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Full text of "Reise Sr. Hoheit des herzogs Bernhard zu Sachsen-Weimar-Eisenach durch Nord-Amerika in den jahren 1825 und 1826"

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Darlington Memorial Library 

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Herzogs Bernhard 

zu Sachsen-Weimar-Eisenach 
durch 

Nord- Amerika 

in den Jahren 1825 und 1826. 



Hcraußj^egcben 



Hein lieh Luden. 



Erster Theil. 

Mit 16 Vignetten, 4 Kupfern, 3 Planen und 2 Charten. 



Weimar, 1828. 

bei Wilhelm Hoffmann 



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Subscribenten - Verzeichnifs. 



Aachen. 

Dnickpp. Velinpp. 

Herr J. A. Mayer, Buchhändler . . ; ; . 3 

Aar au. 

Herr Professor Oehler 1 

Herr Buchhändler Sauerlaender 1 

Altenburg. 
Sr. Durchlaucht der Herzog Friedrich von Sachsen- 

Altenhurg 

Sr. Durchlaucht der Erbprinz Joseph von Sachsen- 
Altenburg 

Ihro Königl. Hoheit die Frau Erbprinzessin Amalia von 

Sachsen -Altenburg 

Die Schnuphasesche Buchhandlung ....'? 

Altona. 

Herr K. Busch, Buchhändler 3 

Herr A. F. Gebauer ^ 

Amsterdam. 
Sr. Majestät der König der Niederlande , : 

Herr C. W. Gebhard 1 

Herren J. Müller et C o m p. , Buchhändler , . . 6 

Herr C. G. Sülpke, Buchliändler 4 

Apolda. 

E. E. Stadtrath * 

Aschaffenburg. 

Die Königl. Hof hibli o thek 1 

Aschersleben. 

Herr Gerichtssekretair Ramdohr 1 

Augsburg. 
Die Jenisch und Stagesche Buchhandlung . . 3 
Sr. Durchlaucht Alexander Victor, Prinz von Isen- 

burc- Offenbach -Birstein 

Herr Freyherr Ferdinand von Schätzler 

Herr Freyherr von SJüskind 

Herr Dr. von Weideßbach 



11 



Ballensted t. 

DieFürstliclicBibliothek . . . . , 

Bamberg. 

Herr J. C. D res eil, Buchhändler 

Herr Präsident , Freylierr von Fechcnbacli, Excellenz 
Herr Joseph M a r i a I., Frej herr von Frauenberg:, 

Erzbischof von Bamberg, Excellcnz . . . . 
Herr Freyherr von Seckendorf auf Wohnfurt, 

Grofbherzogl. Badenscher Staatsniinister , Excellcnz . 

Basel. 
Die allgemeine Lesegesellschaft 

Bautzen. 
Herr Buclihändler C. H. S c h u 1 z e 

Bayreuth. 
Die Buchners che Lesebibliothek 
Die G r a u i s c h e B u c h h a n d 1 u n g 

Berlin. 

Sr. Majestät der König Friedrich Wilhelm HI, von 

Preufsen 

Sr. Königl. Hoheit , Prinz Wilhelm von Preufsen , Sohn 

Sr. Maj. des Königs 

Sr. Königliche Hoheit Prinz Karl von Preufsen 

Ihro Königliche Hoheit die Prinzessin Karl von Preufsen 

geborne Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach 
Sr. Königl. Hoheit , Prinz A 1 b r e c h t von Preufsen 
Sr. Königl/che Hoheit Wilhelm, Prinz von Preufsen 

(Bruder Sr. 3Iaj. des Königs) .... 

Sr. Königliche Hoheit Heinrich, Prinz von Preufsen 
Herr C. F. Araelang, Buchhändler 
Herr A n c i 1 1 o n , Königl. Prcufs. wirkl. Geh. Leg. Ratli 
Herr J. J. S. B e r c n d , Kaufmann .... 

Die Königliche Bibliothek 

Die Bibliothek des zweiten Bataillons des Königl 

Preuffischen 14ten Linien-Infantcrie-Regiments . 
Die Königl. Preufs. BergAverksbibliothek 
Die Bibliothek der Königl. Preufs. Oberbandeputation 
Die Bibliothek des Königl. Preufs. Cadetten-Corps 
Die Bibliothek der Kön. Pr. technischen Deputation 
Die Bibliothek des Kön. Pr. Generalstabes 
Herr Geh. Ober-Finanzrath Bi erdemann 
Herr Blessen, Kön. Pr, Ingcnicr-Hauptmann 



Drnckpp. 




III 



Herr von Buch, Ober-Ceremonienmelster Sr. Maj. des 

Königs von Preursen 

Herr de la Croix, Lcgatlonsrath und Biireauxdirector 
Herr Ferd. Dümraler, Buclibändler 
Herren D unk er et Huniblott, Buchhändler 
Herr Elitzsch, Cassir^r heim Oherhergamt 

Euislinische Buchhandlung 

Herr J. C. G. H ü n c h e r , Schlächtermeister . 

Herr Dr. Hufeland, Königl. Preufs. Staatsrath und 

Leibarzt ......... 

Herr Alexander von Humbold 

Herr Köhn von Jaski, Königl. Preufs. General-Major 

Herr General Graf vonKalkreuth 

Herr Kefs 1er I., Königl. Preufs. Verraessungsrevisor in 

FürstenAvalde ........ 

Herr Kralowsky, Leihbihliothelcar ... 

Herr Kunth, Kön. Pr. wirkl. Geh. Oher-Regierungsrath 
Herr General vonLestocq . . . , 
Herr W. Logier, Buchhändler .... 

Herr Graf zu Lynar in Lübbenau 

Die Nicolais che Buchhandlung .... 

Herr Professor O s a n n 

Herr Superintendent Pelkmann 

Herr Graf von Rofs 

Herr Aug. Rück er, Buchhändler .... 
Herr Rück, Kön. Pr. Geh. Regierungsrath und Polizey 

Intendant . 

Herr von Schoening, Obrist-Lieutenant und Hofmar 

schall des Prinzen Karl von Preufsen, Kön. Höh. 
Gräfin von der Schulenburg, Hofdame Ihrer Kön 

Hoheit der Prinzessin Karl von Preufsen . 
Die Königl. Preufsische Seehandlung . 
Herr C. A. Stuhr, Buchhändler .... 
Herr von Treskow, Gutt>besUzer in FriedriclBfelde 
Herr Troschel, Justizrath ..... 
Der Verein zur Beförderung d es Gar tenb au e 

in den Königl. Preufs. Staaten .... 
Herr Wag euer, Kön. Pr. Hofrath und Hofstaatssekretair 

Sr. Kön. Hoheit des Prinzen Karl von Preufsen 
Herr von Willaraowitz-Möllendorff 
Hei-r von Wulffcn, Major und Adjudant Sr. König! 

Hoheit des Prinzen Karl von Preufsen 
Herr Zimmermann, Farticulier .... 



Druckpp. Velinpp. 

1 
I 
1 
1 
1 
1 



IV - — ^ 

Bern. 
Herr J. J. Burgilorfer, Buchhändler : 

Blankenhayn. 
Herr Stadtsyndicus Wirth . . . '. 

Bonn. 
Herr Studiosus H. B a u r . 
Die Königliche Universitätsbibliothek 
Die Bibliothek des Königl. Rhemischen Ober-Berganits 
Herr A. Marcus, Buclüiändler .... 

Brandenburg. 

Herr J. J. Wiesicke, Buchhändler 

B r a II n s c h w e i g. 
Herr v. B ü 1 o w , Herzoglicher erster Karamerdirektor 
Herr Kauimerdirektor von Bülow H. 
Herr Geh. Leg. Rath von Breymann 
Frau Obcrforstmeistcrin von Campe 
Herr C. D. Löbbeke, Kaufmann 
Herr G. C. E. Meyer, Buchhändler 
Herr Dr. M ü h I e n b r u c h , Herzogl. Hofrath und Leibarzt 
Herr Schatzrath und Probst von Plessen auf Bustedt 
Herr Graf von der Schulenburg auf Wolfsburg , 
Die Schulbuchhandlung 

HerrRöttger, Graf von Veitheim in Harcke 
Herr Kammerrath Voigt 

Bremen. 

Herr F r a n z i u s in Ihngum 

Herr D. W. Gromme, Conrads Sohn 

Herr Senator Dr. Meier. 

Herr Senator Dr. Schumacher 

Ein Ungenannter 

Breslau. 

Herr Kaufmann Grofse . . . 7 

Herren Gr üson et Comp. 

Herr Wilh. GottL Korn, Buchhändler 

Herr Joh. Friedr. Korn der Aeltere, Buchhandlung 

Herren Max et Comp., Buchhändler . 

Herr Justizrath Rode 

Herr Bibliothekar Schwarz ; . , 

Die Lubl. Streitsche Lesebibliothek . ; 

Brunn. 
Herr J. G. Gastl, Buchhändler . ; 



Dnickpp. Velinpp. 



Dnickiip. Vclinpp. 

Brüssel. 
Herr J. Frank, Buchliändler . . 30 10 

füi-: 
Ihre Majestät die König^in der Niederlande 
Ihre Königi. Hoheit dieFrauChurfürstin von Hessen 
Sr. Königi. Hoheit der Prinz Friedrich der Niederlande 
Herr Baron von Barbier, Vice - Präsident des K. K. 

Oesterreichen Finanz - Ministeriums und Liquidations- 

Commissair der K. K. Oesterr. Angelegenheiten gegen 

Frankreich 
Die Bibliothek der Königi. Universität in Löwen 
Herr Dr. Birnbaum, Professor an der Universität in Löwen 
Herr Beere nbroek, Generalsekretair der Bank 
Herr Brest van Kempen 
Sr. Excellenz Herr General-Lieutenant Baron von Con- 

stant-Rebecque 
Herr Kaufmann E n g 1 e r 
Herr Lieutenant Flug in Mons 
Sr. Excellenz , Fürst von Gavre, Hofmarschall 
Herr Hoffmann, Geh. Regierungsrath 
Herr Baron vonKeverberg, Kön. Niederl. Staatsrath etc, 
Herr Obrist Knotzer in Maestricht 
Herr Graf von L e n s , Mitglied der ersten Kammer der 

Generalstaaten etc, 
Herr R o b y n s , Rentier 
Herr Baron von Roell, Kön. Niederländ. Gesandschafts- 

sckretair in St. Petersburg 
Fräulein von Stamford, Hofdame Ihrer Majestät der 

Königin der Niederlande 
Herr Stedtmann 
Herr Baron v. Stccngrachtv. Oostkapelle, Direktor 

der Kön. Gemälde-Gallerie im Haag 
Herr Obrist Waldkirch, Adjudant Sr. Kön. Hoheit des 

Prinzen Friedrich der Niederlande 

Cahla. 
Herr Kreifsamtmann Müller . J .1 

C a r 1 s r 11 h e. 
Sr. Hoheit der Markgraf Leopold von Baden - 1 

Sr. Excellenz der Herr Staatsminister Freyh. v.Berkhcim 1 
Das Museum . * 

Cass cl. 
Sr. Hochfürstl. Durchlaucht, Herr Landgraf Carl von 
Ucsscn-Philippsthal etc. - - - 



VI 



Herr Regierung^srath Becker . . 

Die Bibliothek des Museums .... 

Herr J. J. B o h n 6 , Buchhändler 

Herr Hofschauepieler G e r 1 a c h 

Herr Ober -Lizent- Inspektor Kersting 

Herr Major v. Lützerodc, Königl. Sachs. Geschäftsträger 

Herr Advocat Martin in Ilomberg 

Herr Baron von Minigerode 

Herr von Stenglin. . . . . . 

Coburg. 
Ihre Durchlaucht die verwittwete Frau Herzogin von 

Sachsen-Cohnrg Gotha ..... 
Iliro Excellenz Frau Staatsministerin , Freyfoau v o n W o e 1- 

1 e n a r t h , geb. Freyin von F i t z g a 1 d in Birkenfcld 
Herren Meusei et Sohn, Buchhandlung 
Herrn J. G, BiemannsWittwe 

Colin. 
Herr J. P. Bachern, Buchhändler 
Herr vonBeiwegh 
Herr Dr. J. B. Haafs, Advocat-Anwald 
Herr Notar Hamm in Wermelskirchen 

C o e s 1 i n. 
Herr C. G. HendeTs, Buclüiändler 

Co etilen. 
Sr. Durchlaucht der regierende Herzog zu Anhalt- 
Coethen ....... 

Constanz. 
Herr Ig naz Heinrich Freyherr von Wessenherg, 

Bisthums - Verweser .... 

Copenhagen. 
Sr. Majestät der König von Dännemark . 
Sr, Durchlaucht der Prinz Carl von Hessen-Philippsthal 
Herr Fried r. Brummer, Buchhändler . 
Die Gyldendalsche Buchhandlung 
Herr Grossierer A n d r. H a n s e n 

Herr Graf vonMeuron, Königl. Prcurs. Minister. Excellcnz 
Der Königl Dänische General-Quartierraeister-Stab 
Herr B e i t z e 1 , Buchhändler 

D a u z 1 g. 

Die Divisions-Schule 

Herr J. C. F. H e in r ic hsd or f 

Hciri: Ho^iptmann vonMontowt 



Driickpp. Vclinpp. 

1 
1 
2 
1 
1 
1 
1 
1 
1 



VII 



Dnickpp.Velinpp 



Herr J. Rothlaendcr . . . . . 1 

Herr G. W. Skerle, Crirainalrath . . . 1 - 

DieStadtbibilothek . . . . • 1 

Herr C. F. Werusdorf ..... 1 - 

Darmstadt. 

Sr. Hoheit der Grofs- und Erbprinz von Hessen .' - 1 

Sr. Durchlaucht der Landgraf Christian von Hessen - 1 
Sr. Hochgräfl. Erlaucht der regierende Graf von E r b a c h- 

Schönberg zu Schönburg . . . 1 
Sr. Hochgräfl. Erlaucht der Graf Ludwig von Erbach- 

Schönberg, Grofsherzogl. Hess. Hauptmann . 1 - 

Die V er e inig t e Gesellschaft . . . 1 
Herr J. W. Hey er, Buchhändler . . . .1 

Dessau. 

Sr. Durchlaucht der Prinz Georg von Anhalt-Dessau . 1 

Die Herzogl. öffentliche Bibliothek . . . 1 

Donauöschingen. 

Herr Karl Egon, Fürst zu Fürstenberg . . . 1 - 

Die Hochfürstliche Fürstenher gsche Hofh ihliothek 1 

Dresden. 

Sr. Königl. Hoheit, Prinz Maximilian, Herzog zu Sachsen - 1 

Sr. Königl. Hoheit, Prinz Friedrich, Herzog zu Sachsen - 1 

Sr. Königl. Hoheit, Prinz Johann, Herzog zu Sachsen - 1 

Ihro Königl. Hoheit, die Prinzessin Louise von Sachsen - 1 

Ihro Königl. Hoheit , die Prinzessin Am al ie von Sachsen - 1 

Die Arnoldsche Buchhandlung . . , .1 - 

Die Königliche öffentliche Bibliothek . . . - 1 

Die Hilschersche Buchhandlung ... 1 - 

Herr Pochmann, Leihbibliothek .... 3 - 

Iliro Excellenz , Frau Gräfin von Vitzthum, geb. Freyin 

vonFriesen ...... 1 - 

Die Waltherschc Buclihandlung . . . 1 - 

Düsseldorf. 

Herr Hofratli Merrem" . . . . . 1 

Die Königliche Landesbibliothek . . . 1 

Herr Buchhändler Schreiner . . . . 1 

Eisen ach. 

Herr Hofadvokat und Stadtschreiber Amelung , . 1 

Herr Buchhändler Baerecke . . . . 1 

Herr Dr. Bischof . . . . . , 1 

Herr Kaufmann Cramer . . . . , 1 

Herr Obrist Freyherr von Egloffßtein * . 1 



VIII 



Herr Fried r. Eichel 

Herr Regicningsratli , Doctor der Rechte , Freyherr v o n 

G e r s d o r f . 1 

Herr lief» ierungsi'ath L a u h n , . .1 

Herr Domherr V o n Ider sh au Tsen . 1 

Herr Justizrath P f off er körn . . . . 1 

Die Gror^herzogliche Regie runf^shihliothek . 1 

Herr Landraarschall , Freyherr Riedescl zuEiscnhnch 

auf N e u h f etc. Excellenz .... 1 

Herr Kirchcnrath luid Superintendent Dr. C h r. S c h r e i b e r 

zu Stadt Lcngsfeld , . . .1 

Ein Hochedler Stadtrath , . . . .1 

Herr Geheimer Rath , Canzlar T h o n k . . 1 

Herr Geheimer Rath Salom. Thon .. . . 1 

Herr Rath Thon . . . . .1 

Herr Amtmann Thon . . . . ,1 

Herr Chr. Weifs in Glückshrunn . . , . 1 

Elberfeld. 
Herr F. F. Becher, Subdirector der Rheinisch- Westind. 

Compagnie . ...... 1 

Herr P. Böddinghaufs, Kaufmann . . .1 

Herr Ad. von Carnaj), Kaufmann . , .1 

Herr Willi. Dietze, Kaufmann . . . . 1 

Herr Carl Feldhof, Kaufmann . . . . - 

Herr Freyherr Theodor von Fürstenberg in Neheim 
Herr Chr. Goebel, Buchbinder in Witten . . 1 

Herr H. K a m p , Kaufmann . . . . .1 

Herr Co n st. Aug. vonKladt, Capitular des ehemaligen 

Archidiaconalstifts zu Emmerich . . , - 

Herr J. E. Schaub, Buchhändler . . , . - 

Herr Aug. Schnitzler, Kaufmann . . .1 

Die Schöniansche Buchhandlung . . .2 

Herr Josua Hasenclever auf Ehringshausen bei Remscheid 1 

E 1 1 w a n g e n. 
Herr Buchhändler Schönbrod . . ; . 1 

Erfurt. 
Herr General-Lieutenant von Natzmer. Excellenz . 1 
Herr Major von B o r c k c für die Bibliothek des 32sten 

Infanterie - Regiments , . , . .1 

Herr Major von Lindemann . . , , 1 

Herr Hof- und Finanzrath von Weifs enborn . 1 

Essen, 

Herr Buchhändler Baedeckor . . . . 1 



•.Vcliiip-p. 



IX 



Frankfurt am Mayn. 

Sr. Hochfurstl. Durchlaucht der regierende Fürst August 

zu Hohenlohe - Neuenstein-Oehringen 
Sr. Durdil. Herr Ernst, Fürit zu Hohenlohe-Langenburg 
Die Andreaeische Buchhandlung 

Herr von Anstett, Russisch Kaiserl. wirklicher Geheimer 
Rath , aufserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter 
Minister am Bundestage , Excellenz 
Herr Gr.if von Beust, Grofsherzoglich Sachsen Weima- 
rischer und Herzogl. Sachs, wirklicher Geheimerrath, 
aufserordentlicher Gesandter u. bevollmächtigter Minister 
bei der hohen deutschen Bundesversammlung, Excellenz 
Frau Gräfin E m i 1 i e von Castell , geb. Prinzessin von 
Hohenlohe-Langenburg ..... 

Herr Graf Carl zu Erbach-Wartenberg-Roth in Erbach, 
Erlaucht ..... . . 

Herr Landgraf Ernst zu Hessen-Philippsthal in Philipps- 
thal, Durchlaucht ..... 

Herr AndreasFinger . 

Herr Joh. NoeGogel 

Herr Freyherr von Gruben, Grofsherzogl. Hessischer 
wirklicher Geheimer Rath, Gesandter am Bundestage 
und am Königl. Baierschen Hofe, Excellenz 
Herr Graf vonGrünne, Königl. Niederländischer General- 
Lieutenant und Bundestagsgesandter etc. Excellenz 
Die H e r m a n n i s c h e Buchhandlung 
Herr Himlj, Königl, Preufs. Geh. Legationsrath . 
Herr F. W. Höninghaufs, Ergänzungs - Richter beim 

Friedensgericht zu Crefeld 
Die Jaegersche Buchhandlimg 
Herr Graf von Kielmannsegge, Adjudant S. H. des 
Herzogs von Cambridge .... 

Herr Wilh. Kugler 

Herr Freyherr von Lerchenfeld, Königl. Baierscher 

Staats - Minister imd Bundestagsgesandter , Excellenz 
Herr Freyherr von Lindenau, Königl. Sachs. Minister 

und Bundestagsgesandter, Excellenz 
Herr von Meyerfeld, Churfürstl. Hessischer wirklicher 
Geheimer Rath, Gesandter am deutschen Bundestage, 
an dem Königl. Würtemb ergischen und Grofsherzogl. 
Hessischen Hofe und bey der freyen Stadt Frankfurt a. M. 
Excellenz ....... 

Herr Freyherr von MÜQch-Bellinghausen, Kaiserl. 



Dnickrp.Velinpp. 



X 

Druckpp. Vclliipp. 

Königl. Oesterreich. wirklicher Geheimer - Rath und Pvä- 
sidialgesandtcr am hohen Bundeetage etc. Excellenz . - 1 

Frau Generalin vonPanhuys • . • l 

Herr P f e i 1 s c h i f t e r , Herzog!. Cöthen - Anhaltischer 

Legationsrath ...••• l ~ 

Herr R e d d w i g , Sekretair hey der Churhessischen Bun- 
destagsgesandtschaft ...••!- 
Herr Graf von Reinhardt, Königl. Französischer Staats- 
rath, aufserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter 
Minister etc. Excellenz .....II 

Herr Carl, Freyherr vonRothschild, Geheimer Com- 

merzien- und Finanzrath ,....- l 

Herr Freyherr vonRothschild. . . . J 

Herr Buchhändler Schaefer . . . . 1 

Herr Legationsrath vonScherf , . . . 1 

Herr Rath Schlosser . . . . . 1 

Herr C. Schwedes, Sekretair bcy der Grofsbr. Hannö- 

vrischen Gesandschaft ..... l - 

Herr J. P. Streng, Buchhändler . . . . l - 

Herr Freyherr vonVrints-Berberich, General-Post- 

Direktor , ExccUenz ...... 1 

Herr General - Major Wildemann in Königl. Niederlän- 
dischen Diensten ....... 1 

Frankfurt an der Oder. 
Die Hoffmannsche Buchhandlung . . . 1 - 

Herr Kaufmann M. L i n a u . . • • • 1 

Herr Oberamtmann Nordmann auf Frauendorf , .1 

Gera. 
Sr. Durchlaucht Heinrich LXII. Fürst Reufs zu Schleitz 1 
Ihro Durchlaucht die Prinzessin Philippine Reufs Schleitz 1 
Sr. Durchlaucht Heinrich LXXII. Fürst Reufs zu Loben- 
stein und Ebersdorf ...... 1 

Frau Gräfin Reufs, geb. Gräfin Schönburg- Weclisel- 

bm'g zu Köstritz ...... 1 - 

G 1 6 fs e D . 
Herr B. C. Ferber, Buchhändler .... 1 - 

G 1 o g a u. 

Sr. Durchlaucht der regierende Fürst Heinrich v. Carolath - 1 

Herr Justitzver^ve^ei• Gringmuth . , . 1 

Die neue Günth ersehe Buchliandlimg ... - 1 

Herr Landbauinspektor Lindhor^t. . . . - l 

GoetLingen. 

Die Königl. Univcrsitaettbibliotkek . • - 1 



XI 



Die Dietcrichsche Buchhandlung 

Die Herren Vandenhpeck Qt Ruprecht, Buchhändler 

Gotha. 
Sr. Durchlauclit Herzog Ernst Ton Coburg-Gotha 
Die Herzogliche Bibliothek 
Herr General und Oberkaminerhcrr vonHaake. 
Herr Commissionair J. G. W. Herrin ann 
Herr Obcrhofmarschall Graf vonSalisch 
Herr Hofrath Salzmann in Schnepfcnthal 
Herr Camracrlicrr vonTrütschler 

Graeiz in Steiermark. 
Die F er stls che Buchhandlung . . . . 

Greifswald. 
Herr C. A. Koch, Buchhändler .... 

Herr J. F. af L u n d b I a d , Königl. Schwed. und Norweg. 
General-Consul ...... 

Herr Senator C. Pogge 

Groeningen. 
Herr van Bockeren, Buchhändler 

Groitzsch. 
Herr Major vonLandwüet 

Haag. 
Herr Buchhändler V o I c k e . 

H a a r 1 c in. 
Teylers Gcnootschap . . . . • 

Halberstadt. 
Sr. Erlaucht, der reglerende Herr Graf zu Stollberg- 

Wernigerode 
Herr C. Brüggemann, Buchhändler 
Herr Oberamtmann Hecht in Anderbeck 
Herr Hofrath Heimbach in Langein 
Herr Lieutenant von Meyerinck, im 4tcn Cürass. Reg 

Halle. 
Sr. Durchlaucht der Erbprinz Alexander Carl zu Anhalt 
Die Bibliothek der K. Friedrichs-Üniversitaet . 
Herr Professer D z o n d i 

Herr Fried r. Ruff, Buchhändler , . . . 

Herr Professor Sprengel, Ritter mehrerer Orden 
Herr Kaufmann Werther 

Hamburg. 

Herr J. B. A p p c 1 

Herr Johu Cuthbert, Amerikanischer Cousul , 



Dnickpp. Vclinpp. 

2 
4 



1 
1 

1 
l 
1 
1 
1 

1 

l 

1 
1 



XII 



Druckpp. Velinpp. 



Herr E duard Doormann .'..>. 

Herr E. F. Fa erb er . • . . 

Die Gesellschaft zur Beförderung der Kunst 

undnützlichcnGewerbc 
Herr PeterGodeffroy 
tSr. Magnificenz Hr. Dr. J. A. H e i s e 
Die Heroldsche Buchhandlung 
Die Herren Hoffmann et Campe, Buclihändler 
Herr Graf von Hollstein, Cammerherr, Ritter vom 

Danebrog auf Holsteinburg in Seeland . 
Herr Ger har d von Ho s tr up , für die Börsenlialle 
Sr. Wohlweisheit, Herr Senator M. J. Jenisch . 
Herr Vinc. Luis 
Herr Carl A. Mar tens 
Herr Doctor R. Mönkeberg 
Herr F. H. Nestler, Buchdrucker 
Herren Perthes et Besser, Buchliäudler 
Herr Fr. Rehfeld .... 
Herr Doctor C. N. Röding 
Herr Carl Rom agnolo 
Herr H. F. C. Schiorter . 

Herr F. T. Schmidt, Herzogl. Oldenburg. Consul 
Sr. Wohlweisheit, Herr Senator C. N. Schmoeller 
Sr. Wohlweisheit , Herr Senator C. M. Schröder 
Herr Dr. C. W. S ehr öder , 
Herr A. L. Schultz. 
Herr ErnstStolle. 

Herr R. V. S w a i n e , Grofsh. Sachs. Weimar. Consul 
Herr D. F. Weber ..... 
Herr G. Winter 

Hamm. 
Die Schulzesche Buclihandlung . . • 

Hanau. 
Herr Oberforstmeister v o n M o t z 

Hannover. 
Der Herzog von Cambridge, Königl. Hoheit 
Die Hahnsche Hofbuchhandlung 
Herr Oberforstmeister von Hake in Hasperode 
Demoiselle Rumann . 

Herr Hauptmann Schaedtler in Burgdorf 
Herr Ober-Justizrath vonWerlhof 

Heidelberg. 
Herr Karl Grooe, Buchhändler . . . 



XIII 

Herr Buchhändler Mohr 
Herr Buchhändler Winter. 

Heilbronn. 
Herr Carl Drechsler, Buchhändler 

Herrnhut. 
Herr Dav. Uh 

Hildburghausen. 
Die Kesselringsche Buchhandlung 

H i I d e s h e i m. 
Die Gerstenbergsche Buchhandlung 
Herr Canonicus Lüdgers. 

Jena. 
Herr Kirchenrath Dr. L. F. 0. Baamgarten-Crusius 
Herr Geh. Consistorialrath Dr. D a n z 
Herr Hofrath Dr. Döbereiner 
Herr Hofrath Dr. Fries 
Herr Geh. Hofrath Dr. Fuchs 
Herr Dr. G e b s e r 
Herr Professor Dr. G ö b c 1 

Herr Oberappellations-Gerichts-Advocat Dr. Grün 
Herr Canzleirath Kerl 
Herr Obrist und Landrath von Lynkcr 
Der Mellinger SchuUehrer-Diöces-L e s e v e r 
Herr Präsident von Motz 
Herr Ober-Appellations-Gerichts-Rath Dr. v. Schroeter 
Herr Professor Dr. Schulze 
Herr Geh. Hofrath Dr. Starke d. Aelt 
Herr Hofrath S u c c o w 

Herr Ober-Appellations-Gerichts-Rath Dr. W a 1 c h 
Herr Gastgeber Witz mann 

Herr Domherr Wurmb von Zink auf Porstendorf 
Herr Ober-Appellations-Gerichts-Präsident von Zigcsar 
Herr Ober-Appellations-Gerichts-Rath Dr. Zimmern 

1 1 1 ra e n a u. 
Die löbliche Büchsen-Schützen-Compagnie durch 
den Herrn Stadt-Aeltesten und Buchhändler Voigt . 

Itzehoe. 
Herr H. v. A n c k e a . 

Karlsruhe. 
Das Museum. . . .. 

Kie]. 
Die UniversitätB-Buchhandlung 




.Velinpp. 



XIV 

Königsberg. 
Herren Gebr. Born träger, Buclihämller 
Herr Kaufmann G o r d a k 
Herr Justizrath Fohl 
Herr Consul Schwarz 

Landsberg an der Wart he. 
Herr C. G. Ende, Buchhändler 

Leer in Ostfriesland. 
Herr Justizkoramissair Schnedermann . 
Herrn Voglers Buch- und Kunsthandlung 

Leipzig. 
Herr Joh. Arab. Barth, Buchhändler 
Herr Kaufmann B e n n e r 
Die Bibliothek E. E. und Hochw. Baths 
Herr Heinrich, Graf von Bünau . 
Herr Carl Cnobloch, Buchhändler 
Herr Fried r. Fleischer, Buchhändler 
Herr Buchhändler H a r t ra a n n 
Her Buchhändler Fr. L. Herbig 
Herr Wilhelm Graf von Hohenthal auf Staedteln 
Herr Hofrath Keil . 
Herr C. A. Mensel auf Kuhna 
Herr Karamerrath Plofs 

Die Herren Ponthieu, Mich eisen et Comp. Buchhändl 
Herr C. H. R e c 1 a m , Buchhändler . ., 

L e m b e r g. 
Die Herren Kuhn und Millikowsky, Buchhändler 

London. 
Die Herren Black, Young und Tonng, Buchhändler 
Die Herren Treuttel et Würtz, Treuttel Sohn et 

Richter, Buchhändler . . . . . 

Lübeck. 
Herr Fr. Asfchenfeld, Buchhändler 
H e r r W i c h. F 1 ü g e l 
Die Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger 

Thätigkeit ....... 

Herr Doctor vonderHude 

Herr von Ruraohr auf Trenthorst 

Die Scharsausche Bibliothek . . ; . 

Die Vereinigung 

L ü n e b II r g. 
Die Bibliothek des Klosters St. Michaeliä 
Herr Obrist v. d. Knesebcck 



Dnickpp. Velinpi', 

1 
1 



XV 



Magdeburg. 

Die Creutzsche Buchhandlung . 

Herr Blbliothckfir H a g e in a n n 

Herr GenerallieutcnaDt von Jagow, Excellenz 

Herr Staatsministcr von Kleewitz, Excellenz . 

Herr Nathusius auf Althaldensleben 

Die Bibliothek des Magistrats . . . 

Mailand. 

Herr HeinrichMylius 

Mainz. 
Herr Florian Kupferberg, Buchhändler 

Mann he im. 
Herr Buchliändler Loef fler . . . . 

Herr Freyherr von Reeum, Kön. Baierscher Geh. Rath 

Marburg. 
Die Bibliothek des Füsilier - Bataillons vom dritten 

Churhessischen Linien-Infanterie-Regimente 
Herr Dr. J u s t i , Superintendent und Consistorialrath 
Herr Baron von Schwerzel zu Willingshausen 

Marien Werder. 
Herr Gymnasiallehrer Ottermann 

Meiningen. 
Ihro Durchlaucht die Herzogin Louise Eleonore von 
Sachsen - Meiningen . . . . . 

Merseburg. 

Herr C. G. Böhme, Buchhändler 

Herr General vonKamecke 

Herr Geheimer-Rath Krüger . . , 

Mitau. 

Herr Reyher, Buchhändler . . , . 

Mühlhaus en. 
Herr Fr. Heinrich shofen, Buchhändler 

München. 
Ihro König]. Majestät, die Königin Therese Charlotte 

Friederike Amalie von Bayern etc. 
Die Jos. Lindau ersehe Buchhandlung 
Herr Wilh. Michaelis, Buchhändler 

Mün den. 
Herr Major Sir Victor vonArentschild 

Münster. 
Herr Bernhard Bisping, Cistercicnser der vormaligen 
Abtey Marienfeld ..... 



rnickpp. Velinpp. 

8 
1 



XVI 

N a m u r. 

Die Bibliothek des Königlich Nicderländ. Schweitzer 
regiments vonZieglcr 

Nassau. 
Herr Minister, Freyherr vom Stein, Excellenz . 

Naumburg. 
Herr Dr. Lüdicke . . . 

Neustadt a. d. O. 
E. E. Stadtrath .... 

Herr Franz Ludwig, Freyherr v. Koenitz, Königl 
Säclis. Cammerherr und Königl. Preufs. Hauptmann auf 
Scliwarzbach ..... 
Herr Landesdirectionsrath Ehrhard, Freyherr v. Manns 

bach auf Teichwolframsdorf 
Herr Kreisphysikus Dr. Schellenberg . 
Herr Steuerrevisor S z ^ n . . . . 

Neu-Strelitz. 
Herr Dr. v. Hieronymi, Grofsherzogl. Meklenburgisch- 
Strelitzischer Leibarzt und Geh. Medizinalrath 
N euwied. 
Sr. Durchlaucht Prinz Maximilian zu Wied 
Herr Hofrath Dr. Bernstein 

Nürnberg. 
Herr Gestütmeister Ammon in Rohrenfeld 

Oldenburg. 
Sr. Hochfürstl. Durchlaucht der Erbprinz von Oldenburg 
Herr Buchhändler Schulze 
Herr Hauptmann vonSteun 

Oldesloe. 
Herr Zollverwalter Claufsen 

Odessa. 
Herr Graf von Edling, Excellenz 

Oschatz. 
Herr Obrist-Lieutenant vonNostitz 
Herr Kaufmann F. W. W a 1 1 e r 

Osterode. 
Herr Carl Aug. Hirsch, Buchhändler 

P a d e r b o r n. 
Herr J. W e s e n e r , Buchhändler 

Paris, 
Son Altesse Royale Mons. leDucd'Orleans 
Herren Ponthieu et Comp. Buchhändler 



Druck pp.Vcltnpp. 

1 
1 
1 
1 



XVII 

Dnickpp. Veliiipp. 

Pesth. 

Herr Georg KIHan, Buchhändler . . .1 

Herr Baron LudwigPodraaniczky . - . 1 

St. Petersburg. 

Ihro Kaiserl. Majestät, die Kaiserin Mutter Maria 

Fedeorowna von Rufsland etc, . . . - 1 

Sr. Kaiserl. Hoheit , Grofsf ürst Alexander von Rufgland 
Herr General Graf von Woronzow, Excellenz . - 1 

Pirna. 
Herr Doctor Bodig ...... 1 

Potsdam. 

Herr Buchhändler Hör vath . . . 2 - 

Herr F. Riegel, Buchhändler . . . , 4 - 

Prag. 

Calvesche Buchhandlung . . . ' . 1 

Herr W. Enders, Buchhändler . . . . 1 - 

Herren Kronberger et Weber, Buchhändler . . - 1 

Prenzlau. 
Herr von Arnim auf Grofs-Spernwalde . . , 1 - 

Pyrmont, 
Herr Georg Uslar, Buchhändler . . 2 - 

R o s 1 a. 
Sr. Erlaucht Herr Graf August zu Stolberg Rosla 1 

Rostock. 

Herr Stadtgerichts-Procurator Gülzow . . . 1 - 

Die Stillersche Hofbuchhandlung zu Rostock ui d 

Schwerin . . . . . . 9 - 

Rudolstadt. 

Ihro Durchlaucht, die regierende Frau Fürstin Auguste 

von Schwarzburg . . . . . 1 - 

Biro Durchlaucht, die verwittwete Frau Fürstin Caroline 

von Schwarzburg . . . . . - 1 

Herr Geh. Rath von Beulwitz, Excellenz . .1 - 

Neu-Ruppin. 
Herr Referendar Gottschalk . . . 1 - 

Sangerhausen. 
Herr E.^Cunad ...••• 1 " 



XVIII 

Sclimalkalden. 

Sr. Dnrclilanrht der Herr Landgraf Victor zu Hessen- 
Rotenldirg in Rotenburg .... 

Sr. Durchlaiiclit der Prinz Ernst zu Hcssen-Philippsthal- 
Barclifeld in Barchfeld . . . . . 

Schneeberg. 
Herr Cammerherr ▼ o n L i n d e n n u 

Schleswig. 

Sr. Hochfürstl. Durchlaucht der Lijndgraf Carl zu Hesscn- 
Cassel , Stadthalter der Herzogthümcr Schleswig und 
Hollstein etc. auf Gottorff .... 

Frau Amtsverwaltcrin Franzen . . . 

Herr R. Koch, Buchhändler .... 

Schönbriinn bei Görlitz. 
Herr Landesältester August von Schindel auf Schön- 
hrunn ....... 

Schwelm. 
Herr Conrector Holthaufs 

Stettin. 
Herr F. H. Morin, Buchhändler . . . . 

Herr Geheimer-Rath Wetzet, Director des Coniptoirs der 
Seehandlung ...... 

Stralsund. 

Herr Freyherr von Barnecke auf Teschevitz etc 

Die Bibliothek für Industrie 

Herr Superintendent Dr. Droysen . 

Herr J. H a a s e 

Herr M. Helm 

Herr Apotheker H e 1 w i g 

Herr Kaufmann C. F. M a y e v 

Sr. Durchlaucht der Fürst und Herr zu Putbus 

Herr Major und Ritter Schmidt 

Strasburg. 
Die Herren Treuttel et Würz, BuclJiändler 

Stuttgard. 
Die Königliche Handbibliothek 
Herr Carl Hoffmann, Buchhändler 
Herren F. C. Löflund et Sohn, Buchhändler 



Dnickpp. Vclinpii 



XIX 

Trier. 
Herr von Cohnufaen Landrath inSarreburg 
Herr F. A. G a 1 1 , Buchhändler . . . , 

Herr W. Haw, Königl. Landrath und Oberbürgermeister 
Herr Hermes, Rententer . . . . . 

Herr P. L. Mohr, Banqaier . . . . 

Tübingen. 

Sr. Durchlaucht der Erbprinz zu Hohenzollern-Sigmaringcn 
Die Grempcische Bibliothek . . . . 

Ulm, 

Sr„ Durchlaucht Joseph Fürst von Waldburg zu Wolfegg 
und Waldsee, des Königreichs Würtemberg Reiclis- 
erbobcrhofmeistcr etc. .... 

Herr Ober Justizrath Wilhelm Freyherr von König_ 

Die Stettinische Buchhandhmg . 

Weida. 
Herr Lieutenant HellAuiid . . • 

Wesel. 

Sr. Durchlaucht der Fürst von S a 1 ra in Horstmar 
Sr. Durchlaucht der Erbprinz von Salm Salm in Anholt 
Herr Wilhelm, Burg- und Reichsgraf von Westerhold- 
Gierenbcrg ....... 

Weimar. 

Sr. Königl. Hoheit, der Grofsherzog Carl August von 
Sachsen-Weimar-Eisenach etc. etc. etc. . 

Ihro Königl. Hoheit, die Frau Grofsherzogin von 
Sachsen-Weimar-Eisenach etc. .... 

Sr. Königl. Hoheit der Herr Erbgrofsherzog Carl Frie- 
drich von Sachsen-Weiraar-Eisenach etc. 

Ihro Kaiserl. Hoheit die Frau Grofsfürstin , Erbgrofsherzogin 
MariaPaulowna von Sachsen-Weiraar-Eisenach etc. 

Ihro Hoheit die Prinzessin Auguste, Herzogin von Sach- 
scn-Weimar-Eisenach etc. .... 

Sr. Hoheit Prinz Carl Alexander August Johann 
von Sachsen-Weiraar-Eisenach etc. . . . 

Herr Geh. Justizrath Ackermann 

Herr Lieutnant B a t s c h 

Herr Cammerherr und Major von Beulwitz 

Herr Hofmarschall vonBiclke 

Herr Calculator B ö r n e r 



Druckpp. Veliiipi«. 

1 
1 

1 
1 
1 



i 



XX 



Druckpp.Velinpp. 



Herr Caramerrath Brand 

Herr Burgmiiller Carl Brückaer 

Herr llofcassirer Bus eher 

Herr Pastor Cannabich in Niederbösa 

Herr Geh. Legatlons-Rath von Conta 

Herr Ober-Bauduector Coudray . 

Herr General von Egloffstein, Excellenz 

Frau Obercainmerherrin von Egloffstein 

Herr Banquier JuliusElkan . . 

Gräfin vonFritsch 

Herr Staatsminister Freyherr vonFritsch, Excellenz 

Herr Oberforstmeister Freyherr vonFritsch 

Herr Obermedizinalrath vonFroriep 

Herr Staatsminister Freyherr von Gersdorff, Exccllenz 

Herr von Geussau, Kön. Fr. Major auf Varnstaedt bey 

Querfurth 
Herr Landesdirectionsrath Gille . . 

Herr Staatsminister von Goethe, Excellenz ) 
Herr Geh. Cammerrath v o n Goethe ) 

Herr Cammerjunker vo n H aeseler 
Herr Kaufmann Hagenbruch 
Herr Geh. Hofrath Heibig 
Herr Justizrath Heinemann in Vieselbach 
Frau Gräfin Henkel von Donnersmark, ExccUenz 
Herr Cammerrath Horcher 
Herr Hofchorist Hesse , 

Frau von Heygendorf 
Grofsherzogliches Hofamt . 
Frau Gräfin von Hohenthal, geh 
Frau Oberhofmeisterin von Hopfgarten 
Herr Oberconsistorial-Rath Hörn 
Hei-r Landes-Directions-Rath Hufeland 
Herr Geh. Hofrath Dr. Huschke 
Herr Postmeister Kahl er t . 
Herr Zuchthausinspector K rause 
Herr Geh. Cammerrath Kruse 
lierr Amtmann Lüttich in Kloster Nauendorf 
Herr Major und General-Adjudant von Mauderoda 
H err Adolph Meifsner in Pirna 
Herr Cammersänger Moltke 
Herr Canzlar vonMüller . 
Grofsherzogliches Pagen Institut 
Herr Obcr-Consistorial-Üirector P e u c e r 



Gräfin v. B a c k h o 



XXI 

Herr Landmarschall Freiherr von Riedscl, Excellcnz 

Frau Collegienräthin Sehnaubert 

Frau Obcrhofnieisterin Gräfin von der Scliulenburg 

Excellenz ..... 
Herr Criminalrath Schwabe 
Herr Hofrath und Bürgermeister Schwabe 
Herr Geh. Rath Dr. Schweitzer 
Herr Gen. Major von Scebach, Excellcnz 
Herr Hofrath S o r e t . 
Frau Hofmarschallin von Spiegel 
E. E. Stadrath zu Weimar 
Herr Oberlanddrost, Freyherr von Stein auf GroL 

Kochberg, Excellenz 
Herr Cammerdirector Stichling 
Herr Bauratli Steiner 

Herr Graf von Strachwitz in Cölleda . 
Herr Rath und Oberdirector Strohmeyer 
Herr Landes-Directions-Rath T o e p f e r 
Herr Rittmeister v o n T h o m p s o n 
Herr Hofrath Dr. Vogel 
Herr Actuarius Voigt in Altstadt 
Herr Assessor von W e g c n e r 
Herr Präsident Wcyland 

Herr Baron von Werthern auf Beichlingen ctc 
Herr Geh. Rath von Wolfäkeel, Excellenz 
Herr Amtmann Z e u t s c h in Berka . 
Herr Cammermusicus Zipfel 

Wien. 

Sr. KÖn. Hoheit der Durchlauchtigste Erzherzog Carl 
Sr. Kön. Hoheit der Durchlauchtigste Erzherzog Anton . 
Sr. Kön. Hoheit der Durchlauchtigste Erzherzog Ludwig 
Sr. Kön. Hoheit der Durchlauchtigste Erzherzog Johann 
Sr. Kön. Hoheit der Durchl. Erzherzog Kronprinz Fer- 
dinand. 
Sr. Kön. Hoheit der Durchl. Erzlr. FranzCarl 
Sr. Kön. Hoheit der Durchl. Erzh. Leopold, Grofsherzog 
von Toscana ...... 

Sr. Durchlaucht Fürst Clary 

Sr. Durchlaucht Fürst Paul von Ester hazy 

Sr. Durchlaucht Fürst Eduard Lichnowsky 

Sr. Durchlaucht Fürst Joseph Schwär zenberg 

Iliro Durchlaucht die Fürstin Therese Jablonnwf<kn 

Sr. Durchlaucht Fürst Dietrich stein 



Dnickpp. Vclinpp. 



XXII 

Sr. Erlaucht Herr Graf F. X. Dietrichstein . 

Herr Joh. Bayer 

Sr. Excellenz der Herr Feldmarschall Graf von Belle 
garde ...... 

Die K. K. Hofbihliothek . 

Gräfin von Bubna, Excellenz . . 

Herr Nicolaus Laesny, Edler von Fclcosfalva 

Herren C. Graeffer et Schmidt, Buchhändler 

Sr. Erlaucht Herr Graf Johann Keglevich, Kaiserl 
Kün. Kämmerer und Obergespann 

Herrn J. G. Ritter von Moesle gel. Wittwe, Buch- 
handlung ...... 

Herr AntonInkeyvonFallin . 

Herr Graf P i n a s 

Herr Baron Joh. B ap t. v. Pu thon 

Herr Oberlieutenant Reuter 

Herr P. J. Sc halb acher, Buchhändler . 

Herr Johann Schikh, Herausgeber der Wiener Zeit 
Schrift ...... 

Herr Graf von Schönborn, Excellenz 

Herr Baron von Spaen, Gesandter Sr. Maj. des Königs 
der Kiederlande , Excellenz . . . . 

Die Herren Tendier et v. Mannstein, Buchhändler 

Wiesbaden. 
Die öffentliche Bibliothek . . . . . 

Herr H. W. Ritter, Buchhändler . . . . 

W i n t e r t h VI r. 

Die Steinerische Buchhandlung . . . . 

Wismar. 

Herr Schmidt ...... 

Wolfenbüttel. 

Herr H. G. W, A 1 h * e c h t , Buchhändler . 

Würzburg. 

Die Etlingersche Buch - und Kunsthandlung 

Die Stahelsche Buchhandlung .... 

Zerbst. 
Herr Commissionsrath Schindler. 

Zittau. 
Herr J. D. Schöps, Buchhändler . . . 



Driickiip. Vclinpj». 

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1 

1 

1 
1 
1 
5 

1 
1 



XXIII 

Züllichau. 

Sr. Durchlaucht, Fürst Heinrich XLIV. Renfs . 
Sr. Durchlaucht, Prinz Friedrich von Carolath 

Zürich. 

Herren Orell, Fuefsli et Comp., Buchliändler 
Die Trachslersche Buch - und Kunsthandlung 
Herr Altzunftraeister U s t e r i 
Die Herren Ziegler et Sühne, Buchhändler 



Driickpp.Veliiipp 



Nachtrag. 

Carlsruhe. 
Herr Ober-Ceremonienmeister y o n Ende, |)xccllenz 1 

Hannover. 
Herr Postverwalter L e i n e r in Weener . • .1 

Halle. 

Herr Major a. D. v. Sydow . . . . 1 

Herr Kaufmann Brauer. . . . . 1 

Herr Kaufmann Fritsch. . . . . 1 

Geldern. 
Herr Kreissekretair Engelhard . . . 1 

Weimar. 
Herr Professor Hassel . . . . .1 



XXIV 



Subscribenten - Verzeichnifs 



nach den Buchhandlungen 



Herr Ackermann in Dessau t < 

Herr Amclang in Berlin 

Herr Aibrec/tt in Wolfenbüttel 

Herr Andrae in Leipzig 

Andreaeis che Buchhandlung in Frankfurt 

Herr Anton in Halle 

Arnoldsche Buchhandlung in Dresden 

Herr A s c h e n f e 1 d in Lübeck 

Herr Bachern in Colin . ' . 

Herr Baedecker in Essen 

Herr Bae recke in Eisenach 

Herr Barth in Leipzig 

Beckerschc Buchhandlung in Gotha 

Herren Black, Young et Young in London 

Herr van Boekeren in Groningen 

Herr Böhiue in Stettin 

Herr Böhme in Merseburg 

Herr B o h n ö in Casscl . 

Herren Gebr. Born träger in Königsberg . 

Herr B o s e II i in Frankfurt 

Herr Braun in Carlsruhe 

Herr Brönner in Frankfurt . 

Herr Brüggemann in Halberstadt 

Herr B r u in m e r in Copenhagen 

Herr Burgdorfer in Bern 

Herr Busch in Altona 

Calvesche Buchhandlung in Prag 

Herr C n o b 1 o c h in Leipzig . 

Creutzschc Buchhandlung in Magdeburg 

C r ö k e r s c h e Buchhandlung in Jena 

Herr Dam mann in ZüUichau 

Herr D e u b n e r in Riga 

Dieter ich sc he Buchhandlung in Göttingen 

Herr Drechsler in Heilbronn 

Herr D r e s c h in Bamberg 

Herr Dümmler in Berlin 

Herr Dümmler in Neubrandenburg 

Herr D u n k e r et H u m b 1 o 1 1 in Berlin 

Herr Ende in Landt^berg 



geordnet. 




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Velinpp 


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XXV — 

Herr Enders in Prag 

Herr Engel mann in Leipzig 

Enslinsche Buchhandlung in Berlia 

Herr Etlinger in WürzLurg 

Herr E u p e 1 in Sondershausen , , 

Herr Ferher in Giefsen . . . 

Ferstische Buchhandlung in Graetz 

Herr Fr. Fleischer in Leipzig 

Herr Fleisch mann in München . 

Flittncrsche Buchhandlung in Frankfurt 

Herr Frank in Brüssel 

Herr Gall in Trier .... 

Herr Garthe in Marburg 

Herr Gastl in Brunn 

Herr Gerhard in Danzig 

Geroldsche Buchhandlung in Wien 

Geri^tenhergsche Buchhandlung in Hildosheim 

Herr G 1 a e s e r in Gotha 

Herr Gosohorsky in Breslau 

Herr G r a e f f e r u. S c h m i d I in Wien 

Grauische Buchhandlung in Bayreuth 

IJerr Groos in Carlsruhe 

Herr Groos in Heidelberg 

Herreu Grüson u. Comp, in Breslau 

Neue Günthers che Buchhandlung in Glogau 

Herr Gyldendahl in Copenhagen . 

Herren Gebr. Hahn in Hannover 

Herr H a r t m a n n in Leipzig 

Herr Ileinrichshofen in Mühlhauien 

Herr Ileinsius in Gera 

Herr Helm in Hallierstadt 

H e 1 w i n g s c h e Buchhandlung in Hannover 

Herren Hemmerde u. Schwetschke in Halle 

Herr llendefs in Coeslin 

Herr Herbig in Leipzig 

Herrmannschc Buchhandlung in Frankfui't 

Herr Herold jun. in Hamburg 

Herren Herold u. Wahlstab in Länsbarg 

Herr H e y e r in Uarmstadt 

Herr H e y s e in Bremen 

Hilscli ersehe Buchhandlung in Dreedea 

Hinrichsche Buchhandlung in Leipzig . 

Herr Hirsch in Osterode 

Hofbuchhandlung in Rudolitadt 



Druckpp. Vcliiipi>. 
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♦ * * * 



XXVI . 

Hofbuchhandliing in Neuwied 

Herr Hoff mann in Frankfurt 

Herr Peter Ho ff mann in Hamburg 

Herr Hoff mann et Campe in Hamburg 

Herr Hoff mann in Stuttgardt 

In der Buchhandlung de» Verlegers dieses Werks 

Herr H o r v a t h in Potsdam 

Jaegersche Buchhandlung in Frankfurt 

Jenisch et Stagesche Buchhandlung in Augsburg 

In dustrie-Comptoir in Weimar 

Herr J ü g e 1 in Frankfurt ; . . . 

Herr Kaiser in Bremen 

Kesselring sc he Buchhandhing in Tlildburghausen 

Keysersche Buchhandlung in Erfurt 

Herr Keyfsner in Meiningen 

Herr K i 1 i a n in Pesth 

Herr K 1 ö n n e in Wesel 

Herr Koch in Greifswalde 

Herr Koch in Schleswig . 

Herr W. G. Kor n in Breslau 

Die J. F. Korns che Buchhandhing in Breslau 

Herren Krieger u. Comp, in Cassel 

Herren Krön berger u. Weber in Prag 

Herren Kuhn u. M i 1 1 i k o w 8 k y in Lembcrg 

Herr Kümmel in Halle . 

Herr Kummer in Leipzig 

Herr K u p f e r b e r g in Mainz 

Herr L a u p p in Tübingen . 

Herr L e i c h in Leipzig . . . 

Herr Leske in Darmstadt . 

Lindauer sc he Buchhandlung in München 

Herr Lintz in Trier 

Herr Löffler in Mannheim 

Herr Löffler in Stralsund 

Herr Löflund et Sohn in Stuttgard 

Herr Logier in Berlin 

Herr L n c k h a r d in Cassel 

Herr Lucius in Braunschweig 

Herr Marcus in Bonn 

Maurersche Buchhandlung in Berlin 

Herren Max et Comp, in Breslau 

Herr Mayer in Aachen 

Herren Mensel et Sohn in Coburg . • 

Herr Meyer in Braunschweig 



Dnickpp, Vclinpp. 



I 

1 

8 

3 

1 

101 

'i 

I 



XXVII 

Herr Michaelis in München 

Herr Mittler in Berlin 

Herr Ritter von M ö s 1 e sei. W i 1 1 w e in Wien 

Herr Mohr in Hcidelherg . 

Herr Morin in Stettin . . . . 

Herren 31 ü 1 1 c r ii. C o ra p. in Amsterdam 

Herr Mylius in Berlin 

Herr N e s 1 1 e r in Hamburg 

Herr N e u k i r c h in Basel 

N i c o 1 a i s c h e Bnchhandlung in Berlin 

Herr Ludw. Oehmigke in Berlin 

Herren Orell, Fiiefsli u. Comp, in Zürich 

Herren Perthes «. Besser in Hamburg 

Herr PI ahn in Berlin 

Herren Ponthieu, Mich eisen u. Comp, in Leipzig 

Herren Ponthieu u. Comp, in Paris 

Ragoczysche Buchhandlung in Prenzlau 

Herr Reclam in Leipzig . 

Herr R e g e n s b e r g in Münster 

Herr Reitzel in Copenhagen 

Herr R e y h e r in Mitau 

Herren Riegel u. Wiesner in Nürnberg 

Herr Riegel in Potsdam . 

Herr Ritter in Wiesbaden 

Herr R ü c k e r in Berlin 

Herr Ruff in Halle 

Herr Saue rlaen der in Arau 

Herr Sauerlaender in Frankfurt 

Herr Schaefer in Frankfurt 

Herr Schalbacher in Wien 

Herr S c h a u b in Elberfeld 

Herren S c h a u m b u r g u. Comp, in Wien 

Schnuphasesche Buchhandlung in Altenburg 

Herr Schönbrod in Ellwangen 

Herr Schönian in Elberfeld 

Herr Schöps in Zittau 

Herr Schreiner in Düsseldorf 

S c h u 1 b H c h h a n d 1 u n g in Braunschweig 

Herr Schulze in Bautzen 

Herr Schulze in Hamm . 

Herr Schulze in Oldenburg 

Sinnersche Buchhandlung in Coburg 

Herr S t a h c 1 in Würzburg 

Herren S t ein ack er u. tlartknoch in Leipzig 



Dnickpp. Velinpp. 



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XXVIII 

Steinersche Buchhandlung in Winterthur 

Stettinische Buchhandlung in Uhu 

Herr Stiller in Rostock .... 

Herr Streng in Frankfurt 

Herr Stuhr in Berlin .... 

Herr S ü I p k e in Amsterdam 

Herren Tendier u. von Mannstein in Wien 

Herr Trachsler in Zürich .... 

Herr Trautwein in Berlin 
Herren Treuttel u. Würz, Sohn u. Richter in 
London . . .... 

Herren Treuttel u. Würz in Strasburg 

Herr Trinius in Stralsund .... 

Universitae tshuchhan dlung in Kiel 

Herr Uslar in Pyrmont .... 

Herren Vandenhoeck u. Ruprecht in Göttingen 

Varnhagensche Buchhandlung in Schmalkalden 

Voglersche Buchhandlung in Leer 

Herr Voigt in Ilmenau 

Herr Volke in Haag 

Herr Leop. Vofs in Leipzig 

Herr Wagner in Neustadt . . 

Herr Wallis in Constanz . • 

Herr Wallish aufser in Wien 

Walthersche Hofbuehhandlung in Dresden 

Weifsesche Buchhandlung in Elberfeld 

Herr Wesche in Frankfurt . 

Herr Wesener in Paderborn 

Wcygandsche Buchhandlung in Leipzig 

Herr Wicsicke in Brandenburg 

Herr Winter in Heidelberg . 

Wolf fache Buchhandlung in Augsburg 

Herren Zieglcr u. Söhne in Zürich 



Dnickpp.Veliiipp. 



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Inhalt 

des ersten Theiles. 



Vorwort des Herausgebers , S. 3 

Vorwort Sr, Hoheit des Herzogs Bernhard — 1 

I. 

Abreise von Gent. — Aufenthalt zu Hellevoetsluis. — Ankunft auf der 

Bhedc von Spithead — 9 

n. 

Aufenthalt in England. — Portsmouth, Plymouth, Devonport, Falmouth — 20 

iii. 

Die Fahrt von Falmouth nach Boston. — 53 

IV. 

Aufenthalt in Boston — 78 

V. 

Reise von Boston über JVorcester und Northampton nach Albany, Auf- 
enthalt daselbst — l'^^ 

VI. 

Beisc von Albany nach den Wasserfällen des Niagara. Der Eric-Ca.- 
. nal. Schcnectady. Vtica. Rochesler, Buffalo. Die Wasserfälle 

des Niagara — H'* 

VII. 

Reise von den Wasserfällen des Niagara bis Montreal. Das Schlacht- 
feld von Queenstown. Neivark. Kingston, Montreal — loö 

vm. 

Reise von Montreal nach Qiiebck. Aufenthalt in Qucbek. Rückreise nach 

Montreal — lo2 



XXX 

IX. 

Reise von Montreal nach New-YorTc. Isle aux noix. Lake Champlaiv. 
Lake Genr2;c<}. Wasserfälle des Hudson : Glcnnfalls. Bä«1er von 
Saraloga. Schlachtfeld von Saratoga. Shaker-Co\an\e in New- 
Lebanon. Militair-Schule in Westpoint S. 1^2 

X. 

Aufenthalt in New-York — 190 

XI. 
Reise nach Philadelphia und Aufenthalt in dieser Stadt. Bethlehem und 

Nttzareth , — 213 

XII. 

Reise nach Baltimore und Aufenthalt in dieser Stadt , — 249 

xm. 

Aufenthalt in Washington — 260 

XIV. 

Abreise von IVashington. Frederiktown . Harpersferry : das hlane Ge~ 
birg. Staunton: natural Bridge. Weyherscave. Charlotteville : 
Virginia University. Monticello. Richmond. Jamestown. Nor- 
folk. Festung Monroe. Fayetteville, Columbia — 281 



XXXI 



Verzeichn if s 

der 

Vignetten, Kupfer, Pläne und Charten in beiden Theilen, 



27 Vi'g^nettcn sind in den Text gedruckt : Boston und Quebck sind auf be- 
sondere Blätter abgezogen worden. 
Ansicht des Kric-Canals über den Genessec -Flufs in Rochester I. Seite 127. 
Ansicht der Wa^scrverke zu Fair Mount bei Philadelphia I. Seite 216. 
Ansicht und Grundrirs des Capitolä von Washington I. Seite 270. 
Plan von Neu- York I. Seite 190. 
Plan von Philadelphia I. Seite 215. 

Nota. Die Ziffern auf dem Plan von Philadelphia beziehen eich nuf 
a List of streete, Roads, Lanes etc. wliit thcir proper names on thc 
plan of Philadelphia and its Environs. Für die Leser dieses Wer- 
kes , und für deutsche Leser überhaupt , haben alle diese Namen 
kein Interesse. Dennoch hat man geglaubt , die Ziffern beibehal- 
ten zu müssen , weil sie die Deutlichkeit des Planes nicht stören, 
vielmehr den Eindruck verstärken, und wohl auch Manchen nütz- 
lich werden könnten. 
Plan der Virginia University I. Seite 206. 
Plan von Pittsburg II. Seite 201. 
Chärtchen von Plymouth I. Seite 26. 
Chärtchen von New- York I. Seite 1!)0. 
Chärtchen vom Staate Ohio II. Seite 171. 

Charte der vereinigten Staaten von Nord- Amerika , oder Rcigecliartc am 
Ende des zweiten Theiles. 



Druck von Friedrich Maure 
in Jena. 



Reise 



durch 



Nord-Amerika 



in den Jahren 1825 und 182 6. 



Vorwort 

des Herausgebers. 



Indem ich die Reise des Herzogs Bernhard zu S. Wei- 
mar-Eisenach durch Nord-Amerika, mit deren Heraus- 
gabe Se. Hoheit mich zu beehren geruhet hat, nunmehr der Welt 
vorlege , glaube ich es öffentlich aussprechen zu müssen , welchen 
Antheil ich an dem Werke, wie es erscheint, gehabt habe. Die- 
ser Antheil ist aber sehr gering. Alles , was ich für das Buch ge- 
than , läuft zusammen in folgende drei Puncte. 

Zuerst habe ich das Werk in Abschnitte getheilt und diese 
Abschnitte mit Ueberschriften versehen. Der Herzog nämlich 
hatte, während der Reise, ein Erinnerungsbuch gehalten. In 
dieses Buch Mar Alles fortlaufend eingetragen worden, was Sr. 
Hoheit an jedem Tage begegnet war oder der Erinnerung Merth 
geschienen hatte. Diese Form, bei der Aufzeichnung auf der Reise 
allein möglich, schien für ein gedrucktes Buch weniger geeignet: 
sie erschwerte das Lesen, das Zurückschlagen, den Ueberblick. 
Auch war nothwendiger Weise von manchen Dingen mehr als ein 
Mal die Rede, weil sie von dem fürstlichen Reisenden an ver- 
schiedenen Tagen besehen oder untersucht worden waren. Dcfs- 
wegen glaubte der Herzog gewifs mit Recht, dafs die ursprüng- 

A 2 



4 

liehe Form des Tage -Buches für den Druck schicklicher ahzu- 
ändern sei, damit zusammengestellt werden könnte, >vas zusam- 
men gehörte, und damit dem Leser, zu gröfserer Bequemlichkeit, 
Ruhepuncte gegeben MÜrden. Ich habe den Befehl Sr. Hoheit zu 
erfüllen gesucht, und hoffe, dafs die Abschnitte nicht unangemes- 
sen gewählt worden sind. 

Zweitens habe ich Manches aus der Handschrift zurück behal- 
ten und dem Drucke nicht übergeben. Da der Herzog bei der 
Abfassung der Handschrift an Nichts weniger als an den Druck 
derselben gedacht hatte, so war natürlich in das Tage -Buch Al- 
les aufgenommen, was Se. Hoheit im Gedächtnisse zu behalten 
oder in das Gedächtnifs zurückzurufen wünschte, \iele dieser 
Dinge, Familien -Angelegenheiten, Geldgeschäfte, persönliche 
Verhältnisse des Fürsten, militairische Sachen, schienen für den 
Druck nicht geeignet. Ich habe daher, auf Befehl Sr. Hoheit, 
ausgeschieden , was ia diese Kategorie zu gehören schien. Es ist 
oft nicht ohne Schmerz geschehen, weil grade diese Dinge die 
liebenswürdige Persönlichkeit des Fürsten in dem herrlichsten 
Lichte zeigten ; aber es ist geschehen, und ich wünsche, dafs auch 
hier das rechte Mafs getroffen sein möge. 

Endlich habe ich die Aufsicht über den Druck des Werkes ge- 
führt; und was in dieser Hinsicht in demselben gefehlt sein mag, 
das ist lediglich auf meine Rechnung zu setzen. Der Herzog 
hatte mir hier völlig freie Hand gelassen : ich möchte in Darstel- 
lung und Sprache verbessern , was der Verbesserung bedürfe. Ich 
habe aber Nichts gefunden, das ich zu verbessern gewufst oder 
für nöthig gehalten hätte. Jede Veränderung, die ich etwa hätte 
vornehmen können , schien mir so unbedeutend , dafs ich vorgezo- 
gen habe, dem Buche seine ganze Eigenthümlichkeit zu lassen. 
Auch die Schreibart Sr. Hoheit habe ich so gewissenhaft beibehal- 
ten , dafs ich nicht ein Mal Deutsch in Teutsch verwandelt habe. 



obwohl ich selbst Teutsch zu schreiben pflege und diese Form 
aus guten Gründen für die richtige halte. Indefs mufs ich doch 
bekennen , dafs ich in zwei Fällen von diesem Grundsatz abgewi- 
chen bin. Ich habe nämlich das y in teutschen "Wörtern — z. B. 
in seyn — in i verwandelt, und habe, wenn ein Adjectiv mit einem 
Substantiv im Genitiv ohne Artikel stand , den Casus angegeben ; 
ich habe also guten Muthes in gutes Muthes , gröfsten Theiles in 
gröfstes Theiles umgeändert. Aber auch diese richtige Schreib- 
art, die noch immer keinen Eingang bei uns finden will, würde 
ich , eben weil die Meisten unserer Schriftsteller sie nicht gebrau- 
chen, keineswegs gewählet haben, wenn es nicht durch ein Ver- 
sehen geschehen wäre. Weil ich selbst nämlich so zu schreiben 
gewohnt bin, so hatte ich, bei der Revision der ersten Bogen die- 
ses Werkes, corrigirt, ohne daran zu denjien, dafs ich nicht mein 
eigenes Werk vor mir hatte ; und nun glaubte ich bei den folgen- 
den Bogen der angefangenen Weise treu bleiben zu müssen. Sollte 
meine Unachtsamkeit mit dieser Aufklärung nicht gerechtfertigt 
erscheinen, so bitte ich sie zu entschuldigen. Uebrigens kann ich 
versichern, dafs icli scharf revidirt habe; w«nn sich indefs doch 
noch Druckfehler eingeschlichen hätten , so rechne ich um so mehr 
auf billige Nachsicht , da ich die Revisionen fast alle bei Licht zu 
machen genöthigt gewesen bin. 

Nach diesen Bemerkungen habe ich nur noch einen Wunsch 
auszusprechen und eine Hoflnung. 

Der Wunsch ist: dafs alle Leser dieses Werkes dieselbe un- 
terhaltende Belehrung finden mögen, die ich in demselben m rei- 
chem Mafse gefunden habe. 

Die Hoffnung ist: dafs alle Leser dieses Werkes mit mir die 
innige Freude darüber theilen werden, dafs der Verfasser dessel- 
ben, ein Fürst von Geist, Herz und Kraft, von mannichfalti- 
gen Kenntnissen und der lebendigsten Emplänglichkeit für alles 



6 

Menschliche, Fördernde, Grofse, von scharfer Auffassung und 
richtiger Würdigung menschlicher Dinge, edelmüthig und liebens- 
würdig — dafs, sage ich, dieser Fürst hervorgegangen ist aus 
dem alten erhabenen Fürstenhause unseres Vaterlandes, an wel- 
ches Niemand zuletzt denkt. Viele aber zuerst, wenn die Rede ist 
vom Geist und von der Pflege des Geistes, wenn die Rede ist von 
Wissenschaft und Kunst, vom Guten und vom Schönen. 

Jena, 16. Februar, 1828. 

Heinrich Luden. 



K J-Jas folgende Tagebuch ist ursprünglich keineswegs 
zum Drucke bestimmt gewesen. Ich habe es während 
der Reise geschrieben , theils zu meiner eigenen Erinne- 
rung, theils um meinen hochverehrten Eltern, meinen 
Verwandten und Freunden desto bequemer und sicherer 
Auskunft über Alles geben zu können, was Sie etwa zu 
wissen wünschen möchten. Nach meiner Zurückkunft 
ist das Buch von Mehreren gelesen worden , für welche 
es eigentlich nicht geschrieben \var» Viele von diesen, 
verständige Männer, meinten, dasselbe würde auch für 
ein gröfseres Publicum Interesse haben, und wünschten 
vielfältig und wiederholt, es möge durch den Druck 
bekannt gemacht werden. Und da^ ich diesen Wün- 
schen nicht wohl widerstehen konnte, und da ich zu- 
gleich einen erprobten Mann — den geheimen Hofrath 
Luden — fand, dem ich die ganze Handschrift zur Her- 
ausgabe unbedenklich anvertrauen durfte: so habe ich 
nachgegeben; ob mit Recht oder mit Unrecht, weifs 
ich nicht. 

Ueber das Unternehmen selbst habe ich Nichts zu 
sagen, weder über die Veranlassung, noch über den 
Zwecke Der Gedanke einer Reise nach Amerika hat mich 
durch das Leben begleitet fast von meiner Kindheit an. 
Was diesen Gedanken in mir erzeugt, was ihn in mir 
genährt hat, ist ziemlich gleichgültig. Das Wesent- 
lichste isti ich wollte die neue Welt sehen, das Land und 
die Menschen, das Leb«» und die Einrichtungen , die 



Sitten und die Bräuche. Je mehr ich nach und nach die 
alte Welt kennen lernte, ^esto gröfser wurde das Ver- 
langen nach der neuen. 

Die Verhältnisse Europa's indefs , und das, was ich 
als Militair dem Lande , welchem ich meine Dienste ge- 
widmet, schuldig zu sein glaubte, verhinderten früher 
die Ausführung. Inzwischen benutzte ich die Zeit, so 
viel als Lage und Umstände erlaubten, urn mich vorzu- 
bereiten , damit ich die Reise einst nicht ohne einigen 
Nutzen machen möchte. Endlich schien Europa zu 
einer solchen Ruhe gekommen zu sein, dafs ich nicht 
fürchten durfte, durch eine Entfernung auf etwa ein 
Jahr oder anderthalb irgend etwas zu versäumen. Se. 
Majestät, der König der Niederlande, in Dessen Dien- 
sten ich zu stehen die Ehre habe, bewilligte mir nicht 
nur die nöthige Zeit , sondern verstattete mir auch , die 
Ueberfahrt auf der Königlichen Kriegs-Corvette Pallas 
zu machen, die von dem Capitain-Lieutenant Ryk ge- 
führt ward , einem braven , hochgeachteten und erfah- 
renen Seemann. 

In welche Classe von Reisenden ich aber, nach poor 
Yoriks Eintheilung, zu setzen sein möchte: das bleibt 
billig der Entscheidung des geneigten Lesers überlassen. 

Gent am 20. Mai 1827. 

Bernhard, 

Herzog zu Sachsen-Weimar. 



I. 

Abreise von Gent. — Aufenthalt zu Hellevoetsluis. — 
Ankunft auf der Rhede von Spithead. 

Vom 4. bis 80. April 1625. 



Am 4. April 1825 begab ich mich von Gent nach Antwerpen. 
Diese alte, herrliche Stadt ist in jeder Hinsicht interessant: dem 
Freunde der Kunst, wegen der Kunstschätze , einzig in ihrer Art, 
die sie besitzt; dem Militair, wegen ihrer langen Vertheidigung ge- 
gen das Heer des Herzogs von Parma, und wegen der militairi- 
schen und maritimen Wichtigkeit, welche Derjenige, der lange Zeit 
das Schicksal Europa's leitete, ihr in neuerer Zeit gegeben hat; 
dem Weltbürger, der am wachsenden Wohlstande der Völker seine 
Freude findet, aus gar vielen Gründen. Seit langer Zeit das 
Opfer der Politik und des Nachbarneides , w^elcher die mächtige 
Scheide, Antwerpens Hafen , gesperrt hielt, hebt sie jetzt ihr Haupt 
mächtig über ihre Nebenbuhlerinnen empor; ihr Handel blüht fast 
so schön, als in den Zeiten der Hansa, und breitet sich. Dank sei 
es der Vorsorge des weisen Fürsten, den die Vorsehung an die 
Spitze der Staatsverwaltung unsers Landes gestellt hat, jedes 
Jahr weiter aus. 

In Antwerpen holte mich eine Yacht unsers Gouvernements 
ab, und brachte mich, mit günstigem Wind und bei dem schön- 
sten Frühlingswetter, am Abend des 6. April, auf die Rhede von 



10 

Hellevoetsluis , wo die Corvette Pallas vor Anker lag: sie hatte 
Befehl , am folgenden Tage in See zu stechen. 

Die Wassersti'afse von Antwerpen nach Hellevoetslms führt 
zuerst die Scheide hinab: lange behält man den hohen, elegant 
gebaueten Thurm von Antwerpens Cathedrale im Gesichte; die 
Forts auf beiden Seiten des Ufers ziehen die Aufmerksamkeit des 
Militairs auf sich, und besonders erinnert sich dieser zwischen den 
Ueberbleibseln der Forts S<:e Marie und St Philippe der gewaltigen 
Brücke, vermittelst welcher der Herzog von Parma, Alexander 
Farnese, sich des Stromes Meister machte und Antwerpen zur 
Uebergabe zwang. Einige Stunden unterhalb Antwerpen bildet 
die Scheide ein grofses Bassin, theilt sich in zwei Arme, in die 
Oster- und Westerschelde, welche durch die Insel Zuid Beveland 
getrennt werden. Der letzte dieser Arme, der die meiste Tiefe 
hat , vereinigt sich hei Vliefsingen mit der Nordsee ; auf dem er- 
steren segelten wir unserer Bestimmung zu. 

Vor Jahrhunderten war hier ein gut angebauetes Land mit 
einer Stadt und vielen Dörfern : es wurde vom Wasser verschlun- 
gen und ist seitdem von diesem Elemente bedeckt geblieben. Dem 
schaffenden Geiste, der unserem gegenwärtigen Gouvernement und 
dessen erlauchtem Chef eigenthümlich ist, dürfte es vorbehalten sein, 
an der Stelle, an welcher jetzt der arme Fischer nur mühevoll sein 
Leben fristet, dem Pfluge des fleifsigen Landmannes Beschäfti- 
gung zu geben. 

Wir verliefsen später die Osterschelde und segelten zwischen 
mehreren Inseln hindurch, welche gut angebauet und durch kunst- 
volle Dämme wider die Wellen geschützt sind, die vom Sturme 
gegen sie geschleudert werden. Wir kamen in die Ströme, welche 
durch di« Vereinigung des Rheins und der Maas gebildet werden, 
und erreichten endlich jene Rhede von Hellevoetshiis^ von welcher aus 
in früheren Zeiten Hollands siegreiche Flotten oftmals in die entfern- 
testen Theile der Welt segelten und ihren Feinden Gesetze vor- 
schrieben. Die Schiffe, welche die Schätze der Tropenwelt dem 
reichen Rotterdam zufuhren , oder die Produete unserer Industrie, 
so wie die Vertheidiger unserer ausgedehnton Besitzungen nach 
ihren Bestimmungen tragen, müssen diese Rhede passiren, und 
auf derselben oft Megen ungünstiger Winde mehr oder weniger 
lange Zeit liegen bleiben. Aus diesen Gründen sieht es hier ge- 
wöhnlich sehr lebhaft aus. 

Die Corvette Palla»^ ein neugebauetes Schiff, auf welchem 
unser Gouvernement mir erlaubt hatte, die Reise nach Amerika zu 



11 

machen , war als Instructionsschiff ausgerüstet. Unter den brauch- 
barsten jüngeren See -Offizieren und Cadets — auf holländisch 
Adelborsten ^ auf englisch MidsMpfnen genannt — war eine Aus- 
wahl zu dieser Reise getroffen worden. Ihnen war ein jun^-er 
Schiffs- Constructeur , Tromp^ beigegeben, ein würdiger Nach- 
komme historisch merkwürdiger Vorfahren, dessen tiefe Kennt- 
nisse, ausgezeichnete Talente und liebenswürdigen Charakter ich 
im Fortgange der Reise kennen und schätzen gelernt habe. Diese 
ausgewählten Offiziere waren der Leitung des Capt. Ryk, eines 
unserer bewährtesten Offiziere *), anvertraut, und hatten Befehl 
einige der vornehmsten englischen und amerikanischen Krieo-shä- 
fen zu besuchen , und auf diese Weise neue Kenntnisse zu erwer- 
ben , die sie einst zum Besten ihres Vaterlandes anwenden werden. 
Die Corvette war defshalb mehr als Paketschiff, als zum Kriege 
ausgerüstet; sie hatte auf dem Verdecke keine Kanonen, sondern 
nur in der Batterie 18 vier und zwanzigpfündige Caronnaden , und 
zwei lange Sechspfdnder bei'm Vordertheil als sogenannte pieces 
de chasse. Meine Wohnung bekam ich in der Capitains-Cajüte, 
und eine sogenannte Kot — Hangmatte mit einem Rahmen — die 
Abends aufgehängt wurde, diente mir zur Schlafstelle. 

Wegen widriger Winde und anderer Ursachen , welche zu er- 
örtern zu weit führen würde , konnte die Corvette nicht so schnell 
auslaufen , als es befohlen war. Ich nahm einstweilen meine Woh- 
nung mHellevoetsluis, und benutzte die gezwungene Mufse, um mich 
in dieser kleinen Stadt und der umliegenden Gegend umzusehen. 

Die Stadt zählt höchstens 2000 Einwohner, unter welchen sich 
kaum ein Armer befinden dürfte. Sie besteht eigentlich nur aus 
einer einzigen Strafse , an beiden Seiten des Hafens. Beide Ufer 
des Hafens, mit gemauerten Quais, sind durch eine, vor zwei 
Jahren erbauete, doppelte Zugbrücke verbunden worden. Da, 
wo die Stadt aufhört , beginnt der Werft, der den gröfsten Theil 



•) Für meine Leser aus dem MUitairstande gebe ich hier die Benennung 
der Grade in unserer Marine, nebst den damit correspondireuden 
Graden bei der Armee : 

Admiral ist soviel als General. 

Vice-Admiral ist soviel als General-Lieutenant. 

Schont by Nacht ist soviel als General-Major. 

Capitain ist soviel als Oberst. 

Capitain-Lieutenant ist soviel als Oberst-Lieutenant. 

Lieutenant erster Classe ist soviel als Hauptmann. 

Lieutenant zweiter Clasee ist soviel als Ober-Lieutenant. 



12 

der Festung einnimmt. Neben dem Werfte stehen die Casernen, in 
welchen nöthijres Falles 2000 Mann Unterkommen finden. Im Hafen 
lag die Fregatte Rhyii als Wachtschiff. Im Werfte wurden keine 
Schifte gebauet, sondern nur ausgebessert. Zu diesem Ende be- 
findet sich hinter dem Bassin des Werftes ein trockenes , terrassen- 
förmig ausgemauertes Bassin für ein Schiff, cäle seche^ dry 
dock. Ist das Schiff" in dieses Bassin gebracht: so werden die 
Schleusenthüren geschlossen und das Wasser wird durch eine 
Dampfmaschine, welche die Kraft von 30 Pferden hat, ausge- 
pumpt. Dadurch wird das Schift' trocken gestellt und kann von 
allen Seiten untersucht werden. Nach Vollendung der Arbeit an 
demselben wird das Wasser Mieder eingelassen , die Thüren wer- 
den geöffnet und das Schiff läuft hinaus. In diesem Augenblicke 
ward ein hateau porte ausgebessert. Ein hateau porte besteht in 
einem Kasten, welcher genau in den Canal pafst, der nach dem 
dry dock führt. Ist er an den Ort gebracht, wo er als Brücke 
dienen soll , so m ird so viel Wasser hineingelassen , dafs er sich bis 
zur Höhe der Ufer senkt und zur Brücke dient. Will man die 
Durchfahrt öffnen, so pumpt man das Wasser aus dem Kasten 
und zieht ihn aus dem Canale zurück. Im Bassin lag die Fregatte 
Kenau Hasselaar., die segelfertig gemacht ward, um unter Com- 
mando des Capitain Dibhetz mit der Mannschaft vom Wachtschiffe 
nach Ostindien zu gehen. Aufserdem lagen hier noch abgetakelt 
die Fregatten Scheide., Maas., Yssel und Java., so wie die Brigg 
de Havic — der Habicht — und gegen 20 Kanonenböte. Von 
diesen sind einige nach einem dänischen Modell also gebauet, dafs 
man den Obertheil des Steuerruders herunterschlagen und zwei 
Thüren öffnen kann , um das Stück in Batterie zu bringen. — Die 
Magazine und Schmieden sind zwai' nicht sehr grofs , werden aber 
äufserst sauber gehalten. 

Der Admiralität gehört ein grofses Gebäude, das zur Woh- 
nung der höchsten Marine -Behörden bestimmt ist. Von einem 
Belvedere auf diesem Hause hat m^n einen schönen Blick auf die 
umliegende Gegend und auf die Rhede. Auf der Rhede lagen, 
aufser der Fregatte Amstel und der Corvette Pallas., die Brigg 
de Gier — der Geier — und das Transportschiff* de Zeemeeuw^ 
beide für das mittelländische Meer bestimmt. Im Werfte bemerkte 
ich einen sehr grofsen Mastkrahn, den man fern in der See er- 
blicken soll, und der den Seefahrern als Merkpunct dient. Auch 
ist vor zwei Jahren ein Leuchthurm auf einem der beiden Dämme 
erbauet worden, die den Hafen einschliefsen. 



13 

Am 9. April ward es gegen Mittag sehr warm und wir hatten 
Windstille; Abends begann zu unserem grofsen Leidwesen der 
Wind sich nach Westen zu drehen , so dafs wir befürchten mufs- 
ten, die Rhede noch nicht sobald verlassen zu können. Ich ge- 
stehe: die Geduld fing an mir auszugehen. Und doch war sie 
noch sehr nöthig. Denn in der That brachte uns auch der 10. 
April nicht von der Stelle. Der Wind war entgegen und das 
Schiff blieb den ganzen Tag liegen, wo es gelegen hatte. In 
unserer Lebensweise konnte sich Nichts ändern. An Abwechse- 
lung fehlte es keineswegs, aber sie genügte nicht. Selbst eine 
Predigt, die ich in der reformirten Kirche mit vieler Erbauung 
anhörte, half nicht aus. Das Auge suchte stets die Wetterfah- 
ne; aber der Tag verlief und die Fahne stand immer in gleicher 
Richtung. 

Am 11. April endlich liefs mich der Oberst Ryk früh um halb 
fünf Uhr wecken. Er wollte sogleich in See stechen. Ich schlofs 
eilends meine Briefe und begab mich an Bord. Alles war in Be- 
wegung; der letzte Anker sollte so eben gelichtet werden. Und 
sogleich ging es fort. Kaum aber waren wir in Bewegung ge- 
kommen, als der Winu sich abermals drehte, und uns nöthigte, 
etwa anderthalb Stunden von Hellevoetsluis auf der Rhede von 
Goedereede die Anker fallen zu lassen. So unangenehm dieser 
Aufenthalt mir auch Anfangs war: so war er doch für das Schiff 
und die Fahrt kein Uebel; denn wir erhielten Zeit, noch manche 
Dinge in Empfang zu nehmen, die sehr nothwendig waren. In 
der Nacht schlief ich zum Erstenmal in meinem Rahmen, und 
vortrefflich. Am folgenden Tage, den 12. April, blies der Wind 
fortwährend stark aus Westen. Am 13. regnete es fast den gan- 
zen Tag und der Wind blieb sich gleich. Gegen Abend wurde 
die Mannschaft, die gröfstes Theiles aus Freiwilligen von der 
Armee und aus begnadigten Deserteurs bestand, welche noch nie 
zur See gewesen waren , in Auf- und Zunahme der Segel exer- 
cirt. Es ging ziemlich langsam von Statten, und eröffnete eben 
keine lachende Aussicht für unsere Reise. Auch kamen heute 
zwei Instrumente an, die der Oberst auf der Reise untersuchen 
sollte: ein See - Barometer , vom verstorbenen General van Z?/^/- 
/ew, und ein Simpisometer , von einem Engländer erfunden, das 
zugleich als Barometer und als Thermometer dient. Die beiden 
nächsten Tage brachten Nichts Neues. Es regnete; es war kalt; 
der Wind wehete sehr heftig aus Westen, und die Mannschaft 



14 

wurde exercirt, Indefs fühlte ich nicht die geringste Langeweile, 
Dank sei es dem hraven Commandanten , dem guten Ton unter 
dem Staab , und den guten Büchern , mit welchen ich mich verse- 
hen hatte. 

Den 16. April machte ich mit dem Obersten i?^Ä: eineExcursion 
nach Goedereede. "Wir stiegen am Eingange des Hafencanals ans 
Land , und gingen auf einem Damme nach dem eine halbe Stunde 
entfernten Flecken. Das Land besteht aus Polders , und ist gegen 
die See theils durch hohe Dünen , theils durch Deiche geschützt. 
Das Wasser aus den Polders wird zur Zeit der Ebbe in den Hafen- 
canal geleitet, und so sind sie ziemlich trocken. Rübsamen und 
Krapp sind die vorzüglichsten Producte. Auf den meisten älteren 
Charten ist Goedereede oder Goeree als eine Insel angegeben , und 
als getrennt von der Insel Overßakkee durch eine Meerenge, de 
Hals genannt ; seit etwa 10 Jahren ist aber diese Meerenge einge- 
deicht worden und bildet die Polder von Stellendam^ so dafs Over- 
^a/dee und Croeree jetzt nur ein Land ausmachen. Zur Zeit des 
französischen Gouvernements lagen Küstenbatterien längs der Dü- 
nen in denselben, und der Flecken Goeree diente ihnen zum Reduit. 
Da , wo wir ans Land stiegen , steht ein ziemlich ansehnliches, dem 
Gouvernement gehöriges Gebäude, das als Quarantaineplatz ge- 
braucht wird. Der Flecken selbst war in früheren Zeiten eine Stadt. 
Man sieht noch die Ruinen eines Stadtthores. Jetzt zählt er nur 
gegen 1000 Einwohner, hat aber ein reinliches Ansehen. Der 
Hafen ist mit Lindenbäumen bepflanzt; die wenigen Strafsen sind 
gepflastert und mit Trottoirs von Backsteinen versehen. Die Rui- 
nen der grofsen Kirche beweisen schon, dafs dieser Ort einst viel 
gröfser gewesen sein mufs, da die neue, an die Ruinen der alten 
gebauete, Kirche nur ungefähr den dritten Theil derselben ein- 
nimmt. Der alte Thurm steht noch und dient zum Leuchtthurme. 
Wir bestiegen diesen Thurm. Er ist 218 Stufen hoch. Auf dem 
Gipfel ist ein Häuschen mit einem Herd angebracht, auf welchem 
jede Nacht ein Steinkohlenfeuer angezündet wird, das ziemlich 
weit ins Meer hinaus leuchten soll. Wir genossen eine weite Aus- 
sicht, nicht nur auf die Insel, auf der wir uns befanden, sondern 
auch, nordöstlich, auf Voorncy wo wir Brielle und Helleroetsluis 
mit der Rhede , und südlich , wo wir die Insel Schouiven mit den 
Städten Brouwershaven und Zierikzee und den Dünenhügel Re- 
■part erblickten. In Goeree steht noch eine Caserne, die jetzt 
als Magazin dient, und zur französischen Zeit von einem Straf- 



15 

Corps bewohnt war. Von Goeree begaben wir uns nach dem Dorfe 
Stellendam, das eine kleine Stunde entfernt ist. Es ging durch 
gut angebauete Polder, deren Wege in der schlechten Jahreszeit 
bei dem fetten Boden für Fuhrwerke nicht geeignet sind. Für die 
Fufsgänger ist auf der Seite ein erhöheter Steig angelegt, der 
sehr zweckmäfsig mit Seemuscheln festgestampft ist. Wir gingen 
an einem Paar Meierhöfen vorbei, deren gutes Ansehen und 
grofse Scheuern den Wohlstand ihrer Besitzer verriethen. Stellen- 
dam zählt mit den umliegenden Höfen gegen 300 Einwohner 
und ist ein ganz neues Dorf: die Kirche und das Pfarrhaus 
waren vor vier Jahren , die Schule erst im vorigen Jahre gebauet 
worden. 

Ein Hafencanal führt nach der Rhede, und dient dazu, den 
Producten der Polder einen leichten Absatz zu verschaffen. Um 
das Verschlammen des Hafens zu verhindern, ist ein Bassin mit 
einer Spülschleuse angebracht, um zur Ebbezeit durch das 
plötzliche Oeffnen derselben den Hafen zu reinigen. Am Hafen 
steht eine vor vier Jahren gebauete Windmühle, bei deren Be- 
sitzer wir in Gesellschaft des sehr höflichen Pfarrers von Stellen- 
dam die Schaluppe erwarteten , die auch bald ankam und uns nach 
der Corvette zurückbrachte. Der Wind drehte sich Abends gegen 
Norden und wurde in der Nacht zum Sturme. Da die Rhede gegen 
den Nordwind nicht geschützt ist, so bekam unser Schifl" eine un- 
sanfte Bewegung. Nach und nach lenite ich die Schifferausdrücke 
verstehen. Heute wurde das Schiff gescheuert ; das nennt man 
Psalmen singen. 

Den 17. April hatten wir heftigen Sturm und wurden tüchtig 
herumgeworfen. Mehrere Individuen, die noch nicht zur See 
gewesen waren, oder die Gewohnheit der See verloren hatten, 
wurden seekrank. Mir war es schlecht zu Muthe; die Krankheit 
kam jedoch nicht zum Ausbruche, weil ich jedesmal, wenn es mir 
übel wurde, einen Gang auf dem Verdecke machte. Wir lagen in 
der Nähe einer Sandbank. Um nicht auf dieselbe geworfen zu 
werden , wurden die Anker neu befestiget. Die Braamstangen der 
Mäste wurde eingezogen. Während der Nacht blieb eine starke 
Wache auf dem Verdecke wegen möglicher Unglücksrälle. Und 
der Sturm liefs nicht nach; er wurde vielmehr vorzüglich heftig 
gegen Abend des folgenden Tages. Alle Communication mit dem 
Lande war unterbrochen. Wir sahen ein Schiff in der See, das 
Zeichen machte, um einen Lootsen zu bekommen; das Wetter je- 
doch erlaubte das Auslaufen des Lootsenbootes nicht. In der Nacht 



16 

legte sich endlich der Sturm. Am 19. April war ziemlich windstil- 
les und helles Wetter. Aber gegen Abend wehete der Wind wie- 
der aus Westen, so dafs abermals an kein Auslaufen zu denken 
war. Vielmehr verkündigten die Barometer auch am folgenden 
Tage fortwährend ungünstiges Wetter. 

Am 21. April ward auf der Corvette ein Versuch gemacht mit 
dem sogenannten reddingsboeje. Diese Maschine ist am Hinter- 
theile des Schifll*es über dem Steuerruder angebracht, und dient, an 
einem Taue hinunter gelassen, den Menschen, die ins Wasser ge- 
fallen sind , zum Rettungsmittel. An einem hölzernen Kreuze 




sind, a und fi, kupferne, elliptische, hohle Körper befestiget, 
welche den Menschen, der das Kreuz ergreift, über dem Wasser 
erhalten. Ein kupferner Kasten mit einer gebogenen Röhre c ist 
mit Feuerwerk angefüllt. Dieses wird in dem Augenblicke, da 
man die Maschine fallen läfst, vermittelst eines Flintenschlosses 
angezündet , brennt 20 Minuten lang auch unter dem Wasser fort, 
und giebt eine helle Flamme von sich, die dazu dient, dem Ver- 
unglückten in der Nacht das Mittel zu seiner Rettung zu zeigen. 

Gegen Abend ward es windstill; jedoch versprachen uns die 
Barometer noch immer kein gutes Wetter. Geduld ist eine schöne 
Frucht, nur nicht nach Jedermanns Geschmack! Aber was half das 
Zürnen? Nach einem übelen Regenwetter drehete sich am 
Abend des 23. Aprils der Wind nach Osten , und wir fafsten d^ 
Hoffnung, in See stechen zu können. Alles ward in Bereitschaft 



17 

gebracht, und einer von den beiden Ankern, an welchen wir lawen, 
wurde gegen Mitternacht in die Höhe gewunden. Aber die Erfül- 
lung blieb aus. Ein Ostindien - und ein Grönlandsfahrer versuch- 
ten , auszulaufen ; allein es gelang nicht. Sie gingen nicht weit 
von uns wieder vor Anher. Der Tag lief hin unter Harren und 
Sehnen , und am folgenden wehete der Wind bei heftigem Regen 
wieder aus Südwesten. 

Seit meiner Abi eise von Gent waren schon drei Wochen ver- 
gangen, und 14 Tage hatten wir auf dieser langweiligen Rhede 
von Goeree gelegen. Da wehete der Wind, den 25. April, aus 
Osten, jedoch so schwach, dafs wir zwar den Anker lichteten, aber 
nicht einmal bis an den Hafen von Goeree kamen. Denn mit einem 
Gewitter trat von Neuem plötzlich ein heftiger Westwind ein , und 
von Neuem mufsten wir den Anker fallen lassen. Die Brigg de 
Gier benutzte den guten Wind, um die Rhede von Hellevoetshds 
zu verlassen und sich neben uns zu legen. Am andern Morgen 
ging de Gier früh in See und rief uns im Vorbeifahren ein Hur- 
rah zu. Das Transportschitr de Zeemeeuw verliefs die Rhede von 
Hellevoeisluis und kam zu uns. Der Wind Avard immer günsti- 
ger. Also wurde der Anker gelichtet. Wir liefsen uns mit der 
Ebbe über den 6roereeschen Hafendamm treiben, und um eine 
Landspitze herum, de Kwade hoek genannt; mufsten aber noch 
einmal, der Ebbe wegen, den Anker fallenlassen. Endlich, nach 
4 Uhr Nachmittags, gingen wir, als die Fluth eingetreten war, 
unter Segel, und fuhren durch het Goereeschegat ^ links die Sand- 
dünen von Goeree, und rechts eine gefährliche Sandbank, die 
durch drei schwarze Tonnen bezeichnet ist. Die Küste entzog 
Hellevoetshds mit seiner Rhede sehr bald unsern Augen ; wir sa- 
hen nur noch den Thurm von Goeree, auf den Dünen eine runde 
steinerne Bake, und ein hölzernes, schwarz und weifs angestriche- 
nes Gerüste mit einer Laterne: Gegenstände, m eiche dem Seefah- 
rer zu Merkmalen dienen. Als wir bei der letzten Tonne, tdterton 
genannt, das Land so erblickten, wie es auf der i?^Äschen Charte 
abgebildet ist, befanden wir uns in der hohen See. Wir wünsch- 
ten uns sämnitlich von Herzen Glück. Da uns der Lootse hier 
verliefs, so wurde von dem Obersten dieser Augenblick benutzt, 
um an das Marine -Ministerium, von den Offizieren, um an ihre 
Verwandten und Freunde zu schreiben ; und ich selbst ver- 
säumte diese Gelecenheit nicht. Uebri^ens sah ich zum Ersten- 
male die unter dem Namen des Loffgens bekannte Opera- 
/. ' B 



18 

tion, um die Schnelle zu beobachten, mit welcher das Schiff vor- 
wärts kommt. 

Guter Wind und gutes Wetter blieb uns Vormittags , den 27. 
April. Gegen 1 Uhr erblickten wir die englische Küste, und zwar 
das Vorgebirge von North Foreland^ nicht weit von Margate. 
Hier mufsten Mir uns links wenden , um in den Canal zu kommen, 
PoHsmouih zu erreichen, und zugleich die gefährlichen Good- 
«'j?<s-Bänke zu vermeiden. Um dieselbe Zeit wurde, wie die fal- 
lenden Barometer angedeutet hatten, die Luft nebelig und reg- 
nig, und zugleich trat der leidige Südwestwind wieder ein. Die 
Fahrt zwischen diesen Sandbänken war nicht angenehm; der 
Wind wurde sehr heftig, fast stürmisch; Mir verloren alle Hofl- 
nung, heute den Canal zu erreichen; und mufsten uns begnügen, 
in dieser gefährlichen Lage zu laviren. Da die BeM'egung des 
Schiffs gegen Abend sehr heftig wurde, so bekam ich die See- 
krankheit. Ich half mir indefs dadurch gegen dieselbe, dafs ich 
mich in meine Hangematte legte und ohne Bewegung liegen blieb. 
Während der Nacht befand sich das Schiff in einer gefährlichen 
Lage; Hr. jRi//f ging nicht zu Bette, sondern blieb fast beständig 
auf dem Verdecke. Von Zeit zu Zeit liefs er das Senkblei auswer- 
fen. Dieses Senkblei hat unten eine Höhlung, die mit Fett ange- 
füllt ist, an M'elches sich beim Sondiren etwas vom Boden an- 
hängt; die Vergleichung dieser Probe vom Boden mit d^m, Mas 
darüber auf den Seecharten angemerkt steht , ist auch ein Mittel, 
sich zu Orientiren. Während der Nacht that ich einen heftigen 
Fall auf den Kopf. Ich wollte in die Hangematte steigen: mit dem 
schiefen Drucke, den dieses Einsteigen verursachte, traf eine 
starke SeitenbeMegung des Schiffes zusammen: der Rahmen schlug 
fast über und ich stürzte hin, ohne mir jedoch Schaden zuzufügen. 
Wenigstens befand ich mich am folgenden Morgen, den 28. April, 
ganz wohl. Auch hatte der heftige Wind sich etwas gelegt. Wir 
erkannten indefs, dafs wir die Nacht in einer äufserst gefährli- 
chen Lag« ZM ischen den Bänken zugebracht , und dafs m ir Ursa- 
che hatten, dem grofsen Baumeister der Welten zu danken für un- 
sere Rettung. Das Wetter M'urde nach und nach hell; und wir genos- 
sen mit grofser Freude des herrlichen Anblicks der englischen 
Küste. Rechts erblickten Mir Margate mit dem südlichen Ufer 
der Themse, Meiter links Ramsgate und noch Meiter Deal. Ueber- 
all M.iren wir von Schiffen umgeben; und auf der sogenannten 
Rhede der Dünen, beii^eö/, sahen Mir das englische Linienschiff 



19 

RamüUes, das jedes Jahr in diesen Gewässern kreuzt, vor Anker 
liegen. 

Da der Wind westlich war, und der Commandant keine Lust 
hatte, Mieder eine so gefahrvolle Nacht , als die vorige, zuzubrin- 
gen, so fafste er den Entschlufs, auf der Rhede der Dünen vor 
Anker zu gehen. Dieser Entschlufs brachte mich auf den Gedan- 
ken, in Deal ans Land zu steigen und nach London zu reisen, 
mich einige Tage aufzuhalten und dann nach Porfsmouth zu gehen. 
Im Laufe des Tages jedoch erhob sich ein Ostwind, der alle Ent- 
schlüsse änderte. Wir fuhren um das Cap von South Foreland 
herum, und gelangten glücklich in den Canal, wo wir die hohen 
Kreidefelsen zwischen Deal und Dover mit mehreren Schlössern, 
und endlich Dover selbst, mit seinem alten und festen Schlosse, 
nebst der Ruine, die von Cäsar herstammen soll, und mit dem ver- 
schanzten Lager erblickten. Auch erfreueten wir uns eines sehr 
schönen Blickes auf die französische Küste , deren weifse Kreide- 
felsen von der Sonne beschienen wurden. Als wir bei Dover vor- 
beifahren wollten, ward der Wind sehr schwach; >Yir hatten den 
Strom gegen uns ; während der Nacht trat Regen und Westwind 
ein. Defswegen mufste der Anker abermals ausgeworfen werden. 
So blieben wir Dover gegenüber liegen bis 1 Uhr des folgenden 
Tags , den 29. April. Inzwischen wurde das Wetter besser , aber 
der Wind blieb schwach und ungünstig. Ich benutzte also die Ge- 
legenheit, um mit dem Commandanten, dessen Neffen und Herrn 
Tromp nach Dover zu fahren. Wir frühstückten in Wng/its 
Schips/tutel , in welchem ich schon vor 1§ Jahren mit meiner Fami- 
lie gewohnt hatte, und machten alsdann einen Spaziergang nach 
dem verschanzten Lager , das westlich von der Stadt auf einer be- 
deutenden Anhöhe liegt. Zu derselben gelangten wir auf einer vor 
etwa 20 Jahren angelegten Treppe. Aus der Stadt führt ein un- 
terirdischer Gang, der über 100 Schritte lang ist, an den Fufs 
dieser Treppe. Um sie anzulegen, hat man ungefähr 200 Fufs 
tief einen Brunnen in den Felsen gehauen, und an den Wänden 
desselben drei Treppen , jede von 268 Stufen , angebracht. Jede 
Treppe ist so breit, dafs zwei Menschen bequem neben einander 
gehen können. Sie endigen in einer, trichterförmig in den Berg 
gegrabenen, Vertiefung, von welcher eine breite steinerne Treppe 
nach vier, terrassenförmig über einander gebaueten, grofsen Ca- 
sernen führt. Etwas höher, als diese Casernen, liegt eine fünf- 
eckige Redoute, die auch mit Casernen versehen ist, in welchen 

B 2 



20 

gegenwärtig nur ein Detaschement Artillerie lag, die einzige Gar- 
nison von Dover. Die Redoute bildet den rechten Flügel der Stel- 
lung. Von ihr aus führt eine gebrochene Linie von gemauerten 
und zum Theil in den Felsen gehauenen Werken nach dem linken 
Flügel, MO ein gröfseres, ein längliches Viereck bildendes Fort 
liefft. Vor dieser Fronte befindet sich ein ziemlich tiefes Thal, 
durch welches die Strafse nach London geht. Wir erfreueten uns 
des schönen Anblicks dieses vortrefflich angebaueten Thaies und 
des frischen Grüns des Rasens. Auf Hrn. Tromp und den jungen 
Ryk machte der Anblick der Felsen und Berge, da sie noch keine 
gesehen hatten, einen grofsen, und auf mich, der ich ihres An- 
blicks entwöhnt war, einen sehr angenehmen Eindruck. Von dem 
linken Flügel geht eine Linie eu cremaillere ^ bei der man in eini- 
gen einspringenden Winkeln casemattirte Magazine angebracht 
hat, nach einem kleinen Fort, das die Rhede vertheidigt. Aus 
der Linie führt ein Thor nach dem hohen Felsen, Shakespeares cliff 
genannt, welchen wir zu besteigen jedoch keine Zeit hatten. Die 
gemauerten Werke des Lagers sind von Ziegelsteinen und mit hal- 
bem Revctement versehen. Der Felsen ist durchgängig Kreide mit 
Feuersteinen. Diese Feuersteine benutzt man zum grofsen Nach- 
theile für die Füfse der Pferde, zu den Chausseen und zum Pfla- 
stern; auch sind in i>over Häuser von solchen Feuersteinen gebauet. 
Sehr zufrieden mit unserer Excursion kehrten wir nach der Cor- 
vette zurück. Wir sahen zwei Dampfböte, von Calais und von 
Boulogiie^ in Dover einlaufen. Auch zeigte man mir von Ferne 
eine Wasserhose. Um 1 Uhr fing der Wind an, günstig zu wer- 
den. Der Anker wurde gelichtet und wir segelten bei sehr gutem 
Wetter weiter, uns fortwährend des Anblickes der englischen 
Küste erfreuend. In der Nacht sah man auf verschiedenen engli- 
schen Leuchtthürmen sehr helle Feuer brennen. 

Als wir den 30. April, bei starkem Winde , die östliche Spitze 
der Insel fVight erkannten, ward eine Flagge aufgezogen, und 
eine Kanone gelöset, um einen Lootsen zu erhalten. Dieser kam 
jedoch nicht sogleich. Wir segelten also vorsichtig weiter, er- 
blickten endlich Portsmouth, und näherten uns der Spitze Sf. 
Helens auf fVight. Daselbst kam der Lootse an Bord und gelei- 
tete uns nach der Rhede von Spü/tead vor Portsmouth. Diese 
Stadt, in welcher es mir vor zwei Jahren so wohl gefallen hatte, 
nahm sich äufserst schön aus. Im Hafen lagen mehrere Linien- 
schiffe , unter ihnen der Vidory , an dessen Bord Lord Nelson ge- 



21 

tödtet worden ist. Da wir am Top seines grofsen Mastes die Ad- 
miralsflagge erblickten, so grüfsten wir mit 17 Kanonenschüssen, 
welche vom Vidory sogleich mit 13 beantwortet wurden. Auf der 
Rhede warfen wir die Anker aus. Es befanden sich daselbst 
zwei englische Corvetten, ein Schiff der ostindischen Compagnie 
und eine portugiesische Fregatte, welche den portugiesischen 
Botschafter in London, Marquis d^ Pcdmella, nach England ge- 
bracht hatte. 



II. 

Aufenthalt in England. — PortsjiioutJi , Plymouth, 
Uevojiportf FalmoutJi. 

Vom 1. Mai bis 17. Juni 1825. 



Die Corvette wollte wegen des Unterrichts der jungen Offiziere 
und Adelborsten — Cadets — , >velche alle Marine -Etablissements 
in Portsmuth genau besehen sollten, einige Zeit verweilen. Defs- 
wegen entschlofs ich mich, ans Land zu gehen, yon Poiisinouth nach 
Flymouth und Falmouth zu reisen, und hier wieder mit der Corvette 
zusammen zu treffen. Ich fuhr also am 1. Mai mit der Schaluppe 
in Gesellschaft des Obersten Ryk und des Lieutenants Lejeune nach 
Portsmoidh hinüber. Die See ging sehr hoch ; die 8 Ruderer ver- 
mochten M'enig gegen die Wellen ; und als wir in den Hafen ein- 
fuhren, wo die Wellen ganz besonders hoch waren, da m endeten 
wir zu schnell, bekamen ein Paar Wellen in die Flanke, und 
fürchteten mehr als ein Mal, die Schaluppe MÜrde umschlagen. 
Indefs kamen wir glücklich davon , nur tüchtig durchnäfst. 

In Portsmouth blieb ich drei Tage. Die Lage und die Ver- 
hältnisse Avaren mir bekannt und sind von mir beschrieben wor- 
den *). Defswegen brachte ich die Zeit hin mit Lesen und Schrei- 
ben; ich machte Besuche, empfing Besuche und wanderte umher 
in interessanter Gesellschaft; und eben defswegen erlaubeich mir, 
nur Eins und das Andere anzumerken. 



') In einem iingedrucliten Tagcbiirlic , das der Herzog im Jahre 1823 auf 
einer Reise in England geschrieben hat. L. 



23 

Nach der Navy List befanden sich in Portsmouth 16 Schifle Im 
activen Dienste mit 518 Kanonen; desarmirt waren 65 mit 4143 
Kanonen; und gebauet wurden 18 Schifle, die 756 Kanonen fiihren 
sollten. Die sämmtlichen Schiffe zu PoHsmoidh hatten mithin 5417 
Kanonen. 

Zu Ehren des Mai's hatten einige Menschen aus der niedrig- 
sten Volksclasse sich maskirt. Die Meisten erschienen als Hans- 
würste; andere hatten sich mit grünen Blättern bedeckt. Sie zogen 
mit Musik durch die Strafsen, blieben vor einigen Häusern stehen, 
tanzten, und liefsen sich Geld zahlen. Auch gab es eine Box- 
partie zwischen einigen Knaben. Sie wurde wie ein anständiges 
Duell gehalten. So bald der eine Knab« gefallen war, geschah 
ihm nicht das Geringste mehr ; sein Gegner bot ihm die Hand und 
half ihm auf. Einer der Knaben erlaubte sich, dem andern, der 
hinfiel, noch einen Stofs zu geben. Sogleich sprangen mehrere 
Umstehende hinzu, hielten den Frevler fest, und gaben ihm so viele 
Rippenstöfse , dafs er (hst liegen blieb. Damit hatte der Spafs ein 
Ende. 

Im Hafen wurden ungefähr 150 Mann Recruten ausgeschiffY, 
die zum 89. Regfment abgehen sollten, das in Ostindien steht. Sie 
kamen vom Depot auf der Insel Wi^ht, und sahen sehr schwach 
und elend aus. 

Der Marquis de Palmella ^ der mit mir in Einem Hotel ge- 
wohnt hatte, reisete den 3. Mai mit seiner Familie, einer Frau, 
acht Kindern und einer grofsen Suite, nach London. Vor seiner 
Abreise machte ich ihm noch einen Besuch, bei welchem er mioh 
seiner GemaliKn, einer sehr schönen Frau, vorstellte. Der Mar- 
quis, ein allgemein geachteter Mann, hatte in der letzten portu- 
giesischen Contre- Revolution viel auszustehen gehabt: er wurde 
selbst mehrere Tage gefangen gehalten. Während seines hiesigen 
Aufenthalts hatte er beständig zwei Ehrenposten; und eine Stunde 
vor seiner Abreise kamen 50 Mann Mariniers mit 3 Offizieren, einer 
Fahne und dem ganzen Musikchor, alles^in grofser Tenüe, mnr- 
schirten vor dem Hotel auf und blieben als Ehrenwache stehen bis 
zur Abfahrt. Mit wahrem Vergnügen sah ich übrigens die gute 
Haltung dieses Corps. 

Die Seesoldaten, Royal Marines genannt, deren Caserne 
ich besuchte, und die ich in Pai'ade defiliren sah, haben eine 
äufserst schöne Haltung. Sie sind sehr geachtet. Das Avan- 
cement der Offiziere geschieht nach der Anciennetät. Da aber 



24 

nach den letztem Friedensschlüssen das Corps beträchtrich ver- 
mindert worden ist, so ist das Avancement äiifserst sparsam, und 
die Offiziere werden alt in ihren Graden. Auch sind die Offiziere 
zum Theil Männer ohne Vermögen, und meistens nur zu den 
Royal Nariites getreten , weil sie keine Stelle in der Armee kau- 
fen könnten. Die Caserne der Soldaten Avollte mir nicht recht 
gefallen; in den Niederlanden sind sie besser eingerichtet und 
werden reinlicher gehalten. Eine gute Einrichtung ist es, 
dafs die Soldaten eiserne Betten haben und dafs jeder Mann 
allein schläft; eine übele hingegen, dafs in den Stuben gekocht 
wird. 

Das Linienschiff Ganges von 84 Kanonen, welches ich mit 
Herrn Ryk im Hafen besuchte, ist vor wenigen Jahren in Madras 
durch indische Arbeiter ganz von Teakholz gebauet Morden. 
Dieses harte und schwere Holz ist nicht allein sehr dauerhaft, son- 
dern hat auch den grofsen Vortheil, in den heifsen Himmelsstri- 
chen nicht zu springen. Man empfing uns mit grofser Zuvorkom- 
menheit auf dem Schiff; und da der Capitain Camjphell^ der es 
commandirt, in der Stadt war, so machten uns die Lieutenants auf 
eine sehr freundliche Weise die Honneurs. Ich konnte nicht ge- 
nug die Reinlichkeit bewundern, welche auf diesem Schiffe 
herrschte. Man hat auf den englischen Schiffen eine sehr gute Art, 
die Nägel, Ringe, Waffen und sonstige eiserne, messingene und 
kupferne Erfordernisse aufzubewahren. Sie befinden sich in be- 
sonderen Gemächern unter dem Vordertheil , im unteren Deck; die 
eisernen Gegenstände sind gefirnifst, die andern polirt, und längs 
der weifs angestrichenen Wände so angebracht, dafs sie Figuren, 
zuweilen auch Inschriften bilden. Wenn man Fremde herumführt, 
zündet man eine Art Kronleuchter an, so dafs dieses Alles einen 
sehr hübschen Effect macht. Der Lieutenant ifrig/d^ einer der 
Offiziere, hatte, als Mir das Schiff verliefsen , die Gefälligkeit, uns 
in seine Schaluppe zu nehmen und in den innern Hafen, the Har- 
boiir^ zu fahren, wo die Schiffe liegen, die in ordinary — desar- 
mirt — sind. 

Der Ganges grüfste uns mit 19 Schüssen bei unserer Abfahrt. 
Die in commission — Dienst — sich befindenden Schiffe sind 
schwarz und Meifs angestrichen; kommen sie in ordinary, so kratzt 
man die Farbe ab, und streicht sie braungelb an. Sind sie zu 
li einem activen Dienste mehr geschickt, so erhalten sie eine ganz 
scliMarze Farbe. Im Harhour gingen wir an Bord des Nelson 



25 

von 120 Kanonen, der neu gebauet war, aber In ordinary lag, weil 
sich der schreckliche Hol/brand, dry rot genannt, in demselben 
gezeigt hatte. Man hatte jedoch die angesteckten Breter heraus- 
genommen und sie durch gesunde ersetzt. Der Nelson^ so wie der 
Ganges und alle neugebaute Linienschiffe, haben runde Sterne. 
Alles zur Ausrüstung nöthige Holzwerk, so wie die Lafetten, be- 
finden sich am Bord. Um dieses Holz gut bergen zu können, und 
um zugleich das obere Verdeck gegen den Einfiufs des Wetters zu 
schützen , ist ein besonderes Dach darüber gebauet. Vom Nelson 
fuhren vir nach der königlichen Yacht, the Royal George, die ich 
zwar schon kannte, aber gern noch einmal besah, wegen ihrer 
eleganten Einrichtung und des grofsen Luxus , der auf derselben 
Statt findet. Gegen die Pracht der königlichen Gemächer und 
die der Suite sticht freilich der Wohn - und Schlafplatz der Matrosen 
sehr ab, der ganz dunkel und eng ist. Wir bemerkten hier eine 
eiserne Patentküche, bei welcher alle Speisen durch Wasserdämpfe 
gekocht werden. 

Nachdem ich allerlei Provisionen , und besonders Gamhlesche 
preserved meats, die sich Jahre lang frisch erhalten, eingekauft 
hatte , schiffte ich mich — den 4. Mai nach 4 Uhr Nachmittags — 
ein am Bord des Dampfschiffes Sir Francis Brake von 170 Tonnen, 
um nach Plymouth zu gehen, das 150 Meilen entfernt ist. Die 
Maschine desselben hat die Kraft von 70 Pferden. Das Schiff ist 
nicht sehr bequem eingerichtet. Die grofse Cajüte ist so nahe 
an den Dampfkesseln , dafs die Hitze unausstehlich war. Unsere 
Reisegesellschaft mochte aus 30 Personen bestehen, von welchen 
sich jedoch nur 8 Passagiere in der Cajüte befanden. Gegen 5 
Uhr fiel ein Schufs zum Zeichen der Abfahrt, und wir stachen in 
See. Die Rhede von Spithead blieb mit ihren Schiffen links liegen, 
und die Fahrt ging zwischen dem Lande und der Insel Wight hin- 
durch. Sehr freundlich nahm Cowes sich aus mit seinen schönen 
Gärten, und, etwa eine Meile westlich, ein Schlofs, Egypt ge- 
nannt. Es begann, dunkel zu werden. Wir sahen rechts die bei- 
den Lichter von Hurstcastle , die äufserst hell brannten, und links 
den Leuchtthurm der Needles — des westlichen Endes der Insel 
Wight — , den ich vor 2 Jahren bestiegen hatte. Im Dunkeln 
zeigten sich die weifsen Felsen der Needles, die bei dem öfteren 
Wetterleuchten einen ganz eigenen Anblick gewährten. Als wir an 
diesem gefährlichen Puncte vorüber Maren, bekamen wir starken 
AVind; die Bewegung des kleinen Schiffes, verbunden mit der be- 



. 26 

ständigen Erschütterung der Dampfmaschine, war höchst wider- 
wärtig. Ich konnte mich nicht in die für mich bestimmte Koje le- 
gen, weil sie zu kurz war, und mufste mir defshalb meine Matratze 
auf den Fufsboden bereiten lassen. Die Hitze und das Stofsen der 
benachbarten Dampfmaschine , der Husten eines enrhümirten Irlän- 
ders und das Schreien eines kleinen Kindes in der andern Cajüte 
hinderten mich lange am Einschlafen. Erst gegen Morgen fing ich 
an , etwas zu schlummern , erwachte aber bald wieder vor der un- 
ausstehlichen Hitze. Ich verfügte mich auf's Verdeck und befand 
mich, wie fast die ganze Reisegesellschaft, selbst den Offizier 
nicht ausgenommen , unwohl. 

Die felsige englische Küste hatten wir fast überall vor Augen. 
Sehr schön nahm sich die Lage der Stadt Dartmouth aus. Nach 
einer etwas langweiligen und unangenehmen Fahrt gelangten wir 
den 5. um 1 Uhr Nachmittags in die Bai von Plymouth, Das bei- 
gefügte Chärtchen erklärt die Lage der Bai *}. Das breakwater, 
einen seit 13 Jahren angefangenen und noch nicht geendigten 
Damm, der die Rhede von Plymouth gegen die Südweststürme 
schützen soll, Uefsen wir links, erfreuten uns des schönen Anblickes 
von Mount Edgecumbe's Park ^ und Brakes Island^ auf welchem 
ein kleines Fort liegt, und hatten einen äufserst schönen Blick auf 
die drei Städte Plymouth mit der Citadelle, St'mehouse und Ply~ 
mouth-Dock, das jetzt den Namen Devonport führt. Als das Dampf- 
schiff bei Stonehouse anhielt, miethete ich einen Kahn und fuhr um 
den Dock herum nach Devonport. Dieser Dock mit allen Schiffen, 
die sich daselbst in Construction und Reparatur befanden, ge- 
währte eine sehr schöne und imposante Ansicht. In Devonport 
nahm ich in Royal hotel meine Wohnung. 

Einige Zeit nach meiner Ankunft machte ich den hiesigen Be- 
hörden Besuche. Ein besonderes Interesse erregte in mir der hier 
en chef commandirende Admiral Sir James Saumarez^ ein wür- 
diger Greis von 70 Jahren. Seit 56 Jahren hatte er dem Staate 
gedient, und wahrend der letzteren Kriege 5 Jahre lang in der 
Ostsee en chef commandirt. Seine Thaten sind weltkundig und 
werden durch das Grofskreuz des Bath-Ordens , das er seit 24 Jah- 
ren trägt, bezeugt. 

Unter den hiesigen Merkwürdigkeiten besah ich das Tribunal. 
Dieses ist ein neues Gebäude, ein Oblongum. An einer der 



*) Aus Coofce's Guide io tke Pljfmouth Breahwatcr, 



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. 26 

ständigen Erschütterung der Dampfmaschine, war höchst wider- 
wärtig. Ich konnte mich nicht in die für mich bestimmte Koje le- 
gen, weil sie zu kurz war, und mufste mir defshalb meine Matratze 
auf den Fufsboden bereiten lassen. Die Hitze und das Stofsen der 
benachbarten Dampfmaschine, der Husten eines enrhümirten Irlän- 
ders und das Schreien eines kleinen Kindes in der andern Cajüte 
hinderten mich lange am Einschlafen. Erst gegen Morgen fing ich 
an, etwas zu schlummern, erwachte aber bald wieder vor der un- 
ausstehlichen Hitze. Ich verfügte mich aufs Verdeck und befand 
mich, wie fast die ganze Reisegesellschaft, selbst den Offizier 
nicht ausgenommen, unwohl. 

Die felsige englische Küste hatten wir fast überall vor Augen. 
Sehr schön nahm sich die Lage der Stadt Dartmouth aus. Nach 
einer etwas langweiligen und unangenehmen Fahrt gelangten wir 
den 5. um 1 Uhr Nachmittags in die Bai von Plymouth. Das bei- 
gelügte Chärtchen erklärt die Lage der Bai *). Das breakwater, 
einen seit 13 Jahren angefangenen und noch nicht geendigten 
Damm, der die Rhede von Plymouth gegen die Südweststürme 
schützen soll, liefsen wir links, erfreuten uns des schönen Anblickes 
von Mount Edgecitmhe's Vaxk^ und Brakes island^ auf welchem 
ein kleines Fort liegt , und hatten einen äufserst schönen Blick auf 
die drei Städte Plymouth mit der Citadelle, Stonehouse und Ply~ 
moufh-Dock, das jetzt den Namen 2?e»o??porf führt. Als das Dampf- 
schiff bei Stonehouse anhielt, miethete ich einen Kahn und fuhr um 
den Dock herum nach Devojtport. Dieser Dock mit allen Schiffen, 
die sich daselbst in Construction und Reparatur befanden, ge- 
währte eine sehr schöne und imposante Ansicht. In Devonport 
nahm ich in Royal hotel meine Wohnung. 

Einige Zeit nach meiner Ankunft machte ich den hiesigen Be- 
hörden Besuche. Ein besonderes Interesse erregte in mir der hier 
en chef commandirende Admiral Sir James Saumarez, ein wür- 
diger Greis von 70 Jahren. Seit 56 Jahren hatte er dem Staate 
gedient, und während der letzteren Kriege 5 Jahre lang in der 
Ostsee en chef commandirt. Seine Thaten sind weltkundig und 
werden durch das Grofskreuz des Bath-Ordens , das er seit 24 Jah- 
ren trägt, bezeugt. 

Unter den hiesigen Merkwürdigkeiten besah ich das Tribunal. 
Dieses ist ein neues Gebäude, ein Oblongum. An einer der 



*) Aua Cooke's Guide to the Plymouth Breahwater. 



Pj.^MOr'Ill,u„ll MGKB1' 
















. 27 

schmalen Seiten führt eine breite Treppe nach einem , mit 4 ioni- 
schen Säulen gezierten, Perron. Der Saal ist grofs und mit Tri- 
bünen sehr bequem für die Zuschauer eingerichtet. Unter dem 
Platz für die Gefangenen ist eine Fallthür, die eine Treppe schliefst, 
auf welcher die Gefangenen aus den Gefängnissen im Erdgeschosse 
zum Verhör und zurück gebracht werden , ohne mit dem Publicum 
in die geringste Berührung zu kommen. Die 6 Zellen für Gefan- 
gene, die sich hier befinden, sind alle von Stein, gewölbt, und 
mit einer eisernen Bettstelle versehen. Sie haben eine starke Thür 
von eichenen Bohlen mit Eisen beschlagen ; eine kleine Oefliiung 
bringt Luft und Licht, beides jedoch sehr spärlich. Die Gefan^-e- 
nen können täglich in dem Corridor, der 12 Schritt lano- und 
3 Schritt breit ist, spazieren gehen. Sie haben eine äufserst trau- 
rige Existenz. Mit einem sehr üblen Eindruck verliefsen wir 
dieses von Granit und Marmor erbauete Haus des Jammers. Und 
kaum hatten wir es verlassen, so fiel uns der Bau eines Monuments 
in die Augen, das, auf einem Felsen, aus Granit aufgeführt wird, 
und eine hohle Säule, 101 Fufs hoch, werden sollte, zum Andenken 
der Veränderung des Namens Plymoidh-Dock in Devonport. Das 
Werk löschte den übelen Eindruck nicht aus , den das Gefängnifs 
auf uns gemacht hatte. Nicht weit von demselben steht eine neue, 
im gothischen Geschmacke gebauete Kirche, und daneben eine im 
ägyptischen Stil erbauete Schule. Die auf einem so engen Räume 
zusammengedrängten verschiedenen Bausysteme gewähren einen 
sonderbaren , ich könnte jedoch nicht sagen , angenehmen Anblick. 
Auch besahen wir den Markt , der aus mehreren bedeckten Galle- 
rieen besteht, in welchen die Efswaren , z. B. die Fische , auf mar- 
mormen Tafeln feil gehalten werden. Denn der Marmor ist hier so 
gemein, dafs die Trottoirs damit gepflastert sind; auch ist er im 
Baue der Häuser angebracht. Er ist schwarz , roth und gelb ge- 
ädert. Die Häuser in der Stadt sind nicht schön; einige alte sind 
ganz mit Schiefer belegt und machen keinen freundlichen Eindruck. 
Im Tribunal befindet sich ein Kamin von Schiefer. 

Am 7. Mai besah ich den Dock Yard. Es befanden sich hier 
8 Schiffe im activen Dienste , zusammen mit 366 Kanonen ; 65 in 
ordinarif mit 3520 Kanonen, und 22 im Baue, von >velchen 3 Bom- 
benschiffe waren, die über 720 Kanonen führen sollten. Das macht 
im Ganzen 4606 Stück. 

