(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Schwäbisch-augsburgisches Wörterbuch. (K. b. Akad. d. Wiss.)."

This is a digital copy of a book that was preserved for generations on library shelves before it was carefully scanned by Google as part of a project 
to make the world's books discoverable online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 
to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 
are our gateways to the past, representing a wealth of history, culture and knowledge that 's often difficult to discover. 

Marks, notations and other marginalia present in the original volume will appear in this file - a reminder of this book's long journey from the 
publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prevent abuse by commercial parties, including placing technical restrictions on automated querying. 

We also ask that you: 

+ Make non-commercial use of the file s We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain from automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machine 
translation, optical character recognition or other areas where access to a large amount of text is helpful, please contact us. We encourage the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attribution The Google "watermark" you see on each file is essential for informing people about this project and helping them find 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are responsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can't off er guidance on whether any specific use of 
any specific book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search means it can be used in any manner 
any where in the world. Copyright infringement liability can be quite severe. 

About Google Book Search 

Google's mission is to organize the world's Information and to make it universally accessible and useful. Google Book Search helps readers 
discover the world's books white helping authors and publishers reach new audiences. You can search through the füll text of this book on the web 



at |http : //books . google . com/ 



miiiiiM 

6000e4230N 






.# 






SGSWlBISOE-AnOSBDBQIBOBES 

WÖRTERBUCH 



HERAÜSZGEGEBEN 



VON 



DB. ANTON BIBLINGEB. 



UI TEBLAG DER K. B. AKADEMIE DEB WI8ZEN8CHAFTEN. 



MÜNCHEN. 

IN G0MMIS8I0N BEI G. FRANZ. 

1864. 



Ja^. J". i'J, 



>Aaf gut verstentlich Augspurger Sprach, 
die da under andern deutschen Zungen ge- 
mainiglich für die verstentlichste genommen 
und gehalten wird.« 

Hansen Ottmarks Auszgabe von Tauleri 
Sermones 1508. Augsb. 




Druck Yon F. Straub (Wittelsbacherplatz 3). 



'\ .-V. .fc«!,^ 



Vorrede* 



Das »Schwäbisch- Augsburgisch« Wörterbuchc 
^thält ^iträge zu einem JSpracfaschaze derjenigen schwäbi- 
schen Lande, die jezt unter k. bayerischer £rone sind. Ge* 
nauer wäre die Bezeichnung »Beiträge zu einem Sprach- 
schaze des alten Augsburger Bistumgebietes.«. Die 
Gituzen des alten Bistums, die weit ober k. bayerische Mar- 
ken hinauszgen, sind, wenn YoUfitändigkeit erzilt werden 
wül, genau einzuhalten. Man musz somit da und dort 
über die schwäbische Alb hinübergreifen, ja bis Gmünd und 
Ellwangen hin Gränzpfale auszstecken. Wie im Calwischen Ge- 
biete Speierische Einflüsze in Sprache sich geltend machten und 
jezt noch fort und fort erkennbar sind, so wirkte Augsb. Element 
beispilsweise auf die Gmünder Mundart. Esz ist noch nicht 
so lange, dasz die Gmünder ir Gekaide auf der Augsburgs 
Sdiranne geholt haben. Die wegen ires belebten Yerkeres 
hochwichtige Strasze von Augsburg über Burgau nach UIuei 



IV 

und von da gegen Böhmenkirchen kan bei Sprachstudien nicht 
umgangen werden. Ich habe mich bei vorligender Arbeit, die nur 
ein bescheidener Beitrag genannt werden mag, zunächst an das 
Augsburger Gebiet im engeren Sinne gehalten. Die Stadt 
selbst sollte den Auszgangspunkt bilden; da aber, wie ich in 
der Mundart dargetan, altes Wesen in Sprache und Sitte nur 
auf einen kleinen Teil, auf die Jakober Vorstadt beschränkt 
ist, so war not^vendig diejenige Gegend um Augsburg genauer 
zu durchforschen, welche mit der alten echten Augsburger 
Sprache am meisten stimmt : nämlich das Wertachtal, die »Strasze« 
und unmittelbar darüber die »Stauden« , eine waldige gegen 
das Mindeltal, die Eeischenau und das Wertachtal hin abfal- 
lende Landschaft, die fremder Kedeweise beharrlich Au&ame 
verweigert. Disem kleinen Stücke Landes ist der Grundstock 
des Buches entnommen. Dazu sind fast alle bayer. schwäb. 
Landstriche bald mer bald weniger hereingezogen: selbst das 
alamanische Allgaü, das in der schwäb. Grammatik sorgfältig 
unterschiden und darum hier ferne gehalten werden musz, 
hat bisweilen Berücksichtigung geftmden. 

Wenn ich nach dem wirtembergischen Schwaben hinüber- 
grif, so war esz einmal der eben genannte sprachliche Zu- 
samenhang der alten Bistumsgebiete, sodann die Bekanntschaft 
mit der Mundart meiner Heimat, bevorab mit der Volkssprache 
des mittleren und oberen Necargebietes, das ich wiederholt 
imr Niederschwaben nannte. Dise Mundart, sowie die des sog. 
altwirtembergischen Gebietes stet von der Augsburgischen weit 
ab. Näher komt das Land von der Alb an, abgerechnet das 
sogen. Alamannische, das weder zu dem einen noch zu dem 
andern Zweige des Schwäbischen gehört. Mit Fug und Eecht 
ist die Waszerscheide des Necar's und der Donau auch die Gränze 
vom sprachlich verschidenen Ober- und Niederschwaben. Dahin 
ist Weinhold's Angabe »Oberschwäbisch«, wenn er von der 



Kotweiler Gegend spricht, zu berichtigen. Kotweil ist die Gränze 
von Niederschwaben und dem echt alamannischen Gebiete, das 
zwischen dem Khein, Tuttlingen und Kotweil liegt (Schaff- 
hausen, Waldshut u. s. w.) und bis herab an das Ende des 
Heuberges, bis Beuron reicht. Disz Gebiet vom Khein bis zu 
dem Ursprünge des Necar's und der Donau und was in dem 
Winkel ligt, wenn von Kotweil bis Beuron -MöszKrch eine 
schiefe Linie gezogen wird, mit dem ganzen badischen Seekreise, 
umfaszt echt alamannische Mundart. Von Sigmaringen, Scheer, 
Kiedlingen an begint Oberschwaben: Sprache, Sitte, Wuchs, 
Gesichtsbildung wird eine andere. Von dem Oberschwäbischen 
ist wieder gar ser die Sprache des AUgaü's verschiden: sie 
begint da, wo der Nasenlaut aufhört. Unter Oberschwaben habe 
ich im Wörterbuche innerhalb bayerischer Gränze das Gebiet 
des Illertales bis zum Lech verstanden : zu Mittelschwaben wird 
das Mindeltal und von da an mer oder weniger das Kiesz mit 
seinen fränkischen und oberpfälzischen Anklängen zu zälen 
sein. Die Strasze von Augsburg über Kaufbeiuren und die Augsb. 
Ulmerstrasze tragen verschidenes aber für sich gleichartiges Ge- 
präge, Auf einzelne Sprachinseln innerhalb all diser schwäb. 
Augsb. Gebiete werde ich nach wiederholten Nachforschungen ge- 
legentlich auflnerksam machen. Sie sind nicht selten. Bei des 
unübertroffenen Schmeller's Vorgang und den Anforderungen 
des heutigen Standes der Sprachwiszenschaft musz aber auch 
die Mundart, wie sie sich in Urkunden und verschidenen 
Schriftwerken einer Stadt, eines Klosters, eines Gerichtsbezirks, 
einer Provinz auszprägt, beigezogen werden. Disen Anfor- 
derungen einigermassen zu genügen, habe ich mir besondere 
Mühe gegeben, umsomer als mir bereitwilligst von Seite der 
K. Hof- und Staatsbibliothek die benötigten Quellen zur Ver- 
fügung gestellt wurden, darum überwigt auch das ausz Hand- 
schriften gesamelte Material. Das Gleichgewicht soll aber seiner 



VI 

Zeit hergestellt werden, da ich nmumer mein Augenmerk auf 
die lebende Volkssprache richten nnd bei meinen schwäbischen 
Wanderungen Gelegenheit finden werde, selbst eu hören und 
selbst zu sehen. Die ä-lteren Schriftwerke, die fch benüzte, ge- 
hörten meist Augsb. Klöstern an; hie und da nam ich, aber 
iFMsiGhtig, einen zweifelhaften cod. d. h. einen von dem un- 
gewisz ist, ob er nicht von der Hand eines bayerischen Mönches 
in (Efmem schwäbischen Kloster stamt. Hauptgewinn boten mir 
ÜQ Zunftwdnungen in Augsburg, vor allen der Weber, sowie deren 
Aktenkästen. Das Fugger-Nordendorf sehe Archiv, jezt Rech- 
berg- Donzdorfisch, in Mickhaus«! , von dem man kaum eine 
Anung hatte, bot mir unschäzbares Material und birgt dessen 
gewisz noch mer als vil. Das Augsb. Archiv, die Bibliothek 
des historischen Vereins und die Stadtbibliothek gewärten mir 
Manches; ich hoffe aber dort mit Beihilfe der betreffenden ge- 
feiligen Verwalter in Zukunft reiche Ernte zu halten. Seltene 
Augsburgisdie Drucke verdanke ich der Obemdorfer'schen Anti- 
qnariatBbuchhandhmg dahier. Nidit zu missachten sind die 
Pfarrbücher der einzelnen Gemeinden: Beweise dafür finden 
sich im Wörterbuche. 

Was bisher an Beiträgen zu einem Wörterbuche för das 
bayerische Schwaben geliefert worden, ist ausz Schmeller und 
Schmid bekant. Ein leider za früh für die Wiszenschaft ent- 
riszener Schüler und Freund Schmeller's, Professor Auerbacher 
dahier, darf nicht vergeszen werden, sein Material soll jedoch 
bis auf einen Band, der ausz unverzeilicher Nachläsrigkeit ver- 
loren gieng, in guten Händen sein. Wörterbücher zum Stadt- 
rechte von Augsburg sind vor 120 Jaren und zulezt von Hof- 
mann V. Pallersieben in seinen Fundgruben und auf sie ge- 
stüzt von den Herausgebern des Mhd. Wbs. angestrebt wor- 
den: leid^ lag inen allen das Original nicht vor, denn die 
Texte bei Walch, v. Freyberg sind fast unbrauchbar. Den 



VII 

ältesten Anlauf zu einem Wörterbuche des Stadtrechts machten 
mit A die Beiträge zur kritischen Historie der deutschen Sprache. 
Lapzig 1732. 

Einen Versuch zu einem Augsb. Idiotikon machte zu Anfang 
difles Jarhunderts ein Herr von Aman zu Augsburg, deas^ Ar- 
beit, mit Not der unbarmherzigen Scheere eines BnchbindfiiB ent- 
riszen, manchen alten Auszdruck bewart hat« Ergibig' sind 
die Arbeiten vom Herrn Pro£ und geistlichen Bat Jochiun in 
Preising, der selbst ein AUgaüer, bei verschidenen Gelegen- 
heiten seine gesunde Anschauung über die Volkssprache bewis. Die 
Localreimereien, die schwäbischen mitunter ser wertvollen Ge- 
dichte des J. Q. ScheiMe, und kleinere zu Memmingen und 
Kempten erschienene mundartliche Proben sind gute Hand- 
haben bei einschlägigen Forschungen. Die Werke von Baiser, 
Herberger, Greiff bieten eine Masse Stof far Kunde der 
Schwäbisch-Augsb. Mundart. 

Den Anstosz zur Herauszgabe dises Wörterbuches — das 
zum gröszeren Teil nur Stof zur Verarbeitung bieten soll — 
gab eine wiederholte Aufforderung von J. Grimm, der in seinen 
lezten Jaren der Mundart ungleich mer nachhieng denn früher. 
Er wünschte vor Allem das Allgaüische Gebiet und dann das 
ganze Land bis Nördlingen sprachlich genau dargestellt. Disem 
seinem Wunsche nachzukommen war mir ermöglicht durch die 
huldvolle Unterstüzung Sr. Exe. des Staatsministers Herrn von 
Zwehl und der k. Bayer. Akademie der Wiszenschaffcen; durch 
Dekret eines hohen Staatsministeriums des Innern für Eirchen- 
und Schul-Angelegenheiten wurde mir eine entsprechende Summe 
angewisen, die k. Akademie liesz die Vorarbeit als Anhang 
in iren Sizungsberichten drucken. Dafor spreche ich hier und 
dort meinen tiefgefUten Dank ausz. 

Esz erübrigt mir noch, meine Arbeit milder Beurteilung 
zu empfehlen. Jeder Anfang ist schwer, und ich halte es mit 



VIII 

dem oben genannten Sammler v. Aman, der am Ende seiner 
Vorrede klagt: dasz man der G^ar zn irren nirgends leichter 
als bei Sammlungen diser Art auszgesezt ist. Möge der ge- 
neigte Leser ob der Menge des Stoffes, die wie schon bei 
andern vor mir, verunglückte historische Schreibweise ent- 
schuldigen. 

München, im September 1864. 



DEE HEBAUSZGEBER. 



Sehwäbisch-Augsburgisches Wörterbuch 



von 



Bv Anton Birlinger 



Kurzes A. got. und ahd. & 
l) die Auszsprache ist in der 
Hegel rein, und gleich italieni- 
schem a, erleidet aber Denung 
in der Stammsilbe. So: vader, 
bach. schlag, drischlag, 
wäfel, späget, waszerfal, 
baden u. s. w., näs ahd. naz, 
nasz; fäs, ahd. vaz, fasz; sagh, 
Sack; klapf, bätschappel, 
Klatschmaul , Schwätzer oder 
Schwätzerin; hämel, kamer, 
jämer, schlampere, latsche, 
bätscbe, dätsche, leber- 
spaza u. s. w. Vgl. Wb. z. 
Volkstüml. S. 9. Die Gegend um 
Böhmenkirch und Gmünd weist 
Aehnliches auf. Schriftliche Denk- 
mäler bezeichnen dise Denung 
durch ein doppeltes a: bach- 
aa n g e r bei Gass. ; der Judenbrief 
V. 1299 bei Horm. 1834. S. 116 
hat baaden. Nur teilweise hat 
lieh ä erhalten, wenn mehrere 
Mitlauter folgen, was in der Ausz- 
sprache der leztem begründet 
irt. Der Niederschwabe kennt 
dise Denung überhaupt nicht. 

Wegfall der Endlauter b, g, ch, 
f hat im wirtemb. Schwaben all- 
gemein Denung des a zur Folge. 



In Augsburg ist dises sehr selten 
der Fall ; man hört mader, gSta 
für Marder, Garten; ab verliert 
das b in abreagla, azwalga u. s. w. 
b föllt noch ausz, wo schon die 
mhd. Schriftsprache vorangegan- 
gen ist; wie in der Abwandlung 
von geben; für ch vermag ich 
vorerst nur dernao (darnach); 
»ze wihennaten« MB. XXTV, 
S. 407. ad 1316 beizubringen. 
Vgl. Wb. z. Volkstüml. S. 9. 
üeber g vgl. unten. 

2) Vor m und n macht sich 
der Nasenlaut geltend und trübt 
die Auszsprache fast zu ö: mo 
(Mann) wo (Wahn) zö (Zahn) ko 
(kann) o (an). Die schriftlich. 
Denkmäler haben : m a j o r o n 
cgm. 601 f. 104 b, Majoran, ama- 
racus, vulgo majorana, Frisch I, 
636 b; monier, Eleiderbüchlein; 
des TN. hat stets won (wann) 
u. s. w. 

3) die Neigung zu ö begegnet 
auch vor 1, r: orsch (Ars)holta, 
(halten) wold, kolt, olt, solz, 
schmolz u. s. w. Aber um a 
zu bewaren, verdoppelten die 
schriftl. Denkmäler, besonders 
Sender das 1, z. B. in diebstall 

1* 



S. f. 145b wallzettel f. 173a 
Ballingen f. 369b, eine wirtemb. 
Stadt. 

Wie der Reutlinger Chronist 
Fi z i o n Pforrer, Pforrkirch, Schor- 
mitzel, Stuttgort, bormherzig, ge- 
wolttätig u. 8. w. bringt, gehreibt 
auch Sender schon Malvoseyer 
für Malvasier f. 157 b, podogra 
f. 397 a; »alle cottember« 
Manuale f. 4a neben cottem- 
per, f. 9b u. quotember f. 
58a, zem stadol MB. 23,7a 363 
ad 1441. Ein Augsb. Vocabularius 
ogm.689, freilich mehr bayerische, 
denn schwäbische Heimat be- 
kundend, vom Kloster St. Ul- 
rich u. Afra, schreibt brasiare 
molzen, brasiator molzer, 
brasiatorium molzhaus u. s. w. 
Vgl. Gramm, I», 79. Weinhold 
alam. Gramm. § 83. Schleicher, 
Sprache S. 328. 

4) Aber echt Augsburgisch ist 
das Verharren bei gedentem a 
vor r: gara, faulgara, gara- 
sieder, Leipziger gara, ka- 
tara, bara, ara (arm) aren- 
prust, harenstein (cgm. 601 
f. 111 a) u. s. w. Merkwürdiger- 
weise treffen wir disz wieder in 
Oberschwaben, ferner am Fusze 
der rauhen Alb, im Hertfelde. 
Schon das Ahd. gibt uns aram, 
halam, palam, Gramm. 1,3, 8 
und weist damit auf die Wirkung 
von 1 u. r. Dise Einschiebung 
ist auch in Rheinfranken üblich. 
Der Altbayer spricht är als ge- 
dentes kr; der Oesterreicher u. 
Oberpfälzer als kurzes oar in 



uoar (Narr) boart, koarteYi statt 
karten u. s. w. 

5) Die — e n des Infinit, und der 
Substantive im plur werden bis- 
weilen wie reines a gesprochen; 
gangä, bloma, cläada, boa, lieba, 
beggarosz, regglä, kaara, gu- 
mera, duttla, elaboga; Schrifbl. 
Denkmäler deuten disz an: ela- 
boga, Regiomont. 1512. von danna 
cgm. 402 f. 74b. Im Alamannisch- 
Lindauischen Gebiete gilt Glei- 
ches; in der Oberpfalz nur nach 
p, f, k, ch, m, n. 

6) Abschwächung des ä zu e 
und i in unbetonten Silben ist 
häufig:mönti,sonnti, wearti, 
aftermenti, uffert, (AufEart) 
Werderbruggertor (Wertach- 
bruckertor) bei S. oft. Atlisz 
(Atlas) » aus rotem gelem Atlisz« 
S. 533b U.S.W, derdurchcgm. 
402 f. 58 a. Vgl. Weinhold Alam. 
Gramm. S. 75. 

7) ä für e, Brechung von i 
»salb sibent« Horm. 1834. S. 
128 u. s. w. für wurzelhaftes u: 
leumand (hliumunt) Mindelh. 
Reformation; für ursp. ai: mit- 
anander cgm. 257. f. 10a 18b. 

8) Gegen das Gesez lautet a 
nicht um in; »dest baszer« Troj. 
Krg. 50a; baser 36; bader im 
Kleiderbüchl. 107, d a s d e r fraind- 
licher236b; schanken, schan- 
kung, trager (Vormünder); dur- 
slachten cgm. 601 f. 104b nie- 
derschwäb. dür seh lacht; die 
Chronisten schreiben war z,L e c h- 
warz, gegenwarz. 

Ueber den Umlaut des ä sieh £. 



LaBges A, k got. ^ 

l)hat den bekannten tiefen, lang 
gedenten Laut, der näher dem o 
als dem a stet. Ich wäle wie her- 
kömlich das Zeichen k dafür. 

Diser Laut ist allgemein schwä- 
bisch, herrscht aber im Augsburg. 
Gebiete nicht vor; dafür tritt der 
Doppellaut ao, au, ou ein. In 
der alten Reichsstadt Augsburg 
selbst galt einst ao, ist aber wol 
unter dem Einflusze der Schule 
und der Reformation, welche 
sächsische und sächsisch gebildete 
Prediger sandte, dem nunmehrigen 
ä gewichen: schmalzwäg; äs — 
so heiszt der Floh, der eben 
sticht — ätem, rathaus, bläter, 
brätisz, kläfber u. s. w. Luc. 
Kern schreibt goba, zur Hoch- 
seit schenken, offenbar gäba. 
Aber gleich vor den Toren tritt 
ao auf und sezt sich im Wertach- 
o. Mindeltale fort bis in das Ul- 
mer Gebiet; dernao (darnach) 
jaor, spaot, Schwaoba, ao- 
bet, braotisz u. s. w. Wieder 
in andern Gebieten des Bistums 
zerstreut wechseln au und ou: 
aubet, oubet; spaut, spout; 
brautisz, broutisz; der- 
nau, dernou; Schwauba, 
Schwouba u. s. w. So lautet 
die 3. pers. sing, der ahd. Zeit- 
wörter stän, län, gän, hän 

1) stät, lät, gät, hat augs- 
burgisch und wirtembergrisch. 

2) staot, laot, gaot, haot 
im Wertachtal etc. 3) stout (oder 
staut) lout, gout, hout z. 6. 
in der Altstadt Kempten. 



2) Manche schriftliche Denl:- 
mäler des 14. 15. und 16. Jarhd. 
schreiben zwar gewönlich 6, wie 
esz auch jezt noch unter fi*än- 
kischen Einflusze im Riesz gie- 
sprechen wird: sch6f, altor, 
wor (verus), a mol u. s. w. wie 
esz in der Lindauer Mundart 
gleichfalls gilt: »iazwett m. r g6 
go, denn wenn's an a gd g6 
got, so göt go alles«. So hat 
cgm. 99 str61, m61, woge, 
schmochet, obent, gewörcht, 
antl6z, kemnöten, sohen, 
töten u. s. w. Ebenso cgm. 6. 
In den Ingolstädter Reimen des 
Buches Samuelis y. 1562 reimen 
strasz: grosz; da: froh; rät: gott; 
hän: tron; stät: not u. s. w. Am 
häufigsten erscheint in den codd. 
die nicht blosz Schwaben, sondeira 
auch Schweiz, und elsäsz. Heimat 
bekunden au und ou. Teilweise 
schreiben sie au, ou, häufig setzen 
sie ein u oder ähnliches Zeichen, 
auf a, wie Petrus Will ausz Neu- 
bürg in seinem christl. Unter- 
richte: diser hat fär ä und got. 
au entsprechendes 4u diselbe 
Schreibung. Dr. Plieninger im 
Sallust 1514 hat immer ou. Aecht 
Augsb. codd. weisen stets au auf; 
so cgm. 97: schanf, genauden, 
gaut, staut, schaucher; cgm. 201: 
haut, maul, maus; ebenso egm. 
287. cgm. 289: paubst, lauszen^ 
palmaubent. cgm. 303: andern, 
blautren; oberostauder u. s. w. 
cgm. 310: offenbaurung, wiMnren, 
andaucht, fraug, waurzu u. s. w. 
cgm. 312 Strang, gaust, cgm. 206^ 



A— AB. 



avszeut, strausz, fraugten, staust 
Ogm. 3i5: verlansz, nauch, wau- 
sen, rauthasz, aun underlaasz etc. 
Aulbertas cgm. 234. bei S. 
Aufrengrab cgm. 257. 

3) Vor m u. n erhalten ä, ao, 
au, ou den Nasenlaut: ahd. hau 
«. s, w. wird ho, hao, hau, hoü, 
8tao, stau, lau, gau, ferner 
kromer, kroma, gottsnama- 
kromer, jomer, mosa, soma 
u. 8. w. Schriftliche Denkmäler: 
begann, gaund, haund,Aun- 
sorg u. s. w. im Manuale; fer- 
ner cgm. 92: haun, tüllen- 
Bäumen; cgm. 601: latuchensau- 
men, magöl säum, bös säumen 
«aen; krumer,-lehen-hof im Ma- 
nuale u. s. w. 

4). Neben 4, ao, au, ou er- 
seheint auch ä selbst heute noch 
im Volksmunde, ob unter bayeri- 
schem Einflusze stet dahin: Näze, 
dabbeter Näze, dummer £erl; 
spat, am spätesten. Schrift- 
liche Denkmäler schreiben s p a a t ; 
Ga8s.;aber >bei spätem abend« 
Feuerordnung, v. 1731 ; spraach, 
haar., fraasz bei Werlichu. s.w. 
Merkwürdig ist dabei die Schär- 
fung der darauf folgenden Conso- 
nanten wieschläffkamer, rät- 
ten (raten) cgm. 402. mall, Gast- 
mal; gemällt (pictus) £leider- 
büchl. schaff haut; hier hat 
Fränkisches u. Bayerisches sicher- 
lich eingewirkt. 

Dem Augsb. Gebiet fehlt also 
lUTspr. reines ä und wo esz sich 
^det, ist esz ausz der Fremde ein- 
gefärt. Einer nähern Untersu- 



chung musz esz vorbehalten blei- 
ben das Verhältnis dis. Augsb. 
Laute, welche auch zugleich ober- 
pfölz. sind, zu got. e zu bestimmen. 
SoYÜ aber mag schon jezt sichtlich 
sein, entweder dasz ao, au, ou nicht 
ausz ä hervorgieng oder dasz a 
nicht den heutigen Lautwert hatte. 

lieber den Umlaut des ä s. £. 

A^ 1 Auszruf derVerwunderung, 
des Eifers; a a! wie schön! 
Niederschw. neben a, al ai, ai! 
a, al Apenzellisch sieh Tobler 
S. Ib. Wie die übrigen Vocale 
Auszruf bei geistiger Aufregung ; 
hier der Ver- und Bewunderung, 
des Erstaunens, wie ä ä ! des Ta- 
dels, Spottes, o, o! des Wider- 
spruches, ei, eil des Liebkosens 
und y erwundems ; a, a ! als Ausz- 
ruf des Schmerzes, scheint Ver- 
kürzung von ach, achl VergL 
hiezu Weinhold, Alam. Gramm. 
§. 327, Mhd. Wb. I., 2b. 

AA machen, seine Notdurft 
verrichten in der Kindersprache; 
Weingartisch äämachen; sonst 
ga ga machen, lat cacare, frz. 
chier, faire caca; oberpfalz. apf 
machen; Münchnerisch bä bä 
machen. Ueber das alte Snbst. 
aa, merda, excrementnm vgl. 
Grimm Wb. I., 5. Der alte Augs- 
burger hat dafür noch bale 
macha, hobbe macha. ä, ä! 
ä pfrrr! Ansprache an das Kind, 
das sich so beschmuzt, Oberschw. 

AB praep. hat in der neuhochd. 
Schriftsprache seine alte Bedeu- 
tung verloren und mit von, so- 
wie hie und da, doch mehr mund- 



Ab — Abdanken. 



«rtlich,mit ansz getansoht * Die 
schwäbischen nnd alamannischen 
Schriftwerke nnd die Mundarten, 
somit auch Augsburg:, kennen ab 
mit seiner alten Bedeutung bis 
heutEutage. J. Grimm, der auf 
Sammlung der Beispiele dringt, 
zält Wb. I., 7 die Fälle auf, in 
denen ab gebraucht ward: bei 
den Yerbis des Fallens, Gehens, 
Springens , Erschreckens, Ent- 
setzens, Grausens, Yerwundems, 
Yerdrieszens und Klagens. »Da 
nun also zu eszenszeit das Volk 
ab der gassen verlaufPen«, Dr. 
Georg Müller. »Disz Angesicht 
istcontrofat ab einer alten Tafell 
zu S. Uhich«, Eleiderbchl. 25. 
>TJndkompt niemer ab derStrasz« 
Teufels Netz, 18, 362. »So er 
das flaisoh ab den bain tut na- 
gen« a. a. 0. 9479. »Frucht ab 
dem Baume«, cgm. 372 f. 194b. 
»Zwo Fert mit höwe ab sinen 
wisen tuen«, Ulm. Urkd. 1410. 
in der Riedl. Gegend: »s g&t itt 
ab stett«, get nicht vom Platze, 
Tom Flecke u. s. w. Ab in der 
Amtssprache: »ab seiner Schul- 
digkeit so und sovil entrichten«; 
femer: »ab dem und dem Tage«, 
Ton dem Tage an. »YonStundan 
sind sie ab den Dingen entsezt«, 
Troj. Erg. f. 7b. »Entsezt ab dem 
Tod« a. a. 0. f. 33 u. oft. »Da 
taet er wuun und froed pflegen 
ab Gottes wunneberende Ange- 
sicht«, TN. 568 flf. »Du darfst 
dich ab nieman klagen a. a. 0. 
2780. »Ab Gottesl&strung ent- 
sitzen«, Mindelh. Reform f. 20 a. 



Fizion's Reutl. Chronik hat S. 56: 
»Abscheu ab der papstlichen 
mess«; S. 57: Jedermann hat Ver- 
drusz ab ihm«. In Niedersohwa- 
ben kennt das Yolk: »a fraid, 'n 
schrecka aVm hau«. 

ABAESCHERN, sich: 1) schwere 
ermüdende Arbeit leisten, one 
Hoffiiung auf entsprechenden 
Lon; 2) kümmerlich wirtschaf- 
ten. Eigentlich: sich in Staub 
und Asche abarbeiten. Grimm 
Wb. 1., 85. 

ABBAUEN, swv.: mit Je- 
mand den Umgang aufgeben; 
eigentlich culturam remittere. 
Grimm Wb. I., 11. Yon einem 
Kranken sagt man um Augsburg: 
»der baut scheint^s ab«, wird 
schlimmer, nähert sich der Todes- 
stunde. Schmell 1, 136. Oberpfalz, 
abbauern, abhausen. 

ABBEEREN, swy.: pflücken, 
z. B. Haidelbeeren. Immenstadt. 

ABBELLEN, sw.v.: 1) Jemand 
bellend und beiszend abweisen; 
2) instar latrantis canis recitare, 
etwas abbellen, herunterbellen, 
z. B. das Ghorgebet. Grimm Wb. 
I, 12. 

ABPRUGHELIGH, adv.: was 
nach und nach Abbruch erleidet. 
»Und man geb dem Kinde ab- 
pruchelichen zu saugen«, cgm. 
601 f. 105b. Ygl. abbrüchig 
b. Grimm Wb. 1, 17. 

ABDANKEN, sWv.: »wann ein 
kranker Knappe oder Maister- 
sohn, der aus der Büx Aufleggeld 
geliehen bekam, geneust, muszer 
ob dem Pilgerhaus abdanken«. 



s 



Abdecker — - Aber. 



Ijutppen Ordg. Bekannt ist das 
allgein. ichwab. Abdanken bei 
Leichen u. Hoohseiten. Ab dank- 
eermonen verboten. Leioh. 0. 
ChriinmWb.1,19. A b dan k e n in vie- 
len Gegenden das letste Aoazrafen 
des Nachtwächters. Der A b d an k. 
>£s möchte sich aber der Bat 
hierunter wol bedenken — ob 
idoht Tnnü.tzlicher und vnnotwen- 
diger Newerungen Lon und Ab- 
sank gemeiniglich aus göttlicher 
verhenknis eben dises were, das 
man vberfrevelemtun, auch frevele 
Beden hören müsBe<. Dr. Müller. 
Vgl. Volkst. IL 24. 866. 409. 410. 

ABDEGEEB, stm.: Wasen- 
meister, Schinder, der einem ge- 
&Uenen Tiere das Fell, die 
Decke abzieht. »Die zu Lang- 
waid mögen sich s.. h. eines Ab- 
deckers, wo und wie sie wollen, 
bedienen<. Vergleich v. 1670; vgl. 
Wb. zum Volkst. 10, Grimm. Wb. 
I, 19 ff. 

ABEN, swv.: recht abmagern, 
deficere, occidere. Weingarten. 
Grimm Wb. I, 22. 

ABENTEUEB, das: Geschick, 
was einem zustöszt, begegnet, vom 
romanisch, adventura, aven- 
iura. Ueber das Wort sieh 
Gramm. I', 404. In Augsburger 
Schriftwerken vom 14. Jarhundert 
herab begegnet aubenteur (ä, 
au) aufentiure, aubeteur u. 
ähnliche Formen des öftem; 
»gelück u. aubeteur« ogm. 312 
f. 33b. >aubentür< cgm. 206 £. 
225 a. >darumb schlahen, kriegen 
ist vns aufentiure< Astron. f. 



82a. VgL hiezu das Mhd. Wb. 
I, 67-— 78. In Chroniken stet 
das Wort in folgendem Zusam- 
menhange unzäligemal: nach ge- 
schribenen Abentewren cod. 
Bav.2517. »Abgeschribene Aben- 
teuren uffschieszen« a. a. 0. 
»Ein Bat hie ein Ausschreiben 
solichs Schieszens u. Abenteur 
haben ausgeschickt 400 pirmentin 
geschriben Brief«. S. f. 192a. 
»Und in. disem 1470 Jar, da war- 
fen die von Augsburg ain kost- 
lich Abenteur auf, zu schiesz«! 
mit dem Armbrost«. Bei Hör- 
mayr, Tschb. 1884. S. 189 »Wei- 
ter hat man aufgeworfen ain 
abenteur, das waren 21 silberne 
Kleinotter« a. a. 0. S. 142. 

ABENTEUBEB, stm.: ein 
Weber, der auf bestellte Arbeit 
wartet; der auf gut Glück arbei- 
tet. »Der Lon von Abenteu- 
rern, item von einem Aben- 
teurer Werkh zwanzig Creuteer 
und einem Hausknappen 25 kr«. 
Weber Ordng. v. 1549. »Item 
Hans Hurscht der .Abenteirer 
von Straszburg«. Ott Buland S. 6. 
Grimm. Wb. I, 27. 28. Schmell. 
I, 10. 

ABENTEÜBISCH, adj.: »mir 
kann sunst kainer kain zur aben- 
teurischen Furm ains klaids 
aufbringen«. Eleiderbüchl. S. 14. 

ABEB, iterum; got. afar; ahd. 
afar, avar, avur, mhd. aver. Grimm 
Wb. I, 29 ff. »Am 28. Tag Aprilis 
ist aber ein groser Schnee ge- 
fallen«. Sender und alle Augsb. 
Chronisten gebrauchen disz Wort. 



Aberellen — At^eben. 



9 



MMaoftiTisch gasest^ das Aber, 
£ckfil , Widerwille ; allgemein 
achwäbisoh. 

AB£R£LL£N, swm.: lin dem 
manet des aberellen«, Falzblatt 
s. Augsb. Stadtrechte Ib. Gramm. 
I* 682. II, 317. 

ABERYLEN, >der Hirss tritt 
mit den hindern Fuss gleich in 
den vordem, das sye ainander 
ebenstend gleich als es newr ain 
Foss sei; etwen dritt er hinfor 
mit dem hindern Fnsz für den 
Tordem Fnsz; das ist ansz der 
Moszen ain gut Zeichen: das zei- 
eheBL heiszt plendender Aber- 
ylen«. -* »Und ist es davon, wenn 
er den vordem Fnsz mit dem 
hindern pl endet, wenn er mit 
deuk hindern für den vordem 
drittet, davon heiszet er ylen<. 
cgm. 289 f. 105 a; ylen, eilen. 

AB£SZ£N, sich: von einer 
Speise eszen bis zum Widerwillen 
nnd Eckel, bis sie widerstet, 
le daaz einen Jarelang nicht 
meAir darnach gelüstet ; oberpfalz. 
an Jemanden abeszen, seiner 
satt werden, ihn nicht mehr mö- 
gen; nrspr. von etwas henmter- 
eszen. Grimm. Wb. 1,35. aesza, 
Rottenb. Gegend; dagegen abe* 
esza, abhin eszen, hinab-, hin- 
nntereszen. 

ABFAHREN, 1) dem Tode 
nahe sein; 2) sterben, nicht echt 
volkstümlich. Grimm. Wb. 1,136. 

ABFETZEN, 8W¥.: die Klei- 
der hangen und ;»sehlampen< 
kvzen, zerfezt herumtragen. 

ABFRETZUNG,die: 1) Abwai^ 



-dang; 2) Abgeribene Stelle. «SefaBt 
die Kniebein des hl. Nidgarü, an 
welchen noch heutigen Tages von 
dem immerwährenden Neigen, Bie- 
gen, auf der Erde ligen — noch 
merkliche A bf r e tz un g und lob- 
lichste Merkzeichen zu sehen sind« . 
fäirenfest a. 1699 ß. 77. Schmell. 
I, 620. Vgl. abfretten, ab- 
fretzen, defricare, wund reiben, 
zu abfr eszen g^örig, wieätaen 
zu eszen, sitzen zu Sessel u. n. w. 
Bayerisch sich durchf retten, 
sich durchbringen ^ kümmerlicli 
das Leben fristen, von Armen n. 
Kranken.GrimmWbIY s. v. fnetten. 
ABGEHEN mit las zen; l)voai 
Geschützen gebraucht, loszlaszen, 
abfeuern. > Da hat man die groszen 
und auch handbixen all laussen 
abgän«. S. 535 b. >Bei groszer 
Herren Eintritt pfleget man die 
grosze Stuckgeschütz abgehen 
zu laszen«. Gassw J. Frischlings 
HohenzoU. Hochzeit, meine Ausz- 
gabe S. 20: 

Idesz ab gen mit eiik Wiederfaall 
Auf einander sechzehen Knall. 
V^l. Grimm Wb. I, 45. Wurm 
S. 21b, der ausz Mathesius eine 
Stelle anfürt. 2) Abgang, de- 
fectus, Mangel bei Getraide- 
Meszungen, Gilterhebun gen häufig; 
so im Giltbuche von St. Ulrich 
und Afra cgm. 154: N. gibt vom 
Hof 3 rh. Gulden on allen ab- 
gangk f. 9b. »Gebeut 6 höner, 
2 gäns und ain vasnachthon on 
allen ab gang k<^ f. 16; femer: 
Abgang, Nadüaszen der Sinne 
und öfter cgm. 402 f. 58ii. 3) In 



10 



Abgewürgter Feiertag — AMangrand. 



mystischen Tractaten: »dasz der 
mag erhebt werden zu Gott und 
göttlichen Dingen on Abgang 
und on Yermischnngi. cgm. 402 
f. 236 b. >Nun ist noch vil ein 
edeler u. groszer Ab gange des 
Gaistes«. Tauleri Serm. 1^06. 
>Na solt ir wiszen, welcher 
Mensche disen willigen ab gang 
durch Natur und Gaist geton 
hat a. 0. 4) Abgängisch, ab- 
gängig von Brücken, Wegen in 
den AHwirtb. Gesezen öfters, z. B. 
V. Land. Orig. v. 1552. Beysch. 
12, 228,4. 

ABGEWÜBGTEB FEIEBTAG, 
abgewirdigter, abgeschaffter, von 
Kirche und Staat aufgehobner 
Feiertag. Offenbar eine volks- 
tüml. Anlenung an würgen, ju- 
gulare, mactare. Zu Grimm Wb. 
I, 155. Schmeller kennt esz ausz 
Altbayern. 

ABKAMPELN, swv.: einen der- 
ben beschämenden Yerweisz ge- 
ben. RechtsaltertümL von der 
Strafe an Haut und Haar benannt. 
Schmell. II, 301: abkämpeln. ' 

ABKAPPEN, swv.: abgipfeln, 
urspr. etwas vorne abhauen, ihm 
die Spitze abschlagen ; sieh Kappe. 

ABKETZERN, swv: sich ab- 
äschern. Zu Grimm Wb. I, 160; 
wol zu gehetzen stehend, 
abg'hetzen, wie Einghirn 
g'heien; das Volk dachte an 
Ketzer, was keinen Sinn gibt. 
Anderwärts: sich abhetzen. 

ABKEBEN, einem, swv.: prü- 
geln. »Ey du Schelm, du hast 
gemacht, däsz mir der Preceptor 



hat abkörret«. Kleiderb. S. 107. 

ABKÜNDEN, swv.: aufkünden. 
> Martin Franz dritte Pflicht; Jen- 
ner 1533, uffain jar vor Abkin- 
den«. Lucas Kem S. 72. 

ABKOMMEN, mit Jemand über- 
einkommen, bes. von Witibem 
oder Witwen, die mit den Kindern 
voriger Ehe sich abfinden. »Sobald 
der Vater sich wiederum zu ver- 
heuraten im Begriff stehet, musz 
er vor allen Dingen mit seinen 
Kindern voriger Ehe wegen ihres 
mütterlichen Gutes abkommen 
— zu welchem Ende die vorge- 
stellte Abkommpfleger folgen- 
der Gestalt vergelübdet werden 
80llen<. Pflegordg. V. 1779 §. 82 
-^35. »Doch müszen den Kin- 
dern vor allen Dingen Pfleger 
gesezt und durch dieselbe mit 
der Mutter das Ausgemacht 
und Abkommen der Kinder 
berichtiget, der Abkommbrief 
gefertiget u. s . w< . Batsdekret von 
1668, d. 27. März. »Abkommbrief 
aufrichten u. fertigen«. Pfleg- 
0. 1779. »Pflichten der Ab- 
kommpfleger« a. a. O. 

ABKEILEN, swv.: sich autz 
Leibeskräften herumprügeln, zu 
Keile stehend. 

ABKOREN, swv.: Dispens zum 
Heiraten, ob affinitatem, einholen. 
Ganz Oberschwb.; äkäara ehe- 
dem in Rottenburg. 

ABLANGRüND,adj.: länglicht 
rund. Grimm Wb. I, 60. >Da8 
Hahnenei ist den 15. 25. Aprilia 
auch eröffnet und anstatt dea 
albuminis oder Eierweiszens, eine 



Ablasz. 



11 



sehr zähe^ klare, weisze o. durch- 
dchtige Materi u. für den Dotter 
ein zuBammengeballter ab lang- 
runder wüster, faulem, rotziger 
säher Schleim gefunden worden«. 
Gockelias S. 25. 

ABLASZ, Btm. — in des TN. 488 
abbalas — 1) indulgentia, Nach- 
laszong der Sünden. In den Kir- 
ehenkalendem Augsburgs komt 
oft vor: der Seelenablasz, bei 
den Kapuzinern, eine bestimmte 
Andacht an einem bestimmten 
Monatssonntage, auf deren Be- 
Buch so u. so vil Tage Ablasz 
▼erliehen wurde; d. h. wer die 
Andacht nach der Meinung der 
Kirche mitmacht, erhalt 30, 50, 
100 Tage alter Kirchenbusze 
nachgelaszen. In d^ Domkirche 
war an einem Monatsonntage dw 
sog. Sibenaltärablasz zu ge- 
winnen. Oft, besonders in Alt- 
bayem heiazen die Kirchgänge an 
manchen Sonn- u. Feiertagen blosz 
Abläsze, >indenA. gen«, »zum 
A. g e n« , weil an ihnen auf andach- 
tigen Kirchenbesuch mit hl. Beicht 
and Empfang des Altarsakra- 
mentes A b 1 ä B z e verliehen waren. 
Tgl. auch »mit dem Ablisz 
gau« Wb. z. Volkst. 10. 11. 
Ein scharfes Licht auf den mit 
Ablaszen verbundenen Kirchen- 
besuch und die Misbräuche wirft 
die Stelle in der 2. wirtemb. 
Landesordnung v. 10. April 1515 
bei Beyscher Bd. 12: So aber 
einzechtig personen uff ein kirch- 
w^hin zu seinen Nachbarn gehen 
wölten, in guter Meinung ablasz 



zu lösen — zum Wein oder 
Tanz gehen, u. s. w.< 2) Zins - 
ablasz, abläszlich S. 110b. 
3) Lechablasz, der, in Aug^b. 
seit uralten Zeiten in Krig und 
Frideu eine grosze Bolle spilend; 
südöstlich von der Stadt, malerisch 
gelegen, mit 71 Wasserwerken, 
durch welche dem Lech schon 
seit 1000 Jahren eine bedeutende 
Wassermasse entzogen ward . zu 
Nutz und Frommen Augrsburga. 
»In den Ablasz hinaufgehen« 
ward verpönt in einem Batsde- 
krete v. 1684, 7. Okt. In eben 
disem Documente geschieht auch 
neu gemachter Ablasz e Erwäh- 
nung. Im Vergleich v. 1596 stet: 
Solang als der Lech in disem 
Binnsall verbleibt und solange 
sie durch obbemelte ihre A b 1 ä s z e 
die Notdurft Wassers in ihren 
Floszbach führen und einleiten 
werden«. — Schmell. II, 473 weiss 
von einem Hoch ablasz. Hoher 
Ablasz und Galgenablasz 
heiszen 2 stadtische Waldungen, 
one Zweifel vom Lechablasz zu 
benannt. Früher kam Ablasz, 
in der Abläszin, auch bis 
heute braüchig, als Zeitbestim* 
mung vor. >In den Ablaszen«, 
zur Zeit des Lechablaszes d. Yl, 
im Frühling oder Herbst. Die 
Bronnenmeisterordg. v. 1754 hat: 
Wann an dem vorderen, mittlem 
oder hintern Lech in Zeit einer 
Frühlings- oder Herbstab- 
las ze Feuersgefahr entstünde«. 
S. 21. In Zeit einer Ablasze 
S. 32. Die Feuerordg. 1781 hat: 



12 



Ablichen — Abmüttem. 



Zeit der Ablässe« öfters. 
4) Grundablasz des Stadtgra- 
^bens beim Lohstadel one be- 
gtimmteWaszermenge. Ich schalte 
hier ein 5) Einlas z, der alte, 
ein mechanisches Kunststück sel- 
tener Art; anf Kaiser Max I. 
besondem Wunsch ward für 
seine Jagdle«te ein kleiner Ein- 
gang in der Stadtmauer ange- 
bracht. 6) Ich fuge ferner an: 
A b 1 a s z in der altwirtemb. Wein- 
gartnersprache mit Beispilen ausz 
alten Verordnungen. >Im Bindet 
oder Ablas z« (Ablasz des Wei- 
ses) Küferordg. Tom21 Juni 1560. 
Seysch. XIII, 560. »Ein Ab- 
laszen, Säuberung der Fasz« 
General-Reskrpt. v. 26 April 1706. 
»Ablaszbränke« (brennta, Kü- 
bel, romanisch) allgem. y orechrft 
T. 12 Sept. 1787. Reysch. 16, S. 
^5. >yon menigerlei Bingen od. 
qpänen im Herbst und sunst in 
«bläszinen zubruchen«. Blaub. 
Klosterordg. 1558. Reysch. Stat. 
R. 859. Abläszin I. Umgeld- 
ordg. vom 29 Mai 1565. Reysch. 
17. S. 76. »Im Ablasz zur Herr- 
schaft Wein« Rechnungsabhör v. 
27 Mai 1591. Reysch. 12,473. 
7) Ab laszen, abschieszen. »Ich 
liab wol gesehen, dasz oft ein 
Sehütz ablaszt hundert Pfeil 
von demPogen«. cgm. 601 f. 6 b. 
ABLICHEN, Btv.: Waszer über 
gereinigte Gefasze ablaufen laszen, 
zur lezten Reinigung durch 
Waszer ziehen. Qrimm Wb. I, 74 
nennt esz ein ganz veraltetes Wort, 
mundare emundare und weist auf 



ahd. lichon polire Graff 11,118, 
was aber nicht stimt; esz gehört 
vihner zu dem alten luhhen 
luere ;irluhhit luit b. Schmell. II, 
462. Vgl. althd. luhjan, was ne- 
ben liuhjan dagewesen sein musz. 
Graff. lY, 145. 146 fuhrt lüchen 
an; liehen, lüchen, ablichen 
ist nichts anderes als ablaugen; 
Lauge da8selbe;nälich9; Biberach. 

ABLUCHSEN, swv.: verstol- 
ner, heimUeherweise etwas ab- 
sehen; abspicken in der Schüler- 
sprache. Vgl. Grimm Wb. I, 75. 

ABMACHEN, swv.: abkonter- 
feien. »Nieol. Zorn, ein ritter 
Von Straszburg gewöst — vom 
alten Jörg Seiden a. 1508 abge- 
macht«. Kleiderbüchl. S. 91. 

ABMAÜSEN, swv.: einai im 
Spile übervorteilen, einem abge- 
winnen: der ist ab gemaust 
worden ; darf wol anabmausz en, 
vertauschen, abwechseln b. Grimm 
gedacht werden Wb. I, 77? 

ABMÜTTERN,swv. : derMutter- 
brust entwenen. »Als dann Gralie- 
nus spricht, darum sol man das 
Kind abmüttem als ob die 
Saugamm sunst krank wäre«, cgm. 
601 f. 99a. »Wenn die Amme 
krank oder schwanger ist, und 
man doch keine andere hat, so 
war nüczer, dasz man das Kind 
abmüttem soll, dann dasz es 
weiter sägte« a.O. f. 102 b. »Von 
Abmüttren ist ze wissen« a. 0. 
Auch spricht Avicenna: »so man 
kind abmüttren will« aO. »Räu- 
den kommen den Kindern nadi 
dem Abmüttem« f. 181b. 



Abnemen — Abschöpfen. 



18 



ABNEMEN, stv.: abtun, ab- 
flchlachtexi besond. von Geflügel. 
Allgem. Grimm Wb. I, 80. 

ABPRAGELN, swv.: abbrateln. 
»Bindeme &breaglete Wurst« 
allgem. inAugsb. braüohig. Vgl. 
Wb. z. VolkBt. S. 2a Schm. I, 
256. Frisch I, 124a. 

ABRACKERN, sich: sich ab- 
äschern. 

ABRÄUMEN (aromme) swv.: 
wie hochd. 1) besonders wichtig 
war das Galgen abräumen bei 
festHchen Anläszen. Sieh Gal- 
gen. 2) Schutt abräumen bei 
Feuersbrünsten. Memming. Feuer- 
ordg. 1765. Allgem. schwäb. ist >d' 
Schueh an oim &butza , arr 
omme«, verächtlich behandeln, 
näromme, auf die Gipsb&nke 
hinabarbeiten,bloszlegen(Wurml.); 
endlich ist arommo Spätherbst- 
fdtterabmahen, schneiden. Subst. 
Arommede f. 

ABRÄUMEN, swv.: die Müch 
abramen, sonst schwäb. abne- 
men. 

ABREDE, »dessen bin ich zwar 
keine wegs in Abrede, da in 
werendem kalenderstreit etliche 
sich auf die päpstische Seite ge- 
henket«. G. Müller. Vgl. Grimm 
Wb. I, 87. 

ABREDEN sieh abspanen. 
VgL Grimm Wb. I, 87. Frisch 
n, 99 a. 

ABRIFFELN, swv.: die Dienst- 
boten nach Wunsch u. Willen ab- 
richten. In Oberschwaben kommt 
vor: den Lein riffeln, den Hanf 
riffeln, den Flachs rifEehit durch 



eine Art Rechen oder Hedbel ae* 
hen, damit die Bollen absprin* 
gen ; a b r if f el n, abkampeln, schel* 
ten,Yorwürfe machen. Allgem. VgL 
Graff n, 497. Grimm Wb. I, 91. 
Schambach 175; f in riffeln ist 
ursprünglich. 

ABSAUGEN, »Saugammen, die 
2 oder 3 Kinder absaugend« 
cgm. 601 f. 990. 

ABSCHIESZEN,stv.: die Farbe 
wechseln, von hellen Stoffen. All- 
gem. Grimm. Wb. I, 100. 

ABSCHLARGEN, swv.: Schuhe, 
Pantoffeln abnutzen, so dasz die 
Fetzen weg&Uen; Schi argen 
pl., solche Schuhe. Vgl. das ab- 
schlerfen bei Ghrimm Wb. I, 
104. Tobler 12 a. 

ABSCHLOTZEN, swv.: ab- 
lecken, wie esz an dem Saugbeu- 
tel Kinder tun. Vgl. Schnullen. 
Schlotzer, Saugbeutel. Allgem. 
Oberpfalz, schlotzen, die Kleider 
achtlos beschmutzen. Schlotze, 
eine schmutzige Weibspers. engl, 
slut, slattem. 

ABSGHNEGELN, swv. : jemand 
schmeichelnd etwas ablocken. 

ABSCHÖPFEN, swv: denFaum 
oder Schaum, auch Fettstoff vom 
Fleischtopfe oben wegnemen. 
Abschöpfi, die, eben das Ab- 
geschöpfte; Abschöpfet, das- 
selbe. »Im Jahre^ 1796 waren die 
Speisen in der Jacobspfründe 
Sonntag Mittag '/i Pfund Fleisch 
nebst Fleischbrühe und Abschö- 
pfet«. Herberger ) St. Jacobs- 
pfründe S. 49. Anmrkg. Wir 
haben hier 2 Achwache Substan- 



u 



Abscbreck«!! — Abstehen. 



tive; das erste gebildet von skap- 
jan, wird skapeins, das zweite 
gebildet mit-itha; jenes stimt 
mehr zu dem alam. schwäbischen 
Gebrauche, dises mehr zum all- 
gem. auch niederschwäb Idiome. 

ABSCHRECKEN, swv.: hohen 
Grad tob Warme oder Kälte 
mäszigen z. B. kaltes Waszer 
durch glühende Kohlen — heiszes 
durch Zugieszen von kaltem- oder 
kalten Wein, wie auf dem Lande 
in dem Ofen oder Hölhafen. Man 
schreckt ein kaltes Zimmer ab 
durch einen kleinen Feuerteufel 
im Ofen. Vgl. Grimm Wb. 1, 109. 

ABSCHRÖDELN, pl. üeberreste 
von Speisen, residuae mensae, was 
die Mundart im übrigen Schwa- 
ben baldmit lieber gl aus, bald 
Loibete übersezt. Abschrot. 
m. dim. Abschrötlein, segmen, 
resegmen, »jener aber richtete 
aus dem Abschrötlein wieder 
ein Frühstück«. Simpl. b. Grimm 
Wb. I, 110. Vgl. ahd. aleipa. 
»Schrotet ab vnnücz Holz • — 
verwirf et all sine Storren« cgm. 
172 f. 43. Daher der Eigenname 
Schröter, norddeutsch Schrö- 
der, eigentlich Schneider, Ab- 
schneider V. ahd. scrodan, scriat. 
Hornschröter, der gehörnte 
Schröter. Für Abschrödeln, 
residuae mensae, gebraucht der 
Augsburger noch Schmaringe- 
len und Ueberbleibselen. 

ABSCHWÄTZEN, swv.: >Es 
solle keiner dem andern seine 
Ehehalten als Knappen, Lehr- 
jungen od. Spueler, weder durch 



Biet noch Schankungen ab- 
schwätzen und abdingen bei 
gleichmäsziger Straff aines Gul- 
dens«. Erneuerte Web. 0. 

ABSCHWEISZEN, swv. abpres- 
sen, einem den Lidion abziehen. 
Grimm. Wb. I, 112. 

ABSEIN. V. anom. »genzlich 
tod und abscin< von Güten, 
Abgaben. Ulm. Urkd. 1440. ' 

ABSIGEN , einem , devincere. 
»Als nun der schwäbisch Bund 
glücklich den Bauern hat abge- 
sigt«. S. 371a. Dafür alt: an- 
gesigen; Spec. eccl. »einem an- 
gesigen« cgm. 97 f. 22a. 

ABSPANEN, swv.: ablocken, 
abspenstig machen, z. B. Eh- 
alten, »dasz Niemand dem an- 
dern* seine Ehalten geferlichen 
abreden noch abspanen soll«. 
Augsb. Poliz. 0. 1553. Ehalden- 
Abspanung. Web. Akten 18. Jhd. 
Vom alten spanan, spuon 
»gaspon« Heliand und mit Ge- 
spenst, abspenstig zusammen 
gehörend. Etwas ganz anderes ist 
abspannan, loszpannen. Grimm 
Wb. I, 121 ff. 

ABSPEISEN, swv.: höflich ab- 
weisen. Grimm Wb. I, 122. 

ABSPICKEN, swv.: abluchsen; 
sieh oben, wol von dem Blicke, 
den man pfeilähnlich dem andern 
in'sBuch fallen läszt oder in die 
Tafel, um etwas abzulesen oder 
abzuschreiben. Vgl. Spicker. 

ABSPRACHE,f.: Abrede. Grimm 
Wb. I, 124. 

ABSTEHEN, stv.: vom Pferde 
absteigen. »Von den Rossen sind 



Abstillen ^— Ach, Ahh. 



15 



bgestanden«. S. 165b. 
ind sie von ihren Pferden 
itanden« (o). >Da sind 
von den Bossen abge- 
ien« (o). 

TILLEN, swv. : sedare, pla- 
Grimm Wb. I, 132. »WeV 
xeschrey und Heulen ich 
o müglich gewesen, abge- 
t, meine Pfarrkinder ge- 
«. Dr. Müller. 
TRICKEN, swv.: zu Grimm 
133, abziehen, abbrechen 
Schlüszel. »Die Schliszel 
k Stuben u. Kammern ha- 
» abgestrickt<. S. 418a. 
iem Herzog das Geschütz 
itrickt<. Luz. v. Augsb. 
mäa. 1525. Leztes u. folgende 
le weisen abstricken für 
aten, entziehenauf; die 
Sittenpolizei v. 1574 hat das 
Amtlich für untersagen, 
eten sehr oft. EinHerzogl. 
Erlasz v. 1556 beiReysch. 
: »doch hieneben soll kei- 
Qoster oder Spital abge- 
kt sein — diejenigen Güter 
ifen u. 8. w « »Durch dise 
srgleichen Mittel ist nicht 
alles vertrauliche Gespräch, 
le Gastungen und Kurtz- 
abgeschnitten und abge- 
:^et< Dr. Georg Müller, 
die Papisten der evang. 
(n alle Mittel und Weg der 
iten Ausrottung undVertil- 
dch zu erweren schon all- 
in disen nehsten Jaren 
stricket und benomen ha- 
i. a. 0. 



ABTRITT, stm.: in der Waid- 
mannssprache : »Und das mag ain 
Hinde nit getuon, sie tritt auch 
ab das Gras , das Zeichen heiszt 
der Abtritte, cgm. 289 f. 104b. 
Die Grüne und Welke des abge- 
tretenen Grases ist ein Zeichen 
für den Jäger. Grimm Wb. I, 
144. Daneben komt Beitritt 
vor, >da8 ist der Hinterfusz bei 
den Federn eben und gleich stet«, 
a. a. 0. Grimm Wb. I, 1406. 

ABTRÜMPFEN, swv.: abkam- 
peln, abkappen, oberpfälz. grob 
widersprechen, heimschicken. 

ABTÜRNIG, adj, adv.: abtrün- 
nig. »Welcher nicht Bürger zu 
Horuw ist, der mag kainen Bur- 
ger abtürnig machen«. »Wel- 
cher zu Horuw abtürnig ge- 
macht«. Horb. Herkomm. 14. saec. 

ABWALKEN, swv.: oben ab- 
keilen, verberibus subigere. Grimm 
Wb. I, 146. oberpfölz. walken. 

ABWASSER, der Abgang oder 
das Schlechte vom Wasser, aqua 
deflnens ex alia. Grimm Wb. I, 48. 

ABWENDIG, abwärts, »die Ge- 
lider die dem Haupt zugehom, 
abwendig des Libes«. Astron. 
f. 14a und cgm. 737 f. b. Zu 
Grimm Wb. I, 151. 

ABWISIG, adj.: »absanus, ein 
unsinniger oder abwisiger» 
cgm. 670. 

AB WICHSEN, swv.: einen 
durchprügeln. 

ACH, AHH: »die trage Ach« 
schon »pfalzbayerisch«, entspringt 
zwischen dem Pulvermagazine bei 
Lechhausen und dem Brunnen- 



*^ 



16 



Ach, Ahh. 



Imch, Branntweinbach u. Mühl- 
bach. Lindach bei Hader, nrkdl 
1881. 1878. Weilach neben 
Wila, Ortsname; Affalterach 
Apfalteriach, nrkdl. 11. Jarhd. 
Flosa ach, bei Winzer in die 
Mindel. Yorgach, untergegan- 
gener Ort bei Agenwang. Alte 
Ortsnamen sind femer : Y i s c a h a , 
Nifenaha MB. XXII, 8 ad 981, 
Maisahe a. 0. S. 11 ad 1179. 
Steinaha a. 0. S. 20 Ecchin- 
aha, Ilmina 10. Jarhd. n. s. w. 
Beispile ausz andern schwabisch- 
alamannischen Gebieten: bi der 
Ahe, b. Ostrach. Urkde 1249. 
Die kleine Ach, die von Hei- 
ligenberg nach Ilmensee flieszt, 
erscheint urkundlich in Mone's 
Zeitschrift als Ah hinge. Die 
Ach bei Salmansweiler, Mone, 
Ztschr. I, 315 Anmerkg. 8: rivus 
qui dicitur Ahe. DasAichach- 
geländ bei Erbstetten urkdl. b. 
Mone Ztschr. I, 889. Ahe im 
Hegau urkdl. 1801. Ein Ru- 
ber tu s von Aha und ein Ber- 
toldus de Aha urkdl. 1188. Mone 
Ztschr. I, 821. Die Fleischwan- 
^er Ach, die Altshauser Ach, 
die Mendelbeurer Ach, die El- 
meneyer Ach, die Ausnanger 
Ach, die Wurzacher Aach und 
dazu Aachtal. Die Istrach. 
Hieher gehören Stokä, Stockach 
urkdl. 1283. 1307. Garta Gar- 
tach, Mone Ztschr. I» 107. 9. Das 
Wort Ach, gewönlich Aach 
geschriben, fuszt auf der got. Form 
ahva und dem lat. aqua, ahd. 
a h a u. bedeutet t o r r e n s, flieszen- 



des, ausz mehreren Bächen gebil- 
detes Waszer. Schon frühe be- 
gegntien wir dem Wort auwa u. 
ä; letzteres amnis, rivulus 
scheint nichts anderes zu sein 
als ah, welches h verlor u. dafar 
Qenimg erlitt, u. hauptsächlich ala- 
mannisch Schwab, (jhebiete eigen. 
Ygl. Graff I, 18 und 604. auwa 
und aha sind 2 ebenbürtige For- 
men; in aha ist w, (vgot.) schon 
längst abgeworfen, darum ist a 
erhalten; in auwa scheint h in 
u, wie des öfbem geschieht^ über- 
gegangen zu sein od. habmi wir 
den Auszfall des h anzunemen 
und in au eine Wirkung des f<^ 
genden w zu erblicken, dessen 
Einflusz in mehreren Wörtern 
geradezu unorganisch o, n er- 
zeugt: viko wocha, vaila wola. 
Was die Auszprache der heutigen 
Schwaben anlangt, so erscheint 
ah gedent, wenn esz allein stet; 
als Ck>mp08itum wird ah gleich- 
sam als Anhängsel betrachtet n. 
gibt den Ton an die erste Silbe 
ab; wenn ah sein h verliert tritt 
ein zwischen a und e schweben- 
der Ton ein mit o bezeichnet: 
Buache, Eanza, Laupe 
u. s. w. für Buchau, Eanzach, 
Laupach. Neufra bei Riedlin- 
gen spricht das Yolk N e u f r a c h ; 
ach sehr betonend. Eine schon 
in der üebergangszeit der ahd. 
zur mhd. Sprachperiode ein« 
reiszende Yermischung des aha 
aqua mit ahi lat. — etum, Graff I, 
111 macht sich häufig in schwä- 
bischen Urkunden und Urbarien 



Achaitzen — Ackerbrenng^eld. 



17 



geltend. Vgl. mein Wb. z.Volksfc. 
S. 11; ahi bedeutet immer ein 
haufenweises Beisammensein von 
Pflanzen, Steinen, Gebüsch u. s. w. 
Beispüe , auszeraugsb. grösten- 
teils, folgen hiemit: Salach, zu 
Angsbiu^ gehörige Wismad. cgm. 
154 f. 45a. Aichachi querce- 
tnm; forachahi Forenwald; 
salahahi Salweidich, Mone 
Ztsehr. I, 324. 881. Munich- 
aichahea.a.0.1,831. Nassach- 
mühle bei Adelberg. Weidach, 
Er lach am Ufer. Herzogl. Ausz- 
schreibeBV. 12 Jan. 1615. Reysch. 
Xn, 676. Hagenah dumetum, 
Wald, Hone Ztsehr. II, 78 ad 
126B. Farnah silicetum. Bir- 
kah betolium; Mone Ztsehr. n, 
79. StaQgahawe Wald. MB. 23. 
8.507. Yla. Birkach, ein Wald 
bei Ehmabeuren. Ar lach bei 
Leutkirch, Urk. 1404. Weiler 
bei Thannheim. As p ach, Rev. 
Headern. Vgl. Förstemann, die 
deutsch. Ortsn. 1863. S. 61. lieber 
das mit ahi zusammengeworfene 
diminutive lach sieh L. 

ACHAITZEN, swv.: ächzen. 
>I>ie sie mit groszem — hew- 
len und wainen und schreien 
and toben, wüeten und wuffen 
achaitzen von sewfzen als war 
ain grosz ungewitterc. cgm. 581 
t 140 b. Frommann's Ztschrft. 
m,. 336. Schmell. I, 17. Unsere 
Form müszte einem gotischen 
aha t Jan entsprechen, das zu 
den 3 Verben lauhatjan, kau« 
patjan, ahmatjan gehörte. 

ACHAMBI, stuppa. Glos8.Aug. 



AGHELN, f. pl.: 1) steifstehende 
Spizen. 2) das Strohartige, die 
Bruchstücke verholzter Pflanzen- 
stengel, die Abfalle von Flachs 
und Hanf, beim Brechen oder 
Spinnen, aculei, zu acus gehö* 
rend. Anderwärts Agen, Ang- 
len, Egemen, Akamma. Wb. 
z. Volkst. 12. 

AGKERBRENNGELD, das. In 
dem Kemptischen Hauptvergleich 
von 1787 fol. S. 21 heiszt esz: 
>Wird das bishero von der Herr- 
schaft geforderte Ackerbrenn- 
gelt aufgehoben und nachge- 
laszen; jedoch mögen allein die- 
jenige Äcker, bei welchen das 
Brennen solcher Gestalten nö- 
tig, dasz one selbiges das Feld 
nicht fuglich ad culturam oder 
zur Fruchtbarkeit und baulichen 
Nutzen gebracht werden kann, 
mit wind dirren undabgestan- 
denen und sonsten unbrauchbaren 
Holz oder Reiser oder Entgelt 
gebrannt, hingegen der um das 
Brennen zu tuen verlangter An- 
frage halber (wovon zwar die 
Ruebäcker vorhin ausgenom- 
men und zu brennen erlaubt sind) 
bei dem auf instehendes Früjar 
zu durchgehen beliebten Weiden- 
fusz, der Augenschein, was vorf 
Aeckernzubrennen8ei,ein^- 
nommen und unentgeltlich ge- 
stattet; auch ein Gleiches bei 
Gelegenheit des jeweils erneuerten 
Weydenfüsz zur Erleichterung der 
Untertanen beobachtet, mithin sie 
der järlichen Anfrage überhebt 
werden sollen«. 

2 



18 



Acht — Aermlich. 



ACHT, >derachtent< d.li. dies 
octava, die Oktave. >An St. Jo- 
hannes des Tänffers achtent 
hinweggeritten<. S. 287 a. Auf 
den unbeweglichen Festkalendern 
vorne in den Gebetbüchern und 
Psalterien des 14. und lö. Jarhd. 
heiszt esz stete: z.B. des hl. Hie- 
ronymi achtet; in &cht augsb. 
codd. achtot, der achtote; die 
bayerisch, codd. haben ach tat, 
der achtate. Zu Grimm Wb. 
I, 169. 

ACHTER, m. 1) ein alter Tanz, 
den 8 Pare aBfEüren. Wb. z. 
Yolkst. S. 11 2) Achterle, 
Achterloable, ein 2 Kreuzer- 
brot; esz gab runde und lange. 
Die Achterlen im Augsb. Do- 
minicanerkloster, die wolbekann- 
ten und heute noch erinnerlichen, 
länglichten waren die besten und 
gesuchtesten. Eine veredelte Gat- 
tung derselben war das Anis- 
achterle, ein halbweiszes sol- 
ches Brot mit Anis bestreut. 

ADERLASZ-WEIN. >ümb die 
vorgeschriben fuenf phunt Haller 
geltz sueln die Subpriorin und 
diu Schafnerin unserm Convent 
gemainclich älliu jar — uf Sant 
Michels Tag — zuo iru gewonlichen 
^fruend Win chauffen und geben 
ueber im Tisch ze ir Aderlez« 
MB. XXm, 2. 71 ad 1339. 

AEBICH, linker Hand, verkert, 
>datund8ydie äbichen schlag, 
ainer vnder, der ander oben«; 
Thalhofers Fechtbuch ; >der brüch 
mit aebicher band um den 
halse < a. 0. ahd. abuh, verkert, 



daneben musz ein abih bestan- 
den haben. Das Wort bei Schmid 
S. 6. Weinhold Wb. 5 a. 

AEFERN, rächen, ulcisci, ahd. 
avaron, afaron. Mhd. Wb. I,7Sb. 
Grimm I, 181. >ünd darumb 
wöUen wir die ding nit wieder- 
umb äfern von vrdritz wegen« 
cgm. 402 f. 51a. > Anden vnd 
äfern< cod. bav.2517. Das Gon^ 
Stanzer Rautsbuch v. 1453 schreibt 
immer äffern. >0b sich dea 
Verurteilten Jemand annemen 
und das gegen die Stadt und die 
Ihren äf f er nwolte«. ^47. »Und 
dazu nimmermehr zu äfern noch 
zu rächen«. Ravensb. ürkd. 1407. 
>Nit rächen ä fern noch melden«. 
Urkd. 1454. >Und dis sach ge- 
gen ander niemer äfern 80nt< 
(sollent). Ulm. TJrkd. 1410. 

AEFFEN, swv.: >8wer aberze 
sSaen tagen komen ist, laet sich 
der a offen (im Eegelspile), der 
habe den Schaden«. Augibnrger 
Stadtrecht f. 51a Sp. 1. 

AELTELN, swv.: übel riechen, 
von altem Fleisch, von SpeiBen. 
Grimm Wb. I, 267. TN. 9856: 
>So git er dir Brot wieder hain 
Das altotat und ist klein«. 

AENI, der, Groszvater; Aene 
Groszmutter ; G u g g ä n i Urgrosz- 
vater ; G u g g ä n e Urgroszmutter. 
Kindersprache. A n h e r r oder 
Alter äni cgm. 601 f. 76a. Grosz- 
anherr den etlich Alter äni 
nennen von dem obersten Ur- 
anen a. a. 0. 

AERMLICH, adj. undadv. : übel- 
schmeckend. 



Aeschenregele — Afraturm. 



19 



A£SCH£NRE6£LE,dim.: eine 
nach alter, altfränklBcher Weise 
einhergeheiide Weibsperson, sei 
sie iwoLg oder alt. An Aschen- 
brödel darf wol schwerlich er- 
innert werden. Regel wird als 
Rigel, Schleier,Rigelhaube, 
riciniüm zu nemen sein? 

AESER in AESERWALL, — 
Eck , auch blose E s e r geschriben. 
Der Aeserwall bildet die süd« 
westl. Ecke der Stadt Augsburg. Bei 
6as8. komt »E8ereck< vor. Die 
Bronnenordnung von 1734 hat: 
»Wann an dem Es er bei dem 
roten Thore oder an dem Spital 
herunter ^- Feuersbrunst sich 
erglbet« u. s. w. >Das Wasser 
nimt seinen Lauf den Eserberg 
hinab« a. a. 0. Die Feuerordnung 
F. 1731 »am Es er waren Lösch- 
werkzenge«. Sollte das Wort mit 
asz, pl. aeszer zu erklären sein? 
Ich zweifle kaum. Wie die Ort- 
schafben ihre Schelmenäcker, • — 
Wisen, — Gräben, — Wasen, so 
hatte Augsburg seine Aszstätte, 
wohin die Ae s z e r geworfen worden 
sind. Ich erinnere hier an vallis 
hinnomi bei Jerusalem. Neser, 
der Erbauer, 16. Jarhd. sagenhaft. 

AETSCH, in der Kindersprache 
Spott — Neckruf > ätsch, ätsch<l 
wenn ein Kind etwas bekomt, das 
andere nicht. Niedersohwaben : 
gätsch, gätsch! 

AEWERK, das, in ganz Schwa- 
ben mit Umlaut; adj. >8 Elen 
äwerknisz tuchs< Wirtb. Tax- 
ordg. von 1425. Reysch. Xu, 423. 
Ich bemerke zu dem Umlaut noch 



ähnliche Fälle : ä n s pin , s. unten ; 
aes ch w ing e , Flachsschwinge, 
Vgl. dazu awirchi, awirchin 
rock, awirches, stuppa. Gloss. 
Schmoll. 

AFFENBULLE, sw. f.: eine 
dumme alberne Weibsperson. 

AFFENWALD bei Augsburg. 
>Und ich bin nicht sehr darwi^ 
der, dasz er vielleicht der Affra* 
wald heiszen sollte« Werlich 16. 
>St. AffraWald, welchen Ort 
der gemeine Mann mit Aus- 
laszung des Buchstabens r den 
Aflenwald nennet«. Ckiss. 103. 
Afrawald ist gang und gab, in 
der Volkssprache ein kleines en* 
ges Gässchen vom Milchberg zur 
Bäckergasse bergab fürend. 

AFRATURM, der, spUte in 
Augsburg eine Rolle. >£räuter 
in disen Turm gelegt waren ge- 
feit gegen alles Unzifer«. Die 
Apotheker machten sich das seit 
älterer Zeit zu Nuzen. Im Gilt- 
buohe cgm. 154 f. 44 b erscheint 
auch »ein Mad bei St. Afra im 
Mosz oder wismad im Mosz«. 
Befindet sich als Hintergebäude 
der St. Afra- Apotheke (Hof) auf 
dem hohen Weg. Früher spukte 
esz da. St. Afra, welche im 
Jare 303 oder 304 den Feuertod 
zu Augsburg erlitt, ist vor ihrer 
Bekerung Repräsentantin des 
Heidentums und insbesondere 
heidnischer Unzucht im Dienste 
der Venus geübt, der kyprischen 
Göttin, wie denn ihre Voreltern 
selber ausz Eypern stammen; 
nach ihrer Bekerung das Vor- 



20 



After — Ai, Ai. 



bild aller Sünder, denen die gött- 
liche Gnade sich zuwendet, um 
sie zu retten. Ihre Yererung 
ist ser alt; die uns überlieferten 
Akten sind zwar unächt; aber 
der Kern ist acht. Schon Yenan- 
tius Fortunatus f 609 gedenkt 
der Yererung ihres hl. Leibes. 
Sie ist die berümte Stadtpatro- 
nin von Augsburg. Da sie so- 
wol dem Heidentume als dem 
Christentume angehört und bei- 
derseits eine hervorragende Stel- 
lung erwarb, mag sich imYolks- 
munde noch Manches erhalten 
haben, was nicht aufgezeichnet 
ist. Augsburg ist reich an Sage, an 
Erinnerungen ausz d^ Heidenzeit. 
Dem Mythologen würde sich hier 
eine reiche Fundgrube eröffnen. 
AFTER erscheint in after- 
montag, Dienstag (Aftermönti), 
in den A. Akten durchausz. Ott 
Buland: aftermentag. >aff- 
termontagc, G. Müller, »af- 
teranwalt u. procuratorc cod. 
bav. 2517. >afterg6walt€. 
afterling, eine mit dickem u. 
fettem Därmen denn sonst ge- 
machte Leberwurst. Augsb. all- 
gem. Ausz dem übrigen Schwaben 
teile ich mit >afterbergen<, 
Kachlese halten im Weinmonate, 
»das afterbergen in den 
Wein- und Baumgärten verbo- 
tene. Wirtemb. Herbstordg. v. 
10. JuH 1607. ßeysch. XH, 612. 7. 
>So solle Niemands dem andern 
m seinem Wein- oder Baumgarten 
afterbergen od. Laub straifen« 
Beysch. XYI, 213. afterrechen. 



swv. : auf frisch abgeheueter Wise 
nachrechen, Geschäft armer Leute ; 
davon der afterrechen, ein 
Rechen mit vielen Zänen, gröszer 
als der gewönliche; after- 
rechete, f.: das Ersammelte; 
afterrechere, f. die Weibs- 
person, die das gewönlich tut. 
Afterschläge, pl. »in Wäl- 
dern« n Forstordg. v. 22. April 
1540. Reysch. XYI S. 6. aftres, 
hernach >unddie soll er mir af- 
tres zalen€. Ott Ruland S. 5. 
Aftertagzeit, »darauf mein 
ehrwürdiger Herr von Alb Abt 
Lukas samt seinem Gonvent be- 
gehrt ein Bedacht (Bedenkaeü) 
bis Morgen — es wäre nun Af • 
tertagszeitc Herrenalb. Ref. 
Akten 1535. 

AGALIZO, adv. obnixe. Gloss. 
August. Ygl. Graff I, 131. Mhd. 
Wb. I, 12b, agaleizzi impor- 
tunitas a. a. 0. agaleizze opor- 
tune a. a. 0. 

ÄGEN, pl. f.: Achehi, sieh 
oben. >Wann ainer ausgespon- 
nen, so soll er das Werkh, die 
Agen und anders alsbald sauber 
hinwegräumen«. Sailerordg. 1687 
§. 31. Grimm Wb. I, 189. 

AGENWANG, Ortsn. urkdl. 
Agenwanch Agenwank 13. 
14.Jarhd. Ze den baiden Agen- 
wanch ürkd. 1291. Steichele I, 
12. Eine Urkunde von 1370 hat 
Ag abang, offenb. bayerischem 
Dokumente entnomen: b=w. 

AI, AI, 1) Eüsschen, >ai ai 
geben«. Kinderspr. allgem. dazu 
gibt esz in andern Gegenden ein 



Akreftig — Ampel. 



21 



Zeitwort a i a i k e n , Eichsfelcl. 
Bayern. 2) ai, nein! Göge. Jett- 
kofen. 

AKREFTIG, adj., wie ämech- 
tig gebildet. Die Vorsilbe & 
in Zusamensezungen bezeichnet 
Trennung, Gegensaz^ In Augsb. 
Denkmälern bis in's 16. Jarhd. 
hinein. »In der Sunnenstnnde, 
wer krank wird, der überkompt 
ein stark Fieber und wird sehr 
akreftig Hitz halber <. Begiom. 
1612. Gramm. II, 705—7. 

ALBEG, engl, always, in alten 
Gebetbüchern »jezt u. all weg« 
nnnc et semper ; 1) immer >zam 
ersten, so sollen sy sich verglei- 
chen, dasz albeg zwue in ainem 
Manghans losieren«. Web. Ordg. 
1531. 2) sofort >in solcher 
Ordnung ist man alleweg zu Al- 
tären zu Opfer gangen<. S. 287 a. 
>N. hat in all weg 1 fl. geben zu 
opfern« a.a.O. 3)ganz gewisz, 
mit der eifrigsten Absicht.. Vgl. 
Wb. z. Volkst. S. 11. üeber den 
Wechsel von bund w sieh Laut- 
lere des B. Bayerisch- österrei- 
chische Denkmaler haben albeg 
one Auszname, schwäbische nicht 
selten. 

ALD, ALDE, ALDEB, oder = 
ant, erscheint zu Anfang des 16. 
Jarhd. noch in schwäbisch-Augs- 
bnrgischen Denkmälern. lieber 
dises echt alamannische Wort, das 
ahd. aide, olde lautet, vgl. 
Gramm. I, 211. 780. HI, 274. 
Grimm Wb. I, 203. des TN. hat 
ald durchausz. 

ALLET , allenthalben , echt 



Augsburgisch -schwäbisch; gebil- 
det wie vollet, vollends. 

ALLEWEIL; 1) in disem Au- 
genblicke; 2) continuo. Anzu- 
foren sind die mehr allgemein 
schwäbischen »all Buff, all 
Bitt, all Streich, jeden Au- 
genblicke 

ALLOBATTEBIE, volkstüml. 
für das spanische olla potrida, 
Pastete oder Suppe, Eraftsuppe 
ausz allerlei Bestandteilen ge* 
braut, besonders ausz mereren 
Klöszarten und andern Ingre- 
dienzien. Zeitschrift II, 24. 16. 

ALMÜOSEN, Alenmuosen, 
Almosen. Almosenherren, Pfle- 
ger und Aufseher des A. städtische 
Behörde. Oi:dg. 1691. Ihr weiterw 
Name ist >A eitern des Almo- 
sens« a. a. 0. Die Almosen- 
büchse durfte in keiner Tafeme, 
an keinem öffentlichen Orte feien; 
im Bräuhause stand eine solche 
für die Spiler, deren Grabe von 
1 kr. nach jedem^ Spile amtlich 
befohlen war. 

ALT, > alter Mo<, eine am 
Bande des Frauenkleides von Un- 
gefär aufgeschlagene Falte ; ober- 
pfälzisch Witwer. In München 
sagt man >tua dein Kleid hinun- 
ter, ein Alter läuft dir nach«. 

AM, praep.: auf dem >am 
Winter, am Ball<, scheint baye- 
rischen Ursprunges zu sein. 

AMMELEN, (— uu) »lambere 
in podice<. 

AMPEL, swf.: groszer weit- 
bauchiger Bierkrug, in Klöstern 
gebräuchlich u. davon die Augsb. 



22 



Amt. 



Schelte »Versoffene Ampel <, 
für eine trunksüchtige and be- 
trunkene Wfeibsperson. 

AMT, stn.: 1) officium divinum, 
a) der Dienst des Priesters in 
der Kirche; b) officium, Pflicht 
der Ordensleute beiderlei Ge- 
schlechtes; c) Gottesdienst über- 
haupt. Lösz dein ewarten am- 
bacht cgm. 206 f. 219b. d6 hän 
ich hiute diz ambet getan. St. 
ülr. Leben t. Albertus, dövon 
sprich och der in dem hiutigen 
ampt cgm. 6 f. 222a Ein schwäb. 
alam. Ritual v. 14. Jarhd. cgm. 
168 hat: von wem das ampt si 
(officium des Tages): man sol 
merken daz man daz ampt durch 
allez jares, si tages oder nahtes, 
began von dem gezite zu allen 
ziten f. la. Wenn man aber daz 
ampt von dem gezite begSt a. a. O . 
Begat man daz anipt als infesto 
dupl. f. 6 a. daz samszteglich 
ampt f. 10b. doch nit nach der 
totenmesze ald ampt nach' fide- 
lium f. 13 a. sol die priorin daz 
ampt tun zu den ziten f. 26a. 
vom gemeinen ampt eines bih- 
iers f. 26 b. vom gemeinen a m p t e 
der 12 poten f. 27b. t6tenampt 
f. 42 a. Am Palmtag abent gieng 
zum Thom zu dem Ampt im 
€hor der Cardinal S. 270. 2) sa- 
crificium; früher hiesz das Bre- 
viergebet und die unmittelbar 
folgende missa cantata zusamen 
ambt; als die Leutpriester allein 
entfernt vom Kloster celebrierten 
und vollends gar die Klöster auf- 
gehoben wurden, blieb der Name 



Amt nur noch dem sacrifi- 
cium und ist so heutzutage ganz 
volkstümlich. — do er volpraucht 
daz gotliche ampt, d6 erschain 
ez im die gotesfaand, gesegnet in 
und daz volk zu der hailigen 
messe. Bebenh. Legd f. 10b. da- 
hin koment patriarchen, byschoffe 
vnd pryester und volpringent daz 
loblich ampte f. 13b. Und d6 
er krank ward und daz jungst 
a m p e t volprlU^ht a. o. 104 a. Und 
ainsmäls an dem heiligen Oster- 
tag, d6 St. Mathäus daz gotlich 
ampt volpracht f. 44b. dämich 
kam der byschof mit dem pfaffen 
und Schülern und mit dem volk 
und sungen da ein ampt f. 
97 b. Sender hat unzälige Bein- 
stellen: zu St. Ulrich hat man 
ein Amt gesungen f. 270a. Wir 
wollen vor unsenn AbscMed hie 
das Amt bei jenen in St. Afra 
hören — und sol unsere Oanterei 
— das — singen und hat das 
ampt mit andacht gehört f. 
349 b. Item hat man gesungen 
2 Amt: bei beiden Amten sind 
die Bischoffen gegenwirtig gewe- 
sen f. 260 b. Der Bischof hat 
das Amt gesungen f. 189a. Nach 
dem Ampt, unter dem Ampt, 
das erst Ampt f. 173a. Das 
Ampt hören f. 284b. Das Seel- 
ampt singen f. 180a. 183a. 279a. 
Nach dem Seelampt, (o). des 
Kaisers Kanterey mit Orgien u. 
Trumethen hat das Ampt ange- 
sungen und der Bischof hat es 
angesungen f. 507 a. Die Bur- 
gundische Hochzeit Isenbergers 



An — Anblasen. 



23 



von Memmingen hat £. 8: das 
man ein herrlich Amt Ton der 
rainen Jungfrau Maria — mit 
Bonderer christlicher Andacht 
gesungen. Mit was fürstlicher 
Herlichait das Opfer unter dem 
Ambt volnbracht ward, weisz 
ich in Warheit nit zu beschrei- 
ben. In den Augsb. Kirchenka* 
Jendern des 17. und. 18. Jarhun- 
derts lesen wir von gesunge* 
nem Amt; — • also sagt man von 
den Sängern und dem Celebran- 
ien ein Amt singen und an- 
singen, — von einem musikali- 
schen Amt, von einem gesun- 
genenLobamtfVon einem figu- 
rierten Lobamt; von einem 
musikalischenHoohamt, £n- 
geiami,voneinemmusizierten 
Amt, von einem Choramt, Cho- 
ralamt, von Seelämptern, 
Hochamt (Gass.), von einem hL 
Ampt (Eiszlegger Klosterrodel) 
u. 8. w. 3) weltliche Behörde. 
In Augsburg gab esz ein Bau- 
amt, einSteuer amt,Umgelt- 
amt, Hospitalamt, Ober- 
pflegamt, Krigs- u. Provin- 
sialamt,For8tamt,Ob errich- 
teramt, Bürgermeisteramt, 
8tadtamtschreiber, Taxier- 
«mt u. 8; w. Der bischöfliche 
Hof hatte in der Provinz überall 
aog. Pflegämter; in Füszen 
war ein Probstamt, in Dilin- 
gen ein Rentamt, Stadt am- 
mannamt, Bräuamt, Hospi- 
talpflegeramt, Bauhofamt; 
in Augsb. ein Hofkastenamt, 
Wäg- und Fronzollamt, 



Steuerkas'sieramt , Pfalz- 
probstamt, Zollamt u. s. w. 
Amthof hiesz des Amtmanns 
Wohnung mit freiem Grundstücke. 
Der Ampthof erscheint im Gilt- 
buche, cgm. 154f. IIb. Vgl. Forste- 
mann, 0. N. S. 106 ff. Grimm Wb. 
I, 281. Wann got. andbahtei 
ambaht ward u. wo zuerst, kann 
nicht genau festgestellt werden. 
Bemerkenswert sind die plur. 
Amt, dat. Ambten; Ämter, 
selten. Ich färe hier noch 
an in's Amt schenken, beim 
Antritt eines Amtes jemand be- 
schenken. >Meim Herrn Bruder 
Bisdiof von Kemsee, mit meyner 
Muoter, Bruoder Endris u. Bans 
in's hochwirdig Amt geschenkt 
samt etlich kosten die ich h&tt 
— 15 fl.< Luc. Bern S. 55. Das 
Wort Amt ist deutscher WurzeL 
got. andbahts, Diener. Mit disem 
hat naoh Dr. Glück das keltische 
Ambaotus nichts zu schaffen, aber 
dem got. andbahts stet schon 
nordisches ambätt, Dienerin ge- 
genüber, was zu einem got. am- 
bahts färt. 

ANAGIUUBFIDO, iaculatione. 
Gloss. August. Zu Graff I, IO9O ff. 

ANBAMPFEN, swv.: unschön, 
mit vollen Backen eszen, sich voll 
eszen. 

ANBINDEN, stv.: ein Kalb zu- 
rückbinden um esz au f zuziehen; 
an eb inda, Rottenb. Gegend, an- 
hin, iiinanbinden. Wb. 8. 
Volkst. 8. 12. 

ANBLASEN, stv.: in Felix 
Fabers Evag. deutsch f. 2a: »die 



24 



Anblarren — Anger. 



Nacht hat hergebrochen, mit ih- 
rem dnnkeki Licht, Botzen was 
beschloszen, der Wächter sie an- 
blies. liebes, treues Wächterli, 
Schleisz anf das Thor und läse 
nns in, Wir sind fremd Bilgeri<. 
Die Blaser anf den Türmen 
spilen in den alten Städteord- 
nnngen mit den Tnrmwächtem 
eine Rolle. 

ANBLABBEN, swv.: anbellen, 
jemand grob und heftig anreden. 

ANBRECHEN, stv.: elucescere. 

ANDATSCHEN, swv: grob be- 
folen, unvorsichtig eine Sache 
angreifen. 

ANDER, das, 1) monatliche Rei- 
nigung der Frauen ; 2) 's ändert, 
das 2. Lauten zur Kirche. »'S 
haut no Zeit, ma haut grad 's 
ändert gea<, sagen die Bauern, 
die noch vorher in's Wirtshaus 
wollen. Seh. 

ANDERTENS, 1) >zumAndem<, 
zweiten Male 2) > erste u. änderte 
Vesper«. Festkalender. VgL 
Grimm Wb. I, 318. 

ANDEÜCHE, ANDÄÜCHE, AN- 
DEICHE, pl. m.: die Kloaken, 
Abzugskanäle für den Unrat. 
>ünd dann die gewölbte An- 
daüche under der Erden zur 
Ausfurung des Unflats.« Werlich. 
>die Andaüche sind zum Teil 
Eur Ausfurung des Unrats ge- 
macht« a.a.O. Ital. doga, 6ra- 
ben,franz. douve. Diefenb.,Gloss. 
43 hat waszerduch, — duche; 
Kehrein, Sammlung, fort ausz 
dem Jar 1304 an du che an. Vgl. 
Weigand Wb. I, 235. 



ANDLIT, Antliz, bei Sender 
durchausz gebraucht. 

ANDRECHT, stm.: Enterich. 

ANERSTORBEN GUT, ein 
durch Erbschaft einem zugeko- 
menes Vermögen. 

ANFALLEN, stv.: einfitUen, 
von der Witterung gebraucht. »Ist 
ein rawer kalter Winter ange«* 
fallen« S. 299b. >Damach ist 
ein Regenwetter angefallen« 
a. 0. Grimm Wb. I, 323. 

ANFAREN, stv.: — nequeinixa 
tua corripias me, — >noch anf ar« 
mich in deinem Zorne«, cgm. 82 
f. 16b. 

ANGEL, stm.: Stachel des In- 
sekts: >hetten die mugk^i ein 
weiszen an gel klain und spizig 
als die wefzen band«, cgm. 206 
f. 72 a. Schmell. I, 78. 166. VgL 
die Angeln, verholzte Pflanzen» 
spizen, Bruchteile des Hanüsten- 
gels; Gerstenhaare. Wb. z. 
Volkst. S. 12. angin, acoleL 
Gloss. August. Sieh Agen« 

ANGER, stm.: Wisenplaz, un- 
bebautes, bisweilen zum Waide* 
plaz bestimtes Feld, got. vaggs, 
oberpf. Ranger. Das Wort wird 
in Niederschwaben höchst selten 
gebraucht; in Rottenburg, am 
mittlem Neckar gar nicht. Desto 
häufiger in Oberschwaben; in und 
um Augsburg. Im Augsburg. 
Manuale komt vor ain anger 
in dem Siczmunt f. 25 b. Im 
Giltbuche von St. Ulrich cgm. 
154 f. 32b: fronanger; enger- 
lin f. 38b. 47b; tagwerkan- 
gers f. 20b. -21b; toranger- 



Angericlits-Bett — Ankörnen. 



25 



gilt f. 21b. In der Stadt selbst: 
der Schwibogen - Anger; 
Ereuaanger; die henrig oder 
Felberanger, Metisger Akt. 18 
Jarhd. >An die Aeng'er Schran- 
ken aufrichten < , Senatsdekret 
1632. Vom wirtemb. Schwaben 
kenne ich >Im Anger< Böhmen- 
kircher Wald; den Anger ob 
Wisensteig; die Anger gärten 
bei Sangart. Die erste Male in 
Riedl. hiesz Angermüle. >Der 
natürlich geblüemtAnger<, Seu- 
se's Briefe. 

ANGERiCHTS ■- BETT , voU- 
ständiges Bette. 

ANHäBIG, zudringlich , anhal- 
tend, >die Franzosen sind arbeit- 
sam, za aller Not gedultig und 
anhebig«. Elucidarius Augsb. 
Ausgabe. Grimm Wb. J, 864. 

ANHANG, unehlicher Beisizer. 
Polizeiordg. 1658. Grimm Wb. 
1,366. Die vilen Bekannten und 
Frenndinen einer Magd heiszen 
heute in Augsburg > A n - 
hang<. 

ANHÄNGEN, isich eins an- 
hängen laszen« auszerehlich 
eines Kindes schwanger werden. 
PfafiPs Eszling. 124 ad 1564. 

ANHEBEN, 1) >erwirdahebe 
schwache, föngt an schwach zu 
werden. Allgem. 2) Anhebender 
M e n s c h ,' ein mit der Rechtferti- 
gung anfangender Mensch; an- 
hebendes Wesen, derZustand 
eines solchen Menschen, cgm. 
601 f. 82 u. oft. 

ANHENEERLE, dim.: kleine 
Medaillen oder Münzen, worauf 



Christus und Maria abgebildet 
oder abgeprägt ist. Kinder und 
Erwachsene tragen sie um den 
flals. In Niederschwaben, Rottb. 
Gegend D 6 1 e n, offenb. ausz Me- 
daille. 

ANHÖRIG SEIN, anstellig, eine 
besondere Fertigkeit Vilerlei zu 
ordnen haben; sich in alles gleich 
zurecht finden können. 

ANIGELN, sw: stechend schmer- 
zen an Fingern oder Zehenspizeti, 
prickelnd schmerzen, den laufen- 
den Schmerz haben, was in vilen 
Gegenden schlechthin bizein 
heiszt. Da diser Schmerz im 
Winter bei schnellem Erwärmen 
der Fingerspizen am Ofen ent- 
stet, so meint man auch beson- 
ders und allein disen damit. >Man 
sol es auch halten in zymlichem 
Luft nit zu warm, dasz es onig- 
len, nit zu kalt, dasz esz wieder 
hineinslahe« cgm. 601 f. 112 b. 
In andern Gegenden Schwabens 
hörte ich aü negla, aü nergla, 
was auf ä, warscheinlich das ver- 
stärkende . ä hinweist; in Wein- 
garten durnegeln. InMünchen: 
's negelt mi 6. Schmeller I, 
38 kennt anigeln, ainigeln 
und urigeln. 

ANKE, swf.: Nacken. 

ANKEN, swm. : butyrum >may- 
genanken isze nüchtern < Astron. 
6b. Grimm Wb. I, 378. Ein mehr 
alamannischen Mundarten eigenes 
Wort. 

ANKOMEN, Btv. : esz übel 
trefiPen, anreden, idarmit kai- 
ner den andern möcht ankomen, 



26 



Anlaine — Anspin, Änapin. 



er wer ein Henkersknecht ge- 
wessen«. S. 548a. >Damach ist 
der Eheim dem Mesmer mit hef- 
tigen, vnerlichen Worten ankö- 
rnen«. S. 560 b. Vgl. Grimm Wb. 
I, 384 

ANLAINE, swf.: Lene, Anlene, 
reclinatorium. >Aach auf einem 
freien Stulon An lainen«. Horm. 
1834 S. 140. (Angsb. Chr.). 

ANLANGEN, das^ Ansuchen, 
Bitten in Amtssachen. »Auf de- 
ren von Bindsmezgem gehorsa- 
mes Anlangen, Mezg. Akt. 1684. 
In der Saüerordg. dagegen heiszt 
es? >bittlich Ansuchen«. Zu 
Grimm Wb. I, 391. Anlangen, 
Geschaftstil in Weberakten. 

ANLEGUNG, — kaufmännische 
Sprache, —Beilegung ron Waren, 
>tatt ain nutzliche guote An- 
legung mit Marokan«; d. h. 
machte ein g^tes Geschäft in 
Safran. L. Bem's Tageb. S. 7. 

ANMACHEN , stv. : >Michel 
Schneyd von Schongaw, Pfarrer 
zu dem heiligen Kreuz, hat einer 
Dienstmagt ein Kind ange- 
macht und darnach sie zu der 
E genomen«. S. 380 a. Heutige 
Bedeutung: l)überreden; 2)an- 
einanderbef estigen; 3) Teig, Salat 
anmachen. 

ANNABÄRBERLE, diin.: kur- 
zer Schlafrock. (?) 

ANPÜMPELN, swv.: hinter's 
Licht gefürt werden, übel an- 
komen, sich irren. 

ANSCHIEBEN, stv,: >Haben 
sye (das Heer) desselben Tages 



dem Kampffe angeschoben«. 
Trg. Krg. f. 27 b. 

ANSCHOPPEN, swv.: sichvoU 
und übervoll anessen. 

ANSINGWEIN, stm.: »Fürohin 
sol zu Nachts kein Ansing- 
wein, so der Preutigam und die 
Braut zusamen nidergelegt, ge- 
geben oder getrunken werden, 
bei Peen zweier Gulden; die nit 
allein der Preutigam and die 
Braut oder ire Eltern, die •o^ 
chen Wein raichen, sondern 
auch eine jede Manns- od» W^bt- 
person, besonders so beidisem An- 
singwein erscheinen wurde, Bir 
Pusz bezalen solle« .Hchzt.O.T.1540. 

ANSPm, ÄNSPm, stm.: W»- 
tel, Beschwerring der leeren Spin- 
del. »Du must auch spindel and 
ainen Änspin hän; die Spindel 
ist von Holz als die Oongell. 
Das bedewt die geleichait,. die 
wir haben mit Jesu Christi Die 
Spindel bedewt dein edle Seel, 
die dir Got so clärlichen ein- 
goszen hat und gepildet nach im 
selber. — Der änspin der ist 
erdin: das bedewt den leib d^ 
von erden ist gemaohet, den dir 
Got gegeben hat, dasz du im 
stetiklichen dienen solt mit hitzi- 
ger lieb. Wann du nun also 
ein Weil gespinnst, so solt 
du den änspin abziehen und 
blosz mit der spindel spinnen: 
das ist, wann du deinem leib 
alles das abprichst was zeitlich 
ist« u. 8. w., cgm. 480 f. 85 a. 
(1446) Zu Grimm Wb. I, 466 ff. 
Schmell. Glossen haben änspin 



Ansprache — Apfelmann. 



27 



verti., bombus, vertigines, go aen- 
spi n. AUgäa-.eispe, obrpf. a sper. 

ANSPRACHE, 8w£: Anspruch, 
in den Urkunden häufig; ahd. 
anasprähha Graff VI, 388. 
Kehrein, Sammig. 26 b. Stdtrecht. 

ANSTAL,8tatio,induciae,Grimm 
Wb. I, 472. >De8 andern Tages 
begerten die Griechen Anstal 
des Frids« Troj. Krg. 71a. 
>Schickt er seine Botschaften zu 
dem Priamo, welche auf 3 Jar 
Anstal oder Fristung des Kri- 
gee begeren solten« a. 0. 71a. 
>I>ie Trojaner schickten Bot- 
tdiaften hin, begerten des Krigs 
Anstal« 74 a. 

ANSTAND, stm.: Amt, An- 
«telivBg. G. V. Ehingen Leben. 

ANTÄDELE , wol richtiger 
Aätädele, dim., auch nicht der 
klmiwte Tadel od, Flecken, Fehler. 

ANTELER, stm.: Enterich. 
Antrechter (Burgau). Ant- 
▼ogel, Wildente; Erlasz 1609. 
Auch S. fort Antvogel bei 
Sohmausereien an. Heutzutage 
ist nur Entrich und Antrieb 
branchig. ahd. antrecho. 

ANTRITT, stm.:. eine kleine 
Bretterstaffel , Erhöhung beim 
Fenster f&r den Nätisch. >Schön 
gefärbter Antritt«. Erenfest 
1699. Allgem. ist Antritt ein 
eingefridigter Plaz beim Hause. 
Frommann's Zeitschrift III, 331. 

ANTWORTEN, swv.: tradere, 
Hbergeben, >daz si (die Knechte) 
daz rint in die zvne nicht wider 
antwrtent«. Stadtrecht f. 10a; 
>wirt ein man herin gevangen 



vnd dem vogte geantwrtet« 
f. 21b. u. s. w. Allgemein. 

ANWALT, stm.: Geschäftsträ- 
ger, Sachwalter eines Bischofes, 
Abtes. Im Giltbuche v. Ulrich, 
cgm. 154 komt ofb vor: der Abt od. 
sein Anwalt«. Grimm Wb. 1,615. 

ANWENDEN, swv. : sich nahem, 
sich zu etwas hinwenden: Felix 
Fabers Evag. deutsch f. 2a: 
Das Gebirg das band sie ange- 
wendt, Von Oesterrich dem 
Fürsten sinds komen in sein gländ. 

ANWERDEN, einer Sache losz- 
werden; spr. auweode. 

ANZIEHEN, Gegensaz von a u f - 
gen, der erste gleichsam vorberei* 
tende Grad des Gefrierens, wenn 
feuchte Stellen eine Art fester 
Haut gewinnen. 

ANZWACKEN, swv.: »Attil» 
bliebe so ein unleidenUcher Feindt 
des römischen Reichs, dasz er 
schier ganz Europa mit Anfallung 
ringsum angezwaokt. Es fugtet 
sich das Wörtiein anzwacken 
gar hübsch auf die Stette in Re^ 
tien, seitemal dise Provinz gleich* 
sam als ein Schweiff oder Rand 
an Italien ligt«. Werlich 97. 

ANZWEHREN, 8wv.:eineMilch- 
speise zubereiten. 

APER, eine voll angesponnene 
Spindel. Sieh Grimm Wb. 

APFEL in der Redensart >der 
hat m§ 'n Apfel verdruckt«, 
von einem in allen Waszern ge- 
waschenen Menschen gesagt. Zus« 
marshausen. 

APFELMANN , der, Apfel- 
schmarren. 



28 



Aposteiserei — Arohe. 



APOSTEISEREI , Apostasie. 
>So erzürnen wir Gott numen 
mitunserAposteis erei<. Krchb. 
Bef. Akt. 1556. In Augsburger 
Schriften häufig. 

APOSTEL, >Apo8tel-u.La8z- 
brief Instrument«' cgm. 2517. 
>Der Appellant Apostel- und 
Gerichtsakta begeren<. 2. Land- 
recht 1567. Reysch. IV, 179. 

APOSTELBROGEEN, gebackne 
Melnudehi mit Aepfeln und 
Weinbeeren gefüllt. 

AP0STELGARTEN,Nameeine8 
Gögginger Torgartens, in älterer 
Zeit Fugger'sche Reitban; spä- 
ter und bis 1857 Erholungsplaz 
ein^ Privatgesellschaft, schon im 
vorigen Jarhd. so genannt, weil 
dise Gesellschaft urspr. Statuten* 
maszig nur 12 Miglider zälen 
durfte. 

APOSTELBIER , schlechtes 
Bier, von dem esz 12 Männern 
an 1 Schoppen genügt. Ehingen 
a. D. Die Apostel heiszen in 
Gmünd die 12 armen Manner, die 
am Gründonnerstag ihre Almo- 
senrunde machen. 

APOTHEKE, Bwf; in Augsb. 
gab esz eine Afra-, Engel-, 
Stern-, Marien-, Hlg, Kreuz-, 
St« Georgs- und St. Jacobs- 
Apotheke und ein Apotheker 
Gäszlein. ürkdl. Formen: Ap- 
pentegker, Ulm. ürkd. 1828. 
Appenteg a. 0. Appenteger 
Ravensb. ürkd. Appenteger, 
cgm. 201 f. 107. In Nieder- 
schwb. und Oberpf. spricht man 
Abbadaigger, in d' Abba- 



daighu.s.w. Augsburg fü rte das 
erste deutsche Apothekerbuch ein. 

APPEL, np.: v. ApoUonia, von al- 
bernen Weibspersonen gebraucht 
Wb. z. Volkst. S. 13. Abbel- 
haft, der Albernheit änlich. 
Das Diminutiv Ab bei e ser 
häufig, wo das übrige Schwaben 
Ab bei hat. 

AR, altes, ex, imser jeziges er 
inerspringen, ersten, »Grosze 
Aufrurersprungenist«. S.169a. 
>Sind allweg 3 neben ainander 
geritten, alle kostlich und wol 
erbuzt<. S.186b. Dises ar, nit 
abgeworfenem r undDenung des 
a, steckt sicherlich noch in mnad- 
artlich ä gesprochenen und als 
ab vermeinten Zusamensezungen. 
Vgl. Wb. z. Volkst. 8. 9. Gramm 
V 91. Schmell. I, 90. FelixFaber, 
Evag. deutsch schreibt noch ar- 
me«sen f. Ib; arfochten f. 
8b;arkantf. 8b; arschrocken 
f. 13b; arstockct u. s. w. 
cgm. 359. Vgl. Weinhold, Alam. 
Gr. 13. §, 9. Ich verweise auf 
das Isidorische armarian, ar- 
chennan, arrahhon, araau- 
ghan, arspringan, arwer- 
pan, ardriban, arflaugan, 
ardhinsan, arkeban u. s. w. 

ARBAISZ, ERBISZ, Erbse in 
Augsburg, codd. erbiszbrü, 
cgm. 601 f. 99b. In Nieder- 
schwb. aesch, stf. pl. aesche. 

ARBEITO,invigüo. Gloss. Aug. 

ARCHE, swf.: ein in Hok 
eingefasztes kastenänliches Ge- 
rinne an Mülen und Teichen zum 
Ablaszen des Waszers. Grimm 



Arg — Arras. 



29 



Wb. I, 545. SclnneU. I, 103. 
»Mögen auch den Gnesz zu Be- 
schüttung der Archen, wo esz 
onschadlich ihnen am gelegensten 
nnd dem Bau am bequemsten, 
nemen und abfuren«. Augsburger 
Gonfirmation 1596. »In dem 
Land waren auch Lampreden; 
der ain wag 160 Pfund; die fing 
man in reififen und bürden; die 
waren gemacht von kleinen Rip- 
pen der Helfenbain; wann was 
reyschen und Ablasz waren auch 
Hürd oder ander Ärch sie mit 
vormachten; die fraszen die visch 
und wurden all ledig darausz. 
Auch darum mueszt man die 
reyachen u. Aerch stark machen 
und vesten, dasz nicht die schö- 
nen Waszerweib — der gar vil 
da was, die leichtlichen zureiszen 
möchten«, cgm. 581 f. 129b. Das 
starke msc. der Arch mit fal- 
schem Umlaute Aerch gehört mit 
arche stf. zu altem arca, schon 
bei Vitruv. 10, 8 (13) für Waszer- 
lade, Kiste, Waszerfang gebraucht. 
Woher Kaltschmid die Aerch, 
Saum, oberer Teil des Fischer- 
nezes hat, weisz ich nicht, jeden- 
falls ist esz merkwürdig. Das mhd. 
Wb. 1,56 weist arc, Schatzkam- 
mer neben arke und der arch 
auf. Am reichhaltigsten ist eben 
auch hier wieder der alte Frisch 
I, 32c. Die. Wurzel, die sowol 
unsem verschiedenen Formen als 
auch dem lat. arca zu Grrunde 
ligt, ist arh, ark und begegnet 
in griech. i'QX4o, iheto (umziehen), 
urspr. einschlieszen, einschranken, 



einsperren, aroeo neben warb, 
wark u. mit Vorschlag-S svark 
(Sark); in arcus Bogen; ogxog 
(FoQxog) Eid, Band; i'Qxog, Zaun, 
Fangnez; in urceus, urceola, 
Krug ; r k n s , die eingeschloszene 
Unterwelt; got, aurkeis, urceus 
^u. s. w. 

ARG, adj. und adv., von Spei- 
sen, schlecht, ungenieszbar; an 
Masz und Gewicht leidend »von 
args brots wegen« fand das 
Schupfen der Bäcker statt 
in einem Augsb. Ratsdekret 1443 ; 
arge milch, cgm. 601 f. 105b; 
>da8 er g est plut« bei Schwän- 
gern, a. a 0. f. 99 a. 

AR AKT, tenacia. Gloss. August. 
Vgl. das Ot&id. thiu argi, culpa. 
V. 25, 63. 

ARGWAENIC, adj.: >der die 
burger, die danne vor gerichte 
waeren, arcwaenic dühte«. 
Augsb. Stadtr. 53 b; daz er in 
arcwaenic dunche a. a. 0. 

ARMBOUGA, armilla. Gloss. 
Augustanae. Mhd. Wb. I, 178 a; 
armbouch, braciale a. a. 0. 

ARMSPINDEL, f.: Armröre, 
tibia brachii. >Item ein partikel 
von der Armspindel des hl. 
Viti<, cgm. 2913. Augsb. Dom- 
schaz. >Und ein Spindel von 
dem Arm der Hl. Maria Magda- 
lena« a. a. 0. Grimm Wb. 1, 560. 

ARRAS, Stadt in den französ, 
Niederlanden , wo das bekante 
leichte und geringe Wollenge- 
webe verfertigt ward, das in 
Deutschland und besonders in 
den Reichsstädten ser im Brauche 



30 



Arsch — Asche. 



war. >Leder, Gewandt vnd A r r a s < . 
Augsb. Erlass 1588. >50 Arras<, 
0. Rnland. >6ewä8zerten oder 
ungewäszerten Doppeldaffet, Ter- 
zenell, Seidenrupf, Seyden-Ar» 
ras, gemuazierter Sammet < . Poli- 
zeiordg. >Arra8iZotten<, Klei- 
berbüchlein. 

, ARSCH,podex— ärsch-Arsch- 
krapfenfArschbeller l)8tock- 
prügel der ehemaligen woUöb- 
lichen Stadtgarde; 2) Schläge auf 
den Arsch überhaupt. K. v. Me- 
genberg: Afterpellen. Arsch- 
wisch, ein schlechter Aufsaz. 
Halwasch^ ein Augsb. Mezger- 
spizname. LahmSsch 1) Schelte, 
2) ein fauler, trager Mensch. 
Spiz und Asch spilen, Oster- 
spil der kleinen Buben u. Mäd- 
chen: sie picken 2 Eier mit Spiz 
und Stumpfseite an einander: 
wessen £i zerbricht, hat's ver- 
loren. Vgl. Wb. z. Volkst. Zu 
den 14 Arschbacken hieszdie 
alte Augsb. Tafeme zu den 7 
Hansen. Im An&ng dises Jarhd. 
als die alte Linde bei der Wirt- 
schaft >zur schwedischen Linde < 
von Obrigkeitswegen gekillt ward, 
erboste darob das Volk ser und 
nannte dafür Jarzehnte lang be- 
sagte Wirtschaft vor dem Wer- 
tachbrucktor >fum nackten 
Arsch<. Lackierter Kinds- 
arsch, Spottname für Erwach- 
sene, die Kindereien treiben. 
Arsch heiszt auch das Nadel- 
öhr. In Adorf (Bayern) nennt 
man die den Boden streifende 
untere halb gewölbte Seite der 



Sense beim Mäen Arsch. Re- 
deusarten: du Arschkerl, ver- 
ächtlicher Mensch; du Arsch- 
krot, für einen streitsüchtigen 
zwergartigen Menschen. Arsch- 
g s i c h t , mit überhangenden Wan- 
gen; der hat einen Zorn, 
dasz er eineNusz mitdemA. 
aufbeiszen möchte, wenn man 
den höchsten Grad von Zorn hat. 
In Bettringen (Wirtemb.) heiszt 
esz : Kannst mich im A. 
lecken! der andere erwidert: 
esz kann nicht sein, ich 
hab's schon einer andern 
Sau versprochen. Oberpfalz., 
kann nicht sein, ich leck 
keine Sau. Plur. Ärsche; — - 
mundartlich äsch, — »so mach- 
tent in die Müs frat, dasz ir 
keiner uff den Ärschen gesitzen 
mochtent von dem Biszen ^as 
jenen die Meüs hettent get&n«. 
cgm. 206 f. 189a. 

ARSTOCKEN, swv.: stocken, 
verstodcen. Grimm, Wb. in, 117. 
»Wirstundent ganz arstocket<. , 
Felix Fab. Evag. cgm. 359 f. 18 b. 

ARTOLLERI, — ei, >ein Zeug- 
diener von der Artollerei*. 
Ärztl. Berichte 1641. Augsb. 
Lazar.Haus. >Artlerei<,Hohent- 
wiler Akten 1564. 25. April. 

ASZ, vgl. Aeszer. >'S sticht 
mi wie Asz« von einem bösen 
Flohstich. >Denn das sind lua- 
drisch kecke Aus er«. Seh. 

ASCHE, swf ; cinis,got. azgo, 
ahd. azca, mhd. asche: >vnz 
daz der eschensegen hat 
ende«, cgm. 168 f. 32a; >die 



Aschloch •— Au. 



31 



knstrin sol berait hsln die eschen 
mit wihem waszer« f. 52 a. S6 
der daz ampt tut, die eschebe* 
sprenget, so sol er die es che 
knüwende emphähenc a. 0. An 
die eschigen mitwochen f. 
16b. 18b; die eschig mit- 
woche 25a. 47a. Chrimm Wb. I, 
578. 579. A schenker er und 
Abgötterer war eine Schelte auf 
die Katholiken in A. der Reli- 
quien halber. Ehrenfetft 1699. 
S. 19. >In der Aschen sitzen« 
von einem niedergebrannten Klo- 
ster. Urkdl. >Also lit der Arm 
swxfalt smerzen, Und lit ihm die 
Sach in der Eschen« TN. 3780. 

ASCHLOCH, »die Sägamm soll 
loeiden — Aschloch, Knoff- 
ioch, Zwifel, Senif, Gren.< cgm. 
609 f. 101a. 

ASCHWINGE, fast immer mit 
dem Umlaut >Ae schwinge«, 
verholzte WergabföUe, stuppae. 
VgL Gramm. 11,707; ägla (Kiesz) 
äkomo (Ehing a. D.) altb. aga. 
Weiszenhorn : Kuder. Wb. z. 
Volkst. S. 12. 

ASSIET, n.: kleiner Teller; 
assiette, franz. 

ATEILO, exsors. Gloss. August. 
Otfrid hat öfter adeilo. 

ÄXTE, Vater, in der Kinder 
spräche; got. atta, ahd. atto, 
mhd. atte one die Lautv^rschi- 
bung des t in sz. Niederschwäb. 
oft Vater überhaupt; sonst nur 
Judensprache. 

ATZEL, stf.: Perücke, scherz- 
weise; sonst für Elster. 

ATZEN, got. atjan, zu eszen 



geben, itan, eszen; >sie ward 
auch so swach vnd krank, daz 
sie weder hend noch fiiesz ge- 
rum mocht und man muszt si 
nur atzen«, cgm. 164 f. 89a. 
Mhd. Wb.I, 760. Diemer's Genesis 
1862: aezzen, 82, 15. Nur von 
Vögeln gebraucht und jenen Orts- 
armen, die in der Gemeinde zur 
Kost herumgen, nach der Reihe 
bei allen Bauern eszen, >ru- 
maezd«. 

AU, die, sieh bei Ach. Wie 
der Name Anger, so ist Au in 
und um Augsburg und auf dem 
Lande ser häufig. Alte urkdl. 
Belegestellen sind: Chleninawa 
(Klenau) ad 843. Mindelowa 
(Mindelau) 1175. Mergartowe 
1249. In Murnawe, abgeg. Ort 
ad 1816. Reiszenowe 1298. 
Richsenaw 1857. Auwe in 
derReischenaw a.O. Rische- 
naw 1822. Prunnen derRichs- 
naw u. s. w. Die Reischenäu 
ist jener Strich, der von Seifrids- 
berg herunter zu beiden Seiten 
derZusam bis gegen Dinkelscher- 
ben sich ausdent. Der Ortsname 
Aunberg hat sicherlich Zu- 
samensezung mit Au erfaren. 
Berümt war und ist noch das 
Mezgergut: dieMehringer Au, 
Waideplatz, »churpfalzbayerisch«, 
femer die Haustetter Au. Die 
Gersthofer Auen komen in 
Erlaszen öfters vor, besonders 
sollten da keine Gerten ge- 
schnitten werden; desgleichen 
gab esz Verbote für die Bi- 
schofsau. Auen hieszen mehre 



32 



Auf — Aasigen. 



längs des Lechofers ligende 
Wäldchen. In der Au Holz ho- 
len, verbieten Dekrete von 1634, 
7. Oct. und andere. Die Ero- 
tenau lag bei Augsb. Die be- 
rümte Au im Lech erwänt Wer- 
lich: »Und ward im Augsb. Gebiet 
hierzu vor alten Zeiten die Awe 
in dem Lech, ausz welcher noch- 
mals ein fest eben Land wordene. 
Ausz dem wirtemb. Schwaben ist 
mir bekannt die Engelau bei 
Herbertingen (Lagerbuch). In 
Auen, ebendas. Auvorstadt 
hiesz ehedem die Altstadt Rott- 
weil. 

AUF, praep.: der Augsb. sagt 
/immer»lachen auf einen«, »auf 
einer Masz Bier sizenc, bei e. 
M. sizen. In den Weberakten 
häufig zu finden. Auf's.Haupt 
etwas vernichten, penitus, mit 
Stumpf und Stil. 

AUFDAMEN, swv.: einem sein 
Unrecht vorhalten, hart zusezen. 

AUFERZUCHT, swf.: Erzie- 
haag^ ahd. zuhti. 

AJJFGABELN, swv.: zufällig 
QI^WAS auftreiben. 

AUFGEN, 1) lEaiser Sigmund 
— ein frawenmann, der esz aber 
tapfer mit sich aufgenlisze« 
Gass. 172. 2) Aufgen laszen, 
kostbar leben. 3) >Auch so Kind 
volkumen seind vnd die zen hart 
aufgeend, so erlamen sie zu 
Zeiten groszes schmerzens wegen«, 
cgm. 601 f. 106b. »Von auf- 
geend zend« f. 107 b. >Zend 
gend eüichen kinden leicht auf, 
so aber die zend hart auf gend 



und mit smerzen u. s. w<. 
»Wann die spiz zän aufgend« 
f. 108 a. Heute ist eine Redens- 
art im Brauche: er hat auf- 
ganga läsz9, er hat einen 
streichen laszen. 

AUFGELEGT, part. pass.: ge- 
wisz, unfelbar, in folgd.Bei8pile: 
»Er hat das Amt aufgelegte, 
hat's gleichsam schon schriftlich 
im Sack. Femer im Kartenspil 
»einen Matsch, ein Brand auf- 
gelegt«, gewonnen haben. 

AUFHABEN, swv.: etwas gut 
haben, herauszbekommen. 

AUFLAGE, Gesellenauf- 
lage, Einlage der Weber-Alt- 
gesellen in die Jnnungskasse des 
Zunfthauses, was in eigentüm- 
licher Art geschah; esz wurden 
mit Kreide Kreise auf dem Tische 
gezogen; mit noch allerlei Mei- 
nem Förmlichkeiten geschah die 
Einlage. 

AUFLASZEN, stv.: >eineKuh 
auflas zen«, belegen laszen. 

AUFLEGEN, swv.: sein her- 
kömliches Quatembergeld in*" die 
Büchse der Weberzunft legen; 
sodann auch Strafgeld bezalen. 

AUFLEGGELT ward bisweilen 
kranken und armen Knappen ausz 
der Büchse geliehen, sowie 
Maistersönen , die »daneben ihr 
Quatembergelt treulich vor die 
Büchse gelegt haben«. 

AUFLEINEN, swv: auftauen, 
vom Eise und Schnee gesagt. 

AUFLIGEN, stv.: sich im Bette 
wund ligen. Allgem. 



Auflasen — Aufruj^en. 



S3 



^LÜSEN, swv.t sich an- 
an Heimliches zu hören. 
TÄAISTERN und VER- 
TERN, aufessien; ü.berSpei- 
«rp werden; derkraftd, bayr. 
riffüZEN, swv.: vorhalten, 

AUgem. 
rREEBEN, stv.: 1) auf- 
i, eine gewisze Art Tücher 
Tolle aufkrazen. »Den 20. 
r 1536 aufgriben D^^ch, 
ümel mit Samat brembt«, 
rbüchl. 77. Esz ist ofienbar 
rtPlüsch. Ferner: »Ebner 
t seind jnen die seydina 
if , wie auch die Schuech 
ufgeribenem Cordawon 
■eschafFt.« Erneuerte Zierd- 
Sleiderordnung von 1668. 

der schwarzen ' Schuech 
.ufgeribenem Cordawon 
nüszigen« a. o. 0. 2) coire. 
ieber, gang hin und reib 
[agt wol auf, wol lauszt 
oh so gerne aufreiben; 
16 sie, nit aufreiben, ich 
. -sie sag es meinem Weib. 
bat der Beck darum, er 

die Magt ^rd traget; so 
ie mit glympfen das Kind 
Knecht. Also ging der 
t hin und rieb die frawen 
auf und vermaint auch , es 
die Magt«. Sender 315 b. 
sitenstück ist in Boccaccio's 
oerone ; ebenfalls in den Ge- 
benteuem zu finden. Im 

Wb. n, 681a fand ich 
'in 1) Reiberin im Bade; 
ipe. Femer ribe, prosti- 
ahd. hripa. Graff lY, 1146. 



Im Nithart: losiu hofribe. Am 
fruchtbarsten für Erklärung von 
reiben, aufreiben, -wird die 
Herbeiziehung des romanischen 
riber (altfrz.) sein = Weiber ver- 
füren, bei Diez, etymol. Wb. H. 
Auflage. 1, 348. Nicht unbeachtet 
darf das griech. rqtßäg bleiben, 
das ein Weib bedeutet, welches mit 
sich selbst oder ires Geschlech- 
tes Unzucht treibt (Passow); fer- 
ner füre ich terere an, das 
harscharf aufreiben wieder« 
gibt. Plautus cpt. 4, 2, 108: Boiua 
est, Boiam terit. In ganz glei« 
eher Bedeutung findet sich me- 
iere, permolere: Horaz hat 
alienas permolere uxores, Sat. 
I2, 35. Petronius 23: super in- 
guina mea multumque frustra 
moluit (von einem Cinaedus). 
' Auson. Epigr. 71, 7. ibid. 90, 3. 
Theoorit 4, 58: t6 yBqovnop J ^' 
Ir» fjivXlH Tiipav xap xvwpofpQW 
iQütri&a — permolit amicam u. s.w. 

AÜFRÜLPSEN, swv.: lautea 
Aufstoszen des Magens in FoJge 
schnellen Eszens u. s. w. 

AÜFRÜPFEN, swv: vorwerfen^ 
aufmuzen. > Nacht und Tag 
tranken die alten Teutschen; die 
Trunkenheit war keinem ver- 
argt, nachteilig, noch ein Auf* 
ropfungi. Äugsbi Druck des 
IDlucidarius 1543. Dise Stelle 
fürt Grimm Wb. 1,716 ausz Seb. 
Franks Weltbuch an. > Sprecher, 
die den Leuten ihre Laster auf- 
rupfen, seind schier wert, dasz 
man sie henke <. Hauszucht und 
Regiment. XYH. Jarhd. 
3 



34 



Aufsagen — Augsborg. 



AUFSAGEN: 1) aufkünden; 
2) etwas Gehörtes wiederholen, 
hersagen , bekennen , gestehen. 
>Da hat der Mann zu ir gesagt: 
so du mir nit wilt aufsagen, 
so sich ich wol, dasz du bist 
hinter d'Schul gangen«. S. 386a. 
Grimm Wb. I, 717. Heute nur 
noch Schulauszdruck, >ausz- 
wendig hersagen«. 

AUFSENDEN, swv. : das Lehen 
dem Lehensherm aufs enden. 
>Her Marquart von Laugingen, 
Hern Volkwins Tochtermann hete 
an dem zaehenden ze Altheim 
von Herren Heinriche von Stau- 
fen, das sin Lehen was von dem 
Abte von Aelwangen , dasz er 
dasselbe lehen bi uns uf ge- 
sandt hat unserm Herren dem 
Abte<. MB. XXm. 1, 147 ad 
1280. > Gaben wir im denselben 
zehenden auf, als sitlich und ge- 
wonlich ist sogetaniv lehen \if- 
gegeben und hat der selb Herr 
Ulrich unser Herre sich derselben 
Lehenschaft verzigen vnd vfgeben 
und oufgesandt, als sitlich und 
gewonlich ist nach des Landes 
Recht« a. a. 0. S. 518. AUgem. 

AÜFSEZEN, swv.: 1) insti- 
tuere, inducere. >Umgelt auf- 
sezen«. S. 170a; im Gegensaze 
zu absein, >dasz alle newe Um- 
gelt sollen abseyn«. S. 170b. 
2) auferlegen, z. B. eine Busze. 
>Er sol sein puesz, sein tagzeit 
und was ihm aufgesezt ist wor- 
den von seinem peichtvater, mit 
vleis volpringen«. cgm. 601 f. 
83 a. 



AUFSCHÜSZELN, swv. : jemand 
mit Eszen und Trinken herrlich 
versehen, reichlich bewirten. 

AUFTREIBEN, stv.: 1) ausz- 
findig machen. >Adi 11 April 
kam ich mit meinem Herrn An- 
gelo Cosalo, den mir Herr Stefon 
Krösz adi 29. Marzo nächst ver- 
gangenen zu Botzen auftriben 
hat, gen Verona«. Kleiderbüchl. 
S. lU ff. 2) >E8z sol auch mit 
Auftreibung der Richter dm 
Rechten gemasz gehalten werden; 
und so der, so ain oder mer 
auftreibt, sich der andere 
Richter nit begnügen laszen wölt, 
so sollen die Aufgetriben auf 
des Auftreibers Kost ersezt 
werden«. Mindelh. Reformat. 

AUFZWACKEN, swv. : >AUeiD 
bin ich erst in meinem Exilia 
berichtet worden, dasz die Pa- 
pisten etwas scheinbares atisz 
einer meiner auf 9. Feb. 84 aus^ 
dem Ev. Math. 8 vom Schifflin 
Christi getaner Predigt auf ge- 
zwacket und mir auf dise Mei- 
nung falschlich und böslich ver- 
keret haben«. Dr. Müller. 

AUGSBURG , die alte Augusta 
Vindelicorum >in pago Ouges- 
gowe, in pago Augustense«^ 
Der Augstgau (urkdl. bei Stei- 
chele 1,303) erstreckte sich nach 
der alten Gaueinteilung über des 
Bistums grösten Teil und reichte^ 
sovil kann jezt schon sicherge- 
stellt werden, bis an denAmmer- 
see. Sprachvergleichenden Unter- 
suchungen wird wol am meisten 
Erfolg zur Seite sten. Forste- 



Augustiner — AuszbechelxL 



35 



mann II, 132 bringt für den Gau die 
Nainen:Augu8tgowe;-^gawe; 
Ogesgowe, Owesgowe. Für 
die Stadt: Augustburg; Ou- 
gistburgb; Ougisburch; in 
einer deutschen Tradit. Urkd. c. 
lOÖO, vorne in einer Münchner 
Hdschr. 4® (Augustinus super 
Johannem). Augusburk, Au- 
gesburk; Osburc u. s. w. Vom 
13. Jarhd. ab ist Auspurg, wie 
auch das Stadtrecht hat, die häu- 
figste Form. Die heutige Ausz- 
sprache ist Aogschburg; — st: 
seh. — Bekant sind dieAugsbur- 
ger Pfenninge, die schwarze 
oder Augsburg er heiszen; z.B. 
im Stadtrechte oft: mit zehen 
phunt Botwilern oder mit sehs 
phunt Auspurgern u. s. w. 
Der Monat August heiszt schlecht- 
hin >Augst« im Ängsten; das 
Eleiderbüchl. hat Agust, Agost, 
in Agosto: >anno 1500 im 
Agosto hat er die besen Kinds- 
Matern« S. 20 u. s. w. So auch 
im wirtemb. Schwab. >zu mitten 
Ängsten«, Baknanger Stifts- 
lagerbach 1501. Reysch. 123. 
Ravensb. Mezg. 0. 14 Jarhund. 
Augstfalg a. a. 0. »Der Äng- 
sten« Ernte. Zeitwort: ernten; 
Biberach (Wirtemb.). 

AÜGSTER (Hausl. I, 326) und 
AIGSTER (Mögglingen) ' werden 
für >Bliz€ gebraucht, besonders 
vom Wetterleuchten an warmen 
Sommerabenden. Zeitwort: esz 
augstet; aigstelet. 

AUGUSTINER, Münze. »Und 
darnach hiesz Augustus g u 1 d e i n 



Pfenning schlahen, der war 
zween als schwer als ein guidein 
jezo ist und die nannt er Au* 
gustiner, der Stadt Augusta 
zu eren«. cgm. 259 f 5 a. >Mu8t 
jedlichs ainen Augustiner brin- 
gen ein die Hauptstat der Pro- 
vinz < a. a. 0. 

AUN (au): nein! Riesz. Nord- 
lingen. 

AÜNSER ; stm. : loculus, Speise- 
sack zum Umhängen, was got. 
matibalgs. »Und da sprach 
Jesus zu im: Da ich ew sandt 
on Sack und pn Aunsar 
und aun geschüch, geprast ew 
da nichtz«. cgm. 226 f 59 b. 
>Da sprach er zu in: welcher 
nun hat ain Sack der nem in 
und alsam ainen Aunsar« a. a. 0. 
Schmell. I. 116 fürt ausz dem 
Vocab. 1445 aser an. In Hun- 
dersingen bei Riedlingen ist 
ans er Brotsack für Feldarbeiter. 
Hebel hat oser, Büchersack. 
Tob 1er 355a. Stalder wird wol 
richtig verglichen haben, da er 
äsz, itan herbeizieht. 

AURfi, AURA ! rufen die Buben 
in Munderkingen u. sonst für >ausz 
dem Weg«! beim Bodenschlitten- 
faren. Oberpflz. aure, hinausz; 
hier sicherlich noch altes r für s. 

AUSZ, praep. : »Mein Schwecher 
Jörg Echain ist geboren ausz 
Jörg Echain und Clara Relin- 
gerin«. »Mein Schwiger Anna 
selig ist geboren ausz Hans En- 
dorf er und Bärbel Greslerin«. 
Luc. Rem, S. 2. 

AÜSZBECHELN , swv. : ein 
3* 



36 



Aoflzbreiten — Aussnemen. 



schwächliches Kind u. s. w. sorg- 
fältig pflegen ; obpf. aufbacheln. 
Niederschwaben: nfbecherla. 

AUSZBREITEN, swv.: glän- 
zend machen, polieren. 

AÜSZDUMPELN, swv.: Butter 
auszrüren. Dump elf asz, Hert- 
feld, Wertingen. 

AUSZFÖRSCHELN, swv.: ausz- 
forschen, auszfrageln; bayerisch 
fratscheln. 

AUSZFREZÜNG , Abtrieb ; 
»Auszfretzung des jungen 
Gehäu«. Augsb. ürkd. 

AüSZGESTOCHEN.part. pass.: 
noXvTQonog, versutus. 

AUSZHEIRATEN, swv. : dotare, 
auszsteuem, auszstatten. »Und 
hat jm darzu ein Tochter a u s z- 
geheiret«. S. 310b. Grimm 
Wb. I, 884. Allgem. 

AUSZHÖLDERN, swv.: ausz- 
hölen, auszboren. K. von Me- 
genberg :auszhölern, excavare. 

AÜSZKLAÜBEN, swv.: ausz- 
lesen, eligere. »Ausz klaubt's 
wolgerüst's Volke. S. 249 a. 
»Auszklaubts starks, werlichs 
Volk«. S. 145 b. >ünd waren 
etwas bei 100 auszklaubter 
böser Buben«. Buxheimer Chronik 
29 a. 17. Jarhd. in Frauenfeld. 

AÜSZLASZEN, stv.: Butter 
auszsieden, Speck, Fett, Un- 
schlit auszsieden u. s. w. 

AüSZMACHEN,swv.: I)au8z- 
puzen, z. B. Wonungen; >ge- 
welb auszmachen«. S. 265b. 
»das gwölb auszgemacht«. 
cgm. 567 f. 211. 2) einen Yer- 



weisz geben, auszzanken. 3) sei- 
nen Pflichtteil auszscheiden (von 
Eltern), Leibding festsezen. Ausz- 
machen, Auszgemftchts : 
>Wenn auch gleich die Kinder 
— nicht mehr in der Eltern 
Unterhalt sind, soll dem Vater 
doch die Nuznieszung des Auss- 
gemächts nicht entzogen wer* 
den«. Pfleg. 0. 1777. §. Sft. 
Vgl. abkomen a. a. O. §. 4S: 
>Da sich auch öfters gezeigt, 
daszAeltem, welche bei irer an- 
dern oder weitern Verheiratung 
iren bereits ehlich erzeugten Kin- 
dern als väterlich oder Müt- 
terliches auszgemacht ha- 
ben, hernach aber, und zwar 
manchmal lange Zeit heniach, 
sich die Keue ankomen lassen, 
und unter dem Vorwand, als 
wenn entweder gar nichts oder 
nicht sovil Väter- und Mütter- 
liches vorhanden gewesen, als 
auszgemacht worden, um Auf- 
hebung der Minderung desselben 
eingekomen sind, — dasz auf 
dergleichen Vorwand und Ge- 
such nicht geachtet, sondern esz 
bei dem Ausgemacht lediglich 
gelaszen werde <. Dekret v. 1726* 
15. Jan. 

AUSZNEMEN, stv.: 1) ex- 
cipere. > Welches todter Leich- 
nam über das Gebirge nach 
Augsburg gefüret , daszelbs 
auszgenomen — und also zu 
Aach begraben worden«. Gass. 
2) intelligere, begreifen, ver- 
stehen, mit Gesicht und Gehör. 
>Von wem er sprach, könnt ich 



An82pat8chen — Autzschusz. 



37 



flicht ausznemen«. Auszne- 
met, adv. eximie. 

AÜSZPATSCHEN, swv.: etwas 
aaszposaunen , Schwazereien ma- 
chen. 

AUSZPICHT , > einen a u s z - 
pichten Magen haben«, einen 
Magen haben, der Alles verdauen 
kann; auszpichen, auszkleben, 
besonders vil Getränk einnemen, 
ziuneist von Biertrinkern gesagt, 
sie einem auszgepichten Bierfasz 
vergleichend. 

AUSZPLAZEN, swv.: erum- 
pere. Zu Grimm Wb. I, 924. 
»Derhalben ist Pandarus der erst 
gewest, der zu dem Tor her- 
auszgeplazt ist«. Troj.Krg.18a. 
Ygh >Die Barbarier herein- 
plazendec a. a. 0. >Wie aber 
der Menelaus on Gefar des Ale- 
zandri ansichtig wurde, ist er 
mit ganzer Macht ihn ange- 
plazt« a. a. 0. »An demselben 
Tage wäre alle Schiff angezün- 
det und vertilget worden, wann 
nicht die Nachte der Arbeiten- 
den Zuflucht hineinplazende 
die Feind von irem Fürnemen 
getriben hätte« a. a. 0. f. 35 a, 
>ünd alle Dinge, wo der Feinde 
eingeplazt wäre, mit Waffen 
erfüllt worden« f. 36 a. »Sind 
die Trojaner mit groszer Macht 
hineingeplazt« f. 41 a. ff. 
>D6 der künig sach, daz sy 
plazten an in gächleich«. cgm. 
300 f. 52b. 

AÜSZRICHTEN, swv.: sich 
empfehlen, grüszen laszen. 



AÜSZSCHAFFEN, swv.: auf 
der Stör arbeiten, wie Schneider 
und Schuster tun. Oberschwb. 

AÜSZSCHANZEN, swv.: >anno 
1584 auf 9. April habe ich einen 
frommen und gottseligen Herrn, 
so entwann ein Katsverwandter 
gewesen, aber unlängst mitwun- 
derbarlicher Kreiden ausz dem 
Rat von dem Papisten auszge- 
schanzet worden«. Dr. Müller. 

AUSZSCHLAGEN, stv.: Ausz- 
schlag bekomen, >feng an ausz- 
schlagen.« Luc. Rem. S. 20. 
>Al80 dasz ich wieder ausz- 
schlug« a. a. 0. Der Ausz- 
schlag. 1) »Wie esz aber mit 
disem Augsb. Fürsten endlich 
auch einen Ausz schlag gewon- 
nen habe, ist meniglich nicht 
unbewuszt«. Dr. MtQler. 2) an 
Kleidern lAuszschläg u. Kra- 
gen«. Kldrord. 1668. >über das 
sollen sie zu iren Kleidern und 
Mänteln, bevorab zu den Ausz- 
schlägen u. Kragen kein Fueter 
von Zobel — gebrauchen a. a. 0. 

AüSZSCHLIZEN, swv.: ausz 
der Nat gehen, auszreiszen. Rock- 
schliz oder Schliz schlechthin, 
am Frauenkleide. Ahd. sliz, 
herisliz, bayuw. Geseze. 

AÜSZSCHODLEN, swv.: sorg- 
fältig auszsuchen, in Speisen wä- 
lerisch sein. 

AÜSZSCHÜSZ, stm.: arcora, 
Erker. 8' über der Erde; 1"/« 
Mauerstein in die Reichsstrasze 
ragend: 8' breit. Bauordnung. 
>Au8zgeschoszen kreuzfen- 
ster«. Frank. 



38 



Aoszsteaer, Auszsteaem — Axt. 



AUSZSTEUER , AUSZSTEÜ- 
ERN, 8WV.: >and sint diu alliu 
üz gehistiuret« ; >hät ein Man, 
wib unde chint unde der chinde 
einz oder zwei üz gehiustiu- 
ret< unde sind alle üz gehis- 
tiureti. Stadtr. f. 60b 63a u.s. w. 

AüSZSTEN. 1) tolerare, sei 
man zu- oder abgeneigt. 2) ausz 
dem Dienst gen. 

AÜSZWARTEN, swv.: pflegen: 
>plib allda bi8 22.Agosto in £n- 
dris Imbof Haus — da mir on 
alles Masz ganz überausz triu- 
lich — • ausz Lieb und Fleisz 
auszgewartt war von Frau 
Agnes Imhofc Luc. Rem S. 22. 

AÜ8ZWENDIG. 1) adj.: ausz- 
warts wonend. >Alle auszwen- 
digen Mezgerc S. 101. »Ausz- 
w endig gestorben« f. 314b. 
Zu Grimm Wb. I, 1014. 2) adv., 
got. utana, ahd. üzan; >ü zw en- 
dig der osterzit«, cgm. 168 f. 38 a. 
>üz wendig dem Köre« f. 40b; 
im Gegensaze zu »inwendig 
unser Frauen Octave« f. 49 b. 
»Inwendigs und auszwendigs« 
adv. cgm. 480 f. 114 a. 

AÜSZZÜG, stm.: feinstes Mel 
von Waizen, Roggen u. s. w. 

AVE MARIA, gewönlich >'8 
Betläuten«, das 3 malige t&gl. 
Gebetläuten ü. L. F. zu Eren. 
»Nach Ave Maria's Zeit« S. 
262 b. > Solcher Streit hat gewer et 
— bis man das Ave Maria hat 
geleyt« S. 205 a. In Tüb. ävo 



merga; Alb: aüvd mergd; 
Rottb. 'sävd merga; inDeggin- 
gen im Gaisztäle bt eine Avd- 
mergakirch. 

AWASEL, stm.: ein Tier, das 
durch Schuld eines Menschen um- 
kam. Vgl. mhd. Wb. I, 74. cgm. 
510 f. 67: der abas, den abäsen. 
»Unde ist der äwasel des, der da 
gebezzert hat < ; Stdtr. der a w o r s e, 
aborse, den aborsen cg^. 21 
f. 88. >Vil sein nachtpawren rih 
darein (in die Zisterne), er must 
ims gelten, und der aborse 
bleib dem des dew cisteme was, 
— so ist dir der abars wider- 
varen«. cgm. 632 f. 78. abars 
vel verwürfling» a. a. 0. f. 2 a. 

AUümcm, stuppa. GlosB. Au- 
gust, und Stadtrecht. 

AXT, die, im Stadtrecht »ein 
mezzer, ein axes, ein speerc f. 
45a; »akkest in einis Zimmer* 
manes haut« cgm. 172 f. 34a, 
ein akkest die ein maister 
nutzet« a. a. 0. cgm. 581 hat 
für Beil immer »Mordaxten« 
f. 73 a. »Da im Kampfe der V'in- 
delizier gegen Varus mechst du 
gesechen hau, was das rheinisch 
swert und die swäbisch Axt 
gegen einander tetten« f. 36 b 
cgm. 570. Die Gloss. Schmell. 
füren folgende Beispile ausz dem 
ahd. auf: achus, riut achus. 
acchussi secures; helmakes 
= spata u. 8. w. 



39 



B. 



B lautet allgemein, wie im Ro- 
manischen und stet genau goti- 
schem b gegenüber. 

1) Im Anlaute ist esz von dem 
Geseze der Lautverschiebung un- 
berürt geblieben und weder ausz 
gotischem f hervorgegangen noch 
ausz ahd, p durch Rücklau- 
tung zur Geltung gekomen. Mag 
in altdeutschen Handschriften 
auch gar oft p sten, wo später- 
en wieder b erscheint, schaben 
wir vorerst nipr einen Wechsel 
der Lautzeichen imd esz drangt 
dch vor allem die Frage auf, ob 
ahd. Zeichen p auch den Laut- 
wert des heutigen p hatte. 
Ist doch in gleicher Weise b an 
die Stelle von w in der Schrift 
getreten. Nach disem Vorgänge 
kann also p auch den weichern 
Laut des b vertreten. Ich werde 
an einem andern Orte mich ein- 
gender hierüber äuszem und will 
hier nur bemerken, dasz die Mund- 
arten in Schwaben, Bayern, Oester- 
reich und Oberpfalz heute noch 
kein echtes p kennen^ sondern 
dafür eine Schärfung des b in 
bb, wie umgekert eine Erweichung 
des b in w aufweisen. Sowie 
^ot. f. im Anlaute sich der Laut- 
verschiebung entzog, soauchgot. 
b; p scheint das gotische als An- 
laut gar nicht zu haben. Die 
Lautverschiebung erstreckt sich 
mithin auf die anlautende Reihe 



b p f nicht und die heutige süd* 
deutsche Mundart stet für dise 
auf derselben Stufe mit dem 60* 
tischen. Dagegen ist b als In- 
und Auszlaut teils gleich goti- 
schem f. teils wieder gleich b. 

2) Ausz Vorstehendem get her- 
vor, dasz b einen dreifachen Laut- 
wert habe: 

a. den reinen natürlichen Laut 
des romanischen b zu Anfang 
und Ende des Wortes; 

b. einen zu bb verschärften, 
welcher den romanischen pLaut 
vertritt, im aber nicht ganz ent- 
spricht; worüber unten bei p; 

c. einen in w erweichten, zwi* 
sehen 2 Selblautern, sieh w. 

Da disz auch allgem. schwä- 
bisch ist, so vergl. die Beispile 
im Wörterbüchl. zum Volkstüm- 
lichen S. 14 ff. 

3) Wie w und m wechseln, so 
auch b und m. Das Eleiderbüchl, 
S. 140 hat »in Erbl geschloffen«, 
= Ärmel, manica, oberpf. »irbl«, 
ahd. armilo, Graff I, 426. Mhd. 
Wb. I, 57 b; bei Hans Sachs 
Erbl. Grimm Wb. I, 557. Mer- 
bel, Merbelspil; Gemürbel 
S. 143 a: »da ist ein Geschrei und 
Gemürbel auferstanden«; >on 
wider Mürblung« TauleriSerm. 
1508 f. 212b; pfulm für pful- 
ben, »do leget er den man ain 
pfulm« f. 220b; >sich an mich 
arbent saeligen« Qgm. 450 f. 



40 



36 a; »meine arbentsaelig- 
keit< f. 43 b; »mine eilend ar- 
bentsaeligkeit« f. 44b. 

4) Als In- und Auszlaut fallt 
b öfters ab und veranlaszt da- 
durch Denung des vorhergenden 
Selbstlauters, wie in Umstands- 
wörtern; vorzuglicli bei ab, — a 
sieh ä, — aber auch bei Zeit- 
wörtern z.B. in der Abwandlung 
von hö — haben, geo — geben 
u. s. w., was allgem. süddeutsch; 
femer in bleiben: er bleit 
6ch. 116. Landschaftlich. InLeb- 
selten fallt b nicht nur immer 
ausz, sondern esz wird sogar 
sinnlos »L es zelten«? u. volks- 
tümlich angelent »Leckzel- 
ten«; 8. 339 a und oft. Vgl. 
Weinhold, Alam. Gramm. S. 119. 
Grimm Wb. I, 1084. 10Ö4. 

6) Umwandlung von bh in pf, 
wie sie im Bayerischen erscheint, 
z. B. in pfüet Gott! Pfalter, 
pf^ben, »ear pfebt se bös = 
tut weleidig; pfäb, behäb kent 
Augsburg nicht so auszgedent 
als die Landschaft. Bemerken 
will ich das Yorkomen von 
bulgen und pfulgen. 

6) Ebenfalls dem Bayerischen 
änlich weist die Augsb. Mund- 
art den Antritt des b und p an 
m auf, sowol da, wo esz ahd. 
Brauch, als auch da, wo esz ledig- 
lich Gewonheit des Yolksmundes 
ist und keinen Sinn hat. Wein- 
hold, Alam. Gramm. 120. 121 u. 
116. 

a. Wampe,Imbisz, Kampel, 
Lamb, Lämblein, Lamp, 



Lemplin (der hl. Agnes) cgm. 
257 f. 6a; Osterlamp cgm. 402 
f. 139a. Wämbstler, eine Erlasse 
von Mezgem, die Eingeweide der 
Tiere reinigen und verkaufen, 
z. ahd. wamba; krump u. «. w. 
b. >Wirmb<, W. im Kopt, 
Horm. 1834, S. 147. Breuti- 
gamb, Leichnamb, Köhrbe* 
samb , Leutenampt, Ober* 
Underleutenampt, bei Wer* 
lieh 61. >Sumptag Laetare^. 8» 
299a, »amSumptaghatderBai 
20 fl. geben« a. a. O. 830 a. 
Ermblen Horm. 1884, S. 146; 
genembt (namnjan), Bis t«mb, 
Werl. 19. Erdpidump, ge- 
zimpt, unberümpt, flieh hmg' 
nia 75. Demptv. dämmen (1477) 
Augsburger Druck. Magtumbs; 
Reichtumbs, abgefaimbter, 
lamp (lahm) cgm. 257 f. 6a; 
usnempt, nampien in cgm. 
737 f. 15 b. III praes. sing, von 
nemen. cgm. 736 f. 15 a. Eigen* 
tümlich ist auch der landschaltt. 
conditionalis i theab, ich täte. 
Seh. 59. >I moi i theab iabn 
wittra«. >Ja, theab ear schreia 
wia ear will«, a.a.O. 60. >Bekaiuit 
ist die Geneigtheit der schrift- 
lichen Denkmäler des 16 — 18. 
Jarhd. und noch heute des Yol* 
kes in ganz Süddeutsohland , b 
und p ebenfalls ungehörig vor 
T und D zu entfalten, daheimbdf 
frembd, Ambt, sambd« u. s. w. 
in Grimm's Wb. II, 1054. 7. e. 
Von d Hagens Germ. III, 101 
— Corssen: Ueber Ausssprache, 
Yocalismus u s. w. I, 57 macht 



B. 



41 



auf den Vennittluiigslaut p zwi- 
schen m und folgenden Zuugen- 
Jaoten, aufmerksam in emptus, 
redemptus, comptus, sump- 
tns, contemptus, contemp- 
oere, hiemps, eine Schreib- 
weise, die weder etymologisch 
noch phonetisch einen Sinn hat. 
cgm. 6 hat sompnus. üeber 
bayerisches um ^ind umb, für 
ang an einem andern Orte. 

7) b für V und f. Abentei- 
rer, Abenteuer und Aufen- 
teuer; Kurbe und Kurf (in 
d^ Müle); Schwefel u. Schwe- 
bei; Zwibel und Zwifel: 
8albai und Salfai; doch ist su 
bemerken, dasz ältere Marktord- 
nungen , Zunftordnungen lieber 
Zwifel (Sail. Ordg. 1687), Sal- 
fagion schreiben: >cUn drank si 
ab Salfagion blumen von rut- 
ten< ; »ab salfaigen<, Astron. 
f. 7b. 8b; ebenso lieben sie 
Knofflauch, Enoflach für 
Knoblauch, cgm. 601 f. 140. Das 
Wort Hefamme für Hebamme 
ist im Aug^burgiachen und \m 
Riesz, fast im ganzenbayerischen 
Schwaben, bräudiig. cgm. 257 f. 
86a hat Tifer oder Tiber. 
Täbere: -Tafeme »als er eines 
Morgens ansz der täberen zu 
haus wolt gen« cgm. 601 f. 67 b. 
Ich erinnere an Heben u.Hefe, 
schnauben und schnaufen; 
Hebel und Hefe, >brotanhe- 
bel, geheblot brot«, yoc. opt. 
Schraube und Schraufe, Pö- 
fel und Pöbel, Kaffanetle 
und Kabinetle. Unzibercgm. 



402 f. 76a. Josua und Galef f. 
127b. Vgl. Grimm Wb. H, 1068. 
d. 10Ö4.8. Zabern, Zabergau, 
Zaberberg und Zavelstein 
(Kalw), Bauballen und bau- 
fallen, Rebental und Refen- 
tal (refectorium) u. s. w. 

8) Allgemein süddeutsch ist 
die Verhärtung des alten w 
zu b im In- und Auszlaute; 
wo aber auch b fast gänzlich 
abhanden gekomen, wie bisweilen 
im sog. heutigen Hochdeutschen, 
da hat Augsburg in schriftlichen 
Denkmälern und im Volksmunde 
esz gewart. Albeg, allweg cgm. 
601 f. 98 b; 1631, sieh oben. Vgl 
mhd. Wb. III, 637. Gramm. IH, 
140. Schmell. 1,42. rieb ig, grie- 
big ruhig, S. 583; gerubig, 
geryebig, Regiom. 1512; rüe- 
big leben, S. 171a; von ahd. 
ruowa, ruowen; schmirben, 
Schmirbe, schmieren ahd. 
smirwa, smiruwa, Graff VI, 
832. »Pen ganzen Leib schmir- 
ben« Regiomont. 1516; spei ben, 
Buch im Oberschwäb. f. speien, 
augsK gbaibe, got. sbeivan, 
ahd. sbiwan, mhd. spiwen und 
spien, Gramm. I*, 97. Astron. 
»sbiwen«; schnaiben, 's 
schnaibt zu got. snaivs, 
Schnee, ahd. sniwan, schneien. 
Graff VI, 852; melbeln, nach 
Mel riechen, von ungesottenen 
Speisen, zu ahd. m i 1 w a gehörend ; 
J u b e 1 e n , Juwelen, Poliz. 0. 1735. 
> Mit J u b e 1 e n besezte Uhren « 
a. a. O. >Silberkramer und Ju- 
bilier! Gass. S.302b. Wibele: 



42 



B — Bach. 



böser Finger von ahd. wewo. 
Allgem. schwäbisch ist ebbisz, 
etwisz, ebbmdhi, et-wahin, zum 
Besuche in die Liechtstube gen; 
öbbern, acc. Seh.; femer Fel- 
ber zu ahd. Felawa gehörend, 
>Felberbrunnen<, emalsinder 
hl. Kreuzgasse; Hans Felber 
hiesz ein alter Augpsb. Werk» 
meister; Thoman Yelber, ein 
Giltmanu von St. Ulrich, cgm. 
16Ö f. 5 b. Daher gehört auch 
das mer allgemein vorkomende 
Flexions b in grabes gen. von 
grä; plabes, nom. plä, heute 
gr&b und gra auch im Nomina- 
tiv. In' Erbse wechselt b und 
w: arbiszgarten cgm. 154 f. 
39b; erwysen cgm. 28 f. 35b. 
Grimm Wb. I, 1054. 8 b. Wein- 
hold, Alam. Grramm. 120. Lau- 
ohert S. 17. 

9) Wol zu unterscheiden ist 
der Wechsel von b und w auch 
im Anlaute: wesunder, bar- 
mer trunk, bomboll u. s. w. 
— cgm. 601 — was entschieden 
bayerisch-österreichisch u. 
den Venediger Alplern eigen 
ist. Die codd. der k. Hof- und 
Staatsbibl. laszen sich auf den 
ersten Anblick erkennen, ob sie 
vonAugsb. oder ausz bayerischen 
Klöstern; oft herrscht bayerische 
und schwäbische Lautlere neben 
einander, was von den Schreibern 
herrürt. die sich in beide Stämme 
teilten. Eine besondere Abhand- 
lung hierüber behalte ich mir 
für eine Darstellung der baye- 
rischen Lautverhältnisse vor. Ver- 



gleiche Grimm, Wörterbuch I, 
1054. 8 a. 

BAlBAt häszlich, abscheulich; 
Abmanruf an Kinder. VgL Ghrimm 
Wb. 1, 1055: >Anszruf verdrosze- 
nen, gleichgiltigen, abweisenden 
Staunens.« 

BABETTE, Barbara, seit einir 
gen Jarzehnten im Brauche; Bär- 
bel cgm. 92 f. 27b — ebenso bei 
Luc. Rem 54 und Kleiderbüchl. ; 
St. Barblen cgm. 97 f. 128a — 
scheint beliebter Name im alten 
Augsburg gewesen zu sein. Ober- 
pfölz. Bärbl undWaberl; EU- 
wangisch B ä r m e 1 e ; nieder- 
schwäb. Babel, Bäbele und 
Bärbel, Bärbele; Bäbe und 
> B e b e « häufiger auf dem 
Lande. Bei Jeremias Gotthelf ist 
Babi ein einfältiges Weib; im 
Thurgauischen, Frauenfeld, gilt 
Babele für Puppe. Babeles- 
buben = Sektierer, laue Katho- 
liken. 

BACH, stm. in und umAugsb. 
komen vor: der Hauptstadt- 
b^ch, Neubach, Stadt-, Säg- 
mül-, Herren-, Rändelmül-, 
Lechmeister- , Proviant-, 
Durchlasz-, Hanrey-, Ab- 
kehr-,Ei8-,Fichtels-, Schäff- 
1er-, Ueberwaszer-, Walk- 
bach-, Schauerbächlein, 
Loch-, Oel-, Wolfs-, Kauff-, 
Mittelbrunnenbachj Jäger- 
bächlein, Ochsenbächlein; 
Sibenbrunnen-, Hauptbrun- 
nenbach, Spitalbächlein; 
Malvasier-, Weisel-, Pfer- 
seer-, Brunnenbach; Het- 



Baohe — Bachen. 



43 



ten-, Hessenbach, Senkel- 
bach, Sieohenbächlein, He- 
zenbächlein.>AafdemBach<, 
Wirtschaft ror dem roten Tore 
an der Strasse nach Fridberg, 
-wo die Floszlente vom Lech mit 
fiolz für die Stadt landen. Der 
Sacher-Anger, eine Bastei. 
^Verlieh 8 2. Das Stadtrecht 
Jiat: >unde bringet ein gast holz 
lier in diso stat, ez si in den 
obern bach oder in den ni- 
^ern« »wer mit holz knmt in 
^e bäche, ez si nidere oder 
obene« n. s. w. JmAngsbnrger 
Cfebiete : Tinzelbächlein bei 
Sglingen; Schmieohenbach 
l)ei Merching; Steinbach nnd 
i^insterbach zwischen Mer- 
ching und Moringen. Urkundlich: 
Pernopach 784. Muninpach 
^ a. O. Galmanopach 823. 
Ohiupaoh 1011. Snaitpach 
Orts. N. bei Aichach. Scem- 
l)ach, Bchembach, Schäm- 
hach, Schönbach, (16. Jarhd.) 
Salenbach, Gabelbach, Hu- 
renbach, Dachspaoh, (1322) 
abgegang. Ort, Werinespach, 
(1404) Schaidbachmann, ein 
Greist in Phronten gegen Jung- 
holz hin. (Yilstal). Bach, ahd. 
bah, altsächs. biki, in welch 
lezterer Form esz in den nieder- 
dentschen Zusamensezungen auf- 
tritt. Vgl. Förstemann, die deut- 
schen Ortsnameu, S. 33 ff. Alb. 
Schott 1863, S. 36 a. Weigand 
Wb. I, 90. Grimm Wb. II, 1057. 
BAOHE, swm. 1) porcellus. 
2) Mastschwein. 3) Speckseite. 



Das Augsb. Stadtrecht f. 6 b, 9 b, 
21b U.S.W, »von ainem baohen, 
der ains phundes wert ist zwen 
phenninge« ; » von ainem b a c h e n 
einen helbeling«; »ein bache 
ainen helbelinch«; >ze bachen 
(under keufel sin)' u. s. w. Im 
Memminger Stadtrechte : ein ge- 
schnitten Bachen, im Gegen- 
saze zum ganzen Bachen. »Sie 
ziehend all vaiste Bachen, das 
mugen wir Tüfel wol gelachen«. 
TN. 1745. >So klimpt er un- 
ders Dach, und wirft herab Wurst 
und Bachen« a. a. 0. 13255. 
Vgl. ahd. pacho bei Graff UI, 
29. Mhd. Wb. I, 70. Grimm Wb. 
I, 1061. Ich erinnere an das 
bayerische Fack, Fackerl, an 
porcus, farch, barg, ebenso 
an Bracke, die jedenfalls zu- 
samen einem Stamme angehö- 
ren. Sollte am Ende nicht auch 
Speck sich davon herleiten? 
S wäre Vorschlag wie in lecken, 
schlecken u. s. w. Backel 
>von einem backel darnach 
und esz grosz ist«, Stadtrecht 
f. 17 a. Weigand Wb. I, 90. 

BACHEN, stv.: backen. Ab- 
bachen, >8ei ein ganzes Jar alle 
Wochen in die 25,000 Laib ein 
jedenvon4pfundenabgebachen 
(worden) < . Anti — Müller. Ba- 
chein, swv.: nach Backwerk 
riechen. > B e c h € , Backwerk, 
>Bech und Brot<, Augsb. Ge- 
traidekaufordg. 1535. Im Burgau 
ist Bech eine Traget Brot: 
niederschw. Bach et: sovil Brot, 
als man auf einmal bächt. Vgl. 



44 



Bachtafel — - Back, Beck. 



Wb. z. Volkst. S. 15. »Und die- 
weil mit alter Herkomen und 
noch an viln Orten gebreuchlioh 
ist, das neue Jar, item Martins- 
nacht und Fasnacht zu halten, 
damit dann dise alte Personen 
zur sollichen Zeiten auch ein Er- 
gezlichkeit haben mögen, so soll 
esz zur Weihnachten, aliermass 
wie zuvor der Gebrauch gewest 
ist, gehalten und nemblich ein 
Pech brots, halb von Korn halb 
von Kern gebacken und jedem 
Pründtner und Pfründtnerin da- 
von ein Brot, desgleichen dem 
Saurbecken, der esz becht, 
auch ains gegeben, auch zur sol- 
chen lange Wecks gebachen und 
zue einem neuen oder gueten Jar 
alles ungewogen gegeben und für 
kein Wochenbrot gerechnet 
werden solle«. Jac. Pfründordg 
1543. Bacherei, das Brotbachen : 
>ihau heit a bacherei imzuig« 
Immenstadt, Sonthofen. Schmid 
35.54. Bachtafel, pala: Brett 
an einer Stange zum Ein- 
schieszen des Brotes , sonst 
auch in Niederschwaben Bach- 
schaufel genannt, Grimm Wb. 
II, 1068. Bachhaus, pistrina, 
Grimm Wb. 11, 1008. >Der 
Bat hatt eine eigenes Bach- 
haus, das er einmal bei groszer 
Theu^rung zu gemeinnüzigem Ge- 
brauche hergab«. Werlich 101. 
Bachofen, eine emalige Bastei 
am Wertachbruckertor. Werlich 
S. 2 sagt vom Bachofen nicht 
ganz genau: >da8 Wertach- 
bruggertor, so vom gemeinen 



Manne der Bachofen ge 
wird«. Bekant ist »das 
fallen des Bachofens« 
derkunft der Frauen. Bildl. 
sollen darum in keinen brei 
den Bachofen schliefifen. 
form. Akt. 1526. Backofe 
Geschüz > darin man pecht 
brot« cgm. 356 f. 149 a. 
baches, das, >die Saugam 
meiden hert grob fleisch, 
baches, Yisch, Käs« u. 
cgm. 601 f. 99. >Meid Ba« 
f. 109 b. > Gen Nacht ein B a c 1: 
Pfründordg. 1543. neben 
Pratens«. Bildlich; da w 
daz gewand in die wundei 
pachen und verhertet was 
ez mit laym eingelegt war. 
402 f, 136 b. >Da Zügen s: 
sein rock ab, der da was a 
pachen in die wunden« a. 
138a. >Aber in lusten wir 
seile verpachen in dem 
und ertrinket«, cgm. 603 : 
>Daz in daz haes in die i 
pain ist bachen«, TN. 
Grimm Wb. 11, 1065, 2. '. 
bachen, Neuling; ironisch 
sem von Argon als einem 
ffcbachenen Edelmann« 
Altbachener Mensch, 
altfränkischer Mann. > f 
eine hinbachen«, beorfi 
>Hum8a bacha« dasselbe 
142. 

BACK, BECK, stm. In A 

gab esz einen Galgenbeck< 

der Jakober-Vorstadt; einen 

benbecken, einen Torbec 

Plazbecken, Hofbeck 



Backenbrennen — Balg. 



45 



^ Saumarktbecken, Theater- 

'■ becken; Saarbecken 8. 467b. 

*" ßechin, Backerin , Becken- 

*^ iYndeln, Romudeln. cgm. 92 

1 f. 26b. Beckenrosse hieszen 
'; Mietpferde, >derhalben sich Stadt- 
pfeiffer, Böokenross und Wei- 
■ berschlitten wol muesten leiden < 
Kleiderb. S. 140. Beckenschiit- 
^en, bekante Schlitten im alten 
Augsburg für 2 und 4 Personen. 
■Bildlich: des ist a Beckahiz, 
eine ser grosze Hize. In der 
Kempter Oonfirmation S. 21 wird 
oin Beckenschuz Ton Seite 
d.e8 Stifts erwänt. >Ist von der 
Sochfurstlichen Deputation die 
fernere Erläuterung wegen der 
Beckenschut z,Hucklerei,Kalch- 
vind Branntweinbrennens Ver- 
^^nlligung gegeben worden, dasz 
Vor eine alte B«ckenschutz- 
grerechtigkeit der Herrschaft 
alle Jar ein Pfund Pfenning oder 
Häller, wie esz hergebracht man 
treibe gMch das Handwerk oder 
nicht, gereicht werde; wann aber 
einer den Beckensohutz wie- 
der aufgibt oder solcher wegen 
järlicher Nichtbezahlung heim- 
fällt, selbiger nicht weiteres zu 
geben haben solle c. 

BACKENBRENNEN, das, in 
Augsburg häufig angewendetes 
Brandmarken der Diebe an 
Wangen«. >Und hat man 6 schön 
Frauen durch die Backen 
brennt«. 8.407b. das Stadtrecht 
erwänt des >durch die Zähne 
brenn en<. In Rottenburg, wie 
in der ganzen Grafschafk Hohen- 



berg war das Backenbrennen 
üblich. Vgl. Osenbrüggen, Alam. 
Strafrecht S. 95. 

BAD. stn.: esz gab ein Mauer« 
bad, Neu's Bädlein, Gass.; 
Burgerbädlein , Neidbäd« 
lein u. s. w. 

BÄGGEN, BACKEN, AUF- 
B AG GEN, aufpicken, aufschlagen, 
so dasz ein Bigg, Biok (TN.) 
darauf entstet. Vgl. Wb. zum 
Volkst. 15. 

BÄHEN, BÄEN, swv.: rösten, 
>b ä t e Schnitta< , geröstete Weisz- 
brotschnitten ;>wolgebets< br ot 
cgm. 601 f. 109 a. >Mit peen 
ob warmem waszer< f. lllb. In 
Pfeiffers Arzneibüchern II, 11c. 
12b. 15d. 16d. stet baen, er- 
wärmen, z. B. den Bauch, das 
Haupt. In der Tuttl. Gegend 
hiesz das Speckdrehen so: Hir- 
ten und Rossbuben brieten Speck 
an Hölzlein gestecktob dem Feuer. 
Gebäht ist = biscotto, biscuit, 
überbacken , zum zweytenmale 
gebacken; bayer. bacherl, warm; 
Bähe, Wärme habend; stet zu 
lat. fax. Mhd. Wb. I, 78 b. 
Schmid 37, Grimm Wb. II, 1076. 
Grein, Ablaut u. s. w. S. 58. 
(fovere, g>tSy€iy). 

BALG, stm.: 1) Haut, Pelz, 
Hasen-, Fuchs-, Maulwurfspelz. 
Stirbt der Fuchs, so gilt der B a lg, 
Lebt er lang, so wird er alt, 
Friszt er vil, so wird er dick 
Und zulezt gar ungeschickt. 

Kinderreim. 
2) Getraidehülse, >4 Pfund an 
Balg u. Roggen«. Augsb. Erlasz 



46 



Balger — Bande. 



1542. 3) SchwertBcheide. >Swer 
aucb dem andren in siniu vennter 
stozet, mit sinem swerte, ez si 
mit blozem swerte oder mit 
balge«. Glosse z. Augsb. Stadt- 
recht. 4) Schimpfwort auf Ein* 
der und Weiber angewendet, echt 
altaogsburgplsch. Man sagt F r e s z- 
balg, Freszsack von Kindern — 
in der Obpf., weil sie viel eszen 
und nichts oder wenig arbeiten 
u. verdienen. Lasterbalg, Con- 
lin. Grimm, Wb. I, 1085. 4. 
BALGER, der, Raufer zu 
BALGEN, sich, raufen, herum- 
prügeln. >ünd (haben) mit ein- 
ander auf ihren Stuben grewlich 
mit bloszen Wehren gebalget« 
Gass. 198. >Di8er Markgraf Alb- 
recht von Brandenburg, von Na- 
tur ausz ein überausz strenger, 
heftiger Mensch und ein rechter 
Balg er gewesen« a. a. 0. > Sollen 
zwei ausz dem gröszem Bat glei- 
ches gewalts gewalet werden, 
welche die Gemein in der zucht 
hielten und sonderlich die Bal- 
ger, Erenschänder« a. a. 0. Vgl. 
Grimm Wb. I, 1086 ff. 

BALIEREN , swv. : polieren, 
glätten, acht augsb. Grimm Wb. 
I, 1058. >Mes8er und Gablen 
balieren« in den Weber haus- 
akten häufig. >Und Alexander 
was komen in Ciliciam an ain 
grosz waszer, das — was gar 
ein hübsch schönes waszer durch- 
leuchtig und sichtig als ain ba- 
lierten cristal« cgm. 581 f. 34 b. 
Einer Bali er- und Schleifmühle 
wird gedacht anderEgen beiLaui- 



gen, in Neuburg-Augsb. Akt 
Auch Augsb. beaasz frühe 
rere Schleif- und Balie 
len. Grimm Wb. 11, 1088. 
balkain, der dritte Brudei 
ward ein Paliererin allei 
sterstucken, ärzs und £ 
j Elucidarius 1543. Augsb. 

BALIER, 8tm.: Aufeehec 
parlare. >Beede Balier 
Maurern u. Zimmerleuten, 
Her und Zimmermann« A 
Feuerordg.1731. >Brunnenm 
Balliere u. Waszerleut< i 
Jezt gibt esz einen Brunii< 
Her bei den Brunnenwerke 
Stadt. 

BALL, stm.: — Bäl g< 
chen — > Tanzen und 
dem Bai springen«. TN. 
>Spil hinfür mit den Eii 
deinen geleichen und seh 
mit dem bal« cgm. 581 f. 
Ahd. pallo, m. und pal! 
Mhd. bal, gen. balles. 
Grimm Wb. I, 1090 ff. 

BALLONSPILEN. »HatG 
Adolf sampt etlichen Fürst« 
dem Fronhoff bei öffentl 
Zusehen der Burger den 
lohn geschlagen. Weilei 
ein unverschambter Burg< 
das Balohnspil — sich ei 
gen wollen — hat man aui 
ret«. Denkwürdigkeiten 2] 

BANDBRETT, stn.: Wer 
des Wundarztes. >Ein Junj 
dem Barbier das Bandl 
nachtragen musz«. Laz. 
1632. Zu Grimm Wb. I, 

BANDE, stn.: >In Banc 



Bänglen — Barchet. 



47 



alte herköml. Angsb. Gerichts- 
sprachefSLr >in Ketten«. Grimm 
Wb. I, 1097, 2. 

BÄNGLEN , 8WV. : herzen, 
Mszen ; Kinderspraclie, vgl. nudla, 
Temndla. Schmid 40. 

BANK, sim. In der Augsburg. 
Hiezgersprache spilen die Bänke 
«ine grosze Rolle. Die Fleisch- 
'bänke in der Stadtmezg werden 
järlich verloszt und besteuert. Die 
schlechter gelegen sind, heiszen 
die nnbesteuerten F r ^ib ä n k e 
Jirmer Mezger, welche auch unter 
dem Tarif verkaufen dürfen. In 
der Sehmalbank ist Fleisch von 
^ung- und Kleinvieh zu haben; 
ein solcher Mezger wird in Miel- 
chen Jungmezger genannt. 
sDie guten und die bösen 
^ an k e, d. h. die besteuerten u. un- 
T)esteuerten, abgelegenen« komen 
in den Mezgerakten oft vor. Bildl. 
>etwa8 auf dem unrechten 
Sänkle finden«, stelen. Red. 
Art: >ünd wenn ma sie heart, 
«ind sie krank; ja freili ufP der 
gfreszna Bank«. Seh. 146. 

BANKLEN , awv. : drängen, 
pressen, >wie lasz it so bankla 
und sei do au gscheidt Narr! 's 
ischt ja koi Brauscht it, es glimt 
nu a Scheit«. Seh. S. 118. Zu 
Grimm, Wb. I, 1110. 

BANN, BANNEN: in der alten 
Rechtssprache >bännig waszer«. 
Stadtrecht f. 72a. >Bännische 
Menschen« , gebannte Menschen. 
Mindelh. Reform. >Gebannte 
Feiertage«, kirchlich festge- 
stellte Feiertage. >£sz ist von 



Altem her hie Recht (gewesen),, 
an gebannenvirtagendechai- 
niu pfand hie nit sol vergantnen«. 
Memminger Stadtrecht. >Noch 
an deheinen andern gebannen 
virtag«. ühn. Urkde 1410. Vgl. 
Grimm Wb. I, 1115 ff. mhd.Wb. 
I, 85 b. 

BANTSCHEN, swv.: 1) mit der 
flachen Hand auf den Hindern 
schlagen. 2) schlagen überhaupt 
(Schiller). 3) in Flüszigkeiten 
herumarbeiten, hin u. her gieszen, 
daher Bier bantschen, Bier 
mit Waszer fälschen ; guter augsb. 
Auszdruck. Fidlabantscher, 
Schulmeister, spöttisch. Ge- 
bantsch, das, »bringt kaum 
Suppa auf da Tisch, geschweige» 
denn a guets Gebansch«. Seh. 

BAOLE, m.: Kater: in der 
Augsb. Gegend häufig gebraucht; 
dagegen Bäle, Bole, dummer Kerl, 
Schelte. R a o 1 e, verb. r a o 1 o.Staud. 

BARCHE, BARCHA, Farzeug. 
KleiderbüchLvomital.barca. >Auf 
Septenbris waren wir oberhalb 
Tiachi in einem groszen Nebel, 
hetten Zeitung ausz einer B a r c h a, 
die wir fanden bei den Milinen 
de la Zafalonie«. Augsb. Flugbl. 
1538. Grimm Wb. I, 1133. 

BARCHET, m.: dichtgewobe- 
ner Baumwollenzeug mit rauhen, 
gekartetschten Sailen, d. h. 
mit gefärbten Leisten oder Strei- 
fen. Der Barchet (Barchent) 
konte auch zur Hälfte leinin 
sein. In den Weberhausakten 
komt vor > Geschnürter und 
ungeschnürter Barchet«, 



48 



Bare — Barmen. 



»braite u. sohmaleBarchet- 
Waaren«, >Gräti8cher Bar- 
chet mit 4 Tritt; Kittelbar- 
c he t mit 8 Tritt«. DerMaister- 
stüok -Barchet bestand in 3 
Stücken: jedes Stück wnrde an- 
ders geschlagen: 's erste guet, 
's zweite mittelmäszig, 's dritte 
ganz gering; letzterer galt brauch- 
bar für ünterfatter und Fur- 
mannskittel. Der neugedingte 
Lerjnng hatte neben dem »Auf- 
leggelt« von 3 fl. in >einer 
Wochen 3 Barchettnchlein 
oder Bolhbasinlen zu,wirken<. 
Neuverbeszerte Weberordg. 1748. 
»Ein jeder, der Meister werden 
wollte, muste zuvor einen Bar- 
chetwepfen zettlen«. a. a. 0. 
Das so wichtige Gesehauzei- 
chenbeimBarchet-Tuchdurfte 
nicht ausz- sondern inwendig 1 
oder 2 Spannen von den 2 Enden 
entfernt angemerkt werden a. a. 0. 
Der breite Barchet muste ausz 
einem zwei und zwanziger, wol 
mer aber nicht weniger gewirkt 
werden von >guter Woll und 
wuUen blauen Leisten ausz 
dem weid gefärbt« .a. a. 0. 
»Den Barchetstul feiern 
laszen« a. a. 0. Der Bettbar- 
ch et war der stärkste u. gröbste. 
Barchetstul, Stul auf dem 
Barchet gewebt wird. Barchet- 
überellen, verworfene, bei der 
Geschau als zu lang befundene 
Stücke. Barchanter, Bar- 
chantner, Barchetmeister, deren 
esz in A. vor dem SOjährigen 
Kriege 6000 gab. Schmell. I, 194. 



Schmid 42. Das Wort hfti 
im Mhd. n aossgeworfen 
komt ausz dem mittellat. 
canuf, parohanuf, eiigei 
barracanus, Art Zeag 
Kameelhaaren, Gamelot; der 
stamt aosz dem (schw€ 
Arabischen barrac&n, Art 
gen Gewandes von sehn 
Farbe. Weigand I, 105. 

BARE, die, Sark. Barhi 
» dieBär niedergesezt nnter tu 
bitten«. S. 182a. BarhQ 
oder Barhänslein hieaxe 
den beiden protest. Gottesft 
die kleinen gemauerten K 
worin die Tragbaren, Seh 
Gerätschaften aufbewart wi 
»Und wurdt die vierdt Qru 
macht gleich neben dem 
heuszlein in dem £< 
Chronik bei Horm. 1834. S 

BARINEL, ein kleines B 
schiff. L. Rems Tagebuch. 

BARN,swm. ahd. pamo; B 
Schalter in den Stauden: S 
brett beim Dreschen unter 
Scheuertor. In der Dil] 
Gegend heiszt esz von einei 
brauchbaren Menschen »du 
alle Ufürm, wie 's Juda Füll 
hat in Bän gschisza«. 

BARLIS, das, paralysis, 
lepsie; »daz vom Lauszen ko 
böse natüren und daz pa: 
Astron. 26b. »daz perlis« f 
»das perlis schlagt ein« f. 
>in dem schlaff u. parli 
f. 39 a u. s. w. 

BARMEN , 8W^^ : zum 
in der Immenstadter, Soni 



Bart — Bazen. 



49 



Gegend; besondem dicker, fetter 
Verden: »isz bray, dann bar- 
mest de reaclit«; stet wol zu 
barme, f. engl barm, dänisch 
baerma, Hefe, Ton baren: tragen, 
steigen machen, wie Hefe von 
heben, — daher barmen, zu- 
nenen, wachsen. Schmid 44. 
Grimm Wb. I, 1134. 

BART. >Da fieng ich an den 
fiart zu ziehen«, sten zu laszen. 
Eleiderb. 

BABTHAUBE, weisz, mit Besen 
an den Oren herab, das Gesicht 
fast yerdeckend mit steifen Spizen. 
Abgregangen. 

BABTEL und BABTLE, nie- 
denchwb. B&tle, Bartolomeus. 

6ASA, amita. Gloss. August. 
Graff m, 215. 

BASGHELE, das, Nachttischlein. 

6ASSELTANGTBEIB£N,Eurz- 
weü treiben, ansz franz. passer 
letemps. Ygl. Schmid 46. 

BASTEL, Sebastian; nieder- 
Kfawb. Basche; Bäschele dim. 
Oberschwb. Bas cht e. cgm. 154 
schreibt öfter Bastei, bayerisch 
Wastel. Ba§tiaü, Mindeltal. 

BATSCHI, BOTSem (altbaye- 
riach), einfaltiger, gutmütiger 
Mensch. Bei Jeremias Gotthelf 
Baschi VI, 224. 

BATTIEB, >der Schilt schwarz, 
darin ein gelbes Bat tier<, cgm. 
92 1 16a. 

