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Full text of "Schlesiens Wirbelthier-Fauna : ein systematischer Ueberblick der in dieser Provinz vorkommenden Säugthiere, Vögel, Amphibien und Fische ; mit Rücksicht auf den allgemeinen Character des Landes, so wie auf das locale und quantitative Vorkommen seiner Thiere, namentlich mit Angabe ihres Austeigens auf Berghöhen und ihrer wichtigsten Abänderungen"

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1833 

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Säugthiere,Vögel,Amphibien j 

9 

und Fische 1 



S c h l e s i e n s. 




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Freundliche Erinnerung 
s» die Bewohner der Provin 



Mit Beziehung auf den Schlufs des Vorwortes und auf die 
daselbst ausgesprochenen Wünsche, die Vervollkommnung der 
schlesischen Thierkunde betreffend , dürfte folgenden freundli- 
chen Vorschlägen geneigtes Gehör und recht fleissige Beach- 
tung bei allen Naturfreunden des Vaterlandes zu wün- 
schen seyn. 

Nur der Verein vieler Kräfte zu gemeinschaftlicher 
Thätigkeit kann die wahre Vollständigkeit einer Specialfauna 
aus ; dem Reiche frommer Wünsche schnell immer näher in 
das Gebiet erfreulicher Wirklichkeit ziehen. Eine solche Ver- 
einigung zu gemeinsamem Zwecke bedarf aber eines festen, zu- 
verläfsigen Mittelpunktes, um die Dauer und das Gelingen ihres 
Strebens verbürgt zu sehen. Mit Recht dürfen wir als solchen 
eine, durch geregelte Oeffentlichkeit je zu ihrer Zeit allen Be- 
lehrung Suchenden zugängliche Anstalt, wie das zoologische 
Museum der Universität hieselbst, betrachten: dessen Ver- 
waltung vorzugsweise mit die Nützlichkeit des Instituts für das 
Provinziell -Interessante bezweckt, daher mit lebhaftester Theil- 
nahme nicht blofs Alles das berücksichtiget, was auf materielle 
Bereicherung der Sammlung, und somit auf Vermehrung der 
Mittel zur Belehrung durch Anschauung abzielt; sondern welche 
auch mit Dank alle ihr mitgetheilte, zuverläfsige Bemerkungen 
aufnimmt und nach Umständen benutzt, die zur Vervollkomm- 
nung der Kenntnifs inländischer Gegenstände der Zoologie die- 
nen, können. 

So lebhaft indefs der Verkehr des Museums in dieser Hin- 
sicht bereits seit einer Reihe von Jahren gewesen ist, und noch 
ist; so scheint die Sache doch gleichwohl noch nicht den Grad 
von Beachtung gefunden zu haben, welcher ihr aus mehrseiti- 
gen Gründen zu wünschen ist. 

Alles Seltene und Seltnere hat wissenschaftlich Werth. Die 
Zahl derjenigen Personen aber, welche durch ihre Verhältnifse 
als Landbesitzer, Forstmänner und Jäger, Jagdliebhaber oder 
sonst in der Lage sind, naturhistorische Seltenheiten entweder 
zufällig zu erhalten, oder so manche durch Aufträge, oft leicht, 
erlangen zu können, ist so grofs: dafs dem zoologischen Museum 
der Universität gewifs binnen wenigen Jahren nur wenige schle- 
sische Arten in wirklich schlesischen Exemplaren fehlen würden, 
wenn solche, wo sie geschossen oder gefangen werden, in der 
Regel zu obigem Zweck eingesandt würden. Man weifs aber, wie 
häufig sie statt dessen nicht blofs entweder mit geringem Vor- 
theile, ja oft ganz vergebens, dem Gaumen oder sonst unbedeu- 
tenden Zwecken geopfert, sondern sogar nicht selten gradezu 
wieder weggeworfen oder anderweitig vernichtet, höchstens viel- 
leicht, an Hofthüren genagelt, eine Zeit lang der unkundigsten 
Schaulust preisgegeben werden. Viele unterlassen jedoch das Ein- 
senden von Gegenständen blofs aus Besorgnifs, etwas zu schicken, 
.was vielleicht nicht wirklich von Werth sein könne. Einer Sei ts 
ist ja aber, zumal, da so häufig eine bedeutende und nur für 
den Sachkundigen leicht zu beseitigende Aehnlichkeit zwischen 
einer sehr seltenen und einer andern, ganz gewöhnlichen Thier- 
art Statt findet, die Museumsverwaltung weit entfernt, bei An- 
dern eine Verpflichtung zur Unterscheidung schwieriger Species 
vorauszusetzen; sondern sie wird im Gegentheile, selbst im Falle 
einer Irrung hierüber von Seiten des Einsenders, doch stets die 
gute und wohl gemeinte Absicht dankbar zu schätzen wissen. 



Schlesiens 

Wirbelthier-Fauna. 

Ein 

systematischer Ueberblick 

der 
in dieser Provinz vorkommenden , 

Säugthiere, Vögel, Amphibien 
und Fische; 

mit Rücksicht auf 

den allgemeinen Character des Landes, so wie auf das locale 
und quantitative Vorkommen seiner Thiere, namentlich mit 
Angabe ihres Ansteigens auf Berghöhen und ihrer wichtigsten 

Abänderungen. 

■i. *'' 

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V*o n 

Dr. Constantin Lambert Gloger, 

Mitgliede der Kaiserlichen Leopoldinisch - Carolinischen Akademie der Naturforscher und 

der schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur, correspondirendem Mitgliede der 

naturforschenden Gesellschaften zu Halle und Görlitz, auswärtigem der physiographisc.hen 

zu Land, und Ehrenmitgliede des wermländischen Jagdwissenschafts- und 

Schützen - Vereins zu Philipstad. 



(( RIC 






Breslau, 183 3. 

Druck und Verlag von Grafs, Barth und Comp. 




v it*** 



Sr. HochwoMgeboren, 

dem Königlichen ausserordentlichen Bevollmächtigten und 

Curator der Universität zu Breslau, Geheimen Regierungs- 

Rathe und Ritter des rothen Adlerordens, 

Herrn Dr. Neumann, 



ergebenst 



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der Verfasser. 



Hochwohlgeborner Herr! 
Verehrtester Herr Geheimer Rath! 

Ew. Hochwohlgeboren sind mit dem freundlichsten und bei- 
fälligsten Wohlwollen seit einer Reihe von Jahren den For- 
schungen gefolgt , welche der gegenwärtigen kleinen Schrift 
zum Grunde liegen, und haben dieselben vermöge Ihrer 
amtlichen Stellung zu jeder Zeit auf die ermunterndste Weise 
unterstützt und gefördert. Erlauben sie mir demnach, Ihnen 
hiermit eine gedrängte Zusammenstellung vaterländischer 
Naturerzeugnisse als eine kleine, vorläufige Rechenschaft 
über den Erfolg jener Bemühungen im Fache der Zoologie, 
insoweit dieselben auf Schlesiens Thierkunde insbesondere 
gerichtet waren und noch sind, ergebenst vorzulegen. 

Wenn, wie so häufig, der Wille für die That aufge- 
nommen , das Streben wie Gelingen geachtet wird ; so möge 
auch diese Probe als geringer Zoll jener dankbarsten Aner- 
kennung gelten dürfen, zu welcher Hochdero stetes Be- 
mühen, das Fortschreiten der einflufsreichen Naturwissen- 
schaften in Ihrem wichtigen Wirkungskreise zu befördern, 
insbesondere auch aufs Innigste verpflichtet hat 

Ew. Hochwohlgeboren 



Breslau, 
den 17 tea September 1833. 



ganz ergebenen 

C. L. Gloger, Phil. Dr. 



/ 



: 









. 



V o r w o r t. 

Eine Gattung wissenschaftlicher Producte im Gebiete der 
Zoologie, welche in neuerer, wie in früherer Zeit und bei 
Forschern von allen Ansichten stets Anerkennung gefunden 
hat, sind specielle Ueber sichten der Fauna einzelner 
Länder oder bedeutenderer Provinzen. Sie werden 
auch, — abgesehen von der Bequemlichkeit, w r eiche sie 
in- und aufserhalb den Vorstehern öder Besitzern von Samm- 
lungen bei dem Bestreben nach Vervollständigung dieser, 
sowie für die Studien und den mündlichen Unterricht in der 
speciellen Naturgeschichte des Vaterlandes ins Besondere 
darbieten, — immer um so mehr noch an allgemeiner 
Wichtigkeit und Nützlichkeit gewinnen: wenn man einst 
allgemeiner angefangen haben wird, dabei zugleich den 
Gesammt- Character des Landes, welches sie be- 
treffen, im Vergleiche mit dem Wesen anderer Länder 
und ihrer Natur -Erzeugnisse zu berücksichtigen. Denn 
nur so kann die Naturkunde hoffen, einst zur bestimmten 
Einsicht über die Ursachen und Gesetze der Ver- 
breitung thieriseher Wesen überhaupt , so wie über ihren 
Zusammenhang mit den übrigen Naturkörpern und den wich- 
tigsten Vorgängen unter diesen, zu gelangen. Und eben die- 
ser ihr wesentlicher, allgemeiner Nutzen für weit umfassen- 
dere und höhere Resultate der Wissenschaft ist es , was die 
Special -Faunen in der neuesten Zeit so Vielen, welche eine 



viii 

tiefer eingehende und lebendige Ueberzeugung von den wabe- 
ren Bedürfnissen der Wissenschaft und von der Gedeihlich- 
keit ihrer Resultate bewähren, schätzbar gemacht hat. 

Wenn der Verfasser der gegenwärtigen Schrift, nach- 
dem er sich von früher Jugend an und seit nunmehr ander- 
thalb Jahrzehnten vorzugsweise mit den höhern Thierklassen 
seines Vaterlandes beschäftiget hat, hiermit einer schon frü- 
her mehrfach an ihn ergangenen Aufforderung zur Heraus- 
gabe einer neuen Ueb er sieht der Wirbelthiere 
Schlesiens folgt; so geschieht dies, bei der Hoffnung, 
hierdurch überhaupt etwas Zeitgemäfses zu thun, ganz be- 
sonders jetzt um so lieber, wo die in diesen Tagen sich hier 
gestaltende Ute Versammlung deutscher Natur- 
forscher und Aerzte wohl um so lebhafter wünschen 
lässt: dafs auch für sie eine solche gedrängte Ueb ersieht der 
hoher organisirten lebenden Producte eines Landes nicht 
fehlen möge, welches, nie arm an Freunden der Naturkunde, 
nun um so freudiger einen Verein aufzunehmen eilt, dessen 
Mitglieder sich Studien dieser Art sämmtlich mehr oder min- 
der zum Ziele ihres wissenschaftlichen Lebens und Wirkens 
gesetzt, und freundliche Zusammenkünfte zum glücklichsten 
Mittel eines regeren Verkehrs unter sich gemacht haben. 

Es sind bereits nahe an zwanzig Jahre her, seit das letzte, 
den damaligen Zeitumständen gemäfs der Vollständigkeit sich 
nähernde Verzeichniss schlesischer Wirbelthiere erschien. Eine 
Arbeit des damaligen Professors am hiesigen Leopoldinischen 
Gymnasium, Aug. Kaluza: der mit vielem Fleifse zu sammeln 
suchte, was er in Bezug auf Gegenstände der Naturgeschichte 
Schlesiens Merkwürdiges fand.*) Doch gab' er in seinen Schrif- 
ten nur hauptsächlich kurze Beschreibungen der Thiere, das 
Uebrige dem eigenen mündlichen Vortrage aufsparend, da er Al- 
les zunächst für den Kreis seiner Schüler berechnet hatte. 



*) Es ist hierbei stets Schlesien in seiner älteren Begriinzung , ohne Einschlms des jetzt 
preussisclien Theils der Oberlausitz, verslanden. 



IX 



Kurze Beschreibung der 8 chle a is chen S an g e thiere , 2 X J % Bogen 
12mo; desgl. der scliles. Vogel (oder Ornitbologia silcsiaca), 16 Bogen; 
und der scliles. Amphibien und Fische, 5 Bogen. [Ohne Jahreszahl.] 

Einige Jahre später noch, bis an seinen, im Jahre 1821 er- 
folgten Tod, führte ein, um Schlesiens Naturgeschichte eben- 
falls aufrichtig und nach Kräften bemühter Mann, der Kupfer- 
stecher Endler hierselbst, ein gröfseres Werk fort: welches, an 
keine systematische Form gebunden, einen beträchtlichen Theil 
unserer Wirbelthiere und Pflanzen, meist gut, abbildete und die 
bildliche Darstellung derselben mit populär belehrenden Angaben 
über das Wichtigste aus ihrer Naturgeschichte begleitete: 

Der Naturfreund, oder Beiträge zur schlesischen Naturgeschichte, von 
Endler und (Prof. P. ) Scholz; \\ Bände in 4to, jeder mit mindestens 
32 Abbildungen. 

Hierunter sind manche Thiere der vier höheren Thierklassen, 
meist abgebildet oder wenigstens beschrieben, welche in Kalu- 
za's Werkchen noch fehlen. 

Die nächsten Vorgänger beider waren: Joh. Adam Val. Wei- 
gel, Pastor zu Haselbach im Landshuter Kreise, welcher im 
Jahre 1806 ein Namensverzeichnifs aller damals bekannten schle- 
sischen Thiere im ( 

„lOlen Theile seiner Beschreibung von Schlesien (Berlin, in der 
Himburgschen Buchhandlung)" unter dem Titel „Prodromus Faunae silesiacae" 
auf 348 Seiten lieferte; 

und Im. Carl Heinr. Börner, General-Landschafts-Syndicus 
hier, der, obgleich selbst kein Schlesier von Geburt, mit gros- 
ser Liebe für Erforschung der Zoologie unserer Provinz thätig 
war, nachdem er zu Ende des Jahres 1776 hierher gekommen. 
Er schrieb im 

„2ten Bande der „neuen ökonomischen Nachrichten der patriotischen Gesell- 
schaft für Schlesien auf das Jahr 1781," „„einen Prodromus der 
schlesichen Zoologie"", 

welcher die vier obern Thierklassen umfasst, jedoch natürlich, 
auf Erfahrungen von wenigen Jahren beruhend, von Vollständig- 
keit noch weit entfernt bleiben mufste. 

Schon sehr früh , beinahe anderthalb Jahrhunderte vor dem 
Auftreten Linne's, hat Schlesien einen sehr fleifsigen Faunisten 
in dem damaligen Arzte zu Hirschberg, Caspar Schwenckfeld 
aus Greiffenberg, besessen: welcher ein, nach Maafsgabe der da- 
mals gebräuchlichen Weise und Kenntniss recht hoch zu hal- 
tendes 

„Theriotropheum Silesiae etc. Lignicii 1603" 

herausgab, dem noch heut ein bedeutender Nutzen in mancher 
Hinsicht nicht abzusprechen sein dürfte. 



Seit Endler und Kaluza hat der Unterzeichnete nach seinen 
Erfahrungen bereits im Jahre 1827 — 1829 noch eine Anzahl von 
25 bestimmten, unzweifelhaften Arten warmblütiger Thiere als 
schlesische zu den schon früher als solche bekannten hinzuge- 
fügt: 

„Zusätze zu Schlesiens Fauna der beiden höheren Thierklassen" in „„IToff- 

manns Monatschrift von und für Schlesien auf d. J.. 1829"" S. 451-70; 

■ 
kürzer und meist blofs mit Angabe der Namen im „8ten Bulletin der. na- 

turw. Section der schlesischan Gesellschaft für Vaterländische Cultur vom 

Jahre 1826» und in den „ Schles. Provinzial- Blättern vom Januar 1827," 

S. 54-:56. 

Seit dem haben jedoch weitere eigene Nachforschungen und 
günstige Verhältnisse, die zur Bekanntschaft mit den Erfahrun- 
gen Anderer Gelegenheit boten, wieder noch einige neue Berei- 
cherungen der Fauna Schlesiens, und damit eine solche Zusam- 
menstellung, wie dieselbe hier erscheint, möglich gemacht; wo- 
bei ein .J. vor dem Namen einer Species sie als solche bezeich- 
net, die weder Endler, noch Kaliiza als einheimisch gekannt 
haben. 

Im Uebrigen mag es mehr dem Urtheile Anderer zur 
Erwägung überlassen bleiben, als es hier auseinander gesetzt 
werden soll: inwiefern in gegenwärtiger Sammlung selbst 
das Aeltere und länger Bekannte nicht blofs in einer neuen 
und eigentümlichen, von der Einrichtung ähnlicher Ver- 
zeichnisse abweichenden Form, sondern auch sachlich durch 
vollständigere, viel weiter ausgedehnte Erfahrungen wesent- 
lich geändert und berichtigt hervortritt. Kaum wird es hier- 
bei der Erinnerung bedürfen: dafs eine Arbeit der Art, so 
klein sie auch dem Umfange nach aussehen mag, zur Erlan- 
gung des Materials wenigstens so viel oder mehr Jahre der 
Erfahrung und des Sammeins voraussetzt, als ihre schrift- 
liche Abfassung Tage erfordert. Etwas, was namentlich 
auch von der vorliegenden gelten kann. 

Ein Hauptaugenmerk bei derselben blieb , so weit diefs 
für jetzt und in Kürze auszuführen war, die fortlaufende 
Beachtung der am Eingange dieser Zeilen als wissenschaftlich 
nothwendig anerkannten Rücksichten. Daher wird diese 
kleine Schrift doch hoffen dürfen , in mancher Hinsicht auch 



XI 



für Zwecke zu wirken, deren gute Folgen über das blofs 
Provinzielle hinausreichen. Unter andern scheint der Ver- 
fasser auch der erste gewesen zu sein, welcher (nach dem 
Vorgange der Botaniker, besonders Decandolles hinsichtlich 
der Flora Frankreichs) angefangen hat , die Verbreitung 
der Thiere in den höheren Gebirgsregionen näher zu 
bestimmen und darzustellen.*) Ein Unternehmen, das hier 
zwar ebenfalls durchgeführt ist; das aber allerdings , blofs 
von einem Einzelnen ausgehend, und bis jetzt auf Beobach- 
tungen von der Dauer nur einiger Wochen und Monate (wie- 
wohl jedesmal während der günstigsten Zeit des Jahres) be- 
schränkt , auch noch gegenwärtig nur eben ein Versuch seyn 
kann, der seine Vervollkommnung von solchen Zoologen 
erwartet, welche die Lage ihres Wohnorts hierzu fortdau- 
ernder begünstigt. Man hat die Angaben der Höhe über der 
Meeresfläche nach Fufsen , welche natürlich nur für unsere 
geographische Lage so passen hönnen, mit allgemein gülti- 
geren Bestimmungen zu vereinigen gesucht. Insofern be- 
sondere Abänderungen (nicht Ausartungen) mancher 
Species sich auf klimatische Verhältnisse gründen, also 
localer Natur, wenn gleich vielleicht von weit reichender 
Erstreckuug sind*, so schien es angemessen, auch mit ihrer 
Bezeichnung in einer Fauna den Anfang zu machen, und das 
Nöthigste hierüber aus einer kürzlich erschienenen, sie ins 
Besondere behandelnden Schrift**) mit aufzunehmen. Vor- 



*) Ueher die auf dem Hochgebirge der Sudeten lebenden Sauget liiere und die 
während des Sommers daselbst vorkommenden Vögel, mit Angabe ihres Vorkommens, 
nach Hohenhestimmungen, Isis für 1827, (Bd. XX, H. 6,) S. 566-609; wo dieser« 
Punkt ausführlicher behandelt wird. 

Seitdem ist Herr Menestries, Conservator am Museum der kaiserl. russ. Aka- 
demie d. Wiss. zu Petersburg, in dem Cataloge der von ihm bei seiner Bereisung des 
Kaukasus bis zur jetzigen Grunze von Persien gesammelten zoologischen Gegenstände, 
hiermit nachgefolgt. 

**) Das Abändern der Vögel durch Einflufs des Klimas. Nach zoologi- 
schen , zunächst von den europäischen Landvögeln entnommenen Beobachtungen darge- 



XII 



züglich seinen diefs schon räthlich defshalb, weil man auf 
dergleichen Abweichungen nicht, selten eigene Species zu 
gründen gesucht hat. 

Auch wurden manche Species vorläufig mit aufge- 
führt , die zwar heut noch nicht wirklich bei uns gefunden 
sind, deren Vorkommen jedoch in hohem Grade wahrschein- 
lich ist. Hierbei wird indefs dem schuldigen Streben nach 
strenger Wahrheit und Genauigkeit vollkommen dadurch 
genügt sein: dafs nicht blofs jede solche oder anderweitige 
Vermuthung in der Darstellung bestimmt von Erfahrungen 
unterschieden , sondern dafs eine so aufgenommene Species 
auch nicht mitgezahlt und zugleich, selbst für den ersten 
Blick , schon durch abweichenden Druck kenntlich gemacht 
wurde. Das nämliche hat bei einigen Vögeln geschehen müs- 
sen, die, obgleich von auswärtigen Schriftstellern längst als 
schlesisch angeführt, doch hier im Lande selbst gar noch 
nicht als solche bekannt sind. Ebenso wurde es bei einigen 
Säugethierarten gehalten, die jetzt erweislich nicht mehr hier 
vorhanden sind , obgleich sie es früher waren. Die grösse- 
ren deutschen (arabischen) Zahlen laufen durch jede ganze 
Klasse, die darunter eingeklammerten kleineren durch jede 
Gattung für sich hindurch. Die gröfsere römische Beziffe- 
rung bei den Säugethieren zählt die Gattungen jeder Klasse ; 
die kleinere eingeklammerte hinter ihr aber die Gattungen 
jeder Ordnung insbesondere. Bei den übrigen Klassen kom- 
men zum Theile drei Bezeichnungen dieser Art in Einer 
Titelzeile vor: von welchen dann ebenfalls immer die erste 
sich auf die Klasse überhaupt , die zweite blofs auf die Ord- 
nung , die dritte nur auf die Unterordnung bezieht. 



stellt, mit den entsprechenden Erfahrungen bei den europäischen Säugthieren ver- 
glichen, und durch Thatsachcn aus dem Gebiete der Pysiologie, der Physik und der 
physikalischen Geographie erläutert. -— Breslau 1833« 



XIII 



Von Synonymen sind blofs die wichtigsten * darunter 
zum Theile die ältesten , ausgewählt , *) und Provinzial- 
Benennungen meist überall da gegeben worden \ wo derglei- 
chen besonders gebräuchlich sind. **) — Charactere der 
aufgeführten Thiere sind nicht beigefügt: weil sie den Um- 
fang der Schrift sehr bedeutend vergrößert, folglich auch 
den Reeis in gleichem Grade erhöht haben würden , und da- 
bei selbst für den Ungeübten schon in vielen , für Geübte in 
den meisten und für Sachkenner in allen Fällen unnöthig, 
für Lernende in Unterrichtsanstalten und sonst durch den 
Lehrer leicht zweckmäfsig zu ersetzen , und namentlich für 
Lernende jeden Alters hier am Orte, wo das zoologische Mu- 
seum der Universität Jedem zu seiner Zeit die Mittel zur le- 
bendigsten, bleibendsten Belehrung durch Anschauung dar- 
bietet, durch die deutlich gedruckten Namens -Etiquetten, 
welche die aufgestellten Thiere tragen, völlig entbehrlich 
gemacht sind. 

Schuldige Erkenntlichkeit erfordert es , hier mit lebhaf- 
tem Danke zu erwähnen : dafs besonders der Director des 
zoologischen Museums, Herr Geheime Hofrath Professor 
Dr. Gravenhorst, und der Inspector desselben, Herr 
Rotermund, auch Herr Medicinalrath Otto als Director 
des anatomischen, dem Unterzeichneten von je her Alles, 
was ihr Wirkungskreis sie für die Fauna des Vaterlandes 
Neues , Interessantes und Sicheres erfahren liefs , bereitwil- 



*) Letztere besonders aus Rücksicht auf solche Naturfreunde in der Provinz, welche 
sich nicht in der Lage befinden , stets genau gleichen Schritt mit der Zeit halten zu 
können. 

**) Dass nicht eben das neueste Schema von Systematik und die neueste wissen- 
schaftliche Nomulatur mit ihren unzählbar vervielfachten Sippen und barbarischen 
Sippennamen befolgt worden ist, liegt in der Ueberzeugung des Verfassers: welche eben 
so weit, oder vielleicht sogar noch weiter davon entfernt ist , alles das Neue für gut, 
als Alles diesem zu Liebe getadelte Alte für verwerflich zu halten. Selbst jung, hul- 
digt er natürlich dem Alten nicht aus Gewohnheit, preiset aber auch eben so wenig 
das formell Neue, bloss, weil es neu ist. Wir haben wahrlich noch unendlich viel 
Neues , aufser der Form , zu suchen ! — 



XIV 

ligst mitgetlieilt Laben. *) Nächstdem haben vor Andern ein 
sehr geübter praktischer Ornitholog , Herr Kaufm. S. G. W. 
Schwartzer d. j. hieselbst, (durch ihn auch Herr Gym- 
nasiallehrer König in Ratibor), dann Herr Professor Pop- 
pe lack am Gymnasium zu Neisse und der Obrist des Kö- 
nigl. 22 sten Linien -Infanterie -Regiments daselbst, Herr 
Pochhammer, durch mehrfache, werth volle Mittheilgngen 
an den Verfasser die gegründetsten Ansprüche auf seinen 
freundlichsten Dank erworben. 

Breslau, den 1 7 leu September 1833- 

Der Verfasser. 



*) Mittelbarer zwar, darum aber nicht minder der freundlichsten Annerkennung hier 
würdig ist das, zum Theile recht vielfache Verdienst, welches viele Bewohner der 
Provinz sich durch werthvolle, oft zahlreich wiederholte Geschenke inländischer, sel- 
tener Thiere an beide Museen nicht blofs um diese Anstalten, sondern auch um die 
vaterländische Thierkunde selbst erworben haben. Möge der rege und anhaltende Eifer, 
welchen vorzüglich Einige derselben zeigen, ein Sporn zur Nachahmung für recht viele 
Andere werden, der guten Sache bei sieh ereignender Gelegenheit ebenfalls zu gedenken- 



Allgemeiner Character des Landes und 
seiner thierischen Producte.*) 



Schlesien enthält fast Alles, was mit der Abwechslung 
des Bodens Abwechslung der Vegetation, und mit der 
Mannichfaltigkeit dieser auch Vielfachheit der thierischen 
Bildungen hervorbringen kann. 

Gebirgszüge, deren höchste Gipfel so eben fast über den 
Holz wuchs reichen, umziehen es meist im Süden und Westen, 
bringen daher bedeutende Verschiedenheiten in Hinsicht auf 
die Erhebung und Vertiefung der Erdoberfläche hervor. Weit 
ausgedehnte Waldungen überziehen nicht blofs dieseGebirge, 
sondern auch einen grofsen Theil der ebenen Bodenfläche im 
Süden, Osten und Westen; abwechselndes hügeliges, 
meist sehr fruchtbares Land bildet, häufig auf eine Erstreckung 
von mehreren Meilen in die Breite, die erste Stufe zur Erhe- 
bung der Bergreihen; ferner nehmen auch weite, gröfstenTheils 
sandige, zum Theil minder ertragreiche, mitunter zu- 



*) Für diese Characteristik bliebe noch sehr zu wünschen: dafs 
auch die Temperatur -Verhältnisse unserer und der benachbar- 
ten Landstriche nach allen ihren Mitteln und Extremen schon 
genau und vollständig erforscht wären. Nach dem jetzigen Stande 
der Zoologie gewinnt eine angemessene Berücksichtigung der Me- 
teorologie auch für sie eine immer steigende, vielfache Bedeutung. 



2 Allgem. Character des Landes 

gleich waldarme Ebenen sehr bedeutende Striche des Lan- 
des ein. Ein ziemlich ansehnlicher Flufs endlich, wel- 
chem zahlreiche kleinere eine nicht unbedeutende Wassermasse 
zuführen, durchströmt es in der Richtung von Südost nach 
Nordwest ; und mehrere lange Reihen von Seen und grö- 
fseren Teichen mit Sümpfen und Brüchen liegen nament- 
lich an der südlichen Spitze und an der flacheren östlichen 
Grenze vor: wo sie, im Verein mit geringeren hin und wieder 
zerstreuten, eine nicht unansehnliche Zahl, in den Gegenden 
von Trachenberg, Militsch und Plefs aber schon eine recht 
bedeutende Menge ansehnlicher, stehender Wasser- 
spiegel bilden. 

Die Fauna Schlesiens zeigt daher, mit denen der benach- 
barten deutschen und nicht -deutschen Länder verglichen, be- 
sonders in den beiden Klassen warmblütiger Thiere einen nicht 
uninteressanten, daher einer nähern Betrachtung wohl wür- 
digen Character. 

Die Hauptzüge desselben sind: verhältnifsmäfsiger Reich- 
thum in Betracht der Gröfse des Gebiets, und eine ziemlich 
bunte Gemischtheit. Beide erklären sich, nächst der abso- 
luten und relativen geographischen Lage des Landes, 
durch die Beschaffenheit des Bodens; und es fehlt nur unsern 
Gebirgen die doppelte Höhe, um die Abwechselung der vege 
tabilen und animalischen Producte des Landes noch in dem- 
selben Grade gröfser zu machen, als der Wechsel seiner phy- 
sischen Beschaffenheit es dann sein würde.*) 



*) Nur die Riesen- oder Schneekoppe, der höchste Punkt 
unserer Provinz, wie überhaupt des mittleren und nördlichen 
Deutschlands, hat eine Höhe von fast genau 5000' über der Msfl.; 
einige andere Gipfel nur 2 — 300' weniger. Der, nur einige 
Meilen lange, sogenannte Kamm ist stets nahe an, meist aber 
etwas, jedoch selten um ein Merkliches, über 4000' hoch. Seine 
Bekleidung bildet auf dem, fast durchgängig (wie überhaupt bei 






und seiner thierischen Producte. 3 

Unsere Gebirge sind noch nicht hoch genug, um Säugethiere 
aus der Zahl der eigentlichen, ausfchliefslichen Alpenbewohner 
zu beherbergen. Dagegen reicht doch ihre Erhebung in den 
Luftraum hin, um für mehrere, wenigstens sub alpinische 
und fast alpinische Vögel die Bedingungen zu deren Da- 
sein erfüllen zu können. Überhaupt sind es die Wesen die- 
ser Klasse, welche hier, wie anderswo, der Fauna warm- 
blütiger Geschöpfe den Character der Mannich faltigkeit 
geben: da sie allein geeignet sind, sich dem periodisch verän- 
derlichen Character des Klima's und der physikalischen Ver- 
hältnisse überhaupt durch periodische Veränderung ihres Auf- 
enthalts und Wohnorts so anzuschliefsen, dafs sie namentlich 
im Sommer sich Monate lang vollkommen wohl fühlen in Ge- 
genden, wo im Winter schon ein Tag sie tödten würde; so also, 
dafs sehr verschiedenartig organisirte Vögel zu verschiedenen 
Zeiten an einem und demselben Orte subsistiren können. Bei 
ihnen ganz vorzugsweise, jedoch selbst schon bei den Säug- 
thieren, wird die Aufzählung der Arten den bedeutenden, gün- 
stigen Einflufs zeigen, welchen die östliche Lage des Lan- 
des im Vergleiche mit andern deutschen Landstrichen, und 
die mittlere Stellung desselben zwischen den nörd- 
lichsten und südlichsten Ecken Deutschlands, ge- 



Granitgebirgen) flach gerundeten, nicht mit Ecken hervortreten- 
den Rücken nur die Knie- oder Krummholzkiefer: welche 
in einzelnen verkümmerten Büschen fast die obersten Gipfel noch 
erreicht, und blofs in tiefen, kalten Schluchten mit Felsgrund 
und herabrieselnden, fast eisig- kühlen Bächen bis 3500' herab- 
steigt; wahrend sie unterhalb, mit einzelnem Laubgebüsche ver- 
mischt, allmählig in den Fichtenwald übergeht, der hier zunächst 
auch nur aus verkrüppelten Bäumen besteht. Tiefer hinab folgen 
Tannen, bis diese sich weiterhin mit Laubholz in den Raum theilen. 
Im Allgemeinen 500—1000' weniger Höhe und am Fufse mehr 
Laubwaldung, darunter insbesondere Buchen, und mehr zerklüf- 
tete nakte Felsmassen hat das s chles is ch- m ähris che, glät- 
zer, zum Theil sogenannte Altvater- G ebirge. 

i* 



4 Allgem. Character des Landes. 

meinschaftlich bewirken: indem jene das Einwandern östli- 
cher Säugthiere für die Dauer, sowie das Erscheinen öst- 
licher Vögel für die kältere Jahreszeit, zum Theil auch ihr 
Verweilen für den Sommer, in wenigstens eben so hohem Grade 
befördert, als diese, im Vereine mit der Zunahme der Kälte 
im Winter bei dem Fortrücken nach östlicheren Meridianen, das 
winterliche Erscheinen nordischer erklärt und, zusammen- 
genommen mit dem gleichzeitigen Steigen der Sommerwärme 
gegen Osten, doch auch das Heraufrücken mancher südlichen 
für die wärmere Periode des Jahres nicht hindert. 