Der Dock Yard mit seiner musterhaften Einrichtung ist von 
Dupin in seinem vortrefflichen Werke: loyoges dans la Grande 



28 — — 

Bretagne^ 11"^^ partie^ force narale^ genau beschrieben worden. 
Vielen Lesern ^vird das Werk bekannt sein; jedes Falles glaube 
ich auf dasselbe wegen der genauen Beschreibung des Boc/cyard 
verweisen zu dürfen. Der Eintritt ist Avirklich schön. Man er- 
blickt einen grofsen Theil des Yards ^ der terrassenförmig gebauet 
ist, unter sich; rechts die Kirche und einige Bureaux; gegenüber 
stehen 2 Kanonen, die hier mehr zur Zierde, als zur Vertheidigung 
aufgestellt sind. Die Häuser sind von dem hier gewöhnlichen mar- 
morartigen grauen Kalksteine gebauet. Ein neues Magazin ist ganz 
feuerfest von diesem Stein und von Eisen aufgeführt, und die ver- 
schiedenen Behältnisse sind durch eiserne Thüren getrennt, die 
man im Fall eines Brandes nur schnell zu schliefsen braucht, um 
das Feuer zu isoliren. Die Seilerbahn ist ein Gebäude von zwei 
Stockwerken, dessen Säle 1200 yards lang sind. Die Schiffe 
werden durchgängig, so wie in allen andern englischen Häfen, 
unter einem Dache gebauet, das zuweilen mit Schiefer , geM öhnlich 
mit Kupfer gedeckt ist. Aus den dry docics wurde das Wasser , zu 
meiner Verwunderung, durch eine Pferdemühle und nicht durch 
eine Dampfmaschine ausgepumpt. In einem der dry docks befand 
sich die unglückliche Fortitudo *) in Arbeit. Alles Holz war ver- 
fault; das Kupfer war verdorben; auch mufsten drei neue Mäste 
gemacht werden. Die Reparatur wird dem Hause Roelands in 
Antwerpen gegen 8000 Pfund zu stehen kommen. Man hat hier 
grofse eiserne Kessel, in welchen das Bauholz in Seewasser ge- 
kocht wird, um es gegen den dry rot zu schützen. Im Dockyard 
arbeiteten täglich gegen 2200 Menschen , und mehrere von ihnen 
verdienten wöchentlich 36 Schillinge. 

Nach einem Aufenthalt von etwa zwei Stunden im Dockyard, 
fuhr ich mit dem Admiral nach der Hatnoaze^ wo die armirte und 
desarmirte Flotte vor Anker lag. Wir gingen an Bord des Admi- 
ralschiffs Britaniiia von 120 Kanonen, und wurden vom Capitain 
Pipon gar freundlich empfangen. Man zeigte mir das ganze Schiff: 
Alles vortrefflich , wie auf den Schiffen zu Portsmouth. Von der 
Britannia^ die uns mit 21 Schüssen begrüfste, fuhren wir an Bord 
des St. Vincent , der ganz dem Nelson in Portsmouth gleicht. 



•) Ein niederländisches Kauffahrteischiff, das mit Truppen nach Ostindien 
bestimmt gewesen war , aber auf der hohen See seinen traurigen Zu- 
stand erkannt hatte , und in Plymouth eingelaufen war , seine Avarien zu 
repariren. 



29 

Der 8. Mai war ein Sonntag; daher war es sehr still in der 
Stadt. Ich ging zuerst nach Stonehouse in die Casernen der See- 
soldaten , und dann nach PlymoutU^ das ich noch nicht gesehen 
hatte. Plymontli ist von Stonehouse ungefähr eine kleine Meile 
entfernt. Der Eingang ist anständig. Es zeigen sich mehrere 
neugebaute Häuser und ein grofses viereckiges, mit Säulen deco- 
rirtes Gebäude, welches das Theater und das royal hotel enthält. 
Geht man aber weiter in die Stadt hinein, so ändert sich die Scene. 
Die Gassen werden eng und bergig; sie sind schlecht gepflastert 
und ohne Trottoirs; die Häuser schlecht gebaut und winklig; keine 
Sonne kommt in die Gassen. Der Hafen, der vom Caiwater ge- 
bildet wird, scheint besucht zu sein, und die Bai gewährt einen 
herrlichen Anblick. Wir begaben uns, längs eines in den Felsen 
gehauenen Weges, auf die Citadelle, um dem Vice-Gouverneur, 
Generalmajor Sir Jofm Cameron^ unsern Besuch zu machen; allein 
der General war krank. Wir gingen auf den Wällen um die Ci- 
tadelle herum , und erfreuten uns einer in jeder Hinsicht vortreffli- 
chen Aussicht: das schöne Wetter trug das Seinige bei. Nach- 
mittags gingen wir nach dem Dorfe Stoke spazieren, wo die hiesi- 
gen Einwohner Landhäuser haben. In der hiesigen Gegend ist es 
Gebrauch, die in der Woche Verstorbenen, wenn es möglich ist, 
am Sonntage zu begraben. Wir begegneten daher in den meisten 
Strafsen Leichenzügen, die uns freilich nicht besonders aufheiter- 
ten. Am Montage fuhr ich aus mit Sir James Sanmarez in der 
grofsen Schaluppe der Britannia , um das hreakicater zu besehen. 
Wir begaben uns zuerst nach den\ Caiwater^ wo die Steinbrüche 
sind, aus welchen die Steine zum hreakwater genommen werden. 
Das Terrain zu diesen Steinbrüchen ist von verschiedenen Eigen- 
thümern gekauft worden. Der Felsen ist Marmor und wird durch 
Pulver gesprengt. Mehrere der losgesprengten Felsblöcke wiegen 
5 Tonnen und darüber. Sie werden mit eisernen Krahnen, bei 
welchen man einen Arbeiter auf anderthalb Tonnen rechnet, in die 
Höhe gehoben und auf kleine vierräd'ige eiserne Karren gelegt. 
Diese laufen in railroads — Eisenbahnen — bis an den Quai, wo 
die Schiffe liegen , auf welchen sie weiter nach dem hreakwater ge- 
bracht werden. Die Schiffe können 18 der schwersten Steine la- 
den, und sind lediglich zu diesem Zweck im hiesigen Werfte ge- 
bauet worden. Die leichtern Steine werden auf gemietheten Schif- 
fen nach dem hreakwater gefahren. Die Beschreibung dieser 
Schifte, so wie die Art und Weise, auf welche die Steine eiii- 
und ausgeladen werden, findet sich in üupn's Reise. Im Stein- 



30 

bruch empfing uns ein Secretair des Herrn Whidby, welcher den 
Plan zum breahvater entworfen, und jetzt die Aufsicht über die 
Arbeit hat. Im Felsen hat man eine Höhle mit gut erhaltenen 
Rhinocerosknochen gefunden, und einige Zeit nachher eine an- 
dere mit Knochen und Zähnen von Bären. Auf dem Berg über 
den Steinbrüchen hat man eine weite und äufserst schöne Aus- 
sicht. Hierauf fuhren wir nach der Bonsandhay ^ wo unter 
Herrn Whidbys Direction ein Quai und ein Reservoir von süfsem 
Wasser für die Marine angelegt worden ist. Das Wasser sam- 
melt sich aus 2 Quellen in ein 20 Fufs tiefes , zwischen den Bergen 
gelegenes Reservoir. Aus demselben wird es durch eiserne Röh- 
ren, beinahe eine englische Meile weit, nach dem Quai gelei- 
tet. Hier sind 17 Hähne angebracht, von denen ein jeder in 
einer Minute 2| Tonne Wasser von sich giebt. Am Quai kön- 
nen die zum Wasserholen commandirten Kähtie anlanden, und in 
sehr kurzer Zeit mit ihrer Ladung nach den Schiften zurückkeh- 
ren. In der Schlucht neben dem Reservoir bewohnt Herr 
Whidby ein hübsches Haus , von wo aus er das ganze brealcwater 
übersehen, und folglich aus seinem Zimmer die Arbeiter controli- 
ren kann. 

Das brealcwater hatte bei dem schrecklichen Sturm am 22. und 
23. November des vorigen Jahres sehr gelitten. Man will es jetzt 
auf folgende Weise 




^ÄÄ»»Ä^^^;M^m^^^s^s^^Ä£ 



dauerhafter herstellen; man will die Steine, welche dem Anschlage 
der Wellen am Meisten ausgesetzt sind, behauen , und mit eisernen 
Klammern zusammenfügen. Ich fürchte jedoch, dafs auch dieses 
Werk zerstört werden wird , wenn man nicht ein Paar perpendicu- 
lair auf den Hauptdamm stofsende Dämme anlegt, welche die Ge- 
walt der Wellen brechen, ehe sie den Haupldamm erreichen. Das 
alte Werk war in einem so zerstörten Zustande , dafs wir nicht weit 



31 

auf demselben fortzukommen im Stande waren. Defswegen schiff- 
ten wir uns bald wieder ein , und fuhren nach der Fregatte Thetis, 
um Sir John PJdUimore einen Besuch zu machen. Sir John hatte 
mir zu Ehren alle seine Flaggen aufgezogen ; die Mariniers stan- 
den mit ihrem Offiziere beim Besansmast aufmarschirt und die Ma- 
trosen rund um's Verdeck und in der Batterie, ein Mann mit 
dem Säbel, der andere mit der Pike und der dritte mit dem 
Enterbeil. Ich freuete mich über die äufserst grofse Ordnung und 
Reinlichkeit, die überall herrschte. Die beiden Cajüten waren sehr 
elegant eingerichtet und mit Mahagoniholz decorirt. Als wir wie- 
der wegfuhren , stiegen die Matrosen auf die Raaen; auch wurden 
wir salutirt. Da es hohes Wasser war, so fuhren wir zwischen 
Draices island und Mount Edgeciimbe durch eine , wegen der Klip- 
pen, gefährliche Passage, the bridge genannt. Wir stiefsen ein 
Paarmal auf die Klippen , jedoch ohne Nachtheil , da wir glückli- 
cherweise keinen starken Wind hatten. Wir landeten an der schö- 
nen steinernen Treppe vom Mount Wise. 

Den folgenden Tag besah ich, mit Sir John Phillimore^ das 
Marine-Hospital. Dieses, ein musterhaft eingerichtetes und reich 
dotirtes Institut, ist von Dupin erschöpfend beschrieben. Man be- 
gann den Bau während des siebenjährigen Krieges. Es kann ge- 
gen 2000 Kranke oder Verwundete fassen ; wirklich befanden sich 
jedoch nur einige und 70 Mann , und unter diesen einige Offiziere 
und Midshipmeu in dem Institute. Besonders zweckmässig schien 
mir die Einrichtung, dafs dasselbe aus 8 einzelnen, drei Stockwerk 
hohen Pavillons besteht. Denn dadurch kann sowohl die Verbrei- 
tung ansteckender Krankheiten, als die eines entstehenden Brandes 
verhindert w erden. Die Krankensäle enthalten je 16 Betten , alle 
von Eisen ; nur die der Offiziere sind von Holz und mit Vorhän- 
gen versehen. Ueberdiefs sind in jedem Saale zwei Betten für die 
Aufwärterinnen — rinrses. In allen englischen Marine-Hospitälern 
nämlich werden die Kranken durch Frauen gewartet , und man hält 
die Pflege derselben für viel sanfter , als die Pflege der Inßrmiers. 
Die Kranken werden von den Schiffen zu Wasser bis ans Hospital 
gebracht, und eine breite steinerne Treppe herauf nach dem Em- 
pfangbüreau geführt, oder getragen. Hier werden sie entkleidet, 
und in dem Pavillon, dem sie zugewiesen sind, gebadet. Ihre 
Effecten werden verzeichnet, und in ein besonderes Magazin ge- 
bracht. Zum Ausschiffen der Schwerverwundeten dient ein eiser- 
ner Krahn. In allen Sälen sow ohl , als in den verschiedenen Ma- 
gazinen und in der Apotheke herrschte die gröfste Ordnung und 



32 

Reinlichkeit. In der Apotheke wurden grade Schiffsapotheken 
eingepackt, die sehr compendios eingerichtet sind. 

Die Kirche des Etablissements schien mir nicht dem Ganzen 
entsprechend eingerichtet zu sein. Sie ist klein und in der ersten 
Etage eines der Magazine angebracht, so dafs es den Kranken 
zum Theil sehr beschwerlich fallt, dem Gottesdienste beizuwohnen. 
Rings um den viereckigen Hof, den die Pavillons einschliefsen, 
läuft ein bedeckter Säulengang, unter welchem die Kranken bei 
schlechtem Wetter oder bei grofser Hitze spazieren gehen können. 
Die Mitte des Hofes ist mit einem wohl unterhaltenen Rasen 
belegt. 

Für die Wahnsinnigen hat man auf einem abgesonderten Platz 
ein eigenes Haus gebaut. Das Waschhaus liegt gleichfalls ab- 
gesondert. Bei schlechtem Wetter trocknet man die Wäsche ver- 
mittelst des Dampfes. Die Wäsche wird auf Rahmen gehängt, 
die coulissenarlig auf Rollen hin und her bewegt werden, um 
nach Bequemlichkeit die getrockneten Stücke hinweg nehmen und 
nasse aufhängen zu können. Es sind auf diese Weise 8 Rahmen 
hinter einander angebracht, die äufserst wenig Platz erfordern. 
Für die Kranken findet sich auch eine sehr zweckmäfsia: einge- 
richtete Badeanstalt, in welcher sie nicht allein alle Arten von 
Bädern nehmen können , sondern in m elcher sie zugleich die 
gröfste Bequemlichkeit finden. Die Hospital- Offiziere, die 
Aerzte und Beamteten haben ihre Wohnungen vor dem Hospital 
auf einem geräumigen, mit Bäumen bepflanzten Platz. An der 
Spitze des Etablissements steht ein Commissioner ^ der pensio- 
nirte Schiffs - Capitain CreyJce, ein SOjähriger Greis, der seine 
erste Campagne zur See im Jahre 1759, und die erste Reise um 
die Welt unter dem Commodore Vtallis mitgemacht hat. Wir 
hielten uns, bevor wir das Hospital verliefsen, einen Augen- 
blick in seinem sehr hübsch gelegenen und geschmackvoll ein- 
gerichteten Haus auf. Alsdann besuchte ich in Plpnouth die 
Bibliothek, die vor ungefähr 20 Jahren auf Subscription ange- 
legt worden ist, aber noch nicht sehr reich zu sein scheint. Das 
Local besteht aus 3 Zimmern , dem Büchersaal , der Lesestube 
und dem Versammlungssaale der Directoren. Die Bibliothek dient 
eigentlich nur zu einem Leseclubb, wie unsere Socicte Utcraire 
in Gent. 

Das Offizier-Corps vom 24. Infanterie-Regiment hatte mich 
gestern durch ihren Commandanten, den Oberst -Lieutenant Fle- 
ming, zu einem Diner einladen lassen. Als v.ir um 6 Uhr in der 



33 

Caserne ankamen, empfing uns das Offizier-Corps, das ebenfalls 
den Admiral und Capt. Pipon eingeladen hatte, und die halbe 
Grenadier- und halbe Flanqueur-Compagnie stand als Ehrenvvadio 
aufmarschirt. Nachdem diese eingerückt war, setzten wir uns zu 
Tisch, und ich hatte Gelegenheit, die vortreffliche Einrichtung 
einer solchen Mefs zu bewundern. Es wurden sehr viele Gesund- 
heiten ausgebracht. Als die des Herzogs von Wellington getrun- 
ken wurde, zog die ganze Musik, den Tambour - Major an der 
Spitze, Mann für Mann um die Tafel herum und spielte den engli- 
schen Grenadier-Marsch. 

Am folgenden Tage fuhr der Admiral mit uns nach dem Park 
von Mannt Edgecnmhe ^ der eine ganz herrliche Lage hat, jedoch 
in Kriegszeiten , da diese Position zur Vertheidigung des Dockyard 
unumgänglich nothwendig ist, in eine Festung verwandelt werden 
mufs. Man hat bei der Anlage und der Verschönerung des Parks 
das Terrain gut benutzt; er ist nicht mit Gebäuden überladen; die 
meisten sind Gewächshäuser und ein Badehaus, in welchem man 
den hiesigen Marmor sehr glücklich angebracht hat. Die Bäume, 
meistens Buchen, und unter diesen einige sehr alte, sehen kränk- 
lich aus, und scheinen von der Seeluft zu leiden. Auch finden sich 
drei grofseCedern vom Libanon, die in einem englischen Parke nicht 
wohl fehlen können. Das Schlofs Mount Edgecumhe ist alt und 
sieht wie ein Staatsgefa'ngnifs aus ; das Innere haben wir nicht ge- 
sehen. Dagegen sahen wir das Monument einer, im Jahre 1806 
verstorbenen, Lady Moiint Edgecumbe, welcher der Park seine 
meisten Verschönerungen zu danken hat. Man erzählte von ihr: 
sie sei zweimal begraben worden ; das Erstemal habe sie drei Tage 
im Sarg in einem Gewölbe gelegen, und sei erwacht, als ein Dieb 
ihr einen Finger abschneiden wollte, um einen Ring zu stehlen ; sie 
habe sich dann aus dem Grabe nach einem benachbarten Hause 
verfügt , und sich zu erkennen gegeben ; hierauf sei sie nach ihrem 
Schlosse zurückgebracht Morden ; und seitdem habe sie noch einige 
Kinder gehabt und noch mehrere Jahre gelebt. Relata refero. 
Am Ufer des Meeres , gegenüber der vorgestern erwähnten bridge^ 
hat Lord Mount Edgecumhe eine Batterie von 21 eisernen Sechs- 
pfündern aufgeführt , die er bei feierlichen Gelegenheiten abfeuern 
läfst. 

Wir schifllten uns bei dieser Batterie Mieder ein, und fuhren 

nach dem, vor Stonehouse liegenden , Felsen, devüs poi?d genannt, 

der theihA eise gesprengt Morden ist, Meil ein neues viciualUiig officc 

angelegt werden soll. Man hatte schon den Anfang mit dem Werke 

/. C 



34 

gemacht: die Keller wurden ausgehauen und in der See ward der 
Grund zur Mauer gelegt. Dieses geschah vermittelst der Taucher- 
glocke. Die Glocke war bei unserer Anwesenheit schon gegen 4 
Stunden mit den Arbeitern unter dem Wasser. Das Gouvernement 
will hier auch ein neues Wasser-Reservoir anlegen , so dafs jenes 
von Bovisand wahrscheinlich unnöthig werden >yird. Das Trink- 
wasser kommt von Darimoor nach Plymouth in Röhren, über 18 
Meilen weit, so dafs es in Kriegszeiten leicht abgeschnitten werden 
kann. Wir schifllten uns -/ieder ein , landeten am Momit Wise und 
begleiteten den Admiral nach Hause. 

Einige Tage später fuhr ich zu Lande nach Schlofs Saltromi, 
das, 6 englische Meilen entfernt, am Ende des Catwater liegt, 
und dem Lord Morlay gehört , der sich in London aufliielt. Der 
Weg führte durch ein lachendes, gut angebautes Thal: rechts das 
Catwater , links Ruinen von Schlössern auf den Anhöhen ; auch 
viele Erdbeerbecte , terrassenförmig angelegt, deren Frucht hier 
von vorzüglicher Güte sein soll. Dicht vor dem Eingange des 
Parks fuhren wir über das Catwater auf einer alten steinernen, sehr 
engen Brücke von 5 Bogen. Im Parke leitete ein sehr hübscher 
Weg in einem Thale nach dem auf der Höhe liegenden Schlofs. Es 
regnete unaufhörlich. Wir konnten daher vom Park Nichts sehen, 
und mufsten uns auf das Schlofs beschränken. Dieses Schlofs ist 
vor ungefähr 60 Jahren gebauet worden, und enthält im Erdge- 
schofs einige grofse Zimmer. Aus einer geräumigen Vestibüle tritt 
man in die Bibliothek, in welcher sich mehrere Prachtausgaben, 
Familien - Portraits und di« Bildnisse einiger ehemals berühmten 
Actricen befinden. Das beste Bild ist das Portrait von Sir Joshua 
Reynolds^ von ihm selbst gemalt. \ier Säulen von Stuck ahmen 
den vert antique sehr täuschend nach. Aus der Bibliothek geht 
man durch ein kleineres Gemach in den Bildersaal. In beiden Zim- 
mern sind mehrere Gemälde von Carlo dolce, Andrea del Sarto, 
Teniers^ Ostade, Wouvermanns ^ Kvyp^ van der Meiden u. s. w. 
Indefs möchte ich nicht verbürgen, dafs alle diese Bilder Origi- 
nale seien. Auch in dem Gesellschafts - , in dem Ball - und in dem 
Speise-Saale sieht man viele Gemälde. Sie sind zum Theile von Jn- 
gelica Kavßnann; andere werden für Rvhens, van Byk, Sasso- 
ferrato, Guido Reni , Titian, Ruisdael, Parmegianino u. s. w. 
ausgegeben. Von mehreren hatte ich aber die Originale theils in 
Antwerpen, theils in Gent, und sogar einen Parmegianino im 
Schlosse von Windsor gesehen. Unter den Statuen und Büsten fiel 
mir vorzüglich eine Copie der in Florenz stehenden Venus von 



35 

Canova auf, und eine Copie der Hebe von demselben Meister. Die 
Treppe im Schlofs ist schön und mit Gemälden von Jlngelica 
Tvanfmann geschmückt. Die Kamine, alle aus italienischem Marmor 
mit Basreliefs geziert, sind ebenfalls sehr merkwürdig. Dasselbe 
schlechte Wetter, das wir auf der Hinfahrt gehabt hatten, beglei- 
tete uns auch auf dem Rückwege. Bei dieser Gelegenheit be- 
merkte ich, dafs man in Plymouth in mehreren Strafsen das Pflaster 
weggerissen und statt dessen Chausseen angelegt hat, was für 
Pferde und Häuser viel besser ist. 

Den 14. Mai fuhr ich in Gesellschaft von Sir James Saumarez 
und Sir John Phillimore, in der grofsen Schaluppe der Britannia 
die Hamoaze hinauf, zwischen den in ordhiary liegenden Schiffen 
hindurch, die einen äufserst majestätischen Anblick gewährten, und 
dann in den nördlichen Arm der Hamoaze^ Tamer genannt. Da 
der Flufs hier viele Windungen macht und die Ufer bergig sind, so 
glaubt man sich in einem Landsee und findet sich sehr angenehm 
überrascht, wenn man sich um eine Ecke wendet. Zum Theil sind 
die Ufer felsig, meist mit Holz bewachsen, zum Theil angebaut, 
zum Theil Triften. Das liebliche Grün des englischen Rasens er- 
freut ungemein das Auge. Bis nach dem Städtchen Saltash, 3 
Meilen von Devonport — und so weit führt die Hamoaze diesen 
Namen — liegen die Linienschiffe. An den Ufern der Tamer sind 
mehrere Kupferbergwerke, und links liegt, auf einem Felsen mit- 
ten in einem schönen Park , ein Schlofs , Pentilhe Castle genannt. 

Ungefähr 10 Meilen von Devonport beim Schlosse Colthill, dem 
Lord Mount EdgeciWibe gehörig, landeten wir und stiegen einen 
ziemlich steilen Weg in einem Walde nach dem Schlosse hinauf. 
Dasselbe soll über 800 Jahre alt sein; es sieht wie ein Gefangnifs 
aus, und ist ganz im alten Stil erhalten worden. Man kommt durch 
einen viereckigen Hof in eine mit alten Rüstungen, Waffen und 
Geweihen verzierte Halle, und geht durch gewölbte Thüren, Gra- 
nit von Dartmoor, auf Granit- Treppen in die verschiedenen Zim- 
mer. Diese Zimmer mit Audenaerder Tapeten ausgeschlagen und 
mit alten schwarzen Meubles versehen, erregen ein ganz unheim- 
liches Gefühl. In einem derselben hat einst König Carl II. ge- 
wohnt. Jetzt wird das Schlofs sehr selten von seinen Besitzern 
besucht. Da wir die Ebbe benutzen mufsten, um nach Devonpnrt 
zurückzukommen, so konnten wir uns nicht lange auflialten, und 
seffelten mit einem g-ünstigen Wind in sehr kurzer Zeit nach Devon- 
port zurück. Das linke Ufer der Tamer und Ha7noaze gehören zu 
Devonshire, das rechte hingegen zu Cormvall- Auf dem Letzten 

C 2 



36 

sahen wir in einer Bucht der Hamoaze die Ruinen des Schlosses 
Trematon ^ welches eine Residenz der alten Könige von Cornwall 
gewesen ist. 

Am Sonntage , den 15. Mai , führte Sir James Saiimarez mich 
in die Capelle des Dockyard, Ich wohnte dem englischen Gottes- 
dienste mit grofser Erbauung bei, obgleich ich von der Predigt 
fast kein Wort verstand. Die Capelle ist vor wenigen Jahren für 
die geistlichen Bedürfnisse der Offiziere, Beamteten und Arbeiter 
\om Dockyard gebauet und mit einem Caplan versehen worden. Ich 
bemerkte hier dieselbe Einrichtung, die in den englischen Kirchen 
Statt zu finden pflegt: der untere Platz ist in verschiedene Ver- 
schlage eingetheilt, fast wie bei den Londoner Restaurateurs. Der 
Tag verlief sehr still. 

Nachdem ich am folgenden Tage, begleitet von Sir John 
PJnllimore , das Modell eines Linienschiffes mit 4 Masten aus der 
Zeit Heinrichs YIIl, besehen, und dann die unglückUche Fortitudo^ 
welche jetzt in ein ganz neues Schiff umgewandelt wird, besucht 
hatte, schiffte ich mich an der Treppe des Dockyard ^ Kings stairs 
genannt, in der grofsen Schaluppe der Britannia ein, in welcher 
wir mehrere der ersten hiesigen Damen antrafen. Wir machten 
eine äufserst angenehme Wasserpartie, die Hamoaze hinauf bis 
Colthill, wo wir vorgestern gewesen waren. Hier landeten wir 
lind bestiegen kleinere Schaluppen, um die Tamer weiter hinauf- 
zufahren. Die Ufer n'ähern sich immer mehr und werden immer 
höher und felsiger. Längs derselben Landhäuser mit hübschen 
Gärten und Kupferbergwerken, deren Kunstwerke durch Wasser 
getrieben >>ciden. Die grofsen Räder und die Bäche, welche 
Wasserfälle bilden, gewähren einen eigenen Anblick, so wie die 
einzelnen weifsen Häuser mit ihren rauchenden Schornsteinen auf 
dem grünen Wald- und Rasengrunde. Zwischen ihnen blühende 
Weifsdornbäume. \on einem Bergwerke bis nach dem Flusse geht 
emrailroad, sowie auf demEhrenbreitstein. Vor denBergweiken 
sind am Flusse gemauerte Quai's und hin und wieder kleine Häfen 
angelegt, und übeiall eiserne Krahne zum Ein- und Ausladen der 
Schiffe. An zwei Dörfern, Harewood und Calstoke, fuhren wir 
vorüber und landeten, 28 Meilen \on Deronport, bei einigen einzel- 
nen Häusern , Wearhead genannt , wo sich das Flüfschen Wear mit 
der Tamer vereinigt. Diese läuft hier über ein Bett von Felsen 
und bildet kleine Wasserfälle. Um die SchiflTahrt zu befördern, 
hat man im Jahre 1796 einen, mit Schleusen versehenen, Canal ge- 
graben, der über §0 Meilen lang ist. Er nimmt bei Wearhead 



37 

seinen Anfang. Der Flufs hat hier ein Wehr, bei welchem ein 
Lachsfang angelegt ist. Die Gegend ist ganz von Felsen und 
waldigen Bergen umgeben ; man glaubt sich in einem Kessel. Meh- 
rere aus der Gesellschaft holten ihre Zeichenbücher und skizzirten 
einige der schönsten Ansichten. In einem kleinen Hause, nicht 
weit von einem Kalkofen, deren wir mehrere gesehen hatten, nah- 
men wir ein frugales , aber sehr fröhliches Mittagsmahl ein. Nach 
demselben schifl'ten wir uns wieder ein und kehrten zurück. Die 
Stille des Abends, die schöne Gegend, die reine und warme Luft, 
und vorzüglich die angenehme Gesellschaft , die ich vielleicht nie 
wiedersehen werde, machten einen Eindruck auf mich, der sich 
schwer beschreiben läfst. Der Wind war uns so günstig, dafs wir 
uns fast beständig nur der Segel bedienten. In einer andern 
Schaluppe befand sich die Musik der Britannia^ die uns mit lusti- 
gen Weisen erfreute , und mitunter sangen auch die Damen. Bei 
Colthill vereinigten wir uns w ieder , 17 Personen , in der grofsen 
Schaluppe, in welcher es sehr fröhlich zuging. Um halb 9 Uhr 
Abends landeten wir am Mount Wise. 

Endlich erhielt ich einen Brief vom Capitain Ryk^ in welchem 
er mir meldete : am Ende dieser Woche werde er von Portsmouth 
absegeln und wahrscheinlich hieher kommen. Mir blieb Nichts 
übrig, als das Weitere abzuwarten, und inzwischen die Zeit so gut 
als möorlich anzuwenden. 

Ein grofses Vergnügen machte mir eine Fahrt — am 19. Mai — 
auf einer kleinen Schaluppe der Fortitndu^ nach dem Schlosse 
Tremaion, von welchem ich früher angemerkt habe, dafs einst die 
alten Fürsten von Cornwall in demselben residirt hätten. Sir Jolin 
PhilUmore hatte die Gefälligkeit gehabt, den Eigenlhümer dieses 
Schlosses und Haupt-Entiepreneur der nahe liegenden Bergwerke, 
Herrn Tücher^ dessen Sohn Offizier am Bord der Theiis ist, von 
unserer Ankunft zu benachrichtigen. Bei unserer Landung fanden 
wir daher einen Wagen vor, den Herr Tucicer uns entgegenge- 
schickt hatte, um uns auf das Schlofs abzuholen. Mir fiel eine 
Wassermühle auf, hinter welcher man ein grofses gemauertes Bas- 
sin angebracht hat, das sich bei der Flulh mit Wasser tüllt, und 
dann vermittelst einer Schleuse geschlossen wird. Bei der Ebbe- 
zeit öffnet man diese Schleuse, und die Mühle kommt in Bewe- 
gung. Ich ward an die bassins de chasse in mehreren unserer Hä- 
fen erinnert. 

Das Schlofs Trematon liegt auf einer Anhöhe. Aufser den mit 
Schiefsscharten versehenen Mauern, die ein Viereck ausmachen, 



38 

stehen noch zwei Thürme, ein viereckiger, der den Eingang bildet, 
und ein runder, der etwas höher ist. Da Herr Tucker dieses 
ISchlofs vom Könige zu Lehen hat, so sieht man über dem Eingange 
das königliche Wappen. Im Hofe des Schlosses hat Herr Tucker 
ein geschmackvolles Haus erbauet und einen Theil der Mauer nieder- 
gerissen , um diesem Haus eine schöne Aussicht^ zu verschaffen. 
Man erblickt einen grofsen Theil der Hamoaze mit ihren Schiffen, 
den Park von Anthony^ Devonport und einen Theil des Sundes 
von Plymouth. Herr Tucker hat mehrere wichtige Aemter in der 
Marine bekleidet und ist, während des Foxisciten Älinisteriums, 
Secretair der Admiralität gewesen. Mit einer jährlichen Pension 
von 2000 Pfund Sterling und der Stelle eines Secretairs des Her- 
zogthums CornwalUs hat er sich nach dem Sturze dieses Ministe- 
riums hieher in sein Geburtsland zurückgezogen , ist hier sehr ge- 
achtet, geniefst eines grofsen Einflusses und hat sein Vermögen 
gröfstes Theiles in den hiesigen Bergwerken. Nachdem er uns recht 
freundlich empfangen und seiner Familie vorgestellt hatte, setzte 
er sich mit uns in den Wagen. 

Wir fuhren 8 Meilen weiter nach einem Silber-Bergwerke, dem 
einzigen in ganz England. Es gehört einer Gesellschaft von fünf 
Actionnärs, und Herr Tucker ist unter ihnen der Vorzüglichste. 
Die Gegend war sehr hügelig, die Wege zuweilen eng und steil, 
so dafs die Räder öfters gehemmt werden mufsten. Ein Theil des 
Weges führte über die sehr gut unterhaltene Chaussee von Saltash 
nach Callington ; wir kamen auch bei dem bereits erwähnten Pentilhe 
Castle vorbei. Das Land war meistens gut angebaut, mit Aus- 
nahme einer Heide, deren es unter dem Namen „Gemeindeplätze" 
nur noch zu viele für das bevölkerte England giebt. Das Silber- 
bergwerk befindet sich in einem tiefen Thal in der Gemeinde Fulli- 
forcl; die Grube heifst St. Vincent, zu Ehren des verstorbenen 
Admirals dieses Namens, der ein grofser Gönner des Herrn Tucker 
>var. Sie ist erst seit 5 Jahren im Gang , und so wenig ergiebig, 
dafs sie den Actionnärs monatlich einen Schaden von 200 Pfund 
Sterling zufügt. Die Silberader, deren Dasein man durch gewisse 
Eisensteine errieth, durchschneidet eine Kupferader in einem rech- 
ten Winkel. Man war so eben beschäftigt, diese Kupferader zu 
dmxhbrechen, und hoffte, dann mehr zu gewinnen. Die Grube hat 
5 Schachte. Der tiefste soll etwas über 300 Fufs tief sein; er 
dient zum Fahrschacht; zwei andere dienen zum Auspumpen des 
Wassers. Täglich sind nur gegen 40 Personen beschäftigt. Die 
Pumpen des einen Schachtes werden durch eine Dampfmaschine, 



39 

die eine Kraft von 75 Pferden hat, in Bewegung gesetzt, die des 
andern durch ein Kunstgestänge , welches gegen 3 Meile lang ist, 
durch ein, 40 Fufs im Durchmesser haltendes Wasserrad und eine 
eiserne Kurbel. Das Wasser zum Rade, welches oberschlächtig 
ist, kommt aus einem kleinen Bach und wird verstärkt durch das 
Wasser aus der Dampfmaschine, das in einem kleinen Canale her- 
beigeleitet wird. Das Gestänge ist von langen hölzernen Balken 
durch eiserne Platten mit einander verbunden, und hängt in Drei- 
füfsen — chevres — , die in gewissen Distanzen angebracht sind. 
Fjs hat nur eine Biegung, bei welcher die Bewegung auf die Weise 
fortgesetzt wird, wie die beigefügte Figur angicbt. 




Das aus der Grube kommende Erz wird auf die gewöhnliche 
Weise gestofsen, gewaschen und gebrannt. Um das Silber aus 
dem Erze zu scheiden, bedient man sich auf eine Unze Erzstaub 
folgender Mischung : 

red lead (Zinnober) . » 2 oz. 

red tartar .... 5 dwts. 

Nitre (Salpeter) . . . ö — 

Borax . . , , 4 — 

Linie (Kalk) . . . 3 oz. 

Salt (Kochsalz) . . , 2 — 

Fluorspar (Flufsspath, gestofsen) | — 

Dieses Alles schüttet man in einen eisernen glühenden Schmelz- 
tiegel, und setzt denselben in glühende Kohlen — eigentlich coke — 
5 Minuten lang. Hierauf nimmt man den Tiegel heraus, giefst die 
geschmolzene Masse in einen Löflel , läfst sie kalt werden , und 
schlägt die Schlacken hinweg. So bleibt das Silber allein zurück. 
Da jedoch in dem Erz etwas Kupfer gewesen war, so schmolz 
man das Silber noch einmal mit etwas gemeinem Blei , und gofs es 
in ein kleines Gefäfs von Knochenasche. Das Blei verpulTte und 
das Silber blieb ganz rein übrig. Es wog jedoch nur l Unze. 

In dem Bergwerke soll es äufserst feucht sein. Ich fühlte mich 



40 

seit einigen Tagen nicht ganz wohl; auch hatte keiner aus der Ge- 
sellschaft Lust, das Werk zu sehen. Also stiegen >vir nicht hinein, 
sondern kehrten nach dem Schlosse Trematon zurück. Um die 
herrliche Gegend, durch welche wir fuhren, desto freier zu über- 
schauen, setzte ich mich auf den Bock, und hatte eine grofse 
Freude : denn zur Linken blickte ich in ein tiefes Thal auf die 
Tamer, später auf die Hamoaze, und zur Rechten Meit in Com- 
wa//«s hinein. Man behauptet sogar , J^a/wow^Ä bemerken zu kön- 
nen. Herr Tncker hat in seinem geschmackvoll eingerichteten 
Hause eine sehr interessante Sammlung von Metallen und anderen 
Mineralien aus der hiesigen Gegend ; er besitzt eine ausgesuchte 
Bibliothek, und seine Frau eine merkwürdige Conchilien- Samm- 
lung. In dem obenerwähnten viereckigen Thurme hat er einen 
Saal zum Billard einrichten lassen, und an den Wänden allerlei 
Curiositäten angebracht: alte Waffen und andere Dinge von den 
Südseeinseln; den tatowirten und getrockneten Kopf eines Chefs 
der Neu-Seeländer mit seinen Kleidungen ; Stücke von Schiffsholz, 
in den indischen Meeren von Würmern zernagt; einen solchen Wurm 
in Spiritus; indische Waffen; einen amerikanischen Tomahaivk; 
einen antediluvianischen Menschenschädel , 30 Fufs tief unter der 
Erde in Cornwallis gefunden; die marmorne Kugel, welche aus 
den Dardanellen im Jahre 1807 auf ein englisches Schilf geschossen 
wurde; Gegenstände vom Schlachtfelde bei Waterloo und ein Blatt 
der Trauerweide von Napoleons Grab! Ueber der Uhr, die in 
diesem Thurm angebracht ist, befindet sich die Glocke von dem 
spanischen Linienschiffe Salvador del Mundo ^ welches vom Lord 
St. Vincent genommen und verbrannt worden ist. Der runde 
Thurm, von dem die äufsere Mauer nur noch steht, diente früher 
zu Gefängnissen. Die Mauer dieses Thurmes, so wie die Mauer 
des ganzen Schlosses, ist mit Epheu bewachsen. Inwendig führt 
eine hölzerne Treppe auf eine ringsherumgehende Gallerie, die 
eine sehr schöne Aussicht gewährt. Ein enger, durch die Mauer 
gebrochener Gang führt in den Garten , der mehrere Treibhäuser 
und eine sehr hübsche Orangerie enthält. Von hier aus begleitete 
uns Herr Tucker auf einem schattigen Fufswege nach unserm 
Schiffchen zurück. Wir nahmen von dem freundlichen und gefäl- 
ligen Manne herzlichen Abschied, und kamen in sehr kurzer Zeit 
nach Devonport zurück. Uebrigens war mir bei dem Schlosse 
Trematon j wie bei andern Schlössern in England, und selbst auf 
öffentlichen Spaziergängen, die ungeheuere Menge von Raben 
aufgefallen, die hier nisten, und, von ihrer Unreinlichkeit hinweg- 



41 

gesehen, einen unausstehlichen Lärm machen. Ich hörte, dafs 
man die Raben sehr liebe, sie hege und sogar ihre Eier in Tauben- 
nestern ausbrüten lasse, weil man sagt, dafs sie eine Menge Wür- 
mer und schädliche Insecten hinwegfressen. 

Unter allen diesen freundlichen, angenehmen und lehrreichen 
Gesellschaften, Unterhaltungen und Excursionen indefs wurde 
meine Ungeduld grofs; sie wurde gröfser von Tage zu Tage, von 
Stunde zu Stunde. Meine Zeit war kostbar, und ein grofser Theil 
derselben ging doch hier verloren. Ich harrte mit wachsender 
Unruhe der Pallas entgegen ; und die Pallas erschien nicht. Mehr 
als einmal kam ich auf den Gedanken, Alles, was ich am Borde der 
Pö//as hatte, zurückzulassen, und mit einem gewöhnlichen Paket- 
boote nach den vereinten Staaten abzureisen. Allerlei Rücksich- 
ten indefs bewogen mich, die Ausführung von einem Tage zum 
andern aufzuschieben. Endlich — am 30. Mai — kam die Pallas an 
auf der Rhede von Plymoutk. Sie war aus Gründen, die nicht hier- 
her gehören , länger , als es Anfangs die Absicht gewesen, in Ports- 
moiith geblieben. Nun sind aber auch die Waaren - Etablissements 
in Plymoutli zu merkwürdig , als dafs sie nicht von unseren Offiziö- 
ren genau hätten in Augenschein genommen werden müssen. Defs- 
wegen blieb die Corvette hier noch mehrere Tage liegen. Dieser 
Aufenthalt kam ihr gut zu Statten ; denn , vom Breakwater ge- 
schützt, hielt sie in der Bai einen heftigen Sturm aus Südwe- 
sten ab. 

Während dieser Zeit machte ich mit Sir John PJiillimore nach 
dem Landgut eines ehemaligen englischen Obersten, Gejiyfs^ einen 
Ausflug, der mir viel Vergnügen machte. Der Oberst Genyfs lebt 
in einem schönen Park einer reizenden Gegend , 5 Meilen von Ply- 
moiitJi^ nicht weit vom linken Ufer der Tamer, mit fünf liebens- 
würdigen und schönen Töchtern. Sein Haus ist geschmackvoll 
eingerichtet und mit seinen eigenen Gemälden geziert. Er hat ein 
besonderes Talent für's Landschaftmalen, sowohl in Oel-, als in 
Wasserfarben. Dadurch vergegenMartigt er sich die schönsten 
Gegenden, die er auf seinen vielfältigen Reisen besucht hat. Neun 
Jahre hat er in Nord-Amerika zugebracht. Er zeigte uns die An- 
sichten von den Naturwundern, die ich bald selbst zu bewundern 
hoffte. Besondere Freude machte mir die Ansicht vom Niagara 
und vom il/owf;«ore7<c«- Wasserfalle. 

Sir Jo/m führte mich auch zu einem Chirurgen, Harris^ der 
einen neuen Schitfsblitzableiter erfunden hat. Zu den Versuchen 
hat Herr Harris das Modell einer Fregatte bauen lassen, die in 



42 

einem Kübel mit Wasser schwimmt. Auf jedem Mäste befindet sich 
ein Blitzableiter; von demselben herab laufen längs des Mastes dicht 
mit einander verbundene kupferne Stäbe bis in den Kiel des Schifles 
und durch diesen hindurch in das Wasser. Der Blitz fährt, >vie 
Herr Harris behauptet, an diesen Stäben herunter, ohne irgend 
Etwas, das sich etwa in der Nähe befindet, zu berühren. Um 
dieses zu beweisen , hat er den Mast mit einem Papier umwickelt, 
welches mit feinem Schiefspulver angefüllt ist, und an welchem der 
Blitz vorbeistreift, ohne das Pulver zu entzünden. Um ferner zu 
beweisen , dafs der Blitz durch das Wasser gehen könne und den- 
noch zünde, verbindet Herr Harris durch einen Kupferdraht den 
Blitzableiter im Kiel unter dem Wasser hinweg mit dem Zündloch 
einer kleinen Kanone, welche auf einem Flosse schwimmt. In 
dem Augenblicke , da der Blitz in den Abieiter schlägt , geht die 
Kanone los. Der Blitz fährt aus einer Schale heraus, die mit 
Baumwolle angefüllt ist, an einem seidenen Faden hängt, und mit 
einer Elektrisirmaschine in Verbindung steht , w eiche die Gewitter- 
wolke vorstellt. Die Versuche machten uns grofses Vergnügen. 
Herr Harris hat auch ein sehr hübsches physikalisches Cabinet. 
In demselben befindet sich eine starke Elektrisirmaschine, mit einem 
Plateau von 3 Fufs im Durchmesser. Er stellte sehr artige Ver- 
suche an. Unter Andern liefs er in einem Elektrometer, der aus 
einem Thermometer besteht, das Oel durch elektrische Schläge 
steigen. Auf seinem Hause hat er eine kupferne Spitze angebracht, 
welche, vermittelst Stäbe aus demselben Metalle, mit einem elektri- 
schen Glockenspiele communicirt, das zu spielen anfängt, so wie 
eine Gewitterwolke über das Haus hinwegzieht. Dieses war eben 
der Fall , als wir uns bei Herrn Harris befanden. Noch sahen wir 
bei demselben einen Regenmesser , um die Menge des gefallenen 
Regens zu erforschen. Ueber seine Schifl'sblitzableiter hat Herr 
Harris eine kleine Schrift herausgegeben, von welcher er mir ein 
Exemplar mittheilte. Wir verliefsen ihn sehr dankbar für seine Ge- 
fälligkeit. 

Auch sah ich in dieser Zwischenzeit einen Ostindienfahrer vom 
Stapel laufen. Der Name dieses Schiffes war the City of Roche- 
ster. In London gebauet, war es im vorigen Herbst, auf seiner er- 
sten Reise nach Bengalen begriffen , von einem heftigen Orcan im 
Monate November auf der Höhe von Plymouth überfallen und mit 
solcher Gewalt an's Ufer geschleudert worden, dafs es fast in 
Stücken gebrochen war, und ganz neu gebauet werden mufste. 
Ehe dasselbe vom Stapel lief, besah ich es, und freuete mich über 



43 

die Einrichtung. Es ist zum Transport von Reisenden bestimmt. 
Auf dem Hinterdecke hat es einen Yersammlungssaal und zwei 
Wohnzimmer, so wie das Capitainsquartier auf einem LinienschilT, 
und unten sind die Zimmer ebenfalls so vertheilt, wie die Lieute- 
nantsquartiere auf einem Linienschiffe , nur mit dem Unterschiede, 
dafs auf diesem Transportschiffe die Zimmer gröfser und bequemer 
sind, als auf einem Kriegsschiff. Auch ist in jedem Zimmer eine 
Toilette vorhanden, mit einem fVat er doset ^ und das ist gewifs 
etwas sehr Gutes und Comfortables. Ich hatte noch nie ein Schiff 
vom Stapel laufen sehen ; defshalb interessirte mich dieses Schau- 
spiel ungemein. Das Schiff ruht auf einer Art von Schlitten, und 
wird durch zwei Keile gehalten. Auf ein gegebenes Zeichen 
schlägt man diese Keile hinweg, und durch seine eigene Schwere 
getrieben, läuft das Schiff langsam und majestätisch unter dem 
Zujauchzen einer grofsen Volksmenge in das Wasser. 

Der berühmte (»eneral Blina , ein Opfer der Unruhen , die in 
dem unglücklichen Spanien herrschen, hatte in England eine gast- 
freie Aufnahme gefunden. Leider bekam ihm das feuchte Clima 
dieser Insel nicht, und er litt an rhevmatischen Schmerzen. Ply- 
7nouth steht in dem Rufe , sich eines sehr gesunden' Climas zu er- 
freuen , und zugleich wird die grofse ärztliche Geschicklichkeit des 
Dr. Hammick , der bei dem hiesigen Marine-Hospital angestellt 
ist, ungemein gepriesen. Aus diesen beiden Ursachen hatte der 
General Mina diese Stadt zu seiner Wohnung gewählt. Ich culti- 
virte seine Bekanntschaft , und war Zeuge einer sehr interessanten 
Festlichkeit , die ihm zu Ehren veranstaltet wurde. Das spanische 
Comite in London nämlich hatte ihm einen Ehrensäbel votirt, und 
ein Mitglied dieser Gesellschaft, Herr Bowring^ derselbe, der im 
Jahre 1824 in Frankreich wegen einer angeblich staatsverrätheri- 
schen Correspondenz arretirt und kurz darauf wieder losgelassen 
worden, war beauftragt, bei seiner Reise nach Plij7nouth dem Ge- 
neral auf eine feierliche Weise diesen Säbel zu überreichen. Es 
war am 2. Juni, als eine zahlreiche und ausgewählte Gesellschaft 
sich im grofsen Saale des Royal hutel in Plymouth versammelte, 
um dieser Festlichkeit beizuwohnen. Als der General in die Ver- 
sammlung eingetreten war, hielt Hr. Bowring eine Anrede an das 
Publicum, in welcher er den Zweck des heutigen Festes mit- 
theilte, und zugleich die Verdienste des braven Generals pries. 
Hieraufwandte er sich in spanischer Sprache an diesen, theilte ihm 
den Beschlufs des Comite mit und las zuletzt das Diplom \ov, 
das dem Säbel beigefügt war: man hatte dasselbe in englischci 



44 

und spanischer Sprache mit grofsem kalligraphischen Luxus ausge- 
fertigt. Das Diplom und der Säbel wurden alsdann dem General 
überreicht. Der Säbel hat einen goldenen Giifl' mit des Generals 
Wappen, und eine schwere vergoldete Scheide, auf welcher matte, 
getriebene Arbeiten sehr schön angebracht sind: Embleme auf die 
Dienste, die der General geleistet hat. Mina las hierauf in spani- 
scher Sprache eine Antwort, und übergab dieselbe Herrn Bowring. 
Einer aus der Gesellschaft hatte sie schnell ins Englische übersetzt, 
und las sie in dieser Sprache dem Publicum vor. Dieses zollte 
durch langes Applaudiren dem braven Generale den Tribut der Be- 
wunderung. Herr Bowrhig lud mich zu einem freundschaftlichen 
Mahl ein , das man dem General zu Ehren geben wollte. Leider 
mufste ich die Einladung ablehnen, weil ich schon eine andere an- 
genommen hatte. 

Unsere Abreise nach Fahnouth war auf den Sonntag, den 
5. Juni , angesetzt. Defswegen fing ich an , Abschied zu nehmen. 
Aber am Morgen des bestimmten Tages sah ich umsonst nach der 
Schaluppe aus , die mich an Bord der Pallas bringen sollte. Statt 
ihrer langte endlich ein Brief von Capt. Ryk an : der heftige Wind 
mache ihm unmöglich, heute nach Fahnouth in See zu gehen; 
morgen werde er mich abholen. In der That erschien er am an- 
dern Morgen, und Avir schifl\en uns, nachdem noch allerlei Ge- 
schäfte besorgt waren, am Momit Wise auf mehreren Schaluppen 
ein. Ich selbst fuhr mit meiner Begleitung auf einer Schaluppe, 
von der Britannia, die vom Capt. Fipon zu meiner Disposition 
gestellt war. Bei einem heftigen Wind erreichten wir in kurzer 
Zeit die Pallas. Auf derselben trafen wir eine Menge Weiber an, 
die den Mati'osen in der letzten Nacht Gesellschaft geleistet hatten. 
Diese Besuche sind auf Kriegsfahrzeugen ein nothwendiges Uebel, 
da man die Matrosen, unter welchen sich nicht selten sehr unsichere 
Leute befinden, nicht ans Land gehen lassen kann, und doch an- 
dere Laster verhindern will, die sonst unfehlbar um sich greifen 
würden. Schiffer aus dem Hafen bringen daher auf eignes Risico 
dergleichen Weiber an Bord , die allerdings nur für Matrosen nicht 
abschreckend sind. Der Wind war unserer Reise gerade entgegen, 
und dabei sehr heftig. Glücklicherweise Avurden wir einigermafsen 
vom breakwater geschützt, sonst würden wir, wie in der offnen 
See , herumgeschleudert worden sein. Unter diesen Umständen 
wurde beschlossen , vor Anker liegen zu bleiben, um einen besseren 
Wind abzuwarten. Und wir warteten auch noch den folgenden ganzen 
Tag — 7. Juni — , an welchem es überdiefs fast beständig regnete. 



45 

Erst gegen Abend wurde das Wetter besser, und gab uns Hoffnung, 
am nächsten Morgen in See gehen zu können. Nun war zwar auch 
an diesem Morgen der Wind nicht sehr günstig; aber er Mar auch 
nicht so stark, dafs Mir ihn zu fürchten brauchten. Also wurde 
nach 9 Uhr früh der Anker gelichtet, und Mir gingen unter Segel, 
nach Falmouth hin, so Gott will, der letzten europäischen Stadt, 
die Mir auf unserer Reise berühren werden. 

Wir fuhren nach der Cawsandhay und um das westliche Ende 
vom breahrater herum, und so in die See; fanden aber leider, 
dafs der Wind uns ganz entgegen w ar. Das Dampfboot St. Davide 
dasselbe, mit welchem ich vor zwei Jahren von Bristol nach Wallis 
gefahren war, und welches jetzt von Plymouth nach Falmouth geht, 
fuhr , mit Passagieren beladen , an uns vorüber , als Mir aus dem 
Sund heraus kamen. Es mufste schneller die 33 englischen Meilen 
zurücklegen, als wir. Dennoch beneidete ich die Passagiere auf 
dem Dampfschifl'e nicht, da es viele Bewegung zu haben schien. 
Wir mufsten den ganzen Tag über laviren. Dabei entzogen uns 
plötzlich eintretende dicke Nebel oftmals den Anblick der Küste; 
bei stärkerem Winde hätten sie uns gewifs in eine mifsliche Lage 
versetzt, da längs der hohen Küste viele Felsen unter dem Wasser 
liegen. Wir hatten indefs auch einen erfahrenen Lootsen von Plij- 
mouth am Bord, der unser Schiff steuerte. Ich hatte gehofft, den 
Leuchlthurm \on Eddystone zu sehen; allein ich bekam ihn, Megen 
des Nebels, nicht zu Gesicht. In der Nacht sahen wir jedoch sein 
Feuer brennen. Wir hatten viele Mühe, das Cap Deadmansj^oint 
— ein ominöser Name — zu doubliren, und mufsten defshalb weit 
in die See hinaus laviren. Auch die ganze Nacht mufsten wir die 
See halten, da wir Fabnonth nicht zu erreichen vermochten. Gegen 
Abend blies der Wind ziemlich stark aus Südwesten. Dennoch ging 
die See nicht sehr hoch, und ich fühlte Nichts von der heillosen 
Seekrankheit. 

Den 9. Juni liefen wir früh 6 Uhr in die Bai von Fabiioidh 
ein. Diese ziemlich lange Stadt, am Fufse eines Hügels mit 7000 
Einwohnern, lag uns zur Linken. Sie nimmt sich keinesweges 
glänzend aus, da sie, Mie Devonport , von grauen Kalksteinen ge- 
bauet ist und Schieferdächer hat. Von der See aus kann man sie 
nicht sehen, weil sie durch einen Hügel, auf Melchem die Citadelle 
steht, verdeckt wird. Rechts in der Bai liegt ein altes Schlofs, 
St. Mawes genannt, mit ungefähr 5 Häusern, von armen Fischern 
bewohnt. Dieses Schlofs ist eins der so oft besprochenen rotten 



46 

horoughs; früherhln war es eine Stadt, und schickt noch immer 
2 Mitglieder ins Parlament. 

Die Hügel sind meistens als Felder angebaut; auch werden 
mehrere als Triften benutzt. Bäume sind aulFallend selten. Auch 
lagen im IJafen wenige SchilFe. "Wir liefsen die Anker nicht weit 
vom Wachtschiffe, der Fregatte Astraea^ von 36 Kanonen, fallen, 
und o-rüfsten sie mit 11 Schüssen, die sogleich mit einer gleichen 
Anzahl beantwortet wurden. Als wir bei unserer Ankunft auf der 
Rhede von Spithead salutirt hatten , war durch die Erschütterung 
das Oel aus dem Sy7npisometer herausgelaufen , und Capt. Ryk war 
genöthigt 'gewesen , einen neuen aus London kommen zu lassen. 
Um eine ähnliche Catastrophe zu vermeiden, mufste heute während 
des Salutirens der Sym^pisometer und jeder der Chroiiotneter in der 
Hand gehalten werden. Die Fregatte Astraea, vom Capitain King 
commandirt, dient als Depot für die Paketböte, die von hier nach 
allen, südlich und westlich von England gelegenen, Theilen der 
Welt gehen , und sämmtlich unter Capitain Kings Commando ste- 
hen. Früher gehörten diese PaketbÖte Privatpersonen; der Posten- 
lauf nach fernen Welttheilen Mar nicht allein sehr unordentlich, 
sondern diese Administration der Paketböte öffnete auch dem 
Schleichhandel Thor und Thür. Defshalb hat sich das Gouverne- 
ment mit den frühern Unternehmern der Paketböte abgefunden, 
und administrirt sie jetzt für eigene Rechnung. Sobald ein Paket- 
boot aufser Dienst kommt, wird es durch eine Kriegs-Corvette 
oder durch eine Brigg ersetzt , die von einem Lieutenant der 7«av?/ 
commandirt wird. In diesem Augenblicke waren 34 Paketböte im 
Dienste. Von ihnen wurden 15 Kriegsfahrzeuge von Offizieren 
commandirt; die andern waren noch die alten Fahrzeuge mit ihren 
frühern Capitains. Einige Stunden nach unserer Ankunft erhielten 
wir einen Besuch vom niederländischen Consul, Herrn Lake^ der 
mir mehrere Briefe brachte. Später besuchte uns auch Capt. Ring^ 
an dem wir einen sehr unterhaltenden alten Mann kennen lernten. 
Nach 11 Uhr fuhr ich mit Capt. Ryk ans Land , und fand an der 
Landungstreppe, an welcher wir ausstiegen, eine Menge Volks 
versammelt, welches uns landen zu sehen wünschte. Wir nahmen 
unser Quartier im royal Itutel , einem grofsen und geschmackvoll 
eingerichteten Hause , jedoch in einer häfslichen Strafse gelegen. 
Besonders unangenehm war es , dafs dem Hotel gegenüber Fisch- 
markt gehalten ward, auf dem wir übrigens sehr grofse und schöne 
Fische, und zumal kolossale Krabben erblickten, die hier äufserst 
wohlfeil sind. Wir verfügten uns nach d em Zollhause, wo ich wegen 



47 

des Ausschi ffens meiner Effecten die nöthigen Vorkehrungen traf; 
alsdann besuchten wir Herrn Lake und den Capt. ÄV?*g. Der Letzte 
bewohnt aufserhaib der Stadt am Ufer der Bai ein Haus, das zwar 
alt und klein ist, aber sehr hübsch in einem Garten liegt, und eine 
herrliche Aussicht auf die Bai hat. Auch ist das Haus geschichtlich 
merkwürdig: Oliver Cromwell hat es bewohnt! 

Unser Aufenthalt in Fabnoidh dauerte 9 Tage ; für einen Rei- 
senden, der sich nach Amerika sehnet, eine sehr lange Zeit. Sie 
verging, diese Zeit, zum Theil auf eine gleichförmige Weise, mit 
Lesen, Schreiben und solchen Dingen, die das Leben immer zu 
begleiten pflegen. Defswegen will ich auch hier nur Einzelnes 
anmerken, das einiges Interesse zu haben scheint. 

Der Markt ist ein grofser, länglicher, mit bedeckten Gängen 
umgebener Platz, der den Berg hinaufläuft. Häuser müssen noch 
gebauet werden. Aufserhaib der Stadt stehen neue, recht nette 
Häuser, zum Theile mit geschmackvollen Gärten umgeben, die sich 
einer sehr gesunden Lage erfreuen sollen. 

Auf der andern Seite des Hafens liegt sehr hübsch ein kleiner 
Ort, Flnshing genannt. Dieser Ort hat, wie man sagt, seinen 
Namen von Yliefsinger Corsaren bekommen, die hier vor ungefähr 
200 Jahren ein Depot angelegt hatten, und deren Nachkommen die 
Einwohner sind. 

Die Citadelle, Peiidennis Castle genannt, liegt, wie schon 
bemerkt ward, auf einer Höhe am Eingange der Bai und verthei- 
digt dieselbe. Sie nimmt die ganze Höhe ein, und ist von keiner 
Seite dominirt. Der Grund besteht aus Schieferfelsen, und mehrere 
Werke sind ausgehauen. Sie hat 6 Bastionen, und, nach der See- 
seite zu, zwei gesenkte Batterieen, in deren jeder einige und 20 Stück 
placirt werden können. In der obersten steht ein Ofen zum Glühen 
der Kugeln, und die untere, die dicht am Ufer liegt, lehnt sich 
mit ihrem linken Flügel an einen alten Thurm aus den Zeiten 
Fleinrichs VIII. Die Festung ist zu Cromicells Zeiten erbauet w or- 
den. In der südlichen Spitze steht ein alter Thurm, mit einem 
Graben umgeben, von Granit unter Heinrich VIII. aufgeführt. 
Dieser Thurm, die ursprüngliche Festung, dient jetzt zur Woh- 
nung des Commandanten. Er ist mit den französischen tours mo- 
deles zu vergleichen. Von seiner Zinne hat man eine ziemlich 
weite Aussicht. Der Tag, an welchem ich die Festung mit einigen 
Offizieren von der Pallas besuchte, war äufsert schön. Und doch 
lag Nebel auf den Bergen, der sich in die Vertiefung zwischen der 
Festung und der Stadt Falmouth legte , und sich später noch tiefer 



48 

senkte, so dafs wir die felsige Küste des Meeres lange nicht sehen 
konnten. Diese Nebel sollen, selbst bei den schönsten Sommer- 
tagen, sehr häufig sein. Die Festung, welche eine Garnison von 
2000 Mann fassen kann, war nur durch ein Detaschement Veteranen 
besetzt. Es befindet sich in derselben ein Arsenal , in welchem wir 
gegen 4000 Infanterie- und Marine-Gewehre, nebst einer hinläng- 
lichen Anzahl von Säbeln u. s. w. sahen, alle recht artig aufgestellt. 
Auch bemerkte ich in dieser Festung, was ich schon in andern 
englischen Festungen bemerkt hatte , dafs man im tiefsten Frieden 
die meisten Kanonen auf ihren Lafetten auf den Wällen stehen läfst, 
und dafs die Festungen palissadirt sind. Freilich ! mehrere Per- 
sonen machen bei den Unterhaltungskosten der Lafetten und der 
Palissaden gute Geschäfte, und die Pahssaden dienen auch afe 
Umzäunungen! Bei unserer Rückkehr gingen wir an einer un- 
glücklichen Antwerpener Brigg vorbei, die hier im Monate Januar in 
einem sehr betrübten Zustand eingelaufen, und jetzt so verfault 
war, dafs sie abgebrochen werden mufste. Sie war vom Hause 
Desmet Bossaert in Gent gemiethet worden. 

Etwa 14 Meilen von Falmouth befinden sich die Bergwerke 
von Dalcoat/t. Die Actionaire dieser Bergwerke, zu welchen Herr 
Lake^ der niederländische Consul, gehört, hielten den 13. Juni 
eine Versammlung zum Abschlufs ihrer Rechnungen. Ich fuhr 
dahin mit Herrn Lake^ Capt. Ryk und einigen Offizieren von der 
Pallas. Da ich aber mehrere Bergwerke in meinem Leben befah- 
ren, und dabei die Erfahrung gemacht hatte, dafs man bei einer 
solchen Einfahrt in ein Bergwerk eigentlich Nichts sieht, als 
schmale und niedrige Gänge, dafs man auch viel von Nässe und 
Schmutz auszustehen hat, das Heraufsteigen auf den Leitern nicht 
einmal gerechnet: so fand ich es, die Reise nach Amerika vor 
Augen, durchaus nicht nöthig, hier eine solche unterirdische Partie 
zu unternehmen. Dagegen wünschte ich die Hüttenwerke zu sehen. 
Allein es giebt keine. Die Provinz Cornivallis hat durchaus keine 
Kohlen. Das Erz wird daher in Haufen , die Tonne zu etwa 7^ Pf. 
Sterling, verkauft und zu Schifle nach Wallis gebracht, wo sich 
bekanntlich sehr viele Steinkohlen finden. Dort wird es ausge- 
brannt. Die Bergwerke von DalcoatJi nehmen übrigens eine grofse 
Strecke Landes ein und haben 7 Schachte, von welchen der tiefste 
340 Faden ist. Die Pumpen werden durch Dampfmaschinen in 
Bewegung gesetzt: eine derselben hat einen Cyünder von 76 Zoll 
im Durchmesser. Ja, wir hörten von einer in der Nähe befindlichen 
Dampfmaschine sprechen , deren Cylinder einen Durchmesser von 



49 

100 Zoll habe. In. den Bergwerken von Dalcoath arbeiten täglich 
gegen 800 Menschen , die nach Maafsgabe der Ergiebigkeit ihrer 
Arbeit bezahlt werden. Das Gebirg besteht aus Granit und Schist. 
Das Metall ist Kupfer und Zinn. Die Adern dieser Metalle laufen 
dicht neben einander, durchkreuzen sich oft, und sind so reich, 
dafs meistens der dritte Theil vom Gewichte des Steines gutes Metall 
ist. Das Gestein wird zerschlagen und gewaschen, und das Kupfer 
vom Zinn geschieden. Alsdann schüttet man das Erz zu Haufen, 
um es zu verkaufen. Das Kleinklopfen des Gesteins wird durch 
Weiber besorgt, von denen einige sehr hübsch waren. Auch be- 
merkte ich, dafs das Gestein nicht in hölzernen Kübeln aus dem 
Schacht heraufgezogen wird, wie in andern Ländern , sondern in 
eisernen. Die Gesellschaft, welcher die Bergwerke von Dalcoath 
gehören, soll viel Geld gewinnen; zuweilen jedoch findet auch ein 
Deficit Statt. Dieses war beim heutigen Rechnungsabschlüsse der 
Fall , und defswegen waren die Herren , einige und 20 an der Zahl, 
die einen permanenten Director, Herrn Rennel^ an der Spitze haben, 
nicht eben gutes Humors. Bei dem Diner, mit welchem natürlich 
die Handlung beschlossen ward , kam eine Menge von Localverhält- 
nissen zur Sprache, die uns nicht besonders interessirten. Man 
brachte viele Gesundheiten aus, die sich alle auf Localitäten bezo- 
gen. Zuletzt fiel es den Herren ein, die Gesundheit des Königs 
der Niederlande zu tiinken , welches ich durch die Gesundheit der 
Königlich Englischen Familie erwiderte. Das Diner bestand nach " 
englischer Art aus sehr consistenten Stücken : roastheef, plumpud- 
ding u. s. w. 

Unser Weg ging durch das , zwei englische Meilen von Fal- 
mouth gelegene, Städtchen Penryn, das ungefähr 3000 EinwohneC 
zählt, und ziemlich schlecht gebaut ist. Es hat einen Hafen, und 
liegt an dem einen Ende der Bai von Fahnouth. Vorzüglich kom- 
men Kohlenschifie aus Wallis und Schiffe mit Korn geladen aus 
Irland hierher. Cornwallis ist zu bergig , um das nöthige Getraide 
zu bauen, und die Bergwerke nehmen so vielen Platz weg, und 
entziehen dem Ackerbau so viele Arme, dafs man das meiste Ge- 
traide einführen mufs. Der Weg, sehr bergig, aber in gutem 
Zustande, führte durch Triften, mit lebendigen Hecken eingezäunt, 
ungefähr wie im Lütticher Lande. Bäume sieht man wenig, und 
die meisten Aon geringer Höhe; man scheint neue Anpflanzungen 
zu machen, unter welchen ich einio-e Lerchenbäume bemerkte. Die 
Häuser sind alle von Stein gebaut, manche von Granit, der hier 
sehr gemein und wohlfeil ist, und mit Schiefer gedeckt. Man cr- 
/. D 



50 

lichtet viele neue Häuser auf Speculation, weil die Bevölkerung 
sehr zunimmt. Auch kamen wir durch die Stadt Redruth , einen 
bergigen und A>inkligen Ort von ungefähr 3000 EinMohnern, die 
sich «rröfstes Theils vom Bergbau nähren. Rings um die Stadt 
lieo-en Bergwerke, die mit ihren hohen Oessen der Dampfmaschinen 
keinen freundlichen Anblick gewähren. Auf einer ziemlichen An- 
höhe, nicht weit \on Redruf h, sahen wir Ruinen, die für Ueber- 
bleibsel eines Druidentempels ausgegeben werden. In den Berg- 
werken bemerkte ich einen Aberglauben, den ich auch auf mehre- 
ren Schiffen und in Bauernhäusern gefunden habe: man nagelt 
nämlich über der Eingangsthür ein Hufeisen fest, um die Hexen 
abzuhalten. In Dalcoath befanden wir uns nur noch 1| Meile von 
Bristol Channel^ und sahen einen in der Nähe liegenden hohen 
Berg , »S^. Agnes Beacon genannt. Wir kamen endlich durch den 
Park von Lord de Punstanville , Tehidy genannt, gröfstes Theils 
eine neue Anpflanzung, die sich in dieser nicht reichen Gegend 
ungemein gut ausnimmt. Wir stiegen am Wohnhause ab , um es 
zu besehen. Es ist ein ziemlich grofses viereckiges Gebäude mit 4 
Pavillons, und enthält mehrere Gemälde von van Dyk , Lely, 
Kneller , Hudson , und Sir Joshua Reynolds ; jedoch zweifle ich an 
der Echtheit der ersteren. Besonders gefiel mir ein sehr gutes 
Portrait des grofsen Fox. Auch sieht man mehrere Statuen, 
Copien nach den besten Antiken und Camine von verd und janne 
antiqne. 

Mir waren wiederholt Ansichten vom St. MicJtaels Mount in 
Cornwallis vorgekommen, und ich hatte längst gewünscht, den 
Berg selbst in Augenschein nehmen zu können. Ich benutzte dazu 
^ie gegenwärtige Mufse. Der Berg liegt in der sogenannten 
Monnthay, dem Städtchen Marazion gegenüber, 23 englische 
Meilen von Falmouth entfernt. Ich verlief« Falmouth den 14. Juni 
gegen Mittag bei einer grofsen Hitze. Der Weg geht durch 
Fenryn, und wendet sich alsdann links in die Gebirge hinein. Be- 
Sländig bergauf und bergab durch Heideländer, in welchen man 
nur wenige Spuren von Cultur bemerkt! Die Häuser stehen einzeln 
und sehen ärmlich aus. Auf den Höhen jedoch hat man hin und 
wieder die Aussicht auf die westlichen Gebirge von Cornwallis. 
Bäume sind selten ; Bergwerke hier und da. Dreizehn Meilen von 
Falmouth liegt Heistone., eine kleine Bergstadt von 2500 Einwoh- 
nern , mit einigen netten Häusern und schlechtem Pflaster. In der 
Mitte der Stadt steht das Rathhaus; unter demselben sind die 
Markthallen. Jenseits Heistone kamen wir in ein hübsches Thal, 



51 

das wieder Bäume zeigte, und gingen auf einer steinernen Brücke 
über den kleinen Flufs Looey der sich in geringer Entfeniun"- in 
die See ergiefst. Bis Marazion ist die Gegend angenehm , zwar 
noch bergig, aber besser angebaut. Wir näherten uns zur Linken 
der See; rechts hatten vav die Gebirge, in welchen wir einige 
artige Landschaften entdeckten. Als wir in die Nähe von Marazion 
kamen, das an einem Abhänge an der See liegt, da öffnete sich 
uns der wirklich schöne Anblick auf die Mountbay und auf den Insel- 
felsen , St. Michaels Mount. In Marazion stiegen wir im Star inn 
ab, und nahmen sogleich ein Boot, um nach dem Berge zu fahren, 
der einen guten Büchsenschufs vom Ufer entfernt ist. Der Felsen, 
der bei niedrigem Wasser mit dem Lande zusammenhängt, besteht 
aus Granit, hat an seiner Basis ungefähr eine englische Meile in 
Umfang, und ist 250 Fufs hoch* Am Fufse desselben liegt ein 
kleines Fischerdorf von etwa 30 Häusern , mit einem kleinen , durch 
zwei neue Piers ^- Dämme -— gebildeten Hafen. Auf einer ziemlich 
unbequemen Treppe , die in den Felsen gehauen ist , gelangt man 
nach dem , auf der Spitze stehenden Gebäude , einem alten Schlosse, 
der Familie St. Auhyn gehörig* Es ist dieselbe Familie, deren 
Chef, Sir John St. Auhyn ^ Eigenthümer fast aller Häuser in De^ 
vonport ist , und eines grofsen Theiles vom Grunde des Dock Yard. 
In frühern Zeiten war St. Michaels Mount ein Kloster. Durch seine 
isolirte Lage zu einer Festung geeignet , hat die Kunst wenig zu 
seiner Befestigung gethan, und nur ein Paar kleine Bastionen und 
ein Paar Plateformen angebracht, auf welchen jetzt kleine, dem 
Besitzer des Berges gehörige , Kanonen stehen. Es hat in älteren 
Zeiten mehrere Belagerungen ausgehalten. Man führte uns in eine 
Capelle, im gothischen Stile gebaut, mit alten gemalten Fenster- 
scheiben. Dann zeigte man uns das Schlofs. In demselben ist 
indefs nicht viel Merkwürdiges zu sehen, ausgenommen das alte 
Refectorium des Klosters the chevy chaceroom genannt, mit sonder- 
baren Basreliefs, alte Jagden vorstellend. In diesem Saale sind 
sehr alteMeubles: ein Sessel soll 300, ein anderer 500 Jahr alt sein. 
Aus den Fenstern des Schlosses hat man eine vortreffliche Aussicht 
auf die Mountbay und ihre Ufer, bei welcher sich die Städte Mara- 
zion und Penzance , die 3 Meilen von einander entfernt sind , sehr 
artig ausnehmen. Nicht fern von dem letzteren Orte lag die mir 
so wohl bekannte Thetis vor Anker: ich bedauerte sehr, keine Zeit 
zu haben, um meinen wackern Freund Sir John Phillimorc auf 
einen Augenblick sehen zu können. Ucbcr der Kirche des Schlos- 
ses befindet sich ein Thmm, den ich jedoch nicht bestieg, weil 

D 2 



52 

Ich müde war , und die Treppe In einem sehr schlechten Zustande 
sein soll. Wir fuhren nach Marazion zurück, das früher Marketjew 
hiefs, und 1100 Einwohner hat, und kamen über i/eis<o/je , gegen 
1 Uhr in der Nacht, sehr ermüdet wieder nach Falmouth. 

Penryn, wohin ich, bei dem sehr schönen Wetter, mehrere 
Spazier «ränge machte, hat eine Reihe neugebauter eleganter Häu- 
ser mit hübschen Gärten , und eine catholische Kirche. Die herr- 
liche Terrasse, auf der die neuen Häuser, mit ihren Gärten, stehen, 
heifst the green hank, und ist eine ganz herrliche Promenade. 

Das Gouvernement hat in Falmouth einen Uhrmacher , Namens 
Goffe, angestellt, der das Geschäft hat, die Chronometer der 
Paketböte in Ordnung zu halten. Auch regulirte er die Chrono- 
meter der Pallas. Er macht selbst neue und verkauft die Taschen- 
chronometer für 56 Guineen. Er zeigte uns eine kleine Phiole mit 
einem geheimnifsvoll präparirten Oel , von welchem er den Tropfen 
auf eine Guinee taxirte; mit demselben werden die Chronometer 
geölet. Der Erfinder dieses Oeles starb, als er eben wegen des 
Verkaufs seines Geheimnisses unterhandelte, ehe der Handel zu 
Stande kam , und so ist dasselbe leider ! verloren gegangen. Von 
dem Uhrmacher hinweg, ging ich zu Herrn Lake, um meinen 
Abschiedsbesuch zu machen: denn morgen, den 18. Juni, wollte 
die Pallas in See stechen. Und als ich nach Hause kam , da wurde 
ich noch durch meinen Freund Sir John Phillimore sehr angenehm 
überrascht. Sir John war mit seiner kreuzenden Fregatte heute 
vor Falmouth angekommen , und hatte bei Capt. King seine Woh- 
nung genommen. In seiner Gesellschaft brachte ich bei dem 
Letzten den Mittag und den Abend auf eine recht angenehme 
Weise hin. 



III. 

Die Fahrt von Fahnouth nach Boston. 

Vom 18. Juni hU 2G. Juli 1825. 



Endlich erschien der so sehnlichst herbeigewünschte Augen- 
blick unserer Abreise. Am 18. Juni gegen 3 Uhr begab ich mich 
mit Capt Ryk an Bord der Pallas: der brave Capt. Ä7wg hatte 
uns bis zu dem Einschiffungsplatze begleitet. Bei unserer Ueber- 
fahrt grüfste mich die Astraea mit 21 Schüssen; die Pallas ant- 
wortete mit derselben Zahl. Gegen 6 Uhr Abends war der letzte 
Anker gelichtet^ und mit einem günstigen Süd - Ostwinde verliefsen 
wir die Bai von Fahnouth. Mehrere junge Damen dieser Stadt, 
welchen unsere Offiziere nicht mifsfallen hatten , waren bis auf die 
letzten Felsen unter Pendennis Castle gegangen , und weheten mit 
ihren Tüchern diesen Herren ein Lebewohl nach. Aufserhalb der 
Bai erwartete uns Sir John PhilUmofe mit seiner Fregatte Thetis^ 
fuhr eine Zeit lang neben uns^ und liefs seine gute Musik von Bügel-' 
hörnern blasen. Da der Wind etwas stark wehete, so wurde ich 
von der unglückseligen Seekrankheit heimgesucht, und mufste 
mich in einem jämmerlichen Zustande sehr bald niederlegen. 

Wir waren während der Nacht gut fortgerückt und hatten den 
Leuchtthurm vom Cap Leseard gesehen* Auch waren wir an den 
Scilly Islands vorübergefahren , die ich gern gesehen hätte. Die 
Fregatte Thetis begleitete uns bis 6 Uhr früh, und kehrte dann 
zurück. Ich laborirte den ganzen Vormittag an der Seekrankheit, 
und konnte nicht das Geringste bei mir behalten. Der Wind blies 
aus Osten uns gerade in den Rücken und bewegte das Schill auf 
eine unbequeme Weise. Die Mittagsbeobachtung ergab eine Breite 
von 49° 14' 44" und eine Länge von 7° 12' 24" westlich von 
Grecnwich. Unser Lauf ging gerade westlich auf Boston zu. Das 



54 

Wetter war den ganzen Tag über nebelig, was in dieser Gegend 
des Meeres, von den holländischen Schilfern de Cro/irfe«. genannt,* 
weil man hier mit dem Senkblei Grund findet, sehr häufig Statt 
hat. Auch soll man hier oft von heftigen Stürmen heimgesucht 
werden. Geo-en Abend drehete sich der Wind etwas nach Norden 
und die Bewegung wurde minder unangenehm. 

Den 20. Juni Wieb der Wind uns so günstig , als gestern , war 
aber Yormittao-s sehr heftig. Ich fühlte mich so unwohl, dafs ich 
bis 4 Uhr Nachmittags in meiner Ilangmatte liegen blieb. Das 
Resultat der Mittagsbeobachtung war eine Breite von 48*^ 3' 54" 
und eine Länge von 11*^23' 3"; ein Beweis für den guten Wind 
und den Marsch der Pallas. Abends fühlte ich mich besser, setzte 
mich auf's Verdeck, und beschäftigte mich mit Lesen. 

Den 2L Juni. Der Wind so gut, als gestern, wiewohl etwas 
schwächer. Ich fing nach und nach an, mich an das Schwanken 
des Schiffes zu gewöhnen. Der Himmel war den ganzen Tag über 
umwölkt : defshalb konnte die Länge nicht genommen werden ; die 
Breite war 46^ 54' 44''. Es wurden Versuche mit Barloivs cor- 
i'eding plate fortgesetzt , die schon auf dem Schifi'e w ährend sei- 
nes Aufenthalts in Portsmonth angefangen waren. Das im Schiffe 
vertheilte Bisen nämlich hat einen mehr oder weniger starken Ein- 
flufs auf die Magnetnadeln und macht die Beobachtungen mit den- 
selben unsicher. Um nun den Einflufs des Eisens der Pallas auf 
den Compafs zu erforschen und zu bestimmen, befestigte man — in 
Porlsmouth harhour — auf einem der Raster zwischen dem Besans- 
und Hauptmast einen Pfahl, und auf dem Pfahl einen Azimuthal- 
compafs, und zwar so hoch, dafs man über die Verschanzung des 
Schiffes hinwegsehen konnte. Wenn nun die Magnetnadel mit dem 
Kiel des Schiffes parallel steht, und wenn man von dem Grundsatz 
ausgeht, dafs das Eisen auf beiden Seiten des Schiffes gleich ver- 
theilt ist: so mufs dasselbe von allen Seiten gleich stark auf die 
Nadel einw irken. Dreht das Schiff sich also z. B. östlich : so bildet 
die Nadel einen Winkel mit dem Kiel des Schiffes , und das Eisen 
am Backbord wird seinen Einflufs auf die Nadel äufsern. Das 
Maximum des Einflusses wird Statt finden , wenn die Nadel mit 
dem Kiel einen rechten Winkel macht; und dieser Einflufs wird 
wieder vermindert werden , wenn das Schiff sich noch weiter drehet. 
Um nun diesen Einflufs mit Bestimmtheit herauszubringen , brachte 
man einen Compafs an auf einem nahe gelegenen Puncte des Ufers, 
an welchem, wie man annehmen zu dürfen glaubte, das Eisen 
keinen Einflufs auf den Compafs ausüben konnte, und stellte die- 



55 

sen Compafs völlig gleich mit dem Azimuthalcompafs auf dem 
Schiffe. Hierauf machte man dieselbe Drehung mit dem Compafs 
und mit dem Schiff, auf ein von diesem gegebenes Zeichen, und 
die beiderseitigen Beobachtungen wurden aufgeschrieben hier und 
dort. Die Differenz dieser Beobachtungen ergab die Stärke des 
Einflusses vom Eisen im Schiff auf den Compafs. Um nun diesen 
Einflufs so viel als möglich zu paralysiren, oder vielmehr, um ihn 
zu contrebalanciren, wird auf einer, durch Versuche erforschten 
Höhe am Pfahl des Äzimuthalcompasses , in einem rechten Winkel 
mit demselben, ein kupferner Stab angebracht, auf welchem man 
eine eiserne Platte festschraubt. Durch Versuche bringt man her- 
aus, aufweichen Abstand diese Platte vom Pfahl entfernt sein mufs, 
um die Attraction des Eisens auf der andern Seite des Pfahls und 
des Compasses zu contrebalanciren. Befindet sich der Compafs, 
wie auf der Pallas, am hinteren Theile des Schiffes, und ist folg- 
lich die gröfste Masse Eisen vor dem Compasse : so kommt die 
Platte hinter denselben ; beiände er sich auf dem vorderen Theile, 
so müfste die Platte auch vor den Compafs kommen. Die Platte 
ist rund, hält gegen 16 Zoll im Durchmesser, und besteht aus zwei 
parallelen dünnen Eisen-Scheiben , die durch eine schmale Scheibe 
Holz getrennt, jedoch mit kupfernen Schrauben zusammengehal- 
ten werden. Das Holz ist eingelegt, um die Platte nicht zu 
schwer zu machen. 

Den 22. Juni hatten wir fast gar keinen Wind, und machten 
in 4 Stunden kaum eine Seemeile. Die Mittagsbeobachtung ergab 
eine Breite von 46° 12' 10" und eine Länge von 17° 43' 13". Das 
Schiff war dem Spiele der Wellen Preis gegeben. Dadurch entstand 
eine widerwärtige Seitenbewegung, slhtgeren genannt, die so hef- 
tig war, dafs auf dem Schiffe Nichts fest stand, und dafs an Schrei- 
ben nicht zu denken war. Glücklicherweise war das Wetter gut. 
Ich hielt mich daher fast immer auf dem Verdeck auf, schauete 
ins Meer hinein, oder unterhielt mich mit meinen Büchern. Es 
kam mir sehr zu Statten, dafs ich von meinen Zeltstühlen ein Paar 
mitgenommen. Uebrigens waren wir täglich Schiffen begegnet, 
waren aber keinem so nahe gekommen, dafs wir mit demselben 
hätten sprechen können. 

Den 23. Juni. Es war etwas ruhiger in der See; jedoch 
hatten wir Südwestwind, der uns nicht günstig war. Breite 46° 
10' 20", Länge 18° 30' 17". Ich schrieb den ganzen Vormittag, 
und nahm eine im vorigen Winter angefangene literarische Arbeit 
wieder vor. Gegen Abend zogen quer vor uns Gewitterwolken 



56 

auf, und droheten mit einem Sturme, den tm erwarten, alles in 
Bereitschaft gesetzt wurde. Die Wolken verzogen sich zwar, aber 
spät am Abend hatten wir doch Regen und ziemlich starken Wind. 
Die Bewegung des Schiftes wurde wieder stärker, und vorwärts ge- 
richtet, was die Holländer stammen nennen. 

Den 24. Juni brachte ich den Vormittag , so wie gestern , mit 
Schreiben und Lesen zu. Breite 46° 43' 21", Länge 19° 22' 35". 
Der Wind aus Nordosten, meistens schwach, nur gegen Abend 
stärker, so dafs wir gegen 7 Knoten liefen. Wir sahen viele 
Braunfische in ganzen Heerden um das Schiff spielen: für mich 
ein neues Schauspiel, das bei der Eintönigkeit im Schiffsleben 
einige Zerstreuung gab. Auch erblickten wir eine Möve und ein 
Paar schwalbenartige Vögel. Ein kleiner Haifisch folgte dem 
Schiff und bifs in die Angel; leider rifs die Angelschnur und 
brachte uns um unsere Beute. Durch das Erscheinen der Vögel 
schlofs man auf die Nähe von Felsen: vielleicht die Felsen der 
zweifelhaften Insel Mayda, die auf mehreren Charten angegeben 
wird. 

Den 25, Juni. Capt. Myk hatte die Güte, sich eines schönen 
Doppelfestes in meiner Familie , das auf den heutigen Tag fiel , zu 
erinnern. Als ich aufs Verdeck kam, war nicht allein die grofse 
holländische Flagge aufgezogen, sondern die Flaggen Weheten 
auch von allen drei Masten. Das Offizier-Corps wünschte mir 
Glück zu diesem für mich so lieben Fest, und die Matrosen, den 
Schiffer an der Spitze, riefen mir ein dreimafiges Hurrah zu» 
Diese braven Leute bekamen dafür eine aufserordentliche Ration 
Genever , welches man ein Oorlam nennt. Wie gewöhnlich brachte 
ich den Vormittag mit Lesen und Schreiben zu. Die heutige Mit- 
tagsbreite war 46° 22' 43" und die Länge 21° 36' 13". Zum Diner 
waren 14 Personen, und die Provisionen jeder Art wurden tüchtig 
angegriffen. Beim Dessert sang Capt. Ryk Verse , die er auf den 
heutigen Tag gedichtet hatte. Es wurden mehrere mir sehr theue- 
re Toasts ausgebracht. Bei jedem Toast wurde eine Kanone ge- 
löset; und dieses erhöhete unsere frohe Stimmung ungemein. Der 
Wind war den ganzen Tag über flau ; jedoch wehete er von der 
guten Seite. Auch war es sehr warm. 

Den 26. Juni wurde Vormittags ein bewaffneter Appel der 
ganzen Schiffsmannschaft gehalten, die bei ihren Kanonen antre- 
ten mufste. Hierauf versammelte sie sich auf dem Verdeck und 
wurde nach ihrer Bewaffnung in verschiedenen Pelotons auf zwei 
Glieder gestellt. Auf dem rechten Flügel standen die Unteroffiziere 



57 

und die Stück-Commandanten , mit Entersäbeln und Pistolen be- 
waffnet; dann kamen die Mariniers; hierauf die mit Flinten, Säbeln 
und Patrontaschen bewaffneten Matiosen ; dann ein Peloton mit 
Enterbeilen, und zuletzt die Schiffsjungen, welche, wie der Vierte 
bei Malhrouks Begräbnifs, Nichts trugen , und , weil sie zum Tragen 
der Munition und andern Faustarbeiten bestimmt sind, vnisteniers 
genannt werden. Breite 46° 16' 30"; Länge 22° 50' 16". Gegen 
Nachmittag umzog sich der Himmel gegen Osten , die Barometer 
fielen , und wir sahen schlechtem Wetter und Windstöfsen entgegen. 
Die See wurde unruhig , und gegen Abend slingerte das Schiff sehr 
heftig;. 

Am Morgen des 27. Juni sprachen wir das Schiff Concor dia 
von Rotterdam , das vor 54 Tagen Rio - Janeiro verlassen hatte, 
und nach Rotterdam zurückkehrte. Die See ging sehr hoch, und 
ich erstaunte nicht wenig über die Gröfse und Länge der Wellen, 
die uns in einem Augenblick auf eine ansehnliche Höhe erhoben, 
und dann sich plötzlich öffneten , so dafs man glauben mufste , sie 
würden über uns hinstürzen. Den Wind hatten wir glücklicher- 
weise beständig im Rücken ; das Schiff slingerte aber so gewaltig, 
dafs in den Cajüten alles durcheinander fiel. Die Tische und Stühle 
mufsten fest gebunden und eine Hangmatte für die Chronometer 
und andere Instrumente aufgehangen werden, um sie gegen die 
gewaltigen Stöfse , die das Schiff bekam , zu sichern. Die Stück- 
pforten waren vorigen Winter von Holz gemacht worden, das nicht 
trocken genug gewesen war ; während der wenigen warmen Tage, 
die wir gehabt hatten , w aren sie daher so zusammengeschwunden, 
dafs bei jedem heftigen slingeren das Wasser zwischen den Kanonen 
und den Pforten in die Batterie lief, und dieselbe unter Wasser 
setzte. Die Herren Offiziere safsen gerade beim Diner , als eine 
Welle hereinschlug. Alles auf ihrer Tafel ward untereinander 
geworfen, und das Sauerkraut, das sie eben verzehrten, garstig 
versalzen. Man behauptete, dafs dieses heftige slingereji durch 
den übelen Bau der Pallas, die gegen 15 Fufs zu kurz sei, 
verursacht werde. Unser Schiffs-Constructeur , Freund Tromp, 
der übrigens die Pallas nicht gebaut hat, mufste darüber manche 
beifsende Bemerkung der Offiziere hören, und man lobte allgemein 
die Mafsregel unsers Gouvernements, Herrn Tro?np reisen zu 
lassen , damit er wisse , wie es einem Seemann in einem schlecht 
gebauten Schiffe zu Muthe sei. Die Pallas hat auch bei weiten 
keinen so schnellen Gang, als wir Anfangs geglaubt hatten. Unser 
frugales Diner mufsten mv halb stehend einnehmen , und die Teller 



58 

bestäiicll«r In der Iland halten. Ich Miirde bei dieser Gele{:^enheit, 
zumal da durch das eingedrun^rene Wasser der Boden sehr glatt 
geworden war, einmal ziemlich unsanft in eine Ecke geschleudert. 
Da kein Licht auf einem Tische stehen blieb , und mir diese ewige 
Bewegung heryilich zuwider war, so legte ich mich bald zu Bette. 
Nach den angestellten Beobachtungen hatten wir heute eine Breite 
von 45° 46' 9" und eine Länge voh 2G'' 35' 59". 

Den 28. Juni hatten wir während der Nacht immerfort stürmi- 
sches Wetter gehabt; aber wir waren vorwärts gekommen. Die 
Bewegung des Schiffes hatte, wo möglich, noch zugenommen; 
die Batterie stand unter Wasser, und die Wellen schlugen in mei 
nen s. v. Abtritt, und flössen aus diesem in die Cajüte, in welcher 
Alles, was nicht festgebunden Mar , wieder durcheinander fiel. Ich 
blieb bis 4 Uhr Nachmittags in meiner Hangmatte liegen, und 
vertrieb mir die Zeit so gut als möglich mit Lesen und mit herz- 
hrechenden Betrachtungen über den Zustand des Menschen auf der 
See bei schlechtem Wetter. Der Schlufs Avar, dafs man, um das 
Leben zur See leidlich zu finden , von Jugend auf an dasselbe ge- 
wöhnt sein mufs, und die Bequemlichkeiten des Lebens zu Lande 
»och nicht kennen darf. Gegen Abend wehete der Wind weniger 
heftig; aber das widerwärtige slingeren dauerte fort. Die Beob- 
achtungen ergaben eine Breite von 43° 49' 52", und eine Länge 
von 30° 14' 30" : ein Beweis für den guten Wind. Dieses tröstete 
uns einigermafsen in unserer unangenehmen Lage. In der letzten 
Nacht hatten die meisten Segel eingezogen und die noch bleiben- 
den vei'mindert werden müssen. Bis zum Aufziehen der SturmsegeF 
war es jedoch nicht gekommen. 

Den 29. Juni. Der heftige Wind hatte sich zwar gelegt; doch 
blieb die See noch in so grofser Bewegung , dafs ich nicht schrei- 
ben konnte. Ich hielt mich fast den ganzen Tag auf dem Verdeck 
auf und beschäftigte mich mit Lesen. Breite 43° 55' 17"; Länge 
34° 54' 24". Wir befanden uns auf der Hälfte des Weges nach 
Boston^ und hatten mithin lioflhung, in wenigen Tagen die Bank 
von NewfoiindlmdvAi erreichen. Die von mir in England vor zwei 
Jahren, und zum Theil noch im vorigen Monat in Portsmouth 
s;ekauften preserved mcats kamen mir jetzt tretflich zu Statten: 
denn an das gesalzene Fleisch konnte ich nuch noch nicht recht 
gewöhnen. Gegen Abend sahiMi wir zwei Schilfe in der Entfcinung. 
Die Offiziere benutzten das heufrge bessere Welter, um ilue durch 
die gestern und vorgestern horeingeschlageHen Wellen durchnäfs- 
ten Eflecten, Charten und Bücher zu trocknen. Eine Kist6 mit 



59 

broschirten Büchern, dem Dr. Schilett gehörig, war ganz vom 
Seewasser durchnäfst. Meine Bücher hatten Gottlob INiclits ge- 
litten. 

Den 30. Juni hatten wir Anfangs bei Ost - und später bei 
Südwind eine sehr ruhige See, so dafs ich diese gute Gelegenheit 
benutzte, um in diesem Buche nachzutragen. In unserer Cajüte 
sowohl, als auf dem ganzen Schiffe , fing es an, wieder ordentlich 
auszusehen. Die angestellten Beobachtungen gaben uns Mittags 
eine Breite von 43° 24' 58" und eine Länge von 37° 17' 36". 
Uebrigens verschlich dieser Tag, so wieseine Vorgänger, höchst 
einförmig , und ich vertrieb mir die Zeit meistens mit Lesen. 

Am 1, Juli ward ich auf eine sehr unangenehme Weise durch 
das „Psalmensingen" früh halb fünf Uhr aus dem Schlafe geweckt. 
Denn man fing gerade über meinem Kopfe damit an , den schweren 
Kalkstein, in der französischen Marine sehr richtig la pierre infer- 
nale benannt, hin und her zu schleifen. So beginnt das grofse 
Scheuerfest. Die Mittagsbeobachtung ergab eine Breite von 43° 
20' 0" und eine Länge von 40° 22' 6". Wir begegneten heute 3 
Schiffen, die so nahe kamen, dafs wir wechselseitig die Flaggen 
aufi^ogen. Das eine war ein französisches Kauffahrteischiff; die 
beiden andern Avaren englische Schiffe, von welchen die Cecilia 
von Glasgow, die mehrere Weiber und Kinder an Bord hatte, 
erkannt wurde. Der Wind drehete sich gegen Südwesten und 
wurde uns weniger günstig , als er es bisher gew esen war ; auch 
hatten wir Abends ziemlich starkes Regenwetter. Wahre Gewitter- 
schwüle. 

Den 2. Juli. Der Wind Anfangs südlich , zuletzt westlich. Die 
Beobachtungen ergaben Mittags eine Breite von 43° 37' 20" und 
eine Länge von 41° 50' 3". Gegen 3 Uhr Nachmittags, als ich 
gerade auf dem Verdeck safs , ereignete sich ein sehr trauriger 
Vorfall. Einer der Schiffsjungen, Namens Wittau^ wollte auf den, 
unter dem Bugspriet angebrachten , Abtritt gehen , und mufste es 
ungeschickt angefangen haben ; denn plötzlich schrie ein Matrose 
aus dem Mastkorbe vom Fockmast: „joiige ocer boorcl!'"'' und kurz 
daraufsahen wir den armen Jungen, der kein Lebenszeichen mehr 
von sich gab, auf dem Rücken am Hintertheile des Schiffes, das gerade 
sehr geschwind lief, schAvimmen. Die reddhigsboeje wurde sogleich 
losgelassen, um den letzten Versuch zur Rettung anzustellen; wir 
sahen aber von dem Verunglückten Nichts mehr, und hatten alle 
mögliche Mühe, der boeje wieder habhaft zu werden, deren Auf- 
fischung wohl eine Stunde lang dauerte. Das Schiff mulstc mehr- 



. 60 

mals gedreht und zuletzt noch eine Schaluppe ins Wasser gesetzt 
werden, die endlich die boeje zurückbrachte, und wegen der immer 
höher werdenden See viele Schwierigkeiten hatte, das Schift' wie- 
der zu erreichen. Gegen Abend wurde der Wind sehr stark , und 
verwandelte sich gegen 8 Uhr in einen förmlichen Sturm, den 
ersten, den ich ausgehalten habe. Die See ging ungemein hoch; 
aber es trat heftiges Regenwetter ein, und die Seeleute hofllten, 
dieses werde die See besänftigen. Das Schift* bewegte sich natür- 
lich sehr \iel; jedoch bestand seine Bewegung meistens aus Stam- 
pfen , das , wiewohl äufserst unangenehm , doch nicht so erschüt- 
ternd ist, als das widerwärtige slingereu. Alle Segel waren einge- 
zogen , bis auf die drei ominösen Sturmsegel. Der Wind blies aus 
Westen , und war uns folglich gänzlich entgegen. Ich legte mich, 
da ich wegen der heftigen Bewegung nichts unternehmen konnte, 
und auf dem Tische kein Licht stehen blieb , bei Zeiten in meine 
Hangmatte, konnte jedoch nur wenig schlafen. Eine neue Unan- 
nehmlichkeit für mich war die Nachbarschaft des hectischen Lieute- 
nants Haririgman, der seit einiger Zeit im Studiensaale schlief und 
die ganze Nacht über seinen Kirchhofshusten hören liefs *}. 

Den 3. Juli legte sich des Morgens der Wind , und die See 
War eben geworden , so dafs ich mich Vormittags mit Schreiben 
und Lesen beschäftigen konnte. Breite 43° 51' 28"; Länge 43^ 
14' 0". Der Wind hatte sich nach Norden gedrehet, und war uns 
folglich minder ungünstig, als gestern Abends. Das Wetter gut. 

Auch den 4. Juli hatten wir den ganzen Tag sehr gutes und 
warmes Wetter, jedoch Westwind, so dafs wir in einer nördlichen 
Direction steuern mufsten. Breite 43° 13' 5"; Länge 44° 32' 15". 
Eine des Nachmittags mit dem Chronometer angestellte Beob- 
achtung liefs uns fürchten, dafs wir etwas zurückgetrieben wären, 
und uns folglich im Bereiche des Stromes befänden, der unter dem 
Namen Gulfstream aus dem Meerbusen von Mexico kommt. Die 
See war so eben, dafs wir, wie auf dem Brügger Canal, fuhren, 
und fast keine Bewegung im Schiffe wahrnahmen. Gegen Abend 
umzog sich der Himmel ; auch fielen die Barometer. Wir bedauer- 
ten , heute nicht in den Vereinten Staaten zu sein, da der heutige 
Tag der 49. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung dieses Landes 
ist, der dort mit Recht ganz besonders gefeiert wird. 

Den 5. Juli. Dichter Nebel. Man sagt, hier in der Nähe der 
Bank von Newfoimdland seien die Nebel sehr häufig. Wähi'end 



') Fr litarli 4 Monat später r.ii Norfolk in Vi'rginicn. 



61 

der Nacht halte es geregnet. Der Wind war Anflings sehr un- 
günstig, wurde aber gegen Mittag etwas besser. Indefs rückten 
wir nur sehr wenig vorwärts, und glaubten, uns noch im Gidfstream 
/u befinden. Man sagt: in demselben sei das Wasser merklich m är- 
mer, als die Luft. Defshalb MTirde ein Thermometer, der in der 
Luft auf 68" Fahrenheit stand, an die Leine eines Senkblei's befe- 
stigt , und in die See gesenkt : beim Herausziehen zeigte derselbe 
zu unserer Verwunderung nur 64". Nach jener Behauptung konn- 
ten wir uns also nicht im Strom befinden. Es bfieb ein Räthsel, 
M arum wir so wenig vorrückten ; denn nach den heutigen Beobach- 
tungen war unsere Breite 43" 30' 5" und unsere Länge 44" 38' 36". 
Wir hatten südwestlich eine Brigg gesehen; sie kam uns aber 
nicht nahe, und des Nachmittags war sie uns aus dem Gesichte 
verschwunden. Die Barometer stiegen. Abends üino: die Sonne 
sehr schön unter, und der Himmel hellte sich ganz auf. Schon seit 
mehrern Tagen sahen wir eine grofse Art von Seeschwalben, Ma- 
laviten genannt, um das Schiff herumfliegen, die, wenn sie müde 
sind, sich auf dem Wasser ausruhen. 

Den 6. Juli war es des Morgens wieder sehr neblig ; dann hei- 
terte sich das Wetter auf und wir bekamen einen schönen Tag. 
Zugleich drehete der Wind sich nach Osten und wurde uns sehr 
günstig. Die Mittagsbeobachtung bestimmte unsere Breite auf 
43" 49' 0" und die Länge auf 46" 32" 6'. Ich vertrieb mir die 
Zeit so gut als möglich mit Schreiben und Lesen. Der Gidfstream 
fiefs sich heute weniger fühlen , als gestern , und wir hatten Hoff- 
nung, die Bank von Newfoundland bald zu erreichen. 

Am Morgen des 7. Juli ward um 5 Uhr das Senkblei ausgewor- 
fen , um zu sehen , ob wir bald auf der Bank wären. Auf 100 Fa- 
den fand man noch keinen Grund. Um 9 Uhr >vurde das Senkblei 
zum Zweitenmal geworfen : man fand 29 Faden tief Grund : Sand 
mit kleinen schwarzen Steinchen und Muscheln, so Mie es auf der 
Charte angegeben ist. Für Capt. Ryk gereichte es zur grofsen 
Satisfaction, sich gerade auf dem Punkt zu finden, auf welchem wir 
uns nach 'seiner Rechnung befinden mufsten. Den ganzen Tag 
über hatten wir Regen und sehr dichten Nebel, so dafs Mittags 
keine Höhe genommen werden konnte, und man nur ein sogenann- 
tes gegisdes besteh aufmachte , nach welchem unsere Breite 43" 54' 
0", und unsere Länge 49" 32' 12" betiug. Der dichte Nebel hin 
derte uns wahrscheinlich , die französischen Fischer zu sehen, die 
in der jetzigen Zeit sich hier auf der Bank, wegen des Cabeljau- 
Fanges, aufhalten. Gegen Abend Murde es etwas heller, und die 



62 

untergehende Sonne bildete auf dem Nebel einen schönen Regen- 
bogen. 

Den 8. Juli war der Nebel früh so dicht, dafs wir eineFischer- 
brifTo- aus Dieppe^ die auf der Bank vor Anker lag, fast in den 
Grund gesegelt hätten; denn man wurde sie erst gewahr, als wir 
ganz nahe waren. Etwas später hörten wir aus dem Nebel heraus 
ein Waldhorn blasen, und schlössen daraus, dafs wir bei einem 
Schiffe vorbeifuhren. Um Unglück zu verhüten, wurde daher alle 
Viertelstunden die Glocke auf der Pallas geläutet. Gegen Mittag 
verzog sich der Nebel ; wir sahen mehrere Schiffe vor Anker lie- 
gen , und fuhren auf das nächste zu. Es war le Phoque du Havre^ 
von 125 Tonnen, in Dieppe zum Cabeljaufang ausgerüstet. Der 
Capitain des Schiffes kam zu uns an Bord und brachte so viele Ca- 
beljaue mit, dafs nicht allein die Offiziere, sondern auch dieMati'o- 
sen auf mehrere Tage zu essen hatten. Bezahlung wollte der höf- 
liche Mann, den wir mit uns frühstücken liefsen, nicht annehmen, 
und nur mit Mühe konnten wir seinen Matrosen etwas aufdringen. 
Im Monat April von Dieppe ausgelaufen, war er nach der Insel 
St. Pierre und Miquelon gefahren , welche nebst der kleinen Insel 
Langley die französischen Besitzungen an der Küste von New- 
foundland oder Terreneuve ausmachen. Er erzählte uns , dafs auf 
Miquelon die Hauptniederlassung sei, und dafs sich daselbst ein 
kleines Städtchen von 400 Einwohnern befände, die in hölzernen 
Häusern wohnten. Bei den verschiedenen Kriegen zwischen den 
Franzosen und Engländern ist dieser unglückliche Ort von Letz- 
tern mehrmals niedergebrannt worden. Die Einwohner sind mei- 
stens Amerikaner aus den Vereinten Staaten, die von den ameri- 
kanischen und französischen Fischern leben , welche während des 
Sommers dort landen. Truppen sind nicht da. Ein französischer 
Fregatten-Capitain ist Director der Fischerei. Mit den Wilden 
von Terreneuve treiben die Einwohner einigen Handel, und be- 
kommen meistens Pelzwerk von ihnen. J)qy Phoque lag seit 4 Tagen 
auf der Bank vor Anker, und hatte schon über SOOOgrofseCabeljaue 
gefangen. Diese werden aufgeschnitten, ausgeweidet, in den 
Grund des Schiffes geworfen und leicht gesalzen. Hat das Schiff 
hinlängliche Ladung, so kehrt es nach Miquelon zurück, und läfst 
dort die Cabeljaue zu Stockfischen trocknen. Dann geht es >>ieder 
auf die Bank, fischt von Neuem, bringt von Neuem seinen Fang 
nach Miquelon., und setzt dieses Gewerbe bis in den Monat October 
fort, in welchem es nach Europa zurück kommt. Die Cabeljaue 
werden an Angeln gefangen , die man vom Scliiff aus bis 3 Fufs 



63 

vom Grund In das Wasser läfst. Als Köder befestigt man kleine 
Fische, oder noch besser Eingeweide von Geflügel an die Angel- 
haken. Diese Eingeweide sind in Miquelon ein Handelsartikel. Die 
Seeleute, die auf einem solchen Schiffe dienen, müssen sehr ab- 
gestumpfte Geruchsnerven haben. Denn von dem Phoque kam ein 
ganz abscheulicher Gestank nach unserem Schiffe herüber, und der 
brave Capitain hinterliefs in unserer Cajüte einen Geruch , der den 
ganzen Tag nicht fortzubringen war. Seine frischen Cabeljaue 
hingegen gewährten uns einen grofsen Genufs, da wir seit 3 Wo- 
chen keine frischen Fische gehabt hatten. Während wir en panne 
waren, um mit dem Phoque zu sprechen, fingen unsere Matrosen 
selbst einen sehr schönen und grofsen Cabeljau. Wir sahen heute 
wenigstens 10 Schiffe, die vor Anker lagen, und mit dem Fischfange 
beschäftigt zu sein schienen ; unter ihnen bemerkten wir einen ziem- 
lich grofsen Dreimaster; alle andere führten nur zwei Mäste. Nicht 
weit von unserem Schifte sahen wir auch einen Nordkaper schwim- 
men, eine kleinere Art von Wallfisch, ungefähr 30 Fufs lang, der 
öfters aus dem Wasser auftauchte. Die heutigen Beobachtungen 
ergaben eine Breite von 44° 26' 0" und eine Länge von 51° 37' 
51". Der Wind war seit gestern schwach; aber nicht ungünstig. 
Gegen Abend erhob sich wieder ein dichter Nebel , der später zum 
Regen ward, und einen Theil der Nacht fortdauerte. Die Glocke 
wurde alle Viertelstunde geläutet ; das Senkblei , mehrmals ausge- 
worfen, zeigte auf etwa 30 Faden Grund, der meistens aus kleinen 
schwarzen Kieseln bestand , an welchen öfters kleine Schnecken 
angewachsen waren. 

Am Sonnabend, den 9. Juli, waren es drei Wochen, seit wir 
Falmouth verlassen hatten, um uns auf dem feuchten Elemente her- 
umschaukeln zu lassen : ein Vergnügen , dessen ich herzlich über- 
drüssig war ! Das Wetter fast den ganzen Tag nebelig und reg- 
nerisch, so dafs wir Nichts sahen, und uitö nicht viel auf dem Ver- 
deck auflialten konnten. Gegen Mittag hatten wir einen Augenblick 
Sonnenschein, der zu Beobachtungen benutzt wurde. Breite 44" 
47' O'S Länge 54° 4' 55". Auch liatten wir um diese Zeit die 
Bank von Törrewewre verlassen , und fuhren nun in der Mündung 
des Golfes vom St. Lorenzstrome. Der Wind drehete sich Abends 
gegen Westen und wurde uns sehr ungünstig; auch versprachen 
die fallenden Barometer uns kein gutes Wetter. 

Den 10. JuU dauerte das nebelige und regnige Wetter fast den 
ganzen Tag fort. Da wir uns nur in geringer Entfernung von ge- 
fährlichen Küsten befanden, so war man nicht ohne Besorgnifs. 



64 

Mittags war unsere Breite 45° 21' 31" und unsere Länge 56° 10' 18". 
Nachmittags erhob sich ein sehr starker Wind, so dafs die obern 
Segel nicht allein eingezogen werden mufsten, sondern dafs man 
auch in den Bramsegeln zwei Striche nahm. Dieser Wind wehete 
den ganzen Abend und einen Theil der Nacht hindurch aus Süd- 
westen , uns gerade entgegen. Wir steuerten immer joch im Golf 
des St. Lorenzstromes, und der Wind trieb uns in der Richtung von 
Cap Breton. Um dieses zu vermeiden , wendeten wir gegen Abend 
und steuerten nach Süden zu. Das Schiff stampfte bei dem heftigen 
Winde sehr beträchtlich. Wir waren heute über zwei Bänke, gree» 
J)ank und hanquereau ^ gefahren. Auf letzterer hatten wir unsern 
Lauf verändert. 

Den 11. Juli hatten wir den ganzen Tag über heiteres Wetter, 
und auch wieder bessern Wind , indem er sich mehr nach Süden 
gedreht hatte. Unsere Breite betrug 44° 55' 28" und unsere Länge 
56° 44' 45", ein Beweis, dafs wir nicht sehr weit nach Westen 
vorgerückt waren. Auf der ganzen Reise war es noch nicht so 
langsam gegangen. Je gröfser unser Wunsch war, nunmehr un- 
ser Ziel bald zu erreichen , desto unangenehmer war uns diese 
Langsamkeit, desto gröfser unsere Besorgnifs vor neuen widrigen 
Winden. Wir näherten uns jetzt der Küste von Nova Scotta^ wel- 
che wegen mehrerer Sandbänke und vorzüglich wegen einer klei- 
nen Insel, Sable island genannt, äufserst gefährlich ist. Der 
Wind war heute zwar schwächer; aber die See ging in Folge der 
gestrigen Windstöfse noch hoch , und die Pallas stampfte zuweilen 
sehr stark : man schrieb dieses vorzüglich ihrem zu kurzen Bau 
und ihrem hohen Takelwerke zu. Es war trotz des heitern Wetters 
den ganzen Tag über so kalt , dafs wir nicht glaubten , uns im ho- 
hen Sommer zu befinden. Man bemerkte heute von Zeit zu Zeit 
ganz sonderbare Bewegungen im Meere , wie Wallungen , auch 
veränderte sich die blaue Farbe der See in eine grüne, so dafs wir 
entweder auf den Zusammenflufs von Strömungen oder auf die Nä- 
he von Bänken schlössen. 

Den 12. Juli sahen wir früh sechs grofse Nordkaper, von 
welchen ein jeder wenigstens 30 Fufs lang war, um das Schiff 
herumschwimmen. Sie spritzten das Wasser, gleich Fontainen, 
aus ihren Nasenlöchern heraus. Das war für mich ein neues und 
angenehmes Schauspiel. Kurz darauf bekamen wir aber ein ernste- 
res Schauspiel zu sehen. Ein Matrose hatte mehreren Schiffsjungen 
allerlei widernatürliche Zumuthungen gemacht , welche von diesen 
nicht allein verworfen, sondern auch angezeigt waren. Der Matrose 



65 

erhielt dafür 150 aufgezählt Dieser Gesell war schon früher auf 
einer unserer Fregatten im mittelländischen Meere wegen solcher 
Laster bekannt gewesen. Er r/ar desevtirt und ein Tüike gewor- 
den. Er hatte in Tt/tiis Dienste genommen , war von dort m ieder 
fortgelaufen, war nach Holland zurück gekommen, und unter 
einem andern Namen auf einem andern Schifte wieder in Dienst 
getieten; endlich war er in f/Ze/s/z/gew als Desefteur erkannt, ab- 
gestraft und auf die Pallas abgegeben worden. Das Wetter wurde 
gegen Mittag wieder sehr neblig, und der Wind blies uns aus Süd- 
westen gerade entgegen. Breite 44° 0' 57"; Länge 57*^ 46' 43". 
Wir näherten uns immer mehr dem gefiihrlichen 6'ai/e island. Um 
dasselbe während der Nacht zu vermeiden, MTirde gegen Abend 
der Cours nach Süden gerichtet. Die Unglücksfälle an der Küste 
von Nova Scotia und vorzüglich am Sahle island müssen öfters 
Stattfinden, da man auf dieser Insel Hütten gebaut hat, um den 
Schiffbrüchigen für den ersten Augenblick em Obdach zu ver- 
schaffen. 

Den 13. Juli hatten wir fast den ganzen Tag starken Nebel, 
der an dem Tauwerk der Pallas sich verdichtete und als Regen 
auf das Verdeck fiel: es wurde so nafs, dafs man kaum gehen 
konnte. Der Wind wehete aus West-Süd-West, gerade \on Boston 
her uns entgegen, und zuweilen ziemlich stark, so dafs das Schiff 
viele Bewegung hatte. Wegen des ungünstigen Windes mufsten 
wir laviien , und richteten , um im Nebel das wiederholt erwähnte 
Sable island zu vermeiden, unsern Lauf so viel als möglich südüch. 
Breite 43° 34' 39"; Länge 58" 46' 34". 

Den 14. Juli. Wir sahen früh einen Cachelot mit einem weifsen 
Kopfe , der grofse Wasserstrahlen ausspritzte ; seine Länge konn- 
ten wir nicht erkennen , da er sich nie ganz aufsei* dem Wasser 
zeigte, und schnell vorüberschwamm. Der Nebel mit Regen ver- 
mischt, war uns sehr lästig. Gegen Mittag hellte sich das AVetter 
für eine kurze Zeit auf, und wir erblickten eine Brigg, wie es 
schien, auf demselben Wege, den vir machten. Der AVind blies 
uns fortwährend gerade entgegen; wir mufsten den ganzen Tag 
laviren. Unsere heutige Breite betiug 34° 1' 0" und unsere Länge 
59° 10' 52". Geffen Abend hatten wir wieder helleres Wetter und 
fafsten die Hpffnung, dafs der Wind und das Wetter uns morgen 
günstiger sein bürden. Der beständige Nebel hatte durch das 
ganze Schift' eine grofse Feuchtigkeit verbreitet, die Alles durch- 
drang, alle Kleidungsstücke feucht machte, und Ursache war, dafs 
fast nichts von Schimmel und Moder frei blieb. Ein höchst wids i- 
/. E 



m 

gel' Geruch im ganzen Schifte Mar die Folge, und Niemand 
(and seine Lage coniiortable. Man schob die Schuld dieses Uebels 
darauf, dafs das SchitV im Winter gebaut worden. 

Den 15. Juli. Wir hatten des contiairen Windes wegen süd- 
lich gesteuert, und waren wieder in eine der östlich führenden 
Strömungen des Meeres gerathcn. Der Wind wurde sehr schwach 
nnd wir wurden zurückgetrieben. Die Beobachtungen ergaben 
eine Breite von 43° 46' 15" und eine Länge von 59° 9' 37". Der 
modrige Geruch hatte in unserer Cajüte so überhand genommen, 
dafs die Schränke aufgemacht und gelüftet werden mufsten. Wir 
fanden den Schimmel an fast allen Büchern und Kleidungsstücken 
auf eine schreckliche Art angeschossen, besonders an den Stiefeln. 
Das Wetter hellte sich auf, und wir hatten bei einer völligen ^Viiid- 
stille eine sehr Avarme Luft. Die See war ruhig und das Schiff 
bewegte sich so wenig , als wenn es im Hafen läge. Gegen Abend 
endlich erhob sich, wiewohl Anfangs sehr schwach, ein Ostwind, 
der, wenn er foitgefahren wäre, uns bald nach Boston gebracht 
haben würde. Beim Sonnenuntergänge freute ich mich über den 
äufserst schönen Anblick des Himmels. Er y\av fast dunkelblau ; 
und die goldgelben Federwolken sahen auf diesem Blau fast grün 
aus. Endlich wurde der ganze Himmel rosenroth, und das Meer 
nahm eine Goldflu be an. Hätte Jemand diese Scene zu malen ver- 
mocht: gewifs, Personen, die nie zur See gewesen sind, A\iirden 
nicht glauben, dafs die Matur solche Erscheinungen darbiete! 
W^egen des Kreuzens in der Nähe des ewigen Sahle islaiid's wurde 
das Senkblei mehrmals ausgeworfen, und zweimal fanden >vir 
Sandgrund. 

Am 16. Juli war der Wind nordöstlich, und trieb uns gut vor- 
wärts. Zwei Tage solchen Wind, und wir würden an dem Ort 
unserer Bestimmung gewesen sein! Die Breite war 43^23' 18"; 
die Länge 60° 6' 25". Früh Nebel; gegen Mittag Sonnenschein 
und sehr warmes Wetter; Nachmittags fielen die Barometer, und 
Abends hatten wir Rejren. Dennoch behielten wir oünstio;en Wind 
und liefen Abends 8 Knoten, wobei, so wie gestern, das Schiff 
fast keine Bewegung hatte. Gegen 10 Uhr Abends begegneten 
wir einem, aus Boston kommenden Schooner, fuhren aber so 
schnell an ihm vorüber, dafs Mir kaum einige W^orte miteinander 
wechseln konnten. Heute waren es bereits 4 Wochen, dafs wir 
Fülmouth verlassen hatten. 

Den 17. Juli. Der Wind , abermals westlich , war während der 
Nacht sehr heftig gewesen ; auch hatten vir ein Gewitter gehabt. 



(j7 ■ 

das ich jedoch verschlafen hatte. Wir sprachen Vormittag;s das 
Schiff Schuylkill von New -York, Schiffer Nicholls, das mit 130 
irländischen Emigranten von Cork in Irland kam und bereits 42 
Tage in See gewesen war. Es befand sich in Noth aus Mangel au 
Wasser. Seit mehreren Tagen halte jeder Passagier nur ^ Flasche 
Wasser auf 24 Stunden erhalten. Wir waren reichlich mit AVasser 
versehen ; also halfen wir mit mehreren Fässern aus. Das Schiff 
liefs dieselben durch eine Schaluppe abholen. Der amerikanische 
Steuermann , der mit dieser Schaluppe gekommen war , konnte uns 
die Lage der armen Reisenden nicht schrecklich genug beschrei- 
ben. Unter ihnen, sagte er, wären viele Weiber und Kinder, und 
von den Letzteren mehrere krank. Er fragte, ob wir ihnen keinen 
Arrowroot schicken könnten. Leider hatten >vir keinen an Bord. 
Wir schickten ihnen aber Wein und Zucker; und ich fügte von 
meiner conservirten englischen Milch und von meinen Suppen hin- 
zu, um zur Labung dieser armen Geschöpfe auch das Meinige 
beizutiagen *). Es rührte uns tief, als wir das Jubelgeschrei der 
unglücklichen Reisenden hörten, da sie ihre Schaluppe mit Pro- 
visionen von unserm Schiff ankommen sahen. Wäre dieses Schiff 
uns nicht begegnet, so hätte es irgend einen Hafen von Nova 
Scotia aufsuchen müssen. Es schien sehr alt zu sein; seine Mäste 
und Segel waren in einem schlechten Zustand ; und dieses erklärte, 
warum es , da sein Weg doch kürzer war , als der unsrige , 13 Tage 
länger als wir in See gewesen war. Der Steuermann war sehr 
erkenntlich: er gab uns die Adresse seines Patrons in iVew-lor/f, 
und sagte , dafs er sich bestieben würde , wenn wir in jene Stadt 
Isämen, uns seine Dankbarkeit zu bezeigen. Unsere heutige Mit- 
tagsbreite betrug 43° 13' 32'' und unsere Länge 62*^ 42' 10". 
Damit wir die Gewohnheit des Nebels nicht verlören, erhob sich 
Nachmittags wieder ein sehr ansehnlicher Dunst. Dabei wurde der 
Westwind immer heftiger, so dafs in den Marssegeln zwei Riffe 
genommen werden mufsten. Durch den dichten Nebel war es so 
glatt auf dem Verdecke geworden, dafs man sich kaum aufrecht 
erhalten konnte. Wir mufsten wiederum laviren, um die gefähr- 
liche Küste von Nova Scotia zu vermeiden, die vir im Nebel, zu- 



•) In New -York erfuhr ich später, der Schiffer Nicholls habe den armen 
Iriruitlcrn jNichts von diesen Provisionen gegeben , und sie seihst auf- 
gezehrt. Er wurde aucli wegen der vielen klagen, welche die Passa- 
giere gegen ilin anbrachten, von seinem Rheeder seines Dienstes ent- 
lassen. 

E 2 



CS 

mal mit einbrechender Nacht, nicht zu erkennen im Stande waren. 
Wir wendeten uns linivs, wo der Gulfsiream auch keine angenehme 
Nachbarschaft gewährte. Auf die Nähe desselben schlofs man aus 
den Klumpen grasartiges Mooses, das wir auf der Oberfläche der 
See schwinmien sahen. 

Den 18. Juli. Sehr schönes Wetter; leider aber beständiger 
und mitunter sehr heftiger Westwind. Wir mufsten fast den ganzen 
Tao- mit 2 Riffen in dun Marssegeln schiften und dabei beständig; 
laviren, um nur nicht wieder zurückgetrieben zu werden. Die 
Mittao-sbeobachtuno-en zeigten eine Breite von 43° 24' 42" und 
eine Länge von 63° 7' 57". 

Am 19. Juli. Nachmittags drehete sich der Wind und wurde 
so günstig, dafs wir nicht mehr zu laviren brauchten, sondern 
unsern Lauf wieder auf Boston richten konnten. Aber wir fuhren 
Jiauni einen Knoten in der Stunde. Breite 42° 37' 33" ; Länge 63° 
47' 4". Gegen Mittag sprachen vir das Schifl* Legafus von Wunder- 
land, das gestern Älittags St. John in New-Brunswic verlassen 
hatte, und nach England, mit Holz beladen, zurückkehrte. Es 
schien sich in einem sehr guten Zustande zu befinden, und sah neu 
und äufserst reinlich aus. Wir bemerkten wieder viele Braunfische, 
und einen grofsen Hai, nach welchem jedoch eine Angel vergebens 
ausgeworfen wurde. Alle Tage hatten wir die kleinen Seevögel, 
Malaviten genannt, um unser Schiff herumfliegen sehen; heute 
setzte sich eine auf die Segelstange vom Besansmast Wir schlössen 
auf die Nähe von Land, und wirklich befanden wir uns gegen 
Mittag nur 15 Seemeilen vom Cap Sable, der südwestlichen Spitze 
von Nova Scotia. Das Wetter war den ganzen Tag über ziemlich V 
hell. 

Den 20. Juli. Der Wind war Vormittags günstig, aber sehr 
schwach; und gegen Mittag drehete er. sich wieder nach Westen, 
so dafs der kleine Strahl von Hofliiung, der uns erschienen war, 
nur zu bald wieder verschwand. Breite 43^ 3' 9"; Länge 64° 37' 
28". Es war berechnet worden, dafs wir gegen 4 Uhr Nachmittags 
das Cap Sable sehen würden. Wir freuten uns herzlich ; denn nach 
so langem Herumschwanken wird die Sehnsucht nach Land sehr 
grofs. Leider wurden wir durch einen einti'etenden Nebel getäuscht, 
der an Dichtheit keinem der starken Nebel nachstand, die uns seit 
p, Wochen verfolgt hatten. Der Wind wurde so schwach, dafs unser 
Schiff während einer halben Stunde dem Strome nachgab , und sich 
mit der Spitze östlich drehete. Endlich gegen Abend ward er 
wieder besser und trieb uos auf den rechten Weg; zurück. Zugleich 



69 

hatten wir Donner und Blitz ; ersterer jedoch entfernt und ziemlich 
schwach. Bevor der Nebel uns überfiel, sahen wir in unserer Nähe 
einen Schooner und in weiterer Entfern un<r drei andere jrröfsere 
Schiffe; unter ihnen einen Dreimaster. An dieser Menge von 
Schiffen erkannten wir, dafs wir uns Gottlob einer bewohnten Küste 
n'alierten. 