BÄZE, swf.: Hündin; jezt 
Pez genannt. Grimm Wb. I, 
U69. Vrgl. Bazel, Bozel, 
^kwein. Bazel, dim. von B äz e, 
wirtemb; Hausl. 1, 827. Schmid 51. 



BÄZELE, Bodensaz der ausz- 
gesottenen Butter. 

BÄZNEB , BÄZENEB , eine 
Art Schmuck, den die Weiber 
emals am Halse trugen. >£in 
Bäzner oder erzine Hauben«. 
Polizeiordg. »Wie auch die ser 
thewere Bäznerhauben mit 
daraufgesezten perlinen-guldenen 
oder silbernen Gestncken, oder 
güldenen Knöpfen, Spizen und 
Borten, sie seien gut oder falsch, 
hiemit gänzlich verbotten sein«. 
Polizeiordg. v. 1668. »Ein Bäz- 
nerhauben aber über siben oder 
8 fl. nicht kosten solle« a. a. 0. 
— >De8zgleichen eine erzene Hau- 
ben zwischen 6 u. 7 Gulden, vnd 
ein Bäznerhauben one Sammet 
auf 4 oder 5 fl.< a. a. 0. 

BAZEN, der; bekant sind 
allgemein die 3 und 6 Bäzner: 
>An Maxdor und 5 Bäznern 
verloren«. Weberrechnungen. In 
den Mezgerhausakten komen die 
halben und ganzen Schwei- 
zerbazen vor. 17. Jarhundert. 
Bazle, Geldstück überhaupt, in 
der Eindersprache. Bazen- 
schmelzer, Goldmacher. Ba- 
zen lippel, ein flegelhafter 
Mensch. >Der hot Baza wie 
Heu«, ist reich; ächtAugsb. >Du 
mueszt oane nema die Baza 
hat«, reiche Heirat machen; er 
gilt seine Baza. In der Saulgauer 
Gegend schneuzt der Bauer auf 
den Boden u. sagt: >Da Spilma 
hägt 3 Baza«. >Warten bis 
d'Kuh einen Bazen gilt«. 
Schlafen bis d'Euh einen Bazen 
4 



50 



Bazig — BanrenUns. 



gilt, ad calendas graeoas, in 
ganz Snddeutschland. 

BAZIG, adj. adv. 1) stolz, 
gebieterisch, »sich bazig ma- 
chen«. 2) Vom kotigen, schmozi- 
gen Wetter sagt man, »esz ist a 
bazigs W.< Wirtemb. Haosl. I, 
327. Schmid 51. Weigand I, 111. 
Grimm Wb. I, 1160. Vgl Paa. 

BAUCH, stm. : >einen gr o sz en 
Bauch haben«, schwanger sein. 
>Aber seinWeyb liesz man ansz: 
denn sye hett einen groszen 
Bauch«. S. f. 800a. Bauch- 
steoherlen, pl. gedrete, oben 
und unten spiz zulaufende Nu- 
deln, welche in Schmalz u. Eiern 
gebacken werden; Schmoll. 1, 145. 
Oberpf. geschuzte Nudeln. Im 
übrigen Schwaben Schupfnn- 
deln von schupfen: abstoszen. 
Vgl. Wb. z. Volkstüml. S. 84. 
Bauchstöszig heiszt in der 
Saulgauer Gegend ein gailer 
Mensch. 

BAUCHHAÜS, stn : die Wasch- 
stube oder Küche, in der die 
Wäsche abgelaugt wird. Bauch- 
haus spilt in den Augsb. Chro- 
niken eine hervorragende Rolle. 
Gass. und and. >Soll auch nie- 
mands in den Hüsem laugen oder 
buchen«. Adelberg. Gerichts- 
Ordnung 1502. Reysch. S. 9. Im 
TN. 2545 sagt der Teufel: 
Da will ich si sicher waschen 
Ane Laug und ane Eschen 
B ü c h e u u. kelten, slahen u. treten. 
Im wirtemberg. Orte Wilferts- 
weiler heiszt bauchen: Tuch 
zusamenrollen; in andern Ge- 



genden: Bohgarn sieden u. in 
Lauge waschen, in kleinen zu- 
samengebundenen Ricken oder 
Schnellern. Das Wort ift ako 
nicht erst im 16. Jarhd. (Grimm 
Wb. a. a. 0.) in OberdeatschlMid 
üblich, sondern schon im AnfiMige 
des 15. Jarhd. Schmid 4S. SchmelL 
1, 145. Ich möchte bauchen, ahd. 
>pouchan in heri ponchan«: 
schlagen, herziehen, wie deim 
das Geschäft des >Wä8dielM«* 
chens« nichts anderes ist ak die 
mit Lauge überschüttete 
Wäsche einstoazen; in mere- 
ren Gegenden geschieht en mit 
einem Dümpfel. lieber ponohan 
vgl Gramm. II, 160. Wb. s. Yolkst 
16. Bayerisch heiszt das QemMft 
>sechteln«. An bäen jsa den- 
ken, wie schon geschehen, gienge 
sachlich an, nicht aber lantlioh, 
denn das Yerfaren von aha nnd 
auwa findet auf ein etwaiges 
got. behjan, ahd. bägjan and 
p o u c h a n keine Anwendung. 
Grimm Wb. I, 1166 weist aof 
romanische Abstammung, auf itaL 
bucata, span. bugada, franz. ba^ 

BAUER, vgl. Söldner. 

BAUM, stm.: boumohti, ne- 
morosa. Gloss. Aug. B a am f al- 
ter, stm. papilio. »So warm 
auch der Raupen und Baam- 
f altern den ganzen Sommer 
über so vil« u. s. w. Gass Grimm 
Wb. 1, 1191. Papillen u Mini- 
maler komen heute noch vor. 
Baumfidela, swv. coire; fidl^ 
podex. 

BAURENTANZ hiese ein altes 



Bsmch — Begein». 



51 



Angab. Wirtshaiu yon dem Ge- 
mälde an der Auazenwand, das 
eine Hochzeit Toratellte, volks- 
tümlich so benannt, weil die 
Braut tot g^gen den Bräutigam 
liinainkt, eine Greschichte, die in 
eben dem Hause vor Altem sich 
ereignet haben soll. InderBron- 
nenordnung von 1764 wird des 
JSaaerntanzet erwänt, >unten 
am Berg da die Feuerkessel an- 
C^elttllt-werden müssen« . In Aichach 
ijt ebenfalls ein Baurentanz. 

BAUSCH, «tm.: Fall- oder 
Pokterhut ausz Taffet den Kin- 
dern aufgesezt, > damit sie beim 
Ü'alle nicht beschädigt werden«. 
^Uod peuschlach von zartem 
Tuch darin genegt, die pind ihm 
^ber tttnen Schlaf«, cgm. 601 f. 
:i05b. Peu schiin a.a.O. f. lila, 
fianfpeuschlin a.a.O. Grimm 
yfh. I, 1198. 

BAYER, spr. Bäjer, heiszen 
eine Art Schweine ausz Bayern, 
al^ärüch nach Schwaben zum 
Verkaufe hereingetrieben vom 
^äjerma. Saubäjer, rohe 
Schelte für Freszer und Saufer, 
^obei der Yoiksname aber ganz 
imd gar abhanden gekomen ist; 
b&ira, r'umbäira, vagari, be- 
sonders aber von Kindern ge- 
Inraucht, die im Kote sich wäl- 
zen; im Kote, in Lachen ir Spil 
und ire Freude haben. Hoi 
soul frisz da bäjer! heisztesz 
auf der schwäb. Alb in Baach, 
wenn jemand rülpst; oder ho hol 
d& ipringet d'Bäjerweiber 
mit da Soukübell >dd B&jer 



stecha<, da und dort für >den 
Abtritt säubern, ausztragen«. 
Bäjernudla heiszen die fetten 
Kartoffeln in der Biedlinger Ge- 
gend. Sollte beim Worte Bajer, 
Schwein der schwäb. Lautlere 
zum Troze villeicht ausz Abgang 
des Verständnisses yolkstümlich 
nicht eher an bei er, ahd. ber, 
per, Graff 8,102; mhd. ber, Wb. 
1, 104, Zuchteber zu denken sein? 
>ünum verrem i. e. beier pa- 
scere« bei Kehrein, Sammlung 
U.S.W. S.Sb. Schmid83. »Baye- 
rische Rüben« in den Augsb. 
Marktordnungen. Vgl. Schmell. I, 
161. In den Weberordnungen 
komen eigene Verordnungen über 
die bayerischen Wepfen vor. 
>£sz sollen auch die ungesigel- 
ten bayerischenWepfenvon 
den verordneten Messern abgezält 
und gemessen werden, und sollen 
70 Leinwath Elen an der Länge 
u. an Zal 1100 Fäden haben«. 1549. 

BEGH£N, swv.: Pech krazen, 
bayerisch pechein, ein dem 
Wald schädliches Geschäft ge- 
wiszer armer Leute, welche den 
Baum rizen und nach einiger 
2ieit das Harz abnemen. In alten 
Verboten oft vorkomend. >Item 
wer in den Bannhölzern u. auch 
in den gemainden bechet, der 
verfallt zu Feen und Busz zehen 
Pfiind Heller«. Mindelheimer Re- 
formation. 18 a. 

BEGEINE, langweilige, un- 
freundliche Frauensperson von 
den bekannten und berüchtigten 
Nonnen hergenomen; über deren 
4* 



52 



Behäb — Beheimiseh. 



Aoszartung seien von den vilen 
Stimmen nur einige wenige hier 
genannt: >So närrisch, so spizig, 
so apostuzlerisoh, dasz kein Vogel 
ihnen entflien möge, der nicht 
eine Feder laszen müsze«, sagt 
Eberlin bei Schmid 58. >Apo- 
steuzler oder Begein Hör«, 
cgm. 46 f. 6b. — »Begeynen 
und alle die sich meinen gaistlich 
zu sein, die ander vertaylen (ver- 
urteilen) u. ains hoffärtigen spizi- 
gen Gaists sind«, cgm. 608 f. 22a; 
etwas anderes ist oberpf. Bogau- 
ner, böhmische Schweine, weisz, 
mit langen Borsten. Bagauner- 
huer, Mindeltal. 

BEHÄB, oder acht augsb. g h ä b, 
genau anpaszend, anschlieszend. 
cod Bav. 2617. Grimm Wb. I, 
1831. Dafür auch >gheif<. 

BEHEIMJSGH,böhmisch. l)Klei- 
dungsstücke, Tücher von Böh- 
men oder nach böhmischer 
Art gemacht und gewirkt, er- 
scheinen oft in den Weberhaus- 
akten und Kleiderordnungen. 
>B eheimi s ch , Barchanttuech«, 
cod. av. 2517 f. 21b. »Falsche 
Böhmisch strimpf«. S.f. 90b. 
> Ingleichen mögen sie sich zu 
denen Böhmischen oder Pol- 
nischen Hauben zwar wol der 
Zobel bedienen, jedoch dasz die- 
selbe all zu unförmliche Höhe 
durchgehends abgestellt und ver- 
botten, auch ein polnische oder 
Böhmische Hauben bei derma- 
ligem des Pelzwerks hohem Werte 
über 24 fl. nicht wert sein«, 
Polizeiordg., Zierd- und Kleider- 



ordg. 1668. >Denen Weibsper- 
sonen insgemein in disen dnitea 
Stand, sollen die hohe Bök« 
mische und polnische Hanben 
mit Zobel und gut glatt samme- 
tinen Böden, wie auch die ter 
teure Bätznerhauben verbotten 
sein« a. a. 0. >I>arbei aber wer- 
den denjenigen Weihen u. Doch- 
tem, deren Männer und Y&ter 
namhafte Gewerb, Handthienm- 
gen, Eramereyen oder thewre 
Waren füren oder künstlich n. 
reputirliche Handwerker sind, die 
Böhmische oder Polnische 
Hauben zwar erlaubt, jedoch ndt 
; disem ünterschid, dasz dieBödoi 
an solchen Hauben, allein von 
geblümtem Sammet u. gefarbtaa 
Mader sein vndein Böhmische 
Hauben über 10 oder 12 fl., und 
ein polnische über 8 oder 9 Gul* 
den« a. a. 0. >Die andern schlech- 
tem und gemainem Handwerks- 
weiber sollen der Böhmisches 
und Polnischen Hauben durckr 
ausz müszig sten und allein e^ 
zene Hauben tragen« a. a. 0. 
2) Münzen. > Und gab ym einer ein 
guten Böhmischen Groschen, 
so gab jm der Wirt aine gute 
Malzeit darumb und gab jm 
darnach 80 oder 40 Pfenning 
herausz an dem Böhmisch oder 
Piapart«. >E8 gelt ain gutter 
alter Behmischer grosch oder 
Piapart 50 oder 60 Pfenning 
(= ein Paar Schuhe). Honn. 
Taschenb. 1834. S. 180. »Dem 
Priester bleibt sein Opfer, anszer 
dasz er dem Pfarrer zu Göggia« 



Beichel — Beischle. 



53 



gen alle Quatember 1 Ortüngrisch 
und Böhmisch geben musz«. 
Yergleich von 1412. Anno 1899 
Terkanft Hans Ilsung seine zu 
"Wilfnannshofen gelegene Holz- 
mark der Stadt Angsbnrg um 
M fl. Ungar und Böhm gut an 
Crold und schwer an rechtem Ge- 
wehte«. Urkunde, Copie 18. Jar- 
liunderi. Schmell. 1, 140. 8) »Böh- 
inischBierc S.548. Behmisch 
^imd Sachsisch Bier« a. a. 0. Pür- 
ier auf Behemer Art, Er- 
l>rechen wegen YoUtrinkens. S. 
S86a. 4)r Böhmisches Geschirr 
u den Marktordnungen neben 
^em Lützelburgischen. 5) Be- 
lieimische Drischel, auf der 
"Wagenburg; Kriegsbuch cgm. 356 
^. 192b. »Mit derbehemischen 
ipleyden« f. 172. Allgemein ist 
Söhmaggen für böhmischeLeute. 

BEICHEL, das. >Schlug in der 
Yaiszig knecht mit ainem Wurf- 
l>eichel binden an den Kopf«. 
Horm. 1884. S. 147. Belage- 
Yung^tbeichel, cgm. 856 f. 
192b. Floszbeichel. 

BEILICHEN, >beim B.< adv., 
nngefär, beiläufig. Schmell. I, 
164 Schmid 58. beiliche, f., 
mhe. Grimm Wb. 

BEIN, stn.: spr. boi, boo, 
woher die Schreibung bonl In- 
gen erklärlich == bainlingen, 
das Fell, Hautstück ober dem 
Kniegelenke abtrennen, u. beim 
Hamm^schlachten üblich und ge- 
bräuchlich. In einer Mezgertafel 
d^Zunfbstube stet folgende Yor- 
schrift für den Jungen: 



Den Hammel gleich dameben 
Muszt du bonlingen tun, 
Und den Beschauem furheben 
Auf dasz du möchst beston. 
Grimm, im Wb. I, 1387, kent 
wol Bainling aber kein bain- 
lingen. Beinschrot, Bein- 
schröte f., laesio, incisio ossis, 
>da8z hinfür der Yogt alle Bein- 
schrott, esz seien flieszende 
Wunden oder trockene Straiche, 
auch die flieszenden Wunden, so 
gemaiszelt werden und daher eine 
Lähme entstet und hingegen das 
Domcapitul alle andere flieszende 
Wunden und trockene Straiche, 
so nicht beinschrott sind, sie 
werden gemaiszelt oder nicht und 
daher keine Lähmin entstet, — 
im Dorf Gerschhofen zu strafen 
und büszen haben sollen«. Augsb. 
Privileg, und Verträge, Copie v. 
1706. >Esz seien Würfen, Stiche, 
Stösze, Schläge, Lähmin, Bein- 
schröttin oder flieszende Wun- 
den«. Privileg, v. 1516. > Welcher 
den andern bainschrott, lid- 
tief, hafltend, maiszlend, wunden 
oder lahm schlecht, der ist dem 
Gerichtsherren zu Pusz 10 Pfund 
Heller, verfallen«. Mindelh. Re- 
formation f. 12. Ygl. femer MB. 
XXm, Ylb, S. 512. Ygl. Grimm 
Wb. I, 1388. Boäheisle, dim. 
heiszt ein ganz abgemagerter 
Mensch, für das Beinhaus reif. 
Schmid 54. >Der B einige, der 
Tod: >do haut scho der B einig 
zwea Anstifter gholt«. Seh. 132. 
BEISCHLE, dim.: spr. augsb. 
Baischle, Zuwage beim Einkauf 



54 



Beide *— Berg. 



von Schaffleisch, zumeist in den 
edlem Eingeweiden, wie Lunge, 
Leber, Nieren u. s. w. bestend. 
Oberpfalzisch ist B e i s c h e r 1, Ein- 
geweide der Fische. Bei S. Helb- 
ling ebenfalls Beischerl. Vgl. 
mhd. Wb. I, 102. 

BEISIZ, stm.: unelicher B. 
concubitas. >Esz will auch ein 
ersamer Rate als unelichen B. 
ernstlich verboten haben«. Poliz. 
Ordg. y. 1558; dazu unelicher 
Beisizer, ooncubinarius. Grimm 
Wb. I, 394. Beisizer, Insasze, 
der kein Bürger ist. Beisizgeld, 
was dieB e i s i z e r zu steuern hatten. 

BEISZEN (baisza) in A. nur 
von Hunden gebraucht. 

BEKLOT, BEKLET, BEGGLET 
partic? >d68z wappen Goszenbrot 
ist der Mann in rotes beklott 
schlapweisz und schwarz«, cgm. 
92 f. 18b. 

BELAUF, stm. Der Gesamt- 
betrag verschidener Summen. 
Grimm Wb. II, 1438. 

BELZEN, PELZEN, swv.: 
zweigen. »Baum peltzen«, Be- 
giom. 1512. »In Gerten arbeiten, 
Baum peltzen« a. a. 0. »Beiz- 
schul der Gärtner«, Fund. Büchl. 
1645. BelzmüJe, Malmüle am 
linken Ufer des Oelbaches. C. 186. 
Belzmiller, Sailerordg. 1687. 
Pelzung. >Uud also (die Yin- 
delizier und Bömer) gleichsam 
als ein geschlachter Baum durch 
Pelzung aufgenomen«. Werlich 
21. Grimm Wb. H, 1456 fif. 

BEMALIGEN, swv.: maculare. 
»Des Antenoris und Anhise Heuser 



sind unberürt und unbemaligt 
gebliben«. Troj. Krg. f. 82b. a 
stet hier für aL Weinhold, AUm. 
Gramm. 587. 

BEMÜTEN. >ünd jm flienden 
nachgeeilt durch bayde fäe» ge- 
troffen und jm zum lezten ganz 
bemüten erschlagen«. Troj. Krg. 
41a. 

BEREIT, baar. Beraitgeli, pe- 
cunia parata, Baargeld. Auer s. 
Stadtrecht von München 806a. 
>ünde git sinen ]pou)bchAti vmb 
beraite phenninge«, AugsK 
Stadtrecht. Schmell. m, 155. 
Grimm Wb. I, 1498. 

BEBEN, BAREN, BAR, swf.: 
Traggestell, Tragbare. >]>arnach 
die Menschen die jn in peren 
tragen hatten, namen in u. s. w.« 
cgm. 402 l 63 a. >Ward getra- 
gen von den andern in einer 
Beren« a. a. 0. YgL Si^imell. 
I, 189. 

BEREDEN, swv.: beweisen, 
meist nur vom Beweise mitEid 
gebraucht. Auer z. Münchner 
Stadtrecht 306 b. SchmelL m, 53. 
>So soll unser, aintweder oder 
unser Oehein ainer der vorge- 
nannten bereden zu den Heili- 
gen, dasz das guot, da wir mit 
Wiederkaufen unser aigenliche 
guot si, wer aber, dasz wir oder 
unser Oehain bi dem Lande nicht 
enwaren oder verfuren, so sol 
esz unser und unser Erben, der 
oberst Amptmann bereden zu 
den Heiligen«. MB. XXHI, Via. 
354. Zu Grimm Wb. I, 1498 £ 

BERG; in Augsburg gibt esi ' 



Bern — Besoheissen. 



66 



einen Milchberg, Prediger- 
berg, Pntzenberg (soll von 
einem Italiener Pozzo, der einen 
Garten da hatte, benannt sein), 
Hnnoldsberg , Jndenberg, 
Eisenberg, allwo das uralte 
Stadtgeföngniswar; Steinberg, 
Schmidberg, Saubergle, 
Ifanerberg mit den Hüner- 
otaffelein; Schwedenberg. Der 
Banptbergist derPerlaehberg, 
der in einen vordem nnd hintern 
freteilt wird. Im Giltbache zu 
St. Uhich cgm. 154 komt vor: 
enf demWeinsperg f. 89a, am 
Dornberg f. S9b. mad ün 
Byessenbergf. 42b; esz schei- 
nen diae Berge in der Umgegend 
xa ligen. Im bisdiöfl. Augsbor- 
frischen Gebiete begegnen: Eden- 
l>ergen, Oedenbergen, als 
Ortsname nrkdl. 12. 18. Jarhd. 
Bergen (ze den); Battenberg 
bei Fisdiach; Ochsenberg am 
Wege von Bayersried nach Urs- 
perg. Hanchenberg zwischen 
Diepolz nnd Waltrams; dort 
ist esz nicht gehener (Palastfrau.) 
Rimenberg, ebenfalls dort, jezt 
abgegangen. In der Nähe finden 
wir den Buschelberg und 
Schalkenberg bei Wc^mets- 
hofen. GerwigsbergbeiWerlis- 
wang (1418). Burgberg im 
Maisachtale o. s. w. Vgl. mhd. 
Wb. 1, 105 a. Kehrein, Sammlung 
87. Berg, Name des Ulmer Kin- 
derfestes auf dem Michelsberg. 
Sieh Sohmid 56. 

BERN, >Berner Tuche (Ve- 
rona) fariL.Bem S.46 als Hoch- 



zeitsgeschenk auf »10 Elen swarz 
berner Tuch zu einem Mantel 
9 f. 10 kr. >Berni8ch Biret< 
Kleiderb. S. 51. 

BEROSSUNG, die, bei L. Rem 
Si 82. Zu Grimm Wb. I, 1527. 

BESAUEN, swv. : verunreinigen, 
beschmuzen. Grimm Wb. I, 1542. 

BESCHÄCHTUNG. »So solle 
auch fürohin vermög der Vertrage 
zur Beschächtung des Lechs 
Schwabseits, die weitere Notdurft 
ansz den nicht gar zu weit ent- 
legenen Gehölzen auszgezeigt und 
abgegeben werden«. Vergleich 
V. 1699. Zu Grimm Wb. I, 1542. 

BE8CHAID tun, vom andern 
trinken oder doch dergleichen tun, 
als ob man trinke (Zünfte). Be- 
schaideszen, das. >HierDach 
ward allhie das stattliche Pauket, 
so die Burgermeister u. Herren des 
Rates järlich vmb Fasnacht zu hal- 
ten und davon hin und wieder Ge- 
richt u. Bescheideszen ausz- 
zuschicken pflegten von dem Rat 
abgeschafft«. Gass. Grimm Wb. I, 
1558. 

BESCHÄZZERIN von Schaz? 
>Swa aber ein man eins biderben 
mannes wibe ein hure heizzet 
oder eins biderben mannes mf- 
tetn oder siner beschezzerin 
oder sust einem biderben firewe- 
Un, der ist schuldic u. s. w.« Augsb 
Stadtrecht f. 50 a. S. 1. Glosse. 
Sonst >beschazen«, ein Löse- 
gelt auferlegen? Städtechroniken I 
(Nürnberg) 32,11. 368, 15. 

BESCHEISZEN, stv.: 1) be- 
flecken, beschmieren. >Wir ha* 



56 



Besehkoht — Betesen. 



bend dein Rock mit Lämmerblut 
beschiszen«. Geistl. Josef 1608. 
2) >b6schiszensein<, denAusz- 
schlag im Gesicht haben; oberpf. 
Bomerflekig sein. 3) lügen, be- 
trügen; daher: Beschisz, stm. 
List, Betrug; »damit der Feind 
den Beschisz nicht merket«. 
Troj. Krg. f. 37 b. Aecht Augsb. 
Yom Eartenspile hergenomen ist: 
Der B'schisz 
Eomt auf den Tisch. 
Im TN.: Wenn du ietz din Sei 
tuest masgen und beschiszen, 
Sodust sin mornent wieder vdszen. 

V. 899. 
Wer ist komen min wiszen, 
Mich hatderTüfel beschiszen. 
V. 895. Grimm I, 1560. 

BESCHLACHT, ntr.: ein mit 
eingeschlagenen Pfalen verwartes 
Ufer. Grimm Wb. I, 1570. Sonst 
Schlacht und Gschlacht. 

BESCHLAG, stm. U.BESCHLÄG, 
stn.: Schlieszhacken am Buche, 
besonders an Gebet- u. Gesang- 
büchern, womit die reichen alten 
Augsburgerinnen oft ser groszen 
Aufwand machten; endlich heiszt 
B schlag, Schlieszhacken über- 
haupt an Türen, Toren und 
Schränken. Vgl. Beschlacht. 

BESCHLOSZEN. >Ain ander 
clayd schikt St. Ulrich gen Kemp- 
ten ainem frumen beschloszen 
und lamen Mann, Namens Ruzzoc, 
cgm. 402 f. 31b. 

BESCHNALLEN, swv.: 1) Je- 
mand unvermutet zu Rede stellen, 
hart anfaren wegen Unarten. 
2) einen um etwaa bereden, be- 



sprechen, was imWirtemb.Scliw«b. 
braffeln heiszt. Zu Grimm Wb. 
I, 1586. 

BESCHNARCHEN, swv.: bere- 
den , aufstechen , z. B.- eines an- 
dern Feier; im Wirtemb. Schwa- 
ben bschnarchla. >IHogeiie8 
derWeltbeschnartsher^.Eren- 
fest 1699. Grimm Wb. I, 1686. 

BESCHNOTTEN, adv.: kAnm 
zureichend, karg. 

BESCHREIBEN, stv.: amtUok 
aufnemen, auszpfönden. >Kha]iiflii 
die Schuldner gen Augsburg und 
lieszen all sein Hab und Gut ver- 
bieten und beschreiben auf 
disen Tag, da der Hof seiner 
Freundschaft war<. Horm. 1834 
S. 131. Zu Grimm Wb. I, 1693. 

BESEHEN, stY.: des Kindes 
warten; davon Bescher in. >Und 
solicher Ding aller sol die Be- 
scher in des Kinds wamemeiK. 
cgm. 601 f. 96. Im ganzen Ober- 
schwaben ist besehen, bsei, 
Fachauszdruck für >Hau6schaa 
halten«, die dem Heiratstage 
im Hause der Braut voranget, >uff 
Bschaob«, sonst. In der obeni 
Donaugegend bedeutet bseha, 
dem neugebomen Kinde Ge- 
schenke bringen, femer die 
Wöchnerin besuchen, wie 
Verwandte tun (Mengen). Z« 
Grimm Wb. I, 1611 ff. 

BESEZEN, swv.: den Hemd- 
saum am Halse einfaszen, darzu: 
das Bsez, dise Einfaszong. In 
rechtsaltertüml. Formeln komt 
vor: >An Besuchtem und ünbe« 
suchtem, Erbaoens und- Ikiär- 



Bedngen — Besteok. 



57 



i, Besezes und ünbe- 
V, Benennts und Unbe- 

Hi 8. w.< Cod. Bay. 2617. 
i Wb. I, 1619. 4. Besez- 
(eseszenes. 

INGEN, stv. : Trauergottes- 
»bhalten, ex^oias celebrare. 
i. »In der Fastwachen 

P&lzgn^ Philipps seinen 
hei, Frau Margaretha, Her- 
rgen von Bayern Schwester 
Igen gar köstliche. S. f. 

■'Besinknus, ezequiae, 
gottesdienst mit Hochamt, 
-ener Messe, oberpfäk. das 
»ts. > Damit hat sich dise 
knns geendt«. S. 183b. 
. Marxtag ist die Besink- 
les Cardinais begangen 
i«. S. 180b. >Dise sind auf 
esinknus gewesen, des 

Botschafter«. S. f. 255a. 
Kaiser Fridrichs Besink- 
8. 254b. >Wie der Kin- 
exandri Besinknusz ge- 
worden«. Troj. Krg. 46 a. 
>d Gustav Adolfs 1633 ward 

eine >feierliche Be- 
ns z< bei St. Anna öffent- 
strauert. Grimm Wb. II, 

TÄTEN, swv.: bestätigen. 
Wb. I, 1615 ff. mhd. be- 
m. »Kaiser Sigmund hat 
me Rat das ümgelt von 
Tein bestett, das davor 
itett ist gewessen«. S. 93. 
bestatten, Bestatter, 
iche Bestatter, in der 
lg. 1735 öfter. Mit be- 
ll, sepelire zusamengewor- 



fen ist bestätigen, vgl. Ghrimm 
Wb. 1,1668. »Zur Erde bestet- 
tigen«. S. f. 77a. Die Blau- 
beurer Elosterordnung hat >den 
Wein einlegen und bestatten. 
Beysch. St. R. S. 85a 

BESTAND, stm.: Miete, Pacht, 
wieallgem. Verb'ständen, ver- 
pachten und pachten. B 'ständ- 
ner, Pächter. Bestandsmann, 
Kemptner Reform. Bestands- 
briefe a. 0. 0. Grimm Wb. I, 
1652. 4 1653. 

BESTECK, stn.: Messer, Gabel 
und Löffel. Wolhabende Bür- 
gersfrauen trugen sie einst, in 
ein silbernes Futteral gesteckt, 
am Gürtel — den bayerischen u. 
teilweise auch den schwäbischen 
Bauern und Burschen stecken sie 
noch jezt in der äuszern Hosen- 
tasche am Oberschenkel. >Item 
seind ihnen — dergleichen Mes- 
serschaid oder Bestock zu 
tragen erlaubt, oder wann sie 
die silberne Gürtlen ganz weisz 
tragen wollen, solle das Loth 
über 1 fl. oder 16 Batzen nicht 
kosten, auch ein solche Leibgürtel 
über 24 Loth und die Messer- 
schaid oder Bestock über 24 
Loth nicht wögen«. £[leid. Ordg. 
1668. >Gegoszne Messer- 
schaid« a. a. 0. »Hingegen aber 
ist den Weibspersonen one Vnder- 
schid vergundt, die silberne Fla- 
schen- oder Banzer-, wie auch die 
Gusz- oder Riemengürtlen sambt 
einer geraiffleten Messer- 
sohaid oder Bestock doch 
beede Stück zusamen nicht über 



68 



Betnobbel — BeUaL 



26 oder 80 fl. wert, zu tragen 
bei Straff der Uebertrettimg 6 fl.* 
a. a.O. Vgl. Grimm Wb. I, 1664. 

BETNOBBEL, f.: BetBchwester, 
scherzhaft, verachtl. Allgemein. 

6ETLEHEM, spaszhaft >nach 
B. gen«, zn Bette gen; besonders 
in der Kindersprache. In einigen 
elenden Wirtembergs hat der 
arme Orts- oder Stadtteil, meistens 
abgelegen, den Namen Bethle- 
hem; ich erinnere mich an den 
bergigen Teil der Altstatt -Rot- 
weil n. s. w. 

BETHENBROT , BETTEN- 
BROT, Botenbrot, die erste Bot- 
schaft von einer glücklichen Nie- 
derkunft. 

BETT, >das Bett anf den 
Kopf geben«, aüsz dem Dienst 
entlaszen. Dr. G. Müller. 

BETTRIS, paraliticus, krank. 
>Der ich vom 7. Nov. 1556 bis 
21. Mertzen 1557 ain böttrisz 
was«. Kleiderbüchl. S. 120. >In 
denselben Zeiten war ain bött- 
risz gefürt gen Augsburg, der- 
selb böttrisz war getragen in 
die Kirch«, cgm. 402 f. 62. >d6 
kam ein bette rise und ruft da 
Sant Jacoben an«, cgm. 257. f. 
73. >Al80 dasz er betrisz lag 
wol 20 Wochen«. Augsb. Ausz- 
gabe von Tauleri Serm. f. 220 a. 
a. 1508. ahd. pettiriso, Graff 
n, 541. Grimm, Wb. I, 1788. 
Pfeiffers, Arzneibücher n, 16 d. 

BETTSTATT, ewige, hiesz 
in der Augsb. St. Jacobspfründe 
ein Freiplaz, eine Freikammer. 
A. 1857, d. 28. Juni kaufte Jo- 



hannes, der Goppolt un 
den Goppolt'schen Etilen G 
Rehlinger vonHorgau eine 
ewige B. Eine zweite < 
B. hatten schon in frühest 
die Herwarte eigen und e« 
inen am Aftermontag na 
Johannistag diso Gerech 
erneuert. In einem Rsti 
vom Ende des 15. Jarhd. : 
3 solchen ewigen Bettet 
die Rede und dise bestei 
gegenwärtig noch nur nu 
ünterschide, dasz die Herwm 
jezt von der Stiftungspfle 
sezt wird, da die Familie 
in Augsburg auszgestorb« 
die dritte Freikammer 
Imhofsche; a. 1567 zum 
male erwänt. Sieh Her] 
die St. Jacobspfründe, S. i 
merkung. Bettscheere 
Bettzange von Holz zur Ei 
zung und Zusamenhaltun 
Oberbettes. Landsch. Adan 
Und lasz a maul del Zung ii 
Sust schlag i mit der B ö 1 1 8 
zua! 
BETTEL. »Bettelher: 
minierender Klosterbruder 
telmanns-Umker, einC 
Unordnung und UnreinH 
und wo nichts zu finden i 
haben ist. AUgem. schw 
> Bettelmanns einher« 
etwas zu haben u. zu find 
Häufig von zweideutigen H 
gebraucht. Die Polizeiordi 
kennen: sich auf Bettel 
dem Bettel Kinder 
schicken u. s. w. 



Beug, Beig — Beonte, Beonde, Baindt. 



59 



BEUG, BEIG, Bwf.: Holntosz; 
beugen im Wiriemb. Obenchwb. 
gefräszig tun, yil eazen oder trin- 
ken >dear ka beuga« vom Holz- 
beigen hergenomen; ahd. ptgo, 
piga, Graff m, 32. mbd. bige, 
¥b. 1, 117. Schmell. L 158. Grimm 
Wb. 1, 1871. Kehrein, Sammig. 88a. 
BEÜNTE, BEÜNDE, BAINDT 
ist ursprunglich jeder einge- 
fangene, umhegte Wisgrund, 
der später auch dann jenen Na- 
mea behielt, als die Umhegung 
fiel. Ich Yomute sogar, dasz B. 
in den frühesten Zeiten die ganze 
eingehegte Flur um den Hof be- 
griff; so heiBzt in Ursendorf jezt 
noch jedes Ackerland beim Hause 
Boint, ebenso verblieb demHaus- 
gartchen hinter dem Hofe in der 
Oberpfalz die Benennung Point. 
Die Ableitung ist schwierig, wenn 
auch oft versucht. Ich halte esz 
zn dem Stamme bah, welches zu 
fak sich verhält, wie fairguni 
zn Berg, und verweise auf das 
lat. fundus und funis, dem 
biunda nach dem Lautverschie- 
bungs-€teseze entsprechen musz. 
Die heutige Auszsprache im baye- 
risch, und wirtemberg. Schwaben 
da und 6e, gotisohem äi mit fol- 
genden m oder n entsprechend, 
läszt rieh mit eu ausz altem iu 
umgelautet, nicht vereinigen und 
dasz die Mundart in disem ur- 
Bchwäb. Worte feierhaft sei, läszt 
sich nicht wol annemen; Graff 
in, 342 und Schmeller I, 288 
ziehen angels. pyndan herbei; 
dises aber mösvte süddeutsch 



>pfünden< lauten. Nemen wir 
gegen die Mundart Beunte an, 
so müszte im vilmer ein goti- 
sches biundjo entsprechen. Wir 
müszen wol 2 Wörter desselben 
Stammes vorauszsezen, auf denen 
unsere erhaltenen Beispile beru- 
hen ;einbiundjou. einbaindjo. 
Die MB. XXn, S. 725 haben: 
pongarten, an p e u n t e n, an egeriL 
anangem. S. 31: Tunebiunton 
0. N. S. 50; Wato de Gengin- 
biunte. S. 64: Euopreht de 
Pholespiunt u. s. w. (Augsb. 
Urkunden.) «An Angern, Egerden 
und Baindten« cod. Bav. 2517. 
Als Flurname kenne ich ausz dem 
wirtemb. Schwaben : B u n d e > eine 
Wiseinder Bunde«, Bebenhaus. 
Urkd. 1319 bei Schmid, Pfalz- 
grafen 404. »Zu Stetten in der 
Bundtflur N. im Mülheimer 
(a. D.) Urbar S. 59. >Wegen des 
Hafenmeyrs Baindl im Stift«. 
Eempt. Gonfirm. 71. Boad heiszt 
eine eingehegte Wise bei 
Niederhofen; Bolt ist in der 
sog. Göge. Bei Jeremias Gott- 
helf ist Bäunde eine Hanf- 
pflanzung. Vgl. Schmid 58, der 
an binden erinnert. Gramm. 1/ 
190. 190. 192: wo Grimm fragt, 
ob piunt nicht zusamengezogen 
sein dürfte und an das dunkle 
bijands (Gramm. HI, 127) er- 
innert. Förstemann, die deutsch. 
Ortsnamen S. 80: >Der Acker 
wird gebaut und zum Bauen ge- 
hört ahd. piunt«. Eehrein Samm- 
lung 40. Grimm Wb. I, 1747. 
Mhd. Wb. I, 181a. Städtechro- 



60 



Bmitel — Beworen. 



nik I, (Nürnberg) Wb. 482 b. Wei- 
gand Wb. 1, 146. Ich kann nicht 
umhin dem allgem. schwäbischen 
verboint, verboet seine Stelle 
hier anzuweisen. Das Adj. bezeich- 
net eine Person oder Sache, die 
einem unzugänglich, verschloszen 
ist, sei esz bei Personen die we- 
gen Falschheit oder üeberklug- 
heit durchausz nicht unserem 
Wunsche entsprechen, bei Sachen, 
die uns unerreichbar oder erreich- 
bar aber ungenieszbar sind, etwa 
Terpont. Dem Fuchse in der Fa- 
bel ist die zu hoch hängende 
Traube >verbaint<; dem Jun- 
gen ist seine Graiselschnur, die 
zu lang, in selbst ins Gesicht 
fünft >Terbaint<; dem Nebel- 
mann am Federsee ist das Nebel- 
glöcklein des Grafen Stadion ver- 
baint, weil esz in beim Lauten 
an den Kopf schlägt, wenn er 
schaden tut. Yolkstüml. I, S50. 
No. 580. YH)!. S. 88. Schmoll, I, 
178. Pfeiffers Germania IV, 44. 
Ich erinnere an >verfeimt< und 
Vehme: die Wörter sten sicher- 
lich zu einander. Ein Beispilbei 
Gass. >Und demselben trotzigen 
verbeinten Bischof solchen jren 
Abschid durch jre Abgesandten 
alsbald zu wissen getan« u. s. w. 
S. 158. Bei Conlin: >da8 ver- 
bainte, Erabschneiderische und 
nicht weniger Rachsälige Weib<. 
Das Volk leute sicherlich schon 
frühe an B ai n an, wie bei Schmell. 
a. a. 0. zu ersehen und wie auch 
Conlin >stainig und y erb a int« 
zusamensezt. 



BEUTEL, stm: ein wollener 
Sack in der Müle, durch welchen 
der Meistaub geschüttelt wird, 
mittellat. buletare, franz. hinter: 
der Beutel selbst buletelus, but- 
tellus, franz. blutaäu. Grimm Wb. 
I, 1751. >BeutelBcheib am. 
Müleisen befestigt, 6 Zapfen^ 
welche man Beutelkropfen 
oder Beutelkammern nennt« 
J. Faulhabers Haus- und Hand» 
mülin 1617. Augsb. bei Frank. 
>Under sich gekert, da jeder swen 
zoll lang ist, die schlagen im Um— 
treiben an die Beutelsungen 
oder den Klopffer des B entei- 
ste ckens am aichin Welbenm- 
lin, welches uf dem Beuteltteg"" 
eingezapft ist« a. a. O. Vgl. - 
mhd. Wb. I, 190a; ahd. bütil,^ 
Graff III, 86. 

BEUTELN, spr. baiteln, zu - 
Beutel, Baitel: durchprügeln; 
auch altbayerisch üblich. 

BEUTEN, swv.: berauben. >ünd — 
weil er ihn beuten Volt, kam 
Achilles darüber« . Troj. Krg. 78 a. 
>Diser Beuterich ein Gauner«. 
Gass. 124. Grimm Wb. I, 1753 £ 

BEWARTEN, stv.: abwarten. 
»Auch sol man die Kinder be- 
warten vor fallen, darum man 
nit einig laszen soll«, cgm. 601 
f. 98a. Zu Grimm Wb. I, 1767. 

BEWEREN, swv. armare. Grimm 
Wb. I, 1776. > Und vom gesam- 
ten Rat vor notwendig erkannt 
wurde, dasz die Burgerschaft 
weiter bewört werden solle, so 
solle eine Gleichheit in Ausztei- 



B6W€aniiig --^ Bier. 



61 



long des Gewörs seiiK. Akten 
la Jarhd. 

B£W£BUXG, f.: Bewaffnung. 
> Yogibare Gilt- und Zinsleate 
sollen bei Bewerung der Un- 
tertanen, one des Rats Gonsens 
damit mobt beschwert werden«. 
>61eiohheit der Bewerung der 
Bürgerschaft«. Akten 17. 18. Jarhd. 
>Bei färzunemender General-Mu- 
etemng und Bewerung der Un- 
tertanen« a. a. 0. 

B£W££(^£N, sich, swv.: sich 
betrinken. Der PMndenmeister 
Besaler ward von seinem Amte 
«nÜaszen >in Ansehung, dasz er 
sidi nit allein vbel beweint, 
sondern auch der evangelischen 
predig und leer äuszert und dem 
Tabsttum anhängt«. Herberger's 
St Jakobspfirunde S. 19. Grimm 
IH). U, 177. Beweinung, die 
1) Trunksucht; 2) Trunkenheit. 
>Und wer Anzeigung und Schein 
der Beweinung, esz sei mit 
Worten oder Werken, von ihme 
gibt, der sol on mittel in das 
Narrenheuslin gefort werden«. 
Der Stadt Augsb. Beruf 1541. 
t 8a. Ueberwinen, beweinen, 
Blüh. Offenburg^sch, alamannisch. 

BIBER, stm.: wälsoher Hahn, 
»wie ein B. so rot« über und 
überrot. Vgl. Schmoll. I, 291. 
Als wie a Biebhenn steigt er 
hea. Seh. 204. 

BIB£LHUSAR, scherzhafte, oft 
abweisende und spöttische Be- 
nennung dessen, der für jedeo 
Fall Bibelsprüche hersagt. 

BIBER, volkstoml. für B ib ur g, 



0. N. urkdl. Biberin, Bibern 
1178. Biber täle, ebendaselbst. 

BIBRAGH, bisehöfl. Augsb. Ort- 
schaft >Bibracher Feld«: >Da 
man dann den 12. Augusti auszer- 
halb der Statt bei dem Galgen, 
auf dem Bibracher Felde, 
daher man^s noch den Bibrachi- 
schen Zug heiszet, reich und 
arm durchgen laszen«. Gass. III, 
56. Ueber die Ortsnamen mit 
Biber — sieh Förstemann, S. 145. 

BIEGEL, BIEGELE, Winkel, 
Ecke, zu biegen und Bug. >Die 
Elayder seiner Tochter, die er 
in einem piegel oder Winkel 
behalten hatte«, cgm. 252 f. 160. 
»In Winkhein und schlupf- 
büegelln«. I Hand. Ordg. v. 20. 
Juni 1601. R. XII, 566. Esz gibt 
einen Stubenbiegel, Eam- 
merbiegel u. — ele, Kuche- 
biegele. Schmid 67. 

BIENE, f : Bühne, »auf einer 
hohen Binnen im Tanzhause«. 
S. f. 197a. Mhd. Wb I, 277b. 
An den Stall reihet sich beim 
oberschwäb. Hause der Tennen 
an disen der Schopf, auch Un- 
terbinn genannt mit der Binn 
(Heueinlage) darüber. 

BIER, das Augsb. B. spilte 
einstens . eine grosze Rolle; noch 
zu Anfang dises Jarhunderts be- 
sasz die Stadt Augsbui*g 90 — 95 
Bierbrauereien, von denen wol 
noch Vs Teile an Zal existieren. 
A. 1817 machte ein Weiszbier- 
brauer König den. Versuch mit 
Haberbier, aber nurkurzeZeit 
und esz gieng im wie 



62 



Bieten — Bild. 



Waizenbierbraaer, der an- 
fangs der dreisziger Jare auf- 
tauchte und bald wieder sein 
Geschäft aufgab. Bier gehörte 
einstens zu den stenden Abgaben 
an das Kloster St. Ulrich und 
Afra; das Giltbuch cgm. 154 f. 
8 b und öfter tut dessen Erwi^ 
nung. Als Arznei oder als ge- 
sunden Trank überhaupt empfiehlt 
eine alte schwäbische Vorschrift 
Astron. 1 9 b, > Trinke nit yil 
Wint, esz sige den frischer 
Bier oder Mett maktu trinken«. 
Biermalzeiten werden hin u. 
wieder angefort: »Solle ein Pfalz- 
probst für sich und die Seinige 
zu seiner Notdurft Bier ein- 
legen, und davon seinen an- 
komenden Gästen neben dem Wein 
auch begeren ein Bier auftragen; 
wie auch sonsten pfalzföhige Bo- 
ten und Diener auf der Malzeit 
ebenfalls mit Bier abspeisen dür- 
fen, aber Niemand Biermalzei- 
ten gebenc. Vergleich v. 1642. 
Gewallenes Bierkomtaufdem 
Speisezettel der St. Jacobspfründe 
nach der Ordnung v. 1542 vor. 

BIETEN, stv.: vorladen, Ge- 
richtssprache, was nhd. entbie- 
ten ist; befehlen, heiszen vom 
Bichter; im Augsb. Stadtrechte 
komt vor: enbieten >vnde sol 
ieme enbieten, daz er dar 
chome< f. 32 a. >er welle im 
recht b i e t e n< a. a. 0. für wieder- 
farenlaszen,of ferre; fürpieten 
a. a. 0. Biet gelt >dem Waibel 
etliche Biet gelt, >dem Mailing 
Bietgelt«, Lon föp das Vor- 



laden, Bieten, noch heute in A. 
Bietbazen. In den Meiger* 
akten komt ein Büethäusel 
vor, was wol zu Hut, bskitenj 
bhüeten, nicht aber ma bieten 
sten dürfte. In der mittlem Ke- 
kargegend heisit eez: >deam IM 
ma bota«, >der Sehüti hat Hn 
bota<, der Schultitz hat im bot« 
u. s. w. Praee. ind. i bfti, do 
büt|t, ear büt, mier biete iL s. w. 
>In die piet nachkomen: ao- 
tor debet sequi forum rei. »Wer 
jemand wil mit dem reohten su- 
sprechen der sol dem aber, dem 
er zuspricht nachkomen in die 
piet oder for den Richter«, cgm. 
345 f. 2a. Grimm Wb. n, 6 £ 
BIGLE, BÜGLE zu Bug ge- 
hörend und an dessen Stelle idt- 
augsb. gebräuchlich : das vordere 
Viertel des Kalbes. 

BIHEIZZUNGA, ooiguratio. 
Gloss. August. 

BILD , in Zusamensezung 
Mannsbild, Weibsbild, im 
guten wie im bösen Sinne durch 
granz Süddeutschland üblich, baye^ 
risch vorherrschend im bösen 
Sinne. >Doch verendrent sie sich 
und verlaszen Kind so in ir Na- 
tur wächst als Frauenbilden 
die Brust u. Mannspilden der 
part«, cgm. 601 f. 106a. >Sun- 
der so in ir Naj^ur wächst ak 
Frauenpilden ir Krankheit 
und Mannspilden der part, so 
verlaszt das Ohrenrinnen die Kind 
von im selbs< f. 116. >ünter 
allen Mannsbildern (St. Jo- 
hannes) die bishero von Weibern 



Bilerle — Bistal. 



63 



geboren«, Erenfest 1699. >Afra 
war zwar ein Weibspild aber 
von königl. Geblüt« a. a 0. 
>Fraaenbilden koment ssn irem 
Altar um die 12. Jar, Manns- 
pilden mn die 14. Jar«, cgm. 
601 1 116b. Ueber die Yerbin- 
dnng des Adj. weiblich, männ- 
lich mit Bild, firüher häufig, 
Tf^L Scbmid Wb. S. 67. Grimm 
Wb. n, 11. Schmell. 1, 170. Red. 
A. >daa wead's it öbie Bildle 
tra'<, üble Folgen haben. Seh. 

BILERLE, dim. za Biler, das 
eben h^raosastosssende Kindszan- 
dien. >So soll die Hebamm dem 
Kind greifen in seinem Mnnd und 
soll ein Rosenhönig oder sonst 
ein Honig an den Yinger strei- 
chen, damit sie dem Kind die 
I paoheler, den Gaumen und die 
Zungen beraiten soll«, cgm. 601 
f. 96a. >So gab man im dester 
mer Musz, doch merk, dasz man 
dem Kind die püler nit mit 
lieiszem Musz verprenn; wann 
?on den heiEsen Muszen gewin- 
nen die Kinder in dem alter bös 
<an« a. a. 0. f. 102 a. >Nun so 
send wellend aufgan, so statt 
Klnden manigerlai zu als ge- 
achwulst und die püchler und 
den Hals; auch werden sie gern 
dnrchpruchig und so die 
p ach 1er anvahend zu schrinden, 
•o aol man's den Kinden reiben 
mit Salz und Honig, wann esz 
nimt im die we und kräftiget 
die püchler. — Und später sol 
man die püchler inreiben mit 
Hasenhim« a. a. 0. f. 108a. 



»Wenn die piler swerend«, cgm. 
317 f. 6 b. >E8z werden auch 
von den Weibern der Kinder 
Bühl er und Zahnfleisch, mit 
Hahnenhim gerieben, damit sie 
desto leichter zahnen«. Gokelius 
S. 24. In München: Zahnbi- 
1er, pilar, bilar. Pfeiffers 
Arzneibücher 11, 7 c. 12 c. Schmid 
105. Schmell. 1, 168. InBauchert's 
Rotweiler Mundart ist bilger 
S. 18 aufgefurt mit unorgani- 
schem g, was unrichtig: g ist 
vilmer ursprünglich, weil die 
Wurzel balh zu Grunde ligt. 
Der Zusamenhang mit Bille, 
Flachhaue for Müle und, mit 
Beichel ist klar am Tage; nur 
musz mer als eine Grundform für 
einzelne süddeutsche Landstriche 
angenomen worden. Vgl. Grimm 
Wb. II, 24 25. 

BILLIGKEIT, Wolfeüheit >der 
B. nach«, Kleiderbüchl. 

BIRZEL, stm.: Steisz bei Vö- 
geln, in dem die Schwanzfedern 
stecken. 

BISEN, swv.: durch Zischen 
rufen. Vgl. mhd. Wb. I, 168 a. 
In Oberschwaben wird noch g^anz 
der mhd. Sinn damit verbunden 
und sonst keiner: schreiend, lech- 
zend springen vom Vieh, das mit 
aufgerecktem Schwänze Schatten 
und Waszer suchend, daherläuft^ 
besonders aber geplagt wird von 
Bremsen. Derra, Oberschwb. 

BISTAL, stn.: Türpfosten, 
Vorderhaus. >Swer den andern 
sagt — slet er nach im in daz 
bistal oder in die tür<, Augsb, 



64 



Bit — Blater 



Siadtrecht f. 47 a. Bei Jeremias 
Gotthelf: Fensterpfosten bei 
der altem Bauart, die je 2 nahe- 
stende Fenster durch ein Bist al 
schied. 

BIT, stn.: 1) der Saft, den ein 
Insekt beim Zertreten oder Zer- 
quetschen von sich gibt, bayerisch 
Baz. 2) der Saft, der beim un- 
ordentlichen Eszen ausz dem Mund 
läuft; niederschwäb. der Driel, 
die Drielete. 

BIZE, swf.: Liebkosewort für 
Kazen; Bizele, ebenso häufig. 

BLAEN, swY.: bläuen, blau 
machen, von der Wasch. 

BLÄHE, swf.: 1) grobe Lein- 
wand über Wagen und Schiffe. 
2) Wagen, Für selbst. Grimm 
Wb. n, 60. >Er.8ol auch nemen 
von ainer blähen salzes vier 
phenninge«. Stadtr. f. 6b. >In 
win faszen ald in blahen<, Mem- 
ming. Stadtrecht. 3) Bodenteppich. 

BL AIGHE, die, spilt bei der alten 
Weberzunft eine grosze Rolle; esz 
gab eine obere u. untere Blaich; 
einen Blaichmeister, einen 
Blaichschreiber, Blaich- 
knecht, Blaichumgelt, eine 
Abgabe an die Stadt ; das B la i ch- 
z eichen komt in den Weber- 
hausakten vor; esz gab eigene 
selbiges betreffende Vorschriften. 
Auf beiden Blaichen waren 
Blaichjungfern die weiblichen 
Bediensteten, welche die Lein- 
wMid in Empfang zu nemen, mit 
zu registrieren und bei der Ab- 
holung herzugeben hatten. Beide 
Blaichen sind jezt eingegangen. 



BLANGEN, BELANGEN, nöh, 
Verlangen haben, >in blangfs« 
allgem. oberschwäb. »Jemsalem 
do blangt sy hint. FelixFaber 
f 3b. >In Orient stat die gega^ . 
zu der fast blanget euch«. f.8ilk^ 
»Vns planget ser vfib Land«^^- 
24a. »Und wenn die MfittraiL« 
planget, so ir Kind nit pald. 
gend, welleht, so siede man sten- 
gel<, cgm. 601 f. 115. >plangea 
tut mein herz«, >mioh planget 
nach« u. s. w. Hätzlerin I, 62. 
1. I, 15, 67. 

BLANTSGHEN, pL: 1) Süber- 
harren, »Etliche B. Silber und. 
Gold«. GasB. 2)8chwason; snbst. 
Blantscherin. MindeltaL 

BLÄSTIG, a^j.: schwerfiUlig, 
körperlich unbeholfen. Im Troj. 
Krg. BL 68 a, stet iNeoptolemna 
grosz, giftig, plastigy sdünr- 
kend«. Schmid 73. Im Mhd. 
öfters vorkomend. 

BLATER, ahd. pladara. B1&- 
terhaus, an der Oblatertor- 
Mauer hinter der St. Maxkirche 
zur Aufhame von Blatterkranken 
bestimt, ward im 1. Zehent 
dises Jarhd. aufgehoben nnd ifi 
jezt im Privatbesiae. UrkundL 
erscheint Bladerhaus (Fest- 
kalender), Platherhaus. »Hye 
im Platherhaus sind g^gen 
100 armer Menschen, die hat 
ein Rat versechen, bis sie wieder 
sind gesund worden«. S 803 b. 
Bei Gass. »Blatterhaus oder 
Brechhaus. Red. Art: >Hennt 
redt' ebber von mier, iez ist 
mein Zung vola Blätara«. 



Bl&tÜe — Blisgen. 



65 



TTLE, ntr.: wie aUgem. 
toltagblaU. 

TTER, stn. pl. : viereckigte 
iGhnapftficher. Kleiderbchl. 
TTER8EZER, nach den 
hmtuakten eine «ur Weber- 
^«lidrige Klasse von Arbei- 
«lohe die Messingbl&ttchen 
imrchlag der Fäden f&r den 
il EU -verfertigen hatten. 
Haaren esz ital. Schilfblatt- 

TTER-EID: »Itemjrwer- 
lloben das jr nyemandvon 
wegen in Idiain Webstat, 
t oderFleckhen khain Ge- 
plat noch khannen, so der 
ffger Geschan an praitin 
iZal gleich und gemes sei, 
olien wollend; dasz jr auch 
lenarbeit wollend machen 
Haisterpraytin u.die geförb- 
lofalin Geschnüerlin rechte 
ölte Ziechpräytin«. 1549. 
(J, >b lauer Montag«, für 
r Montag«, ist mir in den 
einmal, wol aber hie und 
Yolksmunde vorgekomen. 
m Erlasz Kaiser Josefs H, 
72 an Augsburg ist der 
»Montag« auszdrücklichjge- 
)lau Himmel am t,gehei- 
«ÜKmt bei Reichsstadtszei- 
i mnsten die anszer der Ehe 
ftngerten nach Verhältnis 
nrmögens eine Geldstrafe 
; der Name blieb ver- 
m; darum geheimes 
.nf t. B 1 ä e , Stichelname 
ieitinger. Blausieder 
die Dinkelsbühler. 



BLAÜNK , a^j. : furchtsam, 
scheu. >Do ear it blauk und 
kurzweg bsonna«. Seh. 245. 

BLEANK, swf.: stets unzu- 
friedene Weibsperson. 

BLECHEN, swY.: unfreiwillig 
vilesGeld erlegen müszen; neues 
Wort. SchmeU. I, 284. 

BLECKEN, SWY.: weinen. 

BLERCHE, swf.: >krfttble- 
archa« die Deckblätter des 
Krautkopfes. Sonthofen. Imaien- 
stadt. Bletscha, Niederschwab. 

BLEZ, stm.: 1) Fleck, Lappen, 
Flicklappen; auch bildlich von 
unbedeutenden Dingen. >Da nun 
des Cardinais Diener sahen, dasz 
nu altes Blezwerk da was«. 
S.838a. 2) Fladen, Zelten. 8) Las 
mit Schnürband, farbiger Brust- 
fleck unter dem wollenen Mieder ; 
ältereWeibertracht auf dem Lande. 

BLICKEL, stm.: Fensterladen, 
auchAugenlid, » A u g e n b 1 i c k e 1« . 
>Mädle tua da Bl. nei!« Liebs 
Muetter Gottesle dua deiBlickele 
aufl Stauden. Vgl. A. Bauordg. 
1740. Augsb. u. ganzmittelschwäb. 
Schmid 76. Schmoll, bluckel. 

BLICHI, falmina. GL August. 

BLIND, in »Blindkuh- und 
Blindmäuslespilen«; ein be- 
kantes Kinderspil, wobei eines 
mit verbundenen Augen das an- 
dere erhaschen musz. Blind- 
t u c h ? »Reiten durch das Blind- 
tuch«. S. 826a. 

BLINZLINGEN, adv.: mit ver- 
schloszenen Augen; bei Jeremias 
Gotthelf blinzlige. 

BLIZGEN, blizen mit altem 
5 



66i 



Hloane — Biiuai^ 



orgaa. überlieferten g; sidii Laut- 
lere V. G. hauptsachlioh der ka- 
tholischen BeTÖlkemng der iin- 
terp Stadt eigen. >A. 1499 am 
Donstag nach der eecherin Mit- 
WQiohen hat ess hye in der 9. 
Stund in derNadit Amt feindlich 
plizget und dornet ii^nd hat ein 
Fewrstral in den hohen Thnren 
Luginsland gesohlageni. 8. 803, 
dar das Wort <^ gebraucht. 

BLOANE und BLAUNJB, swf.: 
dar Boden ftber d. Schenertenne. 

BLÖCEISCH, BLEGSISCH, 
bailerisoh,.roh; ▼. blecken; >die 
Zane, Zange herzeigen«, Spott, 
Verachtung. 

BLOCK, 8tm.: bildlich hie und 
da fär einen ungelenken, stor- 
risoheo Menschen gebraucht. 
»Luz am Block« hiesz eine alte 
Augsb. Wirtschaft. 

BLÖD, adj.: 1) schwach, be- 
sonder« Ton Frauen wärend der 
Menstruation. Grimm Wb. II, 
180, 5. >Darum sol man das 
Kind abmüttern als ob die 
Sauganan sunst krank wäre und 
so ein Saugamm blöd von ir 
selbs ist, je minder sye dann das 
Kind sangt, desto nüzer esz dem 
Kind ist«, cgm. 601 £ 99a^ >Der 
Frauen Blodigkeit«, Hauszucht 
und Regiment. 2) von Krankheit 
beiderlei Geschlechter. »Sincaplan 
also wartet z' Venedig blöd und 
krank«. Felix Faber f. 26b. >des 
Leibs Blödigkeit«, Alters- 
schwäche, Univers. Ordination 16. 
Sept. 1661. R. XI, 147. 3) abge- 
tiagen, &denschmig von Klei- 



dern, Strümpfen u. s. w. 
braucht. 4) in Fäulnia über| 
>blöde Fisch«, Marictofrdl| 
1730. S. 11. 

BLONZE, ZW&: büdüoiv 
kurze dicke^ unfomlieh# 
stall Bekant ist dier Süchab 
Blonzen fär die I«ai 
u. 8. w., die eine öbeifi 
Wurst imStmdeL und Braai 
dar Donau wirmen woHtea,^ 
sie das Waszer fär siedend 
ten. In der Baar ist Bl/i 
eine grosze SchafsblutwurflU 
moaget u. wagtet im ganze Jm 
geit übrall plu n z d u. leabevn 
Seh. bloza^snfter , ser finatc 

BLOSZIG, spr. bläaszig, 1 
Landschaft. 

BLOSTEH, 8WV.: Fei«4l 
keit, Verdruzz mit Jemand h 
Kindersprache. 

BLOSTWINK£LE,wohi»ej 
sinnige, un£(^igsame Kindes 
Strafe gestellt werden, bi 
abbitten. 

BLÜHE, die. Blute flos. Gi 
Wb. n, 154. >Der hat alle : 
der Bäume verderbt«. BIüJm 
Vesper sieh Vesper. S. l 

BLUME, f.: >Der Byfoi 
gut den Frowen zu irem f 
tagen, der da heiszet mMM 
esz haiszent die artzat ain 
men von als ein bom onbli 
nit Frucht geberen mag, 
mag onch ein wib nit oi 
pluomen ein Kind gebe 
cgm. 884 f. la. >Ist er ir 
weitter, dann zween Guide 
die Kindbett und ein Paas S4 



BlumeBbesach — Bock. 



67 



fir iren Plumen tsagehen nickt 
Mhnldig, ne Mite dann ein Kind 
fm im geboren«. Ulmer Sitt. 
ürdg. 1574. üeber den Magtmn 
^ nd Blumen vgl. Osenbrftggen, 
inn. Strafredit S. 276. 

BLÜMENBESUCH, der, pas- 
onmij pastio peonaria. Grimm 
Wb. n, 158. Schmell. I, 286. 
>Doeli one prigadiE des gemain- 
nluiflüc3ien Waidwerkfl nnd eines 
jeden hergebrachten Yiehtriebs 
o&d Bltimenbes-nch-s«. Angsb. 
YorgMch Y. 1670. >Doch das» 
den Bierbrauern ir lautYertrags 
V. 1602 in der Bischoft-Au ge- 
Mrende Yiehtrieb nnd Bln- 
nenbesüeh verbleibt« a. a. 0. 
>Der Blumenbesuoh in der 
IMiringer Au zu Waidung des 
Sindriehes«. >Blaimgebur'> 
Un«, >fichier gar erstorbene Bl. 
erfirischen«. »Mit färben abweoh- 
lehide BL< ? Klimmaoher Predigt- 
bsdi. 

MiUNDER, PLUNDER, stm.: 
6epft<^, Habseligkeiten, Hausge- 
rite. >Fflnf Pfand Haller, was 
Sewand oder Plander« im Ge- 
fBasaee su den Bindern, Rossen 
imd Silbergeeohirr, die 10 Pfd. 
Hdler besalt. Memminger Stadt- 
recht. >Ist aber esz Gewand 
oder ander Bin n der« a. a. 0. 
Ber Kiralegger Kloeterrodel 8. 
d&httt: 2 graott Mentell und snnst 
ncBigerlei güots Blander 2 
Ballen in das Hans geschenkt«. 
>Ander Blander mer« a. a. 0. 
»Und sunst noch TÜ guts Blan- 
der« a. a. 0. Des TN. 7801: 



Die Pferd die taond si laden 
Mit dem blander der da ist 
Und lärend trog and Eist. — 
Vgl. mhd. Wb. 1, 218b. Sohmid 79. 

BLUTRUSTJG, craentas; eine 
Yerwandang, so dass Blut soi^ 
Erde tröpfelte, wenn eine be- 
stirnte Basee statthaben sollte. 
>I>asz sie beyde blutrüstig war- 
den«. Gass. Blutranstig im' 
Stadtr.. blutrünsz in der Min- 
delh. Reformat.; ahd. plotrnns, 
Graffn,221. Mhd. blaotrunst, 
Wb. n, 721. R, A. 629. Kehrein, 
Sammig. 4 b. Osenbrüggen, alam. 
Strafrecht S. 882. 234. 

BLUZGER,stm: > Dreiviertels- 
kreuzer oder sog. Blazger«. 
Mezg. Akt. 18. Jarhd. Schmell. 
I, 840 hat >Plaz-er, aasagfchdlte 
Kürbis, Melone. Grimm Wb. H, 198. 

BOARHAUBE, f.: alter Name 
für die Rigelhaube (oa:d). 

BOCHSELN , swv. : palsare. 
Grimm Wb. II, 206. Schmid 80. 
»daz sie nit furbaz lese, d daz 
der stüle bo c h s e 1 n ein ende habe 
(in der Kapelle), cgm. 168 f. 3b. 

BOCHSXEIZLEREI, STEISZ- 
LEREI. >Dise N. nam sich dar- 
nach an Bochsteizlerei und 
grosze Gleisnerei and nam alle 
Wachen das hochwirdig Sacra- 
ment«. S. 228 a. 

BOCK, stm.: »Und sobald so- 
liohs beschicht, so fallen dem- 
selben andere Confessionisten, 
wann sie schon zuvor etwas än- 
derst dekretirn and stimen hel- 
fen, mit einer graten Anzal bey, 
da get dann der Bock an, das 
6* 



68 



Bock — Boden« 



Gewiszen muas allenthalbeii zu- 
vordevst iü acie steni. Anti- 
MüUer. >£inen Bock schieszen«, 
MeiL Allgem. »In ein Bocks- 
horn jagen (Gass) beengen. Vgl. 
▼. d. Hagens Germania I, 131. 
Gemein schwäbische Redeweisen: 
Book, Bocksblut, Bocks- 
krös, Bockslange waren ehe- 
dem Constanzer Flüche. Marmor 
156. Sie hat den B o c k , ist stuzig. 
Ehing. « Bock, Ortsstichelname. 

BOCK, ein noch nicht mann- 
bares Madchen, daher >8ie hat 
den Bock verkauft«, ist zu 
irenJaren gekomen. >Den Bock 
heimreiten«, ein Mädchen 
Nachts Tom Tanzboden heim- 
fiiren. Bocksreiter, Teufel. 
Bockssprnng, agiiis in sublime 
saltus. Im Liede vom geistlichen 
Josef, Basel 1608, Schröter: 
Er ritt dorther gleich wie ein 

Bock 
Und ist stolz über d^Maszen. 
Beizebock, ebenfalls Teufels- 
name, Ggm. 346 f. 77a. Bock- 
stein, Beutelbock sieh Wbl. 
S. 19. Holzbock, Augsb. Fa- 
milien Name, Luc. Bern S. 13. 
Bockisch, adj.: widerspenstig, 
stuzig, >bocki8ch, stolz und 
eigenwillig gewest«. Luc. Rem 66. 
Vgl. Schmid 83. 

BOCKELN, swv. : eine Art Kar- 
tenspil, wobei ein Brett mit läng- 
licht ovalen Vertiefungen ge- 
braucht ward, über die einige 
Namen des Spiles eingeschnitten 
sind und in die ein beliebiger 
Einsaz gelegt wird, den jene 



ziehen, welche die abgefaildetai 
Blätter erhalten haben. VgL die 
aoszfarL Betchreibg. b. Schmid 88. 
BOGKELHAUBEN, die, gehbf 
ten zur alten Tracht der schöiMi 
Augsburgerinnen, sind aber eeit 
den dreisziger Jaren vertehwim- 
den. Bei Reichen von Gold, hei 
Geringem und Dienstboteii voa 
Silber, zur Trauer vonStahldrai 
Die Katholischen begnügt«B nek 
mit kleinem Maschen aU die 
Evangelischen, imer aber giangea 
3 Spizen tief in's Gesicht herein. 
»Und dann sollen inen die schöne 
gestrickte Buggelhauben bei 
Straff 1 6. abgeschafft, difijeniga* 
gestrickte Hauben aber, so ia 
40 kr. oder IJQ. gelten, erlauhfc 
sein«. Kleid. Ordg. 1668. ScfamelL 
berürt das Wort 1, 162. Schmid Sa 
BOGKELMANN, eine villeichfc 
nie existierende Persönlichkeit, 
erscheint in Tänzen ; fo schlieait 
einer : (vielleicht ist d.Tod gemeint) 
Wann i doch nett tanza kan 
Tanz i mit 'm Bockelmi« 
BODEN, hie u. da nooh alter- 
tümlich Bodem als Bimin, aai 
mittlem Necar, Bödämle, wie 
Lädemle,Fädemle,Gädemle 
u. s. w. 1) der HaubenbodCB, 
meistens gestickt. >Die hoheBö- 
mische und Polnische Hauben mit 
Zobel u. gut glattsametnea Bö- 
den«. Kleid. Ordg. 1668. »Daw 
die Bömische oder Polnische Hiaii- 
ben hiemit zwar erlaubt, jedoch 
mit disem Uuderschid, dass die 
Böden an solchen Hauben, aUein 
von . geblümtem Samet -und ge- 



Bödawnrst — Bol 



69 



fiurbtem Mader seinf a. a. 0. In 
Niedersohwaben jezt schlechthin 
Haubenblez ^heissen. In Ulm 
ph esz emals Bodenhauben 
mit einem Wulst, hinten mit einem 
Nese überzogen, im Gegensaze zn 
den Hauben, welche das Haar 
'nicht völlig bedecken. VergL 
Schmid 8. 81. Bekant sind die 
Häubchen der Rieserinnen mit 
dem oft silbernen und goldenen 
Bödele. 2) Flosz, >siebenzehen 
Boden mit Holz, mit Dilen, 
Brackstüok, Laiterbäm, Bretter 
und Latten geladene. Donau- 
wortsche Urkd. 1460. Schmid S. 
80. 8) der untere Mülstein. 
>Der untere Mülstein, sonsten 
der Boden genant, uff dem ge- 
hensz also umb machet ^ dasz er 
nicht weichen kann; in demselben 
ist das Müleisen durch einen 
Bnchs (wie man's nennet) satt 
Bnd drang gend gemacht, da- 
mit man den obem Mülstein 
wagrecht richten und perpen- 
dikulariter einspingeln ü. spannen 
könde«. J. Faulhabers Haus- u. 
Handmülin. Augsb. 1617. Frank. 
4) Böden heiszen die obersten 
unter dem Dach befindlichen 
Banerftume , Getraideschütten. 
>Gei8tliche B.< Bodawurst, kleine 
untemezte, dabei aber kräftige 
Person. >Einen neuen Boden 
legen«, neues G^esinde eintun. 
Allgem. schw&b. und Augsb. ist 
bodabösz, ser bös, schlimm. 
Bo dag gen, Kartoffeln. 

BOFBL, BOFFEL, stm.: Pöbel, 
bayerisch P&yel. >Dem mürmü- 



reten Bovel«, cgm. 581 f. Ä8b. 
»Weil das Handwerksvolk und 
der Boffel ob dem Tisch ist ge- 
seszen«. S. 862 a. >üeber ain klains 
Weyllin hat sieh unter dem B o f - 
fel< u. s. w. a. a. 0. >ünd sahen 
durch die Fensterklegk hin- 
ausz haimlich was der Boffel 
tet a. a. 0. 865 a »Da ist der 
Boffel das drittemal wieder für 
ein Rat gegangen« a. a. 0. 865 b. 
Vgl. Bafel, verlegene, auszer- 
modische Waare. Schmid 87. 

BOGEND, von Wunden >mit 
scharfem Ort«, >stet aber iemen 
den andern mit cholben oder mit 
schitem oder mit swibin er in 
slet, daz ez ein bogendiu 
wunde heizzet«. Stadtrecht f. 
46 a. Vgl. mhd. Wb. I, 220b. 
Schmell. I, 158. Schmid 82. Im 
Bayerischen Landreohte ist esz 
eine Stechwunde. Osenbrüg- 
gen, alam. Strafrecht 288. Auer, 
Glossar z. Stadtrechte von Mün- 
chen. 

BOHNEN, pl.: Hausgerätsohaf- 
ten von Nuszbaumholz. 

BOI, m. one pl. pannus villo- 
sus, vilis, lockergewebter Wollen- 
zeug, deutsches Wort. »Sonder- 
lich aber wird denen von der 
Gemaind insgesamt aller Boy u. 
Crepon zu ganzen Kleidern oder 
Klagmänteln zu gebrauchen ver- 
boten«. Poliz. 0. 1688. S. 12a 
Ital. bajetta. Grimm Wb. I, 229. 
>Der andern Sort sind gleiche vil 
Als Engelsat, Boy u. Grobgran 
Spint und läszt weben Jederman« . 
Erhard Cellius. 



w> 



Bokr — Bom)M«m. 



Fmoli I, 128-b. a^. b%yen, nie- 
4erdeiit0oli die baje, engl. bay. 
Weifimd I, 197. Boyweber, 

BQLEBy Schleuder, Wurf- 
auMchine. Vgl. ahd. bolom, bwy.: 
laaehe aufspringen. Mhd. Wb. 
I, 118 a. »Sie betten aueh Schlin- 
gen und Boler, damit aie wür- 
fen firDas und klain Stain«, cgm. 
581 f. 67 b. Grinun Wb. I, 230. 
SohmeU. I, 169. Grölet ist ett 
holet Sprichwort. 

BOIJi , swf . : unaosBf teliche 
Weibsperson, >eine eade BoU«. 

BOLIiE, swf.: Bollen swm.: 
;9in runder Körper, überhaupt 
gleich vil aus« welchem Stofie, 
.didier Bossbollen (Excremente) 
KuhboUen, an den hintern 
Oberschenkeln; Kartoffelbol- 
len, die grünen Kapseln nach 
der Blute; Eiohelb ollen, ȣi- 
-ehelboUen und glei^i haben 
die dem Hungertod nahen Leute 
im 30järigtn Krige gegessen«. 
Chronik des Kl. Maria Bosengar- 
ten, Wurzach. Vor allem für Lein- 
samenbehälter: B ollen, Bolle n- 
blag, (Blähe, Tuch z. Bollen- 
-sonnen), worauf die oberschwäb. 
Redensart get, wenn man einen 
/faulen Menschen bezeichnen will: 
^dearma üeber gar nix tun, asz 
JBolla hüta«. VgL J. Frischlin's 
HohenzolL Hochzeit. S. 134 ff. 
Ballenmel, Aftermel. Schmell. 
I, 280. Bollahammel, unge- 
lenkige, eckige Person. BoUi, 
Knolli, abg^tbrzte Schelten u. 
Stiehelwörter für die Weber, ge- 
wönlich»Weaber8bolla<. Eine 



Frau, die, wie esaattgvnein Sitte 
war, eine F^ppe si^a Engflkm 
am GhrLittag in der Früh m:^- 
nam, fand die Kirche Ton Weben- 
leuten so uberf&Ut, dasz nm wie- 
der fortgieng; aber sa dar Piqqßie, 
welche das Christkind dafvtelkm 
sollte, sagte sie: »Koo^m Bahr 
Jesiskindle, läse djar die Wea- 
bersboUa auf die Sivcliweih 
koma<l Der Name Bolla, wie 
das beig^ugte Knolla ist er- 
klart, wenn manauf dieWeb^r- 
Bchlichte achtet. BoUat, a(d|j. 
dick, unrein, besonders ¥am 
Flachse gebranoht, wenn er nicht 
sauber gehechelt worden ist 
»Bellet und kaoUet« ist eoht 
augsborgisch. 

BOLSTEHIG, a4j.: krank ^ nir 
Ton Hunem, Vögeln und andern 
Hausgeflügel gebraucht. 

BOMBASIN (sinr. bemmasa-- w^. 
1) bombycinium, lana mixta»; 
ital. bombagino. Grimm Yih, 
n, 236. Von d. Hageoa Qevm. 
1, 309. 2) Baumwolltucher ansz 
disem Stoffe; der Einsehlag bama- 
wollin die Kette linnia. . Ge- 
bleichte, breite B. komen m 
den Weberhaasakten oft tot. 
Bommasinle,>pl. dim. war tm 
volkübliohsten. >Waun der Ler- 
jung in ainer Wochen 3 Bard^ 
büchlein oder Bombasinleii 
würkt, ist man im schuldig 6^ kr. 
und von vieren 10 kr., von.or- 
dinari Schnurtucli oder 7* 
oder V« breiten Bombasin von 
dreien 8 kr., von Tieren Ui kr., 
vom <»dinari,einschnllrig. Sdunur- 



BoBK, BoiuEen — Börse. 



71 



Ineh aber Ton sweyen 12 kr., 
ipon dr«iMi 20 kr., desgleichen 
mek TOB denen )l>reiten Bom- 
basin«. Web. Ordg. 174i<. Der 
Angeb. Bomba» in war in der Re- 
gel eediB oder rieben Viertel breit. 

BONZ, BONZEN, swm.: eine 
Art Kabel, Banz, bayer. >Le- 
deme Eimer, Kessel, Brennten, 
Bon z en, Leitern, Hacken« . Fener- 
Ordg. 1731. 8. 19. Bei Schmid 
106: Bdunalzgef&sz von Holz; 
Wemf&ezcben, Fleischbonz. 

BOReSPIL, zn Grimm Wb.II, 
1^. >Wa jemand mit dem An- 
dern anf Kreiden oder Borg- 
ipilen würde, dasz der ver- 
hirstig solch anf die Borg yer- 
spSt hett, zu bezalen nit schuldig 
lein soll«. Poliz.. Ordgv 1558. 
Borgs: anf Borg, anf Zuwarten. 
>ünd tnot im ain ein umb 5 Schil- 
ling Iftn 
Die miusz man borgs umb riben 
hän«. TN. 9211. 

BORTE, Bwf. : 1) ein starkes, ausz 
Seide und Goldfaden gewirktes 
Band. Mhd. Wb. I,223a. In der 
Angsb. Kleid. Otdg. werden die 
Borten oft erwfint. Bortie, 
das, mhd. bortelin, erscheint 
eben so oft. Die Borten komen 
in Verbindung mit silb. od. gol- 
desen Spizen, Galonen, Schlin- 
gen und Knöpfen; mit gesdhmei- 
digen Spiz und Borten< u. s. w. 
*Spiz nnd Borten von gutem 
imd falschem Gold«. >Mäntel 
Ynden mit seydinen geschmeidi- 
gen Borten 3 oder 4 fach ver- 
brimen latzen«. >Auoh sollen 



die Brilstlen allein mit seyde- 
nen Spizen oder Bertlen ge- 
bnbnbt, auch an denen Sehnüer- 
midem und Brustflecken, das Ter- 
br&men mit güldenen Spizen und 
Borten, sie seien gleich gnei 
und fklsch«. Kleid. Ordg. v. 1668. 
»Kleine Spizlen oder B&rtlen« 
a. a. 0. > BortenwirkerspizlMi 
oder B&rtlen« a. a. 0. >Wi 
seidenen Bertlen Tcrbr&mbt« 
a. a. 0. 2) Sehmuziger Rand am 
Kleide. St. 

BORZE, 1) Tirgulta, Reisach- 
bündel und Reisach überhaupt. 
2) kleine, eine Hand roll oder 
etwas mer umfitszende Reiser 
zum Anzünden des grobem, des 
Scheitholzes im Ofen. »Holz und 
Porzen«, Gass. »Am Freienstul 
Yor der Porzen gelegen, cod, 
Bav . 2517. Ein Fueder Bu e c h e n- 
borzen 1 fl. 18 kr. Alte Web. 
Rechnung. »Ein Schober Bor- 
zen aufzien 2fl. a. a. 0. >Bor- 
zengeholz« war eine alte Ab- 
gabe des Stifts an die Stadt- 
knechte. Vergleich von 1602. 
>Ein Fuder Borzenholz und 
ein Fuder Wegholz € a. a. 0. 
>I>er Herr Herzog Ton Baiem 
(hat) jnen alles das hierzu be- 
nötigte Porz- und Tannen und 
Rauchholz jederzeit auszzeichnen 
und unbezalt folgen laszen«. 
Confirmation von 1596. In den 
Augsb. Händeln des Dr. G. MüUer 
wird erzält, wie der pabstische 
Bürgermeister Hsung bei den 
evangel. Bürgern »einen spöt- 
lichen Nachnamen (erhalten) und 



72 



Borzel — Bossen. 



wird der Borzenmacher ge- 
iiennet<. Femer > Welcher ver- 
nünftiger und bescheidener Bie- 
dermann hat im das gefallen 
laszen? Gleichwpl hatte diser 
Bürgermeister ziemliche Ursach 
g^ben. Denn da^ er yme die 
Borzen und das Reisholz wol 
hette anf einen andern Tag kön- 
nen füren und hacken laszen — 
nnd da er einen Hof im Haus 
gehabt, allda das Holz hette kön- 
nen gehacket werden, verordnet 
er, das esz auf der Gassen und 
fast auf mittlem Perlach oder 
Hermmarkt gehacket werden. 
Darüber Hon mit spot ist abge- 
lonet u. im der Borzenmacher 
Name gegeben wordene. >Daranf 
sagt man mit kurzem; der rum- 
j[)elkarren vnd porzen seien 
nit wert, das man derselben bei 
soUichen wichtigen Handel ge- 
denke«. Anti-Müller. Vgl. Grimm 
Wb. II, 247. Schmoll. I, 240. 

BÖBZEL, stm.: eine Steisz- 
krankheit? zu Bürzel, burzeln 
gehörig. >A. 1387 um Liecht- 
mesz ist zu Augsburg ain Krank- 
heit auferstanden, die hat man 
den Pörzel geheiszenc. S. 39b. 
»Dise Krankheit nennt der ge- 
meine Mann Bürzelen«, Gass. 
>Da kam eine gemeine Plag und 
Bürzel unter die Leith< . Horm. 
1834. S. 131. cgm. 407 fürt 
> dreierlei purzel des Pferdes« 
f. 62 a. Ich erinnere an dasCon- 
zenbergische borzeln, boazla, 
den Hinterleib nachschleppen, 
«ine Krankheit der Schweine; in 



derselben Gegend, auch bar- 
hämmig geheiszea o. u altem 
hamlichen, hinken gehörig. . 

BOSCHEN, swm.: Busch, Bla- 
menstransz. Burg^uisch. Fedor- 
besehen bei S. öfter f. 633b. 
Augsb. Busch. Mhd. Wb. 1,228 b. 
Schm. I, 214. Böhmenkirch. Bo- 
schahuet Landschaftlich. Eos- 
cum, Busch. Mhd. Wb. I, 22S. 
Kehrein, Sammig. 4 b. »Nee mm 
inter villam Nawe et Blint liain 
sitas-quae contingunt in terris, 
agris, pratis pascuis, nemoribus, 
silvis vüs et inviis, in Bosco et 
in piano, aquis, aquarum decursi- 
bus€ MB. XXm, VI, 88. »In 
prato et in agro, in silvis et in 
cetis, Bosco et planoc a. a. 0. 
ad 1274. Bosohenwisen, Böh- 
menkirch. Mrkg. »Tam in b u s o h 
quam in pelauo < . Bebenhaus. Urkd. 
1271. Gramm. n,277; romanisch 
bosco, bpis. Förstemann, Ort»- 
namen S. 58. 

BÖSERN, swv.: verschlim^n, 
zum Bösen keren, deteriorem red- 
dere; in pejus ruere. Grimm Wb. 
n,256. Mhd. boesen, mhd. Wb. 
I, 226 b »Und hat der abgesezt 
Abt das Kloster gebeszert um 
14,000 fl.« Horm. 1834. S. 129. 
»Dasz er der Rechte wartend 
war auf die Chirchen ze Mager- 
bain; auch ist gerette, daszdisiu 
Teidinge twedem tail siniu recht 
bösem noch beszem sulen an 
der zvevert«. MB. XXHI. 6a. 
S. 471 ad 1323. 

BOSSEN, 1) Possen. >Allerlei 
Bossenwerk ausz sonderlicher 



Bossieren. — Brat. 



TS 



Andacht machen«. C^ass. Grimm 
Wb. II, 265 ff. >Garaoalla stellet 
«ich also inJBossen, als wollte 
er der andere Sylla werden«. 
WerUch 64. 2) Halbstifel, frans, 
bottea. »Hab Teigebens anch 
waaa Anftmg, wie man sieht, ^ue 
der Jugent ettlich Bossen ma- 
chen laaaen, als was xner selben 
Zeit för Freud unter der Jugent 
gewost ist«. Kleiderbüohl. 8. 14. 
Sehmell. I, 211. 

BOSZIEREN, swv. fingere, bil- 
den. >A. 1320 ist Niolaus Zorn 
ein Ritter von Straszburg gewöst, 
ügt 2u St. Margret dasselbst, 
diser Cbtalt bosxiert von Jörg 
Seiden a. 1608 abgemacht«. Elei- 
derbüchl. 8. dl. Boszierung, 
Welser, Antiq. 45. Grimm Wb. 
I, 266. Noch jezt werden die 
Wachaarbeiter »Wachsboszie- 
rer< genannt. Steinbozila, 
leides ceciderunt Gloss. August. 

BOTEGE, swm.: irundes Fasz, 
Bottich; »von aime botegin 
emen helbelinch«. Stdtroht. ahd. 
botaha. Graff in, 85. Mhd. Wb. 
1,227. 

BOTSCHEN, pl. : Pantoffeln mit 
oder one niedergetretenem >Hin- 
^uartier«. 

BOTTEB, Rosenkranzkügelein, 
(pater noster). 

BOZEN, die Stadt. »Swelch 
Wger BÜber kaufen wU, des er 
bedarf, hinze kerlingen ze Fran- 
zi ze Bozen, oder Yenedie 
tt.B.w Stadtrecht f. 26. >Zwainzig 
^rk und nicht mer hinze Bo- 
^en« a. a. 0» Bekant ist ausz 



Augsb. ürkd. Bozanicum vi- 
num, Bozner Wein. Konrad 
y. Megenb. 195. 25. »Der B o z n e r 
Fastenmarkt«. KleiderbüchL 110. 
Vgl. mhd. Wb, I, 227 a. 

BBAB ANDERLEN, pl. : hieszen 
in A. die allerorten bekantmi 
schmalen aber um so längere Ellen 
meszenden Brabanter Tücher; ne- 
ben den Brabantischen Spizen vi] 
verbreitet Vgl. Frisch I, 128 b. 

BRAND, l)als Flurname far ur- 
bar (mitFeuer) gemaohteWaldstel- 
len, ser verbreitet. Mein Wbl. S. 20. 
prand, Giltbuch, cgm. 154 f. 40 a. 
»Brandu. Brunst, wie Schlag 
und Schlacht geben Zeugnis 
vom Tilgen des Waldes«. Forste- 
mann, Ortsn. 79. 2) Rausch, all- 
gem. 3) Hochgesteigerte Fieber- 
hize. Der gemeine Mann sagt 
von schwer Kranken, die über 
grossen Durst und Hize klagen, 
>der hat 'n Brand im Leib«. 
Oberpfalzisch ist: das hat den 
Brand, bietet unerwartete Hin- 
demisse. In der mittlem Necar- 
gegend: »des ist a Brand«, das 
ist arg, herb. Brandhütte, f.: 
»Brandhütt«. Urkd. 1662; vor 
dem Jacober Tor; Eigentum der 
Mezgerzunft. Brandsteine, röm . 
Auszgegrabene Zigelsteine. 

BRÄNZELN, swv.: ustionem 
redolere: >die Suppe bränzelt«; 
oberpfalz. brünzeln. 

BRÄT, ntr. 1) das weiche Fleisch 
one Bein. »Mezgfleisch , Brät 
und Wurst». Polizeiordg. 168$. 
»Verbotene Fleisch, Brät jind 
Wurst« a. a. 0. S. 61. DasVer- 



T4 



BrAten — Brmnt. 



kfttifen nndKaufeD tob >Fleiscb, 
Br&t und Wurste unterlag der 
•trongBten polizeilichen Aufeieht. 
2) Gehacktes Fleisch. Mhd. daz 
br&t und braete, Schleicher, 
Bprache 161. Bratmezger sieh 
hinten. Bratstück, »ein Rind 
oder Schwein oder Bratstück«. 
Akten. 

BRATEN, stv. Davon sind ge- 
bildet: Br&tle, beliebtes Augsb. 
Wort; der echte Angsburger 
kent u. verlangt nur >a Br&tle 
•und a Salätle«, nie Braten und 
Balat. Bern See zu »Brätli«, 
3räter, Bx atenwinder. »Der in 
•der Küche rem Waszer getribene 
Br&ter«. Rechennieist. Bei Jer. 
^otthelf >ein altes, der Form 
^egen ausz der Mode gekomenes, 
doch noch brauchbares, aber nach 
den jezigen Begriffen zu groszes 
»tück Hausrat«. XVin, 47. Brä- 
tes, Br&tisz, Gebratens, Br&- 
tis kar und Brätlisz kar, 
-Sohüszel z. Braten; prattes, 
<^gm. 601 f. 110a. Bratmezger, 
eine besondere Unterart bei der 
Hezgerzunft , was in der Reichs- 
stadt Rotweil ehedem der Eftl- 
l>ermezger hiesz. Ruckgi^er 
1,191. 6. Bratvieh, >Yon einem 
Stück Brat vi eh oder Schwein 
6 fl. PoUz.O. 1683. S.62. Brat- 
ling, der eszbare Schwamm 
agaricus lactifluus L. Brätela, 
halbgedörrte Birnen (Immenstadt). 
Brätle für Teufelsbraten, ein 
loser Yogel; stets mit Schwanken 
und Schnurren bei der Hand. 
Bratspiesz, scherzhafte Benen- 



nung für Degen, ialich wie 
Krautmesser für InftMiteiie- 
Sftbel. YgL mhd. Wb. I, 38Sb. 
Schmid89. Liechtbrate», sieh 
unter L. 

BRAUAMT, »das solches dus 
Salzamt nicht veitrüge, die Ab- 
stattung bei dem Briuvmt 
Mehringen su tun wfcpe<. Vw- 
gleieh v. 1099; 

BRAUCHEN, swv.: Arznei ne- 
men, >er braucht kner«, allg«ni. 
schwftb. 

BRÄUGER, stm : Biüutigna. 
Vgl. unter P. BTftugerkr$B«n, 
swm.: Korb, in den di6 Bficvt 
dem Bräutigam nach Verm6^|Wi 
Tags vor der Trauung Gestdimike 
Übermacht: Hut, 3 Hemden, Mm- 
schotten, KnöpfSe an Bernden, sH- 
beme Halsschnallen, flalstüeher, 
Nastücher, 2Paarseidne8trluBQipfe, 
Handschuhe und 2 goldne Ringe. 
Bei Dienstmägden stet die bis- 
herige Frau für die Kosten ein. 
ImKleiderbüehl. erscheint Brigl- 
meister, >da was ich Brigl- 
meister in der Brautstuben< 
u. s. w. S. 67. Ob Beiständer? 
Aufseher? Bchmid 92. Sieh P. 

BRAUT in: Brautschmft, 
Brautpaar. B r a u 1 8 c h u h, Rechts- 
altertum: »Es sol auch khainer 
khain Brautschuah geben, 
dann in seinem und der Bmut 
Haus, bei Feen zween Onlden«» 
Horm. 1884. S. 188. Braut- 
stück e, Geschenke an das Braut- 
paar. »Die Übermächte sogen. 
Brautstücke an Geld oder Klei- 
dungen, so bei Yerheiratang von 



Breanmpen, Brencgen — Brente. 



75 



danan vorlobten Personen oder 
iraii£lteni) deren Dienerin ^ Knech- 
ten und Mftgden pflegen gegeben 
ni werden, yerboten und abge- 
«tellet, nnd tollen selbige bei de- 
nen vom L Stond moht höher 
H» anf 16 fl., von dem andern 
IS fl., TQA dritten 6 fl^ von dem 
irierten 4 fl. nnd von dem f&nfboi 
raf $ A. an sten komen, bei so 
?ill Onlden Straff als darwieder 
eioediert worden«. Angsb* Polis. 
0. 17S5. & 19. Brautfrauen, 
Boohaeitoordg. 1688. 8. 115. >Sie 
hatten die Braut in das Haus, 
niSB dem Hans; in's Wirtshaus, 
m wieder heimzugeleiten. 

BREANZ6EN, BRENZGEN, 
swv.: anhaltend seufken, weinen, 
weinerlioh, hJagend reden, mur- 
m: breanzgist imerfottl >Mit 
deim Breansgu«! 

BRFiCHK, f. : Buhr^ epidemisehe 
Kiunkheit. >yon wegen des gro- 
swn Breehens, die Gott viber 
die Welt liesz gftn, dasz dieLent 
narichtig wurden«. Horm. 1884. 
8. 118. Brechhaus, Gassar 109. 
Blaterhaus oder Breohhaus a. a. 0. 
US. In jenen Zeiten wurde für 
die der Seuehe Erlegenen der 
insiere Gottesacker auf dem jezi- 
f«a Pfannenstil gegründet, der 
a^ 1686 mit aller Umgebung von 
den kaaserliehen und bayerischen 
Bekgerungstmppen yerw&rtet 

UMPd. 

BBEIGOFF, Geschenk der Braut 
in den Bräutigam Tor demTrau- 
«ngstage. iDarvon hat sie kauft 
2 girtlen zu der Hochzeit bei 



90 fl. --- ain atlasz Uniterroek« 
irem Schneider nuis und alte 
zalt, auch mein Breigo ff 2Eem- 
der, Radsacikf u. s. w. L. Rem 
46 >8ie betten aber mir, meim 
Weyb eerliche Breygoftstuck 
nach ir Manier geschenkt«. 8.68. 

BREIT in BREITFELD, eine 
jenseits der Wertach, dem Lech- 
feld änliche Fläche, die Wasser- 
scheide zwischen Lech u. Schmut- 
ter, eine durch das Wertaohtal 
unterbrochene Fortsezung der 
erstem. Die Orts- und Flurna- 
men mit Breit zusamengeseat 
oder das Subst. Breite alleiii 
sind ser zalreich in gam Schwa- 
ben. »In der gebreittun«. Sa- 
lemit Urkd. 1262. Mono, Ztsohr. 
II, 78. Breitenbronn, urkdl. 
alt. Braittenbrunn, Praitten- 
brunnen u. s. w. Vgl. Förste- 
mann, Ortsn. 81., >Das Substan- 
tivum Breite planities nimt be- 
kantlieh oft auch den Sinn eines 
Acker- und Wisenstückes an«. 

BRELLEN , swv. : schreiend 
beten; spöttisch. 

BREM, BERÄM, das, eine Art 
Schleifen auf den Kleidftrmeln; 
schlechthin gleich Rand, Ein- 
fassung. Das KleiderbflchL hat 
Atlasz-BrembL Mhd brem, 
stm. Einftwzung von Samet oder 
Pelzstreifen. Schmell. I, 268. 

BRENTE, swf.: vom roma- 
nischen brenta; erst seit Rosen- 
blut von Grimm Wb, n, 372 aach- 
gewisen. Wechsel von k und t 
im Wirtembergischen brenke 
und Brente. Wbl.2L 1) Futter- 



76 



Brentlelner — Breite. 



trögleia, längliehiee hölzernM, 
mv das HautgeflügeL 2) Waseer- 
getofairr ist neben Eimer, vil- 
leicht mit 2 Handheben renehen, 
in der Feuerordg. oft erw&nt y. 
1781. 8. 20. 8)WafEerlrafe über- 
haupt in der Immenstädter Ge- 
gend. 4) Todtennme fär T o d t e n- 
asohe, im Troj.Erig ser oft ge- 
braucht. »Und h^t dieweil in 
denschosz die Prenten mit den 
Beinen des Patrokli« f. 30b. »Den 
Memnonem habend sie auf einem 
Ort von den andern verbrennt, 
und was überbliben in ein bren- 
tele eingemadit und bei des Kö- 
nigs Freunden in das Vaterland 
geschickt« f, 36b. >Dieweil ha- 
bend die Grecier des Achillis 
Bain in ein Brentele oder Ge- 
schirr eingemacht und zu des 
Patrokli Bainen getan« 39a. Die 
Kempt. Gonfirmatio fürt ein von 
Alters herkömliches Viertel oder 
Brenntenmasz an. S. 60. In 
der Augsb. Brauer 0. : B rennten 
(Malz) versieden; Brennten- 
messer (Aufschlager) u. s. w. 

BRENTLEBIER, das, altbaye- 
risch Standerling zum Ünter- 
schide von Schöps, Nachsud, 
Absud des Bieres ist das höl- 
zerne Gefäsz, welches beim 
Anzapfen und Auszschenken des 
Bieres unter den Hauen gestellt 
wird, um den Abfall, das Tropf- 
4)ier aufzunemen. 

BRETT; allgem. schwäb. >ans 
B. k o m e n« , die Reihe trifft einen. 
>Brettspil«, Besteckbehälter. 
>Einem ein Brett ziehen«, sieh 



buzen (2). Echt scbwib. ist die 
uralte angebrochene Form B r i 1 1, 
Brittle. 

BREZGE, die, spilte im alt. 
Augsburg eine Rolle; die lang- 
licht runden hietzen Fasten» 
brezgen; die gewönKohen, die 
man das ganze Jar haben» kesite, 
hieszen Kesselbrezgen. See- 
len brezg»n schenken die Paten 
iren Täuflingen, änlioh wie am 
mittlem Necar die Saila aotz- 
getragen und gesehenkt werden. 
Ein merk¥rürdiger Braufik« siiäiflr- 
lich Ueberrest der alten Todt«i- 
opfer ist das Hemmhangen der 
Seelenbrezgen an den Gi»ttes- 
ackerkreozen und. Steinen; mit 
denen natürlich über Kaoht ean- 
ber aufgeräumt wurde. So in der 
Wertachgegend bis nach Baymi 
hinüber. Brezgen müssen aädi 
als Geschenke gut aa%enomen 
gewesen sein. Der junge Schwan 
(Kleiderbüchlein S. 101) erz&lt 
uns: >ich gab zum Einstand ain 
jedem Schüler ein Brözen; da 
ward ich vom Preceptor, seinem 
Weib und auch den Bueben — 
mit heelen und guten Worten 
empfangen«. Vgl. Schmell. I, 278. 
274. Das Augsb. Stadtrecht hat 
Braezte. Mittelal. bracellus 
dim. V. brachium breoita, 
crustulum est genus panis oleo 
conspersus in medio conoavm et 
tortus. precitella panis quod 
inter manus colliditur; Schmell. 
Gloss. Ms. Die Auszsprache ist 
bald Brägzet, (Necar) Bräzet 
(anderwärts) BrSzget, (Augi|b.). 



Briokeii9 Brücken — Brot. 



77 



BRIGKEN, BRÜCKEN nennt 
der Augeb; die Art Fisohe, Neun- 
augen sonst geheissen. 

BRIETEN, ein Kindertpil; ur- 
alten Entstehens. Der junge 
Sehwan (im. Kleiderb. GL 104) 
bannt sich mit einem vermittelst 
d» Danmens fortgestossenenKnip- 
oder 8chnellketaldhen ein anderes 
in einer gewissen Entfernung 
ü^ndes Kügelchen su treffen. 
Dabei stet: »Ess gilt 12 auss 
und die 8 leste mit Brietten«. 
Jest heiszt das Spil in A. und 
M&st spicken und spanen, 
stechen und spanen. Ein 
Isabe wirft • seinen Glucker 
mh; der andere sucht mit seinem 
Seh u 8 z B r dises aussgeworfene 
Marmorkügelchen entweder . so zu 
traffion, dasz ess durokden Anstosz 
Timambar und sichtbar ausz sei- 
ner Stellung fortgetriben, d. b. 
gespickt od. gestochen wird, 
oder wenigstens so nahe. an das 
HHgewoi^Bne Kügelchen zu ge- 
laagettf dasz er den Raum zwi* 
ttben beiden Bchuszem mit seiner 
tDBEg^espanten Hand zu decken, 
d.h. zu spanen vermag. Lezteres 
«ag wol unser brietten sein. 

BRINGEN, stv.: einen dahin 
bringen, dasz u. s. w. »Bracht 
mich, (die Krankheit) dasz nur 
Haut und Bain an mir, gar kein 
FkiKsh, Blut was«. L. Rem 16. 

BRIdILLENSPÄNE, pL stm.: 
Brasilienspäne Färbeholz. »Bri- 
>iller Toback«. Vergleich v. 
1707. »Zum Blaufarben allein 
Bndich one Rot, Pressill, Waid«* 



plumen genomen werden«. Färb. 
Ordg. 1647. »Ausz Preszill rot 
Färben« a.a.O. In derWirtemb. 
7. ZoUordg. bei Reyscher 17, 224 
komt als Einfur- Artikel Brisil 
vor. Die Häzlerin II, 58, 86: 
brisiligen rot. 

BROT, ess gab probierte 
Brote; ein Dekret, dasz die 
Becker das Brot nach einem ge- 
wissen Gewicht backen und ver- 
kaufen sollen, ward erlassen, 
»welches Brot man zur selbigen 
Zeit probierte Brot genenet 
hat«. Gase. Ein beliebtes Brot wer 
das Süeszbrot (Gass.) das noch 
jezt unter dem Namen Ulm er 
Brot bekant ist. Kustbrot, 
d. h. geschautes brot, komt im 
Stadtrechte öfter vor. Mhd. Wb. 
1, 264b. »Args Brot«, schlech- 
tes, besonders unter dem Gewicht 
gebaekenes brot, wegen dessen 
die Bäcker geschupft wurden. 
MeinWbl. s.v. schupfen. Inder 
Kemptisoli. Gonfirmaj^io bekomt 
»der Tambour dV> Laib von dem 
sog. Schreiberbrot, ein Ge- 
meiner 8 Vt Laib vom gemeinen 
Brot«. S. 44. Gottesbrote 
komen häufig vor = Almosen, milde' 
Gabe »gotberaut«. Man. f. 26a. 
Vgl. unter G. Brothaus hiesz 
urkundl. und mundartlich das 
Beckerzunfthaus; esz gab ein un- 
teres und ein oberes B. Vergleich 
V. 1682. Brotkarren; in einem 
Recesz v. 1682 heiszt es: »Sollen 
sich diso Becken des weiten 
Glais' mit iren brotkarren 
enthalten u. kein weiszes Hoffen- 



7& 



Broxmolle ->-* Bmok. 



bmi faven. Mögen sie in dem 
diurlMyerisohen Territoiio tot 
1X4 Br ot kirren bis an die Leoh- 
brtrclcen, so Vil Pferd spanen, 
als sie wellen; Ton daran aber 
vmA bis auf den brotmarkt in 
A. nicht mer als 1 Pferd braa« 
oken nnd was sie Yoa Brot damit 
faxten könen, erianbt sein; andt 
einander duroh Sohieft)«» an detL 
Bergen oder auf an d er e Weise 
nicht helfen sab poena certa«. 
Brotmavkt hiesz bis 2nm Jare 
1j807 der untere Teil der jesigen 
Manmiliaiunträsse, weil in der 
Btongerseit l^de der lesten 70er 
Jare dort fremdes Brot Terkanfb 
werden durfte. Auf dem Bret^ 
marki ^ilten die Leohhaus^r 
und Fridberger Brote eine 
nicht unbedeutende Rolle; von 
Fridberg kamen 6, von Lech* 
hausen 2 Becken. »Weisses Hef- 
fenbrot< durfte nicht eingefart 
werden. »Um das Brot sin- 
gen«, eine behaute Schülersitte 
älterer Zeit Der junge Schwäre 
erzält (KleiderbüchL 28) »ich sang 
um das Broten Hochstät, Hun* 
delfingen , Sohmaiten , Bolay« 
u. s. w. »Gebröte Diener, ehe- 
dem und heute noch üblich; =: 
Untergebene, die in Lon u. Dienst 
sten«. »Der ganzen Glerisey ge* 
bröte Diener«. »Darin solle 
einem Bat auch gegen der Clerisei 
gebrödten Dienern allep zu 
haadlen gebüren und zusten«. 
Erlasz v. 1582. »Unter den ge- 
brödten Dienern nur diejeni- 
gen und keine andern zu ver- 



sten aeien, welche auf dafc gaice 
Jar bedingt und besoldet äm^f 
auch vollkomen in im Bemi: 
Mnsa und Brot äOk wifUSbh 
befindenc. BiseUA. Jagdardf: «;. 
]{8. JaiM. »Das Breteseedir 
Mflrt «af dem- Lande 4as «if; 
Nennbrot derArlMsterrbeatead« 
in Most nnd Bro«« odar Wein> 
(Leiren, Bier) vmd Brot: 

BROXMdLLS, swa.: ea hart* 
kopfiger, staminniger Meaeolu 

BRUCe, ttm. l)hemia, nunex. 
FriKsh I, 142a. »So die Ehd' 
krank eind, dseweü man eie mm*' 
get, so sol sich diefiftgaaim hal<^ 
ten als ob sie die Kvankheit aeü^ 
bette und ob die Milidi Brueihi 
hiktte«, ogm. 601 t lOia. 
»Bruchlaeh komMt dioKinto' 
von übrigem^ Weinen n. Scheele»' 
oder von gvoszem Hasten« f. lilia; 
2) Bruchsilber, zeriMckelteiP 
Silber, Bruehsalz. Ott Rulaair 
Sohmell. 1,418. 8) Fadevbroeb, 
ruptura, mga telae, Bruch imGe« 
webe in den Weberordnungen, 
ein strafbarer F^er. »Wegen^ 
der Fildenbrüeh aber sei esa* 
folgender (äestalt gehaltmi • wer« 
den, dass nemlieh, wann einer 
über 15 £len Fadenbrfreh oder 
falsch Drit hatte, das St&cAc 
vei&llen sein; was aber unter 
16 Elen F&denbrftoh oder 
Falsehtrit sich befinden w«ar« 
den, solle denen jedemfeiligan 
Geschaumeistem v(m jeder ISkn 
6 kr. zur straff besalet u. t. w; 
W«b. Ordg. 1748. Yrgl; Grimmi 
WU Uli 1334. 



Brüohig — Brost. 



79 



BRÜCHIG, a^. 1) mit der Ruhr 
behaftet, egm. eOl f,114b. 2).foedi« 
fingoBy »brüphig an einem«, ogm. 
581. »Welcher aber in dem Allem 
Ixrachig erfanden«. SaiL Ordg. 
12a. GiimmWb.11,413. 8) »durch- 
bruchig« von den Kindereänen, 
cgn. 601 f. ia8a. 4).ehebreche- 
naoh. Mhd. Wb. I,^4b. »Stürbe 
abw das unbrüchig vor dem 
Brftohigen, so sol die Teilung 
beiohechen«. Uhn. Ordg. 1574. 
Sig e Ibr tUshig (Anti-Müller). 

BBÜCHLER, Btm.: Leinwand- 
hfindler, einAugsb. bürg. Gewerbe. 

BRÜCKEN gab esz: die Frid- 
berger Brück, die Leohhau^ 
Mr Brück, die Wertaoh- od. 
Bottelbrüok, die Pferseer 
Brück, das Sinkelbrücklein 
TOT desn Wertaohbmckertor muste 
Tom Stift unterhalten werden. Sau- 
brock, Brillbrück. 

BRÜDER, in BRÜDERÜBRIG, 
ein Mensch, dessen man leicht 
e&traten kann, überzäliger 
Menach. Bruderhaut heiszt 
ein Flurname im bischöfl. Gebiete 
Augsburgs seit dem 15. Jarhd.; 
was urkundl Briederhang lau- 
tet. Steichele 1,446. Stulbrüder, 
lieh StuhL Jacobsbrüder s. J. 

BRÜHE, swf.: »ein Brühle 
über etwas machen«, etwas ver- 
tosohen, beschönigen. Die Astron. 
schreibt b r ü g e, wie sie überhaupt 
eber auf Lindau und Bregena als 
aof Augsburg weist. 

BRÜMELN, swY.: Unverstand- 
Üoh, meistens unwillig vor sieh 
biiireden.Brnmel8ui^pe, Schelte 



in A., auch bei Jerem. Gotthelf 
mislaunige Person. Brumhu- 
meler. 1) die Humel, apis ter- 
restris. 2) mürrische Person. 
Wirtemb. HausL 1,327. Schmid 102. 

BRÜNNEN, der, in Verbindung 
mit Galgen, in Galgbrunnen, 
lautet Galbbr Unna, wie allgem. 
schwäbisch. Ein Galgbrunnen 
ist auch im Troj. Erg. 12 a auf- 
gefürt. In Augsburg gab «sz 
folgende Brunnen: Herkules- 
brunnen, Merkursbrunnen, 
Augustusbrunnen, Nep- 
tunsbrunnen, St. Georgs- 
brunnen, Yogeltorbrunnen. 
Bis zum Jare 1808 gab esz auf 
dem St. Ulrichs- jezt Schrannen- 
plaz einen Sxshertlinsbrun- 
nen, mit der Marmor statue Seb. 
Schertlins, die jezt im Schlosz- 
hofe zu Burtenbach stet. Sieb e n- 
b r u n n e n war ein ehmaliger Er- 
holungsplaz für den Angsburger 
mit einem Bad, 5 Viertelstunden 
von der Stadt entfernt in der 
Mehringer Au. A. 1811 hörte 
das Bad auf. Brunnengelt, 
Abgabe des Weberhauses an die 
Stadt, Brunnengeltsamlung. 
Vgl. Brunnenkreuzer in Rot- 
tenburg. Wb. zum Volkst. 22. 
üeber Flurnamen, Kehrein, Samm- 
lung 39b. Förstemann, die deutch. 
0. N. S. 86. 

BRÜNSTIG, verhebt Füszen; 
spr. brauftig. 

BRÜSLEN, pL dim.: Kalbs- 
milch, Brustdrüse, siehBrüea 
b. Sohmeller. 

BRUST, sieh Wolkenbrust. 



80 



Brüitlen -*• Bath, 



BRÜSTLEN, dhn. pL: Beklei- 
dvng der weibl. Brost. Grimm 
Wb. n, 446. 4 >Zti Wftmmasen 
und den Brüstlen — sol Atlasz 
und Damast su tragen erlaubt 
sein«, cgm. 1581. Akten. »Denen 
Weibspersonen dises Standes wer- 
den die Brnstlen nicht mit 
Kegel sondern allein mit seidinen 
Spizen gebr&mt«. Poliz. Ordg. 
»Dt^ch mögen sie die Fürfleok, 
wie anch die Himschläpplen — 
bramen laszen — nnd zn iren 
Kleidungen, esz seien Mäntel, 
Röek, Brüstlen oder andere 
Stuck, keinen Scharlach tragen«. 
Poliz. Ordg. Y. 1668. »Item solen 
ihnen die B r ü s 1 1 e n, Müeder und 
Ffirtüecher von schlechten und 
wolfkilen Zeugen nnd Materialien 
ta tragen erlaubt sein« a. a. 0. 

BRUSTFLECK, von seidenem 
Zeug od^ Samt. >So sollen 
inen auch keine Brnstfleck 
von seidenem Zeug, Sammet oder 
obberürt verbotenem Tuch, we- 
niger selbige mit goldenen oder 
silbernen Spizen zu verbad<. Poliz. 
Ordg. 1683. 

BRUSTTUCH, stm.: InSettem- 
brio 1522. »Das Wammes was 
samatin, ein gefalten Bru sttuch 
vor dem Hemt«. Kleiderbüchl. 
S. 50. 

BUB, Bwm. 1) jeder etwas er- 
wachsene Knabe; dim. Buele zu 
kleinen Kindern gesagt. Der junge 
Schwarz sagt »da hab ich — das 
Buben lebe n von mir geworfen«. 
Kleiderbüchl. 78. Er will seinen 
Uebertritt ins besonnenere Jüng- 



lingsalter bezeichnen. 2) Die 
Augsburger Landschaft heisit 
jedes m&nnliche Familienmitglied 
»Bua«, sei er erwaohsen oder 
jung, sei er wessen Standes er 
will : er ist bei Eltern und Ge- 
schwister »anser büe«. 8) in- 
schlimmer Bedeutung, oneRüd»^ 
sieht auf Alter. »Dann die L»iir- 
buoben (2 Wegelagerer) Wurden 
von dem Kaiser und seinen B&* 
ten vertagen und verrioht< . Chro- 
nica V. 1512 — 26 bei Greiff, L. 
Rem S. 101. In den Müller'sehen 
Hilndeln wird der Lakai eines 
Reichsfärsten, der Spektakel w&- 
rend der protest. Predigt machte' 
>wälscher Bub« genannt. 
Posch tbua, Postknecht. Soh. 90 : 
Der Poschtbua samt der Extra- 
schös. >Ein Erzbnb n. Land- 
betrüger«. Gass. 129. A. 1898 
hat man die Kezer in A. doeh 
allenthalben als die ärgsten Hie- 
ben lebendig verprannt« a. a. 0. 

4) Stadtknecht. >Da auch zuvor 
bey den Bürgermeistern nur 4 
Stadtknecht, welche man vor Zei» 
ten die Stadtbuben genennt, 
nun aber Schergen heiszet — ' 
aufzuwarten hatten. Gass. 11, 85. 

5) Lerbursch, Lakai. 6) Buben- 
schinder hiesz zur Zeit des 
Bockelregimentes der streng äea 
Stock handhabende Schulmeister. 
Bua wird in lebhafter Rede zur 
Beteuerung eingefärt »i ho a 
Katz, Bua, dia! d. h. wenn du 
sie sähest würdest du staunen 1 
I ho ebbisz bei miar, Bua, d^! 
vorauta, bua! ja du h&ft's erraten. 



ImIi ^ Büaiii«. 



81 



Am merkwürdigttea ist die doch 
mer der Lftüdachafl eigene Ab- 
wmdlnng von bua? wie ein 
DoaI: bua, buat; plnr. bnana, 
buanty >ddB ist tcbee grwga, bn- 
ftAUl Stauden. Vgl. dfts mhd. 
Wb. 1, 27811. SobmeU. 1, 141. Der 
66ut Seebenmann in Eschacb 
iwiBcken don lUer- nnd Kottale 
ruft den Leaten: 

Hier sne, mier sne 
Ibiiftdm^Wirtebaet 
Babensamat, »kein Bremin von 
Bibeneamat oder änderst nit<. 
übD. Sitt. Ordg. 1574 

BUCH, in TÜen bisoböfl. Augsb. 
Ortsnamen: Raitenbuo ob, prae* 
dfattn 1126. 1179. Bncb beiKutzen- 
knsen, nrkdL Bncb und baye- 
riieb klingend Boueb. Buch- 
Boborn, Bnocbscorro, prae- 
diun in Bnochscorn 1179. 1129. 
Curia in Pnbsperge 1280. YgL 
Wl^. 22. 

BÜGHEBESEL worden vom 
Yolke etliche Bücher-Antiquare, 
die am Weberhause und in der 
Kihe des Sdbmidberges feil hat- 
ten, genannt. J>et lezte, welcher 
diten harmlosen Namen trug, war 
L. Windj^^ht, ein Warzeichen 
A's. durch seine Laune, seine Bü- 
cherkunde und den feinen Test- 
aina, womit er, obwol blind, sein 
CisMihifi, das noch blüt, auszübte. 

BUCKEL^ stm. 1) Rücken one 
Anaswuchs. 2) Haarlocke, franz. 
boide, bayerisch Wugl, Haar- 
'^gL Von dürren, langen 
kommen pflegt man zu sagen: 
"Langer Buckl und a Loch«. 



Schmalzbuckel, ein breit- 
schultriger, wol gen&rter Mann; 
änlich dem Speckbuckel, zu- 
gleich eines Tübinger Lonkut- 
schers Beiname. 8) st u. swf.: 
Metallbeschlftg, goldenes Beschlag, 
überhaupt Beschlag, in der Augsb. 
Eleiderordg. häufig: »Und auch 
solen sie keine güldene oder per- 
line Ketten, B u g g 1 e n, Armband, 
Medeyen zu tragen befugt sein«. 
Kleiderordg. 1668. >Ingleichen 
solen sie sich nit understen, hart 
güldene Bugglen, Stefft, Armb-, 
Kehl- und Halsband zu tragen« 
a. a. 0. »Doch würdet den Jung- 
frauen von der Eaufleutstuben 
zugelaszen, oben auf dem Baret, 
ein güldene Buggel oder Rosen 
zu haben« a. a. 0. »Die Jung- 
fern mögen zwar wol perlene 
Haarband u. mit Gold uj^ einer 
dergleichen Bug gel oder Rosen 
gezierte Baretleio, Kränzlein oder 
Aufsäta tragen« . Polizeiordg. 1683. 
S. 63 

BÜCKEN, ABBÜCKEN, swy.: 
abbiegen, biegen. Immenstadt. AU- 
gem. >Und bücken ds und bie- 
gends war sie wend« »ich wil sie 
bücken, biegen und brechen« 
a. a. 0. TN. 3648. 4893. 

BÜCHSE, swf.: 1) Zunftlade, 
bes. Zunftkasse. Esz gab einen 
Büxenpfleger, Büxenmei- 
ster; eine Färberbüxse, 
SchwarzfärberbüxBC u. s. w. 
In der Knappen- und Gesellen- 
ordnung spilt die Büchse eine 
Hauptrolle; in den Akten stet: 
zue der Büx bringen; in die 
6 



82 



Bulen — Bargfeld. 



Büx den Quatembergproschen le- 
gen. >Yor der Bux mosten 
alle fremden Knappen und er- 
seszene Lerjongen ire Lembrief 
oder guete Zeugnisse irer Lemung 
an der nechsten Quattember nach 
dem Auslernen oder Herkomens 
auflegen und furbringen«. Web. 
Akt. »In die Büxen gestrafft 
werden« nach Befund des Ver- 
brechens. »In die Batsbüx zu 
legen, gestrafft werden«. Alle 
Quatember wurden die Namen 
der unredlichen Knappen >vor 
der Büx< auszgerufen. 2) Ein 
Frauen - und Männerschmuck. 
>£benfals solen die Manns- und 
Weibspersonen keine Schlieffer 
oder Büxlen von gutem glattem 
Samet, sondern allein von gemo- 
deltem Tripsamet tragen«. Klei- 
derordg. v. 1668. 8) Weibsperson, 
besonders eine Schwäzerin, >du 
Sohnetterbüx«! Augsb. Fü- 
szen. >Du bi§t 89 leebtd a S c h n e t- 
terbüx gewesa< a. a. 0. Büch- 
senschlecker, Spottname für 
den Apotheker. Bildlich: in die 
Büchsen blasen , consentire. 
»Etliche Ketzer aber, so den 
Richtern in die Bixen blie- 
sen (d. h. bestachen) namen sie 
in der Still zu Gnaden auf<. 
Gass. 137. 

BÜLEN, 8WV.: öffentlich verliebt 
tun >Im Gesicht bulen, wie 
ein Esel um ein Bund Heu<. 
Kleiderb. 130. Oberpfälz. > ver- 
liebt sein, wie der Esel in 
ein Bund Heu<. 
BÜLHEIU), stm.: Platte von 



Guszeisen in dem Stubenofen, um 
Feuer darauf zu schüren. 

BULLE, zu Grimm Wb. II, 618; 
villeicht Bollen? >ItQm ein Haupt 
ser schön geziert auf einem gül- 
denen Kussle mit schönen ganz 
gülden u. geschmelzten Bullen 
oder Buckhlen«, cod. Bav. 2918. 
»Vier kleiner messener Ballen« 
a. a. 0. 

BUMBEL, f.: kuzze, dicke Per- 
son, beiderlei Geschlechtet. 

BÜNDEL, stm.: Felleisen. 

BUNEIS, das, klein gehackte 
Bübenspeise, echtes Augsburger 
Gericht; warscheinlioh gebildet 
wie Br&tis. Schmid 107. Von 
einem Zeitwort bunken, schla- 
gen, stoszen, zerhacken beiSchmeU. 
I, 287. Weigand I, 198. 

BURGEL, allgem. Walpurga. 

BÜRGFELD, in einer ürkd. 
1816: aoker auf Barchyelt bei 
Augsb. mit einem Ziegelstadol 
Mittig. der deutschen GeseJlscbaffc 
zu Leipzig 1,202. Gassams kennt 
einen Burgschlag oder Barg- 
feld. Für Burgstal, so häufig 
in ganz Schwaben, stet Busohel, 
Public, des Histor. Vereins für 
Schwaben und Neuburg I, 1836. 
S. 14. Yrgl. die mer norddeut- 
schen Formen Burstel, Bar- 
sch el und das Isenhagisohe 
Beedenbostel, urkundlich 
15. Jarhundert für Baginbarg- 
stall. Förstemann, Ortsnam. 90. 
Burggraf, der, von Augsburg, 
comes castrensis. Grimm Wb. B, 
548. Sein Amt war in Augsburg 
das des Richters. Schmell. I, 96' 



Bürling — ßnrschat, Borsat. 



83 



Nach dem Stadtreohie lag im 
folgendes ob: >em jeglich burg- 
gräfe 8ol rihten dem armen unde 
dem riehen ande sol auch niemen 
cheinen gewalt tun, esz si nmbe 
gölte oder umbe lipnar unde stät 
auch sin buzze nit hoher danne 
ze fiunf Schillingen unde sol auch 
cheinen Satz setzen über die lip- 
nar, an die r4t geben noch auch 
sie an in, unde swen unser herre 
der bischof d4rzu git. Swa er 
des niht entaete, so h&t der bürg- 
grire unde di r^tgeben den 
gewalt, daz si der stete raten daz 
beste, daz si wizzen umbe di lip- 
nar unde swes er unde die rät 
geben mit einander uberein cho- 
ment: daz sol er in staete haben 
unde rihten unde swa er in daz 
braeche unde des niht enrihte, daz 
Md in der bischof rihten hinz 
im«. Sodann komen die Pflichten 
gegenüber den einzelnen Ständen 
und Zünften. 

BORLING, der: kleiner Heu- 
haufen, in der Grösze, dasz eine 
[ Person in zu tragen vermag, 
oberpfiklz. eine Bür Heu oder 
Gras, d. h. sovil als eine Person 
iof dem Rücken oder auf dem 
Kopfe herein tragen kann — ver- 
tönt ausz Bürde, Last; gehört 
zu got. b a i r a n, tragen . Bei Jerem. 
Öotthelf Birlig, fiir Schöchli 
VUI, 2Ö3- 
BURREN, der, swm: Hügel, 
1 Aidiöhe, in Schwaben ser häufig 
vorkomend; vgl. Wbl s, v. Da- 
her der Giltmannsname v. St. Ul- 
n<^>Barrenhau8er«, cgm. 154 



f. 80b; mit bür, Wonung hat 
esz nichts zu tun, wol aber stet 
esz zuburjan extollere, erigere; 
wozu das Schwab. Bussen zu 
stellen sein dürfte. In der Dorf- 
stechersprache im ülmer Ried 
heiszen kl.£rhöhungen>T o r f b u r- 
ren<, >T. abstech en< , >nacher 
angelegene B u r r e n < . Martin 
Müller 84. 98. Schmid 107. 

BÜRSCH, die, erscheint münd- 
lich und schriftlich in der alten 
Augsb. Stadt- und Landschaft- 
sprache. >Un8erer Geschlechter 
junge Bursch«. Gass. >Ich ent- 
schlug mich der jungen Bursch 
(Kleiderb. 117) und gesellet mich 
dann zu den ehrbaren und für- 
nemen Leuten« sagt der junge 
Schwarz. Vgl. das Lied von S. 
Mauriz, Viktor und Urs. Constanz 
1692. 

Mauritius Viktor und Urs, 
Die tatens dapfer wagen, 
Der Bischof tet die ganze Burs 
Von newem zu Rittern schlagen. 
An die hergebrachte Erklärung 
von bursa, ausz dem bügt, 
bügtle, bür stl, werden sol, kann 
ich mich nicht anschlieszen , esz 
wird wol an Kopfhaar (Bürate), 
capillatura, zu erinnern sein und 
Bursche urspr.d.Knecht m. gescho- 
renem Kopfe bedeuten, den Leib- 
eigenen und Hörigen. 

BURSHOF, Elmanswanger Land- 
gut b. Viscbach. 

BÜRSCHAT , BÜRSAT , —adj. : 
burschatin, — eine Art halbsei- 
dener Zeug »Satin de cypresK. 
>Da8 Wams war burschatin«. 
6* 



84 



Bun — - Baz. 



Eleiderb. 51. >da8 Röckle von 
Burscliat mit Eehlmeder gefü- 
tert«. 80. >pur8chet«.80.Schinid 
109. 

BÜBZ in BÜRZSTENGELA, 
BWY.: einen Burzelbaum machen. 
Immenstadt, allgem. »Du haust 
denn Hüpf gmacht wie a Floah, 
undPüzagtengel obadrei«. Seh. 
Kiederschwäb. schurabüzla und 
Büzgtengel macha. Burzer, 
Büzer 1) e.zwergart. Mensch, ver- 
hüttet. 2) ein gewiszes Zeichen 
am Hirschfusz. Waidmannsspra- 
che, cgm. 289f. 105b. Burzen- 
hofer hiesz ein Giltmann zu St. 
Ubrich. cgm. 154f. 20 a. Schmid 
109. 

BÜSZMEISTER der Weber- 
zunfbf 4 an Zal, waren eine 
Art Aufseher, Inspectoren, so 
von der Zunft aufgestellt wurden, 
die Aufrechthaltung der Zunft- 
ordnung zu bewachen, Mängel 
und Uebertretungen zur Anzeige 
zn bringen. Besonders lag inen 
ob, auf faule Gesellen und Ler- 
ner Obacht zu halten und bei den 
Meistern die gesezliche Zal der 
Btüle zu controlieren. Wer falsch, 
d. h. über 6 Zäne wirkte, den 
musten sie anzeigen. 1 Zan 
bezalte nichts. Zwei Zäne büsz- 
ten 6, 3 Zäne 12, 6 Zäne 
90 Pfennige. Ferner lag inen 
an, ob keine gemeinen Weibs- 
leute >in den Winkeln ho- 
cken< oder die >Wolle strei- 
chen ;€ ob keine Brüchler oder 
Barchethändler üeberellen ver- 
kaufen, d. h. Tuch one ordent- 



liches Geschauzeichen. Von der 
Busze bekam der Bnszmeiater 
Va oder Vs des Geltes. SchmähuB- 
gen gegen sie bfiszteoi ungkidi 
harter. 

BÜTTE, swf.: Tragkorb, Bfi- 
ckenkorb, in dem die Landleate 
Ire Erzeugnisse für Küche n 
Markte bringen. Bütte, dolinm: 
>und hiez in setzen in ein bötte- 
nun siedendigs Öls«; cgm. 2671 
17 a. darnach warf man e^j^gebwi- 
den mit henden und mit Füssen 
in ein bittenun vol kaltes Was- 
sers«, f. 66 b, d, putina, Grai^ 
m, 87. Grimm, Wb. H, 579 £ 
Vgl. Botegin, Mhd. Wb. I, 286«. 
Schmid 104. Frisch 1, 159 c 

BÜTTENMANNSKAPPE, «w£: 
eine landschaftliche Tracht ate 
Weiber, eine niedere Pelzhaubovmi 
Marder- oder Otterbräm mit grfr 
nem oder blauem Samtboden and 
gekreuzten Samtschnüren, die zwi- 
schen Hut u. Yisir getragen wird. 

BUTTER, stm.: Red-A. >wie 
B. an der Sonne dasten« 
ertappt sein Yergen bekennen. 
Butternoggelen pl. dim. »mit 
Butter abgetriebene MehUdösse«. 
Butterw eiber. Mrktordg. 1735. 
BÜTTRICH. >Er samet die 
waszer des mores als in einsot 
buttrich«; cgm. 82f. 82a. 

BUZ, swm.: larva, PofpanE, 
Einderschrecken. >Wenn wir dem 
Butzen die Larven vom Ange- 
sicht reiszenc. Augsburgmr Ret 
Schrift. 152 s. (491 h). Busen- 
bercht, — mann, mmmmel 
nebst Knecht Rupreohi, PdsmArtab 



Biuran — P. 



85 



Sefafwarzermann, Wanwau, sind 
eckt aagsb. Schreckgestalten. Im 
Riesz gilt Buzenberch und 
Bazenwabele, welche, als 
steinalte Personen, bes. Weiber, 
die groszen Taschen voller Kinder 
haben. Bnzen-Nigele oder 
Buzle heiszt ein kleines kurz- 
gewachsenes Kind. Bnz, Im- 
menstädtisch, ein böser unartiger 
Bube. Mhd. Wb.1, 287.Schmid 111. 
BÜZEN, 8W. m. 1) Kernhaus 
der Aepfel o. Birnen. Heraldisch: 
an blauer Sohildt, die zwen 
Spitz Bunt den Rosen darob weiss 
mit gelben b u z e n . Insignia 123. 
2) Der Ab&U d. brenn. Dochtes. 
3)I>erGrand eines körperlichen 
Uebelz, einet verborgenen Uebels; 
md davon bildlich in vilen Fäl- 
len üblich. 4) Verhärteter Na- 
WBiehleim der Kinder >besttnder 
ao die Kinder den atum hart 



haben und schnudrent durch 
die Nasen wann esz erwaicht die 
pützlein und wendet die Flusz 
zu der Nasen heraus.« cgm. 601 f. 
97 a. Schmell. 1,230. 5) Schnee- 
flocken >Aprilabuz.€ »Thund d' 
Wolke Buza falla laü.c Seh. 189. 
BÜZEN, swv. 1) Omare. >wol 
gebuztes und gestaf&ertes Yolk. « 
Gass. >mit wol gebuzten Hau- 
fen« a. a. 0, bes. also von wol ge- 
rüstetem Heere. Einbuzen, 
eine Leiche zieren und einlegen 
in den Sark; Geschäft der Seel- 
nonne. Buzaweg, Scharfrich- 
ter. Buzung, >Buz und Säu- 
berung der Wisen<, »buzte 
Grans« Mrktordg. 1735. Kempt. 
Confirm. 2) perdere >man lasze 
nun Gott hinter sie , der kann sie 
butzen und izt da, denn dort 
einen vom Brett rücken.« Dr. 
Müller. 



Der Schwabe wie der Süd- 
deutsche überhaupt vermag den 
Laut des p wie in die Nord- 
deutschen und die Bomanen ha^ 
W, gar nicht wiederzugeben. 
Will er p auszsprechen, so tut er 
eu nur mit eigentümlicher An- 
B^ngung, um nicht mit einem 
starken Hauch zu enden, gleich 
«ii wollte er bei pf anlangen. 

A.ii0ii9iraohe: Im Anlaute wie 



b, b — h, p — h; im Inlaute p — ^h; 
bb — h; bb. Im Auszlaute bbh. 
Beispile: a)Brobst, Boledden 
Balmtag,cgm. 168. Balmesel, 
Babst, Briester, Botter (pa- 
ter noster), Bilger, Bilgram- 
schaft,Poliz.0.1553.Bein(Pein), 
altes Messbuch; Bredig, Ban- 
zer, Baten (Patene a. a. 0.). 
breisen, Brimzeit, cgm. 480 f. 
54b.Bombbermetten, Budel, 



86 



P — Pabnesel. 



Badergottn.s.w. b.Däbbeler, 
altersschwacher Mensch , D o b - 
b9, geronnene Milchteile, da- 
her Dobbenudla, Dobbakäs; 
deckte Ribbh, Stücke der 
Bmst, Mezgersprache. Nobben, 
znm Kapaunen machen; Wibbe, 
Faschine, Dibbidabbh, Tölpel; 
Elagkabben; stibben, mit 
Hand oder Ellbogen einen Stosz 
geben; Erotaschnabber, i. e. 
schlechtes Schnappmeszer; Baz- 
z a 1 ib b . 1 (Philipp) roher Mensch ; 
Bobbarädle, Mezgerstichelna- 
me; Abb er, eine voll angespon- 
ene Spindel; Enabben, Haus- 
knabben sieh E.Schäbberle, 
Brusttüchlein, Schmuzlappen für 
Einder; grobbet, rauh, uneben; 
Dobbeldaff et; hobbs, schwan- 
ger. Abbel (ApoUonia) u. s. w. 
c. hobbh! (jucken, auf einem 
Fusz springen, hüpfen), zabbh 
(Chagrin) u. s. w. Ueber den 
Lautwert von P sieh mein Wör- 
terb. zum Volkstüml. S. 14. Ueber 
wirkliche und gestörte Lautver- 
schiebung a. a. 0. 29 und unten 
bei F. Disz ist ebenso allgemein 
schwäbisch , wie Augsburgisch. 
Angleichungen von p, t, u. s. w. 
wie z. B. in Nobburg fiirNot- 
purga, Settember f. Septem- 
ber, Eleiderb. S. 80 finden sich 
in schriftlichen Denkmälern nicht 
selten, sowol in bayerischen als 
schwäbischen, wo auch Salt er 
und Psalter, Salmen und 
Psalmen üblich sind ; cgm. 1 68 f. 
25 u. oft. Die Schreibung p oft 
geradezu noch für b in Prot 



u. 8. w. ist echt bayerischen Denk* 
malern eigen, weniger den schwä- 
bischen. 

PALM, PALMEN, der, ein 
Büschel Palmweiden, die am Palm- 
sonntage kirchl. gesegnet werden, 
meist y. Eindem geschnitten, ge- 
bunden u. zur Eirche gebracht 
Nach altem Brauche steekt man 
einen Palmzweig in den Eren- 
plaz der Stube, in das Cruzifix* 
eck und bei Bliz und Donner 
vor das Fenster. Ueber das An- 
zünden der Palmzweige bei Ge- 
wittern, über die obersehwftb. 
Formen der Palmbüsohel und de- 
ren Aufbewarung sieh mdn 
Volkstüml. n, 73 ff. Die heilige 
Handlung heiszt Pahnweihe; >nuai 
weihet den Palm«, »die 
Palmweyh« Festkalender. Die 
Eäzchen der Palmweide heisien 
in Augsb. Palmmnlle, amenfa 
Salicum L. 

PALMESEL. Ueberall in Schwa- 
ben war der Palmesel volk- 
tümlich. So auch in Augsburg. 
Das Jareinmal hat: 
Wenn Ostern bald heran will 

komen. 
Wird der Gebrauch in Acht ge- 

nomen, 
Dass auf den Ostermarkt man geh 
Und ja den Palmesel seh; 
Die Einder auch darauf läszt reiten, 
So g'schiet's Jar einmal; was 

soll's bedeuten? 
Dieser Palmesel war eine höl- 
zerne Eselsgestalt mit Christas 
dem'^Herrn darauf sizend, gefer- 
tigt von einem Ulmer Künstler. 



Paltrock — Passftuer. 



87 



Seit 1436 ward er in der St. ül- 
richskirclie heramgefort, vollauf 
7on Kindern besezt, weilesz Pa- 
ten u. Eltern für die' Kinder als 
eine grosze Ere hielten, wenn sie 
am Palmtage auf dem Palmesel 
reiten durften. Jedes Kind muste 
einem Aufseher 1 Kreuzer beza- 
len. Dieszheiszt Gass. das Pal m- 
eselfest halten S. 47. Bald 
hörte die Sitte auf; dafür wur- 
den kleine hölzerne Eselein den 
Kindern verkauft. Paul v. Stet- 
ten berichtet in s. Erläuterungen 
S.71 von dem Herumfuren des 
Esels als noch järlich vorkom- 
mend. Cgm. 802 f. 17 schildert 
fXDß Augsb. Palmtag-Prozession: 
»Dimach segnet St. Ulrich die 
Palmen; darnach ward ein kost- 
Hch Prozession von Pfaffen und 
Laien gejiept mit creutzen und 
hnen und dem heiligen Evangel 
voran pildnusz vnsers Her- 
ren auf einem Esel sizend 
▼nd jedermann palm in Henden 
tragend vnd gieng die Prozession 
von S. Afra bis auf den P e r 1 a c h . 
So khomen der procession entge- 
gen die Chorherm vnd Pfaffen 
von vnser Frawen vnd mit inen 
die pnrger von der statt, die in 
der Stadt belibend und nett bei 
Sant Ulrich warend und bei in 
vil anderleut von den Dörfern 
und Weilern zu dem fest chomen 
wäre. Daselbs ward lobgesang 
Yolpracht, die palm en gewor- 
fen und die claider gesträtnach 
des feste gewonhait. Damach 
thut St. Ulrich ein |H*edig vnd 



verpracht St. Ulrich das Ampt 
der Mess. Darnach jedermann 
heim.< In Homo Simpl. heiszt 
esz: »Ein rechte züchtige Jung- 
frau musz sein wie der Palm- 
esel, der läszt sich im Jar nur 
einmal sehen.« 

PALTROCK, >Um 4 Elen ob- 
stends tuech zu ain Paltrock< 
6 f. 12. L. Rem. S. 44. 

PANTOFFELSTAFFETTEN, 
pL, Weibemeuigkeiten. Scherz- 
weise. 

PANTSCHMÜLE, f., Walkmüle. 
zu bantschen s. v. B. Sieh 
Nikolai's Reisen 8. Bd. Beilage 
S. 83. 

PÄPPELE, dim.; Milchbrei, 
Kinderbrei. 

PÄPPELET, adj.: weichlich. 

PAPPELN, unverständlich oder 
vil reden; besonders von der an- 
hebenden Kindersprache. 

PAPPERLE, dim.: Papagei. 

PAPPET, adj.: eifrig, schwär- 
merisch in seiner Religion. 

PARR, alt Parra,ein moosig. 
Grund b. Schiosze Kaltenberg. 

PARTITENSPILER, Betrü- 
ger. Schmell.1, 296. >diserkomt 
durch das Hörensagen den Leu- 
ten in die Mäuler als seye er ein 
Partitenspiler, ein gewiszen- 
loser Wucherer«. Homo Simplex. 
»Wollte Gott solche Partiten- 
spiler wurden auf dieser Welt 
exemplarisch abgestrafft«, a. a. 0. 

PASSAÜER Wein und Ae- 
pfel erscheinen häufig als Fein- 
heit und Leckerbiszen, auch als 



88 



PMMner ^ Pii. 



Anmei; möglich, dasz wirklich 
Pa BS au er Gewächs yerstanden 
ist, oder hat das Österreichische 
überPassau eingefarte Erzeug- 
nis als Passauisches schlecht- 
hin den Namen bekomen. Pas- 
sau lag an der Hauptstrasze. 
>£in wolgesmachs suesz pier 
zimpt ir (der Saugamme) geszen 
und getrunken. Ein Passauer 
oder sunst süszer Wein, da- 
raus sie vnderweil ein Brot esze, 
ein gerstenreysz oder Hyrsch 
(Hirse) in Milch gekocht ir nütz.« 
cgm. 601f. 100. >Oder ein Pas- 
sauer öpfel oder Österrei- 
cher öpfel ynd tu den grucz 
daraus«, cgm. 317 f. 23a. Ueber 
die Passauer Kunst d. h. He- 
xerei, sieh Schmid. 46. Passauer 
Klingen. >Er biegt sich zu- 
sammen wie ein Pas sau er 
Klingen: er schreit wie ein 
Nachtwächter, er schwizt wie 
ein Postklepper <, Conlin. »Der 
gedultige Narr musz sein wie 
ein Paussauer Kling, die durch 
lauter Bücken und Biegen ir 
Prob zeiget«, a. a. 0. Die Passauer 
werden von den Schwaben, zum 
Teil von den Oberpfälzern insge- 
mein damit aufgezogen, dasz sie 
kein 8 sprechen können. Der 
Neckreim heiszt oberpfälzisch: 
bidd denn du äu a Baddaua? 
bidd denn du äü a Daldad? 
traudt di niad affi af d* Maua 
traudt di niad eini in d'Dad. 

PASSAUER DÖLPEL scheint 
eine Art Lalle, ein Städtewar- 
soichaiL zu sein. >Wanns werden 



(Maulaffm) fortgetobsflEI, de g«- 
han gleiehwol nieht Häwan 
die Mäuler auf imd Ueiben aaoh 
gleichwol stehen. Diese Tergleiohe 
ich PassauerDölpelsGeiehi 
Wie das in Paseau ist noeh tif- 
lieh anzusehen«. Natorliehe Za«r 
berei t. Rudolf Ijang von Augi* 
bürg 1740. 8. Heft 49. 

FASSIERLIGH, a4i.:>d6ryoU- 
mond im Widder Terspricht win- 
dig sonst passierlich Wet- 
ter« Augs . Hof- u. ffirchenkalen- 
der 1761. 

PASTEI, wie hochdeutsch; 
in A. gab ezs solche bergar- 
tige Vorwerke bei dem iBa- 
eher Anger, bei dem <Wasser- 
tum, nahend dem roten Tor; 
bei dem Gänseck des Gögginger, 
in den Judengottesacker bei dem 
Wertacher Tor; bei dem Lu- 
ginsland und dem roteu Tom. 
Werlich S.2. 

PASTERNAT, Pastinak, pasU- 
nacia sativa. L- 

PASTETE f. Klabb, Gesellschaft; 
>die ganze Past^t« die ganze 
Gesellschaft, wie sie beisamen 
ist. 

PAUSE; cgm. 168 f 42 b. u. 
oft hat >mit Pausen« ^ »zwo 
pausen f 49a. ü schon zu au. 
PÄZ, swnu: 1) Pfuze, Kot, 
Sumpf: >dä hupfät dy ohrot ein 
den tiefen Waszergraben. da was 
ir päz«; ogm. 259 f. g.b. Mer 
bayerisch. 2) P&b ntr.komt im li- 
turg. und myst. Büchern vor als 
FriedensknssTon ptz Tobis. 



PlMdnhoTa "— Petell. 



89 



PAZGINHOYA, O.N.: fiaiaett- 
InfaiL ürkdL 88a HofdetPftBio. 
Später: Passenliova, PaBtenhoven. 
Bazsenhoyen. 18. Jarh. Ba- 
tienhofen. 

PEGHFISEL, mso.: Schuster, 
nitor; Bcherzweise, im übrigen 
Schwaben Peohfidla. 
PEICK ? >al80 waren die Schwei- 
ler za gech nnd pangketen auf 
— item sie löseten aus derpeigk 
1300 fl.< Frank, Annal. »Helfen 
ein peigk gewinnen.< a. a. 0. 

PELZIG, adj.:kramp&rtig,6r- 
lehlaffend. 

PERLAGH, Perlachberg, 
Porlachatieg in Augsburg, in Chro- 
niken Perlacher Plaz (Gass. 
125). YolkübUch: 

PEBLENBERG. SiehUrk.ind. 
Public der deutschen Gesellschaft 
SU Leipzig 1, 167 :B er laich Den 
TÜen der abenteuerlichsten Er* 
Idiyimgen besonders auf Seite der 
Bomanomanen können vorerst nur 
die ältesten urkundlichen Belege 
entgegengehalten werden. 

In Augsburg gibt esz folgenden 
Schnellsprechvers: 
Welcher Beck becht die besten 

Brezgen? 
Den B erlab er g auf und ab? 
Und hängts beim hintern Fenster- 
laden Nagel nab? 
PEST in Pesthaus, Pest- 
kirohhof,Pestoapelle; »durch 
^•a, und wie das zum Pest- 
lEirchhofu. H&usem geschenkte 
>A verwenden«. »Errichtung eines 
^•itkirohhofs zu gefunden 



Zeiten in der Stadt steht den 
Pfurrem nicht zu«. »Gapelln 
zu errichten in Pesthäusern 
ist unverwert« u. 8. w. Akten. 
»Ein hitzig pestelenzials Fi- 
ber« L. Rem. S. 7. Flurnamen 
kenne ich folgende: Pestaoker 
V« Std. V. Seibranz. Grabstätte f&r 
Pesterlegene und Hingerichtete. 

PESTKRfiUZ. 1) bei Röttin- 
gen OA. Nersheim. 2) bei Horb 
an der sog. Talstrasze. Pesti- 
lenzholz, bei Breitingen (Ulm) 
u. s. w. Pestgottesacker bei 
Wemsbofen. 

PESTH und OFEN leben noch 
ausz dem Türkenkriege in ober- 
Schwab. Kinderreimen: 

Uraxdax und Shureschä 

Pesth und Ofa Wereschwä. 
PETER, ein gutmütiger 
Mensch von geringerm Verstände 
und wenig Klugheit. Kinderreim: 
Der Peter und der Paul 
Die schlaget einander aufs Maul 
Der Peter ist so keök 
Und wirft da Paul in Dreck, 
Der Peter lauft davon 
Und sagt i habs nett thon. 

(Augsb.) 
Ich füre hier auch den schwä- 
bischen Kirschenpeter an; 
ein Fest, bestand in Kirschen- 
besuch und nachher Gelage, bei 
Plochingen bis Bottwar und Heil- 
bronn hin am Peterund Pauls- 
tage. 

PETELL, der, »So ein Vogts- 
geding auf der Phallenz zu 
Augsb. gehalten wird, so solder 
Reichsvogt dasselbe Vogtsgeding 



90 



Peterling — PftiffiB. 



betitsen und Ton dem Petell 
den Stab nemen und richten.« 
VrgLv.U56. 

PETERLING, der, Petersilie. 
In Worml. und Umgegend Pai- 
terling; im Eichsfeld Paet er* 
sillie, swf. Mhd. peterlin. 
Wb. in, 872 b. Schm. 1, 801. »Und 
wer Juden, ald Essenmacher 
oder iemand anders zu kouffent 
git peterlin ald was in den 
garten wachst, wann an offen 
Markt, der verfallet 5 Schilling 
als dick er das tuot.< Memming. 
Stbch. lieber die mit -ling ge- 
bildeten Aepfel- u. Schwammena- 
men. Vgl. Gramm, m, 872. 876. 782. 

PEUTIN6EB, erhalten in dem 
Peutinger- oder Jesuitenholz, 
der Holzmarke Kehlbach zwischen 
Rumoltsried, Willishausen, Ocken- 
hof u.Biburg. 

PFAFFE. l)>Pfaffengäss- 
c h e n gibt esz in Augsburg 8 : das 
untere, mittlere u. obere.« 
Pfaffenhäuslein bei St. Pe- 
ter, Gassarus 91: <Verpranne 
sampt den nahendten Pfaffen- 
häuslein zu St. Peter auf dem 
Boden hinweg.« >Die Pfaffen- 
jungen« a.a.O. >den Pfaffen 
mit der Kutte eszen« Redens- 
art: groszen Hunger haben. Be- 
kannt sind die auch in Augsb. 

bräuchigen Pfaffenschniz- 
lein, das Brustfleisch der ge- 
bratenen Gans. Pfaffenkeller 
b. d. Reitschule. Adj.pf äff lieh 
>Dasz ist, swer einen pfaffen be- 
raubet uf des riches sträsze, der 
gewihet ist vnd pfäf liehen ri- 



tet oder g&t 6ne wer«. Angab. 
Stadtb.f. 8 a. Sp.2. Mhd.Wb.in, 
475. Ausz andern Teilen Sohwa* 
bens kann das Wort Pfaffe be- 
sonders in Zusamenseznngen 
in folgenden Bedeutungen nach- 
gewiesen werden: P f af f en g a s s e 
1) b. Kolbingen. Mülh. Urb. 80. 2) 
in Riedlingen. Pfaffenberg, 
Wurml. Weinberghalde. Pfaffe- 
nau, Rottenb. >duo jugera pra- 
torum in der Pfaffenau«. De- 
Bcript Garm. Pfaffental l)bei 
Ueberlingen. 2) bei Tillingen 
(Baden), 8) bei Wehingen (Wtir- 
temb.). Pfaffeneichei^rain, 
Grundelbach. Waldname. Pfif- 
fen äcker bei Hohentwil. Pfaf- 
fensee bei der Solitude. Pf äf- 
fe nbrandb. Möhringen, e. Wald. 
Pfaffenwald bei ReineinBaa 
(Freudenstadt). Pfaffenitein 
unterhalb der Schilzburg im La^i- 
tertal. Pfaffenhölle, Klo- 
sterhölle Schlucht beim Moot- 
berg im Lautertal. Pfaffen- 
bauerhof, Ulm. Ob. A. Be- 
schrbg. 8. 218. Pfaffen-w&ge, 
Mone-Ztsch. 1, 202. Phafinwisi, 
Madacher Flurname. Mone-Ztsch. 
I, 829. Pfäffenriedertal od. 
Ober-Rottal. b. Leutkirch. Pf af- 
fenröhrlein, dens Leonis, bei 
Hirschau. Pfaffenholz, Ober- 
dorf. ImPfäffinger,a.a.O. Un- 
terdemPfaffenholz,a.a.O.Pfaf- 
fenhölzlein »nächst bei Schop- 
pen gelegen <. Pfarrbuch v. Währ 
ringen. 2) Pf äff, Pfaffenmilch, 
die zusamengesottene käsartige 
Substanz der Ersilingsmiloh d^ 



Pfal — Vhmke. 



91 



Eühe nach dem Kälbern in Her* 
berüngen, Binswangen; E u a p r i e- 
B t er sonst ; B ü et s c h in Weingar- 
ten. >I>er P f a f f a 8 a c k hot koin 
Boda«, überall. Zu den Flur- 
namen vgl. Förstemann, 0. N. 
8. 165. 

PFAL ; in den Stauden galten 
einst, jezt selten mer, Pfale als 
Markzeichen. >£in Pfal am 
Graben, auf der Leitin, ein Grueb 
md ein Pfal in Urb. oft. Eine 
Pfalnng yomemen. Eine Pfa* 
lungskandlg.«. 1567 Mickh Akt. 
PFALZ Die bischöfliche 
Pf als in Augsburg spilt in Ur- 
kunden, Chroniken, überhaupt in 
der Geschichte Augsb. eine grosze 
fioUe, besonders in den oft ser 
ernsten Kämpfen des Krumm- 
stabs mit den Bürgern, bis die 
lesten die Pfalz zerstörten. Das 
Stadtrecht hat die alte Form 
Phallenz, »vndsol auch den er- 
sten tag rechten üf der phal- 
lenz Tnd sweme das dinch üf 
^er phallenz verboten wirt, 
Bwer danne dahin nicht chomen 
ist« u. s. w. f. 58 b. Sp. 2 Die Chro- 
siiken schreiben »Pfalz«. 6a8S.244: 
^der bischöfliche Pallast die P f a 1 z 
^reuannt«. Mhd. Wb. III, 476. Gram. 
l,39f. Die Hofstatt der ehe- 
xnalig abgetrag. Pfalz komt in 
den Akten und Verträgen öfter 
'vor. Ebenso erscheinen Vogts- 
geding auf der Pfalz gehal- 
tea< a. a. 0. Otfrid I, 5, 17: pa- 
linza; 4, 20, 6: palenzhüs. 
Scüunell. Glossen: falanza, aula; 
phalenzlioher palatinus, pa- 



lazgravium, magistratUB,pha- 
lanza, zi, ad praetoria u. s. w. 
Die Erinnerung an die alten 
Pfalzen erhielt sich noch da und 
dort in Münzen und Flurnamen. 
Pfalzgraf heiszt Beutlingens 
beste Weinbergshalde. Vrgl. 
Schmid, die Tüb. Pfalzgrafen S. 
139. Pfalzhalde heiszt noch 
jezt der südliche Abhang von 
Hohentübingen. Pfalzgräfer, 

e. Münze. >18 gemeiner leichter 
Pfennig, so man Pfalzgräver 
nennet.« Mülheimer (a. D.) Urbar 

f. 8. Aenlich hat sich noch der 
Feldemame Markgraf in mei- 
nem Heimatorte erhalten für we- 
nige Jauchart Ackers, offenbar 
von den Hohenberger Grafen her 
benannt, die hier zalreiches Gut 
und vil Land und Leute besaszen. 
Oder von den Tübingern? 

PFANNE : in dem Fuggerschen 
Inventarium zu Hardt von 1691 
werden >Messene Pfannen, 
eiserne Pfannen, Pfanneisen 
u. s. w. erwänt< »A Pfändle 
machen< allgemein : das Gesicht 
zum Weinen verziehen, wie Kin- 
der tun. Pfannzelten, Pfannen- 
kuchen: »desgleichen sol man je- 
dem pfründner und pfründnerin 
des Spitals in der Tasten alle 
Wochen zwen pfantzelten, 
nemblich ain amMontag, ain an der 
Mitwoch; dorzu ir jedem als 
quatember ain pfantzelten, 
nemblich an der mitwochen, an 
den 3 Donnerstagen nechten vor 
wichennächten genant dieknöpf- 
linsnecht auch ir jeglichen ain 



92 



Pftrrig -- Pfeceo. 



pfandEelten geben; derselben 
pfant zelten ainer ain halb 
Pfand wegen 8ol.< Erneuerte 
Pfründordnung v. 19. März 1462. 
>Statt der 8 pfandzelten sol- 
len, zwo Hennen gegeben werden.« 
Pfründe - Ord. V. 164S. In den 
Stauden ist Pfannzelter Fami- 
liename. (Mickhaus. Akten.) 

PFARBIG sein, schuldig, ver- 
pflichtet sein, offenbar V.Pfarre 
ursp. zu der und der Pfarre zehn- 
den, Gilten bezalen müszen. In 
dem Altenstaiger (Schwarzwald) 
Lagerbuch v. 1660 bei Reyscher, 
Stat. Rechte 81 komt das Wort 
auch vor: >ünd Beyren dahin 
pf&rrig gemacht. >ImPfärrle« 
eine Ortsbezeichnung in Augsb. 
Bronn. 0. 1764. In der Pfarrei 
heiszt volktümlich seit Alters der 
Bezirk Horgau. 

PFAÜSEN; vom Vileszer heiszt 
esz bei Regiomontanus 1512: >das 
ain Mensch schwer und trag wirt 
nach dem Eszen vnd den Atem 
tief holt und pfauszet, das sein 
natürliche Wirmeist geschwecht.< 
Gehört wol das pauszenin einer 
herzogl. wirtb. Verordg. v. 81. Jan. 
1661 bei Reyscher. Samlg. XII, 814 
auch daher: >übermäszig pan- 
kettieren, Gastungen, Schlemmen, 
Paussen und Prassen.« 

PFEFFER, in Hasenpfef- 
fer, Ganspfeffer, imwirtemb. 
Sehwaben so volküblich, kennt 
Augsb. auch; in der Pfiründner- 
ordg. V. 1462 : > Am gailen Mäntag 
zu Imbis die gewonlichen pfrönd 
und zu dem Nachtmal einen pfef • 



fer mit Zungen und Eiter und 
ain Milch dazu«. >Am St. Mar- 
tinstage zu Inbis die gewonliehen 
Speis, darzu ain pfeffer: Vieren 
ain gans, jedem einseidlin Weins«. 
Die Ord. v. 1648: >ltem auf Mar- 
tini gen Morgen soll man einem 
jeden Pfründtner oder Pfirondt- 
nerin zue sambt dem so ime sonst 
gebürt gegeben werden ein Pfef- 
fer, darinnen Zungen und Eiter«. 
Nicht kann ich esz für Geschenke, 
¥de in meinem YolkstümL 11. 113 
und öfter esz vorkomt, nachweisen. 
VrgL mein Wb.z. Volkst. s. ▼. F. 

PFEIFE, die, »Er dappet nicht 
blind unbedachtsamb drein, da- 
mit er nicht, wie man zu sagen 
pflegt, ein Ross umb eine 
Pfeiffe vertausche«. Homo 
Simplex. 

PFENNIG, »Münchner pfe- 
ning« sowie von den schwäbischen 
Reichsstädten benannt, komen mi- 
z&ligemali d. Akten vor. P fenn- 
wert, was 1 Pfennig wert ist, 
SchmelL 1, 816. cgm. 2517 f. 26 b. 
Schulden und Pfennwerten 
S. 487 b. Pfenniggilt sieh 
Eisengilt. Pfennigmeister 
und Partitenmaoher hieszen 
Kaiser Karls Y. Geldauftreiber. 
Gassarus II, 78. Gastwirt und 
Pfennfertkrämer. 

PFERDELN, den Pferdegemoh 
an sich haben. 

PFF^EN, zwicken, drücken, 
»mit glühendenZangen p f e t z e n<* 
Gass. U, 122. Mhd, Wb. UI, 498 b: 
pheze, swv.: vellicare, zwicken, 
kizeln; ital.pizBioare . 



Pfiffeilmg — Pflote. 



93 



PFIFFERLING, wie hochd. d. 
Schwamm, Erdschwamm in Augsb. 
aaGh Kot nnd bildlich eine 
wertlose unbedeutende Sa- 
che, änHch wie Judenheller. 
Schon Abt Peter von Salem sagt 
>Sie waren von dem Ossa (30jä- 
rig. Eri^) also verordnet nnd 
hielten anf die Salva Qoardianit 
einen Pfifferling«. Urk.b.Baa- 
der, Farten I, M. Dasz von 
P f i f f e r 1 i n g , dem Erdschwamm, 
Flnr- nnd Waldnamen herkomen, 
wie S.B. Pfifferlingshan Bev. 
Ringgingen n. andere, ist ganz na- 
toriich. Rosspfifferling. Swd. 

PFIPFI , hartes Znngenspiz- 
\ Biafclemb.Geflügel,aiichPfiffi8. 

FFISIG, >ja ist dieSägamvol- 
knmen nnd rottenhaft, so sei 
man ir laszen zu der Adern, war 
sie aber plaich nnd pfisig vil- 
leieht bedarft . sie 8äubenmg< ; 
cgm. 601 f. 108 a. In den Stan- 
den heute noch bräuchig: fett, 
wol auf. 

PFITSCHE PFATSCHENASZ, 
adj. ganz durohnäszt. 

PFLADER, >die Mülenander 
Pf laderlachen«, Gass. 1^6. 
VrgL pflätsohen, pflätsch- 
^em, pfladern und zabeln (im 
"Waszer), cgm. 581 f., 112 b. Esz 
Q^b eine Pfladergasse. 

PFLANDERN, »herumpflän- 
^ e r n < , herumreiszen 

PFLASTERZOLL, v. K. Sigis- 

mimd (1416) d. Einf&rung erlaubt; 

\>i8chofl. u. capitlische Untertanen 

teilweise befreit. Wegen dieses 

•oU (1602) die domstütische Cle- 



risei dem Stadtzollerer jarlich ein 
gut Fuder Holz geben. 

PFLATSCHGEN, swv.: stark 
regnen; Pflätsch, Näsze, in 
Folge verschütteten Waszers ; 
dann das flieszende oder stende 
Waszer auf Straszen bei Wolken- 
brüchen, starkem . Guszregen. 
Pflätschen swv., stark mit der 
Hand ins Waszer schlagen; im 
Waszer spilen wie Kinder tun. 

PFLEGÄMTER waren in allen 
bischöfl. Augsb. Städten und be- 
deutenden Orten. Im Fuggeri- 
schen Sehlosze zu Mickhausen gab 
eszeinePflegkuchin,einPfleg- 
badstüblein. 

PFLEMPFEL, lümmelhafter 
Mensch. 

PFL^Z, das, der Hofraum. 
»Auf das pflez ausgeschidt vnd 
zerriszen«. S. 151 b. >Herunden 
auf dem pflez der Kirchen < . (a. a. 
0.) >Der Götz fiel von der Höhe auf 
das Pf Uz nicht one Schrecken 
des Pöbels«. Gass. II, 114, Der 
AJtbayer spricht Flez. In an- 
dern Gegenden Schwabens P f 1 § z. 

PFLODERN. Von Kassandra 
hiiszt esz im Troj. Krg. 24 a.: >In 
einer newen und barbarischen 
Klaidung angelegt mit pfloder- 
tem Haar«. Das flodrizen 
in dem bayer. cgm. 254 f. 4 b. 
scheint dasselbe zu sein. Vom 
Fuchse, der sich vor dem Raben 
tot stellt, heiszt esz : >mit vercher- 
ten Augen, mit niedergefallenen 
Kinpachen mit gestrackten Fäu- 
sten, mit geflodriztem-Swans«. 

PFLOTE, swf : unreine Hand- 



94 



Pflug — Pfulgen. 



Pflote schreiben, unleserlich 
schreiben. Vgl. Schmid s. v. 

PFLUG umziehen, ein altes 
Augsb. Frülingsfest zu Eren der 
Zisa (Nerthus) wird in einem > Be - 
rufumbFasnacht« v. lölOver- 
boten, >Ain ersamer B^t diser 
stat Augspurg vnd des hailligen 
reich 8 vogt daselb schaffen vnd 
gepietten, das weder man noch 
frauen, alt noch jung, gaistlich 
oder weltlich die fasznacht vnd 
zu äugender fasten weder tags 
noch nachts in diser Stadt auf 
des reichs straszen kain sehen- 
hart vor sinem angesicht tragen. 
Es sol auch niemand an der esch- 
rigen mitwoch vnd die tag dar- 
nach den andern weder fahen 
noch nötten zum wein zu gan. 
Man sol auch an bemelter e s c h e - 
rigen mitwoch des vmzie- 
hens mit dem pflüg müssig 
steen, alles und jedes bei der 
straff die darauf gesezt worden 
ist unablössig zu bezallen — dar- 
vor sich menigelich wiss zu ver- 
bieten.« Hans Hector Mairs 
Rathsdieners (1601—1637) Me- 
morialbuch 86 b. Augsb. Arohiv. 
In e. solchen Beruf v. 1667 heiszt 
esz ausfiirlicher: gleicher gestalt 
wil auch ein ersamer rat das 
pflugziehen und tragen in 
die waszertrög ernstlich ab- 
gestellt und verboten haben <. 
f. 161 a Sieh Herberger's Burg- 
und Batfeld LXXXIX. 

PFLÜM, der, Flaumfedern, 
pluma latein. Mhd. Wb. sv. 
PFB£NG£N,pfrangte, in die 



Enge bringen. Mhd. Wb.in, 815. 
Schmoll. 1. 382. >8ie (die Frawen) 
legen Iren leyb in einen engel- 
notstall des Bawmwollenrocks 
gepfrengt und geprysen; vnd 
der es ja zu busz sazt: sye tru- 
gen es nit<, cgm. 311 f. 49 b. >I)u 
bist erlediget worden durch sein 
hilf von deinen sünden, die du 
getan hast und um die du dich 
also gepfrengt mit den eytinn 
zirklen hast< ; cgm. 402 f. 61 b. 

PFRAUMIGEB Fr eitag heiflEt 
in den Stauden der Freitag vor 
der Fasnacht; gehört mit pfiro- 
mig zu bromig, brftmig v. brftme 
Kot, Schmnz. 

PFUI Hast beUebter Aufibiir- 
ger Abweisungsruf. 

PFBÜNDE: esz. heiszt der äl- 
teste Spital Jakobspfründe; 
einige Zeit auch Barfüszer- 
pfründe;dieNuznieszer sind die 
Pfründner; die Ordnungen die- 
ser Pfründe sind ser alt. Her- 
berger's Monografle. Das Verab- 
reichte im Pfründegeb&ude 
hiesz ebenfalls Pfründe, daher 
Weinpfründe und trockene 
Pfründe. Herberger S. 20. »Am 
gailen Montag zu Jnbis die 
gewonl.Pfründ<, öfter. Pfiründ. 
Ordg. 1432. Esz gab einen Pfrün- 
demeister. Die sog. reichen 
P f r ü n d e n kamen er8tl730 — ^1740 
auf. 

PFULGEN, swm.: Kissen, bes. 
Kopfkissen, gröszer denn andere 
Kissen : wirtemb. P f u 1 b e n , P f u 1- 
benziech; besonders hieszen in 
Augsb. wie im ganzen Mittelalter 



Pfozgen — Plast. 



95 



UlerwärtsPfulgen nndBulgen 
ledemene Säcke för Keiseefiek- 
ten, überhaupt for Kleider, Klein- 
odien. In den alten Weberhaas- 
rechnnngen komt oft vor >den 
Pfulgen in der Tnchschee- 
r er Stab aaszabeszem 80 kr.< 
>Dem Herrn Baamann för die 
«way Pfalgen lfl.< u. s.w. In 
seiner ersten Bedeutung erscheint 
das Wort im Backnanger Stifts- 
Lagerbuch von 1501 bei Bey- 
8cherStat.d.S.125: >Item Feder- 
wath bedarf man nit yerdritayln ; 
es were denn, dasz einer federn 
hett, die noch nit gefaszt weren, 
ireder in Betten nochPfülgen; 
^eselhen Federn müszen verdri- 
tajla« In dem Hardter Fugger- 
fehen Inventar v. 1491 werden auf- 
gezält >A]igerichte Ehehalten — 
Pettstatten. jede mit Ober- und 
Unterbett und Pfulben, 11 üb- 
rige a. vorrätige Leilacher nebst 
Pfalbenziechen«. £ 28b. 

PFÜZGEN und pfuchzgen 
1) kichern, 2) winseln vor Schmerz. 
In andern (regenden laut auf- 
echreien bei plözlich entstande- 
nem Schmerze; von Gegenstän- 
den: die Schnecken in der Brat- 
l»fanne pfuzgen; das siedende 
Schmalz pfuzget u. s.w. Einen 
IPfnzger nauszlaun 

PICKEL, die unten spizige 
Haae mit langer Handhabe (Helm), 
in pickelhart, ac^. so hart, 

dasz man den Gegenstand nur mit 

einer solchen Hacke zerschlagen 

^aon. 
PIPPEN, »disem alten Vogel 



pippen die Jungen näch<. Eren- 
fest 1699 S. 30. 

PIKEN, Pinen, die, heisztin 
den Chroniken das Augsb. zirbel- 
nuszartige Stadtwarzeichen. Bei 
Grass. (4) stet: »Vnd der ge- 
meine Mann, da er solt sagen 
der Stadt Pinen spricht er mit zä- 
hem Teutsch der Stadt Piren.« 
S.28: Stadtpyr (Obsbiren) von 
pyramo (Boetius), ein runder 
zugespizter Markstein.« War- 
scheinlich ist das Zeichen nichts 
anderes als das jeder röm. Colo- 
nie eigene Stadtabzeichen. Ge- 
wagter dürfte sein, die Pyren 
alsUeberbleibsel des phönikischen 
Phalluskultes anzusehen, wie schon 
geschehen. 

PISTOLE ladeD, eine Pfeife 
Tabak einstopfen. Scherzweise. 

PITSCHE, die, einmasziges 
Trinkgeschirr mit Handhabe 
und Deckel. Butschen, Büt- 
schen bei SchmelL 1,226. 

PLÄNKELN, swv. Von Neop- 
tolemus heiszt esz im Troj. Krg. 
58 b.: »Damach aus Wildigkait 
des Ungewitters ist er sehr hin 
und her aof dem Waszer ge- 
planklet worden«. Mit Um- 
laut komt plenkeln, schleu- 
dern, werfen, bei Schmell. I, 337 
vor, der das got. usbliggvan ver- 
glicht. 

PLAST, der, Blähung. »Und 
haben die vileszenden Kinder vil 
pläst des Leibs vnd höchsend 
daron<. cgm.601f. 101b. »Auch 
kumbt die Grossy des haubtes 
von groben plästen vnd tem- 



M 



V]MppUi — WUokpbxL 



pfen, welch die hur des hanbts 
aufbömend«. f, 104 b. »Oder 
▼on p lösten erkent man also, 
wann so man in die wetsrigen 
geswolst gmft, so beleibt ein 
Teil, welichs nit geschieht, so 
geswnlst Yon plösten ist<. a.a. 0. 
Sieh oben bei B. 

PLAPPART inKueplappart, 
eine Schelte: »dasz ein Bürger 
Ton Gostanz mit einem von Ln- 
zem, mit Würfeln gespiltyndda 
er das Geld, so er gewonnen hatte, 
einzöge, einen Berner ischen 
Plappart ein Kueplappart 
genenetc. Gass. 196. Ich erinnere 
hier auch an den historisch merk- 
würdigen Ruf Kahgaüer,Kah- 
gayer aosz dem schwäb. St&dte- 
krieg, als die Schweizer in den 
Hegau hereinzogen. Die Ton Ran- 
deck riefen inen zu,dajeneYor- 
beigiengen: mu,mä, Kuhgyer! 
Die Schweizer zerstörten Randeck 
a. 1499. Vgl Y. Martens, Hohent- 
wil 19. ndefons y. Arx 11, 488,welch 
lezterer ergözlicher, sonderba- 
rer Weise gir, delectatio camis 
als Erklärung dazu gibt. In 
der Mikhauser Dorf-Ordg. 1632 
erscheint der Piapart ab Ab- 
gabe an den Vogt und als 
Strafe. 

PLASSE, swf.: weiszer Flecken. 
»Ein Eueh mit einer weiszen 
Plassen«. Mickhaus. Akt. 1642. 
»Und Yomen an der plassen 
des Rosses ist des Grafen Wap- 
pen gewesen angeheft<* S. 279. 

PLATTE, 1) tonsura, corona. 
>Aber die Krön des priesters, die 



in grobem Deotsdi giiMMi wird 
platten.c Augab.Menbeh. 4b. 
»Und darumb, so nenet die ge* 
Bchrifb.im Latein die blatten 
ein Krone; darum so loltiohdir 
Priester der blatten oder knm 
nit schämen«. »Also naoh d«m 
Tode Sanct Petri, do liess dm 
babst Ynd die Bischof allen Brie- 
stem blatten scheeren« 6». 
2) Waldstelkn, kale PlUe «m 
Leitaberg, 8) Waidname über- 
haupt. Stauden. 

PLAZ in Augsb-wieallerwirti 
gab esz diese Lokalbeneimiing: 
>auf dem PUzle bei dem Be- 
ckenhaus«. Bronn.0. 1784 >Obd«M 
PUzle onfam dem B.< in St 
Stefansplaz, St ülrioke- 
plaz, St Gallenplas, V 6og- 
ginger TorpUzle. PUzle bei 
der Brillbrtlcke. Plazwirt* 
Schäften gab esz und gibt tm 
noch merere. * 

PLODRIMENT, »und 
geschieht absonderlich wan] 
alle Schwäzerei und Plodri- 
ment leichtlioh glaubt und fAr 
die gründliche Warheit aus^brei- 
tet«. »Yil reden und pl od er n<. 
Homo Simplex. Yolki&blichlauuii 
mer; etz ist auch bloss eine an- 
dere Form für plaudern, Plan- 
derung; worüber Schmeller I, 
833 nachgesen werden kann. 

PLUMPFEN, mit Gerftusdi 
fallen. »Und ward Achilles der 
Polixena besichtig, da plum- 
pfet sie in sein Herz und hub 
an sie Ybermaszen lieb zu haben«. 
Troj. Krieg 74. 



Plnderliosen — Porte. 



97 



PLUDERHOSEN: »einaltea ab- 
gaMshabenes serranseltea Weib, 
80 mehr faHea in ihrem Geeicht 
hatte als ein altes schweizeri- 
sches Paar Pluderhosen«. 
Homo SimpL 

POLAGK, der Rest Tabaok in 
der Pfeife. SchmelL L 280. Best 
im Glase. Poläckle, ein ge* 
lebnittenes Hnn. 

POIiDERER, GEPÖLDEB xu 
poidern: > da vor disem zween 
desBata darm verordnet gewesen, 
iw wel<dien dieselben Polder er 
äff Verbrechen persönlich ansz- 
ttgen und bekennen müsiEen«, 
6tM.181. »Den 28. Martii hir- 
Mok wurde rerbotten, die papi- 
lÜNfceii P&ffen, wann sie das 
Sununent mit den yorlenohteten 
latemen nnd Glöcklein, den 
Kranken über freie Gassen tra- 
gea, weder mit Gtol&chter, nicht 
pfeifen, noch bandbatsohen oder 
•onai anderem G epölder zu ver- 
ipotten«. Gass. 

POLES, eine Art Gebäck ausz 
funem MeL Inserat: >Heute Mon- 
tag den 16. Not. frischgeba- 
ckene Poles im Kafeestfibchen 
aa hintern Perlachberg<. Ahd. 
boUa f. feines Mel, lat. poUis; 
mild, pol le schwm. Wackemagel 
Wb. 4 Aufl. 42 a. 
POLITTEN hieszen ursprünglich 
Zettel, die man sonst vom amtie- 
renden Burgermeister abholen 
Bnste, um nach dem Torschlusz 
«oaz der Stadt zu komen. Spä- 
ter hatte jeder Reisende disen 
Zettel auf der Polizei zu holen. 



Sodann hieszen alle kurze schrift- 
liche Beglaubigungszeichen so 
bei Foren, beim Mautamt. >Da8z 
sie keine Person, one Fürweisung 
einer P o 1 i t e n entweder vom Ja- 
cober oder Wertachbrucker Tor 
einnemen, sondern diejenigen, 
so gar keine Po Uten, ausz- 
schaffen und fortweisen«. Poliz.-O. 
In e. Vergleich von 1601 dürfen 
»die Fuhrleut, die für Geistliche 
fahren, nicht im Spilhaus abladen, 
noch um die Politen etwas 
geben €. «E^z gab ein Amt der 
Politenauszgeber. 

POMPERMETTEN. »Am Mit- 
woch (i. d. Charwoche) Nachmittag 
haltet mandie erstePassionmetten, 
insgemein bei Volk die P o m p e r- 
metten genannt <. Festkalender. 

POMPEREB, der laut hörbare 
Fall eines Dinges. In Nieder- 
schwaben sagt man vom groszen 
Geschüze >'s pomperet«. Vgl. 
den alten ReimiRompede bomp 
bomp u. s. w. 

PÖRTNER, cdiePörtnerge- 
schlechter« in Augsb. Ghuss. 4. 
>Es hat auch Imbricius a 1070 
das Kloster und Kirch St. Mar- 
tini für die vermumbten Nonnen, 
dazu dann die Geschlechter, 
Pörtner genannt, ihr Haus zu 
sunderem Gottesdienst geben, auf- 
richten und weihen laszeni. a. a. 0. 

PORTE, die, erscheint in H. 
Ottmar'schenDrucken(1499. 1&09) 
in folgender Verbindung: die 
sieben Porten oder Fest der 
Mutter Gottes : > die erst a ü s z e r- 
lich port der Mueter Gotes 
7 



98 



Port — Preyg^. 



bedeat das Fett irer hailigen em- 
pfahong« u 8. w. Ebeno gab esz 
bis ins vorige Jarhundert herein 
pog. Himmelsp'orten, asket. 
Flugblätter und kleine Erbauungs- 
büchlein. 

POST, Nachricht. >Er kundt 
kaum reden mehre, die poscht 
gfiel im nicht wol<. In einem 
^orhardt'schen fliegenden Blatte 
(Angsb.): Lied von Todtand jun- 
gen Mann. Postmichel, Brief- 
trager. 

PRANGEN, um den Vorrang, 
zu rechter oder linker Hand gen 
zn dürfen, streiten. Prang- 
stabe, Staatszimmer. Prän- 
gisch: >die Burger und In- 
wohner dieser Stadt seind je 
und allwegen zur Arbeit geneigt, 
freundlich und eines ehrbam ein- 
gezogenen Wandels und Lebens 
gewesen; wie auch noch bevor 
ab die Weibsbilder von Gestalt 
schön, an Kleidung prächtig, mit 
Eszen und Trinken köstlich, in 
Worten und Wandel prän- 
gisch, in Handlungen geschickt, 
an Geberden auszlendisch , die 
fremden Nationen alles nachtun 
wollen vnd von wegen ihrer Reich- 
tamb und altem Herkomen vil 
von sich selber halten«. Gass. 2. 
Prangerin für Brautfürerin, ist 
in einzelnen schwäbischen Gegen- 
den noch üblich. 

PRASCHELN swv. »ich höre die 
Flammen bereits pra schien die 
glühende Kolen schnalzen < . Eren- 
fest 1699. Praszeln sieh S u. Sz. 

PREISf der, 1) Dachziegel. 



2) In der Red. A. »Es wurden 
keinem seine Güther Preis ge- 
maoht, jeder bei seiner Freiheit 
gelassen«. Gass. 86. 

PREISKETTE, silberne Kette, 
die unter die Gollerkette um das 
>Leibstück< herom gefürtwird. 

PRESZREÜTERN, einen ge- 
waltsam zur Arbeit anhalten, 

PRETTLINSKNEGHT: »Rodler 
oder P.< Gass. Pritsohenknedit 

PREÜSZIGSH: »nach welohen 
das Lechhanser oder Jaoobertor 
auf angebung eines teutMhen 
Herrn auf diePrensaisoheArt 
und Form mit einer Pastey 
gleich in disem Monat, werlieher 
zu machen angefangen worteii. 
Gass. 203. Bis zum Aufhören der 
AugsburgerReiohsunmititolbarkeit 
bestand da ein preussisches 
Werbeoommando, welchea sieh 
im Prinz von Oranien be£sad. 
»Ein Gesicht als y. rotem prea- 
szischem Leder ftbenogeni. 
H. S. 

