils croyent etre le siege de l'esprit qui les 
conperve. Chaque village a aussi une petite cabane, qu'ils appellent Mieu, qui 
eet ie aiege de Tetprit tutelaire du village. 

**) Nach Kircher wurde die chinesische Dreiheit (aus Fo, Confucius und Lauzu) 
Pniea genannt oder mystisch (als auf dem Lotus schwimmend) Amida. They 
kave moreover another sorte of temples, wherein both uppon the altars and 
miso on the waUes do stand many idoles well proportioned but bare headed. 
These bare name Omithofon, accompted of them spirites, but suche as in heaven 
do neither good nor evyll, thought to be suche men and women as have chastlye 
lyred in this worlde in abstinence from fyshe und fleshe, fedde only with ryae 
«od salates; of that devyl they make some accompte, for these spirites, they eaxe 
Utile or DOtbyng at aU. 



M 



2S6 Hif PhADUfievfh dM U«bmiatllrllckMi. 

Zn clon Lnklmn Phi (Dämonen-Theater) bedarf es einer 
Person, eines Mannes mler einer Frau, die vom Cliao Phi (den 
rUiersten der Teufel i Kesessen werde, nUnilich von den Thepha- 
rak (de«i8rliiit7.eujrtl). der. herbeigerufen . in sie einiUhrt Die 
Ubrij?en Assistenten selila^en die Trommel oder klatschen mit 
den liändeu. Lie&rt Jemand am Fieber krank, oder ist ein Dieb- 
stahl be^anpen. si» wird der Chao besehworen und gefragt, 
welchen Verlauf die Krankheit nehmen werde, ob die verlorenen 
Saehen wieder erlanirt werden oder nicht. Zuweilen wird ge- 
antwortet, die Krankheit hat Heilung zu erwarten, das Auf- 
finden steht bevor. Zn anderen Zeiten heisst es: die Krankheit 
wird zum Theil geheilt werden, aber nicht ganz vorbeigehen, 
v«in dem aliljantlengekiuumenen Besitzthume wird etwas wieder- 
gefunden wenlen, a!»er nicht alles. Gewisses ist nicht zu be- 
stimmen. Das Medium der Besessenheit (Khong Soug) legt 
nicht ein theatralisches CostUm an wie in den anderen Schau- 
stücken ( Lakhon !. Ks bekleidet sich mit einem neuen Lenden- 
tuch und neuer Jacke, aber in der Weise des gewöhnliehen 
Lebens. Während der Einladung des Chao hockt das Medium 
wieder, und die Umstehenden unterhalten dann einen ununter- 
brochenen Lärm mit Trommeln und Händeklatschen. Es dauert 
nicht lange,, so taugt der Besessene an^ Handlungen und Be- 
wegungen zu zeigen, die von denen des natürlichen Zustande 
(phut prokati) verschieden sind. Mitunter schreckt er in die 
llrdie, springt und tanzt. Wenn er spricht, so redet er in den 
Wt>rten des erhaben FUrstenherrn (Chao Nai) die Versammlung 
anfahrend:*) „Was wollt ihr, warum ruft ihr mich, ihr Bur- 



*) Die iiiittelMtprliiliPii liespsspiieii zeichueten sioli bekanntlich ebenfaUs utcht 
durch ilüfliclikuit aus: Nawadoiu'sah , der Teufel Cäcilia*s in Unterzell, betitalt» 
den Beichtvater: „Du Ochseukopf oiit Saublasen vor den Ohren/* „du EseUkopr* 
u. a. w., oder redete ihn in Phrasen an, wie: ,,Dq vermaledeiter weisser und ro- 
ther Hund, alle Teufel und Menschen will ich gegen dich aufdecken," wenn er 
ihn mit dem „Grossen" oder der ,,Steiiibacheriu*' bedrohte. Freilich wurden die 
Geister oftmals schlecht genug behandelt und unbarmherzig abgebläut. DI« Cht* 
nesen gebrauchen ebenfalls Weidenzweige oder Hanfstricke, um die Dämonen fort- 
zujagen, aber sie prügeln nicht den Kranken, sondern nur sein Bett und die 
Bettstelle. Die von Campbell in Ceylon gesehenen Besessenen erhielten da- 



Beschwörung. 287 

gehen da?" Die Leute erklären ihm dann in ihrer Antwort, 
was sie zu erfahren wünschen. Sie laden ihn dann demUthig 
ein, sich an dem Arac, Reis, Kuchen, Enten, Hühnern, Schwei- 
nen und anderen hingestellten Gerichten gütlich zu thun. Wenn 
sie ihre Fragen gestellt hahen und die Unterredung über ihre 
Angelegenheit beendet ist, so giebt nach einiger Zeit der Be- 
sessene*) in seinem Benehmen Anzeichen, dass er in seinen 



^gen ihre wirklichen Hiebe über Arme, Beine, Kopf nnd Rücken zum Besten 
des Dämon. 

*) Von der Maguetisirang chinesischer Medien erzählt Doolittle: The person 
begina to entwine the ilngers of both his hand together in a certain manner 
b«lieved tu be peculiarly pleasiug to the deity invoked (wie im lamaistisrhen 
Gottesdienste die Mudra der Dharani). He soon appro.iches the other performer. 
who is Standing and with a sudden motion, throws his hands, with flngers thiis 
Interlocked, ont toward his face very much as thoiigh he intended to strike him. 
This motion separates the flngers whicb he again interlaces and whioh he again 
throws out toward him. This Operation is repeated several times, being regar- 
ded as tery eflQcacious in procuring a visit from the god. The person whose 
•yes are shut during all this time soon gives what is believed to be unml- 
■takeable evidence of beiiig possessed by some supernatural and iuvisible power. 
Uis body sways back and forward , the stick of iiiceuse falls from his grasp and 
ho begins to step aboot with the peculiar stride and assumes the peculiar atti- 
tode and appearance considered as belonging to that god. Servius leitet die 
(nach Festas unbenannnten) Gotter der Indigetes von indigitare precem (bei Ma- 
erobioB) her. Bei der chinesischen Geisterschrift zeigen sich nicht die ans Monise- 
Unirmeln herrorbUckenden Hände amerikanischer Spiritnalisten , aber Amulette 
worden verbrannt. This is designed to cause the god to descend, enter the peii 
and deÜTor its oracle in writing. Uis presence is manifested by a slow move- 
mont of the point of the pen tracing characters in the sand. Wio schwibische 
Somnambulistinuen lieben es auch in China die Frauen, durch den Magen zu 
sprechen, auf den ein aus Weidenholz Torfertigtes Bild gelegt wird. The qnestioiis 
aro addressed to the (female) medium. The replies appear to come from her sto- 
mach. Am Pruth und Dniester wird aus der Weide (nach Eckermann) die zau- 
borlscho Tanzpfeife Fjurka angefertigt. Nach den Polen sitzt der Teufel als 
Nachtenle auf alten Weiden. Wie Paracelsus meinte, bedarf es keiner Beschwo- 
nmg, und es wird nur durch den Glauben und die kräftige Imagination gewirkt 
L*actlon du roagn^tisme dopend de la seule volonte (de Lausanne). „Insofern 
dio Hände des Menscheu als diejenigen Organe, welche die handelnde Thätigkeit 
des Menschen am Sichtbarsten ausdrücken, die wirkenden Orgaue beim Magneti- 
tiren sind, entsteht die magnetische Manipulation'' (s. Kieser). Der in das Yau- 
donz eingeweihte Uaitier wirkt auf Entfernungen durch elektriiche Schläge , wie 



288 Die PhaDtuiewelt des Uebernatariicben. 

natürliehcn Zustand zurückgekehrt ist. Dns Volk erkennt dies 
bald und pflegt dann zu nagen: ^DcrHerr (Cliao) hat ihn jetzt 
wieder verlassen." 

Wenn die S<-hnitter den Reis sieben (Kadong fat), go 
machen sie sich gern ein Vergnügen daraus, eine jnnge Person, 
die das Reinigen des Reises durch das Ilandsieb (Kadong) noch 
nicht versteht, daran theilnehnien zu hissen. Ehe sie dem 
Knaben oder Mädchen das Handsieb übergeben, rufen sie heim- 
lich die Dänioniu (Phi) des Siebes herbei, in dasselbe einzn- 
faliren, und diese wirkt dann so kräftig auf dasselbe ein, dass 
der Träger des Siebes den Kr)rper in den wunderlichsten und 
sonderbarsten Positionen unilierbewegt, obwold er iui Schwanken 
iuinier mit den Anderen Tact hält, was dann Anlass zu grosser 
Belustigung und Jubel giebt. Solche, die das Reissie])en schon 
öfter mitgemacht haben, können von dem DäuKm nicht ange- 
steckt werden, da sie ihre Bewegungen zu sehr unter ihren 
Willen halten und darnach reguliren, als dass jener Einflnss 
darauf gewinnen kihinte. Auch wenn der Reis durch das 
grosse Sieb (Takleng) gereinigt wird, kann man den Phi Ta- 



der Zitterroche, durch den auch bei Sengitiven nach aussen hin Tortretenden 
Froschstrom; aber das Klopfen der Sitzungen am Theetisch scheint in näherer 
Ueziohung zu dem Hakesen zu stehen, das seit Spaun's Zeit als Commnnirationt- 
raittel dient. In Jever ist es der in der Mauer hausende Kark, der iro Haaw 
knarrt (s. Mannhardt). Wenn die Indianer Ecuador« im Hause ein Krachen oder 
sonstiges Geräusch vernehmen, glauben sie, es seien „las animas de los antiguo*.** 
VerBchleden von dem Butz (Hut/.) wird unter Geist oder Goast im Vorarlberg ein 
hoser Mensch verstanden, der nach dem Tode umherirrt, jammert, poltert und 
klopft fVonbun). Nach Wuttke bezeichuet das Zerschlagen der Tßpfe am Polter- 
abend die Verscheuchuug vod bösen Geistern. Ueber die Nordamerikaner bemerkt 
Douai: ,^ie trockne I.uft erschwert die regelmässige elektrische Entladung des 
Körpers und erzeugt somit eine Abwechselung von Zeiträumen langer gespann- 
tester Nerveuthätigkeit und völliger Erschlaffung, von feuriger Leidenschaft nnd 
gefühllosester Gleichgültigkeit^' Abgeschiedene Geister köunen zwar niemals un- 
seren äusseren Sinnen gegenwärtig sein, aber wohl auf den Geist deg Menschen 
wirken, mit dem sie zu einer grossen Republik gehören, so dass die YorsteUun-' 
gen, welche sie in ihm erwecken, sich nach dem Ciesetze seiner Phantasie in ver- 
wandte Rüder kleiden und die Apparenz der ihnen gemässen Gegenstände , aU 
ausser ihm, erregen (s. Kant). 



Vtcarirende Opfer. 289 

kleng herbeirufen, wie im andern Falle den Phi Dong. Sollte 
sich ein Kind in ein Sieb hineinsetzen, so würde es Schaden 
davon tragen von dem DUmon des Siebes, *) der demselben inne- 
wohnt und bei der Bearbeitung desselben aus dem Holze des 
Baumes, der seine frühere Wohnung war, darin verblieben ist. 
Leute, die nicht zu tanzen verstehen, lernen es sogleich ohne 
Unterricht, wenn sie an einem der Teufelstänze, wie sie beson- 
ders am Songkran abgehalten werden, Theil nehmen, durch die 
Anleitung des dann in ihnen agirenden Dämon. 



Kranke hängen Puppenfiguren an den Banmzweigen auf, 
um den Chao (Dänionenherr) durch eine theatralische Unter- 
haltung zu vergnügen und dadurch günstig zu stimmen, eine 
Ceremcmie, die Thavai-Rong-Lakhon-Ke-Chao-Hai-Chao-Du heisst 
(dem Chao Theaterspiele vorführen und ihn zuschauen lassen). 
Der Mania, die die Kinder in den Tartarus zu ziehen trachtete, 
wurden (in Rom) baumwollene Puppen an die Thür gehängt. 
In der Nähe einer Landwohnung sah ich zwischen Büschen am 
Ufer Zeugstücke aufgehangen, die hie und da roth gefärbt 
waren, zu Ehren des Phra-Phnm (des Erdgeistes ). Ein daneben- 
stehender Baum, der halb mit Zeug umwunden war, hatte an 
seinen Zweigen einen kleinen Bambuskäfig herabhängen, worin 
zwei Puppen baumelten und mit dem Winde tanzten. Sic waren j1 
unter dem Wunsche um Glück und Zufriedenheit dem Prttksa- /*' 
thevada (der Dryade des Baumes) geweiht. Das von den -^ 
Siamesen gebrauchte Wort Pli wird im Pali wiedergegeben ''' 
als die Verehrung der Thevada durch Darbringnng von Blnmen 
und Räucherkerzen, um sie wohlwollend zu stimmen und durch 



*) Die Chinesen setzen das Kind an seinem ersten Geburtstage in ein Sieb 
(such as farmers use in winnuwing grain), wenn es durch Inspiration die Spiel- 
sachen auswihlen soll, die soinen künftigen Beruf prognosticirt. Den Alten war 
die Koskinomantikeh wohlbekannt, und Grimm bemerkt: .«Das Sieb erscheint als 
ein beiliges, alterthüinliches Geräth. dem man Wunder beilegt.'* Im Ditmarsi- 
tchen braucht man zum iSieblaufen eine Krbbibel und einen ErbschlQssel (s. Möl- 
lanhoff). Im Kriege mit Markgraf Cdurad (12U9) weissagte dem polnischen Her- 
zog Wladislaus eine Zauberin, die Wasser in einem Siebe dem Ileere vorantrug. 

Bastian, Reise In Slam. III. Id 



290 I>ie PhanUslewelt des Uebernatarüchen. 

ihre ftunst z. B. Kinder zu erlmlten. Die chinesischen Hazard- 
Spieler hlingen einen mit r4ol<Witterwerk verzierten Salatdai- 
bäum in ihrer Stuhe anf. 

Wenn einem Thepharak (.Sc liutzenpel i ein Gelübde abge- 
legt ist, so miiPs sich stets ein Scliweinskopf unter den Opfer- 
gaben finden. Bei den Clünoson heissen die Phi oder bösen 
Geister Kliui und wt'rdon mit dem heissen Dampfe eines ge- 
bratenen Sehweines otler Huhnes genährt. Wenn sich der (auch 
den Olympiern wcihl^^etalli^-ol Bratengeruch mit der Abkühlung 
verliert, meinen die Verehrer, dass der Geist sein Mahl beendet 
habe und seinen treuen Dienern die Reste znm Verspeisen 
Uberlässt. 

Wenn unter ihren Kindern Krankheit ausbricht, so bilden 
die siamesischen Eltern schwarz, n)th ndor gelb gefiirbte Reis- 
klumpen un<l werfen sie zum Vogelfutter auf das Hansdach, 
damit der böse Geist versiihnt werde und das Kind fahren 
lassen möge, w(»rauf dann der Sc-hutzgcist desselben im Riök- 
Ming-Khuam zurückgerufen wird. Wenn ein Krankheitsfall 
im Hause eintritt, fügen die Laos zu dem den Phi dargebrachten 
Reis die halb rotlj, halb srhwarzen Bohnen, die sogenannten 
Zumbi-beans (Abarus precatorius), die auch von den Negern 
in Brasilien für Zaubereien gebraucht werden. 

Nach Genesung aus Krankiicit bereiten die Siamesen dem 
helfenden Gotte ein Fest. In Ciiiua halten die Freunde des 
Hergestellten eine Procession ab, in der sie mit der Cangue am 
Halse, mit gefesselten Händen, mit dem Todesurtheil auf dem 
Rock geschrieben einhergi'iien. um sich, wie die GeisselbrUder, 
als strafwürdige Sünder zu bezeugen. Als sicherstes Mittel 
gegen den Scidangenbiss erzählen die Märchen von Aussaugungen 
der Wunde durch eine Schlange, wie man in Mexiko einen 
Scorpion auf seinem Stich zerr|uctscht. Doch l)esitzen die Zaube- 
rer auch schutzende Talismane, gleich den Hissavys, die in 
ihren Tänzen verschiedene Thiere i)ersonificiren. Ausser den 
gewöhnlichen Liebes-Philtren, den Kliuu-Ya, giebt es noch den 
aus Zwillingen bereiteten Trank Ya-Fct und die Ya-Sane ge- 
nannte Composition aus Mixturen, die, wenn von Frauen Män- 
nern oder von Männern Frauen beigebracht, leicht den Geist 



Wind-Mfdiclnen. 291 

des dadurch Vergifteten zerstören und die im alten Griechen- 
land von Aphrodite erflehte Erregung verursachen sollen. 

Phra-Insuen, als der Schöpfer (der Phu-Sang oder Archi- 
tekt), der die Welt erbaute, sandte seinen Segen herab auf 
Eumaraphak und Knmaraphet, die beiden Aerzte^ die über 
die Erde hinwandcln und die ihnen begegnenden Kranken 
heilen. Wer sie nicht zu treffen vermag, ist rettungslos ver- 
loren und wird sterben. Als Phra-Phuttichao nach dem Essen 
des Schweinefleisches in sein letztes Leiden fiel, hatte Kumara- 
phet heilkräftige Arzeneien fertig, die ihn hergestellt haben 
würden, aber Buddha verweigerte ihre Anwendung, da er sich 
entschlossen hatte, iu's Neibban überzugehen. 

Nach Ansicht der siamcsiscjhen Aerjte rühren fast alle 
Krankheiten, mehr oder weniger direct, von Flatulenz her, wes- 
halb die Ja-Lom genannten Medicinen vielfach gebr.aucht werden, 
um als Carminative die Winde (Lom) abzutreiben. Hühner 
und Orangen werden von den Siamesen unter diejenigen Dinge 
gerechnet, die salong sind, d. h. dem Kranken schädlich und 
deshalb von ihm zu vermeiden. Andere Esgsachcn müssen da- 
gegen bis zum letzten Augenblick eingestopft werden, um Leib 
und Seele zusammenzuhalten. Die Daurier legten (nach Ys- 
brand) selbst auf die Zunge des schon Todten noch Speise. 

Der Körper ist von den vier Elementen (Chatu-Phut) ge- 
bildet, und Mangel oder Ueberschuss eines derselben stört das 
Gleichgewicht. Der Puls heisst Thepha-chon, als den Gang des 
Devada oder Thephada (des Archeus) bezeichnend. Der Theva 
khao chai don lebt im Innersten des menschlichen Herzens. 
So lange m«nn sich nicht gewaschen hat, ist die Glorie (Siri) 
Morgens im Kopfe, Mittags in der Brust. 

An kritischen Tagen der Krankheit muss das Bett des 
Kranken von einem Striche des Compass zu einem andern ver- 
ändert werden, je nach den Thieren, die über gewisse Tage 
regieren. Die Chinesen kennen eine Göttin der Schlafstube, 
eine andere der Bettstelle, des Kissens u. s. w. 

Nach der Enthindung bleiben die Frauen mehrere Wochen 
vor dem Feuer liegep, um die Feuchtigkeiten aufzutrocknen. 
Wenn sie wieder aufstehen, so nennt man es Ok-Fai (das Feuer 

19* 



292 D*« PhaiitÄslewelt des UebernatOrllcbra. 

yerlassen). In llautkranklieiton bereiten die Sianiesen eine 
heisse Infusion aus den Zweiten und ßlättern des Enteufiiss- 
banmes oder Tonniai-Tinphet leine Apocynea-Art » , aus dessen 
FrUeliten Oel gewonnen wird, das keinen Fettflecken auf Klei- 
dern zurücklassen sfdi. Ehe die .Missionäre die Vaeeiuationein- 
zuftthren suchten, die jetzt von Dr. Campbell , dem Arzte der 
englischen Gesandtschaft, geübt wird, lV»lgten die Sianiesen der 
chinesischen Manier, mit Pockenvinis zu inoculiren, indem sie 
zerriebene Schorfe in die Nase hinaufbliesen. Fast jeder Sia- 
mese hat die Pocken gehabt, doch bleiben nicht immer Narben 
zurück. Als Pocken-Epidemien in Anghin grassirten, sah God- 
dard für einen nahegelegenen Berg.*) den man titr heilig hielt, 
Opfergaben von Reis, Wasser und Früchten auf einen Felsblock 
gestellt. Im Jahre isr>s luelt der König ein Rhinoeeros in seinem 
Palaste, das ihm lebend geschickt war. Als indess gerade da- 
mals Epidemien in der Stadt ausbrachen, wurde er durch seine 
Rathgeber veranlasst, es fortzuschicken, da möglicherweise seine 
Anwesenheit die Ursache**) sein mik-hte. Ist Jemand durch 
eine Schlange gebissen, oder soll das Oift der Krankheit aus- 
getrieben werden, so reibt oder fjichelt ihn der Arzt vom Kopf 
bis zu den Füssen mit den Blättern njedicinischer Pflanzen fum 
die griechische Totalsalbung zu ersetzen). Gifte heissen Ya- 
Tai (Todes-Medicinenj. Die -Mo-Ngu, die Schlangen tanzen las- 
;8en und am Munde berühren, sind meistens Khamen. Um den 
Bisa eines tollen Hundes zu lieilcn, wird die Ya-kc-ma-ba-kat 



*) Die Chineseu Terehren die (rottheit Tai-Sang (grcat ur universal mountain), 
und nach DooHttle's Uesclireibung leiteten die vornehmen pauien der Mandschu 
seiner Gattin dieselben Dienste, wie die römischen in Bereitung eines Lectiüter- 
nlum. They put one of her iuiages to bed with *one uf his imagea and pro- 
p«rly airange the bed-cloths for scveral successive niglits. Thm den Indern bleu 
das Gebirge Apolcope (nach Ptulomäos) Ttoinu if-efor oder (bei Plinius) Capitalia 
(TodeBstrafen). 

••) When the inhabitants of Ningpo (1847) were troublcd by Demous in the 
rhimneys, who erratclied people, they attributed it, to tlie fureign iuist«ionaries, 
who were nightly easting paper oien in tlie streets and saying incautations at 
their worship hours (s. Macgowan). Als unter den Jakuten die Policen ausbrachen, 
ihdem sie zuerst ein Kameel gesehen, beschuldigten sie dieses. 



n 



Sympathie. 293 

genannte Mediein, die aus einer wilden Kürbisart bereitet ißt, 
auf die Wunde gelegt. In den Sagen werden SehlangenbisBe 
durch Leoken der Sehlangen geheilt, und bei Curtius zeigt dem 
durch vergiftete Waffen verwundeten Ptoloinäos eine Schlange 
das Heilkraut. In der Phon-Ya genannten Heilmethode wird »^*^ 
der Körper des Kranken mit niedicinischen Wassern Ubernetzt ^^ 

Wenn ein Patient zur Cur mit Weihwasser besprengt wird, so »^; 

heisst es Kadoh kroh oder in königlicher Redeweise (Eham 
luang) Sado-Phra-Kroh. 

Nachdem der Zauberer in Siam die Krankheit durch Be- 
sprechung auf eine Lehmfigur Übertragen hat, vergrUbt er die- 
selbe in die Erde. „Ein Zweig der alten Magie hat sich unter 
dem Volke offenkundig in täglicher Ausübung erhalten, welches 
er wegen seiner wohlthätigen Absicht durfte, nämlich die sym- 
pathetischen Curen, an deren Realität, durch den Willen des 
Heilenden, wohl kaum zu zweifeln ist" (Schopenhauer). 

Siya Kaban (Kabala oder die Kopfepitze) ist eine Cere- 
monie, in der die Freunde eines Kranken kleine Büffel- oder 
Menschenfiguren verfertigen und dieselben, von Geld, Reis und 
Kerzen umgeben, in einem kopfförmigen Korbe *j (Kabala) auf 
dem Flusse treiben lassen, nachdem sie dieselben erst eine 
Zeit lang neben dem Kranken haben liegen lassen und Gebete 
darüber gesprochen (vun), um den Teufel zn den Geschenken 
herauszulocken und dann mit denselben wegzuwerfen. In steier- 
märkischen Sagen wird der durch Esswaaren und Schmuck 
hervorgelockte Wassermann gefangen (s. Seidl). -■ 

In schwerer Krankheit wird ein menschenähnliches**) Bild 
verfertigt und in einem aus Blättern verfertigten Kahne auf 
dem Flusse flott gesetzt. Wenn ein Blatternkrankcr zu ge- 
nesen anfangt, so legen seine Verwandten ein paar der abge- 



♦) „Ich hab das Ilekabbolo (die Ueberlieferang) von meiu Vater Rabbi 8i- 
nieon, dass man dem Satan eppe« geben muBs wenn auf Einem ein Oesero (eine 
Itestimmuug) is gleicli man an dem Jörn Kippur (Versohiiiingstag) hat müss«en ein 
Ssoir Lasolol (Hock des Teafels) scliicken,** sagt Rabbi Eliesar im Sepher Maase 
Haschern (s. Ave-Lallemant). 

••) Ttify lEQeitiw Ofdüi ro xtUlmror ard'otoiio^ tirrn', wie Procopins von 
den Kinwohneru Tiiule*8 bemerkt. 



294 Die Pliantasiewfit des Ufbernatflrlichen. 

stossenoii Schorfe auf ein Blättorocliiffchon und lassen dieses 
den Flu»H liinahtreiben . um den Pockondihnon heiniznseuden 
(Song-Fi). Auch der Posttcufel*! (Wan-Kwei oder Yneh-shin 
bei den Chinesen I wird ausgetrieben. In Bhagnipore fuhr man 
ihn auf einem Wa^en mit hinpde^ten Opfergaben hinweg. 
Die Chinesen le«cen bei Krankheitstallen kleine Lehnifigrnren in 
die GötzeuhlUiser oder Santaphum. 

Solehe, die durch Sai-Kliun bezanlKTu, indem sie DHmone 
(Plii-Phol)) gegen ihre Feinde absenden, sind meistens Lao von 
Nation, und wenn ein Siamese dadurch in Krankheit fallt, so 
schiekt er zu einem der Mo-Plii oder Dämonen-Meister, von 
denen e« hauptsächlich unter dc»n Kambodiern giebt, um durch 
Reiben und Fächeln mit Heilkräutern die bi'isen Geister auszu- 
treiben. Wenn das Fb'isch sich nicht länger hart aufllhlt, 
sondern wieder weich wird, s«) gie!»t das ein Zeichen, dass der 
Pili an seine Fjitfernung denkt und sieh zu retten sucht. Soll 
er dann noch befragt oder erst gestraft werden, so mllssen die 
Ausgangswege des Kör]>ers versiegelt werden. Auch Talyouie 
oder Marc wusste, dass über Kingewickeltes, Versiegeltes, Ab- 
gewogenes und Gezähltes Dänume keine Macht haben (im 
Sora). In hartnäckigen Leiden errichtet man ein Hethaus oder 
San Chao für einen Phu Chao oder ('ha<» Phi zu Ehren eines 
vcrst(»rbenen Grossen, eines Chao von dem Hange eines Chao 
Krom, Chao Fan-Fa u. s. w. Dorthin lässt der Patient, ausser 
Puppen und einem (*rocodilskoj>f, die Bon Chao oder Opfer- 
gaben des Herrn legen, nämlich Phasi Chanipu (Abgaben von 
rothgefärbtem Zeug) oder Pa Champu (Zeug rother Farbe). 
Wenn der Chao in Jemanden einfährt ((-hao khao), so wirft sich 
dieser unter den heftigsten Zuckungen und mit Sehanni vor 
dem Munde auf der Erde umher, weil er mit einem grossen 
Herrn gewaltiger Kraft zu ringen hat. Doch mag man bei 
solcher Gelegenheit werthvolle, als aus der Welt des Jenseits 
kommende, Winke tllr die passenden Medicinen erhaschen. Die 

*) WiUiroiid iler Cliül«Ta in .Siebcnbürpen (IWIG p. i\.) lie»s man, um di^ 
Pestbeulen auszutreiben . Krauen in geweiliten Hemden um das Dorf gehen und 
ihren Anzug auf einem Kreuzweg für das Cietipenst niederlegen. In MarseUlet 
tanzte man um eine Puppe. 



Nenrankraukheiten. 295 

Besessenheit*) durch einen Phi ist mehr eine lustige Posse, 
um die Zuschauer durch wunderliche Tanzsprlinge zn unter- 
halten. Ein solch' armer Teufer hat kaum die Kraft; seinen 
Gegner auf die Kniee einhrechen zu lassen, wenn dieser sich 
nicht durch Verrenkung die Lenden Ulhmt. 

Mit nervösen Bewegungen und Convulsionen begleitete 
Krankheiten, die in l)estimmten Perioden eintreten, werden 
Ramphe-Rampliat genannt, und den Khai Ramphe-Ramphat, tenf- 
lischen Urhebern zugeschrieben. Die Griechen heilten , nach 
vorhergegangenen Reinigungen, durch die Aufregung der kory- 
bantischen Feierlichkeiten. 

Die gewöhnliche Ramphe-Ramphat ist eine durch Dämone**) 
(besonders der Phi Pisat und Phi Phobj verursachte Krank- 
heit, in der alle Glieder des Köri)ers aufschwellen und in 
Krämpfen umhergeworfen werden. Ausser durch Mantras giebt 
es keine Heilung. Wenn es dem Exorcisten (Mo Du) gelungen 
ist, den Teufel zu packen, so steckt er ihn in einen Topf, der 



*) Währenil die faulen Orientalen die Geister einladen, herzukommen, reisen 
die Neides der Esthen oder die Noaiden der Lappen (ßleirli den Schamanen) selbst 
Dach dem Seelenlande, nachdem sie sich im Tanzen und Springen ersch«)pft ha- 
beD. Giroldus beschreibt (in Wales): a race of prophets. who when consulted, 
were agitated and turtured like meu possessed. Their flrst answers were Inco- 
herent, but the true revelations generally came to them in dreaius in which they 
siid, they had received into their mouths milk and honey. Rienzi erzahlt von 
elDer Frau in Rom ^posscssed vith a babbliug spirit,^ die in jeder Sprache 
•chwatzen konnte, ausser im Irländischen. I have heard the Mediums use greek, 
latin, french and spanish words, when I knew, they had no knowledge of any 
language but their owu (Edmouds). 

**) Mouhot bemerkt von den Sthieu, dass sie ausser Bra. dem höchsten We- 
sen, norh böse Dämone verehren. If any one be sufTering from illness they gay 
U Is the demon tormeuting him and vith this idea make night and day an un- 
tnpportabie noise around the patient which they keep up, intil one of the party 
fklls in a kind of ilt cryiug out. ^He has passed into my body he ii stifllng 
me.'^ They then question the new patient asking him flrst what remedies to 
five the sick man and how the demun can be made to abandon his prey. Aus 
Nachahmnngssucht (wie auf Java) warf eine Dienerin in Tunis, als man vor ihr 
in die Hände klatschte, die getragene Karaffe fort, um dasselbe zu thnn, nnd 
fasste mit an, als sie Tanzende sah. Nicht nur im Mittelalter rief psychische An- 
steckung Epidemien hervor. 



296 I><« PhantAslewelt des Uebernatürllrhen. 

ringsum mit magisoliou riiarakteren fJalin) beseliriebeii ist, 
schraubt den Dcckul fost auf und Avirft Topf und Teufel 
in's Wasser, „Jah uRgaggandans ahmans thai unbrninjans'' 
(wie Ulfilas Übersetzt). In einer hysterisehoii Krankheit, die 
auch in Binna bekannt und dort Yaun genannt ist, ahmen die 
Patientinnen unwillkürlich alle Bewegungen nach, die sie 
andere Leute machen sehen. Wenn Jemand den Ann erhebt 
oder sieh kratzt, s<» thun sie dasselbe. Ein altes Weib, das 
einen Topf mit Oel trug, ging hinter einem Ochsen her, und 
als derselbe zu stallen aniin^, nahm sie ihren Topf und goss 
in gleichen Strome das Od aus. Wenn eine Frau im Kindbette 
stirbt, so sagt man, dass sie dun*h Hinschwinden gebrochen 
sterbe (tangkrom), und ihre Seele wird sich zu dem Heere der 
Phi krom genannten Dämone versammeln. Man beerdigt ge- 
wölinlich die Leiche, gräbt dann aber nach einiger Zeit die 
Knochen wi(»der aus, um sie zu verbrennen. 

Werden in nervr»sen Paroxysmen die Glieder in unMrill- 
kllrlichem Tanze umhergeworfen, so nennt man es leuThevada 
(Spiel der dritter). Wie die Inrmanisehen Leichenbestatter 
werden die Träger der mit Reli<|uien geftlllten Götterbilder, 
wenn sie dieselben in den T(»mpeln Kanours unihcrtragen, 
durch die von ihnen ausstriunende Kraft in hastigen Bewegungen 
von einer Seite zur andeni geschleudert. Auch die syrischen 
Priester kannten solche Aufzüge. 

Eine schwangere Frau wurde von hysterischen Krämpfen 
ergriffen und glaubte einen Chao Phi zu sehen,*) der ohne 
Kopf, Arme no(?h Beine mit seinem Rumpfe auf ihr lastete, 
weil sie unterlassen hatte, früher demselben versprochene Opfer- 
gaben darzubringen. Frauen sind häufiger, als das männliche 
Geschlecht, den wütlienden Angriffen seitens der Teufel aus- 
gesetzt und müssen dann durch Besprechungen und Weihwasser 
curirt werden. 



\ 



*) natzko erzählt von sich selber, dass, wenn sein Unterleibsubel am H5cb- 
sten gKstiegen sei, er von einer Schlange umschnürt zu werden glaubte, die er 
sogar erblickte, und deren rauhe Schoppen er mit der Hand zo tasten meinte, 
während sein Uebel Im gewöhnlichen Zustande die Grenzen eines dumpfen Un- 
behagens nicht überschritt. 



Heilbranuen. 297 

Kranke in Ayuthia baden zur Heilung *) in dem Tlieile des 
Flusses, der bei dem Kloster Prot-Satr vorliberfliesst und die 
Kräfte des Teiches Bethesda besitzt. Wenn Aerzte nicht helfen 
können, schickt der Kranke zu den Priestern**) weisser oder 
schwarzer Magie, und geht wo möglich auch noch weiter, bis 
zu dem Gottc selbst. In indischen Tempeln findet sich mitunter 
eine enge Stelle, durch die sich der Kranke hindurchwinden 
muss, wie in der Moschee der 1001 Säulen bei Kairo. Die 
Kelten zogen ihn durch einen Dolmen, und die Chinesen kennen 
für ein kränkliches Kind (nach Doolittle) „the ceremony of 
passing through the door." 

Die Priester bemalen in Siam weisse Tücher mit den Fi- 
guren von Teufeln und Engeln, als ein Pa-Phra-Chit, und win- 
den sie dann um den Kopf solcher, die Beschützung ***) gegen 



*) Ein Pilger in Marotia wurde von den dortigen Priestern angewiesen, auf 
dar Heimkehr (um von seiner Krankheit zu genesen) in drei Teichen zu baden, 
in dem Glauben, dass es Oangeswasser sei. 

**) Les parents (erzählt der Bischof von Berytns) enrent inntilement recours 
MIX m<^decins, aux idoles, aux sorciers, le mal empirait, sa vie paraissait desespe- 
r^. Sur l'a^is du Ne'ophyte, ils pri^rent un missionnalre de Toir ce petit mori- 
bond et lui promirent, que s^il guerissait, ils consentiratent Tolontiers qn*il füt 
iostmit et baptis<^. Le missionuaire, attir<$ par cette prom'esse, alla r^citer aar le 
malade, le commencement de T^vangeliste de St. Jean. A peine eut-U prononc^ 
cas paroles. Kt verbum caro factum est, que le monrant, onvrit les yeux et re- 
garda les assistanCs en souriant (IB64 p. d.). Who can give any natural cause 
of men*8 speaking Hebrew or Oreek, which they never learned er spoke before, 
of their versifying, their telliug persons that are present their secrets, diaeoToriog, 
what Is done at a distance, which they neither see nor hear? Feruelius mentioneth 
two that he saw whereof one was so tormented with conTulsive pain, sometimes 
Id one arm and sometimes in the other sometimes in one flnger etc. that fonr men 
eould scarcely hold him, his head being still quiet and well. The physicians 
Jodged it a convulsion, from some malignant humour in the spina dorsl, tili ha- 
viog nsed all means, in vain, at last the devil derided them, that they had al- 
most destroyed the man by their medicines. The man spoke Greek and Latin 
which be never learned , he told the physicians a great many of their secrets 
(i. Baxter). Dem Exstatiker Rrnno Binet war (nach Cahaguet) seine Krankheit 
dorch b5se Geister angethan, die in seineoi Unterleibe hausten (1847). Die fal- 
lende Sucht (morbus comitialis) wird (bei Plautus) mit Bespucken geheilt. 

***) Die guten Dienste, die das Kreuz den Kirchenvätern und den mittelalter- 
lichen Exorcisten that, sind auch im Osten nicht unbekannt So erzählt Gleyo, 



208 Di« PUantasiewelt des UeberattfirUchen. 

DUnionc wUiiKclien. Die einen Zweig der heiligen Ayass-Tanne 
traf^enden Schaiiiaiien der Ooldi Itindeii gegren Kopfweh mit 
Kchhiiigeii und Kritten bemalte Bänder un^ den Kt»pf oder legen 
die liilder der (MUter Panya und Tnnya als Kissen unter (Ba- 
venstoin). Die Thejdiarak der Sianiesen sind seliiitzende (Ank) 
(■r»tter; wie die hel)riuK(*]ien Theraphini. Die Zaubersehnnr {ßni- 
sin), mit der znr Kernlialtun^ von Teufeln Mensehen, Städte nnd 
and(Te Saehen umzogen werden, ist aus einem harten Sebilfgns 
( Va-kha) verfertigt und mit ahweehselnd rothen, gelben and 
blauen Streifen • bemalt. In der Oberlausitz werden Feld und 
(Ülrten vor Behexung geschützt durch 8trohseile, die man wäh- 
rend des (Miristnaehtläutens (oder in der Neujahrsnaeht) um 
die Baumstämme bindet oder in Knoten um die Aeste knüpft. 

Mon o(U'r Mantras sind die im (lebete (suet) zusammen- 
gefassten Formeln, während die Veth ( Vedas ) durch den Kaniphi 
(Text) zerstreut sind, <»hne gesammelt zu sein. Neben den drei 
Pi(h»k recitiren die Piira-Song die Vet genannten Mon. Das 
Suet-Kannnathan begreift die priesterliche Ilecitirung der Medi- 
tationsgebete bei Leichenbegängnissen. Durch Sek Boribnn 
werden Unfälle abgewehrt, wie durch den indischen Kuirass 
der Kavatscha genannten Anrufungen. Parikani ( Borikam) be- 
deutet, sich mit schlitzenden Gebeten umgeben. 

Ein einheimisclies Manuscri|)t spricht sich folgenderuiaassen 
aus: In Siam giebt es viele Klassen der Mo (Aerzte), die Mo 
Luang (des Königs), die Mo khong Chao (des Adels) und die 
Mo Itasadon (des Volkes). Mit Ausnahme der Mo Luang 
heissen die übrigen Aerzte Mo Xal(»i sak ( Einrollirte). Nach 
ärztlicher Taxe muss der aus einer Krankheit genesende Patient 
den Reis der Satisfactirm geben (song khuan khao ) und an Geld 
für die Kosten der Arzneien t? Bath (Tikal) zahlen, sowie 6Sa- 
lUng zur Sühne (khuan). Ausserdem wird eine Schüssel mit 
Confect und ein Schweinskopf zugefügt. So ist der Gcbrjiuch. 
Ist dasSiechthum schwer, so hat der Kranke ein (Selübdc (bon) 



ein katholincher Missionär in Szechucn, dass ein fast Bekehrter Ton sieben Teu- 
feln besuclit wurde, .,whu on tbe sign uf the cross, fled in such haste, as to break 
duwn the duor of bis house" (17G7 p. d.). 



ilentUche Gehalte. 299 

abzalegen^ je nach den mehr oder weniger gefährlichen Sym- 
ptomen. Nach glücklicher Cur mögen Wohlhabende eine hö- 
here Summe geben^ als ursprunglich in dem Gelübde ausgemacht 
war. Ander^ dagegen folgen der Stipulation und Arme geben 
vielleicht nur die Hälfte. Von den Mo Luang werden einige 
zu Chao Krom ernannt ^ andere zu Palat-Krom oder zu Phra- 
Luang, Khun-müm und Phantavai. . Die zu Regierungsdiensten 
Aosgeliobenen (Phrai P}ion Luang) in der Medicinalbehörde 
(Krom-Mo) wechseln einen um den andern Monat in ihrer Ar- 
beit ab. Sie müssen die Magazine der Arzneien "*) (^RongPhra- 
Oaoth) bewahren^ und andere sind beauftragt^ Heilkräuter zu 
sammeln. Die Ghao-Krom und Palat-Krom bis hinab zu den 
Thanai empfangen einmal jährlich den königlichen Gehalt in 
Cowries zugemessen. Der Chao-Krom erhält fünf Pfund (400 Ti- 
kal); der Palat-Krom drei Pfund, und so im Verhältniss abwärts 
bis zu fünf TamlUng (20 Tikal). Sollte eine Prinzessin (Chao 
ying) oder ein Prinz (Chao xai), zu der Familie der regieren- 
den Dynastie (Borommavongsanivon) gehörig, in Krankheit 
fallen und wird es den Mo Luang gnädigst gewährt, sie heilen 
zu dürfen, so sendet ihnen der König, nach der Cur, zur Be- 
lohnung Geld und Geschenke, je nach ihrer Rangstufe (Jöttha- 
SakJ und den schweren oder leichten Symptomen des Siech- 
thums. Mitunter behandeln die königlichen Leibärzte auch 
Kranke unter den Stadtbürgern oder Dorfbewohnern. Unter 
Mo Rasadon (den Aerzten des Volkes) giebt es mitunter sehr 
geschickte und wissenschaftlich gebildete Männer und werden 
solche auch wohl unter die Leibärzte aufgenommen. Die Söhne 
der Leibärzte verbleiben, in dem königlichen Dienste, in der 
Stellung ihrer Väter nachfolgend. So verhält es sich mit den 
Aerzten (Mo) im Lande Siam (Myang Thai). Die Aerzte der 



*) Great hospiUls were built for the use of the rieh people furnithlng them 
with Tictüals, medicaments, slave boys and maidens to wait upon and to nonrish tbe 
rieh Stores contalDlog abnndance of medicaments and other neressary things, em- 
ploylog learned physicians to attend the patlents both d«y and night. Das Ma- 
iMwinso fQgt hinzu, dass König Packramabahoo sich in eigener Person mit seinen 
Ministem dorthin begab, um die Pflege der Kranken sn überwachen (s. Upham). 



3(111 Die PlkLziiUwr'.i i^ rfbenAtfirlichen. 

Franken fM-» FaranL-^i»! i hoilen äussere Krankheiten undWnn- 
ilt-n (als Cliinir^'i-n L 

Frafre: Sinti •li«- -iain«-<i«irlien Aerzte (Plinek Mo Thai) 
im Stanili'. die in rin»'n Iii*.'«.<inin ein^vfalirenen Dlimonen (Phi 
Pisatl au^zntrtilM-n. wwl wi.' bini-lnnen sie sit'li ilaliei? 

Antwort: Aiit' ilii^r Frap- ist zu antwurten, dass die 
Aer/te iM«»i <\rh <i-Pi>t vr.lli- lM.*taliijri srlauheu, die Dämonen 
anszutn*ilien. Wa«* ilii<t.- Ex«»rrisatii»nen angeht, so habe ici 
die viin DännMun iM^t'ji^tntn <u:\\ in hnelist sonderbaren Weisen 
benehmen sehen. Finip* laehen. andere weinen, andere meder 
bleiben jranz stumm, iiüih auilere handeln wie Verrttekte. Die8 
Alles ist unbiwu«t. dmn dii- Besessenen wissen nichts von sich 
selbst. Wiril nun tin Arzt zur Pile^'e herbeigerufen, so segnet 
er zunächst i-in Stiiek An-ra-Nuss und giebt es zu essen. Dies 
S'dl als vörliiutig<r Vrrsueh dimeu, i»b wirklieh eine dUiuonische 
HeseliaflVnlifit Statt hat udir andere Krankheit vorliegt. Im 
Falle eimr liesessrnheit wirden die Patienten sehwiudelig oder 
fangen an zu brechen, «»der srhreien laut auf, oder strdinen, 
oder sehlies<en aueh wnhl die Augen und bleiben stockstill. 
An diesen Zfiehen wird dann leifht und mit Sicherheit er- 
kannt, dass einl)änn»n eingefahren ist. Der Arzt nimmt darauf 
einen Raumwollenfaden, den er unter ^^egnungen geheiligt hat, 
und bindet ihn um den Hals der Besessenen. Das hat zum 
Zweck, desDämnn sicher zu sein und ihn festzuknüpfen. Wei- 
ter werden dann kraftvolle Beschwörungsformeln geweiht, um 
den Dämcui, der von der Person Besitz ergriffen hat, zu be- 
dndien. Zuweilen wird den Dämnm'u Angst, sie wimmern und 
schreien und bitten um Verzeihung, sprechend: „Wir wollen 
gern ausfahr(?n und ihm keinen Schaden thun.'' Der Arzt exa- 
minirt ihn dann, damit er sich zu erkennen gebe: „Von wo 
konnnst du, (Jeselle (mllng), her? Was willst du hier? Bist 
du irgend etwas Ijcdürftig?'' Der in den Körper der Person 
eingefahrene Dämon giebt dann meistens seinen Namen und 
erwiih.Tt auch wohl, dass er dies t>der das wünsche. Dann aber 
pflegt der Arat einige Oerten zu nehmen und ihm eine tüch- 
tige Tracht Priigel aufzuzählen, nachdem er ihn vorher noch 
mit Formeln recht festgebunden hat, dass er nicht entkommcD 



Der Medicin-Mann. 301 

kann. Das setzt den Dämon in Schrecken und er rnft: „Ich 
gehe, ich gehe!" Der Arzt giebt ilin dann den Abschied, und 
in dem Augenblicke, wenn der Dämon ausfährt, fällt die Be- 
Bessene zu Boden*) und liegt da ungefähr drei Stunden, ohne 
ein Wort zu sprechen. Wenn ihre Besinnung zurückzukehren 
anföngt, fragen sie die Umstehenden : „Wusstest du etwas davon, 
als du, jetzt eben vorher, dich im Znstande der Besessenheit 
fandest y" Sie antwortet dann, dass sie nicht besessen gewesen 
sei, sondern sich nur ein wenig unwohl und im Geiste verstört 
gefühlt habe. Aus diesem Grunde nun halten die Siamesen an 
der Meinung fest, dass die Aerzte fähig seien, die Phi Pisat 
ans dem menschlichen Köri)er auszutreiben. Ob aber diese 



*) Bei der Besessenheit liegt der Meusch zuweilen sinnlos da, wie ein Leib 
ohne Seele and die Augen verschlossen (nach dem Nismath Chalm), der Mond 
ist geöffnet, die Lippen bewegen sich, und es kommt eine sprechende Stimme 
ans der Kehle, die verborgene und zukünftige Dinge spricht, Fragen beantwor- 
tend. The Toice was ofteu heard (1840 p. d.). It told them on one occasion that 
Mary*8 (Jobson in Sanderland) own spirit had left her body and a new one had 
tskea possession, making here frame a mere Instrument or as it were a speaking 
trampet (nach dem Bericht des Doctor Reid Clanny). Pythones sind (bei Pia- 
tsrch) die prophetischen Bauchredner, aus deren Innern ein Dämon zu sprechen 
schien. Yentriloqua vates heisst die Pythia bei Plinius. In den Mantis von fitu- 
rea&ai liegt das prophetische Käsen. Der Schamane besucht Himmel und Hölle, 
wihrend sein Korper empfindungslos zurückbleibt. Die Tietajfit oder Indomiehet 
(Weihet oder Noidat) genannten Zauberer der Finnen fallen in Betäubung und 
Sinnlosigkeit, so dass sie selbst durch Feuer nicht aufzuwecken sind, während 
ihre Seele umherschweift und bei der Rückkehr erzählt (s. Rühs). Ingimnnd 
fiuch der Yatsndäla) wendete sich vor seiner Auswanderung an drei Finnen, die 
mit der diesem Volke eigenen Zauberkunst autcr Zurücklassung ihres Leibes nach 
IsUnd fuhren (s Maurer). Die Seele des Aristäus reiste als Rabe. Odin (ein 
Oalldra-smidir oder Zauberkünstler, gleich den übrigen Äsen) vertauschte seine 
HflUe. Da lag der Leib wie eingeschlafen oder todt, aber er war da Vogel oder 
Thier oder Fisch oder Schlange und fuhr in einem Augenblick in femgelegene 
Lande zu seinen und anderer Menschen Geschäften (nach der Heimskringia). 
Im Traume geht es auch gewöhnlichen Menschen so, wie die alten Franken und 
Longobarden schon wnssten und noch jetzt hessische Sagen, die in Reicheisheim von 
einem Schäfecknaben erzählen, der seinem schlafenden Gefährten einen Wiesel in 
den Mund laufen sah. Bei einem als Hexe bekannten Mädchen in Kiedernhausen 
iknd sich die Seele in einer Katze. Mit den Ephesia grammata exorcirten die 
Ma^er. 



302 Die PhaDtaslewelt des üf1>6niatQr1lchen. 

Exorcisation der Phi Pisat etwas auf die Wirklichkeit Begrün- 
detes ist; kann ich nicht mit Gewissheit behaupten. Ich be- 
richte das von mir Gehörte. 

Das medicinische Werk Khantharaxa handelt von den ver- 
schiedenen Krankheiten und hat jeder derselben die Figur des- 
jenigen Dämon oder Gottes beigefllgt, dem Sühnopfer zu brin- 
gen sind. In den anatomischen Figuren der über das Massiren 
( Nuet) handelnden Bücher werden die Ansätze der Sen (Sehnen 
oder Nerven), die je nach den Leiden zu berücksichtigen sind, 
mit Punkten bezeichnet. Die Mehrzahl der medieinischen Bü- 
cher wurden von den Rüsi (Eremiten) verfasst. Die Ceylonesen 
verlegen die Abfassung ihrer Hauptwerke in Medicin unter die 
Regierung des Königs Buddhadasa (;{3J)— 368 p. d.). In der 
astrologischen Figur eines medieinischen Buches, worin je nach 
der Stellung der Constcllaticmen (ob dieselben nach der einen 
oder nach der andern Seite hin einander folgen) Gutes oder 
Böses für den Kranken prognostieirt wird, ist ein Kreis in neun 
Felder gethcilt, mit der Zahl 6 in der Mitte zwischen Tiger und 
Hirsch, während die oberen Compartiments mit Katze, Ele- 
phant, Garuda, die unteren mit Wiesel, Löwe, Maus beschrie- 
ben sind. 



Feste und Spiele. 

Im Cyeliis der Jahresfeste zählt Pallcgoix als regelmässig 
wiederkehrende Feierlichkeiten siebenzehn auf. Doch sind fünf 
in der von ihm angeführten Liste rein buddhistischer und reli- 
giöser Natur, wogegen die übrigen zwölf mit den Einrichtungen 
des bürgerlichen Lebens in Beziehung stehen und der Ober- 
leitung der Brahmanen anvertraut sind; die ein Collegium Sacer- 
dotum bilden und bei den Feriae statae präsidiren, um die Ce- 
remonien des Staatscultus zu überwachen. 

Der Jahresanfang*) wird bei zwei Gelegenheiten gefeiert, 
indem die Siamesen auch für das Neujahr älteren Stiles, das 
sogenannte Krut, das später auf den Songkran verlegt wurde, 
einen Festtag beibehalten haben. Das in den Februar fallende 
Neujahr der Chinesen (TKruth-Chin) wird von dem siamesischen 
(Kruth-Thay) unterschieden. 

Die drei Tage dauernden Vorbereitungen zu dieser Phitti 
Krut**J oder Trut begannen am 18. März (dem Van chaiy). 
Hazardspiele waren erlaubt, und in allen Häusern der Stadt 



^) Le Premier jour de la Inne de Novembre commeoce le premier mols de 
TaDO^e Siamoise, mais ils ne chaogent leur ^re, qu'au mois de Mars (au cioqui^me 
mols), qnand ils conteront 2230 (Choisy). Ovid fragt Janns, warum das Jahr in 
seinem Monat beginne, statt im blähenden Lenz, und obwohl das indische Neu- 
jahr Jetzt mit dem Eintritt der Sonne in Aries correspondirt , fiel es früher in 
den Monat Magha (Makara Sanlu-auti). 