Den 21. Juli. Der Nebel dauerte fast den ganzen Tag fort, 
und artete oft in Regen aus; der Wind war im Ganzen nicht un- 
günstig; früh ziemlich stark, Nachmittags schwächer; die See 
unruhig. Seit 3 Tagen hatten wir die Sonne nicht gesehen, und die 
gewöhnlichen Beobachtungen mit den Sextanten hatten nicht vor- 
genommen werden können. Defswegen >yurde die Höhe nur nach 
dem Compafs und dem Logg, was sehr unsicher ist, bestimmt; 
und nach dieser Bestimmung betrug unsere heutige Breite 42° 58' 
21" und die Läng;e 66° 6' 0'^ SS'ir hatten endlich die Küste von 
Nova Scotia, und vorzüglich das wegen seine;' Sandbänke gefähr- 
liche Cap Sable im Rücken. Das Senkblei, oft ausgeworfen, zeigte 
meistens auf 40 Faden Grund , gewöhnlich Sand mit kleinen gelb- 
lichen Steinen, einmal mit Muscheln, auch einmal mit Schwämmen, 
ordentlichen Waschschwämmen. Wir waren über die la Have Bank 
gefahren, und kamen nun in die Bai von Massachusetts. Unsern 
Lauf richteten wir a\i^ Cape Cod, Cabeljau-Cap , hei Bosfofi, und 
kamen nach der George Bank, welche sich, von diesem Cap aus, 
weit östlich in die See erstreckt. Ge^en 6 Uhr Abends, wo der 
Nebel sich auf eine kurze Zeit vertheilte, erblickten wir nicht weit 
von uns einen mit Fischen beschäftigten Schooner. W^ir schickten 
eine Schaluppe zu demselben, mit einem Offizier, um Fische zu 
kaufen. Der Schooner war von Cope Cod ausgelaufen und be- 
schäftigte sich, neben andern Schiffen, seit 8 Tagen mit dem auf 
dieser Bank äufserst ergiebigen Fange der Cabeljaue und Eelbotte. 
Für einen Plaster (Dollar) und ein Paar Flaschen Genever schickte 
er uns so viele Fische, dafs unser ganzes Schiffspersonal auf mehrere 
Tage davon zu essen hatte. Unter den Eelbots befand sich einer, 
der über 2 niederländische Ellen — mefres — lang, und 70 Zoll 
— centimetres — dick war. Ich bewunderte diesen colossalen 1]A- 
bot, hörte aber, dafs man zuweilen dreimal gröfsere fange. Die 
Art zu fischen ist hier dieselbe, wie die der Franzosen auf der 
Bank von Terreneuve, von welcher ich früher gesprochen habe. 
Der Nebel ward Abends wieder äufserst dicht, und während der 
Nacht hatten M'ir starkes Wetterleuchten. Der Wind Mar äufserst 
unbeständig; wir konnten nur wenige Segel gebrauchen; und da 



-, 70 

>vir »jns Sandbänken und verborj^enen Klippen naheten, und keinen 
der hiirimiisclien Körper, nach welchen die Seeleute ihren Cours 
richten, sehen konnten, so befanden wir uns allerdings in einer 
etwas kritischen Lage. Diese kritische Lage dauerte den folgenden 
Tag, den 22. Juli, fort. Der Nebel nahm eher zu, als ab; die 
Sonne kam kein einziges Mal zum Vorschein. Der Wind wehete 
glücklicherweise nur schwach, und trieb uns in der guten Richtung. 
An vielem herumschM'immenden Seegrase sahen wir, dafs wir uns 
der Küste näherten. Dieses Seegras hat solche mit einer weifsen 
Gallerte gefüllte Knollen, wie das Seegras an der holländischen 
Küste; an dieselben hatten sich viele Muscheln mit einer sehr dün- 
nen und weifslichen Schale angesetzt. Früh hatten wir eine auf- 
fallende drückende Gewitterluft, die jedoch nicht lange anhielt; 
auch hörten wir stark donnern , wiewohl auf eine grofse Entfernung. 
Nach dem gegisden besteh betrug unsere Breite 43° 10' 54'' und 
unsere Länge 67° 21' 8". 

Da fast kein Wind wehete, und die See sich sehr ruhig zeigte, 
so stellte Capt. Ryk gegen Mittag einige Experimente mit dem 
Bathometer an, Avie ihm von unserm Gouvernement befohlen war. 
Dieses Listrument ist von einem Arzt in Delft, Namens Siiprian 
Lulscius, der sich in seinem Fach eines sehr guten Rufes erfreuen 
soll, erfunden worden. Für die an unserm Bord befindlichen 
Exemplare hatte das Gouvernement 1000 Fl. bezahlt. Das Instrument 
soll dazu dienen, die Tiefe des Meeres zu messen, da, wo das Senk- 
blei nicht mehr zureicht. 

Es besteht, wie die Skizze zeigt, aus 2 parallel über einander 
liegenden messingenen Scheiben, die ungefähr 3 decimetres im 
Durchmesserhaben, von einander 3 ceidhnetres ewi^GYwi sind, und 
die Maschine A bilden. Zwischen den Scheiben um die Axe h dre- 
hen sich 4 Flügel c, welche ein Räderwerk mit einem Weiser in 
dem Kasten d dergestalt in Bewegung setzen können, dafs der 
Weiser anzeiget, wie oft sich die Flügel um ihre Axe gedreht ha- 
ben. Der Rand der Maschine, der beide Scheiben mit einander 
verbindet, besteht zu einem Drittheil aus einem Drahtgitter , welches 
das Wasser schief auf die Flügel fallen läfst, und zu zwei Drittheilen 
aus einem festen Messingblech. Die Maschine hängt an einer Boje e. 
Das Ganze (Boje e und Maschine A) ist spezifisch leichter, als 
das Wasser. Durch das hinzugefügte bleierne Gewicht / wird es 
aber /um Sinken gebracht. Nun ist die Idee des Erfinders folgende. 
Die Rlaschine wird ins Wasser gesenkt. Das Gewicht /, durch 
welches ein Stab gehet, an dem die hölzerne Kugel g befestiget ist, 



7] 




zieht dieseJbe auf den Meere«i»;rimd. Das Wasser, welches in das 
Innere der Maschine eindrinot, sct/t die Flügel c in Bewegung. 
Die Flüo-el drehen ihrer Selts das bei d belindüche Räderwerk 
und den AVeiser. Wenn nun die Kugel g den Giund des Meeres 
berührt, so stöfst sie vermittelst des Stabes, an welchem sie hängt, 
auf den Pllock /^ Dieser wird dadurch in die Maschine hinauf 
geschoben, hemmt wie ein Riegel die Bewegung der Flügel, und 
drückt zugleich auf 2 Federn, die sich bei i öü'uen. Dadurch 
trennen sich das bleierne (Gewicht /, die Kugel g, und der bis an 
denPtlock h reichende Stab von der übrigen Maschine, und bkMben 
auf dem Grunde des Meeres Tuigen; die Maschine hingegen kommt 
wieder auf die Oberfläche des Meeres herauf An der über der 



72 

Boje aiijrebrachten kleinen Flagge erkennt man , wo die Maschine 
heraufsteiot. An dem, in dem Kästchen d befindlichen Weiser 
kann man lesen , wie oft das Rad sich umgedrehet hat ; und hieraus 
ist die Tiefe des Meeres zu berechnen. 

Leider entsprach das Resultat der Experimente keineswegs der 
Erwartuno-, die man sich gemacht hatte. Die Pallas hatte zweier- 
lei Bojen zu diesen Versuchen bekommen; hohle von Messingblech 
und volle von Korkholz, mit kupfernen Reifen festgehalten. Auf 
eine Tiefe von 30 Faden Avar der Druck des Wassers so stark , dafs 
er beim ersten Versuch die messingene Boje gänzlich zerquetschte. 
Auf eine Tiefe von 100 Faden wurde dann ein anderer Versuch mit 
der korkenen Boje angestellt, und an diese aus Vorsicht, um die 
Maschine nicht zu verlieren, ein Tau befestiget, an dem man sie, 
wie ein Senkblei , in das Wasser hinabgleiten liefs. Die Maschine 
kam zwar v.ieder herauf; jedoch war die Boje durch den Druck des 
Wassers sehr verletzt; ganze Stücken Kork waren herausgerissen, 
und die Oelfarbe , mit der sie bestrichen war, sehr beschädigt. Der 
Pflock //, anstatt sich als Riegel vorzuschieben, war herausge- 
sprungen , und das Rad aus seiner Axe gefallen. Wenn man , nach 
des El finders Angabe , die Maschine , ohne sie an einem Tau zu 
befestigen , in das Wasser liefse , so würde es sehr schv. er sein , die 
Boje >üeilerzufinden. In der Tiefe des Meeres finden gewöhnlich 
Sti'ömungen Statt ; ohne Zweifel würde die Boje , die eine bedeu- 
tende Zeit braucht, um wieder empor zu steigen, duich diese 
Strömungen sehr weit hinweggetiieben werden. Inzwischen hat 
aber auch das Schiff seine Stellung verändert. Um so mehr müfste 
man Avohl auf die Hoffnung Verzicht leisten, die Boje und den 
Kasten wieder zu Gesicht zu bekommen. Mit Bedauern sahen wir, 
dafs dev Bathometer , dessen Erfindung dem Genie des Herrn 
Sfipriaji übrigens Ehre macht, der Erwartung nicht entspiach. 
Von uns waid auch heute das gewöhnliclie Senkblei fast alle halbe 
Stunden ausgeworfen ; und nach der Tiefe des Meeres, und nach 
den Proben des Grundes, die das Senkblei mit heraufbrachte, 
orientirte man sich auf der Charte. Um bei dem dichten Nebel, 
der so stark war, dafs man vom Besansmast kaum die am Fockmast 
stehenden Menschen erkennen konnte, Unglücksfällen vorzubeu- 
gen , wurde Abends oft an die Glocke geschlagen. Dafs wir nicht 
allein hier waren, bewies der Schall eines Hornes, der durch den 
Nebel zu ims herüber tönte. 

Den 23. Juli. Seit wir Falmoutli verlassen Latten, Maren schon 
5 Y ochtu vergangen. Gegen Mittag kan die Sonne zum Vor- 



73 

schein. Unsere Herren Offiziere benutzten diesen Augenblick , um 
Beobachtungen mit dem Sextanten zu machen , und unsere Stellung 
zu verificiren. Nach diesen Beobachtungen betrug unsere Breite 
42° 44' 35", unsere Llinge 68° 12' 30''; und man flmd, dafs die 
gcgisdeii beste/es richtig gewesen waren. Wir sahen heute mehrere 
Schooner, und sprachen einen Fischer von Marhlehead bei Boston^ 
der 4 Monat in See gewesen war, und eine grofse Ladung gesalze- 
ner Fisclie mit nach Hause nahm. Der Wind, der den ganzen 
Tag über nur schrrach, für uns aber in einer guten Richtung ge- 
wehet liatte , wurde gegen Abend so stark , dafs wir übei* 9 Knoten 
üeicn. Leider erhob sich Abends auch >vicder ein dichter und 
feuchter Nebel, der Alles durchdrang und alle Aussicht hinderte. 
Man mufste also wieder seine Zuflucht zum Senkblei nehmen , das 
uns spät Abends blauen Schlamm heraufbrachte, zum Beweise, dafs 
wir uns in der Nähe des Landes in der Bai von Massachusetts 
befanden. Ein grofser Haifisch schwamm heute lange um unser 
Schift' herum. Die Seeleute sehen das nicht gern, weil sie bald 
einen Todten an Bord zu haben fürchten. Der Hai mufs in dieser 
fischreichen Ge-rend des Meeres viele Beute antrefi*en; denn er war 
nicht zubewegen, ein delicates Stück Speck, das wir ihm an der 
Angel präsentirten, anzunehmen. 

Der 24. Juli war ein Sonntag. Das Wetter hellte sich auf; es 
wurde ziemlich warm. Während der Nacht hatten wir Gegenwind 
gehabt; gegen Morgen ward er uns aber günstig. Inzwischen 
waren Avir in eine der Strömungen gerathen, die an dieser Küste 
so häufig sind, und die uns gegen Norden trieb. Vormittags 
halb 12 Uhr endfich , als ich gerade in der Cajüte mit Schreiben 
beschäftiget Avar, hörte ich die Glocke zu einem aufserordentlichen 
* oorlam *) schlagen. Ich errieth sogleich, dafs man Land sähe. 
In demselben Augenblicke bestätigte Freund Tromp, der, so ^ie ich, 
an unserm Bord das meiste Interesse hatte, bald ans Land zu 
kommen, diese schöne Vermuthung. Ich eilte aufs Verdeck und 
ei oückte gegen Westen mit meinem guten Fernrohr einen blauen 
Strich, der, je mehr wir uns näherten, desto deutUcher hervor- 
trat. Wir erkannten eine weifse Küste mit Bäumen bewachsen, und 
entdeckten aufser mehreren Häusern zwei Leuchtthürme. Es >var 
dieses Cape Anne^ nördlich von Boston gelegen. Die Lootsen- 
flagge wurde aufgezogen und zu zwei verschiedenen Malen eine 



•) Aurserordentliche Austheilung von g;cl:»tlgen Getränken an die Schiffd- 
mannschaft. 



74 

Kanone j^elöset, um einen Lootscn zu rufen: es lieft; sich jetloeh 
keiner blicken. Während dieser Zeit zog vom Lande her ein 
schweres Gewitter auf, das einen gewalli<2;en RegenguCs und einige 
tiichti"-e Schläge brachte. Einer dieser Schläge fiel dicht vor dem 
Schifr ins Meer und hätte ilen Schiffer *) beinahe erschlagen. 
Nach einer guten halben Stunde war indefs Alles vorüber. Obgleich 
das Gewitter nicht lange dauerte, so war es doch äufserst heftig 
gewesen, und der Blitzableiter, so wie die Feuerspritze, waren auf 
jeden möglichen Fall in Bereitschaft gebracht. Die See war dabei 
nicht aufserordentlich bewegt. Nach dem Gewitter hatten wir hei- 
teres und sehr schönes Wetter, auch ziemlich günstigen Wind. 
Gegen 6 Uhr Abends kam endlich ans Gloucester bei Cape June ein 
Lootse an Bord, um uns nach Boston zu geleiten. Es >var ein 
schlichter Landmann, ziemlich bejahrt und sehr gesprächig. Bi" 
erzählte uns von einem grofsen Brande, der vor 4 bis 5 Wochen in 
Boston Statt gehabt hätte : über 50 zum Theil sehr schöne Häuser 
wären abgebrannt. Auch erzählte er, dafs am 17. Juni, dem 50jähri- 
gen Jahrestage der Schlacht bei Bimkersliill , der General Lnfai/ette 
in Boston gewesen sei, um dieses Jubiläum an Ort und Stelle zu 
feiern. Ein neuer Beweggrund für mich, die viele in Holland und 
Enoland verlorne Zeit zu bedauern! Hinter einem kleinen Hügel 
sahen wir die 4 Kirchen und Thürme der Stadt Gloucester, die sich 
gröfstes Theils vom Fischfange nähret, und etwa 11,000 Einwohner 
hat. Meine liebe Vaterstadt Weimar hat 2 Kirchen, und diese sind 
für die Bedürfnisse meiner Landsleute mehr als zureichend. Nehme 
ich dieses zum Mafsstabe der Frömmigkeit, so mufs hier in den 
Vereinten Staaten eine grofse Religiosität herrschen, da man für 
11,000 Einwohner 4 Kirchen braucht. Die Verschiedenheit der 
Secten macht aber wahrscheinlich so viele Kirchen nothwendig. 
Denn es finden sich hier Presbyterianer , Unitarier, Episcopalen 
und Methodisten. Uebrigens fiel mir bei dieser Frömmigkeit, die 
sich im Bau vieler Kirchen äufsert, eine Maxime der Wechabiten 
ein , die Jlij Bey el Abassi in seinen Reisen citirt : „Ist Dein Nachbar 
Einmal am Grabe des Propheten gewesen , so hüte Dich vor ihm ; 
hat er aber die Pilgerschaft zwei Male vollbracht, so siehe Dich nach 
einer andern Wohnung um." 

Die heutigen Mittagsbeobachtungen ergaben eine Breite von 
42^ 38' 15" und eine Länge von 70"^ 15' 48". Wegen des schwa- 
chen Windes näherten wir uns sehr langsam unsrei* Bestimmung, 



*) Erster Un'.cr-Üffizicr auf einem Kricpi'ssclufr. 



75 

und hatten Mufse , die Küste zu betrachten, auf welcher \vu- vieles 
Holz, zum Theil Tannenholz, erblickten. Das Ufer schien sandig 
zu sein, und ich sah mehrere den römischen Pinien ähnliche 
Bäume. Die Sonne ging sehr schön unter, und auf den lieblichen 
Abend folgte eine mondhelle, sehr warme Nacht ; die erste seit Fal- 
moutlt. Ich hielt mich bis 12 Uhr meistens auf dem Verdeck auf 
und beobachtete die Leuchtthürme von Cape Anne , wo 2 stehen, 
von Salem und in der Ferne von Boston, dessen Licht sich dreht, 
und defswegen für uns in jeder Minute nur 20 Secunden sichtbar 
war. Ich hörte, dafs Salem eine sehr blühende Handelsstadt sei, 
die Boston vielen Abbruch thue, und gegen 80 Schifle in See habe, 
von welchen mehrere mit Ostindien und China Handel treiben; ich 
hörte auch , dafs es bei Cape Anne viele Klapperschlangen gäbe. 

Den 25. Juli. Völlige Windstille und grofse Schwüle. Die 
Pallas war während der Nacht südlich von der Bai von Boston 
getrieben worden. An der ziemlich waldigen Küste bemerkte man 
zwei kleine Oerter, hier Städte genannt, Scituate und Konohasset. 
Der letzte liegt in einer kleinen Bucht; der erste scheint gegen 
40 Häuser zu enthalten und hat 2 Kirchen. Gegen 3 Uhr Nach- 
mittags erhob sich ein geringer Wind. Wir benutzten denselben, 
um nach dem Leuchtthürme von Boston zu steuern, und diese 
Stadt, Avo möglich, heute noch zu erreichen. Der Leuchtthurni 
liegt an einer felsigen Insel am Eingange der Bai von Boston , und 
ist noch 9 englische Meilen von dieser Stadt entfernt In der Bai 
liegen ungefähr 20 Inseln. Nach langem Laviren bekamen wir die 
Inseln mit dem Thurme hinter uns , und da der Wind uns wieder 
entgegen trat, so mufsten wir in dem Archipel abermals laviren, um 
die Inseln zu umschiften. Bei dem kurzen Wenden um eine der- 
selben wäj'e die Pallas beinahe auf den Grund gestofsen, und es 
bedurfte des kalten Blutes vom Capt. Ryk, um uns durch ein sehr 
schnelles Drehen aus dieser ffefahrlichen Lag-e zu reifsen. Indefs 
mufsten wir in der Nähe einer Insel, die long island heifst, von 
Neuem einen Anker auswerfen, um die Nacht über hier zu bleiben. 
Dieses geschah gegen 7 Uhr Abends; Avir vt'aren noch gegen 7 
englische Meilen von Boston entfernt. Von unserm Ankerplatz aus 
hatten wir eine schöne Aussicht auf den Archipel und auf die Stadt, 
die wir auf einer Anhöhe über mehrere Inseln hinweg erblickten. 
Eine hohe Kuppel schien der höchste Punct der Stadt zu sein. Auf 
einer der vor uns liegenden Inseln sahen wir das Fort Indepen- 
dence; auf long island ein Haus mit einem Lcuchtthürmchen und 
einer Semaphore , um die Signale zu wiederholen , die vom grofscn 



76 

Leuchtthnrm aus, auf welchem ein FIafr«7;enstab steht, «verrohen 
^Verden. Auf der Insel Nangasket sahen wir ein Dorf gleiches 
Namens zwischen zwei Hügeln liegen ; auf den andern Inseln stan- 
den nur einzelne Häuser, meistens hölzerne mit Schindeln gedeckt. 
Der Grund der Inseln ist theils felsig, theils besteht er aus grofsen 
Geschieben, aufweichen Thonerde ruhet. Auf zwei Plätzen, wo • i 
gefährhche Felsen sind, hat man Pyramiden aufgerichtet, die den 
Seefahrern als Merkmal und als Warnung dienen. Diese Bai soll, 
wie der Lootse uns versicherte , von Haifischen wimmeln. Als wir 
den Anker ausgeworfen hatten, näherte sich uns ein sehr eleganter 
Schooner, auf dem die Gesundheitsbeamteten sich befanden. Sie 
erkundigten sich mit vieler Höflichkeit nach dem Namen des 
Schifles und nach unsrer vollbrachten Reise; und als sie nach der 
Stadt zurückfuhren, hatten sie die Aufmerksamkeit, sich zu ei bie- 
ten, diejenigen, die ans Land steigen wollten, auf ihrem Schiffe 
mitzunehmen. Diese Höflichkeit machte auf uns einen sehr guten 
Eindruck. Wir betrachteten sie als ein gutes Omen für unsre Auf- 
nahme in diesem Lande, nach welchem wir, ohne, es zu kennen, 
ein gewisses Heimweh fühlten. 

Am 26. Juli wurden Avir früh gegen 4 Ulir durch das Auf- 
winden des Ankers aus dem Schlafe geweckt. Ich freute mich 
sehr, weil ich endlich unsrer Reise ein Ende sah. Leider ward 
aber unsre Geduld noch Einmal auf eine harte Probe gestellt; 
denn der Wind setzte sich uns noch Einmal entgegen, und nach- 
dem wir eine halbe Stunde lavirt hatten, mufste der Anker abermals 
ausgeworfen werden. Da es nun schien, als würde es vor Abends 
nicht weiter gehen: so bestieg ich mit Capt Rijk und Freund^ 
Tromp eine Schaluppe, um nach Boston zu fahren. Die Stadt 
schien näher zu liegen, als es der Fall war. Um 8 Uhr verlicfsen 
wir die Pallas, — es war der 37. Tag, den ich mich an ihrem Bord 
befand — -y und steuerten zwischen den Inseln hindurch, liefsen das 
Fort Independence zur Linken liegen , und zur Rechten Governors 
islandy ebenfalls mit einem Fort. So näherten wir uns endlich 
Boston, dieser Wiege der amerikanischen Freiheit. Die Stadt, 
die sich auf einer Halbinsel kegelförmig erhebt, gewährte einen 
schönen Anblick. Wir wTjfsten nicht recht, wo wir ans Land steigen 
sollten; also fuhren wir längs des Ufers hin, wo wir gute Quais 
vermifsten , aber sehr viele Schiffe antrafen , die mit Aus - und Ein- 
laden beschäftigt waren. An einem langen Pier, the long wharf 
genannt, fanden wir eine Treppe, und stiegen ans Land. Es war 
früh 10 Uhr , als ich meinen Fufs in Amerika auf ein breites Stück 



77 

Granit setzte ! Es ist unmöglich, das Gefühl zu beschreiben, das 
mich in diesem Augenblicke durchdrang. Bisher hatten zwei Mo- 
mente in meinem Leben eine schöne Erinnerung hinterlassen : der 
erste, als ich, 17 Jahr alt, nach der Schlacht bei Wagram das Kreuz 
der Ehrenlegion erhielt; der andere, als mein Sohn Wilhelm mir 
geboren war. Meine Ankunft in Nord- Amerika, in dem Lande, das 
zu sehen von Jugend an mein heifser Wunsch gewesen war, wird 
mir eine dritte schöne Erinnerung bleiben fürmein ganzes Leben! 



I 



IV. 

Aufenthalt in Boston, 

Vom 20. Juli Uä 1). August 1825. 



Sogleich nach unsrer Ankunft erkundigten vir uns nach dem 
Hause des holländischen Consuls Manzoni. Er \>ar abwesend, und 
hatte seine Geschäfte einem hiesigen Mäkler Namens Daxter über- 
trajj-en. Ein Knabe führte uns längs des Piers an einem sehr lau- 
gen, 4 Etagen hohen, von Backsteinen eibauten Magazine vorbei, 
das in der Mitte eine Kuppel hatte, auf welcher verschiedene Flag- 
gen vteheten: diese Flaggen correspondiren als Scmaphore mit 
dem Semaphor auf long island. Hierauf gingen Mir durch ver- 
schiedene breite , mit Trottoirs versehene und sehr lebhafte Strafsen. 
Aufiallend Maren uns Frachtkarren mit vier Ochsen und vorweg 
mit einem Pferde bespannt. Die Hitze Mar sehr grofs: 92°Fahren- 
heit im Schatten, Man versicherte, vor einigen Tagen habe sie 
100° betiagen, nwA \n Boston MÜren mehrere Menschen, die kaltes 
Wasser getrunken hätten , plötzlich todt niedergestürzt. Den Yice- 
Consul trafen Avir auf seinem Comptoir. Unsere erste Frage Mar 
nach einem comfortablen Wirthshanse. Der Consul hatte die Ge- 
fälligkeit, uns nach dem Exchange Cojfeehouse zu bringen; und 
hier schlugen Mir unser Hauptquartier auf Kaum Mar dieses ge- 
schehen, so ging ich zu einem Buchhändler, um einen Plan und 
eine Beschreibung von Boston zu kaufen. Ich ftind aber weder das 
Eine, noch das Andere. Auf dem PiückM'ege kaufte ich einen Stroh- 
hut mit einer kolossalen Krempe, wie man sie hier trug. Nicht 
lange nachher erhielt ich einen Besuch von Herrn Andrew Ilitchle, 
den ich vor 2 Jahren in England kennen gelernt hatte. Es freute 
mich sehr, diesen w ackern Maim Miederzüsehen, der hier in 
grofsem Ansehen stand und seit l^ Jahren sich Mieder verheirathet 
hatte mit der Tochter des Herrn 0//s, eines hiesigen gleichfalls sehr 
angesehenen Einwohneis, ehemaligen Senators der Republik und 
Chefs der Föderalisten-Partei. Ich diiürte, dem hiesigen Gebiauche 



i 



Lage von Boston. 

Zu Setle 79. 




P 



a 


Boston. 


b 


Charlestowft mii dem NoJiyyard. 


c 


Sont/i Boston. 


d 


Cambridge. 


e 


Cftarle^iver. 


f 


Governors island. 


& 


Fort Jndependence. 


h 


Ligthouse. 


i 


Bunkerskill. 



79 

gemäfs um 2 Uhr an der WIrthstafel , an welcher man mir den Ehren- 
platz neben dem Whth, Herrn Hamilton, einräumte. Dieser Mar 
während des letzten Krieges Oberst bei den Freiwilligen gewesen, 
und hatte seinen Titel beibehalten. Ich fand an ihm einen hötlichen 
Mann, wie ich denn überhaupt die Ilöttichkeit der Gäste, deren 
sich mehrere mit mir bekannt machten, nicht genug rühmen kann. 
Die Speisen waren sehr gut zubereitet, und wiiren sie auch min- 
der gut gewesen , ich würde sie dennoch , da ich frische Provisionen 
so lange hatte entbehren müssen, mit dem gröfsten Appetit verzehrt 
haben. So ging es mir auch mit dem Obst, das auttallend klein 
und schlecht war, und mir dennoch gut schmeckte. Wegen der Un- 
geheuern Hitze, wie seit 20 Jahren keine Statt gefunden hatte, war 
alles Obst zu fiüh reif geworden. Der Wein ward in Kübeln mit 
Eis auf die Tafel gebracht, und in jedes Glas Bier ward ein Stück 
Eis gelegt, um das Getiänk zu erfrischen. 

In dem Wirthshause befindet sich unten neben dem grofsen 
Speisesaal ein gemeinschaftlicher Platz mit 2 Seitenzimmern, in 
welchem die Fremden, die Nichts zu thun haben, sich den Tag 
über aufhalten. An einem Büffet konnte man V^eln, Limonade, 
Sodawasser u. s. w. , Alles mit Eis , bekommen. Acht Zeitungen lagen 
auf einem grofsen Pulte befestigt. Diese Zeitungen haben alle das 
Format der englischen und sind gröfstes Theils mit mercantilischen 
und andern Ankündigungen angefüllt. Das Haus ist übrigens ganz 
wie ein englisches Gasthaus eingerichtet. Die Bedienung fand ich 
höHich und aufmerksam ; schwarze und weifse Bedienten unterein- 
ander. Nach 4 Uhr kam Herr Ritchie mit seinem Schwiegervater 
und dessen Sohn, der vor Kurzem von seiner Reise nach Europa 
zurückgekommen war, um Herrn Tromp und mich in der Stadt 
herumzuführen *). 

In einer der Hauptsti'afsen , CornJdll, finden sich viele elegante 
Läden. Ein neues Gebäude , für einen Zweig der amerikanischen 
Bank, hat eine einfache Fronte, 2 dorische Säulen, jede aus Einem 
Stück Granit, 18 Fufs hoch und beinahe 5 Fufs im Durchmesser. 
Im alten Rathhause wurden die ersten Volksversammlungen beira 
Beginne der amerikanischen Revolution gehalten. Ein grofser Saal, 
der zur Versammlung der Aklermen dient, enthält ein lebensgrofses 
Portrait des grofsen tVasldu^on, von »SY/mr^ gemalt, und die Büste 
des alten Präsidenten Adams, Vaters des jetzigen. Die Büste ist 
mit einem Kranz von Sternen uniijeben. Auf 4 Säulen sind die 



') Man »clie das beiliegende Gkärtchcn. 



80 

Namen aller Männer eingegraben , welche während der Revolution 
sich uni's Vaterland verdient gemacht haben. Unter dem Rathhause 
befindet sich der Fleisch- und Gemüsemarkt. Da aber dieser Platz 
mit Recht zu diesem Zwecke für unschicklich gehalten wurde, so 
bauete man einen neuen Markt, nicht weit von einer der vielen 
Einbuchten der See , >velche einen Hafen bildet. Der Magisti'at hat 
damit begonnen, einen alten Pfuhl anfüllen zu lassen und ein langes 
Gebäude, dessen Erdgeschofs von Granit, und die drei anderen 
Stockwerke von Backsteinen sind, zu errichten, welches als Magazin 
an hiesige Kaufleute verkauft worden ist. Dieser Verkauf hat so 
viel eingebracht, dafs von dem Gewinne die neue Markthalle, pa- 
rallel mit diesen Magazinen, ganz von Granit aufgeführt Averden 
konnte. Sie ist 525 Fufs lang , 50 Fufs breit, und enthält, aufser 
dem Erdgeschosse , nur eine Eta^e. Auf der andern Seite dieser 
Halle, und xAicderum parallel mit derselben, wird eine neue Reihe 
von Magazinen , der ersten ähnlich , angelegt. Durch mehrere 
sehr elegante und breite Strafsen führte Herr Rheine uns nach 
seinem, auf der öffentlichen Promenade, beaconJnll, gelegenen 
Hause , einem der gröfsten in Boston. Viele Häuser sind noch von 
Holz; neue Häuser müssen aber von Stein erbauet werden. Die 
meisten sind von Backsteinen; einige hat man roth gelassen, viele 
sind mit hellen Farben angestrichen. In den Erdgeschossen, und 
besonders bei den Läden, ist häufig Granit gebraucht, der 20 
Meilen von Boston in grofser Menge gebrochen wird. Die soge- 
nannte Promenade besteht aus einer grofsen Wiese , kärglich mit 
Bäumen bepflanzt, die sich den Berg hinunter bis an's Meer er- 
streckt. Auf dem höchsten Punkte des Hügels steht das Staaten- 
haus, oder das Capitol, mit einer grofsen, mit Kupfer gedeckten 
Kuppel. Das Haus ist von Backsteinen erbaut, und mit einer 
Facade von 10 gekuppelten Säulen geziert. Diese sind von Holz, 
und geben dem Ganzen ein etwas baufdlligcs Ansehen. Aus Herrn 
Ritchie's 4 Etagen hohem Hause hat man eine schöne und weite 
Aussicht, Das Haus ist reich und geschmackvoll meublirt, und 
mit einigen Gemälden geziert, die er von seinen Reisen mitgebracht 
hat; ich bemerkte unter denselben sehr gelungene Copien der 
Madonna della sedia von Bapltael, einer andern Madonna von 
Sassoferrato und der Scene aus der Sündfluth von Poussin. Wir 
brachten den Abend bei Herrn Ritchie zu , und lernten seine junge 
Frau, ferner eine Mifs Fostcr und die Wittwe des Generals llum- 
pkrei), Adjudanten des Generals JFasI/ington, und ehemaligen Ge- 
sandten der V. St. in LissabojiundMadrit, kennen. Die Generalin 



81 

stammt aus einer englischen Familie , ist irt Lissabon geboren und 
mufs in ihrer Jugend sehr schön gewesen sein. Noch waren gegen- 
wärtig die beiden Herren Otis, Vater und Sohn. Obgleich sehr 
ermüdet, gefiel es mir in dieser Gesellschaft äul'serst wohl. Als wir 
gegen 9 Uhr zu Hause gingen, war es noch immer sehr warm, 
und der volle Mond stand wie eine glühende Kohle am schwülen 
Himmel. Uebrigens war die Pallas gegen Abend bei Boston ange- 
kommen , und hatte in der Nähe des lon^ wharj die Anker ausge- 
worfen. Im Vorbeisegeln hatte sie das Fort Independence mit 17 
Schüssen salutirt, und mit 18 die Antwort erhalten. 

Ich hatte mir vorgestellt: man würde in Amerika nicht die 
geringste Notiz von mir nehmen; ich fand mich aber bald ange- 
nehm enttäuscht. Schon am andern Morgen erhielt ich eine Ein- 
ladung zum Diner auf morgen bei Herrn Otts Vater, und zugleich 
mehrere Besuche. Ich gedenke des Obersten Hendersony eines 
sehr feinen Mannes, der Commandant en chef dar Marines ist, und 
von Washington, wo er sein Hauptquartier hat, hieher gekommen 
war, um das hier stehende Detaschement seines Corps zu inspiciren. 
Auch besuchte mich ein englischer Kaufmann, Herr Dixon, der 
mich zu seiner Frau , und später zu seinem reichen Schwiegervater, 
Herrn Homer, brachte. Dieser bewohnt auf dem beacon kill ein 
grofses und schönes Haus und hat 2 sehr liebenswürdige Töchter. 
Ich freute mich über den Luxus , der in diesem Hause herrschte ; 
wie denn überhaupt die Häuser und Zimmer viel gröfser, reicher, 
heller und luftiger eingerichtet sind , als die englischen. Mit Herrn 
Ritchie machte ich der Generalin Humphrey einen Besuch , deren 
Haus wirklich prächtig meublirt >var. Um 2 Uhr dinirte ich wieder 
an der Wirthstafel. Abends besuchte ich den russischen Hofrath 
von Wallenstein , Gesandschafts-af facÄe in Washington, der während 
des Sommers sich seiner Gesundheit wegen hier aufhält. Ich fand 
an ihm einen angenehmen und wohldenkenden Mann. Später ging 
ich zu Ylerm Edward Everett, Professor der griechischen Sprache 
an der Universität Cambridge. Herr Everett hatte früh einen 
deutschen Brief an mich geschrieben , und mir seine Dienste auf 
eine äufserst freundliche Weise angeboten. Während einer fünf- 
jährigen Reise durch Europa hat er 2 Jahre in Göttingen studirt, 
und auch Weimar besucht. Er erinnerte sich dessen sehr dankbar, 
und freute sich vorzüglich der Bekanntschaft des St. M. v. Göthe. 
Er ist von seinen Landsleuten zum Mitj-liede des Cong-resses er- 
nannt worden, und hat defshalb auf seine Professur Verzicht ge- 
leistet. 
/. F 



H2 

Dieser Herr EvereU holte mich den nächsten Tafr ab, um 
mit mir nach der Unircrsilät Hai-vard College in Cambridge, 
3 en«;lische Meilen ron Boston , zu fahren. Um 12 Uhr verliefsen 
wir bei einer grofsen Hitze Boston und fuhren über die 3400 Fufs 
lange, hölzerne Brücke, welche beide Städte mit einander ver- 
einigt. Die Stadt Camhridge ist sehr weitläuftig gebauet und 
nimmt defswegen eine grofsc Fläche ein. Die Häuser sind mei- 
stens von Holz, wenige von Backsteinen, und ganz von Granit 
sehr wenige; sie sind aber gröfstes Theils mit lebhaften Farben 
angestrichen und gewähren einen freundlichen Anblick. Jedes 
Haus hat einen Garten. Viele Triften sind wie in England mit drei 
übereinanderliegenden Latten eingezäunt; auf den Feldern wird 
Mais gebaut ; das Gras sah sehr verbrannt aus. 

Die Harvard Univei sität ist die älteste hohe Schule in den 
V. St. , gestiftet im Jahr 1Ö38 nach dem Testament eines Geist- 
lichen, Namens Harvard . der ihr gegen 800 Pfund Sterling hinter- 
liefs. Durch mehrere spätere Beiträge ist sie so weit gekommen, 
dafs sie jetzt ein sehr bedeutendes Einkommen hat. Deficits deckt 
der Staat von Massachusetts, der jedoch keine bestimmten Beiträge 
liefert. Die Universität enthält 8 Gebäude, meistens von Back- 
steinen, und nur ein neueres von Granit. In dem letzteren befindet 
sich die — unitarische — Capelle, in welcher aufser dem gewöhn- 
lichen Sonntagsgottesdienste, täglich Morgen - und Abendandachten 
gehalten werden , an welchen alle Studenten Theil nehmen müssen. 
Vor den Gebäuden ist ein grofser, mit Bäumen umgebener Platz, 
auf welchem die Studenten sich amüsiren können. Es befinden sich 
gegen 350 hier, die gröistes Theils in den Universitätsgebäuden 
wohnen und essen; Mehrere jedoch, die keinen Platz finden, oder 
die an Familien empfohlen sind, wohnen in Privathäusern. Sie 
sind übrigens alle, nach Art der englischen Universitäten, einer 
sehr strengen DiscipJin unterworfen. Die Bibliothek, welche in 
zwei Sälen aufgestellt ist, enthält gegen 18,000 Bände. Man besitzt 
das grofse Werk über Aegypten, die erste Ausgabe; eine Poly- 
glotten-Bibel aus der Sammlung von Lord Clarendon; eine Pracht- 
ausgabe der Lnsiade von Camöetis mit Kupfern nach Zeichnungen 
von Gerard in Paris, vom Marquis de Soiiza besorgt und in Paris 
bei Dklot gedruckt. Von dieser Ausgabe sind nur 250 Exemplare 
abgedruckt, und dieses Exemplar ist der Universität vom Marquis 
selbst geschenkt worden. Von Manuscripten sah ich nur einige 
griechische , m eiche Herr Everett bei seiner Reise durch Europa 
in Constantinopel gekauft hafte, und ein anderes sehr künstliches, 



83 

die Aphorismen von Hippokrates enthaltend , welches ein englischer 
Schulmeister geschrieben hat, und welches ganz wie gedruckt aus- 
sieht. Im Hörsaal der mathematischen Wissenschaften fand ich 
eben keinen reichen Apparat. Auch sind nur wenige astronomische 
Insti'umente vorhanden , und an einem Observatorio fehlt es ganz. 
Eine neue Electrisirmaschine mit einer Glaskugel war erst vor Kur- 
zem aus England angekommen. Die mineralogische Sammluno- 
verdankt Herrn RitcJne einen grofsen Theil ihrer schönsten Exem- 
plare, die er, während seiner Reisen in Europa, zu Dresden gekauft 
und der Universität zum Geschenke gemacht hat. Ein Stück Basalt, 
das in die!-;ir Gegend in der Erde gefunden ist, hat Aehnlichkeit 
mit dem Profil eines menschlichen Gesichts. Man weifs nicht , ob 
es ein Naturspiel ist, oder ein Werk von menschlicher Hand. 
Sollte es etwa ein Ueberbleibsel sein von einem früheren Menschen- 
geschlechte, das von der Erde verschwunden ist^ dessen Dasein 
aber so Viele nicht ohne Grund vermuthet haben? Die übrio-en 
naturhistorischen Sammlungen waren nicht ansehnlich ; eine Samm- 
lung von Insecten und Schmetterlingen gab es gar nicht. Die Ge- 
weihe ZM eier Hirschköpfe hatten sich , in einem Kampfe zwischen 
ihren ehemaligen Inhabern, dergestalt ineinander geschoben, dafs 
sie durchaus nicht getrennt werden können. Die Hirsche sind , so 
verschlungen, getödtet worden. Das chemische Laboratorium ist 
in einem besondern , wie eine Capelle gebauten Hause angebra< ht. 
Das anatomische Theater ist aus Mangel an Raum von Cambridge 
nach Boston verlegt worden. In dem vormaligen anatomischen 
Hörsaale sind aber noch mehrere schöne Präparate von Wachs, in 
Florenz verfertiget. Unter ihnen schienen mir vorzüglich zwei 
lebensgrofse; Figuren! merkwürdig, ein männlicher und ein weib- 
licher Körper. Der Letztere stellt eine schwangere Frau vor, die 
man lagenweise auseinander nehmen kann. Neben der Capelle 
befindet sich der Versammlungssaal des academischen Senates , in 
welchem sehr schöne Kupferstiche aufgehängt sind. Auflallend war 
mir unter diesen Kupferstichen die Vertheidigung von G braltar 
durch Elliot^ und die Gefangennehmung des Admirals Deivinter 
durch den kAxmvaXDuncan. Dem Aufwärter, der uns herumführte, 
eab ich zwei Dollars. Er schien von meiner Generosität so 
erbaut zu sein , dafs er , als wir in der Capelle waren , dem Orga- 
nisten etwas ins Ohr sagte. Dieser spielte sogleich God save the 
King: was mir gleichfalls sehr auffiel. Im botanischen Garten 
füJirte uns der Professor Niäall herum, ein Engländer von Geburt, 
der ^mehrere naturhistorische Reisen in dem westlichen Theile der 

F 2 



84 

V. St. gemacht hatte. Unter den Gewächshauspilanzen benierkte 
ich eine Strelitzia, die aus selbstgewonnenen Samen gezogen 
vr'ar; ferner eine blühende sehr schöne Jnna gloriosa^ imd ein 
HedycJnum lojigifolhim. Das Gewächshaus, so wie der ganze 
Garten, ist nicht sehr grofs ; auch bemerkte ich in dem Garten keine 
aufserordentlichen Gesträuche oder Blumen, dagegen mehrere für 
mich ganz neue Käfer mit lebhaften Farben und wunderschöne 
Schmetterlinge. Unter den Studenten der Universität befindet sich 
übrigens ein Sohn des jetzigen Präsidenten /. Q. Adams und ein 
Herr Jerome Bonaparte y legitimer Sohn des vormaligen Königs 
von Westphalen aus seiher ersten Ehe mit Mifs Patterso.t in Balti- 
more, welche Ehe bekanntlich durch einen Maclitspruch des Kaisers 
Napoleon aufgelöset wurde. Man sagte sehr viel Gutes von diesem 
jungen Manne, der gegen 20 Jahr alt war. 

Meine Bekanntschaften vermehrten sich immer. Ich erhielt 
Besuche von vielen angesehenen Männern. Unter denen, die mir, 
am dritten Tage nach meiner Ankunft, diese Ehre erwiesen, war 
der dänische Gesandte in WasJihgton, Herr Peferson, der mit sei- 
ner Familie eine Reise nach dem nördlichen Theil der V. St. mach- 
te, und mir von Herrn Ritcine vorgestellt wurde; es war unter 
ihnen der Mayor der Stadt, Herr Josiah Quincij^ ein würdiger 
und äufserst gefälliger Mann , dem ich viele Verbindlichkeiten schul- 
dig geworden bin. 

Nachdem sich die Herren entfernt hatten, begab ich mich 
nach dem Neiv England Musenm^ von welchem mir eine sehr 
pomphafte Ankündigung zu Gesichte gekommen war. Dieses Mu- 
seum ist eine Privatunternehmung, und besteht aus einem Quod- 
libet von Wachsfiguren, Schwarzwälder-Spieluhren, ausgestopf- 
ten Thieren , Portraits , französischen Caricaturen , Schmetterlin- 
gen u. s. w. Mich interessirten nur zw ei Artikel : nämlich zwei le- 
bendige Klapperschlangen, und drei ägyptische Mumien. Die 
Schlangen , in der Gegend des ErieSees gefangen , lagen in ei- 
nem mit Glas bedeckten Kasten, und bekamen keine andere Nah- 
rung, als Wasser. Es sind häfsliche Geschöpfe, schwarzgrau, mit 
grofsen, spitzen Schuppen und gelben Bäuchen, grofsen dicken 
Köpfen , w eit hervorstehenden schw arzen Augen , und langen zwei- 
spitzigen Zungen. Die eine , gerade in der Häutimg begriflen , w ar 
momentan blind; sie hatte 4 Rasseln an ihrem Schwanz, und be- 
kam eine 5te. Die andere, ungefähr 45 Fufs lang, hatte 6 Rasseln, 
und bekam eine 7te. Der Aufwärter reizte sie auf alle Weise; aber 
sie liefsen ihr Rasseln nicht hören. Salmiak soll ein wirksames 



85 

Mittel gegen ihren Bifs sein. Die Mumien sind roriges Jal»r von 
einem amerikanischen Schifl' aus Aegypten mitgebracht worden. 
Die eine war noch in dem Zustand , in welchem sie im Sarge gele- 
gen hatte ; nur hatte man die Binden vom Gesicht hinweggenom- 
men. Die beiden andern waren mehr oder weniger aufgewickelt 
worden. Ihre Särge sind wohl erhalten. Ich bewunderte die Fri- 
sche der Farben an den Figuren , die auf denselben gemalt sind. 
Die eine Mumie hat 2 Särge gehabt; man schliefst daraus, dafs 
sie eine vornehme Person gewesen sein müsse. Ich sah hier fer- 
ner ein chinesisches Tableau , alle in China üblichen Torturen und 
Todesstrafen vorstellend: ein Schauder und Ekel erregender An- 
blick! Endlich bemerkte ich ein gutes Modell der ehemalij^en Ba- 
slille in Paris, aus einem der Steine dieses Gebäudes gemacht. 

Der Mayor, Herr Qnincij, hatte die Güte, uns das Staaten- 
Gefängnifs, stateprison, zu zeigen. Dieses Gefängnifs liegt auf 
einer Landspitze in Cliarlestown ^ ist vor ungelahr 20 Jahren 
auf Kosten des Staates Massacliusetis angelegt, und von Granit 
erbauet worden. Es besteht aus einem Corps de logisy in welchem 
sich die Wohnung und die Bureaux des Commandanten befinden, 
so wie die Wachtstube, und aus zwei Flügeln, in welchen die Ge- 
tangenen wohnen. Hinter denri Gebäude ist ein grofser Hof, der 
die verschiedenen Werkstätte der Gefangenen enthält. Eine hohs 
Mauer mit Palissaden versehen, schliefst denselben ein; und ein 
Rundenweg auf der Mauer ist Tag und Nacht von mehreren Schild- 
wachten besetzt. Die Hauptbeschäftigung der Gefangenen besteht 
im Zuhauen und Poliren der Granitblöcke , welche zum Bau der 
Häuser in Boston und den Umgebungen dieser Stadt gebraucht 
werden. Jeder Gefangene, dessen Leibesbeschaffenheit nicht zu 
schwach ist, mufs mit dieser harten Arbeit seinen Straf-Cursus be- 
ginnen, und je nachdem er sich bessert, oder andere Geschicklich- 
keiten besitzt, kommt er in eine bessere Werkstatt. Als Steinhauer 
mufs er täglich sein Pensum abarbeiten ; macht er weniger oder 
schlechte Arbeit, so wird er durch einsame Einsperrung — soUtanj 
confinement: dasselbe, was in den französischen Gefängnissen aur 
secret heifst — gestraft; arbeitet er mehr, als sein Pensum, so 
wird ihm diese Arbeit bezahlt. Ueber diese ihm zu gut geschrie- 
bene Bezahlung kann er bei seiner Entlassung disponiren. Die 
neuangekommenen Gefangenen , so wie diejenigen , die sich nicht 
gut aufführen, sind halb grün und halb blau gekleidet; wenn sie 
sich aber bessern, so verlieren sie diesen auszeichnenden Anzug. 
In andern Werkstätten wird für Entrepreneurs von Tischlern, 



> 86 

Drechslern, Böttchern, Kupfer- und Eisenschlägern u. s. w. gear- 
beitet. Wieder Andere weben wollene und baumwollene Zeuche 
für die Kleidung der Gefangenen; auch sind Schuster und Schnei- 
der für das Haus beschäftigt. Ein Kupferstecher , der wegen Ver- 
fälschung englischer Nova Scotia-BsLwknoten verurtheilt war , hatte 
eine besondere Werkstätte, und stach recht saubere Landcharten. 
Die Gefangenen schlafen zu 4 in einer ziemlich gut gelüfteten Zelle, 
und jeder Gefangene hat eine besondere Ilangmatte. Die Nah- 
rung der Gefangenen besteht aus schwarzem Brod und aus Suppe. 
Zum Frühstück und zum Abendessen erhalten sie etwas S} rup mit 
Mehl, eine Art von Pudding. Aufser dem sonntäglichen Gottes- 
dienst in ihrer Capelle haben sie täglich eine Betstunde. 

Ein Bericht über den Zustand des Gefängnisses in dem Jahre 
vom 30. Sept. 1823 bis zum 30. Sept. 1824 , der öffentlich von dem 
Aufseher — Wurden — Herrn Thomas Harris bekannt gemacht 
worden ist , giebt folgende Resultate. 

Vom Jahre 1805 bis zum 30. Sept. 1824 waren im Ganzen 1816 
Missethäter in das Gefängnifs abgeliefert worden. Von diesen 1816 
waren, nach Ablauf ihrer Strafzeit, 1103 entlassen; begnadiget 
waren 298; entsprungen 15; gestorben 102; übrig geblieben 298. 
— Von den entlassenen — 1103 — waren 213 zum zweiten Male, 
wegen neuer Vergehungen , dem Gefängnifs überliefert, und un- 
ter diesen 213 waren 24, die Begnadigung erhalten hatten. 

Am 30. Sept. 1823 hatten sich 308 Gefangene in dem Gefäng- 
nisse befunden. Von denselben waren 80 entlassen, 10 begnadigt, 
6 gestorben. Mithin waren 212 zurück geblieben. 86 waren hinzu 
gekommen, so dafs die Zahl der Gefangenen am 30. Sept. 1824, 
wie oben bemerkt wurde, 298 betiug. Unter ihnen befanden sich 
nur 3 Frauen. 

Von diesen 298 waren 54 schwarze oder farbige Menschen, 
und 59 weifse Fremde ; nämlich : 13 Engländer ; 17 Irländer ; 8 
Schottländer; A axLS Nova Scotia; 2 Canadier; 1 vom Vorgebirge 
der guten Hoffnung; 3 West-Indier; 4 Franzosen; 2 Schweden; 
2 Italiäner; 1 vom grünen Vorgebirge; 1 Portugiese; 1 Deutscher. 

222 waren venirtheilt wegen Diebstahls ; 26 , weil sie falsches 
Geld auszugeben versucht; 16 wegen Einbruchs; 7 wegen versuch- 
ter Nothzucht ; 6 wegen Mordversuche; 5 wegen Brandstiftung; 
11 wegen Fälschung; und 5, unter welchen die 3 Frauen, wegen 
Räuberei. 

Die Gefangenen wurden auf sehr verschiedene Weise beschäf- 
tigt. 121 mufsten Steine behauen, und 27 die Steine transportiren ; 



87 - — - 

30 waren Schreiner; 11 Bürstenmacher; 8 Weber; 6 Schuhmacher; 
10 Schneider u. s. w. Die Alten und Schwachen zupften Werg. 
Im Hospital waren 11; 4 im solitary confinement; 6 in den Stral- 
zellen, und 3 werden als Invaliden aufgerührt. 

Die Kosten des Gefdnjrnisses betrugen 41,695 Dollars für den 
Unterhalt der Gefiingenen, für Nahrung, Kleider und Betten, für 
Medicin u. s.w., endlich für die Anschafliing des Materials, das zu 
den Arbeiten der Gefano;enen nöthijr ist; und 15,926 Dollars für 
die Verwaltung, für die Besoldung der Beamteten u. dergl. Im 
Ganzen betrug die Ausgabe 57,622 Dollars, 

Dagegen betrug die Einnahme für die Arbeiten der Gefangenen 
58,834 Dollais. Mithin hatte das Gefangnifs dem Staate gar Nichts 
gekostet ; vielmehr hatte sich ein Ueberschufs oder ein Gewinn für 
den Staat — a proßt to the commomveaUh from the Institution — 
von 1,212 Dollars eigeben! 

Aus diesem merkwürdigen Gebäude hinweg führte uns der 
Mayor nach Cambridge. Auf dem Platz vor der Universität hatte 
eine freiwillige Jäger-Compagnie aus Boston, the JVashington Ran- 
gers, e'menßeldday, d. h. sie passirte eine Revue. Die Compagnie 
war bei unserer Vnkunft schon im Rückmarsche begriffen; sie hatte 
aber die Höflichkeit, Haltzumachen, und noch einmal zu tirai Ih- 
ren. Es fiel sehr gut aus. Die Jäger sind grün, etwas fantastisch, 
gekleidet, und mit langen gezogenen Büchsen bewaffnet. Mit den 
Offizieren und Unteroffizieren, lauter jungen Leuten aus den besten 
Familien, machte ich Bekanntschaft. Auch sprach ich einige Cam- 
bridger Studenten, von weichen mehrere in Uniform waren , und 
zu einer eigenen, nur aus Studenten bestehenden, Compagnie 
Freiwilliger gehören. 

Weiter fuhren wir auf das Schlachtfeld von Bunkershill bei 
Cliarlestown. Der Raum ist klein, aber die Bedeutung grofs in 
der amerikanischen Geschichte. Nur durch eine Brücke mit dem 
festen Lande zusammenhängend, liegt dieses Feld auf einer kleinen 
Insel, und hat 2 Hügel; der höchste, nördfich gelegen, heifst 
Bnnkershill, und der südliche, der Cliarlestown, und die Rhede 
von Boston theilweise beherrscht, Breedshdl. Im Jahr 1775 hatten 
die Amerikaner diese Hügel besetzt und genirten von hier aus mit 
ihrer Artillerie, die in einer eiligst aufgeworfenen Redoutc aufge- 
stellt war, die englische Besatzung von Boston und die Flotte. 
Am Morgen des 17. Juni machten die Engländer einen Auslall aus 
Boston, landeten an einer, östlich von der Redoutc gelegenen 
Landspitze, welche die Amerikaner zu schwach besetzt hatten, 



88 ' 

formirten hier ihre Angrifis-Colonnen, während ihre Artillerie von 
Boston aus Charleslown in Brand schofs, und griffen die Redoute 
an. Sie >ATirde so gut vertheidigt, dafs die Engländer zwei Male 
mit sehr grofsem Verluste weichen mufsten. Bei einem dieser ver- 
unglückten Angrifi'e wurde der englische Major Pitcairn^ der kuiz 
zuvor die englische Avantgarde bei der Affaire von Lexington 
commandirt hatte , von einem jetzt noch lebenden amerikanischen 
Scharfschützen erschossen, in demselben Augenblicke, da er seinen 
Soldaten zuiief, sie möchten vor diesen damiied reheis keine Furcht 
haben; es wäre nur ein Haufe von Heuschrecken. Die Engländer 
bekamen aber Verstärkung und erneuerten den Angriff. Die Ame- 
rikaner hingegen hatten sich verfeuert, und die wenige Munition, 
die man ihnen von Cambridge aus, wo General Lee sein Haupt- 
quartier hatte, zuschickte. Mar für das Caliber ihrer Stücke zu 
grofs. Succurs konnten sie nicht bekommen, da ein englisches 
Kriegsschiff die einzige Verbindungsbrücke mit dem festen Lande 
heftig beschofs. Sie mufsten sich also entschliefsen , die Redoute 
zu räumen, und verloren viele Menschen. Bei dieser Gelegenheit 
erschofs ein eng-lischer Offizier den Dr. Warren, einen der vorzü«;- 
liebsten amerikanischen Patrioten , der vor Kurzem vom Congresse 
zum General ernannt worden war. Die Engländer verfolgten die 
Amerikaner nicht weiter , als bis BunkersJiill , und zogen sich wäh- 
rend der Nacht nach Boston zurück. Man sieht noch die Ueber- 
bleibsel der Redoute ; und am letzten 17. Juni hatte man den Grund- 
stein zu einem Monument gelegt, das daselbst aus einem 210 Fufs 
hohen Obelisk errichtet werden soll. Bei dieser Ceremonie waren 
130 Veteranen gegenwärtig, die Letzten von den 1700 Ameiika- 
nern , die an dieser Affaire Theil genommen hatten. 

Endlich führte uns Herr Quincy in Ckarlestoum zu einem 
Miliz-Major, der sich viel mit Oeconomie , mit Vieh- und Pferde- 
zucht, abgiebt. Die Wirthschaft war interessant. Besonders zeigte 
uns der Major einen prächtigen englischen Ochsen, von welchem 
er sehr schöne und starke Kälber gezogen hatte, und einen schönen 
10jährigen englischen Beschäler, der ihm gleichfalls gute Dienste 
leistete. 

Bei solchen Fahrten und Wanderungen erkundigte ich mich 
hin und wieder nach der Engländerin Mifs Wright^ die vor einigen 
Jahren Briefe über Amerika herausgegeben hat, welche zu ihrer 
Zeit in Europa, wie in Amerika, Aufsehen gemacht haben. Man 
sagte : diese Dame habe mit ihrer Schwester ohne männliche Be- 
gleitung das Land in Dampfbüten und öff.^ntlichen Wagen durch- 



89 

streift; sie sei dem General Lafayette immer nachgezogen; >venn 
der General irgendwo angekommen sei, so habe man daraufrech- 
nen können, Mifs IFright würde den nächsten Tag auch eintreffen; 
in Boston habe man von der guten Dame nicht viel Notiz genom- 
men, und defswegen erwarte man, dafs sie nächstens einen litera- 
rischen Ausfall auf Boston machen würde. Uebrigens sei sie nicht 
mehr jung, von grofser Statur und männlichen Manieren. Im 
Ganzen machte man nicht viel aus ihren Briefen, und fand die 
Schmeichelelen, mit welchen sie von den Amerikanern und allen 
ihren Einrichtungen spricht, übertrieben. 

Am 30. Juli w ar ich am Bord der Pallas , um wegen der Aus- 
schiffung meiner Effecten allerlei zu besorgen. Ich blieb dort ein Paar 
Stunden , weil ich es in dem Schiffe viel kühler fand , als am Lande. 
Den ganzen Tag — so erzählte man — wurde das Schiff' von 
Besuchenden nicht leer: denn Capt. Byk verwehrte, mit der ihm 
eigenen Liberalität, Niemanden, der gut gekleidet war, den Zu- 
tritt. Auf amerikanische Kriegsfahrzeuge dürfen durchaus keine 
Civilisten kommen, wenn sie nicht einem oder dem anderen Offi- 
ziere bekannt sind; defshalb ist die Neugierde der hiesigen Ein- 
wohner so grofs , ein fremdes Kriegsschiff zu sehen. 

Als ich nach der Stadt zurückgekommen war, machte ich 
Herrn Quincy meinen Besuch. Er brachte mich nach dem Rath- 
hause, um mir die Gewehrkammern der hiesigen 13. Compagnie 
Freiwilliger zu zeigen. Eine dieser Compagnien existirt seit 1638 ; 
alle bestehen aus jungen milizpflichtigen Leuten aus guten Familien, 
die nicht mit ganz gemeinen Leuten in denselben Compagnien die- 
nen Avollen , sondern , in sehr eleganten Uniformen , sich mit einan- 
der vereinigen , und die Flanken-Compagnlen der Miliz-Bataillone 
bilden. Zu ihren wöchentlichen Waffenübungen bei schlechtem 
Wetter, haben sie einen grofsen Saal auf dem Rathhause. Auf 
denselben gehen die Thüren aller Gewehrkammern. Jede Com- 
pagnie ist an 60 Mann stark. Ein eigener Gewehrmacher hält die 
Waffen in gutem Stande. Die meisten Compagnien haben Infan- 
teriegewehre mit Bajonetten nach englischem Modell , und nur die 
rißemen rangers haben rißes oder gezogene Büchsen. Nicht allein 
die Waffen der Compagnie , sondern auch die Degen und Säbel 
der Offiziere und Unteroffiziere werden in den Kammern des Rath- 
hauses aufgehoben. 

Von dem Rathhause hinweg führte mich Herr Quincy ins 
Athenaeum , eine Lesegesellschaft. Man findet daselbst die Jour- 
nale aus den vorzüglichsten Plätzen der V. St. und eine Bibliothek 



90 

von circa 20,000 Bänden, die tlieiis durch Geschenke, thells durch 
Actien angeschalft worden sind. Ein angestellter Bibliothekar 
zeigte uns Alles; er zeigte uns besonders mehrere interessante 
Medaillen; auch die von Thomasson in Birmingham gemachte 
Sammlung, welche die Elginschen Marmors vorstellt. Auf dem 
Vestibüle des Hauses und im grol'sen licsesaal stehen Gypsabgüsse, 
welche der Advokat Tliorndike aus Rom mitgebracht und dem 
Atltenaeo geschenkt hat. Das schöne Haus selbst , dessen Werth 
auf 20,000 Dollars geschätzt wird , ist der Gesellschaft durch einen 
Herrn Per /eins, Bruder des berühmten Mechanikers in London, 
geschenkt worden. 

Einige Tage später — 2. August — hatte Herr Quincy die 
Gefälligkeit, mir verschiedene Hospitäler der Stadt zu zeigen. 

Das Civil-Hospital ist vor ungefähr 20 Jahren angelegt worden. 
Es ist ein von Granit massiv errichtetes Gebäude , mit 10 ionischen 
Säulen von demselben Steine geziert. Das Gebäude ist auf frei- 
willige Subscription angelegt worden ; später durch Legate berei- 
chert, erhält es sich durch die Interessen der Capitale und durch 
die Pension, welche einige Kranke bezahlen. Die Administration 
der Hospitäler und sonstiger Wohlthätigkeitsanstalten in Boston 
wird von den angesehensten Einwohnern unentgeltlich besorgt, 
und man rühmt diese Verwaltung als äufserst gut und ökonomisch. 
Das Haus hat ein Kellergeschofs und zwei Stockwerke nebst einem 
Boden, und kann gegen 80 Kranke beiderlei Geschlechts aufneh- 
men. Es ist in zwei Seiten getheilt, so dafs die Geschlechter keine 
Verbindung mit einander haben. In demselben befanden sich 56 
Kranke, durch 6 Wärterinnen — niirses — besorgt, die unter der 
Direction einer Matrone stehen, so wie das Haus unter derDirection 
eines Hausverwalters steht, der zugleich Arzt ist. Diejenigen 
Kranken, welche 10 Dollars die Woche bezahlen, haben ein beson- 
deres Zimmer und besondere Bedienung; andere bezahlen nur 3 
Dollars die Woche und mehrere gar Nichts. Diese wohnen in ge- 
meinschaftlichen Sälen, die aber sehr hell und gut gelüftet sind. 
Die Kranken schlafen in Betten von hartem Holze , haben gute hä- 
rene Matratzen und ausnehmend feine Bettwäsche. Die Treppen 
sind von Granit, die Fluren, Säle und Zimmer gedielt, die Fufs- 
böden mit Oelfarbe angestrichen. Ich habe viele Hospitäler ge- 
sehen, aber noch kein einziges, in welchem die Kranken so be- 
quem und schicklich untergebracht wären, und kein einziges, in 
welchem eine so grofse Reinlichkeit herrschte. Im Kellelgeschosse 
belinden sich die Küche und das Waschhaus. In der Küche 



91 

werden die Speisen vermittelst des Dampfes gekocht; das Wasch- 
haus hat dieselbe Einrichtung, wie jenes im Marine-Hospital zu 
Plymoiith, nämlich die coulissenartigen Rahmen zum Trocknen. 
Im ersten Stockwerke sind aufser einigen Krankenzimmern das 
Sessionszimmer der Administration und ein anatomisches Theater; 
im 2. Stockwerke befindet sich aufser den Krankenzimmern die 
Wohnung der Matrone. Auf dem Boden sind zwei grofse Wasser- 
behälter Megen Feuersgefahr. Das Wasser wird vermittelst Pum- 
pen hinaufgeschaftlt. Bei unserer Besichtigung begleitete uns einer 
der Directoren, Herr Cooledge. Derselbe begleitete uns auch zur 
Besichtigung des Narrenhauses — lunatic asylum — das unter der- 
selben Verwaltung steht. 

Dieses Gebäude liegt zwischen Cambridge und Charlestown 
auf einem Hügel. Man hat zur Einrichtung ein freundliches Land- 
haus gekauft, das zur Wohnung des Verwalters und des Haupt- 
arztes , so wie zur Küche und zum Waschhause dient Hinter diesem 
Hause, und tiefer liegend, sind zwei sehr solide, 3 Stockwerk hohe 
Flügel angebaut, der eine für die Männer, der andere für die 
Weiber bestimmt. Die Flügel haben etwas gefängnifsartiges ; sie 
M erden aber durch das Hauptgebäude, das eine recht freundliche 
Ansicht hat, versteckt, und dadurch wird der unangenehme Ein- 
druck vermieden , welchen die Anstalt sonst auf die unglücklichen 
Gemüthskranken bei ihrer Ankunft machen dürfte. An jedem Flü- 
gel befindet sich ein grofser , mit Mauern umgebener Grasgarten 
zum Spaziergange der Kranken. Durch jedes Stockwerk läuft der 
Länge nach ein gut erleuchteter Corridor lündurch , auf welchen 
zu beiden Seiten die Thüren der Zellen für die Kranken stofsen. 
In den Zellen ist Nichts vorhanden, als ein hölzernes Bett, wie im 
Hospital. Jedes Stockwerk hat einen Speisesaal und ein Versamm- 
lungszimmer. In dem Letzten, in welchem sich die Kranken den 
Tag über aufhalten können, befindet sich ein Tisch mit Bänken, 
niet- und nagelfest. Die Rasenden kommen in einsame Gefäng- 
nisse, und wenn man sie nicht bändigen kann, so werden sie unter 
ein kaltes Regenbad gebracht. Die Heizung wird , wie im Hospital, 
durch unterirdische caloriferes besorgt. Uebrigens herrschte auch 
in diesem ItTenhause, in welchem sich 40 Kranke befanden, durch- 
weg die gröfste Reinlichkeit. 

Am 3. August holte mich Herr Quincif gegen 12 Uhr ab , um 
mich, nebst dem Capt. Ryk und Herrn Tromp., dem ehemaligen 
Präsidenten .^rfaw«, dem Vater des jetzigen , vorzustellen. Dieser 
w ürdige 90jährige Greis , cinei* dei' Unterzeichner der Unabhängig- 



92 

keltsacte am 4. Juli 1776, lebte 10 Meilen von Boston auf seinem 
Landliause in der Gemeinde Quinctf , g;eptlegt von seiner Familie, 
und verehrt von der j^anzen Nation, die ihn Mie einen gemein- 
schaftlichen Vater betrachtet. Ich fühlte mich tief ergritien , als 
ich mich diesem ehr\>ürdigen Mitstifter der amerikanischen Unab- 
hängigkeit nahete, und als der alte Mann mir die Hand reichte. 
Er war noch im völligen Besitze seiner Geisteskräfte, hatte ein sehr 
gutes Gedächtnifs, erinnerte sich nicht allein der Dinge, die vor langer 
Zeit vorgefallen waren, sondern wufste auch Alles, was vor Kurzem 
geschehen, und was noch geschah. Seine Rörperkräfte nahmen 
jedoch ab , und vorzüglich fühlte er eine grofse Schwäche in den 
Beinen. Er unterhielt sich mit uns etwa eine halbe Stunde lang, 
besonders über Holland, wo er während des Ilevolutionskrieges 
Gesandter gewesen war, und seine alten Züge heiterten sich auf, 
als er davon sprach, dafs er die Ursache gewesen väre, dafs Hol- 
land damals an England den Krieg erklärt, und der englische 
Gesandte, trotz aller seiner Intriguen, nichts auszurichten vermocht 
hätte. Als Herr Tromp ihm vorgestellt ward, erinneite er sich der 
grofsen Vorfahren desselben, schüttelte ihm freundlich die Hand, 
und rief ihm bewegt zu: God blefs you, van Tromp! Mit unbe- 
schreiblicher Rührung nahmen wir von diesem würdigen Greis 
Abschied , und wünschten uns Glück , diesem seiner irdischen Auf- 
lösung so nahen Veteranen einer Revolution, die man wohl heil- 
sam nennen darf, noch vorgestellt worden zu sein! 

In seinem Hause sahen wir mehrere gute Portraits von ihm 
selbst; auch seine Büste; ferner Portraits von seiner vor 7 Jahren 
verstorbenen Frau , von seinem Sohne , dem Präsidenten , und von 
dem General Dr. Warren , der bei BunkersJiUl gefallen ist. Auch 
fanden wir einen Sohn des jetzigen Präsidenten, der Advokat in 
Boston ist, und den ich vor einigen Tagen im Atkenaeo kennen 
geleint hatte. 

Der Weg von Boston nach Quincy , den wir gekommen waren, 
ist eine gute Chaussee, Tnrnpihe road genannt. Er läuft über 
einige Hügel, auf welchen man ein schönes Panorama hat: hinter 
sich die Stadt , links die Bai , vor sich eine wohlangebaute Gegend 
mit hübschen Landhäusern, und rechts die unter dem Namen der 
(Aue falls bekannten Berge. Man kommt an mehreren netten 
Landhäusern vorbei ; die Besitzungen sind durch trockene Mauern, 
deren Steine zum Theile behauen sind , von einander geschieden, 
ungefähr wie in Schottland. Alte Bäume sieht man nicht: denn die 
ersten Ansiedler haben unvorsichtigerweise alles Holz ausgerodet. 



93 

und jetzt mufs es mit grofser Mühe Nvieder angepflanzt werden. Man 
hat viele italiÜRische Pappeln und Platanen. In der Gegend scheint 
viel Wohlstand zu herrschen; wenigstens haben die Bauern ein 
gutes Vorkommen , und die Häuser ein gutes Aussehen. "Wir 
bemerkten z. B. eine gewöhnliche Dorfschmiede, die massiv von 
Granit aufgebaut war. Bei dem sehr netten Dorfe Miltoiibridge 
fährt man über den Flufs Neponset , der für kleine Fahrzeuge 
schiffbar ist. 

Die Gemeinde Quinci/ zählt ungefähr 4000 Einwohner, und 
hat ihren Namen zur Ehre der Familie des Mayor angenommen, 
die hier sehr geliebt und geachtet ist. Herrn Quincy's Landhaus, 
nach welchem wir uns , von dem Hause des alten Präsidenten hin- 
weg, begaben, ist ungefähr 2 englische Meilen von demselben 
entfernt, und liegt in der Nähe der See auf einem kleinen Hügel. 
Von diesem Hügel erfreut man sich einer schönen Atissicht auf die 
Bai. Herr Quincy stellte uns seiner Familie vor, seiner Frau, 
2 Söhnen und 4 Töchtern. Die älteste Tochter ist sehr gebildet 
und zeichnet vorzüglich gut Landschaften in Sepia. Vor einigen 
Jahren war sie mit ihrer Familie an den Wasserfällen des Niagara 
gewesen, und hatte mehrere Ansichten zu Papiere gebracht. Die 
andern Töchter sind ebenfalls sehr gut erzogen und haben musi- 
kalische Talente. Wir trafen hier mehrere Herren aus Boston, 
unter andern Herrn Shepherd, Herrn Everett und den Präsiden- 
ten KirJdand aus Cambridge. Dieser hatte einen alten englischen 
Schulmann, Cooper, bei sich, der mit Priestley vor 35 Jahren 
aus England geflüchtet war, und jetzt das Columbia College in 
Süd-Carolina dirigirte. Er schien ein finsterer , strenger Mann zu 
sein , dessen Weise gegen das humane , freundliche Benehmen des 
Dr. Kirkland sehr abstach. Gegen Abend fuhren wir auf einem 
näheren Wege nach Boston zurück, und passirten den Neponset 
auf einer hölzernen langen Biücke , die Herr Quincy hatte bauen 
lassen, nicht weit von der Mündung dieses Flusses in die See. 
Dann fuhren wir durch die Gemeinde Dorckestor, und sahen rechts 
auf einer Anhöhe die Ueberbleibsel zweier von den Engländern 
erbauten Redouten, die einst der grofse Washington eroberte, 
verstärkte, und dadurch vorzüglich zur Räumung Bostons von 
Seiten der Engländer beiti'U";. 

Bei einer Landpartie — 4. August — zu einem Herrn Natha- 
mel Amory, fuhren Avir über den langen Milldam, der einen Theil 
der Boston umjrebenden See abschneidet, welcher Theil nach und 
nach au.-^jrefüllt und mit Häusern bebaut werden soll. Sechs Meilen 



94 

von der Stadt gingen wir auf einer hölzernen Brücke über den 
Charlesriver, um das gegenüber liegende Arsenal zu besehen. 
Dieses Etablissement ist im Jahr 1816 erbaut worden. Ein langer 
Hof ist mit einer Mauer von Granit umgeben. Vorn steht das 
Hauptarsenal, 3 Stockwerk hoch, mit zwei Flügeln, in m eichen 
die J^wreaMjr sind , und die beiden Directoren, Major Craige und 
Lieutenant van Nessen, wohnten. Hinter diesem Gebäude, auf 
beiden Seiten des Hofes , stehen die Werkstätte der verschiedenen 
zum Arsenal gehörigen Handwerker, und einen Büchsenschufs vom 
Arsenal entfernt ist das Pulvermagazin aus Granit errichtet, das 
gegen 50,000 Pfd. enthält. Im Arsenal Averden 30,000 Infanterie- 
gewehre aufgehoben, in Kisten zu je 20 Stück. Ich sah daselbst 
eine neu erfundene Maschine , um 162 bleierne Kugeln auf ein Mal 
zu giefsen und zugleich den Angufs abzuschneiden. Uebrigens 

lieirt das Arsenal in einer sehr freundUchen Gegend, in der Ge- 
rt O ' 

meinde Watertoivn. 

Wir fuhren welter längs des Ufers vom CJiarlesriver in einer 
romantischen Gegend nach der Gemeinde Waltham. Daselbst ist 
eine Branche einer grofsen Baumwollenmanufactur angelegt, die 
einer Gesellschaft von 25 Personen gehört. Sie steht unter der 
Direction eines Herrn Jackson, der eine sehr hübsche Wohnung 
hat, in welcher er mit seiner liebenswürdigen Familie ein glück- 
liches Leben zu führen scheint. Es werden gegen 450 Arbeiter 
beschäftigt, die in verschiedenen, der Fabrik gehörigen Gebäuden 
wohnen , und eine eigene Colonie bilden. Sie haben zwei Schulen, 
eine Kirche und einen eigenen Geistlichen. Es scheint viel Wohl 
stand unter ihnen zu herrschen, wie der gute Anzug, das reinliche 
Aeufsere und das gesunde Aussehen der Arbeiter beweisen. In 
den Fabrikgebäuden wird die Baumwolle gesponnen und gewebt; 
das Färben und Drucken wird in einem andern Etablissement be- 
sorgt. Die Maschinen werden durch Wasser in Bewegung gesetzt, 
welches im Winter niemals frieren soll , an welchem es aber in dem 
dürren Sommer etwas mangelte. Zum Spinnen bedient man sich 
anderer und einfacherer Maschinen, als der MuUjetmys, und auch 
die Dressing-machines sind anders, als die niedeiländischen; ich 
glaube aber, nicht besser, da sie nur einen Cy linder auf einmal 
aufwinden. Die Webemaschinen sind meistens von Holz, das sehr 
wohlfeil ist. Ich glaube jedoch, dafs die eisernen, wie wir sie haben, 
besser sind. Die Arbeiter in dieser Fabrik sind, wie ich später 
erfuhr, in der ganzen Gegend wegen ihrer guten Sitten gut ange- 
sehen, und man lobt allgemein ihre Moralität. In 10 Jahren hat 



95 

man ein einziges Beispiel gehabt, dafs ein Mädchen verfuhrt 
Morden. 

Von dieser Fabrik hinweg , fuhren wir an mehreren geschmack- 
vollen Landhäusern und Pai4\S vorbei. Die Parks sind weniger 
grofs, als in England; denn hier zu Lande giebt es keine Majorate, 
und das Erblheil der Eltern zerfallt bei ihrem Tod in so viele 
Theile, als sie Kinder hinterlassen. Daher finden sich keine so 
grofsen und mächtigen Grundeigenthümer, als in England. Man 
kann vielleicht streiten, ob die Majorate oder die Theilungen den 
Vorzug verdienen; gewifs aber ist: hier, in Amerika, veibreitet 
sich der wirkliche Wohlstand weit mehr unter der Nation, und das 
Land wird besser angebaut. 

Herrn Nuthaniel Amorys Landhaus liegt auf einer kleinen 
Anhöhe in einem mittelmäfsig grofsen Park, und gewährt eine weite 
Aussicht über die Gegend von Boston. Herr Amorij hat von seinen 
Reisen mehrere gute Gemälde aus der niederländischen Schule 
und einige schöne Mosaiken aus Rom mitgebracht, mit welchen 
die Zimmer seines Hauses geschmückt sind. Nachmittags machten 
\\\v einen Spaziergang durch den Park nach einem cottage, welches 
dem englischen Schifls-Capitain Wormley , dem Schwager des Hrn. 
Amory gehört, das zwar klein, aber äufserst nett eingerichtet ist, 
und eine sehr schöne Lage hat. In der Landschaft, die man dort 
erblickt, nimmt sich ein mit Bäumen beschatteter kleiner Landsee, 
thefresJi pond genannt, sehr malerisch aus. Nachdem wir uns bei 
dieser freundlichen Familie recht gut amüsirt hatten, fuhren wir 
nach 9 Uhr Abends über Cambridge nach Boston zurück. 

Den Navy yard besah ich — 5. August — in Gesellschaft 
des Major Mainwriglit von den Mariniers und des Lieutenants 
0wynn, der interimistisch das Commando über den Navy yard 
führte. In der kleinen Kaserne der Marines, mit welcher ^ir 
begannen, sind die Stuben nicht grofs; die Betten stehen in den 
Stuben auf einem Gerüste, so dafs es sehr eng und dumpfig ist. 
Die Soldaten hatten auch kein besonderes Aussehen. Der Navy 
yard ist erst seit 12 Jahren angelegt und noch nicht vollendet, aber 
sehr geräumig. Ein dry dock ist noch nicht vorhanden , sollte aber 
auf einem sehr guten Local angelegt werden. In ordinär y befan- 
den sich die beiden Linienschift'e Columhus und Indepcndence und 
die Fregatte Java> Zwei Linienschiffe und eine Corvette standen 
auf dem Stapel, und hatten noch keinen Namen. Die beiden 
ersteren , unter Dach gebaut, waren vollendet, so dafs sie vom 
Stapel laufen konnten, so bald das Gouvernement es befehlen 



96 

würde. Da man aber Nichts versäumte, so liefs man die Schiffe 
so lange als möglich auf dem Stapel und unter Dach stellen, damit 
das Holz noch besser austrocknen könnte. Die Dächer sind gröfser, 
als die englischen, und förmlich wie Häuser eingerichtet. Sehr 
bescheiden nennt man die beiden Schiffe 74ger , sie sind aber beide 
Dreidecker, das eine für 130 Kanonen, 32 Pfünder, und das an- 
dere für 106 von demselben Caliber eingerichtet. Sie sind durch- 
gäno^ig von virginischem Eichenholze gebaut, und um den dryrot 
zu vermeiden, hat man in alle Fugen Salz gestreut, was, wie man 
mir versicherte, eine sehr gute Wirkung hat. Die Schiffe sind 
so hoch und geräumig gebaut, dafs ich in den beiden unteren 
Batterien unter den Balken aufrecht stehen konnte. Was die Con- 
struction betrifft: so hatte man hier von einigen Methoden , die in 
anderen Marinen angewendet werden, und die zur Verstärkung 
und zuo-leich zur Erleichterung der Schiffe beitragen, noch keinen 
Gebrauch gemacht. So bemerkte ich nicht die kreuzförmige Ver- 
stärkung der Seitenwände und die Diagonalen-Decke nach dem Plane 
von Sir Robert Sepphigs, von welchen beiden Verbesserungen 
man doch sowohl in der englischen, als in der niederländischen 
Marine den gröfsten Vortheil zieht. Dagegen hat man, wie in 
Eno-land, das System, zu Schiff-Constructeurs nicht, wie in den 
Niederlanden und in Frankreich, Ingenieurs, sondern nur Zimmer- 
leute zu gebrauchen. Herr Backer, der hiesige Master Shipwright^ 
mit dem wir Bekanntschaft machten, wird als ein sehr geschickter 
Mann gerühmt. 

Nachdem wir den Navy yard besehen, uns über den guten 
Zustand desselben herzUch gefreut, und ihm eine baldige Vollen- 
duno- gewünscht hatten, machten wir der Frau des Commissioner, 
Capt. Craine, der selbst abwesend war, unsern Besuch. Das Haus 
des Commissioner's gehört dem Gouvernement, und liegt auf einer, 
den Navy ijard beherrschenden Anhöhe. Der Architect, der den 
Plan dazu gemacht hatte , belästigte den damaligen Commissioner 
mit ewigen Anfragen wegen der Form des Hauses, dergestalt, dafs 
dieser endlich, im höchsten Grad der Ungeduld, antwortete: er 
möchte es bauen Uke Ins — . Der Architect nahm ihn beim A¥orte, 
und führte sein Gebäude mit zwei so dicht neben einander stehen- 
den cylindrischen Aussprüngen auf, dafs man vom Navy yard aus 
einen ganz sonderbaren Anblick hat. Uebrigens sahen wir im Navy 
yard Segel von starkem Baumwollenzeuge, die man sowohl Avegen 
ihrer leichten Behandlung, als wegen ihrer besondern Dauerhaftig- 
keit den Segeln von Leinwand vorzieht. In der navy liebt man sie 



97 

jedoch nicht, weil sie zu leicht Feuer fangen, und folglich während 
einer Afl'aire dem Schiffe sehr gefährlich werden könnten, und 
defs wegen bedient man sich ihrer auch nur am obern Theile der 
Masten. 

Am folgenden Tage lud Herr Quincy mich freundlich ein, mit 
ihm einige der hiesigen öffentlichen Schulen zu besuchen, die unter 
seiner Inspection stehen. Ich nahm diese Einladung sehr gern an. 
Denn in einem Lande , wie dieses , in welchem das Volk sich selbst 
regiert, wird ohne Zweifel der herrschende Geist am Besten aus 
den Anstalten für die öffentliche Erziehung; erkannt. Es ffiebt aber 
in Boston, aufser verschiedenen Privatschulen, zwei Öffentliche 
Schulen , eine lateinische und eine philosophische , hi^h sc/iool ge- 
nannt. Beide werden durchaus auf Kosten der Stadt erhalten. 
Knaben aus allen Yolks-Classen werden zugelassen und brauchen 
nicht das Geringste zu entrichten *). Zu Lehrern hat man tüch- 
tige junge Leute ausgesucht, die sehr gut besoldet werden. Der 
erste Lehrer an der high school hat einen jährlichen Gehalt von 
2500 Dollars. Das Studium der alten Sprachen, der lateinischen und 
griechischen, ist die Basis des öffentlichen Unterrichts. Bei ihrer 
Erlernung wird zugleich die Aufmerksamkeit, der Scharfsinn und 
das Gedächtnifs der Zöglinge auf raannich fache Weise geübt. Sagt 
z.B. Eiuer einen Vers aus der Aeneide her, und wiederholt den 
letzten Buchstaben: so tritt sogleich ein Anderer auf und sagt aus 
demselben Gedicht einen Vers her, der mit diesem Buchstaben an- 
fängt. Die jungen Leute machten dieses Kunststück mit bewunde- 
rungswürdiger Schnelligkeit. Bei unserer Anwesenheit fanden 
gerade Declamirübungen Statt. Einer der Schüler recitirte die 
Rede eines englischen Parlamentsmitgliedes für die Emancipation 
der Irländischen Catholiken mit einem Feuer und mit einer so 
richtigen Diction , dafs die Rede im Parlamente kaum besser gehal- 
ten sein kann. Ein Anderer recitirte eine Rede, in welcher die 
Vortheile eines gemäfsigten Gouvernements vor einem despotischen 



') Die Kosten des öffentlichen Unterrichts — mit Ausncilime der Harvard 
University — werden durch eine, von den Repräsentanten des Staats 
Massachusetts hewilligte, Schultaxe bestritten, zu welcher jeder .Stants- 
hürger ein Quantum beizutragen verpflichtet ist. Diese nachahmnngs- 
würdige Einrichtung besteht auch in den Staaten, Maine, Netv-IIamp- 
shire, Jermont, Jihode- Island und Connecticut. Im letzteren Staate 
müssen sogar die Eltern, welche ihre Kinder zum Besuche der Schul« 
anzuhalten unterl.assen , für jedes fehlende Kind 5 Dollars zum Bebten 
der Schul-Casse als Strafe zahlen. 

1. G 



98 

auseinander gesetzt mnden, ebenfalls sehr gut und deutlich. Nach 
jedem Lehrtage wird jedem Schüler nach Maafsgabe des bewie- 
senen Fleifses für den folgenden Tag seine Nummer in der Classe 
\om Lehrer angezeigt, und zugleich in ein Buch eingetragen. 
Am Ende des Monats werden nach diesen Nummern die Censuren 

ertheilt. 

In der hi^Ji school werden <iie mathematischen und physikali- 
schen Wissenschaften gelehrt: sie hat ein recht gutes physikalisches 
Cabinet. Wir kamen zum arithmetischen Unterricht in der einen, 
und zum Unterricht in der analytischen Geometrie in der andern 
Classe. In der ersten sah ich, dafs das Kopfrechnen sehr stark 
geti'ieben wird, und wunderte mich über die schnellen und richti- 
gen Auflösungen schwieriger Aufgaben. In der höhern Classe 
stellte der Lehrer eine Frage auf und augenblicklich erhoben sich 
Alle, welche dieselbe beantworten zu können glaubten. Einer 
wurde vom Lehrer zum Antworten bezeichnet; und wenn nun ein 
Anderer glaubte, in dei* Antwort sei etwas nicht ganz richtig, so 
erhob er, ohne zu unterbrechen, die Hand, und berichtigte dann, 
aufgefordert, die Antwort. Ich freute mich sowohl über das freund- 
liche Wesen der Lehrer, als über das bescheidene, anständige, 
ungezwungene Benehmen der Schüler. Die Knaben hatten meistens 
hübsche Gesichter und alle eine aufgeweckte Physiognomie. Dabei 
he«»-en sie, wie ich mich vielfältig überzeugte, die gröfste Hoch- 
achtung gegen ihre Eltern und Lehrer. Es scheint mir unmöglich, 
dafs juno-e Leute, die eine so liberale Erziehung bekommen, zu 
bösen oder heimtückischen Menschen heranwachsen können. Ich 
w ar in der That gerührt , als ich die Schulen verliefs , und konnte 
nicht umhin, Herrn Quincy von Heizen Glück zu wünschen zu 
einer solchen werdenden Geneiation ! Capt. Ryk , der uns beglei- 
tete , theilte meine Ansichten und meine Gefühle, 

Aus den Schulen hinweg begaben v,ir uns nach dem Staaten- 
hause oder dem Capitol, von dessen äufserem Anblick ich schon 
gesprochen habe , dessen innere Einrichtung ich jedoch noch nicht 
gesehen hatte. Im Innern aber befinden sich, aufser allen zur 
Administration des Staates gehörigen Bureaux, die Versammlungs- 
säle der drei Kammern, welche den Staat regieren, des Rathes 
vom Gouverneur, des Senats und der Deputirten. Diese Gemächer 
sind zwar sehr geräumig; man sieht jedoch aus Allem, dafs man 
vor 37 Jahren , da diefs Gebäude aufgeführt wurde , sehr eilig ver- 
fahren ist, und dafs die Baukimst damals in den V. St. die Fort- 
schritte noch nicht gemacht hatte, die sie seitdem gemacht hat 



99 

Alle Treppen sind von Holz. In einem der Zimmer ist eine Tro- 
phäe von Braunschweigischen Waffen aufgerichtet, die in der 
Schlacht bei Saratoga erbeutet worden sind. 168 Stufen führen 
in die Laterne der von Holz gebauten und mit Kupfer bedeckten 
Kuppel. Trotz der gewaltigen Hitze stiegen wir hinauf, und 
fanden uns durch eine ganz herrliche Aussicht für unsere Mühe 
reichlich entschädiget. Die Laterne ist der höchste Punct in der 
Gegend; man übersieht nicht nur die ganze Stadt und die Bai, 
sondern man hat auch einen weiten Blick in das Land hinein , und 
bemerkt überall eine Menge netter Wohnungen. 

So verliefen fast 14 Tage auf eine ungemein angenehme und 
lehrreiche Weise. Im Allgemeinen befand ich mich so w oh! , dafs 
ich mich des Neuen und Interessanten überall mit heiterm Geist 
erfreuen konnte ; nur ein Paar Tage war ich , wahrscheinlich von 
der grofsen Hitze, etwas unpäfslich. Auch die Zwischenstunden, 
welche dem Besuchen öffentlicher Anstalten nicht gewidmet werden 
konnten, gewährten gröfstes Theiles lehrreiche Vergnüguno-en. 
Die Morgen brachte ich hin mit Lesen und Schreiben; alsdann 
winden Besuche gemacht oder empfangen, und immer fand ich 
Artigkeit, Zuvorkommenheit, Gefälligkeit. An den Sonntagen, 
die ich in Boston zubrachte, und die in Amerika noch stiller zu 
sein pflegen, als in England, besuchte ich die Kirchen: das erste 
Mal ging ich, von einem Sohn des Mayor begleitet, in die Kirche 
der Unitarier; das zweite Mal, in Gesellschaft des Herrn Lloyds 
eines sehr angesehenen Mannes und Mitgliedes des Senats der V. St., 
in die Kirche der Episcopalen. Den Mittag speisete ich ein Paar 
Mal an der allgemeinen Tafel des Gasthauses; gewöhnlich aber 
folgte ich einer freundlichen Einladung ; und die Abende verlebte 
ich alle sehr vergnügt in Gesellschaften, musikahschen Soirees und 
andern Unterhaltungen. Auch wurden, aufser den schon ange- 
führten, noch ein Paar Ausflüge auf das Land gemacht. 

Die Gesellschaften, besonders die Gesellschaften, in welchen 
die Damen nicht fehlen, sind ungemein heiter und fein. Denn 
t beide Geschlechter sind sehr wohl erzogen und unterrichtet. Auf 
die Erziehung des weiblichen Geschlechtes wird so viele Sorgfalt 
verwendet, dafs man es in andern Ländern vielleicht übertiieben 
finden dürfte. Die jungen Damen lernen sogar das Lateinische und 
Griechische; sie wissen aber auch von andern Dingen zu sprechen, 
als von Moden und Stadtareschichten. So wohnte ich bei der 
Generalln Hi/mphreif einer Soiree bei, die ganz im europäischea 
Stile war ; ohne Spiel , ohne Tanz , ohne Musik , und doch heiter 

G 2 



100 

und angenehm. So habe ich sehr vergnügte Stunden verlebt bei 
Herrn Ritchie, hei Herrn Dixoji, bei Herrn i/owcr, bei Madame 
Otis, bei Herrn Shepherd und bei Herrn Artigenavey einem Fran- 
zosen, vormals Schauspieler beim Thedtre frangais in Paris und 
jetzt Professor der französischen Sprache bei der Universität Cam- 
bridge. Viele der Herren, die man in einer solchen Gesellschaft 
antrifft, haben Reisen in Europa gemacht; zuweilen haben die 
Frauen sie begleitet ; oft sind Europäer gegenwärtig ; und so fehlt 
es nicht an den Elementen der Unterhaltung. Auch bieten die 
meisten Häuser irgend etwas Erfreuliches aus dem Gebiete der 
schönen Kunst dar. Und w enn man des Abends nach Hause geht, 
so findet man die Stadt , wie die Brücken und den Milldam , zwar 
noch nicht mit Gas , jedoch mit Reverberen , vortrefflich erleuch- 
tet, und trifft nicht das Mindeste von dem Unfug in den Strafsen 
an , der in den Städten Englands so oft das Gefühl empört. 

Einen Ausflug aufs Land machten wir — 1. August — mit 
Herrn Dixon auf seinem Dearborn. Ein Dearborn ist ein ein- 
spänniger 4rädriger äufserst leichter Wagen mit zwei Bänken. Wir 
fuhren über die Landenge^, the neck genannt, welche Boston mit 
dem festen Lande vereinigt, und im Revolutionskriege von den 
Engländern verschanzt worden war. Dann bergauf nach den Höhen 
\onRoxbiiry, aufweichen, während derBlokade, der rechte Flügel 
der amerikanischen Linien stand. Der Grund ist sehr felsig und 
zumTheile mit Tannengebüsche bewachsen; das früher hier gestan- 
dene Holz mufs ganz hinweggeschlagen sein , da man keinen einzigen 
hohen Baum bemerkt. Weiterhin kamen wir an sehr hübsche 
Landhäuser und Gärten, erstere meistens 2 Etagen hoch und mit 
bedeckten Säulengängen umgeben. Wir machten in einem der 
geschmackvollsten Landhäuser dem Besitzer, Herrn Rufus Amori/y 
unsern Besuch. Eine Allee von Eichen , Ulmen und Ahornen führte 
nach dem auf einem kleinen Hügel stehenden Wohnhause, von 
Avelchem aus man eine weite und reizende Ansicht von Boston und 
der Bai geniefst. Aeufserst zuvorkommend und gastfrei wurden 
wir von dem freundlichen Besitzer aufgenommen. Durch eine 
romantische Gegend fuhren wir nach der Gemeinde Dorchester., um 1 
dem General Siimner auf seinem Landsitz einen Besuch zu machen, 
trafen ihn jedoch nicht zu Hause. Hierauf kehrten wir auf einem 
andern sehr schönen AVege nach Boston zurück und fuhren an einer 
grofsen Taumanufactur vorbei, deren Werkzeuge durch eine 
Dampfmaschine in Bewegung gesetzt wurden. 

Bei einer andern Landpartie nach Dorchester, an welcher 



101 

mehrere junge Leute, Söhne der reichsten hiesigen Einwohner, 
Theil nahmen , wurde gekegelt. Dieses Spiel heifst hier teil pins, 
weil man 10 Kegel hat. 

Endlich kann ich eines Besuchs nicht unerwähnt lassen , den 
ich, von Herrn Ritckie begleitet, bei Herrn Coolidgey Sohn, 
machte. Herr Coolidge hatte vor etwa 3 Monaten eine Mifs Ran- 
dolp/i, Enkelin des ehemaligen Präsidenten Jefferson^ geheirathet. 
Seine junge Gemahlin, etwa 30 Jahre alt, ist von ihrem Grofsvater 
auf dem Land und in seiner Bibliothek erzogen worden. Sie ist, 
sagt man, so gelehrt, dafs der alte Jefferson sie oft um Rath ge- 
fragt haben soll. Erst vor wenigen Tagen war sie angekommen, 
und hatte ansagen lassen , dafs sie Besuch empfangen würde. Wir 
tk afen daher das Zimmer ganz mit Menschen angefüllt. Von diesen 
nahm ein Jeder bei'm Weggehen ein Stück Hochzeitskuchen, in 
Papier gewickelt, mit sich. Die jungen Damen, sagt man, legen 
diesen Kuchen unter das Kopfkissen, und träumen alsdann von 
ihrem zukünftigen Schatze. 



V. 

Reise von Boston über Worcester und Northanipton 
nach Alhany, Aufenthalt daselbst. 

Vom a Lis 14. August 1825. 



So lieb und werth mir auch Boston geworden war, und so 
angenehm und lehrreich ein längerer Aufenthalt noch immer ge- 
wesen sein würde: so glaubte ich doch nicht länger verweilen zu 
dürfen. Ich entschlofs mich also , m.eine Reise fortzusetzen , und 
mich zuerst nach den M'estlichen Staaten zu wenden , wohin vorzüg- 
lich der Wasserfall des Niagara mich zog, alsdonn üher den See 
Ontario, den St. Lawrenze hinab, nach Canada zu gehen, und 
über den Lake Cliamplain nach den Y. St. zurückzukehren. Da 
aber diese Reise mit mehreren Schwierigkeiten verknüpft ist, und 
da ich sie defswegen nicht gern allein , nur von einem Diener be- 
gleitet, machen wollte, so bat ich Freund Tromp., dessen Gegen- 
wart auf der Pallas nicht nöthig war, mir auf dieser Reise Gesell- 
schaft zu leisten. Herr Tromp nahm den Vorschlag an , und meine 
Freude war um so gröfser, je werther mir der junge MannMegen 
seiner soliden Kenntnisse, seiner Bescheidenheit und seines biedern 
und liebenswürdigen Characters geworden war. 

Nachdem also Abschiedsbesuche gemacht und Gegen-Besuche 
empfangen waren ; nachdem wir Alles überlegt und die nöthigen 
Vorbereitungen gemacht hatten, setzten wir uns, den 9. August 
gegen 1 Uhr, in die Mail-coach., um noch bis nach Worcester, 
40 englische Meilen weit, zufahren. Eine solche i\/a?7-coac/(S, so 
wie die Diligencen oder Stage-coaches , bestehen aus einer langen 
Calesche mit 3 Bänken , jede für 3 Personen. Das Verdeck kann 
nicht abgenommen , aber die Seitenleder können in die Höhe ge- 
rollt werden, so dafs man frische Luft geniefsen und sich der Aus- 
sicht erfreuen kann, ohne den Sonnenstrahlen ausgesetzt zu sein. 
Sie sind mit 4 Pferden bespannt und werden, Avie die four in 
havd in England, vom Bocke, gefahren. Plätze outside giebt es 
nicht. 



103 

Wir verliefsen mit dankbaren Herzen das gastfreie Boston, 
und fuhren über den Miüdam in das Innere des Landes hinein. 
Vier Male wechselten wir Pferde, meistens in kleinen unbedeu- 
tenden Orten ; nur Frami?igham und IVesthorongh schienen ansehn- 
licher zu sein. Die Gegend sah zuweilen etwas wild aus und wenig 
angebaut, obgleich der Staat Massachusetts am Meisten bevölkert 
.^ein soll in Nord- Amerika. Getraide sahen wir gar nicht, wohl 
aber türkisches Korn und hin und wieder Hirse. Obstgärten viele, 
meistens mit Aepfelbäumen bepltanzt, die so voll von Früchten 
hingen, dafs mehrere Aeste gebrochen waren. Die Aepfel sind klein 
und gelb und werden zur Bereitung des sehr beliebten und guten 
Aepfelweines , Cider, gebraucht. Nach und nach kamen wir in 
Wälder, aus Eichen, zahmen Kastanienbäumen, Ulmen und Pla- 
tanen bestehend. Zuweilen sieht man auch Sumach , dessen Rinde 
zur Bereitung des Leders sehr gut sein soll. Es besteht hier durch- 
aus keine Forstadministration, so dafs das Holz sehr verwahrloset 
wird. Der AVeg war gröfstes Theiles eine gute Chaussee , auf deut- 
sche Weise gemacht. Wir kamen über mehrere kleine Flüsse und 
Bäche auf hölzernen Brücken , die sehr leicht, jedoch mit grofser 
Holzverschwendung gebaut sind. Die Breter sind nicht einmal auf 
die Tragbalken fest genagelt, so dafs es mir, zumal da der Wagen 
sehr schnell über diese Brücken hinweg fuhr, Anfangs Angst und 
bange >\iirde. Etwa 2 Meilen vor Worcester fuhren Avir über einen 
Landsee, Quaiisiganog-pond genannt, auf einer hölzernen Brücke, 
die eine Viertel meile lang ist. Die Ufer dieses Sees sind mit Holz 
bewachsen und nehmen sich sehr gut aus. Unterwegs >vurden wir 
von einem ziemlich starken Gewittei" heimgesucht, das den Staub 
löschte und uns einen angenehmen Abend bereitete. Gegen 7 Uhr 
langten wir in Worcester an und stiegen in einem recht guten 
Wirthshause ab. Diese Stadt zählt gegen 4000 Einwohner, und 
besteht aus einer Hauptstiafse mit einer Allee von alten Ulmen- 
bäumen, und aus einigen Nebenstrafsen, die, wie jene, sämmtlich 
rujgepflastert sind. Die Häuser , meistens von Holz , und nur wenige 
von Ziegelsteinen gebaut, sind alle mit Gärten umgeben, und mit- 
hin ziemlich weit von einander entfernt, so dafs die Stadt das An- 
sehen eines Dorfes erhält. Sie hat vier Kirchen, eine Bank und 
drei Buchdruckereien , derenjede eine Zeitung liefert. Auch in meh- 
reren Dörfern, durch welche wir gekommen waren, sind Buch- 
druckereien, so wie in jedem eine Feuerspritze. AVir machten 
.Vbends dem hier wohnenden Gouvei'neur von Massachusetts, Levi 
lAncoln^ unsern Besuch. Wir trafen ihn in seinem Hause mit 



104 

• 

seiner Frau und seinci' Schwägerin , wurden von diesem wackern, 
von seinen Mitbürgern allgemein hochgeschätzten Manne recht 
freundlich empfangen und brachten den Abend sehr angenehm 
bei ihm zu. Ein Beweis der öffentlichen Ächtung , deren er ge- 
niefst, ist, dafs bei der letzten Gouverneurwahl keine einzige 
Stimme gegen ihn Mar, ein Fall ohne Beispiel in den V. St. Dem 
Gouverneur kommt das Prädicat „Excellenz" zu. Am andern 
Morgen führte uns der Gouverneur nach einem neu angelegten 
Museum, das vorzüglich bestimmt ist, die in den V. St. zerstreut 
gefundenen Antiquitäten zu sammeln. Es ist erst im Entstehen 
und enthält wenig merkwürdige Gegenstände ; auch ist die Biblio- 
thek von geringem Belange ; jedoch mufs man dem wissenschaftlichen 
Streben der Einwohner alle Gerechtigkeit Miderfahren lassen. Von 
hier fuhren wir mit dem Gouverneur um die Stadt herum, an dem 
Tribunal und dem Gefängnisse vorbei, welches zu besehen wir leider 
keine Zeit hatten, und nach unserm Wirthshause zurück. Die Gärten, 
an denen Avir vorbei kamen, sahen etwas wild aus. Man zieht, wie 
es schien , etwas Gemüse , einige Wassermelonen und Obst ; keine 
Blumen, Sonnenblumen ausgenommen. 

Um 10 Uhr verliefsen wir in der Stage-coach Wbrcester^ und 
fuhren nach Northamptoii y 47 Meilen weit. Unsere Gesellschaft 
in der Stage-coach bestand aus 2 Herren und 2 Damen aus dem 
Staate Missisippi , welche wegen der ungesunden Luft in ihrer Ge- 
gend eine Reise nach den nördlichen Gegenden unternahmen , und 
uns durch Erzählungen von ihren Besitzungen recht angenehm 
unterhielten. Der Weg war weniger gut , als gestern , und zuwei- 
len sandig; die Pferde meistens schlecht, so dafs es mitunter lang- 
sam von Statten ging. Die Gegend ist weniger bevölkert; die 
Cultur dieselbe ; jedoch mehr Holz , auch sehr verwahrloset. Wir 
sahen Cypressen und einige grofse Cedern. Da hier keine Trift- 
gesetze bestehen , so sind wegen des im Walde weidenden Viehes 
und namentlich wegen der Schafe, Einzäunungen von jungen 
zahmen Kastanienbänmen gemacht, die man der Länge nach in 
4 Stücke gespalten hat. Gewöhnlich liegen 6 übereinander mit 
emem Zwischenräume von wenigen Zollen. Diese Verzäunungen 
sind eckenförmig angelegt, so ungefähr im Grundrisse. 




105 

Da, wo die Holzstücke sich berühren, sind sie in einander gefalzt, 
und gewöhnlich dient hier dem Holz ein grofser Stein zur Basis. 
Es ist eine arge Holz - und Platzverschwendung , nur in einem so 
dünn bevölkerten und dichtbewachsenen Lande verzeihlich. Meh- 
rere Strecken Holz waren erst vor Kurzem urbar gemacht , und die 
stehen gebliebenen Stämme durch Feuer ausgerodet worden. Der 
Boden ist nicht besonders fruchtbar. Wir bemerkten viele Granit- 
blöcke, die nach und nach sehr gut, die grofsen zum Bau und die 
kleinen zu Chausscesteinen, gebraucht werden können. Die Oerter 
an unserm Wege heifsen Leicester 7 , Spencer 5, Brookßeld 7, 
Ware 8^ Belchertowti^^ und Madley 10 Meilen. Meistens sind es 
kleine, weitläufig, gröfstes Theils mit hölzernen, aber sehr netten 
Häusern gebaute Ortschaften; in jedem befindet sich eine hölzerne 
Kirche und ein Schulhaus. Läden sieht man in den meisten Ort- 
schaften; m Belchertown sogar einen Modeladen. Bei den Kirchen 
befinden sich lange Schoppen, unter welchen, während des Gottes- 
dienstes , die Wagen und Pferde der Andächtigen gegen die Son- 
nenstrahlen oder das schlechte Wetter Schutz finden. Ware,, am 
Flufs gleiches Namens, über den hier eine etwas besser als ge- 
wöhnlich gebaute hölzerne Brücke führt, ist erst seit 3 Jahren an- 
gelegt; es ist ein blühender, sehr netter Ort, und gehört der 
Familie JDexter in Boston , die hier eine Wollen - und Baumwollen- 
Manufactur gegründet hat, deren Arbeiter, über 300 an der Zahl, 
die Einwohner des Platzes ausmachen. Herr Dexter in Boston 
hatte mich gebeten, ein Packet wichtiger Papiere an seinen in 
Ware wohnenden Bruder mitzunehmen. Da wir hier Mittag mach- 
ten , so gab ich diese Papiere selbst ab. Wir fanden Herrn Dexter 
mit seiner schönen Frau in seinem geschmackvoll angelegten cot- 
tage, mitten in einem Garten, und wurden recht freundlich em- 
pfangen. Von seinem Fenster aus kann er sein ganzes Dorf und 
seine Fabrikgebäude übersehen. Bisher , sagte Herr Dexter, habe 
er die meiste Wolle aus Sachsen gezogen, der man hier vor der 
spanischen den Vorzug gäbe; jetzt aber habe man Schafe aus 
Sachsen kommen lassen , die man in den Wäldern , da in Massachu- 
setts keine reifsenden Thiere seien, frei herumlaufen lasse, und 
die eine ganz vorzügliche Sorte von Wolle gäben. Leider hatten 
wir keine Zeit, um Herrn Dexters Einladung, seine Etablissements 
zu besehen, anzunehmen. In dem sehr reinlichen Wirthshausc 
erhielten wir ein recht gutes Mittagsmahl, und setzten dann unsere 
Reise fort. Auch die Arbeiter in Ware sollen sich durch ihre 
strenge Sittlichkeit auszeichnen. Sie haben eine besondere Schule, 



106 

in welche sie ihre Kinder zu schicken gezvYungen sind, wie denn 
überhaupt im ^iaat Massachusetts alle Einwolmer durch die Gesetze 
verpUichtet sind , ihre Kinder in die Schule zu schicken : im Unter- 
lassuuo-slalie werden sie mit einer Geldbufse gestraft. lu }Vare 
befindet sich ein eigener Arzt, der in einem hübschen Hause eine 
wohlversehene Apotheke hat. Die strengen Republikaner sind 
eifersüchtig auf das Etablissement grofser Fabriken, weil sie fürch- 
ten, dafs emzelne Staatsbürger durch ihr Vermögen einen zu 
grofsen Einliufs auf eine grofse Masse der niedern Volksclasse 
bekommen werden; ich möchte aber glauben, dafs die Republik 
von dieser Seite Nichts zu fürchten habe, da dem Einliufs Einzel- 
ner die gute Erziehung der niedern Volksclassen das Gegengewicht 
halten dürfte. 

Ungefähr eine kleine Meile vor Noi'tjmmpton passirten wir den 
beiläufig 500 Schritt breiten Connedicut-Viui^s auf einer ziemlich 
kleinen Fähre, welches, da die Nacht schon eingebrochen war, 
eben kein grofses Vergnügen machte. In Northampton stiegen wir 
inWarnar's hutel ab, einem grofsen, reinlichen und gut eingerichte- 
ten Wirthshause. Vor dem Hause ist ein breiter bedeckter Gang, 
und vor der ersten Etage — es hat nur eine — ebenfalls ein sehr 
breiter bedeckter Balcau. Die Männer sitzen unten , und oben ge- 
hen die Damen spatzieren. Man nennt es eine piazza, und die 
Einrichtung hat viel Bequemes, Vor dem Hause stehen Ulmen- 
bäurae und ein grofses Reverbere, welches das Haus und den Platz 
beleuchtet. Dieses , und der schöne wai'me Abend , und die vielen 
Menschen, die unter dcv piazza ausruheten, oder ab und zugin- 
gen, machten einen angenehmen Effect. Man ist hier sehr gottes- 
fiirchtig, und geht aufser dem Sonntage drei Mal in der Woche in 
die Kirche. Als wir ankamen, war so eben die Kirche zu Ende^ 
und wir sahen recht elegante Damen herauskommen. In jeder der 
Schlafstuben uasers Wirthshauses lag auch eine Bibel. Uebrigens 
lernte ich heute eine neue Art kennen, Briefe und Zeitungen zu 
bestellen. Der Kutscher des Postwagens wirft die Briefe und Zei- 
tungen, die ihm mitgegeben sind, vor den Häusern, die sie erhal- 
ten sollen, auf die Erde; er wirft sie sogar auf das freie Feld an 
den Wegen hin , die von seiner Strafse nach der Gegend ablaufen, 
nach welcher die Papiere adressiit sind. 

Vor zwei Jahren hatten die Herren CogswcU und Bauer oft eine 
Erziehungs-Anstalt in JS'orthauipton angelegt. Am Tage nach un- 
serer Ankunft — 11. August — besuchte mich Herr CogsweU, und 
stellte mir einen seiner Professoren vor, den Dr. Beck aus Ileidel- 



lor • 

berg, einen Stiefsohn des Dr. De Wette aus Weimar, der hier Un- 
terricht in der lateinischen und griechischen Sprache giebt. Ein 
anderer deutscher Professor , den ich jedoch nicht gesehen liabe, 
giebt Unterricht in der Turnkunst. Diese beiden Herren führten 
uns nach dem Institute , das in einem Wald auf einem Hügel , round 
kill genannt, uiigefahr eine kleine Meile von Northampton ent- 
fernt liegt. 

Northampton zd\\\t gegen 4000 Einwohner , und hat hinsicht- 
lich seiner Bauart Aehnlichkeit mit Worcester, eben so viele Kir- 
chen, eine Bank, ein Tribunal mit Gefängnifs und eine Buchdru- 
ckerei. Von Herrn Cogswell's Institut aus hat man eine herrliche 
Aussicht auf das fruchtbare und gut angebaute Thal des Connecti- 
cut-Flusses , der sich hier zwischen zwei hohen Bergen , Holifoake 
und Mounttobie ^ seinen Weg bahnt. Links gewähren die hohen 
Gebirge von New- Hampshire einen schönen Anblick. Das Institut 
zählte im Jahr 1824 nur 40 Zöglinge, und im Jahr 1825 bereits 
74; auch ist Herr Cogswell genöthigt, aufser den 3 grofsen Häu- 
sern, die zu seinem Etablissement gehören, noch ein viertes, grö- 
fseres zu bauen. Es soll nach dem Modell von Schulpforte einge- 
richtet sein; da mir deren Einrichtung jedoch unbekannt ist, so 
kann ich weiter Nichts darüber sagen. Die Turnübungen, zu de- 
ren Ausführung ein eigener Platz im Walde mit den nöthigen Ge- 
rüsten eingerichtet ist, machen einen Haupttheil der hiesigen Er- 
ziehung aus. Die Knaben sind von der Welt gänzlich abgeschieden; 
jedoch macht Herr Cogswell, damit sie ihr nicht zu fremd werden, mit 
ihnen jährlich ein Paar Fufsreisen in die umliegende Gegend. Herrn 
Bancroft, den ich an einem bei den Turnübungen versprungenen 
Fufse sehr leidend antraf, besuchte ich auf seinem Zimmer. Beide 
Herren sind enthusiastisch für Deutschland und für die dortige Er- 
ziehung eingenommen, und wollen Alles bei sich nach diesem Sy- 
stem einrichten. Mit einem Advocaten , den wir bei Herrn Cogs- 
well kennen gelernt hatten, kehrten wir nach der Stadt zurück. 
Hier zeigte uns Herr Bat es, so hiefs er, die eine Kirche, das Tri- 
bunal und eine, einem Doctor und Apotheker Hunt gehörige Mi- 
neraliensammlung, in welcher ich vorzüglich zwei schöne Stücke 
amerikanischen Berylls » so w ie einige schöne Stücke Bergkrystall 
bewunderte. Bei unserer Rückkehr ins Wirthshaus erhielt ich ei- 
nen Besuch von einem Arzte, Dr. Seeger aus dem Würtembeigi- 
schen, der mit Schiller auf der Würtembergischen IMilitairschulc 
erzogen Morden war. Er wünschte, mich, meines Herrn \ aters 
wegen, kennen zu lernen, für den er die allergröfste Verehrung 



108 — — 

bezeugte. Ich kann nicht leuf>;nen : in einer so fernen Gegend von 
meinem Vaterhinde, that dieses meinem Herzen ungemein wohl; 
und die Bekanntschaft mit dem würdigen alten Dr. Seeger, der 
schon seit 40 Jahren die V. St. bewohnt, mid hier als ein recht- 
schaflencr Mann und guter Arzt in allgemeiner Achtung steht, bleibt 
mir eine angenehme Erinnerung. 

hi Springfield ^ 20 Meilen von iVbrf//a;«pfow , den Connecticut^ 
flufs hinab, liegt die, dem Gouvernement gehörige, Gewehrfa- 
brik. Um diese Fabrik zu sehen, verliefsen wir gegen 11 Uhr Vor- 
mittags bei einer schi'ecklichen Hitze Northampton , mit 5 Damen 
und 2 Herren in die Stage-coach, wie in das trojanische Pferd, 
eingepackt. Gegen 3 Uhr Nachmittags trafen wir ein , mid fanden 
wieder ein sehr gutes Wirthshaus , ebenfalls mit einer piazza ver- 
sehen. Wir waren durch eine wohl angebaute Gegend längs des 
rechten Ufers des Connecticuüijsses gefahren; Mais und Hirse, 
auch Kartofteln w aren das Meiste , das w ir angebaut fanden ; hie 
und da sahen wir auch Hanf, und , jedoch sparsam , Hopfen. 

Springfield liegt auf dem linken Ufer des Connecticut, über 
welchen, dicht vor der Stadt, eine hölzerne und bedeckte Brücke 
geht, 500 Schritt lang und sehr plump gebaut. Es sieht einer Stadt 
viel ähnlicher, als Worcester und Northampton; denn man sieht 
doch einige steinerne Häuser so nahe an einander stehen , dafs sie 
eine Strafse bilden. Der Oberst Lee hatte die Gefälligkeit, uns in 
seinem Wagen nach der Gevt ehr-Manufactur , deren Director er ist, 
abzuholen. Sie liegt ungefähr eine Meile yon Springfield^ in ei- 
nem sehr hübschen Thal , an einem Bache. Sie beschäftigt täglich 
274 Arbeiter. Diese haben sich in der Nähe der Manufactur an- 
gebaut , bilden eine Art von Colonie , und haben eine eigene Schule 
für ihre Kinder. Sie sollen sich gleichfalls durch ein besonders 
gutes und sittliches Betragen auszeichnen. Die Infanteriegewehre 
i^ur die amerikanischen Armeen werden nach dem verbesserten fran- 
zösischen Modelle von 1777 gemacht, nur etwas kürzer, wogegen 
die Bajonette etwas länger sind. Die Läufe und Bajonette werden, 
wie bei den Engländern, braun gemacht, auf eine Weise, die Du- 
pin in einer Anmerkung zu dem ersten Theile seiner voya^es dans la 
Grande Bretagne weitläufig beschreibt. Wir sahen alle Arbeiten, 
vom ersten Anfang bis zum Ende; sie werden in verschiedenen 
Häusern gemacht, und die Maschinen durch Wasser in Bewegung 
gesetzt. Man verfertigt jähilich 1 5000 Gewehre , von welchen das 
Stück dem Gouvernement 11 Dollars zu stehen kommt. Wie viel 
köiuite man ersparen , w cnn man , wie in andern Ländern , die Gc- 



109 

wehre bei Privatarbeitern machen Hefse! Das Arsenal, in welchem 
diese Gewehre aufbewahrt und in Kisten zu 20 Stück eingepackt 
werden, liegt nicht weit von der Manufactur und besteht, nachdem 
das alte grofse Arsenal vor anderthalb Jahren abgebrannt ist, aus 
einem Corps de logis für die Büreaux , aus zwei isolirten Flügeln, 
zur Aufbewahrung der Waffen , und aus mehreren Nebengebäuden 
mit den nöthigen AVerkstätten. Diese Gebäude bilden zusammen 
ein längliches Viereck, von welchem das eigentliche Zeughaus die '^ 
eine kurze Seite ausmacht; auf der andern, dem Corps de logis 
gegenüber, steht Oberst Lee's geschmackvoll eingerichtete Woh- 
nung. Die Häuser zum Arsenal gehörig , sind äufserlich von Back- 
steinen gebaut, inwendig'ist alles Holz; und da die Gebäude wäh- 
rend des Winters mit caloriferes , und diese mit Holz geheizt wer- 
den, so schienen sie mir der Feuersgefähr sehr ausgesetzt zu sein. 
Ich bemerkte dieses dem Herrn Oberst Lee, und er schien meine 
Besorgnifs zu theilen. Als wir nach unserm Wirthshause zurück- 
gekehrt Avaren, stellte mir Herr Calhoun, dem wir durch Herrn 
Bates bekannt geworden , mehrere Herren aus der Stadt vor , und 
brachte uns, Abends in eine musikalische Soiree bei einem Herrn 
Dipight, wo wir die schöne Welt der Stadt vereinigt fanden. Die 
Damen sangen recht gut, und spielten auf dem Pianoforte Stücke 
aus dem Freischütz, welche Oper jetzt in Amerika die Lieblings- 
musik ist. 

Unsere Absicht war, den 12. August nach New Libanon zu 
fahren , um dort das Bad und das nahe Shakersdorf zu besehen ; 
aber es stand in den Sternen anders geschrieben. Wir verliefsen 
früh 2 Uhr bei einer ziemlich kühlen Nacht Springfield in der Diu- 
gence, fuhren über die bedeckte Brücke hinweg, durch Wesifield, 
das, so viel wir in der Nacht sehen konnten, ein ganz hübscher 
Ort ist, und befanden uns mit Tagesanbruch in einom romantischen 
Thale am Iff'esfßeld^usse , der sich über grofse Felsenblöcke hin- 
stürzt. In Rüssel y einem 17 Meilen von Springfield in einem wil- 
den Thale gelegenen, einzelnen Posthause nahmen Mir ein vor- 
treffliches Frühstück ein und freuten uns über das gute und 
reinliche Aussehen des Hauses und seiner Bewohner. Es Mar 
früh so kalt, dafs ein tüchtiges Caminfeuer, Melches Mir in diesem 
Hause fanden , uns recht Millkommen m ar. Der Weg in dem Mil- 
den, romantischen Thale, meistens bergauf, längs des Waldstromes, 
Mar ziemlich schlecht und öfters sehr eng; anstatt eines Geländers 
am Abgrunde, lagen nur grofse Baumstämme da, die man auf eine 
unverantwortliche Weise vermodern läfst. Die Brücken Maren eben 



110 

so schlecht, als die, über m eiche ich früher lamenürt habe. Der 
Wald hatte sehr schöne Bäume, von denen jedoch viele ausge- 
rodet wurden,»iwn neuen Ansiedlern Plätze zu ihren Wohnungen 
zu verschaffen. Diese Wohnungen wurden, Blockhäusern gleich, 
von grofsen Baumstämmen erbaut. Unter den einzelnen Ansiedlern 
bemerkten wir mehrere Neger - und Mulatten-Familien. Yon den 
Oertern C/iester, Büket und Lee, durch welche wir kamen, beste- 
hen die beiden ersten nur aus einzelnen Höfen; letzteres jedoch 
scheint ein blühendes Dorf zu sein. Wir verliefsen hier das Gebirge 
und kamen wieder in besser angebaute Gegenden , in welchen wir 
auch Stoppeln von.Getraide hemerkt e]^^Ji£ i^Stockbriclge , 47 Meilen 
\on Spi'ingfield, dnem freundlichen wy^^jelten wr in einem guten 
Wirthshause Mittag. Von der grofsejLH^e und dem elenden und 
engen Sitzen in der Sta^e-coach fühlte ich mich sehr ermüdet, 
und wollte defswegen einen'Wagen miethen , um nach New-Libanon 
zu fahren, das nur 14 Meilen entfernt ist. Der Mensch aber, den 
ich Megen eines Wagens ansprach, war so unverschämt, 10 Dollars 
zu fordern; also entschlofs ich mich, um nicht einernJU^n Yariv^ 
keetrick zu begegnen, meine Reise in der w ider\5.ä w | Bjg r Sfoge- 
coach direct nach Albany fortzusetzen. Bei der nächsten ^f>U8 Meilen 
entfernten Station Canaan verliefsen wir den Staat Massachusetts 
und betraten den Staat New -York. Die andern Plätze, die wir 
nach Canaan berührten, waren Chat /tarn, 6 Meilen, IS'assau oder 
Unionvillage , 4 Meilen, und SchoocUe, 5 Meilen. Albaiiy ist im 
Ganzen 81 Meilen von Springßeld entfernt. Die ermähnten Plätze 
sahen alle recht wohlhabend und reinlich aus , und die Felder waren 
auch recht gut angebaut. Als wir nach Schoodie kamen, brach 
die Nacht ein, >\Tirde jedoch leider durch ein auf einer Anhöhe 
brennendes Haus erleuchtet. Dicht vor Albany., am Dorfe Green- 
bitsh, passirten wir auf einer Pferdefähre den Hudsonßufs, auch 
Northriver genannt, und nahmen in Albany., wo wir gegen 10 Uhr 
Abends eintrafen, unser Quartier in Cndtenden's boardhig-ltonse^ 
auf einer Höhe neben dem Capitol oder Staatenhause gelegen. 

Alhanif zählt gegen 15000 Einwohner. Die Stadt liegt am 
rechten Ufer des Hudson, und erstreckt sich Mestlich eine Höhe 
hinauf. Sie ist im Jahr 1614 durch die Holländer unter dem Namen 
Fort Orange angelegt Morden, und hat ihren jetzigen Namen, 
nach ihrer Besitznahme durch die Engländer, zu Ehren des nach- 
heriffen ung-lücklichen Königs Jacob IL bekommen, der damals 
Herzog von York und Albany hicfs. Noch stehen mehrere der 



_ — 111 — - 

alten holländischen Häuser, und mehrere Strafsen haben noch ihre 
holländischen Namen beibehalten. 