PREYGER, Bräutigam. >Prey- 
ger< S. 345 b. >Nach solichem 
sagt der Kaiser vor dem Altar 
zu dem PreygSr«. a. a. O. Der 
Preyg^r ist in Mitten des Kai- 
sers und Pfalzgraf Ludwigs ge- 
ritten«. »Nach dem Nachtmal 
hat man ain Dana gehept und 
darnach disselbe Nacht hat man 
den Preyger und Braut zu- 
sammengelegt und ' haben bei 
einander geschlauffen und den 
schwäbischen Brauch g^ial- 
tenc. S. 846 a. >ürbanum den 
Preyger« 8.886 a.- 



PriauMii. 



99 



nehfti»|t0riümliobe Brauch heiact 
>aitderDeck6 besohlageni. 
>Wenn am enten Ho<sbx6itetage 
dia Kadit harankam, ward dia 
Brant ▼on daa Eltern oder Yor- 
■fti>d< ar p and dem BraatfSurer 
md der Brautfran, oft aber Ton 
der gaaaen GeBellschaft in die 
^ eutlraTaBVffr gdeitet und d^y"i 
BHtetigani abergeben. Sobald 
•ine Decke das Paar be- 
sehlug galt die Ehe alt rechts- 
fiHic angetreten nnd die Braut 
war nunmehr Ehefrau; daher war 
die offentlii^e Beschreitung des 
Ekabeiiee lor geeeslichen Bedin- 
lOil^ erhoben. Das Yerleseade, 
vu fifir die jungfr&uliohe Braut 
daroi lag, ward in jüngerer Zeit 
^ewönlich dadurch gemildert, 
daas beide sich völlig angekleidet, 
liaderlegten und es. also eine 
Uoae Förmlichkeit war. Allein 
diaa war eben jüngere Milderung; 
in früherer Zeit blieben die Braut- 
firauen so lange im Gemache, bis 
die Braut entkleidet idem Arm 
iaa Bräutigams vertraut war<. 
Weinhold, deutsche Frauen S. 268. 
26e. Grimm, Rechtsalt 440, 1. 
Ueber die rechtsaltert. Sprichw. 
davon sieh: Simrock, deutsche 
Sprichw. 1014 1516. Eisenhart 
182, 133. Hülebrand 123. 124. 
Pauli, Abhandlungen auszd. Lü- 
beck. Becht U, 1. J. FrischHn, 
Hobensoll. Hochseit (meine Ausg.) 
S.143. 144. Text S. 64 Hier get 
dss ganze Gefolge, mit Trompeter 
Tonedraass; der Br&uügam legt 



seinen Schmuck ab: alles stund 
im Zimmer, im Brautgemache: 
Die swen Brautfürer traten her, 
Die G^sponsz sie brachten höflich 

sehr, 
Und legten sie hinein ins Bett 
Ihr weisse Kleider noch anhett. 
Dann legten sie den Brftutigam 
Zu seiner Gesponsz also susam. 
Die Docken überschlagen 

theten, 
Bis sie ein weil gelegen betten. 
Gar bald sie wieder aufgestanden. 
Die Fürsten, Herren seind ver- 
banden, 
Wünscht jeder da für seinen Teyl, 
Dem Bräutigam und Braut vil 

Heil, 
Yil Glücks und guten Segen reich, 
Damach lugt jeder dasz er weich. 
Die Mickh. Fugger'schen Rech* 
nungen des 16. u. 17. Jarhds. er- 
wänen wiederholt eines Einnem- 
geldes >vmb Preutleuff< 1576. 
>Adi 9. Sept. empfleng ich von 
Hansen Spesen — wegen seines 
Preytlaufs 1 fl.« >Adi22.Febr. 
zalt mir Jörg Hafner, Afra Göz* 
fridin Sohn seinen Preutlauff 
Ifl.« u. s. w. 

PKIMZEIT, prima horarum ca- 
nonicarum : früh um 6 U. Die baye- 
rischen Godd. haben durchausz 
preimzeit Allgem. Sitte war esz 
nach den Heren auch im alltäg- 
lichen Yerker zu rechnen. Ich 
füre statt der vilen Beispile nur 
einige ausz dem Stadtrecht an: >Esz 
Bol auch kain f ueteraer vor p r i m e - 
zit kein hew kauffen. Swelcher 
das prichet, daz er vor prime«* 
7* 



100 



ProfeMoner -^ Puttan. 



Bit kauffet hew, dtir ist dem 
vogte sohuldic fünf Schillinge«, 
f, 55 a. Sp. 2. >l8t daz ein fneteraer 
■t&t bi hewe vor prime zit — 
kaufet aber ein fneteraer hew vor 
p r im e z i t n. fl. w. Vgl. Schmeil. 
I, 848. 

PROFESSONER: 1) Invatide. 
2) Nach PfaffsEszl. 8.4: hieszen 
Provisioner Adelige, die ein 
Werbgeld erhielten, for welches 
sie mit einer bestirnten Anzal Rei- 
siger Kxigsdienste tun musten«. 
Vgl. Schmeil. I, 846. Wirtemb. 
Hochz. 87: 

>Bevelch8 und Krigslent da er- 
schienen, 
All Provisoner neben inen, 
Die in denKrigen man kan nüzen<. 
PROPST, Anfseher. »Ein 
Pfalzprobst« im Wirtshanse 
anf der Pfalz. Poliz. Ord. Korn- 
probat, Kastenknecht, Easten- 
anfseher, der zur Weberzunft in 
engem Yerhldtnisse stet. Die 
KornwalistdieWal des Koi^n- 
probstes, ein Weberzunflfest. 
Der Gatterer muste zur Korn- 
wal ansagen, wofor er ein An- 
saggeld von 30 kr. erhielt. In 
den Web. Akten komt oft vor: 
den abtretenden 2 Kornpröb- 
sten gibt man so vil u. s. w. 
>Als die neuen Kornpr obste 
geschworen«. »Verordnet ge- 
weste Kornpröbst«. Der 
Probstkeller zu St. Ulrich«. 
Akt. 1582. 

PROZESS, die, Bittgang, Um- 
gang, Pozession: >dem ist alle 
priesterschaft hyn in einer pro- 



cass engegen gangen«. 8. 179 a. 
>a. 1840 ist SU A. am 8. Märcwh 
tag die Litanei und pro ces 8 faiB- 
lässig gehalten worden«. 8.95«. 
>Zu ValentB saoh die trinmpflidi 
St. Sebastian- und MMMler 8t» Viii^ 
cenz Procesz, da» ain fliwhwss 
schon kostlich weeen ist«. Luo. 
Rem. S. 8 

>Als sie sich hettenthon bereiten 
Mit der Prozess in d' Kirch 

zu leiten. WiHb. Hochzt. S. 182. 

PRUDELN, rauschen, von sie- 
dendem Waszer; wie vrodeln; 
Prudel und Wodel: >wftrmer 
Dampf, Wärme im 2immer, 

PUDELN, alle mögliche aueh 
schmuzige Arbeit tun; Pudel, 
eine Person, die solche Arbeit 
verrichtet. Vgl SolmielL 1, 278. 

PÜDERGOTT, Friseur. Pu- 
derquaste Puderstänbier. 

PÜFFEN. Von den Hui^fern 
heiszt esz im Augsb. Elnoidariut: 
>Ihr har puffen und pflansen 
sie, mit einem leinin flütlin be- 
deckt«. 

PULBRETT: »da ist des Kö- 
nigs Caplan zu dem Pulbrett 
gangen und hat das EvangeHek- 
buch genomen«. S. 28^ b. »Ist 
das Evangelibuch von einer per- 
son von der andern empfangen 
auf das Pulbrett tragen wor- 
den«. S.289b. (Lettner). 

PULLE, dim.: 1) kleines Hun, 
2) unerfames kl. Mädchen. 

PUMPF GROB, adj.: über alle 
Maszen grob. Vgl. pum wizig, 
aberwizig, Schm. I, 283. 
.PUTTAN, die. In Hertete&oftii 



Puzelnbaoh— D T. 



101 



fukd am Faanachtmontage eine 
Art Haberfeldtreiben statt. Sonn- 
tag« Yorber erschien in Baben- 
huseoL ein Trupp Beiter und lud 
ein. £in Mann wurde in weib- 
lioha Kleidung gesteckt und hiesz 
Patt an, ward xum Tode ver- 
urteilt als Hexe. »Hüte dich oder 
da kbmst in die Puttan!< war 



eine Drohung. ItaL putta,put- 
tana, schlecht beleumundete Per- 
son, franz. putain. üeber die 
Sitte YgLd. Snlzb. Kalend. 1866. 
PÜZELNBACH, O.N. urkundUch 
neben Puozilnbaoh, bayerisch 
Pouzellibach 1126 und 1179; 
ist zum heutigen Bieselbach 
geworden. Steichele I, 72. 



C sieh K 



D T 



1) Das schwäbische wie über- 
htapt das oberdeutsche D ent- 
spricht genau gotischem D; nach 
dem Geseze der Lautrerschiebung 
wire T gefordert. Das schwa- 
biwhe D = got D ist Tat- 
nehe. Hi^&r bedarf esz keiner 
Bemfbng auf eine gelerte Auto- 
rii&t, nur auf ein gesundes Or. 
So geminz dise Erscheinung, so 
QBsiclier stet esz mit irer Er- 
Idimng. Allgemein wird ange- 
nomen, daszbei den Oberdeutschen 
unpr&nglich auch die zweite Laut- 
verschiebung von got. D in alth. 
T eingedrungen, aber im spateren 
Hittelalter durch den Einflusz 
ndttelhochdeutscher Schriftspra- 
clie wieder zurfickgega&gen sei. 



Damach bestände far die Ober^ 
deutschen neben dem Geseze der 
zweiten Lautverschiebung, 
einfacher gesagt Lautverschie- 
bung, noch ein besonderes 6e- 
sez, das der Lautrückschie- 
bung. Eine solche läszt sich 
aber ebensowenig in den ober- 
deutsehen Mundarten geschicht- 
lich nachweisen, als sie über- 
haupt möglich ist. Wer sie be- 
hauptet, kent warlich das Volk 
nicht. Der gemeine Schwabe, 
Bayer, Oberpfölzer sollte in jenen 
als ünster bezeichneten Jarhund- 
erten, wo esz nur selten Hand- 
schriften, keine Sündflut von ge- 
druckten Büchern gab, wo nur 
der Gelerte lesen konte, das Volk 



102 



DT 



aber one Schulen war, dem Ein- 
flusze der Schriftsprache, die er 
nicht lesen konte und nicht tu 
lesen bekam, sich geöffnet haben, 
wärend er in unserem Jarhunderte 
des C^istes , nachdem er zehn Jare 
in der Schale f&r eine im firemde 
Sprache, das Hochdeutsche, ge- 
drillt worden, mit dem lezten 
Schritte ausz äefr Schule sogleich 
wieder zu jener Sprache zurück- 
kert, die er von der Mutter er- 
lernte, zur Mundart? Man prüfe 
den Schulmeister und man wird 
finden , dasz er ebenso wenig als 
sein Schüler ein echtes p, k, t, 
wie esz Niederdeutsche und Ro- 
manen im Munde füren, auszzu- 
sprechen vermag. Man frage 
in, was im die meiste Not beim 
Rechtschreiben derEinder schaffe ? 
Doch nur die p, k, t. Seine Bu- 
ben schreiben auch in der Tat 
ganz nach dem obersten Rechts- 
saze der Rechtschreibung gerade 
nur wie sie sprechen. Allein 
sie kenen eben kein p, Iq, t und 
am allerwenigsten im In- und 
Auszlaute, sondern nur ein b, g, d, 
bei Schärfungen bb, gg^ dd. Ich 
habe schon längst den Saz auf- 
gestellt, dasz der Oberdeutsche 
im In- und Auszlaute für got. 
b, g, d die zweite Lautverschie- 
bung überhaupt niemals angenom- 
men habe, damit also zurückge- 
blieben sei, femer dasz d. Schrift- 
sprache auch in den frühesten 
Zeiten der Volkssprache vorausz- 
geeilt sei, bei den Deutschen im 
8.Jarh. nach Chr. so gut wie 



bei den Grieehen im 8. J«Hl vor 
Chr., dasz man also nicht veMt 
und überall von jenen auf dise 
zurückschlieszen dürfe. Im heu- 
rigen Sommer habe ich inSehmd- 
lers Nachlasze eine Bemerkimg 
vorgefunden, wörtlich lautend: 
>Die in- und auszlantenden 
d des bayerischen, ober- 
pfälz. und fränk. (?) Volks- 
dialekts, scheinen eine 
Fortfürung der ältesten 
Sprache: stad, rod, blued, 
guld, God< u. s. w. Ich stehe 
sonach mit meiner Behauptung 
nicht mer allein, sondern habe 
eine gewichtige und anerkannte 
Autorität für mich. 2) Noch mer: 
bei volktümlichen Schriftsteilem 
des Mittelalters wigt d, dh, 
dd, th vor, insbesondere seit dem 
14. Jarhundert,woalthoohdeutsdi 
reines T stet, z. B. bei Geiler etc. 
Wol wird nach 1, m, n, r auch 
oft T gefunden, aber nur woil 
der Oberdeutsche nach diien 
Lauten den Zungenlaut schärft 
8) Im Anlaute : D äo r (Tor, porta), 
Daddelfist sieh unten; Denna 
(Tenne), Malzdenna; Da84, 
D&ed9gribel,siehunten;u.BW. 
Im Inlaute: Gadder (Gatter), 
Gadderer sieh G. Badder, 
Badderliederle (Pater-Lieder- 
lich, liederlicherMensch), S c h 1 o d- 
der, gestockte Milch, Schlod- 
dermill; noddle, an den Ha- 
ren schütteln; hoddla, hotto- 
spilen, Eindersprache n. s. w. 
Im Auszlaute imer dh, th, dd; 
wie denn auc^ die schriftlichen 



D T. 



103 



Denkmäler esz anfvreisen: seith 
(MiasX vorgenanntli, Leith 
(Ldiite), Orth tu s.w. niehHorm. 
1834. S. 116 ff. Weinhold. Gramm. 
§ 181 b, c. 4) Vor allen andern 
CoQSonanten ist dem d n. t das 
Wegbleiben, wo esz organisch 
und der An- and £intrit, wo 
e» anorganisch ist, eigen, eine Er- 
seheinnii^, die weit über die ober- 
deateche Qranze hinaaszget. Vgl. 
Wrtb. z. Volkst.23. 24.Mhd.Wb. 
m^ 1 b. a) Unorganischer 
Abfall des d a. t meistens bei 
Anänlichnngen, am desto leich- 
tere Auazsprache za bewirken. 
Liechmess (2. Febr.) mündlich 
QBd urkundlich: Lichmess, 
Man. f. 8 a. (14. Jarhd.). Haup- 
^■t für Hanptgat, im Stadtrechte. 
Haupkerle, volküblich. Eripp 
(Krypta) ogm.402f, 13b. Bei- 
peitach, Reitpeitsche. Lynisch 
dach (Lündisch, von' London), 
S.a79b. Fluch (Flacht), cgm. 
402 f. IIb. Pulprett, Pultbrett 
in der Kirche, worauf Epistel und 
Evangelium verlesen ward; ser 
liäufig S.288b. Leipriester, 
Leypriester, Liapriester, 
Stdtrecht f 31 b, für Leutprie- 
ster, plebanus, Excurrentpriester. 
Ser oft findet sich Leihkauf 
übr Leitkauf, vom got. leithus, 
g^eistiges Getränke, sieh L. Wir 
müssen wol eine volkstüml. An- 
lenung an leihenin den meisten 
Fällen uns denken. Wie Lei- 
priester findet sich in schwä- 
Machen Schriftwerken, so im cgm. 
436: La okiloh, Leutkivch, wir- 



temb . Oberamtsstadt. Schönbar 
(Schönbart). S. 141. Spaga, 
Spagat; itaLspaghetto, Schmoll • 
111,568. Anlyt, Antliz >vor sei- 
nem anlyt«. S. 289. Anta- 
schung, Antastung. Troj. Krg. 
8 a. Senfmutigkeit, cgm. 402. 
f. 72. Feikirch, Feldkirch, Vor- 
arlbergisch, cgm. 436 f 56 a. Ser 
häufig ist das bayerische Mark 
für Markf; Milchmark. S. 34. 
W. 32. 34. Gass. Markmeister 
ein städtisches Amt sieh M. Ob 
Nor kau in den codd. f. Nord- 
gau und Nörlingen für Nörd- 
lingen mit unorg. d stet, musz 
vorerst dahingestellt bleiben : denn 
einem Nordgau musz ein Südgau 
entsprechen und wo wäre der? 
kun fiir kund >daz haun ich ew 
kun getän<, cgm. 437 f. 113 a. 
lichiklichen, leicht, Astr.27b; 
ölst >sinem ölsten sun<, cgm. 
436 f. 3a. Der ölst f. 56a. Ganz 
in Schrift und Volksmund über- 
gegangen ist Gterschhofen für 
Gersthofe n, Ortsname. Ausz lat. 
obstinatus hat sich volktüml. 
o b s a n a t eingebürgert . Anän- 
lichung wie h ä b b m o r, hätten wir, 
u. hammdr, hebbm'ri, heb mir, 
haben wir. Amm|a, Amtmann. 
Lammenz für Landmünz, Erb- 
bera, Erpele sindbekant. Re- 
gelmäszig erscheint noch nee- 
mo. Niemand, im Volksmunde, 
ebenso ornen, ornung,S.212b* 
Abgwirgt f. abgewürdigt sieh 
A. b) Weit zalreicher sind die 
unorganischan- oder einge- 
flickten d und t, an 1, r, n, 



104 



D T. 



z, 8, k, ch, vor Suffixen, Flexio- 
nen; nach Präfixen und in Zusa- 
mensezungen. Sender schreibt 
imer: Dänemarkt, Steier- 
markt f. 202. 209. Dazu komt 
das übermarkten, mit dem 
Markstein in eines andern Acker 
faren, Akt. von 1682 (Augsburg). 
Senft 1602; der Burggraf hatte 
vom S en f t, Eszig u. s. w, 1 Masz 
Abgabe zu erheben. Elaffert, 
Holzklafter. Web. Akt. Seucht, 
Seuche, Gkiss. Win stockt, cgm. 
487 f. 112b. Dunsttag a. a. 0. 
f. 121 b. Das Markt, im Ge- 
bein, cgm. 402 f. 122 a. Sippt 
(Sippe) 1574. ülmer Urkunde. 
Leicht n am, >Fuggers abgestor- 
bener Leichtnam«. Mikh. Akt. 
1579. Ein Ellendt lang für 
Elle S.144b. Sinkelt, Sinkel, 
Bach b. Augsb. P. v. Stetten,Erl. 
90. Ob t nicht organisch und 
Sinkel falsch ist? Trugnust, 
cgm. 345 f. 3a. Erlaubtnusse 
a. a. 0. f. 86 a. Aptgötter in 
bayerisch, und schwäb. codd. ser 
häufig. Geheimten, der ge- 
heimde Rat, in Augsb. Akten 
des 17. 18. Jarh. gew&ptnet, 
cgm. 448 f. 131 a. d6 spracht 
der herr, cgm. 437 f. 125 a. aus- 
höldern bei S. herübert, Paul 
V. Stetten, Erl. 55. dr üb er t; end- 
lich: weaga deinat, mündlich; 
ober thalb, Astron. 15 b; inert- 
kalbe f. 8 b. allwegent, cg^. 
168 f. 8 a. 29 a. innrenthalb 
a.a.O. f. 4b 30 b.erenthalben, 
W. Ehrentreich, Karl v. Bur- 
gund, in Isenbergers Hochzeit. 



dennacht, Horm. 1884. aelb- 
ert, Troj.Krig9a. daheimat 
S. 805 a. gestert S.812 a. cgm. 
601 hat für terere imerzertrei- 
ben statt zerreiben, and er st wa 
S. 888 b. u. oft. Wie esz mit end- 
er, ainder, eader für eher 
stet, kan hier nicht eing&nglidi 
erörtert werden, er in dem, er- 
innern. Memming, Stadtrecht. 
Ganz der Volkssprache gemias 
schreibt cgm. 786 f. 17 a. : M ent- 
schen; denn nach n wird s scharf 
angeschlagen, als ob esz ts w&re. 
AUgem. schwäbisch ist Trostel 
füraltesTrossel sieh unten. Fal- 
sches t in Obszt, Obsztner hat 
die Sailer-Ordnnng und andere 
Augsb. Schriftwerke nicht. Orga- 
nisches t und d der m p. Sing, 
praes. begegnet noch bis sam 
Schlusze des vorigen Jarhd. ne« 
ben unorganischem im praetHI, 
plur. Organisch ist das TÜfSEkoh ak 
unorg. verschriene d in Kandel 
(Kanne), S c h r a n d (Sohranne), 
Zend in cgm. 106 f. 108 u öf- 
ter; in Mand pl. für Manner, in 
den Stauden, oberpf. mand da 
und villeicht auch in Man die, 
Mandel u. s. w. Dem Man 
musz urdeutsch ein manth ent- 
gegengestanden haben, denn nor- 
disch gilt madhr dafür fn.n kann 
nicht ursprünglich sein. Was die^ 
t in folgenden Zeitwörtern bedeu- 
ten: an einem andern Orte: vert- 
laü (verlaszen) vertsch eiche 
(verscheuchen) vertwirne (zer- 
stören), vertrichto (verrichten), 
vertwischa (verwischen, erwi- 



Tftber — Täoher. 



105 



8cliflii),Yertlaafo, yartwermo 
(erwärmen), versw&zlo (vergen 
Tor Sensacht oder Weh\, vert- 
w e 1 o (verwelen, erwärmen) y e r t- 
hebo (yerheben), yardoenaira 
(yemneren) u. a. w. Ist ent- n. 
der- yer-im Spile ? Das Fngger- 
Bcbe Inventar sestDamas kimer 
Ar Damast, hie nnddaBrenke 
for Brennte. YgL hiezu Schlei- 
eher, Sprache 211. Mhd. Wb. III, 
1 b. Rumpelt, Grammat. IßO ff 
Meine Aassgabe y. J. Frischlin's 
Hohmsoll. Hochzeit 187. From- 
mftnn's Ztsch. m, 106 ff. Bekant 
BBd gottig und gotzig, gei- 
tig vnd geitzig n. s. w. 

TABER, der, fester Ort, La- 
ger, Wagenburg. Die Wörter- 
bächer, beyorab SchmelL 1, 423, 
leiten das Wort yom ungarisch 
höhmischen tabor ab. Frank's 
Annalen 100: >da henkt man zu 
Wien 150 Dieb die 2 Tag, die 
häti man auf einem Tab er ge- 
lungen« . Mhd. Wb. m, 1 b. 

TABERE, swf., warscheinlich 
za T aferne gehörig, komt cgm. 
601 f. 57 b. yor: >al8 er eines 
morgens ausz der täberen zu 
liaas wolt gen«. Wechsel yon f 
imd b: sieh Lautlere y. B. 41. 

DACH, die, monedula: »die 
tach oder hetz<, cgm. 312f.40a. 
Ahd. tahä, thä. Wb. z. Yolkst. 
27. Schmoll. I, 860. 

DACH, stn.: 1) Sonnen- und 
Beifenschirm überhaupt one Zu- 
«u. 2) Kopf; Schädel; pöbelhaft: 

>'8 Dach^ umschlä« eine Orfeige 

geben. AUgem. 3) Wie hochd. 



Dach des Hauses; davon: Dach- 
loch, Dachöffnung, Dachfenster. 
Dachlicht in der Memminger 
Feuerordnung 1765 S.37: »Fen- 
ster oder Dachlichter«. Dach- 
troff e. — Vgl. Graff V, 530. 
Grimm. Wb. III, 670: — >da8Ca- 
pitel sol in der Mülen zu Gersch- 
hofen und zwar nur in deren 
Hofraitin und Einfang, auch so- 
weit der Dachtroffen gehet, 
gleiches Recht und Obrigkeit wie 
innr beeder Ettem haben <. Ver- 
gleich von 1582. — 4) Fenster- 
dächlein n. Ladendächlein 
komen in der A. Bauordnung wie- 
derholt vor, weil ir Hinauszragen 
in die Reichsstrasze oder in die 
Gassen nach Länge und Breite 
amtlich festgestellt war; desglei- 
chen ire Entfernung vom Erd- 
boden. Die Ladendäohlen 
musten der Reichsstrasze zu wenig- 
stens 8^ erhaben sein und durf- 
ten höchstens 5—6' in den Tag 
hinauszgen. Gleichen Vorschrif- 
ten unterlagen die >Dachblat- 
ten< und die kupfernen Regen- 
dächlein über den Fenstern; 
leztere solPen nicht über 10 Zoll 
haben. Dachlatte, ein dummer 
Kerl, den man überall zum Nar- 
ren hat. 

D ACHELE , dim. : Hund, in der 
Kindersprache, neben dem Wu- 
wu, Nachbildung des Naturlau- 
tes. Vgl.Dockele. Schmid 114. 

TÄCHER, Groszverkauf, nach 
Schmid 115, >Ez ensol niemen 
— besunder verkauffen, wenn in 
die kr&me b! dem t ach er«. 



106 



Däohtel — Tagr. 



Stdtr. 14 b. >dem mag er wol ge- 
ben ze kaofenne, swaz er wil,ez 
si bi dem tächer oder anders«, 
a. a. 0. »undeobein armiufrowe 
oder ein gartellin, die lichte eins 
tächer 8 niht verlegen mohten«. 
a. a. 0. 

DACHTEL, die, alapa, Orfeige; 
wol bayerisch. Ghnmm, Wb. III, 
660. >Denn, Bua, dan hammer 
dachtla gfanga«. Seh. 

DÄCHTNÜS, die, Gedächtnis. 
Allgem. in d. Schriftwerken, >in 
frischer dächtmusc > aller 
hochseliger Dächtnus«. N. 
Frischlin, Wirtemb. Hochzeit, 
Beier, S.42 u. 63. Grimm, Wb. 
m, 66o. £ingedächtig. >Alle 
Hanbtleate, die der Tagenden 
Ayacis ein gedächtig warend<. 
Tr.Krg. 52a. Bedacht, Bedenk- 
zeit. >B. bis auf d. andern Tag«, 
a. a. 0. 

TADEL, Feier, wunde, böse 
Stelle: >wann aber diekindAysz 
haben, so sol man den Tadel 
nit aufreiszen«. cgm. 601 f. 
112 a. 

TAFEL, die, 1) ein hölzernes 
Werkzeug statt der Glocke, in 
Klöstern und sonst in der Kar- 
woche üblich. Die Ritualien ausz 
den Nonnenklöstern, in das 14. 15. 
Jarhundert gehörend, bringen un- 
zäligemal die tävel, womit das 
Zeichen gegeben wird. >S6 die 
vesper ende hätunddyetävelle 
geilagen wirt<. cgm. 168 f. 60 b. 
>am stillen Fritag früje, so 
sol man die täyelslahen« a.a.O. 
f. 58 b. >die tävel anderwerb 



(itemm) slahen«. Ritual 16. Jarh. 
>wenn eine swester genslieh zu 
dem tod n^het, denn «ol die tä- 
vel geslagfen werden in einzigen 
siegen in dem creuzgange und 
in andern steten, ob ez not wird<. 
cgm. 78 f. 12 a. Stellen ausz ba3re- 
rischen wie schwäbischen codd. 
sind überaasz zalreidi. Schme^ 
1er und Sohmid, ebenso das mhd. 
Wb. m, 18 b fären diso Bedeu- 
tung des Wortes nicht auf. In 
der Gegend von Tübingen, Ne- 
ckaraufwärts, lebt in den katol. 
Ortschaften noch Däf el, ein Brett 
mit beweglichen Holzklappenii in 
der Karwoche statt des Laatens 
benüzt; davon heiszt das Zeiitw. 
däfl9; eine Ortsschwäierin nennt 
man da flöggadäfeL 2)Fri- 
denstäfel, die, ward in A. bei 
öfibntlichen Festen umhergetra* 
gen; die Tafel, Lobsprüche und 
Krigsrüstung befanden sich bei- 
samen. 8) Wildbanntafel, in 
Akten von 1620 als Grenztafel 
gebraucht. 4) Die Wertaohbm- 
cker Zolltafel komt in doi Ak- 
ten oft vor. 

TÄFER und TAFEL, contig- 
natio; das griech- Ros im Troj. 
Krig heiszt f. 49 b.: >ein getä- 
f ert Ros«. Wb. z. Volkst. 24. 

TAG, wie hochd. >in den Tag 
hinauszbauen, hangen, sten« 
komt in der A. Bauordnung vor 
und war ser üblich. Taghau- 
ben > hingegen aller Haartouren 
und reichen Band, wie auch der 
Taghauben zu enthalten und 
sich allein der glatten sogenann- 



Dabhiftb — Dammelii. 



107 



ien Naehtseng zu Mlienen ha- 
ben«. Polü. 0. 1735; Sil. Tag- 
schein >da8 Feuer oder Tag- 
Bchein« Tr. Erg. f. 7 a. 

DAHINAB, der berümte, my- 
tiiche. I>iirch das engeGässchen 
im St. Gallnskirchlein^seigte 
der Teufel dem Dr. M. Luther den 
Weg BOT Flucht vor dem Kardi- 
nftl (1 618) mit den Worten : > d a - 
hinab I< Ein Beiepil, wie eine 
onUe Sage, erst in Teufelsfrazen 
übertragen, zulezt auf eine jün- 
gere kistorisehe Persönlichkeit 
übertragen ward. Ein altes 
Bild amGalluskirchlein ein- 
genaaert hat man schon im 14. 
JuIl for den Teufel erklärt u. 
das nahe Pfärrle aufdieHölle 
geseat: daher die Uebertragung 
auf Liuther einen tiefen myt. 
Kern offenbart. Vgl. Herberger, 
Barg- und Batfeld 81. 

DAIGAFF, eine geistig und kör- 
perlich Terweichlichte Persönlich- 
keit. Schmid 118. 

TAL, TALE, eine Augsburger 
Stadtteilbeseichnung. >üeberden 
Sswmarkt und die Gassen, die 
nan'e imThällin nennet« . Gass. 
2. In andern Städten, z. B. in 
Manchen ist das D&j (1) in Ehing. 
I. D. 's Krotental u. s.w. Das 
ahd. Dim. belegt Schmell. in s. 
GkMNien: talili (valliculus) ta- 
lille; telili u.s. w., dazu ta- 
londi vallatione, talohti, val- 
lata. 

DALEET oder dalkisch, baye- 
risch dlljgget. 1) nicht ausz- 
gehaeken , was allgem. sohw&bisch 



ist. 2) dumm, tölpelhaft, neben 
Dalk und Daliwatsch, aber 
nur spurenweise in Schwaben 
volkublich. In München heiszt 
esz: >am Mitwoch betet man in 
der Kirch für de D&jggete«. 

DALLEPATSCH, Tollpatsch; 
sieh Dachlatte oben. 

DAMASK, Damast. Im Fug- 
gerschen Invent. komen vor: »von 
kurzem Tamaschgg genaehte 
kleine Tischtiechel, zur Morgen- 
suppe aulzudecken«, >12 von klue- 
gem Tamaschgg geworchene 
Tischfacanet«, >i gelb Tamasch- 
gg en Kockh mit einem gelben 
gertel prämbt«. >yon schwarz 
Tamaschgg mit Seidenporten 
prambten Frauen- Jangger one 
Erbl mit Keel Mäder« u. s. w. 

DAMASPIL. >Aber wenn man 
mich solte fragen, was Christus 
an dem Kreuz mit dem Tod für 
ein Gspil getan, würfe ich das 
Losz auf das Brettspil oder Da- 
ma ziehen, wie man's zu nennen 
pflegt. Wer in diesem Gespil er- 
faren ist, der brauchet einen Vor- 
teil und List; gibt seiner Gegen- 
partei freiwillig oftermalen einen 
Stein zu freszen, auf dasz er dem 
andern 2 oder gar 3 könne hin- 
wegnemen, und wo der andre 
nur ein Sprung, tut er 2 oder 3«. 
Homo Simplex. 

DAMISCH, adj. : sinnenverwirrt, 
zerstreut, neben damisch mit 
Umlaut. >I schlä di, dasz de da- 
misch wirst«. Ausz Altbayem 
eingebürgert. 

DAMMELN, swv.: modrioht 



108 



Dftmmer -^ Dannett 



sumpficht riechen. Schmid 119; 
wie mosele, von Fischen: nach 
M0O6 riechen. 

DAMMEK, Schwelger, Schmoll. 
I, 371. »Schlemmer und Dem- 
mer< neben Bauchbruder. Homo 
Simplex. Dammern, swv : auf 
ein Brett schlagen. Ein Kätsel 
in den Stauden heiszt: A hell's 
Zimmer, a laut's Ge dämm er 
und a boineme Wis? (Kirche. 
Glocke. Kirchhof.) Schmid 124. 

DAMPES. >E8Z ist nichts 
Neues, dasz oft ein kleines Bu- 
tsenmändel eines groszen, unge- 
schickten Dampes über einen 
Haufen geworfen und ihmeStösz 
sngehenkt«. Homo Simplex. 

DAMPF in der Bäckersprache : 
>'s Dampf machen«, Hefe mit 
Waszer vermengen und verdün- 
nen, was anmachen anderwärts 
heiszt. Nachdem >'s Dampf« 
gemacht, komt's Urbet, d. h. 
der erste Talg wird ausz dem Mel 
geschlagen. 

DÄMPFEN , swv. : schwizen ; 
dämp ficht schwül, windstill. 
Auf Kopfkrankheit deutet cgm. 
317 f. la.: dempfig v. Haupte, 
Bei Pferden bedeutet das Wort 
sovil als er steckt; wie die 
mhd. Sprache sich auszdrückte; 
unser jeziges versteckt. 

DAMÜS LAMÜS heiszt scherz- 
weise bei den Alten Augsb. das 
Te Deum laudamus; ob vil- 
leicht ausz derBeformationszeit? 

TÄNDLER , die , halten auf dem 
Graben feil, vorschriftmäsEig nur 



Montags and Freitags, and haben 
nur altes Gerumpel, Messer n. s. w. 
Gegenüber dem Kauf 1er war 
die Sippe der Tändler ser be- 
schränkt. Die niederste Art T. 
sind die sog. Dreekkäufler, 
Erdkäufler, die ireWaarennr 
auf ebenem Boden ansEbreiien 
dürfen und iren Yerkavf splas aaf 
dem Saomarkt neben derFngge- 
rei haben. — »Dändel- oder 
Jarmarkt< stet in den Schosler- 
zunftakten. 

DANGEL in Dangelnann 
der pickende Todanzeiger in dem 
Getäfelwerk, ein Wurm, ist im 

Volksglauben ter gefSrektel; 
doch trägt er in der Anga. Land- 
schaft denNamen Erdschmidle, 
was das wirtemb- Schwaben mM 
kent. Dangeilaib, Abgabe 
an den Dorftiohmid, wol nrspr. 
nur für das Sichel oder 8ea* 
sen dängeln, d. h. für das Sehär- 
fen auf dem Ambon. >Uin disen 
ebengenannten Lon und Tan- 
geil aib solle der Schmid einem 

jeglichen Bauern schmid«!«. 
Mickhaus Dorf-Ordg. 1582ii. 1&3&. 
Tan gel zeug z. Sicheln u. Sen- 
sen dangein, im Harter Inventar. 
Schmid 119. 

DANKNEM, dankbar. »So 
müszen wir sehen, dasz wir Gott 
danknem seien«, >wir mfJLBUsa 
auch danknem sein in aller Wi- 
derwärtigkeit«. Augsb. Messbeh. 
f. 7 b. Grimm Wb. HI, 738. 

TANNENKÜHE, TahnenKapfen, 

Tannenwädel, Tannensweige. 

DANNEST, dennoob Tr» Krg. 



TtiiB Tansbaus D&nselwoohe 



109 



f. 44 b. Deiin«Bt sonst in Ober* 
Schwaben. 

TANZ. TANZHAÜ8. DÄNZEL- 
WOCHE. In Augsburg, wie über- 
all in Schwaben hiessen die echt 
volkidmlichen 4seil]g6n Liedlein^ 
seien aie von einem oder mere* 
nn gemaoht, meist uralt» schlecht- 
liin T&nze. Das mit Händebe- 
wegong und taktmasiigen Klat- 
sehen yeranstaltete Tanzen, 
hat wol seinen Namen Ton eben 
disem Klatsohea: das Ursprung* 
liehe war das Lied (vgL Leich,der) 
ayt Foas- und Händebewegung, 
mkk leateres jezt noch allein 
Tans heiszt. One Lied gab esz 
knim Tanz, aber one Tanz war 
das Lied üblich. Echte alte 
AagBlmrger Tänze sind: der Dre- 
her von der entsprechenden 6e- 
negung; der Achter, sieh oben; 
das Wennawetle (Menuette); 
der Kiaselistanz von der Sitte 
des Kiasenzuwerfens; der Bal- 
bierertanz, weil dabei beim 
Latemensohein rasiert und der 
Boden auszgefegt wird; der Kut- 
Beher, wovon das Lied heiszt: 
Rutsch hin, rutsch her, 
Rutsch mit der Magd ins Fe- 
derbett. 
Ferner muss ich nennen den Ha* 
nentanz, wobei stark in die 
Hände geschlagen wird, der Vie- 
rer, der Sechser, der Achter 
bttte seinen Namen von der An- 
zal Faare. Auf den Schlusz der 
Tanszeit get der Keim: 
Auf Kathrei 
Bä gät d«r Tanz ^ 



Soweit die volktümlichen Tänze. 
Anders musz esz bei den Ge- 
schlechttänzen hergegangen sein. 
Vorerst werden erwänt Nacht- 
tanze. > Nach selbiger gütlicher 
Vergleichung villmal Turnier u. 
Nachttänze gehalten worden<. 
Gass. 141. »Und ward das ander 
G^bäw widemmb mit züchtigen 
Tänzlein und erliohen Kurzwei- 
len an Sankt Michaelis des Erz- 
engels Eirchweyhe eingeweyhet« 
a. a. 0. 166. »Und ward ir zu 
Gefallen auf irem Tanzsoler ein 
Nachttanz gehalten<. a. a. 0. 
170. Die Chroniken strozen von 
Nachrichten über festliche Tänze 
in A. Das TanzhauB(Gass. er* 
wänt, dasz man den Tanzplan 
von neuem höher baute, 166) 
war da für die groszen Bälle der 
Geschlechter und Genossen, sowie 
fiir den anwesenden fremden Adel 
und stund anfange zwischen dem 
Rathause und Perlachturm, her- 
nach verlöte man esz auf den 
Plaz bei der St. Morizenkirche 
und erst a. 1632 ward esz abge- 
tragen. Zum Tanz bedurfte esz 
der Erlaubnis des Rates. Einige 
jungen Leute ausz den Geschlech- 
tem musten einladen; die Klei- 
der derselben waren uralter Sitte 
gemäsz auffallend: ein rot car- 
mosin atlaszines Wammes, rote 
Hosen mit rotem Doppeltaffet 
durchzogen und mit rotseidenen 
Schnüren verbremt; dazu kam 
ein kleiner rotwollener Mantel, 
der bis auf den Gürtel gieng, oben 
mit einer seidenen Schnur zu- 



I 



110 



Ttas Taadumi DiaBflhioolie. 



MBMiigdniüpft; ftuf der reehten 
wir er offen und liieng um den 
Leib; femer ein mit goldenen 
Soknnren umwundener Knni. 
IHe Herren und Frauen trugen 
bei Tanxen eine Art Maekenklei- 
der. Auf der Stube war gemein- 
■amet Mittagessen. Solehe fner- 
li<^ Tänse waren 2m al in 
der Fastnacht und bei Anwesen- 
heit grosser Herren. Die ältesten 
Geschleehtertänze, deren die 
Chroniken gedenken, fidlen in's 
Jar 1813, als dem Kaiser Albrecht 
und S.Gemahlin suEren ein solcher 
Teranstaltet ward. A. 1418 galt 
ein Tanz dem Kaiser Sigismund, 
bei'welcher (Gelegenheit er den 
Frauen goldene Ringe auszteilte. 
A. 1577 war der lezte Geschleoh- 
tertanz. ReligionsTerhaltnisse 
scheinen die Ursache des Auf hö- 
rens gewesen zu sein. Ueber die 
bei den Tänzen üblichen Hof- 
narren sieh unten s. v. N. Vgl. 
femer den Freimütigen ISOi. 
n.Bd. S. 102. l(tö. Einen alten 
Geschlechtertanz in Noten auf 
einem Gemälde von 1522 fürt 
Paul von Stetten an, Erläuterun- 
gen S. 86. Eine Hauptrolle bei 
den Zünften spilte die Dänzel- 
woche; esz ist eine Jaresfest- 
woche der Gesellen. Voran stet 
wie biUig die Weber dänzel- 
wotshe in der sog. Lorenz- 
woche. Schon Erhard Gellius 
sagt Yon den wirtemb. Webern: 
jSie halten DänzundFre wden- 
spiU. (10. August). Vor dem 
7. August durfte keine Zunft ire 



Dänielwooh» halten; die We« 
her hielten sie in der Vorderiiand. 
Der Tag begaa mk Froiaswiu 
der Gesellen an 8t AhtL und vüt 
da zu St Georg, wo der Gottes« 
dienst mit Hochamt gihaUen 
ward. Bei der MagistratsheRen 
Häuser hielt man und der K na 9 • 
penknecht tat^ den Spruat 
Die Meister waren alle geladen. 
Von dem Magistrat anss ereddea 
ein Deputierter, der f nftdigcr 
Herr von den A n wes en den be- 
titrit werden mnste und den 
Erenplaz einnam AwAt mi 
Umzug geschahen beeondere Ein- 
ladungen. Groszartig waren Mal 
und Tanz, wo auf Gesundheii 
des gnädigeuHerm und derMeister 
Yorgeher getrunken ward. JSm 
gab auch 2 Nachdinzel: etwa 
Afterfeste, blane Montag«. 
Yon der Weberdänselwoohe 
an namen auch die uhrigen eine 
nach der andern iren Aafiuig. 
Am heitersten gieng esz sohoa 
da her. Die Webonredbnuigen 
weisen so c. 2d — 80 fl. auf, was 
die Kasse, die alles bestritt, zu 
bezalen hatte. Das Augsb. Jar- 
einmal: 

Auch tut man wie ich hör' und seh 
Des Jar's einmal dem Geld reeht 

weh. 
Da Tiel Handwerker kostbar 

dänzlen; 
Und ob die Jungfern ire Kranalen 
Allzeit heim bringen unyerlezt, 
Bleibt hier die Antwort auszgeaest. 
A.1760 ward das W^>er-Jubiläum 
festlich gehalten aar Erinnerung 



Tias TamliADS Dinxelwoohe. 



111 



tn di6 HunneiiiohlMfat >da ge- 
schah der völlige AusEug am 
Tänselmontag«. Web. Umzug 
8.86. Umzog 1760: »DermarBch 
gehet erstlich bei denen Herrn 
Stadtpflegem vorbei, wie auch 
bei denen Herrn Deputierten des 
Weberhandwerkfl, allwo jederzeit 
▼or iren H&nsem ein Fähndrich 
um den andern seine Exercitia 
■it der Fahne macht. Sodann 
Bunohieren sie vor das Web er- 
hansi allwo inen durch die Herrn 
Bsyntser aus iren bebenden Po- 
Gtten ein Trunk gereichet wird. 
Von da gehet der Marsch nach 
8t Ulrich in dem Hof, allwo die 
fihndriche abermalen ire Exer- 
dtäsB machen. Von St. Ulrichen 
Bursohieren sie durch die Becken- 
fisaen hinab auf ire Herberg, 
dhro aie eine Makeit halten u. 
die Herren Beisitzer und Büch- 
senpfleger dazu einladen. Inmit- 
telst wird die Fahne zu einem 
Fenster hinausgehänget. Den än- 
derten Tag ziehen sie weiter vor 
derer Herren Beisitzer u. Bixen- 
pfleger ire Behausungen, allwo 
inen ein Trunk gereichet wird. 
Endlich begeben sie sich nach 
vollendetem Zug auf ihre Her- 
berge, augsb.Confess. Den Zug 
bildeten ein Hauptmann (Mei- 
sterson), 2 Lieutenants, 2 Fänd- 
riehe; sodann die Professionsvor- 
steher, 4 Altgesellen katoL Teils, 
1 Ladenschreiber, ein Knappen- 
knecht, 4 Altgesellen, protest., 
1 Ladensohreibor, 1 Knappen- 
kneoht Die Reihenfolge: 



1) 2 Knappenknechte mit rot n. 
gelbem Kleid, Schuh mit einem 
roten und gelben Absaz, mit einer 
dergleichen 2farbigen Duseggen 
und machen Bahn. 2) Ein Chor 
Musicanten. 3) Die Stadtpyr 
oder Wappen, daneben 2 Kna- 
ben, jeder 1 Adler tragend , ne- 
ben inen 2 Gesellen mit Degen; 
4) Der Hauptmann mit dem Spon- 
ton in gefärbter Kleidung, inen 
folgt ein Knab in weiszer Klei- 
dung mit rot und gelbem Band, 
einen Lorbeerkranz tragend. 6) 
2 Feldwäbel. 6) Die 8 Altgesel- 
len in roten Kleidern sampt Hut 
mit Federn, gehen unter einan- 
der nach dem Bang. 7) Der Will- 
komm von beiden Laden, neben 
inen 2 mit blossen Degen. 8) Die 
4 Bixenpfleger, in schwarzer Klei- 
dung, Mantel und Degen. 9) Die 
Taffei vom Weberhaus mit dem 
Wappen, die a. 1660 getragen 
worden. 10) 4 Trommelschlager 
und 1 Pfeifen. 11) Drei Knaben 
mit der gnadigen Herren Depu- 
tierten vom Weberhaus, ire ade- 
lichen Wappen tragend, neben 
inen 2 GreseUen mit blossen De- 
gen. 12) Der erste Fändrich mit 
den neuen Fahnen und 2 Vierer; 
disen begleiten einige Gesellen 
in roten Westen und gelben Auf- 
schlagen mit blossen Degen. 18) 
Die erste Tafel von der Schlacht 
von einer Bedeckung zweier Ge- 
sellen, mit blossen Degen, nebenzu 
folgen einige in Cuiras. Der halbe 
Teil von der GeseUschafb 4 u. 4 
zwischen eingeteilt die Lobzprdoh 



112 



Ta&B Tamliaiis Dinselwoelia. 



«nd FriedenstafiFel, auch Kriegs- 
rüstung, neben inen 2 Gesellen 
mit blossen Degen, auch einge- 
teilten Knaben oder Meisterso- 
nen, welche wol anfgebuzt, in 
Hut und Federn mit einer Leib- 
binden und Degen, Bogen and 
Pfeil, worbei von einigen Gesel- 
len, der halbe Teil der Schenk- 
kannen getragen werden. 15) Der 
2. Chor Musikanten. 16)Bildnis8 
von Kaiser Otto und St. Ulrich, 
auch Weberhauswappen von Kna- 
ben tragend, neben inen 2 Gesel- 
len mit Degen, 17) 6 Sechser, 
8 und 8 gehen in schwarzen Klei- 
dern, Hut mit schwarzen Federn 
mit rot und gelbem Fuszband, 
auch gelben Absaz tragen die 
Pocal vom Weberhaus und 4 Ge- 
sellen neben inen mit blossem 
Degen. 20) Die Taffri von der 
Wappen übergab an Kaiser Otto 
dameben 2 Gesellen mit blossen 
Degen und einige mit Cuiras. 21) 
Der andere halbe Teil von der 
G^ellschaft mit blossen Degen u. 
Knaben eingeteilt; auch zwischen 
inen die Fridensfaffel und Lob- 
spruch und Kriegsrüstung einge- 
teilt, wobei von einigen Gesellen 
der andere halbe Teil der Schenk- 
kannen getragen werden. 22) 4 
Trommelschläger und 2 Pfeiffer. 
28) 2 Lieutenants. 24) 2 Leib- 
schüzen. Alle Gesellen tragen 
gelbe und rote Maschen. Den 
Beschlusz machen einige von der 
Meisterschaft in Harnisch zu Pferd 
welche zerschidene in dem hoch- 
Idbl. Reidisgotteshaas zu St. Ul- 



rich und Afrft aUhier bis anhero 
aufbehalten waren«. In dernim» 
liehen Beschreibung heiszt ess 8. 
82: »ist den Webern Ton einem 
hochedlen Magistrat Terstattei 
worden, in irersog. T&nselwo- 
chen järlich einen öffenttickeB 
Auf- und Umzug mit Ober- und 
Untergewer, fliegenden Fanen, 
Trommeln und Pfeifen solennitor 
zu halten. Welchen freiffii Zmg 
im Anfang eine lange Zeit, ao- 
wol Meister als Gespien beig»- 
wonet haben, hemaehnuds iiber 
von den Meistern denen Geeel- 
len allein überlaszen, bis endüok 
mit eingefallenen schweren Zei- 
ten (jedoch one Yergebiing sol- 
cher erworbenen Freiheit) etmA- 
dter Zug von einer Zeit snr an« 
dem eingestellet und auf Terhof- 
fende Besserung verschoben wor- 
den. Wie dann noch jirliehdnroh 
gewisse dazu verordnete B& eh aeii- 
meister vor Amt auf dem Weber- 
hause entweder dem nftchateii 
Siz vor od. nach St. Ulriohetag zu 
erscheinen und darum anzuhalten 
pfl^en, welcher aber seit a. 1660 
nicht mehr gehalten worden, ob 
zwar wol gleich hierauf im Jare 
1666 solcher wiederam durch die 
Herren Deputierte vergönnet, ab» 
wieder eingestellt worden bis 
1760« u. s. w. Auch in Kaof- 
beuren gab esz einDänzelfest, 
über dessen Ursprung man indess 
nichts Sicheres weisz, als dasc 
esz ein Schulkinderfes tschon 
frühe gewesen sein musz. Urkund- 
lich a. 1567 wird esz ak »ftb- 



D«p ^ Dat, DMtle 



HS 



Hoher Dänzelt«g der Schill- 
kinder« bezeichnet. An dem 
öffoitliehen Umznge mit Tromr 
mein and Fönen des Yormittags 
erschienen die Knaben in militä«' 
riflchen, die Mädchen in Terschie^ 
nenartijfen Costümen und zogen 
Nachmittages in das Hölzchen: das 
Fest dauerte 3 Tage. Red*-A.: 
>Al8a zergieng der Tanz« d. h. 
die Sache. Frank S.117. Tanz, 
borg am westl. Ende v. Mazz- 
aies liegender Hügel. 
DenAn^b. Banrentanz (s. B) 
BoU Johannes Holzer ansz Kloster 
Mtrienherg bei Meran in Tirol 
gsCerligt haben. 

I)AP,dim.:Daeplea. Daiple 
Pfotchen; scherzweise >'s D. 
gebe« bei Kindern. Schmid 114. 
>Jact thua miar nu glei 's Dai- 
pia gea«. Seh. 

DÄPPELN, BWY.: in kleinen 
Sehritten gen; Dappeler, der 
susz Altersschwäche in kleinen 
Schritten marschiert. Däp- 
peliapolka, ein Tanz in solcher 
Weise. Tapp in 's Mns, der, 
oder T a p p e s , imgeschickter 
Mensch; >da schmalk'scht 'n Käs 
wie a Tapp ins Muasz«,(Sch.) 
was sonst tappig auszsagt. 
Sehmid 114. 

DAPPER^Gang. »I thua mein 
Uta Dapper gau«. 

DABNE DENNAl ist's doch so 1 
Verwunderung, wenn etwas, was 
man ante, eintrat, darnach? 

BABRE, die, Dörrofen, Dar- 
rete (WurmL) 

TABT8GHE, swfl: ein. kleiner 



Schilt, pelta. Mhd. Wb. HI, lie, 
117. »DieTartschenfürzuwerüen 
sind sie so geschwind, daszsieWnrf 
und Pfeil, so sie die ersehen, auf- 
halten«. Elucid. 1548. iTart-" 
sehen und Armbrust«. Fizion51. 

DAS, stn. in den Stauden die 
Streu ausz Tannenreisem, wie es* 
dort bräuchig; überhaupt Tannen* 
reisach. »Die Eichen und Ahorn 
aber nach vorherigen Anfragen 
bei dem Forstherm zu hauen; 
sodann auch die Abheilung des 
Daaszes und Holzes auisz dem 
Wald inner der verbotenen Zeit 
— (soll) unentgeltlich concediert 
werden«. Kempt. Gonfirm. S.23. 
Yerb. d a a s e n. Vgl. Schmid 1 15. 
Schmeller I, 352. 

TASCHE, die. >Nach altem 
Herkommen ist besonders eine 
eheliche Gemeinschaft des Ver- 
mögens bei den Wein- und Bier- 
wirten, Becken und Mezgern und 
Huckem hergebracht, die daher 
die exempten Handwerker 
odervon der offenen Tasche 
genannt werden«. Anschlagzet- 
tel 1681 bei Huber. 

DÄSIG, adj.: ruhig, degenma- 
szig, furchtsam. »Begab sich dann 
enher, dasz entweder der Adels- 
genossen in Frei- und Reichs- 
städten Regierung däsiger und 
eingezogener wurde«. Insign. 

DAT, DAETLE, dim.: Fach, 
Schublade, Fächlein. »Nicht 
uneben sind vormals dise wertiste 
Heiltumb, doch one sondern Zier- 
rat in iren absonderlichen Thät- 
lein«. Ehrenf. 1699. »Kiftdenn 
8 



tu 



IMaßh» ^ 



leaba Ton der leera Daut?^ 
Botk, Am mittleren Necar allge-' 
mein. Sohmid 116. 116. 

DATSCHE, swm.: 1) ein mit 
Obst belegtes k u c he n - oder f 1 a - 
denartiges Backwe';rk, wie 
Ziwetsohken-, Apfel-, Weic h- 
seldatsehe u. s. w. Beliebte 
Angabt Speise. 2) Ein miiglüok- 
tes, sei esas wegen mangelhafter 
Hefe oder wegen unpraktischer 
B^iandlang misratenes Back- 
werk^ eine nnförmliche Masse. 
3) Bildlich: ein dummer, trager 
Mensch,. der, gleichsam oneHefe 
UBd rechte Behandlung, esz zu 
Nichts brachte. Hingegen heiszt 
ein aüszgewirkter D. bildlich 
ein raffinirter Mensch, ein homo 
yersntus, astutus, weil das Aus z- 
wirken des Augsb. Backwerkes 
seine Güte bedingt. Ich halte das 
Wort ursprunglich nach seiner 
Anszsprache für bayerisch. Der 
€hrundlaut da t seh ist Nacham- 
ung des Naturlautes, der ent- 
stet, wenn mit flacher Hand oder 
mit flachem. Instrument auf einen 
Gegenstand eingeschlagen wird, 
besonders auf Taig, der breit 
geschlagen wird. Das a ist 
ursprünglich kurzes a und erhält 
die bei A, in der Lautlere S. 
3 a. berürte Denung, die der Stadt 
und dem unmittelbar gegen die 
Mindel und Wertaoh hin ligenden 
Lande eigen ist und nicht mit 
Unrecht bayerisch-schwäbisch ge- 
nannt werden mag. In der Tü- 
binger und ßottenburger Gegend 
komt dMsch vor für Pfann- 



kttehen, dötscho, Pf; bao 
Vom nicht dorehsaüerten Ti 
sagt man »er ist z«mm a d ä ta ( 
mit Umlaut und zwar in Nie 
Schwaben allein mit Umlaut. 
Schmid 117. 

DATTEL, die, Puppe in 
2. Metamorphose. Dattel fft 
ein alter Mezgerspizname in 

TAUBE in TAUBENJAd 
Taubenhandler und Tauben 
haber. Taubenkobeln", 
Spil der Buben in den Stai 
Irgendwo auf freiem Felde 
Garten oder Scheuer macht 
ein Zil d. h. einer stet in i 
ger Entfernung von dem Ha 
und ruft 

Tauba 'rousz kobla 

8 oder 9 

Gheart all oine mell 
Im Augenblicke y erläszt der T i 
enkobler sein Zil und spi 
auf den Haufen Buben (Tat 
losz und wen er fangt, der : 
an^s Zil; bekomt er keinen 
get's wieder von vorne an 
musz wieder 's earstei sei 

TAUF, stm.: in Pf im 
tauf, Ostertauf, das an 
Vorabenden der Vierfeste 
weihte Waszer. Der Augsb. 1 
kalender hat dafür >Ho'cht8 
>Bei St. Morizen pflegt man 
Feuer zu weihen um 7 Uhr 
nach dem die Osterkerze 
Hochtauft. 

DAULEN, allgem. obersc 
bedauern: >du doulascht 
i kas it sä«. Seh. 21. Schmid 

DAUMEN, swm.: pollex, 



Tarnet -** Depshofra. 



115 



d&no^ >den gerechten dümen«. 
Stdtr. f. 50 b. >Al86 dasz man 
lol nn begraben uns an den na- 
bol; und lol er in siner bant ha- 
ben ainen aiohinen stap, der sol 
ainer dümellen lanch sin«, f. 
30 a. Ked. A. den >D aumen aufs 
ing 1) drucken«, durch die Finger 
Mhen. 2) moralisch nötigen. 

TAUSET in Verwunderungs- 
reden: >Und aufbuzt ischt sui, 
tausetnell Seh. 

DAZELN, ein Augsb. Kinder- 
BpüL Die Buben schlagen ein 
viereekiohtes Holz in den Boden, 
legen auf das Stözlein einen Zw&e- 
ring oder Pfennig, was teuer 
oder wolfeil tun heiszt. Von 
einer kleinen Entfernung wirft 
man mit Ziegelblattchen nach 
dem Holze; am liebsten nemen 
die Buben Solenhofer Steinplätt- 
lein. Wer trifft d. h.wer soan's 
Holz wirft, dasz das Geld herab- 
fillt, läuft mit den andern hin 
imd schaut ob Münz oder Wap- 
pen gefallen ist. Je nach Yer- 
ibredung gilt das eine oder an- 
dere. Das Wort scheint bayeri- 
schen Ursprunges. 

TÄZLEN, Hemdspizen, Man- 
schetten. Schmell. 1, 466. >H a n d - 
täzlein mit oder one Spiz«. 
Poliz. 0. >Ein Halstuch, sowie 
den Handtäzlen und denen 
Kragenbändem mit oder one 
Spizen über 15 f. nit wert sein«, 
a. a. 0. In dem Fuggerschen In- 
ventar komt vor: »8 par Täzl 
mit merlei Seiden auszgeneet«. 
>25 par Tazel mit und one Spiz«. 



DECKE, »unter einer Decke 
mit einander ligen< häufig in 
Augsb. Akten >conspirare<. Be- 
decken, »betreten oder bede- 
cken laszen« von den Hennen. 
Gockel 11. 

TEFERDINGEN, 0. N. heiszt 
urkdL V. 1288: Tenfridigin- 
gen, V. 1408: Tenferdingen 
und Daferjdingen. 

DEIL, DEILUNG, hölzerne Ga- 
näle, das Waszer in's Haus zu 
leiten. Schmid 123. Teyhel- 
fürer in der Feuer-0. 1731. 

DEINSELEIl,der,Eroi^.Sch.l24 
verb. deinseln, davonschleichen. 

TEMPERFASTEN, allgemein 
in den schwäbischen Schriftwer- 
werken des 14. u. 15. Jarhd. »in 
der tempervasten des advents«. 
(Quatemberfasten.) cgm. 157f.2a. 

DENN »und denn< beliebte 
Uebergangsworte von einem Saze 
auf den andern. Mindelheim. 

TENNEN, swm.: Vorplaz des 
Hauses, Haasgang selbst. »Ain 
tännen und ain sumerlauben«, 
» der t ä n n t , daz allerny dr est vn- 
danan dem tännen«. allgm. cgm. 
625 f. 284 b. u. ff. In der wir- 
temb. Hochzeit: »Ein hoher lan- 
ger weiter Tennen, da man tat 
etwa stechen rennen.« Aufgestellte 
ThännenmeistTer, Memming. 
Feuer-0. 1765. 

DEPSHOFEN, 0. N., urkdl. 
1241:Tebeshofen;1364:Tepz- 
h o f 6 n ; unwarscheinlich auf einem 
alten Tepizo u. s. w. beruhend. 
In D. ist esz nicht ratsam zu fra- 
gen,' warum der Schimmel 
8* 



110 



Derael — Dignen. 



lachte Sie sollen, wie ander- 
wärts esE auch erzält wird, einen 
Schimmel den Kirchturm hin« 
aufgezogen haben, um das Gras 
dort abfireszen zu laszen. Bereits 
oben, bleckte er noch vor seinem 
Ende die weiszen Zäne, wobei 
die- Depshofer schrien: jezt 
lacht er! 

DERZEL, der, eine Art klei- 
ner Falken; mittellat. tertius, 
tertiolus. Mhd. Wb. HI, 32 b. >l8t 
es^ ein Habich, das ist ein sy, 
so ist eins einDerzel oder klein 
Habioh, das ist der er<. cgrm. 
289 f. 108. 

TERZIANA, Febris tertiana 
in Akten, Chroniken ser oft. — * 
Luc. Bern. S. 7: > am hineinreiten 
staos mich einFieber t e r z a n a an« . 
TEUFELSPEITSCHE, eine 
Schelte für böse Frauen. >T., 
Schindbeitsch<. Homo S. 

DIBES (- u) Rausch. >Du hast 
'n dibes<; >deam guckt der di- 
bis zue deogorousz!« ganz was 
DamesnndDusel. Schmid 115. 

DICHEN, swv. : schleichen, leise 
gen. Schmid 123. 

DICKET, die, Dickicht. 

DICKORET neben do säe rot, 
taub, übelhörig, 

DICKPFENNIG in einem Ver- 
gleiche von 1508. Die Stadt A. 
ist befugt > silberne Münz und 
Dickpfennig zu ganzen und 
halben Dugaten in der Münz zu 
schlagen«. Der Dickpfennig 
galt 20 kr. Schmell. I, 314. 
Grimm Wb. ü, 1083. Kehrein. 
Sammig. 22 b. Augsb. Pfen- 



ninge sieh A. Rotweiler PL 
sieh R. Esz gab auch »trackne 
Pfenninge« Akt. Vergl. 1368. 
Dicktnch, eine besondera Art 
Tuches: bei dem MaiBterexamen 
hatte ein Weber 1) ein grobes, 
2) ein dickes und 8) ein Kron- 
tuch zu web«i. 

DIECH, stn. femur, Oberschenk- 
el beim Menschen and bei Tie- 
ren; seit dem 17. Jarhd. m. n. £ 
gen. Vgl. Mhd. Wb. I, 324 a. 
Grimm Wb. n, 10d8. >W6r ein 
diech verkauft; sol sein nierstal 
darin laszen«. cgm. 290 £. 76 a. 
>Der Schütz, das Zeichen, bat an 
dem Menschen die hifft and die 
Dyech«. Reg. 1512. >Aaf die 
Dieoh für alle Gebrechen« a. 
a. 0. >Der Schatz betütet die 
Diech e«. Astron. 30 a. »Man 
sezt die Köpf auch «n die Die- 
ch er< 39 a. >S Mittel iin 
D i e c h < ein MezgerdachaoBzdrack 
für das Kreuzstück am Hochbalg. 
Liddiech sieh unter L. 

DIENSTLER, wer in wel- 
cher Art imer von der Obrigkeit 
für niedere Dienste verwendet ist. 

DIGNEN, swv. : Schweinefleisch 
räuchern-; verdignen, Kraft 
und Saft herauszbraten. Dig- 
n e s, geräuchertes Schweinefleisch: 
>ir sult auch nit tigens fleisch 
eszen, wann ez hertet den pauch<. 
cgm. 223 f. 5. »Sie sollen mei- 
den alle wolgesalzene Kost und 
Salzes und diges fleisch«, ogm, 
601 f. 101. Digne Wurst, ger 
räucherte Schweinswürste in A. 
beliebter Auszdruck. Schmid 126. 



Tilgerle — Docke. 



117 



TILGERLE, beim, eine alte 
Wirtschaft in der Backergasve. 

DILLE, DÄLLE, ein einfölti- 
ger Mensoh, mit dem Scherzo ge- 
trieben werden. 

DINGELER. ein gtoszer unbe- 
holfener Mensch; dingelaere, 
oberschwäb. eine vierschrötige, 
imbehilfliehe Weibsperson. 

DINGEN, häufiger ist der Fach- 
auszdruok aufdingen bei Hir- 
tenbuben im Brauche. Stauden. 

DINGLAC5H, Habseligkeiten : 
>der hat dem Marschalk sein 
Dingl&ch gefuert«. S. 267 a, 
»Den andern Wagen mit 4 Ros- 
ten hat ein Rat bestellt, der hat 
to andern Edelleut Dinglach ge- 
fnerk. a. a. 0. Ueber lach sieh L. 
DINKELSCHERBEN, 0. N. 
heiszt urkdl. 1217. 1220 Ten- 
chelserun; ^vom 14. Jarhd. ab 
Dinkel Scherben. 

DIPPEL, plur.: Züglöcher am 
Backofen. Als Schimpfname füre. 
dnmm.MenschengiltH iradippel. 

TISCH: >ze tische stan< feil 
haben: >86 mag ein burger, der 
wahs h4t wol ze tische stau dri 
tage vor vnd sol in des niemen 
irren«. »Ez sei auch kain krä- 
mer, der ze krame st§.t kein wahs 
uf deheine tische noch niender 
verkaufen, wan in siner krÄm<. 
Stdtr. f 13 b. Tischen, Mal- 
zeit halten; vgl. das züricheri- 
sche >vertischgelten€ in einer 
Familie zur Kost gen. Tisch- 
afette, dim. Serviette. Siben- 
tischwald ein Augsburger ema- 
hger Yergnügungsort. 



DISGÜST, stm : >Im Himmel 
ist lauter Freud, in der Höll ist 
lauter Leid, im Himmel ist lau- 
ter Lust, in der Höll ist lauter 
Disgust«. Conlm. 

DISSELE, das, Lockruf für 
Küchlein. Sieh Anhang. 

DITSCHE: 1) verächtlicher 
Hut. 2) Orfeige. >Eva: Ah sey 
iaz do it gar so ead! Dasz 
's tJebel it no ärger wead; du 
bauscht schoa oft 'n Ditscha 
thau, drum schimpf i all und laä&s 
mi gaü«. Seh. IB. 

DÖBHABER, stm. >Esz gäbe 
besonders an der Hochstrasze in 
Bobingen solichen Haber, den sie 
Döbhaber nennen und dem 
Treffzg im Rocken nit ungleich 
ist. Wer von solchem Brot oder 
Mel asze, wurde in dem Kopf 
ganz dumm, hat vil Schmerzen«. 
Reinhartshaus. Pfarrbuch. Vgl. 
Dippelhaber, Schmid 126. 
TOBIN, der, gewaszerter Taffet: 
le tabis, franz.; iltabino,ital.; 
the t a b b y^ engl. > Atlasz, T o b i n , 
Taffet« oft in Akten, besonders 
Kleiderordnungen. Wirtemberg. 
Hochzeit : 

In weissem Samat unvertrogen 
Mit güldenem Tob in durchzo- 
gen u. s w. 

DOCKE, 1. l)bei Waszerbauten : 
kurze dicke Säule ausz 2 Querhöl- 
zern in Puppengestalt: >ln dises 
Geländer von holen und gedreh- 
ten Docken oder Sparren mehr- 
malweise verfertigt«. Heimfü- 
rungsbegängnis 49* »Von den 
Eichen abgangen, welche man zu 



118 



Dookele — Tod. 



den Docken in Hart verbraucht 
hat«. Mickhans. Akt. 16. Jarhd. 
>An den Schwebdocken«, 
1567. >Ich hab die 3 Gräben 
vor den Docken gefischt«. 1570. 
Ygl. Wb £. Volkst. 26. 2) Kinder- 
pappen. In dem Leben der EU- 
l»betha Bona, Beimerei vom 17. 
Jarhd. heiszt esz: 
Als dasz sie in ihrer Kindheit 
Mit den Docklin vertrieb die 

Zeit. 
Dockenwerk, Puppenspil für 
Kinder. Dookenküche, in dar 
Alles, was zu einer Haushaltung 
gehört, im Kleinen aufgestellt ist. 
In Augsb. trieben Yomeme esz 
soweit, dasz eine solche Docken- 
küche oft auf 1000 fl. zu sten 
kam. Sogar Bräute hatten noch 
ir Spil mit Do)ckenhäusern. 
Darum werden auch des öftem 
Künstler und Dockenkrämer 
mit einander aufgefürt (Gass.). 
Im Homo Simplex komt das Wort 
in folgendem Zusamenhange vor: 
»Präsentiert die falsche Welt dem 
Geilen, Unzüchtigen allerhand 
Docken, Saitenspil, Ueppigkei- 
ten des Fleisches c u. s. w. >Wie 
manche schön aufgebuzte, ge- 
schmückte, gezierte, angestriche- 
ne, mit Balsam und Ambra über- 
fimieszte Docken wurde ausz- 
sehen wie ein häszlicher kohl- 
schwarzer Teufel< u. s. w. a. a. 0. 
»Macht eine Gleichnus unter eue- 
rem und euerer lieben Voreltern 
Aufzug und Kleidertracht, da wer- 
den sich manche spompenadi- 
Schn eider, manche Aufpflanzerin 



und Popendocken schämen 
müszen«. »Get eine sauber geklei- 
det ist sie eine hoffartige Spreis- 
serin, eine Hofdock«. Puk- 
docken, früher allgem. 
Die Eava steiget wia a Dogg 
Und 's Mannsbild haut fleack am 
Bock«. Seh* 

DOCKELE, dim.: Hund. »Dog^ 
gele, Doggele, sä, säl> Hnndehif 
und Locken bei Kindern. Bir- 
kach. Stauden. Schmid 190. 

DOGKELMAUSEN und DU- 
CKELMAUSEN, swy: heimlieh 
eine List auszfuren. »Geht sie 
schlecht daher,i8t sie eineSchlamp- 
lin, ein sy. Mistfink; redet sie, 
ist sie ein Buhlerin, ein Ehebr^ 
cherin; schweigt sie, ist sie ein 
Dockelmau ser in, in der nichts 
guts steckt«. Homo Simplex. 
Schmid 131. Duckmauaen. 

TOD, »Tods verscheiden«, 
sterben, allgem. in Augsb. Schrift- 
werken. Toadaschlaile, uralter 
Name für eine Filiale liinter Si- 
gertshofen in einer Art Bergto- 
bei. Todagrübel, Todtengrä- 
ber, Mindelheim und sonst. Ein 
Klopfanlied in Mindelheim 
heiszt: 

Holla, Holla, Klopfertag 
Schüttelt d' Bim und Aepfel rä, 
Schmalz im Kübel 
Ist au itt übel, 
Bhüet uns Gott vom Toada* 

grübel. 
»Yil Schmalz im Kübel, 's ischt^ 

au it übel« 
Und a langa Buah voarm Toa^ 
dtagrübel«. Seh. 10- 



Dod IXodle — Doppelweib. 



iie 



Red. A. >£r iet gut d^n Toad 
X 'holla«, er nimt sich snmGen 
Zeit. >DerTod ist mirüber's 
Grab gelaufen«, esz schauert 
mich. >E8z ist zum Tedschie- 
szen«, wo man sonst zu sagen 
pflegt: esz ist zum Tod lachen. 

DOD, DODLE, Pate, in Nie- 
derschwaben Dött. Doden- 
p f e n n i g , Patengeschenk, was 
als Kleid am Palmsonntage oder 
sonst gegeben wird, und in Wurml. 
Dottaschuz; in Rottenburg 
Dottftgschäft hiesz; in Aar- 
au Eindstroaeel genant. >yon 
Konrad Rechlinger meines T o d t s 
wegen«. Kleidb. iDoch bleibet 
hnniach einem jeden solchen Kin- 
dern und Dotlen Guts zu tun 
iui?erwert<. Poliz.0. Schmidll6 
DOIjENSTEIN: >dann darvor 
ist jedermann aingemainer Durch- 
gang durch dises Haus gewesen, 
imd hatgeheiszenDolenstain«. 
8. 58 a. Esz war eine MMe bei 
dem Steffingertor. 

TOLLFÜSZ, schiefgewachsenes 
oder gar hölzernes Bein. 

TÖLPELSFELS, alter Name 
des Eisenberges. Gass. >Zum T.« 
DOM, stn. : in der Augsb. Land- 
schaft, Stauden, kurz gesprochen. 
Red.A. »Mit dier könnt ma z' 
Aagrflburg 's Domm nei rumpla 
Toar lauter Dumme« von einem 
dummen Menschen gebraucht; zu- 
gleich Wortspil. Ein R&tsel 
i& den Stauden heiszt: 
2n Weiszenburg im Dom 
Da ist a gelbe Blom, 
Und wer die Blom will haben. 



Musz Weiszenbnrg zerschlagen. 
(Ei) 
B.A. Domherrn-Arbeit tun: 
müszig gen und Geld dabei ebt- 
nemen.- 

DONNERSTAG, der aHeinige 
Name far den 5. Wochentag. Bald 
schreiben die Denkm älbr D o n r s- 
tag, cgm. 168 f. 9 b und öfters; 
bald, wie noch im Yolksmunde 
üblich, Donderstag; ganz so 
schreiben die Kalender von 1500 
•^1518 des Regiom. Dons tag 
komt auch oft vor, selten aber, wie 
in Bayern, Pfinztag. Der 
halb Augsb. cgm. 740 f 81 b 
hat: Domstag oder Pfinztag. 
Ott Ruland hat auch Pfinztag. 
In Niederschwaben D a n § t i g ; 
Obersohwb. Donstig. Bekant 
ist der gumpige D. sieh G. 

TOPP undtö(pp), esz gilt; ein 
Mann, ein Wort! 

TÖPPEL, emals die Büchse, in 
die beim Schieszen der Mitschie- 
szer seinen Einsaz legt. Schmid 
129. Jezt in A. nicht mer 
lebend. >Das ander nimpt man 
usz dem Töpel, sovil sich den- 
nocht geburt« cgm. 2517. >So 
soll der Töppel auch ainander 
heben« a. a. 0. »Bis der Töp- 
pel gar uffg&t« a. a. 0. 

DOPPELGLUFE f., Haarnadel. 

DOPPELWEIB zu Grimm, Wb. 
II, 1275. >Etlich haben den Acker- 
mann, den Edelmann (im Spile) 
den Wucherer, den Pfaffen, das 
Doppelweib, den Eyfflan, den 
wirt vnd gewint je ains dem an- 
dern ab, dem Edelmann der Wu- 



•m 



ToppAnudU Toppastrizel — * Dorsche. 



cherei;, dem Wucherer der Pf äff, 
dem Pfaffen das Doppelweib, 
4er Kyffian dem Ryffiaii,derwirt 
4em Wirtii.8.w. cgm 311 f. 47 a. 

TOPPANUDLA und TOPPA- 
STRIZFL, bayerisch Dopfa-. 

TOB. Die Tore spilten in A. 
eine grosi^e Rolle; die HimelB- 
gegend^ die Wanderschaftslän- 
4er wurden nach dem Tore be- 
^ichnet. DiQ 4 Haupttore waren: 
»Gegen Westwindt und Bayrlandt 
dfks Jacobertor; gegen Ost und 
dem Allgäu das rote Tor; ge- 
.gen Sudwindt und Schwabenland 
das Geggingertor; gegenNordt 
und der Thonaw dasWertaoh- 
brugertor. Und über diese 4 
xu)ch 6 kleinere als das: Yogel- 
tör lein, Schwy bogen-, Klenr 
ker-, Fischer-, Steffinger- 
,und Oblatertörlein«.- Gase. 
Walkertörlein. a. a. 0. Das 
Elenkertörlein komt. in der 
Almosen-Ordg. oft vor als einzi- 
ger Einlasz für fremde Bettler, 
bewacht von den sog. Gassen- 
knechten (1694). > Ausserdem 
dardurch man die Leuthe zu 
Nacht vmb ain genanntes Geld 
ausz- und einläszt (E i n 1 a s z törle 
genannt), welche kleine Törlein 
an Feiertagen unter der Predigt 
oder so sich sunsten etwas Wi- 
derwertiges und Unglückliches 
zuträgt, nicht aufgemacht wer- 
den, sonsten aber werden sie so- 
wol als die 4 Haupttor mit einer 
starken Quardy verwöhret« . Gass. 
2. Das rote Tor hiesz ehedem 
Hauptstettertor. Gass. 148. 



Bed.Art: zum Tor hitiausz- 
komen, zu rechter Zeit fertig 
werden. Die Torschreiber in A 
wurden zur BeiohsatadtzeitTof- 
wart genannt. 

DOB£, Dorothea. Dourathea 
sonst. 

DÖBE, DÖBBE, die, Kntok- 
heit der Vögel, die in einer Art 
kleiner mit Eiter aufgelaufener 
Bläterchen am Steisz entstei. 

DOBGLEN, von berauschten, 
krumm, unsicher gen, hin- und 
herwanken,, taumeln. Er hat 
schon wieder einen Dorgler 
gemacht, sagt man gewönlich. 
Im Homo Simplex: »Mancher hü- 
tet sich das ganze JarTorSünd u. 
Laster, sovil er kann, aber zur 
Zeit der Fasnaoht dorgelt er, 
als ein blinder Narr in die Stnd 
hinein>. VgL Mhd. Wb. lü, 149 b. 
(tarc) Frisch II, 377 b. 

TOBKEL, die, toreula, Weinr 
jtresse. »Wein, der do gelesen ist 
von den Weinreben lauter und 
klar auszgetorkelt ' vnd ge- 
druckt und nicht agrest Wein 
noch Confektwein<. Augsb. Mssb. 
Dises fremde Wort erscheint 
fliehen im Ahd. b. Graff. Mhd. Wb. 
m, 52 a. 

TORMENT, ser grosz, furcht- 
bar. >Nach Mitnaoht kam ain 
torment Sturmwind 'an un3<* 
Luc. Bern. 10. 

DOBSCHE, eine Eohlart, deren 
Strunk oder Stock zu Lichtstöcken 
dient. >0 heil.Thossol diebren« 
nende Lieb Gottes in deinem Her- 
zenl fürwahr, diesen deinen Lie- 



I>oaebfbn — Trager. 



121 



beafiammem, welche die KotE 
and Doreehen ,m deinen Bin- 
den hat angeaündet, gehört das 
Lemma des heü. Panli« o. s. w. 
Erenfest 1699. 

DOSCHEN, swm.: 1) Quaste. 
2) wirtelständige Dolde. >£ine 
doschete und daschigeKuh« 
was der Oberland.. Schwabe g« t o- 
eket^ öodenmäszig, auf brei- 
terGnuidlage stendheifizt. »Kurze 
Klagbinden als YOn sohlechtem 
Flor oder Zendel zu malen one 
D B c h e n oder Bösen tvagen sol- 
len<. Polis.O. 1688. Inden^Schu- 
sUrbraderschaftsrecluiungenkomt 
oft tot: ¥or die Doachen, vor 
€m Sipagen u. s. w. zur . Zierde 
der Fane. 

DOSEN (Wurml. dessen) 1) hor- 
flhen in der Stille. 2) schlum- 
menkj d o a & a r e t,. übelhdrig. Vgl. 
Mhd. Wb. 1, 886, dose, ich ver- 
halte mich stilL Ebenso HI, 155. 
TOXENFLACHS komt oft vor 
in Fuggerisch-Mikhaus.. Reoh- 
lumgen, wqI zu Docke, Hand* 
TollBüsoheL »GedoxtenFlax«. 
1671.. 
TRACHTER. stm., d. Trichter. 
TRAGE, swf., sovil man auf 
eiiuaal tragen kann. Im übrigen 
Schwabfn: Traget, Tragete. 
Trag bar Tragbahre. 

TRAGEN, fhiptun^ dare, ge- 
baucht V. ainem äckerlin. cgm. 
154 f. 39 a. ein äckerlin, trag es 
oder nit«. f. 89 b. 

TRAGER, der, 1) Helfer, Ver- 
walter,- Vorsteher. >0 Herre schick 
denTragerderEübersy«. cgm. 



82 £ 22 a. Von Gott heiszt esz: 
>0 Herr unser richter vnd unser 
£etrager<. egm.845f.4b.2)cu- 
rator. Pfleger, Vormünder; eaz 
scheint ein Auszdruck abgefallen 
zu sein; das ahd. sorgentragil 
dürfte hiehergezogenwerden: >vnd 
ist der «undersieohen trager <. 
cgm. 154 f, 11 a. Auf erbare Trä- 
ger soll in alter Form geliehen 
werden. Vergleich von 1603. 
Das Memminger Stadtrecht hat 
folgende Erklärung: »Umb Trä- 
ger zu gebeut. Wir habentauch 
geeezt. und sigent mit dem ailif- 
ten ze raut worden, dasz jeglich 
burger und burgerin hie ze Mem- 
m i n g e n iren Einden wol mugent 
Trager geben bi gesundem und 
siechem lib oder an dem Todtbett, 
wa sie wend, die auch hie Burger 
sind, es sigend firiund oder ander 
lüt, dasz sye niemandt davon irren 
mag; wer aber seinen Kinden nit 
Trag er gibt, der von Tod ab- 
gaut, so sol der Rat denselben 
Kinden Trag er geben, die dem 
raut nutz und gut dunkent und 
zu jeglichem Trag er geben, dri 
oder zwen von dem Raut, dasz 
kain Trag er nichzit versetzen, 
verkaufen oder mit der £[ind Lieb 
und Gut, der Trager sie sint, 
nichtz tuen u. s. w. Vgl. Mhd. 
Wb. ni, 79. Ich erinnere an das 
ahd. tragon b. Ofrid: sich nä- 
ren; mhd. sich tragen, betra- 
gen, sich nären; wol zu unter- 
scheiden von trägen mit ä: mich 
betraget etwas: mir ist etwas 
langweilig. 



122 



Traglieim — Trmber. 



TRAGHEIM, abgegang. Ort b. 
Hader, nrkdl. 1296 Tragheim. 
Eine Flurmarkang nördlich von 
Lindaoh heiszt noch das Trag- 
heiiner Feld. 

TRAIDSÄCK (Troidsäck) Sti- 
chelname der Bnrganer. 

TRAINEN, blühen; der Train, 
Blüte. Kanfb. Schmid 185. 

TRALLIQÜATSCHEN, reden 
wie einem der Schnabel gewach- 
sen ist. (Nicht Aogsburgrisch.) 
. TRAM in UEBERTRAM, üeber- 
balkenwerk. >Al80 da man die- 
selben auf die vberträm und 
Balken legen musz«. cgm. 402 f. 
87 a. >St. Ulrichs Grab war 
auch nut Balken und Tram ver- 
fallen«/ f. 43 a. Vgl. Mhd. Wb. 
I;891b. »Getrembs« unter dem 
Kornboden. Akt. 1585. 

TRAMPELTIER, Dromedar, 
e. Tolkstüml. Anlenung an tram- 
peln, schwerfällig (iiXinovg) ein- 
hergen, latschen. Bildlich sm 
einer schwerföUigen Weibsperson 
gesagt, 6. Schelte. Schmid 135. 
Im Mhd. Wb. III, 83 stet tram- 
ple, trete stark auf. 

TRAUBE hiesz die beste Gat- 
tung Barchet mit dem Trau- 
benstempel; esz gab rohe 
Trauben neben den feinen. In 
Ulm hiesz die beste Gattung und 
die erste des besten Barchents 
Ochs; die zweite Low; die dritte 
Traube; die vierte Brief. Eben- 
so in Nördlingen und Basel. Vgl. 
Schmid Wb. 413. 

DRECK, assa foetida, in den 
Redensarten: »Du verstehst 



da Dreck, du muesKt »Haf- 
ner wera« tchorzende unwillige 
Rede zu einem dummen Menschen, 
der etwas hiüterffir anfaast. »D& 
h&gt da Dreck, was gilt der 
Butter« heiszt esz, wenn einem 
etwas hinabftllt, z. B. zerbreoh- 
liohe Geschirre. >Aber sie —die 
Wasserburg belagernden Utaner 
— gewunnen ein Dreckt. 
Frank S. 108. >Bald kommsckk 
derhea wie d' Sau im Dreok«. 
Seh. 

DREGKELN: 1) im Dreek d. 
h. Kot oder Lern arbeiten: >ünd 
dreckla mea im Hi^erloini«. 
>An etwas herumdreekala«, 
spilend an etwas arbeiten, one 
Ernst. 2) Schmuzig sein. 

DREGKSGHÜZEN: scherzweise 
Bezeichnung des VoBEwizes in 
A. für die ersamen Mitglieder der 
Handbogen- und Armbrustechl(- 
zengesellsohaft daselbst, weil ide 
auf Scheiben von feu<^tem Lern 
schieszen. 

DRECKSCHWALBEN, Maurer. 
Scherzweise. Hennadreok bei 
Vergleichungen: nichts. 

TREFFER in der Judenmez- 
ger spräche im Gegensaze zu k a u - 
scher; die Lunge wird geblasen 
und hat sie nur den kleinsten 
Feier, so heiszt sie t reff er. 
>Sollte aber derOxt reff er wer- 
den, so selten die Juden dem 
Mezger den Schnitt bezalen«. 
Mezger- Akt. 17. Jarh. 

DREHER, ein alter Tanz; sieh 
Tanz. 
TREIBER: >damit nicht sie auch 



Treibmittel — Treiorier. 



123 



als Treiber und Verfechter dis* 
es Streites beschuldiget werden«. 
Dr. Müller. 

TREIBMITTEL. »Wenn die 
Wehen feien oder ausbleiben oder 
langsam und kurz sind, deszwe- 
gen nicht Treibmittel brau- 
dien, noch die Gebärende über 
MBcht oder vor jder rechten Zeit 
tn- oder übertreiben«. Augsb. 
Hebammen-Ordg. 1750. S. 44. 

DREI8ZGERLE, das, kleinstes 
Melmasz. Stauden. >Zum 19. in 
«iner jeden Mihi soll ein ganzer 
and ein halber Metzen, ein Vier- 
hng nnd V* Vi^lrngf auch ein 
Breyssgerlin^se ganzbesdila- 
gen und zu Augsb. gericht ist« 
o. 0. w. Sigertsh. Mülord. y. 1598. 

DREISZiGST, der, der Tag 

der dritten Seelmesse* Dise Mes- 

•en wurden bes. in der Augsb. 

Gregend streng eingehalten und 

vor der lezten, dem sog. Dreiszig- 

tten, darf kein Erbe an Empfang- 

name von der Hinterlaszenschafb 

denken. Am Begrabnistage wird 

sogleich die Legmesse — Be- 

gräbnismesse ; sodann dieBseng- 

nusmesse ~ Einsezungsmesse 

gehalten. Den Schlusz bildete in 

froherer Zeit der <Dreiszigst ^ 

nach 30 Tagen. So heiszt aber 

auch der lezte Tag der Wallfar- 

ten wie z. B. auf dem Eobel. 

Dise Wallfart dauerte volle 

30 Tage, fangt den 15. August an 

ond endigt den 13. Sept. mit dem 

Breiszigsten. S. hat f. 380 a. 

>den treuszigost nach seinem 

tode«. Ygl. auchA. v. Buchners 



Werke 4, 216. In Augsb. nicht 
mer gebrauchlich. 

TRENDELN, TRINDELN, in 
der Müle abstoszen. Mhd. Wb. 
III, 86. >Ain Vierling unge- 
trindlet Erbis, ungetrind- 
let Gerstenc. S.542a. »AmSO. 
October 1683 sind zu mei- 
ner gnedigen Herrschaft Hofhal- 
tung an getründelter Tafel 
Gesündsgersten geliefert wor- 
den«. Mikhaus. Akt. 1683. Die 
Drentler komen in der Bräuer- 

0. oft vor. Schmell. I, 492 ff. 
TRENDLEREI, die, b.Gass. 

>ünd alsbald nach Abschaffung 
des Ghrümpelmarkts ward di- 
selbe wöchentliche Trend- 
ler ei für das heilige Ereuzertor 
verwisen«. 
DRESCHERIN sieh MockeL 
DRESKEN (dresga). 1) schwer 
und laut atmen 2) in Folge des- 
sen langsam und schwerfällig gen, 
(Wurml. dreser, dresa) Subst.: 
drensger. 3) sich lange besin- 
nen, mit VerdruBz etwas unter- 
nemen, zögern. 4) vor sich hin- 
brummen. Schweiz, auch weiner- 
lich etwas verlangen, etwas Ver- 
zögertes inständig erbitten. Ich 
erinnere an mhd. drast, ahd. 
dräsod. 1) Hauch, Duft. 2) Niesen, 
draese swv. niese. Mhd. Wb. 

1, 386. Dränsgen. Seh. 
DRES, das, Bodensaz von der 

auszgesottenen Butter. Pfaffen- 
hausen. 

TRESORIER, Schazmeister. 
L. Rem. S. 6. 



124 



I>r6nal -* DrisdiüfeL 



DRESZEL, tomator. ogm. 685. 
f. 180. 

DR£Z£N, jemand gierig ma- 
cihen; zornig machen. Buben- 
trezerle, Haarlocke im Gesicht. 
TRIBENLEHNEB. > Wenn man 
An St. Georgen Tag die Lämmer 
-msammenbringt, soll sie der Tri - 
benlehne r hüten, damit sie der 
Bischof, wenn er käme, haben 
könnte<. Herbergers Schwab- 
münchen. S. 21. 

TRIEBTRÜNKE: >de8sentwegen 
sollen die Hebammen die krei- 
frtende — die Wehen nicht wei- 
ter verarbeiten lassen, noch we- 
niger zum Arbeiten antreiben, 
-noch auch Triebtrünke einge- 
ben«. Hebamm.O. 49. 

TRIEBLEN, ein Kinderspil. Der 
junge Schwarz kniet mit dem 
rechten Fusz auf der Erde in dem 
ernstlichsten Bestreben ein 
Stücklein Holz mit dem Stock iu 
die Luft zu prellen. Triblen, 
.frequent. v. treiben ; engl, d r i v e ; 
niedersächs. driwen; bei trib- 
len stet eggeti. Schwarz 104. 

TRIBÜLIEREN, quälen. >Wie 
yerhengest du, dasz die auszer- 
weltest aller Welt, ein spigel der 
olarheit so getribuliertwird«. 
cgm. 448 f. 103 b. 

TRIEGEL, das, Trpg, Sautrog. 

TRlßLEN, wie Kinder eszen, 
das Eszen vertragen, in Gesicht, 
Kleider »Und hinkt do it da 
ganza Tä, wie d' Nandel Roz 
und Trieler rä«. Seh. 35. 

TRIMEL, Balken (Trümel), ahd. 



dremil Graflf V, 631. Mhd. Wb. 
I, 891 b. »Mit einem Trimel 
zu tod schlagen«. S. 2) »Die Kü- 
nighi ist in disem TrimelCYer- 
wirrung) in ein Winkel geflofaaiH. 
S. 381 b. 

TRINKIG, adj. >Er 8ol ank 
niht lihen üfcheinblutik gewant 
noh üf chain nazzez gewant oder 
anderiu phant: esz sin hüte oder 
swaz esz ist, &ne daz trinkig git 
ist«. Augsb. Stdtr. f. 42 a Sp 1. 

TRIPPEL, gelbe Erde; tri|>- 
peln polieren, messingne Schlö» 
8zer glänzend machen. 

TRISCHACKEN, e. Art Kai»- 
tenspil. >Oder aber, mein Anr 
derea, haben sie villeicht tri* 
• chaokt, welches ordinari ein 
rauhes und teures Spil ist. Ja, 
sagt er, sie haben trischakt, 
rauch und teuer gespilt«. Homo 
Simplex. 

TRISCHEL, wie hoohd. >nene 
T.« Invent. Hart. SchmelL I. 4ia 
Eine beheimsche Drischel mit 
eisenen Zinken {auf der Wagen- 
burg) cgm. 856. Feuerbuch. 

DRISCHLAG oder Drisch- 
lack, tölpischer, eckiger, grober 
Mensch. 

DRISCHÜFEL , Türschwelle 
Schmoll. I, 416. >Stet er näh im 
in daz bistal oder in die tur, oder 
in daz drischüfel oder in das 
vbertur«. Augsb. Stdt.R. f. 47» 
Sp. 1. »Und die Wasser und die 
Drischübel des Erdrings« ogm. 
300 f. 117b. »Lauffet aber er hin 
in vber daz drischüfel mit ge- 
waefenter haut«, a. a. 0. ahd. 



TroaBGhen -~ TrankenpßlB 



125 



driscüfili^drigcufli. GraffY, 

266. Mhd. Wb. I, 896. Die 

Sdimeller'sche Glossensammlang 

liat driiscnflem, driiscufli, 

Hmen. Drisoupil limes, trü- 

Bchubl, limen, drisonyili, 

driscufel, drisgufli u. s. w. 

TR0A8CHEN. »Oder man gab 

im in der obgesohribnen prent- 

tea kugeln ains oder ain halbs 

(Arznei), das da genennet wirt 

Troascben in Rosensirop zer- 

Inben«^, cgm. 601 f. 109 b. 

Sehmid 137. 

TROPFEN, swm.i ein groszer 
Brillant, gefasste Perle. 
TRODLflN, 8WV., ungleich, grob 



TBOG, >zum leeren Trog- 
wirts h aus«, alte Schenke. 
Bronn.0. 1764. S. 82. Trog- 
8 c h e e r e , Backtrogscharrer . 
Standen. 

TROLLET wie ROLLET, ein 
Ding wie der andere: ganz gleich. 
Stauden. 

TR0S8EL. 1) »Wie Achilles 
das gesehen, dasz die Barbarier 
hinzwischen kamen, ist er inen 
entgegen gangen und desfeindts 
Trossel vor dem Schilt ent- 
blöszt«. Troj.Krg.36a. 2)Tra9- 
stel mit unorg. t, allgem. Stand. 
3)Schmuzig« Weibsperson (a.a.O.). 
4) unheilbare Pferdekrankheit, 
dreifache Gelbsucht, a. a. 0. 

TROSTKBTECHT hieszen im 
Augsb. Bläterhause im SOjärigen 
Kriege >die in Abwesen der 
Geistlichen den Sterbenden zue- 
sprechen und alle Tage sowol 



Morgens als Abends in allen Stu* 
ben das Gebet fleiszig yerrichten 
mftssen<. Laz.O. 1632. Nachdem 
WestphW. Friden waren 2 Trost- 
knechte im Amte, >doch sollen 
in Sterbensläuffen mehr ange- 
nommen werden< Ber y. 1649. 

TROTTELN, in A. l)unsichem 
Ganges einhertraben. 2) über- 
haupt gen. >I trottla numma 
'nausz voar Tür«. Seh. 

TROTTLEN, Fransen, Quasten. 

TRÜBELN in »Krigstrou- 
beln«. Hof- und Kirchenkalen- 
der 1751. Allgem. 

DRUCKEN, >eindrucken«, 
in den Calendem oft. »Aries ist 
ain i n tr u k h e n d e s zaichen, wann 
er intrukhet«. Astron.f- 14b. 

DRUCKSEN, hinken an der 
Zunge wie lurken. 

TRUILE, treulich; gel ts Gott 
truilel echt Bargauisch. »Hau 
truili schoa am earschte gnua«, 
sagt Adam. Seh. 

TRÜMPFEN: >a. 1547 muest 
ich in die lat. Schnell trum- 
pfen: ich tets gern oder nitc. 
Schwarz 101. 

TRUMPSEL, stm.: Taumel, 
>Dusel<:Ztwort. trumpsein, in 
halb berauschtem, sinnverwirrten 
Zustande herumgen. >Er macht 
lauter Kreuzsprüng (d. besoff. Spi- 
1er) bi^ er endlich als ein blinder 
. Narr an eine Wand hinan t r u m b - 
seit und den Kopf verstoszt«. 
Homo S. 

TRÜNKENPÖLZ, stm., Trun- 
kenbold. >Und damit die 
Trunkenpölz, so täglich in 



126 



Truppel -^ Doh. 



den Wirtshäusern ligen, das 
gelt ynnüiz yerschwenden soU 
kain Wirt gestatten« o. s. w. 
Der StatAngsb. Beruf 1541 bl.db; 

TßüPPEL? >Aber sprach der 
Richter: das sind truppel mer«. 
cgm. 402 f. 77 b. 

TRÜZENHEIT cgm. 82 f 23 a. 

DRUTSCHEL und DRUTSCHE- 
L£, gutmüt. Spottname für dick- 
beleibte Weibspersonen. 

DÜCKS, DÜCKES, was Verder- 
ben, Untergang bringt. >Auff 
Antonii Aeliani Grabstein wird 
ein. Kirchen gedacht ; da man aber 
nicht wissen kann, was disselbe 
fär eine gewesen, dann der Name 
sampt irem Geschmuck und Herr- 
lichkeit durch widerwärtige Zei- 
ten und Zustände in Duckes 
gangen«. Werlich 83. Grimm 
Wb. n, 1496. 

DUELE, swf., ein starker Ein- 
druck eines Schlags auf hölzerne 
Geräte oder metallne Gefäsze, 
Vertiefung. >M a 1 und D u e 1 en< 
Erenfest 1699. 

TÜLLE. 1) Wand oder Zaun 
von Brettern, sieh oben Dille. 
Schmell. I, 442. >Mit ainem 
Tüll und guten Graben wurde 
Augsb. umgeben«. Küechlin, Her- 
komm. 1373. 2 b. >Zaun im Thier- 
garten: Dill<.Mickh. Akt. 1610. 
»Welcher nur fürbasz nachtes über 
die Mur oder Getülle yn oder 
vszklymet«. Memminger Rechtsb. 
»Welcher Nachtz vber der stat- 
mur ald vber getüll vsz 
oder je klimmet«, a.a.O. >Mit 
Tüllen und Mauern« die abge- 



broch. Stadtmauer ansbesz. Vrirg. 
V. 1456. Vgl. Mhd. Wb" I,821a. 
st u. swf. m, 127 b. SchmelL 
Glossen t d i 1 o plnteas, tabula pa- 
rietis. Dil planca ima^pars na*' 
vis, dillum aream, gidillota 
instraverat pontet (XII. saeo.) 
dhridilli, tristoga trisosme- 
rata. 2) » Der alt Hof dill«, AV 
zugskanaL ReinhardshauserP&ir* 
urbar. Zu Deil. 

TÜLLE. 1) die Pflanze, Tille, 
Dille, ein Teil der FamiliA 
der ümbelliferen, Ju88. ; danmtar 
die Gruppe der Angeliceen. -Koeh. 
> Wasser darin T i 1 1 e n s a amen«, 
101a. Tillenöll04a.ahd.tilli, 
tilla. Mhd. Wb. III, 37 b, 2) Die 
Dill, Rosdutte »des ist ascheas 
Dill«. Stauden. 

TULMEZ, interpreUtor. >ÜBd 
er liesz mir sagen, durch mein 
Tulmez«. Ilsungs Reise b. Paul 
V. Stetten, Erl. 49. 

DULT, bisher blosz in baye- 
rischen Codd. und in d. Sprache 
des bayerisch. Volkes heimisch, 
finde ich im alam. Schwab, cgm. 
168 oft; ich gebe hier e. V* ^^ 
Belegstellen des cod. »Phylippi et 
Jacobi tult, desheiligen cru- 
zes tult, unser« herren cronen 
tult, cgm. f. 2 a. f. 5 a. 6 a: Si 
Thomas tult, nach St. Thomas 
tult, Stefans tult, St. Jo- 
hannes tult 8 a, St. Fabiani 0. 
Sebastiani tult. 10 b. 11 b. Si 
Fab. et Seb. tult began, ^t. 
St. Ignatien tult, 24b. ;anvn8er 
frawen tult, 25 a, an St. Blft- 
sien tult, 25b; in der hl. tuH 



Dompelfasz — Ihipf . 



127 



Todaste et Amad., 25 a; an St. 
Scholast. tult. St. Petri talt 
25b. St. Ambrosien talt, 26b; 
an des heiligen crücses tnlt; an 
St. Dominicas tnlt 28a. Ander 
aiben brader tnlt, 30 b., an St. 
Marihae, an St. TpoHti tnlt 82 a, 
an aller heiligen tnlt n. s.w. von 
vnserfro wen tnlt ze mitten og- 
sten 70 a; an der hl qaatnorco- 
Tonatocr tnlt, 76 b.; an ains ald 
me zwelfpoten talt, 37a. > Wnrden 
alle fianser (von den Schweden) 
ausgeraubt und ist mit den ge- 
raabten Gütern hernach etliche 
TIg SU Augsburg stattliche 
Bnlt oder Markt gehalten wor- 
deai. Denkw. S. 34. UeberDult, 
gotdnlths, ahd.tuld Fest, vgl. 
^Zt8chrfb.V,224ff. Mhd.Wb. 
1,403a. Schmellers Glossen: an 
dera hera dultaga, duldhi- 
dago (festus), tuld(8olemmtas), 
tuldi (festuS, natalitia), — tul- 
din (exeqaüs) u. s. w. 

DÜMPELFASZ, zu Grimm II, 
1522. >In einem Dumpelf asz, 
darinnen man Butter pfleget ausz- 
nirüren«. Gass. 

DÜMPELZAÜN? Fugg. Invent. 

DUMPEB, zwischen Tag und 
Dunkel. >Wenns dumper ist«, 
in Rottenburg: zwischen den 
Liechtern. Allgem. 

TÜMPFEL, gurges; Gumper 
sonst, ahd. tumpfilo. »Diesel- 
ben man fürten sy dann so lang 
Ml, bis sye kamen in die tew- 
^en tümpfel des Wassers, da- 
rin teten sy die man ertrenken«. 
0^ 581 L 129 b. 



TÜNCH; in e. ürkde. vom 11. 
Sept. 1448 verordnet der fromme 
Stifter, >da8 man die Gapellen za 
St Bartolome, zu St. Ulrichskir- 
chen nach dem besten Tünichen 
und in nassen Tünnich wol ma> 
len laszen solle«. Herberger, Ja- 
cobspfrunde. 

DÜNGERST, dennoch, gleich- 
wol, doch, e i n e w e g (d nnaweag). 

TUNKE, stf., die unterirdi- 
sche Weberspelunke, Werkstatte, 
textrina vel textrinum bei SchmelL 
1,385. Mhd.Wb. ni, 130. Wa- 
ckemagel in Hpts. Zeitschr. YII,. 
128. Weberstunken, Gass. 
>Durch Jacobervorstadt die Häu- 
ser Weberstunken wurden 
überschwemmt«. > Wegen der 
Weberdunkfenster: so in de- 
ren respective Keller und Werk- 
stätte gen, hat es, weilen darin- 
nen mer Liecht als in andern 
Kellern erforderlich ist, bei dem 
alten Herkommen sein ferneres 
Verbleiben. — Esz sollen aber 
die Weber schuldig sein, über je- 
des dergleichen Dunkfenster 
eine Falle oder Blickel zu ma- 
chen«. Bauordnung 1740. >Die 
Dunkfenster zuhalten«; > ein- 
mauern« U.S.W. a.a.O. Tunk^ 
Dunk, die, Brühe. Im tyroleri- 
schen Zillertal (von Moll) ist 
Dunk der zarte schmackhafte- 
Schaum, der im Rürkübel nach 
einigem Umrüren der Sahne ent- 
stet, ein groszer Leckerbiszen wol 
zu dünken, eindunken stend. 

DUPF, ein Punkt; davon Zwi- 
ckel tupf len, Spizen z. Strickea 



128 



Divohel — Tom 



fOr StrGmpfe punktieren. >Wat 
tat Jacob? Er •chneidet Ruthen 
oder Stecken ab, macht sie ge- 
sprengt oder gfescheckig mit 
Bcbwars und weissen Dupfen; 
legt eokfae in den €anal oder 
Wassertrog, worauss die alte 
Schaf musten trinken. Wannsich 
dann also die tragende Schaf in 
disen dupfeten Ruthen in dem 
Trinken ersehen, haben sie lau- 
ter gesprengte und scheckige 
Lämmer auf die Welt gebracht«. 
Homo Simples. Red A. >Uf s 
Dfipfle und ufs Hairle waur«. 
Soh. 

DÜRCHEL, adj.: blöde, durch- 
löchert, ahd. durrihhil, durahhil, 
durhil. »Aber die Ketten mach- 
ten ihn so dürchel, dasz man 
im an maniger stat sein plosz 
pain sach«. cgm.402f. 132 a. 

DURCH- und FARWEG. Akt. 
16. Jarh. Durchlässe durch 
Wuren. Vrgl. 1301 wegen der Flö- 
sserei. >Der Pfarrer zu Stocke 
solle an s. Mülin e. Wur und e. 
Durchlasz ewiglich bauen und 
machen < u. s. w. 

DURCHSCHLAGEN, durch ein 
Sieb reiben, drücken y, gekoch- 
ten Erbsen. In der Pfründner- 
Ordg. V. 1543 : »Am Samstag gen 
Morgen ein Erbissuppen, die Er- 
bis seien durchgeschlagen 
oder ganz<. 

TÜRKENANLAGE heiszt in 
einem Vergl. v. 1Ö78 die R ei c h s - 
tÜrkensteuer.RotesTürkisch 
Garn. Wb. Akt. Türkische 
Teppich. Pugg. Inventar. 



DÜRLIZEN, Gorneliuskirsohen. 
TURM,augflb. Düren, Dura, 
der. Die Türme waren: 1) der 
Hauptturm, 3) der kleine 
Turm, 8)derSpitaUurm oder 
Eastenturm. Disz sind die 
Haupttürme gewesen, der obere 
und untere. Jacober Brunnen- 
turm sind Nebentftrme der fe- 
sten Stadt. In der Feuer Ordg. 
y. 1781 werden folgende Türme 
genannt, yon denen auss die 
Türmer die Notseichen geben 
mustenr der Perlachturm, 
der Heilig-Kreuztnrm, un- 
ser Frauenturm und der Paar- 
füsserturm. S. 28. Esz gab 
auch ein Turmgässt^h^n. Der 
Turm-Michele spilte eine 
Hauptrolle. Im Augsb. Jarein- 
mal heiszt esz: 

Gewiss musz man an den Per- 
lach gen 
Den Turm-Micheli dazu sehen, 
Auch zeigt sichjeztnebetanderer 

Burst, 
Gemeintlich Waldmann's Hau» 

Wurst. 
Den 29. September am Michaelitagp" 
Morgens yon 6 Ur bis Abendi^ 
.6 Ur trat das Bild des Erzen — 
gels Michaer ausz einer Öffnung^ 
des Perlachturmes heryor; stacb^ 
nach der Stundenschläge Zal den^ 
Drachen durch. Alles Volk Btet= 

da am Eisenberg. Von 1806 — 21 

aufgehoben, nach 1821 wiedei^ 
bräuchig. P. y. Stetten in sei— - 
neu Erläuterungen S.97 8agt=^ 
Um Volk herbeizulocken, hatf 
man an Michaeli Eirchweih dii^ 



Dornen — Tutte Dutte. 



129 



nniiveicbe MasohÜM des Turm- 
mickel erdacht and ihn seine 
Ezeroitien machen lassen, das in 
den alten Zeiten grone Bewun- 
demng erregt haben mag, heut 
m Tag aber den Kindern ge- 
fallt. Yilleicht ist er sonst auf 
dem alten Rathause gestanden, 
ehe das Urwerk auf den Perlach 
gesezt ward. Seine Geschichte 
ist noch nicht genug unterBucht,ich 
will auch nicht der erste sein, der 
rieh daran wagt<. A. 1626 soll 
der Perlaohturm auf die Hälfte 
abgebrochen und höher gebaut 
worden sein. Am Miohaelis- 
tige,* so heiszt esss in der Mo- 
nogtafie, bei Rösle gedruckt, 8 S., 
sei statt des alten Gözen St. Mi- 
cliselisbild angebracht worden, 
a. 1616 auf Magistratsbefehl von 
Christof Murmann verfertigt. Der 
geschickte Urmacher Hans Schlym 
wüste das Bild mit seinem ür- 
werke zu verbinden. Ich erinnere 
an eine Yolkssitte in Brüssel, bei 
der eine Bubenfigur auf hohem 
Bronnen zu einer gewiszen Stunde 
piszt; wozu alles Volk zusamen- 
lauft. DuramuU, scheue, wenig 
nmgängL Weibsperson. »Die Turn 
xnitTurn Vätern versen«. Akt. 
X7. Jarhd. 

DURNEN, donnern. 
DURST, >dasz sye weiten zu 
Durst ersterben«. 8.250 a. 
BUS, eingezogen, stille, obpf. 
doiig, sonst dausig. 

DüSACK, m. u. f. slav. Tusak, 
^ breites säbelartig gekrümtes 
^hwert, dessen sich emals die 



Klopffechter bedienten. Grimm^ 
Wb. 11,1189. >Ain sohwars se- 
xisch Huet mit Födem;ain se- 
xischen schwarzwullin Mantel 
— ain behaimischen Duseggen 
an der Seltene. Schwarz 127. 
Beim Weberjubiläum 1760 zog 
man am Tänzelmontag ausz: 
> voran gehen die 2 Enappen- 
knechte in einem rot und gelben 
Eleid, Schuh mit einem rot und 
gelben Absaz, mit einer derglei- 
chen z weif erbigen Dus sehen, 
und machen Bahn<. Umzug S. 
35. »Wurde mit allen Fecht- 
gewehren, Schwertern, Rappieren, 
Dolchen, Helleparten, Stangen u. 
Duszhäcken gefochten« . Heim- 
fürung S. 35. >Ain gemeine Prob 
des Fechtens zum wenigsten in 
drei wöhren: nämlich im Schwert, 
Dussegkhen vnd Stenglin ge- 
tan«. Von den Meistern des 
Schwerts und Freifechter 16. Jarh. 

DUSCHEN, heimlich löschen. 

DUSEL, swf. Orfeige; ab du- 
seln, Vrb. >Sie kamen endlich 
doch soweit, dasz sie einander 
brav mit trucknen Fäusten ab- 
tuselten«. Homo Simpl. 

DUSEM, still. »Ischt alles 
ganz d u s e m und zitterig gwea < . 
Seh. Zu düs. 

DUSTER, finster. 

DUTTENKNÖPF (landschaft- 
lich), die Knopfreihe an Lenden- 
Westen. 

TUTTE, DUTTE, swf. 1) mam- 
ma, Brustwarze. »Welcher Magd 
Anna Möllin beiden Mammen oder 
9 



130 



Tuttier — E. 



Tütten on einig Aufhören in 
solche grösze erwach8en<. Gass. 
n, 104. 2) Euter am Vieh. 3) 
Sauglämmlein d. h. ein glä* 
Bemes cylinderformiges oben mit 
silb. oder zinnernen Rörchen ver- 
sehenes Trinkgefasz für Kinder. 
>ünd man sie her dann nemen 
"wil, so geb man in aus ainem 
tütlin oder krieglin ze trin- 
ken ain Graiszmilchc. cgm. 601 
f. 102 b. Dazu gehört auch 
Tuzel, Tuzel, sonst Schnuller. 
Vgl. Mhd. Wb. III, 154. 

TÜTTLER in Zututtlerund 
•erin, erscheint in dem halb 



bayer. halb schwib. cgm. 102 öf- 
t6r=Schmeichler, -erin. > Aber die 
zuredend tugend, die da ist Bi- 
wandlung des Lebens ; die da nicht 
ist eine zututtlerin noch ain 
ymblaufferin«. vgl. f. 23 b. a. 
»Wan die in Wirdigkeit gesezt 
sind, die habend vil zututtler. 
f. 51 a- Aber sollichs sind zu- 
tuttler und nicht besorgend.« 
f. 71 a. >Und als Aristoteles spricht, 
daz sie gebund bussen ynd zu- 
tuttlern. 201 f. 45 a. cgm. 650 
f, 17 b: a dulat o r, Smaicher, Zu- 
blas er; adulatio Smaichung, 
Zututlung. 



E 



1) E, der Umlaut des kur- 
zen a, wird fast allgemein schwä- 
bisch als reines e, wie franz. e, 
gesprochen :Bere, Bett, Wette, 
Schrecken, ißsch, Beick; in 
den adjectivischen Steigerungen 
elter, kelter u. s. w., in 
den nhd. ö geschribenen schwe- 
ren, ergezen u. s. w. Wird das 
a in Subst. wie Bläd, Saz, Raz 
u s. w. besonders gedent, so er- 
scheint natürlich auch das e, sein 
Umlaut, gedent. So spricht die 
Augsb. Landschaft nicht Bled- 
der, wie esz allgem. schwäbisch, 
sondern Bieder u. s. w. Die 
volktüml. Schriftwerke vom 14. 
Jarh. ab schreiben disz reine e, 
cum Unterschide von dem gebro- 



chenen, mit ö : cgm. 402 hat g r öb- 
nisz f. 80 b. tund so ir bösi 
mugt. a. a. 0. höben f. 46 b. 
Zu den grobem f. 65 b. ge— 
störkt f. 87 b. verdorben ^^ 
9 b. verdörbt f. 18 a. döcke^c? 
f. 14 a. cgm. 486 hat imer er ' 
wollen. Gewöret. Augsb.Pi^^ 
liz. Abschröcken, Markt 0^^ 
1735.cgm.567: pflöstretf. 211 1= 
reichsstöt'a. a. 0. gerödret r= 
212 a. Schlögelkrieg a. a. C^ 
Mazzenföls a. a. 0. Mözger 
knecht a. a. 0. cgm. 450: be^^ 
dock mich f. 96 a. gemöste 
f. 68 a. Gesöllschaft f. 11 ^ 
Sonst in Akten: Göst, lÖBEif^^ 
Eindbött, Nögel, geschö^ 
digt u. 8. w. Mindelh. Bef. Uebc^ 



£. 



131 



dise Schreibweise im Neahochd. 
iTgh Schleicher, Sprache S. 179. 
Das Angsb. Stadtrecht gibt den 
Umlaut regelm&szig mit e, sel- 
tener mit ae, d. h. ä. Esz gibt 
aber imerhin Fälle, die zu den 
ünregelmfiszigkeiten der schwäb. 
Sprache gehören, wo nmgelautet- 
68 e wie a gesprochen wird. Lan- 
ehert hat in s. Botweiler Mund- 
art schon darauf hingewisen S. 5. 
Ich fore an: Halm zu Halm; 
B&lg zu Balg; Bach zu Bach; 
esz wird wol der fränkischen 
Grenze zu mer der Fall sein, denn 
im mittlem Schwaben. In Grosz- 
titingen auf der sog. Strasze, am 
Fme der Stauden, ist esz, wie in 
der ganzen Nachbarschaft, Kegel: 
»sprich alle Umlaute von a wie ä 
und alle Brechungen von i wie 
e: äsel, älle^(Elle) u. s.w.c Ist 
die Nähe der Lechgränze Ursache ? 
Die Stauden haben dise Eigen- 
tömlichkeit nicht. 2) E Bre- 
chung von I. Jac. Grimm sagt 
Gramm. P S.228 ff.: Nicht nur 
die schwäbische und öst- 
reiehische Volkssprache, 
sondern auch diewestphäli- 
Bche pflegt den Urlaut des 
kurzen i häufig in 2 Yocale 
zu spalten«. Der alten Bre- 
cimng ai entspricht a) landachf. 
ugsb. und gemeinschwäbisch ea: 
Üeal, Stean, Earde, Heard 
(Herde), Schmear, Bearg, 
^eabel, Gearsta, Weasa, 
Pfleager, Fleack, Fürf- 
leack, Kneaht, Gschear, 
^'•ehearei (Sdrar), Weaber, 



Reaga, Schmeaz, Fearsch*m 
(Ferse),Feag8and, Beatelhan- 
nis (Bettel), Leaderöpfel, 
Pfeascha, Pfersee 0. N. bei 
Augsb. Gsteaft (Stift), Feal 
(wunde Stelle am Fusze), Ea- 
gat, Eeasper (Kirsche), Ea- 
gama, Heaz, Steag; ferner 
gleart, geal, grea und gre- 
acht, neabli, vetgeaszlich, 
feardig u. s. w. Zeitwörter: 
s e ach a (sehen), greachta, rea- 
gala, neabla , beatla, ver- 
geasza; eata (jäten), measza 
(messen), überhaupt alle Von den 
oben aufgezälten Subst. abgeleit. 
Verba. Endlich :derneaba (dar- 
neben), deam, dear, reano, 
de an 8 (heirüben und drüben), 
neano, neemdd, hednd und 
dedno u. s. w. Die Zal der ea 
des alten Bistumsgebietes v. Augs- 
burg verhält sich zu derdeswir- 
temb. Gebietes wie 8 : 5. Lez- 
teres sezt yile ä, e statt des rich- 
tigeren ea. Ist die Scheidung 
des Umlautes und der Brechung 
in der sog. höfischen Sprache all- 
mählich trüber geworden imd in 
der nachhöfischen Zeit vollends 
ganz in ein wildes Chaos gera- 
ten, so hat die Mundart daran 
keinen Teil; sie scheidet noch 
ganz wie die sog. althochdeutsche 
Sprache scheidet. Darum dürfen 
wir ea als uralt annemen und die 
Schreibung mererer Denkmäler 
des 15.Jarhd. ganz grammatisch 
sicher als Zeugnis für die Echt- 
heit der Mundart anfüren. Der 
cgm. 687 hat weaga f. 17 b. 
9* 



132 



E. 



Smal, wealt, schweart, wea- 
nig f.21. wearfenf.22a. gea- 
ber; kum geaber der gäbe f; 
23 b. u. 8. w. Damit stimmen die 
alamann. Schreibweisen geand, 
geaba, bargealt, weader, 
freavifkneacht« weagu. s.w. 
ürkd 1497. Somit gewinnen wir 
. auch Aufschlusz über das alam. 
Schweiz, a fa« gebrochenes i. Der 
Schweizer spricht ebenso ea wie 
der Schwabe, nur eilt er zu rasch 
dem 2. Yocale zu, dasz dem Frem- 
den die 2 Laute wie einer ausz- 
gesprochen erscheinen : h a r, h a r- 
bringen, harüber. Felix Faber 
in s. Pilgerbüchl. und eine Zal 
von andern mir bekanten Schrift- 
werken sezen a. Wie bei dem 
Umlaute erscheint auch bei dem 
gebrochenen i bisweilen ä für ea, 
jedoch musz man hier wieder 
die gröszere Zal von Fällen in 
das obere Neckar- und Donauge- 
biet verweisen. Ich füre wenige 
an: Nä8t,Mäs8er, bäta(beten), 
Fläz, Bläch u. s. w. In den 
Stauden ist ea üblich, aber auf 
einmal spricht eine Ortschaft wie- 
der ä, so Burgwaiden, das frei- 
lich ein ganz anderes Volk als 
das der Stauden zu sein scheint. 
In Münster hört man auch wie- 
der ä fürea. b) Ferner entspricht 
dem gebrochenen i, und das ist 
so eigentlich und echt Reichsstadt 
Augsburgisch, reines, helles e, als 
ob esz umgelautetes a wäre. Bei- 
spile: Leber, Besä, Schefa, 
Mel, Zederlesupp, (Trapf- 
9uppe), gel, gesza, Kriza 



Nest, Br6tle, F^sau. s.w. 
Sieh die oben 2,^ a angefurten 
Wörter, die alle so gesprochen 
werden. Die Spracheigenheit 
kan ich für die Straszenort- 
schaften ausz eigener Erfarung, 
für andere kleinere oder gröszere 
Striche ausz zuverläszigen Mit- 
teilungen hier geben. Dber 
Sprachunterschied ist selbst den 
Bewonem der Stauden auffallend: 
sie machen sich gerne den Spasz: 
wia weit gaotderNeabel? Ant- 
wort: bisz an' Leitaberg: drausza 
wird*s a N e b e 1 . Die von Fischaoh, 
Schönefeld, Hart dagegen sagen 
— bisz an Sandberg, dort 
fangt der Nebel an. Leita- 
berg und Sandberg ligen in 
einer Linie; Sandberg istnurdmr 
jenen Ortschaften bekantere 
. Name. Um Eemipten gilt Meal, 
in Eempten wieder M61: g^ns 
genaue Abgrenzung dürfte nicht 
unwichtige Winke für die Ge- 
schichte des Volkes geben. Auch 
dise Eigenheit belegen schrifbL 
Denkmäler, sie geben je ö oderee 
dafor. Stadtweesen, Bee- 
sen, Weegs. Hall. Ordg. 1786. 
Moser, Messer, cgm. 567 f. 311 b< 
hotteten, cgm. 448 f. 134 b. 
Schmeer, Feuer 0. 1751. Lee- 
der, Poliz.0. 1733. Peerhafte 
baüm, Fischach. Stat. Lözel- 
ten (liba), nöblig, Kegiom. 
Weinlösin. beeten, Taul. 
Serm. 1508. Weeg, etc. Wee- 
sen, Unweesen (sieh oben) auch 
in der Poliz. 0. 1735. Das Klei- 
derbüchlein schreibt durehausB: 



E. 



133 



allwögen, gewösen, erlöben 
(leben), brözen, soliöllig, Lö- 
der. Im Stdtr. imer ae för e. 
8) Widerstand gegen den Umlaut, 
der alamannischen Mundart eigen, 
zeigt sieb auch im Schwäbischen: 
Schankung, schanken, ge- 
sazt, verdackt sieh V. ver- 
darbten, cgm. 402 f. 13 b. 
Schammel f. Schemmel und 
Tor Allem das im Augsb. Stadtr. 
so häufige galtnusse. Auf 
der andern Seite wuchern auch 
▼ieder falsche Umlaute: Fäne 
(Fane), Pflätter (Fladen, Kuh- 
fladen). Äse ha (Asche), P Sei- 
te p (Psalter), cgm. 311 und vile 
mdere. 4) £ in Folge nachläszi- 
Anszsprache auszi, sogar ausz al- 
tem ei, mhd. i, besonders in Di- 
minutiven, entstanden, ist allge- 
mein schwäbisch; ebenso das e 
vor m und n statt i. Sieh I. 
Ueber die nicht eingetretene Bre- 
chung des i in e: a.a.O. 5)Ge- 
dentes reines e erscheint a) als Zu- 
sammenziehung von altem agi, 
egi, ei in gset gesagt, ander- 
wärts gsät u. s. w. b) Femer ausz 
altem a i entstanden, in F 1 e s c h , 
Fleschkazen; ausz umgelaüte- 
tem au in Fred, landschaftlich 
liie und da Fr ad. c) Beines e 
spricht man häufig für den Umlaut 
^es ä: hei ahd. häli, sonst hael, 
«chlüpfrig; moralisch >a hei er 
mo;< stet, sogleich; Stretl 
Kamm; Herle, Herrlein, wech 
musz ahd. wähi u. s.w. Doch ist 
^er Landschaft, besonders den 
Stauden eigen, den Umlaut des 



&, (au ao, gesprochen,) alsaian- 
zusezen: Straiszle, v. Strausz, 
Strasze; Hairle v. Här, Haur; 
Jairle von Jar, Jaur, Altairle 
von Altaur, Altar; Bairle von 
Bare, Baor; jaimeren von jä- 
mern , jaumem u. s. w. Gemein- 
schwäbisch und auch in Burg- 
waiden schon (Stauden) erscheint 
ae: Sträszle, Altäre, Bärle u. s.w. 
6) Gotischem Doppellaut 
äi, ahd. e vor h, r, w — entspricht 
gemeinschwäbisch wieder ai, d. 
h. die Fortfärung uralter Lautver- 
hältnisse findet auch hierdurch die 
Mundart statt. Schwäbisch-augsb. 
aber erscheint dafür ea, gleich 
als ob eine gotische und altdeut- 
sche Brechung des i zu Grunde 
läge. Beispile; Sea, Seamacht, 
Schnea, Elea, Seala, Seala- 
b'rezga, -zöpf, -wegga, z'eas t, 
Peater, Pasteat, Apotheak, 
Lisabeat, Peaterling, Pla- 
ne at, Korne at,z'weani;Doa- 
raschlea (Schlehen), Eahalta, 
Seafelbaum, earle (erlich), 
Keah (Reh), Fazeale und so 
vile andere. Das Schlagwort ist 
me|a, mer, gemeinschwäb. mai. 
Disz wird in der Strasze, in den 
Stauden, ungemein häufig ge- 
braucht, ja sogar hie u. da durch 
die Nase gesprochen : m e a : i will 
no mea bräet, sing mar no 
mea oins^ i woisz no mea oins, 
d.h. ein Lied. 7) E vor r und 
auch 1 wird ser gedent gesprochen, 
weil die beiden Halbvocale dise 
sonderbare Wirkung haben. Sieh 
L und R. Denung in Folge Ausz- 



134 



Ebisohbaom — Egert. 



falles Ton r komt oft vor, aber 
bei weitem nicht so häufig, wie 
im wirtemb. Schwaben. SiehWb. 
z. Volkst. 28. 8. 8) Ueber die 
stummen und tonlosen e in 
der Abwandlung des Zeitwortes 
behalte ich mir anderwärts etwas 
beizubringen vor. Wie allgem. 
schwäbisch, so ist auch in Augsb. 
Denkmälern das ganz wertlose e 
an starken Ztw. bes. im praet. ser 
häufig: stunde, stande,bliebe, 
starbe, träfe, stale u. s. w. 
Dagegen das e des Artikels feit 
wie gemeinschwäbisch, in den be- 
kanten Fällen. 

EBISCHBAUM, vel wischer- 
ling, ebenus. cgm. 685 f. 51 b. 
Luther übersezt: Hebenholz. 

ECKLEGEIST, eine Art wilder 
Jäger am Auerberge. Eck, Egg, 
als Wald- und Burgname von den 
Felsen- oder Bergvorsprüngen be- 
nannt, ist häufig : Grannegg, Wol- 
fegg; >nemorainEgge,< ürkde. 
1169 (Heiligenberg). HoKs egge, 
Mone Zt. 1, 330. 

ECKÄCKER, Wilmatshof. Flur- 
name. 

jßEBÄLDEST, sobald als nur 
imer möglich, 

ÄELEIBLICH, legitimus im 
Oegensaze zu spurius. 

EFFERLE, dim. Euphrosine; 
änlich Sef ferle, dim. v. Josefine. 
Die Verkleinerungsformen bei 
weiblichen Personennamen sind 
echt schwäbisch; desgleichen in 
einzelnen Gegenden auch bei den 
Mansnamen. Der Käsperle; 
bayerisch Kasperl, der Josefle, 



der Endresle, der Hannisle 
u. 8. w. findet sich in einer Dorf- 
schaft oft mer denn einmal. Nicht 
zu verkennen ist, dasz das Yolk 
mit seiner Yerkleinemngsform 
manchmal den Charakter einer 
Person auszdrücken will: so heiazt 
im Dorfe einer bald Sepp, Sep- 
per, Josef und Seffle, Jo- 
sefle; der leztere stet dem rau- 
hem, villeicht rohen Sepp, S ef f 
gegenüber durch sein stilles ein- 
gezogenes auch braves Benemen. 
EGERT, edgot. f. ödligend« 
unbebaute, wiewol fruchtbare 
Flur; absichtlich öd gelaszene 
Felderabteilung. Allgem. schwäb. 
alam. »Der Geyringer Acker Ju- 
chert, das ain Egart gewesen 
ist<. Giltbuch v. S. Ulrich cgm. 
154 f. 18 a. >Ein Wismad genant 
Egartach auf dem Lechveld<. 
a. a. 0. f. 35 b. >Ein Jauchert 
Ackers, so ungebaut zu E gar- 
ten ligt < , oft in Mickhauser Rech- 
nungen, 18. Jarhd. Egertach, 
ein Complex von Egerten. SchmelL 
II, 71; ahi, etum sieh Ach. >In 
der Leutkircher Gegend heiszt 
Ergat ein Ackerfeld, das auf 
unbestimte Zeit als Waideplaz 
oder Gras- und Heuplaz ligen 
gelaszen wird; derErgat-Ösoh. 
So auch gen das Allgaühin. Die 
Form' Ergat begegnet mir auszer- 
augsburgisch in >L an ge Ergat« 
Ravensb. Flurname, Vertrag von 
1537. Eben, 277. Lange Er- 
get und Ergetsweiler; lange 
E a g e t , Göszling. Markung ; E r - 
getin Hau, Herbert. Lagerbuoh 



Egge — Ei. 



135 



179. Dazu fuge ich: Egerdan, 
ürkcL von Tüb. 1340. >In Eger- 
din< Flurname bei Erbstetten. 
MoneZtsck 1, 339. >Ex 3 jugeris 
yinearum vulgo: Egärten vel 
Oeckershalclen«. Descript. Car- 
mel. Rottenb. 86. >AIlenthalben 
Wald vnd Eegartenumreutenc 
lY. wirtemb- Landes Ordg. 1. Juni 
1536. Beysch. XII, 111. »Dieweil 
nur diser gart sogar vergangen 
gewesen, das er schier einer 
Egerten gleich gesehen<. Mülh. 
Urbar 21. Hafneregart, Wald- 
Eev. Thomashart. Vgl. Wb. zu 
Yolk8t,28. Schmid 12, In den 
Stauden hörte ich auch £ad- 
t&rtd: Ödgarten. [Durch eine 
nfidlige Mitteilung meines Freun- 
de« Rudolf Baron von Reischach, 
welclien ich im Herbste 1863 am 
Ftuaee des Hohentwiel nach langer 
Zeit wiedersah, bin ich im Stande, 
hier eine aufklärende Note anzu- 
rohen. Heut noch heiszt näm- 
lich im Hegau, in der sogenan- 
ten Bar das Gemeindeland, 
die Almende, egerte d. h. 
6-garten; egert (zusamengesezt 
wie Wingert), war also ursprüng- 
lich gesezlich gemeinsamer Grund 
lind Boden eines Dorfes u. s. w., 
^iseii liesz man gewönlich zur 
Viehweide oder sonst unbebaut 
Hgen; daher dann die abgeleitete 
•Bedeutung, wie sie im obigen 
^ch kund gibt, und die verän- 
^l«rte Schreibung des alten merk- 
^^Hurdigen Worts, welches man 
^^ol seit langem nicht mer ver- 
stand. Vgl. Grimm-Ehefade. Tho- 



mas].Damach wäre altes äivs,ahd. 
ewa, e im Spile, was die gemein- 
schwäbische Mundart kaum be- 
stätigt: sie fuszt mit irer Ausz- 
sprache aufe, gebroch, alt.i, ai. 

EGGE, >in der Egenc, 
alte Wirtschaft in A., Botenein- 
ker; warscheinlich dasselbe was 
>zur eisernen Eggen« hiesz. 
Das Wort Egge lautet landschaft- 
lich da und dort Egde. VgL 
Schmid 155. SchmelL I, 37. 88. 
Eggten, Mickhaus. Bechng. 

EGGER in den Stauden: Eg- 
gerhof bei Klimmach. Egger- 
bauerngut u 8. w. 

EI, das, spr. äi. (Stauden), äo 
(Niederschwb.) Eieramtim Klo- 
ster Niederschönefeld umfaszte 
die Besorgung der Lebensmittel, 
die dazu notwendige Erhebung 
der Gefalle; die esz versah hiesz 
>Eierkellerin«. Eierbögeln, 
in den Stauden eine Kindersitte 
an Ostern. Esz werden 2 Gerten 
im Bogen hart nebeneinander an 
einem abhäldigen Orte in den Bo- 
den gesteckt und in der so ent- 
standenen Rinne die Eier von 
Oben hinabgelaszen : trifft das 
ganz unten angekommene Ei ein 
vom Vormanne schon hinabge- 
laszenes, so ist disz gewonnen; 
und zwar gewinnt esz alle Eier, 
die es? berürt. Trifft keines, 
so get das > Bögein < wie- 
der von Neuem an. Eierpol- 
ster, Eierkuchen. Augsb. Eier- 
inschmalz. >Soll erlegt wer- 
den bei dem Ayrnschmalz. 
Mickhaus. Rechg. 1626 u. S. 



136 



Eichenlaub — Eidsteuer. 



EICHENLAUB, ein Angab. Wald. 
>Da jetznnd St. Johannes Capel- 
len stet im Eichenwäldlein, 
welches man im Eichenlaub 
heiszet«. Gass. Eichenberg, 
Eiohäcker Flum. in den Stau- 
den. Eichekäppele zwischen 
lündelheim und Mindelau. Sa- 
genhaft. 

EIGHHALM, msc. Eichhörn- 
chen. VgL Schmid. Grimm, Wb. 
in, 81hatEichermel.>o oich- 
halm h&t m8 gse9cha<. Stauden. 
EICHTEN, swv. amtlich Masz- 
geschirre abnieszen und den Stem- 
pel eindrücken. Eichtmeister. 
Akt. 17. Jarhd.: »der Stadel- und 
Eichtmeister .< In Augsb. gab 
esz 2 Eichtherren und einen 
Eichtgegenschreiber. »Ob- 
rigkeitl. geeichtete Brenten<. 
Bräuer Ordg. >Der auf gebrau- 
ten Eicht nach<, >der Eicht 
halber übereinstimmen«, a. a. 0. 
Eichen und Eichung wird auch 
gebraucht: >Die Eichung und 
Besichtigung der Maasz, Mäsz, 
Ellen, Gewicht sollen beeden Ob- 
rigkeiten fürzunemen bevorsten«. 
Die Mezger musten alle Jare ire 
Wag und Gewicht in der Fasten 
und vor Ostern durch die geschwo- 
renen Eichtmeister eichten 
laszen. Mzg.-O. 1532. Confirm. 
1582. In der mittlem Necarge- 
gend komt eichen bald schwach 
bald stark vor; g'icha, aug'- 
eicht: lezteres galt als Ueber- 
name für einen Kapuziner in Rot- 
tenburg a. N. wegen seiner gro- 
8zen Fertigkeit in der Kunst des 



Bier- und Weintrinkens; ältere 
Leute erzäl^i noch heute vom 
> Aug'eichtac. Ahd. eichon, 
eihhön, mhd. eichen, zueig- 
nen, widmen hat keinen Bezug 
hieher; unser heutiges eichen 
ist warscheinlich zu lat. icere 
zu stellen: stoszen schlagen, ein- 
schneiden, welches der alten Waid- 
manssprache. entnomen sein 
dürfte. Grimm, Wb.ra,80. Wei- 
gand Wb. I, 23. 

EID, stm. komt in den Akten 
des modus procedendi inA. Vor: 
Eid des groszen Rates; Wal- 
eid u. s. w. Das Eidbüchlein, 
ein Formular und zugleich Ein- 
tragbuch der y orgekomenen Eide. 
»Eidgesell« Frank's Annal. 114 

EIDSTEÜER. »Sovü die her- 
kömliche herrschaftliche järliche 
Kamersteuer betrifft, ist die Sache 
dahin verglichen worden, dass 
die gesamte Landschaft sotane 
järliche Kamersteuer wie vor Al- 
ters auf den Eid 8 Jar von Zeit 
des errichtenden Weydenfuszes 
anzurechnen, prästiefen wolle, 
nach deren Yerflieszung aber esz 
auf die merern Stimen des gan- 
zen Landes ankomen solle, ob 
esz lieber die altübliche von 3 
zu 3 Jaren erneuernde Eidsteuer 
beibehalten und erwälen, oder 
solche Steuer entrichten wolle — 
gestalten esz '— < zu verbleiben 
hat, dafem nun von dem Land 
die Wiedereinfürung der Eid- 
steuer erwält und beliebt wer- 
den würde.« Confirm. Kempt. 8. 
>Betreffend aber die Unkosten, 



EmbesEem — Einbringer. 



137 



80 auf die Beschreib- und An- 
legung der Eidsteuer mit 
Einschlusz der Hab an Ros und 
Vieh verwendet werden müste<. 
a. a. O. >Die Eidsteuer ver- 
laszen, aufheben«. a.a.O. »Eine 
Steuer auf den Eid umlegen, 
aasschreiben«. a.a.O. 

EINBESZERN, swv. ^opfen, 
oculieren. > Junge Baume, die 
bab ich auszgewechselt und ein- 
gebeszert«. Mickhaus. Rech- 
nimgen 1770. 

EINBIETEN, amtlich zusamen- 
komen laszen. Oft in Augsb. 
Akten. Bei dem >B rech« bot 
der Bürgermeister alles Volk auf 
die Reichsstrasze ein. Frü- 
lier hatten die Stadtknechte, 
tf&ier eigens bestellte Personen 
solche »Einbotc bekant zu ma- 
dien. Die >Einbiet« verrich- 
ten. Ordgen. 1647. 

EINBILDEN, swv. einprägen, 
?or Augen halten, imprimere. 
>IHse Worte sind fest bei keiner 
Predigt auszgelaszen und disselbe 
alle Zeit mit sonderlichem Eifer 
den Zuhörern auch mit erhobener 
Stimme eingebildet worden«. 
Dr. Qr. Müller. Vgl. Bild. Grimm, 
Wb.IlI, 150. In der mittlem Ne- 
cargegend hört man allgemein: 
>i hau mer's einbildt, ich habe 
»irs gedacht. « > V6 der E i n b i 1 - 
ding lebac. Vgl. Schmid 68. 
69. 

EINBINDEN, stv. einschärfen, 
ii^jttngere, mandare. >Wie esz 
^ Rat zu halten und demselben 
^>^^Uch nachzukomen ernstlich 



eingebunden und befolen hat«. 
Sail. 0. 1 a. Vgl. das wirtemberg. 
General-Reskrpt. v. 1609. Jänner. 
Reysch. VIII, 303: »Alles emsts 
einbinden und auferlegen«. 
Vgl. Grimm, Wb. III, 153. 8. In 
Ehingen a.D. gilt einbinden, 
ein Patengeschenk dem Täufling 
geben; ursprünglich ward esz 
schon in der Kirche zwischen die 
Windeln eingelegt. 

EINBLÄTTELN, swv. sich ein- 
deckein, gleichsam wie die Schne- 
cken, pedantisch zurückgezogen 
leben one dabei wie man zu sagen 
pflegt zu > versauren«. 

EINBLAÜEN, swv. rein: je- 
manden durch Schläge oder sonst 
nachdrücklich ein Wissen bei- 
bringen. >ünd das Aergste ge- 
wesen ist den Regenten ins 
Gewissen eingeblewet wor- 
den«. Dr. G. Müller. Ma wead 
di bluia mürb und lindl Seh. 
Und blui iahn sammt seim Bnf- 
felgrind, Da Hintra wia aMaasz 
so lind. a. a. 0. Schwäbische 
Auszprache ist blaia und bluia, 
ab 1 u i 9 : abprügeln, durchprügeln; 
durebrügl9,durbrüglo;Blui- 
müle, wo das Werg gebleut d. h. 
gewalkt wird. Dem. Worte ligt 
die Wurzel bl^hv zu Grunde u. 
esz gehört zu der Klasse von hriu- 
wan (hrahv), briuwan (brahv), 
kiuwan (kahv); gotisch müszen 
wir ansezen bliggvan, hrigg- 
van, briggyan, kiggvan. 
Vgl. Grimm Diphtonge 1845. 

EINBRINGER oder Sprachmei- 
ster hiesz der Geselle, welcher 



138 



Einbrocken — Einlegen. 



einen ankörnenden fremden Ge- 
sellen zum Meister fören — ein- 
bringen — mnste. VgL Ein- 
sagen zu Grimm Wb. m, 167. 
158, Das Einbringen hieszin 
den Fischacher Stat. das Eintrei- 
ben des Vihes von der Herbst- 
weide. >Zar Bedingung des Hir- 
tenlones, der Ehüe, Kälber und 
Sewhirten mit ainander 1 fl. und 
zum Einbringen 30kr.< 

EINBROCKEN, swv. ursprüng- 
lich interere. Bildlich: »Daszsie 
mit erenrürigen, schmachhaftigen 
Worten antasten und zugleich das 
Predigtamt mit einbrocken<. 
Dr. Müller. Zu Grimm, Wb. 
ni, 158. 

EINFALLEN, stv. »Ist esz 
doch dem Statvogt befolen wor- 
den alle halbe Jar einzufallen< 
d. h. zum Kanten eichten un- 
yorhergesagt erscheinen. Akt. 

EINFANGEN, swv. und stv. 
umhegen, umzäunen. Einfang 
stm. »Femer soll das Domcapi- 
tel in der Mülin zu Gerschhofen 
und zwar nur in deren Hofrai- 
thin und E i n f ä n g gleiches Eecht 
haben«. Confirm. 1582. > Wegen 
des Plazes zum E i n f a n g des Zoll- 
hauses wird ein Tausch getroffen<. 
Vertrag von 1662, Vgl. mhd.in- 
vanc. Wb. 111,210. SiehBaindt. 

EINFAREN, arretieren, in's Ge- 
fängnis abfnren. 

EINGANSZEIT der Jtfalzauf- 
schäger und Biergeschauer. >Esz 
sollen auch die Biergeschauer ire 
Gang unterschiedlich abwechslen, 
abteilen, damit kein Bräu der 



Eingangszeit VOTsidiert sei«. 
Bräuer Ordg. 

EINHEIMUNG, die, >der Wach- 
telbaysz soll erst nach Ein hei- 
mung des Wintrigen abgewartet 
werden c. Vergleich von 1609. 

EINKOMEN, stv. erscheinen 
vor dem Gericht: sieh F.inger. 

EINLASZ, der alte, sieh Ab- 
las z; auch in Ulm ward a. 1480 
in der Stadtmauer ein Einlast 
angebracht. Ob A. Beschreibong 
81. Unter den städtischen Aem- 
tem erscheinen die beiden Ein- 
las zer wiederholt; sie konteft 
nur vom geheimen Bäte geeesi 
werden. 

EINLASZGULDEN, der, eins 
bischofliche Abgabe. »Ueber das 
solle das Domcapitul altem Her- 
kommen gemäsz den Einlasa* 
gülden von den Hansgenossea 
und Bewonem aufireneigentnm« 
liehen und gmndzinsbaren Gü- 
tern nemen, so aber jemand aü 
der Landvogtei zu schaffen, solle 
esz durch die Landvogteilidie 
Obrigkeit geschehen, jedoch dem 
Domcapitul unbenommen sein ire 
Untertanen ires Gefallens auf- 
und abzustiften«. Confirm. 
1582. 

EINLEGEN, swv. 1) incenderei 
>Da ward ein altes Weib gefan- 
gen, die hat solches Feuer ein- 
gelegte, Horm. 18S4. S. 124 
2} nominare, beilegen, e. Namen 
>disem Stern wurden vil Namen 
eingelegt oder gegeben«. Be- 
giom. 1512? Zu Grinmi, Wh, a.a.O. 
3) in Eisen legen; S. gebraucht 



Einmnmineln — Einschlagen. 



139 



einlegen neben »in die Eisen 
legen«, »in die Eisen faren<. 
Zu Grimm, Wb. a.a. 0. 4) Bier 
u. 8. w. einlegen. >Solle ein Pfalz- 
probst für sich und die Seinige 
tu. seiner Notdurft Bier einle- 
gen und davon seinen ankom- 
menden Gästen auftragen«. Ver- 
gleich von 1642. 

EINMUMMELN, sich, sich ein- 
munmen vor Kälte, neben ein- 
bumpf en. Grimm, Wb. HI, 235. 
EINNÄHEN, swv. insuere ca- 
dayera. Todte in die sog. Lein- 
tödier einnähen; eipie in Schwa- 
ben seit Uraltem herschende, jezt 
tbkomende Unsitte. >Esz ist 
aafik ein Näherin bestelt, so die 
Allgestorben einnehen müszen; 
litt Yon jedem 4 kr. zum Ein- 
nähen gehabte. Laz. Ord. 1632. 
YgL einbuzen s. y. buzen. 
Zn Grimm« Wb. III, 236 ff. 
EINNEMER, EINNEMER AMT. 
Nach dem Recesz von 1636 mus- 
ten den E. alle städtischen Ein- 
namen, wes Namens sie auch wa- 
ren, eingeliefert werden; davon 
batten sie den Beamten ir ge- 
wönliches Wochengelt und Qua- 
tembergelt zu verabreichen. Sie 
waren verpflichtet über Alles Red 
uid Antwort zu geben, d. h. hat- 
I ten strenge Rechenschaft von irer 
Verwaltung abzulegen. Beson- 
der« lag inen ob, ire Untergebe- 
nen, den Stadtcassier, den Ein- 
namschreiber und Gegenschrei- 
ber in Buchförung zu controlie- 
ren. Nach einer Gonfirmation 
Karls V. von 1618 sollen die E in- 



nemer nur ausz den Geschlech- 
tern genomen werden. 

EINRISSER. >Item die Ayn- 
risser, so nit mer dann ein 
Ross haben, sollen dem Schmid, 
so zwen zusamensezen, einen hal- 
ben Tag zu Akher gän<. Mickh. 
Dorfordg. 1532. Dem Einrisser 
stet fast ebenbürtig der Zwi- 
rössler in den Stauden; esz 
sind disz nur Halbbauern und 
Leerhäusler. 

EINSAGEN, swv. ansagen, an- 
melden, bei der Weberzunffc ser 
üblich: >dasz denen fremden auf 
anherokomenden Webergesellen, 
one dasz diese vorhero durch den 
Enappenknecht ordentlich bei den 
Meistern wären eingesagt wor- 
den«. Strafbuch des Web. Hau- 
ses von 1785. >0b er bei dem 
Altgesellen ordentlich eingesa- 
get«. »Einem jeden einge- 
sagten Webergesellen sollen 6 kr. 
verabreicht werden« a. a. 0. Zu 
Grimm. Wb. HI, 362. 

EINSCHICHTIG, adv. einzeln. 
>In den strittigen Fällen, da das 
Vieh von selbsten und ungetri- 
ben, ein schichtig oder herden- 
weis auf den Gablingischen Ze- 
hentäckern zu schaden gen würde« . 
>Ein einschichtigs kleines 
Gütl«. Vertrag von 1618. Klim- 
macher Pfarrbuch. >5 ain- 
schichtige leinwantene Küsz- 
ziechen mit Seiden abgeneet«. 
Fugg. Inventar, 

EINSCHLAGEN, stv. >Esz 
solle auch gemelter Krautgarten 
jedliches Jar uff Jacobi einge* 



140 



Einsclilaiif' — Einstandirecht. 



schlagen und verboten werden, 
dasz hinfüro kainer darein gen 
soll«. Fischach. Stat. 

EINSCHLAÜF stm. 1) Anzug 
überhaupt > worein man schlüpft«. 
Q) Sterbehemd: >adi 20. Junio 
1619. >Dr. Conrat Peutingers 
dochter Felix im ein schlaf«. 
L. Rem. 53. Vgl. Schlief er, 
schliefen u. s.w. Schmid 466. 
Peutinger's Tochter starb als 
Mädchen. 

EINSCHUSTERN, swv. detri- 
mentum facere, an Vermögen ein- 
büszen, verschuldet oder unver- 
schuldete. Grimm Wb. III, 287. 

EINSIZEN, stv. übel ankomen. 
»Also secht ihr junge Leut ofber* 
malen, wie sich im Heiraten diser 
oder jener so schandlich verbrennt 
und so grob eingeseszen«. 
Homo Simplex. 

EINSPÄNNIGER, gregarius, 
berittene Stadtwacht, bestund nur 
ansz einigen Mann. >Ist die 
Abschaffung des Einspänni- 
gers accordiert, doch dasz dem 
jezigen anoch eine Pension oder 
nur die Besoldung ad dies vitae 
gereichet werden«. Confirm. 
Kempt. 106. In der ülmer Hoch- 
zeitordnuiig komt vor: >dem 
Einspänniger für das Hoch- 
zeitladen 1 fl Hausl. II. 225. 14. 
Vgl. Grimm, Wb.HI, 301. In der 
Sammig. v. Ordnungen von 1647 
komt neben dem E. der Stadt- 
knecht und der Gassenknecht 
vor. Beim Auszschicken hatte 
der E. von gemeiner Stadt halbe 
Ordonanz 24 kr., der Stadtknecht 



10 kr., der Gassenknecht 8 kr. 
Nach denselben Ordnungen f. 38b. 
ist die Zal der E. auf 10 oder 12 
angegeben. Etwas änliches wie 
das E. Amt war das der reiteor 
den Söldner. 

EINSTANDSRECHT ist das 
Recht der Verwandten bei Vef»» 
äuszerung eines Gutes um den ge- 
botenen Preisz vor andern K&a- 
fem einzusten, d. h. das Gut der 
Familie zu erhalten, weil nach 
altem Rechte die Schwertmagen 
bei jeder Veräuszerung von Graiid 
und Boden Einspruch erhebea 
konten. Den Markt anlang«Mid 
ist Einstandsrecht das Rechl 
der Zunftgenossen, auf den Markt 
gebrachte fremde Artikel, die im 
Handwerk einschlugen, vorweg n 
kaufen, one dasz sie dem öfiGmt- 
lichen Kaufe unterstellt wurden, 
oder wo disz schon geschehen, 
statt jeden andern Käufers ein- 
zusten. >Uebrigens hat essbd 
denen jeden Orts hergebrachten 
conürmierten Marktfreiheiten d^ 
Burger, -in denen Flecken rationc 
des Zoll- Wäg-, Mäsz- u. Stand- 
geltsbefreiung nebst dem gewön- 
lichen Für kauf- und Ein- 
standsrecht sein Bewenden« 
confirm. Kempt. 19. >ünd darbei- 
nebens (die Augsb. Weber), dai 
Anfall - undEinstandsrech^ 
bei dem Gamverkauf sowol ir 
als auszer denen Märkten geg&o 
die inn- und auszländisehe Kau 
derer und Schneller, Fürkäufflei 
zu genieszen haben« . a.a.O. »FahL 
aber gnädigste Herrschaft die aui 



EinuBg — Eiaen. 



141 



gezeigte Kälber verlangt, so sol- 
len die Untertanen solche behal- 
ten (3 — 4 Wochen); von denje- 
nigen Kälber aber, so auszer Lan- 
des kommen, nicht mer denn 2 kr, 
Zoll von jedem Stück von dem 
Käufer gegeben werden, jedoch 
solle denen Untertanen des An- 
falls- oder Einstandsrecht 
gegen Fremde allemal vorbehal- 
ten sein«, a. a. 0. 20. Laut Ver- 
trags von 1389 hatte der Abt von 
St Ulrich bei Verkaufung dorti- 
ger Zinslehen das Einstand- 
recht. 

EINUNG, >die Einung zu 
der Strausz« hiesz in der Mitte 
dei 14. Jarhd. ein Bündnis Augs- 
)faiga mit den Gemeinden an der 
Strasze über Schwabmünchen u. 
^ w. gegen die bayerischen Frei- 
berger, die zu Angelberg iren 
Landsiz hatten (1568). Herber- 
ger's Schwabmünchen S. 13. 

EINWÄLEN, swv. hinein-, in 
den Rat wälen. > Erstlich wie 
die Wal auf dem Rathause für- 
gen und bei gemeiner Stadt Nie- 
iQtand für einen Ratsherrn zu hal- 
ten sei, denn welcher heutiges 
^ages ordentlich eingewehlet 
Werde; ebenso also solle die Ober- 
keit im Herzen einei^ jeglichen 
^ewehlet und was nun auf dem 
Itatbaus eingewehlet worden 

für ordentliche Oberkeit ge- 

^^tet werden«. Dr. Georg Mül- 
ler. Zu Grimm, Wb. III, 337. 

EINWANDERN u. AUFWAN- 
X>ERN, swv. sich stellen vor dem 
^vsamen Handwerk, dasz man 



rechtmäsziger Gesell ist. Zunfb- 
sitte. Stauden. 

EINWICKELN, swv.» dasz sich 
beide Teil auch mit heiraten stets 
in einander eingewickelt zu 
gemeinen Gevaterschaften einan- 
der gebrauchet«. Dr. Georg 
Müller. 

EINZÄUNE, swf. Einzäunung. 
Landschaftlich. >I kriag ja bei 
der uszreEinzaü duszzumwea- 
nigst feunfthalb Metza Nusz«. Seh» 
EINZEN , adv. singulatim. 
>die mugent ir mezzer wol ver- 
kaufen einzen vnde sament«. 
Stadtrecht bl. 18 a. >diu mag er 
wol verkaufen einbeinzen unde 
sament«. a. a. 0. Enb einzen 
dürfte en-bi- einzen sein. Otto- 
car V. Homeck hat beinzigen 
statt bi- einzigen, mhd. Wb. I, 
425 a. Graff I, 330: z einigen 
stucken. YgL auch einzaehtin, 
»der sol daz obez einzaehtin 
verkaufen«. Stadtrecht f. 45 b. 

EINZIEHEN, stv. ins Gefäng- 
nis füren; sieh Gewölblin. 

EISEN, die, am Tollenstein, 
Augsburger Gefängnis am Eisen- 
berg, ans Rathaus angebaute 
reichsstädt. Fronfeste. Wie esz 
sich mit Eisen- und Zisen- 
berg verhält, musz einer mytho- 
log. Untersuchung vorbehalten 
bleiben. Vgl. Burg- u. Batfeld 
LXXIX. > Sobald nur einiger von 
den Herrn Ambtsburgermeistem 
in die Eisen verschaffet 
wird, so solle alsbald die Anzeig 
auf die Kanzlei getan werden«. 
Recess v. 1636. »Auff solichsist 



142 



Eisen — Eilend Herberg. 



er williglich in die Eyssen 
gangen«. S. 159 a. Fürten ihn 
in die Eiseni. 897a, Eisen- 
straf, in der Eisen, mit der 
Eisen verfaren, komt in den 
Poliz. Ordnungen vor. Die Auf- 
seher heiszen bei S. 899 a. 
Eisenmeister; alt ist aber 
ebenfalls Eisenvater, die 
Frau Aufseherin : Eisenmutter 
und der Knecht: Eisenknecht. 
»Sollen die Herren Burgermeister 
auch die Gefangnussen, als die 
Eisen mit Eisenväter und die 
Tum mit Turnväterversehen<. 
Recess von 1636. In Passau kom- 
men diselben Benennungen vor. 
2) Eisengilt, eine feste unab- 
änderliche Abgabe, gegenüber der 
wandelbaren. >Besezte Eisen- 
gilti. Mickhaus, Bechgen. 1576. 
>Hinterstellige Eisengilt« a.a.O. 
>Yerseszene Eisengilt< a.a.O. 
>Er8tlichen thuen die besezten 
Eisengülten zu M. samt der- 
selben zugehörigen Dörfern, ain- 
zigen Stuckhen, Höfen, Güetem 
244 fl.c Heute noch ist das Wort 
in Stiftungsrechnungen und Ka- 
tastern allgemein üblich in den 
Stauden. Im deutschen Privat- 
rechte komt die E. auszfürlich 
erörtert vor. 3) Ein Kinderspil, bei 
dem sich Hand in Hand ein Kreis 
von Mädchen dreht, fangt an: 
Eisen klar 
Wie ein Haar 

Hat gesponnen 7 Jar, 7 Jar 
Um und um; 

Fräulein N. kert sich um, 
Fräulein N. hat sich umgekert 



und der Jungfrau Kranz bescheert. 

Eisen ist hier myth. als Göttin 
zu nemen. In Schmiderechnungen 
komt Eisen einfach fikr Hufeisen 
vor. »Erstlich 88 neue Eisen 
für ains 4 kr.< Mer 55 alt Eisen 
für ains 2 kr.< u. s. w. Im Homo 
Simpl. heiszt das Weib oft >Z a nk- 
eisen, Fegeiseni. Eisen, 
swv. Eis aufhauen.' Eise nz eng 
»Allerlei alter Kos- und Eisen- 
zeug«. Fugg. Inv. 

EISPERBERE, swf. Johanis- 
beere, ribes rubrum; sieh Falle. 

EITEL, adj. 1) vacuus, Ghrimm, 
Wb. m, 383. >DieErd was eitel 
und leer und dieFinstemus warent 
auf dem Abgrund dei* Wasser«. 
Regiom. 1518. 2) Der Pflege zu 
Aychach gibt von ainer Mulin 
eiteliger Häller III Pfund«, 
cgm. 154 f, 18 a. 

EITERHAFT, adj. venenatus. 
»So wird das Wasser wurm- und 
eit erhaft«, Elucid. 1542. Grimm, 
Wb. ni, 392. 

ELLEN, die falschen, komen 
in Verträgen, in Web. Akt. oft 
vor. Das Ellen schreiben, ein 
Geschäft des Kellermeisters in 
der Weberzunft. 

ELLEND HERBERG hiesz in 
A. das längst verschwundene Pil- 
gerhaus; ein Stein ist noch kent- 
lich in dem sog. gegenüber ligen- 
den Bauren tanz, der tragt die 
Worte: >das hüs ist ain eilend 
herberg, und sol zu ewigkeit 
beleybeni. In Ulm heiszt ein 
b. Hospital ligender Garten El- 
lendhäuser. Jäger. 460. 86. 



Ehnaa — Engelweihin. 



143 



Eine Walfart zum eilenden 
Herrgott soll auf der schwäb. 
Alb sein. Im Fngger'schen In- 
yentar komt >ain klains Täfele 
mit dem öllend Christic vor. 
EIiMAÜ »die gefreite Gemeinde- 
Waldung in der Elmau.< Zu 
Schwabmünchen gehörend seit 
uralten Zeiten. Drei Fraulein, eine 
Sage nennt 8 Fräulein Fugger, 
was zu. spät, da die Sage vil äl- 
ter, hätten der Gemeinde d. Wald 
geschenkt, änlich wie in Wald- 
kireh, wo 8 Fräulein der Gemeinde 
den Wald schenkten. Der grosze 
Wald mit den alten Eeltenhügeln 
nnschen Biburg und Aystetten 
nH den anligenden Ortschaften 
m. 8 Fräulein geschenkt worden 
leiiL. 3 Heilrätinenkomenals 
Sekenkerinen vor zu Igling,im 
Westerholz, zu Ettringen 
1L8.W. Sieh Herberger's Schwab- 
münchen S. 6 ß. 

ELSASZ. »Elsäszer Weine« 
im alten A. bis zu Anfang dises 
Jarh. ser beliebt; Elsäszer 
Branntwein war erlaubt, >dasz 
derselb von kainem, dann der je 
ftOBE dem Elsasz herbringt, 
verkauft werde<. Poliz. 0. 1553. 
Ich mache hier auf die Redens- 
arten aufmerksam: >ichhab gmeint 
ich seah's Fuir vom Elsasz«, 
wenn einem die Funken vor den 
Augen fliegen, von e. heftigen 
Kopfschlage oder Stosze. Aarau. 
>Der Blunder vom Elsasz< 
Von einem erwarteten Erbe. 
Alb. 

EMPFEHLEN, sty. beerdigen. 



sepelire. >Ihr wiszt wol des Men- 
schen leib dem Erdrich zu em- 
pfelchen< cgm. 402f. 30 b. >In 
seiner Befelchnus« f. 81b. Got. 
gafilhan, begraben, gafilh, 
stn. Begräbnis. 

EMPHORGEBEN, stv. >An 
Sumptag hat der rät 20f. emp f or 
geben<. S. 830 a. »die hat ein 
rät empfor geben<. S. 824 a, 
>Gab ein Rat 20 f. ennpforen<. 
827 b. ; ent vor=: zum Voraus, mhd. 

EMPORGEHEN, stv. 
»Wie's in der Welt jezt get em- 
por. 
Wer ist so alt und der zuvor« u.8.w. 
Weberhaus-Inschrift. 

ENBRESTFN, stv. sich der 
Anklage und Inzicht vor Gericht 
entschlagen, sich rechtfertigen. 
»Ynde wil sich entslahen der an- 
spräche: daz mag er wol tun 
mit sinen zwain fingern vnd ist 
damit dem clager vnde dem vogte 
enbrosten<. Stadtrecht, bl. 
32 b. ferner 34 b. 89 a. 40 a. 43 a. 
45 a. 45 b. u. s. w. 

ENDRIS, Andreas bei S. üblich 
z. B. bl. 151 a. »Der lang En- 
derlec bei Gass. Endris bei 
L. Rem. 33. 

ENGEL. »Engel ausz der 
Holzkamer<, ein Stück Volks- 
wiz, spöttisch, wenn man das Ge- 
genteil vom Engel angeben will. 
Schwanzengele, Teufelchen. 
Allgemein ist »pfauszbacket wie 
Posaunenengelc. 

ENGELWEIHIN in Augsbur- 
ger Rechnungen von 1890 und 
1494. >Zu St. Michaels Kirch- 



144 



Englisolie Tüdier — Erb. 



weyhin als Engel weyhin was«. 
Burg- und Ba^feld LXXXIIL 
Merkwürdig ist das auf dem wir- 
temb. Heuberge übliche Wort 
Engelsgsind für das wilde 
Heer. (Wehingen). 

ENGLISCHE TÜCHER werden 
oft erwänt in den A. Schrift- 
werken. 

ENGSTER, vel lasskopf, 
angustrum. Cgm.685 f, 8 b. 

ENKEL, stm. 1) Eindeskind, 
>de8 Herkules Enkle< pl. Troj. 
Erg. f, 9 a. > Ausz Blangnus des 
Aenklesc f. 38 b. 2) Fuszknö- 
chel. >Der sei lauszen an den 
enkeln obwendig den Fuszen«. 
Astron. 33 a. >die zwo adem an 
bayden enkeln sind gut gelau- 
szen<. ^a. >man sezt die Köpfe 
uff die enkeln der Füszen für 
die bülen«. 39 a. >ünd stund in 
seinem eigen plut bis vber sein 
enkel< cgm. 402 f. 132 b. ön- 
kel f. 149a. Vgl. Weigand 1,291. 

ENSCHELT, sin. Unslit. S. 
unstlit; »Ein altes abgerunnenes 
Kerzen-Inslet< Homo Simpl. 
Niedersch ivb. Aü§liggh, ntr. 
Aügligghkezi. In A. gab esz 
einen Unschlitschreiber und 
4 ünschlitgeschauer. 

ENTE. >Zur blauen Entec 
alte Augsb. Schildwirtschaft, die 
jezt noch in der Wintergasse 
fortbestet. 

ENTENGR AISCH, Augsb.Markt- 
name für Entenjung (bayer.), 
Kopf, Magen, Flügel, Leber u. s.w. 
der Ente zusamengebunden ; 



änlich Gansgraisch, bay 
Gansjung. 

ENTNICKEN, stv. >Ichh 
schlafen ynd was entnickc 
bin aufgestandeni. cgm. 521 

ENTSCHLICHTEN, swv. 
meinte die Sach wäreschoi 
schlicht und die Gemüte 
einigetc Denkw. 1653. 

ENTSIZEN, stv." >der B 
die frowen forschet, ob si 
mand entsasz, das man 
zueliesz«. cgm. 257 f. 4 a. 

ENTSPENEN, swv. ent^ 
»Sogiltsdu mir als dem enti 
ten von seiner Mutter<>. 
422 f. 9 b. 

ENTWÄREN, swv. >Ei 
Niemand dem andern abb 
abprechen, nemen, noch ex 
ren weder in- noch aus» 
der Städte Mindelh. Refoz 
>Oder dem Gefangenen • 
gleich Gericht und Recht an 
abzutrangen und zu entwd 
f. 22 b. 

ENZWERCHS. >Entzw< 
durch die Erde gehend Lö 
Elucidarius. Augsb. Druck, 
komts, dasdie Sonn entz^ 
lauft an dem Himmel?« a. 

ERB in ERBSCHLAISZ 
Servitute , in der. Wil 
hofer Dorf Ordnung. »Item i 
len nach altem Brauch um 
komen nachfolgende : 
s c h 1 a i s z w e g, Tribluckhen 
steig und Stigel gehalten 
den u. 8. w. >Vor den 1 
gässlein in Gemaindt ein 
8chlai8zweg<. a. a. 0. 



£rtnet«n — ferkiken. 



t4i 



b lacken, eine, »am Glafferloch,« 
>ein Erbluckhen und ein Sti- 
^1< neben Triblackben. »Ein 
Erbstigel geg^n Fischach hin- 
ab. > a. a. 0. 

ERBIETEN stv. >Indeme be- 
nebens über die allznharten Stra- 
fen bei einigen Pflegämbtem 
Beschwerden vorgekomen , als ist . 
die gnädigste Herrschaft des Er- 
biethens die billige Remednr 
Torznkeren< n.8.w. Gonfirm.Kempt. 
£RB£L, die, Erdbeere. Beh- 
lingen. 

ERBOREN haben == durch Ge- 
bart angeerbt. >So er Yerheirat 
md er boren hat.« Mickhaus. 
Eechg. 1665. 
JSRCflT AG kernt in den Schrift- 
werken, die Yon A. oder ümge* 
gend stamen , ebenso ' in der 
Zaehthansordnung von Buchloe, 
17. Jarhd. serstreut vor: After- 
montag ist häufiger. Üeber 
£rchtag und Zeinstag, — ig, 
beide echt schwäbisch, wäre eine 
mjtholog. Untersuchung Yoa gros- 
sem Werte. Einen Versuch machte 
fierberger, Burg- und Batfeld 
tJXVni. Erichtag, cgm. 740 
f. SP. 

ERD ALUMP, dul rohe Schelte. 
ERDE, »tnd sol der yogt den 
H«f oder das hüs üf die erde 
^ Iahen,« rechtsaltertüml. Stadtr. 
^€^ Die >schwarze Erde« bei 
l^aechhausen. 

ERDELEN, nach Erde riechen. 
^Ir dk ä uf 1 e r e , die, handelte auf 
^em sog. Saumarkte mit altem 
^alerfimpel, das sie nur auf der 



Erde, auf keinem Tische feil haben 
durfte und auch nur Gegenstände, 
die nicht über 6 fl. wert sein 
mochten. Ursprünglich scheint das 
Geschäft blosz Witwen und zwar 
12 katholischen und 12 protestan- 
tischen gebilligt worden zu sein. 
Laut Magistratsbeschlusz vom 
6 Aug. 1862 ward dise Handel- 
schaft freigegeben. 

ERDSCHMIDLE heiszt in den 
Stauden das sog. klopfende Dan- 
gelmändle. Sieh D. Der Name 
zieht sich bisOberbayem herein. 
Schmeller kent in nicht. 

ERESBÜRG,ERENSBÜRG, ab- 
gegangener Ort bei Altenmüuster. 
Burg- und Batfeld LXXVin. 

ERGEBBKIEF: >dieweilen das 
in dem Memminigischen Tertrage 
de 1526 Art. 10 bemerkte Sigel- 
gelt von 2 Kreuzern, so vor den 
Ergebbrief einer aus anderen 
Herrschaften in das Land sich 
verheirateten fremden Personen 
entrichtet werden müszen, vor- 
längsten sambt denen Ergeb- 
briefen in Abgang gekommen.€ 
Ck)nfirm.Kempt. 1732—37. Art. VI. 

ERKIKENswv. 1) trans. Todte 
auferwecken, beleben, in codd. 
häufig, 2) erholen, sich erkiken, 
reflex. >Aber nach wenigen Ta- 
gen, wie sich di^ Fürsten er- 
kiket hatten nach der Mühe des 
Wachens — ward das Heer in 
das Feld gefurt.« Troj. Krg. 27»». 
3) >Nachmals wie der König den 
Atem ein wenig erkikt hett, 
ist er auf die Knie gefallen.« a. 
a. 0. 81»». 

10 



Ht 



Erisg — Enaotsen. 



EBLAG Btm. Erlegung : >9) wol 
EU bemerken, dass weilen bis- 
weilen die arme und bedürftige 
Leut aus Mangel des Geldes eini- 
ges Gespunst oder Anderes bei 
den Httcklem gegen Yictualien, 
Liechter oder sunsten vertauschen , 
dergleichen Tausch ohne Erlag 
einigen Zolles erlaubt seye u. 
8. w.< Gonfirm. Kempt. > Jedoch, 
dasz sie auch zur ewigen und 
immerwehrenden Zeiten zu solchen 
erdeuten järlichen Geltertrag 
von 9000 fl. verbunden und ver- 
pflicht sein sollen.« a. a.O. S.95. 
»Binnen Monatsfrist einen ergi- 
bigen Erlag tun.« Doc. Buch 
V. Hart« 10*. 

ERLINDERN swv. >ünd wie 
sie in etlich stunden sein Begird 
gemeret hett, und das Herz nicht 
erlindert ward.« Troj. Krg. 24». 

ERREITEN stv. durch Reiten 
einholen. »Der Knecht hat mich 
aber bald e r r i 1 1 e n.€ Denkw 1653. 

ERSATTEN swv. »So werden 
wir dich nicht sehen in einem 
spigel der Geleichnus, sunder von 
Antlucz zu Antlucz, in dem alle 
unser Beg^d ersattet wird.« 
Büchl. V. d. himml. Braut. 1475. 

ERSCHIESZEN stv. ahd. irscio- 
zan, ersprieszen. »So esz dann 
yn Zeit und die Axt eigentlich 
an den Pawm gelegt ist, der Kir- 
chendiener Stym und Predigt nit 
dermassen erschieszen will — 
so erkennt sich ein ersamer Rat 
u. s. w.« Der Stadt Beruf, 1541. 
>Fuor aus dem Wildbad —• er- 
sehe ss das Baden onmaas wol 



an im.€ L. Rem 24. Grimi 
m, 961. 

ERSCHNEIDEN stv. sni 
den. >Ich hab sunstgemai 
all Schnitt an Hosen, Ws 
Schuech und Kappen s^be e 
auch mermals die schuec] 
ersnitten.€ Kleiderb. 14. 

ERSIZEN, seine Lerzeii 
halten; oft.Ersizjare=I 
Vom Lerbuben der entlasse 
entlaufen: »jhatderausgesti 
Weberleijung aber die erse 
Zeit verloren und wird angr« 
daz Handwerk von Neuem 
fangen.« Web.O. IS.Jarhd 
Abbruch der erseszenei 
zeit,« a. a. 0. »DieSErsiz 
a.a.O. >Wann ein Meister 
Knappen die eingeschribe 
Ersizjtir mit Arbeit oder 
der Weg — nicht befurdem li 
solle solchem Knappen a 
ein anderer Meister zu derei 
gen Ersizung zugelaszei 
den.« a. a. 0. 

ERSTECKEN swv. suffo 
>Wir leben in der neuen l 
Die alle mit Schnee bedec 
Es trägt das Feld ein weiszef 
Das Kraft und Safft erst( 
Handkalender 1745. 7»». (Ja: 

ERTATTERN swv. s^ 
>Der Bischof aber fieng 
beten — darüber Afra — 
erschrocken undertatter 
erkundigen begundte.« Ga 
— Volküblich: verdadd] 
der Kälte sten und frieren 

ERZAÜSZEN swv. »Das 
erzauszet, ersuochat mi 



£rsen — Ewigen. 



147 



mas gfnach, al um und nm<. L. 
Rem, 23. Grimm Wb. Ill, 1079. 
ERZEN >£r< sprechen. 
ERZIGELN von Fischen im 
Weiher: hegen. Mickhaas. Akt. 
1680. 
ERZOBELN, prfigeln: »rotteten 
sich die Barsch and weiten mich 
gar erzoblen, wie dann zar 
Zeiten geschähe.« £leiderb. 112. 
ESOHAI, ESOHHAI, swm. Feld- 
hüter, Florschüze, Wächter: >er 
lol aaoh (der hofmaier) kainen 
esehaien nemen, wann mit ir 
rate.« ^tdtrecht. bL 10». >Und 
dus die Stifitischen and andern 
Aeker durch denOeschaien — 
g«fen leistender Gebor, wie solche 
nm Alters Herkommen beobachtet 
and Schaden bewaret werden 
•ollen.€ Yrtrg. 1670. Got. atisk 
■tn. Saatfeld; ahd. ezisc; hai, 
Kaie, h e i e, Wächter, mhd. h i e n, 
lieigen = schüsen, bewachen, 
liegen. 

ESEL, Red. A. »Uff dea maesz 
xua da Esel bäere,€ yon einem 
Pecht dummen Menschen. (Behlin- 
^en.) In den Standen fraget einer: 
'VTie &ngt man im Oberland die 
Ssel? und nimt den Ratenden 
liei der Hand. 

ESZEN das. DieHochceit-0.1Ö32 
liatiar Gerichte: 2,3, 4Eszen an 
^erTafeL Eszenpfänder durf- 



ten über 8 Tag nicht auf gehalten 
werden Ordgen. v. 1647. 
ESZLINGER EIMER: >160Eich- 
masz ist 1 Eszlinger Eimer.« 
cgm. 740 f. »218 schenkmasz ist 
ain Eszlinger Eimer.« a a.O. 
Neben dem Nördlinger, Ulmer, 
Haidenheimer Eich häufig in 
codd. August. 

ETSGHWEIN komt neben dem 
Malvasier, Rheinfall in den 
Augsb. Chroniken und Akten ser 
oft vor. Bei der Einfur hatte 
von jedem Fasz der Burggraf eine 
Masz. Statt Etschwein erscheint 
der Auszdruk >Wälschwein< 
nicht selten. 

ETTERGERTEN. >Ein Fueder 
Ettergerten 1 fl.« Mickhaus. 
Rechg. 1770. »Dem Pfarrer ein 
Fueder Rau- und 1 Fueder Etter- 
gerten.« a. a. 0. (Zaunruten.) 

EWIGEN swY. »Zum Regieren 
immutabiliter perpetuirt und be- 
ewigtsein.« Dr. Müller. Ewige 
Bettstatt sieh unter B. Ewige 
Messe, Frühmesse, häufig. E w i gr- 
gelt, — Zins, Zins yon einem 
anfügenden Kapital, das entweder 
für imer unabloslich ist, oder 
YomDarleher nicht aufgekündigt 
werden kan. Yrgl. hiezuSchmelL 
U, 42 ff. >Ewi^gelt auf Ab- 
lösung setzen.« cgm. 2617. 



10* 



148 ' 



P V 



F V 



1) Gotisches F bietet keine 
Schwierigkeit. Anlautend yer- 
bleibt esz unverändert im Schwä- 
bischen wie allgemein im Ober- 
deutschen ; ebenso i n- und a n s z- 
lautend, wo esz unrein ist. 
Fusz:fdtus, fünf:fimf, Luft: 
luftus, Zweifel: tvifls, Not- 
durft: thaurfts, Hefamme 
zu hafjan, heben stend u. s. w. 
Femer eilf und zwölf: ainlif, 
tvalif. 

2) Echt gotisches P feit im 
Anlaute. Die damit begfinnenden 
Fremdwörter wandeln esz statt in 
f in pf: z. B. in paida bayerisch- 
schw&bisch Pfoat und Pfoit, 
welches Wort im wirtemb. Schwa- 
ben nicht vorkomt, also von Bayern 
über den Lech eingewandert sein 
dürfte. Pflaum, latein. pluma; 
platja got. augsb. Pf] 6z und 
¥Hz; pund, Pfand; Pfriester 
schreibt eine Biberacher Chronik 
for presbyter. Das Stadtrecht hat: 
phunt, phuntzoll^phenning, 
phingsten, phefer, phaffe, 
phennwert, phant, kupher 
u. s. w. Im Li- und Auszlaute 
unterligt esz der Verschiebung 
in f, d.h. die Spirans überwältigt 
p. Z. B. yairpan: werfen, 
greipan: greifen, sliupan: 
schliefen, sleps: Schlaf, 
thaurp: Dorf, kaupon: kaufen, 
sieh die weitem Beispile in B. 



y. Baumers Gesammelt. Sek 
(Aspiration etc.) S. 66 § 6( 
3) Dabei fragt sich: wieyi 
sich F zu PF? Die Zeitw 
welche den- gotischen auf • 
entsprechen (die schwachen) i 
nen pf zu lieben imd zwar i 
artlich mit gleichzeitigem 
weisen Femehalten desUmli 
so besonders skapjan; i 
p f e n neben einemZeitw.s k a 
schaffen; raupjan: ra 
neben einem raupan: rai 
afslaupjan: auszschlupfen 
sliupan: schliefen; sogar 1 
Jan: rufen; dazu liesze sie 
Form Yorrupfen ziehex 
würde vrohjan: rügen i 
Bedeutung von Yorrucke 
Seite sten und zu hl an 
laufen einhlaupjan: spr: 
machen, lupfen, treten kö 
Die schwache Form wirld 
aufdie Zungen laute schal 
wenn man hatan: haszen, 
Jan: hezen, natan: m 
natjan:nezen, niutan:ni4 
nutjan: nuzen u. s. w. y 
einander sezt. Die Mundart i 
bietet eine Menge Beispile: 
pfele u. Staffele, idieHc 
stäpfelen« in A.; schür 
und schürfen, eine Art Glt 
spil in Oberschwb. mit Ni 
schnupfen und schnüf 
schloipfa u. schloiffa: » 



P V 



149 



pen, gaffen nndgapfen, wozu 
die BergYorsprünge Eapf und 
Gapf, von wo ausz man Umschaa 
halten kan, gehören; Hefe und 
Hepfe, Knauf u. Knopf, trau- 
fen und tropfen, hoppen 
und hupfen; Dümpfel, Rür- 
stange und dumpein, Butter 
aaszruren, Dumpelweib; Heu- 
stempel und Heustempfel. 
Schippel und Schipfel (nur 
bayerisch) für Kopf. Ziehe ich hie- 
her: p und ph mit der Spirans 
stenhier einander gegenüber. Auch 
das Stadtr. hat Belege: »ge- 
stempfet sin, diu gestempf- 
ien geloete zu Stempeln hochd. 
md Stampf, Stampfbogen, 
ft0Qd ; 8 c h u p f en oberpf. schuzen, 
Sabst. Schuphe, in die Seh. 
warfen, die bekante Gieszhübel- 
Binfe für Mezger und Bäcker in 
Augsburg. P ist ganz in der 
Spirans aufgegrangen in zawn- 
sehlüfflin für Zaunschlupfer, 
Zaunkönig im cgm. 812 f. 30*. 
Yrgl. hiezu Weinhold, Gramm. S. 
128. 204. 205. Nach Bumpelt S. 
308, 4 Stande nach langen Voc. 
nur f , was mir nicht genügend 
dünkt zur Erklärung obiger Er- 
solieinungen. 