^*) Von Kamka im Pali, das Neujahr als Naya-Vatso bezeichnet. 



304 Ffste und Spiele. 

sah man die Karten- nnd WUrfelspicler von Morgen bis Abend 
ziisaninionsitzen. Auch der Bosnch der Opiumhäuscr wird zu 
K(»lclier Zeit nii'ht so streng Uberwaeht, während er sonst nur 
den Chinesen gestattet, den Siamesen aber streng verboten ist 
Am 19. März erschienen die Mönehe in dem Schiller der neuen 
Gewänder, die ihnen verehrt waren, und am '20. gab der König 
ein grosses Gastmahl, zu dem die ihm bekannten Fremden ein- 
geladen waren. Ich begleitete Capitän Knox, der, wie alle Mit- 
glieder des Consulats, in grosser Uniform war. Die Gäste wor- 
den in der Vorhalle vom Prinzen Krom-Luang und dem Minister 
des Auswärtigen (dem Plira-Klang) empfangen, bis der König 
unter roth verzierten Schirmen eintrat. Er ging unter den Ver- 
sammelten umher, bald den Einen, bald den Andern anredendi 
und fllhrte sie dann nach einem ausgeschmückten Hofe, wo eine 
in europäischer Weise servirte Tafel bereitstand. Während des 
Essens kam er einige Male zurllck, besonders als nach eng- 
lischer Weis* die officicllen Toaste ausgebracht wurden, wobei 
er mit grossem Gandio in das dreimalige Hurrah mit einstimmte, 
auch wenn das Lebehoch ihm selbst galt. Ein gUnstiger Stern 
hatte mir Professor Hildebrand zu meinem Tischnaehbar ge- 
geben, der seit einiger Zeit in Bangkok verweilte, und dort 
auch manchen Stoff fllr seine reizenden Aquarellbilder fand. 
Noch ein anderer Maler hielt sich damals in Siam auf, ein 
Engländer, Herr Louis, der während seines Aufenthaltes die 
Portraits der beiden Könige malte. 

Als abgetafelt war, wurde Abends unter bunter Hlnmina- 
tion ein Hallet aufgeflllirt, in welchem die Tänzerinnen als En- 
gel (Thevada) gekleidet waren. Nachdem die Töchter der 
vornehmeren Edclleute in zwei Reihen eine Art von Menaet 
aufgeführt hatten, begann unter rauschender Musik das Schau- 
spiel, eine Episode des Ramayana begreifend, in der Hanuman 
im Kampfe mit Ogren auftrat. Die Jüngeren Kinder des Kö- 
nigs, die ihren Vater in einer niedlichen Gruppe begleiteten, 
waren überall dabei und liefen unter den Zuschauern nmher. 
Eine Ehrenwache brachte uns nach dem Roote zurück, in dem 
wir unter Fackelbeleuchtung heimfuhren. Ein anderes Diner 
gab der König den Fremden an seinem Geburtstage (am 19. Oc- 



NeoJahr. 305 

tober} und Hess uns dabei seine kostbaren Juwelen bewundern, 
die er in Kästehen umherzeigte. 

Auf den 14. April fiel das solare Neujahr des Songkran, 
mit dem Eintritt der Sonne in den Widder, und wird dieses jetzt 
als der politische Jahresanfang betrachtet, an dem der König 
den officiellen Almanach ausgeben lässt. Im Palaste sah ich 
an diesem Tage die Abbildung des Phra-Songkran (Nang-The- 
phayuda-Songkran, wie die Unterschrift besagte) aushängen, 
eine Götterfigur, die, auf dem Mannvogel Garuda reitend and 
von Engeln umgeben, aus der Höhe des Himmels herabkam, 
mit einer Blume in der einen und einem Diskus in der andern 
Hand. Je nach dem Thiere, das der Thevada am Songkran 
reitet, stellt sich das Horoskop des neuen Jahres. In den 
Strassen wurden theatralische Darstellungen aufgefllhrt, und das 
Volk tiberliess sich mit Leidenschaft den während der Festzeit 
freigegebenen Hazardspielen, die sonst nur in den concessio- 
nirten Spielhäusem zulässig sind. In den Klosterhöfen bauten 
Fromme Sandpagoden auf, während Andere mit Flaggen und 
Goldpapier verzierte Miniaturflösse, die kleine Pagoden trugen, 
auf dem Flusse forttreiben Hessen (Xalong Phra-Thay). Die 
Häuser der Chinesen glänzen am Neujahr in den hellsten und 
grellsten Farben, da sie von oben bis unten mit breiten Streifen 
Buntpapier überklebt sind, die Glückwünsche und Segenssprüchc 
enthalten. Besonders kehrt in rother Farbe auf schwarzem 
Papier oder Schwarz auf Roth der Charakter für Wohlergehen 
wieder, als dessen Hieroglyphe die gleichnamige Fledermaus gilt. 

Da das Ceremonial der Phitthi oder Monatsfeste in den 
Büchern der Hof-Brahmanen beschrieben ist, so liegt die An- 
ordnung vorzugsweise in ihren Händen. Ende April wurde das 
Fest der Phitthi Phra Charad-Angkhan (die Wanderungen des 
Planetcnherm Mars) oder Rek-Na*) (die Eröflhung des Acker- 



*) Diesfr Feier geht (Im Januar) das Schwingfest vorher, bei dem die gerei- 
nigten Brahmanen firei in der Lnft schweben, mit den Geistern zu spielen (Aliae 
paoduntUT inanes suspensae ad ventos). Der zuschauende Phaya PhoUathe ph muss 
während dieser Zeit auf einem Beine stehen, da ihm sein materieller Körper nicht 
erlaubt, sich weiter von seinem Schwerpunkt loszutrennen. Die grossen Götter 

Bastian, Reise in Slam. III. ^ 



306 Feste und Spiele. 

baues) gefeiert, in einem Felde der Vorstadt, wo für diesen 
Zwerk*) ein Zelt errichtet war. In einer kleinen Capelle am 
Wege, die unter einem alten Baume stand, sah ich im Vorbei- 
gehen verschiedene Holzlingams aufgesteckt, wie sie Dikäo- 
polis beim Dionysosfeste gebrauchte. In dem viereckig ein- 
gehegten Felde standen Bambupfähle, die mit brennenden Ker- 
zen umklebte Opfergaben von Frücliten und gesottenen Schweina- 
köpfen trugen zu Ehren der Santa-Thevada. Dazwischen waren 
Bai-Sri oder mit Kränzen von Betelblättera umwundene Stäbe 
angebracht (Thyrsos-Uhnlich). In dem Empfangshause standen 
auf einer Plattform die Figuren des Phra-Insuen in tanzender 
Stellung, des elephantenköpfigen Ganesa und des vierhändigen 
Phra-Naray (Vishnu) mit ihren Begleitern. Vor ihnen waren 
Blumen gestreut, dampfte Räucherwerk, brannten Kerzen. Die 
Pfeiler waren mit Guirlanden umkränzt, und die laubigen Win- 
dungen hingen nieder auf einen Tisch, der Muschel und Opfer- 
schale trug. Die beiden Seiten des Zeltes waren von den in 
ihren gelben Gewändern gespreizten Mönchen eingenommen, in 
einer Ecke des Hintergrundes aber sassen die weissen Brah- 
manen mit ihren in Charakteren des Devanagari verfassten 
Fefltesbtlchern. Die Schriften der Astrologen (Hon oder Hora) 
dagegen, die noch hinzukamen, waren siamesisch geschrieben, 
wie auch sie selbst in Kleidung und Haartracht keine Abwei- 
chung von der Landessitte zeigten. 

Zur Eröffnung der Festlichkeit wurde auf einer Sänfte ein 
junger Prinz herbeigetragen, ein Sohn des ersten Königs, dessen 
zarte Glieder sich unter der Last des Goldes und der Juwelen, 
womit man sie überhäuft hatte, kaum aufrecht erhalten konnten. 
Dann erschien der Scheinkönig, der bei dieser Gelegenheit die 
Majestät repräsentirt und gewöhnlich durch den kromana (Mi- 



Tndieos, wenn sie auf die Erde herabkommen , berühren dieselbe nur mit einem 
FusBe, weU sie sie sonst in den Abgrund hinabdrQcken würden, wie Jener Vogel 
der FabeL 

*) Da Mber mit einem Elephanten gepflügt wurde, heisst das Fest anoh 
Sakbanang-xang oder die Befreundung des Elephanten. Ein anderer Name iit 
K)iam-tak (zum Trocknen ausgesetzt). 



D«B PflQgfest. 307 

nister des Ackerbaues), aber diesmal durch den Chao-Phaya 
Jomniarath (den Präsidenten des Obergerichts) vertreten *) wurde. 
Er trug ein dick mit Gold besetztes Obergewand und eine hohe 
SpiralkronC; die ihn noch grösser aussehen Hess, wie er in dem 
Armsessel auf den Schultern seiner Träger sass. Eine lärmende 
Musik verkündete seine Ankunft, und ausser den roth uniformir- 
ten Soldaten mit aufgeschlagenen Kappen umgaben ihn viele 
Sehwertbewaffnete aus dem Laoslandc sowie die Träger der 
Plaggen, der Büsche, der Ehrenspeere. Nachdem er von seinem 
erhabenen Sitze herabgestiegen war, trat der König an den 
vergoldeten und mit Blumen umwundenen Pflug heran, der 
voran die Figur des'Garuda trug. Zwei Buckelochsen waren 
angespannt, die neunmal zwischen zwei (in Nachahmung eines 
Xatr oder Schirmes mit fünf Papierkreisen umgebenen) Pfeilern 
die Furche zogen, den Brahminen folgend, die ihnen unter dem 
Blasen der rechtsgewundenen Muscheln voranschritten, üeber 
den erlauchten Ackersmann wurde ein goldener Sonnenschirm 
gehalten, und eine lange Procession schloss sich an unter rau- 
schender Musikbegleitung. Einige greisesalte Palastdamen, die 
sich ohne die Unterstützung ihrer jungen Begleiterinnen kaum 
auf den Füssen zu halten vermochten, wankten hinter dem 
Pfluge her, die ersten Körner der neuen Saat ausstreuend, die 
sie den auf ihren Rücken gehängten Rciskörbchen entnahmen. 
Kaum war die Ceremonie in neunmaliger Wiederholung voll- 
endet, als der Andrang des zuschauenden Volkes die Barrifercn 
niederbrach, da Jeder herbeistürzte, um sich einiger der zuerst 
auRgeworfenen Samen zu versichern, die, mit seiner Aussaat 
gemischt, ihm eine reiche Ernte versprechen würden. Der kleine 
Prinz liess sich dann zurücktragen, indem er, so laut es seine 
feine Knabenstimme erlaubte, ausrief: „Das Fest des Feldan- 
fangs ist über, das Fest des Feldanfangs ist über, und nun 
kommt Kegen." Einzelne Schauer waren schon währenddem 



^) Loub^re nennt diesen Beamten den Ok-ya-kaou oder den Reiskonig und 
lisst ihn auf einem Ochsen herbeireiten. Die zum Pflügen benutzten Ochsen wer- 
den mit dem schönklingenden Pali- Namen Usupharat als OchsenkSnige be- 
Miehntt 



306 ^Mte und Spiele. 

gefallen. Als der König des Ackerbaues von dem Pfluge nach dem 
Empfangshause zurückgekehrt war, führte man das Ochsengespann 
nach einer Scheuer, wo die Brahminen zwei Krippen niedersetzten^ 
deren eine aus Blättern geflochtene Tassen mit Arrac enthielt, die 
andere kleine Blätterkürbe mit verschiedenen Getreidesorten, wie 
Reis, Maiz, Sesam u. s. w. Da die Ochsen zunächst vom Reis und 
Maiz frassen, so diente das den Bauern zur Nachricht, dass diese 
beiden Arten in dem kommenden Jahre vorzüglich gedeihen und 
deshalb am Vortheilhaftesten cultivirt werden würden. Andere 
meinten im Gegentheil, die Getreidesorten, von denen die Ochsen 
viel frässen, würden im nächsten Jahre theuer sein, und so musste 
sich die Vorbedeutung schon in der einen oder andern Weise 
erfüllen. 'Die Brahminen näherten sich dann dem Feldkönig 
und hielten ihm drei Packete vor mit einfachen Lendenttichem, 
wie sie der gewöhnliche Ackersmann trägt. Er hatte eins davon 
auszuwählen, und als man ihn über sein kostbares Gewand 
damit bekleidete, zeigte es sich als vierfältig. Das galt als 
gute Vorbedeutung, denn im vorigen Jahre, wo ein Kleid mit 
fünf Falten gewählt worden, war zu viel Regen gefallen, und 
hofite man nun, dass es diesmal besser sein würde. So hoch 
das Untergewand herabhängt, so hoch wird es später aufzu- 
schttrzen sein, um die Regenpflltzen zu durchwaten. Der König 
des Ackerbaues betrat dann sein mit einem hohen Kiijütendach'e 
versehenes Boot und kehrte zur Stadt zurück, wo er nach der 
Ansicht des Volkes für den Tag als wirklicher *) König herrscht, 
da er alle zum Verkauf ausgelegten Gegenstände ergreifen 
lassen und als sein Eigenthum beanspruchen kann. Auch* 
könnten die zusammengeketteten Sträflinge, von denen sich 
mehrere in der Procession fanden, an dem Tage stehlen, was 
ihnen beliebe, ohne dass sie dafür Strafe zu furchten hätten^ 
meinte mein siamesischer Bogleiter. Auf den Strassen waren 
während der Zeit nur wenige Verkäufer zu sehen. Vor Eröff- 
nung des Reknafestes werden die Tamra-Bücher nachgeschlagen, 
um zu wissen, in welcher Richtung der Kopf von Phaya Nakh 



*) Von der chinesischen Frühlingsprocession bemerkt Doolittle: On that day 
the prefeet takes precedence of all the higher ofQcers in the cIty (Fubchan). 



Dt8 Fetischwasser. 309 

liegt, und der Pflug ist dann nach der entgegengesetzten Seite 
herumgeführt, um ihn nicht zu verletzen. Er wendet sich in 
jedem Monat, so dass sein Kopf an die Stelle des Schwanzes 
kommt, und darum dauert die Feierlichkeit drei Tage. 

Eine politisch wichtige Ceremonie (Pitthi thü nam) ist das 
Trinken des Eidwassers (Nam Phra-Phath), das sich zweimal 
im Jahre, im lOtcn und 5ten Monate, bei den Auszahlungen 
des Soldes und der Gehalte wiederholt. Die halbjährige Feier 
wurde am 3. October abgehalten. Die Tempelhalle des Vat 
keoh war mit Mönchen gefUllt, die hinter den ihnen geschenkten 
Gaben sassen, und vor dem grünen Buddhabilde standen Vasen 
mit Wasser. Die Brahmanen sassen in einem Nebenraume. Die 
Ankunft des Königs, von seinen Leibgarden umgeben, wurde 
durch rauschende Militärmusik angekündigt, und die ihn er- 
wartenden Fürsten traten dann mit ihm in den Tempel ein. 
Er trug eine weisse, von Gold glitzernde Schärpe über der Brust 
und setzte sich den Mönchen gegenüber auf ein Kissen, die 
dorthin gestellten Kerzen anzündend. Nach dem Absingen 
einiger Choräle wurde das Frühstück für die Mönche herein- 
gebracht, und die Edelleute beeiferten sich, die rothen Spitz- 
deckcl zu entfernen, mit denen die Reis, Fische, Kuchen u. 8. w. < 
enthaltenden Schüsseln bedeckt waren. Nachdem sie abge- ^ 
gessen hatten, zogen sich die Mönche nach dem Hintergründe ^ 
des Saales zurück, wo sie aufs Neue Gesänge anstimmten, ^ 
während der Oberpriester der Brahmanen auf seinen Knieen 
vor dem Buddhabilde lag. Ein zweiter Tusch der Militärmusik 
bezeichnete die Annäherung des zweiten Königs, der, seine Sol- 
daten draussen zurücklassend, rasch durch die Zuschauermenge 
in den Tempel eilte und sich an der Seite seines Bruders nieder- 
liess. An einer Balustrade hingen die reich mit Gold ge- 
schmückten Reichswaffen des Königs, seine Schwerter, Speere, 
Dolche, Gewehre, Pistolen, die nun eins nach dem andern von 
den Leibwächtern herabgenommen und dem brahmanischen Ober- 
priester gereicht wurden, um sie (die Werkzeuge der etwaigen 
Verräthem drohenden Rache) in die Vasen einzutauchen, die 
mit Wasser gefüllt neben einander standen. Dann erhob der 
Brahmane eine kleine Schale, über die er BeBchwörungsformeln 



310 F^te und Spiele. 

gebetet hatte, and liess ans ihr einige Tropfen in jede der 
Vasen fallen, um dadurch auch den ganzen Inhalt derselben zu 
weihen. Das Wasser wurde darauf in Becher ausgegossen und 
umhergereicht, zuerst dem zweiten Könige und dann den 
übrigen Fürsten, die eine Linie formirt hatten und Einer nach 
dem Andern das ihnen Zugeschenktc tranken. Sobald dies ge- 
schehen war, brach Alles auf, wiihrend sich der König nach 
den inneren Corridoren des Tempels begab, wo die Palastdamen 
versammelt waren. Die Rückseite des Tempels wurde eben so 
dicht von weiblichen Zuschauem umstanden, wie der Frontein- 
gang von Münuern. Die Edlen und Vornehmen zogen dann in 
verschiedenen Richtungen ab. Jeder von einem langen Zuge 
Vasallen gefolgt. Wiihrend der Feierlichkeit des Eidwassers 
backen die Siamesen für drei Tage eine besondere Art Kuchen, 
Keya-Sat (Festeskuchen) genannt. Ende October begannen die 
verschiedenen Festlichkeiten, welche die der Geistlichkeit in 
den Thot-Kathin gemachten Geschenke einleiten. Dazu gehört 
die Versöhnung des Flussgottes für Verunreinigung seines Ele- 
mentes in den Phithi Chong Prieng Buxa khom le loei kathong, 
die Ueberreichung gelber Priestergewänder (thavai traiy) und 
die nächtlichen Processionen , um den Mönchen Esswaaren zu 
bescheren (Thot Phapa). Am 20. October waren Abends alle 
Boote lebendig, um die Feuerwerke auf dem Flusse nicht zu 
versäumen. Ein ungeheurer Knäuel derselben lag gegenüber 
dem Palaste des zweiten Königs versammelt und wurde durch 
die hin und her fahrenden WachtschifTe an's jenseitige Ufer 
gedrängt, um die .Mitte des Wassers frei zu halten.. Unter der 
her überbauenden Musik sah man aus der Entfernung aus dem 
Palastthore eine lange Procession von Lichtern hervortreten, 
deren Träger in der Dunkelheit nicht erkannt werden konnten. 
Bald darauf ergoss sich in den Fluss eine ununterbrochene 
Feuerlinie, aus den, brennende Kerzen*) tragenden, Schiffchen 
bestehend, die in steter Erneuerung nach einander auf den Strom 



*) „Am Feste Rera erleuchten die indischen Schiiten den Fluss mit Lichter 
tragenden Flüssen zu Ehren des unsterblichen Propheten Khlzr (des Grünen), der, 
wo er sitEt, Gras herverwachsen ISsst'* 



Umzü^. 311 

flott gesetzt wurden und erst in weiter oder kurzer Entfernung 
allmälig wieder erloschen. Dann stieg aus der Mitte des 
Wassers ein dunkclglUhender Feuerball auf, und wie durch einen 
Zauberschlag entzündeten sich plötzlich überall auf den im Flusse 
ankernden Flössen gllinzende Strahlenbäunie, in den buntesten 
Farben leuchtend und schimmernd. Dazwischen schössen Raketen 
empor, oder feurige Meteore, die am dunkeln Himmel in strah- 
lende Sterne zerplatzten. Aehnliche Schauspiele wiederholten 
sich nachher vor dem Palaste des ersten Königs, wohin die Zu- 
schauermenge weitergezogen war. In dieser herrschte reges 
und lustiges Treiben. Man bombardirte sich mit Knallerbsen 
und Zündern, stiess mit den Booten zusammen und suchte sich 
unter Lachen wieder flott zu machen und lud einander zum 
Theilnehmen an den mitgebrachten Esswaaren ein. In einem 
Boote war eine Gesellschaft Laos versammelt, die ihre Rohr- 
orgel spielten, während die mit Spitzhüten bekleideten Mädchen 
jodelten und sangen, unter dem begleitenden Händeklatschen 
der Zuhörer. In einem andern Boote sah man einen ein Tam- 
burin schlagenden Mann mit wirr herabhängendem Haar und 
verzerrten Zügen in wilden Geberden umherspringen und zu- 
weilen bewegungslos hinstürzen. Während des Feuerwerks gab 
das Niederfallen der Raketen zwischen die Böte und das Venneiden 
derselben neue Gelegenheit zum Scherzen und Lärmen. Mehrere 
der Pagoden sowie die Thürme des Palastes waren illuminirt. 
Am 29. October sah man viele buntbeflaggte Boote unter 
Musik umherziehen, um ihre Kathin zu werfen. Am 31. Oc- 
tober trafen sich tiberall geschmückte Böte, theils von Jüng- 
lingen, theils von Mädchen gerudert, alle in ihren Festeskleidern 
und mit Blumensträussen an den Spitzhüten. Am 3. November 
flbten sieh die Ruderer in Vorbereitung der Rennen, die schon 
Diego de Couto beschreibt und dabei an die trojanischen in 
Sicilien erinnert. Am 4. November begab ich mich auf die 
Einladung der Herren Schill und Malherbe nach ihrem dem 
Schlosse gegenüber liegenden Laden, um dort die Proc^ssion 
des Königs anzusehen, der an dem Tage zu Lande*) umher- 



i 



*) W«nn beim Ilervortritte des Knnfgs zum Umzüge in der Sudt die Staats* 



312 l^Mta und Spiele. 

zog, den EK^stern seine in den Kathin schuldigen (reBchenke 
zu machen. Die nach europäischem Exercitium anfgestellten 
Soldaten hielten den Platz frei, als sich das Palastthor öffnete 
und unter dem Schalle der Musik die Bannerträger herror- 
traten, erst mit goldenen, dann mit silbernen Terrassenschinnen. 
Darauf erschien, auf einem mit Goldzeugen umhängten Palankin 
getragen, der König, auf dessen Schooss eines seiner Kinder 
spielte. Hinter ihm wurde mit Fächern Kühlung gewedelt, und 
schloss sich der Zug mit einer Reihe Bewaffneter, Schwert und 
Schild tragend. Die übrigen Prinzen der königlichen Familie 
Hessen sich theils in Sänften tragen, theils bestiegen sie kleine 
Wägelchen, die von einem Zwergpferde gezogen und von drei 
nebenan gehenden Galabedienten vorsichtig angefasst und im 
Gleichgewicht gehalten wurden. Wir folgten nach dem Vat 
Pho, welches Kloster der König zunächst mit seiner Freigebig- 
keit bedacht hatte, und sahen ihn von der Priesterversammlung 
im Tempel zurückkommen, ohne Krone und Thronmantel, die 
er beide erst wieder in einem Zimmer an der Thür anlegte, 
als er sich weitertragen Hess. Am 6. November besuchte der 
König die zu beschenkenden Klöster zu Wasser*) und auch 
am 7., 8. und 9. November dauerte die Flussprocession fort. 
Alle die Prinzen und hohen Würdenträger des Landes folgten 
in ihren Staatsbooten dem des Königs. Die Häuser längs der 
von dem Zuge besuchten Kanäle waren mit Blumen, Vasen, 
hervorwallenden Vorhängen geschmückt, und das Volk erwartete, 
auf die Kniee hingeworfen, das Vorüberziehen seines Herr- 
schers in lautloser Stille. Der Steuermann steht bei diesen 
schlangenartig ausgezogenen SchnabelschifFen auf einer hohen 
Plattform des Hinterdeckes und regiert sie von dort im Kelensma 
mit seiner langen Ruderstange. Die Hauptgaleere des Königs 



wagen nicht fertig sein sollten, so müsste derselbe bis zn ihrer Ankunft aaf einem 
Fusse stehen, meint Low. Die vor dem einbeinigen Phollatheph Tanzenden rufen 
Nok Phra Raja Ilong oder den königlichen Hamza an, dass er herabsteige, seinen 
Dnrst zu loschen. 

*) Diese königlichen Processionen zu Wasser und zu Lande werden schon 
um dieselbe Jahreszeit durch Van Schonten erwähnt 



Feuerwerke. 313 

zeigte am Buge Phra-Naray (Vischnu), der, aufGaruda's Rücken 
stehend, zwei Hände auf dessen Schultern legt, während er in 
den anderen Dreizack und Diskus hält. Der Sitz des Königs 
war mit goldgewirkten Vorhängen umgeben. Ihm folgte der 
gleichfalls reichgeschmUckte Lustnachen des Kronprinzen. Einige 
der übrigen Gondeln trugen Gold- und Silbergefässe, auf einen 
in der Mitte ausgebreiteten Teppich hingestellt. Zwei der Piloten 
unterhielten durch das Aufstampfen mit ihren Stäben den nOthi- 
gen Rhythmus, damit die langen Reihen der Ruderer im Tacte 
zusammenarbeiteten. Wie der König so in glänzender Procession 
nach den königlichen Klöstern'*') umherzieht, besucht das Volk 
die Vat-Rat und die Edelleute berücksichtigen zunächst ihre 
eigenen Stiftungen. Wenn die Mönche die Geschenke der Thot 
Kathin vertheilen, so entscheiden sie unter sich selbst, wer 
am Würdigsten ist, dieselben zu empfangen, und sprechen die 
Kleider demjenigen zu, der sich ihrer am Bedürftigsten zeigt, 
oder andere Gaben dem, der den fünften Grad der Früchte des 
heiligen Lebens (im Anisong) erlangt hat und sich am Seltensten 
üebertretungen der acht Regeln im priesterlichen Ceremoniell 
(Matika) hat zu Schulden kommen lassen. Jeder Empfänger 
muss sich durch eine Paliformel legitimiren. 

Am 25. November wurden neue Feuerwerke abgebrannt, 
als an den Loi-Kathong des zweiten Königs, und sah man illu- 
minirte Hähne, Ochsen u. s. w. auf dem Flusse umhergezogen 
werden, die, aus transparentem Papier gefertigt, von innen er- 
hellt wurden. Am Lande sassen die Verehrer in den Bethallen 
der Klöster beisammen, den Predigten zuhörend. In den Höfen 
hatten sie geschmückte Weihnachtsbäume**) (Akazien und andere) 
aufgeputzt, mit Lichtern und Geschenken an den Zweigen be- 



*) Die Aiuiona oder Yectigal templornm fallen in Slam nicht , wie in Korn 
(bis 8ie Theodosina nach Gratian's Confiscation der Ländereien aufhob) dem Staats- 
sebatze zur Ijast, oder doch nur, in soweit der Konig sein Privatverm5gen damit 
identiflcirt 

♦♦) Die Chinesen hängen am Gräberfeste Weidenzweige von der Thür herab, 
nm die verwandten Geister herbeizuziehen und die schädlichen zurückzutreiben. 
Homer kennt Weidengebüsche in der Unterwelt, 



314 P«st« ^^^ Spiele. 

bangen, wie Früchte, Kttrbohen, Cigarron nnd andere Gaben, 
die an den Tliot Pha-Pa den Mi^nchen bestimmt waren. Nach- 
dem die llescluTiingen beimlich neben den Zellen versteckt 
sind, rufen die jedesmaligen Geber den Namen des bedachten 
Mimehes und eilen dann rnsoli davon. P's wird dabei fingirt, 
dass sich die Mönche als Eremiten im Walde (Pa) befänden 
und durch unsichtbare Mächte beschenkt würden. 

Zu den übrigen Jahrcsfesten gehören die Phitthi Satr, an 
denen die Erstlinge der neuen Früchte gegessen werden, die 
Nakhattarak-Visakabuxa fOpferdarbringungen unter den Con- 
stellations-Einflüssen), Phitthi Khao-Vasa oder die Festlichkeiten 
des Fastenanfangs am Beginn der Regenzeit (wenn die mit 
künstlichen Blumen und gedörrtem Reis beschenkten Manche 
nach den Klr>stern zurückkehren), die Phitthi Ok-Vasa oder die 
Festlichkeiten des Fastenausgangs, die am Ende der Regenzeit 
durch das Lesen der Jataka des Phra Vetsandon eingeleitet wer- 
den, unter Darbringung der Sat-Kuchen und Absendung illnmi- 
nirter Schiffchen nach einem Phrabat an der Küste eines un- 
bekannten Landes, welcher am Strande nie vom Wasser benetzt 
wird, da er sich gleichzeitig mit der Ebbe nnd Fluth hebt oder 
senkt. An dem He-Naret genannten Feste wird der Umgang 
des elephantenköpfigen Plira Xarct abgehalten, am Schwing- 
fest oder den Phitthi Lo Xingxa (dem indischen Charak-Puya ent- 
sprechend) muss Pliaya Phollatheph (der Herr der himmlischen 
lleerschaaren) auf einem Beine stehend dem Luftreigen der 
Brahmanen zuschauen, an den Prakasa-Thevada werden die 
Engelgi)tter angerufen, die Stadt gegen die bösen Dämone zu 
schützen, welche (am letzton Tage des alten Jahres vor dem 
Beginne des Truth) durch Abschiessen von Kanonen und Rollern 
(Jing Atana) zurückgetrieben und durch Umziehen der Stadt- 
mauer mit einer geweihten Schnur (Sai-sin) an der Rückkehr 
verhindert werden. Am Tage der übernatürlichen Mächte wird 
Abends die ganze Stadt hell erleuchtet, damit die herbei- 
schleichenden Rakshasas (Jakh) den Leuten, wenn Alle lebendig 
und wach sind, keinen Schaden zuzufügen wagen, zugleich 
aber die vom Himmel herabkommenden Engel ( Thevadaj sich 
über das Gedeihen nnd Blühen des Königreichs freuen. An 



Der Mai-Than. 315 

dem Tage, wann der König sein eigenes Haar abschneidet and 
in dem aus einer heiligen Quelle am Sam-Roi-Yot gebrachten 
Wasser ein Reinigungsbad nimmt, waschen die Jüngeren die 
Bejahrteren, die Kinder ihre Eltern, die Schüler ihre Lehrer, 
die Frommen die Mönche, und wird in den Strassen Wasser auf 
die Vorübergehenden gespritzt, um den Songkram durch Sat- 
nam (Besprengen) zu feiern, wenn die Sonne aus dem zodia- 
kalischen Zeichen Manya-Rasi (Meina oder Fische) in die Con- 
Btellation Matesa-Rasi (Metsa oder der Widder) eintritt. 

Bei der unter Lustbarkeiten und Scherzen am Ende der 
Regenzeit nach Pak nam angestellten Bootfahrt baden sich die 
Pilger bei der dortigen Pagode ( Phra Chedi Klang-Nam) und 
Bchmücken dieselbe, sie durch Umkreisungen verelirend. Im 
Uten Monat begehen die Brahmanen das vom Volke Chut- 
Khom genannte Laternenfest der Phitthi Chut-Fai-Loi-Krathong- 
Nai-Nam, indem sie unter Lampenbeleuchtung Feuer anzünden 
nnd Flösschen mit eingesteckten Lichtern auf dem Fluss hinab- 
treiben lassen. Im 12ten Monat werden die Phitthi Tam-Khom- 
Nai-Akas unter Emporziehen l)rennender Lampen gefeiert. Auf 
den löten Tag des zunehmenden Mondes im 6ten Monat fällt 
das Fest der Geburt, der Transfiguration und des Todes Bud- 
dha's, an demselben Tage, den die Siamesen mit Anhören von 
Predigten verbringen, indem sie zwischen den Klöstern umher- 
ziehen, Lichter in den Händen tragend. Die Wallfahrt nach 
dem heiligen Fusstapfen in den Wäldern um Nophburi wird in 
der ersten Hälfte des dritten Monats abgehalten. 

Die Todten werden am Liebsten in den Klosterhöfen ver- 
brannt, und im Vat Pho findet sich auch eine Einrichtung fllr 
die Armen, die das zum Aufbau eines Scheiterliaufens nöthige 
Holz nicht erschwingen können. Solche übergeben den Leich- 
nam den Priestern, um ihn in Stücke zu zerschneiden und das 
Fleisch an einen im Kloster Saket daftlr abgezäunten Platze 
den Geiern vorzuwerfen,*) die in grossen Mengen von den 
Zweigen der Bäume herab auf ihre Aetzung lauern. Bei einer 



*) Schon Ribadeneyra spricht davon, sowie von dem Regraben der Leichen 
tm Flaise anssar dem Verbrennen. 



316 Fette und Spiele. 

am Ufer vollzogenen Verbrennung wurde nach dem Chorgesange 
der Priester, eine Kokosnuss zerbrochen und daB Wasser neben 
dem Todten ausgegossen. Es ist eine günstige Vorbedeutung 
für die Einkörperung der weiter wandernden Seele, wenn der 
Sterbende im letzten Augenblick das heilige Wort Arahan hört, 
weshalb ihm dieses beim Herannahen des Verscheidens in's Ohr 
gerufen wird (wie der Name Jesus bei den spanischen Ameri- 
kanern). Die Aschenrestc werden, mit Kalkwasser rermischt, 
zum Waschen der Tcmpclwände verwandt, oder auch in ein 
Buddhabild geknetet, unter einer Pagode begraben, mitunter 
dagegen in einer Todteuurne verwahrt. Oft sieht man eine 
Leichenprocession auf dem Flusse hinrudcm und wird das den 
Sarg tragende Boot von andern mit hinlang gezogen, in denen 
Musiker einen Todtenmarsch spielen. Die Leichenceremonien 
fllr Mitglieder der königlichen Familie, edle Fürsten oder hoch- 
gestellte Priester erfordern lange Vorbereitungen, so dass oft 
ein ganzes Jahr darüber hingeht, während welcher Zeit die 
Leiche präservirt werden muss. 

Eine dieser feierlichen Verbrennungen fand im Mai statt 
flir einen der Königssöhne, der vor 9 Monaten gestorben war. 
Für diesen Zweck war der ganze Platz zwischen den PalUsten 
,des ersten und zweiten Königs in eine Zeltstadt verwandelt 
und mit einer unbeschreiblichen Mannichfaltigkeit geschmückter 
Tempel, bunt bemalter Lustschlösser, beflaggter Thürme, unter 
Zierrathen erdrückter Hallen, Pagoden, Kioske, Pavillone be- 
deckt. Zeuge mit einem maueräniichcn Anstrich versteckten 
das Bambusgerüst des Innern. Schon der ganze Weg dahin 
war mit Schaubühnen bedeckt, auf denen theils chinesische 
Familienstücke aufgeführt wurden, theils, in der grotesken Manier 
der dramatisirten Epen, Helden in schimmernder Rüstung mit 
Riesen und Ungeheuern ihren Waffentanz hielten. Auch nach 
Art der Mon oder Pegucr, d. h. in gewöhnlichen Kleidern, wurde 
getanzt. Eine Allee kegelförmiger Pagoden führte zu dem 
Eingange des Hauptgebäudes, in dessen mittlerer Säulenhalle 
der Sarkophag aufgerichtet war. Er stieg in reichverzierten 
Terrassen empor und trug auf der Spitze unter einem konischen 
Dache die Urne mit dem Leichnam (Borommakot), vor der eine 



Der Sarkophag. 317 

bekrönte Figur im königlichen Ornate kniete. An den Wänden 
stand eine Unzahl von Gläsern, Uhren, Spiegel, Vasen euro- 
päischer und chinesischer Manufactur tmter und durch einander, 
da es nur darauf anzukommen schien, keinen Fleck leer zu 
lassen. An einem Pfeiler hing das Portrait des Verstorbenen 
und an einem andern sein Nekrolog. Der Prinz, Kroma-mün 
vitsa-nunat-nipathon betitelt, war von der ersten Frau des Königs 
geboren, ehe derselbe in die Priesterschaft eintrat. Alle seine 
anderen Kinder stammen aus den Ehen, die er nach seiner Thron- 
besteigung eingegangen ist, und der älteste Sohn darunter ist 
zu seinem Nachfolger bestimmt, vorbehaltlich etwaiger Ansprüche 
des zweiten Königs. Vor dem Sarkophage sassen die Brah- 
minen, rechts davon verschiedene Prinzen und links verdeckte 
ein schwerer Vorhang den königlichen Thron. Ausserdem waren 
noch zwei Separatgemächer für den König möblirt und dem 
übrigen Publikum unzugänglich. Eines derselben führte in das 
Geschenkzimmer, in dem vier Reihen neugekleideter Mönche 
sassen, mit den ihnen dargebrachten Gaben (Almosentöpfe, 
Zeuge, Fächer, Kissen, Schalen, u. s. w.) vor sich. An dem 
einen Ende der Linien stand die vergoldete Statue eines Prie- 
sters, den Almosentopf im Arm, vor dem ein Kranz von Lichtem 
brannte. Goldblumen waren unter Glasdeckeln verwahrt. Der 
König, der von seinen kleinen Kindern umgeben eintrat, trug 
eine weisse Schärpe über seiner schwarzen Kleidung, auch einige 
der Prinzen waren dunkel, sonst aber alle Leidtragenden der 
königlichen Familie in Weiss gekleidet, das in Slam die Farbe der 
Trauer bildet. Der König nahm einige der aufgestellten Spielsachen 
herab, um sie seinen Kindern auszutheilen , schien aber sonst 
etwas ärgerlicher Laune, und gab Auftrag, sämmtliche Zuschauer- 
Bchaft in einem der Theater zu verhaften, da man ihm dort 
bei seinem Vorüberziehen nicht den gehörigen Respect bewiesen 
habe. Er setzte sich dann zu den Mönchen, begann mit ihnen 
ein Gespräch über die riclitige Weise, Uebersetzungen anzu- 
fertigen, und verbreitete sich über die etymologischen Resultate 
der Sprachverwandtschaft, das Wort koti erwähnend, das sich 
als Kasten im Englischen sowohl wie im Pali finde. Er zün- 
dete dann einige Lichter an und überreichte sie zum Zeichen 



318 FMte und Spiele. 

seiner Iluldigfung den heiligen Männern. Darauf ratschte auf 
ihren Knleeu die älteste Tochter des Verstorbenen herbei und 
stiess einige Sehachteln mit Geschenken vor sich her, bis sie 
den Sitz derjenigen Mr)nche erreicht hatte , flir welche sie be- 
stimmt waren. Sie war ein junges Mädchen, deren heller Teint 
nicht ül)el die Probe der weissen Gewänder bestand, worin sie 
gekleidet war, mit Freilassung des einen Armes und eines Theiles 
des Oberkörpers. Um die Geschenke rascher unter die Priester 
zu vertheilen, kam ein Haufe kleiner Knaben zur Htllfe, theils 
Söhne des Königs, mit den Kopfkuoten, theils Söhne des Ver- 
storbenen, deren Haupt in Folge des Todesfalles geschoren war. 
Nachdem der Kimig sich einige KiU'be mit Lotosblumen und 
andere mit Lotossamen hatte bringen lassen, stimmten die 
Priester einen recitativischen Choralgesang an, während ihr Ge- 
sicht hinter den aufgesteckten Fächern verdeckt blieb. Neben 
dem Centralgebäudc fand sich ein älinliches kleineres, wohin 
die Leichenurne bei der Verl)rennung zu versetzen war. Alle 
Thore waren von ungeheuerlichen Riesengestalten bewacht und 
siebenfache Schirme (von Gold- und Silberzeugen) standen um- 
her. In einem Theil der Anlagen fanden sich künstliche 
Felsen mit Höhlen und Grotten oder kleine Seen mit Papie^ 
Machö-Häuser und Pupi)en darin. Die Soldaten waren in ihrer 
Uniform aufgezogen, eljenso wie die Orchesterbanden, aber die 
Wächter in der nächsten Umgebung des Königs trugen Lanzen. 
Einige der in die weisse Trauerfarbe gekleideten Diener hatten 
reichverzierte Schwerter umhängen. 

An verschiedenen Stelleu waren Speisehäuser aufgeschlagen, 
die auf Kosten von Fürsten oder Vornehmen eingerichtet waren 
und fllr deren Bekannte offene Tafel hielten. In einem der- 
selben, wo wir eintraten, fanden sich auch Tische und Stühle. 
Wir Hessen uns dort Thee mit Gebäck serviren, sahen aber 
sehr substanzielle Mittagsessen, um welche die auf der Erde 
hockenden Siamesen mehrere Cirkel gebildet hatten und es sich 
wohl sein Hessen. 

Als wir am folgenden Tage wieder hingingen, war die 
Urne schon nach dem Verbrennungsthurm entfernt. Wir standen 
in einem Kreise mehrere Europäer auf den Stufen, wo sieh die 



Leicbenfeste. 319 

jungen Söhne des Königs mit uns neckten und scherzten, als 
eine der erwachsenen Prinzessinnen, die auf den labyrin- 
thischen Irrpfadcn dieser Baulichkeiten ihren Weg verloren 
haben mochte, sich plötzlich mitten unter uns befand. Sie 
sprang aber rasch entschlossen, mit der Gelenkigkeit und Be- 
hendigkeit eines Rehes, die hohen Treppen hinab. Der ganze 
Zug der jungen Ehrendamen folgte der Gebieterin, und im Nu 
war Alles hinter einer blinden Thtir versehwunden. Unsere 
Gegenwart in dem Theile der Anlagen schien ttberhaupt zu 
geniren, und hatten wir uns wahrscheinlich aus Unkenntniss in 
die Nähe der FVauengemächer hingepflanzt, die die Eingeborenen 
ans guter Lebensart immer zu iiicommodiren vermeiden. Ein 
auf ihrer weissen Kleidung mit reichem Goldschmuck behange- 
nes Mädchen schaute mehrere Male scheu aus einer halb- 
geöfineten Thür hinaus, wagte sich aber erst auf das wieder- 
holte Drängen ihrer Gefährtinnen vorwärts, da vielleicht ein, keine 
Verzögerung leidender, Auftrag auszuführen war. Als sie in 
verlegener Hast bei uns vorbeieilen wollte, verwickelte sie sieh 
mit ihren Füssen in eine am Boden liegende Schnur, so dass 
8ie in's Fallen gerieth. Ehe aber Jemand Zeit hatte, hülfreiche 
Hand zu bieten, hatte sie sich schon mit Geschick befreit und 
war mit ein paar zierlichen Körperbewegungen unseren Blicken 
entflogen. Der König schickte ein Theebrett mit Lotterie- 
blMttem*), d. h. zusammengeklebte Fruchtschalen, die beim 
Oeffnen ein Papier enthielten mit der Nummer des gewonnenen 
Gegenstandes. Einer meiner Gewinne war eine mit einge- 
arbeiteten Blumen verzierte Beteldose, ein anderer ein Körbchen, 
ein dritter ein Handtuch, wie ich glaube. Ein beliebter S[)ass 
des Königs bei solcher Festlichkeit besteht darin, kleine Gold- 
münzen unter das sich darum balgende Volk auszuwerfen, oder 
Beinen Freunden Limonen zu vertheilen, die silberne oder goldene 
Tikal enthalten. Diesmal war er jedoch trübe gestimmt, weil 
an dem Morgen desselben Tages seine Lieblingstochter, die ihm 
am Meisten am Herzen gelegen hatte, von der Cholera befallen 



*) AehnUche Loose warf (nach Sueton) Nero aus und Titus (nach Dio) bei 
der Einweihung des flavischen Amphitheaters, 



320 Feito mid Spiele. 

war. Sie erlag schon nach einigen Stunden^ und noch ehe hier 
die Leichenfeierlichkeiten beendet waren, erhob sich im Palast 
die Todtenklage über eine neue Leiche. 

Als sich der Abend näherte, wurden brennende Kerzen und 
Räucherwerk unter die Freunde des Verstorbenen vertheilt Der 
König stieg dann zu der Plateforme hinauf, auf der die mit bren- 
nenden Stoffen gefüllte Urne stand, und zündete sie unter Ein- 
fallen der Instrumentalmusik an. Als der König zurückgetreten 
war, folgte die ganze Schaar der Verwandten und Freunde, die 
Einer nach dem Andern bei der Leiche vorbeigingen und ihre 
brennenden Lichter dem Scheiterhaufen zufügten. Die Flammen 
züngelten zwischen dem eisernen Gitter empor, das die Urne 
umgab, und ein dichter Qualm erhob sich aus dem dort aufge- 
häuften Weihrauch und Sandelholz. Die Anzündung hcisst: 
Thavai Phra Phlimg oder Darbringung dem Feuergott*) (auch 
als Phra Fai verehrt^. Nachdem die Verwandten und vomehm- 
sten Freunde ihre letzte Pflicht erfüllt hatten, wurde der ganze 
Haushalt des verstorbenen Prinzen, seine Angestellten, seine 
Diener und Sklaven, hereingelassen. Alle das Haupt abrasirt 
und weissgekleidet. Dann folgte ein langer Zug in weisse Gte- 
wäuder gehüllter Frauen, gleichfalls mit geschorenem Kopf ♦♦). 
Es waren die frattinnen des Verstorbenen nebst ihren Begleite- 
rinnen und Skhwinnen, und unter nur halb unterdrücktem 
Schluchzen und Seufzen, mit rothgeweinten Augen drängten sie 
sich rasch durch die Menge der Zuschauer hin, um in einen 
hinter dem Katafalk gelegenen Raum einzugehen, aus dem bald 
ein herzzcrreissendes Stöhnen und Klagen hervordrang. Als 
wir, um heimzukehren, die Verbrennungsscene verliessen, sah 
ich an der Aussenthür eine altersschwache Frau stehen, mit ge- 



*) Nach Kan-Lien-1-Chi verehrte man in Indien und Persien Ho-Sbin ak 
Gott des Feuers. Nach Medhurst wird der höchste Gott auf Bali als Brahma odtr 
Feuergott angebetet. 

♦♦) Das Kahlscheereu um den gestorbenen Bacchus wurde ein Zeichen der 
Trauer fQr jeden Verstorbenen, deren heidnische Sitte Moses den Israeliten ver- 
bot (s. Norlc). Die Griechen und Romer weihten Pult die Todten eine abgMchnit- 
tene Loclce den unterirdischen Gottern. 



Todtenmessen. 321 

schorenem Kopfe und weissen Kleidern, wie die übrigen Leid- 
tragenden. Sie weinte auf das Bitterlichste, ein Bild tiefgeflihl- 
ten Jammers, und deckte mit der einen Hand ihr Gesicht, wäh- 
rend sie an der andern ein niedliches Kind hielt, das mit seinen 
klaren hübschen Augen fragend und halb lächelnd zu ihr hinauf- 
sah, da es in seiner Unschuld den Schmerz nicht verstand, der 
seiner dem Grabe nahen Grossmutter vielleicht um seinetwillen 
Thränen ausdrückte, weil ihr letzter und einziger Beschützer 
dahingegangen war. 

Die mit der Leichenfeier verbundenen Maskenspiele erin- 
nern an die mittelalterlichen Fugillatores (fugillare id est: 
ignem de petra fugillo extrahere), wie die Geistlichen verboten 
(^bei Du Gange): nefanda et ri^culosa, vetulas, aut cervulos 
aut Jotticos. Bei den gothischen Spielen in Byzanz während 
der zwölf Nächte (s. Stritter) kehrt bei der Erwähnung Assy- 
riens der Ruf Nana wieder, in welchem sich die phönizische 
Naturgöttin zur Zeit der Maccabäer, und (nach Movers) unter 
den Sassaniden, mit Baldr's auf seinem Scheiterhaufen verbrann- 
ten Gattin in dem griechischen Trauergesang Nänia mischte. 
Auch Odysseus hiess chtonisch Nanos als Pygmäe. 

Die Verwandten eines Dahingeschiedenen bereiten dessen 
Lieblingsspeisen und bringen sie den Priestern zum Uthit (tham 
bu song uthith) dar, d. h. als eine Opfergabe, deren Verdienst 
auch dem Verstorbenen ♦) (wie in den katholischen Todtenmessen 
für ihre Seelen) zu Gute kommt. 

Beim Darbringen von Opfergaben schlagen die Siamesen 
erst an eine Gong, um dem Gotte (wenn er vielleicht, wie Beel- 
zebub, schlafen oder auf Reisen sein sollte) Nachricht zu geben. 



*) Die Chineseo verbreuiieii Flittergold, ans Papier verfertigte Möbeln und 
andere Oeräthschaften für ihre abgeschiedeneo Verwandten in der andern Welt, 
wo die symbolischen Nachahmungen sich in die Wirklichkeit des Beabsichtigten 
▼erwandeln. Sie schicken es selbst schon bei Lebzeiten in's Jenseits voraus, und 
Doolittle horte erz&hlen, wie eine alte Dame im Tempel Tai-Sang dreissig Koffer 
Gtpick verbrennen Hess, nm sie bei dem Gotte der siebenten Höllenregion flir 
fbre spatere Ankunft zu deponiren. Die chinesischen Pilger sahen noch den Ein- 
druck von Buddha's Schatten, während nach den Pythagoräern (bei Plutarch) das 
Sehattenrefch schattenlos war. 

Bastian, IUi«e in Slam. IIL 21 



323 FMte und Spltle. 

Die Chinesen; wenn sie den Gott der Arzneikunst yerehren, 
kitzeln ihn ausserdem noch an den Ohren, da sie ihn für sehr 
taub halten. Der Schweinegott (Ttl-Kek-Sei) mnss zugleich 
freundlich auf den Mcken geklopft werden, um ihn anfzniHt- 
teln. Durch Räucherwerke wird die Nase gereizt, und Feuer- 
werke ziehen die Augen an. Die Azteken erweckten den Gott 
ihrer mystischen Lade durch Bluttränken, und die Vandalen 
führten HeniFs Hand mit lautem Geschrei umher, damit er zum 
Kampfe erwache. 

Auf einem Stück Zeug, das um einen Sema-Stein des Klo- 
sters Lamphum gewunden war, stand geschrieben : „Dieses Tuch 
wurde um einen Pra-Chedi-Sai (eine Sandpagode) gewunden, zu 
Gunsten des Vaters Thet. Ich bitte, es nicht zu zerreissen, 
noch wegzugeben,- denn es soll ihm zum Nibban weiterhelfen.'' 
Unter einem aufgehangenen Bilde, das Buddha in der Umgebung 
seiner Schüler darstellt, stand geschrieben: „Dieses Gemälde 
ist Ton den Damen (Nang) Noimeh und Bukluk hierhergestellt 
und der Phra-Phutta-Sasana (der heiligen Religion Buddha's) 
geweiht, um dadurch zum Nibban hin fortgeholfen zu werden** 
(im Vat Pho). Auf einem um eine Figur gewundenen Tuche 
des Vat Prajurivong stand geschrieben : „Von diesem Tuche zur 
Bedeckung unseres Herrn möge ein Theil des Verdienstes dem 
verstorbenen Pasluk zu Gute kommen.^ Eine kleine Fahne in 
dem Vihan (Tempel) des Vat (Klosters) Pho enthielt die Inschrift: 
„Dargebracht von dem unterthänigsten Diener dem erhabenen 
Kan" (Todesgotte). Auf dem Zeug einer kleinen Figur in der 
Bibliothek des Klosters Prajurivong war geschrieben: „Dieses 
Tuch, um den Gott zu bedecken, ist als Beitrag gegeben, woran 
die Todten theilnchmen mögen, und dessen Verdienst der Mutter 
Chem zu Gute kommt." 



Für das Spiel Tschapieh-Kasah theilen sich die birmanischen 
Kinder flache Goniin-Samen in drei Theile. Die eine Parthei 
stellt ihre Samen in einiger Entfernung auf, und die zu der 
andern Gehörenden versuchen der Reihe nach dieselben zu 



Kladtnpitl». 323 

treffen^ indem sie die zu werfendes Samen bald auf den Fuss^ 
bald auf den Kopf^ bald anf die Brust, bald auf die Augen 
u. s. w. legen. Wenn Alle fehlen^ so müssen sie ibre eigenen 
Samen als Ziel aufsetzen, und die Gegner üben sieb im Werfen. 
lAes ist das Hauptspiel im Mai und Juni. Ein anderes Spiel 
besteht darin, Steine in Vierecke zu setzen, je nachdem vier 
Muscheln aus einer geschüttelten Dose niederfallen. Wenn sie 
alle mit der Spalte nach oben liegen, tritt der Spieler vor und 
wirft noch einmal; wenn nur eine mit der Spalte nach oben 
fällt, tritt der Spieler heraus, wirft aber nicht; wenn zwei mit 
der Spalte oben, zwei unten liegen, geschieht nichts, und wenn 
alle mit der Spalte nach unten fallen, hat der Spieler sich zu- 
rückzuziehen. 