A. Säugethiere. Fledermaus. 



A. SÄUGETHIERE. MAMMALIA. 

V" Ordnung. Handflügler. Chiroptera. 

(Zahl der bestimmt gefundenen Arien gegenwärtig $s± 10.) 

I. Fledermaus. Vespertilio L. 

a) Fledermäuse mit vereinten Ohren. 

1. Die kurzmäulige Fledermaus. Vesp. barhastellus Gm. 
In Häusern und andern Gebäuden, besonders in Städten nicht 

selten, aber auch selten irgendwo häufiger; gesellig. 

An merk. Vespertilio cornutus Faber, die gehörnte Fledermaus, 
kommt vielleicht ebenfalls in Schlesien vor. Wahrscheinlich aus 
der folgenden Abtheilung auch noch Vesp. otus Boie. 

b) Langobrige Fledermäuse. 

2. Die grofsohrige Fledermaus. Vesp. auritus auctt. 
Überall gemein; in Städten hin und wieder zu Hunderten 

unter dem Dache eines einzigen Gebäudes. 

Bechsteins Fledermaus, Vesp. Bechsteinii Leisl. 
dürfte kaum fehlen, besonders nicht im Vorgebirge, obgleich sie 
noch nicht bestimmt gefunden ist. 

3. Die gemeine Fledermaus. "Vesp. murinus L. 

Sehr gemein um Städte und Dörfer. Gröfste europäische Art. 
Ratten - Flederm. Vesp. myotis Bechst. 

Natterers Fledermaus, Vespertilio Natter eri Kühl. 
kommt fast überall in Deutschland, wahrscheinlich auch in Schle- 
sien vor. 

4.-[- Die Wasser-Fledermaus. Vesp. Daubentonii L. 

Sie ist sehr gemein im Holzwerke am Ufer stehender und 
langsam fliefsender Gewässer, an Wehren, und steigt im Rie- 
sengebirge bis an die über 3600' hoch gelegenen Teiche ; fliegt 
jedoch auch in Baumalleen. 

Anmerk. Es scheint noch ungevvifs, ob Vesp. dasycnemus Boie, 
die rauchbeinige Fledermaus, wirklich specifisch von Vesp. 
Daubentonii verschieden ist und bei uns gefunden wird? — 



6 A. Säugethiere. Raubthiere, uneigentliche. 

5..J- Die schnauzbärtige Flederm. Vesp. mystacinus L. 
Nicht selten; meist um Gartengebäude, jedoch aucli in Städ- 
ten, und mit der vorigen am Wasser. Vesp. Schinzii Brehm, 

c) Dickohri^e Fledermäuse. 

6. Die fahlbraune Fledermaus. Vesp. serotinus Gm. 
Sehr gemein um bewohnte Orte. Fliegt nicht spät. 

7. Die kleine Fledermaus. Vesp. pipistrellus Gm. 
Gewöhnlich, am meisten in Städten. 

8.^. Die Zwerg-Fledermaus. Vesp. pygmaeus Leach. 

Wahrscheinlich nie in Städten, aber sehr gewöhnlich in Dör- 
fern und Gärten mit alten hohlen Bäumen, um Reisholz u. drgl. 
Fliegt ziemlich früh. Die kleinste europäische, ja wahrschein- 
lich die kleinste bekannte Art; im Fluge wie ein Schmetterling. 

9. Die frühfliegende Fledermaus. Vesp. proterus Kühl. 
Gemein oder selbst häufig in allen älteren Wäldern, Gärten. 
Fliegt im hohen Sommer zuweilen längst vor Sonnenuntergang. 
Vesp. lasiopterus Bechst. 

10.4- Die bereifte Fledermaus. Vesp. discolor Natt. 

In Gebäuden; scheint nicht selten in Ebenen, noch minder 
im Vorgebirge, und geht im höheren Gebirge noch bis über 
das Ende des Baum-, vielleicht selbst des Holzwuchses. 

Anraerk, Unter den deutschen, gleichfalls in diese Abtheilung 
gehörigen Arten*) kommen wahrscheinlich auch die Kuh Ische 
und Leislersche Fledermaus, Vesp. Kulilii u. Vesp. heisleri, (wenn 
diese wirklich von Vesp. proterus unterschieden ist,) und vielleicht 
die Schreibersische, Vesp. Schreibersii, in unserer Provinz vor. 
Auffallend bleibt es: dafs die, anderswo hin und wieder sich fin- 
dende, in Thüringen und am Harze in alten Bergwerksstollen sehr 
gemeine Hufeisennase, Rliinolophus hipposideros^ (VEsp.ferrum 
equinumLin.) noch gar nicht in Schlesien wahrgenommen worden 
zu sein scheint. 



II la Ordnung. Raubthiere, Carnivora. 

(Zahl der Arten: jetzt = 19.) 

A. Üneigentliehe Raubthiere. 

(Zahl der bestimmt aufgefundenen Arten : gegenwärtig zr: ?.) 



*) Unter welchen hier aber natürlich nur wirkliche, ächte Arten in Betracht kommen ; nicht 
vermeinte eines Pastor Christian Ludwig Brehm, der nicht hlofs unbedeutend abweichende 
Varietäten, sondern auch junge und alle als angebliche Species von einander getrennt und bei 
Aufstellung anderer, neu sein sollender die längst bekannten altern Arten gar nicht gekannt hat. 



Spitzmaus — Igel. 7 

IL (i.) Spitzmaus. Sorex L. 
H.4. Die weifszähnige Spitzmaus. Son.leuCöcloji Herrn. 

(1) Mit die gemeinste, über alkge wohnlich. (S. etruscus Saviipt 
bestimmt nur das Junge von ihr, daher ebenfalls gemein bei uns.) 

12.-}- Die Zwerg-Spitzmaus. Sorex pygmaeus Pall. 

(2) Das kleinste aller bekannten Säugethiere, früher nur am 
Jenisei und in der Umgegend gefunden, wurde es für Europa 
zuerst in Schlesien, später auch in Pommern, Sachsen undBaiern 
entdeckt; scheint bei uns sogar nicht eben selten. (Sorex exilis 
Gm, ist dasselbe Thierchen verstümmelt,*) 

13..J- Die pinselschwänzige Sp. Sor. tetragonurus Herrn. 
( 3 ). Yon allen wohl die gewöhnlichste Art, wenigstens in den 
Ebenen ; in Wäldern, auf Wiesen und Kleefeldern. 

14. Diegemeine Spitzmaus. Sor. araneus Geqffr. (Lin. ?) 

( 4) Weit minder häufig, als die vorige, zum Theile fast selten. 

15. Die Wasser-Spitzmaus. Sorex fodiens Bechst. 

(5) Seltener in Ebenen, zahlreicher in Hügelgegenden, gemein 
an und auf Gebirgsbächen oder Teichen; lebt jedoch auch auf 
Wiesen mit fliefsenden Gräben. 

Anmerk. Die sonst etwa noch in Deutschland gefundenen 
Spitzmaus- Arten mögen uns wohl ebenfalls nicht ganz fehlen; 
vorausgesetzt, dals man nicht vermeinte, nach einem oder ein Paar 
Exemplaren voreilig aufgestellte, Nominal- Arten eines Brehm 
und Wagler für wirkliche rechnet! — 

Manche Arten (ich kann nicht bestimmen, welche,) steigen hoch 
bergauf. Noch bei einer Höhe von mehr als 4100' habe ich ihre 
Stimme im Grase vernommen, ohne jedoch eine erlangen zu können. 

III. (iL) Maulwurf. Talpa L. 
16- Der gemeine Maulwurf. Talpa europaea Lin. 
(1) Überall, nur wahrscheinlich nicht hoch im Gebirge; wenig- 
stens schwerlich bis gegen den Kamm hinauf. Fast häufig sind 
weifse oder hell - gelbliche , selten die lichtgrauen Ausartungen. 

IV. (in.) Igel. Erinacevs. 
17. Der gemeine Igel. Erinaceus europaeus L. 
(1) Gewöhnlich und allenthalben, wenigstens im ebenen und 
Hügellande. Ob er, wie manche Gebirgsbewohner behaupten, 
bis auf den Riesenkamm hinaufgeht, scheint ungewifs. 

*) Vergl. Nova Act f. Acad. Cacs. Lcop. -Caroi. Nat. Curius. Vol. XIII. 
P. II., p. 47 3-49 8, Tab. 



8 A. Säugethiere. Raubthiere, eigentliche. 

B. Eigentliche Raubthiere. 

(Zahl der gegenwärtig noch zu findenden Arten : höchstens = 12.) 

V. (iv.) Dachs. Meles Erxl. 

18. Der gemeine Dachs. Meles vulgaris auctu 

^ In Ehenen und Niedergebirgen; hat bereits angefangen, sel- 
tener zu werden; lebt jedoch noch in allen gröfseren und man- 
chen kleineren Waldungen. Man findet zum Theile mehrere in 
Bauen ganz dicht neben einander. 

An merk. Der letzte Bär (Ursus arctos L.) soll in Oberschle- 
sien um das Jahr 1770 geschossen worden sein. Indefs ist auch 
diels gewifs schon ein, aus dem benachbarten Polen übergetretener, 
wo nicht gar ein entkommener gezähmter gewesen. 

VI. (V.) Wiesel. Mustela L. 

a) Marder. 

19. Der Edel- Marder. Mustela martes L. 

(1 ) Bereits seltener, und nur noch in gröfseren, jedoch auch in 
flach gelegenen Wäldern. Es ist wahrscheinlich diese Marder- 
Art, welche noch in den Felsenriffen des Riesengrundes, wel- 
cher die Holzgränze erreicht, leben soll. 

20. Der Ha us -Marder. Mustela fo ina L. 

(2) Fehlt in keinem Dorfe, und lebt auch in Städten. Helle Aus- 
artungen von Isabellfarbe scheinen nicht selten. 

h) Iltisse. 

21. Der gemeine Iltis. Mustela putorius L. 

(3) Überall gemein, in abgelegenen Gebäuden, unterspülten 
Ufern und Holzstöfsen in Dörfern und Wäldern; viel seltener 
in Städten.*) 

c) Eigentliche Wiesel. 

22. Das Hermelin -Wiesel. Mustela erminea L. 

(4) Nicht eben selten, aber auch nicht häufig, in Wäldern und 
an Waldrändern , weniger auf Feldern ; im Gebirge, wenigstens 
im Sommer, bis auf den äufsersten Höhen. Verwandelt im Winter 
die Farbe gewöhnlich, aber nicht immer in Weifs. 

23. Das gemeine Wiesel. Mustela vulgaris Erxl. 

^ Gemeiner, als das vorige; jedoch nur in mäusereichen Jahren, 
wo es sich viel stärker als sonst vermehrt, häufig. Es lebt eben 



*) Wenn früher auch das Frettchen, MüSTELA f u r o, als Bewohner Schlesiens, namentlich 
der Standesherrschaft Militsch, angeführt worden ist; so beruht dies auf einem völligen Irr- 
thume, zu welchem wohl eine oder die andere helle Ausartung der Marder oder des Iltisses 
Veranlassung gegeben haben mag. 



Wiesel — Hund. 9 

• 

so hoch auf Bergen, aber auch weit auf Feldern, und verirrt sich 
bisweilen in Städte. Bei uns wird es im Winter nicht weifs, 
wohl aber regelmäfsig in Schweden. 

a) Olterähnliche Wiesel, NÖrze. 

24-4- Der Sumpfotter. Mustela lutreola L, 
(6) Ein im Ganzen für Europa sehr seltenes Raubthier, welches 
jedoch in Schlesien gar nicht ungewöhnlich in den gröfseren, 
mitunter selbst in sehr mäfsigen Sümpfen vorkommt und des- 
halb den Jägern in bruchigen Gegenden sehr wohl bekannt ist; 
wogegen es aber in den meisten Strichen Deutschlands noch gar 
nicht, am wenigsten in neuerer Zeit, wahrgenommen worden 
zu sein scheint. Es scheint nur dem Norden und fast dem ganzen 
Osten von Europa, häufig bis in die Krimm hinab, so wie dem 
Norden Amerikas anzugehören, und fehlt nach Pallas in ganz 
Sibirien. Krebsotter, Nörzwiesel. 

VII. (Vi.) Fischotter. Lutra Erocl 

25- Der gemeine Fischotter. Lutra vulgaris ej. 

(l) Nicht selten an allen Flüfsen und grofsen Teichen, oder da, 

wo Reihen von vielen kleineren zusammenhängen. 

VIII. (VII.) Hund. Canis. L. 

a) Wölfe. 

26. Der gemeine Wolf. Canis lupus L. 

(1) Ist jetzt in Schlesien schon überall ausgerottet. Diefs wider- 
fährt ihm denn auch sehr bald wieder, wenn er in ungewöhn- 
lich harten Wintern zuweilen aus Polen in unsere Gränzdistricte 
übertritt. — Auch schwarze Wölfe hat man früher einzeln 
bei uns geschossen.*) 

h) Füchse. 

27. Der gemeine Fuchs. Canis vulpes L. 

(2) Überall in Ebenen und bis auf's Hochgebirge an die Holz- 
gränze hinauf gemein, hin und wieder häufig. Zeigt sichon bei 
uns mancherlei Abänderungen; hierunter die recht alten bis- 
weilen die ersten Spuren der Übergänge in den Kremzfuchs, 
(Canis decussatus s. cruciger.) Der Brandfuchs, Can. alopex y 
ist, wie bekannt, eine blofse, unbedeutende Abänderung. 

*) Wenn wird man endlich, des schwarzen Hamsters, Eichhörnchens und ähnl:icher dan- 
kler Ausartungen oder Abänderungen gedenkend, aufhören, die in's Schwarze ausgearteten 
Wölfe, die nur ganz einzeln überall vorkommen, wo es die gewöhnlich gefärbten gieht, als 

besondere Art (Canis Lycaon) zu betrachten? Man braucht hier nur Eins zu erwägen : 

Wo würden Säugethiere, die so höchst selten vorkommen, wie der schwarze Wolf ', Gatten 
zur Fortpflanzung finden ? 



* 



10 A. Säugethiere.i Nagethiere. 

IX. (Vin.) Katze. Felis L. 

a) Eigentliche Katzen. 

28. Die gemeine Katze. Felis catus L. 

(1) Sie lebt wild oder, wie Andre jetzt wollen, verwildert nur 
noch selten in unseren Wäldern 5 kommt aber zuweilen von un- 
gewöhnlicher Gröfse vor. 

b) Luchse. . . 

29. Der gemeine Luchs. Felis lynx L. 

(2) y or beinahe 3 Jahrzehnten soll noch ein Luchs in Ober- 
Schlesien auf der Grofs-Strehlitaer Herrschaft geschossen wor- 
den sein, der offenbar nur übergelaufen war. Ein Fall, der wohl 
jetzt auch nicht wieder vorkommen möchte. Für einen so acht 
schlemmerisch wüstenden Mörder reicht unser jetziger Reh- 
und Rothwildbestand schon längst nirgends mehr hin. 

IIP e Ordnung. Nagethiere« Glires. 

(Zahl der jetzt noch vorhandenen und bis jetzt wirklich entdeckten Arten zzl 15.) 

X. (i.) Hamster. Cricetus. Erxl. 

30. Der gemeine Hamster. Cricetus ^vulgaris ej. 

(1) Sonst nicht überall in Deutschland auf Feldern, obwohl in 
einer oder der andern Gegend in gefährlicher Menge, ist er bei 
uns gemein, jedoch glücklicherweise nicht häufig. — Schwarze 
scheinen hier noch nicht bemerkt. Mus cricetus L. 

Anmerk. Der gröfste Nager des nördlich -gemafsigten und 
kalten Erdgürtels j der Biber, Castor fiber, scheint bei uns in 
der That wenigstens bereits vor Ende des vorigen Jahrhunderts 
vertilgt, oder vollends ausgestorben, ehemals aber sehr häufig ge- 
wesen zu sein. 

XI. ( n.) Wühlmaus. Hypudaeus III. 

31. Die Wasser-Wühlmaus. Hypudaeus amphibius III. 
(*' Nicht häufig im flachen Lande , viel gemeiner im hügeligen; 
sehr häufig und dann recht schädlich im Vorgebirge. Soll hier 
auch hoch, bisweilen fast 4000 / weit, hinaufgehen. Wasserratte. 

Anmerk. Die Erd-Wühl maus, Hyp. terrestris Schinz, welche 
eine eigne Species bilden soll, (weil sie, mit der gegenwärtigen in 
der Gestalt übereinkommend, in der Farbe der folgenden nahe 
kommt,) sich jedoch schwerlich als solche bewähren möchte, findet 
sich einigeln im hügelreichen Vorlände, nicht weit vom Fufse des 
Gebirges; vielleicht jedoch überall einzeln* - 

32. Die Feld-Wühlmaus. Hypudaeus ^ cgariu s HL 

(2) Überall auf Feldern und besonders aufwiesen, auch am 
Rande der Wälder; vermehrt sich in trocknen Sommern sehr 
stark. Feldmaus. 



Wühlmaus — Maus. 11 

33. Die mäuseartige Wühlm. Hyp. hercynicus Mehlis. 
< 3) Diese, den Übergang zu der Gattung der wahren Mäuse bil- 
dende Art, welche wahrscheinlich aus Asien her eingewandert 
und von dem dortigen Hyp. rutilus wohl kaum verschieden ist, 
fehlt auch in Schlesien nicht. (Mus quercinus E.ndler, Natur- 
freund VII, 97.) Häufig ist sie schon im Harzgebirge. 

XII. (in). Maus. Mus L. 

a) Kleiuohrige Mäuse. 

34. Die Wander-Ratte. Mus decumanus L. 

P) Sie ist bekanntlich aus Asien nach Europa gekommen, hat 
hier nun in vielen Gegenden die eigentliche (wiewohl ebenfalls, 
nur schon sehr früh, eingewanderte) Hausratte vertrieben, und 
sich an ihre Stelle gesetzt. Sie wohnt jedoch nicht blofs in Ge- 
bäuden, an manchen Orten, namentlich in Städten, in lästiger 
Menge; sondern auch im Freien an Teichen, fast wie die soge- 
nannte Wasserratte, (Hypudaeijs amphibius^ auf unsern Ge- 
birgen fast so weit, als Menschen wohnen, und hält sich überall 
gern am Wasser. Braune, Wasserratte. , 

35. Die Brand-Maus. Mus agrarius Fall. 

(2) Gewifs ebenfalls eingewandert, jetzt nicht selten auf Fel- 
dern, auch in kleinen Wäldern, bis ins Vorgebirge ; in Mäuse- 
jahren sehr häufig. 

36. Die Zwerg -Maus. Mus minutus PalL 

(3) , Kommt nur selten, in manchen Jahren sehr selten, blofs in 
mäusereichen etwas zahlreicher vor, und scheint nur einzeln 
über Deutschland zerstreut, in manchen Strichen gar nicht, 
aber in Ungarn. (Mus pratensis Ochsay.) Oft, aber nicht immer, 
Verfertigerinn eines sehr schönen, höchst künstlichen Nestes, 
-(Mus messorius Shaw.} Mus soricinus Endl, 

h) GrofsohrJge Mäuse. 

37. Die Haus-Maus. Mus musculus L. 

(4) Überall Begleiterin des Menschen bis auf die äufsersten 
Berghöhen. Sie kommt jedoch auch gar nicht selten, besonders 
in mäusereichen Jahren, und dann in ansehnlicher Zahl, auf 
Feldern vor; wenigstens im Sommer. 

38. Die schwarze Ratte. Mus rattus L. 

(5) Scheint nur noch mit Zweifel als schlesisch anzuführen: da 
sie, früher äufserst häufig, jetzt durch die noch aufdringlichere 
und schlimmere Wanderratte in dem Grade verjagt oder vertilgt 
worden ist, dafs man sie wahrscheinlich überall, namentlich 
auch hier in Breslau durchaus vergebens sucht, ja sie gewöhnlich 



12 A. Säugethiere. Nagethiere. Maus — Hase. 

gar nicht mehr kennt. Die Hausmaus im vergröfserten Maas- 
stabe. Gemeine, Haus -Ratte. 

39. Die Wald-Maus. Mus sylvaticus L. 

* 6) Sie scheint bei uns, auffallend genug, durchaus nicht so ge- 
wöhnlich, wie in andern deutschen Ländern ; in gewöhnlichen 
Jahren eher selten. 

XIII. (ivj Schläfer. Myoxus. E. 

40. Der Hasel-Schläfer. Myoxus muscardinus E, 

W Ein bei uns seltenes, nur einzeln in Laubwäldern vorkom- 
mendes Thierchen. Haselmaus. 

41. Der graue Schläfer. Myoxus glis E. 

^ Kommt, obwohl noch nicht häufig, doch viel öfter, in man- 
chen Kreisen gewöhnlich vor, wenn es bedeutende Waldung, 
besonders von Eichen, da giebt. Siebenschläfer. 

An merk. Es bleibt auffallend, dafs der Eichelschläfer, 
Myoxus nitela> in den meisten Gegenden Deutschlands der gewöhn- 
lichste, am Harze sogar gemein, bei uns noch niemals aufgefun- 
den worden ist. Sollte er wirklich nicht vorhanden sein? 

XIV. (V.) Eichhörnchen. Sciurus L. 

42. Das gemeine Eichhörnchen. Sciurus vulgaris L. 
(l) In allen unsern Wäldern gemein ; darunter sehr viele von der 
schwarzen und schwarzbraunen Ausartung oder Abänderung, 
nicht wenige in Mittelstufen, manche selbst als Sc.alpinusCuv. 

XV. (Vi.) Murmelthier. Arctomys P. 

43. Das Ziesel- Murmelthier. Arctomys citillus Fall. 
\}\ Dieses, nur in wenigen Gegenden Deutschlands lebende 
Thierchen von östlicher Herkunft, ist in manchen unserer hüge- 
ligen Sandgegenden sehr gewöhnlich; seltener auch gemein in 
völlig ebenen. An unbebauten Stellen zwischen Feldern oder an 
Rainen. Es nimmt offenbar an Zahl zu. Fällt schon sehr früh 
in einen sehr festen Winterschlaf. 

XVI. (Vii.) Hase. Lepus L. 

44. Der gemeine Hase. Lepus timidus auctt, (nicht Lin.) 
W Überall auf Feldern und in Wäldern sehr gemein; am gröfs- 
ten, oft von aufserordentlicher Gröfse im Gebirge, wo er, be. 
sonders im Sommer, bis an's Ende der Holzregion hinaufgeht. *) 



*) Unsere Gebirge sind für den veränderlichen oder Alpenhasen, (der wahrscheinlich von 
dem nordischen, dem Lepus timidus Lin., nicht verschieden ist, und) den man zum Theile 
hei uns vermuthet hat, viel zu niedrig. 

Das Kaninchen, Lepus cuniculus, kommt jetzt nicht einmal mehr verwildert vor. 



Wiederkäuer. Dickhäuter. 13 

IV te Ordnung. Wiederkäuer. Kuminantia. 

(Zahl der gegenwärtig noch vorhandenen, wirklich einheimischen Arten : nur 2.) 

XII. (I.) Hirsch. Cervus. L. 

a) Rehe. 

45. Das gemeine Reh. Cervus capreolus L. 

(1) In allen gröfseren Wäldern, hesonders in nicht zu trockenen; 
zum Sommer noch eben so hoch wie der Hase, bis fast an's Ende 
der Knieholz -Region. 

h) Eigentliche Hirsche. 

46. Der Edel-Hirsch. Cervus elaphus L. 

(2) Viel seltener; als Standwild nur noch in sehr bedeutenden 
Waldungen, als Wechsel wild auch ab und zu einzeln in minder 
grofsen; auf Gebirgen nicht so hoch aufwärts. 

Der Damhirsch, Cervus dama L., 
ist, obgleich öfters aus den einzelnen Thiergärten, wo er Cin aller- 
hand Ausartungen) gehalten wird, austretend, doch noch nicht als 
verwildert oder eingebürgert zu betrachten. 

Anmerk. Wenn in der That noch im 7ten oder 8ten Jahr- 
zehentdes vorigen Jahrhunders ein Elenn (Cervus alce) iti Ober- 
schlesien geschossen worden sein sollte; so ist dies gewils schon 
damals als ein höchst seltener und weit verirrter Übertreter aus 
Polen her zu betrachten gewesen. 

Die Vertilgung des Urs, Auerochsen (Bos urus) bei uns reicht 
schon wahrscheinlich nicht mehr in Schlesiens historisch -lichtere 
Zeiten herab. Ebenso, die unserer (wilden) Rinder (Bos bison.) 

V tc Ordnung. Dickhäuter* Pachy derma. 

(Nur 1 Art.) 

XIII. (i) Schwein. Sus. L. 

47. +) Das gemeine Schwein. Sus scrofa L, 
(l) Die Zahl der wilden wird, aus Rücksichten auf Wald-, und 
besonders auf Feldbau, in den meisten Gegenden immer mehr 
vermindert; doch sind sie in den grofsen ebenen Wäldern und 
Brüchen Ober- und Ost- Schlesiens noch gewöhnlich genug. Im 
Gebirge nicht. 

Sonach hat die steigende Landeskultur bereits 5 säugende, 
der gegenwärtigen Schöpfungsperiode angehörige T hierarten, 
(den Bären, Biber, das Elenn, den Bison u. Auer,) theils seit 

*) Wenn die Zahl der Saugcthiere in Kaluzas Verzeichniase grösser ist (5 2), als hier, 
■wo doch mehrere Arien schon durch Endler, noch mehrere von mir hinzugefügt sind, so 
rührt dies daher : dafs nicht alle von K . aufgenommene ächte Arten, oder hei uns zu finden, 
andere bereits längst ausgestorhen, und dafs sämmtliche Haus- oder gezähmt vorkommende 
Thiere bei ihm mitgezählt sind. 



14 A. Säugethjere. 

geraumer, theils seit langer Zeit völlig, 2 andere (den 
Wolf und Luchs) beinahe bei uns vertilgt.*) Möglich, 
dafs so im Laufe der Zeiten auch noch ein Paar andere das näm- 
liche Loos trifft. Eine Art (die schwarze oder Hausratte) wird 
dieses Geschick höchst wahrscheinlich — wenn es nicht viel- 
leicht schon jetzt überall geschehen ist — binnen Kurzem voll- 
ständig durch eine andere derselben Gattung angehörende, ihr 
selbst ah6 nahe verwandte Thierart (die Wanderratte) erleiden. 
Doch war auch sie keiner der Ureinwohner.**) Übrigens haben 
wir überhaupt gewifs eben so viel, wenn auch nur zwergige und 
zum Theil harmlose, Thierarten von Osten her gewonnen, 
als grofse, zum Theil reifsende oder sonst gefährliche durch 
steigende Ausbreitung der Kultur, besonders von Süden her, 
verloren. 

Überschauen wir unsere Säugethier- Fauna im Vergleiche 
zu der von ganz Deutschland, so fehlen uns ursprünglich nur 
einige Arten der süddeutschen Alpen: der Steinbock, die Gemse, 
der Alpenhase und das Alpen-Murmelthier; und die unbedingten 
Meerthiere der deutschen Seeküsten: Robben und walartige. 
Denn einige, bisjetzt noch nicht als seh lesisch bekannte Fleder- 
und etwa ein Paar Spitzmäuse dürften mehr als blofs noch nicht 
aufgefunden, nicht als nicht vorhanden, zu betrachten sein.f) 
Dagegen haben wir nun schon ein Raubthier (den Nörz) und 
mehrere Nager vor einigen, oder selbst den meisten, anderen 
deutschen Provinzen voraus. 



*) Hierbei bleiben schon 2 andere, deren früheres Dasein sich zwar mit hoher Wahrschein- 
lichkeit vermuthen, aber nicht gerade bestimmt nachweisen läfst, und die, wenn sie wirklich 
da gewesen, durch directen oder mittelbaren Einflufs des Menschen vertilgt oder vertrieben 
worden sind, das Renthier und der Vielfrafs, ungerechnet. 

**) Dieses Verdrängen einer selbst eingedrungenen Thierspecies durch eine später eindrin- 
gende, die jener aus gleichem oder benachbartem Vaterlande nachfolgt, gehört zu den bemer- 
kenswerthesten Phänomenen in der eigentlichen Geschichte der Thiere; (die von ihrer Natur- 
geschichte wohl zu unterscheiden ist, obwohl sie dabei allerdings einen Theil dieser ausmacht.) 
Es wird um so merkwürdiger deshalb : weil dieses und das anderweitige Einwandern mehrerer 
anderer, verwandter oder gattungsgieicher Thiere, sonderbar genug, gleich dem gewaltsamen Ein- 
dringen roher Menschenhorden gerade aus einerlei Gegenden her nach unserem Weltlheile er- 
folgt ist, und noch erfolgt oder fortdauert. Fingerzeig genug, dafs auch bei den grofseu, von 

dorther gekommenen Völkerwanderungen zugleich rein physikalische, nicht blofs moralische 
oder politische, Beweggründe Statt gefunden haben mögen. Wenn es eine Sache von vielfachem 
und hohem Interesse sein mufs, einst bei Bearbeitung einer wahrhaft historischen (nicht blofs 
Natur-) Geschichte der Thiere die Veränderungen ihrer Verbreitung nach ihrer vielfachen Be- 
ziehung zu der Ausbreitung der menschlichen und Landeskultur zu verfolgen; so dürfte uns 
sicher manches, jetzt zum Theile fast lächerliche Paradoxon in einem ganz andern Lichte er- 
scheinen : z. B. dafs Asien, die sogenannte Wiege des Menschengeschlechts und das Geburtsland 
der ersten menschlichen Kultur, das ursprüngliche Vaterland mehrerer unserer nützlichsten 
Har.sthiere , doch unsern Weltlheil auch mit den verwüstungslustigsten Horden und Wesen 
ihrer Gattung überschwemmt hat: — mit Hunnen und: — Ratten. 