4) Die oberdeutschen Mund- 
arten lieben überhaupt die Yer- 
•tärkuBg ires an- und inlauten- 
den f in pf, z.B. Pflegel: Fle- 
gel; Pflegelhenkin uralt in 
Sdnriftwerken und allgem. schwä- 
bisch; Pfladern, Pflader- 
gasse, Pfladermüle in A. 
neben fladem, warsoheinlich dem 



plätschernden Naturlaut im Was- 
zer nachgebildet; pfizzen und 
fizzen swv. das Streichen mit 
Gerten, wie die Kinder um Nüsze 
und Kuchen den Alten am Kind- 
leinstag tun (Burgau,Donauwörth); 
PföundFö, Fönwind(Allgäu), 
pfätschen und fätschen («u 
fasces) einpfätschen, Pfät- 
schenkind. Fragner u.Pfrag- 
ner (cgm. 290 f. 87»), Pfleader- 
mausu.Fleadermaus; pflan- 
na und flanna, weinen neben 
p f 1 e n n a und f 1 e n n a. Oberschwb. 
DasStadtr.hatphinnigflaisch 
was neben mundartl. und schrift- 
deutschem finnig einherget. 

Besonders haben gerne pf die 
Zeitwörter, die aller Wahrschein- 
lichkeit nach von Interjektionen 
gebildet sind: Pfnisel undFni- 
sel, pfnurren und fnurren, 
pfuzga nord.fasna. Vrgl. Wein- 
hold Gr. S. 122. Ich reihe an: 
Gogelhopf neben Gogelhof, 
Backwerk in Türkenbundform; 
Augsb. pfipfi neben schwä- 
bisch, pfiffis, sieh oben 93»; 
pflodernundflodern, flodri- 
ment, was allerdings auf altem 
p und nicht f zu beruhen scheint; 
pfusel- und fuselnacket; in 
Oberschwb. hörte ich: 

Der Hopf 

Ist a Tropf. 
5) Wenn mundartliche Formen 
auftreten, wie das schwäbisch- 
augsburg. Werftig (zu werben), 
Werktag(werken), f u c h z i g, f u ch- 
zehn, fuchsgmaol, fünfzig 
u. 8. w. ) so darf man diselben 



150 



F V — FabulierexL 



Bicht ak durch Lautwechsel ansz- 
einander hervorgegangen erach- 
ten, sondern mnsz yümer zwei 
nebeneinanderstende gleichbedeu- 
tende Formen darin erkennen, 
wovon die eine den Lippen-, die 
andere den Gaumenlaut festhielt; 
ebenso wenig ist 8 a c h t ausz s a n ft, 
engl, soft hervorgegangen; esz 
stet vilmer die Form sach neben 
jener von saf, wie saugen (suk- 
keln) neben saufen u. supfen. 
Esz hangt hier gar Manches von 
der Hinneigung des Volkes zu 
«inem der Laute, wie denn die 
Hollander den Kehllaut lieben, 
die Englander oft gh als f 
auszsprechen. Ausz got. auhns 
ist unser Ofen geworden; im Ahd. 
haben wir soc, soch, sieh heu- 
tiges Saft. Yergl. Schleicher, 
Spirache, S. 327 unten. 

6) In- und auszlautend stet pf 
wie gemein mhd. und ahd. nach 
m, n, r: Hampf, xayyaßig, Hanf; 
Seampf, Senf ; scharpf, Harpf, 
Harpfanist; sampft. Beson- 
ders erscheint für entf-, entv- 
geme und ganz natürlich empf: 
Hampfl, Handvoll! emphahen 
cgm. 810 für entfähen. Bei 
Sender erscheint noch das mhd. 
empfor für entvor: vorher, zum 
Vorausz, sieh oben bei E. S. 143*. 
Rumpelt, Gramm S. 304. 4 sagt: 
>der Grund hie von ist, dasz die 
Laute m und f Nasal und Frica- 
tiva physiologisch zu ungleich- 
artig sind, um sich unmittelbar 
mit einander zu verbinden.« Vgl. 
Beimnitz, Leitfaden 11, Anmerkg. 



2. Diselbe Erscheinung haben wir 
bei den Zanlauten; nach den 
flüszigen schlägt die Zunge scharf 
denZanlaut an, so dasz man so- 
gar ein t vor der Spirans zu 
hören meint, wie in Mentsch, 
homo; vrgl. Haut sehet, Hand- 
schuhe, Günt-zburg, Günzburg. 
Das Stdtr. behält enph*. 

7) In der Wal, ob f oder ▼ zu 
schreiben, schwanken die Augs- 
burgischen wie überhaupt die 
altem deutschen Denkmaler. Das 
Stadtrecht hat vor den flüszigen 
und vor Vocalen überwiegend f 
im Anlaute. Eine Begel ist schwer 
darausz zu ziehen. Im Inlaute 
nur f, ff, got. p entsprechend oder 
got. f im Inlaute, sind nicht eben 
seltene Fälle. Eine Lautlere, wol 
von bayerischer Feder im 15. Jar- 
hundert gefloszen, die ick ander- 
wärts mitteile, sagt: Item das v^. 
das sol in miten nit sten, nur in 
Anvang eines wortz: Vater, Vei- 
ter, Vleisz u. B. w. Vrgl. Schleidiert 
Sprache 140. 

8) Gleichem Schwanken unter- 
liegen die schwäbisch -augsburg. 
Urkunden bezüglich der Schreib- 
ung von ph und pf. Das Stadt- 
recht schreibt beharrlich ph. Esz 
ist auch das ältere und leitet den 
Uebergang von p in f ein. Die 
Mundart wollte von p nidit laszen 
und bezeichnet dessen Vorschrei- 
ten zu f, bei dem esz doch nicht 
anlangt, erst mit ph, später und 
ganz natürlich , da auch ph 
nicht mer genügte, mit pf. 

FABULIEREN swr. fibulari» 



Fach — Flhig. 



151 



einfaltiges Zeug reden. >Aiich 
in den Heusern alles Zehrens, 
Zechena, Spilens und unnützen 
Fabulierens ganz undgarent- 
äuszem.« Poliz. 0. Mhd.Wb.III, 
199i>. Grimm Wb. III, 1217. Schm. 
I. 507. 

FACH stn. Waszerschwelle: 
FacHbretter oder Läden in den 
LecHen in der Bau 0. 1740. II, 
58. >£« sollen auch die Eicht- 
pfale, Ton denen einige geschla- 
gen werden müszen, ingleichen 
die Wuhrbaume, Wasserbetten, 
Wasserräder^ Kröpfe, Fachbret- 
ter, Binnen imd dergleichen all- 
KÜ in den vorigen Höhe, Breite 
vad Länge yerbleiben.« Fach- 
bett er legen hieng vom Gut- 
achten des Rates ab. a. a. 0. 
Mhd. Wb. m, 200. Grimm Wb. 
in, 1221. Schm. I, 507. 

FACKELBRENNEN ist das in 
ganz Schwaben übliche Schei- 
benschlagen; ursprünglich 
Iieiszt aber nur der Zug zum Seh. 
80. Das Einsamein des Holzes 
bietet in der Augsb. Gegend nichts 
besonderes dar; der Reim beim 
Seh. lautet in Oxsenbrunnen : 
Scheib ausz Scheib ein, 
Soheib wieder darein I 
Die Scheib, die Scheib soll der 

N. sein! 
Dabei pflogt man dem oder der 
eine Schandscheibe, jemand 
andern eine Erenscheibe zu 
schlagen. 

FACKELN, herumfackeln, 
swY. verdächtige Wege gen. Zu 
Grimm Wb. IH, 1228. 



FADEN. Alt ist und auf dem 
Lande ser üblich Fadem; in der 
mittleren Nekargegend hafbet m 
nur im dim. Fädemle wie in 
Lädemle, Gädemle. Im cgm. 
312 f. 40^ komt ein Fädemlin 
als LoszTogel vor: 
Das saget dir das Fädemlin 
darunter, so lausz dein groszes 

Trinken sin. 
Die Schwab, codd. des XY. Jarhd. 
haben allgemein noch altes m 
statt des späten n. Falsche Fä- 
den komen in Weberakten oft 
vor: esz war grosze Busze auf 
deren Verfertigung- angesezt. Fäd- 
ung scheint eine gewisze ange- 
nomene Fadenlänge gewesen zu 
sein. In der Sailer-Ordg. stet: 
>Ein breiter oder Hinterstrang 
soll haben IV« Klaffter ungefär- 
lich 12 Fädung.c >Item ein 
langer oder Yorderstrang soll 
haben zwo Kla£Fter, 12Fädung.< 
f. 2^3*. Faden wichser, scherz- 
weise für Schneider. 

FÄHIG erscheint wie im hochd. 
h o f f ä h i g, bischöfl. Augsburgisch 
in pfalzfähig, —Fähigkeit, 
was die Befähigung, die Erlaub- 
nis auszdrückte in der unmittel- 
bar an der bischöfl. Residenz li- 
genden Wirtschaft >zur Pfalz< 
einzusprechen, welche Wirtschaft 
noch bestet. Pfalz fähig war die 
gesamte Geistlichkeit der Diöcese, 
bevorab die Augsburgische, die 
bischöfl. und capitlischen Räte, 
deren Beamte und Diener, femer 
alle die mit dem Bischof und den 
ebengenannten Räten in Geschäfts- 



152 



Faiitnng — Fbae. 



yerbindong^ oder sonst .in be- 
sonderen Beziehungen standen. 
Einfoning von Fremden konte 
statfinden , aber nur mit beson- 
derer Erlaubnis. Der Pfalz g e- 
reobtsame gemasz durfte man 
Speise und Trank verlangen oder 
nacb Hause bolen laszen. Der 
Wirt hiesz Pfalzpropst. Ganz 
änlich verhielt esz sich mit der 
Gerechtsame der beiden Stuben: 
bald heiszt esz stubenfähig, 
bald stubenmäszig. In den 
waidmännisohen Vergleichen des 
Bisehofes und der Stadt komt 
steokensfähig vor, d. h. be- 
fugt, Wachtel- und Lerchengame 
auszustecken. Vrgl. 1642. Keller- 
fähig sieh E. 

FAISTÜNG, adeps. cgm. 683 f. 
>Bodisgutu.f aist.< cgm.7d6f.7lV 

FÄLBELE, dim pl — en, lange 
farbige Streifen an Frauenklei- 
dern, geföltelter Besaz am Wei- 
berrocke. Bomanisch: falbala, 
Diez, Wb. 2. Auszgabe S. 17a 
Grimm, Wb. HI, 1267. Frauen- 
zeitung von 1787, VII. Juli S. 
602. In der Gmünder Gegend heiszt 
F. die Ghorhemdkrause der 
Gaistlichen. Lautem. 

FÄLGEN swv. den Boden auf- 
häckeln, leicht umgraben, beson- 
ders wucherndes Unkraut weg- 
schürfen, im Gegensaze zum Um- 
reuten, tiefem Umgraben des 
Grundes. In der Nekargegend 
one Umlaut: falgen,Falghaue 
im gleichen Sinne. In Heilig- 
kreuztal (Wirtb.) ist fälgen das 
Ackern zur Somersaat im Frü- 



jare. Das KaufbeoerisclM « 
fälgen, Holz aufbeogen, 9« 
nicht hieher. Vrgl. mhd. 
in, 215^. 

FALLE, dim. Fälle, li 
länglichte Oeffnung mit c 
Türlein zumAuszgeben der 
sen von der Küche in's 
zimmer. 

FALLHÜT. »Wie die K 
anfangen zu gehen, muBS* 
ihnen den Kopf mitFallhi 
verwaren.< Kleine Zuge 
Denkungs- und Lebensart 
Augsburger. Frankf. u. Lc 
1784. Grimm Wb s. v. 

FALLENSEZEN in der 
Ord. oft: »Wann einer gegie 
nen Nachbar, der mit einei 
bau, Garten, Mauer oder 
seinen Grund gar eingefik 
Eis perbeer oder Wu»- 
anderes niederes Gewächs ] 
zen: item Fallen sezen 
so soll er das Erdreich, y 
auf seinem eigenen Grund 
Boden seine Fallen einL 
— dagegen mag einer an 
eigen ThilL — auch die Fi 
anbauen.« Fallen heiszen 
lieh die Blickel oder Lad« 
den Weberdunkenlöchem. £ 
1740: >E8 sollen aber die 'S 
schuldig sein über jedes de 
chen Dunkfenster eine I 
oder Blickel zu machen. 

FANE, die. In der Bur 
Weberzunft-0. heiszt esz: 
solle keinem fremden Meiste 
gönnt sein im Kaufen sola 
sovil zurückzusten bis die 



Falliten — FUnc. 



163 



lein nach Gewonheit des Hand- 
werks allerdings zuvorderst ge- 
logen worden sind, beiStraff 
von 2 Pfimd Wax.< »Item solle 
nach altem Gebrauch zur £r- 
l&ubung und Auf rechthaltung des 
Garns der Markt bei N. N. Be- 
hausungen durch Aufsteckung 
Ton 2 F&nlen erlaubt werden 
und sonst anderstwo nirgends. < 
Handf an, der, in alten Bitualien 
für manipulus, ein Weiser, dasz 
der Manipel nicht am Oberarm, 
wie jezt häufig zu geschehen 
jAegty sondern am Vorderarm 
getragen werden musz Ueber 
(bs Wort habe ich in Dr. Schwarz 
od Laib's Sirchenschmuck 
(Ketzler Stuttgart) n. Heft 1863 
inszfSrlich gesprochen. Ritter- 
fane in der Schüzen-0. Yon A.: 
>])amit jedoch auch Schüzen, 
wdehe aus besondem Ursachen 
mit der Zal auf das Haupt zu- 
ra^bleiben, ein ehrenvolles Zei- 
chen zu Teil werde, so ist für 
diese eine Extrafane, nemlich 
die Ritterfan e bestirnt. Esz 
werden daher, nachdem alle Schu- 
len auf das Haupt abgeschoszen 
haben, die 6 wenigst schieszenden 
an%eschriben und Abends mit 
dem 6 Schlag zu Rittern auszge- 
mfen : jedei" hat sodann den Stech- 
Bchusz zu tun mit der gleichen 
Armbrust.< Sohüzen-0. 4. 1819 §43. 
FALLITEN, Falliten-Ordng. 
T. 1668: »Dasz dergleichen für- 
Bezliche oder muetwillige 
Falliten samt den jhrigen — 
in ihren Kleidungen und Trach- 



ten insgemein — sich keiner an- 
dern und bessern Zeug, Waaren 
und Materialien gebrauchen sollen 
und zugelaszen ist. Den andern 
Falliten aber — solle ein Meh- 
reres nicht yergunnt sein, als den 
gemeinen Dienstehalten.« 

FALSCH in der Webersprache, 
sieh bei Faden. In der Web.-O. 
heiszt esz: >yom Falsch. Item 
welcher einen Falsch würkhte, 
es sei an Schmele oder Zal, der- 
selbe hat jme und seinem Weib 
des Handwerks Gerechtigkeit ver- 
wirkt. « 1634. Einen Gangfalsch 
umschlagen. < Weber-Sprache. 
F al seh tritt a. a.O. >Wegender 
Fädenbrüch aber, soll esz fol- 
gender Gestalt gehalten werden; 
dasz nemlich, wenn einer über 
15 Ellen Fädenbrüch oder 
Falschtritt hätte, das Stück ver- 
fallen sein. Was aber unter 15 
EllenFädenbrüchoderFalsch- 
trit sich befinden wurden, solle 
den jeweiligen Geschaumeistern 
zur Straff bezalt werden. < Akt. 

FALZ, der, Fuge, beiGass. öfters 
>mit erhabenen F a 1 z e n.< u. s. w. 

FANZ für Kerl , Bursche , one 
gerade eine böse Nebenbedeutung 
einzuschliezen. 

»Dear arbet z'ülem uf der Schanz 
Und ist a rotziger kleiner F a n z.< 
Seh. 35. 

Ungefanzt, unordentlich: 
I will di schoa zwifia du un- 
g'fanzter Schwanz. Seh. 124. 
A Geigla nach deam Alles tanzt 
Und sei's auglimlet u. aüg'f anzt. 
a. a. 0. 



154 



Färber — Y%Ur. 



FÄRBER, die, spilen in den Akten 
der Weberzunft eine bedeutende 
Rolle. Sie mästen allen Angab. 
Barchent und Leinwat, den sie 
zum Färben annamen an die 
Sohwarzgeschau bringen und 
gut heiszen laszen. In iren Mang- 
häusem durften sie nichts anne- 
men noch mangen laszen, das 
nicht in irer Werkstätte behand- 
elt worden ist, sondern hätten 
solches an die yom Rate yerord- 
neten Manghäuser zu schicken 
bei Straf 1 fl. in die Ratsbüchse. 
Endlich hatten sie den Mang- 
gesellen den Schwur der Treue 
abzunemen. Die Bau - 0. 1740 
handelt auch vom Färberkessel, 
vom Färbertollen, Färber- 
rechen oder Hanken: weil alles 
disz von des Rats Gutachten 
abhieng. In A. gab esz ein Fär- 
bergässchen und ein Färb- 
höflein. 

FART, die, in Auf- un^ Ab- 
fart. 1) Der Auf- oder Abzug 
vom Lehengut, vom Pachtgute; 
2) das in Folge dessen zu ent- 
richtende Geld, das in der Regel 
10 Procent betrug. >N. zalt als 
er von mir die Müllin bestanden 
alltem Brauch nach Auf fart 6 R. 
und von wegen seines Verkaufers 
Abfart 6R.< >Auf- und Abfart 
bezalt worden.« Alte Mickh. Akt. 
Das Adj. auf- und abfärtig 
komt oft vor. 3) Dienstf arten 
1681. Akten. 4) Verte, Wallfart 
>Swelich man in Gottes verte 
faren will, über mer, ze Rome, 
ze St. Jacobe u. s. w. Stdtr.< 



FASANDEL, die, zweideutige, 
herumziehende Weibsperson. 

FÄSIG, mangelhaft, feiend. Seh. 
Drum dank i au meim Schöpfer m^ 
denn sötte Fäll tund fäsig seü. 
Do, ma sotts frei wäger gar it 

moina, 
's Geld sei fäsig, wenn ma 
d' Pracht betracht. a a.O. 

FASNACHT, j u n g e od. Ascher- 
mitwoch. Kleiderb. 53. In der 
Pfründe-0. v. 1462 komt eine 
Herren- und eine rechte Fasnacht 
vor. Dieleztere heiszt sonst auch 
Baurenfasnacht. 

FASTEN in Fastengesicht. 
>Da gibts saure, finstre Fasten- 
gesichter ab.< Hom. S. Fa- 
stenknecht, Abdeckersknecht. 
Fastenmärlein, noch im lezi. 
Jarhd. in Oberschwaben bräuchig. 
Fastentuch, blauer Vorhang ?- 
»zur Aufziehung des Fasten- 
tuches um ain Saillen u. s. w.« 
Mickhs Kirch. Rechg. 1676. 

VATER hiesz der Aufseher im 
Kranken-, Pilger-, Waisenhause 
und Gefängnisse >üeber das 
Blaterhaus warVateru.Mueter 
verordnet. > Laz.-O. Der Pilger- 
vater im Pilgerhause hatte da« 
ihm von den Herren Aeltem des 
Almosens anbefolene Greld wö- 
chentlich auszzuteilen. Bekant 
ist der Eisen vater, sieh E. In 
der Memm. Feüer-O. von 1765 S. 
45 heiszt esz : >Bei Feuersbrünsten 
soll sich der Ca pell- oder Spi- 
tälins-, item Zucht- u. Kinds- 
und Seel vater bei und in den 



Fätsohen — Fechtmeigter. 



155 



ifanen anvertrauten Stiftungshäu- 
sem Aufsicht tragen.« 

FATSCHEN, swv. »Die Kind 
vetschen nnd pinden;< >fet- 
sehen und einpinden.c cgm. 
601 f. 97*. Die Fätschen, Klei- 
derb. 19.Fet8chenkind,-Tisch 
in schriftl. Denkm. öfters. Sieh E. 
FAZINETLE, das, Sacktuch; 
dim. von Fazinet, ital. fazzoletto. 
^ Fugger'schen Inventar komen 
Yor: Tischfazenet mit pUben 
leisten, geeiglet, mit klokleten 
Porten, von Damaschg, leinwatne 
and mit gewisleten Strichen, mit 
Zwilch gefranslet und einer 
Steppe, mit Spizlen u. s. w. An- 
dwe Formen: Tischfacilet, 
IGckhaus. Bechnungen 1610 Fa- 
2olet, Hom.S. Facelin, 0. Ru- 
Itnd. In den Weberakten stet 
von 1638. 16Ö0: »Dieweil bisher 
^lich Weibspersonen, so derWe- 
l)er Gerechtigkeit nit haben, — 
^ Schlayer und Facelewür- 
^hen in langem Brauch gehabt, 
^«ndnoch, soll den Weibern solch 
Schlayer und Facelewürkhen 
'^sdi 2 Stüelen ihr Lebenlang zu- 
gelassen werden.« — >Da ent- 
gegen sollen sie nichts als Schlayer 
^nd F^acele wurkhen.« 

FAZPIL , das , poszenhaftes 

Spil;fazen, cavillari. >Fazspil 

^imd Gaukelei« heiszt Gass. II, 25 

^e an Christi Auffartstag emals 

"üblichen bildlichen Vorstellungen 

in den Kirchen. Schmell. I, 579. 

FAUL adj. zähe vom Straszen- 

^ot, wenn die Bäder herb von 

^ Stelle gen. Im Troj. Krg. 



40^ komt die Adjektivbildung 
unfenlklich vor. Faulgara, 
— sieder siehG. Faule Fische, 
leere Auszreden. 

FAUM, faumen für Schaum, 
schäumen ist fast nur bayerisch- 
schwäbisch ; in Niederschwaben er- 
scheint dafür Seh o mm, äschom- 
ma, abschäumen, eine Bildung 
wie romma, äromma von ab- 
räumen. Im Harter Inventar stet 
F o m b 1 ö f f e 1 : in Mikhaus. Akten 
FaimblöffelnebenFaimbkell 
»5 Faimbköllen«. Grimm Wb. 
III, 1377. Schmell. I, 530. 

FAUST, wie hochd. in bayer. 
und hie und da in schwäb. Akten 
und Urkunden erscheint F a u n s t. 
>MitFaün8ten abgeschmieret. < 
Mickhaus. Strafbuch 1681. »Mit 
der Fun st.« Thalhofers Fecht- 
buch. Vrgl. Schmell. I, 575. 
Fausthammer, »denStoszdegen 
auf dem Bücken, den F. in der 
Hand.« Chronik bei P. v. Stetten, 
ErL91. Ein Fausttollich komt 
in dem Fugger'schen Inventar in 
Mickhausen oft vor. 

VECH, Vechwerk, Grauwerk 
von dem Bücken des Hermelin's. 
> Zobel, Marder und alle Vech- 
werk.« cgm. 2517. >Zu denen 
Auss^chlagen und Kragen weder 
Zobel noch Edel- sondern allein 
Kehlmäder und Vech gebrau- 
chen.« Poliz.-O. Im Kleiderb. >mit 
Vech füttern« öfters. >Nempt 
man war, wie junkfrauen Vech 
und Seiden tragen « cgm. 311 f. 
49^ Mhd. Wb. III, 285. 

FECHTMEISTEB , Barbier 



156 



Feder — Fein. 



scherzweise , neben 3 e c k el e- 
bantsclier. Altaugsburgisch. 

F£D£B. Federfechter und 
Fedeskilreiter emals ser üb- 
liche Namen für Advokaten. F e- 
d e r r i t e, die, 1) farbige, auf einer 
Seite harige Leinwand. 2) Zu 
Betten benüzt : der Unterüberzug, 
in dem die F e d e r n sind, worüber 
erst der Oberüberzug kömt. In 
der Weber -0. gab esz eigene 
Vorschriften bei Verfertigung di- 
ser Art Leinwand geltend: >0b- 
wolen auch ein jeder Burger zu 
seiner Selbst eigenen Hausnotturft 
Eelsch undFederritenwürken 
zu laszen erlaubt ist, so solle 
doch ein jeder Meister vor ün- 
terrichtung solcher Arbeit schul- 
dig sein, solches denen verord- 
neten Herren des Weberhauses 
anzuzeigen, damit man wisze, 
wem solch Gewirk zustehen; auch 
solle solche Kelsch und Feder- 
riten nicht verkauft werden bei 
Verlust der Waaren, desgleichen 
keinem als mit einem Stuel 
breiten Federriten zu wür- 
ken — vergunt sein.« Akten 17. 
Jarhd. Federspulen, Gänsekile. 

FEGEISEN. >Weilen ich ein 
solches Hauskreuz, ein so böses 
Fegeisen, ein so zänkisch, ^ei- 
nerisch Weib darneben habe.« 
Rom. S. Fegopfer. >Er wird 
stets müszen als ein Fluch der 
Welt und ein Fegopfer der 
Leute — sovil gewertig sein, dasz 
er an Ehr — angegriffen werde.« 
Dr. G.Müller. Fea-a-a-agsand. 
Fast unverständlicher Buf des 



Grobsandmannes in A. Sieh das 
Lied im Anhang^. 

FEIGHEN, das, betrügerisch 
gebackenesBrot. Augsb. Stdtr. 
>Swelcher daz v eichen bachet, 
daz ist, swelcherleie brot daz ist 
anders danne als d&vor geschriben 
st&t, daz heizzet daz y ei eben.« 
Ueber die Strafe des Schupfen s, 
die das Veichenbrotbacken 
nach sich zog sieh S. cf. Schmell. 
I, 607. 

FEICHTE,die, pinussilvestris: 
>ein Claffert Feichtholz 2 fl. 
45 kr.< >Lang Feichtholz.« 
Augsb. Akt 17. Jarhd. In den 
Stauden und an dw bayerischen 
Grenze allgemein; in wirtemb. 
Schwaben >Fiecht<. 

FEIERN. 1) In den Weber-0. 
kertofb wieder: den Stul feiern 
laszen, d. h. freiwillig oder un- 
freiwillig zu arbeiten aufhören; 
für letzteres oft gebraudit. Akt 
V 16. Jarhd. 2) In der Mezger- 
0. desgleichen: »mit dem Hand- 
werk 8 Schlachttag feiern« 
eine Strafe. 8)Uebeihaupt: ruhen 
laszen : >Und musz man den Hund 
zu dieser Kunst anweisen; er 
lemets nit gar bald , man musz 
damit nit feiren.« Natürl. Zau- 
berei von Lang. S. 56. >In den 
Pfingst feiern« hie und da in 
schriftL Denkmälern Augsburgs. 
Feirding, Feiertag. Biesz . Aen- 
lich Freiding, Freitag. 

FEILEN, trödeln; Feilkauf 
in den Sdtr. und andern Sohrif- 
ton ser häufig. 

FEIN vom Wetter; »feines 



Feindlich -^ Ferohenmarkt. 



157 



W. , feine Tage; feine warme 
Tage< in den Augsb. Hofkalen- 
dem des yorig. Jarhd. oft. Im 
Riesz gilt fein oft för klein: 
>a fei8 Maüle<. 

FEINDLICH, foidle, in der 
Landvolksrede , imer wieder- 
kerend in Verbindung mit Ad- 
jektiven, denen esz Superlativen 
' Charakter verleiht; überhaupt 
gleich dem gewonlichen: ser. 
Seh. gebraucht esz häufig : f o i n d le 
bschaula: ansehenswert. Feind- 
linger, ein groszer Betrüger. 
Riesz. 

FELCH, dünnes Hölzchen, oben 
mit rander Oeffnung, womit das 
g[ehackte Wnrstfleisch in die 
Därme gefüllt wird. Schmoll. 
I, 627. 

FELD inFeldnng, Feiding 
fOr Feld: »dasz d'Felding lau- 
ter Distla trait.« Seh. Feld- 
farre »hinfuro soll kein Feld- 
farr unter den gemeinen Fleisch- 
bänken feil gehabt — sondern 
auf dem Fischmarkt v'erkaufb wer- 
den.« Mezg.-O. 1649. Feldgelt, 
»Eschhailon, Hürtlonu. F.f Fisch- 
ftch. St. Die Adj. -Bildung mit 
— lieh begegnet oft: >Und hat 2 
Jaucharten Ackers veldiklich,« 
cgm. 164; >veldeklichen V* 
Janchart.« Mickhaus. Akt. 1683. 
Ich füre auch ein Zeitw. Felden 
hier an, das in der ßiedlinger 
Gregend (Wilflingen) üblich ist 
für >herumstreichenc von Bu- 
ben mit Mädchen, wie esz an 
Sonntagen der Fall iit. 



YENIE, die, Fuszfall mit Ge- 
bet. In dem alam. schwäb. cgm. 
168 (Rituale 14 Jarhd.) komt des 
öftem vor: > wanne man sol 
V e n i e nemen oder nit ; alle Sams« 
tage und an dem tage, so man 
mom 9 lectien hat, so lat man 
die venie ze none — und da« 
man hin unz ze 6stem, so lät 
man die venie erst ze vesper.« 
f. 1*. >S6 mache der CJonvent eine 
straklange venie« f.ß\ >vnd 
son (sollen) sich strecken an ir 
venie üf ein -tuch< f 52». >d&r- 
näch strecket sich der Convent 
an ein venien und sprichet 
kyrie eleysonl« f. 60». u. s. w. 
Mhd. Wb. III, 208. Schmell. 1, 629. 

VERBEHALT IN , zurückbe- 
halten. 

VERBESZEN , VERBSZEN, 
VERBSSEN? Im Wilmatshofer 
Dorfrechte heiszt esz: >Item so 
sollen zugleich Pauren und Söldt- 
ner jeder 2 Schwein verbssen 
und verhürtlonen, er hab's gleich 
oder nit.« >Auch (soll) ein jedes 
Schwein, so 12 Wochen alt, jeder 
Zeit V erbst und verhürtlonet 
werden.« a. a. 0. »Junge Kälber 
so umb Johanni auszgetriben, 
nit V e r b e s z t, sondern von jedem 
4 Pfennig Hirtenion geben wer- 
den.« a a. 0. 

VERBIETEN stv. entbieten. 
»Wann ein Fremder allhier frevelt, 
sol er verboten werden durch 
den Stadtvogt.« Ordng. von 1647. 

FERCHENMARKT, uralter Na- 
me für den heutigen Obstmarkt- 
plaz. >AQfd«nFerchenmarkt 



158 



Verdeoken — Yenohlagen. 



neben des Egenbergers Haas.> 
S. 3Ö3^ >Den F. erweitert « a. 
a. 0. Zur Erklärung möge das 
im Stadtrechte öfter vorkomende 
Farch, Schwein, dienen. »Von 
einem yarhe,< >Yon zwain chlai- 
nen ver ehern« u s. w. 

VERDECKEN part. V e r d a c k t : 
>umb ain verdakt Pferd,« >um 
einen y er dacktenOchseni >yer- 
dackt Becher,« ungemein häu- 
fig bei Festschieszen , Verloszun- 
gen, u. ß. w. Mundart 25^. 

FERDEL, Ferdinand. Riesz. 

VEREREN einen, beschenken. 
Allgemein. Bei ärztl. Untersuchun- 
gen yor Gericht musten die Wund- 
ärzte >yon den Rauherem yer- 
ert werden. < Ordg. 1647. 

VERFALLEN, >e8z y erfällt 
sich«, von Gilten und Abgaben, 
cgm. 154 f. 21» und oft. 

VERFASZT, sovil als g e f a s z t. 
>Al80 was der Vetter auf diese 
Urteil nicht yerfaszt.« S. 207. 

VERGATTERN , yersameln. 
»Als die Pönyier yermist wurden 
und die Ritter zusamen vergat- 
tert und vermengt, brach Ale- 
xander< u. s. w. cgm. 581 f. 15». 

VERGICHT in Kindern ist der 
»hinfall endSiechtumb.< cgm. 
601 f. 105^ 

VERGWANDEN swv. etwas 
heimlich bei Seite schaffen und 
verkaufen; in Oberschwab. d'Kaz 
vertragen. 

VERHÄNZELN swv. Kinder 
schlecht erziehen ausz Affenliebe. 

VERHEIEN swv. 1) zerstören, 
2) herabstimen, jemand, mis- 



stimen. >Und sind verheiter 
worden.« S. 402- Sieh H. 

VERHÜTEN swv. Wache hal- 
ten, hüten hochd. »Den Kaiser 
V. Tiere v.« S. 417»». 

VERKNOTSCHEN swv. runz- 
licht machen, sonst vertun, ver- 
grippeln. 

VERKRUMMEN swv. ärgern: 
die Sache hat ihn »verk rummt<. ^ 

VERLECHZGEN swv. ausz- 
trocknen in Folge groszer Son- 
nenhize, von hölzernen GefiMzen 
gebraucht. 

VERLEGEN swv. gemeinschaft- 
lich betreiben , Webersprache 
>Ein jeder junger Meister ^ solle 
5 ganzer Jare einen Stul selbsten 
und mit keinem Knappen ver- 
lege n.< Akt. 17. Jarhd. 

FERLEN swv. Junge werfen, 
von derSchweinsmutter gebraucht. 
<Am 29. August hat die djärige 
Schweinsmutter geferlet und 
gebracht 5 Stück. < >Hat die 
fünfjärige Schweinsmatter < ge- 
ferlet.< Mickhaus. Rechnungen 
1683. Grimm Wb. HI, 1531. 
F erlig, eine Hornviehkrankheit 
bezeichnend, fand ich in Konzen- 
berg — Constanzischen Akten v. 
1776. 

VERLIEREN stv. >Bo6 ver- 
loren Buben.« S. 236. 

VERLÜFFERN swv.? >Den 
Fanen v e r 1 ü f f e r n. « Web. Reolm. 

FERNDEN swv. femeln. 

VERPFAMMELN swv. eine 
Sache, die man tragen will, kaum 
mit den Armen um£angen könen. 

VERSCHLAGEN stv. 1} Ffen- 



Tenehlioken — Feuer. 



159 



ninge umprägen, faUolimünzen, 
Stdtr. 2) sicli verschlagen: »wann 
sich einer verschlägt oder 
Bonsten Abschweif macht und 
aasstritt , auf einen solchen soll 
man unter dem Tor befelch ge- 
ben.« Ordg. 1647. 

VERSCHLICKEN, verschlucken. 
Schm. ni, 438. »Und ir vallent 
vil in die Gruben und werdent 
verschlicht von dem zeitigen 
Dracken < Himml. Braut. 

VERSCHMOCHEN und VER- 
SCHMAUCHEN swv. leicht ver- 
drieszlich werden. 
>]>rum. mueft beileibig itt ver- 

haucha 
EsK tat in fin^altig gar arg ver- 
schmaucha.« Seh. 

YERSIZEN stv. die bestimmte 
Zeit YorbeigSn laszen. »Man sol 
auch wissen, wann manesz ver- 
eis, das man sin nit git, so ist 
der hof verfallen« Man. f. 4^ 
und Stdtr. 

VERSTOSZEN stv. >Dasz sie 
in allen Oertem, Mittel und Enden 
des Waldes aullugen und lusen- 
ten: obsich jemand Verstössen 
oder yerpoigen hätt.» egm. 581 
i, 125^ 

FERD, FEARD, voriges Jar; 
niederschw. föend. 

VERTUMPELN swv. trübe 
machen. 

VERWEGEN, swv. >Er musz 
sich selber hassen und vil Fröw- 
den verwegen.« Geistl. Braut. 
>Wir wellen den Stein hinwerfen, 
und wollen uns sein verwegen.« 
a. a. 0. 



VERWISCHETS, ein Fangspil 
der Kinder, anderwärts heisztesz 
Fangetlis tun. 

VESPER, blühende s. Anhang. 
Vesperle, Zeit des Vesperbrotes. 

FESTOCflS, sog. Hoffartsnarr. 

VETTEL komt in Augsb.Schrift- 
werken imer im Sinne von 
Zauberei oder Hurerei trei- 
benden Weibern vor. 

FEUCHTE ARBEIT bei den 
Webern: strafmäszige Tücher, an 
feuchte Orte gelegt oder in nasze 
Keller und Winkel. Spinner und 
Weber wurden nach Befund schwer 
gestraft. 

FEUER. l)»Da8heiligTeuer 
ignis persicus genempt oder pruna 
wird in seiner gemeinen Bedeut- 
ung genomen fär eine jetliche 
nagende blater, die ein ru- 
fenmacht, «cgm. 144f. 8. 2) Wil- 
des Feuer heiszt der Bliz: >da 
haben die Lutherischen geflucht u. 
gewinst, dass das wilde Fewer 
darein schlag.« S. 560*. 3) 
Himmel fuir heiszt das Sun- 
wendfeuer (Simetsfeuer) in Ox- 
senbrunnen und beim >H. v er- 
hupf a«: (über den brennenden 
Holzstosz) riefen die jungen Paare: 
• Flix flax, 

Dasz mein Flax 
Ueber 4 Fla wax! 
Das Beten um Flachs ist allen 
schwäbischen , besonders ober- 
schwäb. Sunwendfeuern eigen: 
eine Tatsache, dasz die Flachs 
und Leincultur schon frühe hier 
betrieben ward. 4) Veits Fuirle 
gans wie das Himelfuir und 



160 



Feaetjnakft •*- nb. 



nur oft anderer Käme. Beim Ein- 
samein des Holzes rofen die 
Buben: 

Heiliger St. Veit, 
I bitt di um a Sobeit, 
I bitt di um 'n Boscba, 
Unserm lieba Herrgott a Fuir 
aufgloschal 

Oder: 

Heiliger St. Veit, 

I bitt di um a Scheit! 

Wenn mer koins geist 

Stil d'r a ganze Scheiterbeig t 

FEUERJUGKA heiszt im All- 
gemeinen dieses Veits- oder 
Simetsfeuer bogen. 

FEÜERSTATT für Haus, all- 
gemein; daher >2 doppelt aufer- 
legte Feuerstattgulden« oder 
schlechthin Feuergulden; we- 
gen des F., den die Markgraf- 
schaft Burgau in Gorsthofen und 
Langwaid ansprach, gab esz Zwi- 
stigkeiten; der Feuergulden 
war eine alte städtische Abgabe. 
Vgl. V. 1546. Vergl. den Feuer- 
schilling in meinem Volkstüml. 
I, 30, 36: Herdschilling. Grimm 
Wb. m, 1586. 16. Inder Steuer- 
Ordg komt als stadtischer Be- 
amter ein Oberfeuerherr vor, 
daneben Feuerdeputierte. 
Feuer mauer. Allgem. Im Har- 
ter Inv. wird ein Feuerhund 
genannt. Bei S. werden (S. 373^) 
auch >aufrierige Feuerstat- 
te n< angefürt und ire Zal 2464 
angegeben für die Bewoner 
diser Häuser. Fuierkluften 
swf.= FeaeKange.Rie8s. Red.A. 



»8. brennt wie klaort ! 
ser helL 

FIDERLING-, FÜDEB 
SCHNITTER oder Hoptso! 
heiszen die im Accord Jai 
weise den Bauern dieSaati 
den, zum Unterschiede to 
Taglönem. Stauden. In I 
ling bauen, im Aocord 
Augsb. Schmoll. I, 513. Di 
leicht an F u d e r erinnert w 
bestimtes Masz. 

VIERDÜNG, Teü eines 
des: »d6 wag diu semel 
halb pfund und ainen 
dunch,« >zwo pfund unj 
vier dun ch Semeibrots.« 
> 3 pfiind minner aines v i e H 
Beilage 15. Jarhd. Mhd. 1 
807*. Viertelmeister l 
Färbern in A. sieh Maisl 

VIERER: 1) in der ^ 
spräche, eine gute Art Bar 
warscheinlich mit der Za! 
Stempel, änlich dem gMi 
und ungeblaiehten Dreier 
dig, heurig Dreier.« 
Rechng. 2) Die Gemeine 
Steher der Landschaft 
im Fischacher und Wihna 
Dorfrechte ist der Walmo 
am weiszen Sonntage zu ges 
hatte, näl|er bestimt. 

FIGGLEN swv. mit ito 
Meszer vergebens etwas 
schneiden wollen ; esz geh 
zu ficken (Schmoll. I, 51t 
allgemein schwäbisch r 
heiszt. Fickmüle, eine i 
Fickele oderFicke, dl 

FILZ in der Red.-A : 



FincUUcmder — Fisch. 



161 



etnen fubtilen Yerweiss und sar- 
tM Filzel haben 2 hl. Engel in 
derHiTnmelfart Christi den lieben 
iposteln gegeben.« Homo S. 
(d. h. einen Vorwurf: warum 
itet ir dal) >Nach gegebenem 
IdeineaFils, ihr Kleingläubige, 
ins (drehtet ir euchU a. a. 0. 

FINDELKINDEB wurden zu 

St Ifargaretha, St. Nikolaus, zur 

JSorbmck, zum hl. Geist-Hospital 

in Yerpflegung gegeben. Dise 

»Ssmlungen« musten sich gegen 

iMoböfliohe Entschädigung zu 

lindelhausdientten herbeilaszen. 

Togleick v. 1551. St. Ubrich 

ktte durchaus keine Yerpflicht- 

ni, die häufig in den Maierhof, 

ii die Gärten, in des Kanzlers 

Wonungen gelegten Kinder auf- 

sanemen. In A. gibt esz ein Fin- 

delgässchen. 

FINGEB. Die Strafe des Fin- 
gernemensan Meineidigen und 
Jloehem kam im alten A. yor. 
>Dann wer far«|zlich einen Mein- 
eid tat oder {^desstatt anglobt 
und demselben nicht nachkombt, 
dem sollen die Finger genom- 
laea und er der Statt verwisen 
werden.« Poliz. 0. 1553. Ein an- 
dsree rechtsaltertümliches Yer- 
iuren komt in den Akten vor. 
>Waa einer umbracht wird, dasz 
itttn den Täter nicht gleich fin- 
den oder zur Hand bringen kann, 
loUe man einen Finger oder 
<ttiist ein Glied von dem Entleib- 
ten aufbehalten, zu einer Prob 
'^'^ der Täter einkombt.« Ordg. 
I6i7. P^ eilfte Finger, penis: 



»Markgraf Joachim hat das Fie- 
ber und war dazu am elften 
Finger krank.< S. 296». 

FINSTER. >In der f inst er n 
Fredt«, siehG. In der finstern 
Stuben, eine alte A. Wirtschaft. 
In der Astr. f. 28*. und öfter 
heiszt esz: »darumb (wegen des 
Sonnenglastes beim Schnee) so 
hatten die alten lüteyinster, so 
sie lauszen wollten, < »dem die 
brüst we tut, der sol lauszen uff 
dem vinstern arme« f. 33% 
d. h. am linken A. Dänisch ist 
venstre = link. 

VINTÜSEN und VINTAÜSEN 
swv. schröpfen; allgem. in d. Ader- 
laszbüchern, französ. ventouser. 

FIELE FERLE, Anfang eines 
Abzälspiles der Kinder. Esz ist 
sicherlich ein Anklang an den 
alten Tanz, der beginnt: firlei, 
firlefei stm. Mhd. Wb. m,327. 

FiRMEREI, die, infirmaria, 
Krankenstube: >da wart gebawt 
die firm er ei von newem.< Frank 
83. Mhd. Wb.IU, 327*. F irm eri e. 

FISCH. Die Fischerzunft mit 
iren Vorgeem war in A. von nicht 
geringer Bedeutung. Järlich an 
Weihnachten musten die Fisch- 
geschauerdieFischedesFisch- 
grabens, so in Kästen waren, 
besichtigen, mit Erlaubnis der 
Bürgermeister. Dem Fischgra- 
benwarddersog.Fischgraben- 
schlieszer beigegeben. Nach 
dem 30järigen Kriege gab esz 
2 Fischmangmeister. Fisch- 
waid, Fischgerechtsame. Die 
Fischwaid zu Gersthofen, oder 
11 



162 



Yirierer ^ FMk. 



auch Fisohbesuch genannt, 
komt in Vergleichen des 16. Jar- 
hunderts öfters vor. Nordisch 
veida auch = fischen. Esz gab 
in Augsburg einen Fisohmarkt. 
In den Denkwürdigk. S. 29 stet: 
»Fort mit ihnen, dem Fiflch- 
markt zu, — auf den Fisch- 
markt d. h. an den lichten 6al- 
genl< Beim Fischerwirt, eine 
alte Wirtschaft. Fischertör- 
lein, Fischergässlein, Fisch- 
grabenmüller, waren lauter 
bekante Pläze. Im Harter In- 
vent. erscheint einFischlöffel. 
Fischgrätlin in der Weber- 
sprache. > Welcher aber guetten 
grettischen Barchet wirken will, 
der mag den rechten Burschat- 
grat und Fischgrettlin wol 
würkhen: doch dasz die unter 
1200 Fäden nit haben, höher mag 
sie wol würkhen.« Weber Akt. 
1650. 

VISIERER, Eichter, ein stadti- 
sches Amt. Vergl. Mhd. Wb. III, 
330*. Visierruten regelrecht 
zu machen, davon handelt cgm. 
740 f. 80 ff. Ztw. visieren. 

FISOLEN,Bohnen. Mindelheim. 
Fasolen anderwärts. 

FIZEN swv. und anfizen, in 
Burgau: mit einer Rute bestrei- 
chen wie da und dort in Schwa- 
ben Kinder am Eindleinstag tun, 
dabei Nüsse, Kuchen oder Zelten 
betteln. Pfeffern, sieh Wb. z. 
Volkst. hessisch >dutteln«, alt- 
bayerisch >kindeln<. 

FLACHS, der, in Flachstanz; 
im Eleiderbüchlein S. 53 wird 



von einem Schlitten geh« 
an dem ein F. angebracht 
Ob eine Malerei? »Mögea's 
s'Fläxle reiben?« sagt 
Flachsbrechen und schüttel 
vorübergenden Herrn des 1 
geldes wegen den Flachs, dai 
Anglen abfallen, eine ällgi 
schwäbische Sitte, sonst 
säen genannt Das Flacl 
sen in Ponnenbach zu G-eni 
komt als Gerechtsame voiü 
bürgern in älteren Vergleidie! 

FLAGKEN (flagge) swr. 
Augsb. sich faul hinlegen: « 
dor! ioz bl-n-i schoe so mi 
bl so £r&a , wenn i h&em k 
iozt flagg e me gleil meli 
Seh. sagt: derbacksteinkae fli 
mier Überzwergs im mage.« 
Von Orten: dao flagget 
und Tuffahausa d.h. ligt,itm 
Nebenbedeutung. 

FLAMMWAGEN, der, ko 
Treibjagd-Beschreibungen h 
vor im Harter Bentenbuch 
in Mickhauser Rechnungen ▼. 
>N. fürte den Flammwf 
zur Fürung der Flamme. 

FLARGEN f. pl. starker . 
wurf, Unrat. Fläm. obpflz. 

FLECK swm. »Baindt 
angrige Fl ecke n< Mickh. 1 
nung. Allgem. Strudelfl 
eine Art gefüllter, gesottenei 
den. Flecksiedler, der ' 
Eingeweide zubereitet. Gr 
Wb. III, 1745. »Narren sein^ 
jene Soldaten, die stets 
Hasenwirt im Quartier ligen 
welche der nächste beste Fl 



Fleitoh -" Flow. 



163 



Siedler muBz mitHenverselieii, 
wenigrgtens um 8 Kreuzer. < Gon- 
Hn. Fleckledieb 1) sclierzhaft 
för Schneider 2) eine alte Augsb. 
Maske an der Fasnacht. Die Kin- 
der schrien ir zu: 
FleUadieb 
H&st d'Mädla Uebl 
Ztir.hiii&uf le ck en, hinzoflicken. 
»Dahat A. eine lange Rede ange- 
bept — darnach flecket An- 
tenor auch hinzu etcc Troj.Krg. 
^. Fleckenstaub, eine Art 
Mdtäa. >Der F. kernt ange- 
flogen.« Augsb. Kai. 1747. 

FLEISCH, spr. flesoh, echt 
iHaugsb. Im Stadtrechte erscheint 
>?lai80hmanger, Fleischhänd- 
ler« Glosse zu f. 12*. Schm. I, 
599. Flaischh&ckel, a. a. 0. 
Li der Mezg. 0. y. 1649 wird den 
Flei 8 ch t r a ge r n ein besonderer 
Paragraph gewidmet, der an- 
hebt: »Nachdem bisher durch die 
Fleischtrager — in der un- 
tern Mezg 3 und 3 Knecht, üi 
der obem 1 und 2 Knecht — so 
alle Schiachtag das Fleisch tra- 
gen, etwas unsauber mit den 
Fleischtragern und iren Kit- 
teln umgangen, darausz diser 
Stadt yil Nachreden entstan- 
den sind« u. s. w. Im Wei- 
tem wird ire Tracht, Auffur- 
ung, Betonung näher bestimt. 
Schürze und Kappe sind beson- 
ders genannt. Fleischumgelt- 
amt, eine städtische Behörde. 
AtiBzer dem höchst wichtigen 
Amte der Fleischgeschauer 
gab ess die den auszw&rtigen 



Mezgem verhaszten F16sohka- 
zen, untergeordnete städtische 
Beamte, welche aufzupaszen hat- 
ten, ob kein fremdes Fleisch ein- 
gefurt werde. Bildlich komt 
Fleischbengel in Predigten u. 
in den ire Zeit gaiszlenden Ge- 
dichten und Betrachtungen neben 
Venuskinder vor, sobeiConlin 
und im Hom. S. 

FLIEDEL, der , Laszeisen, Ader- 
laszinstrument. >Man soll sich 
bewam dasz Niemand auf den 
Armen lasz, er würde darvon 
sterben, lam oder ungehörent: 
wann die Schlag mit dem Flie- 
del, die sind wider dieFluszder 
Frauen. < cgm. 216 f. 14^ >Diser 
Kopf soll gesazt sein an schra- 
pfend Fliedel.« a. a. 0. Schm. 
I, 686. 

FLISPERN, flüstern. 

FLITSCH, mit gedentem i, zum 
Unterschide v. bayer. Flltschen, 
leichtfertiges Mädchen. Das Wort 
ist bayerisch. Ursprungs. 

FLITTERL. »Seid nicht so 
blind wie Fliegen, Mucken und 
Flitterl, welches närrisches 
Thierl mit Gewalt dem Liecht 
zufliget.< Homo S. 

FLOHEN, FLÖHNEN, >äg- 
flä9t,< abgeflohet, im Spil über- 
vorteilt. Wertachtal. >Und dem 
Kind soll man flöhnen.« cgm. 
601. f. 98% 

FLÖRLE, allgäuische Tracht, 
schmaler schwarzer Florstreifen, 
eine Art Halsbinde. 

FLOSZ, das, 1) das Flieszen, 
Flusz am Körper: >das Flosz 
11* 



164 



Flu« — V<ng^, 



det hirnesi Astron, f. 37*». >Da8 
FI08Z der Augeu€ f. 38^ Der 
Voc. opt, 36, 33: lippitudo. 2) 
Floszmann, Stdtr. Floszstaig, 
eine berümte Stelle im Lechfelde 
in Urkunden, Vergleichen, Pfarr- 
urbarien der Strasz-Ortschaften 
häufig erwänt. In Niederschwa- 
ben ist die Lautverschiebung noch 
nicht bei sz angelangt: Flaoz, 
Flaizer u. s. w. 

FLUG stm. fliegen, anflie- 
genstv. 1) »Gegen den Ein flu g 
der Vögel in die Kornboden. < 
Mickh. Rechgen. 2) Flugfeuer, 
o'f t F 1 u c k f e u e r geschriben, komt 
vor für sein tillae, mundartlich 
und in der Feuer 0. 1779. 3) 
Vom Gehölze : > so dass der H o 1 z- 
an fluch befördert wurde, so 
folglich wenigstens insolange und 
vill, bis dasz die angeflogene 
Besehen dem Viehe ausz dem 
Maul gewachsen, < d. h. das Vieh 
kan durch Abfreszen nicht mer 
schaden. Klimmacher Pfarrbuch 
1784. »Mit feichten auch Tannen- 
holz angeflogen.« a.a.O. Grimm, 
Wb. I, 831. 

FLUTTEN, die, f. eine lockere 
lukse, dampfnudelartige Melspeise. 
In Elimmach werden sie vom b r i e- 
get en (gebrühten) Taige gemacht 
in 2 Pfannen abgeprägelt, verber- 
get das Wargeln imMusmel. Da 
heiszen sie vorherrschendF lo 1 1 a- 
nudla. In Munderkingen , wie 
in den Stauden, sind sie eine be- 
liebte Speise. Auf dem Vorschlag- 
blatte des Augsb. Stadtr. stet 
>fdn Sack f lud an.« ? 



FOCHEZEN heiszen imi 
die weiszen Kreuzerbrota. '. 
Vochezer oder Foche«« 
Familienname. Mhd. Wb. III 
Schmell. I, 507 ff. 

VOGEL in Vögelspil 
ein Tausch- oder Eaufapi 
wesen ist, wol mit Singvi 
Im Kleiderb, stet der jungeSd 
mit einem Vogel in der 1 
dabei die Worte: >Hui Bue 
welcher kauft oder gibt eii 
103. Vogelmauer in A. 
gele, ufm Vögele heiszt 1 
tümlich Izüshausen ob Si( 
hofen. Vögelebächle, 
gelehölzle, Fischacher 
namen. 2 ßpgenvögeL 
ter Inv. 

VOGLER, concubinariua, ] 
cgm. 686 f. 53^ 

VÖLLIG, >sein völlig 
erreichen.« Web. Akt. V6 
vollends, wie all et u. 8. w 
FORCHEL, die, Forelle. Seh 
I, 560. »An Lätare sind hy 
Forchlen der Statt vor den 
im Graben all vergifft wor 
S. 550». 

VORDER, das, Vorrang 
Tanze. > Auf gemeiner Statt ' 
haus ward ein Tanz gehaltei 
welchem dem Bischoffe, a! 
das Ford er hatte, 2 He] 
aus Bayern erenthalben vor 
ten.< Gass. 

VORDERSAMST, praec 
bevorab, in Akt. oft. 

VORGl&ER, der, 1) Vors 
Leiter. »Unser lieber Herr . 
Christus macht Petras zu € 



Fovggiui^ "^ Forst. 



165 



Forsten undVorgeer nnterden 
12 Boten.« cgm. 259 f. T*». >£in 
Briester wird genennt durch St. 
Paolom ain Eünig, ein Regierer 
u. Topgeer des Volkes. > Angab. 
Messboh. 4^. 2) In Angsb. hatte 
jede Znnffc ire Vorgeer, 2 oder 
4 n. 8. w., welche die Angelegen- 
heiten, Einlaufe, Auszfertigungen 
zu besorgen hatten. Heute noch 
lebt der Name für die Zunftobem 
fort. Auch die Schulen hatten 
ire V o r g e e r. Beisp. in Schrif t- 
w^ken sind vom 16. Jarhd. ab 
zaheick Auf einer Mezgerstuben- 
Tafel stet! 

Bbs erst Maisterstück hat gmacht 
h der neuen Mezg oft gedacht, 
DesVorgehers Sohn wol erkannt 
bt Abraham Burkart genannt. 

Ebendaselbst heiszt esz: »da- 
rin (in der Mezg. Zunftstube) 
die Yorgeher gar fein ruhig 
stiU ire Handwerkssachen 
machen.i >Doch niögen die 
erbam Vor geh er von Zünften 
ire Pott, Zusamenkünft und Schenk 
altem Brauch nach doch be- 
scheidenlich halten < Der Stadt 
BfflTif 164S f. 8^ Gass.: Vor- 
gänger. 

FORGGÜNG, ein Waszer-tJn- 
geheuer? Krokodil. >So finden 
wir doch nit Forggung, wan 
sy sind alle von demWaszer ge- 
flohen. D6 sprach der hl. Vater 
Helenus: gehab dich wol, lieber 
Yatter, ich gewinne uns gute 
Forggnng. Und do sy zu dem 
Waszer komen, d6 ruft der Vat- 
ter Hdenos mit Inter Stimme 



sinen Forggen ze band: und 
zehand do kam das üngehewer 
herausz üsz demWaszer. Do esz 
erst seine Stimme verhört imd 
nayget seinen Rucken.« cgm. 372 
f. 162. >D6 sprauch der hl. Vat- 
terzudemErokodillen < ara.O. 

FORM in den Ritualien: »sol 
sich der Convent strecken auf die 
Forme der Stul.< hs. 15. Jarhd. 
Vergl. Streckung. 

FORST. >Der rauhe Forst< 
von weitem umfange mit seinem 
Hauptkeme zwischen Horgau, 
Aystetten und Adelsried, wo auch 
der uralte Forsthof ligt. Die 
umligenden 22 Gemeinden hatten 
gegen Forstzinsen den Wald 
im Pachte. 3 Fräulein Heilritter 
(Heürätinen, Herberg.) von Aystet- 
ten hatten armen Leuten den 
Wald geschenkt. Sie hieszen 
eingeförstete Leute und ire 
Forstzinsen oder ir Pachtgeld 
heiszt urkdl. Vorstmüet. Her- 
berger's Schwabmünchen. Der 
rauhe Forst von Biburg er- 
scheint urkdl. Wichtig ist auch 
der Streitheimer Forst zwi- 
schen Rott u. Zusam. Streit- 
heim, Streitheimer Wald, 
-Forst kernt in Schwaben häufig 
als Waldname vor. S t r e i t ist wie 
Hart allgem. = Wald. Nach dem 
SOjärig. Kriege erscheinen in A. 2 
Forstherren, d.h. Aufseher über 
die städt. Waldungen. In einem 
Vergleiche v. 1609 erscheint so- 
gar Bischof Heinrich als Forst- 
herr(Jagdinhaber).Forsthaber 
ein vogteil. Gefall in Ulm. 



166 



Forfcime •— Freüiodhge&ten. 



FORTUNE, die. »Aber auf 
dem Waszer soll man nit Messe 
lesen, von deswegen, dasz die 
Fortunen des Wasszers machen 
das Schiffbewegen. < Augsb.Messb. 
1484 f. 2\ 

VORZEICHEN, das, atrium. 
Stauden. Schmell I, 635. 

FRANZOSEN, die bekante 
Krankheit yon den Augsb. Chro- 
niken imer erwänt Statt der 
vilen Stellen einige auf Augsb. 
sich beziehende. »Hye h&nd sie 
auch gebauwen 2 Häuser far die 
armen Kranken an Franzo- 
sen.< S. 877^ >A. dom. 1493 ist 
die Plag der Fr. hye aufgestan- 
den.« 261^ >A. 1495 kham gen 
Augsburg ein tinbekhannte Krank- 
heit hiesz man die Platem oder 
Franzosen.< Horm. 1834 S. 
148. Die Formen: »Malfranzos, 
Maylfranzos, Bösfranzos 
oder wilde Warzen im cgm. 731 
f. 170. Maister Josef Grünspeckh 
Yon Burghausen hat a. 1496 eine 
Abhandlung über den Male- 
fr anzos an den Rat zu Augs- 
burg eingeschickt, a. a. 0. f. 220. 

FRASZ, VRASZE, VRAUSZE, 
gulae, hiesz ein altes Adelsge- 
sohlecht von Wolfsberg bei Steine- 
kirch, seit dem 12. Jarhundert so 
genannt. 

FRATT adj. wund, aufgeriben. 
>Da ward er gar haisz weinen, 
dasz im die Zeher gedurkelt 
hatten seine Wang, dasz sie im 
fratt wurden.< cgm. 361 f. l\ 
> Wenn aber Kind f r ä d sein oder 
werden Ton Harn und Swaisz — 



so halt man's tmoken.« cgm. 601 
f. 112*. Frettig, >z1öschtes wead 
der wiat a fröttigs glidU 
Seh. 71. 

FRAÜLEIN, FARENDE, Hu- 
ren. »Er (der Henker) sol aooh 
aller varndenFraeulinphlae- 
gen, unde swas den bürgern aa 
den gebristet das toi er .richten.« 
Stdtr. f. 22^ »Er sol auch elHu 
yarnden Freulin üs der Stai 
triben, daz si tages oder nahies 
keine bösheit in der stat ton mit 
unchüsche, niwan das si ir lip- 
nar d&rinne kauffen.« a. a. O. 

FREI in folgendem Zusamen- 
hange(lAi^^obafi;lioh): >iiiid wenn 
i holkom hau-n-i düst und frei 
'n gsunda abbadith.> Seh. >NGi, 
noi, desz will i frei it liaa.c Sek 

FREIEN swY. für Freibank er- 
klaren. >Item die lehnbare Mea* 
gerbank gefreiet und gemmim 
Stat für eigen überlaszen wor- 
den.< Akt. 1602. 

FREIHEIT, allgem. in Augsb. ^ 
Drucken und hs. f&r Vagabun- 
den. Freiheits gesellen liefan- 
in die Wette um ein Barche 

Horm. 1834. 143. Freiheite— 

knaben, Freihirten häufig. ^-^ 
In Augsb. ward auch das LiBd^..i^^ 

vom Freihet gedruckt s. An- ' 

fang des XVI. Jarhds., 

Inhalt bekantlich G^enetand 

eines Fasnachtstuckes ist. 

FREIHOCm^EITEN in der Pol. 
0. 1735 S.21: »Und weilen auch 
bishero ein sonderbarer Misbraoeh 
mit denen Freihochzeiten ein* 
geriszen, ond hierin imer 



•— Fresen. 



167 



di8 andere übertreffen wollen, 
dftdnrch sich dann junge angende 
Eelentealsbaldin Sdinlden stecken 
und hemaehmalen den Wirt in 
langer Zeit nicht bezalen können, 
alt werden den von derGemeind 
erster CUuw oder dem dritten 
Stand zwar endlich noch die 
Wein- nnd Freihoohzeiten 
v«ntattet, den andern aber ganz- 
hdi abge8cha£Ft.€ 

FKEIUNG , locus asyli in A. 
anszgedent. »Daz cldster von St. 
Ulriche h4t daz reht, swaz ein 
man tat, der dar geflohen ku- 
aet, so sol er firide haben vnde 
m das elöster in gewalt ze be- 
khennedri tage.< Stdtr. >Swer 
a ein iegliche Kirchen gevloheiv 
knaet, nmbe swelhe schulde daz 
ist, der hat fride darinne.< — 
»Ein ieglioh biderber man hie ze 
Aaspnrch hat daz reht, ez sin 
eborherren, dienstmann oder bur- 
gaer^ swelh man in ir hüs ge- 
flohen knmt, daz si dem raten 
imd helfen< n. s. w. Die Frei- 
aagen in den Höfen des Bi- 
lehofee und der Kapitelsherm 
komen nrkdl. oft vor. > Abt G o s z- 
win von Thierheim hatd. 28. 
Weinmonats seine Kirche und 
Stift von der Gewalt und Juris- 
diktion aller Amptleüte in der 
Stadt, sonderlich. des Stadtvogts 
lad Bürgermeisters und der Ge- 
riehtsboten, wie auch der Waibel 
abgelöset und befreyet, da- 
lüber im a. 1267 ein versigelt 
Bri^ zugestellt worden, daher 
Mek die Freyaug im selbem 



Kloster iren ersten ürsprg. 
hat; Dietrich v. Both, sein 
Nachfolger ist der 1. gewesen, 
so die Uebelthater im Kloster als 
in einer Befreyung aufgehalten, 
nit lenger dann 8 Tag.< Gass. 
>Diu münze hat auch daz reht, 
swelh man entrinnet in die m u n z e 
oder vnder daz Dach vor der 
münze — der sol firide da hän.< 
Stadtrecht. 

FBESZ - in Zusamensezungen: 
Freszglocke, Mittagsstunde, 
pöbelhaft. Freszgoreu-Fresz- 
wolf, Yilfrasz. Freszgütlein. 
>Andere hatten Schlöszer und 
Lusthäuser auf dem Lande. Lez- 
tere, die meistens nur das Recht 
der Sölden oder Höfe hatten und 
dergleichen man in Göggingen, 
Immingen, Bobingen und vilen 
andern Dörfern findet, die nichts 
eintrugen, auf welchen esz aber 
oft lustig genug zugieng, nannte 
man Freszgütlen; sie haben 
iren Ursprung meistens in diesen 
Zeiten,« 16. Jarhd. Paul v. Stetten 
ErL S.lll. Conlinhat das Wortspil: 
»Soldaten, die lieber zu Fresz- 
burg als Preszburg in Garni- 
son ligen, verdienen nichts. < 

FRETTER, FRÖTTER in der 
Augsb. und Burg. Weber 0. die 
zwar gelernten aber des Hand- 
werks doch unfähigen Weber, auch 
Jesusmartyrer genannt. Die 
Burg. Weber 0. hat: >esz sollen 
auch allhier alle Stimpler und 
F r ö 1 1 e r bei dem Handwerk gänz- 
lich abgeschafft sein.« 

FREZENswv. neben Verfre- 



168 



FreudenflBiiwv •— Fridensfait 



zen: zur Fütterang verwenden. 
>So ist mit 8 alten Schwanen 
aucli den Jangen — dises Jar 

V e r f r e z t worden. < Mickh. Rech- 
nongen. 16. Jarh. »Mit den Rossen 

V er fr e z e n.< a. a. 0. >Ueber Mit- 
tag gefrezt« a. a. 0. Im Mem- 
minger Stadtr. lieiszt fretten 
swv. Vieh ausztreiben. 

FREÜDENFEUER in A. üb- 
lich. S. 511*. >An St. Gilgentag 
haben die Fürsten auf dem Frohn- 
hof ainFreudenf ener gemacht 
and sie selb darinn getanzet. < 
S. 526. £sz erinnert disz an die 
Simentsfeaer oder Sanwendfeaer. 
Grimm Wb. IV. 1417. Frenden- 
schüsze bei Hochzeiten and 
Taafen sind allgemein schwäbisch 
üblich. DaspBiiemminger Stadtrecht 
yerbietet die Freadenschüsze 
bei Hochzeiten. 

FREUNDSCHAFT wie allgem. 
oberdeatsch: Blatsverwandtschafb. 
S. gebraucht das Wort anzalige- 
mal. Eind und Fraindschaft, 
Vater and Freundschaft. Das 
Adject. freandhold = comis, 
benignus, humanus. cgm. 201 f. 
56* : >und ward nicht gesprochen 
fründhold, sunder grob und 
bewrisch.« f. 57*: Sunder daz 
sie sin fründhold und warhafb 
und offenbar.« Grimm Wb. IV, 185. 

FRICHT, das, (i) sing, neben 
dem ser üblichen diminitivum: 
das Frichtle. >'s Fricht< 
ntr. >'s Fricht ausz den Zä- 
nen,< >ausz den Augen< u. s. 
w. >Ma möcht ja falla schier 
ins Fricht.« Seh. Allgem. im 



Wertachtal bia hin g6g«a dmf 
obere DonantaL Esz bedeatei die 
Fraisen and koni im Benrkie 
Schwabmünehen ab amtlidur 
Aaszdruok vor. Ichbmlte en zu den 
beiden Worzehi f rih n. fria, die 
orspr. zucken, zosamenfuran be- 
deuten. 

FRIDBERG, die bayerisohe 
Stadt bei Aogsbarg, spilt in Aa. 
Geschichte eine grone 'Rolle. Daa 
Fridberger Tuch hatte itfiek- 
weise 24 EUen. cgm. 740 f. 18. 
Die Fridberger Pflegsgejaid- 
ten erscheinen in Akt t. 1872. 
In Yolktümlichen ReimMi k6mt 
das Fridberger Schk>n Tor. SMi 
WaszervogeL 

« FRIDBOT, der, mandätnm p»- 
cis. >Wann zwaien oder merem 
von Obrigkeit wegen ein Friden 
geschafft wird, wegen atritiiger 
Sachen , sollte unter ihnen ver- 
tragen werden, no hört der Frid- 
bote auf, esz m denn daas der 
Fridboth in den Vertrag ein- 
verleibt werde.« Ordg. 1647. 

FRIDENSFEST, Kinderfri- 
densfeet, ein Hauptfesttag des 
Jares far die ganze proteatan« 
tische Schuljugend in A. Am 
16. Aug. zur Erinnerung an den 
westphälischen Friden. P.v.Stet- 
ten, Erl. >An dem Tage, da die 
evangelischen Kinder — das Ge- 
dächtnis deswestph&lisohen 
Fridens feierten.« Dem yoran- 
ging am 8. August das grosie 
Fr idensfest zur Erinnerung an 
die Wiederwöffhung der prote- 
stantischen Schalen. Die Kin^tor 



rrOii •"• Frotiif. 



169 



«iHiheiiiMiieKleider und machen 
in^poMunt mit LerarA und Elltem 
]d€me Anssflüge. Dm Jar einmal: 
Da^FridenBfestw&re nicht be- 
gangen 
Wenn niolit dn Hfinlein nach Ver- 
langen 
An disem Tage wird Tenert. 
Aneh pflegt man jezt mit Schmak- 



Bee Jan einmal sich zu ergözen. 
Da aaeht man ausz das allerbest 
ZunalamKinderfriedensfest 
Baas man den Kindern macht ein 
Freud. 
FRON begegnete mir in f olgen- 
ien Zneameneesongmi: Fron- 
bote, ein biachöfl. Botenamt: 
«fe>verr er aberdoroh den Fron- 
poten persönlich nicht betreten, 
moU eine sollich fürpott zu sei- 
ner gewondlichen Behausung ge- 
■diehen.« Bischöfl. Straf 0. l^ 
Bekant ist der alte Fronhof 
lauf der Pfalz, Tumelplaz bei Bur- 
ger f eeten, Märkten, Fürstenspilen. 
Die von Augsburg durften, ob- 
^ol der F. Eigentum der Bischöfe, 
IT Yolk darauf yersameln , tur- 
Kiiaren, stechen oder andere ziem- 
Uehe Kurzweil, treiben. Nach 
Einern Vergleich Ton 1456. Der 
P. hieez auch schlechthin der 
Berrenhof. Frontage heiszen 
die Festtage in asket. Schriften 
man den Augsburg. Druckereien: 
»Das ist als yil gesprochen, wer 
aufwachet zu meinen F r n t a g e n 
'^md eret meine hl. emphahung.< 
^Die 7 Pforten. Fronwald, Ho*- 
venwaldyHeRBdialtswald: >inden 



Fron Wäldern soll man die 
hirsche suehen.< cgm. 289 f. 108^. 
Fronwismäder in der W&h- 
ringer Flur, üeber solche Orts- 
benennungen sieh Kehrein, Sam- 
lang. 13». 

FROSCH mitgedentem 5; sieh 
0. Bei Klimmach undBirkach ist 
der Froschbach s.g. wegen sei- 
ner ünzal von Fröschen, welche 
die Schwabecker fangen. Daher 
Froschbacher Feld. Frosch- 
bacher Aeckeru.s.w. Frosch- 
lache eine uralte Wirtschaft, 
emals bei St. Ulrich gelegen und 
bei Wallfarem und Augsb. Kir- 
chenbesuchern ser beliebt. Jezt ist 
sie in der Wintergasse. Frosch- 
lin heiszt im Feuerbuohe cgm. 
856 f. 173* ein Belagerungsgerüst. 
Frosch nennt man den Sattel- 
bogen bei der Violine. Red. A. 
in der Burgauer Gegend: >Der 
Frosch häts a maol probiert 
und ist mit samt da Hosa ins 
Wasser gsprunga« zu einem ge- 
sagt, der den Mut nicht hat etwas 
schnell auszzufuren. 

FRÜNÖRTEN, gentaculum. >f. 
eszen.i cgm. 685 f- 71*. 

FRÜT, FRÜOT adj. gesund, 
wacker, schön: >d6 sprach hin- 
wider ir tochter frut,< cgm. 402 
f. 71». Mhd. Wb. ni, 889. 

FRÜTIG, acer, strenuus, emng. 
>Ich hett mich das zu dir nit 
versechen, dasz du als f rutig 
werest, du ein Nacht zwai ver- 
mechtest,« sagt die Frau zu irem 
Manne , nachdem er einen aben- 



170 



Foolui ^ FfiNüfai. 



ieaerliohen Beisohlaf gehabt S. 
316. VrgL Mhd. Wb. IH, 890. 

FUCHS , ein Pelzwerk vom 
F Q oh 8 e : >Seiden grobgriener 
Jang^er mit Erbl und mit Fachs 
gefaetert.« < Seiden, Tobinener 
Ueberrock mit Erbel und 8 Sa- 
metinstrichen prambt and mit 
weissemFnchs gefietert «Fagg. 
InV. In A. gab eaz einen Fachs- 
winkel. Fuchsbrett: »laszt 
uns diesen Habemarren nochmer 
transchieren und über das Fuchs- 
brett ziehen, beschauen was jme 
koste die Dienstbarkeit der Welt.< 
H. S. Fuchsschweif. >So 
lange der Musikant, der Prediger 
auf der Kanzel in 6 moUi singt, 
so lang er nur die Oren kizelt, 
das parebo domino singet, nicht 
eingreiffet, sondern den Fuchs- 
schweiff brauchet: ach das ist 
eine liebliche Musik !< H. S. 

>BlaBZ gefuxter Ballach.c 
Hart. Iny. (fuchsfarbig). 

FüCHTIGadj.nichtguter Laune, 
wol von Bayern eingebürgert: 
»warum bigt denn so fuchtig 
woara?« Seh. 

FUDER im Augsb. Stdtr. >Von 
jeglichem fueder salzes einen 
phennich.4 f 6^ >f ueder wins«. 
a. a. 0. >frenki8ch fuder.« f. 
16*. »von dem welschen fue- 
der.« f. 17». 

FÜEGEN, sich, swv. >Wann es 
ihnen gefüegte, wann es inen 
fuegt.< UrkdL 

FU66ER. Red. A. »esz machen 
wie 's Fuggers Hund.« SchmelL 
I, 616. 



FUGGEBN twv. tMuehmi wbü 
kleinen Gegenständen wie Kinder 
tun; ganz Wirtemb. HaueL 1, 829. 
Im Aargau bedeutet eei steieji; 
Fugger, Kaufmann , Betrüger. 
Die Fuggerei, das Fagger- 
gässle in A. 

FÜLLUNG in der A. Bau a 
häufig: auch nhd. >Satsloeber, 
Pfeiler,Bogen, F üllu ngen,Wand- 
kä8tlen.< 

FÜLLWEIN: »und uff ain je- 
des Fasz 2 Masz Filwein ab- 
zogen. < ogm. 96 f. 1^. 

FÜRBREGHEN stv. erumpere. 
»Sobald die Papisten obgedaeh- 
tes kaiserliche AnsESchreiben sa 
Händen gebracht, ist der Eifer 
bei jnen dermaszen alspald für« 
gebrochen.< Dr. G. Müller. 

FÜRBINDIG, praecipue. >Dia 
Spanier sind auch für bündig 
gut Schützen mit langen Bap- 
pieren.< Elucid. 1648. 

FÜREN swv. sattigen, >'sf nret«, 
sattigt, besonders von guten, fet- 
ten Speisen gebraueht. »Wann 
wer sein Knecht zärtlich für et, 
der macht ihn ungehorsam.« ogm. 
402 f.93^ fuerig adj. sättigend. 

FÜRERIN. Esz gab in A. 8 
Hebammenklassen, 1) die vier 
Lernenden, 2) die 9 besoldeten gft* 
schworenenHebammen, 8) die 4Fü- 
rerinnen, wozu ausz vorgemel- 
deter 2. Klasse die geschicktesten 
und erfarensten von den Herren 
Doktoren und Obfrauen dem 
löblichen Bauamt zur Anname 
nach Gutbefinden vorgeschlagen 
wurden: 2 katholische im4 .2 



Pürfiuigf-^ Furt 



171 



protestaatisdie. Bei inen prak- 
tisirien die Lernenden. Die 
iliaete Für er in im Amte be- 
■orgte die einlaufenden Geschäfte. 
Angab. Hebamm. 0.1760. König- 
ffirer aieh E. 

FÜRFANG, praeoccupatio. >Von 
liner jeden Person, über welche 
man öffentlich Malefiz tut halten, 
muaz der Kläger zum Fürgang 
oder Fürfang dem Reichsvogt 
geben 10 Taler.< Ordnungen v. 
1647. Das Stdtr. f. 86^ ȟnde 
mit auch wizzen waz der Für- 
Tanch ist anieglichemvihe: von 
dem rosse drizzig phenninge« 
1. e. w. »Wer aber ob daz selb 
nifecht vertig guot in disem ge- 
ncht ieman mer verbieten weit, 
der mag das vol tuen, ob ez dem 
ünen klägel üsz gieng, daz es 
denn dem andern behaft sie ze 
bereehtent, vnd der jeglicher sol 
den für gang yergewissen, alz 
niniger der ist vnd in der wise, 
ak vor geschriben stat.« Mem- 
minger Stdtr. S. 250, 251. Vrgl. 
Schmid 210 der noch 2 and. St. 
des Buchs anf&rt. »Es ist auch 
recht, wer schädlich lüt hie facht 
oder her jn das gericht antwürt, 
der toi auch den Für fang ver- 
gewissen mit Mannen zwaintzig 
pliind haUer.« a. a. S. 252. 

Gen. furvanges. f. 86*. Stdtr. 

FÜRFANE, FUtterstat. 

FÜRGEN, den ersten Ausz- 
gang nach dem Wochenbette 
machen; ich erinnere an das nie- 
deneliwihiMbe fürerkomma, 



schwanger werden von ledigen 
Weibspersonen. 

FÜR6ÄNG, praecipuus. >Der 
in dem Goldschmid und Maler- 
werke fast für gang und künst- 
lich ist.« Brief Peutingers 1509. 
PubL des h. Y. 15. 16. S. 51. 
Anmrkg. 7. 

FÜRGNEST, fürnischig adj. 
vorwizig, firnieschin den Sta u- 
den. >Du bijt nu seil so vür- 
gneast gwea.« Seh. «Dennlueg, 
siesind garvürgneas cht dunt.< 
Seh. >Aber sein unnütze fürni- 
sch e stolze Hoffnung hat in ver- 
fiert.< Publ. d. bist. V. 13. 14. 
S. 49. bair: fargneiszt 

FÜRPASZEN swv. auflauem: 
> weilen er, Hans Widmann, für- 
g e b a 8 z t und geschlagen.« Mickh. 
Strafbch. 18 Jh. 
FÜRSAMB , Harter Fluchname. 
FÜRSPANGEN, Frauensohmuck. 
Hanfig in A. Urkdn. >Seneka, 
spricht er, hab erkant einen weisen 
gelerten Mann, der mit fleisziger 
Lieb also gefangen was, dasz er 
an seiner Brust hieng einer Frauen 
Für Spangen.« cgm. 601 f. 6*. 

FÜRSTÜMPF adj. vorne stumpf, 
gebogen. > Schlugen im ein für- 
st u m p fe n nagel durch die band, 
der was vast dick.< cgm 138 f. 
124». Die bayer. Codd. haben da- 
für imer pulwächsin. 

FÜRT hat sich in Schwaben 
noch da und dort erhalten. In 
der Wilmatshofer Dorf 0. komt 
eine Granizfurt vor. Im Gilt- 
buche V. St. Ulrich f 48*: eine 
Wagenfurt nnd Fisohwaszer 



173 



FttrtriU^ti|f •-* 0. 



Anszerang^b. ist Dietfurt bei 
Sigmar. Ottenfurt in der Baar; 
Nekarfnrt bei Boihingen; im 
Furt neben Furtgraben bei 
Waldsee; Langenfnrter, Wolf- 
egger Wald. 

FÜRTRÄCHTIG adj. ? bedacht. 
>ünd darin soll die Besecberin 
fürtftchtg sein, den Kindern zu 
reichen, was jme Not ist und zu 
benennen, was sie betrübt.« cgm. 
601 f. 98». 

FÜRTÜCHER, leinwatene, oft 
in d. Fugg. Inv. 

FUSZ in Weidenfnsz, ein 
Masz sieh W, >Mit dem Faesz 



stoszen,« eine rechitaHertflm- 
liche Sitte in A. Ein Yomconer 
Avgsborger bat bei Einname 
der Borgerstener Geld nntereobla* 
gen und Gass. erwänt, dau er 
am Eck des Perlaoher Flazee sei 
bei Fackelschein hingerichtet wor- 
den neben dem durchlöcher- 
ten Block, wo die armen Sün- 
der einstens yerwaret wurden und 
wo heutiges Tages sie allein 
mit dem Fusz hinstoszen 
müszen. 

FÜTTERN swv. >DenRörka8ten 
am Brunnen ausfüttern.« Miok- 
haus. Rechgen. 1567. 



G 



1) Gotisches G ist schwäbisch 
wieder G. Im Anlaute: gaggs: 
(}ang, gib an: geben, giutan: 
gieszen, gultheins: guldig, gol- 
dig. Im Inlaute : m a g a n : mögen, 
amare, ligan: ligen, augo- 
na: Auga. Im Auszlaute: vig: 
Weag, veg: W&g,Waog, gurges, 
dags: Dag. Aber hier musz 
man bemerken,' dasz diso ausz- 
lautenden G, wenn sie gleich 
harter auszgesprochen werden, 
als im Bayerischen und Ober- 
pfölzischen, stets von einemHauche 
begleitet sind und damit gleich 
gh werden; einem feinen Ore 
wird nicht entgen, dasz Dag, 
Fraog (Mg), Drogu. s.w. hin- 



ter dem g noch einen leisen Hauch 
vememen laszen. Esz scheint, in 
dem Volke ligt noch eine Anung, 
dasz einst das Wort mit dem g 
noch nicht zu Ende war. Sowie 
aber ein Zusaz hinzukomt, und 
esz inlautend macht , wird esi^ 
wieder zu einem g, wie fraoga, 
daga (elucescere),Drögleu.8,w. 

lieber die in Schwaben ver- 
schiedene Auszprache des Wortes 
Gunkel: Kunkel; Gamillen: Ka- 
millen; Golschen: Kölsch u. b. w. 
und änliche fremde Wörter, in 
deren Schreibung schon frühe g 
erscheint, sieh K. Weinhold 
Gramm. § 211. 

2) Augsburgische Denkmiler 



o. 



178 



MEoa g för j im Anlaute: Gen- 
ner: Jänner. Cgm. 480 f. 1. cgm. 
736 f. 5* und andere. Das Volk 
keni eaz nicht mer. In der Ober- 
pfalz iat anlautendes j imer g. 
Ell wäre sonderbar, wenn got. 
j mar zu g sich geneigt hätte, 
wärend heute der Gaiunenlaut 
g in mandien Mundarten zu j 
wird. Seher gehört, dasz in vilen 
Wörtern , wo inlautend got. t j 
Stande, z gerscheint, sei esz dasz 
-atj oder -itj oder -utj zu 
Grunde ligt: yerlechzgenCfla- 
ha^an), verhizgen (fhitjan), 
blizgen(tblitjan)Sbst.Blizger, 
j US ge n (tjuha^an), wie ä c h z g e n 
zu ahatjan; subst. Aechzger. 
Daran reihen sich Wörter mit g 
denen kein j zu Grunde ligt, fer- 
ner Yerba, die sich villeicht auf 
ableitendes -igon zurückfuhren 
laszen; endlich solche in denen 
ch vor z als g hinter z auftritt 
und znlezt gar ganz unberech- 
tigte g hinter z, s, st, seh. £ei- 
ipile: saifzga, swv. seufzen; 
Saifsger. G or zga, gorgsen, vo- 
mere Tom Naturlaut. Bluzger 
aehB. Pfüzga, pfuchzen;pfüz- 
ger, Schrai; Brezge sieh B. 
Lezg und Leczg von lectio. 
Mezger neb.Meg8er;schmaz- 
gen, Schmazger laut küszen; 
beffzgen, Beffzgerle^, bellen. 
Beller, yon kL Hunden, kraunz- 
ga, Y. gefrorenen Schnee; L ef z g e 
(lebse urkdl.) Idppe. Wefzge, 
Wespen; Stefzg, Stift, Bleistift, 
in der Confirm. Eempt. komt ein 
Flam. >im Staiffzgen< vor. 



Ganzger, Gänserich (Weissen- 
hom) und Gagzer (Burgau) in 
Rottenb. Gänzger, wenn nicht 
g organisch und zu ger stet wie 
in Breyger u. s. w. Hieran 
reihet sich g nach seh , st , s : 
gloschgen, glosten, Wetsch- 
gersiehW. pflatschgen, pfat- 
schen, pflatschen ;hinterfür8ch- 
ge, oder hinterschgefür: hin- 
ter für sich. Binsgen', Binsen. 
Strasze. Riesz. Allgeni. Yrgl. Wein- 
hold, Gramm. § 260. 

üebergang des j in g im In- 
und Auszlaute ist schwäbisch- 
augsburgischen Denkmälern vil- 
fach eigen; allgemein wird das 
Gesez gegen die Alamannische 
Gränze hin. Yigilg (yigilia, V. 
singen). S. 182^ Gilg, St. franz. 
Gilles, Egydius; Lilg, Lilie; ro- 
ter Gilg, gelber Gilg, weiszer 
Gilg, heraldisch, cgm. 92. St. 
Otilgenaltar, cgm. 480. St. 
Ottilg ist mundartlich überall 
üblich. Aquilegien bei Gass« 
kniegeln, knien. Oft erscheint 
beides, i und g: Leigen, Laige, 
Laie, Maige, Maigenanken 
sieh A. Wichtiger ist die Er- 
scheinung des g für i in den Verb. 
8aian,serere,tuaian,t draian 
u. s. w. Garten sogen cgm. 736 
f. 7^. negen f. 9^ >übernegt 
mit rutten. « cgm. 436 f. 5^*. s i g e 
sei, dregen, drehen in den We- 
berakten. Auch nicht einmal nach 
langen Vocalen wie imMhd. hält 
sich j , sondern get zu g über. 
Mhd. bruej en, aqua fervida pro- 
fundere heisztbrüegen, brüeg^ 



174 



e. 



ter Daig. Idi erinnere an daa 
niederaeliw. Briegt, abgebrohtea 
kleinetyiehfiitter,Btatt: Brüheta. 
Brüge, tegnng. Brühe, Daü- 
nng. Aatr. >Belial schrygt dem 
Salomo zo.« cgm. 345 £. 630. 
>8chirgafciiraaf.< Füacen. VgL 
Rumpelt, Gramm. § 138. S. 26a 

8) ümgekert wird g so i and 
diaz ser häufig: Maid, Maidle, 
niederschwi^. Madie, aosz Ma- 
gedle? Dand>en komt fralich 
landschaftlich Kindsmaddh vor. 
Maidbarg, allgem. and in dem 
Aogsb. cgm. 736 f. 71\ Gejaid, 
'■ wild 6ejaid< allg^em. in den 
Standen, ürkdl bei S. Gejaid 
462. Gejaider 1670. Pflegs- 
gejaider rieh s. v. Fridberg. 
>Traid a. Korn«. S.117V Wenn 
man nmgekert nicht lieber an- 
nemen will, dase, wie oft, auch 
hier g einfach aoszgestoszen ward 
oder daaz ai gar schon arsprüng- 
lich in der Volkssprache Torhan- 
den gewesen sein mag neben dem 
schriftlichen -agi, -egL Vergl. 
mein Wbl. 32. 2. Gramm. I, 3. 107. 
Rampelt 252. 2. Schleicher, Sprache 
158. Hahn, mhd. Gramm. 37. 
SchmelL Gramm. § 470. 

4) Ebenfalls einen Aoszfall des 
in- and aaszlaatenden g haben 
wir im Schwabisch- Angab. , dem 
schon Beispile im Mhd. Yorausz- 
gen. Bei Tag tritt dise Erschein- 
ung am häufigsten auf; schon 
mhd. tälang. Gallata (St.Gal- 
lustag) sorgada (g), tra (gen), 
tröt(tragt)Sch.;8chlöt(schlagt), 
glea (ga), »imDreokdinnglea.< 



SdL gnnl (g) n.a.w. Inllieder- 
•diwaben onbdnnl Bajem wird 
wol nicht ona EinAuB auf die 
WeaÜechleate hierin geUieben 
aein. Die alten Formen Z wt, Z wei 
(Zweig) haben nA m Angaborg. 
Sdirifteneriialten: »grlnee swei< 
cgm. 601 £ 91\ >ain awye Ton 
dem bomt. cgm. 207 £57* »atoA 
das swye m atmem kdptem.« 
a. a. 0. >er staeki das swye in 
das grab.c a. a. O. ölswye f. 
92^. uralter AoasfiUl des g in 
Anapnrg »disinstat Anspurgc, 
»phond A aap arger« im Stdtr. 
and Manuale ISIS üfter. Aere- 
sing, Eresing lieissi «rkndL 
Argesingen , Ergisingen. 
Schmarensell nrkdL Sckmegin- 
celle, Schmerginoelle. Hel- 
renbach:HeigirnbiiclL Honsal: 
Honsolgen 1310. Predien, 
morne, mornena mit ann- 
gestossenem g. YrgL ' WeinkoU 
§ 212. SchmelL Gramm. § 47& 
479. 

5) Berechtigtes (altes) g hat 
rieh im Angab. Schwäbischen er^ 
halten in Schweglpfeifer, nie- 
derschwb. Sehweabelpfeifer; 
in Schwigbogen in A. sonst 
Schwibbogen,ja8ogar6ckmid- 
bogen S. 283». SchmelL m, 62S. 
Boigel, Raygel cgm. 812, hat 
sein g noch; esz masa einem al- 
ten Raigari entspredien; wire 
orspr. h, wie die nhd. Schrefllh 
weise vermaten- Hesse, da gewe- 
sen, so lantete das Wort jeit 
schwäbisch Aagsbargisck Begel 
(Strasse), Be agel(8toiideiiX ^»^ 



Q -^ Gftbisch. 



175 



gel niedenohwftb., wo ess aber 
RlkOgel heisst. Ayger, Astr. 
beruht auf altem Nom. sing, aigis 
noch jezt bayer. >a 'n ar< ein £i. 
Dingten in Web. Akt. furnrspr. 
g:tingere,tinotiira. Ursprünglich 
and nicht eingeschoben ist g in 
den heute noch üblichen Super- 
ktiyen: «'unter gist, z'ober- 
gist, z'hintergist u. s. w. ne- 
ben mündlichen und urkund- 
lichem z'untergost^z'obergost, 
diint ergost, z'niedergost, 
s'mittlergost, z'yordergost 
a. •. w. zu den Positiven unterig, 
obersg, niederig, hinterig, vor- 
derig VL 8. w. stend, wohin auch 
das ming, ding, sing für 
meinig, deinig, seinig im Aligau 
gehdrt, wo die Tiroler sagender 
deinig Yater für dein Vater 
«. 8. w. 

uralt sind die allgem. nieder- 
schwib. und zerstreut augsburg. 
adiwäbisch Superlative : g r a i g s t, 
maig§t neben haig§t; jene 2 
entsprechen einem f grahista, 
mahiata, was schon im Gotischen 
nicht mer da ist. 

6) üeber den uralten Wechsel 
▼on h und g sieh H. Die Schreib- 
ung gg für k und g fürk siehK. 

7) G erscheint in Spei gel, für 
lUgem. schwftb. Speidel, Kefl 
I. HolzkUeben , Sigel für SideL 
AUgftu, >Sigelrahe<. Appa- 
digh, Appetit. OJegeslet eu- 
[diflmist. für ö Jesusle! Ueber 
die Rieszer Mundart, n einzu- 
•ehieben vor g am£nde, sieh N. 
Ueber den Wechsel von T und G 



in der Kindersprache: tlanz, 
Glanz; tlauben, glauben u. s. w. 
an einem and. Orte. 

8) Die Auszlaszung des gewon- 
ten Vorschlag g in brunga, 
braocht, geaba, gesza, daü 
(getan) troff a, Zifer, Traid, 
Kr ÖS ist allgem. schwäbisch. S. 
schreibt stets: mitausztrukten 
Worten. f. 458^ ff. zusamenkert 
cgm. 92. Christi purd (Geburt) 
f. 25*. an unser fr4en purd f. 28*». 
bornf. 292. Das Str. hathoeren 
und geh o er en (zugehören). Vgl. 
Schmell. Gramm. § 485 ff. Mein 
WbL 32. 3. 

GAB adj. landläufig von Mün- 
zen. VrgLnhd. >gang und gäb<. 
>5 Pfund gab er Augsburger 
Pfennige.« Urkd. 1328. Ahd. ist 
käpi: acceptus. »Wer aber daz 
Silber so gaebe waere, daz.< 
Stdtreoht. 

GABELN swv. > Weilen sie hin- 
zugesprungen , mit den Händen 
im Geeicht herumb gegabelt, 
so habe er sie mit den Händen 
zurückgestoszen.« Mickh. Strafb. 
1772. Gabelmänner, Gebelen- 
Mann, Geblen Mann heiszen 
bei den Prozessionen die den Fa- 
nenträger durch Beihilfe mit Ga- 
beln unterstüzen musten. Schu- 
sterbruderschaft-Buch 1718. Ga- 
belreiterinb. Gonlin, spöttisch, 
für Sympathie treibende Weiber, 
Hexen. Ebenso Gabelfarerin. 

GÄBEB, Gabriel; ein Mezger 
Stichelname. A. 

GÄBISGH, link, dumm, ver- 
kert. >Gäbisch ist schwäbisch 



176 



Oadceleüioh «— Gaggen. 



und g^bisch ist g^bisch.« Lech- 
leaie. 

6AGKELEIISCH a^j. buntfar- 
big, wie >g8checkot<. 

GÄCEER, 6A6KEB für Ge- 
äcker, das, die Eichel- und 
Buchenkem-Mast in den Wäl- 
dern. Mickh. Rechnungen von 
16.— 18. Jarhd. haben: >Um Ge- 
äckher oder Winterwaid uff den 
hölzern.« 1569. >£innemen umb 
Gagker oder Winterwaid auf 
den Hölzern < >Item einer Ge- 
maindt zuAnnriedt ist das Gag- 
ker oder Winterwaid auf der 
Herrschaft Hölzern, so weit sie 
Trieb und Tratt haben, verkauft 
worden.< 1667. Die Form Ge- 
ackerich V. 1696. Schmell. 1, 25. 
Auf dem Hertfelde heute noch 
üblich. 

GAD£N, das und der, 1) Kauf- 
laden ; im Stdtr. häufig, besonders 
Web er kauf laden: »bringetein 
burger gewant her, der weder ze 
gademe noch kelr stat.« f. 12^ 
»daz niemen kain gewant sniden 
sol wan der ze gademe oderze 
offem kelr stät.« f. 12^ Kra- 
merkaufladen: »alle mezgere 
unde alle Krämer die ze ga- 
dem stänt.< f. 13*. Der plur. 
gädmer erscheint im Stdtr. ne- 
ben >kelren, chrämen, tischen 
f.47^Gloss. >KelroderGädmer€ 
Yerkaufsgewölbe. f 63^. Glosse. 
Dazu gehört Gadenmann, >kein 
mezger, kein G., kein üfleger.« 
f. 14^ 2) Zimmer, Gemach 
überhaupt: > darnach gienger ze 
sinemgaden.« St Ulrich's Leben 



V. Albertus. Schon frükar. «li 
in Boden, Faden scheint ix 
Augsb. Schriftwerken m mit i 
getauscht zu habmL In manchei 
Teilen Schwabens hat sich dai 
Wort ganz verloren: in der mit 
lern Nekargegend kan ich mid 
nur an >WeabgSta< erinnen 
eine volktümliche Anlenung ai 
Garten, weil Gadenonverst&iid 
lieh ward. In der Angab» Land 
Schaft blüt Gaden nnd Gadaa 
noch überall. Zuaamensesungei 
wie spisgaden sogar spiagar 
den sind nicht selten. Blmit 
Lagb. Th. ParaoeLras heiast d» 
Baderstabe: Schergaden. ID 
f. 48. 3) ImKlimmacherFkedigl 
buch stet: >Besteige den untet 
sten Gaden des hL EreoiM|t. 
S.21. In diesem Sinne von St ooli 
werkist Gadem noch allarwiz:! 
im Augsburgischen üblidi« Di 
Bau Ö. hat >Gademgran4< « 
Boden u. s. w. 

GÄGEBN swv. vil schwasen 
Gägerer: Vilschwäzer, nur voi 
Manne; das Weib schn&ddre 
und ist eine Schnäddere. 

GAGGELSACK? Im Kleidei 
büchlein S. 14 stet: 
Vertrau wisz wem: 
Das ratt ich Dir! 
Denn der Welt Gagglsaok li^ 

vor dir. 
Das Gackel, cimex grisena, gram 
Wanze, stinkend, bei Schm. I 
13 wird wol nicht herbeigeaoge 
werden dürfen. 

GAGGEN swv. stottern vo 
dem Gaggen oder Gagsen di 



G&ggen — Galgen. 



177 



Hennen faergenomen. In Günz- 
^^lOTg: gaggelo; Sbst. Gag- 
goler. 

GÄGGEN 8¥r?. eszen wie Kin- 
der, welche die Speisen verschleu- 
dem, sieh oben drielen. >Du 
fl^&ggi§t du wilde Saal« Stau- 
den. Besonders wird esz beim 
Obszteszen gesagt. 

GAISZ, die, in Znsamensezongen 
als Flurname nicht selten : G a i s z- 
berg, 1) Fischacher Markung; 
2) bei Hart; spr. Goischberg; 
8) Goiszeler, Waldberg. Eine 
kleine fruchtbare Hochebene, eine 
Art Bergrücken bei Günzburg 
heiszt »uff 'm Goiszlec. Gaisz- 
bockgässle; am mittleren Lech 
lät. A. 499 ist ein Gaiszbock 
angebracht am Hause, eine Art 
Warzeichen; dabei stet: 
Ich Ziegenbock ein Mann derGaisz 
Trag Homer grosz, die ich wol 

weisz, 
Du siehst mich an und spottest 

mein: 
Sieh nur dich an, so grosz sein 
dein. 1815. 

Auf dem Hertfelde heiszt esz 
von einem der keine Gegenliebe 
findet: >ungeliebt sterben 
wie Gaiszbock.« Ein Spottlied 
auf die Schneider in Günzburg 
heiszt: 

Schneider, Schneider brenn de nett 
Die Supp ist hoisz, 
Schneider nimm deine N&del in 

d' Hand 
Und spring auf d' Goisz. 

In Behlingen lautet ein Haus- 
Stidielreim: 



Reiter goisz 
Mach d' Suppa hoisz 
Schütt's über da Disch 
Mach Leaberwügt. 
Habergaisz heiszt in Mindelh. 
der Wachtelkönig, in Günzburg 
Schneiderstichelname. G a i s z k u- 
geln sieh >die Buzenberchtc 
im Anhange. Das adj. gaissin 
komt in den Augsb. Kalendern 
des 15. Jarhd. oft vor: »brottüs 
gaissin er und schafiner milch 
nüchtern eszen. c »Gefügel und 
gaissin und schäffin ist gesund 
zueszend.« Astr. f 10^ IP. Vgl. 
schäfin, schäfis Fleisch noch 
im Zusamtal. 

GAISZELMEIEB nach S. Üb*' 
ein alter Bäckerspizname in A. 

GAISZELSTAB stm. Gaiszel- 
stecken, Im Mickhaus. Strafbuch 
von 1605 wird einer um 5fl. ge- 
straft, weil er »auf einen andern 
mit dem G. geschlagen«. 

GALGEN für Galagan, das. 
>S6 snide Galgen in den mund 
und schluck die spaichelen.« Astr. 
29^ Bei K. von Megenb. stm. u. 
St. f Sieh Pfeiffer's Germ. 1863. 
S. 301. 

GALGEN, der. »Es ist hie ein 
gewonhait, wenn ain Bischof von 
Augsburg fürstlich ist eingeritten, 
dasz man darnach den Galgen 
abräumet und die todten Gör- 
pel begrabt; das ist ytz auch be- 
schechen am 18. Februari und 
sind gefunden worden 230 Häup- 
ter.« S. 192^ Das Lebendig- 
begraben unter dem Galgen 
kam in Augsburg öfters vor. 
12 



178 



Gallatag — Gallus. 



>A. 1427 wurde Peter von Hall, 
ein £[ramer, Notzüchtigung hal- 
ber, auf des Stadtvogts urteil un- 
ter dem Galgen lebendig be- 
grab en.< >A. 1505 wurden eine 
Köchin und ein Mägdlein wegen 
Mords beim Galgen lebendig 
begraben.< >A. 1436 wurde 
eine Frau, so ein altes Weib un- 
der der Christnacht - Frühmesse 
erstochen, lebendig beim G. 
begraben< u. s.w. Gass. Feld- 
und Flurnamen mit Galgen zu- 
samengesezt sind überall zu fin- 
den. Das Galgen feld bei A. 
wurde gerne zu Truppenmuster- 
ungen und Exercitien benüzt. 
Gass. Eine Galgenwis erscheint 
im Giltbuche cgm. 154 f. 44*. 
Galgenholz bei Günzburg. Gal- 
genfrist, allgem. Galgenreue: 
>das ist ein G. sprach zu jme der 
Tod.€ Lied v. Tod und jungen 
Mann. Augsb. b. Modhardt. Im 
H. S.: >die Welt, diesen verrie- 
benen Galgenvogel verjagen.< 
Galgennllze, allgem. In Bocks- 
berg trägt folgender Ruf : »Hell- 
auf! an Galgen nauf!« Prügel 
ein. So riefen 7 Verbrecher von 
Bocksbg., als man sie hinauszfürte. 
Ortsstichelei. Red.A. der ist bi- 
scher als Galgenholz. A. Mein 
Wbl.32. Galgenstrick imKin- 
derreime (Stauden) : 
»Vögele, Vögele wick, wick, wick. 
Um 'n Kreuzer Galga strick 
Und um 'n Kreuzer Bändel dra 
Dasz i mel Vögele hänka ka.c 
Du Galgenstrick! Schelte. 
GALLATAG, eigentUoh Gala- 



vom arabisch-romanischen gala, 
gale (Ghali) Schmuck, Pracht. 
Weig. I, 884. In den alten Augsb. 
Hofkalendem sind esz Festtage 
des Jares zu Eren der Verwand- 
ten, Schwestern u s. w. Sr. fürstl. 
Durchlaucht, des hochw. Bischofs 
> Andachten und Gallatag im 
Homung«. »Den 6. Februar ist 
G^allatag wegen dem hohen Ge- 
burtstag Ihrer hochfurstlichen 
Durchlaucht, Frauen Schwester, < 
>Diesen Monat ist kein Galla- 
tag.« Kirch, u. Hofkai. 1751. 

GALLUS , St. Die nahen Be- 
ziehungen Augsburgs zu St. G. 
St. Otmar bezeugt das uralte jezt 
abgebrochene Galluskirchl ein, 
mit seinen halbmytischen Bildern; 
das Gallusbergle ondGallns- 
pläzle; sowie das St. Otmars- 
gässle. DerSt. Gallentag war 
von besonderer Bedeutung im 
Augsburger reichsstadtischen Le- 
ben: > da pfleget man allwegen 
Huren nnd Buben aus der 
Stadt zu gebietten.€ A. 1470 ward 
»dem bösen Gesindtlein, als Huren 
— welche die Michaelis- oder 
Herbstkirchweihe überall allhye 
sein durften — die Statt räu- 
men durch den Waibel gebotten 
und solches ward von AlterZeit 
hero alle Jar gehräuchlich 
gewesen; aber damals innerhalb 
10 Jaren nicht beschechen.« Gass. 
Nach S. f. 287^ hat »ain rat hye 
beschloszen, dasz von Eren wegen 
hinfüro St. G a 1 1 e n t a g nit mS die 
Statt sol öffentlich werden ver- 
botten und ausgerieffb.€ Si. Gal- 



Galonen — Gängelwagen. 



179 



las tag war auch für die Weber 
von Bedentong: > die Ziechen soll 
man allweg aufhören zu St. Gal- 
lentag zu würokhen und nit 
mderrichten bis uff den obersten 
Abent daran nichts würkhen, allein 
yer8chlahen.c Web. (0. v. 1549. 
An St. Gallentag trugen die 
Stadtdiener lange Gerten durch 
alle Gassen mit dem r i c h 1 8 a m e rn 
Regster und forderten jeden bei 
Eidespflicht auf, seine Steuern 
>paar zu erlegten«, a. 1399. Chro- 
niken. Bed. A.: >Diesen Mägd- 
lein ist es aber in ihrer Ehe übel 
ergangen, denn sie muste erfa- 
ren, dasz sie einen Mann bekomen, 
dar beschaffen war wie St. G al- 
ias t a g im Bauemkalender : dort 
iit ein brumender Bär gema- 
let« Gonlin. 

GALONEN, die, Tressen. Wei- 
gand Wb. I, 387. »Auf Kleyder 
und Mäntel güldene, silberne oder 
seydene Spiz, Borten, Schnüren, 
Schlingen undGalonen.< Kleid. 
0. 1668. »Satteldecken mit einer 
lilbemen Galonen.« a. a. 0.« 

GAMEL, die, 1) eine junge ar- 
beitsscheue, 2) eine grosze sich 
kindisch gebarende Weibsperson, 
Angsb. Biesz, 3) eine dazu übel 
beleumundete Weibsperson. Günzb. 

GÄMELIGH adj. froh, hüpfend, 
freudig aufspringend. >Under den 
waren schwarz Affen, die gaben 
den Leuten g^ gämelich Yor- 
>piL< HimmL Braut. In Nieder- 
idiwaben kenne ich das Adj. als 
Tom jungen mutigen Rosse ge- 



braucht. In der Bedeutung yon 
geil im TN. 6246 ff. 
Seoht da hebt sich denn ein kib 
Under siuer Kutten witt 
Gar ein gemelichen strit, 
Yom Prediger beim Anblicke einer 
schamlosz angekleideten Weibs- 
person. Ahd. gaman, Freude; 
Adj. gamenlich und gemmen- 
lich. Gudrun 466, 4. Der Stamm 
wird gam- sein, der auch dem 
gampen u. s. w. zu Grunde ligt. 

GÄMPISCH adj. agilis; beson- 
ders wild springend von Pferden. 
>a g. Hengst.« Günzburg. 

GANG, der Vor- und Nach- 
gang in der Kirche, bei Pro- 
zeszionen : >sovil aber die Fraven- 
personen betrift, ist des Vor- und 
Nachganges halber betheding^ 
und verglichen worden, dasz bei 
den Kirchgängen am ersten und 
zum fodersten die Junkfrauen fol- 
gen.« cgm. 1681. i)ie bedeck- 
ten und unbedeckten Gäng- 
lein in Augsburg spilen in den 
Chroniken eine nicht unbeachtens- 
werte Bolle. Gang weg hiesz 
edem Fuszweg. Gangsteig: 
»dein Wort o Herr ist ein Lucern 
für meine Tritt und ein Liecht 
für meine Gangsteig.« Ehren- 
fest 1699. S. 47. Gangsteig, 
Harter Flum. Inv. 

GÄNGEL WAGEN, der, eine Art 
Warzeichen inA. Am obem Gra- 
ben Lit. G. 314 ist ein alter Mann 
im Gängelwagen abgemalt; da- 
bei stet: 

Mein Kind ich lerne noch 
Doch lehr ich dich zufrleich, 
12* 



180 



Gans — Garn. 



Wie man so recht wandern soll 
Geschickt zum Himmelreich. 

GANS, in den Stauden: Graus 
u. Gaus er er, Gänserich, Gongs, 
Allgäu, was auf ä schlieszen läszt; 
änlich ist sauft in Ulm (sanft), 
wenn nicht falsche Yolksmytologie 
dahinder steckt. Die Landschaft, 
die Gaus spricht, sagt im plur. 
Geis; die andern Schwab. Ges. 
cgm. 650 f. 35^ hat anser gangs, 
ansela gengslin; klingt fast 
alamanisch. C o n 1 i n : > Anjezo 
tauget das gebratene Kitzel des 
groszen Isaacs nur auf ein Bauern- 
hochzeit , der Zeiten nennt man 
es nur ein sauberes tractament, 
wann es wild hergehet — und 
schnadert man nicht lieber als 
bei gebratenen Hagelgänsen, 
Trapp gänseUjLeffelgänsen, 
Schneegänsen, Me er gänsen, 
Kropfgänsen u. s. w. Gans- 
graischle dim. was bayerisch 
Gansjung, sonst Ganspfeffer 
heiszt, vgl. Entengraischl e. 
Esz soll edem in A. auch Gans- 
gschrai gelautet haben. Gänse 
komen in einer ürkd. 1456 als 
Brückenzoll vor. > Wegen des 
Bruckzolls dafür man Gänse ge- 
ben hat.« Beim Wasserturm in 
A. ist der alte Gansbühl, bei 
dem Göggingertor das Gans eck. 
St. Martinstag heiszt Gass. ein 
Gänsefest. Bekant sind die 
Rieszer Gänse (Deinigen). 
Redensart: >Des könnet seil no 
d' Rieszer Gäns.< Seh. In den 
Stauden hat sich ein Lied >Mueszt 
uff da Gans^erg steiga« anhe- 



bend, schon lange eingebürgert; 
das Volk ersezte das etwas un- 
verständliche Gamsberg da- 
durch. Bei Werner ,v. Zimmern 
komtvor: »den wilden Gänsen 
etwas klagen.« >Denn wo nit 
Leuth sein, sezt man die Gans 
auf denBankh.« Schelte: Gans- 
gallel dumer Mensch! 

GANTER neber G leger, Un- 
terlage von 2 Balken , worauf 
Weinfäszer gelegt werden, c an- 
ter ins. Schmoll, n, 58. 

GANTNEN, GANTEN, ver- 
gantnen wienhd. >Gut, Haus- 
rat vergantnen< allgem. in 
Augsb. Schriftwerken. Die Gant: 
>dasz in den öffentlichen Ganten, 
so durch den Gerichtswaibel in 
der Komschrandt auszgerufen 
werden, allezeit demjenigen, wel- 
cher das lezte Gebot vor dem 
Ave Maria Geläut getan hatte, 
die vergandte Sach solle bleiben.« 
Gass. Gantner^ der die Gant 
auszruft und vornimt »Gandner 
über farende Hab.« Akten. >Da 
etwas Verbotenes verkaufft soll 
werden, soll es durch die ge- 
schwornen Käufler und Ünterkäu- 
f el oder G a n t n e r mit Recht be- 
schehen.« Ordnungen v. 1647. 

GAPSEN swv. nach Luft 
schnappen. 

GARN, 1) in der Webersprache 
manigfaltig verwendet. Faul- 
gära, Faulgärasieder. Die 
Garn sieder hatten ire eigenen 
Vorschriften und waren den Ge- 
schaumeistern der Weber un- 
terworfen. Leipziger GSra 



Garnier — Gassen. 



181 



sieh über die Auszsprache oben 
4.*. Gmrle, angesponnene Spin- 
del. Burgan. 2) In der Waid- 
manspracbe: >da8 Wachtelfangen 
mit dem Ruf- und Steckgarn 
solle abgestellet seinx Vergleich 
V.. 1642. >Der Lerchengarn 
und Hochzeugs befugt.« a. a. 0. 
— Deckgarn. >Den Hunden in 
die Aecker mit dem Deckgarn 
folgen. € a. a. 0. Das Schnepfen 
mit Schnepfen garn komt in 
den Mickhaus. Strafbüchem öf- 
ter vor. 

GARNIER, Tasche, ital. car- 
niera. >Hett Raymund Fugger 
?or im in ein Earnierl in et- 
liche Biechlach und Brief zu 
einander klaubet. < S. 463*. »Bu- 
sen, Karrnier (zum Acheln da- 
rein klauben).« Wirtb. allgem. 
Ausschrb. 26. Jan. 1566. Reysch. 
16, 85. 

GARSTIGS FIEBER , volkety- 
mologisch f. gastrisches F. 

GARTEN swv. Gart enb rü- 
der istm. in den Augsb. Schrift- 
werken allgemein. Bei Gass. er- 
faren wir, dasz esz beurlaubte 
Landsknechte, Cameraden der 
Straszenrauber und Mörder wa- 
ren. Eigentümlich ist doch nach 
disen Schriftstücken besonders 
Gass. dasz sie dise Leute mit 
den Wiedertäufern zusamen- 
bringen. >Ayn Rat hie hat den 
merer Teil der Gartten-Brüe- 
d e r n und Wiedertäufern die Stadt 
wiederumb erlaubt.« S.410^. >Auch 
allhye in den Winkeln und Gär- 
ten hatten die Wiedertäufer 



Yersamlungen, daher sie den Na- 
men Gartenbrüder bekamen. 
Gass. Volketymologisch: Gart- 
köch bei Gass. das zu Gar — 
gehört. In der bischöfl. Straf 0. 
komt vor: >dieGartsturm(gloke) 
anschlagen.« f. 31*. In derselben 
Ordnung wird den gart enden 
Knechten dasHausieren abgestrikt. 

GÄRTNER stm. 1) ein doppelt 
gekrümmtes Auszreutmeszer.Publ. 
ds. hist. Ver. 15 u. 16. S. 107. 
116. 2) Der Goldkäfer oder Gold- 
schmid. Haldenwang. 

GASSEN, die, in Augsb. hieszen : 
Alte-, Lange-, Kezer- od. Zwerch-, 
St. Anna-, Kirch-, St. Georgs-, 
St. Afra- oder Becken-, Winter-, 
Dominicaner - , Hall - , Weisze-, 
Weite-, Heilig Kreuzer-, Marien- 
stern-, Karmeliter-, Klinkertor-, 
Kapuziner-, Stein- oder Juden-, 
Schmid-, Klebsattel-, Johannes-, 
Kohlen-, Wind-, Arbeitshaus-, Blät- 
terhaus- Gasse u. s. w. Gäss- 
len sind: das Kuh-, Schön- 
felder-, Loch-, langes und kurzes, 
Mezgergässle; das Gässle zum 
süszen Löchle, das Gässle Hunds- 
futt ker um! Hespele-, Pilger-, 
Meister- Veits-, Krezen-, Lugins- 
land-, das kurze und lange Sach- 
sen-, Stoigäszle, das >ser enge« 
Burger-, die 3 Pfaffen-, dazu das 
äuszere und innere Pfaffen-, 
Schuh -G äs slein, Sau- oder Sau- 
gasse, Fischer-, Mädloch-, Jer- 
gemer-, Sechser -G äs sie, in lez- 
terem sind die Fabrikweiber, das 
Domprobst-, Philippfagger- oder 
Armenhans-, das Blei-Gässle, Kar- 



182 



Gast — Oatterer. 



rengassel, schon cgm. 223. Brsnd- 
gasse im Felde von Osterbuch. 
Augsburg. Archiv. Femer Waisen-, 
Zeug- . Heiliggrab- , Apotheker-, 
Spingier- oder Josefs-, Marga- 
rethen- , Kauzf^n- , Custors- , Pa- 
radis-, St. Otmars-Gässle u. s. w. 
Die Gassennamen in Burgau: im 
Hexazipfel , Tellergässle , Eoeh- 
gasse, Käpelisgasse , Eapuziner- 
gasse,Blaichgasse, Mülgasse, beim 
HoUaosa, beim Schweda u. s. w. 
InGünzburg: Hexagässle (Spott), 
Eappazipfel , Eapuziner - Gasse, 
Eüehtor, am BSch. Gassen- 
hauptleute neben Lieutenants , 
Aufseher eines Stadtteils, ein städ- 
tisches Amt. Feuer 0. 1761. Noch 
heute in Bamberg 'üblich. Gas- 
senknecht hieszen die Bettel- 
vögte im alten A. , welche die 
Straszen sicher halten musten. 
»Dasz ihre Statt- und Gassen- 
knecht in der Stadt ungern — 
die Wirtshäuser (wegen der Ex- 
cesse) besuchen zu laszen.« Pol. 
0. 1553. Stich- und Gassenkauf 
bei der Schusterzunft verpönt. 
Gassengericht, öffentliches Ge- 
richt in Elze, das die Markgraf- 
schaft Burgau übte. Im cgm. 
201 f. 101* heiszt esz: >in einer 
guten Gassen oder in einer 
guten Statt, € Bildl. >Und dasz 
Burger in der ehlichen Gemein- 
schaft, denn in der Gemeinschaft 
der Gassen (sei).< »Das Hus 
ist die erst Ordnung der Elich- 
keit und ist vor der Gassen.« 
GAST stm der Fremde ; in den 
Stadtrechten der schwäb. Städte 



Ulm, Memmingen, bevorab Augs- 
burg wird bei Verkäufen, Käufen, 
Zöllen imer der Bürger, der 
Gast und der Jud sorgföltig 
auszeinander gehalten. Gast- 
meisterin hiesz im Kloster Nie- 
derschönefeld die Oberanfseherin 
über die Pflege der Gäste und 
Fremden überhaupt. (1315). 

GÄSTEL, stm. Spenzer. Strasze. 
In Günzburg: Jangger. Müzo. 
Ich möchte das Wort zu vasti, 
got. (gvastja) halten, freilich ein 
merkwürdiger üeberrest. Dem- 
nach ist ga-weste anzusezen? 

GATTER groszes, weites, Gat- 
ter kleineres Gitter. Fenster 
durch die reines und unreines 
Waszer geschüttet wurde, mostea 
»mit eisernen Gattern aus- 
zen, der Mauer gleich oder eben 
vergattert werden.c Bau 0. 
> Solche Fenster mit engen ge- 
strickten Gattern besohlies- 
zen.< a. a. 0. Eiserne Korb- 
gitter komen in der Bau Ordn. 
öfter vor. Auf den Toren war 
je ein Schuszgatter. Von dem 
Gatter auf dem Weberhause 
hatte den Namen der 

GATTERER, jeweiliger Weber- 
hauswirt. Der Gatterer soll je- 
den Beschautag an dem Gat- 
ter auf der Stiege zu dem Be- 
schautennen sten, und die ire 
Waaren zur Schau bringen gegen 
Entrichtung bestimter Geburen 
ein- und auszlaszen. Er muste 
femer die Weber vor den Siz 
oder vor die deputierten Herren 
und Beisizer laden. Bu dem Si- 



Gaoggen — Ge, Ga. 



183 



sen muBte er aufirarten , bei der 
Türe der Amtsstube sten und die 
Parteien herein und hinauszlaszen. 
£sz gab auch einen Gatter- 
knecht, der besonders die Kom- 
wal ansagen muste. 

6AUGGEN swY. auf dem Kücken 
tragen. Gang ge Rücken, Rücken- 
korb >auf d'Gaugga nema.« In 
4(ünster hörte ich den Reim: 
Stork Stork Schnibel Schnabel 
Mit der langen Heugabel; 
Heant oder maera 
Bring mor 'n Mezza käaral 
Eanst a uitt vertraga 
Na wirf n über da Graba 
Und käst 'n nitt vergaugga 
N& wirf 'n über d'Stauda. 

GAUMANN stm.? Landmann? 
>Eein Burger sol mit keinem Gast 
keine Gesellschaft haben an dem 
Salz; kein Gaumann, noch kein 
Aufleger sollen keinem Gast sein 
Salz Terkaufen < Urkd. 1S03. 

GAÜTSCHEN , niederschwä- 
bisch umlautend gaütschen 
BWY. schaukeln. Gautsche, 
Gaütsche, Schaukel, besonders 
die herkömliche für Jung und 
Alt errichtete G. an der Jakober 
Kirch weihe, die jezt Schogga 
heiszt. >Gautschenbettstätt- 
lein€ Publ. des bist. V. 16. 17. 
S. IIÖ. Im Aargau heiszt gaüt- 
schen Waszer hin- und her- 
bantschen und davon Waszer 
zxüa Wein mischen, von* bösen 
Wirten gesagt. VrgL mein Wb. 
33. 50. Das Wort Guts che, 
Eutsche ist dasselbe was Gaüt- 
sche. Benngutsche bei Gass. 



GlWIND, G AIWIND (Weiszen- 
hom), tiefe Schneestellen, Schnee- 
wehen, Schneewand »Ein grosz 
Gechwind.€ S. 409. »Dieweil 
gleich dazumalen das Wetter mit 
ungewönlichen Gehenwinden 
und kalten Windsbräuten über 
die Massen ungestümm ward.< 
Gass. Niederschwaben: Winds- 
wehet. 

GAZE swf. Schöpflöffel. Oberes 
Schmuttertal. Ich erinere an 
altbayerisches Gaze, Becher, 
Erug. Im Fugg. Inv. sind > G ü e s z- 
gäzl oder Vaszh aufgefürt; fer- 
ner ein »plechens ÖllgäzeU. 

GE, GA sowol Vereinigung 
als Verstärkung anzeigend, 
häufig in dem bischöfl. Augsb. 
Gebiete. Im wirtemb. Schwaben 
beobachtete ich esz: ist bei 
weitem nicht so häufig, cgm. 601 
hat noch f. 10^. und oft >ge- 
lauben« '»gelat< für glatt >gelat 
anligen< von Schuhen, f. 14*. 
wolgespeisenne Eost. f. 100*. 
>Ea8pül< Spülicht, >Sam hett 
ein Eoch mere brüh und kas- 
ptül zusamengossen<. f 11*. ge- 
rauben cgm. 480 f. 24^. gelaue 
Winterszeit. Gass. >geschwül.< 
Augsb. Hofkai. 18. Jarh. Die 
Strasze und die Stauden lieben 
das ge- besonders: ma giszt = 
man iszt; Pferde sampt G schiff 
und Gschirr. Durchausz in den 
oberdeutschen Mundarten gilt 
gsehen, gsea nur vom Gesichts- 
sinne: i gsi nett, meine Augen 
sind erblindet. Gesuchte (Sucht), 
Astr. 38^ Gespür, vestigium; 



184 



Gebleck — Geh&os. 



Gefür, Aufifuren, gbanffet. 
Gspat, Spaten. >Uin ein gspat 
zu Schlosz Nottorft zue geprau- 
chen.< Mickh. Rechgn. Gm älte- 
rer, Märtyrer. Strasze. Gsaftig 
allgem. für saftig. Gefiber im 
cgm. 144 öfter. Sieh oben Gäcker. 
Gmiesz, einZwang, >'nGmi98z 
dransz macha< mündlich. Die 
glinke, die grechte Hand, 
landläufig in Gundelf. Gspont 
für Sponten u. s. w. üeber die 
weiteren Beispile sieh im Folgen- 
den. Die Betonung des e findet 
sich noch hie und da, in der Re- 
gel aber wird esz nicht gespro- 
chen und in volktümlichen Schrif- 
ten auch nicht geschriben. Vrgl. 
Schleicher, Sprch. 220. Weinhold, 
alam. Gramm. §298. Die folgen- 
den mit ge- zusamengesezten 
Wörter werden mit verschluck- 
tem e gröstenteils gesprochen. 
Weigand, Wb. I, 894. 

GEBLECK, das, zu blecken 
oben. 
Bald komst derhea wie d' Sau 

im Dreck 
Nao komt der Bua mit sein Ge- 
bleck. Seh. 

GEDUNKEN imp. >uns ge- 
dünkt fast<, esz feit noch ein 
biszchen, fast wäre esz recht. >üm's 
Gedunken< = um ein kleines, 
d. h. zu vil oder zu wenig. 

GEFÄRT, Beigeschmack, übler, 
am Weine. 

GEFECKT, >Spezerei und Ge- 
fekt.> S. 321*. 

GEFRISEN, congelare. cgm. 
625 f. 31^ 



GEFRÜR. >DiirchdieGefrar- 
Zettlen vor Hüb und Schüsz 
und Lebensgefar zu Zeiten be- 
waren.< S.W. > Wann macht man 
die Teufelischen also genannten 
Passauerzettel für die Ge- 
frur als meistens in der Christ- 
nacht, da man unterwehrender 
Christmess auf die Creuzweg 
hinauszget, aUda den Teufel pan- 
net und in einem darzu gemach- 
ten Craisz mit ihme die ZeUlen 
petschiert und erschrekliche Teu- 
felsseegen darüber spricht, die 
hernach geeszen, oder bei sich 
getragen, gefroren macht, dasz 
weder Stich noch Hüb noch Schusz 
ihme eingehet. < a. a. 0. 

GEFÜR, AuflEurung; sieh Feg- 
opfer. 

GEFÜRGKLET, aufs kleinste, 
>aufs Düpfle< , sonst: »aufs 
Firgele, Fürgele hinau8z.< 

GEHACE, das, kleingehacktes, 
gebratenes Fleisch als Fülle zum 
Backwerk. Urspr. das feinge- 
schnittene Weizen- und Haber- 
stroh als Futter. 

GEHÄNG, das, Lunge, Leber 
samt Herz und Nieren des ge- 
schlachteten Tieres, zum Verkauf 
auszgehängt. ürg'häng und 
Urbhäng. 

GEHAU, Ghäule, der auszge- 
hauene und bereits angeflogene 
Waidplaz.F r a u a g'h a u(Stauden). 

GEftÄUS , das. In den Fisoh- 
acher Statuten heiszt esz: »SoU 
kein fremdes Gehäus ohne 
Vorwiszen der Herrschaft hie — 
eingelaszen werden. < > Auch sollen 



Geheien — Geige. 



185 



die Jngeheaseten keine Macht 
noch Gerechtigkeit haben — Vieh 
anszznschlagen. < > Die I n g eh e u- 
B e t en, so den Fleckhen bewonen< . 
Die Wihnatshofer Stat. haben: 
»Soll auch Niemand, wer er sei, 
one VorwisEcn der Herrschaft 
and Gemaind ainiches farendes 
Grehäust in sein Haus einzu- 
lassen, unterstehen. Da esz aber 
bescheche nnd ein Schaden vor- 
binein solchem Gehaust wider- 
fare, solle der in Allweg, so das 
G e h & u 8 aufgenomen , solchen 
Schaden zu ergözen, auch darob 
m halten schuldig sein , das er- 
meldete Gehen 8 z ein Gemaindt 
mit Gaiszen oder andern Dingen 
nicht beschweren. € Das Gehäus 
ist eine Anzal Taglöner , die in 
kleinen Nebenhäusern wonen, dem 
Hofbauem aber so zu sagen leib- 
eigensind. >Zu Ghäus nemen,< 
in die Miete nemen. Um Zus- 
marahausen. Vrgl.Schm.lI, 248. 
In Frischlin's wirtemb. Hochzt. 
ist 6 e h ä u 8 gebraucht für fürstl. 
Palast. 31. 

GEHEIEN mit dem stark, sonst 

iw. pari, ghia, ghija, >ihett'n 

ghia uff da mist<. Seh. Subst. 

das Ghei; >was hao^t denn iaza 

mit deim Ghei?< Ich verweise 

auf mein Wb. s. v. Disz Wort 

ist allen oberdeutschen Mundarten 

eigen. In Lindau (alam.) ist das 

abbekeia ser üblich. >Beim 

Schrinar Schindar ist hüt a mü- 

rar vom dach abbekeit, eshett 

'm aber nint do.< 

GEHEIF, gehab, enganschlies- 



zend. Stauden. >Und nim i iahn 
reacht keif ins Aug.« Seh. 

GEHEIMEN, die, städt. Amt. 
>die Geheimden< oft für Ge- 
heimer Rat. Im Augsb. Kai. 
V. 1769 stet: Geheimer und 
Einnemer ;Geheimeru. Pfleger ; 
Geheimer und Hospitalpfleger 
u. s. w. Geheimes Strafamt 
siehBlauhimelamt. Geheimes 
Pläzlein: 1) Abtritt, 2) Stellen 
amLechufer, wohin das La üble, 
d. h. der Abtritt getragen werden 
muste. 

GEIGE, die, 1) ein weiszes un- 
gesalzenes an beiden Enden spiz 
zulaufendes ovales Brot, das gerne 
zerrieben wird. Geigenmus, ein 
unvermeidliches Mus ausz disem 
Brote an Hochzeiten. Jezt abgend. 
Zusmarshaus. Gegend. 2) Das be- 
kante Strafwerkzeug. In A. kamen 
liederliche Personen unter Ober- 
aufsicht der Amtsknechte in die 
Geige, wurden durch die Gassen 
gefürt; die Justiz übende Jugend 
riefdabei: Geig auf! Geig auf! 
3) in Zusamensezung: Geigen- 
turm in Schwabmünchen, Gei- 
genfeld Oberschönefeld. 4) In 
Kinderreimen : 
Im Unterland ist a Haus 
Dk schauget 3 Jungfera rausz; 
Die erste spinnt die Seida 
Die zweite reibt die Geiga 
Die dritte macht das Türlein auf 
Und laszt die liebe Sonne rausz. 
Liebe Sonne kom bald wieder: 
Schatta, Schatta leg di nieder. 

Groszaitingen. 



186 



GeU — Gelb. 



A Bisflgeiga u. a Bassgeiga 
Und a Rumpelfasz 
Und a Rührschaufel, 
Und a Millsuppa 
Mit der Heugabel 
Hau-n-i nö nie gesza 
Bei der Nacht. Reinbardsbausen. 
GEIL, spr. g&el und goil, 
fröblicb, auszgelaszen. Geiler 
Montag: >Itein vom gaylen 
Montag Nacbmittag zur 4 Ubm 
bis auf den Aschermitwocb — 
soll nit Scbul gebalten werden« 
Scbul 0. 1575. »Welcbe Narren- 
fest am 12. Tag des Hornungs, 
den der gemeine Mann den 
geylen Montag heiszet — ge- 
übet.< »Am gaylen Montag 
wurde ein Scbarpfrennen getan, t 
a. a. 0. »Arn gailen Mäntag 
zeinbis die gewönlicben pfrund.< 
Pfründ 0. 1462. >Am gaillen 
Mäntag. < Frank's Annalen 80. 
Im cgm. 201 f. 123 ff. wird die 
Lere für die Erzieber gegeben, 
die Jungen »von gailen und 
schnöden Reden abzuziehen.« 
»Darumb sind die Jungen ze su- 
chen und ze straffen von gailen 
Reden.« f. 128^ Daselbst: »Sün- 
dern von Jugend auf soll man 
lernen die Kinder, dasz sie die 
Gailung unterwegen laszen.« 
f. 123^ »So wurdent sie begriffen 
in der Gail« f. 224. »Dasz sie 
werden abgezogen von der Gail. t 
a. a. 0. »Die Jugent ist bereit 
zu der Gail« f. 130^ »Zu der 
Gail und waichung des Flaisches 
Valien.« f. 132*. u. s. w. In Giinz- 
burg sagt man von übersüszen, 



fast aneckelnd süszen Speisen 
>de8 hkVn goila G'schmSgb.« 

GEILEN swv. hüpfen, springen: 
»gleicherweisz als sich d6 geilen 
undfrewen sind die rechböcklein 
and die steinböcklein.« Aogsb. 
Messbch. 1484. 

GEIST, »Heiliggeist hau- 
ben,< eine Art Augsb. Flügel- 
hauben. »Heilig gel st Spital- 
hölzlin.» Mickh. Mrkg. Angsb. 
Bescbrbg. 

GEIWIZ, der, Kibiz. cgm. 812 
(1461) geybyz. Kinderreim in 
Warmsried: 

Geiwiz, w& 8iz§t? 
Im Moos. 
Was friflt? 
'N FrSsch. 

Geiwizen heiszen die Ben- 
ninger. In der Rottenb. Gegend 
ist Geifiz ein lebhaftes, wag- 
halsiges kleines Mädchen; Gei- 
fizwegle, ein kleiner, schmaler, 
gefarlicher Fuszpfad. Mein Wör- 
terbl. 34. 

GEIZIG in der Red. A : »die 
Geiziga fallet um wie an alt's 
Testament.« Um Burgau. 

GELÄGER. »Von Holz ge lä- 
gern in der Stadt bei der Zim- 
merleut, Drechsler und Bildhauer 
Häuser < Bau 0. 

GELBadj. »Des ersten andern 
hl. Kristag ze weyhenachten ze 
Inbis ain Suppflaisch, Kraut und 
Flaisch, einen gelben Hirsch, 
ein Sulz.« »Ze Inbis die gewon- 
lichen Speis, darza gebratens, 
ain gelbs Mus, jedem ain Said- 
Un Weiiis.€ Pfirond 0. y. 1462. 



Gelegeler — Genaden. 



187 



Gelbepiziger Neid. Gonlin. 
»Das Theresele war vor diesem 
wie Milch und Blut, aber von der 
Zeit an, da sie ein Kind getra- 
gen, sihet sie wild aus wie ein 
gelber Jnd.< Conlin. >Da sie 
doch gar keine aus den Schönen 
gewest, denn sie sähe aus wie 
dn gelber Jud.< a. a. 0. 

GELEGELER >glägelerMa< 
der sich nicht weh tut. Stauden. 
GELIMP, > er hett gnug G 1 i m p 8 
und Ursach dazu.c Frank 112. 

GELLIG adj. in mag eng el- 
lig. >Ich bin zornig und magen- 
gellig, hitzig, kriegerisch und 
missehellisch.i cgm. 595 f. 37*. 
GELTVIEH, GALTVIEH, un- 
frachtbare Kühe. Zusmarshausen. 
GELÜNG, das, die Lunge in der 
alten Mezgsprache. Mezg. 0. 154(^ 
Ein Ealbsgelüng mit aller Zu- 
gehörung; item ein Hammel- 
gelüng samt Leber und Herz < 
a. a. 0. 

GEMACH, das heimliche, 

eine Stelle am Lech, wohin die 

Abtritte getragen werden musten. 

8. 86^ u. Bau 0. In Mickh. Akt. 

1567 ist haimlichs Gemach 

I erwänt fiir Abtritt. 

i GEMAIT adj. wie mhd. >Diese 

I war die genr&itest (Tochter) 

▼on Leib und die schönst von 

Angesicht.« cgm. 252 f. 165*, 

>ünd hett darab (Pferd) grosz 

wunder, wann es was £a.st schön 

nnd gemait.< cgm. 581 f 10^ 

In einem alten Augsburg. Reime 

>wie man weihen 8oll< heiszt esz: 



Nit plazend an ein also blind 
Nimpt nit ein schönen und ein 

gmaiten 
Der nichtz künd noch mög ar- 
beiten. 
Sub. dasGemaite. >DesGemai- 
ten 8ingen.< Memming. Stdtr. 
sieh mein Wbl. S. 96. »Frei und 
gemait.< cgm. 312 f. 32*. 

GEMÄRK, das, ein Abzeichen. 
»Wurde verordnet, dasz denjeni- 
gen Bürgern, so des gemeinen 
Ahnusens zv genieszen begerten, 
ein Bettelzeichen oder Ge- 
rn ärk an die Klayder gehefft 
wurde.« Gass. 

GEMKGEZEN swv. > Wieer aber 
(Tobias) ein Geiszböckel im Haus 
hat gemegezen gehört, welches 
sein Anna nach Haus gebracht 
hat « u. 8. w. Conlin. 

GEMERK, das, Gedächtnis: >ja 
loset, i hau halt gar koin Gm e r k.« 
Seh. Allgem. schwäbisch. 

GEMEST ? in Web. Rechnung. 
>Dem Blettersötzer vom hundert 
blaw und gemest 5 hllr. Vom 
Gemest eins Fadens 4 hllr.< 

GEMOLGELET part. fleischig, 
corpulent. Seh. 

GEMÜLLE, das, Auszkericht: 
>won sy oft (Maria als Tempel- 
mädchen) den tempel fürwet 
und den estrich und das ge- 
mülle hinausztrag.« cgm. 257. 
f. 89. 

GEMÜS, das, l)Moo8werk anBäu- 
men, sumpfigen Böden. 2) DasGe- 
miesz, das Müszen. Stauden. 

GENADEN swv. 1) den 13. 
August genadete mich Gott mit 



188 



Oenesdh — St. Gaorg. 



dem 12. Emd, einen Sohn Na- 
mens ABraliam.€ Elias HoU von 
Wapfenseil 1818. In d' Gnaod 
gau, in die Kirche gen an Ab- 
lasztagen. Stauden. »Die gnaden- 
reiche Sarch,« d. i. ein heili- 
ger Leib, oder Reliquien. Ehren- 
fest S. 58. Gnadenfeld, Flur 
bei Günzburg. 2) Abschid nemen. 
F. Fabers Pilgerb. 

GENEITEN swv. nicken. »Dear 
gneitet nett beas.« Stauden. 

GENESCH, Spinat. Lindau. 
Bin ätsch, Franken, Wirtemb. 

GENIESZ, der, Genusz, Anteil. 
>In Allem gleich en G. haben.< 
Akten. >Und ain solichs weder 
von Lieb, Laid, Gab, Schankung, 
Geniesz, Verlusts u. s. w. Bi- 
schöfl. Straf 0. f. lO». 

GENIST , die , das Aufkomen 
ausz Krankheiten, Genesen. >Sol 
sein, dasz die Säugamm aus den 
6 Wochen komen sei, bis zu den 
zwelffen; also je nachener nach 
6 Wochen oder nach 12 die Säug- 
amm in jrer Gneist, je löblicher 
esz an jr ist. Danmi sind sienit 
ze loben, die 2 oder 8 Kind ab- 
saugend. Die Zeit jrer Gneist 
soll nit ser früh gewesen sein, we- 
der dem Kind, noch zu Anderem.« 
cgm. 601 f. 99». >Zeichen aber, 
die da bedeuten Gneist oder 
sterben — da sol man merken 
die Farb.> f 114». Adj. genist- 
lich: »Die (Kinder) weisz oder 
rot sind bei den Durslächten, die 
seind genistlich.< a. a. 0. und 
oft. Bei Schm. II , 706 ff, stet 
nur die adj. Form genissig. 



6ENNEN swv. Einderspile 
treiben. 

GENREITBN, spr. gereito, 
entgegen reiten, bes. beim Braut- 
abholen. Stauden. 

GENZEN in engenzen swv. 
von Ganz, das Ganze zerteilen, 
zerlegen: >Wird aber das Holz 
engenzet, swan ez engenzet 
oder zerbrochen wird, 86 sol 
ers dennoch vor dersellen nacht 
ousziehen.< Glosse z. Augsb. Stdtr. 
f 15^. > Wer einen Kochherd oder 
Feuerstätte an eine gemeinschaft- 
liche Maur machen will, der solle 
soweit die Feuermaur gehet, einen 
halben Maurstein, aber oben auf 
dem Kümndch auf das Wenigst 
ein Viertel eines Maursteins an 
solcher Mauer gegen seinen Nach- 
bar unzergänzt und unausge- 
brochen ligen laszen.> Bau 0. 

GENUL, GNUEL, Verwirrung 
im Handgemenge und Reden. 
Se band a Mette und a Gnual 
Als wärents in 'ra Judaschuel. Seh. 

St. GEORG, der Ritter, er- 
scheint ser häufig in ,dem alten 
Bistum Augsburg als Kirchen- 
heiliger. In Augsb. selber war 
der St. Georgenhof. Die Ge- 
orgengasse und das Georg en- 
gässle. Volküblich Jergemer- 
g äs sie. Der Elucid. von 1543, 
Augsb. Auszgabe sagt: »Etwan 
so die Teutchen kriegen wolten, 
ruften sie Herculem an, wie jez- 
under St. Georgen den hl Rit- 
ter. < St. Georg ist Patron der 
Ritter. In Fischach komt ein 
Flurname: Gergenholz vor. 



Geradoffdr — Gerumpel. 



189 



Ein FTigger-Kirchb.Wald»Geor- 
genhölzchen« komt in Mickh. 
Gränzbeschreibungen vor. (50 
Janohert.) 

GERADtJFFER, d. h. gerad 
heranfkomend , heiszt beim Lin- 
daner Schiffer der Unterlnft 
Yom üntersee, Nordwind. Oster- 
luft NO.Wind. SO.Wind ist 
der Kl US er. Pfe, SW.Wind. 

GERAPFEL, das, strepitus. 
>Under welchen von stund an 
I ein Geraffel von Pergamo und 
grosz Geschray erhört ist worden.€ 
Trojanisch. Krieg. 45^. Schmell. 
m, 59. 

GERASP, das. »Der Han förch- 
tet die Wespen und so man ime 
ein Geräsp von Weinreben in 
Form eines Rings um den Hals 
legt, soll er nicht mer krähen. < 
Gockel. S. 14. 

GEREN swm. 1) Zwickel im 
Kleide, besonders im weiblichen 
Unterrocke. >Da erschain im Ma- 
ria gar in ainem schonen kchlaid, 
das hett 3 geren, die woren all 
nberschriben mit gülden Ave Ma- 
ria.€ cgm. 164 f 20^ 2) eine 
schräg ansteigende Anhöhe, eine 
ipiz auszlaufende Berghöhe. Vgl. 
mein Wbl. 33 ff. Meyer 0. N. v. 
Zurcherkanton 84. Schmell. II, 62. 
Der Hauser Geren bei Dillingen. 
Pttbüc. des bist. V. 1886. 67. Im 
roten Geren beiHorgau; Mit- 
telgeara, Holz gear ab. Schöne- 
feld. Rote ngerenwisen, Forst 
fiiburg. Gearahölzle, Wilma- 
üngen. Geara Wald bei Hart. 



Geren seh lau wisen,Depshofen. 
Gerenfeldschlau und Geren, 
Waldberg. Mein Wbl. 83. 

GERHENLE ? eine Pflanze: 
» Venchelwurzen u. *G e r h e n 1 e n- 
würzen, auch tüllensanmen, ven- 
chelsaumen und eneiszsaumen.c 
cgm. 601 f. 100^ 

GERISEL, das. »Das lezte Vier- 
tel — verspricht — Regenge- 
ries el< — >sezet sofort mit Re- 
gengeriesel und rauher Luft.< 
Hofkal. 1751. 

GERNER. »Dem Gerner für 
den G u m b e r 22 kr . € Web. Rech- 
nungen. 

GERSTEN swm.Gersten- od.Ha- 
berschleim in derPfründO. 1462: 
»Zu dem Nachtmal ain Gersten 
und aber ain Milch.« »Ain Ger- 
sten in ainer Milch und ain 
Milch darzu.« a. a. 0. Adelung: 
Der Gersten, ein Gericht von 
Mel, Eiern und Milch in der 
Pfanne gebacken. Vrgl. Schmell. 
II, 66. 

GERT in Weberrechnungen? 
>Item von einer brait Gör dt 
8 hll. Von ainer Spinnetgördt 
1 hell. Von ainer schmala G ör dt 
u. s. w. (bei den Blattersezem). 

GERUMPEL, das, Lärmen zu 
rümeln gehörig. >Von lieben 
rümlet dir der bauch. < Altes 
Loszbch. hs. 
>Im Karrengässlein , allwo man 

beim Nüeber anzutreffen hat 
Ein frisch und guetes braunes 

Bier, das mehr Kraft gibt denn 

mancher Plump el 



190 



Oesfils — GeschMi. 



Der in dem Baach wenn man ihn 

trinket 
Erreget Lermen n. Gerumpel. < 
KaL 1747. 

2) Ein Durcheinander von alten 
Gerätschaften. >Darnach ist er 
sie (die Domherrn im Chore) mit 
zornigen üppigen bösen Worten 
ankomen, und ihre Biecher hin- 
und hergeworfen und ain krim- 
pel darmit gemacht. < S. 56 1^ 
Grimpelmarkt. >Grimpebi ist 
auf dem Fronhof den Bürgern 
erlaubt.« Vrgleich 1602. 

GESÄLZ , das , eingesottener, 
syrupartiger Früchtesafb. >Solchs 
Pulvers prauch die Saugamm mit 
jren Kosten, das sie ein Wein 
daran giesz, und dunk ein Brot 
darein als in ein Gesälz < cgm. 
601 f. 100^ Maulpeerselz. 
f. 108^ Bayerisch Salzen f. Das 
Wachholdergsälz. Zusmarsh. 
und sonst. 

GESÄSZ, das, 1) > der Stul oder 
Seszel oder Gesesz ist in der 
Spize desHimels septentrionalis.< 
Regiom. 1521. 2) >DieErmel und 
Gses mit Panzer.« Kleiderb. 3) 
»Stallung, Garten und Gesäsz, 
die Plankenmülin genant. < cgm. 
2517. 

GESCHANKTUM , das, Ge- 
schenk. 

GKSCHAÜ, die, spilt bei den 
Agsb. Zünften die hervorragendste 
Rolle neben denVorgeem, Busz- 
meistern u. s. w. Nach dem 
SOjärig. Kriege gab esz 9 F 1 a i s c h- 
geschauer, 4 Unscfhlitge- 
schauer, 2 Brantweinge- 



schauer, GeldiJ^eBohauer, 6 
Brotgeschauer, 4 Wollin- 
Gwandgschauer, nach der 0. 
V. 1549 gab esz 7 Geschau- 
meister bei den Webern, die 
bei jeder Conzesdonserteiliüig vom 
Meister 1 fl. erhielten: Hfl. fielttn 
in die Büchse. 4B i e r g eadiaii ez, 
2 Weingschauer o. s. w. Je- 
des Gewerbe muste sich disi 
woltätige stadtische Amt gefallen 
laszen. Sogar dem Stadtziegler 
wurde der gebraute Zeug nebst 
Kalk bei jedemBrande g e s ch au t. 
Bau 0. In der Memminger Feuer 
0. V. 1765. S. 6 komt ein Bau- 
sch auamt, Bau schau obmann 
vor. Bei der Geschau stand 
oben an der Geschau meist er. 
DieGeschauwalen, Gesohaa- 
mäler komen oft vor in den 
Akten. Natürlich spilte die We- 
bergeschau die Hauptrolle. Die 
groszeWebergesohaawal&nd 
jedesmal den 28. Des. statt. 1) 
>Erstlichen ist ein Aufschreib- 
zech: da werden diefeyrenten 
Geschaumeister aufgeschriben, die 
f eyret sein und die feyr et wer- 
den: beederseits lutherisch und 
katholisch. 2) Musz der Gatter 
(er) ansagen zu der Wal bevorab 
denen die abdanken. Die Par- 
they die ein Bixenmeister erwellt, 
die hat den Vorzug. Die Un- 
kosten auf die Winterrechnung. 
Den nesten Rats tag nach der 
Wal werdt der Geschaumeisterfl 
Bericht eingegeben. Nach dexa 
ersten Ratsdag nach dem neweo 
Jar müszen sie schwören. < Nach- 



Gescheel — Geschlag. 



191 



her Malzeit mit 14 Personen: die 
Bizenmeister sizen den Beisizem 
zur rechten; auf der linken Hand 
die Kellermeister: dabei der Hand- 
werksdiener. Geschaumalzei- 
ten in Sehnst. Akt. Die Geschau 
der Staudenwaaren, eine nicht 
unwichtige Einrichtung. Her- 
kömliche Kedensarten sind: Für- 
legung an die Geschau. Ar- 
beit so an die Geschau gehört. 
Uffhörung der Geschau (uff 
Jacobi). < Alles was der G e s c h a u 
gemäszist. An die Geschau wür- 
ken (1549). Die Barchetge- 
schau (fängt nach Bartholome 
an), Geschautage, Geschau- 
pfennige, die schwarz Ge- 
tehao. Abschauen. 2) Besich- 
tigung des Hauses und des Hofes, 
die in Oberschwaben dem Hoch- 
zeitstage voranget: uffgschaob. 
In Lauchheim uff gschäb. In 
der Zusmarshauser Gegend komt 
die Braut oder der Bräutigam 
dahin wo Haus und Hof ist; die 
Braut sieht in der Regel den Hof 
ein; gibt ire Mitgift blosz an 
beim 2. Besuche, was man glaubt 
und den Aufsaz beginnt, d. h. 
das Heiratsgut wird schriftlich 
gemacht und die Hochzeit fest- 
gesezt. 

GESGHEEL. >Das viereggende 
Holz uff 4 Seulen wird das Ge- 
Bcheel genennet, welches mit 
emem MüUerstaub-Leim wol ver- 
leibet ist, damit das Griesz nicht 
lierauszrinne.c Faulhaber 

GESCHEIBS, genitivisch. Adv. 
nngsum. S. hat: »Und haben 



dasselbs gescheybs herum G 
Meilen Wegs alles verprannt.« f 
34». »Und ist mit dem hochwir- 
digen Sacrament und mit dem 
Hailtum gescheibs um die Statt 
gangen.« f. 47*. >2Meil weit ge- 
scheibs um die Stadt.« f. 116*. 
»Gescheybs um hat er alles 
Yich genomen.< f. 156*. »Dernach 
sind sie gescheybs um das 
Tanzhaus gerennet. < f. 296*. >Die 
Menge stand vor des Rats ge- 
scheybs in einem Haufen.< f. 
216^. >Mit einem breiten Saum 
gescheybs um.« f 530**. u. s.w. 

GESCHENDIG, unverschämt im 
Begeren. 

GESCHLACHTE, die, Schlach- 
tete. 

GESCHLAGEN part. in Ver- 
bindungen wie 1) >du wärigt ja 
a geschlagner Mä,< herb vom 
Unglück heimgesucht. 2) Anhal- 
tend fort: I wart schon schiar 
agschlagneStund.<Sch. »S'Ma- 
növer hat dauret *n gschlagna 
dag.« a. a. 0. 

GESCHLAG u. -cht ung d. Lo- 
che, muste von jedem Hausbesizer 
gemacht und unterhalten werden. 
>Geschlag und Geschlach- 
tung. Bau Ordg.: > damit ein Je- 
der wisze wie weit er die Bach- 
mutter in dem Grund laszen, und 
also sein Geschlacht darnach 
machen solle«. »Welcher Burger 
oder Inwoner an den Lechen zu 
geschlachten hat, dem solle 
von dem geschworenen Amt ernst- 
lich und bei Straf zweier Gulden 
anbefohlen werde. Das Gq- 



192 



OeschniAlg — Geeohwuik. 



■ohlacht nicht dem ebenen Bo- 
den gleich zu machen, sondern 
wenigstens einen Baum über den 
Boden herauszgen u.auflochen; 
die Schwingen aber über diesen 
Baum noch wenigstens 2 Schuh 
hoch überstehen zu laszen und 
solche entweder mit Brettern und 
Latten zu verschlagen, damit Nie- 
mand so leicht in den Lech fal- 
len kann.< »Diejenigen hingegen 
so vor ihren Häusern auf Reichs- 
strasz ob ihren Geschlachten 
über den Lech einen s. v. Pri- 
yetsiz haben sollen die Säulen 
desselben hartan die G eschlacht 
8ezen.< 

GESOHLERF, ntr. profanum 
yulgus. 

GESCHLIERIG adj. was ge- 
näschig. Seh. 

GESCHLIFFIG adj. scharf ge- 
schliffen. >Und hauet mit g's ch 1 i f- 
figaSeagasa alles entzwei. < Seh. 

GCHLOSZ, der Nierenbraten. 

GESCHLUNGEL, das, Einge- 
weide der Tiere. Riesz. 

GESCHLÜTTER, das, Schnee 
mit Regen, was böse Wege macht, 
in anderen Gegenden mulzig. 

GESCHMACH adj. >Und i hätt's 
gschmöcher one dL< Seh. 

GESCMALG, das, 1) Durch- 
einander von Speisen: >Mach 
kol so Gschmalg nett!< >Ein 
ver schmalgtes E8zen.< Schmal- 
ger, der die Speisen durcheinan- 
der schüttelt, rürt oderzusamen- 
wirfb. 2) Durcheinander vom 
Reden. 



GESCHMAUKLAT, Baliy fein. 
>Denn lueg 's ist gar « ÜBkidli 

gschmauklats Schnalda, 
Und hat so feine roasariate 

Bäckla. Seh. 
GESCHMEIDIG. >Auflz gemeiner 
Handwerkskasse einen g e 8 c h m ei- 
digen Trunk anstellen.« Web. 
Akten. 

GESCHNÄFTIG, vorwizig. 
»Drauf reiszt jm Gott a Rippa 

raus 
Und macht a g s ch n & f t i g 8 Eavle 
drausz. Seh. 

GESCHNAPPEL, das, Bet- 
nobblerei. 

GESCHNATTELWERK, profii- 
num vulgus, was sonst G'schnoadl- 
werk heiszt. Ich verweise auf 
G 8 c hn o i d durcheinander gewor- 
fenes Grosz- und Kleinholz eto. 
Mein Wb. 87. Auf Gschnoid 
b. Frauenzell. 

GESCHNATTER, das, Ge- 
schnader. 
Die Maria, die Säbel und die 

Kätter, 
So währt einen halben Tag ihr 
Geschnatter. 
D. h. sermonem &ciunt, im E 
Simplex. 

GESHNAZET, spiziges Gesicht 
habend, mager, dünn = s c hm al- 
ba ket vom Krankenlager her. 

GESCHOSZEN, 1) rappel- 
köpfig. 2) GeschO szen, ge- 
schupft Brot, von dem die Rinde 
wegget, nicht anligt. 

GESCHWANK, »er heiszet Sa- 
tan an Geschwank.« cgm.402« 
f. 73* 



G^chwapplet — Gespat. 



193 



GESCHWAPPLET fast übervoll, 
B. B. ein Hafen, die hole Hand 
u. 8. w. ; das seltene Verb, schwap- 
pein, fast überlaufen, ligt zu 
Grande. 

GESCHWÜLIG adj. schwül; 
>da8 lezte Viertel neiget sich auf 
gescliwüllige warme Witter- 
ung.« Hofkai. 1772. 

GESEGNET, GSENGNET, das, 
1) Auszschlag, Einderkrankheit: 
>das Gesegenet kumpt in Kin- 
dern, so die Natur ausztreibt das 
überhitzig Blut von inwendig des 
Leibes auswendig und kumbt zu 
Zeiten unter dem Angesicht.« cgm. 
€01 f. 112^ >Hüt dich, dasz du 
du Gesegnet nithin und wider 
imein treibest.« a.a.O. 2) Geseg- 
nete heiszen die an gewiszen 
Festen kirchlich gesegneten Brote, 
Wein , Fleisch u. s. w. Dafür ist 
Günzburgisch und niederschwäb. : 
>Gweichts« gebräuchlich. In 
der Zusmarshauser Gegend ist 
Gseng Gott! imer eine' Dank- 
formel. Beim Empfange sage ich: 
Gelts Gottl der Geber: gseng 
Gott! Beim Trinken sagt der 
Trinkende: Gseng Gottl Con- 
lin: »Nicht Gott, sondern der 
GsengGott hat sie also erleuch- 
tet.« Von einer Trinkerin. 

GESELLENBROT. >1 Stück 
peuteltuch zu G'sellenbrot hat 
24 Ellen; zu Herrenbrot zwi- 
fach, zu Speyszbrot 51Ellen.< 

cgm. 740 f. 13». ? 
GESIND. ImKlimmacher Pfarr- 

hoche ist das uralte Sprichwort 

Yom Gesinde also gegeben: 



Oeconomica: Was desfahls der 

Pflug gewinnt, 
Friszt nach dem allgem. Sprich- 
wort das Gesind: 
Hierwegen dann pro utilis hinan- 
fällig nihil. S. 53^ 
Gesind heiszen auch in den 
Schusterakten As. die G e s e 1 1 e ti. 
In den Schriften ist das dimin. 
Gesindle üblich. Im Fugg. Inv. 
werden Gesunde schiss ein, 
grosze, aufgezält, femer Suppen- 
schissein für's Gesunde. 

GESOD, GESOTT, das, klein 
geschnittenes Viehfutter. S. f. 22*>: 
>Haben müszen ihre Häuser, mit 
Stro gedeckt, abdecken und ent- 
plessen, und es zu Gsod ge- 
schnitten, damit sie das Vieh 
emeren.< Gass. sagt a. 1481 sei 
das >Gsodsch neiden erstmals 
allhie aufkomen.« Gsothaber: 
>Was aberihr Gemüsvon Gsott- 
haber, Visis und andere Bauch- 
mel belangt. < Poliz. 0.81. G s o d- 
stuel. Seh. u. (1642) Mickh. Akt. 
>N. hat 6 Tag auf Schlosz Not- 
turf t Gsot geschnitten.« Mickh. 
Rechn. 1567. >2 angerichte 
Gsodstüel.« Hart. Inv. Gsod- 
messer 1610. Gsod heiszt auch 
im Zusamtal die Fülle für Würste. 
GESPAT, das, Spaten: »Um 
ein Gspat zue Schlosz Notturft 
zue gebrauchen. < Mickh. Bechn. 
1567. »Zur Verbeszerung eines 
alten Gespates « 1623. Gespat, 
in den. Stauden allgem. üblich, 
für den glatten scharfen Spaten 
zum Wasen- und Grabenstechen, 
zum Unterschiede v. der Krumm- 
13 



194 



GeBpreiszt — Gesandstein. 



schaufei, was sonst in Schwa- 
ben schlechthin Schaufel heiszt. 

GESPREISZT was gestarzt, 
gesperzt — affektiert. 

GESPÜR, vestigium. Volkübl. u. 
im H. S. »üeber ein böses Ge- 
spür gen < Elimmacher Prdgtbch. 

GESSERTSHAÜSEN 0. N. ausz 
urkdl. Gozhereshüsen. 1270. 
Gozzerhüsen,Gözzershüsen. 

GESTÄTTELE dimin. >Ein 
Weinschreiber verkaufte die alten 
ümgeltbücher den Krämern für 
Maculatur zue Gestättelen.< 
Gass. Gstattel, Düte, niederwb. 
Gugge. Nördl. 

GESTECHLETS Waszer. »Man- 
delmilch, die zieh man ausz mit 
gestechlotem Was8er.< cgm. 
106 f. HO». ? 

GESTEN, stv. zu sten komen, 
kosten. >Ain müll diegestaind 
in auch bei 3 Gulden. — die ta- 
vel gestund bei 200 gülden. — 
der grosz fanen gestund zema- 
len 14 fl. — das prustbild ge- 
stund den kuster 8 fl.« Franks 
Annalen. Bei 0. Ruland häufig. 

GESTERR adj. stärrig , bock- 
beinig. 

>Sost bi§t so grätig wie der Saul 
Und ggtärrer als a Judagaul.« 
Seh. Dan sind so koinzig gsterra 
Schwänz. < a. a. 0. 

GESTOSZEN part. ein unter- 
sezter Mann. »Aeneas rothaarig, 
gestoszen, wol beredt, grusz- 
bar.« Troj. K. 67^ >Aiax Oileus, 
gestoszen, kräftiger Glidmas- 
sen.« a, a. 0. >Diomedes stark 
gestoszen, herrlichs Leibs.« 



f. 68». >ünd band auch (die im 
Aries Gebomen) einen gestous- 
zen krummen Hb.< Astr. f. 14**. 
und cgm. 736. (obtusus.) Ge- 
stoszenes n. Speise. Conlin: 
» der Eehmann traktierte sie 
fast alle Tag mit Gestoszens.« 
»Ein guter Soldat musz seine 
Feind zu keiner andern Speis la- 
den, als auf ein Gestoscens.« 
a. a. 0. 

GESTRÄÜSZ, das. 1) >WflP 
ainrewmer, einGestreysz oder 
ein Mürmelen in dem hub oder 
machet.« cgm. 402 f. 129. 2) 
Wald. Gass. 

GESTRAZ, röm. Ursprunges, 
ein Fort daselbst. PubL ds. bist. 
V. 13. 14. S. 91. Gestraz 
gilt von der Nachbarschaft als 
dumm und beschränkt. Spöttisch 
fragen die Röthenbacher: >ma 
moint, duseiisoht von Gstrazz? 
Der Gestrazzer antwortet: >die 
Gstrazzer sind scho ao Leut 
wie d'Röthabacher!< 

GESTRECKTERLINGS adv. 
auszgestreckt. 

GESTÜL, das: >er macht das 
G e s t i el< zu der Glocke.Frank 104. 

GESTÜP, das, Staub. >Wann 
unser Sele ist gediemütiget in dem 
Gestüp, unser Leib ist zu der 
Erden gelymet.< cgm. 206 f. 173*. 
>Mein Gott, leg sie als ein Ge- 
stüp vor des Veindes Antlut.« 
f. 187* u. öfter. 

GESUNDBRUNNEN warenbeim 

Klenker und Wertachbruckertor. 

GESUNDSTEIN >guldfine Agnus 



Gesundlich — Gieszen. 



196 



Bei, Kreuz oder in Gold gefaszte 
G8uiid8teiii.< Kleid. 0. 1668. 
GESÜNDLICH, adj. für gesund: 
>zu ge8undliclienZeiten.< Ver- 
gleich V. 1494 

GETRANG, gedrängt, »ser ge- 
trange Predigt.« Dr. Müller. 

GETRÜMMEL, das. »SoAenoas 
wider die potsdiaft geredt, hat 
sich ein grosz Getrümmel er- 
hebt.« Troj. Krg. 15^ 

GEWÄLTIGEN, mit Gewalt 
yerhindem. L. Rem. 

GEWANDSTEINE in der A. 
Banordg. »Wollte Jemand andere 
Steine als z. B. Gewand- und 
^peichelstein machen laszen< u. 
iw. 

GEWASZ, scharf, heftig, vom 
Gewitter: >d6 kam ein grosz ge- 
was z witter von groszen winden.« 
cgm. 247 f. 11*». Mit Auszfall des 
hh. Schmoll. IV, 15. 

GEWELING adv. warsch. für 
gwelings, d. h. mit Wellen 
kämpfend. >Nach mitnacht ward 
der wind so heftig, daz die anker 
nit huelten undmustengweling 
fam mit dem Sturmwind.« Luc 
Rem. 10. 

GEWICHT, das, Geweih. >Ein 
Süchtiger. Hirsch mit seinen Ge- 
wichtern.« H. S. 

GEWIFELT part. Im Fugg. 
Invent. erscheinen: »leinwatene 
leilacher mit gewifeiten und 
^mdem porten,« >leinwatene Für- 
heng mit gestrückten und ge- 
wifelten Porten.« Ist wol nichts 
als gewürfelt darunter zu ver- 
stea? Die Weber 0. v. 1549 hat 



gewürflete Ziech. >Item es 
mag ein jeder wol ain ge würf- 
le ten oder vergleisten Ziech- 
stul haben. € 

GEWÖLB , das. 1) wie nhd. 
Verkaufsladen besonders bei der 
Weberzunft. >In den Gewölb- 
stein bezalen.« Web. Akt. Esz 
ist eine Art Miete. Gewölb- 
zins wird dasselbe sein. Die 
Rechnung darüber fürte der. Ge- 
wölbschreiber. Das St. Anna- 
ge wölb mit einem Gewölb- 
schreiber. 2) Das geheime G ew ö 1 b- 
le, Stadtgewölble, Straf- 
gewölble: alles ein und das- 
selbe bezeichnend. Mit dem G. 
wurden leichtere Polizeivergehen 
gestraft. Gewölbl-Straf , oft 
in den Weber Akten. >Ein bür- 
gerliches Gewölblin« Mezg. 
Akt. 18. Jarhd. > Mit Verschaffung 
auf den Turm, in ein Gewölb 
oder in die Eisen abstrafen.« 
Pol.O. DasStrafgewölblegalt 
härter, denn das Bürgerstüb- 
lein. In einer Ordg. v. 1647 heiszt 
esz: > Winterzeit aber, da es gar 
kalt ist, (soll man) der Wacht be- 
fehlen, diejenigen, so man ein- 
zieht, nicht in's Gewölblin zu 
legen, sondern in's Stüblin.« 

GEZEUG , das , in dem Augb. 
Messbuch öfter für Alles was zum 
Messelesen gehört. >Mit dem 
rechten Gezeuge, den die Kir- 
che gezezt hat.« f. 2^ u. s. w. 

GIESZEN swv. Gieszbretter 
urkdl. z.Langeneifnach am groszen 
Weiher. Giesfaszstn.dasGefäss 
13* 



196 



Gift ~ Glasze 



zum Begieszen der Hände des 
Priesters vor der hl Messe, in 
der Sakristei; die Handlung heiszt 
Aufgieszen. »Darnach so get 
der briester zu dem Gieszfasz 
seine hennde zu waschen.« Augsb. 
Hessb. 3^. 

GIFT: im Sinne von Mitgift 
stet mir ausz schwäb. Akten kein 
Beispil zu Gebot, wol aber in 
folgendem Zusamenhange : >E8 sol 
auch mit Namen kain unser Bur- 
ger noch Bürgerin dechain ir 
Gut, wie das genannt ist, weder 
Y^rmachen , verschriben noch 
kainer lei Ordnung, Gift oder 
Gemächt damit tuen. < Memming. 
Stdtr. »und sol dennocht desselb 
gemocht, verschriben Gift und 
Ordnung gegen den Geltem we- 
der Kraft noch Macht haben. < 
a. a. 0. 

Handgift. >ümb handgiff- 
ten.< »Wir habent auch me ge- 
sezt, dasz kain unser Burger, er 
sei rieh oder arm, zu den Wihe- 
nächten nement mer h a n d g i f f- 
ten, so usserhalb seinem aigen 
hus, da erinne seszhaftist.i a.a.O. 
GIGELN swv. hüpfen vor Freude, 
>'8 Herz g igelt mir im Leibe, < 
oder » deam h§.t's gigelet.« Günz- 
burg. >Dearhät'nGiggl.< a.a.O. 

GILER zu Franz Pfeiffers An- 
merkungen, im Konrad von Me- 
genberg S. 804: >Wan die in 
Wirdigkeit gesazt sind, die ha- 
bend vil zu tuttler und Giler, 
and die do redundsind was 
in gefellet.< cgm. 208 f. 51*. 
>Und ob sie sollichen Giler 



globund sind, sokumptdas, dass 
sie nicht tun sind nach dem 
Rechten und Vernunft < a. a. 0. 
>Wie vil mer sye Giler haben, 
die sie mit dem Lob wellent 
verkeren.« a. a. 0. 

GINGERL,GANGERL machen, 
scherzhaft far: baumeln am 
Galgen. Einem Verbrecher be- 
gegnet auf dem Wege zum Gal- 
gen ein spiznasiges Weib, die m. 
nach der Sitte auszbitten wilL 
Der aber kert sich ab und sagt 
zu sich selbst: far fort, mach 
gingerl gangerl, sie bat ein 
spizig Nasen. H. S. 

GISCHEN, und GHIEN, garen 
V. Weine. 

GISmiSI n. alte Burg bei Hett- 
lingen. üeber d. Erkl. sieh unten 
Zisa. 

GISPEL, der = Gipfel an Bäu- 
men. Stauden. 

GITTER, derBodensaz derausz- 
gesottenen Butter. Günzburg. 

GLASZE, GLOSZE in der 
Waidmannssprache? >De8Hirszen 
Glosze ist grosz und kecke und 
hat zupflen und hanget an ein- 
ander und zu den Faisten schley- 
mig, dicker, dann eine Spanne 
weit. So ist ein H in dengle se- 
sinbel und klein recht als einer 
Gaisz und gaglot. Wa du das 
gros Glosze und das Dick fin- 
dest, so wisz sicherlich, dasz es 
ein hirsz ist und macht jn wol 
ansprechen für ein Hiersz.< >Und 
(die binde) lug an das glesze 
auf dem schnee oder in dem rei- 
fenden Sande und Ertrich, als 



Glatthinweg — Gockel. 



197 



ich vorschriben hon von dem 
Glosze wie da« geschaffen ist.c 
cgm. 289 f. 106. 107. 

GLATTHINWEG , mundartl. 
glatt aweggh. Luz, Tagbch. 
Ö8. Vergl. Glatterdings, ganz 
und gar. 

GLAZEND. >Weiber mit Bar- 
ten bis auf die Brust, auf dem 
Haupte glatzend.« Elucid. > Pau- 
lus war klein von Person, bucklet 
auf dem Kucken, glazet auf dem 
Kopf, langnaset im Gesicht.« 
€onlin. 

GLOCKEN und gazgen von 
den Hennen, cgm. 581 f. 30*. 

GLOCKE. »Die dunsamlautende 
Glocken, mit welcher man zu ge- 
wissen Tagen denThumbherrn 
zum P res enzgeld (läutet), da- 
her sie gemeinglich die silbern 
Glocken genant wird.« Gass. 
Im Fugg. Inv. erscheint khl ek- 
let oft : >4 leinwatene Küszziechen, 
der groszem mit weiszkhlök- 
kelten porten.« 

GLUB, der, Rize, Glumse in 
der Wand. Sieh klieben. 

GLÜCKSELIG. 1) günstig vom 
Wind. »Und der Wind lüffte 
glücksälig zum Schiffen. < Troj . 
K. f. 7^ 2) Auf der Strasze und 
in den Stauden lautet der Grusz : 
Glückseligen Morgen f. guten 
Morgen! 

GNÄSCHING adj. naschhaft. 
fiiesz. NördL 

GNÄSTIG, vorwizig, vorlaut. 
Ifindelheim. 

GNOSSEN, comessari, vollen, 
Yocab. cgm. 685 f. SP. 



GOCKEL. Holzgockel heiszt 
in der Mihdelheimer Gegend der 
Schwarzspecht. In den Stauden 
gleichfalls üblich; der Beim: 
Jaggele 

Hast mier nix im Saggele? 
Ja a Wolkele: 

Kom, i gibs 'm Holzgockele. 
Go ekele, Han, in den Stauden. 
Die Bremburg auf dem Schalken- 
berg bei Wilmatshofen versank. 
DasYolk erzält, »man hätte den 
Go ekele noch drei Tag höra 
schreia.« Göckelestal bei Dil- 
lingen. Eine Ortsneckerei ist: 
z'Hennahofa ist der Go ekele 
verreckt; kannst Henatreter wea^ 
re, ist die Antwort. In Rein- 
hardshausen hörte ich: 
Z^Reatshausa ist a Mädle 
Dia ist gar a so fei; 
Dia schuibt a Goggele beim. 

Hennaloch nei 
Beim Daubaloch rousz. 
Därusza hockt a schwarz Käzle 
Des paszt uff a Maus. 

Ein Gockelspil, sieh im An- 
hange. G ock elerhof in Augsb. 
>Göckel aufreiszen«, dieAu- 
gen aufreiszen: 

»Der Nazele reiszt Gockel auf, 
Asz gieng ear ufmPläzle drauf. < 
Seh. Günzburg. 

Vrgl. unten Gul. Im Gocke- 
lius S. 19 ff. heiszt esz: »Man 
hat auch etliche Sprichwörter von 
dem Hahnen, indem man von 
den vertunisohen und im Frasz 
und Schwölgerei lebenden Men- 
schen zu sagen pflegt, dasz sie 
sich über des Gockelhanen 



198 



Gödkehnann — Gold. 



hungrigen Hagen und ge- 
fräszgen Baach beklagen. 
£r springt auf wie ein zorniger 
Gockelhahn. Der Gockel- 
hahn spilt den Meister auf sei- 
nem Mist. S. 20. 

GÖCKELMANN spöttischer Bei- 
name König Ruprechts, als er a. 
1402 unyerrichteter Sache ausz 
Italien heimzog. In Augsb. ward 
das Lied auf in gemacht: 
DerGöggelmannistkomenhar, 
Was hat er thon? 
Er hat eine leere Taschen bracht, 
Das ist wahr. 
Augsb. Chr. Zapf, Biblioth. I, 41. 

GÖGGINGENbeiA. Davon be- 
nannt: Gögginger Mauer, 
Göggingertor, Gögginger- 
tor-Turm, jezt abgebrochen. 

GOLASCHEN, jezt schwäb.urspr. 
b^unisch Backwerk bes. in Liudau : 
>oder seind ihm die böhmische 
Golascben eingefallen?« (dem 
verlomen Sohn.) Conlin. 

GOLSCH pl. die Golschen, 
Barchentart , Bodentuch. G o 1- 
schengschau, sieh Memming. 
Stadtrecht u. Leonhard's Chronik. 
Nach der Burgauischen Web. 0. 
muste jeder auf die Golschen 
und Leinwath sein Zeichen mit 
der Oelfarb aufstechen, nicht 
mit Rötel und Kolen. in der A. 
Web. 0. von 1549 wird der Lon 
▼on ainem Golschen festgesezt. 
Golschenstul, Golschenrad. 
£flz war G. eine ganz geringe ^rt 
von Leinwand. 

GOLD, das. 1) Goldfasten, 
die, fand ich in bayer. codd. häu- 



figer denn in sohwab. >In der 
goltvasten« im Advent; >inder 
G. des Advents.« »Zu aller Zeit 
Goltvasten« cgm. 62 f. 2*. 5^ 
6^ u. R. w. 2) Goldschmid 
heiszt in der Eindersprache der 
Goldkäfer (car ab us auratus)^ 
den die Buben auf die Hand se- 
zen, etwas drücken und dabei 
sprechen: 

Goldschmid, Goldschmid 
Schlag mir au Oel! 
Oder i verwürg di 
An Leib und Seel! 

In Klimmach und Birkach 
heiszt esz: 

Goldschmid, Goldschmid 
Gib m'r a Gold 

Oder i stil dir dein goldena Huei t 
3) Gold inZusamensezungmit 
Flurnamen ist nicht selten : G o 1 d- 
wisen, Reinhartshofen ; Golda- 
weida, Langeneringen. Das Adj. 
goldin und guldin komt in 
folgender Bedeutung vor: 1) die 
güldinen Heiter hieszen die mit 
übergüldten Borten und Schnüren 
umhängten Stadtgardisten auf 
dem Walle, Goldreiter auch 
genannt; 2) Goldener Tag, der 
Tag nach der Hochzeit, warschein- 
lieh von Altbayem eingebürgert. 
Vrgl. Schmell. U. 34. 3) Bekant 
ist der goldene Saal im Bath- 
hause. 4) Goldenes Stüblein 
hiesz emals auch die Mezgerstu' 
ben. Mezg. Akt. 5) >Folgen di» 
Pfriendtner un^ Spitaler, denen. 
man allen den guldin Gnldi 
geben.« Web. Akt. 1601. >In^ 
Sumer 1520 ganz diser gstalt: 



Gomen — Gott. 



199 



ein altfrenkisch guldi he- 
met am Hals und Ermein, c Elei- 
derb. 43. >Die Hosen mit gren 
Zendel, das Hemet mit guldi 
Getier.« a. a. 0. Goldenes 
Bett im Einderreime ausz den 
Standen: 

Jez laut ma Mittag 
Und da Herra ins Grab 
Und da Bueba in d'DoaraheG^, 
Und da Madien in's goldeBett. 
Strümpfe mit goldenen und 
silbernen Zwicklen, Poliz. 0. 
1785. Güldene Bareth. a.a.O. 
Yergnldte Gutschen. a. a. 0. 
Conlin heiszt die Geizigen 
wiederholt >Goldegel.< Gold- 
^erg, altes Römerlager b.Türk- 
ieim. Zacher 176. 

GOMEN, gommen, goumen, 
hüten, das Haus wärend des Sonn- 
tagsgottesdienstes. Sieh gotisch 
g anm j an c. Dat. In der St. Ul- 
richslegende von Albertus Y. 626 
heiszt esz: 

do der Gotes goume 
lac ruowen in deme troume. 
6 anm er im Stdtr.: »ich wil 
iwer gaumer noh iwer behalter 
niht 8in.< Gotisch ganmjan = 
Acht haben, bewachen, nord. 
geyma besagt zu guma = Mann 
gehalten wörtlich >den Mann 
machen«. Daher ist koumal: 
Hüter, custos. Ich frage, soll man 
zu guma mit Wechsel des m in 
n nicht gotisch quens, queins 
quino stellen dürfen, wie nord. 
kyana,kyen,kona neben konr 
imd sollte nicht dem griechischen 
ymni^ yava auch yavviq für amiQ 



zur Seite sten? Wir haben auch 
Gans neben anas Ente. Dem 
symbolischen Auszdrucke von 
Schwert undSpindelfärMann 
und Weib läge dann dieselbe 
Anlichkeit zu Grunde und Mann 
und Weib sind in der Tat beide 
Wächter der Familie, des Hauses. 
GOMMERN, Gurken; nieder- 
schwäb. Guggommdro. Küm- 
merling. Arcana Natur. Nürn- 
berg. 1627. 5. 

GOSCHE , die , pöpelhafte 
Schelte. 
»Wann doch die Leute oft so tun 

all boshaft sein. 
So sol man haben gleich einen 

Kannen Wasser vol 
und schütten in die Gösch die- 
selben ihm hinein. 
Lang, NatürL Zauberei 49. 
>0 du verfluchte Goschenl< 
>0 du Klappergoschen!« H. 
S. Die Goschen ausleeren. 
Conlin. Von denHurenweibem 
sagt Conlin: 

Solche Fratzen kosten Bazen, 
Solche Zaschen leeren die Taschen^ 
Solche Goschen wollen Groschen, 
Solche Waar will Denar, 
Solche Bilder kosten Silber. 