In einem siamesischen Spiele wird eine^Reilie Knaben auf 
dem Rücken Anderer getragen. Der Getragene wirft einen Stein, 
und ebenso der Träger. Gelingt es dem letzteren, den Wurf 
seines Reiters zu kreuzen, so ändert sich die ganze Linie, indem die 
Pferde zu Reitern und die Reiter zu Pferden werden. Bei dem 
Slinderspiel Süa kham huya (der über den Kanal schwimmende 
Tiger) legt sich eins der Kinder auf die Erde nieder, und wenn 
die anderen hinüberspringen, schlägt es, ein Crocodil nach- 
ahmend, mit den Händen umher, um die Füsse zu treffen, und 
hebt sich allmälig mit krummem Rücken auf. In einem andern 
Spiel klappen die Kinder ihre Hände zusammen, berühren ihre 
Beine und dann wieder kreuzweis die Hände. Das Kriegenpiel 
beisst Leu ao thöt (herbei doch und pack' mich), das Kreisel- 
spiel Len-Khang. Ein Spiel, bei dem abwechselnd an Stricken 
Ün und her gezogen wird, heisst Nuang-Kan. 

Zu den beliebtesten Kinderspielen (an dem aber, wie in 
China, auch Erwachsene Theil nehmen) gehört das Fliegen der 
Drachen (Leu Xak-vao im Siamesischen) oder das Umher- 
schwingen derselben an einem Stocke. Das Drachensteigen fängt 
im December und Januar an. In den anderen Monaten haben 
die siamesischen Schuljungen ein verbreitetes Spiel mit ftinf 
Steinen, von denen sie einen aufwerfen und dann rasch die 
anderen im Viereck legen müssen, um noch zeitig genug fertig zu 
•ein^ den fallenden Stein aufzufangen. Dann werfen sie wieder 

21* 



324 FMte und Spiele. 

und müsseu die hingelegten Steine aafgesammelt haben, ehe 
der andere niederfällt. 

Len Te-Takro ist das auch in Birina bekannte Spiel mit 
dem Fussball, Len Thoi-Kong das Spielen mit Marbel, Xing- 
ngua (das Ringen am die Kuh) ist ein Ringspiel. Somphot 
sind gymnastische Spiele verschiedener Art, und bei einer Ge- 
legenheit, wo sie gefeiert werden, heisst es in der Biographie 
Ramcsuen's, dass er und alle seine Edlen die in ihnen gewonnenen 
Kampfpreise in einem Tempel niederlegten, ehe sie gegen 
Xiengmai zu Felde zogen. 

In dem Khi son-knn genannten Spiele reiten die Kinder 
wechselsweise auf einander huckepack. Luk Kli ist ein Spiel 
mit kleinen Kugeln. Bei dem Thoi-Bia genannten Spiel werden 
Muscheln gegen eine weiterhin aufgestellte* geworfen, die ge- 
troffen werden muss. In den Klöstern sieht man die dort er- 
zogenen Knaben oft mit Cowrie spielen, die in Haufen zusam- 
mengeworfen werden und in bestimmter Zahl fallen müssen, 
wenn aus der Hand geworfen. In dem Kham-Tat genannten 
Spiel werden Cowriemuscheln in Reihen gelegt und dann durch 
Zwischenstossen getrennt. 

In dem Leng Xuang Xai genannten Ballspiel stehen vier 
Knaben an den Ecken der Abmarkung (Vong) und werfen 
einander den Ball zu. Zwei laufen hinaus, während die anderen 
sie mit dem Ball zu treffen suchen und, wenn es gelingt, anf 
iliren Rücken steigen. Sonst, wenn sie fehlen, mtlssen sie selbst 
die Sieger auf dem Rücken tragen. Dann kommt die Reihe 
des Werfens an die anderen. Ein anderes Spiel gleicht dem 
englischen „ Y am in Dixy's home." Die Kinder laufen durch einen 
Kreis, in dessen Mitte Einer gestellt ist, der sie zu ergreifen hat, 
während die Uebrigen sich bemühen, ihm beim Vorttberkommen 
eine Narrenmütze auf den Kopf zu stülpen. 

Wenn zu Hause gehalten, kneten sich die Kinder kleine 
Puppen aus Lehm, sowie Boote, Häuser u. s. w. Oft sieht man 
sie in solcher Weise einen ganzen Markt aufstellen, mit Buden, 
worin Sachen zum Verkauf ausgelegt sind. Sie kennen alle 
gewisse Kinderreime, die sie über Blumen, Thiere u. g. w. her- 



Blinde Kuh. 325 

sagen. Ein beliebter ist das Nang Nuh (Frau Mäuschen) oder 
Nang Meoh (Frau Katze). 

Das Versteckespiel heisst das Suchen der Axt (Len son- 
8iem), und wenn das an den Augen verbundene Kind eins der 
anderen in ihren Verstecken findet, so ruft es Siem (Axt). Um 
dem Sucher ein Zeichen zu geben, dass er beginnen könne, 
rufen die Kinder „kub," wenn sie mit depi Verstecken fertig 
sind, und ebenso, wenn es ihnen nach dem Auffinden gelingt, 
den Freiplatz zu erreichen, ehe der Sucher sie greifen konnte. 

In dem Blindeknlispiel (Len pit-tha) der Kinder wird ge- 
sangen: „Die Augen sind nicht gut bedeckt; des Koboldes Gift 
will hineindringen. Pflanze das Feld und bestelle es wohl. 
Einen Samen Korns haben wir, ein, ein einziges Sämchen nur" 
(Phit-tha mai mit sura phit khao ta, tham rai tham na, dai 
khao met dioh). Die Binde über die Augen ist so geknüpft, 
dass sie in Form eines Elephantcnrttssels herabhängt. 

In dem Schlangenspiel (Len ngu oih) bilden die Kinder 
eine lange Linie, indem jedes seinen Vormann am Rücken fest-" 
hält. Der erste in der Linie heisst die Schlange (Gna), der 
zweite ist sein älterer Bruder (Phi Gnu), Der Bruder sagt: 
„Ngu Oih" (Höre, o Schlange)! Die Schlange antwortet: „Oih?" 
(was ist?) „Wo werden wir Wasser zum Trinken finden?" (kin 
nam bo nai.) „Auf dem Sande!" (bo sai.) Dann singen die 
ttbrigen im Chor: „Hierhin und dorthin wandern wir" (Jai pai 
jai ma). Der Bruder fragt wieder: „Höre, o Schlange!" Die 
Schlange antwortet: „Was ist's?" „Wo werden wir Wasser 
znm Trinken finden?" „Auf dem Stein!" Der Rest singt: „bin 
pai bin ma" (lasst uns laufen hier und dort). Der Bruder fragt: 
„Höre, Schlange!" Die Schlange antwortet: „Was ist's?" „Wo 
werden wir Wasser zum Trinken finden ?" „In der Höhle!" Der 
Best singt : „Lasst uns wackeln hierhin und dorthin" (jok pai, 
jok ma). Der Bruder beginnt: „Höre, o Schlange!" Die Schlange 
erwiedert: „Was ist's?" „Werfe das Netz, wie viel sind ge- 
fangen?" „Hab' zwei gefasst!" Der Rest singt: „Bumps, zu- 
sammengebrochen" (khrom, khrom). Der Bruder sagt: „0 
Schlange!" Die Schlange: „He he!" „Was ist das Roth und 
Schwarze da?" „Meister Geier und Madame Krähe." „Ass er 



326 Pm^ °Dd Spiele. 

den Kopf oder den Schwanz?^ „Er asa das Ganze, gerade in 
der Mitte dnrch^ (kin klang talot taa). Die Kette wird dann 
mit einem Raek gebrochen^ indem die Schlange nnd der Bmder 
die anderen Kinder^ die schreiend aas einander laufen, zu greifen 
snchen. 

In dem Spiel Xing Ngna (das Ziehen nm die Knh) stehen 
sich in der Mitte die beiden stärksten Knaben gegenüber (dek 
thi khnm)^ die übrigen schleichen anf den Fasszehen umher 
nnd singen : „Auf den Zehen, hierhin und dorthin ! Wir sehen 
eine Kuh, die Zukerrohr frisst. Wo ist sie denn jetzt?" Die 
Knaben in der Mitte fragen: „Was ftlr eine Kuh?" Die übrigen, 
in die Nähe gekommen, antworten: „Ngu dam" (eine schwarze 
Kuh) und hüpfen dann auf den Zehen wieder fort. Die Knaben 
in der Mitte sagen : „Sie fiel in blaues Wasser und ist todi" 
Die auf den Zehen zurückkommenden Knaben erwiedeni: „Ngu 
deng" (eine rotlie Kuh). Die Knaben in der Mitte reichen 
sich die Hände und singen: „Tok nam keng tai leao" (sie 
fiel in Pfefferwasser und ist todt). Die übrigen laufen in 
einer Reihe zwischen ihren Armen durch, während die beiden 
Vormänner, die immer den Letzten abfangen, fragen: „Fache 
Arai?" (Was flir einen Schlüssel willst du?), worauf dann ge- 
antwortet mrd: Einen silbernen Schlüssel, oder einen goldenen 
Schlüssel, oder einen kupfernen Schlüssel u. s. w. Nachdem 
die beiden Partheien der Kinder durch Anfassen im Rücken sieh 
gegenüberstehende Reihen gebildet haben, fragt der eine der 
vordersten Knaben: „Khai ok rümaiok?" (Wird der Schlüssel 
auch öffnen?) Sein Vis-cWis antwortet : „Maiok!" (Er wird nicht 
öffnen.) und dann fangen beide an, sich hin und her zu ziehen, 
wobei sie durch den Halt der hinter ihnen aufgestellten Kinder 
nach Kräften unterstützt werden. (Da ich dies Spiel nur bei 
den in Missionen erzogenen Kindern sah, könnte es nach dem 
bei uns bekanntem gelernt oder doch verändert sein.) 

Das siamesische Lotteriespiel ist dem chinesischen entnom- 
men, und ebenso die auf den ausgegebenen Billets bezeichne- 
ten Figuren der Dämone (Phi), Tiger (Süa) u. s. w. Darnach 
unterscheiden sich die Gewinne, nnd man hört z. B. die Leute 
fragen: „Was kam heute heraus?" wo dann die Antwort sein 



Lotterie. 327 

mag: „Die Phi!" oder dergl. Eine weibliche Figur in der 
Lotterie heisBt Meng-cha. Wie auf den Theatern, finden sich 
anch auf den Lottericioosen die Phi-bai und Phi-hua genannten 
Figuren. Thing-Xalak bedeutet: Lotterieloose (Xalak) unter das 
Volk auswerfen. Die Taxen der Spielhäuser (bon-bia), in denen 
es allein erlaubt ist, zu hazardiren, werden durch den Pächter 
(Nai-bon) erhoben, und ebenso die des Lotto. 

Wie das Kartenspiel, ist das Mak-Buk oder Schach von 
den Chinesen adoptirt, docli wird letzteres auch nach einer 
einheimischen Manier gespielt, in derselben Figurenzahl wie das 
indische. Die Chinesen schreiben die Erfindung dem Bung- 
Ong zu, dessen Sohn Bu-Ong (der achte Kaiser) die runde Form 
in eine viereckige verwandelte. Das Mak-Kcb wird auf dem 
Schachbrette gespielt, aber mit anderen Figuren. Auch kennen 
die Siamesen eine Art Damenspiel, und Totem (gescheckt wie 
der indianische) entspricht dem Domino. Aehnlich dem Stta 
kin vua (der Tiger*) jagt die Kühe) ist das mit Würfeln ge- 
spielte Mak-Jek, sowie das Len Saka, eine Art Triktrak. In 
dem Hazardspiel Len duet werden Cowrie-Muscheln wie Würfel 
geworfen, ob sie auf- oder niederfallen. 

Die Siamesen spielen gerade und ungerade, was sie Len 
ku-khi nennen. Das Würfelspiel heisst Len po und eine beson- 
dere Art desselben Len po pi-nüng. Der Bankhalter, gewöhnlich 
ein Chinese, steckt in die Höhlung des viereckigen Würfels, den 
er in einem Beutel bei sich trägt, etwas Geld, Silbermünze 
(ngön) oder Kupfer (ipeh) oder Porzellanstücke (pi) u, s. w.; 
nnd stellt den Würfel dann auf den Tisch. Die um ihn sitzen- 
den Siamesen legen Jeder einen Haufen Geldes der einen oder 
andern Art vor sich, und wer das Richtige triflPt, gewinnt, 
während die anderen Sätze eiukassirt werden. Im Sarasat be- 



*) The Karens engage (on fan«raU) at tig«r and fowl, a game resaembllDg 
dnftt, int«nded to preflgure the strnggl« of mankind with evU spirita (Maaon), 
wU das WQrfeln zwischen dem GeisterkSnig und dem Lama am Kloster b La 
brang. Bei den Chinesen sieht der Patient Kaan lo's „the north measore and 
foatti measure** Schach spielen, als er sie nm Verlingemng seines Lebens bittet 
(t. DooUttle). in Aegypten ward am die Schalttage gesptelt 



328 ^^^ ^^^ Spiele. 

rechnen die Siamesen die Chancen der Hazardspiele, Wttrfd 
and Lotterien. Das Geränsch der fallenden Würfel Q)o) heisst 
Po-Kak, und so werden die auf dem Brette gezogenen Striche 
Kak genannt. Tarn sind die Vierecke auf dem Schachbrett. 

In dem Len-Lakhon treten sowohl Männer wie Frauen auf, 
zu tanzen und singen. In den Maskenspielen der Len-Khon 
agiren nur Männer. Die Len Hun werden mit Puppen gespielt 
Len-Nang heissen Nachts bei Beleuchtung aufgetllhrte Stücke. 
In allen diesen Gattungen kann das Ramakhien (Ramayana) 
auf den Theatern gegeben werden. Dann giebt es noch Khon 
Talok oder Spässe der Komiker, Len Tjo Nang oder Zauber- 
laternen und Hun Mon Ram oder Marionetten der Peguer anter 
Feuerwerken. 

Es giebt zwei in Versen abgefasste Märchen unter dem 
Titel : Aphaiyamani, die durch den Dichter Khru Tapu bühnen- 
gerecht gemacht sind. Eine beliebte Comödie ist die Jahran 
genannte in Siam. Im Drama Thao Sannurath wird die Ge- 
schichte von Tigern und Ochsen gespielt, die, in Prinzen ver- 
wandelt, nach der von dem Insi- Vogel verwüsteten Stadt kom- 
men, wo sich der Roman Chansuda einflicht. Dieses Süa-kho 
oder Süa-kho kham kau betitelte Buch ist zum Theil in dem 
Metrum Kaphasan, zum Theil in dem Metrum Fothotsan ge- 
schrieben. 

Beim Gesang wechseln die Phleng Song in ihrem Finale 
mit der Musik (Piphat). Rong John Jao ist der rhythmische 
Gesang der Ruderer, Phleng Jao eine unregelmässige Vers- 
art. Jani sowohl wie Samö sind technische Ausdrücke ftir die 
Modulationen der Musik in epischen Dramen. Auch Rai wird 
in demselben Sinne gebraucht. Mahori ist eine sanfte Art 
Musik, die mit Glasglöckelien, Guitarren und ähnlichen Instru- 
menten besonders von Frauen gespielt wird. Die laute Musik 
Piphat mit Trommeln, Schellen, Violinen und Messingtrompeten 
wird von einem männlichen Orchester aufgeführt. Der Khru 
Dontri unterrichtet in der Musik oder Dit-si-tit-pao, d. h. dem 
Spielen der vier Hauptinstrumente, der Guitarre, der Geige, 
der Glocken (oder Gong) und der Flöte. Der Tanz (Ram) 



Das Theater. 329 

der peguanischen *) Schauspieler ist in rascherem Tempo, als 
der siamesische. Die Comödien der Tavoyer gleichen mehr 
denen der Mon, als denen der Thay , doch wird im Mon-Ram 
za geräuschvollerer Musik getanzt, als im Tavai-Ram. 

In dem Lakhon JChek (der Malayen) wird eine lange Trom- 
mel im Orchester gebraucht. Die Malayen lassen beim Spiel 
der Zauberlaternen grosse Riesenfiguren (Nang Khek) agiren, 
die bei den Siamesen nicht beliebt sind. Nang Chin sind aus 
Papier geschnittene Bilder, die mit Bindfäden bewegt werden. 
Die Nang Thai sind auf Felle eingekritzelt um im durchschei- 
nenden Licht hervorzutreten. Bei Festlichkeiten werden zur 
Sühne ausgestopfte Popanze**) umhergetragen. 

Die in den Theatern Siams aufgeführten Lustspiele sind 
zuweilen dem Chinesischen entlehnt, oder auch den Ngiu, in 
denen Könige und Krieger auftreten, doch ziehen die Siamesen 
durchschnittlich die Heldcndramen ihrer Epen vor, in der Aus- 
ftahrung eines Opera -Ballets, als Lakhon. Die Schauspieler- 
banden werden dorthin gerufen, wo ihre Mitwirkung gewünscht 
ist, und man mag in den Strassenkanälen Bangkoks der ganzen 
Truppe mit Scenerien und Musikinstrumenten in einem Boote 
begegnen, wenn die Gesellschaft umherzieht. Die Puppen der 
Marionetten-Theater bewegt der Director durch Stricke (Jant-Jol). 
Bei der Sepha genannten Singweise wird die Stimme durch ein 
in der Hand bewegtes Klapperholz begleitet. 

In den chinesischen Schauspielen, Ngiu genannt, werden 
noch die langen Unter- und Oberkleider getragen, wie sie in 
China Mode waren, ehe die That (die mongolische Dynastie der 
Mandschuh) die gegenwärtige Tracht, kurze Hosen und Jacken 
einführte. Dann wurde auch das vorher lange und nach Weise 



*) ,Jls faisaient des contorfioDs des poss^dez ayant sur le yisage des masques 
hideux,'* sagt Tachard tod dem Tanz der Pegoer bei dem LeicheDbegäDgnlss sia- 
UMtUcher TalapoineD 

**) Das Fraaenbild der Mania (der unter Tarquiniiis Superbus Knaben ge- 
opfert waren), später ein Kinderpopanz, wurde in firOheren Zeiten an die TbQren 
gehingt, am Befleckungen abzuwehren. So erhielten sich auch die griechischen 
UnterweltsgStter (wie Mormo) später nur als Gespenster im Ammenmärchen 
(s. Möller). 



330 Ffste nnd Spiele. 

der Jncn geknotete Haar in jetziger Manier in Zöpfe geflochten, 
indem nar die Frauen die alte Sitte bewahren. Die Conlissen 
der chinesiBclien Coni5dien zeigen nach heutiger Mode möblirte 
Stuben. Zu den HeldcncostUuien der Lakhon gehören ansser 
den klauenartig lang zurilckgebogenen Nägeln die künstlich 
verlängerten Ohren oder Kunohiek. Voll von ObseöniUiten sind die 
Lakhon oder Lao genannten Couiödien, in denen zwei oder drei 
Männer in gcwöhnKchen Kleidern auftreten und mit einer öfiei^t- 
lichen Dirne, die für diese Gelegenheit gemiethet ist, Zoten reissen. 

Die Bücher der siamesischen Lakhon oder Dramen geben 
nur die allgemeine Anlage des Stückes und überlassen die An;- 
lührung der Scencn dem Improvisation8talent der Spieler. Andere 
dagegen haben den poetischen Theil als Opemtext ansgesehrie- 
ben und bemerken dann dazwischen^ dass die Personen sich 
jetzt in ProBa unterh.ilten, dass hier eine Melodie in der Weise 
der Peguer, der Farang u. dgl. m. gespielt werden müsse, 
oder dass bestimmte Instrumente, die Flöte, Trommel u. s. w. 
einzufallen hätten. 

In der Both klong rong, in welchen Versen die drama- 
tisclien Epen gesclirieben sind, reimen die Endworte der ersten 
und zweiten Linie, sowie die mittleren Worte der dritten mit 
einander. In den Klong Tobkai, die in Wechselchören ge- 
sunken werden, reimen die Endworte der ersten, zweiten nnd 
dritten Reilie mit dem Mittelworte der vierten, und das End- 
Wort dieser mit dem Endworte der sechsten, längeren Linie, 
und dann, nach einer anderen Linie, beginnt ein neuer Vers. In 
dem Surang-khanang genannten Versen kreuzen sich die Reime. 
In den Phleng jao genannten Versen reimen die Endworte der 
ersten Linie mit dem zweiten oder dritten Worte der zweiten 
Linie, die Endworte der zweiten und dritten Linie reimen mit 
dem zweiten oder dritten Worte der letzten Linie, und das End- 
wort der letzten oder vierten Linie reimt mit dem Endworte 
der zweiten und dritten Linie (sowie dem zweiten nnd dritten 
Worte in der Schlusslinic) des folgenden Verses. In Birnia ist 
das (Tedich t eines Verbannten in verschlungenen Reimen ge- 
bildet, obwohl weniger künstlichem Metrum, als das des Opt»- 
tiauus an Constantiu und Crispus. In dem Both Xabang ge- 



YeTsmaasM. 331 

nannten Versen bestehen die Linien aus 16 Worten, in drei 
Caesuren von 6, 4 und 6 Worten getheilt. Die Both Jani haben 
11 Worte in jeder Verslinie, 5 in der ersten und 6 in der letzten 
Hälfte. Die Verse Surangkhanang haben drei Linien von 8 
Worten jede, und folgt eine mit vier Worten (oder Sylben). 

Die Emtegesänge (Phleng kieao khao) bilden ein Duett 
zwischen dem Vorsänger und dem Rcsponsor, worauf das Chor 
einfilllt. Wiegelieder heissen Phleng klom. Die Phleng tob 
kai werden mit Händeklappen begleitet, die Phleng heb im 
vollen Chor gesungen. Verschieden sind die Phleng Chakka- 
rava, und je nach dem gepriesenen Gegenstande kennt man Phleng 
Majura (Pfauenlieder), Phleng Hera (Delphinenlieder), Phleng 
Nok Krathung, Phleng Nok Jang u. s. w. In den SchiflFerliedern 
(Phleng Rüa) antworten alle Ruderer im Takte dem Vor- 
sänger. Die Phleng chak sind Wehmuthslieder über Abschied und 
Trennung. 

Wenn sich keine Vorschriften über Accente finden, heissen 
die Verse khlong, wogegen sich in den Sala-luen genannten 
solche niedergelegt finden. Mit dem declamatorischen Element 
der christlichen Dichter (im 4ten Jahrhundert p. d.) tritt das 
Vorwalten des Accentes über die Quantität auf, und in den 
▼ersificirten Fabeln der Byzantiner wird die Quantität mehr 
vnd mehr durch den Accent verdrängt. 

In den Nongsü-Rong oder Gesangbüchern, zu denen die 
meisten Lakhon gehören, bilden zwei Thon einen Eham. In 
jeder Linie finden sich 7, 8 oder 10 Silben, ohne Rücksicht*) 
auf Kürze oder Länge (Krahu, Lahu), wie sie in den Paliversen 
beachtet werden. Für die Abwechslung der hohen und niederen 
Accente gelten bestimmte Gesetze der Stellung, zu deren Er- 
iSnterung in den Lehrbüchern Schemata beigefügt sind. Hin- 



*) Naeb Weil und Benloew war die antike Betonnogsweise wesentlich musi- 
kaUsch. Zu Serrioi' Zeit unterschied man nicht mehr lange nnd kurze, sondern 
onr hochbetonte nnd tiefbetonte Silben. In der TolksthOmlich-christlichen Dich- 
taug der letzten Zeiten des rumischen Kaiserreichs bildete sich das accentuirende 
Prtncip der Versknnst ans, das dann auf die romanischen Sprachen überging 
(b. Gomen). 






:{32 Feste iiud Spiele. 

sichtlich der Endworte gilt die Regel, dass ßie in der ersten 
Linie zu der Klasse hoher oder mittlerer Bet4)nung gehören 
müssen. Die Keime werden in mannigfachen Krenznngen ver- 
theilt. In dem NongsU-ahn enthält jede Linie dnrchr^chnittlich 
10 Worte, i\ir den dcdamatorischen Fall der Stimme, der 
nicht mit der an die Bedeutung geknüpften Tonliöhe interferiren 
darf. Die Pathu genannten Verse wiederholen in Abkürzung 
das in dem Vorgehenden Gesagte. Die von Sri Mnngkhalachan 
in Xiengmai verfassten Bücher, die V^uttho betitelt sind, handeln 
von Versen und melodischen Verbindungen der Buchstaben, 
wobei sieh die Vuttho-thay speciell auf die Eigenthümlichkeiten 
der siamesischen Sprache beziehen. 

Ein Laos aus Viengchang gab folgendes Liebeslied: 

„Hör', thcures Mädchen, o hör'I Wie schmachte ich nach 
dir, sehnsüchtig und lieiss bewegt nach deiner Umarmung ver- 
langend. Wozu die Scheu, wo feurige Liebe drängt. Wenn wir 
aus traulichem Beisamuiensein uns erheben, wirst du den ver- 
süsstcn Reis der Reue essen. Auch dein älterer Bruder wird 
essen. Wir werden uns damit sättigen, und dann ist Alles ge- 
büsst, dann bleiben wir stets vereint." 

In siamesischen Liebesliedern wird der geliebte Gegenstand 
oft als eine Person mit zwei Fleischarten gepriesen (Khon ntla 
song ni), ein Epithet, durch welches man die leicht gebräunte 
Farbe bezeichnen will, die den Teint eines zarten Mädchens 
überbreitet, wenn dieselbe nach langem Aufenthalt in den 
Frauenzimmern zum ersten Male ihre feine weisse Haut der 
Luft und Sonne aussetzt. 

Ein anderes Lied des weissen Laos (aus den Nongstt lehn 
mohn) ist folgendes : 

„0, du, der schwellenden Lotus gleich, dem ruhigen, stillen 
See, du gleich dem bräutlichen Festeskranz, dem prunkenden 
Königsboote gleich, das, strahlend von der Herren und Krieger 
Glanz, des Blumenschmuckes Fülle trägt. Du, die kein Name 
genügend preist, o komm, du Langersehnte, komm. Blumen za 
pflücken, wandert der Bruder umher, Blumen dem Engel (The- 
phada) darzubringen. Wirst du niclit Theil zu nehmen wünschen, 
seine Arbeit theilenV Fern bist du geboren, fern inMyangHo 



Liebeslied. 333 

(an der Grenze Junan's), du hier so allein, dein Bruder sah 
das Licht in Myang Thai (Siam), lass denn uns Beide , die 
weite Entfernung überwindend, ein Herz und eine Seele sein, 
zusammenlebend. Du zögerst noch, du schwankest? Ich stehe 
hier ein schmachtender Brunnen, und warum denn doch kommt 
das Wasser nicht zu mir herabgeflossen, meine heissen Wünsche 
zu stillen? Ah, du bist zu kostbar, zu edel für einen Armen 
und Elenden, gleich deinem älteren Bruder hier ! Nur die Augen 
mögen auf dich blicken, aber für jede Andere ist mir die Hoff- 
nung todt. Vergebens meine trügerischen Pläne, dich als Gattin 
heimzuführen. Zurückgestossen und verachtet werde ich in 
die Finstemiss hinauswandem, auch das Licht der Sterne fliehen, 
zu vergessen, dass du mich hassest. Die aus früheren Ver- 
diensten herführenden Wege unserer Geschicke scheiden sich 
weit von einander, sie werden nie zusammentreffen. Wie wäre 
eine Vereinigung denkbar zwischen dir, so klar und so rein, 
wie des Stromes spiegelndes Wasser, und mir, dem erbärmlichen 
und jämmerlichen Wichte. Du so edelgeboren und stolz, ich 
arm und gemein. Der Wahrsager mag entscheiden, wie daraus 
ein Paar werden kann. Dann erst werde ich deine Gesinnung 
kennen. '^ 

„Erhabene Phum-Narin, erhabener Kinara, ihr, o ihr Herren ! 
habt kein Erbarmen für den Elenden, kein Erbarmen ftlr mich. 
Fort zog mein Bruder, getrennt von meinem Bruder, wehe mir 
armen und einsamen Manne. Herrin Phum-Narin, Herr Kinara, 
endlos ist mein Kummer, und naht sich kein Trost. Schwer ist 
die Last zu tragen, die Erinnerung au die fernen Freunde und 
Lieben, schwer für den armen, den einsamen Mann.'' 

(Ein Phleng-Song oder Heimathslied.) 

Phum-Narin sind die Weibchen, Kinara die Männchen der 
Einaret genannten Flügelwesen. 

Phleng Chak (Abschiedslieder). 

„Ach, über das Unglück, aus früheren Sünden her treffend. 

Der jüngere Bruder hat den älteren Bruder zu verlassen, er 

muss Abschied nehmen. An ihn, den geliebten Bruder, denkend, 

ffiessen die Thränen (Nam tai oder Wasser der Augen). der 



334 ^^^^ und Spiele. 

Erinnerung; dem Gedanken^ nicht mit ihm verbunden zn bleiben^ 
werde ich erliegen." „Ach, über das Unglück, aog früheren 
Sünden her treffend. Der Bruder hat den Bruder zu verlasaen, 
er scheidet von dauuen. In meinem Innern strömen ohne Anf- 
liören durstige Quellen, des Tages noch gedenkend, an dem wir 
uns trennten." „Als Folge früherer Sünden ist es verhängt, 
dass der Bruder, vom Bruder verlassen, einsam und allein blei- 
l)en muss. Wer kann es sich aus dem Sinne schlagen and 
vergessen? Wer kann die Trauer der Erinnerung abschütteln?'' 
„Als Folge früherer Sünden hatte der Bruder den Bruder so 
vorlassen. Weit getrennt ist der Bruder in ferner Ferne. Wie 
ein Sohn seine Mutter, werde ich dich stets in der Erinnerung 
tragen. Noch ein Wort beim Abschied, zwei Worte beim Ab^ 
Hchied, und jetzt ist es vorbei, und wir sind getrennt von einander. 
^ iiört es, ihr Knaben, ihr Miidchen. Allein, verlassen stehe ich. 
Wer kennt Freude, fern von seiner Mutter?" 

Erntelieder (Phleng kian). 

„Mühet, ihr Schnitter, müht Wendet nicht den Kopf, umher- 
zublicken, ihr werdet euch mit der Sichel die Hand zerschnei- 
den." „Muht denn. Alle mit einander, mäht, kein Gaffen, kein 
Umherschauen. Kommt, mäht, mäht Alle zusammen. Dicht steht 
noch der Reis. Seid eifrig im Mähen, helft einander, wett- 
eifert zusammen. Packt eine tüchtige Handvoll an Garben. 
Noch stehen alle Furchen von oben bis unten mit Aehrcn volL' 
„Auf denn, gemäht, ihr Schnitter. Wir drei, so- allein hier, wir 
sind gar zu wenig. Der Reis steht dichtgedrängt, dicht mit 
Unkraut, unterwachsen mit hohem Gras. Man könnte muthloB 
werden." „Wenn ihr geschnitten, wenn ihr gesammelt habt, 
bindet die Garben fest mit Schnuren zusammen. Ladet sie auf, 
tragt sie Iiinweg. Dreht nicht den Kopf herum, nach Liebchen 
zu l)licken. Nur auf deines älteren Bruders Worte sei auf- 
merksam und bedacht." „Vorwärts, gemäht, Alle mit einander, 
mäht doch, so mäht. Hell sind jetzt die Nächte mit dem Lichte 
des Vollmonds. Das ist eine gute Zeit für euch, ihr Jünglinge 
und Mädchen. Dann mögt ihr euch bewirthen und in Spielen 
erlustigen. Rasch, rasch, kein Verzug, vorwärts, nur vorwärts !** 



Erate^estn«. 335 

„Man hat mich hier allein gelassen; ganz allein und einsam. 
Wie still ist's um mich her^ ich fUhle unheimlich. Ein schlechter 
Platz zum Mähen hier, wo das Gras so hoch steht und so 
dicht mit dem Reis vermischt. Die Schaaren der Krähen und 
Habichte leisten mir Gesellschaft, statt der Gefährten des Hauses.^ 
jfUsL, da ist sie, mein liebes Schwesterchen. Laut ruft der Bruder 
ihr ZU; komm doch und helfe mir hier. Zeige dich deinem 
Bruder freundlich, erlrische sein armes Herz und gieb ihm Trost. 
Komm herbei und helfe mir im Mähen^ den Reis nach Hause 
zu tragen. Nicht so lässig." ;,Da fliegen die Vögel in Schaaren 
herbei; die Körner zu fressen. He da, kommt doch hieher und 
helft mir im Mähen. Lasst uns durch unser Geschrei die Vögel 
verscheuchen. Verjagt die Krähen, treibt sie fort von der Fläche 
des Feldes. Alle mit einander lasst uns in einem Haufen auf 
sie zulaufen, sie mit unseren Steinen zu schrecken, hoch die ^ 
Sichel in der Hand schwingend." „Aut, auf zum Mähen. Wer -j 
mäht denn am Besten? Chinesische Kuchen (Khanom Ghin) 
gebe ich ihm und süsse Brühe zur Tunke. Ich bin dabei, Alles 
appetitlich in Ordnung zu machen. Auf; fleissig im Mähen. 
Wer ist der Beste? Nicht gefeiert, mein hübsches Kind." 
^Heiss brennt die Sonne. Der ältere Bruder setzt den breit- 
krempigen Hut auf. Hier am Wege muss ich ein wenig rasten, 
denn ich bin völlig ermüdet. Mit der Anstrengung des Schnei- 
dens habe ich den Athem verloren und schnappe nach Luft. 
Lrt kein Schleifstein da ? Ich muss meine Sichel schärfen. Au, 
uUf als Folge früherer Sünden, habe ich meine Hand zerschnitten, 
sie hängt nur noch in Fetzen. Ihr müsst kommen und mir in 
der Arbeit helfen. Wir wollen nicht träge sein, nein, gewiss 
nicht, immer heran, heran." „Dort Spielen sie statt zu mähen, und 
treiben Scherze. Das ist wirklich schön. Warum kommt ihr 
nicht und helft mir im Mähen? Da guckt der Mann nach der 
einen Seite und die Sichel nach der andern. Es ist jammervoll, 
solch' faole Gesellen vor sich zu sehen." „Frisch auf zum Mähen 
mit kräftiger Hand. Auf, in die Wette mit jenen dort. Eifrig, 
eifrig dabei, nicht so langsam, dass wir nicht geschlagen und 
beschämt werden. Unser der Gewinn." 



336 Feste und Spiele. 

PhlcDg Heh (GescIlBchaftsIieder). 

^Hc, ho, was nnn? Meister Pelikan will ich besingen. 
Da ist er mit den Federn alle verstört. Unser Vogel will ein 
Ei legen, wie es selieiut." „He, ho, ich werde den Fischreiher 
besingen. Da haben sie ihn schon gepackt. Ach, mein Vogel 
hat die Flllgcl übereinander gekreuzt." ,,He, ho, and nnn über 
den Pelikan, wie steht's mit ihm? Der Bruder hat ihn schon 
treftlich auf dem Korn." „He, ho, die Cigarren lasst uns be- 
singen, das ist ein würdiger Gegenstand. Sieh, ein ganzes 
Bündel von Cigarren, und hast du wohl noch mehr davon? Wie 
solltest du nicht." „Diese Cigarren in ihren Bündeln, wie hübsch 
und wie schön, und wenn ich dann auf dich blicke, o den Be- 
sitzer dieser Cigarren, so erscheinst du mir schöner, als ein 
Kinara." 

Ein oft besungener Vogel ist der Nok Krathung (Pelecanns 
Philippcnsis). 

Phlcng Rüa (SchiflFerlieder). 
„Rudert, genidert, ihr Rudergefahrten. Stark läuft das Wasser 
in der Fluth entgegen. Nicht länger wahrlich können wir 
rudern." „Rudert, gerudert, ihr Rudergefahrten. Um die Wette 
zusammen, lasst es nicht spät am Abend werden. Kommt, Alle 
zusammen, rudert, rudert, rudert an." „Auf denn, gerädert, ihr 
Herren, vorwärts. Schon müde und fertig. Ei was, ei was. 
Um die Wette mit einander, vorwärts, fort, fort." „Rasch nnn 
die Ruder bewegt, ihr Ruderer. Schon steht die Sonne dem 
Mittage nahe. Losgerudert, ihr Alle denn, rudert, gerudert." 

Phlcng Chakrava (Gesänge im Kreise). 
„GruRS dir armer Bruder, oh. Du meine stete Liebe, mein 
geliebter Bruder, du. Ohne Ende rinnt unsere Liebe, die Augen 
rinnen in Thränen." „Gruss unserer Gesellschaft! Von Weh- 
inuth überkommen fiicssen die Thränen in zwei Strömen nieder. 
Mein Herz ist mit Augenwasser überschwemmt. Ach, ach." 
„Dir meinen Gruss, liebliche Schwester. Liebchen, der E- 
nari gleich, komm herab in das Wasser, im Strome zu spielen." 
„Meister Vogel mit gelben Federn, wenn die Nacht kommt^ 



Lieder. 337 

musst du zum Walde wandern, da hast du dir dein Schlaf- 
gemach zu suchen, im Walde, mein Vttgelchen." „Dicht sind 
die Betten zusammengerückt. Der edle Held (Khun Xang) liegt 
im tiefen Schlaf. Verloren ging sein magischer Beschwörungs- 
zauber. Wende hicher dein Köpfchen, o Geliebte, blicke auf 
deinen Bruder." „Der Gruss ist im Kreise herumgegangen und 
kommt zu mir zurück. Nach dieser Seite deine Augen, mein 
Liebchen. Heissgeliebte , jetzt wollen wir uns begrUssen, 
zärtlichst Ersehnte!" 

Phleng tob kai (Lieder mit Händeklatschen). 
„Gespielt und gesungen und Hände geklappt, am Kopfe 
geklappt, an den Schultern geklappt, am ganzen Körper ge- 
klappt. Euer Geld hat noch nicht seine Erscheinung gemacht. 
Heraus damit. Es ist auch gutes Geld. Lasst uns drum spie- 
len." „Vogel Ijeng (Ibis^, du hütest den Büffel, wenn er weidet. 
Dein Vater und deine Mutter sind tpdt. Sie haben dir deinen 
Haarbüschel zur unrechten Zeit abgesclioren. Du Vogel tirtiri 
hier, tirtiri da. Du kleines nützliches Vögelchen, gehe und 
bete, sage deine Sprüche her. Die Bücher sind alle durch und 
durch nass. Wenn du schreist, hüte dich vor dem wilden Ele- 
phanten. Er geht umher, die dicken Scldlfe zu fressen." „Warte 
doch ein wenig. Ein Söhnlein ist geboren. Mach' Püppchen 
flir ihn, aus Lehm geknetet. Da sitzen die Puppen alle in einer 
Beilie. Sie sehen ihre Weiber herauskommen, und da platzen 
sie alle ans vor Lachen, ha, he, he, ha." 

Phleng Nok Krathung (Pelecanus Philippensis). 
„Meister Reiher (Nok Krathung) mit den weissen Federn, 
mit dem langen Schnabel, du wanderst und wackelst umher. 
Bald fliegst du nahe der Erde, bald schwebst du im Gleich- 
gewicht; dann kommst du purzelnd herabgeschossen und suchst 
dir Fische zur Nahrung und Speise. Jetzt folgt er dem Laufe 
des Baches entlang, von einer Seite zur andern wankend, jetzt 
steht er und ruht. Herab kömmt er, längs der Fluth zu jagen, 
nach Fischen auszuschauen. Nun hält er an, er fUngt an zn 
schwimmen, er wirbelt umher und dreht sich rundherum am. 

Oattlan, Holte In SlAin. 111. 22 



;{38 FeRte und Spiele. 

Dir Fisilic oiittlielion nach allon Seiten , sie fltfeliten , und der 
Vo^'l drelit sich riiii(Iheriini iini.'^ 

Phlenp Nok XongliDJ. 
Meister Xon^hoi, (h^in Seiniahel ist Ja puiz krumm, er siebt 
frerade ans wie ein Löi}\-\, eben so knnnni und verbogen. Darum 
heisst dn wc»hl Xok {Vo^ell Xon^hoi. Hinter dein Hau8e da 
Rtehst du und laelist. Du issest nur Krehse und Krabben, ksmost 
du (hivon satt wenh^nV An» Vormittag dann wandert er umher, 
seine Nahrun«: auf <ler Knh' zu suehen. eifersUehtig: für sich 
allein, den Mund '/usinnrnen«cei)resst. Wenn du eins der Ll»cher 
triflst, von den Krabl)en aus^eliiihlt. dann bist du emsig dabei, 
sie auszup'aben. 

Pillen^ Xok Jang. 
Jli'ir', o Vo«rel, hi)r\ o Vo^el Jang. Wir treffen dich auf 
der Mitte der Felder mit deinen weissen Federn, mit deinen 
weissen Feilrrn kömmst du lierl>ei, zuzuschauen^ wenn wir 
Zeuge aus naumwollenrä<U*n wel»en. Wir treffen dich an den 
Ufern des Sees, da schaust (hi uns zu un<I liältst Wacht über 
Fische und Kral)i)en. So oft die Fische hervorkommen und ans 
dem Wasser auftauclien. packst du sie und schleppst sie mit 
deinem Sjhnal)el heraus, sie zu verzehren. Oh, Vogel, was dich 
betrifft, so stellt dein Sinn dahin, zu tiidten und zu zerstören, 
Geschr»pfc zu trulten, die Leben haben, nämlich Fische und 
Krabben. Sündhaft sind deine Xeigungcn. bedenke das wohl. 

Phleng M aJura (der Xok-Yung oder Pfau heisst in der Dichter- 
spräche MajuraV 
Ich werde den edlen Pfauen besingen, den schöngcstalteten 
Vogel im CHanzc» seiner l)Iauen Federn, die in vielfachen Farben 
spielen, sanft und zart. Schön bist du vom Kopf zur Zehe, 
hellstrahlend gleich des Elephanten furchtbaren Hauern, flat- 
ternd in der Luft 8chwel)end, kein Vogel ist dir vergleichbar. 
Wenn er in der Höhlung des Haunies sitzt, so schauert sein 
ganzer Körper gleich JeneU; die, ihr Bild im Wasser erblickend, 
sich erschrecken. Dann nähert er sich seinem Gefährten, und 



Kinderreime. 339 

sie Bpielen, sie sclicrzcn in des Abends Kühle. Dann, wenn sie 
ausgehen für Speise, die Pein des Hungers zu stillen, so ist 
nichts zu essen da, ausser dem Harz der Bilunie. Verzvyteiflung 
kommt dann über sie. Was kann geschehen, das Leben zu er- 
halten und das drohende Unglllck zu ttberwinden? Oh, mein 
edler Bruder, ertrage es mannhaft, lass nicht Schwache über 
dich gewinnen! 

Phleng Hera. 
Ich werde vom Hera rDrachen-Crocodil) singen, das, unter 
den tiefen Wassern lebend, dort umherwandert und in der Höhle 
zur Ruhe rastet. Es ftliilt grossen Hunger, aber nur Gemüse 
und Fisch giel)t's zu essen, und das ist nicht sein Geschmack. 
Die Abendzeit denkst du, ist passend für dich, o Hera, du ge- 
fährlicher Geselle. Du hast keine Freunde, o Hera greulichen 
Angesichts, Niemand füttert dich. Gleich dem Alligator wan- 
derst du umher, um dich mit Menschenfleisch zu nähren. Fy 
des Mens(?henfressen8, das ist deine Seligkeit. Der Mensch be- 
trachtet die Thiere mit gütigem Freundesblick, du aber, o Hera, 
bist eine gefährliche Bestie. WeiF in deiner Höhle, dort, wenn 
die Thrllnen rollen, nähre dich mit den Wassern deiner eigenen 
Augen, Hera. Wahrlich, gieb' Acht auf deinen sündhaften 
Lebenswandel und solch' verbotene Si)eisen: 

Phleng kong dek (Kinderreime). 
Frau Mäuslein im Loche, da liegt sie, da hält sie Wacht. 
Ein Baumstamm ist über den andern geworfen. Mäuschen trip- 
pelt darauf entlang zum Nest der Henne hin. Die Eier zu 
essen, bricht sie die Schale ab und knuppert dran herum. Da 
ist eine Brücke, aus Spänchen gebaut fttr unsere Maus, darauf 
spazieren zu gehen. Aber Madame Maus geht nicht denselben 
Weg zurück, wie sie gekommen. Sie hat ihren älteren und 
jüngeren Bruder getroffen ; die sind jetzt lustig daran und essen 
den Reis, den Reis nut Arsenik gesUsst, und wenn sie gegessen 
haben, so kauen sie Areca und Betel. Beide Backen sind ge- 
pfropft voll. Der bunte Zeuglappen hüngt herab und schwingt 
umher. Frau Maus (Nang Nuj, Fran Nan, Frau Chan, du 



340 ^®*^ ^^^ Spiele. 

Fräulein Mäuslein du. Mit Lotus, mit Blumen, mit dem Kopf 
des Krai-Fisches werden wir sie einladen, wir laden sie ein 
mit Kränzen und Guirlanden. Ihre Nase ist krumm wie ein 
Haken. Dort hat sie ein Ei unter sich. Sie legt sieh da nie- 
der unter dem Baumstamm. Wann mag sie wieder hervorkom- 
men? Wer kann es wissen, wer mag es wohl rathen? 

Frau Katze (Nang Meoh) hat geschickt, um die Küken zu 
bitten. Ihr mttsst nicht um solche Dinge bitten. Sie hat Frttchte 
verlangt, sie hat heiliges Wasser (Nam mon) verlangt. Frau 
Katze will sich besprengen und taufen. Wenn der Reis niclit 
mit Besprengung geweiht ist, wird Theuerung kommen. Nur 
eine einzige Kartoffel ist noch übrig. Ihr Herr Gemahl hat 
eine Biene gefangen, er hat sie gefangen und fortgetragen. Aber 
die Biene hat ihn gestochen, und er ist gestorben. Hör*, Frau 
Katze, verkaufe deine Kinder nicht. Sie stehen jetzt niedrig 
im Preise. Die ganze Stadt, ein jedes Haus ist voll damit. 
Felder und Ebenen werden sich mit Reis grüngelb färben. Reis 
und Fisch kommen von selbst hieher. 

f» Phleng Klom (Wiegenlieder). 

^ „Schlaf denn, so schlaf, die Mutter wird in Schlaf dich 

wiegen. Mein lieber Kleiner wird nicht schreien. Schlaf, 
Kindchen, schlaf, du weiches, sanftes Ding. QuUle nicht Mat- 
ter, um Milch zu saugen. Eben erst hast du getrunken. Ge- 
lacht und lustig? Nun, so iss und dann wirst du schlafen.'' 
„Der weisse Vogel singt vom Morgen bis zur Nacht. So singe 
denn, wir werden deinen Tönen lauschen, bis es spät am Abend 
ist, wir beide hier, das kleine Herrchen und die Mutter. Der 
Habicht fliegt hoch, hoch auf zu den Wolken. Welcher der 
beiden Vögel ist nun der beste? Schlaf, Kindchen, schlaf!" 
„Da ist ein Kloster mit der Kirche voll von Figuren. Im Gar- 
ten steht ein Palmbaum, eine einsame Palme. Mutter Krähe 
kämpft mit Mutter Rabe um das Nest. Wer wird zuerst auf- 
fliegen, wer wird als Zweiter folgen, wer will das Nest bekom- 
men? Schlaf, Kindchen, schlaf!" „Kanin-Vogel mit gelben 
Federn, so weich und zart, wenn die Nacht kommt, wo wirst 
du schlafen? In dem Dickicht der Büsche, da ist des Vogels 



Sclilaflied. 341 

Nest. Schlaf, Kindchen, schlaf!'* „Sperling mit gelbem Kopf, 
du isst air den Keis auf den Feldern der Stadt, Alles ist auf- 
gefressen , Alle in der Stadt sind arm. Da ist Niemand, dich 
fortzutreiben, und Alles ist aufgefressen." „Curcu^ia- Vogel 
(Nok Khamin), du möchtest die Früchte der Pipul essen. Und 
wenn du sie gegessen, dann fliegst du hinweg, hoch auf in die 
Luft, der Pipulbaum bleibt alleinstehend zurück." „Mit den 
Gewichten wollen wir dich wiegen, mit dem Holze des Fimis- 
baums, bis zur Feinheit von zwölfkaratigem Gold (12 Nak) 
wollen wir dich wiegen. Da ist kein Anderer, wie mein Söhn- 
chen, Keiner wiegt ihn auf, dich, den einzig geliebten Sohn 
seiner Mutter. Schlaf, Kindchen, schlaf!" „Mit Gewichten 
wollen wir dich wiegen, wollen dich in den Schalen >viegen. 
Ob er schwer sein wird, ob er leicht ist? Wir werden jetzt 
sehen, wie hoch du kommst. Da ist kein Anderer, gleich mei- 
nem Söhnchen, der Mutter allertheuerstes Kind." „Goldsöhn- 
chen, mein goldenes Söhnchen, da läufst du den ganzen Tag 
amher in der Sonnenhitze. Wenn du heimkommst, dann wirst 
da schreien, du zartes, kleines Dingelchen, du Väterchen mit 
dem weichen Köpfchen. du Einzigster, um den deine Mutter 
Sorge trägt." „Hübscher Säugling, kostbares Kleinod, du wächst 
und wächst und bist bald deiner Mutter zu schwer. Da ist kein 
fc älterer Bruder oder Schwester, der dich umhertragen könnte. Da 
lärmt er nun, mit voller Stimme, den Mund weit offen. Du 
|t muttt einige Freundchen zum Spielen haben, lieb' Väterchen, 
f du, der einzigste Schatz deiner Mutter." „Mein Väterclien, mein 
Lieber, Liebster, mein Liebenswürdiger, wird ungeduldig. Alle 
sind dir gut. Alle lieben dich. Oh, theuerstes Herzenssöhnchen 
deiner Mutter, ihr Eins und Alles." 

„Der Vogel flog fort, der im Winde sich drehenden Staub- 
wolke gleich aufwirbelnd und in die Lüfte steigend. Von fern 
erblickte er eine Gruppe schattiger Bäume, und als um Mittag 
die Sonne heiss zu brennen begann, senkte er sich in den küh- 
len Schatten hinab, wo er geschützt und vergnüglich auf den 
Zweigen sass, die süssen Früchte mit seinem Schnabel herab- 
pickend. Seine die Gluth fernhaltende Laube war mit den 
Goirlanden der Winden geschmückt, die sich umherschlangen. 



342 ^^^ ^^^ Spiele. 

WO zwischen den Blättern die Sonnenstrahlen glitzerten. In 
dichten Trauben hingen die Janibosia-Früchte nieder, reif zum 
Abfallen und in dem Sdinielz vielfacher Farben glänzend; gleich 
buntstrahlendcn Juwelen hingen sie da, in Reihen schön und 
licblicli, wie sie niclit prächtiger den Bogen des Tansend- 
äugigen zieren (Pre oderlndra ). Im Genüsse ergötzt, entfaltete 
er aufs Neue seine Flllgel und flog fort in die Oefiiiungen des 
dichten Wahles hinein. Dann sah er die stolzen Thtlrme des 
Palastes liodi in der Luft schwimmen, erhaben und kostbar, und 
dem himmlischen Schlosse des mächtigen Chakkravan vergleich- 
bar" u. s. w. (Aus einem Roman.) 

Am Hofe des Königs von Pharanasi lebte ein Brahmane 
in der Stellung eines Parohit, der während des Dienstes am 
Tage die Vorschriften übertrat und verbotene Speisen ass, bei 
Nacht aber streng die Gebote beol^achtete. Nach seinem Tode 
wurde er im llimaphan wiedergeboren, in dem Parke der Mangoe- 
Bäume, wo er während des Tages einen Palast zu seiner Er- 
lustigung vorbereitet fand, mit Gold ausgeschmückt und mit 
J6,(KK) Mädchen versehen, gleich denen der Thevada. Bei Nacht 
aber wurde er in einen Prcta verwandelt und ging heulend umher 
mit gekrümmten Händen, greulich anzusehen. 