-}■) Auf sie möge daher die Aufmerksamkeit der vaterländischen Zoologen vorzugsweise 
gerichtet bleiben ! — 



B. Vögel. Geier — Falke. 15 



B. VÖGEL, AVE 8. 

Erste Hauptabtheilung. Landvögel. Aves terrestres. 
I sle Ordnung. Raubvögel. Aves rapaces. 

(Zahl der Lestimm t aufgefundenen Arten SS 34.) 

I. Geier. Vultur L. 

1. Der weifsköpfige Geier, \\iltvb. fulvus Gm. 

Wird öfters, wiewohl immer nur selten, meist als jüngerer 
^ ogel angetroifen; kommt vielleicht einzeln jeden Sommer zu 
uns. Früher ist einmal eine gröfsere Gesellschaft, angeblich 
von 18 Stücken, gesehen und sind einige davon geschossen wor- 
den. Vultur leucocephalus Meyer*) (Lämmergeier !) 

2. Der graue Geier. Vultur einer eus Gm. 

Ein höchst seltener Fremdling; wurde aber vor Zeiten auch 
schon einmal auf einer von ihm getödteten Gans lebend ge- 
fangen, bei Carlsruhe im Fürstenthume Oppeln. 

II. Falke. Falco L. 

a) Edelfalken, (l unächte. 

3. Der Thurm- Falke. F alco tinnunculus L. 

(1) Auf allen Stadt- und vielen Dorfthürmen, sehr oft auch in 
Feldhölzern. Liebt vorzüglich Hügelland, und horstet auf dem 
Gebirge noch in Felsschluchten zunächst an der Gränze des 
Holzwuchses, bis gegen 5000' hoch. Überwintert zuweilen, be- 
sonders wenn es einen gelinden Winter und viel Mäuse giebt, 
und vorzugsweise die Männchen. Rüttelweihe, Rittelweibchen. 



*) VüLTUR alL ic olli s B r e hm ist der alte Vogel. Von den zwei im Lande erlegten Ex- 
emplaren des hiesigen Museums zeigt besonders eines höchst deutlich den Uebcrgang der, nach 
dem Alter sehr verschiedenen Gestaltungen des Gefieders in einander. Wenn man diese, anfser- 
ordentlich großen Veränderungen nicht kennt, so kann man allerdings alte und junge für 
verschiedene Arten halten. 



16 B. Vögel. Landvögel. \ 

4. Der rothfüfsige Falke. Falco rufipes Besehe. 

(2) Ist manchen Frühling gar nicht selten; wird im Herbste we- 
niger bemerkt, scheint jedoch mitunter schon hier zu horsten. 
Am seltensten bleiben stets die alten Männchen. 

2) Aechte Edelfalken. 

5. Der Zwerg -Falke. Falco aesalon Gm. 

< 3) Zeigt sich jeden Winter, obwohl nicht zahlreich, am sel- 
tensten die alten Männchen; jedoch schon auf dem Kamme des 
Riesengebirges, aber nicht häufig horstend, vielleicht an 5000' 
hoch. Blaufalke. Falco caesius Wolf. 

Q. Der Lerchen -Falke. Falco subbuteo L. 

(4) In Ebenen und hügeligen Feldgegenden gewöhnlich , jedoch 
blofs im Sommer. Hauptfeind der Schwalben und Feldlerchen. 

7. Der Wander-Falke. Falco peregrinus Gm. 

(5) Ein Bewohner fast der ganzen Welt, bei uns in manchen 
Jahren nicht selten, jedoch nie zahlreich; im Winter häufiger 
und zuweilen in Städten auf Thürmen, im Sommer im Gebirge. 

Der "Würgfalke, Falco laniarius*), 
von welchem es noch gar nicht hinreichend ausgemacht scheint, 
dafs er eine besondere Art bilde, kommt höchst wahrscheinlich 
auch zuweilen nach Schlesien. 

8. Der Jagd-Falke. Falco candicans Gm. 

(6) Scheint früher öfter aus Norden herabgekommen, in neuerer 
Zeit aber schon lange nicht mehr geschossen worden zu sein. 
Falco gyrfalco, F. islandus Gm. Jagd-, weifser Falke, Isländer. 

h) Habichte. 

9. Der Hühner-Habicht. F alco palumbarius L. 

(7) In allen gröfseren Wäldern. Kommt nicht sehr selten mit 
schwarzem Ober- und Hinterkopfe, dergleichen Backenstreife 
und Nacken vor. (Falco atricapülus Wilson, F. regalis Temm.) 

10. Der Finken-Habicht. Falco Nisus L. 

W Noch gewöhnlicher, als der vorige, besonders im Herbste die 
jüngeren. Sperber, Sperlingsstöfser. 

c) Schlangenadler. 

11. Der europ. Schlangenadler. Falco leucopsis BechsU 
(9) Sehr selten, blofs im Sommer; in feuchten Wäldern, wo es 
viel Nattern giebt. 



*) So, nicht lanarius, mufä es heifsen, von 1 a n i u s oder laniare; denn lanarius 
könnte nur von lana ahgeleitet »ein! 



Falke. Fischadler — Bussard. 17 

d) Fischadler. 

12. Der Flufs -Fischadler. Falco haliaetus L. 

( 10 ) An der Oder und andern gröfseren Flüfsen; besonders da, 
wo noch Teiche anstofsen, oder, wo diese in Menge vorhanden 
sind. Sommervogel; nicht selten, aber auch nicht gemein. 

e) Seeadler. 

13. Der weifsschwänzige S e e a d 1 e r. Falco albicilla L. 
( T1 ) An Flüfsen und in Waldgegenden mit Teichen nicht selten 
in strengen, sehr wenig vorkommend in gelinden Wintern; 
überhaupt jedoch nur selten im ausgefärbten Kleide. Falco 

leucocephalus Wolf, Endl. 

f) Eigentliche Adler. 

14. Der Stein-Adler. ¥alco fuluus L. 

( 12 ) Zu keiner Zeit des Jahres eigentlich selten, am gewöhn- 
lichsten im Winter; dann häufiger in ebenen, sonst mehr in 
Gebirgswäldern , bis in die Schluchten unter der Holzgränze. 

Der Königs-Adler. Falco imperialis Bechst. 
Wird van auswärtigen Schriftstellern als Bewohner der schle- 
sischen Gebirge genannt; zwar höchst wahrscheinlich mit Recht, 
("denn er wurde ja schon auf denen von beinahe allen Nachbarlän- 
dern angetroffen,) aber noch ohne streng authentische Beweise. 
Letztere fehlen, und jedenfalls mufs er sehr selten sein. 

15« Der Schrei-Adler. Falco naevius Gmel. 
<i3) Yj e i seltener, als der Steinadler; meist nur auf dem Zuge 
und in dem Jugend- (gefleckten) Kleide; höchst wahrscheinlich 
einzelne Paare hier nistend. kqviLk fusca Br. ; A.bifasciata ej. 

.j. Den gestiefelten Adler, Falco pennatus Gmel., 
von allen den kleinsten, und den seltensten fürDeutschland, glaube 
ich im Sommer 1826 im Riesengebirge über den Kamm ziehend an 
4800' hoch gesehen zu haben; ohne dies jedoch bestimmt behaup- 
ten zu können. 

g) Bussarde. 

16- Der rauchfüfsige Bussard. Falco lagopus Brünnich. 
t 1 *) An Feldern und Waldsäumen, Wiesen, jeden Winter ge- 
wöhnlich, in mäusereichen häufig; entfernt sich im Frühlinge 
zum Theile erst spät. Eine Menge von Abänderungen. 

17. Der gemeine Bussard. Falco buteo L. 
C 15 ) Im Sommer in Vorwäldern gewöhnlich; im Herbste und in 
gelinden Wintern an Feldern häufig, zumal wenn es viel Feld- 
mäuse giebt. In allen Abänderungen, unter welchen die Extreme 
(sehr weifs, stark in's Rothbraune fallend und fast braunschwarz) 
am seltensten. 

2 



18 B. Vögel. Landv. Raubv. 

Ji) Wespenfalkcn. 

18. Der europäische Wespenfalk. Falco apivorus L. 

( 16 ) Eher fast selten, als gewöhnlich zu nennen; an denselben 
Orten; istblofs Sommervogel; 

i) Milane. 

19. Der rothe Milan. Falco milvus L. 

( 17 ) Nicht gemein, in hiesiger Gegend fast seltener, als der 
folgende, auch wohl im Gebirge noch nicht häufig; blofs im 
Sommer. 

20. Der schwarzbraune Milan. Falco ater Gm. 

( 18 ) Nicht selten, besonders längs der Oder und in Gegenden 
mit Teichen; ebenfalls nur Sommervogel. 



k) Weihen. 

21. Die Rohr -Weihe. Falco rufus Gm. 

( 19 ) Nur in sehr wasserreichen Ebenen d. Sommer durch gemein. 

22. 4- Die Wiesen- Weihe. Falco einer aceus Montagu. 

(20) ^ u £ f ruc htharen Ebenen gar nicht selten, gewöhnlicher 
sogar, als die folgende, wenigstens im Herbste; aber meist nur 
Weibchen und Junge; hingegen alte Männchen selten, oder sehr 
selten. Zieht demnach wohl meist durch. 

23. Die Korn-Weihe. Falco pygargus auett. 

( 21 ) Eine Bewohnerin ganz ähnlicher Orte: von der jedoch, ob- 
gleich sie im Ganzen seltener scheint, die alten Männchen häu- 
figer, wiewohl immer viel seltener, als Weibchen u. Junge, sind. 

IIL Eule. Strix. L. 

a) Tageulen. 

24. Die Schnee-Tageule. Strix nivea Thunb.*) 
C 1 ) Dieser merkwürdige, schone, nordische Wintergast ist auch 
in neuerer Zeit wieder öfters vorgekommen; namentlich diefs 
Frühjahr ein fast rein weifses, nur noch mit einigen Flecken 
bezeichnetes, also schon recht altes Männchen. Scheint auch 
hier noch bergige Orte vorzuziehen ; hat sich mehrmals lebend 
fangen lassen. 

Die Habichts-Tageule. Strix liturata Thunb. 
Da sie in der Lausitz, wohin sie vom Ural, dem Centrum ihres 
Vaterlandes her, nicht füglich anders, als durch Schlesien gelan- 



*) Dieser schon alte und auf die Färbung schön passende Name ist der, bisher gebräuch- 
lichen Benennung Strix nyctea vorzuziehen: da sie rein Tagvogel ist, das Wort nyctea 
aber einen nächtlichen bedeutet (von VVKtS LOS [?], VVHUOS)- 



Tageule — Ohreule. \g 

gen kann, geschossen, in Anhalt mehrmals bemerkt worden ist, 
in Oestreich aber s^ogar schon genistet hat; so darf man sie unbe- 
denklich auch als winterliche Besucherin Schlesiens mit auffüh- 
ren, obgleich sie hier noch nicht erlegt worden zu seyn scheint. 
Strix uralensis Pall. 

25. Die Sperber-Tageule. Strix nisoria Wolf. 

( 2 ) Findet sich nur einzeln zum Herbste in den Wäldern ein; 
daher sie als selten zu betrachten ist. Wohl die schönste Eule 
Europa's. 

26. Die Zwerg-Tageule. Strix pygmaea Bechst. 

( 3 ) In manchen Gegenden, vorzüglich im schlesisch-mährischen 
Gebirge, auf dem Frühlings -Zuge selbst hin und wieder in den 
Ebenen, und zwar dann auch bei Dörfern, ist dieser Zwerg 
unter den Raubvögeln Europa's ganz und gar nicht selten. Noch 
weniger würde er es scheinen, wenn er nicht seiner Kleinheit 
wegen meist übersehen würde. Die wahre Strix passerina Lin. ; 
Strix acadica (!) Temm. u. Naum. 

b) Nachteulen, d. h. Kauze und Ohreulen. 

27. Der Steinkauz. Strix noctua Retzius. 

t 4 ) Ist weder im Sommer, noch im Winter, weder in Dörfern und 
Städten , noch auf Parthieen alter Bäume eigentlich häufig; al- 
lerdings auch nicht selten, zum Theile truppweise. Strix pas- 
serina auctt. 

28. Der rauch füfs ige Kauz. Strix dasypus Bechst. * 
( 6 J Kann bei uns nicht eigentlich als selten betrachtet werden, 
sondern kommt besonders manchen Winter gar nicht einzeln 
vor. Liebt grofse, besonders Nadelwälder. St. Tengmalmi Gm. 

29. Der Wald-Kauz. Strix aluco L. 

{ö ) Sommer und Winter in Waldungen gemein. Mehr die grau- 
röthliche und rostrothe, als rein graue Abänderung. 

30. Der Schleier -Kauz. Strix flammea L. *> 

^ Auf allen Kirchthürmen und unter deren Dächern zu jeder 
Zeit. Mit vielen Abänderungen, darunter mit fast ganz seiden- 
weifs grundirter Unterseite. 

31. Die kleine Ohreule. Strix scops L. 

( 8 ) Ein seltener oder sehr seltener, in neuerer Zeit anscheinend 
nicht erlegter Bewohner unsres Vaterlandes. Wahrscheinl. meist 
blofs in felsigen Gebirgswäldern, und bestimmt nur im Sommer. 

32. Die Wald-Ohreule. Strix otus L. 

( 9 ) In fast allen Wäldern nistend; auf dem Durchzuge meist in 
Menge. 

2* 



£0 B. Vögel. Lnndv. Sperlingsv., singende. 

33. Die Uhu- Ohreule. Strix bubo L. 

( ,0 ) Schon sehr vermindert; selten noch in flachen, mehr in 
alten Gebirgs- Waldungen; hier besonders den Sommer über. 

34. Die Sumpf-Ohreule. Strix brachyotus Forfter. 
C 11 ) Fast jeden Herbst und Frühling oder gelinden Winter ge- 
wöhnlich, manches Mal in grofser Menge in Wiesengebüsch und 
Strauchwald; nistet vielleicht auch auf grofsen, sumpfigen 
Ebenen. 

II te Ordnung. Sperlingsvögel. Aves passerinae. 

(Anzahl der gewissen Species ; — 12 9.) 

l ste Unterordnung. 

Sperlingsvögel mit Singmuskel-Apparat. 

Aves passerinae melodusae. 

(Zahl aller hestimmt angetroffenen Arten r= 113.) 

iv. I. Würger. Lanius L. 

35. Der grofse Würger. Lanius excubitor L. 

t 1 ) Bewohnt unsere Wälder als Stand- oder Strichvogel, aber 
nicht häufig, obwohl auch nicht selten; ist nur zuweilen in 
manchen Gegenden eigentlich gemein. 

36. Der schwarzstirnige Würger. Lanius minor Gm, 
W In vielen Gegenden Deutschlands selten, zum Theiie sehr 
selten; bei uns den Sommer über gemein, zum Theiie sehr ge- 
mein; wenigstens im flachen Lande, an Waldrändern, in Gärten, 
Alleen , an Viehtriften. 

37. Der roth köpf ige Würger. Lanius rußceps Bechst. 

( 3 ) An ähnlichen Orten gemein; doch nur an hügeligen häufiger, 
als der vorige , an ebenen zum Theiie noch nicht so gewöhnlich 
wie er. Sommervogel. 

38. Der rothrückige Würger. Lanius collurio L. 

( 4 ) An meist gleichen Orten und selbst in Feldhecken ohne 
Bäume ein sehr gemeiner Sommervogel. 

v. H. Rabe. Corvus L. 

a) Häher. 

39.4- ^ er vothschwänzige Häher. Corvus infaustus L. 
(*) Scheint nach manchen Nachrichten sich im Winter schon 
mehrmals aus dem Norden oder Osten zu uns verirrt zu haben. 
Wurde sonst in Deutschi, noch nicht bemerkt. Unglücksvogel. 



Rabe. Häher — Krähe. 21 

40. Der Eichel-Häher. Corvus glandarius L. 

(3) Überall gemein, im Herbste mitunter zu grofsen Flügen in 
unseren Eichenwäldern; geht nicht sehr hoch in's Gebirge. 
INicht selten Exemplare mit sehr viel Schwarzem auf dem Ober- 
kopfe; der Scheitel bei manchen fast schwarz. Nufshacker, 
Buchelt. 

b) Elstern. 

41. Die gemeine Elster. Corvus pica L. 

( 3 ) Allenthalben gemein in Dörfern und Vorwäldern der Ebenen 
und meist der Untergebirge; bisweilen selbst in Vorstädten 
nistend. Schalaster. 

c) Eigentliche Rahen und Krähen. 

42. Der Kolk -Rabe. Corvus corax L. 

(*) Fängt, stark verfolgt, bereits an, fast selten zu werden, 
u. scheint nur durch Hinzukommen nordischer manchen Herbst 
noch an einzelnen Stellen eine Zeit lang ziemlich gemein. Am 
wenigsten zeigt er sich in ganz ebenen Gegenden. 

43» Die gemeine Krähe. C. cornix L. & C. corone auctu 

( 5 ) Überall gemein, zum Winter sogar häufig in Städten, jedoch 
bei uns nicht sehr hoch im Gebirge. Jederzeit, selbst im Som- 
mer, kommt hier so bestimmt nur die graue (Nebelkrähe), nie 
die schwarze Race (Rabenkrähe) vor: dafs nicht blofs der Ver- 
fasser dieses, sondern auch andere, geübte Ornithologen, dar- 
unter die besten Praktiker, sich seit Jahrzehenten ebenso ver- 
gebens nach einer schwarzen, wie nach wahren Mittelstufen 
umgesehen haben.*) (Diefs ist um so auffallender, da in der 
Mark und im Anhaltischen beide gemein sind, und es auch in 
Mähren und der Lausitz sein sollen.) 

44. Die Dohlen-Krähe. Corvus monedula L. 

( 6 ) Auf allen Thürmen. Unter den jüngeren nicht selten fast 
ganz schwärzliche; unter den älteren besonders viele Männ- 
chen mit sehr weifslichem Halse. 

45-, Die Saat-Krähe. Corvus frugüegus L. 

( 7 ) Sehr gemein, sowohl ziehend, als nistend, bald in kleinen, 
bald in sehr grofsen Schaaren auf Feldern und am Waldrande; 

*) Was man, wenigstens früher, in schlesischen Sammlungen als Rahenkrähen (Corv. 
corone) Vorwies, sind nur junge, noch mit den Nasenfedern versehene Saatkrähen (CoRV. 
frugilegus): welche schon der schöne, starke, violette Glanz des Gefieders, die zerschlis- 
senen Halsfedern und die Schnabelform als solche kenntlich machen. 

Dafs übrigens Rahen- und Nebelkrähe nicht specifisch verschieden, sondern nur alt 
Racen und klimatische Abänderungen Einer Species zu betrachten sind, ist jetzt wohl hin- 
länglich ausgemacht. Vergl. Naumann NG. d. Vögel, Th. II, S. 62-65.; Gloger Abändern 
der Vögel, S. 143« 



22 B. Vögel. Laudv. Sperlingsv., singende. 

im sehr strengen Winter mit hohem Schnee zuweilen einzeln 
in Städten, oft zahlreich übernachtend in Vorstädten, im Som- 
mer bis vielleicht über den Holzwuchs auf Bergwiesen h inauf- 
streifend, mindestens 4300' hoch. Schwarzkrähe. 

An merk. Für die Stein krähen, Corvus pyrrhocorax und 
Corvus graculus , ist die Ausdehnung unserer Gebirge, für die 
letztere auch deren Höhe zu gering. 

d) Nutsknacker. 

4:6' Der gefleckte Nufsknacker. Corv. caryocatactes L. 
^ 8 ) Kommt manchen Herbst, zuweilen sogar ziemlich zahlreich 
in die Wälder der Ebenen herab, und nistet im niederen und 
mittleren Theile unserer Gebirge; darunter die Abänderung 
mit auffallend dickem, kurzem Schnabel. Indefs fehlt es hier 
durchaus nicht an allen denkbaren Übergängen von dem einen 
Extreme zu dem andern. Türkischer Nufshacker. 

vi. III. Staar. Sturnus L. 

47. Der gemeine Staar. Sturnus vulgaris L. 

( l ) Brütet fast allenthalben in alten, mit Wiesen zusammen- 

stofsenden Waldungen, selbst in vielen Dörfern des Vorgebirges, 

in Baumlöchern und aufgehenkten Kästen, und hält lange bei 

uns aus. 

vii. IV. Hirten vogel. Gracula L. 

48» Der r o s e n f a r b i g e H i r t e n v. G. rosea Glog. u. Lichtenst. 
( x ) Ist allenthalben dann und wann, besonders auch wieder 
mehrmals in neuerer und neuester Zeit, meist unter den Staaren, 
geschossen worden; am öftesten in der Nähe des Gebirges. Vor 
vielen Jahren ist er sogar ein Mal truppweise in bedeutender 
Anzahl durchgezogen. Junge sind viel seltener, als die alten, 
oder werden vielleicht häufiger verkannt und übersehen. Rosen- 
farbige, Acker-Drossel , Staaramsel, Zopf staar; Merula rosea 
Koch, 

viii. V. Drossel. Turdus L. 

a) Walddrosseln. 

4- Die blasse Drossel, Turdus pallidus Pall., 
kann als asiatischer Vogel nach Sachsen, wo sie ein Paar Mal ge- 
fangen worden ist, fast nur durch Schlesien kommen; scheint je- 
doch hier noch nicht wahrgenommen. 

49.-5- Die mondfleckige Drossel. Turdus auroreus Pall. 
( x ) Von ihr steht der einzige bisher in Europa bekannte alte 
Vogel, im October des Jahres 1826 nicht fern von hier im Vor- 
gebirge gefangen, im zoologischen Museum, wohl werth, den 



Drossel 25 

Blick des Ornithologen besonders auf sich zu ziehen. (Naumanns 
vermeinter junger Turdus Bechsteinii ist der junge Vogel, und 
das zweite in Europa bekannt gewordene Exemplar dieser, sonst 
meist dem fernen Ost -Sibirien angehörenden Art.) 

50. Die Mistel-Drossel. Turdus viscivorus L. 

( 2 ) In Nadel-, auf dem Zuge einzeln in Laub-, nistend auf Gebir- 
gen fast noch in den letzten Baumwäldern, 3700' hoch; zum 
Herbste gemein, so wie in gelinden Wintern. 

51. Die Sing-Drossel. Turdus musicus L. 

( 3 ) Gemein in mäfsigen und grofsen Wäldern, zum Herbste in 
Menge. Besteigt das Gebirge fast eben so hoch, wie die vorige, 
bis zu 3500'. Zippe. 

52. Die Wein-Drossel. Turdus iliacus L. 

( 4 ) Kommt jeden Herbst zahlreich an, jedoch ohne zu über- 
wintern. 

53.-1- Die rothhälsige Drossel. Turdus ruficollis PalL 

( 5 ) Sehr selten, vielleicht jedoch nur oft nicht bemerkt, auf 
dem Durchzuge aus Asien her im Herbste und Frühlinge; im 
letztern Falle auch paarweise, sonst mehr unter der vorigen 
Art. Turdus Naumanni Tem*) 

54. Die Wachholder- Drossel. Turdus pilaris L, 

( 6 ) Kommt nicht blofs jeden Herbst zahlreich an, um manchen 
Winter hier zuzubringen ; sondern nistet auch wahrscheinlich 
in dem ganzen ebenen Theile Schlesiens an Flufsufern, in 
feuchten Wäldern mit hohen Bäumen oder Stangenholz : und 
zwar nicht einzeln, sondern entweder in ziemlich beträchtlichen 
Gesellschaften, oder wenigstens einige Paare nahe bei einander. 
Ziemer. . 

55.-}- Die schwarzkehlige Drossel. T. atrogularis Natu 

( 7 ) Wurde noch sehr selten, wiewohl an ein Paar Orten, im 
Gebirge auf dem Herbst-Zuge gefangen, wenn sie aus dem Osten 
her kam. In Anhalt, der Lausitz und Pommern ist sie gleichfalls 
schon vorgekommen. 

56* Die Ring * Drossel Turdus torquatus L. 

(*) Ein Vogel der Voralpen und des höheren Nordens, mit einem 



*) Das im zoologischen Museum vorhandene Exemplar, ein jüngerer Vogel, passt eben 
so vollkommen zu Bechsteins Beschreibung und Abbildung seines T. dubius, wie zuTem- 
mincis Bsschreibung und Naumanns bildlicher Vorstellung des Jüngern T. Naumanni 
Tem., d. i. T. dubius Naum. d. alt. ■ — und zu Pallas Beschreibung der Vur. 2 von 
seinem T. ruficollis, Zoogr. roaso -asiat., Tom. I, p. 493, u. 93. 



£4 B. Vögel. Landv. Sperlingsv., singende. 

auffallend verschiedenen Jugendkleide. Bewohnt ausfchliefslich 
auch unsere Hochgebirge, von den obersten, schon sehr lichten 
und verkümmerten Fichtenwäldern an, bis an's Ende der Knie- 
holz-Region: hieran sehr freien, meist steinigen oder felsigen 
Orten, im Ganzen zwischen 3700' — 4600', und zwar als ein 
ganz gewöhnlicher Vogel. Auch auf dem Zuge gern dem, Gebirge 
folgend, kommt er zwar alljährlich, aber nur selten in sehr 
mäfsiger Anzahl, herab in die Ebenen. Schneeamsel. 

57» Die Schwarz -Drossel. Turdus merula L. 

(9 ) Gemein. Nistet, aber nicht häufig, in allen düsteren 
Wäldern; auf Bergen so hoch wie die Sing-Drossel, 3500'. Im 
Herbste auf dem Striche und Zuge viel gemeiner, selbst im Feld- 
gebüsche; jedoch nur manches Jahr ziemlich zahlreich. Amsel. 

b) Steindrosseln. 

58. Die rothschwänzige Steindrossel. T. saxatilis L. 

( 10 ) Kommt im Sommer auf den felsigen Niedergebirgen des 
äufsersten Oberschlesiens nicht eigentlich selten vor; vielleicht 
indefs zuweilen auch anderswo, namentlich gegen Böhmen und 
die Lausitz hin, so wie in dieser selbst. 

IX. VI. Steinschmätzer. Saxicola Sechst. 

a) Eigentliche Steinschmätzer. 

59. Der graue Steinschmätzer. Saxicola oenanthe B. 
W Auf allen steinigen Anhöhen, an alten Ziegeleien etc., auch 
ganz hoch auf den Bergen, über 4600' j im Sommer. 

b) Wiesenschmätzer. 

60- Der schwarzkehlige Wiesenschm. S. rubicola B. 

( 2 ) Scheint selten, wo nicht sehr selten; lebt meist auf jungen, 
trocken gelegenen Schwarzholz -Ansaaten. Wurde jedoch ein 
Mal noch in den ersten Tagen des November geschossen. 

61. Der braunkehlige Wiesenschm. Saxicola rubetra B. 

( 3 ) Auf beinahe allen Wiesen ebener und hügeliger Gegenden 
den Sommer über gemein. Kommt so wenig, wie der vorige, 
oben im Riesengebirge vor. 

X. VII. Sänger. Sylvia Luth. 

a) Röthlinge. 

62. Der Haus -Röthling. Sylvia tithys Lath. 

( l ) Seine Zahl nimmt auch bei uns sichtlich und mit jedem Jahre 
zu. Schon haben ihn jetzt fast alle Kirchen und viele hohe 
Gebäude in Städten , nicht minder bereits die meisten Dörfer, 
Ziegeleien und dergl. in den Ebenen aufzuweisen; und auf dem 



V. 



Sänger. Röthling — Erdsänger. 25 

Gebirge ist er geraein auf Felsen und Steinhaufen bis über den 
Holzwuchs, fast 5000' h., selbst an den mit steinernen Dämmen 
eingefafsten Ufern der Bergfl üfschen , scheut hier auch die 
sumpfigen Knieholzwälder nicht. Bald wird er gewifs noch 
häufiger sein. 

63. Der Garten-Röthling. Sylvi a phoenicurus Lath. 

( 2 ) In Gärten , an Wiesen und Wäldern mit alten hohlen Stäm- 
men überall gemein oder häufig; auf Gebirgen so weit, als es 
noch hohle Bäume giebt, also bis wenigstens an die Krummholz- 
Region, noch bei 3800— 3900' H. 

t>) Erdsanger. 

64. Der blaukehlige Erdsänger. Sylv. cyanecula Wolf '. 

( 3) Gewöhnlich an den meisten kleineren, sehr gemein oder 
selbst zahlreich an allen öfters austretenden, mit dichtem Ge- 
sträuche bewachsenen gröfseren Flüfsen und an sehr vielen Tei- 
chen, Wiesengräben etc.; im Herbste vor dem Abzüge gern in 
Kartoffel-, weniger in Kohlfeldern. Die Männchen haben im 
Frühlinge den blauen Hals sehr oft ohne, öfter mit kleinem, 
nicht selten auch mit auffallend grofsem, sehr selten aber ni- 
stende mit rostfarbenem Sterne. Alle Abstufungen sind in Menge 
vorhanden. Sylvia suecica und S. coerulecula auctt. ; S. Wolfii 
Brehm und S. azuricollis Rqfineque. 

65. Der Nachtigall- Sänger. Sylvia luscinia Lath. 

( 4 ) In allen fruchtbaren Laubgehölzen aufserhalb des Gebirges 
gemein; im wirklichen Gebirge nie, in jungen Nadelholzdickich- 
ten höchst selten, aber doch zuweilen. 

66- Der Sprosser-Sänger. SYLVia Phüomela Bechst. 

( 5 ) Scheint sehr wählig in Betreff seines Wohnorts; denn, ob- 
gleich von auswärtigen Ornithologen als schlesischer Vogel, und 
zwar in dem Sinne als hier nistender, erwähnt, ist der Sprosser 
doch jetzt von mehreren praktisch geübten Beobachtern sehr 
lange und an sehr verschiedenen, ganz für ihn geeigneten Orten, 
aber trotz aller Mühe vergebens, gesucht worden. Nur an der 
äufsersten Grenze des Landes mit Polen wollen ihn hiesige Vo- 
gelsteller öfters geholt, und dort nicht ganz einzeln gefunden 
haben. Dafs er alljährlich, wenn gleich nur still, durchziehen 
müsse, wird allerdings durch seine Verbreitung in den Nachbar- 
Ländern aufser Zweifel gesetzt. 

67. Der rothkehlige Erdsänger. Sylvia rubecula Lath. 
W Gemein im Gebirge, wo er mindestens eben so hoch aufwärts 
geht, wie der Gartenröthling, fast 4000'; im Herbste jedoch 
überall häufig; seltener nistend in flacher Waldung. 



26 B. Vögel. Landv. Sperlingsv., singende. 

c) Laubvögel. 