GOTT komt in folgenden Zu- 
samensezungen vor : G o tb r o t, 
Almosen >Vier gülden um Got- 
brot« Man. f. 1*. >und die Pfen- 
ning git er um einen Gotbe- 
raut in die Siechstuben.« f. 4*. 
7\ Dabei stet imer stupa, ad 
stupam. »Alle Spend und ge- 
stift Gotzbrot.« S. 374*. Das- 
selbe wird sein: »Die Geistlichen 



200 



Göze — Gras. 



könden keine Gotsp fennige 
nit annemen.« Vrtrg. von 1647. 
»Gottlob geac in den Standen, 
eine Art Taufschmaus 8 Tage 
nach der Taufe; dabei sindHefif- 
amme, Vater, Mutter, Paten: alles 
ist lustiger und guter Dinge. Ich 
mache hier auf das Tuttlingische 
oder überhaupt altwirtembergi- 
sehe >Gotlobeten feie rn< auf- 
merksam. Nach disem Tuttl. 
Wiedergenesungsfest hinterlaszen 
die scheidenden Freundinen etc. 
ein Geldgeschenk. Gottsnamen- 
krämer heiszt in Augsb. einer 
der schlechten Zuspruch hat. 
Gottesackerblumen, weisze 
Haare;Gottesackerpfeifer,d. 
Husten. Gottesgwalt im Klei- 
derb. S. 85: >Adi 19. Dez. 1547 
am Morgens umb 5 Yr traf mich 
Gottes Gwalt(Schlagflusz) auf 
dem Rechnen.« >Griff mich Gott 
mit seim gwalt an, des man 
nennet den schlag.« L. Rem. 27. 
In den Stauden hörte ich den 
Reim: 

Gruesz di Gott 

Pfüet di Gott! 

Das sind 2 harte Wort. 

Aber beim pfüet die Gott, 

Nao müesz mer fort. 
Gottvater- oder Dreifaltig- 
keit s hüte. Rottal. 

GÖZE, swm. Heiligenbild, wie 
noch allerwärts Oelgöz, langer 
Mensch, von den Jüngern bei den 
übrall angebrachten Oelbergen 
an Kirchen, hergenomen. Gass. 
redet vom »groszen steineren 
Götzen Ciaa Bildnis,< >ein Port 



mit vilen Heiligen und Götz en,< 
> einen neuen Gözen schnizen 
laszen.« > Silberne Gözen und 
Heilige.« > Unsere Bauren aber, 
welche sich noch zur römischen 
Kirche bekandten und irer Gö t z e n 
forchtend — haben disselbenge- 
flechnet.« u. s. w. In Franks An- 
nalen stetGot dafür: >der prach 
den Got von dem creucz.« 

GRABEN, der. In A. gab esz 
einen obern, mittlem, untern Gra- 
ben, einen Jacober-, Blaich- 
N e u e r-, B i s c h el - bei Schwabeck, 
Moos-, Hunolds-, Gränz- 
Graben. Auf unserer lieben 
Frauen-, Fischer- Graben, 
wo des Fischergraben - Knechts 
Amt war. >Einen Graben auf- 
tun« auszschlagen und graben. 
Stauden. 

GRAS, das, in Grasgülten, 
Stift undG. imGegensaze zu den 
Getraidgülten. Klimmach. Pfarrb. 
Grasgüllt u. Grasgelt. Mickh. 
Akt. 1569 u. 1610. Grashupfer, 
Heuschrecke. Grasstecken heis- 
zen in den Stauden die Holz- 
bengel an denen der Bursche das 
Gras auf dem Rücken heimtragt. 
Ztw. grasen. »Die Venediger, 
als die gerne um sich grasen.« 
Gass. »Und die nach irem Ge- 
fallen wermen und grasszen 
kunten.« ? Horm. 1834 S. 151. 
Tänze, Lieder von Gras er inen 
V. Grasen u. s. w. sind schwä- 
bisch-volktümlich , z. B. 
Madele gang nett in's Gras 
Sonst wird dein Schürzele nasz; 



Gratrucken — Greinen. 



201 



i6 bis d'Sonna soheint 
ing mer drei, 
nnere nur an: Bald gras 
^ekar. Ein anderes Lied 
eiter und von der Gra- 
in meinen schwäb. Volks- 
Nr. 2. 

TRÜCKEN wie nbd. >So 
tan es binden vom Kack 
den Gratrugken fürab.« 
Ol f. 106^ >Das Grat- 
in.« f. 112». 

.TSCHEN swY. gratteln, 
ommen Beinen gen; grat- 
ki gt, krummbeinig^. Yrgl. 
L II, 124. 

TTEL , 1) die Füsze , 2) 
chfleck, Kreuz der Bein- 
zwischen den Füszen. 
Der Boppabartel 
it der langa Grattel. 

Behlinger Hausreim. 
.TTELN swv. allgemein für 
»erbaupt. >Haogt d9 Gmuids- 
lO itt graddl9 seo?< Scb. 
.ULERCHE in dem Schnell- 
spild. Kinder ausz den Stau- 
Drui gleiche Grauler- 
ne zu atmen so und sovil- 
L sprechen. 

tüNERISCH: >Es hat aber 
rmen Närrin weit felge- 
3n, dann sie ist bald darauf 
ren Eltern gezwungen wor- 
in^n zwar reichen, aberal- 
Uzlichen , tölpischen und 
lerischenLimmel zuhei- 
: Gonlin. >Wann es ja sein 
) gebt mir dann den alten 
5 r i fl c h e n Greiner nur her . < 
). Sieh greinen. 



GRAÜNZENswv. 1) knarren von 
Wagen auf gefrorenem Schnee. 
3) weinen von Kindern. Nördl. u. 
allgem. 3)v. neuen Schuhen u. s.w. 

GRÄÜSELN, gruseln in der 
Kindersprache. Man gräuselt 
das Kind bis zum Nacken oder 
Kinn und sagt in den Stauden: 
>Gräu8ele Mäusele in's Gur- 
gele neL< 

GRAUSLICH, furchtbar, >grau- 
sig< sonst. >Wild und gräus- 
la< V e. Brunst. Seh. 

GRECHT, GERECHT d. h. zu 
recht gemacht , verrichtet , fer- 
tig gemacht. S. 312^: > Wenn man 
im Chor da mit dem Gesang 
krechtist.« In der Strasze heiszt 
>gredcht9< sein Hauswesen gut 
verrichten. 

Im T. N. 13545: 
Und in sie gieszen swebel u. Beck 
Damit so werdendsnimer grech. 
Daneben gerech. 10749. 548. 
In Niederschwab, grea, fertig: 
ma mar send grea gsei. 

GREIFEN stv. >Daniach hat 
Achilles, der eben in seinen lez- 
ten Zügen grif.i Trojan. Krg. 
Schmeller II, 105. f 28*. In einem 
Kinderreime heiszt die Wortver- 
sezung : 

Basannele, Basannele 
Schlag uff und stand a Liecht! 
Es gät a Haus im Geist herum 
I greif er furcht me a. 

Grif, der, R. A. 
>I haun's im Griff 
Wie der Mezger im Stich.« Stand. 

GREINEN swv. 1) Vom gefror- 
nen Schnee, so die Räder darüber 



202 



Gred. 



ÜBiren, heisz t esz : > heunt g r a i n t^s 
a maol« , was sonst graun- 
Ben ist. Stauden. 2) Von den 
Schweinen: grunzen. »Und jeg- 
licher Bitter zu im nam ainSaw 
und macht sie greinen so er 
öftest macht, wann ich erkant 
wol, dasz die helfant das grei- 
nen fast forchten.« cgm. 581 f. 
118*. > D ie Reitenden g r y m p t e'n 
die Saw^ die erhörten das Grei- 
nen der Säw und begunden zu 
fliehen. € a. a. 0. f. 118^ >Vor 
seiner kchamer geleich (höret 
er) als die sawe grynnen.« 
ogm. 164 f. 15*. »der schrai und 
grinn recht als ein schwein.« 
cgm. 402f.72^ 3)»widergrinen 
alseein gr inen der hund.< cgm. 
419 f. 36*. 4) weinen, von Kin- 
dern und auch von Erwachsenen, 
ausz Schmerz weinen. 5) zan- 
ken. >Sie greint und er schreit : 
•das ist ein Eilend.« H. S. >Mit 
■irem Humsen und Greinen und 
Zanken.« a. a. 0. >Da ist das 
Schreien , Raufen, Zanken und 
■Greinen alle Tag.« a.a.O. >Ein 
zänkisch, greinerisch Weib.< 
a. a. 0. 

GRED, die, Staffelhaus; in 
den Stadtrechten Schwabens all- 
gemein. Ueberlingen hatte eine 
Gr e dt. Chr. v. 1577 hs. in Frauen- 
feld. Dafür erscheint urkundlich 
Gradhaus. In Meersburg war 
die Gredbrücke bis an das Ku- 
gelwehr, Schiffstelle. Mone, Zeit- 
schrift 15, 60. Im Memminger 
Stadtrechte : > vmb das gredlon<. 
Wir habendt gesezt, daz von 



Salz , von anderm gut der stat 
noch ainest als vil gredlon ge- 
ben flol alz vor.« Gredtzoll, 
Lagergeld fär die Kaufmanns- 
Waaren im Memminger Kanf- 
hause, was Gredlon. In Blau- 
beuren war ebenfalls die Gredt, 
»das Wägen in der G.< Reysch. 
St. R. 842. Die finster Gred 
(Gräbd?) Begräbnisstätte in A. 
erscheint in der Geschichte der 
Stadt unzäligemal. Da war eine 
Freiung > swaz ein man tut, der 
dar geflohen kumt. als er uf die 
grede kumet, so sol er frid ha- 
ben.« Stdtr.f. 11*. >DieGrabsteni 
— auf der finstern Grat wur- 
den schnurgleich — eben ge- 
macht.« Gass. >ünd leit Alb. 
Gossenbrot üf der vinster Gred , 
zu unser Frauen.« cgm. 92 f. 1 
25*. »Und leit ach uff der Gred | 
bei irem Mann.« f. 27*. >üiid 
ligen zu St. Ulrich begraben nff ^ 
der gret.« f 30^ Nach dem 
Festkalender > gehet die Dom- - 
Clerisei durch die finstere Grädt 
in die St. Johann'spfarr.« Die 
Finstergret und den Fraithof . 
reinigen« erscheint in Urkdn. so ' 
V. 1552. In einem Vergleich von 
1602 heiszt esz: »Die Finste^ 
gredt soll dem Domcapitul näcM- 
licherweil zu sperren freigelaszen 
und doch dem Rat darzu ein 
Schlüssel gegeben, wie auch von 
dem Rat das Pflastersand darauf 
ligenden eisznen Gitter auf der 
liechten Gredt von wegen der 
Zech in dem alten Stand erhal- 
ten werden, sonsten aber keiso- 



Gret — Ghriesz. 



203 



Teil dem $Lndem auf der Hech- 
ten Gredt etwas bauen. i 

In dem schwäb. alam. Rituale 
«gm. 168 ausz dem XIY. Jarhd. 
kamt Gred oft vor für die ge- 
mnten Altar- und Cborstufen. 
»Und Bon (sollen) zwo swestern 
Bit zweien kerzen üf kerzstaln 
gän für die grete.< f. 44». >So 
«kl sie die -novizien meisterin fü- 
ran nnz an die grete vor dem 
«lt4r.< f. 44*». 2. >Und stände üf 
üe grete gen dem kore.< f. 52^ 
»An disem Tag sol man einen 
ftorhang spannen für die grete.« 
1 68*. »So sol der das ampt tut 
UV di^i greten stän, der vor- 
inL< f. 44^. >Die kustrin sol 
4bi 'bahnen üf die grete legen, i 
•£ 64*. u. s. w. Eine hs. XV. Jh. 
«Salomis tron was gesezt auf 
$ gred, also über 6 gred ist Ma- 
fia «rböbet, sie vberget die gred 
'ier Patriarchen und profeten.i 
Mein Wbl. 36. 

G^T allgem. neben Great. 
i) för Margareta. Spöttisch Bau- 
ten grettl. Conlin. >Ich füre 
BMin Gredel (Geliebte) zum 
Tanz.« a. a. 0. 2) unterer üeber- 
4ng des Kopfkissens. 3) >Und 
inur — < band d'Greath und 
d'Noath.« Seh.? 

GBETISCH, GRÄTISCJe, adj. 
fretigcherBarohet,gretiBcher 
Zwilch u. s. w von Gr at, in der 
^«bersprache. . >Item es sollen 
vm fürohin kein anderer Grath 
gemacht werden -^ dann der 
rechten Yiersohifitigen Gerath 
*ie Ton Alter her -^ dann man 



an denen tuechen keinen andern 
gratt haben will dann den rech- 
ten vierschifftigen Gratt; wel- 
cher aber gueten gret tischen 
Barchet würkhen will , der mag 
den rechten Burschatgratt u. 
Fischgr edlin wol würkhen: 
doch dasz die unter zwölfhundert 
Fäden nit haben.« Web. Akt. 

GRIBES GRABES, verwirrend, 
durcheinander , unverständlich 
machen. Vrgl. K r i w e s. 

GRIEBE swf. kleine quadra- 
tisch geschnittene und auszgesot- 
tene Speckbröckelchen. Gruiba, 
Nördl. >Mein Gebain dorret als 
ein Grieb.« cgm. 206 f. 193*. 
>Mein pein sind erdorret als ein 
düre g riebe.« cgm. 127 f. 25*. 

GRIECHEN, die, kleine blaue 
Zwetschgen, was die Cyper- 
zwetschgen anderwärts sind. 

GRIESZ , das , Steingerölle, 
Sandmasse »Am Griesz < in 
Augsb. der Plaz vor dem Stef- 
finger Tore, wo der St. Jacobs- 
spital war. Lechgriesz. Gass. 
Griesz e heiszen die zalreichen 
Grieszbänke des Lechs, ange- 
schwemtes Gerolle; ist disz lez- 
tere bewachsen, oft mit den an- 
grenzenden Wäldern verwachsen, 
nennt man esz Auen, 's Griesz 
ist in Günzburg, eine Insel am 
Kappen Zipfel in der Kähe von 
der Mordschlacht. Staaren- 
griesz ebenfalls bei Günzburg. 
Oberhalb und unterhalb Türk- 
heim ist ein urkundl. Griesz. 
>Der Weg ward in der Stadt mit 
Kisel steinen, auszerhalb aber mit 



204 



GrieszBieine — Grubein. 



Griesz, nach Art der Statt Rom 
gepflastert und beschüttet.« aa.O. 
Das G r i e 8 z , eine Hamblasen- 
krankheit: >da8 grüse, das in 
der blauter wirt.< Astron 17*. 

GRIESZSTEINE, gute, in alt. 
Müllero rdnungen. 

GRIFER. »10 Stück Gryfer 
und wullin duch, man heisst es 
Loden.« Gass. ? 

GRIND spr. Gred, pöbelhaft 
für Kopf; in manchen Gegenden 
gut gemeint: 
»Gang schneuz dV und lueg näch'm 

Kind 
Und hink itt allaweil da Grind. i 

Seh. 
»Wie halt die Weiber alle sind 
Wau moinet dasz nach iahrem 

Grind 
A jedes (Ding) fabriziert sein 
musz.< a.a.O. 

Wiegenlied: 
Heia popeia 
So wieg i mei Kind! 
Und wärist du gröszer 
Nä schlüeg di an Grind. 
Und weil du kleinmonzig bist 
Und no nett waiszt was gschla- 

gen ist, 
So wieg i di. Stauden. 

Zwischet zwoi Tanna 

Dau gät der kalt Wind, 

Dau füert der jung Deufel 

Da n alta beim Grind. Stand. 

Madie komm gschwind 

I nimm di beim Gred, 

I lasz di nett fard 

Bisz d'äöre weg sind. Güuzb. 

Du B ü f f e 1 g r i n d I rohe Schelte. 
Grind, Erbgrind, Scabies. Ver- 



grinden swv. »In Sünden ver- 
grindeteL eprosen. < Klimmach. 
Prdgtbuch. 118. Unverschämter 
Grindschip pel: Schelte. Con- 
lin. Gefürnester G. Auf ge- 
buzter Grind, a a. 0. 

GRITSCHE, die, swf. heiszt m 
den Stauden eine Art Wülmause, 
Haselmäuse 

GRONEN, d. h. gro8n9 einem 
altern grainan entsprechend; 
gedeihen, blühen, wachsen. >Ma 
ka nimma groana, mamuesz der 
Obrigkeit z'vil zala.« Klimmach. 
>gronend erhalten werden.« S. 
595*. »Und Glaub ist bei. inen 
gronet und pflanzt worden.« 
a. a. 0. 376*. In der Regel nur 
von Kindern gebraucht, wofür hie 
und da drien vorkomt. Ein halb- 
bayer. cgm. 201 hat ser oft grü- 
nen, was einem gronjan neben 
grainan im Alten entspricht 
»Darumb zimpt allen bürgern 
durch des Gutes willen der Kin- 
der, daz die Kinder grünend 
sind mit der grösz des leichnams.« 
f. 107**. >Wann der man ist mer 
grünend der Vernunft.« f. 108*. 
»Grünen mit allen tugenten« v. 
Frauen, a. a. 0. >Grünen mit 
beschaidenheit und frumkeit.« 
120*. Mein Wbl. 37. 

GROSZMORDLICH adj. ser grosz. 

GROSZ mit einem Kind gen. 
S. 393*. 

GRÜBELN, 1) vor Schauer frö- 
steln. A. 2) grübeln; warschein- 
lich bayer. Umlaut, der fast dem 
u in der Auszsprache nahe, wie 
der vom Fremden für reines a 



Graben — Gugel. 



^05 



€aae nhd. Umlaat von ä; 
, ioli wäre; i dat, ich täte 
V. In Günzburg ist gru- 
= gräuseln; sieh oben. 

JBEN komen in Mickhans, 
twschreibungen neben Pf ä- 
ieh oben), Öldern, Bue- 
u. 8 w. oft vor: zwischen 
NS. Grueben,— 1 Grneb 
den Farweg nach etc. — 
3r Grueb schaidt wieder 
wrweg bis zu einer Grueb 
laidt die lezt Grueb N. u. 
▼on dieser Grueb ist die 
an Holz hinumb — zu der 

Grueb noch 8 Grueben 
Kreuz. — >Den Berg hinauf 

Kreuz, ain Buech, wieder 
euz, zwo Grueben, ain 
, wieder 5 Gruoben — 
B Gruoben, so die Herr- 
«chaidt« u. s. w. Red. A. 
Fällst mir mei Grub itt 

d. h. du stest nicht für 
»in, besonders beim Ster- 
osmarshauser Gegend. 
ESZ, GRÜESZZEIT in der 
lannssprache. >Der Haas 
ach im Frühling in der 

z zum Lust und Kurzweil 
, doch weder Wehr noch 

ug gebraucht, noch in sol- 

rüeszzeit der Haas ge- 

n werden.« Vergleich von 

LZEN swv. eructare, neben 
n cgm. 685 f. 55^ 
IffMET, GROMMET, Gro- 
eben Omet und Aumet, 
far Ömd. 



GRUMPFIG adj. in der Buzen- 
b er cht, sieh Anhang. 
Wollt ir auch böse sein, faullen- 
zen und nichts tun, 
Grumpfig und muffig sein, als 
wie ein pfiffigs Huhn? 

GRÜNDEL, >ein neu Wasser- 
rad oder Grund el.< Bau 0. 

GRUSEL, Gans in der Kinder- 
sprache. 

GRUSTEN, swv. neben 'rum- 
grüst9, geschäftigen Müszigang 
treiben. Grüstkamer, wo alles 
regellosz durcheinander herum- 
ligt: >dä ist a Saustall in deara 
grüstkämer.i 

GUCKE, GUGG stf. Düte. Günz- 
burg. GstatteL sieh oben, scheint 
mer dem Riesz eigen zu sein. 
Mein Wbl. 38. 

GUGEL , 1) Trauermantel bei 
vomemer Leute Leichenbegäng- 
nis in A. wie in Constanz u.s.w. 
Gugler, eine Art Leinwand zu 
Gugeln. Gemäsz des Färber-Eides 
hatte jeder als Umgeld oder 
Sigelgeld in die verordnete 
Büchsen zu legen »von einem 
hieigen Gugler, Schetter, gan- 
zen oder halben Mittlem ein 
Pfennig.« Web. Zftakten. 2) Gu- 
gel (lat. cucullus) ist in Otteis 
121 neuen Liedern 1534 Nr. 2 
als Refrain benüzt: 
Und hast du Gugel funden; 
Wir hän die Gugel zwegenbracht. 

In den Nonnenkloster-Ritualien 
>sol ein swester begraben werden 
in einem rogk und G u g e 1 e n und 
weilen oder cucullen.« cgm. 
78 f. 21*». 



206 



Gugelhopf — Guggeisle. 



GÜGELHOPF, das bekante 
Backwerk; niederschwäb. Kho- 
gelhopf. Der Name deutet auf 
eine hohe aufsteigende Form hin. 
Herr von Gugelhopf hiesz 
eine bekante Stadtpersönlichkeit 
in Augsb. Er trug einen Zopf, 
in den Händen einHäfelein, eine 
Gestalt wie der Münchner Pi- 
tt essensepperl. Sein Genosse 
war der Knöpflefreszer und 
der dappet Näze. Dazu komt 
noch die dickköpfige Zwergge- 
stalt, »Frau Schmaiserle« ge- 
heiszen. Endlich gab esz den Ja k- 
kele, einen halbtollen Menschen, 
zu dem sagte man: Ja ekel, der 
Boden brichtt 

Die Höchstadter werden Go- 
gelhopf geheiszen, weil sie in 
einer Flasche, einen solchen ge- 
backen und in nachher nicht 
mer herauszbringen konten, bis 
endlich der hochweise Rat auf 
den Einfall kam die Flasche zu 
zerschlagen. 

Vom Gugelhopf getdieRed. 
A. »Aha, bei dem hat der Gu- 
gelhopf auch nicht weiter ge- 
reicht,« d. h. dem ist's ergangen 
wie dem Peter in der Fremde. 
Conlin sagt: villeicht hat ihm 
(den verlornen Sohn) gelust nach 
einem Bayerischen Gogel- 
hopf oder hat er ihnen Mucken 
gemacht wegen eines bayerischen 
Wespennestes. 

GÜGGEN, GUCKEN swv. schau- 
en, sehen, lugen. Schwaben hat 
Gegenden, wo nur luegen und 
wo nur guggen vorkomt, daher 



die Türme Luginsland und 
Gugginsland;, Guggenberg, 
der Hof auf dem Leitaberg ob 
Schwabmünchen. ' «{n Günzburg 
und Umgegend heiszt der imp. 
imergugg sih oder sih guggl 
Guggerle, kleine fensterartige 
Oeffnung , Lücke , so dasz man 
gerade mit dem Eopfe hinausz- 
sehen kan. , Urkundlich v. 1647 
ist das G.uggerle bei der Wer- 
tachbrücke. >Da8 kleine Gug- 
gerli zu Wertachsbruck mag 
man etwas frühers öffnen, auch 
spater zueschlieszen , wegen der 
Arbeiten wie auch des Bads, doel 
dasz man die Leut wol kenne.« 
Guggerle war eines Mezgas 
Spizname. Guggelen nigte 
man gerne für das DurchschaQjaa 
durch ein Guggerle. Gugge^ 
hirele, das oberste Dachfei^stei; 
von dem ausz man die weiteste 
Auszsicht hat. In den Stauden 
hörte ich ein Rätsel: 

Was ist das: Der Guggausz, 

der Gangausz, der Woüeaber 

und der Hizgeaber? 

(Kleines Fenster, Gucker. Türe. 

Ofen.) 

GUGGEISLE, ein gebrannter 
Stein 10" lang; 5" breit; 5" dick 
bei Feuerungen, Einmauerungen 
V Ofen, Nischen, Gewölben. Bau 
Ordg. >Dasz zu jeder Esz ein 
eigener und besonderer Eümmich 
von einer genügsamen Weite von 
Guggengeislen solle gemacht 
werden.« Feuer Ordg. 1731. In 
Mickkaus. Rechgen. y. 1709 eh&or 



Gugger ' — Gunkel. 



207 



falls. >De8gleichen sollen die Eut- 
ieir und kümmiche alle mitsamt 
doren Schlnfif oder Schlund bis 
a dexa ersten Ruhabsaz von 
Mmr oder Riegelstein oderGug- 
geis z 1 e n gemacht werden.« Bau 
Ordg. Schmelz - Trieb - Eszküm- 
miche rnusten zum wenigsten mit 
emem Guggeiszle ausgemauert 
werden. Bau. 0. 

GÜGGER, GUCKER, Kukuk. 
Stauden. Tänze: 
Der Gugger im Wald 
Schreit all weil Diendel halt! 
Dte Ding hat mi gfrait 
Weil der Gugger so schreit. 
B» Gu g g e r duet jugga 
^ i^SS^ ^ ^ Füesz : 
Ju kan er nimme jngga 
fitt da Schnabel einbüeszt. 
Trgl. das Lied vom Gugger im 
.Anhange. 

Ratsei: Der Gugger schreit 
lidit vor Jakobe. 
Kein: er schreit kukuk. 

Stauden. 
Die Hawanger heiszen Gug- 
ger; sie wollten einst einen G. 
im Saatfeld fangen, damit er nichts 
lehade, trugen daher 4 einen 
tum hinein und nagelten, dasz 
nichts verdorben werde , Bret- 
kÜL auf ire Solen. 

GÜL, swm. Han. »Dieser Vogel 
«kd von den Teutschen ein Hahn, 
flaushahn, Gul, Güggel und 
Cbckelhan genennt, i Gockelius 1. 
G£fMPE, der, ein weites rundes 
Porzellan - G^fasz. Spül- oder 
&ehwenkgumpe, deren man 
mh edem an Eafe- und Thee- 



tischen zum Abspülen der Tassen 
bediente. Journal v. u. für Deutsch- 
land 1784. Oktb. S. 252. Mein 
Wbl. 38. Gumper und Gum- 
pen, der, gurges. Kinderreim: 

N. N. Hemetlenz 

Schmeisz in d' Günz 

Zui da Lumpa > 

Fall in G u m p a. Rottal. 

A. B. C 

D' Kaz leuft im Schnee, 

H&t's Fidla voler Lumpa 

Jaz springt se in Gumpa. 
Gumpiger Donnerstag vor 
der Fasnacht, sieh Wb. z. Volkst. 
Stauden. Verb, gumpen, salire, 
hüpfen. 

Es schneit, es schneit 
Dasz Baura kheit 
Es lumpet, es lumpet (d.h. flocket) 
Dasz d'Hirta gumpet. AUgäu. 

In einem Augsb. Drucke, Anfg. 
16. Jarh. komt gumpen vor = 
Excesse in der Ehe machen von 
der Frau: 

Diesselb die kan vil böser List 
Sie dein nicht achtet noch schonet, 
Des gumpen hat sie gewonet 
u. 8. w. 

Ferner: 
Dasz Menge komt in dieEefrum 
Und feit etwa gar pald von Ereuz 
Gumpet auf alle Ort beseits. 
Wer ist aber schuldig daran 
Zum mererteil böser Ehemann. 

GÜMPTER in den Weberreoh- 
nungen: »dem Gerner für den 
Gumbter 22 kr.< >Zu dem 
Gumpterzu machen 3 fl.< 

GUNKEL. 1) Kunkel in Zu- 
samensezung :Gunkelhau8. Nie- 



208 



Günliche — Gntterer. 



denchwaben hat kh; die Staa- 
den g. In Sigertshofen war wie 
überall auch eine Gunkelstnben- 
Ordnung. Die v. 1700, 19. Dez. 
im Pfarrbuche enthält folgende 
Punkte: die Gnngelhäuser 
seind bei T^g und Nacht abge- 
teilt. Esz gab grosze G. und 
mindere G. für Töchter und 
Mägde, die getrennt sein mus- 
ten. Die kleinen -Mägdlein mögen 
bei Haus bleiben. Die Buben 
sollen in ire eigenen G. gen und 
nicht zu den Mägden, sondern 
ihnen auszweichen. Uebertretung 
kostet 30, Ehrabschneidung da- 
selbst 46 kr. 

Die Brautgunkel holen war 
und ist jezt noch beliebte Hoch- 
zeitsitte. In Ochsenbrunnen holt 
man nach dem Male gegen 3 oder 
4 ür aus dem Hause der Braut 
die zierlich angelegte Gunkel, 
daran hübsche Bänder guldbe- 
schlagene Wirtel und Spindel. 
Man stellt sie auf freiem Plaze 
des Ortes nieder und der Tanz 
darum beginnt. Eine grosze Kanne 
bei Reichen mit Wein, bei Armen 
mit Bier gefüllt macht die Bunde. 
Die Kanne hiesz im obigen Flecken 
>Fuchs.c >DenFuchs wieder 
füllac war der Ruf. Der Tanz 
mit Trunk dauerte etwa eine halbe 
Stunde. Sieh Wickele. 3) Herbst- 
zeitlose, Colchicum auctumnale: 
Nachtgunkel. 

GÜNLICHE, die, in schwäb. 
codd. >Du sizzest zu der zesm 
Gottes deines Vaters in dergün- 
liche.i 201f. 213 »Got wird erha- 



ben über diehimel und über 
Erden dein günliche.« f. 1 
>Zwar sein heil ist mit den, 
in fürchten und sein günli 
wonet in unser erden, c f. 1 
u. s. w. 

GÜNZ, die, hat in Günzb 
ein Seitenwaezer, genannt >B t 
günzc. 

GURGELN swv. »den M 
und die Kelen beschirmet i 
mit Magranöpfels äfft, in 
Mund halten und damit gej 
gelt — auch unzeitige Maul] 
damit gegurgelt.« cgm. l 
f. 114». 

GÜRRENHÜTTE, die, emäli 
Fohlenhof b. Ulm. Publ. desl 
V. 6. 7. S 53. 2. 

GURT, die, 1) Gängelband 
kleine Kinder, die das Ljkii 
lernen. 2) wie nhd. »ain zwii 
uTbergurt.« Sail. 0. 

GURWATEL, die, berüchti 
Weibsperson. Riesz. 

GUTENTAG, Mitwoch, ü 
schwäb. augsb. Kalender v. 1 
cgm. 397 f. 12». In Frommai 
Ztschrft. V. 260 ff. habe ich 
altes Passionswochen-Gebet i 
geteilt, wo der Montag nach < 
Palmtag >Quontag< he: 
Quontag, Gutentag ist 
Wuotanstag, Guodenstag. £ 
aus, Jarztbuch. 42, 45. Fr 
I, 385«. Schmell. H, 533. 

GUTFERTIGER, 2, nach « 
30järigen Kriege, niederes st 
Amt. 

GUTTERER, bes. für Bai 
bronnenschlauch. Ztw. >'8 1 



Guzelen — H 



209 



gattret inn wia im a Schlauch.« 
Seh. Gütterlescheiszer spöt- 
tisch für Apotheker, änlich wie 
Beckelebant seh er für Barbier. 
Solche Wortbildungen liebt die 
Aogsb. Mundart. 

GUZELEN neben GÜTELEN 



allgem. fürConfekt, besonders in 
der Kindersprache. 

GVATTER: >'zGvattergwin- 
nen< zu Gevatter bitten. 

GW AG >im G. gen< sich hin 
und her bewegen. 



H 



\ 



1) Das gotische rein anlautende 
lyerbleibt H auch im Schwäb- 
iKkn. Wo esz im Gotischen 
urein anlautet, also vor 1, n, 
f, w, föUt esz ab. 
Doch zeigt die Mundart öfters 
naeehtes h im Anlaute, so beson- 
dere an der Vorsilbe er- (altes 
BT, US, ir, ar): herbermd, her- 
koren, herstorben, im Lieder- 
laale. Schmid 250. cgm. 144: 
ierbreittern = erbraiten = 
Ixrait machen: »dann voa wegen 
derayrdotterherbraittert und 
offiiet die poros.c Heardäpfel 
iiiidEardäpfel;Eardschmid- 
lennd Heardschmidle; vgl. E. 
Her gegen Oberbayem hin. >Let- 
^ Herd< cgm. 289. Wer einen 
Bomanen deutsch reden hört, dem 
fiUt sicher auf, dasz er beim Zu- 
ttmentreffen zweier Vocale oder 
•a Wörtern , die mit einem Vo- 
cale beginnen ein h ein- oder vor- 
«ezt Die Venediger Alpen haben 
dise Erscheinung gleichfalls. Vrgl. 



Schmell. Cimbr. Wb. § 79. — 
Wichtig ist das Haddel = Mist- 
jauche, in den Straszen-Ortschaf- 
ten bis hinein in die Stauden üb- 
lich, das von Altbayern sich ein- 
gebürgert, wo esz ädl lautet 
(Schmell. I, 26). Haddelgrube 
ist nichts anderes mit seinem h 
als eine volktümliche Anlenung 
an haddeln, sieh unten. »Hileri 
für liier bei Gass. HoblaterTör- 
lein a a. 0. Ferner besten neben 
einander allgemein Heifant und 
Elefantbein in den codd. und 
mundartl. Helfaboi. Hais eben 
und ai sehen, (Almosen.) ürkd. 
1559 und cgm. 402. Heremiten. 
L.Rem. Hainhofe n u. Ainho- 
fen, Hämerling u.Emerling. 
Strasze. Haber und aber, sieh 
unten. Hoidex u. adex, edex, 
lacerta agilis. Vrgl. haikel und 
eckel. Eine versteinerte, uralte 
zerstreut schwäbische und ober- 
pfalz. Erscheinung ist huzza 
gaü = inHaimgarten gen, altes 
14 



210 



uzzana gän. Schon das Psalt. 
Windsb. hat h erbe s = hereditas. 
Vrgl. Frommann'g Zeitschrift I, 
290. 10. II, 75. 9. IV, 281, 27. 
V, 287, 13 und 868. 

Anlautendes h wechselt auch 
mit k wie inEobel und Hobel? 
»Kobelwagen neben Hobel- 
wagen< sieh unten. Femer in 
den Ortsnamen auf -hofen und 
-kofen, auf -ham und -kam. 
Sollte etwa k ausz*gh (ge-h) wie 
in keien (geheien) entstanden 
sein? -kam würde seine Bestäti- 
gung in Eemnat finden. 

Die Endsilbe -heit got. hai- 
dus, Wesen, wandelt h in k auf 
dem Wege der Angleichung, wenn 
ein Gaumenlaut vorherget. Die 
Mundart hat esz allgemein. Die 
codd. vom 15. Jh. ab lieben k in 
disem Falle: tragkeit, gerech- 
tigkeit, endlikeit, gewond- 
likeit u. s. w. cgm. 201. Der 
mer bayerische cgm. 456 hat stets 
-heit. Frommann's Zeitsch. III, 
110 ff. 

In fremden Wörtern fällt an- 
lautendes h manchmal weg; so 
schreibt der cgm. 168 omelie 
(Homilie), Ippolitusu. s. w. Der 
Name Ysop, swm. hat wie im 
Got. allgem. volküblich h. Mund- 
artlich verliert auch her, hin, haim, 
hein sein h; huszlaü von Spei- 
sen: übrig laszen für den später 
komenden neben husza, hinna 
u. s. w. gehören nicht hieher, esz 
ligt hie - usza, hie-inna zu 
Grunde. Schmell. Gramm. § 500. 
Mein Wbl. 38. 1. 



2) An- und auszlautendes h 
bleibt entweder a) als solches, 
oder b) esz verschiebt sich in 
reines g oder o) föUt auch ganz 
ausz. 

a) In Niederschwaben und im 
grösten Teile des schwäb. augsb. 
Gebietes ist die weiche Spirans 
h im In- und Auszlaute, wenn 
kein t folgt, kaum mer in der 
Auszsprache hörbar. Die Augs- 
burg -Ulmer Strasze hat noch 
Spuren, aber durchausz keinen 
Nasenlaut bei folgendem n, wie 
Niederschwaben. Disz spriclit 
hea, sea, gschea, jene sea, 
gschea u. s. w. Beide haben 
Schwear, Hear (heher), Wei 
(wiho ahd.) u. s. w. aber inFÜlen, 
wo t folgt, ist altes h, auch all- 
gemein im Auszlaute, als h n 
vememen: Truhh, Vihh; hhU 
die wiszenschafbliche von Schnd* 
1er eingefürte Schreibung des b, 
das dem alten h entspricht. An- 
ders ist esz in den Stauden und 
den sog. Straszen-Ortschaften. Da 
finden wir auch im Inlaute vor 
erhaltendem, selbst aber abge- 
tretenem w, die scharfe Spiram 
hh: gsehha (sehen, vom Ge- 
sichtssinne) , gotisch saihvan; 
gscheahha, ahd scehan, gre- 
ahhta z. geraihtjan, fertig 
gerecht machen, im Hauswesen 
den»Ferker<machen; Greahht- 
mach er, bayerisch Gischafftlhn- 
ber. Zeahha, Zehe und zehn. 
leih ha, lihan, leihen; weihhi, 
wihan; Weihhwaszer;Fl&ahh 
mhd. vloch; gähh, ahd. g&hi« 



H. 



211 



rauhh, rauh; schiehh, schiech, 
>8chieclier Kerle!« Schelte; H Ga- 
ulle, Höhe. Anheachond, An- 
liöhen; Bihhl, Bühl; Reahh, 
Reh. Buzzenberhht in A. sieh 
Anhang; nähhner neben näh- 
her; Handzwehhl, Handtuch; 
schnehh, got. skohs. Dahh, 
monedula, Dohle; sieh D. zeih- 
ha, zeihen; nohhat, darnach. 
Immenstadt. Schluahhbach u. 
Schlnabach bei Birkach. Flum. 
Oeg^n Füszen hin ist fauhha, 
(lähan) üblich, wo allgem. schwb. 
fanga stv. erscheint; gegen 
Bayern hin swv. Eigen ist hh in 
V«ahha, jihht, hihht, sonare 
akm. eacha, sieh m. Bemerkg. 
a Enhn's Zeitschrift XH , 451. 
AUganisch sind: Dihhl, Dib- 
bele, Deichel, Deil, Deiluug sonst 
achwäb. augsbnrg. Ztw. dihhl a 
>a waszer heardihhla« durch 
Boren herleiten. Immenstadt, 
Sonthofen. Heulihhel, Hacken 
z.Hea herauszziehn, auch nieder- 
Schwab, -liahha, Heuliahher. 
TrgL Schmell. Gramm. § 495. 
Schriftwerke bezeugen diseAusz- 
q^nrache: »himelspechendes 
leben.« cgm. 402. Hecher beiS. 
und cgm. 312 f. 31^. ahd. hehera, 
neh meine Erkl. in Euhn's Zeit- 
idirift Xn, 451 ff. Allgem. ist 
Walchen (ItaH), ebenso Gma- 
ehel. Dinkelspichel cgm. SlO 
1 102^ stechlin nagel, cgm. 
306f. 117^ Stachelschieszen, 
Gass. verfaucha (fAhan) cgm. 
872 f. 170». Siben vollen öchern 
(Aehren) cgm. 206 f. 56^. siben 



mager öcher. a. a. 0. Nä eb- 
ner, a. a. 0. emphachen, em- 
phachung cgm. 140, wo auch 
siehe, imper. stet neben 1 eichen. 
>An geweichten und unge- 
w eichten Örtem.c Troj. Krieg 
50». die Weich, Weichwaszer. 
Urkd. 1385. 'Kräuterweichin 
S. f. 69». Weichbischof f. 180». 
Weichkessel S. f. 583. geli- 
ehen f. 178. F ich weyt 177». idas 
Tor erhöchen« f.l74^ Speche 
machen, Poliz. 0. 1553. Beichel, 
Horm. 1834 S. 147. Handzwe- 
chel, a. a. 0. Gechwindt S. 
409. gechlingenf.219». Rech- 
bock f. 1 13^. >Z ä c h, dick koren< 
cgm. 402 f. 162». Auf falscher 
volktümlicher Anlenung beruht 
das vilf ach angelente S y n f 1 u c ht 
im cgm. 523 f. 1*». VrgL Wein- 
hold § 222. 

Dise Auszsprache des h, die 
der ursprünglichen nahe komen 
dürfte, wird teils den bayerischen 
Ostlechleuten , deren Nachbarn 
die Straszen-Ortschaften und die 
Staudenleute sind, teils der ört- 
lichen Beschaffenheit jener Ge- 
genden zuzuschreiben sein. Die 
starken Nebel des Wertachtales, 
die rauhe halbe Bergluft mit den 
vilen Nebeltälchen in den Stau- 
den, nimt die Atmungsorgane der 
Bewoner mer in Anspruch, än- 
lich wie in Holland. Schwei- 
zerisch-alamanischer Einflusz nach 
dem SOjärigen Kriege dürfte hier 
weniger als im Illertal und son- 
stigen Oberschwaben anzuschla- 
gen sein. Ich bemerkte auch im 
14* 



212 



H. 



Donautale bei Sigmaringen bis 
Biedlingen einen Anflug von der 
harten d. h. urspr. Spirans beim 
Landvolke. 

b) Dem uralten Geseze gemäsz 
«rscheint g für h oder hh, was 
die Altbayem gerne durchfüren: 
gschegn, gsegn. Schmell. Gr. 
§ 492. In Inlaute tritt meistens 
Tor s , im Auszlaute überhaupt 
gerne g auf: >seinen Negsten.« 
Holzmann, z'n ags (z'nax) Nachts ; 
näg8(näx), gestern Abend. Stau- 
den. Vrgl. Gwäx, nix, Fux, Ox 
in der nhd. Auszsprache. Zwug: 
>.den zwug er ir fuesz.< St. Ul- 
rich cgm. 402 f. 16»». Dazu halte 
ich das niederschwäb. zwagnen, 
den Kopf untertauchen im Was- 
zer ; w eg s t, wächst S. 305». End- 
lich betro glich, bedrohlich, 
cgm. 144 f. S\ Vrgl. Hahn, mhd. 
Gramm. 37. Fromm. Ztschrft. V, 
368. Schmell. Cimbr. Wb § 80. 
Vor wurzelhaftem s, t zeigt sich 
g nie; da tritt imer ch, d h. hh 
ein. Rumpelt, Gramm. 262 § 136. 
Ein g ausz nicht wurzelhaftem h, 
yilmer erst ausz w entstandenem 
h, erscheint in kniegen, genu 
flectere, als ob altes kniuhan 
für kniuwan zu Grunde läge: 
>d6 knieget er nyder.< cgm. 
372 f. 161». gneigt (ganigan) 
inclinare, darf nicht hiehergezogen 
werden. Vor t erscheint wie wir 
oben erwänt haben, wieder hh 
(oder ch): genug: »genüchtig- 
keit.< cgm. 205 f. 22^ >Mit 
groszer genücht.« cgm. 206 f. 
61». Ich füre hier auch ein volk- 



tümliches hhfur w in bauhhen 
an: bauen b. Illertissen ; wo an- 
dere Gegenden b a u b a aufweisen, 
c) Merkwürdigerweise begegnet 
harte Spirans auf gleichem Grund 
xmd Boden neben weicher, d. h. 
unhörbares und somit abgewor- 
fenes h. Lezteres, nämlich vor 
s, st, t, z die Spirans auszzu- 
werfen, ist im Nordischen und 
Sächsischen altes Gesez. Esz lonte 
sich eigens dem Geseze nachzu- 
spüren, da Schwaben unendlich 
reich an mundartlichen Schat- 
tierungen in disem Falle ist. 
Einige Beispile: Deil, Delling 
zu Deichel, allgäuisch Dihhel, 
sieh oben; Hoazig, Hochzeit; 
näst, nächst; Sea(Säch) ander- 
wärts Sä, am Pfluge. Läahh ne- 
ben Läa, Loh, lucus. Nätrüle, 
Nähtrüchlein (Augsb.); Fasnat, 
N a m m a d a (g) , Nachmittag ; 
Naobür, Nachbar; Deisel nie- 
derschwäb. Deisel, ahd. dihsila, 
temo; derno darnach; näanan- 
der, nacheinander; Näunder, 
das, Nachmittagsbrod undaurei- 
mats got. Väarunder, Vor- 
mittagsbrot. N ä m a c h a , nach- 
machen. Wie bua, buant (sieh 
B), so erscheint ein dö (hh): 
du sing dö! u. s. w., im plur. 
doent >gelt's döent!< wo man 
freilich Eintrit des h erwarten 
sollte. Von dem uralten Geseze 
vor t, st u. s. w. hh abzuwerfen 
in nät, kneät, (Knecht) bita 
(beichten) u. s. w., wie esz in d. 
Baar ob Rotweil bis an den Heu- 
berg üblich, fand ich im bayeri- 



H — Habem. 



213 



sehen Schwaben nur Spuren. 
Schriftliche Denkmäler bezeugen 
die Kegel: >die am nansten 
sind.« cgm. 581. >den nesten 
tag.« cgm. 345 f. 61». Die Fisch- 
acher Stat. haben näst, näst- 
kimpftig, näst Landgericht. 
Pferrkarra, -füra. Mezg. Akt.' 
den hosten stapfei. cgm. 215. 
f. 19^ Er tag für Erchtag cgm. 
467 f. 32». Vrgl. mein Wbl. 38. 
39. 3. Gramm. P. 456. 481. From- 
mann z. Herbort 179. Mhd. Wb. I, 
594*». Ich ziehe hieher denvolks- 
tüml. Perlachberg, -tura; 
bald hört manBerlaberg, bald 
(landschaftl.) Bearlaberg bald 
scharf Berlachberg. Das h, hh 
am Ende könnte zu ahi, sieh 
-Iah gehören, wo auszfurlich über 
solche Zusamensezungen abgehan- 
delt ist. ZuLohh, L5, L&o = 
lucus, Wald zu stellen, ist zu 
kühn, da Analoga fehlen; altes 
lahhi, incisio, noch in 1 ach- 
bau m, schwäbisch erhalten, als 
Gränzbaum , dürfte mit Vorsicht 
herbeigezogen werden. Zu der 
urkdl. Stelle (s. v. P.) vergl. >in 
Perlegio< 1067. 29. Juni. MB. 
23, 1. >in Berlaico« 24, 107. 
»den tum üf Berlaich.< St. R. 
Darf bayerisches Lautgesez in 
Betracht komen , so ist loh, lu- 
cus unfelbar anzunemen , ja Bu- 
lach im Schwarzwalde lautet ur- 
kundl. Buolo: und Perlach mit 
Bu lach in Münchens Umgebung 
dürften Beweise abgeben. 

3) Ueber die weiche Spirans h 
nach E, P, T im Schwab, sieh bei 



jed?m einzelnen Buchstaben. Vrgl. 
R. V. Raumer, Asp. Gesammelt. 
Schriften S. 44. § 49. 

4) Das Stadtrecht schreibt die 
Spirans imer mit h. 

H scheint in Schnellsprech- 
reimen der Kinder beliebt zu sein : 
Äe, hi, ho, Äa, hum 
Bans Äaot Mnder's JBTeara Haufa 

flblz 
JBTundert Hasa heQrs, ^uesta. 
Stauden u. allgem. sonst. 

HAB, HABE, die, Viehstand, 
Vermögen in Vieh, ganz ober- 
schwäb. >Hab an Boss und 
Vieh.« Confirm. 9 u. oft. Nieder- 
schwab, kent das Wort so nicht. 

HABEN in der Red. A. >de8 
ding will was ho,« braucht 
Mühe bis esz zu Stande komt. A. 

HABER in der Kindersprache; 
wenn sich die Kinder verstecken 
und man sie auffindet, heisztesz: 
haber, haber iazt! 
Ob etwas anderes als aber mit 
vorgeschlagenem h, wie hie und 
da üblich? Weiszenhorn. 

HABERN ahd. habaro, der. 1) 
In der Pfründe 0. von 1543 komt 
als Speise vor: >gen Nacht ein 
hebrin Muesz undeinHaber- 
kern.< Haberbrot. 
>Ja umb ein Biszen Hab erbrot 
Mancher verlaugnet seinen Gott.« 
Holzmann. 

2) Zusamengesezt G s o 1 1 h a- 
ber (sieh auch G). In der Pol. 
0. V. 1683 heiszt esz von frem- 
den Müllern: >was aber ihr Ge- 
müs vonGsotthaber, Visis und 
andere Rauchmel belangt, möged 



214 



Habernarren. 



sie es sowol als ihr Longetraid, 
sowie von dem Becken und Bür- 
gern bekomen, für sich verbrau - 
chenu.s. w.< Vom MezenGs ott- 
habe r hatten die fremden Mül- 
ler 4 kr. dem Torschreiber zu 
entrichten. Torschreib. 0. 3) H a- 
berlegüter komen in den Pfarr- 
akten der Strasze vor; sie wa- 
ren domcapitlisch. 4) Als Ab- 
gaben erscheinen: Huethaber 
in Groszaitinger Pfarrakt. Hunds- 
haber: >ain schaff roggen für 
den hundshaber.« cgm. 154 
£ 6*. >6 hundmezenhaber« 
f. 6^ >hundme8z.< f. 7». Maul- 
haber. >Vogtkom und "M aul- 
habe r zu Währingen.« Urkundl. 
1282. Vogthaber, >die andern 
11 vogtbare Güter, jedes 2 Schaff 
Habermas z, den sie nicht wei- 
ter, als nach Augsburg zu fahren 
schuldig sein, wann wegen Kriegs 
der Haber etliche Jahr nicht 
gefordert würde, müszen sie den 
Vogt habern auf den Holzmarkt 
nach Augsburg fahren und da 
d Stund rufen, ob jemand den 
Vogthaber haimen wollte, und 
komt Niemand, so mögen sie den 
Vogthaber niederschütten. < 
Gersthof. Weistum. Im Adels- 
tractat v. 1646 S. 40: >Die Stände 
verordnen Jagt u. For s t hab er.< 
>Den Forsthabe rn einziehen.« 
S. 71. Hai d hab er hiesz der 
sogen. Haberzins, den die Leut- 
kiroher Bürger (1512urkdl.) und 
die Bewoner von Heggbach zalen 
musten , dasz sie die Haide als 
Domäne zur Cultur und Nuzung 



bekamen. Leutk. Ob. A. Beschrei- 
bung. 107. Das Alpirsbacher Vogt- 
buch: >das Habergeld git man 
zu St. Martiustag.« »Ewig un- 
ablösig Hellerzins imd Habem 
genant Weischhaber n. «Reysch. 
Stat. R. 37. 66. Irgend wo in 
Schwaben ist die Red. A. üblich, 
wenn Kinder überflüszig in der 
Gesellschaft' sind: >wart ich 
mach Euch eine Habergaus 
(Gansj! Man zieht dem Mädchen 
den Rock über den Kopf und bin- 
det in oben zusamen. Das Wort 
Haberstroh in Red. A. wie 
>so nex sein als H.< »Du bist 
dumm wie Haberstrohf u. s. w. 
was fast allgem. schwäbisch ist. 
In einem Tanze erscheint auch: 
Ming Vadder hot a Hüs 
As igt mit Haberstroh deckt; 
und wenn i a mol hire 
Muesz 's Haberstroh weg. 

AUgäo. 
H^ERNARREN. >Ey wol 
schöne Titul, praedicata u. Eren- 
namen haben nicht die saubere 
Weiber, und doch gibt es solche 
Haber- und Stocknarren, 
welche', wann sie nur von einem 
Weibe hören, so spizen sie die 
Ohren wie der Schimmel, da er 
sieht den Habersack schüttlen, 
es schlägt inen die Puls, als woll- 
ten sie auf der Post reiten. 
ihr Weibemarren U >Wer disz 
tut, d.h. sich mehr um das Zeit- 
liche denn Ewige bekümmert ist 
ein rechter Habernarr.« H. S. 
>Wer also dienet one Lon, der 
ist wol ein rechter Haber narr.« 



Habergaisz — Häffel. 



215 



H. S. > Wer vergebens umbsonsten 
um den Schatten eine schwere 
Dienstbarkeit auf sich nimt, der 
ist wol ein torrichter Haber- 
narr.« H. S. Mein Wbl. 39. 

HABERGAISZ sieh Gaisz. 1) 
langfoszige Spinne. 2) Schelte 
för eine mutwilligePerson. Allgäu. 

HÄBIG, der Häbige, der Be- 
sizende: >yon den Häbigern 
aber, d. h. von den Beichem im 
Gegensaze zu den Gemeinen, je 
von 250 ü. 1 ü. den Steuerherm 
järlich gereicht.« Gass. In Zu- 
samensezung: haushäbig >sesz- 
haft oder haushäbig,« Hochzt. 
O. 1540. Haushäbige Studen- 
ten. Akt. 17. Jh. Zu Haushab, 
das ebensa oft vorkomt. > Der- 
gleichen Wahren zu, ihrem Tun 
oder in irHau8habeng|i,r nicht 
zu gebrauchen und verwenden 
können.« Poliz. 0. >In welchem 
die Brife dem Achilles die Toch- 
ter und ganz Haushaben b^oh- 
len war.« Troj. Krieg 7*». u. oft. 
Haushabet, die (Kohlerwinkel). 
Bei Holzmann: »haussäszig 
Leut.« 

HABNICHT, der, eine Abgabe. 
»Die verheuratete Bürger, sowol 
als die Witwer und Witwen sol- 
len zum Yorausz die Leibsteuer 
und den sogen. Hab nicht mit 
30 kr. 2 Heller; die ledigen Per- 
sonen beiderlei Geschlechts aber 
mit 24 kr. und 4 Heller bezalen.« 
Augsb, Steuer 0. 1779. Art. 3. 

HACKBÄRTLE, dim.v. harte: 
Handbeil. Im Yolksmunde hat 
sich harte fast ganz verloren. 



In Ellwangen begegnete mir noch 
Bärtling far Scharfrichter, das 
sich mit der Aufhebung des Stif- 
tes nach und nach verlor. Ein 
Hackblöckel komt im Harter 
Inventar vor. He ekel in Bern- 
heckel »wie auch soll gestattet 
werden der domcapitlische Maier 
zu Dietorf zu jezt habenden Ha- 
zen noch e. Vaselvich, nemlich 
ein Bernheckel hatte.« 1602. 
Hackerle pl. -en: Zäne der 
Kinder. 

HAFEN, der. Bekant ist der 
gedente Ruf des Hafenbinders: 
Ha-a-a-a-afenbind! wie der 
des Pfannenflickers : Pfannen- 
pflick! >AufdemHafnerberg< 
eine Oertlichkeit in A. Hafen- 
geld, eine Steuer: »5) so sollen 
auch alle und jede Brandeweiner 
one Unterschid und damit auch 
die erarmete Bierpreuer, so pran- 
deweinen anfangen, sie mögen 
gleich ausz Getrayd oder nur ausE 
Heffenwaszer Brandewein bren- 
nen, schuldig sein, nicht nur all- 
järlich. das sogen. Hafengeld k 
6 ü. bei dem Umgeltamt zu ent- 
richten.« Brantw. 0. 1746 § 5. 

HÄFELESÜPPE , verkochte 
Schwarzbrot-Fleischsuppe, Wien- 
erisch: Bommadlsuppe.,£ranz* 
panade. Häfelegucker, der sich 
um häusliche Kleinigkeiten küm- 
mert. Hafen in der Red. A. »Mier 
ist's um's Lieba wie 'm H u n d u m's 
Haf a lecka, wenn nix drinn ist.« 

HÄFFEL in der Weber Ordg. 
>Yon einem Faden 4 kr. und 
wann ein Gang falsch umschla- 



216 



Häftlein — Haim. 



gen 20 kr. Straff gegeben; da 
aber ein Underhäffel oder ein 
Gang 95U wenig oder zu vil wäre 
— solle der verfallen sein.« >Mit 
diesem Wepfen oder neamachen- 
den Stuck des Unterhäffels.« 

HAFTLEIN, die, nach Schmid 
253, eine StecknadeL »Man 
bet auch ein Hietlin, darauf ein 
gülden Hefftlen für zehen Gul- 
den;« >Und der Schnitzer, so dasz 
best gewann, hett auch das Erenz- 
lin und Hietlin mit den Hefft- 
lin gewnnnen.< Horm. 1834. 139. 
141. »Mit rotlecht und grünen 
Hefftlin, das umschläglin gelb, 
der Hut am Stülp weisz , das 
Knöpflin unter dem Federlin gelb. < 
Ins. 133 

HAFTUNG, die, Haftgeld. Nie- 
derschwb. Hafting, anderwärts 
Haftel- u. Haftelgeld. >Wel- 
cher Eehalt. er sei Knecht oder 
Magd, sich verdingt unddarumb 
die Haftung einnimt und mit 
in den Dienst get< u. s. w. Min- 
delh. 0. S. 19^ Haftpfenning. 
Häufig, ist verhaft; vom We- 
berlerjungen heiszt esz: »er 
müsze erlich geboren und mit 
keiner Leibeigenschaft verhafft 
«ein.« >B eh äfft, krumm und 
aussetzig.« Geistl. Braut. Ver- 
haften. >I)ie Juden seind oft 
abgefaumbt und listig , dasz sie 
unterstanden den einfeltigen und 
unverständigen Mann mit Ver- 
schreibungen, Verzeichnung ver- 
pfenden, verhefften und in an- 
der Wege dermaszen zu ver- 
imüpfen.« Ratsdekr. 1541. In der 



Flöszer Sprache heiszt esz: »sein 
holz heften andazstat.« §t.R. 

HAG, der, Ortsfarre. Haigel, 
Bissingen; er hat noch verschi- 
dene Namen in einzelnen schwäb. 
Landschaften. Dazu geholfen wol 
die überall wiederkerenden Flur- 
namen Hagenäcker, Hagen- 
mad (Schwabmünchen), Haga- 
waid bei Günzburg. 

HAIM 1) in Ha im et »ferrvon 
von dem haimet< Troj. K. 31^ 
2) Dazu gehören die adverbial 
gebrauchten anheimend f. 13^ 
anheymantf 52^. dahaimand, 
daheimat u. s. w. a. a. 0. Un- 
organisches d u. t findet sich da 
gerne. 3) Das Wort Ha im gar- 
ten stm. ist in Schwaben nicht 
recht durchgedrungen. Niederr 
schwabaa kent esz für Besuch, 
Visite gar nicht. Im Kiesze heisst 
das Landvolk das abendliche ur- 
alte Zusamensizen auf dem Haus- 
bänklein so. In dem Reinhards- 
hauser - Waldberger Pfarrbuche 
stet: > Ist (esz) aber Sonn- 
tag und gehöret zur Ehre Gottes, 
und nit zumMüszigang, spilen 
und haimgarten gehen.« >So 
kombt, wir wollen anHaimgart 
gen,< sagt der Tod in einem 
Tanze. 1627. In den Straszen- 
Ortschaften bis hinein in die Stau- 
den heiszt jede Unterhaltung auf 
dem Wege die 2 oder merere 
Personen pflegen. Haimgarten. 
In Groszaitingen sagt man: >hal- 
tens 'nhoigarta« wo eszanderr 
wärts heiszt: habt ir einen gu- 
ten Rat, ist die Unterhaltung 



Hainsel — Hamel. 



217 



^t u. 8. w. Das Zeitwort haim- 
g arten komt ebendas. auch vor 
für reden. Ein Kind in Grosz- 
aitingen erzälte, wie der Pfarrer 
am Sonntage (von der Kanzel) 
g'hoigartet hat. 

HAINZEL, der, spr. hoizl. 
1) ein einzelnes Lamm. Kohler- 
winkel. 2) der S tiefe Iholzel, 
-hund, 3) die Holzstangen mit 
Querstöcken, auf den Kleefeldern 
zum Trocknen des Klee^s. 4) Nach- 
bier (Bissingen). Schmell. II, 220. 

HALB zu altem halba, Seite 
gehörend, hat sich erhalten in 
Schwab- und Bayer halb, Gerst- 
lioferhalb und noch oft in ürkd. 
des 16. Jhs. Halbscheid die 
Hälfte. In der Wehinger Mark- 
ung (Wirtemberg) sind Breit- 
lialb und Lüzelhalb, zwei 
Flurnamen. Das Volk hat kein 
Terständnis mer von der alten 
Bedeutung, cgm. 258 f. 176*»: 
»enhalb und hinderhalb der 
Donau.« Hai bauten im Hart. 
Inventar. 

HALER, die 2 Arme am Hinter- 
deichsel. Strasze. Spr. hälor. 

HALL in Halltor. A. Hall- 
gasse. Hallmeister. Hall- 
mäszige Waar. In dem Hall- 
amt (Kaufhaus, Waareniederlage) 
musten die sogen. Hallpoliten 
vorgezeigt werden. Esz gab eine 
Hall der Burgerschaft. 

HALSEN und HÄLSEN = 
schwängern , komt im XV. Jarh. 
noch stark vor in mereren schw. 
€odd. ganz wie im Mhd. hiel- 
«en, praet. HI plur. >DerColeri- 



cus begert vil zu helsen; der 
Flegmatious begert nit vil zu 
helsen.« Rcgiom. 

HALTEN stv. 1) Vieh hüten 
one Zusaz, goi haldan, obser- 
vare. 2) >Ainschuol däman bie- 
eher halten lernt.« Luc. Rem. 5. 
3) enthalten, »sich in flecken 
— enthalten« = aufhalten. 
Dekret 1541. 

HALTUNG, Reliquien: >Der 
(C. Welser) mir all Kirchen- 
haltung — Sechen machet.« 
»Adi 21 dito kam ich gen St. 
Maximin da man St. Maria Mag- 
dalena hapthaar, eine wunderper- 
liche pix, ander vil und grosz 
haltung und gar vil köstlich- 
keit zaigt.« L. Rem. 11. 

HAMEL in Dreckhamel, 
Misthamel, Schelten, fast all- 
gemein schwäbisch für schmuzige, 
schlampige, erwachsene und nicht 
erwachsene Personen. Erzhamel 
erscheint auch hie und da. >Esz 
ist verlogen; sie zu dem Manne: 
Du Hennenvogt, du Misthamel, 
du Sautrog, du Haspelfreszer, du 
Küehdarm, du Zwibelselcher , du 
Kletzenprobst , du Besenlümel« 
u. s. w. Conlin. Zum Hamel, 
0. ^. >Die Augsburger Kirche 
von Hamelberg, jezt heiszet esz 
schlechthin zum Hamel.« Gass. 
Der Hameltanz war bis vor 
noch nicht langer Zeit in den 
Straszen-Ortschafben üblich, mit 
den überall wiederkerenden Sitten. 
Das adj. hemling in h. Fleisch 
komt in Kai. und besonders in 
der Astron. oft vor. 



218 



H&mgrling — Hantfride. 



Ein Zeitwort b'hameln, ge- 
fangen halten, scheint alamanniscli 
zu sein. Felix Faber im Pilgerb. 
gebraucht esz auch. 

HAMERLING, der, EmerHng. 
Strasze. Aemerinch, Garm.Bur. 

HÄMISCH adj. hinkend, krank 
V. Vieh. > Darum die Menschen 
bezwungen sind worden, h a m i s ch 
Fleisch zu schlachten, damit es 
nit zu Hunger sterb.< S. 22^ Das 
Adj. gehört zu hamme swm. 
Hinterschenkel der Schweine, per- 
na, was bei Schmell. H, 191 
zalreiche Belegstellen hat. Ich 
kenne esz ausz dem Alpirsbacher 
Vogtbuche bei Reysch. Stat. R. 
S. 88: »schlecht er aberainklain 
Swin, so soll er die Haminen 
damit geben.« Im Volksmunde lebt 
in der Tutl. Gegend (Wirtb.) das 
interessante beärhämmig, wo- 
mit eine Krankheit der Schweine 
gemeint ist, die in vollkommener 
Lämung des Hinterleibes bestet 
und die unheilbar ist. In den 
Augsb. Bruchstücken von Wern- 
her's Maria begegnet ha mil- 
chen, hinken. Greiff S. 18. V. 
2U ff. : 

diu huf ime dorröte 
da in der engel druhte 
hin naher ir sie ruchte 
zeinem urchunde 
hamlichen do begunde 
der hailige patriarche. 
HAMLE, Abrahämchen. 
HAMPELN swv. 1) dahin sie- 
chen, kränkeln; urspr. gebeugt 
einhergen, hinken. 2) taglönen. 



Subst Hämpler, Taglöner. A^j. 
hämpelig, krankehid. 

HAN, der, ahd. hano. >Item 
man hat um ein Han gelogen, 
und der die grösten Lugen hat 
tan, der hat den hauen ge- 
wunnen.< S.327».Hanenwinkel, 
Wehringer Flum. 

HAND. >Handfan oder Ma* 
nipel, den der Priester an der 
gelinken Arm tragt.« Augsburg. 
Messbch. f. 6\ Sieh F. Hand- 
bsäz, das, Einfaszung des Hemd* 
ärmels vorne bei der Hand. 

HANDGAUL zum ünterschide 
vom Sattelgaul (der sog. von- 
derhändige), jener der zued er- 
händige. 

HANDREICH, der, Stadtr. 16*: 
>Swer chlainen hantreich tut 
in der mül, an swelcher hande 
dinge daz si , dem sol man 
des Ionen.« Das Wort hand- 
hilf, und handbietig im Hei- 
ligenbr. Mirakelbüchlein besagt 
dasselbe. 

HANTGETAT, die, frische Tat. 
»Lit ein Jude bi einer Cristenin, 
vindet man si bi einander an der 
hantgetät, so sol man si bei- 
diu brennen.« Stdtr. 18*». »Tut 
ein Jude ein diupstal eime Juden 
oder eimecristen: wirt er an der 
hantgetät funden, so sol man 
mit dem schube über in rihten.i 
f. 19*. >An der hantgetät fan- 
gen.« f. 31». 

HANTFRIDE, der. a.a.O. f 28». 
>Swer einen haut fride gitvnde 
den brichet.« f 48*». u. s. w. Die 
rechtsaltertüml. Handabhau* 



Händschen — Hans. 



219 



ung fand in Schwaben statt. 
Darüber u. über das Fingerstu- 
zen an der rechten Hand durch 
den Henker, wie esz in A. vor- 
kam, anderwärts Auszfürlicheres. 
HÄNDSCHEN, 1) Handschuhe: 
lesz sollen auch die Weibsper- 
sonen diser Class keine mit Gold 
oder Silber vermengte Händ- 
schen, Strumpf tragen.« Poliz. 
O. 1684 2) Schelte für eine un- 
geschickte Weibsperson. Adj. 
handbärtig spr. hadbärtig, 
hab artig ungebärtig, allgemein 
in Oberschwaben besonders im 
AUgäu: 

>A'n ander wieder förchtig grätig 
und gleich 'm na alta weib 
häb artig. 

Hinkgt ^s maul nä wie 'n alter 

Schwed 
Und haust areacht's ha bärtig s 
gröd.< Seh. 

HANDLEI als Ruf = schnell, 
eilig. Oberschwb. 

HÄNKEswf. 1) >Es solle keine 
neue Färber- auch Cotton- D r u k- 
kerhänke oder Rechen in der 
Stadt zu bauen gestattet werden.« 
Bau 0. 55. »Alle Färber- und 
Cotton - Drucker -Hanken oder 
Rechen sollen gegen Reichs- 
strasz herausz nicht weiter in den 
Tag erlaubt werden, als von 2 
BarcHettuchbreiten oder 3' oder 
4'.< a. a. 0. 2) Sichelhenke 
und Pflegelhenke in einer 
Pfarrrechnung von Ettelried 1582 
bekomen da die Zehenknechte 
und Drescher zu vertrinken 2 fl. 



40 kr. Im sogen. Eohlerwinkel 
villeicht auch sonst, wird ein 
kleines Pläzchen mit Halmen, das 
lezte Stück Ackers, am Schlusze 
der Ernte so abgeschnitten, dasz 
jeder Schnitter halmweise zu 
schneiden hat und wen der lezte 
Halm trifft, kriegt die Sau und 
wird auszgelacht. Darauf die 
Sichelhenke. Vorder Pflegel- 
henke wird auf Commando das 
Dreschen eingestellt und wer den 
lezten Schlag tut, kriegt gleich- 
falls die Sau und wird auszge- 
lacht. üeber Sau sieh MOGGEL. 
HANS bei Gass. »ein stolzer 
aufgeblasener Prachthan &.< 
»Ein aufgeblasener H a n s. < >Da8z 
derselbe Prachthans vor Zorn 
und Scham sich hett zereiszen 
mögen. < > Ein leichtfertiger 
Schnarchhans.« »Unruhige 
Edelleut u. verwegene S ch n a r ch- 
hansen.« >Des Caplans Helfer, 
den man wegen seiner Herzhaf- 
tigkeit den Frischhans nannte. < 
Schillhans, Beiname eines al- 
ten Augsb. Befehlshabers. Bei 
den 7 Hansen, eine alte Augsb. 
Wirtschaft. Im Kleiderbüchlein 
stet vom jungen Schwarz: »Ich 
was Henszlin frischer Knecht, 
sprang über all Misthauffen.< S. 
137. Hansatäfele eine Art War- 
zeichen zwischen Fischach und 
Ried ; nicht geheuer. Esz soll 
einer bei dem Brückle erschos- 
zen worden sein (Hans?); die 
ganze Geschichte ist auf eine 
kleine T^afel aufgemalt. >H ans- 
ehen im Keller soll leben, < 



220 



Hape — H&ringe. 



sagt man bei dem Gesundheit- 
trinken auf eine schwangere Frau. 
Hansel männliche Puppe, auch 
Backwerk um St. Nikolauszeit, 
an Weihnachten den Kindern, an 
Kirchweihmärkten u. s. w. von 
Erwachsenen einander gegeben. 
Hanselmann im Kinderreime: 
Hanselema 
haot stifela a 

haot 's gteagle uff der seita 
haot's res verkaufft 
haot's geld ver§pilt 
iazka-n-rnimmareita. Stauden. 
Mein Wbl. 40. 
Hänseln heiszt in Burgau ge- 
radezu: Kinderspile machen. Ur- 
alte und neue Tänze vom Hans 
und mitunter von dQr Gretl 
gibt esz im Volke vile. In den 
Stauden hörte ich: 

I und mein Hans 
Mier gehet zum Tanz 
Wenn Neama me tanzt: 
Tanz i und mein Hans. 

Der Hansel uff'm Holderbom, 
Die Gretl ist z'Buechela; 
D'r Hansel haot da Huat verloara 
D'Gretl muesz 'n suacha. 

Der Hansel uff'm Birabom 
D'Gretl uff'm Head 
DV Hansel haot 'n Pfiffis doa, 
D'Gretl haot 'u gheart. 

Die Günzburger heiszt man spott- 
weise >die Hannes.« 

HAPE, die, Maipfeife auszEls- 
berruten. In anderer Bedeutung 
sieh mein Wbl. 40. In der Ge- 
gend von Aalen: Häppi plur. 



H ä p p a n a. Im Kohlerwinkel 
>Happer< Pfeife ausz grünen 
Getraidehalmen oder Weidenholz. 

HAR spr. haor, haur, dim. 
h a i r 1 e. Stauden. Ganz homerisch 
singt der Augsb. Schulmeister 
im Handkai. 1747 vom Har der 
Bäume: 

Der Herbst, das Alter in dem Jar 
Beraubt den Bäumen hoheHaar. 

Für das bekante verhaore, 
gebraucht das Mickh. Strafbuch 
stets: in's Haar fallen. 

Ein Tanz in der Fischacher 
Gegend heiszt: 

Z^Aretsried wie ma 'nei gaot 
dao ist de grea§t näat 
dao haor et zwoi mand 
um a kloins gtüggle bräot. 

Im Kohlerwinkel houra = 
raufen. Auffallend, da ä dort ao 
gesprochen wird. Ist houra vil- 
leicht zu einem andern Stamme 
zu stellen? haor ig, gemein, 
filzig. 

Ein Harhof, im Giltbuche 
cgm. 154 f. 32t>. 

HARBET, ein schmales Kränz- 
lein um den Vorderkopf. > Des- 
gleichen sollen sie Berlin Krenz- 
lin oder Harbet bei Straf tra- 
gen. < »Berlin, Krenzlin oder Har- 
bet uff 6 fl. wert.< Ulm. Sitt. 0. 
157C. >Mer, so hat mein schwi- 
ger selig, meim weib all ir clayder 
girtel, seckel, pater noster, hor- 
bett und dergleich gezierd — 
verschafft.« L. Rem. 49. 

HÄRINGE spilen imSt.R.u.in 
den Chron. eine Rolle; Auffallend 
ist das massenweise Verbrennen 



Harseh — Hase. 



221 



derselben, ausz Furcht vor der 
Seuche. Den Häringen schrieb 
man oft epidemische Krankhei- 
ten zu. 

HARSCH im cgm. 206 f. 89»>: 
>ziehen mit dem harsch,« >und 
fuor ein harsch vor der an- 
dern nach.« ? Schmell. U, 240. 

HART , Wald , hat sich gern 
erhalten im schwäb. Waldnamen: 
Hinterm Hart, imHärtle. Lan- 
generingen. ImTannenhärtle, 
Wallfart bei lUertissen. Auf der 
Ebene S. 0. v. Mindelheim ist 
ein Eichertwäldchen. Mein 
Wbl. 40. Hart, Waldfläche bei 
Wöhrishofen. Hartweg. Türkh. 
ürkde. 1540. 

HÄRTE, die, wol auf den Bo- 
den deutend, als Flurname bei 
Münster. Dazu dürften die Her t- 
wege zu rechnen sein, die in 
g^nz Schwaben wiederkeren. 

HARTLEIBIG, verstopft im 
Leibe. Hart: »so die kinder 
den atem hart haben.« cgm. 601 
f. 97». 

HARZSCHÄFFEL in der Sai- 
ler 0. f. 3^ 

HÄSCHER, bescher, singul- 
tus: >i8t m'r ebbisz in öreachta 
hals komma, d'rum ho-n-i da 
bescher.« Sieh hecken. Inder 
Strasze Hösch; im cgm. 601 f. 
109*: >von Undewen und. ho- 
schen.« Obpf. hätscha. 

HASE. Die Treiber, Buben, 
rufen bei Hasenjagden: 
Has, Has 
Huarakerlel 



Die Kinder schreien beim An- 
blicke eines Hasen: 

Has, Has Langoar 

Leg mier voar! Stauden. 

In Oberschwaben: 
Has Has Langer 
Du gäbest 'n gueta Damporl 

Das oben s. v. P angeifurte 
P f u i h a s I ist ebenfalls der Waid- 
mannssprache entnomen und wird 
zum Hünerhund gesagt. Hasen- 
örlein, eine Melspeise, Fladen, 
gefüllt oder nicht. >An dem 
schmalzigen Samstag (soll man) 
ir jedem ainen pfantzelten, 
sechs Küchlach und 12 Ha- 
senerlach mit sampt der ge- 
wonlichenSpeisz« (geben) Pfründ. 

0. 1462. In Augsb. ist die ur- 
alte Hasengasse, in der Ja- 
cober Vorstadt. Hasenbröt- 
lein, juncus pilosus. L. Hasen- 
scharte allgem., anderwärts Ha- 
senmaul und Wolfsrachen. In 
Braunschweig erschien a. 1805 
eine eigene Schrift hierüber von 

1. H. G. Ottmer. 

Das Legenlaszen des Hasen 
ist auch in den Stauden allge- 
mein üblich gewesen, ist esz teil- 
weise jezt noch. In Münster 
heiszt die Sitte Hasagärtla. 
Man legt die Eier in ein Hag 
in dem Garten, pfeift, und die Kin- 
der springen heran und suchen. 
Der die Eier hinlegte, zeigt den 
Ankomenden das Holz, und sagt: 
siehst, grad ist der Has in's 
Holz nei! 

Das Häslespil, ein Kinder- 
spil, üblich in Klimmach. Die Kin- 



222 



Hfts ^ Hauen. 



der wälen König und Kaiser, 
beide miiszen eine Stange an den 
Enden halten und eins um's an- 
dere schlüpft durch, wobei jedes- 
mal König und Kaiser sprechen: 

Häsle, Häsle duck de 

Unta gaot a Lücke, 

ünta gaot a Töarle n'ausz: 

Häsle, Hasle dao nausz! 
Das Lezte wird angehalten und 
gefragt: waohl, zum König oder 
Kaiser ? König oder Kaiser müszen 
jezt machen, dasz sie Leute be- 
komen: wer am meisten bekomt 
zieht die Stange an sich und ist 
Siger. 

Ein Kinderreim auf den Hasen 
ebenfalls in den Stauden: 

Marile, Mareile, 

Gang mit m'r in's Gras; 

Wie singet die Vögele 

Wie schnappet der Has. — 
Red. A. >Dasz inen Gott den 
Hasen tief in den Busen gesteckt 
hat.« G. Müller. >Dergleichen 
mit Hasenbalg (furchtsame) ge- 
fütterte Narren, sollen nicht heis- 
sen Soldat, sondern Salat, der 
mer Oel als Eszig.c Gonlin. 

HAS, ntr. Kleidung; xadvg, 
xavdvg.^ Regiom. 1812: >Gar 
bösz ist new hesz anlegen oder 
schneiden.« »Es ist aber gut in 
der Wäg tuch kaufen, sich klei- 
den, new hesz anlegen.« >St. 
Ulrich sprach zu seinen Kam- 
merern: legt mir mein häsz und 
mein Schnob an!« cgm. 403 f. Sl*». 
>Er hiesz jn schuch und häsz 
vmb sich gurten.« Bebenhaus. 
Passional f. 76 . Weiberhäsz. 



J. Frischlin. »Wifling und linen 
Häsz.< Kiszl. Rodel. 84. Häs- 
trüle, Kleidertruhe. Strasze. Im 
Landgericht Füszen : H e s s e r, pl. 
Im Riesz (NördL) heiszt Hees- 
geba, auszsteuem, e. Tochter, 
Son. Das Hesse in schwab. 
codd. hie und da. Mein WbL 40. 
»Ir alte Häsz wieder anlegten.« 
B. Waldis I, 244. 77. (H. KuM.) 
HASPELN swv. >Wie manch* 
Jungfrauen, wann eie die Geiger 
hört, springet das Herz im Leib 
auf; die Füsz bekomen gleich- 
samb Federn; sie dreht sich so 
hurtig im Haus herumb, als wie 
ein Topf, sie lauft und haspelt 
die Stieg auf und ab als wie ein 
Karfrei tagsrätschen.« H. 8. — 
Haspele, eine sich übereilende 
Person. A. Niederschwb. Haspel 
HATTELNswv. 1) in die AehrtB 
schieszen und als Subst. H a 1 1 ein, 
die Aehren selbst. 
Der Haber duat haddla 
Er ist schon in der Blüeh 
Und wird no oft haddla 
Bis i heirata dua. Stauden. 
2) Beim Gen die Beine übereinander 
schlagen wie der Tollfüszige; hak- 
ken ndschw. 3) stralen v.Rossenu. 
Rindvieh. Hat telgrube, Mirt- 
Jauchebehälter. Strasze. LeztereB 
ausz dem Altb. a d e 1, vrgl. Schmell. 
I, 26 (Adlwaszer). 

HAUEN stv. und swv. lezteres 
mer der bayerischen Gränze «u- 
Red. A. >Wer über sich hauet, 
dem fallen die Span in die Augen.< 
Dr. Müller. >Wer den über sich 
h w e t, dem fallen gewonlich die 



Haufen -^ Haut. 



223 



spenn in die ougen.« cgm. 436 f. 
54^ Gemeinschwäbisch ist haua;. 
Standen: bona wie gegen das 
Allgäu hin = mit der Rute 
züchtigen. 

HAUFEN cumnlare. >Da häuf- 
ten eich beide Parteyen zusamen.c 
Troj. Krieg 25*. »Kleine Berglein 
und Hügelein, da man wol siebet, 
dasz sie mit Händen gehauffet 
worden!, so artlicb in die Runde 
znsammengepacket, als wenn sie 
gedrehet wären.« Gass. >z'bauf- 
fende rennen.« Troj. Krieg 38*. 
Subst. >zu Haufen fallen.« 
oft a. a. 0. Häufeln, häuffla 
>Kraut, Grumbira h.< allgem. 
«hwäbisch = die Wurzeln mit 
Boden umziehen, kleine Erhöh- 
ungen am Stocke ziehen. Hau- 
fe n g' h a u , Fischacher Waldn. 
Der Haufa swm. Nabe am Rade. 
Strasze. 

HAÜNIG adj. lieb, angenem, 
gemütlich. >I hätt's dahuim so 
haunig guat. Jazt weinschmer 
a-n-ander ahaunige Nacht. « Seh. 

HAÜPELTSHOFEN O.N. (Krum- 
bach), merkwürdig durch die 
Schenkwirtsstube, in der 3 Tische 
3 Freiungen bildeten; sie ge- 
hörten 3 Aemtern verschidener 
Herren zu. 

HÄUFTEN swv. enthaupten. 
>Wirt ein man gevangen, den 
man h a u p t e t oder henket ; haup- 
tet er den swer in danne bereit 
hat, der sol im geben ein swert, 
daz 5 Schillinge wert si.« Stdtr. 
22\ >Swer den t6tslao getat, den 



sol manhaupten.< f. 41^ Hop- 
statt, Richtstelle. Riese. 

HAÜREN swv. rufen. Mindelh. 
Gegend. In Holzmann's Gedicht 
von der Theurung in Augsburg 
heiszt esz: 

Die in den Krieg ziehenden 
»Lieszen auch Weib und Kind in 

Trauren 
In Hunger ob einander hauren. 

(klagen?) 

Dann müszen sten in groszen 

Trauren 
Alle die ob Erden hauren. 

HAUS. Das Bettelhäuslin 
hinter dem Spital. Hausknap- 
pen heiszen bei der Weberzunft 
die verheirateten Knappen oder 
Gesellen, die auf denKnappen- 
stul geheiratet und auch nur auf 
einem Stul arbeiten durften. 
Hauswurm, ein Hausvater, der 
imer, wie man sagt, bei der Heck 
ist, da ist. Nothaus in A. sieh 
N. — Brechhaus od. Lazaret. 
In Mickhausen war ein berümtes 
Tanzhaus, und darin das Pf eif- 
f e r h a u s (Musikantenplaz) Straf- 
buch. 

HAUT. >Diser Lobspruch ver- 
lezt6 die Oren Saul*s dergestal- 
ten. dasz er auf Manier und Weis 
getrachtet hat den lieben David 
aus dem Weg zu räumen und 
auf die Haut zu legen.« Con- 
lin. In einem Tanze v. 1627 sagt 
der Tod: »Ich brauch nicht Küh- 
und Kälberhäut, ich bin jezt 
worden ein Sackpfeiffer und rueff 
zusamen die Landleüffer.« Red. 



224 



Bawe — Hecken. 



A. »Von ander Leut Haut ist 
gut Kiema schneida.« 

HAÜZINGER in der Knappen 
0. »Solle hinforo kein Maister- 
solin oder Knapp neben einem 
Hauzinger oder Lehrenknecht 
zugleich in einer Werkstatt nit 
arbeiten bei Straff 30 kr. von je- 
dem Verbrechen, dann es wird 
kainem Maister gestattet einen 
Hanzinger und einen Lehr- 
knecht bei einander zu haben. 
Es solle auch keiner, der jede 
Wochen nit 3 dicke Barchettuch 
wirkhen tut, für einen Knappen, 
sondern für einen Hauzinger 
gerechnet und belonet werden. < 
Esz scheint eine Mittelstufe von 
Arbeitern zwischen Lernknecht 
und Geselle gewesen zu sein. Bei 
Schmid stet: Söldner, Fremdling 
Auszländer (Böhme) u. s. w. 

HAWE ein Vogel, cgm. 312 
£ 31». ? 

HAXEN, die, eingebogene Füsze. 
Häxensessel, der solche Füszö 
hat. Dem Bayer sind alle Füsze, 
ob grad oder eingebogen Haxen; 
er hat überhaupt keinen Kopf son- 
dern einen Grind, keine Oren 
sondern W&scheln, keine Hände 
sondernBrazn. Krummhaxet, 
Adj. Kohlerwinkel. 

HEBEN swv. >8wer des andern 
kind gehebt het üz der tauffe.« 
Stdtr. f. 57». 

HEBGESCHmR im Harter Inv. 
z. Aufheben d. Ketten od. Rie- 
men. >Fünf Kometer mit Heb- 
geschirren.« Hebtremel >die 
Schergen und Büttel namen den 



Hebtremel und Stangen.« cgm. 
138. f. 128». 

HECHEL ein gefürchtetes ver- 
meintliches Strafwerkzeug , be- 
st end in einem oben tellerförmig 
mit Eisen - und Drähtstiften 
versehenen Kirchenkerzenstock. 
>Wart, man sezt dichtauf die 
die Hechel oder du komst auf 
die Hechel« heiszt esz, wenn 
ein Bube unartig ist oder zur 
Beichte get. Günzburg. Uralt 
mytisch ist in der Buzenbereht- 
Reimerei: 

Wann ihr als wie ein Klotz 
Zu lang im Bette flackt und 

schnarcht, so will ich haspeln, 
Die Därme aus dem Bauch und 

ihn hernach mit Raspeln 
Und Hecheln füllen ein. 

Offenbar Anlenung an Hecheln 
für Hachein, Acheln, Häk- 
kerlein. 

HECKEL, ein roher Mensch. 
Augsb. 

HECKEN swv. stechen, züngeln 
von Schlangen. >Das Lager ist 
voller vergiffter Schlangen, die 
das Volk hecken, beiszen und 
tödten.« Klim. Predgtbuch. S. 23. 
>Da waren so vil Mews , das sy 
dem Herrn grossen ungemach 
tetten — und sy mit jren giftigen 
piszen und hocken totten.« cgm. 
581 f. 165^. 

Hieher gehört der Hecker; 
die Kinder läszt.man in A. schnell 
und oft sagen: 

Heck er, du Blecker 
Gang über drei Aecker 



Heckonmünzen — Heilig. 



225 



Gang über da Bhein 
Ker beim Furma einJ 
Sieh Pfeiffer's Genn. 1863. S. 301. 
302: »Citwar — ist guot vur die 
b e c h n n g der aiterwurmen . < 
Fundgr. I, 335. Mbd. Wb. 1, 607. 

HECKENMÜNZEN, l)8cblecb- 
tes Geld. 2) Wo solches geschla- 
gen wird. > Silber aufkaufen, ver- 
furen auf die unzuläszigeu Hek- 
kenmünzen — ist ernstlich ver- 
boten und abgeschafft. < Poliz. 
Ordg 1683. 

HECKENSTALL, ein unterge- 
gangener Einödhof, urkdl. von 
1240: HetenstaL 

HEERGESCHRAI , das wilde 
Gjäg. Biu*gau. 

HEFAMME im ganzen bischöfl. 
Augsb. Gebiete. Niederschwaben 
hat nur Hebamm. Hefamme 
ist uralte Form zu altem hafjan 
stend. S. 547 und fast alle Augsb; 
Schriftwerke haben, wie die heu- 
tige Mundart, f für b. >Al8 
den Hund die Heffamme vom 
Mutterleib empfangen, wie ain 
Kind, ist er aus den Händen ent- 
wischt. Solichs hat die H e f f a mm 
öffentlich gesagt. < S. 547. Amt- 
lich ward Hebamme gebraucht. 
Die Augsb. Hebammen Ord- 
nungistumfaszend. Angehende 
Hebamme. Lernende Heb- 
amme, eine besondere Klasse: 
esz gab 4 lernende und 9 be- 
s^oldete geschworene Heb- 
ammen. Dazu komen die fardie 
auszwärts wonenden und die fär's 
Blaterhaus angestellte Heb- 



amme und 4 Fürer inen, rieh F. 
Stadthebamme, Heb. 0. Heb- 
ammenschild, den sie am Won- 
hause auszhiengen. a. a. 0. Die 
Lernenden durften das Stadt- 
wappen nicht darauf anbringen 
laszen. Nebenhebammen a. a. 
0. Der Hebammeneid war 
beim löblichen Bauamt zu leisten. 
Mithebamme a. a. 0. Heb-' 
ammenbücher. a. a. 0. Heb- 
ammensize oder Quatember^ 
size, Gerichtstage, au denen blosz 
eingelaufene Klagen u. s. w. vor- 
genomen wurden. Siz ist bei 
den Zünften das Gericht über- 
haupt. Die Heb. Ordg. verbietet 
nachdrücklich alles >Segenspre- 
chen, unnüze Gewonheiten 
und Sprüchlein, sündliche 
Gebräuche.< Artikel 4. 

HEJILÄ.LZ, claudus, hinkend. 
Cgm. 685 f. 28*». 

HEffiEN, HEIEN sieh G. 

HEILIG. »Das heilige Werk« 
kirchliche Akte, Taufe, Empfang 
des hl. Abendmales. Protest. In 
ganz anderem Sinne hat die Eichs- 
feldische Mundart den Auszdruck : 
der Kotlauf heiszt dort so. Die 
Heil igen fabrik, fabrica eccle- 
siae, Klimmacher Pfarrbuch. Der 
Heilige für Kirchen vermögen 
ist allgemein. Daher die Namen : 
Heiligenholz, Klimmach. Flur- 
Name, Heiligmad u. s.w. Hei* 
ligenkühe erscheinen öfterer 
nach gefalliger Mitteilung A. 
Steichele's, in Pfarrakten als kirch- 
licbe Abgabe. Im Riesz sagt das 
Volk »helga Tag« f&r Feiertag. 
15 



226 



Heimberg — Henne. 



In Beteaemngen: >de8 glaub i 
heilig nett!« 

HEDIBERG, Filiale von Fiscb- 
ach, einer jener Orte, an die sich 
eine Reihe von Liedern and Tän- 
zen knüpft. 

I bin von Hoimberg, 
As jederma woisz: 
I hau Kraut und Nudla g'fresza, 
Drum bin i so foiszt. 

Z'Hoimbergista Spasz passiert, 
Der Goiszbock haot's verzält, 
Dao hand se gar a dumme Kuah 
Zuem Bürgermeister g^ält. 

Z'Hoimberg gang i nei 
Da knaklet die Zäun: 
Was wearet wol dia trauriga 
Hoimberger sei. 

HEINEN stv. und swv. weinen, 
besonders ausz Eigensinn weinen. 
In Niederschwab, nicht üblich. 
>Heit war a laicht und dao ho-n-i 
f&rchterle g'hina.« Augsb. Hau 
stunda weisz gseufzet und beatet 
und gheinat. Seh. >verheine- 
te Auga.€ a.a.O. >Nachmal8 ein 
grosz Hainen sich erhebt. « Troj . 
Krg. 33'. Häufig hört man h e e n 9. 
Heiner, Schelte, neben Hei- 
nere. Kohlerwinkel. In A. heiszt 
ein Kinderreim: 
Heiner (oder Heinere) 
Branndaweiner 
Im Lumpaspitaol 
Wenn er (oder sie) gnueg heina will 
Heint 'r all Dag zehamaol. 

HEINLICH: cgm. 168 f. 13». 
>heinlich beten.« f. 46». 
HEISZ, Mathias. Yrgl. Hiesel. 



HELFER, Hilfspriester, auch 
bei Katholiken üblich. Urkd.1635. 
> Pfarrer oder Helfer« b. Hochzt 
1540. (Protest.) 

HELLAUF! Spizname der von 
Bozberg bei Wertingen : bei einer 
Execution sollen sie geschrien 
haben: hellauf, den Galgen all 
hinauf! Sieh Galgen. 

HELLER, beimlezten,emal8 
beliebter Name für Schildwirt- 
schaften an der Strasze anazer- 
halb Etters. So in Günzburg, so 
in Rottenburg und München. 

HEMET, ntr. pl. -er. Bei S. 
Badhemmeter, seydin hem- 
meter, Wammeshemmeter; 
hemetlach u. s^ w. Hemde- 
vererung an den Hochzeiten. 
Poliz. 0. 1683. 

HEMETSCHÜZ, in der Kinder- 
sprache Neckruf: 
Hemetsohüz, Hemetschüz 
Gest in d'Schuel und lernest nix! 

In Bissingen hört man: 
Hemetscheiszer 
Leckabeiszer 
Widabinder 
Rossdreckschinder t 

HENGSTE, plur. 1) eine Art 
hellroter Pflaumen (reine Claude). 
Strasze. Stauden. In andern ober- 
schwäb. Bezirken sind esz sogen. 
Augstzwetschget oder am 
mittleren Necar langeZwetsch- 
ger. A Fasz vol Hengst und 
blaue Schlea. Seh. 2) Stauden- 
hengst, Stichelname der von d. 
Stauden. 

HENNE. Hennadreiszigst, 
m. ärmliche, niedere Hochzeit. 



Her — Hcrdstior. 



227 



GroBzait. Hennadone, der, spilt 
in A. eine grosze Rolle. Zum H e n- 
nadone heiszt anf fden Gottes- 
acker: >dean trägst man znm 
H.< >Znm IH. komenc: sterben, 
¥rie in München z n m S t. S t ef f e j 
kernen, d. h. zum St. Stefan, oder 
zu St. Christof, zu dessen Bilde, 
daa an Gottesäckern, Siechen- 
hansern angebracht war als Mit- 
tel gegen den gäben Tod. Der 
Hennadone mag eine Persön- 
lichkeit gewesen sein, die sich 
dort anfbielt. In A. gab esz eine 
Stadtpersönlichkeit dises Namens. 
Scheiffele: >Wau alle Welt 'sLa- 
xiera haut, und bald zum Henna- 
done gaut.t >'m Hennadon«e 
's Fueter liefrat.< Red. A. >Bist 
nicht a mal im Stand einer tod- 
ten Henn 's Brot zu nema,€ 
von dummen lackelhaften Men- 
schen. > Laufst 'rum wie H e n n im 
Reagawetter;< so dächtlaos, 
wie der Niederschwabe sagt. >Des 
sind deine H e n n a ett ! < nicht dein 
Eigentum. Dim. he die u. pulle. 

HER in heerd mei! eine Kin- 
derliebkosung in Weiszenhom 
etwa wie anderwärts: mein Lie- 
belei mein Schäzlel Hera, nach 
der altern Sprache, drückt die 
Bewegung, her die Ruhe ausz. 

HERAÜSZHALFTERN swv. 
sich ausz einer Verlegenheit ge- 
schickt herauszzieheu. 

HERBST, der. Vom Mai ab 
heiszen im cgm. 73 die Monats- 
namen also: der erst Mai, der 
ander Mai (Juni); der erst 
Angst (Juli), der ander Angst; 



der erst Herbst, der ander 
Herbst(Okt.), der erst Winter, 
der ander Winter. 

HERD, der. 1) Vogelherd: 
»wollte aber Jemand Her de ma- 
chen und Kramtsvögel fahen, der 
ein Markvogler wäre, und die 
EramtsTÖgel zum failen Kauf ver- 
kaufen wird oder wollte, die sol- 
len ihr Kramtsvögel Herde von 
einem jeden Bischoffen zu A. oder 
dessen Anwalt bestehen und mit 
ihrer Erlaubnis voglen.t ürkde. 
1456. L. Rem liesz a. 1524« ain 
Vogelherd in der Rosenau 
herrichten, darinn : »drei Netz mit 
dero Zuogehör. 12 Holzin, 6Dra* 
tin Vogelhäuser, die Einrichtung 
on Vogel und Voglersion kostet 
in Gold 29 fl.< S 62. Vögel- 
herdäcker, Flurn. in Reinhards- 
hausen. Vogelheard, Waldberg. 
Waldname. Herdtgasse. A. 

2) Treibherd in der Feuer 
Ordg. 1731. Bau 0. H, 45. >Wel- 
cher Burger oder Inwohner all- 
hier in seinem Haus einen 
Schmolz und Triebherd oder 
Schmidesz zu bauen verlangt< 
u. s. w. »Desgleichen sollen alle 
Triebheer de, Schmelzöfen und 
Essen gegen den Nachbar ihre 
eigene Maur von einem Riegel 
oder wenigstens halben Maurstein 
dick haben.« a. a. 0. 

HERDSTIER: nach altem Brau- 
che hat jede Herde iren Herd- 
stier; in den Vergleichen list 
man in einer Gemeinde von dem 
H. in der obem und in der un^ 
tern Herde. ^ 

15* 



22S 



HereinflohleiQhen r* Herr. 



HEREINSCHLEICHEN swv. 
>Und sowol durch die Dorfleut 
als hiesige Bargere und Schnz- 
yerwandte, sonderlich auch durch 
der Stadtquarde Soldaten Weiber, 
alleweil fremd ungesohaut Mezg- 
fleisch. Brät und Wurst auf aller- 
lei heimliche und höchst sträfliche 
Maliern hereingeschleicht 
wird.« Poliz. 0. 1683. 

HERESEI, Eleidungstück in 
den Kleid. Ordgn. öfter: halb- 
seidene Zeuge, >polonete Here- 
sei.< 1683. 

HERKOMEN LASZEN, vorge- 
ben, behaupten. >Er läszt das 
lierkomen.€ 

HERR in der alten reichstädt. 
Yerfaszung ungemein häufig für 
alle möglichen Aemter. Die Hoch- 
zeitherren hatten die Ehesachen 
über sich zu nemen; Bau- und 
Handwerks-, Einnem-, 
Steuer-, ümgeld-, Proviant- 
Kriegs-, Taxier-Herren. A. 
Kai. 1769. Nach dem 30jär. Kriege 
gab esz zwei S ti m m i e r- (Wollen- 
visitation) , 2 Forst-, Eicht-, 
Zeugherren n. s. w. Den Ma- 
gistrats-Deputierten bei d. Zunft- 
festen z. B. bei dem Weberdänzel- 
fest nannte man da nur den gnä- 
digen Herren. Daidingsherr, 
Schiedsrichter. Luc. Rem 58. 
Schulherren hieszen die deut- 
schen Schulmeister und ire Wei- 
ber Schulfrauen. Das Herren- 
krönen in Augsburg. Esz war 
eine alte Sitte der protest. weibl. 
Schuljugend. Im Juli, etwa drei 
Wochen vor dem Rüetenfeste sag- 



ten die Mädchen: i darf heint 
zum herogreene. Die Schal- 
her reu begaben sich etwa um 
7 ür zur Barfuszerkirohe in den 
Gottesdienst. Bei der Rückker 
standen die Mädchen — esz wa- 
ren aber nur die beszem Fami- 
lien angehörigen eigens ver- 
treten — spalierartig im Schuld 
zimmer, hielten breite Atlaszbän- 
der und umwanden den herein* 
tretenden Schulherm zur groszen 
Freude desselben. Was habt ir, 
was habt ihr? rief ein alter Sohulr 
herr jedesmal. >Ja heint igt 
's heordgreno, heint dond 
mor Eu ein fange U sagten die 
Kinder. Geschenke an denselben 
fanden statt; dafür bewirtete die 
Schulfrau die Mädchen mit dem 
üblichen Kafe, Wein, Kranzback- 
werken« Nachmittags gemeinsamer 
Spaziergang mit der Frau Schal* 
halterin. Das Jar einmal, Mai: 
Nun tun sich auch die Kinder 

sehnen 
Dasz sie bald die Schulherrn 

krönen. 
Greif, Schulen S. 141. Herren- 
häuser eine Ortlichkeit in der 
alten untermStadt. Herrenbach 
in A. Herramädle b. Münster 
in d. Stauden. Herrenbrot ein 
feineres Brot, Milchbrötlein. Her- 
renmasz in Giltbüchem oft, so 
cgm. 154 f. 8^: >1 schaff roggen 
Herrenmasz. <Herrenvorteil 
in der Schüzensprache : >an je- 
dem Schiesztage wird ein Kranz 
oder sog. Herren vor teil von 
2 fl. gegeben, wozu jeder Schüze 



Herrliokkeit -*- Hexe. 



229 



-24 kr. anliegt. Diser Kranz kan 
nber an einem gewönlicben Schiesz- 
tage nicht an weniger als an 5 
Schüzen ausz der Kasse verab- 
folgt werden.< Schüzen 0. 1819 
§23. Herrengütle, yulgttriter. 
MB. 23. 128 (1277) Herren- 
-w i n k e r, weisze breitrandige Stro- 
hüte der Feldarbeiter. DasHer^ 
renbad im Gegensaz zum gros- 
sen B. in Wildbad nennt L. Rem 
23. Herrengeld, Steuern zur 
Unterhaltung des Ortsgeistlichen. 
(Kohlerwinkel jHerrgöttle (-\a/) 
Kruzifixbild, Feldkreuze u. s. w. 
Mein Wbl. 42. 'S Frearherr- 
f^ettle , Holzherrgett bei 
Günzburg. Staudaherrgetle, 
Tom Lande, bäuerischer Empor- 
kömling in der Stadt: Spelta- 
lierrgetle, auffallend zartglie- 
derige dürre Person. A. Herr- 
gottskühle, Muttergotteskäfer- 
lein: 

Herrgottskühle 
Fliech über drui Stüehle 
Fliech über da Rhein: 
Lasz heint und moara 
Guet Wetter sein. Stauden. 

HERRLICHKEIT, Herrschaft: 
>die H. ausz den Händen gea.< 
«einer Macht entsagen. (Kohler- 
winkel.) 

HERTISCH adj.? >Und als er 
heimkam, stiesz ihn an der her- 
tisch Zittern und bydmen, als 
das ihm alle seine Glieder er- 
schlagen.« cgm. 402 f. de*". 

HERTÜS. >Haben die Vinde- 
11 z i e r für ire Gatter geeret Sonn, 



Mond und Herthumb d^ h. die 
Erden. € Gass. 

HERVORSEGNÜNG, die, kirch- 
liche Auszsegnung der Wöchnerin. 
Im Klimntacher Saalbnche von 
1784 stet: >werden beiHervolv 
Segnung von jeder Kindbetterin 
6 kr. und 1 Schneller geopfert.« 

HERZinHerzblättle, Günst- 
ling: herzschlechtig eine in 
Mikh. Akt. oft yorkome^e Pfer^ 
dekrankheit. 

HEULEN swv. allgem. für lau- 
tes Weinen der Kinder oder auch 
empfindlicher Erwachsener. 

HEUSCHRiCKEL, Heuschrecko. 
stm. S. UV*, Heuschlickel, 
Strasze. Heuhüpfer, Mindelh. 
Heuspeicher in den Stauden, 
was sonst Heubarn heiszt, neben 
der Tenne. Heu markt, alte 
Oertlichkeit in A. Bildl. Heu- 
gaul, langfüszige grobgliederige 
Person. Heu wag, die, in Augsb. 
Henzeichen, in der Heuwag 
notwendig. Mrkt. Ordg. 

HEXE. Gass. zält folgende Na- 
men ausz der Hexenzeit auf: 
Hennenflügel, RappenfuesZy 
Hundsköpf, Heydexen, See- 
lendieb, He'llhund, Palikra- 
zen,Ro SS dreck. Zerren dreck 
u. s. w. Hexengässle in Bur- 
gau und Günzburg. Hexenbeiz, 
ein sagenhafter Pelz am Barfüszer- 
turm, dessen sich die bekante 
Hexe bei iren Farten bedienta 
Nach der uralten Sage soll eine 
Hexe dem heranstürmenden At- 
tila bei der St. Afirakapelle, die er 
schon zerstört hatte, bevor er über 



280 



Hesenjunkor — Himalleaer« 



denFlasz wollte, aIs uralte häsz- 
liche Gestalt entgegengeritten sein, 
ftuf eben so haszlichem Rosse, 
unter dreimaligem fürchterlichem 
Bnfe: Zurück Attilal das soll 
Attila 80 in Schrecken gejagt 
haben, dasz er floh und Augs- 
burg blieb geschont. So die Sage. 
Einer genauem Untersuchung 
möge esz vorbehalten sein, zu erfor- 
schen, wer die Sage zuerst bringt 
und ob die Wemutter zu der 
Hexe in keiner Beziehung stet. 

Augsb. schwäbisch ist auch die 
Red. A. bei einer Windsbraut: 
siechst d'Hex nett fliega! 
IDu siehst ausz wie d'Hex am 
Barfüsz er torl wird zu einer zer- 
sausten Weibsperson gesagt. 

HEZENJUNKER Der junge 
Schwarz stet mit einem Falken 
auf der Hand als Jagdjnnker da, 
dabei heiszt esz: >Adi 2. Okt. 
1516 war dises meine erste Klei- 
dung wider auf teutsch zw Augs- 
purg, da ich wollt werden ein 
Hezenjunker.« S. 83. Hez- 
wagen, Jagd wagen : »adi 6. Julio 
luos ich mich also krank und 
schwach uff ainem Hetz wagen 
gen Cöln füren, c L. Rem. 22^ 

HIEIG adj. far nhd. hiesig 
allgem. in Augsb. Schriftwerken: 
»hyeig und fremd burger.« S. 
139^ >die all hi« igen Sailer.< 
Sailer 0. u. s. w. 

HIESELN, hänseki. >Moi8t i 
lasz mi hieseln« Staud. 

HIGELHAGELFEZ A, gibt eine 
Art superl. Bedeutung: ser stark, 
z. B. Yom Donnerwetter. 



HTTJiEN, sich, sw¥. hallen, ein 
Echo geben: >des h&t se yer- 
hillt.« Langenerringen. 

HIMEL. 1) Traghimel, in 
der Kirche: >unter einem sey- 
diu Schirm, der gemeine Mann 
nennet esz einen Traghimel,« 
Gass. So heiszt er noch im Volke. 
In Denkmälern schlechthin Hi- 
mel: >sie haben den Himel ge- 
tragen, darunter der Kaiser ist 
eingezochen.« S. 19ö^ >ünd ist 
der Legat bei der Prozesz unter 
dem H. gangen.« 202*. >ünter 
den Thomherrn Himel.« t 
277^ >Da ritt der Kaiser ausz 
unter der von Augsburg H. nach 
alter Gewonheit und der Thom- 
herrenhimel.« 504». »Und ist 
der Legat unter einem schlechten 
Himel schier halb spottweis ge- 
fürt worden.« 338». »Im künfti- 
gen Gerichte Christi werden we- 
der Gewelber — noch Kanzeln 
mit gedeckten Himeln sein.« 
Gass. Blauhimelamt sieh B. 

HIMELFEÜER, Sunwendfeuw, 
St. Johannesfeuer. Den schon be- 
kanten Tanz Philipps mit der 
schönen Neidbartin ausz Ulm um 
das Sun wendf euer in Augsb. 
erzält S. also: >Nach Pfingsten 
hat der römisch König und sein 
Sun Philippus 10 Fuder Holz auf 
den Fronhof lauszen fiieren und 
nach Ave Maria's Zeit ein Himel- 
fewr gehebt und Herzog Philipp 
und sein Adel zu dreimal um 
das Feuer danzet. Das gelegt 
Holz hat 93 Zeyl an der Höhe. 
Herzog Phüipp tanzet mit Ursula 



Himelizen •— ffim 



231 



Keidhartin etwa Hansen Barger- 
meisters von Ulm Tochter.« f. 
262*» >Da sind 2 Spanier auf das 
brinnet Hymelfewer hinanf- 
kliimen.< f. 6lV*. Himelhur, 
spöttisch roh, Könne. Redens- 
Art: der Himel biostet, esz 
wird bald regnen; der Himel 
komt, wenn man die Sterb- 
sritkramente zu dem Kranken 
bringt. 

HIMELIZEN Bwv. splendere; 
ogm. 685 f. 88*. Heute noch in 
bayer. Gegenden and kaum schwä- 
bisoh for blizen. 

HIMELZIGE , Begina. cgm. 
665 f. 17». 

HINAUSZSTAMPERN swv. 
ebem höflich die Türe weisen. 

HINBAÜSCHEN swv. »Wenn 
bH gleich alles aufeinander hin- 
gebauscht wird und davon ge- 
sehlntert, so kann vil Plaz 
menagiert werden.« Reinhardsh. 
P&rrbch. 

HINBETEN, hinausz beten, 
Todtengebete beten, auch hie und 
da dem Sterbenden vorbeten. 

HINDERE, HINTERE, der,po- 
dez. »Hett ain grosse Taschen 
auf dem Hindern hangen, die 
fiel auf und wischet dann ein 
groszer Schwanz herausz.« Horm. 
1884. S. 146. >ünd er schlug sein 
veind in die hindern.« cgm. 82 
f. 146»». 

Alte Weiber und Enta 
Schnaddret über da Sea 
Und wenn sie wend vertrinka, 
Nao recket se da Hin der a in 
d'Heah. Stauden. 



2} Adj. >6 herr, ich beger daz 
dein heiliger fronleichnam sei 
mein hinderste pfründt, die 
ich nyezen und der ich ewiglich 
geleben sol.« cgm. 78 f. 92». 

8) Adv. Bildung: »hinter- 
wertlingen zu einem lauffen.« 
S. 416\ >ünd würfen ihn mit 
dem Har hinterwertlingen 
one alle Barmherzigkeit, cgm. 402 
f. 138»». 

HINFÜRER bei Regiom. oft 
(1518): >ein lieger and trieger, 
ein Hinfüre r, Mörder. < Der im 
Skorpion Geborene ist ein >H in- 
füre r und ein ubelgethaner 
Mensch.« >Wer im Dracken ge- 
boren wird, wird untreu und ein 
Hinfürer,« u. s.w. 
HINSCHWÖRIN, Gelöbnis: »dasz 
bei den offenen Gengen zu den 
Hinschwörin und Hochzeiten 
den Vor- oder Nachgang haben.« 
Vergleich v. 1531. In ülmer Ak- 
ten heiszt der festliche Ver- 
lobungstag >Tag des Hin- 
schwörens.« 

HINTERHALTEN stv. Unter- 
schleif ge wären, ürkde. 1634. 

HIN WERF , der , Auszwurf 
»Ich pin ein Laster der Lewt und 
ein Hinwerf des Volks.« hs. 15. 
Jarhundert. 

HIRN spr. hira, gtira in Hi- 
raknatsche, Mohn. Riesz. Hi- 
ra wur st von Hirn u. Schweins- 
blut. Hirakappa bei Frauen 
und Ochsen; bei leztern ist das 
Riemenwerk am Eumet oder der 
gepolsterte Tuchfleck unter dem 
Joche gemeint. Eohlerwinkel. 



282 



Hirschliustin — Historie. 



Hirnschläpplen, eineZierder 
Frauen am Kopfe. »Ingleichen 
xnogen sie dieHirnsc^lapplen 
wol von gutem glatten Samet 
machen, doch dasz sie sampt aller 
Zugehör nicht über 2 fl. komen « 
Poliz. Ordg 1683. »Die Hirn- 
schläpplein oder Visier, sollen 
von keinem glatten Samet, wol 
aber ausz Tripsamet und andern 
seydenen Zeugen gemacht wer- 
den, dasz keines über 1 fl. 80 kr. 
mit aller Zugehör koste. < a.a.O 
Conlin : »unverständige Strohirn 
zn Würden sezen.< Hom. S. >Ist 
alles gleich wieder vergeszen: 
haben Kazenhirn: riecht alles 
gleich wiederum ausz.« > Morgen 
ist alles vergeszen :Eazenhirn!< 
>Da hangt koi hiral Schelte. 
Allgemein. 

HIRSCHFAISTIN, die, Hirsch- 
jagd. »Unkosten der Zehrung als 
Erzherzog Ferdinand uff der 
Hirsch fa istin zu Mickhausen 
gewest.« Rechnung von 1569. 
Disz blosz bayerisch - Österreich, 
und seinen nächsten Gränzen an- 
gehörende Wort hat seine rich- 
tige Erklärung bis jezt noch nicht 
gefunden. Grimm. Wb. ÜI, 1465 
hält esz mit Schweisz zusamen. 
>In der Faiszen.« cgm. 289 f. 
103»». 

HIRSCHLING neben Rehlin g, 
Tannling im lUertale, bekante 
Pilze. In e. alten Augsb.Mrkt.O 
komen Rohlinge u. Pilzlinge 
als Verkaufsartikel vor. Gramm. 
III, 376. 782. 

HIRTEN heiszen in den Stau- 



den die Yiehhüter der einzelnen 
Bauern, meist junge 12 — Ißjärige 
Buben. In dem Gersthofer Weis- 
tnm erscheint ein Grosz- nnd 
Eleinhirt, natürlich ist die 
Sprache von dem Dorfhirten: 
»Die Dorfgemeine solle einen 
Hirten bestellen; dem Grosz- 
hirten solle ein Mayer 15 Laib 
und diesem und dem Kleinhir- 
ten jedem alle Bach einen ge- 
wonlichen Zelten geben.« Der 
rechtsaltertüml. Auszdruck Hir- 
tenstab erscheint in Mickhans; 
Akt V 1567. Akermiete, Hirten- 
sta^b, 1569. Hirtenschüszel, 
Gesamtion des Dorfhirten. Im 
Sigertshofer Pfarrbuche 1598 stet: 
>In der Ereuzschlau haben die 
zur Sigertshofen Macht zu hanen, 
was das Haberfeld daligt, gibt, 
darausz in die Hirtenschüszel 
2 fi.< »Gall Albrecht soll alle Jar 
in dieHürdtenschüszel zalen, 
dasz man in anmaden laszt.« 

Zeitwort: verhirtlonen,hirt- 
lonen swv. »üngehürtlonet 
durchausz frei ledig gen.« Fisch- 
acher Stat. iVereszet und ver- 
hürtlonet.« a. a. 0. >Item so 
sollen zugleich Pauren und Sold- 
ner j eder 2 Schwein verbssen 
und verh ürtlonen.« Wilmats- 
hofer 0. 

Das Stadtr hat d. gemein mhd. 
Form hertaer f. Hirte. 

HISTORIE gebraucht cgm. 168 
öfters für Epistel und Evangelien 
des Sonntages, die »sunnen täg- 
liche historie sprechen. < f. 5^ 



Hisen •— Hofieren, 



233 



HIZEN 8WV. erhizen >Der eng- 
lische Schweisz hat also geprendt 
und gehizet.« S. 468^ 

HIZLER^ carnifex vel tprtor. 
cgm. 685 f. 22»>. 

HO, HOI Ruf für das Grosz- 
vieh. Birkach. Der Hunderuf: 
dal da! 

HOBEL, coUis. cgm. 685 f. 31«. 
Süddeutsch. In dem Pfreimter 
cgm. 530: >alle Berge und Ho- 
bele werden gedehmütigt.« f.6*>. 
>Hobel u. Büchel< f. 121^ 

HOBEL WAGEN, Leichenwagen, 
eigentlich Deckel wagen. Im 
Servatius, Hpt. Ztschrft. V, 178. 
V. 3421 stet: »und warf den bär- 
hob el dan< , d. h. den Deckel 
oder Erhöhung, was mit Hobel, 
coUis, zusamenfallt. Schmid fürt 
Hoppelwagen an für Kutsche 
S. 281. Frisch I, 457- hat Hobel- 
wagen für Eobel wagen auch. 
Hobel und Kobel dürften also 
nicht von einander .getrennt wer- 
den. Im Strafbuche des Weber- 
hauses — mündlich kan ich esz 
nicht nachweisen — stet >den 
13. Juni 1660 sind 10 Gesellen 
um je 10 kr. gestraft worden, 
dasz sie am Montage nach dem 
<2uatember in dem Hobel wagen 
herumgefaren.« Sender f. 179: 
»Und bei St. Elizabeth Eapell 
hat man den Hobel mit ainem 
schwarzen wullin tuch ab dem 
Wagen gehebt. Da haben 4 Edel- 
leut seines Hofgesinds in schwar- 
zen Klagkleidern und kappen den 
Hobel genomen und ihn tragen 
zu U. L. Frauen Kirchen, da band 



sye in Mitten der Kirchen auf 
das Pflez niedergesezt.« — »Auf 
dem Hobel und schwarzen tuch 
ist gelegen ein weisz kreutz und 
sein Cardinalhut.« f. 180* 

HOCH, s2»r.hoah; Hochespr. 
Heache. »Der hoache Wege 
beim Dom. Urkde. 1629. >Hoch- 
holz aufm Moos oder Her- 
breohten< genannt, am Lech. 
Jezt abgegangen. H e a b e r g ä ck er, 
Stauden. Im hohen Meer, eine 
alte Augsb Wirtschaft Hohen- 
r eu t, Wald N. Zacher. Urkd. 1246. 

HOCHGESCHOREN part. stolz, 
aufgepuzt, eitel. 

HOCHZEIT in Zusamensezungen 
sieh das 2. Wort. Hochzeit- 
sag e r i n neben Leichensagerin 
in A. Wein- und Bierhoch- 
zeiten, Freihochzeiten cgm. 
2046. Nachhochzeit, auf dem 
Lande zugleich Zaltag der jungen 
Eheleute. Hochzeit-Sprüche, 
als unsittlich 1556 verboten. 

HOF, Fest, besonders Familien- 
fest. >Auf diesen Tag, da der 
Hof seiner Freundschaft war.« 
Horm. 1834 S. 131. Kindbött- 
höfe bei Conlin. Hofatlein? 
»Und aines tages was er gewesen 
an einem hoffatlein.< cgm, 
259 f. 11». Hofäcker bei Wäh* 
ringen. Fünferhof, Kaufb. Spi- 
talgut in Beckstetten Zacher 46* 

HOFIEREN. 1) mit SaitenspU 
ein Ständchen bringen Der Stad^ 
Augsburg Beruf 1541. 2) cacare. 
In einem Prozesze des Weber- 
hauses von 1787 heiszt esz von 
einem Webergesellen, e^ hätte in 



2U 



Hofmaister — Hollhipper. 



die Hand hofiert and das Kot 
auf seines (Anklägers) Arbeits- 
stnl geworfen. Ich halte das 
Wort f&r süddeutsch nicht yoU- 
komen volküblich, denn o ist 
mundartlich unrichtig, esz sollte 
das Wort huofieren heiszcn, 
d.h. tun, was sich gehört, zu Be- 
huf stend; dann in 2. Linie tun, 
was Not ist, d. h. seine Notdurft 
verrichten. So könen wir das 
Göttingisch-Grubenhagensche >8in 
behauf daun,< cacare, damit 
vereinen. 

HOFMAISTER. 1) der Fra- 
ter und Klostermaister von Nie- 
derschönefeld, daneben auch Hoch- 
maister. Hofmaister hiesz 2) 
der Ulmer Hospitalpfleger; so 
lange die Anstalt noch halbgaist- 
liche Einrichtung hatte, war er 
blosz Maister. Ob A. Beschrbg. 
8. 104. 

HOLDER allgem. schwäb. ge- 
genüber bayer. H o 11 e r. cgm. 402 
f. 126* »und schlugen jn mit star- 
ken holdern<d.h. Holderstöcken, 
Gerten. 

HÖLLE erscheint in Süddeutsch- 
land ser häufig als Ortsbezeich- 
nung für Burgställe, Wälder u. s. w. 
Die Hölle in A worauf das 
Pfärrle stet; in der Höll, bei 
Günzburg, Soldatengrab u. Berg- 
werkspuren; Höll, ein Stadtteil 
vonBurgau;Höllenäcker. Rein- 
hardshausen . Höllschlau (Stau- 
den), die Hölle bei Stettenhofen. 
Ich ziehe noch auszwärtige Bei- 
spile herbei, um leichter die rich- 
tige Erklärung zu bekomen: zur 



obern Hölle, ein altes Haus in 
Radolfszell; Höllenstein, 1) bei 
Stetten a. k. Markt. 2) Flur N. 
Mülh. Urbar. 8) bei Heidenheim. 
4) bei Tübingen. Höllensteig, 
Wald bei Erbstetten , neben H ö 1- 
lahau. Höllenweiher b. Tie- 
fenbach. Hölldorf,Höllga8sle, 
Andelfing. Flur N. Höllgraben 
in Ueberlingen ; Höllental beim 
Riedental gegen Gleiszenburg; 
Höllacker, Wendelsheimer 
Markung; Hol Iwangen, Ueber- 
lingen; Höll, Königseggwld. H ö 11- 
wald zwischen Goppel u. Buch 
u. s. w. In den meisten angefür- 
ten Fällen ligt altes häli gah, 
steil, zu Grunde, das sich nur 
noch volküblich in der Bedeutung 
seh lüpf er ig erhalten hat. Die 
wenigen urkundl. Belege obiger 
Flur- u. Bergwaldbezeichnungen 
weisen imer hei- auf: He lau- 
st ein und das einfachste wäre, 
die Zwikauersche ö- Schreibung 
zu streichen und e zu sezen. 
Anlenungen an Hölle mögen 
nicht selten mit unterlaufen, da 
häli nicht mer verstanden wird. 

HOLLENDORF, abgegangener 
Ort zwischen Ried und Aretsried ; 
nur noch als Flurname lebend. 

HÖLLHAFEN sieh mein Wbl. 
44. In Mickh. Rechnungen 1642 
u. Harter Inv.: >Um einen Höll- 
hafen und Höllhafenkachel 
und um Einsezung dessen im 
Maisterhaus.« Sonst heiszt der 
Teil des Hinterofens, worauf Kin- 
der gerne sizen Höll. 

HOLLHIPPER, der. Schmäher. 



HolUppenoren *— Hopfensaiger. 



235 



hollhipp OB, Zeitwort, in^wir- 
temb. Kirchen 0. oft. >Sind bei 
den Ho lippern in die Schul 
gegangen.« S. 889^. Adj. hoU- 
hippisch: >h. und skurrilische 
libellen.« Ord. d. üniv. Tübingen 
1601. Bei Th. Paracelsus nicht 
selten 

HOLLIPPENOBEN. >IhrMund 
ist ein süszer Honigfladen, ihre 
Zungen ein süszer Latwergen-* 
schniz , ihre Hand und Finger 
sind von Marzepan, sie hat hol- 
lippen Oren und 'ihr Nasenist 
ein Zuckerflusz, ihre Augen seind 
ein süsze Sulzen.« Conlin. 

HOLZ. Borzenholz, Klaub- 
holz, Wegholz sind in den 
Schriftwerken einander entgegen- 
gesezt. Quatemberholz, eine 
Beichnis der Stadt an Corpora- 
tionen oder einzelne Personen. 
>ü n h o 1 z, esz seyen Stock, Stau- 
den und Widen.« Mezg. Akten. 
Holzböden heiszen in den Stau- 
den herabgekomene Kleinholz- 
waldungen , die nach und nach 
ausgestockt werden. >Aus den 
abgetribenen Holzböden.t 
Elimmacher Pfarrbch. ImStdtr. 
komt das Hüstetter (Haustet- 
ter) Holz häufig vor. Brenne- 
holz, a.a.O. Holz apprechen, 
Flöszer Fachauszdruck= den Weg 
Tersperren durch falsches Anbin- 
den des Lechholzes. Stdtr. Nach 
dem dOjärigen Kriege komen 80 
stadtische Holzmeszer vor in 
A. Für Wald ist Holz fast all- 
gemein gebraucht in der Zusamen- 
sezung, z. B. Egetholz, Hasle- 



holz, Heilingholz, Klimmaoh, 
Hintersholz (DÖpshofen), im 
heiszen Beiterhölzlein, Flur 
N. Mickhaus. Akten 1610. Bis- 
tum sholz, 14. Jarhd. b. Mickh. 
>In den Holzstöcken u. Holz- 
stellen« heiszen 2 Oertlichkeiten 
im Illertal (in villis sylväticis). 
In der Torschreib. 0. 1722: Gült- 
Holz, Kohlenbauern. Buz- 
holz, Waldname. Zacher 240. 
In Klimmach sagt man für all- 
gemein <schwäb. spalten: Holz 
verschlagen; anderwärts H. 
klieben. »Mit Pfannenholz 
abstrafenc rechtsaltertümliche 
Sitte in Mickhaus. Strafakten v. 
16. Jarhd. ab nicht selten. Esz 
war eine mildere Strafe für sol- 
che, die Geldstrafen nicht prä- 
stieren konten. Wegen Laug- 
nung der Schwängerung wurde N. 
zu 8 fl. gestraft, und der »Toch- 
ter noch dazu ein Tag das Pfan- 
nenholz angeschlagen.«1607. 
Ein Rätsel in den Stauden: (Borer.) 
Esz get im Holz 
Esz stet im Holz 
und scheiszt weisze Böllele. 
Holzhaus neben der Fuggcrei 
für 82 arme fremde Blaterkranke. 

Holzbock und Holzkaz, ei- 
gensinnige Personen , Kinder. 
Holzbock hiesz Seb. Schertlins 
Fändrich. S. 658. Ebenso ein 
Kaufmann Jakob H. L. Rem. 13 

HONIGSCHEISZER, ein über- 
schwenglich süszlicher Mensch. 
Bald spricht man Hong, bald 
Hog; das Honik, Stadtr. 

HOPFENSAIGER, cola vel 



236 



Hopptsflle — Hoten. 



•«igtuch cgm. 685 f. 30.\ Die 
Hopfen Wirte zu Erlingen kö- 
rnen urkdl. schon 1672 vor. »Ei- 
nen Bauch haben wie ein böh- 
mischer Hopfensack.« Con- 
lin. Das Hopf enzopfen mit un- 
lauteren Absichten in d. Mem- 
minger Stdtr. Terboten. 

HOPPASSLE, dim. zu hop- 
pen salire gehörend: ein zwei- 
r&deriger Wagen mit einem Pferde. 

HOPPEN, die, scheinen Er- 
höhungen SU sein: »dieselbe Hop- 
pen und Räudigkeit nennen wir 
jezunder Franzosen.« Gass. 
Bei Martin Müller S. 30 heiszen 
in der Dorfstechersprache Erhöh- 
ungen: Hoppen oder Burren. 

HORAX DAX I Ermunterungs- 
aoszruf. In Niederschwb. ist hu- 
rex dex üblich. Mein Wb. 46. 

HORES MORES! allgem. volk- 
üblich um Günzburg, ausz >hono- 
res mutant mores. < 

HORGLEN swv. sich auf dem 
Boden wälzen. 

HÖRN spr. hora, hüara, dim. 
hörele; als Bergvorsprung ser 
häufig in Schwaben. »Auf dem 
Hörn« in A. »Zu oberst des 
Berglins , so man sonsten das 
Hörn nennet.« Gass. Hörele, 
ein hufeisenförmiges, in Schmalz 
gebackenes Eierbrot. A. Hörnle 
als Familienname. A. 1406 er- 
scheint ein Bürgermeister dises 
Namens. Hoarama heiszt im 
Reime vom Jacke le der den 
Hezger abtut, der TeufeL 



>Dr«Hoarama soll da Mezger 

buffa, 
Der Hoarama mag da Mezger 
buffa« u. 8. w. 

Im Eohlerwinkel aügem. für 
Teufel. Alte Formen hurn, Ein- 
hurn, Einhürn begegnen häu- 
fig. Hörn äff artocoper: hörn- 
af vel krapffer. ogm.' 685 f. 12^ 
Hornblasenszeit »zwischenH. 
sich im Hause finden lassen.« 
Ordg.1647. DasHornabschnei- 
den, eine alte jezt abgegangene 
Sitte im Kolerwinkel und sonsi 
Im Frühjare bevor das Vi^ auf 
die Weide gelassen ward, kam 
der Hirte mit einem Gemeinde- 
rat; dafür bekam er ein Ei und 
1 Kreuzer. 

HÖSELWANG (hasil-) bei Kam- 
ming. He8selberg,mitd.Fe8te. 

HOSEN in Hosensack, Na* 
belbruch; Hosabändel, b&ndd- 
förmige Nudeltaigstriemen eigens 
gebacken in Schmalz; naohher 
werden sie zum Ablaufen über 
ein anderes Geschirr gehalten. 
Hosalottle, vemachläszigter 
Mensch; hie und da auch ge- 
mütlicher Bursche. G r ü n h ö s- 
1er, grünhoset vom Frosche: 
»ist der Yater ein Flucher und 
Gotteslästerer bei dem es auch 
mitten im Winter donnert und 
hagelt, der ^ie ein g r ü n h o s en - 
der Frosch und Lackenmusi- 
kant mit seiner Pfundgoschen den 
Himel anquakst.« Conlin. »Grün- 
h Osler.« H. S. Red. A. Vil Ho- 
sen zu waschen haben, in 
der Einbildung viles zu tun ha- 



Hoüehi — HnmBen. 



287 



ben. >Heint frait mi dia 
Laicht Bcboa, weil i koine 
schwarze Hosa haue, ich bin 
ganz unvorbereitet bei anTorher- 
gesehenen Fällen. 

HOTTELN swv. schlecht rei- 
ten; Hottele, Pferd in d. Ein- 
dersprache. Hottag aale im 
Reime in den Stauden: 
Marile, Mareile 
Du zuckersüsz Maule 
Leich mer del Zäumle 
Zum Hottagäule. 

Hotto, hotto Gäule 

Mm Vater schlecht a Säule, 

Der Müller schlecht a roate Euah: 

Yater dürf i itt derzua? 

Noi du der§t itt derzua 

'S ist so gar a beaseEuah. Std. 

HÜBSLERIN, öffentliche Hure. 
Sidtr. Orig. Schmid Wb. 289 list 
Hubscherin, was in Abschrif- 
ten Yorkomt. 

HUDELN swv. > Jezt ist er sein 
Lebtag geschlagen, sein Lebtag 
ein armer Mann, die (s. Weib) 
wird ihn hudlen und ihme die 
Kappen waschen; « H. S. 

HUDELUM sieh Sautreiben im 
Anhange, 

HUDERLE neben Huberle 
sonst, dim. 1) Lamm. 2) guter 
dummer — 8) mürrischer Mensch. 
Riesz. Huderleblut, roter, süs- 
zer Tirolerwein. 

HUFEISEN in der Red. Art. 
>ein Hufeisen verloren haben,« 
vor der kirchlichen Einsegnng 
niederkomen oder schwanger gen. 

HOFTLE, das, in der Meeger« 



spräche das Schweifstück des 
Ochsen. 

HUIl Auszruf: >huy auf, Esel, 
fort Eselin!« H. S. Conlin hat 
auch hu, hat Mein Wbl. 46. 

>Hui Buben, welcher kauft?« 
Eleiderb. 104. 

HUIERLTNG,Heuerling heis- 
zen die Buben vom 14 — 18 Jar, 
die noch nicht mit den Erwach- 
senen tun dürfen. Böblingen. In 
Wurmling. Heuliecher genannt. 

HUITSCHERLE neben Hui- 
serle, Füllen. Riesz. 

HÜLE, die, ahd. huliwa, Re- 
genwaszergrube. Dorflache. Hül» 
bei Laugna; bei Geratshofen ist- 
die Ochsenhüle. >Das erst ist,, 
dasz das Wasser nit ein Ursprung 
hab üsz ainer Lachen oder von 
aiher hulben, wann die Lachen 
oder Hulben habend gemainlich 
stehendes Waszer.« cgm. 201 f. 
42». Mein Wbl. 45. >Darinn was 
ein hülin, die stank und smakt 
gar ser.< cgm. 138 f. 50»». Ob hier 
Hole? Im Eohlerwinkel ist 
Hüle = Holweg. 
HUMEL, Langeneifnacher Wald. 
Humelweiherle, Humelholz. 
a a. 0. Mein Wbl. 45. 

HÜMPELEI, die. >So gut sie 
bei Pfaffen, München, Thomherm 
gefunden, — der Abgötterei ein 
Aufiiemen zu machen, deren Hü m- 
pelei sich vorige Regenten in 
ihre Lungen geschemet haben.« 
Dr. G. Müller. Schmoll. H, 197. 

HUMSEN swv. u. Subst. >Die8e 
Frösche (Egypten) machten den 
Leuten mit ihren Molesten und 



238 



Hon -— Himgerberg; 



überdrüazigenHuinBen and Ste- 
chen über cPMassen yil üngele- 
genheit.« H. S. »0 giftige, teof- 
lisohe, manische, hamsende, 
anvenchamteSohnack^i!« a.a.O. 
>£>a8z Gott erbarm, wer will einer 
solchen humb senden, brnm- 
senden, marreten, karreten Orgel 
(Weib), einer solchen hambse- 
ten Bremen oder Schnacken 
wiedersprechen?« a. a. 0. Mein 
Wbl. 46. 

HUN pl. hiener in den Schi^- 
werken. Hünerdärm kanfen in 
den Angsb. Aoszrufen, sieh An- 
hang. Hünerberg, Dietkircher 
Flnmame. >Wollt ihr auch — 
gmmpfig nnd mnfEg sein, als 
wie ein pfipfigs Hun.« Bnzen- 
bercht, Anhang. Im cgm. 601 f. 
10*: »mürbalseinhünlin,« d.h. 
weich gekocht. Hun er er, der 
Geflügel, Schmalz etc. kauft Stdtr. 
Hun bei Yergleichungen: »prot 
sotU als eines hun es glidlanckc 
cgm. 317 f. 21*. Derselbe cod. 
braucht neben änlichen Yerglei- 
chungen > eines groszen phen- 
nings weit.« f. 24^ d. h. so 
yil Gift, als in einer solchen Pf. 
gen mag. (Mer bayerisch.) 

HUND. In Mickhaus. Rechgen. 
y. 1560 komt der Herrschaft ge- 
hörig »ein Fronhund nebst 
einem Swanen« yor. Hundsgra- 
ben >mit dem Sparren- und Lau- 
teriech zur W escherei und 
Heimlichkeiten dienstlich.« 
Gass. Buzenbercht: 
loh tu den Frommen nichts, die 
Bösen will ich plagen 



Und ne in Ledi, Jl&gdlodb, 
Hunds graben Ikfittgrab 
tragen. 
Hnndssohwans, rohe Schelte 
bes. für ledige Bauernbursche. 
Die hündischen Tag ind.Astr. 
oft. Bed. A. >Der Hund get 
im yorm Liechte um,« et- 
was Geheimnisyolles yersten, mer- 
ken. »Er griff die^h dodihin- 
terfor an, weil er sich darauf 
yerstet, wie der Hund auf den 
Mittag.« IL S. In der Gegend 
yon Füszen sagt man scherzhaft 
»du ghearst nel, wao dV Hund 
nel gheart« d. h. zu den Oren. 
,>Den Hunden läuten« heiszt 
esz, wenn Leute unter dem Tische 
mit den Füszen gampen oder 
schlenkern. In den Stauden ha- 
ben die Kinder den Schnellspredi- 
yers: »Neun junge Hund unter 
der Brück.« H undsfud, die, ver- 
tragen, sieh Mockel yertragen. 
Hundsfud ker um! ein. G&bb- 
chen in A. In Happels akadem. 
Roman schreien die Studenten 
Hundsyogt, Hundsyogtl 
In Bolsterlang »läszt man's 
'm Hund gelta.« Die B. bete- 
ten in der Kirche einst einen Ro- 
senkranz: auf einmal blieben sie 
stecken und keiner wüste, wie 
weit sie im Rosenkranz waren; 
da rief einer >des laot ma 'm 
Hund gelta« und sie fiengen 
wieder yon yome an. Sie mögens 
nicht hören. 

HUNG£RB£RG bei Wihnets- 
hofen und Oberschönefeld; Flur 
N. In Schwaben häufig. Hun- 



Huppen — • HüseiL 



239 



gerbrunnen gibt esz überall 
(Baisssweil). Hungerbrunnen- 
ä d e r. Flur, Wehringen. Hunger- 
schlau, Fischaoher TobeL Hun- 
gerbach bei Amberg. Hun- 
gertuch. »Das H. zu St. Mori- 
zen ist gemalt worden. < S. 241^ 
>A. 1513 ist dasH. zu St. Ulrich ge- 
malt worden.« f. 834*. Schm. H, 214 

HUPPEN od. HÜTTEN, l)alte 
Kleider. Burgau. 2) Hütten, 
liederliche Weibspersonen in A. 

HÜPPENTRAGER. »Desglei- 
chen sollen alle Spilleut, H., Frei- 
hirten, und lächerliche üppige 
Spruch und Tanzleut der Wirts 
und Zunfthauser müszig sten.< 
Der Stadt Beruf 1541. 

HURE 1) in der Waidmanns- 
sprache: >Nunwill ich dich leren, 
wie du ein Huren erkennen solt 
auf einem neugefallenen Schnee. 
Wa ein Hur gät, so get sie al- 
beg hinüber über den Weg und 
get rechten — als der Hirsz.< 
cgm. 289 f. 107^ 2) Im Augsb. 
Elucid. 1543: Schwaben ist so 
ein unkeusch Volk, dasz es sel- 
ten zu rechtem piannbaren Alter 
kompt: gpibt vil H,urn. In Ober- 
schwaben, im AUgäu musz das 
Hur- die Superlatiybedeutung 
abgeben: aber imer im üblen 
Sinne: Hurameszer, da» nicht 
schneidet, Huraborer, schlech- 
ter Borer, Huraholz, das sich 
nicht gern spalten läszt, Hura- 
bub, unfolgsamer Bube^ bes. der 
als Hirte schlecht Obacht gibt. 
Huramusick u. s. w. Huren- 
schnecke, kleine Schnecke. Hu- 



renschwanz im Mickh. Straf- 
buche. Injurie. Huren Winkel, 
in der Web. 0. verpönt. Hur ei, 
Uhner SittOrdg. 1574. Huren- 
schnabel, Schelte. Conlin. 

HÜRLEN, rollen. A. 

HURNAUSZEN, ein KinderspiL 
Kleiderb. Vrgl.. brieten. Roch- 
holz, Alam. Kinderlied. S. 452. 

HURTEN pl. 1) lange Back- 
bretter, worauf der Taig sizt, be- 
vor . er in den Ofen kömt. 2) 
Lange Obstdörrbretter. 3) die 
h ur t stf. Flechtwerk von Reisern, 
Hürde, namentlich um darauf Je- 
mand zu verbrennen. Wack. Wb. 4. 
143^ »Unde swem üf die hurt 
er teilt wirt umbe kezerie , dH 
ist man im nihtes schuldic von 
als iner gevangen wirt under der 
gürtel.« Stdtr. f. 22». >Wirt der 
bewaert^ den sol man dem vogte 
antwurten mit li b e und mit gute 
unde sol er über in rihten mit 
der hurt.< f. 39^ »Sol er der 
Christenheit rihten also dasz man 
in üf der hur de brennen sol.« 
a. a. 0. 

HUSCH, HUSCH I Ruf bei fro- 
stiger Kälte. >Ist David gangen, 
80 hat ihn begleitet der Husch, 
Husch; ist er geritten, so ist 
hinter ihm geritten der Husch, 
Husch; ist er gelegen, so war 
neben seiner gelegen der Husch, 
Husch.« Conlin. Zeitw.huschen, 
sich. >Der Zeit huscht sich gar 
nichts mehr.« a. a. 0. 

HUSEN, Hausen, Fische. Stdtr. 
f. 12*: >ein ieglich burger der 
hu Ben herbringet, dermackden 



U(y 



Hnsseoken — Hut. 



wol finden üf dem market nnde 
Bol in des niemen irren, bringet 
aber ein Gast husen her, der 
80l des M dem markte nit fin- 
den, äne des burggr&ven nrlaup.« 
>ünderkeufel — ze bachen, ze 
haeringe, ze hasen< a. s. w. 
f. 21^ Mein Wbl. 41. 

HüSSECKEN wie Rieszisch 
Easaken, pallae, weibliche Ober- 
kleider. >A. 1497 kam erstlich 
der Gebranch auf, dasz die Br&ute, 
welche mit einem langen Hus- 
»ecken angetan — auf dem 
Hanpt ein Schleier pflegten auf- 
zuhaben.« u. 8. w. Gass. > Sonder- 
lich (den Weibspersonen) aber 
die gut atlaszene Rock und die 
Hussegen vpn Terzenell und 
Ändern dergleichen seydinen Zeu- 
gen zu machen verboten.« Poliz. 
0. 1683. 

HÜST U.HOTTI Furmannsruf. 
Gramm. lU, 810. 780. Sollte nicht 
hlrist, wist, west vermutet 
werden dürfen ? Der Germane rich- 
tete das Gesicht gen Norden 
»wist« = West, d. h. links. 

HUT. Kopfbedekung. »Mein 
Gott! wie vielerlei Form und 
Modi der Hüthen haben sie nicht 
in wenig Jaren zugetragen ? Bald 
einen Hut wie ein Buterhafen, 
bald einen spizigen Hut wie ein 
Zuckerhut, bald wie einen Car- 
dinalshut, bald wie einen Schlapp- 
Bfttt, bald einen zottigen, bald 
einen glatten Hut, da einen Hut 
von Gaiszhaar, dort einen Hut 
von Eameelhaar, da einen Hut 
iK>n Biberhaar, dort einen Hut 



von Affenhaar, da einen Hut wie 
einen SchwMzwälder Käsz, dort 
einen Hut wie einen Sehweitzer- 
käsz , da einen Hut wie einen 
Holländischen K&sz u. s. w Wie 
vielerlei Form imd Modi der Hut- 
schnüren habensie nicht ? Bald 
eine härene, bald eine fädene, 
bald eine genähete, bald eine ge> 
strickte^ bald eine taffete, bald 
eine geflochtene, bald eine ge- 
schlagene, hald eine runde, bald 
eine viereckige, bald eine silberne^ 
bald eine güldene u. s. w.« Con- 
lin. Hüetlisbalen, ein Buben-* 
spil; esz gilt seinen BSl in eine 
der aufgelegten Kappen- zu wer- 
fen: wessen Kappe getroffen wird, 
darf die andern werfen. Eisen- 
hut, uralte Augsb. Wirtschaft. 
HUT, die. Wache, Aufsicht. In 
A. gab esE eine Klenkertor- 
hut, eine Wertachbrucker- 
torhut u. s. w. Die Mezger be- 
saszen die Steffinger Stadthut 
und die P f er d e h u t (Waidepläze) , 
sie hatten auf der Hut >Pferrich 
und Hüethaüsel.« Als städti- 
sche Dienste komen vor nach 
dem SOjärigen Kriege: 18 Tor- 
hüter, Obstmarkthüter, 
Brothüter, Hüter auf der 
Lechhütten, woselbst noch 8 
Earrer Dienste taten ; ' 2 Hütten- 
knecht, Hüttenschreiber, 2 
Hüttengegenschreiber. Die 
Stechhütte der Mezger in 
Augsb. 1549. In dem Gemeinde- 
recht von Schwabmünchen komt 
der Hüter als wichtige Person 
vor. Der Vogt ist schuldig, dasz 



Hnzeln — I J. 



241 



er demDorfe einen Knecht leihe, 
der fEir die öffentliche Sicherheit 
sorgt und ein Hüter heiszt. Die- 
sen schlagt die Gemeinde Torund 
der Vogt bestätigt ihn. Den H ti- 
ter der im Dorfe wont, ruft der 
arme Mann an, wenn ihm durch 
Diebstal oder andere Entfremd- 
ung Not geschieht. Der Hüter 
iszt mit den Bauern, jeden Tag 
bei einem andern. Ist die Ernte 
reif^ so reitet der Hüter auf das 
Feld and holt sein Hut körn, 
indem er einen Fusz auf die Mark- 
ung des Ackers sezt; den andern 
in den Acker und auf- und ab- 
wärts schneidet, was ei^ mit der 



Sichel erlangen mag. Herberger's 
Schwabmünchen. Schindhütte 
b Münster. Zeit der Viehseuche. 
In Ulm hiesz das Amt für Kir- 
chen- und Schulwesen Hütte, 
>auf die Hütten berichten.« 
Akt. 1671. Die uralte Stein- 
mezhütte in Ulm, nachhei' ein 
Schulhaus, heiszt Hütte. 

HUZEliN pl. .gedörrte Birnen. 
Huzelzelten, Huzelkuchen, be- 
sonders zur Weihnachtszeit üb- 
liches Backwerk. Huzelbira. 
Huzelgsind bei Holzmann: 
Und gewönlich nur das Huzel- 
gsind 
Wird hingeriszen gar geschwind. 



I J. 



Altes kurzes L 

1) Gotischem und althochd. 
kurzem I entspricht im Schwä- 
bischen vor einfachem, wie vor 
doppeltem Mitlauter wieder kur- 
zes I; jedoch trit Denung ein 
in Folge von Hebung oder Be- 
tonung, wie bei a, e,u, o. Auf- 
fallende Denung des wurzelhaften 
I begegnet an der Augsburg-Lin- 
dauer Strasze, amLechrain; des- 
gleichen an der Augsburg-Ulmer 
Strasze fortlaufend entlang der 
Strasze über die Alb imd, so vil 
ich gefunden, bis nach Gmünd 



hin. Sieh oben S. 8*. Dem geden- 
ten BlSd pl. Bieder (folium), 
Ra z (Ratte), Seh af (Schaff, höl- 
zernes), FlSgs (Flachs), KSlb, 
Säz, PlSz, Sohäz u. ,s. w. ent- 
spricht gedentes i in Fisch, 
Disch, frisch, adj., Brid (ta- 
bula), Schm6gg9brid(Blumen- 
bret), Gschir (Geschirre), Mist, 
Wisch (Lappen v. Tuch u. s. w.), 
Schiida (Schlitten), schilfern 
swY. schleifen auf dem Eise, Kin- 
dersite. Dazu komen die durch 
die Nase gesprochenen gedenten 
i mit folgenden m oder n: led 
(lind), mollis; Ledabluo (Lin- 
16 



242 



I J. 



denblüte), Ked (Kind), Hemel, 
Schemel, Tremel n, b. w. Die 
Bayern sprechen alle hochd. und 
gemeinscfawäbisch gedenten a, i, 
u, e, kurz und die kurzen ge- 
dent ausz. 

2) Im Allgemeinen stet wuivel- 
haftes i mit reiner Auszsprache 
schwäbisch fest vor Gaumen- und 
Zanlauten; vor den |flüBzigen 1, 
m, n, r leidet die Auszsprache 
bedeutende Einbusze zu Gunsten 
des e. Wie Ked, Hemel, 
Schemel, mes, Wed, B&er- 
wed,Hinterwed, le nebenleis, 
ungesalzen (Klimmach) , sogar 
8 e m m e (siben) in Folge Auszfalls 
des b, per assimil. u. s. w. be- 
zeugen, ist ausz i nasales e ge- 
worden; auch Yorauszgendes n 
bewirkt Nasenlaut : n e d e r u. s. w. 
Teils wird i vor r und 1 zu ie, 
unten. Endlich erscheint i vor n 
als ei: feinster (finster), Mei- 
ster (Münster, ü schwb. i) feif, 
fünfjhef, hin,>maohe!?«(G9peI- 
8ter, Gespenster.) Alamanischin 
der Baar wird sogar en zu ei, 
»Melscrh,< Mensch, Mädchen. 
Esz werden aber auch die End- 
ungs-i der Pron. de (dich), me 
(mich), se (sie) nasale e. Schmid 
294. 8. Schmell. Gramm. § 264. 
Der cgm. 607 f. 155—188 hat 
stets se, de f&r sie, die. Mein 
Wbl. 46^. Vrgl. altsächs. m e : me ; 
th6: te; s6: ille, u. s. w. neben 
mi, thi. Gramm. I«. 232. 2. Im 
Allgaü erhält sich reines, ja fast 
zu ü übergendes i troz m und n : 
das Alamanisohe duldet den 



Schwab. Nasenlaut nicht. Gtanz 
rein tönt i auch im Altbayeri- 
sehen: daskimma, Inf., kimm'! 
Imper. vermag der Schwabe nie 
so rein zu sprechen. Die nieder- 
sächs. Mundarten haben auch 
reines i sogar für e: Mimsch. 

S) Eine starke Denung des 
wurzelhaften i entstand vor r, 
wie esz bei a, e, o, u wieder er- 
seheint. Niedersohwaben hat das 
Gesez nicht. Hira (Hirn), Hira- 
schläpple, eine Kopfbedeckung 
der Augsb. Frauen; Hiradippel, 
Schelte, dummer Kerl; Stira 
(Stime); allgemein schwab. ist 
Bir pl. Bira, Birnen u. s. w. Da- 
gegen kennt Niederschwab, und 
spurenweise die Augsb. Landschaft 
eine in Folge des auszgeworfnen 
r entstandene Denung des i: Hin, 
Stin u. s. w. Die alamanische 
Baar am Donauursprung hat al- 
tes Hirra, Birra, Stirra U.S.W. 
Ich füge bei, dasz in Augsburg. 
Schriftwerken des 15. Jhs. vor 1 
und r gerne ü für i erscheint: 
verdürbet, V er du Iggenu. s.w. 
hs. 144. 7. ürml und Irbl nicht 
selten (armilo). 

4) Dise Denung erscheint in 
einzelnen Landstrichen auch so, 
dasz man stat gedentem Hira, 
Stira: Hiere, Stiere vemimt. 
Die allgemein schwäbischen und 
süddeutschen Belege sind: mier, 
dier, ier; femer Hiersch, Kier- 
sehe, Wiert u. Wiet, wiotÄ, 
Ztw.Gschi9r,Bodabi9rö, Kar- 
toffeln , K i e r b a ( Kirchweih ), 
Kieroha (AUgäu), ioro (irren). 



IX 



243 



Schmid 295. Schriftliche Denk- 
mäler: wiert (fit) cgm. 601 f. 
92\ cgm. 736 f. 8». Wiert (caupo). 
Ulm. Sitt. Ordg. mid in der Stat 
Beruf 1541. Eierche, Kierchen 
<^:m. 480 f. 19». cgrm. 873 f. 145*. 
fltierbt f. a. a. 0. abwierft 
f. 147». wierser f 153». fiesch 
imMeer cgm. 603 f. 19». stierbt 
f. 20». besehiermen, cgm. 480 
f. 54». mier. MB. 23, 531 ad 1329. 
siend (sunt), dien (eum) cgm. 
480 f. 32». 48». geschrieben 
im St. R. gehört streng nicht 
hieher. giener, jener cgm. 603 
f. 40». verniemen cgm. 345 f. 
4^. Wien daz angang — sie 
baitet, daz sie sin warniem. 
Augsb. hs. 1447. niemant (ac* 
cipinnt) fienster cgm. 257 f. 
6». engiegen, cgm. 436 f. 10^ 
hie^t, hiette auch mbd. Formen 
n. 8. w. ; dise dürften nicht echt 
schwäbisch sein, hierten, wien 
(quem) u. s. w. häufig in codd. 
Vergl. Franz Pfeiffer, Hof. Spra- 
che S. 8, der dise Erscheinung 
der bayeriseh-österreioh. Sprache 
zuschreibt. Vgl. Weinhold, Gramm. 
§. 102. 

6) Alter üeberrest im Volks- 
munde und in volktüml. Schrif- 
ten ist das derBre<!hung ausz- 
gewiohene i und das stat des 
Umlautes auftretende i, im 
Mittelniederländischen vor n. 

a) i für gebrochenes e. 
»Winden und wittern.« Stand. 
Heuschrickel, Heuschrecke. 
(?)schmirzen swv. Niederschw. 
imiza Tom Brennen geschürfter 



Haut. Glirnig. Liderle, Le- 
derle, Anfang eines Einderrei- 
mes. Stauden, nibeln, nebeln; 
Wich sei, Wechsel. Asch. Rö- 
merkessel. Schriftliche Denkmä- 
ler: schmirzen bei Holzmann. 
»also smyrzetes die.< Troj. Erg. 
81*». V er schmirzen, Mund A. 7. 
pfligt im Stdtr. pflig stete 
treu! cgm. 312 f. 35». pflick- 
lich, Troj. Erg. pfligikkeit, 
pflignus im codd. nüblig. 
Regiom. 1518. wichsein Stdtr. 
abgewixlet. Insign. 125. Nie- 
d^rschwäb. äwisla. Gelirnig- 
heit (des Hundes). Lang, Zam- 
berei. Liderin hosen im Elei- 
derb. gelidert hüt. Stdtr. Li- 
drin Sack, Feuerbuch cgm. 156 
f. 101. Girsten, Gefill (fallen) 
in codd. Witter, cgm. 581 i, 
135». Ze der Liechtmisse MB. 
23, 533 ad 1330. cgm. 736 f. 6». 
cgm. 168 f. 67». 25». Geliger 
und geleger in Chroniken oft. 
Im Troj. Er. stet: beherbrigt, 
Beherbrigung (Herberge) f. 9». 
Vrgl. Eehrein, Gramm. § 58. 
Rumpelt § 111 S. 220. 

b) i für das ausz a umge- 
lautete e. Disz nicht echt süd- 
deutsche Gewächs stört die den 
oberdeutschen Mundarten ei- 
gene Elarheit in der Unter- 
scheidung des Umlautes und der 
Brechung in e bedeutend. Die 
allgemein schwäbischen Britt, 
Schiff und Toadagribel, 
Irbl gehören wol nicht hie- 
her, sondern zu einer I Form. 
Schriftliche Denkmäler: za altem 
16* 



244 



IJ. 



f skrikan a. skrakjan stet: 
»von dem erschricken ganz 
ellenklich.« Troj. K. Mit grossem 
Sohricken f. 21^ 36*. »foroht- 
sam und erschrickig cgm. 601 
f. 99». schrickig- cgm. 581 f. 
135V höwschricken cgm. 206 
195*. Heus ehr ikl S. lll^ Zu 
t satjan, sitan: »furchten u. 
e]itsizeii.€ Ulm. Sitt. Ordg. und 
Augsb. Dekr. Kein Entsitzen 
ob Gotteslästerung. Mindelh. Ref. 
u. 8. w. Schwirm'en, umher- 
schwirmen Eleiderb. Schnir- 
^el f. Schnörkel. In der Wir me 
(Wärme) cgm. 736 f. 138*. Wir- 
me. Regiom. 1512. und oft im 
cgm. 601. wirlich zu wesan. 
Gass. Gegenwirtig, Gegen- 
wirtigkeit, cgm. 601 f. 9*. 59*. 
285*. Eirzen (Kerzen), nuz und 
gewir, Irb, Schirg,Hirman]n. 
MB. 24. 43. Jh. wichst, wächst; 
stirk, hochfirtig, myr, myr- 
griesz,hirt(durus), nirten sich, 
Girten u. s. w. in halb bayer. 
halb Schwab, codd. Disz Gesez 
greift in Niederbayern und in 
der Oberpfalz weit um sich. 
Schiff wechselt mit Scheff in 
Schwab, codd. Im Schwab, gehört 
Sehe ff zu den selteneren Fällen. 
Gramm. P 149. 1. Vrgl. Wein- 
hold § 41. S. 24. Schmell. Gr. 
§ 206. Eehrein § 58. In Eben- 
weiler (Wirtemb.): irger, wir- 
mer, Hirbst, gwirma, hixter, 
schwirzer u. s. w. (Alamanisch.) 
ImAltsächs. gewärt der Heliand 
eine Anzal Beispile, dasz i für um- 
gelautetes a stet* Gramm. P 235. 2. 



6) Unmittelbar anschlieszend 
erscheint uneigentliches ialsAb- 
schwächung von a, wenn dieZu- 
samensezung des zweiten Wortes 
Ton auf das erste herübemimt, 
d. h. wenn wurzelhaftes a tonlos 
wird, was besonders bei den Na- 
men der Wochentage der Fall 
ist: Sonntig, Metig, Deftig, 
Aftermetig, Sampstig, Leab- 
tig u. s. w. Schleiche, Sprache 
162. Weinhold Gr. § 23 S. 25 £ 
Yergl. im Troj. K menig got. 
managei, multitudo. f. 23^ 36*. 

I erscheint ferner für a in Po- 
digram cgm. 436 f 8^ Endris 
sieh E. gemeinschwäb. Endres, 
Enderle; far e: cappillan 
cgm. 436 f. 10^ (capellänus) ; for 
u: Willmetshofen O.N. urkdl. 
1343: Wuldmatshofen. Zacher 
14. Eingeschoben: Patanye t 
patena. cgm. 736 f. 14^. Im Troj. 
K: Amazonier, Barbarier 
f. 33^. und oft. Ueber i in eint- 
weder, was das Stdtr. hat und 
änliche Fälle sieh Gramm. P. 
185. 7. i als Nachhall des 1 und 
r, der beiden Halbvokale, in 
Stbrich, Kelich (calix), Le- 
rich u. 8. w. sieh L und K 
»Böse Fische in Pfizigen und 
faulen Waszem.« Regiom. 1512. 

7) Von den fremden Endungen 
-ius, ium, besonders in Monats- 
Namen ist nur abgeschwächtes i, 
d.h. nasales e geblieben; allgem. 
Schwab, in Februare,Januare, 
June, Jule, Yicare, Evan- 
gele U.S.W. SchriftL Denkmäler 
schreiben -i: Evangelif Inventari 



I J. 



245 



u. 8. w. >ain Herzog anazSchle- 
8i.< S. 157^ Eansrevogel. 
Lene (l^z^^^)* Komme de (co- 
moedia). Gaecille. 

8) a und e eten fBr i in Pim- 
panell b. Holzmann oft. Feste* 
lenz, pestilentia S. 194^. In der 
Gegend von Füszen N a u m e s ta g, 
Yoarmestag, Nachmittag, Vor- 
mittag. Eegper sieh E. Eer- 
sche.KerschwaMer. Brantw.O. 
Erdbödemf. -pidem. nemez, 
niemand. Lnz, Tgbch. Und ganz 
anszfallend : m ' r, d ' r(saffigiert) 'm 
(im); Ganerle sieb G. Ma- 
tSre, Eiter; närrscb; inHong, 
fast allgem. schwäb. Stdtr. b o n i k. 
baisstark n. verstockt. S. 49^. 
Sovol, wie vol; in den Zalwör- 
tem:zwanzg, dreiszg, vierzg 
u. 8. w. Hoste (Hostien). Fa- 
milie. Clänet (Glarinette). Min« 
gtrant, Altardiener. Begte(be- 
stia), Scbelte. 

9) Der Abgang des ü im Scbwä- 
biscben ist in den Denkmälern 
angezeigt: Zircb, Tirk, Wolfs- 
mill (Müle), Birgen (Borg) u. 
8. w. Folgt m oder n, so wird ü 
dem i gleicb wie ee gesprochen: 
gree (grün), Gre öle, ein übel- 
sicbtiger Mensch. Schriftl. Akten- 
stücke schreiben dem entsprechend 
pfrend S. 220»» u. s. w. 

10) Die altertüml. Superlative 
mit -ost wechseln in den Denk- 
mälern und im Yolksmunde ser 
oft mit der 2. Superl. Form -ist; 
allgem. oberdeutsch ist jedoch 
der Auszfall des i, selbst im Stdtr. 
durchaotz. 



11) Die Ortsnamen Jedes heim, 
Jettingen, Irrsee lauten urkdl. 
IJtesheim, Yttisheim; Uet* 
tingen, Ytingen, Uttingen, 
Uotingen, Otingen; Ursin- 
gen, Ursinum, Yrsin u. s. w. 
Jen gen, b. Eaufbeueren ist ur- 
kundl. Ge ningen sieh oben 173^ 
Ittelsburg bei Grönenbach ur> 
kundlich Hittelsburg zu S. 
209^ 

Ahd. langes I got. EL 

1) Gotischem ei entspricht 
schwäbisch wieder ei d.h. uralte 
Lautfortfürung hat allgem. schwä- 
bisch stattgefunden. Alamanisch- 
Allgäuisch bestet ganz dem ahd. 
und mhd. geschribenen i entspre- 
chendes i; ai ist den fränkischen 
und bayerischen Mundarten eigen. 
InAugsb. begegnen wir dem von 
Ostlechleuten wärend viljärigem 
Yorker eingeschleppten äi in der 
Jacober Yorstadt, die noch allein 
maszgebend für die alte städtische 
Sprache sein dürfte: baisza, 
beiszen, nur v. Hunde, got. bei- 
tan; staiga, got. steigan; hai- 
rödo, heiraten; baitscha, peit- 
schen; schnaiba, schneien; rai- 
ta, Plagiat begeu mit fremden 
Predigten u. s. w. Eigentümlich 
ist >'s kailt mi,< esz verdrieszt 
mich. Subst. Glaigpe, Splitter; 
Blai, Blaigtift, Laista (die 
Leiste) Laistle, dim. Strait, 
Aifer, Zwaigle, der Aibai- 
laib, Mezg. Spizname. Glaiwo, 
Eleien; Braisle, Preisznestel; 



246 



IJ. 



Baischi 6, Longenzuwage vom 
Schaf; Schnaible, Yorderkopf 
des Kalbes im Gegensaz z. Arie. 
Ob yielleicht hier ai Umlaut von 
au: Schnaäble. Aisen, Eisen; 
Ais, £i8, glacies. Staiffhans, 
Mezgerspizname. W a i b , W i t- 
waib, Rüermillewaib, Alt- 
waibersommer; Waichwa- 
d« 1, aspergillam. Laicht, Leiche, 
Conductus; Waidling, hölzer- 
nes Waschzüberlein;W a i t s c h a ft, 
Weite u. s. w. draia, drei; d er- 
glaichen, wail u. s.w. Laip- 
ding ist Schlagwort: Laipting- 
recht, -gelt, -brief. Im Riesz 
reiszt ai ansz Franken; in A. 
ausz Altbayern ein. In meiner 
Heimat, Wurmlingen bei Tübin- 
gen, hiesz ein Schmid einmal spöt- 
tisch »der Gailaisiner<f, d. h. 
Gäni-Eisen, Hufeisen, weil das 
a i, das er vom fränkischen Hohen- 
lohe mitbrachte, auf&el und lä- 
cherlich daüchte. 

Schriftliche Denkmäler bezeu- 
gen dise künstliche Pflanze der 
bayerisch-schwäbischen und frän- 
kischen Grenzlande. DieSermones 
Tauleri 1508 b. H. Ottmar haben 
baiten, warten, gebaiten f. 
212*. >5 tag baiten.< f. 220^ 
Aisen, Aisenberg cgm. 2517. 
raicher man, Horm. 1834. S. 
125. Brunnentaychel S. 571*. 
do staigt er aufs lectorium. f. 
215^ anderwayt a. a. 0. ain 
Saidlin weins, Pfründ. 0. 1462. 
gait, gibt, a. a. 0. Gaiffer, 
Ehrenfest 1699. je verhayter, 
S. 873*. hayraten in Web. 0. 



oft; die MB. 23,200 ad 1291: toc* 
tay (advocatia) u. s. w. >du fai- 
ger gaist.« cgm. 402 f. 45^ 49*. 
> blecherne Sayer.< Hart. Lir. 
Der cgm. 603 hat: zaytlich 
gut, underwaylen, nnder- 
waysen, layden, gelaych, 
vor Zaitten, Gotlaydent 
Menschen.Glaichsner, spay- 
en, mit Flayszliche^ Gaitti* 
keit, Nayd, ge8payset,Way8- 
heit, maidet. Conlin: Saite 
(Seite), Bail, Orfaigen, man 
tanzt nach der alten Lairen, 
hobeln undfailen, Schaitter- 
haufen u. s. w. In Beinhards- 
hausen schrieb ein Pfarrcnr des 
vorigen Jhds. in sein Pfarrbuch 
wail, erlaiden, traiben, 
b laiben, Kirch waihe,Waich- 
bischof u. 8. w. In der Har- 
pfen Davids, Augsb. 1659. IV. 
pslm. 8: >er füllt Spaich- und 
Malter 'ein.« Spihhari, Spei- 
cher. Begiom. hat oft wait- 
schwaiffig. 

2) Das alamanische Allgäu 
hat noch mhd. und ahd. i für 
got ei. Ob Schwaben i in der 
Auszsprache gehabt und esz zu 
ei umwandelte, oder ob ei ur- 
sprünglich, was ich annemen 
möchte, in der Mundart sich fort- 
erbte, will ich nicht sicher ent- 
scheiden. In wiefern die folgende 
Stelle beiGass. zu verwerten ist, 
mögen andere urteilen: ich sehe 
nicht ein , was für eih Ereignis 
so plözlichen Umschwung sollte 
hervorgerufen haben. Von 1500: 
>umb dise Zeit begundten die 



IJ. 



UT 



Augsburger ire Sprach zu än- 
dern und etwas verständ- 
lioher zu reden, also dasz sie 
zu unserer Zeit bei Kegierung 
Kaiser Ferdinandi ganz änderst 
redeten dann die Alten. Dann 
da diselben vor diesem in Ausz- 
spreckung des i und u das Maul 
weit aufsperrten, brauchen sie 
jezunder dafür ei und au im 
Schreiben und Reden, und sagen 
mit halbem Mund allein für 
allan, auch für ach.< Ueber 
disz Thema sieh Weinhold, Gr. 
§. 99. Schleicher, Sprache 183. 
Rumpelt, Gramm. S. 234^ Rapp 
in Fromm. Ztschrft. 11, 106. 

3) Altes i in Subst. so von Ad- 
jektiven abgeleitet sind, erscheint 
noch häufig in schwäb codd. des 
14. IS.Jhs. der cgm. 601 f. 97 ff.: 
Keltij Engi, Stilli, zarti- 
halb, Groszi U.S.W. Sinweli, 
Regiom. 1518. Saumsali. cgm. 
372f. 158^0edi,Wiesti;Stren- 
gi f. 160^. 182». Pfeiffer, Hof. 
Sprache 21. 

4) Für ahd i = got. ei in Adj .End- 
ungen treffen wir im 14. und 15. 
Jhd. in Schwab.', noch mer aber 
in bayer. codd. ei: hulzein, 
Stehelein, selbst kunigein, 
Ingoist. Reime 1562. Ebenso in 
gutturalen Endungen d. h. in 
urspr. subst. Zusamensezungen, 
wie -eich, -leich aber mer in 
bayer. codd. 

5) Eine grosze Auszdenung hat 
im Augsb. Schwäbischen das ausz 
altem -li.n abgeschwächte dim. 
le, le, U. Brätle und Sal&tle. 



Esele. Dotle. Breasel» (Btö^ 
samlein). YesperU (nachmittägl. 
Zwischenbrot}. Verschreckerl» 
machen, das Zimmer überschla- 
gea; Stärle, Bierle, Brötle, Ach- 
,terle (Brot sieh A), Schazet«, 
Schäfle, Wägele, Erezele (Teuf^ 
Kindersprache), Täuble., Trauble, 
Schmalzwägle, Greasele(Kro6ele), 
Süpple, Öfele, Kerwischle. l^tiy 
zele. Bim perle, kleines Kind. 
Bäzzele, Bodensaz der ausz^ 
gesottenen Butter ; Memm^e, 
Scheck ele, Kazenname; Spile. 
Gstäddele, >& G. Guozelen«< 
Schriftl. Denkm. Bast undRind- 
len (Rinde). Gichirle (Todten- 
aschen-Behälter). Troj. Krg. 88*. 
Pfeyle und Spieszle f. 87*. Än- 
lin f. 57^ Schiszle S. f. 183^ 
Erkerlin, Wägele. Troj. Krg. 
Gesindle (oft), Neüs Bädle, 
Burgerbädle Oass. Gemächlein 
Gass. Züchtige Tänzlein an 8t. 
Mich. £[irchweih. Gewölbte 
G'änglein, Neidbädlein. Narr* 
lein. Gass. Z ü b e r 1 e mit Fischen. 
Gass. Ein Müsle (Mus), ein 
Drenkle, cgm. 601 f. 105 u. oft. 
Mäglin, rugklin, Tropfliü, 
Hed erlin, verklaibts Häflin, 
Gemächlin, Zümpflin, Spiz- 
lin der Nase a. a. 0. Pfaf fen- 
gesindtlein; Müller. Eich- 
hörnlin, Astlin, Aichelin, 
B erglin. Insig. . >Mit rotiecht 
und grünem Häfftlin, das Um- 
schläglin gelb, der Hut am 
Stülp weisz, das Knöpf lin mit 
dem Feder lin gelb.< S. Güt- 
lein vertrinken, oft bei Lang. In 



248 



I J. 



den Standen machte man sich 
bif hente Instig über dieDimini- 
ÜTa, welche die Augsb. Arbeiter 
mitbrachten. 

6) Für i hat cgm. 168: ie; 
Wienaoht, oft. Wiewaszer 
sprengen f. 24*. Wiechtag, adj. 
wiechtaglioher Gesang n. 8. 
w.,. wobei ich ein wienig als 
gegen d. Donau, Ulm zn üblich, 
anföre und nrkdl. ebenso oft durch 
wienig belegt ist, z. B. cgm. 
402 f. 18^. YrgL Jochams Be- 
merkung, in der Bavaria II, 2, 
S. €(15. § 7. Andererseits begeg- 
net das schon ahd. feng für 
fieng oft, so bei Luc. Rem. u. 
B» w. S. hat Gemeyl für Ge- 
mäl f. 425^ 

Got äi ahd, mhd. ei, ai. 

1) Ueber ii vor h, r, w siehE 
S*133^ Ich füge femer an: altes 
&i (sairala), das niedschw. noch 
fortlebt, hat sich unorg. in schwb. 
augsb. codd. erhalten; cgm. 603 
f. 4*: sailig. unsailig f. 10*. 
ewige sailigkeit f. 24*. So sind 
ir sailig. cgm. 437 f. 108. Dem 
got. saivs entspricht im cgm. 
267 f 14*: Sew: so yergaut der 
seuw u. s. w, Vrgl. Gramm. P. 
18Ö. 7. Ich hörte auch Wibele 
zu adh. weWo; ai mit folgend. 
w — i; sonst kenne ich kein 
Beispil. 

2) Dem 4i im Got. vor den 
übrigen Consonanten entspricht 
&a und äi oderoi; die alte Öster- 
reich. Grafschaft Niederhohenberg 



hat &o; Altvrirtemb. und Ober^ 
Schwaben oi. Das schwäb. Augsb. 
Gebiet teilt sich in beide: doch 
herscht oi vor gegen Füeszen 
&9, was dem Bayerischen und 
Englischen änlich ist. Loib, 
Loible, Doppelloible (8 kr. 
Laib) got. hlaifs engL loa f. 
Oid, aiths got. juramentum, engl, 
oath. Doig, Doigkar, Taig; 
Oi, Ovum. Moigter, Maister; 
Oiszle, Pustula; El oid, engL 
cloath; Goisz, gaiteins, Roiff^ 
der Raif. Eingwoid, viscera; 
Soiff, engl, soap; Loidwesa 
u. s. w. Loitsoil, Leitseil; 
broit, breit >Broitfeld.c Goil 
sieh G. >a goils Esza;« hoil, 
hail, unversert. Ztw. woicha 
(waichen), soicha, zoichna, 
hoisza (haitan). In Elimmach 
hörte ich boisza, dieAehren an 
der Garbe abschlagen. >Wo 6 
Drescher sind, wird nicht b o i s z t« 
a. a. 0. was auf baiszen weist; 
niederschwb. haben wir baosza, 
äbaosza. In den Stauden meint 
man den Ton oft auf o also oi 
zu hören; kloider. Der Würz- 
burger Franke hat in disem Falle 
ä: lad, fläsch u. s. w. Bei Füszen 
u. i. Riesz: Loab, Doag , Goasz, 
Moasz, Roasz, Load, Moaster, 
Loatsoal, zoaga, hoasz, broat 
(brait) u. s. w. Weinhold S. 79. 
Disem Geseze folgt je nach der 
Gegend, zwai, zwei, zwoa. In 
Zusamensezungen bleibt aber, 
mündlich und in Denkmälern, 
i statt ai, oi, oa: zwimädig, 
Zwirössler; Zweirössler ist 



I J. 



249 



der Halbbaner zum Unterschide 
Tom Söldner; zwigadig, Zwi- 
järling, zwif eltig Stdtr., än- 
lich wie Trispalt der Strafe, 
Mezg. Akt. Drifusz, Reinhards- 
hausen und Harter Jnv. Zwien 
(cgm . 402) bayer. z b i e n erscheint 
auch in codd. Oder müszen wir 
för die Zusamensezungen di&adj. 
Form zwiu ansezen? 

Folgt auf altes ai m oder n, 
so trit Näselung ein : hol, h o i m 
(haims) , Hoigarta, sonst: in 
d' Einker ganga; oim, dat. 
ainnamma; got. lolm, 1) ahd. 
lim, gluten. 2) leim, limus; 
Holz, Eoiz sieh s. y. kloi, 
Stoi,^moi8t, kolz, loitscha, 
lotna, boilinga sieh B. Groi- 
na, Boint, ois; ei ja, ei noi! 
Dem entsprechend: kloe, >9 
kloes ghett« ein Kind geboren 
haben. Loem, loene, Boönt; 
in Diedorf ganz an der Stauden- 
gränze: alloe, 7' Stunde davon 
allol. Sieh Mundart S. 10. Mein 
Wbl. 47. Das Allgäa, in Ermang- 
lung des Nasenlautes, spricht für 
ai mit folgendem m und n: ui. 
Huigarta, hui, heim, klui, 
Stui(Stain), Luim, Gmuid, Bui 
(Bain) Schmell. § 154. 

3) In einzelnen Ortschaften des 
Kohlerwinkels sprechen die Leute 
weder oi, noch oa, sondern ein 
ei mit Hineilen auf i. Maszge- 
bend ist Geist oder Geist; dise 
Yerschidenheit ist so auffallend, 
dasz die umwonenden Ortschaften 
damit das Gespötte treiben. Ich 
möchte fast an änliche Erschein- 



ungen in der Volkssprache an- 
knüpfen, die. von Pradikanten 
ausz der Fremde eingeschleppt 
wurden. 

4) Altes 4i in den Zeitw. va- 
Jan, sajan, f drajan (drilhan), 
lautet bald wie ai, z. B. in den 
Stauden , bei Oberschönefeld: 
saie, maio, naie , draie; in 
Deubach (Duibe) schon s ä a, m äo, 
näe, dräe; in Günzburg: saia 
u. B. w., worüber die Bühler mit 
säe, mäe etc. sich lustig machen. 
Schriftliche Denkmäler haben: 
weyen: >ab dem Turm weyen.< 
S. f. 82^. >Der wind hat heuser 
umgeweyt.« f. 94^. Begiom. 
1Ö12. 1618: sew.eUfSegen; wey- 
end (flaut venti). Das Hart. Doc. 
Bch.: >das Sommerige zu m a y e n.< 
Der cgm. 480 f. 10»»: Semän, 
Sämonat; seen, cgm. 419 f. 216. 
Disz helle reine i für ai begeg- 
üet heute im Augsb. Flesoh, 
Fleschkazen; urkdl. Suppen- 
flesch, Sweineflesch,Pfründ. 
0. 1543. Hans Fleschmann. 
cgm. 1Ö4 f. 9^ In der Baar ist 
fle8chig = schwammig. Femer 
's wecht, flatventus, neo, m6o, 
see u. s. w. 

5) Für äi begegnet in schwäb« 
Denkm. 6 und e. In der alama- 
nischen Mundart ist esz häufiger. 
Felix Faber hat neben oi: 6 
und e fär äi. — In Hälg für 
Heiligenbild hat sich neben älf 
in ganz Schwaben äi zu ä, 6 ver- 
ändert. > An dem holligen creiz. < 
cgm. 419 f. 216*. Mathei am elf- 
ten, f. 216^ Im cgm. 736 von 



250 



IJ — Äckel. 



f. 70 an treffen wir in dem Pil- 
gerbüchlein eines Augsburgen y. 
1444:. SohwoBz, Schwaisz; 
Moster; allerlo; G6sz;br6d 
<brait); Klod; T61(Tail); W6z; 
gegoslet; Hoden (Haiden) ; 
F'losclia. 8 w. Ja sogar sehr ob 
für sehr aib,praet. rot, belob, 
sogar roten, beloben u. s. w. 
Im clm. 12275 z. Terenz, Andr. 
n, 2 sten die Glossen: 6s ehr 6, 
tnmultns, a i nl 6 n, solitudo u. s. w. 
Der cgm. 601 f. 111*: »haidel- 
peer oder h61peer<. 

6) In zusamengesezten Wörtern 
nimt das erste Wort den Ton 
auf sich, das zweite mit ai wird 
tonlos und sinkt zu e, 9 herun- 
ter, besonders in Tail: Voartol, 

^ wolfal cgm. 419 f. 216: wolfel, 
wolfal cgm. 436 f. 79^ wol£el 
ebenfalls bei S. 805^. In -hait: 
faulket, kräkdt u. s. w. Mit 
an an der, allgem. in Urkdn. 
MB. 23/45 ad 1314. Schmell. 
Gramm. § 155. Ebenso wird 
-ha im an Ortsnamen zu 8: Alta, 
schon Althen. MB. 23. 6*. 541 
(1330). Mein Wbl. 47. 

7) Das Stadtr. hat tregt und 
trait. cgm. 601 f. 87». Gailen- 
bach 0. N. urkdl Gaglenbach. 
1296. aynsinnig f. eigensinnig. 
Meid <^m. 601 f. 2^ u. s. sieh 
G. Das Wort Reinhart und 
Leonhard lautet Reöt — in 
Beotshause u. Leart, Leart 
als ob, wie bei Rein- Rain- 
Reginhart, einLegin- Lagin- 
Lainhart zu Grunde läge. 

8) üeber ai für u, uo sieh Uj 



ebendort über mundartl. a i für ea 
in und au. Das Stdtr. schreibt 
fast imer ai, wo esz gotischem 
ai entspricht: ain, haimsuche, 
mulstain, ainigen; ebenso die 
alten Ordnungen z. B. Mezg. 0. 
von 1549, welche alle alten ai 
beibehielt. Weinhold § 94. Die 
Augsburger Bruchstücke Wem- 
her's haben regelrecht altes ai: 
vollaiste; gaiste; genedi- 
chaite; hailichaite u. s.w. 
Pictorius hat ey=«i, i: ei = 4i. 

Ueber j sieh oben G. 

lACHSEL , die , Achsel. Die 
Yorsezung des i scheint alama- 
nisch allgäuisch zu sein, wo auch 
iepper (ebber, etwer) iaszo 
(itan), ierger (ärger) üblich 
ist. Darf vielleicht an das Hel- 
goländische iäs erinnert wer- 
den? Bei Frommann Ztsch. UI, 
264. 99: iätn eszen. 

JÄCK, Nuszjäck, Bomjäck, 
spr. bdjäggh der Nuszheher. 

JÄCKEL niederschwäb. dim. 
Jäggele, Jäggl, Jakob, im be- 
kanten Kinderreime wie allgem. 
in Nord- und Süddeutschland. In 
einem Tanze der Stauden: 
Der Jäggele auf der Scheiter- 
beug 
Mit der blaua Pfeiffa, 
Z'Aobets tuet *r d'Henna rousz 
Morgets tuet 'rs greifa. 

Jaggele gang nausz in's Holz 

Hack da Baum um! 

Wenn da hoikomst kriegst a Rür- 

millesupp 
Und 'n Rumpump. Stauden. 