Im Wirthshause trafen wir mit einem Herrn Jackson aus New- 
Yor/i: zusammen, der fast gleichzeitig ankam, und seine Schwester 
und einen zehnjährigen, altklugen Sohn, Columhis genannt, bei 
sich hatte. Er ist ein Schulmann. Wegen der Nähe der Bäder von 
Ballston , Sarotoga und New-Lihanon und der fashionahle season^ 
war es in dem Hause so voll ^^n Fremden , dafs ich mit Herrn' 
Tromp in einer kleinen Kijuwuei' schlafen mufste. jrBt^i'i^ a!lgemei-V 
nen Frühstück am anj^n Morgen, fand ich den Herrn Jackson 
und seinen kleinen (^Inmbus wie4ipcv und da er in Alhany bekannt 
war, so nahm ich seihe Einlad ungjpui, mit ihm in der Stadt hertm- 
7Aigehen. Sie sah alt^n^d mitunter baufällig aus. ^Sie hatte sich 
während des letzten Kriegt gegen England sehr gehoben, war aber 
seit dem Frieden durch nifhrere bedeutende Bankerotte und 
durch einen grofsen Brand wieder zurückgj^bmmen. Durch den neu 
ana^egteipBüe-Canal, der hierl^neif%ifang nimmt und westlich 
bisWBUjjfÄin^^/e-See, 362 Meilen weit, läuft, so wie durch den 
aus >«[iesem CaiBll^ auslaufenden Verbindungscanal mit dem See 
C/iaij^lain ^ kam von Neuem Leben und Handel in die Stadt, und 
man versprach sich für sie die schönsten Resultate. Schon bei 
unserer Ankunft hatte ich eine Jeremiade über das schlechte Pflaster 
angestimmt; und fortwährend mufste ich dieselbe erneuen , zumal 
da die Strafsen noch obendrein sehr krumm sind. Wir besuchten 
mehrere Buchhandlungen, die recht gut versehen zu sein scheinen, 
und machten dann eine Promenade nach dem neuangelegten Bassin, 
aus welchem der Canal ausläuft. Es ist durch einen, parallel mit 
dem rechten Ufer des Hudson laufenden, 4000 Fufs langen, Damm 
vom Hudson getrennt, ist 300 bis 400 Fiifs breit und hält 10 Fufs 
Wasser. Der Damm ist von starken Balken, die seine beiden 
Wände bilden, und deren Zwischenraum mit Erde und Steinen 
ausgefüllt ist. Mehrere höchst plumpe hölzerne Brücken, in deren 
Mitte Zugbrücken zum Durchlassen der Schifle angebracht sind, 
verbinden ihn mit dem Ufer. Das Aufbauen dieses Dammes hat 
130,000 Dollars gekostet. Man hat ihn in Loose vertheilt und ein- 
zeln verkauft, unter der Bedingung, Magazine darauf zu bauen, 
und dieser Verkauf hat die Summe von 190,000 Dollars eingebracht. 
Meiner Ansicht nach hätte die Gesellschaft der Unternehmer des 
Canalbaues, auf deren Kosten das Bassin und die beiden Canäle 
angelegt sind, besser gethan, den Damm zu behalten und zu ver- 
nüethen. Da er von Holz gebaut, da dieses mehr oder weniger 



112 



dem Verfaulen unterworfen ist, und da man nun jrar Mafrazine 
darauf errichten will, die ihn sehr drücken werden, so ist zu fürchten, 
dafs er in einer Zeit von zehn Jahren ^instürzen , oder dafs man sich 
zjj einer grofsen Hauptreparatur, oder wohl gar zu seinem Wieder- 
aufbau in Stein genöthiget sehen wird. Da die Steine hier zu 
Lande sehr wohlfeil sind, und ihr Behauen in den Gefängnissen 
geschieht: so hätte man den Damm sogleich in Stein aufbauen 
Vollen. Der jetzige gehört meiner Ansicht nach in die Kategorie 
/der halben Maafsregeln. In dem^kssin fanden wir auf einem 
Canalschitf e^e schwimmende BÄHBtatog. Herr ffilcox, wel- 
cher dieselbe seit 2 Jahren auLdem '^»^iHfcial etablirt hat, soll 
jähtlich einige Reisen, hin unq ziväcl-, und auf diesen Reisen 
recht gute G|schäfte machen. Im war so^cn zurückgekommen, 
um sein Magazin wieder zu erneuern^ J^ meisten Bücher, die er 
in den Ortschaften in der Gegend des Canals verkauft, sind alte 
Autoren; dann medizinische und religiöse, nach diesen juristische 
Schriften und endlich Romane, tf'riih er ein bemittelter KaiiCiuanii 
in Alhany , ist der Mann durch einen Bankerott! rniniirt>yorden, 
und erhält nun durch diese glückliche Specul^j*Ö3n seine Familie, 
die mit ihm sein Schiff bewohnt. Ich kaufte von ihm eine fecht 
gute Charte vom Staat NeiD- York. "" ^ 

Später besahen wir mehrere am Ufer liegende Dampfböte ^ die 
zur Communication zwischen Alhani] und New -York dienen. Das 
gröfste heifst the commerce^ ist mit gut eingerichteten Zimmern 
versehen, und macht die Reise in 19 Stunden. Die Eleganz des- 
selben läfst Nichts zu wünschen übrig; was jedoch die Maschine 
betrifft, so meinte Freund Tro?np^ dafs diese auf den englischen 
Dampfböten vervollkommneter sei. In der That haben die ameri- 
kanischen Dampfmaschinen hier im Lande nicht den Ruf einer sehr 
grofsen Sicherheit, hinsichtlich der Solidität des Dampfkessels; 
und mehrere Explosionen haben zur Vermehrung dieses übelen 
Rufes beigetragen. Aus dieser Ursache , verbunden mit der Un- 
annehmlichkeit der erschütternden Bewegung der Dampfmaschine, ] 




113 

wollten mehrere Personen ihre Leiber diesem Transportmittel nicht 
anvertrauen; und defswegen hat man, Mie der Holzschnitt auf der 
vorijren Seite zeigt, eine safetif bärge angebracht. Diese ist ein 
wahres schwimmendes Hotel, mit dem gröfsten Luxus meublirt. 
In dem Damenschlaf/.inimer befinden sich sogar seidene Bettvor- 
häno-e. Die Damen haben aufserdem ein besonderes Toiletten- 
und Yersammlungszimmer , so Mie die Herren, denen der Speise- 
saal zum Versammlungszimmer dient. Ringsum das Schilt' herum 
läuft eine piazza, die bei warmem Wetter sehr angenehm sein mufs. 
Der Name dieser safety bärge, auf der die Reise sammt der Nah- 
rung nur 4 Dollars kostet, ist Lady Clinton, zur Ehre dm' Frau 
des Gouverneurs vom Staate iVe?p- Yor/c, De IVitt Clinton. Ein 
anderes sehr gut eingerichtetes Dampfboot, Constellation , das 
jedoch noch keine safety bärge hat, besahen wir ebenfalls. Man 
iiat jetzt Dampfböte eingerichtet, um gewöhnliche FlufsschifFe 
den Flufs hinunter und hinauf zu bugsiren , welche man steam toio 
boats nennt. 

Zuletzt besahen wir die oben erwähnte, durch Pferde in Be- 
wegung gesetzte Fähre. Diese Fähre besteht aus zwei anein- 
ander befestigten Schiffen , die ein gemeinschaftliches Verdeck und 
zusammen eine elliptische Form haben. Auf demselben steht ein 
rundes Haus, in welchem 6 Pfeijj^e im Kreise herumgehen und ein 
horizontales Kammrad drehen ; das Kammrad bewegt ein Stirnrad 
und das Stirnrad ein verticales Rad , um dessen Axe sich zwischen 
den beiden Schiften zwei gewöhnliche Räder mit Schaufeln wie bei 
den Dampfböten drehen und das Ganze in Bewegung setzen. Die 
Wagen — und 22 zweispännige können auf ein Mal übergefahren 
werden — , stehen rechts und links auf der Fähre neben dem run- 
den Hause, in welchem die Pferde sind. Ein vorn und ein hinten 
angebrachtes Steuerruder geben der Fähre die gehörige Di- 
rection. 

Hauptzweige des hiesigen Handels scheinen Zimmerholz und 
Breter zu sein, von denen wir eine bedeutende Quantität auf den 
Quais und dem Damme liegen sahen. Beim Mittagsessen lernten 
wir den spanischen Consul in Boston , einen recht feinen jungen 
Mann, in Frankreich erzogen, kennen. Nach dem Essen besahen 
wir das nicht weit von unserm Wirthshause auf einem Hügel lie- 
gende Capitol oder Staatenhaus. Albany ist der Sitz des Gouver- 
neurs und der Hauptort des Staates New -York; soll es aber, wie 
man sagt, nicht lange mehr bleiben, da die Absicht ist, den Sitz 
des Gouvernements w eiter w estlich , in die Mitte des Staates , nach 
/. H 



114 

UHca zu rerlegen. Das Capitol bildet ein von braunem Sandsteine 
«rebautes Yietcck , dessen eine Seite mit einer grol'sen Treppe und 
4 ionischen Säulen von weifsem Marmor geziert ist. Die Versamm- 
lungssäle der verschiedenen Behörden sind geräumig; etwas beson- 
ders Merkwürdiges fand, ich jedoch nicht. In einem Saale befindet 
sich ein lebensgrofscs Portrait von Washington und in einem andern 
das des alten Gouverneurs Clinton , Oheims des jetzigen. Auf dem 
Gipfel des Capitols steht eine Laterne , von m elcher aus man eine 
schöne Aussicht hat auf die Stadt Albany und das Thal des Hudson, 
die rechts durch die Äofs/rtW-Gebirge und links durch die Gebirge 
von V^mont begränzt wird. Ueber der Laterne steht eine hölzerne 
Statue der Gerechtigkeit, an deren Rücken ein schwerer Blitz- 
ableiter befestiget ist, so dafs Witzlinge gesagt haben, sie stehe 
am Pranger. 

Bei Alhany besteht noch ein Rest vom Fendalwesen. Die 
Familie van Renfselaer , eine der ältesten unter den holländischen 
Einwanderern , hatte seit der ersten Niederlassung die Gegend von 
Alhany als ein Lehen bekommen , dieses in mehrere Theile getheilt 
und mit den Theilen andere Vasallen gegen gewisse Abgaben und 
Dienste belehnt. Der älteste der van ReJifselaerschen Familie führt 
bis diesen Tag den Titel: Pa^mn, und geniefst gewisser feu- 
daler V orrechte , deren Erhaltung/die Familie seit der amerikani- 
schen Revolution ihrer grofsen Popularität in dieser Gegend ver- 
dankt , obgleich alle Erinnerung an das Feudalwesen ganz gegen 
den Geist der hiesigen Regierung ist. Das Haus des alten General 
van Renfselaer wird in der Gegend the Manor of ihe Patroou 
genannt. 



VI. 

Reise von Alhany nach den Wasserfällen des Niagara, 
Der Erie -Caual. Schenectady. TJtica. liochcster. 

Bujfalo. 

J)le Wasserfälle des Niagara. 
Vom 14. bis 25. August 1825. 



Den 14. August begaben wir uns früh 7 Uhr nach dem Bassin 
und schifften uns auf dem , zur Canalschiffahrt bestimmten , Packet- 
hooi Alhany ein, um unsre Reise nach dem See Erie anzutreten. 
Dieser Canal hat 2,500,000 Piaster gekostet und M'ird in 4 Wochen 
vollendet sein: nur in der w^t]ichen Gegend arbeitet man noch 
an demselben. Voriges Jahr 'nat der bis dahin fahrbare Theil des- 
selben 300,000 Dollars eingeti'agen , und man erwartet dieses Jahr 
eine Einnahme von 500,000 Dollars , so dafs in sehr kurzer Zeit der 
ganze Kostenaufwand ersetzt sein und der Staat einen unglaublichen 
Vortheii ziehen wird, wenn nicht etwa grofse Reparaturen, die, wie 
ich glaube, allerdings bevorstehen, einen ansehnlichen Theil dieses 
Einkommens absorbiren sollten. Das System der grofsen Canäle 
war bis jetzt in den V. St. unbekannt und nicht sehr populär. Es 
galt daher, das Publikum durch ein grofses, schnell ausgeliihrtes 
Werk, so zu sagen, zu verblüffen; und so wurde dieser Canal so 
schnell als möglich ausgeführt, ohne dafs man die langen FJrfah- 
rungen, die andere Nationen im Canalbaue gemacht haben, beson- 
ders dabei zu Rathe gezogen hätte. Allerdings macht die Unter- 
nehmung dieses Canals, 362 Meilen, mit 83 Schleusen, welche die 
Schiffe \om Hudson nach dem See Erie bringen, dessen Niveau 
688Fufs über den des Hudson erhaben ist, dem Geiste der Erfinder 
alle mögliche Ehre; hat man aber die französischen, niederländi- 
schen und englischen Canäle gesehen und noch im frischen Ge- 
dächtnisse, so findet man, dafs hier zu Lande die Wasserbaukunst 
noch Fortschritte machen kann. Der Canal hat an der Oberfläche 

II 2 



116 

des Wassers eine Breite von 35Fufs, auf einem Grunde von 28, und 
das Wasser eine Tiefe von4Fufs, so dafs nur eigends dazu ge- 
baute flache Schiffe und Flofse auf demselben fahren können. Das 
Packetboot, das uns heute bis Sc/ieiiedadijhrsichte , war TOFufs lang, 
14 Fufs breit und zog 2 Fiifs Wasser. Es war bedeckt, enthielt 
einen geräumigen Saal nebst einer Küche und war recht nett einge- 
richtet. Wegen der vielen Schleusen geht die Fahrt nur langsam 
von Statten: unser Packetboot machte nur 3 Meilen in einer Stunde, 
da jede Schleuse im Durchschnitt 4 Minuten aufhielt. Die Schleusen 
sind im Lichten 15 Fufs breit, und ihr Fall ist zwischen 7 und 12 
Fufs. Das Packetboot wurde durch 3 hintereinander gespannte 
Pferde gezogen , die auf einem längs des Canals laufenden schma- 
len Saum- Wege gingen, der auch unter den vielen über den Canal 
geschlagenen Brücken hinweg läuft. Diese Brücken, gegen 300 
zwischen Alhany und Utica, sind alle von Holz und sehr plump 
gebaut ; meistens gehören sie den Bauern , und dienen zur Com- 
munication mit ihren Feldern. Von Albany bis Schetiectady sind 
es zu Lande nur 15 Meilen und man kann diesen Weg in kurzer 
Zeit mit der Stage-coach zurücklegen ; da es uns aber darum zu 
thun war, den Canal zu sehen, und wir übrigens Zeit gewinnen 
wollten, um in unsern Tagebüchern nachzutragen, so hatten wir 
den weitern Weg zu Wasser, 28 Meilen lang, vorgezogen. 

Fünf und eine halbe Meile von Albany ^ bei Troy, steht ein, 
dem Gouvernement gehöriges, Arsenal, das ein grofses Etablisse- 
ment zu sein scheint. Der Canal läuft bis hieher ziemlich parallel 
mit dem HiidsonV\nU. Troy, das auf dem linken Ufer am Fufse 
ziemlich ansehnlicher Berge, von denen einer der Berg Jda heifst, 
recht malerisch liegt, scheint, nach den grofsen Magazinen am Ufer 
und dem guten Aussehen der Häuser zu urth«len , ein wohlhaben- 
der Platz zu sein. Aus unserm Canale geht hier ein Seiten-Canal 
mit 2 Schleusen nach dem Hudson, zur Communication mit Troy. 
Hierauf kommt man an einen Platz, mo 9 Schleusen übereinander 
sind, durch welche man 78 Fufs steigt. Vorher geht ein Canal 
rechts ab, der sich mit dem Hudson und dann mit dem Canale 
des Cliomplain-^vcs vereinigt. Hier verliefsen wir den Hudson und 
hielten uns längs des Mokawk-Fhisses. Wir bemerkten eine gegen 
600 Fufs lange bedeckte hölzerne Brücke, die auf 15 hölzernen 
Pfeilein über den letztern FJufs gehet, nahe vor seiner Mündung. 
Hier sahen wir den berühmten und oft abgebildeten CoÄoes-Wasser- 
fall im il/o//«7f/i-FIusse, 78 Fufs hoch, und etwa 400 Fufs breit. 
Im Flühjahre soll dieser Wasserfall, wo er sich über das ganze Bett 



iir 

des Mokawk erstreckt, sehr majestätisch sein; bei der jetzigen 
Dürre nahm er sich zwar schön aus, war jedoch sehr schmal. Der 
Flufs war beinahe ganz ausgetrocknet: ich ging in seinem aus 
Schieferfelsen bestehenden Bette trocknes Fufses bis in die Mitte 
und bis dicht an den Wasserfall. Das Wasser hat den Felsen hin 
und wieder tief ausgewaschen ; man sieht Löcher voll Wasser, in 
welchen man recht gute Fische fangen soll. Da sich sehr grofse 
Schwierigkeiten fanden, um hier den Canal auf dem rechten Ufer 
des Mohaw/c fortzusetzen, so hat man ihn vermittelst eines 1188 
Fufs langen Aqueducts auf das Hnke Ufer geleitet. Dieser Aque- 
duct ist von Holz gebaut und ruhet auf 2ö steinernen Pfeilern, vor 
welchen, auf eine Distanz von beiläufig 100 Schritt, hölzerne 
Eisbrecher in dem Flusse gebaut sind. Das Wasser in diesem hol- 
zeruen Canal ist gegen 20 Fufs breit und auf der einen Seite zum 
Wege für die Pferde mit einem 8 Fufs breiten Trottoir versehen. 
Diese hölzerne Wasserleitung wird wohl nächstens einer Reparatur 
bedürfen, und man dürfte endlich genöthiget sein, sie von Eisen 
zu machen. Der Canal ist, fast so weit er auf dem linken Ufer des 
Mohaw/c läuft, aus dem Felsen gehauen, und nimmt sich sehr schön 
aus. Zwölf Meilen weiter kehrt er vermittelst eines andern 74S Fufs 
langen, auf 16 Pfeilern ruhenden ähnüchen Aqueducts auf das 
rechte Ufer des Mohaw/c zurück. Oberhalb dieses Aqueducts , der 
ebenfalls durch hölzerne Eisbrecher gedeckt ist, geht eine gewöhn- 
liche hölzerne Brücke für Wagen über den Flufs. Vier Meilen 
weiter ist Sc/ienedady , das wir erst nach Sonnenuntergang erreich- 
ten. Zwischen Alhany und dieser Stadt hatten wir 27 Schleusen 
passirt. Die Schleusen sind von harten Kalksteinen gebaut, bedür- 
fen jedoch einer baldigen Reparatur , da sie an mehreren Plätzen 
das Wasser durchlassen. Auch schliefsen die Schleusen! hüren 
schlecht; das durch sie filtiirende AVasser bildet gar artige Casca- 
den. Die Gegend, durch welche wir heute gekommen waren, ist 
gröfstes Theiles bergig und w aldig und kärglich angebaut. 

Schenedady ist eine alte Stadt von ungefähr 5000 Einw ohnern ; 
sie wird durch den Canal in zwei Theile getheilt. Wir verliefsen 
hier das Packetboot, um morgen mit einem andern nach Utica 
zu fahren, und fanden in Givens /töfel ein recht gutes Unterkom- 
men, das uns nach der grofsen Hitze des Tages sehr wohlthätig 
war. Die Einwohner sind zum Theil Nachkommen von Nieder- 
sachsen, von denen einige, die im Wirthshause waren, mir in 
schlechtem Plattdeutsch die Conversation machen wollten. Am 
andern Morgen machten wir früh einen Spaziergang durch die 



118 

Stadt, und sahen zwei grofse, auf einer Anhohe liegende Gebäude, 
in welchen sich eine Universität, Union College, befindet. Die 
Studenten hatten Ferien, und defswegen war es sehr still. Nach 
dein baurüiligen Zustande der Gebäude zu schliefsen, ist dieses 
Collegium nicht sehr in Aufnahme. Man hat von demselben aus 
eine schöne Aussicht auf die Stadt und auf das Thal des Mohmvk, 
das hier recht gut angebaut zu sein scheint. In der Stadt bemerk- 
ten wir eine sonderbare Windmühle mit einem horizontalen Wind- 
rade, dessen Flügel, ungefähr 20 an der Zahl, perpendiculär und 
jalousienformig auf dem Rade stehen. 

Um 10 Uhr früh verliefsen Mir Sclienectady am Borde des 
Packetboots Samuel Young, das uns bis morgen Vormittags nach 
Utica, 80 Meilen weit, zu bringen versprach. Es war so grofs, als 
das Gestrige, nur waren Verschlage für die Damen angebracht, weil 
man eine Nacht auf dem Boote zubringen mufs. Der Canal ging 
heute wieder längs des Mohaivk in demselben gut angebauten Thale, 
und die Gegend war, wegen des Laubholzes auf den Anhöhen, 
recht freundlich. Einige nett aussehende Häuser bilden das 
Toivmhip Amsterdam; gegenüber, auf dem rechten Ufer des 
Mohawk, liegt Rotterdam. Ueber mehrere kleine Regenbäche, 
die man hier, so Avie die kleineren Flüsse, mit dem indischen 
Namen Creek belegt, kamen wir auf kleinen Aqueducts hinweg, 
von welchen die längsten nur auf 3 Pfeilern ruheten. Der Canal 
führte durch 2 Flüsse, Sclioharrie Creek und Canajokarie Creek, 
welche ihm das meiste Wasser zuführen. Bei dieser Durchkreu- 
zung der Flüsse werden die Pferde auf einer besondern Fähre 
übergefahren. Bei der ersten Ueberfahrt liegt ein Dorf, Fort 
Hiinter genannt, wo vor dem 7jährigen Kriege ein Fort, oder 
vielmehr eine Redoute dieses Namens gestanden hat. Gegen 
Abend kamen wir durch ein enges Thal, durch zwei felsige Berge 
gebildet, von welchen der eine Anthonys nose genannt wird. Die 
Häuser, an denen wir vorbeifuhren, sahen meistens recht wohlha- 
bend aus; auch bemerkte ich heute und gestern mehrere Säge- 
mülilen. Zv.ischen Schenectady und Utica sind 26 Schleusen. Der 
Tag war unerträglich heifs und unsere Gesellschaft nicht sehr zahl- 
reich. So viel als es sich thun liefs, schrieb ich heute; während 
der grofsen Hitze konnte ich mich aber des Schlafs nicht erwehren. 
Abends bekamen wir glücklicherweise ein Gewitter, das die Luft 
sehr abkühlte. Während der Nacht wurden , da die Cojen nicht 
zureichten, auf alle Bänke Betten gelegt, und für mich, als den 
Gröfsten , in der Mitte ein ganz besonderes auf die längste Bank 



119 

und einen Stuhl als Supplement. Es sah aus wie ein Erbbegräb- 
nifs , und ich lag in der Mitte wie der Familienvater. Ich brachte 
übrigens eine schlechte Nacht zu, weil ich sehr eng lag, weil In- 
secten mich quälten , und weil bei jeder Annäherung einer Schleuse 
der Steuermann auf dem bügle seine schönen Weisen anstimmte. 
Während derselben hatten wir einen Aqueduct passirt, der über 
einen kleinen Wasserfall, Utile falls genannt ^ hinweg führt. Ge- 
gen Morgen kamen wir durch eine recht gut angebaute Gegend mit 
einzelnen netten Häusern, Gerjnan ßats genannt, zur Zeit der 
Königin Anna von deutschen Ansiedlern angelegt. Gegen 12 Uhr 
Mittags erreichten wir Utica^ nachdem wir 9 Meilen zuvor durch 
die letzte Schleuse gefahren waren. Auf mehr als 70 Meilen vor- 
wärts giebt es keine Schleus« wieder. Der Boden scheint ange- 
schwemmter Grund zu sein , nnd besteht aus Sand mit Rieseln. 

Utica , durch welches der Canal hindurchgehet , ist eine blü- 
hende Stadt von beiläufig 4000 Einwohnern , und stehet auf dem 
Platze , wo früher eine Redoute gegen die Indianer , Fort Schuyler 
genannt, gestanden hat. Im Jahre 1794 war ein kleines Wirths- 
haus das einzige bewohnte Gebäude in dieser Gegend ; und jetzt 
steht Utica da als eine der blühendsten Städte des Staates New- 
York, und fortwährend werden neue Häuser gebaut In der 
That, man fängt hier an, die grofsen Fortschritte, die dieses 
junge Land in der Cultur macht, zu bewundern, und bekommt 
ganz neue Ideen vom menschlichen Erschaffungs - und Unterneh- 
mungsgeist! Utica, am rechten Ufer des Mohawk, hat 2 Banken, 
4 Kirchen , und eine Akademie » grofse und gut eingerichtete Lä- 
den mit einer Buchliandlung und einer Buchdruckerei. Aufser 
mehreren Schenken giebt es 3 grofse Wirthshäuser. Wir fanden 
in dem gröfsten, Shepherds Iwtel, ein sehr gutes Unterkommen. 
In diesem Hause sind beständig über 70 Betten zur Aufnahme der 
Fremden bereit; und öfters sollen sie kaum zureichen. Man erin- 
nerte sich nicht, dafs in einem Sommer so viele Reisende hier ge- 
wesen seien, als in diesem, besondersaus den südlichen Staateji, 
wo die Hitze un«rtiäglich , und wo es überhaupt im Sommer unge 
sund sein soll. In einem, solchen amerikanischen Wirthshause ist 
Alles äulserst reinlich, und verhältnifsmäfsig billig. Man mufs auf 
die Person mit Wohnung und Nahrung täglich 1 Dollar rechnen. 
Früh vor 7 Uhr wird zum Aufstehen geläutet. Die Schlafzimmer 
sind äufserst geräumig, die Betten weit und gut, und die Wäsche 
fein und sehr reinlich. Uebrigens sind alle Schlafzimmer mit den 
nöthigen Waschtischen u. s. w-. versehen. Nachdem man ange- 



. 120 — 

kleidet ist, begiebt man sich ins Erdgeschofs , in den harroom. Da- 
selbst findet man alle Sorten von erfrischenden und herzstärkenden 
Getränken; auch ist daselbst das Comptoir des ersten waiteis, der 
die Rechnungen besorgt. Der Wirth ist gewöhnlich ein getdle- 
man^ der mit den Gästen ifst, und die Conversation macht. Aufier 
dem Vorplätze, wo die Stiefeln und Schuhe Abends hingestellt 
werden, und wo man sie am andein Morgen wohlgeputzt wieder 
findet, sind hier mehrere oflen stehende Stuben zum Sitzen, Le- 
gen, Schreiben u. s. w. Will man jedoch, zumal wenn man mit 
Damen reiset, einen besonderen sitthigroom haben, so bekommt 
man auch diesen ^egen besondere Bezahlung. Eine halbe Stunde 
nach dem Aufstehen wird zum Frühstücke geläutet. Man begiebt 
sich in den diniiigroom^ und triift eine gedeckte Tafel an, mit 
beefstcak^ Schöpsenfleisch, gebratenen Hühnern oder anderem Ge- 
ilügel , Fischen und gesottenen Kartofieln , welche von einer ganz 
besonders guten Qualität sind. Die waiters, oder an manchen Or- 
ten auch Dienstmädchen, präsentiren Kaffee und Thee. Wie über- 
haupt die Amerikaner sehr stille Menschen sind, so geht es auch 
bei einem solchen Frühstücke, das in aller Eile abgethan wird, 
gehr still zu. Das Diner wird gewöhnlich gegen 2 Uhr eingenom- 
men. Gegen 7 Uhr Abends wird zum Thee geläutet. Alsdann ist 
die Tafel besetzt, wie zum Frühstück, und aufserdem noch mit 
Ragouts und Backwerk. Wein ist Niemand zu trinken verbunden. 
Auf dem Tische stehet Wasser und Branntwein, welches man ver- 
mischt im Sommer für das gesundeste Getränk hält. Ein Jeder 
mufs zulangen , so gut er kann und mag : denn die Speisen werden 
nicht herumgegeben. Servietten bekommt man nicht, und mufs 
sich statt ihrer des Tischtuches bedienen. Aufser den Löffeln sieht 
man kein Silberwerk auf der Tafel; die Gabeln sind zweizinkige 
von Stahl, und ihre Stiele, sowie die Messerstiele, von Hirsch- 
horn. Eine gute Einrichtung ist es , dafs man beim Weggehen 
keine Kaustrinkgelder zu geben braucht. 

In L7/c'a vereinigten wir uns zu 7 Fassagieren , um eine Dili- 
gence nach den 14 Meilen von hier befindlichen Wasserfällen, 
Trenton-jaUs , zu miethen. Wir zahlten 9 Dollars für den Wagen. 
Unsere Gefährten waren theils aus Netv-York, und theils aus dem 
Staat Nort/t- Carolina. Wir fuhren über den Moliawk auf einer 
bedeckten hölzernen Brücke, die auch plump und schleclit gebaut 
war, an welcher ich übrigens die gute Warnung angeschlagen 
fand, dafs jeder, der diese Brücke zu Pferde oder zu Wagen 
schneller, als im Schritte, passire, einen Dollar Strafe zahlen solle. 



121 

Dann ging es bergauf in einen Wald hinein, der aber zum Theil 
ausgerodet wurde, um Felder anzulegen. Mit dem Holze geht man 
hier so sorglos um, dafs man wahrscheinlich schon in 50 Jahren 
Mangel fühlen wird. Nicht weit von den Wasserfällen , Molche zum 
West-Canada-Creek gehören, ist in dem Walde, den man vor Kur- 
zem aufgeklärt hat, ein neues Wirlhshaus, ganz von Holz, in ei- 
nem schlechten Stil, erbaut worden. Daselbst verliefsen wir den 
Wagen, und gingen zu Fufse durch den dichten Wald, durch wel- 
chen ein Steig ausgehauen ist, nach den Wasserfällen. Eine neue 
hölzerne Treppe , zur Bequemlichkeit der Fremden angelegt , führt 
auf einigen 80 Stufen nach dem Flufsbette hinab. Dasselbe besteht 
ganz aus Schieferfelsen, Ist ungefähr 200 Schritte breit, und zwi- 
schen hohen Felsenufern eingeschlossen, die mit den henlichsten 
Riesentannen, Ahornen, Platanen, Ulmen, Cedern und Lebens- 
bäumen bewachsen sind. Diese schöne Masse von Grün , auf dem 
dunkelblauen Himmel , mit den grofsen Felsenpartien und den drei 
nicht weit hinter einander liegenden Wasserfällen , gewähren einen 
herrlichen Effect. Bei diesen Fällen , die übrigens wegen des hei- 
fsen Sommers kaum die Hälfte der Breite des Flusses einnahmen, 
hat das Wasser den Felsen so ausgewaschen , dafs dieser einen or- 
dentlichen Kessel bildet. Der obere Fall, der etwa 90 Fufs hoch 
sein mag, ist der schönste, und ein speculativer Kopf hat in der 
Nähe, unter dem Schatten der Lebensbäume, eine kleine Schenke 
angelegt, die sich sehr malerisch ausnim^mt, und sich gut verin- 
teressiren soll. Man findet im Felsen schöne Versteinerungen von 
Muscheln, Pflanzen und Thieren, eine Ij Fufs lange Versteine- 
rung glich einem jungen Alligator; von den kleineren nahm ich 
einige mit mir. Wir nahmen im Wirthshaus ein mittelmäfsiges Di- 
ner ein , und fuhren gegen Abend nach Utica zurück. Der Tag 
war sehr schön , und nicht zu warm. Das gestrige Gewitter hatte 
uns gut gethan. Ich bedauerte , dafs wir zu spät in Utica anka- 
men, um eine hydrostatische Schleuse zu besehen, >velche bestimmt 
ist, die auf dem Canal fahrenden Schifle zu wägen. 

Da wir nun genug vom Canale gesehen hatten , da die Fahrt 
auf demselben etwas langsam von Statten geht, und wir das Land 
besser kennen zu lernen wünschten , das von hier an bis zum Am- 
Qara ganz neu angebaut ist, so entschlossen wir uns, morgen un- 
sere Reise mit der Stage-coach fortzusetzen. Wir verliefsen also 
den 17. Auffust früh 4 Uhr in dieser Weise Utica, und kamen an 
diesem Tage 73 Meilen weit bis Aubiirn. Die Stage-coaches ma- 
chen hier nicht, wie in England, 10 Meilen in einer Stunde, son- 



— _ 122 

dem gewöhnlich nur G. Denn die Gej^end ist meistens bergig; 
die coach, wenn sie die inail mitnimmt, hält in jedem Dorf an, 
weil sich, wegen der grofsen Menge von Zeitmigen, in jedem ein 
post-of/ice belindet; das Felleisen mufs abgegeben, geöfliiet, wie- 
der geschlossen, und dann zurückgegeben werden; dabei wird 
den Pferden gewöhnlich Wasser gereicht ; die Kutscher sind auch 
nicht sehr pünktlich: und so geht die Reise nicht so schnell, als 
sie sollte. Die Ortschaften, welche wir zwischen Utica und Au- 
i«r« passirten , waren: New- Hartford , 4 Meilen weit; Manchester, 
5 M.; Vermriy 8 M.; Oneida, 5 M.; Lenox^ 4 M. ; Snllimn, 8M.; 
Manluis, 6M. ; Jamesville ^ 5 M. ; Onojidaga Hollotü , 5 M.; Onon- 
dagallill, 2M. ; Marcellus, 8M. ; Skeneateless , 6 M. 

Zwischen Manchester und Vernon brach der Tag an. Wir be- 
fanden uns in emer ziemlich wilden Gegend in den Urwäldern, die 
nur wenig gelichtet waren. Oneida ist eine Indianische Niederlas- 
sung, von dem Reste des ehemaligen sehr mächtigen 0/<e/(Za-Stam- 
mes angelegt, die ihren Landsleuten, wekhe vor der Civilisation 
flüchteten, nicht nach den westlichen Gegenden folgen wollten, 
und die nun , ein jämmerliches Volk , gleich einer Zigeunerbande, 
von ihren Nachbarn verachtet und gedrückt werden. Man hat aus 
ihnen Handwerker und Landbauer gemacht; auch sind sie durch 
Missionare , von welchen der vorzüglichste ein gewisser Williams^ 
selbst ein Indianer , von den Quäkern erzogen , sein soll , zum Chri- 
stenthume gebracht worden. Beim Einfahren in das Dorf sahen wir 
links auf einer Anhöhe eine kleine, nette, hölzerne Kirche, für den 
Gottesdienst der Indianer bestimmt, und dann einen freien Platz 
mit Butternufsbäumen umgeben , Council grope genannt, unter wel- 
clicn die Aeltesten des Stammes sich versammeln, um über die An- 
jreleffenheiten desselben zu berathschlaa;eii. Die Häuser der India- 
ner stehen einzeln in ihren Feldern, sind gleich Blockhäusern von 
starken Baumstämmen gebaut, und ziemlich klein. In der Mitte 
des Dorfes haben sich weifse Einwohner, Handwerker und Schenk- 
wirthe, niedergelassen; und die letzteren machen besonders gute 
Geschäfte , da die Indianer grofse Freunde starker Getränke sind. 
Das Land gehört dem ganzen Stamm, und seine einzelnen Glie- 
der arbeiten zum Besten des Ganzen. Wir bemerkten einzelne In- 
dianer längs des Weges. Sie sehen braungelb aus, und haben 
sclnvarzes Haar ; die Männer scheinen gut gewachsen zu sein , die 
Weiber sind dick und untersetzt, und gleichen den Portraits der 
Esquimauxweiber in Parrifs Reisen. Einige liefsen die Haare ge- 
rade herunterhängen, und das trug wo möglich noch bei zur Ver 



123 

mehrung ihrer Häfslichkelt. Männer und Weiber tragen Hosen, 
meistens blau, und mit Meifsem Garn benähet; auch wohl von zwei 
Farben, wie die Züchtlinge in Boston. Die Männer tragen Hem= 
den über ihre Hosen, und darüber Oberröcke von Tuch, wie die 
Röcke anderer Menschen. Die Weiber hüllen sich in weifse oder 
blaue wollene Decken ein. Anfangs glaubte ich mich hier im civili- 
ßirten Europa zu befinden; denn eine Menge Kinder lief neben dem 
Wagen her , um zu betteln , und dieses w ar mir , seit ich in den 
Vereinigten Staaten reisete, noch nicht vorgekommen. Bald je- 
doch ergab sichs , dafs es indianische Kinder w aren , ziemlich wie 
ihre Eltern gekleidet, und von derselben Farbe. Die Mädchen 
trugen ihre Decken mit messingenen Sternen auf der Brust zusam- 
mengenestelt, und meistens Halsbänder von bunten Glasperlen. 

Hinter diesem Dorfe ging es eine ansehnliche Höhe .hinauf, von 
welcher w ir eine schöne Aussicht hatten auf den Oneida-^ee , der 
sich wie ein sehr breiter Strom ausnahm. Man hat hier oft weite 
Aussichten; sie sind aber ziemlich einförmig, weil man nichts als 
Wälder, wenig angebautes Land, und selten Häuser sieht. Weiter- 
hin sahen wir einen andern kleinen See mitten im Walde, Salt-Lake 
genannt, an dessen Ufer wir drei neue kleine Städte, Liverpool^ 
Salina und Syracusa^ sehr malerisch liegen sahen. Letztere beide 
Ortschaften liegen nahe bei einander, und werden mit der Zeit 
wohl nur eine Stadt bilden. Bei Salina sind reichhaltige Salzquel- 
len, deren Salzwasser daselbst in Reservoirs gesammelt, und durch 
die Sonne verdünstet wird, um das Salz zu gewinnen. Jenseits 
Sullivan kamen wir durch ein Dorf, Chitteningo. In demselben 
sind mehrere Mühlen und eine Baumwollenfabrik ; auch ein Canal, 
der aus dem grofsen £ne-Canal ausläuft, und eine Art von Hafen 
bildet , um den hier fabricirten Artikeln und dem in der Nähe ge- 
brochenen Gyps und Wasserkalk einDebouche zu verschaffen. Die- 
ser Kalk wird unter dem Wasser hart , und defshalb vorzüglich zu 
Wasser-Bauten gebraucht. In Manlius , einem neu angelegten , mit 
zwei Kirchen versehenen Orte, machten wir Mittag. Aufser der ge- 
wöhnlichen Stage-coack gingen heute zw ei andere coaches ab, alle voll 
von Menschen. In die unsrige setzte sich für eine kurze Zeit ein 
Bauer, Nachkomme eines deutschen Auswanderers, der noch 
Deutsch sprach , wie man vor 100 Jahren in Deutschland gespro- 
chen haben mag. Er meinte : mein Deutsch sei ihm zu hoch , denn 
ich spräche es, wie ein Pfarrer. Wir fuhren südlich vom Canal, der 
hier einen Bogen beschreibt, um in der Ebene zu bleiben, wäh- 
rend die Strafse über die Hüjicl den nähern Weg nimmt. Die bei- 



124 — 

den Onojulagas scheinen aucli blühende Orte zu sein, mit Fabri- 
ken; sie haben eine j^anz hübsche ha^e. MarceUiis ist ebenfalls 
ein neues Städtchen mit 2 Kirchen. Die meisten der kleinen Ort- 
schaften haben 2 Kirchen, eine Episcopal- oder Anglicanische, 
und eine Presbyterianische Kirche. Schulen sind in jedem Orte, 
selbst in dem indianischen Dorf. Auch sah ich zu meiner Mahren 
Freude Buchhandlungen in mehreren Orten. Jenseits Marcelliis 
brach die Nacht ein: zu meinem grofsen Bedauern; denn ich konnte 
von dem S/ceneatelessSee , an dem die Stadt gleiches Namens liegt, 
die eine äufserst schöne Lage haben soll, fast nichts sehen. Gegen 
9 Uhr Abends erreichten wir Auhiirn , und fanden im dortigen Gast- 
hofe gleichfalls ein recht gutes Unterkommen. Von dieser Stadt 
aber erfuhr ich nur, sie habe über 150 Häuser, ein Tribunal und 
ein Staaten-Gefängnifs oder penitentiary , das sehr gut eingerichtet 
sei. Zu meinem Leidwesen sah ich Nichts. Denn wir wurden am 
andern Morgen ■ — den 18. August — schon um 4 Uhr wieder in 
die Stage-coach eingepfercht, um nach Rochester zu kommen, das 
69 Meilen entfernt ist Die Ortschaften, die wir auf dieser Fahrt 
berührten, waren: Cayifga^ 9 Meilen; Seneca falls, 3 M.; Water- 
loo, 5M. ; Geneva, 6M.; Canandaigua^ 16 M.; Mendon, 15 M.; 
Pittsford , 7 M. ; und von hier aus hatten wir noch 8 Meilen bis 
Rochester. 

Der Tag brach an , als wir die Gegend von Caynga erreichten, 
an dem See gleiches Namens, der ungefähr 20 Meilen lang, und 
1 bis 3 breit ist. Dieser See hat an seinem nördlichen Ende einen 
Ausflufs in den Seneca-F\u(s , der sich später mit dem Mo/tawk ver- 
einigt. Nicht weit von dem Ausflusse fuhren wir über den See auf 
einer Brücke, die eine Meile lang, 18 Schritte breit und sehr grob 
und nachlässig gebaut ist: die Breter sind nur darauf gelegt, und 
nicht fest ffenaorelt : die Eisbrecher sind in einem schlechten Zu- 
stand. Auf der andern Seite des Sees steht ein grofses Zollhaus, 
auf welches die Brücke zuläuft. Nicht weit von diesem Hause kamen 
wir nach Senecafalls , so genannt von einem nahen Wasserfall im 
iSeneca-Flusse , der übrigens höchst unbedeutend ist, und vorzüglich 
durch ein Mühlwehr gebildet wird. Im Wirthshause trafen wir ei- 
nen durchwandernden Indianer mit seiner Frau , vom O/^e/fZa-Stam- 
me, die einen Besuch beim Äe7^eca-Stamme abstatten wollten. Wir 
sprachen mit dem Manne, der in der Schule gewesen war, und 
englisch verstand. Er erzählte uns , dafs er von einem Quäker-Mis- 
sionar erzogen worden sei , und sich mit dem Ackerbau beschäftige. 
Er endigte damit, uns um einen Zehrpfennig anzusprechen, den 



125 

er wahrscheinlich im nächsten Kruge mit seiner häfslichen Ehehälfte 
vertrunken haben wird. 

Alle Plätze , die wir berührten , sind ganz neu , und an vielen 
Orten kamen wir durch den Urwald, den man nur hier und da auf- 
zuklären anjrefanjren hatte. In Waterloo ist das erste Haus 1816 
angelegt worden ; jetzt hatte dieser Ort zwei Kirchen , und gegen 
3000 Einwohner , die meistens recht wohlhabend zu sein schienen. 
Mehrere der Häuser sind von Backsteinen gebaut, und enthalten 
gut versehene Läden. Im Wirthshause sahen wir einen schönen, 
jungen, sehr grofsen Adler , der im Neste gefangen, und zahm ge- 
woiden war. Ueber Waterloo hinaus kamen wir durch morastige 
Gegenden: der Weg ging über Knüppeldämme, die von grofsen 
Baumstämmen jremacht sind. Wir wurden g-arstis: zusammengesto- 
fsen. Geneva liegt an der nördlichen Spitze des Ä'e7ieca-Sees , der 
einige 50 Meilen lang, und gegen 5 breit ist. Der Ort verdankt 
seinen Namen der Aehnlichkeit seiner Lage mit der Lage von Genf 
in der Schweiz. Er ist ebenlalls ganz neu, und zählt gegen 4000 
Einwohner. In der Stadt stehen 2 Kirchen und mehrere grofse 
steinerne und backsteinerne Häuser , von welchen das schönste und 
gröfste ein neues Wirthshaus , Franklin hötel, war, dicht am See 
gelegen. Ich ging in eine Buchhandlung, um mich zu erkundi- 
digen , welche Art von Büchern den meisten Absatz in dieser Ge- 
gend fänden, und hörte, am Meisten Miirden alte Classiker und 
Andachtsbücher gekauft; zuweilen auch Romane, juristische und 
einige medicinische Werke. Das CoUegium soll einige 100 Studen- 
ten zählen. Vor der Stadt, längs des See's, sieht man recht hüb- 
sche Landhäuser mit Gärten. Auf der andern Seite der Stadt steht 
der Wald den Häusern ziemlich nahe, und ist noch nicht viel 
ausgehauen. Wir sahen aber mehrere Striche Holz in Feuer 
stehen; die Bäume wurden verbrannt, um das Land urbar zu 
machen. 

Canandaigua liegt an der nördlichen Spitze des ungefähr 20 
Meilen langen See's gleiches Namens, und ist ein äufserst netter 
und freundlicher Ort, der sich auch erst seit kurzer Zeit gehoben 
hat. Der Herzog de la Rochefoucault erzählt : bei seiner Reise in 
Amerika im Jahr 1790 habe an diesem See ein einziges Haas im 
Walde gestanden, in welchem er die Nacht in der einzigen Boden- 
kammer , die zum Magazine diente , zugebracht habe. Jetzt steht hier 
eine schöne, handeltreibende Stadt, mit einer Bank, einem Ge- 
richtshof und einem ganz vorzüglich guten Wirthshaus. Es war 
gerade Gerichtstag; defshalb waren viele Menschen versammelt. 



126 

und die Stadt hatte ein sehr lebhaftes Ansehen. In derselben tren- 
nen sich zwei Strafsen; die eine, zur Linken, geht über Safai'm 
und mehrere unbedeutende Orte nach Bvffalo am £r«e-See, die 
andere , rechts , f ülut nach Rochester und von da nach dem Onta- 
rio-Sce und den Fällen vom Niagara ; auch nähert sich diese Stiafse 
wieder dem £ne-Canal, und soll die interessanteste sein. Defs- 
wegen wurde sie von uns gewählt, obgleich sie die weiteste ist 

Nachmittags verliefsen wir Canandaigua und fuhren über 
Victor , Mendon und Pittsford nach Rochester. Wir sahen indefs 
auf diesem letzten Theil unserer Reise weiter Nichts Merkwürdi- 
ges, als etwa mehrere ganz neue Ansiedelungen, deren Besitzer 
in Loghäusern *) wohnten , die ein eigenthümüches , aber keines- 
wegs unangenehmes Ansehen haben. Ich freute mich sehr über 
das rechtliche und reinliche Vorkommen der Einwohner. 

Rochester erreichten vir Abends um halb 8 Uhr und nahmen 
in der Eagle tavern unsre Wohnung. Ueber den Flufs Genessee>, 
der Rochester in zwei Theile theilt, kamen wir auf einer hölzernen 
Brücke, der ersten ordentlich und fest gebauten , die wir bis jetzt 
in den Vereinten Staaten getroffen hatten. Sie ruht auf steinernen 
Pfeilern , und ist von soliden Balken mit tüchtigen Bohlen , die fest- 
genagelt sind. Am anderen Morgen gingen wir in der Stadt spa- 
zieren, und freuten uns über ihr schnelles Zunehmen. Im Jahre 
1812 stand noch kein einziges Haus; man sah Nichts, als Wald; 
den acre konnte man für Ij Dollar kaufen. Jetzt ist Rochester eine 
der blühendsten Städte im Staate Neiv - York. Sie enthält 4 Kir- 
chen , eine Bank , die Gebäude des Tribunals und der Administra- 
tion der Grafschaft, und zählt gegen 4000 Einwohner. Viele 
Häuser sind von blauen Kalksteinen, andere von Backsteinen ge- 
baut. Die Stadt enthält mehrere Mühlen und Fabriken; unter an- 
dern eine Nagel-Fabrik, in welcher die Nägel mit einer Maschine 
gemacht werden , wie in Birmingham. Auch macht man hier ge- 
zogene Büchsen, die jedoch sehr lang, schwer und stark von Eisen 
sind. Auf dem rechten Ufer des Geiiessee-Flusses ist der Anbau der 
Stadt noch nicht so weit , als auf dem linken , vorgerückt ; es stehen 
daselbst noch viele hölzerne, sogar noch Loghäuser; und auf dem 
Platze, auf dem in kurzer Zeit hoffentlich schöne Quais zu sehen 
sein werden, stehen jetzt noch die Stämme der abgehauenen Bäu- 
me : für den Beobachter der Fortschritte dieses Landes ein wirklich 



*) Hänser aus überchiandergclcgten hölzernen Baumstämmen, die, vrcnig'- 
steus nach aiifseu zu, nicht behauen gind. 







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127 

sehr interessanter Anblick. Die neuen Häuser werden meistens, 
der Grund von rothem, grob zugehauenen Sandsteine, die Ecken 
der Häuser, die Thüren und Fenster von einem weifsen, marmor- 
artio-en Sandstein, und das Uebriffe von Backsteinen gebaut. Der 
weifse Sandstein wird in der Nähe gebrochen, und auf einer vom 
Genessee-¥\usse 'getriebenen Sägemühle in Stücken und Platten ge- 
schnitten. Ich sah 3 Blöcke zersägen; in einem Rahmen Waren 
5 Sägen gespannt. Wenige 100 Schritt unterhalb der Brücke bil- 
det der ungefähr 200 Schritt breite Geiiesse e~F\ufs einen 90 Fu("s 
hohen Wasserfall, der jetzt jedoch keinen grofsen Eflect machte. 
Durch ein Wehr oberhalb des Wasserfalls wird ein Theil des Was- 
sers abgeleitet, um ein Paar Mühlen zu treiben; hierauf füllt es 
unterhalb des Wasserfalls wieder in das Flufsbett, und bildet 
3 hübsche Cascaden, die mich an die Villa des Mäcen bei Tivoli 
erinnerten. 

In Rechester geht der Erie-Cana\ in einem steinernen Aque- 
duct, ähnlich dem vom Bridgewaterschen Canal bei Manchester 
in England, über den Genesse e-F\üCs. Dieser Aqueduct, ungefähr 
1000 Schritte oberhalb des Wasserfalls, steht auf einem Grunde 
von Schieferfelsen., und ist 780 Fufs lang. Ein sehr gutes neu 
erschienenes Buch, the noriherntour genannt, giebt von demselben 
folgende Beschreibung: „Der Aqueduct besteht aus 11 breiten 
Bogen, gebildet von Cirkelsegmenten , deren Kronen 11 Fufs 
über die Corde des Bogeus und 15 über das Niveau des Wassers 
im Flufs erhoben sind. Die beiden äufsern Bogen haben eine 
Spannung von 40 Fufs , und unter ihnen fliefsen die Wassersti'öme 
für die Mühlen; die andern 9 Bogen sind 50 Fufs weit, u. s. m." 
Auf der einen Seite befindet sich ein Weg mit einem eisernen 
Geländer für die Pferde. Das Ganze ist ein solides Werk, das 
seinem Erbauer , Benjamin Wright , grofse Ehre macht. 

Um 9 Uhr verli^fsen wir Rochester auf dem Canal-Packetboot 
Ohio, Schifier Storch. Der Canal läuft bis Lockport, 63 Meilen 
von Rochester, durch ein ziemlich ebenes Land nördlich von der 
sogenannten ridge. Diese Riclge ist eine Folge von Felsen , mei- 
stens aus sogenannten Uebergangsgebirgen bestehend, die nörd- 
lich vom £ne-See ihren Anfang nimmt, östlich streicht, den Niagara, 
welches der Ausflufs dieses See's ist, aufhält, und seinen Wasserfall 
bildet, dann sich immer mehr östlich erstreckt, die verschiedenen 
Wasserfälle der nördlich nach dem Owfar/o-See zu strömenden Flüsse 
erzeugt, und sich in der Gegend des i/*/c?sow-Flusses verliert. Der 
Canal >var in dieser Gegend erst seit vorigem Jahre befahrbar ; er 



_ — „ 128 • 

fuhrt durch Wäldei", welche fast gar nicht gelichtet sind, und in 
welchen sich nur wenige neue Ansiedelungen befinden, Avie Spen- 
cers basin, Bates und Brcckport. Die Brücken sind besser und 
höher gebaut, als die früheren. In unsei'er Reisegesellschaft be- 
fand sich ein holländischer Geistlicher aus Cnragao , Namens Boschs 
und zwei andere Geistliche aus New-l:ork, von holländischer Ab- 
kunft, Sluiter und Wykoff. Die Conversation wurde daher meistens 
holländisch geführt: denn auch Schiffer Storch ist ein Amsterdam- 
mer Jude von Geburt, ist viel gereiset, spricht mehrere Sprachen 
und tru"- durch sein munteres Wesen viel zur Annehmlichkeit der 
Reise bei. Vor und nach dem Mittagsessen, so wie vor dem 
Thee, sagten die beiden Geistlichen aus New -York ziemlich lange 
Gebete her, und ehe wir uns zu Bette legten, las der eine ein 
Paar Capitel aus der Bibel Tor und recitirte dann ein langes 
Gebet. 

Am 20. August erreichten wir gegen 7 Uhr des Morgens 
Lockport. Hier wird der Canal durch 5 grofse Schleusen, durch 
welche das Wasser 76 Fufs hoch gehoben wird, über die ridge 
hinweiiffeführt. Es sind aber eiijrentüch 10 Schleusen, nämlich 5 
über einander, in zwei Reihen abgetheilt, so dafs, während in 
einer Reihe Böte hinauf steigen, andere zu derselben Zeit in der 
andern Reihe herunter kommen. Durch diese Einrichtung wird 
die Schifiahrt ungemein erleichtert, und das ganze Werk, in den 
Felsen gehauen, und mit 100 Fufs hohen Felsen umgeben, ge- 
währt, sowohl von unten, als von oben betrachtet, einen imposanten 
Anblick. 

Lockport, wohin Mir uns begaben, das Boot im Bassin am 
Fufse des Schleusensystems lassend, ist für den Beobachter ein 
äufserst interessanter Ort, oberhalb der Schleusen gelegen. Im 
Mai 1821 bestand derselbe aus 2 Loghäusern; jetzt enthält er 600 
Häuser, unter welchen mehrere von Stein; er hat ein post-oßiccy 
eine Buchdruckerei, in der wöchentlich eine Zeitung erscheint, 
und 2 Kirchen. Freilich sieht er im Ganzen noch wild aus ; aber 
in einer Zeit von 4 bis 5 Jahren wird auch dieses Aussehen ver- 
schwunden sein, und er M'ird glänzend dastehen, wie Canandais^na 
und Rochester. Bei diesem Orte war der Canal auf eine Strecke 
von unirefähr 5 Meilen, bei unserer Anwesenheit, noch nicht voll 
endet; man glaubte jedoch, noch vor Ende des Jahres würde er 
vollendet werden. Man mufs über 3 Meilen lang den Canal aus 
den Felsen , meistens 30 Fufs tief, ausbrechen. Dieses geschieht 
gröfstcs Theiles durch Pulver. Mehrere Hundert Irländcr arbeiten 



129 

an dem Canal. Sie leben in Loghäusern, die neben demselben 
gebauet sind. Sie verdienen vieles Geld; leiden aber auch sehr 
durch die ungesunde Luft, besonders an Fiebern, die ihnen nicht 
selten tödtlich werden. Die Steine, welche man gewinnt, werden 
zum Bau der Häuser und zur Anlegung und Reparatur von Chaus- 
seen angewandt. Bei dem Durchbrechen des Felsens findet man 
oft schöne Versteinerungen und andere merkwürdige Mineralien, 
z. B. StrontMan und einen äufserst feinen durchsichtigen Gyps. 
Ich sah hier einen grofsen versteinerten Baumstamm liegen ; auch 
fand ich eine schöne versteinerte See-Coralle. 

Um nach Buffalo zu kommen, wohin wir von dem Wunsche, 
den Canal bis zu seiner Vereinigung mit dem Krie-^ee zu sehen, 
gezogen wurden, nahmen wir in Lockport einen Stuhlwagen. 
Allerdings geht von Lockport bis zu dem Wasserfall des Niagara 
eine gute Diligence; wir nahmen den schlechten Karren, um nur 
5 Meilen weit bis zu dem befahrbaren Theile des Canals zu gelan- 
gen. Der Weg ging durch den Wald , in dem man die Bäume 
längs des Canals abgehauen hatte, und schlängelte sich zwischen 
den Wurzeln hindurch, so dafs er, zumal da es den Tag zuvor 
geregnet hatte , ungemein schlecht war. Als wir endlich wieder an 
den befahrbaren Theil des Canals kamen, da bestiegen wir ein 
ziemlich schlechtes Boot, auf dem, aufser den gewöhnlichen Herz- 
stärkungen , nichts zu haben war. Das Dorf, an dem wir uns ein- 
schifften , heifst Cottenshurgh , und ist eine ganz neue Ansiedelung. 
Der Canal ist auch hier im Felsen gegen 30 Fufs tief ausgehauen. 
Zwei bis drei Meilen weiter , fällt er in den Tonnawanta - Creek, 
der, 12 Meilen weit, als Canal benutzt Mird. Dieser Creek hat 
beinahe keinen Abflufs. Falls nun das Wasser in demselben zu 
hoch werden sollte, so wird der Canal durch Sicherheitsschleusen, 
die nahe bei seiner Vereinigung mit dem Creek angebracht sind, 
vor zu vielem Wasser geschützt. Bei der Mündung des Creeks 
in den Niagara ist ein Wehr, um das Wasser im Creek beständig 
auf einer gewissen Höhe zu halten. Der Creek selbst ist gegen 
50 Schritte breit, und läuft durch den dichtesten und schönsten 
Wald, der durchaus noch nicht angetastet ist: nur hat man einen 
Saumweg für die Pferde gemacht. Ich safs auf der Spitze des 
Schiffes MÖhrend der ganzen Fahrt. Nichts unterbrach die feier- 
liche Stille, als etwa das Zähneklappen der Schiller, die in dieser 
ungesunden Gegend hart vom kalten Fieber heimgesucht sind. Ein 
anderer kleiner Flufs, Elerev7nil es- Creek , vereinigt sich mit dem 
Hauptliufs ; und nicht m eit von dieser Vereinigung war der Platz 
/. t 



]30 

zu einer neuen Stadt, Tonnou^ania ^ abgemarkt. Einifrc kleine 
Häuser und eine Ilolzsägemühle waren schon errichtet; die Be- 
wohner schienen aber auch sehr am Wechselfieber zu leiden. Der 
TonnawantaCreek vereinigt sich hier mit dem Niagara^ wo das 
oben erAvähnte Wehr angelegt ist. Daselbst hatten wir den ersten 
Anblick vom NiagaraStrom , der bekanntlich der Ausflufs vom Eric- 
See in den Oniario ist, aus welchem am anderen Ende der St. 
Lawrence strömt. Wir sahen in dem Strome das über 1100 Acker 
grofse , dicht mit Holz bewachsene Grand island liegen , welches 
ein NeiD - Yorker Zeitungsschreiber Moses Mardochai Noali , seines 
Glaubens ein Jude, gekauft hatte, um hier eine jüdische Colonie 
anzulegen. Der Boden ist sehr gut; bei einem Krieg aber zwischen 
England und den Vereinten Staaten — bekanntlich macht der 
Niagara die Grenzen zwischen diesen und der englischen Provinz 
Ober-Canada — dürfte das Eiland Zeuge blutiger Gefechte wer- 
den. Der Canal läuft von hier aus längs des Ufers des Niagara, 
von diesem nur durch einen schmalen, ziemlich nachlässig aufge- 
worfenen Damm getrennt, und hält sein Wasser mehrere Fufs über 
dem Niveau des Stromes , der hier wegen der Nähe der Wasserfälle 
schon ziemlich reifsend werden soll. Wir sahen auf dem Tonna- 
wanta-Creek mehrere aus einem einzigen Baumstamm ausgehöhlte 
Kähne. Von Tonnawanta bis nach Bnjfal-o sind es 8 Meilen; von 
denselben legten wir 5 Meilen auf dem Canal bis Black-rock zurück. 
Hier ist ein Bassin, gebildet durch einen, nach einer kleinen Insel 
— Sqiiaiü island — gelegten, Damm, in welchem sich eine Schleuse 
befindet zur Communication mit dem Niagara. Dieses ganze Werk 
ist von Holz gemacht, und dürfte defswegen auf keine lange Dauer 
rechnen können. Im Bassin lag ein neues, gegen 300 Tonnen 
haltendes Dampfschiff, Henry Clay^ zur Fahrt auf dem ErieSce 
bestimmt. Wir hatten von hieraus die erste Aussicht auf den See, 
dessen Ufer dicht mit Wald bewachsen zu sein schienen. Das an- 
dere Ufer konnten wir natürlich nicht sehen , und defswegen schien 
CS , als blickten Mir in das offene Meer. Weil der Canal bis Biijfalo 
noch nicht vollendet war, so nahmen wir in Black -rock Mieder eine 
sifflge, und fuhren mit derselben 3 Meilen weiter h\s Bujfalo. Wir 
trafen gegen 5 Uhr Abends ein, und nahmen \m Mansion-housey 
am See auf einer kleinen Anhöhe sehr hübsch gelegen, unser 
Quartier. 

Bvffalo war im letzten Kriege von den Engländern verbrannt 
M orden , erhob sich aber nieder recht schön aus seiner Asche. Die 
Stadt zählte gegen 5000 Einwohner und dürfte, durch die Mündung 



131 

des Canals und durch ihren Hafen, an welchem« man sehr stark 
arbeitet , in kurzer Zeit ei» bedeutender Ort werden. Am Bingano-e 
des Hafens steht ein Leuchtthurm; und wir bemerkten mehrere auf 
dem See fahrende Schooii^r, die bis zu 300 Tonnen halten konnten. 
Ein Dampf boot, Swperior , lag bereit, um mit einigen 50 Passa- 
gieren nach Brie und von da nach Detroit zu fahren. In den 
Sti'afsen sahen wir mehrere ziemlich gut gekleidete Indianer vom 
Seweca-Stamm , die 3 Meilen von hier ihren Wigwam haben. Unter 
ihnen waren einige Weiber, die wirklich, ihre braune Farbe abge- 
rechnet, für schön gelten konnten. Auch hatten wir ein lustiges 
militärisches Schauspiel. Es fand nämlich eine Revue der Miliz 
Statt. Diese bestand aus 30 Mann , mit Einschkifs von 7 Officieren 
und 2 Fahnenträgern. Sie war, gleich einem Bataillon, in 6 Divi- 
sionen formirt, und machte mehrere Manoeuvres aus der Bataillons- 
schule. Die Gemeinen waren nicht alle mit Gewehren bewaffnet, 
sondern zum Theile mit Ladestöcken. Nur die Officiere und die 
Jäger-Compagnie, 4 Mann stark, waren in Uniform. Die Musik 
bestand aus 16 Mann und wurde von einem Officiere mit Oberst- 
Epauletts und mit gezogenem Säbel commandirt! 

Am folgenden Tage, den 21. August, brachen wir gegen 
9 Uhr früh von Bnffalo auf, und begaben uns 23 Meilen weit nach 
dem ganz kleinen Dorfe Manchester , am rechten Ufer des iV/agara, 
dicht beim Wasserfalle. Bis Tonnaiüanta verfolgten wir zu Lande 
den Weg, den Mir gestern auf dem Canale gemacht hatten. Er 
war durch den Wald gehauen , und sehr schlecht. Man hatte sich 
nicht die Mühe gegeben, die abgehauenen Bäume hinwegzuschaf- 
fen , sondern man hatte sie nur neben den Weg gelegt ; die herr- 
lichsten Stämme verfaulen auf eine traurige Weise. Zur Linken 
hatten wir die Aussicht auf den Flufs ., und auf das dicht mit Holz 
bewachsene grand island. Wo dieses zu Ende geht, da ist der 
Flufs über eine Meile breit. Auf dem andern, canadischen, Ufer 
liegt das Doif C/iippewa. An dieser Stelle konnten wir schon den, 
vom Wasserfall aufsteigenden Dampf bemerken , in einer Entfer- 
nung von 3 Meilen; im Wasser verrieth Nichts die Nähe des Ab- 
grundes. Erst kurz vor Manchester , wo man auch das, mitten 
im Wasserfalle liegende, (rofli /s/aAifZ mit seinen hohen, so lange 
unangetastet gebliebenen Bäumen erblickt, beginnen die Felsen im 
Strom, und die sogenannten rapids nehmen ihren Aniang: eine 
Menge kleiner Wasserfälle, welche beinahe eine Meile lang, bis z;i 
den beiden grofsen, ivom Goat isJand getrennten Wasserfällen, 
foitlaufen , die zusammen fast eine Meile bieit sind. 

I 2 



132 

Wir nahmen zu Manchester im WIrthshause Eagle tavern unser 
Quartier; und eilten sogleich nach dem Wasserfalle, versteht sich, 
auf der amerikanischen Seite. Das gewaltige Brausen leitete unsere 
Schritte. Und siehe : plötzlich standen wir vor dem Abgrund , und 
erblickten vor uns die ungeheure Wasser-Masse hinabstürzend mit 
entsetzlichem Tosen zu einer furchtbaren Tiefe ! Es ist unmöglich, 
den Anblick zu beschreiben; es ist unmöglich, das Gefühl der 
Ohnmacht und der Gröfse zugleich auszusprechen, das in der 
menschlichen Brust aufsteigt vor diesem Riesenwerke der Natur! 
Man kann nur staunen, bewundern und anbeten. Die Felsen an 
beiden Seiten gehen schroff hinab; man hat aber eine bedeckte 
hölzerne Treppe angebracht, auf welcher man bis zu dem untern 
Theile des Flusses gelangt. Wir stiegen hinab. Allein m egen des 
feinen Regens, den der Schaum des Falles erzeugt, hatten wir 
unten keineswegs den schönen Anblick, auf welchen von uns ge- 
rechnet war. Defswegen stiegen wir bald wieder hinauf, und er- 
füllten uns von oben mit dem Anschauen des Erhabenen und Maje- 
st'ätischen. Und als wir, des mächtigen Eindruckes voll, in die 
Eagle tavern zurückkamen: da fanden wir zu unserer grofsen 
Freude sogleich eine schöne Gelegenheit, von der Herrlichkeit zu 
sprechen, die wir gesehen hatten. Die Lieutenants de Goer und 
van Vloten von der Pallas waren nämlich so eben angekommen, um 
auch diesem Naturwunder ihre Huldigung darzubringen. 

In Begleitung dieser Herren gingen wir nach dem Goat island, 
zu welchem seit 7 Jahren zwei bequeme hölzerne Brücken über die 
rapids hinweg geschlagen worden sind. Die erste Brücke führt 
auf eine kleine Insel , tke bath island genannt, weil man auf der- 
selben eine Badeanstalt, mit einem Billardsaal, eingerichtet hat; die 
zweite Brücke geht alsdann nach goat island, das ungefähr eine 
Meile im Umfange hält, und mit alten herrlichen Bäumen bewachsen 
ist. Die Indianer, welche vormals in dieser Gegend lebten, haben 
die Insel für heilig gehalten. Sie sagten , tlte great maniito , der 
grofse Geist, bewohne dieselbe. Und in der That: wie könnte sich 
der grofse Geist unwiderstehlicher offenbaren, als in dieser zer- 
malmenden Gewalt des ungeheueren Wassersturzes ? 

Auf der Insel selbst kann man ganz nahe an den amerikani- 
schen Wasserfall hinangehen; man kann in den Abgrund hinein 
schauen. Die Thiere in der Gegend sind so vertraut mit diesem 
Abgrunde, dafs Kühe und Pferde bis 5 Schritt von demselben in 
das Wasser tieten, um ihren Durst zu löschen. Vom Fufs des 
Wasserfalls sieht man indefs fast Nichts, weiJ Alles in Schaum und 



133 

Dampf eingehüllt ist. Nicht minder kann man sich auf Goat island 
dem anderen und bei Weitem gröfseren Theile des Falls , dem cana- 
dischen, nahen. Dieser hat in der Mitte eine halbrunde Aushöhlung, 
the horse s/toe — das Hufeisen — genannt. Hier ist das Getöse 
noch viel stärker, als auf der andern Seite. Der aus dem horse shoe 
aufsteigende Dampf bildet Wolken , die man auf eine grofse Ent- 
fernung erblickt. Es ist schauerlich und grausend, in den korse 
shoe hinabzusehen. Auch kann es nur augenblicklich geschehen, 
wenn der Wind den Dampf ein wenig hin wegtreibt. Man steht wie 
versteinert. Uebrigens hat man das Niveau vom ErieSee über 
dem' Meer zu 564 Fufs berechnet, und über dem Wasser des Onta- 
r/o-See's zu 334 Fufs. Der ÖntarioSee wäre folglich 230 Fufs 
höher, als das Meer. Vom ErieSee bis zu den rapids senkt sich 
das Wasser 15 Fufs , in den rapids 57 Fufs , und nach einer neuen 
Messung ist der Wasserfall an der amerikanischen Seite 162 Fufs 
hoch. Von hier bis nach Lewistown senkt sich der Fiufs 104 Fufs, 
und von da bis zum OntarioSee 2 Fufs. 

Am andern Morgen — 22. August — machten wir einen neuen 
Gang nach Goat island. Wir stiegen auf der Treppe nach dem 
untern Flufs hinab, und setzten nicht weit von beiden Fällen in 
einem kleinen Boot über denselben. Beide Fälle haben durch ihre 
Gewalt das Flufsbett so ausgewaschen, dafs man sagt, es sei hier 
246 Fufs tief. Der Strom geht unter der Oberfläche des Wassers 
fort, und kommt erst in einer Entfernung von 3 Meilen wieder zum 
Vorschein. Auf der canadischen Seite hat man eine viel schönere 
Aussicht der Wasserfälle, als auf der amerikanischen; denn man 
übersieht beide Fälle zugleich. Auch hier ist eine hölzerne , eben- 
falls bedeckte Treppe. Wir stiegen dieselbe den Felsen hinauf 
und näherten uns , in einem beständigen vom Wassersturze verur- 
sachten Regen , dem Falle. Die Sonne schien auf den Wasserstaub 
und machte einen herrlichen Regenbogen. Eine andere hölzerne 
Wendeltreppe führt nahe am Wasserfalle den Felsen wieder hinab; 
man kann von hieraus unter dem Wasserfall 120 Fufs weit hingehen, 
und Mehrere unserer Herren unternahmen diese nasse Partie ; nach 
ihren Berichten jedoch hatten sie fast nichts gesehen. Ich be- 
gnügte mich daher , den Wasserfall vom Table rock aus , der fast 
über ihm steht, zu bewundern. Ein Stück dieses Felsens hat sich 
vor einigen Jahren losgerissen , und ist in den Abgrund gestürzt ; 
der noch stehende Theil ist so vom Wasser unterwaschen , dafs er 
auch vielleicht bald folgen wird. Die ganze Breite vom amerikani 
sehen bis zum canadischen Ufer soll 1400 Yards betragen. Von 



134 

diesen kommen auf den amerikanischen Wasserfall 380, auf Goat- 
island 330, und auf den canadischen oder //orse-s/<oe- Wasserfall 700 
Yards. Auf der canadischen Seite sind gerade über dem Falle zwei 
Wirthshäuser gebaut; in dem gröfsten, Forsyt/i hutel, bestellten 
wir Quartier auf morgen, da wir dem englischen Gouverneur von 
Ober-Canada, Sir Peregrine Maitland, der wenige Meilen von den 
Wasserfällen entfernt ein Landhaus bewohnt, unsern Besuch ab- 
statten wollten. Eine Meile oberhalb dieses Wirthshauses ging im 
letzten Kriege eine Brücke über den Flufs, Avelche nebst einer 
dabei stehenden Mühle , von den Amerikanern , bei ihrem Rückzug 
nach der Schlacht bei Lundy's lane, verbrannt worden ist. Vor 
einigen Jahren hat man hier eine brennende Quelle entdeckt, deren 
es mehrere in den Vereinten Staaten geben soll. Sie ist in eine 
Tonne gefafst , und enthält ein schwärzliches , schlammiges , jedoch 
kaltes und schwefelartig schmeckendes Wasser. In die Tonne hat 
man ein kleines , unten offenes Fafs gestellt , in dessen obern Ende 
eine Röhre angebracht ist Hält man ein brennendes Licht einen 
Fufs über die Mündung der Röhre, so entsteht sogleich eine starke 
Flamme., ähnlich der Flamme der Gasbeleuchtung. Nimmt man 
das Fafs heraus , und hält das brennende Licht über die Oberfläche 
des Wassers, so entsteht ebenfalls eine starke Flamme, die jedoch 
sogleich wieder verlöscht. In der Nähe von Forsyth hutel ist der 
einzige Puiict, von welchem man eine vollkommene Aussicht auf 
beide Wasserfälle zugleich hat; sie wird indefs oft durch die auf- 
steigenden Wasserdämpfe gestört. 

Bei unserer Rückkehr auf das amerikanische Ufer, besahen 
wir auf einer Felsenspitze über der amerikanischen Treppe eine 
Camera obscura , welche von einem Schweizer angelegt worden ist. 
In derselben hat man einen ziemlich guten Anbhck des Wasserfalles. 
Dann fuhren wir — 3 Meilen weit — nach dem sogenannten Wlnrl- 
yiool , einem Strudel , den der Niagara , der hier zwischen engen 
Felswänden einher fiiefst, in einem Felsen-Kessel bildet. Man sagt, 
der bei den Wasserfällen verschwindende Strom komme hier wieder 
herauf. Es ist merk>^Hirdig , dieses Gewirr im Wasser zu sehen, 
dessen Anblick ich mit Nichts anderem, als mit fliefsendem, ge- 
schmolzenen Blei zu vergleichen weifs. Die hohen , dicht mit Holz 
bewachsenen Felsen , w eiche dieses Wasser bilden , gewähren einen 
majestätischen Anblick. Abends ging ich bei einem herrlichen Mon- 
denschein auf Goat island, um die Wasserfälle auch im Mondlichte 
zu sehen. Und in diesem Lichte machten sie einen ganz eigenen, 



sehr schönen Effect, der noch besonders duxdb einen Mond-Regeu- 
bogen erhöhet Murde. 

Den foJgenden Tag — 23. August — rerliefsen uns alle unsere 
Begleiter, und ich blieb mit Freund 7'romp allein. Wir begaben 
uns auf die andere Seite des Flusses, und nahmen in Forsytk hulel 
unser Quartler. Hier trafen wir Sir Michael und Lady Cläre von 
der Insel Jamaica, wo Sir Michael Mitglied des Parlaments der 
fnsel ist: er machte mit seiner Gemahlin eine Vergnügungsreise 
durch die V. St. Ferner lernte ich einen Herrn Gryrnes kennen, 
der von Geburt ein Virginier, General- Advocat des Staates Loui- 
siana gewesen ist, und die Wittwe des Gouverneurs Ciaiborne^ eine 
sehr reiche und schöne Creolin, geheirathet hat. Diese Familie 
machte ebenfalls eine Reise nach Canada, und ich hatte die Hoff- 
nung, diese Reise mit ihr zurücklegen zu können. My^ Grymes 
ist in der französischen Sprache erzogen worden, was mir wegen 
der leichtern Conversation sehr angenehm und willkommen war. 
Auch fand ich Aqix Sohn und Adjudanten des Gouverneurs, Sir Pere- 
gririe Maitland, den sein Vater liierher gesandt hatte, um mich zu 
erwarten. Kurz darauf kam dieser würdige General selbst, um 
mich zu besuchen und mir eine Wohnung in seinem^ 4 Meilen 
entfernten cottage anzubieten. Dieses lehnte ich ab ; fuhr aber am 
Abend des folgenden Tages, in Gesellschaft mit Sir Michael und 
Lady Cläre, zu Sir Peregrine. Der Weg geht zum Theil über das 
Schlachtfeld \on Lunch/s lane (^23. Juli 1814), das auf einer sanften 
Anhöhe liegt , und durch das recht hübsch gebaute Dorf Stamford. 
Die Felder sind hier viel besser anjrebaut, als in den Vereinten 
Staaten, und das Holz ist nicht so vergeudet worden, als dort. 
Die Ausrodungen geschehen mit viel mehr Ordnung. Sir Peregrine 
bewohnt übrigens sein Cottage, das von seinem verstorbenen 
Schwiegervater, dem Herzoge von Itichemond , erbaut ist, und das 
in einem zu einem Park umgeschairenen Walde liegt, nur im Som- 
uicr. Seine Winter -Residenz ist York, am nördlichen Ufer des 
OutariO'Sees^ wo sich . das Parlament von Ober -Canada zu ver- 
siumnehi pflegt. 



VII. 

Reise von den Wasserfällen des Niagara bis Montreal. 

Das Schlachtfeld von Queenstown. Neiuark. 

Ki?i^ston. Montreal. 

Vom 25. August bis 3. September 1825. 



DonnerstajTs , den 25. August, nahmen wir feierlichen Abschied 
von den Wasserfällen , verliefsen Vormittags mit den Familien Gry- 
mes und Cläre das Wirthshaus , Forsyth hötel, und fuhren gegen 
14 Meilen weit nach dem Städtchen Newark, das am Ausflüsse des 
Niagara in den Ontario-^ee auf dem canadischen Ufer liegt. Unser 
Weg ging Anfangs auf Anhöhen fort, bis wir das Schlachtfeld von 
Queenstown, eine steile Anhöhe , die höchste in der Gegend, hinter 
dem Städtchen Queenstown gelegen , und die ganze Gegend domi- 
nirend, erreicht hatten. Alsdann wird die Gegend bis an den 
Ontario-^ee hin ebener. Queenstown gegenüber liegt, auf dem 
amerikanischen Ufer, das Städtchen Lewistoicn. 

Die Affaire von Queenstown fand am 13. October 1812 Statt. 
Die Engländer , angeführt vom General Brock , hatten die Anhöhe 
— deren rechter Flügel an den Niagara stöfst , vor deren Mitte ein 
tiefes Ravin ist , und deren linker Flügel nach anderen , minder an- 
sehnlichen Höhen zu sich sanft abdacht — besetzt und leicht ver- 
schanzt. Der General Salomon van Rensselaer hingegen, — jetzt 
Postmeister in Albany, und Vetter des alten Generals Stephan van 
Rensselaer f des Patroons — campirte mit den amerikanischen 
Truppen, aus Linie und Miliz bestehend, auf dem anderen Ufer 
bei Lewistoicn. Dieser General hatte die Nachricht erhalten , dafs 
der General Brock mit dem gröfsten Theil seines Corps westlich 
marschirt sei, und dafs sich nur wenige Truppen auf den Höhen 
beländen. Also beschlofs er, mit seinem Corps über den Flufs zu 
setzen, um sich Meister von dieser so wichtigen Position zu machen. 



137 

Während der Nacht liefs er seine Linien - Truppen , pjegen 1400 
Mann , über den Flufs setzen , und gab Befehl , dafs die Miliz sich 
in den zurückkehrenden Kähnen einschiffen, über den Flufs folgen 
und sich als Reserve hinter den Linien-Truppen formiren sollte. 
Diese Truppen griffen die Höhen an , und überfielen beinahe die 
Engländer, welche jedoch einen guten Widerstand leisteten. Die 
Amerikaner aber würden doch wohl Meister des Schlachtfeldes ge- 
blieben sein , wenn nicht der General Brock mit seinem Detaschement 
'zurückgekommen wäre. Dieser, ein braver Soldat, sah seine zu- 
rückgelassenen Truppen in einer mifslichenLage und griff sogleich, 
mit einer einzigen Compagnie, die Amerikaner an. Bei dieser Ge- 
legenheit fand er einen rühmlichen Tod. Die Amerikaner hielten 
sich , so lange als möglich , auf der Höhe ; als sie sich jedoch bei- 
nahe verfeuert hatten , schickte General van Rensselaer der Miliz 
den Befehl zum Vorrücken zu. Die Miliz war aber noch nicht über 
den Flufs gegangen. Der General eilte selbst auf das andere Ufer, 
um die Ueberschiffung zu beschleunigen ; er erhielt aber von der 
Miliz die Antwort: sie sei bestimmt, die Grenzen der Vereinten 
Staaten zu vertheidigen , und es sei gegen die Verfassung des Lan- 
des, sie über die Grenzen zu führen. Und Nichts vermochte sie 
zum Einschiffen zu bewegen. Die Linientruppen hatten sich wäh- 
rend dieses Vorgangs zurückgezogen, Aveil es ihnen an Munition 
gefehlt hatte; sie hatten gehofft, sich einschiffen zu können, fanden 
aber keine Schiffe, und wurden gezwungen, sich nach einer tapfern 
Gegenwehr zu Gefangenen zu ergeben. Auf dem Platze , wo Gene- 
ral Brock fiel , errichtete das canadische Parlament dem Andenken 
dieses braven Militairs ein Monument. Es besteht in einer hohen 
Säule, die man von der ganzen umliegenden Gegend erblicken 
kann. Sie war indefs noch nicht ganz vollendet, und entbehrte 
der Inschrift noch. 

Wir hatten gehofft, in Newark das Dampfboot Queenstown 
vorzufinden , und gedacht , mit demselben nach Kingston zu gehen, 
am östlichen Ende des OntarioSees. Wir trafen es aber nicht an, 
weil es, wie wir später erfuhren, Megen nothwendiger Reparaturen 
in einen andern Hafen eingelaufen war. Also sahen wir uns genö- 
thigt , in Newark drei Tage zu bleiben. Unser Quartier hatten wir 
in Rogers hutel genommen. 

Newark ist ein sehr regelmäfsig gebautes Städtchen mit eini- 
gen netten Häusern; es liegt am Ausflusse des Niagara in den 
Ontario-^eey zwischen zwei Schanzen, Fort George und Missa- - 
sagua. Letzteres liegt dicht am See ; das Fort George steht südlich 



.^ 138 

von Newark^ und liegt in Trümmern. Die Amerikaner hatten wäh- 
rend des letzten Krieges beide Forts auf einige Zeit besetzt. Vom 
Fort George nach der Stadt zu hatten sie ein Epaulement aufge- 
worfen, und so eine Art verschanztes Lager gebildet. Als sie diese 
Position räumen, und sich auf das rechte Ufer des Niagara zurück- 
ziehen mufsten, üefs der commandirende General M'Clure das 
Städtchen Newark verbrennen : eine Handlung , wegen welcher er 
in seinem Yaterlande hart getadelt worden ist. Seitdem kann der 
Ort sich nicht recht wieder erholen ; und wird auch in der Zukunft 
schwerlich wieder emporkommen , da das Gouvernement der Colo- 
nie gegenwärtig , westlich von Newark y einen Canal zur Verbin- 
dung zwischen dem Eri^- und Ontario-SeG graben läfst, der 
w ahrscbeinlich mit der Zeit den ganzen Transito - Handel an sich 
ziehen wird. Die Zeit ward uns in diesem Städtchen recht ange- 
nehm gemacht, besonders durch die Aufmerksamkeit des würdigen 
Sir Peregrine Maitland, der sich hierher begeben hatte; durch 
die Freundlichkeit des Majors Cole und der wackeren Offiziere des 
76. Regiments, von Melchem 4 Compagnien in Newark standen, 
und durch den herrlichen Gesang der schönen M'^^ Grymes , di« mit 
ihrem Gemahl ausharrte, während viele Andere, welche mit uns 
zu fahren beabsichtiget hatten, die Gelegenheit nicht abwarten 
mochten. 

Wir machten eine Fahrt über den Flufs nach dem amerikani- 
schen Fort Niagara, das mit seinen weifsen Häusern und der we- 
henden amerikanischen Flagge einen recht hübschen Anblick ge- 
wählte. Das Fort liegt auf einer Landspitze. Es ist in der Mitte 
des vorigen Jahrhurrderts von den Franzosen gebaut und kurz 
nachher von den Engländern erobert worden. Nach dem Versailler 
Frieden,. 1783, ward es an die V. St. abgetreten, im letzten Kriege 
von den Engländern überfallen, und nach dem Genter Frieden 
wieder an die V. St. zurückgegeben. Wir besahen, was zu sehen 
war, und fanden Manches, wie die Caserne, reinlich und gut. 
Indefs will ich , bei dieser Gelegenheit nur bemerken , dafs die Uni- 
form der Infanterie der V. St. sehr einfach ist: dunkelblau, mit 
einer lleihe weifser Knöpfe , blaue Schnüre , derselbe Kragen und 
dieselben Aufschläge, weifses Riemenzeug und lederne Schakots. 

Einen anderen Ausflug machten wir nach dem, 3 Meilen von 
Leimsioivn, aufdemGebietederV. St. liegenden Dorfe des Indischen 
7/^ax«/ora-Stammes. Dieses Dorf besteht aus einzelnen Häuser» 
oder ivigivams, und liegt in einem sehr hübschen, mit Wald umge- 
benen Thal. Es hat eine hölzerne i^irchc , in der ein Mothodisti- 



139 -^^ — 

scher Missionar Gottesdienst und, während des Winters, Schule 
für die Kinder hält. Die meisten Häuser sind mit Gemüse- und 
Obstgärten umgeben; die Felder, auf denen meistens Mais gezogen 
wird , schienen in einem recht guten Zustande au sein. Man führte 
uns in das Haus eines Indianers , welcher einige 40 Jahre alt , in 
einer Schule zu New - York erzogen , geläufig englisch spricht und 
ßchreibt. Wir trafen ihn, an Rhevmatismen leidend, im Bett. 
Er erkundigte sich nach unsern Geburtsländern, und war mit der 
Geographie derselben ziemlich gut bekannt. Wir betrachteten 
seine Bibliothek, und fanden meistens methodistische Andachts- 
bücher ; jedoch fehlte eine Geschichte der V. St. nicht. Der Mann 
hat auch eine Sammlung von indianischem Kriegsgeräthe , bestehend 
aus einem Tomahawk (casse-fete) von Nufsbaumholz , aus einer 
Streitaxt von Stein , aus Bogen und Pfeilen , deren Spitzen aus Feuer- 
stein gemacht und recht künstlich zugespitzt sind, aus einem läng- 
lichen Stein , einer Art Serpentinstein , den die Wilden sonst bei 
einem Gefecht auf die Brust befestigten, und aus Verzierungen, 
von Glasperlen und Muscheln gemacht, die sie ebenfalls zum Ge- 
fecht um den Leib banden. Ich wollte alle diese Gegenstände 
kaufen ; der Indianer sagte mir aber , er habe sie nur , um sie den 
Fremden zu zeigen , und sie seien ihm nicht feil. Dagegen ver- 
kaufte er mir Motxissins, eine Art sehr weicher, mit Seide und 
Glasperlen verzierter , und aus Hirschleder gemachter Schuhe , und 
ein Körbchen. Bei den Indianern müssen die Weiber alle Arbeiten 
verrichten, und besonders die niedrigsten Arbeiten thun. Herr 
Tromp hatte, um mehrere Gegenstände bequemer sehen zu können, 
seinen Hut auf den Fufsboden gelegt. Kaum bemerkte dieses; der 
Indianer , so gab er der M^'^ Grymes zu verstehen , dafs sie diesen 
Hut sogleich aufheben und auf einen Stuhl legen sollte. Sein 
Enkel, ein lljähriger Knabe, schofs mit Bogen und Pfeil recht 
geschickt nach einem Apfel. 

Am Abend des Tages nach unserer Ankunft langte das Dampf- 
schilf Frontenac an , um am folgenden Abend nach Kingston zu 
fahren. Wir besahen die Localität desselben. Um den ECs-Saal 
herum befanden sich 6 Kammern; jede enthielt 4 Schlafstellen. Mir 
wurde eine besondere Kammer, in der ich mich völlig ausstrecken 
konnte, zum Schlafplatz angewiesen. In dem Damenzimmer be- 
fanden sich 14 Schlafplätze. Ueber einen grofsen Theil des \ er- 
decks war ein Dach errichtet, so dafs man der frischen Luft ge- 
niefsen konnte, ohne von der Sonne oder vom schlechten Wetter 
Ijcläsligt zu werden. Das Schilf enthielt 750 Tonnen, und halte 



140 

eine, bei Bolton und Watt in Soho bei Birmingham verfertigte Ma- 
schine mit der Kraft von 27 Pferden. Sir Peregrine brachte mich 
an Bord dieses Schiftes, den 27. August um 5 Uhr, in seinem 
Wagen. Das Schiff' Jag unter dem Fort George vor Anker. Sir 
Peregrine hatte die grofse Aufmerksamkeit gehabt, eine Compa"-nie 
des 76. Regiments mit einer Fahne aufzustellen, und mich mit 21 
Kanonenschüssen begrüfsen zu lassen; und er hatte die fernere 
Aufmerksamkeit, mir seinen Sohn mitzugeben, damit ich in 
Kingston keine Schwierigkeiten finden sollte, den dortigen Werft 
— iittvy yard — zu besehen. Um halb 6 Uhr setzte der Frontenac 
sich in Bewegung. In wenigen Augenblicken befanden wir uns im 
See ; in kurzer Zeit hatten w ir alles Land aus dem Gesicht verloren 
und schifflten, wie im offenen Meere. Der Wind blies nicht sehr 
heftig; das Schiff" hatte daher bei seiner Gröfse keine starke Be- 
wegung, so dafs Niemand incommodirt war. Den ganzen Abend 
erfreute uns M^s Grymes durch ihr schönes Guitarrespiel und ihren 
herrlichen Gesang französischer und spanischer Lieder. Die Nacht 
verging ruhig; aber mit Tages Anbruch ward es etwas anders. 
Es regnete wiederholt ; der Wind ging stärker ; das Schiff* schw ankte, 
und mehrere Personen wurden seekrank. Uebrigens hat der On- 
tario-^ee eine elliptische Form ; er ist gegen 200 Meilen lang , und 
da , wo er am Breitesten ist , hält er 55. Er ist überall sehr tief, 
an mehreren Stellen 500 Fufs , und friert niemals gänzlich zu. Ihn 
umgeben mehrere gute Häfen, und die Grenzlinie zwischen Eng- 
land und den V. St. Iheilt ihn in zwei ziemlich gleiche Theile. 

Nachmittags erblickten wir nördlich eine Halbinsel, Prince 
Edwards island genannt, und fuhren dann zwischen den Inseln, 
the ducks , hinweg. Gegen 9 Uhr Abends erreichten wir Kingston^ 
den englischen Kriegshafen am Ontario, an einer Bai gelegen. 
Wir liefsen dicht bei der Stadt den Anker fallen. Ich blieb die 
Nacht über auf dem Schiff'. Als ich am andern Morgen erwachte, 
fand ich eine Compagnie vom 37. Regiment , das hier in Garnison 
stand, mit der Musik als Ehrenwache auf dem Quai beim Schiff' 
aufmarschirt. Natürlich entliefs ich sie sogleich. Nachdem ich 
hierauf den Besuch einiger Officiere empfangen hatte, fuhren wir 
über die Bai nach dem Dockyard, der Kingston gegenüber erbaut, 
mit einer hohen Mauer umgeben, und mit einer starken Wache 
besetzt ist. In der navy list fand ich , dafs hier 10 Schiff'e , mit 
306 Kanonen, in ordinary lagen. Es schien mir indefs, als sei die 
Anzahl der Stücke zu gering angegeben. Denn der St. Laivjence^ 
eins von diesen Schifl'en, führt 120 Stück, und 2 noch auf dem 



141 

Stapel stehende Schiffe, der Montreal und der Wolf, sind Drei- 
decker, jedes zu 130 Kanonen eingerichtet, weiche auf der Liste 
geringer erscheinen. Nach dem Genter Friedens-Vertrage dürfen 
hier keine neuen Schiffe während des Friedens erbaut werden ; 
defswegen bestand das Arsenal -Personale, aufser den nöthigen 
Officieren und Beamteten, nur aus 12 Zimmerleuten, die fast 
nichts zu thun hatten , als an einem kleinen , sehr elegant gebauten 
Schooner zu arbeiten, der nächstens vom Stapel laufen und als 
Yacht dienen sollte. Die grofsen auf dem Stapel stehenden Schiffe 
waren unbedeckt und schienen vom Wetter sehr gelitten zu haben. 
Der St. Lawrence war das gröfste im Wasser liegende Schiff, und 
sollte sich auch in einem baufälligen Zustande befinden; vorzüglich 
sollte der unter dem Wasser befindliche Theil der Schiffe vom 
süfsen Wasser sehr leiden und von Würmern angefressen sein. 
Die Quais des Dock-yard sind von Holz gebaut, und ti'agen das 
Gepräge der Eile , mit welcher sie errichtet worden sind : sie be- 
finden sich in einem baufälligen Zustande. Vor wenigen Jahren 
ist von Sandstein ein 3 Stockwerk hohes und 192 Fufs langes Ma- 
gazin , mit eisernen Thüren und Fensterläden , zur Aufbewahrung 
der Segel und des Tauwerks gebaut worden. Die inneren Schei- 
dungen sind von Holz gemacht. Sogleich nach unserm Eintritt 
ins Magazin wurde die eiserne Eingangsthür wieder verschlossen 
und verschlossen gehalten , indem man hier ein grofses Mifstrauen 
gegen die Amerikaner äufsert. Unter dem Gebäude befindet sich 
ein Keller, ebenfalls zum Magazin eingerichtet, dessen Fufsboden 
Kalkfelsen ist, welcher dem ganzen Gebäude zum Fundament ge- 
dient hat. Die Treppe im Hause ist von Stein in einen steinernen 
Thurm gebaut; auch scheint man die Absicht zu haben mit der" 
Zeit die Fufsboden der verschiedenen Etagen von Eisen zu machen, 
damit dieses Magazin, wie ein ähnliches in Plymouth, feuerfest 
werde. In einem besonderen massiven Gebäude befindet sich die 
Schmiede , und in einem dritten die Büreaux. Neben den Büreaux 
ist ein grofser Saal , in w elchem die verschiedenen Maafse der zu 
erbauenden Schiffe auf den Fufsboden gezeichnet werden. Dem 
Dock-yard gegenüber, der auf einer Landspitze erbaut ist, steht 
auf einer andern Landspitze das Fort Frederik, das zu besehen 
ich jedoch keine Zeit hatte. Hinter dem Dock-yard standen auf 
einer Anhöhe eine Menge von Zelten. Wir erfuhren, dafs hier 
gegen 400 Irländische Auswanderer campirten, welche das engli- 
sche Gouvernement auf seine Kosten aus ihrem Vaterland hieher 
geschafft habe, um ihnen am nordwestlichen Ufer vom Ontari^- 



142 

See Land einzuräumen, und dafs sie nächstens dahin abgehen 
sollten. Die Sadt Kingston ist übrigens nicht besonders gebaut, 
und soll gegen 2000 Einwohner zählen. 

Nach 11 Uhr verliefsen >vir Rhigston am Borde des Dampf- 
schiflcs Lady Dalhousie^ das uns bis Prescott, 68 Meilen von 
Kingston, auf dem linken Ufer des St. Lawrence gelegen, brino-en 
sollte. Unsere Gesellschaft war beständig dieselbe, nur der Ad- 
judant Maitland verliefs uns in Kingston. Als wir diesen Platz 
kaum verlassen hatten, schifften wir um ein Vorgebirge, auf wel- 
chem das Fort Henry liegt , und kamen in den St. Lawrence. Dieser 
Stiom ist hier sehr breit und bildet einen Archipel , gegen 50 Meilen 
lang, tJte thousomd islands genannt. Die mit Gränzbestimmungen 
beauftragten englischen und amerikanischen Commissarien haben 
sich die Mühe gegeben, die Inseln zu zählen, und gefunden, dafs 
ihre Anzahl 1692 beti'age; sie haben aber jeden hervorragenden 
Felsen, der einen Baum trägt, als eine Insel gerechnet. Dieser 
Archipel gewährt einen sehr hübschen Anblick: die meisten Inseln 
haben einen felsigen Grund, und sind dicht mit Holz, meistens mit 
Cedern, bewachsen. Hin und Avieder ragen riesige Tannen hervor, 
die vorzüglich auf Stellen , wo der Wald weniger dicht ist , auf dem 
kahlen Felsengrund einen malerischen Effect hervorbringen. Man 
bemerkt etwas Aehnliches auf den Compositionen von Friedrich, 
an dessen Gemälde ich auf dem St. Lawrence oft erinnert wurde. 
Achtzehn Meilen von Kingston legte unser Schiff am canadischen 
Ufer an, bei dem Dorfe Gananoqui, um Holz für die Dampfma- 
schine einzunehmen. Ich ging einen Augenblick ans Land, und 
fand einen ziemlich unbedeutenden Ort, in dessen Nähe ein kleiner 
Flufs gleiches Namens sich in den St. Laivrence ergiefst. Dieser 
Flufs Gananoqui fliefst in einem felsigen Bett ; über denselben geht 
eine hölzerne Brücke, und jenseits dieser Brücke steht auf einer 
kleinen Anhöhe ein viereckiges hölzernes Blockhaus von 2 Etagen, 
indem die obere Etage den Fufs des Hauses vermittelst machicoulis 
vertheidigt, für eine Besatzung von circa 40 Mann. Im letzten 
Kriege hatten hier die Amerikaner einen englischen Posten über- 
fallen, und ein Magazin, das derselbe decken sollte, wegge- 
nommen. Nach diesem Unfälle A^iirde das Blockhaus gebaut. Am 
Ende des Archipels der tausend Inseln bemerkten wir ein anderes 
ähnliches Blockhaus zur Deckung der Stromschiffahrt. Ungefähr 
50 Meilen unterhalb Kingston^ wo der Archipel endigt, liegt auf 
dem canadischen Ufer ein kleiner Ort, Brockville , wo wir ansehn- 
liche Magazine am Wasser stehen sahen. Hier brach die Nacht ein, 



143 

die mondhell und s«hr warm Mar. Gegen 10 Uhr Abends erreich- 
ten wir Prescofty einen kleinen Ort, der ziemlich vielen Handel 
treiben »ol!. Im Orte befanden sich nur 2 Wirthshäuser. Diese 
waren voll von Menschen, und sahen so schmutzig aus, dafs ich 
lieber die Nacht auf dem Dampfschiffe zubrachte. Die Familien 
Cläre und Grymes folgten diesem Beispiele. Das Dampfschiff 
enthielt 100 Tonnen, und die Maschine hatte eine Kraft von 25 
Pferden ; war übrigens nicht so bequem und reinlich eingerichtet, 
als der Frontenac. 

Von hier an beginnen die sogenannten rapids im St. Lmtrence. 
Es sind Felsen, welche quer durch den Strom gehen, und über 
welche sich dieser mit grofser Gewalt hinwegstürzt , so dafs zwi- 
schen hier und Montreal, 113 Meilen weit, die Dampfschiffe nur 
theilweise fahren können. Defswegen ist zwischen Prescott und 
Montreal eine Linie von Stage-coa^hes und Dampfschiffen angelegt 
worden , die sich wechselseitig ablösen , und man hat viele Schererei 
mit dem Transportiren der Bagage. Man kann auf zweifache Weise 
die rapids hinabfahren. Zuerst mit sogenannten hateauxy oder 
schmalen Böten; und dann mit Dtirhamboats. Dieses sind flache 
Schiffe , die gegen 40 Tonnen halten , ein halbes Verdeck haben, 
und 18 Zoll im Wasser gehen. Die Durhaniboats haben einen Mast 
und zwei Segel , und führen viele Waaren. Wir hatten Lust , diese 
etwas gefährliche Fahrt zu unternehmen, um die rapids zu sehen 
und zu wissen , was eigentlich an der Gefahr sei , von welcher man 
so viel spricht. Also begaben wir uns auf das Durkmnboat, the 
flying dutchnan , bezahlten 2 Dollars für jede Person , und erhielten 
von dem Schiffer die Versicherung, dafs, wenn der Wind gut >väre, 
wir in einem Tag in Montreal sein würden. Sir Michael entschlofs 
sich , das Wagstück mit zu unternehmen , und die gute Lady Cläre 
begleitete ihren Gemahl, trotz ihrer Angst. M^s Grymes aber 
fürchtete sich zu sehr , und wollte den Weg lieber thells zu Lande, 
thcils im Dampfschiffe machen; und Herr Grymes fügte sich den 
Wünschen seiner Gemahlin. 

Den 30. August schlft'ten Mir uns früh gegen 6 Uhr auf dem 
fliegenden Holländer ein. Der Morgen war schön, und wir freuten 
uns über den herrlichen Anblick von Prescott y In dessen Nähe eine, 
im letzten Kriege erbaute , Redoute steht , Fort Wellington genannt. 
Der Strom ist hier sehr breit. Auf seinem rechten — amerikani- 
schen — Ufer sahen wir die Stadt Ogdenshirg liegen , >velche im 
letzten Kriege von den Amerikanern befestigt, aber von den Englän- 
dern erobert und ihrer Festun ffswerke beraubt worden ist. Die 



144 

Bequemlichkeit auf unserm Schiffe war, wie wir nach und nach 
bemerkten, nicht sehr grofs. Es war offen; als Fufsboden dienten 
uns einige Fässer mit Pottasche , und Sitze erhielten wir dadurch, 
dafs man Breter auf unsere Coffer legte. Sechs Meilen unterhalb 
Prescott kamen M'ir an einige Inseln, ihe Gallop islands genannt, 
und fanden zugleich die ersten rapids. Das Wasser scheinet, wenn 
man sich nähert, zu kochen, und hohe schäumende Wellen schlagen 
auf, durch welche man äufserst schnell hindurch fährt. Sie sind 
nicht so hoch, als die Wellen in der See, haben aber eine sehr 
kurze Bewegung. Da jedoch unser Durhamhoat bedeutend lang 
war, so durchschnitt es die Wellen, ohne dafs wir eine besondere 
Beweo*ung gefühlt hätten. Kaum waren wir über diese rapids 
hinweg , so w urde das AVasser wieder sehr ruhig ; und da wir fast 
keinen Wind hatten , so ging die Reise nur langsam von Statten. 
Andere, 9 Meilen lange, rapids wurden in einer Stunde durch- 
schnitten , und auch diese schienen uns eben so wenig gefährlich, 
als jene. Inzwischen versicherte man uns, dafs ein Zweig dieser 
rapids , von w elchem m ir durch eine Insel getrennt w urden , sehr 
gefährlich sei. Er heifst the lest chamiel; und Duncayi giebt in 
seiner Reisebeschreibung eine schöne Schilderung von einem 
Schiffbruche , der hier Statt gefunden , und mehreren Menschen das 
Leben gekostet hat. Unser Schiff war nicht nur, wie alle, die über 
die rapids fahren, unten flach, sondern hatte auch einen künst- 
lichen Kiel, den man, wenn man in tiefem Wasser fährt, hinabläfst, 
und den man heraufzieht, wenn man an Untiefen kommt. Der Kiel 
steht dann wie eine Scheidewand im Schiff, und wird duvch Stricke 
bewegt, die an einem Cabestan befestigt sind. Unsre Reisegefähr- 
ten waren meistens Canadier aus den untern Volksclassen , die ein 
sehr schlechtes Französisch sprachen, dem AVallonischen ähnlich. 
Auch befimd sich ein junger, 3 Monat alter, sehr munterer, schwar- 
zer Bär am Bord. 

Geo-en 20 Meilen unterhalb Longsaidt erreichten wir am cana- 
dischen Ufer das Dorf Cormmll. Der Wind Avar so schwach, dafs 
wir keine Hoffnung hatten, vor Einbrüche der Nacht ein erträg- 
liches Wirthshaus zu finden. Defshalb entschlossen wir ims, hier 
zu übernachten. Gegen Abend kam auch die Familie Gryjncs zu 
Lande an, und nahm in demselben Wirthshaus ihr Quartier. Der 
Ort ist nicht grofs; aber die Strafsen sind in rechten Winkeln ge- 
zoo*en, und enthalten mehrere neue steinerne Häuser. Viel Leben 
scheint nicht zu herrschen. Die Gegend ist ziemlich flach , und die 
Eno^länder benutzen die Ebene bei dem Ort, um Pferderennen zu 



145 

halten. In einigen Tagen sollte ein solches Rennen Statt finden • 
es waren schon Pferde angekommen und Quartiere waren bestellt. 
Das englische Gouvernement bringt in dieser Gegend viele schotti- 
sche Auswanderer als Ansiedler unter. 

Am folgenden Morgen verzögerten die Damen unsere Abfahrt 
um 2 Stunden. Erst gegen 7 Uhr verliefsen wir Cornwall mit unse- 
rem Durhamboat. Der Morgen m ar sehr schön ; auch hatte sich 
ein ziemlich starker Südwestwind erhoben , der uns schnell vor- 
wärts trieb. Fünf Meilen unter Cornwall sahen wir auf dem rechten 
Ufer das Dorf Ä^. Bcgis liegen, das letzte, das den V. St. gehört. 
Die amerikanische Gränze verläfst hier den St. Lawrence., dessen 
beide Ufer nunmehr , bis zu seinem Ausfiufs ins Meer , zu Canada 
gehören. Auf dem linken Ufer des Stromes erblickt man ein neues, 
von Schotten angelegtes Dorf, Glengarry seülement genannt. 
Etwas w eiterhin kommt man in einen Landsee , durch welchen der 
St. Lawrence fiiefst, Lac St. Frangois, durch welchen die Gränze 
zwischen Ober- und Nieder-Canada gezogen ist. Dieser See, 
gegen 40 Meilen lang, und gegen 6 Meilen breit, umspült mehrere 
Inseln. Nicht weit von St. Regis fuhren wir an einer von Indianern 
bewohnten Insel vorbei, welche durch einen katholischen Missionar 
getauft Morden sind, und die Insel recht gut angebaut haben sollen. 
Einer der Indianer kam mit seiner Frau in einem Canot an unser 
Schiff, und verkaufte uns Fische. Da, wo der Lac St. Frangois 
aufhört, und der St. Lawrence wieder beginnt, steht auf dem linken 
Ufer das Dorf Coteau du lac. Bei diesem Dorf ist ein ziemlich 
starker rapid, stärker als die, welche wir gestern überwunden 
hatten. Damit man diesen rapid vermeiden könne, und damit 
den Schiflen, die Strom aufwärts gehen, die Fahrt erleichtert 
werde , hat das Gouvernement einen kleinen Canal mit 2 Schleusen 
neben dem Strome graben lassen, der durch ein kleines Fort, fort 
dl. coteau genannt, gedeckt wird. 

Unser Schiffer hatte bei dem hiesigen Douanen-Büreau Ge- 
schäfte ; er hielt also eine Stunde lang an , und ich benutzte diese 
Zeit, um das Fort zu besehen. Wir setzten dann bei einem sehr 
starken Winde , der ein Gewitter herauf trieb , unsere Fahrt fort. 
Die Ufer und Inseln des Stromes sind meist mit Holz, gröfstes 
Theiles mit Cedern bewachsen. Zwischen denselben zeigen sich 
nette Hänser und Kirchen mit blinkenden zinnernen Dächern. Bei 
dem Dorfe coteau des cedres hatten wir den letzten und" gefähr- 
lichsten der rapids., les cascades, zu bestehen. Die Wellen waren 
ungemein hoch, und wir schwammen über die geiähiliche Stelle 



146 

mit finer unglaublichen Gescluvlndi^ktsit hinweg. Neben diesen 
ropids ist ebenfalls fiir die Strom aufwärts fohrenden SchiOe ein 
Canal mit Schleusen angelegt. Wenn man diese rapids vom Ufer 
aus betrachtet, so scheint e^ unglaublich, dafs ein Kahn sich in 
dieselben hinein wagen könne , ohne verschlungen zu werden. Es 
geht aber doch so übel nicht, wie vir nunmehr erfahren hatten. 
Unter diesem rapid dehnte sich der Strom, der hier den Ottmva- 
Flufs aufnimmt, Avieder so weit aus, dafs er einen andern See 
macht, lac St. Louis. Nördlich von diesem See, da, wo der Ottawa 
sich mit dem St. Lawrence vereinigt, bildet er einen andern See, 
lac des deux montagnes^ der vom lac St. Louis durch 3 Inseln, 
Jesus ., Perrot und Montreal, getrennt wird. Das Gewitter zog mit 
einigen Schlägen dicht an uns vorüber; der Wind blies sehr stark, 
aber günstig. Wir begegneten einem Dampfschifle , das eine Leiche 
am Bord hatte, und defshalb seine Flagge an der Mitte des Stabes 
tiu«"; das gilt für ein übelcs Omen! Ein anderes Dampfschiff, wel- 
ches, wie wir, nach la CJiine steuerte, fuhr vor uns her, und erregte 
unseren Wunsch, schneller zu segeln und früher la Chine zu er- 
reichen. PlötyJich aber sahen und hörten wir über dem See einen 
schrecklichen Sturm nahen. In der gröfsten Eile versuchte man, 
die beiden Segel herunter zu nehmen. Das kleine ward auch glück- 
lich eingezogen; das grofse aber, dessen Tauwerk sich in sehr 
schlechten Umständen befand, war er&t halb herunter, als der 
Sturm uns erreichte. In der Nähe bemerkten wir eine Tonne im 
See, die eine gefährliche Klippe bezeichnete, welche wir links 
vermeiden mufsten; und der Sturm tiieb uns mit unserm halben 
Seeel gerade auf die Tonne zu. Sechs Mann konnten kaum das 
Steuerruder regieren. Das Segel hing halb im Wasser ; wir sahen 
den Augenblick unsers Unterganges vor uns. Niemand wiifste, >ver 
commandirte; die Matrosen wollten es besser Avissen, als der Schiffer, 
und Alles schrie furchtbar durch einander. Ich hielt für das Beste, 
zu schweigen und mich in den Willen der Vorsehung zu ergeben, 
die über mich und mein Schicksal wacht. Endlich kletterte ein 
Matrose auf den Mast und schnitt die Taue ab , so dafs das Segel 
herunter genommen werden konnte ; und nun kamen wir glücklich 
um den gefährlichen Punct herum. Zugleich liefs der Sturm , der 
im Ganzen nicht viel über 5 Minuten gewüthet haben mochte, etwas 
nach. Das vor uns fahrende Dampfschiff war gleichfiills auf dem 
Puncte gewesen , auf den Felsen bei der Tonne ge>Aorfen zu wer- 
den, und hatte sich nur durch ein schnelles Wenden und Zurück- 
kehren in den See, wo es den Anker auswarf, gerettet. Gleich 



147 ' 

nach dem Sturme, während dessen es geregnet hatte, bemerkten 
wir ein sonderbares Phänomen , nämlich einen Regen von weifsen 
geflügelten Insecten, von welchen eine grofse Menge auf unser 
Schiff fiel. Er hielt über 5 Minuten an. Wahrscheinlich waren 
diese Insecten durch den Sturm aus dem nahen Walde herausge- 
trieben worden. Dieser Sturm hatte inzwischen für uns den Yor- 
theil gehabt, dafs wir sehr schnell vorwärts gekommen waren. 
Nach 6 Uhr Abends erreichten wir ohne weiteren Unfall la C/mie, 
ein auf der Insel Montreal Vieo^endes Dorf, mit einem Hafen. 

La Chine scheint ein unbedeutender Ort zu sein, der jedoch 
durch seine günstige Lage viel gewinnen soll. Ich hörte hier ein 
schlechtes Französisch sprechen , und glaubte mich in unsere Pro- 
vinz Hennegau oder Namur versetzt. Der Ort soll seinen Namen 
daher haben, dafs man zu der Zeit, da diese Colonie noch franzö- 
sisch war , glaubte , man werde den St. Lawrence hinauf einen Weg 
nach China finden können; und dafs man zu diesem Zweck eine 
Expedition ausrüstete , die sich in la Chine einschiffte. 

Zwischen la Chine und Montreal ist ein sehr gefährlicher 
rapid im Strome ; defswegen hat das Gouvernement einen Canal mit 
mehreren Schleusen zu dieser Stadt, 9 Meilen lang, graben lassen, 
der für den Handel von grofser Bedeutung ist. Wir indefs mie- 
theten eine Stage-coack für diesen Weg. Gegen 8 Uhr Abends, 
während eines starken Gewitters, traten wir denselben an. Die 
arme Lady Cläre, die sich von dem Schrecken unsrer Wasserpartie 
nicht erholen konnte, wäre gern während der Nacht hier in einem 
schlechten Wirthshause geblieben ; denn sie fürchtete sich sehr vor 
der Nachtreise bei dem Gewitter. Und bald zeigte sich, dafs ihre 
Furcht nicht ohne Grund gewesen war. Kaum nämlich hatten wir 
3 Meilen auf einer, übrigens sehr guten Chaussee zurückgelegt, 
als wir vor einem Wirthshaus auf mehrere mit Eisenstangen bela- 
dene Karren stiefsen. Die Führer waren ins Wirthshaus gegangen, 
die Karren standen mitten auf der Chaussee. In der Dunkelheit 
kamen wir einem dieser Karren zu nahe, und unser hinteres Sattel- 
pferd stiefs sich 3 Eisenstangen in die Brust. Es stürzte sogleich 
nieder und starb augenblicklich unter jämmerlichem Gestöhne. 
Nach vielen Discussionen zwischen dem Kutscher und den Kärnern 
fuhren wir mit 3 Pferden weiter, und erreichten gegen 10 Uhr 
Abends Montreal. Wir stiegen im Masonic hall hötel ab. Dieses 
Hotel ist erst seit einem Jahr etablirt, ist sehr grofs und gut ein- 
gerichtet, ganz massiv, 4 Stockwerk hoch, von blauen Steinen 
gebaut. Es hat eine schöne Aussicht auf den St. Lawrence j der 

K 2 



148 

hier iiher 1200 ijoräs breit ist. Bei unserer Ankunft lernte ich 
soo-leich einen In<»;enieur-Capitain Me///s/f kennen, der aus Enginnd 
hieher o-eschicKt worden war, um eine wissenschaftliche Expedition 
in's Innere dieser Colonie zu unternehmen. 

Wir blieben fast 3 Tage in Montreal. Die Stadt, die ich zu- 
erst in Begleitung des Oberst-Lieutenants Evans vom 70. Regimente, 
das hier in Garnison steht , besah, enthält gegen 25,000 Einwohner. 
Sie dehnt sich auf einem Plügel ziemlich lang aus, zwischen dem 
St. Lawrence und einem 700 Fufs hohen , mit Wald bewachsenen 
Berg, le Mont Real genannt. Sie hat 2 Ilauptstrafsen, die paral- 
lel mit dem Flusse laufen; zu ihnen kommt jetzt noch eine dritte, 
die aus dem Graben der demolirten Festungswerke gemacht wurde. 
Die Häuser sind meistens von blauen Steinen gebaut und mit Zinn 
gedeckt, das in der Sonne glänzt. Der Feuersgeltihr wegen sind 
sie mit eisernen Thüren und Fensterläden versehen, und diese, 
«reben der Stadt ein sehr finsteres Ansehen. Uns fielen mehrere 
junoe Leute auf, die in blaue Oberröcke gekleidet waren, auf allen 
Näthen mit weilsen Schnüren besetzt, und mit Schärpen um den 
Leib. Wir erfuhren, es seien die Zöglinge der von katholischen 
Geistlichen dirigirten Schule. Bekanntlich sind die meisten Cana- 
dier, und f der Einwohner von Montreal katholisch; sie sollen 
sehr bigott, und die untern Volksclassen sehr wenig unterrichtet 
sein. Eine Querstrafsc, welche die beiden Hauptstrafsen verbindet, 
ist sehr breit, und defs\vegen ist in ihrer Mitte ein bedeckter Markt- 
platz angelegt worden. An dem einen Ende dieses Platzes steht 
das Tribunal und das Gefängnifs. Hinter diesen Gebäuden hat 
man den Raum , der durch die Demolirung der Festungswerke ge- 
wonnen Avordcn ist, zu einem Paradeplatze gemacht. Montreal hat 
mehrere Hospitäler, die durch Nonnen besorgt werden. Man fand 
indefs diese Hospitäler nicht zureichend, zumal da die Nonnen 
keine Fieberkranken annehmen. Defswegen haben sich die reich- 
sten hiesigen Einwohner vereinigt, und in einer sehr gesunden 
Lage ein neues, drei Stockwerk hohes Hospital für 70 Kranke 
beiderlei Geschlechts bauen lassen. In diesem Hospital werden die 
Kranken — deren Zahl sich auf 50 belief — für einen billigen 
Preis sehr gut verpflegt. Die ersten Aerzte der Stadt besorgen 
die Kranken \misonst, und nnrses pflegen dieselben. Die Einrich- 
tung gleicht der Eimichtung des Hospitals m Boston; nur scheint 
hier weniger Luxus, als in diesem Hospitale zu herrschen. 

Die öffentliche Bibliothek ist noch nicht sehr reich , aber sie 
wird täglich vermehrt. Auch hat man ein Naturalien-Cabinet mit 



.-.„„ 149 . 

derselben vereiniget. Zu einer neuen katholischen Ilauptkirche, 
die durch freiwillige Beiträge erbaut wird, und die sehr grofs zu 
werden scheint, waren die Fundamente gelegt. In der Caserne 
gefiel mir die Mefs der Unter-Ofliciere ungemein : denn mit der- 
selben ist eine Bibliothek verbunden; auch gefiel mir die Schule 
für Soldaten, die nicht lesen und schreiben können, und für Solda- 
tenkinder. Die Caserne war sonst ein Jesuiter-CoUegiuni und stand 
in der alten französischen Citadelle , von w elcher jetzt keine Spur 
mehr übrig ist. Nicht Meit von der Caserne ist eine Dampf- 
maschine, welche das Wasser aus dem Flusse heraufpumpt, in der 
Stadt vertheilt, und zugleich eine Mahlmühle in Bewegung setzt. 
Auf demMaiktplatze steht ein Monument , welches deniLordTVe/so/i 
zu Ehren von der Colonie errichtet worden. Es ist eine Säule, auf 
welcher des Admirals Bild in Lebensgröfse steht. Die eine Seite 
des Fufsgestelles hat eine Inschrift; zwei andere enthalten Abbil- 
dungen von Seetreffen ; auf der vierten findet man eine Darstellung 
der Capitulation von Copenhagen. 

Am andern Tage führte mich der Obrist-Lieutenant Mac 
Gregor auf den Paradeplatz, wo er den Theil seines Regiments, 
der hier steht, vereinigt hatte. Die Leute formirten ein Bataillon 
\4)n 6 Divisionen. Das Aeufsere des Bataillons war eben nicht aus- 
gezeichnet, aber die Manoeuvres, sehr complicirt und wohl nur 
iür den Paradeplatz berechnet, wurden mit grofser Präcision und 
einer bewundernswürdigen Schnelligkeit ausgeführt. Ich lernte 
eine neue Art von Fertigmachen kennen. Auf das Commando: 
„Fertig", nahmen die Soldaten das Gewehr llach, spannten in 
dieser Lage den Hahn, und brachten auf das Commando: „An'", 
das Gewehr mit der gröfsten Langsamkeit an den Backen. Die 
Infanterie war in zwei Glieder aufgestellt, formirte sich aber beim 
Flankenmarsch durch das Durchtreten der Rotten in drei Glieder. 
Die Pelotons waren in Sectionen von 4 bis 6 Rotten eingetheilt, 
vermittelst welcher der schiefe Marsch sehr leicht ausgefülul 
wurde. 

Nach diesem Manoeuvi'e begaben wir uns , von den Officieicn 
beo-leitet, in einen Kahn, und fuhren nach der Insel St. Helene, die, 
Montreal gegenüber, mitten im St. Lawrence liegt. Auf dieser 
Insel ist ein grofses Artillerie-Depot unter der Direction des Major 
fVaUace. Bei unserer Landung wurden wir mit 21 Schüssen von 
der Batterie an der Westspitze der Insel begrüfst. Diese Batterie 
ist in Form einer Lünette gebaut, und dient der hier stehenden 
Arlillerie-Compagnie zum Uebungsplatze. Die Kanoniers e\er- 



^ 150 

litten so eben mit einem OPfünder, einem GPfiinder und einer 
7züHi«;en Haubitze, und warfen aus allen drei Stücken Granaten, 
mit Flintenkugeln angefüllt. Das Ziel war im Strom aufgestellt; 
sio trafen so gut, dafs die Granate jedesmal über dem Ziele platzte. 
Die Kunst besteht vorzüglich in der richtigen Berechnung der 
Stopine, so dafs diese das Pulver in der Granate gerade in dem 
Aujfenblick entzündet, da sie über dem Ziel ist. 

Die Insel St. Helene war der letzte Punct, den die Franzosen 
noch hielten, als die Engländer ganz Canada ihrer Macht schon 
unterworfen hatten. Sie hat gegen 2 Meilen im Umfang, und 'ist 
mit sehr schönem Holze, vorzüglich mit Ulmen und verschiedenen 
Arten Nufsbäumen, meistens hickory, bewachsen; durch die Sol- 
daten sind gute und bequeme Fufswege um die Insel herum und 
in derselben angelegt worden. Das Gouvernement hat hier seit 
einigen Jahren einen botanischen Garten einrichten lassen, in wel- 
chem alle nordamerikanischen Gewächse versammelt werden, um 
die englischen botanischen Gärten mit denselben zu versehen. Auf 
der Nordseite der Insel hat man mehrere schöne Aussichten auf 
beide Ufer des Stroms, wn^ Montreal nimmt sich amFufse des grü- 
nen Berges mit seinen vielen Kirchen vortrefflich aus. Hier steht 
auch das Arsenal und die Caserne, neu und massiv aufgebaut, und 
durch eine Brustwehr auf einer Seite , so wie durch Schiefslöcher 
in der Mauer gegen einen cou]^ de inain gesichert. Das Innere der 
Insel ist hüglig. In einer whklich romantischen Vertiefung steht 
ein Pulvermagazin , das 4000 Fafs Pulv er enthält. Bei dem Major 
Wallace, der in der Caserne ein sehr hübsches Quartier bewohnt, 
lernten wir seine Frau und Tochter kennen , die in ihrer einsamen 
Ijage sich die Zeit mit Musik und Zeichnen recht gut vertreiben. 
Während des Winters sind die gezwungenen Bewohner der Insel 
durch das Eb zuweilen 6 Wochen lang von Montreal abge- 
schnitten. 

Als wir nach Montreal zuiTickgekommen m aren , machten wir 
wieder eine Wanderung durch die Stadt , und bemerkten mehrere 
sehr grofse Läden. Da Montreal vermittelst des Ottawa-Flnsse^ 
mit den Pelzhändlern der jetzt vereinigten Hudsonsbai - und Nord- 
"west-Compagnien Verkehr hat , so glaubte ich, hier feines Pelzwerk 
lür einen billigen Preis bekommen zu müssen. Ich fand aber wenig 
gutes ; und dieses wurde zu enormen Preisen gehalten. Am Abend 
gingen wir noch nach dem „Royal circus", dessen pomphafte 
Ankündigung eine starke Truppe Kunstreiter und ein Schauspiel 
versprach. Die Reiter, vier erwachsene Personen und zwei Kinder, 



_ 151 

machten auf 2 Pferden sehr mittel mäfsige Kunststücke. Das 
Schauspiel wiirde so schlecht aufgeführt, dafs wir sehr bald 
wieder nach Hause zurückkehrten. Das Theater ist übri(»;ens 
hübsch einfrerichtet : zwei Reihen Logen, in der Mitte die Reit- 
bahn, die bei Schauspielen das Parterre bildet, gegenüber die 
Scene. Neben der Masonic hall ward ein neues Theater erbauet, 
ohne Reitbahn, das zwar klem wiU", aber recht nett zu werden 
schien. 



VIII. 

Reise von Montreal nach Qiiehek. Aufenthalt in 
Quebek, Rüclireise nach Montreal. 

Vom 3. bis 9. September 1825, 



Am 3. September, Abends 8 Uhr, verliefsen wir mit den Fa- 
milien Grymes und Cläre unsere Wohnung, und schifl'ten uns ein 
am Bord des Dampfschiffes Ladij Sherbrook, um nach Quebek zu 
reisen, 180 Meilen von Montreal. In Montreal fehlt es an guten 
Quais. Dieser Mangel wurde uns besonders bei dem Einschiffen 
fühlbar; denn wir mufsten im Dunkeln durch tiefen Koth am Ufer 
waten ; und diese Expedition war für die Damen am Wenigsten an- 
genehm. Wir hatten auf dem Schiffe sogenannte state rooms oder 
besondere Zimmer genommen , so dafs die Damen für sich allein 
wohnten, und nicht in der allgemeinen Ladies Cabin zu schlafen 
brauchten. Mir war es auch angenehm, ein Kämmerchen für mich 
allein zu haben. In Montreal hatte ich den englischen Artillerie- 
Capitain King getroffen, den ich in Boston kennen gelernt hatte, 
und der ebenfalls die Reise nach Quebek machte. Üebrigens war 
unsere Reisegesellschaft nicht zahlreich. 

Das Dampfschiff, 150 Fufs lang, hielt 800 Tonnen, und die 
Maschine hatte die Kraft von 60 Pferden : viel zu wenig für ein so 
grofses und schweres Schiff. Abends nach 9 Uhr setzte dasselbe 
sich in Bewegung. Während der Nacht hielt es sich gegen eine 
Stunde lang auf an der Mündung des Flusses Sorel in den St. Law- 
rence bei dem Städtchen William Henry y welches diesen Namen 
dem Herzoge von Clareiice zu Ehren erhalten hat. Es mufste Holz 
einnehmen. Denn die Maschinen auf den amerikanischen und ca- 
nadischen Dampfschiffen werden nicht, wie die europäischen, mit 
Steinkohlen, sondern mit Holz geheizt, das auf den Schiffen vie- 
len Platz, und beim Einladen viele Zeit hinwegnimmt. Gegen 



Lage von Quebek. 
Zu Seite 153. 




^'m/f/iiiiiiimm 



a Obere Stadt. 

h Citadelle oder Cafe Diamond. 

c Untere Stadt. 

d River St. Charles , hölzerne Brücke. 

e Wolfs cove. 

f Martello towers. 

g St. Lawrence. 

h Point Levi. 

i Isle d' Orleans. 

k Falls of Montmorenci. 

l Platz, wo General Montgo}n?neri fiel. 

m Porte du palais , wo General Arnold blessirt wurde. 

n Gouvernements-Haus. 



153 

Morgen hielten wir am linken Ufer bei dem Städtchen Les 
irois rivieres an, welches, 2500 Einwohner enthaltend, 80 Mei- 
len von Montreal entfernt ist, und am Ausflusse des Flusses 8t. 
Maurice in den St. Lawrence liegt. Es ist längs des Stromes ge- 
baut, in welchem bis hieher die Ebbe und Fluth bemerkbar ist. 
Bevor wir diesen Platz erreichten, waren wir durch den lac St. 
Pierre gefahren , der durch eine Erweiterung des St. Lawrence ge- 
bildet wird. Die Ufer des Stromes sind auf beiden Seiten gut be- 
wohnt, und sollen auch sehr gut angebaut und fruchtbar sein. 
Der Strom ist durchgängig zwischen 1 und 2 Meilen breit ; nur 52 
Meilen unterhalb trois rivieres bei dem Dorfe Richelieu wird er 
eng , und hier befinden sich die letzten rapids , rapids de Richelieu 
genannt. Die Ufer, die bisher ziemlich flach waren, zumal auf 
der linken Seite, werden nun höher und felsig. Die Gegend ist 
Hufserst schön und malerisch. Der majestätische Strom mit seinen 
freundlichen Ufern, und der Blick auf die entfernten blauen Gebirge 
bei Quehek machen einen unbeschreiblich herrlichen Eft'ect. Das 
Wetter begünstigte uns sehr; es war ein heller, sonniger Tag, 
und nicht sehr warm; denn in diesem nördlichen Himmeisstriche 
machte sich der herannahende Herbst schon durch die kühlen 
Nächte und Morgen fühlbar. 