4- Den braunen Laubvogel, Sylvia prasinopyga Lichtenst., 
lässt ein, im Juni 1826 im Vorgebirge der Sudeten gehörter Gesang 
mich mit hoher Wahrscheinlichkeit als Bewohner von Schlesiens 
Bergen aufstellen.*) Sylvia Nattereri Tem., S. albicans Conr. v. ßal- 
denstein. 

68. Der Tannen-Laub vogel. Sylvia abietina Nilfson. 

( 7 ) Im Gebirge gemein, jedoch nicht hoch oben; auf der Ebene 
in Schwarzwäldern minder gewöhnlich, im Laubwalde an Flüfsen 
meist nur einzeln. Sylvia rufa (!!) Lath., Sylvia nemorosa 
Conr. v. Bald, 

69. Der Fitis-Laubvogel. Sylvia trochüus Lath. 

( 8 ^ Sehr gemein, in fast allen Niederwaldungen, in heckenrei- 
chen, verwilderten Gärten, in Werdern der Flüsse etc.; auf 
dem Gebirge sogar noch gewöhnlich hoch im Knieholze , 4400' 
hoch. Sylvia fitis Bechst. 

70. Der grüne Laubvogel. Sylvia sibilairix Bechst. 

( 9 ) Gewöhnlich in älterer Nadel- und gemischter, seltener in 
Laub-, nie in blofser Niederwaldung; daher im Allgemeinen nicht 
häutig, gern in den Vorbergen. Sylvia fitis Enal. Abb. 

71. Der Garten- Laub vogel. Sylvia hypolais Naum. 

( 10 ) In Baumgärten und im nicht zu jungen Laub- oder gemisch- 
ten Holze; sehr gewöhnlich. 

d) Rohrsänger. 

72. \- Der Sumpf-Rohrsänger. Sylvia -palustris Bechst. 
C 11 ) Häufiger, als nach den bisherigen Angaben irgendwo in 
Deutschland, besonders an fliefsenden und austretenden Was- 
sern; in grofser, zum Theile aufserord entlich er Menge im ver- 
wachsenen jungen Weidengesträuche der Oder, der in sie mün- 
denden kleineren Flüsse und Gräben, der Neisse etc.; selbst 
in von Gräben begrenzten Dornhecken, auf Feldern mit Winter- 
Getreide oder Klee , Erbsen , Hanf. 

73. \ Der Teich-Rohrsänger. Sylvia arundinacea Lath. 
( 12 ) Gemein im Rohre fast aller nicht zu kleinen Teiche und 
langsam fliefsender Waldgewässer.**) 



*) Siehe Isis von Oken, Jahrg. 1827, (Band XX, Heft 6,) S. 579» 

**) Ein in Thüringen und Mähren je ein Mal vorgekommener, dem Teichrohrsä'ngcr 
ganz ähnlicher Vogel mit röthlich- gelber Binde vor dem Sehwanz-Ende (Sylvia fasciala 
Bechst., S. Brehmii Müll.) ist wohl nichts weiter, als eine, wahrscheinlich jugendliche. 
Ausartung, wie ich sie ganz ähnlich auch heim jungen rothköpfigen Würger mit einfacher, 
hei der jungen Ringdrossel und der Heckenbraunelle mit mehreren Binden gefunden habe. 



Sänger. Rohrsänger — Grasmücke. £7 

74. Der drosselartige Rohrsänger. Sylv. turdina Glog. 
( 13 ) Wo der vorige, nur nicht auf allen so kleinen Gewässern; 
dafür aber auf grofsen gemeiner, als er. Sylvia turdoides (!) 
Meyer, Turdus arundinaceus Lin. 

75..J- Der Flu fs -Rohrsänger. Sylvia fluviatilis Wolf. 
0-0 Wurde erst einmal, von mir, im überschwemmt gewesenen 
Ufergesträuche an der Oder hier geschossen, und ein Nest mit 
Eiern am Ufer der Neisse gefunden. 

76.-J- Der Heuschrecken-Rohrs. Sylvia locustella Lath, 

( 15 ) Gar nicht selten auf jungen, dichten, feuchten Laubholz- 
schlägen mit Dorngebüsch, seltener im niedrigen Weidenge- 
sträuche der Flufsufer; aber wegen seiner höchst versteckten 
Lebensart, gleich dem vorigen, schwer zu finden. Merkwürdig 
durch seinen eigenthümlichen, ganz dem Schwirren der grünen 
Heuschrecke ähnlichen Gesang. 

77. Der Schilf-Rohrsänger. Sylvia phragmitis Sechst. 

( 16 ) Fast überall, wo der Sumpfrohrsänger lebt, und meist nicht 
minder gemein; jedoch auch in SchiJfparthieen (nicht im blofsen 
eigentlichen Rohre) der Teichränder, und in Erlenbrüchen. 

78. Der Seggen-Rohrsänger. Sylvia cariceti Naum. 

( 17 ) Im hohen Seggenschilfe (Riedgrase) an gröfseren Teichen 
und sumpfigen Wiesen nicht ungewöhnlich, an kleineren Gräben 
gewöhnlich nur auf dem Zuge ; schwer zu finden. — In Schle- 
sien scheint die mehr in's Gelbliche oder Röthlichgelbe fallende, 
sonst südlichere oder jüngere Yarietät (Sylvia aquatica Lath.) 
fast häufiger, als die mehr graue mit dunklen Brustschmitzchen. 

e) Grasmücken. 

79. Die Sperber- Grasmücke. Sylvia nisoria Bechst. 

( 18 ) Auch dieser Vogel scheint mindestens eben so gemein, wo 
nicht noch gemeiner, als sonst irgendwo in Deutschland; in der 
Umgegend hiesiger Stadt nicht blofs höchst gewöhnlich, son- 
dern manchen Sommer in der That sehr häufig, an fast allen 
Waldsäumen, Gartenrändern und grofsen dornigen Feldhecken. 

80« Die Zaun-Grasmücke. Sylvia curruca Lath, 

( 19 ) In den Stachelbeergebüschen fast aller Gärten, in Dorn- 
hecken am Waldrande, auf jungen, aber selten auf reinen 
Schwarzholz -Schlägen; bis in die mittleren Gebirgshöhen. 

81. Die fahle Grasmücke. Sylvia cinerea Lath. 

( 20 ) Noch viel gemeiner; an ähnlichen Stellen sehr häufig, 
jedoch minder in belebten Gartenanlagen. Geht bis über die 



£8 B. Vögel. Lamlv. Sperlingsv., singende. 

untere Gränze des Knieholzes, wo dieses mit einigem Laubge- 
strüppe gemischt erscheint, 3800' h. Sie findet sich zuweilen 
ganz in Färbung der Sylvia passerina Lath. — S.fruticeti B. 
ist der jüngere, junge und Herbstvogel. 

82. Die graue Grasmücke. Sylvia hortensis Bechst. 

(21) Nicht überall gewöhnlich, obgleich hin und wieder in 
einiger Anzahl; in höherem Buschholze, nicht im Nadelwalde. 

83- Die Mönchs-Grasmücke. Sylvia atricapilla Lath. 

( 22 ) Viel allgemeiner verbreitet und zahlreicher; gern in ge- 
mischten Holz-, und noch lieber in englischen Gartenparthieen. 
Geht auf Bergen einzeln bis in die Region der Zwergkiefern, 
wo diese noch einiges Laubgebüsch unter sich aufkommen las- 
sen, 3700' hoch. 

Anmerk. Sämmtliche Arten der Gattung Dringen als Zugvögel 
nur den Sommer, blofs einzelne zuweilen einen gelinden Winter 
"bei uns zu. 

XI. VIII. Wasserschwätzer. Cinclus Bechst. 

84- Der weifskehlige Wasserschw. C. aquaticus B, 

(*) An allen Gebirgsbächen gewöhnlich, doch nicht bis gegen 
die letzte Fichtenwaldung hinauf, blofs etwa 3200' h.; an den 
reissendsten Stellen des Wassers am liebsten; sehr einzeln zum 
Herbst und Winter im flachen Lande. Trägt (im Sommer) 
aufser der gewöhnlichen bald die Färbung und Zeichnung der 
vermeinten nordischen (0. septentrionalis Brehrn), bald der 
sogenannten seh warzbäuchigen (C. melanogaster Br.), bald der 
italienischen und fast der syrischen. 

xii. IX. Bachstelze. Motacilla Lath. 

85. Die weisse Bachstelze. Motacilla alba L. 
( x ) In Dörfern, an Brücken und einzelnen Häusern unfern vom 
Wasser gemein; auf unseren Gebirgen nistend, so weit Men- 
schen wohnen, 4300' h«, herumstreifend bis ans Ende des Holz- 
wuchses. 
86« Die Gebirgs-Bachstelze. M. sulfurea Bechst. 

( 2 ) Blofs Gebirgsvogel. An gleichen Orten, wie der Wasser- 
schwätzer; nur lieber an flachen Uferstellen, und nicht im 
Winter zugegen; auf ihren Streifereien auch bis ans Ende der 
Holzregion, nistend bis 4300' h. Graue Bachstelze, Mota- 
cilla boarula Lath. 

87. Die Wiesen-Bachstelze. Motacilla flava L. 

( 3 ) Gemein oder selbst häufig auf allen feuchten Wiesen der 



Bachstelze — Lerche. 29 

Ebenen und Hügelgegenden, wie es scheint, gar nicht im Ge- 
birge; im Herbste auf Feldern bei Viehheerden. Zuweilen 
das Männchen mit schwarzem Oberkopfe, Mot. melanocephala, 
Gelbe Bachstelze. 

xni. X. Pieper. Anthus B eckst. 

88. -5-D er 'W asser ~IM e P er • Anthus aquaticus Bechst. 

C 1 ) Nur Gebirgs- (oder Strand-) Bewohner, lebt er den Somr 
mer über auf dem Kamme des liiesengebirges durch die Knie- 
holzregion nach ihrer weitesten Ausdehnung überall häufig, ja 
ins Gesamt in zahlloser Menge; kommt jedoch selbst während 
des Zuges nur äusserst selten ins flache Land. Zeigt alle Ue- 
bergänge zu den am Strande wohnenden, sogenannten Fels- oder 
Uferpiepern. 

89. Der Wiesen-Pieper. Anthus pratensis Bechst. 

( 2 ) Auf moorigen Wiesen und feuchten, schwarzgrundigen, lich- 
ten Waldstellen hin und wieder; im Gebirge bis auf den Kamm 
zwischen das Knieholz, bis 4300' hoch, meist in Menge; zum 
Herbste gewöhnlich heerdenweise in Ebenen, auf Rüben- und 
Kartoffelfeldern. 

90« Der Baum-Pieper. Anthus arboreus Bechst. 

( 3 ) Gemein auf allen jungen Schlägen mit einzelnen Bäumen, 
bis fast an die oberste Baumgränze, also an 4000 — 4100' h., 
aber nie darüber hinaus im Knieholze; im Herbste auch auf 
Feldern. 

91. Der Brach-Pieper. Anthus campestris Bechst. 

( 4 ) Nicht zahlreich auf trockenen Anhöhen und mageren Vieh- 
weiden, am Bande schlecht bestandener Wälder, auf Wald- 
blöfsen oder dürren Uferstrecken ; ziehend in Feldern. A. ru- 

fescens Tem. 

An merk. Es wäre möglich, dafs der, einzeln noch bei Wien 
lebende Sporn-Pieper, Anthus Richardi VieilL, auch mit nach Schle- 
sien käme. 

xiv. XI. Lerche. Alaupa L. 

a) Dünnschnätelige Lercheni 

92. Die Alpen-Lerche. Alauda alpestris L. 

W Erscheint manchen Herbst oder Winter in kleinen Heerden 
selbst in Ebenen, fehlt wahrscheinlich in keinem Jahre, und 
soll sich auf dem schlesisch-mährischen Gebirge im Herbste re- 
gelmäfsig und nicht einzeln einfinden; verlebt aber den Sommer 
weit im Osten, z. B. auf dem Ural, nicht auf dem Riesen-, noch 



30 B. Vogel. Landv. Sperlingsv., singende. 

weniger auf einem niedrigeren , Gebirge. *> Sonst in Deutsch- 
land gar sehr selten. 

93. Die Hauben-Lerche. Alauda cristata L. 

( 2 ) Gewöhnlich; Sommer und Winter in Dörfern, bei hohem 
Schnee zuweilen in Städten. Meidet entweder feuchtere Ge- 
genden, oder wählt doch nur trockene Stellen in ihnen. 

94. Die Heide-Lerche. Alauda arborea L. 

( 3 ) An trockenen Waldblöfsen und Feldsäumen gemein, bis 
ziemlich hoch ins Gebirge, meist im Nadelwalde; auf dem Zuge 
oft zahlreich. 

95. Die Feld-Lerche. Alauda arvensis L. 

( 4 ) Auf allen Feldern und Wiesen; auf anderen Gebirgen wahr- 
scheinlich bis über den Holzwuchs, auf unseren schon bis 4600' 
hoch. Wandert in Menge bei uns durch. 

h) Djickschnäbelige Lerchen. 

96* Die Kalander-Lerche. Alauda calandra L. 

(5) Scheint äufserst selten; doch stammt ein Exemplar des Mu- 
seums aus der Provinz. (Zugleich das Original zu Endler's Abb. 
der vermeinten Fringilla Lapponica, und im Februar 1811 
nahe bei Breslau aus einer kleinen Gesellschaft solcher Vögel 
herausgeschossen.) 

An merk. Die tatarische oder Mohren-Lerche (Alauda 
nigra Falck, A. tatarica Pall.) kann, wenn sie aus ihrer östlichen 
Heimath nach Deutschland kommt, Schlesien nicht leicht unbe- 
rührt lassen. 

xv. XII. Fluevogel. Accentok Sechst. 

a) Eigentliche (lerchenartige) Fluevogel. 

97- Der Alpen-Fluevogel. Accektor alpinus B. 
W Lebt nur an den höchsten, felsigen oder mit Steingeschieben 
bedeckten Stellen und Abgründen des Riesengebirges in sparsa- 
mer Anzahl, auf der Schnee- (oder Riesen-) Koppe noch über 
dem Holzwuchse fast 5000' h., im Sommer kaum an einzelnen 
Stellen unter 4000' H. ; von wo er zum Winter auf die niederen 
Gebirge und in die nächsten Thäler zwischen diesen herabsteigt. 
Es ist dies sein nördlichster Wohnort auf dem Cojitinente. (In- 
defs scheint er auch selbst auf den britischen Inseln kaum wei- 
ter nordwärts zu gehen.) 



*) Die Behauptungen hierüber scheinen auf tauschenden Angaben der Gebirgsbewohner 
2U beruhen: welche unter dem Namen der Sehneelerchen nicht blofs den Wasser-, 
Sumpf- und Baumpieper, sondern auch den Alpenfluevogeh ja zum Theilo selbst den Mor- 
nell-Rcgenpfeiffcr verstehen. 



Fluevogel — Ammer. 31 

l>) ßrauucllcn, 

98. Die Hecken-Braunelle. Accentor rnodularis Koch. 
(2) In jungen Schwarz- oder gemischten Gehölzen der Gebirge 
und Hügelreihen gemein, noch im Knieholze bis 4600' H.; 
selten nistend, wohl aber gewöhnlich auf dem Striche und 
Zuge im Laubgebüsche der Ebenen. Bleibt bisweilen einzeln 
noch im Winter hier. 

xvi. XIII. Ammer. Emberiza L. 

a) Straucliammern. 

99. Der Grau-Ammer. Emberiza miliaria L. 

(1) In ebenen, bald sandigen und trockenen, bald fruchtbaren 
oder selbst sumpfigen, offenen Gegenden gemein, im Herbste 
und in gelinden Wintern zum Theil häufig; selten in höheren 
Hügel-, wie in Gebirgsstrichen. Gerstenammer, Ortolan(T). 

100. Der Gold-Ammer. Emberiza citrinella L. 

(2) Sommer und Winter sehr gemein in Hecken und an Wald- 
rändern aller Gegenden bis aufs Unter- oder Mittelgebirge, et- 
wa 3200' h. Kommt bei Schnee in Dörfer, bei hohem selbst 
in Städte. 

.J-. Der Zaun-Ammer. Emberiza cirlus L. 

Wenn er in Mähren zuweilen vorkommt, und selbst bis Thüringen 

von Bechstein öfter gefunden wurde; so dürften ihn wohl auch die 

oberschlesischen Vorberge an der mährischen Seite noch einzeln 

besitzen.*) 

101. Der Garten-Ammer. Emberiza hortulana L. 

3 ) Obgleich für Deutschland sonst meist so selten , ist der Or- 
tolan doch gemein in der Lausitz, so wie besonders in sehr vie- 
len, vom Gebirge entfernten, ebenen und hügeligen Gegenden 
Schlesiens: zumal an sandigen, mit wenig Bäumen oder Ge- 
büsch versehenen, trockenen Orten, und vorzüglich an Land- 
strassen**); so namentlich hier um Breslau sehr gemein. Blofs 
im Sommer. 

102. Der Zip-Ammer. Emberiza cia L. 

W Soll an der mährisch -schlesischen Gränze paarweise zu fin- 
den sein.t) 

4- Der Fichten-Ammer. Emberiza pityornus Pall. 
Noch nicht bei uns gefunden, obwohl er, durch Russland aus Sibi- 
rien herwandernd, Schlesien berühren mufs, bevor er z. B. nach 
Böhmen gelangt, wo er schon wahrgenommen worden ist. 



*) Vergl. Ant. Müller Verzeichnifs der in Mähren vorkommenden Vögel, S. 16» 
**) Gerade nie findet er sicli im dichten Gebüsche am Wasser! — 
f) Max. v. U echt ritz kleine Reisen eines Naturforschers. 



32 B. Vogel. Landv. Sperlingsv., singende. 

103. Der Rohr-Ammer. Emberiza schoeniclus L. 

( 5 ) Gemein an Teichen und auf allen sumpfigen Wiesen mit ei- 
nigem Buschwerke. 

b) Spornammern. 

104. Der Lerchen- Spornammer. Emberiza calcarata T. 

( 6 ) Selten im Herbste auf Feldern, gewöhnlich bei Feldler- 
chen; scheint noch seltener bemerkt oder gefangen zu werden. 

105. Der Schnee-Spornammer. Emberiza nivalis L. 

( 7 ) Besucht uns manchen Winter, pflegt aber nur nach Reihen 
von Jahren , wenn der Winter streng ist und die Schneedecke 
hoch werden will, in einiger Anzahl zu kommen. Auf Feldern. 

XVII. XIV. Fink. Fringilla L. 

a) Edelfinken. 

106. Der Buch-Fink. Fringilla coelebs L, 

(i) In Wäldern und Gärten sehr gemein, bis aufs höhere Ge- 
birge an die Baumgränze, etwa 4000' h., aber nie im nahen 
Knieholze; sonst auch bis spät in den Herbst, und dann viel 
auf Feldern. 

107. Der Berg-Fink. Fringilla montifringüla L. 

( 2 ) Besucht unsere Wälder jeden Herbst zahlreich, dann und 
wann in grosser Menge, überwintert auch grossen Theils. Ein 
Theil kommt früh an, und entfernt sich spät; hierunter ein- 
zelne besonders schön gefärbte. 

\. Der rosen farbige Fink. Fringilla rosea Fall. 
Um aus Nord- und Mittelasien her Anhalt und Oestreich zu er- 
reichen, mag oder muss er auch Schlesien berühren. Pyrrhula (!) 
rosea Tem, 

b) Sperlinge. 

108. Der Haus -Sperling. Fringilla domestica X. 

( 3) In Städten und Dörfern , wie überall; nistet aber auch nicht 
selten weit von Menschenwohnungen entfernt, an wüsten Ge- 
bäuden, Ruinen, unter Brücken etc., und steigt auf Gebir- 
gen, wiewohl nur einzeln, bis zur Getreidegränze. — Trägt 
zuweilen schon ganz, häufig beinahe das Kleid der italienischen, 
(Fring. cisalpina s. Italiae^) 

109. Der Feld-Sperling. Fr. campestris Schranck*) 

(4) Auf hohlen Bäumen der Gärten in Dörfern und Vorstädten, 



*) Der von Schranck gegebene Name scheint, erstens weil er der passendere, zweitens 
weil es doch wahrlich kaum erträglich ist, in Einer Gattung drei verschiedene deutsche 
Arien mit gleich bedeutenden Namen zu haben (FKING. montanst, Fii, moatium und 
Fr. montifringüla), — yoizuziehen. . 



Fink. Sperling — Hänfling. 33 

besonders im Winter, oder fern auf Triften, wo Feld und Wald 
zusammentreffen; mindestens solläufig, wie der Haussperling. 
Besteigt bei uns das Gebirge nicht. Fr. montana Lin. 

110- Der Stein-Sperling. Fringilla petronia L. 
(5) \yj rt i zwar als schlesisch angeführt, ist jedoch in neuerer 
Zeit nirgends gefunden worden. Doch wollen wir an seinem 
Vorhandensein , etwa auf felsreichen oder mit altem Gemäuer 
versehenen Hügeln unserer Vorgebirge, um so weniger zwei- 
feln: da er auch in der Lausitz bemerkt und gefangen worden 
sein soll. 

c) Kernbeisser. 

111. Der gern eine Kernbeifs er. F. coccothraustes Meyer. 
t 6) Ziemlich, und manchen Herbst oder gelinden Winter wirk- 
lich gemein in unseren Wäldern , nicht selten in Gärten. Loxia 
coccothraustes L* 

d) Gimpel. 

112. Der gemeine Gimpel. Fringilla pyrrhula Meyer. 

(7) Im Sommer gewöhnlich in vielen Gebirgs-, angeblich auch 
einzeln in manchen ebenen Wäldern; im Herbste oder milden 
Winter in allen, dann zum Theile häufig. 

e) Girlitze. 

113. Der Karmin-Girlitz. Fr. eryihrina Meyer. 

(8) Mag sich jetzt wohl nur sehr selten zeigen; nistete jedoch 
sogar zuweilen ganz hier in derlNähe, wenigstens früher, in 
sumpfigem Gebüsche. Ein so im Mai 1810 erlegtes Paar war 
beiderseits gleichfarbig, das Männchen ohne Roth, also noch 
ein jüngeres. 

114. -J-Der grüne Girlitz. Fringilla serinus L. 

(9) Brütet wahrscheinlich ebenfalls; denn ein Weibchen , wel- 
ches ich lebend erhielt, wurde dieses Frühjahr, im April, hier 
in der Nähe gefangen. Vogelsteller wollen ihn ai$h sonst zu- 
weilen bekommen haben. 

f) Hänflinge. 

115. Der Grün-Hänfling. Fringilla chloris Meyer. 

(10) Besonders an Flufsufern und im Herbste gemein; sehr gern 
auf Weidenbäumen; oft noch im Winter zahlreich. 

116. Der gemeine Hänfling. Fringilla cannabina L. 
( xl ) Im Herbste, oder noch zum Winter meist häufig in Ebe- 
nen, auf Feldern mit einigem Gebüsche; im Sommer am lieb- 
sten in Hügelstrichen und auf Vorbergen, zum Theile in Menge, 
selbst bis an die Holzgränze hinauf, also in der Region der 
Zwergkiefer, über 4700'. 

3 



34 Vögel. Landv. Sperlingsv., singende. 

117. -[-Der Berg-Hänfling. Fringilla flavirostris L. 

12) Ist seit einigen Wintern sehr wenig bemerkt worden ; kam 
vordem alle Herbste in einiger Anzahl. Liebt noch mehr das 
Feld, als der vorige. Fr. montium äuctt. 

g) Zeisige. 

118. Der Birken- Zeisig. Fringilla linaria L. 

( 13 ) Fehlt manchenHerbst ganz, oder fast ganz, erscheint jedoch 
nicht blofs in manchem wieder in aufserordentlicher Zahl in 
unsern Wäldern, sondern mufs auch zuweilen im Sommer hier 
sein; denn ich habe ihn in dieser Jahreszeit lebend im ächten 
Jugendkleide erhalten.*) Die dunkler gefärbten (Fring.JZ^z- 
rostris Brehm.) scheinen verhältnifsmäfsig sehr selten. 

119. Der Distel-Zeisig. Fringilla carduelis L. 

( 14 ) Gemein, in manchen Spät- und Frühjahren sehr häufig; in 
Wäldern und Gärten. 

120. Der Erlen-Zeisig. Fringilla spinus L. 

( 15 ) Nistet im Schwarz walde der Untergebirge, streift im Som- 
mer noch in die Knieholzregion, und später, meist zahlreich, 
in Waldungen der Ebenen umher. 

h) Hakenfinken. 

121. Der Fichten- Hakenfink. Fring. enucleator Meyer. 
6 ) Findet sich hier, wie anderswo in Deutschland, meist nach 
einer Reihe von Jahren zahlreich ein: so 1821 in sehr grofser, 
1832 in ziemlicher Menge; einzeln jedoch oder in kleinen Flü- 
gen wahrscheinlich in den meisten Jahrgängen, dann aber meist 
nur Weibchen und Junge. 

xvin. XV. Kreuzschnabel. Loxia L. 
122.-1- ^er weifsbindige Kreuz sehn. L. taeniopteraGlog* 
M Er sprach bei seinem merkwürdigen Besuche im Sommer 
1826, dem ersten zahlreichen für Europa, zuerst hier ein; ist 
jedoch damals beinahe in der ganzen südöstlichen Hälfte Deutsche 
lands, ja in Schweden vorgekommen. Früher war er nur sehr 
einzeln gesehen worden , und auch damals schon nach ein Paar 
Monaten, bis jetzt, wieder verschwunden. Loxia leueoptera 
Gm., L. falcirostra Lath.**) 



*) Siehe die Beschreitung desselben in d. Isis 1829» S. 7 7 5« (Die früheren Angaben 
über dasselbe waren falsch, und hierbei verblichene jüngere Weibchen mit jungen Vögeln 
verwechselt.) 

**) Die Beschreibung ist eine der schlechtesten in den ganzen Werken Lathams ; (so dass 
m.an unseren Vogel, ohne amerikanische Exemplare zum Vergleiche, für speeifisch von 






Kreuzschnabel — Meise. 35 

123. Der Fichten-Kreuzschnabel. Loxia curvirostra L. 

( 2 ) Besucht unsere Fichten- und Tannenwälder fast jeden Som- 
mer wenigstens in geringer, manchen in grofser Anzahl; in saa- 
menreichen Jahren zu jeder Zeit. Geht zuweilen noch auf den 
Riesenkamm , an 4500' h. 

124. Der Kiefer-Kreuzschn. L. pityopsittacus Bechst. 

( 3 ) Zeigt sich nicht minder unregelmäfsig, aber im Ganzen min- 
der häufig; vorzugsweise in Kieferwäldern, besonders, wenn 
deren Saame gut gerathen ist. Grofser Krünitz. 

xix. XVI. Meise. Parus L. 

a) Waldmeiseu. 

125« Die Hauben-Meise. Parus er istatus L. 
(*) Gewöhnlich in Nadel-, gemein nur in Kiefer-, aber selbst 
auf dem Striche fast nie in eigentlichen Laubwaldungen; geht 
bis zu 3800' Gebirgshöhe. 

126. Die Sumpf-Meise. Parus palustris L. 

( 2 ) Gemein, in feuchten Waldstrichen, aber nicht gerade 
zahlreich. 

127. Die Tannen -Meise. Parus ater L. 

(*) Den Sommer hindurch nur im Nadel-, meist im Tannen- und 
Fichtenwalde, bis fast nahe gegen das Ende der Baum -Region, 
3800' h.; auf dem Striche auch in Laubhölzern. Zahlreich. 

128- Die Kohl-Meise. Parus major I. 

W In fast allen Wäldern und gröfseren Gärten nistend; auf dem 

Striche oder Zuge oft sehr häufig. 

129« Die Blau -Meise. Parus coeruleus L. 

( 5 ) Ebenso, jedoch minder zahlreich und stets in geringzähli- 
geren Gesellschaften; im Herbste zuweilen anhaltend im reinen 
Teichrohre. 

130. Die Lasur-Meise. Parus cyanus L. 

( 6) Ein den Osten bewohnender Vogel : welcher defshalb Schle- 
sien mehr, als die übrigen Theile Deutschlands, besucht, daher 
für Deutschland zuerst hier gefunden , in den letzten Wintern 
wiederholt ganz in der Nähe von Breslau geschossen, noch öfter 



diesem verschieden halten mufste) ; und die Namen sind beide so wenig passend, oder so 
•wenig sagend, dass es wohl angemessen scheint, einen passenderen , wenn auch neueren, 
ferner beizubehalten. Vergl. d. Naturg. dieses Vogels nach meinen Beobachtungen in den 
Verhandl. der Kaiserl, Leop. - Carol. Akademie d. Naturforscher, Bd. XIV, S. 9X9 — 42. 

3* 



36 B. Vögel. Landv. Sperlingsv., singende. 

gesehen worden ist. Wird vorzugsweise entweder im weiden- 
reichen Walde, oder im blofsen dergl. Ufergebüsche, einzeln, 
paarweise oder noch unter andern Meisen angetroffen. 

b) Langschwänzige Meisen. 

131. Die gemeine Schwanz- Meise. Parus caudatus L. 

( 7 ) Gemein im Ufer- und Laubholze; im Herbste oder Winter 
hin und wieder zahlreich durch Gärten streichend. 

c) Bartmeisen. 

132. Die europäische Bart-M. Y.barbatus Scop., Pall*) 

( 8 ) Kommt selbst cuf dem Striche nur selten , zum Theile sehr 
selten, nistend angeblich an der polnischen Grenze, im Rohre 
der Teiche und langsamen Flüsse vor. (Die in Käfigen gehaltenen 
sind aus Holland oder Ungarn eingeführt.**) 

d) Bentelmeisen. 

133. Die nordische Beutelmeise. Parus pendulinus L. 

( 9) An gleichen Orten; scheint aber weit öfter vorzukommen, 
und zwar öfter, als sie bemerkt wird: da man ihre Nester schon 
öfters, auch hier in der Nähe, gefunden hat. 

xx. XVII. Kleiber. Sitta L. 

134. Der gemeine Kleiber. Sitta europaea L. 

M Sehr gewöhnlich in gröfseren, auf dem Striche selbst in klei- 
neren Waldparthieen , in gröfseren alten Gärten; dann auch bis 
zu 3800' über dem Meeresfpiegel. 

xxi. XVIII. Mauerläufer. Tichodroma III. 

135. Der roth flügelige Mauer 1. 'Y.phoenicopteraTemm. 
(*) Läfst sich nur äufserst selten, auf dem Striche verirrt, im 
Herbste oder Winter an unseren Gebirgsfelsen oder auf Mauer- 
werk daselbst sehen. Certhia muraria L. 

xxil. XIX. Baumläufer. Certhia L. 

136« Der gemeine Baumläufer. Certhia familiär is L. 
(*) Fehlt im Sommer fast nirgends, wo es viel recht alte Bäume 
giebt; durchstreicht im Winter sehr gewöhnlich die Gärten, 



*) Pards biarmicue Lin. ist eine Pro vinzial-Benennung: (Biarmiarrr Permia, Per- 
mien, Gouvernement Perm nebst den angränzenden Districten,) und hat Nichts mit dem 
doppelten Barte des Vogels za thun ! — 

**) In Bezug auf das häufigere Erscheinen oder längere Verweilen der Bartmeise wird der 
Mangel salziger Gewässer, welche sie so besonders liebt, sehr bemerklich. 