Jkger -* Jakob. 



251 



Ein Einderreim beim Fangen 
heiszt: 

Jag gel nimm da Stiggel und 
treib da Heggel mit 'm Stiggel 
ausz 'm Elea nonszl a. a. 0. 

Als Gannername erscheint 
c. 1700 — 1710 ein Duttel- 
Jackel. In dieselbe Zeit fallen 
nachfolgende Namen laut der 
Augsb. Malefizakten : G u g g e r 
(ausz Bürkenhardt), St ixen- oder 
Kramerbartel, Strohveitel 
Eeszlerhans. Scbindermi- 
cbel. Grill oder Korperle. 
SpiUipple. Kragen (Weib). 
Scbmaraggel (Weib). 

Conlin: >Der im Zwilling ge- 
borene wird eine so harte Stirn 
bekommen, wie der grosze Ham- 
mer in der Schmidten, der haiszt 
Jackel.< 

JÄGER. Nach dem SOjärigen 
Kriege waren 2 städtische Jäger 
im Amte; der erste in der Au, 
katolisch; der zweite zu Stetten- 
hofen, katol. »post mortem Aug. 
Oonfess. in perpetuum.« Die Jä- 
gerhäuslein bei A. waren als 
Kneipen rerboten: »Dasz das 
Zechen und Zehren ob denen 
innerhalb 2 Meilen umb dise 
Stadt herumb gelegenen schwä- 
bischen Dörfern in denen Jag er- 
häuslin, ob dem obern Ab- 
lasz und bei dem ülrikanischen 
Zoll — unrecht verbotten sei.« 
Erneuerte Poliz. 0.1683. Jäger- 
gässleinA. Der Jägerhansel, 
zwischen Kosshaupten u. Hopfen, 
eine Art wilder Jäger. Erinner- 



ungen an Wuotan. Ein altes 

Liedlein in A.: 

Mädle häyt dei Bettle gmacht? 

NoI, i ho *s vergesz9. 

Gelt du bi§t de ganze Nacht 

Bei deam Jäger g'sesze? 

Wenn du willst 'n Jäga hawa 

Trägst 'n Huetu. silberne Schnalla, 

Silberne Schnalla und 'n Hut 

Gfallet no deam Jäger guet. 

JAICHEN swv. jagen, treiben. 
Wearst sea, ma jaicht mit Sack 

und Maus 
Eis allebaid zuem Gäta nousz 1 Seh. 

Bei Breszlau hammer glei dia 

Preusza 
Im Gschwindschritt in a Lacha 
gjaicht. a. a. 0. 

JAKOB. 1) >Swelich man in 
Gotsverte varen will, über mer, 
ze Rome, ze Sant Jacobe — 
der kauffet silber wol — unde 
liät chain galtnusse darumbe.« 
Stdtr. >Die Jäkobsbrüder (in 
Augsb. Chroniken) sollen die Tolr- 
wärtel one Erlaubnis eines Bur- 
germ^sters im Amte nit herein- 
laszen, sondern ihre Brief und 
Testimonien, so sie von St. Ja- 
cob erhalten, von inen begeren, 
dem Burgermeister bringen, all- 
da Beschaids erhalten, es mag 
inen ein Tag oder Nacht bewil- 
ligt, und wie gebräuchig auf das 
alt Pilgramhaus beherbergt wer- 
den.« Ordnungen v. 1647. 2) An 
St. Jakobstag wurde, als der 
festgesezten Zeit, laut Mickhaus. 
Beohnungen dem Baumais ter 



252 



Jftnmni *""* Jftvon. 



und seinem Weibe der herge- 
brachte Trunk gegeben.« 1684. 
S) Die Jakober Vorstadt in 
A. neben Jakobergasse, Ja- 
kober strasze, obere und un- 
tere Jakobermauer, Jakober- 
torturm, Jakober Wall, Ja- 
koberbrunnen, u. B. w. Die 
uneigentliche Zusamensezung wie 
in hl. Ereuzertor-, -Lehen, 
-gasse ist zu bemerken. Wein- 
hold, Gramm. S. 286 Anmerkg. 
Am 23. Dez. 1730 ward ein Rats- 
dekret über einen alten heid- 
nischen Gözenkopf erlaszen, 
mit welchem an dem Jacober- 
tor nach älterem Gebrauche 
und Herkomen jeden Samstag 
Abends von der Wachtmannschaft 
und dem Torschreiber allerlei 
mutwillige Possenspile und ärger- 
liche Vorstellungen gemacht wur- 
den, womit diser Unfug verboten 
und für die Zukunft gänzlich ab- 
gestellt wurde. Gullmann V, 16. 
4) Jakober, Jakobiten, eine. 
1352 bestender Glubb, in der dem 
Spitale zugehörenden St. Jakobs- 
kapelle als Bruder- oder^ Ge- 
sellschaft tagend, um aller 
Ordnung Umsturz zu untememen. 
Herberger^s St. Jakobspfriinde 
S,4. »Habensich eine groszeAn- 
zal Bürger — zum öfternmal in 
der Kirche zu St. Jakob in der 
Vorstadt gen Aufgang gelegen, 
zusamengerottet , als dasz man 
sie schon öffentlich die Jakobi- 
ten genennet.« Gass. Red. Art. 
>Wenn des nett glaubst, fraog 
's Basillis Jakob von Jerusa- 



lem, 's Stigelreiters Elaos von 
Doarabira.« Burgau. 

JÄM£RN swY. in der Red. A. 
»'s haot alles gjämeret naoch 
der Predigte , d. h. alles ' war 
sichtlich ergriffen. »'S ist zum 
j ä m 8 r e,€ esz ist ergreifend. Dem 
Allgäu zu häufiger. 

JANKER , Manneroberkleid, 
Kittel ; M ü z a in Günzb., mit Um- 
laut Jenker, Jenken nicht sel- 
ten. Schmid 297. >Zuich d' Stie- 
fel und da Janker a.< Seh. In 
dem Fugg. Inv. >Ein glat same- 
tin Frauenjangger ohneErbl 
mit Mader gefietert.< >Ein von 
schwarz Damaschg mit Seiden- 
porten prämbten Frauenjang- 
ger ohne Erbl mit Kehlmäder.« 
>Ein Seiden grobgriener Jang- 
ger mit Erbl mit Fuchs gefie- 
tert,< u. s. w. 

JAR, das. In Ottobeuren get 
der Reim: 
Hott am pfaol 

Dasz itt gaot wia voar 'm Jaor. 
Ich kan den Sinn nicht ge- 
ben. Jaresersizer heiszt in 
der Augsb. Schuster 0. der Ler- 
bube, der die bestimte Zeit er- 
sizt, d h. lernt. Jaor dag heiszt 
in Schwabmünchen der Lezetag 
am Schlusz der Strick- u. Spinn- 
stube. 

JÄREN , GÄREN swv. u. stv. 
gjäerd: > nämlich die Moste da* 
mit sie nicht verjären sollten 
— mit einem rohen Speck bis 
auf den Früling trüb zu erhal- 
ten. < Gass. Zu ahd. jesan stv. 
mhd. hesen, gäschen, gesten^ 



Ja8t *— Ingen. 



263 



g i 8 1 e n. Auszfürlicher siehFromm. 
Ztschrft. n, 319. 10. HI, 319, 10. 
531, 132. Prof. Kern in Stuttg/ 
schrieb in einem frühem Pro- 
gramme auch über disz Wort 
neben 6 i s t sichmischt ; (Schiller) : 
ebenso über Ja st. 

JAST , Zorns Eile. Sonthofen. 
Immenstadt. 

JAU, JAU in der Jadensprache; 
Beim in den Stauden: 
Kize, Eaze, Ee 
Schalmache! 
Haben nix zu schachera 
Jau, Jau, Jau 
Bei da Juda ist der Brau (ch). 

JAÜN, ntr. eine Keihe Feld- 
garben. Schmid. Memm. In Ober- 
Schwab, heiszt eine Strecke Hanf- 
land, das man liechen will, so; 
esz werden die Felder in 3 — 4 J. 
abgeteilt. Strang, eine der Länge 
nach, jochartige Menge Hanf oder 
Stroh u. s. w. In der ersten 
¥rirtemb. ZehentO. v. 1678 heiszt 
esz: »sollen die Garben alsdann 
gleich an einem andern Jon oder 
Samleten wieder daraufzalen.« 
In der Gegend um Tübingen 
(Wurmlingen) heiszt eine Wein- 
bergabteilung Jo, Jon dim. Je- 
le; Jau; Jon er, Famil. Name. 

JAÜNZEN swY. ächzen; sonst 
aunzgen niederschwäb. »Also 
giengen dieLeut für und horten 
in jaunzen und giengen hinzu 
nnd fanden den Pfaffen.« Horm. 
1834 S. 155. 

IBEN, der. Bogen ausz Eben- 
holz. > Mit Armbrosten und I b e n. < 
G. T. Ehingen. 22, 16. 



IDEBLE in dem uralten Ein- 
derreime (Stauden): 
Iderle, Ederle lasz dir sagen: 
Nach der Gutsche fart der Wagen. 
Weller Wiert siedt des Bier ? 
Weller Beck bacht des Brot? 
Dear sei auf der Stell maustod. 

lEMAL und die mal, hie und 
da. Stauden. 

JENUESER BnUET im Elei- 
derbüchl. neben spanisch. Eappen 
und Lombardisch Sayon. S. 32. 
Bernisch Biret (Verona) S. 51. 

ILGERN swv. stumpfwerden, 
besonders von Zänen. >Und die 
zen der Einder sein worden il- 
g er n.< cgm. 483 f. 76*. In Bosen- 
pluts Spruch von Nürnberg komt 
ilgen vor. ^Yon dem sein zen 
gen in gar ser ilgen.< Fromm. 
Ztsch. I, 258, wo auf ahd. ilki, 
ilgi = fames et Stridor dentium 
bei Graff I, 245 verwisen ist. 
Femer Ztsch. II, 250. 5. Esz wird 
wol an igeln oben S. 25^ dazu 
gehören. Schmid 298. 

ILLE und Nille, eine Eopf- 
verlezung ob eines Falles. Sieh 
unten Nille. 

IMME, die, Biene; ich hörte 
irgend in Schwab. Beine dafür. 
Immen-Nest, wie bayer. Wes- 
pennest, ein Backwerk mit Zibe- 
ben und Rosinen. 

mGARNAT adj. fleischfarbig. 
>Adi 28. Mayo 1555 luesz ich 
mir nachstend Elaid die Färb 
ingarnad genant, machen.« 
Eleiderb. 113. 

INGEN , häufige Endung von 
Ortsnamen. Ich habe die Orts- 



264 



Inse — Johannes. 



namen nach iren Auszgängen, so 
weit sie das bayerische Schwaben 
betreffen, zusamengestellt und ge- 
fanden, dasz jene auf -in gen 
nebst jenen auf -hofen sich bei- 
weitem in der Merzal befinden. 
So habe ich auf -in gen, wozu ich 
auch die wenigen auf klingen 
zälte, c 130 gefunden, auf -hofen 
137. Inen zunächst komen die 
auf -heim mit 103 und die auf 
-ried mit 94; nahezu die Hälfte 
bilden die Auszgänge auf -ach 
und -wang, nämlich je 50. Ver- 
haltnismäszig in der Minderzal 
sten die -hausen, -stetten, 
-dorf,Burg,Berg,Tal,Boindt, 
Schwendt, Kirch, Egg, See, 
8. w. besonders Zelle. Darausz 
get hervor, dasz ein groszer Teil 
der heutigen Ortschaften, nämlich 
die auf -Bied auf emaligem 
Waldboden sten, dasz aber die 
maisten Ortschaften von den er- 
sten Besizem iren Namen ent- 
lenen, denn die auf -i n g e n, -ho- 
fen und -heim sind grösten- 
teils mit Eigennamen zusamen- 
gesezt. Interessant wäre esz, auf 
einer Karte diso Namen bemerk- 
lich zu machen , esz würde sich 
ein Schlusz ergeben , wo urspr. 
Waldboden, dann wo die -haim 
oder die -ingen oder -hofen 
zusamengedrängt sich vorfinden. 
Weiter könte man dann unter- 
suchen, ob nicht die Bevölkerung 
selber je nach den Ortsbenennun- 
gen sich mer oder minder ver- 
schiden erweist. Nur bemerken 
will ich noch, dasz -haim, -in- 



gen und -hofen teilweise auch 
-ried in Bayern sich vorfinden; 
die auf -wang in Mittelfranken 
und Oberpfalz, wo die -ingen 
höchst selten sich vorfinden. In 
der Oberpfalz gibt esz über- 
ausz vile Ortsnamen auf Stein, 
hier im bayer. Schwaben kan 
ich nur eine kleine Zal aufweisen. 

INSE, Sonde, chirurg. Werk- 
zeug. »Dasz man dieselb gelieder 
mit kainen Insen beröre.< cgm. 
736 f. 6^. >Noch also dechain 
ding, das man mit Insen musz 
tun.< a.a.O. >Die Andern mit 
Insen brennen f. 8*. 

INSIOEL in der waidm&nnisch. 
Sprache: >Wenn der Herd nasz 
ist, und der Hirsz wirft den Schuh 
ganz von ihm — das ist äin gut 
Zeichen und das haiszet des Hirsz 
Insigel; das ist davon, dasz er 
denGrim und das FMemlein und 
Naszlein und das blende — und 
alles das was ein Hirsz getuon 
mag, darinne stat gemelte, davon 
ist es genannt des Hirszen In- 
sigel, wann man alle Dingk 
dorinne sieht.« cgm. 289 f. 106*». 

JOHANNES, St. St. J. Freit- 
hof in A. Johannisgasse. 
St. Johannesfeuer sieh Si- 
metsfeuer. A. 1566 im Juni 
wurden ob des Türkenkrieges 
alle Tänze, Reihen, St.Johannis- 
feuer eingestellt. St. Johan- 
nes Minne ward in ganz Schwa- 
ben getrunken. Münsterlin sägt 
cgm. 213 f. 275: >aus dem Fläsch- 
lin St. Johannes zu trinken 
geben. € Im Beinhardshaus. Pfarr- 



Johannes. 



255 



buche stet: »Der lan der Hoch- 
zeit übUche nnd überblibene St. 
Johanniswein gehöret dem 
Pfarrer und musz selben der 
Mesmer in Pfarrhof bringende 
Das Minnetrinken ist im Sch¥ra- 
bischen allgemein üblich gewe- 
sen und teilweise jezt noch an 
den beiden Johannistagen, den 
24. Juni und 27. Dezember, dann 
am Nenjar, am Sontag Lätare, end- 
lich bei jeder Hochzeit. Darüber 
gibt mein Yolktüml. 11 Belege. 
Die beiden ersten Zeiten fallen 
gerade auf Sommer und Winter- 
Sunwend, in den höchsten und 
niedersten Stand der Sonne und 
der desfallsige Minnetrunk ist 
ein leztes von der Kirche erhal- 
tenes Ueberbleibsel jener groszen 
heidnischen Feier der 2 Haupt- 
abschnitte des Jares, des gemein- 
samen Opfermahles; dasz hier 
wie dort ein Johannes auftritt 
ist Zufall; mit Absicht benüzte 
in aber die Kirche. 

Als selbstverständlich musz gel- 
ten, dasz dabei des Sonnen- oder 
Zeitgottes Gedächtnis geert 
wurde, nebenher aber auch der 
andern Götter. Zingerle's 
Deutung des Minnetrinkens über- 
haupt auf Freyr und Freyja 
nnterligt merfachem Bedenken 
und bestet auch in engerer Be- 
schränkung nur dann zu Recht, 
wenn Freyr auszschlieszlich in 
dem Täufer oder dem Evangeli- 
sten gleichen Namens gesichert 
ist und zwar für alle Germanen, 
was nicht der Fall. Sie leidet 



am so mer Einspraehe, als bei 
andern Stämmen', wie in der 
Oberpfalz nach Herrn vonSchon- 
werths freundlicher Mitteilnng 
das Minnetrinken auf 8 — 9 Zeiten 
im Jare verteilt ist, bei yerschi- 
denen Anläszen stat hat, und 
teils nur weltlich, teils nur kirch- 
lich, baldinengerm bald in wei- 
term Kreise geübt wird. Mit 
Einem Worte, die Feier der 
»Sunwende< ergab sich in den 
frühesten Zeiten der Völker, wo 
der Sonnengott einziger Gott 
war, ist aber allmählig mit dem 
Auszweichen in Abgötterei zu 
einem Feste aller Götter und 
Menschen geworden, wobei jeder 
Stamm jenen Gott voranstellte, 
der im als Stammes- und somit 
als Hauptgott galt, in dem Sinne 
nämlich , in welchem jezt noch 
die verschidenen Völker ire be- 
sondern .Schuzheiligen vereren. 
Somit ist St. Johannes nicht 
Stellvertreter eines bestimm- 
ten allgemeinenGottes, son- 
dern der Götter überhaupt^ 
d.h. desStammgottes jedes 
Stammes; er istTräger und 
Anszdruck der Zeit. 

Der Minnetrunk an Ncuj€ur 
auszer sonstigen Tagen je nach 
der Gegend wie an -Laetare 
ist lediglich weltlicher Brauch^ 
der neben dem kirchlichen am 
27. Dez. fortbestand, ein Brauch 
der Liebenden imd Gatten, und 
kan erst in den lezten Jarhun- 
derten auf disen Tag verlegt 
worden sein, da er anderwärts 



256 



Joppe — Inen. 



an den altem Festen Stefani — 
26. Dezbr. — nnd Dreikönig -— 
6. Jan. — haftet. Er gut dem 
Gotte der Liebe nnd Ehe, wie 
jener bei Hochzeiten nnd will 
man in auf Fr ey r beziehen, so kan 
man esz tun. Ygl.U 1 r i ch 8 m i n n e. 

JOPPE , die, Juppe, Oberkleid 
des Mannes; sieh Janker, Ga- 
stet Red. A. >Dem hab ich eines 
in die Joppen geben,« d.h. an- 
gehängt. H. S. Bei Conlin: »das 
Jüpple oder BanrenbrÜ8tle.< 

JÖRG; noch eine Erinnerung an 
den Banren-Jörg ist: »wart ich 
will dir den Jörgen singen.< 
niertal.Oberschwb. In einem Ein- 
derliedlein ausz den Stauden: 
Hans J orgele, 

Hans J orgele, Guets Mörgelel 
und 's Tägle bricht ant 
Kui Strümpfle 
Nui Schüele 
Stand auf und gang nai 

'S Jörgele get's Bergle nauf, 
Laszt a Fürzle fara 
Der Schneider komt hinta drei 
Mit Naudl und Fada. 

JOSEF in dem Liede > Josef 
lieb er Josef meine vom Mönch 
von Salzburg, allgemein in ganz 
Schwaben bis zu Anfang dises 
Jarhunderts bei der Weihnachts- 
krippe in der Kirche üblich; jezt 
noch im Fränkischen nicht ver- 
schwunden. In A. war ein St. 
Josefsgässchen. Beim Jo- 
se fl e, eine alte Augsb. Wirtschaft, 
Boteneinker. In einem Liede ausz 
den Stauden: 



Juhe! Juhe! Der Wald ist grean 
Jezt haü-n-i koin Josef meal 
Ear weard schon mea komma 
In 'ra beszra Z&i 
Wenn's Buttecmill reanglet 
Und Weinberle schneit. 

Ein Einderliedlein ausz den 
Stauden: 

Heiligs Josefle, 

Nimm 's Gäule beim Zaum 

Füer 's Heilig Marile 

Zum Feigelebaum! 
Memmingen: Jodl. 
Josefle hiesz emals, warschein- 
lich protestantischerseits der Hy- 
sop in Augsb. 

IR, YHR: >Auch soll der Som- 
merbier allein auf die kalte Yhr 
gebraut und gesotten werden.« 
Bräues 0. 1778. 

IRDEN und erdin von Thon- 
gefaszen; in Niederschwb. ithe 
(— u) mit r-Au8zfall; der bayer. 
Gränze zu: eaddane häfa. Im 
Fugg. Inv. >3 erdtene häfen.« 

IRR in einem alten Augsburg. 
Drucke: >Wie ein junger G^ell 
weihen soll« c. 1500—1510 stet: 
>Guter Anfangirrer Anfang 
Also man vor Zeit ein Lied sang.< 

IRZEN swv. »Diesen Herman- 
num hat Stefanus VIII. disz Na- 
mens, der erste deutsche Papst 
geirzet, d. h. für Du, Euch 
geschriben.< Gass. Von J. Cäsar 
heiszt esz in dem bayer. cgm. 
225 f. 4^. ff. >diser kayser pott 
auch den Teutschen die eer, daz 
allermeniglich sy hinfuran ir- 
ritzen und nicht tuizen: wann 



' ImI — JudeiL 



267 



vor der Zeit nyemandt nie ge- 
jrrizt ward.« Augsb. Chr. 1634. 
ISEL, insula. »An dem ober- 
sten Eck der Stadtmauern, man 
heisztesz gemeinklich über der 
Xsel.« Grass. In einem Schreiben 
der Bundesstädte wird der Ort, 
worauf Lindau stet, öfter Isel 
genant. 1452. >Holz an der 
l8eL«.Ulm.ürkde. 1494. Scbmid 
301. Inselwirt in Augsburg, 
emalü. 

ITELMANN? in einem Abzal- 
Einderspile : 

Enöllele, Böllele, 
Itelma, Waszerma, 
OfawiBch, Ffannawisch 
Du bisch. Stauden. 

JU, der Kuf: 

Da dunta im Tale, 
D& schreit der Fux jul 
Junger sei still, 
I ka 's beszer asz du! 
JUBILIEREN swv. einen mit 
geringem Gehalte vom Amte ent- 
laszen ; Jubilation, Entlaszung. 
Altaugsb. 

JUCHZEN swv. jauchzen. >SoIl 
auch meniglich alles Juchzen, 
plerren, Schreiens — in der Gasse 
und in den Häusern gänzlich 
enthalten.« Der Stadt Beruf 154L 
JUCKEN. >Nerysz ist zweier- 
lei: ainer ist an Jucken 
und peiszen, und hat Schiepen, 
der ander ist mit Jucken und 
Beiszen.« >Sö aber der Nerysz 
mit groszem Jucken ist und 
Schüpen.« >S6 aber die Raud 
Jucken ist, so päd man das 
Kind all tag.« cgm. 601 f. 103^ 



IIP. »Rosenöl in die Wunde ver- 
treibt den Juckhen darausz.« 
cgm 562 f. 2G\ >Sie (die Salvai) 
ist auch vil gut wieder das Juc- 
khen. < »Das ainen Mensehen die 
Wunden juckhen.« f. 27*. In 
mereren Gegenden hieszen die 
Haselmäuse Juckmäuse oder 
Juckerna von irem Springen, 
Hüpfen. 

JUDEN. In A. der Juden- 
berg und Judenbrunnen. 
Judenga^ssen in allen altem 
Städten. Der alte Judenkiroh- 
hof; die Judenbastei. Hsung 
auf dem Judenstein. MB. 24. 
1,116. Judaweg von Fisöhbach 
nach Depshofen. Nach einem Er- 
lasz von 1614 musten in A. die 
Juden zu irer Auszzeichnung 
gelbe Ringe auf den Kleidern 
tragen; die HoQuden vom Chur- 
fürsten und Kaiser waren ausz- 
genomen. Der ewigeJude lebt 
noch allerwärts in der Yolks- 
überlieferung; man kan eine 
Reihe von Ortschaften und Häu- 
sern herauszbringen, wo er ein- 
gekert, wärend des Ave-Läutens 
um Mittag seine staubigen Schuhe 
und Kleider abschüttelte und 
auszruhte; im Hlertal zeigt man 
Tische, um die er imer herumge- 
laufen, beim Einkeren, weil er 
blosz wärend des Zwölf eläutens 
Ruhe hat. Red. A. »Den Juden 
get der Bock an.« Conlin (vom 
Gewinne). > Zudem sind die Wei- 
ber betrogen, als ein siebenzig 
järigerJud.« H. S. Gelber Jud, 
sieh G. >Ich habe ein Weib, war 
17 



258 



Junge — Jnssele. 



mir um ein Judenpfenning 
fail.< H. S. »N. verharrete in der 
Unbuszfertigkeit, wie ein Stock 
nnd mer dann ain hartes Ju- 
denherz« Conlin. >Der im Skor- 
pion Gebome wird sein, wie ein 
Judenkerschen, wenn man 
dise nur ain wenig anrürt, so 
wird's bitter.« a. a. 0. 

In den Stauden singen Junge 
und Alte: 
Und wenn mel Muoter a Jüdin 

war, 
Und mel Vater a Jud; 
So war mei Schwester Ja Juda- 

kind 
Und i a junger Jud. Fischach. 

Jud treib ausz! 

Treib deine 7 Sau ausz 1 

Nimm oina beim Fuesz 

Dasz se heint Nacht verrecka 

muesz. 
Jnda reafla sieh E. 
JUNGE , der , in der Sail. 0. 
1687: »mit welchem Wört- 
lin (Junge) diejenigen, so 
erst ausz den Lerjaren ko- 
men und noch keine Werk- 
statt zu füren getrauen, ge- 
nennet werden.< Jungmei- 
ster, Sehnst. Ordg. Jüngling- 
schaft im Kai. v. 1747 hs. 
So hegt die Jünglingschaft 

der Zeit 
Vil Unlust und Beschwerlichkeit. 



JUNGGER »beim J.« eine Art 
Burgstal bei Birkach; sagenhaft. 

JUNGFRAU, 1) die eiserne, 
spuckt bis heute noch im Volke, 
beim Gansbühl soll sie aufge- 
stellt gewesen sein. A. 2) Auf dem 
Lande spricht der Bursche beim 
Tanze das Mädchen, das er ken- 
nen lernen will, so an: >Wi€ 
Jungfer, möcht 's nett geara 
Du weara? 3) JungfrauhÖfe, 
Abendkränzchen der schönen 
Augsburgerinen: »Wir hetten (bei 
der Maskerade) 2 Stattpfeiffer, 
kamen zu etlichen Jnngfrau- 
höfen, da hett man uns nitt 
ungern, wir tanzten und spran- 
gen wie die Eölber < Kleider- 
buch 145. 

In einem Augsburg, cod. stet 
hinten: 

Man sagt und ist khain Aben- 
teuer 
Dasz das junkfräulich Flaisch 

heuer 
Sei so bösz zu überkhomen 
Als umb Weihnachten eine warme 
Sonnen. 

Junkfrau Lieb, Rosenplue und 

Lautenklang 

Ist gar guet und wehrt it lang. 

JUSSELE dim. Spässlein, so 

Kinder machen. VgL Schmid 302. 



E C. 



259 



K G. 



Beines gotisches k hat sich im 
Schwäbischen nicht erhalten ; esz 
get den Weg der Lautverschieb- 
ung in nachweisbaren Abstufungen- 
teils vor- teils rückwärts. 

1) Im Anlaute. 

a) Unmittelbar vor einem Vo- 
cale ist k aspiriert^ von einem 
Hauche begleitet und lautet wie 
kh: EhachelfEhälb, Ehagen, 
khoinz, khalt, Ehämer, 
Ehammen, khampeln,Ehan- 
ten, khapfen, Ehappe, Ehap- 
per, Ehar (got. kas, vas lat.), 
Eharrer, Eharfreitig, Ehäs, 
Eha§perle, Ehasten, Ehan- 
deln, Ehaüfler, Ehauzen, 
Ehaze, khael, Eheibs, khei- 
len, Ehelle, Eheller, 
Eheru, Eherze, Ehesper(ce- 
rasi), Eheszel, Eh etten, Ehez- 
zer,Ehiser, Ehind,Ehimich, 
Ehirche, Ehobel, Ehugel, 
Ehüste, Ehozzen (swm. vestis) 
khüzaböllelen u. s. w. Vrgl. 
V. Raumer, S. 59 oben. Schmell. 
Gramm. § 515. 516. 

b) Ausz dem Eomanischen ein- 
gebürgerte Wörter unterligen 
demselben Geseze. Zu den be- 
reits genannten wenigen füge ich : 
Ehabis, Ehabas (gabusia), 
Ehalfakter, Ehalmaüsen, 
Ehanterei , Ehapadagter, 
Ehappaunen, Ehappazener, 



Ehalopp, Ehartausse,Ehar- 
ter, Eharten, Ehagtraun, 
Ehamillen, Ehölsch, Ehut- 
sche, EhoUer, Ehunkel u. 
s. w. Doch schwächt esz sich 
mer in G, bevorab im Augsburg. 
Gebiete: Gamillen neben Eha- 
millen, Gampfer, Gunggel, 
Gutsche, Goller,G Öls ch, Gar- 
nier. Esz findet sich fast allge- 
mein Schwab, rein G in mereren 
romanischen Wörtern neben kh: 
Ehalopp u. Galopp; Golter 
und Eholter, Gugel u. Ehu- 
geljGolIer u. EhoUer, Gung- 
gel und Ehunggel, Ehölsch 
und Golsohen; ja sogar Ehar- 
rabalde und Garabalde, in 
Oberschwaben. Vrgl. Weinhold 
§ 211 S. 179 und 180. Derselbe 
fürt altes Eimma für Gemma 
u. s. w. § 205 an. Die Stauden- 
leute und die Straszenortschaften 
sprechen reines hie und da, 
unrein anlautendies g imer 
aspiriert wie gh, ja fast wie kh 
ausz: Ghruiba , Ghrattel, 
Ehrattel, Ghraben, Ehra- 
ben, Ghras, Ehras, khreacht, 
khreiffa u. s. w^ Folgen- 
des r mag nicht one Einfiusz 
sein. 

c) Noch eine Stufe weiter als 
zu kh get der Alpenbewoner in 
der Schweiz, Tyrol, Fayem: er 
17* 



260 



K C. 



spricht kch. y. Räumer stellt 
ausz Stalder § 50 die wichtigsten 
Beispile zusamen. Um uns den 
Procesz, welchen k durchmacht 
recht zu veranschaulichen, müszen 
wir die bayerischen codd. mit 
den schwäbischen nemen. Jene 
fichreiben bald kch bald ch, lez- 
teres unzweifelhaft für kh. Der 
Tegemseer clm. 19454 (X Saec.) 
hlit cholpo, pondere clavae. 
obrosten cküenig. MB. 23. 1. 
182 ad 1289. Wernher's Augsb. 
Bruchstücke: -chosen, chinde, 
chetene, chorder, diche, 
chundech, chundende, star- 
che, chunne neben kint, kin- 
delin; vor Liquid, ciain, craft, 
oriset u. s. w. Das Stdtr. hat bald 
ch, bald k, bald c: kain und 
chain, künch, clager , cla- 
gen, chomen, kaufen, chost, 
kamer, korherren u. s. w. 
fürchumen, anchumen in 
OreifPs Anhang z. L.Rem. 1671. 
cgm. 128 f. 136ff. chospar, ge- 
chrönet, bechlait, bechla- 
gen, charchar, pechümer, 
(sogar Fechfeuer) neben kch üel, 
erkchukent, juckchund, 
hüpfend jerbaichken, erwaichen, 
gedenkch , kchreuzigung, 
ennkchel, kchirch. cgm. 95: 
Chain, Kain, Abels Bruder, cgm. 
206: chindelbett, chizlin, 
chewer, chomen. cgm. 33 f. 
61*: ehesten, Kastanien, cgm. 
300: lankchen (latera) , be- 
dekhund, chefschind, chra- 
niwiten, wolkchen, chraut, 
chiszling, chrump, chrie" 



chisch u. s.w. cgm. 235: kchä- 
mel, Kamel; verdakchten Ka- 
mel; starkch, sterkchisten, 
chalperg^ chlain, chrump, 
^truckchnet, lubstechen, 
Pflanze (lubisticum); erkukchet, 
wurkchumb , Stärkohe, 
Schrikch (plur. die Schreken). 
cgm. 201: starchen werch, 
yerwicheln. cg^.254: clokhet 
cgm. 283 f. 6*. cgm. 114: ge- 
chundet, trunchen, gewi- 
ebelt, cgm. 317: dikch, mook- 
oben, zugedakoht, . ane- 
yankch.cgm.254:rinkchleich. 
cgm. 164: kchürz f. 2*. ivoll- 
geschikcht, f. 2^ jankeh- 
frauenf.5*. kchunig.Frankch- 
reich, kchetten fll2K Tolkdi, 
kchräüter f. 15\ kcheren. 
gsankch f. 34^ khot f. 88*. 
cgm. 114: glükch f. 2*. er- 
chuchkt f. 27*. Andere Stellen: 
Stuch, Weberhaus- Akt. Sarch, 
cgm. 402. schöne Sarchen. S. 
danch, an eher. Das Kleiderb, 
hat augenblich, wurchen, 
gewircht , Blochheuser, 
Drakh, drakch u. s. w. 

üeber die Schreibung ch ausz 
c + h sieh Rumpelt S. 264*. 

In all disen Fällen ist ch 
nichts anderes denn kh, kch aber 
fortgeschrittenes kh, das fast bei 
der Aspirata ch anlangen möchte, 
aber um eine Stufe zurückblieb, 
kch kam mir in echt volktüm- 
lichen bayerisch, codd. weit häu- 
figer vor, denn in schwäbischen: 
aber auch nur in yolktümlichen. 
So kenne ich '•inige ser abge- 



K C. 



261 



nuzte vilgelesene codd. Eonrad's 
von Megesberg ausz dem 15. Jh. 
die ein wares Chaos von chk, 
kch u. 8. w. bieten: man sieht, 
der Sckreiber wollte der Mund- 
art gerecht werden; desgleichen 
bieten f&r die bayer. Mundart 
die Nonnenklöstern entstammen- 
den Gebetbücher und Ritualien, 
sowie eine Anzal Benediktiner- 
Regeln auf der k. Hof- u. Staats- 
Bibliothek für kh, kch gute Ausz- 
beute. iDarausz ergibt sich der 
sichere Schlusz: die Auszspra- 
che des alten rein- und be- 
sonders Unrein an-, in- und 
auszlautenden k hatte eine 
der Gebirgsspracheänliche 
Aspiration, doch nicht indem 
Grade, daszman kch des Schwei- 
zers dafür sicher schreiben dürfte : 
ich würde die Schreibung khh 
wälen. Darum sagt der Verfaszer 
der Lautlere 15. Jhd. (S. 150*»): 
>itemdie Silbe' kch wirdgeschri- 
ben im Anfang der Wart und im 
Mittel u. im Ende : k c'h r a n k c h, 
akoher, ekch, sakch, item ch 
wird am meisten zu lesti etc. 
flieh unten. 

d) Ist bei den alamanischen 
n. bayerischen (tirolischen, Öster- 
reich.) Gebirgsbewonem k nicht 
TöUig zu ch vorgedrungen, so 
finden wir disz an der Augsb. 
LindauerStrasze, amLeohraüi, 
in den Stauden: kh lautet wie 
ch -j- h, so dasz nicht h, sondern 
k zu ch wird. Während der Ti- 
roler , der Schweizer das k mit 
starkem Siosz in der hintersten 



Kehle hervorbringt, sprechen eben 
genannte Landstriche k ebenfalls 
in der hintersten Kehle , stoszen 
aber nicht: ch ist also die dritte 
Stufe. 1) khh, kh, 2) kch, 8) 
ch. Vrgl. 1) ph, 2) pf, 3) f. Fer- 
ner 1) t, 2) z, 3) sz. Beispile des 
c h : C h h 1 e m m 8, Klimmach, Orts- 
name; chhlopfa, klopfen, pul- 
sare;- Chhlaofter, Klafter, 
Chhlolpferdag, chhropfet, 
kropfig, Chhind, Kind; Chhap- 
pe, Kappe, Chhalb, Chhachel, 
chhoiniz, keinnüzig; Chhal- 
fakter, Chhalt, Chhamer, 
Chhäppele,Chhar,Chharrer, 
Chhagta, Chhagtraü,Chhaze, 
Chhell, Chhe^r, Chhetto, 
Chheszel, Chhlaga, Chhlam- 
hiLkch9, chhlauba,Ghhlauen, 
Chhlaos, Chhlea,Klee;chhlie- 
ben, zerchhloba , Chhlüz, 
Chhneacht, Chhnieling u. 
8. w. Die flüszigen 1, r, m und n 
bewirken eine etwas mer aspi- 
rierte Auszsprache. 

Disen üebergang des kh zu 
ch sucht V. Raumer S. 49 mit- 
telst physiologischer Zerlegung- 
des gekrazten Aelplergutturals 
zu ermöglichen. »Mittelding 
zwischen Verschlusz und 
Halbversohlusz d. Organe.c 
S. 50. Vergl. femer S. 48« und 
54(ch, kh). Rumpelt S. 266« 
Meine Beobachtungen legen auch 
die Bemerkung Rumpelts, als ob 
die Talleute keinen gutt. Hauch 
mit k verbinden S. 256 als un- 
stichhaltig dar. 

£sz fragt sich, wie haben die 



262 



K C. 



Schreiber der sogen, ahd. Denk- 
mäler denProzesz des got. säch- 
sischen k in iren Schriften ange- 
deutet? Z¥rischen Yocalen hat 
der üebersezer Isidor's hh; nach 
r nnd 1: c + h d. kh. Kero hat 
im Inl. zwischen Vocalen kh; 
nach 1, n, r: ch d. h. kh. Eben 
das unsichere Herumgreifen der 
Denkmäler bald ch, bald hh, bald 
hch (Tatian) läszt einen Schlusz 
auf die alta, d h. auf die Ausz- 
sprache tun , wie sie noch heute 
dem süddeutschen, alam., frank, 
und bayerischen Volke gemäsz 
seiner Bodenbeschaffenheit ei- 
gen ist. 

2) Inlautendes gotisches k 
ist teils kh — wofür urkundlich 
ch gilt — teils gg, und disz lez- 
tere vorwiegend. G 1 o g g e n, 
gnaggeln, zitternden Schrittes 
^en ; r e g g 1 e n , herumstreiten, 
JElegglereien Subst. Spiggel, 
eine Oertlichkeit bei A., urspr. 
= cuneus. Singgel, Flüszchen 
bei A. Röggle, Brotart. Augsb. 
Boggeln, Boggelmann, Gog- 
gel, Göggel (Augen), hoggen, 
Hoggerle, sog gen, kränkeln; 
Soggerin; Schogge die Ja- 
cobi-Dult Kautsche. bl eggen, 
weinen; flaggen, Schlegger, 
Schmalzbuggel, Mogglen, 
Moggler, heimlicher Bösewicht. 
Gaggele, Ei; Moggel, Kuh; 
verhonaggeln; Birggach, 
Migghausen, Stiggel und 
Stichel. 

Schriftliche Denkmäler: vier- 
egget cgm. 201 f. 216*. egg- 



stain cgm. 603 f. 25^ brugge- 
haien MB. 23. 1158 ad 1282. 
ZudenbruggenStdtr» Schlag- 
brugghen, Chron. 1634 Wer- 
tacherbrugge , Strauans- 
bruggen Str. Eügg'(en) cgm. 
92 f. 17^ üf dem rugge Stdtr. 
bugglen 1581 und cgm. 257. 
G 1 g g e, allgem. in Augsb Schrif- 
ten: Sturenglogge, Söldner- 
glpgge bei S. und im Stdtr. 
lingger kor cgm. 168. zwig- 
gen, von kleinen Hunden , die 
den Hirsch verfolgen, cgm. 419. 
41*. Guggel, Gass. und sonst. 
Tirggen oft in Chron. Glog- 
gengieszer, in den Poliz. Ord. 
ruggen, Astr. und cgm. 480 f. 
22. Der Name Swigger v. Aich, 
urkdl. häufig, gwiggen, claudi- 
care; kergger, Horm. 1834 S. 
132. bauggen S.5P8^ böggen 
cgm. 97. Salzfergger in Akten, 
ȟber egg{e)< cgm. 92 oft. zwei 
wegg (en) a. a. 0. Easaggen 
1668. mukggen cgm. 206 f. 185. 
>ein hoher Sehn eggen ausz 
gebachenen Stains.< Chron 1634 
Roggenburg 0. N. urkdl. Im 
Anhange zu L. Rem. S. 129 komt 
nachete leut vor (nakt). Vrgl. 
Weinhold, Gramm. S. 176. 178. 

Für urkundliches kh im In- 
laute laszen sich ebenfalls eine 
ganze Anzal Beispile aufbringen. 
In einer volktümlich geschribe- 
nen Chronik von Augsburg bei 
Horm. 1834 S. 116 stet: ge- 
sterkht, hankht,schankhten, 
dankhten, Elenkhertörlein, 
Markht, verschrankht, Be- 



K C. 



26» 



la^ns a. s. w. Andere Stel- 
Keokhen,Hackeiibüxeii. 
Schmell. Gramm. 517. Die 
lische Schreibung gg bei 
lold § 217 zeigt harscharf 
liealtekurze Auszsprache 
»eal8 an wieW a g g e, b a d d9, 
9, KhabbdB (Hegau). Die 
Strasze, der Lechrain und 
laden haben ggh, ziemlich 
aspiriert bis gen Krumm- 
Borg hin: man meint fast 
h. ch zu hören, üeber al- 
sieh Weinhold, Gramm. 
Mittehuederländisch be- 
i gh häufig. Gramm 1, 600. 
in, Gramm. § 225. 
allend weich wie g wird k 
laute ob Saulgau, Eben- 
in der sog. Oöge gespro- 
>Birga, Birke; dengQ, 
i; die Dirga, Türken; 
e, Decke u. s. w. 

bezüglich des P und T 
)) beim schwachen Verbum 
m gilt, dasz j die volle 
orsohiebung nicht zuläszt, 
[ifür k erweislich: weck en, 
* decken, Dach; vrak- 
soken; fireilich stet rächen 
rrakjan; suchen wird got. 
1 erfordern, wie rufen, 
kB, wegen des mangelnden 
tes. In der TutÜ. Gegend 
MM Volk Milkh, Milggh 
ai Zeitwort heiszt m ei- 
nlebt wie allgem.. schwäb. 
hen, melggen. bachen, 
ir. stecken, stechen. 
im Ans z laute ist got. k 
fiTfif) SS^ kh, lezteres wie- 



der mit starker Aspiration in den 
Stauden: Auszdrnggh, -kh; 
Eindruggh; Volkh, volggh, 
äweaggh (Weinhold § 209), 
Stnckh, Muggh, lankoh, 
langgh, besonders in der Grenz- 
gegend bei Asch, BömerkessM 
tirolisoh aspiriert ; k r a n k h , 
krankhet u. s. w. 

Schriftliche Denkmäler: hin- 
wegktreiben.Chron.1634. wegk 
Luc. Rem. 65. bankh. Chron. 
0633. hinwegk. a. a. 0. Waid- 
werkh. Yolkh cgm. 206. Kü- 
nigg, Osw. 2160. DasStdtr. hat 
gemein-, schrift- und mhd. mark, 
marc, Yenedik undVenedio; 
totslac und totslak; mao, 
mak; schuldic, honik n. s.w. 
Die £nd-oh in Saroh, starch, 
march u.s.w. sind in jeder ahd. 
und mhd. Lautlere behandelt. 
Bumpelt S. 259 findet -coh im 
Auszlaute, kh/ oder k/, interes- 
sant; in den oberdeutschen Mund- 
arten ist es« Gesez. Ich mache 
noch auf mittelniederdeutsches 
lustigh, bergh, (äramm. I, 500 
aufmerksam; ebenso auf das Not» 
kerische strigh, rogh u. s. w. 
Weinhold S. 182. 

Den Auszlaut ch anlangend, 
überlasze ich andern zu beur- 
teilen, in weit die bayer. Laut- 
lere 15 saec. Wert hier hat: >item 
ch wird am maisten zulest der 
wart genuzt — soch, swach, 
gsmach, ist einsilbig, hert, 
dentlig, wann allain sie kain 
vollkommene sprach hat, sondern 
mit Zusezung der andern Silben 



2C4 



K C. 



oder pnohfiama — s ach gimach ; 
dia Imduitamw g, 8^m,n — nicht 
ainnlfaig, sondern mit dorn oh 
Wirts ainsilbig und ain wart.« 

4) Auszfall des orgjani- 
sehen k sowol in einheimi- 
s.ehen als eingebürgerten 
fremden Wörtern. Unter den 
jezt üblichen Ausslaszungen be- 
merkt man die mit altem Subst. 
-leik zusamengesezten Wörter: 
siattle's Oat (stattlich), wärle 
(warlioh), t ä g le (taglich), e 1 1 1 e- 
mjkol (etlichemal), gl ei (gleich, 
sminto), huimla (heimlich, All- 
gaü), w^ler (welcher), zimle, 
gmäohle , reatle (rötlich), 
faindle, Tergeaszle; das all- 
gafiische uwealtle ungeheuer, 
bei ßuperlat&Y - Bezeichnungen ; 
uuenaehle u. s.w. Das übrige 
Schwaben kent nicht so vile 
Auszlaszungen wie das bisohöfl. 
Angab. Gebiet. Femer : B u a f i n k, 
Buastab (got. böks) mill (mi- 
luks got), Millewaib n. s. w. 
Ei^rweih, Eirchweih; allgem. 
Die Beispile mi, di brauche ich 
nicht zu nennen. Mein Wbl. 28. 2. 
YrgL muse, musica. Disz sind 
einige Beispile. 

SchriftL Denkmäler: Latug- 
ken cgm. 601 £. 100»». Der Orts- 
Name Friesenried heiszt urkdl. 
Fridrichesried 1812. fändri, 
öfters in Chroniken, bustab 
cgm. 736 f. P. Swel die cgm. 
168 f. 12*. an welem tage f. 5». 
Eefeatal, Ref enter, Reben* 
tal für refectorium. 

< 5) Unorganisches k und 



Wechsel des organischen 
mit andern Mitlautern. 
Pictagoras cgm. ftll f. 58*. 
Hekenstal u. Hetenstal sieh 
H. Einigemal fand ich das - in 
bayerisch, codd. so Yolktnmlieke 
Schalkjar forSchaltjar. cgm. 
127 t 18*. Mikwoehen cgm. 
424 £ 200^. Dazu Tergleiche 
Miggde, Schwab. Augsb. für 
Mitwoch. Doch durfke Mit- 
woch und Miggde nicht zu* 
samengehören, da foglicher das 
norwegisch. Mekedag erklärend 
hiehergezogen werden mag: ess 
ist der groBze Tag, der Wodans* 
tag, worauf schon Schönwerth 
aufinerksam machte. Das. stark 
aspirierte kh, (kch) wird für g, 
hh gesprochen in mangker, 
mankcher,mankher. Stauden^^ 
Leohrain; Schwabmenkho^ur«' 
kundl. Mantichinga u. a. w. 
Der Hofkai. y. 1751 schreibt stets 
Trucksäsz. 

6) Für k erscheint in sehriftL 
Denkmälern g: gesmag, cgm. 
486 f. 22*. Glogen cgm. 92 f. 20*». 
Für g ein k: j unk cgm 601; 
auch in der heutigen Straszenspra- 
che: junkh, junkch. Das ausz 
dem yolktüml. lat. astricus, 
Steinboden, Pflaster, genonuxMne 
ahd. astrih, estrih, nihd-este* 
rieh, estrich geschribene heo* 
tige Estrich lautet nicht selten^ 
so in einer Sigertdiofer Urkunde 
15. saec. E s t er i g >ob der Stuben.« 
Sender f. 194». Überschwang* 
lieh, u. Stör gen. Vrgl. Wein- 
hold § 214. 



Kabis -^ Kalb* 



266 



'. 7) Schreibong des k, noch ur- 
sprünglich in ka, &nd ich in 
kr echt, klink, >za der krech* 
ten und klinggen Seiten.« S. 
f. 199*. ka sieh oben G. Vrgl. 
Weinhold § 206. 

KABIS , Kopfkol , vom mittel- 
lat. gabusia. Mein Wbl. 48. Ka- 
Baskraut, cgm. 601f. 115^ Ka- 
bas (das) und Büebeskraut. Te- 
^ems. Kochbüchlein, adj. g a b a s- 
sin. a. a. 0. Kabbes, Hegau. 

KACHEL, die , 1) Scheibe von 
gebrauter Erde; Kachelofen, 
ein ausz solchen Scheiben aufge- 
sezter Ofen. In der Mindelh.Ref. 
Bl. 16* ist das Hanfderren in sol- 
chen Kachel- und Kochöfen ver- 
boten. 2) Irdene Schüszel.Allgem. 
3) Bierkrüglein >a Kachele 
Bier« 1 Seidel, echt Augsb. än- 
Uch dem D igele in ..Nürnberg. 
Bildlich gilt: alte Kachelt von 
alten Weibern, rohe Sprache; 
hängt wol mit dem obscönen 
Kachel, vulva, zusamen. 

KAGEN und KAGEN, Rippen, 
Mark an den Dorschen der Kraut- 
köpfe. Stauden. Anderwärts Kr o- 
speln und Knarfeln. (Eot- 
tenburg.) 

KAINZ, KOINNÜZ adj. 1) 
nichtsnuzig: > k o 1 z e K e 9 p e r < un- 
genieszbare, schlechte Kirschen. 
Stauden. 2) verschlagen, bösartig, 
verstiius. >N. hat den Schul- 
meister in Mickhausen in o&er 
Verhör an seinen £ren angetascht 
und gesagt, er sei kainnüaer 
aUJudas.« Mickh. Strfbch. 1612. 
8) «nwel^ >miar igt's koi^s.« 



Stauden. Sonst sagt man daffir 
>miserabel.< »fast koinz< 
ser krank. 

KALB sta. Anstellkälble, 
das zorückgebunden, angestellt 
wird. Groszaitingen. A kühis 
Kälble, zum ünterschid vom 
versehnittenen »Oeohsle«. In der 
alten Mezger Ordnung von 1^9 
komtvor: >1 Pfund Kalbflei seil 
ohne allen Anhang 5 Pfenning. 
Kalbskopf, KalbkrÖ8z,Kalb- 
wämst, Kalbsgelüng mit aller 
Zugehörung.« >Heurige und f e r n- 
dige Kälber.« Harter. Invent. 
Echt Augsburgisoh sind die käl» 
bernen Vögele, kleine ante 
dem besten Teile ckes Kalbschle«^ 
gels geschnittene Stückchen 
Fleisch eigens zubereitet. Red«A* 
»Aussehen wie ein geschundene« 
Kalb.« S. 39P. Kalbskopf: 
»aussehen als wie gepnzte Ka Ibs-* 
köpf in tita S. Oedi.« Oonlin. 
Kalbmoises, Schelte , neben. 
Kalmuck: dummer KerL »Kalb- 
moises, wellen Nama haust?« 
S<^. Kalmesnizi, dummer KerL 
A. Kalbele, Kalbin=Kalbe. Als 
Flurname: Kälblfelden, Klim- 
mach. Pforrbuch. Kälberberg 
b^Fischaeh. Kälberhöfle, Ort 
in Augsb. Zeitw. kälbern bwv.- 
jungtun, kindisch Bpilen; ob^r- 
schwäb. dem kälberet der Holz« 
sohlegel uff der Bühne, d. h. hat 
Glück one sein Zutun. 

Kälberhamt bei Holzmann: 
Vor Zeiten tai^ man nach der 

Xrummenv 
Und Leder8ofai,-das ist abkomnKm ^ 



266 



Ealchmeater ^—Kämmen. 



In Oren klappert es zu laut 
Wann man klopft auf d'K ä 1 b e r- 
haut. 

EALCHMESZER, 2, nach dem 
westphäl. Friden; ein niederes 
Stadt. Amt. 

KALFAKTER , ein wenn auch 
nicht böszwilliger Hin- und Her* 
träger von anderer Beden, und 
in Folge dessen Unruh- und Ha- 
derstifter in Ehen, Familien u. 
s. w. Nicht selten denkt man sich 
auch einen verschloszenen , ge- 
heimnisvoll munkelnden Menschen 
darunter. In den Prozeszakten 
des Weberhauses wird ein Geselle 
bestraft, weil er Bedenken trug, 
auf Luginsland zu gen , indem, 
wie er sagte, >merenteil8 Kal- 
fakter da seien.« Andere wur- 
den gestraft und mit 24 Stunden 
in's Gewölblin bei Waszer und 
Brot angesehen, weil sie die Frid- 
berger >Kalfakter, Horiabrü- 
der und Wallachen« hieszen. 
Akt. y. 16. Sept. 1785. 

KALLEN swY. pralen, schreien. 
>d6 lief David dar und zoch dem 
rissen sein swert ausz und sprach: 
ich hän dir dein kallen gelait 
und dein geschrai.« ogm. 206 f. 
148^. Schm. II, 288. Nord, kalla. 
Graff IV, 383. 

KALMAÜSEN swv. Kalmäu- 
8 er stm. sieh Stümpfieren. 

KALT. 1) sieh verkalten: sich 
verstecken; in's verkalta gau: 
Yersteckensspilen bei Kin- 
dern ; wol zu g^h alt en. 2) Conlin : 
mein liebe Alte, 
Das ist gut fur's Kalte 



Hilft's dir nicht, so schadets nicht I 
meine liebe Alte 
Das ist gut fur's. Kalte. 

Alte, liebe Alte 
Schüttelt dich das Kalte, 
So komm' Hans Nickel und 
brenne dich, 
So schüttelt dich das Kalte nicht. 

KAMER, die. 1) EineStro- u. 
Futterkamerkomtin der Feuer 
Ordg. V. 1731 vor. 2) Comtoir 
des Kaufmannes >Fugger8 Ka- 
mer« Kleiderb. 3) Schaz-r »wan 
die münze in sine (des Bischofs) 
Kam er beeret;« daher >.viztum 
unde kamaerere« bischofl. Ajnt. 
Stdtr. >Getraide nach dem Kä- 
me rfu s z und dem Weydenf uszc 
häufig. Witw. u. Wais. 0. 1778. 
3) Ein Mickhausisch-Fuggerisches 
Gefängnis heiszt >wälsche Ka- 
mer.« »Also hat man ihn etlich 
Stunden lang in der welschen 
G a m e r aufgehalten. « Strafbch. 
1611. »Straffet ihn (wegen Eren- 
Antastung) zue Armut halber in 
der welschen Camer zuligen.« 
1606. >Mit der welschen Ca- 
mer abstrafen.« 1607. Ein Lied- 
lein in den Stauden heiszt: 

Schmidhamer 

Mach in die ober Kam er 

Lasz de unter 

Rumpia, bumpla. 

KÄMMEN, der, 1) Kammhaare, 
Pferdemähne. >'M alta Hengst 
da Kamma gstuzt.« Seh. >DaK 
stellt ear wie a Sau.« Seh. 2) in 
der Webersprache: »Erstlich von 
einem breita Zieohkammajrs 



Kampeln — Kappe. 



267 



Fadens 30 kr. Von einem schmala 
Ziechkama. Von einem braiten 
Barchet nnd mittler Kamma. 
Schmale Barch et kamma. Von 
einem blauen Kamma ailfer. 
Von einem gewirfleten Z i e c h 1 e- 
kamma.€ Blättersezerlon. 17 Jh. 

KAMPELN swv. prügeln. 
Und unsre Eoathe wead ma 

kampla 
Sie möget schreia oder stram- 
pfla. Seh. 

KAMPFRÄDER wol zu Kamm 
gehörend. Zinkenrader innerhalb 
der Müle. Kammrad. Sigerts- 
hofer Mül. 0. 

KANTEN im Fugg. Inv. Zin- 
nerne Güeszkandlen, grosze 
Zapfkandlen, glatte Kand- 
len (nach Innsbrucker Maszen), 
zinnerne Oelkandlen von 3 
Drinckhel. Franggen Kandel 
{?), prantwein kandeleu.s. w. 

KANTEREI, die. »DesKaysers 
Kanterey«, bei S. oft. »Nach 
dem Seelampt hat der Bischof 
von Triest das Ampt von Ü. L. 
Frauen gesungen, mit des Künigs 
Kanterey, Busamen, Zingen, 
brglen.< S. 279. >DesKayserKan- 
tarei, Trumether und Orgien.« 
>Und in der Kantarei lauter 
alt, gestandene, ernsthaft per- 
son« u s. w. 

KAP ATASTER, volk?etymolo- 
gisch für Kataster, änlich Ar- 
restant für Adstant (Schul- 
gehilfe), Regillion f. Religion; 
in d'Allmacht falla fiirinOn- 
macht falla. (capitastrum.) 

KAPAUNEN, die, erscheinen in 



alten Speiszetteln und Chroniken 
als Waydkapaunen, wolfeile 
und gemästete K. , änlich wie 
Waidgänse und gemästete 
Gänse. 

KAPELLEN in Augsb. St. An- 
tonius-, St.Antonin-, St. Bar- 
bara-, St. Elisabeth-, St. Gil- 
gen- oder Egydi-, St Lam- 
precht- od,Hofkapelle, St.Mi- 
chael-^aria Sohne ecap eile, 
Schmerzen-Kapelt or u. s. w. 

KAPFEN swv. schAoen. Kapf 
stm. Schauort. >Es wart nie 
kain Mensch so grosz kapfen 
auf einem wol turmenden Haus 
— als himelslichs horkapft auf 
einem woUydenden Menschen i 
cgm.. 480 f. 25^^ Kapfhaui 
amphitheatrum , spilhaus. egm. 
68Ö f. 7^. Das Wort Kapf, wozu 
unser heutiges gaffen gehört, 
hat sich in mereren schwäbisch, 
auszeraugsb. Bergvorsprüngen er- 
halten und ist nichts anderes, als 
Uebersezung des augsb. Lugins- 
land. Der obere und untere 
Kapf bei Neufra (Rotweil). Das 
unt^e imd obere Käpfle bei 
Möhringen a. D. Kapf hau, 
Wurml. Wald. Tuttl Kapfle, 
ein Bergkopf bei Demeck. Rauher 
Kapf, im Schönbuch. Schmid, 
Pfalzgraf. 65. Kapfanges bei 
Tuttlingen. K a pf e n b ur g. Riesz* 

KAPPE, cappay byrrus, Graff 
lY, 355. 1) Liturgisch: pluviale. 
>S6 sol der das ampt tut am 
balmtag in einer sidinen kap- 
pen in den kor komen.< cgm« 
168 f. 54^ »An der uffart so die 



268 



Kappe« 



iertie ende hkt, »6 kom der prie- 
tter in den kor mit einer sidi- 
nen kappen.« 'f. 63». >S6 der 
Opferstook getegent ist, so eol 
der priester die sidinen kap- 
pen von im legen und sol die 
kasl anlegen.« f. 61*. »In der 
liechtmese, so die tertie gesun- 
gen wirt, so sol der priester in 
einer stdinen kappen in das 
kor komen.« f. 67. > An dem tage 
ynser frowentult ze miten ogsten, 
t6 diu tertie endeh&t, so solder 
priester in einer stdinen kap- 
pen in den kor komen.« f. 70*. 
n. B. Yf* Von St. Martins cap- 
ptk heiszt eez cgm. 6f. 187: >sine 
kappe furtent die künige Ton 
Frankrich do noch allezlt an so 
Sil zu strite solten faren: dovon 
wurdent die oappelläni genant, 
die der kappen hütent.« Mein 8. 
Martin 8. 9. 2) Kappen und 
Elagkappen auf dem Bücken. 
8. 254^ 3) Eine Art Beginahaube 
der Weiber in Memmenhausen 
heiszt Stell kappe. Die Spiz- 
kappen grosze mit äuszerst fei- 
nen Spizen versehene regendach- 
formige Hauben im Mindeltale 
(Winzer), die man nur an den 
höchsten Festtagen, am Grün- 
donnerstag, noch trägt. Sie sind 
jezt äuszerst selten. Die Gim- 
penkappen, Storkennester 
auch genant, sind schwarz. 4) 
Kach der Mezger Ordg. v. 1549 
erhielten die Fleischtrager: >IQei- 
der, Kittel mit Ermein und an- 
genäten Kappen über den Kopf, 
die vorne ganz über die Knie 



gen, sie auch über solche Kap- 
pen kein Huet aufsetzen und 
ainig anderes Kleid über den 
Kittel anlegen.« 5) In der Bau 
Ordg. »Wo aber eine Gasse eng, 
so solle der Nust abgeschnitten 
und vomen entweder mit einer 
Kappe und mit einer Zungen 
verwahrt werden.« 50. Die Kap- 
pe oder Schlund des Waschkes- 
sels gegen sich, d.h. gegen seine 
Mauer richten, a. a. 0. und öf- 
ters. Kappenzipfel, >dieFng- 
gerei im K. , peninsula in sub- 
urbio 8. Jacobi pro habitatione 
laborantium pauperie civiom aed- 
es centum et sex complectens« 
Pinaootheca Fngg. 

Der obere u. untere Kappen- 
zipfel heiszt der obere, untere 
Teil von Groszaitingen. Kappen- 
zipfel hiesz ursprünglich ein 
schwarzer handbreiter Tuchstrei- 
fen über Brust und Schulter vom 
Hute ausz, Klagbinde. Esz ist 
ein üeberbleibsel der bei'eits im 
14. Jarh. üblichen Schweifkappe. 
Schapprin , eine Müze mit auf- 
wärts geschlagenem Bande über 
welchen ein langer Streifen Zeug 
niederhieng. Bavaria IP S. 832. 
Bed. A. »Das aber hab ich wol 
an ihn vermerkt, dasz durch et- 
lich Herren des Bats die Sach 
soll laut worden sein welches 
einer dem andern beschuldigt, 
grobe Kappen darüber ein- 
ander angehenkthaben, und 
mit Worten hart an einander ge- 
wachsen sind.« Chron. 1634. 



Eappelaere -^ Earrer. 



269 



Eappeoeck inA. Di» blaue 
Kappe, die dem Elenkhertor 
zunäohst ligende Bcustei. 

KAPPELAKRE im Stdtr. >Sve- 
me man diu phenninge yersleht, 
so Bol man dem kappelaere 
geben Y Schillinge phenninge.« 

EAPPER, Kaspar. MeinWbl. s y 

KAPUZINER heiszt das vom 
Regenwetter halbrötliche Heu 
oder der Klee an den »Hoin- 
zen< auf dem Felde. Allgäu. 

KAR, die, got. kas, lat. vas, 
eine Schüszel besonders sl Bra- 
ten: »Braotisz kar< und zum 
Datsche sieh D. »Glaszierte 
Milchkärlen« im Hart. Inv. 
Millkärle , Strasze. Milch- 
kärle stürzen sieh Klaosatag. 
Im Voc. opt. 19 Vn, 82: Löf- 
felkar, cochlearium parapsis. 
S. 20. VII, 99. Im oberen Donau- 
tale (Hundersingen) ist das Kar 
gleich Heubarn in Niederschw. 
neben der Tenne. Bodenkar, 
dasselbe, nur etwas tiefer. Adj. 
karig, kairig, kärig: 4kärig, 
d.h. der untere Scheuerraum hat 
4 Abteilungen. 

CARDÜMEL »Priamus, wel- 
cher eben in dem Gar dum el 
der Uneinigkeiten doch ihrer 
Barmherzigkeit eine Fruchte da- 
von gebracht hat.< >Wie Hektor 
den Gar dum el erhöret ' — luffe 
er.« Troj. Krg. 44*. u. Chron. 1634. 
KARFREITAGSPROGESZIO - 
KEN, allgem. vom 17. Jarhd. an 
durch die Jesuiten eingefurt, so 
in Rottenb. a. N. In A. war die 
erste a. 1608. 



KARLING im Stdtr. oft: unser 
Karolin. Schm. H, 329. >Man sol 
auh wizzen mSr, swelich burgaer 
Silber kaufen wil des er bedarf 
hinze kaerlingen, ze franken« 
u. 8. w. >der sol kaufen hinze k e r- 
lin gen vierzig mark.« Karoli- 
ne n p 1 a z, -strasz, ob. u. untere A* 

KARMELITER Gasse, -Gäss- 
chen, -Mauer; Plaze inA. 

KARRER, ein städtischer nie- 
derer Dienst in Augsb., eine Art 
Dienstmanns - Institut. A. 1691 
eingeteilt in 4Rotten : Lin dau e r. 
Venediger, Nürnberger und 
Weberhauser. A 1700 d. 20. 
Febr. wurden die Venediger 
und die Lindau^r ineineRott, 
die Nürnberger und Weber- 
hauser ebenfalls in eine Rott 
zusameogeworfen. Jedem Teile 
lagen ob zu versehen seine ge-. 
wiszen Orte, Statten und Stras- 
zen. Eingriffe, Uebervorteilung. 
unter den Rotten 'nötigsten den 
Magistrat, eine Rotte zu machen : 
esz waren im Ganzen 24 Männer. 
Ire Ordnung: 8Ur Morgens und 

2 XJr Nachmittags hatten die 
Karrenzieher bei Strafe bei der 
Wäg einzutreffen. Versäumnisse 

3 kr. per Viertelstunde. Unnötige 
Geschäfte, wie bei Hochzeiten, 
Leichen etc. waren verboten; in 
iren Arbeiten nichts auf andere 
schieben. Fluchen und Zotten- 
reiszen zalt Straf 10 kr. , imer 
das doppelte. Untreue im Ausz- 
liefem des Trinkgeldes zog et-- 
liche Tage Entlaszung nach sich. 
Sie hatten eben&llB 2 Buchsen-« 



270 



Karreten — KM. 



meisier die >an zu s c haf f e n un d 
aaf die Fuhrleut acht za 
gfeben hatten.« Alle Feieraben- 
de gewiszenhafte Abrechnung. 
Bei Todesfällen hat der neue der 
Wittwe 8 fl. zu verabreichen. Bei 
der Wag gab esz nach dem west- 
phM. Friden 12 Earrenzieher 
und 8 vor dem Weberhans, 6 an 
der Fronwag. 

Die Karrenzieher des We- 
berhauses musten neben andern 
Waren die Baumwolle abfuren, 
damit umgen, packen, trocknen, 
abschneiden u. s w. Erlasz von 
1691. Nach dem westph. Friden 
waren im niedem städt. Dienste 
1 Hofkarrer, paritätisch. Bau- 
gewölbkarrer. 3 Earrer ob 
der Lechhütten. 2 Bachkar- 
rer. Ein Karrengässchen in^ 
Augsburg. 

KARRETEN von ital. carreta, 
Kutsche. >Femer werden ihnen 
hiemit die kosfbare, gezierte Gut- 
Bchen und Karreten verboten.« 
Kleid. 0. 1668. Schmell II, 322. 

KARTAÜSE in der Red. A. 
»Derowegen will ich dich zahlen 
und bei derCartausen nemen.« 
H. S. Vrgl. Schm. H, 333. 

KARTEN in der Red. A. >A. 
1466 hatte ein Mezger vonKehl- 
haimb vil böserKarten gegen 
Rat und Gemein ausgeworfen.« 
Gass. 

KARTER in der Weberzunft: 
>Sie müszen eine Bürgschaft v. 
10 Pfd. für etwaige Handwerks- 
Bchäden leisten; dürfen keinen 
Barchent karten, der auszerhalb 



d^ Stadt gewirkt ist; auch kei- 
nen, wo Kernwol, Kartwol 
oder böse Woll eingetragen ist 
oder der des Meisters Zeichen 
nicht hat. Sie sollen ire Zeichen 
mit Oel darauf sezen. Yom Lem- 
knecht nur 1 Pfd. nemen, auch 
erst nach einem Yi Jar einen 
Lernknecht das Tuch ausberai- 
ten laszen. Jedes Tuch musz er 
vorher schaben. 0. v. 1549. 

KARTESCHEN swv. in der al- 
ten Webersprache: >Nemlich wie 
eine gespult, die andere gespon- 
nen , die dritte das Garn abge- 
wunden, die vierte gekarte- 
schet, die fünfte gewurket, die 
sechst die Wepfen eingezettelt « 
Web. Umzug Beschrbg. 11. 

CARWETTEN: >Reitschul oder 
Car wetten erlernen.« >Er8t ler- 
ne ich den Stock, heraach Car- 
wetten springen..« Wann det 
Hund das Trablaufen kann, so 
läszt man ihn frei, und weilen er 
über den Stock schon springen 
kann, so hält man ihm den Stock 
vor, aber nit so hoch wie sonsten 
und wann er darüber gesprungen, 
so fährt man gleich mit dem 
Stock über ihn herüber und hält 
ihm denselben wieder vor und 
das immer geschwinder und sagt 
immer dazu: car w et, carwet, 
carweti und wann er das recht 
kann, so lernt er den Kalopp.« 
Lang, natürl. Zaubeijei 1740- 

KÄS, der, in den Akten 
komt der Edamer und Par- 
mesaner Käs öfter vor; den 
Edamer K. machte man in Mem- 



Kasperle *— Gasnkel. 



271 



mingen yortreffUoh. Im Stadtr. 
Falzbl. komt Schwaykäs vor. 
Im Hart. Inv. sind auch 12Eä8- 
tu eher genant, käsweisz« so 
weisz wie die Wand. Red. Art. 
»Auf Eäswaszer kann nichts 
Beszeres kommen,« d. h. komt 
selten et^ras Beszeres nach. Im 
Tegemseer Eochbüchlein — 
ein Schlusz auf schwäbische Klö- 
ster darf gemacht werden — er- 
scheinen an Georgi Speiskäsz 
als Abgabe (Dienst), um St. Leo- 
nardi die Legerkäse. Käs- 
snppe. a.a.O. Käsprüe. Käs- 
krapfen. Mandelkäs. Käs- 
guten an Weihnachten etc. 
komen öfter vor. Eine Wemdin- 
gisch - Oettingische Urkunde von 
1480 hat: >ZwenfKä8e nf Weih- 
nachten, Zwelif Käse uf Ostren, 
80 Gültkäse und einFasnacht- 
hun— ; 3 Käse nf Weihnachten 
und 3 uff Ostern, c Laber's Ge- 
schichte V. Wemdingen 1836. 2. 
Heft 156. 157. A. 1546 henkte 
man in A. einen Verbrecher, der 
ob seiner Manier Käs zu Stelen, 
allgemein unter dem Namen 
Schabenkäs bekant war. Chr. 
1634 S. 423. 

KASPERLE emals in A. V« 
von einem Kronentaler, 40V« kr. 
KASTEN gewönlich für Schrank. 
Den Kasten hüten wie noch 
heute: nicht benüzt daligen, von 
Kleidern. >Da wolt sie mein Klaid 
— das ich auf Weibnehmen ma- 
chen liesz nun sehen laszen und 
wolt nit länger den Kasten 
hüeten.« Kleiderb. 



>Die Schwalben rufen: 
Wann mer fortgen 
Wann mer fortgen 
Sind alle Kisten U.Kästen vol; 
Wann wir wiederkomen 
Wann wir wiederkomen 
Sind alle Ki s t e n u. K ä s t en leer : 
Die Weiber hont alles verfizelet 
verfazzelet; drum hend se so 
braite Arsch.« Kinderr. Klimmch. 
Das Kastenmesz, amtliches 
öffentliches Fruchtkastenmesz im 
cgm. 154 »2 Schaff Roggen Ka- 
stenmesz.« f. 2^ »4 Schaff Ha- 
ber Kastenmesz.« f. 11^ > Alles 
Kastenmesz.< f. 21. 22^ Gilt- 
kornkasten in A. Fuszenka- 
sten b. Bett. Furttenbach. Ka- 
stenholz bei Türkh. römisch. 

CASTRON, Castraü, in A. 
allgemein üblich für Hamel- 
fleisch. »Darunder ain Castrone 
oder Schweine flesch.« Pfründ. 
0. oft. 1543. >Rieb oder Kraut, 
und eine schweine oder K a s t r o n- 
flesch darunder.< a. a. 0. In 
der Mezg. Ord. 1549: >Item der 
Kastron soll von Joannes Son- 
nenwenden an bis auf St. An- 
dreastag gestochen nach dem Ge- 
wicht, nicht nach dem Stück on 
allen Anhang das Pfund 3 Pf. 
hergeben werde.« >Item Hamel, 
Castron oder Schafköpf sollen 
zu 5 Pfenning gegeben werden.« 
>Kastronbäuch.< a. a. 0. 

GASUKEL, casula: >S6 die 
none end hat, so sol der priester 
in der casukel komen für den 
altar.« cgm. 168 f. 59*. Sonst >die 



272 



Kiihflr — - Km9. 



»Casel anleg^.« f. 60*. >in der 
oasel ze dem altar gen.« f.68\ 

EÄTHER allgemein Katharina. 
>Poiz Wetter alle Rätter U Seh. 
Eäth erlin von Ulm hiesz in 
Augsburg eine grosze Karren- 
bficliBe.Ga0B.Eatharinenga88e 
und Eatharinengässohen, A. 
IHe schnell Käthrei, allgem. 
PurchfalL 

KATRISWANKurkdl.1263 für 
lieutiges Eetterschwang bei 
Kanfbeuem. 0. N. 

EAUDEBN swY. Eauderer, 
EaudereL 1) mit Getraide wu- 
chern, was kipp er n ist. 2) Mit 
Flachs handeln, a) »Eauderer 
nndFürlfienfel.« Poliz 0. >Eigen- 
wiflige Steigerungen» Aufschlag, 
Monopolia, Fürkauf, Eauderey- 
en, tJeberbott und heimliche Ver- 
Bchleichung in die Häuser oder 
WinkeL« Poliz. 0. >ünd deswe- 
gen alle, Eauderer und heim- 
liche Uffkeufler bei Verlier- 
ung der War, abgeschafft werden 
sollen.« Verbot des Kaudems 
28. Dez. 1602. Reysch. XII, 589. 
b) Auf- und Fürkaufen oder E an- 
dern in's Flachs. Wirtb. Ordgn. 
Schmell.II, 281. 282. Schmid307. 

EAtJFLER hiesz 1) der Taxie- 
rer und Ausznifer bei Auktionen, 
bürgerliches Gewerbe; 2) der mit 
alten Eleidem handelt. 

EAUN stm. Schümel an vey- 
dorbenen Eszwaaren, besonders 
aber Getränken. 

EAÜNIZIG, verdorben, mer 
Anlenung als Ableitung fv. Kann; 
ttei zu kainnüz, sieh oben. 



EAÜZEN sinn. Terwirrter Fa- 
den. Eanseng&szle vor dem 
Fraaentor, wo einst (1578) Eon- 
rad Roth's Zuckerfabrik stand. 
Daneben ein altes E. 

EAZE wie Hund, Henne, 
Gockelhan spilt in der Volks- 
sprache eine grosze Rolle. Die 
Eigensohaften diser Haustiere g6- 
ben leicht Gelegenheit su Ver- 
gleichungen. Im cgm. 311 £ 40*. 
heiszteszvon den Frauen: >reeht 
als ain g^esohunden Eaz, die d5 
hett ayn wayoh glat hör undayn 
rauch flaisoh darunder.« >Wann 
slo ff ender Eazen lauffen die 
meüsze selten in den mundt.« 
cgm. 289 £: 107*. 

»Das gehört der Eaz,< d. L 
das darfst du wegw e rfen- A. 

Auf die Frage was? heisztesi 
in den Stauden: 
D'Eaz ist dei Bas 
Der Hund ist dein Vetter 
Sie genget mit anander in d'Blät- 

ter, oder friszt 17 Schlötter. 
Blätter: die äuszeren Eraut- 
kopfblätter zum Viehfutter abge- 
brochen. Ebendort gilt in der 
Eindersprache der Schnellsprech- 
reim: 

Unser Euderkaz, Eaz 
Haot Junge ghett 
Auf der Roll auf der Rill 
2 grad wie iare Junge. 

Um Burgau sagt man spaszhaft: 
»I meim Leaba ho-n-i koin sol- 
ches Spektakel gseacha, wia in 
deam yerfluchta Master: dao 
ist derBachofa uff der Eaz dro- 
ba ghockt.« In Weiszenstein ist 



Kehl-Kella 



27S 



üblich: iaz soicht d'Eas links, d.h. 

esz gethinta hottls=sofalimin. 

Am Eazentischle eszen müs- 

zen, Einderstrafe. AUgem. 
Schnellsprechvers (Standen): 
D'KSz l&nft über d'Spän 
Bscheiszt d'Spän, 
Haot d'Spän beschisza. 

Lieder: 
Monika 

Beiszt der Kaz da Wedel I 
Rea^t 'n in der Pfanna 
Lasz me ao a Bröckele langa I 
Stauden. 
Abc, 

D' £az lauft im Schnee 
'S frierts an a Bol 
Gaot geara me hol. Stand. 
Kaze heiszt auch der uralte 
mytische Brauch »die Mockel 
vertragen.« 

Einige Bätsei: 
Wao sizt d'Kaz im Heu? 
Wao sie da Schwanz rauszstreckt. 
Wia sizt d'Kaz im Heu? 

Haorig. 
Kleine Anhöhen mit steilen 
Weglein heiszen in ganz Schwa- 
bs: Kazensteigle. Bei Mick- 
haus, und Beckstetten ist ein Ka- 
zensteig. Kazenloh,Gut,urkdl. 
1340. Im Kazenstadel in A. 
wurden die >Kazen<, die Bela- 
gerungs - Maschinen , aufbewart. 
Kazenberg nanntedas Volk das 
Schlosz Kaltenberg. Gass. Ka- 
ze n 1 o h, ein bischöflicher Bauern- 
hof , früher zum Amtslehen der 
bischoflichen Kam er er gehörig. 
InAugiborg war ein Kazenhof 



und ein Kazeng&sschenu Ka- 
zensattelweiher. Wemding. 

KEHL, KAEL a^j. adv. abge- 
schmackt, eckelhaft: K&lappel! 
rohe Schelte. >D'Sohai8Ör dia 
band am kälgta tau.« Seh. 
Mer allgaüisch. 

KEIBISCHadj. EU Kebse, nioht 
aber zu keiffisdi = zänkisch, 
stend. »Nu was Jepte ain c h e i b s 
chind und waseiner von che i bi- 
sch er art.< cgm. 206 t 195\ 

KEIBS, Kebse. >Der hett liben- 
zig Keibschinder.« ogm. 206 
f. 122. Mhd. die kebes; ahd. 
chepis, neben kebese, ahd. 
chepisa; 

KEICHE, zukeichen, herb 
atmen gehörend ; Kl o s t er ge- 
fängnis: >wie er deswegen 
bei seinem Prior angeklagt und 
in die Keuch en geworfen.« H.S. 
Allgem. >Saget der Predikant: 
was hast du in unser Disputation' 
zu reden: Nur mit im der Kei- 
chen zuU Kleindienst. Als Sohul- 
geiängnis öfter in A. Sohrifton. 

KEILEN swv. »Behenigai — 
die Strafe — die ihr den Boiiii- 
tag nicht heiliget, sondmi an 
demselben füret und traget, wap 
sehet und zwaget, hoblet und üu- 
let, bauet und keilet, nähet und 
stechet, hauet und brechet, lai- 
met und flicket, klecklet und 
stricket, fischet und hezet, schlei- 
fet und wezet, heftet und bindet, 
dreschet und windet, hämmert 
und klopfet, puzet und ropfet 
u. 8. w.< Gonlin. 

KELLE, f. kleme Gaie; sieh 
18 



27i 



Keller — Kern. 



G. im Gegensaz z. S cli a p f 1 e. Im 
Fugg. Iny . komen vor : 6 S c h e p f- 
kellen, 1 Faimbkell, 2 grosze 
Kellen zum Fischen. Nieder- 
schwäb. Schöpflöffel, Sohom- 
löffel n. 8. w. 

KELLEB spr. Eeer, Eöerle, 
K§erh als, —-loch. DerWeber- 
hanskeller oder Gewölbe, d.h. 
die Niederlage der zur Geschau 
komienden, zu stempelnden Tücher 
war in 2 geteilt. Darüber ward 
derKellermeistergesezt. Seine 
Yerpflichtungen sind im Eide 
enthalten; desgleichen die seiner 
Bürgen. Die Kellermeister 
musten schwören gelerte Eid zu 
Gott dem Allmächtigen, dasz sie 
den yerordneten Herren des We- 
berhauses bei alljärlichem Ge- 
brauche mit Auflegen der anver- 
trauten KellerschlÜBzel und 
Ellenstäb in iren Kellern, und 
das bestirnte ümgeld ausz den 
Barcheten, so inen schnittweise od. 
stückweise verkauft werden, ge- 
treulich einziehen wollen; siesol- 
len getreu und gehorsam sein 
den Weberhausherren ; die Waren 
bewachein, gutschlieszen, Bürgern 
und Gästen gute Ellen geben. 
Die Kellermeister waren vom 
Magistrate beeidigt; musten alle 
Loden, Rupfen des Marktes un- 
tersuchen, ob richtiges Masz da 
sei und dann auf jedes Stück 
ein Rädlein drücken. Vom Ge- 
schaugeld, das sie einzuliefern hat- 
ten, bekamen sie den 3. Teil, musten 
auch das Geschaumädle, das 
die Zeichen aufdrückte, bezalen. 



Kellermeisterbürgen musten 
schwören, alles Schadhafte durch 
Schuld des Kellermeisters >ausz- 
zurichten,« d. h. zu yergütcD. 
Kellerzins, Kellerbazen, Ab- 
gaben wegen Nuznieszung des 
Kellers, komt auch in Mezg. A. 
vor. Esz gab 2 Kellerschrei- 
ber, die halbjärlich 5 fl. hatten. 
KELLERIN, Wartfrau b. Wöch- 
nerinen, daher in Chroniken u. 
teilweise heute noch da und dort 
üblich: Kindbettkellerin. Auf 
eine uralte Site deutet die Stelle*. 
>Es ist wol Gewonheit an der 
Fasnacht, das sich die Kel- 
lerin kleidt mit der Frowen 
claydem; das wert aber nit lang; 
aber das ist über jör Gewonheit.« 
cgm. 311 f. 47*>. >Mit mir ward 
mein Kelerin, gleich darnach 
mein Kinds- und ündermagt 
— krank. < L. Rem. 

KER, der, Reihe, Ordnung des- 
sen, was regelmäszig wiederkomt. 
K e r a u s z, was den Schlusz macht. 
Keren, allgäuisch fürben; ein 
nied. Amt waren die>Schrand- 
kerer,« paritätisch. >St. Pauli 
Kehrst ag.< Urkdl. 1517. Za- 
cher 279. 

KERN, spr. Keore, enthülstes 
Getraide z. Kochen: >Ain Keren 
in ainer Milch und ain Milch 
darzu.< Pfründ. ö. 1492. >Zum 
Nachtmal ain Suppflaisch, ein 
Keren in einer Milch. < a. a. 0. 
oft. In der Pfründ. Ordg. von 
1543: »ain gesotten Em er kern 
in Milch oder ein Gersten in 
Milch. c »Gen Nacht ein hebrin 



Kerrein — KeszeL 



375 



Mas Und eia Gersten oder E mer- 
kern in Milch.« > Gen Nacht ein 
hebrinMus und ein Hab er kern 
in Milch. < 

Kern wolle scheint eine 
schlechte Wollart gewesen zn 
sein ; >Iteni welcher würkhte Bar- 
chant von Staub, Kartwoli oder 
Kernwoll oder sonst pöse WoU. < 
Ordg. 1549. Red. A. >Aha, des 
ist a-n-an derer Keara, haot der 
Müller gsait, wie er in 'nMaus- 
boUa bisza haot.« Burgau. Stand. 

EERREIN, die, carena, carana, 
quadragena. Im cgm 736 f. 40^. 
>Und sind da 1000 jar Aplasz 
und als vill K er ein.« >Zu dem 
nil Cottember im jar 1000 jar 
aplas und als vill k er rein.« 
>Item auf dem hohen Altar findt 
man 48 jar Applas und als vill 
kerrein alle Tag und das dritt 
Teil Vergebung.« f. 43* u. s. w. 
Vrgl Schmell. II, 321. In einem 
Wemdinger Statut v. 1446 heiszt 
esz V. Mörder: sol er zurBeszer- 
ung thon vollbringen 50 Pfd. 
Wachs, ein fart gen Aach, ein 
fart gen Eynsideln zu U. L. 
Frau u. ein Karren.« Chron.2.52. 

KERZE , die. Sebastian- oder 
Apostelkerzen oft in Mickh. 
Kirchenrechnungen. 16. 17. Jh. 
Mettenkerzen a. a. 0. K«r- 
zenmaister hieszen in Burgau 
die Zunftvorsteher. >Bei den ge- 
schworenen Kerzenmaistern 
anzeigen.« »Mit der gesezten 
Kerzenmaister Wiszen sind 
imer wiederkerende Formeln in 
dei^ iSw^ibüchem. Kersstal: 



>es sigent messer oder swert, oder 
ander waufen, stecken oder Stein, 
Maussen, Kuplan, kerzstal od. 
ander Ding.« Memm. Stdtr. 

Im Tegernseer Eochbüchlein 
komen, wie in Schwab Klöstern, 
folgende Kerzen vor, die man a. 
1536 brauchte: Mettenkerzen, 
1909. Herrenkerzen, 3250. 
Stal- u. Pfisterkerzen, 3400. 
L a te r n ke r z en , 3250. Rückseite 
des Einbanddeckels. 

KESPER, die, Kirsche. Stau- 
den. Die > Walder« heiszen die 
Kesperschn eller; bei Prozes- 
zionen drückten sie den Vorbei- 
ziehenden des Nachbarortes die 
Kirschensteine in's Gesicht. 
Stichelname. 

KESZEL in der Red. A. »Kes- 
zele brenn dich nicht l wenn 
Kinder etwas Heiases greifen 
wollen. Im Homo S. erzält der 
Prediger am Sonntag Quinqua- 
gesimae auf der Kanzel bei HeiL 
Kreuz folgendes : »Mein Fasnacht- 
spil, so ich heutiges Tags mit 
dem blinden Narren YochabexiB 
bin anzustellen, ist das >b.linde 
Maus elf angen.« In diesem 
Gespil, (wie sie selbsten wol wis* 
zen) verbindet man einem die 
Augen, stellet ihn mitten in ein 
Zimmer, drehet ihn etlich Mal 
umb und un»b, endlich laufen 
alle davon. Einer schliefiEt ibn^ 
unter den Armen, «der ander un- 
ter den Füszen durch, da stupft, 
da zupft einer, alle treiben das 
Gespött ausz ihme. Dieser blinde 
S^arr ^ppet uiigoföhr in d^asi 
18* 



276 



Ketten — Kiokeriki. 



Zimmer hemmb, einen sn fttngen 
uid zu erraten, wer er sei. Wann 
er bald an der Wand, Stuhl, 
Bank, Tisch oder Ofen anstoszt, 
■ohreien die Andern: Kessel 
nmbi Kessel nmbl Mit wel- 
chem sie ihme vor dem Schaden 
warnen: Gehe zurück, kehr umbi 
rusz dich bei demKeszel nicht U 
Nachdem der Prediger allen er- 
denklichen gßlrlichen Fasnachts- 
mutwillen hergezalt, ruft er ausz : 
»Kessel nmbl Kessel umbl 
kehre umb, kehre umb, gehe be- 
hutsamb, merk auf, rueszigedich 
nicht! Kessel umbl da ist eine 
▼erdaditige, böse Gesellschaft! 
Kessel nmb! gehe nicht hinzu, 
meszige dich nicht ! Du schwärzest 
dein Gewiszen! JungeLeut,Manns- 
nnd Weibsbilder, Kessel umb! 
gehet von weitem nicht hinzu!« 
So get es fort durch die ganze 
Predigt Keszelmarkt in A. 
Oertlichkeit. 

KETTEN im Hart. Iny. 1 Baum- 
ketten, Aufbrüchketten (An- 
spannkette), alte Küehkettena 
XL 8. w. Kettengässchen. A. 
Die eingeketteten bauchartigen Be- 
hälter auf beiden Seiten des Holz- 
oder Heuwagens heiszen Bäuche 
und die Ketten >Bauchketten,< 
seltener Holzketten neben den 
Bauchsailern. Grosaitingen. In 
Reinhardshaus. »Bauchschlin- 
gen,« die Wagentücher. »St. Pe- 
ters Ketten« für Kettenfeier in 
den alten unbeweglichen Kalen- 
dern, cgm. 97 f. 12*. Ketten- 
wambasin Agnes, Familie N. 



MB. 23. 106. Das Kettenbeis- 
zen, eine bekantlich allgemeine 
Site, ward im Dez. 1780 in A. 
yerboten, nachdem esz seit Ural- 
tem üblich war. Wenn junge 
Bauersleute das erstemal im Le- 
ben in die Stadt kamen, zog der 
Torwart die äuszere Schlagbaum- 
kette vor, worein der Neuling 
beiszen oder sich mit einem Trink- 
geld bei der Wache und dem 
Schreiber loszkanfen moste. 

KEZER komen im Augsburger 
Stadtrechte vor in Verbindung 
mit >zohensun, merhensun, muz- 
zensun, viertaeter.« f. 60». u. s. w. 
Darunter sind im Mittelalter die 
Sodomiten verstanden. Eine 
Notiz in Schulthais' Collect. Gon- 
stanz, hs. »a. 1464 wurden 2 Ket- 
zer gefangen, die mit einander 
Ketzereien getriben hatten.« 
»A. 1&29 hat man N verbrennt, 
dieweil er Kezerai trieb mit 
Küe und Res 8 en.« Feigele, Ffisz. 
Chr. Auf Grund diser Sünde, die 
mit dem Feuertod gestraft wer- 
den muste, geschahen so vile 
Kezerverurteilungen, die mit Glau- 
benssachen nicht im entferntesten 
etwas zu tun hatten. Esz wird 
auch zur Erklärung des Wortes 
das italienische cacciare = verfol- 
gen, französ. chasser ausz dem 
lat. captare (captus) besonders 
mit donna verbunden gerne vor- 
komeud, nicht allzuweit absten. 
Diez, Wb. 79. 

KICKERIKI heiszt der Volks- 
wiz die gespenstige Burg bei 
Aspach. Burg- und Batfsld 86. 



Eien. ^ Kind. 



277 



KIEN: »war gar ein ungehobel- 
ter Kienstock.« Chron. 1684. 

KIENZEN, KIANZEN,8wm 1) 
fettes ünterkinn. Allgem. schwäb. 
»Und haot 'nKiaza kagelrand.€ 
Seh. Hohenlohiseh K o e z a ; bayer. 
Kiansl. 2) Rückenkorb. A. 

KIESER in A. allgemein emals 
üblich; dieBrotkieser^Brant- 
weinkieseru.8. w. >DieBrant- 
weinkies er sollen wöchentlich 
wenigstens einmal bei allen und 
jeden Branntweinem ohne Unter- 
schied eingehen.« Alte Instruk- 
tion am Schlusze der Branntw. 0. 
Besonders lag inen ob zu schauen, 
ob keine Methschenken , Hucker, 
Sailer — mit Branntweinschank 
Geschäfte machen. 

KIMICH, KEMTCHstn. Kamin; 
niederschwb. kemmot. >Die6ü- 
bel auf den Häusern und hohe 
Kümmich.« Gass. »Ward der 
Kimm ich erkloben.« S f. 288*. 
»Anrieht- oder Veränderung 
eines Kümichs.« Bau 0. >An 
Kümmichen.« Feuer 0. »Ge^ 
mauerte Vor kü.mmich.« a.a.O. 
>Kümmichkerer. « a. a. 0. 
Nach dem westph. Friden waren 
2 Kimmichkerer amtlich auf- 
gestellt. 

Die Kinder rufen in A. wenn 
sie den K. sehen: 
Kimikerar, kreidaweisz 
Hoat a Säckle yola Laus 
Kan 'rs nitt yertraga 
Lad 'rs auf 'n Waga. 

KIND in folgendem Zusamen- 
hang: Kinderfreszer eine 
Schreckgestalt der Kinder in A. 



auf Bildern mit Kmdem in der 
Tasche und Korb, neben der 
Buzenbercht ser gefürchtet 
Sieh Anhang. »Kindsweysz 
gen Augsb. komen.« S. 268*. 
Kindsvertunerin im H. S.: 
Kindsabtreiberin. »Die erste 
sagte: N. undN. haben einander 
lieb, die ander: sie buhlen, die 
dritte: sie sei schwanger, die 
vierte: sie sei eine Kindsver* 
thunerin.< Vrgl. »die Maria 
(Geliebte) sei schwanger gewesen 
und habe das Kind Terthan.« 
a. a. 0. Kindischmann in 
Mickh. Akten 1680. Esz wird einer 
Alters halben seiner Pflegschafts- 
Verwaltung entsezt, weil er »ein 
alter Kindischmann worden.« 
>Das Kindle ins G'rüble le- 
gen< , ein Kinderbalspil , sieh 
Anhang. >Eine unrechte Kind« 
bett< hiesz in A. eine Frühge- 
burt haben, neben G&lgele. Bei 
Ywgleichungen und in einem 
ärztl. Berichte v. 1584: »Gelauf- 
fenes Blut, so grosz als ein Ki n d s* 
kopf;< wie heute noch üblich. 
Das Augsb. Warzeiehen »die 7 
Kind« bleibt einer besonderen 
Abhandlung vorbehalten. Siben 
Kinder im Reime: 
Dort dinna sizt a Frau 
Mit siba kleine Kinder: 
Was hätt se geara? 
Was hätt se geara? 
A Gläsle vola roata Wein 
Und a Stückle Wegga drein. 
Standen. 
Die Kinderzeche, ein altes 
Dinkelsbühler S ch nl j ngend -i 



278 



Kinn — Kipobe 



wol wtBpr, Sommer fest. Vrgl. 
das Augsburg. Kinderfridensfest^ 
Montag und Dienstag vor Mar- 
garetha hiesz esz: > heute ist die 
Ein der zeche.« Vom protest. 
Schulhause ausz gieng der Zug 
unter Musik; die Kinder festlich 
geschmückt mit Fanen und Krau- 
sen, in der Mitte der junge schwe- 
disch gekleidete Oberst zu Eos. 
Vor im und nach im seine Schwe- 
den, 4 Trbmler, Hfiuptmann und 
Landsknechte. Der Zug gieng 
zum Wörniztore (von der 
schwedischen Belagerung bekant) 
hinause und zurück zur Kirche 
und zulezt zum Bathause, wo der 
kleine Oberst seinen Spruch tat. 
Beim Schulhause löste sich der 
Zag auf, ' um des andern Tages 
das gleiche zu tun. Bewirtung 
der Lerer und Schulkinder ver- 
stand sich von selbst. Wie vile 
Kinderfeste iten Ursprung in der 
Beformation oder im schwedisch. 
Kriege haben wollen , so auch 
disz; in der Tat sind esz ange- 
lente, weil nicht mer verstandene 
alte Sommer-, Winter- und Frü- 
lingsfeste. Yrgl. das Rieten fest 
in Augsb. , das Rutenfest in 
Ravensburg u. s. w. Die Kin- 
derzeche beschreibt Nr. 2 S. 
21 ff. mit Zeichnung, die Garten- 
laube V. 1864, wo auch der Spruch 
des Obersten mitgeteilt sich 
findet. 

KINN, das, in dem rechtsalter- 
tümlichen Verfaren. >Das Schin- 
dermeszer unteres Kinn sezen.< 
A. 1462 wurde der Kramerzunft - 



nieieter unredlich gemacht wegen 
Unterschlagung. Am 19. Tage 
darnach ward im ausz Gnaden 
unter dem Erker des Rathauses 
auf emem Stule aizend das S c h i n- 
dermeszer vom Henker un- 
ters Kinn gesezt und ' ist sa 
imredlich gemacht worden. Gass. 

KIRCHE. InA. gab esz folgen- 
de Kirchen: Dom-, Englisch 
Fräulein-, Gottesacker-, 
Hl. Kreuz-, Maria Stern-, 
St. Gallus-, St. Georgen-, St. 
Margaretha-, St. Marx- (in 
der Fuggerei), St. Maximi- 
lian-, St. Peter-, St. Seba- 
stian-, St. Stefan-, St. Ul- 
rich und Afra-, St. Ursula-, 
Barfüszer-, Hl. Geist-, Hl. 
Kreuz-, St. Anna-, St. Ja- 
cob - Kirche. Eine Kirch-, 
gasse. »Kirchenbruchstra- 
fen<, seit 1582 in den Händen 
der geistlichen Obrigkeit. Kir- 
chenfeld. >In der Fasten besun- 
derlich giengen die Priester und 
Brüder mit dem Kreuz um die 
Kirchen und Kirchenfeld.« 
cgm. 402 f. 16^ 

Kirchbräat, ein altes Almo- 
sen in Groszait. an die Armen, 
die blosz einen Krautgarten oder 
Gemaindtail hatten ; Faullenzer 
wurden dadurch erzogen. 

Kirchgang, ordentlicher: 
Heirats tag. Nach Mickh. Akten 
von 1607 wird einer gestraft, weil 
er sein Weib »vor dem ordent- 
lichen Kirchgange geschwän- 
gert.« 



Eizefibollen — El&re. 



279 



Eirchenmaas, der kein Geld 
hat. Altaugsb. 

Eirchweihen. 1) Jörgen- 
Eirweih. 2) St. Ulrichs Eir- 
weih. 3) Michelikirweih. 4) 
die Jakoberkirweih. Die erste 
mit der Dult verbunden, fiel ge- 
gen den weiszen Sonntag in der 
Zeit. Daher >unter der Dult 
genc, unter den bedeckten Buden 
einhergen. Die St. Ulrichski rch- 
weih ist jezt eingegangen. Die 
bedeutendste ist entschiden die 
St. Jakaber Eirchweih, ein 
echtes Augsb. Volksfest) wo be- 
sonders seit Alters die Gärtner 
ire besten Produkte, besonders 
Riesenrettiche liefern. Die Gaut- 
Bohe oder Schögge darf nicht 
vergeszen werden , an der die 
Jungen und die Alten ire Freude 
haben. Die Michaeliskiroh- 
weih ist uralt, so dasz man ver- 
sucht hat sie in die Zeiten der röm. 
Ciolonie hinauf zu datieren. Aller 
Warscheinlichkeit nach wird die 
Entstehung in die Zeit der Ein- 
weihung des Domes zu sezen sein. 
Paul V. Stetten. Erl. 79. Im Ausz- 
rufe (sieh Anhang) heiszt esz: 
Auch sieht man an Eirchweihen 
der Zanbrecher gar vil. 

Liedlein: 
Eirchweih bleib do, bleib do, 
Eirchweih bleib do! 
Will dir a Eüssle geben 
Dasz di kanst niederlegen: 
Eirchweih bleib do! 

Und d'Eirchweih ist heur u. feard 
D'Eorchweih ist alles weart 



Eirchweih bleib dao, bleib daof 
D'Fasnaoht komt. ao. 

D*Eirchweih ist chomo 
D'Eirchweih ist dao, 
Eirchweih gang nimma 
Bleib alleweil daol Stauden. 

Der sogen. Eogelhopf, Gug- 
gelhopf heiszt in Birkach 
Eirchweihknupf. >Eir chwei- 
kegler, Eirchspiler, Eirch- 
weihschützen.« Conlin. 

EIZENBOLLEN swv. impers. 
graupeln. Allgaü; neben kiza- 
böllelen; kiseln (Behlingen), 
risla (Stauden). Mein Wbl. (ku- 
zabonelen.) S. 54. 

EL A GEN swv in Trauer gen, 
d. h. Tranerkleider anlegen; nie- 
derschwäb. draura. »Was Her- 
renfasnacht, daklagten in sein 
Fraind mit Binden umgeschlagen 
um ain Hut. Das was vor zu 
Augsburg nitgesechenwor- 
denc S. 817». Die Elage, öf- 
fentliche Trauer und Trauerbe- 
gleitung: in derEla.g gen. >Die 
Elage auf den Boden werfen.« 
Eleiderb. Im Fugg. Inv. komen 
vor >lange u kürzere Elag- 
sohlair.<Elaggelderind.Conf. 
Eempt. >Vor sog. El agg elter 
bei denen Pflegamtem werden in 
gemeinen Strittsachen von dem 
verlierenden Teile bezalt.« S. 60; 

EL AMMHACEEN , E 1 a m m- 
haoka, Günzb. eine Schelte für 
einen rohen Mann, für einen 
Grobian. 

ELÄRE, die, Erafbmel, weisze 
Starke; Eläremacher, bürgerh 



280 



EUulwiif — Elfttti. 



emaligei Gewerbe. Klare Brief 
und Sigel hiessen die von einer 
rechtmaszigen geschwomen Hand- 
werksgeschau auszgestellten Do- 
komente. Web. Akt. 17. Jbd. 

KLAUBAÜF, ein Kinderschre- 
cken, in ganz Oberdeutschland 
Yolküblich bis nach Tirol. >S6§t 
legt der Klanbauf Bnatha el< 
Seh. Drohungen mit dem Kl. all- 
gemein. Ztw. hl a üben. Stand. 

In Depshofen riefen die Tau- 
benkobler: 
Tauba Vooszl 

Die besta chlaub i 'rouszl 
Dia koinza lasz i liegen. 

Ad. klauberisch, >ein räu- 
berischer und kL Gesell« Conl. 

KLAUBHOLZ in Mickh. Akten 
imer wiederkerend. 

KLAÜENSCHMALZ, Fett von 
auszgekochten Klauen, zum Lam- 
penpuzen u. s. w. gebraucht. 
»Klanen schmalz zu den La- 
ternen weiszna.« Web. Rechgn. 
Frisch I, 520^ 

KLAUS, der. klausen swv. 
Mein Wbl. 51. In ganz Schwa- 
ben haimisch. In der Strasze, 
Grroszaitingen, komt der Klaos 
schwarzgekleidet mit Ketten um 
den Hals und rasselt in die Stu- 
ben, wo die Kinder aufsagen 
müszen: ausz dem Katechismus 
u. 8. w. Die Eltern werden über 
deren Gehorsam gefragt. Unter 
Bassein und Schellen schüttet der 
Klaos Nüsze, Obst etc. auf den 
Boden, was man herkömlich 
>'8Milchkärle8türjEen<hei8zt. 



Daher dasKlaosag^n oft blosz 
heiszt >man musz stürz a.« Die 
Lebzelten bächt der KL schon 
14 Tage oder 8 Wochen vorher 
auf dem Kirchturme oben oder 
im Glockenhause; davon die Red. 
A. in der Kinderspr.: 's riecht 
schon, d. h. der St Nikolaustag 
ist vor der Türe Li den Stau- 
den, in Klimmach hat der KL 
eine Kuhaut über sieh gebreitet 
und ebenfalls Ketten um Hals 
und Leib. Die Brote heiszen 
Kläusazelta in vilen Gegen- 
den. »Nusz^und Klausazelta.« 
Seh. In der Gegend von Otten- 
beuren werden am St. Nikolaus- 
tage für Kinder Brote gebacken 
in Gestalt eines Mannes. Dise 
Klausenbrote werden, sagt 
man den Kindern, indemSohel- 
m en h &u 1 e gebacken, wohin aueh 
das Muotes zieht. Burg- u. Bat- 
feld cm. Eine ganz merkwürdige 
Klausensite ist in Oxenbmnnen. 
Da kent man nur den Klao- 
senzug von 10 — 20 Burschen 
halb und ganz vermumt. Sie üben 
eine Art Haberfeldtreiben; 
halten vor den anrüchigen Häu- 
sern und rufen brummend und 
heulend: ü, ü, ül wie wild ist 
desl wemmaHeiretlis tuet und 
itt heiretl Kurz alle Vergehen 
gegen Zucht und Ordnung etc. 
werden gerügt. 

Im Allgaü ist das Beschenken 
der Kinder am St. Kl äs tag echt 
katolische Sitte; bei den Pro- 
testanten dagegen >komt das 
Christkindle<« 



Klautenvreiber *— Kiieben. 



881 



In Behlingen heissi ein Ein- 
derreim: 

Heiliger Niklaut leg mir ein 
Aepfel, Biift, Nim, 
Des maeht miur koin Yerdrcun 
Und WM noch mer: 
Verhau dn miar md[ Ärschle 
Nett 80 serl 

KLAÜSENWEIBER, privile- 
gierte Personen bei St. Stefans- 
stift. Klausner heiszt der Ein- 
zelbauer zwischen Reinhartshofen 
n. Klimmach; da war der Siz eines 
Klausners, dabei ist eine Kapelle, 
der hL Justina geweiht. 

KLECK, der, Bisz im Holz, 
Stein. >Und «achen durch die 
Fensterklegk hinaus haimlich 
was der Boffel thet.< S. 365«. 
Sohmell. 352. 

KLEE in kleegelb; eine be- 
liebte Farbe emals; ich erinnere 
an die Klees&maröck in der 
Rottenb. Gegend, die man blosz 
an hohen Festen trug. >Eine 
schöne junge Dirne in einem gra- 
uen und kleegelben Kleide.« 
Handkal. 1747 f. 4. 

KLEIBEN swv. kleben; ahd. 
kliban, Graff IV, 642. >Mit ei- 
nem Knieling mit Erdrich ausz- 
gefuUt, klaibet den Zaun.« 
>ünd klaibt über den Graben 
hinüber für die klaibte Zaun 
starkh.« Buxheimer Chronik von 
1630 in Frauenfeld f. 27*». 28». 
In Niederschwaben nur > Dreck 
kl&aba« wie Kinder im Kote der 
Strasze oder Lem arbeiten. D r e ck- 
klaaber, Maurer, scherzweise. 
Klaiber, Bavensb. 0. 14. Jh. 



KLEIBSEN, KLEISBEN swm. 
Splitter, Spelt. »Auch ist ze wis- 
zen, so Kind anvahen umzekrei- 
sen auf der Erde; so sol man ein 
Geläsz machen von lindem Leder, 
damit sie kein Kleibse n ein- 
reiszen noch sonst kein Schaden 
emphahent.« cgm. 601 f. 98*. 
>Mi dmckts und zwickts imMa- 
ga rum, als wäre lauter Kleis ch- 
pa drinn.« Seh. 

KLEINAITINGER, die, wer- 
den beschuldigt, sieh&tten ander 
Kirchweihe die ür der Kirche 
gestellt, damit esz nicht Nacht 
werde; einen Ochsen den Turm 
hinaufgezogen, damit er das Gras 
abfresze, das droben wuchs. Sie 
haben einstens den Wisbaum mit- 
zunemen vergeszen, bringen in 
nicht zur Scheuer hinein, weil 
sie in überzwerchs legten und 
sägten in ab; steckten einstens 
Nadeln, damit eiserne Stangen 
wachsen u. s. w. 

KLEMM adj. rar, selten, ge- 
sucht, wie fäsig. Landschaft. 
>ünd obwol selbmals das Getrayd 
sehr klimm war » also dasz 
ein Schaff Waitzen auf dem Markte 
21 Groschen gölten.« Gass. 

KLENKEL, der, >die eyseme 
Schling oder hack, da an der 
Klenkel hieng.« Frank. 

KLIEBEN stv. zerspalten. >Mit 
den alten zerkl ebenen Thür- 
men.< Gass. neben »geklobene 
Grunveste.« a. a. 0. Kliebaxt^ 
Holzaxt. Stand. Nordisch klyf. 
Griech. yXwpeu^, lat. glubere. Red. 
A. >Dear laszt sich kleiba um 



282 



Elimmaoh — Klopfen. 



1 Kreuzer < oder »dear schändt 
d'Laus nm 'n Balg< von Geizigen. 
KLIMMACH, spr Klemme. 
In der Umgegend ist die Red.A. 
wenn das Bierglas wieder zur 
Neige get: >'s igt scho mea leer, 
sait d'Wierte vo Klemme und 
ift a der Leiter de Keller 'nab- 
'gstiga.« 

KLINKERTOR, -türm, -gas- 
se, -Mauer in A. 

KLOBEN, 1) greifender Hacken. 
>Mer umb 3 Mauerschliesz- 
globen am Zebendstadel 9 kr « 
Ettelrieder Pfarr-Rechg. Kloben- 
macber und Nagelscbmid. Fi- 
zion 75. 2) ein Bündel Werg be- 
stend ausz 24 gebundenen Ham- 
pfeln oder Docken, wie man 
solche auf der Breche bindet um 
sie auf die Bluimüle (Walk- 
müle) zu bringen. Allgaü. 

KLÖCKELMANN häufig im 
Man. Z.B. >Itemman sol ewich- 
lieh geben Hainrichen dem Kl. 
acht Gottbrot in die Siechstu- 
ben < f. 2*. 

KLOPFERTAG allgem. in den 
Stauden bald 3m al, bald nur ein 
mal üblich wie in Schwabmün- 
chen. Der Anfang des Reimes ist 
wie überall: 
Hello, hollo, Klopferta! 

In Fischach: 
Holla holla Klopf er tag, 
Schüttle Bira und Aepfel rät 

Die Form Knöpf les tag komt 
eben so oft vor. Kinder gien- 
gen in A. und Gegend an den 
Häusern herum und schlugen mit 



den Hämerlein an die Türen, 
sprachen dabei: 
I klopf, i klopf in des Haus 
Gibt ma mier a Küechle rauszl 
D*Küechlen tuet ma bacha 
DTfanna hör i kracha, 
Küechle rausz! Küechle rausz! 
Oder i schlag a Loch in's Haus! 
Bekamen die Anklöpf er nichts, 
so schrien sie: 

Esz steht a Häfeie nnterm Herd 
Ist Herr und Fr6 kein Kreuzer 
wert! 
Ueber die Klopf lis nacht im 
alten A sieh den Auszrufi^ettel 
im Volkst. n, 453. Femer oben 
sieh Pf ann zelten 91**: »an den 
drei Donnerstagen nachten vor 
weihennachten genannt die knö- 
pflinsnächt.< In Burgau haben 
sie gar 4 Knöpflesnächt, und der 
Reim begint: 

Hoila, hoila Knöpflesnächt! 

In einem Totentanze von 1627 
sagt der Tod: 

Hort zue ihr König laszt euch 

sagen, 
Das Glöggel hat den Garaus 

geschlagen ; 
Heunt ist eure lezte Klöpfl- 

nacht. 
Der Tod klopft: euch den Garaus 

macht. 
KLOPFEN in der waidmänni- 
schen Sprache: >in dem Wald- 
berger Forst haben 2 Waidgesel- 
len geklopf et.< Mickh. Akt. 
1681. >Den 21. Febr. khlopfet 
der Jäger ferners mit 5 Schützen. < 
a. a. 0. >G khlopfet, abernicht 



KloB — Kna|»pe. 



28S 



gesoküszen.« a. a. 0. »Am Klo- 
pfen geschoszen.« a a. O. 

KLOZ, der, im Gluckerspil der 
Burg. Kinder: 

Du bist der east, 
Du bist der ander, 
Du bist der Kl5z! 

KLUCK »Ein Handwerksmann 
wird auch gewisz bei ibr (der 
versofPenen Frau) nitt reich; des 
Weibes Kluck, Kluck, Kluck 
hat ihm Alles ' weggenommen < 
Lang, natürl. Zauberei 55. 

KLÜCKERN, GLÜCKERN. das 
bekante Ejnderspil mit Marmor- 
kugelchen^ Im Früjare sagen die 
Alten beim Anblick irer spilen- 
den Kinder: a, ä, ha iaz komt's 
Friejar, d'Buabe kluggöret 
8ch59! A. 

KLUFT, Feuerzange. Kluf- 
tig, leck; >als die Sonn die Säu- 
len aufzogen und klufftig ge- 
mächt, c Mickh. Rechgn. 1776. 

KLÜNSE, KLÜNZE, Glumse, 
Spalt. »Und ist die Maur des 
Thuren allenthalb ganz geblieben 
one alleKlunzen und alle Schä- 
den < S. 265^. 

KLÜPFEL in der heraldischen 
Sprache: >der vorder Oberteil 
de» Schiita halbiert in schwarz 
und gelben nebeneinander, in 
schwarzen der Hammerstil gelb ; 
der klüpfel weisz; im gelben 
der Hammerstil schwarz , der 
klüpfl weisz. < Insign. 123. Wel- 
ser'sches Wappen. 

KLUPPE, die, Zwangholz. Bild- 
lich: »Man möchte sie mit sol- 
chen Yerheisaungen allem auf- 



ziehen, bis man sie in die Klup- 
pen brächte, wie die Herren zu 
tun pflagen.< Gass. 

KNABERN swv. an einem Kno- 
chen nagen, grosze, harte, trockene 
Gegenstände mit den Zänen zer^^ 
reiszen. 

KNAPPE , Webergesblle; die 
ledigen Knappen hatten die 
Kost beim Meister; die Haus- 
knappen nicht ; lezt. hatten von 
jedem Tuche ungleich mer Lon. 
Em. Wb. 0. 17 Jh.; der Knap- 
penstul »BeiSiz auf d6n Knap- 
penstul.« Akt- Hauskhappen, 
die kein eigenes Geschäft betrei- 
ben , für die Meister in irem 
Hause arbeiten. Fremd geler- 
nete Knappen. Esz gab eine 
Knappen 0. Alle halb Jar musten 
in der untern Stadt 3 neue Büch- 
senmeister (Knappenobere) und 
in der obern 2 gesezt werden 
ausz der Zal der ledigen Knap- 
pen. Sie musten das Quatember^ 
gelt fl^iszig liefern. Fremde K. 
und die ire Lerenzeit erseszenen 
K. sollten ire Zeugnisse bei der 
Büchse abgeben und die Statuten 
treu haitön. Unredliche , . hergo- 
laufene, dem Weibe entronnene 
K. musten aufgetriben, d. h. 
angezeigt imd eingebracht wer- 
den. Sakramentirer , Polderer u. 
s. w. musten vom Magistrate und 
von der Büchse gestraft werden. 
»Damit Erbarkeit, Zucht und 
Bescheidenheit desto mehr unter 
den Knappen gefuhrt und ge- 
sehen werde, so hat ein ersamer 
Bat erkannt, welcher Maisterson 



88i 



Knanchleii •— Eneohte. 



aluuBerhftIb seines Taten oder 
Ifueter Gesch&fb auch ein jeder 
Knapp über die Gassen, für das 
neg^te Eck bei seines Meisters 
Hans Tor den Thoren , vor St. 
Ulrich auf dem Wein- und Brot- 
markt, unter den Kirehweihi- 
nen und offenen Jar- und Wo- 
chenm&rkten , oder in ein Bier- 
oder Weinwirtshaus one Rock, 
Mantel, Kittel, Huet und 
Kragen gehet, und gesechen 
würdet — der soll aufs Weber- 
haus geschafft und gestraft wer- 
den.« Die Unredlichen wurden 
alle Quatember vor der Büchse 
auszgerufen. Yrgl. Hauzinger. Je- 
den Montag Nachmittag um 2 ür 
durften die K. blauen Montag 
machen. Winters um 8, Sommers 
9 ür Abends musten die K. zu 
Hause sein. Eine eigene üeber- 
einkunfb bezüglich der Feste 
zwischen Maister und Knappen 
existiert v. 1666. Der Maister u. 
dielMaisterin musten den Knap- 
pen »nit mer dann die 4 nach- 
benannten Fest gestatten mitzu- 
machen: den Dinzeltag, den 
Liechtbraten, St. Martins- 
tag undFasnacht.« Dise Feste 
konten der Maister und die 
Maisterin selbst halten oder 
dem Knappen und dessen Weib 
ein gewiszes Yerbrauchgelt ver- 
abreichen. Die Handwerks- oder 
Knappenlade, der Knappen- 
schreiber. Aufgestandener 
K. , der ausztrit. Web. 0. Ein 
Knappe, der nicht auszwürkt, 
d. h. Zeit nicht halt, ausztrit; 



»einen Knappen aesen.« a.a.O. 
Knäpplinstör lin beim Lugins- 
land braute a. 1610 ab. 

KNARSCHLEN swv. knirschen 
mit den Zftnen. Riesa. 

KNAÜPEXi, die, Bocksbart, nie- 
derschwb. Hafamarget. Knau- 
pelthölzchen, alter Langeneif- 
nacher Waldname. 

KNECHTE hieszen 1) bei der 
Weberzunft die Knappen; Le^ 
renknecht, dieLeijongen; »der 
Lerenknecht Kundschaft« 
Zeugnis Tom Maister. >Item so 
ein Maister einen Knecht »eti, 
der ihm mehr dann ein Werkh 
würkht, alsdann soll derselb sein 
versprochener und bestell- 
ter Knecht heiszen bis uff St. 
Jacobstag one alle Fürwort.« 1649. 
>Auszgestandene Knechte« 
durften in der Stadt ein ganaes 
Jar nicht würken. 2) Bei der 
S<chusterzunft komen vor die 
Schueknechte und Abricht- 
knechte. >Soll jeder Schue- 
knecht bei seinen Religions- 
oder Glaubensgenossen auflegen.« 
Sehnst. 0. Die Schueknecht, 
anlich wie die Knappenknech- 
te konten wandern von iren 
Pläzen um Weihnachten, Stefans- 
tag, Sommerjohanni. Lonkneeh- 
te sieh L. 8) Kuttelknechte 
bei den Mezgern. 4) Spett- 
knechte in der Memming. Feuer 
0. 1765: neben den Furieuten 
beim Auf- und Abladen haben 
sich des Rauchens zu enthalten. 
S. 13. >Der Wägmaistermit denen 
Spettknechten in der W6g.« 



Enieling -^ Enopert. 



286 



S. 48. 6) Sehulknechte, Pro- 
visoren, Lergehilfen. Strasze. 6) 
>Den Alenmuesenknechten 
soll befohlen werden guete Acht- 
ung zu geben, wenn sie etwa yor 
jung gehenden, stark müeszig 
gehenden Bettlern Gesind selbige 
herein in den Turm beim Spi- 
tale füren, dasselbst etlich Tage 
ligen und wieder hinauszziehen 
zalaszen.€ Ordgen. 1647. 7) Hüt- 
tenknechte, 3 nach d. westph. 
Friden, städt. niederes Amt; eben- 
so die 2 Bachkneohte, die 2 
Baugewölbknechte, 1 Fisch- 
grabenknecht, yier Markt- 
knechte, 6 Schrandknechte, 
vier Kasten- oder Gerichts- 
knecht, 4Seokelknecht,Gas- 
senknecht , 1 Mülknecht. 
Die Pfarrknechte hatten mit 
den Yerkündzetteln zu tun, wel- 
che sie Yon den Schulmeistern, 
Hebammen u. s. w. erhielten, die 
sie entweder auf die Kanzel ge- 
ben oder an Kirchtüren anzu- 
s^lagen hatten; desgleichen yer- 
hielt esz sich mit den Verlust- 
oder Fundzetteln. Die Kranken- 
zettel hatten sie wegen der 
Menge sorgfältig zu prüfen und 
wo esz dringend notwendig schien, 
zu berücksichtigen, jedenfalls dem 
Prediger vorzuzeigen. Oefters als 
einmal von einer Person durfte 
kein Zettel angenomen werden. 
(Protest). Ghron. 1634 S. 834 ff. 
KNIELING, der. 1) eine Wand 
bis ans Dach von schlechtem auf 
sog. Holzböden gemähetem Heu, 
aussen am Hause, im Winter meist 



zur Yiehstreu verwendet. Stauden. 
Birkach. 2) eine Art Damm sieh 
oben kleiben. 

KNI£ST1F£L, eine alte Rechts- 
site. Einem Bürger Begenhar 
ward für eine Hofstatte samt dem 
KönigsturUf als Lehen, befohlen, 
den Grafen Gotfrid von Hohenf gg 
Herberg für sich und die Seini- 
gen, so oft sie nach Augsburg 
komen, zu gewären und järlich 
ein Paar Gordawanin Stifel 
zu reichen. <Gass. 

KNIPFEL, Grobian. A. 

KNIPPEDEKNAPP imKinder- 
liede : 

I und mei Knippedeknapp 
Gang m9r spaziera; 
Kom mar bis 3 nett hol 
Kom mar bis viera. 

Variante: 
Wemmar nemma lauffa könnet 
Kemmar a-n-andar füera. A. 

Warscheinlich die Ehehälfte mit 
hinkendem Beine. 

KNISPEL bei Conlin: >es gibt 
vil grobe Knispel, vil grobe 
Gispel.« 

KNOLLFINK bei Conlin: (von 
den 9Ausz8äzigen.) >Das soind 9 
grobe Gesellen gewest, 9 un- 
manirliche Schlieffei, 9 ungeho- 
belte Gispel, 9 schlechte Limmel, 
9 unsittliche Knöpf, 9 vergeszene 
Maulaffen, 9 ungebärdige Schlam- 
pen, 9 unerzogene Knollfinken 
9 ungeschaffene Schenkel.« 

KNOPERT, partio. angebiszen, 
angefressen. >Ihrsehteine8chleoh- 



286 



Knopf — König. 



te raae Muschel, eine knoperte 
Misgebiort des Waszers.« Conlin. 

KNOPF, Schelte: >Du werest 
ein grober Knopf U Chron. 1684. 
S..431. 

KNÜLLA, KnoUen. »K. und 
Schnull a.< Stauden. 

KOBEL, dasselbe was Hobel, 
Behälter sieh H. >Auf dem Ko- 
bel,< Oertlichkeit bei A. >Auf 
den 3 Köbeln< Dietkirch er 
Waldname. Siechkobel, Sie- 
ohenhaus bei d. Wöllenburg Zur 
Henne sagen die Kinder in Beh- 
lingen: Tribfuesz, Trabfuesz, Kö- 
bele, kobb, kobb, kobb! 

KOG, >dukogeterKogl< rohe 
Schelte. Isny. 

KOLBEN, der. >A. 1503 fiengen 
die Burger erstmals an, das Har 
kurz abzuscheeren und Kolben 
zumachen.i Gass. Kolb et, glatt 
geschoren. »Die andern sagten 
mir, dasz er sein Kutten aus- 
gezogen und sich weltlich be- 
klaidt, auch sich gar kolb et be- 
scheren laszen.< Chron. 1634. 
S. 215. Zeitwort: »mit rennen, 
schieszen, k o 1 b e n. « Trojanisch. 
Krieg f. 29»» >Mit trucknen Strei- 
chen über die Faust kolben.< 
Dr. Müller. 

KOLDEBN swv. lärmen, zan- 
ken. >Hat angefangen zu kol- 
dern,< Mickhs. Strfb. 163. >Ist 
abermalen für^s Haus chomen und 
hat gekoldert und gepoldert.< 
a.a.O. Subst. Kolderer, >Einen 
einen Kolderer heiszen.< Web. 
Haus Strafb. 1787. >Sonnen- 



nnd Mondkolderer« y bekante 
Pferdekrankheit^n . 

KOLERWINKEL heiszt die Ge- 
gend von Streitheim, Adelsried, 
Bonstetten, Kraichen, Herets- 
ried, Marktbiberaoh u. «. w., ein- 
stens Kölerwonsize; einzelne Ort- 
schaften haben auch eigene Si- 
ten und Sprache, so dasz die 
Nachbarn sie verhönen. Kol- 
berg häufig; bei Wilmetshofen, 
in Scheer. Kolbäche 1, Klimmach. 
Pfarrbch. 

KOMEN in abkomen, je- 
mands =: losz werden- »Wie 
und auf was weg man dieses gro- 
ben Mönches mit Lieb abkomen 
möchte.c Chron. 1634. S. 212. 

KOMET, KÜMET, KÜMLET. 
Fichkommet., Ackerkom- 
met. Hart. Inventar. Furkom- 
nieter bei Hochzeiten, Leichen, 
Taufen sind die Kutschen, die 
stahlgrünen, blosz gestattet bei 
Landfarten — wenn dabei >die 
Fuhrkommieter< angetan wer- 
den. Poliz. 0. 1688. 

KÖNIG in Königsturm in 
A. »Da ist noch heutiges Tages 
ein Turm der Königsturm ge- 
nannt, auf dem hohen Wege, 
wie man's heiszet.< Königs- 
schanze in A. im 30jär. Kriege 
bekant. Gass. Königsbühel im 
Schwabecker Saalbuch 1431 : >von 
dannen bis an den kunigsbi- 
chel.< Zacher S. 239. »Der obrost 
Vogel, das Küniglein.« Zaun- 
könig, cgm. 312 f. 30'. Königs- 
kraut, Pflanze; von der Teuer- 
ung in A. Brachen Neslen und 



Constanz — Kopf. 



287 



Eöni^skrant, Merren, das 
da war unbebaut. Holzmann. 
Eönigfürer bei Gonlin: >und 
hat man mit harter Mühe die 
König fürer — seind diejenige, 
welche allen s. v. Unrat bei nächt- 
licher Zeit ausforen — zu seinen 
Todtengrabern gebranchen mö- 
gen. < In Ulm heiszen sie Zum- 
p fei er (vgl. mhd. zump, penis), 
in Nürnberg Pappenheimer. 
Schmeller II, 307 rNachtkönig. 
König und Königinenfest 
in Kempten und Memmingen, ein 
uraltes Kinderfest sieh Anhang. 
Das Stdtr. von Memmingen IV, 
19 (Walch II, 288) beschränkt 
esz: »in den deutschen Schalen, 
den Knaben- und Mägdleinschu- 
len — so als Miszbrauch abge- 
schafft — sollen die Eltern nicht 
in der Stadt« nicht auf dem 
Lande Malzeit halten.< Am 
hL Dreikönigtage kamen wie 
allgemein üblich auch Bettel- 
buben als Könige und sangen 
das bekante Lied: Wir komen 
daher ausz aller Gefar. Die 
Straszberger waren die eifrigsten, 
sie kamen nach Groszaitingen u. 
Umgegend. Ein Spottreim: 
Die hl. Dreikönig mit iorem 

Steara, 
Sie freszet und sauffet und zalet 

it geara. 
Das Dreiköniganschrei- 
ben ward in A. wie in Constanz 
und sonst gegen Almosen von 
den Klostermönchen , in der Re- 
gel von den Bettelmönchen vor- 
genomen. Sie schrieben ^as^ 



übliche Kaspar etc. an die Türe 
unter Besegnungen. 

Ein Eätsel in d. Stauden heiszt : 
'S ist kleiner asz a Mäusle 
Und hat merFensterle als aKö- 

nigsh&usle? (Fingerhut.) 

CONSTANZ, die Bodenseestadt, 
fast imer one >n<. Die >Co- 
stenzer phenninge< sind un- 
gemein häufig erwänt blosz als 
»Co8tenzer,< ganz wie Aus- 
purger, Rotwiler. »Zehen 
pfund Costenzer an die Stadt 
geben. < Memming/ Stdtr. >Von 
ainem malter gerstun zwen Schil- 
ling Costenzer.< a. a 0. In 
den Stauden, wie fast allgemein 
schwäbisch, komt im Einder- 
reime vor: 

Konstanz ligt am Bodasea 
Wear's itt glaubt ka selber hingen. 

Eine Schnellsprechübung: 
Z'Constanz unter der Bhein- 
brück ligt a junge Rehleber, a. a. 0. 
Vrgl. Mein Wbl. 52. »Kosten- 
zer Kylwe< in der 2. Woche 
des Herbstmonats, cgm. 97. 

KOPF, der. 1) das bekante 
Aderlaszinstrument. >Das Laszen 
das man tut mit köpfen ausz- 
wendig an dem Leib ist gut.^' 
>Mit köpfen laszen wider das 
Kratzen.« Regiom. und in der 
Astronom, oft. 2) die Ulm er 
Krautköpfe scheinen im 15. u. 
16. Jh. eine beliebte Augsburger 
Speise gewesen zu sein. S. 9d*. 
8) Als Waldname der Augsburg. 
Umgegend besonders eigen; da 
finden wir: Ablaszkopf, Hau* 



288 



Köpferle ^ Korben. 



•eiikopl^ Forrenkopf, Kapa- 
zinerkopf, Brunn enb ach- 
köpf, Holzwartkopf, oberer 
und unterer Gränzkopf. For- 
raköpfle bei Groszaitingen und 
Währingen. Hartkopf b. Hart. 
4) Pokal, Becher (cupa, cu- 
pola, umgestürzte Kuppe) oft, 
selbst noch landesüblich da und 
dort. Graff IV. 371. S. hat; ver- 
g^dten silberin Kopf, crystallin 
Kopf, Becher und Köpf u.s. w. 
In der Rottenb. Gegend heute 
noch : K p f h a u 8 f. Küchenkasten 
Schüszelrame ; Schenkköpf, 
grosze kupferne oder zinnerne 
Krüge, Zeichen von Wolhaben- 
heit bei Hochzeiten. Rottenburg. 
Red. A. »Und wäre der Wege- 
lagerer hinder dem Kopf weg- 
gangen, wo nicht gleich eben 
in der Stunde, da er gericht wer- 
den sollte, seine andere Fraind- 
schafk für ihn gebeten.< Gass. 
>Da der Bischof den Kopf aus 
der Schlingen zogen.« a. a. 0. 
Schelte: Mezakopf, Meza- 
grendl Dickkopf. A. Bama- 
kopf , in blosem Haar? A. Adj. 
köpflingen. Frank. Rätsel in 
den Stauden: Wenn ist der Ma- 
ler one Kopf? Wenn er zum 
Fenster hinauszschaut. 

KÖPFERLE dim. in der Bau 
Ordg. >Wer zu seiner Notdurft 
ein Brücklen oder Steg über den 
Lech machen will und er der 
Orten kain aigen Geschlacht 
hatte oder ihn sein Nachbar auf 
sein Geschlacht nicht wollte 
auflegen laszen, so mag er sol- 



chen Steg wol auf Köpferlen, 
aber auf keinen Pfal oder Saul 
sezen < 41. 

KOPPEN swv. zum Kapaunen 
machen. Yolkübl. »dasz 16 haanen 
gekhoppet und andere Gilt- 
hiener in Bereitschaft gehalten 
werden.« Mickh. Akt. 1682. Adj. 
koppig, eine Pferdekrankheit. 
>Es ist auch dasselbig päd für 
die reidigen und koppigen ros.< 
cgm. 782 f. 32. 

KORB, der. Der K. der Buzen- 
bercht, gefürchtet bei Kindern, 
sieh Anhang Eisenkörbe, Git- 
ter an Fenstern, in der Bau 0. 
öfters. Red. A. »darfst da Korb . 
traga, wenn ma da blinda Gaul 
zum Schinder fürt^< Burg. Von 
einem gesagt, der zu nichts da 
ist, änlich wie das bekante 
»wenn man da Hund hänkt, 
därsch 's Loaterle traga.< 
Der berüchtigte Korb am Schnell- 
galgen: >Und dieweil auch die 
Becker (a. 1442) in solchem ge- 
meinen Elend täglich groszen 
Betrug mit dem Gewicht wider 
die gesezte Ordnung übten, liesze 
der Rat einen Schnellgalgen 
mit einem Korb zurichten über 
die Lachen auf dem Plaze zu St. 
Ulrich — auf welche die gesezt 
sollten werden, so solche Betrü- 
gereien imBrotbacken brauch- 
ten und wann sie also lang ge- 
nug dem Volk zum Schauspil 
darauf geseszen , alsdann in das 
unflätige kotige Waszer herabge- 
stoszen worden. < Grass. 

KORBES heiszt das abgeco- 



Kcnrpas — Kaftm. 



209 



gene Schaf one Kopf und Hin- 
terteil. 

KORPUS in Bupgan = Leib- 
geding. 

EOBN , ttpt. K &o ro , nieder- 
sChwb. K & e n n, anderwärts E ö n n, 
in Sekwaben oft für alle Getraide- 
Borten, urkdl. nnd mündlich. Af- 
terkorn, Mnis ansz A.^ oderAf- 
tervesen. Das Kornhaas in 
A. a. 1506 erbant; an s. Stelle 
kam i^äter das ZenghauB. Korn- 
gült wie Habergüli u. s. w. 
hänfig. Standen. Kornwurmi. 
»Damit aber die Wucherer und 
Kornwürmer das Gtetraid nicht 
allsn hoch steigerten.« Grass. 
Teilkorn. ogm. 154. Bischöfl. 
Vogtkorn zu Währingen. 1282. 
Kornge schau als Zeitbestimm- 
ung. >Zu der Korngeschau.« 
6gm. 154 f. 12». 16». 20» >In der 
Korngeschau.« f. 38^ >ünd 
sol aime apt oder seim anwald 
mit 13 pferd von aime mittag zu 
dem andern über nacht mit eszen 
und trinken, futer und mall nach 
notdurft halten undyeraeren, ^o 
es f ueglich ist ; nemlich im h e r b st, 
im bauding, immayding und 
in der kornschau.« f; 20*. >fiir 
das bauding in der Korpschau 
und Fasnaeht.< f. 38^. Ein nie- 
deres städt. Amt war das der 
Kornschreiber und Korn- 
rürer; nach dem westph. Fri- 
den gab esz Ton jenen 4, pari- 
tätisch; von disen 10. Esz gab 
seit diser Zeit 16 Kornmesz er, 
2 Korn-Umgeldschr^iber. 

Red< A. las Kerle mach md nu 



itt wild , sonst sag i diar was 's 
Koara gilt. Seh. 

Adj. >kornblau tuch.« Ott. 
Ruland. 

KOT, der, spr. K&et. Schaü- 
felkot: >um einen guten Weg 
zu erhalten, des Scheufeikots 
auszzuschlagen.<^ Fisch. Stat. Im 
Tegemseer Kochbüchlein heiszt 
der Nov. auch Kotmonat neben 
Allerheiligen- oder Wintermonat. 
Zeitw. bekodigen bei Conlin. 
Ankotigen. Seelen W. »Fauler 
Kotsacki Leib, cgm.215 f. 97» 

KOTTÜM, Cotton. »Feiner 
und roher K.< Weber 'Akten. 
Augsb. K. Ostindische Kot- 
tumtücher. a. a. 0. 

KOZEN, der, swm. Kittel, Jan- 
ker: >ein alter K.« >Für seine 
Buhestatt diente dem hl. Yic- 
torius und für sein Unterbett der 
harte Boden , oder , so er gar 
sanft ruhen wollte, der Strohsack, 
für das Oberbett ein alter Ko- 
zen.< Ehrenfest 1699. >daz (die 
Gaiszeln) teten sy unter ainen 
Koczen mantel, der was nit 
von edelm gewant.< cgm. 3. 
»Englische Kozen.< 0. Ru- 
land. >D6 leget Sant Sebolt sein 
k o z en auf das waszer und swamm 
darauf hinüber: wann er trug 
allweg ein härin hemd und ein 
kozen.< Alter Legend. Druck. 
1472 in Aulendorf. f. 186. Oft 
för Furmann's- Wolldecke. 
Közlen, Finnen im Gesichte. 
Oberschwaben. Die wilde Sta- 
chelbeere heiszt die Koz. Ober- 
schwaben. 

19 



990 



ErMinr»d6l -^ ]&Mit. 



KRACHWÜDEL, aliur gebrech* 
licher Greis, def sich durch kind* 
jfphes (eßbaren ladoierUch macht. 

EBÄGELN 8WV. schreien; von 
Kragen, pöbelhaft für Hals. »A 
greaglete Stimm, agreaglets 
Lneder« Schelte in A. ea für ä, 
«tat e, ist Unregelmäszigkeit. 

KBÄGGAHOFEBFELD bei 
MemmenhauMn, 

^Äl4, sUn. Beisachhape, um 
Bprzen zu hauen, Pachsel bei 
Botweil- Meitingen. Kral dürfte 
wol zu Kraiwl, Kraibel (nie* 
dersßhwäb.) gehören, das als Flur- 
name für zackenartige Felder vor^ 
komt.Ahdchrewelu.crouweL 

KRAMBTBEKWASZEB, das 
Wachholderberwaszer. Poliz. 0. 
Vrgl. Frisch I, 543»^. 

KRÄNKEN swy. »dises Muesz 
kränket mir meinen Magen.« 
Elisab. Bona, Augsb. Druck. 1624 
(Keyel). 

KRANZ, spr. Kräz; nieder- 
schwäb. Kranz. In der Poliz. 0. 
von 1735 sind verboten: die ro- 
ten Kränze auf den Hüten der 
Hochzeiter. Ferner rote mit 
güldenen Schnüren oder 
Perlen umbwundeneKränze 
an dem Hochzeitfest selber. »Den 
von dem dritten, vierten und 
fünften Stand aber sollen allein 
grüne und keineswegs rote 
Kränze bei 15 fl. Straf zu tra- 
gen erlaubt sein. 4 InderHochzt. 
Ordg, V. 1532 : ?Die 4 Jungfrauen, 
so dieKrenzle auf derHoch- 
zeit ausgeben, die mag man 
zu beiden Hochzeitmalen wol la« 



dm.« p1£s BoUe^L anoh weder der 
Braut noch jemandt — )cain 
Kranz geb^p, der mit Ferlan, 
guldin oder silberin mit Seydan- 
schnüren umbb^nden seien) denn 
allein dem Preytegao^b, Gesten« 
u. 8. w. >Deaei» vom Herren- 
stand ««- doien ein Kf ans umb 
einer Unze Gt>ld umbwunden ge- 
geben werden ma^ ^^ sollen allein 
Kränze von grmßP Krautelwar 
ausgeteilt werden, <», 8. Wr Kraia- 
zeljungfrauQu. P. v, Ste*^, 
Sri. 196. 

In dew Fugg, Inv. kom^ yor: 
t^n gestriekhter Furha^g w»b ein 
path sampt dem dazu geliörig«)B 
Chranz.< >l4einwaten« Fürhang 
mit den dasu gehörigen Ohren- 
zen^f AUgem. echwaUsdiL ist das 
Backwerk, Kranf^i Kränkle, 
aooh Zopf gehei9«esi, von ^eiiier 
Gestalt einesgeflocbtenenZ ppf es, 
kreisförmig. 

KRAPPELN und zappeln t= 
sich abmühen ; echt Angab. Bede- 
weise. 

KRATSCHEN swv. sehle|q>- 
füseig einhergen. >Du alter K r a t- 
scherU Riesz. 

KRAUT in Krautnudeln, 
eine A^ Eierhaber mit Kraut, 
beliebte Speise in den Stauden* 
Krautstrang, Abteilung eines 
Krautbeetes. >Bürzeln krut.< 
cgm. 144. Schreikraut. Gonlin. 
Kraut hirten, -geld, Währing. 
Pfarrbuch Krautwüra (-Wur- 
me) heiszt der Volkswiz die Aa- 
gelberger; sie bauen und essen 
ser vil Kraut. Krautschnäer, 



Kni8«Ä — KrimB. 



2*1 



langes Krsntmeeser. DilUngen. 
Zwischen Biberach und Herets« 
ried ist eine Ortschaft, der man 
naeheagi, man siede das Kraut 
nur auf einer Seite: dieHau-r 
ser sten all^ auf einer Seite der 
Strasze. In einer Yergleiohung: 
Gleich wie ein Erautkopf ob 

dem Gragen 
Den Kopf sie kaum konnten er- 
tragen. 
Von Hungertdechen. Holzmann. 

KRABEN swY. >In diesem 1479 
Jare hatten die Rodiser Herren 
aoBS Indnlgenzen -- 26,000 fl. 
sutamengekrazt.« Krazer, 
Erazeisen b, Glatteise, in Wurml. 
nur Ei seien geheiszen. Kraz^ 
ohr, Name eines Hintersaszen. 
S. 206*. Kräze, kleine abgefal- 
lene Metallstüoklein. 

KRÄZEN, spr. Kreza swnu 
u. swf. 1) geflochtener Handkorb. 
2) Alles korbartig Geflochtene, 
bes. Kutschen, a) >Einen run- 
den Krätzen.« Fugg. Inyent. 
>Item es sollen forohin kain Mez- 
ger, Mezgerin noch ire Diener 
und Dienerin, weder Multem, 
Krezen, Schüssel noch i^inichs 
anders Flaisch darein zu tun, 
einnemen, bei Straff yon 15 kr.< 
Mezg. 0. 1549. > Wann die Frauen 
und Dienstmägd mit dem K r e z e n 
auf den Markt oder in die Mezg 
sind gangen.« S. 361. >Al8 dero- 
halben etliche Soldaten einsmals 
auf ein Weib gestoszen , welches 
nach irem Gebrauch einen Kr»» 
sen an dem Arm trüge, legten 
n*. alsbald Gewalt an und bemüh- 



eten sich ihr den Erezen vor 
dem Arm hinwegzureiszen; diese 
wöhret sich mannlich, mustedoch 
endlich,, weü sie zu schwach wäre, 
iren K r e z en dahinden lassen. 
Die Soldaten yon der Beut allere 
freudig, eilen dem Wirtshaus und 
offnen den Krezen und finden 
darin einen Schunken Ton eines 
Weibs Körper, darab sie dann 
erschrocken, den Krezen sampt 
ihrer Beut an andere Orte^ ge- 
worfen haben. < Denkw. 86. Red. 
A. >Dear tuet se um, wie 3 Oier 
im Kr6za,< sagt man ▼. Bauer, 
wenn er noble Gaste zu bewirten 
sucht. Gü|izb. Burgau. b) »Ban- 
den mich in die Krezen. < Klei- 
derb >Ein Stattkrezen voll« 
(Semein). Greiff72. iDamach hat 
man den Enthaupteten auf ein 
Krezen (Korbwagen) gelegt.« S. 
419**. Krezenwagen, Kinder- 
wagen. Hupfinskrezle ein leb* 
haftesKind; echtAugsb. Kreza- 
gassle Yorderes, hinteres^ in A., 
Krezenwinkel. Redens-Art. 
>Auf die Krezen schlagen,< 
Geld bei Seite tun, auf dem Markte, 
wie Dienstboten oft tun; milder 
far Stelen. >Krezenmachen 
und saure Miloh« sieh den Feg- 
sandrttf im Anhange. 

Krezaweible, ein weiblicher 
Waldgeist in der Nähe von Gri- 
moldsried im sog. K rezahölz le; 
esz hockt am Brückle im Tal und 
ängstiget die Leute. Hat imer ein 
>K r e z 1 a< bei sich. Die Sage von 
korbtragenden weibL Wald- 
geistem wiederholt sich oft;^ ich 
19* 



292 



Kreidem — Krens« 



erinere nur an dasErataweib- 
le bei Tuttlingen. Volkst. I, 60. 
Für Rtckenkorb, der geschlos- 
zen ist, komt auch das bayerische 
Kraxen vor. 3) »Demnach ist 
a«ch zu Rom selbst noch Yil kost- 
Uehere Gtobaüwe in das Krez 
gangen und verstorben.« Gass. ? 

KREIDEN, Feldgeschrei, Feld- 
zeichen, Schlachtruf. S. 149 hat 
Krayden >mit der Gloggen.< 
Im Troj. K > nach gegebner G r a i- 
den.< >Kriegskreiden.<f. 25*. 
Bei G. y. Ehingen: Krydem. 
Mhd. kride, ahd. kradam, fra- 
gor, tumultus. Graff. IV, 596. In 
einer Gonstz. Chronik sogar Cre y. 
Quellens, v. Mone n, 53*. Bei 
Frank: »wan er west der krey- 
den nit ze nennen, also num er 
schaden.« Kreidenschusz in 
d; Ordgn. v. 1647: > darnach bei 
dem Tor, so der Brunst am nech- 
sten gelegen ist, Befelch geben, 
dasz man die Kreydenschusz 
thüe und hernach auf den 7 Pla- 
zel abdanken. < 

KRELLEN, einhauen mit d Kral- 
len y. Kazen; ahd. chrewelon ? 

KRENKE im cgm. 201 f. 40»: 
>daz sein Hals lenger werd denn 
eins krenks.« >und ob er hett 
einen lengem hals gehapt denn 
ein krenke.« Kranich? 

KREUZ, das heil, yon Klim- 
mach, ein ausz dem hl. Lande 
gebrachter Kreuzpartikel; seine 
Schicksale, die im zu Eren an- 
gestellten Feste sind ganz yolk- 
tümlich geworden. Die Bürger 
yonA. stiften bis heute noch das 



ewige Liecht und haben Prozes- 
sionen nach Kl. gehalten. 

In A. ein oberes, mittleres und 
unteres Kreuz, Oertlichkaiten 
mit Kreuz ergasse. HL Kreu- 
zerlehen bei Währingen. Bei 
Günzb. ist ein Piaz »beim spa- 
nischen Kreuz«, Flurname; 
Herzog Alba toi hier Rasttag 
gemacht haben. Steinerne 
Kreuze als Markzeichen (Urkd. 
1564) und Warzeichen yerübter 
Freyeltaten, wie allgem. sohw&b. 
>Er sol auch in die Mark ein 
steynin kreuz sezen, dreier 
schuh hoch ob der erden da dann 
der totslach beschehen ist.< Wem- 
dinger Urkde. 1446. hn Saalbuch 
des Gerichts Fridberg yon 1460 
(Raiser, Beiträge S. 18. PÜBiffers 
Germ. I, 85 ff.) stet: »Mein gnä- 
diger Herr hat yon Fridberg aus 
zu gelaiten bis über die Lech- 
brückezum steinernen Kreuz, 
gen Augsburg gelegen« a. s. w. 
Kreuz knechte 1629: >Ein 
Schreiber, ein Kreuzknecht 
oder Pfarrmesner ist auch aus 
der Zech zu besolden und seine 
freie Behausung mus yon der 
Zech (fabrica eccl.) besteuert 
werden.« >Der Kreuzknecht, 
wenn er yerburgert ist, ist seines 
Dienstes ausgenomen für einen 
Burger zu halten, d. h. nicht zu 
übergehen bei der Austeilung aus 
der Zech.< a. a. 0. Kreuzkäse 
hieszen emals in d. Donauwörther 
Benediktinerkloster, d. h. in dessen 
Höfen zubereitete schmackhafte, 
urspr. schweizerische Käse; one 



Kviei^el — Süramm« 



293 



Fdner bereitet mit dem Wappen 
des Klosters, ungefär 5 Pfund wi- 
gencL In mit Wein benezte Tu- 
cher eingesohlagen lieszen die 
Ease sich gegen 2 Jare aufbe- 
halten. DieErenzkäse bildeten 
auch eine Abgabe in Tegemsee. 
KochbachL Die Ungerhauser ha- 
ben dem Kreuz hereingeläutet: 
esz waren Misthaufen. Bed. Art. 
Eva: Nein,eszen tu ich von die- 
sem Baum nichts, Kreuz über's 
Maull es ist verboten. Seh. 

Ereuzbrezen bei GonUn: 
>M6rket diese Begebenheit wol, 
ihr Müller und Becken, und laszt 
die Sonn- und Feiertag in so 
groszem Respekt als euren Din- 
zeltag, sonst werdet mit dem Teu- 
fel um das Kr euz br e z en ziehen, 
welches beede in Ewigkeit tor- 
mentiren wird.< 

ERIECHEL steinhart; esz hat 
gefroren wie Kriechel, urspr. 
blau vor Frost, so blau wie 
blaue Pflaumen sieh G. 

ERIEGEL, »i hau 'n an da 
Eriegel ghenkt.< Seh.? 

ERIEGSHERREN, 3, nachdem 
westph. Friden; eine städt. Be- 
hörde in A. 

KRIEN >und kryet denhot 
nichts darinnen.« S. 194.? 

EWSTENTÜM in der pöbel- 
haften Red. A. >Wenn du nett 
still bist, nao schlä i diar dein 
Kristatum in's G'sicht. < Günzb. 
Gegend. 

KRIWES, KRAWB» in folgen- 
der Zauberformel, welche die 
Kinder sprecdien beim Spilan, xaA 



dem andern Unglück zubereiten: 
Eriwes, Krawes Hexawerk, 
Der Deufel stet am Berlaberg. A. 

KRONTÜCH eine mit Krönlein 
gezeichnete , bes. Tuchart. > Ge- 
bleichtes Krontuch.< Akt. Je- 
der, der Maister werden wollte, 
muste ein grobes, ein dickes 
und ein Krontuch weben. 17. 
Järhundert. 

KRÖPFET, >eine andere hatte 
eine kröpfet e Nasen, also dasz 
man sie wollt für aussätzig hal- 
ten.« hs. Die kropfigen Mäd- 
chen oder Btiben, in T&nzen 
öfter. 

KROPHIN adj. zu Krepon. 
Akten. 

EROS, spr. Greas, Halskrause, 
Wolkenkragen. ^ Kreashansel, 
prot. Geistl. Augsb. »Ereasauf- 
tuerin werden, d. h. etwas 
Mühsames untememen. 

EROSPEL, die. »Sein Eamm, 
eine Substanz, welche nicht ver- 
härtete Haut, noch Erospel, 
noch Fleisch ist..< Gockel S. 
Schmell. II, 395: Eruspel. 

EROT, Eröte. >A viater sauft 
asz wie a Erot.« Seh. Erota- 
schinder, kleines Brotmeszer 
der Enaben. Sie (die Spötter b. 
Anblick eines kurzgebliebenen 
Menschen) nennen sie spottweis 
punkete Erotten, Berchtles 
Gamerwaar, kleine Pumpernickel, 
kleine Spizkappen, Grillenreüter, 
Eartenmännel u s.w. ConHn. 

ERUMM adj. >an der krum- 
ben Mitwochem« ogm. 168 f. 43*. 
>£ine krumpe Buolien< als 



294 



Kübdrei(«r — Sieblcui. 



GMnsmtrke. Klinima<»lL Pfarrb. 
>Wo ein krammer Handel 
f&rgangen was unter den Tent- 
■oben -^ sa war ich dooh gewisz 
dabei.« (Verona.) Eleiderb. 117. 

Krtlm, Wise bei Klimmaoh. 
ErSmer Hof, FiBohaoher FL 
N. KrfLmp, Name för eine Streoke 
des Fvoscbbaches. 

KÜBELBEITER hieuen die, 
welche bei öffentlichen Spilen auf 
eine lächerliche Weise die alten 
Turniere naohamten. P. v. Stet* 
ten, Erl. 168. 

Allgemein schwäbiscdi und in 
den Stauden besonders volktäm* 
lieh ist der Tanx: 
Beim Kübelwirt, beimEübel*- 

wirt 
])& keret d'Lnmpa ei, 
Und wenn le 's Geld versoffla band, 
N& schiebet se 's Gläsle ein. 

Dafür Augsb. >Beim Dirgele 
Wirt. 

Wenn mei Muster 's Kübele 

rürt, 
Nao geit sie mier 'n Butter, 
Sie streicht 'n auf n Beasastil 
Und schlagt mir'n auf n Buckel. 
(Niederrieden.) 

In den Stauden heiszt ein Kin- 
derabzälspil : 

Campus h&ot in Kübel gschisza 
Wie vil Nägel ear verbisza 
1, 2, 3, du bist frei. 

KÜCHLE, das bekante schwäb. 
Backwerk, pastillus. Graff IV, 
360. Mein Wbl. 53. In dar Ja- 
cobspfründe : Q u a tem b er k ü c h- 
Uin oad Faanachtsküech* 



lein; beide in Geld später e^ 
sest zu 8 kr. und 20 kr. Unter 
Fasnachtküeohle Terstand 
man oft eine Malseit, eine Ab- 
gabe, Gilt, die ein Gleichber«eii- 
tigter, z. B. Capitelaherr oder 
Höherer bei Lehenslenten sa 
erheben und zu beaiwpnicheii 
hatte. Meistens war esz Etikett* 
Sache. Im Tegemseer Koekbüeli- 
lein komen vor: einzogen« 
Küechl, prannte K. Milch K. 
HaubeteK. BeiConHn: sdbwfib. 
Banrenküechel. Die Kus- 
che Ibacher komen. in der Mfr 
1er 0. ▼. 1786 neben den Beck«, 
Brauen, Meibom, HuckenL, Brask* 
weinem, Drentlern nnd Zuskat- 
bachem vor. Im Fugg. Inv. stei: 
ein Bohr znmKüechlemaehen 
nebst Knechelspiesz. Am 
Liechtmesstage brante Jede^ 
mann in Groszaitingen ein Liedit. 
Die Buben sezten eine Ere d»* 
rein ir Liecht brennend nach 
Hause zu bringen. Wem esz ge- 
lang, bei dem hiesz esz: de am 
muesz ma Küechlen bachsl 
Einem ebbia küechla, auss- 
kochen, bildl. böse (oder spöttiseb). 
KÜCHLEIN wie hochd. im Kin- 
derreim (Stauden): 
Eia popeia schlag s'Kü eh ei- 
chen todt 
Leck mir kein Eier 
Und frisz mir kein Brotl 
Rupfen wir dann die Federchen 

ausz. 
Machen dem Bübchen ein Bett- 
chen drausB. 
Eia popeia, das ist eine Not 



KaoU — Kok 



295 



War tdienki mir 'n Pfennig 
Und Zucker und Broi. 
Vericaof mir mein Bettchen 
Und leg mick aufs Stroh 
Sticht ndoh kein Feder 
Und beisEt mich kein Floh. 

KÜGHL » Knche^ Ku o h e L 
>Lat6ini6che Kitche.« Apo- 
theke.» Alt. 1) Enehindienst 
und Wiegelt« eine Abgabe ap 
Sl Ukiob. ogm« 154 f. 19^ 26. 
27 u. a« w. In Mickhausens 
Bechngn 16. Jhd. oft: Enchl- 
dienet zu Geld angescMa- 
gen neben Hof- und Handdienst. 
2) Knohengeld, Erleggelt, in 
den Web. 0« >Item e* sol ein jeg- 
licher Enecht 6 Pfenning in die 
EuChen geben von einer jeden 
Wodien.< 1549. 3) Echt Augsb. 
ist der Euchenmichel , eine 
AH Eierhabw, ein Auflauf von 
Eiern, Mel, Milch, Zucker, was 
in Weiezenhom a Durranand 
(]>archeiBander), im Riesz 6 m o g* 
gl et 8 heiizt. In Seuse's Briefen: 
Ton wie eine Euehendirn. 
Euchennuz (A.), niederschwb. 
Eucheschmuz, einer der sich 
gerne in der Eüohe bei Mägden 
aufhalt. 

EUDSR, 1) Boden saz d^ ausz- 
gesottemen B«tter. 2) Ein Eü- 
derle Zekentheu. Miokhausens 
Bechgen. 

EUGEL: >also kam ihdi der 
Markgraf zwischen Eugel und 
Zil.< Frank. 

KUH. Eühloch ein altes 
Wirtshaua. Urkundl Eühloch- 
uktküetf Angab. Euhgäasoh&n. 



a. a. 0. Eühbarn, >umb ein 
Thannen zu einem Ehüparn.« 
Forstrechgen. 1664. Heiligen- 
kuhe sieh H. >Wax und Euh- 
zin8en.< Elimmach. PfSeirrbch. 
Herrgottsküehle, Marienkä- 
ferlein: 

Herrgettsküehle 
Fliech über drei Stüehle 
Fliech über da Rhein 
Lasz heint und moara 
Guet Weaterle seil Stauden. 

>A. 1431 verbrannte man 
einen auf einer Euh, die hatte 
er lieb gehabt, c Chron. 1634. S. 
108. A. 1532 ff. hiesz in A. ein 
Protest, geword. Geistlicher Eu h* 
hienl, weil er farsich undscane 
Familie eine Euh herumfürte. 
Ein Herzog Wilhelm von Baiem 
tumierte mit dem tapfem G^org 
Rem, der einen schwarzen 
Stier auf Schild, Wappen und 
Helm fürte und fragte >wer ist 
denn diese schwarze Euh, die 
so tapfer um sich stoszt? >Der 
Dank, sagte er, gehört der schwar- 
zen Euh.« Gttllmann I, 73. Das 
Schlaifen der Verbrecher nach 
dem Richtplaze auf Eüh- Häu- 
ten kam in A. ebenfalls vor. Einen 
Fal vom 7. März 1585 an einem 
Doppelmörder, den man in Stutt- 
gart fieng, fürt Gullmann II, 141 
an, einen 2. v- 1588; der Ver- 
brecher hatte 30 Morde auf sich. 
S. 148. Das Zerreiszen mit glüh- 
enden Zangen war damit ver- 
bunden. 

Euh melk er heiszt eine Art 
Mauerschwalbe^ die «ich gern aof 



296 



Eniea — KuU«n. 



die rahenden Kühe auf d^r Wai* 
de sezen, esz auf das Euter ab- 
sehen, wie das Volk sagt, in der 
Tat aber das Ungeziefer fangen. 
In Oberschwaben heiszt esz: >'s 
Euahalter h6,< d. h. das 237« 
Jar zurückgelegt haben, weil man 
da die Kühe abschlachten musz. 

KÜEEN, kauen. >Brot,Flesch 
k« nur von Menschen gebraucht. 

CHÜMBÜST-PÜTIGIN. ürkd, 
1282. MB. 23. S. 158. 
' KÜMLICH = bequem. >Pyer 
und ain kummelich Trank.< 
cgm. 601 f. 101». Kumelich, 
sonst. Kömblich> geändert, ver- 
beszert und in eine k ö m b 1 i c h e re 
beszere Ordnung gestellt.« Ma- 
rienlied. 1593. Vorrede. Dillingen, 
Maier. 

KÜN. >I>er küne Bach oder 
Gang.< A. 1623 von Herzog Wil- 
helm in Abwesenheit seines Sones 
Maximilians in der Mehringer Au 
zu stechen befohlen, um der Stadt 
das Siebenbrunnenwaszer zu ver- 
meren. Gullmann 2, 144. 

KUND. >Item sie haben sich 
gehalten für die Khunden und 
uns rechte Christen für die ün- 
chunden oder für die Fremden. < 
1385. Horm. 1834. 120. 

>Ains von den Khunden soll 
ains von den Fremden zur Ehe 
nemen.« a. a. 0. 

KÜNDSCHAFT , 1) Auszweisz, 
Zeugnis, auch eine Art Wander- 
buch, das derAnkömling bei der 
Weberzunft dem Altgesellen und 
dieser dem Vorgeer weisen 
musz. »Und so der Fremde sol- 



ches Kundschaft pÜBgi,. als- 
dann soll er zugelaszen W6rden.< 
Weber 0. 1549. »Der Altgaselle, 
der umb die Kundschaft fra- 
get.« 18. Jh. >£ine Kundschaft 
auzfertigen « Auf der Kundsdiaft 
war in Kupfer der Ort der Ansz- 
stellung. 2) K auf e. legen ;= 
auszspähen. 1647. K. ein nemen. 
a.a 0. Ztw. y erkundschaften. 

KUPFERIG, blaurot im Gesicht 
vom Trinken. »Er handelt mit 
Kupfer, er hat ein Kupfer- 
bergwerk < d.h. eine versof- 
fene Nase, ist neu. 

KURREN swv. u. Subai. >Da8 
Murren und Kurren der Israe- 
Uten.« H. S. 

CÜRTISAN. >Und ist Mathaus 
Ehem in einer Schafhaut ein Gu r- 
tisan geworden; und ist N. su 
dem truzlichen Kurdisan gan-^ 
gen« S. 4Ö8». 

KÜSTBROT, das, imStdtr. öf- 
ters. In einem Attgsb. Pergament- 
Blat 16. Jhd. noch >Kustbr6t 
bachtn.« Schazbrot, Probebrot. 
Zu kiusan. Kieser. 

KUTSCHE, eine gemeine K., 
eine stahlgrüne K. >Ingleichen 
soll ihnen bei Leichen, Hochzei- 
ten — nur mit einer gemeinen 
K. in einer stahl grünen K. zu 
faren erlaubt sein.« Poliz. 0. 1683. 
Verdächtige K. musten bei den 
Toren angehalten werden. 

KUTTEN. 1) Bretter, so um 
den äuszersten Teil des Herd- 
kamins festgemacht sind, worauf 
Geschirre sten. Kutten und Ka- 
mine. Memm. Feuer Ordg. 1765. 



Kutteln — Ewittans. 



29T 



Schadlidie Feuerstätten, Ent- 
ten etc. a. a. 0. »An Eümichen 
Kutten, 80 jedesmal durch einen 
unparteiischen und nicht Ordi- 
nankümichkerer besieht werden 
sollen.« >Bauchninge, Yorkümiche 
und Eatten.< Feuer 0. 1731. 
2) Im Fugg. Iny. erscheinen als 
»Raiszkleider< : Schwarze glatt ^a- 
metne Kutten mit Gold prambt 
und feyelbraun gülden stuck aus- 
geschlagen; — Mit Silber prämbt 
ond weissen Atlas. — Mit atlas- 
senen/ Porten prämbt; schwant 
gemusierte Kutten, yom mit 
einem Wambes. -^ Mit Seiden- 
porten prämbt. — Mit Atlasz- 
\ porten prämbt. — Mit güldenem 
Gtesdiling u. Seidenporten u. s. w. 

BaJTTELN, die. In einem Zau- 
berspruche (bei Gonlin) den man 
auf einem Zettel am Halse tra- 
gen muaz, stet: 
Fieber hin, Fieber her 
Lasz dich blicken nimmermehr, 
Fakr derweil in ein wilde Au, 
Das sohafit dir eine alte Frau: 
Sonst muszt du fara in Kutt el- 
fleck, 
Sdiau dann wie dir die Herberg 
schmeckt. 

Kuttelfusz, eine Speise, ge- 
sülzte Knochen. 

KUTTLEB, fartor. cgm. 685 l 
61**. sieh Knecht. J. Kunzel- 
mann, bnrgerl. Kuttelknecht 
in A, Mickhs. Strfb. 1773—75. 

EÜZLEN. >Beszer wäre esz, alle 
Tag ssweimal das hölzerne Kutz- 
1 e n leiden bei den Türken.« Conl. 

KUZEN ewT. maonlare^: »tet 



sich mit kainer torheit be- 
kuzen.< cgm, 681 f. 75**. 
Schm. n, 347. 

KWACKEN, coaxare, sprich 
gädxen. Die Seretshofer ha- 
ben den Stichelnamen Gäeker, 
Käegger d. h. Quacker. Sie gien- 
gen einst mit dem Kreuz in Pro- 
zession in's Lechfeld, da horten 
sie in einer Eäatla che im Yor- 
übergen eine Unzal Frosche 
quacken, waren vor Angst ganz 
bestürzt, warfen Kreuz und Fa- 
nen in die Lache und liefen der 
Heimat zu. Ein Bauer von Pfaf- 
fenhausen gieng an einem Weiher 
vorüber, die Frösche quackten: 
acht, acht, acht! Der Bauer hatte 
12 fl. und war aufgebracht, dasz 
er nur 8 haben soll und warf 
Toll Aerger den Beutel mit dem 
Geld in^El Waszer mit den Wor- 
ten: dao zälets s'ell! DiePfaf- 
fenhauser hören das nicht gerne. 

KWARTAL in den Web. Rech- 
nungen: Weihnächtqtiartal; 
Fastenquartal, Pfingst-, Mi- 
chaelisquartal. Quatember- 
liche halbe Kreuzer, in Web. 
Akten. »Quatemberliche ün- 
kostenv< a. a. A. 

KWEZER, Münzpräger. >Unde 
dazu q u e z a e r unde der gesinde. « 
Stdtr. 

EWITTANZ, Quittung. >Schikt 
er sie — u. damit ein Quit tanz.« 
G. V. Ehingen. > Gegen gebür- 
licher Quittanz etwas entrich- 
ten und bezalen.« ürkde. 1564. 
Publ. d. bist. V. 15. 16. S. 80. 
Quittumb, Ott Huland* 



298 



L hat «men doppelten Laut: 
weioh und dnnipf oder hell 
und scharf. Anlautend ist esz 
imer weiqh, desgleichen nach 
einem langen oder betonten Yo- 
cale. Schmilz, Silz. Nadi einem 
kurzen tont esz wie 11. Je mer 
der vorhergende Yocal zur tiefern 
Ausspräche neigt, desto weicher 
wird das 1, bis 682 sich zulezt 
zum wirklichen Yocale erwaicht; 
je tiefer n&mlich der betonte Yo- 
cal gegen den Gaumen zurück 
aoszgesprochen wird, desto mer 
ist esK auch der Fal mit der 
Auszsprache des^folgenden 1, wel* 
ohes dadurch einen dumpfen, 
holen Laut annimt. Im Bayeri- 
schen erwaicht sich solches Ihzu 
i (j) und zwar am reinsten nach 
u: huiz (Hulz , Holz) u. s. w. 
Nach tiefem a schwankt esz 
zwischen i und e: man glaubt 
kait, kaet = kalt zu hören. Der 
Niederländer wandelt esz in den 
Silben old, olt zu u, was sich 
ausz dem tiefem Laute dee o 
erklärt, teilweise findet auch in 
der Schweiz änliches stat; von 
Zug und Aargan kene ich esz 
selbst. Yrgl. Weinhold, Gramm. 
S. 162. Esz ist eigentümlich, 
dasz die südlichen romani- 
schen Sprachen dise Wande- 
lung nicht kenen , wäreod dodkk 



im firanzös. 1 baldig baldu wird. 
Sollte esz sich unabhai^9 von 
der Nachbarschaft im Norden 
und Osten entwidcelt haben 
oder fand Wechselwirkung stak? 

Wechsel des I mit r, lu schon 
60D. Ursprachen eigen (Bopp Y. 
Gramm. P S. 86. § 20) ipilt im 
schwäbischen Lande , bororal) 
im augsb. C^biete eine nicht ub- 
bedeutendeT Bolle. 

1) Im Anlaute wec^tseln Jchl, 
sehn, sehr, kr, kl, pfl, pfr^ pl, 
pr; sehn, sohl, sehr: scfale- 
bauchen und schnebaueken 
zu altem slegibauohen (sdüüig) 
stend; an sniumo, das aeben 
s 1 i u m o erscheint, darf nicht ge- 
dacht werden. Graff II, l.SohUt- 
terling und SehnätterHng 
(Behlingen) sieh S. Sehränz u. 
SohlänzsiehS. Heuscbliokel 
und Heuschrickel. kr, kl: 
krystieren und klystieren 
b. Luc. Rem. »die doctores cry- 
stierten mich flux.« Kroeiel 
und Klostel cgm. 790 f. 28». 
pfr, pfl: pflaum et Freitag und 
pfraumigerFr (Groszaitingen), 
dazu der Ortsname Pf raunst et- 
ten urkdl. Pflunstetten, Lü- 
ttigs Reichs -Arch. e^icil. ettcl. 
in, 430. Franell und Flanell 
Dise Beispile — esz lieszen sich 
deren weit »er aameln -^ sind 



999 



sehen neben dnander irgendwo 
einheiniisch: eine Form ist angsb. 
schwäbisch, die andere nieder* 
schwäbisch. Die Eindersprache 
dieüberal 1 förr zu sezen pflegt, 
Yollsieht disz auch im Anlauta 
loh teile einen Augsb. Keim mit: 
Ei Jölglelasz dein Di^eispiz waggle 
Flidel duel dein Zapple sattla; 
Nim am Ahn dei AmmeZei 
Alles muesz heint lustig sein. 

Conlin braucht das Wortspil 
>nifir Schamlot (Zeug) als 
Scbamroth.« 

2) Im Inlaute weohseln in 
erster Linie 1 u. r; 1 und n 
ebenso ofb. a) 1 und r: hal- 
bieren, Balbierer ist allgem. 
süddeutsch; Salvet, Serviette; 
■ohmalozen , schmarozen, be- 
sonders ausz des andern Krug 
trinken (Stauden); Dölpel, all- 
gemein stat des alten dörpel, 
dörper: >einen über den 
Dölpel werf en< in der Arcan. 
Nat. 1627 = zum Narren halten; 
lommerig und lommelig, 
waekelnd yon abgeknickten Blu- 
menstengeln, Kerzen, federlosen 
Messern etc. Das fremde Wort 
Kirche erscheint schon althochd. 
doch selten, als C h i 1 i c h a. Kirch- 
beim ob Augsb. heiszt urkundl. 
1067: Chirichäin; v. 1108: Ki- 
1 i c h a i n. Leutkirch erscheint 
schon frühe als Ghilichun; cgm. 
436 f. 3» (Lyrer): Lutkilch. f. 
66*. Felkilch. cgm. 168 .hat 
nur Kilche, in der Kilchen 
f. 24^ an der Kilchwitage, 
Kilchwij&rseit f. 49* 53*. Das 



T. N. hat Kilche, Kilwihe, 
Kilchmaiger. In der alaman. 
Grenzgegend sowol bayerhalb als 
schwübischhalb erscheint nur Kil- 
che, Kilbe, Kilbig von Bot- 
weil an bis in die Schweiz und 
im ganzen AUgaü. Der 0. N. 
Rnderatshofen heiszt nrkdl 
889: Hruoldishoya. Das Land 
Sargans im cgm. 436 f. 67*: Sal* 
ganserland. Margershausen 
0. N. urkdl. 1150: vüla Madel- 
gereshüsen; 15. Jhd.M algers- 
httsen. Herzog von Melan (Me- 
ran). Feigele, Füsz. Chr. Wald- 
berg urkdl. Wertberk Viac. 
27*. neben Wart her g. Langen- 
eringen O.N. urkdl. Eringun, 
A r in ga, hat ein 1 erhalten: Lan- 
ge nerlingo tt. s. w. Ich ver- 
gleiche das mittelalterliche G a r p i 
am schwarzen Meer, das alte 
KaXnti, Thomas, Periplus des 
Pont. £üx. Denkschriften der k. 
bayer. Akad. X. Band. Das ein« 
gewanderte i^a^cf o; (Narde) heiszt 
urspr. nalada. Lassen, Indisch. 
Altert, m, 41. Ueber den Wech- 
sel von r und 1 im Griech. sieh 
Christ, Lautlehre S. 124. 125. 
üeber asiatische Dialekteigenhei- 
ten, Lettner in Kuhn's Ztschrfb. 
VII, 19 ff. Im Deutschen auszer 
Grimm sieh Hahn, ahd. Gramm. 
11. Mhd. Gramm. 24. Lauchert 
24. Weinhold S. 162. Kehrein I, 
§ 140. b) 1 und n: Fazan^tle 
und Fazeldtle sieh F. zorn- 
lingundzorning. Riesz; hauf- 
len neben haüfnen, cumulare, 
wozu warsoheinlioh der Weissen- 



300 



■ieiniflche Flur N. Haifnet und 
Haiflet gehört. Obstler und 
Obszner. Förstner n. Först- 
1er. Die Bischöfl. Straf 0. hat 
f. 24^: Künstner für Künstler. 
Ortsnamen: Wesselbronn cgm. 
570 für das yersteinerte heilige' 
Wort Wessobronn (Altomün- 
ster). Rutenstat bei Nördlingen 
heiszt nrknndL Endeist etten. 
Hermanstetten ist MB. 6,569 
nnd 22, 130; 23, 64— 65: Her- 
molastettin. Vergleiche dazn 
das oberschwäbische Tettnang 
neben dem yolküblichen Tett- 
lang, nrkundl. Tetinano 882. 
Palermo heiszt in Augsb. Chro- 
niken Panormo u. s. w. Une- 
bele (Unebene) eine grosze ge- 
meinschaftliche Oednng nnd ein 
emaliger Waidedistrikt zwischen 
den Gemeinden Pfersee, Stadt- 
bergen, Kriegshaber, Oberhansen 
und Augsb., jeztFest- undExer- 
zierplaz. 

3) Im Auszlaute sind die 
Falle des Wechsels von 1 und r 
ungemein zalreich ; im Augsb. Ge- 
biete besonders. Schlagwort für 
lez teres ist D a 9 d e g r i b 1, Toten- 
graber; Todtengrebel bei S. 
f. 670^ Brigelmeister (Brei- 
ger-) Brantfärer, im Kleiderb. 
Flßschhäckel Stdtr. u. Mezg. 
0. 1549. Ba^imbiggel, Heher. 
Stauden. Lauf fei, Landlaüf- 
felallgem. Vrgl. Schmell. Gramm. 
§. 122. Fuszgengel, Frank. 
Ständer und Ständel, Klei- 
derhänge. Zundel und Zun der. 
Hagelschwanz, Ochsenfisel, 



wenn man Hagen, dasi wirtemb. 
Schwab, ist, nicht nemen will, so 
verweise ich auf bayer. schwäb. 
Hagel, Heigel, Ortsfarre. Kla- 
ge 1, Memm. Stdtr. oft. Sau- 
rampfer n. SaurampfeL mhd. 
Sürampfer. Wb. I, 81, wofor 
häufiger das ülmische Gngganch 
erscheint. Zaireich sind die eör- 
pel bei S. Regiom. 1512. Trqj. 
Krieg. Todtencörpel ebenso. 
Der blutige Cörpel n. s. w. 
Kifel(Kifer) >wadieZanheraQ8s- 
getan.< Augsb. Mezg. 0. 1649. 
Holdelblnost, Astron. 7**. Her- 
bei, Marmel, Glucker, Schntzer- 
steinchen; allgemein süddeutsch. 
Rudel, Ruder, cgm. 267 f. IV. 
113*. »ain schiff 4n Rudel.« 
Kärkel f . (56^ Prangel, andi 
bei Th. Paracelsns, Priol, Prio- 
lin häufig in Urkunden. Pan- 
t e 1 1 i e r, p a n t e 1, panthera. G. Bor. 
Nib. ankel senkhen, hefte, den 
ankhel cgm. 264 f. 7». (bayer.) 
Torwärtel, allgemein Augsb. 
Käuffel, Underkaüffel in 
Schriftwerken. Küchel früherin 
Augsb. üblich; in Mickh. Rech- 
nungen: Kucheldienst. Mir- 
tel, Mirtelöl, Myrten, cgm. 
144. Ungel, Ungarn, die: »item 
a. Dom. 1579 ist der Ungel in 
Öesterreich auferstanden.« Lezt. 
bloszim cgm.226. (Ulrich Füterer.) 
Honigwefel cgm, 97 f. 22. Echt 
volktümlich ist §pruil, Spreuer, 
ahd. spriuwir; bei Füszen: 
gpruibl, anderwärts ggpruil. 
»ggpruil haot mo 'm gsät < sieh 
streuen. Unzifer undUnzibel. 



301 



Raigel u. Baiger. Mörsel n. 
Mörser. MörselBtain T. N. 
Getäfel und Getäfer contig- 
natio. Frank. Täffert neben 
täffeit, part. pass. in Mickh. 
Rechnnngen 1567 , wozu ich den 
oberschwäb. 0. N. T aferts wei- 
le r v^N^leiche, das Tafltsw ei- 
ler gesprochen, orkdl aber Ta- 
gebrechtswilare geschriben 
stet. Tigerfeid auf derschwäb. 
Alb heiszt im Volke Tigelfeld. 
Zeitworter: lottein n. lottern, 
allgem. bnmpern und bum- 
peln, Natnrlaut: klopfen. GonUn: 
Der Vater machte bnmplebump 
Gieng mit dem Schlegel nm's Fasz 

hemm. 
Niederschwäb. bompern. Gräs- 
ze's Jägerbrevier hat S. 9, 39: 
Zemmel f. Ziemer. Im Einder- 
reim Paul: Aorj sieh Peter. 

4} A iLs z f a 1. Allgemein ist a s, 
asz als, sieh mein Wbl. 13. II- 
g:a, Jilga S. W. Modwerfer, 
Maulwurf. Stauden. Augsb. All- 
gemein ist Eear, Keller. Das 1 
in sollen und wollen fällt in 
der Abwandlung besonders gegen 
die alaman. Grenze hin gerne 
ausz: dem mond (müszet) ent- 
spricht sond und wond. Die 
Abwandlung in meinem Wbl. S. 
10. cgm. 168 hat son, sollen: 
des T. N. ir s o n d, w e n d, woUent. 
Das auszlautende 1 in allweil 
fallt gegen die bayerische Grenze 
hin weg oder wird j : 
AUweij jung möcht i bleiba < 
Allweij duggata soll's schneibe 



Grrad daohel uff de plaz 
Wao i siz mit meim sohaz. 

Ettelried. 

Der 0. N. Grimoldsried heiszt 
einmal urkcÜ. Grimantsri^d. 
Viaca, Anhg. 20. Der Ortsname 
Hirschzell (Irsee) heiszt urkdl. 
Herileszella. Hiltefingen, 
O.N. urkdl. Hiltelvinga 1289. 
Egatsweiler heiszt urkdl. £i- 
gileswilare. 9. Jhd. Ichen- 
hausen urkundl. Ich elenhau- 
sen 1032. Der »zergangene< Wei- 
ler Enzweiler urkdl. Enzelwiler. 
1316. Hinzugesezt in : Schlegel- 
berg 0. N. urkdl. Siegeberg. 
Der Flusz Leib lach gen Bre- 
genz urkdL Liubilunaha. 802. 
846. 850. 

5) Verdoppelung. Ausz Ij: 
Brisillenspähne, Familie u. 
s. w. Ib: seil, selber, ser volk- 
üblich und für bayer. Schwaben 
Schlagwort, gell, wachs gelL 
Conlin. Fürld: Willm^etshofen 
0. N. urkdl. Wuldmatshofen, 
sieh oben S. 144^. Die schwach, 
mit -Jan gebildeten Zeitwörter 
haben niederschwäb. 1: zälen, 
wälen, schälen; im bayerisch. 
Schwaben 11: zellen, wellen, 
schellen. Eigentümlich ist Augs. 
Schriften des 15. und 16. Jarhd. 
11 auch nach gedenten langen 
Vocalen : Schall, Schalle, 
Spill, Wiederspill, Sack und 
Meli, Futter und Meli, Tall 
u. s. w. Echt bayeriseh ist disz 
11 auch in Seile u. s. w* cgm. 
487 f. 100. cgm. 786 f. 2». SelL 
Kehrein ^ Grunm. I, 144. Das 



S02 



L — Lache. 



Schlagwort ist Kill, Mille- 
weib, Millesapp^ das Nieder- 
flchwaben nicht kent. 

6) Der Tocalische Nach- 
hall det 1, schon im Ahd. üblich 
wie Ulam, HaUm, Alsmuosa, 
MilichfKelioh— <leztere8haben 
freiUch a, i and n schon urspr. 
nach 1 — ist echtsehwäb. Augsb. 
sieh Näheres^ bei R. 