Um 10 Uhr Abends erreichten wir Quehek. Diese Stadt be- 
steht aus 2 Theilen : aus der obern Stadt , die auf den Felsen ge- 
baut, und aus der unteren Stadt, die zwischen dem Felsen und 
dem Sti'om eingezM'ängt liegt. Die Lichter in der unteren Stadt 
nahmen sich gegen den dunkeln Felsen, auf welchem auch die Fe- 
stung steht , vortrefliich aus. Der erste Anblick bei Nacht erin- 
nerte mich an Namur., vom rechten Maas-Ufer angesehen. Im 
Strom lagen viele Schifte, welche meistens zum Holzhandel ge- 
braucht werden. Da es schon spät war und wir Schwierigkeiten 
für den Transport unsrer Bagage bei Nachtzeit gefunden haben 
würden, so wie viele Unbequemlichkeit, um sogleich Quartier für 
die Damen zu finden , so brachten wir diese Nacht noch am Bord 
des Dampfschiffes zu, wo wir uns recht bequem fühlten, und uns 
einer grofsen Reinlichkeit erfreuten. 

Nachdem ich am folgenden Morgen die Ehrenwache entlassen 
hatte , welche von dem Gouverneur bei dem Schifte aufgestellt war, 
verliefsen wir, um 7 Uhr, dieses Schiff", und begaben uns in unser 
Quartier, Lemoine's boarding house^ in der obern Stadt gelegen. 
Die untere Stadt ist sehr eng gebaut, und sieht schmutzig und 
alt aus, die Strafsen sind nicht gepflastert und nur schlecht mit 



154 

irnUoirs versehen. Nach der obern Stadt führt ein sehr steiler 
We«T. Sie steht auf einem felsigen Grund, und ihre Citadelle ist 
350 Fufs über das Niveau des Wassers erhabeiv. Von der untern 
Stadt ist sie durch eine , auf den Felsen gebaute , crenellirte Mauer, 
in der Form eines Hornwerks, getrennt. Durch dieselbe geht ein 
Thor, mit einer Wache besetzt, deren Wachtstube gerade über 
dem Thor ist , und vermittelst macMcoulis den Eingang vertheidigt. 
Zur Bequemlichkeit der Fufsgänger ist neben dem Thor eine Thür, 
durch welche man auf einer hölzernen Treppe in die obere Stadt 
gelangt. Rechts vom Thore steht ein Gebäude , das einer Capclle 
ähnlich ist , und dem Unterhause des canadischen Parlaments zum 
Versammlungssaale dient. Um nach unserm Hause zu gelangen, 
mufsten wir ein Stück längs des Walles hingehen. Daselbst hat 
man eine unbeschreiblich schöne Aussicht auf die Bai vor Quebek, 
und auf das rechte Ufer des Flusses, das hier ei» Vorgebirge bildet, 
poirtte Levi genannt. 

Kurz nach unserer Ankunft erhielt ich einen Besuch v&m 
Obersten Duchesnay , erstem Adjudanten des General-Gouverneurs, 
und vom Obersten Durnford , Director des Geniewesens. Jener 
wollte mich im Namen des Gouverneurs becomplimentiren ; dieser 
erbot sich, mir die Festungswerke zu zeigen. Lord Dalhousie^ 
General-Gouverneur aller englischen Besitzungen iu Nordamerika, 
war mit Urlaub in England , wurde aber täglich zurück erwartet. 
In seiner Abwesenheit führte der Lieutenant-Gouverneur, Sir 
Francis Burton, Bruder von Lord Conyngham, den Ober-Befehl 
in der Colonie. Er ist ein CiviUst, soll sich übrigens seines hohen 
Postens in jeder Hinsicht würdig machen. Seinem guten Betragen 
und humanen und freundlichen Benehmen gegen die hiesigen 
Einwohner soll das Gouvernement den guten Geist gröfstes Theiles 
au verdanken haben, der in der Colonie herrscht. Von Lord 
Dalkmisie sagte man , er habe durch sein hochmüthiges und abso- 
lutes Wesen die Herzen von sich und dem Gouvernement entfernt 
und der Oppositions-Partei im canadischen Parlament grofseu 
Zuwachs verschaift. 

Mit den oben genannten beiden Stabs-Offizieren traten wir 
unsre Wanderungen an und besuchten zuvörderst das Gouverne- 
mentshaus. Dieses ist ein altes grofses Gebäude , welches während 
Lord Dalhousie's Abwesenheit leer stand. Die Zimmer sind nicht 
grofs, und waren nicht so reich meublirt , als ich von der Wohnung 
eines englischen General-Gouverneurs erwartet hatte. Auf der 
llückseite des Hauses , über dem Abgrund , ist ein langer ßalcon 



155 

angebracht, von welchem man einen grofsen Theil der untern 
Stadt, des Hafens und der umliegenden Gegend übersehen kann. 

Die Citadelle ist ein neues Werk , und noch nicht ganz vollen- 
det. Die Engländer sprechen gewöhnlich mit einer Art von Ver- 
ehrung von den Festungswerken von Quebek^ und setzen sie den 
Werken von Gibraltar gleich. Ich erwartete also, etwas Aufser- 
ordentliches zu finden ; ich kann aber nicht sagen , dafs meine Er- 
wartung befriedigt worden sei. 

Die nächsten Höhen bei der Stadt sind die bekannten plaines 
d'Abraham, oder richtiger hauteurs d' Abraham, auf welchen am 
12. September 1759 die Schlacht zwischen dem englischen. General 
fVolfe und dem französischen General , Marquis de Montcalm , Statt 
fand; eine Schlacht, die beiden Generalen das Leben kostete, die 
von den Franzosen verloren ward, und späterhin den Verlust der 
Stadt und der Colonie zur Folge hatte. 

General Wolfe nämlich hatte die Isle d' Orleans besetzt, .'und 
sich Meister der pointe Levi gemacht. Der Marquis de Montcalm 
stand auf den Höhen bei den Wasserfällen von Montmorenci mit 
seiner Armee in einem verschanzten Lager, und schlug einen Angrifl' 
des Generals Wolfe tapfer, und mit grofsem Verlust für die englische 
Armee zurück. Hierauf schiffte der General Wolfe , in der Nacht, 
seine Armee ein , benutzte die Dunkelheit zu der Fahrt unter der 
Stadt hinweg , den St. Lawrence hinauf, und landete an dem Platze, 
der jetzt Wolfens cove heifst. Er erstieg mit vieler Mühe die Felsen, 
und stellte dann , mit Tagesanbruche sein Heer auf den hauteurs 
d' Abraham in Schlachtordnung. Um der Stadt zu Hülfe zu kom- 
men, und die Engländer von den haideurs d' Abraham zu vertrei- 
ben , hielt der Marquis de Mojitcabn für nothwendig , seine starke, 
unangreifbare Position hei IMontmorenci zu verlassen, und auf einer 
Brücke , die durch einen doppelten Brückenkopf gedeckt war, über 
den Flufs St. Charles zu gehen. Nun stellte er, den Rücken ge- 
gen Quebek., seine Armee auf den Flöhen in Ordnung und lieferte 
die Schlacht, deren Resultat für ihn und sein Gouvernement so 
unglücklich ausfiel. 

Die englischen Ingenieurs gebrauchen zum Bau der Casematten 
in der Citadelle Backsteine, die in England gebrannt worden sind. 
Das Tausend dieser Steine kommt dem Gouvernement mit den 
Transport-Kosten, auf 2 Pfund 10 Schillinge zu stehen! Man sagt 
freilich, die hier im Lande gebrannten Backsteine würden in der 
hiesigen strengen Wintevkälte springen; ich gestehe aber, dafs 



156 

ich einit^en Zweifel habe f^egeii diese Besorgnlfs, und dafs ich 
glauben möchte, der Gebrauch habe einen andern Grund. 

Das Zeughaus ist ein grofses, jedoch nicht bombenfestes Ge- 
bäude, in welchem über 20,000 Infanterie-Gewehre , nebst einigen 
sehr zweckmäfsigen VValKUnten, aufbewahrt werden. Wir sahen 
hier auch mehrere, selir schön verzierte, doppelte und einfache, 
gezogene Büghsen, zu Geschenken für indianische Chefs be- 
stimmt. 

Die obere Stadt ist gleichfalls sehr alt und winklig; die 
Strafsen sind schmutzig und viele nicht gepilastert. Beide Städte 
enthalten zusammen gegen 25,000 Einwolmer. Die katholische 
Cathedrale ist ein ganz anständiges Gebäude, mit 3 Altären und 
Gemälden von keinem grofsen Werth. Wegen des kalten Climas 
ist sie gedielt. Inwendig ist sie, so wie die englischen Kirchen, 
mit Verschlagen abgetheilt. Sie stöfst an das Seminarium, ein 
altes französisches Gebäude, massiv, mit sehr dicken Mauern, und 
4 ausspringenden Ecken, wie Bastionen. In diesem Seminario hat 
der katholische Bischof von Qiiehek seine Wohnung. Wh" hatten 
den Bischof Plessis , in einer Gesellschaft bei Sir Francis Burton 
schon kennen gelernt, und ihn als einen sehr feinen und gebildeten 
Mann erkannt. Er ist der Sohn eines Fleischers aus Montreal 
und hat sich nur durch seine eigenen Verdienste empor gehoben. 
V or einigen Jahren hat er eine Reise nach England , Frankreich 
und Italien unternommen , und ist vom Papst zum Erzbischof von 
Canada ernannt worden; das englische Gouvernement hat iudefs 
Bedenken getragen, diese Ernennung zu genehmigen, weil er als 
Erzbischof im canadischen Parlamente den Vorrang vor dem angli- 
canischen Bischof bekommen müfste. Wir statteten dem würdigen 
Mann unsern Besuch ab. Er empfing uns freundlich , von mehieren 
jungen Geistlichen umgeben. Sein Secretair zeigte uns das Ge- 
bäude und den Garten. Die Seminaristen hatten grade Ferien, 
und es war keiner im Hause. Sie sind nicht alle für den geistlichen 
Stand bestimmt; denn die meisten angesehenen Leute hier im 
Lande lassen ihre Söhne in diesem Institut erziehen , in welchem 
sie sehr guten Unterricht bekommen sollen. Der katholische Clerus 
steht in grofsem Ansehen, und soll es auch durch seine Bildung 
und die guten Dienste, die er leistet, verdienen. Das englisch^ 
Gouvernement hat ihm alle seine Emolumente und Prärogative 
gelassen , die er vor der Eroberung der Colonie durch die Englän- 
der besessen hatte. Defshalb ist der Clerus dem Gouvernement 
unbedingt ergeben, und übt seinen Einiiufs auf das Volk zum 



157 

Besten des Goiivcrnemenls. Im Semmario befindet sich ein physi- 
kalisches Cabinet, das jedoch nicht sehr reich ist. Es hat eine 
kleine Electrisir-Maschine, ein Planetarium, eine Luftpmnpe nnd 
eine galvanische Säule mit den dazu gehörigen Apparaten. Das 
Naturalien-Cabinet ist auch nicht reich ; das Beste ist eine Samm- 
lung ostindischer Muscheln. Der Garten des Seminariums ist 
ziemlich grofs, und dient als Obst- und Gemüse - Garten ; er dient 
auch zum Spaziergang und Gott weifs, avozu noch sonst! 

Neun Meilen von Quehek ist der Wasserfall von Monimorenci. 
Wir machten eine Fahrt zu demselben, von dem Obersten A/c7/(.s 
naij begleitet. Der Weg ging durch die yorte du palals. Dieses 
ist dasselbe Thor, auf welches General Jriiold, bei dem Sturm 
am letzten December 1775, seinen Angrilf richtete, und bei wel- 
chem er am Beine verwundet wurde. Seine Colonne war schon in 
die Stadt gedrungen , und würde dieselbe unfehlbar erobert haben, 
M'enn sein Angrift* mit dem Angriffe des Generah Mo7ttgotnmery, der 
von der Seite des St. Lmvrence die untere Stadt attaquirte , gehörig 
zusammengetroffen ;ftäre. Dieses war jedoch nicht möglich , da 
GenersXMonlQommery ^e\^ und da nach seinem Tode seine Colonne 
in Confusion gerieth und zurückging. Ein englischer Kanonier, 
der zu der einzigen , hier aufgestellten und schon verlassenen Ka- 
none zurückkehrte und sie abfeuerte, tödtete diesen Helden, nebst 
12 Mann, und rettete die Stadt. 

Ueber den Flufs St. Charles kamen Avir auf einer langen, 
hölzernen, sehr gut gebauten Brücke, und setzten dann unsern 
Weg fort auf einer theilweise in den Felsen gehauenen Strafse, den 
St. Lawrence betändig im Gesichte. Die Gegend ist gut angebauet; 
mehrere Landhäuser haben aber ein sehr alterthümliches Ansehen. 
Eines der hübschesten gehört dem Seminario in Quehek, und dient 
den Geistlichen zum Erholungsort. Auf der Hälfte des Weges 
liegt das Dorf Beauport, bei welchem man eine sehr schöne Aus- 
sicht auf die Stadt hat, auf das rechte Ufer des St. Lawrence^ auf 
die Insel Orleans und den Strom hinab. ~" 

Am Montmorenci-F\\ik ., über welchen eine hölzerne Brücke 
führt, verliefsen wir den Wagen, und gingen bis nahe an den Ein- 
ilufs des Monimorenci in den St, Laicrence. Daselbst befindet sich 
der Wasserfall , der 275 Fufs hoch ist. Die Gegend ist äufserst 
hübsch. Neben dem Wasserfalle scheint durch einen Erdfall die 
Erde versunken, oder durch das Wasser ausgewaschen zu sein; 
denn es ist hier eine enge tiefe Schlucht, in die man nur mit Schau 
dern hinabblickt. Der Wasserfall selbst besteht, bei hohem Was- 



158 

ser, aus drei Fällen. Der mittelste stürzt gerade herunter, die bei- 
den andern kreii/en sich über demselben. Der trockene Sommer 
des Jahres 1825 aber, und die Anlegung eines Canals, der das 
Wasser des Flusses zum Treiben von Säge - und andern Mühlen 
ableitet, hatten den Flufs so sehr vermindert, dafs nur ein einzi"-er 
der drei Fälle Wasser hatte, und dafs man anstatt der beiden an- 
dern, nur den kahlen Felsen sah. Dieser Felsen besteht aus Thon- 
schiefer. Bei Quebek und der Pointe Levi ist er Kalkstein ; in Que- 
hck mit kleinen diamantartigen Krystallen durchstreuet : dalier hat 
das Cape Dia?nond seinen Namen. Der Stein vom Pointe Levi 
Vi'wA zum Bau der Häuser und der Festungswerke gebrauciit; alle 
Revctements sind aus diesem Steine gemacht. Die meisten Bäume 
in der Gegend des Wasserfalls sind Cedern. Unterhalb des Was- 
serfalls, am St. Laivrence, ist vermittelst zweier Piers ein kleiner 
Hafen angelegt worden , aus welchem , wegen der Nähe der Säge- 
mühlen , Handel mit Bretern getrieben wird. Ungefähr 1? Meilen 
oberhalb des grofsen Wasserfalls sind in demselben Flusse meh- 
rere, aufeinander folgende, Wasserfälle. Das Flufsbett ist bei 
denselben sehr eng , zwischen Felsen , die treppenförmig ausgewa- 
schen sind. Defshalb nennt man sie the natural steps. Sie glei- 
chen en miniature den Wasserfällen von Trenton bei Utica., und 
liegen in einem dichten Tannen-, Kiefern - und Cedern-Walde. 
Den Weg von der Brücke hieher, und von hier nach der Strafse 
zurück , machten wir zu Fufse durch den Wald auf einem fast un- 
gebahnten Fufssteige. 

Am zweiten und letzten Tage meines Aufenthalts in Qnebek 
begab ich mich noch , von den Obersten Durnford und Ducliesnay 
begleitet , auf die Parade. Ich wurde sehr angenehm überrascht, 
als ich die ganze Garnison unter den Wallen fand: jene Stabs-Offi- 
ziere wollten mir ihr Corps zeigen. Auf dem rechten Flügel stan- 
den 2 Compagnien Artillerie , dann kam eine Compagnie Sappeurs 
und Mineurs, hierauf das 68ste und endlich das Tlste Infanterie- 
Regiment. Das letzte ist ein leichtes Regiment, und besteht 
aus Bergschotten; es schien in besonders gutem Stande zu sein. 
Das Regiment trägt nicht das Costüm der Hochländer, welches 
nur von den Bockpfeifern , von welchen einige sich bei demselben 
befinden, getragen wird. Es hat ein sehr gutes Corps von Bügel- 
hörnern, und trägt sonderbare Schakots, blau, von Wolle, und 
unten weifs und roth gewürfelt. Die Truppen defilirten zweimal 
vor mir ; dann bat ich sie , wieder einzurücken. 

Aiu 6. September , um 6 Uhr Abends , begaben wir uns nach 



159 

dem Dampfschiffe Lady Shcrbrook , auf dem wir vorgestern Abends 
angekommen waren, um wieder nach Montreal zurückzukehren. 
Sir l^rawm hatte seinen Wagen geschickt, den unsere beiden Damen, 
die Ladies Grymes und Cläre benutzten. Am Quai stand eine Com- 
pagnie vom 68. Regimente mit der Fahne aufmarschirt als Eh- 
renwache, die ich sogleich entliefs; die Festung grüfste mit 21 
Schüssen, welche in den Bergen ein schönes Echo hervorriefen. 
Bald nachher setzte sich das Schiff in Bewegung. Zugleich brach 
die Nacht ein; wir hatten indefs doch noch Licht genug gehabt, 
um bei Tage von der herrlichen Gegend, in der Quebek liegt, Ab- 
schied zu nehmen. 

Strom aufwärts ging die Reise natürlich langsamer, als sie 
Stromabwärts gegangen war. Glücklicher Weise half uns, wäh- 
rend der Nacht , die erste Fluth über die rapids de Richelieu hin- 
weg. Bei trois rivieres hielten wir am Morgen an , um Holz ein- 
zunehmen. Alsdann ging es langsam weiter. Ich benutzte die Mu- 
fse , um zu schreiben , wurde aber oft unterbrochen. Auf diesem 
Schifle nämlich nimmt man täglich 4 Mahlzeiten ein, und jedes Mal 
vertrieb man mich von meinem Schreibplatze. Früh 7 Uhr wird 
zum Aufstehen und Anziehen geklingelt; um 8 Uhr wird gefrüh- 
stückt : Thee und Kaffee , Bratwurst und Schinken , Beefsteak und 
Eier; um 12 Uhr Avird der luncheon genommen; um 4 Uhr wird 
dinirt; um 8 Uhr wird Thee getrunken; und zu jeder Mahlzeit wird 
der Tisch zuweilen eine Stunde vorher gedeckt. Das Wetter war 
den ganzen Tag über trübe, und wurde gegen Abend regnerisch; 
es regnete die ganze Nacht hindurch. 

Bei Sorel, oder William Henry ^ legten wir Nachmittags an, 
um Passagiere abzusetzen, und Holz einzunehmen. Dieser Ort 
liegt am Zusammenflüsse des Sorel oder Richelieu, des einzigen 
Ausflusses vom Champlai?i-^ee ^ mit dem St. Laicrence^ am rech- 
ten Ufer beider Ströme. Die Franzosen hatten hier ein Fort an^re- 
legt , das noch steht , wenn anders die mit schlechten Palissaden um- 
gebenen Baracken und Gouvernementsmagazine den Namen eines 
Forts verdienen. Der Ort selbst ist im Jahre 1785 von amerikani- 
schen sogenannten Loyalisten und abgedankten Soldaten angelegt 
worden: er enthält 2 Kirchen , und in ungefähr 100 Häusern 600 
Einwohner, deren Häuser, meistens hölzerne, sehr einzeln in Stra- 
fsen stehen, die sich in rechten Winkeln durchschneiden, und ei- 
nen grofsen Platz umgeben. Er ist auf einen sandigen Grund ge- 
baut, und hat ein ärmliches Ansehen. Ueberhaupt haben die Ort- 
schaften in Canada , in Vergleich mit den Ortschaften in den > . St.. 



., 160 

ein ärmliches Aussehen , und werden >vohl auch niemals in einen 
so lauten Zustand kommen, als diese; denn die Ansiedler in Ca- 
nada sind grölstes Theiles arme Schollen und Irländer, die auf Ko- 
sten des Gouvernements herauskommen, Land erhalten, und un- 
ter den Druck des Feudahvesens gestellt werden , das alles Auf- 
streben niederhält; Auswanderer hingegen, die etwas zuzusetzen ^ 
haben, und Unternehmungsgeist besitzen, siedeln sich lieber in 
den V. St. an, wo Nichts sie niederdrückt, wo vielmehr Alles zu 
ihrer Erhebung beiträgt. 

Im Fort Sorc'l stand ein Detaschement vom 70. Regiment, 
von einem Sergeanten commandirt, in Garnison; ein Arlillerie- 
Detaschement, das Artillerie-Requisiten in einer Schaluppe nach 
Montreal transportiren sollte, band diese Schaluppe an unser 
Dampfschift' an und kam zu uns an Bord. Die Kanoniers waren 
meistens betrunken. Gegen Abend erfuhren Mir zu unserm nicht 
geringen Schrecken, dafs in dem Kahn 3 Kisten mit Schiefspulver 
wären. Die Gefahr war um so gröfser, da aus dem Schlot der 
Dampfmaschine beständig Funken herausflogen, die der Wind 
nach der Schaluppe hintrieb. Ich war einer der Ersten , an wel- 
chen diese Kunde kam ; und sogleich machte ich Lärm. Die ganze 
Reisegesellschaft stimmte ein und veranlafste den Capitain, wäh- 
rend der regnichten und stürmischen Nacht, den Zeughausbeamte- 
ten mit 3 der am wenigsten betrunkenen Kanoniers in die Scha- 
luppe auszusetzen , und vom Schifle zu entfernen. Die Nacht war 
übrigens so dunkel, dafs der Anker ausgeworfen werden mufste, 
und dafs wir gezwungen wurden , die ganze Nacht über liegen zu 
bleiben. 

Am andern Morgen war das Wetter noch immer trübe und reg - 
nicht. Der Strom war äufserst stark; auch wehete uns der Wind 
gerade entgegen. Die Maschine war zu schwach, um uns vor- 
wärts zu treiben ; m ir behielten daher Montreal über 3 Stunden im 
Gesicht, ohne die Stadt erreichen zu können; besonders war der 
Strom zwischen Montreal und der Insel St. Helene so stark , dafs 
wir trotz der Maschine rückwärts getrieben wurden. Endlich mufs- 
ten 6 Ochsen und 2 Pferde vorgespannt werden ; und mit diesem 
Gespann zogen noch 10 Menschen. Die Lady Sherbrook ist aber 
auch eins der ältesten Dampfsdiifle auf dem St. Lawrence., und 
der Capitain selbst gestand, sie sei so verfault, dafs sie keiner Re- 
paialur mehr werth sei , und wohl nächstens demollrl werden würde. 
Gegen 4 Uhr Nachmittags, nachdem wir 46 Stunden zu einer Reise 
gebraucht hatten , die Strom abwärts in 26 Stunden zurückgelegt 



i 



161 

war, stiegen wir in Montreal ans Land. Die Batterie auf der Insel 
St. Helene grüfste mit 21 Schüssen. Wir bezogen Avieder unser 
altes Quartier in der Masonic hall. Die erste Nachricht, die wir 
erhielten , war : dafs gestern Vormittags 50 Häuser in einer Vorstadt 
abgebrannt seien, und dafs dieses Unglück die ärmsten Einwohner 
der Stadt, deren Häuser nur selten versichert wären, betroffen 
habe. 

Ein Herr Bingham aus Philadelphia, der hier eine sehr reiche 
Erbin geheirathet hat, und um zu ihrem Besitze zu gelano-en, ka- 
tholisch geworden ist , gab heute , dem ersten Geburtstage seiner 
einzigen Tochter zu Ehren, einen Ball, und hatte die Aufmerk- 
samkeit, unsere Gesellschaft dazu einzuladen. Wir nahmen die p]in- 
ladung an , und fuhren um 9 Uhr zum Balle. Der Mann war 24 und 
seine Frau 19 Jahr alt. Er hat viele Freunde ; denn er besitzt ei- 
nen sehr guten Keller , und hat das Talent , sein Geld gehörig un- 
ter die Leute zu bringen. Wir fanden in seinen, reich und o-e- 
schmackvoU meublirten Salons die ganze schöne Welt von Montreal 
versammelt. Man tanzte meistens französische Contre-Tänze, auch 
sogenannte spanische Tänze. Zu den Contre-Tänzen hatte man 
langweilige schottische Melodien adoptirt, den Offizieren vom 
70. Regiment zu Ehren , welches die jeunes gens par excellence 
hiesiger Stadt sind ; zu den spanischen Tänzen spielte man deut- 
sche Walzer. Die einheimischen Damen sprachen sämmtlich , un- 
sere junge hübsche Wirthin nicht ausgenommen, das hiesige 
schlechte Französische. Mir fiel eine Mifs Ermatinger auf, die 
Tochter eines Schweizers, und einer Indianerin, wegen ihres al« 
lerdings sonderbaren , aber recht hübschen , indianischen Gesichtes. 
Sie war am geschmackvollsten angezogen, und tanzte recht gut. 
Der Ball war überhaupt äufserst animirt. Uebrigens herrschte bei 
Herrn Bingham., der ein Bruder der Frau des Banquier Baring in 
London ist, welche bekanntlich ihren Mann verlassen hat, ein sehr 
grofser Luxus, besonders an Silberwerk und Krystall. 



IX. 

Reise von Montreal nach Ncw-York. IsJe nux noix, Lake 

Chautplabi. Lake George. Wasserfälle des Hudson: 

Glennfalls. Bäder von Saratoga. Schlachtfeld von 

Saratoiia, Shaker-Colonie in Neiu-Lehanon. 

o 

Militair-Schulc in JFestpoint. 
, Vom 9. l)i» 19. Septembex 1825. 



Bei der schon sehr rorgerückten Jahreszeit MÜnschte ich so- 
bald als möglich nach New- York 7m kommen. Wir fafsten also den 
Entschlufs, alsobald abzureisen, uns nach dem See Chainplain zu 
begeben , bis an das südliche Ende desselben, alsdann nach Sara- 
ioga und Albany zu gehen , und m eiter den Hudson hinab nach 
Neiv-Yoric; unterwegs jedoch die Kattskill-Gehhg^e zu besteigen, 
und die berühmte Militair-Schule von Weslpoint zu besehen. 

Mit dieser Absicht bestiegen wir, Freitags den 9. September, 
an einem sehr schönen Morgen, das Damplschiff Montreal^ das 
als Fähre zwischen Moirtreal und dorn rechten Ufer des Stromes 
dient. Der Oberst-Lieutenant JShc Gregor und der Major Loring 
begleiteten uns bis an Bord. In einer halben Stunde befanden 
wir «ns am andern Ufer. Wir stiegen bei dem Doife Longueuil 
ans Land. Daselbst warteten Sfage coaches., die uns und unsere 
Bagage nach St. John bringen sollten, am Flusse fi/c/zcZ/c«, angeb- 
lich 27 Meilen von Longuevil gelegen. Der Weg ging, mehrere 
Meilen lang, am Ufer des St. Lawrence hin, bis zu dem Dorfe la 
Prairie. In diesem Doi fe nahmen wir Abschied von dieser herrli- 
chen Gegend und dem majestätischen Strome, der uns so lange ge- 
tragen, an dessen Ufer wir so lange und gröfstes IMieiles sehr an- 
genehm verweilt hatten. Der Weg führte durch eine ebene, nur 
wenig; mit Holz hcMachsene und mittelmäfsin: angebaiite Geo-end: 
wu' trafen nur das einzige Dorf Sarane. Hier und da bemerkten 



163 

wir Anpflanzungen von Lerchenbäumen. Gegen halb 2 Uhr Nach- 
mittags erreichten wir das Dorf St. Jolm, nachdem wir ungefähr 
eine Meile vorher an den Flufs RicheUeu gekommen waren. Hier 
schifl'ten wir uns auf dem Dampfschiftc Phenix ein, einem ameri- 
kanischen Fahrzeug, um mit demselben nach Whitehall zu fah- 
ren. Das Schiff führt den Namen Phönix mit Recht; denn das 
Schiff, an dessen Stelle es getieten ist, hatte denselben Namen, 
und verbrannte vor einigen Jahren auf dem Chmnplain-^ee. Diese 
schreckliche Catastrophe ist auch in Europa bekannt geworden, 
und Mifs IFiight und das Morgenblatt haben zu jener Zeit ausführ- 
liche Beschreibungen von derselben gegeben. Der neue Phenix 
war bequem und reinlich, 120 Fufs lang, mit einer Maschine, 
welche die Kraft von 46 Pferden hatte. Die beiden Ufer des 
Flusses wurden sehr waldig. Zehn Meilen obeihalb St. Johns er- 
reichten wir eine Insel, Isle mix noix , der letzte englische be- 
festigte Posten am Lake Champlain. Der Capitain hatta die Ge- 
fälligkeit, eine Zeitlang anzuhalten, damit ich diese Insel und ihre 
Festungswerke besehen konnte. 

Isle aux noix enthält gegen 90 Acker, und ist sehr flach und 
morastig. Das Fort, dem verstorbenen Herzog von Richniond 
zu Ehren, Fort Lenox genannt, besteht aus einem regulären 
Viereck mit 4 Bastionen und 2 Ravelins, nach Vauhans erstem 
System angelegt. Wegen des morastigen Grundes war das Fort, 
das hier früher gestanden, fast ganz eingestürzt. Das Revetement 
ist ein halbes und besteht, sowohl das der Escarpe, als das 
der Contre-Escarpe , aus Holz. Der ganz untere Wall besteht aus 
horizontal über einander gelegten Baum-, meistens Ceder-Stäramen, 
und nur die das Revetement ausmachenden Baumstämme stehen 
aufrecht. Auf die horizontal liegenden Stämme ist die Erde auf- 
geschüttet und festgestampft. 




■""iimiiiiiwii''^'" 



^ Die Ingenieurs glauben , dieses kostspielige Werk werde 
dreifsig Jahre aushalten. Ich möchte indefs glauben, man hätte 
besser gethan, >Yenn man einen Grund von eingerammten Bauni- 

L 2 



1Ö4 

Stämmen gemacht, auf denselben einen Rost gelegt, und dann ein 
Werk mit einem guten steinernen Revctement, oder noch besser, 
mit GeAvölbcn en dcckarge^ gebaut hätte. Die, ebenfalls auf Holz 
basirten, beiden Ravelins, liegen vor der nördlichen und südlichen 
Front. Unter die Courtine der östlichen Front baut man Case- 
matten für die Garnison. Neben dem Thor sind kleine Magazine 
im Wall angebracht, und im Innern des Forts steht das Wacht- 
haus, welches zugleich das Gefängnifs enthält. Das Erdgeschofs 
dieses, so wie der wenigen im Fort stehenden Gebäude, ist bom- 
benfest. Die Gebäude sind von einem blauen Kalkstein aufgeführt, 
der aus dem Staate Vermont kommt. Ein palissadirter bedeckter 
Weg umgiebt das Fort; ich bemerkte hier Palissaden, die man 
rückwärts niederschlagen kann, um die Ausfälle zu begünstigen. 
Bei der Besichtigung dieses Werks begleitete mich der Capitain 
Reed vom 70. Regiment, der hier mit seiner Compagnie auf ein 
Jahr in Garnison stand, und Commandant war, so wie auch die 
2 hier anwesenden Ingenieur-Offiziere. Nördlich vom Fort steht 
der navy yard, noch in demselben Zustand, in welchem er sich 
zur Zeit des Genter Friedensschlusses befand. Gegen 12 Kano- 
nier-Böte befanden sich unter Dächern , und auf dem Stapel ver- 
fault seit jener Zeit der Kiel und das Gerippe einer Fregatte von 
36 Kanonen, Champlain genannt. Hinter dem Schiffsbauplatz ist 
ein Magazin für die Marine-Bedürfnisse und die Wohngebäude der 
Offiziere , Beamteten und Arbeiter vom Werfte. Die beiden Arme 
des Stromes, welche die Insel vom festen Lande ti'ennen, sind 
ziemlich schmal, und die Ufer dicht mit Wald bewachsen. 

Eilf Meilen oberhalb Isle aux noix verliefsen Avir Canada, und 
befanden uns wieder auf dem Grundgebiete der Y. St. Auf dem 
Puncte, wo der Flufs Sovel den See C/mmpIain verläfst, und wo 
wir in diesen hineinfuhren , hat das amerikanische Gouvernement 
ein Fort angelegt, Bous's polnt genannt, aus einem casemattirten 
defensiven Thurme bestehend, der, soviel ich im Vorbeifahren be- 
urtheilen konnte, zweckmäfsig und wenig kostspielig angelegt zu 
sein scheint. Dieser Thurm beherrscht vollkommen die Communi- 
cation zwischen dem See und dem Flusse Sorel, und die Besatzung 
hat, da die Stücke allein Casematten stehen, das feindliche Infan- 
terie- und verticale Feuer wenig zu befürchten. Das Fort steht 
auf einem Vorgebirge. Da nach dem Genter Friedensschlüsse der 
45. Grad nördlicher Breite zwischen dem Staate Maine und dem 
St. Lawrence zur Grenze zwischen den V. St. und Canada bestimmt 
ist, und da zu dessen Vollziehung die beiderseitigen Commissarien 



165 

mehrere Orte astronomisch bestimmt haben : so hat man entdeckt, 
dafs dieses Fort zwar gar wenig, aber doch etwas nördlicher liegt, 
als 45**, und folglich auf der canadischen Seite. Der Ckamplahi- 
See erscheint nirgends breiter, als höchstens 6 Meilen, und enthält 
mehrere grofse Inseln. Das Ufer zu unserer Rechten, zum Staate 
New -York gehörend, zeigte sich ziemlich flach und waldig; das 
andere gehört zum Staate Vermont und ist bergigcM'. Die einbre- 
chende Nacht machte unmöglich, dafs wir uns der schönen Gegend 
erfreueten. Zu meinem Bedauern mufste ich auch Verzicht darauf 
leisten, das Schlachtfeld von Pluttsburgh (aus dem Jahre 1814), 
bei welcher Stadt das Schiff während der Nacht einen kurzen Auf- 
enthalt machte, zu besehen. An der Gränze kamen amerikanische 
Zollbeamtete an Bord; jedoch fragte Keiner nach unsrer Bagage; 
und das war mir allerdings eine neue, nicht unangenehme Er- 
scheinung. 

In derselben Nacht wurde bei Burlington im Staate Vermont 
angehalten, und die Familie Grymes verliefs uns, um von hier 
nach Boston zu reisen. In New -York hoffe ich diese Familie, die 
mir äufserst werth geworden war, in 14 Tagen wieder zu treffen. 
Gegen Morgen kamen wir an den Ruinen vom Fort Crownpohit 
vorbei, die auf einem Berge liegen. Der See wird sehr eng und 
gleicht mehr einem Flusse. Die Ufer meistens mit Laub -, hin und 
wieder auch mit Fichten- und Kiefernholz bewachsen, sind hüglig, 
und gewähren einen erfreulichen Anblick. Bei dem Dorfe Shoreham, 
12 Meilen oberhalb Crownpoijit , auf dem östlichen Ufer — Staat 
Vermont — gelegen , verliefsen wir den Phenix , der seine Reise 
gegen 20 Meilen weiter, bis WltiteJiall^ der südlichen Spitze vom 
C/iamplainSee , fortsetzte, und stiegen ans Land, um den Lake 
George, der wegen seiner romantischen Lage und Ufer berühmt 
ist, zu sehen. Sir Michael und Lady Cläre blieben bei uns, und 
wollten sich erst in Alhany von uns trennen, um nach Boston zu 
reisen. Als ein schwacher Ersatz für den Verlust der Familie 
Grymes schlofs sich von liier bis Albany ein Herr Schoemaker an, 
nebst seiner Frau, aus Philadelphia. Diese Leute waren Quäker, 
die jedoch das auffallende Costüme ihrer Secte abgelegt hatten. 

An dem Wirthshause von Shoreham befindet sich ein Aus - und 
Einladungsplatz für Schiffe, die vielen Gyps und blaue Kalksteine 
zum Bauen nach Canada transportiren. Unter den Steinen am 
Ufer des See's feinden wir mehrere, dem Anschein nach, sehr 
reichhaltige Eisensteine, die man in Vermont häufig antreffen soll 
Im Wirthshause befand sich ein ältliches Frauenzimmer vom Mittel- 



166 

Stande, das Tabak rauchte, und man sagte, diese Gewohnheit sei 
hierbei ältlichen Weibern ziemlich gemein. Ueber den See setzten 
wir in einer Fähre. Wir landeten am andern Ufer — die Ueber- 
fahrt beträgt kaum eine halbe Meile — nicht weit von den Ruinen 
des Forts Ticoiideroga. Dieses ist ein altes französisches Fort, auf 
der Anhöhe eines Vorgebirges gelegen , das die Schiffahrt auf dem 
See beherrscht. Aus den Ruinen sahen wir , dafs es ein Viereck 
mit 4 kleinen Bastionen und 3 Ravelins war , die Escarpe und die 
Contre-Escarpe mit starkem Mauerwerke revctirt; die Bastionen 
casemattirt, so wie auch die Courtine der östlichen Front. Im Fort 
hatten mehrere massive Gebäude gestanden, so dafs es sehr wenig 
Raum gehabt haben mufs. Gegen 300 Schritt östlich vom Fort 
auf der äufsern Landspitze stand eine fünfeckige kleine Redoute, 
die mit dem Fort vermittelst einer Caponiere communicirte. Das 
Vorgebirge hängt mit dem festen Lande — Staat New - York — 
durch eine Landenge zusammen, welche durch ein, von Erde auf- 
geworfenes, Kronwerk abgeschnitten war. Die Höhe, auf welcher 
dieses Kronwerk liegt, dominirt einigermafsen das Fort, und es 
scheint hier ein verschanztes Lager errichtet gewesen zu sein. 
Zwischen dem Fort und demKronwerke bemerkten wir die Ueber- 
bleibsel von 2 viereckigen Redouten. Auf demselben Ufer südlich 
yom Fort , doch von diesem durch eine Bucht des See's getrennt, 
liegt der Blont Defiance, welcher das Fort beträchtlich dominirt, 
und von welchem aus im Juli 1777 die Engländer unter General 
Burgoyne das Fort beschossen, das von den Amerikanern, unter 
General St. Clair , nur zu schnell geräumt wurde. Auf dem öst- 
lichen Ufer des See's, Ticoiideroga gegenüber, liegt ein; anderer 
.Berg, Mount Independence, von derselben Höhe als das Fort, auf 
welchem damals die Amerikaner Werke angelegt hatten, unter 
deren Schutze sie nach der Räumung des Forts den See passirten. 
Dieses ist später von den Engländern zerstöret worden. Im Juli 
1758, als das Fort noch den Franzosen gehörte, griffen die Eng- 
länder dasselbe an, wurden aber mit einem Verluste von 1800 
Mann zurücks;eschla2;en. 

Von Ticonderoga fuhren wir in einer Stage 3 Meilen weit bis 
zum Lake George in einer sehr bergigen Gegend. Das Niveau 
dieses See's ist gegen 300 Fufs höher als das des Cliamplaiii-^ees ; 
der Bach, der aus dem ersten See in den andern ffiefst, bildet 
<laher eine Folge kleiner Cascaden, treibt jedoch auch mehrere 
Sägemühlen. DenLa/ie George erreichten wir an seiner nördlichen 
Spitze. Wir schifften uns ein an Bord des bereit hegenden Dampf- 



167 

schifles the Mountaineery 90 Fai's lang, mit einer Maschinen-Kraft 
von 16 Pferden. 

Der Lake George gleicht den Schottischen Seen. Er ist 36 
Meilen lang, und niigends über 5 Meilen breit. Die Ufer sind 
sehr bergig, die Anhöhen alle mit Wald bedeckt, keine, wie mir 
schien, über 800 Fufs hoch. Im See viele Inseln, meistens mit 
Holz bewachsen. Eine einzige , Diamond island — wegen der 
schönen Krystalle, die man auf derselben findet — ist bewohnt. 
Die Bewohner bestehen in euier einzigen indischen Familie, die in 
einem kleinen Hause lebt und sich vom Suchen und Verkaufen der 
Krystalle nährt. Gegen 5 Uhr Abends erreichten wir die südliche 
Spitze des Sees. Die Gegend ist sehr schön. Einer der hohen 
Berge, die sich unmittelbar aus dem See steil erheben, helfst 
Rodgers rocky. nach, einem amerikanischen Captaine Radgers ^ der 
im Revolutionskriege , von Indianern hart verfolgt, auf die Spitze 
dieses Felsens llüchtete, und, im strengen Winter von der Gefahr 
gedrängt, auf der glatten Fläche nach dem gefrornen See glück- 
lich hinabrutschte. Ortschaften sieht man nicht: nur wenige ein- 
zelne Häuser stehen an den Ufern des See's. An dem südlichen 
Ende aber liegt das Dorf CVi/t/ji'c// , ein neuer Ort, vor ungefähr 
20 Jahren gegründet^ der aufser einem recht guten \x\vX grofsen 
Wirthshaus, in welchem wir unsere Wohnung nahmen, mehrere 
nette Häuser zählt. In früheren Zeiten stand hier am See ein 
englisches Fort, iVilliam Henri/ ^ welches, nach seinen wenigen 
Ueberbleibseln zu urtheilen, eine von Erde aufgeworfene, vier- 
eckige Redoute gewesen sein mufs. Es war im Jahr 1755 auf 
Befehl von Sir Williüm Johnstone, der die englische Armee in der 
damaligen Colonie New -York befehligte, angelegt worden , nach- 
dem: er am 8. September desselben Jahres ein französisches Corps, 
das aus Ticonderoga gekommen war, um sein in der Gegend des 
Forts campirendes Corps zu überfallen , gänzlich geschlagen hatte. 
Der französische General, Baron Dieskau, hatte bei dieser Gele- 
genheit sein Leben verloren. Im folgenden Jahre jedoch kam 
der Marquis de Montcalm mit einem stärkern Corps, und eroberte 
das Fort. Der englischen Garnison wurde freier Abzug zugestaur 
den; beim Ausmarsch wurde sie aber von den Indianern auf eine 
schändliche Weise überfallen und gutes Theiles niedergemacht. 
Der Marquis de Montcalm liefs nach der Eroberung das Fort 
schleifen. Nicht weit von^diesei* Stelle, in einer höhern Lage, auf 
einem felsigen- Boden, legten später die Engländer ein neues Fort 
an, Fort George genannt , das bei der verunglückten Expedition 



168 . 

des Generals Bourgoyjie im Jahr 1777 seiner Armee zum Depot und 
Magazin diente, bis er zu weit vorrückte und alsdann vom Fort 
abgeschnitten wurde. Von diesem Fort sieht man noch deutlich die 
Ruinen. Es war eine stark gemauerte , viereckige Redoute , deren 
Eingang durch eine kleine Flesche gedeckt war. Es liegt in einer 
vortheilhaften Lage, beherrscht das ganze südliche Ufer des See's 
und einen grofsen Theil der umliegenden Gegend , steht, wie schon 
gesagt, auf einem felsigen Grund, und ist von einer Seite durch 
einen Morast gedeckt. Nur östlich wird es von einem hohen Berge, 
der jedoch ziemlich entfernt ist, beherrscht. Wenn das amerika- 
nische Gouvernement sich entschlösse, Crown point und Ticon- 
deroga wieder herzustellen, so könnte besonders der letztere Ort, 
durch Befestigung der Berge Deßance und Indepejidence^ ein Haupt- 
wafFenplatz werden; er könnte grofse Depots in sich fassen, als 
verschanztes Lager dienen und von einer geringen Garnison nach- 
drücklich vertheidigt werden. Von hier aus könnte man Flotten 
ausrüsten, um den Cha?nplainSee zu beherrschen, und eine Ex- 
pedition gegen die Isle aux noix und gegen Canada zu organisiren. 
Eine gute Strafse müfste freilich von Ticonderoga nach der nörd- 
lichen Spitze vom Lake George , 3 Meilen weit , führen , und hier 
müfste der Einschiftungsplatz durch ein Fort gedeckt sein. Auf 
dem Platz der Ruinen von Fort George müfste ebenfalls ein neues 
Fort angelegt werden. Zwischen diesem Fort und dem Fort 
William Henry ^ ist ein gutes Local zur Anlegung eines Schiffs- 
werftes. Die Communication zwischen Ticonderoga und den V. St. 
würde alsdann gut und zwiefach gedeckt sein , durch die südliche 
Spitze vom Lake Champlain, von Whitehall aus, und durch den 
Lake George. Die Engländer, wenn sie von dieser Seite aus die 
V. St. angreifen Avollten, müfsten zuverlässig viele Kräfte aufwen- 
den, und könnten keinen Schritt vorwärts thun, ohne sich von 
Ticonderoga Meister gemacht zu haben. 

Wir verliefsen Caldwell am folgenden Tage, den IL Septem- 
ber um 8 Uhr, in zwei ziemlich schlechten Wagen, und begaben 
uns auf einem höchst uninteressanten , tiefen, sandigen Wege, der 
gröfstes Theiles durch eine hüglige, mit Nadelholz bewachsene 
Gegend führte, nach den Bädern von »Sarafoga, Saratoga Springs 
genannt , wohin während des Sommers die ganze fashionable Welt 
aus den V. St. wallfahret: denn die faskionahles haben hier die 
Manie, gesund oder krank, des Sommers nach den Bädern zu 
reisen, eben so stark, als in andern Ländern. Die Entfernung 
beträgt 27 IMeilen. Auf dieser Fahrt bot sich uns nur ein einziger 



169 • 

interessanter Punct dar : die Wasserfälle des ////ofso/i-Flusses , den 
wir hei Albajiy verlassen hatten, und den Mir 9 Meilen von CaUlwell, 
von Westen herkommend, wieder erreichten. 

Diese Wasserfälle sind unter dem Namen der Glennfalls be- 
kannt. In ihrer Nähe steht au den felsigen Ufern des Flusses ein 
Dorf gleiches Namens. Ueber den Flufs kommt man auf einer 
hölzernen Brücke , die ein Hängewerk ist. Die Bogen entspringen 
aus Pfeilern von grofsen Balken, welche, wie bei mir zu Lande 
die Hölzer zu einem Meisenkasten, übereinander gelegt sind. Man 
könnte daher der Brücke den Namen einer Vogelbauer-Brücke 
geben. Diese Vogelbauer ruhen auf einem Grunde von Kalkstein, 
welcher den Hudson quer durchschneidet, und dann weiter geht. 
Er ist in dieser sandigen Gegend eine wirklich auffallende Erschei- 
nung. Oberhalb der Brücke ist der Flufs 160 yards breit und wird 
von einem Wehr durchschnitten , das das Wasser nach Sägemühlen 
treibt, die längs des Ufers liegen. Ein einzelner Felsen , auf dem 
ebenfalls eine Sägemühle steht, theilt den Hauptfall, der 40 Fufs 
hoch ist, in zwei Theile. Es befinden sich aber sowohl oberhalb, 
als unterhalb der Hauptfälle , eine Menge kleinerer Fälle , w eichen 
wir uns, da das Wasser sehr niedrig war, bequem nähern konnten. 
Diese Fälle gehören allerdings nicht zu den gröfsten , aber doch 
zu den schönsten, die ich gesehen habe. Sie verursachen vielen 
Wasserstaub ; und da die Sonne heute besonders schön schien , so 
bildete sie in demselben mehrere Regenbogen zu gleicher Zeit. 
In dem Felsen bemerkten wir auch hier, wie am Niagara, einige 
sonderbare, tiefe Aushöhlungen. Sie entstehen durch die in dem 
Kalkfelsen zerstreuten Feuersteine, welche von der Gewalt des 
Wassers losgewaschen werden. Wenn nun diese Feuersteine einen 
Widerstand finden , oder wenn sie in eine kleine Vertiefung gera- 
then, so werden sie von der Gewalt des herabstürzenden Wassers 
beständig im Kreise herumgetiieben und reiben dann nach und 
nach die tiefen Löcher in den weicheren Kalkfelsen ein. An der 
Basis der kleinen Insel , welche den Hauptfall in zwei Theile schei- 
det, befindet sich unterhalb der Fälle eine sonderbare Höhle, durch 
welche man unter dem Felsen hinweg gehen kann; ohne Zweifel 
ist auch diese Höhle vom Wasser ausgewaschen. Die Sägemühlen, 
alle von Holz, sind sehr kühn über den Wasserfall gebaut, und 
sehen dabei meistens so baufällig aus , dafs man fürchtet , sie dürften 
bald in den Abgrund hinabstürzen. Oberhalb der Glennsfalls ist 
der Hudson theilweise schiffbar, und 2 Meilen oberhalb dieser 
Fälle hat man einen schiffbaren Canai herausgeleitet, der mit 13 



170 -- — 

Schleusen versehen, 7 Meilen nördlich vom Hudson Tauft und sich 
dann mit dem C//amplam-CanA\ vereinigt. 

In Saratoga Springs kamen wir nach 2 Uhr Nachmittags an, 
und stiegen ah in dem grofsen Wirthshausc Congrefs hall. Die 
meiste Badegesellschaft war schon abgereiset; wir fanden nur 
etwa 40 Personen vor , und unter ihnen den Gouverneur des Staates 
New -York, den berühmten De Witt Clinton y welchen die öffent- 
liche Meinung in diesem Staate hei der nächsten Wahl zum Präsi- 
denten der V. St. bestimmt. Ich liefs mich sogleich Sr. Excellenz 
vorstellen, und wurde von diesem grofsen Staatsmanne sehr gut 
empfangen. 

Das Wasser der Quellen ist kalt , hat einen ziemlich salzigen 
Geschmack, und schmeckt stärker ,^ als das Egerwasser. Es soll 
besonders wirksam für die Stäikung der Eingeweide sein. Als die 
ganze hiesige Gegend noch Wald, meistens von Indianern und nur 
sparsam von Weifsen bewohnt war, kannten die Indianer die Heil- 
kräfte dieses Wassers ; aber nur eine Quelle , jetzt high rock spring 
genannt, war entdeckt. Sie führten den oben erwähnten Sir 
IVilliam Johnstone , der von den Indianern sehr geliebt wurde und 
kränklich war ,. zu dieser Quelle. Durch das Trinken des Wassers 
erlangte er seine Gesundheit wieder ,. und so wurde diese Heilquelle 
l>ekannt. Es ist nicht über 12 Jahr, dafs man angefangen hat,, das 
Holz auszubauen und Häuser anzubauen; jetzt bilden mehr als 
hundert, meistens aus Holz gebaut, eine Strafse. Die meisten 
Häuser sind zur Aufnahme von Fremden einjrerichtet. Die 4 jjröfs^ 
ten Hotels sind: Congrefs hall, Union hall, ihe Pavillon und the 
United states hotel, letzteres von Backsteinen, die anderen von 
Holz gebaut. Nur die Congrefs hall war noch offen, alle anderen 
Hotels waren seit dem 1. September geschlossen, da die Fröste 
schon begonnen hatten. Das Hotel ist zur Aufnahme von 200 
Premden eingorichtet. Abends versammelt man sich in den grofsen 
Sälen im Erdgeschosse, um diese Jahresy^eit leider schon am Ca- 
aninfeuer,^ ma«rht Musik, tanzt, oder madit eine Partie. Hazard- 
epiele sind durch die Gesetze des Staates sehr sti'eng verboten. 
Uebei'haupt ist in den V.^ St. die allgemeine, öffentliche Meinung 
sehr gegen die Hazardspiele. Man eizählte mir, in einem Bad in 
Pensylvanien seien einst aus verschiedenen Gegenden der V. St- 
«Irei sehr anständige junge Leute angekommen. Man habe sie 
Anfangs sehr gut behandelt, habe aber in der Folge gefunden, sie 
seien Spieler. Und augenblicklich habe man allen Verkehr mit 



171 - — 

ihnen auf eine so auffallende Weise abgebrochen, dafs sie genö- 
thiget gewesen seien , das Bad zu verlassen. 

Die verschiedenen Quellen , welche nicht weit von einander in 
demselben Thal, in einem morastigen Wiesengrunde liegen, heifsen 
Hamilton, Congrefs, Columbia^ Fiatrock, Munroe, high rock^ 
President und red spring. Das Wasser wird vorzugsweise getrun- 
ken ; doch sind auch Bäder eingerichtet. High rock spring quillt 
aus einem 5 Fufs hohen, conischen, weifsen KalUfelsen, in welchem 
oben eine runde Oeffnung ist, gegen 9 Zoll im Durchmesser, 
durch welche man das Wasser in der Quelle in einer beständigen 
Wallung erblickt. Es entwickelt sich auf seiner Oberlläche eine so 
grofse Menge fixer Luft , dafs ein Thier , welches man hineinhält, 
■ — wie in der Hundsgrotte bei Neapel — nicht über eine halbe 
Minute leben kann. Herr Schoefnaker streckte seinen Kopf über 
die Oeffnung; er hatte ihn mit einem Schnupftuch bedeckt, und 
fuhr dennoch sogleich halb ohnmächtig zurück; auch behielt er 
von diesem Experiment mehrere Tage lang einen bösen trocknen 
Husten. Die Gegend um Saratoga Springs hat durchaus Nichts 
Anziehendes. Promenaden sind noch nicht angelegt. Die einzige 
Annehmlichkeit mufs man hier in der Gesellschaft suchen. Vor 
der Congrefs hall ist eine grofse piazza^ an deren Säulen >vilder 
Wein sich fast bis zum Dache hinaufrankt. Den Abend brachte ich 
im untern Gesellschaftszimmer am Camine za mit dem Gouverneur 
und einem Herrn Schley, aus dem Staate Maryland, in sehr ange- 
nehmen und interessanten Gesprächen. WahrscheinUch war der 
Sonntag die Ursache, dafs die anlesenden Damen keine Musik 
machten. 

Der Gouverneur hatte die Gnte^ mir ein Paar Empfehlungs- 
briefe für Neiv-York, und einen Introductions-Brief für die Sha- 
kers in New-Lehanon zu geben. Mit diesen Briefen ausgerüstet 
verliefsen wir am 12. September um 9 Uhr in einer bequemen Stage 
die Saratoga Springs, um nach Alhami zu gehen, 36 Meilen weit. 
Wir fuhren durch eine häfsliche, sandige Gegend. Die Einförmig- 
keit wurde indefs sehr angenehm unterbrochen durch den Saratoga 
lake, einen Landsee, der gegen 8 Meilen lang ist. Bei dem Dorfe 
Stillivater erreichten wir den Hiidson-F\u(s. Nicht weit von dem- 
selben läuft der neue, mit dem £r/e-Canal zugleich angelegte, aber 
noch nicht ganz vollendete Champlai n-Cana\ , dessen ich bei meiner 
Fahrt von Alhany nach Schenectady bereits gedacht habe. Wir 
besuchten bei Stillwater die zwei Schlachtfelder von Freemans farm 
und Bernis's hights, die am 19. Septbr. und 7. October 1777 be- 



172 

rühmt geworden sind. Bekanntlich fanden diese Affairen bei der 
Expedition des Generals Bourgoync Statt. Sie endigten mit der 
Gelangennehmung des ganzen Corps dieses Generals, zu welchem 
auch die Braunschweigischen Truppen unter dem General von 
Riedesel gehörten , bei Saratoga. Von diesen ScWachten hat man 
ausführliche Beschreibungen und mittelmäfsige Pläne; auch ist 
hier der Ort nicht, eine Beschreibung dieser Campagne, die ohne 
Charten unverständlich wäre , zu liefern. Unser Führer auf beiden 
Schlachtfeldern, die dicht bei einander liegen, war ein SOjähriger 
Bauer, Buel, den seine Nachbarn Major Buel nennen, weil er 
während der Campagne Führer der amerikanischen Armee gewesen 
ist. Das Schlachtfeld hat sich seitdem sehr verändert ; alles damals 
weggeschlagene Holz ist wieder nachgewachsen, so dafs man, 
aufser schwachen Ueberbleibseln der englischen Linien, eigentlich 
Nichts sieht. Nicht weit vom Flufs auf einer Anhöhe erblickt man 
die Reste der sogenannten grofsen englischen Redoute eines sehr 
kleinen Werks. In derselben liegt der General Fräser begraben, 
von dessen Leichenbegängnisse Frau von Riedesel eine so anzie- 
hende und doch Schauder erregende Beschreibung giebt. Ich 
brach an dem Grab einen Kieferzweig ab , um ihn für den Frei- 
herrn von Riedesel ^ Landmarschall des Grofsherzogthums S. Wei- 
mar , mitzunehmen. Ich fragte auch nach dem Haus , in welchem 
die Frau Mutter desselben gewohnt hatte, und in welchem der 
General Fräser gestorben war. Dieses Haus stand nicht mehr 
auf dem alten Flecke, weil der Canal über diese Stelle hinläuft; 
auf der neuen Stelle soll es aber eben so eingerichtet sein, wie es 
damals war. In dem har-room (Schenkstube) zeigte man mir den 
Platz, wo General Fräser gestorben war, und eine kleine Stube 
hinter demselben , in welcher Frau von Riedesel mit ihren Kindern 
gewohnt hatte. 

Bei dem Städtchen Waterford fuhren wir, um in der Dämme- 
rung die schlechte Brücke über den Mohawk zu vermeiden , auf 
das linke Ufer des Hudson auf einer langen hölzernen Brücke. 
Wir setzten unsern Weg in der Dunkelheit, auf einer sehr guten 
Strafse, fort, und kamen durch die Ortschaften Lausingbiirg und 
Troy. Das Letzte ist sehr gut gebaut, und mit vielen, am Abend 
wohl erleuchteten, Läden versehen. Hier kehrten wir wieder auf's 
rechte Ufer des Hudson zurück und erreichten nach 10 Uhr Abends 
Albany. 

Am folgenden Morgen, 13. September, fuhr ich mit Herrn 
Tromp in einer Stage coack nach dem Dorfe New Lebanon , 28 



173 

Meilen von Albany, um die dortige Colonie von Shakers zu bese- 
hen. Wir kamen durch die Dörfer Greenhiish, bei welchem uns 
das Pferdeboot auf das linke Ufer des Hudson setzte , Schodack, 
Union ^ Steflientown und Canaan. Die Gegend um New-Lehanon 
ist äufserst reizend ; die Berge sind auf den Gipfeln mit Wald be- 
wachsen und am Fufse gut angebauet. Das Thal ist breit, mit 
sehr netten Häusern; es gleicht einem Garten. Besonders wird 
hier viel Obst gezogen. Auf einer kleinen Anhöhe, am Fufs eines 
Berges, liegt äufserst hübsch das Sltaker-DorL Es ist ungefähr 
1 Meile lang; die Häuser stehen gruppenweise, ziemlich Aveit von 
einander entfernt, sind meistens grofs, von Holz gebaut und gelb 
angestrichen ; nur die Kirche , oder vielmehr the meeting house, 
ist weifs, mit einem bogenförmigen Schiefer-Dache. 

Die Shakers sind eine religiöse Secte, die aus England her- 
stammt. Sie ist gestiftet von Ann Lee, der Tochter eines Grob- 
schmidts aus Manchester, und Ehefrau des Grobschmidts Stanley 
in derselben Stadt. Die Haupt-Grundsätze ihrer Lehre sind : Ge- 
meinschaft der Güter , völlige Enthaltsamkeit hinsichtlich der Ver- 
mischung beider Geschlechter, und Verehrung der Gottheit durch 
Tanzen. Die Stifterin gab höhere Inspirationen vor; sie that Wun- 
der, verkündigte die baldige Wiedererscheinung Christi auf Erden, 
sprach vom tausendjährigen Reich und dergleichen Herrlichkeiten 
mehr. Sie fing an in England Proselyten unter den gemeinsten 
Volksclassen zu machen, die ihr bei ihren öflentlichen Predio-ten 
nachfolgten, lärmende Bet- oder vielmehr Tanzstunden hielten und 
dadurch die öffentliche Ruhe störten. Diese würdige Prophetin 
wurde defshalb mit ihren Freunden zu verschiedenen Malen 'gefän«-- 
lich eingezogen; einmal begann auch das ungeduldige und ungläu- 
bige Publicum, sie zu steinigen. Die gute Seele, von welcher die 
böse Welt übrigens behauptete, dafs die meisten ihrer Verzückun- 
gen durch geistige Getränke bewirkt würden , >yanderte defshalb im 
Jahr 1774 mit ihrer Familie und mehreren ihrer Freunde nach New- 
York aus , und liefs sich daselbst nieder. Ihr Ehemann aber wurde 
der schwesterlichen Verhältnisse müde, in welcher er mit ihr lebte, 
und ergriff die Partie , seine schwesterliche Ehehälfte von sich zu 
entfernen und eine andere Frau zu nehmen. Hieraufwandte sich 
die Verstofsene nach Albany^ liefs sich Anfangs bei WatervUct nie- 
der, und hielt Versammlungen. Diese Versammlungen kamen je- 
doch den Amerikanern — es war gerade zur Zeit des Revolutions- 
krieges — so verdächtig vor, dafs die gute Dame mit mehreren 
ihrer Freunde in Albany festgesetzt, und durch den Schub nach 



174 

der Gegend von NeiD - York spedirt wurde, um sie den Engländern, 
welche diese Stadt damals noch besetzt hatten , zu überlassen. Sie 
kam aber bald wieder nach IVatervUet zurück ; und ihre Getreuen 
kauften nun Land in der Gegend von Niskayima, zwischen Albany 
und Schenedady ^ und bauten sich daselbst an. Ein grofser Theil 
von diesen Leuten, namentlich solche, die sich in Amerika zur 
Secte geschlagen hatten, stiftete die Colonie von New-Lebanon. 
Ann Lee starb in Niskayuna im Jahr 1784. Da sich diese Secte 
nun sehr ruhig betrug, und kein öffentliches Scandal gab, so 
liefs die Regierung sie auch ruhig leben. Die Colonie hat jetzt 
600 Mitglieder, die in Familien eingetheilt sind. Einige dieser 
Familien zählen über 100 Köpfe beiderlei Geschlechts. Jede wohnt 
in einer Häusergruppe zusammen , und hat einen Aeltesten an ihrer 
Spitze. Die Aeltesten aller Familien bilden einen Rath, der das 
Wohl der Gemeinde besorgt. Für den Gottesdienst haben sie eine 
Art Frediger , 2 männliches und 2 weibliches Geschlechts , m eiche 
Sonntags Vorträge halten. In den Häusern, in welchen übrigens 
die allergröfste Reinlichkeit herrscht , wie ich sie nirgends , aufser 
etwa im Hospital zu Boston, auf einem so hohen Puncte gesehen 
habe, leben auf einer Seite die Brüder und auf der andern die 
Schwestern. Sie haben einen gemeinschaftlichen Speisesaal, in 
welchem jedes Geschlecht wiederum seine eigene Seite hat , aber 
verschiedene Werkstätten. Sowohl die Brüder , als die Schwestern 
wohnen meistens je 2 in einer Stube, und schlafen auch je 2 in 
demselben Bette. Mehrere der Schwestern hatten, trotz der 
guten Nahrung , die sie bekommen , ein sehr blasses und bleiches 
Aussehen. 

Wenn eine Familie zu den Shakers treten will, so müssen 
sogleich geschwisterliche Verhältnisse zwischen Mann und Frau 
eintreten. Die Kinder werden dann in den »S/m/fer- Grundsätzen 
erzogen. Auch finden verwaisete Kinder bei ihnen Aufnahme; 
jedoch laufen über den Ursprung dieser Waisen allerlei übele Ge- 
rüchte um. Es versteht sich: wenn die Grundsätze dieser Menschen 
überhandnähmen, was jedoch der Himmel wohl verhüten wird, so 
VKÜrde die Welt bald menschenleer sein. In übervölkerten Ländern 
indefs dürfte es vielleicht gut sein, Missionare dieser Secte auf- 
zunehmen , und den Proselytismus zu befördern. 

In jeder Familie hat man einen Laden , in welchem alle in der 
Familie verfertigten Gegenstände zum Verkauf ausgestellt sind. 
Diese Artikel bestehen meistens in hölzernen Haus - und Stall- 
geräth, in Sieben, Bürsten, Lederwaaren, in Tafelzeug — etwas 



175 

grob — , in silbernen Scbreib-Federn , sehr gutem Rosemvasscr 
u. s. w. Ueberdiefs verkaufen sie Bücher, welche die Grundsätze 
ihrer Secte und das Leben ihrer Stifterin Ann Lee, die sie Mother 
Ann nennen , enthalten. Mit der Viehzucht beschäftigen sie sich 
ebenfalls, machen gute Buttei* und besonders guten Käse; mit 
demselben treiben sie grofsen Handel. Ihre Schweine sind vor- 
züglich schön, und auch auf diese hat sich die Reinlichkeit er- 
streckt. Es ist eine seltene Freude , in einem Shaker Schweinstalle 
herumzugehen! Hinter der Kirche haben sie einen grofsen Gemüse- 
garten, in welchem sie die Gemüse gröfstes Theiles des Samens 
wegen ziehen, der hier in ganz vorzüglicher Gut« zu bekommen 
sein soll. Ein anderer Haupt-Handelsartikel der Gesellschaft sind 
die officinellen Kräuter, Wurzeln und Beere, welche sie in einem 
besondern grofsen Garten sehr sorgsam ziehen, und welche, wie 
ich in Albany hörte , von ausgezeichneter Qualität sind. 

Des Gouverneurs Schreiben vei'schafTte mir überall guten 
Eingang, da man sonst Fremde nur ungern in der CJolonie herum- 
führt. Die wenigen Männer, welche ich sprach, und die mich 
begleiteten, waren ältliche Leute , die schon vor langer Zeit, mei- 
stens mit ihren Eltern , Sl/akers geworden waren. Ein alter Mann 
erzählte mir, er sei «iner der ersten Anhänger von Mother Ann 
bei ihrer Ankunft in Amerika gewesen. Sie waren recht höflich 
gegen mich , und hatten Alle etwas Mönchisches. Sie zeigten mir 
auch ihre Kirche, Mas sie sonst, Sonntags abgerechnet, da jeder- 
mann ihrem Gottesdienste beiwohnen kann, nicht gern thun. Lei- 
der erlaubte mir mein Reiseplan nicht, einen Sonntag bei ihnen 
zuzubringen. Der Saal, der ihnen zur Kirche dient, mag gegen 
80 Fufs lang, und über 50 Fufs breit sein. An einer Seite stehen 
amphitheatralische Bänke für die Zuschauer und für die alten Mit- 
glieder der Gemeinde, welchen das Springen schwer fällt. Der 
Fufsboden ist mit schönem Cedernholze gedielt und gut polirt; die 
Breter sind in einander ohne Nägel gefalzt. Der Gottesdienst 
beginnt, Mie man mir erzählte, mit einer Rede, welche die Ge- 
meinde , bei welcher die Geschlechter wieder getrennt erscheinen, 
stehend anhört. Zuweilen kommt der Geist über den Einen oder 
über den Andern : sie werden von der Rede so ergriffen, dafs sie 
anfangen, sich zu schütteln, und ganz sonderbare Contorsionen zu 
machen. Dann beginnen die Gebete , die gesungen werden , und 
bei denen getanzt wird. Jedes Mitglied hat zu seinen Sprüngen 
einen Platz von ungefähr 4 QFufs; und man versichert, die 



176 

Caprlolen würden mit solchem Eifer gemacht, dafs die Luftspringer 
zuweilen wie ohnmächtig niederstürzen. 

Wir hatten uns bei den Shakers zu lange aufgehalten, als dafs 
wir noch heute nach Alhany zurückzukommen vermocht hätten, 
wenn wir, wie es erst unsere Absicht war, noch nach dem Badeorte, 
Lehanoji Springs gefahren wären. Wir gaben also diese Partie 
auf, und fuhren grades Weges nach Alhany zurück. Bei unsrer 
Rückfahrt überfiel uns die Nacht , und mit derselben ein tüchtiges 
Gewitter. Es wurde so dunkel, dafs der Kutscher kaum seinen 
Weg finden konnte. Er nahm daher, ganz gegen meinen Rath, 
eine Laterne zu Hülfe. Diese aber verlöschte , und nun befanden 
wir uns in einer noch schlechteren Lage. Zwei Meilen von Green- 
hush verliefs der Kutscher die breite Strafse , fuhr rechts an einen 
Abhang, und warf uns um. Der Wagen hätte sich beinahe ganz 
überschlagen. Er fiel auf die rechte Seite, wo ich safs, und ich 
beschädigte mich am Kopf und Arm , w iewohl nur leicht ; desto 
schwerer aber an der rechten Seite, so dafs ich fürchtete, ein 
paar Rippen gebrochen zu haben, und Eine war whklich gebro- 
chen, wie sich später ergab. Herr Tromp beschädigte sich am 
Kopf und an der Hand. Der Wagen lag da, Bagage hatten wir 
nicht; und da wir keine 2 Meilen mehr von Greenhush entfernt 
waren , so entschlossen wir uns , den Wagen im Stiche zu lassen 
und zu Fufse bis Greenhush zu gehen. Etwa um 11 Uhr kamen 
wir am Ufer des Hudson an. Kein Mensch war mehr auf der 
Strafse; alle Lichter Maren ausgelöscht; die Fähre befand sich 
auf der andern Seite des Flusses. Unser Rufen und Schreien half 
Nichts ; ich konnte auch vor Schmerzen in der Seite keinen Laut 
machen. Indefs kam nach einer halben Stunde der Wagen, den 
der Kutscher mit Hülfe einiger Bauern wieder aufgehoben hatte; 
und nun machte dieser einen so argen Lärm , dafs endlich , nach- 
dem wir eine Stunde gewartet hatten , die Fähre herüberkam , und 
uns nach Alhany brachte. Auf dem elenden Pflaster dieser Stadt 
hatte ich von den Stöfsen des Wagens furchtbar auszustehen. Als 
ich nach 12 Uhr ausstieg , konnte ich vor Schmerz kaum sprechen 
und gehen. Ich hatte dieselbe Seite schon vor 2 Jahren, bei 
meiner Ueberfahrt von Ostende nach London^ beschädigt, und seit 
jener Zeit beständig ein schmerzliches Gefühl behalten. 

Am nächsten Morgen erwachte ich mit so heftigen Schmerzen 
in meiner rechten Seite , dafs ich mich kaum im Bette bewegen 
konnte. Der gefällige Sir Michael Cläre stand mir sogleich mit 
Rath und That bei. Er öffnete mir eine Ader am Arm, nahm 



177 

16 Unzen Blut hinweg, liefs mich eine öffnende Arznei einnehmen, 
und verordnete Einreibungen in der Seite; wodurch gegen Nach- 
mittag der Schmerz in so fern gelindert wurde, dafs ich mich ein 
wenig freier bewegen konnte. Ich mufste indefs den ganzen Tag 
das Bette hüten. Die Familie van Rensselaer bezeigte mir viele 
Theilnahme. Am zweiten Tage konnte ich das Bette zwar ver- 
lassen , durfte aber an eine Fortsetzung meiner Reise noch nicht 
denken. Am dritten Tage den 16. September verliefsen Sir Micimel 
und Lady Cläre Albany^ und begaben sich auf den Weg nach 
Boston, von wo sie dann M'eiter nach New -York gehen wollten. 
Mit meinen Schmerzen ging es nicht viel besser. Dennoch ent- 
schlofs ich mich, den Weg nach New -York fortzusetzen, weil, 
wie ich in den Zeitungen gelesen hatte, die Pallas dort angekom- 
men V. ar , und weil ich mich der Behandlung des Dr. Sc/iH^it anzu- 
vertrauen MÜnschte. Auf die Partie nach dem ÄafsÄ"i'7/-Gebirge 
mufste ich freilich Verzicht leisten , aber in Westpoint gedachte ich 
doch anzuhalten, um die Militair- Schule zu besehen. 

Um 10 Uhr begaben wir uns daher an Bord des Dampfschiffes 
Richmondy und eine Stunde später setzte sich das Schiff in Be^e- 
gung. Die Ufer des Hudson-YlwssQS sind recht schön, hin und 
wieder auch recht gut angebaut. Von Albany bis New - York sind 
es 144 Meilen , und bis Westpoint 96 M. Hudson , ein Städtchen, 
27| Meile von Alhany entfernt, das wir nach Mittag erreichten, 
scheint ein nahrhafter und ganz hübscher Ort zu sein. Bei dem- 
selben ist ein Hafen , in welchem wir mehrere Schooner erblickten ; 
auch bemerkten wir am Ufer einige, 5 Stockwerk hohe, von Back- 
steinen erbaute Magazine. Gegenüber auf dem rechten Ufer des 
Stromes, liegt das Dorf Athen, und zwischen beiden Orten scheint 
viele Communication zu sein, da sie durch ein Pferdeboot unter- 
halten wird. Eine sehr flache Insel , die mitten im Strome zwischen 
diesen beiden Orten liegt, erschwerte früherhin diese Verbindung; 
denn die Fähre mufste einen grofscn Umweg nehmen. Um dieser 
Unbequemlichkeit vorzubeugen, hat man quer durch die Insel einen 
Canal gegraben, durch welchen das Pferdeboot nunmehr sehr 
schnell und gemächlich hindurchfäln t. Von hier aus hat man einen 
schönen Blick auf das hohe ÄofsA ///-Gebirge. 

Gegen 11 Uhr Abends landeten wir bei Westpohit, am rechten 
Ufer des Iliidson, an einem hölzernen, mit einem Wachthause ver- 
sehenen Quai. Ein Wache haltender Artillerist cxaminirte uns. 
Ich erfuhr später, dafs diese Controle Megen der Besuche, welche 
die Cadets empfangen, eingeführt worden sei. Wir mufsten einen 
l M 



178 

ziemlich steilen Weg hinaufsteigen, um das Haus zu erreichen, 
das zum Empfange der Fremden eingerichtet ist. Man räumte uns 
eine kleine, aber sehr reinliche Stube ein. Das Gebäude gehört 
dem Gouvernement, und ist zum Mefs room der Ofliciere und 
Cadets bestimmt. Der Entrcpreneur dieses Tisches ist durch 
seinen, mit dem Gouvernement geschlossenen Contract verpflich- 
tet, mehrere Zimmer mit Betten zum Empfange der Verwandten 
der Cadets in Bereitschaft zu halten , und so ist eine Art von Wirths- 
haus daraus geworden. 

Am Morgen nach unserer Ankunft machten wir früh dem 
Oberst-Lieutenant Tliayer, Super-Intendanten der Militair-Schule, 
unsern Besuch, und Avurden sehr freundlich empfangen. Seit 8 
Jahren befand er sich an der Spitze dieser, seit dem Jahr 1802, 
zur Zeit des Präsidenten Jefferson, ungerichteten Schule, und 
hatte ihr eine ganz neue Einrichtung gegeben. Auf seinen Reisen 
in Europa hat er die fianzösischen Militairschulen besehen, und 
der seinigen eine der polytechnischen Schule ähnliche Einrichtung 
zu geben gestrebt. Dieser ehemals so berühmten Schule an Voll- 
kommenheit gleich zu kommen, wird ihm jedoch schwer fallen, 
da er mit dem besten Willen von der Welt in diesem Lande keine 
so vorzüglichen Professoren bekommen kann, als bei der poly- 
technischen Schule vereiniget waren. Für den Unterricht sind die 
Cadets, deren Zahl auf 250 gebracht werden kann, beim letzten 
Examen aber aus 221 bestand , in 4 Classen vertheilt. Die Cadets 
werden zwischen 14 und 20 Jaliren zugelassen, bestehen ein 
Examen, bevor sie eintreten, und müssen dann einen Probe- 
Cursus, der ein halbes Jahr dauert, durchmachen, bei welchem 
die Mathematik der hauptsächlichste Theil des Unterrichts ist. 
Nach 6 Monaten werden die jungen Leute über den empfangenen 
Unterricht examiiiirt, und nur diejenigen, welche gut bestehen, 
bleiben in der Schule , um ihre Studien fortzusetzen ; die anderen 
werden in ihre Familien zurückgeschickt. 

Der Unterricht wird den Cadets, deren ein Jeder monatlich 
8 Dollars vom Gouvernement als Sold erhält, unentgeltlich ertheilt. 
Alle Jahre findet am Ende Juni's ein öflentliches Examen mit *\e\\ 
Cadets Statt, welches durch eine vom Staats-Secretair des Kriegs- 
Departements ernannte Commission vorgenommen wird. Zu dieser 
Commission werden Stabs-Ofiiciere aus der Armee und der Maiine 
genommen, ferner Congrefsmitglieder, Gouverneure einzelner 
Staaten, Gelehrte und andere ausgezeichnete Staatsbürger. Nach 
diesem Examen werden die Besten unter denjenigen , welche ihren 



179 

Cursus durchlaufen haben, als Ofiiciere in der Armee angestellt: 
die Allerbesten können sich das Corps auswählen , in welchem sie 
dienen wollen. Die Uebrigen werden nach ihren Fähigkeiten in 
folgender Ordnung in die Corps untergebracht: Ingenieurs, Ar- 
tillerie, Infanterie, Mariniers oder Seesoldaten. Sollten selbst die 
Cadres dieser Corps an Officieren vollzählig sein, so werden die 
jungen Leute als überzählig mit vollem Sold angestellt. Bei dem 
Examen avanciren auch die Cadets aus einer Classe in die andere. 
Die Namen der 5 besten Cadets in jeder Classe werden in den 
Zeitungen bekannt gemacht, und auch in der, jedes Jahr erschei- 
nenden, Armeeliste abgedruckt: gewifs, eine sehr aufmunternde 
und nachahmungsM erthe Einrichtung. 

Die Cadets werden äufserst streng gehalten ; sie verlassen die 
Schule nur als Officiere, wefshalb ihre Lehrzeit im Cadetten-Corps 
als praktische Schule des passiven Gehorsams gilt. Die Strafen 
bestehen in Arrest, bei welchem der Unterricht jedoch keinesweo^a 
unterbrochen wird. Kommt aber ein Cadet in den Fall, zum 
zweitenmal wegen desselben Disciplinarfehlers bestraft zu werden: 
so wird er entlassen. Dasselbe geschieht, wenn er nach zwei 
öffentlichen Examens nicht genug gelernt hat , um in eine höhere 
Classe hinaufrücken zu können. 

Der Tag ist in dieser Schule auf folgende Art eingetheilet. 

Von Tagesanbruch bis zum Sonnenaufgange. 
Reveille bei Tagesanbruch — Appel nach der Reveille — Reini- 
gung der Stuben , der Waffen und Montirungsstücke — eine halbe 
Stunde nach dem Appel , Inspection der Stuben. 

Vom Sonnenaufgange bis 7 Uhr. 

1. Classe: Militair - Genie - Wissenschaften. 

2. Classe: Natural- und Experimental-Philosophie. 

A ^i ^*^* \ Mathematik. 
4. Classe: S 

Von 7 bis 8 Uhr. 

Frühstück um 7 Uhr — Wachtparade um halb 8 Uhr. 
Classenparade um 8 Uhr. 

Von 8 bis 11 Uhr. 

1. Classe : recitations (die Eleven müssen erklären) und Genie- und 

militairische Zeichnungen. 

2. Classe: recitations in natürlicher und Bxperimcntai Philosophie. 

,' rn ' ! mathematische recitaiiotiB, 
4. (Jasse: j 



. 180 

Von 11 bis 13 Uhr. 

1. Classe: Vorlesungen über Ingenieur- und Kriegswissenschaften. 

2. Classe: Vorlesungen über natüiliche und Expcriinental - Pbilo- 

sopbie, 

3. Classe: j matliematische Studien. 

4. Classe: ) 

Von 12 bis 1 Uhr. 

1. Classe: Montags, Mittewochs und Freitags Vorlesungen über 

Chemie, angewandt auf die Handwerke und Künste, 
oder Mineralogie und Geologie. — Dienstags , Don- 
nerstags und Sonnabends Studien über dieselben Ge- 
genstände. 

2. Classe: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Vorlesungen 

über Chemie. — Montags, Mittwochs und Freitags 
Studien über denselben Gegenstand. 

3. Classe: Französische Recitationen. 

4. Classe: Französische Studien und Recitationen. 

Von 1 bis 2 Ulir. 
Mittag - Essen (sehr einfach und frugal) um 1 Uhr — Erholung 
vom Mittag-Essen bis 2 Uhr. 

Von 2 bis 4 Uhr. 

1. Classe: Studien und Recitationen über Geographie, Geschichte, 

schöne Wissenschaften und National-Gesetze. 

2. Classe: Landschafts- und topographische Zeichnung. 

3. Classe: Montags, Mittwochs und Freitags Zeichnen nach der 

menschlichen Figur. — Dienstags und Donnerstags 
Studien der französischen Sprache. 

4. Classe: Französische Studien und Recitationen. 

Von 4 Uhr bis zum Sonnenunter<j;angf;. 

Militairische Exercitien — Inspection der Kleidung und Appel bei 

Sonnenuntergänge. 

Vom Sonnenuntergänge bis eine halbe Slunile .später. 
Abend Essen gleich nach der Parade — Signa! , um gleich nach 

dem Abendessen nach den Stuben zu gehen. 

Eine halbe Stunde nach Sonnenuntergänge bis halb 10 Uhr. 

1. Classe : Studien über Ingenieurwissenschaften und Kriegskunst. 

2. Classe : Studien über Natural - und Experimental-PIiilosophie. 

3. Classe: j mathemalische Studien. 

4. Classe; 



181 



Von halb 10 Ms 10 Uhr. 
Zapfenstreich um halb 10 Uhr — Appel sogleich nach dem Zapfen- 
streich — Signal zum Auslöschen der Lichter und Inspection 
der Stuben um 10 Uhr. 

T a h l e a u 

der in der Schule gelehrten Wissenschaften und der Bücher, die 

im Gebrauche sind. 



o 



\V isscnschiirttii. 



Ing^ciiiciir-WIsscn- 
schaftcn. 

Lclircr : 
Capt. Dougldfs. 
Lt. Mordecai. 



Geschichte und schö- 
ne Wisisenschaftcn. 

Rcv'dlSrilvalnc, Ca- 
plaii. 



Chemie und Minera- 
logie. 
Dr. Torrcy. 
Lt. Prescolt. 



Tactik. 
Maj. JForth. 
Capt. Hitchcock. 
Lt. C. SmilJi. 
Lt. Iiinsleif , Lehrer 
der Artillerie. 



Natürliclie undExpe- 
P ^rlmental-Philosophie, 
Prof. Mamfidd. 
Lt. S. Smith. 
Lt. Parrot. 



Hesondere Gegenstände. 



Artillerie-Wissenschaf- 
ten , Feld - und per- 
nianiente Fortification , 
Tactik im Grofsen , Ci- 
vil-Militair - Arrliileetur 
und Contitructionen. 



Geographie. 
Geschichte. 
Moral-Pliil«>öOphie. 
Völker-Recht. 



Anwendung der Che- 
mie auf die Künste. 

Mineralogie. 



Soldaten-Pelotons und 
Bataillons - Schule - Li- 
nien - Evolutionen. 

Exercitien und Ma 
noeuArcs der Artillerie. 



Lehrbücher. 



Treatise on the scicnco of 
war and fortification , hy 
Gayde Vemon. 

Traite des machines^ par 
Hachette - Programme d'un 
cours de construction par 
Sgansin. 



Morse''s geography. 

Tytlers Clements of gcne- 
ral History. 

Palcys principUs of Moi'al 
and Polilical Philosophy. 
FattcVs Law of Nations. 



Cleveland's treatise on Mi- 
ner alogy and Chemistry. 



Rules and Regulations for 
the Ficld-Excrcice and Ma- 
nocuvrcs of Infantry. 

Lallemands treatise on Ar- 
tillcry. 



Chemie. 



Statistik, Dynamik, Hy- 
drostatik , Ilydro-Dyna- 
mik , Pneumatik. 

Magnetismus, Elektri- 
cität, Optik, Astronomie, 



Chemische 
phie. 



Philoso- 



Grcgory's treatise of Me- 
chanics. Neivton's principia. 

EnfiehVs institutcs of Na- 
tural philosophy. 



Henry s chymistry. 



182 





Wissenschaften. 


besondere Gegenstände. 


Lehrbücher. 




Zeichnen. 
Capt. Douglafs. 
Zeichnenmeister 

Gimbrcde. 


Landschaft. 

Topographische Zeich- 
nung. 




O 

m 

p. 

CD 

IC 


Mathematik. 
Prof. Davies. 

Lt. Rofs. 

Lt. JFobster. 

Lt. Greene. 

Lt. Mahan. 


Differential- und In- 
tegral-Rechnung. 

Analytische Geometrie. 

Perspective , Schatten. 

Beschreihende Geome- 
trie und Kegelschnitte. 


Tratte du calcul dijfcren- 
tial et integral par Lacroix. 

Essai de Gdomctrie analy- 
tique appUquce aux courbes 
et aux surfacesdu second or- 
dre, par Biot. 

Crozcts treatise on perspech 
tive, shades and shadows. 

Crozets treatise on descrip- 
tive Geomctry and conical 
sections. 


1 

o 


Franzüs. Sprache. 
Sprachmeister 
Bcrard und 
Ducommun. 


Uehersetzung aus dem 
Französischen in's Eng- 
lische. 


Histoire de Gil-Blas, les 
3 dernicrs tomes. 

Histoire de Charles XII par 
Voltaire. 




Zeichnen. 

Zeichnenmeister 

Gimbrede. 


Menschliche Figur. 




S3' 
Ol 

zu 

« 

«> 
« 


Mathematik. 


Messen und Aufneh- 
men. 

Trigonometrie. 

Geometrie. 

Algthra. 


Treatise on plane andsphe- 
rical trigonometry , and on 
the application of algebra to 
geomctry , translatedfrom the 
French of Lacroix and Be- 
sout, by Professor Farrar. 

Legendre's geometry. Com- 
plement des elemcns d'' Alge- 
bra par Lacroix. Lacroix^s 
Elements of Algebra. 


»■3 


Französische 
Sprache. 


Uchersetzungen aus 
dem Französischen ins 
Englische. 


Histoire de Gil-Blas, tomcl. 
Berard^s Iccteur frangais. 
Bcrard's french grammar. 



Auffallend war mir, dafs die jungen Leute ihre Stuben und 
Kleider selbst reinigen, so wie ihre Betten selbst machen müssen. 



— _- 183 

Nur das Putzen der Schuhe und Stiefeln, so wie das Holen des 
Holzes dürfen sie durch Aufwärter besorgen lassen. Oberst Thai/er 
glaubt aber, dafs, wenn zu viele Aufwärter in der Schule wären, 
die Cadets zu leicht Gelegenheit bekämen, mit der Welt in Ver- 
l)indung zu bleiben ohne Vorwissen der Officiere. Die Cadets sind 
in 4 Compagnien eingetheiit und bewohnen 2 grofse, 3 Stockwerk 
hohe, massive Gebäude, In dem einen wohnen je 3, in dem an- 
dern, — altern ■ — Gebäude aber je 2 in einer Stube. Sie schla- 
fen auf Matratzen, die Abends auf dem Fufsboden ausgebreitet 
werden, und haben immer 2 Zimmer, ein Schlaf- und ein Studien- 
zimmer. Dieses hat einen Ausgang auf einen langen Corridor. 
Die Gewehre haben die Cadets ebenfalls in ihren Stuben. Die 
Uniform der Cadets besteht in einer grauen, mit 3 Reihen gelber 
Knöpfe und schwarzen Schnüren besetzten Jacke; im Winter in 
grauen, im Sommer in weifsen Pantalons, weifsem Lederzeuge, 
ledernen Schakots, wie die Armee trägt, und, zum kleinen Dienste, 
ledernen Kappen. Die Officiere tragen die Uniform des Artillerie- 
Corps , zu dem sie gehören. Trotz der aufserordentlichen gesun- 
den Lage der Schule haben die Cadets keine gesunde Gesichts- 
farbe, vielleicht, weil sie zu wenig Erholung haben. 

Nachdem wir des Obersten Tliayer reiche Privatbibliothek be- 
sehen hatten, führte er uns in die Schule. Wir trafen die eine 
Classe beim Repetiren der descriptiven Geometrie an. Einige 
Cadets, die am Brete standen, demonstrirten ein paar Probleme 
aus dieser Wissenschaft sehr gut und beantworteten mit grofser 
Leichtigkeit und Richtigkeit mehrere Fragen und Einwürfe, die 
Professor Davies ihnen machte. Dann wohnten wir einer physica- 
lischen Vorlesung des Lt. Prescoit bei, die jedoch nur elementa- 
risch zu sein schien : er trug die Anfangsgründe der Wärmelehre 
Vor, und erzählte dann die Theorie und Gesclüche der Thermo- 
meter. 

Das Institut besitzt übrigens eine ziemlich ansehnliche Biblio- 
thek, und eine Chartensammlung, die immer vermehrt vsird; wir 
fanden mehrere der neuesten deutschen Charten. Oberst Thaifcr 
ist ein Mann, der an einer Krankheit leidet, die man bei mir gleich- 
falls entdeckt haben will, nämlich an der Bibliomanie; defswegen 
hielt ich mich lano-e mit ihm in dieser Bibliothek auf. Ich bemeikte 
in derselben auch ein lebensgrofses Portrait des ehemaligen Prä- 
sidenten Jefferson von Selly in Philadelphia gemalt, und ein anderes 
des Ingenieur-Generals Williams, Stifters der Schule. 

Das Institut hat 4 Hauptgebäude. Die beiden gröfsten dienen 



184 

als Casernen für die Cadets ; ein drittes Haus dient /um Mefs room 
und Wirthshaus, und in dem vierten befinden sieh die Kirclie, das 
chemische Laboratorium , die Bibliothek und der Zeichnensaal , in 
>vclchem mehrere der besten Zeichnungen der Cadets zu sehen 
sind. Als ein Modell von Situations-Zeichnungen hatten sie den 
Montjouihitx Gironna, nach dem Atlas vom Marschall 6?. St. Cyr 
gezeichnet. Ihre Art, Plane zu zeichnen, ist die französische; 
Lelonanns Werk., in's Englische übersetzt, habe ich jedoch auch 
in der Bibliothek bemerkt. Eine schöne Marmorbüste vom Kaiser 
Napoleon stand im Zeichnensaal. 

Vor den Gebäuden ist eine grofse Ebene von mehreren Ackern, 
die eine Halbinsel bildet und die Schiffahrt auf dem Hudson, über 
den sie 188 Fufs erhaben ist , beherrscht. Nach dem Flusse hinab 
ist sie mit steilen Felsen umgeben, so dafs sie schwer zu ersteigen 
sein dürfte , aufser auf dem gewöhnlichen Fahi-Wege. Da , wo die 
Ebene mit dem Lande zusammenhängt, wird sie von einem Berge 
beherrscht, dessen Gipfel 598 Fufs über den Hudson erhaben ist. 
Diese Position erinnerte mich an die Ebenheit unter dem Lilien- 
stein in Sachsen, dem Königsteine gegenüber. Auf der Höhe dieses 
Berges stehen die Ruinen vom Fort Putnam, so dafs die Ebene, 
auf welcher die Schulgebäude stehen, ganz isolirt und sowohl von 
der Wasser - , als von der Landseite sehr gut zu vertheidigen ist. 
Während des Revolutions-Krieges war dieses Fort, so wie das 
Fort Clinton angelegt worden, und diese Position war unangreif- 
bar. Die Engländer nahmen, um sich ihrer zu bemächtigen , zur 
Bestechung ihre Zuflucht, und der General Arnold, welcher zu 
?fesfpo^/^f commandirte , war auf dem Puncte, diese Position den 
Engländern zu überliefern. Glücklicherweise wurde durch die 
Arrestation des Majors Andre diese schändliche Verrätherei ver- 
hindert. Des Majors tragisches Ende, so wie Arnolds Flucht an 
Bord der englischen Corvette Vulture., die bei Verplank's point 
bereit lag, um ihn zu empfangen, sind bekannt. 

Das eben erwähnte Fort Clinton stand auf der östlichen Spitze 
der Ebene, und ward als ein Reduit betrachtet. Es bestand aus 
einem Kronenwerk von 3 Bastionen und einer Redoute als Reduit, 
auf welche beide Schenkel des Kronenwerks stiefsen. Das Reduit 
steht auf der äufscrsten Felsenspitze, und man sieht darin die 
Leberbleibsel der Batteiie, welche den Flufs sowohl oberhalb, als 
initerhalb Westpoint vollkommen bestrichen. Das Fort ist jetzt 
ganz verfallen, und von den Gebäuden in demselben sieht man 
nur noch die Grundmauern. Im llevolutionskriege war hier der 



185 

Strom mit Ketten gesperrt. Auf dem linken Ufer , schief gegen 
Westpoint über, liegt ein anderer , jedoch nicht so hoher Felsen, 
gleich einer Halbinsel , auf drei Seiten vom Hudson bespült , und 
vom Lande durch einen morastigen Wiesengrund getrennt. Auf 
diesem Felsen haben während jenes Krieges 2 Redouten gestanden, 
um die Sperrung des Stromes vollkommen zu machen. 

Auf der Ebene von Westpoint stehen , aufser den erwähnten 
Schulgebäuden, noch mehrere einzelne Häuser mit Gärten, zur 
Wohnung der Officiere und Professoren bestimmt. Aufserdcm 
stellt hier noch eine grofse hölzerne Caserne, von einer Artillerie- 
Compagnie bewohnt, und von einigen zur Kettenstrafe verurtheil- 
ten Soldaten, die hier gebraucht werden, um den Felsen zu spren- 
gen. Diese Sträflinge haben an dem einen Fufs eine lange Kette, 
an Avelcher eine 24pfündige Kugel hängt, die sie entweder nach- 
schleifen , oder im Arme tragen müssen. Vor der Caserne sind drei 
eiserne 6pfündige Kanonen aufgestellt. Die Amerikaner bedienen 
sich eiserner Stücke zum Feldgeschütz, wie die Schweden, und 
sind mit denselben sehr zufrieden. Auf einem andern Platz auf 
derselben Ebene befinden sich 5 metallene öPfünder , mit welchen 
die Cadets exerciren. Drei sind französische Stücke, von Ludwig 
XVI den Amerikanern geschenkt, mit dem französischen Wap- 
pen und dem Sinnspruch: ultima ratio regum, geziert. Die zwei 
andern Stücke sind englische, im Revolutions-Kriege eroberte, 
und sind, wie eine Inschrift sagt, vom Congresse dem General 
Greene als Belohnung für sein gutes Betragen im Süden der V. St. 
während des Krieges geschenkt worden. Seine Erben haben sie 
bis jetzt noch nicht reclamirt, und so bleiben sie einstweilen hier 
stehen. Eine Pyramide von weifsem Marmor, nicht weit von 
diesen Stücken, ist, nach der Inschrift, vom General Brown dem 
Andenken des im Jahr 1814 beim Ausfall aus Fort Erie gebliebenen 
Oberst - Lieutenants Wood, eines Zöglings dieser Schule , errichtet 
worden. 

Am Abend sahen wir die Cadets exerciren. Sie formiren ein 
kleines Bataillon von 4 Divisionen und werden von ihren Officieren 
und von den ältesten Cadets aus der ersten Classe, welche rothe 
Officierschärpen tragen und den Degen ziehen , commandirt. Die 
jungen Leute sind ungemein gut exercirt, und ich freute mich über 
die gute Ordnung, die dabei herrschte. Sie haben ein eigenes, 
vom Gouvernement bezahltes Musik-Corps , welches in den V. St. 
als die beste militairische Musik gerühmt wird. Jedermann hat 
seinen Geschmack : ich mufs aber gestehen , dafs sowohl die engli- 



183 

sehe Miritalr-Miislk , selbst die so sehr «reinihmte der englischen 
Garden, als die amerikanische, Aveit hinter der Musik der Fran- 
zosen, Niederländer und Deutschen zurücksteht 

In Gesellschaft des Obersten Tha^/er fuhren wir über den 
Hudson, um auf dem andern Ufer eineEisengiefserei zu besuchen, 
die einer Gesellschaft gehört, und den Herrn Camel, einen Freund 
des Obersten Thayer ^ als Director an ihrer Spitze sieht. In dersel- 
ben befinden sich 2 hohe Oefen, die stark ira Gange sind, da die 
(»iefserei das eiserne Geschütz fürs Gouvernement in Entreprise 
hat. Es war so eben ein Stück gegossen worden ; wir selbst sahen 
noch mehrere einzelne Gegenstände giefsen , die zur Construction 
eines neuen hohen Ofens gehörten. Neben dem Giefshaus ist das 
Bohrwerk des Geschützes , in welchem 10 Stück auf einmal gebohrt 
werden können. Die Stücke liee;en zum Bohren in einer horizon- 
talen Lage. Das Bohrwerk wird durch ein grofses, oberschläg- 
tiges Wasserrad in Bewegimg gesetzt. Da jedoch bei heifsen und 
aufserordentlich trockenen Sommern, oder bei strengen Wintern 
das Wasser mitunter mangelt, so hat man vor, als Wassersurrogat 
eine Dampfmaschine anzuwenden. 

Trotz meiner Schmerzen bestieg ich den felsigen Berg , auf 
welchem die Trümmer vom Fort Putnam stehen. Mein Weg führte 
durch einen schönen Wald von Eichen , Buchen , Kastanien und 
Nufsbäumen. Das Fort, von dessen Lage ich oben Erwähnung 
gcthan , nahm den Gipfel des Berges ein , war von starkem granit- 
nen Mauerwerk in Redansform angelegt, und, nach der feind- 
lichen Seite zu, völüg unersteiglich. Es hatte nur ein einziges 
Thor, so wie sehr starke Casematten und zwei kleine Pulvermaga- 
zine. Es war während der Revolution auf ein Privateigenthum 
gebaut worden; der Grundeigenthümer hatte es als sein Eigen- 
thum reclamirt und das Gouvernement sich genöthigt gesehen , es 
ihm zurückzugeben; alsdann liefs der Mann es zerstören. Später 
hat das Gouvernement den Boden , auf welchem iVesfpoiut steht, 
sa wie die anstofscnden Höhen acquirirt. Mir schien , wenn nicht 
nothwendig , doch gut und nützlich , nun das Fort Putnam wieder 
herzustellen, um die >vichtige Stellung von Westpoint ^ die in 
Kriegszeiten zum verschanzten Lager , zum Depot, zum Zufluchts- 
ort für das Landvolk u. s. w. dien<jn kann , wiederum eben so unan- 
greifbar zu machen , als sie früher gewesen ist. Zu meiner Ver- 
wunderung aber erfuhr ich , dafs dieses wohl nicht geschehen wer- 
de , dafs man sich vielmehr in Hinsicht der Vertheidigung des Lan- 
des, auf die Befestigung der llhede von New-Yojk. verlasse, und 



187 

überhaupt im Innern des Landes wohl keine Befestigung anlegen 
dürfte. Man scheint zu glauben , die Unangreifbarkeit des Landes 
bestehe vorzüglich darin, dafs es keine mächtigen Nachbarn habe; 
England könne keine starke Armee über's Meer schicken; und 
wenn dieses auch geschähe, so müfste England seine Kräfte zu 
sehr zerstreuen, also, dafs man die Hoflnung hegen dürfe, mit 
den einzelnen Corps fertig zu werden. Diese Ansicht kommt mir 
indefs bedenklich vor ; ich wünsche von Herzen , dafs diese braven 
Leute niemals erfahren mögen, dafs sie sich getäuscht haben; 
aber eine zu grofse Sicherheit hat immer ihre Gefahr. Vom Fort 
Putnam aus hat man übrigens eine sehr schöne Aussicht auf das 
Plateau von Westpoint und auf den Hudson^ der hier mit seinen 
hohen Ufern an den Rhein erinnert. Besonders schön ist die 
Aussicht nördlich, wo man im Hintergrunde das am Strome gele- 
gene Städtchen Neicburgk erblickt. Vom Äa^sM/- Gebirge sahen 
wir Nichts. 

Wir gingen mit dem Obersten Tliayer und den Cadets auch 
in die Kirche. Der Ciaplain der Schule Dr. M'Ilvaine^ ein epi- 
scopalischer Geistlicher, hielt Gottesdienst. Die Predigt war sehr 
gut und verständig , und recht für die jungen Leute geeignet. Er 
stellte mehrere Einwürfe auf, die man gegen die Vorzüglichkeit 
der christlichen Religion gemacht hätte, und widerlegte sie alle, 
indem er seine Gegenbeweise aus dem neuen Testament und aus 
der menschlichen Vernunft schöpfte. Ich freute mich sehr über das 
anständige Benehmen der Cadets in der Kirche , ein Benehmen, 
das man an den jungen Leuten in anderen Ländern bei solchen 
Gelegenheiten nicht immer bemerkt. 

Bei dem wackern Capitain Douglafs, Lehrer der Ingenieur- 
Wissenschaften, sah ich die Fortifications-Zeichnungen , welche 
die Cadets machen müssen, und nach welchen sie in der Fortifi- 
cation unterrichtet werden. Als Basis der Lehre der verschiedenen 
Systeme wird das sogenannte Systeme moderne, oder das von den 
französischen Ingenieurs verbesserte CormontaigJiesche System 
vorgetragen; auch bleiben ihnen Mojdale7nbert ^ Bousmard, und für 
die Minen Mouze und Gillet nicht fremd. Beim Unterricht im 
Brücken - und Strafsenbau , den Capt. Doiiglafs ebenfalls vorträgt, 
macht er von Wieheking Gebrauch. Viele der Cadets, die nicht 
im Militairdienst als Officiere bleiben wollen — zu welchem Dienst 
sie nur für ein Jahr nach ihrem Austritt aus der Schule verpflichtet 
sind — , dienen, ein Jeder seinem Staat als Civil-Ingenieurs, und 
leisten sehr wesentliche Dienste. Alle Officierstellen in der Armee 



188 

und bei den Maiinlers werden jetzt durch Cadets aus der Milltalr- 
Schule besetzt; denn bei den Regimentern hat man keine Cadets, 
und in Friedenszeiten macht man keine Unter-Officiere zu Offi- 
cieren. 

Es that mir sehr leid, dafs wir schon am dritten Tage nach 
unserer Ankunft , den 19. Sept. , das liebe Westpoint ^ das mir so 
äufserst wohl gefallen hatte, verlassen sollten; ich mufste aber doch 
endlich nach New -York! Um 11 Uhr Vormittags kam das Dampf- 
schiff Franklin von Alhany an , machte einen Augenblick am Quai 
Halt, und nahm uns an Bord. Unsere Freunde von Westpoint 
begleiteten uns bis ans Schiff, und hier nahmen wir einen recht 
herzlichen Abschied von ihnen. Ein Capitain Randolph aus Yir- 
ginien, den ich in Westpoint kennen gelernt hatte, reisete mit 
seiner Frau ebenfalls nach New - York , so dafs ich auf dem Schiff 
eine angenehme Unterhaltung hatte. Das Schiff war mit Menschen 
überfiillt; Mir fanden kaum Platz zum Mittags - Essen. Die Ufer 
des Stromes blieben sehr schön ; wir fuhren an mehreren hübschen 
Orten vorbei und an Landhäusern, welche bewiesen, dafs wir uns 
auf dem Wege zu einer grofsen und blühenden Stadt befanden. 
Bei einer Biegung des Stromes nähern sich die Ufer. Daselbst 
liegt ein hübsches Landhaus mit einem Garten, Verplancks point 
genannt; gegenüber stand ein Fort, stony point ^ um dessen Besitz 
während des Revolutionskrieges mehrere blutige Gefechte Statt 
gefunden haben. Ein Städtchen Singsing, wo sich ein Zuchthaus 
befindet, hat eine sehr hübsche Lage; wir sahen die Züchtlinge 
mit Sprengen 'des Felsens beschäftiget Der Flufs Avird nunmehr 
breit, und bildet 2 aufeinanderfolgende Seen, der eiste Haverstraw- 
hay und der andere Tappan- Sea genannt. An dem rechten Ufer 
des letzten liegt das Städtchen Tappan, wo der unglückliche Major 
Andre, vom Kriegsrath für einen Spion erklärt, aufgehenkt und 
begraben worden ist. Das englische Gouvernement hat ihn vor 
wenigen Jahren ausgraben, seine Gebeine nach England trans- 
portiren , und , wenn ich nicht irre , in der West juinst er- Ahtei bei- 
setzen lassen, während die Gebeine des Generals Fräser ^ der als 
ein Held in offener Schlacht an der Spitze königlicher Truppen 
fiel, ohne den geringsten Denkstein in der alten Redoute bei Still- 
2oater liegen bleiben. Der auf Andre's Grab gewachsene Baum ist 
auch nach England geschafft, und wie man mir versicherte, in 
den königlichen Garten hinter Carlton palace verpflanzt >a orden. 

Unterhalb des TappanSea nähern sich die Ufer des Stromes 
abermals , und werden auf der rechten Seite sehr steil und hoch ; 



189 

sie nehmen sich aus, >vie die Felsen bei Pirna an der Elbe, 
und werden the palissades genannt. Nach Sonnen - Untergang 
kamen wir in die Nähe von New - York , dieser gröfsten Stadt in 
den V. St. , die fast den ganzen Handel des Landes an sich zieht, 
und jetzt schon gegen 170,000 Einwohner zählt. Wir landeten 
gegen 8 Uhr Abends, stiegen sogleich ans Land, und Murden 
wegen der unglaublichen Menge von Fremden in 5 Wirthshäusern 
abgewiesen. Endlich mufsten >vir froh sein , nachdem wir uns auf 
dem Pflaster dieser grofsen Stadt müde gelaufen hatten , in einem 
gemeinen und schlechten Wirthshause, tkeatre hutel, in einer 
schönen Lage an einem square^ the 'park genannt, neben einem 
der Theater gelegen , eine elende Schlafkammer zu finden. 



Aufenthalt in N e lu - Y o r k. 

Vom 20. September bis 9. October. 



Unsere erste Sorge am nächsten Morgen war , sobald als mög- 
lich eine andere Wohnung zu suchen. Da wir nun in den ersten 
Hotels nicht unterkommen konnten, so nahmen wir einstweilen 
unser Quartier in einem französischen boardhig house 76, Broad 
street. Nach einigen Besuchen und einigen Einkäufen bei Buch- 
händlern, durchlief ich zuvörderst die Stadt, um eine allgemeine 
Local-Kenntnifs zu bekommen. Sie ist theihveise regelmäfsig ge- 
baut *). Die Strafsen sind schlecht gepflastert, haben jedoch gute 
Trottoirs. Auch laufen nicht so viele Schweine in denselben um- 
her , als in den Strafsen zu Alhany. Die Hauptstrafse , hroadway 
genannt, 3 Meilen lang, gefiel mir ungemein wohl , wegen ihrer 
Breite und ihrer schönen Läden, auch wegen ihrer bequemen 
Trottoirs. Der schon erwähnte Park nimmt sich gleichfalls sehr 
gut aus ; nicht minder das in demselben stehende Rathhaus , City 
hall, das für eines der schönsten Gebäude in den V. St. ausgege- 
ben wird. Besonders gefiel es mir jedoch nicht, Mie ich denn auch 
an den hiesigen Kirchen keinen edlen Stil zu entdecken vermochte. 
Die Zahl dieser Kirchen ist grofs; die meisten haben Kirchhöfe; 
seit einigen Jahren werden indefs die Todten auf Kirchhöfen 
begraben, die man aufserhalb der Stadt angelegt hat. An einer 
Kirche am Park bemerkte ich ein ziemlich geschmackloses Monu- 
ment, dem Andenken des, beim Angrift' auf Quehek gefallenen 
Generals Moidgommery errichtet. 

Hinter dem City hall steht auf einem freien Platz ein grofses 
Gebäude mit der Inschrift American Nuseum. Wir gingen hinein 
und liefsen uns dasselbe zeigen. In zwei grofsen Sälen war eine 



') S. den beiliegenden Plan, 



broadVr/ 



^"all , 




■^ 



X. 

Aufenthalt in New -York 

Vom 20. September bis 9. October. 




Unsere erste Sorge am nächsten Morgen war , sobald als mög- 
lich eine andere Wohnung zu suchen. Da wir nun in den ersten 
Hotels nicht unterkommen konnten, so nahmen wir einstweilen 
unser Quartier in einem französischen boarduig liouse 76, Broad 
street. Nach einigen Besuchen und einigen Einkäufen bei Buch- 
händlern, durchlief ich zuvörderst die Stadt, um eine allgemeine 
Local-Kenntnifs zu bekommen. Sie ist theilweise regelmäfsig ge- 
baut *). Die Strafsen sind schlecht gepflastert, haben jedoch gute 
Trottoirs. Auch laufen nicht so viele Schweine in denselben um- 
her , als in den Strafsen zu Alhany. Die Hauptstrafse , hroadway 
genannt, 3 Meilen lang, gefiel mir ungemein wohl , wegen ihrer 
Breite und ihrer schönen Läden, auch wegen ihrer bequemen 
Trottoirs. Der schon erwähnte Park nimmt sich gleichfalls sehr 
gut aus ; nicht minder das in demselben stehende Rathhaus , City 
hall, das für eines der schönsten Gebäude in den V. St. ausgege- 
ben wird. Besonders gefiel es mir jedoch nicht, wie ich denn auch 
an den hiesigen Kirchen keinen edlen Stil zu entdecken vermochte. 
Die Zahl dieser Kirchen ist grofs; die meisten haben Kirchhöfe; 
seit einigen Jahren werden indcfs die Todten auf Kirchhöfen 
begraben, die man aufserhalb der Stadt angelegt hat. An einer 
Kirche am Park bemerkte ich ein ziemlich geschmackloses Monu- 
ment, dem Andenken des, beim Angrift' auf Quehek gefallenen 
Generals Montgommery errichtet. 

Hinter dem City hall steht auf einem freien Platz ein grofses 
Gebäude mit der Inschrift American Museum. Wir gingen hinein 
und liefsen uns dasselbe zeigen. In zwei grofsen Sälen war eine 



') S. den beiliegenden Plan, 



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191 

Menge MerlcAAÜrdio^keiten aus dem Thier - und Mineral-Reiche sehr 
gut aufgestellt. Eine ziemlich vollständige Sammlung von ameri- 
kanischen Vögeln nimmt fast alle Wände des einen Saales ein. 
Auch eine Menge 4füfsiger Thiere , weniger gut ; dann eine in- 
teressante Sammlung von Fischen, sehr gut conservirt, so wie eine 
schöne Suite von Schildkröten , von der 7 Fufs 6 Zoll langen Rie- 
senschildkröte bis zu den kleinsten. Von Schalthieren ebenfalls 
eine ansehnliche Suite. MineraUen, wenige, und diese in keine 
Suite gebracht. Mehrere indische Waffen, Kleidungsstücke und 
andere Utensilien der Indianer; auch mehrere alte und moderne 
Wafl'en von verschiedenen Nationen ; curiosa, z.B. eine auf dem 
Schlachtfelde von Waterloo gefundene Schakotplatte vom 1. Regi- 
ment Nassau ! Wenige aus Italien hergebrachte Älterthümer , mei- 
stens Lämpchen und andere Kleinigkeiten. Besonders schön ist 
ein grofses Stück Bergkrystall, in einem Silber-Bergwerk in Mexiko 
gefunden, das, wie man uns versicherte, 212 Pfund wiegt. In- 
teressant ist auch eine indische Mumie. Sie wurde , wie man er- 
zählt , im Jahre 1814 bei Glasgow im Staate Kentucky , 9 Fufs unter 
der Erdoberfläche , in einer salpeterreichen Höhle , 200 yards vom 
Eingange gefunden; sie befand sich in einer sitzenden Stellung , in 
welcher sie noch ist, und war in Hirschhäute und Tücher einge- 
wickelt. Ein sehr leichtes Boot, Knickerhocker genannt, hat bei 
einem Wettrudern den ersten Preis davon getragen. Die Spitze 
und der sehr grob gearbeitete Stern eines Kriegsbootes der India- 
ner vom Flusse Colnmhia^ der sich in den stillen Ocean ergiefst. 
Mehrere sehr schlechte Wachsfiguren ; mittelmäfsige Gemälde und 
schlechte Abbildungen der Seegefechte der Amerikaner und Eng- 
länder im letzten Kriege: Gegenstände, die wohl verdienen, den 
Pinsel eines wahren Künstlers zu beschäftigen. Unter den Wachs- 
figuren befand sich ein — wohlgetroffenes — Bild der Hexe von 
Endor. Sie war wie eine Köchin angezogen, und safs in einem 
Lehnstuhle; neben ihr stand Samuels Schatten in einem weifsen 
Schlafrock und mit einer Nachtmütze von derselben Farbe. König 
Saul aber hatte einen grofsen schwarzen Bart und war angethan 
mit einem sammtnen Hofkleide. 

Den Abend brachten wir mit Capt. Ryk im Hause eines deut- 
schen Kaufmanns Böker zu , der hier Agent der Berliner Seehand- 
lung ist. Wir fanden eine kleine, aber recht angenehme Gesell- 
schaft. Mehrere Damen spielten sehr gut auf dem Pianofoile und 
sangen recht angenehm. Ich lernte einen General Swift kennen, 
der früher beim Ingenieur - Corps gedient hatte und jetzt Director 



192 

des Zollwesens ist, so wie den lutherischen Geistlichen Dr. Schäfer. 
Auf ähnliche Weise ging es an den folgenden Tagen , während 
ich immer neue und meistens auch interessante BeJ<anntschaftcn 
machte. 

Ein Spaziergang führte mich nach der sogenannten Batterie, 
an der Südspitze der Stadt und der In^eiNeic -York. Früher stand 
hier ein altes holländisches Fort; man hat dasselbe aber demolirt 
und den Platz in einen öffentlichen Garten umgeschaffen. Dieser 
Garten gewährt eine sehr schöne Aussicht auf die Einfahrt in die 
Bai von New -York, und auf Long island. Westlich von der 
Batterie, am Ufer des Hudson-Flusses ^ oder vielmehr im Flusse, 
steht ein Fort, Castle Clinton genannt, das vermittelst einer, 90 
Schritt langen hölzernen Brücke mit der Batterie zusammenhängt. 
Das Fort bildet einen Halbcirkel. Auf dem Durchmesser stehen 
die ehemaligen Casernen, und hinter der Mauer, welche den 
Halbcirkel umschliefst, stand eine Batterie von 24 Kanonen unter 
Casematten. Nördlich von diesem Fort stehen auf demselben Ufer 
längs der Stadt zwei ähnliche Forts , North battery und Fort Ganse- 
voort genannt, welche jedoch, da sie eigentlich Nichts deckten, 
verlassen worden sind. Castle Clinton dient jetzt zu einem öffent- 
lichen Vergnügungsort. In der Caserne ist ein Caffeehaus; in den 
Casematten sind Nischen für Partien angebracht, und auf der 
Plateform amphithcatralische Bänke, weil der Hof des Forts als 
Circus für Kunstreiter gebraucht wird. Von der Batterie ging ich 
rechts längs des Hafens bis nach der Fähre von Brooklyn, und 
freute mich sehr über die Menge von Schiffen und das rege Leben, 
das im Hafen herrschte. Brooklipi liegt bekanntlich auf der Insel 
Long island^ New -York gegenüber. Die Meerenge east riverf 
ist bei Brooklyn ungefähr eine halbe Viertelstunde breit. Es sind 
hier beständig zwei Dampfschiffe und zwei Pferdeschiffe in Bewe- 
gung, um die Communication zwischen beiden Ufern zu erhalten. 
Die Ueberfahrt dieser Schiffe geschieht in 6 Minuten. In Brooklyn, 
das, nach der Menge der Läden zu schüefsen, ein nahrhaftes Städt- 
chen sein mufs, wendete ich mich links und ging über eine Meile 
weit nach dem Navy yard^ und von hier nach der Stadt zurück, 
schwer seufzend über die gewaltigen Distanzen. 

Mit einem Herrn Home, Gouverneur der hiesigen Canal-Bank, 
einem sehr reichen und angesehenen Mann *), und einem Herrn 
Dcruiter, einem hiesigen Kaufmann, aus Grainmont in Flandern 



') Gegenwärtig- Mayor von New -York. 



193 

gebürtig, fuhr ich an Bord der Pallas. Das Schiff lag im Hudson- 
Flusse zwischen New - York und dem , auf dem rechten Ufxir 
— Staat NeiD- Jersey — stehenden Dorfe Jersey. Kurz nach un- 
serer Ankunft, langten die Schaluppen der Pallas an, die von Capt. 
Ryk ans Land geschickt waren, um einige Damen zu holen, welche 
die Pallas zu sehen gewünscht hatten. Es ward in der Cajüte so 
eng, dafs man sich kaum umdrehen konnte. Die Damen, denen 
Capt. Ryk ein sehr anständiges Frühstück unter dem Zelt auf dem 
Verdecke gab, gehörten zu den liebenswürdigsten und elegantesten 
aus der Stadt. Bis gegen 3 Uhr blieben sie an Bord, und ich kehrte 
dann mit ihnen, bei ziemlich starkem Regenwetter, nach dem Lande 
zurück. Als ich am Abend aus einer Soiree beim Consiil Zimmer- 
mann., wo Musik gemacht und getanzt wurde, nach Hause fuhr, 
bemerkte ich, dafs die Strafsen in der Nacht nicht gut erleuchtet 
waren. Die Regierung der Stadt hatte, wie man mir später er- 
zählte , mit einer Gas - Compagnie einen Streit wegen der Aufstel- 
lung der Laternen und der Laternenpfähle; dieser Streit verlän- 
gerte die Unbequemlichkeit. Glücklicherweise wurde dem Uebel- 
stand einigermafsen abgeholfen durch die vielen Läden, die bis 
spät Abends offen bleiben, und mit Oel-Gas sehr elegant erleuch- 
tet werden. Die Gasleuchter haben recht hübsche Formen ; unter 
andern sah ich an einem Musikladen einen Leuchter , der die Form 
einer Harfe hatte. 

Ein hiesiger sehr berühmter Arzt, Dr. David Ilosack, der, 
seit er zum zweiten Male verheirathet ist, ein jährliches Einkommen 
von 50,000 Dollars haben soll, empfängt im Winter alle Sonnabende 
die hiesigen Gelehrten und ausgezeichnete Fremde. Alsdann ist 
seine Bibliothek und seine Kupferstichsammlung offen zur Be- 
nutzung; zuweilen wird auch über den einen oder den andern Ge- 
genstand eine Vorlesung gehalten. Dieser gelehrte und gefällige 
Mann erbot sich mir zum Führer in dieser Stadt. Ich nahm das 
Erbieten dankbar an, und habe in seiner Gesellschaft mehrere 
interessante Institute besehen. 

Das Civil-Hospital ist im Jahre 1770 aus freiwilligen Beiträgen 
errichtet w orden ; es erhält sich von dem Ertrage seiner Capitalien, 
und wird aufserdem vom Staat unterstützt. Das Gebäude, von 
blauen Steinen gebaut , steht auf einer Anhöhe und hat eine sehr 
gesunde Lage. Man gelangt dahin durch eine Allee von alten, 
hohen Ulmenbäumen. Im ersten Stockwerke befindet sich ein ge- 
räumiges Zimmer zur Versammlung der Administratoren. In die- 
sem Zimmer steht auch die Bibliothek, die an botanischen Werken 
/. N 



_^ 194 

besonders reich ist. Im Kcllergeschofs ist <lic Küche; auch sind 
in demselben Säle für venerische Kranke. Für diese sollte jedoch 
ein neues Hospital errichtet werden, Mie denn schon ein Lmtafic 
Asylnm , das vormals in einem Flügel des Hospitals war , aufserhalb 
der Stadt errichtet worden war. Im Ganzen können in dem Hospital 
400 Kranke beiderlei Geschlechts ein Unterkommen finden. Sie 
werden in Sälen, die zum Theil 16 Betten enthalten, von nurscs 
o-eptlegt. Die Bettstellen sind von Holz: ich erkundigte mich, 
Avarum man sie nicht lieber von Eisen mache, und erhielt zur 
Antwort, man fürchte, diese würden bei den heftigen Gewittern, 
die hier öfters Statt finden , zu gefährlich sein. Sechs Aerzte und 
4 Wundärzte gehören zum Hospital und haben abwechselnd den 
Dienst. Ein Arzt und ein Wundarzt haben freie Wohnung in dem 
Gebäude , und einer von ihnen mufs beständig gegenwärtig sein, 
für aufserordcntliche Fälle. Auch ist eine Apotheke im Hause, 
welches übrigens sehr reinlich gehalten >vird, jedoch, wie mir 
schien, in dieser Hinsicht hinter den Hospitälern von Boston und 
von Montreal zurück bleibt. 

Um das so eben erwähnte neu eingerichtete Irrenhaus Lunatic 
Asylum zu sehen , begaben wir uns zu einem Herrn Eddy , einem 
alten ehrwürdigen Quäkei' , der an der Spitze der Hospitäler , der 
Wohlthätigkeits - und Straf- Anstalten stand , und den ich bei Dr. 
Hosack kennen gelernt hatte. Wir trafen Herrn Eddy mit seinen 
zwei Töchtern, einem Sohn und seinem Associ^^, ebenfalls einem 
Quäker. Die Familie war mit der gröfsten Einfachheit gekleidet, 
und diese Einfachheit, mit der gröfsten Reinlichkeit gepaart, 
herrschte im ganzen Hause. Herr Eddy besitzt eine schöne Bi- 
bliothek , die er uns zeigte. In derselben befanden sich mehrere 
naturhistorische Prachtwerke, z. B. JVilsons amerikanische Orni- 
thologie , mit dem kostbaren Supplementbande , von dem Prinzen 
Marignano^ Charles Luden Bonaparte, einem Sohne Luden Bona- 
fartes , herausgegeben. Herr Eddy stieg alsdann in unsern Wa- 
gen und fuhr mit uns nach Dr. Hosadcs Landhause, welches in 
einer schönen Gegend am nördlichen Ufer des East river liegt, 
dem Navy yard schief gegenüber. Dr. Hosack , der in erster Ehe 
mit einer Schwester des Herrn Eddy verheirathet gewesen ist, 
begleitete uns ebenfalls nach dem Lunatic Asylum. Diese Anstalt 
liegt gegen 5 Meilen von der Stadt entfernt, in einer äufserst 
gesunden Lage auf einer Anhöhe nicht weit vom //«fZso«-Flusse. 
Der Weg führt zwischen Landhäusern und hübschen Gärten hin- 



195 

durch, und war einer der angenehmsten, die ich in Amerika ge- 
sehen hatte. 

Das Asylum von einem Garten umgeben, ist 3 Stockwerk 
hoch, und von Sandsteinen erbaut. Es verdankt seine Existenz, 
gröfstes TheilesSubscriptionen, wird jedoch auch vom Staat unter- 
stützt. Herr EcUhj ist einer der gröfsten Wohlthäter und Beför- 
derer desselben. In der Anstalt befanden sich 133 Wahnsinnige, 
und von dieser Zahl war es beinahe ganz angefüllt. Man wollte 
noch zwei Flügel anbauen. Im rez de chaussee sind, aufser den 
Versamnilungszimmern der Commissaire, die Apotheke und die 
Krankenstuben der ärmern Patienten, die einen grofsen Corridor 
und einen sitting room haben. In dem einen Flügel des Hauses 
Mohnen die männlichen und in dem andern die weiblichen Patienten. 
Aus den Corridors gehen unterirdische Gänge nach dem grofsen 
und geräumigen Hof, in welchem zwei mit Mauern umgebene Ver- 
tiefungen sind, welche den Kranken einen geräumigen Spaziergang 
gewähren und Gelegenheit, sich mit allerlei Spielen die Zeit zu 
vertreiben. In der Mitte eines jeden Hofes ist ein bedeckter mit 
Bänken umgebener Platz, der zum Aufenthalte bei schlechtem 
Wetter dient. In den obern Etagen sind , aufser den Stuben det 
Aufseher, mehrere besondere Zimmer, in welchen Kranke aliein 
wohnen können. Diese haben 2 Personen zu ihrer Bedienung. 
Ueberall herrschte eine grofse Reinlichkeit. Indefs schien mir die 
Einrichtung weniger vollkommen , als die Einrichtung des Asyluni& 
von Boston^ oder des Asylum's von Glasgow in Schottland. Der 
Garten wurde recht gut unterhalten. Er enthält auch ein Gewächs- 
haus , dessen Pflanzen meistens aus Dr. Hosaclcs Sammlung kom- 
men. Auf dem Dache des Hauses ist eine Plateforme , von welcher 
aus man eine schöne und weite Aussicht hat. 