Schlüpfer — Fliegenfänger. 37 

und streift zu Ende des Sommers im Gebirge bis 3800' h. Es 
giebt alle Abstufungen von längeren zu kürzeren Schnäbeln und 
Klauen. Certhia brachydactyla s. löngirostris Brehm. 

xxiii. XX. Schlüpfer. Troglodytes W. 

137. Der Zaun- Schlüpf er. Troglodytes parvulus L. 
(*) Nistet vorzugsweise im alten, wüsten Gebirgswalde, bis zur 
Baumgränze, an 4000' h.; viel seltener in der Ebene, die er 
jedoch im Herbste überall bezieht > wo es dichte Hecken, alte 
Ruthenzäune, Stöcke, Holzhaufen und hohle Ufer giebt. 

xxiv. XXI. Seidenschwanz. Bombycilla Vieiliot. 

138. Der europäische Seidensch. Bom. garrulus Vieill. 
( a ) Pflegt erst nach Verlauf einiger Jahre wieder einmal aus 
Norden herzukommen, erscheint aber dann gewöhnlich in 
Menge; selten mehrere Winter hinter einander, dann nicht so 
häutig; stets allenthalben, wo er viel Beeren findet. Indefs ver- 
läfst er unsere Provinz nicht blofs später, als andere deutsche 
Landstriche; sondern ist auch im Sommer mehrmals zu einigen 
Paaren im Eulen- und mährischen Gebirge gefunden, ja selbst 
bei Carlsruhe (im Fürstenthume Oppeln) ein nistendes Pär- 
chen sammt Jungen angetroffen worden. 

xxv. XXII. Pirol. Oriolus L. 

139« Der Kirsch-Pirol. Oriolus galbula L. 
( x) Ein spät ankommender, aber gemeiner, die Laub- und ge- 
mischten Wälder bewohnender, später die Kirschen in Gärten 
plündernder Sommervogel, der wirkliches Gebirge durchaus 
vermeidet. 

XXVI. XXIII. Goldhähnchen. Regit lus Koch. 

140. Das gelbköpfige Goldh. Reg. flavicapillus Nauru, 
(*) Sehr gemein in allen Schwarz-, auf Gebirgen noch in den 
fast letzten Fichtenwäldern, bei 3800' H.; auf dem Striche im 
Herbste und Winter auch in Menge auf laubtragenden Garten- 
bäumen u. drgl. 

141. 4- Das feuerköpfige Goldh. Reg. ignicapillus Nauru. 
( 2 ) Meist selten , an denselben Orten ; Zugvogel und meist ein- 
zeln wandernd. 

xxvn. XXIV. Fliegenfänger. Muscicapa L. 

4- D er kleine Fliegenfänger. Muscicapa parva Bechst. 
Kommt wahrscheinlich eben so gut, wo nicht eher, in Schlesien 



38 B. Vögel. Landv. Sperlingsv. 

vor, als in der Lausitz und Pommern. In der That glaube ich 
selbst, ihn in den Vorbergen unter der Riesenkoppe gesehen zu 
haben. Verlebt den Sommer in alten Schwarzwäldern. 

142. Der Halsband-Fliegenfänger. Muse, collaris Bechst. 
( x ) In Laubwäldern; manchen Frühling in der That nicht selten, 
dann aber wieder Jahre lang fast gar nicht zu finden. Muscicapa 

albicollis Temm. 

143. Der Trauer-Fliegenfänger. Muse, luctuosa Temm. 
( 2 ) An ähnlichen Orten geraein, aber auch nicht alle Jahre 
gleich zahlreich ; in manchen gar nicht häufig, zuweilen jedoch 
in Menge. Muscicapa atricapilla L. 

144« Der gefleckte Fliegenfänger. Muscicapa grisola L. 
^ Jedes Jahr gemein; in fast allen Wäldern und vielen Gärten, 
faber keinesweges auf den Gipfeln des Riesengebirges ; höch- 
stens vielleicht bei gutem Wetter auf dem Zuge darüber hin- 
eilend.) 

xxviii. XXV. Schwalbe. Hirundo L. 

145« Die Ufer- Schwalbe. Hirunöo riparia L. 

(*) Gemein an sehr vielen Flufs- und manchen Teichufern; nie 

zu einzelnen, wenigstens zu einigen, meist zu sehr vielen Paaren, 

blofs in Ebenen und Vorbergen. 

146. Die Haus- Schwalbe. Hirundo urbica L. 

( 2) Auswendig an Häusern, ebenfalls meist gesellig; gern noch 
hoch im Gebirge, wo sie bei 3500' Höhe noch zahlreich nistet, 
beim Umherstreifen zuweilen über der Holzgrenze und den äu- 
fsersten Berggipfeln. Gern nahe beim Wasser; bei weitem nicht 
in jedem Dorfe zu finden. 

147. Die Rauch -Schwalbe. Hirundo rustica L. 

( 3 ) Im Innern bewohnter Gebäude und Ställe jedes Dorfs; nistet 
auf Gebirgen einzeln noch etwas höher, als die vorige, und ver- 
sucht es ausnahmsweise bei 4200' Höhe, gewöhnlich jedoch, 
ohne hier Junge auszubringen. Zuweilen kommt sie mit bedeu- 
tend, oft mit ziemlich verdunkelter Färbung des Unterkör- 
pers vor. 

IP e Unterordnung. 

Sperlingsvögel ohne Singmuskel-Apparat. 

Aves passerinae anomalae. 

(Zahl der gewissen Arten r±: 16.) 

xxix. XXVI. (i.) Segler. Cypselus III 



Segler — Kuckuk. 39 

148. Der Mauer-Segler. Cypselus apus III 

(l ) In Menge in den Rüstlöchern aller Stadt-, in wenigeren 
Paaren auf Dorfthürmen; wahrscheinlich auch in den Ritzen 
hoher Felsenwände unseres Gebirges, wenigstens häufig über 
dem Kamme schwebend, in mehr als 4600' H. 

4- Den Felsen-Segler, Cypselus melba HL, 

glaube ich im Sommer 1826 zu drei Stücken hoch über dem Rie- 
senkamme umherschweben gesehen zu haben. 

xxx. XXVII. (ii.) Tagsehläfer. Caprimulgvs L. 

149. Der europäische Tagschi. Caprimulg. europaeus L. 
W Gewöhnlich in manchen, gemein auf dem Zuge fast in allen 
Wäldern und in Dorfgärten. Kommt bisweilen in einer Färbung 
vor, die höchst lebhaft an Caprimulgus ruficollis Natt. od. C. 
rufitorquatus Vieill. erinnert, und desselben specifische Ver- 
schiedenheit wohl noch etwas bedenklich machen dürfte. 

xxxi. XXVIII. (m.) Rake. Coracias L. 

150« Die Blau -Rake. Coracias garrulus Brünnich. 
(*) Gewöhnlich" zu mehreren Paaren in ebenen, lichten Wal- 
dungen, auf Feldbäumen, wiewohl nicht überall; nie nahe am 
Gebirge, aufser auf der Wanderung. 

xxxii. XXIX. (iv.) Bienenfresser. Merops L. 

151. Der europäische Bienenfresser. M. apiaster L. 
(^ Mehrmals im Sommer gefunden, jedoch immer noch bedeu- 
tend selten. Nur einmal (im Jahre 1792) sind nicht blofs meh- 
rere Paare gesehen und einige geschossen, sondern auch ein 
Paar am Ufer des Ohleflusses, unfern der Stadt Ohlau, nistend 
gefunden und ein junger davon aufgezogen worden. 

xxxiii. XXX. (v.) E i s v o g e 1. Alcedo L. 

152. Der gemeine Eisvogel. Alcedo ispida L. 

W Sommer und Winter nicht selten an Flüfsen, einzelner an 
Bächen; hier, wie an Teichen mehr auf dem Striche. 

xxxiv. XXXI. (vi.) Kuck uk. Cuculus L. 
153- Der gemeine Kuckuk. Cuculus canorus L. 
( x) In allen Wäldern gewöhnlich, von den aus Weidengesträuch 
bestehenden Werdern der Flüfse bis an die Baumgränze auf Ge- 
birgen, 4000' h. Weder auffallend rothbraune Junge, noch ein- 
jährige Weibchen dieser Färbung sind häufig. 



40 B. YÖgel. Landv. Sperliugsv., nicht singende. 

xxxv. XXXII. (vn.) Specht. Picus L, 

a) Baumspechte. 

154. Der Schwarz -Specht. Picus Mart ius L. 

(*) Bewohnt alle gröfseren Schwarzwälder einzeln, die gebirgi- 
gen zum Theile in ziemlicher Anzahl; streift auch in kleinere, 
selten in Laub tragende. 

155. Der kurzschnäblige Buntspecht. Picus major L. 
( 2 ) Viel gemeiner, an ähnlichen Stellen, jedoch weiter umher- 
streifend und viel öfter im Laubholze. Rothspecht. 

156- Der mittlere Buntspecht. Picus medius L. 
W Einzelner, im Laubwalde; besonders an Flufsufern. 

157. Der weifsrückige Buntspecht. V.leuconotusBechst. 

( 4 ) Nichtsehr selten: häufiger wohl, als im übrigen Deutschland, 
da er nur von Osten her im Winter einwandert; jedoch noch 
lange nicht gewöhnlich. (Im zool. Museum eine ganz weifse 
Ausartung.) 

158. Der kleine Buntspecht. Picus minor L, 

( 5 ) Aufser dem vorigen und folgenden der seltenste Buntspecht, 
obgleich noch immer ziemlich gewöhnlich. 

159. Der dreizehige Buntspecht. Picus tridactylus L. 

( 6 ) In unserem ganzen Gebirge fast gar nicht selten, im mäh- 
risch -schlesischen sogar gewöhnlich; anscheinend zwar auch 
tief herab-, aber nicht eben hoch hinaufgehend. 

b) Erdspechle. 

160. Der Grau -Specht. Picus canus Gm» 

( 7 ) Nicht häufig, in der Ebene fast selten; im Gebirge zahl- 
reicher. 

161- Der Grün- Specht. Picus viridis L* 

( 8 ) Überall und allezeit gewöhnlich, wo es Laubwald giebt. 

xxxvi. XXXIII. (vm.) Wendehals. Iynx L. 
162. Der gemeine Wendehals. Iynx torquilla L. 
( x ) Gemein an Waldrändern, gewöhnlich in weitläufigen Gärten, 
zahlreich auf manchen, an Bäumen und Ameisen reichen Teich- 
dämmen etc. 

xxxvii. XXXIV. (ix.) Wiedehopf. Upupa L. 
163« Der europäische Wiedehopf. Upupa epops X. 
i 1 ) Meist wo der Wendehals; meist häufiger in sandigen und 



Tauben- u. hühnerartige Vögel. Taube — Waldhuhn. 41 

dabei etwas feuchten , als an trockenen Stellen mit festem Bo- 
den. Schon an hier nistenden findet sich mit die deutlichste 
Spur oder Andeutung einer zweiten Schwanzbinde, oberhalb 
der gewöhnlichen. 

IIP e Ordnung. 

Taubenartige Vögel. Aves peristeroides. 

(Artenzahl nur = 3-) ' 

xxxviii. I. Taube. Columba L. 

164- Die Holz- Taube. Columba oenas L. 

W Gewöhnlich, in Wäldern mit hohlen Bäumen, auf hohlen 

Feldbäumen; häufiger im Gebirge. 

165. Die Ring-Taube. Columba palumbus L. 

( 2 ) Diese Art ist, wenigstens im flachen Lande, den Sommer 
über gemeiner, als die vorige, (welche hier abzunehmen scheint, 
weil die alten hohlen Bäume abnehmen;) meist gern tiefer im 
Walde, als jene. 

16Q. Die Turtel-Taube. Columba turtur L. 

( 3 ) Gern und gemein in jüngeren Wäldern, die Flufsufer vor- 
ziehend; vor dem Abzüge nicht ungewöhnlich an Strafsen, 
welche durch baumarme Gegenden führen. — *) 

! 

IV te Ordnung. 

Hühnerartige Vögel. Aves gallinaceae. 

(Zahl der wirklich einheimischen Arten :=r 5.) 

I. Fasan. Phasianus L. 

Der gemeine Fasan." Phjsianus colchicus L. 
Hat bei uns noch nicht eigentlich verwildern körinen, da er dort, 
wo er aus Fasanerien austritt, gewöhnlich sehr eilig weggeschossen 
wird. Indels dürfte es^hin und wieder doch bald dazu kommen. 

xxxix. IL Waldhuhn. Tetrao L. 

a) Baumhühner. 

167. Das Hasel-Baumhuhn. Tetrao honasia L. 

t 1 ) Selten und meist nur zu wenigen Paaren in manchen Gehirgs- 

Waldungen, wo es nicht weit vor dem Anfange der Knieholz- 



*) Columba livia, die Fels-Taube, die Stammmutter der gemeinen zahmen Fuldtaube, 
kommt in Schlesien nirgends wild vor, selbst nicht auf dem Gebirge; und nur ia unmittel- 
barer Nähe der Menschen findet sie sich verwildert. 



42 B. Vögel. Landv., hühnerartige. 

Region verschwinden soll (?), ja in vielen derselben gar nicht 
zu finden; indefs doch auch in einer oder der andern flachen, 
ganz felsenlosen Gegend. (Mufs in Polen häufig sein, da im 
Winter schon bisweilen ganze, kleine Ladungen zu uns gebracht 
worden sind.) 

b) Edle Waldhühner. 

168- Das Au er -Waldhuhn. Tetrao urogallus L. 

( 2 ) Zwar fast überall nicht seltener, als das vorige, fehlt es 
doch ebenfalls nicht blofs vielen grofsen ebenen, sondern auch 
manchen Gebirgswäldern: wo es übrigens jenem in der höheren 
Region entschieden an Zahl überwiegend ist, und bis ziemlich 
an das Ende der Baumregion geht.*) 

169. Das Brrk -Waldhuhn. Tetrao tetrix L. 

( 3 ) Scheint in Höhen und Tiefen zahlreicher, als das Auerwild: 
kommt hier an manchen Orten vor, wo beide vorige mangeln; 
dort sogar noch überall in der Region der Krummholzkiefer, 
his 4400' H. , wiewohl da nicht häufig. **) 

XL. III. Feldhuhn. Perdix LatJu 

a) Eigentliche Feldhühner. 

170. Das graue Feldhuhn. Perdix cinerea Lath. 

P3 Gemein auf allen Feldern, wie in den meisten Vorhölzern 
bis ans Gebirge; hier seltener, im Gebirge selbst entweder gar 
nicht, oder nur in höchst strengen, sehr schneereichen Wintern, 
um da selbst in bedeutender Höhe an warmen Quellen in den 
grünen Pflanzen eine nothdürftige Nahrung zu suchen. Siedelt 
sich dann jedoch auch wohl in einzelnen Paaren dort an. 

b) Wachteln. 

171. Die europäische Wachtel. Perdix coturnix Lath, 
( 2 ) Zwar sehr gemein auf Sommerfrucht- und Weizen-, später 
auf Kleefeldern und Wiesen, zur Zeit der Wanderung auch wohl 
im dichten Gesträuche ; aber doch lange nicht gleich zahlreich 
in allen Jahren. 



*) Der von dem Weihchen dieser Art mit dem Männchen der Folgenden Art (im Falle 
des Mangels eines zu ihm gehörigen Gatten) gezeugte Bastard, das sogenannte, fälschlich für 
eine eigene Art gehaltene mittlere Wald- oder Raekelhuhn, T.ETRAO medius au dt., 
scheint in unserer Provinz noch nicht wahrgenommen. 

**) Von Schneehühnern, welche selbst eine oder die andere Schrift über das Riesenge- 
hirge (z. ß. Fritsch Taschenbuch) ganz dreist auf unsere Berghohen versetzt, . giebt es natür- 
lich nirgends eine Spur! Für sie sind solche Berge immer noch viel zu niedrig. Deshalb 
fehlt auch schon das Stein-Rephuhn, PJSItDix saxatilis. 



Wasservögel, Wadvögel. 43 

Zweite Hauptabtheilung. Wasservögel. 
Aves aquaticae. 

(Zahl der gewifs vorhandeneu Arten zz: 11^.) 

V tc (i ste ) Ordnung. Wadvögel. Aves grallariae. 

(Zahl der gewissen Arten 555 S£.) 

xlt. I. Sandhuhn. GlareolaGth 

172. Das Ringel-Sandhuhn. Glareola torquata Gm. 
(*) Scheint nur sehr selten vorzukommen , und jetzt wohl noch 
minder oft bemerkt zu werden, als früher. Wahrscheinlich nur 
auf den sandigen, nicht wasserlosen Flächen an der polnischen 
Seite. Hirundo pratincola Lin. 

xlii. II. Läufer. Tachydromus III. 

4. Der isabellfarbige Läufer. Tachydromus isdbellinus. 
Es ist hohe Wahrscheinlichkeit dafür vorhanden: dafs sich von die- 
sem , für Europa höchst seltenen Vogel vor einigen Jahren im Som- 
mer ein Pärchen wenige Meilen von hier auf einem weiten, dürren, 
steinigen Sandfelde aufgehalten, vermuthlich also sogar da geni- 
stet habe. Cursorius isabellinus Lalh. 

xliii- III. Trappe. Otis L. 

173. Der Zwerg- Trappe. Otis tetrax L. 

( x ) Kommt in der That zuweilen, obgleich sehr selten, nach 
Schlesien. So wurde vor einigen Jahren einer bei Neisse (auch 
ein Weibchen in der Lausitz bei Görlitz) geschossen. 

174« Der grofse Trappe. Otis tarda L. 

( 2 ) Blofs in weiten, waldarmen Gegenden auf Feldern, hier aber 
nicht selten; bei Futtersnoth im Winter zuweilen nahe bei 
Dörfern. 

175« Der Kragen-Trappe. Otis houbara Gm, 

( 3 ) Ist früher zuweilen gesehen und erlegt worden. Überhaupt 
war unser Land wohl nicht blofs unter den deutschen, sondern 
selbst unter den europäischen dasjenige, wo dieser Vogel zuerst 
bemerkt wurde. Sandhuhn (!). 

xliv. IV. Dickfufs. Oebicnemus Temm. 

176. Der europäische Dickfufs. Oedicn. crepitans Temm, 
M Nistet nicht selten auf grofsen trockenen Lehden, auf Sand- 
feldern an Flüfsen; zieht noch öfter durch. (Wird zum Theile 
kleiner Trappe genannt.) 



44 B. Vögel. Wasserv. Wadv. 

xlv. V. Regenpfeifer. Charadrius L. 

a) Kibitze. 

177. Der europäische Kibitz. Charadr. vanellus Licht. 
© Gemein, an gröfseren Teichen und auf feuchten Wiesen; 
im Herbste bald in Schaären, häufig auf Feldern. Tringa va- 
nellus £., "Vanellus* cristatus Bechst. 

b) Eigentliche Regenpfeifer. 

178. Der Gold -Regenpfeifer. Charadr. auratus Suckow. 

( 2 ) Auf dem Zuge im Herbste gar nicht selten in Zügen auf den 
Saaten; im Frühlinge meist nicht so zahlreich, dann aber an- 
geblich auf dem Riesengebirge am kleinen Teiche an 3700' hoch. 
Kommt jedoch einzelner noch im Juni vor, nistet also vielleicht 
an unseren Moor-Sümpfen. C. -pluvialis Lin. u. Capricarius L. 

179. Der weifspunktirte Regenpf. Ch. squatarola Glog. 

( 3 ) Gehört wohl schon unter die seltenen Gäste in Schlesien. 
Hat ähnlichen Aufenthalt mit dem Goldregenpfeifer. Schwarz- 
bäuchiger Kibitz (!). Vanellus melanogaster s. helveticus, 
Tringa Helvetica L. 

180. Der dumme Regenpfeifer. Charadr. morinellus L. 
(+) Trifft nicht häufig auf dem Herbst- und Frühlingszuge auf 
Feldern ein. Die höchsten, kahlen Theile des Riesengebirges, 
in 4500 — 4800' H., sind die einzigen Stellen in Deutschland und 
überhaupt im mittleren Europa, an welchen er heckt; also sein 
südlichster Sommer -Aufenthalt. Doch hatte er, nachdem er 
früher sehr häufig gewesen, bereits in den Jahren 1825 und 26 
durch die erlittenen Verfolgungen sehr abgenommen. Berg- 
schnepfe oder Rebhuhn der Bergbewohner. 

c) Strandpfeifer. 

181- Der buntschnäbelige Strandpf. Ch. hiaticula L. 

( 5 ) Kann wohl nur einzeln oder auf dem Zuge vorkommen, und 
scheint jederzeit selten, wo nicht sehr selten; wo der folgende, 
(auch in Mähren,) sonst im Sommer am Strande des Meeres. 
(Bei uns zum Theile mit dem folgenden verwechselt, daher 
fälschlich für nicht selten ausgegeben.) 

182. Der kleine Strandpf. Cbaradrivs f luv iatilis Bechst. 

( 6 ) An den sandigen Stellen fast aller Flüfse sehr gemein und 
nistend; selten auf grofsen, von diesen entfernten Sandstrecken 
oder bei Teichen. Ch. curonicus Bes., Ch. minor Meyer, Ch. 
hiaticula bei Endler. 



Austemfischer — Wasserläufer. 45 

xlvi. VI. Austernfischer. Haematopus L. 

183- Per europäische Austernf. Ha emat. ostralegus L. 
& So selten dieser Vogel (nur Seestrand-Bewohner, oder Ufer- 
Vogel an weiten salzigen Binnenseeen) sich in Europa weit in's 
Innere des Landes verirrt; so sind doch in Schlesien schon ein- 
mal (im August 1819) 3 Stück, darunter 2 alte, unfern von hier 
bei einander getroffen und erlegt worden. Der hiervon noch im 
zoologischen Museum aufbewahrte ist ein junger; auch ein an^ 
derer, der angeblich im Glätzischen geschossen wurde, ist noch 
vorhanden. Meerälster. 

xlvii. VII. Strandreiter. Himantopus Bechst. 

184- Der rothfüfsige Strahdr. Himant. rufipes Bechst. 
W Sehr selten; wird jedoch vielleicht auf den grofsen Sümpfen 
öfters übersehen. Himantopus melanopterus. Riemenbein, 
Storchschnepfe. 

xlviii. VIII. Wasserläufer. Totanus. 

a) Eigentliche Wasserläufer. 

185. Der dunkelbraune Wasserl. ToTAmisfuscus Leisl, 
(*' Selten oder fast sehr selten, wahrscheinlich nur durchzie- 
hend; im Frühlinge an Sümpfen, besonders in überschwemmten 
Gegenden, im Herbste mehr an Flüfsen. Grofser Rothschenkel. 

186- Der Meer-Wasserläufer. Totanus calidris Bechst. 

( 2 ) Scheint zuweilen h[n eigentlichen Sommer (ob also nistend?) 
vorzukommen; sonst zieht er durch, im Herbste zuweilen gar 
nicht selten. Wo der vorige, im Sommer in der Regel am Meere. 
Kleiner Rothschenkel. 

187. Der Teich-Wasserläufer. Totan. stagnatüis Bechst. 

( 3 ) Zwar sehr selten, wie überhaupt in Deutschland; bei uns 
soll er jedoch bisweilen genistet haben. Meist an stehenden 
Gewässern. 

188- Der grünfüfsige Wasserläufer. Tot. glottis Bechst. 
W Scheint nicht ungewöhnlich im Sommer hier zu sein; findet 
sich regelmäfsig im Herbste, nicht selten in kleinen Flügen, an 
den kahlen Ufern der Oder und anderer Fiüfse ein. Grünbein. 
Tot. chloropus Meyer, Tot. leucophaeus Bechst. 

189- Der Wald-Wasserläufer. Totanus glareola Temm. 
( 5 ) Erscheint gewöhnlich einzelner, aber gar nicht selten, im 
Herbste; viel häufiger und meist truppweise im Frühlinge, 



46 B. Vögel. Wasserv. Wadv. 

mitunter sogar noch nach Anfange des Sommers, besonders an 
überschwemmten und mit Gesträuch besetzten Teichufern und 
auf überschwemmten Winsen dieser Art; nicht an kahlen Sand- 
ufern der Flüfse. Nistet wahrscheinlich. 

190. Der getüpfelte Wasserl. Totanus ochropus Temm. 

( 6) Kann zwar durchaus nicht für selten, jedoch auch noch 
lange nicht für so gewöhnlich gelten, wie der vorige oft ist. Ni- 
stet hier. 

b) Strandlauferähnliihe Wasseriäufer. 

191. Der trillernde Wasserl. Totanus hypoleucus Temm. 

( 7 ) Vom Frühjahre bis in den Herbst paarweise gemein an 
schlammig-sandigen Stellen der Flufsufer und benachbarter ste- 
hender Gewässer; viel seltener an Teichen. 

xlix. IX. Strandläufer. Tringa L. 

a) Wasserläuferartige Strandläufer. 

192. Der Kampf-Strandläufer. Tringa pugnax L. 

( x ) Zieht in der Regel nicht häufig, doch meist sowohl im Früh- 
jahre, wie im Herbste durch. Doch hat man ihn mitunter, in 
spät eintretenden Sommern, sogar zu einzelnen Paaren an einem 
Orte, nistend gefunden, und dann nach Ende des Sommers in 
Menge ankommen gesehen. Im Sommer auf Sümpfen, zum 
Herbste auch an Flüfsen etc. 

b) Sanderlinge. 

193. Der graue Sanderling. Tringa arenaria Gm. 

( 2 ) Ein seltener Fremdling, der nur zuweilen an ähnlichen Stel- 
len mit den folgenden wandert. Arenaria grisea Bechst. Ar» 
calidris Meyer. Charadrius calidris und Ch. rubidus Gm., 
Calidris arenaria III. 

c) Eigentliche Strandläufer. 

164.-1- Der breitschnäbelige St. T. platyrhyncha Temm. 

(3) Wird nur selten, oder sehr selten, wahrscheinlich aber 
nicht blofs im Herbste, sondern auch im Frühlinge bemerkt. 

Numenius pygmaeus Bechst., Limicola pygmaea Koch. 

195. Der veränderliche Str. Tringa variabilis Meyer. 
(*) Kommt manchen Herbst in ziemlicher Anzahl und gesellig 
an schlammig-versandete Flufsufer. Im Frühlinge scheint er 
weniger diesen Strich zu nehmen. Alpen- Strdl., T. alpina L. 

196.-1- Der Temmincksche Str. ^mmGeLTemminchiiLeisl. 
( 5 J Selten auf dem Herbst-Durchzuge an Teichufern u. Flüfsen. 



Strandläufer — Schnepfe. 47 

197. Der Zwerg- Strandläufer. Tringa minuta Leisl. 
(e) Wie der vorige. Ihrer Kleinheit wegen mögen beide noch 
weniger wahrgenommen werden, wenn sie nicht schaarenweise 
kommen. 

198. Der bogen schnäbelige Strdl. Tringa subarquata. 
< 7 ) Früher öfter im Herbste, selten im Frühjahre durchziehend 
getroffen, scheint er doch in neuerer Zeit nur sehr selten vor- 
zukommen. Numenius subarquata Bechst., Nim. ferrugineus 
Meyer. 

199. Der gewellte Strandläufer. Tringa cinerea L. 

( 8 ) Gewifs fast, wo nicht wirklich der seltenste Vogel seiner 
Gattung bei uns; scheint bisjetzt nur in den östlichen Sumpf- 
districten angetroffen. Die Schweiz soll er ziemlich häufig be- 
suchen. Tr. islandica, Tr. Canutus. 

L. X. Sumpf lauf er. Limosa. 

200.-J- Der rostrothe Sumpfläufer. Limosa rufa Leisl. 
( x) Ist, obgleich er sich ungern vom Seestrande, weit in's Land 
hinein, entfernt, schon geschossen worden; im Herbste zu- 
weilen bereits früh. 

201» Der schwarzschwänzige Spfl. L. melanura Leisl. 
C 2 ) Zwar selten, manches Jahr gewifs sehr selten, durchziehend. 
Jedoch wurde vor einigen Jahren im Juli (nach einem spät ein- 
getretenen Frühlinge) ein Paar Meilen von hier, an dem hoch- 
grasigen Ufer eines grofsen Teiches, einjunger Vogel geschossen: 
in dessen noch lange nicht vollständiger Grofse man überhaupt, 
wie besonders in den noch viel zu kurzen Flügeln, wohl den ge- 
nügendsten Beweis findet: dafs er nicht blofs im Lande, sondern 
sogar unfern von jenem Orte selbst, ausgebrütet sein mufste. 
Totanus limosus Bechst. 

Li. XL Schnepfe. Scolopax L. 

a) Waldschnepfen. 

202. Die europäische Waldschnepfe. Scol. rusticula.*) 
(*) Zieht nicht blofs im Frühjahre und Herbste in bedeutender, 
manches Jahr noch in ungewöhnlicher Anzahl durch unsere Wäl- 
der und holzreichen Sümpfe; sondern nistet auch regelmäfsig 
in den höheren Gebirgs-, bis zu den letzten Fichten-, einzeln 
sogar, wenigstens zuweilen, in gröfseren und von hier nicht 
fernen ebenen Wäldern. 



*) Rusticulus (adject.) r= •rusticns; rusticula avis Plin. Dagegen ist r u- 
sticola eine nach Sinn und Etymologie gleich falsche Bildung. 



48 B. Vögel. Wasserv. Wadv. 

h) Sumpfschnepfen. 

203. Die grofse Sumpfschnepfe. Scolop. me dia Bechst. 

( 2 ) Gewöhnlich, in manchen Jahren gemein: scheint nicht blofs 
noch spät im Frühlinge und früh im Herbste oder Spätsommer 
durchzuziehen, sondern auch gar nicht selten zu nisten. Hält 
sich sehr häufig an viel trockneren Stellen dergrasreichenTeich- 
ufer und Wiesen, als die folgenden; im Frühlinge zuweilen 
unter der kleineren. Sc. major Gm. 

204- Die gemeine Sumpfschnepfe. Scolop. gallinago L. 

( 3 ) Brütet an grofsen, weiten Sümpfen und Brüchen mit Ge- 
sträuch, welches sie im Frühlinge besonders liebt; und zieht 
im Frühlinge in ansehnlicher Menge , im Herbste meist in gro- 
fsen zerstreuten Gesellschaften durch. Besucht dann gern die 
abgelassenen Teiche. Heerschnepfe, gemeine Bekassine. 

205- Die kleinste Sumpfschnepfe. Scolop. gallinula L. 

( 4 ) An denselben Orten gemein, jedoch viel einzelner, als die 
vorige, aber fast immer zahlreicher, als die grofse; zuweilen 
noch sehr spat im Frühlinge, so dafs sie wahrscheinlich, wenig- 
stens manches Jahr, auch hier nistet. Haar-, stumme Schnepfe, 
kleine Bekassine. 

LH. XII. Brachvogel. Nvmejvius Lath. 

206. Der Regen-Brachvogel. Numetvius phaeopus Lath. 
\f) Ein selten oder sehr einzeln durchgehender Wanderer aus 
Norden. Kleiner Keilhaken. 