7) Die Umsezung von r und 
1 in üorle (Ulrich) üorlis- 
bronne bei Klimmach. d» 
norl€ mofo, vomere, allgem. 
▼. Ifatnrlante. Bei S. Uor lieh's 
Kirchen. gearblot= gaurlaubt 
n. s. w. Inschelt u Inschlet. 
Chroniken. 

8) Dasdiminntive -el, wofür 
schwäbisch le, la stet, hat sich 
Ton den Ostlechnachbam bis tief 
ins Attgsburgische herein ver- 
pflanzt. Sohmeller Gramm. S. 
122 halt esz falschlich für einen 
Wechsel des n und 1. 

Xi in Schnellspreohübungen der 
Kinder : Mari ! leg da 2anga X^da 
a! Stauden, In Donauwörth: 
Xang mer da ^anga Xattanagel 
rauszl 

LACH diminutive plurale End- 
ung mit dem Begrif der Menge 
besonders des haufenweise Bei« 
Samenseins: 1 ist der diminutive 
Ueberrest für -lin, -lein und 
ach ist altes ahi = lat. etum. 
Sieh mein Wbl. 95. Schmell §. 802. 
Die alamannischen und schwäbi^ 
sehen Denkmäler haben das Wort 
vom 13. Jarbd. ab nicht selten 



Schon Grieshab. Predigten w^sen 
grieszelach, aemelaoh auf. 
Zu den in der Mundart 8. 81*. 
Sl^. angegebenen Beispilen föge 
ich: »Kleine Fischlach<,piseion« 
los minutos b. Terenz, Andr. II, 
2, 62. chn. 12274 f 10»». (16.Jhd.) 
Die Pfründ. 0. v. 1468: Kuech- 
lach, HasenerUeh. Frank's 
Annalen: zwei Zwilaoh, Stät- 
lach. cgm. 270: merlaek, 
schiechlach, zopflach, cgpan. 
403: HemdUch> DisehUeh, 
Sticklach, Kindlach. Luc 
Rem: Trenklaeh* Die 2 Spis* 
lach in dem Compasz. Eegioxa. 
1512. Der cgm. 601: ÄrmUoh, 
Zepflaoh (Zäpflein), Aüglach 
f. 97^. 104^ 106» cgm. 206 f 
lpl»:Mädlach.cgm.688:hand- 
lach, catelli. cgm. SOS f. 27^. 
körn lach in dem plat. kün- 
lach. Zimerörlach u. s. w. 
meiniu kindlach. cgm. 229 f. 
59^ schäflach cgm. 345-f. 85«. 
lemlach f. 108*. zwaigütlaeh. 
Wemding. ürkde. 1430. Sender 
hat vile Beispile, sieh Mundart 
a, a. 0. und f. 347^ >Di8er Lu- 
ther hat da prediget und detit- 
sche bieohlach geschriben.< 

LACHE, Pfüze, als Flurname 
häufig: Küngslachen , Küns- 
lache urkundl. Laohafeld bei 
Memmenhausen. Vgl. das wirtemb. 
Schur lachen (Buchau), Hun- 
gerlachen (Braunenweiler), 
Gan8lachenäcker(Ennentaoh) 
in der Lache (Wald bei Bis- 
singen und Altensteig, b. Adel- 
berg, Herbertingen, Seibranz o. 



Ludo *-^ Imthet. 



SOS 



8. w. BmiUelil^, Laoher* 
weagäcker (Warmlingen). 

LAI(E, die. l) TotenlAde, Sark 
in A. emak, heute noch da und 
dort übüobef Wort. 2) Die We^ 
berlade. >Soll ein Knappe, so eat 
längstens um 10 Uhr 2u Nachts 
nicht zu Hause wirei für jedes 
solches Üebertreten 1{^ kr. bei 
Straff der Laden, da er yon dem 
Meister alldort angeseigt wurde, 
gestrafft werden; zu dem Ende 
der Maister solch seines Knappen 
Üebertreten bei der Laden an* 
zuzeigen gehaltm se^ 8oU.< Wb. 
0. Daher >yofgdher, Kompröbste, 
Geschwome q, L adonmaister.« 
BeschaidT. 175 1.> ZuBamensezung: 
Ladendiohlen , Ladenfen- 
ster^ Ladontüren >8o gegen 
die il^ehsftrasz aitfgen < >D«- 
Hftusbesizer am Lech mag lieine 
Mauer mit iVt zolligen Brettern 
oder Strichläden wol befri- 
d0n.< Bau 0. 

Ladenpudel inA., ein Kauf- 
mannstisch mit Schubladen, Fä* 
ohem. Zu den Kindern sagt man 
in Behlingen, wenn sie fragen 
was man mitbringt: >A silbemis 
Nizle, a Beitaweile und a Warta 
ISig) und a La die, wao mos 
n'ei duet.< 

LAD£R, LADERIN. Esz gab 
im alten Augsb. Hochzeit- und 
Leiehenladerinen. Die 
Tanz lad er bei Luc. Rem 47. 
In einer alten Hochzeit Ordg. 
»aueh mag man den 4 Tanz- 
ladern und ihren Knechten von 
der Hochzeit Morgens wol ain 



Seppen und ciemlicherweii Wein 
geben , wie dann der Brauch ist 
bishero gewesen; desgleichen die- 
selbe 4 Tanz lader zumHoch«- 
zeit-Nachtmal -^ sezen und hal- 
ten soll.< 

L AFFE, die, Sohnabe) an Wein- 
und Waszerbitschen. Issy. Ober* 
Schwaben. Yrgl. läppen. Ein 
Ztw. 1 äffen komt ebenfalls vor. 

LÄaEL, lagena, in A. Schrift- 
werken 1) elbehält er, »von 
der lägelun zwai phunt oels < 
»bringet ein gast oel her , da^ 
sol er sampt kaufes. verkavffen 
unde nicht minner bi der Läge- 
lun.« Stdtr. 2)MiUhbehälter, 
»also dasz in solchem Geträng 
den alten Baurenweiblin und 
Maidien, die Milch, so sie fall 
hätten, ans den Lägein ver- 
schütt.< Gass. 3) F i sohl ä gel, 
allgem. 4) Weinlägel. »Wein 
in Faszien, Lägein oder Fla- 
schen durfte d^ Pfalzprobst nur 
den Pfalzfahigen hinauszgeben.« 

LAIBEN spr. 1 o i b a, überlassen 
von Speisen für den später kom- 
menden. Allgem. oberschwb. »Hät- 
tigt miarwolwas loiba kdnna.< 
Stand. Niederschwab. üb er lau, 
üeberglaüs (residuae mensae). 
Die alt. Formen b. Schmoll. IL 
408 ff. Niedersächs. leTcn. »Der 
Handwerksbursohe bittet um die 
Loibede und zeigt stat des 
Passes seinen Löffel.< Red. A. 

LAICHEN swv. jagen, treiben; 
»Und hond da Yoarstand schier 
zum Teufel glaicht Seh. Stet 
zu einem alten laikjan, spviii* 



804 



Lftllan — Lang. 



gen machen; sieh meine Erld. in 
Knhn'f Ztsch. XII, 451. 

LALLEN Bwv. ungezogen, mut- 
willig poltern, lärmen; daher 
Lalle. Strasse. In Behlingen sagt 
man Ton einem boszhaften Bu- 
ben: »Dear icrt glallet und 
yerbosztvc 

LAMM, das, als Osterabgabe 
im Giltbuche cgm. 154 f. 81^ 
L&mmern, das Hemd vom und 
hinten zu den Hosen herausz- 
häagen. IllertaL Auf dem Herts- 
felde >k albern«. Vgl. d. March- 
talisehen Lämmer hell er, eine 
Oilt. 

LAND. Lander (im AUgäu) 
9tarke Dachschindeln stat der 
Ziegel; landrig, dürr, mager. 
Landflaisch unterschid man: 
>aering Landflesch.« Akt. 1675. 
Landsbuben: 
Vor Gassentreter euch hüten 
Zulezt pin ich euch verpieten 
Landzbuben, die im Land um- 

faren 
Diesselben sollen ihr sparen. Alt. 
Spruch Anfangs 16. Jarhd. in 
Augsb gedruckt. 
Landrousz bei Lindau: vom 
Thau benezt. 

LANDSHUT, die Stadt. >Was 
hilft es einen schönen güldenen 
Becher haben, und darinnen nichts 
als einen sauren Landshuter 
Wein?« Conlin. 

Ein Spruch in den Stauden 
heiszt: 

Wao bist hear? YonLandshut. 
Ist*s Broat ao guet? 
Hab itt rägschnitta. 



Ist der Weag ao weit? 

I hab 'n itt gmesza. 

Ist's Waszer ao tief? 

I bin nett nei gwadda. 

Waorum bist so trotzig? 

I hab gheirat. 

Was haost verheiret? 

A 'n alts Pelzle. 

Was ka's? 

Ringle giesza. 

Wie vil gieszts im Tag? 

Elfa.' 

Wie vil geigt um 'n Kreuzer? 

Zwölfa. 

I wünsch dir Glück? 

I brauch kein Glück, 

Bin seall so gschickt. 

LANG stm. Frühling. Lech- 
brücke. Längs, bei Füszen. 
Glenz, Glangs, hie und da in 
Schwab. Augsb. Arzneibüchern. 

LANG, longufi. In Flurnamen 
häufig : L a n g e w i s e n. Sniunmach. 
Lang aus, eine lange Kegelban. 
Langstacklig, mit langen Bei- 
nen. AUgaü. Auch altbayerisch. 
Lange Tag. >Die Jungfemhöf 
und Compagnien, die man sonst 
1 a n g e D ä g genennt. < JareinmaL 
L a n g w a t, weifischer abgegange- 
ner Ort bei Türkheim, unfern 
der Ettringer Ziegelhütte. Saal- 
buch V. Schwabeck 1431: >Büohel 
mit Holz, genannt Langquat- 
berg stoszet hereinwärts gen 
dem Dorf — und auszerhalb gen 
Langwat zu der Hub.« >Lanc- 
wate« XII. Jh. Steichele I, 334. 
Zacher 239. Langwate heiszt 
die Quelle der Biber im Warm- 
tale. (Wirtemb.) 



Läpp — LfttoeÜe. 



805 



LÄPP, der. >Der arme Wei- 
be rlapp.^r Conlin. Läppisch, 
närrisch. In den Chroniken heiszt 
die mythische Zisabergsage 
»ein läppisch gediohtr« Gass. 
»Dasz die Kirch auf dem Milch- 
murkt Ton der Silvanenmilch ge- 
macht war worden, ist aber läp- 
pischer won.« Grass. »Liesze er 
2 Glockentüm von des leppi- 
schen Volks Almosen aufbauen. < 
a. a. 0. >Leppischer Abei^ 
glaube.« a. a. 0. Ein verwe- 
gener Dieb, a. 1608 gefangen -und 
gehängt, schrieb bei wiederhol- 
tem Einbruch ins Rathaus auf 
des Bauschreibers' Tisch: 
Meine Herrn sind rechte Lappen: 
Sie können den Higgi^iaygehayo 
nicht ertappen. 
Cbnmann 2, 183. Mein Wbl. 56. 

LAPPEN swv. 1) oft trinken; 
läppericht, mit kraftloser Brühe 
vberfüUtes Gemüse u. Suppe. Von 
Hunden, Ochsen : Waszer 1 a pp a^= 
saufen Stauden. 2) >Dasz die Kar- 
ren etliche Stunden um das Haus 
hemm gegangen, und keiner die 
Tor hat können finden: sie tap- 
pen hin, tappen her, tappen oben, 
tappen unten, läppen hin, läp- 
pen her, läppen oben, läppen 
unten; haben nie die Tür funden.< 
CoQlin. 

LARIFAEI oft im H. S. 

LÄSZIN, das Aderlaszen; in 
derAstr. 80^: »4 Lessiueu sind 
in dem jaure, iii den esbesunder 
gut lauszen ist: der erst an St 
Blasistag; der ander uff 8ant 



Philipp u. St. Jacobstag in mai- 
gen; der dritt an Bt. Bartholo- 
maeustag, der viert an St. Mar- 
tinstag.< 

LÄSTIG adj. abgeschmackt, 
sieh öd. xi du bi)t lästig !< >de 
lästi^a eada Leut.« Stauden. 

LATERNE in den» halb all- 
gaüischen Tanze: 
Und aMa, dea nemma kS, 
Dea muesz a Furma weara; 
und wenn 'r nemma schnöUa kha, 
Nä spörrt man in d'Lateara. 

Die Lepzinger hängten einer 
blinden Kuh gemäsz Ratsbe- 
schlusz a Lateara an, und trie- 
ben sie zu Markte, damit die 
Juden nicht merkten, dasz sie 
blind wäre. 

LATSCH swf. 1) besond. weiner- 
licher, verzogener Mund, pöbelhaft. 
Aarg. latschen, weinen. >D^ 
woisz i scho, drum halt del 
Latsch, verzottlete Karfreitags- 
rätsch!« Seh. 24. 2) Schlaufe am 
Heusaile, womit der Wisbaum 
am Hinter- und Vorderwagen be- 
festigt wird. Ztw. anlatschen. 
Dietenheim, Illertal. Auf dem 
Hertsfelde LSz. Niederschwäb. 
Sc hl au ff t. Esz gibt auch Flur 
N. Letscher, Lescher? 

Lätschen = pf latschen' im 
AUgaü. 

LATSCHARESONNTAG, der 
Sonntag Laetare; im Allgaü'get 
alles ins Wirtshaus und iszt 
Schnecken und Stockfische. Esz 
wird daStärke und Schönheit 
getrunken und abgetrunken. 

LATSCHE heiszen die von Mör« 
20 



306 



Latte — Laoien. 



gen: sie gelten als dumme Leute. 
Latsch, adj. schläfrig, gienend, 
bei groszer Hize matt. 

LATTE in dem Strafbuche des 
Weberhauses. »Der ist über die 
Latten gangen<, von Exceszen. 
Yrgl. niederschwäb. > durch die 
L. genc entfliehen; >über die L. 
hauen« Excesze begen. 

LÄTTELN, Lättele werfen, 
kleine Steinplättchen auf dem 
Waszerspiegel dahin werfen. Pfaf- 
fenhausen und sonst. Anderwärts 
flaigern, flözen, Schiffle- 
machen. Sieh das Morgenbl. v. 
1816. Nr. 16—19. 

LATWERE, Astr. 2^ onegu j. 

LAUB in den Waldnamen Lau- 
ber und Laüber. Laübera- 
holz. Münster. Laubera, vom 
Bocke = Laub an den Hecken na- 
schen. Löb^r^rtail, Hölzlein 
in Mickh. Urkd. Hans Wegelin, 
Inhaber des Lob er feldes. cgm. 
2237. Laubergasze von Amer- 
bach nach Wemdingen. Laub- 
taler, die sog. französ. Hgen taler 
>abgekippte Laubtaler<. 
Akt. 1726—61. Ein Dekret von 
1767 ward vom Kate erlaszen 
wegen »abgekippterfalscher 
L aubthaler<. Kai. v. 1769.S. 30. 

LAUBE, L AÜBLE, allgm. L ei- 
bele, Abtrit, in A. seit dem vori- 
gen Jh. nur mer als Schülersprache 
üblich. Ueber die Ableitung sieh 
mein Wbl. s. v. ImAugsb. Stdtr. 
ist ausz dem XV. Jh. f 22»>. eine 
Randglosse, welche den Gebrauch 
des Wortes feststelt. >Wan si 
mit gottes hilfe diustat gemeret 



hat imd der Hute mer worden 
sint, genüget niht, daz man diu 
Laubline niwer an zwaien ste- 
ten in den Lech gen sei als von 
alter an dem buche gestanden 
ist. Und habent diu Batgeben ge- 
sezet, daz man alliu laubline 
niwer in dem Winter räumen und 
furben sol und sol iederman in 
den Lech heiszen tragen bi der 
naht und an chainem tage. Sie 
habent auch gesezet, swan der 
rihter diu laüblin furben sol, 
daz er daz niwer bi der naht 
tun sol und in dem winter und 
sol bewaren, daz man ez in die 
sträze niht schütte oder an die 
wende iti chlaibe. — So hat je- 
der burger wol gewalt^ daz er zu 
einem laubline gewinne die im 
alre beste tügent.< Sp. 2. >ünde 
sol auch des leyblins niwan 
dri schuhe stan ob dem Leche.< 
»Ez ensol euch niemen kein leüb- 
lin haben, wan daz bedeckt si.« 
Gloss. f 69». In den Web. Rech- 
nungen erscheint Sekret und 
und Prevet dafür: >item wenn 
man das Sekret oder haimlich 
G m a c h r ommen will. « » Hat man 
das Prevet gromt.« 

LAUFEN, LÄUFER, Lauf- 
gelt. Schwab, ist laufen = gen 
überhaupt. Die >Laufe«, Diar- 
rhöe bei Kälbern, Stauden; nieder- 
schwäb. »die Laufete< auch 
von Menschen. Lau fei, eine 
Magd, die nicht gerne arbeitet, 
dafür aber herumschlendern mag. 
Unter lauf er, >Yrider dasgepot 
tund auch die Underlauffer 



Laagen — Laustem. 



307 



and ünderlauiferin , die da 
poischaft füren zwischen Frauen 
und Mannen und die sie ein- und 
auszlaszen.« cgm. 269 f. 4. In 
der Müle: >Ein jedlicher Boden 
«oll in einer Mahnülin eines hal- 
ben Zolles weiter sein, dann cLer 
iL auf f er.« >So an einer jeden Mu- 
lin^ solle der Boden anderhalb 
Zoll höher sein — die Zarch.an 
einer jeden jieugebauten Malmüle 
eoUe ob dem La-uffer V> Zoll 
Höhe haben.« Sigertshof. Mül-O. 
>Der obere Mülstain, sonsten 
der La uff er genannt.« Faulha- 
ber 1617. Augsb. Frank. Lauf- 
■geld erhielten in A. solche, die 
»sich in den Krieg schreiben 
lieszen.< Ordnungen von 1647. 
Laufende Knechte ^ die Ange- 
worbenen. 

^AÜGEN swv. Zinn u. Kupfer 
reinigen; sieh ablieben. 

LAUNZELE, Kazename, Lieb- 
kosong. 

LAURA, die, am Wagen das 
Verbindungsholz der Leiter mit 
der äuszersten Axe. AUgäu. Grosz- 
aitingen. 

LAUS in der Schelte: du bigt 
a Lausbua! der andere sagt: 
da9 deine Laus seil ra! Laus- 
blume, Colchicum auctumnale. 
Pfaffenh. Lauskaserne, scherz- 
weise altaugsburgisch für Haar- 
beutel. Lauskerll Schelte. 

Beime zusamen: 
Schullehrer arbeit mit Fleisz, 
D'Kaza fanget Maus, 
D'Bettelleut band Laus. Burg. 



Ein Lied in den Stauden heiszt: 
A Schinder und a Laus 
Die voadret a-n-ander 'rou^z; 
Die Laus die ist so keck 
Und wirft da Schinder in Dreck. 

Ein Kinderreim: 
Der Schneider und a Laus 
Die foadret se a-n-ander rousz; 
Der Schneider nimt da Elastab 
Und schlecht der Laus a Bip- 

pa-n-a. 
Dia Laus die keart se um 
Und sohlecht da Schneider krum. 
Die schlecht da Schneider auf da 
glinka Fuesz 
Dasz der Schneider zum' Schin- 
der muesz. 

Mäggele, mägg mä 
A Schüszele vol Hä 
A Schüszele voll Laus 
Ist 'm Schneider sei Speis. 

LAUSMETTEN , Landes , hör. 
can. Im cgm. 168 »man sol ouch 
niemer gelüten ze lausmetti 
und nach dem tischsegen.< f 1*. 
>Swelch collect man aber an vä- 
het in der wochen, die sol man 
ze lausmetti anyahen.< f. 2*. 
>die antiphonas ze lausmetti.< 
f. 4^ >ze lausmetti an allen 
sunnentagen.« f. 5*. 5*». 7*. u. s. w. 

LAÜSNIKEL, Schelte: >Dieser 
Hauswolf, sein Weib, hat ihme 
die schmächlichste Namen geg^ 
ben, unter andern hat sie ihn 
öfters einen Lausnickel ge- 
nannt. < Conlin. 

LAUSTEBN swv. lauem, sonst 
scrutari, perscrutari. >Alfi er da 
20* 



ao6 



LAitgarben — Ledi. 



— gegen derMeai — auf miMre 
KmHeote gelanttert.« Gas. 
>Jladk das Wihprett n a c lu gagea 
and mnsehriiigen lanttern und 
w«ieii.c Hozog Ulridia Erlau 
1543 Rep^ IT, 78. Lojtterer, 
ezplorator. Jim. XomencL >In* 
Inans: blnttrentL« Dint 1,356. 
L ACTGARBEK, Metnerabgabe. 



LAXIEBKITTEL biesc emals 
•eherzwdse inA. der Schlafrock. 

LAZ, fltm. 1) Band wie mhd. 
Weigand, Wb. II, 15. >da warf 
im K. ain bandzwecbell mit einem 
Laz aa Hak und znckhten ibn 
berab.« 8. t SllV 2) Schieber, 
Yorsdiieber. Allgao. 

LEBZÜCHT, die, Xarong, Fort- 
komen. iDasz alleBrief^ darinnen 
einem ein Lebsncht Terschri- 
ben gewetoi — noUen casnert 
mid an%eboben werdoi.« Ga». 
»Welche jr nnd dem Stattlin Frid- 
beig, als jrer Morgengab — nnd 
darauf sie die Leb zn cht hatte.« 
a. a. 0. SchmelL fort Leb- 
sncht auf. 

L£ in dem merkwürdigen 
Worte >Ganzenle<. Xieder- 
8chwal>en spricht ai in Burga- 
lai Birhtinle sieh mein Wbl. s. v. 
Das Volk nm das Gnnzenle 
bemm mnste, wenn esz das Wort 
noch bitte, Gonzalea sagen. 
Sieh oben E. S. 133^ Ich fore 
ansz Ffeiffer's Abhandig. G^erm. I, 
81 ff. die Formen an: Concio- 
legis, Ganzelen. Conciole- 
gnm, Cnncile, Gancile, Cont- 
selech, Gunzenld, Gunzele, 



Gvnzxille^ tMmrmng tob S.88 
IL an. BeiGaai. Cnasileeb >aa 

genannt wnrde nd aar Imili di 
erbaut ward.c üeber die wnricb- 
tige Meinimg. ab aei eine Borg 
dagestanden sieh S. 88. a. a. 0. 
Dise Angabe Tor CmsiBs. BeiOan. 
stet nodi Contsilaeb «. 6an- 
zileeh. Ueber sebaifes b, bh der 
Lecfalente sieb Lsattere T«m H. 
LECH. Licas. Im Stadtr. stet: 
»wie wit die Laeebe sia 
— »Der naehste Laeeli 
dem berge, der da beiazei Lai- 
poldes Laeeh, der aal kabsa 
swelf sehnbe an der wittn. der 
ander Laeeh, der da beisset 
Kiessinges Laeeb, dar mA 
▼iemeben sebabe wii sin. der 
dritte, der da heizzet des GeamTl- 
aers Laecb, der sol aadi Tier- 
za^en Sduhe wit sin. der Tisrde 
der da haiazet des Rotigers 
Laeeh, der sol saehzadiea sdinhe 
wit sin.« Jezt zerfiUlt der Lech 
indenhintern, mittlem nnd 
vordem Lech. Der hintere 
nnd mittlere Lech hieszen die 
2 Arme des Stadtbaches, die sich 
beim ürsolakloster Yon einander 
teilen. Der vordere L., Brnn- 
nenlech, entspringt inderMeh- 
ringer An, 4 Std. von der Stadt. 
Der Ochsenlech: gegen das 
Krankenhaus hin wird der Spar- 
ren lach so genannt. Der Lan- 
t e r 1 e c h entspringt an der Land- 
strasze nachFridberg. 300 Schritte 
östlich vom Schwibogentore gibt 
der Stadtlech einen nordwärts 



Leckeria *— Lehen. 



909 



B Arm ab, der Sparren* 
genannt. Lechmeister- 

ist eine Fortsezong dee 
abaches. Bei Gass. wird der 
Binger oder Badlech er- 
»kömpt ausserhalb des 
Idbogena. aoss dem Lech 
) Statt < In der Bronn. 0. 
754 wird einSchwallech 

dem vordem L. genannt. 
m Lechfeld begint süd- 
on Haunstetten, zieht sich 
inken Ufer des Lechs hin 
#Bdsberg, wärend esz am 
m Vier bis an die Höhen 
tfehringen und Eissingen 
anszbreitet. Lechgaüer 
jde alten Lioatea. Gass. Die 
hütte vor dem Schwi- 
lior. Grass. Lechhütten 
m a. 1548 den Mezgem über 
«echkanälen erbaut, des 
jGestankes halben. »Das 
ifelder Heu< in Chron. 

16S4. Ul »Waszerinden 
. tragen.« wie allgem. In 
au.O.: Lechabläsze »hat 
feeehworene Amt alle Jar 
svonlichen Zeit die Yisita- 
ow.ol an der Sinkel, als 
n Lechabläsisen beibur- 
hen Gutem zu verrichten, 
eichen selbiges zum wenig- 
die 3 Jar einmal die Lech- 
In der Baehmüttern in den 
»ken d.. Stadt ebei^lls zu 
(pen verbunden.« I, 12. 
iraumung (M^lerpflicht)» 
varwarung au Verhüt- 
\m Hmeinfallens. §1. 52. 
(3K^L£ beliebter Augsb. 



Auszdruck för Lebkuchen, Pfef- 
ferkuchen. <^ Leckzelten und 
Lesaelten sieh unten. Leckisch 
adj »So gar au *8 löckisckt 
unter all, und % dümmischt Thiar 
dös wau's nua geit.« Scl^ 
Legkerlin? Im Gilib. pgm. 



154 f. 7'. 



8^. if, s. V. »Mer 



1 sack Roggen, 2 Legkerlin 

am 3. j&r 3 Legkerlin. Mer 1 

Aychacher Mezen ILegkerlin« 

U.S. w. od. istLeg-kärlin(kar) 

anzusezen? In den Stauden oft 

Leezelta. 

Hau a hänsle aufbaut 

Und mit Leazelta deckt; 

lazt kommet die Narra 

Und Ireszet mdrs wag|^ 

Leckmel T. N. 

LEDfG in der Red. A. ^Le- 
dig sterba ist |tu ett veBreckt.t 
Allgaü Ztw ledigen, bedien, 
vacuiure. Haltaua 1214 »Das ich 
nit sobald darvon ledigen 
moi^t.« G. V. Ehingen 24 , 10. 
ledigen, abledigen y. Ki^euze. 
Bebenh. Päss. f. 1* »Von Ge- 
b.resten ledigt.< J. Frischlin. 

L£GM£SS£ sieh oben Dreis- 
zigist; die speist in derGoittes- 
acker-Kapelle unmitt^UMur nach 
der Beerdigung gehaltene ftiUe 
Me«9e; in den Stauden, in Rcin- 
hardshausen einst üblicliik, jeat sel- 
tener. Reinhardsh Pfarrbuch. 

LEHEN hat sich noch jezt er* 
halten >far langst gefallene Ver- 
hältnisse« in Flurnamen ^. s. w. 
Lehha, Währing. Flnr {f. neben 
Erblecha. Lehner: Halbbauer, 
der ein »Lehen« hat und mit 2 



3io 



Leiben. 



Pferden ackert. Wertachtal. Alte 
verschwundene Benennungen : 
Holzlehen, Prugglehen, 
Pfefferlehen (1242). Zacher's 
Sohwabeck 81. 111. Im Giltbdi. 
cgm. 154 f. 1^ »von ainem k en- 
ge liehen 1 Schaff Boggen ge- 
striehen.< Forstlehen 16^ 37^ 
Vischlehen,' 23*. Gastels- 
lehen7^ Burgelbeckenlehen 
8». Greinerlehen 9». Eugel- 
lehen 9^ sieh Eongellehen. 
>yerlehenter Man< häufig im 
Stdtr. Lehenbüchel b. Wie- 
dergeltipgen. Lehen gut seh er 
öfters in Pol. Ordnungen (1785). 
Ln Schwab münchn er D erf- 
rechte (Herberger Schwabmün- 
ohen S. 20 ff.) stet: >Auch hat 
der Amtmann gute >Gastlehen< 
deren eines 8 Schaff Kern gibt, 
»wofür er einen guten Mar- 
8tall< haben soll, um dem Bi- 
schöfe, ^enn er traf- und nieder- 
ritte, >die Rosse zu stellen, 
so vile zu seinem Sattel ge- 
hör en.< Bedürfte er ihrer zuvil, 
BÖ soll er die Nachbarn bitten, 
dasz sie ihm die übrigen Rosse 
stellen nach seinem Willen. Im 
DorfSe sind auch 2 bischöfliche 
Hoffischer. Eomt der Bischof, so 
sollen sie ihr Hofhez nehmen 
und bis nach Erringen gehen und 
ihrNez einsezen bis herab in das 
Dorf, worauf dann jedermann 
fisehenkann. Den Fischern sollen 
daJFar die »2 Elobellehen« im 
DorfeFlax geben zur Auszbeszer- 
ung der Neze. Das >Garten- 
lehen< soll dem Bischof, wenn 



er in das Dorf kömt , Eraut ge- 
nug geben. Wenn man an St. 
Georgentag die Läinmer «usa- 
menbrin gt, soll sie der > T r i b e n- 
lehner< hüten, damit sie der 
Bischof, wenn er körne, haben 
könnte. Wollte er reisen, so sollte 
sie ihm der Triebenlehner 
nachtreiben bis nach Denklingen. 
Das >Schüssellehen« solidem 
Bischof, wenn er komt, in dem 
Amthof Schüsseln geben. Esz 
sind auch da 8 Sellehen, von 
denen jedes 8 Schilling gibt und 
2 Gänse, femer 60 Erblehen, 
y(jn denen eines 22 Hetzen Eem 
gibt und 24 Motzen Haber und 
2 Hüner. Im Dorfe sind 2 Mü- 
len, die man am Montag öffnet. 
Sie sollen sovil laisten als >2 Erb- 
lüh en.< In dem bischöfl. ürbar^ 
V, 1316 (Viaca 9): >item est ibi 
(Geggingen) 'Bett erleben sol- 
yens annuatim ducenta picaria.« 
Dise picaria sind die auf allen 
bischöflichfeu Betterlehen (wo 
die Betten für das bischöfl Nacht' 
lager aufbehalten wurden) gehaf- 
tete Verbindlichkeit zur jär liehen 
Lieferung von Faden 8 trän gen, 
hier von 200. Ebendort heiszt 
esz >bei Bembeuem mit Zuge- 
hörde wieder ein Bet he riehen 
mit der jär liehen Abgabe von 
12 picariis fili.< 

LEIBEN, LEIB, LEIBDING. 
Im cgm. 154 stet: »Und ist in* 
verleibt auf die obengenannten 
Leib.< f. 86^. Und ein leben ist 
verleibt. 60^ >Ir beider Suns 
Leib und als oft ein Leib ab- 



Leiche — Leikauf. 



311 



get, 80 soll allweg der ältest en- 
p h ahen.« 60^ >1 Lehen verleybt 
zu 6 Leyben, stet noch auf 2 
leyb.« 51» >l8t im allein anf 
seinen leib verlifaen. 54^ Ein- 
verleibung. >A.lles von der 
Geistlichen Boden erkaufte 6e- 
traid solle bei einer geistlichen 
Kanzlei, Rentamt oder Schreib- 
stuben mit Einverleibung des 
Jares, Monatstages richtig be- 
scheinet werden.« Vergleich von 
1662. Leipding. >das L. ist 
auf iren Leib allein.« cgm. 154 
f. 13^ Im Mindeltal Leibniat 
sieh mein Wbl. Allgaü: Lid dm, 
>wer in der Miete hübet.« 

Leibig, adj. >Leibig und 
fleischig soll die Saügamme sein.« 
ogm. 601 f. 09*. >Der Sanguineus 
ist leib ig und faist.« Regiom. 
1518. Tn der Leibe, FlurN. b. 
Günzburg. 

LEICHE, LEICHT beide ganz 
▼erschiden, volketymologisch zu-< 
sftmengestellt. Mein Wb. s. v. 
»Menelaus füret Prothesilaum mit 
herrlicher Leicht hinausz; esz 
richtet auch Achilles dem Pa- 
troklo totensjHl auf.< Troj. Krg. 
71» In Bobingen ladet jezt noch 
der Todtengräber nach Zuschar- 
ning des Grabes die Umstenden 
ein: »Nach dem Kirch ist al- 
le fr ein geladen in die Leicht- 
8upp.« Die Leichensagerin 
in A. schwarz gekleidet, läutet 
an der Türglocke des Hauses; 
schaute man hinausz, rief sie: 
. >N. N. ist gestorben. N. N. laszt 
bitten um 9 Ur in Gottesdienst; 



um 10 ür in die Lei cht.< Früher 
nämlich war, wie in Lechhausen, 
der Leichengottesdienst vor dem 
Begräbnis, adj. lichig, mortuus 
im Memm. Stdtr. in der Rechts* 
Sprache: »die da vor gericht li- 
chig stand, von lebend getan 
habent.« 

LEIKAUF 1) sieh mein Wbl. 
s.v. >ünd dieweil das Ley kauf- 
trinken für hochnaehteilig und 
schädlich erfunden wi^d, solhin- 
füran kain Ley kauf um mini- 
cherlei Waar oder Kauf getrun- 
ken werden; aber einen ziem- 
lichen Leikauf mit Geld zu 
geben und zu nemen sol hiemit 
unverboten sein.< Der Stadt Be- 
ruf 1541 bl. 4». Weberhaus -In- 
schrift: Vier weisze Tuch schenkt 
man der Frauen zum Ley kauf, 
thet uns nicht gereuen. 

2>^M ietpfenning, Geld, arrha, 
das auf die Hand gegeben wird. 
Verleikaufen swv. Angeld auf 
etwas Gedingtes, Gemietetes ge- 
ben z. B. beim Auf dingen der 
Dienstboten. >Item, ob sich aini- 
cher Eehalt zu ainer Herrschaft 
verdinget und den Ley kauf f 
empfangen hatte, der soll zuver- 
sprochner Zeit in den Dienst tre- 
ten « Poliz. Ordg. 1553. Lithüs, 
caupona im Stdtr. >daz reht, alff 
davor geschriben stät sol man 
halten umbe all pfaffen, die man 
in lithüsern findet< u. s. w. 
In (Grässe's) Jägerbrevier 8. 16, 72 : 
Wolhin, wol hin zum Leithaus: 
Da schlägt kein Reis die Augen 
ausz. 



312 



Leim — Leonhard. 



LEIMspr. loim: > etliche alte 
Baum sonderlich alte Aychen und 
dfln Leim darinnen, auch das 
Feuer und jWaszer angel)eten.€ 
Gass. Flur N. sind häufig, weil 
die >Le im grübe« der ser wich- 
ügis Gemeindeplaz ist. Leim- 
grube, Acker bei Wahringen. 
»Auf dem L ay m.< cgm. 154 f. 47^ 

LEINWAT, neben Lei wat, die 
weis che, erscheint in einem Ver- 
gleiche y. 1688.. Das A<^. lein- 
waten oft im Fugg. Inv. »Vil- 
leichi trägt derselbe Boden lau- 
ter wilde Trampel (Weiber), 
welche da Gesichter haben wie 
ein AUgayer Leinwand, so 
nur auf einer Seiten geblaicht. € 
Conlin. 

LEIREN, in den, groszes Grä- 
berfeld zwischen Nassenbenren 
und Hausen. .Steichele I, 302, 
dar fälschlich auf hleo hinweist. 
Leir er, Gaunername. 1650. An- 
4ere solche Namen lEeszelil 659. 
Sohramenhansel 1677. Hen- 
nenhengst a. a. 0. Yarfasti. 
Bazenbab(1702). Pfeifer-Hie- 
sel (1703). Pommerin (1705), 
Hurenwirtin. 

LEISTEN, Streifen in den Bar- 
chetstoffen; in den Web Akten 
häufig. Groszlaistet, Klein- 
laistet vom Bettbarchet. P^in 
groszlaisteter B. unter 12 
Leisten war gänzlich verboten. 

LEITE, bayr. häufiger, erhöhtes 
Fluszufer. Leitaberg heisztdas 
linke Wertachufer vom Sandberg 
an, y. Bannacker bis Türkheim: 
>Holz, so er (der Bischof) aus 



dem Allgöwischen Gebürgen oder 
Leitten auf der Wertach hieher 
bringen liesze.« Gass. Leu tau, 
ebendaselbst mit der St. Alto- 
kapelle. Leitengasse inBe- 
benhausen. 

LEIZSGHBIRNBAÜM >d& man 
zältl468, da sazterein leizsch- 
birnbaum zu dem brunnan.« 
cgm. 92 f. 31. ? 

LENDEN, ländcA im Trcj. 
Krg. oft. hinzulenden; der 
Lend hinzurucken, zu d. Lende 
hineinfaren u. s. w. 

LEONHARD ,^ St. der sohwä- 
bisch und bayerisch gleich be- 
liebte VolksheiHge. Die Aoai- 
sprache ist yerschiden: Leet, 
Leetrit; Leart, Leartrit, 
Lienert, -rit; in Yolmaringen 
(bei Horb, Wirtemb.) stand ein- 
stens eine Loakapelle, der 
Plaz heiszt heute Lo^-dorf. In 
Burgau trägt^ man am Feste St. 
L. >'s Leartle« eine Holzsohni- 
zerei mit der Prozeszion herum. 
Inchenhofen heiszt von seiner 
Wallfart geradezu St. Lienhard. 
In der Kirche waren ausz ge- 
opferten Ketten Eisenmassen 
bis zu 2 Vi Zentnern als sogen. 
»Leartsnegel< zurUebungder 
Andacht der Wallfarenden herum- 
getragen u. s. w. Baiser, Wap- 
pen etc. lOP. Lerd oder Leon- 
hard s n a g e 1 zu B uttenwisen hiesz 
ein V« Zentner schweres Bild 
(Göze); an der St. Leonhards- 
kirchweih wurde er yon stark^i 
Burschen betend, oft kniend und 
rutschend in aufrechter Stellung 



Lachen. 



318 



mühsam am die Kirche getragen. 
Raiser's Viaca 1829 S. 6»». 

Im angab, imd gansen wir- 
temb. Gebiete bis an die Alb wa- 
ren die St. Leonhards ritte; 
in Niederschwaben seltener, an 
mmachen Orten weisz man« gar 
niohte daTon. Die gewönliehe 
Site, wie sie in B-laiohen im 
Günztale vor 60 Jaren statfand 
^ederholt sich überall. Die Pfer- 
debeeizer erschienen mit Getraid- 
sacken als Kirchenoi^er. Nach 
der Benediktion gieng der Bit 
«uf grossem Umwege mit den 
leeren Sacken nachHause) wobei 
allerlei Unfbg mit dem »Wett- 
reiten< geschah. In Billenhan- 
sen bei Krummbach Teranglüdcte 
ein Krommbacher Bürgersson, 
worauf Ton d. Polizei der >L e a r t- 
Titi verboten ward In Ha- 
bertsweilec fand auch die Be- 
nediktion stat, in der Kapelle; 
in Hiltafingen ebenfalls; än- 
li<^ rit man am St Yeitstag 
nach Münster. (Elimmach.) A. 1403 
warf anf freiem Felde vor dem 
€töggingertor die St L e o nh a r ds- 
k a pel le in A. ^t groszem Turm 
erbaut. A. 1542 niedergeriszen. 
£az ist eine eigentümliche Er^ 
scheinung , dasz im bayerischen 
Sebwaben und nicht blosz erst 
aeit der S&kularsation St. L. ftusz- 
schlieszend als der geerteste 
Heilige der Landbevölkerung gilt, 
gerade wie in Tirol, in Altbayem ; 
dasz er aber in wirtemb. Schwa- 
ben mit St Wendelin auftrit, 
wlireid Jär Niederschwaben wie 



£är die Oberpfalz der lezte^e vor- 
zugsweise als Yiehpatron in An- 
sehen stet Eine andere Eigen- 
tümlichkeit ist hinwieder, dasz 
in Oberschwaben wie in Altbayern 
und Tirol die S. Leonhards- 
kirchen fast imer das Warzei- 
chen iragfen, und dasz somit der 
Dienst des Heiligen, wie in Bayern 
so auch in Schwaben sich ganz 
gldchfÖrmig anszgebildet haben 
musz: esz fragt sich nur, welcher 
der beiden Stämme sich zuerst 
disem Dienste zuwendete, um in 
sodann auf den Nachbar über- 
zutragen, denn darausz würde 
sich mancher Schlusz ziehen laszen 
auf das Verhältnis beider Stäm- 
me zu einander. Manche M3rtho- 
logen wollen in diesem Heiligen 
den Gott Fr 6 oder Fr«yr er- 
kennen , - weil beide in das Amt 
einet Reisepatrons sich teilen, so- 
wie in das eines Gefangenenpa- 
trons, doch habe ich nirgends 
vernomen dasz zu Eren des Hei- 
ligen auch das Minnetrinken stat- 
finde. L. Rem ruft auf smner Reise 
und in seinen AngelegenheiteA 
S. L. imer an. 

LERCHEN. >Sich auf das Ler- 
chen begeben.« Poliz. 0. »Wann 
auch etliche Jar-her einige faul- 
lenzende Bürgern sich allein da- 
rum in das Lere he nlosz schrei- 
ben lassen, dasz sie die erlaubte 
Zeit über ob den Dörfern unge- 
scheut zeren möchten, sonsten 
aber wed^ den Zeug dazu ge- 
habt, noch einen Vogel zu fangen 
begert.« Poliz. 0. Die Lerchen- 



314 



Lerhäinler — Leze. 



pläze Bind häufig in Yergleichen 
erwänt. Mit Hochgarn 1er- 
chen. 1624. Lerchen-Neze, 
odc^r Nezlein sollten nicht mer 
denn 18 Klafter lang sein; die 
Zal bei keiner Partei 80 über- 
^igen (1618). Die höhen Ler- 
ehen-Neze waren nur bestirn- 
ten Leuten gestattet. Die Pfale 
oder Lerchen pläz musten we- 
nigstens 200 Schritte von einan- 
der geschlagen werden. In einem 
Vrgl. V 1670 erscheinen als bi- 
schöfliche Lerchenpläze die 3 
zu den beiden Aitingen^ Graben, 
Mittelstätten und Ottmarsh^usen 

B. 8* W. 

LEBHAÜSLER der blosz ein 
Hans, aber keine Güter hat : T a g- 
löner one Gemeindenuzeti. 
Lechrain. Groszaitingen. 

*LERNEN Lernknecht,Ler- 
bube bei allen Zünften. Ein frem- 
der Lernknecht hatte beim 
Emtrit in die Lerjare (Ersizjare) 
10 fl , ein hiesiger Bürgersson 
12 fl. , ein hiesiger Maistersson 
6 fl. zu bezalen: gleich nachdem 
Einschreiben V», ani Ende eines 
Jares V^- Ein zu entrichtendes 
Lerngelt, das nicht par abge- 
stattet wenden kan. Das Lern- 
geld bei den Sailem bei drei- 
järiger L er zeit betrug 10 fl. 
Nach Abtrit des erseszenenL er n- 
knechtes muste der Maister 2 
Jare mit einem neuen Lemknecht 
auszsezen. 

LETTENWIRT, beim, alte 
Augsb. Schenke. Esz gab noch 
»beim Lerhaus wirt.< >Beim 



bayer Wirt.< >Beim Parität- 
wirt.« >Bei dem Turner.4 >B. 
weiszen Rössel.« Fähret, 
im Botenlädlein u. s. w. 

LEUCHTE, die, Herd. Kromm- 
bach. 

LEÜMÜT stm. hliumuni. Sieh 
mein Wbl. 59. Die Angsb. Steuer 
Ordg. hat Leumuth; ebenso G. 
Müller. >Den bösen leümden^av 
swaigen.« ogm. 568 f. 184^ Ztw. 
die »allerverleumudten Mar- 
terer.« cgm. 635 f. P. >döward 
sein heilikeit verlenmunt in 
weiten landen.« cgm 539 f. 10*. 

LEZE, die 1) Belonnng, Trink- 
geld. >ünd band nit ain heller 
zu Lezen gelauszen.« S. 622^ 
>Und (Maxim. I) schenkt uns da- 
rauf im Chore' zu Lezin ein un- 
gerischen Ochsen < S. 849^ Ztw. 
1 e £ e n, zechen. > £^ ist ain fraind- 
lichs guts Mendlin gewesen -r- 
und mit ihm gen Nacht geeszen 
und mit jm gelezt.« S. 858^. 2) 
Landwer, Schuzwerk. Daher der 
abgeg. Ort Lezen an der'Strasze 
von Immenstadt nach Kempten. 
Die Seiter von Lezen, teils von 
Lindau teils vom Stift Kempten 
abhängige Lehens leüte. L e z g r a- 
ben, fossa extremitatem s. fines 
claudens et defendens. Haltaus 
1262. >Allwo die Grenzen zwischen 
der Landvogtei Schwaben u. der 
Herrschaft Tettnang angefangen, 
bis an den Hag am Lerchenberg, 
demselben Hag nach dem L e t s ch- 
gr aben zu und solchem Letsch- 
graben nach durch das Wueroh 
am Holz.« 1594. Wegelin II, 150. 



LeEg — Lieoht. 



315 



LEZG, lectio. Ich fnre an die 
in A. üblichen von Capuzinem 
for die Frauen gehaltenen Vor- 
trage im 2. und 8. Jarzehnt des 
16. Jhds. »Und sind an dieLez« 
gen gangen vil Frauen und Man.« 
S. 886*. »Reich und Arme haben 
darnach der Lezgen mit einan- 
der z e ch e nt u nd sind die Frauen 
hinder die -Se hui gangen. .(Wei- 
berschule, noch heute.) a. a. 0. 
> Ain Mezger hat haimlich erfaren, 
dasz sein Fraw auch an die Lez- 
gen ist ganzen und hat sein 
Spech auf sie gehept.< a. a. 0. 
>Komm her und sag mir die Lez- 
gen auf, was du gelemet hast.< 
886^- Einem die >Leczen sagen 
oder lesen.« Tauleri Senn. 

LEZT in den asket. Büchern, 
Liedern t'- »an unserm lezten 
End.« Die 7 Pforten. Ein Lied 
von 1593" (Dillingen): 
Am lezten End 
Ich bitt, nicht, wend 
Von mir in meinem Sterben! 

LICHNEN 8WV. »Der Melan- 
cholische wird' gel ich n et dem 
alter.i Astr. 31». 

LID, das, Lücke, Deckel. >Li- 
der- oder Pfahllöcher auf der 
Reichsstrasz.i BauO. »sollen be- 
deckt sein.« a a. 0. »DiePfal- 
Löcher auf Beichsstrasz zum 
Wetneinlegen sollen änderst nicht 
vergönnt werden zu machen, sie 
werden dann mit starken eisenen 
Deckeln verwahrt, damit Nie- 
mand verunglücken möge,< 11,48. 
Ueberlid, Augendeokel. Astron. 

LIDDIEGH adj. »Welcher den 



andern bluetrisz , doch nit bain- 
schrott, lam, lieddich Oder mais- 
selwund, schlecht oder verwun- 
det,« u. s. w >ltem welcher den 
andern bainschrott', lieddiech 
häfftend oder maisselwund oder 
jne bainbruchig , letzig oder lam 
schlecht oder sticht — ist die 
peen 5 Pfund häller.« Bischöfl. 
Straf 0. 18»>. 

LIDERN swV. prügeln. 
Z'Bibera 
Tuet ma oin' lidera. Oberschw. 

LIDLON: in der alten Rechts- 
praxis in A. gieng verfallener 
Hauszins bei Gericht dem Lid- 
Ion vor. >Dieweilen aber zweier- 
lei Lrdlon, nemlich einer, den 
man den Dienstboten schul- 
dig i s t, der ander umb gemachte 
Arbeit, so get das Dienstgelt vor 
gemachter Arbeit.« Ordgen. 1647. 

LIEB in asket. Schriften, be^ 
sonders, in den 7 Porten stet oft: 
>Ein Vaterunser in die Lieb 
nemen.« »Lieblich und gütlich 
vertragen.« Urkd«i8prache(1410). 
Lieplieh versönen. Wemding. 
Urkd. 1450. 

LIECHT. Geschrenkte Liech- 
ter. S 259^ Bei Lieohtzeit. 
Feuer 0. und Brauer 0. 1731. 
Liechtnus Lieehtmesse. > An 
unser L. Frauentag zu Liecht- 
nus gait man jn die gewonliche 
Speis.« Pfründ 0. 1462. Liech- 
mesz, Liechtmisz,oftin Schrift- 
werken. Das Stdtr. ze liehmesse. 
Memm. Stdtr. »Es'sol auch nie- 
mand hie zu Memmingen uff de- 
hslin ander ZilMftgd dingen, 



316 



LiadevEeli — LiAg. 



den uff unser Frauentag zu L i c h t- 
mess.« Ein Lieehtmesz^tltar 
zu ü. L. Franen Kirche. Chron. 
1684.108. Das ewige Liecht in 
Klimmach, weit und breit bekant, 
weil As. Borger esz seit lange 
«nterhalten; esz datiert sieb 
dise Gabe von einer Prozeszion 
z. Klimmacb. Heiltnm her; sieh 
Elimmach. Liecht braten war 
eine Malzeit, welche die Maister 
iren Knappen gaben, nm Mi- 
chaeli, weil dort schon das Ar- 
beiten bei Liecht anfieng. 

>Die Maister nnd Maisterinnen 
des Weberhandwerks sollen denen 
Webersknappen im ganzen Jar 
nicht mer, dann die 4 hernach 
benamste Fest als den Dinzel- 
tag, den Lichtbraten, St. 
Martinstag und Fasnacht nur 
zum Kachtmal halten. < 0. 17. 
Jarhd. Fiür L. stet bisweilen 
Liechtgans. Im Fugg. Tut. 
Messingene Liechtpuzer. 

LIEDERLICH 1) von Kranken, 
elend, schlecht daran. 2) »Darumb 
sol sich ein jeder briester nit 
lyederlich hindern laszen klein 
Sachen noch gro8z.< Messbch. 1*. 

LIESEL. »die hölzerneLie- 
sel< InBuchloe, sieh mein Volks- 
tüml. II, 219 ff. Die Pelzliesel 
im Schiosze Denf statten bei 
Dinkelsbuhl, eine der yilen 3 
Jungfernsagen r die Panzer 
sorgfältig samelte. Freiherr von 
S'dckendorf, K. Kammerherr 
und Archivsekretär in Stuttgart, 
dessen Eigentum Deufstetten ist, 
schrieb mir die Sage auf. Die 3 



Schwestern teilten das Greld; mit 
Schaffein ward dar Haufe gemes- 
sen; die jüngst«, EUsabet, betrog 
durch Bestreichen der Sieke mit 
Leim die 2 Schwestern und ward 
reich, ser reich. Im Winter gieng 
sie in kostbaren Felsen , woher 
siePelzlieselhiesz. ^eTorgrub 
ir Yile#(}eld, starb undmnszum- 
g^n, bis sie erlöst wird. Sie get 
in Pelzwerk um und Manch« 
hat sie schon nUehtlieherweile 
des Winters unter dem Schlosz- 
tore gesehen mit sehwarzem Gbls^ 
tuche und Sohluszelbund. ~ 

UGBa^, 1) im Wodienbetle 
ligen, >sie ligt.< Strssze. 2) 
von Zinsen, Schulden: ♦An alten 
verlegeiien Schulden.« Miok- 
hausens Rechnungen 1569. Li- 
gerling, Baumstamm 3 — 6" didc, 
14—15' lang, womit die Flötze 
zusamenbefestigt werden. A^. 
>mit beständigen ligerhaften 
Krankheiten behafftete.< Alte 
Pfleg. 0. 

LINDISCH, Lündisoh, Tuch 
von London, erscheint bei S. bl. 
382^ als Altartuch in der Kirche: 
>und alle Altar mit schwarzen 
Lindischen Tiechem be'.lekt.« 

LINDACH bei Zusraarshausen 
im Reime: 

Linda, Scheppa und Au 
Laufet alle a-n-ander nao. 

LINDAU im yolktüml. R^me 
(Stauden): 

Lindau ligt am Bodasea 
Wear^s nett glaubt kann's sel- 
ber seh. 

LING in Fischnamen: Seim- 



Linhut ^-* Loden. 



317 



ling, Pfrilling b. Send. f. 544% 
wa als Speise: Alet, Brechsen, 
Esohlach, Rotten, Bersich, 
Sänglen, Plateislach ge- 
nannt sind 

LINHÜT, Lynhntt: »pauch- 
locb lynkntt vel fewerloch, fo- 
ramen.« ogm. 685 f. 55*. 

LINK, im Yolke glinkh, 
greacbt. DieLinkeod.Links- 
g e i g e r heissen die Gundelfinger ; 
ein Terhönender Maskensug der 
Laninger nach G^ wo alles links 
verrichtet ward, trag schlimme 
Fruchte, denn die Blonzen, 
welche die G. denLaningem be* 
reiteten, rochen garstig. 

LINTGRABEN, Weiler, ürkdl 
>ei» honsgebnwen hat, daa dem 
Lintgraben« u. s. w. 

LIÜMT, L i n m d, fkma in utram- 
qne partem. Str.: >ein'anliümt 
bringe*« »nnliümt machen.« 
>beliamunden.€ >in liumnnt 
bHngen.« Memminger Stdtr. be- 
1 im den. Si^ Leomut. 

LIPPEL, Philipp. 
Wie der Acker so die Bneben, 
Wie der Maister so die Buchen, 
Wie der J&ger also die Jagd, 
Wie die Frau also die Magd, 
Wieder Philipp also derLippel, 
Wie der Praceptor also der Dis- 
cipel. Conlin. 

LO, LOH, sp. L&e als Wald- 
name. Grimm. R.A. 774 z= Wald- 
aue, Wise. Loholz b. Nassen- 
fels. L&eäcker bei Elimmach. 
Weyherloch b. Zusmarshausen. 
Sparloch b. Schellenbach. S e eg- 
lohe 0. N. Sieglohe 0. N. 



Span loh, Wld. b. Mindelheim 
1579. Schlechalohtail, WiU- 
metshof. Flum Badloh tail. a. 
a. 0. Kazenloh bei Dietkirch. 
Hesselloh b. Ried (Neuburg). 
Lobach beiSeng. Schrailoeh, 
0. N. BrantUa, Holzkopf bei 
Malgereshausen. Der w e i s z e 
L&dghau, St einlohäker, Rein- 
hardshausen. L&ehaus b. Elim- 
mach. L&9l^of bei Mindelheim. 
Lohe hieszen 3 kleine Wäldchen, 
eine Art vorgeschobener Posten 
der Waldregion nördlich vom 
Kobel am Abfal des Breitfeldes 
gegen das Schmuttertal. Ich kenne 
im Wirtemb. c. 50 Flur- u. Wald- 
namen mit -.loh. Die Ortsnamen 
mit -loh ziehen sich durch ganz 
Deutschland bis in die Nieder- 
lande hinein. Wol zu unterschei- 
den ist: Laoch-, m Lochd.orf 
urkdl. 12. Jh. Lohdorf— Oster- 
lauchdorf, Westerlauch- 
dorf — an derGranze v.Eaufb. 
und dem Mindeltal. Urspr. &, 
volkstüml. au, ao, weist auf 
-lach, -lächpaum == GHlnze, 
Schlagbaum hin u. stet zu altem 
lekein, incidere. 

LOCH allgem. für Ge^ngnis. 
Bei G. Müller: > hernach gen 
Loch gefart und als Aufwigler 
und Fridensstörer beschuldigt.« 
Lochen, ein Loch machen. Ober* 
Schwaben nalocha, begraben. 
Neue Löcher machen, neue 
Schulden aufhäufen. 

LODEN allgem. ein ganzes 
Stück leinens oder woÜens Tuch. 
Lodweber, Wollenweber. Nach 



818 



Löffel — Löszen. 



einer Urkunde v. 1629 wurden den 
HaUBarmen , katol. Bürgersleu- 
ten järlich acween graue und 
sween schwarze Loden von 
den Zeohpflegern auszgeteilt 

LÖFFEL, >mitdemgro8zen 
L. escen« zu Grast geladen eszen, 
einem groszen Gastmale beiwo- 
nen. — Im Hart. Invent. komen 
Fomblöffel, Fischl^ffel, 
Schopflöffel , Rundkellen 
oder Löffel vor. A. 1457 an St. 
Jacol>stag gfibt N. »all ihr Gut, 
Ligendes und Fahrendes, Löffel 
oder L&.ffelwerts< 15. und 16. 
Pub! des bist. V. v. Schwb. u. 
N. 104, 97. 

In den Stand, hörte ich: 

So wie mein Löffel ist, 

So ist mein Stil, mein Stil, 

So wie mel Schwester ist. 

So geits ett vil. 

LOMBER, ein beim Bubenspil 
übliches in Knoten gebundenes 
gedrehtes Taschentuch; nieder- 
schwäbisch Plumpfsa ck. Riesz. 

LOMMER wird von Taig-, 
Dampfnudeln gebraucht, die recht 
luftig, leicht, porös sind. Klmch. 
lummelig in Niederschwaben 
hängend, one Feder besonders v. 
Meszem u. s. w. 

LON in folgenden Verbindun- 
gen: Handlon,Holzschniter- 
lon. Mickh. Rechngn. 1560. Fur- 
ien von Wildprät. Potenlon; 
Hochzeiter -Für Ion. Mickhaus. 
Magdlon im Weberhaus. Lon- 
garben, Schpnefeld. ürkd. 1476. 

LONER, Achsennagel. 



LORENZ in d. Bed.A. »einen 
krummen L. machen« unge- 
0ohickt 8. Complimente machen. 
Lorensiberg'bei Leder. 

LORCHEN , Spottruf der We- 
ber, besonders von Seite der Stu- 
denten früherer Zeit in A. Wto- 
scheinlich auf ire hölenartigen 
Dunken sich beziehend. 

LORKEN, Lurken swv. stot- 
tern. IllertaL Lerken, (Diemer's 
Auszgabe d. Yoraner ha.) balbu- 
tire; bei Frauenlob : lirket, bal- 
butit; anderwärts lerpen und 
und 1 er p s e n. Böhmenkirch, Gun- 
delsheim. 

LORREIER f. Heustrange auf 
der Wise. Ztw. lorreien. Hier- 
tal, AUgaü. In den Straszenort. 
Schlau. Ztw. aufschlauen. 

LOSER, Luser, sieh oben 
>auflusen.< Loser auf! Die 
Oren auf t Seh. >Tund uira Lo- 
ser beszeraufl« Seh. >Heimjiici^e 
Lüsner.c Constanz. ürkde. 1431. 
(Aufhorcher, Speher.) 

LÖSZELN swv. Zauberei, aber- 
gläubisches Zeug treiben, die Zu- 
kunft zu erforschen. Conlin: 
Wann manche nicht erwarten kann 
Was sie bekomm vor einen Mann 
Paszt sie was in der Lössels- 

nacht 
Der Teufel ihr vor Blendwerk 
macht. 

Sieh mein Yolkstüml. I, 342 
Anmerkg. 2. Schmell. H, 504. 
LÖSZENswv. l)auszlöszen. »Also 
under demselben ist am allerersten 
die Helena dem Menelao on alles 
1 ö s s e n zugestellt worden. < T. Krg. 



Low •— Luft. 



319 



2) »Um die Andromache hat man 
angehept zu löszen.« 52*. 

LOSZ, hlauts; 1) Bankloss, 
Mesgerbanklosz in deirMesg. 
Sprache. Mezgerbanklösung; 
die B&nke wurden verloszt. Sieh 
Bank. 2)Lo8Z8tul, ein durch's 
L68Z zugefallener Eirehenstul. In 
der Wahringer Pfarr-Registratur 
fand ich eine Stulordnung von 
1713. »Hatdiehinterlaszene Toch- 
ter -*- zum Exempel welche der 
Terstorbenen Mutter Loszstul er- 
heben zollte, schon vorhinein ei- 
nen Loszstul oder Hausstul, 
solle kein Recht haben zu die- 
sem StuL< >£s darf ewig kein 
Hausstul mit einem Loszstul 
auch yicissim kein Los ztsul mit 
einem Hausstul vertauscht werden. 
Wol aber ausz erheblichen Ur- 
sachen ein Hausstul mit einem 
andern H au ffs tu 1 oder ein Losz- 
stul mit einem andern Losz- 
8tul.< a. a. 0. Neben denLosz- 
nnd Hausstülen werden dort 
Weibsstüle, Mannsstüle er- 
want >£inen Stul zum Haus 
machen.« Red. A. a. a. 0. 

L0S2i,die, spr. loasz, Mutter- 
sehwein; als Schelte: du Ladsz! 
des i§t a L49sz! für unsitliche 
Weibspersonen. AHgem. 

LOTSCHEN swm. Lumpen; 
lotschig, zerlumpt , lumpig, 
aohlampig, schludrig. Allgaü. 

LOTTER, ein Bret vom Hin- 
terofen an die nächste Wand, ein 
Bänklein, Q f ab ä n kl e sonst. »Auf 
'm L o 1 1 e r liga. < Mindeltal u.sonst. 

L 1 1 er, Jörgen, ein Giltmanns- 



name v. St. Ulrich cgm. 154 f. 
39^ Lotterbube. >Was ist ein 
Lotterbub? Der die Leut 
schmechet u. betreuget, ein thier 
das den todtschlag mit sich trägt.« 
Hauszucht. 

LÜBSTÜCKEL, ligusticum, levi- 
sticum; Lübstukb. Regiom. 1512. 
Liebstöckel; b. Kalw u. sonst. 
Leibstückle. Weigd.Wbn.48 ff. 

LUCKEN, als Servitute sieh 
Erbe. I^i der alten Ulmer Dorf- 
stechersprache : >Die Lucken u. 
Laisz zwischen denen Bi^ren.« 
Martin Müller S. 44. Schnepfa- 
liigg^j Wld. bei Hart. Adj. luk, 
locker > Weilen die Erd lück- 
lich und weich.« Mart. Müller 
S. 7. »Die Moser lugg.< Felix 
Faber. 

LUDER als rohe Schelte in d. 
Stauden: >Du bist so a schwarz 
LuaderwieMorau.« Luadrisch 
als Superl. gebraucht: 1. krank, 
1. grosz, 1. wenig u. |. w 

LÜEN swv. >Und geleich als 
ein hund hub er an schreyen, 
und lue n als lang, bis er in 
kurz darnach ain schämlich end 
seines lebens nam.< cgm. 402 f 38^. 

LUFT. »Zu den Lüften« 
heiszt eine alte Taferne auf dem 
Walle in A., ein Tanzunterhalt- 
ungsort der Soldaten. Durch- 
luft, Durchzug, >dasz die Stu- 
ben iren völligen Durchlufft 
habe.« Furttenbach. Red. A. >Die 
Jugend musz Luft haben. < Cönl. 
Adj. >ich für allwegen luftig« 
Kldb. erluftigen,Ztw.Buxh.Chr. 
erlttffternv.Pestkleider. 0.1647. 



820 



Luge — • lioas. 



LÜ6K Red. A. »Wenndearan 
der e r sten Luge verstickt wir, 
nao dät 'r sohon 4 Jaor nimma 
leaba.« Burgau. 

LÜGEN sieh oben guggen. 
»Do liesz Noe ainen rappen aus 
der arohen und sandt den herausz, 
dasz er lugen solte.« cgm. 
206 f. 26»». 

LUGINSLAND , der , in A. a. 
1430 gebaut. Sohieszen die ema- 
ligen Warttürme, besonders zu 
Anfang des 16. Jh. zugleich mit 
ansehentlichen Bauten, Kirchen, 
Bath&usem, Glockentürmen, er- 
richtet als Zierden und bleibende 
Denkmäler ausz der Zeit der 
reichsunmittelbaren Verhältnisse 
in den Reichsstädten. Zu Ulm an 
der hl. Ereuzkirche war ein L. 
a. 1610 abgebrochen. Auch die 
Wilhelmshöhe biesz so. M Vocab. 
S. Galli ist Logs tat, cubile, 
specus; dasGraffH, 192 als Lot- 
stat und davon Grimm gleich- 
falls falsch in die Gramm. III, 46 
hinnam. In e. ürkde. v. 1265 bei 
Mone Ztschrft. III, 77 erscheint 
Lugun. >Der Lueg<: >8ach ein 
Fix aus seinem Lueg.c cgm. 
264 f. 4«». (= Loch, Hole.) 

LÜIKEN, Wisen bei Schwab- 
münchen. 

LUIXA, die, Groszaitingen. Die 
Axensiange , welche die Leiter 
mit der Lunne verbindet. Leis- 
sam, La^ssam, Luixel, Lais- 
zing sonst. 

LÜMMEL. >Die Pfarremer 
L.< heiszen die als Raufbolde ver- 



tofarienen Borsobe des Bezirks 
Horgau — Pfarrei genannt. 
A^ glümmlet: »was saift du 
f lilaimlets bauravich c 8<di. 29. 

LUHP; im Mickhaas. Stralh. 
«ird einer gestrafb, »weilen sein 
Weib sie Lumpen gescholten. < 
1778 — 76. Femer >mit ihre Vor- 
fahren sei ernur gelumpet.« 

LUNGAWURST Name einer al- 
t«n A. Tafeme; jezt Jakobsapo- 
theke. Leberwurst inMünchen. 

LUNNE wasLonar obMi. Lo- 
zapfa, Hertfeld. >Mer SLonen.« 
Sufschmidreohnung 17 Jarh. In 
einer Glosse IX jh. (Diutll, 172): 
luni, homemli, qui in extremita- 
te axis fiunt, ne de.eo rota laba- 
tur. Aarg. Löm, Lung, Lon. 

LÜPPELN, LÜPPEREI, Zau- 
berei treiben. In ekiem Beicht- 
spigel des XV. saec. cgm. 643 t 
50b stet: »daz ich den gelauben 
gevelscht h&n mit segen ausspre- 
chen, luppeln, zaubern, tauben- 
geschrai und darzu an trawm 
gelaubt hab vnd des alles nicht 
bestat ist noch bewart von der 
heiligen Christenheit. < — >Nit an 
L Upper ei glauben.« cgm. 402 
f. 171^ Vrgl. got. lubL 

LÜRTSCII im Kleiderb. 146: 
> 4 Ding last sich nicht verbergen, 
nemlichen die Lieb, der Huest, 
das Fewr oder Waszer und der 
Schmerz , aber es was von Haus 
aus lurtsch.« 

LÜSZ, LÜSZ uralter aUgem. 
Schwab. Flurn. Graslusz, ürkd. 
1440. »In der Liszen.« Türkh. 
Urkd. >Mlr gibt er von SLüszen 



Lutel -- M. 



821 



n Moringeii.« cgm. 154 f. 44**. 
»In der langen Lüsz.« Min* 
leltal. Lusz, Währinger Wuien. 
Der Lnsz, ein Waldteil, par- 
KeUenweise auszgelogzt (in Min- 
delheim). In den L i s z e n gelegen. 
Miekhs. Akt 1610. Die Li sz in 
B^mataried. Auf der L u sz ha 1 d- 
en beim St. Mangstrit (Füszen). 



Feigele. Horm. > abgegrabene ur- 
bar gemachte Moorgründe.« 

LUTEL, LUZEL, Saugläpplein. 
>d'Bearnstailuttel.< A. 

LüZEL,Eafelazel,eineEafe- 
trinkerin. >Die alte Luzel beim 
untern Tor hat 3 Kinder, wel- 
chen sie kümmerlich das Brot 
schaffen. < Go||lin . 



M. 



1) Altes m, an dessen Stelle 
ipater n auftrit, hat sich im Yolks- 
nande und in Denkmälern des 
15. Jhs. augfsburgfisch-schwäbisch 
flriialten. 

Die alten Formen Bodem, 
Fadem, Gadem, Besem, Bu- 
sem leben mündlich noch zer- 
•treat fort. In Niederschwaben 
ist m im Diminitivum erhalten: 
Bö.demle nur noch von Hauben- 
boden der bäurischen Tracht üb- 
1m^; Fädemle u. nach falscher 
Analogie: Kettemle,Lädemle, 
Fearscham , Fearschämle 
^d. femana. Hie und da: Gä- 
demle. Mein Wbl. S. 62. 1. 
^hriftliche Denkmäler: üf dem 
ö'dbodem. cgm. 736f. 17» po- 
dem cgm. 681 f. 112»>. frucht- 
Wer Bodem. Gass. ungeschlach- 
^ Bodem 8 gewesen, a. a. 
0. Schenreii und Bödem. a. 



a. 0. pesem, himml. Braut. Mit 
Schaufel und Bäsem. a. a. 0. 
Ahd. pesamo, pesmo= scopa 
Gramm. P. 625 Gadem b. S. 
unzäligemal: >der Dachstul hat 
3 Gadem hoch.« f. 570. ahd. 
kadum, camera. Bei disem 
Worte erscheint schon ser frühe 
n. -vadm cgm. 817 f. 53% Bu- 
sem bei Dr Müller häufig; >die 
Lügen selber wieder in Busem 
geschoben.« a. a. 0. Das noch 
unerklärte Wort Harn — bei 
Luther Harm — erscheint auf- 
fallender Weise im cgm. 601 f. 
96^ und öfter mit m: härm. 
Mhd. imd ahd. komt nur harn 
vor. Sovil ich bis jezt urteilen 
kan , scheint härm fast spezi- 
fisch bayer. codd. eigen; kinds- 
harm cgm 144 f. 7^ (schwäb.) 
Der bayer cgm. 317 hat: harm- 
stein, harmesvarb, weisser, 
21 



322 



roter härm, kin dsharm, harm- 
winde n. 8. w. Turm mit spä- 
tem m kent die schwäb. Mund- 
art nicht. 

Vergl. Schleicher, Sprache S. 
210. 211. 

2) Die gleichfalls ser alte Wan- 
delung des ursprünglichen n zu 
m vor Lippenlauten, der beszern 
Auszsprache wegen, erscheint in 
volkstümlich Schriftwerken, wie 
mundartlich , ungemein häufig. 
Yernumft, Zumft, lezteres auch 
urkdl. Hamf, samft, Hamfl 
(Handvoll), mumpfeln, denMund 
voll haben u. s. w Disz ist all- 
gemein süddeutsch. Schriftliche 
Denkm. : das mundartlich allgem. 
übliche Im bis z erscheint urkdl. 
and ist auch ahd. und mhd. — 
hamffwerk. cgm. 317 f. 65^ 
weimber, Augsb. HallO. 1736. 
amblik cgm. 140 f. 27«. Allgem. 
ist Nürmberg, Nürmberger 
Elen, auch in Ulmischen Ordgn. 
Mumpfel schon in Grieshbrs. 
Predigt. II, XX. vernempt, ver- 
nannt, sich versprochen haben, 
nemmet, 1301. Beliebt und in 
Schweiz. Schriften üblich ist das 
in Mickh. Urkd. oft vorkomende 
Leutenampt, Lütenampt. 
1683. Vrgl. Weinhold , Gramm. 
§ 167. Weigand Wb. II, 78. 

4) Altes -mb, -mp wofür spä- 
ter mm einstand — sieh un- 
ten Lautlere des N — hat sich 
in schwäbisch - augsburgischen 
Denkmälern und im Volks- 
munde erhalten. Wampe got. 
vamba, venter; Wämp stier, 



Sauberer und Yerkaüfi^ der Ein- 
geweide des geschlachteten Yiehs; 
eine niedere Klasse der Me^er. 
>Da Wampa vol haunc schwan- 
ger sein. Imben, Imble, Im- 
bastock. Kampel, pecten. 
Lamp, Lämple. krump. Da- 
bei will ich bemerken', dasz die 
bayerische Mundart altes mb, 
mp durchausz gewart hat, wä- 
rend die augsb. schwäb. Fälle 
mit weniger Auszname (Imben, 
Kampel) von den benachbarten 
Ostlechleuten eingeschleppt sind. 
Doch hört man noch im Mindel- 
tale: krump. 

In den Schriftwerken erscheint 
Wampst neben Wanst und 
W a m m e n. > Ein Lambskrös sampt 
Wämpstlen.< iGelüng, Rüssel, 
Zeen, Troschel, Wammen.« 
Mezg. 0. 1549. Für Lemplin 
u. s. w. wird esz keiner Beleg- 
stellen bedürfen. An disen Tor- 
gang lenen sich die vilen Ausz- 
wüchse vom mb, mp, wo sie ge- 
radezu unorganisch und oft häsz- 
lich zu nennen sind. Zu den oben 
B augefarten Fällen (S. 40»») füge 
ich noch: Kettamb (Mindeltal), 
Schiszelramb, Harter Invent. 
Nachkömbling, Währ. Pfarrb. 
Gehorsam b, Ordg. 1647. Inder 
Chronik v. 1634. S. 1201 stet eine 
Art Pasquill, in dem die Flick 
-b bis zum Eckel wiederkeren: 
Das Evangelium — 
ist iiT und thum&, wa ich hin- 

komb 
ist alles krum&, von den Pabst- 

thum& 



M. 



823 



Zum Latherthiim&, im Irriham^ 
und KetEgertham5: summa sum- 

marum, 
68Z mnesz wiederum^ vom La- 

thortom^ 
Zu dem Pabstthum^: oder des 

Teufels 
per Denm sanctom. 

4) mm durch Angleichung ausz 
bm, um, dm; semmer: sind 
wir; gemmer: geben wir; häm- 
mer: haben wir; hemm er, hät- 
ten wir, coig. ; wemmsr: wenn 
wir; kemmdr: könen wir; 
Simmacher, Simmachere: 
ffiftiiWHghery SJhnufcRheriii; semne: 
libne. Yrgl. Semmeringo für 
Sigmaringen. Der Ortsname Lam- 
medingen heiszt urkdl. Lad- 
medinga 1278. Ladmadingen, 
Lademundingen 1076. Bom- 
mogo heiszen die Weber-Bom- 
basinlen sieh B. Merkwürdig 
istSimmetsfuirfürSunwend- 
feuer, sieh S. 

6) Wechsel des m besonders 
mit Lippenlauten sieh oben 
B:S9* Merbel, Merbelfarb, 
allgem. südd. Wolwerfer, tal- 
pa, sonst Mold-, Modwerfer. 
Mertig, Mertigkleid, Werk- 
tagkleid. Burgau. Mach holder 
fftr Wachholder. Walmen für 
Walfen Schwalme, 8chwal- 
meneck £ Schwalbe. A. Ueber- 
stilm ausz Ueberstilpn, was 
bayerisch klingt; mao f. wä, u. 
mier f. wir sind bekant; lez- 
teres ist uralt Wenn esz nicht 
fiüsch gelesen, stet Mur f. Wur, 
Wor = Wasierstaaung. Zacher57. 



m schon urkdl. 1440 für n in 
mösmer. Türkh. Urkd. Bär- 
mele.for Barbe le hört man im 
Riesz gegen Ellwangen hin; in 
lezterer Gegend get ein Name> M i 1- 
le< für eine alte Jesuiten-Villa. 
Ich fage bei die 0. N. Ram- 
hof, Ramhart (Berg, b. Donau- 
wört) urkundl. Ran- wie Ram- 
mert für Rabenhart b. Rot- 
tenb. in Wirtemb. Ronsberg, 
die berümte Markgrafschaft lau- 
tet nach L. Brunner's Mono- 
graphie Rumesberg, Ruomes- 
berg; urkundl. Inchenhofen 
0.. N. heiszt a 1313 Imechin- 
hofen. Auf eigentüml. Weise 
bewart Bayern die gramm. Be- 
tonung in lebendig; diebayer. 
codd. schreiben stets lembdig. 
In der Günzburger Gregend sagt 
der gemeine Mann: des i§t mar 
dutt-nem! für tout-meme. 

6) Das ausz mittellat. cam- 
phera, camphora genomene 
Gampfer, Kampfer, im 13. 
Jarh. campher, -ir, komt in 
Augsb. Denkm. oft als capher 
vor: so cgm. 601 f. 107** u. s.w. 
Auszlautendes m für späteres 
falsches n erscheint in alaum, 
HallO. u.L.Rem, was auf seinen 
lat Ursprung alümen hinweist. 
Der Auszfal des m in Arakre- 
za u. s. w. überhaupt nach r, 
sieh R. 

7) Die Näselung (sieh bei N), 
welche m bewirkt, ist echt schw. 
augsb. Das ahd. mäsa, macula, 
lautet augsb. mons, mos, plur. 
mosa, wozu ich das maus: Maus 

21* 



824 



MacHen -^ Mader. 



im bayer. Walde zielie. Ferner 
ist echtaagsb. mee,mer,iteruin; 
wenn nicht ein Comparativ min- 
niza angenomen werden mnsz. 
I ma : ich mag, ist allgem. schwäb. 
Im Allgaü wirkt folgendes m 
keine Näselnng — leztere kent 
das Volk dort nicht — wird aber 
im Auszlante abgeworf^sn: da- 
hni (daheim), wo der Augsburg. 
Schwabe dahof, der wirtemb. 
Niederschwabe dahod spricht. 

8) Die hente mit haim ge- 
schribenen Ortsnamen lauten 
urkdl. -hain: Blinthain, Ne- 
reshain, MB.23 VI» 540. Holz- 
hain 607. 1527 u. s. w. 

MACHEN. 1) >unyermacht 
Tuch< unverarbeitet. , Hart. Inv. 
2) >vermachen und verschrän- 
ken mit Floszholzen,< z. B. Gas- 
zen, Wege. Herrn. 1884. 137. 8) 
mächein und basteln, Mä- 
cheier uhd Bästeler. Immen- 
stadt. In der Mache haben, in 
Arbeit^ haben; niederschwb Ma- 
chete. Michele, M ä c h e le, brunz 
in's Kachele u. s. w. allg. schwb. 

MAD im Augsburgischen häu- 
fig, in Niederschwaben selten oder 
nie als Flur N. In Währingen 
die Mad, Wegmad, Mülemad. 
In den Stauden: Speltamad, 
Flaxmad, Oelmülmad. Bach- 
mäder b. Reinhartshausen, neben 
Sulzmad. Im Stroh- u, Buch- 
mad. Schönefeld. Urkd. 1375. 
(b. Ambach). Epfelmad (Siben- 
brunnen), Weyermad, Stock- 
mad. Das adj. madig: zwi- 
rn ädig. Hart. Inv. Mickh. Rech- 



nungen. Im cgm. 811 f. 52^*: 
Madschrecken: >iehBaehao8z 
einem Loch springen M. oder 
hewsohr ecken.« 

MAD, Madie, in Kinds- 
mSdh, Kindsmagd. Mädlafuse- 
leler, einer der sich lieber mit 
Mädcheii, denn mit Buben unte^ 
hält, von Kleinen und Erwach- 
senen gebraucht. Bei S. M&dlis- 
fraind.MädlisschnithiesziA 
das von Innenschneideh des Brotes, 
Bubenschnit aber der Anschnü 
Mädloch, vor Zeiten gewölbte 
unterirdische Ganäle zur Ableit- 
ung des AuBzguszwaszdrs , des 
Unrates, der von Mägden hindn- 
geschüttet wurde. Yrgl. Andaüdie. 
P. V. Stetten, K. und H. Gesdt 
I, 86. Das sog. Medio ch, >anda 
wird mit Dungf und Mist zöge* 
machet, damit sich das Waszer 
anschwellen kann . < Brunnen Ord- 
nung 1754. 

MADE, got. matha, Wurm; in 
asket. Schriften ist ser häufig 
Madensack für Leib, Leich- 
nam gebraucht. In einem alten 
Todtentanze : 

Flaisch, du schnöder Maden- 
sack, 
Wie vil hast du betrogen I 

MADER, Marder, Pelzwerk 
vom M. >Das die Manspersonen 
der Herrenstuben khain besser 
Fueter als Stuckmäder gebrau- 
chen.« Vergleich derBüiiger und 
Kaufl.1561. Ebend. werdenStnok- 
mäder und Keelmäder ein- 
ander gegenübergeetelt; leztere 



Magen -— Mai 



S25 



waren V. nntergeordnetem Werte. 
>FaeteryonSteinmarder.< PoL 

0. »Sich Steinmardern Fue- 
ters bedienen.« a.a.O. »Schaup- 
pen mit Mäder anterfatteri.< 
a. a. 0. Edle Mäder. a. a 0. 
Köhlmäder, bald Eeelmä der, 
ser ublieb. Das Adj. mederin, 
m&derin, >8tackmäderin 
röckh mäderin Arm u. Hals- 
bänder« u. «. w. Vergleich V. 1581. 

MAGEN inMagafleack eine 
wollene Schürze anter dem Hemd 
yom Hals bis über den Banch, 
ünterschäpper auch genannt, 
jeat weidger üblich. Zusmarsh. 
Gegend. >'n blaita Maga< mit 
Blähungen behaftet. Burgau. In 
Obergünzbnrg übt man die Zange : 
d^s (die Speise) maget den 
Räumen und sacket den Batz 
= raümt den Magen und puzt 
den Sack. 

VAGELACH plur. vasa, cyathi. 
magele b. Schm H, 556. »Es 
sind gefunden worden 300 sil- 
berne Mag el ach oder kleine 
Becher.« S 222». 

MAGINEE, die, primula veris 
= Schlüsselblume. Grimm Wb. 

1, 1157. >I haa M. wunder- 
neti^« Sdi. Niederschwäbisch B a- 
tingget pl. -eta. 

MAI. >Im herbst, im pawding 
im mayd ing, in der Kornschau.« 
Qgm. 154 f l^ >N. gibt von ainer 
wismad genant die Ölmül an 
pawding 12 d. und am may- 
ding auch so yill.« a. a. 0. In 
disem Gütbuche unzäligemal. 



Maitänze, häufig. In Gross« 
aitingen loszte .man (3 Buben 
musten das tun) um den Plaz- 
meister. Der PI. fürte unum- 
schränkten Oberbefehl. Der Tanz 
war auf dem Kirchplaz, wo auch 
der Maibaum gesezt ward. Beim 
Tanze machte die >Weinbit- 
s ch e« natürlich häufig die Runde 
und der Plazmeister dictierte 
bald dem , bald jenem ein Glas, 
so dasz oft einem Burschen der 
Maitanz teuer zu sten kam. Die 
Kleidung waren rote >Leiblen 
und weisze Schürze « 

A. 1723 d. 30. April steckten 
die Spilleute der Stadtgarde iren 
Oberoffizieren nach einem alten 
Gebrauch Maybaüme vor ire 
Quartiere. Einer derselben liesz 
den seinigen als übliche Galan- 
terie dortmaliger Zeit einer Ge- 
schlecht ersfrau vor das Haus 
stecken. GuUm. IV. 421. 

A. 1429 fieng auch Caspar 
Sommerer ein Mayenbadt an, 
dasz man in Zubern badete für 
dem Wertachbruggertor. Chron 
1634. 

In Web. Rechnungen: Dem 
Maiting das Quatembergeld 
30 kr. Dem Maiting Bietgelt. 
Des Maytings Ayd. l fl. (?) 

Maikäfer in den Kinder- 
reimen: 

Mojakeafer predige 
Moara komt der Schwedige 
Moara komt der Zymprian 
Und möcht da Moikeafer au 
mit län. 



326 



Maingriiidel — Maister. 



Mojakeafer predige 
Moara komt der Schwedige 
Moara komt der Dilldilldum 
Bringt alle alte Weiber um. 
(Türkheim.) 

Mojaküele, siz aufs Stüele 
Dasz heint oder moara gaet Wead- 
der wird. (Staud.) 

Maiwisle, Birkach. Flum. 

MAINGRINDEL 0. N. schon 
nrkdl. 1150 so; Meyer, Zürch 
0. N. S. 85. 

MAILÄNDISCHES Kelchtuech, 
Mickh. Urkd. 1624. 

MAISENHÜTTLIN , gefloch- 
tene, b. Furttenbach. 

MAISZEL in As. Urk. oft, sieh 
oben Bainschrot. Eine Wunde 
maiszeln, häufig in Akten. 
Maiseiwunde vulnus profun- 
dum dictum vel ab instrumento 
chirurgfico, quo vulneris altitudo 
pertentatur vel a turande quo 
stipantur vulnera ne praematurius 
coalescant. Haltaus 1337. pla- 
gula Chirurgis hodie dictaMei- 
sel so man in den Wunden drehet. 
S. 1338. 

MAISTER wie überall in Reichs- 
städten allgemeinen Anrede für 
>Herr.< Guten MorgenMa ist er 
N,! Noch vor 10 — 20 Jaren bei 
Altaugsburgem üblich. In fol- 
gender Verbindung begegnete 
mir das Wort: >der Maister 
zu dem heiligen Geist.« Man. f. 
25*. Siechenmeister, f. 26*. 
Weihermaister. Sigertshofer 
Urkd. Siechmaister in (Nieder- 
schönefeld) Nonne in d Infirmerie. 



Pfenningmaister hieszen die 
Kassiere, ^echma ister sieh Z. 
S. 464*. Wasenmaister. Lech- 
maister — mit Lechmaister- 
bach — der in der Jakober- 
Yorstadt bei dem obern Baugarten 
wonte. Gemeiner Stadt Lech- 
maister. Poliz. 0. 1735. Er hatte 
Tagwerker unter sich and muste 
die Räumung der Leche be- 
aufsichtigen. In der Herbstab- 
läszin durfte er dem Maormüller 
6 Tagwerker auf 3 — 4 Tage bei- 
geben. Stubenmaister (der 
Eaufleute), der Stadtgarde- 
stockmaister , Profos.. Der 
forstbischöfl. Hof hatte: einen 
Fecht- imd Tanzmaister, e. 
Haushofmaister , Küchen- 
maister, Kellermaister, Wa- 
genmaister u. s. w. Städtische 
Beamte: Stadtmaurermaister, 
Pflastermaister, Zeugmai- 
ster, Rentenmaister, Fisch- 
maister, Brunnenmaister, 
Schaufelmaister, b. Feuer- 
wesen und beim Lechraümen 
beschäftigt von der Belzmüle bis 
zum Ende der Schmidgaszen und 
imSparrenlech: was er heraus?, 
warf hatte der Lechma ister 
wegfären zu laszen. Die Stät- 
maister »haben allein dasjenige 
zu straffen, was in meiner Herrn 
oder der Handwerker Ordg. nit 
begriffen ist.< Ordg. 1647. Hall- 
maister. Stadelmaister, der, 
hatte alle fremden und süszen 
Weine bei der Ankunft derselben 
anzuzeigen; Angestellter des Si- 
gelamtes. Im Dienste des Gapi- 



Malefiz — Malig. 



327 



atnnden der Schul- und 
zmaister Bei den Zünften 
; der geprüfte Gewerbsmann 
skmaister. >Neu angeh- 
9 Stuckmaister.« Sail 0. 
lell m, 614. Die Viertels- 
ster bei den Färbern mus- 
>dem wöchentlichen Siz auf 
Weberhause mit Abrechnung 
geschauten Tuch und Be- 
imng der gebührlichen Best 
ig abwarten, darinnen keinen 
len andern unziemlich be- 
en oder vervorteilen und 
»mein alles tun und leisten, 
getreuen V gebürt und ob- 

Dekret v. 1600. 
i Maistersänger bluten 
iigsb. nicht minder denn in 

(üolmar, Straszburg u. s. w. 
6. Jarhd. gaben sie vilfach 
b- und Trauerspile. So 
ad des Beichstages 1530, wo 
or dem Kaiser eine stumme 
5die auffurten. Z.B. erschien 
[ann mit krummem und ge- 
n Holze auf dem Bücken, 
«• unwillig hin- und herwarf; 
lern Bücken stand: Beuch- 

Erasmus von Botterdam 
die Scheiter gerade legen; 
chüttelnd zieht er ab. Lu- 

komt, zündet das Holz an 
get weg:' Ein Fürst will 
en und schlägt darein Ein 

geistl Herr will löschen 
j^cszt die Oelflasche stat der 
erÜasche hinein und alles 

zusamen. (Carl Y. und 
X.) Maistersänger-Co- 
ienstadel, wo a. 1723 d. 



26. Nov. polnische Schauspiler 
gastirten. 

Die Maistermäler waren 
Zunftfeste; in der Mezgerstube 
stet auf einer Wandtafel: 
Damit hat er erlanget auch 
Das Maisterrecht und bald 

darauf ehrlich 
Das Mais ter mal geben gar 
herrlich. 
Maisterbraitin beim ge- 
schnürten Barchant, in den Web. 
Hausbüchern öfters. Mitmaister, 
Zunftgenosse, in den Mezg. Akt. 
oft vorkomend. Maisterlehen 
in Mickh. Bechngen >Ausz dem 
umschwebenden M a i s t e r 1 e h e n. < 
1683. Ztw. maistern, aufmai- 
stern, vermaistern swv. 1) 
bezwingen, Herr werden, beson- 
ders bezeichnen die 2 lezten Wör- 
ter dasAufeszen von Speisen, be- 
zwingen; ersteres im cgm. 257 
f. 16*: >und namen stain und 
warfen an jn, das maisteret 
also ain Jüngling, der hieszSau- 
lus.< 2) einen Verweis geben und 
zeigen, wie man etwas hätte beszer 
machen könen. 

MALEFIZ in Verbindungen wie 
»M. MezI M. Äff! M. Loasz 
(Schwein) 1« rohe Schelte. Grosz- 
aitingen. 

MALEN: »item so hab ich auf 
Giltbauren einmalen und ab- 
bachen laszen.« Mickh. 1567 

MALIG adj. zu Mal, Spur, 
Zeichen, besonders Blutspuren 
der Märtyrer: rote mal im cgm 
736 f. 42»: >wann es was eine 
andechtige Böm^rin , die was 



328 



Man — Mantschen. 



m&lig under Iren äugen, also 
80 sie der suchen laut w^r.« f. 
41». Das Wort Mal für Eszen 
bei Hochzeiten erscheint hie and 
da: >zuni Morgen- oder N acht- 
mal laden.« Hochzeit 0. 1532. 

MAN ser üblich um Günzburg : 
wao igt ma denn nacht gwea? 
Ma i§t nacht gar itt furtganga? 
des woisz i nett, ma haot nacht 
de-n-Affa ghett. Zurückweisende 
Antwort. 

MANDELN, pl stende Getraide- 
haufen. A. 

MANDLACH, ein geschloszenes 
Gut b. Rain; das M. Feld, ein 
Flur N. ebendaselbst. Steichele, 
Archiv I, 267. 

MANDOTEN, Oblaten. A. 

MANG, 1) Glättwalke von Pfer- 
den getriben. A. Die Stadtmang 
in A., emals in d. Schuh-, später 
in d. Steingasze. Auch zu Fisch- 
ach war eine Dor^m engin. Die 
Augsb. Weberhausmang war 
bedeutend; »iclie Vorstände hieszen 
Mangmaister. Sie musten einen 
Eid schwören , dasz jeder seinen 
Handel in der Mang und im 
Mang werk treulich auszwarten 
wolle, alles Wechseins, Verwech- 
selns , Auszleihens , Kaufens und 
Verkauf ens mit den Stucken und 
zum Mangen übergebenen Tü- 
chern — gegen Bürger u. Gäste 
— müszig sten. Bei solchen Ge- 
schäften sollen sie die Kauflusti- 
gen an die Eigentümer weiöen. 
Schadhaftes, ungeschautes in die 
Mang gegebenes Tuch müszen 
sie vor's Weberamt bringen. Da- 



rauf sollen auch die Manggesellen 
vor den Maistem schwören. Je- 
der Mais t er hat one Bestechung 
alles Zugebrachte za mangen und 
erhält dafür s. bares Geld. >It^ 
die Mangmaister aollen auch 
keine geblaichte schmale Barohet, 
was Sorten die aucb sind, nicht 
annemen, sie seien .dann zuvor 
verstrichen und an der ordent- 
lichen Tachscherer Geschau ge- 
stüpfet worden.« Akt üeber die 
Färbermang sieh F. 2) Kauf- 
haus. Fleischmanger, Flax- 
manger. Str. Henermanger. 
Sieh Schmoll IT, 599. 

MANGEL, Mangold. BeU. L. 
Im Allgaü : Manglet, eine rohe, 
landesübliche Speise, spinatartig 
zubereitet. 

MANN. Red. A. >z'Augsburg is 
ao no a Ma, dear woiszt's nett,« 
zu dem, der auszforscheln will. 
Burgau. Bei Furttenbach: rechts 
und links auf der Ofenbank si- 
zen, nach des Feldmann's Ge- 
brauch. Der steinerne Ma, e. 
A. Warzeichen. 

MANNSZEITIG, nubilis. A 

MANTEL. >Heng den Man- 
tel nachwynnt.< clm. 342 f. 130». 
Glossen. Mantel flicker, Sti* 
chelname der Köschinger bei In- 
golstadt. Sie flickten mit alten 
Flecken einen neuen Mantel, der 
noch nicht getragen war.- Man- 
telen und Mändelen, Klimm. 
Wisen. Pfrrb. 

MANTSCHENswv. 1) unordent- 
lich eszen, schmalgen. 2) unordent- 



ICtr — Markt 



829 



Heh ko<dieii. Mant soll er eleu, 
Schm algereien. 

MAR, weioh, mürb, besonders 
Tom Gogelhopf. A. 
An hia anddau 'n Eirohweih- 

knöpf 
Und in' Eaf6 'n mara Zopf. 
Seh. 49. Dao kauf i glei 'n mS- 
ra Krans. a. a. 0. 

MARCELLER, die 3 Eirchen- 
patrone Marcellas, Marcel- 
linus, Marcellinariusim Wei- 
lor Marzellstetten (Wertingen). 
Bei Einderkrankheiten liesz man 
irgend eine Frau dahin wallfar- 
ten gegen Bezalung »um den 
8 Marcellern die Eerzlein 
anzuzünden.< Je nachdem ein 
oder das andere Eerzlein früher 
abbrennt, musz das zu Hause ab- 
magernde Eind sterben oder komt 
davon; ein auch noch auf der 
Lentkircher Haide zwar selten 
mer vorkomender Unftig. Die 
Entfernung der Marceller vor c. 
50 Jaren änderte nichts im Volks- 
glauben, jezt sind die 3 Bilder 
restaurirt an irem alten Plaze. 
Wird der kleine Patient mitge- 
nomen, so musz im irgend ein 
Bauer unterwegs ein Musz ge- 
ben, der heiszt derMuszbauer. 

MARGRANTAPFEL, Granat- 
apfel. A. Sohmell 11, 616. 
MÄRSAGE. >Siehieszen inainen 
M&rsagen, ainen v erlay ter . < cgm. 
402f.l27*. >Lautmär werden.< P. 

MARIENGSICHT, weinerliches 
Gesioht, protest. A. 

MARET für Marke, Zeichen. 
»Es solle ein jeder Maister sein 



eigen Geschauzeichen oder Markt 
haben, dasz er aufstosze und nicht 
aufmale bei Straff von 60 Pfen- 
ningen. < >Das Zeichen od S t u p f- 
markt auszwaschen, abzeichnen, 
nachdrucken — oder seine Waa- 
ren selbst gestupfen — verboten.« 
Erneuerte Web. Ordg. 17. Jaih. 
Markbaum, bemerkter Stein, in 
alten Gränzbeschreibungen. 

MARET hiesz man nach Gass. 
die nächsten Dörfer um die Stadt 
herum, neben Plaz. Jarmärk- 
te waren auf St. Georgen- , Hl. 
Ereuz- , St. Yeits- , St. IHrichs-, 
St. Margarethen-, St. Jakobs-, St. 
Michaelis-, St. Gallen -Tag auf 
dem Stadel. Dekret 1583 (Anti- 
müller). Wochenmärkte: am 
Montag ob dem Plaz bei St. Ul- 
rich und einerseits an dem Wein- 
stadel herab. Am Mitwoch vor 
der Mezg und gegen den Per- 
lachberg herauf. Am Freitag ob 
dem Fischmarkt vom groszen 
Rörkasten ob dem Perlach die 
ganze Weiszmalergaszen hinab, 
den ganzen Obstmarkt hinauf bis 
an das Hafnerbergle. Am Sonn- 
abend wieder vor der Mezg wie 
am Mittwoch. Markt. 0. 1735 
S. 4. Bei der groszen Tätigkeit 
der Gewerbe werden die vilen 
Plazbenennungen nicht auffallen: 
Brotmarkt, Eizenmarkt, 
Rossmarkt, Salzmarkt, Sau- 
Obst- u. Eesselmarkt, Vogel- 
markt, Fischmarkt, (wo der 
Gkklgen stand) sieh G. 

Marktknechte hieszen ge- 
wisze Tazieramtsdiener; bei 



830 



M&rmeln — Masz. 



jedem Amtssiz waren sie zur 
Auszhüfe der höheren Beamten 
beschäftigt, hatten bei Zalungen 
aufzuwarten. Bei der Mezg. Zunft 
kamen sie häufig vor. Auf einer 
Wandtafel der Stube stet: 
>Da wird man dir zugeben 
ErsÜichen 2 Marktknecht, die 
dir fein den Plaz machen. < 
Nach der Mezg. 0. v. 1549 hatten 
die M. beim Fleischkauf , unter 
den Bänken, an den bestimmten 
Tagen »fleiszig Aufs ehe n,< 
ob kein ungeschaut, kein unge- 
rechtfertigtes und ungeseztes FL 
verkauft werde; ob Niemand ab- 
gewisen oder übernommen oder 
im Gewichte hintergangen werde. 
Beid. Anzeig vor den »Strafher- 
ren« durften sie niemands > we- 
der um Lieb, Freundschaft, Mieth, 
Gab oder ichts anders willen ver- 
schonen: desgleichen von Mez- 
gern oder Mezgerin, ihren Kin- 
dern oder Ehalten, ainich Geld, 
wenig noch vil , nit entlehnen, 
noch ichzit bei in auszborgen. 
Auch hinfüro den Burgern oder 
andern Leuten, one derselben 
Personen , Scheinbotten , ainich 
sied- oder bratflaisch, auch aini- 
chen Ealbskopf noch ingewaid, 
weder durch sich selbs, oder ire 
zugewanten , kauffen noch bestel- 
len sollen, in kain weisz, Alles 
getrewlich und ungefärlich.c Die 
Marktmaister > sollen auch hin- 
füro, bei den Mezger ainichen 
L ey kau f nit trinken, noch sonst 
bei jnen nicht zechen«. Zu 
Mark, Markt stet märggeln 



oder m ä r k ein, tauschen mit klei- 
nen Sachen, wie Kinder, beson- 
ders eben empfangene Gtegenstan- 
de wieder ausztauschen. 

MARMELN pl. Marmorkügel- 
ohen. Sieh Gluck er. Vgl. deut- 
sche Zeitung für die Jagend und 
ihre Freunde. 1786. 45. Stück. & 
361. Bergm. Journal I, 3. Nro.4: 
Schuszermühlen. Marbel- 
spil. 

MÄRRf Stute. iFüllismarr« 
landüblioh. Sigertshofen Beh- 
lingen 

MARTINSNACHT,festiicheZeit 
im alten A. Man beschenkte 
sich g^enseitig. Die Web. Zunft 
schenkte dem Tit. Deputierten 
in diser Zeit wie am unschuldi- 
gen Kindleinstag Wertvolles, eben- 
so die andern Zünfte iren Vor- 
gesezten. A. 1557 den 13. des 
Wintermonats ist ein Haus abge- 
brannt : » solches hatten die Knap- 
pen, da sie schwermeten u. Mar- 
tinsnacht hielten verwahrlost * 
> Aussehen wie eine gerupfte M ar- 
tin8gans.< Conlin. 

MARXBRÜDER. >Ich will näher 
hinzutreten und zusehen, was doch 
diser Narr bei dem Altar mache, 
wie er herumgaukle und als wie 
ein toller Marx- Bruder hin u. 
her fuchtele. < Conlin. 

MÄRZENBAD, beim, in A. 

MASZ, die. >Gebür der B oden- 
mäsz, wie solche dem Fasz und 
Punzen nach auszgeschlagen.« 
Akt 1774. In den Stauden heiszt 
esz: aMaosz verdrucka, trin- 
ken, altbayer. derma nza. 



MasBg&nglein — Mäul. 



881 



MA8Z6ÄNGLEIN, das, Mast- 
darm. >Da8 peuchlin sol man 
inen abwarz streichen und das 
Maszgänglin berüren, so ver- 
lieb^id sich dester mynder stul- 
gftnge noch Harnen.« cgm. 601 
t 99^. >Yon dem Maszgang, 
80 er Kinden auszgät. Masz- 
gang gat Einden herför ausz 
dem Leib entweder von hertider 
Stol wegen oder von Zwang.« 
f. 110^ >So der Maszgang her- 
anszen ist, sol man Kind paden.« 
a. a. 0. >Wann es behält den 
Maszgang inwendig, so er aber 
Ton des Zwangs wegen herausz 
gr4i, so hält man das Kind warm 
— nmb sein Maszgenglin.« 
a. a. 0. 

MASSLAIDEN: >chain mensch 
sol lauszen alle die wil er die 
maszlaiden hat, daz in nit 
lostet ze CRzen < Astron. 26^. 

MASSILSÜCHT, »darvon der 
mensch siQ varb verliert < 
Astron. 88*. 

MATERI, -e, 1) Eiter, allgem 
Schwab. >Das darnmb materi 
bia in meg komen.« >Matere 
lauft herausz.« Aerztl. Bericht v. 
1641. 2) >Die silberin taffei mit 
9 matöri.4 S. 226. Frisch I, 648»>. 

MAUER in der Bau 0. I, S.18, 
§48: >EineverbandeneMaaer 
ist keine solche, wo nur etwa hie 
und wieder, und auf eine gewisze 
Distanz 1 oder 2 Mauersteine in 
des Nacl^rs Mauer beszern Halts 
willen oder ausz Yerg^nst einge- 
strecket sind, sondern, wo die 
Mauersteine durchaus gegen ein- 



ander herum und hinum, hinter 
sich und für sich, item nach der 
Länge und nach der Quere wie 
eine Kette zusamenschlieszen und 
wieder einander ligen und einge- 
mauert sind.< Mauerbad in A. 
UngemörtelteMauern. Mess- 
buch. Bei Verglch. >ringer eine 
Maur aufmachen.« S 390^Maur- 
scheiszer: die emaligen Stadt- 
soldaten hieszen spöttisch so, weil 
sie auf der Mauer wonten. Mauer- 
bänke in der Müle. Str. f. 16». 
»ire mürbenche und iriu bette.« 
Die Heidenmauer in Lindau. 
A. 1518 wurde ein Augsburger 
um 10,000 Mauerstein gestraft, 
weil er einem Herrn v. N. Her- 
berg abschlug. Ghron. 1634. Ein 
anderer erhielt die gleiche Strafe, 
weil er bei e. Todesurteil nicht 
im Rat erschien. 

MAUGGET (Burgau), Mauch- 
1 et, nieder8chwb.= kleiner Vorrat 
von Obst, das Kinder im Heu, 
Strohsäcken verbergen, um ge- 
legentlich naschen zu können oder 
das sie reifen laszen wollen. 

MAUL in Maulstreiche, 
Mickh. Strfb. 1608. >ein Maul- 
taschen geben.« a. a. 0. Red.' 
A. >Wirt ihnen von dem Statt- 
pfleger mit groben Worten über 
das Maal gefaren?« Müller. 
Maultätschlen, kleines rundes 
Backwerk von Zucker, Eier und 
Mel. Fragt einer: waorum? sagt 
der andere: »daorum, ums Maul 
'rum, daz d'r koi Bart wechst.« 
Günzb. Maulicht, adj. verdriesz- 
lieh. Augsb. »Du unbesonnenes 



882 



Mftolwerf — Maank. 



Flettohmaull« Schelte. ConL 
Yermsulaffen, swv. Gonlin. 
»Wol hat er daz Maul gebrümt,« 
<M sibi distorsit f. 42». clm. 842 f. 
42». (Glossen z. Terenz.) 

MAULWERF, talpa: »zumalen 
wir aber annoch blinde Manl- 
werff anf der Erden herumkra- 
zen.< Ehrenfest 1699 S. 53. Münd- 
lich lebt Modwerf. 

MAUNSCHELN swv. verbor- 
gen handeln: Maunscheler, 
Jude; was mauschen, Mansche. 

MAUNZGEN swv. schreien wie 
Kazen. »dao hauts ui gschellat, 
gmaunzget wild, alsz ob ma 
halt da Truttatanz hielt.« Seh. 
Niederschwb. = sich oft und un- 
nötig beklagen ob jedem leich- 
ten Unwolsein. 

MAUS. 1) mus. Maüseturm 
in der Nähe des alten Mauerba- 
des. A. Mausgäszle, A. Maus- 
kater: >awer die maus entrin- 
net der klo des listigen und snel- 
len mauskater mit fleiszigem 
wachen.« cgm. 254 f. 5». Maus- 
falle bildlich in einem Todten- 
tanze v. 1627: >AdioI ich für's 
(die Braut) zur Mausfallen!« 
sagt der Tod. »Maus loch- 
machen« heiszt im lUertale b. 
Garbenaufgeben auf dem Felde 
das Loch, welches beim Stüzen 
von der Gabel im Boden entstet. 
Red. A./ Des ist a schlechte Maus, 
die koi Loch findt. Augsburg. 
Ulmerstrasze. Adj. mausig. 
Etliche die machten sich fast 
mausig 



Sdialten die andern grindig, kn- 
fldg. Holzm. 

2) Jeder Mnskelteil am leben- 
den Körper bei Menschen imd 
Yieh. In der Angsb. Meager^ 
spräche Herrenmans b. Och- 
sen am hintern Schlegel. Enie- 
m a n 8 am SchnlterschenkeL Sp i &- 
delmans am vorderen Schenkel 
Nagelsbratenmaas am Mn- 
teren Schenkel. In arzti Berich- 
ten des SOjärigen Krieges cgm. 
3047: >am rechten Arm die gsn- 
ze M a u 8 z hinweggesohoszen.« 
>Am linkhen Fnszoberteü die 
ganze Mansz hinweggeschoszen.« 

a. a. 0. 8) >yon nachwürffen, 
wer der ist , ez^ si mit Messern 
oder mitkuglen oder mit M ans- 
sen.< >wer der were, der dem 
andern hie zu Memmingen nach- 
wurfi mit Messern, knglen, mit 
Maussen oder mit andern Beli- 
ehen wauffen.« Memming. Stdtr. 
4) In einem Feuerwerkbuch cgm. 
356 f 158»: >ein Belagemngs- 
werkzeug von gutem eichenen 
Holz z. Wasserarbeiten , wie ein 
Fischbehälter, das ist eine böse 
Maus, wann sie hat zwen zegel 
und in jeglichem Zagel einen gu- 
ten Steigzeug. < Mausörlesteig 

b. Mindelheim. Baiser 1832 S. 23. 

MAZELET (—w) adj. süsz- 
lich, ungesäuert v. Mäzen. 

MAZVOZ, du 1 e. rohe Schelte 
für einen verzagten furchtsamen 
Menschen. Mazental, Birkacb. 
Flurname. 

MEANK, spr.meekeh, eine fort 



MeohUiek •— Meminingen. 



S88 



o. fort Beufeende, trübselige, alte 
Jsmerbftse. A. 

MECEUilSGH Tuch in Angab. 
und Ulmer ürkd. bei 0. Roland 
n. t. w. häufig. 

HEDEIE , die, numismata au- 
rea vel argentea cum imaginibus 
prinoipum, quae omatus causa 
i^^pendantar et gestantur a mu- 
Uaribtis. Haltans Wb. 1334 (Me- 
dayen). > Güldene Baretlin sampt 
der Medeien.« > Perlen an Bugg- 
len, Steften, Arm-, Kahl- und 
Halsbanden, Ketten, Medeien, 
Hutschnüren.« Poliz. 0. Yrgl. 
>Samete Paret mit M e d e y e n oder 
Strauszfedern.« Haltaus a. a. 0. 

MEIGH£LE,Eelleresel. Strasze. 

MEIDEN, Mayden,der,Heng8t. 
DerBesizer des Sindhofes war 
Terpflichtet für den Dienst der 
Herrschaft und der Pfarrei einen 
Meiden bu unterhalten. Disz 
Pferd muste gesattelt und zum 
Teil mit aufgeschlagenem Steig- 
bügel auf die Weide getrieben 
werden. Ward der May den un- 
tauglich , so ward er in den bi- 
9dh6fl. Marstal abgegeben. Wal- 
tenSiof. Weist. Herzog Stefan in 
Bayern verspricht a. 1389 12. Aug. 
die >Branthöhen« dem Greuter 
yon wegen eines für Hermann 
Yon Freiberg- Angelberg gekauf- 
ten Maydens schuldigen 130 fl. 
bis komenden obristen Tag ze 
Weihnachten zu zalen. Zacher 15. 

MEIN. »Der m einige,« sagten 
die alten Augsb. Eheleute. 

MEIT, Mait, mein Wbl. 96. 
»Da wurd«ii w etwas hieigers 



und frechers, sohryen überlaut 
mit groszer Ungestüm: nicht ein 
Meith, den Mönch wollen wir 
haben!« Chron. 1684 S. 221. 

MEINZELE? Eazenname. 
Stauden: 

Sinzele ist's und kaditsch (?) 
Suech das Haus um- und um 
Meinzele wao bigt? 

Memele, dasselbe. 

MELBELN nach Mel riechen, 
von halbgekochten Melspeisen. 
Melvögele, Schmetterling. Riesz. 

MELKEN , MELKER : bei 
Gass. ist einer »hölzerner M.< 
gedacht. Kuhmelker, Schwal- 
be, sieh K. Bockmelker, 
Schelte. Bei Gonlin schilt ein 
Weib iren Mann: Du Sauhalter, 
du Schmierkübel, du Wanzen- 
pufiTer, du Bockmelker, du Ko- 
zenhackel , du Püffeisgesicht , du 
Beerentrampel! Du Hennen vogt, 
du Misthammel, du Sautrog, du 
Haspelfreszer, du Küehdarm, du 
Zwibelselcher, du Kletzenprobst, 
du Besenlimmel! 

MELTER, ein kleines hölzer- 
nes Waszerfäszlein. >Bua, hol mer 
a M e 1 1 r vol Eardöpfel !« Füszen. 

MEMPFELE, dim. das Schwaif- 
stück vom Ochsenfleisch. 

MEMMINGEN spricht d. Volk 
Mengeme. Der Mengemer 
Mau istbekant. Yolkst. I, 448 u. 
514. In den Stauden hörte ich die 
Schnellsprechübung: ilfemminger 
ilfezger, kom§t mir am 3figda 
zum Mezga; mezgi^t mer am 
Jkfigda. Das — ome erscheini 



834 



M6II6 *" M6MICU 



suoli für -ah und an: Birkeme, 
Birkach. Man nemo: Mannheim. 

M£N£ , ein 2 oder 4 Gespan. 
Riesz. Allgem. Menet, menen, 
1) viehtreiben. 2) eggen. Burgau. 
Mein Vater haot gackeret 
Und i hau 'm gment: 
Nao haot 'r mi geschüttlet 
Und i hau ml gschämt. 
Hätt 'r nett gäckret 
Nao hatt 'm itt gment 
Nao hätt 'r nu itt gschüttlet 
Und i hätt mi itt gschämt. 
Nao haot 'r halt gäckret 
Und i hau 'm gment 
Nao haot 'r mi gschüttlet 
Und i hau mi gschämt. 

Reinhartshausen. 

Bemähnte Bauern. Mickh.Aki. 
1700. TauglicheMehnen. Con- 
firm. K. Akt. Menebub, Hart. 
Inv. = servus junior et inferior, 
qui agit equos arantes. Frisch 
1, 228». Grimm Wb. HI, 483 (Enk). 
Minare hiesz das Vieh treiben, 
wie man sagt v. minae (cfr Apul. : 
asinos et equos sarcinis onerant 
et minantes baculis exigunt, wo- 
selbst auch seprominare, sich 
ausztreiben, se promener stet). 
Von minare haben wir ital. me- 
nare; span. menear, französisch 
men er für treiben, i.e. das Vieh- 
treiben; esz bediente sich also der 
römisch sprechende Franke des 
Ausdrucks minare Max Müller 
in Kuhn'sZtschrft. V, 20 ff. Mein 
Wbl. S. 68. 

MENT, euphem. für Sakrament, 
als Fluch. »I hau nie dau 'n 
xnent, und hau nia gloga.< Seh. 



>Die meine hant &k 8, 4 ment 
Alz Ungar und Grawata.« Wtzm. 
Acy. >i hau mi denn fürohtig und 
men tisch stark backt.« a. a.0. 

MERBELSPIL , Spil mit Mur- 
morkügelohen. I>er junge Schwan 
wirft e. Anzal marmorne Schnell- 
kügelchen oder Enippkaülchenin 
eine kleine Grube mit den Wo^ 
ten: »es gelt 2 Herbei, ich 
grad einschieazen.« Kleidb. lOi 

MES spr. mes, unfruchtbar t. 
Kühen; als rohe Schelte gilt: 
>du mese huorl« Du unüruoht- 
bares Weib! Strasz. mesgange, 
was sonst g^ltganga heitii 
I ka nemm» hmaam 
Met Küehle gaot mes 
Mei Weib ist scho ggtorba 
Mit der Schnupfdabaggnäs. Std. 

Sieh mänz b. Schm. II, 604. 

MESSE f. 1) Markt, »auf die 
schlechte M. verordnen die Herrn 
Bürgermeister im Amt das Glaidt < 
Ordg. 1642. 2) Liechtmesse. >An 
U. Frawen M e s s.< Türkh. Urkde. 
1400. Messachel, d. h. Messe- 
Mantel (hakul). Im cgm. 168: 
»An dem eschigen mitwoGhen, 
so man messe singen sol, so sol 
der das amvt tut ane missacbel 
und sin geselle mit dem mess- 
buche vür die vordem grete ko- 
men < >der priester ^ne miss- 
achel.< >S6 die coUeoten end 
haben , so sol der prieeter die 
messachel abziehen und von 
dem altar gän.< f. 69* u. t. w. 
Messhof. Wembd. Chronik. Jä- 
germesse >8ich mit harter M^ 



Meszpfenning — Mezger. 



335 



um 10 Ur zn einer Jägermess 
aiicus dem Bett erschwingen mö- 
gen.« H. S. 

MESZPFENNING in der We- 
berspraohe: »and der fremd (beim 
Wepffen) soldenMeszpf enning 
geben und der Eanffer nichts. < 
17. jh. dieMeszerhacken auf- 
ziehen oder blosz die Haokhen 
in Web. Rechg. oft.? 

MESZEB. 1) in Strafbüchern 
Ab. »Wegen der Schüler — sol- 
len die schlechtere und ringere 
Yerbreohen als Raufen, Schlagen, 
Reiszen and andere leichtere, je- 
doch Meszerracken, Stein- 
werfen an denjenigen Schülern 
so 25 Jar and darunter und da- 
rüber alt — begangen werden — 
bestraft werden mögen.« 1582. 
2) »Yon allem gehörnten und 
Bcbmahlen Vieh gibt man auf 
gedachter Strasze vom Stück 1 d., 
wann aber solches denen y. Augs- 
burg gehört und sie wollen das 
an dem Schlegel oder an das 
Meszer für sie selbst und ihre 
Haüser zu brauchen — gibt es 
keinen Zoll.« Urkd. 1433. 

Meszerweible, eine Art Holz- 
weiblein am Türlesberg, im 
Borgstal. 

MEZ. In d. Chron. von 1634 
heiszen die 3 Freundinnen Afrae 
vor der Bekerung »die 3 M e z e n. < 
>€temeine Mezen,< Weiber- 
schelte. Fischach. > Amazonen in 
deutscher Sprache aber ist es so 
TÜ gesagt als ohnMann M e t z en.< 
Gass. Mezen ge s chäftig, 
gschaftelhubern, bayerisch. 



Im Allgaü gibt eszS Bergnamen 
beisamen: Mädelisgabel, Me- 
zenarsch und Hochschiesz (Im- 
menstadt). Mezenauwisen bei 
Wemding, wo einst noch bis in 
disz Jarhd. herein das M e z e n a u- 
gericht gehalten ward, unter 
freiem Himel ; Vgl. Landschran- 
n e, die alte Malstätte von Grais- 
bach, bei dem uralten Plaze der 
Torsaülen. 

MEZGER: in Augsb Schmal- 
mezger, Kuttler, Wämstier 
Rindmezger, Bratmezger, 
Jungmezger, — Wurstler, 
Schweinmezger. Mezger- 
knaben, die Mezgerjungen. Die 
Mezgerzunft hatte manche alte 
gute Site gewart. Echtes altes 
Volkstum, soweit Augsburg ob 
seiner Schicksale dessen fähig 
war, hielten die Mezger fest. 
Merkwürdig hatte auch von inen 
jeder einen Stichelnamen: Lan- 
dawande, Jamertal, Gock- 
öck, Schlampele, Boppa- 
rädle, Schwimmer (v. Gange), 
Muoteler, Budel, Guschten- 
muffel, GoUasch (von einem 
Schauspiler, dem er disz Flaisch 
lieferte herrürend). Maule, ur- 
alt. Der Siedig. Guggerle. 
Der Mangejaggl. Gspannd. 
Schlecker, Staberl,Biggluz, 
Buzle,Schnipfer,Zanle, Gä- 
ber, Aepfole (v. s. apfelroten 
Wangen), Glä sie (Schnapstrin- 
ker), Brezgastengel, Dreck- 
hans, Bettscheiszer, Josua, 
Vögele, Schmal zbuckel,Dat- 
telfürsti Sch'afnäs u. s. w. 



886 



Der Mesgen wmT«n eu 2 mit 
yenchidenen bediensteten Leaten 
wie Mezgenbüter o. 8. w. £i- 
gentümlich ist, datx den Meigem 
in der Fasnacht diemascara n 
tragen Terboten war. Ordnungen 
1647. Meiger heiszen spott- 
weise dieLindenberger. Wie 
Ton einem Sigmaring. Orte erzalt 
man, die L. hätten ein Kalb mit 
laater Brot zor Enh herangezo- 
gen; die hemmgieng und Brot 
▼on Personen bettelte; daher der 
Name Bettler für sie aufkam« 
Als die L. die Kuh schlachteten^ 
warf man inen Yor, sie hätten 
einen Bettler gemezget und der 
Name Mezger machte inen bis 
heute YÜ Yerdrusz, trägt neben- 
bei tüchtig Prügel ein. Eine 
Sprechübung in den Stand, heftsrt: 
Weler Mesger wezt die besta 
Mesgameszer z' Augsburg auf 'm 
Bearüsberg? 

St. MICHAEL: Michaers 
Abend war für das alte Augsb. 
Ton grosser Wichtigkeit. VergL 
den Turmmichel oben s. t. 
Turn. Eine Reihe von Chroni- 
ken gedenken uralter Festlich- 
keiten am St. Michaels - Abend. 
Gass. >]>ise Grottin (Cisaris) haben 
sie Tereret und jr zu Gefallen ein 
Jartag und herrlichen U mbg a ng 
gehalten an St. M ic h a e Is a b e n d, 
an welchen sie, nach altem Ge- 
brauch noch heutigs Tags auch 
die Kirchweih und Jarmess bo- 
gen. < Eine ganz änliche Stelle 
färt Herberger Burg- u B. Feld 
JiXXX an, ausa einer Chronik t. 



1576, woauch EridirangsTenucke 
über mutmaasliohes Zusamenge- 
hören des Zisakultea und das St 
Miohaelsabends zu finden nnd. 
Wichtiger sind dim Notiaen: An 
St. BCichaalsabend, in der Kaekft 
Tom 28. auf den 29. Sept. maatea 
d. Burgermaister mit hellen Liedir 
tem , die inen Yorgetnigen wu- 
den die Stadt durckreiten «atsr 
Tanz und Pfeiffenapil nnd Zeek- 
gelage. Alt« Reohnongen des 
XIY. u. XY. JariidiL, eoweb sie 
eriialten sind, f&ren genaa di« 
Auazgaben auf für die Büigir- 
maister, für die Pfeiffur, für dea 
Tanz, L den Wein und die Wad» 
kerzen, welche gebrancht wurde«. 
>13 Knechte« begleiteten bei» 
Umreiten >nf Si. Michaelii* 
nacht« die Burgermaister. Her- 
berger, a. a. 0. sag^: zu bedaaen 
ist, dasz wir nicht wissen, wel- 
cher Art die Stäbe waren, die 
beim feierlichen Umzüge getra- 
gen wurden. »Umb Wachs zu des 
Kerzen den Burgermeistem sa 
machen und um Stäbe.« 1413. 
>Drei Pfeiffem Tom Tanz üf Mi- 
chaelis.« »Um Schmeer (?) zum 
Zug und 3 Knaben Tanzker- 
zen zu heben.« 1469. Am Endfl 
des Mittelalters wird auch dem 
mitreitenden Vogte eine Spende 
yerrechnet. 

In Rechnungen des Mittelalten 
komt Tor: »Die Kirchwihin Mi- 
chahelis.« >Zu St. Michels 
Kirchwey hin als Enge Iwey hin 
wa8.< 1390. 1494. Hwb. Ze Sant 
Michels messe. Stadtr. Mt- 



Migger «» Molkenstelerin. 



337 



chelsberg bei Ottobeuren; bei 
Ulm. 

MIGGER, Müoker, die, das 
BrostniiBlit, Herzschmalz. Rücken- 
unflit. »Andertens bezalen die Ja- 
den Ton der Migger dermalen 
das Pfand vor 13 kr. Was das 
Unsoblidit gilt, sollen sie das 
Pfund Migger — ans bezalen.< 
Mesg. 0.1774. >Da8 sog. Mücke r- 
maoben« der Rindmezger. Das 
Vieh bat Mucker, Mangfalt, Wam- 
pen, Tragsaek, Eronfleisch, Leber, 
Unrat. Mezg. Sprache. A. 

MIL€HAR,'der, Ochs, im Gegen- 
saze znm Stier. Füszen. Milch- 
berg in A. Milchmarkt. A. 
Milebkübel in dem Walten- 
hofer Weistam: »Wenn zu dem 
Maier ein eszendes Pfand ge» 
bracht ward, so sollte er dem- 
selben ineinem bodenlosen Milch- 
kfLbel (Melchder) za eszen und 
in einem Strohsiebe zu trinken 
geben.« 

MltLISGHMALZBROT, eine 
Art Semel, aofgewaicht in Milch 
und Eiern, im Schmalze gebacken. 

MISCHLING ein Wagen Klein- 
holz, bes. für Arme. A. 

MIST in >Mi8ttrampel nach 
der Mode gekleidet« ein Bau- 
fenmeiisch. Conlin. > S t i n- 
kende Mistkrippen< gezier- 
ter Frauenkörper. a. a. 0. 

MITTEL in der Webersprache: 
's Mittel stuck; bei d. Mezg. 
's Mittel im Diech. Mittel- 
B ohaf t, Mittelstrasze. In Weiszen- 
^om ist die 2. Magd >die Mit^ 
telmagd.« Speckmagd die 



Helferin der Eüchenmagd, eine 
Von- und Zugeerin. Mittel- 
knecht. 1682. Miokh. 

MOCEEL: 1) menschenscheue, 
nicht umgängliche Person. 2) 
Der den lezten Streich beim Ausz- 
dreschen tat, musz die S a u m o g- 
gel vertragen, d. h. eine Stroh- 
puppe oder Schmideschlacken etc. 
dem Nachbar, der noch nicht 
fertig ist, in die Scheune werfen. 
Wird er erwischt, so wird er, 
auf einem Kairen rückwärts oder 
auf einem alten Gaule festgebun- 
den, durch den Flecken gefart. 
Früher war ein Schmaus damit 
verbunden. Türheim. Mockel. 
Herb. Burg- u. Batfeld 70. Das 
Spil der Kinder 76. 

MODELSGHNEIDER: nach e. 
Ordnung v. 1774 muste der Ler- 
jung als Bürgersson 14, als frem- 
der 16 Jare haben. Anmeldung 
beim Yorgeer ; Bedingnis des Ler- 
geldes (50 fl.). Heuraten erst er- 
laubt nach Yerflusz von 5 Jaren, 
ab dem lezten Tage der Lerzeit 
gerechnet. Auf eigene Hand, in 
Winkeln (unerlicher Erwerb) zu 
arbeiten, war streng verboten. 3 
Jare in die Fremde; 2 Jare in 
Augsburg zubringen: Bedingung 
der Maisterconceszion u. s. w. 

MODISTEN, Kunstschreiber; 
edem von den Lerem in A. ne- 
benbei besorgt. 

MOLDWERF, Molwerf, tal- 
pa. Riesz. Mo Id werf er, Burgau. 

MOLKENSTELERIN , Hexe. 
> Wider das Sacrament sünden 
die Ketzer und dye an dem glauben 



338 



Molle — Mö»len. 



ffweifelen und dye ung^laaben an 
in haben als pilbizen und mol- 
kenstelerin.« cgm. 620f. 122\ 

MOLLE. l)Möggi8z: das an- 
gebundene Stierkalb, etwas grös- 
zer: Bosch en und noch gröszer: 
Molle. 2) GastrierterFarre. >Na 
gschnell Iura, da Molla bnzt.« 
Seh. Im Gegensaze zom Heigel, 
Zuchtfarre, Stadtfarre. Bretle 
mollel Schelte. Buchloe. Adj. 
molla dum: dramfraug i, sei 's 
au molladuml 

MOLTEHANS mit der Rauch- 
urs oh el: 2 uralte Gespenster bei 
Edelstetten am Wege nach Rohr. 

MONDBROGHE hieszen^inden 
Augsb. Hof- und Eirchenkalen- 
dem alle Mondsverwandlungen. 
Oben stet: 1) Wochentage. 2) 
Heilige. 8) Mondbrüche. Esz heiszt 
da, wenn einem nichts fehle, 
brauche man durchansz keinen 
Tag des >L as z ens< zu beobach- 
ten >noch auch sogar auf die 
Mondsbrüch selben weder Son- 
nenwende oder Taggleichen. < 
Grimm. Wb. H, 409. 

Mytholog. wichtig ist das Lied 
V. Mann im Monde in den Stand.: 
Mädle Madie spinn, 
Dasz di der Ma nett nimt! 
Ear sperrt di unter da Hennabruk 
Und gibt dir lauter Waszersupp, 
Mädle Mädle spinn 
Dasz di der Ma nett nimtl 

Mädle Mädle spinn, 
Dasz die der Ma itt nimtl 
Ear füert di uffa Bettelbrugg 
Und geit dier lauter L ä pp er s u pp. 



MONTAG, der gute. Sieh An- 
zeiger f. Kunde d. deutsch. Not- 
zeit 1864. S. 14 ft. »Deomi Mai- 
stersönen und Knappoi solle sn 
ainer ErgÖzlichkeit «Ue Montag 
(dafem sonsten in der Wochen 
keinFeyrtag ist) Nachmittag, wann 
esz 2 geschlagen, EfigelMseA nnd 
erlaubt sein, von der Arbeit ni 
gehen und mit Besohaidenhffit 
einen guten Montag zu lial- 
ten. Wann aber auasser dee Sonn- 
tags sonsten ein gebotnor Yekt- 
tag in der Wochen wftre, solle 
derselbe gehalten, daf&r aber der 
gute Montag eingestellt und 
onterlaszen.« Web. 0. 18 Jh. 

MOOR. >Allen drap d'or and 
drap d'argent wie ftnoh Gold und 
silberne Moor oder dergleiflhen 
gestickte t>der gewirkte Zmg.< 
Poliz. 0. 1735. 

MORDSGHLAGHT , die ganze 
Gegend hinter der Stadtp&rr- 
kirche von Günzburg. >Der Ge- 
meindeteil i. d MordschlachU 
Ein Mordfeld ist zwischen 
Mündling und Hoppingen, wo 
auch die Dietwise ligt. 
MORNDIG, Moment, sieh mein 
Wbl. s. V. >unz an den morn- 
d i g e n Sunnentag. < cgm. 168 f. 
8\ mornent nach der Mari 
f. 28^ 41^ aber mornent n&ch 
St. Thomas tult. f. 51». 

MORSGH vom Obst, das an- 
fängt in Fäulnis Überzügen. 

MÖSZLEN in den Stauden alf 
Flum. Dim. zu Moos. »Möii' 
lerbronn, anwanden a. Mdii* 



Mossiort — Manmieln. 



339 



len.« Hartlnv. MoBikah, Ror» 
dommel. 

MOSZIERT, musiert! >eine 
blau m 81 er t e Corporaltascben. < 
ogm. 2913. gemnaiertes Pfla- 
ster, gemasierte Arbeit cgm. 
285 f. 25^ 

MTJCEEN; im cgm. 206 f. 195* 
komen als Landplage in Egypten 
Hui&dsmiicken vor. 

MÜGLICH, oval. A. 

MOLE, in Chroniken Mill, 
>g«n llCil 1 e n faren. « In A. waren 
mild find folgende M. : Schwall-, 
KietBels-, Mauer-, Gras-, Tabaks-, 
Nea*, Loh-, Gerstenrändel-, Säg- 
Müle. Alle am Stadtbach und 
nattleven' Lech. — Rain-, (hin- 
terer Lech) Radirmüle am Spar- 
ren- und Ochsenlech; Bergmüle 
sonst Hirismüie amSchafiflerbach; 
R&ndelmüle am Herrenbach; Ge- 
wtiri-, Oel-, Spital-, Kreuz-, Pfla- 
der-, Beiz-, >Gehemül u. Bi- 
schofsmül.K Gass. Pentelmul 
oder Hermanswank. cgm. 154 f. 
49». Mulweg f. 39»». In der Bau 
Odg. sind folgende Müller zur 
>Raumung des Lechs c verpflich- 
tet: der Spital-, Kreuz-, Pfla- 
der-, Beiz-, Maur-, Pulver- 
Müller oder Pulvermacher , der 
Schwahl-, der Kressels-, der 
Rhein-Müller Die Altwei- 
ber mül brachten die Oberhauser 
ond LechhaiüBer am Fasnacht- 
Dienstag nach A. Müleisen 
horaldiseh: >der Schilt rot, darin 
übenweroh ein weysz müleys- 
sen.€ QgoL d2 i 16^. 



Eine SchnellspreohÜbung in den 
Stauden heiszt: 
Jtfoigter ilfüller mal mier mel 

3fuosm61. 
Mei ilf uoter muosz mier maol mel 

Jlfillmuosz macha. 

Mllbua, mach d'üfilldür zua! 
Muesz denn i der illillbua mach 
d'üiQldür zua Bua sein? a. a. 0. 
>Die Zumüller und Karer< in 
Brauer 0. öfter. 
Kinderreim in den Stauden: 
Müller, Maler 
Glockastaler 
Riemabeiszer 
Hosasoheiszer. 

MULL, unverläszige , eigen- 
sinnige, unfreundliche Frauens- 
person. A. Sieh Dur am u 11, Af- 
famull. 

MÜLLEN swv. die zän der 
Sünder haust du zermüllt: den- 
tes peccatorum contrivisti. cgm. 
528 f. 2». 

MUMMELN, murmurare. »Et- 
liche mummelten, dasz der 
V. Argon von den Augsb. Dienern 
verzuckt und erwürgt worden 
wäre.< Gass. »Sondern indem bei 
solchem Gezänk täglich mancher- 
lei Gemümmel furgienge.« a. a. 
0. >Dasz ein haimlich Gemüm- 
mel und besonders an der Schmid- 
gassen und unden an dem Maur- 
graben und Berg gegen demBer- 
lach herauf umgienge , wie man 
den Münch geurlaubt.« Ghron. 
1634 216. Im Troj. Krg. »hin- 
und wider murmeln.« Gemür- 
bel, Gemurmel. Mummeier, der, 



340 



Mnmpfeln — MnsseiiBiiii. 



in der Kiiidenpradie Name des 
Kindes. Vom Natorlaute. 

MUMPFELN swv. mit ver- 
schloszenem Munde etwas kanen, 
gesagt Yon alten zanlosen Leu- 
ten. M u m p f e 1, Eusamengespizter 
Mund. Im Riesz ist Mump fei, 
Liebkosewort = du liebs Maül- 
chen, du liebs Eindl 

MÜMPLAZ, Abtrit im Lager. 
Frondsberger Kriegs- und Male- 
fizrecht. 

MÜNCHNER Pfenninge komen 
in codd. besonders in den Web. 
Ordgn. häufig vor. 

BrtJNCH far Mönch in Flur- 
und Waldnamen öfters, allgem. 
schwäbisch. Münchhau, 1) bei 
Berg (Donauwört), 2) Langen- 
eifiiacher Mrkg. urkdl. Mönchs- 
graben. Wemding. >I>ie sponsa 
Christi sol sein eine halbe Mün- 
chin.< cgm. 763 f. 135\ Esz ist 
aber ein gemein Sprichwort: was 
der Teufel nicht zuwegen bringen 
kann, das richtet er durch einen 
Mönch ausl Chron. 1634. 

MÜNSTERHAUSEN 0. N. In 
der Antwort auf die müszige 
Frage: wohin gaogt? sagt man 
in den Stauden: 
Wao gaogt hin? 
Nach Burtabach in d'Spän, 
Nach Münsterhausen in d' 

Stecka, 
Wenn's nett glaub§t, käst mi im 
A. lecka. 

MUNTER superlativisch: mun- 
ter dumm = ser dumm, mun- 
ter erber u. s. w. Allgaü. 

MÜNZE, die sogen. Stadt- 



münze, ein Geldstück a. 1682 
geprägt; später berüchtigt und 
verboten. 

MURREN von Spasen. Eine 
spöttische Rede in der Memmin- 
ger (regend: ein Mäder wollte 
nicht vom Bette aufsten; der an- 
dere rief: auf. d'S]^[za murret 
schaol Lasz no mnrra, se hend 
no kleine Köpfle.? 

MUSE neben Mose (mäsa), 
Mal, Flecken, be müsset, Gei- 
ler T. K. 

MUS, das; im ogm. 601 f. 99«: 
>Haber Mus er von Ayren.« 
Schönmelbsmns oder Wür- 
kes Mus V. Kernen y Lieiblings- 
speise in Elimmach. 

Ein Einderreim in den Stau- 
den heiflst: 

Vaterunser der da b6ee 
Wao big gwese? 
Im Henunel dobe. 
Was duet me dobe? 
Ackere. 

Wear ackeret? 
Wear hebt do Pfluog? 
Gang 'nauf und lueg. 
Wear kocht 's Mues? 
Der Engel mit 'mgstumpete Fuesz. 
Wear brogglt's el? 
D'Kätrei. 

Wear friszt 's ausz? 
D'Eaz und d'Maus. 
Laufet alle zwoie bei der Stube- 
dür 'nausz. 

MUSEL , das Waiohe im Brot, 
Krume. 

MUSSENSUN im Stadtrechte, 
eine Schelte, f. 50*. Mhd. Wb.II, 
181. Ich stelle das heutige muschi 



Mass •— N. 



341 



HMretriz, das anoh als Schelte 
forÜebi, dazu: in Bayern u. Ober- 
sch^^ben üblich. Schm. n, 642. 
Mnsenhart, Mozart gehören 
auch • hieher. 

MTJSZ far Dominicus : 
loh und mein Rasimos 
Ganget in d'Haselnusz 
I und mein Musz, Musz 
Gehet in d'Nusz. Stauden. 

MUT b. Gass. >Welche8 den 
Almmanen ein gewünschter Han- 
del ward, bei solcher Gelegenheit 
ihr Mut lein zn külen.« 

MUTSCHEL, Kuh in der Ein- 
deraprache, bes. Lockruf. 

MÜTT , das , modius ^ ein Ge- 
tnudemasz. >N. gibt von 1 Hub 
4 mnthen habers, 2 Ortmezen, 
Yoggens in bawding.< cgm. 154. 
4 muthen, 3 muthin habers 



u 8. w. Im Urbar Bischof Fried- 
richs 1816: »item in Geggingen 
— solvit XVl mutlas tritici; 
20 mutlas aYenae.< ViacaS. 17*». 

MUXER zu muxen, sich re- 
gen, einen Laut von sich geben. 
>Du tuast koin Muxer falla 
lau.< Seh. 40. In der Baar 
(Trossingen) heiszt muxen die 
Köpfe zusamenstoszen, um zu re- 
den. Ahd. muchan, mhd. 
mucken, muchen, verstolene 
'Laute Yon sich geben. (Aarg.) 
Schm. n, 549. 

MÜZEN, Oberkittel des Man- 
nes, sieh Kozen, Jangger. 
»Flohe Gonradin in einem Reut - 
mutzen wie ein reisziger Knecht. < 
Gass. »Und 150 Sperreiter in 
Muzen von diser Statt.« a.a.O. 



N. 



1) Unter den oberdeutschen 
Mundarten hat die schwabische 
das Nasalsystem am weitesten 
avazgebildet. M und N wirken 
nicht blosz auf den verbergen- 
den, sondern auch auf den nach- 
folgenden Laut ein, sei er ein- 
fadier Yocal oder Diphtong, sei 
eaa in Stamm- oder Bildungs-, 
oder Ableitungssilben, in beton- 
ten oder unbetcmten Silben. Vor- 



ab ist eine besondere Erscheinung, 
wie sie in Bayern sich nicht zeigt, 
dasz alle Diphtonge one Unter- 
schid vor n, seltener vor m nur 
zu e und o , ee und oo werden 
könen, je nach dem e und i oder 
a, o, u vorherseht. Die Nasalier- 
ung greift selbst da ein, wo alle 
historische Berechtigung feit, 
wie in a, al ha? he! a ha! (ganz 
kurz), sieh unten 2. Doch ist 



342 



N. 



augfsb. Bchw&bisch lezterer Fall 
weniger zalreich yertreten, denn 
in Niedersch traben vom Fnsze 
der Alb an. Beispile sieh unten 2. 

Einen scharfen Gegenssz hiezu 
bildet das Allgaü, wo strenges 
Aufheben aller Näselung vorwal- 
tet und zu disem Zwecke lieber 
das n anszgestoszen undvorsten- 
der kurzer Yocal verlängert wird, 
wie im Nordischen. Sieh unten. 

Eine eigentümliche Näselung 
nur dem bayerischen Schwaben 
eigen, doch auch von Ulm bis 
ins wirtemb. Oberschwaben rei- 
chend, ist das aü für an — als 
ob &n ursprünglich stände — in 
gaus: Gans; sau ft4 sanft; rauft: 
Ranfb (Brot) u. s. w. Im Bregen- 
zer Walde allgemein. 

Für Niederschwaben ist hervor- 
zuheben, dasz I und ü in Folge 
der Näselung zu ei und aü wer- 
den, sieh oben S. 242. 2. Für aü 
ausz ün füre ich an: aüser: un- 
ser; aüsalig: schwindelnd, in- 
sanus , (unsels?) aümenschle: 
unmenschlich; aüriebig: un- 
ruhig; aüdankbar: undankbar; 
zaüft: Zunft; vernaüft u.s.w. 
Augsb. Schwab, neben o dank- 
bar; zoft; vernoft; oser; 
oriebig; kost (Kunst); (nieder- 
schwäb. kaügt), bro§t neben 
braust; scho neben schau u 
8. w. Ich erinere an die franzö^ 
sische Auszsprache in Wörtern 
wie fin, linge u.s.w. wie denn 
das Französische und Portugie- 
sische (Rapp) die Näselung eben- 
soser lieben, als die andern ro* 



manisehen SpnudieiL Bie ▼emei- 
den. YergL auch fraiizp«. Er- 
weichung des 1 iau. S.2d8obeii. 

Wenn lang weil i f nel>ea la g- 
weilig, Langwid n«l>.Ligeh- 
widh; Dank neben Dik6h; 
Hand neben Hadh, Sand neb. 
Sadh; krank neben krikch 
und Krakchet u. s.w. «nftriti so 
ist disz allgm. schwab., nur da «dir 
dort mer od. weniger auasg^figt. 

Das Endungs-en in seinen ver- 
schiedenen Yerwendungen (Sehm. 
Gramm. S. 124) gettaltat sibh da- 
gegen iohwäb.-augsb. Aeben 9 wie 
allgem. süddeutsch oft, besonders 
von Augsburg gen Lindan und 
Ulm hin, zu hellem ä, wie im 
Nordischen , auch Bayerischen, 
besonders Oberpfalzisöhen. Die 
schriftlichen Denkmäler tohrei- 
ben a, wenn sie etwas volkiüm- 
lich gehalten sind ; stat der vilen 
Beispile einige: ein cod. August. 
V. 1447 hat tochtra (ganzahd.). 
Christa (Christen, plur. u. acc. 
sing.). Christalich, Christa- 
mensch u. 8. w. 

2) Um Näselung zu erwirken, 
wird überausz häuüg n einge- 
schaltet a) in Stamsilben, b) 
in Bildungssilben. 

a) in Stamsilben: fostund 
faügt, Faust. Ob das Behlingi- 
sche rele, reele neben röchle, 
wihern, hinnire hieher gehört, will 
ich nicht entscheiden, leis und 
les neben le, leise, ungesalzen. 
Das gee (geben), gseacha (ge- 
sehen), gscheacha (gfeBchehen), 
hat niederschwab« g e o , g 8 e e, 



N. 



343 



g • e li 6 e cor Seite. Beispile las- 
sen sich noch vile snsamelii. Zal- 
rei<^ bellen läszt sieb disz Ge- 
«es ausz Yolktümlichen schwäb. 
Sehriften. Zu Weinbold'sBeispilen 
S. 170^ mögen noch folgende 
komen: geeenohen cgm. 689 f. 
10 und oft. cgm. 267 f 7» und 
oft.f.9». 18». verseuchen f. 10*. 
9gm. 868 f. 2*. Gesöhenchen, 
gesehen hen. cgm. 267 f. 8^ 
ogm. 786 £ 8* und oft. cgm. 858 
f. l\ 8* und oft. beschenchen 
and geBchenchen cgm. 356. 
seunfzen, seunfzer cgm. 402 
f. 68». cgm. 436 f. 18^. »traher 
und settfzger.< cgm. 450 f. 101. 
sünfzen cgm. 188. cgm. 372 f. 
aoo^.erseynfzenf. 167*. funst 
egm. 188 f. 108 u. oft. grunft 
egm. 402 f. 43*: >ain hol und 
grunft.« f. 44^: »aus der tiefen 
grunft.« f. 44*» u. s. w. In einer 
Augeb. hz. 1447 : ans^z: >in ainem 
fftlen grtksamen änsz, ein spis 
der wirme«; far asz, &sz, aosz, 
auBB. fronlogken, fronsin- 
gen cgm. 216 f. 1Ö3^ künsch, 
egm« 138 f. 103. künsche, 
kftnBChheit häufig in codd. 
Pnntifar', Putifar. cgm, 206 f. 
66». cgm. 311: meynster f. 3^ 
meinsterBohaft f. 7^. hoff- 
meinster f. 28*. Pictagoras ein 
meinBterf. 58*. meinst, meist: 
»und Bpilten der meinsten äu- 
gen.« f. 44* und öfter, heynrot- 
gut b f. 68*. gnung cgm. 358 f. 
2*, was an das Handwerksbur- 
Bohen gnong: »wir haben^s Dorst 
gnong,« erinert. Angnes cgm. 



786 f. 67*. spanzieren cgm.^ 
267 f. 16*. wyndhopf cgm. 812.' 
und bei Sender. Schlechers Pe- 
stilenzbüchl. v. 1611 (Konstanz) 
hat Weinrauch, thus u. Eins, 
glacies u. s. w. Eine eigene Er- 
scheinung ist die Nasalierung eines 
Yorauszgenden m oder n, gleich 
als ob ein n in der Stamsilbe 
auf den genäselten Vokal oder 
Diphtong folgte: mä, mag: ich 
mag. Nes, Nase; Schofnäs, 
Mezg. Spizn. mosd, maculae; 
vergl. oberbayr. maus. Maus; 
no, noch, nur; ha? a ha 1 he? 
ne: daobinine nage, d.h. selten. 
Stauden. Me, de, se sieh I. ne- 
der, Schneider u. s. w. 

b) In Bildungssilben. Schlag- 
wort für bayerisch Schwaben ist 
nänch, näncher, am nänch- 
ste oder auchnän§te, sprich 
necher: der himmel aller- 
n e n c h s t ist. Astron. f. 26*. je 
nachener cgm.601fl99*. nech- 
ner f. 7*». >ehe er der Kirche 
nechnet.« Troj. Krg. 12. dasz 
man jm zunanet f. 80^. Dasz 
sich der Tod um ihn nächnet. 
f. 82^ jm nachnende f. 40^ 
Der Grezierschiff genechnet. 
f. 46*. Do sie nachnoten f. 402 
f. 63^ nachnet cgm. 448f.l35^ 
darnanch cgm. 426 f. 1*. Dise 
Ztw. nebst dornen, abdornen 
b. Send. f. 805 befestnen, We- 
berbrief 1654; geweidnet (mit 
dem hl Glaub ) b . Pasquinus ; k 1 a g- 
ne, Szno, yergleichne; ver- 
gantne (Mindelh. 0.), krank no 
sind wol Verba neutra, in denen 



Ui 



N. 



n organisch, wie im got. full- 
nsn u. 8. w. Ebensowenig blosz 
der Näselang halben erscheint n 
in leichnam, das die altern 
Schwab, alam. Schriften noch als 
lichomen aufweisen; Obstner 
Bständner, Eornehrne (Mon. 
Antiqua), hewmonend cgm. 736 
f. 5^; des nächtens, noctu; 
Appenteker, häufig; z'aller- 
Tedernst (vorderst). Chron. b. 
Bonn. 1834; Nuibant, Türkh. 
Flum. urkdl. Nuiba, Nüba. 

Ueber eingeschobenes n, im 
Imperativ plur. bei Verb, und ü. 
plur. praes. handelt jede Gramm. 
Sieh Lauchert 15 u. mein Wbl. 
s. V. N. Esz ist eine allgemeine 
süddeutsche Gewonheit seit dem 
11. Jarhd. 

3) Wie ser der Schwabe auch 
dem Nasenlaut zugetan ist, so 
wirft er gleichwol öfter, um in 
zu vermeiden, selbst organisches 
n ausz. In unbetonten Silben ist 
dise Erscheinung allgemein, z. B. 
Tuged, Juged, Wäges am 
Pfluge, Säges, Sense; vollets, 
neabet, Aobet, Barchet,Alet, 
Fisch, mhd. alant; in den Zal- 
wörtern: dausat, duzzet, der 
achzehet u. s w. Die schriftl. 
Denkm. haben: der achzehet 
cgm. 402 f. 13\ eilet 8 bei Send, 
f. 286^ mit stürm eter Hand. 
Feigele. Der Dreizehet S. f. 
324^ Die nachgeetNachtf. 94^ 
ungerattesEindf. 426*.ständ- 
ligen S. f. 312^ Ravesburg f. 
Ravensburg. Der O.N. Warmis- 
ried heiszt urkdl. 1123: War- 



mundesriet, inpago AagastensL 
Der 0. N. Egatsweiler urkdl. 
Eganteswilare 878. Hettis- 
ried urkdl. Hettinesried 858. 
Aletshofen urkdl. AllAndes- 
hofen. Alentshusen a. 1316. 
Hilbersberg urkdL1316: Hilt- 
prantsberg. . In Adj. die alt 
auf eins, ein auszgen wird n 
bald auszgeworfen, worauf i zu e 
herabsinkt: goiszes fleisch, 
Schweines fl. oder i bleibt one 
Herabsinkung und Nasaliarung: 
goiszis fleisch, schweinis floisch 
u. s. w. Auch die Denkm. haben 
gaissis flaisch, leinis toech. 
cgm. 140 t 9\ SchmelL Gramm. 
§ 593. Weinhold 169. Dem bayer. 
Schwab, eigener Brauch ist bei 
folgendem r n faren zu lassen: 
eroyt, eere§t, Ernst; eb^bis 
eari«ts, etwas Ernstes. 8i^ R. 
In betonten Silben fallt n aosz: 
ver nufft, bei Tauler, S^rm. 1508 
Augsb. stets u. cgm. 601. faff- 
zeha, fuffzgallgem. Leumuet 
mit Anlenung an Mut, animus. 
In Co stanz fiel n schon frühe 
allgem. südd. ausz: Kostenz b. 
S. f. 318». 27R DieKostenzer 
Pfennige, urkdl. oft. Ein Famil. 
Name J. Costenzer, in einem 
Necrolog v. St. Ulrich u. Afra. 
Lucas Rem in seinem Tagebuche 
schrieb Eostnice, slavisch 
(= Beinhaus, Anlenung); in Con- 
ventsbier z Unterschide vom 
schlechtem Biere, fallt n gerne 
ausz. 

Das AUgaü vermeidet die Nä- 
seiung und vermitelt sie durch 



N- 



845 



allerlei Ausihilfe. Wo der Angsb. 
Sehwabe sto!, bol, allol, roi 
(Bain), holzen, lolm, noiz, 
gmoid, no!(nain),koI, froind- 
15 n. a. w. und der Niederschwa- 
be de hat, da spricht der AUgaüer 
«i: stui, bni, allui, rui, hui- 
sen , nniz, gmuid, nni, klui, 
Irüidle; üser (unser), eis (uns, 
üiia, elB&u,). ei mit folgendem n 
wird mai odermi; änspe, espe, 
Wirlel, wird ei spe; Schein: Schi; 
Son: Sü; schön: seht; braun: 
brau, br&n; für daure, don- 
nern, tagt der AUgaüer dorre, 
'•dorret; Dorrer; oder^sdur- 
aet, auch 's doaret u. s. w. 
aehtL: schon; uwealtle: unge- 
heuer, snperl. Bedeutung. 

4) Gutturales -ng erscheint 
wnnderlicherweise a) in M e d i n g, 
Montag; Feirding, Feiertag; 
Donsting, Donnerstag; Frei- 
ding, Freitag; Sonnding, Son- 
tag; femer in Feindling, -er, 
Betrüger; Preding, hoaf er- 
din g, hochfartig; spizfinding, 
sornling, geizing, fürsich- 
iing, freundling, kurzling 
(neulich), leding, einfalting, 
raufohing, grailingsGfriesz; 
ieh vergleiche das Berlin g, Ber- 
lingen, Götz T. B. stat Berli- 
ofaingen, in Soltau's bist. Yolksl. 
I. Sammig. S. 228; u. noch mündl. 
ebenso. Schriftl. Denkm. »heus- 
ling siien und honen den lieben 
Heiling.« MB. 24. 624 ad 1446. 
den zins und jamuz paidu vier- 
ding und heuring. S. 28. ad 
1853. listing, Astron. f. 22^ 



m r gin g e wölken cgm. 300 f. 59^. 
wolgevelling cgm. 289 f. 11*. 
preding, wirding, unschul- 
ding cgm. 572 f. 122» u. s. w. 
üb er in g plut, cgm. 317. üb rin- 
gen feucht a. a. 0. heiling 
cgm. 114 f 67*. »mäszing in 
allen dingen,« cgm. 736 f. 3^. 
zuchtin g cgm. 164 f. 6P. ent- 
schuldingen f. 108. Disz ist 
vorhersehend Rieszisch, b) Im 
AUgaü: Fing, Pin, Pein; Wing, 
Wein U.S.W, c) Ingfart, Einfart; 
ming Vater; »i bin halt ming 
Vater« u. s. w. >Wo eine sott 
sing, sind hundert und ning; 
do rnuind die narra, 's miesz e 
so sing.« Frommann I, 41 ff. 
gong, stong, long für sohwab. 
gaü, stau, lau. aderlong. 

Ping, wing u. s. w. sind au- 
genfällig ausz pin, win entstan- 
den, um den Diphtongen ei und 
dessen Nasalierung zu vereiteln; 
esz ist langes i wie noch im Nor- 
dischen. Dasselbe Verfaren findet 
stat in long, stong, gong, da- 
mit nicht nasales au entstehe. 

Die Bildung -ng kan man 
formell und materiell deuten; 
jenes: wird in die Silbe -ig n ein- 
geschaltet, um den reinen i-Laut 
zu bewaren, welcher sonst durch 
Wegfal des g geschädiget würde; 
disz, indem man die Bildung -ng 
als alte Participialform gelten 
läszt, wie sie sich denn auch un- 
gezwungen bei feindling, für- 
sichting, rausching u. s. w. 
als annembar erklärt. Eine drite 
Erklärung bestände darin , dass 



846 



N. 



man die urtprüngliche Büdung 
mit in, got. eins annimt und g 
beitreten läszt ausz demselben 
Qmnde, wie bei pingr. Um so 
werkwürdiger ist daher ming, 
ding, sing; gong, stong, long 
n. 8. w., denn esz dient zur Be- 
stärkung obiger Ansicht. Frei- 
ting, Sonnting eto. möchte 
ich als plurale Form erklären, 
welche nun als Singular geno- 
men wird. 

5) N ansE wurzelhaftem M. 
Weinhold S. 172. 173 bringt eine 
grosze Zal von Beispilen. Ich 
föge bei: preutigan cgm. 570 
f. 98*. cgm. 257 schreibt stets 
bilgrin; hain f. haim, ser häu- 
fig, frend f. fremd, südd. u. 
s. w. M f&r N: brämseln für 
brinseln, pr änzeln = ustionem 
olere; Mesmer allg. für Mesner ; 
b. 8. Furttenbach hat Mesner, 
sant zwei, santbander f. samt? 
Illereiohen lautet urkundl. bald 
Eicheim, bald Aichein. Sa- 
lenwang und Salmwang u. s. 
w. Hieher gehörige Belege sind 
noch zerstreut unter M u. s. w. 
aufgefurt. 

6) a) N wird im Anlaute manch- 
mal abgeworfen: Arcisse für 
Narzisse; Apoleon f. Napoleon; 
cgm. 1279 hat für Nantes: An- 
tis; AngelstadtfurNangolt- 
stadt u. s. w. Weinhold § 199. 
Das Oberpfalzische weist vile sol- 
cher Beispile auf, — öfters aber 
noch vorgeschlagen, wenn este 
nicht vilmer als wurzelhaft zu 
erachten ist: Nast: Ast; Nipf: 



Ipf; InletH&nle; Neb6r,Nea- 
ber: Eber; NöBch: Öfcb^Eeoh; 
Nigel:Igel; Ebel: Nebel; n&d- 
le: artlich; EsseliNemel; Äge- 
men: Nägemen. In einer s. Bam- 
berg auBzgestellt. Aogsb. IMde. 
MB. 24, 259: Nenatorf f&r 
Enstorf. 

b) Ebenso dient eta, wie im 
Bayerischen, zur Yermeidniig des 
hiatus zwischen 2 Wörtern : wie- 
n-i; ma-n-i; des ist a-n-arbet; 
duo-n-i u. B. w., wofür der Ober- 
pfälzer w sezt. 

7) Altes organisohee n hat sich 
erhalten in Sundar für Süden, 
nhd. >des tails der weite das 
da haiszt Sundar.« ogm. 786 f. 
7^. 10»>. Femer in Pfenning för 
Pfennig; dann in Inbiaz; Er- 
neuerte Pfründe 0. cgm. 257 f. 
17^ neben Imbisz sieh M. Im 
cgm. Sil f. 35^: anbytz >2 an- 
bysz und Morgenbrot.« dner, 
ender, eher; wage ieh nicht 
festzustellen; mitgot. air, airis 
hat esz wol nichts zn tun; 
vilmer stet esz zu aivs, Dauer, 
aivjan, Zeit, Daner haben, d. 
h. dauern. Hinwider unterligt esz 
auch nicht der Assimilation in 
anbahte:»derapostlenanbach- 
te.< cgm. 419 f. 37» Im cgm. 
290 f. 75»: pfindigs Fleisch f. 
pfinnigs. 

8) Wurzelhaftes nd, got. nth 
nord. ndh wandelt sich auf dem 
Wege der Assimilation in nn; so 
in Winnmüle (Straszenorte); 
sieh D. die echten nn (alt anja, 
enne, anne) erschien in wis- 



Naeh&rt - Nacht. 



847 



senn, wegenn, erstandenn; 
MB. 25 ad 1470; faltoha Analogie: 
zwisohenn, unns , , nnnser 
u. a. w. 

9) Eigentümlich erscheint in 
halb Schwab, halb bayer. Urkdn 
fBr *am an Snbst. (alt duom) 
nng: reichtnng cgm. 259 f. 4*. 
darfingf.7*. BciL. Rem: r eich- 
ton g u. warscheinlich haltnng 
f. hailtnm. Sieh H. Wogegen für 
-nng einnmbaoftrit, wonumb 
cgim. 235 f. 1*. Sattnmb des 
Bauchs f. U\ wirkhumb f. 14^ 
fndramb. wnetumb des mers 
f.. 17*. betrachtumb a. a. 0. 
mitleidnmb f. 54^ anrufumb 
f. 59». entpfindumb f. 66». or- 
nnmb f. 60^ u. s. w., was Schmell. 
zu got. -ufni zieht. Ebenfalls 
mar bayer. ist das 1 em p t i g cgm. 
900 (1481), lemptigs opfer; an 
dem 1. golt f. 2ö». quell 1. Was- 
sers; 1. Kind; in Christo allge- 
lemptigt f. 84^ u. s. w. 

10) Andere Erscheinungen, wie 
das Wegfallen der Infinitiv-End- 
ung: fuor wir, sach wir, kam 
iHr; rit wir, bei L. Rem sind 
nicht echt Augsb. sondern frän- 
kisch. Die vilen Abschwächungen 
starker Bubst. in schwache mit 
en, n wie esz in Bayern zur wa- 
ren Sucht ward, kenen nur die 
Grenzleute am Lech. 

NACHFART e. alte röm. Stelle 
b. Erummbach. Yiac. 39. 

NACHHOF. »Des andern Tags 
nach der Hochzeit, wer einen 
Nachhoftanz haben will, der 
mag solches wol tun, doch sollen 



der oder die Gastung und Mal- 
zeit-Haltung, auch de« Pfeffers 
(oben 8. 92) Confekt und Wein- 
geben in allw^ müszig sten.< 
Alte Hochz. 0. Zum nachhoff 
verclaydt um 8Vs eleu fein grau 
Lindisch tuech u. s. w. L. Rem 
44 ff. »um 12 eleu braun Samet 
zuom nachhoffrock.« f. 14. S. 
45. Am nachhofftag morgens 
u. aubeiids. 48. Auf Nachhof- 
tanz en erhielt jeder Stattpfeiffer 
Vt Gulden. Hochzt. Ordg. 1540. 

NACHSCHLAG bei Mezgerein- 
kaüfen: »Item welcher Mezger 
den Nachschlag anneme und 
denselben wie man sich dessen 
verglichen hette nicht täte, der 
sol um 30 kr. gestraft werden.« 
Mezg. 0. 1549. 

Im Bezirke Füeszen lautet 
nach in Zusamensezung Nau- 
mesdag, Nachmittag. >wao gouft 
(w& gä§t) de naumesdSna?« 

NACHT. Z'nax, Nachts. Stand. 
nSt, Baar. >Unde waert von dan- 
nen über yierzaehen nat.< Stdtr. 
f 12^. >S6 sol er umbe den eid 
dri vierzehen naht frist haben.« 
f 17^. TacitusGerm. cp. 11. Schmid 
398. In Zusamensezung: Nacht- 
buo, nächtlicher Abenteurer. 
Nachtmensch, öffentliche Hure. 
A. Das >Nachtdecken« beim 
Wachteln verboten. Vergleich v. 
1642. Nachtkönig s. K. Nacht- 
schach sieh Schach. Stdtr. 
Nachtarbeiter, welche die Ab- 
tritte reinigen musten unter Be- 
fehl des Nachrichters. Ordgen. 
1647. In Oberschwab, hörte ich, 



U8 



Nachwaehs ^ Nakt 



wenn Jemand, als seltener Gast, 
in der Kunkelstube erscheint: 
Hast d'Nachtfrau itt gfurcht? 
Hast da Nachtrap p itt gfarcht ? 
»Nachtraben, welche diesselbe 
Nacht ganz mutwilliger and fre- 
yenlicher Weis jedermann ge- 
schlagen,« d. h. Nachtschwärmer. 
Oass. In den Fischacher Stat. 
Rossnachtwaide; Tagvich- 
waide. Nächtliche Nacht- 
diebe. Augsburg. Dekret 1768. 
Nacht, gestern. Mindelh. Gegend. 
Nächtig. Seh. 

NAOHWAGHS (Schlagschae, 
Münzungszuwachs) im bischöfl. 
ürb. 1316 (Raiser, Wappen etc. 
66*) item de eo quod dicitur noch- 
wachs solvuntur 30 Schill, u. s. w. 

NACH WURZELE, leztgebomes 
Kind. A. 

NAFZÜNG f. und NAFZEN 
swY. gesproch. naffzge sieh 
G. 173» = entnicken, ein- 
schlafen. »Als der selig Mann 
Gottes St. Ulrich nach sein er Ar- 
beit verleichen wollt seinen mü- 
den Gliedern ein wenig Naff- 
zung.< cgm. 402 f. 53*. >Doch 
entnaffzet sie ein wenig.« f. 
56^ Dafür öfters nibba. Aug^b. 
napfen, vergnaupen. Schmid 
398. Schmell. 11, 683. 

NAGEL in rechtsaltertümlicher 
Rede. >Wann man einem Söldner 
erlaube, soll man in fragen, wie 
lang er werde auszbleiben, item 
mit wem und wohin er reiten 
wolle, dasz er den Nagel ziehe, 
und wann er wieder komt, soll 
er sich wieder anmelden.« Ordg. 



1647. »Zins- und Giltleiite, die 
sich mit Tür und Nagel be- 
schlieszen.« a. a. 0. 1602. »Wm 

Niet und Nagel hebt.« Ifickh. 
Urkd. 1607. Nagelmagen im 
Strdtr. Verwandte im 7. oder 
lezten Grade. Grimm. B. A. 469. 
Wackemagel H. 208*. >Mak den 
der herre bestellen mit süieii-na- 
gelmagen, die von der mueter 
unde niht von dem vater abie 
mage sin selbe sibenden.« Stdtr. 
f. 20*. f. 28». 28*. Die Yerwandt- 
schaft nach den Hand-, Arm- u. 
Fuszgelenken gezält dürfte hier 
zum Verständnis erwänt werden. 
Nagel geld, eine Abgabe. Bein- 
hartsh. Pfarrbch. 

NÄGELE, Nelke, in e. Höchst. 
Ordg. ▼. A. sieh Schmid 400. 

NAHE got. nShya, spricht der 
Augsb. näneh, comp.n&ncher; 
superl.nänchste.Verb.nächne. 
>Nächent dem Turme« a.s.w. 
Gass. »raist auch in die na oh in 
um.« L. Rem 11. 

NAJEN swv. genayet, part. 
>d6 lag genayet in derschosze 
Jesu der jünger.« cgm. 437 f 108*. 

NAKTER Tail, DietkircherFl. 
N. »Zum nakten Arsch«, ein 
Plaz, sieh Arsch. Im Jare 1738 
machte in A. der nakte Mann 
im grauen Mantel Aufsehen hinter 
der Domkirche. Patrouillen be- 
endeten den Unfug. Das so oft 
vorkomende schwäb. nackig ist 
grundfalsch. Eigentümlich ist bei 
nakt der Auszfall des y got. 
noch naqaths = nudus ; ahd. na- 
chat, -ot, -et: nachaton, Graff 



Nam — Narr. 



349 



n, 116. In der andern ahd. Form 
B a h a t klingt altes y nach, eben- 
•o im Angelsächsischen. 

NAM, Banb, neben Na um. 
Baob in Luc. Rem's Tgb. oft: 
»mit nb und n4m.< Seite 1. 
naum 169. 

NANNELE beliebter Name in 
d«r Eindersprache. Auch in 
Liedern: 

Nannele, Nannele "* 

Hmott dein Bobbele no ittgmacht? 
NoI, i hau 's vergesza: 
I bin da gamsa Tag 
Beim Schäfer dnsza gsesza. 
Wenn du willst dem Schäfer gfalla, 
Miiesit 'm grüene Schneie traga: 
Qr&ene Schneie, a weisses Kleid 
lit deam Schäfer all sein Freud. 
Reinhartshausen. 

NAPPERSGHMIDE , Werk- 
st&tte, worin Boren, Mörser ge- 
bort werden. Vrgl. meinVolkst. 
I, 160 Anmerkg. nahen, gena- 
b«n.mhd.=:: boren. Wb. II, 282. 
näbro, niederschwb. besond. von 
Enten, die den Schlam auszboren. 
Srffl Diut. m, 129: nage wer = 
Bbrer; dim.nagberlin. Schmell. 
H, 686. 

NlSRLIGH adj. Auf einer Tafel 
dar Mezgerstube stet : 
Saohsehn Mezgerbänk närlich 
Dea erfreuten die Mezger sich. 

KARB. Nach Paul ▼. Stetten's 
ErL 87 waren bekante Hofnar- 
ren bei Tänzen, auf Gemälden: 
Der Toni, der Huri, der Lenz- 
narr, der Gunz-Narr. Narren- 
farbid, blau und grfin zusamen. 
In Liedern; 



A lustiger Bue 
Braucht oft a paar Schueh, 
A trauriger Narr 
Hot lang am a Paar. Stand. 

Red. Arten: »Dear ist a Narr 
in sein Sack.< »Da stach mich 
der Narr mit einer niederlendi- 
schen Junkfrau.« Schwarz 42. 
>Si£hin Narrenkappen üben.« 
Theophr. Parac. In den schwäb. 
Gloss. z. Terenz clm 342: du 
bist kein narre nicht: haud 
stulte sapis. Wie überall war in 
Augsb. dasNarrenhaüsle. >A. 
1473 hat der Schwarz, Burger- 
maister hie das Narrenhaüs- 
leKn auf den Fischmarkt lauszen 
machen, das man darein thete 
legen, wer grosze ünfur und 
Geschray auf der Gassen 
triebe.« S. 205^. Nach f. 405 bei 
S. nannte einer den Tabemackel 
Narrenhäuslein. G^mäsz der 
alten Polizei Ordgn. kamen sol- 
che in's Narrenhaus, welche gegen 
die vorgeschribene Ordnung Ge- 
tränk im Wirtshause holen und 
auf betrüglichem Wege Fleisch 
von »auszwendigen Mezgern kau- 
fen.« Ferner sollen die Stadt- u. 
Gassenknecht einen >Föllerei« 
hegenden »fenklich annemen und 
in das Narrenhaüslin f&ren.« 
Poliz. 0. 1553. Femer >die sich 
mit brennten Wein ungebürlicher- 
weisz überladen.« a. a. 0. Osen- 
brüggen, Alam. Strafrecht S. 112, 
6 sagt: »Das Narrenhäuslein 
in Augsburg, Eszlingen u. Schaff- 
hausen war wol dasselbe mit 
Trülle.« Disz ist unrichtig. In 



850 



Näseeln - Ncidteo. 



all den genannten Städten be- 
standen Trolle und N. neben ein- 
ander, 80 auch in Gonstanz, Rot- 
tenbarg etc. Das Kottenb. Nar- 
renhaas, an der jezigen obem 
Necarbrücke emals, war für Leate, 
welche dumme närrische Streiche 
machten. Die lezten Eingesperr- 
ten war^i 7 Barsche, die wärend 
Donner and Bliz tanzten. Das 
bischöfliche Narrenhaüs- 
lein in Constanz war 18' hoch 
Ton hartem Holz, rot angestri- 
chen , auf 3 Seiten mit eisernem 
Gitter und Eupferdach, daran 
das bischofl. Wappen. Wer über 
hohe und niedere Geistlichkeit, 
über Religion sich auszliesz, kam 
da hinein. Das Ravensburger 
Narrenhäuslein bei Eben. U, 
27. Reysher, Sammig. 8, 265 (ad 
1569). JuraControY. hs. inXuttl. 
S. 720 Frisch, Wb. II, &*. Mein 
Wbl. 70. 

NÄSZELN swY. gerne trinken. 
A. 0. N. Naszenbeuren. 

NATHAN St., bildlich, bei 
Holzmann: 
Haben Pfandt gen St. Nathan 

versezt 
Da sie verstanden sein zulezt. 

NATUREN swv. >Und nach 
dem Planeten sind genaturet die 
Sanguinei.« >Der Steinbock ist 
genaturet als das Fuir.< Astr. 
f.22»».25». Forer hat genateür et. 

NAÜ, NAVE, Farzeug: >in 
einem bisgayer nave«. Luc. 
Remis. >portugalisch nave.< 
f. 160. plur. na ve f. 168: fuoren 
sie wieder auf iere nave. 



NAÜLEI ? Schelte: Du bist 
minder als der Nanlai! Fü»en. 

NEBEL in Zus. Nebelkappe: 
»A. 1621 EU dieser Zeit der Pe- 
stillenz hat der Rat die Nebel- 
kappen, damit man in der Klag 
das Angesicht bedeckte, und die 
unter dem Volke mer Sebrecken 
und Entsetzen, dann Ergeteung 
machten, verbotten.« Gase Die 
vAi Grünenbaindt bei Zmmnan- 
hausen hieszen Nebelstupfer, 
sie haben den Nebel mit Stangen 
herabstupfen wollen. GegaiLm^ 
kirch hin heiszt ein Wasaer, Eeoh- 
ach, streckenweiee Nibel; eben- 
so heiseen dort Bronnen imd 
Teiche. Der N i b e 1 g a n erstrebte 
sich westlich vom I Her ga«) von 
Leutkirch und Wangen bis gen 
Memmingen hin, UrkdL Kibel- 
gavia, — gauia. 

NEFF aosz Nepomuck. BJL. »Da 
bist a Kerle wieSt. N ef ^ deam hend 
d'Spaza in's Fidlagnistet,« v.e. fau- 
len Menschen. (Brüdceoheiliger.) 

NEIDBAU in der Augsb. Bau 
0. I, 11: »für einen Neidbau 
aber wird gehalten , wann einer 
seinen vorhabenden Bau offen- 
barlich zu seines Nachbarn Scha- 
den, ohne dringende Not vornim- 
met, oder ausz solchem Bau gar 
schlechten oder gar keinen Nuzen, 
der Nachbar dagegen an Luft 
und Li echt einen groszen Scha- 
den und Abgang hat, also dessen 
Haus — ganz unbrauchbar würde 
oder des andern Bossheit — «ich 
von Selbsten an den Tag leget« 
— Wo das sich nicht äuasert, 



Neigele ^ Neigar. 



851 



>80 irird solches für keinen Neid- 
baa gehalten.« 

mSIGELE, dM, Best vonSpei- 
M& und Getranken. Augsburg. 
Sdimid 404, 

K£LLENBRÜCE,£möde. Kemp- 
ten. Sieh mein Wbl. s. y. 

. N£M£N in Zusamensesuug: 
aussnemen, 1) bei Hausverkäu- 
ha etwas zurückbehalten ; 2) beim 
Gelndde in der Scheuer: aufhe- 
ben; lückhausen. Zu S. 86^ oben. 

NEMEZNIZ , Niemand nichts. 
Lug. Tageboh. 1525. Neemez, 
WurmL n e o m i s, etwas, Weilheim 
b. TuttL 

NEKEEN swv. spr. neeko, an 
fliner Sache imer etwas auszu- 
seaen haben. AUgaü. 

#NEBIS , eine Eindarkrankheit. 
»Nerysa ist ain Geschlächte 
der Bauden und widerfört den 
fijmden umb das Haupt und An- 
gesicht den merem Tail. Nerysz 
ittiwaierlei: ainer ist on jucken 
«nd peissen und hat Schiepen. 
ürseoh des Nerisz ist Ueber- 
flüuigkeit des Plutes und anderer 
Feiehtigkeit , die auszgetrieben 
werden von inwendig des Haup- 
tee ausswendig.« cgm. 601 f. 103^ 
>d& kam in der neris an und 
wollt nicht recht rausz.« Luc. 



HEBTEN, nirten, nirgens. 
S. 89P. 

NEST, das. 1) wie hochd. im 
Idede: 

Jeat laut man in d'Yesper 
Da T^;el in d'Neater 



Da Bueba in's Wirtshaus 
Da Madla ins Seh — haus. Std. 
2) yerächtlicher Name für einen 
bestimmten Ort, eine Stadt u. s. 
w. >In derVorstat (v. Antiochia) 
war ein rechter Buhplaz und 
Schlangennest desTeufels.« 
Ehrenfest 1699 S. 10. »Obwol 
dieses Born ein Asylum war vor 
allerhand Personen, welche das 
Leben verwirket hatten, um da- 
durch solchen Ort mitEinwonem 
anzuhäufen, wodurch derselbe in 
der Tat ein rechtes Baub- und 
Wolfsnest konnte genennet wer- 
den.« Web. Umzug. S. 15. 
Miar band zwar an-anand Haubiza 
In d^s yertuiflet Nest *nei- 
gheit. Soh. 

Wenn truzischt, kriegst a-n-an- 

dres Nest 
I lasz di sperra in Arrest. Seh. 
»Mel Neast ist glei vorUlem.« 
Mein Wbl. 70. Diebs nester, 
in den Burgermaister - Ämtern 
(auf dem Lande?) Erlasz 1767. 
Nester des Diebs- und Jauner- 
gesindels. a a. 0. 

NEU: >'s Nui«, Neumond. 
Mindeltal. Stauden. 

NEUJAB, ward in den Stauden 
und Umgegend mit Beimereien 
gefeiert: 

Wünsch a glückseligs nuis Jaor 
'S Ghristkindle im krausa Haor: 
Glück in's Haus! 
'S Unglück oba 'nauszl Burgau. 

Wünsch a glückseligs nuis 

Jaor 
'S Ghristkindle im krausa Haor: 



352 



Neadfln — NietenBeiai. 



Dasz der Flaz und 's Koara wol 

graot 
'S Glück in's Haus 
'S Unglück oba beim First nausz 

oder: 
Bleib auszl Stauden. 

Einige Lieder aosz den Stau- 
den und Mindelheim: 
Guots Jaor, Guots Jaorl 
Dasz 's Koara graot 
Aepfel und Bira 
Was ma haot. 

Guots Jaor, guots Jaor 
Nimm da Budel beim Haor 
Nimm d'Kaz beim Stil 
Und gi mor recht vill 
Feigele erw&nt eine Füszener 
Site: >1633 an Neujar Abend 
ist das Herumfaren der jun- 
gen Gesellen von unserm Herrn 
Pfleger Aohaz von Leiningen ganz 
abgeschafft worden.« 

Flur- und Ortsnamen mit neu- 
zusamengesezt häufig. Orts N.: 
Neuburg; Neuburg an der 
Eamel; Neuenried, Neuhau- 
sen (2), Neumünster, Neu- 
säsz, Neuschwezingen, Neu- 
ulm, Neuweiler. Die neuen 
Gänge oder Gänglein über den 
innem Graben spilen in der städt. 
Geschichte einigemal eine Rolle. 

NEUELEN swv. Von neuen 
Gefaszen riechen. YrgL das lat. 
quo vas semel imbutum, semper 
odorem serrabit. 

NEÜSEN ? »Dear neue t's, dasz 
's itt im Gleisz dinn gaot.< Seh. 

NEZ : >item wenn ein jung neu- 
gebomes Kindlein im Waszer — 



vel alibi oder Keslin Tod ge- 
funden ¥rird, solle min solches 
durch die geschworene Hebamme 
besichtigen lasien« Ordnungen 
1647. Nezstadel fftr Jagdseog. 
Urkd. 1713. Zacher 480. 

NIEDER in Ortmamen: Nie- 
der altheim, Nieder dorl^Kie- 
derhausen, Niederhofen, 
Niederriedetti Niederatau- 
fen, Niederstimm. 

NIEDERLEOÜNG beiRegiom. 
1512: >das Alleluja Nieder- 
legung ist allerwegen 3 Wochei 
vor dem Sonntag Inyocavii»« 

NIEDERSIZEN str. in Untitig- 
keit zubringen. NiedarBchwib. 
verligen. »Und in HerbeigeB 
also dahinden niedersisen.« 
G. y. Ehingen Leben. 

NIETENSEZEN ein Sinderapii 
Der jtinge Schwan stet tot einea 
auf der Erde gezogenen Kreis 
oder Zirkel, in dessen Mitte 8 
einer kleinen Bim oder einem 
kleinen Holkreisel änliche Spil- 
dinger ligen, nach welchen er 
mit einem andern dergleichen 
oben zugespizten Spilwerkseng« 
zu werfen scheint. Dabei stet: 
>8etz mir ein, ich will dir ein 
Nieten sezen.< Kleiderb. 165. 
Esz ist wol nichts anderes ab 
das heutige StöckelspiL Jeder 
wirft nach einem aufgestellten 
Merkzeichen meistens einem Spun- 
ten oder einem Zapfen ausz dem 
Bierfasze oder auch einem Stein. 
Wer das Merkzeichen , bisweilen 
Taube genannt, trifft oder mit 
seiner Wurfplatte am n&chsteu 



Kiesz — Not. 



356 



•tet, bat den Vorrang. Die Pfen- 
ninge werden vom Sieger gesa- 
BMlt; geworfen ob Münz oder 
Unmüni fallt u. 8. w. Niete, 
mübtames Bestreben Sohmid406. 
SobmelL II, 716. 