„Einst gab es iVH) Damen, die die Sin (Vorschriften) streng 
und Tag für Tag beobachteten. Eine derselben war indes» 
schlechtgcsinnt und i)rach die Ehe in ihres Gatten Abwesenheit 
Als er bei seiner Rückkehr davon hörte, verschwur sie sich, f 
sagend: „Wenn ich Ucbclcs gcthan, so mögen mich für 500 
Existenzen die Hunde zerbeissen." Als der Gatte sich an ihre 
Gcfiihrtinnen wandte und dieselben befragte, wichen alle seinen 
Fragen aus, sprechend, dass wenn sie etwas wUssten, sie fUr 
jene r>(H) Existenzen die Dienerinnen der Andern sein möchten. 
Als jene dann starb, wurde sie, kraft der geübten Tugend- 
beobachtungcn, in einem Palaste (Viman) des Pa (Waldes) 
Himaphan wiedergcl)orcn , und die ül»rigen ;XK) Damen um- 
gaben sie als Gefährtinnen. Bei Tage genossen sie Glück und 
Freude, bei Nacht verfielen sie traucrvollen Leiden, denn die 
Hunde l)isscn und frasscn sie. Wenn die Hunde den Leichnam 
zerfetzt hatten, wurde er in die See geworfen, und dann erstan- 



Mahosoph. 343 

den sie neu am nächsten Morgen in den luxuriösen Gemächern 
ihres Palastes. Eines Tages ging der König von Benares nach 
seinen Gärten, um Mangoes zu essen, und die Dame «treifenü^ 
blieb er bei ihr. Um Nachtzeit ging die Dame hinaus, um von 
dem Hunde gebissen und zerfressen zu werden. Als der König, 
der ihr nachgegangen, dazu kam, hieb er den Hund in zwei 
Stücke, aber beide wurden lebendig als zwei Hunde. Er zer- 
hieb sie in vier Stücke, und siehe! da waren vier Hunde, bis 
zuletzt die Zahl auf ofM) Hunde wuchs und die Dame damit 
von ihren Leiden erlöst war. Der König warf den Leichnam 
in die See, und aus der See ging eine schöne Frau hervor, die ; 
in ihren Palast zurückkehrte." Nach dem Hyndluljoo wurde 
die Königstochter Signy (in Rogoland) durch ihre Stiefmutter 
Hildr in eine Hündin (Hyndla) verflucht, bis Prinz Asmundr 
sie durch Verbrennen des Hundsgewandes aus dem Zauber er- 
löste. Nach mecklenburgischen Volkssagen fährt Frau Goden 
oder Frau Gaudcn auf die Jagd in Begleitung ihrer in Hunde 
verwandelten Töchter (s. Günther). 

„Die Mutter sieht in ihres Söhnchens Hand einen Büschel ''' 

medicinischer Kräuter (Osopli) und fragt: „Geliebter Sohn, was 
kamst du da zu bringen?" Er antwortet der Mutter und giebt 
ihr Bericht. „Was ich hier bringe, himmlische Arznei ist es, 
den Menschen zum Heil zu dienen, die an Krankheit leiden, 
besonders am Aussatz. Er wird rasch verschwinden bei der 
Anwendung, o Mutter." Dann hebt er sich auf und reicht 
es der siamesischen Mutter. Die Mutter empfängt die Arznei. 
Sie läuft zum Gatten, der schon seit sieben Jahren am Fusse 
leidet. Freudig kommt sie un<l sagt; „Unser Söhnchen hier 
hat sein Verdienst offenbart, als aus dem Gesetze entsprossen. 
Kaum geboren, redete er zu seiner Mutter und brachte, aus dem 
Uterus hervorkommend, einen Büschel himmlischer Arznei mit 
gich." Der Sethi greift nach der Medicin, erfreut im Herzen. 
Er lässt sie auf einem Stein zerreiben, im Wasser auflösen. Er 
legt sie auf die Stirn, und aller Schmerz ist fort, fort und 
verschwunden, wie der Thantropfcn, der an der auflilühenden 
Blume hängt, und in dem darüber wehenden Winde verdunstet. 
Die Menschenmenge; mit Krankheiten beladen ; versammelt 



344 P^te und Spiele. 

sich am Hanse des Sirivattha-Scthi , der die Hinimelsmedicin 
unter die Leidenden vertheilt. Alle empfangen die göttliehe 
Arznei in Demntli. Sie reiben damit den Kopf, den Körper. 
Der Aussatz, die Geschwüre und Schwellungen, das Asthma, 
das Erbrechen, die Winde, die Auszehrung, die (lelbsucht, alle 
Leiden sind curirt. Die Menschenmenge, jetzt gesund und 
heil, preist in segnenden Worten den Sethi, ihm Wohlergehen 
wünschend, und kehrt nach ihren Wohnungen zurück. Der 
Sethi versammelt die Verwandten, die Gesellschaftsgenossen, 
für das glänzende Fest, um dem Kinde seinen Namen beizulegen, 
der Arznei entsprechend, die es bei der Geburt in den Hllnden 
trug. Nicht wird ihm ein Name gegeben von dem Stamme 
(krakun), nicht Vater und Mutter sind Pathe, nicht Grossvater 
noch Grossmutter. Es erhält seinen Namen von der Mediein 
und wird Chao Mahosoph genannt. Dann sagt der Vater, in 
Weisheit überlegend: „Mein neugeborener Sohn hat mit seinem 
Ruhme die ganze Stadt, alles Land erfüllt. Wie es scheint, 
wird er bei seiner Geburt nicht allein in Existenz getreten sein. 
Da werden noch andere Knaben gleichzeitig die Welt erblickt 
haben, bestimmt für meinen Sohn ein Ehrengeleit zu bilden.'' 
Nachdem er so nachgedacht hatte, schickte er Boten in die 
Wohnungen der übrigen Sethi, und siehe! es fanden sich Neu- 
geborene ein Tausend, zu Gefährten bestimmt. Sie traten 
gleichzeitig in's Leben, die Gefährten und Diener des Mahosoph 
zu sein, befestigt im Gesetz der Väter, berühmt und gefeiert, 
wie von hoher Freude bewegt." Die Existenz des Mahosoph 
führt l)esonders Buddha's Charakter als Wundarzt durch in einer 
an Edessa erinnernden Weise. Doch wird er auch sonst mit der 
Heilkunst*) in Beziehung gesetzt. 

Suphasit (Gute Lehrenj: „Wenn niedrigen Standes, strecke 

*) When ßiidhu left the tree Kiripahiriike, the god Sakdewirajun, who had 
becoDie anquainted with the wish of liudhu, offered tu hiui the medicinal gal- 
nui and the root of the Nalijedawetu aud the water of the river AnukattewiUe, 
with which he washed his face (nach Rajah-Paxe). Der von Syrien bis lum NJed 
wandernde Solibah-Stamm (von Saleeb oder das Kreuz) bewahrt (nach PalgraYf) 
Spuren des früheren Christenthunis und ist bei den Arabern für medidnischo 
Kenntnisse berühmt. 



Suphasit. 345 

dich nicht; gleich den Pfauen ^ die ihr Rad schlagen und um- 
herstolziren. Halte dich ruhig und bescheiden ^ gleich einem 
verschämten Mädchen. Wenn du dich kleidest, achte darauf, 
dass das Zeug dem Körper gut anpasst, um hübsch und nett 
auszusehen, unter richtiger Mischung der Farben. Das kos- 
metische Pulver für das Gesicht muss nach dem helleren und 
dunklerem Teint gewählt werden. Achte darauf, ringsum den 
Haarbüschel des Kopfes Alles glatt rasirt zu halten. Trage 
Sorge dafür, dass die verschiedenen Stücke des Anzuges gut 
mit einander harmoniren, und dann, wenn du mit eleganten 
Manieren, aber ruhig und anspruchslos einhergehst, werden die 
Leute, durch deinen Anblick entzückt, dich preisen und mit der 
zierlichen Erscheinung eines Schwanes vergleichen." Von den 
guten Lehren der Suphasit, die sich auf Anstandsregeln be- 
ziehen, giebt es eine grosse Menge in der siamesischen Literatur, 
und daneben findet sich die Moral im Dhammapadam, dessen 
Sittengesetze Diatheken bilden, gleich denen des alten und 
neuen Bundes in den Testamenten. 

„Komm her, Meister Maus (Chao Nu, als Bezeichnung für 
junge Knaben), die weisen Worte der Ermahnung zu vernehmen, 
damit sie, in der Erinnerung bewahrt, deinen Geist schmücken, 
wie die Perlen den Körper. Glück und Vortheil wird dir er- 
wachsen, wenn du wohl unterrichtet und gelehrt bist. Nur 
mit Verständigen pflege Gesellschaft und halte dich von den 
Schlechten fem. Wenn du mit Liederlichen in demselben 
Hause lebst, wirst du durch sie angesteckt werden, wie Blätter, 
in denen fauliger Ngapih aufgewickelt ist, durch den Gestank 
imprägnirt werden. Wenn du aber nur mit Gelehrten umgehst, 
wird ihr Duft dich durchdringen, wie der Parfüm die in ihn 
gelegten Blätter. Als Gleiehniss mögen die zwei Tauben dienen, 
von denen die eine, in der Räuberhöhle aufgezogen, durch die 
täglich hörenden Flüche und Schwüre ein Vogel räuberischen 
Sinnes wurde, wogegen die andere, die in der Zelle eines Ein- 
siedlers weilte, Weisheit lernte, einem gelehrten Hora gleich, 
and mit wohlunterrichtetem Verstände das wahre Gesetz beob- 
achtete.^ (Aus dem Suphasith-thay.) 



Keli$riOse Vorstplliingen. 

(Da die zusammeiihängi^nde Darstellung des Bnddliisuiiii» einem späteren Hände 

vurbelialten bleibt, ist in den hier folgenden nriirhstQeken zuiiRohst die objective 

rorm bewahrt, in der sie empfangen wurden.] 

Die Welt ^^in^ aii8 dem Gesetze hervor (Köt thammada)^ 
und das Gest^tz bestand diireh sieh selbst*) (thanimada pen 
eng). Die mit der Ursnbstanz indentilieirte Gottheit der Pytha- 
goriier heisst in sieh selbst begründet (avToyevtjg), In eigener 
Natur (sabhava) liegt das Sein der Wesen begründet, lehrte 
Nagarjuna. Das Ruh Phra Thamma nani Phra Thani (die Er- 
scheinung des heiligen Gesetzes, das lieilige Gesetz genannt) 
sehuf die Welt. Weber leitet Dhamnia oder Dharma (lateinisch 
firnius) von der Wurzel Dhar (was hält oder zn halten istj ab. 
Die Entwiekelung der Sehöpfung geht naeh organischen G^e- 
setzen vor sieh, und Kapila nennt die schöpferische Natur, 
die er (wie Plotinus das Eine ) an die Spitze seines Systems 
setzt, avjakta (das Unentwickelte ). Phra-Sayamphuvanath wird 
erklärt, als Pen-eng oder Klum-ru-eng (Buddha, der aus eigener 
Weislieit und ohne Anleitung durch einen Lehrer, Verständniss 
besitzt ) und Thi-phllng. Nach den Karpokratianem war Jesus 
der Sohn Joseph's, unterschied sich aber von den übrigen Men- 
schen dadurch, dass seine Seele sich alles dessen, was sie im 



*) Fragt man, warum die Welt geschaffen ist, so kann man ebeu so gat fra- 
gen, warum die Seele ist, und warum sie der Weltschopfer geschafTrn h»t? So 
können nur die fragen, die sirh einen Anfang des Ewigen denken wollen, nnd 
wenn sie $irh dann einbilden, der Welt<*<.'hopfer üei ein anderer geworden, gUoben 
sie die Ursache der Weltschopfung gefunden zu haben (Plotin). 



Mische Kraft. 347 

näheren Umgänge mit dem ewigen Vater gelernt hatte, genau 
erinnerte. Einige betrachten Phra-Thamma als die erste Person 
in den Trai-Ratana, Andere dagegen Plira-Phuttho. Eine er- 
schaffene Dreieinigkeit, wie bei den weltlichen Hospitaliterinnen 
des heiligen Joseph zur Regierung der Waisen in Bordeaux 
(1627), fehlt im Buddhismus. Akat ist der Raum, selbst leer, 
aber die anderen Dinge enthaltend, und entspricht, als Aether, 
der pythagoräischen Monas. Die Bücher, die gleich dem Mula- 
muli der Laos von einer Schöpfung reden, sind in Ueberein- 
stimmung mit dem Kamphi Sayasatr (den brahmanischen Shas- 
tras) abgefasst und widersprechen der Auffassung des ortho- 
doxen Buddhismus, der das Bestehen aller Dinge von dem ein- 
wohnenden Gesetze herleitet. Der schon vor der Schöpfung 
hallende Laut Ohm (Aum ) ist eine Formel der vedisehen Man- 
tras: Om Montr Veth Montr. Mit Aman schliessen die Juden 
die Leseabschnitte im Pentateuch. „Buddha lehrte in seinen 
Predigten nur, dass, wenn Schlechtigkeit mehr -und mehr zuge- 
nommen und die Sünden des Menschengeschlechtes ihr volles 
Maass erreicht hal)en, die Welt allmälig verschwinden und zer- 
stört werden würde. Später aber sucliten die verschiedenen 
Bücherverfasser dies im Einzelnen zu erklären, und so fügten 
Bie nach und nach die Vielheit der Zerstörungen durch Wasser, 
Feuer, Wind u. s. w. in genauen Beschreibungen bei." 

Obwohl die Welt, von selbst entstanden, auf dem Gesetze 
beruht, kann sie doch durch die Tugeudkräfte der Thevada 
im Besondem zu weiterem Schmucke ausgebaut und auch sonst, 
abgesehen von den Wundern der Heiligen, moralisch intluen- 
cirt*) werden. 



•) Die Chinesen erzählen von Tsung (zur Zeit der Tsin-Dynastie) , dass er, 
im Winter junge Bambusprossen zur Speise fQr seine kranke Mutter wünschend, 
dadurch die Natur der fortan mehrere Monate früher spriessenden Pflanze änderte. 
Weon Viele in einer magischen Kraft zusammenwirkten, könnte (nach Jane Leade) 
die Natur paradiesisch umgeschaffen werden (1695 p. d.). ^God is the hearer and 
aofwerer of fervent and importunate prayers," bemerkt ein Missionär, und em- 
pfehlt, dass die „special prayers^^ für die Heidenlehrer, um sie noch wirksamer 
m machen, in England am Sonnabend Abend abgehalten werden sollten, da die 
Zeit dann mit dem Sonntag in China und dem dortigen Gottesdienst zusammen- 



348 ReligirtBe VorstelluDgen. 

Nach (lem Gesetze der organischen Entwickelung^ ♦) wie 
es im Mulamuli ausgesprochen ist, gelangt der aus den nie- 
dersten Stufen der Existenz aufgestiegene Buddha im Augen- 
blicke der Transfigurntion durch innere Vervollkommnung zur 
Erkenntniss der Wahrheit. Nach der mahanistisehen Sutra 
der Willenserläuterung (Samdhinir motschaua oder Kic-t4>-mi- 
king\ die von den Jogatschärja in Anspruch genommen wird, 
giebt es dagegen in der Seele des Tathagatii keine neuen üeber- 
zcugungen. Das wahre Erwachen (in der Erlangung der Bodhi), 
das Drehen des Rades der Lehre, die Versenkung in das Nir- 
yana ist ein und dasselbe. Die Lehre des Saddharmapundart- 
kasütra. <lass der Buddha schon vor langer Zeit den Weg 
erreicht hat, föllt (wie Wassiljew bemerkt) mit der mystischen 
Lehre Über den Adibuddha zusammen. Da das Herz (die Sub- 
stanz) des Tathägata nicht geboren wird und nicht zu Grunde 
geht, so spiegelt**) es sich in Allem wieder, wie der Mond im 
Wasser. Alaja-kann Alles hervorbringen, aber es würde ketze- 
risch sein, ihn flir das Ich zu nehmen. Die Lehre von dem 
Alaja oder der Seele, die verdunkelt umherkreist, taucht, wie 
Wassiljew bemerkt, zuerst nur in den Pradschnä päramita's des 
Mahajäna-Systems auf (dessen Begründung mit der mystischen 
Ausbildung der Gnosis zusammenfallt). Die Sauträntikas nahmen 
den Alaja und die Seelenverdunklungcn der Jogatschärja nicht 
an. Im Siamesischen wird Alai (Aljiya) gebraucht, um das 



flele. Als Rfsitzer der zchii Wunderkräfte ist Buddha Da^abala, und kann dum 
durch die Kraft des Willens alle Dinge modiflcirend durchdringen, wie die oiini* 
talischen Spirltuallsten (nach Muhi-ed-din). In der Ausbildung der Dhjani-OUe- 
derung wirken die Projectionen des Geistes, die gnostischen Probalai, auf die 
Materie ein. Sie mögen wie die Vorbilder oder Ideae Plato's den Abbildern oder 
Eikones zur Nachbildung dienen. 

^) In der Sarvaka-Lehre giebt es, die Erde zuerst, Tier Elemente, ans denen, 
wenn in K5rpergestalt vereinigt, wie aus Hefen der Spiritus, das Denkvermögen 
geboren wird (nach den Sayana Madhava). Anaximander nahm (nach Oken^s Schule) 
eine allmälige Fortbildung von den niederen Formen der Wasaerthiere bis ca den 
vollkommneren im Menschen an, wie man sie Jetzt in den Protisten findet. 

**) Nach Plotinus (dem ägyptischen Plato der Araber) ist die Vernunft der 
unmittelbare Abglanz, das Abbild des Ur- Einen; der zum Moofio^ vorjroi empor^ 
geschwungene Geist ist von der trübenden Macht der vXij befreit. 



Entstehnng. 349 

wohlwollende GefUhl freudenvoller Liebe im Mitempfinden zn 
bezeichnen; und theilnehmende Erinnerung würde z. B. durch 
khit-alai thttng*) ausgedruckt werden. 

Die buddhistische KosmogeniC; ohne sich mit aprioristischen 
Hypothesen Über den Anfang aufzuhalten , führt sogleich me- 
diam in rem^ mit der Periode beginnend ^ als sich aus den 
Elementen der früher zerstörten eine neue Welt bildet. Obwohl 
in dem Wirken des Dhamma durch das Nirwana das Setzen 
eines Endes yermieden wird, ist doch ein solches mehrfach 
hineinconstruirt worden, und die Hyle würde daim nicht so 
sehr Yor der Weltschöpfung ausser Gott existirender Stoff" sein 
(wie in Philo's Materie)^ als vielmehr das platonische Irrationale 
in Gott (das durch den Nous Gestaltung gewinnend, in Einzel- 
wesen zur Erscheinung kommt) oder, im Pleroma der Aeonen 
gefasst, die Negation als Verdichtung des Geistigen zum Ma- 



*) Paulas verlaugt die Verbiudong der ayastti mit der yvcaaig, um die theo- 
rttbche Erkenntniss praktisch zu machen. Nach den Dhärant konnte der Buddha 
troti sechsjähriger Anstrengung die Bodhi nicht erlangen, sowie er aber den Buch- 
staben Gm an der Mondscheibe schaute, wurde er auf der Stelle zu einem Buddha. 
Durch die störenden Eindrücke wird die Seele, wenn in den sterblichen Leib ge- 
Mtzt, zuerst vernunftlos (nach Plato). Sobald aber der Zufluss au Wachsthum 
vnd Nahrung geringer wird, die Umkreisungen aber wieder, Ruhe erlangend, ihre 
Bahn durchlaufen und im Verlaufe der Zeit zur Ordnung kommen, dann erst 

f^ * nacheD die Umläufe der einzelnen Kreise, indem sie sich nach der Gestalt derer, 
weiche sich naturgemäss bewegen, richten, und sowohl das Andere als das Slch- 

>. . gleichbleibende mit dem rechten Namen benennen, den, welcher sie besitzt, zu 
Bfnem, der verständig wird. Die Mula Prakriti (Urmaterie; ist nicht Erzeugniss. 
Das Grosse und die Anderen sind sieben Erzeugende und Erzeugnisse; sechszehn 
sind Erzeugnisse. Nichterzeugend und Nichterzeugniss ist der Purusha (nach 
ISTsra Krischna's Sankhya Karika). Im Allbewusstsein der Transflguration heisst 
Roddha der Erwachte. Bei den Lithauern ist Budte die Göttin der Weisheit. 
Nach Valentin weckte der Erloser den in den pneumatischen Naturen schlum- 
mernden Lichtfunken. Bei Sophokles wird Dionysos als oanrjQ angerufen. Nach 
Fichte ist der Mensch demiurgisches Princip in der endlichen Welt, Mitschopfer 
und YoUender des Erdendaseins, indem er das nur Ansichseiende (Vorweltliche) 
dareh seine Freiheit in der Wirklichkeit ausführt, denn durch den Menschen uud 
setnen mit ihm vermittelten Willen schafft Gott das Erdendasein aus. Perty 
Ihn im Geodämon auf. In dem , was die Seele in der Schönheit und Här- 
der Sinnenwelt anziehe, findet Plotin die entgegenkommende Offenbarung 
te idealen Welt, als ihre eigentliche Heimath (Neauder). 



350 Religiöse Vorstellangen. 

teriellen. Wenn dann wieder die Vulcntinianer ans den Thränen 
der Aeliamoth das Flüssige, ans ihrem Lachen das Licht , aus 
ihrer Bestllrznng und Traurigkeit die körperlichen Elemente 
gebildet werden lassen^ so führt das zurttck zn der Schöpfung 
der grr)beren Welt durch Brahma, der (im Siva-pnrana) ans 
Rudras entspringt, nachdem dieser vorher die Urstoffe des Lehens 
hervorgebracht hat. 

Wie im l)uddhistischen Hinayana das Andenken an die 
früheren Buddhas verloren gegangen ist, so erweckte auch die 
Gnosis erst wieder in der Verknüpfung der Syzygien*) die Er- 
innerung an die vorweltlichen Mächte des ligyptischen Glanbens- 
kreises, der Urgottheit, des Phanes und der Nacht, des Uranos 
f Enpe ), des Kronos und Rhea (Seb und Netpe), die in der popu- 
Ijlren Volksreligion vor Zeus zurückgetreten und später durch 
die grieehisclie Ausbildung der Dionysos -Mythe ganz vergessen 
waren. 

Als aus dem Himmel Brahma-loka stammend, bewahrten die 
Brahmanen**j ihre Namen. Die Birmanen nahmen ihn für sieh 
Kar Ihyyjiv in Anspruch, als dem Göttergeschlecht angehörig, 
wie Odin Wile und We, die durch Bor von Buri (dem Erst- 
erzeugten) abstammten, während die übrigen Völkers tämnie aus 
Bäumen hervorwachsen, gleich Ark und Embla, die Stammeltem 
der Menschen. Nach dem Rigsmal wird Burr das erste, Barn 
das zweite und Jod (eaden) das dritte Kind von Fadir und 



*) Die heiligen Hochzeiten (wie die der Ilera und des Zeus in Argos) bil- 
deten einen wesentlichen Theil der griechischen Feiergebrauche, nnd die durch 
den Gegensatz bedingte Zeugung im le^oi ydfioi ist durch die elektrische Spao- 
nungsreihe auch in die anorganische Natur eingeführt. Den Guostikern war das 
gesammte All des Kosmos bräutlich geschmückt (wie des Kadmos U&rmonia). 

**) Of the three castes, the Soama-Brahmas are so called from their exeel- 
lence in wisdom and knowledge , and on account of their Tirtuous Uvea thron^ 
which they meet with the favour and esteem of Kings and great men, who chotM 
them for their instructors. The W ai da • Brahmas are those who devote them- 
selves to the study of the mysteries of their religion, which consUt in sfmptp 
thies and cbarms, and by virtue of which they perform charitable eurcf ia tkt 
bodies of the distressed. The Paisakawra-Brahmas are those who wear dotht rf 
gold and silk, and costly garmeuts (Upham). 



Bevölkernng. 351 

Modri genannt. Nach persischer Mythologie war dem aus Bäumen 
entsprossenen Paare Mesehia und Meschiane schon der aus dem 
Stier Abudad wiedergeborene Urmensch Kajomorts vorherge- 
gangen. Die pelasgischen Urbewohner im arkadischen Hoch- 
gebirge waren aus gehöhlten EichenbSumen entkrochen. Auf 
den Ursprung zurttckdeutend begruben die Alemannen ihre Todten 
in Baumstämmen. *) Im Dhammapadam findet sich der Name 
Brahmana direct für den buddhistischen Weisen verwendet. 
(8. Weber). Ibn Wahshijjah kennt Brahmfüs als ägyptischen 
König und Erfinder eines Alphabetes, das von den Zauberern 
und Pharaonen Aegyptens gebraucht wurde. Nach Ammian 
studirte Hydaspes die Weisheit der Brahmanen und theilte sie 
den Magiern mit. 

• Dje ersten Menschen, die zur Bevölkerung der neuen Erde 
ans den Palästen**) der Phrohm herabstiegen, waren durch 



*) NonTius erwahut des Ursprungs aus Fichten, und nach Hesiod war das 
dritte oder eherne Geschlecht aus Eschen geschaffen. Des Zarathustra Manen 
empfing (nach Schistani) Ahuramasda in einem hochgewachsenen Baum in Ader- 
baidjan und pflanzte diesen auf den Berg Asmuidacher. Nach Empedokles gab 
M fOr einen Menschen hoher Tugenden nur zwei selige Loose nach dem Tode, 
•ntweder in einen Lorbeerbaum oder in einen Löwen transflgurirt zu werden 
(i. Boetticber). 

**) Indem sie in ihren Palästen die Luft durchschifften, stlessen sie im Raum 
aof die neugebildete Erde (gleich befruchtende Keime der Luft). Les Siamois 
' eroient qu'apr^s que les ames ont passes successivement par les corps d*un cer- 
taln nombre d'hommes et d'animaux, elles ne sont plus unies qu'k des corps 
aliieDs. qu'elles transportent dans les lieux les plus ^loignes avec une vitesse ^gale i 
eeUe de la pensee et que, par cette agilite, elles acqui^rent le pouvoir de conduire 
tonte chose, dans le moiide, mais qu^apres qu'elles ont rempli ce penible minis- 
tire pendaut quelques 8i(>cles, elles sont aneanties par l'excfts de leurs merites 
/•. Pallegoix). Bei Plato (im Timäos) entstehen die Weiber, die Vogel, die Land- 
thiere, die iSchlaiigen, und dann die dümmsten von allen, die Fische, aus den 
durch ihre Neigungen entarteten Menschen, ähnlich den durch die Sonnenstrahlen 
verwandelten Höhlenbewohnern auf den Antillen. Nach Procopius feierten die 
Thuliten ein Jahresfest (Yule), wenn sie nach der langen Nacht von hohem Berge 
loent die rOokkehrende Sonne erblickten. Aehnlich überliefern die mexikanischen 
8t(«D. YaUi ee estaban y decian: Ay de nosotros! amargamente hemos venido» 
liifi que habiendo venido ä ver el amauecer no amanece (sobre el Cerro llamado 
ttwabiti). Y gnndemente se alegr^ron Balam-putze, Balam-acab, Mahacntah j 



352 Religiöse Vontelliingftn. 

sich selbst iu Existenz getreten^ in Folge des ihnen zukonimeuden 
Verdienstes (bun). Als sie dureh den Genuss irdiseher Speisen 
allniälig ihren Glanz nnd durch zunehmende Schwere ihre 
Fähigkeit des Fliegens verloren, fing allgemeine Dunkelheit an 
den Umkreis zu decken, und sie begannen zu jammern und zu 
klagen, da Tod sich ihnen drohend zu nHhem schien. Da stieg 
pKitzlich die glühende Sonne empor und füllte sie alle mit 
Freude, bis, als sie am Abend niedersank ^ sich hinter dem 
Berge Meru verbergend, mit der Finsterniss die Traurigkeit 
zurückkehrte. Aus der Kraft ihrer heissen Wünsche jedoch 
ging als Erzeugniss der Mond hervor, der deshalb Chanda, der 
Erwünschte, genannt wurde. 

Der Berg (Khao) Trikut (der dreigipflige) ist 60,()0Ü Yot 
hoch, zwischen den Zangen des Phra Sumeru eingeschlossen, 
dicht zusammen mit dem fundamentalen Steine (Sinla) Pattapi 
( Erdobertiäche ). Unter dem Berge Phra-Mcru findet sich in 'der 
Mitte des Berges Trikut ein offener Platz, 10,()(» Yotsana breit, 
Asuraphiphob genannt. Unsere Erde (phen din rao) ist abwärts 
geneigt für ?s4<M) Yotsana an der Oberfläche. Von Gold strahlend 
finden sich dort die Städte die Asura, zwei Städte, prächtig und 
schön. In Daodüng (dem Himmel der untergehenden Sterne) 
finden sich ö Asura, die in Paaren die vier Punkte des Hori- 
zontes bewachen. Dort steht der grosse Keh-Baum mit wolligen 
Hüllen, von derselben Höhe wie der Xomphu-Baum, und unter 
diesem findet sich ein flacher Felsblock, i Yozana lang. 

Wenn ein Stein, wie ein Haus gross, von der obersten 
Region der Arupa Phrom herabfällt, der in jedem Monat 144,000 
Yozana näher kommt, jeden Tag um 4800 Yozana, in jeder 



Yquibalam, niando se viu el lucero, que saliu primero briUando y mU6 primero 
^nte el sol (bailaiidu y quemando iiiciensn a los iduluü) y luego cuando sallö el 
8ol se alegrarnn todos loa auimales rhicos y grandes (Ximeoez). Die Arkadier 
iianntori sich 7rQoai]).evovi:, als ante liiiiam ortos (Heyne). Im Araiikaniseben be- 
deutet kyen Mond und kye alt. Auf gleiche Weise neuuen die Samojeden den 
Mond ira, ire, welches der Alte bnleutet, uud bei den Os^äken von Lumpokulsk 
heisst der Mond iki (der Greis). Im Greis der Luft wird (bei den Fiuueu) def 
Sonnengott mit Ukko (Grossvater) verwechselt (Pott). Dudha (der Alte) L»t mond- 
geborea. 



Myang-Niphan. 353 

Stunde (Doppelstunde) 4<.)() Yozana, so wird dieser Stein, einem 
Ungeheuern Hause an Grösse gleich, wenn er Nacht und Tag 
ununterbroelien fortfallt, die Oberfliiche der Erde in 3 Jahren 
2 Monaten 8 Tagen 8 Stunden erreichen, nachdem er 5,512,100 
Yozana zurückgelegt hat. Nach Hesiod fiel ein eiserner Am- 
boss 9 Tage vom Himmel zur Erde, eben so lange von dort zum 
Rande des Tartaros und dann ein Jahr bis zum Grunde. 

Myang-Maha-Nakhon-Niphan (das Land der grossen Stadt 
Nirvana) ist nicht nahe, nicht fern, nicht niedrig, nicht hoch, 
aber schwierig zu erlangen. Sie ist umgeben durch eine Mauer 
in 5 Kreisen, in 8 Kreisen, in 10 Kreisen; da sind Thore und 
Thüren und ein Wassergraben vierfach gewunden. Dann giebt 
es 24 Heerstrassen, prächtige Spaziergänge und 37 Marktplätze. 
Dort finden sich Höfe und gepflasterte Strassen. Auch ein 
Palast, in sieben Terrassen aufsteigend. Sitze enthält er und 
Betten zum Schlafen, mit Kissen und Teppichen. In den Schlaf- 
gemächem brennen Kerzen zu allen Zeiten. DcrFussboden ist 
mit edlen Steinen ausgelegt und die Erde mit kostbarem Sand 
bestreut. Seen, gefllllt bis zum Rande mit kühlen Wassern, 
werden von den Winden gefächelt. Auf ihrer Oberfläche ent- 
falten Lotus ihre BlUthen, Bienen und Käfer in Menge schwirren 
umher, die SUssigkciten der Blumen zu saugen. Dort versam- 
melt sich der Vogel (Nok) Jung (Pfau), der Nock Karien (Rei- 
her), der Nok Kachakphrak und der rothe Königsschwan (Raxa- 
hong), dort auch die weissen Schwäne (hong) , in melodischen 
und lieblichen Weisen singend. 

Niphan ist Asangkhata Ayataua, während Sangkhata als 
Ajatana die Chitr, Chetasik und Rupa begreift. In Asang- 
khata verschwindet der Schöpfer. Der Grund der Weltent- 
stehnng liegt im Kusalakusou (Kusala oder Kuson und Akusala 
oder Akuson), den Wirkungen des Guten und Bösen, als Tugend 
imd Laster (Bun-bab). Das Niphan ist Dhamma Bhisamaya 
(Tratseru) oder das Gesetz dos bewussten Verstehens. Mit dem 
Eintritt in die Pfade, schon auf der ersten Stufe des Soda 
Makkha-Pon, öffnen sich die Augen dem Niphan, wie es im Sia- 
mesischen heisst: Tha Makh khöt Niphan pen arom (wenn der 
Megga zum Durchbruch kommt, bildet Niphan das Aromana). 

BaatlftB, S«lM In Bluo. III. 28 



354 Uellgiöse Vorstellnngen. 

Mit <lein FortWMndeln auf den Pfaden beginnen die akuson 
Cliotasik einer nach dem andern abzusterben, bis sie im Zu- 
stande des Arahat sihniutlieb versebwunden sind. Wer nach 
Biiddlia's Lehren alle das Seine eonstituirenden Dinge durch 
einzelne Untersuchung in ihre Unwirkliehkeit aufgelltet und 
schliesslieh die Ueberzeugung erlangt hat, dass keine Persönlich- 
keit ( nutlikh<»n t)der Padgala) existirt, der erblickt Niplian. 
Im Niphan fehlen die KhrUaug jeb kioh (phana oder die Werk- 
zeugC; um weiter zu weben oder neu zu sUen), und deshalb 
wird Niphan abgeleitet von phan (siien oder jeb) mit der 
Negation ni. Die gewöhnliehe Etymologie erklärt es aus der 
Wurzel niph als Auslimehen ( dab im Siamesischen). 

Der belesene Abt eines Klosters in Bangkok erklärte mir, 
dass die brahmani^ehe Regel, Niphan von Pao (ausblasen) her- 
zuleiten, von den Buddhisten nicht anerkannt würde. Akking 
nibapeti, als lletiikat, meint: er lässt das Feuer erlöschen, Akki 
nibajati , das Feuer erlischt sieh selbst. Wollte man Dab mit 
kilet (kilesa) eonstruiren: als die Leidenschaften auslöschen, so 
würde Niphan Phava-Sathana sein. Es ist aber Atikarana- 
Sathana, und es meint (thi pcn thi dab oder tham pen thi dab) 
den Ort des Auslr)schens oder den Platz zum Auslöschen. 
Weber erklärt es als Substantiv ( Niryana, nirmana).*) Die Schule 
Tämracättjä ftlgte ihrer Erklärung des Nirwana besondere 
Clausein hinzu, um sie von der der Lokäjata und Nirgrantha 
zu unterscheiden (s. Wassiljew). Sansara und Nirwana sind 
nicht verschieden, indem alle drei Welten leer**) sind (s. Schmidt). 



*) Nirwana means literally blown oiit, biit there Is this difference, if I am 
not mistakeii, between its use in the Brahmauic and in the Baddhistic Uten* 
ture that in the former it is employed, iike other past participles in any of th6 
three genders, whereaa in the lattor it occurs only in the neuter gender and thevBi 
too, only in the sense of an abstract noun, in that of extinction m abaoluta «b- 
nihilation of the bouI (Goldstücker). 

**) Das Leere ist das völlig Immaterielle, und ausser der in der Welt zer^ 
streuten immateriellen und deshalb leeren Intelligenz ist nichts yorhanden, indem 
die Formen, mit welchen diese Intelligenz sich verbinden kann, ihrer Dauerloslg* 
keit wegen für Nichts und deshalb für leer gelten. Banr erinnert dabei an die 
gnoBtltchen Begriffe des TC^tfafia nnd Hiroffta, Lasaen bemerkt: „Nach Talen- 



Dm Nirwana. 355 

Die negative Annihilation wird als Su oder Khao Niphan (Nipha- 
nang oder Niraphan) bezeichnet. Grimm tibersetzt das angel- 
gächsische Neorxenavoug oder Neorxnavong (^törrj ßtori}) mit 
„Feld der Ruhe." Das Nirwana*) bedingt Aufgabe der Exi- 
stenz^ als Constituirung des realen Gesetzes^ wie die pytha- 
goräische Glaubenslehre mit der Verschlingung der Welt (Kato- 
posis) durch Zeus schliesst. Doch nähert sich auch in diesem 
brahmanischen Pantheismus die Auffassung mitunter der der 
Moksa, wie sie in Seligkeiten lamaistischer Himmel weiter ge- 
bildet ist. „Gleich Gold in reinster Feinheit veredelt; enthält 



■ i 



tioas ist der Geist darch die Endlichkeit gebunden. Die Materie ist der äusserste 
Punkt I auf dem das Leben in Entartung, das Bewusstsein in Bewusstlosigkeit 
kommt, alles Wissen in Unwissenheit übergegangen ist Die Kurperwelt ist da- 
her der dem Geiste im Zustand der Endlichkeit und Negativität undurchsichtig 
gewordene Begriff. Hiermit stimmt die Ansicht der Buddhisten überein, dass die 
Dinge leer und ohne Substanz sind, und dass die weltlichen Zustände und Dinge 
keinen Werth besitzen.*^ Xenophanes identiflcirt den Raum (das Leere) mit dem 
Nichts, als Nicht-Seiendes. 

*) „The saWation of men is the Mokse, in which neither the birth nor the 
death is renewed, and the same is herefore called Ananta maha nirwana, or the 
•tamal bappiness, the moral of which imports the blotting out or the death of 
both, the body and soul, for ever** erklärt der Priester des Mulgirl-galle-Yihara 
(t. Upham). Damit die Seele aus den Irrgängen der Sinnenwelt zum seligen 
Leben zurückgeführt werde, empfiehlt Proclus die Einweihung in die Mysteriea 
dm Dionysos und der Cora, um (nach dem Orphischen Gebet) ^den Umkreis 
(mmlos) zu enden und auf^uatbmen vom Drangsal.** Als Ivaave erlost Baccbos 
▼on diesem Kreislauf, wie Über und libera aus dem Fleischkerker befreien. Dio- 
doTOs Sicnlus fand des Pythagoras' Metempsychosis in der druidischen Lehre der 
in andere Körper wandernden Seelen, und nach Mela hätten sie aus ihren Ge- 
beimnissen das „vitam alteram ad Manes^ bekannt werden lassen, um das Volk zur 
Kampfesfrendigkeit zu ermuthigen. Unter den mechanischen Puppenfiguren, die 
die Chinesen bei den Ceremonien zur UoUenbefreiung aufstellen, „spirits may be 
in the very act of transmigration, id est: partof the object is like some ani- 
and the rest of it is like the human body** (wie in den ovidischen Metamor- 
en auf bildlichen Darstellungen). Auch wird das Passiren einer (mohameda- 
•lteb«n) Geiaterbrücke vorgestellt (s. Doolittle). ,Jn Nippan all states of sorrow- 
M exittenca and decrepit old age and sickness and disease and death will be 
fOMvar anded. This is bappiness true and substantial. There is no other hap- 
pinait, that wiU at all bear a comparison with that of Nippan.^ Niebo ist Hirn- 
aal tm Polnifeban und ähnlich in allen slavischen Dialekten. 

28» 



.-^56 ReligiSse Vorstellungen. 

NirvMiia die ganze Vollkoiiinienheit^ als Essenz des Lebeus 
(Vinyan horisutr)," erklärte mir ein hoeligestellter WürdentrSger 
der siauiesisclien Geistlichkeit. Auf das Kilesanipban (Sau- 
patisesa), in dem die Leidenschaften unterdrückt werden, folgt 
das Kanthaiiiphan (Anupatisesa), und dann erwarten die allein 
nach Vernichtung des Körpers tihrig bleibenden Knochen das 
Thatuniphan. Die vollständige Vernichtung im Niphan ist 
wiins(;henswerth , da sonst stets Kummer und Leiden entstehen 
und der Geist durcli die Gebrechlichkeiten des KOrpers beein- 
trächtigt wird. Selbst eine rein geistige Existenz, vom Körper- 
lichen befreit wie sie in den Brahmawelten stattfindet, ist noch 
eine unvollkommene, da der Geist, so lange er überhaupt existirt, 
stets wieder in die Fesseln der Materie hineingezogen werden 
wird und, in neue Körper gebannt, sich in den schmerzbringen- 
den Kreisen der Wiedergeburten umherwirbeln lassen muss. 
Den Lamaisteii erscheint Amida's glückliches Reich im Westen 
als Ort der Sehnsucht, und in Amida war Thaddäbs als Missionär 
thätig, der König Abgar (Vorgänger des Abgar bar Manu) be- 
kehrte. Das Niphan*) gestaltet sich als wahres Sein, im Gegen- 

^) Nach der Controverse mit den Jogisten (bei Desbauterayes) war Buddha 
auf seinen Wanderungen zu froumien Einsiedlern gekommen und hatte ihnen die 
Frage vorpelogt: „Wie doch der Ursache der Geburt, de» Alters u. g. w.. die sie 
ihm als in der ünwissenhrit, diese aber als in der Nachlässigkeit, diese in Be- 
thörung, diese im Gift der Lust und jedweder Leidenschaft gegründet "bezeichnet 
hatten, am Wirksamsten zu begegnen wäre?'* Sie erwiderten, nur tiefe Verach- 
tung könne das Leben und den Tod überwinden, und zwar in vierfacher Stufen- 
ordnung: 1) durch plötzlirhes Erwachen und gleichsam schreckhaftes Auffahren 
aus dem betäubenden Schlaf mit augenblicklicher Befreiung von Irrthümem und 
falschen Vorstellungen, wobei jedoch norh die Vorstellung von diesem Erwachen 
störend zurilckbloibe; 2) durch Verbannung auch dieser Vorstellung, wobei aber 
immer noch ein gewisses menschliches und unvollkommenes Wonnegefühl über das 
Gelingen dieses Actes sich einmische; 3) durch Verwerfung auch dieser eitlen 
Freude und Erhebung des Geniüthes zur wahren und vollkommenen Wonne, die 
jedoch noch immer im Dasein befangen sei; endlich 4) durch vollen Sieg Aber 
Freud' und Leid und durch gänzliche Beruhigung, wo dann keine Einbildung wdttr 
stattfinde, sondern ein Versinken in den Abgrund, worin nichts mthr vertchiedaD, 
alles eins sei, nicht mehr Sinn, nicht Leid, nicht Einbildung, noch NichteinUl- 
dung, das sei die Befreiung. Da fragte sie Sakjamuni: „Ist alsdann noch Exi- 
stenz in Euch oder nicht? — Ist keine, so redet Ihr eitler WolM ton oinom Zu- 



Die Arya. 357 

satz ZU den Trugbildern der Sansara oder Maya, die täuschen, 
wie „mag." Der Betrug (aTtarrf) ist das Loos der Wesen inner- 
halb der Welt, die von dem Ungetheilten und Immateriellen 
abgewichen sind und den Schein haben statt des Wesens (s. 
Proclus). „Wer weiss, ob das Leben niclit gar Sterben ist und 
Sterben Leben" singt Euripidcs. Nach Diodor betrachteten die 
Aegypter die Wohnungen der Lebenden wie ein Brvouak, die 
Gräber dagegen als ewige Häuser. 

Wenn Einer sich weit von den beschmutzenden Sünden durch 
Trennung entfernt hat, ein solcher Mann wird von den Pan- 
dits mit dem Namen Arya bezeichnet (Pakakammato Araha- 
thito Ariyo ti vussati). Wer von den Ari oder Feinden, nämlich 
den Leidenschaften, sich losgemacht hat, wird Ariyah genannt. 
Das Thaht ist hara. Den Siamesen gilt der Ariyah als Feind- 
besieger. Burnouf erklärt die Arier als Arya (Meister oder 
Herren). Die Ariah sind die Ehrwürdigen, und ari bedeutet 



Stande der Befreiung, da jeder Zustand ein Sein voraussetzt; besteht aber noch 
Existenz in Euch, so frage ich: ist Vernunft (Buddhi) darin oder nicht? — Ist 
ti« nicht darin, so ist die Existenz gleich jeuer der Steine, Bäume u. s. w. ; hat 
ti« aber Vernunft, so giebt es auch Veranlassungen, die sie auf den Wegen der 
Wahrnehmung und des Bewusstseins treffen. Giebt es aber solche Veranlassungen, 
durch Wahrnehmung u. s. w., für die Vernunft, so kann sie auch der Ansteckung 
durch dieselben nicht entgehen; ergreift aber diese die Existenz, so wird hier- 
durch die Ruhe der Vernunft gefährdet. Das ist also noch nicht vollkommene 
Befreiung zu nennen. Aber wenn Ihr Euch der Existenz selbst gänzlich entledigt 
haben werdet, die jetzt noch in Euch ist, und wenn jede Einbildung von diesem 
Sein TdUig ausgelöscht ist, daun habt Ihr vollkommene Befreiung erreicht*^ Die 
Dakota nannten ihre Gotter Tahuwakan oder das, was unbegreiflich ist (nach Pond). 
Nach Damascius nannten die Aegypter die Urgottheit unerkennbares Dunkel, und 
B5th erklärt Amun als non apertus oder ^nach Mauetho) kekrummenos. . Auch in 
Aphytit, Theben, Sparta, Gytheon wurde Ammon verehrt. Die mit dem Ruach (kol 
placb) verbundene Leere (Baau oder Bohu) wird von PhUo als Nyx erklärt. Se- 
■tea nennt die höheren Götter Etruriens „involutos''. Apavarga or emancipation 
la final deliverance from pain, birth, activity, fault, false notions, as state of un- 
niogled felicity (according to the Nyaya). Nach Maimonides sind in Bezug auf das 
gÖitlicbe Leben nur negative Attribute zulässig. „Ein und dasselbe ist Lust und 
Unlust, Wliaeil nhd Unwissen, Grosses und Kleines, aufwärts, abwärts wandelnd 
und sich Vertaoachend in der Weltzeit Spiel** (ir rfj rav aiwt^os Ttatdtf,) lässt 
Laeian den denUltos sagen (s. Bemays). 



358 Religiöse Vontelluiigcii. 

(nach Schilter) Ehre im Friegischen. Berosns kennt in Babylon 
König Arins. Aryaman findet sich unter den Adityas und als 
Name der Sonne. Dem von Varuna, von Mitra und Aryaman 
Beschützten kann nichts schaden. Arjaman war Ffirst der 
Pitris. Auf Java heisst Buddha ausser Svajambhn (Sugata oder 
Jina) auch Amararja (der unsterbliche Arja). In Tahiti werden 
die Erben des Königs (Arii) Ariki genannt. Nach Sandios 
waren die Väter der ersten drei Jahrhunderte der Meinung des 
Arius (aus Libyen). Erat enim (Athalocus) secta Arianos 
usque eo ut eum vulgo homines Arium nominarent (s. Mariana). 
Erst seit Athanasius' Zeit erhielten die Abyssinier Bischöfe. Arjä* 
sanga, der von König Gambhirapakscha (Zeitgenosse des Tn- 
rushka Mahasanimata) beschützte Lehrer im Königreiche Ja- 
vana^ erschien ($)00 Jahre nach Buddha) anter den im Tempel 
Ushmapura der Stadt Sagara versammelten Geistlichen und liess 
(die Körbe der Sravakas lehrend) durch seine acht Schttler 
den Unterricht in der Maliayana-Lehre verbreiten (nach Tara- 
natha). Die von üpali gestiftete Schule hiess (nach Körösi) 
Arja-Sammatya. Jerusalem führte früher den Namen Ariel. 
Die von Parasu-Rama in Malabar angesiedelten Arja-Brahmanen 
lebten in republikanischer Verfassung in Malabar oder Limyrikey 
wo Ptolomäos die Stadt Aramagara oder Bramagara kennt 
Pausanias sah in Olympia den Thronsessel des tnskischen 
Königs Arimnos (Arimnestos), der unter allen Barbaren zuerst 
den dortigen Zeus beschenkt. Nach Plinius hiessen die Sky- 
then (oder Saker) Aramaei. Ari findet sich hieroglyphisch im 
Königsring der Arsinoe. Wie Strabo Arii im Osten ^ erwähnt 
Tacitus die Arii unter den Lygiem. Nach Herodot wurden die 
Meder früher Arier genannt^ und Pausanias lässt die Meder in 
Aria (Persien nach Ilellanikus) wohnen. Aryärämna ist auf 
den Inschriften gelesen. Thukydides erwähnt Arriana bei Se- 
stus. Die Armenier*) kennen die Titel der persischen Könige 

*) Der aus dem Tode zarfickgekehrte Er brachte den AriMniern bimnülMlMi 
Offenbarangen, wie der Milesier Uermotimos (nach DiogenM LMrttat). Von Pinto 
und Proserpina waren die Krinnyen gezeogt, die Gottinnon te^'SprMrHht (Erli), 
während Iria, als Mittlerin, den Frieden in der Natnr heittoUt^ TÜm (lara oder 
Mond) wird mit sur {aet^aca oder leuchten) in Beziehung fWaCil. ^'i&im als Uoivf 



V 



Die Sila. 359 

als über Arier nnd Anarier herrschend. Von Gntschmid er- 
klärt UierapoÜB; von wo Tnaeh Ordericiis VitaÜB) Thomas den 
indischen König Gnndafonis oder Godophara (der für einen 
Architekten nach Jerusalem gesandt hatte} hekehrte, als Areion 
polis (Hariopolisj. Der sUdarabische Kihiig Hadhad heirathete 
die Tochter des Teleb Sab, König der Arim von dem Ge- 
schlechte der Dschinncn aus dem Geisterseh losse. Der Arim 
oder Damm von Marib wurde von Lokman gebaut. Müller stellt 
Arya mit arare zusammen. 

Im Visutthi-Mak heisst es: „Da die Wesen nicht alle fShig 
sind, die vielfachen Phra-Ariya-Satr zu begreifen, lässt der Heilige 
sie die Sila beobachten und in der (Sammlung) Phra-Samathi *) 



(Rrroft bei Hesjchios) ist die männliche Hälfte der Here. Die gens Arria in 
Bom gehörte Etmrien an. In Eresburg war dem Kriegsgott Erich die Irminsol 
(Ennin^s oder Hermann's) geweiht, als flerme. Herakles ist (nach R5th) die grä- 
ctolrte Form des ägyptischen Ar-hello (non senescens). Die Hermunduren oder ' 
Hermionen waren hergezogene Sueven, und die Hernier, deren Frauen sich (wie 
die der Liwen, nach Johannes) am Orabe der Gatten erhängten, holten ihren Kö- 
nig ans Thnle. Sophokles nennt Eros, der G5tter und Menschen Herrscher, als 
Enten der Götter, die Ursache aller Dinge, wie Aeschylos den Zeus bezeichnet. 
Kaeh Aristophanes war er aus einem Nachts vom Winde befruchteten Ei hervor- 
gegangen. Wie Snrya meint auch Sura-si die Sonne. Sura hat die Bedeutung 
▼on ktthn und stark, wie in Sura-sena, dem tapfern Feldherrn (als Heroen oder -t^. 

Helden), nnd snra-sieng, eine laute Stimme. Re (Ra), als Sonne, war dem Aegypter 
der Urqnell aUer geistigen und physischen Erleuchtung. Der von den Neu-Or- 
phlkem vor Allem besungene Gott war ursprünglich nur der Eros oder Geist des 
AUs, der schon von den Hesiodischen Theogonien gepriesen wurde uud auch 
Erikapäos oder Phanes hiess. Orpheus nennt (nach Lactantius) den grossen und 
wahren Gott Tt^onoyovoi und auch Phanes : quod cum adhuc nihil esset, primus in 
flnito apparuerit et extiterit. „Tyr (Tiw oder Zin) wird unter den Hochdeutschen 
aaeh Er genannt nnd ist als der eigentliche Kriegsgott anzusehen. W^ahrschein- 
Heh ward er fHiher als der einzige Gott betrachtet, so lange als die polytheistl- 
ichen Vorstellungen noch nicht den Monotheismus verdrängt hatten; denn sein 
Name wird in der Mehrzahl (Tivar) oft als der Name der Götter im Allgemeinen 
gebrancht und entspricht ganz dem lateinischen Dens, dem altindischen Djaus" 
(i. Münch). 