207« Der grofse Brachvogel. Numenius arquata Lath. 
( 2 ) In manchen Jahren selten oder fast selten, jedoch beinahe 
immer viel zahlreicher, als der vorhergehende; im Herbste zu- 
weilen gar nicht ungewöhnlich in kleinen Flügen auf Feldern 
und Sumpfwiesen. Grofser Ereilhaken. 

Llll. XIII. Ibis. Ibis Lacep. 

208. Der roth braune Ibis. Ibis falcinellus III. 

t 1 ) An grofsen Sümpfen der Ostseite während des Sommers, 
jedoch sehr selten; scheint ehedem viel gewöhnlicher gewesen 
zu sein, als jetzt, und mufs damals genistet haben. Gemeiner, 
kupferfarbiger Nimmersatt, Sichler, Sichelschnabel, Sichel- 
reiher. Tastalus falcinellus L. 

LIV. XIV. Kranich. Grus B. 

209. Der gemeine Kranich. Grus cinerea Bechst. 

w gelten; scheint sich wenigstens auf seinen Zügen selten hier 



Kranich — Reiher. 49 

niederzulassen. Doch nistet er in den ober-, mittel- und nieder- 
schlesischen Sümpfen an der polnischen Grenze. Ardea grus L. 

lv. XV. Storeh. Ciconia B. 

210. Der schwarze Storch. Ciconia nigra Sechst. 

M Nicht selten, und viel häufiger, als der Kranich; kommt indefs 
vielleicht auch nur wenig in den einsamen Wäldern derselben 
Gegend und Oberschlesiens nistend, meist blofs vorübergehend 
vor. Ardea nigra L. 

211. Der weifse Storch. Ciconia alba Bechst. 

( 2 ) Gemein als Heckvogel in den meisten niederen , wasserrei- 
chen Gegenden des Landes; in sehr wasserreichen häufig. Auf 
dem Zuge überall in ansehnlichen, zum Herbste oft in sehr 
srofsen Heerden. Ardea ciconia L. 

o 

lvi. XVI. Reiher. Ardea L. 

a) DLinnhälsige Reiher. 

212. Der grofse Silberreiher. Ardea egretta Gm. 

( x ) Nicht sehr selten, wo es viel grofse Teiche giebt; einzeln 
fast jeden Sommer. Es sind auch in neuerer Zeit wieder mehr- 
mals jüngere Vögel (ob hier ausgebrütet?} geschossen worden. 
(In der Lausitz gleichfalls einzeln.) 

213- Der kleine Silberreiher. Ardea garzetta Gm. 

( 2 ) Äufserst selten in früherer Zeit vorgekommen. In neuerer 
ist es zwar nicht ganz gewifs, aber wenigstens höchst wahr- 
scheinlich: dafs ein, von einem geübten practischen Ornitho- 
logen vor einigen Jahren nahe bei Breslau gesehener weifser 
Reiher von dieser, nicht von der vorigen Art war. 

214« Der Zopf -Reih er. Ardea comata Gm. 

( 3 ) Scheint ebenfalls nur äufserst selten einmal bis zu uns her- 
auf gelangt zu sein. Rallen -Rohrdommel,- Reiher. Ardea ral- 
loides Scop.^ Ardea castanea Gm. 

215. Der Purpur-Reiher. Ardea purpurea Gm. 

(*) Gar nicht selten. Er besucht nicht blofs alle Sommer die 
grofsen, zusammenhängenden Teiche der daran reichen Bezirke; 
sondern nistet auch auf manchen regelmäfsig. 

216. Der graue Reiher. Ardea cinerea L. 

( 6 ) In den passenden Gegenden überall gemein. Nistet in Wäl- 
dern, die viele und gröfsere, stehende oder fliefsende Wasser 
umgeben, zum Theile in ziemlichen Gesellschaften. Ardea 
major Gm. nur der alte Vogel. 

4 



50 13. Vögel. Wasserv. Wadv. 

b) Nacht -Reiher. 

217. Der gemeine Nachtreiher. Ardea nycticorax L. 

( 6 ) Kommt jung und alt, wiewohl im Ganzen selten, und zu 
allen Perioden der wärmeren Jahreszeit an schilfigen grofsen 
Teichen und ausgetretenen Wassern, selbst mitunter hier in der 
Nähe vor. Mag nur häufig nicht aufgefunden werden, aber wohl 
nicht oft nisten. Ardea maculata das Junge. 

c) Rohrdommeln. 

218» Der kleine Rohrdommel. Ardea minuta L. 

( 7 ) Bewohnt in Menge die, besonders mit schilfigem, nassem 
Gebüsche bewachsenen Flufsufer, Teichränder, gröfseren Was- 
sergräben und ähnlich beschaffene, zusammenhängende Wald- 
pfützen. An solchen Orten wird er nirgends, aufser etwa im 
Gebirge, vergebens gesucht. 

219. Der grofse Rohrdommel. Ardea stellaris L. 

( 8 V Zwar um Vieles weniger häufig, wird er doch im dichten 
Schilfe und Rohre fast aller gröfseren Teiche als gemeiner 
Vogel gefunden. 

Lvit XVII. Löffler. Platalea L. 

220. Der weifse Löffler. Platalea leucerodius.*) 

t 1 ) Gewifs nur einer der seltensten befiederten Fremdlinge bei 
uns; in letzter Zeit sogar anscheinend gar nicht angetroffen, 
aber vor einigen Jahren in Mähren geschossen. 

lviii. XVIII. Wassersäbler. Recurvirostra L. 

221- Der europäische Wassers. Recurv. avocetta L, 
(*) Obgleich eigentlich ein Strandbewohner, wird er doch im 
Frühlinge, und zwar, wie es scheint, nicht eben sehr selten, an 
überschwemmten Plätzen durchwandernd gesehen. 

lix. XIX. Wiesenknarre r. Crex Becks t 
222. Der gemeine Wiesenknarrer. Crex pratensis B. 
t 1 ) Auf allen gräbenreichen Wiesen und in feuchten, mit Som- 
mergetreide oder Weizen bestellten Ackerstücken gemein; 



*) So und nicht anders, weder mit weiblicher Endung leucerodia, noch gar in lenco- 
rodia verändert, mufs der Name heilten nach dem griechischen, namentlich bei Aristoteles 
vorkommenden XtVY.B QCQOLOS: welches, zusammengesetzt aus X£V%oS (weifs) und SQCO- 
dlÖS (Reiher), zwar als Name dem Sinne nach gleichbedeutend ist mit SQCOOLOS ASVitoS, 
aber als "Wesen ausdrücklichst von diesem unterschieden und nach der Eigenthüinlichkeit 
des Schnabels charakterisirt wird. Vergl. Aristot. hist. ttnim, L, VIII, can. 5, $ 6 , edit. 
Schneiden; can. 3 vulg.; pag, 2 22 ed. Bekkeri 8vo. 



Schwimmvögel. Wasserhuhn. 5 1 

später im Klee, in Wicken, Kartoffeln etc. und im niedrigen, 
oder nassen Gesträuche. Ist doch in manchen Jahren viel minder 
zahlreich, als in anderen. 

lx. XX. Halle. Rallus L. 

223. Die Wasser-Halle. Rallus aquaticus L. 

W An weitläufigen, grasreichen und schilfigen Teichufern mit 
etwas Gesträuch, auf sumpfigen Wiesen mit Wassergräben gar 
nicht selten, jedoch nicht gerade häufig; allerdings meist schwer 
zu finden. ' 

lxi. XXI. Rohrhuhn. Gallinula Lath. 

a) Ohne nackte Stirn. 

224. -j- D a s Zwerg-Rohrhuhn. Gallinula pygmaea Naum. 
C 1 ) An ähnlichen Orten mit viel Riedgras und Gesträuch ; jedoch, 
wie es scheint, selten. Gallinula Baüloni VieilL 

225. Das kleine Rohrhuhn. Gallinula pusilla Bechst. 

( 2 ) Scheint gewöhnlicher, nur ist es eben so schwer aufzufinden; 
an gleichen Orten. Rallus pusillus Pall., R. parvus Scop. 

226« Das punktirte Rohrhuhn. Gallinula porzana Lath. 

( 3 ) Sehr gemein, viel häufiger, als das vorige, jedoch meist 
einen ähnlichen versteckten Aufenthalt suchend; geht im Herb- 
ste gern in's Rohr und Schilf abgelassener Teiche. Rallus por- 
zana L. Muthhühnchen. 

b) Mit kalller Stirnplatte. 

227. Das rothblässige Rohrhuhn. Gall. chloropus Lath. 
W Bewohnt, nicht minder zahlreich, die Spiegel stehender, 
stark bewachsener Gewässer und deren sumpfigen Uferrand. 
Es fehlt selbst dem kleinsten Rohrteiche einzelner, nasser 
Wiesenflecke nicht leicht. Gemeines Wasserhuhn. 

VI le Ordn. Schwimmvögel. Aves natatoriae. 

(Zahl der gewissen Arten ^=r 5 5.) 

A. Waderähnliehe Schwimmvögel. 
Aves natatoriae grallariae. 

(Zahl der gewissen Arten = 2.) 

lxii. I. Wasserhuhn. Fulica L. 

228- Das schwärzliche Wasserhuhn. FvhiCAatra L. 
( x ) Zahlreich auf allen grofsen, oder nicht zu kleinen Teichen 
mit Rohr und Schilf. Bläfshuhn, Bläfsente. 



52 B. 'Vögel. Wasserv. Schwimm?. 

lxiii. H. Wassertreter. Phalaropus Lath. 
229« Der schmalschnäbelige W. P. hyperboreus Lath. 
W Ein merkwürdiger, bei uns nur sehr selten, jedoch mehr- 
mals im Herbste bemerkter Vogel; der aber vielleicht öfter vor- 
kommt, da er mitunter bereits in Curland oder Liefland nisten 
soll. Phal. cinereus s. vulgaris. Tringa hyperborea L. 
\. Der breitschnäbeligeWassertr. Phal. platyrhynchus Tem. 
Auch er möchte, obgleich schon überall in Europa seltener, 
in Deutschland und den Nachbarländern sogar viel seltener, als der 
erste, unserer Provinz zuweilen als Gast angehören. Phal. rufus 
Sechst. Tringa fulicaria Brünnich. 

B. Langflügelige Schwimmvögel. Aves natatoriae 
longipennes. 

(Zahl der gewissen Arten =; 15-) 

lxiv. III. Meer schwalbe. Sterbt a L. 

-!- Die weifs flügelige Meerschvv. Stern a leucoptera Schinz. 
Nachdem sie aus Süd- U.Osteuropa bereits nicht einzeln bis Sach- 
sen heraufgekommen ist, so möchten wir sie wahrscheinlich auch 
bald als schlesischen Vogel anzusehen haben. 

230» Die schwarze Meer schwalbe. Stern Afissip es L. 
( T ) Auf grofsen und sehr grofsen Teichen zahlreich, in Gesell- 
schaften beim Herumstreifen auch an Flüfsen. Sterna nigra L. 

231. Die gemeine Meerschwalbe. Sterna hirundo L. 

( 2 ) An Flüfsen und weit reichenden Teichen, doch mit Vorliebe 
fürerstere; meist gesellig; gemein, nur nicht überall. 

232« Die kleine Meerschwalbe. Sterna minuta L. 

( 3 ) Zu einigen Paaren hin und wieder an der Oder, wahrschein- 
lich auch anderswo; im Ganzen selten. 

Anmerk. Sämmtl. Arten der Gattung sind nur Sommervögel. 

lxv. IV. Meve. Larus L. 

233. Die Lach-Meve. Larus ridibundus L. 

(^ Gemein im Ganzen den Sommer über; in grofser Zahl auf 
grofsen Teichen und an Flufsinseln. 

.}- Die Kapuziner-Meve. Larus capistratus Tem. 

Insofern sie wirklich eine bestimmte Art, nicht blofs Varietät der 
vorigen, sein sollte, wäre sie auch als schlesische Species anzu- 
führen. 

234. Die dreizehige Meve. Larus tridactylus L. 

( 2 ) Scheint unter den bei uns vorkommenden Arten mit die sel- 
tenste; eigentlich eine Strandbewohnerin. 



Meve — Raubmeve. 53 

235.-1- ^* e blauschnäbelige Meve. Larus canus L. 

( 3 ) Scheint sehr selten so weit landeinwärts zu streifen oder 
verschlagen zu werden. Ein junger, mausernder Herbstvogel 
wurde vor einigen Jahren dem zool. Museum eingesandt. 

236- Die grofse Silbermeve. Larus glaucus Brunn. 

( 4 ) Schon jung sehr selten als Verschlagene von der Ostsee her 
gekommen ; doch auch schon wenigstens ein Paar Mal alt. Ein 
solcher Vogel wurde vor einigen Jahren bei Neisse auf dem Aase 
eines Schaafes lebend ergriffen. 

237. Die Herings -Mewe. Larvs/uscus L. 

( s ) Selten, doch sowohl alt, wie jung, ersteres häufiger; im 

Frühlinge und Herbste, h.flavipes Meyer. Gelbfüfsige Mewe. 

238« Die Mantel-Meve. Larus marinus L. 
(6) Yerirrt sich nur sehr selten einmal zu uns, vom Strande her- 
kommend; am seltensten der alte Vogel. 

lxvi. V. Raubmeve. Lestris III. 

239-4- ^* e g r °f se Raubmeve. Lestris catarrhactes Hl. 
(*) Im Sommer vorigen Jahres, am 17 ten Juli, wurde zum ersten 
Male ein schönes , allem Anscheine nach körperlich durchaus 
unverletzt gewesenes , blofs durch Sturm oder einen sonstigen 
Zufall verschlagenes Exemplar*) auf einer Wiese , wenige Mei- 
len von hier, lebend ergriffen, hierher gebracht und ein Paar 
Tage lebend erhalten: bis es, ohne Zweifel in Folge der, durch 
Schlagen mit Stöcken erhaltenen Verletzungen, doch starb. 
Es scheint ein alter Vogel; älter wenigstens, als im zweiten 
Lebensjahre.**) Lestris skua Bote. Larus catarrhactes L. 

240.-J- Die 1 an gschn ab e lige Raubm. h.pomarina Temm. 
v 2 ) Die gröfste Art nach der vorigen; scheint ebenfalls nur eine 
sehr seltene und zufällige, aber doch schon gewöhnlichere Er- 
scheinung in Schlesien. Beide bemerkte Exemplare sind junge 
Herbstvögel. Kugelschwänzige Raubmeve. 

241 -f Die dickschnäbe^ige Raubm. L. crepidata Meyer. 
( 3 ^ Sie mag noch nicht viel häufiger, als die vorige, bei uns 
erscheinen, jedoch bisweilen alt vorkommen. Felsen-Raubm. 
Larus crepidatus Gm. 



*) Es hatten kurz Vorher einige Zeit hindurch sehr heftige Stürme aus West und Nord- 
west geweht, und namentlich in mehreren Hafen, so wie an der Küste des Oceans beträcht- 
lichen Schaden angerichtet. 

**) Seine Knochen zeigten bereits eine ausgezeichnete Harte. 



54 B. Vögel. Wasserv. Schwimmv. 

242. Die kleinschnäbelige Raubmeve. L.parasitica HL 
W Die gewöhnlichste Art, und in manchen Jahren, wo junge 
Raubmeven sich mehr als sonst in's Innere des Landes verirren, 
gar nicht ungewöhnlich , im Jugendkleide sogar vielleicht kein 
Jahr ganz fehlend. Mitunter zeigen selbst vorjährige sich einzeln 
im Sommer; alte oder fast ausgefärbte kommen dann aber viel 
seltener vor, wie in der ersten Hälfte des Juni 1830. Schma- 
rotzer -Raubmeve. Larus parasiticus L.*) 

Anmerk. Verschlagen, wie sie es tief im Innern des Landes 
meist oder häufig sind, kommen die Raubmöven alle eben so viel 
oder mehr aufs Feld, um da thierische Stoffe jeder Art zur Nah- 
rung zu suchen, als ans Wasser. 

lxvii. VI. Sturmvogel. Procellaria L. 

243. Der kleine Sturmvogel. Procellaria pelagica L. 
(*) Am 4 ten November 1821 (zu einer Zeit also, wo einzelne Vö- 
gel dieser Art nicht blofs auch anderswo in Deutschland, sondern 
angeblich auch noch sonst in Schlesien, als Verschlagene wahr- 
genommen worden sein sollen) wurde ein solcher hier in der 
Stadt selbst zufällig von einem Fuhrmanne bemerkt, und in der 
Meinung, dafs es eine so ungewöhnlich verspätete Mauer- 
schwalbe sei, durch einen geschickt geführten Peitschenhieb 
im Fluge aus der Luft herunter geschleudert. Das Exemplar 
steht im zoologischen Museum. — Der kleinste bekannte 
Schwimmvogel. 

lxviii. VII. Pelikan. Pelecanus L. 

244. Der gemeine Pelikan? Pelecanus onocrotalus L. ? 
( T ) Äufserst selten verirrt sich ein wahrer Pelikan nach Schlesien; 
doch ist es schon mehrmals geschehen. So wurde auch vor eini- 
gen Jahren ein Exemplar, von dem es noch ungewifs scheint: 
ob es ein junges, noch graues Exemplar des P. onocrotalus sei, 
oder ob es zu der, freilich an sich noch bedenklichen neuen Art 
Pel. caspius Eversmann's**) gehöre, — in der Gegend von 
Namslau geschossen. Steht im zool. Mus. 



*) Die hier gebrauchten deutschen, von den, hei manchen Ornithologen früher bei der 
Bestimmung zu wenig berücksichtigten Schnäbeln entnommenen Benennungen der kleineren 
Baubmeven sollen hoffentlich keiner Undeutlichkeit Baum lassen. 

**) Bedenklich defshalb : weil der Umstand, dafs jene grauen in dieser, anscheinend un- 
vollkommenen Färbung brulfäbig sind, überhaupt, besonders in Klimaten mit warmen 
Sommern, seine sonstige Beweiskraft beinahe, der andere, dafs sie dann nicht an den- 
selben Orten , wie die rosenröthlichen , und nicht unter ihnen vorkomrnzn, seine Bedeutung 
für viele Wasservögel ganz verloren zu haben scheint. Es ist in Bezug auf diese die Tren- 
nung der jungen und alten beim Brüten bekannt ; und von Baub vögeln glaubte früher Nie- 
mand, dafs sie im nicht ausgefärbten Kleide brüteten. Doch haben Wilson, Charles 
Buona parte und Au dubon diefs namentlich selbst von den Seeadlern nachgewiesen. 



Kurzflügelige Schwimmv. Gans. 55 

G. Kurzflügelige Schwimmvögel. Aves natatoriae 
brevipennes. 

(Zahl der unzweifelhaften Spccies ^z; 38-) 

a) Mit blätterähnlichen Zähnen an den Schnabelschneiden. 
Lamellosodentatae. 

(Zahl der unzweifelhaften Arten =3 30>) 

LXIX. VII. Gans. Jnser B. 

245« Die Ringel-Gans. Anser torquatus Bechst. 
(1 ) Auf dem Zuge fast mehr als selten; scheint jedoch wenig- 
stens noch die gemeinste unter den seltneren fremden Gänse- 
Arten. Anas bernicla L. Bernakelgans. 

246' Die Blässen-Gans. Anser albifrons Bechst. 

(*) Verirrt sich sehr selten bis zu uns herab, (ebenso nach der 

Lausitz ;) ist dann meist unter den Heerden der Saatgänse. 

247. Die Saat- Gans. Anser segetum Bechst. 

( 3 ) Besucht uns jeden Herbst und meist zeitig in Menge; bringt 
auch gelinde Winter in grofsen Schaaren in wasserreichen Ge- 
genden mit Saatfeldern zu. Einzelne scheinen selbst für den 
Sommer hier zurückzubleiben. Anas segetum L. 

248. Die Grau-Gans. Anser einer eus Meyer. 

^ Die einzige Gans, welche bestimmt und in ziemlicher Anzahl 
unsere gröfsten Teiche zu Brütplätzen hat; zieht aber schon 
ziemlich zeitig fort. Sie ist die Stammmutter der meisten, jedoch 
offenbar nicht aller zahmen: da deren Abkunft vielmehr zum 
grofsen Theile auch mit von der Saatgans herzuleiten ist. Anas 
anser L. Gemeine wilde Gans. 

249- Die w ei fs wangige Gans. Anser leueopsis Bechst. 
( 5) Besucht uns zwar im Herbste, aber jetzt wohl nur sehr sel- 
ten; früher anscheinend häufiger. 

250. Die Schnee-Gans. AnSEiLhyperboreuss.nweusPalL 
^ Schlesien gehört zu den sehr wenigen Provinzen Deutsch- 
lands, welche sonst diese Nordländerin, wenn sie aus Sibirien 
zuweilen ungewöhnlich weit westwärts zog, schon beherbergt 
haben.*) Anas hyperborea L. 



*) Borner's Beschreibung läfst den Kenner nicht einen Augenblick zweifeln: dafs er 
-wirtlich die ächte Schneegans im völlig ausgefärbten Gefieder, (nicht etwa eine untergescho- 
bne und künstlich verfälschte weifse zahme, denn wo wäre auch unter den obwaltenden 

Umständen und an dem frischen Vogel im Fleische an Betrag überhaupt, oder gar an einen so 
schwierig zu bewerkstelligenden, zu denken gewesen ? ! — ) vor sich gehabt habe. Er konnte das 
Exemplar freilich nicht zum Ausstopfen erhalten ; doch soll, nach Kai u z a, auch der verstor- 
bene Minkwitz ein im Tiachenbergscficn geschossenes in «einer Sammlung besessen haben« 



56 B- Vögel. Wasserv. Kurzflügl. Schwimmv. 

lxx. VIII. Schwan. Cygnus B. 

251. Der Sing-Schwan. Cygnus musicus B. 

( l J Mag wohl nur äufserst selten nach Schlesien, wie nach Mäh- 
ren und der Lausitz, herabkommen. Doch würde es schon des- 
halb wahrscheinlich sein, dafs er in manchen Jahren durchwan- 
dert: weil einzelne Paare von Schwänen bereits sehr früh im 
Jahre vorkommen. C. melanorhynchus Meyer, Anas cygnus L. 

252. Der stumme Schwan. Cygnus olor Hl. 

( 2 ) Wild im Sommer nur auf den gröfsten Teichen hin und wieder, 
oder im Herbste und Frühlinge durchziehend. Höcker-Schwan. 
Cygnus gibbus B., Anas olor L, 

lxxi. IX. Ente. Anas L. 

A) Wahre Enten; a) Strand- oder Höhlenenten. 

253.-[- Die höckerschnäblige Fuchsente. A. tadorna L. 
W Obgleich sie sich ungern und nur selten vom Strande in r s In- 
nere des Landes entfernt; so ist sie doch schon erlegt worden, 
und ein jüngerer Vogel von hier steht jetzt im zool. Museum, 

254. Die rothe Höhlenente. Anas rutila Pall. 

( 2 ) Schlesien hat diesen schönen Vogel des Ostens zwar zuerst 
als herbstlichen Wanderer auf deutschem Boden, aber doch nur 
höchst selten aufgewiesen; in neuester Zeit, wie es scheint, 
nicht wieder. 

b) Siifswasser- Enten. 

255. Die Löffel -Ente. Anas clypeata L. 

( 3 ) Ziemlich gewöhnlich, oft beinahe gemein auf dem Zuge; 
nistend aber fast nur auf bedeutenden und ganz grofsen Teichen, 
hier jedoch ziemlich zahlreich. 

256* Die Stock-Ente. Anas boschas L. 

( 4 ) Vor allen zahlreich und fast zu allen Zeiten, so lange es noch 
offenes Wasser giebt; oft auf ganz unbedeutenden Gewässern, 
auf Dorfteichen nicht selten unter den zahmen, die von ihr her- 
stammen, und mit denen sie sich dann wieder ohne Unterschied 
begattet. Nicht selten im Sommergefieder mit merklichem, sel- 
ten mit sehr auffallendem Anfluge von Ilosenroth an allen weifsen, 
häufig mit rostgelbem an sämmtlkhen unteren Theilen.*) Die 



*) Jener rosenrothe Teint kommt offenbar tief aus dem Innern der Feder, 
also auch aus dem Innern des Ihierischen Leibes; höchst wahrscheinlich in Folge der 
besonderen Fettheit des Individuums, wie der etwas gelblichere, zum Theile aber glei- 
che an den Bäuchen recht fetter, zahmer Enten, die Gelegenheit gehabt haben, viel 



Ente. 57 

Männchen im Sommergefieder nicht selten in noch anderen, 
zum Theile sehr auffallenden Abänderungen. 

257. Die Spie fs -Ente. An as acuta L. 

( 5) Gewöhnlich: indem sie zum Herbste alljährlich früh und in 
ziemlichen Gesellschaften auf unsere gröfseren Teiche kommt. 
Die ersten Ankömmlinge, die bereits im August hier in der 
Nähe einzutreffen pflegen, scheinen durch ihre, häufig noch 
nicht völlig ausgebildeten Flügel den zuverläfsigsten Beweis zu 
führen : dafs sie auch den Sommer ganz im Lande zugebracht, 
die jungen ihr Leben hier begonnen haben. — Nicht selten mit 
merklichem, rostgelbem Anfluge auf dem Unterleibe. Fasanen- 
Ente, Spitzschwanz. 

258. Die Schnatter-Ente. Anas strepera L. 

( 6 ) Nistet ganz gewöhnlich und in ziemlicher Anzahl hier; doch 
fast immer nur auf gröfseren, oder den gröfsten Teichen. Mittel-, 
Nessel-Ente. 

259. Die Knäck-Ente. Anas querquedula L. 

( 7 ) Äufserst gemein, ja aufwiesen- und grasreichen Waldgräben, 
so wie in kleinen, bewachsenen und zusammenhängenden Wald- 
lachen noch weit gemeiner, als die Stockente. Unten häufig, 
zuweilen sehr auffallend stark und schön rostgelb übertüncht. 
Krickente. 

260- Die Krick-Ente. Anas crecca L. 

( 8 ) Auf dem Zuge zwar oft nicht viel weniger gemein, als die 
vorige; nistend aber bei Weitem und aufser Vergleich gering- 
zähliger , dann auch blofs ausfchliefslich auf bedeutend grofsen 
stehenden Wassern. Häufig mit mäfsigem, selten mit starkem 
rosenfarbigem, oft auch mit rostgelbem Anfluge. Halbente. 

261. Die Pfeif- Ente. Anas Penelope L. 
W Zieht jeden Frühling und Herbst, meist in ansehnlichen 
Flügen durch; bleibt jedoch einzeln auf grofsen Teichen zurück, 
und mag dann wohl auch da hecken. 



Fische zu erlangen; wie ferner hei den grofsen und langschnäbeligeii Sägern, mehreren 
Meven etc., wenn sie fett sind. 

Dagegen ist der rostgelbe Anflug der Unterseite das Leibes offenbar etwas 
erst von Aufsen her, durch die beizende Kraft mancher, wahrscheinlich eisenhaltiger, 
Brucb- und Sumpfgewässer Hinzugekommenes; ebenso, wie die (nur nach der Mauser rein 
weifse, bald aber) gelbliche Halsfarbe bei den Schwänen. Er fallt bei manchen sehr 
hübsch aus, und kommt bei mehreren Arten , so wie auch viel häufiger, als der ro- 
se rt färb ige, vor. 



58 B. ^ ögel. Wasserv. Kurzfliigelige Schwimmv. 

B) Tauchenten, c) Ruderenten. 

262- Die weifsköpfige Ruderente. A. leucocephala P. 

( 10 ) Diese wunderlich gestaltete, östliche Ente kommt nach 
Schlesien, besonders nach Oberschlesien zuweilen, jedoch 
sparsam, im Herbste oder so lange sie offenes Wasser findet; 
nach Ostreich und Mähren aber mehr, als in das übrige 
Deutschland. 

d) Mit aufblasbaren Nasenlöchern. 

263. Die Sammt- Tauchente. Anas fusca L. 

(11 ) Ist zwar als junger Vogel oder Weibchen zum Herbste und 
Winter, wiewohl nicht gemein, doch auch gar nicht eigentlich 
selten; wohl aber höchst selten das alte Männchen. 

264. Die Trauer- Tauchente. Anas nigra L. 

12 ) Besucht unser Land nur äufserst selten einmal gegen den 
Winter. 

e) Moor -Enten, 

265. Die Hauben -Tauchente. AsAsfuligula L. 

( 13 ) Kommt jeden Winter in kleinen Heerden aus Norden herab, 
manches Jahr in ziemlicher Anzahl, und meist ebenso im Früh- 
linge durch; mehr junge Vögel, als alte. Manche mögen den 
Sommer hier zubringen; denn ich habe selbst ein, freilich noch 
nicht altes Männchen vor einigen Jahren noch am 17 leu Mai ge- 
schossen. Zopf-, Reiherente. 

266. Die Berg-Tauchente. Anas marila L. 

( 14 ) Nicht ungewöhnlich, jedoch weit seltener, als die vorige, 
übrigens unter ähnlichen Umständen; selten vorzüglich die 
alten Männchen. , 

267. Die Tafel- Tauchente. AtfAsferina L, 

( 15 ) Nicht blofs auf dem Herbstr und Frühlings -Zuge in kleinen 
Truppen, sondern auch als Heckvogel auf allen grofsen und 
manchen mäfsig grofsen Teichen. 

268. Die weifsäugige Tauchente. Anas nyroca Gm. 

( 16 ) Zwar selten in den meisten anderen Gegenden Deutschlands, 
aber ganz gewöhnlich bei uns, vorzüglich im Frühlinge und 
Herbste. Brütet nicht blofs auf den sämmtlichen gröfseren 
Teichen, sondern auch auf manchen kaum mäfsig grofsen; ja, 
auf zusammenhängenden kleinen Buschweihern. Anas leuco- 
■phthalma Borkh. Brandente. 

269. Die Kolben- Tauchente. Anas rufina Pall. 

( 17 ) Erscheint, aus östlichen Gegenden kommend, nur sehr 
einzeln auf unseren Teichen; wo sie übrigens doch für Deutsch- 



Ente — Scharbe. 59 

land zuerst bemerkt worden ist. Kommt öfter nach den südli- 
cheren deutschen Provinzen, soll aber in Mähren und Ungarn 
schon nisten. 

f) Schellenten. 

270. Die Eis -Tauchente. Anas glacialis L. 

(i8) \Yohnt im Sommer so hoch nördlich, und hält sich den Win- 
ter über so entschieden auf dem Meere, dafs sie sich nur höchst 
selten zu uns verirrt. Es scheinen noch nicht mehr, als einige 
Exemplare, geschossen und aufbewahrt worden zu sein. 

271. Die Schell -Tauchente. Anas clangula L. 

( 19 ) Erscheint jedes Jahr im Herbste und Winter in nicht gerin- 
ger, öfters in bedeutender Zahl auf unsern gröfseren Teichen, 
und bleibt an offenen Stellen der Flüfse den ganzen Winter. 
Verweilt manches Mal bis weit in den April, ohne jedoch für 
den Sommer ganz bei uns zurückzubleiben. Eisente. 

lxxii. X. Säger. Mergus L. 

272. Der weifse Säger. Mergus alhellus L. 

(*) Fehlt wohl keinen Winter, ist manches Jahr nicht einzeln 
hier, ja zuweilen selbst in ziemlicher Anzahl; wenn und wo die 
Schellente, hält sich sogar noch lieber, als sie, an offenen 
Stromstellen auf. Eisentchen, Tauchente. 