KIEZ, nicbts. Allgaüer Scbelte: 
Da bigt niezl 
Dein Gscbwäz igt niez! 
Und dein ganz Haus ist niezl 
Und dei Yicb^b&t n5 Laüsl 

NIFTEL, patmelis consobrina, 
neptis amitina, niederd. Nichte. 
»Swa aber ain man eins biderben 
Mannes wibe eine huren heizzet 
oder eines biderben mannes nif- 
teln.< Stdtr. f 50«. Glosse. Nif- 
tel ist das Dim. von Nifte, ge- 
hört zu N e f f e ; lezteres müste got. 
aifa beiszen fär gnifa, wie ne- 
pot f. gnepos; nomen f. gno- 
men, lezteres noch in cog no- 
men; rifffhj f. yy£g)$X^y nebel 
füx gnebel u.s w. Graff 11,1052. 

NILLE f. Geschwür, Eiterbla- 
Bon am Kopfe a. s. w. Yrgl. nel 
itm. in Diemer's Genesis n. Ezod. 
Wb, 79, 89: = vertex. Feder 
Bedh in PfeiflTers Germ. Vm, 471 
%rt nol, nulle u. s. w. an. 

NKZE, Lauseier. Weigand Wb. 
n, 273. Nisziger Bua, der 
nichts auf sich hält. Niszig, 
iparsam. Niszige Leicht, ein 
Leichenbegängnis one Gefolge, 
^ngsb. 

NTTLE, die, die schnelle Ea- 
bbrine. >Eisar bue hout dV helt 
and nacht o-n-arbat g'machot, 'r 
tioat d'Nitle so stark« u. s. w. 



NOLLEN swv. saugen, zullen. 
Dear haot im Traum am Dauma 

gnollet 
Und haot Hi arga Sohnarchler 
ghoUet. Seh. 

NONNE im Kinderreime von 
der Schnecke: 
Schneck, Schneok streck d'&8r9 

Vousz 
Oder i wirf di in' Bronna 
Mit deina siba Nonnal Stand. 

Nonnenberg unweit v. Klim- 
mach, sagenhaft. Nunnenma- 
cher, Säwschneider. Gass. Non- 
nenhorn. 0. N. 

NORDERS: >Septembrion oder 
Norders.« Astr. 16^ Mhd.Wb. 
nordert II, 407*, neb. w est er t, 
ostert. Ortsniimen: Norden- 
dorf; Nordheim (Donauwerd) ; 
Nordholz (Roggenburg); N o r n- 
heim? (Günzburg). 

NÖRGELN swv. 1) bei herber 
Arbeit schwizen. Riesz. 2) >n. und 
reokeln« etwas Unangenemes 
wiederholt sprechen. 3) hinab- 
würgen, z. B. trockene Speisen. 
AUgaü. Nörgler, — erne, homi- 
nes, qui in minutiis versantur, 
morosi. Riesz. 

NÖRTEN, nirgends. >Pamit 
die aufrierigen Inwoner nört- 
ten sich möchten rottieren.« 
S. 372«. f. 408»». Von n-orten ^-ie 
d-orten gebildet 

NORWEG im cgm. 206 oft: 
gen Nor weg ziehn, d. h. gen 
Norden (v. Asien ausz). 

NOT , spr. n & a t ; niederschwb. 
naot. Nothaus 1) für prest- 
23 



856 



Nuben ^ Ntuz. 



hafte und mit bösen (^esohwüren 
behaftete Personen, an derVogel- 
torstadtmauer. A. 1561. 2) wo 
man armen Fremden ein Nacht- 
lager gibt. Nötnunft im Stdtr. 
oft = Notzucht. >Swer die not- 
numpht beget an maegeden, 
— daz man in lebendigen be- 
grabe.« f. 29^. rihten umbe die 
nötnumpht f. a.a. der not- 
numphte zihen f. 30*. u. s. w. 
Notstal: >allermei8t habe ich 
auch anderer gottseliger Leut, 
die noch tief im Notstal sind 
gesf ecket, hierinnen verschonen 
wollen.« Dr. Müller. »Notzug 
und Inzicht.« Vergleich 1582. 
Adj. notfest v. der Gesundheit, 
für die gewisze . kranke Anfölle 
geförlich sind, nicht kapitel- 
fest. Hochnötig, Furttenbach. 

NUBEN, Neubau, Nuibant, 
Oertlichkeii b. Türkh. >DieForst- 
grenze genannt der Neubau 
(Nuiba) fangt beim Gern an und 
bis zum Piebnrger.« Zach. 15. 239. 

NUDEL, 1) in dem Kinderliede : 
MeX Muoter kocht Nudla, 
Sind um und um blau, 
Sie sperrt mVs in Easta 
Und will m'r *s itt lau, 
Se geit m'r *n Brogga 
Zuo da Heaner 'rei logga: 
Heale bibbi! 
Dean Brogga frisz i. 

Ueber die Zusamensezungen 
Heffanudla, Schlottanudla 
u. s. w. sieh unter dem 1. Wort. 
2) Fettes Kind. Ztw nudelu, 
ein Kind liebkosend herumbalgen. 



NUEPEL, groszer Mund. Riesz. 

NUN im Handkai. 1747 hs. 
Wir teilen mit dem Tod die Zeit 

in der wir schweben 
In einem solchen Nun beharret 
unser Leben. 

YrgL das n oin bei Felix Faber. 

NÜRNBERG in einem Tanze 
ausz den Standen : 
Bin überall gewesen 
Als z' Nürnberg itt, 
Hau alles verfara 
Nur 's Heirata itt. 
>Um ein Nierenberger elen 
gülden tuch 9 fl. 10 kr.< Loc 
Rem 45. 

NUSCH, NUST, Dachrinne. 
Stdtr. nusch. In Weberhaus- 
rechnungen stet: die NU seh. 
Nüesch, die Niest keren. »Wei- 
ter gebeut ain erbarer Rat, dasz 
alle Nu s oh, so auszerhalb der 
Haüser, Mauren, Wendel gemacht 
sind« etc. Augsb. Nusterlasz, 
hs. (Archiv) 1538 Einen Nu st in 
Stüzen legen. Bau 0. In Mickh. 
Akt. > im Thiergarten und auf dem 
Hofanger Niest gelegt.« 1580. 
Die Formel in den emaligen 
Hausbriefen As. lautet: »Dasz das 
in N. gelegene Haus, Hofsach u 
Gesäsz frei sei an Mauern, Wän- 
den, Lichten, Nüsten, Trafen, 
benannten und unbenannten« u. s. 
w. Tr f, dasselbe. A. Schmid 411. 
Schmell. II, 712. 

NUSZ obscön: vulva; Zeitw. 
nuszen. Ortsn NuszbühlfWem- 
ding). Nuszmärte, im Riesz all- 
i gemein am Nikolausabende. 



Nuzel ^ 0. 



867 



NTJZEL, der, Schnuller, Schlo- 
ser. Staud. Daneben Dizel. In 
Grossaitingen heiszt eine Näherin 
nur: d'Nnzelnaire , weil sie 



frühe Bekantsohaft anfieng, da 
sie noch den Nuzel im Sacke 
hatte. 



1) Aus z spräche in betonten 
Stamsilben. Yor den Zan- und 
Lippenlauten spricht der Schwa- 
be im Allgemeinen o rein; vor 
den flüssigen m und n erscheint 
nasales o, sieh N. Yor r hört man 
Etat des reinen o ein &, eing^nz 
gleicher Laut, wie für altes ä; 
dehAob. 5. SIrg: Sorge; Mar- 
ge: Morgen; &rgld: Tomere; 
D&rf: Dorf; E&rb: Korb; in 
den Straszenortschafben hörte ich 
reineres ö: Sorge, Morgen, 
Körb, Torf, Stork u. s. w. In 
unbetonten Ableitungs- und Fle- 
xionssilben verschwindet reines 
o ganz; das augsburg. Schwaben 
wart esz aber in den sogen, al- 
tertümlichen Superlativen, wie in 
den sw. Yerb. ü. Coig.; das 
Nähere ist unten zu ersehen. 

2) Quantität. Wie schon bei 
a, e, i angefurt wurde, dent das 
augsb. Schwaben die ursprüng- 
lich kurzen Stamsilben mit o 
derart, dasz man oo oder ooo zu 
hören vermeint, aber hier einzig 
vor Doppelconsonanz, wenn lez- 



tere gleich oft nur scheinbar ein- 
&ch auftrit. GschmSz: Ge- 
schmunzel;L;jch: Loch; llJchd: 
ein Loch machen; gnStsche, 
'rumgnlJtscha: in Speisen he- 
rumtalken; h 5 1 s c ha : herumhum- 
peln, hatschen; GschlSsz in d. 
Mezgersprache ;FrlJsch, Fr ?^8ch- 
lache; D?^dle, Pate; hlJddld; 
Böckh, Bock; BlSokh, Block; 
Stüokh, Stock; RSckh, Rock; 
hücke, imperat. = siz nieder. 
Dockhen, Docke, Einderpuppe; 
G^ckheler: Gockeler, Han; 
D^tsch, was Datsche; Letscho; 
Hülz, Holz; gözig: einzig u. 
s. w. Diso Denung kene ich als 
bis Gmünd und Ellwangen hin 
üblich, wo nicht blosz a, e, i eben- 
falls dem Geseze unterligen, son- 
dern überhaupt vil Aenlichkeit in 
den Lautgesezen mit dem alten 
bischöflichen Augsb. jezt bayeri- 
schen Gebiete zu finden ist. Der 
EUwanger und Gmünder Städter 
spricht genau wie der an der 
Augsb. ülmer und an der Lin- 
dauer Strasse R5ckh, Bl5okh, 
28 ♦ 



858 



O. 



R9z (Roz), KQpf IL8.W. Wenn 
ich nicht irre, dent auch der Alt- 
bayer häufig vor einer Doppel- 
oonsonans o; wärend ursprüng- 
lich ö nicht gedent vor einfacher 
Consonanz gehört wird: grobb, 
Lobb: grob, Lob; Brodd: Brot 
u. 8. w. Lezteres kan man in 
der alam. Baar zwischen Tutt- 
lingen und Donaueschingen all- 
gemein wamemen: Bodde: Bo- 
den; höbble: hobeln; nobbel: 
nobel u s. w. Auf alte ganz kurze 
Auflzsprache laszt die so häu- 
fige Doppekonsonanzsclureibang 
in Schwab. Augsb., noch mer in 
bayer. codd. sohlieszen, wie Po f- 
f^l, Pöbel; Hoff: Hof. cgm.i02 
f. 80^ und oft; Tolle: Dole,Ga- 
nal^ noch in der Augsb. Feuer 0. 
V. 1731. Der cgm. 601 schreibt 
stets Öll, Oel; Lott cgm. 206. 
Offen: Ofen b. Send. 
. £ine andere Art von Denung 
ist nach Auszfal des h (ch) wie 
n5(h), d5(h), wie allgemein 
schwäbisch, siehH. Ich ziehe hie- 
her auch die Denung vor r: kö- 
re, höre, möro, möaro u. s. 
w. , was bei R näher erörtert 
wird; auch diso Erscheinung ist 
EUwangisch, Gmündisch u. wir- 
temb. oberschwäbisch. Auszfal des 
r, wie in Niederschwaben ist augsb. 
Schwab, seltener. 

3) Bayern und Schwaben gen 
ser auszeinander in der Ausz- 
sprache des i, u, wenn moder n 
folgt: bat der Bayer reines iund 
u, so schwächt der Schwabe in 
disem Falle i zu e und u zu ö 



sowol in Stam- als in Bildungs- 
Silben: Meinong neb. Meining; 
Feldong neb. Felding; Schi- 
dong neben Sohiding; Mar- 
kong, Stallong, Festong u. 
8. w. besonders ist das augsb. 
landschaftliche h o d : Hund ; p f 6 d, 
ftöd, grod u. 8. w. interessant. 
Auch schriftliche Denkm. bezeu- 
gen diso Eigenheit. Lac. Rem 
schreibt forkong, reichtong, 
rechnong, claidong, belo- 
nong, Safiran-A nie gong, nutz- 
ong, librong. cgm. 480 f. 32*». 
a. cgm. 257. wonder cgm. 487 
f. 108 und öfter wondreten 
wonnder cgm. 140 f. 82^ ond 
a. a 0. gewendet f. 72*. Son 
(Süne) f. 86^ uberwonden f. 
lld*. Bei L. Rem: erfonden. 
Vor r überhaupt scheint o für « 
schon frühe eingeriszen zuhaben; 
ess ist uralte Brechung: forcht, 
n o t d r f t. Yergl. Weinhold 
Gramm. § 88. 

4) Dem augsb. Sehwaben ist 
vor dem wirtembergischen die 
Warung des alten SuperL o und 
des o in der II. sw. Conj. eigen. 
Noch heute hört man yom Land- 
volke z'ob ergo st, z'untergost, 
z'hindergost, z'vedergost, 
z'mittlergost, z*theurost etc. 
Yom Anfange dises Jhs. fand ich 
obige Formen als yolküblich von 
einem Patrizier aufgeschriben. 
Der Chronist Sender hat: zu 
oberost, zu unterost, zu fe- 
derest, deraltost, allerfest- 
ost, der dreyszigost. f. 172^ 
220^ 586». 241*. 280\ 880». u. s. 



0. 



869 



rgL Gramm. P 967 ff. HI, 
« MM. Wb. II, 487. In 
bnücheB Schriften komen 
•Archaismen«, wie man sie 
anen pflee^i, häufig vor. Ich 
ir die Superlativ-O und fiir 
» 8w. Verb. II. Coxy. noch 
AüEal Stellen an and tue 
m mer, weil sich die bay er. 
ohwab. codd. darnach be- 
ten lassen; die ersteren lie- 
lie -ist Form; Ausznamen 
MS imerhin. Ich stüze mich 
war auf Denkm. t. 14. bis 
\atkäL Das gesegnet Land, 
246 f. 8^. Eossot mit den 
6*. ward geomzigot 6*. ge- 
oi 9*. dem behondosten 
• 12^ werot 14». ein ver- 
oter Man 16*. es wnrd ge- 
17*. gepredigot 18*. aller- 
ler 18*. 21*. gemeldet ist, 
liedigot 22**. dem behendo- 
dffel 24\ eldost 29>». m6- 
[(eialboten 36*. die sterko- 
ll*; Termalgotten 49*. ge- 
1 60*. (gerechnet ogm. 154^. 

cgm. 402. 419. 786. 257. 448. 
S7.445 etc ) gesegnet 54*. ge- 
0t 55^ gerichsnot 86^. den 
dosten Tod 57*. kracgot57*. 
iW*. bestätiget 62^hai^lgo- 
lerr 68*. barmherzigket vnd 
it h&nd ainander gegnot 
a dem vier nnd dreiszgosten 
^ereohtott haben 79*. durch- 
igosten , allerwirdigosten 

80*. gerainigot 89;. ster- 

1 91*. gemartrot 94^. ange- 
i 106^ versiglot Brief S. 
tattsot 881^. gemerterot(St. 



Urs.) B. 862. unTerwegerot» Ter« 
mechlot 859*. foderot 860*. ver« 
samlot 870^. die zerrissosten Klei- 
dar S. 892*. gewarttot S. 504*. 
Yen allen obrigosten Eünig er« 
wölt sein. a. a. 0. 6*. Tnd 
dbergosten über desselbigen Be- 
schütznngen erwölt 90*. fhiind- 
lichost S. 458*. des Apollinis ober* 
goste Priesterin. Trqj. Krg. 24^. 
Znm dbergosten verknüpft 80*. 
die ellerandrigoste ding £= die 
Feszeln des Troj. Bosses. T. Erg« 
49^ Machten Agamemnonem znm 
obrigosten Hauptmann 67\ Sezet 
Priamns den Hektorem für einen 
fürgdienden u. dbergosten Haupt- 
mann 70*. e. obrigosten Eünig 
erwöhlen 78*. gewegot oder rut^ 
tiert (Wappen) cgm. 92 f. 4*. in 
der zwo und zwenzigosten Wo- 
chen, cgm. 168. 2*>. Bei de* 
nen so zu vordrigosten am 
Streiten wasen. Troj. Erg. 8^ 
dem eltosten. Man. bl. 1*. Die 
obrosten vier gewdlb 26^ a.a.O. 
kostot und zimrotent. wandlet. 
Astron. 15^ regnott 16^. redinot 
20*. anbettotend. Satumus ist der 
obrost planet, in dem obrotten 
trone 20^. der obroet gott. der 
tragest, der tragoste in t. louf. 
Saturn, gewerotte 21^ bettot- 
tent maohot 22^ die mone ist 
die nidrost pianette 23^. und ist 
allersnellost an irem loufe; sie 
louft allemidrost. 25*. von dem 
achtoten himmel in dem obro- 
sten himmel 25*^. geordtnotten 
leben 28^. dorot (dorren) 80*. von 
der unverdowoten Splse 86^ ko- 



860 



0. 



diot 5^ an dem aohtoden tage 
ogm. 168 f. A^. gebettot f. 60*. 
gemanigfaltigot. egm. 206 f. 171. 
gesegenot 172*. du beschamotest 
mich 178^ darom gesegnet dich 
Qoi imer 178*. den ynvermasigo- 
ten 79*. du gesegnotest. so wirt 
ich gereinigot 176*. Sie gesegno- 
tent mit irem mnnd 178*. erdie- 
mnügot 82*. s. gesegnoter nam. 
regnot 184^ Sie sondotant dan*» 
noch. Herr da gesegnost din erd 
187^. der obrost hat sie gestift 
188*. erfrawotest 189^ cgm. 402. 
besamnot f. 9*. samnoten 9^ sej- 
not 17*. gesegnothett 17^ d. wei- 
Bosten pfarrer. 20*". prediget 22*. 
begegnot 27* n.8. w. YgL Schlei- 
cher, Sprache S. 160. Weinhold 
§ 284. n. § 357. 

Altes 6 an Imperativen und 
Yocaüven hat sich häufig, beson- 
ders im Mindeltale, erhalten und 
sieht sich bis nach Ellwang^en 
und Gmünd hin , wo esz freilich 
als k und nicht als reines 6 er- 
scheint, z. B. Bäbalai Hansat 
Sepperl&l Ebenso wird in Bei- 
mereien und Liedern ein 6 ange- 
hängt, um den Wörtern Nach- 
druck und Reim zu verschaffen, 
z. Beispil: 
'N Weag 'n weit6 
Und kof Boss zuem reito u. s. w. 

Wen's alle Leut saget 
Nao sag i's halt ö 
DTrau Wirte igt schwanger 
Und d'Kellere 6! 

Da stet 6 freilich mer für 
>auch<. Dafür habe ich häufig 



& angehängt gefunden; wärend 
das wirtemb. Schwaben allein 6 
zu lieben scheint. Yrgl. WörterbL 
z. Volkst. S. 72. 

Die Baar hat oft stat der In- 
finitive -en ein 6: sag6, frag6 
u. s. w. 

6) Wechselt das der got Bre- 
chung aü entsprechende hochd. 
o in der schw&b. Ausssprache 
zwischen 6 und äa, so entspricht 
dem ahd. 6 got. &u, ao und äa; 
jenes ist niederschw&bisch , diss 
augsb. schwäbisch; Gnt&nd und 
EUwangen haben lezt. eboifalls: 
häech: hoch; äeg; flie^b: 
Floh, pulex; l&e,8ilTa, arbustnm, 
ahd. löh; äor: auso got.; räer, 
Bor; täed: tod; näet: N6t, ne- 
cessitas; räet: ruber; br&et: 
brot; läesz, got.hlaut8;bl&9BZ, 
plöz, nudus; gr&esz, grandis; 
st&esz, ictus, stoz ahd. l&esz, 
liber, solutus; läesz, Schwein; 
käet, Kot; träest, solatium; 
ädgtere: ostara; bl&dso, bla- 
sen; Schmell. Gramm. §334. Ich 
hörte in einer Greg^end fl&esz, 
für Flosz. Dise Beispile lauten 
niederschwäb. hao (eh), flaoh, 
naot, raot, braot, graosz, 
laosz, flaosz; rao (roh, von 
Speisen); abaosze, äbaoszo (bo- 
zen); aostra, staosze u. s. w. 
und entsprechen ganz und gar, 
was Unkundigere weit weg wer- 
fen, dem altdeutsch, ao des Bha- 
banus und einiger anderer Denk- 
mäler, wo haoch, naot, raor, 
laos u. 8. w. stet. 

Folgt auf altes got. au g, h, 



361 



k, p, b, f, m, 80 neigt die lebende 
wie die Sprache der Denkmäler 
angab, schwäb. 1> zu o stat &a 
und ao hin; 2) zu a, das mir 
aber ein Mittelton zwischen a u. 
o zn sein scheint, a) z. B. stS»b, 
Stanb, z. stappa; Qg, plur. 5 g 9, 
der Wertach zu &g9, got. augo- 
ma; oberSga, Angenwimpem; 
oinögeter, ainaügig; roben, 
rSber, Baüber; im Riesz roch, 
Ranch; neben th5, Thau; kSfe, 
k5ft, kaufen; Ogsburg, ögs- 
bnrger, Augsburg; die Form 
Agustus ist schon uralt; Diet- 
rich, über die Auszsprache des 
Gothischen S. 20 ff. Fro, Frau; 
am Lechrain allgem. globa, lü~ 
fa. I5ff! (Füszen); weirSch; 
himml. Braut, b) rSb, Raub, b. 
Jj. Rem häufig; rSb und naum, 
adj. röbisch, rebisch; hSpt- 
gat, Stamcapital (Rem); Ter- 
kSfft a. a. 0. St. Lasarus hSpt. 
a. a. 0. Der cgm. 92: junkfra, 
f. 18^ Schongäer, a. a. 0. 
Pers. Nwne. hapt f 16». ach 
(auch) f. 17» lab f. 22» ze uns. 
FrSen f. 28». gehSen f. 26». 
R a d a e r (Radauer) f. 29^. gr S e r, 
blSer u. s. w. Weiräch, Mess- 
buch oft.; in agosto inUrkd. u. 
in dem Kleiderb, öfter, lieszens 
ISffen, Frank 120. kaff! Imp. 
cgm. 437 f. 108^ geläben, ge- 
labst f. 110*. In der himml. 
Braut: junkfrS, läft, umblSft. 
schab f. Schaub, Mickhs. Rechg. 
cgm. 448 hat gelaffen, zuge- 
ISffen f 141*». wiräch cgm. 
736 f. 20^ Sender hat rSch, 



Rauch ; EappSnenf. Eappaunen 
f. lOO». 306». 

Der von einem Augsb. geschri- 
bene cgm. 736 entscheidet far 
die Auszsprache äo, au, ou = 
ahd. 6 got. 4u: grou^zer Hb, 
grousze bein f. 10*. Diegrous- 
zen Därme, f. II*. Glieder, die 
von einander gestouszen wer- 
den, f. 123. grousz ding f. 13*. 
bouszheitf.lÖ^u.s w.grausze 
pitt cgm. 437 f. 124*. Astron. f. 
14* u. s. w. gestouszen, stousz, 
toud, routt, groasz u. s. w. 

Folgt ein m oder n, so wird 
der schwäb. Laut diphthongirt- 
genäselt auszgesprochen : lo9, 
laun; oder man hört einfaches 
o; was häufiger ist: drom, Traum, 
bom,Baum; zom,Zaum; schom 
Schaum ; p f 1 o m m , Pflaume. 
Schriftl. Denkmäler, cgm. 257 f. 
3: bom. bomwoll b. L. Rem 
oft. pömlin cgm. 92 f. 22*. bäm 
pelzen. Regiom. 1512. auf dem 
dömen (Daumen) a. a. 0. 

7) Bestätigt wird dise Ausz- 
sprache durch den Umlaut von 
äu: demhSpt, laff, läfen, kä- 
fen U.S.W, und dem h?pt, ISf- 
fen, kSfen, t<!rfen entspricht 
genau der Umlaut ^, d. h. oe; 
aber die schwäb. Mundart hat 
kein oe und ö ebensowenig als 
ü: Sga: ägle, egle, Äuglein; 
hopt, häpt: heptle, häptle; 
t5f = tefa, kef9, leff, kriegs- 
löff. fred noch häufig volküb- 
Hch: meifred, bes. gegen Kemp- 
ten hin. Ftedenmacher, Hof- 
narr, Conz y. Rosen: Kleiderb. 



362 



— Ob. 



FrSd, Seb. ILning bei P.v.Stei^ 
ten, Erl. 49. cgm. 437. Ifrämil 
töft, ma? Füszen. aufgleff, 
frSd bei L Rem. Folgt aber ein 
h, 8, n. t, d, th auf got. au, so 
heiszt der Umlaut ea, wie das 
dem gebrochenen i entspreoben- 
de ea: r&et: röatar; h&ecb: 
beaoher; gr&osz: gredszer; 
br&8t,Brot, dim. breatle ; f l&d: 
flea; r&or: rearle u. s. w. 
Niedenchwaben spricht in beiden 
genannten Fällen ai: raiter, grais- 
zer, laiffig, fraidig, kaiffig, haipt- 
le, haiher, braitle, braisamle u. 
8. w. Wo der Neckarschwabe 
arle, häre (Lech, Eaufbeuren) 
hört, yerstet er esz nicht; er hat 
nur airle und haird (hören). 
Folgt m oder n, so wird ea na- 
salirt: sched: schön u. s. w. 
Blead: blöde; ead: öde, 1) un- 
gesalzen, 2) abgeschmackt von 
Menschen u. s w 

Die Wörter Heu, Gau (gavi, 
havi t) lauten niederschwb. hai, 
gai; augsb. bald ha, häd (Ztw.), 
bald hoi, hoia (Kempten zu), 
bald he, hea; ha hörte ich an 
der Schmutter; in Landsberg ist 
esz ebenfalls üblich ; ganz so 6 aü. 

Der Umlaut des o hat nichts 
Besonderes; er wird wie e allge- 
meinschwäbisch gesprochen. Dem 
Allgaü zu komt ö auf. Die Schrei- 
bung ö für e sieh oben E. 

7) Eine eigentümliche Erschein- 
ung ist ai für o und u, z. B. im 
cgm. 755: mairgen, besair- 
gen, wairt, vair, airden, tair 
u. 8. w., wo von späterer Hand 



überall o hineincorrigirt ward: 
sorgen, morgen, cgm. 631: dar 
auf unsers herren schaisz ent^ 
slief. Li einer Zweibrücker Ur- 
kunde steht ai und oi: wain- 
haft (wonhaft), gewainlLch, 
erelois, sicherloisz, tinwe- 
lois u. s. w. Der cgm. 736 ent- 
hält die Beieebeschreibong einet 
Augsburgers in's heil Land von 
1444, wo ai öfters für o und n 
erscheint: g etain: geton a.8.w. 
Abt Murer v. Weissenau schreibt: 
maindrigs, Morgens; Airdi, 
Ort; Ummendairf^Ummendorf; 
Eairn, Keml mairedrigsten 
(Weg); Altdairf, Altorf- Wein- 
garten; Sairg, Sorge; Marck- 
dairf, Markdori, ON. ; Hairn, 
Hom; fair, vor; wairden, wor- 
den: Thair, Thor u. b.w. Eben, 
Gesch. y. Ravensb. II, 247 (SOjärig* 
Krieg). In einer Urkunde Hein- 
richs von Schwangau von 1846 
(Horm. Hohenschw. Gold. Ohr.) 
stet: sie ha int: haben; derzuo 
hain ich und min erben, hain 
ze kofent geben u. s. w. Dise 
Formen haben niederrheinisches 
Gepräge, cgm. 358 u. 166. 

8) Die a stat o in sargen, 
farcht, margenstern, erst- 
g eb a rn e r u.s.w. sind echt bayer. ; 
wo in Schwab. Urkunden Fälle 
vorkomen, sind sie von bayer. 
Schreibern. 

OB praep. >bei Maistern ob 
dem Land.< >Die ältesten anJa- 
ren ob dem Handwerk.« Erneu- 
erte Web. Ordg. 17. Jh. Veraltet. 

Obnan, nach oben: »die dir 



Obfraaen — Ochse. 



368 



die spise machet obnan usz- 
Tam,< »die spis obnen oszze- 
bringen.« Astron. f 27^. (Avd.) 

OBFRAÜEN in der Hebammen 
Ordg. S. 85. lEs werden nach 
bisherigem altem Gebrauch Yon 
dem Bauamt zu allen Zeiten 4 
Frauen, 2 katolische und 2 pro- 
testantische zu Obfraaen und 
zween Medic. doctores aus dem 
hiesigen GoUegio Medice, ein ka- 
tolischer -^ zur Hebammen Ord- 
nung und zurObsicht und Direk- 
tion über die Hebammen aller 3 
Classen verordnet. Biese Ob« 
frauen und Herren Doctores 
sollen auf alle Hebammen fleiszige 
Aulsicht hAen, dasz auf allen 
und jeden Artikuln der Ordnung 
richtig gehalten, das Hebammen- 
Wesen je mehr und mehr ge- 
bessert und die Lernerinen, ge- 
sohwome Hebammen und Fürer- 
innen dieser obrigkeitlichen Ord- 
nung gemäsz dem Bauamt vor- 
geschlagen und bestellet werden. 
Für sich selber zwar sind sie 
nicht ermächtiget, eine zur Ler* 
nerin oder von einer Clasz in 
die andere aufzunemen, sondern 
sie sollen nur deren, die um's 
Amt anhalten, ihres Lebenswan- 
dels, Sitten und Eigenschaften 
sich erkundigen sovil sie können, 
den Herren Baumeistern Nach- 
richt davon geben und welche 
sie für tauglich halten, in Vor- 
schlag bringen < u. s. w. 

OBERSTE: der hl. Dreikönigs- 
tag. >üf den obrosten aht vor 
od» aht tag nah.« Man. f. 1\ 



>gebom am ob er st ze naht.< 
cgm 92 f. 28. >zu dem obero- 
sten tage.« Urkde. 1304. >am 
Freitag vor dem obristen.< 0. 
Buland u. s.w. Pfingstoberst. 
Urkde. 1519. 

OCHE, 1) span. Taler^ real de 
ocho. Schmell. H, 123. »ain ochen 
und ain grosz«, »umb ain o ch en.< 
Buland. 2) Oheim, »zu deinen 
Öchen solt du &ren.< cgm. 206 
f. 46^ 

OGHELE, das, 1) schmerzliche 
Wunde, 2) leichtere Fal- oder 
Stoszwunde. M. WbL 72. 

OCHSE. In Groszaitingen war 
esz Site, am Aschermitwoche 
den Ochsen zu schlachten. 
Zwei Burche liefen auf Händen 
und Füssen und stelten zusamen 
einen Ochsen vor. Den Bücken 
bildete eine Stange, am vordem 
Ende war ein Hafen als Kopf 
angebracht, üeber disen war ein 
weiszes Kopftuch geschlagen, in 
der Begel ein Bett-Leintuch. Der 
Ochse ward herumgefürt; bald 
erschienen verabredete Mezger 
und das Handeln um das Vieh 
began. Sie brachten schon Stricke 
mit. An mereren Pläzen ward 
Halt gemacht; aber der Kauf 
zog sich in die Länge. End- 
lich gieng er ausz und der Ochse 
solte abgeschlachtet werden. Der 
Straich auf den Kopf, der in 
Scherben zerfiel, zur allgemeinen 
Freude der Menge, beendete die 
Site und dann gieng's in's Wirts- 
haus, und die Kaufsumme wurde 
> versoffen«. 



364 



Oed — Ornat 



In der Webersprache komen 
Tücher vor, Ochsen geheiszen: 
geblaichte nnd ungeblaichte Och- 
sen, vördige Ochsen a. s. w., 
warscheinlich vom Stempel, der 
einen Ochsen fürte, zubenannt. 
>Mein Weib hat vorhin einen 
Grind, halsstarriger als ein 
Steyermarker Ox.< Mast- 
oder Schieboxen in Mickhaas. 
Rechnungen oft. >An Schieb- 
oxen verblieben. < >an Seh. aus- 
geben« u. s. w. Oxenbrunuen, 0. N. 

Die alte Ochsenstrasze von 
Nordheim nach Landstrost, im 
Saalbuche: Heerstrasze. Man 
machte Ougststraszen darausz. 

Oxenstierna im Kinderreim: 
B^t Jaggele b^ 
Moara komt der Sqhwed 
Moara komt der Oxasteare 
Wird 'm Jaggele 's B^ta learo. 
Biesz. 

OED spr. ead, abgeschmackt, 
>ungesalzen< , von Speisen und 
bildlich von Personen und deren 
Handlungsweise. Im Allgaü 
ädern, > 's igt midr reacht ä d 9 m< , 
>eäd9ms gschwäz<. Oeden- 
berg, Flum. Elimmach. Pfarrb. 

OEL in Oelbergäcker, Diet- 
kircherFlum. Oelhoinzen, Oel- 
kuchen. Jettingen. »Gegen den 
Ratsdienem haben sie gesagt, 
seht wie stehen die 3 Oel ber- 
ger, die der Stuben hüten dort !< 
Chron. 1634. 

OETTINGER, eine Münzsorte. 
>Also lieszen die Herren ain Münz 
schlagen, nachdem die Oettin- 
ger verboten waren.« Horm. 1834. 



129. »Und ist zuwiszen, dasz die 
Oettinger Pfenning verboten 
waren, an dem lezten, die waren 
gar bösz und hetten wenig Sil- 
ber an in; da sagt man dasz die- 
selben Oettinger als ungepragt, 
dasz noch kein Präg daranf ge- 
schlagen war.« a. a. 0. — Ich 
erinere hier auch an den öt- 
tinger, Turm in Mümpelgart, 
vom dort eingesperrten Hohenz. 
Grafen Friz Oettinger so be- 
nannt (1448.) 

OFEN, der, im Liede: 
In meim Haus, d& ist alPs verkert 
Dear Ofa dear haot 's Grimma 
Der Heustock, dear fangt's Tanaa a 
Der Esel lernet '» Spinna. St 

Ofaloch: >Diemu8z ir Leaba 
in's Ofaloch nein betet ho< 
heiszt esz bei einer unglAoklichen 
Ehe. Das Strafen um einen Ofen 
voll Stain kam a. 1538 mermals 
vor. Chron* 1634. 

OFFENHAUS, öffentliehes Haus. 
Sender f. 394 erzält von SXJlmer 
und Langenauermädchen, die zu 
Augsburg ausz dem Dienst >in's 
Offenhaus eingiengen.< In der 
Chron. V. 1634: gemain Haus. 

ÖLDERN, Äldern, Erlen. Im 
Klimm. Saalbuche 1784: >Den59 
Pfall, wohin 66 schritt, der bei 
einer alten Öl der stet.< >Den 
29. Marktpfall, der 55 Schritt 
fort bei einer Öl der geschlagen 
stet.< In Mickhaus. Urkd. 1580: 
»etlich Ölderlen zu gelanden.< 
14 Ölderin Rafen. 1610. Ab- 
gestandene Öldern. a. a. 0. 

GM AT, Aum et, Nachheu, Ömd, 



Or — Oster. 



365 



foentuDL secondnm. Hart. Invent.: 
>93 Flieder Ornat«. Omdde, 
Zeit des ÖmdeBs. 6m ad, omat, 
ürkde. 1885. Adj. embdisch, 
>embdisclie Wechselwis.« Mülh. 
Urb. 89. ft ist iterativ. 

CR, recbtsaltertml. : Orenab- 
seb neiden in A. A. 1694 ward 
eine Diebüi verrufen, ir das linke 
Or abgeschnitten, sie mit Buten 
Anszgehauen und ir die Stadt ver- 
wisen. 

ORGEL in der Webersprache: 
>Von der Wecharbeit. Item wel- 
cher Wechairbeit usz der Orgel 
wurkhen will, und an die Ge- 
schau, der mag wol zween brait 
Stuhl an die Geschau und zwen 
usz der Orgel brait oder schmal 
sich gebrauchen.« Web. 0. 1549. 

In der Red. Art: >Des ist a 
Kerle wie Orgele, ear pfeift wo 
ma na dupft« wenn einer auf 
alles Antwort gibt Burg. Gegend. 
Orgelkasten, pöbelhaft, eine 
Person von schwammiger Leibes- 
beschaffenheit. Orgeln = vomere 

ORT 1) im cgm. 154 öfter Ort- 
mezzen roggen. 2) Geldstück 
15 kr. , in Mickh. Rechnungen 
Ort = V« fl. 1691. »80 hab man 
einem jeglichen Schitzen von je- 
dem Schusz , den er traf , ein 
halbs Orth aines Guldens, wie- 
der aus dem Dopel.< Horm. 1834 
S. 141. anderthalb hundert orter, 
Ott Ruland. 3) Item ein Wöhr mit 
versilbertem Kreuz, Haggen und 
Orthband — erlaubt; hingegen 
die ganz silberne Kreuz, Haggeu, 
Orthband und Sporen — ver- 



boten.« Zierd. 0. 1668. Brannt 
ein Ort von der Zungen.« cgm. 
206 f. 66*. 4) Spize, Ende, 
»dasz das tuch ferr f&r sein fusz 
hieng Und der ander Ort gieng 
im binden nach.« cgm. 402 f. 
130^ An dem Ort des Kreuzes, 
f. 188^ Zu dem Loch des Orten, 
a. a. 0. Bas Ort, Wald. Mickhs. 
4) Ortle: Schusterahle ntr. 

Mad Ortbrunn, Grenzbeschrb. 
Zacher 56. 

OSTER erhalten in Flur- und 
Ortsnamen; von leztem färe ich 
an : s t e r b er g (Illertissen) ; 
s t er d o r f (Immenstadt); s t er- 
ettringen (Türkheim); Oster- 
k ü h b a c h (Zusmarshausen), nrkdL 
Osterkubach 1816. Osterhof 
urkdl. Osterhow (Wittislingen). 
Osterberg, Wald neben Lin- 
denbühel b. Germanicum. (Rai- 
ser.) Osterlauchdorf (Mindel- 
heim); Osterried (Oberdorf); 
Oster Zell (Kaufbeuren) u. s. w. 
Ostendorf? (3mal). Der alte 
Osterbach war die landesher- 
liche Grenze zwischen Branden- 
burg imd der emaligen Herrschaft 
Beilenberg (Illertiszen). Ostern, 
das Fest. In den Straszenort- 
schaften fand das Ost er singen 
der Ministranten stat: sie zogen 
von Haus zu Haus und leierten 
>vexilla regis prodeunt,« wofür sie 
Eier erhielten. Unter dem > be- 
rüchtigten Gammerer« ward zum 
Aerger der Groszaitinger das 
Ostersingen abgeschaft. >Yor 
Jaren hdtmanan dem hl. Oster- 
und Montag und nitleng^er um 



366 



K 



die Stadt herum bettlen, aber 
nitt hereingelaezen ; was sich aber 
heimlich hereingeschleicht , hat 
manamhLOstertag geschehen, 
aber den andern Tag hinaoszge- 
schafft« Ordg. von 1647. 

Osterfladen. »Die Gültayr 
sollen allwegen zu Osterfladen 
damit gebaohen, und jedem 
Pfrüendtner ein Stock von einem 
Fladen gegeben werden.« Pfründ. 
0. 164S. 

Ostergesegnets.. lAls der 
Ck>tzdienst desselben Fest's voll- 
bracht was, so gieng Sant Ulrich 
haim; dasselbs waren besunder- 
lieh 3 kostlich Tisch bereit: ainer 
im selbs and die er bei im woit 
haben; der ander Tisch unser 
Frauen Pfaffheit, der dritt St. 



Afira Samnung. Und als das 1 emp« 
lin, trank, speck und anderes 
nach gewonheit des Tages 
gesegnet und von Jedermann 
genomen ward, damaöh fieaag je- 
derman an mit freuden, essen xl 
trinken. Damach kumen vilSpil- 
leut, trumeter, pfeiffer und ander 
Spilleut in groszer meng und 
trumeten und pfiffen 9 mal nach 
einander. Naqhdem alsppild, so 
sungen die Chorherren ein re- 
sponsoci und gesang und der hL 
Urstend Unser« Herrn und ward 
das trank jedermann geben, 
desgeleichen teten auch von St. 
Afra Samnung.« cgm. 402 f. 19*. 
Osterstock in den Bitualien 
des 14. und 15. Jhs. oft erwänt: 
bes. cgm. 168. 



P sieh B, 



Q sieh K. 



R. 



1) Im Anlaute. Laut mererer 
schriftlicher Denkmäler des 15 
und 16. Jds. scheint das r mit 
einem Hauch gesprochen worden zu 



sein: rhat, L. Rhem, rheiben^ 
rhappe u. s. w. Am merkwür- 
digsten ist jedenfalls die Allgaü- 
ische im Bregenzer Grenzgebiete 



367 



übliche aspir. AuiBzspraclie h r i n g, 
hross, hrappe, die ganz an al- 
tes hros, hrom, hrorjan, hruo- 
fan, hrinwan, hriot, hruki 
mnem, Formen die im sogen. 
Sohriftdeutschen seit dem 8. Jhd. 
▼erschwunden, die aber imer noch 
fortleben ; seit der Zeit in welcher 
sogen. Schriftdeutsch n. Mund- 
art in 2 Arme auszeinander gien- 
gCB , hört h in Denkmälern auf. 
Schmoll. Gramm. §. 622 färt diso 
Erscheinung ebenfalls auf ausz 
G^^nden vor den Alpen u. bringt 
in 8 Handexempl. ausz d. Böhmer- 
walde brenne, hraudkopfet, 
(Band, raüdig), hrumpeln (stre- 
pitnm facere) hross, breiter 
XL s. w. Ein scheinbar anlauten- 
des r erscheint allgem. Schwab, 
als Ueberrest von her: 'rousz, 
'rein, 'rum, r5 (b) u. s. w. M. 
Wbl. 73. 1. 

2) Den Wechsel mit 1 im In- 
und Ausz laute sieh oben L. 

8) Dem ganzen augsb. alt. Bis- 
tumsgebiete ist der eigentümliche 
Nachhai eines a oder e nach r 
eigen, mit Denung des vorher- 
genden Yocals ; rn, rch, rm, seit. 
Yor rw, rs, rz, rf, rb (ereb, Erbe, 
▼ erderebo, werofo, fareb, 
ganz ahd. f arawa) sind esz vor- 
züglich die schon einem ausz 
dem halbvokal. Charakter des r 
hervorgenden WoUautgesez ge- 
mäsz im ahd. a einschieben; z.B. 
aram , brachium , param , sinus, 
Buaram (turba). Gramm. I'. 612. 
Vrgl. 1. Das m büszt seinen Laut 
ein und wird in solchen Fällen 



n: Srd, arm: Srekreze, Arm- 
korb; aremuot; geren, gerne. 
Der Waysz und Keren 
Gilt da seine Hfl. geren. Web. 
Inschrift, geero; käore, z&ore, 
dura, Tum; wo bald konn bald 
k&enn anderwärts Yorkomt 

Im Kinderspil: 
Königs, Königs Töchterlein 
In einem tiefen Thuren 
Der Thuren, der ist gar so tief 
Wir müszen Stein abbrechen. 

Weiszehä9ra, Hire, Stiro, 
Biro, DorefjKirech, Furecht, 
scharaf, Bereg, wie Ul9m. 
Gramm. v.Schmell. § 637. Stea- 
r a 1 e , eine Art Maccaroninudeln 
wäre, warm. Bara, Barn und 
merere andere. 

Ich fuge ferner schriftl. Belege 
bei: Sender hat: Koren, Koren- 
schneider f 39». Ein Schaff Ko- 
ren f. 33*. Korenschrand f. 87*. 
Garen, Faulgarenweber, Färb. 0. 
Garensieder; Leipziger Garen; 
Arenprust S. f. 210*». Schirem, 
Frank, Annal. Erenst, erensthaft 
f 494*. Markgraf Erenst von Ba- 
den f. 535*. Herzog Erenst f. 436"». 
Weiszenhoren f 308»». 310». Hi- 
renheim 0. N. Himheim f. 669*. 
(hire). Zoren, zorenklich f 106*. 
560*. Thuren, Vogelturen f. 524*. 
Perlachturen f. 149». Luginsland- 
turen 91. Sturengloggen. pitteren 
tod cgm. 345 f. !•. harenstein. 
ogm. 601 f lll» >Aufs lezt 
schlug er sie mit einer Koren- 
gabel wund.< S. 206. Korenkast 
f 313* Zwirenfaden 1625. 

Ferner: Der Diane Zoren. 



868 



Troj. Krg. 6*. PulYertiiren S. £ 
306^ imgeren S. f. 299*. Graf 
Eitelfritz Y. Zoreu 303^ Barcli 
das Koren reyten S. 518*. Und 
machet ein grosz Ghiren (Gehüm) 
T. HirBch. Horm. 1834. 150. Re- 
giom. 1518: »das Sternbild der 
Jongfhia auf jeder Achsel ein 
Steren, anf jeder Hand ein Stö- 
ren nnd an denElaydem 7 Ste- 
ren.« Pirichach,nrkdl.Birkach. 
Bais. Viac.9^ Er ich tag, Diens- 
tag, cgm. 786 t 65*. Erent, 
Ernte, »erent und stro gsot.« 
Mickhs. Akt. 1610. got. asan, 
«hd. aran, messis. W in t er er en t 
geschnitten, a. a. 0. In d. himl. 
Braut stet geren und garen 
(Garn) imer. cgm. 4C2 f.SO^ Die 
Steren f. 100». Erafurt, Er- 
furt Insign. Berenhart cgm. 
480 f. 26^ Rumpelt macht auf 
die Schweizerische Einschiebung 
des e nach raufinerksam; esz ist 
allgem. oberdeut8ch.Gramm.S.246. 
4) Auszfal des r im In- und 
Aus zl ante , mit Denung des 
vorhergenden Vocals. Sieh die 
Beispile in mein. Wbl. 73. Dise 
Erscheinung ist niederschwäbisch 
weiterverbreitet, ar: Kata: Kar- 
ten; asch, Halbäsch, Lam- 
as ch, Mezgemamen; Spiz und 
äschspilen. Mader: wätö: war- 
ten; verzätlet: verzärtelt; ät- 
le: artlich; Standäts: Stand- 
orte ; B ä 1 1 e : Bartholomäus ; H o a- 
fat, Hofart; Gätahaus; Gät- 
1 i s w a r : Gartengewächse , Ge- 
müseart; er: hea: her; dett, 
dedda, dort (Lechbruck), was 



einem altem dert, dasYorkomt, 
entspricht; MSzablüemle, Mär- 
zenblümchoi ; L S a t neben Leart, 
St. Leonhard; fgat:ferad;keat: 
kert; Pfeascho: Pfersich; 
Schmeaz: Schmerz. In der Qe- 
gend von Füssen liebt man die 
Formen wea (r). »GMold ibe'- 
windt.« Alte A.DeTi>e.b. Horm. 
1834. 8. 159; iSaz, lerz, £ld- 
käuflere,ESdschmidle,Ead- 
öpfel, hS az ig ;^daacht 9, Toch- 
ter; ea(r) >hout ea?< dea(r),' 
der^ med, mer, itenim ; mei* 
stens gilt das Abwerfen des alt 
8 entsprechenden r. ur: wSft, 
Wurst, wirst; kSzum: kurzum; 
kfLzweg; futt: ftirt, fort, »'s 
gaot sofuttrC Kilzweil; Dngt; 
nüe : nur; buzle: purzeln; dUft: 
dürfte; üsche; Schüz. or: 
Woat: Wort, Jaowoat; Oat: 
Ort, Carter pl.; DSta, Torten; 
BSat: Borte; 's oadel9§t: or- 
dentlichst; wie sie's gheat: ge- 
hört; Doaf, Dorf; FSderateil, 
Währ, häufig Flum. i: Kiach: 
Kirche; Hisch; Fist: First, 
Hausgiebel. An schriftl. Belegen 
stet das Wort Mäder f. Marder 
obenan, als Luxusartikel; adj. 
mäderlin. S. hat Donstag, 
Donnerstag; f. 248*. 207*. me 
denn einmal f. 206*. nu me i 
217». vil me, kain me f. 170*. 
16 zedel me f. 193*. schon alt 
me neben mer. Ein Kleid des 
Herrn wird cgm. 445 f. 8* Glis- 
medter genannt, auf denesten 
oder andern rechtag. Schm. Gr. 
§ 623. Mindelh. Ref. zu aller- 



B — Bambampele 



369 



ved ernst vorn. Horm. 1S84. 125. 
r weg in Ortsnamen: Diedorf, 
11. und 12. Jarhd. Tierdorf, 
Tyerdorf: Hadern O.N.urkdl. 
Hardere, Haerdin, Haer- 
dere, Ha er der. 12.Jhd. Wein- 
hold Gr. S. 166. 

In doben, donten, düben, dnsza 
bei Frank Ann. d unten (94), 
doben, llG.dausz, 117, istrnicht 
auszgestoszen wie in meinem Wbl. 
73. 5 stet, sondern ist da-unten, 
da-oben, da-auszen anzusezen. S. 
f. 868* dauszen, doben 560^ 

Die Bayern sind dem r im 
AuBzl. bes. feind, bemerkt schon 
Wackius 1713: >dasz sie Hea 
sagen vor Herr, und Jammä 
Tor Jamer.« 

5) Einschiebung und WeohseL 
Der Edelrieder (Stauden) sagt: 
»i will di Modes lernen'« für 
mores, cgm. 439 f. 39. > der Geist 
wird verdunkert.« Im Mickh. 
Strafbch. 1773 stet: sie habe die 
Karnal brav geschüttelt. Noch 
jezt Earnalle, Earnone allg. 
üblich. Ob Deizetle und Be- 
zetle auch hieher zu zälen, weisz 
ich nicht recht; Armusen be- 
gegnet man auch hie und da; in 
edner Verordg. b. Beysch. v. 1523. 
IV, 53. I. Landsb.Nov. 1495.Xn. 
11. Armu8enkasten.Auszschrb. 
-v. 1547. 31. Mai. r in Gramil- 
len allgemein oberschwäb. und 
ischon in Schleher's Pestilenzb. 
1611. Eonstz. 

BABA spr. rabd, schmuziger 
jgreiziger Eegelspiler. 

BÄDELN,BADEBN swv. trülen. 



1) besonders Schlitten: »MeinI 
magst redein mit mir, muest 
mich aber nitt abwerfen.« Elei- 
derb. 2) beim Sailerhandwerke: 
>zu einem Gehilfen kann er einen 
nach Belieben nemen, zugleich 
auch einen Leijungen zu ra- 
dern.« Sail. 0. 1687. 

BAFEN , der , Dachsparren. 
>Unde dehain schindeln noh ra- 
fen noh latten noh müseL« 
Stdtr. 15*. 

BAJEN, Beihen, Tour b. festli- 
Anläszen in A. ; den ersten B. 
tanzte laut Chroniken bei An- 
wesenheit hoher Gäste der Bischof. 

BAIF. Der junge Schwarz treibt 
einen rollenden Faszraiff vor sich 
her; dabei stet: nun welcher kann 
den Baiff den Mauerberg baser 
hinabtreiben? S. 106. Eleiderb. 
Geraifflet: > Hingegen aber ist 
den Weibspersonen one Under- 
schid vergundt, die silbernen 
Flaschen- oder Banzer- wie 
auch die Gusz- und Biemengürtel 
samt einer geraiffleten Meszer- 
schaid oder Bestock — nit über 
25—30 fl. Wert haben.« ZierdO. 
1618. Baifröcke verboten. Pol. 
0. 1785. 

BAIGEB, Boigel, sieh oben 
174*. Bed. A. >ho-ni miesze gpai- 
wo, wi9 r & g r « = sich erbrechen 
A. Zeitw. raigeln: heit bin i 
zamogrädgelt, habe ein fest 
geschnürtes, gebundnes Halstuch 
an. »Einen räoglo« , drosseln: 
ear hat mi g'raeglet. A. 

BAMBAMPELE dim. ein ausz 
Eirschenwaszer und Zucker be- 



370 



Rampfen — Ratha. 



reüeies Getränke ; gegen die Leut* 
kircher Haide hin landüblich. 

RAMPFEN swv. znsamenkra- 
sen. >Wa8 sagst du? WasArävels 
wir das? mainstn dasz anderlent 
ihnen den Namen der Heiligen 
£nrampfen? und unter diesem 
schönen Namen das Yolk betrü- 
gen?« Pasqninns. >Sie aber 
rampften an allen Orten (d. 
Orden) hie und dort, verflucht 
und schedlich Lugin zusamen, 
hielten den bövel in groszem Zit- 
tern« u. s. w. a. a. 0. 

RANDEL, f. 1 ) rohe Scherze trei- 
bende Weibsperson, auszgelaszen, 
»mannsüchtig«. A. 2) Flum. 

RAPP swm. Rabe, corvus. 
>Schwerzer dann einRapp.« cgm 
402 f. 72^. Einderreim in den 
Stauden : 

Rapp, Rapp dein Haüsle brennt! 
Schatt 'm nix, haog seall azündt. 
Del Mueter ist a-n alte Kuh 
Sie hanget an der Gloggaschnuer. 

Rapp, Rapp dein Haus brennt 
Del Muoter hanget am Zwirafada 
KSgt mit 'r in d'Höll 'nSfare. 

Rapp, Rapp dein Haus brenn t an 
Schutt a Tröpfle Waszer dra. 

Rappaschoisz, der sog. He- 
xenfurz, die welke Kapsel vom 
Boletus Pilz; oberschwabisch 
Spindelwuza. 

RÄSZELNswY. zumadj. räsz, 
sieh mein Wbl. s. v. Der Back- 
steinkäs >r äs zeit iaz no 'rauf 
da Kraga.« Seh. adj. räsze Ru- 
then. H. S. 



RASPELN swy. znsamenrafFen. 
Anna Dudel 
Schupf del Nudel 
Sperr del Meal in Kft9ta 
Eomt der Baur im Hemet 'rS 
Und hilft dV helfa ras pla. St. 

»Wann sie in den Beichtstuhl 
kommen heiszt es rips raps, als 
wann ein Ratz über ein Schin- 
deldach herabrasplen däte.« 
H. S. 

RAT. In A. war der grosze 
(gemeine, urkdL) und der kleine 
Rat.« Gass. 

Ratsschaz, >al8 er Burger- 
maister und Ratgeber war, öffent- 
lich Ratschaz nam.« 1849. 

RATHA, St. Radegundis A. 
1290 war R. Magd im Schiosze 
Wolle nburg. Gegen Arme u. 
Kranke wolt&tig: brachte heim- 
lich das ir am Munde Abgezo- 
gene defsi Hungernden, wusch n. 
puzte die Kranken. Der Neid der 
Dienstboten machte sie yerd&ch- 
tig. Als sie einst wieder Almosen 
forttrug, ward sie angehalten und 
auf die Frage, was sie hätte, ant- 
wortete sie: warme Lauge und 
Kämme. So war esz. Einstens 
ward sie von Wölfen zerriszen, 
als sie eben dem Siechenhause, 
dem nachherigen Siechenkobel 
bei Wöllenberg, zugen wollte. 
Ire Vererung ist grosz: die Re- 
liquien diser Volksheiligen er- 
scheinen in Bergheim , dann in 
der Vituskirche in Waldberg. 
Vergl. Viaca 84. 35, wo eine rei- 
che Literatur verzeichnet ist. Bei 
S. f. 527: Ratha, ein kleiner 



Rau — Rebellionshögel. 



371 



Weiler mit der Kirche der hl. 
RadegundiB. Bei St. Radegun- 
den oder St. Rathenkirchen. 
Gass. Radau er, Beiname Hans 
Langenmantels , Bürgermaisters 
1387. , 

RAU in Ranholz: >so nit in 
dieClafftem zu scheiten gewesen 
ist.« Mckhs. ürkd. 1610. Ra uh- 
zaüne, schwache ümhegung von 
Banmzweigen u. s. w. R a u h s x> e 1- 
ta, Spähne. 

RAüBERSTATT,'Name einer 
Günzb. Vorstadt. Als Flurname 
im Raub er. (Wurml.) 

RAÜMSEN. Bei Gass. heiszt 
esz >raum8end und schnawend« 
vom Wildschwein, das a. 1563 
in den Waszerturm sich verlief. 

RAUNZEN swv. weinen. A. 

RAUSCH zu Schmell. III, 140. 
1) >Lorbeer, Rausch und Lor, 
8 strittige Waaren; dieLorbeem 
in die Zolltafel gesezt, die an- 
dern 2 frei < ürkd. 1603. »Vor- 
rat an Schmalz , Inslit , Getraid, 
Holz, Eolen, Rausch und was 
dergleichen Materialien sind.« 
Anti-Müller. S. 13. 2) Rausch- 
haas, Weberhaus. Rausch- 
knechte, Weber- und Färber- 
knechte. Den Rauschknech- 
ten fürs Neujar 1 fl. u. s. w. 
Rauschgold im Fugg. Inv.: 
ein langes Tafeltuch mit Rausch- 
gold eintragen. 

RAZE, 1) Ratte. Bekant ist 
die uralte Ueberlieferung , dasz 
St. Ulrichs Reliquien das Unge- 
zifer der Ratten und Mause ver- 
treibt. »AugspurgischBodem 



duldet keine Ratten.^ Gass. Nah 
und fem erbat sich Hilfe; Rot- 
tenburg trug noch vor 60 — 70 
Jaren den Bischofsstab St. Ul- 
richs (?) durch die Felder in 
feierlicher Prozeszion. Der St. 
Ulrichstag heiszt in manchen Ge- 
genden Wirtembergs R a z e n- 
f ei er tag. »Und glaubten jr vil, 
dasz im Augsb. Gebiet durch die- 
sen Ulrich die groszenMeüsse 
oder Ratten vertriben werden 
Wie dann die Mönche daselbsten 
noch auf den heutigen Tag St. 
Ulrichs Erden den Auszländi- 
schen zu solchem Gebrauch, die 
grosse Meüss damit zu vertrei- 
ben, nicht one sondern Aberglau- 
ben zu schicken.« Gkkss. Der 
Razen graben, öffentl. Plaz. 
Memmingen (Karr er). 2) So ward 
mir alles UnzifiFer angnem, die 
Maykäfer und Razen band ich 
an Fäden und muesten mir zur 
Hand fliegen und kreisen.« Der 
junge Schwarz im Kleiderb. 99. 
3) Sogen, spanische Nudeln, ge- 
brühet in einer Kachel heiszer 
Butter als erste Lage, darauf eine 
Lage Parmesankäs. Beliebte 
Speise. 

Adj. razig im Liede ausz den 
Stauden : 
I woisz n9 oins 
I hätt's bald vergesza: 
Die razigen Lueder 
Hend m9r d'Stiefel g'fresza. 

REBELLIONSHÜGEL, e. alte 
Schanze zwischen Burgberg und 
Agathazell. Raiser, Beiträge 1832 
S. 18». 

24 



872 



Rechein — Reinhartshaiuieii. 



RECHELN spp. rechöle, wie- 
hern. Standen. 

RECHEN swv. »Sodann aber 
die zeitigen platem mit abdor- 
ren wollend, so mag man's rö- 
chen mit haidepeem dum und 
mit Rosenplatem.« cgm. 601 
f. 116». 

RECHSNEN swy. im cgm. 568 
f. 244^: >ich rechsne, huste und 
speye ausz.< 

RECHT. >Einem ein Recht 
halten< auf der Pfalz. Chron. 
Einen Rechtsag ansezen. S. 
Einen berechten = richten, ab- 
urteilen. 

REFLE, spr. reafle , ober- 
schwäb. kleines Raff, geflochte- 
ner Rückenkorb. Ztw. reflen, 
schnüren, Judensite. 

REGELBAUM. >da man zalt 
1455 iar, da sezt Gossenbrot ain 
reg el bäum zu dem tor.< cgm. 
92 f. 80*. (Kletterbaum?) 

REGELE in >Ae8charegele« 
eine altfränkisch einherstolziren- 
de Weibsperson; der Mann hiesz 
Festochs. 

REGENBOGEN, eine Vorrich- 
tung bei symbolischen Auffart- 
Christi- Vorstellungen, fast in allen 
gröszem stadtischen Kirchen üb- 
lich. >In dieser Zeit ist unser 
Herr im Regenbogen nach al- 
ter Gewonheit aufzogen worden. < 
>Das Loch, dardurch unser Herr 
im Regenbogen sollt gen Hi- 
mel zochen werden. < S. f. 558*. 
560*. >Er hat auch mit seinen 
Gesellen da verschloszen den Re- 
genbogen, Engelfanen, und als 



was am Aufferttag zurHimelfart 
gehört und Monstranzen.« S. 557*. 

REGINELE, Reginahanbe, 
einst ser übliche Tracht der 
Frauen : 

ündtrait sieiarReginahaüble 

So ist's zuem maola schea, md 

Weible. Seh 

Regina, Name der Chorglooke 
zu St. Moriz S. 22*. 

REIBE, die und Reiber, der, 
kleinere Art von Schlitten; der 
Name jezt noch üblich. Schlitten- 
f arten von 20— 30 kleinen, schön 
gemalten Muscheln und Rei- 
ben, Schlitten mit Kindern von 
Hunden gezogen, welche Knechte 
an Schnüren fürten bei Tage, dee 
Nachts mit Windliechtem durch 
Junge vorangetragen durch die 
Straszen — gehörten zu den ge- 
wönlichen Patrizierlustbarkeiten. 
GuUmann V, 131. 

REIBEN stY. bei Holzmann: 
Oft wünschten jr viÜ, esz sollen 
Tausend Teufel die Wucherer 

hoUen 
Und ihnen den Kragen reiben 

umb. 

REIBERLE: kleine Bartbürste. 
Augsburg. 

REIFEN swv. »Und reiffet 
und Kälte und regnet.« Re- 
giom. 1512. 

REINHARTSHAÜSEN, 0. N 
in den Stauden: 
Z'Reatshausd bin i geara, 
Dao glizget der Qteara, 
Dao glizget dear Mond 
Wenn i auf Reotshausd neichom. 



Reisclienftu — Richte. 



373 



BeetshauBa i^t e schene Stadt 
Pflägtret mit Holz, mit Holz 
Buobe geits nach der Wal 
Aber so stolz. 

Be 9 1 s h a u s e ist o scheone §tadt 
PfläQtret mit Stoi, mit Stoi 
Madie geits naoch der W5l 
Aber so chlol. 

REISCHENAUsiehS.31*. Eine 
Stichelei: Wer ist denn das 
yerfluchte Eeischna - na - na- 
schnackel, Zipfelawang und 
Sauloch? Stauden. 

REISENBURG jenseits d. Wer- 
tach bei Türkkeim, bei einer 
Wise; e. Burgstal. Zacher 240. 

REISTE, die, Büschel gebro- 
chenen Flachses. >49 abgehächelte 
Harreisten.« Fugg. Inv. 

REITENKOLB ? Nach Gewon- 
heit als hye der Reytenkolb 
was umgän.< S. 252^. 

REITERE, Sieb, Getraidesieb, 
Roggen-, Fesa-, Haberrei- 
ter e. Reit er e komtoft als Flur- 
name vor. Strasze. 

REITEREI: >a. 1555 bewilliget 
Kaiser Ferdinand der Stadt A. 
wegen yerdächtiger in dem Bur- 
gauischen sich erreigneter Rei- 
tereien und Plackereien« u. s. w. 
Akt. 1555 

REMLER in d. Herald. Sprache 
des cgm. 92 f. 21*: »der schilt 
ist gel, darin ein schwarzer R em- 
ier, das ist ein stier.« Zu ramein. 
adj. ramlig. 

REMPEDEBEMP im Ratsei: 
Hans von Adria 
Haot Waszer vil 



Haot Haor am Rempedebemp 
ündkoin'samStil. (Aspergillum.) 
RENNWEG bei Türkheim. Za- 
cher 238. Rennw&gelein, Renn- 
kutschen in Chron. oft. 

RENSERN swv. halare, respi- 
rare. cgm. 686 f. 75». 

RENTEN oft im Giltbuche cgm. 
164 f. 21*. 22». u. s. w. Rindt 
und Gut S. 271*. 

RERENswv» 1) »Alle die paum 
in dem weitten Wald waynten 
und grosz Zäher von inrerten.« 
cgm. 581 f. 124* . >0 des unmensch- 
lichen verrörens seines pluts 
von seinem Herzen.« hs. 15. Jhd. 
2) >Ich spüre das ain hirsz ain 
Stangen auf demhaupt trug und 
aine g e r e r e t hett. « »Dabei merk 
ich, dasz er die stangeng er er et 
hätt.« cgm. 289 f. 170».*. 

RETERSCHE, Ratsei. >Wie 
Sampson in ein ret ersehe uf- 
gab. Als es nu Sampson ergieng, 
dasz in Idie chnaben zugeben wur- 
dent, so legt er in eine wilde r e- 
tersche für; er sprach: rauttend 
ir von mir diese reterche in 
7 tagen!« cgm. 206 f. 129». der 
reterschen unterschaid. a. 
a. 0. 

RETUWA, ein alter volktüm- 
licher Tanz in A. 

REÜSTERN swv. >wenig hu- 
sten, reustern.« cgm. 402 f. 87. 
REZETLE, dim. eine Art Ge- 
schirrbret über Türen etc. Dei- 
zetle in Niederschwab. Donau- 
werd. 

RHEINHANF. Sail 0. f. 6». 
RICHTE, Gericht von "Speisen. 
24* 



374 



Riad — Rute. 



>Wa8 aber Seyspeck oder ander 
Wurst sein, die sollen gekocht 
und etwa fareinBicht gegeben 
werden.« Pfründ. 0. 1548. »Es 
sollen auf einer jeden Hochzeit 
nit mer dann 4 Rieht oder £s- 
zen über einmal gegeben, daran- 
der ein Rieht von Fischen.« A. 
Hochzt. 0. 1540. >Den verhinder- 
ten Kranken mag nach des Bräu- 
tigams und der Braut gefallen 
von allen oder etlichen Richten 
und Eszen, desgleichen von dem 
Hochzeitwein geschickt werden.« 

a. a. 0. 

RIED sieh-ingen. Adels ried 
(Zusmarshausen), urkdl. Adelhar- 
tesried. 1309. Adelzried, Adlets- 
ried, Adlatsried. 17. Jhd. Stei- 
chele I, 9. Nefsried, urkdl. Ncff- 
riet. 1291. Neferiet 1316. Arets- 
ried, urkdL Amoldsriet, 1209.. 
Arrotsryed. 15. Jh. Heinriches- 
ried, abgegang. 0. 1316. Ephen- 
ried, jezt Herpfenried 1316. Ru- 
moltsried. Albachried, abgeg. 0. 
Valried 1365. Pipinsried, urkdl. 
Pipinesriet, 11. Jhd. Randolts- 
ried 1283. Strubenrieth 12. Jhd. 
Baiersried. Reichersried , urkdl. 
Richersriet, 12. Jhd. Rumharts- 
ried 1239. Ingenriet, 14. Jhd. oft. 
Inginriet, 1263. Razzenried, 
abgeg. 0. lebt noch im Wirtemb. 
Oberland (Wangen). Groszriet 
1448. Erinsriet, urkdl. Amisriet, 
12. Jhd. Rieden, gesondertes Gut 

b. Aurbach. Ried bei Sibnach 
(Simna). urkdl. Traunricht 1282 
Riedgründwisin, Dietkirch. Fl. N. 

RIEMENSTECHER im Stdtr. 



ist esz eine Art Glücksspil. >Swaz 
da vor ombe die kegeler gesohrie- 
ben ist, daz sol auch staete sin 
umbedieriemenstecher.«f.51^ 

RINGE, gelbe: den Jungen 
ist gebotten worden, dasz sye 
auszwendig geleRinglach sel- 
ten tragen. S. 95*. Nach Gass. 
mosten die Juden, weil sie sich 
mit den Bürgern gar 'so gemein 
machten, vom Rate ausz >gelbe 
Ring an den Elaidem anf die 
Brust geheftet, ihre Weiber aber 
spizige Schleier tragen.« 

RINGELBROT das vom Laib 
hinten herunter geschnitt. Rank-, 
Rankelbrot (ragh). Renkhel, 
Mindeltal. 

RINTSCHÜSTER im Stdtr. iwas 
rehtes die rintschuhster ha- 
ben: ez ist der rintschuhster 
recht, daz sie niht soln wirken 
wizmaler waerkes, noh die wiz- 
maier rintschuhster werk. — 
ez sol auh chain r. ze str&zze mit 
tischen st&n wan an demfri- 
tage u. 8. w. f. 14*. 

RIPS bei Holzmann: 
Der nam an etlich fedlin knecht 
War rips und raps als schlecht 
und recht. 

RISLE , ein Absäzlein , Strofe, 
Zeile: Kagt itt a maol e risle 
lessl GroBzaiting. In Wurmling. 
Gsezle. 

RITSCHEMEL, 2 Kipfblöcke 
am Wagen. Groszaiting. 

RITTE swm. > Auch bedürflfent 
dis luite mer lauszens — die da 
dicke den ritten hend oder ge- 
schwur.« Astr. 26^. dechain mensch 



Ritterszerung — Ror. 



375 



sol laoBzen, so es des ritten 
wartent ist.« f. 17». >Scliäd- 
liohe ritten.« a- a 0. >za rit- 
ten geneigt« Adj.rittig. »rit- 
tige lüten.« f. 27\ >Daz man 
nicht rittig werde.« f. 3*. 

RITTERSZERUNG : »wann 
fremde Tmmmeter und Turner 
von Fürsten, Herren und Städten 
allher khomen und ein Ritt ers- 
z e r u n g begeren , soll man jnen 
— ab demRathauseinen Trink- 
pfenning, wie von Alters her 
gebräuchlich ist, mitteilen.« Ord- 
nung. 1647. 

ROCH im herald, cgm. 92 f. 
16*. 23*: >Der Schilt weisz, da- 
rinn ein schwarz roch. Der schilt 
grün, darin ein weisz roch und 
oben ein schwarz Federböschlein.« 

ROD: >adi 9. Febr. 1533 haben 
sie mir in hergesandt uff der 
Rod« (Luc. Rem.), d.h. mit dem 
regelmaszigen Augsb. Boten oder 
dem Rodfuhrwerk^ Die Rod- 
s t r a 8 z e für Pack- und Furwe- 
sen gieng über Partenkirchen und 
Innsbruck. R o d g e 1 d. Sieh Schm. 
III, 169. 

RODLER b. Holzmann: 
Damit man kem des Jamers ab 
Ordnung unter die Tor man gab 
Kein Fremden man einlas zen soll 
Der in der Stadt nur bettlen woU. 
Sie globten an und hieltens nitt 
Deshalb man Rodler auf sie rieht, 
Die jnen, wa sie solchen kamen 
Was sie erbettelt hatten namen 
Stieszen sie zum Tor hinausz. 
Sie aber blieben drum nitt ausa, 



Kamen mit Stüzen, Grablen imd 
Stangen u. s. w. 

Ire Eltern betten sich verborgen 
Und musten uff die R o d 1 e r sorgen 
Die inen tetten vil zu leid. 
Alte, JungeKranken on Unterschid 
Warfen sie da mit groszem 
Zwinknus 
In eilende stinkende Gefenknus 
u. s. w. 

Bei S. f.396»: > das Kärlein ha- 
ben 4 Rodler zohen.< 

RÖGrGLE, Mundsemel, gewön- 
lichen Schlages. 

Begge, gend Sie mor e rögglel 
A. Rögglaknöpfla, Späzlein 
ausz R. Die Butterrögglen 
waren am Rüetenfeste eine be- 
liebte Speise 

ROLL, die, Waldb. Währingen. 

ROMMELHAU, Waldn. Raiser, 
Oberdon. Krs H. Abthlg. 56». 
Diser Name kert oft wieder. 

RÖMISCHES Brot, halbweiszes 
längliches beliebtes Brot. A. In 
Mickh. Beschreibungen komt esz 
an der Fugger'schen Tafel oft 
vor. Im cgm. 205 f. 2d\ heiszt 
der Paum im Paradise >das rö- 
misch Holz.i? 

ROR in Rorkasten in Chro- 
niken u. 8. w. für Brunnen. Stai- 
ne Rorkasten vor S. Ulrich. 
S. f. 818"». Der Rorkasten auf 
dem Weinmarkt, f. 325. Solche 
Rorkasten vor dem Weberhaus, 
auf dem Perlachplaz, zwischen 
der Judengaszen und derKroten- 
au. Roralten, Gemeindegründe 
bei Währingen. 



376 



Bosenau — Bnb«n. 



Red. A. b. Holzmann: 
Und wellicher in den Roren sizt 
Im pillich auch ein Pf eiffen schnizt. 

Adj. kisig, rörig, sumpfig, 
Y. Gottesacker. Forttenbach. 

ROSENAUbeiA.Bosenaaer- 
berg, emals d. städtische Schiesz- 
stat. DerRosenauerkrieg.Ge- 
rftchten zufolge, als ob Feindes- 
Yolk, gartende Knechte komen 
liesz der Rat den 8. Mai 1556 
unter Schertlin's von B. Comman- 
do 8500 Söldner werben und am 
Rosenauerberg ein Lager be- 
ziehen. Nach 4 Wochen, als kein 
Feind sich zeigte, entliesz mkn 
die Knechte mit Auszname eini- 
ger Offiziere und zalte inen den 
Sold. 

. RÖSELET (-vu) >darzu so ist 
6rröselet,rout.< cgm. 786f. 12; 
ebenfalls in der Astron. 16* von 
dem im Schüzen Gebomen. 

ROSS. Rosstrinkin, Plaz in 
A. S. f. 185^. >Ihr (der alten 
Deutschen) Pferd waren auf ein- 
fältigest, weder an Form noch 
Schnelle, sondern wie die Baur n- 
ross giengen sie schlecht den 
ebnen Weg hin.« Elucid. 1543. 
Rosslaüff — lang und breit, 
a. a. 0. Etlich achten es seind 
Rossleuff. 300,000 Schritt oder 
R. a. a. 0. 

BOSTSCHEITEB heiszen in der 
Bäckersprache die überKacht in 
Backofen gelegten Seh. , damit 
sie >auszgedörrt< gut des 
Morgens brennen.« A. 

ROT spr. roat; Roatlache, 
Pfttze von rotem Torfgrundwas- 



zer (Lechfeld o. s. w.). Rotfuch- 
set, >mit r. Leuten handeln« 
Regiom. 1512. Das Rötelauf- 
zeichnen der Tücher in d. al- 
ten Webersprache üblich. 

ROTTE in der YorhöUe beim 
Erscheinen Christi: »da ward in 
rechter Lieb vor Freuden gezaig- 
ter, da was süeszer Gesmak^ da 
was Rotten, harpfen allerlei 
süsz Spils.« >ünd wie ihr Hilf 
gehän möcht, und ich darzulies- 
zend machen Freund Freud mit 
Rotten und mitPfiffen und mit 
andern Saitenspilen.« cgm. 845 
f. 6^ 96». Der Rott, Rhone >im 
Rotten«. L. Rem. 

ROTTLE > jezt gänd miar r o 1 1- 
la ausz'm Gsicht « 
Jazt lasz diar's rottela yerzela? 
Frisz rottela zu undsdiwäzitt 
viL Seh. 

ROTWEILER Pfenninge ko- 
men im Stdtr. öfters vor: zehen 
phunt Rotwiler.« f. 6% ebenso 
im Memminger Stdtr. 

ROZ, der, in der Schelte: R^z- 
aff, unreifer Mensch für die Ge- 
sellschaft der Erwachsenen. Roz- 
bell hiesz ehedem die Buzen- 
b er cht, auf Bildern ist sie mit 
roz triefend er Nase gezeich- 
net. Zeitw. roz ein swy. unter 
Schluchzen und Weinen bitten. 

RÜBEN, die bayerischen 
sieh B neben schwäbischen in 
alten Mickh. und Augsb. Speise- 
zetteln. In Frank's Augsb. An- 
nalen S. 107 (Steichele , Archiv) 
stet: Herzog Albrecht zog für 
Wien und lag eine Zeit darvor. 



Büeten. 



377 



und gewunn dürre R üblen, er 
mocht nichts geschaffen. < »Und 
tetten groszen Anschlag, dawar» 
den dürri Rüeben aasz.< a. a. 
0. 117. »Dieses Geschray fieng 
einer gleich in dem Lnfft auf, 
machte — wie man sagt — aus 
einer Rübe gleich einen ganzen 
Hafen vol.< H. S. 

Karrer zält als Memming. 6e^ 
wachs auf; Steckrüben, Weisch- 
rüben, werden nur süsz gekocht. 
Auch haben die Gemeinden zu 
Steinheim und Berg schon meh- 
rere Jahre mit den acht bay er- 
sehen Rüblein Versuche ge- 
macht. 

RÜETEN, Rüden, Ruten, 
Rieden, urkdl. schon imXIY. u. 
XY. Jarhd. In der Schulordnung 
von 1587 (Greiff 11 ff.) heiszt esz : 
>Ynd wann sy die Kind in die 
Bütten füren, sollen sy dassel- 
big mit zucht ordenlich und er- 
barlich thun, one Trummen, Pfeif- 
fen, Fänlin vnd ainicherlay Ge- 
sang. Im Senatsdrekret vom 20. 
Mai 1587: DieRietten bethref- 
fendt, es seye in Schuelheüsem, 
Rosenaw, Schieszgraben , Dantz- 
solem, gärten, wirtshaüsem oder 
andern Orthen (dieweil mehr vn- 
zacht dann guts daraus erfolgt) 
sollen dieselbe hie mit von Ne- 
wem ernstlich verbotten vnd ab- 
geschafft sein und bleiben. Ynd 
welcher Schuelmaister od. Schuel- 
fraw disem Artikul zu wider hand- 
ien vnd seiner bevolchenen Ju- 
gent ein Rieten anstellen 
wurde, der sol ein gülden zur 



Straff zu zalen schuldig sein. Je- 
doch soll jedem Schuelmaister 
oder Frawen zu Irer glegenheit 
der Jugent anstat der Rieten 
ein halben Tag ferias vergont 
sein u. s. w. Greiff 39. 

Im Jare 1654 beschweren sich 
die evangelische Schulhalter dasz 
inen das Halten von Rüeten 
verboten sei. Esz sei disz eine alte 
Kinderfreude — wan nur die El- 
tern keine solche Sehnsucht hät- 
ten Greiff 70. »Es beruhet aber 
die Rüettenfreud auf diesem 
und zwar auf Seite der Knaben, 
dasz etliche mit den bei sich ha- 
benden Marmeln kurtzweiln 
>klukhem<, schiessen ein, kegeln, 
etliche gesellen sich und spilen 
letzten vier Rosz und Heuwagen. 
— Bei den Mägtlen aber Ring 
bantschen, sie singen Ring, 
suechen den S c h u e c h. Die gröste 
Freud ist die sie haben, ist, dasz 
wir ihnen bisweilen Federn, Gmähl 
oder Marmeln zu verspringen 
geben. Zudem so schlägt es nie 
leer, dasz nicht Eltern bei ihren 
Kindern etwa einkehren und sehen 
wie es zugehe.« Greiff 71. yJüiii 
Semmel, Küchle, Gogelhopfen, 
eine halbe Bratwurst, warmes Bier 
oder ein l^idigs Trankh wur- 
de den Lehrern angeboten.« Die 
Rüetten verschiden: >weil man 
bei 14 Tag her über die 16 un- 
terschiedliche Rüetten gehalten 
und etliche mit Tromel u. Pfei- 
fen, mit Fahnen und allerlei Kin- 
dergewehr, teils mit Spilleuten 
durch die Stadt für's Thor haben 



378 



Bugschen — Ruttiert. 



sehen ziehen müssen, ihnen aber, 
auf die es vor unfardenklichen 
Zeiten angesehen gewesen, anjezt 
zolle verbotten sein.« Greiff 73. 
Besonders genannt sind dieNäh- 
rüetten der Nähfräulein mit 
Eszen, Tanz, Hochzeiten 70. 1655 
gestattet aber mit Beschränkung. 
Im vorigen Jarhdrt. entstanden 
Rütenlieder. In der Regel mas- 
kirten sich Kinder als Kaminfeger, 
Köchinnen und jedes hatte seinen 
Reim z. B. die Köchin: 
Kochen ist eine rare Sach 
Wenn man kochet gschmäch; 
Ich koche trefflich guet, 
Dasz kain Mensch es eszen thuet. 

RÜ6SGHEN swv. »Und rug- 
sohe nun die Warheit und die 
Sanftmütigkeit« cgm. 206 f. 173*. 

RUMOR, >in Rumorn oder 
Gefechten.« PoLO. oft. (16. Jhd.) 
Rumorisch. a. a. 0. 

RÜMPEDEBUMP in einemRät- 
sel (Stauden): 

4 Rumpedepump 

2 haarige Stump 

Und in der Mitte nottlet's? 
(Kutsche.) 

RUMPELN swv. seine Red 
rumpelt geschwind zu dem Mund 
herausz; sermo ejus velociter cur- 
rit. Ps. 147. 15. II. S. Rumpel- 
hans, der, Name eines römisch. 
Werkes b. Holzheim. 

RUMPFE swv. »dye Weiber, 
die in der Jugent schön antlucz 
haben , dye haben in dem alter 
gereuchte und gerümpften Ant- 
lucz.« >Gott wolt dasz jr Antlucz 



als gerümpfter war, als ihr 
Gleider gerümpften und ge- 
falten sein.« cgm. 311. .f. 46^.49». 

RUNDIG adj. in d. Stauden. 
Koin schwäbisch Doanderl mag 

i nett 
Sie stinkt noch die Schwein; 
Mel Mädle muesz a randig s 
Tirolermädle sei. 
Koi Tirolere mag i nett 
Hand alle Kröpf 
A schwäbische muesz sie sein 
Wenn sie schon schmeckt. 

RUPFEN, Stelen. >tetten vil 
Schaden an ainander an Volk, 
doch nur r u p f e n s, wan der Her- 
zog hett vil Behaim bei ihm.« 
Frank 107. 

RORER,Kornrarer, ©in nie- 
deres Schrannenknechtamt in A. 

RURIG, >waicher, rühriger 
Mörtel.« Pasquin. 

RÜSTLÖCHER : ernannte Tarn- 
kappen solle mit Kupfer bedeckt 
an 2 Orten der Seiten aber run- 
de Rüstlöcher (dasz ein Mann 
hinausschlüpfen könne) mit ihren 
kupfferin Bekheln oder Fallen 
gehöb geschloszen werden.« Fur- 
tenbach. 

RUTEN i.d.Nacken stecken 
rechtsalterl. A. 1785 den 21. 
April war einer jungen Weibs- 
person wegen unehlicher Sckwan- 
gerschaft nach erstandenem Pran- 
ger die Rute in den Nacken ge- 
steckt und ausz der Stadt ge- 
wisen. 

RUTTIERT heraldisch: >das 



Rüzig — S. 



under tail rot und weiszgeweyrt 

oder ruttiert.< cgm 92 f. U*. 

BÜZIG: >item wer rüzige, 

roadige Boss oder die ander erb- 



lich gebrechen haben, der soll 
die nitt für den gemeinen Hir- 
ten schlagen, bei Peen und busz 
eines galdens.« Mindelh. Bef. f.l8*. 



1) a) Anlautendes reines 
8 wird meist wie französches z ge- 
sprochen. Scheinbar anlautendes 
8, der apostrofierte üeberrest vom 
neutralen pron. relat. und de- 
monstr. ist allgemein süddeutsch : 
'8 Eörble , 's Marile , 's Mändle, 
'b Weible, 's Kalb, 's £[rezaweib- 



's Wäldle u. s. w. 



s ghuit 
's ren- 



le, 

mi, 's dorret, 's dumet, 
gelet, 's schnaibt u. s. w. 

b) Anlautendes unreines s 
lautet wie allgemein süddeutsch 
Bch, wofür einfacher unterscheid- 
lich § gesezt werden mag : §pringe, 
(toi, gtraosz, gtaosz9, gpiosz, gte- 
cho, gtapfl, gtadel, gpraoch, gpä- 
ling 1 spauner , gpeizen , gpelte, 
9piaoter, gp^^gli fipitaoler sieh un- 
ten. Dise Erwaichung des s ist 
dem Norddeutschen ebenso wider- 
wärtig als dem Südländer der 
scharfe Zischlaut s des Nieder- 
deutschen affektirt erschemt. 
Indessen reicht sie weit zurück 
und ist bei den Schwaben und 
Alamannen zumaist auszgebildet, 
da sie sich, hier nicht auf den 



Anlaut allein beschränkt. In den 
Verbindungen sm, sn, sr, sl, sp 
(sb), st (sd), spr, str trit obige 
seh - Auszsprache am häufigsten 
zu Tage. Anlautendes altes sk, 
sc erscheint im 13. Jarhd. allge- 
mein als seh wie das Augsburger 
Stadtr. esz durchfürt; wärenddie 
dem 12. Jhd. angehörigen Wem- 
her'schen Fragmente (Grei£P) noch 
scowen, irscain, scraib, haiden^ 
scefte u. 8. w. schreiben. Bei dem 
unregelmäszigen s c u 1 a n ent- 
scheidet sich das Stdtr. bald für 
Auszwerfen des c, k: suln; bald 
für seh: selpscholn u. s. w. In 
Denkmälern des 15. Jhs. fand ich 
zerstreut sc, so im cgm. 206 f. 
107» : scraib. Sldave lautet: 
gklaof; hinterfürsich : binde r- 
firschge u. s. w. Involkmäszi- 
gen Schriften des 14 -«16. Jhds. 
erscheint merkwürdigerweise hie 
unä da noch die höfische gute 
Schreibung sl, sm, sn, sw: swere 
sack cgm. 310 f. 17^. scharfe 
swert cgm. 70 f. 147». smai- 
cher, adulator, unzäligemal. 



380 



S. 



smachheit cgm. 736 f. 19^ be- 
snait cgm. 206 f. 40*. swind- 
liohen f. 72*. Bwaymet neben 
swaiben (schweben, baomehi) 
cgm. 464 f. 5. Im Stdtr. ist na- 
türlicb regelrechtes Mittelhoch- 
deutsch. Ser scheint im 15. Jhd. 
8oh auch vor p, t — vor den 
flüszigen allgemein — einzareis- 
zen; einige Beispile kan ich für 
jezt nur bringen: cgm.. 402 f. 
90* und öfter hat schpricht, 
Schprach. Das Schweizerische 
liebt esz in seinen Weistümem, 
sieh Weisth. I, 45, wo jeden Au- 
genblick s c h p r e c h en zu lesen ist. 
Daselbe im In- und Auszlaute 
sieh unten. Rumpelt S. 360 ff 

o) Ein Vorschlag- s, das man 
Tilleicht fölschlich als unächt 
benennt und das in allen germa- 
nischen Sprachzweigen spuren- 
weise nachgewisen. werden kan, 
erscheint vor den flüszigen 1, m, 
n, r und dem w: läppen neben 
schlappen, 1) wie Hunde trin- 
ken, 2) herabhängen; Läpp ne- 
ben Schlapp: Schlapphut u. 
Lapphut, mit herabhängenden 
Krampen ; 1 e c k e n neben s ch 1 ek- 
ken, lambere; Lecker und 
Schlecker; Schlaggl (nieder- 
schwäbisch) und Lag gl; Lozer 
neben Schlozer, Kindersaugbeu- 
tel; nullen und schnullen; 
Nuller und Schnuller, was 
Schlozer; mollenu. schmol- 
len u. s. w. Im Bayerischen 
lieszen sich noch mer aufbringen. 
Gramm. II, 701. g Mein Wbl. 
79. 7. In Niederschwaben ist 



9priato, z. B. Mist, ser üblich 
=; braiten, auszbraiten. Weinhold, 
Ghramm. S. 157. 

d) In vilen weiblichen Haupt- 
wörten hat sich der Artikel d' 
zu weichem z verschmolzen , so 
dasz sie nun mit z anlauten: Zu- 
sei für Susanna; Zibillen = 
Weissagung für Sibillen- Weissag- 
ung; Zidel für Sidel, Zidel- 
truhe u. s. w. Ebenso bewirkt 
in Heiligennamen das t von s a n c t 
die Umwandlung des folgenden 
s in z: Sanct Zimbreeht far 
St. Simpert, Simprecht; uff Zil- 
vest £ Sylvester: Zilveri für 
Sylverius. Reiner WeohBel des 
8 und z dürfte aber anzuBemen 
sein in Zefenbanm neben Se^ 
fenbaum; z e Ib a nd er neben selb- 
ander; Z und in g neben Sanding; 
bei disem Worte will ich angot. 
undaurni erinem; im Ober* 
pfölz. werden Namen wie Wink- 
larn, Eslarn im Yolksmonde 
zu Winkling, Jasling. — In der 
Klimmacher Flur komt Zerstet- 
ter neben Serstetterfeld vor; der 
0. N. Schersteten — s wechselt 
mit g — erscheint im 12. Jhd. 
als Gerstettin. H und S: das 
heutige Haunsheim heiszt urkdl. 
Saunsheim 1812. SaVesheim 
1446. Auffallend lautet das alte 
Zuzilinga heute Schlingen. 
Vrgl. Schmell. § 658. Weinhold, 
Gramm. S. 147. 

2) Im Inlaute ist s, jenach- 
dem ein Consonant vorauszget 
bald scharf, bald waich. Das 
schwäbische seh — • und dadurch 



B. 



381 



ontersclieidet esz flieh vom Bayeri- 
schen — trit ein für das alte 
sanfte 8 (z, r) und für das ausz 
got. Sachs, t entstandene sz (bei 
nachfolgendem a). Vor t, p, r 
n. 8. w. ist seh allgemein Schwab, 
bift, igt, Mi§t, Engt, Sam§tig, 
Brogt, Oswald, woigt, Goigt, Moi- 
§ter, Na§t, ma§t, sogt, sogt, Eig- 
ner, Gagt, Eagper, Doagche, Figt, 
Anggt, Droagtl, bragtla a. s. w. 
Besonders wird sz mit folgendem 
t imer seh. IJrkdl. Oschwald 
ogm. 460 f. 9*. Aschberg für 
Asberg bei Oass. >dan richtet 
man des cht gleich.« Ghron. 
Horm. 18S4 S. 139. Frischt cgm. 
466 £ 14^ Der cgm. Sil hat 
myscht: vierlei myscht — 
Bchoffmysohtflewenmyscht, 
affenmyscht, schweinmyscht. 
schare hach cgm 450 f. 143. 
Haselheim (Marchtal) heiszt urkdl. 
Haschelheim. In den Mezg. 
Akt. Börslen und Börschlen f. 
Yieheingeweide. Der Schweizer 
bat seh auch bei folgendem e, 
z. B. Geischel, (Geisel u. Isch, 
Eis. Der Fränkisch -Hohenlohe'- 
sehen Granze zu erscheinen die 
häszlichen seh in h II sehe, Hasen, 
piur. Bäschle, Bäschen u. s. w. 
Im cgm. 736 f. 70 stet Museha- 
tel für Muscateller (Wein). 

Ein seh für tsch: >bain zer- 
kni sehen« cgm. 82 f. 65*. zer- 
knisohe den Arm des Sünders, 
f. 23^ Barschen für Tartschen 
cgm. 356 f. 17 . Neben zer- 
knütschen und zerknüsten, 
ungemein häufig in asket. codd. 



August. ImStdtr. erscheint altes 
sc, sk im Inlaute als ssch: bis- 
schoffe, erwisschet,tissches, 
misschet u. s. w. Dagegen so 
wird in der Zusamensezung in 
Fleischhäckel im Stdtr. stets 
Fleishäckel, Fleismanger 
geschriben solange esz scheinbarer 
Inlaut ist; findet keine Zusamen- 
sezung stat, so hat Fleisch seine 
rechte Schreibung. 

VerdoppelTing d. h. Schärf- 
ung des s komt in schwäbischen 
codd. nicht so häufig vor als in 
bayerischen. DervorhergendeVo- 
cal soll kurz damit bezeichnet 
sein: genessen cgm. 206 f. 109^. 
wisser f. 72. eisserns span- 
bett f. 97» brossem >wasbros- 
sem von dem tisch vielent,« >lip 
narung von den prossmen« f. 
113. am lessten tag. cgm. 235 
f. 70. >tett arm hesse an« von 
St. Alexius cgm. 257 f. 67». eiss- 
nihossencgm.206f.147. risse^ 
praet. dissu, grissegramen, 
a.a. 0. erschossen (z.e.Eünig). 
cgm. 205 f. 217^ gewessen f. 
215. b es sem cgm. all f. 29*. 
erkosset cgm92f.67*. fraiss- 
nus cgm. ^1 f. 3*. Dazu komen 
die regelmässigen ss für sz wie 
noch nhd. geschriben wird. 

Weiches s für sz: hesig für 
häszig. cgm. 397 f. BV, für z: 
Lasarus, Esechiel, neben Elizabet 
in codd. häufig. 

Ueber die Lautverschiebung des 
sz, z analog dem ch, k, f , ph 
sieh z.. 

3) sundsz, soh imAuszlaute. 



382 



S — Sack. 



Wie beim Inlaute erscheint ein- 
faches B und sz als seh. Schriftl. 
Denkm. füesch, Füsze cgm. 437 
£ 108. andersch, andersch- 
wa cgmT 257 f. 53'. unwirsch 
cgm. 419 f. 22*. (unwirschamkeit.) 
Sendei^ schreibt M a t h i a 8 c h . cgm. 
70. Geschosch für öeschosz. 
Mündlicher Belege bedarf esz 
nicht, da esz sich verhält fast wie 
beim Inlaute. Die altem sc, sk 
entsprechenden seh werden nach 
m, n, 1, r n. s. w. scharf ange- 
schlagen, als ob t davor stünde: 
mentsch, wunt'sch, knntscht, 
«ogar in codd. mit t geschriben, 
z. B. cgm: 588 f. 1*. Auszlanten- 
des 8, BZ nach p, t, n etc. wird 
gfeschärft gesprochen : Schnaps, 
Habs, rips, raps; s nach nd 
wird regelrecht z , weil n ansz- 
fiel und ds zusamenkamen: ne«? 
mez, vSfllez, eilez; bei dem 
allgemein augsb. schwäbischen 
alz, alz müszen wir wol an al- 
lata denken. Der cgm 92 hat 
durchausz des schilz, Schiltes; 
umbsehenz u. s.w. Hanz gen. 
Hanzens bei S. f. 560. 

Die Auszsprache des einfachen 
s nach a, i, o, u sowie des seh 
(sk) ist je nach den Gegenden 
Schwabens verschiden. Der Nie- 
derschwabe hat sanftes s in Has, 
Gras, Glas, sowie beim Antritte 
der Flexion; der Bewoner der 
Baar hat alte Kürze und reimt 
Glas:Fasz; der Augsb. Schwabe 
reimt Fasz : Glas ; lezteres , die 
ganz weiche Auszsprache des sz 
get bis nach Ellwangen u. Gmünd 



hin. Der Augsb. spri^t seh so 
waich, dasz derVocal vorher ser 
gedent erscheint; derNekarschwa- 
be spricht seh schnell and ge- 
schärft: fr 5- seh; der Augsb. 
frooosch, ebenso der Ellwan- 
ger und Gmünder. 

Bei Augsb. Schwaben hört in 
der Auszsprache der Unterschid 
des einfachen s und des sz ausz 
got. Sachs, t ganz auf; wärend 
dem Kiederschwaben zwischen bei- 
den Auszsprachen ein himelwei- 
ter Unterschid statfindei. Zu 
Rumpelt, Gramm. S. 278 c. 

Das heutige M u s c h = sdilechte 
Weibsperson komt im Stadt, als 
muss in mussensun vor. B 
hat sich im 16. Jhd. noch allge- 
mein Augsb. gefristet: Hirsz, 
Hirz , Hirszgraben S. 826^ 380*». 
Die 0. N. Hörzhausen heiszen 
urkdl. Herteshüsa; Hirschsell 
urkdi. Herileszella. 

SAGE. 1) ein Wald der Stadt 
Augsburg. 

2) »Esz sind 5 Mann gen A. 
komen ; darunter was ein priester 
betten leynete Klaider an und 
künden nit teutsch , betten ein 
Strick um den Leib; giengenbar- 
fusz und barhaupt , aszen nichts 
das lebendig was gewesen; hiel- 
ten ein Kegel: manhiesz sie vom 
Sack.< S. f. 304^ 

3) Bettelsack: 
Dermassen das Weberhandwerk 

gar 
An' Bettelsack gerichtet 
war. Holzm. 

4) Bei der Sackpfeiffen, ein 



Sack — Salz. 



383 



Plaz des alten Augsburg: dort 
war eine Feuerlöschzeug-Nieder- 
läge. 

5) Leib in asket. Schriften: 
>der Bwere Sack der Leib«, 
cgm. 810 f. 17*>. Schleppsack 
fcir Hure. Madensack, Leib. 
Sieh Reinhold Köhler, Kunst über 
alle Künste 1864 S. 215. 

6) Sackmann machen, rauben, 
plündern. >Item da man zalt — 
ward Minz ingenomen von Her- 
zog Ludwig bei Rhein, genannt 
Schwarzherzog und ward Sack- 
mann da ganz gemacht und pf äf- 
fen und Burger geschäzt und er- 
stochen.« cgm. 436 f. 8^ (Lyrer) 
>Item er hat bekündt zu gleicher- 
weisz, wie er Saokmann über 
die Graistlichen hab gemacht, 
als auch hab er Sack mann 
wellen machen über die Alten 
von Herren und Ratgebern, dasz 
sie in eignen Häusern zu todt ge- 
schlagen werden.« S. 221^. »Wie 
sie wollen über die priesterschaft 
Sackmann machen.« f. 281^ 
>ünd sie sind von irem eignen 
Kriegsvolk geplündert worden : 
sie heiszen's einen Sackmann 
machen.« Gass. Schlechte Ge- 
sellen- und Maisterstücke musten 
der Schusterordnung gemäsz im 
Sacke heimgetragen werden. Den 
Sacktragern predigen = in 
der Wüste predigen. (Pasquinus.) 

Ztw. auszsäckeln: »über das 
so hatt die statt sovil Silber und 
Gold nicht gehept, dazumal, ehe 
das sie mit Gehilfen zu bstellen 



sogar auszgesecket wäre wor- 
den.« Troj. Kr. f. 46^ 

SAGKER- euphemist. in Sak- 
kerlint, z. B. heiszt ein Fluch: 
Sackerlint Donnerweaterl Sa- 
kralunt, id. Sickarameit. 
Sickerlott. Saokermeit, Sa- 
kraschwanz, sackerlintisch. 

SAICHEN swv. in der Waid- 
m annasprache : > und wa der hirsz 
auf schnee gestallet habe, so 
saicht er neben ausz, recht als 
ein binde, so stallet die binde 
eben in die fart recht als von 
zehenn. das zaichen tunt die 
wolf, die fuchs ündiehasen, wel- 
ches hoden hat, das saicht aus 
der fart, aber welches ain fud 
hat, das saicht in die fart.« 
cgm. 289 f. 107». 

Bettsaicher, Löwenzan. Pfaf- 
fenh. Zustal. fr. pissenlit. 

SAIL, funis. In der Sailer 0.: 
100 Syl-Sail, Hewsail, Lait- 
sail, Wurfsail, >Sailwerkh 
zu failem Markt bringen« u.s w. 
> Meszruthen, Sailhäspel.« Furt- 
tenbach 

SALZ. In Siegertshofen get bei 
Hochzeiten die Köchin mit dem 
Schöpflöffel an den Tischen her- 
um (nach dem Male) unct samelt 
ir Trinkgeld, was man » i n 's S a 1 z 
schenken« heiszt. Allgem. ober- 
schwäbisch sagt das Volk von 
der Wöchnerin: »sie ligt im 
Salz.« »Der Salzfergger Ritt« 
an Fasnacht gieng nach Fried- 
berg, wo seit alter Zeit (jasterei 
gehalten wurde. Salz gelt, Ab- 
gabe. Conürm. Kempt. 18. 



884 



Samelot — Seele. 



SAMELOT, >Damast-Same- 
lot.< cgm. 2517. 

SANG, faBciooloB von Aehren, 
Krautern, wozu Weis an g, der 
Bündel Krauter an Maria Würz- 
weihin; sieh mein Wbl. s. v. 
Waldname: Asanghölzle in 
Mickhaus. Urkunden. Ausang- 
doli bei Münster. Ansang b. 
Hausheim, Wald. 

SARROL: »Und zween bischöfl. 
t^arrol oder Korröck.« cgm. 
402 f. 31*. 

SAU. In A. gab esz eine Sau- 
geschau: >wenn ein Schwein 
von den Saugeschauern für 
rein geschaut wird.« Ordnungen 
von 1647. Saubrückle, Sau- 
g ä s s 1 e in A. Die alte röm. Strasze 
T. Pfünznach, Germanicum, heiszt 
8 au strasze, unweit von der 
Schafstrasze. In der Landschaft 
get die Rede: wenn der Bayer 
sagt 's Schwab a tritt man mit 
den Füszenl antwortet der ver- 
lezte Schwabe: Und Bäjersau 
schlägt ma uff da Rüeszell 
B a j e r 8 a u 9 1 ist allgemeine Schel- 
te — bei jeder Gelegenheit — 
welche die Westlechleute iren 
Ostlechnachbam zurufen. 

In Lang's Zauberei 55: 
Sie ist so dick von Leib als eine 

Beckensau 
Ir Jüngling hütet euch vor der 
versoffnen Fraul 

SAUFFÜLLE, ein Järling bei 
Pferden. Strasze. 

SAU8Z , der. Im Liede vom 
Schwarz heiszt esz: 



Der Schwarz nam sich an des 

Handels zNril 

Da er an der Steur sasz im Sausze 

Esz war ihm gar ein eben's Spil 

Da er das Geld bei |den Hüeten 

auszmasze. 

Horm. 1834. S. 145. 

SAUZER gegen das AUgaü hin, 
sieh Schnaier. 

SE, S6! Säl eccel zum Gaisz- 
bocke : S e, s e, haogt ebbisz Heddl ! 
Die Erklärung sieh mein WbL s. v. 

SECH, Säch im Allgem. Sä, 
Sea. wienhd. »Und sie werdend 
zesamen plewen ire swert in S ech 
und ir Speer in Siöheln.€ cgm. 
533 f. 6*. (bayer.) >D6 schlug in 
ainer durch sin hopt mit ainem 
pflugsech.« cgm. 257 f. 146^ 

SECHS in den Auszmfen >mei- 
ner sechsli >0 Jesus und no 
sechst was ist denn baaziert? 
Seh. Prof. Kern in einem Stutg. 
Obergymnasialprogramme bringt 
esz mit dem Schwur >bei meinem 
Sax! (Schwert) zusamen. 

SECHTEN. A. 1669 den 3. Jän- 
ner wiederholte sich ein früherer 
Zeit schon geeinigter Gränzver- 
trag zwischen Churbayern und 
dem Hochstifte Augsburg, dem- 
zufolge, »Sechst ens« in dem 
Amberger Holz — gelaszen< u. 
s. w. Lori, Lechrain, pag. 478. 

SEELE in der Zusamensezung 
sieh das 2. Wort. Sealabroat- 
laibe, Abgabe der Bauern in 
Memmenhausen. Sealameal in 
Dirlauingen am Allerseelentage, 
eine Armenbrotgabe; man trug 
das Opfer in die Kirche: esz war 



Segelzag — Semel. 



385 



früher freiwilliges Opfer, ist aber 
troz Widersezlichkeit zur stäti- 
gen Abgabe an den Schulmaisier 
geworden. Die Ablösung ist fast 
nnmöglicli. 

Sealaberg, der (Armensee- 
len-?) Berg bei Baisweil. 

SEGELZÜG in der Lindauer 
Schiffersprachec »hüt hend se 'n 
Segelzag,« d. h. guten Wind. 

SEGENSPRECHEN in der Heb- 
anunen Ordg. in dem Memminger 
Stdtr . sind die Segnereien stren- 
ge verboten. 

SEGES, SEE6ES, Sägmel. In 
denWeberiiausrechnungen: 4 ka- 
ren Seeges zum Stubenboden- 
failen.« 

SEGES, die, Sense: >der (ani- 
herus) mit einer grossen Seg es- 
sen die Feinde umgemehet.« Gass. 

SEGRER , der, Sakristei. >So 
gieng St. Ulrich in den Segrer 
und taylet darausz denChrysem^ 
darnach vor dem Segrer chlay- 
det er< u. s. w. ogm. 402 f. \7^. 
Bei Frank, Annal. ebenfalls. 

SEHEN in Zusamensezung : Auf- 
flehen, observare; >ein scharfes 
Aufsehen haben« oft in Chron. 
Dr. Müller rümt sich — dasz er 
den Papisten zu genau aufge- 
sehen.« Anti-Müllw 94. Ver- 
sehen, Versehung, die heil. 
Sterbsakramente reichen: >Pey- 
ünger ist gewessen, der zu Word 
ist gestorben on Versechung 
der hochwürdigen Sacrament.< 
S. 76^. 76». >0n Leicht und on 
Versechung.« f. 420*». >Die 
Kranken mit dem Sakrament ver- 



sehen« f. 76**. Versehung = 
Vorsorge: »Mit genügsamer Ver- 
sehung des Pulvers.« f. 361». 

SEIKORB an Sprizen in der 
Memminger Feuer. - 0. >Damit 
das in Eil herbeibringende oft 
gar unreine und mit Stroh und 
mit anderem Unrat vermengte 
Waszer durch dieselbe geseyet, 
sauber in den Kasten gebracht, 
mithin das Fontil rein bleiben 
und nicht verstopft werden möge.< 
S. 21. 

SELBE, SÄLDE, Besiztum an 
Aeckem, Wisen etc. Storken- 
sälden sieh Storch. > Die Leh- 
rer hie auf dem Thomstift haben 
etlich Seiden zu Langeneifna 
gehabt.« S. 4ö6». Erbsöld 1606. 
Mickhs Seidgrundzins und 
Hausgrundzins. 

SELIG in Web. Akten. >und 
hept den Zunftmaister an und 
wünscht der Gemein ein seligs 
neu's Jar.< Glückseligen Mor- 
gen sieh G. Ztw. seligen in 
der himml. Braut : herr ich nane 
dich, dasz du mich gesäliget 
und geheiliget hast.« 

SEMEL, in niederschwäb. un- 
bekant >Zwu haller Sem ein.« 
Pfründ. 0. 1462. >Zwo grosze 
Kannen Etschweins und zwelf 
Semmelwek zu Presenz.« Grass. 
»Allerlei Schleckwerk, Bauren- 
kücheln, warme Sem ein. < a.a.O. 
In der Reilnchronik v. Herzog 
Ulrich S. 81. >von Kempten die 
Semel ich auch meld. 
Schiffer von Ahlen ab dem Hert- 
feld, 



386 



Seimlich — Sib. 



Wimpffen am Necker die Hau- 
messer 
Wangen, Isnen die Mutschel- 

freszer 
Yon Lindau am See die Schiff- 
macher 
Von Giengen die Krapfen- 

macher; 
Memingen, Schneiderist die Sach 
Auch der Eirsner von Biberach 
Von Schwebischen gnündtd. Aug- 
steindreher. 
Von Bopfingen im Biesz dieBie- 

benseher 
Die Sichelschmidt von Dinkels- 

pühel 
Yon Eaufbeuren die Eelb er- 
schinder u. s.w. 
(D. h. alle dise regieren dasver- 
laszene Land stat des vertrie- 
benen Ulrich.) 

SEMLICH, Sämlich, äniich. 
Acker bawen und s e m 1 i c h dings. 
Astron. f. 17». er hat euch sem- 
lich gelider. f. l7^ semlich 
stern sind kalter natura, etlich 
naszer. semlich truckner, sem- 
lich heiszer natür. f. 24*. 

SENDRAT, >die ander 3 tag 
nach dem palmtag het S. Ulrich 
mit seiner priesterschaft ain sen- 
drat oder concili.« cgm. 402 
f. 17^. 

SEPPERL, das Wiener S., ein 
weitum im schwäb. Kreise be- 
rüchtigter Erzspizbube stand a. 

1737 zu Augsburg auf dem Pran- 
ger und ward auszgepeitscht. Er 
hiesz Josef Steger von Streim in 
Unterösterreich. Den 22. August 

1738 geköpft. 



SER, adj. wund, maistens von 
wunden Stellen über die bereits 
ein hailes Haütchen w&ohst. »Di» 
Bueba sind sear,« i hau 'n sea- 
ra Fuasz. Füszener Gegend. >und 
auf dein serigs, swiriga haupi 
geslagen staben.« cgm. 128f. 35\ 
Das Ztw. sSren swr. »Man soll 
sich aber bewaren, das man äst 
newen frücht nitt esze, bösz Obst 
und ander Ding, wann davon tQ- 
leicht die Blase zerbricht und 
das Hirn also geseeret wird, 
dasz er es nimer überwnnde.« 
Regiom. 1512. »dein Leib was 
durchwundet und durohsSret.« 
cgm. 128 f. 136*>. 

SERBE für Abzerung, Langen- 
Schwindsucht. Zeitw. Serben» 
Füszen. 

SEURE, Sei ren, Pustulae; nie- 
derschwäb. Seirle; im Spizna- 
men Gseirle inWurml. hat so- 
gar G vorgeschlagen. Imschw&b. 
augsb. Gebiete Sniren. >Dnh&8i 
a paar richtige Suira: 3 geabe 
a Raud.« Neckerei in Behlingen. 
Die groszen beiszen dort: Nürn- 
berger Suira. »Und band auch 
rot kernen als die S u i r e n under 
dem antlücz.i Astr. 14^. u. cgm. 
737 f. 7^ triusen ist eine än- 
liche Lautbildung, altertümlich, 
a. a. 0. 

SEZEN , einem auf dem Eise 
die Beine unterschlagen, um in 
zum Falle zu bringen. »Ich will 
dir jezt ains sötzen.< Kleiderb. 
107. In Niederschwaben heiszt 
esz »stechen. < 

SIB in Hart. Invent. K hören- 



Siben — Siz. - 



387 



sibere, Battensiber, Ger- 
sten- und Veesensibere. 

SIBEN. Sibentischholz und 
Sibentischwald, stadt. Augsb. 
Wald. Sibenbrunnen, Siben- 
brunnenfeld, Gegend um die 
7 Tische. Sibenbrunnenbach. 
Sibenoichmad bei* Memmen- 
lunisen. Siben er, die, in Füszen 
die 7 Bichtereide bei Execution^n. 

SIDL, ZIDEL, Truhe für Klei- 
der besonders der Knechte und 
Mägde, zugleich Sizbank im Zim- 
mer. >Da begab es sich auf ob- 
gemelte Nacht, als er weit an 
sein Bett aufsteigen und kam bis 
aufdieSideltruhen.< S.f. 311^ 
In Siegertshof. Dokumenten 18. 
Jarhd. desgleichen. >Da gedacht 
ich je wie ich den Himel gerören 
möcht, und liesz mir beraiten 
gar ein starke S i d e 1, die wol mit 
Eisen beschlagen was.< cgm. 581 
f. 133% BeiFurttenbach: >Tisch, 
dameben zwen Bank oder Side- 
len, darob zu Tisch zu 8izen.< 
Die, Form Sigl ist jezt die volk- 
tumlichste. 

SILBEB. Silberne Glocke, 
die sog., von den Präsenzgeldem 
angeschafft, in einem Turm zu 
St. Ulrich. Die silbernen bürgerl. 
Beiter, im Gegensaze zu den 
goldenen*, sie hatten silberne 
Schnüre. Der Silberj orgle, 
ein berüchtigter Erzgauner in d. 
Mitte des vorig. Jhs. Berümt ist 
seine Gefangenname in der Frey- 
ung zur St. Morizkirche. Auf s. 
Kopf hatte Buchloe 300 fl. gesezt. 

SIMETSFEÜEB ausz Sunwend^ 



feuer, Sünwendfeuer perassim. 
Simmentfeuer. >Sie wiszen 
was in unsem Gegenden junge 
Leute, zumal auf den Dörfern mit 
den sogen. Yeits- oder Simets- 
f euern für eine Freude haben.« 
Paul V Stetten. Erl. 88. 

SIMSENLAUFEB , ein wol- 
dienerischer , achseltrag^risoher 
Mensch. 

SIZ , der , 1) der Plaz z. B. 
Schieszplaz , Schieszstat. cgm. 
2517. 2) Die Sizung des ersamen 
Bates in alten Verordnungen bes. 
in der Hebammen 0. häufig so ge- 
nannt. »Sizeinschreiben« 17. 
Jarh. Quatembersiz. 3) Gesi- 
cherter Landaufenthalt der Ade- 
ligen undPatriz. urkdl.— »Einen 
neuen Sizsack für Gewandschan 
oder S ig sack« (in d. Web. 0.) 
30 kr. Ztw. ersizen. Web. Ak- 
ten: die vorgeschribenen 3 Jare 
nach der Lemzeit bei einem Mai- 
ster arbeiten, da vorher keine 
Eingabe um das Gewerbe ange- 
nomen wurde. So bei den We- 
bern, Färbern u. s. w. Daher Siz- 
maister. Laut Dekret vom 11. 
April a. 1750 musz ein jeder äu- 
gender Farbermaister, wenn er 
sich die 3 Ersizjare bei der La- 
den als Gesellen einzuschreiben 
unterlaszen »davor 12 fl. an die 
Laden bezalen.« Web. Akt. Ein- 
s i z e n (grob), detrimentum capere. 
H. S. Ich ziehe hieher 2 urkund- 
liche Formen Siczmunt und 
Mazzensiezo, jenes ein altes 
Gut oder auch nur Flurname, 
zu St. Ulrich in A. giltend. cgm 
25 



888 



Soehter — Subs. 



164. Disz ist der heute noch le- 
bende Ortsname Matsiesz. Zu 
Grimm's Erklärung in Haupt*« 
Zeitschrift II, S. 6 ff. gehalten, 
bestätigen meine 2 Beispile jene 
YoUkomen; (Wolfpoldes) siaza 
und siuza, sioza, wird nach 
Grimm stabulum, praedium, Üm- 
hegung sein. 

SOCHTER. »a soehter oder 
hempliger Kerle.« 

SÖLDNER , Stadtsöldner, 
>welche die Spech hatten« 1) im 
städt. Dienste stende Kriegslente. 
2) eine Art Polizeisoldaten. S.462». 

SOLER »auf dem Soler unter 
dem Boden.« S. 833». >Auf dösz 
Hanns Behams Wirts Tanzsoler 
vor unser Frauentor. < Kleider- 
buoh 149. 

SONNE in dem Einderreime: 
Liebs Mueter Gottisle 
Tue dei Blickele auf 
Und lasz die heilig S o n n a 'rousz ! 
Stauden. 

Komt die Sonne herausz, so 
sagen die Kinder: Siggt, mi mag 
d'Mueter Gottes geara! Groszaitin- 
gen. Den Behlingern sagt man 
nach, sie hätten die Sonne ge- 
fangen nemen und in einen Sau- 
stall sperren wollen, wie sie denn 
gar vile Straiche auf sich haben. 
Sie sollen auch den Nebel herab- 
geschlagen, eine Blonza im sieden- 
den, wie sie meinten, aber nur 
schäumenden Mülgumpen gesot- 
ten haben. Das Kirchen sc hie- 
ben, das Krautgartenanbin- 
den, damit er nicht versinke, 
das Begraben eines leeren Bair- 



le's« — das tote Kind lag hin- 
ter dem Ofen ■— hängt alles an 
inen. 

SUBTIL. Im Sternbild der Jung- 
frau ist gut mit Schreibern, Kanf- 
leuten und subtilen künstlichen 
Menschen handeln. Reg. 1518. 
Der Saugamme Trank sei ein sub- 
til 1er weiszer Wein. ogm. 601 
f. 99^. Arznei, die das plnt sub- 
till macht. SubtiUigkeit der 
Hyrnschall. a. a. 0. 

SUCHEN, besuchen Bwv. >Im 
Jare 148^ f&rte ich Max Walter 
ein überausz groszen Spiesz und 
rannt in auch wider Jakob Ried- 
ler, -für alles Besuchen und 
werdt des Besuchens gar no- 
chendt 3 Stund.« P. v. Statten, 
Erl. 55. 

SÜLZ in der Küohensprache: 
Gallert. »Bratisz und ain Sulz.« 
Kellermaist. Ordg. 1535. Sulz- 
flaisch. >Sulzen von Kälbern 
und Schweinen.« a. a. 0. >An 
der Herren Fasnacht ze Inbis ain 
suppflaisch, kraut und flaisch 
und jeglichem ain Schüszel mit 
Sulz von 5 Stücken, damit sie 
die 3 Vasnachttag der Sulzen hal- 
ben uszgericht sein sollen. < Pfr. 
Ordg. 1462. In Konradshofen wird 
am Schlusze des Hochzeitmales 
Sulz mit gedörrten Zwetschgen 
aufgetragen. Sulzhof bei Dillin- 
gen Sulzmad bei Reinharts- 
hausen. Sulzknecht, Sulzer, 
1) Wämstier. »Item quilibet 
parans intestina, qui dicitur 
Sulz her, 18 Pfund sepi in festo 
S. Galli.« Bischöfl. Urbar 1316. 



Sonder — Schaffen. 



Kaiser, Wappen 60». 2) >Wer am 
Diebstal, Kezerei, Straszenranb 
begriffen wurde, den sol man in 
den stock legen onde snlln die 
waibel die slüszel gehalten nnde 
Silin die Sulz er des hüten, der 
darinne lit. — verwarloszten die 
sulzer daz — (sollen sie) in den- 
selben stock chomen.< Stdtr. Der 
Burgauische Sulzknecht. Mickh. 
ürkd. 1681. 

SUNDER. >Mittentag oder des 
tailes der weite, das da heizet 
sunder.< Astron. f. 14^ >aber 
das tail, das da haizzet meri- 
dies oder sunder.« f. 16''. Germ. 
Vlll, 111. n hat die südd. Mund- 
art schon längst verloren; got. 
moste sunthar, sunths dage- 
wesen sein. 

SUPPE in Suppbub, arrogans, 
og^.685f. 12».Suppenfreszer: 
»ist diese gottselige Qeneralver- 
manung von einem losen bäpsti- 
sclien Suppenfreszer aufge- 
fangen worden.« Dr. Müller. 
>Hen8zelin, S u p p e n e s z e r. Lieb- 
koser.« Buxh. Chronik, f. 73^ In 
einem clm. des 15—16. Jhds. ist 
Sykophant mit Suppenfreszer 
wiedergegeben. Suppfleisch = 
i^laischsuppe, stets in Chroniken 
etc. Pfründe-0. 1462. 

SURBIG. » Was luegst du heunt 
so surrig drei!« sagt Gott zu 
Adam. Seh. 

SCHABIG (scabiosus) in rohen 
Schelten: schäbigs Lueder! — 
Viech! »Auf derselben hand ward 
ir behendiglich schebig und 
reydig.« cgm. 402 f. 65*. 



SCHACH, latrocinium. Scha- 
cher, latro. cgm. 402 f. 95^ 
Nachtschach. Dazu gehört 
Schacher am Ereüze. 
Als er wol tet dem seh ach er- 
schein. 
Dem er vergab die Schulde sein, 
cgm 402 f. 78*. 

SCHACHEN , Promontorium ; 
Waldzunge. Schach en 0. N. . 
(Lindau) urkundl. Birscachin. 
834. »ein Schachen oder Raü- 
hinen in den Wäldern — fällen, 
abtreiben.« Conf. Eempt. 23. Bä- 
renschachen b.Roth. (Illertal.) 
Der obere u. untere Seh. Mindelh. 

SCHACHTELN heiszen dieFrei- 
halder spottweise; sie schachteln 
ire Reden auf confuse Art ein. 

SCHACHTEN swv. wie jezt in 
der Judensprache. In den Schrif- 
ten der Mezgerstube vom Anfang 
des 17.Jhs. ab: »Am Donnerstag 
inderFrüeh seh echten.« >Und 
soll jnen, so derOx treffer ist, 
hernach ein anderer Ochs ge- 
schechtet werden. « >So sonsten 
dem Sc hechter gehörig.« »Der 
Schechter alte Ordnung.« a.a.O. 

SCHAFFEN stv. und swv. wie 
heute noch bayerisch mundartlich 
= befehlen , scheint esz in A. 
üblich gewesen zu sein. >So 
s o h u o f der Kaiser in diesem Jare 
den von Augsburg, dasz sie wi- 
dersagen musten.« Horm. 1834. 
S. 123. >Wie es auch der Kaiser 
geschafft hat.« S. 95^ >Bis im 
ain Rat schieff, dasz er ausz 
dem Thuren wieder heimgieng.« 
f. 463*. >Am Montag hat der 
25* 



890 



Schäffler — Schurbock. 



Kaiser geschafft« u. s. w. >Der 
Bischof s c h u o f, die Gruben wie- 
der einzuwerfen « Horm. S. 133. 
Ansz geschefft = auf Befehl. 
S. f. 335V >Durch geschefft 
eines Rates.« f 551». Im Troj. 
Erg. stet erschaffen, befehlen. 

SCHÄFFLER, der, Bötticher 
oder Faszbinder . Der S c h ä f f 1 e r- 
tanz, in München noch volk- 
tümlich, fand früher in A. eben- 
falls stat. Als König Ludwig I. 
a. 1829 in Augsburg war, fürte 
man den Tanz nochmal auf. Die 
Seh äffl er gesellen trugenNan- 
ghinghosen undJuppen, grünsaf- 
. fianene Kappchen und weisze 
Strümpfe; jeder hatte einen hal- 
ben Raif, >Schäffler's Roiff«. 
Einer in der Mitte trug den gan- 
zen Raif. Sie machten maister- 
hafte Kunststücke mit den vollen 
Weingläsern etc. »Auf d. S c h e f f- 
lerhaus.« S. 411». 

SCHALAZEN swv. »Verboten, 
dasz Niemand under derselben 
Zeit (Predigt) in oder auszerder 
Stadt vor den Toren solte spa- 
zieren und schalazen gehen.« 
Gass. 

SCHALK, der, eine Art Wam- 
mes kaum bis an die Hüfte rei- 
chend. Tuchschalk, häufig in 
und um Augsb. Ein Gesell der 
Weberzunft hiesz seinen Maister 
einen rechten Baurenkerl, wei- 
len er bei der Lade, der er un- 
terstand, im Schalk herumge- 
loffen und ward zu 6 kr. Strafe 
verurteilt. Web. Strafbch. 1787. 

SCHALKENBERG ob Wilmets- 



hofen, ein Burgstal, als Wald- 
name schon in uralten Granzbe- 
Bchreibungen Mickhausens üblich. 

SCHANZ. Paul v. Stetten, Erl. 
S. 87: 
Im Haus, auf der Gassen, beim 

Tanz 
Haben sie Acht auf ire Schani. 
»Dasz sie nicht etwan noch ein 
bösere Schanz von dem Heer 
wurden übersten müszen.« Tr. 
Krg. 52^ Im cgm. 311: in sein 
Schanz schlagen; so fällt dein 
Schanz desteren ; in die S ch anz 
einschlagen, f. 43^ >Da8 dritt 
spyl ist schanzen.« f. 38**. 
Schanze >Bauren8chanze« b. 
Breitental. Römisch. Vom Fran- 
kenhof er Hofbauern a. 1525 ver- 
schanzt. Schanzl b. dem Einöd- 
hof Willenfeld. In Memmingen 
standen am Ende des vor. Jhds. 
das halb Guldenschänzlezwi- 
schen dem Krugs- und Waszer- 
tor; die Sternschanze und der 
Mehlsack zwischen dem Wester 
und Niedergaszentor. 

SCHAFFE: > und hat denselben 
ganzen Tag über geregnet, also 
man mit schapfen bette goszen.« 
S. f. 293». 

SCHAPPEL als Kranz sieh mein 
Wbl. s. V. >De Syfrido dicto 
SchappeLc Man. f. 12^ 

SCHÄPPER. 1) Schafsvlies. 2) 
Unterkittel. »Dasselben fielen auch 
die Schnee so dick von dem Hi- 
mel , als die dicken schäpper 
der guten schaff.« cgm. 581 f. 119^. 
SCHARBOCK : »mit newer 
Krankheit dem Schar bock und 



Schäre — Sohauen. 



391 



schädlicher Faszgeschwulst ver- 
haflFtet « Denkw. S. 77. 

SCHÄRE ob zu Scheere? eine 
Schelte in Günzburg: »du Schä- 
re, du wüetigerU d. h. du 
fauler, dummstolzer Gäck! In 
Günzb. gibt esz eine Stadtpersön- 
lichkeit dises Namens; diser 
Mensch sagt imer: grea isch 
schee! 

SCHAREN swv. >Was zu schif- 
funge gescharet als vischen 
nndackerbnwen.« cgm. 736 f. 12^. 

SCHARFSCmR im Zeughause 
eine männliche volkbekante Fi- 
gur: >denScharfschir, welcher 
den Gesellen, die weder die Pfalz 
don wellen, den Part schirt.< 

SCHARSACH. >Und die Sund 
ires Lebens verschneident on Un- 
derlasz ir Gewiszen als die schar- 
fen scharsach.« Himml. Braut. 
>Der hirsz tritt das Gras ab als 
CBZ mit einem scharpfen Schar- 
sach abgesnitten hab und tut 
das binden mit dem Balle.« cgm. 
280f. 104^ »Die schall des Hirsch- 
fdszes recht als ein gesliffen 
scharsach und ist der Fuosz 
einem scharsach geleich. < f. 104. 

SCHATTEL vom ital. la sca- 
tola: >76 Käntchen mit Wein; 
24 Schattel mit Zucker.< S. 
Schm. m, 413. 

SCHAUBE, die, wammesartiger 
Überrock, Juppe für Mann und 
Weib. Der Oberrock hatte zu 
Anfang des 16. Jhds. die Gestalt 
desTrapparts undderSchau- 
b e. Erdterer, alt, vom geschloszen, 
über den Kopf gezogen; leztere 



hatte senkrechte OefiEhung von 
oben nach unten. Schaube stat 
Trappart 16. Jhd. Futter -Pelz 
und Verbrämung. Falke, Trach- 
ten I, 301. Bei L. Rem: Noch um 
87» Ellen fein graw Lindisch 
tuch, cost in Antorff fl. 9 zu ei- 
ner schauben; um 37» eleu sa- 
met zur verbrämen kost 6 fl. 
13. tuet 15 fl. 13 kr Mer um ain 
stück Dopel-Camelot zu ainer 
schauben, kost in Antorff 14 fl. 
um 3 eleu rot samet fl. 7. Um 
V^ Stuck samet schwarz a la 
piana zu ainer schauben fl 10. 
4 Elen Samet darzuetc. Um 47* 
Elen samet 9fl. zu ainer seh wi- 
gerschauben 19 fl. u. s. w. — 
Sein Weib für ein Schaub ge- 
schenkt ein silbern wasserkentlin 
mit seim und irem wappen -- 
20 fl. (S. 46.) 

SCHAÜBELTÄNZE Wegendes 
Elendes im Reiche liesz der Rat 
in A. den 12. Juli 1519 das Sin- 
gen, die Hanentänze, Weintrinken, 
Zechen auf Tischen vor den Häu- 
sern, das Tromelschlagen auf den 
Gassen und alles Tanzen, ausge- 
nomen auf Hochzeiten und die 
sog. Schaubeitänze verbieten. 
Gullm. I, 284. 

SCHAÜBREISTEN , S ch ab- 
reiszen. »Und mit brennenden 
Schabreisten haben sie ihn 
durch die Stadt gefiert.< S. 69»». 
>Mit brennenden Schaubreis- 
zen.< f. 30^ >Da zündet man 
schabreiser an, dasz man ge- 
sach.« Bush. Chron. 

SCHAUEN. Zu Geschau oben 



392 



Sobanfel — Seheiszkerl. 



S. 190. 191 kan nachgetragen 
werden : Geschauim alt. Augsb. 
fast nnrfurTuchgeschaayolk- 
üblich. Zwischen der Geschau 
Geschanmarkt. Die Weber- 
znnft hatte TRohgeschaumai- 
ster, 4 Schwarzgeschaumai- 
ster, 3 Gewandschanmai- 
ster, Tuchscheerergesohau- 
maister. In Rechnungen: den. 
Geschautrog zu fegen 2 fl. 
Geschaupfennigbüx. G e- 
schaustübel (Mezger). Das 
Schauen imBrechhaus. »Die 
Fremde, so aus dem Brechhaus 
oderLazareth tempore pestis ge- 
schauet werden, sollen schwören 
in 3 Monaten nit mer allher zu 
komen.c Ordgen. 1647. Einem 
Mezger, der Schulden macht, die 
Ge schau niederlegen. Ordgen. 
1647. In Memmingen gab esz fol- 
gende Schauen: Brot-, Bier-, Mil- 
ien-, Korn-, Leinwand-, Loden- 
Leder-, Silber-, Fleisch-, Ziegel-, 
Feuerstätte- , Gewicht- , Masz 
Ellen-, Schmalz-, ünschlitt-, Koh 
len-, Zinn-, Ross-, Krankenvieh 
Zeug und Wollenschauen. Sau 
geschauer wegen Pfinnen. 

SCHAUFEL in derMezg: >die 
Stoszschaufel und die Sand- 
schaufel.« Mezg. Akt. 

SCHAÜPEN. >ülrich Schwarz 
het an ein schwarz samelot ein 
schaupen mit Mader underfuo- 
tert und ein hauben auf dem 
haupt mit rugfechin futter.« S. 
223». SamatinSch. f. 625^ >Man 
liesz in die s c h a u p en an < f. 526*. 

SGHEER, die, in der Mezger- 



sprache (beim Klein- und Grosz- 
vieh): nach Wegname aller übri- 
gen Körperteile das Stück mit 
den beiden Schlegeln 

SCHEIBLICH , rund , in coAd. 
Aug. scheiblecht, unzäligemal. 
>Neoptolemus — seh eyb lieber 
Augen, groszer Augbrahen.« Troj. 
Krg. 68». 

SCHEINEN , blizen ; >esz tuet 
scheina und tuma.« 's haot 
gschinat. Füszen. Schinar, 
Bliz. a. a. 0. 

SCHEINBOT in e. Vergleich v. 
1647. Landsknechte und Krigs- 
leut musten unter dem Tore ein 
lösen; dann durften sie 1 Nacht in 
der Stadt bleiben. Beim Abgang 
gab man inen ein Scheinbot 
oder Zeteliui dasz man das Pfand 
inen wieder zustelle. >Esz ist 
gebraüchig, dasz man auszerhalb 
der Markttage in der Schrand 
Korn oder Getraid abmeszen lasze, 
es sei denn ein Burgermaister sol- 
ches durch einen Scheinboten 
vergönnen.« 

SCHEIPPELER, Wilmetshofer 
Flurname. 

SCHEIR im Kleiderb. S. 56: 
>Das wams daphat mit samet un* 
derzogen , die hösen mit Zendel 
ein grosz niederlendisch s c h e i r n, 
superfin.« S. 60: >Die Kapp mit 
2 samati Strich, d' Wappenröck 
mit Daphatzotten auf 4 Ort auf- 
geschnitten; ein attlas Wams; 
ein niederlendisch Scheirn 
mit 2 samati spickel.« 

SCHEISZKERL in der gemeinen 



Scheiten — Scheiter. 



393 



Schelte: bifit yorna a Spicbub u. 
hinta a Soheiszkerlt A. 

SCHEITEN bei Dr. G. MüUer: 
»der Obrigkeit zu Eren lasze 
Holz auf dir scheiten.« Ab- 
8cheiten,Tailhölzle abachei- 
ten. Mickh. Urkunden. 1567. 

SGHEITEHN swv.: desgleichen 
seind anch der mehrer und grosze 
Teil Fisch in den Waszern und 
Teüchen durch eine sonderliche 
Pest — scheitern gegangen.« 
Gase. 

8CHEIZÜNG. »Gewunnen da- 
Ton (vom Ansehen) ein grausam- 
liche Scheizung.« cgm. 402 f. 
65*. > Was ain grausamlicher Enab 
— frayssam, scheyzig.c f. 72**. 

SCHELFEN, die, siliquae. Mein 
WbL 81. >Die Baym sind der 
Schelfen entplöst.« S. ll^^ 
> Feigen und Linsen , den die 
Schelf abzogen ist.« cgm. 601. 
f. 114^. »Darumb tue als der äff, 
der die Nusz von im wirft von 
pitierkeit wegen der Seh eleu.« 
t 83*. Kurbsschelf f 105*. 
Magölschelf. a. a. O. Mar- 
granschelf f. 110^ 

SCHELLIG, kollerig, rappel- 
köpfig, flüchtig, fougueux. »Das 
pfert Wurd schöllig.« Kleiderb. 
44. Sie waren alle ganz schel- 
lig auf einen der Ehrwürdigsten.« 
Pasquinus. 

SCHELMEN. >N. u. N. haben 
einander wegen ausgefrezter An- 
wanden geschelmet und ge- 
dieht« Mickhs. Urkdn. Schel- 
men-Mattle, röm. Plaz, Hügel 
b. Weiszenhom. »So wil ich in 



das Land senden den Tod und 
Schelmen.« cgm. 206. 

SCHELMIG. »Yomnaszen Som- 
mer die Kye und Schwein raydig 
und schelmig sind worden und 
gestorben.« S. 323^. >Und im 
Seszel des 8chelmi<gen Todes 
nicht ist geseszen.« cgm. 528 f. 1*. 
^ SCHERG, hie und da Schirg^ 
im Liede: 
Im Wald drausz 
Ist a Wirtshaus; ' 
Ist a Magd drausz ^ 

Hat a Filzlaus; 
Eomt a Scherg nausz 
Füert die Magd 'rousz 
Weaga der Filzlaus. Stauden. 

Im Beinhartshauser Pfarrbuch : 
Blutscher g. >Einen schönen 
Brauch hatten die Walberger in 
der Karwoche: am Karfreitag 
legte einer Christum in das Grab, 
wie solenn weisz nitt, die Aufer- 
ste^hung war grosz. Auf den Abend 
gaben sie ein Zeichen und kamen 
allda in der Kirche zusamen. Als- 
dann giengen in Walberg der 
Herr Pfleger und in Burgwaiden 
der Bestanibauer, oder auch, so 
diser nit Zeit, der ITntervogt, so 
diser Zeit ein Blutscherg ge- 
wesen , namen Kri^tum aus dem 
Grab und sangen mit dem Volk: 
Christo .ist erstanden , nachdem 
trugen sie ihn in der Prozession 
um die Kirche.« 

SCHERZLE, dim. Brotanschnit, 
altbayerisch? 

SCHETTER. »Spinnet oder 
Schetter in unterschidlicher 



394 



Schea •— Schiessen. 



Brftite zu würkhen verboten. < 
Web. Akt 17. Jb. 

SCHEU. >i bi scbui auf dl< 
= barb, altb. (böse). Strasse. 

SCHEÜREN, Scheiren, Be- 
cker, in den Chroniken nnzälige- 
mal, besonders bei Festbescbrei- 
bungen: >Des Kaisers Sun Ma- 
ximilian hat man geschankt ain 
yerguldten Scheuren 127 fl. 
wert.« S. 196^ »Dem Bischof 
Yon Minz hat ain Bat geschenkt 
ainvergultenSch. 70 fl. werd.< 
f. 197». >üm ain Seh euren lauf- 
fen.< f. 818^ Verdeckte Seh. 

oft U. 8. W. 

SCHICKEN, >zu schicken 
haben« : zu tun haben mit Jemand. 
Schmoll, m, 319. >War ein Pfar- 
rer zu St. Ulrich, hiesz Frisch- 
hans, der het mit seiner Beicht- 
tochter zu schicken, war ain 
klains jung Maidlin.« Horm. 1834. 
S. 144. 

SCHIDEN swY. 1) loszen, bei 
Sender: >am Aftermontag — hat 
man geschidet um alle Kleinet. < 
f. 329*. Zwen Zechner, der ge- 
wan am Schi den das Best an 
110 fl.« a. a. 0. »Sollen schi- 
den um die lezten King.« f. 94». 
2) Schidung: Auf unser lieb. 
Frauentag irer Schidung f. 116*. 
Am Mittwuch nach uns. Frauen 
Schidung. f. 117*. 

SCHIEBEN swv. >die Feygen- 
baüme schyebent ire schosz.« 
Angab. Messb. Schieb ochsen 
sieh 0. Schieber: >im Stadel- 
tennen wird ein rundes Loch 
ganz durch die Mauer hinausz- 



gebrochen, jedoch mit einem 
Schieber beschloszen , damit 
man des Wagens Deichsel hin- 
durchschieben möge.« Furt- 
tenbach. 

SCHIECHEN, niederschw&bisclk 
s c h i e g g en= daher latschen, sei's 
im Rausche oder auf nnsidherm 
Wege, wo man mit den Schuhen 
überal anstoszt. »Schi ach hol 
vom Fest mit Hengst und Mol- 
la.< Seh. 

SCHIESZEN swv. >ünd da er 
deswegen zur Rede gestellt gegen 
der Obrigkeit noch unnüzeWort 
dazu schieszen liesze.« Gass. 

SCHIESZKN, swm. Giebel, hie 
und da stm. >Dises Hans hat 
einen gemauerten Schieszen ge- 
hept, darauf ist gewesen ein Stor- 
gennest.« S. 83^ Da ist um die 
erste Stund in der Nacht der 
schieszen niedergefallen. < a.a.O. 
»Schieszer: Giebel oder Sohei* 
demauer eines Hauses; diso endigt 
oben niemals in einer geraden 
Linie, sondern formiert allemal 
eine Spize; in der Regel one 
Liechtrecht.i Bau 0. Im Man. 
f. 26*: >und müret das bad und 
die schieszen baid.< In einer 
Mickh. Rechnung von 1667: da- 
rausz er 17 Tachfenster-Remlen 
und grosze Kamen in die zwen 
Schieszen gemacht. Ifl. 40kr.< 
>Item warf der Wind einen 
Schieszer, thät groszen Scha- 
den. < Chron. 1634. A. 1434 fiel 
ein groszer Schieszer umb auf 
die Leut.< S. 108. Im Servatius, 
Haupt, Ztschrft. V, S. 95, Vers 581 : 



Schieszgraben -^ Sdbdrmen. 



395 



M sinem hoapte sach man Bchinen 
ein infel mit zwein sohiefizen 
u. B. w. 

SCHIESZGRABEN. A. 1546 
eingerichtet; der obere für Arm- 
brust (Palester), der untere für 
Hand oder Bogenschosze. Am 
Bosenaubügei war der urpsr. 
Schieszplaz bevor der Schieszgra- 
ben erworben ward. Der Bosen- 
aubügei heiszt auch urkdl. der 
Fener vor schieszplaz. 

SCHIFF; hie und da in schwäb. 
und bayerisch, codd. Scheff. 
> Armbrost und Schefflin.« S. 
476^ In den Stauden und in den 
Straszenorten ist Schiffle eine 
Art kupferner Hölhafen, läng- 
licht, quer durch den Hinter- 
ofen, d. h. den Mauerraum zwi- 
schen Wand und Ofen laufend; 
daran ein Han. Im Hart. Inv. 
»ein groBz kupfern schüfel auf 
^Heerd < Die Schiffhauben, 
idte Tracht vomemer Art, ver- 
boten in der Zierd-0. 1668. 

SCHIFTIG in der Weberspra- 
che: idrischiftiger, vierschif- 
tiger Zwilch« 1638. 

SCHILCHET >e. gelbschil- 
ciiet taffetene DÖkh mit leib- 
farber Leinwand underfietert.« 
Fugg. Inv. 

SCHILTBÜEB, >derdenFanen 
hat gefiert.« S. 174». 

SCHINDEB neben Abdecker. 
Schinderhütte beiA. Schin- 
derhölzle b. Göggingen. Ausz- 
ruf des Unwillens bei Abweis- 
. ungen: Gang zum Schinder und 
Schaberl 



Nao komm der Schinder oder 
Schaber 

1 hau melGsod, i hau mein' Ha- 

ber. Seh. 

Schinder, ein Wald bei Weil- 
ler. Schinderei, herbe Arbeit. 
S. 150*. 

Adj. schindig bei Holzmann: 
Die reichen Bauren waren karg 
So übergeizig, sehindig arg. 

SCHINE f. in einer alt. augsb. 
Hufschmiderechnung 17 Jh mer: 

2 alt Schinen aufzogen 4 kr. 
mer 12Schinegel; mer 6Schi- 
negel. ? 

SCHIPPE in Tänzen: 
Der Schäfer im Feld 
Mit seiner Schippä 
Ear möcht geara pfeiffb 
Ean ^s Maul ett spizä. 

Stauden. 

SCHIPPEL, pöbelhaft f. Kopf: 
»sein gsterra Schipp el lau- 
sa.< Seh. 

SCHIRMEN swv.Schirm. >Dar- 
nach hat man gar maysterlich 
mit einander geschirmet. Da 
hat Marggraf F. kein nit hinge- 
lauszen, er ist ihn angangen und 
hat mit ihm geschirmt.« S. f. 
285 ff. 

Der Schirm: >under einem 
seydin Schirm (zog Kaiser Max 
ein), der gemeine Mann nennet 
es einen Traghimmel.« Gass. 
>Esz solle auch eine jede der- 
gleichen Hanke gegen die Nach- 
barn zu beiden Seiten mit einem 
sogen. Schirm oder Flügel ver- 
wart werden.« Bau 0. II, 55. 

Schirmboden: >da8 Mel soll 



396 



Sohitarer — Schlappe. 



ia furo nit mer dann 6'' hoch 
von dem Schirmbodenschiit 
ansz in den Mülkasten fallen.« 
SigertBhof. Mül-O. 

SCHITERER ein Schulhaus? 
Im Kleiderb. S. 20: >A. 1502 adi 
28. Junius als mein Mutter starb: 
da lernet ich das a b c zum 
achiterer.i 

SCHLACHES,der, unordentlich 
in Kleidern, schlaff, schlampig 
gekleideter Mensch. A. 

SCHLACHT, das, sieh Ge- 
schlacht. >Wur und Schlacht« 
1359. Schlachtanger, an der 
Wertach u. dem Herrenbach. 1515. 

SCHLÄFER: >das Bistumfest 
des 7 heil. Märtyrer, Schlaf- 
fer genannt. < Festkai. Schläf- 
rige Messe: >allda auch ein 
Messpfafflein den faulen Leuten 
die lezte Mess des Tages, als 
nemblich um Mittag zu halten 
pflegte, die man gespöttweis die 
schlaf er ige Mess geheiszen.« 
Oass. 

SCHLÄFEN, schl äffen swv. 
im Augsb. Messbch. = induere; 
eine ältere Auszgabe hat ein- 
schleifen. >Herre zeuch oder 
s c h 1 ä f f mich aus den alten Men- 
schen mit seinen Werken und 
schiäff mich ein mit einem 
neuen Menschen.« f. 3^. Ich bitt 
dich betend, dasz ich von allen 
Sünden ausgeschläfftwerd und 
mit dem Kleid der Albe einge- 
8chläfft.< f . 5^ >8chläff mich 
ein mit dem Kleide des Heiles 
und mit dem banzer deiner Ster- 
ke U »Das roi kleid das sie Je- 



snmb um den Leichnam taten 
und einschläfften.« f. 7^ »So 
der priester in den wirdigen Or- 
nat eingeschläfft ist.« f. 12* 
u. s. w. 

SCHLAG: »Und an ein crem 
genagelt und das er daran starb 
also und begraben ward allda, 
und das er an dem dritten Tag 
erstund und lest den alten 
Scshlag.« cgm. 402 f. 72^ 

Anschläge heiszen die Bre* 
tereinfaszungen an Strodäohem. 
Strasse. Zeitw. schlagen vom 
Blize: >hat es hye und ausser- 
halb fast blisget und dumet 
und Stain geschlagen, als 
gross wie ein HenneneL« . S. t 
358^ >Hat Stain geschlagen ab 
grosz als ein Haselnusz.> f. 359^. 
> — als grosz als die gemainen 
Ayr.« > — wie die Tauben Ayr.c 
f. 410. »Wann sich einer ver- 
schlägt oder sonsten absohweif 
macht und austritt; auf einen 
solchen soll man unter den Toren 
Befehl geben.« Ordgen. 1647. 

SCHLAIF, spr. s c h 1 o i f, nichts- 
nuziges, unzüchtiges Weib. Burg. 
Gegend. 

SCHLANZ in der Red. A. der, 
die haot 'n Schlanz, d. h. ist 
mir willkommen; die möcht ich 
u. s. w. Klimmach. Schlenz in 
der heraldischen Sprache des 
cgm. 92 f. 14*: >und das ander 
tail weisz und plä schlenz ge- 
taut. « Bei J'urttenbach : S c h r e n z 
oder runde Löcher an festen 
Toren. 

SCHLAPPE. 1) Kopfbedeckung: 



Schlarpel *-r Schlenkern. 



397 



eine Eweieckige Sehlappen tra- 
gen (Infol). GftM. >Di8e sohlap 
mit g^di stofft ist gewöst Hör- 
zochs Yon Mayland;« (niederge- 
bogene Krampen.) Kleiderb. 57. 
Mit samatin hacken, burschat 
Wanimes, atlas schlapheiblin. 
a.a.O. 74 >Hirn8chlilpplein 
oder Visier sollen — ans Trip- 
samsMt gemacht werden. < Poliz. 
0. > Ingleichen mögen sie die 
Hirnschläpplein wol von gu- 
tem glattem Samet machen.« a. 
a. 0. 2) detrimentum, wie nhd. 
»da auch die Mezger der Schlap- 
pen nit erwarten wollen, sondern 
Reiszausz gemacht« u. s. w. Gass. 
3) Alte Schuhe, Halbschuhe: »für 
Schuech und ain Schlappen.« 
1680. >Und sez das Pflaster dem 
Kind in einer Seh läppen weis 
auf.« cgm. 601 f. 104>». 

SCHLARPEL f. herunterhän- 
gende Unterlippe Günzb. 

SCHLATT in Schlatte, ein 
groBzer breitrandiger Erntestroh- 
hut der Landbevölkerung. Schel- 
te: »Du bist koi Schlatte, aber 
del Huetl« Behlingen. Schlat- 
tentaler, kaiserl. Leopoldstaler 
(mit der hängenden Lippe). 

Schlattoar, Schelte: Lang- 
oar! Burg. 

SCHLAU , tobelartige kleine 
Taleinschnitte mit Waszerbächen 
nebst Wisgründen; die Stau- 
den haben das Wort unzäligemal 
für Fluren, Walder. Das merk- 
würdige Toadaschlaüleb. Sie- 
gertshofen; urkdl. in Akten 1598 
u. s. w. Kreuzschlau, Mar^ 



tenschlau, Margretaschlan, 
S c h 1 a u ä c k er l e (Wilmetshofen) . 
Im Hart.Dooum. Buch: Schlaü- 
le, öfter. Bei Waldberg ist die 
Wolfsschlau; bei Beinharts- 
hausen S<;hlauacker, Schlau- 
wisa, Schlaülewis u. s. w Im 
Saalbuch v. Türkheim 1493 >ein 
Fleck Wiesmadt ist nit gar V« 
Tagwerk, ligt in der Schlau.« 
Zacher 405. >Aus des Müll er 'b 
Schlau.« Mickhs. Urkd. 1567. 
Eine Holzmark Grünenschlau 
b. Anhausen. Viac. 27*. 

In einem Fugger'schen Lehen- 
brief V. 1596 (Viac. 33*»): >die 
Veste und das Schlosz Wellen- 
burg — mit Gärten, Wisen, Wal- 
dungen, Holzmarken u. Schlau- 
en« u. 8. w. Die Seidenbach- 
schlau, 1420. Wellenb. Urkden. 
Viac. 13 (Anhg.) Die Schlau im 
Holz a. a. 0. Im Hohenschwan- 
gauer Bechte Schlauch b. Horm. 

SCHLAUDER. »Zu dem Rauch- 
fang 2 Schi andern gemacht.« 
Mickh. Rechnung. 1681. 

SCHLECHT in Schelten: >du 
bist a schlechter Äff! Strasze. 

SCHLEMRIGKEIT im cgm. 601 
f. 115*: >und mit Schlemrig- 
keit von Leinsamen, vermisch 
esz under einander in einer sal- 
benweis.« 

SCHLENI^ERN swv.= d. Dienst 
wechseln v. Ehalten: Schlen- 
kermagd; anderwärts sohlen- 
kein, Schlenkelmägd u. s. w. 
Tanz: 

Heunt ist mein Schlenkertag 
Heunt ist mel Zil 



398 



Sdüeppig — Scblnrken. 



Wemmer was geba willgt 
Gi mer recht viL 

SCHLEPPIG adj. schwer tra- 
gend ; s c h 1 a m p i g dasselbe. Burg. 

SCHLICK, SCHLICK! Entenruf. 
Birkach. 

SCHLICKEN in Holzmann's 
Theurung : 

Der Barchet schlickt guete WoU 
Es weiszt's ein Jederman offe 
Ein Weber haben muesz und soll. 

SCHLIEFEN sieh oben schlaf- 
fen, induere. >Dao hend se se 
verschlaifft« v.Fasnachtbuzen. 
Stauden. 

SCHLIEFER, Mufif; niederschw. 
Schlupf er. >Da8z die Manns- 
personen dises Standes kein Bix- 
lein oder Schlief er von glatem 
Samet überziehen. < Poliz. Ordg. 
>Im übrigen seind sie befugt, 
Bixlein und Schliefer mit At- 
lasz oder Marderschwaiffen fur- 
znschieszen zu laszen.« ImFugg. 
Invent. >ein schwarz sametens 
Schlieffrökhel mit Seidenpor- 
ten prembt.< 

SCHLITTENKARREN erschei- 
nen bei St. Ulrich als Weihge- 
schenke, cgm. 402 f. 37'. Die ge- 
malten Schlitten der vorne- 
men Augsburger werden in Chron. 
öfters genannt. Chron. 1634 S.717. 

SCHLORPEN, spr. schloarpa, 
schloapd, alte ausz- und einge- 
iaretene Schuhe. Mindeltal. S c h 1 ar- 
pen, anderwärts. Schlorper, 
ein Mensch schleppfiiszigen Gan- 
ges. Schlurpa, aufgeschwollener 
Mund. Ztw. schloapa >der Mi- 



chel gar, dear schloapt dahea. 

Seh. Adj. schloapig: 

Sie sind itt schloapig und itt 

trottlig, 
Sie sind itt schäbig und itt zott- 
lig. Seh. 

In Groszaitingen schlarkcha. 

SCHLOSZ in zalloszen Orts- u. 
Flurnamen. SchlÖszle, römisch. 
Plaz, 3 Stunden von Stettenhofen. 
Schloszberg, alt, 1) b. Moren- 
hausen; 2) bei Stefansried; 3) 
Ungerhaos. Wald. Schlosser 
heiszt seit altem der jeweilige 
Besizer eines Bauernhauses bei 
Uutermühlegg, alter röm. Plaz. 

SCHLOTTER; S c h 1 o 1 1 a- 
knöpflen, Milehspazen von ge- 
stockter Milch und Mel; beliebte 
Speise der Standenlenie , beson- 
ders der Klimmacher. Red. Art: 
Ja Holzbaur , unreacht band ihr 
itta: denn 's komt a Schlotter 
nauch der Mill. Seh. 

Ztw. schlottern, zittern. Yon 
Kain heiszt esz cgm. 205 f. 24*: 
>wa er ging, so slottret im 
das houpt € 

SCHLÜCKGEHEDER : > Du 
siebest je allenthalben exempel 
gnug. Waist du nit da St. Fran- 
ziskus Regel, am ersten anfienge, 
das der Welt ein solich schluck- 
geheder mit dieser vermainten 
hailigkait fürgeworfen ward.< 
Pasquinus. 

SCHLÜPFER heiszen im Mem- 
mingischen die Schillinge. Kar- 
rer, Chronik 27. 

SCHLUKKEN, stottern, sonst 
lurken, lorken. »Hektor, 



Schlüszel — Solittftbelwirt. 



399 



schlurkend Red, weiszgrauses 
Haar.« Troj. Krg. f. 67*». >Neop- 
tolexnos, groBZ, giftig, biästig, 
flchlurkend, güetigs Angesichts 
einwärts gebogen. € f. 68*. 

SCHLÜSZEL: >mit dem S c h lüs- 
«el 6cliieszen.< Augsburger Er- 
lasz 1540. 

SGHMAICHEB: >Sch. u. falsch 
warsagen. < cgm. 402 f. 84*. 

SCHMALOZEN swv. schmaro- 
zen. Stauden. 

SCHMALZ. Die Speise Ayrin- 
«chmalz musz in geschlecht- 
licher Beziehung eine Bedeutung 
gehabt haben. Nach Sender f. 
315** gibt die Frau auf dieScene 
(oben s. v. aufreiben) irem Manne 
zum Hone ein >Ayrinschmalz« 
(Eierspeise). Adj. schmalzig. 
Der schmalzige Samstag vor 
der Fasnacht ist allgemein schwä- 
bische Benennung, wenigstens in 
^anz Oberschwaben üblich. »Item 
an dem schmalzigen Samps- 
tag ze Nacht — verpran ein 
Haus. < Frank. > An dem schmal- 
zigen Samstag ir jedem einen 
pfantzelten, 6 küechlach.« Pfründ- 
Ordg. 1462. >ünd käme gleich 
auf den schmalzigen Samstag.« 
Oass. Weiden- und Maien- 
Schmalz, eine alte Abgabe an 
das Stift Kempten. Confirm. Von 
jeder Grundweid e. Pfund Schmalz. 
Das Weydenschmalz z. Legau 
und Günzburg. a. a. 0. 

SCHMAROLLEN, eine Art 
Klösze aus Mel, Milch u. Eiern, 
in Fleischbrühe gekocht, siedend 
jtufgetischt , weü sie leicht tai- 



gicht und unschmackhaft werden. 
Augsburg. 

SCHMIECHEN in ganz Schwa- 
ben als Orts- und Wäszemame 
vorkomend. Die Sphmiech bei 
Ehingen a. D. Bei Wörishofen 
ist das längst abgeg. Schmie- 
chen nrkdl. Schmiechon ge- 
legen. Seit 1599 ist nur mer das 
Schmiecherfelda. E.Sehmie- 
chen b. Landsberg. Der Name 
gehört zu einer "Wurzel smuk, 
die schleichen bedeutet; in der 
Tat haben die Schmiechen 
tiefe unheimliche, mit vielen un- 
meszbaren Gumpen versehene 
Waszer. 

SCHMIERER bei der Weber- 
zunft: dem Maister Schmierer 
29 fl. 25 kr. Dem Schmierer 
bezalt Hfl. 3 kr. Alte Rech- 
nungen. 

SCHMÖGEN swv. 
Es starrt das Eis von Luft be- 
schmogen. 
Es schmögt sich der waiche 

Schnee 
und wird nun furchtbar Strom 
und See. 
Handkai. 1749. f. 6*. 8*. 

SCHMOZEN swv. schmunzeln: 
>dao schm^zt er nett und la- 
chet nette cgm. 311 f. 59*: »Und 
lacht und s c h m ü z t spottlichen. < 

SCHMÜCKERGHAÜ», Wilmets- 
hofer Waldn. Sollte etwa Wech- 
sel vonku. t: Schmutterghau 
eingetreten sein? 

SCHNABELWIRT, beim, alte 
Augsb. Wirtschaft. Schnabel, 
junges Mädchen. Riesz. 



400 



Schnap — Schnipp. 



SGHNAP: »in einem schnap 
hierüber alsbald viel votiert und 
KU end geschloszen.« MüÜer. 

SGHNAIER, der^Reisachmeszer, 
Hippe. Im Mindeltale Schnaiter. 

SCHNAIT, 1) ein groszer Wald 
von Grimoldsried bis Mitteleif- 
nach; dort get ein Pudel, emali- 
ger böser Jäger, der ruft : ho I ho 1 
Ein Birk auf der Schnait ab- 
hauen. Mickhs. Urkunden 1567. 
Schnaithauer Holz. 1683. 2) 
Birkacher Flurname. 

SCHNARCHER: >unwi8zender 
Schnarcher und Tadler.« Le- 
bensweise d. Augsb. 1784. 

SCHNATTERTAFEL im cgm. 
311 f. 49*: >ünd mit schnäbeln 
und Holzschuhen, und geen ein- 
ander schnatteren; man dürft 
keiner Schnattertafel an dem 
Karfreitage, wenn man sye hett 
an dem Weg.« Ztw. schnattern 
in der Red. A. >Da schnättret 
oim 's Fidla wie Hausschnabel.« 
Memming. 

SCHNAÜPPE , swm. neben 
Schnäepa, vergl. Schnaier 
(Weiszenhom). 

SCHNAUZHAN: >esz wurde 
aber diser Krieg, wann esz nicht 
einMörderei heiszen soll, in kur- 
zer Zeit nach Wunsch derselbi- 
gen Schnauz hauen gestillet.« 
Gass.' 

SCHNAZEN, schnäzeln 
heiszt man in den Straszenort- 
schaften das Spinnen und Zupfen 
der Baumwollabfälle ausz der 
Augsb. Fabrik. In Groszaitingen 
kauft man dise Abfälle u. macht 



sich üut sämtliche rohe Werk- 
tagskleider darausz: die Schurze, 
welche die Buben alle in Kirche 
und Schule tragen, besten ausz 
disem Stoffe. 

SCHNEBAÜCHEN swv. niede^ 
Schwab, schlebauchen. Schm. 
UI, 445. Wol zu slag, slegi- 
bauchen; denn mit got. slinmo, 
sniumo kan esz nicht lautlich 
zusamengehalten werden ; das 
oberpfalz schleibauehen mag* 
man von da ableiten. 

SCHNEIDER in dem Stauden- 
tanze beliebt: 

Dao drunta im Tale 
Dao graset 3 Gans 
Da khomet 3 Schneider 
Haot koiner koi Nas. 

SCHNELLER, Opfer d. Wöch- 
nerin, siehHervorsegnung.Ein 
giltiger gesezl. Augsb. Weber- 
schneller muste 700 Fäden ha- 
ben. 10 Fäden Abgang strafte 
man zu V« kr. 20 Fäden zu 1 kr. 
30 Fäden 2 kr. 40 Fäden 3 kr. 
über 40 Fäden zogen die Abname 
nach sich. 

SCHNELLEÜCHTER : > Auch 
der sich schon längstens abge- 
schafften Schnelleuchter zu 
obiger Strafe zu bemüszigen.t 
Memming. Feuerbuch 1765. 

SCHNEPPER. »Du bist a 
Schnepperbäppl« Schelte für 
eine schwazhafte Person, ebenso 
Schnäpplere. Schnepperle, 
penis bei kleinen Büblein. 

SCHNIPP im Rätsel (Natur- 
laut): 's gaot über d'Stiega und 



Sohnit — SohrMme. 



401 



dnet schnipp schnapp? Pan- 
toffel. 

BCHNIT, Ernte: >wie auf den 
Schnitt hoffet alle Welt.« >Die 
Taglöhner vermeinten in dem 
Sohnittzn nähren sich. < lüeber 
den Schnitt klagt man zu Stun- 
den.« Holzmann. 

SCHNÖD. >Elaines, schnödes 
har.c Astr. 16^ 

SCHNUR: ȟber die Schnur 
gehauen.« Gass. Schnurtuch, 
Tricol. In den Weberbüchem stet: 
Ten einem Seh nur tuch; weiszes 
Seh. Schnurkrönle: weiszeSch. 
Schnur ordinari, Schnur- 
nenner, Schnurvierer. Ein- 
schnüriges Schnurtuch. 

SCHOBER. >Und recht sein 
h<Sw über einHauffen oder Scho- 
ber.« ,cgm. 402 f. 42^ >60 Bü- 
schel Stro, man heiszt es allhie 
Schober.« Gass. 

SCHOLDERBÜCHSE b. Schies- 
zen. S f. 191*. 

SCHÖN mit Mel verbunden: 
feinstes Mel: >Am Montag ain 
schöns Mus in ainer Milch.« 
Pfründ 0. 1462. In einer Ordnung 
y. 1543 stet : > ein S em e Im u s oder 
ein schöns Mus.< 

SCHÖNBAR. >Zur Fasnachts- 
zeit ist verboten worden Schön- 
bar und Larven zu füren und 
Mummereikleider anzuziehen.« 
Gass. 

SCHOPERNOLHAUBEN, ein 
Schmuck der alten Augsb. Eauf- 
mannsfrauen; sie hatten wert- 
yoUe Brabanter- und Brüsseler- 



Spizen, oben befestigte das G«nce 
eine ZitternadeL 

SCHOPF. 1) >Er sezt auch^ 
dasz die Priester den part sollen 
abscheem u. selten auch schöpf 
tragen.« cgm. 259 f. 8^. 2) die 
Brenten— * solle geschüttet, so- 
dann gemeszen über derselben 
angehenkten eisernen Steg genau 
one einigen Schopf ganzlich ab- 
gestrichen — werden. Brauer 0. 
One einig etwa laszenden Schopf 
abstreichen, a. a. 0. 

SCHOPPER, Schnuller. 
Druff schreit mea 's Mädle zum 

Vergaü 
Und will 'n frischa Sehopper 
hau. Seh. 21. 

SCHOREN, 1) Langenerringer 
Wald. 2) bei Memmingen am 
Wege zwischen Volkertshofen u. 
Bronnen. 

SCHOTTENHOLZ beim Geis- 
hof; zum Schottenkloster in der 
Stadt Memmingen gehörig. Daa 
alte Schottenkloster zu St. 
Nicolai war auszer der Stadt vor 
dem Kalchstor. Schon zu Anfang 
des 16. Jhds. verschwunden. 

SCHRÄGEN. >Beckenschr8.- 
gen.« Holzm. >Dasz der Schräg 
der Armen allenthalben zu Markt 
gestellet werde.« Kasten-0. »Die 
Becken, Kräutler, Hucker - Läden 
und Schrägen.« Bau 0. 

SCHRANKEN swv. >ein ge- 
geschrankts Vogelhaus au» 
plöcken.« S. 60». 

SCHRANNE. Schrandbe- 
dientehieszenSchrandknech- 
te; laut Ordnung von 1647 hat- 



402 



Sohreckelauten — Schroten. 



ien sie im Winter an Sonn- nnd 
Feiertagen, so Schlittenban war, 
4 an der Zal um 3 Ur auf dem 
Weinmarkt Obacbt zu geben auf 
die bösen Buben und unerfarene 
Jugend, welche die erlichen 
Leute mit Schneeballen warfen. 
Die Bezalung dafür geschah vom 
Banamte. Ordnungen von 1647. 
Andere niedere Bedienstete: der 
Schrandschreiber,Schrand- 
kerer, Schrandkarrer und 
Schrand sack trager. 
SCHRECKELAÜTEN um 3 Uhr 

1 Stunde lang in den Ortschaften 
der Strasze üblich; v. Georgi bis 
d. lezte Bauer auszgedroschen hat. 
In Groszaitingen heute noch; in 
Währingen, Untermeitingen, Hur- 
lach abgeg. Früher allgemein. 
Die Erklärung in meinem Wbl. 83. 

SCHREIBER. Ein deutscher 
Schulmaister heiszt >ein füme- 
mer Zierschreiber«. Chron. 
1634. S. 718. Stadtschreiber. 
Ratsschreiber. Bauschrei- 
ber. 2 Einnemerschreiber. 

2 Steuerschreiber. Gegen- 
schreiber (beim Steueramte). 
Oberpflegschreiber. Eini- 
gungsschreiber. Hochzeit- 
schreiber. Strafschreiber. 
2 Proviantschreiber. 2Hüt- 
tenschreiber. 2 Hütten-Ge- 
genschreiber. 4 Korn- und 
Schreiber. IZeugschreiber. 
ümgeldschreiber. Laden- 
schreiber bei der Weberzunft. 
Färberschreiber. Vom Jare 
1787 stet im Strafbuche: der La- 
denschreiber ein doppelter 



Spizbub nnd Hnrenkerl geschol- 
ten. Blaichsohreiber. Wein- 
schreiber. In Memmingen gab 
esz: Steuer sehr eiber (l),Eap- 
pelschreiber , Pfarrhof- 
schreiber, ErkheimerPfleg«- 
Schreiber, Pfründenpfleg- 
schreiber, Anlagschreiber, 
Zettelschreiber, Almosen- 
schreiber, Hüttensohreiber 
im Werkhaose; Naohtschrei- 
ber. Ztw. schreiben: >inden 
Krieg sich schreiben lassen.« 
»denGeschribnen ledig zelen,« 
Conscription Ordg. 1647. 

SGHRINDEN stv. »Sein Fiess 
wauren zerschrunden gars^ 
von übrigem staun.< cgpn. 373 £ 
165^ >Und so die püchler an- 
fachend zu schrinden, so sol 
man's den Einden reiben.« cgm. 
601 f. 108*. 

SCHROFEL. >E das — ver- 
nement den schrovel als die 
lebenden verslint.« cg^m. 206 £ 
177*. >Felsenharte Schrofen 
aller Armseligkeit. € Klimmach. 
Predigtbch. 

SCHROLLEN im Handkalend. 
1747 f. 7*»: 
Frost, Kalt und Eis 
Macht alles weisz 
Der Regen wird zu Sehr ollen 
Es ligt zu Feld die harte Kalt 
Der Reiff ist gleich der Wollen. 

SCHROTEN swv. =:das Har ab- 
schneiden, Klo8ter8itef^> darnach 
sol man sie füren, da man sie 
beschrotet.« (Novizen.) cgm. 
168 f. 4 5*. Schmell. III, 520. 
Schroataxt, kleine Axt zum 



Scbnben — Sohupfen. 



403 



Zerhadcea des Holzes u. s. w. 
Langenerringen. 

SCHÜBEN, das, >die sogen. 
Eaohelscharret«« beim Brei; 
Bodensaz. 

8CHUH. Schuhrosen: >sei- 
dinB Strimpf , Spiz an Enyebän- 
deln u. Schuechrosen.« Zierd 
Ordnung 1668. Die Key e oder 
Sehuechb&nder mit Spizen 
yerboten. a. a. 0. >So wil ich 
dirdri schuch schieszen; do- 
Ini merk daz du sicher seiest.« 
ogm. 576 f. 160». 
Dao drunta im Tale 
Gaots gar a so zue: 
Dao danzet die Fraua 
Mit gläserne Sohn eh. Standen. 
- gläserne Schuhe betrachtet 
die Schwab. Ueberlieferung als 
den höchsten Luxus; wenn ein- 
mal Mägde sie tragen, soll nach 
der >Zibelen Weissagung« 
das Ende der Welt vor der Türe 
sein. Oberschwab. Schuhe als 
Abgabe: das Kloster Lautrach 
hatte an Bitter Diepolt von Laut- 
rach järlich gefilzte Polster- 
schuhe zu entrichten. Urkd. 1307. 
Actj. schiechig. Mickhaus. Ur- 
kunde 1567. 

SCHULE. Zu S.226: Ober- u. 
ünderschuelherren. Erlasz 
V. 1594. A. 1535 wurden die er- 
sten S chul h er r en Wolfang Beh- 
linger und Simprecht Hoser ein- 
gesezt. Schulmais ter od. Schul- 
frauen. Ordnung V. 1584. päbst- 
liche Schuelhalter. 1654. 
Schularristant, volktüml. An- 
lenung auf dem Lande (Günzb. 



u. s. w.) für Schuladstant, 
Provisor. >In Allmacht fallen« 
= in Onmacht fallen, Begillion 
u. s. w. sind änliche verhunzte 
Wörter. 

SCHUPFEN swv. 1) stoszoi, 
allgem. schwabisch. »Mit einer 
hilzenen und eisenbeschlagenen 
Mistgabel vorgewartet und end- 
lich auf mich geschupft, doch 
nit troffen.« Mickh. Strfbc^. 1664. 
Einen Schupf geben. Die Ach- 
sel schupfen = zucken; Min- 
deltal. Vgl. Schupf und ein, ge- 
stoszene Nudeln , Handnudeln. 
Mein Wbl. 84. 2) Den Faden be- 
festigen, denselben wulgem mit 
beiden flachen Händen, und in 
an die Spindel drehen. 3) Bisz- 
herige Wasenböden aufreiszen u. 
urbar machen heiszt in der Strasze 
schupfen und reiszen. 4) Echt 
augsb. ist schupfen for Gissi- 
beln. Ein Batsdekret von 1443 
lautet: »Albrecht Wachtershofer 
— ist erkennet zu schupfen 
von args Brots wegen.« VrgL 
mein Yolkstüml. 11,458. Bei Sen- 
der f. 103* stet: >Ain.Bat hye 
bei Sant Ulrichs Closter yberdie 
Lachen in die Höchin ain 
Korb aufgericht, darein hat 
man die Becken gesezt, die das 
Brot zu ringe haut bachen. Da- 
rein must er sizen in hechin auf- 
gericht, wie in einem storgen- 
nest, als lang er wolt; kont nit 
anders ausz dem korb komen, er 
zuch dann ein Stricklein, so keret 
sich der Korb um und fiel der 
Beck in Lachen, und ward jeder- 
26 



404 



Sohuria — Schütte. 



mann's Spott < A. 1442 soll der 
Wippgalgen errichtet worden 
sein. Gnllm. I, 100. Am Fisch- 
graben erwänen Urkunden eines 
Schnellgalgens, üeber das Gis- 
s&beln in Bottenbnrg a. N. sieh 
Yolkst. n, 229, 280, 281, wo ich 
die Site in mereren andern Städ- 
ten nachwis. In Passan befreite 
schon Bischof Gebhard (tl282) 
die Becker von dem altherköm- 
Uchen Schupfen, >poena quae 
dicitur schuphhe.« MB. 29. 2. 
78. Der Schuldige wurde in einen 
Korb gesell und miteist einer 
am Ufer der Donau aufgestellten 
Ifaschine miten in den Strom 
hineingeschleudert, durch dazu 
in Schiffen bereit gehaltene Leute 
aber wieder ausz dem Waszer 
gezogen. A. 1777 zum leztenmal 
ToUzogen an einem Bäcker von 
der Ilzstadt, der bei einer Teuer- 
ung feinen Fluszsand untermisch- 
te, um das Brot schwerer zu 
machen. Erhard's Geschichte v. 
Passau I, S. 89. 

SCHURIA, toller Mensch. 
Du bist halt au a Schuria 
Und gar so obsanat dra nä. Seh 

SCHURLSCHÄFFLE, ein höl- 
zernes Schaff zum Waschen und 
zum Küchenspülicht. 

SCHURLIZTÜCH. cgm. 2517. 

SCHÜRPF; >Schürpfundpla- 
tem der nasen.i cgm. 206 f. 15*. 

SCHÜRZ. A. 1418 hielt König 
Maximilian zu A. einen Tanz, 
und forderte von den Weibern, 
sie sollten ire hohen Schlayer 



imd Schürze im zu Gefallen ab- 
schaffen. Chron. 1684. S. 181. 

SGHÜSZ: »Wann ein solcher 
Knappe — der gateai Montag 
macht — zum dritteimial betre- 
ten würde, solle ihm aludann der 
Schusz, d. h. das Handwei^ i& 
dieser Stadt ein ganaes Jar da^ 
niedergelegft und verbateii wer- 
den.c Web. 0. 17 — la Ä 

SGHUSZGATTER auf jedem 
Turme. In der Feuer 0. ▼. 1781 
S. 28 stet: >sollen in Gegenwart 
der Herren Bau- und Zengmaister 
durch den Zeugwart, den Leeh- 
und Maurermeister auch Stadt- 
schloszer, sambt denen au jedem 
Schuszgatter verordneten Per- 
sonen alle 8 oder 4 Jar diesimt* 
liehe Schuszgatter mederge- 
füllet und wo einiger Mangel 
daran erscheinen solte, dendbe 
unverzüglich reparieret nnd er- 
gänzet werden.« BeiFurttenbadt: 
Schoszgatter, stm. neb. Trill- 
gatter. 

SCHÜTTE. 1) Kornschütte. 
Gass. Die Stadel und Korn- 
schütten bei ü. Frauentor. 2) 
coUuvies: »mit erdinen Schüt- 
ten und Grieszsand verwarte 
Wege.« Gass. >Mit grossen Wü- 
ren und Schütten.« Die Schüt- 
ten auf der Wertach. Mit einem 
Wahl und Schütten oder Schan- 
zen. Gass. Schüttenberg hiesz 
ein Giltmann v. St. Ulrich, cgm. 
154 f 12^ Der Garten »die Ab- 
schütt.« Wellenb. Urkd. 1420. 
Schüttgabel, hölzerne Heuga- 
bel etc. im Waltenhofer Weis- 



Sohwabacher — Schwed. 



405 



tum: »war der Pflichtige anszer 
Stand, Hofgeld und Steaer zu 
geben, so sollte er mit einem 
Dreschflegel, mit einer Schütt- 
gabel nnd mit einer Axt zudem 
Maier oder zu dem Besizer des 
Frohnstadels in Arbeit gen.« 

Ztw. entschütten, entsezen: 
»hat er die Yindelizier der bar- 
barischen Belagerang ent schüt- 
tet.« Oass. 

SOHWABACHER Bier in A. 
S: 825^ 

SCHWACHER. >£r ward ein 
groBzer schwecher der Jimk- 
franen und hielt seinMägt nner- 
lich.« S. 310. 811. 

SCHWAIFraJR, Fischach. Wi- 
senname. 

SCHWALBE, die. 1) Ende des 
Strohdaches , Brettereinfaszung. 
Strasse. 2) Schwalbeneck im 
Tftle, Eckhaus. A. 

SCHWÄLBLEN swv. >ünd es 
ist nicht wahr, dasz der Herr 
Stadtpfleger hierunder ainich^ 
List gebraucht, dermassen wie 
Dr. Müller fälschlich schwälb- 
lei.« Anti-Müller 154. 

SCHWALBACHER Bier hatte 
der Rat im Keller. 

SCHWANEN swv. »Mir hat 
wol geschwanet, sie seien in- 
wendig weit änderst, dann sie 
sich aüszerlich erzeigen.« Pas- 
quinus. 

SCHWANKEN: »Wein, Bier u- 
andere schwankende Waaren.« 
Vrgl. 1602. 

SCHWANZ. l)Zipfel d.Schlepp- 
kleides. in Luc. Rem's Geschenk- 



verzeichnis (S. 46): Um 24 Elen 
schwarz Damast zu eim' ge- 
schwänzten hochzeitrock truog 
si gen kirdien und zuo danz n. 
s. w. Büdl. »So schwänze ich 
in ^^er s61e als ein künk tuot 
in sinem wHem künkrich.< cgm. 
172f.l9^AufdemRockschwanz 
(reiten die Teufel), cgm. 311 f. 
49*. Die Natur hat den Frauen 
keinen Schwanz geben, sie ma- 
chen aber ein' Schwanz aus 
Tuch der in binden nachge.« 
»Erzherzog Ferdinand hat ange- 
hept ain schwarzen Mantel mit 
einem langen Schwanz.« S. 885*. 
Rotschwänze hieszen spöttisch 
die Polizeisoldaten in A., solange 
sie noch rote Federbüsche auf 
iren Hüten hatten. Schwanzari 
gemütlich humoristischer Zuruf 
für kleinere sociale Yerstosze; in 
Altbayem allgemeiner. Schelte: 
Du päppriger Schwanz! Seh. 
Du falscher Schwanz! An 'n 
alta Kuhschwanz, d. h. nix u. 
noch Prügel musz man dir geben! 
»Und deine Schwänz sind grad 
so ead.« Seh. 

SCHWÄRT. »Das sy im das 
har underweylen mit der schwärt 
auszzugen.< cgm. 402 f. 125*. 

SCHWARZ. Das schwarze 
Büechlein auf dem Statgericht, 
worin Strafen für Reukaüfe etc. 
verzeichnet waren. Ordgen. 1647. 
Schwär zenen, Memmenhauser 
Flurname. 

SCHWED wie allgem. schwäb. 
in Reimen. Örtlichkeiten etc. er^ 
halten. In A. war eine Schwe- 
26* 



406 



Schweigen — Schwinden. 



den- oder König sschanz; ein 
Schwedenberg. Schweden- 
schanze b. Beinholdsried. Schwe- 
denweg bei Weiszenhom; ein 
Schwedensteg beim Oblatertor. 

Der Reim Rumpompede bump, 
bnmp gei in den Stauden ansz: 

Haot d'Bueba anfg'weckt' 
Haot d' Madien verschreckt 
Haot d' Dura zuegriglet 
Haot d' Baüre brav prüglet. — 
Oder: 

Mit eiserne Spiesz; 
Haot d' Euche anzündt 
Haot d' Baüre verbrennt. 

SCHWEIGEN, Schwaigen zu 
einem f svaigjan, nochnieder- 
schwäb. gsch&sge, das Eind 
stillen: >a\)er durch soUichs Man- 
dat sind sye geschweygt wor- 
den.« S. 171». 

SCHWEIN. In den Stauden ha- 
ben die Kinder den Schnellsprech- 
vers: Siben Pfund schweinis 
Rind-Schweinefleisch. Die 
von Graben heiszen > die S c h w e i- 
nernen<. 

SCHWEINEN, schwenden: > wel- 
cher auch bärhafift Baum abhüw, 
schweindt oder wüste, der ist 
zu pusz von jedem Stammen 4 
Pfund Heller verfallen. < Mindelh. 
0. f. 17*. 

SCHWELLE überschreiten, 
rechtsaltert. > Starb nach demWal- 
tenhof. Weistum ein bischöflicher 
Eigenmann, so sollte der Probst 
sich dahin begeben. Die Frau 



sollte mit einem Fusz über die 
Thürschwelle schreiten und 
mit dem andern zurüokble