*) Wassiyew bemerkt : Die ganze beschauliche Seite sowohl im Hinajana wie 
Im Mah^&na gdangt zo den zwei Hauptresultaten , dem Samädhi (Concentration) 
nnd Ylpadna (uuüjtlfche Untersuchung der Ideen). Nach Tachard bewahren 
die das Vlpuana beobachtenden Talapoiuen beständiges iStUlschweigen (wie die 



360 Bell^öse Yontellungen. 

fiich auszeichnen dnrch das Stndinm des Sammathakam-Sa- 
than nnd Sammathanathudang. Ist der Samathi darchgebrochen 
nnd in Existenz gekommen, dann stndiren sie den Phra-Vipat- 
sana-Panja (die Weisheit der Betrachtung), durch Meditation 
ttber Nama und Rupa, ihrer eigenen sowohl, wie anderer Per- 
sonen." Die mit dem Lokuttarajo Begabten sind in die Klasse 
der Pneumatiker eingetreten und von der ;n<Jri§ zur yt^oö^g fort- 
geschritten, um den mystischen Sinn der allegorischen Deu- 
tungen zu verstehen, die Barnabas im Buchstaben der Schn^ 
nachweist. Die Rahan oder Arahanta*) im Arahanta Makkha- 
Pon stehen auf jener Stufe der Heiligkeit, wo die Sünde ihre 
Macht verliert, und die den höchsten Rang der Geistlichkeit 
ausdrückende Bezeichnung ist zum allgemeinen Ehrentitel ge- 
worden. 

Statt über den Ursprung des Bösen zu speculiren, wird es 
richtiger sein, zunächst nach dem Ursprünge der Ideen des 
Bösen zu fragen und sich klar zu machen ; was darunter im 



TrappisteD), und auch Pythagoras legte solches seinen Novizen für mehrere 
Jahre auf. 

*) An Oppert*B Erklärung von Juchanan (Johann) ans Khorkhan, Prete oder 
Prester Johann (Jehan) schliesst sich Jahanda oder Rahanda (Phrasijahn, wie be- 
sonders der künftige Buddha in vemaculärer Entstellung des Volksdialekts genannt 
wird), als Pretejan, bei den Beziehungen der Nestorianischen Darstellungen über 
den „auch den Amazonen und Brahmanen gebietenden'* Fürsten mit dem Bud- 
dhismus, wie sie bei der Vergleichung mit Sindbad*s Erzählung über den König 
Ceylons hervortreten. Eben so Hesse sich iu Ziu ein Zusammenhang mit Zina 
oder Jina (dem Sieger der Jainas) suchen, bei dem Namen Dschingiskhan oder 
Zin-gis (dem Tubut Taengri oder Schutzgeist, als Tobba oder Konig, von Tibet, 
wo die Taengri-Söhne auf den Thron zu erheben Gebrauch war), und ghi (gy 
oder ghis) geht als „gross*^ im birmanischen Königstitel (Ming-ghi) ein. Yang 
(Palast) dient noch Jetzt als königliches Epithet in Slam, wo früher, wie in Kam- 
bodia, Ong (Unk-Chan) hoher Ehrentitel war. Le mot Ziu en langue Mogul veut 
dire grand, et la terminaison gis faisant le superlatif, Zingis veut dire le plus 
grand (nach Abulgasi). Abulpharag rechnet die Khata zu den ziuitischeu Völ- 
kern. In Nazrat, dem Oberkonige der Khitanen, mag Raja (auch im Siamesischen 
zu Rat verkürzt) zu Grunde liegen. Oppert stellt es mit Nusi Taigir znsammen, 
indem, nach Morrison, Noo-tsae (Sklave) die Bezeichnung ist, mit der die tata- 
rischen Vasallen sich vor dem Kaiser China's bezeichnen, und der Id der birma- 
nischen Geschichte mit diesem zusammengeführte König wird Noatuo gentnnt. 



Gat and B5se. 3gl 

iaufe der Verhältnisse verstanden ist. Die einfachen Grund- 
ätze der Moral sind in den fünf Geboten und Verboten be- 
friffen^ die unter dem Namen der Noachisehen schon den ältesten 
teiBellschaftsverbänden des Orientes zu Grunde lagen, und ebenso 
a den fllnf Sila der Laien auch bei den Buddliisten hervor- 
reten. Das Wechselnde über die Begriffe des Guten und Bösen 
>ei den verschiedenen Volksstämmen ist bereits vielfach Gegen- 
tand der Untersuchung gewesen, und bietet ein weites Feld 
llr dieselbe dar. Die auf tiefster Culturstufe stehenden Neger- 
taaten haben selbst nach rechtlicher Ausbildung ihres Ver- 
bandes keine durchgreifenden Regeln aufgestellt. Die Opfer- 
chlächtereien ihrer Despoten, bei denen das Menschenleben 
llr nichts wiegt und" noch kein Orpheus des Mordes Enthaltung 
^zeigt hat, beweist, dass sie selbst den ersten, und scheinbar 
lothwendigsten Grundsatz des Nichttödtens noch nicht anerkannt 
laben. „Die Menschen sind gut, wenn sie zu schwach sind, 
cblecht zu sein," erklärte Cormoro an Baker. Das zweite Verbot 
lea Nichtstehlens fand sich auch bei den Spartanern vemach- 
ässigt, das dritte wurde lange Zeit in dem jus primae noctis 
»ei den Germanen verletzt, das vierte, nicht zu lügen, ist noch 
lentzutage nicht allgemein gültig, als durch die Nothlüge ent- 
lebnldbar, das fünfte, das die berauschenden Getränke verbietet, 
Bt zur Partheifrage geworden oder seit dem Vorgange des An- 
iflanzers der Weinreben auf das religiöse Gebiet gespielt und 
nit der Verehrung des einigen Gottes identificirt, unter Ver- 
irerfang dier im Rausche manifestirten Dämoneneinflüsse. Die 
ündespflicht war so selbstverstanden, dass es darüber, wie 
Iber den in Athen für unmöglich angesehenen Elternmord, keine 
Bestimmungen gab. Die Frage nachdem „undemalum etquare," 
lie (nach Tertullian) Haeretiker wie Philosophen beschäftigte, 
l^b (nach des Eusebius Bemerkungen über Marcion) Anlass zur 
iafstellung der gnostischen Systeme, und die Polemik der Neu- 
ilatoniker war gerichtet gegen diejenigen, welche behaupteten : 
,b08e sei der Weltbaumeister, und die Welt sei bös." „Nichl 
ladnrcb, dass die Seele fiel, schuf sie die Welt, sondern viel- 
nebr dadurch, dass sie nicht fiel," behauptet Plotinus, der, von 
arischer Lebensluft angeweht, in dem geschmückten Kosmos 



362 RelIgWw Vorstenangen. 

Plato'8 einen Abdruck de» vollkommenen Urbildes sah und die 
gnostigehe Weltanklage zurückweist. Den Weg der orientalischen 
Ideen, die in Alexandrien durch Philo's jüdische Schule in das 
Christenthum übergingen, weist Porphyrius nach, indem er be- 
merkt: „Es waren damals unter den Christen neben vielen 
Anderen auch Häretiker, die von der alten Philosophie ihren Aus- 
lauf genommen, Adelphias und Aquilinns aus Lybien^ welche 
im Besitze der meisten Schriften des Alexandros aus Lybien, 
des Philokomos und des Lydiers Demostratos, Offenbarungen 
des Zoroaster und des Zostrianos, auch des Nikotbeos, des 
AUogenes und des Mesos (Meses) und andere dergleichen in's 
Publikum brachten und als Selbstbetrogene viele Betrogene 
machten, als ob denn wirklich Plato in die Tiefe des intelli- 
gibeln Wesens nicht eingedrungen wäre." Wie die christlichen 
Gnostiker aus Indien, waren die Manichäer besonders aus Persien 
Angesteckte und mussten beim Rücktritte diejenigen abschwören, 
die den Zarades (Zoroaster) und Budas und Christus und Mani- 
chäos und die Sonne ein und dasselbe Wesen nennen. Der 
Ursprung des Dualismus lag in den bereits zu Alexander's Zeit 
büssenden Gymnosophisten, bei denen der in tropischer Natur nicht 
genugsam im Kampfe mit der Aussenwelt beschäftigte Geist 
sich nach mystischer Versenkung durch den Körper in seinem 
Aufschwung gefesselt fühlte und so die Gottheit des Geistigen 
im Gegensatz zur dämonischen Materie proclamirte. Dies conse- 
quent zur völligen Negation der Welt und dem Abscheu des 
Lebens führende Princip wurde in dem schon gesetzlich geord- 
neten Staatshaushalte Irans zur Theilung der Welt in eine 
weisse und eine schwarze Hälfte, mit der Aufforderung zum 
Kampfe gegen die feindlichen Elemente. Indem diese Ansichten 
in monotheistische Systeme hineingetragen wurden, in denen 
der allmächtige Schöpfer nur aus autokratischen Launen die 
Neckereien teuflischer Kobolde zuzulassen schien, so schürzte 
sich der Knoten eines Zwiespaltes, der unauflöslich schien, nicht 
weil der Wider8j>ruch wirklich darin vorhanden, sondern weil 
Widersprechendes neben einander gestellt war. Dem gegen- 
über vertraten die griechischen Philosophen die gesunde Natnr- 
ansicht eines in der gemässigten Zone zvu Mündigkeit heran- 



Das Naturgesetz. 3G3 

gereiften Volkes und erkannten im Nachhalle der Classicität 
die dem Menschen im harmonischen Walten des Alls ent- 
sprechende und durch Entfaltung seiner Kräfte ausflillbare 
Stellung. Erst unser kosmopolitischer Ueberblick des Orbis 
terrarum wird uns indess ermöglichen) diejenige Anschauung zu 
gewinnen^ die dem Erdensohne in gleicher Weise entspricht, 
ob er in kalter, gemcässigter oder heisser Zone geboren ist. 

Die philosophischen Begriffe werden von den Indochinesen 
vorwiegend in psychologischen Listen aufgcflihrt. Die Abhid- 
harma's (in denen der Gegenstand von allen möglichen Punkten 
ans betrachtet wird, nicht in Bezug auf abstracte Ideen, son- 
dern in einer eigenthttmlichen Zählung) gelten flir die Grund- 
werke der Vaibhaschikas im Hinayäna der Sravaka's (s. Was- 
riljew). 

Das Dharma (Phra-Thamma), als die dritte Person der 
Gottheit in' der Weltordnung, erscheint als Dharma-Raja im 
Höllenrichter wieder. „Im Gefühl, dass die Gerechtigkeit aller 
Orten nothwendig sei, verehrten die Menschen als Beisitzerin 
des Zeus, des höchsten Gottes der tiberirdischen Welt, die 
Themis, die Weltordnung, und als Beisitzerin des Pluto, des 
Todtengottes in der Unterwelt, die Dike, die vergeltende Ge- 
rechtigkeit, und als Beherrscherin der Staaten und des irdischen 
Lebens das Gesetz," lehrte Pythagoras in seiner Antrittsrede 
EU Kroton (h. Roth). 

Phra-Thamr ist das Naturgesetz, und Tam Thammada meint 
dem Natürlichen gemäss. Nach Alex. Polyh. lehrte Pythagoras, 
dass das All in Harmonie geordnet sei, indem in der Harmonie 
die Tugend, die Gesundheit, das Gute und der Gott bestehe. 
Die Erkenntnis« des Dharma führt zum Ding an sich im Nir- 
wana. In der Identität des Seins und Wissens liegt das Wesen 
der Gnosis (nach Baur), von der Voraussetzung, dass das Sein 
nur flir das Wissen oder nur gedachtes und gewusstes Sein sein 
kOnne, ausgehend. Es ist das Thammada (Naturgesetz), dass 
Vollkommenheit im Wissen zur Annihilation führt, und ebenso 
einfache Nothwendigkeit, wie der Mensch , der an ein Ziel zu 
kommen wünscht, durch Thammada (d. h. durch die Natur der 
Sache) dortbin geht. „Nach ewigen, ehernen, grossen Gesetzen 



364 Religiöse YorstelluDgen. 

müssen wir Alle unseres Daseins Kreise vollenden;^ sagt Goethe 
iin Sinne der pythagoräischen Anangke. 

Die Vollendung des Bestehenden führt aus der irdischen 
Beschränkung zur unendlichen Erfüllung im Nirwana, wogegen 
Pythagoras (nach Aristoteles) lehrte, dass die Weltkugel das 
Unendliche gleichsam einathme, und damit (nach Stobcäus) die 
Urgottheit. Auch das Unendliche befand sich (nach den Pytha- 
goräern) im Gebiete des Sinnlichen, und die Buddhisten fehlen 
nur darin, dass sie jenes mit den elementaren Rechnungsmetho- 
den, die für das letztere genügen, zu verstehen streben, statt 
fllr die verwickeiteren Probleme eine höhere Analysis zu er- 
finden. Die Einheit der Welt in- dem Unendlichen (Apeiron), als 
Princip des Vorhandenen, hatte schon Anaximander aufgestellt. 

Die Buddhisten vermeiden die allgemeine Bezeichnung der 
Ewigkeit oder Unendlichkeit, und wenden solche Ausdrücke 
von Akanishta oder Ananta nur in directen Beziehungen an, 
indem sie Zeiten und Räume nach arithmetischen Operations- 
methoden auszudrücken suchen. Von den Anhängern dös Mar- 
cus flihrt Irenäus folgende Stelle an: „Als der Demiurg das 
Unendliche, Ewige, Unbegrenzte, Zeitlose der oberen Ogdo«8 
nachbilden wollte und das Bleibende und Ewige derselben in 
seinem Nachbilde nicht erreichen konnte, weil er die Frucht 
des Hysterema war, so hat er in Zeiten, Perioden und viele 
Jahre umfassenden Zahlen das Ewige desselben auseinander- 
gelegt, in der Meinung, durch die Menge der Zeiten das Un- 
endliche desselben nachzuahmen. Darauf sei, da ihm die Wahr- 
heit entflohen, die Lüge gefolgt, weshalb sein Wort nach 
Vollendung der Zeiten ein Ende nehmen werde." Nach den 
Motakhallim ist das Unendliche (als eine Unendlichkeit der 
Zahl verstanden) sich selbst widersprechend und daher un- 
denkbar, so dass es ganz aus der Wissenschaft verbannt werden 
muss (Stöckl), da noch kein Leibnitz im Fortgange zu den das 
Räumliche überschreitenden Functionen zum Differentialbegriff 
hindurchgedrungen war. 

An die Avidya knüpft sich die Kette der Nidana, vor der 
den Menschen keine Theia moira bewahrt, wenn er sich nicht 
selbst die Befreiung erringt. Auch in dem Paradoxon Socratea*, 



Die Avixa. 365 

dass kein Mensch anders als unwissentlich und un vorsätzlich 
unrecht handle, zeigt sich die Unwissenheit als Quelle allen Un- 
rechts. In dem qualvollen Leiden ihrer Verirrung gebar die 
Sopheia das formlose Wesen (auogqog ovöia), dessen sie sich 
selbst schämte. Der Ursprung von Avixa (Avidya) sind die 
Pancha-Nivon (\\si oder flinft'achj, die sie als Speis* (Ahan) 
unterhalten durch KamachoU; Phayabath; Thinamitha, Uttacha- 
Knkutcha und Vichitkitsa. 

Avixa, das im Siamesischen durch Mai ru cheng fni^'^t 
klar zu wissen) erkliirt wird, ist Pacchai-rek, als vom Nivon 
(Nivara) konmiend, und dieses bedeutet kan oder verhindern, 
von der Wurzel vara (wünschen oder hemmen) mit dem regie- 
renden ni als Upasak verbunden. Auf dem Nivon, der tugend- 
hafte Handlungen hindert, begründet sich die Avixa, die aus 
Moha (zum Irrthum führende Dummheit) fliesst. Die fünf 
Chetasik akuson (in schlechten Neigungen), die das Nivon bilden, 
sind Kamachon (Fleischeslust), Phayabat (Hast), Thinamita 
(träumerische Stumpflieit), Uttacha-Kukucha (angstvolle Unnihe) 
und Vichitkitsa (Zweifel). Mit Avixa beginnt dann der Cirkel 
der zwölf Nidana. In Buddha's Erkenntniss derDharma wurde 
die Welt durch das Licht des Wissens erhellt. „A-mmonii ali- 
quando sapientia orbi illuxit, (|uem etiam divinitus edoctum ap- 
pellari praedicat (Hierokles)," heisst es bei Photius von Am- 
monius Saccas,* ) der die Streitfragen zwischen Plato und Ari- 
stoteles vermittelte. 

Die Religion zerfsillt in Sat, Samati und Panja. Auf das 
Studium des Gesetzes (Pariyatitham) folgt die Erfüllung des 
Gesetzes (Patipatitham) und dann die Rechtschaffenheit im Ge- 
setz (Pativetatham), ohne Zumischung von Bösem. Die vier 
Ogha oder Ströme des Asava sind Kama (Lust), Bhava (Exi- 

*) Saccfts videtur ex eo dictas Ammonios, qaod meicibos ex portu Alexan- 
drino comportaDdis victum alibi quaesivisset, cujusmodi bomioes Saccarios antiqni 
Tocabant (Valesius). Das Wort Sack ist von dpu Skythen in fast alle Sprachen 
übergegangen, wie neuerdings im europäischen Indien Kuli. Perisae illos Sacas 
in Universum appellavere, a proxima gente, Antiqui Aramaeos (oder Arimer, als 
Syrer bei Strabo), sagt Plinius von den Skythen. Den Griechen war Sakas oder 
Thracier ein Knechtesname 



366 Religiöse VorAtellangen. 

stenzl Driflliti fZweifel) iiiidAvidya f Unwissenheit). InderSan- 
sara brcclien sich die Spiegelbilder der Maya. Als das Urwesen 
im Spiegel der Maya sich uinzusehauen begann, ward die 
Schöpferkraft thiitig (s. Hohlens). Nachdem eigenen Bilde, das 
er im Spiegel sah , schuf der Demiurg die formenreiche Welt 
(beiPlato). Der Demiurg der Valentinianischen Gnostiker bildete 
nur, wie durch seine Mutter bewegt, war sieh aber dessen eben 
so wenig bewusst, wie der javanische Schöpfer, und Hess sich 
deshalb von den Propheten ftir den alleinigen Gott erklären. 
In der Erkenntniss des Schmerzes begründen die vier Aryasatr 
die Lehre Buddha% und „dass die Menschen elend sind/ wurde 
von Pythagoras für den wahrsten Ausspruch erklärt. DiePhra- 
Trai-Laksana (die drei Zeichen) sind Anicha, Dukkha, Anatta 
(Anitschnng, Dukkhang, Anattang), als die Phra-Trai-Laksana- 
Yun. Durch die Kenntniss der Aryasath si-yang (Thukkhasath, 
Samutthayasath, Makkhasath und Nirodasath) erwarb Gautania 
den Titel Phuttlio. Der Krahat (Laie) steht niedrig im Ver- 
gleich zum Ubasok oder zur Ubasika, als mit dem Verständniss 
begabt, bun und l)ab zu unterscheiden. Die Arahat oder Arahan 
besitzen die Fähigkeit des Fliegens. Sota meint die Substanz 
oder den Strom des Wissens, und Sotapatiphallang die Früchte 
(Phon oder Pholla) der Arya, wenn sie zuerst Makh und Pen 
erlangen. Supra-Buddha, der zu denen gehörte, die den Bettel- 
gang Gautama's (seines Schwiegersohnes) hindern wollten, wurde 
lebendig in die Hölle aufgeschluckt (wie Devadatta). 

Die 4 Phra-Satipatthan, die 4 Itthibath, die 4 Phra-Samab- 
pattham, die 5 Phra-lnsi, die 5 Phra-Phon, die 7 Phra-Phoxong, 
die 8 Phra-Atsadang khikamat bilden die 37 Phra-Phokhi-pakhi- 
jatham, das die Grundsätze des richtigen Benehmens in gei- 
stiger und körperlicher Hinsicht niederlegt. Die Beobachtung 
der Vorschriften (Cham Sin) ^vird auch Cham Sathan genannt, 
als ju thi ngieb, die Erinnerung des Platzes, festhaltend. Die 
8 Lokatham sind Lapo, Alapo, Nintha^ Pasangso, SakkathakkhO; 
Yasayaso, Ayasa, Ayaso. Die Verpflichtung, die verschiedenen 
Gebote zu beachten (einschliesslich der Beichte, wenn sie ge- 
brochen werden sollten ), bildet das Samathan. In der Satasam- 
Phoxangkha (thang-chet), die, wie Ananda berichtet, dem kran- 



Elemente. 3g7 

ken Kasyapa von Buddha gepredigt warde, werden die sieben 
Arten der Phra-Phoxaugka himmlischen Arzneien verglichen, 
als Sattisamphoxangkha (der Erinnerung), Passathisamphoxang- 
kha (des Vertrauens), Viriyasamphoxangkha (der Energie), Pi- 
tisampboxangkha (der Freude), Saniathisamphoxnugkha (der 
Sammlung), Thammavicayasamphoxangkha ( der Gesetzesbctrach- 
tnng) und Ubhekkhasamphoxangkha (der Ruhe) in den Sam- 
bodhiangesu oder Gliedern der Einsicht. 

Die Periode, die tHr die erschöpfende Ausübung einer der 
zehn Paramita (von denen jede in drei Theile zerfallt) erforder- 
lich ist, übertrifft an Dauer die Alter aller Devaloken und ßrah- 
maloken zusammengenommen. Obwohl er schon die Prophe- 
zeiung künftiger Buddha-Würde erlangt haben mag, so ist es 
doch dem Bodhisatwa eben so unmöglich, den erwünschten Zeit- 
punkt der Erfüllung durch Almosengaben zu verfrühen, wie der 
Landmann unßihig ist, das Reifen seines Getreides vor dem 
natürlichen Termine zu beschleunigen. Buddha's Religion heisst 
Phuttha-Sasana, als Botschaft, wie ein briefliches Schreiben des 
Königs Phra-Raxa-Sasana genannt wird. Von der allgemeinen 
MildthHtigkeit der Amithabuxa wird die speciell auf die Religion 
gerichtete in Patti patti buxa als höhere unterschieden. 

Es giebt vier Elemente oder Tliat (Erde, Wasser, Feuer, Luft) 
mit dem Akasa-that, als fünftes, in der Mitte. Die vier That in ihrer 
Vereinigung bilden die Maha-Bhuta oder Maha-Phutta-Rub, gleich 
dem Hypokeimenon , das (bei Aristoteles) Hyle genannt wird. 
Das Xivitr-Insi ist das Leben der Sinnesthätigkeiten , das Py- 
thagoras auf die Lebenskraft der Wurme zurückführt, während 
nach ihm (bei Diog. Laert.) die Gedanken Aushauchungen oder 
Wehungen (Anemoi) des Geistes sind, und gleich diesem un- 
sichtbar wie der Aether, von dem sie stammen. In der San- 
khya ist die Buddhi ausgebreitet, wie der reine Raum (Akasa), 
ähnlich dem des Heraklit. Die fünf Kantha bilden in ihrer Ge- 
gammtheit den subjectiven Eindruck des aus ihnen bestehenden 
Menschen, ohne im Aham*^) (dem Ich) des Pugdala (des Indi- 



*) ^ach der Sankhya geht der das Maiias erzeugende Ahankara aus der 
Bnddhi hervor, die als Mahat von der Pakriti geboreu ist. Die sich auf den 



368 Religiöse. Voretellungen. 

duimiR) ihren realen Schwerpunkt zu finden. Durch das Thü- 
tigwerden der Vitthi-Chitr tritt der Geist in Wechselwirkung 
mit der Aussenwelt, und die Chitr ag:iren *) durch die Chetasik, 
die gleichzeitig mit ihnen entstehen und verschwinden. 

Es ist die Aufgabe der buddhistischen Speeulation, alle Dinge 
in ihre Wurzelelemente zu zerlegen, und nach Posidonius stammte 
die Lehre von den Urbestandtheilen der Materie schon vor dem 
trojanischen Kriege von dem Sidouicr Moschos, dessen prophe- 
tisches Priestergeschlecht von Pythagoras aufgesucht wurde. Im 
Mahayana zerspringen die Träume des Wirklichen, einer Wasser- 
blase gleich, und Orpheus, dem die Hyle aus einem unbegrenz- 
ten Bythos floss, vergleicht das All mit einer Pompholyx. Mit 
Abnahme der Tugenden geht im periodischen Wechsel der 
Kaipen die Welt zu Grunde, und die Chinesen machen ihren 
Herrscher filr ein fruchtbares Jahr verantwortlich, weshalb der- 
selbe bei Dllrre Busse thut, um den Regen zu verschaffen, den 
Katchiba,**) Häuptling der Obbo, seinen ünterthanen je nach 
ihren EinSteuerungen gewährt oder vorenthält. 

Das Leibliche bildet den Kerker der Seele und ist, wenn 
auch ni(*ht die primäre, doch durch den Sinnenreiz die sccun- 
däre UrsacHe des Bi)sen. Wie Plato einen Fall der Seele im 
Zustande der Praeexistenz annahm, so kann es in relativer 
Weise auch im Buddhismus gelten, indem die göttlichen Men- 
schenahnen durch das Erlöschen ihres in vorweltlichen Ex- 
istenzen angesannnelten Verdienstes vom Himmel auf die Erde 
herabgezogen wurden. Der Gang der Entwicklung verfolgt jedoch 



Geist als absolute Einheit beziehenden Principien sind 2i (s. Windischiuann), 
während bei mehreren Theosophen 25 die Zahl des Menschen ist. 

*) Die meisten Aschariten (sagt Maimonides) nehmen an, dass, wenn die 
Rchreibfeder bewegt wird, von Gott vier Arcidentien geschaffen werden, von denta 
keine die Ursache des andern ist, sondern deren ganze Verbindung nur In dm 
Zugleichsein besteht, nämlich: der Willen, die Feder zu bewegen, dann: dal 
Vermögen, sie in Bewegung zu setzen, ferner: die Bewegung der Hand telblti 
und endlicli : die Bewegung der Feder. 

**) .,1 have a honsefiil of tliunder and lightning," prahlte er vor Baker, Arck« 
tete aber doch, in kritischen Zeitpunkten geopfert zu werden, wie Schwedens altl 
Könige und der fdr den entflohenen PhriiLus bedrohte Athamas. 



L« 



SinneAempflndnnir* 369 

den natürlichen Weg vom einfachen zum vollkommneren Ent- 
falten. Nach Clem. Alex, nahm Valentin ein von Natur selig 
werdendes Geschlecht an, welches ansgczeichnete Geschlecht 
herabgekommen sei zur Aufliebung des Todes, die Erzeugung 
des Todes aber sei ein Werk des Weltschöpfers (s. Baur). 
„Nicht geboren zu sein, ist das Beste," wie Silen meinte im 
moralischen Katzei\jammer. 

Wie Rupa, wenn gesehen, sich in das Ayatana des Auges 
verwandelt, die gehörte Stimme in das des Ohres, so bildet das 
Verständniss des Mano das Dharmayatana^ das nach der Maha- 
sanghika (und ihren Secten) kein Gegenstand der Erkenutniss 
ist. Nach der Schule Sarvastivada dagegen ist dasDharmaya- 
tana etwas Begreifliches (s. Wassiljewj. Wie Rupa für das 
Auge, der Schall flir das Ohr, ist Dhamma das Aroma des 
Mano. Gleichwie die Sinne zum Empfundenen, so verhält sieh 
(nach Aristoteles) der Verstand*) zum Verstandenen. Mit der 
entsprechenden Sinuesauffassung zusammentreffend verwandelt 
sich das Aromana in Ayatana. „(oportet concuiTcre animam et 
objectum praesens et hoc in specie intelligibili" TDuns Scotus). 
Ayatana geht zu den Früchten fort, Gewinn auf Gewinn häufend. 
Arom meint etwas gemessen oder sich dessen freuen, wie der 
Form oder Farbe, der Stimme u. s. w., nach den specifisehen 
Qualitäten des jedesmaligen Sinnes. Nach Aristoteles muss 
der actuell vorhandene Schall und Gehörsinn auch potentiell 
existiren. 

Als drei Arten der Vinyan im Erblicken von Gegenständen 
unterscheiden sich Vinyan-Asai-Chakkhu, Vinyan-Khong-Chakkhu 
und Vinyan-Nai-Chakkhu. Der Mano wohnt im HerzeU; im Una- 
Chai oder Seelenkopf der Siamesen. Herzen wurden von den 
Azteken geopfert, und Zeus gab der Semele das gepulverte 
Herz des Zagreus zum Getränk, um Dionysos zu gebärenÄv 
Chitr Vinyan nan khü sing thi yu nai tua khong thnkh khon^ , 
thi hai khit dai nan: Es ist der Chitr- Vinyan , der, in Jeder- 
manns Person existirend, das Denken bewirkt. Der Chuti-Chitr 



*) Daher ist der Verstand der Seele nichts, ehe das Denken eintritt {ovSer 
Baatlan, Reite In Stam. III. '^4 



370 R«lifrlo»« VorstelliiDgen. 

(der Vinya-Khandha) igt das zuletzt lJobrigl)leihende znr Wieder- 
geburt. Chuti bedeutet Fortwanderii zur Wandelung. Bei dem 
Lüugnen der Pcrsr)nlichkeit wird aber der Zusammenhang nnr 
durch das Kam unterhalten und fehlt das Feststehende in den 
wechselnden Geburtenwechseln*) Plato's. „Auf Geheiss des 
Schöpfers befestigten die den Menschen aus dem Mischkesscl 
bildenden Götter die Umkreisungen der unsterblichen Seele an 
dem beständig zu- und abfiiessenden Körper.^ 

In der Constitution eines neugeborenen Kindes liegen nur 
wenige Chitr vor, und auch diese sind vorwaltend böser Natur. 
Im Arahat ist die Zahl der Chitr gleichfalls eine beschränkte, 
aber solche, die sich finden, sind gut (Kuson). Der Erste, der 
von den Chitr hervortritt, ist der Phavangka-Chitr ( der Existenz), 
der an sich selbst indiflFerenter Natur ist und erst später zum 
Bösen oder Guten determinirt wird. 

Thamma ist das Aroma des Mano-Vinyan, und das Gesetz 
liegt im Denken selbst begründet, obwohl es später dnrch Zu- 
fligung der aus der sinnlichen Erkenntniss gewonnenen Resultate 
vermehrt wird und wächst. Wird das Thamma zur That, so 
verwandelt es sich in Khaumia. Dadurch, dass die religiösen 
Vorschriften beobachtet werden, nehmen die Kuson-Chitr im 
Mano-Vinyan zu und gewinnen an Ausdehnung. Ausser dem 
durch Aromana producirten giebt es keine Chitr. 

In Thieren waltet das Akuson-Thamr (das Gesetz des Bösen) 
vor, und solche haben deshalb nur wenig Gelegenheit, durch 
gute Werke Verdienste zu erwerben, so dass sie im Allgemeinen 
warten müssen, bis ihr Kamma sich erschöpft hat, um dann in 
menschlicher Existenz wiedergeboren zu werden , aber anfangs 
noch unwissend und roh oder als Waldbewohner. 

Der Gegenstand, der den Chitr im Augenblicke des Todes 

i beschäftigt, wird die nächste Existenz beeinflussen. Die auf 

den Himmel gerichteten Gedanken führen dorthin, die der Hölle 



*) Jeder menschliche OrgaDisnius durchläuft während seiner Dtner vÖUlg ge- 
sonderte Lebenszustände und abgeschlossene Perioden, bemerkt Ficht« biiiileht- 
lich der Seelenwanderung durch die verschiedenen morphologiich«! Stofen der 

Organisation, wie sie der MonKch in» Fortal-Leben dnrehlänfl. 



Die Ohltr. 371 

znr Hölle, die an der Vorstellung eines Hundes oder andern 
Thieres klebenden bedingen einen solchen Körper zur Wieder- 
geburt (wie dem Tahitier in der Form seines Atua). 

Die Chai folgen sich in einem beständigen Strome*) des 
Sterbens und Neugeborenwerdens. Der Xivit-Chai besitzt nur 
momentane Existenz, und seine Natur ist eine rasche (reoh). 
Der Xivit-Khlong-Rub währt länger (xa nahn), da er bei dem 
Körper während der ganzen Zeit seines Lebens verbleibt, beim 
Tode aber entfernt er sidh und verschwindet. Die Persönlich- 
keit**) liegt weder in der Nama-Kandha, noch in der Rupa- 
Kandha, und eben so wenig in einer getrennten Selbstheit, 
sondern der Pudgala wird nur als die Zusammenfassung der 
Theile begriffen. Dagegen sagt der Commentator des Abhi- 
darma-Kö^a (bei Bumouf): „Ce Je ou Moi (Aham) c'est la per- 
sonne, le Pudgala." Das Sterben ist der Augenblick jener 
Befreiung von der Einseitigkeit einer Individualität, welche 
nicht den innersten Kern unseres Wesens ausmacht, vielmehr 
als eine Art Verirrung desselben zu denken ist (s. Schoppen- 
hauer). Wie den Buddhisten erfüllt die Körperwelt auch den 
Gnostiker mit Ekel (Bdeluria). 

Panya wird der Kcnntniss des Knaben verglichen, der Gold 
als solches erkannte, aber Nyan ist die Wissenschaft des Gold- 
schmiedes, der die Feinheit zu bestimmen weiss. Buujakamaug 
bezeichnet das Kam der Bun als verdienstvolles Handeln, Ba- 
phakamang das Kam der Bab oder Sündigen. Aprakha geht 
auf Unterdrückung der Leidenschaften. Sukri bedeutet tugend- 
hafter Wandel, und Usajok drückt Begabung mit Geduld aus. 
Tham bedeutet predigen, Sut das Gesetz herzubeten, thuai Ver-... 



'^ 



rt 

*) „Nach Colebrooke lehren die BDddhisten, dass IntelligfDz (Tschltta) 0m ^ " 
und dtttf«lbe mit Selb«t (Alma) und Rrkenntniss sei, als Bewiisstsein der Kmpfln-«*' 
diiiig0D oder ein bestindiger Fluss und Strom der Erkenntnis» und des Gefühls, 
Id einer Aufeinanderfolge von Gedanken. ** 

**) Die Subsiatenzen der Seele und des Leibes und ihrer beiderseitigen Ein- 
heit sind das quo est des Menschen, während er selbst als Ganzes sich wie das 
qnod est nirtiilt. Der Mensch als solches ist etwas Anderes, als Seele und Leib, 
beide Ar tieh genommen. Im Tode hört folglich der Mensch als solcher völlig 
auf, obgleich seine Bestandtheile ihr Dasein nicht verlieren (Gilbert de la Porree). 

24* 



372 Religiös« Vorstfllnngen. 

saDimhing ; die Khanthi-tliotRaiint-Plira-Rax:)tli:un logrcifeii die 
Kantlia in den 10 Kaxathani. Vivaba bezieht sich auf die 
Männer, Avaba auf die Frauen. Von Iriyabat sind vier Arten, 
Rub, Vethana, Sanya und Sangthaui. Babtham wird erklärt, 
als Abaiyatham; die Früchte des Guten und Bösen bilden das 
Vibak. Pasath; als glänzende Erscheinung, dient dazu, die Auf- 
fassung durch die Sinne zu erläutern. Mano gehört zu den 
Chetasik, Atta (Seele im Sanscrit) meint Eigenselbst, Ahangkara 
uns. Die Wechselwirkung zwischen Pasath (Prasadn) und 
Aroma entspricht in der Verbindung der, die subjective des 
Pythagoras und die objective des Demokritos vermittelnden. Auf- 
fassungsweise des Plato, der das Sehen durch das Ausgehen 
von Sehstrahlen vom Auge und ihr Zusammentreffen mit den 
aus den Dingen ausstrahlenden Lichtbildern erklärt 

Die Thaht (Wurzel oder Element) von Phothi und Phuttha 
ist dieselbe (u pcii o). Phothi (mit na-pacchai) ist kattu, kamma 
und phavathana in der Kenntniss des Wissens. Phuttha (mit 
ta-pacchai) ist Kattu (activ) oder Kamma (passiv), als der 
Wissende oder (im Gesetz) das Gewusste. Chitta ist das Thaht 
von Chitta selbst, Chetasika ist Ikä oder Nika-Pacchay, Che- 
tana ist Ju-Pacchay. 

Buddha's Titel Phra-Phutthaphak wird siamesisch aufPhra- 
Ong-Phu-Son-Phra-Phak gegeben. Sukato, als Titel Buddha's 
heisst der Wohlwandelnde, und Tatakoth wird erklärt als Thata 
(so) und akhatho, da er denselben Weg wandelt wie sein Vor- 
gänger. Als Prinz wurde er Siddhartha *) genannt Durch die 
fortgesetzte Meditation bei seiner Transfiguration erwarb sich 
Buddha die Kenntniss seiner vergangenen Existenzen, wie sie 
dem Aethalides auf seine Bitten von Hermes gewährt wurde. 
Samasamphuttho ist der Name Phra-Phutti-Chao's, der auch von 
der Sonne (Athit) Athitchabanthu heisst Sammasambaddha 
(Samyaksambuddha) heisst der ganz Erwachte. Buddha, der 
beim Fortgange das Gesetz als Vcrmächtniss lässt, entspricht 
dem vollendeten Weisen bei Plato, der genttgt, das sich ihm 



*) Tlie EstablUher , su called , becaiiB« he woiild be a blessiiift to tlw world 
^sidliaJta) and also gr^at probpcrity to hiniKelf. 



Der SinueDhimm«]. 373 

vertrauende Gemeinde wesen zu beglücken. Eine Vergötterung 
Plato'8 findet sich (nach Boeckh) in dem Gebete des Atheners 
Nikagoras, der ihn bei dem Besuche des ägyptischen Theben 
um seine Gnade bittet. Jedem Buddha gehört sein heiliger 
Baum zu, und auf den Blättern eines solchen glaubte Huc in 
Tibet die Buchstaben zu sehen, die auf den aus des heiligen 
Joscio Munde gewachsenen Rosen seine Verehrung der Maria 
bezeugten. 

Im Himmel Paranimit, der höchsten Terrasse der Sinnes- 
freuden, geniesst jeder Gott, von 100,000 engelischen Dienerin- 
nen umgeben, 9,216,000,0(X) Jahre der Seligkeit, und der dort 
weilende Herrscher, Mara (Phaya Man) oder Phaya Savatima- 
ratirat sucht Buddha's Erlösungsplan durch seine Angriffe zu 
kreuzen, weil die Bekehrungen zum Neibban die Welt der 
Fleischeslust ihrer Bewohner berauben und sein Reich ent- 
völkern. So zerrissen die auf Erden gewaltigen Titanen den 
Körper des Dionysos, den Stifter der aus der Unterwelt zum 
Aetherhimmel rettenden Mysterien, um ihn völlig zu vernichten, 
aber schon war ihnen der durch den Genuss des Göttertrankes 
unsterbliche Geist entkommen, und stieg nach der Auferstehung 
vom Tode zum Vater in der Hölie empor. Dionysos wird des- 
halb auch mit dem Weine identificirt, aus dessen Rausche die 
Offenbarungsstimme spricht und heisst (bei Proclus) Oinos, wie 
der persische Prophet Hom oderSoma. In den, Spirituosen verbie- 
tenden, Religionen musste die Steigerung des Geistes, damit er zur 
Erlösung aus dem Kerker des Leibes fortschwebe, durch mystische 
Exaltation herbeigeführt werden (in den Areois durch Tänze). 

Nachdem Shakyamuni in seinen Vorexistenzen den Buddha- 
Brachma-Deva verehrt hatte, unter dem Wunsche einst selbit 
Buddha zu werden, und dann ebenso den Buddha GautamH 
(den Aelteren), empfing er seine Verheissung durch den Buddha 
Dipinkara. Die Siebenzahl der Buddha's in ihren letzten Re- 
präsentanten entspricht den sieben Rischi's. Nach Demetrius 
Pbalereus entstand die Benennung der sieben Weisen (unter 
denen der Dreifuss umhergesandt wurde) in demselben Jahre^ 
in welchem Thaies die Sonnenfinsterniss vorher gesagt hatte 
(5Ö5 a. d.) nach seinen in Aegypten erworbenen Kenntnissen, 



374 Rellgiöftp VoretellnngiiU. 

seitdem dieBes Land durch Psammetichos den loniern geöffnet 
worden war. Die Buddliawerdung in Verklärung des achtsig- 
jährig gestorbenen Shakyamuni (y 54;^ a. d.) wird nach ver- 
schiedenen Angaben zwischen sein ;i;istes bis 40stes Liebensjahr 
gesetzt. Als Gautania die Verkttndignng *) der Buddhawttrde 



*) lu Sue-Handare-Metankere-8amADere-SAmewahan8e*8 MittheiluDg helsst es: 
Befure he conie to the State of Budha, he had as he wlshed, aiMndoned aU his 
riches and shewed all poäsible mercifülness, after wich he died often and belog 
born agaiii, lie met flrst the Budhu named Bragmedewe , and then wishiDg to 
becoiue also Budhu, he feil at hU feet. Since that Walking daring innamerable 
years with a sincere inteiitioii of his heart he met a second Buddha, called. Gan- 
teme and worshipped him also with such desire. Aiterwards flatteriDg himeelf 
with the hope duriup innumerable years, he remained under the goveroment of 
the Rudhu Dippankpreuan, who like a shining light was the highest ruler of the 
three wurlds in the city of Anunerawetie. Born fk-om a high parentage of BraK- 
minb and called the Prince Saomedanam, as he grew up there, he had an avertion 
to all temporal riches and on the other hand concei^ed a desire to go OTer to the 
priesthood (Uphaui) Sich in seinen Trans migrationen bestandig vervoUkommnend, 
trat Buddha schon bei der letzten Wiedergeburt als weises Kind in die Welt, wie 
Laotse, und nahm täglich zu au Weisheit und Verstand. Die Biographen ei- 
zählen bei seiner Krziehung voo derselben Frühreife, die das Kinder-Evangelium 
in der Erlernung des Alphabetes kennt. Der Sohn des cochinchinesischen Gene- 
rals Mac-uh, der auf dem Feldzuge gegen die Siamesen unter der Erseheinong 
eines Phoiissa geboren ward, wurde durch die Gunst dieses Genius mit hohem 
Verständniss begabt. Noch ganz jung, berichtet der Giadinh-thnngchi , brauchte 
er nur ein Buch in die Uand zu nehmen, um es sogleich lesen und verstehen zu 
können. ^AIs der Konigssohn (Sarva Siddhartha) grosser geworden war, zeigte er 
sich erfahren in den Buchstaben, in Mathematik sowie in den übrigen Arten des 
Wissens; auch an Starke uud Geschicklichkeit übertraf er Devadatta und die 
Uebrigen, darum naunte man ihn Thubpa (Thubba) oder der Mächtige*^ (nach der 
Gyelrap); Nach ähnlicher Bedeutung wird Sakka gebraucht (Sakkattam papuni) 
in der Dadhiv&hana Jataka (s. Fausböll), in der der älteste Bruder zurückkehrt 
und die nach Isis Weise lebenden Eremiten mit Zaubermittelu begabt Die Chi- 
nesen iibersetzrn Upasika (yeou po che kia) durch I.i-seng (vobore nati). Im Bir- 
manischen wird statt Upasako auch gesagt Taka (Phaja Taka), früher ein ehren- 
voller Titel, wie Thakura im Sanskrit. Hochang est un mot de im laiigne de 
Khotan derive du Sauscrit oupa sika et introduit dans le Chinois, ou il d^igne 
en geiMTal les prfitres bouddhistes. Nach Buston wurden die chinesischen Ho- 
chang in Thibet vor Konig Krisrong-ode-btsan durch den Inder KamaUcUa in 
einer Disputati(»n widerlegt. König Milinda (der in Sagala, nicht weit von Kaseh- 
mir, lebte) war in Alasanda geboren. Nach dem Mahawanso war Aluadd« die 



Der Köiiigssohu. 375 

erhalten, schritt er hestäudig auf dem Wege der Vervollkomm- 
nung fort. 

Mittelalterliche Reisende in Indien hörten Buddha oft als 
einen Prinzen Ceylons beschreiben, und in China wird er als 
ein Königssohn Slams dargestellt, der dem Throne *) entsagte. 



Hauptstadt des Yona-Landes (Alwis). Sigal urbs obi regia Sacarum, propeque 
Alexandria arbs et noo procul Alexandriapolis urbs (bei Isidorus). Die Bewohner 
Taxila's Messen Taxiloi bei Nikephoros. Ausser dem von Asoka gegründeten 
Tosala nennt Ptolomäos eine östliche Stadt. Nach Täranatha war Arjäsanga, der 
vom KSnig Oambhi-rapakscha (Zeitgenosse des Turuschka Mahäsammata) beschützt 
wurde. Lehrer im Königreiche Javana in der Stadt S&gara (900 Jahre nach Buddha), 
die im Westen lag. Sakita oder AJodhya war (nach Lassen) die Residenz der 
Gupta in ^einer der glorreichsten Perioden der alten Geschichte Indiens.'' Die 
unter dem kaschmirischen KSnig Meghavahana (der aus Ruma stammte) erwähnte 
Stadt Saka war (nach Lassen) von Indoskythen bewohnt. Markianos setzt die 
Sogd lauer und Saker jenseit des Imaon. Wie Pasinara mit Pagan und das von 
Maraju aus Arakan neugegründete Mareur mit Prome identiflcirt Lassen die Stadt 
Adisaga (bei Ptolomäos) mit Tagoung (der ältesten indischen Gründung im Ira- 
waddithale), so dass sich Abhiraja als Athi-Sakah neben AJi-Saka in Java stellen 
würde. Die Abhira werden in der Nähe der Madras erwähnt. Ptolomäos setzt 
Abiria nördlich von Pattalene. Das Mahabharata erwähnt des siebentheiligen Saka 
dvipa (Kalakuta oder Kulinda) an der nordwestlichen Grenze Indiens. Sakala 
(Wohnung der Saka) war Hauptstadt der Bahika, der vom Kriege (ohne Brahma- 
nen und Könige) lebenden Stämme des Panchanada (s. Lassen). Ptolomäos er- 
wähnt Sagala als Stadt der Pandovi, und Saggala, als Stadt der Kathaioi (bei 
Arrian) oder Xatri, war (nach Lassen) mit der Stadt .Sakala der Madra identisch. 
Sagala (Mirzapur) war von- den Sakala im Pendjab gegründet. Die Hauptstadt 
der Adisathroi, die an die Arvarnoi grenzten, hiess Sageda (Saketa) und war 
(nach Lassen) von Fürsten der südlichen Kosala gegründet. Pausanias hielt die 
Serer, sowie die Bewohner der Inseln Abasa und Sakaia, für Aethiopier. Nach 
Rachias hatten die Serer röthliches Haar und blaue Augen. Ptolomäos setzt die 
Saker in die westliche Suugarey, und „die Soongarey ist das Land, so die Chi* 
neser Usiun nennen,^ meint Hüllmann. Les montagnes qui sont au sud-eii du 
lac Salsang ou les montagnes des Marmottes sont nommees ^par Ssanang Setzen) 
Sakhara Tarbaghata et un roi de Khodjo partait le nom de Sagara. 

*) Unter den jüngeren Gupta (an der Narmada) soll König Baladitja bei An- 
kunft eines chinesischen Pilgers der Welt entsagt haben. Der Commentator der 
Visehnu Purana, die Gupta einen passenden Namen für die Vaicja nennt, führt 
als Beispiel der Anwendung Chandragupta an. Aegypten war Aguptas (das Be- 
schützte), wie es Diodor beschreibt. Der am Godavery regierende Fürst heisst 
Siri-polemaios (Sri-Puliman) bei dem Alexandrinischen Geographen. 



i 



376 Religiöse VorBtellangen. 

Die brahraanischen Mythen führen ihn auf das Königsgeschlecht 
des Mondes zurück. In den pythagoräischen Diatheken ("bei 
Justinus ) wird ein Stiidirender oder Mathematikos als Sprössling 
des leuclitenden Mondes und Musensohn (MousaioB) angeredet. 

Statt 24 werden auch sieben Buddhen aufgezählt, und die 
pseudoclementinischen Honiilien nennen die den Pythagoräem 
(wie den Gallas) als Kairos oder Zeitmaass heilige Siebenzahl 
der Propheten, durch welche das emphyton kai aennaon pneuma 
hindurchging, die sieben Säulen der Welt. Aristobulos bezieht 
die heilige Siehenzahl der Essäer auf die Sopheia. Mit dem zu- 
künftigen beläuft sich die Zahl der Buddhen auf 25, ist aber 
im Mahayana unbegrenzt, wie (nach Cicero) die der Welten 
Anaximander's, deren Götter in langen Zwischenräumen ent- 
stehen und vergehen. Nach Buddha's Prophezeiungen wird 
Phra-Siahn (Phrn-Sri-Ariyah ) im Geschlecht der Phrahm ge- 
boren werden, und entspricht er bei den Siamesen dem Mettay 
CArimatheiya) der Laos. Er war einst in dem Dorfe Kham 
(in der Nähe Ayuthia's) als Fischer zur Welt gekommen, lebt 
aber jetzt als Pliotisat im Himmel, die Erfüllung seiner Zeit 
erwartend, wenn der Wunderbaum Kabphrttk zu blühen beginnt. 
Praariasseria wird auch in riesiger Gestalt gedacht, wie die 
Engel der Mohamedaner oder der Paraklet der Manichäer. Als 
er in den Wald zog, legte Gautama den Namen Sithat ab. 
Mokala hie^s Kolit, ehe er unter Buddha's Jünger trat, und Sari- 
butr hiess Supadit. 

Einige von Buddha's Schülern, als Mokhala, Saributr, 
Kacchai, 8tarl)en vor ihm, und bei seinem Tode waren nur 
Ananda, Anuruth, Kassapa und Upali übrig. Buddha's Schüler 
Kassapa wird als Ariya-Kassapa von dem früheren Buddha 
CPhuttha-Kassapa) unterschieden, dessen Symbol die Schild- 
kröte*) bildet. Die Gestalt der Lotusblume ist eine Repräsen- 

*) Die Schildkröte findet noch jetzt in Hinterindien ihre Verehrong, nod in 
China wird sie zur Divination gebraucht im Ahneusail (nach dem Likl). Ntoh 
dem Pnn Tsaou entspricht die obere Schale (mit der ConsteUation des Himmelt) 
dem Yang, die untere dem Princip der Erde oder dem Tiu. unter den darne» 
slschen Planetenzeichen findet sich der auf der Schildkröte reitende DeradA 
(Khitao). Taaroa erneuert seine Schale im Weltenscbaffen. 



V 



Adi-Buddha. 377 

tation Bnddha's in buddhistischer Symbolik. Riib dok bua 
pen sangke Phra-Phattichao. Nach dem Kamphi-Sasankroli ist 
das Symbol Kukuson's ein Hulin, Gonagon's eine Schlange 
(Naga), Kassapa's (Kasob oder Kasyapa) eine Schildkröte, und 
des Buddha Kodom (Gautama) oder Sithat's eine Kuli. Dazu 
kommt Si-Ariyah als Tiger. Der Heros Bntes fSohn des Pandion) 
war Pflüger und Stierhirt. Von den Wesen, in die sich Buddha 
auf seinen vergangenen Existenzen einkörperte , war der Nok- 
Krachok (Sperling) das kleinste und der Elephant (Xang) das 
grösste. Als Sieger aller körperlichen Gebrechen heisst Buddha 
auch Xina*) (Jina). Phra-Phuth tang-kun oder Phra Metrai 
lebt im Himmel als der künftige Buddha. 

Obwohl nicht im Palitext, findet sich doch in einigen Sutras 
(wie im Sasankroh, Thammabot u. s. w.) das Wort Atiphuttho, 
und auch Atithaphuttho kommt vor, in Anwendung auf die 
früheren Buddha, als die Alten, besonders auf Kukuson. Bud- 
dha's Abstammung aus Benares geht auf die Ixvaku (Kürbis) 
zurück, deren Namen in der Paliform Okkako auch die Ersten 
bezeichnen kann. Die Mutter Gautama's hiess Maha-Maja, weil 
sie vor der Geburt des Gottes ein verführerisches Weibsbild 
(Maivja) war und später den Namen beibehielt, erklären populäre 
Etymologisten in Siam. Maya Metis war Mutter des Alls bei 
den Orphikem. Buddha that gleich nach seiner Geburt sieben 
Schritte, und von Apollo singt der Hymnus, dass er eilends die 
Windeln verliess, um als Jüngling einherzuschreiten. Zoroaster 
lachte bei seiner Geburt, und Isaak, der Lacher, wird mit Zoliak 
zusammengestellt. Nach dem Jalkut-Chadash war Eva's Seele 
in Isaak transmigrirt, und Zoroaster's Ziege war mit den vom 
Baume der Erkenntniss fellenden Blättern genährt. Buddha war 
ans der Seite seiner Mutter geboren, ohne verunreinigt zu sein 



*} Indrabhiiti, Vaynbhuti und Agnibhuti waren (nach Hemachandra) die Schüler 
des letiten Jlna. Die Erwähnung der Jaina's bei Anandagiri's Ketzerwiderlegung 
leigt sie schon im IX. Jahrhundert verbreitet (s. Beufey). Die Stiruzeichen der 
JainasbUder, die sich auch auf Java finden, bilden in dem schwarzen Fleck Dwatta- 
boDg das driUS Auge des Zeus Ophthalmites. Fewa, ol yv/uvoaoftaxM finden 
fleh b«i Hesyohlus. 