273. Der grofse Säger. Mergus merganser L, 

( 2 ) Ist zwar meist alle Jahre zu finden, aber doch gewöhnlich 
einzelner, als der vorige; scheint indefs nur mitunter, oder 
kaum, wenigstens gewifs nicht oft, den Sommer über hier zu 
bleiben.*) Eisente. 

274- Der langschnäbelige Säger. Mergus serrator L. 

( 3 ) Obgleich er der seltenste seiner Gattung und, wie es scheint, 
manchen Winter gar nicht zu finden ist, das Männchen sogar 
stets selten bleibt; so hat man doch bereits öfter nicht blofs 
Weibchen im Mai, sondern schon einzelne alte Männchen im 
Sommer, im August, geschossen.*) Höchst selten einmal hat früher 
ein Winter ihn in ziemlicher Anzahl zugleich zu uns gebracht. 
Ententaucher. 

b. Mit glatten Schnabelschneiden. Edentatae, 

lxxiii. XL Scharbe. Halieus III. 



*) Diefs muss um so merkwürdiger erscheinen, da der grosse Sager auf den schweizer Seen, 
namentlich am Eodensee, nicht selten brütet, der langschnäbelige gar nicht; und da bei uns 
zwar jener, nicht aber dieser, im Winter und überhaupt der gewöhnlichere von beiden ist. 



60 B. Vögel. Wasserv. Kurzflügelige Schwimmv. 

275. Der Kormoran- Scharbe. Hali eu s carbo III. 
C ;1 ) War schon früher einzeln, wiewohl nur äufserst selten, als 
vom Meere landeinwärts Verirrtet an Flüfsen und Teichen an- 
getroffen worden. In neuester Zelt, wie im laufenden Jahre, 
hat er sich in Mittel- und Oberschlesien nicht blofs öfter, son- 
dern auch in kleinen Gesellschaften, darunter mehrere noch 
im Juni, andere sogar mitten im Sommer, sehen und erlegen 
lassen.*) Carbo (!) cormoranus auctt. Pelecanus carbo L. 
Schwarzer Pelikan. 

lxxiv. XII. Steifsfuss. Colymbus L. 

276« Der grofshaubige Steifsfufs. Colymb. cristatus L. 
W Nistet fast nur auf grofsen, in der Mitte freien Teichen, 
jedoch auf allen; besucht während der Zugzeit auch kleinere, 
stehende und fliefsende Gewässer. Haubentaucher. 

277. Der rothhälsige Steifsfufs. Colymb. rubricollis L. 

( 2 ) Sehr gewöhnlich und zu mehreren Paaren schon auf den 
meisten mäfsigen, oder kleineren Teichen mit einem nicht gro- 
fsen offenen Wasserspiegel. Kleinhaubiger, graukehliger Steifs- 
fufs, Podiceps (!) subcristatus L. 

+ Der gehörnte Steifsfufs. Colymbus cornutus Licht. 

Er mag, da er in der Lausitz gefunden worden sein**), und andre 
deutsche Gegenden nicht eben selten besuchen soll, wohl auch 
Schlesien oft auf seinem Zuge von und nach Norden hin berüh- 
ren. Podiceps cornutus Faber. 

278. Der Ohren- Steifsfufs. Colymbus auritus L. 

( 3 ) Gehört unter die ganz gewöhnlichen Erscheinungen auf sehr 
mäfsigen, noch mehr auf gröfseren und grofsen, schilfreichen, 
nicht sehr freien Teichen; nur wird er, ziemlich versteckt le- 
bend, oft übersehen. Col. s. Pod. obscurus der junge. 

279. Der kleine Steifsfufs. Colymbus minor L. 

( 4 ) Noch gemeiner. Wohnt nicht blofs auf allen rohrreichen 
grofsen und vielen kleinen Teichen, sondern selbst auf ganz 
unbedeutenden, recht bewachsenen Waldlachen, wenn sich nur 
mehrere berühren. Bleibt im dichten Schilfe und llohrgrase 
noch öfter unberaei-kt, als der vorherige. 



*) Wurde zuweilen auch in der Lausitz geschossen. — Dafs sich aber „im Spä'therbste 
„selten der weisse Tiilpel (Dysporus albus 111., Sula alba Meyer,) über den .Lausilzer 
„Teichen und Flüfsen, z. B. in der Zittauer Gegend, finde," möchte wohl mit guten Gründen 
sehr stark zu bezweifeln sein. Vergl. Neumann Laus. V. S. X52. 

**) Sollte er aber wirklich da nisten ? ? S.gNeumann üebers. d. Lausitzschen Vogel, S. 131« 



Seetaucher. 6 1 

lxxv. XIII. Seetaueher. Eudytes III. 

280- Der rothkehlige Seetaucher. E.septentrionalis III. 
( T ) Der junge Vogel zeigt sich regelmäfsig und gewöhnlich jeden 
Herbst, der alte nur selten oder sehr selten auf unseren Tei- 
chen und Flüfsen. Einzelne sieht man hier nicht blofs überhaupt 
im Begriffe, das Winter- oder Übergangs -Kleid anzulegen, son- 
dern so schon im Anfange Novembers in gelinden Herbsten. Col. 
septentrionalis L., Col. rufogularis Meyer. 

281- Der schwarzkehlige Seetaucher. E. arcticüs HL 

( 2 ) Besucht uns zwar im Ganzen seltener, als der vorige, kommt 
aber schon öfter alt und in den Übergangskleidern vor; im Früh- 
jahre meistens noch verhältnifsmäfsig spät.*) Auch wieder in 
neuerer Zeit hat man ihn mitunter, und zwar eben nicht selten, 
alt noch im Mai, sogar jung und schön alt noch im August ge- 
schossen. Es ist hiernach wohl fast unmöglich, das Brüten ein- 
zelner bei uns zu bezweifeln. 

282- Der Eis-Seetaucher. Eudytes glacialis L. 

( 3 ) Da er, ein Sommerbewohner Islands und Grönlands, häufig 
auf den Rhein, einzeln noch auf die schweizer Seen kommt und 
sich, wie es heifst, zuweilen auf den Teichen der Lausitz, 
vielleicht selbst Mährens, sehen läfst; so kann er in Schlesien 
nicht fehlen , wenn er auch vielleicht in der Regel ebenfalls nur 
jung vorkäme. Doch scheint er in neuerer Zeit nicht bemerkt 
worden zu sein.**) 

An merk. Noch kennen wir freilich jetzt die Zahlen der bei 
uns vorkommenden Thierarten überhaupt, namentlich auch die- 
jenige der unstätesten von allen, der Vögel, nicht in dem Grade 
hinreichend, um mit Aussicht auf unbedingte Sicherheit der 
Resultate hier schon eine zoologische Arithmetik zu be- 
ginnen.***) Indefs — warum nicht wenigstens den ersten Versuch 
dazu machen, da ja doch alles Vollkommene nur erst aus Ver- 
suchen und ihrer anregenden Wirkung hervorgeht , ein solcher 
aber vorzugsweise dazu dienen kann, zur künftigen Herbeischaf- 
fung zureichenderer Mittel beizutragen und zu ermuntern! — f) 

*) Es -war schon nach Kaluza, Welcher e3 ausdrücklich als befremdende Merkwürdig- 
keit anfuhrt, nicht zu bezweifeln: dafs Seetaucher überhaupt [die Species giebt er iil 
Bezug hierauf nicht namentlich an] einzeln noch im Sommer auf Schlesiens Teichen verweilen, 
indem er „frisch geschossene Exemplare im Juni und Juli erhalten habe." 

**) E n die r, welcher zwar diesen Vogel nicht im Naturfreunde geliefert hat, aber die 

wirklichen Arten dieser Gattung ebenso , wie die sonst vermeinten (Jungen), zu unterscheiden 
wufste, — sagt : dafs er auch von ihm Abbildungen nach schles. Exemplaren verfertiget habe. 

***) Indem Sinne, wie Alex. v. Humb o 1 d l den Namen und Begriff von b o t a n is c he r 
Arithmetik für den Kreis der Pflanzengeographie festgestellt und eingeführt hat. 

-f) Ueberdiefs kann es im Allgemeinen als Regel gelten: dafs man ins Besondere bei Vögeln, 
so lange man noch nicht alle Species eines Landes zu kennen vorausfetzen darf, doch hierbei 
ein ziemlich gleiches Verhä'ltnifs zwischen gekannten und nicht gekannten aller Ordnungen 
annehmeu dürfe ; dafs also die Verhültnifszahlen doch ziemlich genau dieselben blcibon werden. 



62 B. Vögel. 

Als Binnenland, und zwar als ein schon ziemlich weit vom 
Meere entferntes, mufs Schlesien eine verhältnifsmäfsig hö- 
here Zahl von Landvögeln, worunter zunächst als nume- 
risch überlegen die Raub-, vorzugsweise aber die sperlings- 
artigen Vögel gehören, besitzen. In der That betragen die 
Raubvögel schon mindestens 34 unter 171 Landvögeln gegen 
111 Wasservögel; die sperlingsartigen sogar 129, und die Anzahl 
der sing fähigen unter ihnen ist schon eben sogrofs, oder viel- 
mehr selbst etwas gröfser, als die Zahl aller bisjetzt als schle- 
sisch bekannten Wasser- (d.h. Wad- u. Schwimm-) Vögel 
ausfällt: nämlich 113 gegen Hl. 

Mit ganz Deutschland verglichen, besitzt unsere 
Provinz mindestens 171, wahrscheinlich über 180, vielleicht 
an 190 Landvögel gegen 210 oder 211; und mindestens Hl, 
vielleicht 120 Wasser vögel gegen 150 oder etwas mehr. 

Hierbei stellen sich unter jenen die Raubvögel wie min- 
destens 34 — 37 gegen 44*); die Sperlingsvögel wie min- 
destens 129 oder vielleicht an 140 *• 151, und diejenigen unter 
ihnen, welche den Singmuskel -Apparat besitzen, zu denen, 
welchen die Fähigkeit zu singen mangelt, wie 113 oder vielleicht 
über 120 : 133 gegen mindestens 16 : 18, vielleicht aber gleich; 
die taubenartigen wie 3:4; die hühnerartigen wie 5 
oder ß: 11. — 

Unter den Wasservögeln verhalten sich in dieser Hin- 
sicht die Wad er und Schwimmer bei uns gegenwärtig fast 
ganz gleich; für Deutschland überhaupt dagegen wie 66 '• 84. 

An merk. Hierbei ist zu bedenken: dafs natürlich unter die 
deutschen alle diejenigen Vögel mit eingerechnet sind, welche je 
innerhalb der weiten Gränzen Deutschlands gefunden, und von 
denen sogar mehr als blofs einige nur Ein Mal bemerkt worden 
sind, andere aber vermöge ihrer speciellen Verbreitungssphäre 
blofs eine oder die andere jener aufsersten Gränzen berühren; 
dafs ferner ein Thier, bei durchgängig gleicher Seltenheit inner- 
halb des ganzen von diesen eingeschlossenen Raumes und bei 
ebenfalls überall gleichem Eifer für zoologische Forschungen, 
begreiflicher Weise unendlich viel leichter in Deutschland über- 
haupt wahrgenommen werden mufs, als in einer einzelnen Pro- 
vinz desselben, welche, obgleich durch Lage und Bodenverhält- 
nisse begünstigt, doch kaum etwa ein Zwölftheil des Ganzen aus- 
macht. Deshalb erfordert gerade in Bezug auf die befiederte 
Thierwelt die Fauna eines kleinen Länderraums unverhältnifs- 
mäfsig mehr Zeit zu ihrer vollständigen Erforschung, als die ei- 
nes gröfseren: und sie kann erst spät den wirklichen Reichthum 
desselben zeigen, während sie sehr lange ein geringeres Verhält- 
nifs zu ergeben scheint. **) 



*) Unter letzterer Zahl sind übrigens 2 noch unsichere Arten , die wohl nur Varietäten 
sein möchten. 

**) Je kleiner indefs, oder je unterbrochener die Verbreitungshezirke der Arten in mancher 



B. Vögel. 63 

Als wichtige und bestimmte Eigenthümlichkeit unserer Vö- 
gel-Fauna dürfte sich indefs immer Folgendes feststellen, und 
sich durch die Lage und Beschaffenheit des Landes erklären:*) 

Vermöge der östlichen Lage, verbunden mit einer nicht ho- 
hen nördlichen Breite, hat Schlesien eine Anzahl östlicher 
Vögel, welche, wenn sie deutschen Boden betreten, zuerst in 
unser Land gelangen müssen und zum Theile wenig, oder nicht 
immer, weiter gegen Westen vorrücken. Ja man kann, da beson- 
ders in Mitteleuropa der Zug der Vögel aus klimatischen Grün- 
den von Ost oder Nordost nach West oder Südwest geht, fast 
mit der vollsten Bestimmtheit annehmen: dafs alle östlichen 
und nordöstlichen Vögel, welche jemals in anderen, westlichem 
deutschen Gegenden bemerkt worden sind, auch bei uns vor- 
kommen; und dafs nur manche von ihnen noch nicht wahrge- 
nommen worden sein mögen: da sie ja unter solchen Umständen 
Schlesien natürlich ohne bedeutendes Abschweifen vom geraden 
Wege nicht übergehen können. Daher rührt es, dafs eine nicht 
unbedeutende Zahl von jetzt als deutsch bekannten Arten bei 
uns früher gefunden wurden, als in anderen Provinzen. 

Zugleich kommen bei Weitem die meisten der von Süden 
und Norden hier einwandernden noch bis zu uns: da unser Land 
gerade die mittlere geographische Breite von Deutschland über- 
haupt besitzt. Doch tritt hier noch der Umstand, dafs in den 
continental gelegenen europäischen Ländern und in Asien die 
Wintertemperatur nach Osten hin immer niedriger, die Som- 
mertemperatur aber stets höher wird, als Erklärung hinzu für 
das Erscheinen nördlicher Vögel bei uns im Winter, und für 
das Heraufrücken mancher südlicheren im Sommer. Er 
erklärt dann endlich auch noch dieErfahrung: dafs sowohl jene, 



Vögelgruppe, (unter -welchen dann auch die meisten Arten Standvögel sind) im Ganzen werden; 
um so mehr gestaltet sich die ehen erwähnte, sonst mehr scheinhare Armuth kleiner Districle 
zu einem wirklichen, hleibenden Mangel. So beiden Hühnern: 

Hier besitzt Schlesien von den sämmtlichen deutschen Arten nur etwa die Hälfte, 5 — 6 
von 11. Denn bei ihnen ist die eine Art (das rothe Rebhuhn) nur in der südlichsten Schweiz, 
eine zweite (das Weidenschneehuhn) nur zuweilen am Ende von Preufsen , zwei andere (das 
Alpenschnee- und das Steinrebhuhn) nur auf den hohen, eigentlichen Alpen zu finden, eine 
fünfte (der Fasan) noch nicht allenthalben völlig eingebürgert, und die sechste (das Sandflug- 
huhn) erst einmal als ganz unerwarteter, auf seinem Zuge verirrter Fremdling in .Deutschland 
angetroffen worden ; wobei es übrigens nicht unwahrscheinlich bleibt, dafs es als ein haupt- 
sächlich östlicher Vogel dahin, wo man es gefunden, (in Anhalt,) wohl über Schlesien gelangt 
sein möge. 

Am ungewöhnlichsten für Schlesien ist, nächst der der Hühner, die Verbreitung der 
Schwimmvögel Deutschlands; offenbar, weil unter ihnen die meisten der unbedingten 
Seevögel sind. 

*) Ebenso, wie es sich auch erklären läfst : warum z. B. die Schweiz, mit Abrechnung 
einiger nordischen, fast alle deutsche Vögel, vorzüglich aber östliche und nördliche Wasser- 
Vögel besitzt; abgerechnet die unbedingten Seevögel. 



64 B. Vögel. 

wie diese, dafern man sie jemals auf deutschem Boden brütend 
getroffen hat, fast alle diefs auch bei uns thun; und dafs es be- 
sonders von so manchen östlichen bisjetzt nur bei uns zu ge- 
schehen scheint. 

Da es jedoch äufserst wenig Vögel giebt, welche der Westen 
Deutschlands vor anderen Theilen Deutschlands voraus hätte, 
weil dieselben mehr dem Westen Europa's, und zwar aus dem 
Grunde angehörten: dafs dort mildere Winter herrschen, als 
unter gleicher Breite weiter nach Osten; so ist es erklärlich, 
warum westliche bei uns fast nicht fehlen können, abgerech- 
net solche Seevögel, die Bewohner des atlantischen Oceans sind 
und auch nicht einmal unfreiwillig (durch Stürme und dergl.) 
in den Fall kommen, das Meeresufer zu verlassen. 

Dafs sich durch die Landeskultur bis heut gegen den ur- 
sprünglichen Zustand unendlich Vieles auch in dem Vorkommen 
der Vögel, besonders im quantitativen, aufserordentlich ge- 
ändert haben mufs, ist so einleuchtend, dafs es kaum der Er- 
wähnung bedarf. In wie weit aber hierdurch jetzt das perio- 
dische, oder sedentäre Dasein mancher Arten ganz gehindert, 
das Vorkommen anderer hingegen erst möglich gemacht worden 
sein möge; dafür dürften sich manche Vermuthungen , wenig 
absolute Beweise aufstellen lassen.*) Doch wird, was anderswo 
gilt, ins Besondere auch für Schlesien richtig bleiben : dafs mit 
Zunahme des Landbaues südliche Vögel zu-, nordische ab- 
nehmen. Indefs möchte nur Eine Species als hierdurch muth- 
mafslich verdrängt, und als früher wahrscheinlich vorhanden 
anzusehen sein: das Weiden -Schneehuhn. 



*) Weil hier lange nicht so viele historische Data vorhanden sind, wie bei den Sa'ug- 
thieren in Bezug auf denselben Punkt. 



C Amphibien. Schildkröte — Eidechse. ÖO 



C, AMPHIBIEN. AMPHIBIJ. 

jst« Ordnung. 
Schildkrötenartige Amphibien. Chelonii. 

(Nur 1 Art.) 

I. Sumpfschildkröte. Testubo L. 

1. Die gemeine Sumpfschildkr. T. europaea Schneid. 
Ihr, früher zum Theile bezweifeltes Dasein in Schlesien 

ist neuerdings mehrfach erwiesen worden. Allerdings scheint 
sie nur in einigen Gegenden, namentlich in der Umgegend von 
Militsch und weiter gegen die polnische Grenze, (so wie im 
4*rofsherzogthum Posen,) an manchen Teichen und in den war- 
men Sümpfen zu finden; ist aber dort auch nicht selten. Dieses 
Frühjahr , eben nach seinem Erwachen aus dem Winterschlafe, 
wurde sogar in einer der hiesigen Vorstädte ein Exemplar gefun- 
den. Sie kommt mit nicht unbedeutenden Abänderungen in 
Gröfse und Zeichnung vor. Emys europ. Brogn. (Testudo lu- 
taria ist wohl kaum verschieden.) 

II te Ordnung. 
Eidechsenartige Amphibien. Saurii. 

(Anzahl der vorkommenden gewissen Arten: nur 2 oder 3-) 

n. I. Eidechse. Lacerta L. 

2. Die gemeine Eidechse. Lacerta agilis L. 

( x ) Gemein fast überall, besonders an sonnigen und trockenen 
Waldstellen; vorzugsweise in hügeligen Gegenden, bis weit aufs 
Gebirge. Kommt in einer Unzahl der verschiedensten Abände- 
rungen vor, die sich nach der Beschaffenheit und Lage der Ge- 
gend, nach Geschlecht, Alter und Jahreszeit richten. Lacerta 
montana Mikan? Schönjungfer. 

5 



6§ C. Amphibien. Schlangen. 

3«? Die gelbbäuchige Eidechse. Lacerta crocea Wolf, 
( 2 ) Scheint nicht so häufig im Lande, ist aber desto gewöhn- 
licher im Gebirge, z. B. noch zahlreich auf dem Schneeber^e 
der Grafschaft Glatz, und soll sonst gewöhnlich in etwas feuch- 
ten, tief gelegenen Laubwäldern, hier besonders mit rothgelbem 
Bauche, vorkommen.*) (L. pyrrhogaster Merrem.) 

Die grüne Eidechse, Lacertj viridis L., 
Smaragd- Eidechse, L. smaragdina Meisn. ? welche der gemeinen L. 
agilis wenigstens in der ganzen Gestalt so ähnlich ist, dafs man 
sich allenfalls beinahe versucht fühlen könnte, sie nur für eine 
gröfsere, durch klimatische Einflüsse besonders im Wachsthume 
begünstigte Abänderung derselben zu halten, — darf man, da 
sie bestimmt und mehrfach in der Mark vorgekommen sein soll, 
auch wohl in unseren Ebenen vermuthen. 

IIP 6 Ordnung, 
Schlangenartige Amphibien. Ophidii. 

(Zahl der wahren Arten : hei uns nur r= 4.) 

III. I. Blindschleiche. Anguis L. 

4. Die gemeine Blindschleiche. ÜTüGvisfragüis L. 

(*) Überall gemein in trocken - waldigen Gegenden und auf sol- 
chen Wiesen etc., aber wohl nirgends eigentlich zahlreich. Mit 
mancherlei Abänderungen. Ang. lineata das Junge. 

iv. IL Natter. Coluber L. 

5. Die Ringel-Natter. Coluber natrix L. 

(*) Am Wasser in waldigen, ebenen u. Hügelgegenden gemein, in 
wasserreichen häufig, zum Theile sogar in grofser Anzahl; wird 
vorzüglich sichtbar im FrühKnge. Sie ändert ebenfalls sehr 
auffallend ab, wie so viele andere Amphibien, und kam beson- 
ders früher in manchen waldigen Sümpfen in ungewöhnlicher 
Gröfse, bis über 6' lang, vor. 

Anmerk. Es kommen wahrscheinlich entweder noch mehr 
Arten von Nattern, aufser dieser und der folgenden, in Schle- 
sien vor; oder, was noch wahrscheinlicher ist, mehrere der sonst 
als dem Süden Deutschlands und des übrigen Europas gehörig 
angenommene Arten mögen nur Abänderungen der gegenwärti- 



*) Sie unterscheidet sich allerdings von der gemeinen (Lac. agilis) nur durch feinere 
Gestalt, und ihre Artsverschiedenheit scheint noch nicht hinreichend, in den Augen mancher 
recht gründlichen Amphibiologen gar nicht begründet. Auffallend genug soll an ihr hei uns be- 
merkt worden sein : dafs sie (freilich im gefangenen Zustande, also schon in einer Lage, die sie in 
gewissem Grade ihrer sonstigen Natur entfremdet ?) lebendige Junge gebären, gleich der süd- 
licheren, bestimmt von ihr -verschiedenen Lac. muralis Merr. (L. variegata Schinz.) — ? 



Schlangen- und froschartige. 67 

gen, und zwar meist Farben- und Zeichnungs -Varietäten sein. 
So haben wir in Schlesien mitunter Exemplare, welche der ge- 
würfelten Natter ( Col. tessellatus Schinz, Col. hydrophilus 
Sturm.) in jeder Hinsicht sehr, andere, welche der vielbändi- 
ge n (Col. girondicus Daud.) wenigstens in der Färbung sehr ähn- 
lich sehen. Noch andere gleichen sehr der gelb- und grünen 
Natter (Col. viridi-flavus Daud., C. atro-virens Schinz), wie sie 
in Oestreich und Ungarn vorkommt: und besonders in früheren 
Zeiten sollen dergleichen Nattern mit stark gelblichem Unter- 
leibe in ungewöhnlicher Grösse in manchen weitläufigen Brüchen 
und Wäldern Schlesiens vorgekommen seih. Einzelne grofse 
sind im Herbste von der Äskulaps-Natter (Col. Aesculapii Daud.) 
nur etwa durch die, etwas anders gestalteten Kopfschilder und 
die noch deutlicher sichtbaren Ha,lsbandflecke zu unterscheiden: 
welche letztere sich allerdings bei unseren schlesischen Ringel- 
nattern meistens noch deutlicher darstellen, als bei den erwähnten 
angeblichen, aber in der That fast mehr als zweifelhaften Species. 

6. Die glatte Natter. Coluber laevis Merr. 

( 2 ) Hin und wieder, jedoch nicht gewöhnlich, wiewohl auch 
nicht selten. Ändert ziemlich ab; ähnelt in Farbe und Zeich- 
nung oft sehr der rothbräunlichen Varietät der folgenden 
Schlange. Col. austriacus Gm. Col. aspis des Kaluza? — 

Anmerk. Es giebt Exemplare, welche den völligsten Ueber- 
gang zu Col. meridionalis zu machen scheinen. 

v. III. Viper. Fipera L. 

7. Die gemeine Viper. Vipera berus auctt. 

W Ziemlich gemein in Gebirgsgegenden, oft bis hoch hinauf; 
etwas seltener in der Ebene, am meisten noch an der polnischen 
Seite, stellenweise selten. In vielfachen, auffallend unter sich 
verschiedenen Abänderungen: mit sehrgrofser, schwarzer Zeich- 
nung, zuweilen fast ganz schwarz, (Coluber prester et Vip. 
presterf) mit mehr röthlich- brauner Färbung, höchst selten 
aber mit hell bläulich-grünem Grunde und fast grasgrüner Zeich- 
nung nach der frischen Häutung, (Coluber chersea et Vip. eher- 
sea.) Kreuz-, Kupfer otter, Giftnatter. 

IV te Ordnung, 
Froschartige Amphibien. Batrachii. 

(Zahl der gewissen Arien ZSZ 12.) 

A. Eigentliche frosehartige. 

(Zahl der gewissen Arten =: 8.) 

vi* I. Laubfrosch. Hyla Lac. 

8. Der europäische La üb fr. H. arborea s. viridis Law* 
(i) Im Frühlinge eine Zeit lang im Wasser, aufwiesen und dergl.5 



68 C. Amphibien. Eigentliche froschartige. 

späterhin auf Bäumen, Strauch ern, selten noch auf der Erde ; 
diefs bis in den Herbst, wo er wieder mehr herabsteigt, und 
sehr oft auf Feldern oder in den Gärten am Kopfkohle vorkommt, 
etc. Rana arborea L. Calamita arboreus Schnd, 

vir. IL Frosch. Rana L. 

9. Der Wasser-Frosch. Rana es culenta L. 

t 1 ) Sehr gemein oder häufig in kleinen, noch mehr in grofsen, 
stehenden und langsam fliefsenden Wassern; jedoch nicht hoch 
im Gebirge, und nicht für die Dauer aufserhalb des Wassers. 
Efsbarer Frosch. 

10. Der Gras -Frosch. HiWAtemporaria L. 

2 J Noch viel häufiger: indem er den Sommer hindurch in Gär- 
ten, auf allen nicht zu dürren Feldern, im Waldgrase u. dergl. 
bis hinauf in die Knieholz -Region lebt; auf Wiesen, welche 
Teiche begrenzen, jung im Spätsommer zuweilen in unbeschreib- 
licher Menge. Blofs im Frühlinge eine Zeit lang im Wasser. 
Mit unzähligen und höchst verschiedenartigen Abänderungen. 
Land-, Thau-, Hecken -Frosch. 

viii. III. Kröte. Bvfo. 

11. Die froschartige Kröte. Bufo fuscus Laur. 

ty Nicht häufig, wenigstens nicht überall gewöhnlich; gern 
am und im Wasser. Den Kröten kaum näher stehend, als den 
Fröschen. Rana/wscä L. Wasserkröte. 

± Die eiertragende Kröte. Bufo obstetricans Daud. 

Ein guter Kenner der Amphibien glaubt sie kürzlich unfern un- 
serer Stadt gesehen zu haben , und sie kann wohl hier vorkom- 
men. Vielleicht ist sie die Rana rubeta des Born er sehen Ver- 
zeichnisses. 

12« Die veränderliche Kröte. Bufo variabilis Pall. 

( 2 ) Ein, sonst in Deutschland meist seltenes, in Schlesien ge- 
wöhnliches, an der rechten Oderseite fast überall gemeines, 
mancheh Sommer häufiges Thier; im Frühlinge im Wasser, spä- 
terhin auf dem freien Lande lebend, am Tage gern in Löchern 
versteckt. Merklich abändernd; die Zeichnung bald mehr in's 
schön Grüne, bald mehr in's Bräunliche spielend. Veränderliche, 
grüne Kröte. Bufo viridis Laur. Rana variabilis. 

13. \. Die gemeine Kröte. Bufo cinereus Merr. 

( 3 ) Scheint jetzt nicht eben sehr gemein, oder nicht besonders 
häufig ; wird in Oberschlesien häufiger und bisweilen sehr grofs 
gefunden. Gern^an finsteren Orten der Gebäude, in Kellern, 
Viehställen unter den niedrigen Krippen; während der Begat- 
tung im Wasser. Bufo vulgaris Laur. 



Salamandrinen. 69 

14. Die Kreuz-Kröte. Bufo calamita Daud. 

( 4 ) Auch gar nicht häufig, seltener als die vorige, aber an sonst 
ähnlichen Orten, unter Steinhaufen, im alten Gemäuer; zur 
Zeit der Begattung in's Wasser gehend. Gewöhnliche, stinkende 
Kröte, Hausunke. Rana calamita, R. portentosa, R. mephitica, 
ü.foetidissima, H.cruciata; R. bufo bei Kaluza. 

15. Die Feuer-Kröte. Bufo bombinator Latr. 

( 5 ) Überall, wenigstens im flachen Lande, sehr häufig in Wie- 
sengräben, flachen.Teichen und ähnlichen stehenden Gewässern. 
Kommt jedoch im Sommer nicht selten, die Jungen zu Anfange 
des Herbstes besonders nach einem Regen oder gegen Abend 
oft sehr häufig auf's Land. Rana bombina L., Bombinator 
igneus Merrem^ Bufo igneus auctt. 

B. Salamandrinen. 

(Zahl der Arten =r= 4.) 

ix. IV. (1) Landsalamander. Salamandra. 

16. Der gefleckte Landsalamander. S. maculata Laur. 
W Nicht eben häufig, am gewöhnlichsten im Vorgebirge an 
dunklen, feuchten Plätzen und in allerhand Höhlungen. Sal. 
terrestris Wurfb., Lacerta salamandra L. Erdmolch. 

X. V. (11.) Wassermolch. Triton Laur. 

17. Dergrofse Wassermolch. Triton palustris auctt. 
C 1 ) Nicht ungewöhnlich in stehenden Gewässern; scheint am 
häufigsten in etwas höheren Gegenden. Lacerta palustris, Lac. 
lacustris, Salamandra pruinata Schneid, 

18.-1- Der feuerbäuchige Wasserm. 1l. igneus $. Wurf b. 

( 2 ) Gemeiner, doch nicht überall häufig. Geht hoch in stehende 
Berggewässer hinauf: ist sehr häufig in dem grofsen, (fast 3750' 
hoch gelegenen) Teiche des Riesengebirges, wo die Forellen 
nicht gedeihen; fehlt jedoch in dem etwas tieferen kleinen, wo 
ihn diese vertilgen, \ierbein. 

19. Der punktirte Wassermolch. Trit. punctatus auctt. 

( 3 ) Ungemein zahlreich in allen Teichen und vielen Gräben und 
Pfützen; läuft im Herbste oft an's Land hinaus. Salamandra 

punctata Daud., Sal. taeniäta Schnd., hACBRTAtaeniata Sturm. 
Vierbeinchen. 