Eine philosophische Gesellschaft hält ihre Versammlungen ia 
demselben Hause, in welchem sich das schon erwähnte Museum 
befindet. In einem der Zimmer ist eine Mineraliensammlung, die 
zwar noch nicht sehr bedeutend zu sein schien, die jedoch eine 
schöne Suite Mineralien von der nördlichen Grenze der V. St. ent- 
hielt. Ein anderer Saal enthielt eine Gemäldesammlung , deren 
Werth mir gleichfalls nicht grofs vorkam. Das beste Gemälde wau 
ein Portrait des berühmten amerikanischen, in London verstor- 
benen Malers Benjamin West, von Sir Thomas Lawrence meister- 
haft ausgeführt. Zwei Gemälde sollten von Temers., ein Paar von 
Salvador Rosa sein. Von diesen gefiel mir das eine ungemein 
wohl : ein alter Krieger betet in einer wilden Landschaft an einem 

N 2 



liHi 

einfachen Kreuz? Ein Paar andere Gemälde giebt man aus für 
Werke von Ihihens; unter diesen bemerkte ich Ruhens Portrait, 
von wekhem das Original in der .ScÄa/wpschen Sammlung in Gent 
ist. Auch befinden sich hier gute Gypsabgüsse von den besten 
römischen Antiken; dann von einer Venus \on Milo und von den 
drei Grazien von Canova; so wie zwei lebensgrofse Fechter von 
demselben Meister. 

Das Haus des Commodore Chauncy *) liegt im Navif-yard 
auf einer Anhöhe, von welcher man einer schönen Aussicht auf den 
Werft und auf Lo7?g island geniefst. Der Commodore führte mich 
im Werfte herum. Als ich aus dem Hause trat, fand ich eine Ehren- 
wache von einigen 30 Mariniers aufmarschirt , von einem Haupt- 
mann commandirt. Zu gleicher Zeit wurde ich von dem Linien- 
schiffe Franklin mit 21 Kanonenschüssen begrüfst. Diese Ehre hatte 
ich in den V. St. keineswegs erwartet , und defswegen überraschte 
sie mich um so an2;enehmer und war für mich um so schmeichel- 
hafter. In Construction befanden sich 2 Fregatten und 2 Cor- 
vetten, die noch keinen Namen halten. Die eine Fregatte war 
vollendet, stand jedoch noch unter Dach. Beide Fregatten führen 
den Namen von 44gern ; enthalten aber jede 64 Kanonen. Sie 
sollen 32Pfünder bekommen , w elches jetzt das allgemeine Caliber 
der Marine - Artillerie der Y. St. ist. Die Schifle sind von Eichen- 
holz aus Nord-Carolina gebaut; in die Fugen ist ebenfiills Salz 
gestreut , um den dryrut zu vermeiden. In ordinary lagen die drei 
Linienschiffe Franklin, Washington und Ohio^ alle drei 74ger 
genannt, die beiden ersten jedoch zu 86, und der letztere zu 106 
Kanonen eingerichtet, so wie auch die weltberühmte Dampf-Fre- 
gatte i^?/^^o?« fÄe ^rsf , von der so viel gefabelt worden ist. Aus- 
gerüstet und segelfertig lag im Hafen der Schooner Skark von 
8 Kanonen, nach der Küste von Afrika bestimmt, wohin er in eini- 
gen Tagen absegeln sollte, um dort zur Verhinderung des Sclaven- 
handels zu kreuzen. 

Bei einem zweiten Besuche gingen wir zuerst an Bord der 
Dampffregatte Fulton the first. Dieses Schiff war völlig desarrairt 
und diente zum receiving s/tip. Sie ist eine schwimmende Batterie, 
und sollte 30 Stück lange 32Pfünder tragen. Die Wände sind 
6 Fufs dick, von kreuzweis übereinander gelegten Lagen dicker 
eichener Balken gemacht, so dafs man das Schiff mit einem schwim- 
menden Blockhause vergleichen könnte. Die Einrichtung ihrer 



*) Coiump.ndanfen des Anvij 1 ard. 



lor 

Maschinerie gleicht der Maschinerie des horse hoüts. Sie hat 2 
parallele Kiele; zwischen denselhen steht die Maschine von der 
Kraft von 120 Pferden, und treibt ein einzi^res grofses Wasserrad. 
Der Platz im Schiff ist sehr geräumig; man kann auf verschiedenen 
Plätzen Reverbere-Oefen aufstellen, um Kugeln glühend zu 
machen. Bevor die Fregatte desarmirt war , führte sie zwei kleine 
Mäste mit dreieckigen Segeln; der Commodore hatte aber zur 
Instruction der Matrosen grofse Mäste mit den gehörigen Segel- 
Stangen anbringen lassen. Die Maschine war seit einigen Monaten 
herausfi-enommen und in einem Maj» azin im Werft aufg-estellt ; der 
Platz, den sie eingenommen, war mit Bohlen vernagelt worden, 
um ein allgemeines Verdeck zu haben lür die Wohnung der Ma- 
trosen. Seitdem hatte man auch ein oberes Verdeck angebracht, 
auf dem eine Dünette zur bequemen Wohnung der Officiere gebaut 
wurde. Man hat von dieser Fregatte gesagt , sie sei ein wahres 
Wunderwerk ; sie strecke dem stüimenden Feind einen Wald von 
Schwertern und Spiefsen entgegen und begiefse ihn mit siedendem 
Wasser. Von dem Allen ist kein Wort wahr. Ihre Erbauung, die 
in die letzte Epoche des Krieges gegen England fällt, war eigent- 
lich ein Versuch, der übrigens bei den Engländern grofse Besorg- 
nifs erreg-t hat. Alle sachverstänili«;en Männer, mit welchen ich 
über das Schifl' gesprochen habe, waren gegen dasselbe, und 
meinten, dafs diese grofse Masse nur zur Vertheidigung von Meer- 
engen zu gebrauchen sein dürfte. In der See war sie noch nie 
gewesen; und Manche fürchteten, sie würde in derselben nicht 
manoeuvriren können. Da nun auch, wie man sagte, der Navjj 
hoard — die Admiralität — in Wushington gegen die Anwendung 
der Dampfkraft auf Kriegsfahrzeuge gestimmt ist: so wird wahr- 
scheinlich die Construction der 2, Dampffregatte, zu welcher je- 
doch die Maschine, die wir in einem Magazine sahen, fertig ist, 
unterbleiben. 

Wir waren auch am Bord der beiden Linienschiffe OJno und 
Franklin. Der Ohio ist von einer neuen Construction , und halte 
noch nicht gedient; der Franklin und JVashing,ton hingegen hatten 
schon mehrere Reisen gemacht. Die Wände des Ohio sind dicker, 
als die der anderen Schiffie , und seine Verdecke sind höher. Die 
Linienschiffe haben keine moderne runde, sondern breite Sterne; 
in jedem steht eine Batterie von 12 Stücken. Nur eine der noch 
auf dem Stapel stehenden Fregatten liat einen elliptischen Si<m n, 
welcher die Vertheidigungskraft der runden mit der Eleganz der 
breiten Sterne vereinigt. 



198 — 

In den Magazinen schien noch Alles im Entstehen zu sein. 
In dem Hause, in welchem die Büreaux des Commodore und 
seiner Beamteten sind, ist ein Saal zur Capelle eingerichtet, der 
in der Woche zum Schulsaale für die Midshipmen gebraucht wird. 
Wir landen diese jungen Leute mit ihrem mathematischen Unter- 
richt unter der Aufsicht des Caplans beschäftiget. 

Im Hafen besahen wir zwei zur line von Liverpool bestimmte 
Packetböte, William Thompsan und Pacific *) genannt. Line 
nennt man hier jede geregelte Verbindung zwischen zwei Plätzen 
vermittelst stages, Dampf-, Pferde-, oder Canal -Böten, oder 
packetboafs, die derselben Entreprise gehören. Bereits vor 2 
Jahren hatte ich in Liverpool das Packetschiff Cortes gesehen und 
mich über seine elegante Einrichtung gefreut. Die [Einrichtung 
der beiden genannten Schiflle indefs übertraf jene bei weitem an 
Eleganz und comfort. Beide haben einen grofsen dining room, 
in der Mitte eine lange mit einem Rande versehene Tafel von Maha- 
goni, an beiden Wänden state roortis — - Schlafkammern — welche 
je 2 Betten übereinander enthalten und einen Waschtisch. In die- 
sem Saale befinden sich 10 solcher state rooms, auf jeder Seite 5, 
und aufserdem an den Fenstern im Stern zwei einzelne Cojen , so 
dafs 22 Herren in denselben schlafen können. Der Besansmast 
geht durch diesen Saal, und durch die Tafeh Der Saal erhält 
eein Licht theils durch die Fenster im Stern und theils durch einen 
grofsen Kukuk. In die Schlafkammer fällt das Licht durch oben 
angebrachte ovale Patentgläser. Für die Damen befindet sich ein 
Zimmer vor dem fZ/mwg: roow , beim grofsen Mast, wo die Bewe- 
gung des Schilfes am wenigsten fühlbar ist. Auf jeder Seite sind 
2 Schlafkammern, so dafs 8 Damen ihr bequemes Unterkommen 
finden. Die Wände des dining room und der Ladies cabin sind von 
Mahagoniholz und Maple — Ahornholz — • mit Spiegeln ; auf dem 
Pacific steht sogar zwischen 2 state rooms eine Säule von Aveifsera 
oder von schwarzem weifsgeaderten Marmor. Die Meubles sind 
alle von Mahagoniholz und mit schwarzem pferdehaarenen Zeug 
überzogen, und beide Zimmer mit kostbaren Teppichen belegt. 
Ueber der Treppe des dining room^ die ebenfalls von Mahagoni- 
iiolz gemacht ist, ist ein Dach, unter welchem Bänke und Tische 
stehen , zum Aufenthalt für seekranke Reisende. Ueber dem Rade 
des Steuerruders bis weiter zurück ist ebenfalls ein Dach, unter 
welchem man umher gehen und Schutz gegen den Regen und gegen 



') AuJ (Ucjjem nuKhU' icli im Sommer 182G die Rütkreisc nath Europa. 



199 

die Sonnenstrahlen finden kann. Die Ueberfahrt von New - York 
bis Liverpool kostet nur dreifsig Guineen , und man soll für diesen 
billigen Preis äufserst gut am Bord verpflegt w erden. Jedes Schifl' 
hält 500 Tonnen und soll die Fahrt oft in 17 Tagen zurückgelegt 
haben. Den 1. und 16. jedes Monats geht eines der 8 Schiü'e dieser 
Line nach Liverpool ab , und an denselben Tagen ein anderes von 
Liverpool nach Neic - York. 

An dem ersten Sonntage meines Aufenthalts in New - York , den 
25. September , begab ich mich mit dem Consul , Herrn Zimmer- 
mann , in die neue lutherische Kirche , um dem Gottesdienste bei- 
zuwohnen. Der Gottesdienst wurde in englischer Sprache gehal- 
ten; denn in New- York verstehen nur wenige dei* Nachkömmlinge 
von deutschen Colonisten die deutsche Sprache. Dr. Schaefer 
predigte. Er ist aus Philadelphia gebürtig, und der Sohn eines 
deutschen Predigers. Seine Predigt war gut und dauerte nicht 
lange. Nach derselben aber kam eine Lamentation über den 
schlechten Zustand der kirchlichen Finanzen, die mich eben nicht 
besonders erbauete. Es schien eia Deficit von 18,000 Dollars ent- 
standen zu sein, welches das Consistorium durch freiwillige Bei- 
träge decken >vollte, und zu diesen Beiträgen wurde die Gemeinde 
aufgefordert Früher gehörte diese Gemeinde zu einer älteren 
hier bestehenden lutherischen Gemeinde; sie hat sich aber von 
derselben getrennt und eine eigene Kirche gebaut, die zu elegant 
eingerichtet ist , als dafs die Einnahme nicht von der Ausgabe be- 
trächtlich übertroflen werden sollte. Der Prediger klagte zugleich 
über sein eigenes geringes Einkommen, und gab zu verstehen, 
dafs ihm eine Zulage gar nicht unangenehm seiti würde , weil er sie 
nöthig habe, üebrigens war es schwer , an diesem Tage mit einem 
Wagen durch die Strafsen zu kommen, da sie während des Gottes- 
dienstes vor allen Kirchen mit Ketten gesperrt werden, um die 
Communication zu verhindern. Das Land der Freiheit hat auch 
seine Ketten! 

So waren acht Tage schnell verlaufen, und das Angenehme 
hatte bei dem Nützlichen und Neuen nicht gefehlt. Besonders hatte 
ich einige Abende in freundlicher Gesellschaft recht heiter hinge- 
hi-achl. In diesen Gesellschaften, zu Mittage und Abend, lernte 
ich immer mehrere interessante Menschen kennen, verschiedenes 
Geschäfts und verschiedenes Berufs. In den Häusern , in welchen 
ich solchen Gesellschaften beiwolmte, herrschte gröfstes 'l'heiles 
eine grofse Pracht an Silberwerk, Porcellan und Krystall; auch 
fehlte selten etwas aus der schönen Kunst. In den Soirees wurde 



200 

gewöhnlich Musik fremacht und getanzt. Die Mittagsgesellschaf- 
ten, aus 20 bis 30 Personen bestehend, waren mehr der Conver- 
sation gewidmet. Uebrigens ist in New -York, so wie an allen 
Orten, in welchen die englischen Sitten herrschen, Gebrauch, 
dafs beim Dessert die Damen aufstehen, und die Herren sit/en 
bleiben, um zu trinken. Wer jedoch zum Trinken keine Lust hat, 
der A>ird nicht genöthiget. Die Damen sieht man nicht Avieder. 
Jedermann steht auf und geht weg , wie es ihm gefällt. Die auf- 
wartenden Dienstboten sind meistens Neger oder Mulatten; hat 
man weifse Dienstboten, so sind es gröfstes Theiles Irländer; denn 
die Amerikaner haben eine grofse Abneigung gegen das Dienen. 
Livreen sieht man gar nicht ; die männlichen Dienstboten sind in 
Fracks gekleidet. Alle Herrschaften klagen über die schlechte 
Bedienung und die Insolenz ihrer Domestiken, die sich so viel 
als ihre Herrschaft dünken. Von diesem Dünkel sah ich in der 
That täglich Beispiele. Neger und Mulatten sieht man sehr viele; 
sie gehören aber alle zu den untersten Volksclassen und sind meistens 
Handwerker. Sclaven giebt es in dem Staat Neio - York nur 
äufserst wenige , und diese Wenigen sind nach einem vom Staate 
genommenen Beschlufs im Jahre 1827 alle frei. Man hat Schulen 
zum Unterricht der Negerkinder angelegt, und diese kleinen, 
affenartigen Geschöpfe sollen mitunter recht gut lernen. Es giebt 
auch eigene Negerkirchen, die zur anglicanischen und meistens 
zur methodistischen Kirche gehören. Ein schwarzer Geistlicher, 
der in einem episcopalen Seminarium erzogen worden ist, soll sehr 
gut predigen. Man hat indefs hier zu Lande eine grofse Abneigung 
gegen diese Menschenrace , die fast wie die indischen Parias zu 
leben gezwungen sind. In der Armee werden sie höchstens als 
Tambours oder Musikanten, aber nie als Soldaten angenommen. 
Ja, die Soldaten dürfen nicht einmal von gemischtem Blute sein! 

Nach diesen acht Tagen verliefsen wir unsere Wohnung, die 
zu einsam lag, und eine zu gemischte Tischgesellschaft darbot, 
und bezogen ein sehr anständiges , und sogar prächtiges Quartier 
im cify-Jiötcl am Broadtvay. Und in dieser neuen Wohnung be- 
grüfste mich sogleich — den 28. September — der glücklichste Tag, 
den ich, bei allen Freuden, auf der Reise in Amerika erlebt habe, 
und den ich eben defswegen nicht unbemerkt zu lassen vermag. 
Ich erhielt nämlich Briefe aus meiner Familie, in welchen mir die 
Geburt meines Sohnes Herrmann Bernhard Georg , am 4. August, 
gemeldet wurde. Ich dankte der gütigen ^ orsehung für dieses 
neue Geschenk und für die Erhaltung der geliebten Mutter meiner 



201 

Kinder, so fromm und so tief gerührt, wie selten in meinem Le- 
ben. Erst am folgenden Tage setzte ich meine Wanderungen iort 
zur Erheiterung und zur Belehrung. 

Der Oberst Baiikhead vom 2. Artillerie-Regiment, der hier 
mit der Recrutirung für die Armee beauftragt war, hatte sich nebst 
den anwesenden Ingenieurs erboten , mir die zur Vertheidigung der 



to""e> 



\ 



Bai von T^eto - York angelegten Befestigungen zu zeigen. Er holte 
mich nebst dem Generale Swift und einem Ingenieur-Hauptmann in 
einem Boot ab. Wir fuhren zuerst nach Govcrnors-Islancl , New- 
Yoj'k gegenüber. Diese kleine Insel enthält ein Fort — Coium 
his — von 4 Bastionen , das nach der Stadtseite zu zwischen zwei 
Bastionen noch einen Redan hat. Das Werk ist von rothem Sand- 
stein aufgeführt, und leider in Entreprise. Da weiter vor im Sunde 
neue Befestigungen angelegt sind , so wird dieses Fort als unnöthig 
angesehen, und nicht unterhalten. Im Innern befindet sich eine 
Caserne nebst den Zeughäusern. Die Casernen sind in recht gu- 
tem Zustand, und werden von einer Compagnie Artillerie be^^ohnt. 
Ich bemerkte in jeder Stube eine Bibel, und hörte, diese Bücher 
seien Geschenke der Neiv -Yorker Bibelgesellschaft. 

Westlich vom Fort, dicht an's Ufer gebaut, steht ein von Sand- 
stein und Backsteinen aufgeführter ]\Io7itale7nbertscher Thurm, nach 
seinem Erbauer, Castle Willianis, genannt. Dieser Thurm ist im 
Jahre 1803 angefangen, und im Jahre 1811 beendigt worden. Der 
im Fort commandirende Oberst Macrea von der Artillerie empfing 
mich mit 21 Kanonenschüssen. Die Officiere haben Pavillons mit 
Gärten auf dem Glacis des Forts ; auch steht daselbst eine hölzerne 
Caserne, die in Kriegszeiten von einem Bataillon Infanterie be- 
wohnt w ird. Ein grofses , frei stehendes , 2 Etagen hohes , mit ei- 
ner Piazza umgebenes Haus ist zum Hauptquartier des comman- 
direnden Generals bestimmt. Castle Williams gegenüber Hegen 
zwei kleine, ebenfalls mit Batterieen besetzte Inseln, Fort Wood 
und Fort Gihsou genannt. Diese Batterieen scheinen klein zu sein, 
und die Hauptvertheidigung besteht in Castle Williams^ in wel- 
chem ich auch Oefen zum Glühendmachen der Kugeln bemerkte. 
Die Stadt, von hier aus gesehen, gewährt einen sehr schönen 
Anblick. 

Wir fuhren alsdann längs des westlichen Ufers von Long island 
nach einer von Long- xxwA Staten island gebildeten, 1000 yards 
breiten Meerenge, thc narrows genannt, die auf dem Ufer von Sta- 
Icn island durch das Fort Tompkins, und auf dem Ufer von Long 
island durch das Foi t Lafatjcllc vei thcidigt ^^ ird. Letzteres besahen 



202 

wir. Es ist auf einem felsigen Grunde , 250 i/ards vom Ufer, in der 
See erbaut, und ist folglich eine Insel. Es bildet ein Viereck, und 
ist nach General Swifts Plan angelegt worden. Von Aufsen hat es 
das Aussehen eines MontalemberUch&n. Thurms. Die äufsere Be- 
kleidung der Mauer ist von rothem Sandsteine, das Innere vonGneifs. 
Die Besatzung bestand nur aus einer Compagnie Artillerie. Die in- 
nere Mauer hat gewölbte OeiTnungen zum Abzüge des Rauches, 
welche so über einander gebaut sind , dafs das untere Gewölbe den 
Pfeiler des oberen tragen mufs. Auf die Plateforme hat man wäh- 
rend des Friedens ein Dach gebaut, unter welcliem die Garnison 
während dieses heifsen Sommers gewohnt hatte. Ueber den Kano- 
nen hat man, ebenfalls um dem Rauch einen leichtern Abzug zu 
verschaffen, kleine Oeffnungen mit Oessen angebracht, die in der 
Brustwehr der Plateforme ihren Ausgang haben. 

Diesem Fwt gegenüber, auf Staten Island, steht auf einer 
Anhöhe ein anderes , jedoch bastionirtes Fort , das schon erw ahnte 
Fort Tompki?is^ das am Ufer eine Batterie hat, um die iiarrows 
durch ein rasirendes Feuer zu vertheidigen. Von Lon^ island aus 
ist Fort Lafayctte dominirt, und zwar von einer Anhöhe, beim 
Dorfe New-Utrecld gelegea. Bier ist auch eine Bai, in welcher 
die englischen und hessischen Truppen im Jalne 1776 gelandet sind, 
als sie von Stateu island herüber kamen , um sich von Long island 
Meister zu machen. Um diesen Punct gehörig zu besetzen , wird 
jetzt nach dem Plane vom General Bernard auf dieser Höhe ein 
Fort anorelest, welches an das Fort Franz bei Koblenz erijmert. 
Unter dem Walle , dessen lange Face , oder vielmehr Front-Face 
375 Fufs lang wird, kommen Casematten, zur Wohnung und Ver- 
theidigung eingerichtet. Auf diese wird Erde geschüttet, und ein 
gewöhnlicher Wall gemacht. Vor diese Face in den Graben kommt 
eine gemauerte Caponlcre, niedriger als der Wall, mit 6 Kanonen, 
3 auf jeder Seite, um den Graben nachdrücklich zu vertheidigen. 
Zur Vertheidigung des Grabens der beiden Seitenfacen werden — 
wie man auf dem Croquis sehen kann — kleinere Casematten , jede 
für drei Caronaden, gebaut. Längs der Contre-Bscaipe läuft ein 
bedeckter Weg mit abgeschnittenem Glacis. Die Kehle des Werks 
wird durch eine doppelte Mauer geschlossen , deren Zwischenraum 
mit Erde ausgefüllt werden soll , um dem Werk als pavados zu die- 
nen. Der Eingang ins Werk wird vermittelst einer Poterne ge- 
macht. In der Verlängerung der Capitale des rechten Schulter- 
winkels ist auf beiläufig 100 yards von dem Werk eine kleine An- 
höhe, von wo aus man eilten Ravin einsieht. Diese Höhe, auf der 



b 



2Ü3 

bis jetzt ein hölzernes Blockhaus steht , wird durch eine viereckige 
Redoute mit einem steinernen Thurme, so wie sie in Belidors science 
des Ingenieurs abgebildet sind , besetzt. Eine andere Anhöhe be- 
herrcht etwas die linke Seite des Forts, das jedoch durch eine 
zweckmäfsige Schickung der Brustwehr vom bedeckten Wege da- 
gegen defilirt wird. Man hatte den Bau dieses Forts , das den Na- 
men Hamilton führen soll , erst begonnen , und die Ingenieur-Offi- 
ciere glaubten , dafs er gegen 4 Jahre dauern würde. Die Revcte- 
ments-Mauern werden von Gfneifs aufgeführt, und die Gewölbe 
wahrscheinlich von Backsteinen. Das hiesige Gouvernement hat 
durch eignen Schaden den Nachtheil der in Entrepise gemachten 
Bauten eingesehen , und dieses wohldurchdachte Werk wird glück- 
licherweise nicht in Entreprise gemacht. General Bernard ist be- 
kanntlich ein Franzose ; er w ar Ingenieur in Antwerpen , und ge- 
wann durch seine soliden Kenntnisse und seine grofse Bescheiden- 
heit das Wohlwollen des Kaisers Napoleon , der ihn zu seinem Ad- 
judanten ernannte. Nach dem Kriege von 1815 kam er auf Empfeh- 
lung des Generals Lafayette in die Dienste der V. St., und ist mit 
der Besoldung eines Brigadiers unter dem Titel Assistant Engeneer 
beim Ingenieur-Corps angestellt worden, ohne jedoch weder die 
Uniform des Corps zu tragen , noch einen Rang in der Armee zu 
bekleiden. Er war eine vorzügliche Acquisition für dieses Corps, und 
ich war verwundert über die Kälte , mit welcher ich über diesen aus- 
gezeichneten Ingenieur sprechen hörte. Die Ursache dieser Kälte 
liegt wahrscheinlich in einem übel verstandenen Patriotismus ; der 
General ist ein Ausländer , und viele Erfahrungen beweisen , dafs 
die Lage eines Ausländers im Militairdienste nur selten erfreulich ist. 
Uebrigens will man jetzt auch aufserhalb der narrows, um die Rhede 
von New - York noch besser vertheidigen zu können , 2 neue Forts 
auf Klippen anlegen, die durch ein kreuzendes Feuer feindlichen 
Schiften das Einlaufen erschweren , und den Forts Lafayettc und 
Tompkins als Vorposten dienen sollen. 

Ein Gewehrmacher Namens Ellis hatte ein Patent für s. g. Repe* 
tir-Gewehre bekommen. Ich besuchte denselben mit Herrn Troinp. 
So ein Gewehr feuert mehrere Male nach Einer Ladung. Es be- 
steht aus einem langen Rohr , in welches auf gewisse Distanzen so 
viele Zündlöcher eingebohrt sind, als es Schüsse thun soll. Dann 
ladet man das Gewehr mit der gewöhnlichen Ladung, setzt auf 
diese ein Stück Sohlleder, auf dieses wieder eine Ladung, und 
abermals ein Stück Leder, und so fort, bis die gehörige Anzahl 
Ladungen im Rohre sind. Füi" jede dieser Ladungen , deren Höhe 



204 

durch ein Zeichen fim Ladestock hemerkllch j^emacht ist, hefindet 
sich au der rechten Seite des Rohres ein besonderes Zündh)ch, das 
durch einen Schieber geschlossen wird. Das Schlofs , bei welcliem 
ein Magazin fürs Pulver zum Selbstaufschiitten angebracht ist, 
schiebt sich in einer Coiiüsse vom letzten Zündloche nach dem Ma 
fse der Abfeuerung bis zum ersten zurück, und in demselben Mafse 
mufs man die Schieber der Zündlöcher öfTnen. Die Sache war mir 
sehr interessant. Herr Ellis hatte aber auch einen Versuch gemacht, 
sein System auf eine amerikanische Soldatenbüchse anzuwenden, 
und das schien mir zu weit gegangen. Denn ein solches Gewehr 
wird durch die Verlängerung des Rohrs viel zu lang und zu schwer; 
das Laden hält zu lange auf; überdiefs möchte es sehr schwierig 
sein , einen Mann zur Behandlung dieser künstlichen Wafle gehö- 
rig abzurichten. Diese Ansicht, die sich mir sogleich aufdrang, 
bestätigte sich, als ich bei Herrn Ellis Versuche mit dem Re- 
petir-Gewehre anstellte. Denn diese Versuche bewiesen , dafs die 
Ladung eines solchen Gewehres eine ungemeine Vorsicht erfordert, 
wenn keine Gefahr obwalten soll. Bei einem Gewehr zu 5 Schüssen 
gingen die beiden ersten einzeln los, die drei letzten aber zu- 
gleich ! 

Ebenfalls mit Herrn Tromp fuhr ich nach den verschiedenen 
Pri vat- Werften , die längs der Eastriver angelegt sind. Von den- 
selben gehört der ansehnlichste den Herren Bayard, meinen Ban- 
quiers. Auf einem der Werfte stand eine Fregatte von 64 Kanonen 
auf dem Stapel, welche für die Griechen bestimmt war. Man ar- 
beitete sehr lleifsig, und hoffte, dafs sie nächstes Jahr zu ihrer Be- 
stimmung abgehen würde. Sie wurde , wie die '. Schiffe des Gou- 
vernements, von life oak aus Carolina gebaut. Dieses Holz soll 
aufser seiner Dauerhaftigkeit den V ortheli haben , dals , venu Ku- 
geln hineinschlagen, diese durch das Holz gehen, ohne grofse 
Splitter zumachen, und durch solche Splitter werden bekanntlich 
mehr Menschen aufser Gefecht gebracht, als durch die Kugeln 
selbst. Auf einem andern Werfte lag eine Fregatte von 68 Kano- 
nen , mit einem elliptischen Sterne schon im Wasser. Sie war für 
Rechnung der Republik Columbia gebaut, und bald segelfertig. 
\\\re Bauart glich der eines Linienschiffes. In der Batterie war sie 
so hoch, dafs ich aufrecht stehen konnte. Auf dem obern Decke 
befanden sich die Kanonen in einer ununterbrochenen Reihe ; und 
dieses trab der Fregatte noch mehr das Ansehen eines l^inienschif- 
fes. Die drei Mastbäume standen etwas rückwärts gelehnt, wie auf 
einem Schooner ; man sagte, dieses sei mehr Mode, als nützlich, 



205 

Man war, als wir an Bord traten, gerade beschäftigt, die VerschIHgc 
für die Cajüten der Officiere zu machen. Diese wurden von Ahoin- 
nnd Mahagoniholz gemacht; die Cajüten waren geräumig, imd die 
Schlafstellen lang, so dafs den Officieren der Aufenthalt am Bord 
so angenehm als möglich gemacht Murde. Da die Cajüten nebst 
dem Mcfsroom sich im untern Deck befinden, so würde man, selbst 
während eines Gefechts, nicht genöthigt sein , die Verschlage hinweg 
zu nehmen. In der Batterie waren nur die Zimmer des Capitains. 
Noch standen auf dem Stapel zwei andere Kriegsfahrzeuge von 
kleinerem Schlage, welche ebenfalls für Columbia bestimmt sein 
sollten. Die Stücke für alle diese Schiffe wurden in Herrn Cameis 
Eisengiefserei bei Westpoint gegossen. 

Das Gebäude der amerikanischen Bibelgesellschaft, zu mcI- 
chem Herr Eddij mich begleitete , ist durch freiwillige Beitiäge der 
Mitglieder der Bibelgesellschaft erbaut, und war vor 3 Jahren vollen- 
det worden. Es ist vier Stockwerk hoch , von rothem Sandslein 
und von Backsteinen, 'und hat 22,000 Dollars gekostet. Im Erdge- 
schosse befindet sich das Bureau und das Magazin von gebundenen 
Bibeln, die, zwischen Breter geprefst, zum Versenden bereit lie- 
fen. Die eno;lischen Bibeln werden zu 1 Dollar 40 Cents und die 
spanischen, von denen eine grofse Anzahl für Südamerika gedruckt 
werden , für l^ Dollar das Stück , verkauft. Für diesen Debit ist 
im Magazin eine Hinterthür , so dafs das kaufende Publicum und 
die zum Packen bestimmten Arbeiter nicht ins Haus zu kommen 
brauchen. Es werden auch viele Neue-Testamente einzeln ver- 
kauft. Im Bureau sah ich eine Sammlung alter und neuer Bibeln. 
Unter denselben bemerkte ich eine ?f^/fo7?sche Polyglotte , von der 
ich bereits in der Bibliothek von Harvard College bei Boston ein 
Exemplar gesehen hatte. Ferner eine alte in der Schweiz gedruckte 
Bibel mit dem ganz alten deutschen Texte; dagegen auch eine 
neue, in Zürich sehr elegant in Folio gedruckt. Eine in irländi- 
scher Sprache mit ganz sonderbarer Schrift; eine halb in slavoni- 
scher und halb in russischer Sprache — bei welcher mir erzählt 
wurde, die Bibelgesellschaften seien in Rufsland verboten wor- 
den — , und zwei Bibeln in chinesischer Sprache, von denen die 
eine in Calcntta, und die andere in Macao gedruckt waren. Die 
Buchdruckereien und die Buchbinderei der Gesellschaft befinden 
sich im 2. , 3. und 4. Stockwerke des Gebäudes , und sind an einen 
Buchdrucker und einen Buchbinder in Accord gegeben. Auf dem 
Boden des Hauses werden die frisch gedruckten Bogen getrocknet. 
Die englischen und spanischen Bibeln werden mit Stereotypen ge- 



206 

druckt; es sind jetzt 12, auch wohl IS Pressen im Gange. Diese 
Pressen sind von Eisen und sehr einfach; ohne Zeichnung würde 
ihre Beschreibung jedoch unverständlich sein. Bei jeder Presse ist 
ein Arbeiter und ein Knabe angestellt, der das Schwärzen der 
Platten zu besorgen hat. Bei dem Buchbinder werden mehrere 
Weiber und Mädchen zum Falzen der Bogen und zum Compleliren 
gebraucht. Diese Personen arbeiten im 3. Stockwerke, und um 
ihnen alle Verbindung mit den männlichen Arbeitern abzuschneiden, 
hat man für sie eine besondere Treppe angelegt. Den grofsen 
Versammlungssaal der Mitglieder der Bibelgesellschaft zierten zwei 
ziemlich gut gemalte , lebensgrofse Portraits : das eine stellte den 
ehemaligen Gouverneur Jay vor und das andere den ersten Präsi- 
denten der hiesigen Bibelgesellschaft, Dr. Godenaugh. 

Die sogenannte high school ist gleichfalls durch freiwillige 
Beiti'äg-e errichtet worden. In dem Gebäude derselben werden 
gegen 300 Knaben erzogen, jedoch nicht umsonst, >vie in Boston, 
sondern gegen monatliche Beiträge, die verschieden sind in den 
verschiedenen Classen. In der ersten Classe wird für jedes Kind 
monatlich 3 Dollars gezahlt, in der zweiten 5 und in der dritten 
7 Dollars. Die Unterrichts-Methode ist die Lancast ersehe. In der 
untern Classe befinden sich kleine Kinder , von denen manche nur 
4 Jahre alt sind ; sie lernen buchstabiren , lesen , schreiben und die 
Anfangsgründe des Rechnens. Die Knaben sind alle auf den Pfiff 
abgerichtet, wie die Matrosen: sie stehen auf und setzen sich, neh- 
men ihre Schiefertafeln und stellen sie hinweg, formiren Classen 
zum wechselseitigen Unterricht, begeben sich wieder auf ihre 
Plätze: Alles auf ein mit der Pfeife gegebenes Zeichen. In der 
mittleren Classe wird der Unterricht weiter ausgedehnt. Die Kinder 
lernen die Grammatik, engfisch und lateinisch, Geschichte, Geo- 
graphie, Physik; in der Mathematik rücken sie ebenfalls weiter 
vor. In der letzten Classe werden die Knaben in der höheren 
Mathematik unterrichtet und überhaupt vorbereitet, um die Uni- 
versität besuchen zu können. Als ich in den Schulsaal trat , wurde 
gerade Unterricht in der Geographie ertheilt. Der Lehrer fiagte : 
wo liegt Weimar? Am Rhein, war die Antwort. Uebrigens er- 
zählte der Lehrer den Schülern in meiner Gegenwart die grofsen 
Verdienste , welche meine Vorfahren sich um die Reformation er- 
worben haben, und rühmte die Aufmunterung, die in neueren 
Zeiten den Gelehrten in Weimar geworden. Er sprach überhaupt 
mit der gröfsten Achtung von der deutschen Literatur, und schlofs 
mit dem Wunsche, dafs die Zöglinge bald in dieser Schule Unter- 



207 

rieht in der deutschen Sprache bekommen möchten. Als ich die 
Classe verliefs, hatten die Schüler, ohne äufsere Veranlassung , die 
Aufmerksamkeit, zu applaudiren; und ich gestehe, dafs ich nicht 
ungerührt blieb. In dieser Classe wurden die Zeichen ebenfalls 
mit der Pfeife gegeben, jedoch in Verbindung mit einem, auf dem 
Katheder stehenden , kleinen Telegraphen. Die Schule, die erst 
seit ungefähr 7 Jahren besteht, besitzt übrigens eine ganz hübsche 
Mineraliensammlung und ein kleines physikalisches Cabinet. 

Das Institut für juvenile offenders liegt aufserhalb der Stadt. 
Es ist für solche Kinder bestimmt, welche von Tribunalen zu Ge- 
fjingnifsstrafen verurtheilt sind, und welche man, um sie zu bessern 
und zu erziehen, aus den Gefängnissen hinwegnimmt. Sind sie 
gebessert, und haben sie einige Erziehung bekommen, so werden 
sie entweder an Landbauer als Arbeiter, oder, wenn man glaubt, 
dafs sie einer fernem strengen Aufsicht bedürfen, als Mati'osen bei 
der Marine untergebracht. Die Mädchen bringt man als Dienst- 
mägde auf dem Lande an. Um ein zweckmäfsiges Local zu diesem 
Etablissement zu bekommen, kaufte die Gesellschaft, die dieses 
Institut errichtete, vom Gouvernement der V. St. ein Arsenal, 
welches, zu weit vom Wasser entfernt, für den Dienst nicht be- 
quem genug lag. Es bestand noch kein volles Jahr und zählte 
schon 44 Inquillnen beiderlei Geschlechts. Die beiden Geschlechter 
leben völlig getrennt von einander, und jedes Kind bewohnt eine 
einsame Zeile. Bei Tage sind sie theils mit Lernen und theils mit 
häuslichen Arbeiten beschäftiget. Da das Gebäude noch nicht hin- 
reichend war, um aWe juvenile offenders^ die sich noch in den ver- 
schiedenen Gefängnissen des Staates befanden, zu beherbergen, 
so wurde im Innern des grofsen Hofes ein neues Gebäude aufge- 
führt, bei dessen Bau die Knaben Handlangerdienste verrichten 
mufsten. Einer dieser Burschen , der schon zweimal entsprungen 
war, ging mit einer Kette herum, an welcher eine schwere eiserne 
Kugel befestigt Mar. Als Unterlehrer, Rechnungsführer und Unter- 
aufseher des Etablissements diente ein junger Mensch von einer 
guten Familie, 16 Jahr alt, der wegen unwiderstehliches Hanges 
zum Stehlen eingesperrt war, von dem man jedoch hotfte, er 
würde noch ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft 
Merden. 

Von diesem Gefängnisse hinweg führte mich Herr Eddy nach 
dem, ebenfalls durch Subscription errichteten und erhaltenen Insti- 
tut für elternlose Kinder. Das Haus, in welchem sich 100 Zöglinge 
beiderlei Geschlechts befanden, hat eine sehr gesunde Lage, alle 



208 

Stuben sind «reräumlg und die Kinder schlafen in Sälen von 12 
Betten. Sie bekommen Unterricht im Lesen, Schreiben und Rech- 
nen, \orzüglich im Kopfrechnen, und werden, wenn sie 12 Jahre 
a't sind , auf dem Lande bei guten Pachtern untergebracht. Meh- 
rere der Knaben waren sehr stark im Kopfrechnen und löseten z. B. 
mit grofser Schnelligkeit und Präcision folgende 2 Fragen auf: 
wieviel beträgt 320mal 340 , und wie viel Tage machen 3 Jahre, 
7 Monate und 21 Tage? Die Unterrichts -Methode ist ebenfalls die 
Laiicast ersehe. An der Spitze der Directoren des Instituts stehen 
meistens Quäker , unter denen sich besonders ein Herr Collins aus- 
zeichnen soll. 

Endlich fuhr ich mit Herrn Eddy nach dem staie prison , das 
gegen 550 Gefangene beiderlei Geschlechts beherbergte und für 
700 Platz enthalten soll. Das Gebäude steht im Dorfe Greenwichy 
ist vor une:efähr 20 Jahren gebaut worden und befand sich damals 
ganz isolirt. Seitdem hat die Bevölkerung so zugenommen, dafs 
Greenwich mit New -York vereinigt und das Gefängnifs auf 3 Seiten 
mit Häusern umgeben ist; auf der 4. Seite ist der Hiidsoji-Flnls. 
Im vordem Gebäude befinden sich die Bureaux und Magazine; 
hinter demselben sind 2 Höfe , die durch die Kirche getrennt sind. 
Ein Hof ist für die Männer und der andere für die Weiber bestimmt. 
Die Wohnjrebäude umo-eben die Höfe und enthalten 3 Stockwerke. 
Die Gefiingenen wohnen zu 8 in einer Stube , schlafen auf Stroh- 
säcken und decken sich mit wollenen Decken zu. Jede Schlafstube 
ist besonders verschlossen. Aufserdem haben sie grofse Speisesäle. 
Sie bekommen ein gutes schwarzes Brod , Suppe , und dreimal in 
der Woche Fleisch, die andern Tage Fische. Die Werkstätte 
befinden sich in besonderen Gebäuden , die , zum Theile von Holz, 
in einem besonderen Hofe stehen. Man findet alle Arten von Hand- 
werkern, und alle im Hause gebrauchten Kleidungssücke und 
Utensilien werden gemacht. Zum Verkaufe machte man vorzüglich 
Holzwaaren, Bürsten und anderen kleinen Hausrath. Die Gefan- 
genen bekommen kein Geld ; und wollen sie durchaus nicht arbei- 
ten, oder führen sich sonst schlecht auf, so bringt das berühmte 
Solitary conftnemeiit sie sehr bald zur Besinnung. Im Gebäude 
fand ich Nichts auszusetzen , als dafs alle Treppen von Holz sind, 
und dafs überhaupt zu viel Holz angewendet ist. Das schien mir 
die Feuersgefahr sehr grofs zu machen. 

Noch sei mir vergönnt , ehe ich New - York verlasse , einige 
Einzelnheiten anzuführen, die vielleicht nicht ohne alles Interesse 
sein dürften. 



209 

Am zweiten Sonntage meines Aufenthalts in dieser Stadt 
— 2. Octobr. — ging ich mit dem Consul , Herrn Zimmermamiy 
in eine deutsche lutherische Kirche. Ein alter Geistlicher , Namens 
Geisenheimer ^ hielt den Gottesdienst in deutscher Sprache. Es 
traf sich sonderbar, dafs, als ich in die Kirche trat, ein altes Lied, 
vom Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar gedichtet, gesungen 
wurde. Mein in Gott ruhender Vorfahr hat wohl nicht gedacht, 
dafs der unwürdigste seiner Nachkommen erst in der neuen Welt 
erfahren sollte, dafs Er geistliche Lieder gedichtet habe, und dafs 
dieses Lied ihm zuerst in New -York zu Gesichte kommen würde! 
Die Kirche ist sehr alt und keineswegs elegant; auch schien die 
Gemeinde eben nicht aus angesehenen Personen zu bestehen; Alles 
aber ist bezahlt, und die Kirche soll noch ein ansehnliches Capital 
besitzen. Ich freuete mich sehr über die gute Orgel und das gute 
Spiel des Organisten. 

Zwei Male war ich im Theater. Im Chatham tkeatre, dem 
kleineren der Stadt, am Ende eines Caffeegartens gelegen, wurde 
das Melodrama tke Lady of the Lake ziemlich gut aufgefiihret. 
Der Saal gefiel mir gar wohl, und besonders gefielen mir die 
Decorationen. Das Theater war voll von Menschen, und die Hitze 
unerträglich. Es ist hier nicht Sitte, dafs Damen von der guten 
Gesellschaft oft ins Theater gehen. Im Parterre bemerkte ich 
auch nur Männer, von denen viele, wegen der Hitze, ihre Röcke 
ausgezogen hatten. Im grofsen oder jpark tkeatre^ so genannt, 
weil es am Park steht, ward ein Drama William Teil gegeben, 
und eine Farce: Lote, Law and Physic. Das erste Stück ist 
keineswegs eine Nachahmung des Schillerschen , sondern ganz im 
englischen Geschmack; auch an Prügeleien fehlt es in denselben 
nicht. Wurde etwas zum Lobe der Freiheit gesagt, so applaudirte 
das Parterre jedes Mal. Uebrigens waren die Decorationen sehr 
hübsch; auch gefiel mir die Einrichtung des Saales; aber das Haus 
war ziemlich leer. Das Publicum genirt sich hier nicht viel ; die 
Herren behielten in den Logen ihre Hüte auf den Köpfen, und 
machten sich's im Parterre so bequem als möglich. 

Am 3. October, Nachmittags, fand eine grofse Procession von 
mehreren hundert Negern Statt. Zum Thell gut gekleidet, zogen 
sie, Musik an der Spitze und mit Fahnen, paarweise durch die 
Stadt. Ein Neger-Clubb, Wilherforce society genannt, feierte 
durch diese Procession , die mit einem Diner und einem Ball be- 
schlossen wurde, den Jahrestag der Freisprechung der Schwarzen. 
Die in New -York zu dieser Gesellschaft gehörigen Neger und 
/. O 



210 

farbi"-cn Personen haben eine Casse angelegt, welche sie durch 
kleine iVehvillige wöchentliche Beiträge erhalten, um kranke oder 
\ei anglückte farbige Nebenmenschen zu unterstützen. Diese Gas- 
se, in einem himmelblau angestrichenen Kasten aufbewahrt, >vurde 
in der Procession getragen; der Cassirer war an einem grofsen 
«roUlenen Schlüssel, den er in der Hand hielt, kenntlich. Die 
übrigen Beamteten trugen Bänder von verschiedenen Farben und 
Medaillen , wie die Beamteten unsrer Freimaurer-Logen. An den 
Seiten gingen Stewards mit langen Stäben. Weiber und Kinder 
gingen nicht mit in der Procession, sondern neben derselben auf 
den Trottoirs. Während einer Viertelstunde begegnete man in 
hroadway fast nur schwarzen Gesichtern. 

Ein Herr J. R. Livln^ston , einer der angesehensten Einwohner 
des Staats New -York, lud mich ein, ihn auf seinem Landgute 
Massena bei Redhook y den Hudsons-F\nh ungefähr 100 Meilen 
hinauf, in der Gegend des Städtchens Hudson^ zu besuchen, und 
einem Ball, den er zu geben gedächte, beizuwohnen. Ich nahm 
diese Einladung an, zumal da man mir sagte, ich würde die beste 
Gesellschaft, die noch gröfstes Theiles auf dem Lande lebte, ver- 
sammelt ünden. Die Familie Gryines^ die nicht lange nach mir 
in New -York angekommen war, nahm auch Theil an der Partie. 
Wir verliefsen also — den 5. Octobr. Abends um 5 Uhr — New- 
Yorky und begaben uns an Bord der nach Albany gehenden safety- 
barge, Lady van Rensselaer^ welche eben so eingerichtet ist, als 
die bei meinem ersten Aufenthalt in Albany beschriebene Lady 
Clinton. Das uns ziehende Dampfschiff heifst »S«'//?s?/re; die Ma- 
schine hat die Kraft von 75 Pferden. Da Herr Livingston meh- 
rere Personen von der besten Gesellschaft in New- York zu seinem 
Feste eingeladen hatte , die sich alle auf demselben Schiffe befan- 
den, so gebrach es nicht an sehr angenehmer Unterhaltung. Gegen 
halb 6 Uhr setzten wir uns in Bewegung und erfreuten uns nicht 
lange am Anblick der schönen Ufer; denn es wurde sehr schnell 
dunkel. Im der Nacht wurden wir ziemhch unangenehm mit der 
Nachricht geweckt, dafs der Swiftsure, während des dichten Ne- 
bels , der uns umgab , gestrandet sei. Nach vergeblichen Bemü- 
hungen, ihn wieder Hott zu machen, die gegen 5 Stunden dauer- 
ten, mufsten wir uns entschliefsen, auf ein anderes den Flufs hin- 
auf fahrendes Dampfschiff, Henry Eckford genannt, zu steigen, 
um so nach Redhonk zu gelangen. Dieses Dampfschifl' war schon 
alt und wurde eigentlich nicht mehr zum Transpoit von Reisenden, 
sondern nur als tow boat, um andere Schiffe zu bugsiren, gebraucht. 



211 

Es hatte rechts und links ein Schiff, mit Waaren beladen, ange- 
bunden, und sah aus, wie eine Fähre. Wir befanden uns nicht 
sehr bequem an Bord, hatten übrigens alle mögliche Zeit und 
Mufse , um , nachdem der Nebel gefallen war , die ganz herrlichen 
Ufer vom Hudsons-F\uk zu betrachten. Anstatt früh 8 Uhr am 
Ort unsrer Bestimmung anzukommen, erreichten wir ihn erst gegen 
5 Uhr Abends. Wir wurden vom Besitzer, einem 76jährigen Greis 
und seiner liebenswürdigen Tochter empfangen, und setzten uns 
kurz nach unsrer Ankunft zum Diner. Das Haus liegt sehr schön 
auf einer Anhöhe in einem nicht besonders unterhaltenen Park. 
Es ist mit einer pi'azza umgeben; die Gallerie und Säulen sind 
von Holz. Aufser mehreren neuen Bekanntschaften , die meistens 
zu der sehr ausgebreiteten Livingstonschen Familie gehörten, 
machte ich die eines Bruders unsers Wirthes, Herrn Echcard 
Uvi/igston , Mitgliedes des Congresses der V. St. , eines Mannes, 
der wegen seiner Talente und seines persönlichen Characters in 
diesem Lande in grofsem Ansehen stand. Er hatte sich in Loui- 
siana niedergelassen, und war beschäftigt, ein neues Criminal- 
Gesetzbuch für den Staat Louisiana auszuarbeiten, welches von 
Sachkundigen, die einzelne Hauptstücke gelesen hatten, sehr ge- 
rühmt wurde. Ich erfreute mich ganz besonders an dem Gespräche 
mit diesem würdigen alten Manne. Abends gegen 8 Uhr vereinigte 
sich die Gesellschaft zum Balle. Dieser Ball war sehr animirt; die 
Damen in sehr eleganten Toiletten. Man tanzte nur französische 
Contretänze ; denn die amerikanischen Damen m ollen aus Piüderie 
nicht walzen. Der Ball dauerte bis 2 Uhr Morgens. Ich lernte auf 
demselben zwei junge Officiere aus Westpoint kennen, Bache mit 
Namen, Urenkel vom Dr. Franklin. Ihre Grofsmutter war dieses 
grofsen Mannes einzige Tochter. Der eine war Lieutenant bei der 
Artillerie-Compagnie in IVestpoint , und der andere — so wie sein 
Vetter in dieser vortrefflichen Schule erzogen — war im vorigen 
Jahre der Zögling, der alle ersten Preise davongetragen hatte. 
Er war dann als Lieutenant beim Ingenieur-Corps angestellt, und 
zweiter Professor der Ingenieur-Wissenschaften unter Hauptmann 
Douglafs geworden. 

Am folgenden Tage fuhr ich, trotz der grofsen Hitze, die 
besonders für mich in dieser vorgerückten Jahreszeit auffallend 
war, 2 Meilen weit, nach dem Landhause der verwittweten Gene- 
ralin Montgommery , der 82jährigen Schwester der beiden alten 
Herren Livingston und Wittwe des am 31. Decbr. 1775 bei Quebek 
gebliebenen Generals Montgommerij, Diese würdige Frau >var in 

O 2 



212 

ihrem liohcn Alter noch im vollen Besitz aller ihrer geistigen 
Kräfte; nur ihre Augen hatten gelitten. Aufser ihrem schönen, 
auf einer Anhöhe gelegenen Landhause, von >velchem aus man 
einer vortrefl liehen Aussicht auf den /fwf/so« - Flufs geniefst, hat 
sie ein bedeutendes Vermögen. An das Haus stöfst ein kleiner 
Park mit schönen Spaziergängen und einem gegen 40 Fufs hohen, 
natürlichen Wasserfall. Im Hause bemerkte ich, aufser mehreren 
alten Familien-Portraits , für welche, wie ich allgemein bemerkt 
habe, die Amerikaner eine sehr grofse Hochachtung hegen, ein 
Porti'ait vom General Montgommery. Nach demselben mufs er ein 
sehr schöner Mann gewesen seyn. Um 4 Uhr Nachmittags ver- 
liefsen wir dankbar unsern freundlichen Wirth, und fuhren auf dem 
Dampkcluü' Olive branche ^ welches der FamiWe Li ringst oji gehörte, 
nach New - York zurück. Am andern Morgen um 6 Uhr langten 
wir an. 

Inzwischen dachte ich an die Abreise, um nach Philadelphia 
zu gehen, und traf meine Einrichtungen zu derselben. Am letzten 
Tage meines Aufenthalts in New -York — 9. October — erhielt 
ich noch zwei interessante Besuche von dem preufsischen Geschäfts- 
träger in Washington ^ Herrn Niederstetter^ und von einem piemon- 
tesischen Grafen, Charles Vidna, der mehrere Reisen durch Scan- 
dinavien, Rufsland, die Türkei, Klein-Asien, das gelobte Land, 
Aegypten u. s. w. gemncht hatte , und nun auch Amerika bereisete. 
Später machte ich selbst einige Abschieds-Besuche. Bei Herrn 
Eddy traf ich eine ganze Gesellschaft von Quäkern, Männern 
und Frauen. Man gab sich viele Mühe, mich von der YortrelT- 
lichkeit ihrer Secte zu überzeugen , und schien nicht abgeneigt, 
mich in dieselbe aufzunehmen. Wenigstens rieth man mir ange- 
legentlich , den Brief eines englischen Schiflscapitains zu lesen , der 
ein Quäker geworden war, und in diesem, an den König von 
England gerichteten Schreiben auf seine Anstellung in der Marine 
Verzicht geleistet hatte. Auch gab mir Herr Eddy Barclays Apo- 
logie der Quäker , ins Deutsche übersetzt , zum Lesen und Nach- 
denken. 



• 



XL 

Rciöc nach Pldladelplda und Aufenthalt in dieser Stadt. 
Bethelehein und Nazareth. 

Vom 10. bis zum 25. Octobcr 1825. 



Am 10. October, früh um 6 Uhr, verliefseii wir die Stadt 
New- York in dem Dampfschiffe Thistle, das uns }?egen 40 Meilen 
weit in den Flufs Rarilon bis New - Brunsivic brachte. Wir hatten 
einen starken Nebel, der den ganzen Tag anhielt. Schon seit 
mehreren Tagen hatten wir trübes und dabei sehr warmes Wetter 
gehabt ; man schrieb es einem grofsen Holzbrande im Staate Maine 
zu. Kaum hatte sich unser Schiff in Bewegung gesetzt , als sich 
an der Dampfmaschine Etwas verwirrte, das nicht augenblicklich 
zu repariren war. Glücklicherweise kam das Dampfschiff Belloiia 
in unsre Nähe, schlofs sich an uns an, und schleppte uus eine Zeit 
lang fort , bis unsre Maschine reparirt und wieder brauchbar war. 
Hierdurch hatten wir aber wenio-stcns eine Stunde verloren. Zur 
Linken hatten wir Staaten- Island^ und zur Rechten das feste Land 
vom Staat New - Jersey. Wegen des Nebels konnten w ir sehr wenig 
von den Ufern sehen. Sie schienen flaeh und morastig zu sein, 
und den Ufern der holländischen Ströme zu gleichen. Erst als wir 
den Rariton hinauffuhren , wurden die Ufer höher. 

Inder Nähe von New - Bnmswic gab man auf unserm Schiffe 
^u verschiedenen Malen durch 8 Schläge an die Glocke zu erken- 
nen, dafs die Passagiere im Schiffe 8 Stage coachcs brauchten. 
Bei unserer Ankunft standen denn auch diese 8 coachcs mit je 4 
Pferden bereit, und die Reisegesellschaft war so zahlreich, dafs 
wir alle 8, jede inwendig zu 9 Personen, reichlich ausfüllten. Wir 
hatten kaum Zeit, unser Gepäck unterzubringen, und konnten uns 
folglich nicht umsehen. Die Reise ging sogleich weiter durch 
Ncw-Bninswic huidmcli , welches ein nahrhafter und gutgebauter 



214 

Ort zu sein schien, 30 Meilen zu Lande, bis nach Trenton am 
Delaware. Der Weg führte durch eine hüglige Gegend, war 
aber mit Sorgfalt angelegt; mehrere Vertiefungen waren ausge- 
füllt, um die Strafse eben zu machen. Diese Strafse ist nach Art 
der deutschen Chausseen gebaut , von klein geschlagenen Steinen 
mit Sommerwegen und Chausseegraben. Die Gegend ist gröfstes 
Theiles waldig ; jedoch sieht man nur Laubholz , meistens zahme 
Kastanien - und Eichbäume. Das Holz ist planmäfsig ausgeschlagen 
und gewährt einen reinlichen Anblick. Da, wo man den Wald 
ausgerodet hat, ist das Land gut angebaut, meistens mit türkischem 
Korn und vielen Obstbäumen. An mehreren der reinlichen Häuser, 
an welchen wir vorüberfuhren, sahen wir Obstpressen, um Aepfel- 
wein zu machen. Wir wechselten nur einmal die Pferde, in Prin- 
ceton, einem Städtchen, in dem sich ein College und ein geistliches 
Seminarium befinden. Gegen 4 Uhr Nachmittags erreichte unsre 
Caravane Trenton. Sie machte am Ufer Halt, und sogleich bega- 
ben wir uns an Bord des bereit liegenden Dampfschiffes Phila- 
delphia. 

Ich bedauerte sehr diese grofse Eile; denn ich hätte mich 
gern in Trenton etwas umgesehen. Es ist eine recht hübsche 
£tadt; und für mich hatte sie besonders das Interesse, dafs wäh- 
rend des Winters 1776 — 1777 General }fashington von Philadel- 
'phia aus, nachdem er den Delaware oberhalb Trenton auf dem 
Eise passirt war, die in Trenton stehenden Hessen überfiel und 
1400 von ihnen gefangen nahm. Der hessische Oberst Rall blieb 
bei diesem \organge, einer der schönsten Waffenthaten in dem 
amerikanischen Kriege. Auch geht bei Trenton eine merkwürdige 
Brücke über den Delaware. Sie besteht aus 5 grofsen Bogen von 
bölzernem Hängewerke , die auf zwei gemauerten Piers und drei 
steinernen Pfeilern ruhen. Der Unterschied dieser Brücke und den 
gewöhnlichen Brücken dieser Art besteht darin , dafs bei diesen der 
Fahrweg auf der Tangente der Bogen zu laufen pflegt, bei jener 
hingegen der Fahrweg in den Bogen hängt und ihre Sehne aus- 
macht. Die Brücke scheint im Innern in zwei Strafsen getheilt zu 
seyn, damit die Wagen sich nicht begegnen können; auch scheint 
sie auf beiden Seiten Trottoirs zu haben. Leider war der Schiffer 
so eilig, dafs ich diese interessante Brücke nicht genau besehen 
konnte. 

Die Ufer des Delaware sind hüglig, gut angebaut und mit 
netten Dörfern und eleganten Landhäusern bedeckt. Die Gegend 
und selbst die Breite des Flusses, erinnerte an den Main bei Frank- 



i 



0-' 



214 

Ort zu sein schien , 30 Meilen zu Lande , bis nach Trenton am 
Delaware. Der Weg führte durch eine hüglige Gegend, Mar 
aber mit Sorgfalt angelegt; mehrere Vertiefungen waren ausge- 
füllt, um die Strafse eben zu machen. Diese Strafse ist nach Art 
der deutschen Chausseen gebaut , von klein geschlagenen Steinen 
mit Sommerwegen und Chausseegraben. Die Gegend ist gröfstes 
Theiles waldig ; jedoch sieht man nur Laubholz , meistens zahme 
Kastanien - und Eichbäume. Das Holz ist planmäfsig ausgeschlagen 
und gewährt einen reinlichen Anblick. Da, wo man den Wald 
ausgerodet hat, ist das Land gut angebaut, meistens mit türkischem 
Korn und vielen Obstbäumen. An mehreren der reinlichen Häuser, 
an welchen wir vorüberfuhren, sahen wir Obstpressen, um Aepfel- 
wein zu machen. Wir wechselten nur einmal die Pferde, in Prin- 
ceton, einem Städtchen, in dem sich ein College und ein geistliches 
Seminarium befinden. Gegen 4 Uhr Nachmittags erreichte unsre 
Caravane Trentmi. Sie machte am Ufer Halt , und sogleich bega- 
ben wir uns an Bord des bereit liegenden Dampfschiffes Phila- 
delphia. 

Ich bedauerte sehr diese grofse Eile; denn ich hätte mich 
gern in Trenton etwas umgesehen. Es ist eine recht hübsche 
^tadt; und für mich hatte sie besonders das Interesse, dafs wäh- 
rend des Winters 1776 — 1777 General Washington von PJnladel- 
^hia aus, nachdem er den Delaware oberhalb Trenton auf dem 
Eise passirt Avar, die in Trenton stehenden Hessen überfiel und 
i400 von ihnen gefangen nahm. Der hessische Oberst Mall blieb 
bei diesem Vorgange, einer der schönsten Waffenthaten in dem 
amerikanischen Kriege. Auch geht bei Trenton eine merkwürdige 
Brücke über den Delaware. Sie besteht aus 5 grofsen Bogen von 
hölzernem Hängewerke , die auf zwei gemauerten Piers und drei 
steinernen Pfeilern ruhen. Der Unterschied dieser Brücke und den 
geAvöhnlichen Brücken dieser Art besteht darin , dafs bei diesen der 
Fahrweg auf der Tangente der Bogen zu laufen pflegt, bei jener 
hingegen der Fahrweg in den Bogen hängt und ihre Sehne aus- 
macht. Die Brücke scheint im Innern in zwei Strafsen getheilt zu 
seyn, damit die Wagen sich nicht begegnen können; auch scheint 
sie auf beiden Seiten Trottoirs zu haben. Leider war der Schiffer 
so eilig, dafs ich diese interessante Brücke nicht genau besehen 
konnte. 

Die Ufer des Delaware sind hüglig, gut angebaut und mit 
netten Dörfern und eleganten Landhäusern bedeckt. Die Gegend 
und selbst die Breite des Flusses, erinnerte an den Main bei Frank- 



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215 

fürt. Leider konnten wir uns auch nicht lange an dieser schonen 
Landschaft erfreuen, da wir uns sogleich nach unsrer Abfahrt zum 
Essen setzten, und es später dunkel wurde. Wir fuhren unter 
andern an den Städtchen Burlington und Bordcntown vorbei , wo 
der Graf Survilliers — Joseph Bonaparte, Toimaliger König von 
Spanien — ein sehr schönes Landhaus iiaben soll. Gegen 8 Uhr 
Abends erreichten wir Philadelphia. Herr Tramp, der einige 
Tage früher von New - York abgereiset war , Iiatte für Wagen 
und Quartier gesorgt; er kam sogleich au Bord und brachte uns 
nach dem Mansion-house. In demselben wolmten wir nicht so 
prächtig, als in New -York, fanden aber Alles gut und bequem. 
Ein Advocat aus Neia-Yorky Namens Pa/mer, den wir m Boston 
kennen gelernt und in unsrer Reisegesellschaft wieder gefunden 
hatten, schlofs sich an uns an. 

Am folgenden Morgen fuhren wir bei Zeiten aus, um uns in 
dieser Stadt, die über 120,000 Einwohner zählt, umzusehen, zu 
Orientiren, und sogleich einige Merkwürdigkeiten zu besehen *). 
Es ging die Marktstrafse hinab , über den Schuylkill hinweg. In 
der Mitte der breiten Marktstrafse, oder high-street , fielen uns zu- 
erst die sehr langen Markthallen in die Augen, und auffallend 
waren uns die langen geraden Strafsen, die ins Unendliche zu 
gehen schienen. Sie sind gröfstes Theiles mit Pappeln bepllanzt, 
und mit breiten sehr reinlichen Trottoirs von Backsteinen versehen. 
An Eleganz der Läden und an Lebhaftigkeit In den Strafsen, 
schien uns hingegen Philadelphia weit lünter New -York zurück 
zu stehen. 

Die beiden Brücken über den Schuißkill sind von Holz. Die 
erste, am Ende der Marktstrafse, Mar/cet- Street Bridge, besteht 
aus drei bedeckten Bogen, von sehr starkem Holze, die auf zwei 
steinernen Piers und zwei steinernen Pfeilern ruhen. Diese Piers 
und Pfeiler sind auf Felsengrund gebaut. Der westliche Pier hat 
viele Arbeit erfordert, da der Feben, auf den er gegründet ist, 
41 Fufs unter dem gewöhnlichen Wasserstande hegt. Mehr als 
75,000 Tonnen Steine sollen bei diesem Pier verwendet worden 
sein. Die Länge dieser Brücke, mitEinschlufs der Piers, beträgt 
1300 Fufs, wovon das eigentliche hölzerne W^erk nur 550 Fufs 
einnimmt; die Spannung des mittlem Bogens beträgt 190 Fufs, und 
die der beiden andern, jede 150 Fufs. Eine im Jahr 1T98 errich- 
tete Gesellschaft hat diesen Bau unternonimea , und denselben üi 



•) S. den beiliegenden Plan, 



216 

6 Jahren vollendet. Am Anfang der Brücke steht ein Obelisk, 
dessen Inschrift diese Angabe enthält. Aufser einer Ausgabe von 
40,000 Dollars für das Areal , auf welchem die Brücke mit ihren 
Dependenzien erbaut worden ist, hat ihr Bau 235,000 Dollars ge- 
kostet. Etwa eine Meile oberhalb dieser Brücke geht eine andere 
über den Schuylldll, die im Jahre 1813 beendigt worden ist, und 
150,000 Dollars gekostet hat. Sie ist ebenfalls von Holz gebaut und 
besteht aus einem einzigen Bogen, dessen Sehne 340 B^ufs 4 Zoll 
beträgt. Auf beiden Brücken erlegt man einen kleinen Zoll. 

Etwas nördlich von der letzten Brücke , auf dem linken Ufer 
des Scfmylkill, ist die Wasserkunst — ivater works — vermittelst 
welcher die ganze Stadt Philadelphia mit Wasser versehen wird, 
die Häuser bis ins höchste Stockwerk. Man hat durch die Anlegung 
eines Wehrs das Wasser im Schuylkill erhöht *). Es läuft in ein, 
hinter dem Damm gelegenes Bassin , wie in einen Mühlteich. Von 
hier aus treibt es durch seinen Fall 3 Räder, welche in einem Ge- 
bäude befindlich, 16 Fufs im Durchmesser haben. Diese setzen 

3 horizontal liegende Pumpen in Bewegung, die das Wasser an- 
saugen, und dann durch eiserne Röhren in 2 Bassins treiben, 92 
Fufs über der Oberfläche des Flusses. In 24 Stunden können über 

4 Millionen Gallonen Wasser in die Bassins gebracht werden. Aus 
diesen Bassins wird in Röhrenfahrten das Wasser durch die ganze 
Stadt verbreitet. In allen Strafsen stehen auf gewisse Distanzen 
Brunnen , an welche bei Feuersgefahr die Schläuche angeschraubt 
werden, um die Spritzen mit Wasser zu versehen. Gewöhnlich 
geht nur ein Wasserrad und eine Pumpe; die andern dienen 
mehr zur Reserve, und werden nur bei Wassermangel oder bei 
Feuersgefahr gebraucht. Seit 2 Jahren ist dieses Werk , das von 
einem Wasserbaukundigen, Namens Graff^ erfunden worden ist , im 
Gange ; seine Anlegung hat 432,512 Dollars gekostet ; sein täglicher 
Unterhalt, mit dem Lohn von 2 Aufpassern, kostet höchstens 5 
Dollars. Durch Anlegung des Wehrs ist auch oberhalb desselben 
der Schuylkill schiffbar gemacht, und um die Schiffahrt des obern 
Theils mit dem untern zu verbinden, ist ein Canal gegraben worden, 
der eine Schleuse enthält. 

Ein hoher viereckiger pyramidaHscher Thurm erregte unsere 
Aufmerksamkeit und lockte uns an. Es war eine Schrot-Fabrik. 
Der Thurm ist 166 Fufs hoch und dient dazu , das Blei , das durch 
einen blechernen Kasten gegossen wird, dessen OefTnungen so 



*) S. die Ansicht der Wasserwerke. 




-^ 



217 

grofs gind, als man die Schroten haben will, von der ganzen Höhe 
hinab in Wasser fallen zu lassen. Im Fallen bildet es sich von 
selbst zu Kugeln und wird kalt, sobald es ins Wasser kommt. 
Man giefst verschiedene Nummern von Schroten unter einander. 
Um sie zu sondern, bringt man die Schroten in eine Art Mulde, 
deren Boden flach ist , und bewegt diese mit etwas Wasser ganz 
leicht, die eine schmale Seite des Kastens etwas tiefer, als die an- 
dere , haltend. Die guten Schroten rollen alsdann in einen , unten 
stehenden Behälter, und die schlechten bleiben liegen. Hierauf 
schüttet man die guten Schroten durch Trichter in eine Art Com- 
mode, die auf Kufen wie eine Wiege steht. Die Schubfächer 
haben blecherne durchlöcherte Böden. Im obersten Schubfache 
sind die gröfsten Löcher, im untersten die kleinsten. Sind die 
Schroten in die obern Kasten geschüttet, so schliefst man diese, 
und wiegt die Commode einige Minuten lang. Dadurch scheiden 
sich die Schroten nach ihren Nummern, deren Zahl, wenn ich 
nicht irre , 14 ist. Um den Schroten eine glatte und völlig kugel- 
runde Form beizubringen , wirft man sie in einen an einer Mühl- 
welle befestigten Kasten, in dem sie einige Zeit lang herurage- 
schleudert werden. Dann packt man sie nach ihren Nummern in 
Säcke , und bringt sie ins Magazin. 

Vor dem Staatenhause, dessen Erdgeschofs zum Rathhause 
dient, war eine grofse Menge Menschen versammelt. Wir hörten, 
man habe vor, einen neuen Stadtrath zu wählen. In den Wirths- 
häusern in der Nähe dieses Hauses — das übrigens in historischer 
Hinsicht merkwürdig ist, weil am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeits- 
Acte in demselben unterzeichnet wurde , und der Congrefs in dem- 
selben seine Sitzung hielt, bis er nach Washington verlegt wurde — 
waren Fahnen ausgesteckt, die zu erkennen gaben, welcher Partei, 
Föderalisten, oder Democraten, diese Häuser zum Sammelplatze 
dienten. Man hatte Zettel in den Häusern ausgegeben, um die 
Bürger einzuladen, für eine oder die andere Partei zu stimmen. 
Nach diesen Zetteln hätte man schliefsen mögen, die Stadt sei 
in grofser Gefahr *). Die Wahl ging aber zum Verwundern 
ruhig ab. 



•) Hier ist ein solcher Zettel. 
SIR, 

The cnclosed Federal REPUBticAiu Ticket is earncstly rccoramcnilcil 
to you for your support , THIS DAY. Our opponcnts arc aclivc — Danger 
thrcatcns — Evury votc is iuiportant — onc luay bc Jccisivc Bc thcrcfoie 



218 

In Chcsnut street , der elegantesten Strafse der Stadt , zog die 
Bank der V. St. unser Auge auf sich. Es ist das schönste Gebäude, 
das ich bis jetzt hier im Lande gesehen hatte. Es ist aus weil'sem 
Marmor nach dem Modell des Parthenon zu Athen gebaut. Seinen 
Eingang zieren 8 dorische canellirte Säulen. Eine grofse breite 
Treppe, ebenfalls von weifsem Marmor, führt nach diesem Ein- 
gange. Der weifse Marmor ist hier übrigens sehr gemein ; an den 
meisten Häusern sind die äufseren Treppen davon gemacht. Die 
Treppengeländer sind meistens von Eisen und mit messingenen 
blanken Knöpfen versehen. Sogar an vielen der Fufskiatzer- be- 
merkte ich diese blanken Knöpfe. Die Privathäuser sind durch- 
gängig von Backsteinen gebaut. In den Kellern scheinen die 
Küchen u. s. \y. sich zu befinden , denn ich bemerkte eine sehr gute 
Einrichtung, die ich bereits in mehreren Städten gesehen hatte, 
dafs sich nämlich im Pflaster der Trottoirs vor den Häusern mit 
eisernen Platten verschlossene Oeffnungen befinden, durch welche 
Holz, Kohlen u. s. w. hinunter geworfen werden, ohne dafs die 
Arbeiter das Haus betreten. 

Noch besuchte ich einige Buchhandlungen. Der Laden von 
Carey und Lee schien besonders gut assortirt; und unter den Land- 
charten-Handlungen schien die von Tanner die beste zu sein. 

Auf ähnliche Weise ging es in den folgenden Tagen , die ich 
in Philadelphia verweilte. Zu gleicher Zeit wurden einige interes- 
sante Bekanntschaften gemacht, jedoch weniger als bisher, weil 
die Mufse dazu fehlte. Das Merkwürdigste, das ich gesehen habe, 
erlaube ich mir in derselben Ordnung näher anzugeben, in welcher 
es mir bekannt geworden ist. 

Das Museum ist von einem Maler, Namens Peal^ zusammen- 
gebracht worden, gehört aber jetzt der Stadt. Eine hölzerne 
ziemlich breite Treppe führt in die erste Etage. Auf einer der 



on tlie alert — vote enriy for your o\rn convcnicnce , and tlie public g^od. 
Brin«? your fricnda to the poll, and all will be well. 

The iniprovemeot of the City iä carefully regarded — good ordcr and 
tranquülity abounds — gcneral prosperity is evcryMliere apparent. Then 
secuve, by your vote This Day, a continuance of the present happy 
State »f thhigs. 

Our Mayar is indcpendent , faitliful, and Tigilant: — JVho ivilt be 
Mayor if we fall !! ! — Th\n\c on this, and hcsitatc no longer, but vote 
the vhülc of the cuclosed ticket. 

(Naturalized Citizens will please to take their certificates witli them.) 
Tucsday, Ociobcr ll(/t, 1825. 



219 

Stufen befindet sich ein ziemlich lockeres Bret: wenn man den Fufs 
auf dasselbe setzt, so wird eine Klingel bewegt, die den Thür- 
hüter benachrichtiget, dafs Fremde kommen. Die beiden ersten 
Säle sind mit Portraits der berühmtesten Männer aus der amerika- 
nischen Revolution und einiger berühmten noch lebenden Gelehr- 
ten und Naturforscher ausgeschmückt. Am besten gefiel mir ein 
grofses Gemälde, welches den 82jährigen Maler Peal vorstellt und 
von ihm selbst gemalt Morden ist: der Maler hebt einen Vorhang 
auf, der den Eingang zum Museum verdeckt, und man erblickt 
hinter demselben einen Theil dieses Etablissements dargestellt. 
Der eine Saal enthält meistens vierfüfsige Thiere, mehrere grofse 
Seethiere und Affen. Von diesen scheinen einige in einer Schmiede 
und andere in einer Schuhmacherwerkstatt zu arbeiten; einer lieset 
die Zeitung. Auch sieht man hier eine bedeutende Suite von Eich- 
hörnchen , und ein Schnabelthier aus Neuholland. In einem andern 
Saale steht eine grofse Sammlung von Vögeln; die meisten sind 
amerikanische, jedoch auch einige ausländische. Unter diesen be- 
merkte ich besonders eine sehr schöne Mänura. Ferner befinden 
sich in demselben Conchylien verschiedener Art und Mineralien, 
jedoch auch eine Menge Kleinigkeiten, Guckkasten und dergl. 
Interessant sind die indianischen Costüme und Waffen aus verschie- 
denen Weltgegenden. Merkwürdig 2 lebendige schwarze Schlan- 
gen und ein häfslicher lebendiger Leguan. 

Das Merkwürdigste unter Allen aber ist unstreitig das be- 
kannte, so oft beschriebene und abgezeichnete Skelett eines Mam- 
mouth, das eigentlich das Museum berühmt gemacht hat, und das 
"wohl einen bessern Platz verdiente, als den Winkel, in welchem es 
hinter einer Menge Kasten mit Kleinigkeiten versteckt stehet. Die 
Höhe der Schultern beträgt 11 Fufs; die Länge des Thiers, über 
die Biegungen des Rückens , von der Spitze des Kopfes bis zum 
Schwanz gemessen, 31 Fufs; in gerader Linie beträgt diese Ent- 
fernung nur 17j Fufs. Die beiden grofsen nach aufsen gekehrten 
Zähne sind 10 Fufs 7 Zoll lang. Einer der Backzähne — Vorder- 
zähne hat er nicht — hat 1 Fufs 6| Zoll im Umfang und wiegt 
4 Pfund 10 Unz. Das ganze Skelett wiegt ungefähr 1000 Pfund. 
Es fiel mir auf, dafs die Knie der Vorderbeine sich rückwärts und 
nicht vorwärts biegen. Dieses Gerippe ist übrigens in einem Morast 
im Staate New -York gefunden worden, und ein Gemälde stellt die 
Maschine vor, mit welcher man das colossale Gebäu aus diesem 
Moraste herausgebracht hat. Des Contrastes wegen hat man an 
den einen Fufs des Mammouth das Skelett einer Maus gestellt. 



220 

Im oberen Stockwerk ist das Gerippe eines jraloppirenden 
Pferdes, auf welchem das Gerippe eines 6 Fufs grofsen Reiters 
sitzt; dann mehrere Menschen- und Thierschädel ; das Gerippe 
eines Osage- Indianers; mehrere Monstrositäten , z.B. eine Kuh mit 
6 Beinen, von welchen 2 aus dem Rücken gewachsen sind; ein 
ausgestopftes Crocodil; mehrere ausgestopfte Schlangen, beson- 
ders mehrere Arten von Klapperschlangen , mit häfslichen dicken 
und breiten Köpfen: eine derselben hat 13 Klappern an ihrem 
Schwänze. Auch noch eine recht artige Conchylien-Sammlung. 

Die Academy of fine arts ist eine Sammlung von Gemälden 
und Statuen. Die besten Werke , die wir sahen , gehören dem 
Grafen Survilliers , der sie hieher geborgt hatte. Unter ihnen 
waren des Grafen eignes Portrait im spanischen Krönungsornat, 
die Portralte seiner Gemahlin und seiner beiden Töchter , noch als 
Kinder, alle von Gerard in Paris gemalt; dann 4 Büsten: Mmc 
Mere , die Königin von Neapel — M'"« Murat — , die Prinzessin 
Borghese und die Kaiserin Marie Louise, endlich eine liegende 
Statue, den kleinen König von Rom vorstellend, sämmtlich von 
Canova. Unter den anderen Gemälden bemerkte ich mehrere aus 
der flämischen Schule , wenige italienische , aber einige recht brave 
Stücke von Grauet, das Innere italienischer Klöster zeigend. Zwei 
grofse Gemälde, die Kinder der Niobe von Rckberg, und die Er- 
weckung des Todten durch die Berührung der Gebeine des Pro- 
pheten Elisa , von dem amerikanischen Maler Allston , mögen we- 
gen der Composition ihre grofsen Verdienste haben, mich aber 
wollte weder das Colorit ansprechen, noch die Ausführung. Die 
Statuen sind meistens Gypsabgüsse der berühmtesten Antiken ; je- 
doch bemerkte ich unter ihnen auch die Venus von Canova. 

Bei einer Wanderung durch die Strafsen, fiel mir ein Gebäude 
auf, mit einer Kuppel, nach Art des römischen Pantheons. Ich 
hörte, es sei eine Baptisten-Capelle. Also ti'at ich hinein. Die 
innere Einrichtung aber war sehr einfach , und bot Nichts Merk- 
würdiges dar. In der Mitte befindet sich der Taufstein, um Er- 
wachsene zu taufen, eine Art Marmorbad, Mie etwa im Weimari- 
schen Schlosse. Bei dieser Gelegenheit will ich bemerken, dafs 
nach einer Beschreibung von Philadelphia folgende Secten in die- 
ser Stadt ihre Kirchen haben : 1) Katholiken , 2) Protestant Epis- 
copal Churcli ; 3) Presbyteria?is ; 4) ihe Scots Presbifierians ; 5) ihe 
Convcnanters or rcfonncd Prcsbyterians ; 6) ihe Baptisls; 7) the 
Melhodists — die meisten Schwarzen , ebenlalls in grofser Anzahl 
hier in Philadelphia, gehören zu dieser Secte — ; 8) the Friends, 



221 

or Quakers; 9) the free Quakers; 10) German Lntfteran; 11) 
German reforined; 12) Reformed Dutch; 13) the Universalists; 
14) Swedeiihorgiajis ; 15) Moraviaiis^ or United Breihren — Herrn - 
hulher — ; 16) Swedisch Lvtheran; 17) Mount Zion; 18) Meno- 
m'sts; 19) Bible Christians; 20) Mariners Church; 21) Unita- 
rians und 22) Juden. Und alle diese Secten leben friedlich neben 
einander und mit einander. 

Ein Kaufmann, Herr Halbach, an den ich empfohlen war, 
brachte mich in zwei, in der Nähe der Stadt liegende, Gärten. 
Der eine dieser Gärten gehört einem sehr reichen Kaufmann, 
Namens Fratf. Er liegt auf einer Art felsiger Halbinsel , Mclche 
der Schuylkill bildet, dicht hinter den Waterworks. Der Grund 
besteht meist aus Gneifs mit Thonerde. Der Besitzer kommt wenig 
hin , und dieses sieht man dem Garten an ; denn anstatt schöner 
Boivlingreens stehen Kartoffeln in demselben und Rüben. Die 
Bäume aber sind sehr schön , meistens Kastanien und einige hickory- 
Nufsbäume; auch bemerkte ich 2 besonders grofse und starke 
Tulpenbäume, von welchen der eine wohl 15 Fufs im Umfange 
haben mochte. In den Gewächshäusern ist eine hübsche Orangeric, 
auch eine schöne Sammlung von ausländischen Pflanzen , besonders 
von Fettpflanzen ; unter denselben fielen mir einige Euphorbien aus 
Südameiika auf. Palmen wenige. Der Gärtner, ein Engländer 
von Geburt, schien mit seinen Pflanzen sehr gut bekannt zu sein. 
Durch einen hydraulischen Widder wird das Wasser aus dem Flufs 
in mehrere Bassins und bis ins Gewächshaus getrieben. Auch be- 
findet sich eine mineralische, eisenhaltige Quelle in dem Garten. 
Von mehreren Puncten desselben hat man übrig-ens eine sehr schöne 
Aussicht auf den Schuylkill, dessen mit Holz bewachsene Ufer 
wegen der bunten Farben der Blätter , die der Herbst ihnen gege- 
ben hatte , einen reizenden Eflect gewährten. Der andere Garten, 
Woodlands ^ gehört der Familie Ha?nilton. Der Weg führte uns, 
durch das fast ganz aus Landhäusern bestehende Dorf i\/a?//?m , in 
welchem Herr Halbach ebenfalls ein Landhaus besitzt. Woodlands 
sieht mehr, als Herrn Pratts Landsitz, einem englischen Park ähn- 
lich. Das Wohnhaus ist grofs und mit 2 Perrons versehen; von 
beiden geniefst man schöner Aussichten: von dem einen auf den 
Schuylkill, über welchen hier eine schwimmende Brücke führt. 
Im Wohnhause befindet sich eine hübsche Gemäldesammlung, in 
welcher mehrere Stücke aus der niederländischen Schule sind. 
Besonders fiel mir das Bild einer weiblichen Figur auf, die, im 
tiefsten Ncgiigee, auf dem Rücken liegt, und deren brccliende 



222 

Augen eine besondere jonissance verratlien. Auch fehlt es nicht an 
einer Orangerie und an einem Treibhause , das einen französischen 
Kunstgärtner zum Vorgesetzten hat. 

In dem Navyyard^ den ich mit Herrn Tromp besuchte, wurden 
wir von einem Lieutenant von der Navy und dem Major Miller von 
den Mariniers herumgeführt. Ich lernte dabei den Schifls-Con- 
structeur Humpltreys kennen, der für einen der geschicktesten 
Männer in seinem Fach in den V. St. gehalten w ird , und vor 3 
Jahren auf Befehl des hiesigen Gouvernements England und die 
dortigen Werfte bereiset hat. Der Navy yard selbst ist eben nicht 
o-rofs; denn die grofsen Schiffe werden hier ZNvar gebaut, aber 
nicht ausgerüstet, weil im Delaware nicht Wasser genug ist, um 
vöUio" armirte Linienschiffe zu tragen. Auf dem Stapel standen 
ein noch nicht vollendetes Linienschiff und eine Fregatte , die in 
kurzer Zeit fertig sein konnte. Das erstere konnte 140 Stück ent- 
halten, und sollte das gröfste Schiff werden, Avelches je gebaut 
worden ist. Die Fregatte wurde für 64 Stück eingerichtet. Beide 
Schiffe hatten elliptische Sterne und standen unter Dach und Fach. 
Das über dem Linienschiffe stehende Haus war so grofs , dafs ich 
an einer Seite 104 Fenster zählte. Zwischen diesen beiden Häusern 
wollte man den Kiel zu einer Cor vette legen. In Dienst befand sich 
kein Schiff hier; in ordinär y lag eine kleine, vor einigen Monaten 
aus Westindien, wo sie gegen die Seeräuber gekreuzt hatte, zurück- 
gekommene und zum fernem Seedienst unbrauchbare Dampfbrigg, 
Sea Gull, welche als receiviiig ship diente. Die beiden in Con- 
struction befindlichen Schiffe wurden von Life oak gebaut und durch 
Salz gegen den dry rot geschützt. 

In P/nladelphia wohnen viele Deutsche und Nachkommen von 
Deutschen. Angesehene Männer unter ihnen haben eine deutsche 
Gesellschaft gebildet, welche besonders für die unglücklichen 
Deutschen , die vor einigen Jahren in grofser Zahl hier einwander- 
ten , ungemein viel gethan hat. Als diese Herren meine Ankunft 
erfahren hatten , luden sie mich zu einem Diner ein , das sie mir zu 
Ehren veranstalteten. Es fand Statt am 15. October, in der Maso- 
mc hall , einem grofsen , von den hiesigen Freimaurern errichteten 
Gebäude , dessen Erdgeschofs mit seinem schönen grofsen Saal zu 
öffentlichen Festen eingerichtet ist. Ich fand eine Tafel von 70 
Couverts. Alles war splendid. Vor dem Essen ward ich mit den 
anwesenden Gästen bekannt gemacht; die deutschen Abkömmlinge 
hatten ihre alte Muttersprache beinahe vergessen. Diese sind mei- 
stens Rechtsgelehrte. Die anderen waren gröfstes Theiles Kauf- 



223 

leute; auch einige Handwerker. Beim Dessert A^urden mehrere 
toasts zu Ehren Amerika's und Deutschlands , und auch der meinige 
ausgebracht, für den ich, wie sich von selbst versteht, in einer 
Rede dankte. Alle Diener waren Schwarze. Auch die Musik wurde 
von Schwarzen gemacht; denn weifse Musikanten spielen niemals 
öffentlich. Nach jedem toast wurde gespielt; unsere Virtuosen 
kannten aber nur 2 deutsche Stücke , die ausreichen mufsten. Nach 
meiner Gesundheit spielten sie: „ein Schüsserl und ein Reimerl"; 
und nach der des deutschen Athens: „o du lieber Augustin". Nach- 
dem alle vorgeschriebenen toasts durch den Präsidenten, einen 
Herrn }Vampole^ ausgebracht waren , wurden sogenannte r'o/«7*/ar?/ 
i^oasfs geti'unken, die ins Unendliche gingen. Ich zog mich aber 
sobald als möolich zurück und bejrab mich zu einem Herrn Walsh, 
Redacteur einer Zeitung , an den ich empfohlen war. 

Bei Henn IFalsh fand ich eine zahlreiche Gesellschaft , meistens 
Gelehrte. Diese Gesellschaft nennt man die Wistar party. Es 
ist ein gelehrtes Kränzchen , das seine Existenz einem alten Quäker- 
Arzt, Dr. Jfistar, verdankt. Dieser Mann versammelte nämlich 
alle Sonnabende die Gelehrten und public ckaraders von Plnladel- 
fJtia in seinem Hause; und alle gut empfohlene Fremde wurden 
eingeführt. Nach seinem Tode ist die Gesellschaft von seinen 
Freunden unter seinem Namen fortgesetzt m orden , jedoch mit dem 
Unterschiede , dafs sie sich jeden Sonnabend bei einem andern Mit- 
gliede versammelt. Man unterhält sich gewöhnlich über gelehrte 
und wissenschaftliche Gegenstände. Ich traf dieses Mal unerwartet 
Herrn E. Liviugstoji in der Gesellschaft ; auch lernte ich den Mayor 
von PJnladelphia , Herrn Watson^ kennen. Ich wurde mit sämmt- 
lichen Herren bekannt gemacht, und hörte sehr interessante Ge- 
spräche. 

Herr Slioejnaicer , selbst ein Quäker, brachte uns nach einem 
Quäker meefiiig house. Die Quäker haben bekanntlich keine Geist- 
lichen, sondern sie sitzen ruhig in ihrer Versammlung, bis dafs der 
Geist über den Einen kommt oder über den Anderen. Der Ergrif- 
fene predigt alsdann ad libitum, es sei Mann oder Weib. Die 
Versammlung war ganz ruhig, als wir eintraten, und blieb ruhig. 
AVir safsen über eine Stunde; der Geist aber kam über Niemand. 
Endlich trat die LangeAveile ein, und Mir gingen unerbaut nach 
Hause. Die Kirche, oder vielmehr das meeting house ^ ist übrigens 
äufserst einfach, ohne die geringste Verzierung. Der ganze Saal 
ist mit Bänlien angefüllt und gegenüber, auf erhöheten Bänken, 



224 

sitzen die Aeltcstcn der Gemeinde beiderlei Geschlechts, und 
diejenigen, welche schon gepredigt haben. 

Ein Quäker, Herr Vaux, steht an der Spitze verschiedener 
öffentlicher Anstalten in Philadelphia. Ich war ihm durch Herrn 
£rM?/ empfohlen worden; er hatte mich sehr freundlich, obwohl 
mit Du, empfangen, und versprochen, mir jene Anstalten zu zeigen. 
Wir begaben uns also zu ihm. In seinem Hause sahen wir zuvör- 
derst mehrere Gemälde und Kupferstiche, welche auf das erste 
Etablissement der Quäker in diesem Staat Bezug hatten ; auch das 
Modell zu einem Monument, das dem Andenken William Penn's 
errichtet werden sollte. Das Modell stellte einen Obelisk vor , und 
war aus Holz von dem Ulmbaum gemacht, unter welchem dieser 
grofse Wohlthäter der Menschheit den Tractat mit den Indianern 
abgeschlossen hat *). Hierauf fuhren wir nach dem neuen Peni- 
tentiary^ einem Gefängnisse, das in der Nähe der Water works 
gebauet wurde. Man wollte versuchen , im Gesetzbuche von Pen- 
sylvaniejt die Todesstrafe ganz abzuschaffen und an deren Statt 
das solitary conßnement, das bis jetzt eigentlich nur als eine Ilaus- 
strafe in den Gefängnissen betrachtet ward, einzuführen, und zwar 
auf Lebenszeit. So wollte man auch die Gefangenen, die zu hard 
lahor verurtheilt sind, nicht mehr zusammen in Werkstätten arbei- 
ten lassen, sondern jeden einzeln einsperren und ihnen keine Arbeit 
mehr geben. Zu diesem Ende baute man in Quadrat einen grofsen 
Hof, dessen Seiten 650 Fufs lang sind. Dieser Hof hat nur einen 
Eingang, über dem ein gothisches Gebäude steht, zur Wohnung 
der Beamteten , zu den Büreaux , zu Wachtstuben und zur Infir- 
merie bestimmt. Das Eingangsthor selbst gleicht hinsichtlich seiner 
Festigkeit dem Thor einer Citadelle. In die Mitte dieses Hofes 
kommt ein runder Thurm , zum Aufenthalt der Wächter bestimmt, 
und von diesem Mittelpunct aus laufen in einer excentrischen Rich- 
tung 6 Flügel mit den Zellen der Gefangenen. Jeder Flügel be- 
steht aus einem gewölbten Corridor , der von einem Ende bis zum 
andern des Flügels geht. Auf beiden Seiten der sechs Corridors 
zählt man je 19 Zellen, die den Eingang von der andern, 
äufsern, Seite haben. Nach dem Corridor zu, hat jede Zelle nur 
eine kleine, ganz mit Eisen, gleich einer Schiefsscharte, ausge- 
schlagene Oeflnung , die mit einer kleinen eisernen Thür verschlos- 



*) Dieses Ereip^nifs fand Statt an den Ufern des Delaware in Kensington, 

nahe bei Philadelphia. Der UlniLaura ist vor wenigen Jahren vom fl 
Blitz getroffen und zertrümmert worden. ^ 



225 

sen ist und nur von Aufsen geöffnet werden kann, um dem Gefan- 
genen Essen und Trinken in sein Gemach hinein zu reichen. Vor 
jeder Zelle ist ein Hof, 16 Fufs lang und 7 Fufs breit, mit einer 
20 Fufs hohen Mauer umgeben ; durch denselben gelangt man in 
die Zelle; in demselben darf auch der Gefangene zu gewissen 
Stunden, wenn die Gefangenen in den nächsten Zellen eingesperrt 
sind , spazieren gehen. Die Zelle selbst ist 8 Fufs lang und 5 Fufs 
breit ; der Eingang niedrig und schmal und durch eine äufsere Thür 
und ein äufseres Gitter verschlossen. Der Fufsboden der Zelle ist 
gedielt; die Decke ein Gewölbe, das nach Aufsen zu eine Senkung 
zum Ablaufen des Wassers, und ein rundes Patentglas hat, um dem 
Gefängnisse Licht zu geben. Kleine Oeffnungen befinden sich in 
den Mauern , um den Luftzug zu unterhalten , so wie auch andere 
Oeffnungen , um Mährend des Winters erwärmte Luft zu bekommen. 
Jede Zelle hat ihr Water doset , das mit einer Hauptröhre in Ver- 
bindung steht, welche unter dem Comdor den Flügel der Länge 
nach durchläuft. Wegen des Lagers der Gefangenen war man 
noch nicht einig, ob man ihnen eine Bettstelle oder eine Hangmatte 
geben wollte. 

Auf die grofse Frage, ob es gut und rathsam sei, die Todes- 
sti'afe ganz abzuschaffen, mag ich mich um so weniger einlassen, 
je wichtiger sie ist : aber ich möchte behaupten , dafs dieses soUtary 
conßnement , in welchem den Gefangenen aller menschliche Umgang 
genommen ist, in welchem sie keine Arbeit haben, keine Bewegung 
und fast keine frische Luft, viel härter sei, als die Todesstrafe. 
Durch den Mangel an Bewegung werden die Menschen gewifs un- 
gesund ; durch den Mangel an Arbeit werden sie der Arbeit ent- 
wöhnt, und ihre vielleicht früher erworbene Geschicklichkeit geht 
verloren, so dafs sie, wenn sie wieder in die Welt kommen, zu 
keiner Arbeit mehr zu gebrauchen sind , und eine elende Existenz 
hinschleppen. Nun will man ihnen in Philadelphia auch ktine 
andere Leetüre verstatten, als die Bibel. Es scheint mir daher 
leicht möglich , dafs diese gänzliche Isolirung sehr nachtheilig auf 
die Verstandeskräfte der Gefangenen wirke und sie zu Schwärmerei 
und Ueberspannung treibe. Ich konnte mich nicht enthalten, Herrn 
Vaux, als er mich um meine Meinung fragte, zu antworten, dafs 
die Einrichtung dieses Gefängnisses mich an die der spanischen 
Inquisition , so wie Llorente sie beschreibe , erinnere. Herr Fanjc 
erwiderte: es sei ein Versuch, ob die Todesstrafe abgeschalft wer- 
den könne. Der Versuch schien mir indefs , von der Bedenklich- 
keit dieser Philanthropie hinweg gesehen, auch etwas theuer. Denn 
/. P 



226 

die Baukosten dieses Gefängnisses sind auf 350,000 Dollars angre- 
schlaf^-en, und die Unterhaltung >vird dem Staate Pc7isijlvaiiic7i ']\\hr- 
Jich zuverlässig eine namhafte Summe kosten. Bei Beförderung 
der öftentlichen Wohlfahrt sollte man wohl zuerst auf die guten 
Staatsbür<^er Bedacht nehmen, und ihnen soviel als möglich die 
Lasten , die sie drücken , z\i erleichtern suchen. Zu diesen Lasten 
oehört unstreitig auch , dafs die schlechten Staatsbürger, die man 
Anderen zum abschreckenden Beispiel , oder um sie unschädlich zu 
machen, ihrer Freiheit beraubt hat, ernähren müssen. Von diesem 
Gesichtspunct aus scheint es das Bestreben der Staatsverwalter sein 
zu müssen, die Strafanstalten so einzuiichten, dafs sie sich selbst 
erhalten. Hat man diesen Zweck erreicht, so kann man sich auch, 
und desto förderlicher, mit der moralischen Verbesserung der Ge- 
fangenen beschäftigen. Eine ununterbrochene Beschäftigung 
möchte zu dem Einen wie zu dem Andern das sicherste Mittel sein. 
Kann man bewirken, dafs der Gefangene etwas Geld verdiene, um 
sich seine Lage im Gefängnisse zu verbessern, und um ihm, wenn 
er in die Welt zurückkehrt, eine kleine Summe zu seinen dringend- 
sten Bedürfnissen in die Hand zu geben : so w ürde dieses , glaube 
ich, in jeder Hinsicht besser sein, als alle philanthropischen Ver- 
suche. 

In dem Coiinty goal werden die Gefangenen aufbewahrt, die 
sich noch in Untersuchung befinden : selten jedoch sitzen die Ge- 
fangenen länger als einen Monat, ohne gerichtet zu werden. Das 
Haus besteht aus einem Hauptgebäude und zw ei Flügeln ; der eine 
ist für die Männer, der andere für die Weiber. Im Hauptgebäude 
befinden sich die Bureaux , die Wohnungen der Beamteten und der 
Wächter, so wie die Infirmerie, in welcher die Kranken gute Bet- 
ten haben und sorgsam gepflegt werden. In den Flügeln sind lange 
Corridors mit Stuben auf beiden Seiten , die während der Nacht 
mit eisernen Gitterthüren verschlossen sind. Gegen 8 Gefangene 
schlafen in einer Stube; sie schlafen auf deniFufsboden, und haben 
nur 2 wollene Decken zum Lager und zum Zudecken. Der Boden 
ist übrigens gedielt, und ich freute mich über die äufserst grofse 
Reinlichkeit, die im ganzen Hause herrschte. Am Ende jedes 
Flügels ist ein Hof, in welchem die Gefangenen herumgehen , und 
in jedem Hofe ist ein bedeckter Platz , unter welchem sie arbeiten 
können. Die Männer fand ich mit Zupfen von Pferdehaaren be- 
schäftigt, und die meisten Weiber mit gewöhnlichen weiblichen 
Handarbeiten. Aber selbst an einem solchen Orte tritt der grofse 
Abstand hervor zwischen den Weifsen und den Schw arzen ! Unter 



227 

den Weibern befanden sich ziemlich gleich viele Gefangene von 
jeder Farbe, und den Schwarzen und Farbigen war nicht erlaubt 
sich auf dieselbe Bank zu setzen , auf welcher die Weifsen safsen. 
Jene safsen abgesondert zur Linken! Ich liefs mir das Eintritts- 
Register zeigen , und verwunderte mich , dafs es in diesem Lande 
der Freiheit einer Magistratsperson frei steht, jemand wegen Flu- 
chens in der Strafse auf zwei Tage einsperren zu lassen , wie ich 
in diesem Buche fand. Uebrigens giebt es auch in dem County aoal 
mehrere Zellen für soUtary conßnement ^ enge dunkle Löcher, in 
denen während des Sommers eine unerti'ägliche Hitze herrschen 
soll. In dieselben werden solche Gefangene, die sich etwas uno-e- 
berdig anstellen, so lange eingeschlossen, bis sie mürbe geworden 
sind. 

Unter den milden Stiftungen besuchten wir zuerst ZMei neben 
einander stehende Häuser, von welchen das eine ein Waisenhaus 
ist , und das andere ein Hospital für hülflose Wittwen. Sie verdan- 
ken ihren Ursprung dem Vermächtnifs einer milden Dame, zu wel- 
chem dann freiwillige Beiti'äge hinzugekommen sind. Sie stehen 
unter der Aufsicht einer Commission von Damen — meistens Quä- 
kerinnen — , denen einige Herren als Rathgeber zur Seite stehen. 
Im Waisenhause befanden sich gegen 90 Kinder beiderlei Ge- 
schlechts , die bis in ihr 12. Jahr bleiben und dann zu Handwerkern 
in die Lehre gethan werden. Ihr Unterricht ist derselbe, M'ie bei 
den Waisen in New -York. In den freien Stunden können die 
Kinder in einem Garten herumlaufen. Im Hause herrscht eine 
grofse Reinlichkeit. Die Schlafsäle sind geräumig und enthalten 
gegen je 20 Betten ; jedoch müssen 2 Kinder in einem Bette schla- 
fen. Vor mehreren Jahren ist das Haus abgebrannt; und das Feuer 
hat so furchtbar schnell um sich gegriffen , dafs über 30 Kinder in 
den Flammen umgekommen sein sollen. Bei dem Wiederaufbau 
hat man die löbliche Vorsicht gebraucht , das Holz aus dem Bau zu 
verbannen , und selbst nur steinerne Treppen anzulegen. Das Witt- 
wenhaus hingegen wird von alten hülflosen Weibern bewohnt, über 
deren Zulassung die oben erwähnte Commission entscheidet. Sie 
erhalten bis zu ihrem Tode Wohnung, Nahrung, Kleidung und 
Pflege. Sie wohnen zu zwei, auch Mohl einzeln in den Stuben, 
und haben gemeinschaftliche Versammlungs - und Speisezimmer. 
Auch hier herrschte eine sehr grofse Reinlichkeit. 

Das grofse weltberühmte Hospital ist von den Quäkern gestiftet 
worden , und wird von ihnen administrirt. Seine Entstehung und 
Unterhalt verdankt dasselbe freiwilligen Beiträgen und Vermächt- 

P2 



228 

nisscn. Von einem Garten umgeben, besteht es aus einem Haupt- 
gebäude mit 2 Flügeln und mehreren besonderen Nebengebäuden : 
das eine ist zur Wohnung der incurablen Wahnsinnigen , das andere 
für venerische Kranke bestimmt, und wieder in anderen befinden 
sich Wirthschaftsräumc und Ställe : denn es werden auch Wagen 
«rehalten, in denen die Convalescenten , wenn ihnen Ausfahren ver- 
ordnet ist, spazieren fahren. Hinter dem Hauptgebäude ist ein 
Küchgarten. In demselben steht ein Gewächshaus mit mehreren 
exotischen Pflanzen , und ein besonderes Gebäude , das errichtet 
worden ist, um ein grofses, von Benjamin West gemaltes und 
seiner Vaterstadt PliiladelpMa von ihm geschenktes Bild, die Hei- 
lung der Kranken durch Christus , aufzustellen. Weder die Com- 
Position , noch die Ausführung dieses Gemäldes schienen mir gelun- 
gen; und vielleicht konnte dieses Werk nur hier, wo man nicht 
gewohnt ist, grofse und gut ausgeführte Gemälde zu sehen, die 
grofse Bewunderung erregen, die es erregt hat. Interessant ist 
es , dafs man neben dieses Stück , w elches gewifs auch nicht ohne 
Verdienste ist, eine kleine Sudelei aufgehängt hat, nämlich das 
fdlererste Bild Benjamin Wests y das er in seiner Jugend gemalt 
hat, und das hier zufälligerweise aufgefunden worden ist. 

Das Hospital selbst ist drei Stockwerke hoch. Im Erdgeschosse 
befinden sich dieBureaux, die Apotheke, die Wohnungen zweier 
Aer/te, von welchen Einer beständig im Hause sein mufs, und die 
Bibliothek , die sehr schöne medicinische und einige naturhistorische 
Werke enthalten soll. Als eine Antiquität zeigt man hier William 
Penn's Lehnsessel. Dieses grofsen Mannes lebensgrofse Bildsäule, 
in Blei jn England gemacht und ihn in seiner Quäkertracht dar- 
stellend , steht im Hofe vor dem Eingange des Hospitals. Corridors 
laufen durch beide Flügel, und auf dieselben stofsen die Thüren 
der Zimmer, in welchen bis 12 Kranke zusammenwohnen. Sie 
sind weiblicher Pflege anvertraut und liegen in hölzernen Bett- 
stellen ; nur die Wahnsinnigen haben eiserne. Ueberall herrschte 
eine musterhafte Reinlichkeit. Den Geisteskranken erlaubt man 
jede Beschäftigung , die sie wählen und die nicht gefährlich für sie 
oder für die anderen Kranken sein kann. Einige arbeiteten in dem 
Garten, 2 waren als Schreiner beschäftiget, und ein Darmstädter 
Schlosser arbeitete seit 2 Jahren an einer Flinte, zu welcher er 
ein colossales Schlofs von Draht und Blech zusammenffeschlairen 
hatte. 

Als ich aus dieser merkwürdigen Anstalt nach Hause zurück- 
kam , eihielt ich einen Besuch von einem Gelehrten aus Leipzig, 



. 229 

IVamens Rivinus. Dieser junge Mann hielt sich schon ein Paar 
Jahre in dieser Stadt auf, um Bemerkungen über Amerika zu sam- 
meln und in Deutschland bekannt zu machen, Herr Rivinus interes 
sirte mich sehr. Er schien mir ganz dazu geeignet, die Eigen- 
thümlichkeiten der neuen Welt aufzufassen , um sie der alten rait- 
zutheilen , und vielleicht mag er auch dazu beitragen , die deutsche 
Literatur zur Kenntnifs der Amerikaner zu bringen. 

Herr Faux \mitc die Gefälligkeit, mich auch in einige litera- 
rische Institute zu führen. Wir gingen zuerst in die Fianklinischc 
Bibliothek. Diese Sammlung, gegen 30,000 Bände stark, isi durch 
freiwillige Subscriptionen errichtet worden , und wird auf dieselbe 
Weise unterhalten. Die Unterschreibenden haben das Recht , Bü- 
cher nach Hause kommen zu lassen. Sie soll meistens aus juristi- 
schen Werken bestehen; doch enthält sie auch mehrere Kupfer- 
werke, unter andern eine schöne Sammlung der Hogarthschcn Ku 
pfer. Die Bibliothek ist in zwei grofsen Sälen aufgestellt, und als 
eine Merkwürdigkeit zeigt man Dr. Frau/clins Bibliothekssessel. 
Die Statue dieses berühmten Mannes steht in einer Nische über dem 
Eingange des Hauses, und ist, wie eine Inschrift sagt, von Herrn 
Bi/igkam , dem verdienstvollen Vater des Herrn Bingkam in Mont- 
real^ der Gesellschaft geschenkt worden, welcher die Bibliothek 
gehört. Weiter begaben wir uns in die philosophische Gesellschaft, 
welche auch ein eigenes Gebäude mit einer ziemlich reichen Bi- 
bliothek und einem Museum besitzt Aus dieser Bibliothek können 
keine Bücher verliehen Averden , sondern man mufs sie an Ort und 
Stelle benutzen. Der Bibliothekar Paughan^ ein Greis, der wegen 
seiner Gelehrsamkeit und Philanthropie sehr geachtet ist, machte 
die Honneurs. Er zeigte uns mehrere Handschriften berühmter 
Männer aus der Revolutionszeit. Das Museum enthält unter An- 
dern eine Mineralien- und eine Conchylien-Sammlung, auch Mo- 
delle von Instrumenten zum Ackerbau. Zuletzt gingen wir noch 
ins Staatenhaus , und sahen den einfachen nicht sehr geräumigen 
Saal , in welchem am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeits-Erklärung 
unterzeichnet worden ist. Dieser Saal dient jetzt zur Maijors court, 
einem der Gerichtshöfe der Stadt, und ist mit einer lebensgrofsen, 
aus Holz gehauenen Statue des Präsidenten Washington geziert. 
Auf d^nFufsgestelle steht die Inschrift : first in wai\,first in pcace^ 
ßrst in the hearts of Jiis cnuntrymen. 

Den 18. Octobcr reisete ich früh um 4 Uhr mit der Stage nach 
Bethlehem^ einem Ort, der von der evangelischen Brüdergemein- 
de — Ilerrnhuter — im Jahr 1741 angelegt worden ist. Ich konnte 



^. 230 — 

unmöo-llch den Staat Pensyhanien verlassen, ohne diese Gründung 
der Brüderp-emeinde besucht zu haben ; denn diese Gemeinden ste- 
hen hier >ve"-en des mannichfachen Nutzens, den sie stiften, und 
we«»-en ihrer Sittlichkeit, in einer besonders hohen Achtung. Herr 
Faux gab mir ein Empfehlungsschreiben. 

Bethlehem liegt 52 Meilen von Philadelphia. Da der Ver- 
kehr z^Aischen beiden Plätzen eben nicht stark ist, so geht nur drei- 
jnal in der Woche eine sehr mittel mäfsige Stage hin und zurück. 
Es war noch Nacht , als ich in der ganz angefüllten Stage Philadel- 
phia verliefs; die Kälte war ungewöhnlich streng. In der Reisege- 
sellschaft lernte ich zwei Herren Ricey Mitglieder der Brüderge- 
meinde und Einwohner von Bethlehe?n , sehr bald kennen , und fand 
an ihnen recht liebe , verständige und unterrichtete Männer. Der 
eine war in Deutschland gereiset, und beide redeten die deutsche 
Sprache sehr gut. Wir wechselten nur zwei Male Pferde , und zu- 
gleich die »Sfage, die leider jedesmal schlechter wurde; das erste 
Mal in JVhitemarsh, und das andere Mal in Quakertown. Die Stra- 
fse war gröfstes Theiles eine sogenannte Turnpike-road , ungefähr 
wie manche unsrer deutschen Chausseen , nur waren die aufgeschüt- 
teten Steine nicht sehr klein geschlagen , und die Fuhrgleisen nicht 
ausgefüllt. Bei der zweiten Station kamen wir auf eine neue ange- 
legte Turnpike-road: die Steine waren aufgeschüttet, und noch 
nicht im Geringsten eingefahren. Der letzte Theil des Weges war 
noch gar nicht chaussirt , und ein ziemlich steiniger Feldweg, der 
übrigens bei der trocknen Witterung der bequemste war. Man sieht 
an dem Feldbau , dafs die Gegend schon lange urbar gemacht wor- 
den. Die Häuser sind meistens massiv , von bläulichen Kalksteinen 
gebaut, jedoch mit Schindeln gedeckt. Auf die Scheuern wird gro- 
sser Luxus verwendet ; mehrere hatten das Ansehen von Kirchen. 
Die Felder und Triften sind mit Lattenzäunen eingefafst, meistens 
mit solchen zackigen Zäunen, die man worm fences nennt. Auf 
den Feldern stand gröfstes Theils noch das indische Korn; man hatte 
indefs angefangen , es einzubringen. Die Winterfrucht Avar auf an- 
dern Feldern schon aufgegangen, und gewährte einen freundlichen 
Anblick. Der Handel mit Weizenmehl wird im Staate Pensylvania 
sehr stark betrieben; denn dieses Mehl geniefst mit Recht eines 
sehr guten Rufs , und wird besonders in Westindien gesucnt,, Nir- 
gends, selbst nicht in Europa, habeich so gutes Brod gegessen, 
als in diesem Staate. Die Urwälder sind zwar ausgerodet, und man 
sieht nur sehr wenige von den ganz alten und schönen Stämmen, 
wie im Staate Neio- York; das Holz ist aber nachgewachsen, und 



. 231 

besteht meistens aus jvrofsblättrigen Eichen, aus Kastanien, Wall- 
nufs- und Hyckorybäumen. Der Grund ist theils kalk- und theils 
lehmarti«r. Kalkboden ist , besonders in der Nähe von Bethlehem, 
vorherrschend. Es gibt sehr viele Felsen; auch bemerkt man — 
was man gewöhnlich nur bei Kalkgebirgen antrifft — Erdfälle. 

Die Einwohner der Gegend sind meistens Nachkommen von 
Deutschen, die noch ihre Sprache, wiewohl etwas verdoiben, bei- 
behalten haben, und Einwanderer, meistens Würtemberger. Es 
werden hier für das Landvolk in amerikanischem Deutsch Zeitun- 
gen und Wandkalender gedruckt. Uebrigens beginnt im Staat Pen- 
sylvanien der Unterschied in der Erziehung der unteren Volksclassen 
zw ischen den nördlichen und den südlichen Staaten merklich zu w er- 
den. In den südlicheren Staaten soll diefs noch mehr der Fall sein. 
Besonders klagte man, dafs die deutschen Bauern ihre Kinder früher 
wenig oder gar nicht zur Schule geschickt hätten ; seit einiger Zeit 
jedoch thäten sie es häufiger aus Ambition. Der Legislatui' des 
Staats Pensylvanien nämlich hat ein Gesetz beliebt , nach welchem 
niemand in der Jury sitzen soH, der nicht vollkommen gut die eng- 
lische Sprache lesen und schreiben kann. Die deutschen Bauern 
aber machen es zur Ehrensache, in der jury zu sitzen, und sehen 
sich nun durch ihre Ignoranz dieser Ehre beraubt. Aus dieser Ur- 
sache lassen sie jetzt ihren Söhnen die englische Sprache lehren, 
um sie dereinst dieser Ehre theilhaftig zu machen. Ich sah im 
Walde 2 kleine achteckige Häuser stehen, und hörte, es seien Schu- 
len, die aber fast nie besucht würden. In manchen Dörfern, in 
welchen man schöne, massive Häuser, Ställe und Scheunen sieht, ist 
das Schulgebäude nur ein Loghaus, schlechter als die Schulen, 
die ich bei den Indianern gesehen hatte. Kirchen fehlen nicht; 
meistens sind es lutherische; jiedoch auch reformirte und Quäker 
meethighoHses; Wiedertäufer undMennoniten haben gleichfalls ihre 
Gotteshäuser. Zwischen Quahertown — wie der Name zeigt, durch 
Quäker angelegt, aber jetzt gröfstes Theiles von Deutschen bewohnt 
— und Bethlehem liegt eine Gemeinde von Schweizer-Mennoniten, 
die man hier, weil die Männer ihre Barte wachsen lassen, Bart- 
männer nennt. Als wir durchfuhren, wurde gerade ein Mädchen 
begraben, und fast die ganze Gemeinde folgte dem Sarge. 
Zwischen 4 und 5 Uhr Nachmittags erreichten wir Bethlehem. Ich 
nahm mein Quartier in Bischoffs Wirthshause, das sehr reinlich und 
gut eingerichtet ist. 

Bethlehem hat eine schöne Lajre. Es ist theils in einem Thale 
erbaut, Iheik auf einem Hügel am LeÄfgÄ-Flufs, in Mckhcn sich 



232 

der Manokesy-Bach ergiefst. Ueber den Flufs führt nahe bei dem 
Ort eine, im Jahre 1791 gebaute, hölzerne Brücke, die auf drei 
steinernen Pfeilein ruht; über den Bach eine steinerne von 2 Bo- 
gen , die neu gebaut ist. Der erste Anblick von Bethlehem nimmt 
sogleich ein. Dem Orte gegenüber, auf dem rechten Ufer des 
Lehigh, sind ziemlich hohe, mit Wald bewachsene Gebirge. Die 
massiven Häuser des Ortes stehen amphitheatralisch ; über sie ragt 
die Kirche mit einem kleinen Thurme hervor , und das Ganze wird 
vom Begräbnifsplatze, der auf einer Anhöhe liegt, und mit ita- 
lienischen Pappeln bepflanzt ist, gekrönt. Die Felder um den Ort 
herum sind vortrefflich angebaut, und die Landschaft wird durch 
die, 18 Meilen entfernten, „blauen Berge" begränzt, eine lange 
Bergkette , die keinen hervorragenden Punct , wohl aber ein Paar 
Oeflhungen hat. Die Strafsen in Bethlehem sind nicht gepflastert, 
aber mit Pappeln bepflanzt , und mit breiten Trottoirs von Back- 
steinen versehen. Die Häuser sind entweder von blauen Kalkstei- 
nen oder von Backsteinen gebaut. Das gröfste Gebäude im Orte, 
das früherhin zum Brüderhause diente , ist die Kostschule für Mäd- 
chen. Ein gewölbter Marktplatz für den Verkauf des Fleisches ist 
ebenfalls vorhanden. Auf dem Platze, wo jetzt der Bischoffsche 
Gasthof steht , stand vor nicht gar langer Zeit ein kleines hölzernes 
Häuschen, welches der Graf Zinzendorf zur Zeit der Stiftung 
Bethlehem's erbaut hatte. Der Ort zählt gegen 700 Einwohner, 
meistens Handwerker oder Kaufleute. Der Clerus bestand aus dem 
Bischof Hiiffel und den beiden Predigern Seidel und von Schwel- 
7Ütz. Letzterer, ein Urenkel des Grafen Zinxiendorf^ war geradel ab- 
wesend in Deutschland , auf einer allgemeinen Synode in Herrnhut. 
Der eine Herr Rice installirte mich im Wirthshaus, und benach- 
richtigte dann die Geistlichen von meiner Ankunft. Kurz darauf 
erhielt ich einen Besuch vom Prediger Seidel^ einem Sachsen von 
Geburt, aber schon seit 19 Jahren in den V. St. Ich fand einen gar 
freundlichen und angenehmen Mann an ihm, mit dem ich mich lange 
unterhielt. Auch traf ich einen alten Eisenacher , Namens StickeU 
der mit den Hessen als Chirurg nach Amerika gekommen war, und 
sich seit einem Jahr im -BäscAo^schen Gasthofe niedergelassen hatte, 
Avo er den Fremden die Honneurs machte. 

Am andern Morgen erhielt ich abermals einen' Besuch vom 
Prediger Seidel, und ging mit demselben zum Bischof Hüffel. 
Dieser Bischof ist ein Sechsziger, ebenfalls ein Sachse, und ein 
sehr freundlicher Mann, der viel gereiset ist, und angenehm spricht. 
Er hatte auch eine schöne Mineralien-Sammlung, besonders von 



233 

amerikanischen Marmorarten. Herr Seidel bewohnt mit ihm die 
älteste Wohnung im Orte, die ganz wie das Haus eines deutschen 
Landpredigers eingerichtet ist, und sogar deutsche Schlösser und 
Drücker hat. In diesem Hause befindet sich ein grofser Saal , der 
ehemals der Gemeinde als Kirche diente, bis die Kirche vollendet 
war. Diese Kirche besuchte ich, von den beiden Geistlichen be- 
gleitet. Sie ist äufserst einfach eingerichtet : ein weifser Saal mit 
Bänken ; ein etwas erhöhter Sitz für den Geistlichen , der einen 
Tisch vor sich hat , und eine sehr gute, in iVeM?-Yor/f verfertigte 
Orgel. Der Bischof, der ein sehr fertiger Ciavierspieler ist, hatte 
die Gefälligkeit , in meiner Gegenwart zu spielen. Vom Thurme 
der Kirche hat man eine schöne Aussicht auf die umliegende Ge- 
gend, auf den Lehigh -Fluk, auf die Gebirge gleiches Namens 
und nach den blauen Bergen hin. In dem Kirchengebäude , neben 
dem grofsen Saale , sind mehrere besondere Stuben , in denen sonst 
Schule gehalten wurde, ehe man das neue Schulgebäude erbauet 
hatte. Jetzt finden die Conferenzen der Aeltesten und kleinere 
Gemeinde-Versammlungen in denselben Statt. Durch das Erbauen 
dieser neuen Kirche hatte, wie ich hörte, die Gemeinde sich etwas 
in Schulden gesteckt; auch ist das Gebäude nicht sehr geschmack- 
voll ausgefallen. Der Begräbnifsplatz der Gemeinde ist auf einer 
kleinen Anhöhe angelegt, und, einem Garten gleich , mit Bäumen 
bepflanzt. Die Gräber liegen in Reihen; ein einfacher liegender 
Stein enthält den Namen , den Geburts - und Sterbetag des Heim- 
gegangenen. Schon am Morgen dieses Tages hatte ich bemerkt, 
auf welche Weise ein Sterbefall der Gemeinde angezeigt wird. Ein 
junger Bursche war gestern Abends gestorben; um den Todesfall 
anzukündigen, wurden früh mit Posaunen drei Choräle vom Thurme 
geblasen : gewifs eine einfache und rührende Ceremonie ! Eine 
Leiche wird in ein Leichenhaus am Begräbnifsplatze gebracht ; die 
Beerdigung findet Statt in Gegenwart der ganzen Gemeinde. Nicht 
weit von dem Begräbnifsplatz ist auf der Anhöhe eine Cisterne , in 
welche vermittelst eines Druckwerks das Wasser aus dem Bache 
getrieben wird und von welcher aus alle Häuser und Strafsen des 
Ortes mit dem nöthigen Wasser versehen werden. 

Weiter gingen wir ins Schwesternhaus. Alle alte Jungfrauen 
aus der Gemeinde, und einige jüngere, die keine Familie mehr 
haben, wohnen zusammen. Früher waren alle unverheirathete 
Frauen genöthigt im Schwesternhause zu wohnen. Das ist aber 
abgeändert worden, und diejenigen, deren Familie lebt, dürfen in 
derselben bleiben. Die zusammenwohnenden Schwestern haben 



_ 234 . 

entweder einzelne Zimmer, oder mehrere haben einen gemein- 
schaftlichen SUling room. Sie sorgen für ihren Unterhalt durch 
den Verkauf der von ihnen verfertigten weiblichen Arbeiten. Ein 
Brüderhaus glebt es nicht, da junge fleifsige Arbeiter in diesem 
trlücklichen Lande, wo Gottlob keine Zünfte bestehen, sich sehr 
leicht etabliren können. Der Gemeinde gehört der Grund, auf 
dem die Häuser stehen, und Jedermann, der sich anbaut, zahlt 
ihr einen gewissen Zins. Uebrigens findet hier keineswegs Gemein- 
schaft der Güter Statt; vielmehr mufs Jedermann für seinen eigenen 
Unterhalt sorgen , und die Gemeinde hilft ihm nur , wenn er unver- 
schuldet in Armuth geräth. 

Nach dieser interessanten Wanderung besuchte ich Herrn Ricc^ 
der ein Kaufmann ist, eine grofse Mühle besitzt, und vorzüglich 
Geschäfte mit Mehl macht. Auch hält derselbe einen Store oder 
ein Magazin, in welchem man alle Artikel findet, die von den 
Landleuten gebraucht werden, von Tüchern und feiner Leinwand 
an, bis zu Wagenwinden hinab. Alsdann dinirte ich zu Hause in der 
munteren Gesellschaft von 6 jungen Mädchen aus Providence, die 
so eben angekommen waren , um ihre Erziehung in der hiesigen 
Mädchen boarding - school zu vollenden. Wie in Deutschland, so 
haben auch hier die Brüdergemeinden solche Kostschulen, in wel- 
chen Kinder beiderlei Geschlechts, deren Eltern nicht zur Brüder- 
«remeinde gehören, eine sorgfältige Erziehung bekommen. Die 
Mädchenschule befindet sich hier und die Knabenschule in Nazardh. 

Nach Tische fuhr ich mit Dr. Stickel aus , um eine im Lehigk- 
Plufs angelegte neuerfundene Schleuse zu besehen. Seit einigen 
Jahren sind, 30 Meilen von hier, bei Mauch Chunk , jenseits der 
blauen Berge, wichtige Steinkohlenbergwerke erötlnet worden. 
Diese Bergwerke versorgen Philadelphia und die umliegende Ge- 
gend mit den sogenannten Lehigh-eoals , die viel besser sind , als 
die englischen Steinkohlen. Diese Kohlen wurden früher auf leich- 
ten Kähnen bei der Grube eingeschifllt , welche den Lehi^h'¥\n[H 
hinunter in den Delaicare nach Philadelphia fuhren, und dann, 
weil sie wegen des starken Falles vom Lehigh diesen Flufs nicht 
wieder Strom aufwärts zurückfahren konnten , zerschlagen und ver- 
kauft. Da nun die Schiflahrt auch schon Strom abwärts, wegen 
des oft; sehr niedrigen Wassers, mit Schwierigkeit verbunden war, 
so hat die Gesellschaft, welche die Kohlenbergwerke e\ploitirt, 
den Flufs mtt Wehren , durch welche Canäle mit Schleusen gehen, 
gestammt, und auf solche Weise mehr schiü'bar gemacht. In den 
eingedruckten Skizzen stellt Fig. l ungefähr das Piofil eines solchen 
Weiues dar, welches voiiBauinstämmcn und grofsenSteincn gebaut ist. 




Fig. 2 ist der Grundrifs des Wehres a , mit einem Canale h , mit 
zwei Schleusen c, und mit einem schmalen Neben-Canalc d, in 
welchem sich bei e bewegliche Kasten befinden. 

2. 



Fig. 



.^=^ 






Der zur Durchfahrt bestimmte Canal b enthält nämlich zwei Schleu- 
sen, mit liegenden Klappen, die sich heben und senken. Wenn 
sie gehoben sind, so schliefsen sie den Canal; sind sie gesenkt, so 
strömt das Wasser über sie hinweg. Fig. 3 zeigt , wie eine solche 
Schleuse sich ausnimmt, wenn ihre beiden Klappen / gehoben 
sind; die punctirten Linien aber zeigen die Klappen, wenn sie 

liegen. 

Fig. 3. 





/^^^^\^^ 


9 


m/rm ^ 



Von den Klappen ist die untere 20 und die obere 25 Fufs lang, 
und beide sind 20 Fufs breit. Sie liegen auf Querbalken g , und 
unter ihnen befinden sich bei h hohle Räume. Der kleine Neben- 
canal d, Fig. 2, ist vom Hauptcanal durch eine Wand Fig. 4 ge- 
trennt. In dieser Wand sind unten , neben den Schleusen , Oeflhun- 
gen zum Durchlassen des Wassers. 