378 K«ligi5Kf Vorstellungen. 

(obwohl die Mongolen sie vorher durch Indra noch reinigen 
lassen), wie Rustam fals Caesar) aus dem Leibe Rndabah's 
ausgeschnitten war, und ebenso Rogdai, der russische Held von 
Kiew, der allein den bulgarischen Schlangensohn Tugarin (mit 
kcsselgrossem Kopf) zu über^vinden vermochte. Brown hörte 
in Waikatto von einem durch den Attua (Gott) gezeugtes Kind, 
das die Mutter aus der Achsel geboren. Als Bnddha's Mntter 
die Elephantenerseheinung erblickte, empfing sie nach Einigen 
durch das Ohr, das auch bei Meschiane die Hand des Meschia 
aufnahm, und Augustin bemerkt: Beata virgo per aurem im- 
praegnabatur. Nach Damiani empfängt das Wiesel durch den 
Mund und gebärt durch das Ohr. Der psychische Christas der 
Valentinianer (mit dem sich Horos-Soter später verband) war 
durch Maria, wie Wasser <lurch einen Kanal gegangen (s. Ire- 
näus). Si üana(c) auri pluvia praegnans a Jove claret, cur 
spiritu sancto gravida virgo non generaret, folgerte Rctza im 
ir)tcn Jahrhundert. In den buddhistischen Kamahimmeln findet 
die Begattung durch Händedruck statt, aber bei den höheren 
Göttern nur durch zärtliches Anblicken. In den Phrohmhimmeln 
vervollkommnet sich das weibliche Geschlecht*) zum männlichen, 
indem die dort geborenen Frauen zu Männern werden, wie durch 
gleiche Argumentation Plato den durch sündiges Leben von 
seinem Stern Entfernten sich in ein Weib verwandeln iMsst. 

Im Thossa-Xat oder den zehn Jhataka und besonders in 
der letzten , der Maha-Xat oder grossen Jliataka, ist Buddha 
seiner Vollkommenheit als Heiliger schon nahe, während er 
in den Xat-ha-sib (den 50 Jhataka) nur als gewöhnlicher Mensch 
auftritt und in den Xat-lia-roi (den 500 Jhataka) noch unter 
Thicrformen umhcrwandelt. Die in dem Thossa-Xat enthaltenen 



*) Wie das Weib aus der Rippe des (nach Philo) aiidrogynischen Adam ge- 
schaffen wird, zieht Brahma bei der Schöpfang die Sarawati als aeine Sakti aus 
der Seite hervor. Nach Bildung der materiellen Welt zerspaltete sich bei den 
Phöniziern der Palaios (nach Clem. Alex.) oder KadmoD. Die Israeliten woUten 
sich mit dem begnügen, was Jehovah ihnen erobert, den Moabiteru das von ihrem 
(lOtte Canios Gegebene lassend. V^n den Valentinianern wurde derllrrater {avro' 
ndrat^), der Alles umfasst und in sich in Rewusstlotigkeit verscftieitt , als der 
nie alternde und ewig junge Aeon auch mannweiblich (arrenothelus). gfnannt 



Die Jntliuk« 379 

Erzählnngen dürfen nicht auf die Bühne gebracht werden, 
gleich den 50 Xat, wie die Romane von Chantakurub, Suvan- 
nathaknman und anderer Prinzen. Von Apollonius wird erzählt, , 
das« er wegen Profanirung der heiligen Mythen da« athenien- 
sische Theater verliess. In der Legende Sanigha Rakshita soll 
von Transmigrationen Buddba's in die Form einer Mauer, Säule, 
eines Baumes, von Blumen, Besen, Mörsern u. s. w. gesprochen 
werden, und duldete er in solch' untergeordneten Existenzen die 
Leiden der gnostischen Sophia Achamöth. Spätere Secten des 
Buddhismus beschränken die Einkörperungen auf die Thierwelt 
und bestreiten ihr Statthaben in leblosen * ) Naturkörpeni oder 
Pflanzen. Piaton spricht von der zurückkommenden Seele des 
Aesop, und das Alter Lokman's, der schon zu David's und Salo- 
mo's Zeit gelebt haben soll, wird auf .'^OO— HHM) Jahre gesetzt. 
Die Sib-Xat oder zehn Existenzen (Thossa-Xat ) begreifen 
Phra-Chao (den Herrgott) als Phra-Dhemia, Phra Deuurah, 
Phra Zanok, Phra Suvanlasam, Phra Nemirat, Phra Mahosot, 
Phra Pothithat, Phra Phrohmanarat, Phra Vithun, Phra Vetsan- 
don. Dann wird Buddha als der Prinz Siddhartha **) geboren, 



*) I ha^e been io many shapas before I attained a coiigeuial furni. I have 
been a narrow blad« of a sword, I have been a drop in the air, I have beeu a 
shioiDg Star, I have been a word in a book, I have been a book iu the begin- 
Ding, I have been a light in a lantern a year and a half, 1 have beeu a bridge 
for paasing over three score rivers, I have journeyed as an eagle, I have been a 
boat 00 the sea, I have been a string of a harp, I have beeu enchanted for a 
year in the foam of water. There is nothing in which I have not been (singt 
Tallesin). 

^*) Durch die in einem früheren Leben erlangte Vollendung war Asvapada 
(der dem kaachmiriachen Könige Pravarasena die Botschaft Isaua's oder Siva's 
flberbrachte) einer der Halbgötter geworden, welche Siddha heisseu. Als Isa re- 
giert Siva auf Kailasa den Nordosten, und Hhawani heisst Isani uder Herrscherin. 
Nach Rheen nannten die Lappen ihre Gotter Seithas. Die skandinavische Zauber- 
kunst heisst Siddhl. Tomsus erwähnt SeiU bei den Liwen . und die Abgesrhie- 
denen heisseo Sitte bei den Lappen. Der Granatapfel (Sida) erwuchs aus dem 
Blute des Bacchus. Eine Art der Siddhi (bei der im Zauberkreis des Maudala 
der Scepter Vradschra gebraucht wird) besteht in der Herabsteiguug des Geistes 
Patradeva (po-tlan) entweder auf den Finger oder auf einen kupfernen Spiegel, 
oder in einen Knaben oder in Opferobjecte, Wasser, Lampe u. s. w. (s. Wassiljew). 



380 Reli|rir«r VoretclIanfCD. 

der npMer al» der I^hrer (rantama auftritt und «eh ans dem, 
nehen den «ybaritisehen Städten der Linehi-Prinzen gelegenen, 
K;ipil;iwnth in den Wald zarttekzieht. Von Kapila schickte 428 
p. d. Fürst Chandrapriya eine Gesandtsehaft nach China. Die 
Sianieaen erklären den Namen Kabillaphnt oder Kabillavattn 
ZQ weilen auR Kabil (rothgelb), zuweilen ans Kabin (Affen). 
Der Heohnköpüf^Q Naradas oder (als Sohn Brahma's} Dewm- 
brahnia^ der (wie Kumaras oder Kartikeya anf einem Affen 
reitend) als Vorbild Buddha'» dient , heisst auch Kapiwaktras 
(der Affengesiohtige). Die von Waldesfrüchten genährten Affen 
sind die Gefährten der heiligen Einsiedler. Die Prinzen, die 
(nach dem Mahavanso) Buddha in seiner Existenz als Eremit 
unter dem Namen Kapila fanden, wurden (nach dem Rajavali) 
von ihrem Vater als königliche Prinzen (die durch das Heirathen 
ihrer Scliwestern die Kaste bewahrt hatten) Sakkeawansea 
(statt Okkawel) genannt. Der Affe auf dem Haupte der sla- 
vischen Sieba oder Siva (bei Woge) wurde auf Sita's Uannman 
bezogen (nach Legis). Cleres ist Sito als Getreidegöttin. 

Die Sakkharat waren vom St<amme der Khek, denen 
Schweinefleisch verboten ist, und Buddha, der zu ihnen gehörte, 
starb am Genuese eines Schinkens (ist eine in Siam geläufige 
Version). Sommana-Khodom war im Stamme der Sakkharat 
zu Kapinlawnt geboren, und weil sein Geschlecht (Vong) ein 
erhabenes*) war, so nahmen spätere Könige als Aeren-Stifter 
denselben Namen an. Sommana meint einen durch Enthaltsam- 
keit Gereinigten (Khon rangab), Kodom meint Phu mi kot (ein 
Mann mit Stammbaum oder mi-krakun). Der Stand der Magier 



Steigt er in einen Knaben nieder, so spricht er durch diesen. SoUte statt eines 
(fclHtefi ein DKnion einfahren, 80 müssen die Regeln der Austreibung angewendet 
werden. Hall er/.ählt von den Innuit oder Esquimaux, dass diese vor dem Feite 
de» neuen FiMiers (nach allgemeiner Rrinschnog des alten) um Weihnachten ein 
anderes feiern, bei dem sie im Kreise der Sidne, Tochter des Gottes Angnta, 
trinken. Siton ist Dagon (nach Rochart}. Die Seida stellen Saivo vor. 

^) When Abb^ Dubois (in Mysore) preached Jesus as the son of a carpenter 
and his apostles as flshermen bis hearers complained abont the low caste and 
advisod him tu say the next time , that they had been of the race of Kshattrlyas 
or Kings, 



Kapila. 381 

wttrde nach dem altdeutschen Mag oder Megon aufeinFamilien- 
geschlccht erblicher Wissenschaft deuten. 

Sakkaya *) bezeichnet eine Person hoher Abstammung (Khon 
Xat Sung), und Ko-lia ebenso die Versammlung der Verwandt- 
schaft. Andere leiten den Namen der Sakkhya-Fürsten von den 
vielen Teakbäumen (sak mi mak) bei Kabinlaput ab; der Ein- 
siedlerstadt. Aelian setzt Kampila an die Nordgreuze des 
Ameisengebietes bei den Issedonen. Die auf der Stelle der Ein- 
riedelei des Kabila gegründete Stadt der Teakbäume (Sakaya) 
oder Sakayarat (Kapilawastu) lag am Rohini-Fluss, und auf der 
andern Seite fand sich die Stadt KoHya, die von den Oel- 
frttchten der Kabao-Bäumc ihren Namen erhielt. Shakya^ als 
mächtig oder stark, entspricht dem tibetischen Thubpa, und die 
alten Könige des Yemen ftlhrten den Titel I obba. *♦) Shakyamu- 
ni's oder Sakka's Titel Buddha wiederholt sicli bei den Mani- 
chäeni; die auf einen skythischen ***) Stifter zurückgingen. In 
Sangs-rgyas ist Sangs (nach Feer) eine tibetische Wurzel (qui 
signifiö „pur ou plutot purifiö, devenu pur"). 

In den buddhistischen Tempeln wird Kapila häufig mit 
einem Hirschkopf dargestellt; und der Hirsch •[) zieht das Fahr- 



*) In den Bergen des felsigen A.rabien8 lebte das uralte Riesengesohlecht der 
Sakia, das den Regen anf die Erde herabzog. Nach den Chinesen war Sakyamuni 
stets Ton dem Drachen begleitet, der die Wolkenschaner auf die Erde sendet. 
Bnddha's Apostel besänftigt die Stfirme des Wasserdrachen in Kaschmir durch 
Elostergeliute. Nach schwäbischen Sagen erhält das Nebelmännlein den in den 
Rebenbergen durch den Nebel zerstörten Wein, wenn derselbe nicht durch Läuten 
▼ertrieben wird (s. Binder). 

*^) Die Lappen nennen ihren Gott Tiermes (oder Toro). Aijeke sicuti Latini 
JoTem patrem, Sweci Oubba, quod sit quasi pater bonus, avus aut proavus noster 
(nach Scheffer). 

***) Choerllns rühmt bei dem skythischen Volk der Sacae in Asida ihren 
Gerechtigkeitssinn. Propter ludicram illam regum imaginem Sacea vel Saceorum, 
id est, Regum festum vocabant, a Persico Shac, quod regem signiflcare diximus 
(Bochart). 

f) Der Priester des Bacchus trug in den Mysterien das Hirsclikalbfell auf 
der rechten Schulter, und wie an den Aequinoctien die in den Mysterien des 
Dionysos und der Demeter Eingeweihten, trugen die alten Christen (nach Pacianns) 
am Neujahrsfeste Hirschfelle, die buntgeflerkt den Gestirnhimmel verbildlichten 



382 Religiöse Vontelliinfvii. 

zeug des beschränkten Buddha^ wie des Apollo in Phigalia und 
(nach Miliin) der Diana. Die Tittbi sind die Seetenlehrer 
ketzerischer Ansichten, die Bnddha!s Predigten opponirten. Die 
Häui)ter der heretischen Secten unter den Kbek, die sich den 
Bekehrungen Buddha's entgegensetzten, werden in dem Pali 
des Mongknllathipani (von den Phra-Sutr) als Burana-Kasob 
(Kasapo, der Alte J, Natabutr, Kosalo, Kesakampalo und Vela- 
tabutto genannt. Am Schluss der seine Lehre bestätigenden 
Wunder*) exliibirte sicli Buddha dem staunenden Volke halb 
Feuer, halb Wasser. Burana-Kasob (purana oder alt) wird ala 
das Haupt der Ketzer dargestellt, und Gautama's Vorgänger 



(8. Nork). Als Symbol der UDsterblichkeit erscbeiot der Hirscb in den Psalmen 
und der die nach Gott dürstende Seele reprisentirende Hirsch in christliehen 
Legenden, mit dem Cruciflx zwischen dem Geweih. China kennt gehörnte Tenfel 
nnd giebt den gräulichen Satelliten der Ngu-Tft (fünf Herrscher) , dem einen zwei 
Homer, dem andern nur eins. Aus dem Geweih des Hirsches Eikthymir faUen, 
wie aus SiTs's Locken, die FlQsse bildenden Tropfen. Rohini , die beronogte 
OemAhlin 8oma*8 unter den Nakshatrai, wird als Reh gedacht Cerms veneno- 
sornm serpentium est vorax, huic merito comparantur fideles, qui diabolnm 
vorant (r. Cassiodorus). Das Geweih in der Nikolaikirche zu Tangermfinde konnte 
(nach Kuhn) längere Zeit nicht entfernt werden, da es beim Anrühren stets einen 
grossen Lärm machte. Baraden, Indra's Sohn, der die neun Provinzen der Erde 
beherrschte, erschien als Hirsch wieder, ehe er sich dem beschaulichen Leben 
widmete. Baraden oder Rharat (Phra oder Phaya), der Sohn des Duschmanta, 
der wie Puru durch Ha aus dem Mondgeschlecht stammte und als Ahnherr der 
Kurus in Bh&rarta warscham (Indien) galt, ciyilisirte sein Reich durch die Herab- 
rufung der erfindungsreichen Saraswati oder Ida. Als Bh&rati, Sohn der Qaknn- 
tala, beherrschte er als erster Khakravartiu die ganze Erde. Pandn machte sich 
durch Tödtung der Gazellen des Brahmanenmordes schuldig. In der Ueber^ 
Setzung der Vulgata wird dem vom Sinai herabsteigenden Moses eine Cornuta 
fades gegeben. Die historia Turpini's nennt lanras barbatas, C4>ninta8 daemoni- 
busque consimiles. Unter den 22 Buddha*s (s. Colebrooke) ist die Gaxelle das 
Symbol des Santi (Sohn Weiswazena^s) ; mit Abzug des künftigen bleiben 21, wie 
21 Patriarchen aus der Siebenzahl gebildet, indem, nach Megastlienes, die Welt 
dreimal frei geworden. 

*) Another of thi* wouders shown to Mohamed in heaven by bis guido, was 
an aiigel, half of his body consisting of snow and the other half of Are. And the 
angel said with a loud avice: ^Oh, God , I praise thee, that thou hast preveniod 
the hcat of the fire front melting the snow and the cold of the snow tnm 
extingiiishing the fir«.^ 



Die Oott«8Diutt«r. 3g3 

Kasapa (Kasyapa oder Kasob) heisst der alte Buddha. Von 
seinen Schülern war Kasyapa der Apostel Chinas, und nach 
seinem Tode präsidirte Kasyapa, <ler älteste seiner Jünger, am 
ersten Concil. Die Sutra's wurden von seinen Jüngern gesprochen, 
mit denen Buddha umherzog, wie Hilarion in Palästina von 
Mönchen begleitet, oft 20(K) an Zahl. 

Ein Huhn sass da in Meditation versunken, die Vorschriften 
beachtend, da in ihm der Wunsch erwacht war, zur Buddha- 
würde zu gelangen. Eine Schlange, die heranschlich, um es zu 
beissen, wunderte sich über seine Unbeweglichkeit, und als sie 
nach ihren Fragen den Grund vernahm, fühlte sie gleichfalls 
das Sehnen nach der Buddhaheit in sich rege werden. Ein 
Ochse, der sie beide freundlich zusammensitzen sah, konnte 
sein Erstaunen darüber nicht unterdrücken, trat aber gleichfalls, 
die Ursache hörend, als Buddliacandidat in ihre Gesellschaft 
ein. Da sprang ein Tiger herbei, sie zu verschlingen, hielt 
aber an, weil er nicht begriflF, weshalb sich keiner vor seiner 
Annäherung fürchte, und wurde, von der Sachlage unterrichtet, 
gleichfalls zum Hinstreben nach Buddha bekehrt. Als die Tliiere 
zusammen fortzogen, kamen sie an einen Fluss, über den eine 
Frau in einem kleinen Boote die Ueberfahrt besorgte. Sie trug 
Anstand, solche Passagiere aufzunehmen, Hess aber alles Be- 
denken fahren, als ihr die frommen Vorsätze der Reisenden 
mitgetheilt waren. Sie fügte aber noch den Wunsch liinzu, dass 
sie in künftigen Existenzen stets als Mutter eines dieser 
Buddha geboren werden m?)chte, und deshalb findet sich 
Gautama's Mutter noch im Himmel, die Erscheinung des letzten 
Messias in Arimatheya erwartend, als Maya*) (die grosse 



*) The Vedanta System contradictes all visible aud coiiceivable object«s, 
ealling all aJike faUe and delusive (as belog Maya) aud theo the ßanddhigts 
d«ny Ood bimself on the 8ame grounde. „Bhawaui Bhutanayaki oder FUhrerin 
der Bhuta heisst Mabaniaja/' Im Hrahma ist eine Sakti. In derselben erscheint das 
Brahma selbst als die Welt. Die Geist-Sakti in den Korpern, die Bewegnngs- 
ßtikii in dem Winde, die Härtigkeits-Sakti in dem Steine, die Kälte-Sakti in dem 
Wasser, die Wärme-Sakti in dem Feuer, diese und uuendlirhe andere Sakti zeigen 
tkh in dem Brahma auf dem Wege der Wirkung. Vor der Schöpfung war sie 
in dem Brahnin latent, gleirli der Schlaugi> im Fi, glei« h dem Brahma im Samen. 



< 



384 BeligloRe VorfttellDniren. 

IllüBion). Der Somnambule Adele Maginot wurde (nach Caha- 
guet) ein kleines Mädchen gezeigt, welches eines Tages auf 
Erden erscheinen wird und noch in der geistigen Welt weilt 
(1847 p. d.). Die walischen Traditionen schreiben Joseph von 
Arimathia die Einftlhrung des Christenthums zu (nach Jolo 
Morganwy). 

Als Buddha in fortgesetzten Meditationen bis zur Erkennt- 
niss aller Existenzen hindurchgedrungen war, erhob sich eine 
Beule auf der Mitte des Kopfes, um auch die Erinnerung an die 
vorhergegangenen Buddha's zu fassen. Das zwischen den Angen- 
brauen eines Buddha's aufwachsende Haar (Uma) ist weisser 
Farbe. Die die Glorie f Rasami) repräsentirende Kopfbeule i¥ird 
Hua-Lon (Haupterhebung) genannt und dient dazu, Buddha's 
Figuren von denen seiner Schüler (von Mokala und Saributr) 
zu unterscheiden, da sie den letzteren fehlt. Nachden^ diese 
Erhöhung durch den inneren Wind hervorgetrieben ist, der bei 
der alle Oeffnungen schliessenden Meditation keinen Ausweg 
findet, 80 schiessen von ihrer Spitze (Phra Moli) die Strahlen 
der Glorie aus, um die Welt zu erleuchten. Die Widderhömer 
des ägyptischen Amuu dagegen waren nach innen gebogen, als 
verhüllt und verborgen. Wenn ein Heremit, der die Kunst ver- 



Wie in örtlicher uod zeitlictier Verschiedenheit die Getreidearten anf Erden 
spriessen, so erscheint auch die Saliti des Brahma zeitlicher Weise in der Gestalt 
der Welt, als in ihrer Wirkung. Im Anfange entstand das Manas, darauf die 
Fesselung und die Erlösung, darauf die Schöpf^mg des Aethers n. s. w. Diese 
gesammte A.ufeinand(;rfolge ist der Kinderposse gleich, nur fQr den Thoren ge- 
sagt, Wahrheit ist sie nicht. So sprach Vasistha. Darauf trug der Schfiler 
über die Kinderposse, und der Lehrer antwortete: In Feiglingsstadt sind drei 
Konigssöhne, zwei derselben werden in Zukunft geboren und einer empfangen 
werden. Diese drei sehr frommen Könige gingen auf die Jagd, da horten sie 
eine Stimme sagen : In den Wolken da ist ein sehr schöner Palmenhain. Sie be- 
gaben sich dahin und sahen ihn. Dort schnitten sie einem Hasen sein Uom ab 
und bliesen darauf, dass es wie eine Lnwenstimme klang. Heute nnn betrettn 
sie eine erst künftig entstehende Stadt. Dies Märchen erzählte die Amme, und 
das Kind, ohne zu untersuchen, hielt es für Wahrheit. So werden auch dem Thoren, 
der nicht forscht, die Scheingebilde dieser Welt als Wahrheit eingeredet. Neck 
mit vielen ähnlichen Geschichten setzte Vasistha dem Ragu*nata die EntwicUang 
der Maja auseinander (s. Graul), nach dem PanoAdasa prakarana. 



Die Pfade. 385 

steht, die Natur der Wesen zu ändern, in tiefer Meditation ver- 
sunken dasitzt, so bricht der frühere Körper in eine Flamme 
aus, die ihn zerstört, und dann erhebt sich der neue aus der 
Asche (durch die Operation des Xub). Man, als die Wurzel, 
begründet den Wunsch, Buddha zu werden. Wie gute Werke 
zu den Engelhimmeln, führen die Contemplationsstufen zu den 
in Terrassen (Xan) aufsteigenden Himmeln der Phrom (Xa-tut- 
sida oder Xau-Phroma) durch die Jhana oder ühyana.*) Soma- 
bat meint „eingehen," und die Xan-Samabat verbrennt (Xan) 
Thosa, Moha und Lobha. Phala (von Phala-that) bedeutet Hai- 
Chai (den Athem einziehen) und ist ein tadelnder Ausdruck für 
schlechte (Xua) Leute, als solche, die nur das annimalisclie 
Leben des Athmens führen (die nur vegetiren), ohne ihre Ge- 
danken auf das Höhere zu richten, wodurch unvergängUche 
Güter erworben werden (gleich den öTtovdcdoi), und ohne viel- 
leicht selbst die agirr] nckiTLxtj (Plotin's) zu besitzen. 

Der Eintritt in die Megga oder Pfade befreit von den Wieder- 
geburten in den Höllenregionen, wie die Läuterungen in den 
Mysterien (nach Plato) von den schwerereu Reinigungen in der 
Unterwelt. Im Chinesischen : „The sound tao means path, reason, 
to govem" (nach Lindlay). Um die Früchte (plion) zu erlangen, 
müssen die Megga**) betreten werden, und die dahin Gelangten 



*) The Dhyana (that wbich burus up e^il desire or the cleaving to existence) 
«re divided luto fl^e sections. With the fourth Dhyana is conuected the Vedan« 
raUed Upeksha-Vedaua and the mind, cleared by Upeksha, beconies exceedingly 
pore. Arrording to the systeni of the BrahmanR the flfth Dhyana is to he en- 
tered, bnt according to Ruddhism 1t U to be avoided, as it leads only to attainineuts 
of in ferlor exceUence and sets aside the preaent reception of Nirvana. They. 
who prartioe the Dhyanaa ha^e the power to visit tht Krahmalokas {s. Ilardy). Die 
Shikka-Ju-Loi-Shing-Taou-Ki zählt 18 Rrahmaueuhiiumel auf, 3 im ersten Dhyana, 
3 im zweiten, 3 im dritten und 9 im vierten. 

♦*) The paths (margga) which secure, being entered, either immediately or 
more rerootely the attainment of Nirvana, are divided into two grades, the per- 
eeptlon of the path and the fruition or enjoy^\^nt (margga-phala). The wisdom 
neeessary for the perception of the path is called gotrabhii-gnyaua. When the 
pUhs are entered, the wisdom, that is received by those, who have niade this 
atUinment, is caUed Onyana-Dassana-Sndtii. The margga-bhavana destroys the klesha 
Baitlan-, ReUe In Slam. III. ^ 



386 ReligiÖRp Vorttelluiigen. 

sind (IroiliiJil selig zu preisen, wie die Eingeweihten l>ei So- 
phokles. Das Lokattnrathani ist das in's Jenseits (attara oder 
das HöchsteJ der Weit Itlhrende Gesetz. Der Loki genanute 
Jhan *) kann von Jedem, der Lokuttara genannte nur von dem 
Phra Arahan erworben werden. Die Tiien oder Thero sind 
jetzt verschwunden, wie die Tirthaka. Kasina begleitet die 
Jhan als Apokasin, Tesokasin, Vayokasin, Phattavikasin, Aka- 
sakasin. 

Die Seelenthätigkeit steigert sieh von dem einfachen Ver- 
stehen durch Ueberlegung zum mystischen Jhan. „Tres sunt 
aniniae rationalis visiones: cogitatio, meditatio, contemplatio" 
(Hugo St. Victor). Mit dem Durchbruche des Lokuttara-ebitr 
treten die höheren Formen der Auffassung ein. Nacli der drei- 
fa<*hen Erkenntnisskraft, der Einbildungskraft, der Vernunft und 
der Intelligenz (dem Sinnlichen, Intelligibeln und Intellcctibelu 
entsprechend) unterscheidet Richard von St. Victor drei ver- 
schiedene Erkenntnissweisen in der Vorstellung, der Meditation 
und (Kontemplation. Dem Laien bleibt das Lokuttaratkam 
unzugänglich. Das über der ersten Wärme (die als Verbote 



(8. Hardy). Von den Pfaden verlangt der Srotapanna noch siebeniuaUge Wieder- 
kehr in die Mensrht* nwelt, <ier Sakriduganiin einmalige , während der Anagamin 
die künftige Geburt in den Gotterhimmeln allein versichert Pindar macht drei- 
malig tadellosen Lebenswandel zur Bedingung, damit die Seelen zu den Inseln 
der Seligen gelangen. Three times must we all die before we come to cur final 
repose (prophecy of Gwenchlan). 

*) In the good cid age, there were mauy such pious Buddhist priests, some 
of .fWhom attained to the degrees of holiness called Thathonima Ihan, Dutlya- 
Jhan, Tatiya-Jhnn, Chatnta-Jhan and some e\cn to the height of Panrhama-Jhan, 
that iö the flrst, second, third, fourth and fifth degree of bin bnrning.** The 
Siamese writer continues to say, that there were in that good pristine age some 
who arose so high as to finish the course of Ariya-maka-chitr , as also that of. 
Ariya-ponla-chitr, that is to say, their hearts became entirely purifled , without 
any remains of falsehood unfaithfulness or nioral impurity of any kiud, opeuly or 
In serret. But now in this degenerate age of the world, when the habita and 
practices, encasing the heart« of mankiud have become so exceedingly thick and 
hard by covetousness, crime^ anger and lying, binding them as with iron bands, 
there is only occasi onally a priest who lives like those ancient wortbiet 
(s. Bradley). 



Die Dhyaiia. 387 

schon diircli die Aneignung der vier Gegenstände der Erinne- 
rung bewirkt wird) stehende Sinnen über die vier Wahrheiten 
bringt in dem Geiste eine stufenweise Erhebung von einem 
Zustande zu dem andern hervor, als Gipfel (Murdan), Geduld 
(Xshanti) und das höchste in der Welt oder Lokuttaradharma 
(s. Wassiljew) im traiiscendentaler Metaphysik. Die Erhebung 
zu den Meggas zerreisst das Schicksalsgewebe des Kamma und 
sichert den Buddhisten den Eingang zur letzten Vollendung, 
trotz der Warnung des Arnobius: „Schmeichelt euch nicht mit 
leerer Hoffnung, wenn aufgeblasene Weise behaupten, sie seien 
ans Gott geboren und den Gesetzen des Schicksals nicht unter- 
worfen. Nachdem sie in Sittlichkeit gelebt, stehe ihnen der 
Hof Gottes offen, und könnten sie nach ihrem Tode ungehindert 
dorthin, als zu ihrer Heimath aufsteigen." 

Jhana-Sampajuth bezeichnet die aus eigenen Verdiensten 
hervorgehende Erkenntniss, Jhana Vibpayutii die Erkenntniss 
der GeistesbeschrUnkten (Prasachak-Paiya) , die nur nach er- 
folgter Belehrung (tak tuen) begreifen. Der Zustand der Men- 
schen ist der günstigste, um Verdienst zu erwerben, und wird 
deshalb, wie auch in gnostischer Ansicht, am höchsten geschätzt. 
Die zeitweise Erniedrigung unter die Engel konnte bei der Ver- 
göttlichung der Logos nicht bestehen, und dann war der Fort- 
schritt leicht gemacht zum Patripassianismus der Monarchianer. 
Um es den Buddhisten zu ermöglichen, zwischen Verdienst und 
Schuld die Bilanz zu ihren Gunsten zu halten, sind die guten 
Werke systematisch taxirt^ können aber nur bis zu einem ge- 
wissen Grunde durch die Selbstpeinigungen (wie bei den Katho- 
liken) ersetzt werden. Nach Damiani's Berechnung machen 
30(H) Rutheustreiche ein Jahr von Busse aus, und eine seiner 
Jttngerinnen rühmte sich eine Busse von 1(X) Jahren erlangt zu 
haben. Seit TetzeFs Zeit sind die Messen billiger geworden. 

Die im Jhau Geübten gehen direct in die höheren Welten 
ein und verschwinden den Augen ihrer Umgebung. Seit seiner 
Verklärung unter dem Bodhibaume war Buddha zum Niphan ge- 
reift und hätte jeden Augenblick darin übergehen krmnen, ver- 
zögerte aber sein Abscheiden von der Erde, um noch länger 
an dem Erlösungswerke der Menschheit zu arbeiten. Auch 

25* 



388 Heillose Vorstellnnirra. 

seine heiligen Nachfolger*) durften nach Wunsch ihre Existenz 
ändern. 

Die Dhyana steigt durch vier oder fünf Stufen*) der Con- 



*) Von mehreren der buddhistischen Patriarchen wird erzahlt, data sie alch 
vor ihrem Tode Terbrannteu, wie Kalanos und der Athen besuchende Gymnoco- 
phist. Nach dem Kali-Pnrana erlost der freiwillige Tod eines frommen Mannes 
die Völker von Jammer und wäscht sie mit seinem Blute rein. Auch der Hohe- 
priester des Potrimpos bei den Preusseu pflegte sich im Alter xu ▼erbrennen 
(s. Mone), und der Tod des Jüdischen Oberpriesters sQhnte ganz Israel. Ohillauy 
sieht in Aron*s Tode eine Opferung. D.er Tod des Kodrus rettete Athen, wie 
der des Decius Mus den römischen Staat. Der moabitische König Mesa opferte 
seinen^ Sohn dem Moloch, damit die Israeliten die Belagerung der Stadt anf- 
höben. Am Hilligebek erzählen die Sagen von Poppo, dass er ein mit Wachs 
getränktes Hemde angezogen und sich in Feuer gesetzt habe, aber unbeschädigt 
daraus hervorgegangen sei, um bei der Bekehrung der Heiden als Zeichen zu 
dienen. „Die Kinder Buddha's müssen mit besonderer Zuneigung und Liebe die 
Bücher erlernen, das Gesetz von dem dem grossen Wagen geziemenden Aeusaem 
(nach dem Buche Fan>wan-szin). Ausserdem soll man, wenn Jemand das Gelübde 
des Budhisadwa abzulegen verlangt, einem solchen die Ceremonie vorlegen, welche 
in dem Brennen des Leibes und der Finger besteht. Wer sich nicht entschliesaen 
will, Buddha durch diese Feuerprobe zu ehren, der kann nicht BudhisAdwa sein, 
denn diese Weise der Verehruug drückt ein tiefes Mitgefühl mit den Leiden der 
Geschöpfe in der Wiedergeburt aus, wie zugleich eine starke, glühende Bereit- 
willigkeit, sich zu dem Zustande eines Buddha zu erheben. Ks ist ihnen zu 
sagen, dass, wenn auch Löwen, Tiger, hungrige Geier sie anfielen, sie selbst in 
diesem Falle ihren Leib nicht vertheidigen dürfen, sie mögen denselben opfern. 
In solcher Selbstverläugnung drückt sich ein Mitempfinden mit den Buddha's 
aus, zeigt sich zugleich die Bereitwilligkeit, seinen Schwur, die Geschöpfe von 
der Wiedergeburt zu erlösen, pünktlich zu erfüllen. Buddha hat erkannt, dass 
der Inatinct der Selbsterhaltung und der Eigenliebe tief in den Creatoren wurzelt, 
also dass fast die ganze Arbeit (in dem Werke der Selbstvervollkommnung) in 
dem Kampfe mit der Eigenliebe besteht, und darum ist für diejenigen, welche 
die höhere Weisheit suchen, die Tugend der Selbstverleugnung (Tan-du) als 
Grundlage hingestellt worden. Die Ceremonie der Brennung des Leibes zeigt 
die Macht des Willens und die Herrschaft des Geistes über die Sinnlichkeit, und 
mit ihr muss der Budhisadwa unfehlbar beginnen, weil die Reihe seiner glänzenden 
Heldenthaten im Namen der Vollkommenheit mit der Selbstverläugnnng anfängt 
und mit ihr sich vollendet Während Buddha Schakjamumi noch Budhiaadwa 
war, hat er sich unaufhörlich zum Nutzen der Geschöpfe geopfert." Wählend die 
Kerzen auf der Haut verbrannt werden, kuieen die Bittsteller vor einem Bilde 
Buddha's. Mangundi, Ahn der Papuas, verbrannte sich auf Mefor. 

^} Es beschreibt die Rückkehr der Auserwählten in den Stand der Vergött- 



Meditation. 3g9 

templation auf. Die heiligen Bnddhisten erwerben (wie man 
noch zur Zeit der chinesischen Pilger in Indien wusste) die 



lichuug sieben Stufen. ,,Die erste wird sein die Verwandlang des irdischen Lei- 
bes in die Lebenskraft, die zweite die der Lebenskraft in den Sinn, die dritte 
die des Sinnes in die Vernunft, die vierte die der Vernunft in den Geist, worin 
das Ziel der ganzen gegenwärtigen Creatur gesetzt ist. Nach dieser fQnfroaligen 
Kinigung der Theile unserer Natur, nämlich von Körper, Lebenskraft, Sinn, Ver- 
nunft und Geist, so dass »ie nicht mehr fünf, sondern Eines sind, indem die un- 
teren immer von den höheren verzehrt wurden, nicht, damit sie nicht sind, son- 
dern damit sie Eins seien, folgen die weiteren Grade des Aufisteigens, wovon der 
eine in dem üebergange des Geistes in die Wissenschaft von Allem , was nach 
Gott ist, besteht; der andere in dem Üebergange der Wissenschaft in die Weis- 
heit, d. i. in die innigste Anschauung der Wahrheit, so weit sie der Creatur zu- 
gestanden wird; der letzte endlich der höchste auf flbernatürllche Weise gesche- 
hene Uebergang der reinsten Geister in Gott selbst ist, die Finsterniss jenes un- 
begreiflichen und unnahbaren Lichtes, in welcher die Ursachen aller Dinge ver- 
borgen sind. Dann wird die Nacht wie der Tag erleuchtet werden, d. h. die 
geheimsten göttlichen Mysterien werden den seligen und erleuchteten Geistern 
offenbar werden durch eine achtfache Erhebung, also wird die menschliche Natur 
in ihr Princip zurückkehren; durch eine fünffache nämlich innerhalb der Grenzen 
der Natur, durch eine dreifache übernatQrliche und überwesentliche aber inner- 
halb Gott selbst. So wird die Fünfzahl der Creatur mit der Dreizahl des Schöpfers 
v«>reinigt, und in Keinem wird etwas Anderes ausser Gott erscheinen, gleichwie 
nus im Aether nur das Sonnenlicht entgegenstrahlf (Scotus Erigena). Bei Abe- 
lard von ßath heisst es: „Der erhabene Schöpfer aller Dinge, sagt die Philosophie, 
weicher, so weit es die Natur der Einzelnen verstattete, Alles nach seinem Bilde 
schuf, verlieh der Seele den Verstand, dessen sie sich, so lange sie selbst ruhig 
und rein bleibt, in seinem ganzen Umfange bedient. Durch ihn erschaut sie die 
waiire Gestalt der Dinge, ihre Ursachen und deren Urgrund, beurtheilt die Zu- 
kunft nach der Gegenwart, erkennt ihr eigenes Wesen, sowie das des Verstandes, 
welcher die forschende Vernunft begreift. Sobald sie aber eine irdische Hülle 
empfangt, verliert sie einen grossen Theil der Kenntniss ihrer selbst Doch kann 
jene sie bindende Fessel der Materie den Adel ihrer Wesenheit nicht ganz ver- 
nichten. Sie ringt nach der Wiederlangung des Verlorenen durch Einsicht, welche 
das Ganze, die Einsicht aller Wissenschaften, zu umfassen strebt Dazu trägt 
aber die sinnliche Erkenntniss nicht blos nichts bei, sondern ist sogar hinderlich.^ 
Nach dem heiligen Bernhard muss der Mensch zwölf Stufen der Demuth durcb- 
ichreiten, bis die Liebe aufblüht, um in der Mystik durch die Stufen der Betrach- 
tung, der Contemplation und der staunenden Bewunderung der Wahrheit in der 
Ekstase zu schauen. Der Pantheismus der persischen Sufl liegt schon im gnosti- 
schen Kvangellnm der Eva, worin (n«ch Epiphanius) die Sophia oder die Welt- 
•eele sagt: „Ich bin du, und du bist ich, wu du bist, bin auch ich, und in Allem 



390 Religiös« VorbtelluugeD. 

Fälligkeit; die Luft*) zu durchwandern, wie sie Abaris aaf 
seinem Pfeil dnrcliritt und Hexen auf dem Besenstiel. Nach 
den Indochiuesen verfolgte Milinda die buddhistischen Priester, 
weil sie ihm nicht das Wunder des Fliegens**) zu zeigen ver- 
mochten, bis ihm Nagasena seinen Glaubensmangel bewies. 
Das Mahawanso dagegen kennt noch solche Himmelsaspiranten. 
Buddha gab das brahmanische Wüthen gegen den Körper auf, 
um nicht dem darin wohnenden Geiste zu schaden, und die 
mithraischen Kasteiungen wurden (nach Fröret) von den Magiern 
verworfen. 

Die Art der Wiedergeburt wird aus der Disposition im 
Leben bedingt und kann auch darnach mitunter bestimmt werden, 



biu ich zerstreut. Woher du nur willst, kannst du mich einsammelD, uud indem 
du mich einsammelst, sammelst du nur dich selbst ein/* Die sich der zur All- 
seele führenden Contemplation (Jogas) Widmenden heissen Juktas (Verbundene) 
oder Jogi in der Vereinigung (Joga) mit Gott (nach der Vedanta). Von der 
Kkstase in erster Potenz unterscheidet Fichte die prophetische Vorschau als Ekstase 
in zweiter Potenz. 

*) Henry Jones (in Shepton-Mallet) feil into trances, during which it nas 
averred, he would be carried by invisible means from one room to another, and 
sometimes wholly lifted up, so that his body hung in the air, with only the flat 
of his hauds placed against the ceiling (1657). Herr Home (the great Wizard of 
the North, oder des Westens, wie Wilkinson ihn nennt) wiederholte dieselben 
Kvolutionen und sagt darüber (1H(>;)): „During these elevations or levltations Ja- 
sually eiperience in my body no particular sensations, than what Jean only de- 
scribe as an electrical fullness about the feet.*^ Die in der Luft schwebenden 
Brabmanen, die Damis beschreibt, wurden auch in diesem Jahrhundert von Eng- 
ländern iu Madras gesehen. Wie St Peter Alcantara, wurde der heilige Fran- 
clscus häufig in die Luft erhoben, nach dem Zeugniss seines Secretärs Leo, und 
wie St. Theresa auch Magdalena (.'ruciH in Gordova. Jamblicbus sahen seine 
Schüler beim Beten 10 Ellen hoch über der Erde schweben. „Juvenes quippe 
quosdam conspeximus alatos, specioso, nee ai^sueto amictu . qui pavimentum mi- 
uime contiugebant, sed peraera ferebantur psallentes," erzahlten (nach Nicephorue 
Gregoras) die Russen in den griechischen Kirchen gesehen zu haben (s. Stritter). 
**) In the reign of King Upatissa it came to pass, that a priest of the temple 
Atwanagaloowihari obtained the power of going through the air. On the day, 
that the priest obtained this power there was an earthquake. Upon this the kiog 
proceeded to the place, where that priest resided, causcd there to be built a magni- 
flcent temple and oflfered the same to the said priest. 



TransmigradoD. 391 

wenn es nicht noch deutlichere*) Anzeichen giebt. Die Insu- 
laner des Archipelagus erkennen zuweilen in den zur See an- 
langen<Ien Europäern die zurückgekehrten Einkörpernngen ver- 
Btorbener Verwandten. Die Papuas in Neuholland hoffen (nach 
Ungewitter), als Weisse auf die Erde zurückzukehren, und führten 
(nach Collins) die Matrosen zu den Gräbern, in denen sie als 
Schwarze begraben lägen. Als Buddha sich im Kloster Ketu- 
phon aufliielt bewies er dem ungläubigen Supha Manoph, dass 
der ihn anbellende Hund sein Vater (Totaiyophrahm) sei, wie 
es sich durch Auffinden der vergrabenen Schätze herausstellte. 
Nach Colebrooke enthalten sich die Bohrahs in Hindostan der 
Fleischspeisen, weil sie an die Seelenwanderung**) glauben. 



*) In the Sung dynasty a man named Si died Boddenly. Now bis family 
had a cow which soon after the death of her master brought forth a calf. On its 
belly. in white hair, were found four characters, which were the name and nick> 
name of the deceased. Many people came to see this wonder, and among them 
canie his widow and children. These began to weep (s. DooÜttle). Die Wenden 
zeigen das Ableben des Hausherrn dem Vieh im StaUe an. 

**) Nach Plotiuus (dem Schüler des Ammonius Sacra) vertauschen die mensch- 
lichen Seeleu nach dem Tode, wenn sie für das reine Leben in der Verstandes- 
welt noch nicht hinlänglich geläutert sind, nicht nur den menschlichen Korper 
für einen andern, sondern diejenigen, die im Erdeuleben ausschliesslich sinnlichen 
Neigungen zugewandt waren, beleben alsdann einen thierischen Körper, oder eine 
nur in den Functionen des vegetirenden Lebens befangene Seele wirkt eine Zeit 
lang einzig als die Lebenskraft einer Pflanze. The metempsyrhorsis the unly 
System of this kind, that philosophy can hearken to, meint Hume, und Lichten- 
berg konnte den Gedanken nicht los werden, dass er gestorben war, ehe er ge- 
boren wurde (wie Pythagoras). Nemesius schreibt den Griechen den Glauben au 
die Palingenesie zu, und nach dem Talmud wanderte Abel's Seele in den Leib 
des Seth ein und dann in den des Moses. Die Aegypter meinten (nach Herodot), 
dass die Seele Thierleiber durchwandle in dem unerlässlichen Kreise {kvxIos 
drdyxr^i) des Plato. Nach Hermes (bei Stobäus) ist der Wandel der Seelen {al 
fitraßolai) vielfach, und der ägyptische Prietiter betete zur Sonne, dass der Ver- 
storbene durch den Chor der irrenden Götter (Planeten) zu den höheren (theoi 
aplanoi) gelange. Rasilides spricht (bei Clem. Alex.) von Geistern, die sich der 
Temünftigen Seele anhingen, und mit. denen sich wieder falsche Gestalten ver- 
binden in der Form von Wölfen, AflTen, Löwen, Böcken, deren Eigenschaften als 
Bilder die Seele umgaukeln und die Begierden der Seele der Natur dieser Thiere 
entsprechend machen. Nach Mone ist der fahrende Ritter die durch Wande- 
rung sich läuternde Seele im Gegensatz zum daheimsitzenden Idioten, der die 



392 Religiöse Vorstellungen. 

Buddha prophezeite das Kommen Phatthakhosa'B; als eines 
heiligen Priesters, der durch Erklärung der PalibUeher der 
Religion neuen Glanz verleihen würde. Im Nitthan Phra-Pliut- 
thakhosa wird seine Geburt in Djanibhuthavib auf das Jahr 
236 angesetzt. Die heiligen Schriften wurden von Buddha dem 
Mahakrasat Prasien anvertraut, um sie dem Volke mitzutheilen. 
Ehe Phutthakhosa die ReligionsbUcher von Langka brachte, ver- 



Pflicht seines Lehens nicht erfüllt. .,Non interire animas , sed ah aliis post mor- 
tem trausire ad alios^^ war Glauhen der Kelten (nach C»sar). Nach Manasse Ben 
Israel wurde die Lehre der Seelenwauderung zuerst durch Ahraham offenbart 
Die Manichäer betrachteten die Seelenwanderung als Bussmittel. Kräfte der 
Heiligkeit können die Metensomatosis in der Sansara oder Ortschilang (Vien k6t 
vien tai) beenden oder doch rasch promoviren lassen, wie im Krijajogasaras die 
fiir ihre Sünden büssenden Heuschrecken durch Ertrinken im Gangeswasser Auf- 
erstehen im Paradies erwerben. Nach den Kasteiungen (Kolaseis) wurden die 
Weihen der Mysterien durchlaufen, um in den höchsten Grad der Aeltesteu unter 
dem pater patrum dei solis invicti Mithrae aufgenommen zu werden. Die dadurch 
von Todesfurcht befi-eiten Krieger bewahrten die Verehrung des heiligen Georg, 
wie die Piraten die des Mithras nnd die Berserker die des Odin. Getae ad 
mortem paratissimi. Id varia opinio perflcit, alii reddituras putant animas abeuu- 
tium, hIü, etsi nun redeant non extiugui tamen, sed ad beatoria trausire, alii emorl 
quidem, sed id melius esse, quam vivere. Itaque lugentur apud quosdam puer- 
peria uatique deflentur, fünera contra festa sunt, et veluti sacra cantu lusuque 
relebrantur (Pompon. Mela). Von den behaart Geborenen glauben die Weer- 
Neger, dass ein früher ein Thier beseelender Geist Mensch geworden sei (s. Stein«- 
mann). ludem die Befreiung der Megga die Menschen aus dem Kreislaufe unter 
den Himmel der Sinnenwelt hinausfühite , zeigt sich der König der höchsten 
Terrasse als Widersacher Buddha's. Die Aegypter, sagt Herodot, haben zuerst ge- 
lehrt, dass die Seele des Menschen unsterblich sei und, während der Leib rer- 
wese, in ein anderes, gerade zur Welt kommendes Geschöpf hineingehe, bis sie 
alle Land- und Seethiere und Vögel durchwandert habe und wieder in einen 
nieiischli4;hen Körper zurückkehre. Marco Polo hörte auf Seilan (Ceylon), daae 
Sangamoni Borcam (Sakyamuni Burchan) sich in verschiedene Thierformen 84mal 
eiugekörpert liabe. Nach Suidas soll Pherecydes zuerst die Lehre von der Seelen- 
Wanderung nach Griechenland gebracht haben. Da die buddhistische Seelen- 
Wanderung von dem organischen Princip der fortgehenden Entwickelung ausgeht, 
so erscheint, wie alles Tödten, besonders der Selbstmord sündhaft, und würde 
Catu's Vertheidigung nicht acceptirt werden. Auch Orpheus lehrt, nach Plalo, 
dass der Mensch nicht eigenmächtig das Leben verlassen dürfe, um sich selbst 
zu erlösen. Nur die im Heiligenschein zur höchsten Stufe der Vollendang ge- 
laugten Patriarchen in Indien durften sich durrb das Feuer ▼eruichten. 



KuddhagoPA. 393 

ehrten die Siamesen nach traditionell von Generation zu Gene- 
ration fortgepflnnzten Formeln Phra-Phutthichao, der in eigrener 
Person zn ihnen gekommen war. Dem Nagasena oder Nagard- 
juna*) werden ältere Schriften zugeschrieben, als dem Pliut- 
thakhosa. Als Stimme Buddha's entspricht er dem Pythagoras, 
der durch den Pytlio spricht oder die Delplune. Des Weissage- 
gottes Putiel Sohn war Pinehas. Phra Kliavambodi kam aus 
Kasi in Indostan nach Siam und war der erste die Bewohner 
des Landes in der buddhistischen Religion zu unterrichten. 

Phra-Phnttha-Khosa war in der Stadt Uthong f Nakhon Vat ) 
geboren, als Patliummasurivong in Kambodia regierte, und ging 
nach Langka, um den Thammabot zu verfertigen und andere 
Bttcher abzuschreiben, die er mit sicli nach Kampliuxa zurück- 
nahm und dort vom Könige die deshalb Phra-Nakhon-Vat ge- 
nannte Stadt erhielt. Nachdem er auf Phra Ram's Einladung 
nach Siam weitergegangen war, kehrte er schliesslich nach 
dem Dorfe üruvilva (am Flusse Nairangana) zurück, wo Buddha 
sich kasteiet hatte. 

Kosakhuman, der später den Namen Phra-Phuttha-Khosa 
erhielt; war seit seiner Jugend in den Trai-Phet wohl bewandert 
nnd tiefer Gelehrsamkeit voll. Als er jedoch Buddha's Gesetz 
in seinen drei Theilen Kusotathamma , Akusotathamma und 
Apayakutathamma predigen h(>rte, vermochte er es nicht zu 
verstehen, bis ihm eine Erklärung gegeben war, dann aber fühlte 
er sich so entzückt, dass er in das Kloster ging, um das Pali 
zn Studiren ,^ und nachdem er dasselbe in drei Monaten bc- 
meistert hatte, begab er sich auf Rath seines Lehrers Dhamma- 
khosa nach Ceylon, zur Uebersetzung der religiösen Bücher, 
die auf dem Punkte standen verloren zu gehen. 

Wie von Buddhaghosa wird auch von Nagarjuna gesagt, 
dass er früher dem Buddhismus fcindlicii gesinnt gewesen. 
Statt der Brahmanen figuriren in den mongolischen Büchern die 



*) In Dju (als Jupiter) liegt der Glanz der Gottheit, und als Thephajiida 
spielen die Gotter in den Farben des Regenbogens. Nagardjiiua erwarb seine 
Gelehrsamkeit von den Schlangen, und die Vogel rathen Sigurd das Herz Fofnir*s 
ZD Mten, um Weisheit za erlangen. 