Da der hohe Norden nicht blofs keine ihm eigentümlichen 
Wesen dieser Klasse besitzt, sondern selbst die unter niedri- 



70 0« Amphibien. 

geren Breitegraden einheimischen dort immer mehr, endlich 
aber alle schon da verschwinden, wo noch zahlreiche Wesen 
anderer Klassen wohl gedeihen; so kommen in Schlesien zwar 
alle die Amphibien vor, welche man weiter nördlich findet, 
jedoch schon manche südlichere deutsche entweder nicht, oder 
nicht gewifs, und, wie es scheint, nur eines oder das andere 
häufiger hier, als im westlichen Deutschland. 

Es läfst sich in einem Lande von der geographischen Lage 
des unsrigen zwar auch durch anhaltende und das Einzelne sorg- 
fältig berücksichtigende Forschungen nicht eben viel Ausbeute 
für die numerischen Verhältnisse einer Thierklasse erwarten, 
deren Formen sich , vermöge der Besonderheiten ihrer Bildung 
und ihres Lebens, erst in den warmen und heifsen Strichen der 
Continente vielfältig und reich zeigen können. Indefs wird ein 
ferneres , recht aufmerksames Bemühen schlesischer Naturkun- 
digen auch hierin um so weniger unbelohnt bleiben: da ja diese 
Klasse in anderer Hinsicht noch ein eben so weites, als wich- 
tiges Feld für die anziehendsten Untersuchungen darbietet. '*) 



*) Die so wandelbare Ausdehnsamkeit des Umfanges nach Alter und Geschlecht, nach 
JMaafsgabe der Subsistenzmittel und so vielerlei äufserer, namentlich atmosphärischer Ein- 
flüsse, entweder überhaupt oder während gewisser Lebens2)erioden; die Einwirkung dersel- 
ben auf Verbrauch und Entfärbung der alten, und auf gehemmte oder beschleunigte Ent- 
wickelung der neuen Körperbedackung an sich und als Gewebe, sowie ihres Colorits und 
der Zeichnung, in ihrer bald beiderseitigen, bald theilweisen, hiermit verknüpften, oft 
beispiellos wechselnden Mannigfaltigkeit; die so ungemein verschiedene Fortpflanzungs- 
weise, der zur Erlangung der Fortpflanzungsfähigkeit nach Verschiedenheit der Umstände 
nöthige Zeitraum, und mancherlei Anderes; diefs Alles ist bei keiner Art oder Gattung 
genugsam, bei manchen noch fast gar nicht, oder doch nicht so erforscht: dafs man dahin 
gelaugt wäre, aus Dutzenden und abermals Dutzenden der gewöhnlichsten Beobachtungs- 
falle eine haltbare uud allgemeiner gültige Regel zu entwickeln. 

Schon allein Untersuchungen über die Art und mitwirkenden Umstände des Abänderns 
der Färbung und Zeichnung unserer Amphibien nach Alter und Jahreszeit , und nach allen 
wechselnden äufseren Verhältnissen, könnte Jahre lang Stoff zu einer Beschäftigung liefern, 
deren Ergebnifse gewifs ebenso wichtig und einflufsreich für die systematische Feststellung 
der Formen, wie für Physiologie und für die Lebensgeschichte dieser Geschöpfe ausfallen 
jnüfste. So vorzugsweise bei den Schlangen. 

Bei unserer Viper z.B. besonders thut man höchst Unrecht, auf die Gestalt uud Zahl der 
Schuppen und Schilder des Kopfes Gewicht zu legen, um hiernach blofse Farben-Varietäten mit 
Zuversicht als neu aufgestellte oder noch von früher her beibehaltene Arten zu vertheidigen. 
Sie ändert auch hierin, nicht blofs in der Färbung und Zeichnung, in solchem Grade ab: 
dafs ich unter 9 kürzlich neben einander untersuchten Stücken nur eins fand, an welchem 
die rechte Seile des Kopfes zur linken, aber nicht zwei, die zu einander pafsten. So scheint 
auch Vipera ocellata Daud- sich wenigstens durch die Zeichnung noch keineswegs als 
Species zu charakteriairen. 



D. Fische. Knorpel!'. 70 



D. FISCHE. PISCES. 

Erste Hauptabtheilung. Knorpelfische. 
ChondropterygiL 

(Anzahl der Species = 4.) 

I. Neunauge. Petromyzon L. 

1. Das Flufs- Neunauge. Petromyzon fluviatilis L. 
Findet sich in den gröfseren Flüfsen, z. B. der Oder, Neisse, 

dem Bober nicht selten, jedoch auch nicht häufig. Am häufig- 
sten wird es bei schon kaltem Winterwetter gegen das Ende oder 
zu Anfange des Jahres, und im Frühlinge gefangen. Pricke, 
Bricke. 

2. Das mittlere Neunauge» Petromyzon hranchialis Bloch* 
In sandigen Bächen; in manchen Flüfsen mit Triebsand , wie 

viele Stellen der Oder, wo es sich mit bewundernswürdiger 
Schnelligkeit unter schlangenähnlichen Windungen in den Sand 
einwühlt. Kieferwurm, Quer^er. 

3. Das kleine Neunauge. Petromyzon Planeri BL 

In manchen kleinen, namentlich Gebirgs- Gewässern; hier 
zum Theile in Menge. 

II. Stör. Acipenser L. 

4. Der gemeine Stör. Acipenser sturio L. 

W In der Oder und den gröfseren, unmittelbar in sie einmün- 
denden Flüfsen zu jeder Zeit des Jahres; die meisten und gröfs- 
ten jedoch, welche, um zu laichen, aus dem Meere herauf- 
treten, gewöhnlich im Mai: wo sie, zumal bei hohem Wasser- 
stande , sich häufiger und zu mehreren oben zeigen. Nicht un- 
gewöhnlich von 10 bis 12' Länge. 



72 D. Fische. Grätenf. Bauchflosser. 

Zweite Hauptabtheilung. Grätenfische. 
Acanthopterygii. 

{Artenzahl z±z mindestens 36«) 

I s,c Ordnung. Bauchflofser. Abdominales. 

(Artenzahl s= mindestens 29.) 

hl I. Forelle. Salmo L. 

a) Eigentliche Lachse. 

5. Der gemeine Lachs. Salmo solar L. 

t 1 ) Tritt, um zu laichen, nicht blofs alljährlich in die Oder 
wo er, je nach Verschiedenheit der Gröfse und des Alters, zu 
jeder Jahreszeit einzeln vorhanden ist; sondern auch in die 
übrigen gröfseren, seltener zuweilen in die unmittelbar mit ihr 
verbundenen kleineren Flüfse herauf. Ist meist am häufigsten 
im letzten und ersten Monate des Jahres: dann mehr an ruhigen 
Stellen, im Frühlinge lieber im schnellsten Ströme. 

6. Der Forellen- Lachs. Salmo trutta L. 

( 2 ) Kommt nicht selten während der Laichzeit, im November 
und December, oder bis zum Frühjahre in der Oder und den 
übrigen bedeutenderen fliefsenden Wassern vor. Lachsforelle, 
Seefohre. 

h) Forellen. 

7. Die gemeine Forelle. Salmo/ötzo X. 

^ 3 ) Gemein oder häufig in allen klaren, schnell fliefsenden, stei- 
nigen Gebirgs -Bächen, von den "Vorbergen an bis hoch hinauf, 
einzelner noch an der oberen Gränze des Holzwuchses; grofs an 
tiefen Stellen, aufserordentlich grofs in dem sehr tiefen, soge- 
nannten kleinen Teiche des Riesengebirges.*) — Ändert nicht 
blofs überhaupt nach Verschiedenheit des Wassers, in Hinsicht 
auf dessen Mischung, Tiefe, Grund, Beschattung oder Licht- 
helle und dergl., von Anfange her sehr bedeutend ab ; sondern 
erleidet solche Veränderungen auch neuerdings durch Verset- 
zung aus einem Wasser in das andere. Daher man sie früher in 
mehreren Arten, als Bach- oder gemeine, und schwarze oder 
Teichforelie (Salmo lacustris^ trennte; und selbst die Alpen- 
forelle (Salmo alipinus) soll keine eigene Species bilden nach 
der Meinung der schweizer Naturforscher. 



*) Merkwürdig genug fehlt sie, wahrscheinlich, weil ihr gewisse Bestandteile des Was- 
sers nicht zusagen mögen, in dem ganz nahen und nur etwas höher gelegenen grofren Teiche 
ganz. Sogar die Versuche, ihn zu besetzen, sollen mifslungen, und die hinein gebrachten 
Forellen bald todt obenauf schwimmend gefunden worden sein. 



Lachs — Karpfen. > 73 

? Die Saiblings-Forelle. Salmo alpinus. 

Ist zwar von W ei gel als Bewohnerin des schon erwähnten klei- 
nen Teichs angeführt, daher auch von Kaluza erwähnt, aber 
weder von ihm, noch von einem andern irgend vertrauenswürdi- 
gen Thierkenner gefunden worden; daher sehr zweifelhaft. Saib- 
ling bei Beiden genannt. 

c) Aeschen. 

8. Die Weifs- Äsche. Salmo albula L. 

( 4 ) In den Seen des Schwiebusser Kreises; vorzüglich in dem, 
welcher südlich der Stadt Schwiebus liegt und den Namen Kut- 
schel führt. Kleine Maräne. Salmo maraenula. 

9. Die gestreifte Äsche. Salmo thymallus L. 

( 5 ) Lebt in den fliefsenden Gewässern der bergigen Gegenden, 
namentlich der Fürstenthümer Jägerndorf, Neisse (östreichi- 
schen Antheils), Schweidnitz, Jauer und der Grafschaft Glatz; 
jedoch weit seltener, als die Forelle, und nicht in Seeen oder 
Teichen. 

iv. II. Hecht. EsoxL. 

10. Der gemeine Hecht. Esox lucius L. 

( T ) Findet sich, das höhere Gebirge abgerechnet, mit wenigen 
Ausnahmen in allen fliefsenden und den meisten stehenden Ge- 
wässern, unter den ersteren fast keinen Mühlgraben oder soge- 
nanntes wildes Wasser abgerechnet; in manchen in Menge, so 
ungern man auch den argen Gast in gepflegten Fischereien sieht. 
Mit mancherlei, bald mehr grünlichen, bald mehr grauen Ab- 
änderungen, worunter höchst selten alt in einer fast gras- oder 
spangrünen. Grashecht, der junge. 

v. III. Karpfen. Cyprinus L. 

a) Barben. 

11. Die gemeine Barbe. Cyprinus barbus L. 

W Findet sich in allen Flüfsen bis in's Vordergebirge gewöhn- 
lich; besonders gern an tiefen Stellen mit rauschendem odei 
schnell bewegtem Wasser in der Nähe; nicht in Teichen. Barme, 
Flufsbarbe. 

b) Gründlinge. 

12. Der Kressen-Gründling. Cyprinus gobio L. 

( 2 ) Ein, fast in sämmtlichen kleinen und grofsen Flüssen und 
Bächen bis in die Vorgebirge häufiger, kleiner Fisch. Gründel- 
kresse, Gresse, Grafsling. 

c) Eigentliche Karpfen. 

13. Der Teich-Karpfen. Cyprinus carpio L. 

( 3 ) Ein, auch bei uns seit langer Zeit einheimisch gemachter 



74 D. Fische. Grätenf. Bauchflosser. 

Fisch, welcher mehr oder weniger, sehr häufig allein, in Tei- 
chen gehalten wird, aus denen er sich einzelner in die meisten 
nicht zu schnell strömenden Flüfse verloren hat. In manchen 
sehr grofsen Teichen , wie in denen der Standesherrschaft Mi- 
litsch, kommt er in ungewöhnlicher Gröfse vor; sonst in meh- 
reren Abänderungen. Hierunter nicht häufig der Karpfen mit 
dem Mopskopfe; sehr häufig aber der merkwürdige Spiegel- 
karpfen (Cyprinus macrolepidotus s. Cyp. rex cipHnorum.'): 
welcher im höheren Alter durch Verlust der wenigen grofsen, 
nur in einigen Längsreihen auf dem Rücken, dem Bauche und 
in den Seiten stehenden Schuppen zu dem sogenannten Leder- 
karpfen wird.*) 

d) Schleien. 

14. Der gmeine Schlei. Cyprinus tinca L. 

( 4 ) Nur in manchen der kleineren Flüsse von sehr geringem 
Stromfalle und mit schlammigen Grunde; aber in fast allen Tei- 
chen und sehr vielen anderen stehenden Gewässern des platten 
Landes sehr gemein, in ersteren theils eingesetzt, theils so vor- 
handen; selten schon in Gewässern des Untergebirges. 

Eine sehr schöne Abänderung, oder richtiger* Ausartung, 
welcher alles Grün und Violet mangelt , daher sie rothgelb mit 
fast orangeroth en Flossen, aussieht, die Goldschleie (Cypr. 
tinca aurata), kommt beinahe überall neben der gewöhnlichen 
vor: indem sie sich, auch ohne so gefärbte Voreltern, bald von 
selbst erzeugt. 

* e) Karauschen. 

15. Die gemeine Karausche. Cyprinus carassius L. 

( 5 ) Wo die vorige Art, jedoch nicht überall so häufig; selten in 
der Oder. — Soll sich oft und leicht mit dem Karpfen verba- 
stardiren. Grofser Karsch oder Karafs. 

Anmerk. Man spricht von Karpfenkarauschen , Cytr. cha- 
rax , als Bastarden dieses Fisches und des eigentlichen Karpfen. 

16. Der kleine Karausche. Cyprinus gibelio L. 

( 6 ) An vielen ähnlichen Stellen häufig; vorzüglich auch selbst 
in kleinen Gräben. Kleiner Karsch od. Karafs. Giebel, Giebling. 

f) Brachsen 

17. Der gemeine Brachsen. Cyprinus brama L. 

( 7 ) Eine der gröfseren Karpfenarten, die sich in unseren grö- 
fseren, stilleren Flüfsen, wie in grofsen Teichen und Seen, 
aber meist nicht häufig vorfindet. Brassen, Presse, der Blei. 



*) Es ist eine nicht zu bezweifelnde Thatsache: dafs Spiegelkarpfen sich in der That als 
blofse Abänderung oder Ausartung da, wo man gemeine Kaufen in ganz isolirte Teiche setzt, 
welche lange trocken gelegen haben, ohne Vora'ltern von dieser Varietät erzeugen. 



Karpfen. 75 

An merk. Es soll Bastarde des Bleies oder Brachsens mit 
dem folgenden Güster geben, welche die Fischer Bleigüster nen- 
nen. — ? — 

18. Der Güster -Brachsen. Cyprinus blicca Gm. 

( 8 ) An manchen Stellen in der Oder, in der Ohle und anderen 
sandig- schlammigen Flüfsen zum Theile häufig. Lebt übrigens 
auch in Teichen mit Sandgrund. Giester, Genster, Breit-, 
Frauenfisch. Cypr. latus L. 

19. Der Zopen -Brachsen. Cyprinus ballerus L, 

( 9) Scheint nicht überall, und meist blofs in Seeen oder bedeu- 
tenden Teichen vorzukommen; ist so unter anderen im Fürsten- 
thume Glogau. Zupe. 

20- Der Zärthen-Brachsen. Cyprinus virriba L. 

(10) Tritt nicht selten aus der Ostsee herauf in unsere gröfseren 
Flüfse; an sandigen Stellen, besonders bei Stromschnellen und 
in reinem Wasser; pflegt zur Laichzeit ziemlich zahlreich ge- 
fangen zu werden. Meernase, 

g) Weifsfiscke. 

21. Der Döbel-Weifs fisch. Cyprinus dobula L. 
t 11 ) Fast überall; meist in Flüfsen, jedoch auch in manchen 
Teichen, besonders den gröfseren. Sanddobel, Dübel (Giebel!) 
Hafsle, Häfsling. 

22- Der Giesen- Weifsfisch. Cyprinus jeses Bl. 
12 ) Soll aufser der Oder auch in der Weide und besonders in den 
Trachenberger Teichen vorkommen. Er wird jedoch meistens in 
ganz anderen, schnell fliefsenden Gewässern gefunden, und liebt 
vorzugsweise die unruhigen Stromstellen, die Umgebung der 
Mühlwerke und dergl. Göse , Ziese , Aland. 

23. Der Raapfen- Weifsfisch. Cyprinus asp ins Ml. 
( 13 1 Nicht häufig, am meisten noch in der Oder; selten in ste- 
henden, sondern gern in fliefsenden Gewässern von mäfsiger 
Schnelle der Strömung und mit reinem Grunde. Rappe. 

24- Der rothflossige Weifsf. C. erythrophthalmus Bl. 
( l4 J In fast allen Flüfsen und den meisten mit solchen verbun- 
denen stehenden Wassern äufserst gemein, meist sehr häufig. 
Rothfeder (-Flosse), Plötze. 

25. Der rothäugige Weifsfisch. Cyprinus rutilus L. 
(l5 > Wie der vorige; scheint aber mehr Vorliebe für Flüfse zu 
haben. Rothauge. 



76 D. Fische. Schmerle — Wels. 

26- Der Nasen -Weif s fisch. Cyprinus nasus El. 
( 16 ) In der Oder, wie in den meisten anderen, vorzüglich grö- 
fseren, sandgrundigen Flüfsen gemein, oder häufig; selbst noch 
im Vorgebirge. Schwarzhauch, Asche. 

27. Der ückelei- Weifsfisch. Cyprinus alburnus L. 
^ 17 ) Eine häutige Art, welche oft zahlreich, zuweilen in Menge 
in der Oder gefangen wird, übrigens jedoch Seeen und Teiche 
gleichfalls bewohnt. < 

28. Der Bitter- Weifsfisch Cyprinus amarus L. 

(i8) Ein kleiner, bitterer Fisch in der Oder, manchen anstofsen- 
den Gräben und anderen fliefsenden Gewässern. Bitterfisch. 

29- Der Ellritzen- Weifsfisch. Cyprinus phoxi^ius L. 
( 39 ) Häufig in sämmtlichen Gebirgsflüfschen und Bächen, schon 
am Fufse der Berge, jedoch nicht hoch hinauf. Eltersch, Pfrille. 

Der S o nnen- Weif s f is eh. Cyprinus aphya L. 
Soll hin und wieder vorkommen; wenigstens wird er von Bör- 
ner und Weigel, freilich ohne nähere Angabe, aufgeführt, 
daher auch von Kaluza erwähnt. Sonnenfischel, Tausendbrü- 
derchen. 

Vi. IV. Seh nie r 1 e. Cobitis L. 

30. Die Gründlings - Schmerle. Cobitis harbatula L. 
(*) In allen kleinen, sandigen und steinigen Bächen oder Gräben 
des ebenen und hügeligen Oberschlesiens am gewöhnlichsten, 
jedoch auch in vielen Teichen; scheint dort häufiger, als in 
Mittel- und Niederschlesien. Bartgrundel, Gründet, kleine 
Schmerle. 

31. Die Stein- Schmerle. Cobitis taenia L. 

(*) Meist in den etwas steinigen Bergflüfschen , aber ungleich 
seltener, als die vorige; einzelner in denen der Ebene, zuweilen 
jedoch selbst in schlammigen, stehenden Gewässern. Dorn- 
gründel, Steinbeifser. 

32- Die Schlamm-Schmerle. Cobitis fossüis L. 
(3 ) Fehlt in keinem schlammigen Graben oder Teiche, in fast 
keinem Sumpfe oder Moraste; kommt aber seltener in schlam- 
migen Flüfsen, selten an schlammigen, ruhigen Stellen rasch 
strömender Gewässer vor. Schlammbeifser. 

vir. V. Wels. Silurus L. 

33. Der gemeine Wels. Silurus glanis L. 
( x ) An tiefen Stellen der Oder nirgends selten, vielmehr meist 



Brustflosser, Kehifiosser. 77 

o-ewöhnlich ; weit seltener dagegen in kleineren Flüfsen. Wird 
zuweilen sehr grofs gefangen. Der gröfste eigentliche Süfswasser- 
Fisch Europa's. 

Il le Ordnung. Brustflosser* Thoracici. 

(Zahl der Arten =r: S-) 

viii. I. Barsch. Perca L. 

34. Der Kaulbarsch. Perca cernua L. 

( x ) Wie der folgende, aber selbst in kleinen Gräben; gern über 
Sandgrunde. Kleine Perschke. 

35. Der gemeine Barsch. Perca fluviatilis L. 

( 2 ) Gemein in allen nicht zu kleinen schlesischen Flüfsen und 
den meisten Teichen. Perschke. 

36. Der Sand-Barsch. Perca lucioperca L. 

( 3 ) In der Oder, IN eisse und anderen gröfseren, sandigen Flüs- 
sen nicht häufig, obgleich auch nicht selten; häufiger und be- 
sonders grofs im Schlawaer See, woher er, als einer der ge- 
schätztesten Fische, vorzugsweise hierhergebracht wird. Sand-, 
Hechtbarsch, Zander. 

ix. II. Kaulkopf. Cottus L. 

37. Der gemeine Kaulkopf. Cottus gobio L. 

( x ) Seltener in Flüfsen der Ebene, häufiger und gröfser in den 
steinigen des Gebirges; in der Grafschaft Glatz zum Theile in 
Menge. Müller, Rotzkolben, Kaulschlägel. 

x. III. Stichling. Gasterosteus L. 

38. Der gemeine Stichling. Gast, aculeatus L. 

t 1 ) In verschiedenen Flüfsen und Bächen; aber wohl nicht so 
häufig, wie in vielen anderen Gegenden. Stechbüttel, Stachel- 
barsch. 

III 10 Ordnung. Kehifiosser. Jugulares. 

( Nur 1 Art. ) 

XL I. Weichfisch. Gadus L. 

39. Der Quappen- Weichfisch. Gadus Iota. L. 

(*) In grofsen, wie kleinen Flüfsen und manchen Teichen mit 
reinem Wasser ; meist allenthalben ziemlich gemein, jedoch 
selten häufig. Aalraupe, Aalruppe. 



78 D. Fische. Kahlbäuche. Aal. 

TV* Ordnung, Kahlbäuche. Apodes. 

(Blofs I Art.) 

XII. I. Aal. Muraena. L. 

40. Der gemeine Aal. Muraena anguilla L. 
( 3 ) In der Oder noch gewöhnlich, und von da aus auch wohl in 
tiefen, schlammigen Graben; ehedem häufiger; zieht sich zum 
Winter gern in grofse Teiche, Seeen und Brüche zurück. Kommt 
selten in Flüfsen höher hinauf, sehr selten in Vorgebirgs- 
wassern vor. 

Die Entfernung vom Meere ist bereits etwas zu grofs, als 
dafs Schlesien von Zugfischen sehr viele haben könnte. Indefs, 
kann es doch manchen aufweisen, der von dorther in seine 
Flüfse herauftritt. 

Noch ist zu wenig für die genauere Kenntnifs unserer Fische, 
und zu wenig für die der meisten deutschen Länder im Einzel- 
nen geschehen, (die Schweiz abgerechnet,) um einen Vergleich 
unsererer mit anderen Provinzen im Innern des Landes zu ver- 
suchen.*) Der ichthyologischen Fauna Deutschlands überhaupt 
gegenüber, -kann ein solcher eigentlich gar nicht Statt finden: da 
für dieses in's Gesammt so bedeutende Küstenstriche und ein 
so ansehnlicher Meeresraum hinzutreten. 



*) Es ist. daher sehr zu wünschen: dafs Herr Pfarrer Kaluza nunmehr die gute Absicht 
verwirklichen möge, seine ausführlicheren handschriftlichen Bemerkungen über Schlesiens 
Fische, auf welche er sich in dem Vorworte zu seinem Verzeichnisse bezieht, und welche 
er nicht zurückzuhalten versprach, wirklich auf geeignete Weise zu veröffentlichen. 

Möge sein mehrfach bewiesener reger Eifer für das Beste eines Wissenschaftszweiges, 
welcher ihn vorzugsweise beschäftiget hat, und die gegründete Ueberzeugung , so etwas Vie- 
len Erwünschtes zu thun , ihn jedes Bedenken überwinden lassen. 



Verbesserungen. 

xS. 43, Z. 3 v. oW lll st. 116. 

V- — - 5 - - 56 st. 55. 

'vC s Auch ist S. 10, Z. 4 v. unten lieber zu setzen Hypudaevs ar- 
valis, und die Benennung H. gregarius aliqcj. als Synonymon hin- 
zustellen , obgleich Mvs gregarius Fall, hiermit nicht gleichbe- 
deutend ist. 



Anderer Seits haben auch schon mehrmals solche Thiere, die als 
vermeintlich blofs „nicht ganz gewöhnlich*' und gleichsam nur 
zum Beweise reger Aufmerksamkeit und guten Willens eingelie- 
fert wurden, sich als recht werthvolle, zuweilen als sehr seltene 
ausgewiesen. Ueberdiefs bleibt es gewifs: dafs selbst manche ge- 
wöhnliche Thiere immer noch recht brauchbar sein können, da- 
her der Anstalt ebenfalls zu Gute kommen. Möge also durch 
derartige Bedenklichkeiten in Znkunft Niemand sich irre machen 
und von etwas Verdienstlichem abhalten lassen. 

Doch giebt es eine Anzahl von Bewohnern der Provinz, wel- 
che selbst sammeln, und als Sammler gewöhnlich mehr oder 
weniger auch Kenner der Thiere sind« Ihnen wollen wir, da sie 
ohnediefs selbst erkennen werden , dafs für Privatpersonen in ge- 
wöhnlichen Verhältnissen Vollständigkeit nur in sehr untergeord- 
netem Grade erreichbar ist, — • hiermit freundlichst, und ohne 
ihnen dadurch ihr so erlaubtes Interesse an einem ihnen lieb 
gewordenen Eigenthume schmälern zu wollen, zu bedenken ge- 
ben: wie sehr sie doch andern Theils im Interesse der "Wissen- 
schaft und des allgemeinen Besten handeln, wenn sie einzelner, 
etwa besonders seltener und interessanter Stücke aus ihrer Samm- 
lung, so sehr auch dieselben ihre Freude an dieser vermenren 
mögen.) sich zum Vortheile einer öffentlichen Anstalt entäufsern, 
welche der Regel nach im Laufe einer Woche mehr Belehrung 
Suchende und Schaubegierige aufnimmt, als ihre eigene Samm- 
lung vielleicht erst binnen einer Reihe von Jahren ; in welcher 
ferner weder die Liberalität der Geber unbeachtet und ^hne 
die gebührende öffentliche Anerkennung bleibt,*) noch auch ein 
billiger Ersatz für ein wirkliches Opfer dieser Art verweigert 
wird, besonders, wenn er auf Tauschbedingungen gewünscht wird; 
und welche endlich mit speciellen Belehrungen über Zweifel, die 
etwa die eigenen Sammlungen der Einsender diesen wünschens- 
werth machen, gern willig entgegenkommen wird. Sie mögen 
darum bedenken, dafs jede Sache da am meisten an ihrem Püatze 
ist, wo sie den meisten Nutzen stiften kann. 

Hierbei sei zuletzt noch bemerkt: dafs das Museum bei allen 
Königlichen Posten für Briefe und Pakete, Kisten etc. bis zu dem 
Gewichte von 20 Pfunden Portofreiheit geniefst; wobei jedoch 
folgende Adresse zu beobachten ist: 

An das Königliche zoologische Museum der Universität 

zu 
Allgemeine Breslau. 

Universitäts - Sachen. 

Ferner: dafs besonders im Sommer bei frisch getödteten (nicht 
bereits ausgestopften oder sonst zubereiteten) Thieren die gröfste 
Eile zu empfehlen ist, um sie vor Fäulnifs, welche ein nachhe- 
riges Ausstopfen unmöglich macht, zu bewahren. Bei kleinen 
Thieren, welche am schnellsten verderben, werden entfernter 
Wohnende vorzüglich zur Zeit hoher Wärme sehr wohl thun, 
wenn sie Holzessig zur Hand haben, eine damit befeuchtete, ver- 
hältnifsmäfsig nicht zu grofse Werg- oder Baumwollenkugel ver- 
mittelst eines Stäbchens oder Strohhalmes vorsichtig und so tief 
als möglich in den Hals zu schieben, auch etwas von dieser Flüs- 
sigkeit in den behutsam geöffneten Unterleib zu bringen. In Er- 
mangelung des Holzessigs mag man recht starken Brandwein, 
oder noch lieber Spiritus, anwenden, und, wer sich des erfor- 
derlichen Geschicks dazu bewufst ist, die unedlen Eingeweide 
durch einen Schnitt in den Unterleib entfernen. Auch kann man 
zu Beidem sich blofsen trockenen Werges bedienen. 

*) Denn die Bezeichnungs-Etiquetten der geschenkten Thiere erhallen neben der wis- 
senschaftlichen Benennung an diesen selbst stets auch den Namen des geneigten Gebers. 

Der Verfasser. 



NB. Freunden der Thierkunde innerhalb der Pro- 
vinz wollen wir empfehlen, ihre Exemplare dieser 
Schrift beim Binden oder Broschiren mit Schreibpa- 
pier durchschiefsen zu lassen: um auf diesem mit Be- 
quemlichkeit jedem bereits aufgeführten Thiere gegen- 
über Notizen, entweder in Bezug auf dessen Vorkommen 
in ihrer nächsten Umgebung, oder in einzelnen Jahr- 
gängen, und dergleichen beifügen, auch die etwa neu 
aufgefundenen Arten nachtragen zu können. So ge- 
haltene Handexemplare würden, dem Verfasser zur 
Durchsicht eingesendet, vom wesentlichsten Nutzen für 
die beabsichtigte künftige Vervollständigung unserer 
Fauna sein. 

Lehrern , besonders an höheren Unterrichtsanstal- 
ten der Provinz, welche bei solchen Schülern, die be- 
reits über die allgemeinen Grundlagen der einzelnen 
Zweige der Naturgeschichte überhaupt hinaus sind, 
gegenwärtige Uebersicht der Wirbelthiere als Anhalts- 
punkt für eine speciellere Anleitung zur Kenntnifs des 
Vaterländischen benutzen wollen, würden ebenfalls 
wohl thun, den Lernenden so durchschossene Exem- 
plare in die Hände zu geben : um zu dem bereits voll- 
ständig gegebenen Provinziellen so viel des Allgemei- 
nen nachtragen zu lassen, als sie bei dem ihnen für 
die Ausdehnung des Unterrichts gegebenen Zeiträume 
möglich und dem Grade des Wissens hierin , wie über- 
haupt der Vorbildung ihrer Zuhörer angemessen fin- 
den, um so beides, Gedrucktes und Geschriebenes, 
durch das lebendige Wort zu einem den gerade vorhan- 
denen Kräften und obwaltenden Bedürfnissen entspre- 
chenden Ganzen zu verschmelzen. — Die Verlags- 
handlung wird in diesem Falle auf besonderen Wunsch; 
der Besteller die Exemplare, welche sonst wie gewöhn- 
lich geheftet ausgegeben werden , in dieser Art durch- 
schossen liefern : was sich im Ganzen, parthieenweise, 
um geringeren Preis, als im Einzelnen, herstellen läfst. 






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