Fig. 4. 




23Ö 

Das durch diese Oefln!Jn<ren strömende Wasser hebt die beiden 
Klappeii, und bringt sie durch sein Ablliefsea wieder zum Sinken. 
Um nun von der einen Seite das Wasser bei i hineinströmen zu 
lassen , und von der andern Seite den Ausflufs bei k zu verliüten, 
wird der kleine Canal d neben der Schleuse durch Kasten c ire- 
stopft, diese Kasten sind so breit, als der Canal, und in demselben 
durch eine Walze, die quer durch den Schwerpunct geht, befe- 
stiget. Fig. 5 zeigt das Profil eines solchen Kastens. 

Fig. 5. 




Das Wasser kommt nämlich von der Haken Seite. Will man nun, 
dafs die Schleuse sich hebe : so drückt man den Kasten aus der mit 
Puncten angedeuteten Lage in die mit Strichen angegebene. Also- 
bald strömt das Wasser durch die OeflTnungen ^, in die Schleuse 
bei h, und hebt die Klappe in die Höhe. Will man sie aber wieder 
fallen lassen : so drückt man den Kasten in die mit Puncten ange- 
gebene Lajre zurück. Dadurch wird der Zuflufs des Wassers ab- 
geschnitten ; das in der Schleuse befindliche Wasser läuft durch die 
Oetfnungen bei k ab, und die Klappen, die nun keine Unterstützung 
mehr haben, fallen nieder. Dies^e Art von Schleusen ist die Erfin- 
dung eines Herrn White, welcher einer der Hauptbetreiber des 
Kohlenwerkes ist, und ein sehr geschickter Mann sein soll. Damit 
aber während des Baues dieser Anstalt wenigstens die Kohlenschifle 
Strom abwärts fahren konnten, hatte man im Wehr eine Oeünung 
anirebracht mit einem Boden versehen, der durch Ketten wie eine 
Klappe aufgezogen werden kann, so dafs dadurch das oberhalb 
des Wehrs befindUche Wasser gestauet wird. In der Nähe des 
Lehigh befinden sich übrigens viele Kalkfelsen. Diese spiengt 
man, theils um schwere Steine zu bekommen, die man auf die 
Wehre wirft , theils um sie in den vielen , hier in der Gegend zer- 
streut liegenden Kalköfen zu brennen. Der gebrannte Kalk wird 
nicht allein zum Bauen, sondern auch vorzüglich zum Düngen der 
Felder gebraucht. 

Von den Schleusen — welche, wegen ihres Abstandes vom 
Kohlenwerke , thirty seven mile lock genaimt werden — nach Beth- 
lehem zurück , nahmen wir einen andern Weg. Wir fuhren durch 



237 

ein änfserst gut angebautes Thal, in welchem ein von Deutschen 
angelegter Ort, Butstown, aus einzelnen, massiven, sehr gut 
gebauten Häusern besteht. Dann führte der Weg durch einen 
Eichenwald, der sich in einem recht guten Zustande zu befinden 
schien, und der Brüdergemeinde gehört. Abends ging ich mit 
Herrn Seidel in ein Concert, das die im Orte zerstreuten Lieb- 
haber gaben. Im Schulgebäude des Orts ist ein Saal zu diesen 
Concerts eingerichtet, die wöchentlich einmal Statt finden. Das 
Orchester bestand aus 11 Musikern, lauter Handwerkern aus Beth- 
lehem^ welche die Musik nur zu ihrem Vergnügen, aber mit vielem 
Glücke treiben. Ein grofser Theil des Gottesdienstes der Brüder- 
gemeinde ist musikalisch; defswegen ist der Unterricht in der Musik 
ein Hauptzweig der hiesigen Erziehung. Die Musih war whklich 
über alle Erwartung gut. Ich hörte recht wackere Sänger und 
Sängerinnen; unter andern Herrn Seidel und eine der jungen 
Lehrerinnen an der Kostschule, Mifs Hiunplireys. Zuletzt hatte 
der gütige B\sd\o( Hi/ffel noch die Gefälligkeit, zu unsrer grofsen 
Freude auf dem Pianoforte zu phantasiren. Nach dem Concert 
blieb ich noch einige Zeit bei Herrn Seidel; seine Frau ist eine 
Deutsche von Gebuit. Auch hatte ich einen emeritirten Prediger 
Früauf, aus Dietendorf bei Gotha gebürtig, kennen gelernt. Er 
hat eine Schwester vom Herrn von Schweinitz geheirathet und lebt 
von seinen Renten. Ich fand einen freundlichen alten Mann an 
ihm, der sich sehr freute, einen Landsmann an mir getroffen zu 
haben. Uebrigens war es eine nicht geringe Freude, dafs ich den 
ganzen Tag über nur Deutsch reden durfte , und dafs ich ein so 
gutes und reines Deutsch sprechen hörte, was sonst in Amerika 
fast niemals der Fall ist. 

Am dritten Tage meines Aufenthalts in Betldehem holte mich 
Herr i^///a?//" ab , um mit mir nach der 10 Meilen entfernten Brüder- 
gemeinde Nazarefh zu fahren. Der Weg führt theils durch einen 
gut unterhaltenen Wald , theils durch gut angebaute Landschaften. 
Viele einzelne Höfe lassen auf den Wohlstand ihrer Bewohner 
schliefsen. Einer der Orte, durch welche wh' fuhren, wird Heck- 
town genannt. Dieser Name ist aus einem Spitznamen entstanden, 
und verdankt seine Entstehung einem Scherze des Herrn Früauf 
über die grofse Fiuchtbarkeit der Einwohner. Nazarefh ist eben- 
falls sehr gut gebaut, und gleicht BethleJtem^ nur ist es, wo mög- 
lich, noch stiller, als dieses. Im Jahr 1744 ist es angelegt 
und das grofse massive Gebäude, das jetzt zur Kostschule der 
Knaben dient, ursprünglich für den Grafen Zinzeiidorf als 



238 

Wohnhaus {rebaiit worden. Die Gegend zählt mit der nahe liegen- 
den Gemeinde ^ScZ/oV/cc/f über 500 Einwohner, meistens Handwerker 
und Landbauer. In derselben befanden sich zwei Geistliche , van 
Fleck, Sohn des emeritirten Bischofs von BetJdehem, und i?07i- 
ilial, ein Deutscher von Geburt, der lange in Rufsland in der 
Gemeinde Sarepta angestellt gewesen war. 

Wir besuchten zuerst den Prediger van Fleck ^ und besahen 
dann den Gemeindegarten. Derselbe liegt an einem Abhänge, und 
hat einige Pavillons und sehr hübsche Promenaden. Dann gingen 
wir in die Kostschule. In dieser Schule bekamen 60 Knaben Unter- 
richt, von welchen 40 im Hause und 20 im Orte bei ihren Eltern 
wohnten. Sie ist ebenfalls für Kinder eingerichtet , deren Eltern 
nicht zur Bi ^dergemeinde gehören, und wird allgemein gelobt. 
Ich bemerkte sogleich eine ausgezeichnete grofse Reinliclikeit, die 
im ganzen Hause vorherrschend war. Die Schüler sind in 4 Classen 
eingetheilt, und werden mit 8 Jahren angenommen. Die Lehrer 
sind meistens Deutsche, oder reden wenigstens diese Sprache, 
welche auch nach Verlangen der Eltern den Knaben gelehrt wird. 
Die Schule besitzt ein kleines Naturalien-Cabinet , das in recht 
guter Ordnung war , und eine durch die Schüler angelegte Samm- 
lung von Eiern aus der Gegend. Die Schüler schlafen gemein- 
schaftlich in 2 grofsen Sälen; in jedem schlafen auch 2 Aufseher. 
Sie essen gemeinschaftlich und machen alle Nachmittage mit ihren 
Lehrern einen starken Spaziergang. Aufser den gewöhnlichen 
Schulwissenschaften, und aufser der englischen, deutschen und 
französischen Sprache , wird Zeichnen , Musik und doppelte Buch- 
haltung gelehrt. Zum Musikunterrichte war in jeder Classe ein 
Pianoforte. Ein Betsaal ist für den häuslichen Gottesdienst be- 
stimmt. Die Knaben haben alle ein gesundes , munteres und freies 
Ansehen , und werden sehr reinlich gehalten. In dem Gebäude ist 
auch ein Seminarium für junge Leute, welche sich dem geistlichen 
Stande widmen. Es bestand aus 5 Mitgliedern. Ihre Studien 
müssen diese Seminaristen im allgemeinen theologischen Seminar 
zu Gnadenfeld in Ober-Schlesien vollenden. Auf dem Dache der 
Schule ist eine Gallerie , von welcher man die umliegende Gegend 
übersieht. Nazareth liegt ziemlich hoch und nur 8 Meilen von 
den blauen Bergen entfernt. Die Umgebungen würden sehr hübsch 
sein , wenn mehr Wasser in der Gegend sichtbar wäre ; an diesem 
scheint es aber zu fehlen. 

Hierauf ffinffen wir in das Schwesternhaus, in welchem 37 alte 
Frauenzimmer wohnen. Sie schlafen alle in Einem grofsen Saale. 



239 

Tn ihrem Betsaale, so wie in dem Betsaale des Schwesternhauses in 
Bethlehem^ befindet sich eine kleine Orgel, die von einer Schwe- 
ster gespielt wird. Schon in Bethlehem und auch hier in Naza- 
reth bemerkte ich, dafs das alte lierrnhuter-Costüm der Frauen, 
und namentlich die Müt/xhen *) abgekommen sind; nur ganz alte 
Frauen tragen dieselben; die jungen gehen ohne Mützen, und sind 
recht ffiit «rekleidet. Zuletzt machten wir noch dem Prediger Ro7i- 
thal und dem (jJemeindevorsteher i/oeZ>er unsern Besuch. Bei dieser 
Gelegenheit lernte ich einen ehemaligen Missionar, Oppelt , ken- 
nen, der lange Jahre unter den Indianern, 100 Meilen jenseits De- 
troit, gelebt, und mehrere getauft hat. Er hatte sich nach Nazareth 
zurückgezogen, und beschäftigte sich mit dem Ausstopfen von Vögeln. 
Auf unserem Rückwege nach BethleJiem nahmen wir einen 
Umweg, um einen grofsen , von einem Nassauer, Namens ScJda- 
hadi., bewohnten Pachthof zu sehen, der wegen seiner guten Oeko • 
nomie hier im Lande bekannt ist. Seine Felder befinden sich m der 
That in einem vortrefflichen Zustande, so wie alle seine Scheunen 
und Wirthschaftsgebäude. Dieser Schlabach^ der jetzt ein reicher 
Mann ist, kam so arm nach diesem Lande, dafs er seine Ueberfiihrt 
abverdienen mufste ; und nur seinem Fleifs und seiner Sparsamkeit 
verdankt er seine jetzige Wohlhabenheit. In Bethlehem kamen 
wir gerade zur Essenszeit an. Nach Tische ging ich mit Herrn 
Seidel nach der grofsen Mädchenschule, deren Vorsteher er ist. 
Im Bureau, in welchem sich zugleich die kleine Hausbibliothek be- 
findet, die nicht allein aus religiösen , sondern auch aus belletristi- 
schen Werken und Reisebeschreibungen besteht, traf ich den ehr- 
V ürdigen Bischof Hüffel , der mich nebst Herrn Seidel bei der Be- 
sichtigung der Schule begleitete. In dieser Schule befanden sich 
gegen 100 zum Theil sehr schöne junge Mädchen zwischen 8 und 
18 Jahren, die eine sorgfältige Erziehung bekommen, und aufser 
dem Schulunterricht auch Anweisung im Zeichnen, in der Musik 
und im Verfertig-en aller Arten weiblicher Arbeiten erhalten. Sie ma- 
chen äufserst feine Stickereien und Tapisserie-Arbeiten , auch be- 
sonders schöne soe;enannte Bänderblumen. Sie sind in 4 Classen 
cingetheilt; in jeder Classe stand ein Pianoforte. Ich hörte, dafs 
sie ihre häuslichen Morgen- und Abendandachten singend verrich- 
ten. Nach Tische haben sie keinen andern Unterricht, als Musik 
und weibliche Arbeiten; später gehen sie in dem grofsen, in einem 



•) Vom Grafen Zinzendorf „ Seines Schweifstuchs treustes Conterfcy '• ge- 
nannt. 



240 

Thale hinter dem Hause gelegenen , Garten spazieren. Sie haben 
ebenfalls einen Betsaal , in welchem ein Pianoforte steht, und welcher 
auch zum Concertsaal gebraucht wird. Sie schlafen in grofsen Sälen 
mit den Aufseherinnen. Ueberall herrscht eine äufserst grofse 
Reinlichkeit; auch haben die Mädchen ein sehr gutes Aussehen. 
Das aber , was in europäischen Pensionen Statt zu finden pflegt, 
dafs alle Mädchen dieselbe Tracht tragen, und dafs die Classen 
durch verschiedenfarbige Bänder unterschieden werden, findet hier 
nicht Statt; vielmehr kleidet sich jedes Mädchen, wie es will. 
Uebrigens sind die Schülerinnen aus allen Theilen der V. St. ; sogar 
aus Alabama waren einige hier. 

Nach Besichtigung dieses interessanten Etablissements ging 
ich mit dem Bischof und Herrn Seidel am Bache spazieren, um 
einige dort am Wasser gelegene Werke zu besehen. Das erste, 
das wir sahen , >var das Werk , m elches das Wasser auf die Anhöhe 
in die Cisterne treibt, deren schon früher gedacht ist. Durch einen 
Abieiter des Baches wird ein unterschlägtig-es Wasserrad in Bewe- 
gung gesetzt; das Rad bringt zwei Pumpen in Thätigkeit; diese 
saugen das Wasser an und drücken es in eiserne Röhren hinein, 
welche dasselbe nach der Cisterne führen. Nicht weit von diesem 
Werk ist eine grofse , einem gewissen Leipert gehörige Roth - und 
Weifsgerberei. Bei derselben ist das Wasser ebenfalls der Haupt- 
Moteur. Man hat hier zwei Arten, das Wasser zu schöpfen. An 
der einen Seite eines grofsen unterschlägtigen Wasserrades sind 
Kasten befestigt; diese Kasten füllen sich mit Wasser, wenn sie 
unten sind, und giefsen dasselbe in eine Rinne aus, wenn sie in 
die Höhe kommen ; das ist die eine Art. Die andere aber ist eine 
gewöhnliche Pumpe, die vermittelst einer Kurbel in Bewegung 
erhalten wird. Diese Kurbel ist an einer Axe befestigt, welche auf 
dem andern Ende einen Drilling hat, der mit einem Kronrade in 
Verbindung ist. Das Kronrad ist auf einer schiefen Fläche befe- 
stifft, die mit dem Boden einen Winkel von etwa 30 Graden be- 
schreibt, und 2 Hunde, welche auf derselben 'gehen, setzen sie, 
und mit ihr das Ganze, in Bewegung. Die Kurbel dreht zu glei- 
cher Zeit auch noch einen Schleifstein. In der Gerberei war auch 
eine neu erfundene Maschine, um die Dicke der Ochsenhäutc 
um die Hälfte zu vermindern, und um das abgeschnittene Stück, 
das sonst abgeschabt winde , und zu nichts mehr gut war , zu zwei 
Paar Schuhen brauchbar zu machen. Endlich führten mich mei- 
ne Herren Bescleiter zu einem Gastwirthe, der mit Mühe und 
Kosten ein Cabinet von antiken und anderen Münzen angelegt hatte. 



241 

In der That war diese Sammlung für Amerika schon ziemlich reich 
und nicht ohne Werth. 

Den Abend brachte ich sehr angenehm in der Mädchenschule 
zu. Alle Mädchen Maren versammelt. Es ward ein musikalisches 
entertainement ^e^ehen^ meistens Gesang, gröfstesTheiles mehr- 
stimmig, geistliches und weltliches Inhalts, recht gute Chöre \on 
den älteren Mädchen. Da aber die Mädchen früh zu Bette gehen 
müssen, so war das entertainement ^ das ich der Attention des Herrn 
Seidel verdankte , bald zu Ende. Ich blieb noch einige Zeit bei 
Herrn Seidel, nahm dann von diesem wackern Manne, von dem 
würdigen Bischöfe Htiffel und von dem gefälligen Herrn Früauf 
herzlichen Abschied, mit dem festen Vorsatze, nächstes Frühjahr 
mit Gottes Hülfe diesen lieben Ort, wo es mir so wohl gefallen 
hatte, M'ieder zu besuchen. Beim Nachhausegehen hörte ich die 
Mädchen ihre Abendhymne singen. Als ich nach Hause kam, 
brachten mir 20 junge Leute des Orts, welche, obgleich zur Brü- 
dergemeinde gehörig , die militairische Musik der Miliz ausmachen, 
ein sehr hübsches Ständchen mit Blasinstrumenten. 

Nicht ohne Rührung konnte ich mich — 21. October früh 4 
Uhr — von dem friedlichen , stillen Bethlehem trennen , dessen 
Bewohner in grofser Eintracht zu leben , nur eine einzige Familie 
auszumachen, und, bei gleicher Erziehung und bei stetem Zusam- 
menleben, völlig gleiche Gewohnheiten angenommen zu haben 
schienen. Ich fuhr mit der Stage auf demselben schlechten Wege 
nach Philadelphia zurück, auf Avelchem ich gekommen Mar; tr- 
freuete mich jedoch einer freieren Aussicht auf die schöne , dicht 
bevölkerte und sehr gut angebaute Gegend. Besonders war mir 
der letzte Theil des Weges interessant. In den blühenden Orten 
Germaiitown und Lystoum giebt es schöne Gärt€n und Landhäuser 
der Patricier von Philadelphia. In der Gegend JVJiitemarsh be- 
merkte ich Ueberbleibsel der Verschanzungen von dem Lager des 
Generals Washington. Germantowjiy ursprünglich von Deutschen 
angelegt, bildet nur eine Strafse, die über 3 Meilen lang ist. 
Während die Engländer Philadelphia und die umliegende Gegend 
besetzt hatten, überfiel der General Washington die in und bei 
Germantown stehenden Engländer. Von diesen Marf sich jedoch 
ein Bataillon in ein massives Landhaus und vertheiiligte sich in 
demselben so lange, bis di« Armee sich sammeln und die Amerika- 
ner zurücktreiben konnte. Das Haus liegt in einem Garten, etwas 
über 100 Schritt von der Landstrafse. An der Strafse steht ein 
Ziehbrunnen , m «sicher die BeMohner des Hauses mit Wasser ver- 
/. Q 



242 

sieht. Der Besitz dieses Brunnens war den Engländern sehr wich- 
tig, und CS sollen in seiner Nähe viele Menschen das Leben ver- 
loren haben. Um 6 Uhr Abends erreichte ich Philadelphia. 

Am andern Morgen ging ich mit Herrn Halhach zu Herrn 
Vaux^ um in Begleitung desselben noch einige öflentliche Anstal 
ten zu besehen. Bei Herrn Vaux trafen wir mehrere der hiesigen 
public charaders an , mit welchen viel über das allgemeine Beste, 
über Schul - , Straf- und andere Anstalten gesprochen wurde. Dann 
gingen wir in eine Lancastersche Freischule. In derselben erhalten 
gegen 500 Knaben und einige hundert Mädchen aus den unteren 
Volksclassen Unterricht. Die Mädchen sahen wir nicht: es war 
Sonnabends, und an diesem Tage ist für sie keine Schule. Die 
Knaben von sehr verschiedenem Alter, sind, unter der Aufsicht 
eines einzigen Lehrers und mehrerer Monitoren, in 8 Hauptclassen 
eingetheilt. Sie sind auf Signale eingelernt; nach denselben ver- 
richten sie alle ihre Bewegungen und geben alle ihre Antworten mit 
der gröfsten Pünctlichkeit. Es wurden Gedächtnifsübungen ange- 
stellt. Sie recitirten im Chor mehrere Gedichte und rechneten auf 
gleiche Weise Exempcl im Kopf aus. Ihre Handschrift ist gut; 
aber ein Knabe schreibt fast, wie der andere. Si« bekommen auch 
Unterricht in der Geographie : einer der Knaben hatte eine ziemlich 
gute und richtige Skizze von Thüringen gezeichnet. Auf den 
Anzug der Kinder sollte etwas mehr gesehen werden ; denn meh- 
rere waren zerlumpt. Die Schule wird übrigens völlig von der 
Stadt erhalten und steht unter der Aufsicht der Quäker. 

Ueber die Gerichtshöfe sage ich Nichts. Sie sind ganz nach 
den englischen Formen gebildet. Interessante Sachen kamen nicht 
vor. Jene Formen der Rechtspflege aber sind zu bekannt, und 
zuviel besprochen worden, als dafs ich für angemessen halten 
könnte , noch Etwas hinzuzufügen. 

Das Staats-Gefängnifs , vor etwa 50 Jahren als county goal 
erbaut, enthielt provisorisch die Gefangenen, welche in das oben 
heschnehene penitentiai'y kommen sollten. Daher war dieses Ge- 
fängnifs, in welchem sich mehr als 500 Gefangene befanden, über- 
füllt; die Gefiingenen waren nicht genug bewacht und oft fielen 
Unordnungen vor. Durch eine übel angebrachte Philanthropie der 
Quäker, welche auch über diese Anstalt die Aufsicht führen, stehen 
keine Wachen auf der Mauer oder in den Gängen , von wo aus sie 
die Gefangenen beobachten können; und nur 5 Aufseher gehen 
beständig unter den arbeitenden Gefangenen umher, deren Leben 
nicht selten in Gefahr ist. Der Inspector des Hauses , Herr Stviß, 



243 

schien auch keineswegs für ein System eingenommen zu sein, 
welches die Gefangenen nicht nur nicht bessert, sondern auch die 
öffentliche Sicherheit gefährdet. Damals schien ein übeler Geist 
unter den Gefangenen zu herrschen, und man fürchtete täglich 
eine Explosion. Die Quäker selbst hatten, Avie mir vorkam , trotz 
ihrer Philanthropie, kein grofs Vertrauen zu diesen Menschen. Bei 
unserer Promenade durch die Anstalt glaubte ich Herrn Faux deut- 
lich anzusehen, dafs es ihm unbehaglich zu Muthe war; und als 
um 12 Uhr die Gefangenen sich an der grofsen Treppe versammel- 
ten, um zum Essen zu gehen, da begab ersieh schnell hinter die 
Gitterthür, wo er nöthiges Falls in Sicherheit war. 

Die weiblichen Gefangenen bewohnen den einen Flügel des 
Gebäudes und werden mit weiblicher Arbeit , mit Spinnen , Nähen, 
Stricken und Zupfen von Pferdehaaren, mit Strohflechten und 
Waschen beschäftiget. Sie sitzen in langen geheizten Corridors, 
aufweiche die Thüren ihrer Schlafstellen stofsen. Zehn und mehr 
schlafen bei einander , auf Haarmatratzen mit wollenen Decken. Es 
giebt für sie auch Zellen zum Solitary confinement ; in einer der- 
selben befand sich seit 4 Wochen ein junges, hübsches Mädchen, 
das, wegen Diebstahls verurtheilt , sich simpel und taubstumm ge- 
stellt hatte. In dem Solitary confinement hatte sie angefangen, 
recht gut und vernünftig zu sprechen. Die männlichen Gefangenen 
bewohnen den anderen Flügel und haben den ganzen Hof für sich. 
In demselben sind mehrere Werkstätte erbaut worden. Die meisten 
Gefangenen sind im Hofe mit Zersägen von Marmorblöcken be- 
schäftigt; andere müssen weben ; noch andere sind Schneider oder 
Schuhmacher; auch giebt es mehrere geschickte Tischler , die für 
Meubles-Händler in der Stadt arbeiten und recht elegante Meubles 
machen. Alle Hände sind beschäftigt und Müssiggänger werden 
nicht geduldet. Die Invaliden werden meistens mit Zupfen von 
Pferdehaaren beschäftigt. In dem Backhause für die Anstalt wird 
recht gutes schwarzes Brod gebacken, und die Gefangenen erhalten 
täglich \l Pfund. Die Gefangenen haben einen langen unterirdi- 
schen Corridor, der mit Lampen erleuchtet ist , zumEfs-Saal, und 
bekommen täglich sehr gute Bouillonsuppe, frisches Fleisch und 
Kartofieln. Sie leben also gewifs viel besser, als mancher ehrliche 
Arbeitsmann, der eine Familie redlich ernährt. In dem Solitary 
confinement für die Männer safs ein Weber, der seine Faden, 
weil; sie etwas verwirrt gewesen , in einem Augenblicke von Unmuth 
mit dem Messer durchschnitten hatte. Für die Kranken beiderlei 
Geschlechts ist in jedem Flügel eine besondere Iniirmerie. Trotz 

Q 2 



244 

der Ucbcrfülliing des Gefängnisses herrschte doch grofse Rein- 
lichkeit. 

Se. Evccllenz John Quincy Adams y Präsident der V. St., war 
von New - York und Boston , wo er seinen alten ehrwürdigen Vater 
besucht hatte, angekommen, und hatte im Mansion house, in der 
Stube neben mir , seine Wohnung genommen. Er war — am 22. 
October — in die Wistar party im Hause des Obersten Biddle ein- 
geladen , und hatte die Einladung 7Air allgemeinen Freude ange- 
nommen. Ich besuchte die party gleichfalls. Der Präsident ist ein 
Sechsziger , eher klein "als grofs , mit einer kahlen Scheitel und 
mit einem sehr einfachen und würdigen Ansehen. Er spricht nicht 
sehr viel , aber was er sagt , ist gut gesagt. Ich darf wohl bekennen : 
selten in meinem Leben habe ich eine so wahre , tief gefühlte Ehr- 
furcht empfunden, als in dem Augenblicke, da der ehrwürdige 
Mann mir die Hand schüttelte, den 11 Millionen Menschen, oder 
doch die Besten unter ihnen , für würdig erachtet haben , sie zu 
reo-ieren. Er erkundigte sich sehr viel nach seinen Genter Freun- 
den und besonders nach der De Meulemeest ersehen Familie. Leider 
konnte ich mich nicht lange mit ihm unterhalten, weil jeder aus 
der Gesellschaft gegründetere Ansprüche als ich auf die Ehre seiner 
Unterhaltung hatte. Ich machte inzwischen mehrere neue und 
interessante Bekanntschaften. So lernte ich zum Beispiel einen 
Quäker Namens Wood kennen^ der eine grofse Reise durch Eng- 
land und Frankreich, durch einen Theil von Deutschland, durch 
Dänemark, Schweden und Rufsland unternommen hatte, gröfstes 
Theilsin der philanthropischen Absicht, den Zustand der Strafanstal- 
ten in diesen Ländern kennen zu lernen. Ich erfreute mich sehr 
an seinem unterrichtenden Gespräch , obgleich ich einen harten 
Sti'aufs mit ihm zu bestehen hatte über die Gefängnifs-Systeme; 
denn er hatte gehört, dafs ich mit ihm wegen des neuen peniten- 
iiary^ von welchem er einer der thätigsten Beförderer ist, nicht 
völlig einerlei Meinung sei. Herr Livlngston, der in seinem Stiaf- 
buche für Louisiana die Todesstrafe ganz abgeschafft hat, wurde 
hier von den Philanthropen bis zum Himmel erhoben. Gott gebe 
sein Gedeihen ! 

Am folgenden Tage machte ich; dem Präsidenten einen Besuch, 
und (überreichte ihm die Medaillen, welche mir Heir CorneUssen 
In Gent für denselben anvertraut hatte. Die eine silberne war die 
Medaille der botanischen Gesellschaft in Gent, mit einer passenden 
Inschrift für den Präsidenten; die andere bronzene war die Me- 
daille , welche im Jahre 1823 zur Ehre des HacrUmer Jubelfestes 



245 

wegen der Erfindurifr der Buchdruckerkunst geschlagen worden ist. 
Beide sind von dem geschickten Künstler Braemt in Brüssel ge- 
macht worden. Am Abend sah ich don Präsidenten in einer Gesell- 
schaft bei Herrn Walsh^ welche er mit seiner Gegenwart beehrte, 
von Neuem. Ich hatte eigentlich die Absicht gehabt, an diesem 
Tan-e nach Baltimore mit dem Steam boat abzureisen ; durch die 
Ankunft des Präsidenten war aber mein Entschlufs geändert wor- 
den, weil ich in seiner Gesellschaft dem Feste beizuwohnen 
wünschte, das den 24. October gefeiert werden sollte, und dann 
mit ihm bis Baltimore zu reisen. 

Um nämlich den Tag in gesegnetem Andenken zu erhalten, 
an welchem im Jahre 1683 William Penn's Landung in Amerika 
Statt fand — eine Begebenheit , welche , an sich unbedeutend , die 
Gründung zuerst der Provinz , und dann des Staates Pensiilcanien 
zur Folge gehabt hat — ist hier von seinen Verehrern eine Gesell- 
schaft gebildet worden, welche diesen Tag — den 24. October — 
durch eine öflentüche Handlung zu feiern beschlossen , und welche 
defshalb Statuten aufgesetzt haben. Dieses Mal bestand die Feier 
in einer Rede, die im Universitätsgebäude gehalten ward, und in 
einem öffentlichen Diner. Zu der Rede ward ich von Herrn Vaux 
gegen 12 Uhr abgeholt. Das Universitätsgebäude von Pensylvanieii 
ist eigentlich vom Staat für den Präsidenten iVasJdngton erbaut 
worden; /fasA/wgfoM jedoch lehnte das Geschenk ab, und nun ward 
CS zur Universität bestimmt. In einem der medicinischen Hörsäle 
halte sich ein zahlreiches Auditorium versammelt; man placirte 
mich auf der Tribüne , welche später der Redner betrat ; auf der- 
selben erhielt auch der Präsident, dei- kurz nach mir hereintrat und 
mit lautem Zuruf begrüfst wurde, seinen Sitz. Die Rede wurde 
von einem Advocaten, Dr. Ingersoll, gehalten. Sie enthielt mehr 
ein statistisches Tableau des Staates Peiisylvanien , als eine Erzäh- 
lunjr der Landun«: William Penn's. Dieses war den Quäkern nicht 
ganz recht, obgleich die Rede sehr gut abgefafst war, und auch 
sehr vielen Beifall fand. Der Redner gedachte eines interessanten 
Factum«, das, meines Wissens, in Europa noch nicht bekannt ist. 
William Fe/?« nämlich sagt in einem Schreiben, welches ich schon 
vor einigen Tagen bei Herrn Faitghan in der Bibliothek der philo- 
sophischen Gesellschaft im Original gesehen hatte : Carl 11. habe 
in der Acte, welche von diesem König über das Ihm zugestandene 
Land ausgefertigt worden, dieses Land, seinem Vater, dem 
Admiral Penn , zu Ehren , Pemylvanien genannt. Er , William Penn^ 
habe den Namen New -Wales vingescldagcn. Dieser Name sei 



246 

aber von dem Könige nicht genehmigt worden. Hierauf habe er 
dem Secretair 20 Guineen geboten, wenn das Land nm* Sylvanien 
genannt würde; aber auch dieser Vorschlag sei nicht gelungen. 
Der Name Pensyhania sei ihm äufserst unangenehm gewesen; 
denn man werde in demselben vielleicht eine grofse Eitelkeit von 
seiner Seite finden , da er doch von aller Eitelkeit weit entfernt sei. 
In den Bemerkungen über die Fabriken von Pensylvanien , ging der 
Redner hin und wieder etwas zu weit. Er sagte z.B., dafs nirgends, 
selbst nicht in Europa, bessere Wagen gemacht >vürden, als in 
Pldlaclelfhia^ da docKdie hiesigen Wagen gerade nicht die besten 
und bequemsten sind. Die Unterrichtsanstalten des Staates zeigte 
er in einem weniger günstigen Licht, und gestand klagend ein, 
dafs sie nicht so weit vorgerückt wären, als in den nördlichem 
Staaten; besonders sei die Universität von Pensylvanien weit zu- 
rück. Auch klagte er über den grofsen Hang der unteren Volks- 
classen zur ünmäfsigkeit. — Man zollte dieser Rede vielen Beifall ; 
auch gab das Publicum dem Präsidenten, als er sich zurückzog, 
auf eine gleiche Weise seine Achtung zu erkennen. 

Ich safs in der Tribüne neben dem Si^jährigen Richter Peters, 
der während der Revolution Secretair des Kriegsdepartements ge- 
wesen war. Auch wurde ich hier dem Herrn Washingtoji , Neflen 
des Helden , und Richter in supreme court of the U. S. , vorgestellt. 
Er ist der Erbe seines Oheims, und besitzt Mount Fermon, den 
Landsitz dieses grofsen Mannes, wo auch dessen Gebeine ruhen. 
Nach der Rede besah ich das im Universitätsgebäude befindliche 
anatomische Cabinet. Es ist nicht sehr reich ausgestattet, aber es 
hat einige interessante Dinge ; z. B. zwei lebensgrofse Wachsfigu- 
ren, die man aus einander nehmen kann; ferner eine Sammlung 
Ton Menschenschädeln, unter welchen mir ein Paar ganz platt ge- 
drückte Schädel von Peruanischen Indianern auffielen; unter den 
menschlichen Skeletten , ein sehr gut zusammengesetztes von einem 
CreeÄ:-Indianer ; mehrere Exemplare gebrochener und schlecht zu- 
sammengeheilter Menschenknochen , so wie von allerlei Krankheiten 
zerfressene ; auch alle sonstigen Theile des menschlichen Körpers, 
ausgespritzt oder in Weingeist aufgehoben. 

Um 4 Uhr fuhr ich mit Herrn Vaux nach der Masonic hall^ 
in welcher das Diner gegeben wurde. Einige 70 Peronen, mei- 
stens Herren meiner Bekanntschaft, wohnten demselben bei. Der 
Präsident safs zur Rechten des alten Richters Peters, der, in 
William Penns Stuhle sitzend , Präsident des Diner war. Ich safs 
zur Linken dieses würdigen Greises. Mir zur Linken der heutijic 



247 

Redner, Dr. Ingersoll. Hinter Herrn Peters Stuhl war William 
/'c7m'Ä Portrait , in Oel gemalt, aufgestellt, und unter diesem der 
bekannte Kupferstich, der seinen Tractiit mit den Indianern vor- 
stellt. Der Vice - Präsident der Tafel war ein alter Franzose, 
Dnjyonccau, welcher seit 47 Jahren in diesem Lande, während des 
Revolutions- Krieges, Adjudant des Barons Steubcn gewesen, jetzt 
aber Advocat ist, und sehr gut in englischer Sprache plaldirt. 
Dieser alte Mann besitzt ein seltenes Sprachtalent und hat eine 
grofse Vorliebe für die deutsche Sprache. Göthe's Faust ist sein 
Lieblingswerk in dieser Sprache; und da sich unser Geschmack 
hier begegnete, so unterhielten wir uns lange über den Faust und 
recitirten wechselsweise unsere Lieblingsstellen. Die erste Gesund- 
heit, welche ausgebracht wurde, war natürlich die des Präsidenten. 
Se. Excellenz stand auf, und sprach in einer kurzen Rede seinen 
herzlichen Dank aus. Als meine Gesundheit getrunken wurde, 
stand ich gleichfalls auf, entschuldigte es In englischer Spiache, 
dafs Ich nicht wagte, den Herren In dieser Mundart zu danken, 
und bat um Erlaubnifs, meinen Dank In französischer Sprache, die 
mir geläufiger wäre, ausdrücken zu dürfen. Alsdann sprach ich 
einige Worte aus vollem Herzen. Ich bezeugte meine innigste 
Thei! nähme an dem herrlichen und freudigen Gedeihen dieses 
Landes. Ich wünschte der Gesellschaft Glück zu dem frommen 
Sinne , mit welchem sie das Andenken an die Vater , und besonders 
an den vortrefllichen Mann feierte, der den Grund gelegt habe 
zu diesem grofsen gemeinen Wesen: in diesem Sinne habe das 
Land die feste Bürgschaft einer glücklichen Zukunft. Ich sprach 
meine Freude darüber aus, dafs ich giade in dem Augenblicke 
dieser Feier anwesend , und Zeuge der Gesinnung sei , die sie 
beseele. Ich dankte gerührt für die freundliche Aufnahme, die 
mir zu Thell geworden, und verschwieg den Eindruck nicht, den 
ihr Thun und Treiben auf mich gemacht habe. Das Andenken an 
dieses Fest, sagte Ich, dessen Feier noch durch die Gegenwart 
des ersten Magistrates dieses grofsen Volkes erhöhet und verherr- 
licht worden sei, werde niemals aus meiner Seele verschwinden, 
so wie Ich auch hoflle, Freunde In der neuen Welt zurückzulassen 
bei meiner Rückkehr in die alte. Ich schlofs mit Wünschen des 
Segens und des Heils. Und es schien, als wurden meine einlachen 
Worte nicht unfreundlich aufgenommen. Gegen 8 Uhr zog der 
Präsident sich zurück; ich blieb bis gegen 10 L)hi. Unter den 
sogenannten volunlecrs brachte man folgende Toasts aus : „Weimar, 
das Vaterland der Wissenschaften ! " Ich stand auf und sagte : „auf 



248 

diesen Toast könnte ich nur mit einem bescheidenen Schweigen 
antworten. Denn er könne nur würdig von einem Weimaraner 
beantwortet werden mit einer Rede voll grofser Gelehrsamkeit; 
und leider! könnte ich mich derselben nicht rühmen. Sehr jung 
vom älterlichen Hause entfernt und fast als Kind in eine kriegerische 
Laufbahn getreten , seien die Wissenschaften in meine Thür nicht 
eingekehrt. Defsvvegen wolle ich, anstatt der Antwort, folgen- 
den Toast einsetzen: ,^Pensyliiamen^ der Zmfluchtsort für unglück- 
liche Deutsche!" Dieser Trinkspruch wurde mit grofsem Jubel 
aufgenommen. Der alte 82jährige Richter Peters sang selbst mit 
einer noch ziemlich sichern Stimme ein Lied , das er gestern Abends 
gedichtet hatte , und Alles war ungemein heiter und fröhlich. 

Die Gesellschaft hat ihre Statuten in ein sehr elegant einge- 
bundenes Buch mit Pergamentblättern zierlich einschreiben lassen. 
Dieses Buch war dem Präsidenten und mir zum Unterzeichnen 
vorgelegt worden. Wir haben unterzeichnet, und sind dadurch 
Ehrenmitglieder dieser achtungswerthen Gesellschaft geworden. 

Uebrigens gedachte ich treulich an diesem Feste der Brüder, 
die in denselben Stunden in einer andern Hemisphäre zu einem 
andern Feste versammelt waren , und die vielleicht bei ihrer letzten 
Gesundheit — :. „die auf dem Erdenrund zerstreueten Brüder!" — 
heute auch meiner gedachten, des weit Entfernteu und doch so 
Nahen ! 



XII. 

Reise nach Baltunore und Aufenthalt in dieser Stadt. 

Vom 25. October bis 2. November 1825. 



Den 25. October machte ich einige Abschiedsbesuche, und be- 
gab mich dann, um 12 Uhr, auf das Dampfschiff 5a/f<»iore, um 
das liebe Philadelphia zu verlassen, das mir so theuer geworden 
war. Herr Tromp war schon einige Tage früher abgereiset, um 
in Norfolk die Pallas aufzusuchen, und auch die Familie Gryines 
war in ihre Heimath zurückgekehrt. Kurz nach mir traf auch der 
Präsident auf dem Schiffe ein , von mehreren Herren aus der Stadt 
begleitet. Auf dem Quai , an dem das Dampfschiff lag , hatte sich 
eine grofse Menge Bürger versammelt, um den, von allen gut- 
denkenden Menschen mit Recht so innig verehrten Chef des Gou- 
vernements noch ein Mal zu sehen. Als sich das Schiff, 5 nach 
12 Uhr, in Bewegung setzte, rief das versammelte Publicum », das 
durchgängig aus gutgekleideten Personen bestand, dem Präsi- 
denten ein Hurrah nach. Er blieb lange mit unbedecktem Kopfe 
stehen^ 

Wir fuhren den Delaware gegen 40 Meilen hinab. Der Flufs 
wird sehr breit; die Ufer sind flach, scheinen aber gut angebaut 
zu sein. Der Präsident hatte die Güte, sich lange mit mir zu 
unterhalten. Ich lernte auf dem Schiff auch einen Herrn Sullivan 
ans Boston kennen, der bei dem Präsidenten viel zu gelten schien, 
und einen englischen Infanterie - Capitain Maclean , von der Garni- 
son von Halifax j der hier im Lande zu seinem Vergnügen reisete. 
Zugleich traf ich Herrn de Salazar^ Columbianischen Gesandten, 
nebst seinem Gesandtschafts-Secretair Gomez^ und den Mexikani- 
schen Gesandten Oörego?« , welche Herren ich schon yonNeio-York 
aus kannte. Ich erfreute mich sehr an ihrem interessanten .Ge- 
spräch und aa ihren gemäfsigten Ansichten. 



250 

Zwischen 4 und 5 Uhr Abends hmdeten wir in Neiv - Castle, 
einem auf dem rechten Ufer des Stromes im Staate Delaware {gele- 
genen , gut gebauten Städtchen. Um dem Entrepreneur der Stagcs 
in New - Castle anzuzeigen , wie viel Stages nöthig waren , hatte 
man auf dem Schilfe eben so viele grofse Kugeln auf einem Tau 
in die Höhe gezogen. Wir brauchten 8 , um nach Frenchtoum im 
Staate Martjland^ am Elkricer, zu kommen. Ich setzte mich mit 
den Herren de Salazar , Obregon und Gomez in einen Wagen, 
und gegen 7 Uhr waren die 16 Meilen zurückgelegt. Da der 
Präsident sich in einer der Stages befand, so fuhren die Kutscher 
etwas geschwinder als gewöhnlich. Der Weg war gröfstes Theiles 
sandig und ging durch Wälder; Ortschaften sahen wir nicht; auch 
ward es bald dunkel , und das interessante Gespräch zog überdiefs 
von der Betrachtung der Gegend ab. Frencktown ist übrigens ein 
kleiner Ort, welcher von dem englischen Admiral Cockburn im 
letzten Krieg ausgeplündert und verbrannt worden ist. Wir be- 
stiegen liier das DampfschilT Constitution. Dieses Schilf ist sehr 
grofs und geräumig, und auch mit Betten versehen; jedoch ver- 
ursachte die Maschine einen grofsen Lärm und vieles Stofsen. Wir 
hatten eine schöne mondhelle Nacht, und die mit Holz bewachse- 
nen Ufer des Siisqiiekannah und später der Chesapeak-bay nahmen 
sich recht hübsch aus. Ich blieb lange auf dem Verdeck und unter- 
hielt mich mit dem Capitain Muclean; aber auch dann war im Bette 
an keine Ruhe zu denken. Denn die Dampfmaschine machte ihr 
Getöse ; 6 Pferde , die gerade über mir auf dem V erdecke standen, 
lärmten, und ein deutscher Handwerker, der nicht schlafen konnte, 
liielt Nachtmonologen. Gegen Morgen langten wir sehr früh im 
Hafen von Baltimore an. 

Der Präsident nahm sogleich nach unserer Ankunft einen Wa- 
gen^ um nach Washington zu reisen, das nur 36 Meilen entfernt 
ist. Der gröfste Theil der Reisegesellschaft blieb liegen, bis zwi- 
schen 6 und 7 Uhr. Dann ging ich ans Land und durch die noch 
ziemlich öden , regelmäfsigen Strafsen nach dem Gasthof, Indian 
Queen, in welchem Quartier für mich bestellt war. Ich hatte die 
Freude, Sir Michael Cläre und seine Frau hier zu treffen; auch 
erhielt ich kurz nach meiner Ankunft einen Besuch von Herrn 
Hwifgens, dem Sohn des Chevalier Bangemann Huygens ^ Nieder- 
ländischem Gesandten in Washington^ Officier in unserer Artillerie 
und altache an die Gesandtschaft. Sein Vater hatte die Attention, 
mir diesen jungen Mann entgegen zu schicken und einstweilen zu 
meiner Disposition zu stellen. Sobald ich mich in dem Wirthshaus 



251 

etablirt hatte, gin^v ich mit Sir Michael aus ^ um einige Merkwür- 
digkeiten in der Stadt zu besehen. Die Stadt *) ist sehr regelmäfsig 
gebaut und enthält, wie man versicherte , 75,000 Einwohner. Man 
hat grofse Projecte , sie noch zu vergröfsern; diese Projecte sind 
jedoch durch einige bedeutende Bankerotte etwas ins Stocken ge- 
rathen. Fast ist es unglaublich, wie schnell diese Stadt zugenom- 
men hat; denn im Jahre 1752 standen liier nur 10 Häuser. Die 
Strafsen sind breit und mit Trottoirs versehen, zum Theil auch, 
wie in Philadelphia^ mit Pappeln bepflanzt. Die Stadt scheint 
ziemlich lebhaft zu sein. Ich bemerkte eine ungewöhnliche Anzahl 
Neger in den Strafsen. Der Staat Maryland ist der erste, den 
ich betrat, in welchem die Sclaverei der Neger gesetzmäfsig bei- 
behalten worden ist Weiter südlich herrscht sie überall. Ich aber 
bleibe bei dieser Thatsache stehen. Es kommt mir nicht zu , mich 
über diesen delicaten Gegenstand zu äufsern. Auf meiner Reise 
habe ich jedoch von Neuem die alte Erfahrung gemacht, dafs man 
sehr leicht irrige Urtheile über Gegenstände fället , die man nicht 
genau kennet , nicht selbst gesehen und selbst geprüft hat. 

Zuerst besahen wir das auf einer Anhöhe stehende Monument 
Washingtons. Es ist oder wird vielmehr vom Staate Maryland er- 
richtet, und besteht aus einer Säule von weifsem Marmor, die 
gegen 160 Fufs hoch ist, und mit bronzenen Basreliefs, Scenen 
aus dem Leben des Helden , geziert werden soll. Auf die Kuppel 
der Säule soll eine colossale Statue des grofsen Mannes kommen. 
Die Fonds scheinen indefs nicht zuzureichen; defswegen sind die 
Verzierungen noch nicht gemacht. Wir stiegen auf einer Wendel- 
treppe von 226 Stufen auf die Säule hinauf; aber der Standpunct 
gewährte keine schöne Aussicht, weil die Luft neblig war. 

Hierauf besahen wir ein anderes Monument, welches den Bür- 
gern zu Ehren errichtet worden ist, die am 12. September 1814 
bei der Yertheidigung von Baltimore gefallen sind. Auf einem 
Piedestal steht eine Säule, deren Schaft aus einem Bündel von 
Stäben besteht. Auf die Bänder, welche die Stäbe zusammen- 
halten, sind die Namen der gefallenen Bürger eingegraben. Ueber 
der Säule steht die Statue einer Victoria. Auf den 4 Ecken des 
Piedestal sitzen Greife. 

Wir bemerkten ferner mehrere schöne öffentliche Gebäude, 
unter welchen sich einige Kirchen besonders auszeichnen. Die 
schönste ist die katholische Kathedrale, welche eine Kuppel hat. 



') S. den I)eilicgentlcn Plan. 



. 252 • 

die der Kuppel des römischen Pantheon ähnlich ist. Im Innern 
ist die Kirche geschmackvoll und reich verziert und besitzt mehrere 
gute Gemälde, die gröfstes Theiles zur Zeit der französischen 
Revolution hieher gekommen sind. Das schönste unter ihnen ist 
eine Kreuzabnahme von Guerin in Paris, welches Gemälde, wie 
eine Inschrift sagt , auf Ansuchen eines Grafen Menou von Ludwig 
XVni. dieser Kirche geschenkt Morden ist. Es ist Schade, dafs 
es wegen seiner Gröfse nicht als Altarbild aufgestellt werden kann. 
Man hatte es neben dem Eingang aufgehängt. Der jetzige König 
Carl X. soll der Kirche ein Pendant zu diesem Gemälde versprochen 
haben. Ich lernte in der Kirche den Erzbischof von Baltimore^ 
Marechal, kennen, der eigentlich der katholische Primas der V.St. 
ist. Er ist von Geburt ein Franzose, wohnt aber schon seit dem 
Jahre 1792 in den V. St. , wohin er zuerst als Missionar kam. Man 
rühmt ihn als einen Mann von vielem Geist und grofser Gewandt- 
heit. Er hat ein sehr einfaches Aeufsere , ist ein kleiner Mann, und 
ziemlich lebhaft. Im ersten Augenblicke, da er mich ansprach, 
hielt ich ihn, mit seinem Buch unter dem Arme, für einen fran- 
zösischen Sprachmeister ; er stellte sich mir aber bald selbst als den 
Erzbischof vor. Im Staate Maryland wohnen die meisten Katho- 
liken ; es ist der einzige Staat -^ aufser dem Staate Louisiana und 
dem Territorium Florida — , in welchem die Katholiken, wegen 
ihres Vermögens, Einflufs haben» Nicht weit von der Kathedrale 
steht eine Kirche der Unitarier, von aufsen geschmackvoll mit 
Säulen verziert und mit einer Kuppel versehen. Die englische 
Episcopalkirche st«ht auch nicht weit entfernt. Sie hat ebenfalls 
eine Colonnade am Eingang, aber einen äufserst geschmacklosen 
Thurm. Das Portal der Kirche ist mit 2 Statuen geziert, Christus 
und Moses , von einem hier lebenden italienischen Bildhauer , Ca- 
pcllaro, Man erzählte, die EiuAvohner \on Baltimore hätten sich 
sehr an Moses Hörnern scandalisirt , und den Künstler genöthigt, 
sie ihm wieder abzunehmen. Gewifs ist , der hiesige Moses trägt 
diese Zierde nicht. Noch sahen wir ein anderes Gebäude, neu 
aufgeführt , das Athenaeum genannt. In demselben ist eine kleine 
Bibliothek und ein Lesezimmer für amerikanische und englische 
Zeitungen , so wie ein grofser Concertsaal. Dieses Gebäude ist auf 
Subscription errichtet worden. Bndlich gingen wir in ein grofses 
Haus, the exckange genannt, in welchem sich das Zollamt und die 
Börse belinden. 

Wenige Stunden nach dieser Wanderung reisete Sir Michael 
und Ladv Cläre nach New - York ab , wo sie sich nach Jamaica 



253 

einzuschiffen gedachten. Ich verdankte ihnen indcfs noch die 
Bekanntschaft dcsDr. Macaul ay , eines hiesigen Arztes von grofsem 
Rufe: eine Bekanntschaft, die mir um so angenehmer war , da ich 
bald bemerkte, dafs ich in Herrn Macaulay einen sehr unterrich- 
teten und vielseitig gebildeten Mann gefunden hatte. In Begleitung 
desselben fuhr ich nach dem Fort MHenry. Dieses Fort liegt 
2 Meilen südlich von Baltimore auf der äufsersten Spitze der Land- 
zunge, welche von dem östlichen und westlichen Arm des Patapsco 
gebildet wird , der unterhalb des Forts in die Chesapeak-bay fällt. 
Es ist defshalb interessant, weil es am 12. September 1814 [einen 
Angriff' der Engländer zur See abschlug, und durch seine gute 
Vertheidigung viel zur Rettung von Baltimore beitrug. 

Die Eno-länder nämlich hatten auf dem östlichen Ufer des 
Patapsco Truppen ans Land gesetzt, welche die Stadt von der 
Landseite angreifen sollten, während die Marine bestimmt war, das 
Fort MHenry zu bombardiren und einzunehmen. Die gelandeten 
Truppen, deren General Roß erschossen wurde, fanden bei den 
Bürgern, die ihnen entgegengerückt waren, so vielen und so 
kühnen Widerstand , dafs sie sich genöthigt sahen, mit bedeutendem 
Verlust zurück zu gehen , und der Angriff' auf Fort MHenry hatte 
keinen bessern Erfol«;. Die enfflischen Bombenschiffe blieben in 
einer zu grofsen Entfernung von dem Fort, als dafs die Bomben 
grofsen Schaden hätten anrichten können; dagegen genirte das 
Feuer der unteren Batterien vom Fort ihre Schiffe sehr. Da sie 
dem Fort von dieser Seite nichts anhaben konnten, so schifften 
sie während der folgenden Nacl^ Truppen in Böte ein, welche, 
durch die Dunkelheit begünstigt, am Fort vorbei, in den westlichen 
Arm des Patapsco fuhren. Sie wurden aber zeitig genug von wei- 
ter zurückgelegenen Batterieen entdeckt, und in den Grund ge- 
schossen. Das Fort ist 'äufserst klein und unansehnlich: ein Pen- 
tagon mit 5 kleinen Bastionen , in deren jeder höchstens 3 schwere 
Stücke stehen können ; vor dem Eingang ist ein kleines Ravelin, 
das jedoch Nichts vertheidigt. Eine Contre-Escarpe ist nicht vor- 
handen. Die Wälle sind revctirt. Nach der Landseite zu hat man 
das Fort vom Lande durch eine crenellirte, sägeförmig geführte 
Mauer getrennt, welche ihm jedoch eher nachtheilig, als vortheilig 
sein dürfte. Nach der Wasserseite hin ist unter dem Fort eine 
Küstenbatterie, in welcher über 50 Stücke stehen können, die über 
Bank feuern. Auch sind hier ein Paar Oefen, um die Kugeln 
glühend zu machen. Diese Batterie war es, welche den Englän- 
dern den meisten Widerstand bot. Sic war mit französischen 



— ^ 254 

schweren Schlflsstücken besetzt, von Jeröme Bojiaparfcs hier ge- 
strandetem Linienschiir, und wurde von amerikanischen Matrosen 
bedient. Es standen 1500 Mann in dem engen Räume ; kein einzi- 
ges bombenfestes Gebäude, nicht einmal ein Pulvermagazin war 
im Fort; und dennoch verlor diese Besatzung nicht mehr als 30 
Mann an Todten und Verwundeten. Seitdem haben die Ingenieurs 
unter dem Wall auf beiden Seiten des Thors Casematten angebracht. 
Auch sind seitdem ein bombenfestes Pulvermagazin und bomben- 
feste Brunnenhäuser gebaut worden. Das Fort befand sich in einem 
ziemlich baufälligen Zustand ; auch soll es wegen seiner unwichtigen 
Lage verlassen werden. Die Ingenieurs sind Willens, mehrere 
Meilen weiter hinaus an der Chesapeak-hay neue Befestigungen an- 
zulegen. Die Lage des Forts M'Henry ist übrigens so ungesund, 
dafs es während des Sommers von seiner Garnison geräumt wird. 
Vom Fort aus hat man eine hübsche Aussicht auf beide Aime des 
Patapsco und die Ufer; besonders schön nahmen sich die Bäume 
in ihrem Herbstschmuck mit ihren bunten Blättern aus. Bei unsrer 
Rückkehr nach der Stadt bestiegen wir einen die Stadt beherr 
sehenden Hügel , von welchem aus man wieder eine äufserst schöne 
Aussicht hat. Auf demselben steht ein Haus mit Signalstäben, 
welche die ankommenden Schiffe signalisiren. 

D. Macaulay zeigte unä auch die Arzneischule , ein auf Kosten 
des Staates Maryland erbautes , mit einem Porticus geziertes , gro- 
fses und schönes Gebäude. Es enthält eine von oben erleuchtete 
amphitheatralische Rotunde für practische Vorlesungen in der 
Anatomie; ferner ein halbes Ainphitheater für die phjsicalischen 
Vorlesungen, bei welchem sich ein Laboratorium und ein Cabinet 
mit physicalischen Instrumenten befindet. In diesem Cabinete gab 
es 4 Electrisir-Maschinen , 3 Luftpumpen mit den nölhigen Appa- 
raten, alle nöthigen Geräthschaften zur Erzeugung von Gasen, 
eine Sammlung von Säuren, und 2 grofse galvanische Batterieen, 
nach Sir Humphrey Davy's System zum Herumdrehen auf einem 
Rade. Die meisten Instrumente sind in Paris verfertigt. Das 
anatomische Cabinet schien noch nicht reich dotirt zu sein , da die 
Schule noch sehr neu ist. Ich bemerkte eine weibliche Wachsfigur, 
die einen Nabelbruch zeigte; ferner mehrere menschliche Embryo- 
nen und Mifsgeburten. Auch sah ich eine ziemlich reichhaltige 
Mineraliensammlung, in welcher ich eine Basaltsäule von giaiits 
causeway aus Iiland als alte Bekannte begrüfste. An der Arznei- 
schule lehren 8 Professoren, und die Vorlesungen finden während 
4 Wintermonateii Statt. Neben diesem Gebäude steht ein Kranken- 



I 



255 

haus für Arme, welches zur Arzneischule gehört, und in welchem 
die Kranken durch barmherzige Schwestern gepflegt werden. 

Das Museum ist von demselben alten Maler Peal^ der das 
Museum in PliUadcJphla angelegt hat, etablirt worden; einer seiner 
Söhne hat es fortgesetzt. Diese Söhne sind schon in der Wiege 
von ihrem Vater zu Künstlern bestimmt Morden ; denn ihre Tauf- 
namen sind: Ruhens, Rembrandt und Titian. Re?nhrandt ist an 
der Spitze dieses Museums. Einen der Säle hat er seinen eigenen 
malerischen Productionen gewidmet. Einige Copien, z. B. der 
König Lear , der dem Sturme trotzt , nach B. West , sind ihm gut 
gelungen; weniger gelungen hingegen möchten die Originale sein, 
besonders das lebensgrofse Portrait Napoleons zu Pferde. Ziemlich 
gut sind einige Miniaturbilder von einer Mifs Peal^ Tochter oder 
Schwester des Malers Peal. Das Museum ist nicht so reich als 
das Museum in PhiladelpMa, enthält aber auch sehr interessante 
Gegenstände. Ich hatte jedoch nicht Zeit genug, um alles e?i 
detail zu sehen, weil ich von D. Macaulay's Gefälligkeit keinen 
Mifsbrauch machen wollte. Es ist in 2 Etagen vertheilt; in der 
ersten sind mehrere 4füfsige Thiere und Vögel aufgestellt; unter 
den ersteren bemerkte ich wieder ein Schnabelthier aus Neu-Süd- 
Wallis. Die Vögel sind alle inländische und in Wilsons Ornitho- 
logie beschrieben. Die Suite amerikanischer Insecten und Schmet- 
terlinge ist schön, unter ihnen mehrere Tausendf üfse , grofsc 
Scorpionen und die Riesenspinne aus Süd-Amerika, welche den 
Colibri tödtet. Diese Insecten sind sämmtlich gut aufbewahrt 
und zwar in Kästen von weifsem Gyps. Der Gyps wird mit heifsem 
Wasser flüssig gemacht; wenn er noch ganz heifs ist, wird die 
Vertiefung hinein gedrückt , in welche die Insecten kommen sollen. 
Hierauf steckt man die Nadeln, an denen die Insecten befestio-f 
sind, in den Gyps, während er noch so heifs ist, dafs er alle 
Motten , die mit in die Vertiefung gekommen sein könnten , tödtet^ 
und verschliefst sie endlich hermetisch mit einem Uhrglas. Auch 
giebt es eine schöne Sammlung indischer Antiquitäten , Waffen und 
sonstiger Geräthe. Unter den Waffen besonders eine Menge Pfeil- 
spitzen von Feuerstein, wie ich sie bei den Tuscaroras gesehen 
hatte. Ferner eine Menge Spielereien und andere Kleinigkeiten; 
ganz gemeine deutsche Tabakspfeifen : bei einigen steht geschrie- 
ben: austrian pipes; bei einer: a ^erman pipe; mehrere Guck- 
kasten und Spiegel , um sich im Profil zu sehen u. s. w. Auch ein 
Mammouth-üke\eit, jedoch nicht so vollständig, als das in P/a'la- 
dclphia: die grofsen Zähne fehlen; die Unterkinnlade aber ist 



256 

besonders gut erhalten; sie war indefs vor einigen Wochen mit 
der Kette, mit welcher sie an der Stubendecke befestiirt gewesen, 
heruntergefallen und m zwei Stücken zerbrochen. Endlich eine 
recht schöne Mineraliensammlung. Schade, dafs so viele seltene 
Gegenstände nicht besser geordnet und von so vielen geringfügi- 
gen Gegenständen, welche die Holländer mit dem eignen Wort 
prullefi bezeichnen, getrennt waren. 

Die Stadt -Bibliothek ist auf Subscription angelegt. Sie soll 
gegen 15,000 Bände enthalten. Ich liefs mir Humboldt's Pracht- 
werk über Mexico zeigen ; sonst besitzt die Bibliothek eben Nichts 
Seltenes. Ihre meisten Werke sollen juristisches Inhalts sein. 

Ein Quäker, Herr Thomas^ einer der hiesigen philanthropi- 
schen pM6//c characters^ dem ich von Herrn Vaux in Philadelphia 
empfohlen war, begleitete mich nach einer am Hafen gelegenen 
Dampfmahlmühle. Eine solche Mühle würde, wie mir scheint, 
Nachahmung verdienen, vorzüglich in Flandern, wo man wenig 
fiiefsendes Wasser hat. Die Maschine, welche die Hauptwelle in 
Bewegung setzt, ist von Boltoti und Watt zu Solio in England ge- 
macht worden , und hat die Kraft von 60 Pferden. Die Mühle hat 
8 Gänge, von welchen jedoch gewöhnlich nur 4 Gänge in Thätig- 
keit sind. Die meisten Geschäfte , die sonst durch Menschen ge- 
than werden müfsten, werden durch Vorrichtungen, welche alle 
mit der Dampfmaschine in Verbindung stehen, verrichtet. Ein 
hölzerner, horizontalliegender, langer Kasten führt aus dem 
Innern der Mühle nach dem Quai , an welchem die Getreideschiffe 
anlegen. Aus den Schiffen schüttet man den Weizen in das eine 
Ende des Kastens oder vielmehr Canals , in welchem seiner Länge 
nach eine Schneckenschraube — vis d Archiniede — läuft. Diese 
bringt durch ihr Umdrehen den Weizen ins Innere des Hauses , in 

TD 

ein grofses Reservoir, Nun wird der Weizen durch ein Kasten- 
werk — die Kasten sind an einem Riemen befestigt — bis unter's 
Dach des Hauses gehoben und in eine Kornrolle von Draht ge- 
schüttet, in welcher er allen Unrath , unnütze Hülsen und zu kleine 
Körner verliert. So gereinigt, wird er vermittelst Rinnen auf die 
Mühlsteine geleitet. Das Schrot fällt in ein gemeinschaftliches 
Reservoir, wo es wiederum durch ein Kastenwerk bis in eine, aus 
ganz feinem und dicht geflochtenem Draht gemachte Beutelmaschine 
gehoben und darin gebeutelt wird. Das ganz feine Mehl fällt dann 
durch eine Rinne auf einen Platz , wo es vermittelst eines horizon- 
tal sich um eine Axe drehenden Rechens ausgebreitet wird, um 
sich abzukühlen. Ist dieses geschehen , so läfst man es durch eine 



257 

Rinne bis auf einen Platz im Erdgeschosse fallen, um es in eichene 
Fässer zur Versendung einzupacken. Ein Arbeiter füllt das Pafs 
mit einer Schaufel , schiebt es auf einen daneben stehenden eiser- 
nen Ring, der die eine Schale einer Wage bildet, um es zu 
wägen , und dreht es dann etwas weiter unter einen wollenen Ballen, 
der vermittelst eines Hebels das Mehl im Fasse festdrückt. Hierauf 
wird das Fafs auf die gewöhnliche Weise verspun4et, und kann nun 
sogleich zur Versendung eingeschifft werden. Diese Mühle kann 
täglich über 2000 Barrel des feinsten Mehles mahlen, geht Tao- 
und Nacht, und hat nur 12 Arbeiter. Der Eigenthümer safrte, er 
könnte mit noch wenigeren Arbeitern auskommen , er möchte aber 
Niemand entlassen. Die Maschine hat 3 Wasserkessel ; einer der- 
selben ruht, um gereinigt zu werden, und um im Fall eines Un- 
glückes in Reserve zu sein. Von dem Dache der Mühle hat man 
eine schöne Aussicht auf die Stadt und den Hafen. 

Herr Thomas brachte uns auch nach dem Armenhause , welches 
fast 3 Meilen von der Stadt entfernt und vor ungefähr 4 Jahren auf 
Kosten des Staates Maryland angelegt worden ist: er selbst ist 
einer der Administratoren. Das Haus besteht aus eineni Corps de 
logis^ in welchem' die Wohnung des Aufsehers, das Bureau und 
das Magazin ist, und aus zwei isolirten Flügeln, der eine für die 
Männer, und der andere für die Weiber und für die Kinder. Diese 
letzten sind entweder Kinder, die mit ihren Eltern in das Armen- 
haus gekommen sind, oder Kinder lüderlicher Eltern, welche 
man von Seiten der öffentlichen Behörden hier aufgehoben hat. Meh- 
rere der Armen sind mit der Aufsicht über diese unglücklichen Ge- 
schöpfe beauftragt; zwei, durch das Laster der Trunkenheit zurück- 
gekommene Schulmeister, die als Arme im Hauseleben, ertheilen 
ihnen Unterricht im Lesen und Schreiben. Zu meinem Leidwesen 
waren diese beiden Lehrer mit einer Geifsel bewaffnet. Die Armen 
— ausgenommen die Kranken , welche besondere Infirmerien in 
den Flügeln haben — schlafen in grofsen und gut gelüfteten 
Schlafsälen. Jeder hat sein eigenes Bette. Nur einige infirme 
Weiber haben besondere Stuben, in Avelchen sie zu 3 oder 4 zu- 
sammen wohnen. Jeder Flügel hat 3 Stockwerke, und ein Keller- 
geschofs. In diesem sind die Küchen, die Wasch- und Back- 
häuser. Das Brod, das die Armen bekommen, ist sehr weifs und 
gut; auch haben sie sehr gutes Essen: vier Male in der Woche 
Fleisch , zwei Male Gemüse und Freitags — weil viele Katholiken 
sind — Heringe. Das Gebäude hat 2 grofse Höfe mit den nöthi- 
gen Werkstätten für mehrere Arten von Handwerken, einen giofsen 
f. R 



258 — 

Gemüsegarten und hinlängliche Oeconomicgchäude. Es liegt auf 
einer Anhöhe in einem urbar gemachten Wald, und hat ansehnliche 
Gnmdstücke, welche durch die Armen bestellt werden. Nach 
Mafso^abe ihrer Kräfte und Fähigkeiten werden dieselben auf ver- 
schiedene Weise beschäftigt, vorzüglich mit Arbeiten für das Haus 
und zur Verfertigung ihrer Kleidungsstücke. Was nicht im Hause 
gebraucht wird, das sucht man zu verkaufen. Jeder Arme wird 
bei seinem Eintritt ins Haus geschoren, gebadet, und gekleidet. 
Für die Kleidung wird er dem Etablissement verschuldet und kann 
nicht eher entlassen werden , als bis er seine Schuld ab verdient hat, 
Die Directoren der Anstalt entscheiden alsdann, ob ein solcher 
Armer im Stande ist, sich sein Brod auf eine ehrliche Weise zu 
verdienen, und beschliefsen über seine Entlassung. Diejenigen, 
welche sich im Hause schlecht aufführen , werden durch das solHary 
confinemcnt gestraft. Da sich beständig Kranke im Hause befinden, 
oder hineinkommen, so sind 2 Aerzte an's Etablissement attachirt, 
die täglich wechselnd das Haus besuchen. Aufserdem haben 4 
Studenten von der Arzneischule ihre Wohnungen im Hause und 
2 müssen beständig gegenwärtig sein. Für die Wahnsinnigen be- 
finden sich besondere Zellen im Kellergeschofs. 

Noch erlaube ich mir , einiger Einzelnheiten aus dem freund- 
lichen Baltimore zu gedenken. 

Ich war zwei Male in der katholischen Kathedrale. Das erste 
Mal — Sonntags den 30. October — entschied mich die Hoflnung, 
gute Musik zu hören, für diese Kirche; und ich hatte keine Ur- 
sache, meinen Entschlufs zu bereuen. Ich blieb anfangs an der 
Thüre stehen; man bemerkte mich aber, und führte mich in einen 
Kirchenstand, nahe am Altar. Der Erzbischof fafs unter einem 
Baldachin auf einem erhöheten Sessel. Die Kirchenmusik war 
ganz vorzüglich gut, sowohl hinsichtlich der Composition, als der 
Ausführung. Damen sangen im Chor, und eine Dame spielte auf 
der Orgel. Auch war die Predigt, die ein Herr Wheeler über die 
Barmherzigkeit und die Freude des Wohlthuns hielt , sehr erbau- 
lich. Dieser Text war vorzüglich gewählt, um der Gemeinde eine 
katholische Armenschule ans Herz zu legen. 

Einige Tage später -^ den 1. November — ging ich aber- 
mals mit Herrn de Fallenilla, welcher der Columbianischen Ge- 
sandtschaft attachirt und hier seit Kurzem verhelrathet war, nach 
der katholischen Kathedrale , weil ein neuer Bischof , J). Fenwick, 
zum Bischof von Boston geweiht Averden sollte. Die Kirche war 
voll von Menschen , und mit Mühe bekamen wir Plätze in einer 



259 

Tribüne, dem Chor gegenüber. Man führte eine Messe von 
Cimarosa^ unter Herrn Gilles Leitung, meisterhaft auf. Ich 
erinnere mich lange keine so ganz vorzüglich gute Musik gehört 
zu haben. Die schönsten weiblichen Stimmen waren die einer M^^ 
French, einer M™e Gilles und einer Mifs Olivia Donaldson^ Schwä- 
gerin des HeiTn de Fallenilla. Die Ceremonie dauerte sehr lange. 
Ich hielt von früh 10 Uhr bis 2 Uhr Nachmittags aus ; dann ging 
ich hinweg, und die Ceremonie soll bis nach 3 Uhr gedauert haben. 
Der Erzbischof officiirte seihst m ponlißcalibiis , mit seiner Bischofs- 
mütze von drap d'or und seinem vergoldeten Krummstab. Er war 
von den beiden Bischöfen von Charleston und Philadelphia assistirt, 
die Beide Bischofsmützen von drap d'argent trugen. Erstcrer, 
Ingland mit Namen , hielt in einem sehr irländischen Dialect eine 
lange Prcidigt, von der ich nicht viel verstand, jedoch das, dafs 
er eine Parallele zwischen einem republikanischen Staatsbürger und 
einem guten Katholiken zog. Er sprach mit vieler Vehemenz und 
declamirte stark. Dieser Prälat soll einer der Hauptpfeiler der 
römischen Kirche in den V. St. sein. 

Die Gesellschaften in Baltimore fand ich ungemein angenehm. 
Bei den Diners ging Alles ungezwungen zu, und die Conversation 
war lehrreich und belebt; in den Soirees wurde Musik gemacht, 
und vortrefflich ; die Damen , zum Theil sehr schön , pflegten zu 
singen, und sie sangen nicht minder vortrefflich. In einer solchen 
musikalischen Soiree bei Herrn Gilles lernte ich, am Abend vor 
meiner Abreise, den General Bernard, dessen ich schon früher 
Erwähnung gethan habe, nebst seiner Frau kennen, die eine 
geborne Baronhi Lerchenfeld aus Baiern ist. Ich freute mich 
dieser Bekanntschaft, und fand an dem General einen anspruchs- 
losen , einfachen und dabei sehr interessanten Mann. Als ich Herrn 
Thomas meinen Abschieds-Besuch machte, traf ich bei ihm seinen 
Vater. Der 88jährige Gi'eis war noch im vollen Besitz seiner 
Geisteskräfte, und unterhielt sich lange mit mir. Er erzählte mir 
unter Anderen, dafs er den Platz, auf welchem jetzt Baltimore 
steht, noch als Wald gesehen habe, von Indianern bewohnt. 



R 2 



XIIL 



Aufenthalt in Wasldnßtoiu 
Vom 2. bis zum 15. November 1825. 



Am Morj^en des 2. Novembers erhielt ich noch einen Besuch 
von dem Herrn de VaUenUla. Er zeigte mir eine goldne Medaille, 
welche einst von lVillia?mburg in Firginien dem Präsidenten Was- 
hington verehrt worden , und ein sehr gut von Stewart gemaltes 
Miniaturbiid dieses grofsen Mannes mit seinen Haaren. Die Me- 
daille war in einer Kapsel von dem Holz eines der Bäume , die an 
Washingtons Grabe stehen. Diese Gegenstände waren von JFas- 
A/wg/oMS Familie dem Präsidenten Bolivar zum Geschenke bestimml, 
und Herr de Vallenilla beauftragt, in wenigen Tagen nach Carra- 
cas unter Segel zu gehen , um seinem Gönner , dem Befreier Boli- 
var, diese Objecte zu überreichen. 

Nach 9 Uhr verliefs ich mit Herrn Huygens in der gewöhnli- 
chen Slage das freimdliche Baltimore^ wo es mir so sehr wohl ge 
fallen hatte, um nach Wasltington zu fahren, dem Sitze des Gouver- 
nements der V. St., 39 Meilen weit. Das Wetter war gut, und 
ziemlich warm. Die Stage ging langsam, und Avir kamen erst um 
5 Uhr Abends an. Der Weg war fast durchgängig Chaussee, recht 
gut unterhalten , und durch morastige Gegenden über Dämme ge- 
führt. Die Gegend zum Staat Maryland gehörig, meistens hüge- 
lig, mit Wald von grofsblättrigen Eichen und Tannen, schien 
nur schwach bewohnt zu sein. Der Boden ist sandig; die Felder 
waren mit indischem Korn und Tabak bebaut gcM esen. Meistens 
ist die Gegend sehr einförmig ; wir kamen durch kein einziges or- 
dentliches Dorf. Der Unterschied zwischen dieser Gegend und 
den nördlichen Staaten ist auffallend. Die Häuser sind viel kleiner 
und schlehter gebaut, als die schlechtesten Loghäuscr im Staate 
NeiD-York. Die meisten dieser kleinen Häuser haben schwarze 
Bewohner, die zum Tlieil ein sehr zerlumptes Vorkommen hatten. 



261 



Wir passirten mehrere Creeics auf guten hölzernen Brücken, und 
zuletzt 6 Meilen von ^Vashlngtoii bei Bladcnshnrg den east brauch 
vom Potowmack auf 2 hölzernen Brücken. Hier fiel im Jahre 1814 
eine Aflaire zwischen den Engländern und den Amerikanern vor, 
bei welcher die amerikanische Miliz sich eben nicht sehr tapfer be- 
nommen haben soll. In Folge dieser Adaire marschirten die Eng- 
länder nach fVashhfgton, und verbrannten das Kapitol und das 
Haus des Präsidenten. 

Ich hatte mir keine grofse Idee von Washington gemacht; ich 
fand aber, was ich sah, unter meiner Erwartung. Das Kapitol 
steht auf einer Anhöhe , und soll in die Mitte der Stadt zu stehen 
kommen; bis jetzt ist es nur von unansehnlichen Häusern und Fel- 
dern umgeben, aufweichen gleichfalls kleine Häuser zerstreuet ste- 
hen. Von demselben gehen mehiere Alleen aus. Wir fuhren in 
die Pensylvania-avcrme ^ und kamen endlich an Häuser, die so weit 
von einander gebauet sind , dafs dieser Theil der Stadt einem neu 
angelegten Badeorte gleicht. Die Gegend ist übrigens recht schön, 
und man hat mehrere hübsche Aussichten auf den breiten Potow- 
mack. Wir fuhren am Hause des Präsidenten vorüber; es ist ein 
einfaches Gebäude *) von weifsem Marmor in einem kleinen Garten. 



SM 



Das Haus in der Mitte ist das Haus des Präsidenten, und die 
4 andern enthalten die Bureaux der Staatsverwaltung, die der aus 
wärtigen Angelegenheiten, des Innern, der Justiz, des Kriegswe- 
sens und der Marine. Diese 4 Häuser sind von Backsteinen gebaut. 
Ich stieg \m Frankllnhmse , dem besten hiesigen Wirthshaus, ab, 
wo Herr TLn/gens^ der nahe bei WashiiigtonAw Georgetown wohnl, 
Quartier für mich bestellt liatte. 

Der Plan , nach w elchem Washington angelegt werden soll , ist 
colossal, und wird schwerlich ausgeführt werden. Nach demselben 
könnte es eine Bevölkerung von einer Million Menschen fassen, 
während es jetzt nur gegen 13,000 enthalten soll. Für die Haupt- 



') Das Paliiiä »Ics IIerzoni5 von Lcinsicr ist fiii* iliosrä Gebiiudc zum IVIo- 
ilcll f^cnommen wonlon ; nur ist jenes ein Stockwerk höher , als tlieBi-s. 



262 

Stadt eines so grofsen Landes liegt Washington viel zu nahe an der 
See. Dieser Nachllieil ist im letzten Kriege fühlbar geworden; 
denn die Engländer nahmen die Stadt durch einen Streifzug hin- 
weg. Man hat den guten Vorschlag gethan , den Sitz des Gouver- 
nements nach W/ieelhig^ im westlichen Theil von Firginien am 
Ohio, zu verlegen, um es mehr ins Innere des Landes zu bringen. 
Man sagt aber , der Vorschlag sei verworfen worden , weil man den 
Engländern nicht die Freude lassen wollte , durch ihre Zerstörung 
der vorzüglichsten Gebäude der Hauptstadt zu dieser Verlegung 
beiffetrajjen zu haben. 

Am folgenden Morgen erhielt ich ganz früh einen freundschaft- 
lichen Besuch von dem französischen Gesandten, Baron Durand 
de Mareuil, den ich vor 19 Jahren in Dresden kennen gelernt, den 
ich später in Neapel als französischen Gesandten getroffen hatte, 
und dem ich zuletzt in derselben Eigenschaft in Brüssel begegnet 
war. Später erhielt ich einen Besuch vom General Macomb, Com- 
mandanten des Ingenieur-Corps der V. St. , an dessen interessan- 
ter Unterhaltung ich viel Vergnügen fand. Mit ihm kam der Lieu- 
tenant Huygens zu mir , mit dem ich zu seinem Vater , der mich 
schon den ersten Abend besucht hatte, nach Georgetown fuhr. 
Diese kleine Stadt liegt amphitheatralisch am Potowmack, dessen 
rechtes, mit Holz bewachsenes, und theilweise angebautes Ufer 
sich sehr gut ausnimmt. Georgetown ist von Washington, oder 
vielmehr von dem Platz, auf welchem diese Stadt dereinst ste- 
hen soll, durch einen kleinen Flufs getrennt, Rockey Creek ge- 
nannt, der sich hier in den Potoivmack ergiefst. Eine ziemlich 
schlechte hölzerne Brücke macht die Verbindung zwischen beiden 
Plätzen. Ich fuhr mit dem Gesandten nach Washington zurück, 
um mehreren der ersten Autoritäten und des diplomatischen Corps 
vorgestellt zu werden. Zuerst begaben wir uns ins Bureau der aus- 
wärtigen Angelegenheiten zum Staatssecretair Clay, einem der be- 
rühmtesten amerikanischen Redner. Er ist ein langer hagerer 
Mann ; ich fand ihn in Trauer um eine seiner Töchter , von wel- 
chen er das Unglück gehabt hat, drei in kurzen Zeiträumen zu 
verlieren. Hierauf gingen wir zum Präsidenten , der uns sehr gut 
empfing, und mich wie einen alten Bekannten behandelte. Das 
Haus des Präsidenten ist, wie schon bemerkt wurde, von weifsem 
Marmor gebaut Inwendig hat es eine grofse Halle mit Säulen. 
Wir wurden in einem gut meublirten, mit rother Seide tapezirten 
Zimmer empfangen. Es standen schöne Bronzen auf dem Camin 
und den Consolen , und ein lebensgrofses Portrait des Präsidenten 



263 

Washington Iiing an der Wand. Vom Präsidenten hinwcp; gingen 
wir ins Bureau des Kriejrsdcpartements zum Staalssecrctair Bar- 
bour, den wir jedoch nicht antrafen , und dann ins Marinc-Bürcau 
zum Staats-Secretair Southard. Dieser Staatsbeamte hat den Huf, 
einer der {gelehrtesten Männer in den V. St. zu sein. 

Die 4 Bureaux sind völlig gleich gebaut, sehr einfach, mll 
hölzernen Treppen; sie haben im Inneren das Ansehen von Schul- 
gebäuden. Man findet weder Schildw achten, nochThürsteher; iui 
Marine-Büreau hielt sogar unten ein Obstweib ihre Waaren feil 
Der Präsident selbst hat gewöhnlich keine Schildwachten, und nur 
während der Nacht tritt ein Piquet Ton Mariniers aus dem Navy 
yard bei ihm auf. 

Weiter besuchten wir den Baron Mareuil , und ich freute mich 
sehr, die Bekanntschaft mit seiner liebenswürdigen Frau zu er- 
neuern. Sein Haus liegt ganz isolirt, wie ein Landhaus. Die Häu- 
ser stehen überhaupt so einzeln in Washington, dafs, wenn mau 
den Plan dieser Stadt ansieht , man mehr Strafsen als Häuser fin- 
det. Zuletzt machten wir unsern Besuch beim russischen Gesandten, 
Baron Tuill, und beim englischen Gesandten Vaughan, trafen 
aber keinen von Beiden an. Um 5 Uhr dinirtc ich beim Baron 
Mareuil, welcher dem Namenstage des Königs von Frankreich zu 
Ehren ein diplomatisches Diner gab. Ich traf den gröfsten Theil 
des diplomatischen Corps versammelt und fand , dafs besonders die 
französische Legation sehr zahlreich war. Sie bestand aus dem Ge- 
neral-Consul Durand de St. Andre, Bruder des Barons Mareuil^ 
dem Vice-Consul Thierry, dem Legations-Secretär de Bresson, dem 
Graf Ganay , und Hn. de Sonntag — einem Stiefsohne des Barons 
Mareuil , welcher der Gesandtschaft attachirt war — und einem 
Herrn Laborie, der jedoch nicht erschien. Von der russischen Ge- 
sandtschaft traf ich Herrn von Wallenstein , den ich in Boston ken- 
nen gelernt hatte , und der hier wegen seines verständigen Betra- 
gens und seines guten Charakters , besomlers aber auch w egen sei- 
ner soliden Instruction und richtigen Ansicht der Dinge sehr geach- 
tet und geliebt wird. Der Präsident soll ganz besonders viel auf 
ihn halten. Einen Baron Maliitz von derselben Gesandtschaft, der 
vor einigen Monaten eine Amerikanerin geheirathet hatte, lernte 
ich gleichfalls kennen, so wie den Brasilianischen Geschäftsträger 
Chevalier Rebello. Ferner lernte ich den Staatssecictair der Fi- 
nanzen, Herrn Rush, kennen, der mehrere .Jahre Gesandter in 
England gewesen war, und traf auch mit Herrn Brenl, dem Unter- 
staatssecretair der auswärtigen Angelegenheiten , zusammen. Ich 



264 

hatte ihn schon in Philadelphia bei seinem Schwager, Herrn Walsh, 
kennen gelernt. Von Damen waren nur M™e de Mareuil und Mn^e 
de St. Andre zugegen. Das Diner war wirklich prächtig. 

An den folgenden Tagen ging es mit Besuche-Machen und Be- 
suche-Empfängen weiter. Die Zahl der Bekanntschaften mehrte 
sich, und es fehlte nicht an angenehmen und interessanten Gesell- 
schaften. Zugleich wurde besehen , was Wasldngton und die Um- 
gegend Merkwürdiges hat. 

Mit den Herren Iluygens^ Vater und Sohn, fuhr ich nach dem Na- 
vy yard , der dicht am Potoivmack liegt. Dieses Etablissement steht 
unter dem Befehl eines Commodore. Der Commodore war gerade 
verreis't, und defswegen führte uns der 2te Commandant, Capt. 
BootJt, herum. In diesem Navy yard werden die Schifle nur ge- 
baut und ausgebessert; sie gehen alsdann den Potoivmack hinab in 
die Chesapeack bay und in die Mündung derselben nach Norfolk, 
wo sie ausgerüstet werden. In diesem Augenblicke befanden sich 
nur 2 Fregatten im Yard, sogenannte 44ger, aber für 64 Stück ein- 
gerichtet: derCongrefs, ein altes Schift', das reparirt Avard, und 
der Potüiimack , ein ganz neues Schiff, das schon im Wasser gewe- 
sen, aber wieder herausgezogen, und unter Dach gestellt Avar. 
Auf dem Platz, auf dem die Fregatte Brandywine gebaut war, welche 
den General Lafayette nach Frankreich zurückgebracht hat, wurde 
der Kiel zu einer neuen Fregatte gelegt , und zugleich der Grund 
zu einem Hause über dieses neue Schiff. Da der Boden feucht ist, 
so mufste dieses Gebäude auf Pfahlwerk erbaut werden. Dem Ein- 
gange des Navy yard gegenüber steht eine Rostralsäule von wei- 
fsem Marmor mit allegorischen Figuren, Sie ist von den Officie- 
ren und Midshipneii der Marine der V. St. ihren beim Angriff auf 
Tripoli gefallenen Cameraden zum" Andenken errichtet worden. 
Die Engländer haben bei ihrer Occupation von Washington am 25. 
Juni 1814 an diesem Monument einer allegorischen Figur, Ameri- 
ka, die Finger der einen Hand abgeschlagen, und der Muse der 
Geschichte ihren Griffel aus der Hand genommen. Daher eine In- 
schrift der Säule: mutilated hy the British. Am Fufse des Monu- 
ments stehen ZAvei bronzene spanische 24Pfünder, welche von den 
Amerikanern in Tripoli erbeutet worden sind. 

In dem Navy yard befinden sich mehrere Gebäude, als in den 
anderen , die ich bisher in Amerika gesehen hatte. Es giebt hier 
grofse Schmieden, in welchen die chaincahles geschmiedet und 
probiit werden, auf dieselbe Weise, wie ich es vor 2 Jahren in 
Newbridge in Süd-Wallis gesshen hatte. Alles alte von den Schif- 



265 

fen kommende Kopfer wird hier geschmolzen, und mit einem Zu- 
satz von Messing zu allen auf den Schiffen nöthigen Utensilien ge- 
gossen ; das nöthige Kupfer wird geschlagen und gestreckt. Eine 
Dampfmaschine mit der Kraft von 14 Pferden setzt eine Sägemühle 
mit 2 grofsen und einigen kleineren cirkelförmigen Sägen in Bewe- 
gung, und zugleich Maschinen, um die Blocks zumachen, die je- 
doch keineswegs mit der Brunelschen Blockmaschine mPortsmouth 
verglichen werden können. In dem kleinen Arsenal stehen die Ge- 
wehre für die Schiffe, die Enterbeile und die Säbel. Bei den 
Schlössern für die Kanonen bemerkte ich eine Vorrichtung zum 
Selbstaufschütten des Pulvers , und zum Bedecken der Pulverlei- 
tung bei nassem Wetter. Ich sah hier auch eine Art Repetirge- 
wehre mit 2 hinter einander stehenden Schlössern. Mit diesen Ge- 
wehren soll man vermittelst des vordersten Schlosses mit einem 
Drucke zwölf Schüsse nach einander losfeuern, und wenn diese 
Schüsse heraus sind, das Gewehr wie ein gewöhnliches Infanterie- 
gewehr laden , und dann mit dem hintern Schlosse feuern. Hat man 
das vordere Schlofs einmal losgedrückt, so müssen die andern 
Schüsse unverzüglich nach einander heraus, und man kann sie 
nicht nach Willkühr zurückhalten, wie bei den von mir in Neio- 
York gekauften und beschriebenen Repetirgewehren. Wie diese 
successive Abfeuerung Statt findet, ist jedoch ein Geheimnifs. Capt. 
Booth zeigte uns auch doppelte Schrauben , die er erfunden hatte, 
um auf den Schiffen die Blocks und das Tauwerk , welche die so- 
genannten Wände-Strickleitern, und folglich auch die Mäste fest- 
halten, zu ersetzen, wodurch dem Schiffsvolk viele Arbeit erspart 
werden soll. Dieser Officier hat für seine Erfindung ein Patent er- 
halten , und sie ist zur Probe auf der Fregatte Brandywine ange- 
bracht worden. Im Navy yard ist auch , und zwar unter dem Waf- 
fensaal, ein Laboratorium, wo die für die Schiffs- Artillerie nöllü- 
gen Feuerwerke gemacht werden. Mir schien das Local übel ge- 
wählt, da eine Explosion, deren man bei einem solchen Laborato- 
rio doch gewärtig sein mufs, die schrecklichsten Folgen für den 
Navy yard haben könnte. 

Ueber den Potowmack geht eine lange hölzerne Brücke auf 
gewöhnliche Böcke gebaut. Ich mafs sie, und fand, dafs sie 
15 Schritt breit, und 1900 meiner Schritte lang ist. Meine Schritte 
verhalten sich zu den gewöhnlichen , wie 4 zu 5 , folglich kann man 
annehmen , dafs diese Brücke ungefähr 2375 Schritte lang ist. Um 
von einem Ende bis zum andern zu gehen, biauchte ich 19 Minuten 
Zeit. Jeder Fufsgänger zahlt 6 Cents, um die Biücke zu passircn 



2()G 

Diese Brücke setzt durch ihre Läno;e in Erstaunen , aher keines- 
wegs durch ihre Ausführung: denn sie ist ziemlich plump und 
schlecht. Viele der Bohlen sind verfiiult, und sie verlangt viele 
Reparaturen. Uehrigens hat sie 2 Trottoirs für die Fufsgänger; 
das eine ist durch ein Geländer vom Fahrweg abgesondert. Wäh- 
rend der Nacht wird sie mit Laternen erleuchtet. An 2 Stellen 
sind doppelte Zugbrücken angebracht, um Schiffe durchzulassen. 
Es war dunkel geworden, als ich von dieser Brücke nach Hause 
kam, und ich erstaunte über die geringe Lebhaftigkeit in den 
Strafsen. Ich begegnete fast keinem Menschen. 

In dem Patent ofßce werden die Erfindungs-Patente — brevets 
d'invention — ausgefertigt. Jedermann , der ein solches Patent 
für seine Erfindung bekommen will , mufs ein Modell oder eine 
genaue Zeichnung seiner Erfindung abliefern. Diese Modelle wer- 
den in einem eignen Local aufgestellt; in demselben bleiben sie, 
bis die Zeit, aufweiche das Patent ausgefertigt worden, abgelau- 
fen ist ; alsdann werden sie in eine Rumpelkammer gebracht. Unter 
diesen Modellen befindet sich allerdings eine grofse Anzahl gering- 
fügiger Dinge, wie z. B. eine Vorrichtung, um Aepfel zu schälen, 
und 96 Modelle, um auf verschiedene Weise Nägel zu machen; 
aber auch sehr merkwürdige. Die interessantesten schienen mir 
die Modelle von Maschinen, um Flüsse und Canäle vom Schlamm 
zu reinigen , oder tiefer zu machen. Eins von diesen besteht aus 
einem gewöhnlichen Dampfboote, mit welchem man nach dem 
Platze fährt , wo man seine Operation anfangen will. Dort ange- 
kommen, wirft man den Anker aus, und macht die beiden Wasser- 
räder unbeweglich, während man zu gleicher Zeit mit der Dampf- 
maschine eine Art Kastenwerk in Verbindung bringt, das durch 
dieselbe in Bewegung gesetzt wird, und den Schlamm aus dem 
(jJrunde herausschöpft. Nach einem andern Modelle soll dieses 
Ausschöpfen vermittelst eines Schöpfrades bewerkstelligt werden. 
Eine Menge Modelle haben den Zweck , die Körner von der Baum- 
wolle zu sondern, um diese zu schlagen, zu spinnen, zu weben; 
kein einziges jedoch soll besser sein , als die bekannten englischen 
Maschinen. Von Dampfmaschinen und Dampfböten giebt es eine 
«Menge , zum Theil von ganz sonderbarer Gestalt , so wie auch von 
rotatorischen Dampfmaschinen , die jedoch ihrem Endzwecke nicht 
entsprechen. Ferner Modelle von rail-ways — Eisenbahnen — , 
um Böte aus einem niedriger liegenden Canal in einen höhei" liegen- 
den vermittelst einer schiefen Fläche zu ziehen. Dann zwei Modelle 
von schwimmenden Batteriecn , und zwar von bedeckten. Die eine 



267 

war ein länglicher Kasten, in welchem eine Dampfmaschine ange- 
bracht ist, die auf dem Verdecke zwei langen eisernen Stäben eine 
horizontale rotatorische Bewegung beibringt, gleich Uhrzeigern. 
Diese Stäbe ragen über das Verdeck hinaus und sollen die Feinde 
abhalten, die etwa Lust bezeigen, dasselbe zu ersteigen. Ein 
Modell, um Bleikugeln zu pressen, wodurch sie an Gewicht ge- 
winnen sollen. Eine Menge ökonomischer Küchenapparate; ver- 
schiedenartige Feuerplätze ; einen Erdbohrer , um Wasser zu su- 
chen; Feuerspritzen verschiedener Art; ein von einem Deutschen 
erfundenes feuerfestes Dach ; verschiedene Maschinen , um Back- 
steine zu machen; Instrumente, um bei der Schiflahrt auf dem 
Missisippi die unter dem Wasser liegenden Bäume zu fassen und 
abzusägen , ohne defshalb den Lauf des Schiffes aufzuhalten ; Ma- 
schinen, um Löcher in Felsen zu bohren, andere, um Felsenblöcke 
unter dem Wasser heraufzuziehen; die von Perkins in London 
erfundene Maschine , um mit Stahl zu drucken ; Modelle von Buch- 
druckerpressen; Modelle zum Kämmen der Wolle und zur Berei- 
tung wollener Stoffe; Lohmühlen und Gerberinstrumente, unter 
andern das bei meiner Excursion nach Bethlehem erwähnte Instru- 
ment um Häute zu spalten. Von aratorischen Instrumenten eine 
grofse Anzahl, namentlich viele, von Deutschen erfundene Pflüge 
für alle Arten von Boden; Maschinen zum Mähen des Grases, zum 
Dreschen des Strohes , zum Strohschneiden. Unter den M'ichtigsten 
Maschinen erwähne ich eine zum Verfertigen der Blocks , die der 
Brunehc\\Qrv mPortsmouth Nichts nachgeben soll, und eine andere, 
um es unnöthig zu machen, dafs der Flachs ins Wasser nele^t 

*^ Oft 

werde, und dafs er doch, nachdem er 14 Tage lang getrocknet 
worden ist, gebrochen und gehechelt werden könne. Um von 
dieser wichtigen Maschine eine Copie nehmen zu dürfen , mufs man 
dem Erfinder 10 Dollars zahlen; ich bestellte zwei Copieen, die 
eine für die societe d'agriculture in Gent , und die andere , um sie 
meinem Herrn Vater zu Füfsen zu legen. Von Brücken, und na- 
mentlich von Hängewerken , mehrere schöne Modelle , unter andern 
eins von der Brücke von Trenton bei Philadelphia , und ein anderes 
von einer bei i^a_?/ef^em7/e in Nord -Carolina; auch eins von einer 
Hängebrücke, welche unter sich eine Wasserleitung hängen hat, 
um einen Canal über einen Flufs zu tragen. Von Gewehren nicht 
viel Neues. Auch gab es hier einen stählernen , 6 Pfund schweren 
Triangel, auf welchem 3 verschiedene Hämmer schlugen, um ein 
Kirchengeläute nachzuahmen. Man soll dieses Geläute sehr weit 



268 

hören; es ist in mehreren Gemeinden eingeführt worden, um das 
Publicum vor dem Gemeindehause zu versammeln. 

Das Patent office befindet sich mit dem Post ofßce in Einem 
Gebäude. Auf dem Boden zeigte man mir tl grofse vergoldete 
Rahmen mit den Wappen von Frankreich und Navarra. Sie hingen 
vor der Catastrophe von 1814 im Hause des Präsidenten, und ent- 
hielten die lebensgrofsen Portraits von Ludwig XVI und Marie 
Antoinette, welche diese unglücklichen Monarchen den V. St. auf 
ihr Verlangen im Jahre 1783 geschenkt hatten. Diese beiden Por- 
traits sind plötzlich verschwunden ; sie sind aus den Rahmen heraus- 
geschnitten worden , und man vermuthet , es sei 1814 geschehen, 
als die Engländer ihren un«rbetenen Besuch in dieser Stadt mach- 
ten und das Haus des Präsidenten verbrannten. 

Das Patent office wird übrigens von einem Dr. TJiornton diri- 
girt. Dieser Mann ist ein geschickter Zeichner: ein Portrait des 
ehemaligen Präsidenten Jejferson ist von ihm sehr gut gezeichnet. 
Unter Dr. Thornton ist ein Schweizer , Namens Keller , ein sehr 
geschickter Mechaniker, als Aufseher der Modell-Kammer ange- 
stellt, der mir alles erklärte. Dr. Thornton hatte auch die Gefäl- 
ligkeit , mich zu einem Bildhauer zu bringen , der vermitteist Ab- 
güsse über das Gesicht die Aehnlichkeit frappant trifl't, und die 
Büsten der ersten hiesigen Staatsmänner und Generäle gemacht 
hat. 

Mit Herrn de Bresson verabredete ich eine Partie nach den , 16 
Meilen entfernten, Fällen des Potowmack. Zu denselben begleitete 
uns der junge Herr Huygens^ den 6. November. Um 9 Uhr vor- 
liefsen wir Washington und fuhren auf einem sehr holprigen Wege 
5 Meilen lang am linken Ufer des Flusses. Dieser ist Anfangs 
ziemlich breit. Beide Ufer sind hügelig und mit Holz bewachsen, 
meistens Castanien-Nufsbäume — hickory — und verschiedene 
Arten Eichenholz. Von den Urwäldern ist nichts mehr zu sehen ; 
denn gröfstes Theiles ist dieses Holz Nachwuchs. Weiterhin wur- 
den die Ufer felsig und auch im Flusse bemerkten wir mehrere Fel- 
sen aus dem Wasser hervorragen. Auf dem linken Ufer hat man 
einen Canal gegraben, der jedoch schmal und nur für eine lange 
Art von Böten , den Bucham boats auf dem St. Lawrence ähnlich, 
befahrbar ist : sie bringen Holz, Steine — namentlich Mühlsteine — 
und die Erndte aus den oberen Gegenden nach Wasltington. 

Fünf Meilen oberhalb dieser Stadt fuhren wir auf das rechte 
Ufer des Flusses über eine an Ketten hängende Brücke. Die ein- 
gedruckte Skizze kann von derselben eine Vorstellung geben. 



2()9 




Die Ketten bestehen aus Stäben von geschmiedetem Eisen. 
Die Brücke selbst ist von Holz, so ^^ie die beiden Böcke an beiden 
Enden der Brücke, über welche die Ketten gezogen sind. Durch 
diese Böcke gehen Thorwege; sie nehmen sich Mie ägyptische 
Thore aus. Die Länge der Brücke beträgt ungefähr 58 Schritte ; 
sie ist 8 Schritte breit. Man zahlt einen ziemlich starken Zoll ; für 
einen zweispännigen Wagen mufsten wir hin und zurück Ij Dollar 
erlegen. Der Weg, der uns fast beständig durch den Wald führte, 
wurde von der Brücke an etwas bessei'. Es war eine sogenannte 
Turnpike-road; jedoch blieb er sehr hügelig. Wir kamen nur an 
einzelnen Wirthshäusern vorbei , und sahen ein einziges Landhaus, 
welches dem Commodore Jones gehört, dessen Tochter katholisch 
und in einem Kloster in Georgetoicn Nonne geworden ist: ein Vor- 
gang, der in den V. St. grofses Aufsehen erregt hat. Die meisten 
Menschen , welchen wir begegneten , Maren zerlumpte Neger , die 
uns demüthig grüfsten. Wir befanden uns im Staate Yirginien. 
In der Nähe der Fälle, wo der Weg sehr schlecht zu werden 
anfing, verliefsen wir den Wagen, und begaben uns durch den Wald 
zu Fufse nach dieser Naturmerkwürdigkeit, deren Nahe uns ihr 
Getöse verrieth. 

Der Flufs läuft hier über ein felsiges Bette, das gegen 300 
Schritte breit sein majr. Bei der trockenen Jahreszeit nahm aber 
das Wasser nur den kleinsten Theil des Bettes ein, und bildet 
mehrere einzelne Wasserfälle. Keiner ist über 50 Fufs hoch. Sie 
erinnern an die Glennsfalls im Hudson-Flui's zwischen Lake George 
und Saratoga. Nicht ohne Gefahr und mit unsäglicher Mühe kro- 
chen wir in diesem Labyrinthe von zerrissenen Felsblöckcn umher, 
um verschiedene Ansichten der Fälle zu bekommen. Die Sonne 
schien gerade auf dieselben, und wir sahen mehrere Regenbogen; 
überhaupt fanden wir uns durch mehrere schöne Ansichten für unsre 
Mühe reichlich belohnt. 



270 

Um diese Wasserfälle zu vermeiden , hat man auf dem rechten 
Ufer des Flusses einen Canal gegraben und in den Felsen ge- 
sprengt. In demselben sind mehrere Schleusen angebracht. Der 
in den Felsen gesprengte Canal ist an einigen Stellen über 50 Fufs 
tief. Leider hatten wir einen Sonntag gewählt zu dieser Fahrt; 
die Einwohner waren nach der Kirche gegangen , und es fand sich 
Niemand, der uns die nöthigen Erläuterungen hätte geben können. 
Vegetation war in dem Felsen des Wasserfalles natürlich nicht zu 
finden; nur ein wenig Ginster und einzelner Klee. Auch sahen 
wir eine auf dem Felsen kriechende Cactuspflanze , ähnlich dem 
Cochenille-Cactus , mit kleinen birnenförmigen Früchten, welche 
einen purpurrothen schleimigen Saft enthielten. Diese Pflanze 
war für mich das erste Anzeichen, dafs ich mich dem Süden näherte. 
Wir fuhren auf demselben Wege, den wir gekommen, nach 
Washington zurück, welches wir nach 6 Uhr Abends en^eichten. 
Trotz der späten Jahreszeit war es warm wie im hohen Sommer. 

Das Capitol ist wirklich ein imposantes Gebäude *). Wenn 
es einst von anderen schönen Gebäuden umgeben ist, so wird es 
einen grofsen Effect hervorbringen. Es ist von weifsem Marmor 
gebaut und enthält drei Kuppeln, die grofse oder Hauptkuppel 
über der Halle und 2 kleinere auf beiden Flügeln. Das Capitol ist 
an einem Abhänge gebaut, und zeigt an der vordem Seite 3, und 
an der hintern Seite, die nach dem Pallast des Präsidenten hin- 
sieht, 4 Stockwerke. An der vordem Seite ist der Eingang mit 
einem Portal von korinthischen Säulen ; an der hintern Seite ist ein 
grofser, mit Säulen gezierter Balkon. Der Eingang ist unter dem 
Portal, etwas niedrig. 

In der Mitte des Gebäudes unter der Hauptkuppel ist eine 
grofse Halle, die ihr Licht von oben erhält. In derselben sollen 
Gemälde aufgestellt werden , unter Basreliefs , die schon vorhanden 
sind. Das eine stellt die Befreiung vom Capt. Smith, Befehlshaber 
der ersten englischen Niederlassung in Virginien , durch die indiani- 
sche Prinzessin PoccaJiontas , dar; ein anderes ist eine Allegorie, 
die Landung europäischer Einwanderer darstellend. Hinter dieser 
Halle ist in einem grofsen Saale, der auf den Balkon stöfst, die 
Bibliothek des Congresses. Bei dem englischen Besuch im Jahre 
1814 ist die damalige Bibliothek verbrannt; die jetzige ist nach 
und nach gesammelt worden und besteht grofses Theiles aus den 
Büchern des ehemaligen Präsidenten Jejferson. Unter der grofsen 



') S. dca beiliegenden Kupferstich. 



270 

Um diese Wasserfälle zu vermeiden , hat man auf dem rechten 
Ufer des Flusses einen Canal gegraben und in den Felsen ge- 
sprengt. In demselben sind mehrere Schleusen angebracht. Der 
in den Felsen gesprengte Canal ist an einigen Stellen über 50 Fufs 
tief. Leider hatten wir einen Sonntag gewählt zu dieser Fahrt; 
die Einwohner waren nach der Kirche gegangen, und es fand sich 
Niemand, der uns die nöthigen Erläuterungen hätte geben können. 
Vegetation war in dem Felsen des Wasserfalles natürlich nicht zu 
finden; nur ein wenig Ginster und einzelner Klee. Auch sahen 
wir eine auf dem Felsen kriechende Cactuspflanze , ähnlich dem 
Cochenille-Cactus , mit kleinen birnenförmigen Früchten, welche 
einen purpurrothen schleimigen Saft enthielten. Diese Pflanze 
war für mich das erste Anzeichen, dafs ich mich dem Süden näherte. 
Wir fuhren auf demselben Wege, den wir gekommen, nach 
Washington zurück, welches wir nach 6 Uhr Abends erreichten. 
Trotz der späten Jahreszeit war es warm wie im hohen Sommer. 

Das Capitol ist wirklich ein imposantes Gebäude *). Wenn 
es einst von anderen schönen Gebäuden umgeben ist, so wird es 
einen grofsen Effect hervorbringen. Es ist von weifsem Marmor 
gebaut und enthält drei Kuppeln, die grofse oder Hauptkuppel 
über der Halle und 2 kleinere auf beiden Flügeln. Das Capitol ist 
an einem Abhänge gebaut, und zeigt an der vordem Seite 3, und 
an der hintern Seite, die nach dem Pallast des Präsidenten hin- 
sieht, 4 Stockwerke. An der vordem Seite ist der Eingang mit 
einem Portal von korinthischen Säulen ; an der hintern Seite ist ein 
grofser, mit Säulen gezierter Balkon. Der Eingang ist unter dem 
Portal, etwas niedrig. 

In der Mitte des Gebäudes unter der Hauptkuppel ist eine 
grofse Halle, die ihr Licht von oben erhält. In derselben sollen 
Gemälde aufgestellt werden , unter Basreliefs, die schon vorhanden 
sind. Das eine stellt die Befreiung vom Capt. S?n{tk^ Befehlshaber 
der ersten englischen Niederlassung inVirginien, durch die indiani- 
sche Prinzessin PoccaJiontas , dar; ein anderes ist eine Allegorie, 
die Landung europäischer Einwanderer darstellend. Hinter dieser 
Halle ist in einem grofsen Saale, der auf den Balkon stöfst, die 
Bibliothek des Congresses. Bei dem englischen Besuch im Jahre 
1814 ist die damalige Bibliothek verbrannt; die jetzige ist nach 
lind nach gesammelt worden und besteht grofses Theiles aus den 
Büchern des ehemaligen Präsidenten Jejferson. Unter der grofsen 



') S. den beiliegenden Kupferstich. 




(»■.STUCBErBO; 



-i-irto-eTcc--. 




271 

Halle ist eine kleinere, von drei Reihen Säulen getragen, einem 
Pamilienbegräbnlsse nicht unähnlich. Sic erhält ihr Licht von oben 
durch eine runde Oeflnung im Fufsboden der grofsen Halle und 
dient zum Durchgang. Man sagt, es sei die Absicht, den Sarg 
des grofsen Wasinngton hier beizusetzen. Eine Haupttreppe ist 
noch nicht vorhanden, sondern eine Menge kleinere Treppen. 
Ucberhaupt ist das Innere etwas winklig gebaut. Säulen hat man 
nicht gespart ; man findet sie in allen Seitengallerien, Sälen und 
Corridors ; ihre Capitäler sind meistens im ägyptischen Geschmack, 
und ihre Zeichnung scheint aus der description de l'Egypte ge- 
nommen zu sein. In dem Corridor , der nach dem Saale des Senats 
führt, sind Säulen, deren Schaft ein Bündel von Stängeln indi- 
sches Kornes vorstellt, und das Capital die Kolben derselben 
Pilanze. Im Flügel rechts vom Eingang ist der Versammlungssaal 
des Senats, die dazu gehörigen Büreaux, das Bureau des Präsi- 
denten und der Versammlungssaal des höchsten Gerichtshofes der 
V. St. Dieser und der Senatssaal sind halbcirkelförmig gebaut. 
Im Mittelpunct befindet sich der Sitz des Vorsitzenden. Die Mit- 
glieder des Senates sitzen amphitheatralisch, jeder hat einen Sessel 
und vor sich ein kleines Bureau von Mahagoniholz. In diesem 
Flügel sind auch einstweilen die 4 grofsen Gemälde von Trmnhdl 
aufgestellt, die später in der grofsen Halle ihren Platz finden sollen. 
Das eine stellt die Unabhängigkeitserklärung der V. St. dar : von 
demselben giebt es auch einen sehr schönen Kupferstich ; das andere 
die üebergabe des Generals Bourgoyne an den General Gates bei 
Saratoga ; das dritte die üebergabe von YorktoiDtt und das Defili- 
ren der englischen Generäle zwischen der amerikanischen und 
französischen Armee; das vierte die Resignation des Generals 
Wasinngton und die Rückgabe seiner Commission an den Congrefs 
am 23. December 1783. Die Aehnlichkeit der Portraits soll spre- 
chend sein. Was aber die Composition und die Ausführung der 
Gemälde betrifl't: so erinnert jene gar sehr an die steife Schule 
von B. JVest, und diese verliert durch die matten Farben. Der 
Maler war übrigens durch den wenigen Kunstgeschmack seiner 
Landsleute, den sie von ihren englischen Vorfahren geerbt haben, 
genirt : man schrieb ihm beinahe die Stellung jedes einzelnen Indi- 
viduums vor. 

Im andern Flügel des Gebäudes befindet sich der Versamm- 
lungssaal der Repräsentanten, ebenfalls im Amphitheater, und die 
dazu gehörigen Büreaux. In diesem Saal befindet sich ein lebens- 
giofses Portrait des Generals Lafayette. Die Decke dieses Saals. 



272 ^ 

so wie die des Senats und des hohen Gerichtshofs , mrd von ioni- 
schen Säulen getragen , deren Schaft aus Puddingstone gemacht 
ist. Die Gallerie über der grofsen Kuppel ge>Yährt eine sehr 
weite Aussicht. Die Hauptavenüen der zu bauenden Stadt laufen 
alle von diesem Punct aus , so dafs diese Aussicht an die Lage des 
Carlsruher Schlosses erinnert , nur mit dem Unterschiede , dafs man 
kein Holz und nur wenige Häuser sieht. 

Mit den Familien de Mareuil , St. Andre , Huygens , und mit 
der ganzen französischen Legation, machte ich eine Wasserpartie 
nach Mount Vernon, dem Landhaus und Begräbnifsplatze des 
grofsen JVashington. Mount Vernon liegt 16 Meilen vom Capitol, 
unterhalb desselben und auf dem rechten Ufer des Fotowmack im 
Staat Yirginien. Wir hatten zu dieser Partie ein Steam hoat gemie- 
thet, auf dem wir uns in Georgetown Vormittags um halb 11 Uhr 
einschifften. Wir fuhren durch die lange Brücke, zwischen den 
aufgezogenen doppelten Klappen, und dann den Fotowmack hinab. 
Washington., das links liegen blieb, nahm sich von hier wirklich 
recht schön aus, besonders ein befestigtes und mit grofsen Maga- 
zinen besetztes Vorgebirge , Greenleafspoint genannt, wo die Ver- 
einio-ung des Easthrancli mit dem Potowmac Statt findet. Acht 
Meilen unter Washington legten wir bei der Stadt Alexandria am 
rechten Ufer an, um von hier einen Kalm zum Landen bei Mount 
Vernon mitzunehmen. Alexandria ist eine der drei Städte im 
District Columbia, der bekanntlich nur 3 Städte enthält: Waslnng- 
ton, Georgetown u-nd dieses Alexandria. Diese Stadt soll ziemlich 
vielen Handel treiben, hat einen Hafen mit hölzernen Quais, an 
welchen ich mehrere Schooner und auch ein Paar Briggs liegen 
sah. Sie soll gegen 8000 Einwohner enthalten. Die Strafsen sind 
lang, sehr gerade, und durchschneiden sich in rechten Winkeln. 
Nach einem Aufenthalte von ungefähr 20 Minuten setzten wir unsere 
Fahrt fort. Die beiden Ufer sind hügelig, mitunter felsig, mei- 
stens Sandstein, und mit Holz bewachsen. Bei einer Wendung des 
Stromes kamen wir bei dem Fort Washington vorbei , das auf einem 
Felsen des linken Ufers neu gebaut ist und mit seinen Batterieen 
den Strom bestreicht. Schief gegenüber, auf dem rechten Ufer, 
erblickten wir endlich in einer sehr schönen Lage Mount Vernojt. 
Da das Wasser an den Ufern niedrig ist, so mufste das Dampfschiff 
mitten im Strome, beinahe eine Meile vom Ufer, liegen bleiben, und 
wir fuhren in Kähnen ans Land. 

Wir stiegen in einer Schlucht auf einem sehr schlechten Wege 
nach einem Platze, wo Vieh grasete, und ich hörte, dieses sei 



2r3 

der ehemalige Garten Waslängton's. Zwischen 3 Eichen und eini- 
gen Cypressenbäumen sahen >vir eine schlechte, höchstens 4 Fufs 
hohe , hölzerne Thür , die in einem sehr schlechten Mauerweik be- 
festigt war. Ich glaubte, etwa ein Brunnenhaus zusehen. Um so 
gröfser war mein Erstaunen , als ich vernahm , dieses sei der Ein- 
gang zum Grabgewölbe des gröfsten Mannes seiner Zeit, der Zierde 
seines Jahrhunderts , Waskingtoii's ! 

Ich suchte Eicheln zusammen , die von den Bäumen herabge- 
fallen waren, welche das Grab beschatten. Meine Absicht war, sie 
zu Hause zu pflanzen. Auch nahm ich einen Cypressenzweig von 
diesem heiligen Orte mit mir hinweg. Das Grab wird nicht mehr 
geöffnet, seitdem die Fremden fast alles den Sarg bekleidende 
Tuch davon abgeschnitten haben, um es als Reliquie mit sich zu 
nehmen. Nur beim Besuche des Generals Lafayette hat man das 
Grab aufgeschlossen. 

Von hier gingen wir nach dem Wohnhause ^ das ungefähr 300 
Schritte von dem Grab auf einem Hügel liegt, von wo aus man eine 
äufserst schöne Aussicht hat auf den Potowmack. Diese Besitzung 
gehört dem oben erwähnten Richter Washington, der, den gröfs- 
ten Theil des Jahres in Berufsgeschäften entfernt, sein kostbares 
Erbtheil sehr verfallen läfst. Seine Frau ist gemüthskrank , und 
bewohnt den obern Theil des Hauses. Rinder hat er nicht. Das 
Haus ist zwei Stockwerk hoch, von Holz gebaut, und in einem 
ziemlich schlechten Geschmack angelegt. Nach dem Wasser zu hat 
es eine piazza, nach der andern Seite zu, nämlich nach der Seite 
des Eingangs , einen steinernen Perron , der fast ganz verfallen ist. 
Vermittelst hölzerner Colonaden steht das Haus rechts und links in 
Verbindung mit den Officen und Wirthschaftsgebäuden. Weiter- 
hin sind die Häuser der Negersclaven , von denen wir eine Menge 
schmutziger, häfslichcr und zerlumpter Kinder herumlaufen sahen. 
Wir hatten, weil es Sonntag war, grofse Schwierigkeit, das Haus 
zu sehen; endlich gelang es uns aber doch, in das Erdgeschofs zu 
kommen. Dieses ist gröfstes Theiles noch in demselben Zustande 
gelassen worden , in w elchem es sich beim Ableben seines grofsen 
Besitzers befand. In den zur Bibliothek gehörigen Büchern ist je- 
doch einige Veränderung getroffen worden , welcher der jetzige 
Besitzer mehrere neue hinzugefügt hat. Mehrere schöne Kupfer- 
stiche zieren die Wände, besonders ein sehr schöner Ludwig XVI.y 
welchen Washington von diesem unglücklichen Monarclien zum 
Geschenk erhalten hat. Auf dem vergoldeten Rahmen befindet sich 
oben das französische Wappen, und unten das Wappen der Familie 
l S 



274 

Washhf^on. In den rier Ecken sind die Chlflers des Königs und 
Cr. JV. angebracht. Ferner 2 sehr gute Abdrücke der Kupferstiche, 
die Schhicht bei Bunkershül^ und General Montgommery's Tod 
vorstellend ; 4 Ansichten von dem Angriff auf Gibraltar und von der 
Yertheidigung dieser Festung, und ein Miniaturbild des grofsen 
Mannes, auf Emaille gemalt. Einer der Schlüssel der Bastille, nach 
deren Einnahme vom General Lafayette an Washington gesandt, 
ist in einem Glaskasten aufgestellt; darunter befindet sich eine Se- 
piazeichnung, die Demolirung dieses Staatsgefangnisses. Das 
Ameublement und die sonstige Einrichtung der Zimmer ist sehr 
einfach; nur im Speisesaal bemerkte ich ein kostbares Kamin von 
italiänischem Marmor mit scliönen Basrelifs und 2 Säulen von gello 
antico. 

Als General Lafayette Washington'' s Grabstätte besuchte , zeigte 
sich bekanntlich ein Adler in der Luft, und schwebte in der Nähe 
des Grabes herum, bis der General weiter ging. Wir bemerkten 
heute ebenfalls einen sehr grofsen Adler, der von der Höhe herab 
uns zu beobachten schien ; wir sahen ihn über uns , als wir uns wie- 
der einschifften; er schien lange auf derselben Stelle zu schweben, 
und nur als das letzte Boot sich dem Dampfschift'e näherte, verliefs 
er plötzlich seine Stellung, flog nach dem Holze zu, und Mir ver- 
loren ihn aus den Augen. 

Bei unserer Reisegesellschaft hatte Ich einen Grafen Miot ken- 
nen gelernt, der früher unter Joseph Bonaparte in Neapel, und 
später in Spanien Minister des Innern gewesen war , und jetzt eine 
Reise in das hiesige Land unternommen hatte , um sich umzusehen, 
und seinen alten Herrn zu besuchen. Herr von Mareuil behielt 
sämmtliche Herren von unserer Gesellschaft zum Diner bei sich, 
und wir blieben bis 10 Uhr Abends recht vergnügt bei ihm zu- 
sammen. 

Auf einem Ball, den der Baron Mareuil gab, befanden sich 
mehr als 200 Personen. Die Mitglieder des diplomatischen Corps, 
die ersten Autoritäten des Landes , und die vorzüglichsten Einwoh- 
ner der Stadt waren gegenwärtig. Ich ti'af den General Bernard, 
und lernte den General /irojr« kennen , einen ältlichen Mann, des- 
sen rechte Seite von einem Schlagflusse gelähmt zu sein schien. 
Die interessantesten Bekanntschaften, die ich machte, waren die 
des Commodore Porter, dessen Name durch seine dem Staate ge- 
leisteten guten Dienste , so wie durch seineu letzten Procefs welt- 
kundig geworden ist, und des Ingenieur-Obersten Roherdeau. Fer- 
ner lernte ich einen Herrn Calrert kennen, der mir sagte, sein 



275 

Sohn studire in Göttingen; er habe vor Kurzem eine Reise nach 
Weimar unternommen , sei bei Hofe vorgestellt und sehr gut aufire- 
nommen worden. Die Damen waren recht elegant angezogen und 
tanzten sehr gut. Die meisten Tänze waren französische Contre- 
tänze, jedoch immer mit denselben Figuren; zuletzt auch eini^re 
Walzer. Die Musik war ziemlich gut, und wurde von den Musi- 
kanten der Mariniers der Garnison gemacht. Der Ball dauerte in- 
defs nicht lange; ich Mar einer der letzten Anwesenden, und kam 
schon um 11 Uhr nach Hause. Der Präsident war nicht zugeo-en; 
er nimmt keine Einladung in der Stadt an. Der jetzige Präsident 
empfängt die fremden Gesandten auch nicht anders, als auf An- 
meldung des Staatssecretairs der auswärtigen Angelegenheiten. Der 
Präsident ist gleichfalls dispensirt, die ihm gemachten Visiten zu- 
rückzugeben, wovon er mich bereits in Baltimore durch Herrn <Sm^ 
livan benachrichtigen zu lassen die Güte gehabt hatte. 

Einen anderen Ball gab der General Brown ^ zu Ehren der 
Verheirathung eines Capt. Gardner vom 4ten Artillerie-Regimente. 
Die meisten Herren , die ich hier antraf, waren Officiere von der 
Armee. Es giebt kaum eine Armee in Europa, in welcher die Of- 
ficier-Corps besser zusammen gesetzt wären, als in der kleinen 
Amerikanischen. Denn in den Y. St. wird durchaus Niemand Offi- 
cier, der nicht ein Mann von Erziehung ist. Die Officiere werden 
einzig und allein aus der Academie von Jfesfpoint genommen ; kein 
Unterofficier avancirt weiter. Die meisten Unterofficiere , die wäh- 
rend des letzten Kriegs zu Officieren avancirt waren , sind nach und 
nach auf eine gute Manier aus der Armee entfernt worden. Eine 
solche Mafsregel ist in diesem Land unumgänglich nöthig, in wel- 
chem nur Leute aus den untersten Volksclassen sich in der Armee 
als Soldaten engagiren ; ohne den grofsen Zwischenraum zwischen 
den Officieren und den rank and files *) könnte durchaus keine 
Disciplin bestehen. Sobald man daher einen jungen Mann in der 
amerikanischen Officiers-Uniform sieht, so kann man mit Zuver- 
sicht annehmen, dafs er in jedem Betrachte gemacht sei, seinen 
Platz in der besten "Gesellschaft zu behaupten. 

Auf einem dritten Balle bei Herrn Huygens war wieder eine 
recht angenehme Gesellschaft vereinigt. Ich unterhielt mich >iel 
mit einem Lieutenant fVolf Tone^ der bei dem ersten Artillerie- 
Regiment angestellt war. Er ist ein Irländer von Geburt, aber in 
einer französischen Militairschule erzogen. Frülier war er in 



*) Alle im Glicdc stehenden Militairs u n t c r Officicrä-Rangc. 

S 2 



. 276 

französischen Diensten gewesen , und wurde vom General Bernard 
prote«»;irt. 

Bei einem Besuche, welchen ich dem General Macomb und 
dem Major Jandeventer auf dem Kriet^s-Ministerio machte , zeigte 
mir der General, aufser mehreren Zeichnungen und Plänen von 
Festungen und Schanzen, auch zwei merkwürdige Listen, die 
monatlich vom Obr. Lt. Thayer aus Westpoint eingeschickt werden. 
Die eine enthält die Namen der besten und der schlechtesten Cadets 
aus jeder Classe, und die andere die Namen derjenigen, die Beloh- 
nungen verdienen , so wie derjenigen , welche gestraft worden sind, 
nebst Angabe ihres Fehlers, endlich derjenigen, welche von der 
Schule hinweggeschickt worden sind, mit Angabe der Ursache 
dieser Entfernung. Die beiden Tableaux sind im Bureau des 
Generals unter Glas und Rahmen aufgehängt; sie werden, die eine 
alle 14 Tage, die andere alle Monate, verändert. Sie sollen, wie 
mir der General versicherte, ihm manche zeitraubende Conver- 
sation mit *ke\\ Eltern der Cadets ersparen. 

Der General brachte mich auch auf das topographische Bureau, 
an dessen Spitze Oberst Roherdeau stand. Ich fand daselbst meh- 
rere cercles repetiteurs , Theodoliten und Telescope , von Trovghton 
und Ramsden verfertigt; so >vie 2 Passage - Instrumente für ein 
Observatorium , das noch zu bauen ist. Ferner ein Instrument von 
TroiigJdoji^ um den 10000. Theil eines englischen Zolles zu neh- 
men, und die Modellmafse vom englischen yard^ vom französischen 
metre und vom litre. Die Herren bedauerten, dafs man in den 
V. St. das alte englische Mafs und Gewicht beibehalten und nicht 
das viel bessere neue französische eingeführt habe, wie in den 
Niederlanden. Weiter, mehrere gute Pläne von Schlachten und 
Belagerungen aus dem Revolutionskriege und namentlich von den 
ehemaligen Festungen Ticonderoga und Crownpoint am Lake 
Champlahi. Neuere Aufnahmen vermifste ich. Dagegen zeigte 
mir General Macomb das sogenannte Indiaii Departement ^ wo alle 
Geschäfte mit den indischen Völkerschaften abgehandelt werden. 
In demselben finden sich die Portraits einer Menge Indischer Chefs 
und mehrere ihrer Weiber, die zu verschiedenen Epochen nach 
Wasinngioii gekommen sind, um den Präsidenten zu becomplimen- 
lircn. Sie erhalten dann nach ihrem Range Medaillen mit dem 
Brustbilde des Präsidenten , die sie an einem Band am Halse tragen. 
Auch mehrere V/a(l'en und sonstige Zierrathen dieser Völkerschaf- 
ten, die mir schon bekannt waren. Zuletzt besuchte ich das 



277 

Ordnance-Departement *) , welches unter der Direction eines Ober- 
sten stellt. Hier sah ich eine von einem Herrn Hall in Harpers- 
ferry erfundene und verfertigte Büchse , die sich von hinten ladet, 
und mit der man 5 sichere Schüsse in einer Minute thun kann. 
Man hatte mit der Büchse, die ich in den Händen hatte, 3000 
Schüsse gethan, und sie sehr probat gefunden; man hatte mehrere 
bestellt, und gedachte, im Fall eines Krieges, eine oder ein paar 
Compagnien mit solchen Büchsen zu bewaflnen. 