;{94 Religiöse VorstellungeiL 

Scliainnneii in den Streitigkeiten gegen die orthodoxe Kirche, 
indem die fremde Priesterklasse nach dem einheimischen Boden 
versetzt und mit dem dort nationalen Namen hezeichnet wird, 
wie die gälisclie Bibel Magier mit Druiden übersetzt und 
im Leben des lieiligcn Patrick die Druiden Magier genannt 
werden. Buddlia liatte prophezeit, dass oCM) Jahre nach seinem 
Tode seine Lehre nach Kipin oder dem nordöstlichen Arachosien 
verbreitet werden würde. Am ersten Concil, sagen die Siamesen, 
wurde der Trai-Pidok sanskritisch geschrieben, bis Buddhagosa 
die Palünichstaben erfand und die Schwierigkeiten jenes durch 
eine einfachere Form*) lösste. Eine Anspielung auf dfis San- 
skrit wird im ersten Bande des Dhammapata gefunden, worin 
gesagt ist: Mahämahintherena santhita thipaphäsäya tambba- 
pannatliipamhi nasathiyati hitasampathaii. Mahinda fasste das 
nicht Verständliche oder Vollendete (asathiyati) fltr allgemeinen 
Gebrauch ab. Die Dhipa-Bhasa wurden auf Ceylon (der Insel 
der rothen Erde) gesprodicn. Sangscrit (vervollkommnet oder 
verfeinert) in der Spraclie der Pralmi, heisst Sakata in der 
Sprache von Makhot (Magadliaj. Das von Buddhagosa im 
Felsentempel Kanheri's (bei Bombay) aufgestellte Bild Buddha's 
trug die Inschrift: Bhagavat pratimeja deja dharma (die Pflicht 
des Gebers eines Bhagavat). 

Nach der Lebensbeschreibung Piira-Phuttha-Khosa's in dem 
Sathamma-Langka, einem in Xiengmai verfassten Buche, schrieb 
Maliinthathcn**) die Worte Phra-Phuttha's sanscritisch nieder, 
während das leichtere Pali von Phra-Phuttha-Khosa herrühre. 
Sein Vater wird Kesi-Phrahm und seine Mutter Kesi-Phrahmani 
genannt (in der Nähe des Maha-Phothi lebend). 

Am ersten Concil präsidirte Maha-Kasyapa, der durch seine 
Erhebung zum Patriarchen (an der Stelle des von den Ceylo- 

*) Die von MattliÄiis liebräisrh >«rfasi>ten Xoyi**. wurde später in das Griecliische 
übertragen. 

**) r« einer birmanisoben Schrift wird Maheinda-minda der Sohn Kalasoka's 
(statt DharmaKoka's) f^enaunt, und gesagt, dass er als Yahauda mit den heiligen 
Büchern narh ('eylon gegangen sei, wo auf dem vierten Concil unter Könif 
WUtagamani (120 Jahre nach dem Nibban) die drei Theile des PiUkat aufji«- 
schrieben wurden. Meghavarna Hess Milinda als Herrn Ceylons proclamiren. 



Text-Bürhör. 395 

nesen als ersten Ueberlieferer genannten Sariputto) neue Be- 
deutung erhielt. Als Dacabala (Chi li kia ye) fand sich Ka- 
Byapa*j unter der Fünfzahl der ersten Schüler, denen Gautama 
im Gazellenwalde bei Benares predigt. 

Unter Vattakami, König Ceylons, wurde auf Palniblätter 
der Text (Phra-Pali) des Traipidok in der Palisprache ge- 
schrieben (4(X) Jahre nach dem NeibbanJ. Einige Gelehrte, 
wie solche damals in Ceylon zahlreich waren, verfassten später 
die Atthakatha (Erklärung) in der ceylouesischen Sprache. Als 
Phra-Phuttha-Khosa (8(K) Jahre nach dem Neibban) in Langka 
ankam, übersetzte er die Atthakatha aus dem Ceylonesischen 
in's Pali. Später standen weise Männer auf, die die Ühika 
(den Commentar) zusammenstellten, und die Namen solcher 
finden sich jedem Buche als die der Verfasser hinzugefügt. 
Ceylon (Salike nach Agathamcros) wurde lange von den Kriegen 
zwischen den Khek Xuliah und Khek Taniin zerrüttet. Nach- 
dem Pakramabahu zur Versöhnung der Secten eine Synode 
nach Anuradhapura berufen hatte, Hess er die neu auftauchende 
Ketzerei der Vaitaliya (die schon unter König Goschthakab- 
haya sich gezeigt hatte) durch den Oberpriester Kasyapa unter- 
drücken. Als die Malabaren den Buddhismus auf Ceylon soweit 
ausgerottet hatten, das kein gelbes Gewand mehr auf der Insel 
za finden war, berief ihr Besieger Vijaya Bahn 20 Priester 



♦) Paraftorama, dessen Vater Dschamadaguis (Sohn des Bhrigus, der zu den 
nach Wirat geschaffenen ßrahmadikas gehörte) die Wunderkuh Kamaduh besass, 
•etzte seinen Lehrer Kasyapa zum Herrscher über die Erde (Kasyapi) ein. Die 
Bhrigctlden (Rhargawas) hatten (nach der Grihya-Sangra parisishta) ihre Kopfe ge- 
schoren. Die Tibeter lassen (nach Csoma) von Kasyapa die Sectc der Mahasam- 
ghikas, wie die der Sarvastivadäs von Rahula (die auch Hlueutlisang kennt), 
die der Sammatyas von Upali, die der Sthavlras von Kätjajana gestiftet wer^ien. 
Nach dem Dipavanso wurden die Heretiker der Maba Sangiti von der Dutiya 
Sangiti, die unter Kalasoka in Vesali gehalten wurde, ausgeschlossen. Kasyapa 
und der Gott des Windes lehrte die Nothwendigkeit des Purohita und der Kasten 
dem Purüravas (dem Einführer des dreificheu Opferfeuers), vor dent es nur ein 
VIda, eine Kaste und einen einzigen Gott (Narajana) gegeben. Narajana wird 
so genannt, weil sein erster Gang (ajana) im Wasser (nara^ war, in dem ihn 
Brahma erschaffen^ aber Lassen erklärt den Namen aus Nara (Mann) mit dem 
Affix ijana. 



:i!)4 Religio^fi VoratellungeiL 

Scli.iniimcii in eleu Streitigkeiten gegen ' .^/A7iiani8che Sccte in 
imlciii d\v fn»iudo Priestcrklasse n?«'' ..,;/•/« frei von der Ver- 
v(rs(»tzt lind mit dem dort na«^' ..;/ aueh die Kastenunter- 

w'w die giiliselie Bibel M ' ^,r siamesischen Secte weite 

im Lel)en des heiliger ,- 

werden. Buddha ha* i; .,/s Jalire nach Buddha gehalten. 

Tode «eine Lehre " >*V?'» Jahre narh Buddha auf seine 

verbreitet werd .u']/iiirli^ wurde r>(H) Jahre nach Buddha 

wurde derT»- . '^..- ^^/,:ikhnHii JIWl Jahre nach ihm oder (wie 

die Palibur .;V'^/%fidha. Bei Phuttha-Khosa'a Ankunft in 

eine einf . ; ^j^^-'^^ Apli.'nyathutthakhaniini (Mahanamo nach 
skrit w :.: ' J^'^'*'; V.H'h Triranfitha versammelte Kimig Kanishka 
gesa' , V^yi«.*'^*' /Buddha ) die Geistliehen unter Parc;va, der von 
par '^'^y^»^' 'jj^ik<*^irt worden war. In dem Buche „Kho-Phra- 

" '^[p'-'^^y/Ziifli Malay Phra-Sutr Phra-Vinay Phra-Baramat 

' 'fYj'/*^^''^\fij^^^ ^'^^^^ chronologische, historische und 

^^r.*/^^^ \liiszlige aus dem Text enthalten. Milinda's Vater 

r';^f%hiti'^^'*^^'^^^^^ gtMiannt 
i^^^JVntcr Narathevarat. 
*^^l)nfi vierte Concil wurde durch Thevanangphiyadit (Deva- 
.jjVfldissa), dem Krmige Langka's, unter dem Vorsitze des 
^^JlJntliathen f^.Vr) Jahre nach dem Neibban) gehalten. In dem 
j„r('h Aphaiyathutthakamini als KiSmg Langka's l»erutcnem fttnf- 
^cn Concil wurden die Blicher schriftlicli abget'asst (.'»(H» Jahre 
nach dem Xeiblian). Früher glaubte man (wie, nach Caesar, 
die Druiden), dass die Geheimnisse nur dem Gedächtniss an- 
vertraut werden dürften. Und so bewahren die Polynesier ihre 
Genealogion. Xocli J(»tzt lernen die buddhistischen Schüler 
durch Mcmoriren und Denken, wie die Pythagoräer: Tantum 
scimns, <iuantuni memoria tenemus. Milinda herrschte öOO Jahre 
nacli dem Neibban. Xagarjuna**) (Naga-Koschuna) lebte unter 

*; Von \s«)ka gesii-hlckt, den Taranatha (bei WassUJew) zum Sohne des 
Königs Ni'mita in Tscliamparna macht. 

'') ^Dii* nönili«lu*n nmltlhistcii «iet/.on Nagiirjiiua 400 Jahre nach dem (Irüuder 
iliriM- |{(?liKi(in, wälinMid ihn die südlirlien richti^'er erst 500 .lahre nach diesem 
KrHignlssu li-ben la^sen." Naoh dem Ven-Dsrhii-sidii-H-Pan-nihuang-king kam 
Maudjusri Aöi) Jahre nadt Bnddha in die Sohueeberge. 



'^ * " sein Grossvater Phokhavadi und 



\ Ceylon. 397 

er Regierung des Kanishka oder Kanerki, dessen Regierung 
^reli Münzen zwischen 1() — 40 p. d. bestimmt wird (s. Lassen). 
Die durch Kasyapa von der Sthaviranikaya (Changtsopu 
r Schulen des Präsidenten nach Hiuenthsang) ausgestosse- 
Priester bildeten die Mahasamghanikaya, nach der von der 
.etischen abweichenden Darstellung des Pali. Der Mahavanso 
'iässt Moggaliputto auf der dritten Synode die Sthavira und 
Mahasamghika in denVibhajja vereinigen. Als ein Reformator 
der Religion wird König Parakkamabahu *) bezeichnet f i2tes 
Jahrh. p. d.), unter dem (nach Alwis) Mogallayana die (der 
Amarakosa ähnliche) Abhidhanapadipika abfasste. „He in 
the right manner reconciled the Bhikkus and Sanghas of the 
three nikayas." Vigajabahu, der die von den Damilen unter 
Magha zerstörten Buddhatempel wieder herstellte, liess von 
Jambudwipa oder dem Festlande acht Gelehrte nach Lanka 
berufen, um die fast vergessene Palisprache wieder herzustellen 
(f 1266 p. d.). Taprobane (Tämrapanni oder Suvamadwipa) 
wird von den Alexandrinischen Periegeten (wie, nach Plinius, 
die Hauptstadt) Palai-Simundu **) (Pali-Simanta oder Haupt des 
heiligen Gesetzes) genannt. Ptolomäos bezeichnet die Bewoh- 
ner als Sialai und Fabian, übersetzt „Reiche der Löwen" (Sin- 
bala bei Hiuen-thsang). Bei Markianos findet sich Salike fUr 
den Namen der Insel, bei Kosmas Sielediba (Sihaladipa), und 
bei Amm. Marc, heissen die Bewohner Serendivi (s. Lassen). 



*) Nach der Eroberung der Insel Kakha schickte Konig Pakramabahii fünf 
Sebiffe gegen Aramana, deren Krieger, beim Hafen Kosuma landend, einen grossen 
Sieg erfochten, in dem der Konig des Landes fiel (nach dem Mahavanso). Der 
Feldherr ritt dann auf einem Elephanteu durch die Hauptstadt, um sie dem 
Könige von Lanka unterwürfig zo erklären. Kosumah (Kosima in Japan) würde 
•le Ko-Syama das Land (die Insel) Slam bedeuten. Nach dem Kaja Ratnagari 
eroberte Konig Pakramabahu mit seiner Armee von Kiesen Aramana, und nach 
dem Rajavali erhielt er Tribut von d»ri Konigen JambudvipaV, deren Trxtliter er 
fftr seine Söhne als Gemahlinnen gefordert hatte. 

^) In der siamesischen Uebersetzung des Mahawanso entführt Chao Kantha- 
kapbai die Prinzessin Nang Pali, als sie für die Arbeiter ihres Vaters das Mitt;)g- 
even nach dem Felde bringt, und wegen der Unerschopflichkeit ihrer Schüsseln 
vlrd ple Nang-Snvanna-Pali-Raxa-Kanja genannt. 



398 Religiöse Vorstellungen. 

Als nach der Besiegung der Kliek die eingeborene Regie- 
rung Ceylons wieder ein unabhängiges Reich bildete, hörte der 
König von den Holländern, dass es in Slam gelb gekleidete 
Priester gMbe, und erhielt, auf seine Gesandtschatl nach Ayuthia, 
von dort einen gelelirten Mönch, Upali genannt. Die von diesem 
gegründete Secte nannte sich Upali-Vong fdas Geschlecht des 
Üpali) und hielt die Kasteneintheilung aufrecht, die damals 
in Ceylon bestand. Nachdem die Engländer von der Insel Besitz 
ergriffen hatten, konnte das gemeine Volk die früheren Re- 
gierungsbestininmngen, wodnrch es von dem Eintritte in den 
Bund der Geistlichkeit ausgeschlossen wurde, nicht länger er- 
tragen, und schickte zur Priesterweihe nach Birma, worauf die 
Secte Mramma-Vong (das Geschlecht der Myamma oder Bir- 
manen) entstand. Diese zerfiel später wieder in eine alte(Kao3 
und eine neue (Mai). Die Streitpunkte zwischen den beiden 
Secten Ceylons, der Üpali-Vong und Mramma-Vong, sind jetzt 
auf einige Differenzen hinsichtlich der Vinay, besonders die 
Kleidung betreffend, reducirt. 

König Milinda (der von Xagasena bekehrt wurde) soll nach 
den siamesischen Büchern olM) Jahre*) nach dem Nirwana ge- 
boren sein. Nach dem Si-jtt-ki wurde der König durch einen 
weissen Hasen nach der Stelle geleitet, wo der ihn bekehrende 
Hirt ilmi den glücklichen Platz des Stupa zeigte, an dem Gakja- 
l)uddha seine künftige Reliciuienniederlegung vorher prophezeit 
hatte. Die Veranlassung zu dem unter Vasaenitra's Vorsitz in 



*) Der erste Verfall des Buddhismus trat nach Taranatha's Aunahme etwa 
.5('0 Jahre uach dem Tode Buddha's ein (s. Wasslljew). Unter der Regierung dm 
K5nigs Puschjamitra, drr durch die fremden Volker der Tirthika oder Ketzer auf 
ihrem ersten Plinfalle in Indien bekriegt wurde, erschien (nach Taranatha) die 
Lehre der Mletschtsclihas. Die ßuddhaisten schreiben den Ursprung dieser ReligioD 
einem Bhikschu zu, der, aus der Gemeinde gestossen, in das Königreich Schulik, 
jenseits Tukhara, kam, den Namen Müthara annahm und sein Werk verbarg. Zu 
dieser Zeit gebar eine Jungfrau einen Knaben, welcher, herangewachsen, Alle zn 
bedrängen anfing, indem er sagte, dass er gar keiner Kaste angehöre. Rr fand 
das von Muthara verborgen» Werk, traf später mit ihm selbst zusammen, gelangte 
alsdann in die Nähe von Makha (Mekka), fing an seine Lehre zu predigen obd 
nahm selbst den Namen Paichamba und Ardo (Ardeshir) an. 



i 



Nagarjiina. 399 

dem Kloster Galandhara abgehaltenen Synode gab der Geist- 
liche Mahadeva, der als eine VerkiJrperung des Todesgottes 
Mara die Religion mit magischen Zauberformeln vermengte 
(s. Lassen). Das Mahajana-System^ das sich dialektisch in den 
heraklitischen Gegensätzen des Sabellius bewegt, begann nicht 
mit Nagarjuna, der im Kloster Nalanda (auf Sariputra's Ge- 
burtsort gegründet) auftrat, sondern Taranatha setzt den An- 
fang der Lehre *) unter Sri Saraha oder Rahulabhadra, einen Zeit- 
genossen des von Kala geweihten Königs Tschandanapala. 
In Betreff der Lebensdauer des Nagarjuna**) giebt es einander 



*) TieDtbsin ßodhisattwa (Vasubandliu ßudhisattwa) belonged Ünt to the 
school, which taugbt tbe existence of tbe exterior world and ronipostd discoiirses 
iu prafge of the iittle vebicle (against tbe great vebicle), uiitil couverted by bis 
brother Asanga to tbe principles of tbe great vebicle. Ma-ming (Aswagosba) aud 
Lang sbQ (Nagarjuna) were botb couverted from tbe beretical srbools to tbe true 
law of tbe great vebicle, and also Won-Cbo (Asanga) and Tien Tbin (Vasubandbu). 
Tipo Pusa or deva Rodbisattwa (disciple of Lung schü) bored out (iu Soutbern 
India) tbe nioving eye of tbe image of deva Mabiswara (Siva). ßecause it coiild 
not answer tbe stone (iu wbicb tbe beretic Kapilo or Kapila was for euduring 
exlstence converted by deva Mabesvara, burst asunder witb a sbriek, wben Cbinua 
Posa (Jina Bodbisattwa) placed' tbe treatise of Ma-miug-lua (Hetuvidaya Sliastra) 
on it Pilo (disciple of Maming) composed tbe sastro wougo (Auatama), Vasu- 
bandbu the Vidya matrasiddbi (wei-sbi) and U-Fa (dbarmapala) witb tben mä- 
sten tbe Vidyamatrasiddbi Sastra. Asanga Rodbisattwa baving entered tbe Fa 
kwong Samadbi ascended to tbe Tusbita beaven, wbere Tszsbi (Maitreya) ex- 
plained the System of tbe kin-kong (Vajracbbedika). Mieng pien-Iiiii-sse (tbe master 
of Scbaetras). wisbing to obtain tbe secret of long life in order to awuit tbe 
time of Maitreya's birtb iu tbe world, went iuto Southern India and Standing in 
f^ont of a cave belongiug to tbe Asuras, ropeated some dbaraiii (kin-kong or 
V^rapani dbarana). He then kuocked at tbe door of tbe cave and tbe rock door 
immediately opened. Then Ming pien (Bbavavivcka) taking up bis robe and 
irranglng it properl y entered the cave witb six other men tbe rock gate 
closiug bebind tbem Deva ßodhisattwa overcame tbe doctors of tbe eigbt regions, 
bat coDtented bimself witb their bair (shaving tbem as ßuddbitts) instead of 
cotting tbe beadofT. Vasubandbu Bodbisattwa (discoiirsiug on tbe Pi-cba-luu or 
Vibasha-Sastra) composed tbe Kinsbelun (Abidharma Khosba Sastra). Luu-se 
(Doctor) Matana was made town governor by Fanposbalo (Bimbasara) • Baja. Tbe 
records of tbe law (Fuli fab tsong) gained victory. Kapi composed the Poyetang. 
In Opposition to tbe kin-sbe (kosba) was written tbe work called Po or bail (Beale). 
Oama fand im Hafen Meliuda Schiffe der malabariscben Thomas-Christen. 

**) AU Aswagupta und sein Schüler Naudamitra iu Patalipiitra lebteu , er- 



4(X) Religiöse Vontfllangen. 

widersprechende Meinungen ; nach Einigen fehlten ihm 71 Jahre, 
nach Anderen 2f) an (KK), nnd wie Wassiljew hinzusetzt, konnte 
sich dies auf G<X) Jahre nach Buddha's Tode beziehen. 

Pali wird im Siamesisclien als Makhata-Phok (^fagadha- 
Cashya) bezeichnet. Lassen leitet Prakrit her von Prakriti 
( procrcatrix ), und Aliwis bemerkt: „In a primary sense those 
words are opposed to each other, Sanskrita conveying adome- 
ment and Prakrita the natural." Während die Brahmanen ihre 
heilige Sprache den Göttern reserviren, machen die Buddhisten 
ihre Magadha als mula bhasa zur natürlichen Ursprache, deren 
Kenntniss sich (nach dem Wibhanga AtthakathaJ in allen Re- 
gionen lande, und an sich von jedem Kinde, das nicht anders 



schienen in Magadha zwei Upasaka, die Brüder Mndgaragomin and Camkara, die 
das Kloster Nalanda gründeten, der spatere Centralpuukt des Bnddhaisnias in 
Mittelindien , und ihre Lehre (wie Arius) in Hymnen singen Hessen. Zur Zeit 
des ßhima^ukha, Königs von Benares, lebten im Westen Caiitivahana (Calivahana) 
nnd iSaptivarman, die Verfasser der Kalapa-Grammatik. Von Rabulabhadra , dem 
Nachfolger des Arjadeva (Schüler des Nagarjuna) in Nalanda, wird en&blt, dm 
der Buddha Amitabha ihm erschienen und dass er gestorben sei mit dem Gesieht 
nach Sukhavati gewandt, wo den Persern das grosse Licht des Mithra's (bd 
Plutarch) glänzt. Im Dhammapadam findet sich ausser Saggau (Svargam) aaeh 
Sugati für Himmel. Bhaoja (im Königreich Maljara), der sich in Minen M«i- 
nnngen vom Buddhapälita (im Tempel Dantaphura) trennte uud ein anderes SjttaB 
der Madlijainika (das der Svatantrika oder Batiklila) gründete, wird auch alt «in 
Schüler Nagarjtina's betrachtet. Asvagoscha oder Kala, der seinen Schüler Dscbni- 
nakirti an Kanischka sandte, rührte durch seine Predigten Pferde zu Thränen, 
wie christliche Heilige Steine zum Sprechen brachten. Sein Bruder war Vasubandhn, 
den die Chinesen zu einem Zeitgenossen des Vikramaditja , die Tibeter des 
Ganibhirapakscha machen. Von Mihirakula (aus dem Geschlecht des Mitbras). 
der in Tsekia (Sakala) regierte, erzählt Hiuenthasaug, dass er die Buddhaisten 
verfolgt habe, weil sich in der Versammlung keine aufgeklärten und «eisen 
Männer gefunden. Als er den abgefalleneu König Baladitja, der in die morastigen 
Provinzen seines Reiches geflohen, zu Schiffe verfolgte, fiel er in Gefangenschaft, 
wurde aber durch die Milde seines Feindes wieder in Freiheit gesetzt. Nach 
dem Mahayana bestehen alle Welten nur in der Vorstellung, wogegen die Mota- 
khallim behaupten, dass Alles durch die Einbildungskraft Vorzustellende auch 
für den Verstand denkbar, also möglich ist (s. Maimonides). Omnia ea, qua»- 
cuiique nobis imaginamus, transire quoque posse ad intellectum. Im Schaffen der 
Phantasie sieht Helmold das Ingens Mysterium. 



Du Pali. 401 

gelehrt sei, erworben werden müsse (an der Stelle des Phry- 
gischenj. Pakkadi heisst: die natürliche Anlage. 

Phutthakosa*) soll nach einheimischen Sagen das Pali 
nach Eambodia vor der Zeit des Phaya Bj*ek , der im Jahre 



*) In the refgD of king Mahanawmt there caiue from Jamba divlpa to Ceylon 
a learned priest whose name was Buddagosa by whom the king caused to be 
written a great niimber of sermons of Buddha and this illustrated the doctrine 
(nach dem Saptarajeka des Mahawanso), Kr wurde für die Eiiikurperung Maitreyas 
gehalten, und die neuplatouischen Mystiker sahen in dem an den TargeHen geborenen 
Plato die Wiedererscheinung Apollo's. In the time of Mahauawna-Raja the priest 
called Budhu gosha (caroe froni Jambudwipa and added to the three Liooks which 
contained 257,250 seruions of Budhu 3<>0,550 sermons more in the Palee language 
heisst es in Raja Ratnagari. Uuder the reign of Manam l;ajah the two p(*rsons 
called Bandagotnam-watawak and Tenmaha-Siu caused to be brought from Jam- 
budwipa to Ceylon the bhoks oontaining the 200,250 orders of Budhu and the 
books containiog the three lacse and 100,750 sayiugs of Budhu , which were 
written in the Palee language and ordered the same to be published (heisst es im 
Rajavali). There is a tradition among the Cingalese, that one of the Kings of 
Hindostanee immediately, after Budhu's death collected together 550 Ascetics and 
persuaded them, to write down ou palmyra leaves (from the mouth of one of 
Bodha*8 princlpal disciples), all the doctrines taught by Budhu in bis life time. 
The Cingalese admit that they reeeived their religion from the hands of a stranger, 
ADd and it is probable that it was propagaled in the Burman empire soon after 
iU reception in Ceylon, that is about 450 years after Budhu death. The Bur- 
iBMis believe that 650 years after that event in the reign of Muhumoone, Boodhu 
gliMho a Brahmin, was deputed to Ceylon to ctipy the work of Vishooddhimargu 
which Includes all the jatakas or histories of the incarnations of Budhu and it 
li fabled that the iron-style with which he copied this work was given bim by 
a heavenly messenger« though others will have it that Budhu-Sutwu a gave it to 
bim (s. Upham). Als die Schulen ihre vollständigen Kntwickelungeu erreicht und 
jede ihre Oertlichkeit eingenommen hatte, kamen sie zu der friedlicheren Einsicht, 
daas sie alle Bekenner Buddha's seien, und fassten bei dieser Gelegenheit sogar 
eine Satra ab. Nach den nördlichen Buddhisten geschah dies einerseits in dem 
▼on Vatsiputra zusammengerufenen Concil des nordlichen Indiens, andererseits 
in dem, an welchem sich Vasumitra betheiligte. Es ist Jedoch unzweifelhaft, 
da» die Hauptveranlassung der Versöhnung Asoka der zweite [der buddhistische 
Conetantin] war (Wassiljew). Schon im zweiten Jahrhundert nach Buddha's Tode 
war die Kirche in 18 Secten zerspalten, und wie die Sthaviras der laxen Obser- 
▼ans der Mahasamgha, traten die Cäsariner den Abweichungen entgegen, die sich 
HeliuB von den Regeln des heiligen Franciscus erlaubte. Wie die buddhistischen 
Ueretiker wegen ihrer Aufbewahrung des Salzes, wurden die Minoriten von den 
Spiritu.ilen wegen ihrer weiten Gewänder und grossen Kapuzen angegriffen. Der 

Bastiaa, BeUe in Slam. IIL 26 



402 Religi58e Vontellon^n. 

584 der Phntthasakkharat die neue Era der Ghnnlosakkharat 
einführte, gebracht haben. Gewöhnlich wird diese in's 7te Jahr- 
hundert (688 p. d.) gesetzt, in dem auch Srongtsan Gambo in 
Tibet regierte, Zeitgenosse des Dharmakirti, der zwar Kumara- 
lila, Sangkararatscharya und Bhattatscharja in einer Disputation 
besiegte, aber doch den Untergang des Buddhismus in Bangala 
(nach Taranatha) nicht hindern konnte. Nach einer Angabe 
wurde die Vulgär-Era (638 p. d.) drei Jahre nach Einführung 
des Buddhismus in Siam durch Phaya Krek gestiftet, um das 



Rrahmane ßuddhaghosha, bei der TerrasBe des ßodhi oder heiligen FeigeDbaumes 
(in der Nähe Pataliputra's) geboren, war in allen Wissenschaften und den Künsten 
((■ilpa) bewandert und hatte gründlich die drei Veda erforscht Nachdem er das 
ganze Jambudwipa durchreist, liess er sich in einem Yih&ra (in Kanheri auf Sal- 
sette) nieder und wurde durch den Mahasthavira Kaivata zur Lehre Buddha's be- 
kehrt. Nach den Studien des Pitakatraja (Sammlung der heiligen SchriAen) ver- 
fasste er die Schriften Nandodaja (Aufgang der Freude) und Artha^alini (als 
Erläuterung des Dharmasangini, des Commentars zn dem Abhidharma). Um einen 
Commentar (parittär thakatha) zu dem Tripltaka (worin nur der Text Torhanden 
war) zu schreiben, schickte Raivata den ßuddhaghosha nach Ceylon, um die In 
der singalesischen Sprache verfasste Arthakatha (ausgearbeitet von Mahendra 
auf Beweisführungen des ^ariputra) in der Palisprache (von Magadha) so über- 
tragen (sowie die vada oder Darstellung der schismatischen Lehren). Nachdem 
Buddhaghosha im Kloster Mahävihara auf Lanka (unter K5nig Mahinama, f 483 
p. d.) in die Lehre Dharmaraga^s (Buddha^s) eingeweiht war, verfasste er (ivr 
Prüfung) den Commentar zu den heiligen Schriften (Vifudhim&rga oder Weg der 
Reinigung) und vollendete (im Kloster Oranthakara in Anurädhapura) die Ueber- 
setzung, worauf er nach dem Dorfe Uruvilva in Magadha zurückkehrte, um die 
heiligen ßodhibäume zu verehren. „A Burman iuscription in Ramree Island (dated 
p. d. 1785 - 6) States that the venerable Sona and the venerable Uttara introda- 
ced and established the religion of Buddha in Thadung (R. C. 307) bat that 
Buddhism did not become pararaount in Burmah tili A. d. 1057 wheo the Bur- 
mese monarch invited- the learned from Tbatung to settle in bis capital at 
Pugan where Buddhism was ultimately established, through the instrumentality 
of the descendants of Sona ad Uttara. According to the Singalese books Rudd- 
haghosa's native country was Swamabhumi (the classic name cfPegu).*» A Singa- 
lese compendium says : „In the sixth year of the reign of the King Haha 
Naaone and in the year of Budhu 430 the high priest Ruddothegooseke Ten» 
wahanse, Coming to the Island of Ceylon composed the books called Visuddbi^ 
marge etc. Upou bis return to Suvarnabhumi he composed the Turnpittike 
also and employed bimself in teachlng the doctrine oif Badhu** (t. Mmoii). 



Baddha*8 Apostel. 403 

Ereigniss zu verewigen. Mit dieser Epoche trat die Opposition 
zum Schlangencultus auf, aus dem der frühere Buddha Gonaga, 
wie der Vorgänger des letzten Jina, ihre Symbole gezogen 
hatten. Vor den Schlangen flohen die Neurer zu den Budiner, 
und Ritter hält den medischen Stamm der Budii flir Buddhisten. 
Die Göttin Waz fwie Buto in den Hieroglyphen heisst) wird 
auf den Denkmälern in der Gestalt einer aufgerichteten üräos- 
Schlange abgebildet (s. Reinisch). 

Die hinterindischen Missionäre Sono und Uttaro sollen nur 
bis Thatung gekommen sein. Täranatlia aber spricht schon 
früher von einem Apostel des Ostens Uttara, dem zu Eliren der 
Tempel Kukkutfiräma gebaut wurde. Aus der Schule der Maha- 
sanghika ging (nach Vasumitra) die Schule der Kukkulika 
oder Kukkutika (neben der der Ekaojavaharika und Lokottara- 
vadin) hervor, und Hiuenthsang übersetzt niclit (wie Tschhen- 
thi) Hoei schan tschu pu (die auf dem Kalkberge lebende 
Schule), sondern Ki-in-pu oder die Hühnernachfolge. Bei Ava 
findet sich die Kyet-Khyeit-Pagode , wo Gautama als Huhn 
scharrte. Dem alten Buddha Kukuson war das Huhn heilig, 
Sikhi, als Adibuddha, ward durch Hgnon (Hahnenkamm) er- 
klärt, als Königssohn wird Buddha auf das Geschlecht des 
Mondes zurückgeführt, und Pythagoras verbot das Schlachten 
eines weissen Hahnes, als dem Monde geweiht. Unter den 
Pandja erbaute Vansasekhara den Tempel des Kokanatha in 
Madhura. Ptolomäos kennt die Stadt Kpkkonagara auf der 
goldenen Halbinsel. Die wilden Bergbewohner Ghota-Nagpur's 
werden Kokkonagoi genannt, neben den Mandalai. 



Das Buch Trai-Phum wurde im Jahre 2319 der Phuttha- 
Sakkharat oder 1130 der Chunlo-Sakkharat zur Zeit des Phaya- 
Tak in Thonburi verfasst unter der Aufsicht des Sangkharat. 
Auf dem äusseren Blatte zeigt es die Figur eines der Thepha- 
nom genannten Engel. Die verschiedenen Seiten enthalten 
das System der drei Welten; oder Himmel/ Hölle und Erde. 

26» 



404 Beligiinse VonteUoDgen. 

Die Makh und Phon werden dargestellt durch Priester*) in 
gelben oder rothen Gewändern, die in Paaren erst unter drei 
Balken standen, dann unter zwei, dann unter einem. Daraui 
trägt der Priester der llakha (des Weges) die Frucht auf sei- 
nem Haupte, und der Priester der Phon (Frucht) hat nichts 
mehr über seinem Haupte, als an der höchsten Stufe der vier 
Heiligungsgrade angelangt. Die flinf höchsten Phrom-Himmel 
heisscn Suthavat. Die Regionen Vehabphala und Asanjisada 
bilden den vierten Jhan. Die Terrassen des ersten Jhan (Bori- 
tapha und Apparamana) verfallen noch der Zerstörung durch 
Wasser. In den unteren Kegionen leben die vierhändigen Phrah- 
mana. Ihren Eltern pflichtgetreue Kinder erwerben den Himmel 
Phra-In's. Phra-Phutthicliao wird gewöhnlich durch eine Lotus- 
blume, die von dem einen Felssitz deckenden Teppich aufbltlht, 
symbolirt. Der Wagen des Mondes enthält einen Hasen hinter 
dem Kutscher. Auf Khao Krailat zeigt sich in seinem Palaste 
Uthumphon zwischen zwei Frauen. Unter dem Palaste, in dem 
Phra Narai mit seinen beiden Gattinnen weilt, sitzen drei betende 
Rüsi neben einem konischen Hügel, als die Repräsentation des 
im Innern lebenden Phra-Insuen. In den Parkanlagen des Hima- 
phan sieht man die Sithon sich im Tanzen und Singen erlustigen, 
wie auch die Khonthan. In der Stadt Kalanakharat liegen alle 
Bewohner im Schlafe. Die Verstorbenen werden unter Xom- 
phuthavib (Jambudwipa) in Jomaloka gerichtet. In der Hölle 
Sangkhat-Narok sieht man auch einen geketteten Elephanten zur 
Bestrafung fortgcleitct, ebenso, wie pferdeköpfige Jackha. Die 
Heretiker oder Missathithi werden ausserhalb des Chakravalla 
in dem Wasser der Hölle Lokhanthanarok gepeinigt. In der 
Asurophiphob wachen die Könige der Asura in Paaren über den 
vier Punkten des Compasses, und gehört Phrohma-that-asun zu 
den Hütern des Nordens. Wo die Auffindung des Phrabat 



*) Nach den Sarv&stlv&da sind die Tier Früchte nicht auf die Form desSra- 
mana beschränkt, sondern auch in einem siindlosen weltlichen Pfade kann durch 
Lossagung von den Leidenschaften der Beruf des Sakridag&min und Anag&min 
erworben werden. .,Trotzdem, dass sie unter dem Arhänt stehen, werden doch 
ihre Eigenschaften Tiel höher gestellt" (s. Wasslljew.) 



Die zweifach Geborenen. 405 

durch den Jäger Bun nach Saburi berichtet wird, war beigefügt: 
„Dort sind die Spuren von unseres Herrn Fussstapfen in mannig- 
fachen Kreisungen, mit den 105 Glorien begabt, wie sie dem 
Text des Pali entsprechen und mit den Angaben von Myang 
Langka übereinstimmen." Das Buch war nach siamesischer 
Art im Zickzack zusammengelegt, ui^d stellte beim Auseinander- 
falten das gesammte Weltsystem der Buddhisten dar, bis hinauf 
zu dem wolkigen Räume (Axa-xadakat) der Arupa an der Grenze 
der Existenz nächst zu Myang-keoh-amatha-maha-niruphon oder 
Nirwana. 

Die Siamesen erkennen das Geburtsprivilegium der Kasten 
nicht an und meinen, dass alle Menschen, obwohl von Geburt 
Sudras, durch die Ccremonien Dwija oder Brahmanen werden 
können. Bemerkend, dass kraft ihrer Frömmigkeit manche Sudras 
sich in Brahmanen verwandelten, fllgt das Manava-Dharma hinzu, 
dass der Sieger über sich selbst ein Yati ist, der Büsser ein 
Tapasya und derjenige, der Brahma charya beobachtet, ein Brah- 
mane. Das Concil von Epaone (517 p. d.) setzt professio conti- 
nentiae gleichbedeutend mit religio. Die Siamesen erklären 
Phrahmanachari (eine Lebensweise nach Art der Brahmanen) *) 
als Keuschheit (in Isidis casto esse), Song Phrommachari (oder 
Brahmanatschari). Ursprünglich meint Brahmacharin den brah- 
manischen Novizen bis zur Stellung als Hausherr. Sayasatr 
bezeichnet den heiligen Text brahmanischer Schriften, und vom 
Beobachten ihrer Riten wird Thü-Sai gesagt. Darin unterscheiden 
sich die Verehrer Phra-Insuen's und Phra-Narai's von denen, die 
Phra-Phutta folgen. Die Phrohm-Xanit beobachten die Vor- 
schriften (Sin oder Sila), tragen aber das Haar am Hinterkopfe 



*) According to Asbu Gosha, Brahmanhood is merely an immaculate qaality, 
Uke the anowy whiteness of tlie Khundh-Flower That which removes sin is 
Bramanhood. It coosists of Vrata and Tapas and Niyama and Kipawas and 
Dan and Dama and Shama and Sanyania. It is written in the Vedas , that tbe 
gods hold that man to be a ßrahnian, who is free from iutemperance and egotism 
and firom Sanya and Parigraha and Praya and Dwesba. It is written in aU 
the Shastraa, that the signs of a Brahman are truth penance, command of the 
•enses and mercy. Those of the Chandals are Opposite. Another mark of A 
Brahman is abstiuence from sexual intercoarse (b. Hodgson). 






406 Religi5M VorsteUangen. 

aufgebunden, wie die Xiphophrahm. Der Khang Sayasatr be- 
greift die der brahmanischen Religion folgende Partbei. Kaling- 
- kbarat war von Brahmanen bewohnt. Die Brahmanen verehren 
Maha-Phrohm, der gelegentlich auf die Erde kommt. Die ge- 
lehrte Ausbildung des Geistes ftlhrt nach dem Tode zu den 
Phrohni - Terrassen , da die verschiedenen Himmel den jedes- 
maligen Neigungen*) der Abgeschiedenen zum BedUrfniss ent- 
gegenkommen. Die elephantenköpfigen Brüder Phra-Kinai und 
Kinet sind den Brahmanen heilig. Phrohm bedeutet in „Aus- 
zeichnung hervorragen." Die sechs Racen der Brahmanen 
kamen zu Schiff in Ayuthia an. Als die Sakun (Stämme) der 
Khru (Lehrer oder Guru) unter den Brahmanen werden Vira- 
mahot, Adan, Thesankri, Pheri und Veyanthük genannt. König 
Adisura (Adisvara) brachte die fünf Geschechter der Gauda- 
Brahmanen aus Kanjakubga nach Bengalen, wo sich vorher nur 
Brahmanen der Sarasvata (aus den zehn Geschlechtem) sowie 
einige Vaidika gefunden hatten. Vor den Ansiedlungen der 
Brahmanen im südöstlichen China lag Bramma auf der Stelle 
Seminfu's, und am Fluss Ngnan-nan Kiang, in Kanton's Süden, 
Ambastai (Ambastes). Ambastha ist ein mit Keulen kämpfendes 
Volk (nach dem Mahabharata) oder gemischte Kaste (s. Lassen}. 

Der Xaphakhi waren sechs Geschlechter, die, von dem 

^. /*^. Kommen Phra-Phutthi-Chao's hörend, in den Stand der Geistlichen 

\t]*/: traten, seine Erscheinung zu erwarten, und deshalb Xaphoxi- 

K;,v phrahm von Myang Kabinlaphut genannt wurden. Sie pflegen 

^- .>" als wassersprengend vorgestellt zu werden, und ihr Name 

"":;*- findet sich erklärt als solche, denen Verehrung zu zollen ist. 

^ . Bei der Krönung besprengen die Brahmanen (die schon Nearchos 

als Hofbeamte erwähnt) den König und seine Rüstung mit 

dem geweihten Siegeswasser. Täglich gehen Mönchspriester 

durch die Zimmer des Palastes, um Alles mit Weihwasser (Nam- 

Mon) zu sprenkeln. Die Brahmaneu sind bei priesterlichen 



*) Die Soldaten kommen nicht zu den Conrerten der Seligen, Bondern auf 
die grüne Wiese zu Kaiser Friedrich, und nach Sagen in Münden zog der wilde 
Jäger sein ümhersch weifen dem Himmel vor. 



Die Vorvätof. 407 

Functionen in Weiss gekleidet und tragen, als für sie charakte- 
ristisch, das im Knoten*) aufgebundene Haar. 

Die aus dem Glanzhimmel der Abhassara herabgestiegenen 
Brahmanen** ) belehrten die menschlichen Eingeborenen der Erde, 
und auch Timäos (bei Plato) würde nicht über die Gottheiten 
zu sprechen wissen, wenn er nicht dem Glauben schenken 
wollte, was die Sprösslinge der Götter darüber sagten, da diese 
doch ihre Vorfahren kennen mussten. Als solche ergeben sich 
aber Gä und Uranos, und ebenso sind auf Neuseeland Himmel 
und Erde die von ihren Kindern auseinander gerissenen Eltern. 
„Some say a person called Tuang-Ku opened or separated the 
heavens, and the earth, they previously being pressed down 
close together" (in China). In den ursprünglich neutralen 
Göttern wurden (nach buddhistischer Mythe) die Sexualzeichen 
durch den Genuss materieller Nahrungsmittel hervorgetrieben, 
und in Japan war die Fortpflanzung dem Vogel Isi-Tataki zu 
verdanken, der den Göttern die Ehe lehrte, wie auch in Amerika 
ein Vogelschnabcl nachhalf. Vor dem Aufwachsen der als 
Saleh bezeichneten Kornarten nährten sich die Brahmanen von 
einer „Speise der Seligen," wie das Manna (bei Bechai) ge- 
nannt wird, indem sie, gleich den Israeliten in der Wüste, 
(s. Bamidbar Rabba) nicht excrementirten. Die Deva (Götter 
oder Himmlische) sind von Div (Himmel)***) benannt, wie die 



♦) Tbe To-ing (among the Taoist-priests) coil up the loDg hair on th« •' -'•f*^; 
top of the crown after tbe opstume of the Ming-Dynastie , as some expUin th« \:\'^ 
fashioD (in Chiua). Die auuanntischen Chroniken sprechen von brahmanisehen ^:'''' 
Inschriften, imd das Rramma des Ptolomäos wird an den Basen von Tonquin ge- - V' 
setzt Die holländische Expedition (1643 p. d.) sollte ausser der Befabrung 
Japans nach den grossen Handelsstädten Brema, Jaugyo und Cambaly forschen 
(s. Pescbel). Der Birma oder Bearma entspringt (nach Franklin) auf dem 
Vlndhya. 

**) Es ist nach alten Sagen von dem Volke, welches Alf biess, bekannt, dass 
sie viel schöner als alle anderen Menschen im Norden waren (Sogubrot), und sie 
gehörten [wie die glänzenden Byamma] einer andern Welt (alter mnndus, auch bei 
Adam Bremen.) an, als im Lande der Hillevioneu (des Plinius) wohnend, nahe 
den Snionen, jenseit welcher (nach Tacitus) die Götter sich in Erscheinungen 
manifestiren In dem späteren Haalogaland (heiliges Land). 

*♦♦) Coelum ppiritnaliter ecclesia est, quae si buyus vltae nocte virtutibus 



406 BeligiSse Yontellungen. 

tengri oder coelites. Die buddbistigehen Götter sanken nach 
Erschöpfung des Verdienstes zu Mensclien herab; während die 
Theogonic des hieros logos die besiegten Dämonen zur Bestrafung 
in Menschenleiber einschliesst. Gegen Plato's Satzung der Gott- 
heit als das Gute (To Agathon) wandte Speusippos ein^ dass 
das Vollendetste erst im Laufe der Entwickelung zur Reife 
komme. Der anhaftende Schmutz der Materie wird bei den 
Heiligen durch die Jhana ausgebrannt, während fllr eine vor- 
läufige Reinigung '*') der grossen Massen das unschuldigere Wasser 
genügt. 

Eine Brandopfer darbringende Secte derBrahmanen wurde 
Iri genannt. Die Siamesen verehren das Feuer**) durch Auf- 
stecken von Kerzen und kennen noch ein Feueropfer als Jahna 
oder Jan ja, opponiren aber eben so sehr den blutigen Opfern 
der Brahmanen, wie einst in Indien. In Kreta, wo „Zan, ge- 
meinhin Zevs genannt," begraben lag, traf Pythagoras, der an 
die Stelle des besonders (nach schamanischer Weise) von Frauen 



quasi cUritate sideriim fulgit. Pluraliter autein coeli iioniine sanctl ouiDes vrl 
angeli iDtelligiintur (Isidorus). Als sich die Jesuiten mit den übrigen Mif^sionären 
stritten, ob das Wort Tien Himmel oder Gott bedeute ^ Jagten die Chinesen 
diese unruhigen Fremden nach Macao (Sonnerat). 

*) „Durch den Fall ist in die geistige und physische Natur des Menschen 
das Gift der Schlange eingedrungen (nach der Kabbalah), das ist die Tumah, auf 
welche sich die Reinigungsvorsrhriften der heiligen Bücher beziehen. Von Natur 
ans hat der Mensch also eine gewisse feine Tumah in und an seinem Leibe, 
die Wirkung des Somah (des vergifteten Unflathes), welchen die Schlange auf das 
erste Weib geschleudert. Und ebenso liegt auch in seinem geistig^ Wesen von 
Natur aus eine solche feine Unreinheit, welche bei den Kabbalisten die Somah 
dieser Welt heisst, und von welcher sie sagen, dass sie die Neschamah wie ein 
feiner Dunst umhüllt. Die physische ist nur die Folge dieser geistigen Tumah. 
So bringt der Mensch ein feines Schlangengewand, einen realen, leibhaften Keim 
des Bösen mit in diese Welt, welcher in seinem Innern gleichsam als Antipode 
des göttlichen Funkens sich festgesetzt bat. Die gröbere Tumah hat ihren Sitz 
vorzugsweise im Bauche, dem Bilde der Welt Asiah, weshalb dort die thierischen 
Gelüste vorzugsweise ihren Herd haben." (s. Stöckl). 

**) Im Yiug-hwan Areleo wird the Illustrious religiou (s. Wylie), die der 
syrische Mönch Kiug-tsing in China einführte, eine Secte der Feoerverehrer ge- 
nannt, obwohl doch wieder von der persischen verschieden. 



Vedas. 409 

gefeierten Cultus des orphiscben Dionysosdienstes die unblutigen 
Opfer der Magier setzte, mit einem der Epimenides genannten 
Sühnepriester zusammen, dessen Seele (nach Müller) den Körper 
verliess, so oft und so lange sie wollte (im Schlafzustande). 
„The four states of Zan enable the possessor to traverse difterent 
worlds," erklärte Ricliardson aus buddhistischer Metaphysie, „so 
deep and so abstruse that none but a Rahanda can understand 
it.*^ Die kretischen Weihen waren öflFentlich, während die eleu- 
sinischen ein brahmanisches Kasten -Prärogativ atheniensischer 
Geschlechter blieben. Euripides nannte das Unwesen der Bac- 
chantinnen etne Schmach für Griechenland (wie die Orgien der 
Tantriker es für Indien sind), und Pythagoras erklärte sich, auf 
Leon's Fragen, für einen Philosophen, weil er sich nur als Zu- 
schauer am bunten Messtreiben des Lebens betheilige, wie der 
contemplative Buddhist. 

Maha-Phrom's Himmel ist der höchste unter den drei Ter- 
rassen der Gelelirsamkeit, Abhassara unter denen des Glanzes 
und Subhakinnaka unter denen der Schönheit. Wasser zu 
sprengen oder durch Sprenkeln befeuchten wird Phra-Phrom 
genannt. Phrohm-thavan bedeutet ein treflFIiches Auföffnen. Nach 
dem Shikka-Juloi-Shing Taou-ki werden 18 Brahmanenhimmel 
aufgezählt. 

Die Siamesen bezeichnen die Lehre der Brahmanen als 
Phethangkasatr (Vedanga) und sie selbst als Sayasatr. Von 
dem Trai-Phet handelt die Yatsu-Phet über die Wege zum 
Himmel (savan) oder zur Hölle (narok). Von den anderen beiden 
bildet die eine ein Tamra-Hon (Handbuch für Astrologen), die 
andere ein Tamra-Ya (Handbuch für Aerzte). Die ihren Lehrern 
zugeschriebenen Functionen erinnern an Strabo's Eintheilung 
der gallischen Priesterschaft in Bardi, Vates und Druidae oder 
(nach Diogenes Laertius) Semnotheoi. In einigen Sutra des 
Trai-Pidok werden die Vedas*) (Trai-Vet oder Trai Phet) er- 



*) Nach der sanscritischeD Inschrift tod Rehar (Otes Jahrh.) befrab sich der 
Brahmaoe Viradeva, nachdem er alle Veda und die Shastra studirt hatte, naeh 
dem von Kanishka gegründeten Vihara, wo sich berühmte Lehrer der Eut^agang 



410 Belig:i58e Vorstollangen. 

wähnt; als verfasst durch Yasittha, Pakun^ Phrahma^ Ankhesira 
und verschiedene andere Rttsi (Rischi). Nach der Snuiagala 
Vilasini fllgten die Brahmanen später die blutigen Opfer- 
gebräuche den Mantras des Buddha Kasyapa hinzu und ersetzten 
die drei Vedas durch eine andere Composition. Nach der Vimata 
Vinodana Tika wurde die Athabbana (Athairvan) - Veda , die 
Thieropfer einführte, später den von Attaka abgefassten zuge- 
fügt (s. Alwis). Als Nebenbticher der Vedas führt die peguanische 
Geschichte, ähnlich den Vedangas, Abhandlungen über ver- 
schiedene Wissenschaftszweige ein. Phetangkhasat meint den 
Text (Sata) der Vetha (Phethang). Der in den A^edas Unter- 
richtete verehrt seinen Guru, und Cicero bemerkt, dass nach altem 
Recht der neu aufgenommene Augur denjenigen, der ihn inaugu- 
rirt habe, ehren müsse. Die Verhältnisse der Brahmanen werden 
in dem Buche Xanthasat besprochen. Die Trai-Phet oder drei 
Vedas *) zerfallen in die Sama-Phet oder die Abhandlung über 
Medicinen, die Iru-Phet oder die Abhandlung über Gebete und 



aufliielton. Der chinesische Pilger fand vielfach Brahmauen uud Buddhisten ueben 
eiiiauder und selbst iu riiieoi Gebäude lebeud. 

^) Die Zaubereien (bei dm Finnen) heissen Lngut oder Luwut (Lesungen), 
weil sie nicht gesungen, sondern gesagt werden. Sie bestehen aus drei Theilen 
und beziehen sich auf schädliche Dinge, die durch Zauberei abgewendet werden 
sollen. Die Geburt des Gegenstandes, Synty, erzählt dessen Entstehung, der 
zweite Theil Kiwut die bösen Einflüsse, worauf das Woitnensanat, der Spruch 
über die Salbe, folgt, der mit der Beschworung der Loisti), die jedem Zauber- 
liede angehäugt ist, übereinkommt. Der Vortrag geschieht mit Stampfen auf die 
Krde, Verdrehung der Glieder, Blasen n>it dem Munde uud Ausspeieu, Murmeln 
oder Lautreden (welche Geberden zusammen man llaldiosa nennt). Als ab- 
wehrende oder verstärkende Mittel heisseu diese Kunen auch Sanat (kräftige 
\^'orte) uud bekommen nach den Gegenständen ihren Namen, wie Madon>Sanat 
(Worter gegen den Schlangenbiss), Taleu-Saiiat (Worter gegen Feuer uud Brand- 
schaden) u. 8. w. Die kundigsten Beschwörer sind die Viehverschneider. Die 
Sprüche heissen Kuoharin Sanat, und bie brauchen zu ihrem Geschäfte zuerst die 
Puuu Sauat (Holzworte), wenn das Feuer angezündet wird, dann Tuleu-Synty (den 
Spruch über des Feuers Geburt), dann Rauwan- Synty (Ursprung des Eiaens), 
Mulkun-Pektit (wenn der Hoden des Thieres in eine Klammer gebracht wird), 
Pukon-Sanat sind dann die Worte des Wassers, und mit Naon-Synty (Entstehung . 
der Schlange) beschliesst sich die Handlung, (s. Mone). 