Zu einem Diner , welches der Präsident gab , und welchem ich 
beizuwohnen die Ehre hatte, waren beiläufig 40 Personen versam- 
melt. Das diplomatische Corps Mar gegen>> artig ; die Staatsecre- 
taire, mehrere Generäle, und andere angesehene Personen. Unter 
denselben lernte ich den einstweiligen Präsidenten des Senats , Herrn 
Gaillard **) aus Nord-CaroUna, kennen. Damen waren nicht 
zugegen , weil M^s Adams sich unwohl befand. Das Tafelzeug 
war sehr reich; besonders gefiel mir ein Aufsatz von Vermeil. 
Der Speisesaal ist sehr geräumig; aufser diesem waren zwei reich 
meublirte Zimmer oflen. Ich bemerkte mehrere schöne Porcellan- 
Vasen von Sevres und eine Marmorbüste des grofsen ifashington^ 
vom italienischen Bildhauer CeracJti, der später in Paris wegen 
einer Verschwörung gegen das Leben Napoleon's erschossen wor- 
den ist. Ein Kronleuchter war besonders schön. Für den Kaiser 
Napoleon gemacht, ist derselbe im Jahr 1815 von dem amerikani- 
schen Gesandten in Paris erstanden worden. Die kaiserlichen Adler 
gelten jetzt für amerikanische. 

General Brown zeigte mir bei einem Besuch eine grofse goldne 
Medaille , die ihm wegen seiner Verdienste im letzten Kriege vom 
Congrefs verehrt worden ist. Die eine Seite stellt das Biustbild 
des Generals vor, und die andere eine Trophäe von englischen 
Waffen um ein Ruthenbündel. Vier Schilde enthalten die Namen 
Sacketts harbour, Niagara, CIn'ppewa und Erie, mit Angabe der 
Tage, an welchen diese Oerter Zeugen der Thaten des Generals 
gewesen sind. Zu den Füfsen der Trophäe ist der amerikanische 
Adler dargestellt, eine englische Fahne in seinen Klauen haltend. 
Diese Medaille darf der General jedoch nicht tragen , sondern er 
hebt sie in einer Kapsel auf. Ueberhaupt dürfen amerikanische 
Staatsbürger auch keine fremden Ehrenzeichen tragen; selbst 
General Bernard hat die seinigen, so wohl verdienten, ablegen 



') Beauftragt mit dem mcrtcricl der Armee. 
*') Seitdem verstorben. 



278 

müssen. General Brown zeigte mir aufserdem noch eine goldene 
Do^, die ihm von der Stadt New -York, mit Ueberreiclmng des 
Bürgerrechts dieser Stadt, verehrt worden war. 

Am 14. November fing ich an , Abschiedsbesuche zu machen. 
Denn die Wohnungen in ffashington sind so weit von einander 
entfernt, dafs solche Besuche ungemein viele Zeit erfordern. Bei 
dieser Gelegenheit unterhielt ich mich lange mit dem Kriegsminister 
Herrn Barbour und General Macomb über militairische Verhältnisse. 
Mit dem Minister war ich nicht einerlei Meinung über die Miliz, 
von deren Tauglichkeit er als ehemaliger General der Miliz, die 
er als Gouverneur von Firghiien commandirt hatte, mir eine viel 
zu hohe Meinung zu hegen schien. Bei Herrn von IVallenstein, 
der am kalten Fieber laborirte, sah ich eine sehr hübsche Biblio- 
thek und einige gute Instrumente; z. B. ein Barometer, um 
Höhen zu messen, und einen Telescop, den er zum Passagen- 
Instrument adoptirt hatte. Ich fand bei ihm Krusenstern's grofsen 
Atlas der Südsee, ein schönes Werk auf schlechtem Papier. Herr 
von Wallenstein hatte ein astronomisches Werk aus dem Spanischen 
ins Französische übersetzt; auch eine englische Ausgabe von den 
Umrissen von Göthe's Faust besorgt. Er wollte sich nunmehr mit 
Fortification beschäftigen und Dufoufs memorial pour les travaux 
de guerre lag aufgeschlagen. Mit dem General Bernard discurirte 
ich lange über Gegenstände aus den Militair - Geniewissenschaften. 
Er sagte unter andern , dafs er bei der Vertheidigung von 2 Festun- 
gen, Mannheim und Torgau, gedient, und dabei die Erfahrung 
gemacht habe, dafs ohne bedeckte Werke auf derjfron^ d'attaque 
an keine nachdrückliche Vertheidigung zu denken sei. Hinsicht- 
lich der Küstenbatterieen meinte er, dafs die besten diejenigen 
seien , welche wenigstens 30 Fufs über die Oberfläche des Wassers 
erhoben wären, damit die Ricochetschüsse vom Schilfe die Brust- 
Mehr nicht erreichen! könnten. AVas die Militair-Unterrichtsanstal- 
len in diesem Lande betriÜ't: so war er der Meinung, dafs sie aller- 
dings noch grofser Verbesserungen fähig seien. Er hätte vorge- 
schlagen, eine practische Uebungsschule für die Armee einzurich- 
ten, in welche man Bataillons Infanterie und einige Artillerie-Com- 
pagnien abwechselnd zu ihrem Unterricht commandiren würde; 
dieser Vorschlag sei aber noch nicht angenommen. Auch sprach 
der General viel über den Werth von Antwerpen, und gab mir 
manche interessante Aufschlüsse über Napoleon's Absichten mit 
diesem Platze. Zuletzt kam das Gespräch auf die Schlacht von 
fVaterloo, welcher der General als Adjudant des Kaisers beigewohnt 



279 



hatte. Die Thräncn traten dem braren Mann in die Augen , als er 
von seinem ehemaligen Herrn sprach. 

Am letzten Tage meines Aufenthalts in Washington fuhr ich 
mit den beiden Herren Huygens, Vater und Sohn, und mit Herrn 
de Bressoji nach der Caserne der Mariniers, mo auf Befehl des 
Kriegsministers mit den Hallschen Gewehren Versuche angestellt 
werden sollten. Herr Hall, der eine Aufseherstelle bei derGewehr- 
manufactur von Harpersferry bekleidet, war selbst gegenwärtig. 




Figur I ist ein solches Gewehr. Das Srhlofs ist oben auf dem Lauf 
angebracht, M'ie bei den Taschenpistolen, a ist ein Bügel, an 
welchem man mit der linken Hand drückt, um das Stück des Rohrs, 
auf welchem das Schlofs befestigt ist, in die Lage zu bringen, wie 
Fiff. n zeioft. Ist es in dieser Laffe, so schüttet man Pulver auf 
die Pfanne, und dann in die Oeifnung i, setzt eine Kugel darauf 
und drückt dieses Stück in seine gewöhnliche Lage in die Verlän- 
gerung des Rohrs hinein. Hierauf feuert man das Gewehr ab, 
ladet wieder u. s. f. Das Pulver trägt man in einem länglichen 
blechernen Kasten an der rechten Hüfte im Bandelier. In diesem 
Kasten ist Pulver für 170 Schufs enthalten. Er ist durch eine 
Klappe mit einer Feder geschlossen ; über derselben ist ein Lade- 
mafs angebracht, so dafs man im Augenblicke so viel Pulver hat, 
als man zum Aufschütten und Laden eines Schusses braucht. An 
demselben Kasten befindet sich eine Röhre für 18 Kugeln, eben- 
falls mit einer Feder geschlossen, so dafs man unmittelbar, nach- 
dem man das Pulver ins Rohr geschüttet hat, die Kugel hinein 
rollen läfst. Es wurden Versuche über die Geschwindigkeit des 
Feuerns angestellt; Herr Hall feuerte mit seiner Büchse und der 
Sergeant - major — Unter- Ad judant — der Mariniers, mit einem 
arewöhnlichen enfflischen Infanterie-Gewehre. Diesei' konnte in 
der Minute nur 4 Schüsse thun , während Herr Hall in derselben 
Zeit 6 Schüsse that. Er hatte seine Erfindung auch auf gewöhn- 
liche Infanterie-Gewehre und Büchsen angewandt, und liefs ui 
Harpersferry solche Gewehre verfertigen. Das Stück kostet dem 
Gouvernement 18 Dollars. Eine wesentliche Verbesserung dürfte 
die Einführung der Percussions-Schlösser seyn. üebrigens können 



280 

diese Gewehre nur sehr {;;eübten Männern in die Hände gegeben 
werden, und es ist die Absicht des Gouvernements, einstweilen 
höchstens die linken Flanken-Compagnien damit zu bewaffnen. 
Für Tirailleurs scheint dieses Gewehr eine einzig gute Waffe. Ich 
wünschte, dafs Herr Hall ein solches Gewehr für mich machen 
möchte; er gab mir aber zur Antwort: dafs, seit er im Dienste des 
Gouvernements sei , er ohne besondere Erlaubnifs des Kriegs-Mi- 
nisters keins für Privat-Personen machen dürfe. 

Die wenigen in der Caserne anwesenden Mariniers standen, 
von einem Lieutenant commandirt, en parade, als ich kam, und 
ich wurde mit präsentirtem Gewehr und klingendem Spiel empfan- 
gen. Das ganze Corps der Mariniers war nur 700 Mann stark und 
mufste aufser den Garnisonen an Bord der Escadres im mittelländi- 
schen Meer, im Golf von Mexico und in der Südsee, die Garni- 
sonen der rece/vzwg-sÄips und der Navy yards \on Boston^ New- 
York^ Philadelphia^ Washington und Norfolk unterhalten. Man 
hoffte aber, der nächste Congrefs würde zugestehen, dafs das 
Corps auf 1500 Mann vermehrt werde, und diese Vermehrung 
dürfte für das Beste des Dienstes allerdings nothwendig sein. 



XIV. 

Abreise von Washington. Frederickfown. Tiar-persferry: 

das blaue Gebirg. Staunton : natural Bridge. JVeyhers- 

cave. Cliarlotteville : F^irginia university. MonticeUo. 

Richinond. Jarnestown. Norfolk. Festung Monroe. 

Fayetteville. Columbia. 

Vom 15. November bis 10. December 1825. 



Am 15. November, Nachmittags 2 Uhr, setzte ich mich mit 
meinem neuen Reisegefährten, dem jüngeren Herrn HiiygenSy 
der mich mit Erlaubnifs seines Vaters begleiten wollte, in den 
Wagen, und verliefs Washington. Ich hatte bis Harpersferry^ 
welches gegen 50 Meilen von Washington entfernt ist, einen vier- 
spännigen Wagen für 36 Dollars gemiethet, der uns in 2 Tagen 
dahin bringen sollte. Auf einer Anhöhe hinter der Stadt George- 
toicn erwartete uns Herr Huygens , der Vater mit seinen Töchtern, 
um von ihrem Sohne und Bruder Abschied zu nehmen. Der Weg 
war einige Meilen weit recht gut; dann wurde er schlecht und 
holperig, und blieb es den ganzen Tag über. Wir hatten den 
District Columbia verlassen und befanden uns Avieder im Staate 
Maryland. Die Gegend, die wir passirten, war hüglig, viel mit 
Wald bewachsen, nur hier und da angebaut; einzelne grofse 
Häuser , den Tabackspflanzern gehörig , mit kleinen Häusern der 
Negersclaven. Wir kamen nur durch einen einzigen , etwas an- 
ständigen Ort , Rocfcsville genannt. Gegen 7 Uhr Abends erreich- 
ten wir ein im township Clarksburg gelegenes Wirthshaus , Scholls- 
tavern genannt , 25 Meilen von Washin^ou , und nahmen in dem- 
selben unser Nachtquartier. 

Am folgenden Morgen verliefsen wir Clarksburg nach 8 Uhr. 
Es war ziemlich kühl. Der Weg holperig, wie zuvor. Bis 
Frederickiown hatten wir 15 Meilen weit. Die Gegend hügelig 
und steinig. Zuweilen hatten wir hübsche Blicke auf die blauen 



282 

Berge, denen wir uns näherten. Die Häuser, an welchen Mir vor- 
beifuhren , waren fast eben so , Avie die j^estrigen ; die Negerhäuser 
meistens von Holz und nur das Kamin massiv und ans Haus ange- 
baut. Den Monowei-Flnk passirten M'ir durch eine Furt , 4 Meilen 
vor Fredericktowji. 

Diese Stadt, eine der vorzüglichsten im Staate Maryland, 
Ueo-t in einer gut angebauten Gegend, von Hügeln umgeben. 
Sie hat gegen 5000 Einwohner, und ist sehr regelmäfsig angelegt. 
Am Eingang einer der Strafsen stand ein hölzerner Triumphbogen, 
zu Ehren des Generals Lafayette errichtet; die Inschriften waren 
vom Wetter schon ziemlich ausgewischt. Ich war kaum im Wirths- 
haus abgestiegen , als ich einen Besuch erhielt von dem hiesigen 
lutherischen Geistlichen Dr. Sc/mefer, einem Sohne des Predigers 
gleiches Namens in Philadelphia. Dieser Mann begleitete mich 
zu einem Advocaten, Namens Schley^ den ich in Sarato^a kennen 
gelernt hatte, und dann in die lutherische Kirche, ein sehr einfach 
eingerichtetes Gebäude. Wir bestiegen den Thurm , um die Stadt 
und umliegende Gegend zu übersehen. Die Gegend schien sehr 
"•ut angebaut zu sein; sie soll sich meistens vom Tabacksbau 
nähren. Die Stadt enthält 4 Kirchen : aufser der lutherischen eine 
reformirte, eine katholische und eine methodistische. An öffent- 
lichen Gebäuden hat sie einen Gerichtshof und ein Gefängnifs. 

Harpersferry war noch 21 Meilen von Frederic/down entfernt. 
Die Gegend wurde immer bergiger, die Strafse immer schlechter 
und holpriger, so Avie wir uns dem Gebirge näherten, das unter 
dem Namen der „blauen Berge" bekannt ist. Wir mufsten öfters 
aussteigen und zu Fufse gehen, weil der Weg gar zu schlecht 
wurde. Wir begegneten mehreren starken Ileerden von Hornvieh 
und Schweinen, welche, aus den westlichen Staaten kommend, 
nach den Hafenstädten zum Verkauf getrieben Murden. Die Fuhr- 
leute, welchen wir begegneten, und welche meistens die Producte 
des Westens brachten , hatten grofse Karren mit 5 starken Pfcn'den 
bespannt, 4 wie ein Postzug, und das 5. allein vorauf. Bei einem 
dieser Fuhrleute hatte jedes der Pferde auf seinem Kummt ein 
Glockenspiel von 5 verschiedenartigen Glocken, die eine ganz 
sonderbare Musik machten. 

Inzwischen ging es meistens durch Wald; wir passirten nur 
einen einzigen , unbedeutenden Ort, Newtmi genannt. Die Berge 
wurden immer höher und felsiger. Endlich kamen wir wieder an 
den PotowmaCi den Mir gestern verlassen hatten, und erfreuten 
uns mancher schönen Aussicht. Die Gegend erinnerte mich an 



283 

den Plauischen Grund bei Dresden. Es war dunkel geworden , als 
wir auf dem linken Ufer des Potoiimiac , Harpersferry gegenüber, 
ankamen. Wir mufsten aber ziemlich lange auf die Fähre warten. 
Als diese endlich erschien, da wurde sie von einem betrunkenen 
Neger geführt. Auch die Fähre selbst war sehr schlecht. Indefs 
kamen Mir glücklich über den ziemlich seichten Flufs, zwischen 
Felsstücken hindurch, und sahen in einiger Entfernung Flufs auf- 
wärts drei gemauerte Pfeiler im Flusse stehen , auf welche nächstes 
Jahr eine Brücke gebaut werden sollte. Indem wir über den Flufs 
setzten, betraten Mir das Gebiet des Staates Yirginien. In Harpers- 
ferry nahmen w ir in einem reinlichen "Wirthshaus unsre Wohnung ; 
und ich hatte sogleich das Vergnügen , dafs ein hier etablirter Arzt, 
Dr. Weise y aus Dresden, sogleich, als er gehört hatte, ich sei an- 
gelangt, zu mir kam. 

Ich erlaube mir, die folgende Beschreibung der hiesigen Ge- 
gend, aus des ehemaligen Präsidenten Thomas Jefferson „Notes 
Oll tJie State of Virginia,*''' wörtlich übersetzt, einzuschieben. 

„Der Durchgang des Potowmac durch das blaue Gebirge ist 
vielleicht eine der wunderbarsten Naturscenen. Ihr steht auf einem 
sehr hohen Standpuncte. Zu Eurer Rechten kommt der Shenandoah, 
der am Fufse des Gebirges gegen 100 Meilen geirrt hat, um einen 
Ausweg zu suchen. Zu Eurer Linken nähert sich der Potoicmac, 
ebenfalls einen Durchgang suchend. Im Augenblick ihrer Ver- 
einigung rauschen sie gegen den Berg, reifsen ihn entzwei, und 
setzen ihren Weg nach dem Meere fort. Der erste Anblick dieses 
Schauspiels drängt unserm Sinne die Meinung auf, dafs, als diese 
Erde zu ihrer Zeit geschaffen ward, die Berge zuerst gebildet 
worden ; dafs die Ströme später zu fliefsen begonnen , dafs sie vor- 
zü glich an diesem Platze durch die blauen Berge aufgedämmt 
worden sind, und einen Ocean gebildet, der das ganze Thal aus- 
füllte, dafs sie endlich bei fortwährendem Steigen an diesem Platz 
überströmten und den Berg von seinem Gipfel bis zu seiner Grund- 
lage zerrissen haben. Die Felsenzacken an jeder Seite, und vor- 
züglich am Shenandoah^ die augenscheinlichen Spuren ihres Los- 
bruchs und ihrer Abreifsung von ihren Lagern durch die mächtig- 
sten Wirkmittel der Natur, bestärken diesen Eindruck. Doch der 
Hintergrund, m eichen die Natur diesem Gemälde gegeben, ist von 
einem sehr verschiedenen Character. Er ist das wahre Gegenstück 
zum Vorgrund, und eben so gefällig und angenehm, als dieser 
wild und schrecklich ist. Da der Berg völlig gespalten ist, so zeigt 
er Eurem Auge durch die Kluft einen kleinen Strich des blauen 



284 

Horizonts auf eine grofse Entfernunjr im platten Land, als wenn 
er Euch einlüde, vom Aufruhr und Lärmen, der um Euch brauset, 
durch die Felsenlücke zu flüchten, um der unten herrschenden 
Ruhe theilhaftig zu werden. Hier endlich ruht das Auge, und 
dieser Weg führt auch auf die rechte Strafse. Ihr geht über den 
Potowmac oberhalb der Vereinigung, bleibet drei Meilen längs des 
Ufers am Fufse des Berges, dessen schreckliche schrofle Felsen in 
Bruchstücken über Euch hängen, und nach ungefähr 20 Meilen 
Weges erreicht Ihr Fredericidown und die hübsche Gegend, die 
es umgiebt. Dieses Schauspiel ist würdig einer Reise über den 
Atlantischen Ocean. Dennoch giebt es hier , so wie in der Nähe 
der natürlichen Brücke, Menschen, die ihr ganzes Leben, ein 
halbes Dutzend Meilen entfernt, zugebracht, und sich nie die 
Mühe gegeben haben, diese Denkmäler eines Kampfes zwischen 
Strömen und Bergen, der die Erde bis in ihrem Mittelpunct er- 
schüttert haben mufs, zu besehen." 

Am Morgen nach meiner Ankunft in Harpersferry machte ich 
dem Director der Gewehrfabrik , Herrn Stubbersßeld , an den 
ich von Seiten des Kriegsministers Barhour empfohlen war , meinen 
Besuch, und mit grofser Bereitwilligkeit zeigte er mir die unter 
seinen Befehlen stehenden Anstalten. Die Werkstätten befinden 
sich in 7 grofsen massiven Gebäuden, von welchen die inneren 
Abtheilunjren leider von Holz sind. Diese Gebäude stehen in 
zwei Reihen, 4 am Berg und 3 gegenüber am Potowmac. Am 
Eingange dieser Gasse steht Herrn Stubbersßelds office^ von wel- 
chem aus er die Eingänge aller Werkstätten übersehen kann. Die 
Maschinen, die im Gebrauche sind, werden durch Wasserräder in 
Bewegung gesetzt. Alle Gebäude sind 2 Stockwerk hoch; im 
Erdgeschosse sind die Schmieden, und in dem obern Stockwerke 
diejenigen Arbeiter, die kein Feuer zu ihren Arbeiten bedürfen. 
Bei den Elsenarbeiten sah ich nichts Neues. Das zu den Läufen 
nöthige Eisen kommt aus Junicda im Staate Pensylvamen^ und 
wird in Platten geliefert, welche allemal je einen Fiintenlauf abge- 
ben. Der Stahl ist deutscher Stahl, Haiback steel genannt, den 
Herr Halbach in Philadelpltia liefert. Jedes Gewehr mufs durch 
120 Hände gehen , ehe es fertig Mird. Für jedes Stück ist ein 
besonderer Arbeiter angestellt. Dieser wird auch für jedes Stück 
einzeln "bezahlt, nachdem dasselbe gehörig approbirt worden ist. 
Ein geschickter und fleifsiger Arbeiter kann sich täglich 2 Dollars 
verdienen. Wenn die Arbeiter alle zum Schlosse gehörigen Stücke 
fertig haben , so liefern sie dieselben an einen Mann ab , der sie 



285 — — 

prüft, und dann die Schlosser zusammensetzt. Die Läufe werden 
vermittelst Ringe, die man enger und weiter machen kann, abge- 
drechselt. Am meisten interessirte mich die Maschine , die Schafte 
zu drechseln, weil dieses früher eine sehr mühsame Arbeit war. 
Auf ein Stück Holz, dem man aus dem gröbsten die Form eines 
Schaftes gegeben hat, wird ein Stück Eisen an dem Platze ge- 
schraubt, wo der Gewehrlauf liegen soll. Ist dieses geschehen, 
so wird das Stück in die Maschine eingeschraubt; parallel mit dem 
Stück ist ein Stück Eisen eingeschraubt, das dieselbe Form hat, 
welche der Schaft bekommen soll. Ein Rad, in welchem soge- 
nannte Leislhobel befestigt sind, ist bestimmt, den Schaft abzu- 
hobeln. Die Operation beginnt mit der Mündung , und endigt mit 
dem Kolben. Zu diesem Ende bewegt sich der Schaft zugleich 
mit seinem eisernen Modell, jedes um seine Axe. Das Rad mit 
den Hobeln hat eine bewegliche Axe, die parallel mit der Axe eines 
einfachen messingnen Rades läuft, das sich an dem eisernen Modell 
reibt und allen seinen Erhöhungen und Vertiefungen folgt. Das- 
selbe wird auch in Bewegung gesetzt und vermittelst einer Schrau- 
be ohne Ende nach dem Kolben hingezogen. Während dieser 
Bewegung hobelt es den Schaft ab , und giebt ihm seine gehörige 
Gestalt. Diese Operation dauert 6 bis 7 Minuten, und nichts würde 
verhindern, auf der andern Seite des Modells einen zweiten Schaft 
zu gleicher Zeit zu drechseln. Ist der Schaft gehörig gehobelt, so w ird 
er herausgenommen und ein anderer eingespannt. Von dem gedrech- 
selten Schaft nimmt man das Eisen ab , spannt ihn in eine Klammer, 
und nähert ihn einem Bohrhobel, durch welchen die Rinne hinein 
gemacht w ird , die später den Flintenlauf aufnehmen soll. 

Diese Fabrik und die Fabrik von Spingfield, die einzigen in 
den V. St., welche dem Gouvernement gehören, liefert jetzt in 
Friedenszeiten jährlich 15,000 Gewehre. Sie w erden durchgängig 
nach der von Dupin angegebenen Procedur braun gemacht; auch 
die Ringe und Bajonette, welche letztere die Engländer blank lassen. 

Herr Stubbersßeld führte uns auch nach dem Arsenal. In 
dieses Arsenal werden die Gewehre nach ihrer Vollendung abge- 
liefert, und entweder hier aufbewahrt, oder zu zwanzig Stück in 
eine Kiste verpackt und nach anderen Arsenalen versendet. Im 
Innern des Arsenals ist Alles von Holz; und doch verdiente es 
wohl, von Eisen und feuerfest gemacht zu sein, da es ein so 
grofses Capital enthält. Es befanden sich nämlich 84,000 Gewehre 
in demselben. Wenn man nun eins zu 13 Dollars annimmt, so ist 
der Werth 1,092,000 Dollars. 



286 

Zuletzt führte uns Herr Stubbersfield nach einer neuen Fabrik, 
eine halbe Meile von der Stadt entfernt , in welcher Herrn Halls 
Patent "-ewehre, unter seiner eigenen Direction , gemacht werden. 
Da der Erfinder nicht zugegen war, so konnte mir leider Niemand 
die Maschinerie , die übrigens noch nicht recht im Gange zu sein 
schien, erklären. 

Endlich begleitete uns Dr. Weise nach einem oberhalb des Orts 
gelegenen Berge, dem Autor der oben citirten Beschreibung zu 
Ehren Jefferson rock genannt. Die Aussicht ist wirklich sehr schön, 
ich fand sie mit der Beschreibung übereinstimmend ; indefs glaube 
ich doch, in Deutschland schönere Gegenden gesehen zu haben. 
Man übersieht auch den Ort, dessen Häuser ziemlich einzeln ge- 
baut sind : von den 1500 Einwohnern arbeiten 300 in der Gewehr- 
fabrik. Der Grund gehört gröfstes Theiles dem Gouvernement, 
und dieses gesteht gut empfohlenen Personen die Erlaubnifs zu, 
Häuser zu bauen. Auf der Höhe bei dem Jefferson rock wurde ein 
grofses Gebäude von drei Stockwerken aufgeführt. Ins Erdgeschofs 
sollte eine Kirche kommen, ins andere Stockwerk eine Lancaster- 
sche Schule und ins dritte eine Freimaurerloge. Ich stand übri- 
gens viel aus von einem sehr kalten Winde , der etwas Schnee mit 
sich führte. Abends brachte Dr. Weise einen Brückenbauer aus 
Reutlingen zu mir, der vor 30 Jahien als Bäcker hieher gekom- 
men, und dann den Mühlen-, und endlich den Brückenbau gelernt 
hatte. Die zweite Brücke über den Scimylkill bei Philadelp/nay 
in einem grofsen Bogen über den Flufs gesprengt, ist von seiner 
Erfindung ; und nächstes Jahr m oUte er hier eine Brücke über den 
Potoivmac schlagen. 

Den 19. November verliefsen wir bei einer hellen, aber sehr 
kalten Nacht früh 3 Uhr Harpersferry , und traten unsere Reise 
nach der natürlichen Brücke an, welche 175 Meilen entfernt ist. 
Wir fuhren in der gewöhnlichen Stage. Die »S^age- Verbesserung 
scheint noch nicht über die blauen Berge vorgeschritten zu sein; 
denn wir mufsten mit einem sogenannten waggon vorlieb nehmen, 
der uns alle mögliche Unbequemlichkeiten darbot. Der Weg führte 
durch eine hüglige Gegend und war sehr schlecht. Es ging ganze 
Strecken weit über Felsen ; im Wege lagen so viele Steine , dafs 
ich nicht begreife, wie der elende Kasten nicht in Stücken brach. 

Bei Tagesanbruch befanden wir uns 18 Meilen von Harpers- 
ferry in einem kleinen Orte , Smithßeld. Ein Paar Meilen weiter 
kamen wir an eine lauwarme Schwefelquelle, deren Wasser den 
Geschmack von faulen Eiern, >Yie das Aachner Wasser hat. Es 



287 

scheint übrigens wenig bekannt zn sein, weil die Quelle nicht 
gefafst ist und keine Gebäude in ihrer Nähe stehen. Ein glück- 
liches Uno-efähr »ird es aber ohne Zweifel bekanntmachen; und 
ich würde mich nicht wundern , wenn ich in 10 bis 15 Jahren wieder 
in diese Gegend käme, hier einen eleganten Badeort zu finden, 
etwa wie Saratoga Springs. Weiter beständig Wald. Das Holz 
Eichen und Kastanien , Acacien und Cedern. Wohnungen selten. 
Wir passirten mehrere Creeks in Furten ; der ansehnlichste heifst 
der Cedarcreek. Auch bemerkten wir einige massive Mahlmühlen. 
Es hatte so hart gefroren, dafs die Creeks an ihrem Rande mit 
ziemlich dickem Eise belegt waren, und an den Wasserleitungen der 
Mühlen hingen grofse Eiszacken. 

Eilf Meilen von Smithfield kamen wir in ein recht nett ange- 
bautes Landstädtchen, lyinchester genannt, mit meist massiven 
Häusern in einer langen Hauptstrafse, von welcher mehrere Neben- 
strafsen auslaufen, mit einer Markthalle und mehreren dem Ansehen 
nach recht gut versorgten Läden. Wir wechselten hier die Stage 
und bekamen einen weniger schlechten Wagen , wiewohl noch sehr 
unbequem. Das Holz zu diesem Wagen war ganz besonders gut; 
es war hickory-llolx^ das unglaublich viele Springkraft besitzt. 
Von Winchester fuhren wir 8 Meilen weiter nach Stephensburg, 
6 Meilen weiter nach Middleton, 6 andere Meilen weiter nach 
Strasburgs und zuletzt noch 12 Meilen bis Woodstock ^ mo wir 
übernachteten. Wir waren hier 61 Meilen von Harpersferry ent- 
fernt. Abends gegen 6 Uhr bei einem sehr kalten Wetter, aber 
hellem Mondschein, erreichten wir unser Nachtquartier. Die Ort- 
schaften zwischen Winchester und Woodstock waren ziemlich unan- 
sehnlich; nur Strasburgs ein schon alter Ort, schien bevölkerter- 
als die anderen zu sein. Die Häuser sind meistens von Holz, mit 
Schindeln gedeckt, obgleich es nur zu viele Steine in der hiesigen 
Gegend giebt. Diese Gegend war zuletzt sehr hübsch geworden. 
Links sahen wir die blauen Berge, von denen wir uns nun immer 
mehr entfernten. Eine andere, mit der blauen Reihe parallel 
laufende Bergkette, the northern ridge genannt, erhob sich plötz- 
lich vor unseren Augen , und bald hatten wir sie zwischen uns und 
den blauen Bergen, so dafs wir diese ganz aus dem Gesichte ver- 
loren. Rechts hatten wir eine andere Bergkette, einen Arm der 
^Ileghejiy- Gebirge s und fuhren beständig in einem, wenigstens 
10 Meilen weiten, Thal. Die Formation dieser parallel laufenden 
Bergketten ist ganz sonderbar, und ohne Beispiel in anderen Welt 
theilen. Das Land war ziemlich gut angebaut, und das Aeufsere 



288 

mehrerer Landhäuser liefs auf die Wohlhabenheit ihrer Besitzer 
schüefsen. Die Einzäunungen der Felder bestehen hier meistens 
aus den schon öfters erwähnten wornfenees; in der Nähe der 
Landhäuser giebt es jedoch ti'ockene Mauern, die sehr sorgfältig 
zusammengesetzt sind. Man scheint hier viel zu Pferde zu reisen. 
Wegen der grofsen Distanzen können fast alle Frauenzimmer rei- 
ten ; wir begegneten mehreren zu Pferde , zum Theile sehr elegan- 
ten; auch mehreren schwarzen Weibern. Die hiesige Pferderace 
scheint sehr stark zu sein. Man bedient sich aber auch der Ochsen 
als Zugvieh ; an mehreren Karren waren hinten 2 Ochsen und vorn 
2 Pferde angespannt. 

Den 20. November verliefsen wir Woodstock früh halb 3 Uhr 
in einer ganz erbärmlichen Stage und auf einem wo möglich noch 
rauheren Weg als gestern, und fuhren bis Staunton ^ 71 Meilen weit, 
wo wir übernachteten. Die Ortschaften waren meistens unansehn- 
lich, und nur Shryock^ Ncwmarket , Bigspring und Harrisonburg 
verdienen erwähnt zu werden. Der letzte Ort soll zwischen 8 bis 900 
Einwohner zählen. Die meisten Häuser waren von Holz und nur 
wenige massiv. Wenn man diesen Theil des Staates Virginien mit 
den Staaten Massachusetts und Neio - York und selbst Pensylvanien 
vergleicht, so fällt die Vergleichung sehr nachtheilig für Virginien 
aus. Die starke Sclaven- Population in diesem Staate macht auch 
einen ungemein übelen Eindruck. Der Theil der Gegend, der 
keinen Wald enthielt, welches der gröfste war, schien gut ange- 
baut zu sein. Sie war übrigens sehr hügelig, und links von uns hat- 
ten wir den ganzen Tag über die Bergkette der North mountainSy 
von welchen wir jedoch, da der Tag ziemlich neblig war, nicht 
viel sehen konnten. Wir passirten mehrere Flüsse in Furten; 
diese Flüfschen waren aber mehr Regenbäche zu nennen. Die 
Shenandoah, deren Vereinigung mit dem Potowmac Mir bei Har- 
persferry gesehen hatten , passirten wir nicht weit von ihrem Ur- 
sprünge. Gegen 7 Uhr Abends erreichten wir Staunton ^ und nahmen 
in einem leidlichen Wirthshaus unser Quartier. Diese lange Fahrt 
in der so äufserst schlechten Stage, die gewaltig stiefs, und auf 
diesem so sehr holprigen Wege, hatte mich sehr incommodirt, und 
noch mehr meinen jungen Reisegefährten, der an Strapazen noch 
nicht recht gewöhnt zu sein schien und vom Schnupfenfieber ge- 
plagt war. Ich ertrug diesen Mangel an comfort indefs ziemlich 
geduldig. 

Den 21. November mufsten wir in Staunton bleiben , weil die 
Sfage nach der Natural hridge, welche auf dem Wege von K7wx~ 



289 

ville und Louisville Hegt, nur einen Tag um den andern geht, und 
weil die Brücke zu weit von Staunton entfernt ist, als dafs man ihn 
mit einem Miethwajren in Zeit von 2 Tatren hin und zurück machen 
könnte. Wir benutzten die gezwungene Mufse, um uns in der 
Gegend umzusehen. Die Stadt selbst ist klein , enthält gegen 1600 
Einwohner , und besteht eigentlich nur aus zwei Hauptstrafsen , die 
sich in rechten Winkeln durchschneiden. Die Häuser sind meistens 
von Holz und mit Schindeln gedeckt. Staunton ist der Hauptort 
von Jlugusta County; der Gerichtshof der Grafschaft hielt gerade 
seine Sitzung, so dafs eine Menge Advocaten in der Stadt zugegen 
war. Sie liegt zwischen Hügeln , welche , so viel ich im Nebel, 
der den ganzen Tag über herrschte, zu sehen vermochte, mit Wald 
bewachsen sind. Die ShenandoaJi, die hier nur ein kleiner Bach 
ist, (liefst an der Stadt vorbei. Auf ihrem andern Ufer, gerade 
über der Stadt, liegt ein Hügel mit Kalkfelsen, in welchem mehrere 
Höhlen sind. Man sagte mir, sie seien ziemlich geräumig. Ich 
wollte versuchen, hinein zu kriechen, fand aber den Eingang so 
eng und niedrig, dafs ich darauf Verzicht leisten mufste. Von M^'^ 
Weightman in Ifashington hatte ich einen Empfehlungsbrief an 
ihren Schwager, den berühmtesten hiesigen Advocaten , Dr. Scheffei/, 
bekommen. Ich gab ihn ab und erhielt alsdann den Besuch dieses 
Herrn. Er brachte mehrere Advocaten , seine Confratres, zu mii" 
und unter ihnen wurden mir 3 als Generale von der Miliz vorge- 
stellt. Dr. Scheffey selbst war Major und fast jeder angesehene 
Einwohner bekleidet eine Charge in der Miliz. Da es hier Ge- 
brauch ist, sich bei seinem militairischen Titel zu rufen, so geräth 
man in Versuchung, sich in ein Hauptquartier versetzt zu glauben. 
Im Gespräche mit diesen Herren bemerkte ich mit Verwunderung 
den aristokratischen Geist, wegen dessen die Virginier bekannt 
sind. Ich erstaunte, diese Herren den Erbadel und die Majorate 
preisen zu hören. Abends ging ich mit einigen derselben zu Dr. 
Scheffey^ und ich brachte die Zeit , bei einem guten Glase Wein 
und einem vernünftigen Gespräche , recht angenehm hin. 

Am andern Morgen liefs ich meine Bagage in Staunton, und 
begab mich mit Herrn Hui/gens früh halb 3 Uhr in die ganz er- 
bärmliche »S^age, um auf einem über alle Beschreibung holprigen 
Wege nach der Natural -bridge zu fahren. Wir passirtcn nur 2 
etwas ansehnliche Ortschaften, Fairfield und Lexinglon^ den 
Hauptort von Rockhridge county , mit einem Gerichtshof und einer 
hohen Schule. Wegen eines den ganzen Tag über herrschenden 
Nebels konnte man nur wenig von der Gegend sehen , die zumal 
/. T 



290 

in Rockhridge county sehr bergig wird. Wir setzten durch zwei 
kleine Flüsse in Furten, Middleriver und Bvffalocreek. lieber 
letzteren führt eine hölzerne Brücke, die man jedoch nur bei sehr 
hohem Wasser gebraucht. Unsere Reisegesellschaft war nicht die 
ann^enchmste, sie bestand aus zwei Amerikanern, die den Mund 
nicht aufthaten, und einem hier etablirten Irländer, der desto mehr 
schwatzte, so dafs ich ein grofses Mifsbehagen fühlte. Er wurde 
zumal interessant, wenn er sein Herz mit Whiskey nach Art seiner 
lieben Land^leute gestärkt hatte. Wir kamen an mehreren ganz 
hübschen Landhäusern vorbcü; an einem derselben sahen wir 8 
grofse schwarze Adler auf einem Zaune sitzen, die der Eigenthü- 
mer füttern liefs. Grofse Jagdfreunde scheinen die hiesigen Ein- 
wohner nicht zu sein, da ich in Fairßeld die Becassinen bis in 
den Hof des Wirthshauses fliegen sah. Hochwildpret giebt es übri 
gens sehr viel ; ein Rehbock kostet nur Ij Dollar. 

Nach 4 Uhr Nachmittan-s erreichten wir einen einzelnen Gast- 
hof mitten in den Bergen, 50 Meilen von Staunton entfernt. Natu- 
ral Iridge genannt. Ich benutzte die kurze Zeit, während die 
Sonne noch am Himmel stand , und eilte nach dem Naturwunder 
dieses Namens, das I5 Meile von dem Gasthof entfernt ist, und we- 
gen dessen ich einen so grofsen Umweg gemacht, und so manches 
Ungemach ausgestanden hatte. Ein junger Negersclave aus dem 
Gasthofe war unser Führer und der Weg führte durch ein Wald- 
gebirge. Endlich stand ich auf einem Felsen, von welchem ich 
die Kluft und die Brücke dicht vor mir übersehen konnte. In dem 
oben erwähnten Jeffersnns notes giebt dieser berühmte Gelehrte 
und Staatsmann eine Beschreibung dieser Brücke , von w elcher hier 
eine wörtliche Uebersetzuno- foljjt: 

„Die natürliclie Brücke, das erhabenste der Werke der Natur, 
obschon mit den gegenwärtigen Kenntnissen man es nicht begreifen 
kann, darf nicht übergangen werden. Sie befindet sich im Auf 
steigen eines Hügels, der seiner Länge nach durch irgend eine 
grofse Erderschütterung gespalten worden zu sein scheint. Nach 
einigen Messungen ist die Spalte, gerade an der Brücke 270, und 
nach anderen Messungen nur 208 Fufs tief. Am Boden ist sie 
ungefähr 45 und an ihrem Gipfel 90 Fufs breit; demnach bestimmt 
dieses die Län";e der Brücke und ihre Höhe über dem Wasser: ihre 
Breite in der Mitte ist — ungefähr — 60 Fufs; aber an beiden 
Enden beträgt sie mehr, und die Dicke der Masse am Schlufssteine 
beträgt ungefähr 40 Fufs. Ein Theil dieser blasse besteht aus 
einer Lage von Erde, in der mehrere grofse Bäume Machsen. Der 



291 

übrige Theil, nebst dem Berg an beiden Seiten, bestehet aus 
einem Stücke Kalksteinfelsen. Der Bogen nähert sich der semi- 
elüptischcn Form; aber die gröfsere Axe der Ellipse, welches dia 
Sehne des Bogens sein sollte , ist mehrere Male gröfser , als die 
Transversale. Obschon die Seiten der Brücke auf mehreren Punc- 
ten mit einer Brustwehr von Felsen versehen sind , so können sich 
doch wenige Menschen entschliefsen , bis dahin zu gehen, i;nd 
über die Brustwehr in den Abgrund zu sehen. Unwillkührlich legt 
Ihr Euch nieder und kriecht auf Händen und Füfsen bis an die 
Brustwehr, um darüber hinabzuschauen. Ich bekam ein hefiiires 
Kopfweh, nachdem ich nur eine Minute von dieser Höhe hinab- 
gesehen hatte. So sehr die Aussicht von der Höhe mühselig und 
unangenehm ist , so ist in einem gleichen Extreme die von unten 
entzückend. Es ist unmöglich , die vom Erhabenen kommenden 
Gemüthsbewegungen mehr zu fühlen , als es hier der Fall ist : so 
ein herrlicher Bogen, so erhaben, so leicht, als wenn er sich bis 
zum Himmel erheben m ollte ! Die Entzückung des Beschauens ist 
wirklich unbeschreiblich! Die Spaltung, die auf eine ansehnliche 
Distanz ober- und unterhalb der Biücke eng, tief und geradeaus 
läuft, öffnet eine kleine, aber sehr hübsche Aussicht auf einer Seite 
auf die Nordgebirge, und auf der andern auf die blauen Berge, 
deren resp. Abstand gegen 5 Meilen beträgt. Diese Brücke be- 
findet sich in der Grafschaft Rockbridge , die ihr den Namen ver- 
dankt, und gewährt eine freie und bequeme Passage über ein 
Thal, welches man sonst nirgends auf eine ansehnliche Distanz 
passiren kann. Der darunter fliefsende Flufs heifst Cedarcreek. 
Er ist ein Zuflufs vom James-FiuCs und hinreichend , um eine Mahl- 
mühle in Bewegung zu setzen , obgleich seine Quelle nicht mehr 
als zwei Meilen darüber liegt." 

Ich mufs leider gestehen, dafs ich kein Poet bin; dennoch 
freute es mich sehr, dafs ich mir die Mühe gegeben hatte, bis 
, hieher zu reisen, da diese Felsenbrücke zuverlässig eines der gröfs- 
ten Naturwunder ist, die ich je gesehen; und ich habe den Vesuv 
gesehen, und die phlegräischen Felder, die Riesenstrafse in Irland, 
die Insel Staffa und den Wasserfall des Niagara! Der Bach unter 
der Brücke enthielt fast kein Wasser , und durchaus kein filefsen- 
des; darum zweifle ich an der Existenz der Mühle. Von unten 
fand ich den Anblick übrigens am imposantesten. 

Am 23. November verliefsen wir in der überfüllten Stage, die 
früh um halb 7 Uhr auf brach , das ganz leidliche Wirthshaus der 
Naiural bridge und keluten nach Siauiiiofi zurück. Es bcfandtn 

T 2 



2<Ä 

sich 4 Herren aus dem Staate T(f)iessee im Wagen, die als Mit- 
gliedc? des Congresses nach Washin^on relseten. Ich nahm wie 
gewöhnlicli meinen Sitz neben dem Kutscher ein, wo ich noch 
ziemlich viel Platz und frische Luft hatte. Bis L^xington fuhren 
wir auf demselben Wege, den wir gekommen waren. Als Mir in 
Lexington einen kleinen Halt machten, ward ich der Gegci^stand 
einer Menge neugieriger Fragen von Nachkömmlingen deutscher 
Eltern, die in diesen Thälern etablirt sind. Die Stadt Lexington 
ist vor ungefähr 40 Jahren angelegt Morden, und enthält gegen 
1100 Einwohner. In der Nähe auf einer Anhöhe steht ein grofses, 
Cmw V. St. gehöriges Arsenal , mit Zinn gedeckt. Von Lexington 
aus nahmen Mir einen andern Weg, welcher uns durch die ziemlich 
ansehnlichen Dörfer Brownshurgh und Middleburg führte. Die 
Strafse war \m\ und Mieder herzlich schlecht und schrecklich hol- 
perig; zum Theil fanden Avir aber auch einen ErdMeg, der bei der 
noch trockenen Jahreszeit sehr gut war. Gröfstes Theiles kainen 
wir durch Wald. Wir tiafen einzelne Höfe, und begegneten meh- 
reren Reisenden zu Pferde, zum Theile gut gekleideten weifsen 
Frauenzimmern. Auch alle unsere Kutscher hier im Staate waren 
Weifse. Ich verwunderte mich darüber , da die Entrepreneurs sich 
viel wohlfeiler schMarze Kutscher verschaffen könnten, und erfuhr, 
dafs es in diesem Staate nicht erlaubt sei, die Mail-stage,m\t m elcher 
Mir reiseten, durch schwarze Kutscher fahren zu lassen. Gegen 
9 Uhr Abends kamen Mir Mieder in Staunton an, und bezogen 
unser altes Quartier in Chambers hötel. 

Den 24. November reiseten wir früh nach 9 Uhr aus Staiinton 
in einem MietliMagen ab , um mit einem Umweg über die berühmte 
Weyhers care nach C/mrlotteville zu gehen, wohin Mir unsere 
schwere Bagage durch die Stage voraus geschickt hatten. Bis 
nach der Weylters cave hatten Mir 18 Meilen , meistens guten Erd- 
M'eg. Wir nahmen unsere Wohnung in einem einzelnen Hause, 
M elches einem Pensylvanischen Deutschen , Namens Mokier , von 
Sächsischer Abkunft, gehörte. Der Weg führte durch eine ziem- 
lich hügelige und Maldige Gegend; viele Erdfälle zeigten Kalk- 
gebirge und die Nähe von Höhlen. Für einen Jagdliebhaber mufs 
dieses eine prächtige Gegend sein, da Mir im Walde zwei Ritt 
Feldhühner begegneten, die nur aus dem Wege liefen, um dem 
Wagen Platz zu machen und kaum 10 Schritte von uns Mieder 
sitzen blieben. An den kleinen Creehs sahen Mir eine g;rofse Men";e 
Wasserschnepfen sitzen und sich baden. MoJilers Haus liegt an 
einem ziemlich ansehnlichen Creek, South riv er genannt ^ der hier 



293 

Vermittelst eines Canals eine Mahlniühle und einen Eisenhammer in 
Bewegung setzt. Die Mahlmühlc gehört Mohlern^ der hier auch 
eine /f7/is/fe?/-Destillerie und über 100 Acker Land, so wie 4 Ne- 
gersclaven besitzt. Er baut meistens Weizen , wenig Roggen , aber 
viel Mais. Seine Mühle, in einem massiven Gebäude, ist sehr 
compendios eingerichtet und erinnerte mich an die grofse Dampf 
müh\e'm Baltimore. Er hat nur 2 Mühlsteine, den einen für den 
Weizen und den andern für den Mais. Das ausgebeutelte Mehl 
wird vermittelst eines Kastenwerks auf den Boden transportirt, wo 
es durch einen sich horizontal im Kreise drehenden Rechen ausge- 
breitet wird, um gekühlt zu werden. Das in Fässer gepackte Mehl 
verschickt er nach Richmond und selbst nach Balthmre. Mit der 
Mahhnühle hat der industriose Mokier noch eine Säg-emühle ver- 
einigt, und auch einen Mühlstein, um den Flachs zu brechen. 
Denn es wird hier auch Flachs gebaut, wiewohl nicht stark; dieses 
Jahr sollte er w egen der Trockenheit gänzlich mifsrathen sein. 

Der Eingang der Höhle ist ungefähr § Meile von Mohlers Haus 
entfernt, und ist in der Mitte einer Bergwand, am Ufer des SoutJt 
river. Wir krochen, ein jeder mit einer Kerze versehen, auf dem 
Bauche hinab , kamen aber sogleich in einen Raum , wo wir auf- 
recht stehen konnten und sahen einige schöne Stalactiten meistens 
aus Säulen bestehend. Diesen Platz nennt man die anticham- 
hre. Hierauf gelangt man in einen Saal, drogo)is-roo?n , von 
einer Stalactite so genannt, die einem Drachen ähnlich sein soll. 
Einige Stalactiten sind Wasserfällen nicht unähnlich; auch heifst 
eine Niagara fall. Die darauf folgende Gallerie wird nach einem 
Standbilde, das sich in derselben befindet, Devils gallery g^cnanni; 
ich fand in diesem Bilde jedoch mehrAehnlichkeit mit einer Mutter- 
Gottes-Statue, als mit der eines Teufels. Eine ganze Schicht von 
Tropfsteinen hatte sich von der Decke des Gewölbes losgemacht, 
schwebte gewissermafsen zwischen Himmel und Erde und gewährte 
einen schönen Anblick , zumal da sich zwischen dem Gewölbe und 
dieser gesenkten Schicht neue Stalactiten gebildet hatten. Eine 
enge Schlucht führt nun in einen weiteren Raum , Salomons Tempel 
genannt, mit ganz sonderbaren Stalactiten, meistens blättcrförmi- 
gen, die Aon der Decke bis zum Boden herabgehen und meistens 
transparent sind. Ich kann sie nicht besser beschieiben , als w enn 
ich sie morchelförmig nenne. Nicht weit davon ist ein anderer 
Platz, Jiide room^ wo die Stalactiten in Form von Häuten in einer 
Lohjrerberei von der Decke herabhänjren. Dann kommt man in 
ein anderes Gewölbe, drum room, wo die Stalactiten, wenn man 



294 

einen Stein gegen sie wirft , einen den Pauken ähnlichen Ton von 
sich geben. Andere in einem Kreise stehende Stäbe geben , wenn 
man mit einem Stocke daran schlägt, alle Töne einer Octave an. 
Man geht nun durch einen schlüpfrigen Gang an einer Oeflhung 
vorbei, die wie ein antikes aufgebrochenes Grab aussieht, und 
Patfersons grave genannt wird, ZAim Andenken eines hineingefalle- 
nen quidam dieses Namens. Vermittelst einer ziemlich morschen 
Leiter kommt man nun in einen, wenigstens 50 Schritt langen, 
sehr hohen und gut geebneten Saal, ball roojn, in welchem Bänke 
aufgestellt sind, und in welchem die Besucher, wenn sich Damen Inder 
Gesellschaft befinden , sich öfters mit Tanzen amüsiren sollen. Man 
steigt alsdann eine andere Leiter hinauf, mufs auf Händen und 
Füfsen durch einen Engpafs kriechen, der zum Theil noch ver- 
mittelst der Mine erweitert worden ist, und kommt an eine natürliche, 
aber sehr schlüpfrige Treppe, Jacobs ladder^ die man hinabklim- 
men mufs, gelangt durch ein enges Gemach, dungeon^ in ein ge- 
räumigeres, Senate chambre, mufs sich dann wieder einer mor- 
schen Leiter bedienen, um in eine lange Gallerie, Waslnngton 
hall, zu gelangen, die von einer grofsen, in der Mitte stehenden 
Stalactite, Washingtons Statue genannt, ihren Namen erhalten hat. 
Nicht weit von dieser Statue ist eine kleine Quelle; da ich aber 
schon seit einigen Taffen die üblen Folgen des Wasser - Trinkens 
aus Kalkfelsen in meinen Eingeweiden fühlte , so konnte ich , trotz 
eines brennenden Durstes, mich nicht entschliefsen , die Güte die- 
ses Wassers zu prüfen. Neben dieser hall ist ein kleiner Platz, in 
welchem die Stalactiten, die den Felsen bekleiden, eine crystall- 
artige, glänzende Oberlläche haben, wefshalb dieses Gemach dia~ 
mand room genannt wird. Von hier gelangt man in einen geräu- 
migen Saal, dining room, mo einige Stalactiten einem mit Flaschen 
und Gläsern besetzten Büffet nicht unähnlich sind. In Waslnngton 
hall ist ein Tropfsteinhügel, den man den Heuhaufen nennt, und 
darüber schwebt eine andere Stalactite, die einem Rechen gleicht, 
und auch diesen Namen führt. Aus dem dining room gelangt man 
in den letzten, bis jetzt untersuchten Saal, Jefferson hall. Man 
bemerkt hier noch mehrere Klüfte; und ich bin überzeugt, dafs 
man mit geringer Mühe einen neuen Gang aufräumen und neue 
Gewölbe entdecken könnte. An mehreren Stellen in der Höhle, wo 
die Kruste von Tropfstein gebrochen ist, erblickt man Seilenhöh- 
len, die noch nicht untersucht worden sind. Und doch wäre diese 
Untersuchung wohl der iSlühe werth, da wahrscheinlich diese Höhle 
mit der schon vor langen Jahren entdeckten und von Jefferson 



295 

beschriebenen, Madisom cave, die in demselben Berge liegt, und 
deren Eingang nur 300 yards von dem der Weyhers cave entfernt 
ist, in Verbindung steht. Seit diese Ilüble durch einen deutschen 
Bauer Namens Weyher im Jahre 1806 entdeckt und zum Besuchen 
eingerichtet worden ist , wird jene Höhle nicht mehr besucht , deren 
schönste Stalactiten übrigens durch die Indiscretion der Fremden, 
wie man sagt, zerstört worden sind. 

In Weijhers cave erregten meine Aufmerksamkeit besonders 
solche Scheiben von Tropfsteinkruste, die von der Decke des Ge- 
wölbes losgebrochen sind, aber mit einem Theile noch fest hängen, 
so dafs sich neue Stalactiten gebildet haben , die diesen Scheiben 
ganz sonderbare Gestalten geben. Die eine nimmt sich aus wie 
eine grofse Perlmutterschale; eine andere wie ein Spiegel, u. s. w. 
Die Höhle ist allerdings feucht von dem herabtropfenden Wasser, 
aber doch weniger, als ich erwartet und als ich es in andern 
Tropfsteinhöhlen in Deutschland und England gefunden hatte. 
Die Temperatur fand ich ziemlich warm und die Luft sehr rein. 
Unsere Lichter brannten hell, mid wir spürten durchaus keine 
Hinderung im Athmen. 

Aus Jefferson hall traten wir unsern ziemlich mühsamen Rück- 
weg an, und kamen wieder ans Tageslicht, als dieses schon ziem- 
lich im Abnehmen war. Wir brachten den übrigen Theil des 
Abends, mit unserm freundlichen Wirth am Kaminfeuer zu. Er hatte 
eine Nürnberger Bibel in Folio, vom Jahr 1765, mit den Bildnissen 
mehrerer meiner Vorfahren , des Herzogs Wilhelm IV, des Herzogs 
Bernhard u. a. Es war mir interessant, im Innern von Virginien, 
jenseits der blauen Berge , auf diese Art an meine Familie erinnert 
zu werden. 

Den 25. November brachen wir gegen 9 Uhr auf, und fuhren 
über die blauen Berge nach Charlotteville ^ 32 Meilen weit. Die 
Strafse läuft durch eine ziemlich unangebaute Gegend ; wir fanden 
kein einzises Dorf; und die Zahl der einzelnen Häuser dürfte ein 
Dutzend kaum überstiegen haben. Nach einer Fahrt von ungefähr 
5 Meilen erreichten wir den westlichen Fufs der blauen Berge, die 
keinen unangenehmen Anblick gewähren, da sie bis an ihre Gipfel 
mit Holz bewachsen sind. AVir fuhren dann in einem engen Thale 
weiter. Als der Weg anfing bergauf zu gehen , da stiegen wir aus, 
und legten ihn bis an die andere Seite des Gebirges zu Fufse zu- 
rück. Zu meiner Verwunderung fand ich den Weg weniger steil, 
als ich erwartet hatte , und ziemlich gut. Und da er hoch hinauf 
lief, und da der heutige Tag sonnenhell und weniger neblig war, als 



296 

seine Vorgänger, so liatten wir mehrere schöne Blicke in das Ge- 
birge. Der Wald bestand aus Eichen, aus verschiedenen Arten 
Nufs- und Kastanien-Bäumen, hin und wieder auch aus colossalen 
Fichten, aus Lerchenbäumen, Weymouthskiefern, und Acacien. 
Immergrüne rhododendrons , für welche manche Liebhaber in Eu- 
ropa so schweres Geld ausgeben, wachsen hier in sehr grofser 
Menge; auch wilder Wein, der sich mit starken Stämmen und 
Aesten um die Bäume rankt. Der Blick in das Gebirge hinein 
w ürde noch viel schöner gewesen sein , wenn man nur Spuren von 
menschlichen Wohnungen wahrgenommen hätte. Aber wir sahen 
nur zwei elende Loghäuser, von schmutzigen und zerlumpten Ne- 
gerfamilien bewohnt , auf dem ganzen 7 bis 8 Meilen langen Weg 
über das Gebirge; und wir begegneten nur einigen mit Mehlfässern 
beladenen Karren. 

Als Mir das Gebirge überschritten hatten, erreichten Avir am 
östlichen Fufse desselben einen gut aussehenden Hof mit einer 
Mühle, Browns-farm genannt, wo wir Mittag machten. Dieses 
Haus liegt sehr hübsch mitten zwischen den dazu gehörigen Fel- 
dern, und von der piazza vor demselben hat man einen sehr schö- 
nen Anblick vom Gebirge. Von hier aus hatten wir noch 20 Meilen 
bis Charlotteville. Der Weg Avurde weniger hügelig, wenigstens 
hatten wir keine Gebirge mehr zu überwinden; dennoch blieb er 
sehr holperig, und wir wurden derb zusammengestofsen. Gegen 
8 Uhr Abends erreichten wir Charlotteville ^ ein dem Anscheine 
nach sehr einzeln gebautes Städtchen, in dessen Nähe eine neu 
angelegte hohe Schule steht : Virginia wiiversity. In einem ziem- 
lich mittelmäfsigen Wirthshause nahmen wir unser Quartier. 

Am anderen Morgen gingen wir nach der Virginia iiniversity 
spazieren , die eine Meile von dem Städtchen entfernt ist *). Seit 
dem verflossenen Monat März ist dieses Etablissement erst eröffnet, 
und CS soll schon über 130 Studenten zählen. Aber man will auch 
schon einen gewissen Geist der Insubordination bemerkt haben, 
und hat schon einige Studirende, die als Rädelsführer angesehen 
wurden , fortgeschickt. Die Gebäude sind alle ganz neu ; und doch 
scheinen einige schon baufällig zu sein ; auch dürften es bald noch 
mehrere werden , da Holz das Hauptmaterial zum Bau gewesen ist. 
Das Innere der Bibliothek war noch nicht vollendet; nach der An- 
lage aber mufste es sehr schön werden. Die Kuppel ist nach dem 
Muster des römischen Pantheon gemacht worden, auf die Hälfte 



') S. den Lcilic'^cmlcn Plan. 



L für aasicieher y.ur BckS.^Uqunq 

ftfcmächer n-ie ui den mUdercn Heilun . 
hat 77 Fuss Im Durehniesser, unten ^rc.^^^c 
„ üotfe^^dün.d und zu o/nmMren I'rufi.nff.n . 
m,H'r ah Bücin-rsaal. über deni^-dben die 




296 

seine Vorgänger, so liatten wir mehrere schöne Blicke in das Ge- 
birge. Der Wald bestand aus Eichen, aus verschiedenen Arten 
Nufs - und Kastanien-Bäumen , hin und wieder auch aus colossalen 
Fichten, aus Lerchenbäumen, Weymouthskiefern, und Acacien. 
Immergrüne rhododendroiis , für welche manche Liebhaber in Eu- 
ropa so schweres Geld ausgeben, wachsen hier in sehr grofser 
Menge; auch wilder Wein, der sich mit starken Stämmen und 
Aesten um die Bäume rankt. Der Blick in das Gebirge hinein 
würde noch viel schöner gewesen sein, wenn man nur Spuren von 
menschlichen Wohnungen wahrgenommen hätte. Aber wir sahen 
nur zwei elende Loghäuser, von schmutzigen und zerlumpten Ne- 
gerfamilien bewohnt , auf dem ganzen 7 bis 8 Meilen langen Weg 
über das Gebirge ; und wir begegneten nur einigen mit Mehlfässern 
beladenen Karren. 

Als vir das Gebirge überschritten hatten, erreichten wir am 
östlichen Fufse desselben einen gut aussehenden Hof mit einer 
Mühle, Broiüns-farm genannt, wo Mir Mittag machten. Dieses 
Haus liegt sehr hübsch mitten zwischen den dazu gehörigen Fel- 
dern, und von der piazza vor demselben hat man einen sehr schö- 
nen Anblick vom Gebirge. Von hier aus hatten wir noch 20 Meilen 
bis Cltarlotteville. Der Weg Murde weniger hügelig, wenigstens 
hatten wir keine Gebirge mehr zu überwinden; dennoch blieb er 
sehr holperig, und wir wurden derb zusammengestofsen. Gegen 
8 Uhr Abends erreichten wir Cltarlotteville^ ein dem Anscheine 
nach sehr einzeln gebautes Städtchen, in dessen Nähe eine neu 
angelegte hohe Schule steht : Virginia miiversity. In einem ziem- 
lich mittelmäfsigen Wirthshause nahmen wir unser Quartier. 

Am anderen Morgen gingen wir nach der Virginia university 
spazieren, die eine Meile von dem Städtchen entfernt ist *). Seit 
dem verflossenen Monat März ist dieses Etablissement erst eröffnet, 
und CS soll schon über 130 Studenten zählen. Aber man will auch 
schon einen gewissen Geist der Insubordination bemerkt haben, 
und hat schon einige Studirende, die als Rädelsführer angesehen 
wurden, fortgeschickt. Die Gebäude sind alle ganz neu; und doch 
scheinen einige schon baufällig zu sein ; auch dürften es bald noch 
mehrere werden , da Holz das Hauptmaterial zum Bau gewesen ist. 
Das Innere der Bibliothek war noch nicht vollendet; nach der An- 
lage aber mufste es sehr schön werden. Die Kuppel ist nach dem 
Muster des römischen Pantheon gemacht worden, auf die Hälfte 



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297 

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redi^clrt. Dieser Platz ist zu öffentlichen academischen Handlun- 
gen bestimmt; man sagte aber, dafs, wenn man laut darin sprä- 
che, sich ein Echo bilde, welches die Stimme des Redners unver- 
ständlich mache. Unter der Rotunde sind drei elliptische Säle, de- 
ren Bestimmunjr noch nicht recht festg-esetzt war. Die Colonnade 
vor diesem Gebäude sollte, wie man sagte, sehr schön werden ; die 
Kapitale der Säulen Maren in Italien gemacht worden , und sollten 
schon angekommen sein. Die zehn rechts und links stehenden 
Pavillons sind übrigens durchaus nicht gleich gebaut, sondern je- 
der nach einer andern Weise, so dafs kein enscmhle im Ganzen ist, 
und defswegen keinen schönen und grofsen Anblick gewährt. So 
sind auch die Gartenmauern der Seitengebäude in Schlangen-Li- 
nien gebaut, was sich sonderbar, aber nicht schön ausnimmt. Es 
ist übrigens nach dem Plane von Herrn Jejferson angelegt, und 
sein Steckenpferd. Er ist Rector dieser Universität, zu welcher 
der Staat Virginien eine bedeutende Summe hergegeben haben soll. 
Wir wandten uns an einen Herrn , den wir zufällig fanden , um uns 
nach Manchem zu erkundigen ; und wir hatten alle Ursache , mit 
seiner Höflichkeit zufrieden zu sein. Es war ein Herr Donaldson^ 
Professor der Medicin. Er ist ein geborner Engländer, und mit 
noch drei anderen europäischen Professoren voriges Frühjahr aus 
England gekommen. Er zeigte uns die noch sehr schwache Bi- 
bliothek, die provisorisch in einem Hörsaal aufgestellt war. Sie 
enthielt mehrere deutsche belletristische Werke, unter andern eine 
Suite von Kotzebues Almanach dramatischer Spiele. Man sagte, 
dafs eine grofse Quantität Bücher von Europa unterwegs sei. Die 
Universität liegt auf einem Hügel in einer sehr gesunden Lage, und 
man hat von dieser Höhe aus eine schöne Aussicht auf die blauen 
Berge. 

Der vormalige Präsident Herr Jefferson hatte uns zum Fami- 
lien-Diner eingeladen. Da aber in Charlotteville ^ einem kleinen 
Orte von beiläufig 800 Einwohnern , nur ein einziger Mieth wagen ist, 
und da dieses Uniaim abwesend war, so mufsten wir, um der Ein- 
ladung zu folgen , den Wanderstab ergi'eifen , und die drei Meiler^ 
bis Monticello zu Fufse wandeln. Wir gingen einen Fufsweg durch 
gut angebaute und eingezäunte Felder, passirten ein Flüfschen, 
Rivanna , auf einem gi'ob zugehauenen Baumstamme ohne Gelän- 
der, der zum Stege diente; stiegen dann einen ziemlich steilen, 
mit Wald bewachsenen Hügel hinan, und kamen auf dessen Gipfel 
an Herrn Jeffcrsons Haus. Dieses Haus liegt auf einem freien Platz, 
ist von Backsteinen gebaut , bildet ein auf den kurzen Seiten abgc- 



298 — — 

rundetes Oblongum , und hat auf jeder der beiden langen Seiten 
ein Portal von 4 Säulen. Das vergebliche Warten auf einen Wa- 
gen und unsere lange Fufspromenade hatten uns so aufgehalten, 
dafs >vir die Gesellschaft schon beim Essen antrafen. Herr Jejfer- 
S071 kam uns aber sehr freundlich entgegen, und nöthigte uns, 
Platz zu nehmen, liefs auch noch einmal fiu* uns auftragen. Er 
war ein 86jähriger Greis, eine hohe Gestalt, von schlichtem Ausse- 
hen, mit langen weifsen Haaren. Im Gespräche war er sehr mun- 
ter, und seine Geisteskräfte, so Avie sein Gehör und Gesicht, schie- 
nen mit dem zunehmenden Alter durchaus nicht abgenommen zu 
haben. Ich fand an ihm einen aufserordentlich gut erhaltenen Greis, 
den man, wenn man sein Alter nicht gewufst hätte, für einen 
Mann von etwa 60 Jahren gehalten haben würde. Er fragte mich, 
was ich in Yirginien gesehen hätte. Ich lobte alle Plätze, von de- 
nen ich wufste, dafs sie seinen Beifall hatten. Das schien ihm sehr 
zu gefallen. Die Tischgesellschaft bestand aus der Familie seiner 
Tochter, M^s Mandolph^ und des Professors der Mathematik an 
der Universität, eines gebornen Engländers, und dessen Frau. Ich 
leitete die Conversation auf die Universität , und fand , dafs dieses 
Herrn Jeffersons Lieblingsthema war ; er erwartete für diese Uni- 
versität eine sehr glänzende Zukunft, und glaubte, dafs sie und die 
Harvard Universitif bei Boston in kurzer Zeit die einzigen sein 
würden, in welchen junge Leute in den V. St. eine wahre classi- 
sche und solide Bildung bekommen könnten. Nach Tische wollten 
wir uns empfehlen , und den Rückweg nach Charlotteville antre- 
ten; HeiT Jejferson gab dieses aber nicht zu. Wir mufsten unser 
Nachtquartier bei ihm nehmen. Den Abend brachten wir am Ka- 
minfeucr hin. Man sprach viel über Reisen und über naturhistori- 
sche Gegenstände; auch über schöne Künste, von welchen Herr 
Jeffersnii ein grofser Freund war. Er sprach auch über seine Rei- 
sen in Frankreich und in den Rheingegenden, wo es ihm sehr ge- 
fallen hatte. Welch ein Freund der schönen Natur er war, das be- 
weiset seine Beschreibung von Virginien. Nur seit 8 Monaten, 
sagte er, könne er nicht mehr reiten; sonst habe er es täglich ge- 
than, um die schöne umliegende Gegend zu besuchen. Nächstes 
Frühjahr hoffte er aber im Stande zu sein, seine Lieblingsbewe- 
gung wieder vorzunehmen. Zwischen 9 und 10 Uhr Abends trennte 
sich die Gesellschaft, und ich erhielt ein hübsches Zimmer zur 
Wohnung. 

Am folgenden Tage ging ich früh um das Haus herum , und 
bewunderte das henliche Panorama , das man van hier aus erblickt. 



299 

Links sieht man die blauen Berge und die niedrigem Hügel zwi- 
schen diesen und Monticello. Charlotteville und die Universität 
jenseits des Städtchens lagen zu meinen Füfsen; vor mir das Thal, 
durch welches der Mivanna-Fiu^s fliefst, der sich später mit dem 
James river vereinigt, und rechts sah ich den ebenen Theil von 
Virginien , der sich in eine unabsehbare Weite ausdehnt. Nur hin- 
ter meinem Standpuncte war ein dominirender Hügel, der die Aus- 
sicht beschränkte. Das Innere des Hauses >var einfach und etwas 
altmodisch meublirt. Im Eingange stand ein marmorner Ofen mit 
Herrn Jeffersons Büste, von Cerachi. In den Zimmern hingen 
mehrere Gemälde , Copien nach berühmten Gemälden aus der ita- 
lienischen Schule, Ansichten von Monticello ^ Mount-Vernon^ von 
den vorzüglichsten Gebäuden in Washington., von Harpersferry, 
von der Natural bridge (von dieser ein Oelgemälde und ein Ku- 
pferstich), van der Lyns Ansichten \om Niagara ^ Trmnbnll'sSkhxe 
seines grofsen Gemäldes, die Uebergabe von York vorstellend, und 
eine Handzeichnung, Hectors Abschied \on Benjatnin IVest^ wel- 
che West dem General Kosciusko geschenkt hatte; endlich mehrere 
Portraits des Herrn Jefferson., wovon eine Profilzeichnung von 
Stuart das beste war. Im Saale standen auch zwei Büsten Napo- 
leon's als ersten Consuls und des Kaisers Alexander. Herr Jeffer- 
son bewunderte Napoleon's militairische Talente, liebte ihn aber 
nicht. Nach dem Frühstücke , das wir mit der Familie einnahmen, 
empfahlen wir uns dem ehrwürdigen Greis, und traten unsern 
Rückweg nach Charlotteville zuFui'se M'ieder an. Zwar wollte Herr 
Jefferson uns seinen Wagen geben ; ich lehnte es aber ab , und zog 
an dem schönen und kühlen Morgen das Gehen vor. 

Nach Mittage verliefsen >vir Charlotteville in einer ziemlich gu- 
ten Stage., um nach Richmond zu fahren, der Hauptstadt von Vir- 
ginien, 80 Meilen weit. Nur ein Student fuhr mit uns, und so sa- 
fsen wir recht bequem. Aber die Stage ging nur 10 Meilen weit 
bis zu einem einzelnen, im Walde liegenden schmalen und kleinen 
Wirthshause bei M^s Boyd. Wir fuhren nicht weit von Monticello 
vorbei, passirten die Rivanna in einer ziemlich tiefen Furt, und 
blieben mehrere Meilen lang an der linken Seite derselben. Die 
Ufer Maren ziemlich hoch, und hier und dort felsig. Der Weg lief 
übrigens gröfstes Theiles durch Wald, war ziemlich hügelig und 
holperig. Theilweise war es sogenannter causeivay, zu deutsch: 
Knüppeldamm. 

Den 28. November brachen wir früh halb 3 Uhr bei einer 
mondhellen, aber sehr kalten Nacht wieder auf, und fuliren 70 



300 

Meilen weit bis Rlchmond. Die Slage Mar besser; auch wurde der 
We«r, ob"-leich die Gegend noch ziemlich hüj^elig, und an Knüp- 
peldämmen kein Mangel war , besser. Meistens Wald ; die Gegend 
ohne grofses Interesse. Nur als wir uns dem ziemlich breiten Ja- 
mes river näherten , an dessen Ufer wir einige Meilen weit hinfuh- 
ren , wurde die Gegend schöner ; ich würde sie , wäre sie besser 
bewohnt gewesen, mit den Eibgegenden oberhalb Dresden ver- 
glichen haben. Der Grund >yar Anfangs lehmig, zuletzt sandig. 
Die Pferde wechselten wir an einzeln liegenden Wirthshäusern. 
Gordonsville und Gooc/dand waren die einzigen Dörfer, durch die 
wir kamen ; und auch in ihnen standen die Häuser sehr zerstreut, 
und waren fast alle von Holz. Wir fuhren am linken Ufer des Ja- 
mes river ^ und kamen an einem schiffbaren Canale vorbei, der ge- 
gen 80 Meilen oberhalb Richmond ins Land gehen soll, und mit 
vieler Sorgfalt gebaut zu sein schien ; die hölzernen Brücken Ma- 
ren wenigstens sauber und tüchtig gemacht, und ein Aqueduct von 
2 Bogen , der den Canal über einen Bach mit hohen Ufern hinweg 
trägt, gut gemauert. Gegen 8 Uhr Abends erreichten Mir Rich- 
mond^ eine Stadt von 17,000 Einwohnern beiderlei Farben. Nach 
den Häusern zu urtheilen, mufs Richmond ein wohlhabender Platz 
sein. Wir nahmen unser Quartier im Union hotel, einem grofsen 
und recht gut eingerichteten Wirthshause. Mir that es ordentlich 
wohl, mich wieder einmal in einer ansehnlicheren Stadt zu befin- 
den , da ich dieses Anblicks fast entwöhnt war. 

Den 29. November konnten wir nicht abreisen, weil weder ein 
Steam hoat^ noch eine Siage in der Richtung ging, die wir nehmen 
wollten. Meine Absicht war nämlich, nach Yorktown zu gehen, 
dort die Ueberbleibsel der englischen Festungswerke aus dem Re- 
volutionskriege zu sehen; hierauf nach der Festung Manroe bei 
Old Point Comfort , und weiter nach Norfolk zur reisen , dort den 
Navy yard zu besehen und dann nach dem Süden zu eilen , um die 
Zeit nachzuholen , die ich in Yirginien zugesetzt hatte. Ich machte 
einen Spaziergang durch die Stadt, um mich umzusehen; denn 
grofse Merkwürdigkeiten giebt es nicht. Die Stadt liegt auf dem 
linken Ufer von James river und besteht aus zwei mit dem Flusse 
parallel laufenden Strafsen mit mehreren unbedeutenden Zwischen- 
gassen. Die Hauptstrafse , die dem Flufs am nächsten liegt, ist 
ausfrebaut; die andere enthält noch nicht viele Häuser; jene ist 
wohl eine Meile lang, gepflastert und mit Trottoirs von Backsteinen 
versehen. Da man hier wieder Steinkohlen brennt — im westlichen 
Theile von Virginien brennt man nur Holz — so sieht die Stadt 



301 

ziemlich schwarz aus. Die Mohren scheinen der ansehnlichste Theil 
der hiesigen Bevölkerung zu sein. Der James river ist von hier 
aus erst schiflljar; oherhalb der Stadt wird die Schiflahrt vermittelst 
des oben erwähnten Canals besorgt, der sich hiermit dem Flusse 
vereinigt, nachdem er durch ein grofses und langes Bassin gegan- 
gen ist , an dessen Quais man noch arbeitete. In der Stadt steigt 
er eine ansehnliche Anhöhe durch 8 Schleusen herab. Die Wände 
des Canals zwischen den Schleusen sind nur von Holz. Beim An- 
fange dieser Schleusen ist auf der Anhöhe ein ziemlich erofsesBas- 
sin, das für die Canalböte, die aus dem obern Lande kommend, 
nach Richmond bestimmt sind, als Hafen dient. In der Nähe dieses 
Bassins sah ich eine Schlucht, voll von breternen Hütten, die von 
Negern bewohnt waren , und ein m ahres Bild menschliches Elends 
darboten. Diese Vertiefung ist ti ichterförmig ; bei sehr regnigtem 
Wetter müssen die armen Menschen wahrscheinlich sehr viel von 
Nässe ausstehen. Unterhalb der Schleusen passirt man den James 
river auf einer hölzernen Bockbrücke. Von dieser gelangt man 
auf einer Seitenbrücke nach einer, mitten im Flusse gelegenen, 
kleinen Insel, auf welcher ein öffentlicher Garten ist. Oberhalb 
dieser Insel läuft eine Felsenbank quer, durch den Flufs, und 
verursacht einen kleinen Wasserfall. Weiter hinauf sollen noch 
mehrere Wasserfälle in dem Flusse sein. 

Auf einer die Stadt ziemlich beherrschenden Anhöhe steht das 
Staatenhaus , Capäol genannt , von einem neu angelegten Garten 
umgeben. Es erinnert an die maison quarree zu Nismes in Frank- 
reich. An der einen schmalen Seite des länglichen Viereckes steht 
ein Porticus von 8 ionischen Säulen. Diese Säulen sind jedoch 
nur von Holz, und haben, in der Nähe betrachtet, ein ziemlich 
verfallenes Ansehen. Das Gebäude hat 2 Eingänge an den beiden 
langen Seiten mit Perrons. In der Halle, in der Mitte des Hauses, 
steht eine marmorne lebensgrofse Statue des Präsidenten JFasInng- 
ton , etwas geschmacklos. Sie stellt den grofsen Mann vor in Uni- 
form, die rechte Hand auf einen Stock gestützt; der linke Arm 
ruht auf Fasces, an welchen ein Schwert hängt, und ein Pflug 
lehnt. In einem der Seitenziinmer hielt die Court of the Umfed 
States gerade eine Sitzung, um einen Kauffahrteischiffs - Capitain, 
einen Franzosen von Geburt, zu richten. Der Mann hatte zwei 
Male sein Schiff versenkt, um sich die Versicherungsprämie aus- 
zahlen zu lassen. Bei einer dieser Versenkungen hatte ein Frauen- 
zimmer, das sich am Bord befand, ihr Leben eingebüfst, und 
defswegen stand der Capitain unter der Anklage eines Mordes. 



. 302 

Ich bedauerte, die Debatten und die Reden der Advocaten nicht 
recht verstehen zu können, da ich hörte, dafs der Beschuldigte die 
besten hiesigen Advocaten zu Vertheidigern angenommen hätte. 
Die Entscheidung erfolgte nicht. — Hinter dem Capitol befindet 
sich das Rathhaus, ein massives Gebäude mit einem Porticus von 
4 dorischen steinernen Säulen, in dessen Innern ich übrigens weiter 
nichts Merkwürdiges bemerkte. Bei mehreren der hiesigen Buch- 
händler sah ich mich vergeblich nach einem Plane der Stadt und 
Gegend um, so wie nach einer Beschreibung des Canals. 

Den 30. November wollten wir früh 3 Uhr Riclimond verlassen 
und unsere projectiite Tour antreten. Als aber die eigentliche 
Stage repartirt wurde , da wollte man uns in einen kleinen 2spänni- 
gen Wagen setzen , in welchem es unmöglich war , meine Bagage 
unterzubringen. Da ich mich nicht von dieser Bagage trennen 
wollte, so gab ich die Tour, so wie ich sie beschlossen hatte, auf, 
und verliefs Ridimond früh um 8 Uhr am Bord des Dampfschifl'es 
Riclimond, um den James river hinab bis Norfolk zu fahren. In 
der Zwischenzeit sah ich auf eine eigene Weise, wie die Neger 
behandelt werden. Ich wollte die Mufse zum Schreiben benutzen, 
und fand, als ich in die Stube trat, mehrere Sclaven in eine wollene 
Decke gehüllt auf dem Fufsboden am Kaminfeuer liegen und 
schlafen. Auf meine Erkundigung hörte ich, dafs Sclaven nie ein 
anderes Bett bekämen ! 

Wir hatten 122 Meilen bis Norfolk und erreichten diese Stadt 
Abends zwischen 9 und 10 Uhr. Den ganzen Tag über hatten wir 
trübes Wetter ; an den Ufern des James river, der viele Windungen 
machte und nach und nach breiter wurde , war nicht viel zu sehen ; 
die Reisegesellschaft war nicht zahlreich und bestand nicht aus 
communicativen Personen. Ich konnte mit keinem einzigen ein 
Wort wechseln. Zum Schreiben war auch keine Gelegenheit, da 
die Dampfmaschine dem Schifte eine solche erschütternde Bewe- 
gung mittheilte, dafs ich kaum die Feder zu halten vermochte; 
defshalb konnte ich mich nur mit Lesen beschäftigen. Gegen Abend 
sahen wir auf dem linken Ufer ein grofses steinernes Haus stehen, 
welches das einzige Ueberbleibsel der ehemaligen Stadt Jamestown^ 
des ersten englischen Etablissements in pirginien ist Man erzählt 
folsrende fast romanhaft klingende Geschichte. Eine indianische 
Pr?nzessin Poca//o;/faÄ, die Tochter eines mächtigen indischen Chefs 
an den Ufern dieses Flusses, des Königs Powhattan^ hatte sich 
in den englischen Ca]i. Smith verliebt, der die erste Niederlassung 
uiJamestown befehligte. In einer stürmischen Nacht schwamm diese 



303 

Piinzessm über den Flufs, um ihren Gellebten zu warnen, well ihr 
Vater und die vorzüglichsten indischen Häupter sich gegen sein 
und seiner Gefährten Leben verschworen hatten. So rettete sie 
die junge Colonie, und rettete dieselbe noch zwei Mal auf dieselbe 
Weise. Dennoch fiel ihr Geliebter endlich in einen indischen Hin- 
terhalt, und sollte geopfert werden von den Indianern. Da legte 
sie ihren Kopf neben den seinigen auf den Block und rettete ihm 
dadurch abermals das Leben. Diese Scene stellt eins der Basreliefs 
der grofsen Rotunde im Capitol zu Washington vor. Capitain 
Smitli war verheirathet und konnte defshalb seine Erretterin , als 
er nach England zurückkehrte, nicht mit sich nehmen. Er liefs 
ihr daher den Glauben beibringen, dafs er gestorben sei, und 
schiffte sich im Geheimen ein. Pocahontas helrathete alsdann später 
den auf Smith im Commando der Colonie folgenden Officier Ralph 
und begleitete ihn nach England. Nun begegnete sie hier einst 
zufälligerweise dem von ihr todt geglaubten Smith in der Strafse. 
Da verfiel sie in eine solche Schwermuth, dafs sie England ver- 
liefs, um nach Amerika zurück zu kehren, starb aber auf der Rück- 
reise vor Kummer *). 

Bei sehr trübem Wetter landeten wir in Norfolk, einer Stadt 
von 10,000 Einwohnern, und nahmen unser Quartier in Carrs hötely 
einem ziemlich mittelmäfsigen Wirthshaus. Ich machte die Be- 
kanntschaft des hiesigen französischen Consuls, Herrn Merjau, 
eines sehr feinen und angenehmen Mannes. In Gesellschaft dessel- 
ben fuhr ich den folgenden Tag nach der Festung Mowroe, die 
"H Meilen von Norfolk entfernt ist. Wir schifften uns auf dem 
nach Baltimore abgehenden Dampfschiff ein. Es traf sich sehr 
glücklich , dafs dieses Schift', nebst dem Dampfschiffe Michmond, 
bestimmt war, die Fregatte Constellation^ die wegen schwachen 
Windes nicht auslaufen konnte, bis in die Rhede, Hampton roads^ 
zu ziehen. Diese Rhede soll zum Haupt-Sammelplatz der ameri- 
kanischen Marine gemacht werden, und bietet eine sehr gute Stel- 



*) Sie hinterliers einen einzigen , mit Ralph gezeugten Sohn , der sich in 
Amerika etablirtc und zwei Trichter liinterliers. Von diesen bcideii 
ßtanunen die Familien Randolph und Robison ab, und durch diese die 
Familie Ciaibonic; folglich sind Mrs Gnjmcs beide silteste Kinder, 
Charles und Sophroiiie , Nachkommen dieser unglücklichen Fürstin. In 
den Familien Randolph und Robison — von wejcher letzteren icb ein 
Mitglied als ehemaligen Gouverneur von Louisiana in i\'ew-Orlcans ken- 
nen lernte — ward der älteste Sohn Powhatia» , und die älteste Tochter 
Poccahontas getauft. 



304 

hm fr dar. Von hier aus ist man Meister der ganzen Ckesapeak-bay^ 
die durch einen «rrofsen Binnen-Canal mit dem Delaware, und 
foWWdi mit F/tiladelphia m Verhindung gebracht werden soll, so 
dafsman vermittelst dieser Binnenfahrt die daselbst gebauten Kriegs- 
schifl'e nach den Hamptonroads bringen kann, um sie daselbst zu 
armiren. Auf einer in die Rhede auslaufenden Landspitze, Old 
Point Coniford genannt, wo ein Leuchtthurm steht, hat man eine 
Hau})tfestung, Monroe^ angelegt, und vor ihr, auf einer Sand- 
bank, Riprap^ baut man ein kleines casematirtes Fort, Calhoim^ 
das die Rhede, oder vielmehr die Passage, noch mehr in der Nähe 
vertheidigen soll. Damit diese Position nicht in ihrer rechten Flanke 
durch eine gelandete Armee umgangen werden könne, will man 
alle trocknen Puncte, die zwischen den, Norfolk umgebenden, 
impracticablen Morästen liegen , befestigen , und weiter rückwärts 
in der Bai ein grofses Central- Arsenal anlegen mit dry docks^ um 
nach einer Seeschlacht die ganze Flotte aufnehmen und ausbessern 
zu können. Die Fregatte Constellation , von Capt. Woolsey com- 
mandirt, war zur Station in West-Indien, die Seeräuberstation ge- 
nannt, weil die Suppression dieses Gesindels ihr Hauptzweck ist. 
Sie ist eine der ältesten Fregatten, und diente schon im letzten 
Krieo-e , war aber in Hamptonroads blokirt und auf diese Weise zu 
keinem Gefechte gekommen. Sie ist ein sogenannter 36er , führt 
aber 48 Stück 32Pfünder und eben so schwere Caronaden. Die 
Kanonen sind fast alle Englische, von der eroberten Fregatte 
Macedonien. 

Nachdem unser Dampfschiff an einer kleinen befestigten Insel, 
Crany island^ und an einem Fort rechts, welche jedoch beide seit 
der Erbauung der Festung Monroe unnöthig geworden sind, und 
abgeti'agen werden sollten, vorbeigefahren war, traf es die Con- 
stellation^ legte sich links neben sie, und befestigte sich durch 
Taue. Das Dampfschiff Richmond that rechts dasselbe. Da Capt. 
Woolsey hörte, dafs ich mich auf einem dieser Schiffe befände, 
hatte er die Güte, herabzukommen, und mich zu sich einzuladen. 
Capt. Woolsey hatte seine Wohnung in der Batterie, einer sehr 
guten Vorcajüte, in der 4 Stücke stehen: die hintere Cajüte war 
in ein Empfangzimmer und zwei Cabinets eingetheilt und geschmack- 
voll eingerichtet. Die Ofticiere wohnten unten , w ie in einem Linien- 
schiff. Ich freute mich sehr über die äufserst grofse Reinlichkeit 
und die Stille, die überall herrschte. Sogar bei der Schildwache 
an des Capitains Thüre stand ein Spucknapf, und alles, was Eisen und 
Kupfer, war spiegelblank geputzt. Statt des auf unseren Schiflen 



305 

üblichen und oft sehr unsichern Stundenglases ist bei der Schild- 
wache ein Chronometer, nach welchem sie sieht, um die Stun- 
den abzurufen. Wir kamen gerade an Bord, als der letzte Anker 
gelichtet wurde, und fuhren, von beiden Dampfschiffen gezogen, 
bis wir uns der Festung Monroe gegenüber befanden. Hier wurden, 
des schwachen Windes Megen, die Anker ausgeworfen und die 
Dampfschiffe setzten ihren Weg fort. 

Capt. IVoolsey liefs uns durch eine Schaluppe, von einem Mid^ 
shipman commandirt und mit 12 Ruderern besetzt, nach der 
Festung bringen. Eine Wache von 30 Mariniers, von einem 
Lieutenant commandirt , stand unter Gewehr und machte die Hon- 
neurs, während die Fregatte mich mit 17 Schüssen salutirte. Ans 
Land gestiegen, traten wir in einem recht guten Wirthshaus ab, 
wo wir zwei Majors von der Artillerie trafen. Nach Tische besahen 
wir die Festung, zu welcher der General Bernard den Plan ge- 
macht hat, welche aber freilich noch weit von ihrer Vollendung 
entfernt war. Die Festung besteht aus einem bastionirten Sieben- 
ecke, wovon nur eine einzige Front von der Landseite her attaquirt 
werden kann. Die nach der Seeseite zu gerichteten sind durch- 
gängig casematirt, und jedes Stück feuert aus einem besonderen 
Gewölbe. An der gefährlichsten Seite , wo die feindlichen Schiffe 
sich nahe an das Land legen können, kommt auf die Contre-Escar- 
pe eine casematirte Küstenbatterie zu stehen , unterstützt vom Feuer 
der schweren Stücke auf dem Walle. Diese Batterie auf der Con- 
tre-Escarpe, die einstweilen von Holz als Blockhaus gebaut Mar, 
diente der Garnison als Caserne. Das Revetement ist durchgängig 
von Granit gebaut , der in der Gegend von Washington gebrochen 
wird. Die Gewölbe sind von Backsteinen. Das Gouvernement 
läfst nicht in Entreprise bauen, sondern was die Franzosen au 
metre cube nennen. Dadurch bekommt es gute Arbeit. Nur das 
Mauerwerk wird von bezahlten Arbeitern — meistens von Schwar- 
zen — aufgeführt, die anderen Arbeiten besorgen militaii ische 
Gefangene, die von den Kriegsgerichten zu öffentlichen Arbeiten 
verurtheilt worden sind. Die Besatzung besteht aus 11 Artillerie- 
Compagnien , die unter Commando des Obersten Fenwkk und des 
Oberst-Lieutenants Eustis ein provisorisches Regiment formiren. 
Ersteren hatte ich in Washington heim Gen. Broivn kennen gelernt, 
wo er sich noch aufhält. An letzteren war ich durch Oberst-Lieu- 
tenant Bankheard m New -York empfohlen. Er lud mich ein, bis 
morgen hier zu bleiben, um mir sein Regiment zeigen zu können; 
ich muOte jedoch, um keine Zeit zu verlieren, die Einladung ablehnen. 
/. U 



_ 30Ö 

Um nach Norfolk zurii(k zu kommen, benutzten wir die Gele- 
aenheit des von Washington nach Norfolk fahrenden Dampfschiffes 
Potowmac. Die Artillerie-OfHciere gaben uns ein Boot mit Kano- 
nieren bemannt, die in aUcn Seeplätzen als Ruderer exercirt sind, 
welches uns nach dem vorbeifahrenden Dampfschiffe brachte. 
Gegen 9 Uhr Abends landeten wir in Norfolk. Den ganzen Tag 
über hatten wir widerwärtiges regnichtes Wetter gehabt. Ich 
hatte die Absicht, noch einen Tag zu bleiben, um den, eine Meile 
von Norfolk in Gosport gelegenen Navy yard zu besehen; Herr 
Mcyau wollte mich dahin begleiten. Der Gastvvirth hatte , um aus 
meiner Anwesenheit so viel Nutzen als möglich zu ziehen, in den 
Zeitungen bekannt gemacht, dafs er heute ein Diner geben würde, 
bei welchem Schildkrötensuppe , Wildpret und wilde Enten erschei- 
nen würden. Es war aber im Buche des Schicksals beschlossen, 
dafs ich Nichts von allen diesen Herrlichkeiten geniefsen sollte. 
Auf meine Erkundigung erfuhr ich nämlich zu meinem Schrecken, 
dafs die Mail stage, die einzige ordentliche Communicatlon nach 
dem Süden, und namentlich nach der Stadt Fayetteville, nur 
Dienstags und Freitags abginge , und dafs wir mithin , wenn wir 
nicht in einer halben Stuude Norfolk verliefsen, bis zum nächsten 
Dienstage warten müfsten. Da dieses durchaus nicht zu meinem 
Reiseplane pafste, und ich auch keinen Miethwagen nach Fayette- 
ville bekommen konnte , so liefe ich über Hals und Kopf meine 
Effecten einpacken, nahm von dem freundlichen Herrn Meyau 
Abschied un<l verliefs um halb 11 Uhr Vormittags mit der Maii- 
st agc, die mit dem Dampfschifle von Baltimore communidrt, 
Norfolk. 

Wir gingen 68 Meilen weit bis Murfreeshormigh , welches wir 
gegen 11 Uhr Abends erreichten. Wir passirten zuerst zwei See- 
arme auf sehr langen hölzernen Brücken , kamen dann durch Ports- 
monfh, einem kleinen Ort, am Navy yard vorbei, wo ich das 
Linienschiff l>e/ö?^are und die den Engländern abgenommene Fre- 
gatte Macedonian, beide in ordinary erblickte, aber keine Zeit 
hatte, dieses gewifs sehr interessante Etablissement zu besehen. 
Kaum hatten wir diesen Platz verlassen, als wir in einen Wald 
kamen, in welchem wir den ganzen Tag über blieben. Die Gegend, 
durch welch« wir fuhren, ist ein grofser Morast, und heifst der 
Disnial Swamp , durch d(;n ein sandiger Weg führt. Der Wald ist 
sehr dicht, besteht ais Eichen, unter welchen ich die Life oak *) 



") iDiniergTÜne Eiche. 



307 

bemerkte , aus Cypressen , Cedern , Kiefern , und , an den morasti«"- 
sten Stellen, aus mehrere« immergrünen Bäumen und Sträuchen, 
aus sogenanntem portugiesischen Lorbeer und hohen Stecheichen» 
hie und da fanden wir auch Magnolien, und grofse Schlingpflanzen 
an den Bäumen, meistens wilden Wein. Diese Mannichfaltigkeit 
der Vegetation mufs sich im Sommer sehr schön ausnehmen. Ich 
hörte indefs , dafs man alsdann auch sehr von Fliegen und Moskiten 
heimgesucht werde; auch soll es alsdann viele Schlangen geben. 
Man sagte, dieser Morast sei stark mit Bären bevölkert, die jedoch 
nie einen Menschen angriffen. In Svß'olk, 28 Meilen von Norfolk, 
einem kleinen aus hölzernen Häusern bestehenden Orte, mitten im 
Walde gelegen, machten wir Mittag. Das Weizenbrod nahm all- 
mählig ab; an dessen Stelle bekam man eine Art von Kuchen, aus 
Mais gebacken. Jenseits Suffolk kamen wir an einem mit Baum- 
wolle bewachsenen Felde vorbei , dem ersten , das ich sah. Nach- 
dem die Nacht eingebrochen war , passirten wir die Grenze , ver- 
liefsen den Staat Firginien, und kamen in den St3.a.t Nord- Carolina, 
Ueber die beiden Flüsse Nottaivay und Meherrin fuhren wir auf 
ziemlich engen und schlechten Fähren , was bei der dunkeln Nacht 
sehr gefährlich w ar. Die Lichter und Lampen schienen hier selten 
zu werden ; denn die Beleuchtung der wenigen Häuser , an denen 
wir vorbeikamen , bestand meistens nur aus Kienspänen. Wir nah- 
men mehrere mit uns , um sehen zu können. Bei der finstern reg- 
nichten Nacht war diese Reise sehr widerw artig. In Murfreesborougk 
stiegen w ir in einer mittelmäfsigen Herberge ab , wo ich mich , da 
ich sehr ermüdet war, augenblicklich niederlegte , um einer kurzen 
Ruhe zu geniefsen. 

Den 3. December brachen wir früh um 2 Uhr bei einem ab- 
scheulichen Regenwetter auf, das den ganzen Tag fast ohne Unter- 
brechung fortdauerte, und fuhren bis nach einem einzeln liegendea 
Wirthshaus, Emerson' s tavern genannt, 75 Meilen weit. Dia 
Gegend blieb , w ie sie am vorigen Tage gewesen war , dicht mit 
Holz bew achsen , das , zumal in den häufigen morastigen Stellen, 
den Augen eine sehr schöne Mannichfaltigkeit durch die immer- 
grünen Bäume und Sträuche darbot. An manchen Stellen fanden 
wir die Gegend etwas angebaut. Dieses war der Fall bei den 
Plantagen , wo Mais und Baumwolle erzeugt werden. Eine solche 
Plantage besteht nur aus hölzernen Gebäuden; in der Mitte das 
Haus des Herrn mit einer piazsa, rechts und links die Loghäuser 
der Negersclaven, so wie Schoppen für den Mais und die Baum- 
wolle. Die Pferde stehen in sehr luftigen hölzernen Ställen; die 

U 2 



308 

Kühe und Schweine bleiben den ganzen Winter über unter freiem 
Himmel in Plätzen, die mit worin fences eingezäunt sind. Nur das 
zur Mast bestimmte Vieh kommt in Ställe. In mehreren Plantagen 
sahen wir sogenannte coftongins oder Baumwollenmühlen, in wel- 
chen durch eine cylindrische Hechel der Same aus der Baum- 
wolle herausgebracht wird. Diese Mühlen werden entweder durch 
Wasser oder durch Pferde in Bewegung gesetzt. Die von ihrem 
Samen getrennte Baumwolle wird in einen grofsen Kasten ge- 
schüttet, geprefst und gepackt. In diesen Kasten hat man den 
Sack gebracht, der die Baumwolle, wenn sie gepackt ist, enthalten 
soll ; man schüttet sie in diesen hinein. Der Deckel des Kastens ist 
beweglich, und wird mit einer Schraube, die durch 2 Pferde in 
Bewegung gesetzt wird , auf die Baumwolle gedrückt. Alsdann 
w ird der Deckel hinweggenommen , die Leinwand , die den Sack 
bildet, zusammengeschlagen, und endlich werden Stricke um den 
Ballen gelegt , der im Durchschnitt 300 Pfund wiegt. Diese Arbeit 
ist sehr mühsam , und man kann in einem Tage nur 2 Ballen ma- 
chen. Wenn man statt dieser unförmlichen Maschine Brahmah's 
Waterpreß einführte, so würde man sicherlich viele Zeit, Kosten 
und Kräfte sparen. Die zum Packen der Baumwolle bestimmte 
grobe Leinwand wird in England gewebt. 

Wir passirten den Roanoke-FluCs auf einer ziemlich schlechten 
Fähre. Die Ufer dieses Flusses sind wirklich malerisch, und erin- 
nerten mit den vielen südlichen Gewächsen an einen Park. In dem 
Städtchen Taihoro?igh am Flufs Tar gelegen , machten wir in ei- 
nem recht guten Wirthshause Mittag. Wir hatten vorher diesen 
Flufs in einer Fähre passirt und uns seiner schönen Ufer erfreut. 
Unser Nachtquartier, das wir nach 8 Uhr Abends erreichten, war 
eine einzeln liegende Plantage; das Haus ganz AonHolz, nur mit 
einem Kamine von Backsteinen. Es war ziemlich durchsichtig; 
man wies uns die Bodenkammer zur Schlafstelle an , und durch die 
Spalten des Bodens konnten wir in die untere Stube sehen. Wenn 
Feuer in einem solchen Hause auskommt, so ist es nicht zu retten. 
Wir waren Vormittags an den rauchenden Trümmern eines Schul- 
gebäudes vorbei gekommen, das in einer Stunde niedergebrannt 
war: nur das backsteinerne Kamin war stehen geblieben. Die 
Loghäuser der Negersclaven sind besonders transparent , und ge- 
Avähren während der Nacht , mit einem Kienspahn erleuchtet , dem 
Vorbeigehenden einen sonderbaren Anblick. Der Weg war durch- 
gängig sandig gewesen; an den häufigen morastigen Stellen jedoch 
durch einen causeway unterbrochen , der uns in unsrer Mailstage 



309 . 

j^arstig zusammen gestofsen hatte. Das Städtchen Tarborough, 
MO mv Mittag gemacht hatten , soll gegen 800 Einwohner haben^ 
ist regelmäfsig gebaut, mit breiten Strafsen, enthält aber nur 
Jiölzerne Häuser. Backsteinerne sah ich nur zwei. Hätte es meh- 
rere gegeben, so würde ich diesen freundlichen Ort mit einem 
holländischen Dorfe verglichen haben. 

Den folgenden Morgen verliefsen wir unser luftiges Nacht- 
quartier früh um 3 Uhr, und fuhren bis FayetteviUe , 8G Meilen 
weit. Den ganzen Tag über kamen wir durch dichten Wald , und 
trafen kein einziges Dorf j nur einzelne Plantagen , mit Mais und 
Baumwollenfeldern umo-eben. Von Vöö-eln hatten wir seit mehreren 
Tagen verschiedene für mich neue Arten gesehen; besonders viele 
grofse Falken, BuzzarcVs genannt; sie zu schiefsen ist verboten, 
da sie sich von Aas nähren und so zur Gesundheit der Gegend das 
Ihrige beitragen. J)\aNeuse^ einen ziemlich breiten Flufs , passir- 
ten wir in einer schmalen und schlechten Fähre. An den Ufern 
dieses Flusses viele immergrüne Bäume und Sträucher. Die Eichen 
sind hier zwar nicht sehr hoch, aber sehr mannichfaltig : man 
zählt 37 verschiedene Arten. Kastanien und Nufsbäume weniger; 
wir erfuhren, diese wären nur in gebirgigen Gegenden. Nicht 
weit vor FayetteviUe ^ welche Stadt wir gegen 9 Uhr Abends er- 
reichten, kamen wir über die Cape fear river auf einer langen be- 
deckten Brücke, aus einem gegatterten Hängewerk bestehend, 
wovon ich im Patent ofßce in Washington ein sehr gutes Modell 
gesehen hatte. Ich hatte die Absicht gehabt, hier in FayetteviUe, 
welches ein blühender Ort von circa 4000 Einwohnern sein soll, 
einen Tag zu bleiben , da ich von der höchst ungemächlichen Reise 
sehr ermüdet war und mich auch umsehen wollte. Ich hörte jedoch, 
dafs unter 3 Tagen keine Gelegenheit nach C/iarleston ginge, wo- 
hin ich zu gehen wünschte. Wenn ich also nicht die am folgenden 
Tag in aller Frühe abgehende MaiLstagc benutzte, so mufsten 
wir 2 Tan-e lieoen bleiben. Also entschlofs ich mich, am nächsten 
Morgen die Reise fortzusetzen. Nun entstand aber eine neue 
Schwierigkeit : die direct nach Cliarleston gehende Mailstage ist 
nur zweispännig und konnte meine Bagage nicht mitnehmen, wäh- 
rend über Colnnihia in Sout/t- Carolina eine vierspännige Mail ge- 
het. Obgleich ich hierdurch auf den beiden Catheten fuhr, wäh- 
rend die zweispännige auf der Hypothenuse blieb , so entschlofs ich 
mich doch für die erste. 

Den 5. Decembei- brachen wir also früh 3 Uhr von FayetteviUe 
auf, und fuhren bis Clieraw im fslasiie Soul h- Carolina, 57 Meilen. 



310 

dco-en 7 Ulir Abends erreichten wir diesen Ort. An einem neuen 
Reisegefährten, den wir in Fayettevillehekommen hatten ^ Herrn 
Davis aus Columbia^ lernte ich einen jungen, sehr unterrichteten 
Mann kennen. Das Wetter war ziemlich kalt, aber es regnete 
nicht. Abermals durch Wälder , auf einem sehr sandigen Wege. 
"Wir sahen nicht viel Interessantes , ausgenommen die Vegetation. 
Jemehr wir südlich gingen: neue Pflanzen, z. B. Jasmine, und 
ein mir bis jetzt unbekannter Baum , Pride of China (^Melia aze 
daracJi) genannt, der vorzüglich in der Nähe von Häusern steht; 
auch Gummibäume. Wir kamen über mehrere Flüsse; die vor- 
züglichsten waren der kleine und grofse Pedee dicht vor Cheraw. 
In diesem Orte traf ich zusammen mit den Commodores Bainhid^e 
und Warrin^ton und Capt. Biddle. Diese Herren waren in Pe7i- 
sacola als Commissäre des Gouvernements gewesen , um dort das 
Local für ein Marine-Etablissement im Mexicanischen Meerbusen, 
der für die V. St. täglich an Wichtigkeit zunimmt, zu bestimmen. 
Sie waren zur See von Pensacola bis Savannah gefahren , von wo 
sie zu Lande nach Wasimtgton zurückgingen. Commodore JVar- 
rington wird jedoch nach dem Mexicanischen Meerbusen zurück- 
kehren , wo er die Station commandirt. Ich erfreute mich sehr an 
ihrer Bekanntschaft und brachte den Abend mit ihnen zu. 

Den 6. December verliefsen wir Cheraw um 3 Uhr, und gingen 
bis Ca?nden, 68 Meilen. Wir fuhren fortNvährend durch dichten 
Wald. Während der Nacht hatte es tüchtig gefroren, und früh 
war es noch sehr kalt; als jedoch die Sonne heraufkam, da wurde 
es wärmer, und wir bekamen einen äufserst schönen Tag, wie 
im Frühling. An der zunehmenden Bläue des Himmels sahen wir, 
dafs wir uns bedeutend dem Süden näherten. Von Pflanzen be- 
merkten wir nichts Neues, als immer gröfser werdende Magnolien 
verschiedener Art. An unseren Mahlzeiten zeigte sich, dafs wir 
uns in einer Gegend befanden , in welcher Reifs gebaut wird. Die 
vorzüglichsten Flüsse waren der Black creek und zwei Zweige 
vom Lynch's creek. Die Gegend an diesen Flüssen hinsichthch 
der schönen immergrünen Vegetation, gefiel mir ungemein wohl. 
Der Weg war sandig und die Reise ging langsam von Statten. 
Das Frühstück und Mittagessen nahmen wir in einzelnen Breter- 
häusern ein , die auf backsteinernen Pfeilern stehen , so dafs die 
Luft darunter wegziehen kann , und die so dünn und luftig gebauet 
sind, dafs das Tageslicht überall durchscheint. In den „Fenster" 
genannten OefTnungen befinden sich nur Laden und weder Schei- 
ben noch Rahmen. Bei diesem Mangel an Glas und dem grofsen 



311 

Ueberflufs an Kiefernholz und an Sand , müfste es eine gute Spe- 
culation sein ^ hier in der Gegend eine Glashütte anzulegen. Gegen 
8 Uhr Abends erreichten wir Camden, ein nahrhaftes Städtchen, wo 
wir ein recht gutes Unterkommen fanden. Die Nächte waren sehr 
hell; seit einiger Zeit sah ich ganz neue Sternbilder, während 
die alten nach und nach verschwanden. 

Den 7. December brachen wir abermals früh um 3 Uhr bei 
hartem Frost auf, und fuhren nur 35 Meilen bis Columbia. Der 
Weg war wie an den vorigen Tagen ; nur wurde die Gegend hüg- 
liger, der Sand gelber und mit Thon vermischt. Wir kamen über 
den Wateree-F\n(& auf einer schmalen Fähre , aber nur mit vielen 
Schwierigkeiten. Wir erreichten den Flufs vor Tagesanbruch. 
Der Kutscher stiefs öfters in sein Hörn *); wir mufsten jedoch 
beinahe eine halbe Stunde auf die Fähre warten. Endlich kam 
sie, von 2 Negern geführt. Kaum aber war der Wagen eingeschifft, 
so fing ein anderes Elend an. Wir safsen auf einer Bank fest, und 
die Neger mufsten über eine halbe Stunde arbeiten , ehe wir wieder 
flott wurden. Endlich gelangten wir an das andere Ufer; die 
Neger waren aber so ungeschickt, dafs sie sich abermals über eine 
Viertelstunde beschäftigten , bis es ihnen gelang, die Fähre so zu 
stellen , dafs der Wagen herausfahren konnte. Columbia erreichten 
wir gegen 1 Uhr Mittags , und nahmen unser Qnartier in Clarks 
hotel, einem grofsen, aber mittelmäfsig gehaltenen Hause. Wir 
mufsten uns sehr eng behelfen , m eil gerade in diesem Hauptorte 
des Staates South-Carolina die Legislatur e versammelt, und alle 
Häuser überfüllt waren. Die Stadt hi erst seit 40 Jahren angelegt, 
enthält 4000 Einwohner und liegt sehr hübsch auf einer- Anhöhe 
unterhalb des Zusammenflusses des Saliida und Broadriver^ die 
nach ihrer Vereinigung den Congaree bilden. Sie ist sehr regel- 
mäfsig gebaut , enthält viele backsteinerne Häuser , und die Strafsen, 
die sich in rechten Winkeln durchschneiden, sind 100 Fufs breit, 
zwar nicht gepflastert, aber mit breiten, backsteinernen Trottoirs 
und Alleen von Pride of China versehen. In den Gärten, von 
welchen manche der eleganten Piivathäuser umgeben sind, sah 
ich viele immergrüne Bäume , meistens Lorbeern und auch emige 
ziemlich hohe yucea gioriosa, hier 'palmeUa genannt. In Columbia 



*) Sein Hörn besteht in einer »wei bis drei Fnfä langen , bleclioröen Tute, 
welche jiimracrlidic Töne.hervorbrinf^t , dieniiin jedocli sehr M'eithoreu 
tann. Dieses llorn hängt an der Seite de* Wagen* an zwei ledernen 
llienicn. 



312 

befinden sich mehrere gut versehene Läden, und es schien -viel 
Leben zu herrschen. Ich machte Bekanntschaften an der gemeiiv- 
schaftlichen Tafel, an welcher viele Mitglieder der Deputirten- 
versammlung afsen, mit einem Herrn Washington aus Ckarleston, 
an den ich aus Baltimore empfohlen war. Dieser machte mich 
so«yleich weiter bekannt mit mehreren der anwesenden Deputirten. 
Der Gouverneur des Staates, Manning^ liefs mich durch seinen 
Miliz -Adjudanten, Herrn Butler^ becomplimentiren und auf den 
Abend zu sich einladen. Herr Washington — ein weitläuftiger 
Verwandter des Präsidenten , und Sohn des im Revolutionskriege 
bekannt gewesenen Obersten der Cavallerie gleiches Namens — 
führte mich gegen Abend zu einem j/^f/ge — Richter — Desaussure^ 
einem der angesehensten Einwohner dieser Stadt und des Staates, 
an den ich ebenfalls empfohlen war, und an dem ich einen ehrwür- 
digen alten Mann fand. Herrn Desaussure's Vater war aus Lau- 
sanne in der Schweiz gebürtig und ein Vetter des berühmten Ge- 
lehrten gleiches Namens. Ich traf eine zahlreiche Gesellschaft von 
Herren bei ihm versammelt , die bei ihm dinirt hatten, und lernte 
unter ihnen den Gouverneur, einen recht feinen Mann, kennen. 
Nachdem diese Herren sich zurückgezogen hatten, führte mich 
Herr Desaussure zu einem seiner Schwiegersöhne, Oberst Blan- 
ding, Civil-Ingenieur, der im Rufe grofser Kenntnisse steht. Die 
Gewohnheit des Tabakkauens, die hier mehrere Herren haben, 
und der sie tiotz des übelen Geruchs selbst in Damengesellschaften 
sehr stark obliegen , fiel mir ungemein auf. Ich traf eine zahlreiche 
Gesellschaft mit vielen Damen. In derselben lernte ich zwei Pro- 
fessoren des hiesigen College kennen, Henry und Nott ; ersterer 
ist der deutschen und französischen Sprache mächtig, und über- 
se^te Niebuhr's römische Geschichte ins Englische. Letzterer hat 
seine Studien in England und Frankreich gemacht, hat sich einige 
Zeit in Gent aufgehalten und eine Frau aus Brüssel geheirathet. 
Von Herrn Blandings Gesellschaft fuhren wir zum Gouverneur, 
■wo abermals eine sehr zahlreiche Gesellschaft zum Ball versammelt 
war. Man tanzte nur Contretänze, nach Art der deutschen lang- 
weiligen Quadrillen; die Musik wurde von Negern gemacht. Der 
Gouverneur — der in diesem Staat auf 2 Jahre gewählt wird — , 
so wie seine Frau, machten sehr gut die Honneurs; er stellte 
mich allen anwesenden Herren und Damen vor. Eine interessante 
Bekanntschaft für mich war die eines Franzosen , Namens Herbe- 
mont, der sich schon über 40 Jahre in den V. St. befand, früher 
Professor der Botanik am hiesigen College gewesen war, und nun 



313 

von seinen Renten lebt. Die Gesellschaft blieb bis gegen Mitter- 
nacht vereinigt. 

Am folgenden Morgen erhielt ich Besuche von den Herren 
Desaussure und Herhemont ^ welche mich abholten, um mir die 
wenigen Merkwürdigkeiten der Stadt zu zeigen. Wir besahen 
zuerst eine Wasserkunst, durch welche die ganze Stadt mit Wasser 
versehen wird. In einer Vertiefung ist ein Bassin oder vielmehr 
ein Reservoir ausgegraben, in welches mehrere Quellen geleitet 
worden sind. Aus dem Reservoir wird mit einer Dampfmaschine, 
welche die Kraft von 12 Pferden hat, das Wasser herausgepumpt, 
und in die Stadt getrieben, die 130 Fufs höher liegt, als das Re- 
servoir. Hier vertheilt es sich in mehrere Röhren , die in der Mitte 
der Strafsen durch die Stadt laufen. An verschiedenen Plätzen 
sind OefFnungen angebracht, die durch Schrauben geschlossen 
sind, und die bei entstehendem Feuer geöffnet werden. Die Con- 
struction ist von Herrn Blaiidings Erfindung. 

Hierauf gingen wir nach dem Staatenhause. Dieses ist ein 
grofses hölzernes Gebäude , das wahrscheinlich in einigen Jahren 
durch ein steinernes ersetzt werden wird. In einem der Säle waren 
die Senatoren, 40 an der Zahl, unter dem Vorsitz eines Herrn 
J'on versammelt; in einem andern die 120 Repräsentanten: der 
Sprecher ist Herr Ü'Neil. Die Säle sind sehr einfach. Die Sena- 
toren sowohl, als die Repräsentanten , sitzen in einem halben Zirkel; 
der Sprecher etwas erhaben im Mittelpuncte. Es A\Tirde in keiner 
der beiden Kammern etwas Interessantes verhandelt, als ich gegen- 
wärtig Avar, und dcfshalb blieb ich nicht lange. Im Saale der 
Senatoren hingen 2 Gemälde, mittelmäfsiges Werthes, von einem 
Künstlerin Charleston: das Gefecht \on E/itan aus dem Revolutions- 
ki ieg unter dem General Green , und die Vertheidigung der Linien 
von New - Orleans unter dem General Jackson. In einigen Tagen 
sollte ein interessanter Gegenstand zur Sprache kommen; die 
Frage nämlich, ob das Gouvernement der V. St. das Recht habe 
oder nicht, in den Staaten Canäle und Strafsen anzulegen! Ver- 
ständige Menschen sehen ein , dafs das Gouvernement die Macht 
haben müsse, solche Werke auszuführen; kurzsichtige hingegen 
machten aus einem gewissen Staatenneide dem Gouvernement dieses 
Recht streitig. Dieser Staatenneid scheint sehr überhand zu neh- 
men. Der Staat Soutk-CaroUna wollte eine Strafse von Charleston 
westlich nach dem Staat Tenessee führen. Diese Strafse müfste 
einige Meilen weit durch North-CaroUna gehen. Der Staat North- 
Carolina weigerte sich unter dem Vorwande, dafs die Strafse 



314 

ihm nicht genug Vortheil bringen würdö , nicht nur diese Strafse 
bauen zu lassen , sondern wollte auch nicht zugeben , dafs die bei- 
den andern Staaten auf ihre Kosten dieses Stück machen liefsen. 
Die wahre Ursache soll sein, dafs man dem Staafce South- Gar olina 
den Vortheil dieser Strafse nicht gönnt. 

Ans dem Staatenhause gingen wir nach dem Columbia College, 
einer Universität^ bei weicher jedoch keine medicinische und keine 
theologische Facult'at ist. Sie hat 6 Professoren. Präsident ist 
Dr. Cooper, den ich letzten Sommer in Boston kennen gelernt 
hatte, und der auf seiner Rückreise in Richmond krank geworden 
war. Die Zahl der Studenten war 120. Sie wohnen in zwergro- 
fsen Gebäuden, welche einander gegenüber stehen. Dazwischen 
steht das Haus des Präsidenten , auf beiden Seiten die Häuser der 
Professoren. Wir machten hier dem Professor der Naturgeschichte, 
Vanuxem, unsern Besuch. Derselbe zeigte uns die Mineralien- 
sammlung des College, Interessanter war eine besondere Samm- 
Ittng der Mineralien aus dem Staate South- Carolina ^ welche Herr 
Vanuxem im letzten Sommer gemacht hatte. Sie enthielt meh- 
rere schöne Türmaline, Smaragden, Pyriten, welche Gold ent- 
halten, eine neue Gattung Metall, Coiümbiaii genannt, Asbest 
und verschiedene Urgebirgsarten. Auch gab qs reines Gold aus 
North- Carolina, dessen Existenz man seit ungefähr 6 Jahren erst 
entdeckt hatte. In C/?era?<r war ich auf dem Punct gewesen , einen 
Abstecher nach diesen Goldminen zu machen; dieExcursion würde 
mir aber ein paar Tage gekostet haben. Man sagte, das Gold 
werde in einem- ScWamme gefunden , den man airstix)ckne und 
dann siebe, so dafs die Goldstückchen im Siebe liegen blieben. 
Man erwartete jedoch Bergleute aus Deutschland, nach deren 
Ankunft man den Bergbau regelmöfsig betreiben wollte. Bisher 
sollten die Actionnairs wöchentlich im Durchschnitt 20 Dollars ge- 
wannen haben. Ich besah auch die Bibliotliek, die jedoch nicht 
stark war, und nichts MerkNvürdiges enthielt. Bei dieser Gelegen- 
heit machte ich die Bekanntschaft eines Herrn Elliot, welcher eine 
Flora des Staates S. Gar. geschrieben hat, und der mir die bota- 
nischen Schätze dieses Staates sehr rühmte. Ein kleines Obser- 
vatorium war verschlossen: vielleicht wollte man mir es nicht zeigen, 
weil es zu wenige Instrumente hat* 

In Herrn Herbeniont's Garten sahen wir einig-e recht interes- 
sante Pflanzen und Bäume: Magnolien und Gardenien, Granat- 
und andere Obstbäume , die er ganz sonderbar aufeinander geimpft 



315 — ^ 

hatte, Dattelpalmen und Peigenbädme aus Kerne» gezogen , und 
eine Menge immergrüner Lorbeerbäume. 

Eine Meile von der Stadt hat man einen, 3 Meilen langen, 
Canal auf dem linken Ufer des Congaree-Flusses gegraben, um 
einige kleine Fälle in dem Flusse — rapicls — ^ zu vermeiden. 
Dieser Canal enthält 4 Schleusen und der Unterschied des Niveaus 
des Wassers oberhalb der Schleusen und unterhalb beträgt 36 Fufs. 
Zwei Schleusen sind von Granit gebaut, der dicht am Canale ge- 
brochen Avird. Man hat mehrere Blöcke sprengen müssen, um 
dem Canale seinen Weg zu bahnen. Die beiden anderen Schleusen 
sind von Backsteinen, und das Mauerwerk schien mir sehr gut 
ausgeführt zu sein. Man baute so eben eine Brücke über den 
Coiigaree^ um die Strafse nach Augusta darüber zu leiten. Sie 
wurde von Holz gemacht, sollte aber auf 8 steinernen Pfeilern 
ruhen. Diese Pfeiler werden von Granit aufgeführt, und ohne 
Kalk und Cement *); Die äufsern Steine waren Werkstücke , und 
wurden mit eisernen Klammern mit einander verbunden. Der Bau 
dieser Brücke war für 70,000 Daliars unternommen worden. 

Nicht weit von der Brücke giebt es mehrere grofse Baum- 
wollenfelder, welche der reichen Familie Taylor gehören. Auf 
einem dieser Felder wurde grade die Erndte durch 58 Neger bei- 
derlei Geschlechts besorgt. Sie nehmen die Baumwolle mit den 
Fingern von deit Kapseln , sehen darauf, dafs kein dürres Blatt 
hängenbleibt, thun sie alsdann in Säcke, die sie vor sich hängen 
haben, und schütten sie darauf in bereit stehende Körbe. Diese 
Neger machten einen sehr unangenehmen Eindruck auf mich, 
zumal da einige Weiber Herrn Hcrbemont um Kautaback anspra- 
chen. Wir bemerkten hier auch sehr schöne Eichen und Kiefern, 
von welchen letzteren alle Wälder, welche wir in den letzten Tagen 
passirt waren, voll sind. Sie haben aufserordentlich lange Nadeln. 
Die jungen Schöfslinge nehmen sich besonders gut aus. Die Na- 
deln an denselben sind über einen Fufs lang, und der Schöfsling 
sieht aus, wie ein Busch von Rofshaaren auf den Schakots der 
preufsischen Grenadiere^ An den Bäumen hängt eine lange moos- 
artige Pflanze, spanish - beard — spanischer Bart — genannt. Man 
sammelt diese Pflanze ein, legt sie in Wasser, läCst die graue 
Schale verfaulen, benutzt die alsdann zum Vorschein kommenden 
schwarzen Fasern, welche Pferdehaaren gleichen, zum Aus- 



*) Weil man diesen mit grofäcn Kosten aas den nürdlichen Staaten müfsto 
kouimcn lassen. 



316 

stopfen von Matratzen, und versendet sie auch nach Europa. 
Endlich sahen wir mehrere aromatische und officinelie Kräuter, 
z.B. Monarda periidata y deren Saft, mit dem einer Zwiebel ver- 
mischt, sehr gut für Griesbeschwerden sein soll. 

Das Lunatic Asylmn — Irrenhaus — von Columbia liegt aufser- 
halb der Stadt auf einem freien Platz. Es enthält ein Hauptge- 
bäude, welches ein Porticus mit 6 Säulen ziert. In demselben 
sind die Wohnungen des Aufsehers, die Büreaux und sogenannte 
State rooms für bemittelte Kranke. An das Hauptgebäude stofsen 
in stumpfen Winkeln zwei Flügel , jeder von 3 Stockwerken. Es 
sind die Wohnungen der Gemüthskranken. Bei zunehmenden 
Einkünften des Hauses will man noch mehrere Flügel bauen , und 
das Ganze soll ein Achteck werden. Auf dem Hauptgebäude be- 
findet sich ein Thürmchen, auf welchem man eine weite Aussicht 
veniefst. Man sieht indefs Nichts als Wald. Die Gemüthskranken 
werden hier einst, nach der ganzen Anlage des Gebäudes, viele 
Bequemlichkeiten finden: gute Stuben, Gärten und Promenaden 
auf Balkons, die mit hohen Mauern umgeben sind. 

In Columbia ward eine catholische Capelle im gothischen Stil 
auf Subscription gebaut. Die Subscription war aber nicht hin- 
reichend: defswegen hatte man, um das Deficit zu decken, eine 
Lotterie eröffnet! Neben dieser angefangenen Capelle steht ein 
Theater ; und auch dieses war wegen Geldmangels beim Unterneh- 
mer unvollendet geblieben. 

Bei dem Professor Henry war eine recht angenehme Gesell- 
schaft zum Diner vereinigt. In derselben bemerkte ich die sonder- 
bare Sitte , dafs die Damen sich in einer Ecke des Tisches zusam- 
mensetzen. Ich sprengte aber den alten Brauch, und schob 
mich zwischen sie hinein: und das Essen schmeckte Niemanden 
schlechter. 

Einen Abend brachte ich auf einem Balle zu, welchen ein 
reicher Herr Taylor auf einer Plantage gab. Ich fand eine zahl- 
reiche und glänzende Gesellschaft. Die Musik war aber eigener 
Art; denn die Mohren, welche zwei Tage früher recht gut beim 
Gouverneur gespielt hatten, waren betrunken, und defswegen 
aufser Stande gewesen, auf diesem Balle zu erscheinen. Die ganze 
Musik bestand daher aus zwei Violinen, und einem Tambourin. 
Dieses Tambourin wurde mit schrecklicher Energie geschlagen. 
Von den beiden Anderen, welche die Violine im eigentlichsten 
Sinne kratzten , rief der Eine die Touren ab , und machte dabei 



317 

mit seinem Körper alle Bewcgunfren des Tanzes nach. Das 
Ganze gewährte mir ein nicht geringes Vergnügen. Uebrigens 
war ich verwundert über die grofse Einfachheit des Flaiises. Aufser 
dem Vorplatze Maren 3 Zimmer ollen, und sie hatten nur die 
weifsen Wände, und an den Fenstern keine Vorhänge.