Brahmanische TriDiat. 411 

die Sanju-Phet oder die Abhandlung über Feuer und was dazu 
gehört. Wenn die von den Priestern recitirten Formeln sich 
nicht im Pitakat finden^ so nennt man sie Trai-Vet. Man sage 
von Buddha; dass er die Yet-Mon kenne ; bemerkte mir ein 
Mönch, aber im Traipidok gäbe es nur Sutr-Mon. Darunter, 
wie unter dem Phuttha-Mon (Buddha's Mantra), Ton denen das 
Volk spricht, sind meistens Gatha verstanden oder kurz abge- 
rissene Sentenzen, die im Texte ihre weitere ErklHrung finden. 
Wenn die Priester Wasser oder andere Gegenstände durch 
Formeln weihen, so entnehmen sie dem Pali irgend eine Phrase, 
die ihnen passend scheint, oder die durch die Gewohnheit em- 
pfohlen wird. 

Die Buchstaben des den Brahmanen eigenthümlichen Alpha- 
betes werden Xieng Khrün, die brahmanischen Bücher auch 
kurz KhrUn genannt. Das Sanscrit findet sich häufig als 
Sakata oder Sakot bezeichnet, weil diese Sprache (phasa) voll 
ist von unterdrückten (sakot) Worten , die aus dem Sinn ver- 
standen werden müssen und nur durch gelehrte Lehrer ergänzt 
werden können. 

Phrohmathat, der als König in dem Aviha genanntem Phrohm- 
Himmel herrscht, lebte als Rtisi (Einsiedler) auf der Erde, ehe 
er dorthin aufstieg, erbaute die Welt und richtete Alles in 
derselben nach der angemessenen Ordnung ein. Ehe von ihm 
die Welt geschaffen wurde, existirte Phra-Naray in der Kasien- 
vari (der See milchweisser Farbe). Wenn Phrohmathat im 
Stande war die Welt zu schaffen, so geschah es kraft seiner 
Kenntniss aller Wissenschaften und aHer Bücher, als der Kamphi 
Mo, der Jahn, der Trai Phet u. a. m. 

Phrohmathat (Brahma), Phra Naray (Vischnu) und Phra- 
Insuen (Siva), diese drei setzten die Welt in Ordnung. Es lag 
Phrahmathat ob, die Welt zu bauen, es ist die Pflicht Plira 
Naray's, die Widersacher zu tödten und zu vernichten, während 
Phra-Insuen die Unglücksfälle abzuwehren und die bedeutungs- 
vollen Ereignisse im Laufe des Geschickes zu überwachen hat 
(Ean Changrai). 

Phrahmathata bezeichnet eine Person, die in sich die 
Kenntniss aller und jeder Dinge bewahrt, und Phromathat be- 



412 RelifiÖM VorstelloDfen. 

deutet die feste Stellung in der Weihe der Phrohm. In buddhi- 
stischen Legenden spielt vielfach der Engel Phrohm -Narot. 
Aviha (ausserlialb der Orte der Existenz) ist der Name für die 
Xan der Phrom-Himmel, deren König am Beginn zur Erde steigt^ 
um die Vorbedeutung aus der aufblühenden Lotus zu ziehen. 
Amora-Kosa, als allgemeiner Name der Thevada, begreift die 
Unsterblichen (Amora) in den RUumen (Kosa) des Himmels. 

Die Brahmanen halten die Ansicht; dass Sünden durch 
Wasser „abgewaschen werden hönnen*^ (Phrahm Khao thü va 
tham bab leao loci nam sia dai) ist ein mehrfach in den Mann- 
scripten angetroflFener Satz und ein buddhistischer Mönch er- 
klärte mir, dass die Brahmanen ihren Namen führten, als Leute, 
die ihre Sünden*) abgespült hätten (Papavahitatta Prahmano 
thi vutchati). Prahmana wird übersetzt als Phu-Loi, ein Ab- 
waschender, wobei Bab (die Sünden) zu ergänzen bleibt. Andere 
leiten Phrahmana**) von der Wurzel Phära (Bara) oder gross 
ab, die auch dem siamesischen Praefixum Phra zu Grunde läge. 
Der Urgott, aus dessen Blut (nach Helmold) die übrigen ent- 
standen, heisst bei den Slovakcn Praboh. Die Brahmanen, 
hörte ich im Gespräch mit einem siamesischen Geistlichen, 
reinigten sich früher durch Rupawacharakuson von Sünden und 
wurden dann in Phrohmalok wiedergeboren. Später setzten sie 
äusere Reinigungen durch Waschen an die Stelle der inneren, 
verhciratheten sich und gingen in der Masse des Volkes ver- 
•loren. Etymologisch erklärt derselbe den Namen . als Khon thi 
rien mon oder Formel-Leser, von Phrama (ein Mantra) und 
ana (lesen). Im siamesischen Phrahmana sei die ursprüngliche 
Aussprache Brachmano verloren gegangen. 

In einem Buche fand ich gesagt, dass alle die von den Thai 
(Siamesen) bis zu dem heutigen Tage beobachteten Gebräuche 



*) The meauing of thc word Braliniiii is to put away sio (üpbam). Men 
who put away evil practices, were called Byamanah, heisbt ea (bei Rlrhardaon) 
Im Dhammathat (To so akiiso tara go Tay tap apa pro Up so satti kraung). 

♦♦) Wie die Priester nach Brahma Brahmanen, so heissen sie nach Atharran 
(Vasishtha) Athavan, und der Name selbst schliesst an den aafyriachen Konig«- 
ntmen Abbut. 



Kasten. 413 

CThamnien) von den Brahmanen hergenommen wären. Nach 
den alten Geschichtsbüchern stammte ein Theil der Khon Thai 
von dem Sai- Geschlecht (Xüa Sai) der Brahmanen her, ein 
anderer von den Bewohnern Xieng Sen's nnd Xien Rai's im 
Laos-Lande. Aas dem Grunde kennt das Thai genannte Sayam- 
Volk weder Kot (Kaste) noch Se (Gilde) noch Kraknn (Stamm- 
baum), wie solche unter anderen Zungen (Phasa) gelten, z. B. 
unter den Khek und Cliin. Derselbe Verfasser meinte, dass seit 
Erfindung des siamesischen Alphabetes sowie seit Erfindung 
der von Prak Phuttha Khosa mit Khom-Buchstaben geschriebenen 
Palischriften die Palmenblätter (die er in Langkha-Thavib aus 
der Sinhon Phasa oder der Makka Phasa tibersetzt hatte) un- 
gefähr 1208 Jahre (zur Zeit seiner Publication vor etwa 20—30 
Jahren) verflossen seien. 

Von den Brahmanen wird gesagt, dass sie Phra-Insuen 
(Issuen) verehren, der auch der Maha-Rtisi (grosser Einsiedler) 
genannt wird. Nacli altem Sprachgebrauch heissen die Eremiten 
Issi.*) Die Stadt Yathay-myo (neben Prome) heisst mit altem 



*) Auch unter den Rischi der Vedas spielen die Töchter und Frauen der- 
selben « doch tritt da^ weibliche Element weniger hervur, als bei den an die 
Pythia anknüpfenden Sibyllen, die, nach iServius« den Marriern (Marciorum 
fratres) geweissagt hatten. Divinitas et qnaedam caelitum societas nubiliMima 
ex feminis in Sibylla fuit (s. Plinius). Na<th Timotheus kehrte die Pythia in den 
Orkus zurQck, als das hebräische Kind geboren wnrde, das Ober die unsterblichen 
G5tler herrschen sollte, und Martiuus Poloniis lässt die tiburtinische Sibylle die 
von Augnstns angebotene Vergötterung zurückweisen, da der ewige König yom 
Himmel berabzukommen im Begriff stand. Wie aber später die Trai-Phet neben 
dem Pitakat zugelassen wurden , so verwendet Justiuus die cuniäische Sibylle 
zur Stfltze des Ghristenthums, oder Lactantius die erythräische , und wurden im 
Chronicon pasohale zwölf Sibyllen (statt der früheren zehn)* aufgeführt, deren 
Zeugiiiss Thomas von Celano mit dem Da\id's gleichstellt. In foliis palmarum 
Sibyllam scribere solere testatur Varro(Serrlus). Mit dem Tempel der Ziwa (Siba) 
in Ratzeburg war ein Orakel verbunden, und dem Könige Rystein orakelte die 
Knh Seibulia, den Feinden gefährlich, wie Manu's Stier, dessen Stimme die Asnren 
vernichtete. Die hebräische (chaldäische, babylonische oder persische) Sibylle Sani- 
bethe. oder (nach Paiisanias) Sabbe, wurde mit der Königin von Saba identiflciit. 
Die Saboi waren die Priester des phrygisi'hen Weingottes, und geschlechtlich auf- 
geregt« Frauen wurden von den Priesterinneu des Dionysos als Bai>arai be- 



414 Relifi5Be Vorttellangeii. 

Namen Issi-myo. Im esthnischen Märchen wird der von Riegen- 
kerl betrogene Teufel Issi (Selbst) genannt, und im Ittbischen 
heisst dieser Niemand SUlfst-gedan. 

Die Pbrahm (Brahmanen) kamen zuerst auf dem Landwege 
vom Norden her und wurden die Lehrer der Karabodier, die 
indess später das Pali-Älphabet adoptirten. Dann unterrichteten 
sie die Siamesen und theilten diesen ihr eigenes Alphabet*) 
mit, das zur Zeit Phra Ruang's, des vor 600—700 Jahren in 
Sukkhotay regierenden Königs, seine letzte Vollendung erhielt 
durch die Zufllgung der Betonungen und der Regeln über die 
Accente Mai Ek und Mai To. Anfangs waren die in Siam an- 
langenden Phram Religionsprediger und heilige Männer; aber 
sie fingen im Laufe der Zeiten an sich zu verheirathen, ver- 
liessen den Pfad ihres tugendhaften Lebenswandels und ver- 
schwanden schliesslich ganz im allgemeinen Niveau der grossen 
Menge. Die jetzt im Bangkok lebenden Phram stammen aus 
Ligor und wurden bei einem SchiflTbruch an die siamesische 
Etlste geworfen. Die Brahmanen gebrauchen bei ihren Cere- 
monien zum Blasen und Sprengen die Trompetenmuschel, 
spiralig gewunden, **) wie ein Hörn. Die Negerkönige am oberen 
Nil erschauen die Zukunft aus ihren magischen Fetischhömem, 



zeichnet. Sißvklau xaX BoxtSet it'd'soi ^aiM^ xpttaei (Aristoteles). Paiisanias 
identiflcirt die kolophonische Sibylle mit der erythräischen oder gergitischen 
Hierophyle in Samos. Primam fiiisse de Persis, cujus mentionem fecerit Nicanor, 
qiii res gestas Alexaodri Macedonis scripsit, fHhrt Lactantiiis über die SibyUen 
aus Varro an. Nach Zonaras waren der interpretirenden Behörde der Duumviri 
zwei griechische Dolmetscher beigegeben. Bei der von Augustus angeordneten 
Revision war das yerschlossene Exemplar nur den Quindecimviri zngänglicb. 
Tros oder Thor« iSohu des Königs Memnon, findet (in der jüngeren Edda) eine 
Sibylle (Sif) genannte Wahrsagerin, als er nach Norden zieht. 

*) La ciencia de Sian es saber leer differentes characteres y nsan dellos 
en tres maneras, la primera es muy clara y enseüanla a todo el genero de 
gente, aiinque sean esclavos. La seguuda sirve para solo sus idolatrias y para las 
historias de sus guerra« y antepasados. La tercera es muy difflrultosa y sola- 
mente la sahen leer los qoe tieneu opinion de letrados y predican el ley (Riba* 
deneyra). 

**) Ghoir gaur (Chorea gigautea) wird von Stukely grosse Kirche erklärt. 
„Goir ist im Hebrlischen die Ck>ncha marina oder runde doppelte Meermuschel, - 



Einwanderung. 415 

und Aman; der Verborgene, zeigte Bich nur mit Widderhörnern 
in Aegypten. Dem Ilia oder Elias stecken die Osseten einen 
Ziegenbock auf Stangen. In Italien werden (nach Martens) 
Homer an die Hauseingänge gehängt, um die Kinder gegen 
Beschreien zu sichern. 

Als die Brahmanen nach Siam kamen, brachten sie die 
Rup-Thevada (Götterfiguren) von Phra-Insuen, Phra-Narai, Phra- 
Uma, Phra-Mahakinek und Phra Thevakam mit sich, wie auch 
ihre heiligen Bücher. In den Phongsavadan Myang ntta beginnt 
die siamesische Geschichte mit den Brahmanen-Dörfem Mog- 
galas''')und Saributrs. Brahmanische Dörfer werden auf Ceylon 
unter Mahasena (f 302 p. d.) erwähnt, der Tempel auf der 
Stelle zerstörter Devalaya auf Ceylon *♦) gründete. Die chine- 
sischen Pilger fanden Brahmanen in Java. 

Als die acht Schiffe der Brahmanen, die Phra Narai von 
Ramarat nach Siam schickte, im Sturme zerstreut wurden, trieb 
das Bild der Uma-Phakkavadi an die Küste Kambhuxas, Phra- 



welche den Zirkel innerhalb des Zirkels genau in sich begreift nnd deshalb ein 
prächtiges Säulengebäude, nach dieser Form aufgeführt, bedeutet. 

*) Unter den jüngeren Ouptas verlieh Konig Pravarasena einem ans dem 
Oeschlechte .Maudgalja abstammenden und in den Lehren der Talttirija wohl- 
bewanderten Brahmanen (DeTasarmaii) das Dorf Brahmapuraka. '^. 

**) Nach dem Buche. Janawansa kamen Paisa-Brahmanen zn Konig DeTan*- 
pyadissa von Ceylon. It appears also in the books, called Sacranawatawra and 
Raja Ratnacari, written by the ancicuts, that a King of Ceylon, called Wijaya 
Prawkarma Bahn, who held bis court at the city of Dambadeny, sent presents of , 
precions stones to the country called Soly-Rata aud caused several expert Palsa- 
Brahmas to come from thence to Ceylon and conferred on them lands, male and 
female slaves, elephants and horses, pearls and precions stones and dlfferent 
klnds of treasure and great honours, and then taking up their abode in tbis 
eountry, they were treated with great respect by the husbandmen of Graba- 
Patty-Brahmas, that is the V ellalas. The secnnd Paisa-Brahmas, who were brought 
for the flrst time during the reign of Wijaya-Rajah and those who came for 
the second time under the reign of Deweny-Paetissa Rajah, haviug in procesa 
of time lost their expertness at weaviug, betook themselves to the cultivation 
of their lands, in order to flnd a maintenance and lived by that msans. The 
Paisa-Brahmas who for the third time came with the King, called Wijaya Praw- 
krama Bahu Rajah are the people uow called Cbalias of the Mahabaddha 
(s. Upham). 



416 RelifiöM Vorstellangen. 

Insuen and Phra Narai dagegen nach Myang Lakhon, von wo 
sie später nach Slam gelangten. 



Frage: Wie hoch mag sich das Volk der Brahmanen 
(Phuek Phrahm) in Slam belaufen? Brachten diese Brahmanen 
ihre Frauen mit sich, oder von wo entnahmen sie dieselben? 

Antwort: Was diese Frage angeht, so habe ich gefunden, 
dass sich von den Brahmanen in Slam ungefähr einhundert 
finden mögen. Und diese Brahmanen leben in denselben Fami- 
lienverhältnissen wie die übrigen Bewohner Slams. Indessen 
werden die Frauen der Brahmanen gewöhnlich aus den Leuten 
der Stadt Lakhon (Ligor) gewählt. 

Frage: Wie lange ist es her, dass die Brahmanen in 
Slam eintraten? Geschieht es noch jetzt, dass neue Ein- 
wanderer der ächten Brahmanen anlangen? Von welchem 
Lande sind die Brahmanen ausgegangen ? Wie verhält es sich 
mit ihrem Stammbaume (Xati) und ihrer Sprache? Zu welchem 
Zweck kamen die Brahmanen nach Slam? 

Antwort: In Erwiederung dieser Frage habe ich aus 
den alten Geschichtsbüchern gelernt, dass seit der Einwanderung 
der Brahmanen in Siam 1208 Jahre verflossen sind. Bei ihrer 
ersten* Ankunft gründeten sie die Stadt Phitsanulok, und seit- 
dem haben sie fortgefahren sich unter dem Sayam- Volke des 
Thai-Landes (Sayam-Prathet Myang Thai) einzustellen. Durch 
sie wurden die Phra-Raxa-Phithi (die königlichen Feierlich- 
keiten), die Saiyasat (die Shastras oder Ceremonialbticher), die 
Thamnien Phram (die brahmanischen Gebräuche) eingeführt, 
und dieses Geschlecht (Xüa) der Sai-Brahmanen (der Banyanen) 
besteht bis auf den heutigen Tag. Das Volk der ächten Brah- 
manen (Phuek Phrahm theh) ist indess im Laufe der Zeit ver- 
loren gegangen, und gegenwärtig findet sich Niemand mehr aus 
demselben. Indess giebt es noch eine geringe Zahl solcher, 
die sich aus den Abkömmlingen des brahmanischen Sai-Ge- 
schlechtes erhalten haben. Die Bewohner von Lakhon (Ligor) 
haben zum Theil die Religion der Brahmanen (Sasana Phrahm) 



Die ächten Brahmanen. 417 

angenommen und folgen ihr. Ich habe jedoch einmal einen 
der ächten und wirklichen Brahmanen (Phrahm theh) in dieser 
Residenz krung-theph (Bangkok) gesehen. Dieser ächte Brah- 
mane nannte sich Achutnannam, und er gehörte zu dem Stamme 
(Krakun) der Raxa-Pandit (Räthe des Königs) in der Stadt 
Pharanasi (Benares). Die Absicht seiner Reise war, sich zu 
überzeugen, ob in der That Buddha's Religion (Phra Phuttha 
Sasana) fest unter der Sayam-Nation des Thai-Landes begründet 
sei, wie er hatte sagen hören. Als nun Seine Majestät der 
König des Thai-Landes (Myang Thai oder Siam) hiervon unter- 
richtet wurde, so erlaubte er dem Brahmanen Achutnannam, 
als derselbe zurückzukehren wünschte, eine Passage in einem 
absegelnden Schiffe. Später wurde mir mitgethcilt, dass dieser 
ächte Brahmane unterwegs gestorben sei und nie wieder nach 
Benares zurückkam. Seitdem sind ungefähr siebenzehn Jahre 
verflossen, wenn man von diesem Jahre des Pferdes, dem achten 
des Cyclus zurückrechnet. Dieser ächte Brahmane stammte 
aus dem Theva-Phrahm , und kam den ganzen Weg von Be- 
nares, um zu sehen, ob Buddha's Religion in Siam so fest 
begründet sei, wie man ihm erzählt hatte. Für solchen Zweck 
kam dieser ächte und wirkliche Brahmane nach dem Lande 
Siam. Dies ist's, was ich zu sagen habe. 

Frage: Wie verhält es sich mit der Religion der Brah- 
manen in Siam, und welche Ceremonien werden darin beob- 
achtet? Unterscheidet sie sich von der siamesischen Religion 
(Sasan« thai)? 

Antwort: Hierüber ist zu bemerken, dass die Brahmanen 
verschiedenen Arten der Gottesverehrung folgen. Sie verehren 
Phra-Siva-Lüngk-Sayam-Phuva-Nath, d. h. Phra Insuen, den 
Herrn und Gott (Phra-Insuen nan pen Phra-Chao), der die 
Welt (lok) geschaflFen hat und alle Dinge darin. Dann ver- 
ehren sie Phra Naret-Phra-Narai, nämlich Phra-Ram, der sich 
aus Phra-Narai hervor theilte (in den Avataren incarnirte) und 
als Mensch (Mannt) geboren wurde, um die Rakshasa (Jakh) 
zu bekämpfen und durch seinen Sieg zu retten. Ferner beten 
sie zu den Figuren von Ochsen und Elephanten, die sie Phra 
(Gott) benennen. Ausserdem überwachen sie die in dem Text 

Bftitiftn, SeUe in Siam. III. 27 



418 BelifiSM VontollangMi. 

(Kamphi) des Saiyasatr vorgeschriebenen Feierlichkeiten, wie 
das Fest des Pfluges (Rek na oder Eröfiiinng der Feldarbeiten), 
des Schwingens (Xingxa), Kruth's (das lunare Neujahr), Song- 
kram's (das solare Neujahr), des Sath (Wassersprengens), des 
Chut-fai (Feuerwerke) und Loi krathong (Flottmachen der 
Schiffchen), der Laternen (tarn khom nai akat), und die übrigen 
königlichen*) Feste und Weihen, wie sie nach den Gebräuchen 
der Brahmanen anzustellen sind. Diese unterscheiden sich in 
vielfacher Weise von der Religion Buddha's (Phra Phutth« 
Sasana). 

Frage: Sind es Viele oder Wenige, die aus den Siamesen 
der brahmanischen Religion (Sasana Phrahm) anhängen? In 
welcher Weise handeln die Siamesen mitunter nach den Gere- 
monialgebräuchen der Brahmanen (Phitthi Phrahm) ? Und wie 
ist es, stehen die Brahmanen bei den Siamesen in hoher Achtung 
fllr ihre Weisheit und Gelehrsamkeit? 

Antwort: Dieser Frage dient zur Entgegnung, dass sich 
zwar einige der Siamesen zur brahmanischen Religion bekennen, 
aber doch nur sehr wenige. Dass die Siamesen den brah- 
manischen Ceremonien (Phitthi Phrahm) folgen, kommt häufig 
vor, doch beobachten sie dieselben nicht in derselben Weise, 
wie die ächten Phrahm. Ihr Herz gehört immer der Religion 
Buddha's (Phra Plmttha-Sasana), auch wenn sie die Feste des 
Kruth und Songkran nach brahmanischer Weise begehen. Wenn 
die Brahmanen die vorgeschriebenen Feierlichkeiten (Phitthi) 
in dem Palaste anzustellen haben, so errichten sie einen be- 
deckten und gedielten Pavillon, belegen den Fussboden mit 
Teppichen und umhängen alle Seiten durch weisse Tücher, 
dann bringen sie die Statue Phra-Insuen's herbei und stellen sie 
in dem Pavillon der Königsfeier (Raxa-Phitthi) auf, mit Altar- 
tischen davor, um dort die Opfergaben, wie gedörrten Reis, 
Blumen, junge Kokosnüsse, Bananen, Zuckerrohr und ähnliche 



*) Auch bei Megasthenes prophezeiten die Brahmanen dem Könige, hielten 
es aber unter ihrer Würde, sich mit Privatangelegenheiten zu beschäftigen« Eine 
Klasse der Sarmanen wanderte als Wahrsager durch die Dörfer, während eine 
andere die Kegeln für ein frommes Leben ftberlieferte. 



BrahoiADische Ceremonien. 419 

Dinge in Ordnung za setzen. Die zur Ansfllbrung der Cere- 
monien bestellten Brahmanen begeben sieh dorthin, am dem 
Phra-Insaen in dem Pavillon der Königsfeier za opfern , and 
damit sind dann an jenem Tage die Festlichkeiten beendet 
Man glaabt, dass dadarch hohe Segnungen and nihmyolles 
Glück auf die Bürger der Städte herabgezogen werden wird. 
Was nun die Feier des Kruth und Songkran betrifft^ worin die 
Siamesen den brahmanischen Gebräuchen folgen, so ist darüber 
Folgendes anzuführen: Die Feier fällt auf den Tag der fünf- 
zehnten Nacht des abnehmenden Mondes im vierten Monat 
Die Siamesen halten diesen Tag für den letzten des verflossenen 
Jahres und rechnen den Tag der ersten Nacht im wachsenden 
Monde für das neue Jahr. Alle Bürger sind eifrig dabei, sich 
mit neuen Kleidern auszuputzen, mit blanken Gürteln und 
reinen Jacken. Die Alten und Betagten blicken auf die dahin- 
geflossenen Jahre zurück, die jetzt der Vergangenheit angehören, 
und sagen: So haben wir wieder ein anderes Jahr überlebt, 
mit der stützenden Forthülfe der Verdienste. In solcher Ueber- 
legung erwacht der Eifer, durch verdienstliche Werke mit 
einander um die Wette zu rivalisiren, Almosen zu geben, Gebete 
herzusagen und den Predigten zuzuhören, um sie nach besten 
Kräften des Wissens zu verstehen. Das junge Volk, Burschen 
und Mädchen, schmücken sich aufs Beste mit hübschen Westen 
und Jacken, binden Blumenbouquets oder bereiten Räucher- 
kerzen und gehen nach den Gärten der Klöster, um dort anzu- 
beten. Damach erlustigen sie sich in festlichen Spielen. Indes« 
ist ihre Theilnahme an diesen feierlichen Gelegenheiten immer 
von der der ächten Brahmanen^ unterschieden. Doch pflegen 
die Siamesen die Brahmanen zu achten ♦) und von ihnen zu 
sagen, sie seien Männer, die die Vorschriften (Sila) beobachte- 
ten. Bei festlichen Gelegenheiten irgend einer Art lieben sie 
es, dass die Brahmanen Wasser sprengen, da sie solches für 



*) In der Heilighaltung liegt der passive Schutz der Brahmanen, deren 
Floch von« den indischen Frommen gleich dem Donnerkeil eines zürnenden Gottes 
gefürchtet wurde. In Annam üben auch Leute des Volkes die ähnliche Ceremonie 
Ngoa hoa oder Nam-fa. 

27^ 



420 Religiöse YonteUangen. 

glttckbringend (Itiongkhon) halten. Doch habe ich die Be- 
merkung gehört; dass vom Standpunkte der buddhistischen 
Religion aus die Brahmanen Tadel verdienten, keineswegs Lob. 
Auch ehren sie die Siamesen nur in sofern, als ihre Sitten und 
Gebräuche sich ursprünglich von denen der Brahmanen abge- 
zweigt haben. 

Frage: In welcher Weise fristen die Brahmanen ihr 
Leben? Besitzen sie Reichthümer, und giebt es unter ihnen 
Setthi (Rentier). Pflegen sie wohl zur Verehrung ihrer Vor- 
fahren und Ahnen (Pu-ja-ta-jai) nach dem Brahmanenlande 
(Myang Phrahm) zurückzukehren? Was ist der Grund, dass 
die Siamesen, obgleich sie sich zu der Religion Buddha's be- 
kennen, doch zugleich brahmanische Ceremonien beobachten? 
Und femer: Geschieht es wohl, dass der König Slams Brah- 
manen in die Rangstufen des höheren oder niederen Adels auf- 
nimmt? 

Antwort: Hierauf sei erwiedert, dass die Brahmanen 
in ihren Heirathen, in ihren Familienverhältnissen und in ihren 
Erwerbszweigen des Kaufes und Verkaufes den übrigen Siamesen 
(Thai) gleichen. Mitunter kommt es vor, dass die Siamesen 
bei festlichen Gelegenheiten, wie z. B. wenn der Haarknoten 
abgeschoren wird, einige der Brahmanen einladen, um aus ihren 
Muscheln*) Wasser zu sprenkeln (Rot nam), und sie dann, je 
nach ihren Mitteln, mit Kleidern oder Geld zu beschenken. 
Grosses Vermögen besitzen die Brahmanen in Slam nicht, und 
Setthi finden sich keine unter ihnen. Niemand der Brahmanen 
denkt daran, seiner Ahnen wegen nach dem Brahmanenlande 
zurückzukehren, da ihre Vorfahren schon alle in diesem König- 
reiche Siam geboren wurden, lebten und starben. Das Sai- 
Geschleclit der Brahmanen (Xu Sai Phrahm), der ursprüngliche 
Stamm der Einwanderer, ist untergegangen und verschwunden. 
Hinsichtlich der Frage, warum die Siamesen, obwohl sie der 
buddhistischen Religion (Phra-Phuttha-Sasana) anhängen, doch 
einige Ceremonien der brahmanisehen Religion (Sasana Phrahm) 
beobachten, so erklärt sich das aus folgendem Grunde: Weil 



*) Eine dieser Muschelarten wird Kamboja benannt 



Brahm&nische Beamte. 421 

es die Xipho-Phrahm waren, die bei ihrer ersten Ankunft die 
Stadt Phitsanulok im Lande Thai (Myang Thai) gründeten, so 
folgten die Siamesen (^Phuek Thai) den Gebräuchen und Sitten 
(Ehanob thammien) der Brahmanen, wie nach dem Beginn in 
dem Text (Xamphi) der Saiayasatr (die Shastra der Sai) aus- 
einandergesetzt. Erst in späterer Zeit wurde die buddhistische 
Religion (Phra-Phuttha-Sasana) in diese Länder eingeführt. 
Femer pflegt Seine Majestät der König im Reiche Siam die 
Brahmanen zu unterhalten und ihnen hohe oder niedere Stellungen 
unter den Edelleuten anzuweisen. Je nach dem Range em- 
pfangen sie den königlichen Gehalt in Cowrie-Muscheln zuge- 
messen. So weit geht meine Kenntniss von den brahmanischen 
Gebräuchen. 

Die politisch-religiösen Functionen*) der Brahmanen in 
Siam entsprechen gewissermassen denen, die das Priester- 
collegium in Rom auch nach der Einführung des Christenthums 
unter Constantinus und seinen nächsten Nachfolgern noch be- 
wahrte. 



*) Aas China bemerkt Doolittle : Although the mandarins might know what 
accordiiig to the rites should be done, and the precise time of doing it, thej 
must not presnme to do any thiog on their own responsability. They must ablde 
by the iutimationa of those who are called priests of the Gonfacian religion or 
the religion of the learned, from the fact, that they are a special class of men, 
who are appointed by govemment and paid ont of the imperial coffers to con- 
dnct the ceremonies according to the established rites and laws. Ausserdem giebt 
es eine Klasse Ton Privat-Professoren , die für Familien-Ceremonien gemiethet 
werden. Asoka ernennt auf den ^ilastambhn (mit L5wenflgaren) Mahamatim 
für die Beobachtung des Dharma. Der Perser durfte nur mit einem Magier opfern. 



Beilagen. 



Phaya Thibet empfing demüthig den königlichea Befehl, in welchem die 
Gnade der Majestät den Luang Lokathib gestattete, fiber den Sangkran 
die Prophezeiungen (thamnai) zu sprechen, und bringt nun huidigead 
Folgendes dar: 

Supha Matsada: Im Jahre 2386 des Buddha-Sakkharat im fünften 
Monat, um die Zeit des wachsenden Mondes, indem man zu dem dritten 
Innaren Tage (Ditthi), am Mittwoch, der zehnten Nacht, zur Nachtzeit, 
die 8 Stunden (thum) und 8 Bath (48 Minuten) rechnet, tritt der solare 
Engel der Sonne (Phra-Suritheph-Thinnakon) aus der Constellation der 
Fuche (Mina-Rasi) in die Constellation des Widders (Metsa-Kasi) im Stier- 
pftide nahe zu Phra-Meru-Rat. Zu der Zeit fand sich in -der Zahl der 
Himmeisjungfrauen (Nang Thephatida) eine, Monthathepi genannt. Sie 
kam SU den Chatumaharaxika und erffillte fleckenlos die Kritsada, Ringe 
aa den Armen tragend. Die goldene Champa-Blume ist hinter das Ohr 

ekt, die Kleider sind mit goldenen Smaragden geschmückt, die rechte 
id trägt ein Gewehr, die linke einen Stab. Die nährende Speise ist 
Butter. Sie bewegt sich vorwärts, auf dem Rücken eines Esels schlafend, 
als ihrem Fahrzeug, der Führer auf den Weg Billion ron Indra's Engeln 
SU leiten (Ammarata Thephajuda Sen Koth). Sie naht nun ihrerseits, das 
heilige Haupt des Thao (Königs) Krabin (Affenkönigs) Maha Phrom zu 
empfangen, das, in die goldene Schale gelegt, mit der Schale in die 
Höhle Kanthuli am Berge Krailat in der Umgebung des Gebietes von 
Himavanta aufgestellt wird. Zu der Zeit verehren die Thephajuda in 
Stillschweigen, die nach den alten Gebräuchen angemessenen Ga|>en dar- 
bringend, dann umkreisen sie in der rechts gewundenen' Procenion und 
treten in Phra Meru-Rat ein. Während der 60 Nathi (10 Stunden) werden 



Beilann. <423 

sie, wie früher eingeladen, in die Höhle Rhanthnli einzugehen. Der 
Herrscher der Tbephajuda (Chao) schleift dann den wilden Jasmin (Ladar 
yan), Xarounath genannt, herbei und legt ihn nieder auf das goldene Gefibs. 
Er bringt das Wasser zum Waschen von dem See Anodath für sieben Male. 
Die Schlingpflanzen (Thaotanuma) sprossen auf, wie Butter zerlöst Und 
Phra-Vüsukam-Thephabutr (Visyakarma) ruft dann die Erscheinung eines 
Gewölbes henror, Katsayadi genannt. Er lässt, das Werk zu yollenden, 
die Thephaksarakanja hereinkommen und zusammen niedersetzen. Streng 
und genau beobachten sie den Sila. Sie nehmen die Schlingpflanzen, 
drehen sie nach rechts hin umher und yertheilen sie als Sangyaijath 
indem jeder der Heiligen in Freude erjauchzt durch die Macht der guten 
Früchte (Dexa kuson phon), und in Erfüllung derselben wird die Strafe 
des Maha-Songkram erleichtert, yermindert und abgezogen, indem das 
Thiha3nit für alle Thephajuda. erblüht Der Phuttha-Van ist der Tag des 
Maha-Songkram, Karura-Van (Donnerstag) des Van nao, Sukhara Van (Frei- 
tag) der Van thaling sut, das ist der Phaya Van (Tag des Herrn). An 
dem 15. Tage des sechsten Monats der fünften Nacht, zur Zeit des Nach- 
mittags um 7 Bath (56 Minuten), geht der Phayak (Tiger) Sangyat chaxara 
zu Ende, als an dem Satsa-Sangvatzara. Wenn die Cbunlosakkharat 
1205 zählt, in dem Jahre des Hasens, ist es Nakkha-Sat, im fünften des 
Cyclus. Der Nao Van, als einer in den drei Tagen des Songkram, giebt 
die Folgen in den Prophezeiungen dos Songkram. Die Bedeutung ist, 
dass in der mittleren Welt das Verhältniss gegeben wird zu allen Regionen 
des Sakhala-Xomphu-Thavib, woraus der Regenfall zu ersehen ist Dann 
werden die günstigen und ungünstigen Tage bestimmt und in der Menge des 
Regenfalls (nach Ha oder Kessel) in den yerschiedenen Welten ausgerechneti 
wie yiel Theile der Ernte reifen oder fehlen werden. Die Siamesen 
zählen ihr Alter*) im 60jährigen Cyclus nach den Bezeichnungen der 
Jahre. 

Dies ist ein königlicher Befehl, an Alle erlassen, die die Religion 
Phra-Phuttha*s beobachten,, damit das Volk Siams wissen möge, wie es 
sich mit dem Jahr, den Monaten, den Tagen und Nächten yerhält In 
dem Jahre des Schweines (Pikun), dem fünften des Cjclus und dem dvd- 
zehnten Seiner Majestät Regierung, ist der Sonntag, der im fünften MoBtt 
auf die neunte Nacht des abnehmenden Mondes fällt, der Tag des Mllti>. 



•'■.^ 



*) At each one of these characten refera to some iuiimal, every Cbiluman ii lald to b« 
born ander * oertain aninial or to belong to a cortain animal. The CbineM osnally ezpreis 
this idea by Myiiig: „bis animal U the rat" or „hit animal in the monkey" as the case may be 
(•. Doolittle). Im Totem der Indianer ist der persönliche Schntzgeist meist ein Thier. Sowohl 
in politischer wie religiöser Hinsicht war der Kalender gana abhängig von dem Ponti- 
floes, bla In Hinsicht auf die Bestimmung der dies fasti nnd nefksti der Schreiber Cn. FlaTios 
den Kalender bekannt machte, wodurch anch die Plebejer der Mtthe und Nothwendigfcelt 
fiberhobea waren, fiber die dies fasti nnd die OeriohtsMsten und Termine bei den Prieüpa 
Erkundigungen einzuziehen. 



424 Beilagen. 

Songkran*) (Neujahrs). Die Sonn« wird unter dem zodiak aliseben Zeichen 
des Met aufgehen in der letzten Stunde der Morgen- Wache und 48 Mi- 
nuten, am Montag, im fünften Monat, der zehnten Nacht im abnehmenden 
Monde, als der neunte Tag. Am Dienstag im fünften Monat, der elften 
Nacht des abnehmenden Mondes, tritt der Cyclus in das 122Ö8te Jahr um 
4 Uhr 26 Minuten und 24 Secunden. So mögen verdienstlicha Werke 
gethan, und Spiele gefeiert werden, wie es der Gebrauch ist, bis zum 
fünfzehnten Tag, indem der Sougkron drei Tage dauert und dann sein 
Ende erreicht. Was nun in diesem Jahre des Songkrans Name ist, was 
für ein Thier er reiten wird, was seine Speise ist und was er in der Hand 
halten wird, alles dieses würde eine lange Erklärung erfordern, und es 
ist unnÖthig, darüber weitläufig zu sein, weil Jeder, der es zu wissen 
wünscht, nach dem Palast gehen mag und die dort aufgehangenen Ge- 
mälde betrachten ; dort kann Tag, Monat und Jahr aufgezeichnet werden. 
Von Freitag im fünften Monat, der ersten Nacht des wachsenden Mondes, 
bis Montag im fünften Monat, der zehnten Nacht des abnehmenden Mondes, 
muss das Jahr das des Schweines genannt werden, als noch das vierte 
des Cyclus. Wenn nach der bürgerlichen Era bezeichnet, so ergiebt es 
sich als das Jahr 1224 in dem Zwischenräume von Dienstag im fünften 
Monat der eilften Nacht des abnehmenden Mondes, und Mittwoch im 
vierten Monat der fünfzehnten Nacht des abnehmenden Mondes , wenn 
der Tag des Trut-Sut das Ende des alten und den Anfang des neuen 
Jahres verbindet. Darauf tritt dann das Jahr des Schweines in das fünfte 
des Cyclus und ist in der bürgerlichen Era als das Jahr 1225 zu rechnen." 
Der Phuttha-Sakkharath zählt von dem Jahre 543 a. d. „Das Sanscrit- 
wort für Era ist Säka, was eigentlich skythisch bedeutet **V' (Holtzmann). 
S4jaka meint Pfeil, oder ordnungsmässig (nach Lassen). Die Tochter des 
Pandu-Sakja (Sohn des Amitodana), der aus dem Kriege mit Vidudhabha 
nach dem Ganges geflüchtet, wurde dem Nachfolger des Viyaja in Ceylon 
vermählt. Die Nat Töchter tragen das im Cyclus von dem Gotterkönige 
abgeschlagene Haupt Brahma's, und Herodias, als sie küssen will, wird 
(nach Reinardus) in die Luft geblasen von dem des Johannes des Täufers 
oder Jahjah, den (nach Hamza Jsfahani bei Mirchdnd) Guderz ben Balas 
(unter den von Ask ben Ask herstammenden Völkerkönigen) an den Juden 



*) Die Sianiesen übersetzen Songkran oder Songkaranta (vom KSnig SakkaUm eingeführt) 
all luen pai dön pai Hm Hin- und Wiedergehen umherschwingen). 

**) The inventlon of the Chinese chronological cycle of sixty yeara |f attribnted to the 
Eniperor Huang-Ti who lived several hnndred years before the commencement of the Hia- 
dynasty. It is dated for the sixty first year of his reign or trom the year 2S87. a. d. It Is 
formed by the combination of two sets of characters in a particular way and was oriiriiuUly 
deaigned and nsed only for chronological purposes. One set has ten characten which an called 
the heavenly stems, the other set has twclve characters, which are atyled tbm earthly 
•ranches (§. Doolittle). Der Kalender auf Bali ist nach dortiger Sage inditohsn UnprangB 
(Friedrich). 



Beilagen. 425 

rächte. Die Askitai im indischeu Meer trieben auf Schläuchen See- 
räaberei, wie die Askomänner auf Baumstämmen. 

Die Maha-Sakkharat gehört dem Phuck Hon an. Der kleine Cyclus*) 
besteht aus 12 Jahren und bildet durch fünffache Wiederholung in De- 
kaden den grossen Cjclus von 60 Jahren. Der 19jährige Cyclus (Ennea- 
decaeteris) des Meton, Sohn des Pausanias, soll den Chinesen (nach La- 
place) schon 1900 Jahre früher bekannt gewesen sein. Die Abyssinier 
haben (nach Bi-uce) eine Zeitrechnung, die sie Kamar (Bogen oder Zirkel) 
nennen. Die Sibson-Kasi oder zwölf Zeichen des siamesischen Thier- 
kreises**) werden den Paliformen der Zehner-Zahlen zugefügt, um die 
Jahre im Cyclus zu numeriren. 

In dem astrologischen Buche Thamma-Xat sind die Bezeichnungen 
der Compasspunkte dem Ramayana entnommen. Phra-Ram präsidirt über 
den Osten, Phra-Phimpisan über den Südosten, Phiphek über den Nord- 
osten, Phra-Lak (Laksman) über den Süden, Hanuman über den Norden, 
Sadaju über den Nordwesten, Sida über den Westen, Thossakan über 
den Südwesten. Reichthümer giebt Phaya-Phimpisan (der goldig schöne 
Herr), Phimpa ist die Gemahlin Phra-KodomV Der gebräuchlichste Ku- - 
lender ist der Phraninthin. 

Wenn der Engel des Jahres einen Diskus in der Hand trägt oder 
auf einem Tiger reitet, so wird das Jahr mit Streit und Zank gelullt 
sein, wenn er aber Blumen bringt, so ist es ein gutes Zeichen. Sobald 
der Rasi Met culminirt, benachrichtigen die Hon (Hora) das Volk, damit 
es im Lampenfest Lichter entzünde, gleich den Strahlen der Sonne, die 
durch die heilige Religion die Anhänger Buddha*s erleuchten. Einige 
Jahre werden durch männliche Phi-Süa, die als Ungeheuer dargestellt 
werden, andere durch weibliche in der Gestalt von Thevada oder Engel 
regiert, andere durch Menschen u. s. w. 

Die Monate werden numerirt und mit den Ordinalzahlen aufgeführt, 
doch besitzen sie auch eigenthümliche Namen im Siamesischen, wie z. B. 
der Januar der Monat (Düen) des Fon-Xalan heisst oder des Regens***) der 
Tenne, da diese in ihm bisweilen genässt wird. Ein mir in Kambodia 



*) Im Mahatamajamtra giebt et Dharani, am solche Bodhisattwa zn werden, die, nachdem 
«to die Gestalt Ton Thieren angenommen liaben, die Geschöpfe ausserluüb Dschambadwipa 
•rlenchten. Die Namen dieser Thiere Bodbisattwa's sind dieselben mit denen, die in Ifittel- 
aelen dem swöUJährigen Cyclus gegeben werden. Die egyptiscben Monatsgötter worden auf der 
Flocht vor Typbon vom Widder geftthrt. 

**) Die Zeichen dtr Hausthiere im Zodiakns sollen von den Kiel-Kasse sogefUgt sein. 
Le cyclo des Kirgls a 6i4 primitivement compo«} des noms Turks, mais les Mongols, les Tlb^- 
talns, les Japonals, les Persaus, les Maudsclious Tont tradoit dans lears langnes en couservant 
■oigneasement Tordre des animanx. Die Muyscas erlüelteu ihren Cyclos von Bochica. 

***) Im frachten Siam sind Regen-Ceremonien von geringerer Bedeutung, als s. B. im 
oberen Birma, wo das Engelseil gezogen wird. In China entfernt man bei grosser DUrre den 
bedeckenden Stein vom Brunnen des Drachentempels au Peking (s. Doolittle), und nach oel- 
tischen Sagen schöpften die Jiiger das Wssser von Barendon im Walde BreaiUande, om die 



426 Beilagan. 

gezeigtes Vademecain war in Bangkok angefertigt worden, um an den 
yerschiedenen Tagen die für Abreisen günstigen Standen zu bestimmen. 
Von Maziminus Daza erzählt Eusebius, dass er ohne Weissagung und 
Orakel nichts mit den Fingern von der Stelle zu rücken gewagt habe. 

Von den yerschiedenen Ländern sprechend, bezeichnen sie die Sia- 
mesen oft mit Dao-deh (Stemgebiete), da jedes Land als unter einem 
bestimmten Sterne *) liegend angesehen wird, und sie pflegen deshalb den 
Fremden zu fragen: „Von der Gegend welches Sternes kommst Du?^ 
In dem durch Erscheinung eines Halbmondes eingeleiteten Sutra Tschan- 
dragarbha werden (ausser den Maharadschas, Göttern, Schlangen und 
Asuren) auch den 28 Mondstationen, den 7 Planeten und den 12 Zodia- 
kaizeichen Königreiche anvertraut (Wassiljew). 

Die Stellungen der über die verschiedenen Theile der Welt regie- 
renden Thevada, wie sie sich mit Rahu in den Wochentagen finden, sind 
geändert, und der Sitz der Sonne wird jetzt durch Phra-Phutth ^) (Mitt- 
woch) eingenommen. Hai Rök (das Prognostikon geben) ist ein günstiger, 
Ham Rök (das Prognostikon hindern) ein ungünstiger Einfluss. Phra Hat, 
Phra In, Phra Narai u. s. w. geben an bestimmten Tagen das Rök di. Wenn 
Phra Sao, der Planet des Sonnabends, in Jemanden einfährt, so ist es 
Kroh-rai (böses Missgeschick). Auch Rahu giebt Kroh-rai, aber von den 
übrigen Sternen fliesst Kroh-di (Gut-Heil). Phra-Ongkan (Dienstag oder 
Angkhan) ist ein Krieger und Edelmann. Phra-Prahatt ♦♦*) (der Donners- 
tag) ist Lehrer der Götter, und deshalb bringen an seinem Tage die 
Schüler ihrem Khru (Guru) Opfergaben. Bei den Mandäem ist der Don- 



Brannentteine m begießen. In Rom warden die Regensteine nmherv«roUt, wie nutn eoiut die 
Götterbilder der heissen Sonne anssetzt. Bei dem Tauziehen, in deutaeher and grieohiaclier 
Sage, erinnert Schwarte an den Strick, an dem sich Wodan mit dem Bauer miast, and die 
goldene Kette, an der Zens die OStter auffordert tu siehen. In Indien wird die Schlange hin 
and her gezogen. 

*) Es ist Volksglaube der Orientalen, dass der leuchtende Stern Soheil oder Canopos 
Zauberkräfte besitzt, und dass der Glanz der arabischen Reiche seine SchöpfVing geweaen 
(s. Schack). 

**) Als Planet ist er der einzige, der die feuchte und wanne Eigenachaft zugleich besitzt, 
und aus dieser Doppelnatur des Merkur erklärt Nork, warum er eine halb weisse halb schwane 
Mfitze trügt und einen halb weissen halb schwarzen Arm hat. Buddha, als Induputras (Mond- 
sohn), ist wechselnder Natur. Ingeniosus ad omne ftartam war Autolykna, wie sein Vater Hec^ 
mes Kynokephalos, weil mit dem Aufgange des Hundssterns die Tag« ▼erkOrzt werden. Br 
stiehlt der Sonne gleichsam ihr Licht. In diesem Sinne heisst Hermes aoeh Biaber der Bonnen- 
rinder (s. Nork). Schon Pausanias erklärt die Heerden als Sterne. Die Osseten nennen Veaas 
den Eltemverkäufer, Yamadiama Yeffadi chalkiht, weil dieser Stern die Strahlen der Sonne und 
des Mondes stiehlt, um selbst mit schönerem Licht zu glänzen. 

***) Ntfth den Hindus: the- Sun (Shurah) confers bravery (Shurapadang) , the Moou AiUUs 
all desires, Mangalah gives blessings (Sanimaiigalam), Bhodhanab Inoreatea the wisdom (Bhod- 
hang), Vachaspati or Vrihaspatl (the preceptor of the gods) renders eloqaeut, the planet Venas 
Imparts the knowledge of poesy, Saturn removes all evils from the destiny, Beha (the aaoen- 
ding node) oauaes gloom to oover and overwbeim all enemiea, Ketu (tlie deaceiidUif nod«) 
grants, that rletory attends the royal Standard. 



BeUagen. 427 

nerstag dem Hibil Siva geweiht Sonntag (Athit) wird in den siamesischen 
Büchern durch A symbolisirt, Chanda (Montag) durch Ch, Dienstag oder 
Angkhan (Phnma im Pali) durch Ph, Mittwoch (Phuth) durch V, Donners- 
tag oder Prahatt (Khru oder Kam) durch ein Kreuz, Freitag (Sukh) durch 
T und Sonnabend (Sao) durch S. Phra (Athit, die Sonne) und Phra- 
Prahat sind Gefährten, ebenso Phra-Chan und Phra-Phutth, Phra-Ongkan 
und Phra-Suk (der Pianet des Freitags), Phra-Sao und Phra-Rahu, aber 
Phra-Ketu ist das Haupt Aller. Ausser den Planeten Phra* Sao (Saturn), 
Dao Sukr-Rohini (Venus), Pharutsatsabodi oder Ouru (Jupiter), Phra- 
Angkan (Mars), Phut*) (Mercur) finden sich als Sternnamen, Dao Lam- 
phukan, Dao Tjat, Perini, Asseni, Pittika, Nopasuk, Rasicn, Dao Kang 
(das Stemenkreuz), Dao Sasokuman, Dao Takeh (das Gestirn des Croco- 
diles) u. s. w.; der Morgenstern wird als Dao Pachamoung oder Dao 
Kamphrük, der Abendstem als Dao Pracham-myang bezeichnet. 

Von den Namen der Woche meint Ongkhan (Dienstag) Asche, Prahatt 
(Donnerstag) Goldfarbe, Suk (Freitag) weiss, Sao (Sonnabend) kühn, und 
Phra Sao, der Devada des Sonnabends, schützt die an ihm Geborenen 
als Sao (sora); Chakka-Rasi sind die zodiakalischen Zeichen, wie Fi5it 
(Scorpion) oder der Prächtige, Öo (der Hund), Kail-Rasi, die Jungfrau, 
Met (Steinbock), Dularasi oder Waage (ein von den Griechen aus den 
Scheeren des Krebses gebildetes Sternbild), Korakäta (Krebs) Kumpha- 
Sasi (Wasserträger, das siebeute Zeichen), Rasi Mangkon (der Seedrache), 
Methun oder Methumlarasi (Zwillinge), *^) Thanu-Rasi (Schütze), Siriharasi 
(Löwe) und Meina-Rasi (Fische). Hardy gicbt die Namen : Mescha, Wras- 
haba, Mithuna, Karkata, Singha, Kanya, Tula, Wrashika, Dhanu, Makara, 
Kumbha, Mina und der der Nekatas oder Nakkatra (Nakschatras), als 
Anuda, Berana, Koeti, Rehena, Muwasirisa, Ada, Punawasa, Pusa, Ash'sa, 
Manekata, Puwapal, Utrapal, Hata, Sita, Sa, Wisa, Anura, Deta, Mula, 
Purwasala, Utrasaba, Suwana, Denata, Siyawasa, Puwaputupa, Utrapu- 
tupa, Rewati. Die Chinesen haben in ihrem Zodiakus die Zeichen eines 
Tiger, Hasen, Drachen, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Hahn, Hund,***) 
Eber, Maus, Kuh nach der Folge im Cyclus. Die Mexicaner bezeich- 
neten ihren Cyclus durch die Hieroglyphe einer zusammengebundenen 
Garbe. 



*) Le nom lUuDoU da plannte Mereor« Mt Pont, mot persan, qni signifie Idole, d'oh 
Tient Pont-Ohedah (temple de faux dieax) et Pagoda rient de Pont-Ohedah (Loub&re), nach 
Anderen von Bhagarat. 

**) In loma templea tbere were imagea of yontht euibracing each other. Theae ar« wor- 
•Mpped Cor tlie porpoae of procnring peace and harmony ainong thoae, who once were (Hendly 
to each other (in China). Die Larea praeatite* (Ton Lara geboren), ala Zwillinge gebildet, 
waren die Anactea oder Dioaknren. Die Nahanralen verehrten (nach Tacitua) In ihrem Haine 
Caator nnd PoUnz ohne BlldaXnlen, ab Alcia. 

***) Wie Orion nach dem Hnndutem seigt, atellen die Chineien einen der nenn Qenien 
dar, der aelne Pfeile gegen de« den Kinderweelen achKdlichen Hund richtet. 



426 Baüit«!. 

gezeigtes Vademecuin war in Bangk